Nr. 365. RbonnementS'Bedinaungen: Nkonnements- Prcis pränumerando i viertcljährl. 330 Mk., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei inK HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonniags- nunnncr mit iilusiriertcr Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitmigs« Preislislc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nebnien an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Ktunänicn, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. Gidicint Wstd anftr montags. js* Derliner Volksblakk. Die TnlcrtionS'Gebüljf' Leirägt für die fechsgefpaliene Koloiiel« geile oder deren Raum 60 Pfg., für poliiifchc und gewerkschaftliche Bcreins- und Bersammlungs-Anzeigen L0 Pfg. „Uleine Znreigcn". das erste lscit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IZ Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags iil der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Rv-rllB" Zentralorgan der foztaldeniokratifcben parte? Devitfcblands. (Udabttom SAH. 68, Lindenstrasse 69 Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. IPrcßliorruption. Nach zwölftägiger Verhandlung ist Herr Bruhn frei- gesprochen worden. Dem Manne, der nicht nur die deutsche Presse, solidcrn auch Pen deutschen Reichstag ziert. konnte nach Ansicht der Richter die Absicht der Erpressung nicht nach- gewiesen Iverden. Sein Blättchen, hieß es iin Urteil, sei wohl ein Sensationsorgan, aber kein Revolverblatt. Der Staatsanivalt hatte in seinem Plädoyer allerdings die Ansicht vertreten, daß der bündige Belastuugsbeweis gegen Bruhn um deshalb vorbeigelungen sei, weil die Zeugen auS begreiflicher Abneigung gegen die Wiederheraufbcschmörung bereits halbvergessener Skandale an Erinnerungsvermögen eingebübt hätten! Aber wie dem immer sei: der Ausgang dieses Prozesses ist für die breitere Oeffentlichkeit auch herzlich gleichgültig. Nicht nur Herr Bruhn, sondern das antisemitische Demagogentum überhaupt ist für die politische Welt erledigt. Seine Geschichte ist nur eine Geschichte halb lächerlicher. halb abstobender Skandale und Blamagen, die sich das ein- ander widerlich befehdende und beschimpfende Demagogentum zum guten Teil selbst bereitet hat. An diesen antisemitischen Skandalös« trägt nicht allein das Menschenmaterial die Schuld, aus dem sich das Führcrtum dieses„Sozialismus der dunimen Kerle" rekrutierte, sondern auch die ganze armselige Enge des spieberlichen Partei- und Prebbetriebcs. Nicht nur der Mangel an politischen Ideen und Idealen, sondern auch der Maugel an Geld erklärt die mablos erbitterten Katzbalgereien der antisemitischen Gruppen und Grüppchen untereinander, erklärt so mancherlei politische und moralische Berlnmpung, erklärt im besonderen Falle Bruhn das Herabsinken in journalistische Gepflogenheiten, die denen der ordinärsten Revolverpresse verzweifelt ähnlich sahen. Nicht der Einblick in das lichtscheue Getriebe der grob- städtischen Winkel presse vom Schlage der„Wahrheit" war das Interessante an dem Prozeß, sondern die naiv-ehrliche Bekundung des AnnoncenchcfS der„Voss. Ztg." und das heuchlerische EntrüstungSgetreisch der großen„an- ständigen" kapitalistischen Presse I Daß diese Presse es wieder einmal abzuleugnen wagte, daß der redaktionelle Inhalt auch bei ihr abhängig ist vom Annoncengeschäft, von den großen Inserenten, das ist's, was einzig noch einige Randbemerkiuigen zum Prozeß Bruhn zu rechtfertigen vermag. Die„Voss. Ztg." und sämtliche kapitalistische Preß Unternehmungen haben bestritten, daß für die Bourgeoisie die Zeitungen nichts darstellen, als.„ganz gemeine, ordinäre Geldgeschäfte", um uns der Worte Äassalles zu bedienen. Als ob nicht dies Wort Lassalles, das nur das 15 Jahre stüher im Konimunistischen Manifest gefällte Urteil von Karl Marx wiederholt, inzivischen aus berufenstem Munde seine volle Bestätigung erfahren hätte l War es doch kein anderer, als der Generalkonsul Russell, Geschäftsinhaber der Diskonto-Gesellschaft, der seinerzeit nach-dem Bericht der Börsen-Enquctekommission erklärt hatte:„Das Preßgewerbe ist an erster Stelle heute ein G e w e r b e, ein kaufmännisches Unternehmen für den Unternehmer der Presse". Und da möchten Lessings Erben, möchten die Masse, Scherl, Ullstein usw. der Oeffentlichkeit weismachen, daß die großen Jnseratenausträge, die im niodernen Zeitungsbetriebe das Geschäft erst rentabel machen, keinen Einfluß auf den redaktionellen Inhalt auszuüben vermöchten?! Freilich, die bürgerliche Presse hat es leicht, das ehrliche Zugeständnis des Annoncenchefs der Vossin zn bestreiten. Sie kommt ja, dank ihrer geschäftlichen Vorsicht, gar nicht in die Lage, einmal gegen die großen Inserenten schreiben zu müssen. Als Vertreterin der Unternehmerinteressen schlechthin lehnt sie ja von vornherein die Vertretung proletarisch- geioerkschaftlicher Interessen ab. Im besten Falle„informiert" sie„objektiv". Wenn die bürgerliche Presse aber schon einmal Stelluiig nimmt, so handelt sich's sicherlich um eine Interessenten- und Jnsercntenqruppe, die für das Blatt ohnehin— sei es aus politischen, örtlichen oder sonstigen Gründen— kaum in Frage kommt. In der Manier eines— na, sagen wir einmal: Tahscl aber durch Skandalartikel Jnserentenaufträge zu er- pressen, hat die große Presse gar nicht nötig; die ködert man durch die große Auflage und etwa noch durch redaktionelle oder pseudoredaktionelle Reklame! Auf einem Gebiete freilich bestehen auch für die„große", „anständige" Bourgeoispresse Korruptionsgefahren, auf dem des Börsen wesens. Und daß sie da in der Tat oft genug der Korruption verfallen ist, das bewies nicht etwa nur die Bestechungsaffäre derfünfDresdener Redakteure aus dem Jahre 1801, um nur einen derartigen Fall zu er- wähnen. Nein: man braucht sich nur der Aussagen zu er- Innern, die seinerzeit in der bereits erwähnten Börsenenquete- kommission von den Chefs der großen Bankhäuser und anderen Kundigen gemacht worden sind, um zu wissen, wie es hier aussieht. Sicher nicht ohne Fug erklärte damals unter anderen der Börsenredakteur der„Kreuz-Zeitung", daß„weit- aus die Mehrzahl aller von einem wohlhabenden Publikum gelesenen Zeitungen" von einem System feinerer oder plumperer Bestechungen umsponnen sei. Natürlich» So etwas wird ja nicht immer g e r i ch t s- «otorischl So wenig wie im Prozesse Bruhn! Aber WaS beweist das? Nun, wiederum so wenig, wie, nach all- gemeiner Ansicht der gerade in Börsendingen in Frage kommenden Blätter, der Freispruch im Prozeß Bruhn! Ja, wir können der„anständigen" Presse sogar mit einem med- lichen Parallelfall dienen, der unseren Vergleich geradezu evident macht. In einem Beleidigungsprozeß, den ein hochangesehenes liberales Blatt gegen einen sie der Korruption bezichtigenden Schriftsteller angestrengt hatte, war zwar erwiesen worden, daß in beteiligten Börsenkreisen die Ansicht herrschte, daß jenes Blatt durch„Preßbetäligung"„für Unter« nehmungen zu gewinnen" fei, es war ferner er wiesen worden, daß diese„Prcßbetätigung" in zahlreichen Fällen erfolgt war! Trotzdem wurde der verklagte Schriftsteller in erster Instanz verurteilt l Und zwar mit folgender Motivierung: „Kenier der vernommenen Zeugen konnte aussagen, daß er die Beteiligung gegeben, um den Beklaglen oder dessen Zeitung hierdurch zu beeinflussen, oder daß Beklagter eine Beteiligung auö diesem Grunde von ihm Verlangl habe.— Auch der versuchte Nachweis, daß indirekt durch diese Beteiligungen eine Beeinflussung auf den handelspolitischen Teil der Zeitung stattgefunden, muß für vollständig miß- l u n g e n erachtet werde», denn abgesehen davon, daß sämtliche Zeugen sich anerkennend über die selbständige und korrekte Stellung, welche die Zeitung in dieser Zeit des Gründertums ein- genomnien, ausgesprochen haben, so wurden sogar einzelne Fälle konstatiert, in welchen die Zeitung sich u n g ü n st i g über Unternehmungen ausgelassen hat, obgleich der Beklagte an den- selben beteiligt war." Man vergleiche mit dieser Urteilsbegründung die im Prozeß Bruhn ergangene: „Richtig ist, daß der Angeklagte Inserate von Firmen aufgenommen hat, die er bis dahin b e- kämpft hatte. Dies geschah im g e s ch ä f t l i ch e n I n t e r- esse, wie der Angeklagte selbst gesagt hat. Denn er war durch die von Tictz gegen ihn erstrittcne einstweilige Verfügung lahm- gelegt worden. Die in dem allgemeinen Teil der Anklage e»t« haltenen Verdachts mo in ente haben sich nicht bestätigt und es ist nicht erwiesen, daß Bruhn bei Aufnabme der Artikel in der„Wahrheit" die Absicht verfolgt hatte, Inserate dadurch zu erwerben. Denn trotz der Inserate sind in einzelnen Fällen doch noch Angriffe gekommen." Ist das nicht eine ganz lvunderbare Ueber einstimmung der juristischen Deduktion? Statt daß unsere„anständige" Presse sich über den arm seligen antisemitischen Winkcljournalisteu sittlich entrüstet und das Urteil mit vielsagenden Augenzwinkern glossiert, sollte sie also lieber an die eigene Brnst schlagen l' So lange der Presscbetrieb ein kapitalistisches Geschäfts unternehmen, so lange wird davon auch die Preßkorruption untreuubar sein!_ Cin neuer liioabit-Frozeß. Die Geduld der Prozeßbeteiligten wurde am Donnerstag auf eine harte Probe gestellt. Mit der Eröffnung der Verhandlung um VjlO Uhr war es nichts. Der Gerichtshof blieb unsichtbar; den Er schieueueii wurde vom Gerichtsdiener mitgeteilt, daß die Sitzung erst um 12 Uhr beginnen werde: dann wurde die Frist wieder von Stunde zu Stunde verlängert; erst gegen 2 Uhr wurden die Angeklagten in den Saal geführt. Während man noch auf den Gerichtshof wartet, ereignet sich ein neuer Fall Reinhardt. Als die offenbar schwer Leidende, die wieder auf einen Stuhl in der Nähe der Anklagebank gesetzt wird, ein Glas Wasser znm Munde führen will, stürzt sie plötzlich unter heftigem Aufschluchzen zu Boden. Klirrend zerschellt das Glas am Boden. Ein Arzt ist nicht anwesend. Ob der Gerichtshof nach der Erfahrung von gestern nicht ärztlichen Beistand für die Kranke hätte anordnen können? Wieder steigt die Erinnerung an den des MemeidS angeklagten Fürsten Eulenburg, an die Frau v. Schönebeck Weber u. a. auf. Frau Reinhardt muß mit der Hilfe der Gerichts- diener vorlieb nehmen. Während diese sich noch um die Leidende bemühen, erneuert sich der Anfall— die Unglückliche bricht in krampfhaftes Schluchzen aus, das schauerlich durch den Saal tönt. Ein Arzt ist immer noch nicht da. DaS Schluchzen ist in leises Weinen übergegangen.... Immer wieder stellt man sich die Frage, weshalb diese Kranke in Untersuchuiigshaft gehalten werden muß! Kurz nach 3 Uhr wird im Saale an die Angeklagten ein Gerichtsbeschluß verleilt, worin die Abweisung des Ablcbnungs- antrages der Verteidigung bekannt gegeben wird. Die Staats- anwallschaft hat erklärt. daß sie keineswegs im Interesse der Anklage bestrebt gewesen ist, den Prozeß gerade vor die Kammer des Herrn LandgerichtSdirekiorS Lieber zu bringen und damit sind nach Ansicht der erkennenden Richter die Gründe der Verteidiger wider- legt. Denn wen» die Staatsanwaltschaft keine solche Absicht gehabt hat, so läßt sich natürlich nicht Befangenheit der Richter folgern, weil sie aus die Anträge der Staatsanwaltschaft eingingen. Es ist alfo nur ein Zufall, daß die Voruntersuchung im Anklagefalle Hagen zuerst abgeschlossen und dadurch der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit gegeben wurde, aus einem Wege, der von hervorragenden Juristen als wider das Gesetz verstoßend angesehen wird, den Prozeß vor die zuverlässigen Richter der Kammer Lieber zu bringen. Nur ein Zufall I Auch der Ablehmmgsantrag des Rechtsanwalts Dr. Cohn wird in dem Bescheid mit erledigt. Die Aufrechterhaltung der Unter- suchungShaft in verschiedenen Fällen, die in dein Antrag angesührt werden, beweist ebenfalls keine Befangenheit. Der Verteidiger steht auf dem Standpunkt, daß die Verhängung und Durchführung der Haft in diesen Fällen eine ungewöhnliche Härte erkennen läßt, die Richter sind anderer Ansicht. CxpedMon: 8Äl. 68» Lindenstrasac 69» Fernsprecher: Amt IV« Nr. 1981. Endlich erscheint der Gerichtshof. Herr Lieber verweist auf den j verteilten Beschluß und teilt dann mit, daß der Nichter Musiol er- krankt und für ihn als Hilfsrichter Assessor Dust eingetreten ist. Wegen der voraussichtlich langen Dauer des Prozesses sind ferner zwei Ersatzrichter bestellt worden. Da alle Richter den ganzen Per- Handlungen beigewohnt haben müssen, so muß der Prozeß jetzt auf- gehoben werden. Am Sonnabend soll er von neuem beginnen Alles bisher Verhandelte ist für die Katz. Rechtsanwalt Dr. Cohn will einen Antrag stellen, aber Herr Landgerichtsdirektor Lieber will nichts mehr hSren. Er meint die Sitzung schon geschlossen zu haben. RechtSanwall Bahn macht eben- falls den vergeblichen Versuch, zu Wort zu kommen. Als er sagt, daß ihm schon gestern daS Wort abgeschnitten sei, verbittet sich der Vorsitzende in erregtem Ton diesen Ausdruck. Der Verteidiger er» klärt, das Wort aufrecht erhalten zu müssen. Jetzt kann Herr Lieber wieder verhandeln.„Wir werden uns zurückziehen," erklärt er. Der Gerichtshof tritt ab, die Verteidiger verlassen bis auf die Herren Ulrich und Cotzmann den Saal. Herr Ulrich, der bekannte antiseniitischo Politiker, der jüngst in einer konservativen Versammlung eine Schm fmacherrede über den „sozialdemokratischen Aufruhr" in Moabit hielt, hat eS auch für nötig gehalten, in eineni Blatte ausdrücklich zu erklären, daß er den AblehmingLaiitrag der Verteidigung nicht mit unterzeichnet hat. Als ob ihm das irgend jemand zugetraut hätte I Der Gerichtshof erscheint wieder und verkündet angesichts der fast leeren Verteidigcrbank, daß Rechtsanwalt Bahn wegen Ungebühr vor Gericht zu ICH) M. Geldstrafe verurteilt ist. Hundert Mark, das Höchstmaß, das im Gesetz für Ungebühr vor Gericht vorgesehen ist, wegen deS Wortes„abgeschnitten". Die Höhe dieser Strafe und die Bestrafung überhaupt läßt auf eine sehr gereizte Stimmung der Richter schließen. Und wir stehen erst am Anfang des Prozesses l Sie llettong des Branntweiswuchers. Der Schnapsboykott hat seine Schuldigkeit getan— aber der Bundesrat auch. Der Schnapsboykott will da? Volk vor der Vcr» clendung durch die Braimtweinvergiftung retten und den Schnaps- junkern jene 45 Millionen Mark nehme», die sie durch eine brutale Bestimmung des BranntweinsteuergcsetzeS gerade den Aermsten der Armen Jahr für Jahr rauben. Der Beschluß des Leipziger Parteitag? hat den Genossen den Weg gezeigt, auf dem sie den schnapSbrennenden Junkern einen empfindlichen Schaden bereiten können. Der Bundesrat aber hat sich des Vertrauens wert gezeigt, das die Junker in ihn setzen und hat mit einem Federstrich die Be- mühungen des arbeitenden Volkes zu nichte zu machen gesucht. Daß eS ihm trotzdem auf die Dauer nicht gelingen wird, diese miserabelste aller Kliquenpolitik zu schützen, dafür wird die sozialdemokratische Arbeiterschaft sorgen. Wie amtlich gemeldet wird, hat der Bundesrat auf Grund der KZ 25 und 26 des BranntweiiisteuergesetzeS vom 15. Juli 1969 das Gesamtkontingent der Brennereien für duS Betriebs- jähr 1910/11 auf 1757783 Hektoliter Alkohol herab- gesetzt. Bisher betrug daS Kontingent 2,25 Millionen Hektoliter. Diese Menge TrinkspiruuS ist mit 195 M. pro Hektoliter versteuert; nur derjenige Spiritus, der über diese begrenzte Menge hinaus ver- braucht wird, unterliegt der höheren Besteuerung von 125 M. pro Hektoliter, also u m 29 M. m e h r. So lange der Verbrauch größer ist als diese kontingentierten 2,25 Millionen, wirkt der Preis des um 29 M. höher versteuerten Branntweins auf den G e s a m t p r e i s des Trinkbranntweins, so daß an jedem Hektoliter kontingentierten Spiritus die Brennerei- bcsitzer 29 M. extra verdienten, da sie ja um 29 M. weniger Steuer bezahlen, als sie beiin Verkauf in Anrechnung bringen können. Diese schöne Gesetzesbestimmung bringt also den Schnaps- brennern so viel mal 29 M., als das Kontingent beträgt— sie konnten also bei dem bisher festgesetzten Kontingent von 2,25 Millionen Hektoliter auf 45 Millionen Mark„Liebesgaben" rechnen. Da kam der Leipziger SchnapSboykottbeschluß — und ihre Rechnung bekam ein Loch. In dem Augenblick, in dem der Schnapsverbranch geringer wurde als das Kontingent, konnte selbstverständlich die höhere Steuer des über das Kontingent hinaus verbrauchten Spiritus nicht in Wirksamkeit treten— eben weil nicht mehr als das Kontingent, ja sogar noch weniger verbraucht wurde. Damit aber war die ganze Liebesgabe in Gefahr— ein Verlust für die Schnapsjunker von etwa 45 Millionen Mark! Dcmr wenn eben nicht der mit 125 M. belastete Trinkspiritus verbraucht wurde, mußte der kontingentierte auch nur mit demselben Steuer- Zuschlag verkauft werden, mit dem er belastet ist, nämlich mit 195 M. Durch die tatkräftige Hilfe der sozialdemokratischen Arbeiter war jetzt der Moment gekommen, in dem ein seit 22 I a h r e n auf der ärmsten Bevölkerung lastender Tribut abgeschüttelt werden konnte, eine Plünderung, die in diesem Zeitraun, nicht weniger als 1999 Millionen Mark— eine Milliarde— betragen und bei der berüchtigten Finanzreform von 1999 die Zu- timmung aller bürgerlichen Parteien des Reichstages gefunden hat, denn auch die Freisinnigen verlangten nicht s 0- ortige und gänzliche Abschaffung der L'.ebeSgabe, sondern — um den geliebten Block nicht zu gefährde»— hatten sie nur eme allmähliche Herabsetzung gefordert, in zehn Jahren bis auf fünf Mark, und diese Liebesgabe sollte dauernd bleiben. Der Bundesrat ist nun den Schnapsjunkern zu Hilfe gekommen und hat den Branntweinwucher wieder gerettet, in- dem er das Kontingent herabsetzt. Dadurch Sann der bis- fier iurch den Leipziger BeMuß erzielte Minderbervrauch von Branntwein nicht mehr die Beseitigung der Liebesgabe zur Folge haben, denn in dein Augenblick, in dem das Kontingent wieder ge- ringer ist als der Verbrauch von Spiritus— und die Herabsetzung deL Kontingents hat diese Grenzlinie innegehalten— in diesem Augenblick wirkt wieder die auf dem nicht kontingentierten Spiritus liegende höhere Steuer preisvertenernd für den gesamten Trink- verbrauch. Der Bundesrat hat also vorläufig den Branntweinwucher, der durch die Liebesgabe bedrückt wird, gerettet. Aber nur vorläufig — noch ein paar solche Siege, und die Schnapsjunker sind verloren. Denn die Herabsetzung des Kontingents ist ja gleichzeitig die aurt- liche Bestätigung, dafi unser Schnapsboykott gewirkt hat. Bon 2,2a auf 1,76 Millionen Hektoliter ist dasKontingent herab- gesetzt, demnach die Li e b e s g a b e von 45 auf 33 Millio neu Mark verringert worden, also u m 10 M i 1 1 i o n e n M a r kl Um so viel schlucken die SchnaPSjunier im n ä ch st e n Jahre weniger als vorher. Der Schnapsvcrbrauch ist demnach um etwa ein Viertel zurückgegangen, d. h. es sind mindestens 500 000 Hektoliter Spiritus, das sind anderthalb Millionen Liter Schnaps weniger verbraucht worden als vor dem Boykott— ein Erfolg, auf den die sozialdemokratischen Arbeiter st o l z sein können. Wahrscheinlich ist der Erfolg sogar noch weit größer, das wird eben bis jetzt durch da? Eingreifen der Zentrale für Spiritusindustrie noch verschleiert. Wenn erst die anitliche Jahresabrechnung über die letzte Kampagne vorliegt, wird der Schleier fallen. Die den Schnapsjnnkern entgehenden 10 Millionen Mark Liebes- gäbe werden natürlich deren Wut gegen die Sozialdemo- kratie erhöhen und den Ruf nach Vernichtung solcher Rotte verstärken, die vor nichts Heiligen«, nicht einmal vor der Liebesgabe Respekt hat. Aber unseren Genosse» wird ihr amtlich bestätigter Steg im Schnapsboykott auch weiter den Weg zeigen, auf dem sie die Junker empfindlich treffen können— wie andererseits das die Interessen des Volkes hinter die der Junker setzende Vorgehen des Bundesrats die ohnehin ja schon ge- niigend angesaminelte Erbitterung im Volke noch steigen« wird. ES wäre übrigens interessant zu erfahre««, wie die„volkSfrenndlichen" süddeutschen Regierungen ihre Vertreter in, Bundesrat stimmen ließen— ob für oder gegen die Rettung des BranntlveinwucherS. Daß der nächste Reichstag die Macht bekommt, die ganze Schnaps-LiebeSgabenpolitik zu beseitigen, dazu wird aus jeden Fall die neue Bundesratsverordnung ein vortreffliches AgitationS- mittel sein! sie zeigt wieder einmal deutlich, daß Jirnkerrecht vor Vvlksrecht und Volkswohl geht nnd die preußischen Schnapsjunker, die ja den Hauptmitzen ans der Liebesgabe ziehen, das ganze Reich beherrschen.__ Iiiartinitag 1810. Am 11. Novcmbertage, dem Martinitage, jährt sich zum hundertsten Male die formelle Aufhebung der Erbuntertänigkeit der Bauern in-lZreußen. ES hatte nämlich am 3. Oktober 1807 König Friedrich Wilhelm III. ein Edikt erlassen, dessen Schluß- satz lautet: „Mit dem Martinitagc 1810 hört alle Gutsuntertänigkcit in Ilnseren sämtlichen Staaten auf. Nach dem Martinitage 1810 gibt es nur noch freie Leute, sowie, solches auf den Domänen in allen Unseren Provinzen schon der Fall ist, bei denen aber, wie sich von selbst versteht, alle Verbindlichleiten, die ihnen als freien Leutci« vermöge dcö Besitzes eines Grundstucks oder ver- möge eines besonderen Vertrages obliegen, in Kraft bleiben." In patriotischen Blättern erscheinen daher schwungvolle Leit- vrtikcl zu Lob und Preis der herrlichen Tat. Im Lichte der historischen Wahrheit erscheint die Sache dagegen etwas anders. Ein wahrer Patriot, Wilhelm Wolff, schrieb Anno 1840 folgendes in seiner„Schlesischcn Milliarde": „Daß 1810 die„Erbuntertänigkeit" unentgeltlichau fgehoben wurde, versetzte die Herren Ritter in äußerste Wut. Mehrere schworen in der ersten Zorneswallung dem preußischen König � Urfehde ob solchen Eingriffs in ihre„wohlerworbenen Rechte". Uno doch«var der preußische König sehr unschuldig daran. Nicht«hin, sondern den Franzosen, dem Kaiser Napoleon, der- dankt die Bauernschaft in den östlichen Provinzen die Erlösung von der Schmach der Erbnntertänigkeit. Napoleon mußte erst das preußische hochnäsige Krautjunker- tum bei Jena zusammenhauen, dainit die preußische Regierung zu dem Erlösungsgesetz gezwungen werden konnte. Das«st die unzweifelhafte Wohltat, die Millionen von prcußi- fchen Bauern dein Napoleon zu verdanken haben. Dagegen beging er aber eine ebenso arge Missetat. Sie bestand darin, daß er nicht, wie«n anderen Fällen, sofort dekretierte:„DaS HauS Hohenzollern hat aufgehört zu regieren." Es war eine arge Missetat, daß er im Frieden von Tilsit überhaupt noch ein Preußen bestehen ließ, statt sämtliche Pro- vinzcn, nach vorgängiger unentgeltlicher Abschaffung aller Feudallasten nnd Einführung des französischen Gesetzbuchs, in französische Departements oder unabhängige Staaten zu ver- wandeln. Die Rheinprovinz, die 20 Jahre unter französischer revolutionärer Herrschaft stand, kennt seitdem keine Feudal- lasten mehr und jeder rheinische Bauer ist freier Grundbesitzer. Genug, Napoleon tat es nicht. Tie Nemesis hat ihn dafür ereilt, und die preußischen Bauern, namentlich die schlcsischen, haben für diese seine Unterlassungssünde bis auf den heutigen Tag unglaublich dulden und bluten muffen." Doch betrachten wir uns jenes Dekret ettvas näher. „Nach dem Martinitage 1810 gibt eS nub noch freie Leute." Das klingt sehr kategorisch; aber in Wirklichkeit war es mit der Freiheit recht windig bestellt, denn schließlich blieb all«? so ziemlich beim alten. Erstens hxir dem„erbuntcrtänigen" Bauern wenig geholfen, wenn die persönliche Unfreiheit auf- gehoben wurde, aber alle Lasten und Fronden bestehen blieben. Das Verhältnis zwischen Junker und Bauer war dies: Im Laufe der Zeit hat die Junkerschaft wider jedes Recht mit purer Gewalt den freien Bauer unterjocht, ihn zum Leibeigenen gemacht und fein Land an sich gerissen. Der„erbuntertänige" Bauer saß auf seinem Hof, den er seinem Sohn vererben konnte, aber er mußte dafür, daß der Herr ihm diesen Hof ließ, auf'dem gutS« herrlichen Auer fronen. Anfangs war der Bauer wenigstens sicher, daß er auf seinem Hofe bleiben kann, aber in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege begann das„Bauernlegen" im großen Etile: die Grundherren zogen massenhaft die bäuerlichen Höfe ein, vertrieben die Bauern und schlugen den Acker zum herrschaftlichen Wirtschastsgut. Die übriggebliebenen Bmlern wurden dann doppelt und dreifach drangsaliert, denn wo früher 20 Bauern die Arbeit auf dem Wirtschaftsgute zu verrichten hatten, mußten jetzt oft 10 Bauern ziemlich dasselbe leisten, und dabei war das Areal'dieses Gutes durch Hinzufügung der Hufen jener 10„gelegten" Bauern vergrößert worden. Wenn daher früher der Bauer einen oder zwei Tage gefront hatte, mußte er jetzt drei, vier, ja oft sechs Tage in der Woche fronen. Seinen eigenen Acker besorgten dann kümmerlich die Weiber und Kinder, oder es zog der Bauer, nachdem er tagsüber Fronarbeit verrichtet, bei nächtlichem Moirdschein hinaus, sein eigenes Feld zu pflüge««. Tie vertriebenen Bauern wurden zilm Teil Landstreicher, zun« Teil machte der Junker sie zu Kossäte»» oder Jnstleuten, d. h. sie besaßen keinen Hof mehr, sondern nur eine Hütte.