Ur. 364. Hbonncmcnfs-Bedingnnäeflj >bonnenienIS- Preis pränumerando i SiertrffShrl. S�o Mk., nronail� 1,10 M!, wöchcntlich 28 Pfg. frei ins Haus. Kinzelne Nununer S Pig. Sonntags. nummcr mit illustrierter SomttagS« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pia. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.JcituugS. Preististe. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das Übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostobonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis «7. Jahrg. CrfdKlnt Szllch außer mcntagt 5' f Vevllnev Volksblatt. Ble Tnlcrtlons-Sebübr eeftügt für die lechSgcspaltene Kolonel. geile oder deren Raum 10 Pfg., für politische und gewerlschastliche Lereins- und Versammlung-.)-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnicigcn", das erste(feit. gedruckte) Wort 20-Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf. ftellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buchslaben zählen siir zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iit bis 7 Uhr abends geöffilet. Telegramm. Adresse: „Sezialdenulirat ßerUst Zentralorgan der rozialdcniohratl fehen partei Deutfchlands. Redaktion: 850. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Bxpcdition; 85ll. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt IV» Nr» 198-1» ver neueste Trick der Heerez- vewaltung. Der Umfang der so sorgfältig behüteten neuen Militär- vorläge ist durch die Veröffentlichung in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" bekannt geworden. Mit dem 1. April 191 l endet das Ouinquennat und das Kriegsministe- rium steht damit vor der Wahl, ob es die Heeresstärke in jedem Jahre gesetzlich festlegen, oder ob es diese Festlegung auf einige Jahre hinaus beschließen lassen soll. Allgeinein nahm man an, daß ein neues Ouinqennat(Festlegung auf 5 Jahre) kommen werde. Statt dessen scheint es dem Kriegsministerium ange- bracht, einen anderen Weg einzuschlagen. Man läßt das Quin- quennat jetzt einfach ablaufen, unter der Voraussetzung, daß dadurch die Friedenspräsenz des deutschen Heeres keine Ver- Minderung erfährt, und fordert gleichzeitig eine Vermehrung über die jetzige Stärke der Armee hinaus. Der in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlichte Ent- Wurf des Etats für 1911 verlangt an Verstärkungen 197 Ma- schinengewehrkompagnien, 1 Fußartillerie- regiment, 1 Kraftfahrbataillon und 2 Luft- schifferbataillone. Nebenher geht noch die Forderung einer Generalinspcktion des Militärverkehrswesens und einer Inspektion des Militärluftschiff- und Kraftfahrwesens. Wie stark diese Generalinspektion und diese Inspektion sein sollen, darüber werden nicht einmal Andeutungen gegeben. Im ersten Moment erscheint die gesamte Mehrforderung an der enormen Höhe des Militäretats gemessen, fast be- scheiden. Die neue Vorlage würde den Etat mit nur 3 727 441 Mark in den fortlaufenden und mit 4 177 956 Mk. in den ein- maligen Ausgaben mehr belasten. Diese anscheinende Be- scheidenheit verkehrt sich aber sofort in das Gegenteil, wenn man die Konsequenzen aus den knappen Andeutungen zieht, die das Organ des Neichskanzlers über die beantragte Heeresvermehruna gemacht hat. Es wird nur gesagt, welche Formationen im Jahre 1911 neu geschaffen werden sollen, und daß dadurch rund 8 Millionen Mark Kosten verursacht würden. Rechnet man diese Angaben auf ein Quinquennatum, so wür- den sich schon 35 Millionen Mark Mehrausgaben ergeben, eine Summe, die erheblich schwerer ins Gewicht fällt. Man ist nun aber vor Ucbcrraschungen durchaus nicht sicher. In der mili- taristischen Presse war längst davon die Rede, daß beim Mi- litäretat nicht gespart werden dürfe, und es wurde gleich- zeitig angedeutet, daß, wenn der Kciegsminister sparen wolle, dann die Parteien einzugreifen hätten, um der Heeresverwaltung das zu geben, was sie in Wirklichkeit für notwendig halte. Deshalb ist es nötig, einmal zu zeigen, daß schon die jetzige Militärfordcrung eine ganz erhebliche ist, und daß ihre finanzielle Wirkung eine ganz an&ere sein muß, als es nach dein veröffentlichten Etatsentwurf scheint. Die Armee hat gegenwärtig 16 Maschinengewehr-A b- t e i l u n g e n. Jede Abteilung besteht aus einem Hauptmann, drei Leutnants, einem Feldwebel, einem Vizefeldwebel, 12 resp. 13 Unteroffizieren und 71 resp. 72 Mann. Ferner hat jede Abteilung 54 Pferde. Die neue Vorlage fordert 197 Ma- schinengewehrkompagnien, und es ist noch nicht ersichtlich, ob sich die jetzige Einheit Abteilung mit der künftigen Ein- heit Kompagnie decken wird. Nehmen wir das aber gleich- wohl an, so ergibt sich ein Mehrbedarf von 197 Hauptleuten. 321 Leutnants, je 197 Feldwebeln und Vizefeldwebeln, 1499 Unteroffizieren und zirka 8999 Mann. Weiter sind notwendig 5778 Pferde. Tann wird angefordert ein Fußartillerieregiment. Dazu sind außer dem Regimentskommandeur mindestens nötig, drei Stabsoffiziere, 19 Hauptleute und 32 Leutnants, also 46 Offi- ziere; außerdem Zahlmeister, Büchsenmacher, Feldwebel, Vize- feldwebel, Unteroffiziere uird Spielleute 219, Gefreite und Gemeine 1 9 3 9 Mann. Die Krastfahrabtcilungen sind augenblicklich noch ziemlich schwach, sie bestehen aus 32 Offizieren, 43 Unteroffizieren und 69 Mann. Die neue Vorlage verlangt ein Kraftfahr- b a t t a i l l 0 n, über dessen Gliederung nähere Angaben nicht gemacht werden. Schätzt man das Bataillon auf den vierfachen Bestand der jetzigen Abteilungen, so handelt es sich um weitere 86 Offiziere, 129 Unteroffiziere und 297 Mann. Die zwei neuen Luftschifferbataillone bedingen 38 Offiziere, 126 Unter- ofsiziere und 526 Mann. Die neue Heeresvorlage erfordert also, gering gerechnet, eine Erhöung der Frie- denspräsenz um etwa 929 Offiziere und zirka 11 599 Untcrosfiziere und Gemeine? Natürlich würden die angefor- derten Mehrkosten von 7 993 717 Mk. auch nicht entfernt hierfür ausreichen! Deshalb wird erklärt, daß die erforderlichen Unteroffiziere und MannstHaften zu einem großen Teil durch Etats herab setzungen bei den beste- he»den Truppenteilen und durch Anrechnung bestehender Formationen gewonnen werden solle. Man befolgt hier wieder einmal die Taktik der Verschleierung. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß im Kriegsministerium kein Mensch daran denkt, etwa die Etatsstärke der Kompagnien bei der Infanterie herabzusetzen! Man wird einfach von jeder Kompagnie eine Anzahl Leute abkommandieren und dann im n ä ch st e n Jahre die Ausfüllung dieser Lücken ver- laugt«! Nur mit Rücksicht auf die kommenden Reichs- tagswahlen, und ganz bestimmt im höchsten Grade widerwillig, hat sich die Heeresverwaltung auf diesen Notbcl>elf eingelassen. Die Zahl der Osfiziere, die mehr ge- braucht werden, soll nicht dadurch gewonnen werden, daß man etwa den 13. Hauptmann, der bei den meisten Regimentern vorhanden ist, zur Maschinengewehrkompagnie komniandiert, für diese Stellen werden im Gegenteil die sämtlichen Ofsiziere direkt angefordert. Man darf also, wenn inan die Ver- mehrung des Heeres behandelt, nicht etwa damit rechnen, daß nur 3 oder 4999 Mann effektiv mehr verlangt werden, sondern es handelt sich in Wirklichkeit um eine Mehrforderung von mehr als 11599 Mann. Und wenn man in Betracht zieht, daß durch die Aufstellung der Maschinengewehrkompagnicn auch in der Verwaltung neue Kräfte gebraucht werden, kann man ganz ruhig die Militärvorlage als eine Forderung von 12 999 Mann ansehen. Die wirklichen Ausgaben der Heeres- Verwaltung werden denn auch ganz erheblich höher sein, und wenn erst die nächsten Reichstagswahlen vorbei sind, wird man zweifellos damit herausrücken. Schon seit einer Reihe von Jahren hilft sich die Heeres- Verwaltung damit, daß sie zunächst nur den Rahm e n für eine neue Formation verlangt, die Kosten dafür sind in der Regel vergleichsweise nicht allzu hoch, und die bürgerlichen Parteien fallen dann auch in der Regel darauf hinein, indem sie die gestellten Forderungen glatt bewilligen. Nach ein oder zwei Jahren kommt aber das dicke Ende nach. Tie Heeres- Verwaltung ist dann bestrebt, den Rahmen nach Möglichkeit auszufüllen. Man vermindert einzelne Truppenteile zu dem Zwecke vorübergehend, um dann wieder ein paar Jahre später die Ausfüllung der entstandenen Lücken zu verlangen. Haben die bürgerlichen Parteien erst A gesagt, dann bleibt ihnen nichts weiter übrig, als schließlich auch B zu sagen, um so mehr, als die Heeresverwaltung dann darauf hinzuweisen pflegt, daß die höheren Stellen bereits vorhanden sind und eine zwecklose Aufgabe darstellen, wenn nicht die geforderten Truppenformationen tatsächlich geschaffen werden. ' ES ist unter allen Umständen-notwendig, daß mit der Heeresverwaltung in der kommenden Reichstagssession in aller Schärse abgerechnet wird. Das jetzige System ist weit ge- fährlicher als das früher beliebte, bei dem stets größere Truppenmassen auf einmal verlangt worden sind. Der Militäretat steigt von Jahr zu Jahr, die Kosten belaufen sich nach dem neuen Etat schon auf erheblich mehr als 899 Milli- onen Mark, und man kann sich den Zeitpunkt an den Fingern berechnen, wann die 999 und schließlich auch die 1999 Millionen pro Jahr voll sein werden. Dieser ungeheuerlickien Mehr- belastung des Volkes muß ein Ende gemacht werden, sobald als möglich!_ Der Kampf um den gesetzlichen Richter. film Mittwoch morgen hoben im Schwurgerickitssaale zu Moabit die Verhandlungen in dem großen Moabiter Krawall- Prozeß begonnen— oder vielmehr nicht begonnen. Die ganze Sitzung, die von VslO— Va2 Uhr währte, füllte, nachdem die ersten Formalien— filufrus der Angeklagten und eines Teiles der Zeugen — erledigt waren, ein scharfer Kampf der Verteidigung gegen daö Bestreben der Staatsanwaltschaft, den Prozeß vor„zuverlässige" Richter zu bringen. Ein Kampf, in den schließlich auch das Gericht selbst durch einen Ablehnungsantrag hineingezogen wurde, so daß die Verhandlung einen vorzeitigen Abbruch erfuhr. Welchen Umfang der Prozeß annehmen muß. wenn er nach dem Wunsche der Staatsanwaltschaft abgehandelt wird, das zeigt schon die Einleitung. Allein die summarische Feststellung der Personalien der 36 Angeklagten dauert über eine Stunde. Von den einigen hundert Zeugen sind mit Rück- ficht auf die Dauer der Verhandlungen vorerst nur einige dreißig geladen, die der Vorsitzende noch vor der Aufnahme der filngeklagien- Personalien wieder entläßt mit dem Bemerken, daß sie erst am Freitag wieder zu erscheinen brauchen. Allein zwei Tage sind also für die Vernehmung der Angeklagten in Aussicht genommen. Da sie am ersten Verhandlungstage noch nicht beginnen konnte, so dürfte sich der Beginn der BeioeiLaufnahme noch veiter hinaus« schieben. Die geräumigen Anklagebänke des SchwurgerichtSsaaleS reichen bei weitem nicht aus, alle Angeklagten zu fassen. Auch die Plätze, die sonst die Geschworenen einnehmen, werden mit Angeklagten be- setzt, die so auf beide Seiten des Saales verteilt werden. Und noch vor den Sitzen der Geschworenen müssen Angeklagte auf Stühlen placiert werden. Die Bänke der Presse sind dicht besetzt— der Zuhörerraum ist stark gefüllt. Besondere SicherungSmaßregeln find getroffen. Die Polizei ist nicht nur auf der Straße vor dem Gerichtsgebäude ver- treten, auch im Gerichtssaale selbst befinden sich mehrere Schlitzleute, die im Gurt den Revolver tragen. Vielleicht hält das Gericht die Anwesenheit dieser Ordnungshüter für notwendig, weil es unter den Angeklagten gefährliche Gesellen vermutet. Anders aber steht es mit der Anwesenheit einer erheblichen Zahl von Kriminalpolizisten, die im ganzen Zuhörerraum verteilt sind. Der Kundige erkennt sie alsbald— wer aber darin keine Uebung hat, der mag in seinen Aeußerungen über den Prozeß recht vorsichtig sein. BuS einem in der Erregung rasch gesprochenen Wort des Unmuts kann ihm sonst unter Umständen ein hochnotpeinliches Gerichtsverfahren erwachsen. Angebracht wird eS sein, daß die Angeklagten und Zeugen die Herren Geheimen recht aufmerksam ansehen, vielleicht finden sie den einen oder anderen darunter, der sich bei den Polizeischlachten in Moabit hervorgetan hat. Der erste Vorstoß der Verteidigung wurde vom Rechtsanwalt Dr. Heinemann mit einer durchschlagenden juristischen Darlegung über die UnHaltbarkeit des Verfahrens eröffnet, daS die Staatsanwalt- schaft einschlug, um sämtliche Moabiter vor die Lieber-Kammer zu bringen. Mit zwingender Logik führte der Verteidiger, gestützt auf das Gesetz und die Kommentatoren, den Beweis für seine These. Die übrigen Verteidiger schlössen sich ihm an und ergänzten de» prinzipiellen Protest durch die Anfübrung einiger Anklagesälle. in denen nicht einmal ein sachlicher Zusammenhang mit den Moabiter Vorgängen besteht. Als Rechtsanwalt Th. Liebknecht spricht, er« eignete sich ein bezeichnender Zwischenfall. Die Augeklagte Frau Reinhardt verfällt in einen Weinkrampf, von dem sie sich nur lang- sam erholt. Die Frau ist offenbar schwer leidend— sie hat, wie Rechtsanwalt Dr. Cohn mitteilt, die ganze Untersuchungshaft im Lazarett des Gefängnisses zugebracht. Jetzt soll sie einer Gerichts- Verhandlung von drei Wochen Dauer beiwohnen I Wenn man die verhärmt�, zusammengefallene Gestalt, den Ver« zweifluugsausdruck in den Augen dieser Frau gesehen hat, so fragt man sich entsetzt, wie eS möglich ist. daß diese Unglückliche, die verheiratet und Mutter zweier Kinder ist, gegen die also doch schwerlich ein Fluchtverdacht begründet werden kann, bis heute in Untersuchungshaft gehalten wird I Und die Er- innerung an Phili Eulenburg steigt bitter auf. filber freilich, die Frau ist nach Ansicht der Aicklage eine ganz gefährliche und schwere Verbrecherin, sie ist die vielgenannte„Petroleuse", deren Schreckbild noch heute durch die Kreisblattpresse spukt, jene Frau, die ohnmächtig wurde und die brennende Petroleumlampe fallen ließ, als einige sechs Schutzleute ihre Wohnung. stürmten, Die Schutzleute meinen, die Ohnmacht sei fingiert, und die Lampe sei ihnen zugedacht ge- wesen. Sieht man die kranke Frau— sie ist nicht etwa erst im Gefängnis erkrankt—, so kann man das nicht verstehen.— Petroleuse» pflegt man sich anders, ganz anders vorzu- stellen!... Die Frau wird auS der filnklagebank herausgeführt, die Gerichtsdiener holen ihr Wasser und Tropfen aus der HauS» apotheke— später erscheint der Gerichtsarzt. Endlich kann Th. Liebknecht fortfahren. Als er von tendenziöser Verbindung spricht, gibtS den ersten Zusammenstoß zwischen Ver- teidigung und Gericht— Herr LandgerichtSdirektor Lieber schwingt die Klingel und untersagt den Ausdruck. Das wiederholt sich später, als Rechtsanwalt Dr. Roscnfeld von Exzessen der Polizei spricht. Gespannt horcht alles auf, als der Vertreter der Staatsanwalt- schaft. Erster Staatsanwalt Steinbrecht, daS Wort zur Entgegnung ninimt. Zwei Momente daran sind bemerkenswert. Einmal, daß Herr Steinbrecht sich nur ganz flüchtig mit den scharfen juristischen Einwendungen Heinemanns beschäftigt, dagegen sich um so breiter über die Z w e ck m ä ß i g k e i t der Verbindung der Anklagen wegen der zum großen Teil für alle Angeklagten gleichen Zeugen ausläßt und zweitens, daß er die Einbeziehung des Falles des Gastwirts Pilz— dessen angebliche Straftat, Verpriigelung eines Arbeitswilligen, erst fünf Tage nach Beendigung der Moabiter Unruhen passierte— damit rechtfertigen will, au diesem Fall solle die Tatsache nachgewiesen werden, daß der Haß gegen die Arbeits- willigen den Anlaß zu den Vorgängen in Moabit gegeben habe. Rechtsanwalt Heine unterstreicht diese Worte sofort— die Staatsanwaltschaft will also durch diesen Fall, der in gar keinem Zusammen- hang mit den Moabitcr Unruhen steht, den anderen Fällen die von ihr gewünschte Couleur geben! Eine längere Pause— daö Gericht berät. DaS Restlltat ist glatte Ablehnung aller Anträge. Die Begründung geht auf die juristischen Argumente Heinemanns gar nicht ein, sie betont, wie der Staatsanwalt, die Zweckmäßigkeit. Nur die Abtrennung der Anklage gegen Frau Reinhardt wird vorbehalten, falls sich ihre Verhandlungs- Unfähigkeit herausstellen sollte. Aber noch gibt die Verteidigung den Kampf um den gesetzlichen Richter nicht auf. Rechtsanwalt Heine erhebt sich und lehnt im Namen sämtlicher anwesender Verteidiger den Gerichtshof wegen Befangenheit ab. Die scharf geschliffenen Sätze der Begründung, die Worte vom Odium, das dem Verfahren der Staatsanwaltschaft anhaftet, von der„rein politischen Richtung", machen tiefen Eindruck. Man hat die Empfindung, daß diese Kennzeichnung des Prozesses unauslöschlich ist. Als Rechtsanwalt Dr. Cohn sich erhebt, um einen zweiten Ablehnungsantrag zu stellen, der mit der ungewöhnlichen Härte, die bei der Verhängung der Untersuchungshast hervortrat, begründet werden sollte, lehnt der Vorsitzende in scharfem Tone ab. Es wird nicht weiter verhandelt— die Sitzung wird auf Donnerstag morgen vertagt._ Vom Zsugendgerichttverfahren. In der M i t t w 0 ch sitzung beschäftigte sich die J u st izkom- Mission in zweiter Lesung mit den in der neuen St.-P.-O. ent- haltenen Bestimmungen über das gerichtliche Verfahren gegen Jugendliche. Von unseren Genossen wurde der in erster Lesung abgelehnte Antrag wieder aufgenommen, der die Entscheidung darüber, ob gegen einen Jugendlichen strafrechtlich vorgegangen werden soll, nicht der Staatsanwaltschaft, sondern der Vor- mundschaftSbehörde geben will. Leider wurde auch in der zweiten Lesung diese Forderung abgelehnt. Ebenso wurde ein weiterer filntrag unserer Genossen abgelehnt, der den Jugend- lichen nach Möglichkeit vor Untersuchungshaft bewahren wollte und der insbesondere bezweckte, daß durch die Unter- suchungshaft das körperliche, sittliche und geistige Wohl des Jugend» lichen nicht gefährdet werden dürfe, ISagcjcn 5Te Kommissionsmelzrhs!! 5te verteidigungs Möglichkeit für den Jugendlichen dadurch, datz die in erster Lesung beschlossene Bestimmung, daß auch in Bcleidigungs- und Körperverletzungssachen vor dem Amts- gericht dem Jugendlichen ein Verteidiger gestellt werden muß, wieder gestrichen wurde. Ein Antrag unserer Genossen, daß dem Jugendlichen in allen Fällen ein Verteidiger zu stellen ist, wurde bereits in erster Lesung abgelehnt. Eine längere Debatte entspann sich sodann bei dem Z 878 der daS Schutzaltcr der Jugendlichen mit dem vollendeten sechzehnten Lebensjahre begrenzt. Die Regierungsvorlage sah das achtzehnte Lebensjahr vor. In erster Lesung setzte die Kommissionsmehrheit gegen den energischsten Widerspruch unserer Genossen die Grenze aus das 16. Lebensjahr herab. Gegen'diese erhebliche Verschlechterung wendeten sich mit zahlreichen Resolu- tionen und Petitionen die interessierten Kreise für Jugcndschutz und-fürsorgc. Das hatte denn auch den Erfolg, daß die.Stim- mung in der Kommission umschlug und der Antrag unserer Ge- nossen, die Schutzgrenze wieder bis zum vollendeten 18. Lebensjahre auszudehnen, wurde a n g e n o m ni c n. Zu einer längeren Auseinandersetzung über das preußische Fürsorgeerziehungswesen führte ein Antrag G r o e b e r, der die Aussetzung einer Klage gegen einen Jugendlichen bis auf 3 Jahre forderte, und daß, wenn innerhalb dieser Zeit der Jugend- liche sich keines neuen Vergehens oder Verbrechens hat schuldig werden lassen, die Klage niederzuschlagen ist. So shmpathisch unseren Genossen dieser Antrag in seiner Tendenz war, mußten sie sich doch dagegen aussprechen, da in der Praxis diese Bestim- mung die Wirkung haben würde, daß noch mehr wie bisher un- gerechtfertigte, unnötige und schädliche Ueberweisungen von Ar- beiterkindern an die Fürsorgeerziehung Platz greifen würden. Unsere Genossen wiesen zur Begründung dieser Befürchtungen auf die Gefahr des preußischen Fürsorgewesens und auf verschiedene Fälle der Klassenjustiz, deren Opfer Kinder sozialdemokratischer oder freigeistig gesinnter Arbeitereltern wurden, hin.— Der An- trag Grocbcr wurde abgelehnt. Eine weitere Verschlechterung wurde niit der Annahme eines antisemitischen Antrages zum Z 375 b beschlossen, wodurch das Be- schwerderecht des Vertreters des Jugendlichen gegen die Einstellung des Verfahrens wieder gestrichen wurde. Sie Vahle» inen SiegeS nicht überschätzen. Als Gegnerin der Trusts und des Hoch- schutzzolls hat die Partei zwar ihren Sieg erkämpft, aber einmal an der Macht, wird sie ebensowenig wirkliche Reform- Politik treiben, als es die Republikaner getan haben. Dazu ist sie selbst viel zu sehr von den großkapitalistischen Interessengruppen abhängig. Und gerade diesmal sind in ihre Wahlkafsen große Summen der Beherrscher der Börse und Finanz geflossen, die Herrn Roosevelt zeigen wollten, daß sie seine antikapitalistische Demagogie, so harmlos wie sie in Wirklichkeit ist, nicht länger dulden wollten. So wird der Sieg der Demokraten die Politik der Vereinigten Staaten nur wenig ändern. Die Demokraten werden den Schäden der kapitalistischen Entwickelung ebensowenig entgegentreten, wie es die Republikaner getan haben. Aber gerade dadurch wer- den sie vielen amerikanischen Arbeitern, die heute noch ihre Hoffnung auf den demokratischen Sieg gesetzt haben, die Äugen öffnen und die Va?n frei maUen für einen wirklichen und ernsten Kampf gegen die Trusts, wie ihn allein die sozialistische Arbeiterpartei führen kann: ein Kampf, der nicht die unaufhaltsame Entwickelung des Kapitalismus zur Monopolherrschast-durch allerlei Quacksalbereien hemmen will, sondern die Errungenschaften der vergesellschafteten Pro- duktion in den Dienst der gesamten Gesellschaft stellen wird. Wahlresultate: Nciv Jork, 9. November. Im Staate New Dork ist der demokratische Gouberneurskandidat D i x mit einer Mehrheit von etwa 169(XK) Stimmen gewählt worden, ebenso die anderen demokra- tischen Kandidaten für die Staatsämter. Auch für die Staats- legislatur wurden in der Mehrzahl die demokratischen Kandidaten gewählt. Ebenso ist infolge des allgemeinen Sieges der Demokraten die Wahl weiterer demokratischer Bundessenatoren gesichert. Bisher haben die Demokraten 37 Kongreßsitze erobert. Das Mitglied des Kongresses P e a r s o n s, ein intimer Freund Roosevelt S, wurde nicht wiedergewählt. In RoosevcltS County wurde ein demokratischer Kandidat als Mitglied des Kongresses gewählt. Im Staate Connecticut, bisher republikanisch, hat der demokratische Gouverneurskandidat Baldwin gesiegt; ebenso siegte im Staate Massachusetts, das bisher eine Hochburg der Republikaner war, der demokratische Gouverneurskandidat F o ß. In U t i c a, der Heimatstadt des Vizepräsidenten Sherman, erhielten die Demokraten gleichfalls die Mehrheit. JnNewJerfey, bisher republikanisch, wurde nach den bisher vorliegenden Ergebnissen der demokratische Gouverneurskandidat Wilson gewählt. In I l l i n o i s wurde C a n n o n, der Sprecher des Unterhauses, wieder in den Kongreß gewählt. In Ohio wurde der jetzige demokratische Gouverneur Harmon wiedergewählt, in I o w a der Republikaner C a r r o l l. Siege der republikanischen Insurgenten. San Franziska, 9. November. Im Staate Kalifornien wurde der republikanische Insurgent Johnson, dessen Kandidatur von Roosevelt empfohlen war, gegen den Demokraten mit einer Mehrheit von schätzungsweise 56 909 Stimmen zum Gouverneur gewählt. Im Staate New Hampshire siegte der progressive republi- kanische Gouverneurskandidat Blaß. Die demokratische Mehrheit. New Dork, 9. November. Die Demokraten haben bisher im Repräsentantenhaus zu Washington eine Mehrheit von 49 Stimmen über die Republikaner erzielt. Sie gewannen außer- dem acht Sitze für den Senat und haben dadurch die republi- kanische Mehrheit des Senates herabgemindert. Demokratische Gouverneure sind gewählt worden in den ausschlaggebenden Staaten New Uork und Ohio sowie in den republikanischen Hochburgen New Jersey, Connecticut und Massachusetts. Die Republikaner haben auch in den anderen Staaten viel an Stimmen ver- l o r c n. Außerdem ist noch der Noosevelt-Kandidat für den Gou- Verneursposten von New Dork dem Demokraten unterlegen. Infolge der im Staate New Dork zustande gekommenen demokratischen Mehrheit gilt bei der gemeinsamen Abstimmung der beiden Kam- mern die Wahl des demokratischen Senators als Nachfolger von Depew als gesichert. Die S o z i a l i st e n haben überall Stimmen gewonnen, die H e a r st P a r t e i hat dagegen weniger S t i m m e n als je. Politische(lebersicdt. Berlin, den 9. November 1919. Gleiche Bruder— ungleiche Schellenkappen. „Post" und.Köln. Ztg.