(Koßäte). znin Wohnen und bekamen vom EuishekM notdürftige Nahrung für schweren. Arbeitsverdienst. Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann der Staat das Bauernlegen zu verbieten. Nicht etwa aus Fürsorge für die Bauern, sondern aus Furcht davor, daß cS bald nicht mehr genug Bauern geben lvürde für das Heer. Auch aus Finanz- grüirdcn; denn Steuern zahlte nur der Bauer, der Junker gar nicht oder wenig; wenn also die Bauerühöfe schwanden, versiegten die Steuer««. Indessen waren die Ju>«ker mächtiger als die Könige: trotz aller königlichen Dekrete und Verordnungen dauerte das Bauern- legen fort. Zu Beginn deS 19. Jahrhunderts war also die Lage die, daß die Zahl der Bauern gewaltig zusammengeschmolzen war und auf den Gütern der Junker zahlreiche persönlich unfreie Arbeiter— eben jene Kossäten, Jnstlcute, Drcschgäriner usw.— frondeten. Die Unfreiheit äußerte sich vor allem darin, daß der Bauer und der Jnstmann an die Scholle gebunden waren. Weder er noch seine Kinder durften ohne herrschaftliche Genehmigung fortziehen, die Genehmigung wurde aber nur erteilt, wenn es dem Junker paßte— und meist nur gegen Zahlung schweren Geldes(Los- kaufgcld). Auch durfte er nicht heiraten, ohne Erlaubnis des Herrn. Wenn es also in jenen« Edikt vom 0. Oktober 1807 heißt, die„Untertänigkeit" hört auf, so war damit nur gelneint, daß diese Unfreiheit aufhört; der Bauer durfte jetzt fort, wenn er Wollte und konnte. Aber die„V e r b i n d l i ch k e i t e>»" blieben b e st e h e n, d. h. die Fronarbeit bliebl Denn was sollte der Bauer tun? Wegziehen von Haus und Hof mit seiner Habe? De» Acker, der ihn nährte, verlassen? Das ging nicht so leicht: er blieb und verrichtete nach wie vor die„Robot" auf dem Herr- schaftsgut, nur sollte jetzt der Herr mit ihm eiicen Vertrag schließen. Das war dann freilich der Vertrag zwischen Wolf und Lamm. Ter Herr diktierte die Be- dingungen, der Bauer mußte sie annehmen. Nur für die Kossäten und Jnstlcute bot sich die Möglichkeit, von dieser Freiheit Gebrauch zu machen, denn sie waren jeglicher„Habe" längst„befreit". So wenigstens stellte sich das Verhältnis rechtlich dar. Aber in Wirklichkeit«var es auch mit dieser Freiheit nichts. Die Junker gehorchte«« einfach nicht. Wie Wolff sagt, gerieteil sie in Wut ob dieses Eingriffes in'ihre„Rcchte"'und ließen einfach die Leute nicht ziehen. Deshalb blieb alles beim alten. Die Bauern freilich faßten das Edikt— soweit sie Kenntnis davon erhielten— dahin auf, daß sie nun frei seien und auch keine Fron mehr zu leisten hätten. In manchen Gegenden, namentlich in Schlesien, kam eS zu Aufständen, die einfach im Blute erstickt wurden. Ja mehr noch: Tie Junker nahmen das Edikt zum Anlaß neuen Bauernlegens. Nach dem Gesetz stand die Sache so: der Bauer war frei. Wenn er nicht mit dem Herrn einen Vertrag schloß, durfte er ziehen. Aber der Herr durfte den Bauernhof nicht„legen", den Acker nicht einziehen, denn daZ war durch frühere Edikte verboten nnd in diesem neuen Edikt bestärigt; eS sollte vielmehr, wenn der eine Bauer fortzog, ein anderer an jene Stelle gesetzt werden. Die Junker faßten nun das Edikt so auf: dem Bauer die Freiheit, aber ui«s das Landl In der Tat gelang es ihnen, in der Zeit von 1803 bis 1810 vier neue Edikte zu er- zielen, die das Bauernlegen teilweise wieder gestatteten. Erst als der Krieg Napoleons gegen Rußland begann, er- innerte man sich daran, daß man die Bauern brauche. Am 11. September wurde ein neues Edikt erlassen, wonach die Guts- Herren mit den Bauern sich über die Ablösung der Lasten„gütlich auseinandersetzen sollten". Geschah es nicht, dann sollte eine königliche Kommission die Auseinandersetzung regeln, wobei als Grundsatz gelten sollte, daß der Bauer durch Llbtrctung von einem Drittel seines Ackers den Nest als freies Eigentum behalten soll Tann kam der Freiheitskrieg. Auf den Schlachtfeldern floß Bcmernbknt in Strömen. Der preußische Staat war gerettet. Als die Bauern zurückkehrten aus dem Kriege, erfuhren sie, daß es mit der Ablösung anders kommen sollte: nicht mehr alle, sondern nur ein Teil der Bauern, die wohlhabenderen, durften nach dem Edikt von 1810 die Ablösung verlangen, und durch ein Edikt von 1821 wurden die Bedingungen für die Bauern noch ver» schlechtert. Es war den Junkern gelungen, die Fronknechtschaft der großen Mehrheit der Bauern beizubehalten— wie sie glaubten— für ewigl Erst die Revolution von 1848 brachte den Bauern endlich die Freiheit. So steht es um die Erinnerung an den Martinitag 1310. Das hundertjährige Jubiläum jenes Tages ruft das Gedächtnis wach an infame Verbrechen, die Preußens Junker am Volke ver- übt haben._ poUtifcbe GebcrHcbt Berlin, den 10. November 1910, Etatöverschleierung. Der in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" geführte Nachweis, daß nach den Etatsansätzen die Regierung eine vor- läufige Heeresvermehrnllg um 12 000 Mann plant, scheint der Regierung sehr unbequem zu sein, denn von ihr nahestehender Seite wird die Nachricht in die Presse lanciert, daß bei Er- richtunq der neu geforderten 107 Maschinengelvchrkompagnien mir 107 Hauptmannsstellen neu geschaffen werden. Der Bedarf an Leutnal«ts soll auS dem vorhandenen Offiziers- bestände gedeckt werden. Wen glaubt man denn mit solchen Nachrichten irreführen zu können? Die Heeresverwaltung klagt jedes Jahr in der Budgetkommtssion ihr Leid, daß eine Menge Leutnantsstellen »vegen Mangel an Ersatz vakant bleiben müssen, und nun plötzlich will man einen solchen Ueberfluß an Leutnants haben, daß dreihundert neue Stellen aus dem jetzigen Bestand besetzt werden können._ Aus dem Wahlkreis Labiau-Wehlau. Der Wahlkampf gestaltet sich im Kreise Labiau-Wehlau ganz nach altem ostelbischen Schema. Ausgerechnet der Landrat von Labiau, der sich bisher nicht im geringsten um das Urteil des Oberverwaltungsgerichts kümmerr und nach wie vor Versammlun- gen unter freiem Himmel verhinderte, ist zum Wahlkommiffar er- nannt worden. Seine Tätigkeit begann dieser Herr mit nachstehen- der amtlichen Verfügung in den Kreisblättern: „Ich«oeise darauf hin. daß während der Auslegung der Wählerlisten� die Einsicht und Abschriftnahme den Berechtigten, d. h. den Wählern zu gestatten ist. Die Gemeindebehörden(nicht die Wahlvorsteher) haben darüber zu befinden, inwieweit die Einsicht und Abschriftnahme dem einzelnen Berechtigten zu ge- statten ist, ohne daß dadurch der gesetzliche Zweck der Auslegung — allen Wahlberechtigten gleichmäßig die Einsicht und Prüfung der Listen auf ihre Richtigkeit zu ermöglichen— in Frage gestellt wird. Etwaige Beschwerden sind an mich abzugeben. Sind die Listen festgestellt und den Wahlvorstehern überwiesen, so stehen sie den Wahlberechtigten überhaupt nicht mehr zur Ver- fügung." Also nicht jedem, wie es die Verfassung vorschreibt, steht das Recht der Einsichtnahme der Wählerlisten nach der Anweisung des Landrats zui es bedarj besonderer Erlaubnis. Und die konser, baliven Eemenideborsteffer handeln gar gerne nach diesem Rezepk. Vielfach gestatten sie die Einsichtnahme rcsp. das Abschreiben der Wählerliftei« nur Wählern des Wahlkreises und sogar nur den Wählern des betreffenden Wahlbezirks. Dagegen haben, wie die„Hart. Ztg." behauptet, die Gemeindevor- stehcr ein Zirkular erhalten, in dem sie ersucht«verden, alsbald eine Abschrift der Wählerlisten an das konservative Wahlburcau in Labiau zu schicken. Dasselbe Blatt behauptet allch, aus sicherer Quelle zu wissen, daß die konservativen Agitationsführcr das Krcisautomobil tagelang zu Agitationsfahrten benutzt haben, bis es zerbrach. Und nun zerbrachen die Herr ensich darüber den Kopf, wer die Reparatur bezahlt. Daß der sozialdemokratischen Wahlagitation die denkbar groß- ten Schwierigkeiten schon jetzt in den Weg gelegt werden, ist selbst- verständlich. Der sozialdemokratische Kandidat hat z. B. auf seine am 25. Oktober und 2. November an den Minister des Innern gerichteten dringeiiden Beschwerden wegen ungesetzlicher behörd- lichcr Handlungen««och immer keinen Bescheid erhalten. Auch die Bemühungen zur Abhaltung von Versammlungen in geschlossenen Räumen waren bisher ergebnislos. An 26 verschiedene Hotel- und Gastwirte, die den Konservativen und Liberalen ihre Säle zur Verfügung gestellt hatten, richtete das sozialdemokratische Wahlkomitee das Ersuchen um Hergabe der Lokale zur Abhaltung von Wählerversammlungen, natürlich gegen Bezahlung. Doch alle, ohne Ausnahme, lehnten kurz das Ersuchen ab. Mehrere andere Gastwirte, mit denen persönlich verhandelt wurde, gaben an, Matzregelungen der Behörden und der großen Besitzer zu fürch- ten. Auch die Fuhrwerksbcsitzer weigern sich, unseren Agitatoren Fuhrwerke zu vermieten. Dagegen lassen die Gutsbesitzer ihre Ar- bciter nach den konservativen Versammlungen hinfahren und trak- tieren sie dort mit Schnaps und Bier. Die bayerische Regierung und die Fleischtenerung. Die bayerische Regierung befindet sich in einer unan- genehmen Lage. Die außerordentliche Viehzählung hat, wie es scheint, ergeben, daß die Viehhaltung in Bayern zurück- gegangen ist. Aus Furcht vor dem Zentrum wagt aber die Regierung die festgestellten Ziffern nicht bekannt zu geben, und zieht deshalb die Veröffentlichung von Woche zu Woche hin. Dem„Verl. Lokalanzciger" wird darüber aus München gemeldet: Die Verzögerung der baherischen Regierung mit der Ver- öffentlichung des ihr seit 14 Tagen vom Statistischen Landesamt vorliegenden, mit größter Beschleunigung bearbeiteten Materials über die außerordentliche Viehzählung erweckt hier die Befürchtung, daß die einheimischen Viehzüchter den Lal«desbedarf trotz der hohen Viehprcise nicht zu decken vermögen. Die Regierung scheint in Verlegenheit zu sein über die Form, in der sie das Zählnngs- resultat veröffentlichen soll, ohne die so leicht reizbare Landtags- Mehrheit zu verletzen._ Altenburger Landtagsouvertiire. Der Altenburger Landtag ist an« Mittwoch eröffnet worden. Den« offiziellen Eröffnringsalle blieb die sozialdemokratische Fraktion fern. Die Einnahmen und Ausgaben im Staatshaushalt belaufen sich auf 5 132010 Mark. An Steuern und Abgaben«verde«« 386 480 M. mehr gefordert. Die Uebcrweii'ungen aus der Reichs- kasse sind um 76 201 M. geringer wie bisher. Für das Volks- schulwesen«verden 147 140 M., für kirchliche Zivecke 81 100 M., für das Armenwesei« 26 300, für die allgemeine Regiercrei 11 124 M. mehr gefordert. Die Mehrausgaben für Bolköschulivejen und kirch- liche Zwecke«verden in der Hauptsache durch erhöhte Besoldungen bedingt. Zur Deckung des erhöhten Bedarfs ist eine Steuererhöhung beantragt, außerdem eine Ausgestaltung der Stempclstenec. Gleich in der ersten öffentlichen Sitzung des Landtages kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zioischen der sozialdemo- kratischen Minderheit und der bürgerlichen agrarisch-konservativen Mehrheit wegen der Verteilung der Kommissionssitze. Die agrarischen Vertreter hatten»nit den bürgerliche» Vertretern der Städte abgemacht, daß die 14 agrarischen Vertreter 20 Sitze, die 10 bürgerlichen Stadtvertreter 17 und die 7 Sozial- demokraten 8 Sitze in den zu besetzenden sieben Kommissionen haben sollten. Aus der Finanzkommission halte man jedoch die sozialdemokratische Fraktion ausgeschlossen mit der famosen„Be- gründung", die sozialdemokratischen Abgeordneten würden ja doch gegen den Etat stimmen, Es kam aus diesem Anlaß zu heftigen Debatten; doch gelang eS nicht, einem sozialistische» Abgeordneten einen Sitz in der Finanz« kommission zu verschaffen._ «Das liberalste Land Teutschlands". Eine politische Tragikomödie, wie sie selbst Heinrich Heine nicht schöner ersinnen könnte, spielt sich zurzeit in Württemberg ab. Wir haben kurz berichtet von der politischen Maßregelung des liberalen Professors Kindcrmann von der landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim in Württemberg. Auf dem Kasseler Parteitag der Nationalliberalen hat Herr Kindermann eine für liberale Verhält- nisse zie«nlich radikale Rede gegen den schlvarz-blauen Block ge- halten, sogar die entfernte Möglichkeit eines taktischen Zusamme«»- gehens der Liberalen mit den Sozialdemokraten bei der nächsten Reichstagswahl angedeutet. Damit nicht genug, hat er auch noch in der.Frankfurter Zeitlmg" einen Artikel veröffentlicht, der mit den Reden der baccernbündlerischen GeisteSriesen in Württcm« berg nicht ganz übereinstimmt. DaS ist dem wackeren Professor aber schlecht bekommen. Der Herr Direktor der landwirtschaftlichen Hochschule, v. Strebe! ist sein Name, hat sich flugs auf die Hosen gesetzt und seinem Herrn Professor ein Brieslein geschrieben, in dein de»« Unglücklichen die Leviten folgendermaßen gelesen«verden: „Der Artikel, welchen Sie in der.Frankfurter Zeitung" zu schreiben für gut fanden, hat nicht nur mich, sondern weite Kreise in hohen« Grade befremdet, noch«nehr die Aeußerungcn auf dem nationalliberalen Parteitage. Es liegt niir fern, die politische Ansicht eine? Mannes beeinflussen zu wollen, aber es ist meine Pflicht, Sie darauf mif- merksam zu machen, daß ein Staatsbcainter sich eine gewisse Zurückhaltung bein« öffentlichen Austreten aufzuerlegen und Rück- sichten zu nehmen hat, über die der Privatmann sich vielleicht hinwegsetzt. Sie haben das außer acht gelassen, die Folgen werden nicht ausbleiben. Ich bin jetzt schon sicher, daß bei de» nächsten Kannnerverhandlnngen die Regieruirg und ich durch Ihr Vorgehen in eine Lage gebracht werden, die für Hohenbeiin nur schädlich sein kann. Ich lehne die Verantwortung für die Folge», wie sie für unsere Hochschule zu befürchten sind, ab und ersuche Sie dringend, sich künftig innerhalb der Grenzen zu halten, welche Pflicht und Stellung gebieten." Auf dieses direktoriale Schreiben hat Herr Kindermann tapfer geantwortet: „Ihr wertes Schreiben vom S. I. M. will meine Lehrfreiheit und Bürgerfreiheit durch eine Rüge über meine politische Tätigkeit beeinflussen und stellt diese im letzten Satze als pflichtwidrig hin. Als ich im Ministerium di" Berufung 1906 entgegennahm, wurden beide mir im vollsten Maße zugesichert; man sagte mir: .Sie kommen in das liberalste Land Deutsch- l a n d S und freudig habe ich dies in meinen Vorträgen vor dein deutschen Volke oft anerkannt.— Als deutscher Hoch- schulprofcssor lehne ich auf das Entschiedenste jede derartige Be- einfluffung ab. Ich«kenne nur meine Forichung und mein Gewissen als maßgebend an. Ich bin kein Staatsbeamter im engeren Sinne, der SSetljaHungSmafcregcTn von eBen her entgegen« zunehmen hat; und wäre ick dies, so stände mir die Freiheit des Ministers v. Bodman zur Seite. Schmerzlich bedauere ich. dah ein deutscher Hochschulprofesior sich zum Vorspann der Unter- drückung der höchsten Güter der deutschen Hochschulen machen läszt." Ein tapferer Brief. Nur auf falschen Boraussetzungen auf- gebaut. Erstens hat der liberale Minister des liberalsten Landes Deutschlands an dem Vorgehen des Direktors gegen seinen Professor nichts auszusetzen. Er habe zwar keine Kenntnis von dem Vorgehen des Direktors gehabt, läsjt der Minister im„StaatSanzeiger" erklären, aber es sei dagegen nichts einzu- wendem Zweitens läßt auch daS nationalliberale Organ, der „Schio. Merkur" in Stuttgart, seinen Parteigenossen schmählich im Stich. Es bringt spaltenlange Artikel über den.Takt", den Staats- beamte in ihrem politischen Wirken bekunden miigten. Und das ZenlrumSorgan, das»Deutsche V o l k s b l a t t" des Herrn Gröber dekretiert: „In einem monarchischen Staate kann nicht geduldet werden, dah ein königlicher Beamter mit der Sozialdemokratie lieb- äugelt. So scharf wir den Grundsatz vertreten, dafc die Regierung die politische Betätigung des Beamten aaijerhalb seines Amtes nicht hindern darr, so hat dies doch selbstverständlich daran seine Grenze, dah jede Förderung einer Partei, die, wie die Sozial- demokratie die Grundlagen des heutigen Staates negiert, unzu- lässig ist." Das schreibt das Organ der Partei, die in Bayern da-Z praktisch gegen den Liberalismus übte, was der liberale Professor als Mittel zum Sturz der klerikal-konservativen Herrschaft im Reich lediglich an- deutete I Bleibt die„Fortschrittliche Volkspartei" Württembergs, die sich früher mal als„Demokratie" bezeichnete. Sie rührte denn auch zunächst mächtig die Pauke für die„staatsbürgerliche Freiheit der Beamten". Darauf kam aber ein anderer liberaler Beamter und wies öffentlich in der Presse nach, daß er gern atzregelt wurde aufBetreiben derFührcr der„Forrtschritt- lichen Volkspartei". Weil er sich nämlich erkühnt hatte, an der Verwaltungölätigkeit des Oberbürgermeisters der Residenz Stuttgart, v. Gautz, des Schwagers dcS RcichstagSabgeordueten Hautzman», Kritik zu üben. Ein allgemeines Geraufe der bürgerlichen Parteien untereinander ist jetzt die Folge. Eine beweist der anderen uuf daS gründlichste, datz sie andersgläubige Politiker aus Amt und Brot zu drängen suche. Und mitten drin in dem allgemeinen Kirchweihvergniigen steht der liberale Herr Professor wie ein vom Himmel gefallenes Kind. Die Regierung aber sieht seelenruhig zu, denn sie weitz sehr genau, von diesen Kämpen für die staatsbürgerliche Freiheit der Beamten hat sie nichts zu befürchten. Die einzige Partei, die entschlossen für die politische Freiheit der Beamten eintritt, ist die Sozialdemokratie. Genau so wie in Preutzen. Das Kuriose an der Geschichte ist nur, datz man in Preutzen zwar de» Sozial- demokraten Arons matzregelte, in Württemberg aber, dem„liberalsten Lande Deutschlands", sogar liberale Politiker, Mitglieder der Regierungspartei. Und daS allerschönste an der tragikomischen Geschichte: es wird energisch bestritten, datz der matzregelnde Direktor v. Strebe! dem Bauernbund angehöre. Auch er soll sich— zur liberalen Partei zählenl Privatbeamtenversicherung. Die Vorlage über das Privatbeamtenversichernngsgesetz ist dem Bundesrat zugegangen und in kurzer Zeit wird auch der Reichstag erfahren, wie sich die Regierung die Lösung der Frage gedacht hat. Der„neue politische Tagesdienst" bringt einige, wie es scheint, offiziöse Andeutungen. Danach soll die kommende Vorlage auf dem Grundsatz der Bersicherungspflicht für alle mann- lichen undweiblichenPrivatange stellten beruhen: „Diese VersichcrnngSpflicht wird sich daher erstrecken auf alle Handlungsgehilfen und Lehrlinge einschlietzlich der in den Apotheken beschäftigten, auf Belriebsbeamte, Werkmeister und Techniker ein- schlietzlich der Betriebsleiter und der in leitender Stellung stehenden Angestellten, ferner auf alle Lehrer, Lehrerinnen. Erzieher. Er- zieherinnen, soweit sie nicht an öffentlichen Schulen beschäftigt sind, ferner auf die Beanuen der Landwirtschaft, und aus alle sonstigen Angestellten, deren dienstliche Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet, und schlictzlich auf die gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen der Schiffsbesatzung deutscher See- fahrzeuge und von Fahrzeugen der Binnenschiffahrt. Die Ver- sicherungspflicht wird nicht an einen Mindest- betrag des Einkommens gebunden iverden. Denn tvollte man den Eintritt in die Versicherung von einem bestimmten Mindesteinkommen abhängig machen, so würde die Ver- sicherungSdauer und damit auch der Rentenanspruch eine Verkürzung erfahren. Auch aus versicherungstcchnischen Gründen mutz von einer Befreiung der gering besoldeten Angestellten abgesehen werden, weil die in jüngeren Jahren entrichteten Beiträge von ungleich höherem Wert sind, als die in höheren Jahren entrichteten; sie tragen zur Herabsetzung deS DurchschniltSbeilragcS wesentlich bei, auch an eine obere GehaltSgrenze wird die VersicherungS- Pflicht nicht gebunden werden. Aber mit Rücksicht auf die finanzielle Sicherheit wird es»ölig sein, datz der Gehaltssatz, nach dem dieBeilräge und Leistungen bemesse» werden, einen bestimmten Höchstsatz nicht überschreitet. Eine Härte für die Versicherten kann hierin nicht gefunden werden, denn die Privatangeftclllen mit hohen GehaltS- beziigen sind in der Lage, sich die eigene Versorgung und die ihrer Angehörigen über den gesetzlichen Rahmen hinaus aus eigenen Mitteln zu sichern. Es wird aber nötig sein, den Kreis der zum Eintritt in die Prioatangestelllenversicherung verpflichteten Personen in bczug auf die höheren Altersgrenzen einzuschränken. Es ist dabei zu prüfen, ob die in der Pflichtversicherung eintretenden älteren Personen mit Rücksicht auf die notwendige Karenzzeit tat- sächüch noch einen Anspruch erwerben können, der mit ihrer Beitrags- leistung auch im Einklang steht. Wird neben den Hinterbliebenen- bezügen die Pension vom Eintritt der Erwerbsunfähigkeit an nach zehnjähriger Wartezeit gewährt, ohne datz es nach vollendetem vö. Lebensjahre noch des Nachweises der Invalidität bedarf, so reicht die Prämie für die im Alter von b9 Jahren in die Versicherung einrrcteusen Angestellten aus. ES toird sich daher empfehlen, diejenigen Privatangestellten, die beim Inkrafttreten des kommenden Gesetzes das 60. Lebensjahr bereits vollendet haben, von der Versicherungspflicht zu befreien." Einseifung der Wähler. Die schamlose Plünderung deS Volkes durch die ReichSsinanz- reforni, für welche in erster Linie daS Zentrum verantwortlich ist, hat auch in den Kreisen der katholischen Arbeiterschaft helle Em- pörung ausgelöst. Da die Dcmagogenpartei aber noch auf weitere Attentate sinnt, sich an der wüsten Hetze der Scharfmacher gegen die Arbeiterbewegung beteiligt, und vielleicht auch einen KoalitionS- und WahlrechlSraub niitzumachen bereit ist, mutz die Anfnierlfanikeit der Wähler abgelenkt werden. Wie gewöhnlich bildet die Religion den Blitzabletter. Sie mutz alle Schandtaten der Volksverrätcr decken. Damit das Volk sich auSplündsru und knebeln läßt, wird es skrupellos im Namen GotteS religiös verhetzt. Die Kirche in Gefahr! M't diesem Thema werden die Wähler haranguiert. Die pfäffifche „Trcmonia" in Dortmund lud lürzlich zu politischen Versammlungen in folgender Weise ein: „Beide Versammlungen fallen gleichzeitig Protestversamm- lungen sein gegen die Schmähungen, welche in letzter Zeit be- sonders von den» römischen Bürgern: ei st er Nathan gegen Papst und Kirche geschleudert worden sind. Die Vertrauensmänner des Bollsvereins an beiden Orten haben darum beschlossen, durch Bekanntmachungen in allen Orten deS Kreises Olpe zu beiden Versammlungen einzuladen. ES steht schon jetzt fest, datz kein katholisch denkender Mann cS versäumen wird, wenn eben möglich, an einer dieser Versammlungen teilzunehmen. Auf zuin Kampfe für die Kirche l Esseidahin gestellt, ob kein„katholisch denkender ManneS versäumte, an einer dieser Versammlungen teilzunehmen". Es steht dagegen fest, datz Hunderte und Tausende viel lieber gehört hätten, wenn gegen den unerträglichen Steuerdruck und gegen die wucherische Ver- teuernng der Lebensmittel protestiert und gewettert wäre, statt gegen den römischen Bürgermeister._ Die sogen,„anständige" Presse. Die„Kreuz-Zeitimg" lätzt sich ans München berichten, datz ein sozialdemokratischer Redakteur vor Gericht gegen seinen Gegner, ebenfalls Redakteur. Zwangsmatznahmcn beantragte. um die Preisgabe des Redalnonsgeheimnisses zu erzielen. Wohl hat tatsächlich kürzlich ein Redaltenr in Dachau bei München einen solche» Antrag gestellt: nur ist weder er noch sein Blatt s o z i a l d e m o l r a t i s ch. I» Dachau und dessen Umgebung er- scheint überhaupt kein sozialdemokratisches Blatt. Das sozialdemo- lratische Blatt, das in Dachau verbreitet ist. ist die.Münchener Post". Der ehrenwerte Mllnchener Korrespondent der„Kreuz-Zeitung" macht nach bekanntem Rezept der Hammersteinliiige einfach den be- treffenden Redakteur, obgleich dieser mit der Partei nichts zu tun hat, zum Sozialdemokraten._ frankrdeb. Briands Mehrheit. Paris» 10. November. Für die Tagesordnung, die der Regierung das Vertrauen ausspricht, haben gestimmt 11 unab- hängige Sozialiistcn, 72 Sozialistisch-Rädikalc, 9t Radikale, 67 der demokratischen Linken, 47 Progreffistcn, 3 der Ljktion liberale und 5 Unabhängige. Dagegen haben gestimmt 73 geeinigt« So- zialistcn, 13 unabhängige Sozialisten, 56 Sozialistisch-Radikale, 9 Radikale, 2 der demokratischen Linken, 6 Unabhängige, 6 Pro- gressisten, 22 der Aktion liberale und 15 der Rechten. 