- sind mit unserer Kennzeichnung der Anklageschrift in Sachen Moabit gleichermaßen unzufrieden. Das hatten wir nicht anders erwartet. Es sind ja die gleichen Brüder in der Scharfmacherei. Daß das eine Zcitungsgeschwister sich als freikonservativ bekennt, während die Kölnische Wetterfahne sich nationalliberal nennt, ist dabei nebensächlich. Denn im Haß gegen die niodernen Arbeiterorganisationen geben die nationalliberalen Jndustriemagnaten Rheinland-WestfalenS den Zedlitz und Konsorten nicht daS geringste nach. Daß also die gleichen Brüder mit ihren Narrenkappen nach dem „Vorwärts- schlagen, weil er auS der Anklageschrift die geradezu verblüffenden Bekundungen der kraffen politischen und sozialen vor- eingenoimnenheit und Verständnislosigkeit der Staatsanwaltschaft fein säuberlich zusammengestellt hat, ist platte Selbstverständlichkeit. Be- fremdend und im höchsten Maße komisch ist es nur, daß die gleichen Brüder so ganz ungleiche Schellenkappen habe». Die„Post" nämlich entrüstet sich bis zur nacktesten Denunziation an die Staatsanwallschaft darüber, daß der„Vorwärts" den Prozeß aufs politische Gleis zu schieben versucht habe. Statt anzuerkennen, daß erwiesene Verbrechen einfach die angemessene Strafe zu finden hätten, ziehe er in den Krawallprozeß Gewerk- schasten und Partei, kurz die ganze Politik hinein I Ist das schon deshalb ungeheuer lustig, weil das, was hier der „Vorwärts" getan haben soll, vom„Vorwärts" gerade dem Staatsanwalt nachgewiesen worden ist(der dabei allerdings hinwiederum nur den VerführungSkünstcn der Scharfmacherpresse vom Schlage der„Post" erlegen ist I). so wird eS noch viel lustiger durch das Geschreibsel der„Köln. Ztg.": „Der gute„Vorwärts" schreit Zeter und Mordio, weil das gerichtliche Nachspiel der Moabitcr Krawalle nicht nur ein paar mehr oder wenigejc harmlose Radaubrüder. sondern die ewig unschuldige und salro» sankte sozialdemokratische Partei ans der Anklage« bank erscheinen lassen soll. Man hätte glauben müssen, der„Vor- wänS" werde frohlocken über die selten günstige Ge- legenheit, die dnrch die forensische VerHand- Handlung der Sozialdemokratie geschenkt wird, nun einmal vor aller Welt den schlagenden Nach- weis zu führen und durch Nichter spruch bestätigen zu lassen, daß zwischen der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsbewegung und den rohe» Mißhandlungen von Arbeitswilligen, im.VorioSrtS"jargon: Streikbrechern, nicht der geringste Zusammenhang bestehn Waö tut aber der„Vorwärts"? Statt der Staats- anwoltschaft schöne» Dank zu sagen für ihre Bemühungen um die Sozialdemokratie, den Prozeß auf eine breite politische Grundlage zu stellen, mach! er in, Tone bitteren Vorwurfs und unter dem lraditionellen öden Geschimpfe die Betrachtung auf. daß der Teil der Anklageschrift, der eine» Zusamnienhang zwischen Partei, Gewerkschaft und Moabit behauptet,„vollständig uberflüssig und zwecklos" sei.... Vorweg und beiläufig: eS ist eine kleine Fälschung, wenn im letzten Satz behauptet wird, der„Vorwärts" habe den staats- anwaltlichen Versuch, Partei und Gewerkschaften überhaupt in den Prozeß hineinzuziehen, für„vollständig überflüssig und zwecklos" erklärt. So harmlos ist der„Vorwärts" wirllich nicht. Nein: nur die den Schilderungen der Firma Kupfer so unsäglich gläubig nacherzählte Darstellung der ganzen Lohnbewegung bei dieser Firma nannten wir so. Und obendrein auch nur im Sinne der Staats- anwaktschast, denn nnS selbst hat die Lektüre dieser staats- anwaltlichen Selbstenthüllungen ein wirklich seltenes Vergnügen gemacht. Aber vor allem: wie kann nur die„Köln. Ztg." auf die barocke Idee kommen, uns, der Sozialdemokratie, sei es unangenehm. daß der Staatsanwaltschaft beliebt hat, den Prozeß„auf«ine breite politische Grundlage zu stellen". Ganz ini Gegenteil, sie hätte uns keinen größeren Gefallen tun können, als daß sie nunmehr die Zerstörung der frivolen Scharfmacherlegende ermöglichte. Da hatte bei all ihrem sonstigen Ueberfluß an Un- intelligcnz die„Post" doch eine viel feinere Witterung I Die Taktik des Staatsanwalts, den Verhandlungen eine„breite politische Grundlage" zu geben, erschien ihr nachträglich denn doch so un- glückselig, daß sie diese staatsanwaltliche Taktik zu der des „Vorwärts" umlog. Die lieben Scharfmacherbrüder sollten sich also künstig doch lieber untereinander verständigen, damit sie sich nicht ihre Rarrcn- kappen gegenseitig um die Ohren schlagen I Aufhebung der Grenzsperre. Der bayerische Städtetag hat sich jetzt ebenfalls mit einer Eingabe an das bayerische Ministerium des Innern gewendet und um die Aufhebung der Bestimmungen ersucht, die der Vieh- und Fleischeinfuhr aus dem Auslande entgegenstehen. In der Eingabe heißt es: „Wir stehen in erster Linie auf dem Standpunkt, daß eine völlige Oeffnung der Grenzen für die Vieh- und insbesondere für die Fleischeinsuhr der Fleischteuerung steuern würde. Daß die notwendigen veterinärpolizeilichen Maßnahmen zur Verhütung einer Seuckeneinichleppung bei der Einfuhr zu treffen sind, erachten auch wir für selbverstäudlich; dennoch aber sollten diese Maßnahmen möglichst vereinfacht und insbesondere die notwendigen Beobach- tungsfristen möglichst kurz bemessen werden. Wir bitten insbesondere um eine Erleichterung der Ein- fuhr aus Dänemark, daniit Norddeutschland sich billiger mit Auslandsvieh versorgen kann. Auch bitten wir um Erleichterung der Bestimmungen über Einfuhr von Schweinen; der Bedarf an solchen wird laut eigenen Zugeständnisses landwirtschaftlicher Kreise in Bayern von der einheimischen Landwirtschaft nicht gedeckt. Die Einsiihr von Fleisch, das einer genügenden Kontrolle im Ursprungslande unterworfen ist, bitten wir aber im vollen Umfang zu ennöglichen. Wir verweisen darauf, daß auch in Oesterreich jüngst die Einfuhr eines bestimmten Kontingents argentinischen Fleisches gestattet wurde, und wir bitten, zum mindesten einen ähnlichen Versuch auch in Deutschland zu ennöglichen." Wahrscheinlich wird die bayerische Regierung weiter mit einigen leeren Redensarten antworten und zur Linderung der Fleischnot die Aufzucht von Ziegen und Kaninchen empfehlen; denn in Bayern ist das Zentrum Trunlpf, und zwar die extrem-agrarische Richtung. » Zur Fleischeinfuhr in Baden ist die Entschließung Elsaß-Lothringens wegen Erteilung der Durchfuhrerlaubuis bisher noch nicht erfolgt. Deshalb hat die badische Regierung jetzt angeordnet, daß das französische Schlachtvieh trotzdem eingeführt, aber Elsaß-Lothringen um- gangen werde. Das französische Vieh soll über den badischen Bahnhof bei Basel zugelassen werden. Slbgeordnetentvahlen zu den Kreisvers ammlunge» in Baden. In Baden finden in einigen Tagen die Wahlen der Abgeordneten für die Kreisveriammlnngen statt. Diese Versammlungen und die aus ihnen hervorgehenden KreisauSschüsse gelten als untere Ver- waltungöbehörden. Sie machen auch die Vorschläge für die Bezirks- rate, die richterliche Funktionen in Verwoltungssachen ausüben. Als Bezirksräte will die Regierung bekanntlich keine Sozialdemokraten zulassen. Die Abgeordneten fiir die Kreisversammlungen werden nur zur Hälfte vom Volke, und zwar auch noch nach einem indirekten Wahlverfahren gewählt. Die zweite Hälfte derselben wird von den Gemeindeverwaltungen ernannt. Eine Aendcrung diese» aus vor- märzlicher Zeit stammenden Gesetzes wurde zwar schon wiederholt in Aussicht gestellt, bis jetzt aber noch nicht durchgeführt. Die Sozialdemokratie hat sich bisher noch nie an diesen Wahlen beteiligt. Bei den diesjährigen Wahlen hat sie das in einigen industriell durchsetzten Kreisen getan. So in M a n n h e i m, wo die Wahlmännerwahlen am Mittwoch stattfanden. Hier, wo die liberale Partei bisher alle Wahlmänner durchbrachte, wurden Mittwoch 578 sozialdemokratische Wahl männer gewählt- Die liberale Partei, die mit der linlsliberalen Volkspartei gemein- same Sache machte, behielt nur noch 83 Wahlmänner. Die Wahl der sozialdemokratischen Abgeordneten, sechs an derZahl, ist damit gesichert. Vor drei Jahren beteiligten sich an der Wahl etwas über 699 Wähler, diesmal aber 5923, von denen 3516 sozial- demokratisch wählten._ Der aufgekaufte Korfanty. Der nationalpolnische Streit zwischen RapieralSki und Korfanty ist beendet; RapieralSki hat die Sache sehr einfach ge- macht, er hat einfach den Verlag deZ Korfantyschen„Polak" gekauft und mit seinem Verlag des„Katholik" verschmolzen. Korfanty tritt gegen ein Monatsgehalt von 599 M. bei seinem ehemaligen Gegner als Chefredakteur ein. So ist beiden geholfen. Bülotv als ReichstagSkandidat. Der Rationale Wahlverein im Kreise ElmShorn-Pinneberg, den jetzt der fortschrittliche Abgeordnete Carstens vertritt, hat dem Fürsten Bülow die ReichStagskandidatur angetragen; Fürst Bülow hat dankend abgelehnt._ Nationalliverale Versammlungssprenger. In Halzen bei Schwerte(Kreis Dortmund-Hörde) sollte letzten Sonntag eine sozialdemokratisch« Gemeinde- wählerveriammlnng stattfinden. Als unsere Genossen er- schienen, war oer größte Teil des Saales schon besetzt von einer Schaar„Nationaler", die unter Führung des nationallibe» ralen Parteisekretärs Leonhard erscheinen waren. Die nationalliberalen Pächter von Anstand und guter Sitte be- trachteten sich nickt als Gäste, sondern rissen ohne weiteres das Bureau und die Leitung der Versammlung an sich. Sie erteilten unseren Rednern zwar das Wort, höhnten und brüllten aber auch gleichzeitig aufs ärgste, bis der Tumult der- art gesteigert wurde, daß der Referent sich nicht mehr verständlich machen konnte und abtreten mußte. AIS unsere Genossen sich so vergewaltig sahen, stimmten sie das Lied an:„Wir Männer in der Bluse.. worauf die nationalliberalen Gewaltpolitiker mit: „Deutschlanb, Deutschland über alles" antworteten» Damit fand die Versammlung ihr Ende. Liberalismus und Staatsstreich. Die Angst vor den komnienden Rcichstagswahlen läßt die Junker und großindustriellen Scharfmacher mit dem Gedanken des Staatsstreiches spielen. Das wird niemand verwundern. Die Herren sind als geschivorene Feinde des allgemeine» und gleichen Wahl» r«chts Lelannt. Schüchteme MleugnungZders�hs ändern daran nichts. Anders mit dem LinlSliberali-SmuS. Er spielt sich als der treue st e Schützer der Volks rechte auf. Nur auf gesetzlichem Wege, nur mit dem Stimmzettel in d« Hand könne das Volk seinen Willen durchsetzen. Sogar die höchst gesetzlichen Strotzen- demonstrationen zugunsten eines freien Wahlrechts für Preutzen wurden von den Mannen der„Fortschrittlichen Vollöpartei" der- dämmt. Ein württcmbergisch-deinokratischer ReichsvagSabgeordneter war eS, der die Bajonette der Soldaten und die Polizeisäbel, die gegen die Wahlrechtsdemonstranten gezückt wurden, vor der„Schlacht" segnete. Auf friedlichem Wege, durch das Parlaiwent allein sei es möglich, dem Willen des Volkes Geltung zu derschaiffen. Den von der Mehrheit des Volkes getragenen Parlamentsbesrl)lüssen mutzten auch die Junker und Scharfmacher noleas volens Folge leisten. So sagt man. Der Vormarsch der Arbeiterklasse auf der ganzen Linie hat aber auch diese begeisterten Anhänger der parlamentarischen Aktion be- denklich gestimmt. Im„unparteiischen" Publikationsorgan der Fortschrittlichen Volkspartei Württembergs, dem Stuttgarter„Neuen Tageblatt" Nr. 247 werden die Wahlaussichten der sozialdemokratischen Partei bei der bevorstehenden Reichstags- Wahl und die Konsequenzen eines überwältigenden Wahlsiegs der sozialdemokratischen Partei also besprochen: „Nun. es konnte sein, datz die Sozialdemokratie im nächsten Herbst diese 5 Millionen erreicht, und wahrscheinlich wird sie die st ä r k st e Partei im Reichstage werden. Ja, es gibt so« gar Leute, die die Möglichkeit in Rechnung stellen, datz die Sozial- demokratie die zahlemnätzige Mehrheit in der deutschen Volks- Vertretung erringen könnte. Was dann? Was wird die Partei mit dieser Macht anfangen, die angesichts der Festigkeit des Staats- gefüges und angesichts der Macht der wohlgeordneten bürgerlichen Welt tatsächlich gar keine ist oder werden kann? Ein heikles Problem, dessen Ausmalung den Herren Bebel und Genossen allerdings Kopfzerbrechen bereiten könnte." llkan sieht, nicht nur die Junker und Scharfmacher sind willens und bereit, die Macht der Flinten und Maschinengewehre gegen das Parlament mobil zu machen, auch der Linksliberalismus appelliert an„die Macht der wohlgeordneten bürgerlichen Welt", wenn eS dem arbeitenden Volke jemals einfallen sollte, eine sozialdemokratische Mehrheit in den Reichstag zu entsenden. Etwas Neues sagt das Organ der„Fortschrittlichen Volkspartei" damit freilich nicht. UnS macht dieses„heikle Problem" kein Kopf- zerbrechen. Wir wissen sehr genau, datz t. eine Mehrheit sozialdemokratischer Reichstagswähler bei der skandalösen Ungleichheit der Wahlkreise noch keine Majorität im Reichstage garantiert: datz 2. einer sozialdemokratischen Reichstagsmehrheit nicht nur die Minderheit der bürgerlichen Parteien, sondern auch der Bundesrat, die Regierungen PreutzenS und der anderen deutschen Bundesstaaten mit allen staatlichen Machtmitteln, Polizei, Justiz, Heer, Marine usw. gegenüberstehen werden. Wir wissen 3. datz die Geschichte lehrt, datz die herrschenden Klassen, und wenn sie auch zu einer verschwindenden Minorität geworden sind, doch niemals freiwillig auf ihre Machtstellung verzichtet, sondern stets an die Gewalt appelliert haben. Das„heikle Problem" ist demnach für unS nicht so sehr heikel, sondern ziemlich einfach und durchsichtig. Wieder ein Zeugnisztvangsverfahren. Genosse LeimpeterS-Saarbrücken wurde vom dortigen Amts- geeicht zu öO M. Geldstrafe oder im Nichtvennögensfall für je ö M. einen Tag Haft bestraft, weil er„ohne gesetzlichen Grund das Zeug- uiö verweigert hat." Am 8. Juli schrieb der„Christliche" Gutsche-Elberfeld an den «Christlichen" Koster-Saarbrllckeu einen Brief, in dem er Koster mit- teilte, datz ein Paket schon kuvertierte Schmutzartikel gegen L. ent- haltend, unterwegs seien, die er an die„roten Bemnten" verschicken und ini„Tivoli"— Gciverkschaftshaus— verteilen sollte. Von diesem Brief erhielt L. schon am 9. Juli Kenntnis, noch ehe er Koster zugestellt worden war, und nach Empfang des Schmutz- blattcs veröffentlichte er dann den Inhal: desselben. Die„Christen" stellten nun Strafantrag gegen L. toegen unbefugten OeffnenS eines Briefes und Verletzung des Briefgeheimnisses. Die Ctaais- awaltschaft gab dem zwar nicht statt, eröffnete aber das Verfahren gegen„einen Unbekannten", in dem L. als Zeuge vernommen wurde. Bei seiner Vernehmung gab er an. datz der Brief durch den Post- beamten irrtümlicherweise einem Kaufmann zugestellt wurde, der ihn öffnete ohne die Adresse nachzuprüfen, und erst aus dem Inhalt ersah, datz der Brief nicht für ihn bestimmt Ivar. Da er aus dem Inhalt einen politischen Schurkenstreich vermutete, übermittelte er L. eine Abschrift, damit er sich zur Abwehr vorbereiten könne. Ein„unbefugtes Brieföffnen", läge also nicht vor. und falls die Veröffentlichung strafbar sei, möge die Staatsanwaltschaft ihn unter Anklage stellen. Den Namen deZ Kaufmanns nenne er nicht, nicht etwa deshalb, weil er dessen Bestrafung befürchte und ihn davor schützen möchie, sondern weil er das RedakbionSgeheimniS unter allen Umständen bewahren wolle. Er habe dem Kaufmann anhcimgestellt, sich selbst dem Gericht zu stellen, was dieser lediglich aus Furcht vor einem wirtschaftlichen Schaden durch die Schwarzen abgelehnt habe, nicht aber, ioeU er fürchte, sich strafbar gemacht zu haben. Das Gerickit legte den„Christlichen" immerhin etn kleines Pflästerchen aufs Herz, aber ihr Rachedurst bleibt ungestillt. Auch ein unbefangener Richter. Der antilemitislbe ReichStagSabgeordnete Kölke, in seine», Brivatberufe Amtsgerichtsrat, wurde von dem Disziplinarhof de? OberlandesgerickitS Celle zu Strafversetzung und 600 M Geldstrafe verurteilt. DaS Vergehen, dessen Köüe angeklagt war. liegt längere Zeit zurück. In einem Pretzvrvzetz. in dem er den Vorsitz sübrte, wurde er von dem Kläger als besangen abgelehnt. Kölle erklärte sich aber für nicht befangen und sprach den Redakteur der ihm nahestehenden„Harzzeitung" frei, während die Strafkammer in Güttingen später gegen den Redakteur ans drei Monate Gefängnis erkannte. Kölle wnrde wegen dieser Angelegenheit vor den Dlsziplinarsenat in Celle geladen, der das genwuite Urteil fällte._ Milde Militärrichter. Der Oberleutnant Lötz vom Jnfanterie-Regiment Nr. 100 in Bonn stand vor dem Oberkriegsgericht in Koblenz unter der Anklage der Beleidigung eines Untergebenen in zwei Fällen. Das Gericht bcschlotz, die Ocffentlichkeit nicht auSzuschlietzen, mit der Begründung, die bisherigen Verhandlungen und Ermittelungen hätten nicht ergeben, das etwas zu verheimlichen sei; es liege im Interesse der Armee, Ivenn ein wahrheitsgcurätzer Bericht in die Zeitungen komme. In dieser Begründung liegt das Eingeständnis, daß in den Fällen, wo die Ocffentlichkeit ausgeschlossen wird, etwas zu verheimlichet! ist. In der Militärkapelle der 160er hat infolge Erkrankung d«S Musikmeisters protze Disziplinlosigkeit" geherrscht. Bei der Ueber« wachung einer Probe gebrauchte der Oberleutnant Lötz gegenüber einem Unteroffizier den Ausdruck„Sie unverschämter Lummel" oder auch:„Das ist eine unverschämte Lümmelei". Bei einer Anrede soll der Unteroffizier sich nicht schnell genug erhoben haben, weshalb der Oberleutnant ihn mehrere Male hintereinander auf- stehen ließ. Der Unteroffizier erklärte, durch diese Behandlung vor Erregung krank geworden zu sein. Abends mutzten die Hoboisten auf dem Kasernenhof antreten, wobei der Oberleutnant erklärte, solche Elemente sie R.(hier nannte er den Namen des Unteroffiziers) mutzten aus der Armee ausgerottet KerLen. Ter Unteroffizier ist standrechtlich zu drei Wochen Mittelarrest ver» urteilt worden; er wurde jedoch vom Kriegsgericht freigesprochen Vom Kriegs- und Oberkriegsgericht wurde der Oberleutnant von der Anklage der Beleidigung freigesprochen. Das Urteil meint, die Worte, solche Elemente wie R. müßten aus der Armee ausgerottet werden, enthielten leine Beleidigung(!), und der Aus- druck Lümmel liege wohl„an der erlaubten Grenze", doch könne er„nicht als whe Beschimpfung aufgefaßt werden. Berichtigung. Die von der Genossin Luxemburg in Nr. 262 deS„Vor- wäcts" gegebene Darstellung betreffs ihrer Zusage für die Span- daucr Protestversammlung bei Anwesenheit des Zaren in Pots- dam zwingt mich zu einer Erwiderung. In Wirklichkeit ist der Sachverhalt folgender: Genossin Luxemburg gab mir am 3. Novem- ber, vormittags 10 Uhr, in den Räumen der Parteischule die feste Zusicherung, das Referat zu übernehmen, unter Betonung der „internationalen Bedeutung" dieser Protestaktion, die ihre volle Zustimmung fände, und lehnte meine besorgte Frage, ob sie uns nicht etwa im letzten Augenblick im Stich lassen würde, mit den Worten ab, so etwas komme bei ihr nicht vor, ich solle nur schreiben, init welchem Zuge sie fahren müsse. Um dies zu tun, erkundigte ich mich nachträglich bei dem Leiter der Parteischule, Genossen Heinrich Schulz, nach ihrer Wohnungsadresse. Dieser erst erklärte mir. datz die Genossin Luxemburg auf ihre Gesundheit Rücksicht nehmen müsse und ohne Schaden für die Schule das Referat nicht übernehme» könne. Jedenfalls werde er alles tun, um sie davon abzuhalten. Dieses scheint ihm denn auch gelungen zu sein, denn am Abend des 3. November, als es für mich schon zu spät für eine Jnhibierung der bezüglichen Notiz im„Vorwärts" war, traf ihre Absage ein; auch die gleiche Mitteilung des Parteibureaus er- reichte mich erst am Abens. In ihrem Briefe sagte Genossin Luxemburg, datz sie durch den Unterricht in der Schule zu„müde" und auch in der Zeit zur Ausarbeitung des Referats zu beengt wäre. Ob es nun der von der Genossin Luxemburg hervorgehobe- nen„internationalen Bedeutung" der Demonstration mehr ent- sprachen hätte, den erschienenen Massen zu sagen, Genossin Luxem- bürg sei krank, wie ich es nach den Worten des Genossen Schulz wohl zu dürfen glaubte, oder zu sagen, sie sei„müde", überlasse ich ihr, als der in Fragen„internationaler Politik" weit erfahre- neren Genossin, zur Beurteilung. Datz sie durch ihre Ablehnung einen anderen Genossen zwang, in viel kürzerer Zeit ein Material zu meistern, das ihm ferner la�, wie ihr, der viclbewährtcn alten Vorkämpferin der russischen Frei- heitsbewegung, kam ihr wohl kaum zum Bewutztsein. Vielleicht ist sie aber getröstet, wenn sie hört, datz ihm dies ganz ausgezeichiiet gelang.— Der Schluh ihrer Erklärung ist mir unverständlich. Unsere Demonstration war lediglich Sache des Kreises Spandau- Ost-Havelland. Der im letzten Teil der Erklärung erhobene Vor- Wurf der mangelhaften Organisation der Demonstration bezog sich auch vermutlich nicht auf Spandau, so datz ich es schon deshalb nicht für notwendig halte, für diese andere Stelle das Wort zu nehmen. Emil Schubert, Kreisvorsitzender. Frankreich. Das Ministerium Briand vor der Kammer. Paris, 9. November. Deputiertcnkammer. In der heutigen Verhandlung wurde die Debatte über die Jnterpella» tionen fortgesetzt. In Erwiderung auf die Ausführungen des De- putierten Charles B e n o i st erklärte Briand, er werde Hinsicht- lich der W a h l r e f o r m die Vertrauensfrage stellen und hoffe, mit Unterstützung der Kommission zu einer schnellen Lösung zu gelangen, vorausgesetzt, datz die Kommission den ursprünglichen Entwurf nicht allzusehr abändere. D e l a h a y e(Rechte) griff unter starkem Lärm Briand und mehrere Minister, darunter bc- sonders Laferre persönlich heftig an. Der Präsident drohte ihm einen Ordnungsruf an. Leroy Beaulieu(Progressist) er- klärte, er könne zu einem Ministerium, dem Laferre, oer Verteidiger der Zettelwirtschaft des Kriegsministers Andre angehöre, kein Vertrauen haben. Briand erklärte, eS hängt von den Repu- blikanern ab, ob ich morgen noch an der Spitze der Regierung stehe. Ich werde Ihnen heute abend die Mittel dazu in die Hand geben. Laferre ist ein Ehrenmann und ein Mann von Mut.(Beifall links, Zwischenrufe rechts.) Ich begehre ihre Stimmen nicht, rief Briand, zur Rechten gewandt. Indem er dann auf die Hauptfrage einging, sagte er: Die Regierung kann morgen einem neuen Eisenbahnerausstand gegenüberstehen. Soll sie eS mit gekreuzten Armen tun? Wenn Sie Ja dazu sagen, dann trete ich zurück.(Beifall links und in der Mitte.) Briand er- klärte, datz die Regierung, um die Möglichkeit der Wiederkehr solcher gefährlichen Ereignisse zu vermeiden, die Schaffung einer dauernden Ausgleichs- und Schiedsgerichts- Bc- Hörde vorschlage. Ferner solle es unmöglich sein, während der Tagung dieses Schiedsgerichts einen Aus st and zu ver- suchen, und ebenso solle es unmöglich sein, in den Aus- st and zu treten, wenn der Ausgleich nicht a n g e- n o m m e n würde. Briand protestierte sodann gegen Innres' Behauptung, datz Frankreich der Welt auf der Bahn der Rcak- t i o u vorangehe. Frankreichs Freunde zollten ihm Beifall nicht, weil es ein Werk der Reaktion vollbracht habe, sondern weil es die Fahne der Zivilisation gegen die Anarchie hochgehalten habe. (Beifall.) Briand sagte ferner: Wenn ein Ausstand der An- gestellten der öffentlichen Dienstzweige das Leben der Nation be- droht, so hat die Regierung das Recht, diese Ange st eilten zur Verteidigung des Vaterlandes einzube- rufen. Wenn Sie mir die gesetzlichen Mittel verweigern, diesen Möglichkeiten zu begegnen, so gehe ich. Zum Schluß wiederholte Brand, die allgemeine Politik der Regierung ist die des weltlichen Unterrichts, der Freiheit und der Gerechtigkeit, und für diese Politik stelle ich die Vertrauensfrage.(Beifall links.) Binder(unabhängiger Liberaler) erklärte, er werde für die Re- gierung stimmen, die die Revolution bekämpfe. P e l l e t a n(soz. Radikaler) fordert Briand auf, zu erklären, warum er sich von einer Anzahl seiner Mitarbeiter getrennt habe, und warf ihm vor, er sei der große Mann der Reaktion, da er eine Art von Militarisierung der öffentlichen Dienste habe durchblicken lassen und durch Beschränkung des Streikrechts bestrebt sei, die Sklaverei wiederherzustellen. Italien. BurgrrHche Verleumder. Rom, 5. November. Mit einer Beharrlichkeit, die wahrlich einer besseren Sache wert wäre, ergeht sich die bürgerliche Presse Deutschlands periodisch in Verleumdungen des Ab- geordneten De F e l i c c. Obwohl De Feiice nicht Partei- genösse ist. wie diese Blätter annehmen, und obwohl in Catania eine sozialistische Parteiorganisation erst in diesem Jahre ent- standen ist, so mag eS doch am Platze sein, die Lüge der bürger- lichen Blätter in ihrer gangen Pracht zu kennzeichnen. Da ist zuerst die imer wiederkehrend« Beschuldigung der Unterschlagung von Erdbebengeldern durch De Felice. Ja, wissen denn die Herren Gewährsmänner nicht, datz eben diese Beschuldigung von einem römischen Blatte dem„Bastone" veröffentlicht wurden, und datz dieses Blatt wegen Verleumdung verurteilt wurde? Wissen sie nicht, datz ein Lokalblatt von Catania,„La Sicilia", öffentlich seine Bcschuldigungenzurückzog, sie als unwahr erklärte und die Kosten des Verfahrens auf sich nahm, um nicht das Schicksal des römischen Blattes zu teilen? Die biederen Journalisten wissen do3 ganz genau, wie sie ganz genau wissen, datz De Felice bettelarm ist. von seiner journalistischen Tätigkeit kümmerlich lebt und nie ein bezahltes öffentliches Amt bekleidet hat. Sie wissen auch, daß die Anzeigen wegen miß- bräuchlicher Verwendung von Erdbüengeldern gerade von De Felice anhängig gemacht worden sind. Wenn sie auch nur eine entfernte Kenntnis der Lebens, und Verwaltungsberhält- nisse von Catania haben, so müssen sie wissen, daß von bürgerltcher Seite alles, sber auch alles geschehen ist, um den Einfluß De, FeliceZ in 5er Stadt zu h rechen. NnL jeher lsslizeTne Prozeß hak mit einer Ehrenerklärung für De Felrce geendet, und die Verdächtigungen in Sachen der Hilfeleistung im Erdbebengebict mit der Ueberreichung einer E h r e n m e da i l l e der Stadt Messina. Daß der„Avanti" 130 Lire für die Aufnahme eines VerteidungSartikels für De Felice bekommen hat, ist selbstberständ- lich eine gemeine Lüge. Der„Avanti" hat gerade in den letzten Wochen einen langen Artikel gegen De Felice gebracht, in dem oeur Abgeordneten der Vorwurf gemacht wurde, auch unlautere Elemente unter seinen Anhängern zu dulden. Dieser Vorwurf war gewiß nicht verdient. In dein korrupten Verwaltungsmilieu Catanias kann natürlich ein einzelner Mensch, selbst wenn er die persönliche Bedeutung De Felkes hat. nicht mit einem Schlag gesunde Ver« Hältnisse schaffen. Wer sich aber ein Urteil über De Felice bilden will, der halte sich vor allem vor Augen, daß dieser Mann von der Bevölkerung seiner Stadt buchstäblich vergöttert wird, und über eine Macht verfügt, die ihn in Stand setzte, dem Präfekten von Catania, vom Balkon deö Palastes der Präfektur herunter, seine Absetzung anzudrohen, wenn er nicht für Messina in der von De Felice bor- geschlagenen Weise Hilfe schaffen wollte. Wenn De Felice wollte, könnte er drei Viertel der Bevölkerung von Caiania als seine Leibgarde befehlige». Er hat nicht nur nie von diesem Einfluß zu eignem Vorteil Gebrauch.gemacht, sondern er war Wiederholt die einzige Persönlichkeit, die sich als sähig erwies, blutige Kon- flikte abzuwenden. Wenn Not am Mann ist.