56 Abgc- ordnete enthielten sich der Abstimmung, darunter M i l l e r a n d, Ruau, V i v i a n i, Cheron, Rcnoult und Sarraut, di« dem vorigen Kabinett angehörten; abwesend waren 31 Deputierte. Die Ma- jorität umfaßt 241 Stimmen der Linken, die Minorität 160 ein- schlietzlich der geeinigten Sozialijtcn. Tas Programm Combes/ Paris, 9. November. Emil E o ni b e s übernahm heute den Vorsitz im Komitee der radikalen und der sozialistisch-radikalen Partei mit einer Rede, in der er erklärte, durch ihre Autonomie. d. h. rein durch ihre unabhängige Existenz, werde die radikale und die sozialistisch-radikale Partei die Reformpartei der demokratischen und sozialen Republik bleiben. Wir maßen uns nicht an, sagte er, daß wir die einzigen sind, die der Republik dienen, und tvir hegen keinen feindseligen Gedanken gegen die, die ihr an unserer Seite aufrichtig dienen. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Comb es. daß er für die Bildung zweier Parteien sei, und zwar einer die Progressisten und die Liberalen umfassenden rcpublikanisch-konscrvativen Partei und einer republikanischen Re- formpartei, die die Radikalen und die Sozialistisch-Radikalen in sich schließe, und der sich die Republikaner der Linken und die T o z i a l i st e n anzuschließen hätten. Leider zögen getvisse Gruppen zu viel Borteil aus ihrer unklaren Stellung, um darauf zu verzichten. Im Interesse der radikalen Partei liege es, aus der Zweideutigkeit ohne Verzug herauszutreten und ihre Kraft wieder zu gewinnen, indem sie sich wie ehemals als eine geeinigte und disziplinierte Partei aufs neue zusammenschließe, Tie Presse über Briand. PariS, 10 November. Die radikalen Blätter äußern sich über den Ausgang der Jnterpellationsdebatte durchaus be- frkedigend und erklären, man könne dem Kabinett nicht mehr vor- werfen, daß es sich mit Hilfe der Rechten am lltuder erhalt«. Die Rechte habe sich nunmehr zu den Gegnern der Regierung geschlagen, und Briand könne das von ihm gestern gekennzeichnete Pro- grainm ungehindert verwirklichen.—„G a u l o i s" meint, Briand habe gestern nur ein Gnaden Votum erhalten. Seine Politik habe bei keiner Partei Achtung errungen.„H u m a n i t e" schreibt, die gestrige Abstimmung bedeute für Briand bcn wahren Zu- s a m m e n b r u ch.—„Rappe l" sagt, daS Ministerium sei nur mit knapper Not de m Sturze entgangen.— Der Ausschuß der sozialistisch-radikalen und der radikalen Partei hat beschlossen, die Rede P e l l c t a n s, in der die Politik BriandS auf das schärfste bekämpft wird, in Form einer Flugschrift in g«nz Frankreich zu verbreiten. Italien. Der republikanische Parteivvrstand zur Resolution Turati. Röm, 7. November. Der republikanische Parteivorstand hat in seiner Sitzung vom 6. dieses Monats zur Resolution Turati Siek- lung genommen. Nach langer und außerordentlich eifriger Dis- kussion hat man sich dahin geeinigt, daß die Republikaner weder Wahlbündnisse mit den Sozialisten schließen können, noch in den öffentlichen Acmtern verbleiben, die sie durch ein Bündnis mit den Sozialisten erlangt haben, wenn nicht die sozialistische Parteisektion des Ortes sich ausdrücklich gegen die Tagesordnung Turati ausspricht. ES liegt ja nun auf der Hand, daß in den Parteisektionen, in denen die Revolutionären die Mehrheit haben, die Tagesordnung Tunati, die sich mit Erbitterung gegen die Republikaner wendet und keine Tagesordnung der Jntransigeuz, sondern eine solche de» Hasses ist, keine Sympathie haben kann. Man muß nun aber neugierig sein, wie sich die reformistiichen Sektionen zu ihr stellen, die doch den Preis ihres Mailänder Sieges bildet. In vielen Städten» vor allem aber in Rom und Genua, befinden sich Republikaner in der Stadtverwaltung, die sozialistischen Stimmen ihre Wahl verdanken. Bon Deputierten befinden sich die beiden republikanischen Abgeordneten von Genua, der Republikaner Barzilai in Rom und mehrere andere in dieser Lage. Was die Sozialisten betrifft, so sind auf Grund eines Bundes der VolkSparieien gewählt worden: die Genossen Bissolati, Nofri, Bocconi, Canepa, Chiefs imd andere mehr. Die lokalen revublikanifchen Parteisektionen haben natürlich nicht verfehlt, diese Abgeordneten direkt oder indirekt zur Mandatsnicdcr- leg un g aufzufordern. Spanien. Eine sozialdemokratische Rede. Madrid, S. November. In der Deputiertenkammer sprach der Sozialist JglefiaS über den Ausstand in Sabadell und Barcelona und sagte dem Minister des Innern, wenn man Gesetze gegen die Arbeiter machte, so würden sich diese darüber hinwegsetzen, und Stöße würden blutige Gegen st öhe und zwar in einer Ausdehnung, von der man sich unmöglich eine Vorstellung machen könne, hervor- rufen. Sngianck. Eine Rede des Ministerprässdenten. London, 9. November Auf dem Lord MayorS-BanMt in der Guildhall erklärte Asquith, es habe einige Erregungen und Bewegungen an einigen Teilen des internationalen Horizonts ge- geben, aber keine, die den Frieden unter den Großmächten zu stören drohe. Es ist eine gewisse Beunruhigung durch den sensa- tionellen Bericht verursacht worden, daß wir im Begriffe seien, eine Politik aktiver Einmischung in die inneren Angelegenheiten P erstens zu beginnen. In unseren Vorschlage» liegt aber nichts, was dis Unabhängigkeit und die Integrität PersienS b> droht. Dann kam ASquith auf die Abrüstungsfrage gu sprechen und erklärte, er sei vollständig überzeugt, daß die Mehr- heit der Völler in den zivilisierten Ländern der Welt den Frieden wünsche und dem Kriege entschieden abge- neigt sei. Was für ein Paradoxon sei es dann, daß in fast jedem Lande die Ausgabe für RüstUngan der lsthisigste Gegenstand parlamentarischer Debatte sei, zuerst in England selber, dann in Deutschland, dann in den österreichischen Delegationen.„Es wird uns oft gesagt," fuhr der Premierminister fort,„daß gerade der Ilmfang dieser Rüstungen eine Sicherung des Friedens ist. Aber schon die Ansammlung und Anhäufung e i n e r s o l ch e n Masse von explosivem Material i st a n s i ch eine Gefahr, dann erzeugt die Bürde der dafür nötigen Be- st e u e r u n g überall eine Beunruhigung, die ihren Ausdruck in inneren R u H e st ö r u n g e n finden kann, die aber auch unter irgendeinem neuen Impuls in einem äußeren An- griff Erleichterung suchen kann. Kein einzelnes Land kann seine Ausgaben herabsetzen und der Mäßigung stärkerer, tvach- samerer Nachbarn vertrauen, am wenigsten von allen wir mit unseren Besitzungen über die ganze Länge und Breite der Welt. Wir scheinen uns in einem falschen Zirkel zu befinden. Das Vor- handcnscin ausgedehnter Rüstungen schafft Furcht und Miß- trauen zwischen den Regierungen. Die Furcht und das Mißtrauen zwischen den Regierungen stachelt zur Aus- gäbe für Rüstungen an. Aber wenn die Stimmung der Völker friedlich ist, so sollte es sicher nicht unmöglich sein, daß sich eine freundlichere Atmosphäre nicht nur zwischen zwei oder drei, sondern zwischen allen großen Ländern Europas verbreitet. Ich bemerke, daß nnter dem wachsenden Druck der öffent- lichen Meinung in jedem Weltteil eine gute politische Stimmung, ob sie die Form tatsächlicher Verständigungen oder nicht an- nimmt, in nicht zu langer Zeit so allaemein und umfassend unter den Großmächten werden wird, daß sie diesem verschwende- rischen unheilvollen Wettbewerb zu kriegerischen! Zwecken eine Grenze setzen wird." Nachdem Asquith sodann noch das Anwachsen und Prospe- rieren des Handels sowie das Steigen der Lohnsätze berührt hatte, wandte er sich zu den Arbciterunruhen in Wales. Der Ausbruch der Gewalttätigkeiten in Wales könne nicht zu scharf verurteilt werden. Der Staat würde nicht zögern, den lokalen Behörden jede Truppenmacht zur Verfügung zu stellen, die not- wendig sei, um die Gesetzlosigkeit und Gewalttätigkeit zu unter- drücken. lluklanä. Ein Spionageprozeß. Petersburg, 10. November. Vor dem durch Vertreter der Stände verstärkten Appellhos als erster Instanz begann heute vormittag unter Ausschluß der Ocffeiitlichkeit der Prozeß gegen den Journalisten Baron Ungern-Sternberg. Die Anklage erfolgt wegen Auslieferung eines Staatsgeheimnisses an den Vertreter einer fremden Macht. Unter den 23 Zeugen befinden sich der Vertreter des Gencralstabs, Beamte der Reichsduma und zahlreiche Jour» nalisten. Hmcnka. Nach den Wahle». New Dork, 10. Dezember. Die Demokraten werden gemeinsam mit den fortschrittlichen Rcpubli- k a n c r n in beiden Häusern des Kongresses eine Mehrheit für ,eine Herabsetzung des Zolltarifcs haben, die dann sofort nach dein Zusammentritt des neuen Kongresses, das ist im Dezember nächsten Jahres, Tatsache ivird. Der hervorragendste demokratische Kandidat für das Sprecheramt. Herr Clarke, erklärt, die Tarifrevision müsse die e r st e Arbeit sein. MxiKo. Demonstrationen gegen die Bereinigten Staate». New Vork, 10. November. Wie aus der Stadt Mexiko ge- meldet wird, veranstalteten Studierende aus Anlaß eines Lynch- g e r i ch t e s gegen den Mexikaner Antonio Nodriguez in Nock- springeS(Texas) Kundgebungen gegen die Bereinig- ten Staaten, die am Mittwoch zu Angriffen aus Amerikaner und amerikanische Handelshäuser führten, deren Fenster zertrümmert wurden. Die Menge zerriß eine amcrila- nische Fahne und trat sie mit Füßen, ohne daß die Polizei cinge- schritten wäre. Mehrere Zeitungen veröffentlichten heftige Artikel. die die Demonstranten noch mehr erregten. Die Menge griff die Geschäftsräume des El Jmparcial an, zerstörte sie und steckte sie in Brand. Die berittene Polizei machte nun von der Schußwaffe Gebrauch. Drei Demonstranten wurden getötet und viele verletzt. Etwa 200 Personen wurden verhaftet. Nach einer weiteren Meldung war auch der Sohn des amerikanischen Botschafters Angriffen ausgesetzt. Ein Straßenbahnwagen, in dem amerikanische Kinder zur Schule fuhren, wurde mit Steinen beworfen. Ein Kind trug Verletzungen davon. Der amerikanische Botschafter erhob beim Minister des Acußercn energischen Einspruch. Der Gouverneur richtete vor dem Rathause eine Ansprache an die De- monstranten, in der er die Protestkundgebung der Studierenden billigte, die Studenten aber aufforderte, keine Gewalttätig- ketten zu begehen. Die berittene Polizei durchzog gestern abend das ganze Geschäftsviertel, auf das die Unruhen beschränkt ge- blieben sind. Der mexikanische Botschafter in Washington hat beim Staatsdepartement wegen des gegen Rodriguez veranstalteten Lynchgerichtes Einspruch erhoben. Klus clor Partei. Grmeindewahlerfolgr. Bei den am Mittwach beendeten Stadtverordnetcnloahltn der dritten Abteilung in Burg bei Magdeburg erhielt die Sozial- demokratie 1020 Stimmen, für den bürgerlichen Mischmasch wurden 383 Stimmen abgegeben. Sämtliche Mandate der dritten Ableilung sind damit der Sozialdemokratie zugefallen. Trotz des starken Wahlterrorü der Gegenpartei ist in Laer bei Bochum der sozialdemokratische Kandidat mit 202 Stimmen gegen den Kandidaten deS Mischmaschs, Dr. Oeken, der 230 Stimmen er« hielt, gewählt worden. Alle Mandate der dritten Abteilung besiuden sich jetzt im Besitz der Sozialdemokratie. Jugendbewegung. Der Zentrumsbenjamin gegen die freie Jugend. Der jüngste, aber geschwätzigste der ZentrumSparlamentarler, Herr Mathias Erzberger. hat in Köln einen Vortrag über die Frage gehalten: Ist das Zentrum unbesiegbar? Diese Frage stellen, beißt für den„bescheidenen" Erzberger sie bejahen. Ale den Hauptgegner deS Zentrums bezeichnete Erzberger mit Recht die Sozialdemokratie, und bei der Bekämpfung unserer Partei stellte er die Velämpfung der sozialdemokratischen Jugendbewegung in die erste Linie. Er forderte„ein vom christlichen Geiste durchwehtes Erziehungsgesetz für die heranwachsende Jugend". Die ser die„Forderung deS Tages". Staat und Kircke sollen hier nach ErzbcrgerS Wunsch„zusammengehen". Die konfessionellen Jugendvereine fanden leider nicht genügend Unterstützung bei Eltern, Staat und Gemeinde. Erzberger will die Fortbiidungsscbnle mit Zwangsbesuch bis mindestens zun, achtzehnien Jahre unter geist- lichen Emflutz stellen. Die Herrschaft der Kirche über die Volksschule genügt ihm noch nicht. Am liebsten möchte er die„Jugend" bis nach beendigter Militärzeit unter geistlicher Fuchtel haben— wie er behauptet, aus sittlich- erziehlichen. tatsächlich aber auS Gründen der politischen Herrschaft des Zentrums. GewerkrcbaftUcbea« �udasgctd. Ein neues System haben die süddeutschen Textil- industriellen eingeführt, um sich die staatserhaltenden Eleniente, die Arbeitswilligen zu sichern. Sie zahlen ihnen einfach eine— Belohnung für ihre Streikbrecherdienste. In Hof i. B. streiken seit zehn Wochen die Textilarbeiter der Firma Gg. Münch u.(! o. um Anerkennung der Organi- sation. Kürzlich hat sich nun der„Verband süddeutscher Textil- arbeitgeber" mit diesem Streik befaßt und selbstverständlich beschlossen, daß dieser Streik zu Unrecht geführt»vird. Gleich- zeitig ist in der Sitzung dieser Scharfmacher auch über Gegen- maßnahmen beraten worden, und man ist auf den Köder „Belohnung" verfallen. Jeder der 200 noch arbeitenden Arbeiter hat eine Belohnung von 10 M. erhalten, wofür diese Arbeiter nun eine„Danksagung" im„Hof-Anzeiger" vom Stapel ließen, in der sie außer dem„herzlichen Dank" auch noch die„Versicherung" abgeben, daß die Belohnung für die Streikbrecher„ein Ansporn ist, auch weiterhin, trotz aller An- feindungen von feiten der Streikenden, ihre Pflicht zu tun". Man weiß ja, wie solche Danksagungen zustande kommen. Aber immerhin zeigt die Annahme des Judasgeldes den geistigen Tiefstand dieser Arbeiter, die ihre Menschenrechte und Menschenwürde derart mit Füßen treten. Im übrigen können sich die Textilbarone solche Extrabelohnungcn für Arbeits' Ivillige leisten. Die Arbeiter verdienen sie ihnen ja, denn Dividenden von � 20—25 Prozent sind hier an der Tages- ordnung._ Berlin und Clmgegend. Stuffalcure! Obgleich die Innung besteht, sind doch alle in Berlin wohenden oder bei in Berlin wohnenden Unternehmern bc- schäftigtcn Kollegen zur Berliner GewerbegerichtZwahl wahlberechtigt. Zentralverband der Stuckatenre. Bewegung der Schuhmacher. Eine öffentliche Versammlung der Schuhmachergehilfen des Be- zlrkS Norden befaßte sich init den Lohn- und Arbeitsverhältnisse» in den kleinen Werkstätten und Besohlanstaltcn und vor allem mit der Durchführung des Miuiinal-Lohntarifs. Der Referent Krause berichtete über die Berhaudlunge», die mit der Schuhinacherinimng über die Durchführung des Mmimal-Lohntarifs stattfanden, und die auch ein befriedigendes Resultat zeitigten. Sie waren gewisser» maßen erledigt, nur sollte noch innerhalb acht Tage» ein gemein- sames Protokoll unterzeichnet werden. Diese Unterzeichnung ist nicht erfolgt. Vielmehr wurden zwei neue Anträge gestellt. Der eine verlangt die zehnstündige Arbeitszeit lgegen bisher S'/z Stunden). der andere den Ausschluß der Kündigiingssrist. Beide Punkte sande» in der Verhandlung gar keine Erwähnung. Die Innung hat durch dieses Vorgehen die ganzen Verhandlungen zu einer Komödie ge- stempelt. Die Versammlung stellte sich auf den Standpinikt, daß mm der Kampf in den einzelneu Werkstätte» auszufechten sei. Die Schuh- macher werden von der Verbandsleitung ersucht, den Arbeitgebern den Lohntarif zu unterbreiten. Wo die Unterschrift verweigert wird, ist dieses der Organisation zu melden. Der Streik bei der Firma Morgenstern ist noch nicht beendet. Die Finna verbreitet das Gerücht, daß der Streik schon beendet und alles mit der Organisation geregelt sei. Die Polizei bewacht die Firma nach wie vor. In der menschenleeren Straße langweilen sich den ganze» Tag sechs bis acht Schupleute, obgleich weder Streik- Posten noch sonst etwas zu sehen ist, was die Notwendigkeit der Polizei erforderte. Zuzug tst nach wie vor fern zu halten. Zentralverband der Fleischer. Ortsverwaltung Berlin. Die Arbeitsniederlegung der Kürschner bei der Firma Herpich Söhne, Leipziger Straße 1l, von der wir bereits berichteten, er- folgte, weil sämtliche 82 organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen sich weigern, noch länger unter dem Werkführer Wolfermann zu arbeiten. W. ist ein ausgesprochener Feind der Gewerkschafts- organisation, und unter seiner Herrschaft hatte sich ein System schlimmster Günstlingswirtschaft herausgebildet. Niemand wußte besser als er, daß unter organisierten Arbeitern sich diese Verhält- nissc nicht aufrechterhalten konnten. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist es zu verstehen, daß die Organisation bei der Firma Herpich Söhne lange keinen Eingang finden konnte. Hinzu kommt noch, daß die Fluktuation eine große war. Da sich die Organisation in Berlin immer mehr entwickelte, so hielten auch immer mehr Berbandsmitglieder bei der Firma Herpich Söhne ihren Einzug. Im April d. I. denunzierte W. den Vertrauensmann der Organi- sation bei der Firma wegen einer Aeußerung über das VSjährige Geschäftsjubiläum, die in der Werkstatt gefallen sein sollte. Der Vertrauensmann wurde darauf entlassen. Sofort legten die Mit- glieder die Arbeit nieder und der Vorstand bewirkte durch Vcrhand- lungen die Wiedercinstellung desselben. Zum ersten Male wurde jetzt die Organisation durch Vertretung eines Ausschusses anerkannt. Ob Herr Wolfermann jetzt seine Herrschaft unter dem Bordringen der Organisation schwinden sah, wissen wir nicht, Tatsache ist aber, daß er jetzt gegen die Verbandsmitgliedcr eine Politik der Nadel- stichc führte, wie sie kaum ärger gedacht werden konnte. Trotz der öfteren Vorstellungen des Ausschusses bei den Geschäftsführern der Firma, und daß diese Herrn Wolfcrmanns Maßnahmen nicht guthießen� wurde es keineswegs besser. Am Sonnabend erhielt eine Kollegin zur Abfütterung eines "'Pelzkragens Atlas, worunter sich auch einzelne Stücke zu Rüschen befanden. Als sie den Kragen fertigmachen wollte, wurde sie ge- wahr, daß das Stück Atlas statt der Längx nach quergeschnitten war. Sie verlangte von der Direktrice anderen Atlas. Die Direk- trice antwortete, daß sie den Atlas richtig gegeben hätte, und die Arbeiterin hätte das Futter verschnitten und müsse es bezahlen. Um nun neues Futter zu erhalten, wandte sich die Kollegin an den Werkführer W. und sagte ihm, wenn sie das Futter bezahlen muß, dann höre sie lieber auf. Das Objekt beträgt 1,48 M. Herr W. antwortete: Machen Sie, daß Sie hinauskommen. Darauf zog sich die Arbeiterin zum Gehen an. Der Ausschuß erhielt davon Kenntnis und wandte sich an den Werkführer, damit die Kollegin wieder bleiben soll, und von der Bezahlung, weil überhaupt u n- berechtigt, Abstand genommen wird. Damit war derselbe nicht einverstanden. Nunmehr wmrdtc sich der Ausschuß an den Geschäfts- führcr. Dieser wunderte sich, daß es überhaupt möglich sein sollte, Bezahlung für verdorbene Ware zu nehmen. Die betreffende Ar- beiterin blieb im Geschäft. Das spielte sich am Vormittag ad. Am Nachmittag geht der Werkführer Wolfcrmann zum Vertrauensmann dieser Wertstelle und sagt ihm, er möchte doch der betreffenden Kollegin sagen, es wäre für sie besser, wenn sie aufhörte, denn es würde zwischen ihr und ihn, doch kein gutes Arbeitsverhältnis mehr abgeben. Als sich die Kollegin mit Recht weigerte, aufzuhören, gab er zur Antwort: Na, wir wollen mal sehen, we�: den Kürzeren ziehen wird.— Dieses Auftreten des Werkführers hat unter den Arbeitern und Arbeiterinnen eine derartige Erbitterung hervor- gerufen, daß sie sämtlich erklärten, unter ihm auf keinen Fall mehr zu arbeiten. Inwieweit die Firma das Vorgehen W.s stützte, ist uns- nicht bekannt. Charakteristisch ist es aber doch, daß die Werkführer in diesem Sommer Unorganisierten gegenüber äußerten, daß sie 20 M. für jeden unorganisierten Gehilfen erhielten. Zuzug ist daher st r e n g fernzuhalten. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck vorstehender Zeilen ge- beten. _ Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Lkrantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Lnferatenteil verant&i OeutMe» RcMi. Der Funke am Pulverfast. Die Grubenherren können sich an die Tätigkeik her Sicher- heitsmänner nicht gewöhnen. Dadurch, daß nun immer Leute da sind, die ihnen auf die Finger sehen, fühlen sie sich beengt, und nun wird versucht, Sicherheitsmänner, die unbequem werden, durch große und kleine Mittel zu schikanieren und e i n z u- schüchtern. Ja. es ist vorgekommen, daß mit Entlassung gedroht wurde, wenn die Sichcrheitsmänner gewissenhaft han- deltcn und beispielsweise die Lampen oder die Seilförderung kon- trollieren wollten. Und auf Zeche„Dorstfeld" bei Dortmund ist es nicht bloß bei Drohungen geblieben, sondern zwei Sicher- heitsmänner sind in der Tat sofort entlassen worden. Die Herren wollen eben beweisen, daß ihnen das In- stitut der Sichcrheitömänncr nur„weiße Salbe" ist. Die Maßregelungen haben aber bei den Bergleuten eine ziemlich ge- reizte Stimmung erzeugt. Eine Belegschaftsversamm- l u n g der Zeche„Dorstfeld", in welcher Witte vom Bergarbeiter- verband als Referent erschienen war, war von etwa 1008 Personen besucht. In der Diskussion wurde ausgesprochen, daß die Be- legschaft unter alle» Umständen auf Wieder- e i n st e l l u n g de r G e m a ß r e g c l t e ir b e st e h e und die- selbe eventuell durch die äußer st cn Mittel er- zwingen werde. Das kam auch zum Ausdruck in der Rcso- lutlon, die einstimmig angenommen wurde; sie lautet wie folgt: „Die heutige Belcgschastsversammlung der Zeche„Dorst- feld 1 und 2/3 erhebt entschieden Protest gegen die unrecht- mäßige Entlassung der von der Belegschaft gewählten Sicher- heitsmänner, Kameraden Bickert und Arndt. Der Arbeiter- ausschuß, unter Zuziehung der Sicherheitsmänncr von Schacht 1, soweit selbige noch auf Schacht 1 in Dienst stehen, wird bcauf- tragt, bei Herrn Direktor Trippe vorstellig zu werden, um die Wiedereinstellung der beide» gemaßregelten Kameraden im Na- inen der Belegschaft zu beantragen. Sollte wider Erwarten die Einstellung der beiden Kameraden, sei es direkt durch die Per- waltung. sei es indirekt durch die Äcrmittelung der Königl. Aufsichtsbehörde, nicht in den nächsten Tagen erfolgen, so wird die Belegschaft von dem äußersten ihr gesetzlich zu- stehenden Mittel Gebrauch machen. In diesem Falle ist eine neue Versammlung einzuberufen, die endgültig Stellung nimmt. Die Versammlung erklärt, daß die gemäß- regelten Kameraden nach wie vor das volle Vertrauen der Beleg- schaft besitzen und gegebenenfalls auch iyr Vertrauen ernstlich durch volle Solidarität mit den von ihr Gewählten zu wahren wissen wird. Hoffentlich wird die Verwaltung den Herrenstand- Punkt verlassen und ihr ungesetzliches Vorgehen einsehen und nicht länger mit dem Feuer spielen. Die Flammen könnten ihr sonst leicht über den Kopf zusammenschlagen." Wenn im Ruhrrevier einmal ein Konflikt ausbricht, dann ist das immer eine große Gefahr, weil die Herren schon dafür sorgen, daß der Zündstoff in Riesenmengen lagert. Deshalb sollte die Bergbehörde darauf sehen, daß die Sicherheitsmänner nicht der Willkür der Unternehmer preisgegeben sind. Die Zigarrenfirma Willielm Mertens in Cleve sendet uns folgende Zuschrift zu unserer seincrzeitigen Notiz:„Ein Unterneh- mcr beim Lügen ertappt". Der Beschluß des Bczirksunlcrnchmerverbandes ist unvoll- ständig und falsch angegeben. Derselbe lautet nicht, wie Sie an- geben:„daß die Firma Mertens in einem Bericht an den Arbeit- geberverband bei 8 Zigarrcnsorten die bisher gezahlten Löhne um 18 bis 58 Pf. höher angegeben, als sie in Wirklichkeit aus- zahlt e", sondern: „Bei Einsichtnahme des Protokolls über die Verhandlungen der Firma Mertens mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen, hat sich herausgestellt, daß die für 8 Sorten bisher bezahlten Löhne nach Angabe der Arbeiterorganisationen um 18 bis 58 Pf. pro Mille niedriger sein s o l l c n, als nach Angabe des Herrn Mertens. Die unter dem 22. d. Mts. erfolgte Kündigung wird deshalb vorläufig zurückgezogen, um zunächst den Widerspruch zwischen den An- gaben über die bezahlten Löhne aufzuklären. Was den Widerspruch zwischen den Angaben bei 8 Sorten anlangt, so bemerke ick» dazu: Bei 4 Hauptsorten habe ich durch Vorlage meiner Lohnlisten bewiesen, daß nicht meine Firma, son- dcrn die Arbeiterorganisation in der Lohnangabe sich geirrt hat. Bei der 5. Sorte differiert das nach meiner Angabe gemachte Protokoll und meine gleichzeitig gemochte Originalmitschrift um 28 Pf. Bei den drei letzten Sorten(von im ganzen 26) habe ich mich in folgender Weise geirrt: Kurz vorhergegangen war eine dreistündige Lohnverhandlung mit den Arbeitern und ich hatte in meinem Notizbuch hinter jeder Sorte 5— 6 Lohnzahlen stehen, nämlich je nachdem a) den früheren Lohn, b) den im letzten Monat schon bezahlten höheren Lohn, c) Forderung der Arbeiter, daß die Enge des Rahmens von vornherein der Nachahmung selbst enge Schranken setzt. So fehlte die Orchestra, der halbkreisförmige tieferliegende Vorraum, auf dem die Chöre sich in gemessenem Absland von den handelnden Personen bewegen. Die Zusammendrängung auf eine wenige Meter lange Fläche hatte etwas Beklemmendes, und das Athenervolk. das in'zwei Dutzend Exemplaren auf ampbitheatralischen Sitzen zu- schaut, machte das Mißverhältnis in den Dimensionen nur noch fühlbarer.' So blieb die Hülle ohne Geist. Man erhielt Kothurne, Ge- wänder, Masken vorgesetzt, ein antiquarisch verstaubtes Gerät, von dem manches schon zur Blütezeit des attischen Dramas als veraltet empfunden worden sein mag. Die vorgebundenen starren Masken wirken, ans der Nähe gesehen, geradezu abstoßend; rufen, allen sonstigen Tendenzen des griechischen Geschmacks zuwiderlaufend, die Erinnerung an Gebräuche halbbarbaiischer Völker wach. Jede Individualität erlischt in einer fratzcn- und gespensterhaften toten Allgemeinheit. Antigone, des OedipuS edle Towter, mit dem hoch» getürmten Wust blonder Haare über dem papiernen Antlitz, glich einer großen Kinderpuppe. Die Häupter des Chores vereinten sich zu einer Hügelkette schreckhaft hoher Glatzen. Nur aus der Richtung, aus der die Stimme kam. und einigen Ärmbewegungen ließ sich bei dieser Ausschaltung des Mienenspiels erkennen, wer gerade sprach. Die Schauspieler traten nach griechischer Sitte hintereinander in verschiedenen Rollen auf. So hatte Joseph Klein, der den blinden, auf attischem Boden Frieden und Begräbnis suchenden OedipuS gab. hintennach selbst als Bote den geheimnisvollen Tod des OedipuS dem Chore zu verkünden. Ebenso wurden der Tradition gemäß die Mädchenrollen von Jünglingen gesprochen. Eine primitiv gemalte Leinewand, hinter dorischen Säulen aufgespannt, stellte den Hain der Eumeniden dar. nossen schlössen sich dem an; sie beantragten aber ausdrücklich, folgende Bestimmung in das Gesetz aufzunehmen: „Die dem Gesinde seitens der Herrschaft oder ihrer An- gehörigen zugefügte Körperverletzung steht im Sinne dieses Para- graphen den ohne Antrag verfolgbaren Körperverletzungen gleich." Der Antrag Gröber, die Zulassung der Privatklage gegen schwere Körperverletzung zu streiche», wurde angenommen, dagegen wurde der Antrag unserer Genossen zum Schutze der Dienstboten und Landarbeiter abgelehnt, dafür stimmte außer unseren Ge« Nossen nur Abg. Träger. Im§ 377 wurde nach dein Beschluß der ersten Lesung bestimmt, daß. wenn die Staatsanwaltschaft die Erhebung einer berechtigten Anklage ablehnt, dem Antragsteller die Gründe der Ablehnung mit- zuteilen sind. Dem Antragsteller sollte dann der Weg gerichtlicher Beschiverde bis zum Oberlandcsgericht offen stehen.— Diese geringen Garantiebestimmungen.gegen eventuell recht parteiische Ent- sltieidungeu der StaatGinwaltschakt wurden von der Kommission wieder gestrichen. Auch lehnte die Kommijsionsmebrheit beim § 381 den Antrag unserer Genossen ab, daß auch Arbeiter- sekretäre oder Angestellte der Arbeite rberufs- organisationen als Verteidiger des Angeschuldigten zu- zulassen sind. Beim§ 499a beantragten unsere Genossen, daß auch dem im öffentlichen Anklageverfahren Verfolgten das Recht der Wider- klage zustehen soll. Die Regicrungsvertreter stellten dem pro» zessualfonnale Bedenken entgegen, die Kommissionsmehrheit lehnte auch diesen Antrag ab. Beim Abschnitt über daS„schleunige Verfahren" be- antragten lnisere Genossen die Streichung des ganzen Abschnittes, da, tvie unsere Vertreter bereits in erster Lesung aufs eingehendste ausführten, das schleunige Versahren namentlich in politisch bewegten Zeilen größere Gefahren in sich schließe und zu den größten Mißbränchcn führen könnte. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt, ebenso wurden alle Abäuderungsanträge, die von unseren Vertretern zu den einzelnen hauptsächlichsten Bcstiinmungen gestellt wurden, abgelehnt. Ohne wesentliche Aendcrungen wurde die Vorlage bis zum s 461 nach den Beschlüssen erster Lesung angenommen. Aos der l?ekhsversicheriing§ordiwng5- Kommiiiion. Sitzung vom Donnerstag, den 19. November. Die Konnnission begann die 2. Lesung des Entwurfs bei dem dritten Buch, der Unfallversicherung. Den Kreis der Versicherten Ivollten mehrere Anträge erweitern. Die Sozialdemokraten und das Z e n t r u m beantragten, daß dasjPcrsonal der Bühnen- betriebe versichert werden soll. Die Sozialdemokraten beantragten ferner die Ausdehnung des Versicherungszwanges auf die D i c n st l e i st u n g e n z n r' R e t t ll n g von Personen oder Sachen aus Feuersgefahr, auf Apotheken und endlich auf Gast- und S ch a n k w i r t s ch a ft e n, sofern sie regelmäßig mehr als zehn Personen beschäftigen. Diese Anträge wurden zum Teil gestellt, weil zwischen der 1. und 2. Lesung Ein- gaben der beteiligten Unternehmer für die Ausdehnung des Ver- sicherungszwanges eingegangen sind. Während der Beratung dieser Anträge wurden aber noch so viele weitere Anträge gestellt, daß die Kommission die Abstimmung auf die nächste Sitzung vertagte, weil dann die neuen Anträge gedruckt vorliegen werden. Darauf fand eine eingehende Aussprache über einen Antrag des Freiherrn v. G a m p- Massauen statt, der territoriale Unsallvcrsicherungsgenossenschaften für die Betriebe fordert, in denen nicht mehr als zehn Arbeiter regelmäßig beschäftigt iverden. Der Antrag, für den außer dem Antragsteller nur der Zentrumsabgeordnete Irl eintrat, wurde einer Subkommission überwiesen. Nächste Sitzung: Freitag. nochmals das badiiche Schulgesetz. Auf der Konferenz des W a h l k r e i s e S M a n n h e i m, die am Sonntag in Mannheim tagte, brachte Genosse Ludwig- Mannheim die Artikel des Genossen K u n e r t über die badiiche Schulreform im„Vorwärts" zur Sprache. Darin werde behauptet, daß Genosse Dr. Frank als Korreferent auf dem Magdeburger Parteitag falsche Angaben gemacht habe. Weder Dr. Frank noch die Der„OedipuS auf KolonoS" stammt aus einer späteren Periode deS Sophokles und bleibt hinter dem„König Oedipus", dem großen Meisterwerke, weit zurück. Lyrik und Erzählung überwuchern die dramatischen Momente der Dichtung, die den Athenerstaal und seinen sagenhaften Fürsten Theseus verherrlicht. ät. .Humor und Satire. Bericht des Buxtehuder Lokal-AnzeigerS. (Drahtnachricht aus dem Land der Moabiter.) ... Heiß war der Kampf, er tvogte auf und nieder, denn keiner wollte wanken oder weichen, und hier wie drüben häuften sich die Leichen. Die Polizei sah auf dem Bauch man liegen und Salv' um Salve aufwärts lassen fliegen, und aus den Fenstern schmiß der rote Pöbel Geschirre, Stühle und dergleichen Möbel. Im Nachttopf war ein Polizist ersoffen. er wurde näinlich von dem Ding getroffen just auf dem Kopf, an den es fest sich drückte, so daß der Arme jämmerlich erstickte... Da iah man plötzlich durch den Pulvernebel Paul Singer reiten, mit ihm August Bebel, links den Revolver haltend, rewts den Säbel; Patronentaschen deckten ihre Näbel. Dahinter kanten zivanzig Batterien (man halte aus dem Zeughaus sie„entliehen"), und aus dem Zündloch einer der Kanonen sah Rosa Luxemburg man blutig thronen. Ja, einen noch behelmten Schutzmannsschädel hielt sie empor— das fürchterliche Mädel I Mit der Geduld ist's da vorbei gelvesen, die Polizei erbat sich Milrailleusen. Dann ließ sie mit dem schönsten Kugelregen die Straßen Moabits blitzsauber fegen... AIS sich der Qualm verzog, war nichts zu sehen, kein Haus sogar, kein Pissoir blieb stehen. Und die Ruinen inspiziert Herr Jagow, wie Hannibal die Trümmer von Karthago. So war des grausen Umsturzkampfes Endung: Durch Gottes Fügung, ach, welch eine Wendung! _ Franz. Notizen. — Theaterchronik. Das Deutsche Theater veranstaltet eine dritte Zirkusaufführung des„König OedipuS" am Montag, den 21. November. Der Vorverkauf beginnt am Sonntag im Deutschen Theater und am Montagvormittag bei A. Wertheim. Für Gewerkschaftsmitglieder sind Plätze zu 9,59, 1 und 3 M. von Montag ab nur bei Horsch, Engelufer 15, zu haben. Redaltion der„Vollsstimme" hätten auf den Artikel reagiert. Auf« Jtlärumj sei aber notwendig. Genosse Dr. Frank hat darauf in der Debatte erklärt: Wenn der tklmoste Kunert im Recht wäre, dann würde ich mich keinen Augenb lick besinnen und erklären:„Ja, ich habe mich in diesem Falle geirrt, es ist mir ei» Fehler unterlaufe», wie solche schon manch anderem Genossen auch schon unterlaufen sind und wie sie natnr- geinä« vor.kommen können. Es ist anzunehmen, daß dem Genossen Krinert die Drucksachen des- Landtags zur Verfügung standen. Hat er alle Drucksachen genau studiert, dann ist ihm ein Fehler unier- Iau>en: das ist verzeihlich. Gegenüber dem Vorwurf aber, dah ich den Magdeburger Parteitag wissentlich getäuscht hätte, gibt S»? keine Entschuldigung. Gegenübr solchen Dingen gibt eS mir eines und das ist: schweigende Verachtung. Jiv habe, auf die Angriffe geschwiegen und ich freue mich, das; auch die 3 Redaktion der„Voltsstimme" geschwiegen hat. Der„Vorwärts" mit den Knncrtschen Artikeln ist hier, offen- bar zwecks„Arifklärimg" der Genossen, in 100 oder 200 Exemplaren verbreitet worden. Ich würde trotzdem auch jetzt noch keine Er- klärnng abgegeben habem Ter' Anfrage des Genossen Ludwig aber bin ich eine Antwort schuldig. Kunert macht unö den Vorwurf, wir Härten im Landtag ieinicn Antrag Vms Beseitigung des RcligiouslmtcrrichtS gestellt. Irr Magdeburg hätte ich das Gegen- teil behauptet. Dazu erttäre ich.: Der Schultommission des Land« tages gehören die Geuossen Gertz, Kolb und B e ch t o I d mi. Diese berichteten in einer Araktionssitzung, daß sie in der Kvm- Mission de» Antrag gestellt hätte», dr» Ncligioiisuntcrricht als offiziellen Lchrgegeriftand null ständig zu beseitigen. Sie blieben mit ihrem An- trage in der Minderheit. Od.darüber im Kommissionsprotololl etwas steht, weih ich im Moment nicht. Wir haben diesen Antrag allerdings nicht im Plenum wrederdolt. Aber die Fraktion habe im Plein»» den Antrag ans Bcscitigrmg des obligatorischen Rrligions- Unterrichts verfochten. Er selbst Hab« dazu gesprochen und autzer den Sozialoemokraren hätten die Linkskilseraten sür den Antrag gestimmt. DaS sei die Wahrheit. •#• Hierzu erhalten wir die nachstehende Erklärung deS Genossen Kunert: Genosse Frank ist nach der badrzcheu„Volksstlmme" vom 7. No- vember der Ansicht, datz ich ihm vor nunmehr drei Woche» per- s ö n l i ch Unrecht getan habe mit meinem Artikel vom 13. Oktober in Nr. 214 und 240 des„Lortvärts". Er, Frank, hätte die Wahrheit gesagt, als er behauptete, im bodischen Landtage hätten die Sozial- demökraten einen Antrag auf Befeitigung deS Religionsunterrichts eingebracht, während die Richtigkeit dieser Behauptung meinerseits bestritten worden wäre. Danach mutzte ich erwarten, datz Genosse Frank den Beweis dafür antreten würde, datz im Plenum der Zweiten Kammer ein derartiger Antrag eingebracht sei und zur Beratung gestanden habe. Nichts davon. Genosse Frank verweist nur auf die Schul- kommission des badischen Abgeordnetenhauses. Von den ftomiliiisioiiSimtglieöern Bechiold, Geist und Kolb wützte er, datz sie die Eliminierung des Religionsunterrichts in der Kommission beantrngt hätten, und datz die KommissionSmehrheit diesen Antrag abgelehnt hätte; ob etwas darüber in das Protokoll gekommen sei oder nicht, datz könne er, Frank, im Moment nicht angeben.— Sicher steht nichts davon in den badischen Drucksachen des Deutschen Reichstag«. Ganz im Gegenteil. Der Bericht der badischen Schul- kommission, den der Genosse Frank doch auch kennen sollte, Druck- fache Nr. 33 B vom 9. Mai 1910, handelt im zweiten Abschnitt von Seite 18 bis 21 auch von der Religion als„Gegenstand des Volksschulunterrichts." Die Anträge und die Stellungnahme der Parteien hierzu werden in diesem Protokollabschnitt gewürdigt. Von einem sozialdemokratischen Antrag auf Religionslosigkeit ist dabei nicht mit einer Silbe die Red»:. Vielmehr heitzt es im der Mitte der Seite 10 im S. und 6. Absatz wörtlich wie folgt: „Unter den Gegenständen, aus die der Volksschulunterricht sich erstreckte, ist angeführt Religicm.— Diese Bestimmung ist im bisherigen Gesetze enthalten; gegen deren Aufnahme im neuen Gesetz hat sich von keiner Seite Widerspruch erhoben." Ein schreiender Widerspruch, der doch entschieden der Auf- kläruna bedarf. Nimmt man aber bis dahin und ohne weiteres an, datz dem Genossen Frank und den sozialdemokratischen Schul- kommissionsmitgliedern kein Irrtum unterlaufen sei, so wird die Situation dadurch für die badischen Kammer-Sozialdemokraten keineswegs glänzend. Also um die Aufrechterhaltung der Weltlichkeit, eines Haupt- trägcrs des sozialdemokcatischen Schulprogranims zu ermöglichen, begibt man sich in die Stille, in die Heimlichkeit unter vier Augen sozusagen, wo unter hermetischem Abschluß von der Oeffentlichleit verhandelt wird. Dort in der Kommission geschieht eS, davon„niemand nichts lveitz." Worauf allein eS hierbei ankommt, und was ich unausgesetzt in meiner kleinen Abhandlung iin Auge hatte. daS waren das FraklionS- ganze, der FraklionSantrag, die energische, systematische Begründung durch die Plenarsitzungen, das war die Handlung in der Oeffemlich- keit: nicht ihre Porbereituim und ihre unöffentliche gemütliche Er- droffelung. Äenosie Frank selbst mutz zugeben, datz ieine Fraliio» das Enischeidende, de» Schwerpunkt der parlamentarischen Tätigkeit in bezug auf den Autrag nicht erkannt hat: sie hat den Antrag fallen lassen; er ist i in P l e n u in nicht mehr gestellt ivorden. Trotzdem behauptet Genosse Frank in demselben Atemzug, datz der Antrag ans Forlfall de« Religionsunterrichts von ihm und der Frakiio» im Plenuin verfochten worden sei. Nein, Genosse Frank, ein Antrag, von dem man selbst zugibt, datz man ihn nicht wieder- holt hat, datz man ihn eben fallen Uetz, den kann man nicht im Ernst verfechten, weil man ihn zu den Kadavern geworfen bat. Tatsächlich nimmt von 13 sozialdemokratischen Plenarreden zur badischen Schulnovelle nur-eine mit vier bis sechs Reihen im stenographischen Bericht Notiz von der Forderung der Wcltlichkeit im sozialdemokratisch programmatischen Sinne. Der fraktionelle Hauptredner, Genosse Kolb, erwähnt das Prinzip der Weltlichkeit in seiner 13(achtzehn) spaltigen Einleitungsrede zur Schuldebatte, sowie in seinen drei späteren Reden überhaupt niit keinem Wort, nicht einmal dem Namen nach. Ganz das Gleiche trifft für Genossen Frank zu, der angeblich den Kommissions- autrag auf völlige Beseitigung deS religiösen Obligatoriums verfochten hat; es trifft im ganzen Umfang auch auf ihn zu trotz seiner vier Wortmeldungen im Plenum. Genosse Sützkind sprach in der Schuldebatte zweimal, aber nicht, wie Frank und Kolb, zu schul- religiösen Fragen.— Nur der überaus kleine, linke Fraktionsflügel gab'— allgemein und ohne Bezug auf einen in der Kommission gefallenen Antrag— durch den Parteigenossen Adolf Geck eine kurze, aber mannhafte Erklärung für die Schulweltlichkcit ab, aller- dings ohne Angabe von Motiven.— '-o liegt es, nicht aber wie Frank angab. Denn datz unsere badische Fraktion oder auch nur die Frak- tionsmehrheit oder auch nur der Genosse Frank allein im Plenum für den„nicht wiederholten", seinem Wortlaut und Datum nach unbekannten, völlig geheimnisvollen Kommissionsantrag„gefochten", ausgelegt und ihre Klinge geführt hätten, das ist— sehr gelinde gesagt— ein sehr grotzer Irrtum. Das wird von jetzt ab niemand, auch der Genosse Frank nicht mehr, zu bestreiten tragen. In Wirk- lichkeit hat man nicht einmal wegen dieses gekennzeichneten und in mystisches Dunkel gehüllten Antrages im Plenum auch nur den kleinen Finger gerührt. Und damit bleibt für mich alles, Satz für Satz, aufrechterhalten, was ich über die Weltlichkeit in der badischen Schulnovelle zum Ausdruck brachte. Zur Klärung verweise ich auf ein parlamentarisches Gegenstück: Der sogenannte Toleranzantrag des Zentrums wurde vor neun Jahren eingebracht; die IX Kommission des Reichstages machte sich an die Arbeit und veröffentlichte ihre» Bericht am 10. Mai 1901, Nr. 80 der Drucksachen. Aus ihm ist ersichtlich, datz der sozial- demokratische Antrag zu dem„Entwurf eines Gesetzes betreffend die Freiheit der Religionsübung" niedergestimmt wurde. Es war der Antragt „Die ReNglonSunterweisung kommt in allen Schulen deS Deutschen Reiches als Unterrichtsgegenstand ausnahmslos in Forlfall?" Wir ließen uns durch die Ablehnung nicht einschüchtern; und der Antrag, der vorher auf meinen Namen ging, wurde für daS Plenum, von der ganzen Fraktion unterzeichnet, eingebracht. Ja, die Fraklion modifizierte später diesen Antrag, indem sie ihn noch schärfer und ausiührlicher formulierte. In der Plenardebatte wurde er von Bebel und mir begründet. Der Unterschied zwischen dem badischen und dem reichsdeutschen parlamentarischen Versahren liegt auf der Hand. Genossen Frank brauche ich nicht besonders daraus aufmerksam zu machen. Genosse Frank ist sehr erzürnt auf mich und straft mich mit „schweigender Verachtung", weil ich ihn der„wissentlichen" Unwahr- heit geziehen hälte. Das ist insofern eine Unterschiebung, als ich von einer unwahren und grotesken Publikation mit Bezug auf Franks Magdeburger Rede gesprochen halte. Für mich handelt es sich nicht um die Person Franks, den zu beleidigen ich nicht die Ab- sichl hatte, auch nicht um seine schweigende Verachtung, die mich sehr kalr läßt, sondern uin eine mir teure Sache, die er nach meiner fachlichen Kenntnis durch Scbönsärberei und Einseitigkeit gefährdet hat.— Wenn mir in Magdeburg durch den Schluß der Budget- debatte nicht das Wort abgeschnitten wäre, hätte ich ihm das damals sofort gesagt und bewiesen. Ich bedauere, datz in einer so wichtigen Angelegenheit das persönliche Moment jetzt hervortritt; doch war es nicht zu ver- meiden. Bitterer als die parteigenössische Kritik ist doch wohl das Lob des Gegners; wenn auch dieser Gegner ein Grotzblockfreund unserer badischen sozialdemokratischen Parlamentarier ist. Es ist der nationalliberale Landgerichtsdirektor Dr. Obktrcher. der sich nach der „Badischen nationalliberalen Korrespondenz"(„Ortenauer Bote", Nr. 244) dahin wohlivollend und anerkennend äußerte: „Die Sozialdemokratie im badischen Landtag hat sich als eine Partei gezeigt, die in einer Weise von ihren Parteiprinzipien abgewichen ist, wie es noch gar nirgends, in keinem Parlament geschehen ist.... Wir Nanonalliberalen haben mit Hilfe der Sozialdemokraten ein Schulgesetz zur Annahme bringen können, das iveit absticht von den Idealen der Sozialdemokratie." Sowohl Franks persönliche Bemerkung gegen mich, wie auch die allgemein, ich möckle sagen objekliv gehaltene Sentenz des Herrn Oblircher ändern nichts an dem Gesamlbild, das ich von der Welt- lichkeit, der Unentgeltlichkeit und Einheitlichkeit der badischen Schul- Novelle skizziert habe. Das Bild steht fest, und keinen Strich habe ich daran zu verändern. (Wegen Raummangels verspätet erschienen.) Stsätveroi'äneten.verszmmlung. 31. Sitzung vom Donnerstag, den 10. November er., nachmittags ü Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Michelet nach H6 Uhr eröffnet. Unterm 21. Oktober hat der Magistrat „Leitsätze für die Bewirtschaftung der Güter und Rieselfelder der Stadt Berlin" der Versammlung zur Kenntnisnahme vorgelegt. Am 14. April war er von ihr um eine Denkschrift über die EntWickelung der wirtschaftlichen Anlagen und Einrichtungen auf den Nreselgütern ersucht worden. Stadtv. Göroldt(Fr. Fr.) beantragt Ausschutzbcratung. DaS Programm sei zu wenig präzis gefaßt und lasse weitgehendsten Zukunstsplänen Spielraum. Die Befürchtung, datz die Wirtschaft- lichen Betriebe der Kanalisationsverwaltung schließlich durch ihre wachsende Ausdehnung der Privatindustrie und dem Privatbetrieb überhaupt scharfe Konkurrenz machen könnten, sei nicht beseitigt, im Gegenteil. Neben der berühmten„Sägemühle" sei eine Mahl» mühle projektiert. Vor da bis zu eigenen städtischen Fabriken usw. sei es dann nicht mehr weit. Stadtv. Brunzlow(A. L.) schließt sich dem Antrag auf Aus- schußberatung an. Stadtv. Tove(A. L.) tritt den Ausführungen des ersten Red- nerS entgegen. Es sei nicht wohlgetan, den Leitern dieser Verwal- tung,„wenn sie einmal Ideen haben", wenn sie einen städtischen Verwaltungszweig mehr modernisieren wollen, von vornherein der- geslalt den Mut zu benehmen. Stadtv. Werner(N. L.) bemängelt, daß man statt einer„Denk- schrift" so nebelhafte„Leitsätze" erhalten habe, und tadelt, datz fast gar kein Zahlenmaterial beigegeben ist. Wenn Berlin Landwlrt- schast treiben will(Wiederholte Rufe: Mutz! und Heiterkeit), so sei daS sehr schön; es könne sich aber dabei doch immer nur um einen Hilfsbetrieb handeln. Darüber hinaus müsse genau geprüft werden, ob und wie die Interessen der Abgabepflichtigen gewahrt werden. Stadtrat Marggraff tritt der letzteren Auffassung sehr bestimmt entgegen und rechtfertigt dann eingehend die„Leitsätze", die in ihrer Allgemeinheit keiner statistischen Hahlen bedürften. Stadtv. Borgmann(Soz.): Ich stimme mit dem Kollegen Werner soweit überein, datz auch wir uns durch die Vorlage in keiner Weise gebunden ansehen; ich habe aber auch nicht den Eindruck, als ob eine solche Bindung von irgend einer Seite beabsichtigt gewesen ist, vielmehr wird die Versammlung für später sich alle Freiheit vorbehalten. Nach den eingehenden Beratungen im Frühjahr und sctzon vorher wird wohl tatsächlich auS erneuter Ausschutzberatung nicht viel herauskommen, wenn aber ein Teil der Versammlung diesen Wunsch hat, werden wir nicht e n t- gegen sein. Aus der strengen Scheidung, die Herr Werner bei den bevorstehenden Arbeiten auf de» Gütern verlangte, scheint mir der hausagrarische Pferdefuß sehr deutlich herauszuschauen; will er aber auf diesem Wunsche bestehen, so sollte er ihn auch verall- gemeinern und aus die Leistungen deS Zahlungspflichtigen aus den Staat usw. zu übertragen suchen. Herr Werner meinte, es sei all- gemein bekannt, datz die Kanalisationsverwaltung für die nächsten 5 Jahre 3S Millionen für gewisse Einrichtungen fordert und ver- braucht. Wer mag dem Kollegen Werner diesen Floh ins Ohr gesetzt haben? Mir und den anderen Deputationsmitaliedern ist nichts davon bekannt. Auch früher schon hat Herr Werner ohne jeden Grund auf der„Denkschrift" unseres Gilterdirektors herum- geritten. Die Furcht des Kollegen Göroldt, datz auf den Riesel- feldern Zuckerfabriken, Brauereien und sogar eine Maschinenfabrik erbaut werden können, hat auch nicht den geringsten Boden. Wie soll es möglich sein, auf unserem märkischen Sande Zuckerrüben zu ziehen? Soweit aber die jetzige Verwaltung den Betrieb durch neue Einrichtungen lukrativer gestalten will, handelt es sich gar nicht um Neuerungen, sondern um Bemühungen, die Jahrzehnte zurückliegen. Ich erinnere nur an die Versuche mit dem Flachsbau und mit dem Tabakbau, die sogar dahin führten, daß einer unserer Stadträte aus dem gezogenen Produkt Zigarren fabrizierte, die er seinen engeren Freunden dargeboten hat.