� wenden sich die Behörden an De Felice. Die Kläffer der bürgerlichen Presse sollten sich den Mann erst ansehen, ehe sie hinter ihm herktäffen: was ihren Hnndeseelen unmöglich scheint, daß man bei solche»: Einfluß, in einem Milieu wie Catania, ehrlich sein kann, ehrlich bis zur b i t t e r st e n Armut, das mag schlecht zu ihren Phantasien über die Moral im Zukunftsstaat passen, aber es ist nun einmal die lautere Wahrheit, an der alle Verleumdung! sucht sich bis jetzt die Zunge verbrannt hat. foißlanä. Autisemitisuius i» Polen. Eine Konferen z der russisch- polnischenNational« demokraten und der polnischen R e a l i st e n hat zu dein Projekt der städtischen Selbstverwaltung, da? demnächst in den rnssisch-polnischcn Gouvernements zur Durchführung gelangen soll, Stellung genommen und beschlossen, für eine Beschränkung der Juden in der Ausübung des SelbstverwalwngS- rechts zu stimmen. Diese Polen, die allein in der Duma die polnische Bevölkerung vertreten, haben sich also für die An- Wendung desselben llntsrdrückungsshstenis, unter dem sie so schwer leiden und klagen, gegen andere„Fremde" ausgesprochen und damit auch Repressalien, die nicht nur gegen die Juden in Rnssisch-Polcn, sondern in ähnlicher Art auch gegen die Polen im Westgebiete ge- richtet sind, eine moralische Sanktion verliehen. Hell? Freude herrscht darum mit Recht bei den russischen Reaktionären, die von jetzt ab bei der Verfolgung der polnischen Nationalität diese auf ihre eigenen Taten verweisen können. Japan. Eine Verschwörung gegen den Kaiser! Tokio, 9. November. Sechsundzwanzig Japaner, die der Teil« nähme an einer Verschwörung gegen das Leben des Kaisers angeklagt waren, der während er die Militärschule besuchte, von ihnen ermordet werden sollte, wurden heute vom Tribunal für schuldig befunden. Das Gericht empfiehlt, in diesem Falle aus die schwerste, gesetzlich vorgeschriebene Strafe, nämlich auf die Todes st rase, zu erkennen. Soziales. Kann ein Gesamtschulverband aus§ 53 dcS Kommnnal-Abgaben« gesctzrs klagen? Der auf Grund des§ 3 des Gesetzes vom 23. Juli 1306, be- treffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, gebildete Gesamtschulverband Winsen besieht aus den politischen Gcmciirdcn Winsen und Neu-Winsen. Der Schulvorstand dieses Gesamtschul» Verbandes hatte nun auf Grund des§ 53 deö Kommnnalabgabeu- gesetzes von den Gemeinden Wietze. Hornbostel und Oldau einen Zuschutz zu den Schullasten des Gesamtschulverbandes gefordert, und zwar zunächst für 1908 in Höhe von 3012 M. Die Forderung wurde abgelehnt. Der Kreisausschutz lehnte auch die Feststellung einer derartigen Verpflichtung der genannten drei Gemeinden ab. Die Berufung des Vorstandes des Gesamtschulverbandes wurde vom Bezirksausschutz abgewiesen. Darauf legte der Vorstand Revision ein. Dem Rechtsmittel trat Rechtsanwalt Dr. I. Herzfeld vor dem Obcrverwaltnngsgericht alS Vertreter der Gemeinden Wietze» Horn» bostcl und Oldau entgegen. Nach dem Wortlaut des Z 53 des Kommunalabgabengesetzes, der die Zuschutzleistungen der sogenannten Betriebsgemeinden gegenüber den sogenannten Arbeiter-Wohnsitz- gemeinden regelt, könnten Ansprüche auf Zuschüsse zu den Schul- lasten nur Gemeinden(bezw. Gutsbezirke) erheben, nicht aber ein Gesamtschulverband, vertreten durch seinen Vorsteher. Die Klage ei darum unzulässig, weil der Gesamtschulverband bezw. sein Vor» teher sie erhoben habe. Auch§ 54 des Volksschul-Unterhaltungs- gesetzeS ändere hieran nichts. Das Obcrverwaltnngdgcricht verwarf die Revision deS Vor» stehers des Gesamtschulverbandes Winsen. Es stellte sich auf den vom Anwalt vertretenen Standpunkt und erklärte die Klage deS Verbandsvorstandes bezw. des durch ihn vertretenen Gesamtschulverbandes für«»zulässig._ Vom Gesinberrcht. Ein Merkmal der gegen das Gesinde bestehenden Ausnahme- gcsetze sind die Bestimmungen über die Bestrafung der Dienstver- yehen. Die Bestrafung erfolgt aus Antrag des Arbeitgebers. Also in die Hand unserer ostelbischen Gutsbesitzer wird die Anwendung dieses dem heutigen Rechtsempfinden ins Gesicht schlagenden Bc- stimmungen zum Gcsinderecht gelegt. Ein Maschinist war bei dem Gutspächtcr Bcnkendorf auf Carolinenhof bei Stavenhagen im Jahreskontrakt. An 2 Tagen im vergangenen Sommer hatte er seinen Dicnsthcrrn die Arbeit „versagt". Beim Kleemähen mit der Mähmaschine hatte er mittags 12 Uhr Schluß gemacht, um nach dem Gutshof zum Mittagessen zu gehen. Der Dienstherr kam dazu und befahl, den Rest des Klee» feldcS vollends zu mähen, was etwa% Stunden in Anspruch gc- nommcn hätte. Der Maschinist entgegnete, er wolle sein Essen nicht kalt werden lassen und begab sich nach dem Gutshof. Das erste Dienstvergehen l Einige Tage später war der Mann damit beschäftigt, die von ihm bediente Lllaschine auseinander zu nehmen. Der Dienstherr befahl ihm, einen Wagen, der gestrichen werden sollte, zu reinigen. Der Arbeiter begab sich zum Stellmacher, um sich ein Werkzeug geben zu lassen, mit dem der Wagen von dem anhaftenden Kot be- freit werden konnte. Als dies ergebnislos blieb, ging er wieder an seine vorige Arbeit. DaS war das zweite Dienstvergehen! Auf die Anzeige des Gntspächters verhängte das Polizeiamk, unter der Beschuldigung,„seiner Dienstherrschaft die Arbeit versagt und den schuldigen Gehorsam verweigert zu haben", eine Geldstrafe von 20 M., evenutcll 10 Tagen Haft, auf Grund der Verordnung betreffend die Bestrafung der Dienstvergehen vom 3. August 1892, die als Teil der mecklenburgischen Gesinoeordnung anzusehen ist. Das Schöffengericht in Stavenhagen. dem Geburtsort Friß Reuters, dem klassischen Boden von„Kein Hüsung", bestätigte mit einer vier Seiten umfassenden Urteilsbegründung die Strafverfü- gung, ermätzigte aber die Geldstrafe auf 12 Mk., eventuell 6 Tagen Haft. Die mecklenburgische Polizeiverordnung ist dem preußischen Gesetz vom 24. April 1854 getreu nachgebildet. Die Beseitigung beioer Gesetze und der Gesinoeordnungen kann vom Reichstag des Schnapsblocks leider nicht mehr erwartet werden. Die Augen der Landarbeiter richten sich auf den neuen Reichstag, der hier gründ- liche Arbeit zu verrichten Zqj, 0ewerkrcbaftUcbce. mk ein cbriftUcber Hrbeiterfchretär das Koalitionsrecbt auslegt! In einer Wählerversammlung der zweiten Abteilung in G la d- Leck war der einige Hundert Arbeiter beschäftigende Sägewerls- Lefitzer Küster als Kandidat der Zentrumspartei ausgestellt worden. Hiergegen erhob der christliche Arbeitersekretär Gable Protest und stützte sich darauf, daß Küster das Koalitionsrecht der Arbeiter nicht achte. Ein solcher Mann könne nicht als offizieller Zentrnmskandidal in Frage kommen, denn es sei ihm mitgeteilt worden, daß Küster eine große Anzahl Arbeiter, die sich gewerkschaftlich organisiert hätten, auf die Straße gesetzt habe. Sofort erhob sich Herr Küster und erklärte, daß Gable falsch informiert sei. Er habe nur eine Säuberung der Mitglieder des sozialdemokratischen Holzarbeiter-VerbandeS vorgenommen, eine Handlungsweise, mit der Herr Gable sich wohl einverstanden erklären müsse. Und was sagte darauf der christliche Arbeitersekretär? Durch Zeichen und Gebärden brachte er mit freudestrahlendem Gesicht zum Ausdruck, daß dann die Sache eine andere sei. Wie eine Eni- schuldigung nahm es sich aus, daß er in diesem Falle die Sache zur Sprache gebracht hatte. Da? ist noch wohl ein unverfälschter.Christ", ein christlicher ArbeitersekretSr, der als Muster gelten kann. Gladbeck ist der Ort im katholischen Münsierlande, dessen Zentrumsorgan aus Anlaß des Ausganges der Knappschafts- und SicherheitSmännerwahlen verlangte, daß die Verbändler aus den Zechenkolonien auf die Straße geletzt werden sollten. Der Redakteur der liberalen.Allgemeinen Zeitung" in Reckling- Hausen war wegen einer Kritik an dem Verhalten des Zentrums- führers Professors Wildermaun von der klerikalen Stadtverordneten- Mehrheit vom Pressetisch verbannt worden. Auf die Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Münster hat dieser erklärt, daß der Bericht- erstatter der genannten Zeitung nach wie vor wie jeder andere am Pressetisch zugelassen werden müsse. Berlin und Qm gegen d. ®ie Ballschuhmacher Berlins beschäftigten sich am Montag in «wer zahlreich besuchten Brauchenveriannnlung mit dem Schuh- m a ch e r st r e i k in Dresden, der ja, wie man nach einer aus Unternehmerkreisen stammenden Pressenotiz annehme» muß, zu einer GeneralänSsperrung in der Schuhindustrie Deutschlands führen soll. Der Borsitzende Hamann schilderte die Entwickelung und den bis- herigen Vrllans des Streiks, an dem aucd ungefähr 300 Ballschuhmacher beteiligt sind. Es ist bemerkenswert, daß die Dresdener Fabrikanten sich bereit zeigten, gerade den Ballschuhmachern und nickt de» übrige» Arbeitern der Schuhindustrie Lohn- erhödungen zukommen zu lassen, wenn auch gänzlich unzureichende. Darin liegt eine Anerkennung der Tatsache, daß die Löhne in dieser Gruppe denn doch allzu erbärmlich find. Es liegt denn auch so. daß, wenn die Ballschuhmacher in Berlin einmal eine kleine Aufbesserung verlangen, die hiesigen Fabrikanten immer aus die Schmutz- konkurrenz und die niedrigen Löhne in Dresden hinweisen. Das ging soweit, daß die Ballschuhmacher Berlins sogar einmal in einer Resolution das laue und uniolidarische Verhalten ihrer Kollegen in Dresden aufs schärfste tadelte». Inzwischen hat sich ja nun die Schuharbeilerschast auch in der sächsischen Hauptstadt aufgerafft und mit ihr die Ballschuhmacher. Die Lohnerhöhungen, die ihnen bei den letzten Verhandlungen geboten ivurde», betrugen 5— 7 Proz. Der Durckschnitisverdienst eines geschickten Ballschuhmachers war bisher kaum 13 oder 19 M. die Woche und würde nach dem Angebot der Fabrikanten vielleicht auf 19—29 M. steigen. Dazu kommt, daß sich gar nicht einmal feststellen läßt, wieviel Arbeitsstunden in diesen zur Erhaltung einer Familie in dem teuren Dresden gänzlich unzu- reichenden Löhnen stecken, denn es handelt sich hier meist um Heim- arbeiter. Es ist begreiflich, daß die Arbeiterschaft dieses Angebot, das ja, so gering es ist, nur einem Teil zugute kommen sollte, ab- lehnte. Die Drohung mit der allgemeinen Aussperrung, über die nähere Nachrichten noch nickt vorliegen, braucht die Schuharbeiter- schast Deutschlands nicht zu sürchten, selbst wenn sie, was noch sehr zweifelhaft ist, in die Tat umgesetzt werden sollte. Allerdings darf der Ernst der Lage nicht verkannt werden. Die Scharfmacher suchen die Schuhfabrikanten im ganzen Reiche gegen den Schuhmacher- verband aufzuhetzen und darmn ist es um so mehr notwendig, daß die Arbeiterschaft auf alle Fälle gerüstet ist. Damit der Kampf in Dresden zu einem glücklichen Ende geführt werden kann, ist es auch er- forderlich, daß überall und besonders hier in Berlin darauf geachtet wird, daß keine Streikarbeit süx Dresden angefertigt wird. Wenn irgend- wo verdächtige Arbeit angeboten wird, so ist daS sofort im Bureau zu melden. Die Gefahr der Streikarbeit scheint allerdings gegen- warlig nicht besonders groß, da die Berliner Fabrikanten selbst Auf- träge genug haben und arbeitslose Ballschuhmacher in Berlin zur- zeit kaum vorhanden sind, aber gleichwohl muß genau acht gegeben werden, daß die Dresdener Fabrikanten nicht etwa hier oder anderswo einen Teil ihrer Arbeit geliefert erhalten.— An das Referat knüpfte sich eine rege Diskussion, aus der hervorging, daß die Ballschuhmacher Berlins sehr erfreut darüber sind, daß ihre Dresdener Kollegen endlich einmal einen kräftigen Vorstoß gewagt haben und tapfer im Kampfe ausharren. Die 20 Prozent Lohn- erhöhung, die in Dresden bei Einleitung der Bewegung verlangt wurden, hielt man eigentlich noch für zu gering, uni dort einiger- maßen annehmbare Lohnverhältnisfe zu schaffen. Die Lohnbewegung in den Schraubenfabriken. Eine Versammlung aller in den Schraubenfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiteriiinen füllte gestern abend den großen Saal des Gewerkschaftshauses samt den Galerien bis auf den letzten Platz, um den Bericht über den Stand der Lohn- beweg un g entgegenzunehmen und die nötigen Beschlüsse zu fassen. Aus dem Bericht, den Handle gab, ist zu entnehmen, daß ein Teil der Arbeitgeber gewissernmßen entgegenkommend geant- wortet hat, während andererseits eine gewisse Verärgerung dar- über zum Ausdruck kommt, daß die Arbeiterschaft überhaupt For- derungen gestellt hat. Ter Verein Berliner Metall- sch raube nfabrikanten beschäftigte sich Ende voriger Woche mit den Forderungen. Dabei haben einige Fabrikanten die Au- ficht vertreten, daß nmn überhaupt nicht daraus andlvorten sollte. Die Mehrheit war aber offenbar der Meinung, daß man wenig- steus etwas Entgegenkommen zeigen müßte, um eine» ernsten Kon- flikt zu vermeiden, und man beschloß, daß den Arbeitern in den Fabriken folgende Antwort erteilt werden sollte: „In Beantwortung der überreichten Forderungen erkläre ich mich bereit, den verteuerten Lebensverhältnissen Rechnung tragend, obgleich nach den eingereichten Lohnlisten der Berliner Metall- schraubenfabrikanten festgestellt ist, daß der Durchschnittsverdienst 58,7 Pf. pro Stunde beträgt, die Akkordsätze der Schrauben- und Fassondreher so aufzubessern, daß im Durchschnitt ein Stunden- lohn von 69 Pf. erreicht werden kann. Ferner bin ich bereit, ge- übten Maschinenarbeitern die Akkordsätze so zu erhöhen, daß ein Durchschnittslohn von 45 Pf. pro Stunde erreicht werden kann. Sodann bewillige ich, geübten Arbeiterinnen an Schranbenbänken die Akordsätze so zu erhöhen, daß sie einen Durchschnittslohn von 35 Pf. pro Stunde erreichen können. Fabrikationsüberstunden werden mit 25 Proz. Zuschlag bezahlt. Bestehende bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse werden sicher nicht verschlechtert werden." Diese Zugeständnisse, wenn man es so nennen kann, bleiben weit hinter dem zurück, was gefordert wird. Tic Arbeitgeber scheinen in dein Irrtum befangen zu sein, daß die geforderten E i n st ei l u n g s l öh n e das darstellen, was die Arbeiter und Arbeiterinnen in Akkord oder bei längerer Beschäftigimg. verdienen möchten, während cs doch das Mindeste sein soll, was der oder die Reuemgefleklte erhalt«» muß. vetzrrdtkS ist da»,«vn» dt« Ar- beiterschast als Hauptforderungen auffassen mutz, die Erhöhung der Akkordsätze um 19 bis 15 Proz. und die Lohnzulage von 5 Pf. pro Stunde, gar nicht berücksichtigt. Der Schriftführer des Fabri- kantenvereins hat in einem Telephcmgespräch gesagt, daß die Ar- beitgeber die Hoffnung hegten, die Arbeiter und Arbeiterinnen würden sich mit den gemachten Zugeständnissen zufrieden geben. — Als der Redner dies erwähnte, kam aus der Versammlung allgemeiner Widerspruch.— Es scheint aber, daß in den Kreisen der Arbeitgeber Neigung vorhanden ist, von Organisation zu Or- ganisation zu verhandeln. Das wird selbstverständlich von der Arbeiterschaft nicht abgelehnt, deren Konimission im übrigen der Meinung ist, daß die" erwäbnten Zugeständnisse durchaus un- befriedigend sind.— Der Redner überließ cs jedoch der Versammlung, die Entscheidung zu treffen. In der sehr regen Diskussion sprachen sick alle Redner und Rednerinnen gegen die Annahme des Angebots der Fabrikanten aus, und man ließ keinen Zlveisel darüber," daß die Arbeiterschaft, tvenn die Fabrikanten nicht ein gut Teil mehr Entgegenkommen zeigen, alles aufbieten wird, um die dringend notwendige Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse herbeizuführen. Einstiuunig wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt die von den Arbeitgebern ge- machten Zugeständnisse als zu gering, da sie keine Verbesserung enthalten. Die Versammlung beauftragt die Kommission, mit der Vereinigung der Schranbensabrikanten, resp. den Arbeitgebern sofort in Verhandlung zu treten, um die gerechten Forde- rungen der Arbeiterschaft zu verwirklichen. Sollten die Arbeit- S>eber die Verhandlungen ablehnen oder keine weiteren Zuge- tändnisse machen, dann lehnt die Arbeiterschaft jede Verantwor- tung ab, und diese trifft dann die Arbeitgeber." Achtimg! Vertrauensmänner der Metallarbeiters Am Sonntag, den 13. d. M.. findet die Gewerbegerichtswahl statt. Unsere Vertrauensmänner ersticken wir, dafür zu sorgen, daß alle Kollegen, soweit sie wahlberechtigt sind, auch ihr Wahlrecht ausüben. Für uns als freie Gewerkschaft kommt Liste l in Betracht. Nur kür diese Liste I dürfen die organisierten Metallarbeiter stimmen. Weitere Verhaltungsmaßregeln lowie das Verzeichnis der Wahl- lokale sind aus dem Flugblatt ersichtlich. Dickes Flugblatt können die Vertrauensmänner von heute abend ab in derselben Anzahl erholten als Metallarbeiter-Zeitungen von der betreffenden Zahlstelle abgehoben werden.(Siehe heutiges Inserat.) Wir erwarten, daß unsere Vertrauensleute sowohl als wie auch alle Verbandskollegen bei der Gewerbegericktswahl ihre volle Pflicht und Schuldigkeit in jeder Hinsicht tun werden. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwallung Berlin. Achtung, Buchbinder! Von den Vertretern der Hannoverschen Geschäslsbüchersabriken wird versucht. Streikarbeit ans Hannover in Berliner Betrieben unterzubringen. Da sich unsere Kollegen und Kolleginnen schon die sechste Woche im Ausstände befinden, ersuchen wir alle Mitglieder, ein wacksanieS Auge auf die neu ericheinenden Arbeile» zu richten und dem Bureau sofort Mitteilung zu machen. Streilarbeit ist zu verweigern. Die Ortsverwaltung. Achtung, Buchbinder! Die Firma West ermann. Verlags- anstalt. Braunschweig, versucht ihre Arbeiten in Berlin anfertigen zu lassen. Das Werk„Rahlves und Lilie, literarische Bibel mit Bildern" ist hier eingetroffen, um eingebunden zu werden. Dasselbe ist Streikarbeit. Beim Auftauchen bitten wir um sofortige Benach- richtigung. Die OrtSverwulmiig. Deutfehes Reich. Erfolgreich beendete Lohnbewegung in der Knopf- industrie. In den letzten Tagen konnte in Schmölln die vor einiger Zeit eingeleitete Lohnbewegung günstig zu Ende geführt werden. Die aufgestellien bescheidenen Fordernngen wurden allerdings nur zum Teil bewilligt, trotzdem»st der Erfolg hoch anzuschlagen, be- sonders weil die Bewegung— mit Ausnahme einer Fabrih wo es zum Streik kam. der inzwischen erfolgreich beigelegt wurde— ohne Kampf beendet werden tonnte. Die erreichte Lohnerhöhung beträgt durchschnittlich<>/„ Proz. für nllt Branche», die unter dem EinheilSlarif arbeiten, und das ist der größte Teil der Arbeiterschaft. Bei den übrigen Branchen ist die Aufbesserung verschieden; in der bestreikten Fabrik beträgt sie 22. teilweise sogar 59 Prozent. Die Fabrikanten zahlen das notwendige Oel bei Lichtarbeiten. Das Putzen der Automaten wird in Lohn ansgeführt, der Stundenlohn, das Abladen der Späne und des Materials wird um 5 Pf. erhöht und den Arbeiterinnen für sonstige Ueberarbeite» ein Stundenlohn von 20 Pf. bezahlt. Auch in der Ueberstundenfrage wurde eine allerdings wenig be- friedigende Lösung gesunden. Die Arbeitszeit wird wöchentlich um eine Stunde verkürzt. Das ichwere Los der Arbeiter und Arbeiterinnen wird trotz des günstigen Ausgangs der Bewegung nur um ein Geringes erleichtert. Der bisherige Durchschnittsverdienst der Arbeiter betrug rund 18 und der der Arbeiterinnen 19 M. Trotzdem dürfen diese Proletarier auf ihren Erfolg stolz sein. Es wird dadurch bewiesen, daß auch die Arbeiter der Elendsberufe nicht trostlos in die Zukunft schauen brauchen, wenn sie, wie dieses in Schmölln der Fall, ihre Organi- sation mit Liebe und Sorgfalt pflegen und unermüdlich für Auf- klärung in gewerkschaftlicher und politischer Hinsicht sorgen. Mögen sich die Angehörigen der Elendsindustrie anderer Orte ein Beispiel an diesen Arbeitern nehmen._ Hu Aland« Der Generalstreik in Sabadell. Aus Madrid wird berichtet: Die Föderation der Arbeit hat beschlossen, den Generalstreik für beendet zu erklären. Der Streik der Spinner und Weber dauert fort. Die Zahl der Streikenden beträgt ungefähr 11990. Die Regierung, die ihre ganze Autorität in den Dienst des Unternehmertums gestellt hat, hat also gesiegt. Sie hat sich als reine Scharfmacherregierung gezeigt. Obwohl der Minister des Innern bei den Verhandlungen die Ansprüche der Arbeiter als berechtigt anerkennen mußte, hat die Regierung den Unternehmern bewaffnete Macht bedingungslos zur Verfügung gestellt, die Strciksührer verhaftet und mit Gewalt die vollkommen gesetzliche Bewegung der Arbeiter unterdrückt. Aber die Arbeiter sind nicht entmutigt und sie werden aus der Niederlage die Lehre ziehen, mit aller Kraft ihre Organisation zu stärken und die Kriegskassen zu füllen._ Im südwalisischen Kohlenrevier kam eS nach den Mitteilungen des ofssziösen TelegraphenbureauS zu Streikunrnhen. Man hegt Befürchtungen wegen der Sicherbeit Llewellyns, de? Generaldirektors der Cambrianbergwerke, der mit etwa 59 Mann in der Hauptstation der Glamorgan- Kohlenbergwerke eingeschlossen ist. Llewellyn und seine Mann« schast hatten die Maschinen im Betrieb, um einer Ueber- flutung der Mine vorzubeugen. An verschiedenen Orten kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei, wobei auf beiden Seiten zahlreiche Personen verwundet wurden. In Pontypridd, wo sich die Unruhen wiederholten, ist eine Schwadron Kavallerie«in- getroffen, eine zweite Schwadron wird morgen folgen. Außerdem sind dort 279 Polizeibeamte aus London eingetroffen, die sich un- verzüglich nach Tonypandtz und Aberainan weilerbegeben haben; es werde» noch weitere 290 Polizeibeamte dort erwartet. Der Minister des Innern Winston Churchill hat in der Hoffnung, die Ausständigen zu beschwichtigen, einen offenen Brief an sie ge- haftest« bedauere und daß ein Vertreter des Handelsministeriums mit ihren Vertretern unterhandeln werde. Er fordert die Arbeiter zum Schluß auf, keine weitere Unruhen zu veranlassen und erklärt. daß er volles Vertrauen zu ihnen besitze. Trotz dieses Briefes er« neuerten die Ausständigen, wie berichtet, die Zwischenfälle. Infolge- dessen ließ der Minister die gesamten Truppen des Generals Macerody nach dem Ausstandsgebiete abgehen. Die gesamte Kavallerie von Cardiff ist ebenfalls an Ort und Stelle abgegangen. Weiter ist eine Schwadron Kavallerie in Townybandy eingetroffen, eine andere wird noch erwartet. ._._.____ richtet, in dem er mitteilt, daß er die jüngsten Vorgänge aufs leb- verants. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Lnjeratenteil verantw.; Uh.GIock?,Bcr!il!. Druck U.Verlag: Streik der Kesselarbeiter in Newcastle. Die Kesselarbeiter in Newcastle haben mit 15 563 gegen 6859 Stimmen das Abkommen abgelehnt, welches ihre Vertreter mit den Arbeitgebem vereinbart hatten. Nmerikanische Streiks. In N e w D o r k streiken 2399 Krastdroschk en f üch rer.— Ein neuer Straßenbahnerstreik wird in Philadelphia befürchtet. Hetzte Ptachrfehten. Die Bremer Strastenunruhen vor Gericht. Brenlen, 9. November.(Privattelegramm des„Vor- wärts"). Der erste Prozeß wegen der Unruhen am 18. Ok- tcber richtete sich gegen einen Tischlergesellen aus Hamburg. Er soll einen Schutzmann beleidigt Hadem Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Ge- fängnis. Das Urteil lautete auf eine Woche Gefängnis. �ie Werftarbeiter in Wilhelmshaven gegen den Arbeiter- ausschust. Wilhelmshaven, 9. November.(W. T. B.) Eine bon 4999 Werft» arbeiter» besuchte Versammlung lehnte die Resolution des ArbeiteranSschusses, nach welcher der Streit zwischen der Direktion und den Arbeitern geschlichtet werden sollte, ab. Ter Arbeiteraus- schuß legte darauf sein Amt nieder. Die türkische Anleihe untergebracht. Berlin, 9. November.(W. T. B.) Ein von der Deutschen Bank geführtes Konsortium übernahm von der türkischen Re- gierung eine vierprozentige, in einundvierzig Jahren tilgbare Anleihe._ Das Hamburger Staatsbudget. Hamburg, 9. November.(W. T. B.) Der der Bürgerschaft heute abend zugegangene Entwurf des Staatsbudgets für 1911 veranschlagt die Einnahmen auf 144 937 226 M., die Ausgaben, ohne Berücksichtigung der Mehrausgaben infolge der bevorstehen» den Beamtrngehaltserhöhungen. auf 161 819 663 M., so daß ein Fehlbetrag von 16 832 442 M. zu verzeichnen ist. Aus der französischen Deputiertenkammer. Paris, 9. November.(W. T. B.) Im weiteren Verlauf der Debatte über die Interpellationen in der Deputiertenkammer schloß Pelletan mit der Bemerkung, die radikale Fahne dürfe nicht dazu dienen, eine reaktionäre Regierung zu decken.(Beifall a. d. äußerst. Linken und bei einem Teil d. Linken.) B riand ant» wartete, die Regierung beabsichtigte, die in ihrer Erklärung ge« gcbencn Versprechungen zu halten. Was die Frage der Ausstände anbetreffe, so werde die Regierung sich a» die von der Kammer ge» nehnngte Tagesordnung halten. Briand wiederholte, die Re« gierung könne einem vollständigen Stilliegen dcS Eisenbahn» Verkehrs nicht mit verschränkten Armen zusehen und wies die Auf- forderung eines Deputierten, über die Bedingungen der Kabinetts» bildnng Erklärungen abzugeben, zurück. Vom Hause oftmals unter- brachen, erklärte er, er lehne es ab, darauf zu antworte,:. DaS Kabinett sei nach konstitutionellem Recht mit einem Programm ge- bildet. Meine Erklärung, schloß er, hat Ihnen Aufklärung gegeben, damit ist cs genug; wen» Sie uns nicht haben wollen, sagen Sie es.(Beifall.) Unter großer Unruhe verlas darauf der Präsident die eingebrachten Tagesordnungelt. Briand erklärte,«r werde die Tagesordnung G r o s d i- di er annehmen, in der der Regierung das Vertrauen ansge» sprachen und die Erklärung der Regierung gebilligt wird, und stellte die Vertrauensfrage. Einige Deputierte wandten sich unter großem Lärm gegen Las ferro wegen seiner Beziehung zur Frei- maurerei. Lafferre protestierte lebhaft gegen diese Angriffe. Die Tagesordnung GroSdidiers wurde darauf mit 296 gegen 299 Stimmen angenommen und die Sitzung geschlossen. Zugentgleisung infolge Hochwasser. Pari?, 9. November.(Preß.-Tel.) Heute mittag ist in der Nähe der Station Movillette der Linie Dreux-Chartres ein Personenzug entgleist. Zehn Personen wurden schwer verlebt; vier von ihnen tödlich. Die Entgleisung wurde durch die vom Hochwasser herbeigeführte Untcrlvaschung des Bahndammes der- ursacht. Fünf Mann ertrunken. Cuxhaven, 9. November.(W. T. B.) Die heute in Cuxhaven angekommene deutsche Bark„Schiller", mit Salpeter nach Hamburg unterwegs, hat in der Nordsee durch eine Sturzsee fünf Mann der Besatzung verloren. Opfer deS Molochs. Antwerpen, 9. November.(W. T. B.) Bei Schießübungen in den Festungswerken von Brasschaet explodierte eine Granate, durch die fünf Personen getötet» drei schwer und eine leicht verlebt wurden. Zur Strandung der„Preußen". London, 9. November. Die Blätter melden, daß die„Preußen" in der Kiellinie an zwei Stellen gebrochen ist. Es herrscht ruhiges Wetter. Der„Globe" meldet aus Dover: Vertreter deutscher Per- sicherungsgesellschaften hätten den Schauplatz der Katastrophe be- sucht und sich mit den Schiffsagenten und Inspektoren von Dover Besprochen. Sie hätten daraus den Beschluß gefaßt, das Wrack auf- zugeben, und es einer Bergungsgesellschaft zu übergeben, um soviel als möglich von der Ladung zu retten. Neue Eholeraerkrankunzen. Konstantinopcl, 9. November.(W. T. B.) Heute sind an Cholera neun Erkrankungen und neun Todesfälle borge- kommen, in der Armee zehn Erkrankungen und zwei Todesfälle._ !dr. u, BerlagSanstall Paul Singer LcCo„ Berlin SW, Hierzu 3 Beilage» u.Ulllerhaltunzsbi, it.264. N.?chMg. i.§t\k§t öfB„pprinirtö" Pplliölilßtt. Die Moabiter Vorgänge vor Bericht. Gestem nahm der umfangreiche Prozeß aus Anlaß der Moabiter Vorgänge semen Anfang vor der dritten Strafkammer des Landgericht« L Schon ungewöhnliche äußere Maßregeln deuten auf ein besonderes Ereignis hin. Der Hanpteingang des Ge- bäudeS ist durch einen Schutzmannsposten besetzt. Im Verhandlungssaale— es ist der Schwurgerichtssnal des Landgerichts III— sind vier mit Säbel und Pistole bewaffnete Schutzleute aufgestellt, und zwar zwei neben der Eingangstlir und zwei neben den Plätzen der Angeklagten. An der Eingangslür des Zuhörerraumes ist ebenfalls ein Schutz- mann postiert, dem sich von Zeit zu Zeit ein Polizei- l e u t n a n t zugesellt. Der Zuhörerraum ist dicht gefüllt. Die Presie ist ungewöhnlich zahlreich vertreten. Einen besonderen Platz hat ein vom Polizeipräsidium entsandter Stenograph. Auch von dem kriminalistischen Seminar des Professors Liszt sind zwei Vertreter anwesend, um den Verhandlungen zu folgen. Die Prozeßbeteiligten. Die Anklagebank bietet nicht Raum genug für alle An- geklagten, deren Namen wir bereits gestern mitteilten. Ein Teil der Angeklagten mutz auf den Geschworenenbänken Platz nehmen. Eine Anzahl der Angeklagten werden aus der Untersuchungshaft vor- geführt. Die meisten der 35 Angeklagten werden verteidigt durch die Rechtsanwälte Wolfgang Heine, Dr. Heinemann, Dr. Oskar Cohn, Dr. Kurt Rosen- feld, Theodor Liebknecht und Kurt Rosenberg. Rechtsanwalt Bahn verteidigt einen der Angeklagten und zwar den einzigen, der wirklich schwer belastet ist. Er steht unter der Anklage, einen Messerangriff auf einen Schutzmann unternommen zu haben. Die Rechtsanwälte Coßmann, Ulrich und Blau haben je einen der Angeklagten zu verteidigen. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsdirektor Lieber. Die Anklage vertreten Er st er Staatsanwalt Steinbrxcht und Staatsanwalt Stelzner. Einstweilen ist erst ein Teil der Zeugen geladen. Unter diesen befinden fich Polizeimajor Klein, die Polizeileutnants Folte, Götze, Titzmar und Kriminalkommissar Kuhn, ferner Geschäftsführer Busch- meier von der Firma Kupfer u. Co., die Angestellten des Deutschen Transportarbeiterverbandes Werner und Nitsche, sowie unsere Ge- nassen Ebert(vom Parteivorstand), Körsten und Ströbel. Sämtliche für heute geladene Zeugen werden wieder entlassen mit dem Bemerken, daß sie sich für Donnerstag beziehungsweise Freitag bereit zu halten haben. Anträge, vor dem zuständigen Richter zu verhandeln. Nachdem der Vorsitzende die Personalien sämt- licher Angeklagten festgestellt hatte, nahm Rechtsanwalt Dr. Heinemann das Wort zu einem Antrage. Er beantragte, alle Anklagen, welche nach dem Geschäftsplan nicht vor die dritte Strafkammer gehören, abzutrennen von denen, für welche die dritte Strafkammer zuständig ist und nur über diese Fälle zu verhandeln. Zur Begründung des Antrages sagte der Verteidiger unter anderem: Das Gericht sei nicht vorschriftsmäßig besetzt. Da« Gesetz stehe auf dem Standpunkt, daß in der Regel jede Sache für sich behandelt werden müsse und daß eine Zusammen- legung mehrerer Sachen die Verteidigung und damit die Interessen der Angeklagten beeinträchtige. Bon dem Grundsatz, gegen jeden Angeklagten gesondert zu verhandeln, kenne das Gesetz nur zwei Ausnahmen und zwar: Wenn ein Angeklagter mehrere Straftaten begangen habe oder wenn an einer Straftat mehrere Angeklagten beteiligt find. Das ist hier nicht der Fall. Darauf habe sich auch der ZusammenlegungSbefchluß nicht berufen, sondern er stütze sich darauf, daß ein Zusammenhang der Straftaten bestehe. Die Verteidigung stehe auf dem Standpunkt, daß ein Zusammenhang hier nicht gegeben sei. Doch bei diesem Punkt sei dem Ermessen de» Gerichts ein weiter Spielraum gegeben. Einen Punkt aber gebe es, über den das Gericht nicht nach freiem Ermessen zu entscheiden habe. Nach Z 236 der Strafprozeßordnung könne das Gericht die Zusammenlegung beschließen, wenn ein Zu- sammenhang einzelner Sachen besteht. Es frage fich nun, was ver- stehe K 236 unter„Gericht". Alle Kommentatoren feien darüber kleines feuilleton. Eskimoberichte über die Nordpolentdeckung. Von dem Grön- landforscher Knud R a s m u s s e n ist in Kopenhagen ein Bericht eingetroffen, den der eingeborene� grönländische Pfarrer Gustav Olsen von den Eskimos Utukusuk und Apilak, den Begleitern Cooks auf seiner angeblichen Nordpolfahrt, erhalten hat. In diesem heißt es: Im Februar verließen wir mit acht Schlitten Anoritok und erreichten Ellesmereland nach vier Tagen. Nach achtzehntägiger Reise verließen uns unsere Begleiter bei etwa 2% Meilen Abstand vom Lande. Als uns die Hilfsmittel aus- gingen, machten wir nur sehr kurze Tagesrcisen auf ausgezeich- netem Eise. Eines Tages nahm Cook Sonneirobservationen mit einem Instrument vor, das er nur in der Hand hielt. Darauf kehrten wir zum Lairde zurück. Vorher ließen wir massenhaft getrocknetes Fleisch zurück, wovon wir fast nichts gebraucht hatten. Eines Tages nahe dem Lande zeichnete Cook eine Karte. Apilak fragte, wessen Route zeichnest Du? Cook antwortete: Rheine eigene. Das war eine Lüge. Die Route war weit über das Meer gelegt, wo wir nie gewesen sind. Wir folgten dem Lande am Kap Sparbo vorbei, wo wir Vorbereitungen zum Ueberwintern trafen. Beim Wiedererscheinen der Sonne begann die Heimreise. Cook, der während der Reise gute Belohnung versprochen hatte, betrog uns bei der Heimkehr. Rasmussen fügt hinzu: Die Eskimo- aussagen find durchaus glaubhaft. Cook hat während des ganzen Zusammenseins mit den Eskimos nicht erwähnt, daß er am Nord- pol gewesen ist. Erst nach Verlaffen seiner beiden Begleiter begann der Schwindel. Von P e a r y s Begleitern, den Eskimos Jgganguak und Uku- jak, erhielt Rasmussen auf gleichem Wege einen Bericht, in dem es heißt: Vom Schiff reisten wir nordwärts im Februar und März. Ehe wir Kapitän Bartlett verließen, hatte Peary verschiedene Observationen gemacht. Als wir allein geblieb«: waren, wiederholte er seine Observationen sehr oft. Wir waren so weit nord- wärts gedrungen, daß die Sonne auch nachts hoch am Himmel stand und sich in einem Bogen bewegte, ohne auf- oder unter- zugehen. Nachdem Peary Order zum Halten gegeben hatte, setzte er die Reife vom Haltepunkt mit zwei Mann fort und kam am gleichen Tage noch zurück. Peary sagte bei seiner Rückkehr zu uns: Endlich habe ich erreicht, was ich wollte. Hier an dieser Stelle schliefen wir zwei Nächte. Peary war eifrig mit Observationen beschäftigt und schlief die letzte Nacht überhaupt nicht. Wie lange Tagesreisen wir gemacht haben, wissen wir nicht. Da das Eis glatt war. konnten wir lange Strecken zurücklegen. Am Nordpol selbst bemerkten wir nichts von Pearhs großer Freude, erst bei seiner Ankunft an Bord des Schiffes gab er den Amerikanern und unS Grönländern ein großes Fest. Theater. Charlottenburger Schiller-Theater:.Prinz Friedrich von Homburg" von Heinrich v. Kleist. Die einig, daß hier nicht das Landgericht, sondern die nach dem Geschäftsplan zuständige Strafkammer gemeint sei. Diese allein könne beschließen, daß bei ihr an- hängige Sachen zusammengezogen werden, wenn ein Zu- sammenhang zwischen ihnen bestehe. Natürlich könne sich das nur beziehen auf die Sachen, welche mit Recht bei der betreffenden Kammer anhängig seien. In bezug auf sotckie Sachen, die nicht mit Recht bei der Kmniner anhängig sind, dürfe sich ein solcher Beschluß nicht erstrecken. Demnach könne also. die dritte Straf- kam in er diejenigen Sachen, die nach dem Geschäfts- plane nicht vor sie gehören, auch nicht mit ein- ander verbinden. Sonst könnte ja jede Strafkammer jede Sache vor ihr Forum ziehen, wiewohl sie nach dem Geschäftsplane nicht zuständig ist. Auch die EröffnuuaSkammer habe kein Recht, der erkennenden Kammer zu überlassen, ob sie die Zusammenlegung be- schließen wolle. Die dritte Strafkammer fei unzuständig für alle Sachen, die nach dem Geschäftsplan nicht vor sie gehören. Sollte dennoch gemeinsam verhandelt werden, so würde das Reichsgericht das gesamte Verfahren zweifellos als unrechtmäßig erklären. Rechtsanw. Dr. Kurt Rosenfeld: Die Anklagen gegen Friese, Kliche und Weidemann müssen schon deshalb ab- getrennt werden, weil sie mit den Vorgängen in Moabit in gar keinem Zusammenhang stehen. Frau Friese �soll morgens um S Uhr, also zu einer Zeit, wo in Moabit alles ruh Ig war, eine Beleidigung begangen haben. Der Angeklagte Kliche soll in einem Lokal in der K ö n i g st r a ß e eine Beleidigung begangen haben. Daß die Königstraße zu Moabit ge- höre, werde selbst die Staatsanwaltschaft nicht behaupten können. Weidemann solle sich am 2. Oktober einer Beleidigung schuldig gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft selbst gibt in der Anklage- sibrift an. daß schon am 30. September die Unruhen in Moabit ihr Ende erreicht hatten. Also auch in diesem Falle liege kein Zusammen- hang vor. RechtSanw. Theodor Liebknecht: Die Anklage gegen Pilz hat gar keinen Zusammenhang mit den übrigen Sawcn. ES handelt sich lediglich darum, daß in seinem Schanklokal ein Arbeits- williger beleidigt und ein anderer mißhandelt worden sein soll. DaS hat mit den Vorgängen anf der Straße, womit der Zusammen- hang begründet wird, nichts zu tun. Der Zusammenziehungsbcschluß ist ein tendenziöser Beschluß.— Vors.: Ich bitte, den Ausdruck tendenziös zu unterlassen. Frau Reinhard wird ohnmächtig. Während der Ausführungen des Rechtsanwalts Liebknecht wird eine Angeklagte von Weinkrämpfen befallen. Es ist die Frau Reinhard, welche, wie seinerzeit in der bürgerlichen Presse mit großem Geschrei verkündet wurde, ein Petroleumlampen attentat gegen Polizeibeamte verübt haben soll. Frau Reinhard macht den Eindruck einer in hohem Grade leidenden Person. Sie wird aus dem Anklageraum geführt und durch Gerichtsbeamte mit Medikamenten aus einer Hausapotheke zu beruhigen versucht. Diese leidende Frau sitzt seit dem 30. September in Unter- suchungshast. Liegt die Mittelstraße in Moabit? RechtSanw. Dr. OskarCohn: Bezüglich deS Angeklagten M i e r s ch. der in der M i t t e l st r a tz e einen Schutzmann beleidigt haben soll, schließe ich mich den topographischen Gründen des Kollegen Rosenfeld an. Was die Angeklagte Reinhard betrifft, so sollte schon der Zwischenfall, den wir eben erlebt haben, die Abtrennung ihrer Sache begründen. Man kann dieser kranken Frau nicht zumuten, die Aufregungen einer wochenlangen Verhandlung über sich ergehen zu lassen. Rechtsanw. B a h n beantragt insbesondere die Abtrennung der Anklage gegen Bock, weil auch hier jeder Zusammenhang mit den anderen fehle. Bock sei beschuldigt, in angetrunkenem Zustande auf der Straße gelännt und den Schutzmann, der ihn sistierte, mit dem Messer angegriffen zu haben, und zwar zu einer Zeit, wo nach den Angaben der Anklage keine Straßenunnihen herrschten. Warum ist der Gelbe wegen groben Unfugs angeklagt? Rechtsanw. Blau: Der Angeklagte Albrccht ist des groben Unfugs beschuldigt. Der Verhandlung gegen ihn Verherrlichung blinder Kriegsdisziplin tritt in diesem meist ge- priesenen Werke des Dichters so stark hervor, die Erfindung ist derart vom Geiste preußisch-hohenzollernfcher Legendenbildung im- prägniert, daß alle poetischen Feinheiten in der Charakteristik des jungen Helden den Verdruß, für mein Empfinden wenigstens, nicht aufwiegen. Die Glorifizierung des militärischen Gehorsams als unbedingte Geltung heischendes Gesetz ist in dem graufamen Spiel des Fürsten mit dem Prinzen bis zu Konsegiienzen getrieben, die auch vom monarchistisch-patriotischen Loyalitälsstandpunkte aus ans Lächerliche und Absurde streifen. Wie sollte wohl der„große" Kür- fürst, dessen„Größe" sich doch eben in feiner hart gesottenen skrupellosen„Realpolitik" dokumentierte, wohl darauf verfallen, seine Popularität bei der Armee dem bloßen Prinzip zu- liebe aufs Spiel zu setzen, um an einem siegreichen Offizier, nur weil er früher losschlug, als er sollte, das Todesurteil nach Kriegsrecht zu vollstrecken? In der Kleistschen Darstellung jedoch besteht kein Zweifel, daß Friedrich Wilhelm in vollem Ernst die Hinrichtung beschlossen hat und nur durch eine un- vorhergesehene, an die Fürbitte von HomburgS Braut anknüpfende Wendung zurückgehalten wird. Der Dichter braucht das, um seinen Jüngling in der wilden Verzweiflung plötzlicher Todesangst und dann als Uebcrwinder, der seinen Tod um des Prinzips willen als verdiente Strafe anerkennt, dem Zuschauer zu zeigen. Der blutig. harte Eigensinn des Fürsten, der aus Staatsräson allen Er- wägungen der Staatsräson schnurstracks entgegenhandeln will, muß dann natürlich, um den Einklang der Tendenz zu wahren, in ein Anzeichen überlegener Weisheit und Charakterstärke umgefabelt werden. Die Aufführung des Schiller-Theaters war sorgsam vorbereitet. Für den schwärmenden Jüngling setzte sich Herr P a e s ch k e mit Kraft und Feuer ein. Den Kmfürsten spielte Herr P a t e g g, unter den Nebenrollen markierte sich der Oberst Kottwitz Willi Eberhardtö. dt. Musik. Frau Sophie Hehmann-Enssel.ist ein guter Opern- Engel; schwimmt gegen den Gegenwansltrom: führt alte Perlen der Opernliteratur auf. Am Dienstag gab es wieder einen solchen Opernabend. Ein halbes Dutzend Komponisten kam zum Wort fast alle aus dem 18. Jahrhundert, zumal seiner zweiten Hälfte. Die Rokvkowelt, durch gemütlichen deutschen Zopf ergänzt, taucht mit all ihrem Rankenspicl und Kunstgeiändel vor un« auf. Sie zeigt auch wieder, was das heißt: langer Aem. Ihn entfalten die Komponisten mit ihren langen und ländlichen Themen, ohne modernes Zerschneiden und Verwickelu, und mit ihren noch längeren„Gängen" und.Läuten" und„Koloraturen". Ihn brauchen die Sänger, um mit der Stimme Iveit, weit zu laufen.... Feinschmeckern für Kenner! WaS die über ihren Büchern und Partituren träume», wird lebendig. Da ist vor allem A. E. M. Grötry, der seinerzeit überaus populäre, vielfach fruchtbare Alt- meisler einer nach echter Dramatik strebenden komischen Oper, mit seinen»Beiden Geizigen". Ein harmlos heiteres Sujet mit würde in einer halben Stunde erledigt sein. Er würde Wirtschaft» lich schwer geschädigt, wenn er hier drei Wochen der Verhandlung beiwohnen soll. Uebrigens hat Albrecht mit den sozialdemokratischen Unruhen nichts zu tun. Er gehört zu den Gelben. Darlegiingcn der Staatsanwaltschaft, weshalb die Königstraße und Mittclstraße jetzt im juristischen Sinne in Moabit liegen und Handlungen, die nach einem vermeintlichen Anfruhr stattgefunden haben, mit dem Anfrnhrprozrß im Zusammenhang stehen sollen. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Es ist nicht richtig, daß nur solche Sachen miteinander verbunden werden können. die vor ein und derfelben Kammer anhängig sind. Alle Sachen, die bei demselben Land gericht anhängig find, können miteinander ver- bunden werden. Die Sache Kliche stehe dadurch in Verbindung mit den anderen Sachen, daß dieser Angesagte in der Königstraße sagte: Ich werde nach Moabit gehen und alles entzwei schlagen. Daß der Aufruhr und Landfriedens- bruch zuriickzusnhren sei auf Haß gegen die Arbeitswilligen, das beweise der Fall Pilz, in dessen � Lokal man Arbeitswillige zu überreden versucht und schließlich, als das nicht half, mißhandelt habe. S o sei auch in diesem Fall der Zusammenhang gegeben. Der Angeklagte Bock sei in das Aufruhrgebiet gegangen, um dort Unfug zu treiben. Als er festgenommen wurde, habe er das Messer gezogen und einen Schutzmann so schwer verletzt, daß der» selbe wochenlang krank gelegen habe. Vor dieser Kammer solle festgestellt werden, ob leichter oder schwerer Aufruhr und Land- friede»sbruch vorliege. Rechtsanw. Heine: Die Anklage gegen Pilz und Kratzat hat keinen Zusammenhang mit den anderen Anklagcfällen. Was diesen beiden Angeklagten zur Last gelegt wird, soll am 5. Oktober geschehen sein. Wie die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift sagt, ist alles, was als Unruhen bezeichnet wird, schon am 30. Sep- teniber zu Ende gewesen. Wenn die Staatsanwaltschaft hier einen Zusammenhang behauptet, so will sie durch den Fall Pilz der ganzen Sache ein besonderes Odium geben. Warum nicht vor daS Schwurgericht gebracht? Rechtsanw. Liebknecht: Der Erste Staatsanwalt will hier feststellen lassen, ob leichter oder schwerer Aufruhr vorliegt. Wenn er das feststellen will, dann wäre es seine Pflicht gewesen, erst das Schwurgericht entscheiden zu lassen und diesen Prozeß so lange zurückzustellen, bis das Schwurgericht gesprochen hat. Der Stlmtsanwalt schweigt— auch eine Autwort. RechtSanw. Rosenfeld: Daß der Angeklagte Kliche ge« sagt haben soll, er gehe nach Moabit, um alles entzwei zu schlagen, ist eine Behauptung der Staatsanwaltschaft. Des» halb ist ja Kliche nicht angeklagt, sondern wegen Beleidigung. Wollte man alle Leute, die in jenen Tagen von Moabit gesprochen haben, anklagen, dann würde die Zahl der Angeklagten um daS vielfache größer werden, als sie jetzt schon ist. In bezug auf Weidemann sagte der Erste Staatsanwalt, derselbe habe sich der Beleidigung schuldig gemacht in einem Gebiete, wo die Unruhen stattfanden. Aber die dem Angeklagten Weideinann zur Last gelegte Beleidigung ist doch erst erfolgt, nachdem die Un» ruhen bereits beendet waren. Kollege Blau sprach von sozialdemokratischen Unruhen. Ich nehme an, er wollte sagen, Unruhen, welche als sozialdemokratische bezeichnet worden sind. ES wird sich herausstellen, daß von sozialdemokratischen Unruhe« keine Rede sein kann. Soweit eS fich um Exzesse handelt, sind nur durch Schutzleute Exzesse verübt worden.— Vors.: Ich kann nicht zulassen, daß Sie von Exzessen der Schutzmannschaft sprechen. Rechtsanw. Bahn: Der Angeklagte Bock war ein harm- loser Straßenpassant, der sich angetrunken und dann geschimpft hat. DaS ist die Darstellung der Anklage. Er steht also den Unruhen völlig fern. Daß er nach Moabit gegangen ist, um dort Unfug zu treiben, dafür fehlt jeder Beweis. Das ist eine ganz neue Be» hauptung der Staatsanwaltschaft. Rechtsanw. Dr Heinemann weist ebenfalls die Be- merkung des Rechtsanwalts Blau, daß es sich Um sozialdemokratische dem Motive der verliebten Jungen und der geizigen Alten, mit dem berühmten Chor, der aus der Ferne pianifsimo kommt, fortissimo auftritt, pianifsimo in der Ferne verhallt. Einen„Humor aus verschollenen Opern" brachte eine Konzertauffllhrung einzelner Nummern. Wir könnten lange von dem alten Dittersdorf plaudern, dessen„Doktor und Apotheker" noch nicht ganz verschollen ist, dann von Fr. R. S n ß m a y r, dem Schüler Mozarts, weiterhin von dein Meister selbst und seinem „Schanspieldirektor", endlich von I. O f f e n b a ch und von I. S. Bach mit seiner„K a f f e e- K a n t a t e", die so drollig den inslrmnen- talen Ernst des vielleicht allcrmusikalischsten aller Musiker auf eine Philisterszene anwendet. Heute stehen wir in einer ganz anderen Mode alS in der deS primitiven Reigen« einfachster Akkorde und Tonschritte. Aber wie lange? In die bildenden Künste ist das Primitive eingezogen. Wenn vielleicht in wenig Jahren auch die Musik au« ihren heutigen Ver- zerrungen in gleiche« umschlägt, wie sie's schon vor 300 Jahren getan hatte: dann mag man sich der heutigen Vorläufer dazu er« inner». Wir haben die Balladen von M. Plüddemann, haben das Zurückgreifen aufs Volkslied(selbst bei G. Mahler), haben die lieblichen Opern von Wolf-Ferrari und endlich unsere gute, von dem gut sachlichen Interesse erfüllte Opern-Sophie. Bescheiden idealistische Versuche sdiesmal im Theatersaale der Hochschule); eine wirklich künstlerische Direltiou und eine Regie, vertreten von Richard Schmidt, die anzuerkennen jedenfalls wichtiger ist, als dies oder das Eckige in dem sonst erfreulichen Sang und Spiel aufzuspüren. s». Notizen. — Deutsches Theater und Neue Freie Volks» b ü h n e. Die Direktion der beiden Berliner Reiuhardt-Bnhuen hat von ihren sänullichen Bühnenmitgliedern das nachfolgende Rund- schreiben durch Uitterscbrist bestätigen lassen:„Durch verschiedene unliebsame Vorkommnisse sieht sich die Leitung genötigt, folgendes miizuteilen: Die Direktion muß verlangen, daß die Nach- mittagsvorstellungen mit dem gleichen künstlerischen Ernste wie alle anderen behandelt werden. Die Mitglieder der Neuen Freien Volksbühne, die mit ihrem Bildungstrieb und Theaterentbusiasmus das empfänglichste und dankbarste Publikum darstellen, haben ein Anrecht auf künstlerisch würdige Dar- bietimgen. Die Leitung des Deutschen Theater« müßte unnachsickitlich von allen ihr zustehenden Disziplinarmitteln Gebrauch machen, falls fich die unliebsamen Vorfälle der vorigen Spielzeit wiederholen sollten. Die Direktion erwartet auf das bestimmteste, daß dieser Hinweis genügen wird, um willkürliche Textänderungen irgendwelcher Art wie überhaupt jegliche Störungen dieser Nachmittagsvorstellungen zu verhindern." Die wohltätigen Folgen dieses sehr notwendigen BühnenerlasseS sind bereits zu erkennen. Hoffentlich reißt der alte Schlendrian Ordnung vor. Vertagung. RechtSanw. Cohn erhob sich, um ebenfalls einen A b< lehnungsantrag'mit anderen Gründen zu stellen.— Land- gerichtsdirektor Lieber erklärte jedoch, nachdem die Kammer abgelehnt sei, könne er keine Anträge mehr entgegennehmen. Die Sitzung wurde geschlossen und Fortsetzung der Verhandlung auf heute 9 Uhr angesetzt. » Wie wir hören, wollte Rechtsanwalt Cohn die Ablehnung be- gründen mit ungerechtfertigter Anordnung und LuS» f ü h r u n g der Untersuchungshaft. SechKer Internationaler Metallarbeiter- Kongreß. Sitzung vom 2. November. Der Kongreß wählt zunächst dem Vorschlage des Sekretärs ent« sprechend eine Revisionskommission, aus Beer-Oesterreich, F. Griffiths-Egland und L e fö v r e- F ra n k re ich und tritt dann in die Beratung des Antrages auf Schaffurug eines Gegen. festig keitsverhältmsses ein. Hierzu liegt ein ausführlicher Antrag des Sekretärs vor. Dieser Antrag soll regeln: 1. Die Auskunftserteilung durch Verpflichtung der Bundes- vereine zu derselben, oder, wenn eine solche nicht möglich, zur M»t» teilung darüber. 2. Kostenlosen Uebertritt von der Organisation eines Landes zu der eines anderen Landes bei Aufenthalt im Ausland. 3. Regelung etwaiger Hilfsaktionen bei Streiks und Aus- sperrungen. Der erste Satz des Vorschlages spricht eine Selbsiverständlichkelt ouS und ist nur eine Mahnung an die verschiedenen Landesorgani- sationen, nichtsdestoweniger entspinnt sich aber eiye lebhafte Debatte über diesen Punkt der Tagesordnung. W i l k i n s o n(vereinigte Werkzeugmacher, England) wünscht, daß der Bundessekretär die Adressen aller angeschlossenen Vereine veröffentlicht, damit sie sich in den verschiedenen Ländern inför- mieren können. Vor jedem Kongreß soll der Sekretär den ange- schlossenen Vereinen eine Liste der gestellten Anfragen und der Namen der befragten Vereine zustellen, damit den Kongreßteilneh» mein eine Kontrolle zusteht. Cohen-Berlin erklärt sich damit einverstanden, daß die Vereine der verschiedenen Länder direkt miteinander korrespvndie- ren, was denn aber dem einen recht sei, sei dem andern billig. Wollen die Engländer mit anderen Organifationeu verkehren, so müssen die andern sich auch ohne Vermittelung de? Kameraden H o b s o n in Verbindung setzen dürfen. T a i l o r(Riaschtnenbauer, England) stellt fest, daß Wilkin- son nur im eigenen, nicht aber im Namen der brrtischen Abteilung gesprochen habe. Die britische Abteilung in ihrer Mehrzahl wünsche am bisherigen Zustand festzuhalten. Davis(Messingarbeiter, England) ist derselben Meinung und begründet dies mit der Rückständigkeit der vielen kleinen lwglischvt Verbände, die von der.Existenz des internatwnglea Meka?arbe!ler-Bun8eS garkeine unb Lon den inneren englischen Verhältnissen nicht genügende Kenntnis haben. Beer(Metallarbeiter, Oesterreich) führt die Schwierigkeit, mit England zu verkehren, darauf zurück, daß ihnen die Person des Sekretärs zu fern steht und dieser nicht genügend Einblick in die speziellen Verhältnisse durch den brieflichen Verkehr erhalten kann. Er schlägt vor, daß der internationale Sekretär gemeinsam mit dem Sekretär der britischen Abteilung eine Reise durch Eng. land unternimmt. Schlicke(bisher Sekretär, Stuttgart): Der indirekte Ver- kehr kommt nur für England in Betracht. Für die meisten Fälle ist er genügend. Bezüglich der Informationsreisen habe nach den- Statut der Bundessekretär das Recht, Informationsreisen vorzu- nehmen.(Zustimmung.) In diesem Falle werde er sich natürlich mit dem Zentralkomitee zu verständigen haben.(Zustimmung.) H o b s o n(britischer Sekretär, England) weist nochmals auf die Schwierigkeiten des direkten Verkehrs hin, das bisherige Ver- fahren habe Mißstände nicht gezeitigt. Besonders scheine die Ver- Mittelung des Sekretärs der britischen Abteilung für Auskünfte über kollektive Arl>eitsverträge unerläßlich. Nachdem der Vor- sitzende Reichel-Stuttgart die Uebereinstimmung des Kon- gresses mit den Ausführungen Schlickes ohne Widerspruch festgestellt hat, ist damit der Gegenstand erledigt und verhandelt der Kongreß über Uebertritte der Mitglieder von einer Organi- sation zur andern. In diesem Punkt liegt noch ein Antrag der belgischen Metall- arbeiter vor, der die Unterstützung an ausländische Organisationen davon abhängig machen will, daß die Organisation, der das Mit- glied angehörte, die ausgezahlten Unterstützungsbeträge an die in Betracht kommende Landesorganisation zurückerstattet. So lau(Metallarbeiter, Berlin) begründet den Antrag mit dem starken Zuzug deutscher, österreichischer und schweizerischer Arbeiter, die den Belgiern große Aufwendungen auferlegen, ohne sich dem belgischen Metallarbeiterverband anzuschließen. M a l a s i t s ch(Metallarbeiter, Ungarn) bespricht einige Ev- fahrungen, die er mit dem Italienischen Verband gehabt und meint, daß, wenn solche Beschlüsse gefaßt werden, sie auch durch- geführt werden müssen. Der Vorsitzende Reichel stellt fest, daß nach dem Vor- schlage des Sekretärs Unterstützungen generell nicht zugesichert werden, sondern den einzelnen Organisationen überlassen bleiben sollte. Saupe(Kupferschmied, Deutschland) findet das Verhalten der Engländer unverständlich und weist aus der Praxis die Not. wendigteit solcher Vereinbarungen nach. W i l k i n s o n(Maschinenbauer, England): Die englischen Gewerkschaften können wohl eine moralische Zugehörigkeit aner- kennen, eine Aufnahme kann aber nicht erfolgen, weil dies die Statuten nicht gestatten. Der Uebertritt ist an verschiedene Vor- aussetzungen gebunden. Es können nur Inländer für einen Uebertritt in Frage kommen, und müssen diese sich auch zur Achtung der Verträge verpflichten. Schlicke(Sekretär, Stuttgart): Seit vielen Jahren beschäf- tigt diese Frage unfern internationalen Kongreß, ohne jedoch vor- wärts gekommen zu sein. Der Brüsseler Kongreß habe die Richt- linien in dieser Frage festgelegt und zwar im Einverständnis auch der Engländer. Diese haben sich an der Diskussion zwar nicht beteiligt, aber für die Entschließung gestimmt. Heute bringen sie Einwendungen, die sie in Brüssel hätten machen oder dem Sekretär auf seine Vorschläge mitteilen sollen. Sie erklären ihre Sympathie mit dem Vorschlage, seine praltische Durchführung aber für unmöglich, sie versichern den kontinentalen Arbeitern ihre Freundschaft, sagen aber gleichzeitig, bleib mir zehn Schritt vom Leibe. Eine derartige Haltung verstehen die kontinentalen Av» beiter nicht, sie müssen vielmehr dieses Verhalten als Herum- führen an der Nase betrachten(Widerspruch bei den Engländern). Wenn man die Kürze der Zeit als Grund für die ablehnende Haltung anführe, so sei das nur eine Ausrede. Seit drei Jahren sei die Sache im Fluß, vor etwa% Jahren habe er ihnen erneut Vorschläge zugestellt und heute wolle man wieder vorlegen. DaS ganze Verhalten der Engländer käme darauf hinaus, die Sache auf die lange Bank zu schieben. Man wolle die ausländischen Arbeiter nicht, man umgebe sich mit einer chinesischen Mauer, schaffe Verhinderungsbestimmungen, um die ausländischen Ar- beiter fernzuhalten.(Widerspruch bei den Engländern) DaS sei verkehrt. Die kontinentalen Arbeiter wollen nicht Sicherung der Unterstützungen, sondern in erster Linie Sicherung der Einheitlich- keit der Aktion. Jeder fremde Arbeiter sollte im Ausland in der fremden Organisation zu Hause sein und ftch ihren Anforderungen und Vereinbarungen unterordnen. Zwinge man die ausländischen Arbeiter zu eignen OMnisationen, wie es in Amerika geschehe, so gefährde man die Einheit der Aktion. DaS mögen die englischen Kameraden bedenken und deswegen von ihrem ablehnenden Stand- Punkt zurückgeben. Nicht materielle Vorteile für das einzelne übertretende Mitglied, sondern ideale und moralische Werte für die Gesamtheit müssen bei Behandlung der Frage in den Vorder- grund treten(Beifall bei den Delegierten des Kontinents). Stevens(Weißblecharbeiter, England) stimmt nicht ganz mit Wilkinson überein. Seine Organisation habe schon mehrfach Mitglieder ausländischer Organisationen aufgenommen und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Man sollte dem gemachten Vo» schlage nähertreten und ihn an eine Unterkommission zur Prüfung überweisen. Jones(Maschinenbauer, England) sympathisiert mit dem Vorschlage des Sekretärs, hält ihn aber für praktisch undurch- führbar. Redner beklagt, daß auf dem Kontinent Mitglieder seines Verbandes gezwungen werden sollten, dem inländischen Verein bei« zutreten. Das halte er für unzulässig. Die Verfassung der englischen Trades-Union verbiet«, die Ausländer günstiger zu be- handeln, als die Inländer. Solche Verfassungen seien schon älteren Datums, haben sich eingelebt und seien ohne weiteres nicht zu ändern. Er kann sich mit dem Vorschlage auf Einsetzung einer Unierkommission nicht ganz einverstanden erklären, würde sich aber damit abfinden und einen solchen Vorschlag vertreten können, wenn die Kommission nur eine Prüfung des Vorschlages darauf- hin vornehmen würde, ob die englischen Trades-Unions sich auf solches Verhältnis einlassen können. Die Vormittagssitznng schließt damit, daß den Engländern auf Wunsch die Möglichkeit gegeben wird, in einer sofort abzu- haltenden Sitzung nochmals zu der Frage Stellung zu nehmen, um Nachmittag ihr« Stellung zu präsentieren. Das geschieht durch eine von dem Sekretär der britischen Abteilung H o b s o n abge- gebene Erklärung, worin die Engländer nochmalige schriftlich« Klarstellung der Vorschläge für das Gegenseitigkeitsverhältnis verlangen, sich dann bereit erklären, zu Viesen Vorschlägen Stellung zu nehmen, um ihrerseits Vorschläge zu machen. Diese Vorschläge werden die Engländer ihre» Mitgliedern unterbreiten t-nd sie, soweit statutarische Bestimmungen dem nicht im Wege stehen, zu verwirklichen suchen. Begründet wird die Erklärung damit, daß die Zersplitterung der englischen Organaisation, ihre Statuten und ihre Stellung der Mitglieder die Regelung der Materie als sehr schwierig erscheinen lasse. Offenbar sind auch die Ansichten der Vertreter der verschiedenen kontinentalen Organisationen in diesem Punkte nicht einig.— Von den deutsckj- sprechenden Vertretern der kontinentalen Organisationen wird eine Gegenerklärung durch Beer-Wien dahin abgegeben, daß 1e mit dem Borschlage der Engländer einverstanden seien, sofern ie gemachten Vorschläge, sowie der vorliegende Vorschlag des Sekretärs von Vertretern der englischen Organisationen unter Zuziehung des Sekretärs und zweier Vertreter des Kontinent» beraten werden und diese Beratungen im Frühjahr 1911 statt- finden.— In der Diskussion legen noch Hausen-Kopenhagen und Merheim. Paris den Standpunkt der skandinavischen und � französischen Arbeiter gegenüber der Auffassung der Engländer fest. Die Erklärung der Engländer tviro mit großer Stimmenmehrheit unter den von den kontinentalen Ver- haben, entscheidet sich der Kongreß für Dänemark und ein Land französischer Zunge.— Der dritte Borschlag des Sekretär?, die Regelung etwaiger Hilfsaktionen bei Streiks, wird sehr schnell erledigt. Der Ver- treter des schwedischen Verbandes, Blomberg, leitet die Dis- kussion mit einer Danksagung für die Unterstützung ein und weist darauf hin, daß diese Unterstützung dem schwedischen Verband seine Existenz gesichert und ihn gestärkt habe. Wäre die Unter- stützung nicht erfolgt, so dürfte der Verband heute kaum mehr bestehen. Diese Ausführungen zeitigten großen Beifall auch bei den Engländern. Nach Jones Jenkins(Maschinenbauer) haben die Maschinenbauer 3528 M. und nach Davis die Messing- arbeiter 1428 M. den Schweden überwiesen und glauben damit ihre Schuldigkeit getan zu haben. Außerdem machten sie auch für den Generalstreik als Verhinderungsmiitel des Krieges Propa- ganda. Cohen-Berlin trat in entschiedener Weise der Auf- fassung der Engländer, als haben sie beim schwedischen Streik ihre Schuldigkeit getan, entgegen, und wies den Widerspruch in ihrer Haltung heute und damals nach. Wenn die schwedischen Arbeiter von den Sympathieerklärungen der Engländer hätten leben und kämpfen können, würde man sich heute nicht mit dieser Frage beschäftigen brauchen. Da aber bei den Engländern Theorie und Praxis zweierlei sei, müsse leider auch bei dieser Gelegenheit wieder auf den Widerspruch hingewiesen und den Engländern ge- sagt werden, daß die Arbeiter des Kontinents auf Sympathie- erklärungen, denen keine Taten folgen, verzichten(Beifall). Damit schließt die Debatte. Die Sache wird zur Beratung der englischen Abteilung mit Vertretern des Kontinents überlviesen.— Ein Antrag des finnländischen Verbandes, ihm 4033 Frcs. aus Bundes- mittel» für Propagandazwecke zu bewilligen, wird abgelehnt.— Dem Sekretär wird Entlastung erteilt und ihm 3333 M. als Renumeration für die abgelaufenen drei Geschäftsjahr« bewilligt. Schlicke wird als Sekretär wiedergewählt. Hue der Partei. Gemeindewahlerfolge. Bei den Stadtverordneienwablen in Langensalza unter- lagen in der dritten Abteilung die zwei bürgerlichen Kandidaten gegen unsere Genossen. die mit dreifacher Mehrheit ge- wählt wurden. Wir behaupteten ein Mandat und gewannen ein neues dazu. In Kalbe erhielt der sozialdemokratische Stadtverordneten- Kandidat 23 t, der bürgerliche Gegner 93 Stimmen. Es zieht somit der erste Sozialdemokrat ins Rathaus. Bei der Stadtverordneienwahl in Oldesloe(Holst.) wurde am Montag zum ersten Male ein Sozialdemokrat gewählt. Bei der Siadtverordnetenwahl in B u n z l a u wurde am Dienstag der s'ozialdeinokratische Kandidat mit über 133 Stimmen Majorität gewählt. Die Stadlverordnetenwahlen in Dessau brachten uns zwei neue Mandate. Insgesamt wurden vier Sozialdemokraten gewählt._ Aus den Organisationen. Am Sonntag tagte in Mannheim eine Konferenz der Wahl« kreisorganisation für den Kreis Mannheim. Vertreten waren 25 Orts- vereine durch 57 Delegierte. Der gedruckte GeschäflSbericht weist eine Vermehiüng der M i t g l i e d e r z a h l um 193»ach, er beträgt jetzt 3137, Der Ka i s e n b erich t balanziert mit 7489,88 M.; an Beiträgen wurden 3447,93 M. gezahlt, ein Mehr von 1373 Beiträgen gegen das Vorjahr. Die Landeskasse erhielt 2331,14 M. Die „V o l ks sti mm e" steht sehr günstig. Der Lbonnenstand ist höher als je zuvor._ Zur Gründung eines eigenen ParteiblatteS vereinigten sich am Sonntag in Freiburg i.B. etwa hundert Genossen und vereinbarten ein Genostenschafts st a t ut zur Er- richtung einer Buchdruckerei. An die Spitze des Vorstandes wurde Parteisekretär Engler gestellt, dem AufsichiSrat wird Abg. Kräuter vorstehen. Der Geschäftsanteil ist aus 20 M. festgesetzt. der ohne Anspruch aus Gewinnanteil verzinst werden soll. Der letzte Offenburger Landesparteitag war für eine Gründung noch nicht geneigt,_ Eine Klage deS ReichSveriandeS gegen den Genossen B a r t h e l S von der Chemnitzer.BolkSstimme� endete mit einem Hereinfall der ReichSverbändler. Die.Volks« stimme" hatte in einer Notiz, Reichöverbandslumpen überschrieben, ironisch die Tatsache glossiert, daß die Chemnitzer ReichSverbändler alte Flugblätter auS dem Jahre 1937 als neue verbreitet hatten. In der Verhandlung bekannte sich Genosse Heilmann olS Ver- fasser der Notiz, worauf BarthelS freigesprochen wurde. Eine An- klage gegen Heilmann ist wegen Verjährung nicht möglich. Die nicht unerheblichen Kosten fallen den Klägern zur Last. Eine kleine„HofgSnger"geschichtc aus der belgischen Partei. Man meldet uns aus Brüssel: Eine an sich scheinbar recht unbeträchtliche, aber vielleicht gerade durch ihre ärgerliche Ueberflüssigteit ausfallende Hofgängern— eine Hofgängerei neuer Art— hat dieser Tage dte Brüsseler sozial- demokratische.Ligue Ouvrisre" zu einem Tadelsvotum gegen zwei hervorragende Parteigenossen ver- anlaßt. An dem zu Ehren des deutschen Kaisers im Ralhause der Stadt Brüssel veranstalteten Fe stempfang haben auch Familienangehörige der Parteigenossen Grimard und MaeS teilgenommen. Das ist um so un- gehöriger, als der von den Vertretern der Gelamtpartei gefaßte Beschluß vorlag, gegen den Besuch de» deutschen Kaisers, als deS höchsten Vertreters des Absolutismus und der Reaktion in Deutsch- land, zu demonstrieren. Also auch, wer etwa glaubt, daß ihn das sozialistische Prinzip nicht zum Fernbleiben von höfischen Festen veipflichte, war gebunden. Dabei ist MaeS Partei- s e t r e t ä r und Stadtverordneter in Brüssel, Grimard ebenfalls Stadtverordneter. Die Ligue Ouvriöre hat dem» nach mit Recht in ihrem Tadelsvotum belont, daß diese Partei« genossen,.die ihren Familien gestatteten, von den an ste gerichteten Einladungen Gebrauch zu machen, die Haltung und die aus Anlaß de» Kaiserbesuches gefaßten Beschlüsse der Brüsseler Organisation mißachlet haben".— Uebrigens trägt sich Grimard seit längerer Zeit mit dem Gedanken, sein Stadtverordnetenmandat nieder- zulegen._ Zum elsässischru Parteistreite ersucht Genosse G e i t e r- Straffburg um Aufnahme folgender Er- klärung: In seiner Erklärung in der Nummer 263 de»„Vorwärts" be- streitet Genosse P e i r o t e S- Stratzburg die Richtigkeit der Fest- stellungen des Genossen Martin- Mülhausen bezüglich einer Aeufferung in einer Straffburger Parteiversammlung. Da Genosse Martin seine Feststellung auf einen Bericht über die Straßburger Parteiversammlung vom 22. Juni stützt, dessen Verfasser ich bin. so möchte ich kurz feststellen, daff PeiroteS dem Sinne nach in der er- wähnten Versammlung erklärt hat, die„Miilhauser" wollten den be- stehenden LandeSvorstand beseitigen, die Oktroifrage müßte hierzu als Mittel zum Zweck dienen. Die Feststellung des Genossen Martin ist also nicht unwahr t Unsere Tote». Penzlin in Mecklenburg starb ein akter, treuer Partei- genösse, der Lederhändler C. Mendt. Als junger Schuhmacher- geselle durchwanderte er zu LassalleS Zeiten Deutschland und schloß sich mit Begeisterung unserer Sache an. Auch in seiner Heimalstadt ..,. Penzlin. wo er sich später als Schuhmacher und Lederhändler nieder- tretern gestellten Bedingungen angenommen. Bei der Wahl der ließ, vertrat er ohne Rücksichtnahme auf die ihm entstehenden Wirt- Länder, vi« Vertreter zu der devorstehenden Konferenz zu senden 1 schaftlichen Nachteile voll und ganz seine Ueberzeugung. ParttNlierakur. 1 Im Verlage der Fränkischen BerlagSanstalt und Buchdruckerei in Nürnberg ist erschienen: Grundbegriffe der Politik. Von Friedrich Stampfer. Lieferung 1. Komplett in 10 Lieferungen a 25 Pf. Gebunden liegt das Werk Ende November zum Preise von 3 M. vor. Zur Orientierung laffen wir nachfolgend die Hauptkapitelüberschriften folgen: I. Das Wesen der Politik. EL Der Staat. HI. Die Staalsformen. IV. Die Aenderung der Staatsform. V. Die Aufgaben des Staates(Innere Politik). VL Die Aufgaben des Staates(Auswärtige Politik). Im Verlage der Wiener Volksbuchhandlung i st er- schienen: Ocsterreichischer Arbeiter-Notizkalender für das Jahr ISII. Der im 1ö. Jahrgänge erschienene Kalender ist gegen Einsendung von Sv Pf. in Briefmarken vom Verlage, Wien VI, Gumpendorfer Straße 18, zu beziehen._ Hud Induftrie und Handel Immer höher!# Die Vertreter der Regierung plapperten seinerzeit den Fleisch« Wucherern die Redensart von der Teuerung als einer vorüber« gehenden Erscheinung wacker nach. Das war die Begründung für das Versagen von Mahnahmen zur Abstellung der furchtbar wütenden Fleischnot. Mittlerweile schnellen die Preise immer weiter hinauf. Für manche Arbeiterfamilien gehört der Fleischgenutz längst zu den seltenen Luxusgenüffen. Wie die Preise hinaufgehen, das konstatiert die amtliche„Statistische Korrespondenz'. Nach ihrer Zusammenstellung der Durchschnittspreise an 50 Marktorten gewinnt man das folgende Resultat. ES kostete 1 Kilogramm in Pfennigen: Die letzten Preise sind im Vergleich mit denen im Oktober des Borjahres höher bei Rindfleisch.... um 9.5 Proz. Kalbfleisch....„».I, Hammelfleisch...„3,7, Rohfleisch.... ,3,2„ Daß die Steigerung noch fortgesetzt anhält, ergibt einer Bergleichung der Preise in der ersten und der zweiten Hälfte des Oktober d. I. Danach ergaben fich für die letztere Periode bei Rindfleisch und Kalbfleisch Erhöhungen um je Va Pf- pro Kilogramm. Und eS ist zu befürchten, daß nun auch die Schweinepreiie noch weiter hinaufgetrieben werden. Wie die amtliche preuhische Statistik nämlich weiter erkennen läßt, ist der Austrieb von Ferkeln und Läuserschweinen sehr stark zurückgegangen. Während zum Beispiel im September 206 150 Ferkel und 5g 382 tLäuferschweine an den Markt kamen, sank die Zahl für Läuferschweine im Oktober auf 47 430 und für Ferkel auf 153 574. Anstatt die Ernährung deö Volkes sicher zu stellen, wetteifern Regierung. Scharfmacher und Lebensmittelwucherer in wüsten Hetzereien gegen die sozialen und kulturellen Bestrebungen der Arbeiterbewegung. An diesen Taten soll man sie erkennen._ Die Aktion der Elektrokonzerne. In der Fachpresse rechnet man seit Monaten mit der Wahr- scheinlichkeit, dah die beiden größten deutschen Elektrokonzerne, die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft und Siemens-Halske-Schuckert, sich zu einein gewaltigen T r u st verschmelzen werden, der dann für das Deutidhe Reich allmählich ein faktisches Elektromonopol ausbildet. Wie die beiden mächtigen Elektrokonzerne arbeiten, zeigt folgender Fall: DaS von Oberelsässer und Schweizer Kapitalisten ins Lebe» gerufene Elektrizitätswerk von Mülhausen i. E. ging im Frühjahr 1906, als noch die vielverleumdete sozialdemokratische Rathaus- Mehrheit in der oberelsässischen Fabrikstadt bestand, zum Preise von 5% Millionen Mark in städtischen Besitz über. Das Werl erzielte andauernd glänzende Jahresabschlüsse trotz eines wütenden Konkurrenzkampfes, der mit den bekannten Rheinfelder Kraftwerken im Oberelsatz und in Oberbaden ausge« brachen war. Unterdessen begann das von den Städten Mülhausen i. E. und Freiburg i. B. mit dem Bezirkspräsidentcn für Oberelsaß und der Industriellen Gesellschaft in Mülhausen aufgegriffene Projekt eines Rheinkraftwerkes bei Kembs(im Kreise Mül- Hausen), das in Rheinfelden angelegte Kapital ernstlich zu be- drohen. Und nun warf dieses Kapital seine Netze direkt auf dem Mülhauser Rathause aus, wo das„antikollektivistische" Ratskolle- gium diesen Versuchungen keine Mauer von Grundsätzen entgegen- zustellen hatte. Der Erfolg war selbst für den ärgsten Schwarz- scher überraschend. Die Stadt gibt das städtische Elek» trizitätswerk aus der Hand, das in einer neu- gebildeten Aktiengesellschaft„Oberrheinische Kraftwerke" aufgeht, deren Grundkapital auf 20 Milli- onen Mark bemessen wird, wovon der Stadt 40 Proz. der Aktien, gleichS Millionen Mark, ausgeliefert werden: die übrigen llv Vroz. (12 Millionen Mark) übernimmt die Aktiengesellschaft„Licht und Kraft" für sich bezw. ein von ihr zu bildendes Konsortium, s o daß die Stadt auf den Generalversammlungen der Aktiengesellschaft„Oberrheinische Kraft» werke", worin ihr Elektrizitätswerk„schulden» und lastenfrei" aufgegangen ist, jederzeit über- stimmt werden kann. Gleichzeitig gewährt die Stadt der Aktiengesellschaft„Oberrheinische Kraftwerke" zur Benutzung der städtischen Straßen und Plätze und sonstigen städtischen Eigen- tumS eine Konzession auf die Dauer von 70 Jahren oder, sofern die staatliche Konzession für daS Rheinkraftwerk auf eine andere Zeitdauer erteilt wird, für die Dauer dieser staatlichen Konzession". Innerhalb des gegenwärtigen und zukünf- tigen(!) Weichbildes der Stadt wird„für die Dauer der Kon- zesston der Aktiengesellschaft ein Monopol für Strom- lieferung gewährleistet. Und dann der Gipfel der Kapitu- lation: Die Gesellschaft„Oberrheinische Kraftwerke", d. h. zu 40 Proz. die Stadt, übernimmt die von den Rheinfelder Kraft- werken bis jetzt im Elsaß abgeschlossenen Stromlieferung S- vertrüge mit den im Konkurrenzkampfe mit dem städtischen Werke abgeschlossenen niedrigen Kampfpreisen, sie über» nimmt ferner alle elsässischen Leitungsanlagen von Rheinfelden und verpflichtet sich obendrein, eine bestimmte Quanti» tät Strom 8—10 Jahre lang von Rheinfelden fest zu beziehen. Diese Bedingungen deuten in nicht mißzuverstehender Weise den Weg an, den das verbündete Elcktrokapital zum Nachteile der geprellten Stadt zu gehen entschlossen ist. Der Gewinn der Gesell« schaft„Oberrheinische Kraftwerke, an der die Stadt infolge der Veräußerung ihres bis dahin sehr rentablen Elektrizitätswerkes mit 40 Proz. teilnimmt, wird niedrig gehalten, um die Ge- Winne aus dem Rheinfelder Werk, das zurzeit durch ein neues großes Kraftwerk bei A u � st- W y h l e n. oberhalb Basel, verstärkt wird, desto mehr steigen zu lassen. Und das viel- besprochene Rheinkraftwert bei Kembs, dessen„Finanzierung" für die Helden des AntikollektivismuS im Mülhauser Gemeinderat die Lockspeise zum Anbeißen abgab, kann warten, bis die Unzuläng- lichkeit der bereits vorhandenen oder im Bau begriffenen Kraft- werke weiter oberhalb, die dem ausbeuterischen Privatrapital dienst- bar sind, sich erwiesen haben wird. Zu der ideologischen Lockspeise des TraumeS von Kembs hatten die mit der Stadt unterhandelnden Kapitalisten für die ehrsamen Stadlvater bckn Mülhausen noch daS materielle Relzmikkel etlicher Aufsichtsratsposten gestellt, und von jeder Fraktion des Gemeinederats biß eine führende Größe darauf an. Als führende Personen der Gesellschaft für„Licht und 5traft" in Berlin, die diesen meisterhaften Coup fertiggebracht haben, nannte Bürgermeister Klug im Gemeinderat neben den Leitern deutscher und ausländischer Banken den Dr. Aisred Berliner, Direktor der Siemens-Schuckertwerke in Berlin, und im Aufsichtsrat der Gesellschaft„Oberrheinische Kraftwerke" sitzt nun, nach der im September 1910 erfolgten Eintragung ins Handels- register Mülhausen i. E., unter anderen Dr. Phil Walter R a t h e- n a u in Berlin neben Direktor Karl Zander von der B a n k für Elektrische Unternehmungen in Zürich, die bekanntlich der Allgemeinen ElektrizitätSgesell- schaft in Berlin gehorch! � Die Regierungen unterstützen solche Monopolbestrebungen. Nur in weniger wichtigen Fragen greifen sie ein. So hat der Minister des Innern auf Veranlassung des Verbandes der eleftro- technischen Jnstallationsfirmen die in Frage kommenden Behörden ermächtigt bei der KonzessionSerteilung von Ueberlandzentralen eine Monopolisierung der Anschlußanlagen und der Materiallieferung hierfür möglichst zu verhindern._ Preishauss» am Kaffermarkt. Eine starke Verteuerung haben seit Jahresfrist die Kaffeepreise erfahren. Zum Teil ist diese Verteuerung eine Folge der Zollerhöhung, zum Teil resultiert diese Preis- steigerung aber auch aus einer wesenilichen Verschiebung der Markt- Verhältnisse. Für einzelne Sorten stellt fich der Preis um reichlich 40 Proz. höher als im vergangenen Jahre und auch ganz beträcht- lich höher als in früheren Jahren. So kostet z. B. in Bremen Savanilla r. ord. 109,50 M. pro Doppelzenmer gegen 73 M. im September 1909. Der Preis für SantoS good av. ist von 71 M. auf 101,50 M. in die Höhe gegangen. Die Steigerung beträgt also reichlich 40 Proz. Bei den in Frankfurt a. M. gehandelten Sorten ist die Preiserhöhung nicht so stark,- Santo? sup. belesen ist im Preise von 152 auf 172, blau Java oder Zentralamerika»st von 180 auf 190 M. gestiegen. In Hamburg tostet Santos 105,50 gegen 73, Rio 103,50 gegen 75 M. Köln weist bei Java-Kaffec, gut, mittel, einen Preis von 195 auf gegen 190, bei SantoS, gut, mittel, einen solchen von 172 gegen 150.80. In Mannheim stellt sich der Preis für Santos-Kaffee, Durchschnittsware, auf 174 gegen 148 M. Sozialed« Betrunken oder müde? Der bei der Firma Wolf Wertheim als Schaffner beschäftigt gewesene Kläger F. forderte gestern vor dem Gcwerbegericht eine Entschädigung von 58 M., weil seine fristlose Entlassung zu Unrecht erfolgt sei. Der Vertreter der beklagten Firma wendete ein, der Kläger habe sich trotz Verwarnung wiederholt betrunken und Trun- kenhcit sei in der Arbeitsordnung als EntlassungSgvund aufgeführt. Um diese Bchauptrmg zu beweisen, waren von dem Vertreter An- gestellte und Kunden als Zeugen aufgeboten. Die Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt. Der Kläger war eines Tages mit Bierlieferungen betraut und war an diesem Tage mit seinem Wagen von früh morgens bis abends spät unterwegs. Seine Mahl- zeiten mußte er, ebenso wie der Kutscher, unterwegs in Wirts- Häusern einnehmen. Bei einer Kundin der Beklagten, die er mit zuletzt an jenem Tage bediente, hat nun Kläger einige Flaschen Bier weniger abgeliefert als er sollte. Doch auch die Kundin hatte sich selbst bei der Abrechnung mit dein Kläger geirrt. Denn sie rekla- mierte nicht sofort, sondern erst bei der nächsten Lieferung, wodurch der Fehler des Klägers der Beklagten bekannt wurde. Da der Kläger an jenem Abend etwas schwerfällig und ungeschickt hantierte und obendrein etwas viel redete, nahm die Kundin an, daß der Kläger betrunken gewesen sei. Sie hätte wohl gewünscht, daß sich derartiges nicht w,ederhole, hatte aber nicht erwartet, daß Kläger von der Firma gleich mit der Entlassung bestraft würde. Den wiederholten Bcrglcichsversuchen, die das Gericht eingangs -und ausgangs der Verhandlung machte, war der Vertreter der be- klagten Firma unzugänglich. Er sagte, er müsse ans Prinzip jede Einigung ablehnen. Das Gericht gab daraufhin dem Klageantrage statt und der» nrtcilte die Firma zur Zahlung der geforderten Sum»nr. EL nahm an, daß der Kläger vielleicht angetrunken, nicht aber betrunken ge- wesen ist, da er ja seine Arbeit verrichtete. Wenn er dabei etwas schiverfällig gewesen sei, so könne dies auch auf Müdigkeit zurück- zuführen sein. Unverständlich und gegenüber dem sonstigen Verhalten der Firma selbst auffällig ist das Verhalten des Vertreters der Firma Wolf Wertheim. Das muß ein schlechter Kaufmann sein, der„aus Prinzip" eine Einigung auch dann ablehnt, wenn, wie im vorliegen- den Fall erwiesen wird, daß die Annahme, die der Entlassung zw gründe lag, eine irrige war._ Lange Arbeitszeit als Entlassungsgrund. Eine Entschädigung für entgangenen Lohn und Nebenverdienst im Betrage von 94 M. forderte der Schlächter H. vom Fleischer- meister N. K. Krause, da er fristlos entlassen worden sei, obwohl er«ruf eine I4tägig« Kündigungöftist Anspruch habe. Der Be- klagte macht geltend, daß der Kläger trotz Verwarnung wiederholt die Zeit verschlafen habe; auch an» Entlassungstage sei er anstatt um 4 Uhr morgens erst um Uhr jur Arbeit erschienen. Diese Behauptung wurde durch Zeugen bestätigt. Dem hielt der Kläger entgegen, daß er häufig ununterbrochen, ohne Pausen bis 10, 11 und 12 Uhr abends habe arbeiten müssen; es sei dann wohl verständlich, wenn er dann hin und wieder die Zeit verschlafen herbe. Auch am Abend vor dem Entlassungstage sei er erst um 10 Uhr abends von Spandau zurückgekehrt. Bei so langer Arbeitszeit könne doch das Verschlafen als Entlassungsgrund nicht in Frage kommen. Das JnnungSschiedsgericht wicS aber trotz dieser nicht De- strittencn Darlegungen die Klage kostenpflichtig ab. Der Beklagte soll also nach wie vor bei 10— 20stündiger Arbeitszeit von seinen Arbeitern Pünktlichkeit verlangen dürfen. Das widerspricht dem Gesetz, das die Verpflichtung des Unternehmers festlegt, die Arbeits. zeit nicht übermäßig auszudehnen. Schwerlich hätte eine Gewerbe- genäht so entschieden. Das Verschlafen war Folge der langen Ar- beitszeir. Für diese nnd ihre Folgen war aber der Beklagte, nicht der Klager verantwortlich. Sembts- Geltung. Ein BoitSunglück, bei welchem fünf Personen ertranken, beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Licbcnow die 3. Strafkaminer des Landgerichts III. Wegen fahrlässiger Tötung»nußt« sich der taub- stumme Tischler Johannes Stollfuh verantworten. Am 21. August dieses Jahres hatte der Sparverein„Brudertreu", dessen Mitglieder zumeist Taubstumme sind, eine Kremserpartie nach Shildhorn unter- nommen. Hier mieteten sich mehrere Teilnehmer, darunter der Angeklagte, ein Ruderboot. Schon hierbei begingen sie eine große Unvorsichtigkeit dadurch, daß acht Personen ein Boot bestiegen, welches nur für sechs Personen bestimint war. Wie die Anklage be- hauptet, soll nun der Angeklagte Swllfusi. als sich das Boot etwa 50 Dieter vom Ufer entfernt befand, plötzlich angefangen haben zu schaukeln. Im nächsten Moment wurden oie mn Ufer zurückge- bliebenen Personen Zeugen einer furchtbaren Szene. DaS Boot kenterte plötzlich und alle acht Personen stürzten ins Wasser. Da sie sämtlich taubstumm waren, ertönte kein Hilfeschrei, und lautloS sanken fünf Personen in die Tiefe, wäbrend die drei übrigen, dar- unter der Angeklagte, gerettet wurden, oder sich selbst retten konnten. Die gestrige Verbandlung gestaltete sich sehr schwierig, da die samt- lichcn Zeugen uns auch der Angeklagte taubstumm waren. Als Dolmetscherin mußte deshalb die Tgubstum»«nlehrerin Frau Schenk fungieren. Die Aussagen beb Zeugest blieben sämtlich sehr unAtfr, so daß nicht aufgeklärt werden konnte, ob ein absichtliches Schaukeln des Angeklagten oder das bei allen Taubstummen zu beobachtende sehr lebhafte Gestikulieren mit Armen und Händen als die Ursache des Kenterns anzusehen war. Das Gericht kam deshalb auf Grund eines non Uguer zu einer Freisprechung. Der Staatsanwalt hatte IM Jahre Gefängnis beantragt. Unschuldig angeklagt und verurteilt. Wie man zu einer Anklage und Gefängnisstrafe kommen kann, lehrt folgender Fall, der gestern die 8. Strafkammer des Land- gerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Pauli beslhästigte. In dem Jandorfschcn Warenhaus am Kottbuser Damm war eines Tages eine Frau abgefaßt worden, als sie einige Gegenstände heim- lich mitgehen lassen wollte. Der Verdacht, es»nit professionsmäßi- gen Ladendiebinnen zu tun zu haben, lenkte sich dann auch auf die Begleiterin der Diebin, eine bisher unbescholtene Frau Elisabeth Schurig. Eine bei ihr vorgenommene Haussuchung förderte ein Kochbuch zutage, wie es im Jandorfsthen Geschäft feilgeboten wird. Die Frau versicherte, dieses Kochbuch bei Tietz am Alexanderplatz gekauft zu haben, man glaubte ihr jedoch um so weniger, als der Leiter der Buchabteilung bei Jandorf mit aller Bestimmtheit ver- sicherte, daß die Auszeichnung in dem Buche keinen Zweifel dar- über lasse, daß das Kochbuch aus seiner Abteilung stamme. Das Schöffengericht, vor welches Frau Sch. unter der Anklage des Dieb- stahls kam, verurteilte sie zu 4 Wochen Gefängnis. Nun nahm sich Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowicz der Sache an und legte Be- rufung ein. Es ergab sich folgendes: Der Leiter der Buchabteilung von Tietz am Alexanderplatz bekundete mit derselben Bestimmtheit, daß das Buch die Auszeichnung, wie sie im Tietzschrn Geschäft üblich ist, zeige, daß er sogar die Handschrift des Auszeichnenden erkenne und für ihn kein Zweifel bestehe, daß das Buch aus der Tietzschen Buchabteilung stamme. Es konnte festgestellt werden, daß in beiden Geschäften zufällig dieselbe Auszeichnung in Anwendung gekommen war. Dazu kam. daß die Angeklagte zutreffende An- gaben über die Stelle machen konnte, wo sie nach ihrer Behauptung das Kochbuch gekauft haben will. Unter diesen Umständen hob der Gerichtshof das erste Urteil auf und erkannte auf Freisprechung der Angeklagten. Etwas weniger Flüchtigkeit bei Erhebung der Anklage und mehr Rücksicht auf die EntlastnngSmomrnte hätten das überflüssige Gerichtsverfahren vermieden. Hus der frauenbeweguncj« Arbeiterinnen, erkämpft Euch Eure Rechte! Die Rechtlosigkeit der Frauen in unserem Wirtschaftsleben wird den Berliner Arbeiterinnen wieder einmal am Sonntag, den 13. Ro- vember zum Beivußtsein kommen. An dielem Tage gehen die Berliner Arbeiter zur Wahlurne, um ihre Stimmen für diejenigen aus den Reihen ihrer Kollegen abzugeben, die fie für fähig erachten, ihre Interessen vor dem Gewerbcgericht zu vertreten. Den Gewerbegericbten steht Entscheidung in solchen Streitfälle» zu, die den gewerblichen Arbeitern und Arbeiterinnen aus dem Arbeitsverhältnis heraus erwachsen. Nur für Beftiebe, für die Innung«- oder Tarifschiedsgerichte vorhanden sind, find die Gewerbe« gerichte nicht zuständig. Die Entscheidungen werden von den gewählten Vertretern der Arbeiter und Arbeitgeber, die in gleicher Zahl mitwirken, unter dem Vorsitz einer unparteiischen Person, die weder Arbeitgeber noch Arbeiter sein darf und meist ein Magistratsbeamter ist, gefällt. Dadurch, daß Personen dort daS Rtchteramt mit ausüben, die die Arbeiter auf diese Posten gestellt haben, genießen die Gewerbegerichte im allgemeinen bei den Arbeitern großes Ver« trauen. Und dies war auch bei Errichtung der Gewerbegerichte be» absichtigt. Nach der Begründung der Regierung zum GewerbegerichtSgesetz sollte die Hinzuziehung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern auch etne des Vertrauens der Beteiligten versicherte Rechtspfleg« schaffen. Eine Gruppe der Beteiligten hat man aber auch hier, wie stets, wenn eS sich um die Susübung eines Rechtes handelt, aus- geschaltet, nämlich die Gesamtheit der weiblichen Erwerbstätigen. Obgleich auch aus den Reihen der Arbeiterinnen eine erhebliche An» zahl Klagen den Gewerbegerichten überwiesen werden, find die Arbeiterinnen von der Wahl der Vertretung und von der Mt« Wirkung bei der Rechtsprechung ausgeschaltet. Gegenwärtig sind die Gewerbegerichte für rund 7900 000 Ar» beiter und 1 700 000 Arbeiterinnen zuständig. Bor daS Berliner Gcwerbegericht kamen im Jahre 1908 allein 8103 oder 22 Proz. der Gesamtklagen von Arbeiterinnen zur Verhandlung. Soll die Recht» sprechung der Gewerbegerichte das Vertrauen aller Beteiligten ge» nießen, dann muß auch den Arbeiterinnen daS Recht zugestanden werden, fich an der Wahl der Vertreter beteiligen und in den Ge- richten selbst mitwirken zu dürfen. Alle Versuche, den Arbeiterinnen dies Recht zu erringen, waren bisher vergebens. Vor einigen Wochen erst ist w der Kommisfion deS Reichstags, die die Novelle zum Strafgesetzbuch und zum Ge- richlsverfassungSgesetz zu bearbeiten hat, ein Antrag abgelehnt worden, der eine Aenderung des§31 des GerichtSverfassungSgesetzeS forderke. Dieser Paragraph schließt nämlich Frauen vom Amte eines Schöffen aus. Nach dem GewerbegerichtSgesetz haben nur solche Personen das Wahlrecht zu den Gewcrbegerichtcn, die Schöffe sein dürfen. Für den Antrag stimmten nur die Vertreter der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion. Der Vorgang beweist wieder einmal, auf welcher Seite diejenigen zu suchen sind, die einzig und allein die Rechte auch der besitzlosen weiblichen Bevölkerring vertreten. Der 13. November zeigt nun den Arbeiterinnen aufs neue, daß der Staat und die Parteien im Reichstage, die heute noch die Mehr» heit bilden, wohl die weibliche Bevölkerung in gleicher Weise wie die männliche zur Steuerleistung heranziehen, qber stets einen andern Maßstab anlegen, wenn es sich darum handelt, der weiblichen Be» völlerung Rechte zuzubilligen. Wenn deshalb bei den nächsten Reichstagswahlen, die voraussichtlich iin kommenden Jahre statt- finden, die Arbeiterinnen nach Möglichkeit kür die Vertreter der Sozialdemokratie eintreten, so haben die herrschenden Klaffen dies neben ihrem sonstigen Verhalten auch den Maßnahmen zuzuschreiben, die die Arbeiterinnen von den Wahlen zu ihren gesetzlichen Wirt« schasttichen Interessenvertretungen ausschalten. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. DaS erste der dre» Beethoven-Konzerte findet am 13. November S'/g Uhr pünktlich(Eröffnung 3 Uhr) im Blüthner-Saal, Lützowslr. 76, statt. Eintrittskarten a 50 Pf. sind zu haben bei Frau Klotzsch, Fichtestr. 1. Frau Köhler, Schreiner Str. 58, Frau Kulicke, Prtnzenstr. 102, Frau Jordan, Lübecker Str. 43 und im Geweik» fchafrshaus, Engel-Ufer 15, bei Horsch. Programme gratis, Einführungshefte für alle drei Konzerte 10 Pf. An» 23. No- bember in. Englischen Garten, Alexanderstr. 27o: Bortrag:»In» dustrie und Landwirtschaft". Referent: Max Grunwald. Die deutsche Gesellschaft für Mutter, und KindeSrecht veranstaltet Donnerstag, den 10. November, abends 8Va Uhr, im RcnbauS Charlottcnblirg, Berliner Straße 72, einen Vortrag über.Gesetz« gebung und KindeSrecht". Referentin ist Frl. Dr. jur. Anna Schultz-Franksurt a./M._ Leseabende. Mariendorf. Donnerstag, de» 10. November, 8 Uhr bei Lukas« «önigstr. 14. Theater und Vergnügungen □ÖD O»»nerstag, 10. November. Slnsang 61/, Uhr. Kendl königl. Operu-Thenter. Götl-rdämmerung. Ansang 7'/, Uhr. Königl. Schauspielhaus. Wallen- steinS Lager. Die Piccolomiui. Deutsches. Herr und Diener. Kammcrspiele. Scherzo. Tänze. Elsa Wiesenthal.(An- sang 3 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Lessing. Wenn der jung« Wein blüht. Berliner. Der scharf« Junker. Trianon. Der heilige Hain. Neues. Kean. «omische Oper. Die Bohtoie. Residenz. Noblesse oblig*. Neues Schanipieltiaus. Die Jungsrau von Orleans. kleines. Die verflixten Frauen« zimmer. Erster Klasse. Thalia. Polnische Wirlschast. Schiller o«ruutiei■ Theater. WallenstcinS Tod. Schul. Eharlottendnrg. Kabale und Liebe. Friedrich- Wilhelmst-idtischeS. Die Räuber. Westen. Die schänste Frau. Neues Oi-eretten. Der Gras von Luxemburg. Lustspieldau». Der Feldherrn- Hügel. Luisen. Der Fähnrich im Kloster. BoltSoPer. Die weihe Dame. Modernes. Der Dopvelmensch Hrrrnfeld. Eine verlorene Ni Der Dcrbysieger. Roie Fritz Reuter. FolieS Caprtce. Der Feldwebel- Hügel(Ansang 8>/. Uhr.) Metrovot. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. ivaliage. Spezmlitäten ReichSI'nllen Steltwer Sänger. Walhalla. Bravo I Da capol(An- sang 8'/« Uhr.) Wintergarten. Speztalttäte». Karl Haverland. Spezialitäten. Sanssouci. Ach, die KerlS I Spezialitäten.(Ans. 8'/« Uhr.) Urania. T.>»»«», ir»hr im 4». Abends 8 Uhr: Der Vierwald« stätier See und der Gotthard. Im Hörsaal 6 Uhr: Dr. G. Gehl- hoss: Mechanik. Jni Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. verndt: Einige Kapitel aus dem sexuellen Leben der Tiere. Sternwarte,.invaliden str. 57— 62. Höcht. Lessing-Theater. 0 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Freitag 8 Uhr: JbsenzykluS, ö. vor« stellung: Nora._ Berliner Theater. Abend« 8 Uhr: Der ncharfe Junker. Morgen: Der scharfe Junker. Helies Hieslös. Täglich: Gastspiel Ferdinand Bonn. Kean. _ Ansang 8 Uhr._ Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die nebönste Fron. Sonnt. 3>/,U.: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (früher HebbeUheater). Heute und täglich 3 Uhr: Die deute der Franen. Berliner Volksoper Belle- Alliancestr. 7/8. •/a9 Uhr: Die weifte Dame. RllillSIH-lllMtös. Direktion: Richard Alexander. WendS 8 Uhr: Noblesse oblige. Schwank in 3 Akten von Hennequw und Veber. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der FeücherrtchLgel. fnelkich-MiymstalNisvIlös Schauspielhaus. Donner stag, 10. Nov., abends 8 Uhr: Zu Schillers Geburtstag z. erstenmal: ]>le Räuber. Freitag: Dte Räuber. Sonnabend 3'/, Uhr: KriemhildS Rache. 8 Uhr: Krieg im Frieden. Luisen-Theater. Abends 3 Uhr: Der Fühnrich im Kloster. Freitag Premiere: Am grünen Weg. Berliner Volksstück in s Alten von Heinrich Lee._ OSE=THEATE Grohe Franksurter Str. t32. Ans. 3 Uhr. End« ll Ahr. k�rit? Reuter. LI Lebensbild in 5 Alien v. O. Wagner. Freitag: Die Räuber. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rotkäppchen. 8 Uhr: Fritz Reuter. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Verschwörung der Frauen. Tlruul». Wissenschaftliches Theater TaubenstraLe 48/49. Abends 8 Uhr: Der Vierwaldutlitter See and der Gotthard. Hörsaal 6 Uhr: Dr. GK Gehlhoff: Mechanik. 8 Ubr; Dr. W. Bemdt: Einige Kapitel aus dem sexuellen Leben der Tiere. 8 Uhr: 10 neue Attraktionen 10 Gaston Colonel Bordeverry, der beste Kunstschütze der Welt. Walter Steiner, Humorist. 10 Uhr: Mlzzl Wlrth in ihrem Operetten-Scetch Frauenriltsel,"ISrr,; Jffetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große Ausftattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund Mustl v. B Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Gas November-Programm ein großer Erfolg! Jdette Br6monvaI Gtoile Farisiecme Herlein Latory omerit Sang. v. d. gr. Op. Paris. „General" Edward La Vine der alte Haudegen, sowie elf glänzende Attraktionen. HßW« Bon 8-11 StijrmischkS Fachrn aber Eine verlorene Macht Ein lusttger Trauersall tn 2 Akten von Amon und Donat Herrnseld. Hterv,: Dtk Dtrby-Sikgtt. Komödie von«. Neidhardt. Ans. 8 Uhr. Borverk. 11— 2(Theater!.). Passage-Theater. Abends 8 dir: Das Die Glima-Kämpfe der> Isländer-Truppe.| Ddni. Nadfege| Jean Dorean Les freres Riegos und die anderen 12 Attraktionen Passage-Panoptikum. Prinz Atom, der kleinste Mensch aller Zeiten lebend I Buddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Alles ohne Extra-Entree! Eintr. 60 Pf., Kind. u. Soldaten 1 5 Pf. Ait-Iloabit 47/48. Donnerstag, den 10. November: Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 4 Ausz. von G. Ohnet. Philippe Derblah: Dir. Hans Reitz. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz Beichshallen-Theaier. Stettiner Sänger. „Im Maiiseloeh." Milit. Humor, v. Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. �«bRIvi'-Tlieatvi'. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Donnerstag, abends 8 Uhr: Wnilenstein» Tod. Trauerspiel in 6 Auszügen von Fr. Schiller. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Da» Ilrbiid de» TartUIT. Sonnabend, abends 8 Uhr: vei- DaniBibopT_ Schiller-Theater Chirtottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Nabaie nnd Liebe. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akt. von Friedrich Schiller. Ende 10*/, U. Freitag, abends 8 Uhr: prior Friedrich»so Homburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: prior Friedrich reo ilomborg. LICiiT- SPIELE Mozartsaal— Nollendorfplatz Premiere. DAUERVORSTELLUNG 6—11 UHR. CLOU Mauerstr. 82— Zimmerstr. 90/91 Berliner Ronzerthaus i i ii TSgliek 8 Ubi: 1 GastspiM v. MitgL d. Mailänder Scala«Orchc»tcr» ] 66 Künstler. Dirig.; Egisto Tango 1# Solisten. Heute Donnerstag: Wagner-Abend. | Aa allen Wochentagen nachm.: Grolles Premanaden-Frei-Kaiuert. Sonnabend, den 12. November, abends 8'/, Chr. �\ im gr. Konzertsaal der JBraaerel Happoldt, Hasenbeide: Herbstlest| fnit Ball und Oesellschaftsabead. G Mitwirkende; Bozena Bradsky, Brettl-Soubrette. Motte LutZf Konzert- and OperettensSngetia, Fritz Richard, Rezitator(Deutsches Theater). Adolf Henckell, Komiker und Brettls ängsr. James Rothstein, Kapellmeister. FesMtl a Ell PI. ÄzSESS'.ÄÄ -0\|SChMh�. Kurförstendamm 151 Sonnabend, den 12. November Gesellschafts- Abend. Elite-Programm.. Beginn 8 Uhr. Tbalia-Theater Kampf. Kenes Schauspielhaus Ueher unsere Kralt. Herrnfeld-Theater Äbendabtellungen Der Herr Senator, üeber unsere Kraft.! Extravorstellung Im Lessing-Thealer Sonntag. 20. November: Rosenmontag. Lessing-Tbeater Das Konzert. Resldenz-Tbeater Die 300 läge. Nächste Serie im ThallasTheator t Die schöne Helena. Operette von Jacques Ofien- bach. Karl Haverland- Ansang THoalap Kommandonten- präz. 7'/, U. llicil»!!. stratze 77,79. Lsndian�s Lketscb Italienische Nacht sowie die neuen Speziolitäte«. Heute nach der Borstellung: Hall. Casino-Theater Lothringer Strotze 37. Täglich 8 Uhr Nur bis Freitag, den 25. November: Der schukidigt Rudolf. Ab Sonnabend, den 26. November: Das Original Berliner Boltsstück Jnlie Wippohen. Sonnt. 3'/, Uhr: Mutter BrAhert. Nächste Sei# im Neuen Schaospielhause: Hebbel: Agnes Bernaner. 242/1 Der Verstand. I. Y. G. Wiakler., Schmelzers Voltssänger« Gesell- schast, Steltinerstratze 57. 194 l-I l-I 8o!iaI0eiiloKrail5eller Vadlvereiii 'Des VI. Berliner Reiehslags- Wahlkreises. Sonnabend, den 12# November 1910 1 Kunst=Abend 0 in Ballschmieders Etablissement, Badstraße 16, unter Mitwirkung von Margarete Walkotte"nd»öderen namhatten Kflnstlem. Anfang 8 Uhr. s» Eintritt 50 Pf. u n Tanz 50 Pf. 230/9* Das Remltee. Moritzplatz Bnggenhagen Hasenheide Vnions- Brauerei Die beiden Treffnimkte für Tausende Konigsladl-Kasino. Holzmarktftr. 72, Ecke AlMnderftratze. Das gänzlich neue November« Programm mit Fram Sobanskl. Emmy Pyretle, Georg Gray, Lotte Lesseg, Anna und Franz Verdier, Egon Piton, Blitzverwondlungstünsller. Ein alter �lietzchuster. Volksstück uttt Gesang. Donnerstag, den 10. November, abends?>/, Uhr: Die kolossale Pantomime 9'l, Udr Der 91/, Uhr große Coup der Schmuggler Vorher das grosse Programm. Mirza Golem persische Truppe, 12 Personen Mr. Alb. Pearson. Hohe Schule, geritten im Herren- satte! Frl. Baptist». Apachen zu Pferde, ger. von Fr! Dora Schumann und Herrn Karl Hetz. Volks-Liedersaal Diergaricnhof, ivahnh. Tierg. Wir singen: Freitag, den ll. November. 8'/, Ubr: bpsr und Lied! Frster gernisebter.Abend. Saalplatz SO Pf.(res. 1 M). A. Wertheim, Bote u. Bock. kolies Caprice. Abends 8 Uhr: Der Feldivebklhögel Ein Akt in Schnurren von Hengftler und Soda Soda. Bunter Veii. Hotel zur Jnngfran. Touristenposse von Satyr. 2inllus SusvlR. Oonnoret., 10. Nov., ad. 7'l, Uhr: Gr. Galavorstellung. Große Sensation I Bisher noch nie gezeigte tollkOhne Produktionen am freistehenden Mast mr?« Fun hoch-TDQ ausgeführt v. d. Gebr. Adones. Außerdem: Herr Dir. Pierre Althotf und Frau Althoff mit ihren hervorragenden~Prei- heitsdressuren! Die berühmte Radfahrer-Familie Klein. Um 10 Uhr zum 61. Male: „VENEZIA" Walhalla-Theatsr Westtbergsweg 19/20.(Rosenth. Ter.) Anfang 8'/, Uhr. Bravo!— Da capo! Eine Allerwelts-Revue in S Bildern. Mit de» neue« November-Einlagen. Trlsnon-Theater. Abends 8 Uhr: Der heilige Hain. Marionelten-Theater Münchener Künstler. Täglich nachm. und abends: Kleine Opern- nnd Puppenspiele. Port. IV, am Zoo, Port. IV. Hochbahnstatton Kottbuser Ter. 8'/. Uhr: «, Weltstadt- November- Spezialitäten. Darauf BJ/, Uhr i Ich die Kerls!! Berkner Post«, Mustl». Ewödshofer Gesundbrunnen, Badstraße 60. Freitag, de» 11. November 1910: Die Ehre. Schauspiel tn 4 Akten v. H. Süden»,«, Kasteneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. »RRrKtlieatSr- Festsäle und Klnematograph vorm. Graterjan. Jnhab.; Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Eintritt SO u. 40 Ps. Kinoer dieHalste. Ans.7U., Sonnt. AU. Vorzugskarten, nur wochent. gültig, 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechs. Programm. b. a. m. Bosporus am Moritzplatz. Täglich: Varietfe-Konsert. NiSles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden DonnerSrag und Sonntag» Großer Balt* 17615 C. KiBl«. Neu erSffnetl Neu eriffnetl Mila-Säle Schönhauser Allee 130, Milastrafie 3 Jeden Sonntag u. Donnerstag: H Großer Ball.Ü Anlang 8 Uhr. Karl Eisner. Für den Inhalt der Jnierate «ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin, gür den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& So., Berlin SW, / |t.264. 27. Iahrgasz. 2. Jtilnjt des Jatmirtf Allim SolltöliM. DoWttsiag, 10. Dovetnw 1910. Zur Grwervegerichtsmalil! Am morgigen Tage, Freitag, den 11. November, findet in Berlin die Wahl der Arbeitgeber--Mltzer zum Gewerbegericbt m den Stunden von 3 Uhr nachmittags bis V Uhr abends statt. Es wird für diese Körperschaft nach dem Proportionalwahlsystem gewählt, jede einzelne Stimme fällt dabei ins Gewicht und darf kein Parteigenosse, welcher in die Liste eingetragen ist, der Wahl fernbleibe«. Die Wahl ist eine geheime. Als Legitimation dient vor allem die vom Magistrat erhaltene Karte, mangels derselben Militärpapiere oder Stcuerquittung. Wir erwarten, datz alle Genossen, denen es die Zeit erlaubt, sich in de» angegebenen ParteibureanS den Wahl- leitern von V»3 Uhr nachmittags an zur Verfügung stellen und gewohnte Wahlhilfe leisten, namentlich ergeht dieser Aus besonders an alle Parteimitglieder, welche sich wirtschaftlicher Selbständigkeit erfreuen. Die Wahllokale resp. Parteibureaus befinden sich an folgenden Stellen: Bezirk 1: 2: 3: 4: 5: 6: 7: 8: 9: 10; 11: 12: 13: 1-1: 15: 16; 17: 18; 19: 20; 21; 22: 23: 24: 25: 26: 27: 28: 29: 30: 81: 32: 38: 31: 35: 36: 37: 38; 39: 40: 41: 42: 43: 44: 45: 46: 47: 48: Neal-Schule, Gem.-Schule, Viktoriaschule. Gem.-Schule, Wahllokal: Turnhalle Gem.-Schule, Hinter der Garnisonkirche 2, Niederwallstr. 6;7, Wilhelmstr. 117, Genthiner Str. 4, Steinmetzstr. 79, Tempelhofer Ufer 20, Hagelberger Str. 34, Wilmsstr. 10, Bergmannstr. 28/29, Dieffeubachstr. 60/61, Mariannenstr. 47, Reichenberger Str. 44/45, Waldeniarslr. 77. Köpenicker Str. 2, Reichenberger Str. 67/70, Wassertorstr. 31, Prinzensw. 51, Stallschreiberstr. 54, Schmidstr. 38, Fil. d. ,, Blumenstr. 63 a, „ Koppenstr. 84, „ Strausberger Str. 9, „ Mcmeler Str. 24/25, „ Bromberger Str. 13/14, „ Petersburger Str. 4, „ Olivaer Str. 19, „ Georgenkirchstr. 2, „ Keibelstr. 31/32, „ Gipsstr. 23 a, „ Koppenplatz 12, „ Zehdenicker Str. 17/18, „ Ruppiner Str. 48, „ Schönhauser Allee 166 a, „ Senefelderstr. 6/7, „ Greifenhagener Str. 78/82, „ Putbuser Str. 23, ., Misabethkirchstr. 19/20, Wnttstr. 16, Pflugstr. 12, „ Ravenöstr. 12. „ Albrechtstr. 20, „ Alt Moabit 23, Rostocker Str. 32. „ Bremer Str. 13/17, „ Stephanstr. 3, „ Müllerstr. 168/159, „ Müllerstr. 48, „ Prinzcnallee 8, Partcibnreau: Sasse, Neue Friedrichstr. 43. Wegener, Seydelstr. 30. Sacwert, Wilhelmstr. 113. Dobbert, Blumeshof 9. Muhl, Steinmetzstr. 67. Pricfer, Möckcrustr. 121. Kcufner, Jorckstr. 61. Hemp, Urbaustr. 170. Fritsch, Marheinelcplatz 5. Krieg, Dieffeubachstr. 55. Voigt, Raunynstr. 67. Papenfnß, Reichenberger Str. 47. Grundmann, Pncklerstr. 18. Mix, Skalitzer Str. 59. Schulze, Forster Str. 17. Zickenrott, Alexandriucnstr. 110. Mauz, Stallschreiberstr. 6. Baum, Stallschreiberstr. 47. Moschinsky, Michaelkirchplatz 19. Kohtz, Blumenstr. 21a. Merkowski, Andreasstr. 26. Dietrich, MarsiliuSstr. 21. Diskowsky, Memeler Str. 20. Greive, Nomintencr Str. 2. Schmidt, Petersburger Str. 34« Kcrsteu, Elbinger Str. 15. Syaet, Georgenkirchstr. 65. Sengcspeik, Keibelstr. 39. Thiel, Rückcrtstr. 7. Wirth, Augustftr. 51. Obiglo, Schwedter Str. 23/24. Korff, Elisabethkirchstr. 18. Obiglo, Schwedter Str. 23/24. Drobrohlaw, SchHemfliinstr. 39. Hönis6>, Wichertstr. 3. Schnldt, Putbuser Str. 25. Nackwitz, Rheinsberger Str. 63. Henkel, Stralsunder Str. 17. DamS, Schlegelstr. 9. Hcyse, Boycustr. 19. Kürbis, Luifcustr. 26. Cäsar, Alt-Moabit 119. Pilz, Rostocker Str. 27. Schulz, Bremer Str. 62. Faber, Stcfanstr. 11. Mattner, Müllerstr. 162a. Lewandowsky, Müllerstr. 47. Lenz, Prinzenallee 88. Welche Strastenzüge zu jedem Bezirk gehören, ist aus dem Wahltablea« zu ersehen, daS gestern dem ..Vorwärts' beilag.- Für Arbeitgeber- und ArbeitttehmerWahleN(letztere finden am SoUUtag statt) sind die gleichen Lokale bestimmt. Unsere Liste der freien Arbeitgeber trägt die Bezeichnung IM" Liste 1. Stimmzettel werden auch noch vor den Wahllokalen verteilt! Parteigenossen! Wir appellieren an Euren gewohnten Eifer, an die Opferwilligkeit und das Pflichtgefühl, das die Sozialdemokraten Berlins stets betätigt haben. An die Arbeit, auf zur Wahl, zur Wahlhilfe, zum Kampf, z«m Sieg. Soziale Ideen und Prinzipien sotten auch Richtschnur für das Berliner Gewerbegericht werden. Auf zur Wahl am Freitag für Arbeitgeber Sonntag für Arbeitnehmer. verbsiri iozlaldemobraflicher Kahlvereioe Berlins und Umgegend. Der Zentralvorstand. parte!- Hngetegenbeitem Sechster Wahlkreis. Am Freitag, den lt. November, be- qinnt in den Germaniasälen, Ehausseestr. 110, der Vortrags- Zyklus des Genossen M. H. Baege über das Thema:„Vom Urtier zum Menschen", demonstriert durch Lichtbilder. Anfang pünktlich 8'/, Uhr. Genossen, die noch nicht im Besitz einer Eintrittskarte sind, können solche am Eingänge des Saales erhalten. Salkbergi-RüderSdorf. Llm Sonntag, den 13- d. MtS., nach- mittags 3 Uhr, findet im„Gasthaus zur Linde", Jnh. Rich. Roll, Heinitzstr. 19, eine öffentliche Bersammluug für Männer und Frauen statt. Tagesordnung:„Die Polizeifchlachteu in Moabir und Wedding". Referent: Landtagsabgeordneter Heinrich Ströbel- Verlin. Diskussion. Abkershef. Am Sonntag, den 13. November, nachmittags 2 Uhr. stilbet im Lokal des Herrn Layer, Bismarckftr. 10, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Kirche und Sozialdemokratie. Referent Genosse Emil U n g e r. Um 7 Uhr abends wird in demselben Lokal ein Renter-Abend abgehalten. Festrede hält ReichStagSabgeordneter Genosse Eichhorn. Eintritts- preis 20 Pf. Wir ersuchen ferner die Genossen, welche an der Gcwerbegerichtswahl beteiligt find, ihr Wahlrecht Vormittags auszuüben, um uachmittags an der.Versammlung teilnehmen zu können. Der Borstand. Alt-Glienicke. Am Freitag, den 11. November, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Franz Bohne, Grünauer Str. öS, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Tages- ordnung: 1. Los von der Kirche. Referent Genosse Siering. 2. Freie Aussprache. Pankow. Am Sonntag, den 13. d. MtS., stllh 8 Uhr, findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblaltverbreitung statt. Die Gruppenführer haben das Material vom Genossen Ritzmann zu holen. Gleichzeitig machen wir die Teilnehmer am Vortragszyklus darauf aufmcrksani, datz heute abend 8 Uhr der letzte Vortrags- abend im Lokal»Feldschlößchen', Berliner Str. 27. stattfindet. Die Bezirksleitung. Berliner J�acbricbten. Wie die Kirche redet und wie sie handelt. Im Zirkus Busch hat am Sonntag eine Versammlung fiatt- gefunden, die sich mit dem Wohnungselend und der Wertzuwachs« steuer beschäfligte. Dort sprach auch der Stöckerepigone Lic. Mumm, der sich über das Wohnungselend verbreitete. Die Ursache de? WohnungS- elends liege in der Wertsteigerung des Grund und Bodens. Der Bodenwucher schnüre den Arbeitern den Hals zu. Für die Vorlage der Regierung betreffend die Wertzuwachssteuer wolle die Veriamm- lung demonstriere». Sie wende sich gegen den über- wuchernden Grund st ückshandel und wolle der Terrain spekulation unserer Tage daS Brandmal der Gemeinschädlichkeit aufdrücken. Schön gesagt. Herr Mumm I Könnte man nur aus solche Reden etwas geben I Stände wenigstens die Tat dahinter I Aber die Kirche und ihre Diener predigen schon bald zwei Jahrtausende der gläubigen Menschheit schöne Theorien, aber in der Praxis hapert es immer. Wir können hierzu eine niedliche Illustration bieten, die zeigt, datz zwischen de» Worten und Talen der StaatSkirche auch heute noch ein unüberbrückbarer Gegensatz klafft. Vor einiger Zeit brachte der„Berliner Lokal-Anzeiger" unter Vorort- Nachrichten eine Notiz, in der von einer der Kirche sicherlich nicht fernstehenden Seite mitgeteilt wurde, datz verschiedene Kirchen- gemeinden um Berlin durch das Steigen der Grund- und Boden« preise sehr reich geworden seien. Es wurde lveiter auf den aus- gedehnten Besitz der Kirchengcnteinde der nördlichen Vorortgemeinde Rosenthal-Wilhelmsruh verwiesen,„deren damalige Pfarrllüesen heute einen Wert voit Millionen repräsentieren". Und zwar deshalb, weil, wie es weiter hietz, die Kirchengenieinden diese Ländereien liege» gelafien und„selbst in der neuesten Zeit hohe Angebote abgewiesen haben". Der Verfasser der Notiz schrieb auch:»Die kirchlichen Aussichtsbehörden sind sehr darauf bedacht, datz das Land nicht billig verkauft wird.' Da« Konsistorium in Steglitz habe„verschiedentlich die Ge- nehmigung zur Veräutzerung des dortigen Kirchenackers verweigert, auch als vor einigen Jahren 500 000 M. dafür geboten wurde»." Sogar ein Rcflektiailt, der 800 000 M. geboten habe, sei abgewiesen lvorden. Diese Slellung- nähme wurde durch folgende Kalkulation diktiert: die kirchliche Aus- sichtsbehörde halte es nicht für angebroch», den Grund ckud Boden gegeuwärtig, wo das Gruudstücksgeschäst g ä n z l i ch stilliegt, zu veräutzern und empfiehlt, bessere Zeiten abzuwarten, in welchen noch höhere Angebote zu erwarten seien. Die Vertreter der Kirche predigen ihren Gläubigen, datz sie nicht Schätze sammeln für die Motten, die Kirche selbst aber verfährt in diesem Sinne._ Die zahlreichen Klagen über Mißstände in den städtische» Irrenanstalten haben endlich der Deputation für die städtische Jrrenpslege die Zunge gelöst. Lange genug hatS gedauert, ehe man es riskierte, der Oeffentlichkeit diese Bouillon mit Fettaugen vor- zusetzen. In einer langen Extravorlage für die Stadtverordneten» Versammlung befolgt die Deputation den allzu duvchsichtigen Trick, überall da einzuhaken, wo in den bekannten Anschuldigungen Heiser- mans kleine Unrichtigkeiten untergelaufen sind. Wer dieses lendenlahme Geschreibsel, das in allen wesentlichen Punkten den Kern der Sache wohlweislich umgeht und sich an unbedeutende Richtigstellungen förmlich festklammert, als Ni.chtkenner liest, soll und mutz glauben, datz in den städtischen Jrocnanstalten alles in schönster Ordnung ist, und datz es beinahe r.u einem Vergnügen gehört, dort drautzen als Geisteskranker verpflegt und beschäftigt zu werden oder Pflegerdienste zu leisten. Der Zweck der langatmigen Uebung ist also, in Form eines Brausepulvers die Oeffentlichkeit zu beruhigen bezw. zu täuschen. In der Stadtverordnetenversamm- lung wird man aber der städtischen Jrreudcputation ein Tränk. lein mischen, von dem sie noch lange einen bitteren Nachgeschmack behalten soll. Ein geradezu stümperhaftar Schachzng ist es, datz diese famose Rechtfertigungsvorlage allcs� was beim besten Willen nicht zu berichtigen war, glatt totschweiK oder der Erörterung aus dem Wege geht, weil sich derartige mit tatsächlichen Angaben nicht gestützte Behauptungen einer Richtigstellung durch Tatsachen eut- ziehen. Die Vorlage reitet auch nur ans der Heijermanschen Kritik herum, während sie die seit Jahren gebrachten, viel eingehenderen und genaueren Kritiken des„Vorwärts" vorsichtig übergeht. Wa» insbesondere jetzt über die Stellung des Pflegerpersonals gesagt wird, ist eine völlige Entstellung der Gcsamtverhältnisse, obwohl manche Einzelangaben, in denen HÄjerman nicht ganz richtig schil- derte, richtiggestellt werden. Was swn reichlicherem Sommerurlaub und mehr Freizeit gesagt wird, ist direkt falsch. Man erinnere sich nur daran, datz Urlaub stets in gnvitzcm Umfange verweigert worden ist, sobald der Urlaub zum Besuch, von Versammlungen der organi- sicrten Pfleger nachgesucht wuröc. Die Zahl der ungeschulten Pfleger überwiegt bei weitem, wie sich das schon aus dem zu» gegebenen häufigen Wechsel von selbst ergibt. Im übrigen ist die dreimonatliche Schulung im Amstaltskursus praktisch ohne Belang, wenn die eben geschulten Pfl�er gleich oder bald nach dem Kursus die Anstalt wieder verlassen. So ist die„Schulung" ein ewiges Bon-vorn-anfangen ohne größere praktische Bedeutung. Mit den paar Mann, die den Stamm alter, über 30 Jahre im Dienste befindlicher Pfleger bilden, stillte die Deputation lieber nicht rcnom- mieren. Um die behauptete Uebcrbürdung der Pslegcr zurückzu- weisen, operiert die Deputation mit Durchschnittszahlen, wonach ein Pfleger auf noch nickst fünf Kranke kommt. Das ergibt natür- lich ein ganz falsches Bstd, da die dienstfreien, sowie die autzerhatb der Stationen für alle möglichen Nebenarbeiten beschäftigten Pfleger hierbei mitgezählt sind. Zudem erklärt die Deputation einige Absätze vorher stlbst, es sei eine laienhafte Auffassung, wenn das Hauptgewicht aus den durchschnittlichen Bestand der Kranken gelegt wird. Durchschnitt ist doch Durchschnitt! Von schlechtem Pflegeressen, von mcmgelhaftem Nachtlager der Pfleger, von den aus Pflegerkreisen heraus gerügten zahlreichen hygienischen Mitz- ständen, auch von fciem Nächtigen überzähliger Patienten auf der Erde ohne Bettstelle auf den Korridoren, wird kein Wort gesagt. Die Verwaltung kennt anscheinend ihre eigenen Vcrwaltungs- berichte nicht, in denen ausgesprochen ist. datz bei der jetzigen Bc» zahlung tüchtiges Pflegepersonal gar nicht zu erhalten ist, sonst hätte sie nicht aus die Entlohnung der Pfleger verwiesen. Zur Landitagswahl im 4. Berliner Landtagöwahlkreise wissen einige Wlätter von einem Wahlmanöver zu berichten, daS am Tage der Wahl vorgenommen worden fein soll. Nach diesen Mitteilungen sollen liberale Wahlmänner folgendes in Schreibinaschimenschrift hergestellte Schreiben erhalten haben: „Geehrter Herr! Sie sind als freisinniger Wahlmann für die morgige LandtagSnachwahl gewählt worden. Die Wahlvor- bereitungen. seitens der freisinnigen Partei sind aber diesmal so unerhört kktricbe» worden, der Kandidat, Herr Kreitling, ist so ohne jede Fühlung mit der Stimmung des Kreises aufgestellt worden, datz die Mehrheit der freisinnigen Wahlmänner nicht zur Wahl gehen wird. Wenn Herr Kopsch am S. Oktol'cr in der WaPmännerversammIlMg In der SeretnsSrauerel unter anderem erklärt hat, die anderen Kandidaten hätten„zum Teil aus finanziellen Gründen� nickt in Frage kommen können, so gibt es für die Anhänger der anderen Kandidaten eben nur eine Mög- lichkeit. Hercn' Kreitling auch nicht zu wählen und morgen, ain Wahltage, überhaupt nickt zur Wahl zu gehen. Man kann nicht gezwungen werden, zu wählen, und autdringlichen Schleppern ent- geht man als intelligenter Mensch. Wan kann ja auch dringlich verreisen müssen... Dies beehre ich mich im Namen vieler wirk- lich freisinniger Wahlmänner ergebenst zu Ihrer Kenntnis zu bringen. Ein freisinniger Wahlmann." Wir wissen nicht, ob tatsächlich ein solches Schreiben der- schickt worden ist. Ist das wirklich der Fall, so kann doch nur ein Spaßvogel in Frage kommen. Ernstlich wird doch kein verständiger Mensch glauben, mit einem solchen An- schreiben den Zivcck zu erreichen, daß freisinnige Wahlmänner zu Hause bleiben. Eher könnte eintreten, daß manche Wahl» männer. die den Termin vergessen haben sollten, sich auf ihre Wahlpflicht besinnen. Wenn deshalb die„Freisinnige Zeitung" schreibt, der freisinnige Wahlmann rieche doch gar zu sehr„nach dem moralischen Duft der Sozialdemokratie", so sieht das diesem mit den schmutzigsten Mitteln kämpfenden Blatte sehr ähnlich. Ernsthaft kann man gegen solche Anivürfe nicht polemisieren. Die Jugendschriften-AuSstellung im GewerkschaftShauS ist heute, Donnerstag, von 5—9 Uhr geöffnet. Eine Gcmeindeschnle geschlossen. In der ISS. Gemeindesckule in der Mi'ihlenstratze Sl) sind seit den großen Ferien mehrfach Fälle von Diphtherie und Scharlach vorgekommen. Die Schule ist des- halb auf Anordnung des zuständigen Kreisarztes auf zehn Tage geschlossen worden und wird in dieser Zeit einer gründlichen Des- mfektion unterzogen werden._ Zur Sperre des Berliner Viehhofes. Die Verfügung der Veterinärpolizei, daß sämtliche auf dem Schlachthos befindlichen Rinder und Hammel bis Dienstag ab- geschlachtet werden sollen, war nicht durchführbar, lieber 150 Rinder und etwa 1200 Schafe stehen noch ungeschlachte« aus dem Schlacht- hos. Die Veterinärpolizei hat über diese Tiere noch keine weiteren Bestimmungen getroffen. Die Desinfektionsarbeiten auf dem Schlachthofe sind im vollen Gange, dürften aber, da die Abschlachtungen gestern nicht beendet werden konnten, sich länger hinziehen und vor Freitag nicht durchgeführt sein.