(Heiterkeit.) Der erste unserer Güterdirektoren hat in dem Punkte der wirtschaftlichen Ausnutzung des Areals genau auf demselben Standpunkte gestanden wie der jetzige. Für eine derartige sich auf Jahrzehnte erstreckende Eiitwickeluiig jetzt schon Zahlen zu geben, wäre eine unvcrantwort- liche Leichtfertigkeit. Alle Einzelheiten müssen uns ja ohnehin zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Stadtv. Werner verwahrt sich gegen einen„Kunstgriff", den der Vorredner gebraucht habe. Nicht die Kanalisationsdeputation habe die 3S Millionen gefordert, sondern in der neuesten Anleihe seien für KanalisationS- und Rieselzwecke für die nächsten 5 Jahre 85 Millionen Ausgaben in Aussicht genommen. Stadtv. Rosenow(A. L.) lenkt die Aufmerksamkeit der Ver- sammlung auf eine Ausarbeitung des Kollegen Dr. Paul über denselben Gegenstand, die der Mitberatung durch den Ausschutz wohl wert sei. Stadtv. Dr. Kuhlmanu Ar. Fr.) hält es für durchaus dankenS- wert, wenn auch die Stadt Berlin ,hre Landwirtschaft möglich ra- tivnell betreibt, Den neuesten Erfahrungen auf diefem Aebjete müsse die Stadt schon deshalb Rechnung tragen, weil man ja gerade gegen die Agrarier den Vorwurf erhebe, datz sie es nicht verständen, für eine rationelle Fleischversorgung der Städte usw. zu sorgen. Da die Stadt die Rieselgüter haben müsse, müsse alles geschehen, um ihre Produkte möglichst nutzbringend zu verwerten. Die Vorlage geht an einen A u s s ch u tz. Für die Entsendung von Kindern in Heim-, Heil- und Er« holungsstätten ist vom Magistrat eine Nachbewilligung von 50 000 M. beantragt. Der im laufenden Etat ausgeworfene Fonds von 200 000 M. ist seit Juli erschöpft. Die Armendirektion hat weitere 200 000 M. für notwendig erklärt; der Magistrat hält aber dafür, datz der betreffende Fonds„im Sinne einer freien Wohl- tätigkcit" zur Verfügung gestellt ist und mit der Gewährung dieser Wohltat eingehalten werden mutz, wenn die Mittel erschöpft sind. Er ist jedoch geneigt, auch in diesem Jahre den Betrag zu erhöhen, aber nur um 50 000 M. und nur unter der Bedingung, datz diese Summe nur für die Entsendung von Kindern in die städtischen Heimstätten verwendet wird. Im übrigen soll die ganze Frage in einer besonderen Magistratskommission nach der grundsätzlichen Seite von neuem geprüft werden. Stadtv. Hintze Stadtrat MUnsterberg: Ich spreche hier heute als Ma» gistratsvertreter. Die Armendirektion hat dem Magistrat be» richtet, datz sie mit den bewilligten Etatsmitteln im Juli bereits zu Rande war, nachdem sie die Gesuche in der Reihenfolge ihres Ein- laufcs und genau nach der vom Magistrat erlassenen Anweisung erledigt hatte, nachdem mehr als die Hälfte der Gesuche als„nicht notwendig" abgelehnt worden waren. In den neuerlichen schweren Fällen von Tuberkulose, Rhachitis usw. konnte seitens der Armem Direktion nichts mdii; gescheHein Der Magistrat hat Lem gegenüber sich zwar auf den Standpunkt gestellt, daß mit den einmal bewilligten Mitteln ausgekommen werden müsse, aber auch gleichzeitig be- schlössen, die ganze Angelegenheit neu zu prüfen, sowohl die Aus- führungsanweisung als auch besonders die Rechtsfrage, ob es sich um Wohltätigkeit oder um notwendige Unterstützung handele. Es darf dabei nicht übersehen werden, daß in den letzten 25 Jahren im Anschluß an die Sozialreform die Anschauungen in der Bevölkerung sich vollständig geändert haben. Es sind inzwischen auch die Kinderheil st ätten entstanden, wie die in Hohenlychen und an der Seeküste, welche eine eigentümliche Mittelstellung zwischen Krankenhäusern und Erholungsheimen einnehmen. Stadtv. Friedberg(Fr. Fr.): Auch meine Fraktion hat starke Bedenken gegen die Vorlage. Der Magistratsvertreter hat sich heute in einer sehr schwierigen Lage befunden; er hat sein eigenes Kind ertränken müssen. So weit wie die Herren Sozialdemokraten können wir nicht gehen; für Ausschußberatung stimmen auch wir. Kämmerer Dr. Steiniger: Ich lasse dahingestellt, ob durch die Ausführungen meines Kollegen sein Kind ertränkt oder genährt worden ist. Der Magistrat hält an dem Standpunkt unbedingt fest, daß eine Verpflichtung nicht anerkannt wird.(Hört! hört!) Ferner stehen die 200 OM M., welche nach dem Antrage der Herren Sozialdemokraten herauskommen, nicht mehr zur Verfügung. (Heiterkeit.) Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Zwei Seelen wohnen, ach! in der Brust des Herrn Stadtrats Münsterberg. Er war heute vor eine besonders schwere Situation gestellt. Noch am 11. Oktober hat er in einem Memorandum ausgeführt, daß die Armendirektion in eine beinahe unmögliche Lage gerate, wenn sie auf einen bestimmten Be- trag festgelegt werde; man solle ihr lieber gleich bestimmt sagen, wenn man mit der Sache nichts mehr zu tun haben wolle.(Be- wegung.) Der Kämmerer geht seinerseits vor, unbekümmert um konstitutionelle Rücksichten; er bleibt einfach bei seiner Meinung, und er ist leider nur zu oft der Magistrat. Wir können diesen Standpunkt nicht einnehmen. Welchen Zweck soll die Magistrats- kommission haben? Wohl nur den, am unrechten Orte zum Schaden der Volksgesnndheit zu sparen. Bei dieser Sachlage ist es um so notwendiger, daß w i r zunächst ein- mal im Ausschusse über die Lage der Dinge klar werden. Warum ist nicht schon längst in der Rechtsfrage im Magistrat eine Entschei- dung gefällt worden? Außer der Entscheidung des Bundesamtes für das Heimatwesen liegt auch ein Gutachten unseres Oberbürger- meisters selbst vor über die Errichtung von Heimstätten und die Entsendung Kranker in diese. Leider wird nur nach seiner damals kundgegebenen Auffassung seitens des Magistrats nicht gehandelt. Die Vorlage verbreitet auch über unsere städtischen Heimstätten Mitteilungen, die nicht den Tatsachen entsprechen; es handelt sich in der Mädchenabteilung nicht um Blankenfelde, sondern um B l a n- k e n b u r g, auch nicht um 30, sondern um 52 Betten. Außerdem sind in der Abteilung für Knaben 72 Betten vorhanden. Die Ein- richtungen der städtischen Kinderheilstätten sind vorzügliche; aber für die schweren Fälle von Tuberkulose und dergleichen reichen sie nicht aus. Diese Fälle gehören auch nicht in die Krankenhäuser, sondern in saiiatoricnöhnliche Anstalten, um zu verhindern, daß die betreffenden Kinder später in unheilbares Siechtum verfallen. Will man also in dieser Frage etwas Praktisches leisten, so muß man dafür sorgen, daß die Kinder in einem möglichst frühen Stadium in entsprechende Anstalten geschickt werden. Vom etatsrechtlichen Standpunkt kann ich den Standpunkt des Stadtrats Münsterberg als Chef der Armenverwaltung nicht ver- stehen; warum hat er nicht schon im Mai dem Plenum von der drohenden Erschöpfung der Mittel Mitteilung gemacht und versucht, den Weg des Nachtragsetats zu beschreiten? Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf uns Ende Juni die Nachricht von der völligen Erschöpfung der Mittel. Und warum wird nur bei den Kindern so verfahren, während die Erwachsenen weiter in die Heil- stättcn geschickt werden? Im Bereiche der Armenverw...ung mutz irgend etwas faul sein nach dieser Richtung. Nach dem Kollegen Liebenow hat überhaupt die Kinderheil- stättenpflcge keinen Zweck. Logischcrweise hätte er dann diese ganze Fürsorge einstellen sollen. Aber er könnte doch nach der anderen Seite seine Wirksamkeit entfalten— er hat mehr Macht dazu als wir—, wirke er doch für eine gründliche Wohnungsfürsorge! Aber sollen wir etwa warten, bis aus dieser Versammlung mit ihrem odiösen Hausbesitzerprivileg(große Unruhe) oder aus dem Dreiklassenparlament etwas herauskommt? So lange können und wollen wir nicht warten, und da halten wir die Unterbringung der Kinder in Heilstätten für eine annehmbare Abschlagszahlung. Die beste und billigste Fürsorge, das sollte sich auch der Kämmerer sagen, ist die Vorbeugung; von diesem Gesichts- punkte sollte sich ein vernünftiger Finanzmann(stürmische Heiter- keit) leiten lassen. Das rechtzeitige Einschreiten ist immer noch billiger als das zu späte. Auch wenn kein Geld vorhanden ist, heißt es doch immer, die Stadt Berlin hat ein nobile okkicium zu er- füllen, wenn es z. B. gilt, einen fremden Monarchen zu begrüßen «Unruhe); warum soll das hier nicht auch sozialpolitisch gelten? Wir sollen uns nicht die Augen blenden lassen vom Aktcnstaub; was wir für unsere Kinder ausgeben, ist ein Kapital, das gute Zinsen trägt.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Liebenow weist die Unterstellung zurück, als ob die Armenkreisvorsteher an der vorzeitigen Erschöpfung der Mittel mit- schuldig seien, wie cS nach Herrn Münstcrbergs Ausführungen scheinen könnte. Stadtv. Nathan kommt nochmals auf die früheren Aeußerungen des Stadtrats Münsterberg von 1900 zurück(die er verliest), wonach es sich auch bei der Entsendung von Kindern in Heilstätten um eine Ausgabe der Armenpflege handeln kann. Der Kämmerer habe heute eine entgegengesetzte Ausfassung bekundet, entweder stehe er im Widerspruch zu dem Oberbürgermeister und zu dem Stadtrat Münsterberg, oder aber der Magistat habe seine Meinung geändert. Oberbürgermeister Kirschner: Was im Rahmen der gesetzlichen Krankenpflege„notwendig" ist, darüber sind die Meinungen im Ma- gistrat und in der Versammlung geteilt. Das Nichtige liegt wohl auch hier in der Mitte. Den Satz aufzustelle», daß ein Armenver- band verpflichtet sei, alles zu leisten, was nach ärztlicher Meinung förderlich ist, um einen Kranken gesund zu machen ooer um vor- zubcugen, daß eine schwache Person nicht krank wird, oder Sicherheit gegen Rückfall zu gewähren, liegt sicherlich nickst im Begriff der ge» setzlichen Krankenpflege, denn die Konsequenzen würden unabsehbar sein. ES gibt gewisse Krankheitsprozesse, die man nicht mit aller Aussicht auf Erfolg am Wohnort des Erkrankten behandeln kann. Bei bestimmten Krankheitsformen kommt der Arzt zu dem Resultate, bei längerem Aufenthalt in Aegypten könnte der Patient gerettet werden. Der Familienvater, der nicht die Armenpflege in An- spruch nehmen kann, muß oft die Frage entscheiden, ob er diese ärztliche Forderung erfüllen kann, ohne die übrigen Familienmit« lieber zu schädigen, und als guter Familienvater muß er oft mit l'itendem Herzen erklären, es gehe das über seine Kräfte hinaus. In dieser Lage befindet sich der Magistrat. Die Mittel der Stadt Berlin würden dazu nicht ausreichen. Man muß sich also ver- ständigerweise mäßigen; eine wünschenswerte Krankenpflege, die über das normale Maß hinaus geht, ist keine gesetzliche Pflicht, sondern muß sich auf dem Gebiet der Wohltätigkeit betätigen, und dem haben wir auch beftimnit Ausdruck gegeben, indem die Position nicht im Armcnetat steht, sondern in dem Etat für Wohl- tätigkeitszwccke. Wir haben also anerkannt, daß die Heilstätten- pflege außerhalb der Stadt in besonderen Anstalten über zenes gesetzliche Maß hinausgeht. Im übrigen könnte zum Beispiel ein großer Teil der nach Hohenlychen gebrachten Kinder zweckmäßiger in eigenen städtischen Heimstatten untergebracht wer- den.(Zustimmung.) Auch diese Frage soll die Magistratskommission prüfen. Die Prüfung der Einzelfälle ist nicht ihre Aufgabe, sondern die der lokalen Instanzen. Die Zentralstelle aber hat die Aufgabe einer recht genauen Kontrolle, damit die leitenden Grundsätze der Ver- toaltung nicht durch das natürliche Mitleid mit dem kranken Kinde beiseite geschoben werde. Ich halte es auch für ein Unglück, wenn einem Familienoberhaupte die Fürsorge für ein krankes Kind ohne Unterschied ganz abgenommen wird(Zustimmung), auch hier ist also eine genaue Kontrolle notwendig. Die Stadt Berlin würde sehr Unrecht tun, wenn sie sich knau- serig oder zurückhaltend hinstellte; aber wir haben auch mit unseren Mitteln haushälte risch zu verfahren; denn wir geben nicht aus unserer eigenen Tasche, sondern aus den Taschen unserer Mit- bürger.(Sehr richtig!) Ein Teil der Ausgaben, die wir zu leisten haben, wird eingezogen aus sehr armen, bedrängten Kreisen, zum Teil mit Hilfe des Exekutors. Sparsamkeit ist unsere Pflicht; wir müssen dieser Pflicht gehorchen.&e werden also im Ausschutz einerseits das Herz, aber auch den Verstand sprechen lassen müssen, möge der Ausschutz die richtige Mitte finden.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Dr. Weyl: Ten letzten Ausführungen kann ich nur beistimmen. Nur sollte der Oberbürgermeister hinter den Vestre» bungen, die städtischen Heimstätten zu vermehren und auch solche für Kinder zu errichten, etwas mehr Dampf machen. Jetzt haben für sie lange nicht Plätze genug. Die von uns gestellten Forderungen liegen durchaus im Rahmen der Befugnisse und der finanziellen Leistungs- Möglichkeit der Stadt; wir stehen dabei durchaus auf dem Boden des oberbürgermeisterlichen Gutachtens. Wir verlangen nur, daß der Magistrat verfährt nach der Anweisung, die der Ober- bürger meist er selbst gezeichnet hat. Wir stellen Forde- rungen, die sehr wohl erfüllt werden können, wenn der Ma- gistrat nur ei» bißchen mehr sozialpolitisches Empfinden hat. Damit schließt die erste Beratung. Die Vorlage mit dem An- trag der Sozialdemokraten geht an einen Ausschutz, der vom Vor» stand sofort ernannt wird, und dem von der sozialdemokratischen Fraktion Borgmann, Ewald, Hintze und Dr. Weyl an- gehören. Von der„Freien Fraktion" ist am 1. November folgender An- trag Kyllmann eingebracht worden: „Die Versammlung wolle beschließen, die Zahl der Bürger- deputierten bei der städtischen Kunstdcputation von 2 auf 3 zu er- höhen, und den Magistrat zu ersuchen, diesem Beschlüsse beizu- treten." Nach kurzer Begründung durch den Antragsteller gelangt der Antrag mit arotzer Mehrheit zur Annahme. Neben der»m Zuge der Alten Jakobstratze zu erbauenden Brücke über den Landwehhrkanal sollen gemäß dem Verlangen der Landespolizeibehörde zwei Wasscrtreppen angelegt werden, die etwa 6000 M. kosten. Die Vorlage wird ohne Debatte angenommen. Am 1. Dezember findet neben der allgemeinen Volks- zählung auch eine außerordentliche Viehzählung statt, die in Berlin von Magistrat und Polizei gemeinschaftlich zu bewirken ist. Ersterer will die Steuererheber als Zähler bestellen und ihnen je nach dem Umfange ihrer besonderen Mühewaltung 5 bis 10 M. gewähren. Insgesamt sollen als Unkosten 4500 M. bewilligt werden. Die Versammlung stimmt der Entnahme dieses Betrages auS dem Dispositionsquantum für unvorhergesehene Ausgaben zu. Eine nachträglich zur Kenntnisnahme auf die Tagesordnung gesetzte Denkschrift der Jrrenhausdeputation, betreffend die gegen die Verwaltung der städtischen Irrenanstalten erhobenen öffent- lichen Angriffe wird wegen der vorgerückten Zeit von der Tages- ordnung abgesetzt und die öffentliche Sitzung gegen 9 Uhr ge- schlössen._ Hua Induftne und Handel. Die Geschäftslage der Spielwarenindnstrie. Als die Hauptsitze der deutschen Spielwarcnindustrie, deren Er- zeugnisse über die ganze Erde verbreitet sind, sind Nürnberg und Sonneberg bekannt und berühmt. Der Außenhandel spielt dabei eine große Rolle. Eine Uebersicht möge die Entwickelung der Aus- und Einfuhr des Deutschen Reiches an Spielwaren während der Jahre 1907, 1908, 1909 und 1910 dartun. Die Angaben verstehen sich in Doppelzentner für die ersten neun Monate der genannten Jahre: Januar-Scptember 1907 1908 1909 1910 Ausfuhr....»18 334 209 423 278 279 321 543 Einfuhr.... 2999 2768 2591 3100 Die gegenwärtige Lage der deutschen Spielwarenindustrie bat sich, wie aus den Anssuhrzahlen und aus Berichten von Fachkreisen hervorgeht, gegen die beiden Vorjahre gebessert. Nebenverdienste. Von den neu zur Ausgabe kommenden 30 Millionen Aktien der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft sollen ein Drittel, also zehn Millionen, an die alten Aktionäre gegeben werden. Jeder von den alten Aktionären, der zehn Aktien im Werte von je 1000 M. besitzt, kann dafür eine neue Aktie zum Kurs von 200 bekommen. Da der Kurs zurzeit auf rund 208 steht, so verdienen die Herren mit jeder neuen Aktie die nette Summe von 680 Mark! Diese Methode ist durchaus nicht vereinzelt, sie entspricht den Gepflogen- heiten der Aktiengesellschaften, ihren Aktionären auf diese Art bei Kapitalerhöhungen einen Extragewinn zukommen zu lassen, der iu keiner Bilanz und in keiner Gewinnabrechnung erscheint. Bekannt ist das große Interesse, welches die A. E. G. an den Kapital- erhöhungen der Berliner Elektrizitätswerke hat, da ihr stets die Hälfte der Neuemissionen zum Parikurse, also zum Nenn- werte, zur Verfügung stehen. Bei solchen Geschäften wird immer ein guter Rebbach gemacht. Bcrkürzuilg der Fahrzeit. Bei der preußischen Eisenbahnver- waltung besteht die Absicht, bei der weiteren Ausgestaltung des Fahrplans auf Einlegung einzelner schnellfahrender Züge Bedacht zu nehmen, die im allgemeinen nur der Verbindung großer Verkehrs- punkte dienen, iiiöglichst weite Strecken ohne Aufenthalt durchfahren und die deshalb eine nicht unbeträchtlich kürzere Reisezeit haben werden, als bisher üblich. Für den großen Berkehr Berlin-Köln ist schon mit solwen Zugverbiiidungen ein Anfang gemacht. Zunächst kommen Berlin�BreSlau und Berlin- Hamburg in Frage; weiter» hin wird man unter anderem an Berlin— Frankfurt a. M., tzam- bürg(Bremen)— Frankfurt a. M. und demnächst auch wohl an Berlin— Danzig— Königsberg denken können. Keine PrciScriuäßigimg für Gummiwaren. Eine Versammlung der Kautschukwarenfabrikanten beschäftigte sich mit der Frage einer Preisermäßigung für ihre Erzeugnisse. Mit Berufung darauf, daß der Preis des Rohmaterials immer»och um 100 Proz. höher sei, als zu Anfang des Jahres 1908, wurde bescblossen, keine allgemeine Preiöredultion eintreten zu lassen. Die Begründung für den Be- scblutz kann als ausreichend nicht angeschen werden. Zweifellos hat siw das Verhältnis der Rohmaterialpreise zu den Preisen der Erzeug- nisse zugunsten der letzteren verschoben. Aus diesem Grunde wäre eine Preisermäßigung sehr wohl möglich. Segen des Einfuhrscheinsystems. Der Mehlexport ist in diesem Jahre gegenüber dem Vorjahre recht erbeblich gestiegen. Die wesentlichste Erhöhung der Exportziffer weist das Roggenmehl auf. Wie sich die Exportverhältnisse in den Monaten Januar bis August und im September dieses und des voiigen Jahres gestaltet haben, ist aus der folgenden Tabelle zu ersehen. Es wurden ausgeführt in Doppelzentnern: Januar bis August 1909 19l0 Roggenmehl.... 522 127 885 440 Weizenmehl.... 945 807 1 002 020 Summa 1 407 934 1 837 472 September Roggenmehl.... 99 930 230 294 Weizenmehl.... 133 090 170 338 Summa 233 032 400 032 War die Steigerung schon in den ersten acht Monaten des Jahres recht erheblich, so war sie' im September noch stärker. Während die Zunahme beS Mehlexports während der Monate Januar bis August 1910 gegen das Vorjahr 419 533 Doppelzentner gleich 23,53 Proz. beirug, stellte sie sich im September 1910 gegen das Vorjahr auf 107 000 Doppelzentner gleich 71,92 Proz. Aus Getreide umgerechnet beträgt die Mehrausfuhr in den ersten acht Monaten zirka 545 399, im September 1910 217 830 Doppelzentner. Gewinnsleigerung. Die Rombacher Hüttenwerke, die das Geschäfts- fahr 1907/08 mit 3108 940 M. Reingewinn abgeschlossen, für das nächste Jahr sogar nur 1 982 073 M. Reingewinn ausweisen konnten, haben im letzten Jahre SVIVOS? M. verbucht. Die Dividende erhöht sich von 5 auf 8 Proz.; die Tantieme für den Aussichtsrat von 20 745 M. auf 141220 M. Das kouniiunale Elektrizitätswerk Westfalen zu Bochum hat mit der Sladt Barnien einen Verlrag betreffs Bau eines gemeinsam betriebenen Elektriziiälswerks abgeschlossen. DaS Elektrizitätswerk Westfalen versorgt jetzt schon 40 Kommunen. Kapituliert. Die österreichische Regierung hat den Vorstellungen der Pariser iliegierung staltgegeben und die Ausnahmemaßregeln gegen die Raffinerie von Limanowa zurückgenommen. Die Raffinerie vo» Limanowa ist nominell eine französische Gesellschaft, soll aber unter dem Einfluß der Standard Oil Co. stehen, weshalb sie sich auch geweigert hatte, dem Block der österreichischen Raffinerien bei- zutreten und den 5kampf der Vacuum Oil Co. gegen diesen unter- stützte._ Patriotische Geschäfte. Ans Wien wird unterm 9. November gemeldet: In der heute vom Subkomttee für Heercslieferimgen durchgeführten Enquete ivurde von den Experten betont, daß das E i s e n k a r t e l l sich bei der Preisbildmig an die Konjunktur des WelimarktcS halte. Für eines der großen Schlachtschiffe werden von den Firmen des Kartells nur 800 Waggons Eisenmaicrialien für den Schiffsbau, d. h. ohne Panzerung, Armierung, Motore usw., für den Preis von 1 000 000 Kronen geliefert. Die Preisdifferenz gegenüber der billigsten ausländischen Offerte beträgt 200— 250(XXI Kronen. daS ist also l/e Proz. der Gesamtkosten eines DrcadnoughtS. Die Kosten dieses MaierialS stellen jedoch nur einen ganz kleinen Teil der die Schiffsbaulosten ausmachenden Ouote dar. Alle anderen Bedarfs- artikel für die Herstellung der großen Schlachtschiffe stehen in keinem unmittelbaren Zusammenhange mit dem Kartell, da die Etablissements, welche diese Bestandteile liefern, dem Elsenkartell nicht angehören. Die Arbeitslöhne stellen sich bei einem Dreadnought auf 20 Millionen, also 35 Prozent der auf 01 Millionen zu ver- anschlagenden Gesamtkosten. Die nationalen Geschäftspatrioten sind sich überall gleich: sie machen sich für ihren Patriolismus bezahlt, indem sie dem teuren Vaterlande Wucherpreise abknöpfen. Ob deutscher Stahlwerks- verband, ob Kohleushndikat oder österreichisches Eisenkartell, das ist alles gleich: die Prozentnationalen plündern wie und wo es gehen mag, und sie entrüsten sich über mangelnde Vaterlandsliebe bei den— begehrlichen Arbeitern. )Zus der Frauenbewegung. Die Aufgaben der Kindcrschutzkommission. Eine Versammlung der Kinderschutzkommission am Dienstag bei Freher in der Koppenstraße eröffnete der Vorsitzende Genosse B a r e u t h i n mit dem Hinweis, aus die vom Altionsausschutz beschlossene Flugblattverbreitung am 27."November und die Ver- sammlung am 29. November, eine Veranstaltung, die der Propa- ganda für den Kinderschutz dienen soll. Barenthin ging dann auf die Klagen der Kontrolleurinnen näher ein, dahinlauteird, daß sie nicht die wünschenswerte Unterstützung finden. Redner glaubt Besserung nach dieser Richtung in Aussicht stellen zu können. In einigen Wahlkreisen seien die Vorstände der Wahlvereine bereits mit den Kontrolleurinnen in Verbindung getreten. Von den Wahl- kreisen sollen Helferinnen gestellt werden. Wenn das bisherige Resultat der Arbeiten der Kommission viele unbefriedigt lasse, so liege dies zum Teil auch an mancherlei Mißverständnissen über die Aufgaben der Kinderschutzkommission. Hierüber sprach Genossi» Luise Zietz. Die Schwierigkeit der Arbeiten, die hier den Frauen obliegt, sei garnicht zu verkennen. Ungemein viel Fleiß, Takt, Energie und Ausdauer sei erforderlich. Der Parteivorstand habe die Herausgabe einer Broschüre beschlossen, in der das gewonnene Material bearbeitet werden soll. Die erste Aufgabe der Kom» Mission muß sein, darüber zu wachen, daß die gesetzlichen Bestimmungen, die zum Schutze der Kinder erlassen sind, eingehalten werden. Da seien viele Widerstände zu besiegen. Oft regt sich das eigene Mitleid, wenn die Not in vielen Familien gar zu groß erscheint. Und diese Klagen von großer Not hört man überall. Hier darf aber kerne andere Regung ob- walten, denn Härten bringt jede Schutzbestimmung. Man denke an die Heimarbeit, gegen die nichts unternommen werden könnte, wenn man sich vor jedem energischen Zufassen fürchtet. Den Kindern muß der gesetzliche Schutz unter allen Umständen zuteil werden, sonst bleiben wir in bürgerlichen Resormideen mit guten Wünschen hängen. W i e in den einzelnen Fällen vorzugehen ist, das hängt von den Umständen ab. Für eine bedrängte Familie niuß die Armenunterstützuim in Anspruch genommen werden, es gilt für die Frauen dann, sich mit der Armenpflege in Verbindung zu setzen und den armen Leuten jede falsche Scham auszureden. Das sind Fragen der Praxis, die bei steter Uebung sich leichter lösen lassen.