— Die Desinfektion des Viehhofes erstreckt sich nach An- ordnung der Veterinärpolizei diesmal weiter als bei früheren Fällen von Maul- und Klauenseuche. Die Obertreiber und Treiber sämtlicher Viehkommissionäre sind danach anzuhalten, ihre Auf- bewohrui�Sräume und flästen, sowie alles Futtergerät, die Eimer, Besen. Forken, Stricke«nd dergleichen einer gründlichen Reinigung und Desiirfeknon zu unterwerfen.— Die Abfuhr vom gestrigen Viehmarkt ist. wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" meldet, nach allen preußischen Orten gestattet worden, unter der Voraussetzung, daß die Polizeibehörden der Orte, nach denen die Twre geschickt werden solle», vorher davon benachrichtigt werden und daß die Tiere sofort zur Abschlachtung kommen. Zu dem Berdrechen im Hiimioldthafen wird noch mitgeteilt Der verhaftete Gelegenheitsarbeiter Hermann Richter hat sein gestern abgelegtes Gepändnis in einem weiteren Verhör noch wesentlich ergänzt und sich nunmehr auch selbst bezichtigt. Er gibt zu. mit Wegner zusamuten der Martha eine Steppdecke auf den Ober- körpcr und das Gesicht gelegt und die Decke fest- gehalten zu haben, während sich Sckiffer-Ernst mit ihr efaßte. Als das Mädchen auffallend ruhig wurde, nahm er die Decke vom Gesicht weg und sah nun zu seinetN Schrecken, daß Martha tot war. Auch bei der Wegschaffung der Leiche hat Richter geholfen. Otto Wmlff— nicht Karl— und Wegner leugnen noch ES haben sich aber tnefjrcre Zeugen gefunden, die sie noch weiterhin belasten. Diese Zeugen stanimen nicht alle aus den Kreisen, denen die Tote und ein Tckl der Täter angehören, sondern einige sind einwandfreie Arbeitet; die am Humboldthasen beschäftigt waren. Otto Woiff ist ein ga»z gefährlicher Mensch und nicht das erstemal in bösen Geschichten varwickelt. Vor sechs Jahren war er schon ein- mal in einer ähnlichem Angelegenheit verhaftet. Am 8. November 1804 wurde die Leiche elines Straßenmädchens Mathilde Triebernow im Hnmboldthafen treibend aufgefunden. Die gerichtsärztliche Untersuchung ergab, daß Äas Mädchen auf da? schwerste mißhandelt worden war. Ihr ganzer Körper war braun und blau geschlagen. Wolff geriet in den Verdo«ht. die Triebernow mißhandelt und um- gebracht zu haben, das Versahren mußte aber wegen Mangels an Beweisen eingestellt werden. Gestern kurz nach Mittvg ist eS der Kriminalpolizei gelungen, auch den vierten Mann, den Schiffer Ernst zu ermitteln und festzu- nehmen. Vorgestern erfuhr mam zunächst durch Nachfragen in Kneipen, daß echiffer-Ernst nicht mit Vontamen, sondern mtt Vatersnamen Ernst heißt. Dann ivnrde sistgestellt, daß eS sich um den am 22. Oktober 1877 zu Malz geborenen ehemaligen Schiffer Julius Ernst handelte. Man fand bald dessen Strafakten, aus denen hervor- geht, daß er wiederholt Kajütendiebstähle verübt hat. Trotz mancher Schwierigkeiten gelang es seine Spur zu finden Schiffer'Ecust hatte sich noch gestvrn ans einem Kahn im Humboldt- Hafen aufgehalten, war dann nqch dem Nordhafen gegangen, aber eine halbe Stunde vor dem Eintreffen des Beamten ver« schwunden. Man glaubte jetzt, daß er nach dem Nordhafen gehen werde, er kam jedoch nicht dorthin. Gestern vormittag fragten zwei Beamte, die scho» die ganze Nacht hindurch nach ihm gesucht hatten, alle Stein- und Mörtelkuticher, ob sie den Schiffer-Ernst nicht gesehen hätten. Da teilte ihnen einer mit, daß er in der Wedtdinggegend gewesen sei. Bald nach Mittag fanden sie denn auch den Gesuchten in der Lynarstraße, nahmen ihn fest und brachten ihn nach dem Polizeipräsidium. • Der unter dem Verdacht, den D»d der Berta SchardrowSki verursacht zu haben, mitverhaktete Nackttwächter Wilhelm Wegner vom städtischen Packhof am Humboldthofen ist kein städtischer Wächter. sondern Angestellter einer privaten Wach« und Schlietzgesellschasi, welche die Bewachung der der Stadt Bettiin gehörigen städtischen Lagerhalle am Humboldthafen übernommen hat. Die königl. Eisenbahndirektion schreibt im«: Die in Nr. 252 Ihres Blattes unter der Ueberschiift„FahvpreiS-Kuriosa auf der Wonnseebabn" gebrachte Notiz über Pretsun�leichheiten im Stadt« und Ringverkehr trifft nicht zu. Die einfache Fahrkarte 8. Klaffe von Rixdors nach Friedenau kostet nickt 20 Pf., sondern wie in der Gegenrichlung nur 10 Pf.: ebenso kostet die ANbeiterwochenkarte für diese Strecke in beiden Richtungen gleichmäßig 80 Ps. Ferner ist es nicht richtig, daß auf Bahnhof Tiergarten Wochenkarte» nach Friedenau zu 80 Pf. aufliegen. Solche Karten bestehen überhaupt nicht. Sollte etwa WilmerSdorf-Friedenau gemeint sein, so ist es zwar richtig, daß die hier gelösten Wochenkarten zn 80 Pf. bis Friedrich- straße gelten. Unrichtig ist eS jedoch, daß die in Tiergarten gelösten Karten zu demselben Preis nur bis WilmerSdorf-Friedenau gelten; sie können vielmehr weiter bis Papestraße benutzt werden, denn der Geltungsbereich jeder Fahrkarte berechnet sich für jede Station be- sonders. Unsere Notiz war einer Korrespondenz entnommen und ent- stammt einem Vorortblatte. Sofort getötet wurde am Mittwochnachmittag eine Frau vor dem Hause EberSwalder Straße 25, Ecke der Schönha»ser Allee, als sie versuchte, vor der herannahenden städtischen Straßenbahn den Damm zu überschreiten. Sie wurde von dem yagm erfaßt und überfahren. Als man sie befreite, war sie schon tot. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. - Mit BNndenkonzerken«nd hier seit eknlger Zeit Unfug ge- trieben. Agenten und Agentinuen gehen von HauS zu Haus, um Eintrittskarten für näher bezeichnete Blindenkonzerte zu verkaufen. Mildherzige Leute nehmen diese Karten gern, weil sie glauben, da- durch armen, blinden Künstlern zu helfen. Sie nehmrn an, daß der ganze Reinertrag den Blinden zugute komme, und kaufen des- halb oft Karten, wenn sie auch gar nicht die Absicht haben, das Konzert zu besuchen. Die Voraussetzung, von der die Wohl- täter ausgehen, trifft aber nicht zu. Die eigentlichen Konzert- Unternehmer sind nickt die Blinden selbst, sondern Agenten, die er- blindete Pianisten und Pianistinnen. Geiger und Geigerinnen dazu benutzen, sich selbst die Tasche zu füllen. Sie nehmen die Künstler zu festen Sätzen an und nutzen nun die Wohltätigkeit aus, um über die Künstlerhonorare hinaus möglichst große Ueberscküffe für sich zu erzielen. Diesen Veranstaltungen gegenüber ist also Vorficht dringend geboten. Mehrere schwere Unfälle, darunter einer mit tödlichem Ausgang, ereigneten sich gestern in der Allgemeinen ElektrizitälSgesellschaft im Großmaschinenbau, Brunnenstraße. Der Transporteur von Feld 8 war damit beschäftigt, eine Welle, die der Schmiede gehörte, von der Presse auf die Transportlore zu laden. Da die Welle über Zug lag, wurde statt des großen der kleine Transporthaken benutzt. Der große Haken wurde voin Kranführer hochgezogen, da er nicht ge- braucht wurde. In dein Moment, als die Welle, die ein Gewicht von 25 bis 30 Zentner hat, auf die Lore gelegt werden sollte, stürzte plötzlich der große hochgezogene Transporthaken, der ein Gewicht von 8—10 Zentner hat, aus einer Höhe von zirka neun Meter herab, schlug das Seit, an dem die noch zu transportierende Welle hing. durch und begrub die unteiistehendeit drei Arbeiter unter sich. Der Transporteur und ein Arbeiter erlitten lehr starke Quetschungen und Hautabschürfungsn an Kopf. Händen und Beinen, wogegen der Ar- beiter Wagner aus der Abteilung der Schmiede sofort tot auf dem Platze blieb? ihm wurde der Kopf vollständig zerschmettert. Wem bei diesen tragischen Unfällen die Schuld beizumeffen, ließ sich bis jetzt noch«ich« feststellen, da die eingeleiteten Untersuchungen ein abschließendes Urteil noch nicht ergeben haben. Große Empöni»g herrschte am DienStag abend gegen 10 Uhr unter Pasianten am Kottbuser Tor, die Zeugen folgenden Vorfalles waren. Ein stark angetrunkener Mann, anscheinend ein Arbeiter, stellte sich ungebührticherweise aus der Straße der Straßenbahn entgegen. Bald hat« ihn ein Kriminalbeamter am Genick, zu dem sich auch ein uniformäerter Schntzniann gesellte, um den Mann zur Wache zu bringen. Der Angetrunkene konnte aber nicht mehr stehen und wurde eine längere Strecke buchstäblich auf dem Pflaster zur Wache geschleift. Das Gesicht des Mannes war stark mit Blut be- sudelt, das linke Auge stark angeschwollen, die Sachen hingen in Fetzen vom Leibe. Die Passanten waren ob dieser Behandlung der Arrestanten empört und brachten daS durch lebhafte Proiestrufe zum Ausdruck. Daß Betrunkene nach der Rettungswache und nicht nach der Polizeiwache gehracht werden sollen, wie Magistrat und Polizei- Präsidium vereinbart haben, scheinen die Beamten gar nicht zu wissen. Freie Volksbühne. Zu einer Freiligrathfeier gestaltete sich die Generalversammlung der Freien Volksbühne, die am 3. November im Gewerkschaftshause stattfand. Der Redner des Abends, Herr Eduard Bernstein, entwarf ein fesselndes Bild von der Persönlichkeit und dem Schaffen Freiligraths, dem Verhältnis des Dichters zur Romantik und zur Revolution. Mit lebhaftem Interesse folgten die zahlreich erschienenen Mitglieder den literarisch und historisch gehaltvollen Ausführungen, deren Reiz durch den Vortrag bisher unveröffentlichter Briese Freiligraths»ock erhöhl wurde. In dem alsdann folgenden Vorstandsbericht wies Herr Dr. Konrad Schmidt auf die Kämpfe hin, die die„Volksbühne" zu führen genötigt sei. Durch die geplante kulturwidrige Lustbarkeit-5- steuer will der Magistrat auch die Veranstaltungen des Vereins treffen, ihm folgte der Polizeipräsident v. Jagow durch die berüchtigte Zensurverfügung. Die Abwehrbeivegung gegen diese Anschläge hat ein erhöhtes Interesse an den Bestrebungen deö Vereins erweckt, die Mitgliederzahl hat sich recht wesentlich erhöht, so daß nur noch in einzelnen Abteilungen wenige Mitglieder aufgenommen werden können. Den Kassenbericht er- stattete Herr Winkler. Im erste» Ouartal des Geschäftsjahres 1910/11 betrug die Einnahme 35 095,81 M., die Ausgabe 28 694,20 Mark, der Bestand mithin 8401,71 M. Auf Antrag der Revisoren wurde der Geschäftsleitung Decharge erteilt. In der sich anschließenden Diskussion wurden mancherlei Wünsche und Anregungen laut. Um den Klagen über Störungen in den Vor- stellungen zu begegnen, wurde einstimmig beschlossen, daß lünsttg zu spät kommende Besucher während des Spiels unter keinen Um st än den ihre Plätze aufsuchen dürfen. Frau Kried richtete an die Mit- glieder den Appell, sich an den Sammlungen für den Rechts- ichutz- und Kampffonds des Vereins rege zu beteiligen. In dem Schlußwort ersuchte der Leiter der Versammlung, Herr Vaake, dieser Mahnung Folge zu leisten, er forderte serner auf, für einen Massenbesuch der zum 14. November einberufenen Protest« Versammlung gegen die Zeusurverfügung des Polizeipräsidenten Sorge zu tragen. Die Freie Volksbühne veranstaltet am kommenden Sonn- abend, den 12. November, abends S'A Uhr, im großen Konzertsaal der Brauerei Happoldt in der Hascnheide ihr diesjähriges Herbst- fest. Zur Mitwirkung sind verpflichtet. worden: die Brettlkünstler Fräulein Bozena Bradskh, Herr Karl Hcnckell für den heiteren Teil, die Konzert sängerin Fräulein Motte Lutz und der Rezitator Herr Fritz Rickiard vom Deutschen Theater für den ernsten Teil des Programms. Die Klavierbegleitung übernahm der Komponist und Kapellmeister Herr James Rothstein.— Festmarken a 60 Pf.(inkl. Ball und Programm) sind bei sofortiger Bestellung noch in allen Zahlstellen zu haben. Da» PolizeiprSfidittttt teilt mit: Zeugen gesucht I Am 23. Oktober. abends gegen 8'/, Uhr, wurde der 71 jährige Bildhauer Karl Kricle von einem unerkannt gebliebenen Radfahrer vor dem Hain'e Blumen- straße 51 angefahren und zu Boden geworfen. Dabei erlitt der alte Mann einen Bruch des rechten Oberschenkels und starb drei Tage später im Krankenhause am Friedrichshain. Passanten, die den Bor- gang beobachtet haben, werden gebeten, Mitteilungen, die zur Er- mittelnng de« Radfahrers dienen könnten, an die Krtmutalpolizet, Q. Bez., zu 5014. IV. 27. 10. gelangen zu lasten. Vorort- pjachricbtcm Rixdorf. Der„TerroriSmus der Sozialdemokratie". Wir hatten wiederholt bei dem verflostenen Wahlkampf zu den Stadtverordnetenwahlen Gelegenheit genommen, auf die Täligkeit de» Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie während der Wahlaktion hinzuweisen. Die Führung und Lieferung von Material im Kampfe gegen die Sozialdemokratie für die Kommunal- und Hausbefitzervereine übernahm, wie jetzt einwondsfrei festgestellt ist. der ReichSwabrheitsverband. Wo diese traurigste Erscheinung unseres politischen LebenS an die Oberfläche tritt, hört der Kampf mit sachlichen Argumenten auf. Die Verdächtigung der gegnerischen Parteien mit den schlimmsten Mitteln der Demagogie und Verdrehung der Tat- sacken find die landläufigen Waffen. Eine der üblichsten RedenS- arten ist der„TerrorismnS der Sozialdemokratie". Das Organ der Rixdorfer demokratischen Vereinigung, die„Rixdorfer Zeitung", liefert zu dem Kapitel„TerroriSmuS" einen interessanten Beitrag. Danach ist der Reichsverband an der Arbeit, ein nach Branchen ge- ordneteS Verzeichnis derjenigen Geschäflskcute hemuSzageben, die bei der letzten Wahl nach Ausweis der Wählerlisten gegen den deinokraiisch-sozialdemolratischen Kandidaten gestimmt haben. DaS Verzeichnis soll vertraulich allen Wählern der Grundbesitzer- parte!— eS sind, die betreffenden Geschäftsleute eingerechnet, im ganzen 900— mit besonderer Empfehlung übermittelt werden. Wenn Sozialdemokraten und Demokraten sich der gleichen Taktik bedienen, würden die Geschäftsleute, welche den Kandidaten der vereinigten Kommunalvereine ihre Unterstützung angedeihen ließen, sehr bald aus Rixdorf auswandern können. Dann allerdings würden die Herrschaften wieder den Mund sehr voll nehmen über den „Terrorismus der Sozialdemokratie". Ein gefährlicher Brand rief die Rixdorfer Feuerwehr vorgestern abend gegen 10 Uhr nach der Heidelberger Straße 75. Auf dem dritten Hofe befindet sich dort ein fünfstöckiges Fabrikgebäude der Schallplattenfabrik„Beka Rekord" G. m. b. H. Auf bisher uu- aufgeklärte Weise war im Erdgeschoß in einem massiven Verschlag neben der Treppe Feuer ausgekommen, das Wachs usw. ergriff und eine kolossale Hitze entivickelte. Hierdurch platzte ein Lichtfenstcr, t'o daß die Flammen in das Treppenhaus schlugen. Als die Feuer- wehr eintraf, brannten die Holzbekleidungen der steinernen Treppe sowie das Geländer und die Fenster schon bis zum fünften Stock. Zur Ablöschung der Flammen mußten drei Dampfspritzenleitungen vorgenommen werden. Erst gegen Mitternacht war die Gefahr beseitigt. AuS der Magisiratssitzung. Der GenchtSastestor Dr. Scheffler wird zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbe- und Kaufmanns« gerichts gewählt.— Dem Beschluß der Stadlvcrordnetenversammlung vom 27. Oktober 1310 betreffend die Wiederwahl des Stadtbaurats Wcigand auf Lebenszeit wird zugestimmt.— Der Magistrat beschließt die Errichtung einer Turnhalle auf dem von dem Eigentümer Knapper neben dem Schulgrundstück Mahlower Straße erworbenen Grundstück. Der Bau soll so gefördert werden, daß die Jngebrauch- nähme der Turnhalle spätestens am 1. Oktober 1811 ersolgen kann.— Die Einebnung der Abschnitte II und III der Abteilungen II und HI des Friedhofs Britz, Rudower Straße, wird nach dem Vorschlage der Friedhofsdeputation beschlossen.— Der Magistrat beschließt den Erlaß einer neuen FricdhofSordnung auf der Grundlage des vor- gelegten Entwurfs.— Die Einrichtung einer Kantine im Arbeiter- WoblfahrtSgebäude der städtischen Gasanstalt wird genehmigt. Die betrogcncn Handlungsgehilfen. Die unter dieser Slickmarke gestern von uns für Donnerstagabend 8'/„ Uhr angekündigte öffent« liche Versammlung findet nicht, wie irrtümlich mitgeteilt. Berg- straße 107, sondern in den Bürgersälen, Berg st r. 147, statt. Wilmersdorf-Halcnsee. Zur Angelegenheit Floto. Wie wir gestern bereits in Kürze meldeten, hat der Magistrat die bei der Stadtverordnctenwahl am 3. November auf deu Demokraten Floto gefallenen Stimmen für ungültig erklärt, so daß der Ruckschrittler Oslar O e r t l e r als gewählt betrachtet wird, trotzdem für ihn nur 112 Stimmen, für Floto hingegen 146 Stimmen und für den Fortschrittler Jacobsohn 77 Stimmen abgegeben wurden. Zuseinerauffälligen Maßnahmeließ der Magistrat sich leiten, weil dem demokralischen Kandidaten die Haus- bejitzereigenschaft fehlen soll. Nun ist keinerlei Zweifel daran, daß Herr Floto Hausbesitzer ist, doch scheint sich der Magistrat auf ein 1593 vom Oberverwaltungsgericht gefälltes Urteil zu stützen, wonach jemand nur dann im Sinne der Städteordnung als HauS- besitzer gilt, wenn außer ihm niemand Anteil am Besitz des HauieS bat. ES macht nichts, wenn ein HauS derart mit Hypotheken belastet ist, daß dem nominellen Besitzer tatsächlich kein Ziegelstein zu eigen gehört; jedoch muß er ins Grundbuch als Alleinbesitzer eingetragen sein. Hieron hat es nun im Falle Floto insoweit geinangelt, als neben ihm auch seine Ehefrau als Besitzerin eingetragen war, und daraus stützt der Magistrat sein Vorgeben. Die Demokratische Vereinigung beab- sichtigt. dos Verfahren des Magisttals auf verwaltungsrechttichem Wege anzufechten. Charlottenburg. Der zweite Bortrag dtS Genossen Berufiein über die sozial- reaktionären Parteien findet am 18. November pünktlich 8'/, Uhr im Volkshause, Nosinenstr. 3, statt. Eintrittskarten zu den folgenden fünf Vorträgen sind zum Geiamipreise von 50 Pf. bei Scharnberg, Sescnheinier Str. 1, Will, Kirchstr. SO. und Weisheit, Nosinenstr. 3 (Stehbierhalle), zu haben. Friedenau. Ans der Gemeindevertretung. Zunächst wurde mitgeteilt, daß die Bevölkerungszunahme von Juli bis Oktober 2587 Personen beträgt. Der Ort zählt zurzeit 35 601 Einwohner. Seit Oktober 1905 hat sich die Einwohnerzahl Friedenaus verdoppelt. Auf An- trag des Bürgermeisters wurde beschlossen, die Polizeihunde abzu- schaffen, da man hier durchaus keine Verwendung dafür habe. An Ueberschreittmgen der Voranschläge für 1809 wurden nachbewilligt für die ordentliche Verwaltung 5836,73 M., für Schulen 4285,04 M., für das Elektrizitätswerl 3406,60 M., für Gärtnerei und Friedhof 644,08 M., insgesamt 14 472 51. M. Ein Antrag des Gemeindevor- standeS verlangte 2400 M. für Errichtung von Garderoben in der Turnhalle des Reformrealghntnasiums. DieS gab unferm Genossen Richter Veranlassung, das Verhalten des Schulkuratoriums sowie des Gemeindevorstandes einer scharfen Kritik zu unterziehen. Er wies darauf hin, daß es in der letzten Zeit hier Usus geworden sei, bei jeder Gelegenheit die Turnhalle zu Tanzvergnügungen zur Ver» fügung zu stellen, während der am Orte bestehende Arbeiterturn- verein gezwungen ist, seine Turnabende im Saale eines Reftau- rants abzuhalten. Ueber ein besonders empörendes Vorkommnis, welches sich erst vor einigen Tagen abgespielt hat, berichtete er fol, gendeS: Die Samariterkolonne vom Roten Kreuz hatte für Sonnabend, den 30. Oktober, den großen Saal des Restaurants .Rheinschloß" zur Abhaltung eines Vergnügens mit Tanz ustv. ge- mietet. Am Mittwoch, den 26. Oktober, fand nun in diesem Saals ein« von der Sozialdemokratie einberufene Versammlung statt, in welcher Genosse Eidhhorn über.Die Vorgänge in Mvabit" sprach. Der Wirt des Lokal? erhielt darauf am folgenden Tage einen Brief etwa folgenden Inhalts:.Wir bedauern von dem mit Ihnen vereinbarten Stiftungsfest der freiwilligen Sanitätskolonne in Ihrem Lokal absehen zu müssen, da wir nicht in einem Saale tagen können, der der Schauplatz solcher Versammlungen wie am Mitt- tvoch war. Unterzeichnet war das Schreiben von einem Dr. med. Ladd. Um nun zu zeigen, daß man diesen an dem Wirt« verübten TerroriSmuS billige, stellten nun Schulkuratorium und Gemeinde- vorstand dem Verein die Turnhalle zur Abhaltung des Rummels zur Verfügung. Derselbe Gemeindeborsteher, welcher Anfang der Sitzung erklärte, daß er Gerechtigkeit über alles stelle. Unser Ge- noffe beantragte, eine Kommifsion einzusetzen, welche der Schul- deputation Richtlinien gibt, zu welchen Veranstaltungen die Aula und Turnhalle der Anstalt freigegeben werden soll. Die VerHand- lung des Antrages wurde, nachdem auch einige bürgerlich« Ge- meindevertreter gegen die Schädigung der Geschäftsleute durch d«r» artige Maßnahmen protestiert hatten, bis zur nächsten Sitzung ver- tagt. Bei einer Elektrizitätswerlsangelegcnheit wies Genosse Huhn darauf hin, daß sich die Folgen der Lcrschacherung des Werkes jetzt schon insofern demerkbar machen, als die Straßenbeleuchtung lange nicht mehr in dem Matze funktioniert wie dieS früher der Fall gewesen sei. Der Grund hierfür sei darin zu suchen, daß man schnell nach der U«b«rnahme durch die Privatgesellschaft eine Anzahl Arbeiter entlassen und die übrigen zu sehr dadurch belastet habe. Ein Beispiel habe man bei den Arbeitern, welche Straßenlampen bedienen. Als die Gemeinde das Werk noch in eigener Regie führte, hatte ein solcher Arbeiter täglich 85 Lampen zu bedielten. Heute muß er 57 instand halten. Es zeige sich auch hierbei, daß bei der ganzen Plusmacherei die Arbeiter die Leidtragenden find. Ge» meindevertreter Gerken fühlte sich bewogen, der Gesellschaft beizu» spriitgen. Schöneberg. Freitag, den 11. November, abends Punkt SVz Ubr, bei Grosser. Manin-Lulher-Ttr. 50: Dritter Vortrag über.Einsührung in die moderne GeiellschastSlehre'. Der BildungSauSschuß. Treptow-Banmschulenweg. Wie stellt sich die Einwohnerschaft zur Eingemeindung?