— Wo eine Verwahrlosung der Kinder crnge» troffen wird, wo eine sittliche Gefährdung vorliegt, da sollte die Waisenpflege zum Schutze ver Kinder angerufen werden. Die Rednerin warnt aber, Kinoer der Fürsorgeerziehung zu über- weisen, wo nicht die sichere Gewähr besteht, daß die fragliche Er- ziehungsanstalt in humanem Geiste geleitet werde. Vorzuziehen sei jedenfalls, die Kinder bei anderen Familien unterzubringen. Freilich bestehe die Gefahr, daß Kinder aus Eigennutz in Pflege genommen werden; darüber zu wachen, sei wiederum die Aufgabe der Kommission.— Wo man aber nicht zu raten und zu helfen weiß, da gelte es, diese Fälle als besonders wichtiges Material zu sammeln und dieses unseren Stadtverordneten und Gemeindever- trctern bekanntzugeben. Frauen müßten mehr zu der Waiscli>- pflege herangezogen werden. In Berlin, wie in vielen anderen Orten, fehlt noch eine weibliche Polizeiassistentin. Das VormundschaftSsystem sollte geändert werden; ein angestellter Generalvormund mit Helferinnen sei nottvendig. Unsere Stadtverordneten sollten noch mehr wie bisher für die Aufgabe deS Kinderschutzes, wie Schulspeisung und dergleichen gewonnen werden; auch die Hilfe der Lehrerschaft sollte man in Anspruch nehmen. Die Tätigkeit der Kranke nkassenkontrolleure müßte eben. falls den Kinderschutz umfassen. Mitteilungen darüber sollten sofort der Kinderschutzkommission gemacht werden. Auch die Ge» samtarbeiterschaft müsse helfen. Rücksichtslos müsse vor- gegangen werden, wenn Bitten und Belehrungen nichts nützen. Das Hauptbestreben sollte dahin gehen, das Kinderschutz ge» setz zu erweitern. Da ist viel Material zu sammeln über die Arbeit der Kinder, die nicht durch das Gefetz geschützt werden, z. B. in den häuslichen Diensten und in der Landwirtschaft. Die Rcdncri» schloß mit dem Hinweis, daß die Kinderschutzkommission ein großes Stück wichtiger sozialer Arbeit, ein Stück VolrSer- ziehungsarbeit leisten könnte.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion wurde vielfach gewünscht, daß bei Gelegen- heit eine Kontrolle über arbeitend« Kinder in den Straßen Berlins vorgenommen werden sollte. Die Versammlung stimmte einem dahingehenden Antrage zu, der im Aktionsausschuß noch erwogen werden soll.— Eine Helferin erzählte, wie sie sich bemüht habe, daß Kinder im Schützenhaus in Kaulsdorf nicht mehr beschäftigt werden sollten. Vergeblich hatte sie bei einigen Lehrern de» Ortes um Unterstützung gebeten, und lange dauerte es, bis endlich die Polizei 20 Kinder feststellte, die dort ungesetzlicher Weise Dienste leistete� i Unserem Abteilungssükrer» /klkvnK Mu?I«n vom 10». Bezirk Rixdors zu seinem Wiegensesle die herzlichsten Glück- wünsche. < Die BezirkSgenosseu. i FWWWWWWWWWWWWWWWWWWI Deutsclier Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Stock- arbeiter VVsIclemsr tlaael gestorben ist. 83/5 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. November, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des neuen Nindorfer Gemeinde- Friedhofes am Atariendorser Weg aus statt, Die Ortsvermaltnng. VeM der Schneider und Schneiderinnen. TodcH-AnzcIffu. Den Mitgliedern geben wir bekannt, dag der Kollege KaH Rapsch am 9. November im Alter von 58 Jahren verstorben Ist. Ehre seinein Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 12, d, Mts,, nach- mittags 3 Uhr, aus dem neuen Jerusalemer Kirchhos, Hermann- straßc, statt, 163/29 vis Ortsverwaltuny. Allen Verwandten, Freunden, als auch Bekannten die traurige Nachricht, daß am 9, d, M,, nach- mittags 2'lt Uhr, mein lieber Bruder und Schwager, der Zi- garrenarbeiter s1773b Gusiav Simon nach kurzem Leiden sanst entschlafen ist. Dies zeigt mit der Bitte um stille Tcilnabine an Frau»schlU«««»' geb. Simon, Karl SchlöHMcr. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, nachmittags 3 Uhr, von der Halls des Friedhofes der Frei- religiösen Gemeinde, Pappsl-Allce, aus statt. Nach kurzem aber schwerem Leiden entschlief am Mittwoch- abend unser Inspektor Hermann IMenbaed. Ehre seinem Andenken! Das s?ahrpersonal vom Münchener Branhaus. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 21/s Uhr von der Leichenhalle' des Johannis- Eoangelist-Kirchhoses in der Bar- susstrage aus statt,_ 17766 j Die Beerdigung meines lieben Mannes f1772b (iustav Kupker findet am Sonnabend, den>2, d, Mts,, aus dem Heilauds-Kirchhos am Plötzensee, nachmittags 3 Uhr, statt, Di« trauernde Witwe Emma Kupfer geb. 7k/gs»«n. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer Schwester, Tante und Pflege- mutier ft771b Ida Ligner sagen wir allen Freunden und Be- kannten hierdurch unseren herzlichsten Dank, Die trauernde» Hinterbliebenen. Danksagung. Für die herzlichste Tcilnabme bei der Trauerseier unseres lieben Sohnes und Bruders sagen wir allen Ver- wandten und Bekannten, besonders dem Wahtverein des 4, Wahlkreises, Bezirk 292 und dem Turnverein Fichte für die zahlreichen Kranz- spenden unleren herzlichsten Dank. Witwe Sioplti«.luiula nebil Kindern. Molkerei Butter stets frisch- auch auf Jahres- abschlust abzugeben in grösteren Posten, in Postkolli(9 Pfund) 11,70 M. franko Nachnahme.— Offerte» unter 1». l an die Haupt- expedittou des„Vorwärts".* Offeriere in frischer, nur schöner Ware: ZM" Nur ein Preis!"«z ,?-7- Gänse 0,65 8—14 Pfuud schwer.* LV Nur allererste Qualität Gänserümpfe, V2 Gänse. Fette Suppenhühner, jge, Brathühner. P. Wegner, SQ., Mariannenstr. 34. 6ef|en!liehe politische Versammlungen. - v Sechster Wahlkreis! Sonntag, den 13. November, abends 6V2 Uhr: 2 öffentliche politifche Verfammlunaen J für Männer und Frauen. 1. In den„Pliai'uS'-Salvn", Mullerstratze 14£. Bortrag des Genossen Landtagsabgeordneten.A,(Iolt Hoffmaflfl» Gottgewollte Abhäugigkeit und menschliche Logik. 2. Im„ftftoahiitan GeselBschafishaus'S Wielefstr. 24. Vortrag der Genossin LulLS ZfetZ* Der mrWaftllche uud volitisdik Kampf der Ardkittlklnsse m der Gegenwart. Nach den Versammlungen: Gemütliches Beisammensein. Tanz 30 Pf. 239/29« Die Einberuker- ��leckrlch Ställler. Prinz-Eugen-Str. IS. Die Etnocruser. pgerscb. Alt-Moabit 43. IS veulfcher Qansportardeiter-Verbanö Bezirk GroßsBerlin. Bureau: Engeluser 14/15. Fernsprecher: Amt IV. 2382, 4747. ArbeitSuachweis: Engeluser lS. IV. 3348, 1996. „ Alte Leipziger Str. 1. 1,2632,9399. Wgiieiler a. allen Branchen u. Sisirihien t. Bezirks Groß-Berlin. Freitag, den 11. November, abends 8� Uhr: Ordeutl. Generalversammlung im Lokal„Deutscher Hos", Luckauer Str. 15. Tages-Orditung: 1. Miiteilungcn. 2. a) Gcschästsb-richt; b) Kassenbericht; c) ArbeitSnachwcisbericht. 8. Geschäftliches. Mitgliedsbuch ist als Legitimation mitzubringen und beim Eingang zur Versammlung vorzuzeigen. Wer mil sein-n Beiträgen über 19 Wochen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. Einen zahlreichen Besuch erwartet 52/4« Die Bezirksleitung Groft-Berli». I. A.: Aug. Werner. Dandy Fleur Deutschlands ffihrends Marken OelTenlliche Volksversammiung für Männer und Frauen am Montag, den 14. November kStv, abends 8'/z Uhr, in den Sophien-Sälen, Sophienstr. 17/13. Tagesordnung: t. Ver I?arnpf um die wirtrcbaftlicbc Freiheit. Referent: Reichstagsabgeordneter Paul Göhrc« 2. Diskussion.— 3. Genosscnschaslliches. 107/11 Hausfrauen und Genossen! Informiert Euch über die Konsum- genosscnschaslsidee und erscheint zahlreich. EindsiMiker. überall erhältlich MAESOLI-Cigaretten-Fabrik flibson Girl Ceser dieses Blattes wissen, aus welchen Gründen SlfC'Cigaretfen zu bevorzugen sind. 1593L' Arbeiter« Bekleidung— Berufskleidung. > GrOBtea SpeeialeeMChlift. Robnen& Jöriug, fJZn Aleiantierstr. 12. 1 l-andsbc-rircr Alice 148. Kixdorf: Bergstr. 06. 1 Äbbas ftathan MancS 129 Statther Str. 129. Di» schönsten Herpen-Wlnter-Palelots n. Ulster und Anzüge ,0.0°.."7»'..° Monats-Garderobe voiiKavalierengelrageneSachen, sast neu. für jede Figur paffend. soezicll Banchanznge sind in grofier Auswahl stet« zu staunend billigen Preisen zu haben. Nathan Wand 1129 Stallher Str. 129. Hochbahnstation KottbnsrrTor. Bitte ausHauSnummer zu achten. AMung! AgsrrsnhSnälsr!! Lintaehe, elexante, sowie originelle isiei.« Zigarren- Weihnachtspackungen ferner: 1/20 u. 1/40 in allen Sorten u. Preislagen. Max Ziegenhals, - Tabak— Zigarre BEBLIB 10.<8. JJ 70 Telephon: Amt Vll, 3047. — Zigarren— Zigaretten— en gros.--------------- ArdettsnaMweis: Hof l, Amt 3. 1239. Bertvalrungsstellc Berti». Hanvtburcau: Ldaritsstrsös 3, Hos III. Amt 3. 1937. Sonntag, den IS. November, vormittags 10 Uhr: Mitglieder-Bersammlung für Adlersljof und Nnlgegend im Lokal von Kaul, Adlershof» Bismarckstr. 10. TageS. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. A, Conrad y. 2. Ausstellimg der Delegierten zur OrtSlranIenlasse. 3, Verschiedenes. --��-=-=-�- Gäste willkommen.===== 125/5 Die 0rtsverwaItnng._ Verwaltnng Berlin Heute Freitag, addS. 8>/z Nhr, im Gcwerffchaftshause, Engelufer 14/15: Saal 4(Arbeitslofcnsaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Ortskrankenkasse des Manrergewerbes zn Berlin. Hierdurch wird aus Grund deS ß 67 des Statuts bekannt gemacht, daß die Kaste 12 693 Mitglieder hat und nach§ 50 des Statut» daher aus der Zahl der Kassenmitglieder 126 Vertreter und aus der Zahl der Arbeitgeber 63 Vertreter für die Jahre 1911 und 1912 neu zu wählen sind. Wablbcrechtigt und wählbar sind nur solche Personen, welche groß» jährtg und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte find. Die Wahl der Vertreter der Kassenmitglieder findet statt am Sonntag, 13. November 1910, vorm. von 10—158 Uhr» im Geiverkschaftshause, Engelufer 15, Saal 3, und die Wahl der Vertreter der Arbeltgeber am Montag, 14. November 1910, abends von 8—10 Uhr, im Kafsenlokal, Sophienstr. 6. Di« Wahl ist geheim! Zutritt zum Wahllokal haben nur solche Arbeitgeber resp. deren Ver- treter, welche Beiträge an die diesseitige Kasse zahlen und nur Wahl- berechtigte Milglieder der genannten Kaste, Diese haben sich durch die bis zum letzten Zahlungstcrnnn abgestempelte Ouittungskarie sowohl bei dem Eintritt in das Wahllokal wie zur Ausübung deS Wahlrechis am Wahllisch zu legitimieren. Zu diesem Zweck werde» die Herren Aibeitgeder erfucht, den bei ihnen beschäftigten Kaffenmilgliedcrn die Outstungskarten rechtzeitig ordnungsmäßig auszuhändigen, 278/12* ' Die Kasse ist am Wahltage geschlosse»._ Berlin, 22. Oktober 1910. Der Vorstand. I. A.: A. Daehne, Vorsitzender, K. I-ehnlg, Schrisfführer. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW� —— I-Indenstr. 69. Soeben erschien in unserem Verlage: ü Schillers Werke n Auswahl und Einleitung von :Dr. FRANZ MEHRING; ♦ Drei Mtarke I.einenbttnde Prei» 8,50 Mark In seiner Einleitung schreibt Mehring u. a.; Zwischen den Idealen der Arbeiterklasse und dem Idealismos SohiUers klaSt ein unüberbrückbarer Abgrund. Allein deshalb kann sie dem Dichter und Menschen nur um so gerechter werden, dem Dichter, der eine Welt der Schönheit geschaflen hat, dem Menschen, der ein geborener Kämpfer war, der, wia er einmal sagte, von der Wiege seines Geistes ab, und, wie wir hinzufügen dürfen, bis an die Schwelle des Grabes mit dem Schicksal gekämpft hat, mit dem furchtbaren Druck, der über seinem Volk und seiner Zeit lag. In diesem Kampf ist Schiller niemals müde geworden; weder die bittere Not hat ihn gebrochen, die seine jungen Jahre verzehrte, nooh die tückische Krankheit, die ihn wieder und wieder packte, als die düstere Schattengestalt der Sorge um des Lebens Nahrung und Notdurft von seiner Schwelle gewichen war. Immer blleb er ein aufrechter und stolzer Mann, und wann wir das Götzenbild zertrümmern, das die Bourgeoisie aus ihm gemacht hat; in seiner geistigen Ahnenreihe wird das kämpfende Proletariat immer gern diese hohe Gestalt grüßen. 247/6* Großes lulsehen KärÄrss Martin Katz SctanelderineiBteF Dresdener Straße 76, nahe dem Thaliatheater Msl- Uli Mr-GarM natö Maß aus besten deutschen u. englischen Staffen, prima Zutaten, :: garantiert tadelloser Sitz, erstklassige Verarbeitung:: Fertige Herren- Konfektion in gediegenster Ausführung in großer Auswahl am Platze. :: Kleinste Wochen- oder Monatsraten gern gestattet Vorzeicor diene« Inaerat« erhält 5'I, Rabatt. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Jnleratenteit verantw.: Th. Gleite, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer& So.. Berliu SW. St. 265. 27. Jahrgang. 2. Sfilnjc Ks Jonnärts" ßetliittt Potolilalt lttitag. 11. Dovmbtt 1910. Arbeiter! Parteigenossen! Agitiert für die Gewerbegericbtswabien! Gcwerbcgcri(l)tswai)lcn. Die heute stattfindenden Wahlen der Arbeitgeker» Beisitzer zum Geiverbegericht der Stadt Berlin haben unsere bürgerlichen Gegner noch in letzter Stunde mobil gemacht. Bor uns liegt ein Zirkular der in trauter Eintracht verbundenen Reaktionäre aus freisinnigem und antisemitischein Lager, in dem es unter anderem heifit: Zur Wahrung der wirklichen Parität ist eö aber dringend nötig, dafi für die Arbeitgeber nur solche Beisitzer gewählt werden, welche den bürgerlichen Gruppen angehören, da eine weitere Zu- Wahl von sozialdemokratischen Arbeitgebern, wie sie bei der lepten Ergänzungswahl 1908 stattgefunden hat. eine direkte Gc- fahr für die unparteiische Stellung des Ge- Werbegerichts einschliefit. Man weifi wirklich nicht, was mehr zu bewundern ist: die Naivität, mit der man die grofie Zahl sozialistisch denkender Arbeit- geber einer Vertretung entheben will oder die Frechheit, mit welcher man unsere als Gewerberichter amtierenden Genossen� der Partei- lichkeit, der bewutzten Rechtsbeugung bezichtigt. Ten Unterzeichnern des Machwerkes, den Bernhard, Abraham, Mt und so fort bis zu denen der gesteigerten Gedankenlosigkeit mufi dafi Gewissen schlagen, wenn sie in Betracht ziehen, dafi die sozial- demokratische Bevölkerung, welche doch in Berlin die ungeheure Mehr- heit bildet, sich bei geeigneter Zeit daran erinnern könnte, mit welcher Dreistigkeit diese.Macher vons Janze" gegen unsere Gesinnungsgenossen vorgehen und was sie unseren Vertretern zu bieten wagen. Ein anderes Flugblatt, von einem Lederwarenfabrikanten Kierseck gezeichnet, klagt in beweglichen Worten also: Vor 1908 kam selten ein sozialdemokratischer Arbeitgeber zu dem Amte eines Gewerberichters. Seit 1998 gibt es über 29. Bei der Wahl im Jahre 1993 haben wir durch unsere Lässigkeit lö Sitze verloren. Am 11. Iiovcmber finden die Wahlen statt. Soll es wiederum so gehen? 1993 sind Sie zur Wahl nicht erschienen. Bitte kommen Sie diesmal. Unter den Klageweibern, die dieses bewegliche Flugblatt mit- gezeichnet, figuriert auch der Herr Landtagsabgeordnete R o s e n o w, Goldlei st enfabrikant, wie eS ausdrücklich im Blättchen heifit, ebenfalls aber harmonisch geeint mit einem. H o f f i s ch e r- meister".— Wir hoffen, dafi unsere Parteigenossen, die Arbeit- geber sind, dafür sorgen werden, dafi den geeinten Scharfmachern nicht nur die Fische, sondern auch die Felle am heutigen Wahltage fortschwimmen. Im Jahre 1998 mufiten wi- unsere Stimmzettel noch am Wahl- tage umtauschen und neu drucken lassen, weil angeblich die Listen- nummer aus der Rückseite des Papiers durchschimmerte. Die uns heute vorliegenden, von der bürgerlichen Gruppe ausgegebenen Zettel tragen sämtlich das gleiche Kriterium und sind von aufien sehr leicht erkenntlich. Wollen daher die diesmaligen Wahlvorstände korrekt Verfahren, so haben sie derartige Stimmzettel ohne weiteres als unstatthaft zurückzuweisen. Ob sie es tun werden? Wir meinen aber, dafi unsere Freunde unter allen Umständen werden auf dem Posten sein, um sowohl die schamlosen Angriffe als auch die„durchsichtigen Manipulationen" der vereinten Reak- tionäre durch die Wahl sozialdemokratischer Beisitzer zuschanden machen. keiner darf zurückbleiben i Die Freien Arbeitgeber Wahlen Liste I. Partei- �ngelegenkeiten. An die Parteigenossen! Die nächsten Tage bringen der Organisation eine Fülle von Arbeit. Heute, Freitag, den 11. November, von 3—7 Uhr, sind die G e w e r b e g e r i ch t s w a h I e n für die Arbeitgeber. Am 13. November Flugblattvcrbreitung um Beitritt zur Organisation; daran schliefen sich: Am 13. November, von 10— 6 Uhr: die Gewerbe- g e r i ch t s w a h l e n für die Arbeitnehmer. Kein Anhänger unserer Idee» darf hierbei fehlen! Ju der auf"den 13. November folgenden Woche sollen die Empfänger des Flugblattes aufgesucht und zum Eintritt in die Wahlvereine aufgefordert iverdcn. Am 27. November Flugblattvcrbreitung für den Kinder- schütz. Am 29. Noveniber Versammlungen für den gleichen Zweck. Wenn wir die sonstigen Arbeiten, als Sitzungen der Wahlvercine, die Vorstands- und Konlmissionssitznngen, die laufenden Kurse, die Arbeiten der Orte und Kreise usw. in Betracht ziehen, so werden ja viele und grofie Anforderungen an den einzelnen gestellt. Ttlt aber jedes Atitglied der Organisation seine Schuldigkeit, traten die Genossen und Ge- nossinnen in voller Zahl an, so arnt Last leicht bewältigt und alle Arbeit wie immer in zufneo�nstellender Weise er- ledigt. Wir vertrauen auf die bewährte Arbeitsfreudigkcit der Berliner Genossen und Genossinnen. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Der Zentralvorständ. Zweiter Wahlkreis(Friedrichstadt), am Sonntag, den 13. No- Vember ct., bei Jul. Meyer, Oranienstr. 193, Zahl morgen für Buchdruckerei- Nachtarbeiter: Agitation 3- Versammlung. Das Erscheinen aller Mitglieder erwarten Die Vertrauensleute. Sechster Wahlkreis. Heute abend beginnt in den Germania- sälen, Chaussecstrafie 110, der Vortragszyklus des Genossen M. H. Baege über das Thema:„Vom Urtier zum Menschen", demonstriert durch Lichtbilder. Anfang pünktlich 8'/z Uhr. Genossen, die noch nicht im Besitze einer Eintrittskarte sind, können solche am Eingange des Saales erhalten. Die Billetts zum Kunst abend am 12. November im Etablissement Ballschmieder, Badstr. 19, sind noch zu haben bei Hoffmann, Swinemünder Str. 47, Bähr, Badstr. 16, und im Wahlvercinsbureau, Neue Hochstr. 23. Ripdorf. Am Sonntag, den 13. November, abends 7 Uhr. findet in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49, ein gemütliches Beisammen- fein, verbunden mit Konzert und grofier Spezialitätenvorstcllung, statt. Eintritt 19 Pf. Garderobe 19 Ps. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 25 Ps.»ach. Kasseneröffnung ö'/a Uhr. In Anbetracht des niedrigen Eintrittspreises wird ersucht, recht rege für diese Veranstaltung in Partei- und Freundeskreisen zu aglueren. Der Vorstand des sozialdemolratischen Wahlvereins. Lichtenberg. Sonntag, den 13. November, mittags 12 Uhr, bei Schneider, Gudrunslr. 1, Versammlung zwecks Stellungnahme zur Stadtverordneienwabl im 13. Bezirk. Referenten: Stadtverordneter Grauer und Kandidat Alvas. Thema: Kommunalpolitik in Lichtenberg. Freitagabend von Hennig, Waguerstr. 1, Flng- blattverbreitung. Ortsteil Treptow. Heute abend 6 Uhr in allen Bezirkslokalen: Extra-Zahlabend. Der Vorstand. Britz-Buckow. Am Sonntag, den 13. November, morgens 8 Uhr, findet Handzettelverbreitmrg von den bekannten Stellen aus statt. Das Material holen sich die Bezirkssührer Freitagabend vom Ge- nosse» Tiple, Bürgerstr. 29, ab. KaulSdorf. Die Flugblattverbreitung am Sonntag, 13. Novbr., findet der Gewerbegerichtswahlen in Berlin wegen schon.um 3 Uhr morgens von Bobcy ans statt. Am Sonnabend, den 26. November, abends b'/g Uhr. findet bei Kabelt, Frankfurter Chaussee(Hamanns Gesellschastshaus), ein „Unterhaltuiigsabend" zur Feier des hundertste» Geburtstages Fritz Reuters statt. Es werden Gedichte Reuters in plattdeutscher Mund- art vorgetragen. Der Eintritt ist kostenlos. Es wird gewünscht�. dafi die Parteigenossen' sowie auch die„VorwärtS"-Lescr, die dem Wahlverein noch nicht angehören, mit ihren Frauen au dieser Feier teilnehmen. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 12. November, abends 8>/.a Uhr: Wahlvereinsversammluiig bei Rudolf Deter. TageS- ordnung: 1. Abrechnung voni Stiftungsfest. 2. Aufierordentliche Geldbewilligung für die Bibliothek. 3. Wahl von Delegierten zur Generalversantmlung Grofi-Berlins. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. Nieder-Schönhauseil-Nordeud. Am Sonntag, de» 13. November, früh 8 Uhr, findet eine Flugblatlverbreitrnig von den bekannten Stelle» ans statt. Die Bezirksleitung. Tcgcl-Borsigwaldc. Die Mitglieder werden auf den morgen, Sonnabend, den 12. November, stattfindenden Kunstabend ausmerk- sam gemacht. Billetts sind bei den Bezirksführern zu haben. Be- ginn des Konzerts pünktlich 8'/., Uhr. Saalöffiinng T'/a Uhr. Während der Aufführimgen bleiben die Saaltüren geschlossen." Die nicht verlausten Billetts muffen heute abend dem Kassierer zurück- gebracht werden, da sie sonst als verlaust angerechnet werden. Die Bezirksleitungen. Wandlitz i. d. M.(Bez. Pankow). Am Sonntag, den 13. No- vember, nachmittags 3 Uhr, findet bei Lassan, GesellichaftshauS, Wandlitz i. d. M., eine öffentliche Versammlung statt. Referentin: Frau W u I f f- Berlin. Die Agitationsloimnission. Oranienburg. Am Sonntag, den 13. November, früh 8 Uhr, findet von den BezirkSkokalen aus eine wichtige Flugblattverbreitung statt._, Berliner l�acbricbten. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich gestern wieder einmal mit der G ü t e r w i r t- schaft der Stadt. Im Frühjahr hatte sie nach wieder- holten Debatten den Magistrat ersucht, ihr eine Denkschrift über die Entwickelung der wirtschaftlichen Anlagen der Riesel- selber vorzulegen. Der Magistrat ließ sich daran genügen, ihr jetzt nur ein paar„Leitsätze" für die Bewirtschaftung zu überreichen. Sie wurden gestern in einen Ausschufi der- wiesen, in dem der Magistrat sich noch ausführlicher äußern soll. Die einzelnen Gruppen der Versammlung gaben dem Ausschufi ihre Wünsche mit auf den Weg, die aus den früheren Debatten wohl noch bekannt sind. Die Redner der Haus- agrarischen Mehrheit hielten daran fest, daß die wachsende Ausdehnung der Güterwirtschaft in ihrem Hinübergreifen auf industrielle Gebiete denn doch über den Rahmen der Atifgaben einer Stadtverwaltung hinausgeht. Diese Pläne passen ihnen nicht in ihren Kram, weil ihre Aus- führung den privaten Unternehmern den Profit zu schmälern droht. Dazu kommt die Sorge, dafi schließlich auch den Haus- besitzern wieder noch ein Mehr an Kanalisationsabgabe zu- gemutet werden könnte. Ihre Redner äußerten sich wenigstens so, wie wenn sie das im Ernst befürchteten. Auf die Seite der Kanalisationsverwaltung stellte sich am entschiedensten der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Borg- mann. Er forderte, daß die Güterwirtschaft der Stadt nach einem groß angelegten Plan ausgebaut und mit ihre« Eigen- betriebe» in den Dienst der verschiedenen Zweige der Stadt- Verwaltung gestellt»verde. Nach dem Geschmack des Stadt- freisinns ist das allerdings nicht. Es folgte dann eine sehr beachtenswerte Debatte über die Vorlage, durch die der Magistrat für Entsendung kranker Kinder in Heil-, Heim- und Er- holungsstätten 59 900 Mark nachforderte. Die 200 000 Mark, die der Etat für 1910 zu diesem Ztveck bewilligt hatte, waren diesmal schon im Juli aufgebraucht. Gestern stellte unser Genosse Hintze fest, dafi eben wieder, wie im vorigen Jahr, von vornherein zu wenig bewilligt»vordm war. Hier handele es sich nicht um einen Wohltätigkeitsakt, sondern um eine Aufgabe vorbeugender Gesundheitspflege, die unter allen Umständen eine Pflicht der Gemeinde sei. Die sozialdemo- kratische Fraktioir beantragte, statt der 50 000 Mark nochmals 200 000 Mark zu belvilligen. Demgegenüber bezeichnete Stadtverordneter Liebenow unter dem Beifall seiner frei- sinnigen Gesinnungsgenossen es als un'erhört, dafi die Armenverwaltung mit dem bewilligten Geld nicht gereicht habe und nun diese Nachforderung nötig mache. Einen schtvcren Stand hatte Stadtrat M ü n st e r b e r g, der als Vertreter des Magistrats sehr vieles nicht sagen durfte,»vas er zur Ver- teidigung der Armendirektion, deren Vorsitzender er ist, hätte sagen können und müssen. Der Stadtkämmerer Steiniger gab schärfer als er— und mit einem deutlichen Seitenhieb gegen Münsterberg— die Meinung des Magistrats wieder, indem er mit brutaler Offenheit erklärte, eine Verpflichtung, mehr zu tun, werde nicht anerkannt und im übrigen sei auch kein Geld zu Mehraufivcndungen da. Vom Standpunkt des Arztes aus beleuchtete Genosse Wehl in einer wirkungs- vollen Rede die Frage der Entsendung von Kindern in Heil- statten usw. Er tadelte, daß die Armenverwaltung viel zu spät mit ihrer Nachforderuna hervorgetreten sei. Gegen den Kämmerer und die ihm beistimmende Mehrheit der Frei- sinnigen polemisierte unser Redner in scharfen Ausfällen. Stadtverordneter Nathan wies darauf hin, daß früher der Magistrat selber der Meinung gewesen sei, die Stadt sei zu dieser weitgehenden Fürsorge für kranke Kinder geradezu der- pflichtet. Das veranlaßte den Oberbürgermeister 51 i r s ch n e r, noch in die Debatte einzugreifen und den Satz aufzustellen, daß man auch auf diesem Gebiete„sich Verständigerwelse mäßigen" und„die richtige Mitte zwischen warmem Empfiil- den und haushälterischer Verivaltung" suchen müsse. Die Frei- sinnigen hatten ihn verstanden und jubelten„Bravo!" Was wird der Ausschuß, dem die Vorlage überiviesen wurde, aus ihr und dem mit übertviesenen Antrag unserer Genossen machen?_ Zur Gewerbegcrichtswnhl der Llrbeitnchmcr-Beisii'.sr ist zu vermerken, daß Arbeitslose Ivahlbcrechtigt sind. Es ist leider vorgekommen, daß Arbeitslosen auf Polizeirevieren das Stempeln der Wahllegitnnationen verweigert»vorden ist. Es sei daher darauf hingetviesen, daß die Polizei nicht das Recht hat, über die Wahlberechtigung zu entscheiden, sondern sie hat nur, entsprechend der Vorschrift auf der Wahllcgitiination, zu be- glaubigen, daß der Betreffende im Polizeirevier wohnt. Sollten doch noch Arbeitslose oder andere Wahlberechtigte zurückgewiesen»verden, so können diese am Tage der Wahl mit der Jnvalidenkarte und Steuerquittung versehen an die Wahlurne treten und ihr Wahlrecht ausüben. Es»vird ferner darauf hingewiesen, daß zum Bezug der Wahllegitimationcn einige Aenderungen durch Verzug der Wirte eingetreten sind. Diese sind neben den in anderen Bezirken angegebetten Adressen zu haben im 2. Bezirk bei Wegener, Seydelstraße 30. 8. Bezirk bei Heuip, Urbanstraße 170. 13. Bezirk bei Karl Edel, Waldemarstraße 16. 19. Bezirk bei Moschinski, Michaelkirchplatz 19. 22. Bezirk bei Schmidt, Strausberger Straße 7. 28. Bezirk bei G. Bösel, Nene Königstraße 65/66. 29. Bezirk bei I. Wirth, Auguststraße 51. 44. Bezirk bei Schulz, Bremer Straße 62. Der Ans schliß der Gewcrkschaftskommissiou Bcrlilts und der Uiugcgcnd. DaS Schwimmen ist eine der gesündesten Leibesübungen, Bs- sonders für die Arbeiter, die tagsüber unter der mit fast jeder Be» schäftigulig verbuildenen großen Staubentwickelung zu leiden haben. Im Sommer ist es jedem ziemlich leicht gemacht— besonders seit Einrichtung der Freibäder—, die schädliche Einwirkung der heuts meist sehr ungesnnde» Arbeitsweise aus den Körper durch ein er- frischendes Bad zu mildern. Weniger giinstig liegen die Verhältnisse im Winter, Ivo nur die von der Stadt bezw. einigen Privat- unternchmern erbauten Schwimmhallen zur Versiigung stehen. In dieser Zeit geht der Bade- und Schwimmbetrieb ganz bedeutend zurück. Auch die städtischen Schwimmanstalten weisen trotz ihrer verhältnismäfiig geringen Anzahl noch einen viel zu schwachen Besuch auf. Um so niehr ist es zu begrüfien, dafi eine Anzahl Vereine für thre Mitglieder besondere Schwimmabende ein- gerichtet haben, um dadurch das Interesse für diese lvvhltätige Leibesübimg zu heben. Auch der Turnverein„Fichte" hat für seine Mitglieder eine derartige Einrichtung getroffen. Im vorigen Jahre wurde ein erster Versuch unternominen mit der Badeanstalt in der Oderberger Strafic, und zwar mit gutem Erfolge. Es beteiligten sich an den 23 Badeabenden 1811 Mitglieder, was einen Durchschnitt von 66 pro Abend ausmacht. In diesem Winter ist nun noch die Badeanstalt in der Bärwald- strafie huizugenommcn worden, so dafi den Mitgliedern beide An» stalten an den Montagabenden von 8 bis'/»tO Uhr zur Verfügung stehen.— Zu wünschen wäre es, dafi die Stadt Berlin solchen Ver- einen, die sich die Pflege des Schwimmens angelegen sein lassen, etwas mehr entgegenkäme. Nach den jetzigen Bestimmungen wird den Vereinen keine Vergünstigung gewährt, vielmehr mufi pro Abend noch eine Entschädigung an die Badcdicner gezahlt iverdcn. Es wäre für die Stadt Berlin wohl ein leichtes, den Vereinen etwas mehr entgegenzukommen und zum mindesten die Zahlung dieser Extra- entjchädigung z» erlassen. Tie Zustände in der Allgemeine» Elektrizitäts-Gesellschaft in der Bruimciistraße lassen nach den verschiedensten Richtungen hin zu wünschen übrig. Aus Aulafi dcL letzten schweren Unfalls wird uns geschrieben: „Als vor einigen Monaten der Betrieb durch den AnffichtSrat besichtigt wurde, mufiten alle Gänge schön ailsgeräumt werden. In einigen Räumen wurden sogar die Wände gestrichen. Arbeiterinnen, welche schwere Arbeiten zu verrichten haben, wurden während der Besichtigung an anderen Arbeiten beschäftigt oder es Ivurde den Arbeiterinnen gesagt, sie mochten sich so einrichten, dafi sie während der Besichtigung die leichtere» Stellen bearbeiten. Nach der Besichtigung erhielt der Betrieb sein altes Aussehen. Alle Gänge sind durch schwere Maschinenteile, welche meterhoch auf« einander gebaut sind, fast vollständig verstellt, die Arbeiter schweben ständig in Lebensgefahr. Zur Charakteristik über die letzten Unfälle ist folgendes nachzutragen: Friiher waren die Kräne mir mit einem Aufzug versehen, so dafi sie von dem Kranführer auch übersehen werden konnten. In voriger Woche stürzte von dem Kran schon der Schutzkasten herunier: wäre die Sicherung nicht diirchgebrannt, so Hüne eS da schon Menschenleben kosten koimen. Nicht einmal ei» Krankeiiivagen war zur Stelle, so dafi erst ein Wagen von der Ncttlingswache geholt werden mufite, um die armen Verletzten fort- zuschäffen. Vor einiger Zeit wurde» einem Arbeiter in dem gleichen ArbritSraun, nebe» schweren Verletzungen die Kleider buch- stäblich vom Leibe gerissen und obwohl Arbeiterinnen dort beschaf- tigt werden, hatte man nicht einmal eine Decke, um den Unglücklichen zudecken zn können. Auch besteht im Werk ein Sicherheit?- und WohlfahrtS- ausschufi, lvelcher von der Direktion ernannt»vird. Hierzu hat sich die Direktion einige Hirsche und Unorganisierte ausgesucht. Als gegen diese Zusammensetzung die Arbeiterschaft Protest einlegte, fragte der Borsitzende Direktor Hischberg die Wohlfahrtskommissionsmit- glieder, ob sie daS Vertrauen der Arbeiter hätten. Als diese Frage verneint wurde, erklärte der Direktor Hirschberg, daraus konzme es ja auch nicht an. Wenn aber ein solcher Ausschufi im Interesse der Arbeiter wirken soll, muh er das Vertrauen der Arbeiter haben, sonst ist er nur Staffage. Allerdings scheint has Bestrebe» nur dahin zu gehen, die Arbeiter immer mehr zu intensiverer Arbeit anzuspornen, durch die systematische Herabdrncknna der Akkordpreise, die in diesem Be- triebe a» der Tagesordnung ist. Jeder Meister Ivill sich im„Jntcr- esse der Betriebe" bewähren und die Folge ist eine immer größere Hetzjagd der Arbeiter, die wiederum die Uufallgefahr erhöht." Miiiisterialkonfercnz über Erleichterungen im Spcrrvcrfafjren. Eine Konferenz, die gestern im Landlvirtschaftsministerinm statt« fand, beschäftigte sich, wie die.Allgemeine Fleischer-Zeitung" meldet. Im Hinblick auf den großen Schade», der durch bis In der letzten Zeit wiederholt notwendig gewordenen Sperren des Berliner BiehhofS dem Biehhnndel erwachsen sind, mit der Frage, welche Milderungen in dein Sperrverfahren möglich sind, ohne den Zweck der Sperre irgend zu beeinträchtigen. Die dreistündige Beratinig erfolgte unter der Leitung des Ministerialdirektors Schroeter. Bon den Biehkommissionären nahmen teil der Vorsitzende des Vereins der Berliner Biehkommissionäre Franz Rahm und der stellvertretende Vorsitzende Paul KrebS, ferner Stadtrat Fischbeck, Vorsitzender deS Kuratoriums des Vieh- und Schlachthofes, der Generalsekretär der Viehzentrale, Ockonomierat Burchard, der DepartementS-Tierarzt und der KreiS-Tier- arzt und andere. Mehrere Erleichterungen für den Viehhandcl wurden in Aussicht gestellt. So soll in Zukunft der Empfänger des Viehes berechtigt fein, bei plötzlicher Verhängung der Sperre den Viehtransport von den um Berlin gelegenen Stationen oder anderen Zwischenstationen aus abzulenken, während jetzt die Ablenkung der»ach Berlin bestimmten Wagen nach anderen Plätzen nur von der Abgangsstation aus erfolgen kann. Ferner soll Vieh, daS»och in keiner Weife mit dem Viehhof in Berührung ge- kommen ist, weiter expediert werden dürfen ohne die beschränkenden Bestimmungen, denen solches Vieh heute unterliegt und die eS im Werte herabsetzen. Weiter wurde angeregt, daß, wenn auf dem Schlachthofe ein Seuchenfall festgestellt wird, die? nicht sogleich Ver- anlasiung sein solle, auch den Viehhof zu sperren. Ferner soll für das Vieh aus Beobachtungsgebieten, das doch getrennt von den un- verdächtigen Tieren aufgestellt werden muß, ein erleichterter Verkauf durch Unterbringung in der Nähe des unverdächtigen Viehs geschaffen werden, wozu aber erforderlich ist, das; dieses Vieh schon am Tage vor dem Markte, also Dienstag und Freitag, hier ankommt. So- dann soll für den Abtrieb des verseuchten Schlachtviehs vom Vieh- Hof nach dem Schlachthof ein besonderer Weg eingerichtet werden damit diese Tiere nicht niit ihren Klauen die allgemeine Abtriebs- ftratze berühren._ Gänse-Ausspielen...Eene jut jebratene JanS is ecne jute Iabe JotteS," sagte der Berliner. Noch besser schmeckt der leckere Martinsvogel, als auch so ein„Instrument des Himmels", wenn er nichts kostet. Zum Greifen fliegen aber die gebratenen Gänse auch in Berlin nicht herum. Unsere lieben Agrarier sorgen schon dafür, daß die arbeitenden Klassen selbst am Feiertag kein Huhn, geschweige eine Gans im Topfe haben. Der Martinsvogel ist beson- ders unter den heutigen Teucrungsverhältnissen eine Delikatesse, die sich Arbeiterfamilien nur ganz ausnahmsweise leisten können. Um so größer ist daheim die Freude, wenn Vater eines späten Abends eine Prachtgans mitbringt, die— angeblich— nichts oder nur ein paar Groschen gekostet hat. Er hat sie„gewonnen", auf dem Billard ausgespielt und im Triumph heimgeführt. In früheren Jahren war das GänscauSspielen auch in Berlin eine beliebte und weitverbreitete Sitte. In den Schaufenstern vieler Hunderte von Restaurationslokalen sah man namentlich Sonnabends die ver- lockenden Plakate. Tann ließ, als das Auswürfeln auf dem Billard polizeilich verboten wurde, das Vergnügen erheblich nach, und erst neuerdings scheint das Ausspielen mit dem Billardqueu wieder mehr und mehr aufzukommen. Einer gewinnt dabei immer und unter allen Umständen, das ist der Wirt. Aber er hat sich schon be- scheidener gcniacht und hängt heute wenigstens Gänse ins Schau- fcnster, die sich sehen lassen können, feiste Fett- und Fleischgänse. bei deren Anblick einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Jeder Bratenvogel muß ihm mindestens hundert Prozent bringen. Es werden also so viele Spiclanteile a 25 Pfennig verkauft, daß für jede Gans von vornherein insgesamt bare 10 bis 12 Mark einkommen. Wer dann den Vogel ergattert, ist dem Wirt ziemlich gleichgültig. Er weiß ja, daß um die Sitte, die Gans auch noch mit ein paar großen„Landwchrtöppen", die die Runde machen, zu begießen, sich so leicht kein Gewinner herumdrücken kann. Und mancher spendiert in der Renommierfreude soviel, daß er für das selbe Geld sich eigentlich nicht erst in die Unkosten der Spiel oufregung zu stürzen brauchte. Harmlos bleibt das Spiel, wenn die Mitspielenden sich gegenseitig einigermaßen kennen. Es gibt aber genug„Gänseschieber", die um die jetzige Zeit förmlich gc- werbsmäßig die Gänsekneipcu aufsuchen und sich am Spiel mit mehreren Anteilen beteiligen. Sie sind vorzügliche Billardspieler, haben sich auf dem Billard des betreffenden Lokals unauffällig ein- gespielt und schlagen fast immer selbst scharfe Gegner aus den? Felde. Ja. es passiert gar nicht selten, daß sie im selben Lokal zwei und drei Gänse einheimsen, die natürlich nicht zu Muttern gebracht, sondern verkauft werden. Dadurch gewinnt das Spiel einen Stich ins Unreelle. Jedenfalls muh man etwas mißtrauisch werden, wenn der Wirt die gewonnene Gans, die ihm schon mehr als das Doppelte der Ausgabe eingebracht hat, noch obendrein vom Ge- winner für billiges Geld zurücktaust. Aber Geschäft ist schließ- !ffch Geschäft, und wer sich„bedebbcrn" läßt, soll sich nicht beklagen. Zu dem Verbrechen am Humboldthafe» wird mitgeteilt, daß der Schiffer Julius Ernst, der Schiffer-Ernst, doch sein Alibi nachgewiesen hat. Der Täter ist ein Doppelgänger von ihm, ein am LS. März 1875 zu Marienwerder im Kreise Niederbarnim geborener Schiffer und Arbeiter Georg Meißner, der gestern nachmittag von der Kriminalpolizei festgenommen wurde. Ein tödlicher Autouwbilunfa« ereignete sich gestern gegen S Uhr in der Lindenstraße. Dort versuchte eine etwa SSjährige, gutgekleidete unbekannte Frau, aus der Markthalle kommend, den Straßendamm zu überschreiten, als die Automobildroschle Nr. 2117 berannahte. Der Lenker des KraftwugenS mäßigte sofort die Ge- schwindigkeit und gab fortgesetzt Warnungssignale. Hierdurch wohl in Verwirrung gebrocht, geriet die Frau gegen das Auto, wurde um- gerissen und kam unter das Gesähr» zu liegen, dessen Räder über den Körper der Vernnglückien hinweggingen. Die Unbekannte baut so schwere innere und äußere Verletzungen erlitten, daß sie auf der Unsallstation am Tempelhoser Ufer, wohin sie gebracht worden war. unter den Händen den ArzteS verstarb. Die Leiche wurde nach dem Schauhaule übergeführt. Eine alte Straße auf dem Gesuudbc-unnen, die Völkerstraße, existiert seit einiger Zeit nicht mehr. Sie verbindet den Gesund- brunnen mit Pankow und hat nun den Namen„Grünthaler Straße' erhalten, weil beide Straßen nach Beseitigung der Trennstücke einen großen Straßenzug bildeten. Urb« die geschäftliche Leitung des neuen KonzertuntcrnehmenS „Clou" in der Mauerstraße bczw. Zimnmstraße sind uns insofern Klage» zugegangen, als von Personen, die am letzten Sonntag das Nachmittagskonzert besuchen wollten, ein Entree von einer Mark verlangt wurde, obwohl in Inserate» die NachmittagSkonzerte als frei angekündigt waren. Das ha« nun zu lebhaste» Austritten ge« führt. Wir haben nun mit der Geschäftsleitung Rücksprache nehme» lassen, die nun folgendes erklärt: „Durch ein Versehen, daß durch die Hast des Eröffnungsbetriebes sicherlich zu verstebe» und zu entschuldigen ist. ist in einem Teil der Presse das SomitagSmserat mit einer falschen Angabe erschienen. Während an a lle n W och e n t a g e n im„Clou" Nachmittag»- Promenaden« F r e ikonzert stattfindet, wird om Sonntag auch zu den NachmittagSkonzerten ein Eintrittsgeld erhoben. Durch daö erwähnte Versehen ist am vorigen Sonntag teilweise diese ent- sprechende Bemerkung im Inserat unterblieben. Wir bedauern im Interesse des Publikums, wie in unserem eigenen Interesse, die dadurch entstandenen Zwischenfälle und ver- sichern, daß nach den nunmehr getroffenen Maßnahmen eine Wieder- Holimg de» Vorgefallenen ausgeschlossen erscheinen darf." Wie leicht und schnell in Berlin sich Menschenansammlungen bilden, konnte Mittwochabend gegen S Uhr am Maybachufer an der Kottbuser Brück« beobachtet werden. Dort hatten Schulkinder sich zusamchengetan und bekriegten sich mit langen Stöcken. Als der Un- fug zu Lullt wurde, mischten sich Erwachsene zwischen die Kampf- Hähne und suchten Frieden zu stiften. Dabei sammelten sich immer mehr Leute an, die wissen wollten, was loS war und im Nu waren gegen hundert Menschen auf einem Haufen. Ein Schutzmann war auch bald zur Stelle, der sich aber wenigstens erst genau nach der Ursache erkundigte, anstatt die Leute anzufahren, wie man das so oft beobachten kann. Inzwischen waren die streitenden und hauenden Jungen zur NSsoi» gebracht worden. Der stärkste Uebeltäter hatte von einem Arbeiter ein paar hinter die Ohren gekriegt und bald war die Aiisammluiig wieder beseitigt. Vorort- Ffoclmcdtenr. Charlottenburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung hatte am Mittwoch einen„großen Tag". Zwar ließ die Tagesordnung, auf der nur Vorlagen von nicht allzu großer Bedeutung und Peti- tioncn standen, das nicht vermuten, aber den Fraktionen war am Dienstag die Mitteilung zugegangen, daß die Liberalen in Verbin- dung mit der Vereinigten alten Fraktion eine Interpellation ein- zureichen beabsichtigten, die sich mit Vorgängen im verflossenen Wohlkampf beschäftigt. Die Interpellation, die sich gegen ein Flugblatt der Nationalliberalen richtet, tvelches u. a. von den Stadtverordneten Liepmann, Weise und Marzahn unter- zeichnet war, hatte folgenden Wortlaut: Im Laufe der letzten Wochen sind in Eharlottenburg Auf- rufe verbreitet worden, welche die Finanzlage unserer Stadt unter Heranziehung von Zahlen als gefährdet darstellen. Da diese Aufrufe u. a. die Unterschriften dreier zurzeit amtierender Stadtverordneten tragen, können sie Beunruhigung zum Nachteil des städtischen Ansehens hervorrufen. Wir fragen deshalb den Magistrat an, ob er bereit ist, eine Aufllärung über die Finanzlage zu geben. Selbstverständlich war der. Magistrat dazu bereit. Ter Kämmerer S cho l tz ivies an der Hand eines umfangreichen Zahlen- Materials nach, daß das nationalliberale Flugblatt, worin es so dargestellt ist, als db die Finanzgebarung der Stadt demnächst zu einer Katastrophe führen müsse, so ziemlich in allen Punkten un- richtige Angaben enthalte, daß es Gemeinden mit ganz andern Ver- hältmssen zum Vergleich herangezogen habe. Er schilderte die Finanzlage der Stadt, die zu irgendwelchen Befürchtungen auch nicht den geringsten Anlaß bietet und richtete unter lebhaftem Beifall der Liberalen an die Versammlung das Ersuchen, sich in Zukunft altenkundiges Material vom Magistrat geben zu lassen, bevor derartige Veröffentlichungen erscheinen. Stadtv. Dr. Liepmann, einer der Unterzeichner des Flug- blattes, betonte, daß das Flugblatt nicht von ihm herrühre, son- dern von einem Herrn verfaßt sei, der auf„gutfreisinnigcm Stand- punkte" stehe. Im übrigen schnitt der Redner recht unglücklich ab, er verlangte, daß man ihn ernst nehmen solle, fügte aber gleich hinzu, positive Vorschläge zur Besserung der Finanzlage werde er nicht machen, denn durch diesen Vorschlag Werde er diesen, durch jenen Vorschlag jenen Anhänger von sich abstoßen. Das Recht der selbständigen Kritik werde er sich, so klein seine Fraktion auch sei, nicht beschneiden lassen. Stadtv. Meher(liberal) zog in scharfer Weise gegen den Vorredner zu Felde, warf ihm bewußte Unehrlichkeit vor und er- klärte, daß das Flugblatt nur auf die Urteilslosigkeit gewisser 5krcise spekuliere. Stadtv. H i r s ch(Soz.) gab dem Stadtverordneten Liepmann insofern recht, als die selbständige Kritik nicht beschränkt werden dürfe: ja man dürfe sogar keinem Stadtverordneten es verwehren, sich nach Kräften zu blamieren. Seine Freunde seien für die Be- sprechung der Interpellation, nicht etwa, weil sie das für besonders notwendig hielten, sondern weil sie Interesse an den Ausein- andersetzungen zwischen den beiden Parteien hätte», die heute wild aufeinander losstürzen, weil die eine im Wahlkampf mit offenem Visier hervorgetreten sei, während die andere ihr Pro- gramm versteckt habe, die aber morgen bereits wieder geschlossen gegen die Sozialdemokratie Front machen. Was solle daraus wer» den, wenn man alle Wahlflugblätter zum Gegenstand von Jnter- pellationcn iiiacljen wollte? Niemals werde bekanntlich soviel ge- logen als wie im Wahlkampf. Redner zitiert zum Boweiö dafür Stellen aus Flugblättern, die die Interpellanten unterschrieben haben, und in denen den Wählern Versprechungen gemacht werden, deren Erfüllung schon auf Grund der Städteordnung ausgeschlossen ist. Was speziell das zur Debatte stehende Flugblatt■betreffe, so habe e» wohl kein vernünftiger Mensch ernst genommen, es fei za auch nur an die Wähler erster und zweiter Abteilung versandt.(Heiter- keit.) Wenn Herr Liepmann keine Vorschläge machen wollte, um keine Aichänger zu verlieren, dann solle er doch lieber den umge- kehrten Weg einschlagen und eS ebenso machen wie die liberale Fraktion, die dem einen Wähler dies, dem anderen das Gegenteil verspricht, und so alle einfängt.(Unruhe und Heiterkeit.) Auf die Zahlen deS Flugblatts wolle er nach den Darlegungen deS Kam- uiercrS nicht mehr eingehen. Nur darauf wolle er hinweisen, daß die Angaben über die Kosten der Armenverwaltung zwar an sich richtig seien, aber die Verfasser des Flugblattes hätten ganz ver- gessen, daß gerade ihre Freunde eS sind, die durch Nichtbefolgung ihrer sozialen Pflichten daS Anschwellen deS ArmenetatS veran- laßt hätten. Im übrigen brauche man die Auseinandersetzungen zwischen den bürgerlichen Parteien nicht allzu tragisch zu nehmen. Ganz die gleiche Auseinandersetzung habe vor zwei Jahren statt- gefunden; damals sei der Stadtverordnete Zander wegen Ver- öffentlichung unrichtiger Zahlen von den Liberalen abgeschlachtet worden, und heute beteilrge sich derselbe Herr Zander an dem Kesseltreiben gegen seinen Freund Liepmann, da er inzwischen Anschluß bei den Liberalen gefunden habe. Wenn sich im nächsten Jahre daö gleiche Schauspiel ereignet, dann werde vielleicht der heute so scharf angegriffene Herr Liepmann zu den Unterzeichnern der Interpellation gehören.