� und FriedhofSfrage, lautet da? Thema, worüber in einer heutigen öffent- lichen Vett'ainmlung in Speer» Festlälen gesprochen wird. Infolge der Maßnahmen de» Gemeindevorstandes in angeregter Frage, wird die Einwohnerschaft ersucht, lebhaft für die Versammlung zu agitieren. Der Gemeindevorstand sowie die Gemeindevertreter sind schriftlich eingeladen. Lankwitz. Auf der Tagesordnung der letzten Gemeindevertretersitzung stand zum zweiten Male die Errichtung einer gewerb- lichen Fortbildungsschule. Beim§ 6, der ein von den Eltern zu bezahlendes Schulgeld vorschreibt und ausspricht, daß sie auch für die Beschaffung der Lehrmittel zu sorgen haben, ent- spann stch eine lebhafte Debatte. Genosse R a d i k e stellte den An- trag, die Lehrmittel unentgeltlich zu liefern und von einer Erhebung des Schulgeldes Abstand zu nehmen. Nachdem sich auch die Gemeindevertretcr Teurig, Bartelt und K r o h n in dem- selben Sinne ausgesprochen hatten, zog der Gemeindevorsteher es vor, die Vorlage nochmals an die Kommission zurückzuweisen. Die mehrmalige Beratung zeigt, daß bei der Vorbesprechung über das Statut, zu der Arbeitgeber und Arbeitnehmer hinzugezogen wur- den, die letzteren die Interessen der Arbeiter sehr schlecht vertreten haben. Das neue Rathaus wurde in die Liste der künstlerischen Gebäude aufgenommen, in deren Umgebung laut Ortsstatut nur solche Neubauten aufgeführt werden dürfen, die den künstlerischen Eindruck nicht beeinträchtigen. Der Turnerischen Vereinigung wurde die Benutzung der Turnhalle der Gemeindeschule 1 für einen dritten Abend in der Woche gestattet, ebenso der Lehrerin Fräulein Jeltsch die Halle der 2. Gemeindeschule für einen Privatkursus. Hoffentlich stellt man demnächst auch der Freien Turnerschaft die Turnhallen zur Verfügung. Beschlossen wurde ferner die Heber- nabme der KreiSchaussce in der Kaiser-Wilhelmstratze von der Vik« toriastraßc bis zur Mariendorfer Grenze. Für die 1000 Meter lange Strecke zahlt der Kreis eine Abfindungssumme von 43 300 Mark. Die Gemeinde verpflichtet sich, die Stratzensirecke bis zum 31. De- zember 1912 baufähig herzustellen. Dem Kreise wird für alle Feit gestattet, für eigene Unternehmungen die Rohrleitungen für Gas, Wasser und Elektrizität einzulegen. In einer nichtöffentlichen Sitzung wurden dann noch mehrere Punkte erledigt. Köpenick. Heute, Donnerstag, von 4—7 Uhr finden die Stadtverordneten» Wahlen in der zweiten Abteilung statt. Noch einmal ergeht in letzter Stunde an die Parteigenossen die Aufforderung, sich rege an der heutigen Wahlarbeit zu beteiligen. Die Gegner arbeiten mit Hochdruck. ES kommt daher auf jede Stimme an. ES ist daher not- wendig, daß auch heute noch jeder mit allen Kräften für unsere Kandidaten Lietsche, Nickel und Scholz agitiert. Die Stodwemdnetenwahlen in der dritten Abteilung endeten gestern mit dem Siege der fünf sozialdemokratischen Kandidaten. Die Genossen Finger. Müller. Stippekohl. Woik und g e i d l e r wurden mit je 1500 Stimmen gewählt. Gegenkandidaten waren nicht ausgestellt. Adlershof. In der letzten Gemeinbevertretersttzung wurden zunächst die Gemeindeverordneten Bach. Eruse und Baarß eingeführt. Durch die Aufhebung des Wollkropfgrabens sind Grabenlandparzellen frei geworden. Es wurde beschlossen, das freigewordene Land zum Preise von 10 Mark pro Quadratmeter anzubieten. Bei der Debatte über die Anlegung und Ausschmückung von Plätzen wurde zunächst die Verschönerung des Platze» gegenüber dem Bahnhofsgebäude he- sprochen. Die Ausschmückung dieses Platzes, welcher den Namen ..Süßer Grund" erhält, muß auf Grund eines Vertrages durch den Grundbesitzer Treitcl vorgenommen werden. Derselbe hat nach längerem Verhandeln mit dem Gemeindevorsteher sich bereit erklärt, nach einer ihm von diesem vorgelegten Skizze die Bepslanzung aus- führen zu lassen. Die Arbeiten müssen sofort in Angriff genom- men werden. Die Ausschmückung des Marktplatzes wurde ebenfalls auf Grund einer vorliegenden Skizze genehmigt. Eine sehr aus- gedehnte und lebhafte Debatte entwickelte sich"über Pnnlt 11 der Tagesordnung:„Ausscheiden aus dem Amtsbezirk Alt-Gliemcke". Nach langen Vorarbeiten durch eine besondere Kommission, welcher auch der Genosse Hildcbrand angehört, kam dieser Punkt end- lich im Plenum zur Verhandlung. Unsere Genossen und die Herren der zweiten Abteilung stellten sich auf den Staudpunkt, daß es nur von Vorteil für unfern Ort sein könne, wenn derselbe einen eigenen selbständigen Amtsbezirk für sich allein bilde und der Gemeinde- Vorsteher zugleich die Amtsbefugniss« in Händen habe. Die ideellen Vorteile uiü» der Einfluß, den wir dadurch auf die Polizei ge- Winnen, sei sogar so hoch zu veranschlagen, daß wir eine Mehr- bclastung des Etats mit in Kauf nehmen könnten. Der Gemeinde- vorstand Köhler hatte eine Berechnung der Einnahmen und Ausgaben vorgelegt. Nach dieser Kalkulation gleichen sich Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 21 000 M. aus. Die Herren der ersten Abteilung erklärten, im Prinzip mit der AuLscbeidung einverstanden zu sein, sie müßten aber dagegen stimmen, weil die vorliegende Be- rechnung eine viel zu niedrige sei. Die Ausführungen des Herrn Dr. Baurath, de? Sprechers der Gegner, gipfelten darin, daß die Folge der Ablösung eine Erhöhung des Einkommensteuerzuschlages um mindestens 57 Proz. sein würde. Genosse H o r l i tz trat dem Herrn in längeren Ausführungen entgegen und empfahl eindring- lich die Annahme des Kommissionsbeschlusses. In der darauffolgenden Abstimmung wurde mit ö gegen 2 Stimmen beschlossen, das Ausscheiden aus dem Amtsbezirk Alt-Glienicke zu beantragen. Hier» auf wurde die Mitteilung gemacht, daß gegen die der Gemeinde vor einigen Wochen erteilte Genehmigung zur Aufstellung von Urnen aus dem Gemeindefriedhof von der Synode Beschwerde erhoben worden sei. Dieselbe verlangt Beisetzung der Urnen unter der Erde, weil die Gemeinde keine Urnenhalle besitzt. Im Anschluß hieran wurde die Ersatzwahl für den aus der Schuldeputation ausgeschiedenen Dr. Franke vorgenommen. Von den Vorgeschlagenen, Genosse Hildebrand und die Herren Dr. Saling, Eruse und Bach, erhielten im ersten Mahlgang Eruse 4 Stimmen, Hildebrand 3, Dr. Saling und Bach 2 Stimmen. In der Stichwahl siegte Genosse Hildebrand mit 5 Stimmen. Die liberale Presse in unserm Ort hält vor lauter Verwunde- rung über dieses unglaubliche Vorkommnis die zwei Vertteter der ersten Abteilung, welche anwesend waren, für verkappte Rote. Hoffen wir, daß landrätliche Weisheit sie aus dem jetzigen Zustand der Maulsperre wieder in den des liberalen Heldentums zurückführen wird. Bernau. Heute abend S'/g Uhr hei Wünsche, Chausseestraße. Fortsetzung des Kursus über:„DaS Erfurter Programm". Lehrer Genosse Julian Borchardt. Der BildungSauSschuß. Tegel-Borsigtvalde. Am kommenden Sonnabend, den 12. November, abends präzise 8'/, Uhr, findet der von den Genossen beider Orte veranstal'.ete Kunstabend in W. Trapps Fesisälen, Bahnhosstrabe 1, statt. Das Programm ist fast ausschließlich aus Opern von Richard Wagner zusammengesetzt, die vom Neuen Toliküiistler-Orchester(30 Künstler) Dirigent: Franz Hollfelder, ausgeführt werden. Gesang: Frau Erna Selpin-Tabin(Sopran) und Herr Karl Schiilz(Tenor). Saalöffnung T'/a Uhr. Da während der Konzertaufführungcn die Saal- türen geschlossen bleiben, empfiehlt eS sich, pünktlich zu erscheinen. Einttitiskarten find in beiden Orten von den Bezirksführern zum Preise von 50 Pf. zu haben. » Bei dem großen Zuspruch, den die früheren Kunstabende hatte», ist zu erwarten, daß der Besuch ein sehr reger wird und es ist da« her den Besuchern zu empfehlen, sich vorher mit Karten zu versehen. Potsdam. In größte Lebensgefahr gerieten vorgestern Zwei in NolvaweS wohnhafte Maurer, die beim Neubau des Depots für die Maschinen- aewehrabteilung d-S Ersten GardcregimentS beschäftigt waren. Die Maurer Karl Hirschmann und Otto Borchcrt arbeiteren auf eine», Gerüst, mit dem sie in die Tiefe stürzten. Allem Anschein nach liegt ein Verschen beim Ausbau deS Gerüste» vor. Die beiden Maurer wurden in daS St. JosephskrankenhauS gebracht, wo ihre Ber- letzungen nicht als lebensgesührlich angesehen werden. Spandau. Arbciter-Tamariter-Bimb, Abt. Spandau. Am Freitag, den 11. d. Mrö., abends S1/» Uhr. findet im Lokale von Bohle. Havel- straße 20, ein UebungSabend statt, wozir ein Vortrag über Bewußt« losigkeit, Hitz» und Blitzschlag und Brchädigung durch Elektrizität gehalten wird. Nach dem Vortrage findet praktische Ucbung statt. Gäste sind willkommen._ Amtlicher Dtarttbericht der ftädlilchen MarttkaNeii-DtreMon über den Grohbandel in den Zenwai-ivtarktballen Htnrktlage: Fl ei i ed: siusuhr schwach.(Letlbätl still, Preise unverändert. Wild: siusuhr reichlich, Gelchüst nicht lebhaft genug, Preile behauptet. Genüget: Zuiubr genügend. Geichast flau. Preise gedrückt. Fische: Zufuhr knapp, Geschäjt ruhig. Prelle leicht.anziehend. Bulter und Kase: Geschiist ruhig, Preiie unverändert. Gemüle. Lbü und Südsrüchle: Zusühr reichlich, besonders in Blumenkohl, Geschäjt jast leblos, Preise sast un- verändert._ SvitternngSiiderNch» vom 9. November lilio, morgen» 8 Utir. B IÜ «S Setter Swmemde 754®® Haniburg>754 Ws® verlin 1756 S® Franti.a M 758®® Ltuncheo(760®® Wie» 762 CSD 4 heiter 4 wolkig 1 bedeckt SRegen 4 wolkig 1 Nebel v» /» II £? M* •Mtontn Üa M so 5 £ 2 »i Havaranda 748 D Petersburg 753 SO Sctllv 7599!® Aberdeev 750 WSW Paris �759 SSW Setter «:■« 5» f* 2 Schnee L bedeckt j 5 halb bd. 5 heiter 1 bedeckt —Z 8 3 6 Wetterprognose kür Donnerstag, den 19. November>910. Etwas kühler, bei veränderlicher Bewölkung und ziemlich(itschen südwestlichen Winden; geringe Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasserstnndS.Nacbrt-vtea der LandeZanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterburcau. Wasserstand M e m e t, Ttlstt P r e g e l, Infterbmg Weichsel. Tborn Oder, Ralibor » Krossen , Frankstuck Warthe, Schttmm » Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leimietttz , Dresden , Bardo , Magdeburg seit 7.11. orn') —23 +14 —8 0 +1 +1 —14 +23 +18 +3 —18 o-28 _+124 l+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) llnlerveael. Nach tele graphischer Meldung ist die Oder bei Ralibor bi» beute ,m> 7 Uhr morgens aus 366 cm gefallen, ihr Fluticheitel befindet sich bei Brieg. Gegründet 1867 Fortgesetzte Anfragen veranlassen mich zur Vermeidung einer Irreführung u. Täuschung des Publihums wiederholt darauf hinzuweisen, dass die seit Jahrzehnten vorteilhaft bekannten echten Stiller- Schuhwaren, welche nebenstehende Schutzmarken tragen, nur„einzig und allein" In folgenden Geschäften zu haben sind: Zentrale und Versand: ferusalemer Str. 38-39 Potsdamer Strasse 2 T auentzienstr asse 19a Friednch- Strasse 75 König- Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr.i46 Rixdorf, Bergstrasse 25-26 Eingetragene Warenzeichen für die Firma Schuhwarenhaus Carl Stiller Gegrflndet 1867 Januar 1911: Rosenthaler Strasse 5 Der reich illustrierte Hauptkatalog wird auf Wunsch gratis zugesandt mim 11= :■■■: Verlag G. Birk& Co., t,«, München* Neu erscblenen; Handbuch der sozialdemokratischen Parteitage 1863-1909 bearbeitet von Wilhelm Schröder. In Leinon gebunden M. 7,—, such in 19 Lieferungen a M. 0,30. Einbanddecke dazu M. 0,73. Als Nachschlagebuch unentbehrlich. Warum ich kein Sozialdemokrat bin! von Dr. phil. Siegfried Eckart. Eine politische Satire auf die Praktiken des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie. Preis M. 0,50. Kindersegen- und kein Ende? von Dr. Fritz Brupbacher, Arzt in Zürich. Neue verbesserte und vermehrte Auflage. Preis M. 0,50. Angesichts der Erschwerung der Lebenshaltung, der Preissteigerung aller notwendigen Bedürfnisse und der Opfer des Kampfes ums Dasein sollte jeder denkende Arbeiter diese vom Parteistondpunkte aus geschriebene Broschüre lesen. 292/9* Durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Kolporteure erhalten hohen Rabatt! TerlassverKelchnls amaonat und portofrei. !■■■; 3.(Solöfarb?rais5.Ste8ofc geqrünöct 1839. si==--.................. Tabac russe d priser. gout de üowno. nonH>a-a�o*o-n.o.O'MOM-Q 1 Prowdziwa tabaka do� zazywania wKownoer* Un � ä'ä*a*D'0«'a*a,D-D�'CKKi-aw Ueberau zu haben r*brik> Luaszynstl 4 Co. Berll» NOl Die beste Küche für Hochzeiten finden Sie in den * Ami n i j Aui iij n i* C. 54. Sophlenstr. 17/18 Blumcnstr. 10 Tel HI. 2783. Inhaber: Paul Baatz. Tel YD. 3096. 20 Säle und Vereins-Zimmer mit modernen Bühnen, 50—1500 Personen fassend, an Sonnabenden und Sonntagen noch frei 1484L* 2. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 9. November vormittag». Kur die Gewinne über 240 Mark sind den heüeffcaden Nummern in Klammern beigefügt. fOline Oewfibr.)(Nachdruck verboten.) 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Ziehung 5. KL 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 8. November nachmillag». Kor die Gewinne Uber 240 Mark sind den bclreltendcn Nummern in Klammern beigefügt. {Ohne Gewähr.)(Ntohdruck verboten.) 258[500) 37» 522 870 885 937 1067[1006] 74- 253 807 99 8«4 528 53 66 654 801 2135 285 Sil 452 501[500] 731 36 8014 155 403 682 622[lOOO] 55 733 919 4035 195 599[3000] 680 756 77[1000] 985 6910 879 419 30 689 639 6061 127 29« 35« 485«85 780 872 7 354 411 539 90 839 8003 187 83 160 481 591 601 866 88 9047 299 680 817 10018 52 139 603 784 95 960 11000[3000] 319 5?« 91 870 953 1 2063 483 67« 771 861 13112 27 700 864 923 [1000] 14151;S3 456[5000] 590 722 835 57 74 15205 323 «00 785 999 1 6069 222 460 708 24 33 46 81[3000] 17 162 421 698 1S243 560 79 655(500) 700««4 1 0009 137«1 78 204 481[1000] 559 625 720 836 82 98 20061 41 365 467 714 28 SS5 69 2 1015 389 4SI 95 «57 779 913 2 2011 118(5001 65 244 427 791 23 217 310 71 678 675 80 876 94 960 2 4379 571 625 956 2 5622 918 2 6031 109 235 413 656 785 653 982[1000] 27133 461 97, 500 960 78 2 8 455 601 73 923 43 2 0 05« 360 34 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Vrrlin. Aür des frqcnUcnteil dkrant».: X|.9Mc,9ftTTh. DwS Ü. Verlag: Vorwärts VuchdniScrcj u. LcrlagSanstalt faul Einser ä C». tBaiis SSL Dr. 264. 27. Jahrgang. 3. KeilM!>» Dwiirls" Knlimr AldsdlM Donnerstag. 1V. November 1916. �us aller Alelt. k�ocdwaefcr in LlleftäeutscKlanc!. Die sehr erheblichen Niederschläge der letzten Tage haben im westlichen Deutschland, speziell im Rh ein gebiet, ein starkes Steigen der Wasserläufe hervorgerufen. Einzelne Flüsse haben bereit» die Ufer überflutet, das Wasser hat Felder und Wiesen in weite Seengebiete verwandelt. Vom Oberlaufe des Rheins wird ein Steigen des Wasserspiegels bis zu 50 Zentimeter im Laufe des letzten Tages gemeldet. Die Nahe ist an einzelnen Stellen bereits über die Ufer getreten, in Kreuznach driugt das Wasser in die Keller der niedrig gelegenen Ströhen ein. Bei Bretzenheim und Laubenheim wurden durch das Hochwasser der Nahe mehrere Brücken fortgerissen. Auch die E m s ch e r führt starkes Hochwasser, die Niederungen sind voll- ständig überschwemmt und gleichen einem grohen See. In der s ü d t i ch e n E i f e l wütete Dienstag ein heftiges Unwetter verbunden mit schwerem Hagel und Orkan, das in verschiedenen Orten grohen Schaden anrichtete. In Prüm wurde ein dreistöckiger Fcucrwehrübungsturm umgerisien und die einzelnen Teile weit fortgeschleudert. Personen kamen nicht zu Schaden. Die Mosel in Trier hat heute morgen einen Pegelstand von 4,08 Meter erreicht und steigt weiter. Die Bewohner der niedriger gelegenen Stadtteile beginnen die Keller zu räumen. Uebcrschwemmungen in Belgien. Die MaaS und ihre Nebenflüsse Semois und Ourthe sind in den letzten Tagen wieder st a r k g e st i e g e n. Die Schiff- fahrt ist teilweise unterbrochen und zahlreiche Ort- schaften sind bereits überflutet. Zirka 80 Häuser, die unter Wasser stehen, muhten von ihren Bewohnern geräumt werden. Sering bei Lüttich ist von völliger Ueberschwemniung bedroht.- » Hochwasser in Frankreich. Die heftigen Regengüsse der letzten Tage haben ein weiteres Steigen der Seine und anderer Flnhläufe verursacht. Wie aus Lyon berichtet wird, ist auch die Rhone stark gestiegen und überschwemmt teilweise die User. Ebenso ist man wegen des andauernden Sleigens der Nebenflüsse der Rhone in ernster Be- sorgnis. Aus den Vogeien werden gleichfalls Ueberschwemmungen gemeldet. In Epinal ist das Wasser in der letzten Nacht um einen Meter gestiegen, zahlreiche Keller stehen unter Wasser. In Mirecourt ist das Wasser in die tiefer gelegenen Stadtteile ein- gedrungen; mehrere Brücken sind bedroht. Die Verbindungen sind teilweise unterbrochen. Grnbenkatastrophe in Nordamerika. Wie ein Telegramm aus Trinidad im Staate Colorado meldet, hat sich in einer Kohlenmine nahe Trinidad eine schwere Explosion ereignet. Einzelheiten über das Unglück liegen noch nicht bor, doch wird befürchtet, daß 70 in der Grube beschäftigte Arbeiter bei der Explosion ums Leben gekommen sind. Eine bestialische Mutter. Durch einen Zufall ist man in dem österreichischm Orte Pettenbach der schändlichen Brutalität einer Mutter auf die Spur gekommen. Die dortige Bauerngutsbesitzerin KieSneber hielt seit vielen Jahren ihre jetzt zwanzigjährige Tochter in einem Schweine st alle gefangen. Durch den Aufenthalt in dem Stalle ist das Mädchen völlig verblödet» auch in seiner körperlichen EntWickelung ist eS weit hinter seinem Alter zurückgeblieben. Gegen die barbarische Mutter ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Kleine Notizen. Durch niedergehendes Gestein wurden auf der Zeche Dahlbusch bei Gelsenkirchen drei Bergleute verschüttet. Einer von ihnen ist tot, die anderen sind schwer verletzt geborgen worden. Der Tod in den Bergen. Im Karpathengebirge wurden gestern die Leichen von acht ungarischen Auswanderern ge- funden. Die Unglücklichen sind vor etwa sieben Monaten beim Ueberschrciten der Karpathen im Gebirge von einem Schnee» st u r m überrascht und dabei getötet worden. Die Cholera in der Türkei. An Bord zweier im Hafen von Konstanrinopel ankernden türkischen Kriegsschiffe sind zwei Personen an Cholera erkrankt. Im Mililtärlazarett in Tuzla sind 12 Erkrankungen und 10 Todesfälle vorgekommen. Weiter ist Cholera in Adrianopel, Rodosto und Jsmid ausgebrochen. Die Cholera dauert in Trapezunt und B a g« dad fort. DeulZeKer Bachbinüer- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dag am S. November unser Kollege, der Buchbinder Vuzla? Wiessner nach langem Leiden im Alter von S4 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. d. M.. nach. mittags 3'/, Uhr, aus dem Heilig. kreuz-Kirchhos in Marieudors statt Zahlreiche Beteiligung erwünscht Lb/S vie Ortsverwaltuan Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Hobler Ott« Voigt gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. November, nachmittags> Uhr, von der Leichen. halle des Reinickendorfer Kirch- hoseS in Reinickendorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/3 Die OrtSverwaltung. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groll-Berlin. Sektion: OcITcntllche Belenchiung. Unseren Mitgliedern zur Nach- rtcht, daß unser Kollege �ictisrd Pieck am 6. d. M. verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 10. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS KirchhoseS in der Barsusstrahe aus statt. 292/11 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaitung. Allen Freunden, Kollegen und Bekannten die traurige Nachricht daß am Dienstag, den 8. d. M., srüh S Uhr, nach kurzem, aber schwerem Nervenleiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter und Schwester 1766b Klara Seeländer geb. Kobilke sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 13. d. M., nackm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Jakobi-KirchhoscS. Sie war unsere Seele! Sie war unser Hort I O Weib t O Mutter! Warum mußte sie fort? Am Dienstag, den 8. No. vcmber verschied nach langem schweren Leiden meine geliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwieger- und Großmutter VilhelDilne Zamzow geb. Fechner. Dies zeigen tiesbetrübt an H. Zamzow. Olga u. Ida Hinke. Familien Eichelberg u. Schneider Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 12. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle der Kethsemane-Gemeinde in Nordend ans statt. 17635 Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Gatten sage ich allen Verwandten, Be- kannten sowie allen beteiligten Ver- »wen und Kollegen meinen herzlichsten Dank. 17622 Wwe. Ellsabetk Haler. Danksagung. Herzlichen Dank für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Großvaters Xdott Paul sowie auch dem sozialdemokratischen Wahlverein, Bezirk Wetßensee, und dem Sängerchor. Wcißensee. Oie tiefbetrllbten Hinterbliebenen. Dr.Simmel Spez|pl-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, 10— 2. 6— 7. Sonntags 10—12, 2— i Molkerei- Butter stets frisch, auch auf Jahres. abfchluß abzugeben i« größeren Posten, in Postkolli(S Pfund) 11,70 M. franko Nachnahme.— Offerten unter I*. 1 au die Haupt- expedition des»Vorwärts«.» dt» Ztz m. sparen Sie an jedem Annag oder Paletot durch den direkten Selbsteinkanl von bitoffen für Ihre Kleidungsstücke. oder fertig gekauft oder nach Maß bestellt kostet heute zirka 40,— bis lOO,- Mk. Stofl zu demselben Anzog oder I Paletot kostet bei uns zirka 10,— bis 36,— Mk., Schneiderlohn nebst Zutaten zirka 20.— his 30 Mk. Mithin kostet ein Anzug oder Paletot nach 71 aB angefertigt zirka bis 60� Mk. Schneidermeister werden - nachgewiesen.- Damentuche Qlanzware, Mtr. 8,50, 8,60. Lodenstoffe imprägniert, Mtr. 102, 2,75. Damen-Koslömsloffe Neuheiten, Mtr. 2,00, 8,00. Koch& Seeland, Gesellschaft m. b. H. jetzt Gertraudtenstr, 20-21 vis-a-vis der Petrikirohe. J Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. ÄiäL Gipsbanbranche: Putzer, Träger und Rabitzspanner Freitag, den 11. November 1910, abends 8 Uhr, bei Jannaschk, Jnselstraste 10: TageS-Ordnung: 13S/S 1. Der deutsche Bauarbeitcrverband. 2. Neuwahl des Branchenvorstandes. 3. Wahl der Delegierte« zur Gaukonfercnz. 4. Vorschläge zum Sektions-Vor- fitzenden, ö. Tie Gewerbegerichtswahl am 13. November. 6. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreichen Besuch erwartet Der Sektiousvorstand. 8 teppdecken Speziaihaus EmilLefevre Berlin, Oranienstr. 158 MT* durch Setbstfabrikation aller besseren Qualitäten. Steppd. a 2,50, 4, 6 bis 250 M. Schlafdecken a 3, 4, 10 bis 50„ Echt Kamelbaar a 10 bis 36„ Spczialkatalog mit ca. 650 Abbildungen II. Vorwärtsleser! Aufgepaßt! Prinzen-Pfandleihe. Prinzen» strafte 34, 1 Treppe(kein Laden). Monatsgarderobe und verfallene Pfänder, für jede Figur passend, bestehend in Winter- paletotS von 8—26, Anzügen von 10—25, Hofen von 2.50 an. Betten, Wäsche, Gardinen, Portieren, Teppiche, Goldsachen, Uhren, Ketten, Ringe, Pclz-StolaS, im Versatz verfallen, staunend billig. Annoncen-Vorzeiger erhält Fahr- geld. Prinzen-Psandleihe, Prinzen- straße 31, 1 Treppe(zwischen Ritterstraße und Moritzplatz).' Von der Reise zurück: Dr. med. Schaper homöop. Arzt. Spez.-Ärzt für Haut-, Harnleiden, Frauenkrankheiten. Eöniggrätzer Str. 27., 5? A. 15. Koch?? Kohlen- und Briketts-Großhandlung N' Berlin O. 84. Banptkontop: Petersburger Str. 1. ------- Telephon: Amt 7. 3040 u. 3096------ BiS auf weiteres liefere ich frei Keller bis 4 Treppen: lg. 8enftenherger Salon-Briketts. („Marienglück" unübertroffen im Heizwert) Nach Gewicht: Bei 20 Ztr.<1 Ztr. ca. 120 Stück) per Ztr. 07 Ps. Nach Stückzahl i Bei 2000 Stück per 1000 Stück 8,75 M. Mit Offerte in liwe- wie i aniaat Briketts stehe gern zu Diensten. s�j GrUOere Abnahmen entsprechend billiger. □ □* Arbeitsnachweis: Hos l. Amt 3. 1233. verwalttingsftelle Berlin. Hauvrburea«: CharltbsiraSe 3. Hos IN. Amt 3. 1387. Freitag, den 11. November 1010, abends 6 Uhr- Mitglieder- Versammlung für Wildau, Königs- Musterhausen und Umgegend im Lokal von Schumann(Wildauer Host in Wildau. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen viitter über:»Die Berliner Ge- werbegerichtSwahlen-, 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenhetten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet »ff- Die Vertranenslente werden darauf aufmerksam gemacht, daft in unseren Zahlstelle» die Flugblätter betreffs der am Sonntag, den 13. November, stattfindende» GemerbegerichtS- wahl von heute abend ab verausgabt werde«. Da in diesem Flugblatt die BerhaltungSmaftregeln und die Wahllokale näher bezeichnet find, so muft für weiteste Berdreitung gesorgt werden. Für die Metallarbeiter kommt Liste I der freien Gewerk- schaften in Betracht. 125/4 _ Die Ortaverwaltong, Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Montag, den 14. November 1910, abends 8 Uhr, in den neuen Arminhallen» Kommandauteustr. S8/39: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Beratung deS Entwurfs zum OrtS- statut und ArbeitSnachweisreglemmt 3. Verbandsangelegenhetten und Verschiedenes. 25/8' � blltglledsbueh legitimiert.- Die Versammlung wird pünktlich 8'/, Uhr eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die OrtSverwaltung. BaiL' Anarchisten! Sozialisten!»übi Freitag, den 11. November, abends«>/. Uhr, im»Englischen Garten-, Mexanderstr. 27 o: Große Nollisversammluug. TageS-Ordnung: Der Justizmord in E h t k a g o und feine Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Referent: Hans Ivos. — Zutritt und Redefreiheit für jedermann I 1767b Im Auftrage der Slgitattonskommiffiou: Gustav Gladasch, Rostocker Str. 41. Rixdorf, Berliner Str. 82, I meine II, Zahns Praxis eröffnet. Sprechzeit von 0—1 und 3—7. Ich biete nur erstklassige, mögllehsl schmerzlose Behandlung I Ein kleiner Versuch wird Sie überzeuge», daß ich mein ganzes Können daran setze. Hervorragendes zu bieten I veatist Fritz Schmidt senior W., Prager Str. HS, 1. □ Kixdorf, Berliner Str. 88, I. Ich bitte, mich nicht mit gleichnamiger Firma in Rixdorf zu verwechseln. �Hygienische BsaxrisinlSel. Xeuo.L Kataloj B». ümpf Ohl. viel. Aerzle u.Prof. grat. tUf B. Derer, fiacuElwuenlabrik Sern* NW- Piisdiicbaufute ml» Klnmu- nuh sttlilffbiildrtti von Roberl Meyer,* nur Mamnnen-Zttaße 2. Orts-Krankenkaste der Kindt Kchoneberg. Wahlaufruf. Alle wahlberechtigten Mitglieder der Kasse sowie die versichernden Arbeit- geder werden aus Grund der ß§ 48 und 49 des KassenstatutS zur Vor- nähme der Wahl der Vertreter der Generalversammlung zu den festgesetzten Wahltermtnen hierdurch ein- geladen. Für die Wahl der Arbeitnehmer gelten folgende Bestimmungen: a) Die Wahl der Arbeitnehmerver- treter erfolgt In zwei Abteilungen nach örtlichen Bezirken. b) Zur Abteilung 1 gehören alle diesenigen Kassenmttglieder nach ß 2 des Statuts, welche in Be- trieben beschäftigt find, die östlich der Wamiseebahn liegen, sowie alle Mitglieder aus§§ 6 und 9 des Statuts Freiwillige Mitglieder), welche östlich der Wannseebahn wohnen. c) Zur Abteilung 2 gehören alle diejenigen Kassenmitglieder nach 2 des Stattits, welche in Be- trieben beschäftigt sind, die westlich der Wannseebahn liegest, sowie alle Mitglieder ans§§ 6 und 9 des Statuts Freiwillige Mitglieder), welche westtich der Wannseebahn wohnen. Sämtliche Vertreter müssm fn beiden Abteilungen gewählt werdw. Die Wahlen finden statt: für die vorstehend zu d genannten Mitglieder(z. B. der Firmen(BaS> anslalt. Mix u. Genest usw.) am Freitag, den 18. November 1910, nachmittags von 4—9 Uhr, in der Turnhalle der Volksschule Kolonnensir. 21, für die vorstehend zu e genannten Mitglieder(j. B. der Firmen Schloß- brauerei, Meisenbach, Rissarth u. Co. usw.) am Freitag, den 18. November 19 lO, nachmittags von 4—9 Uhr, In der Turnhalle der Mittelschule Mühteustr. 15. ES sind zu wählen 112 Vertreter und 112 Stellvertreter. Die Wahlen sind geheim und müssen durch Stimmzettel vorgenommen werden. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes Kassenmitglied(männlich und weiblich), welches über 21 Jahre alt ist und sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet. Der Stimm- zettel darf nicht mehr Namen ent- halten wie Vertreter und Stellver- treter zu wählen zu wählen sind. ?lls Ausweis für die Berechtigung zur Teilnahme an der Wahl gellen der Meldeabschnitt oder die Mitglieds- karte oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers oder eine andere ge» nügende Glaubhaftmachung. Die Wahl der Bertreter der Arbeitgeber findet am Montag, den Sl. November 1910, nachmittags von 5—8 «Hr. im Kassenlokal, Grüne- waldstrafte»0, Gartenhaus 1 Treppe statt. Es sind zu wählen 52 Ver- treter und 52 Stellvertreter. Jeder Arbeitgeber, welcher Beiträge aus eigene» Mitteln leistet, führt bei der Wahl eine Stimme. Der Stimm- zettel darf nicht mehr Namen ent- hallen wie Vertreter und Stellver- treter zu wählen sind. 279/16 Schoneberg, 8. November 1910. Der Borsiand der Orts-Krankeukasse der Stadt Schöueberg. Dr.Scküfienrnnn Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 661S* jetzt Oranienstr. IHfl, gegenüber Kommandantenstraße. 10-2, 5-7, Sonntags 10—12. Eine WllfSt gratis erhält jeder Käufer beim Einkaus von 1 M. an bei der Eröffnung meiner Fleisch- und Wurstzentralc am Douuerstag, den 10. nachmittags. Zimmermsmi, Seeftr. 68 K, Ecke Guineastrabe. 99 99 -tL eigene Uaiapf er Lssen Sie Seefische! Seelische sind gesand, nahrhaft u. wohlschmeckend. 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Zur den Lujeraienletlveranl«.; Th.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Bonoärtll Buchdrucker«*. lSerhchtanZstt P-"'> Singu 4 OU. V-rsi>&\K