(Große Heiterkeit.) Die weitere Besprechung der Interpellation gestaltete sich zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Liberalen Dr. Jrentzel, der sich gekränkt fühlte, daß unser FraktionSredner den Liberalen den Vorwurf der Verschleierung ihres Programms gemacht hatte, uns unserem Genossen Hirsch, der den Beweis für seine Behauptung er- bringen wollte, aber von dem Borsteher daran gehindert wurde. � Von den Petitionen, mit denen sich die Versammlung bc- schäftigte, verdient besonders hervorgehoben zu werden, die Jnter- pellation des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins,' Ortsverwaltung Eharlottenburg, die darum bittet, daß a) auf Grund der Gewerbeordnung A 120 die in der ErwerbSgärtnerei tätigen Lehr- linge und Arbeiter unter 18 Jahren zur Fortbildungsschule heran- gezogen werden; b) auf das Arbeitspersonal der ErwerbSgärtnerei das Krankenversicherungsgesetz angewendet und c) dem Arbeits- personal in der Erwerbsgärtnerei das Recht eingeräumt wird, an den vorkommenden GewerbegerichtSbeisitzcr-WahIen als Wähler aktiv und passiv teilzunehmen. Im Gegensatz zu dem Petitions- ausschuß, der angeblich mit Rücksicht auf die gesetzliche Bestim. mungen Uebergang zur Tagesordnung beantragte, beantragte Ge- nasse Dr. Borchardt namens der sozialdemokratischen Frak- tion, die Petition in allen ihren Punkten dem Magistrat zur Be- rücksichtigung zu überweisen. Obwohl Genosse Dr. Borchardt über- zeugend nachwies, daß der neue Rechtsboden für die Erwerbs. Sörtnerei, der durch die letzte Novelle zur Gewerbeordnung ge- Haffen ist. die Berücksichtigung der Wünsche der Petenten in vollem Umfange zuläßt, beschloß die Mehrheit doch Uebergang zur Tagesordnung. Eine Petition von Vertretern der Interessenten am Kaiser- dämm, die eine Verkehrsverbesserung bezweckt, wurde auf Antrag unserer Fraktion nach warmer Befürwortung durch unseren Ge- nassen Klick dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. Außerdem erledigte die Versammlung noch einige kleine Bor- lagen. Alle andere» Punkte der Tagesordnung wurden vertagt. Rixdorf. Erstkleffig i Als Lei dm vorletzten Swdtverordnetenwahken unsere Genossen durch ihren Sieg im Südbezirk zu der zweiten Abteilung den satt- sam bekannten Herrn Rahmig binauSwahlten, wurde er als Kan- didat der ersten Abteilung den Wählern präsentiert und gewählt. Trotzdem auch diesmal selbst aus den Reiben der Grundbesitzer« vereme gegen diese Kandidatur Einspruch erhoben wurde und man sogar deutliche Andeutungen über die Art der Kassenführung deS Firmenträgers des Wahlrecvtsräubers machte, die seinen Fähigkeiten kein günstiges Zeugnis ausstellen, erkürte ihn die Mehrheit der ersten Abteilung doch aufs neue zu ihrem Vertreter. Der andere typische Vertreter der ersten Abteilung wird durch Herrn Beiß repräsentiert. Selbst die Mitglieder der bürgerlichen Vereine, die, wie die Wahl bewiesen hat, manches zu schlucken ge- wöbut sind, ließen Herrn B e l ß in der zweiten Abteilung glatt durchfallen.„Seine vielfach komisch wirkende Haltung bei wichtigen Fragen im Stadtparlament, die dem Ansehen der gesamten bürgcr- lichen Stadtvenretnng mebr geschadet als genützt hat",„Aeußerungcn dieses Herrn dürften längst nicht mehr Ernst genommen werden", „seine durchaus rückichritiliche Gesinnung auf allen Gebieten, be« sonders auf sozialem Gebiet", mochten eS— nach der Meinung der Mitglieder der Koimmmalbereiile des Nord« und Westbezirks unmöglich, von diesen als Vertreter der zweiten Abteilung gewählt zu werden. Selbst diese Herren, die noch für den WahlrechtSraub sind, ließen ihn bei der Wahl durchfallen. Diese geschilderten Eigeuschaften qualifizierten jedoch den bravm Bürger Beiß dazu, im Rathaus« die Wähler der ersten Klasse zu vertreten. Flugs trat ein anderer Kandidat zurück zugunsten des Herrn Belß nach dessen Durchfall in der zweiten Abteilung— nur damit diese Säule der Rixdorfer Verwaltung nicht verlöre» gebt. Die Eigenschaften des Gewählten gestalten einen Rückschluß auf die Wähler.'_ Ein gefährlich« Fndrikbrand, der leicht großen Umfang hätte annehmen kvunen. brach gestern in der ö. Morgenstunde auf dem Grundstück Jägerstr. 10 ans. Dort befinden sich die Putzfedernfabrik von Brunko, eine große Möbeltischlerei, eine Kunstlvollefabrik und andere Betriebe mehr. Bei Brunke entstand nun aus noch un« aufgeklärter Ursache ein Feuer. Tie Rixdorfer Feuerwehr rückte gleich in ganzer Stärke mit Dampfspritze, Magirusleiter usw. auS. Sie hatte schwere Arbeit, weil alle Räume schon stark verqualmt waren. Da mit Wasser nichts zu erreichen war, so schütteten die Wehrleute Sand in das Feuer, drangen dann in die Räume ein und warfen die schwelenden und qualmenden Sachen hinaus. So gelang es mit großer Muhe, den Brand, der viele fertige Federn und Stohmaterial vernichtete, auf seinen Herd zu beschränken. Die Aufräumungsarbeitcn dauerten dann noch L'/o Stunden. Ein Baminfall ereignete sich gestern vormittag in der Teupitzer Straße auf dem Neubau des Rixdorfer Elektrizitätswerkes, der zu Gerüchken von einem großen, folgenschweren Unglück, bei dem mehrere Arbeiter ums Leben gekommen seien. Veranlassung gab. Auf Grund der von uns an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen können wir feststellen, daß sich die Gerüchte zum Glück insofern nicht bcwahlheiten, als bis auf einen Arbeits, der innere Ver- letzungcn davongetragen hat und nach dem Krankenhause ge« schafft wurde, die übrigen Mitbetroffenen teils mit leichten Haut- abschürfungen, teils mit dem Schreck davongekommen sind. DaS Unglück ereignete sich in der Weise, daß eine Betonbühne einstürzte und die dort beschäftigten Arbeiter mit hinunterriß. Die Bau- kommission sowie die Baupolizei haben die Unfallstelle besichtigt und den Tatbestand festgestellt. Ob die SicherheitSmaßrcgeln nicht genügend beachtet waren. oder ob ein unabwendbares Ereignis vorliegt, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Britz. AuS der Gemeindevertretung. Zur Herstellung von KanalisationS- leitungen in der RungiuSstraße zwischen Hannemann- und Franz- Körner-Straße wurden 20 000 M. bewilligt. Alsdann wurde der Erlaß ein« neuen Freibankordnung vom Vorsitzenden bekannt ge- geben. Herr Reninann wünschte mit Rücksicht auf einen schnelleren Verkauf des Fleisches die Freibank mehr nach der Rixdorfer Grenze verlegt. Es wurde der Erlaß genehmigt und die Kommission um geeignete Vorschläge ersucht. Annahme fand auch der Erlaß einer neuen Biersteuerordnung. Vom Inkrafttreten bis zum 1. Oktober 1915 soll für daS Hektoliter Dünubier bis 05 Pf., nachdem 30 Pf. erhoben werden. Der Erlaß einer neiien Umsatzsteuer wurde eben» falls genehmigt. Hiernach(ollen Beräußerer und Verkäufer gleich- mäßig belastet werden. Eine einmalige Ehrengabe für die Kriegs- Veteranen, welche mindestens ein Jabr in Britz wohnen und nicht mit Zuchthaus bestraft sind, soll laut Be- sckiluß der Vertretung bei einem Einkonrmen ViS 000 M. 36 M., bis 900 M. 30 M., bis 1200 M. 25 M. und bis 1500 M. 20 M. betragen. Ferner wurde für die Lehrpersonen vom 1. April 1011 ab eine erhöhte Mietsentschädigung bewilligt. Der Etat wird hier« durch um eine M-hrauSgabe von 3553,14 M. erhöht. Der Erhöhung des Betriebsfonds der Gemeindekasse von 44 000 auf 04 000 M. wurde zugestimmt. Alsdann wurde bekannt gegeben, daß die Firma Riedel, Mariendorf, Hierselbst auf einem Gelände von 32 Morgen eine chemische Fabrik errichten will, welches mit niedrigen Gebäuden besetzt werden soll. Gedacht ist die Straße an, Hafen mit Ver- bindung der Mittenwalder Bahn. Es sollen hier 000 Arbeiter mit wöchemlicher Löhnung und 250 mit monatlicher Löhnung, in Summa 850 Personen beschäftigt werden. Fern« bat die Gemeinde eine Anleihe von 850 000 M. zu 4 Proz. Zinsfuß aufzunehmen. Das Mathessche Grundstück ist durch ZwangSenteignungSverfahren von der Gemeinde erworben. Lichtenberg. Stadiverordnetenwahl. Am 14. November haben die Wähler der dritten Abteilung des 13. Bezirks«ine Ersatzwahl für den ver» zogenen Stadtverordneten Franke vorzunehmen. Natürlich versuchen die Grundbesitzervereine auch diesmal wieder«inen Kandidaten durchzudrücken, der mit ihnen am Strangs der Gonderintereffen zieht. Dafür bezahlen die Gutsituierten ja auch die Wahlkosten. In den letzten Versammlungen der HauSbesitzervereine wurden für die kürzlich im 14. Bezirk vorgenommene Ersatzwahl je 40 und 30 M. Wahlunkosten bewilligt I Dafür verlangt man selbstverständlich Gegen» leistungen. Diesmal muß aber das einzige Mandat, das die Grundstücks« spokulantengruppe von der dritten Abteilung bisher noch im Besitz hat, von der Sozialdemokratir erobert werden. Wie notwcnvig das ist, dafür liegen gerade jetzt wieder zwei charakteristische Fälle vor. Aus Sonderinteressen verhindern die Grundstücksspekulanten eine Vereinigung mit Rummelöburg; was vom Standpunkt« des AllgemeinintereffeS aber noch viel wichtiger ist: dieselben Leute ver« hindern auch den Erwerb eine« großen TerrainS, das der Gemeinde es ermöglichen konnte, billige Arbeiterwohnungen zu erbauen. DaS darf natürlich nicht geschehen, die Hochhaltung der Wohnungsmieten und GruiidsiückSpreise ist ja die Hauptsorge der Interessenten. Gegen diese Wirtschaft muß entschieden protestiert werden. DaS geschaht am besten durch zahlreiche Wahlbeteiligung und Stimmabgabe für unseren Kandidaten. Genossen Ellas. Genossen, sorgt dafür, daß kein Mann der Wahlurne fernbleibt und sorgt auch für starken Besuch der am Sonntag mittag« 12 Uhr bei Scheider, Gudrunstr. 1, stattfindenden Versammlung. Zum 13. Bezirk gehören folgende Straßen: ErziehungShau», Frankfurter Chaussee 88—99, Freyastraße und Platz, Gernolstcäße, Gudrunstraße, Guntherstraß«. Hagenstraße, HubertuSpraße, Kriemhild« ftraße, Siegfriedstraße, Volker» und Wotanstraße. Pankow. Uebcr Mt vev-rßehtude StwerbegcrlchiZwahl referierte Genosse Hartmann am Montag in einer öffentlichen Gewerkichafts- Versammlung bei Roczickn Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage erstattete Geoosie H i l s e den Bericht der letzten zwei Jahre. ES wurden im Jahre 1900 234 Klagen anhängig gemacht, da- von 3 von Arbeitgebern, 26l von Arbeitnehmern. Sitzungen fanden 33 statt, davon 8 mit Neisitzem. Durch Vergleich wurden erledigt 39, durch Zurücknahme 41, Anerkenntnis 8, Versäumnisurteil SS, andere Endurteile 46, durch Nichterscheinen der Parteien 17, un- erledigt 24 Klagen. In den durch Endurteil erledigten Klagen er- folgte Verurteilung nach dem Klageanträge in 22 Fällen, teilweise Verurteilung in 3. Klageol'weisung in 18 Fällen. Von sämtlichen Klagen entfielen aus däs Baugewerbe allein 138 Klagen. In der lebhaften Diskussion wurde de» Ausführungen des Referenten sowie dem Berich» des Genossen Hilse allseitig zugestimmt. Bedauert wurde, dah viele Parteigenosien, welche als Arbeitgeber in Betracht kamen, sich nicht in die Wählerliste haben eintrage» lassen. Als Kandidaten der Ardeitgeber wurden die Genossen Georg E i ch l e r, Otto Rissmann und Johannes H i r s ä, m e i e r; und als Kandidaten der Arbeitnehmer die Genossen Karl B ölt er, Putzer; Max S t e e g e r, Zimmerer; Artur N e u m a n n, Brauer, nominiert. Nach Erledigung einiger örtlicher Angelegenheiten, und den, Hinweis an die Versammelten, bei der am lö. November stattfindenden Wahl ihre Schuldigkeit zu tun, damit unsere Kandidaten mit grosser Mehrheit gewählt werden, erfolgte Schluss der Versammlung. Köpenick. Bei den Stadtverordnetenwahle» für die zweite Mteilung, die am Donnerstag stattfanden, wurde in dem einen Bezirk der bürger» liche Kandidat Lucht gewählt, während in dem andern Bezirk zwischen den bürgerlichen Kandidaten R o h r b e ck und Rogge und unseren Genossen L i e t s ch e und Nickel Stichwahl statt- zusinden hat. Die Wahlbeteiligung betrug 70 Prozent der ein- geschriebenen Wähler. Der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie beziffert sich auf rund 100. In der Wahl für die erste Abteilung, an der sich unsere Genossen zum erstenmal beteiligten, wurden für die Sozialdemokratie neun Stimmen abgegeben. J«gendvcranstalt»ngen. Schöneverg. Heute abend Punkts'/, Uhr, bei Groller, Marlin-Lulher- Strasse SO, dritter Vortrag über„Einsührung in die moderne GescllschajtS. lehre". Der AuSschuh. Lichtenberg-Friedrichsselde. Am Sonnabend, den 12. d. M.. ver- anstaltel der üugendausschuss in Franz BubeS Festsaal tn Friedrichsseide, Prinzenallee 20, einen Reuterabend. Die Festrede hat Herr Wilhelm Holzmeier-Bremen übernommen, die Rezilaiwncn Herr Wilh. Burr. Ansang 6'lt Uhr. Billett 10 Pf. Hud aller(ftelt Das Hochwasser. Di« Mosel ist in der letzten Nacht um 153 Zentimeter gestiegen. Die Moselkleinbahn Trier— Bullay musste bei Andel den Betrieb unterbrechen, da das Wasser die Gleise überflutete. Bei P e l m in der Eifel drang daö Hochwasser in die Neubauanlage der Bahn ein und zerstörte sie teilweise. Ein Bauzug wurde vom Wasser umgeworfen, wobei Wagen und Lokomotive schwer be- schädigt wurden. Auch das Hochwasser dcS R h e i» S ist weiter im Steigen begriffen. Bei Mannheim ist der Rhein in der letzlen Nacht von 4,42 Meter auf 6,64 Meter gestiegen. Der Wasterstand des Neckars stieg bei Mannheim in den letzten 24 Stunden von 4,44 aus 3.08 Meter. Schwere Explosion auf eknem Schfesiplatze. In den letzten Tagen wurden auf dem Schiessptatze in BraSschaet in Holland Schiehversuche mit einer neuen Granate vorgenommen. Eine? dieser Geschosse, da» abgefeuert worden aber nicht explodiert war, wurde am Mittwoch ausgegraben, um in Gegenwart eines Ingenieurs der Firma, die die Granaten geliefert halte, geöffnet zu werden. Diese Operation erfolgte in Gegenwart eines Artillerie» Unteroffiziers, eines Artilleristen und dreier Arbeiter in einem Schuppen. Plötzlich erfolgte eine furchtbare Explosion. Der Schuppen wurde vollständig zerstört und eine Mauer eine? von einem Beamten bewohnten anstohenden Hanfes eingedrückt. Soldaten eilten sofort zu der Unfallstelle und entdeckten vier Leichen, nämlich die der drei Arbeiter sowie die des Artilleristen. Die Leichen waren furcht- bar verstümmelt. Schwer verletzt wurden ausserdem die Gattin und da? fünfjährige Kind des erwähnten Be- amten, dessen Wohnung t e i l Iv e i f e eingestürzt ist. Ihre Verletzungen sind so schiver, dass sie kaum mit dem Leben davon- kommen dürften. Auch ein Oberst und ein Leutnant sind durch Granatsplitter leichter verletzt worden. Die explodierte Granate hatte ein Gewicht von 230 Kilogramm. Leichenteile sind 200 Meter weit in den Wald geschleudert worden. Bis jetzt konnte noch nicht festgestellt werde«, ans welche Ursachen die Explosion zurückzuführen ist. Wenn Schutzleute schieben. In der vergangenen Nacht wurde ein Kriminalschutz- mann zur Schlichtung eines Wirtshausstreite« in Oberhousen sRbeinland) herbeigerufen. Als er mit dem Messer bedroht wurde, gab er drei Schüsse ob. Bon diesen traf einer versehentlich den ihm zu Hilfe eilenden An st reicher Overmann in den Kopf; Overmann war sofort tot. Die beiden anderen Schüsse des Beamten trafen den Arbeiter Busch, der das Messer gezogen hatte, in den Kopf; er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht._ Eine furchtbare Familientragödie hat sich in vergangener Nacht in Dresden, Recknitzsirasse 3, ab- gelpielt. Die Kellnerehekrau R. Zuber, die einen 7jährigen»in- ehelichen Knaben besoss, batte diesen fortgesetzt derart miss- handelt, dah von den Hansbewobnern Anzeige erstattet worden war. Als Mittwoch nachmittag eine Dame des FürsorgeamteS bei der Zuber revidierte und ihr lieftige Vorwürfe machte, ergriff die Rabenmutter, nachdein sich die Dame entfernt hatte, den Revolver ihres Mannes und tötete den Knaben durch einen Schnss in den Mund, während sie sich selbst eine Kugel in die Stirn jagte. Erst nachts, nachdem der Kellner in seine Wohnung zurück« gekehrt war, wurden Mutter und Kind in ihrem Blute schwimmend ousgefunden. Der Knabe war tot, die Frau atmete noch, doch ist ihr Zustand hoffnungslos._ Der Bock als Gärtner. Der Inspektor G i l l h o f des.Rettungs' hauseS GehlSdorf in Rostock ist flüchtig geworden. Sein plötzliche» Verschwinden wurde veranlasst durch eine Strafanzeige, die gegen ihn wegen sitticher Verfehlungen erstattet wurde. Der Inspektor wird beschuldigt, sich an verschiedenen Knaben, die in der Anstalt untergebracht sind,.schw«r vergangen zu haben. Gillhof ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Kleine Notizen. Auf der Zeche Moni CeniS bei Herne wurden zwei Häuer von plötzlich niedergehenden Gesteinsmassen verschüttet. Einer der Verschütteten, Vaier von vier Kindern, konnte nur als Leiche geborgen werden. Sein Kamerad erlitt schwere Verletzungen. Attentat imf einen Arbeiterzug. Auf einen Arbeiterzug, der zwischen Pforzheim und Mublacker verkehrt, wurde während der Fabrt ein scharfer Schuss abgegeben. Ein Goldarbeiter wurde dadurch an, Hinterkopf« schwer verletzt, ein zweiler Arbeiter ist leichter verletzt worden. Der Fünfmaster„Preußen" liegt noch immer auf den Klippen bei Dover. Der Teil der Besatzung, der am Dienstag an Land ge- gangen war, hat sich wieder an Bord begeben. Ein heftiger Sturm wütete am Donnerstag in Genua und Eivitavecchia in Italien. An den Häusern wurden mehrfache Beschädigungen angerichtet. Während des Sturmes wurde ein Segel- schiff so heftig gegen das Ufer geschleudert, dah es scheiterte. DerKapitän' und drei Mann der Besatzung sind dabeiertrunken. Durch scheu gewordene Pferde wurde ein Postwagen in der Nähe von Gueva« in Spanien gegen eine Mauer geschleudert. Vier Reisende wurden getötet und neun verwundet. Cm srlcdigend. Fische: Zusuhr»lässig, Geschäft etwa» lebhafter, Preise weil er anziehend. Lull er»nd Käse: Geschäft ruhig, Prelle fast unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reist»- lich, Gefchäft andauernd still, Blumenkohl unverkäuslich, Preise nachgebend. SSasserslandS-Nachrtchte» der LandeSanstali sür Gewässerkunde, mtlgetelll vom Berline» Welte» bureait. Sasferlland Hemel, Tilstt P r e g e l, Justerbitrg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor , Krosien , Franliurt Warthe, Schrimm , Lands berg Netze, vorbamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Soreinberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliantau , Kaub , Köln N e ck a r. Heilbronn Main. Werthetm Motel. Trier am 9.11. 80 68 84 140 83 70 509 316 437 195 258 414 l-lt 8.11. oni') -1-38 0 0 0 —4 +65 +14 +20 -4-8 +88 +75 +14 +21 •)+ bedeutet Wuchs,— Fall.») Unterpegel. Nach tclegraphischcr Meldung ist die Oder bei Nalibor bis heute»in 7 Ubr früh aus 347 cm gefallen. Ihren höchste» Wasserstand bei Beleg erreichte sie zwischen gestern abend um 9 Uhr und heute früh um 1 Uhr mit 4S0 cm. Oberrhein, Neckar und Mosel haben Hochwasser, am meisten die Mosel, die heute morgen zwiichcn 7 und 8 Uhr am Pegel Trier aus 574 cm stieg»nd das Miltelhochwasser von 1896 bis 1905 um 134 cm, die AususerungShöhe um 225 cm überschritten hat. womit sie aber noch um mehr als 2'/« m unter dem höchsten bekannten eisfreien Wasser- stände war. ZliiizllteiiiM�Ii.Mvei'eiii kSf 6o» UerlinerReiebstaaswabllreis. ©ärltitcr Viertel. Bezirk 162. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Genosse, der Zahn- tünstler Alfred Faastmann Waldemarstrasse 49 gestorben ist. Ehre seinem Andenke« 1 Die Beerdigung findet heute. Freitag, den II. November,»ach« mittags S Uhr, von der Leichen- Halle des Thomas- Kirchhofs. Hcrmannstrasse. aus statt. Der Vorstand „Berliner Kelter- Railfalirer-Ffireiir Mitglied de« Arbeite» Radiabrcr-Bimde« .«»lidarttSt". Sämtliche Tonren am Sonn- tag, den 13. November, falle» wegen der Gcwerbegerichts- wähl au». MT* Die Genossen werde« dringend ersucht, sich mit de« Rade am IS., frah 8 Übe. im GeweekschafeShanse. Engel- ufer 46. einznfinde«.-M» 8. Abt.- Heute abend S's, Uhr. findet eine ausserordentliche Abtei» lungisttzung(Saal 11). Im Gewerk- lchasUhaust. Engelus-c 15 statt. GigSI'kttgN jjnj unUr alten 2 Pfg. Märkw «in besonderer Typ. Sie sind es deswegen, weil ihre Qualitäten ganz aus dem Rahmen der meisten Durchschnitts-Fabrikate fallen, die sie In allen Eigenschaften erstklassiger Ctearetten weit Qberragen.. iosettl Juno m. u. o. M. 10 St 20 Pf}, Betrifft Herren urslche(ich«Icgonl klüiion um) doch beim Einkouf sparen wollen. Wir empfehlen aus unterer Abteilung lertige Herrengareerohe: Oe- leKenhelUkäuicin Wlnterpalctot«, UloUr und Anxügen. Dies« Stucke sind lum Teil aus feinsten MaBsloffen uefertigt(mit bleppfulter, auch aul Seide gclüttcist, für jeden Herrn passend am Lager, u. a.: Serie I Serie 11 Serie III Serie IV Winterpaletots. 10.- 14.-18.- 22.- et Ulster engl. 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Sonnabend, abend? 8 Uhr: Der Dnmnikopt'. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Hebert nnd Bertram. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 3 Uhr: �Prinr Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5»Akten v. H. v. Kleist. End- 10-/« Uhr. Sonnabend, abends 3 Uhr: Frinr Friedrich von Homburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Fxment. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Liebe wacht. LICHT- SPIELE Mozartsaal— Nollendorfplatz Premiere. DAUER VORSTELLUNG 6—11 UHR. Morgen, Sonnabend, 7 Uhr; SrSffmtna des Excelsior Lichtspielhaus Rixdorf, Passage, Bergstr. CLOU Mauersfr. 82— Zimmerstr. 90/91 Berliner Sonzerihaas Täglich 8 Uhr:■- Gastspiel v. Mitgl. d. Mailänder Scala'Orchesters 66 KUnatler. Dirig.: Egisto Tango 16 Solisten. An allen Wochentagen nachm.; Grolles Promenaden-Frei-Konrert. .oX,.chUh«s4 Ch KurfOrstendamm 151 Sonnabend, den 12. November GeselBschafts- Abend. ! Elite-Programm, 1. Beginn 8 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Professor Dr. Ph. Bockenheimer: Erinnerungen an meine Reise„Rund um Asien" im Jahre 1908. Hörsaal 8 Uhr: Vortrag vom Stiftungsfonds der Berliner Ge Werbeausstellung 1879. Berliner Volksoper BellcAlliancestr. 7/8. '/,» Uhr: Teil. I0SE=THEATE| Gruße Franlsurter Str. 132. Aus. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Die Räuber. Trauerspiel in 6 Akten von Schiller. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Rot- käppchcn. 8 Uhr: Fritz Reuter. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Ver- schwörung der Frauen. Abends 8 U.: Die Räuber. Ab 8 Uhr: 10 neue Attraktionen 10 Mn Colonel Bordeverry, der beste Kunstschütze der Welt. Walter lStciuci?, Humorist. 10 Ubr: Mizzl Wirth in ihrem 8W" FrancnrUtHel."Mw c Kfctropol' Theater. Hurra! Wir leben noch! Grosze Ausstattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. B. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. 'Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 038 Novembgr-Bniipmifl ein großer Erfolg! Jdette Bremonval Etoila Parisienne Herlein Lafory amerik. Säng. v. d. gr. Op. 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November 1910: B STIFTUNGSFEST B in den Lokalen Kellers Festsälen, Koppenstraße 29, unter Mitwirkung des„Berliner Ulk-Trio", des Gesangvereins„LlbertA" und Mitgliedern des Turnvereins ,, Fichte", Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, unter Mitwirkung des„Berliner Humor-Quartetts", des Männerchors „Vornttrts" und Mitgliedern des Turnvereins„Fichto". 222/2* :; Billetts a 25 Pf.;: 1 In beiden Vnnvaid, Tqmt 1 Kassenerötfnung 3 Uhr. an der Kasse 30 PL| Lokalen nüIUCl I und 1 dilA. j Anfang 5 Uhr.:::: Tischler-Wei'ein zu Berlin E.B.88. Sonnabend, den 12. Xovember, in KUems Fcststtlcn, Haseuheide 13/15(gr. Saal): * 39. Stiftungsfest« Konzert, Soiree der Schmidt-Engelmann-Sänger u. Ball. — Eintritt 30 Pf.= 199/8 �Freunde und Gönner des Vereins ladet ein Der Torstand. »W-MMW'MMWKWD-'M, Volks-Lieäersaal Tiergnrtenhof. Bahnh. Tierg. Wir nnaen: Freitag, den tt. tiovemher. 8'/, Uhr: Vpsr und Lisä! Ureter xernlsehter.Abend. Saalplatz 56 Pf.(res. 1 M.). SC. Werth eun, Bote u. Bock. den 11. November, abends 7st, Uhr: Die graste AuSstattungs-Palltomime Her groks toup 9-/, Her der 9'/, Uhr Schmuggler Vorher: DaS phänomenale Programm. Apachen zu»Pferde, ger. von Frl. Dora Schumann und Herrn Karl Hess. Mim Golem persische Truppe, 12 Personen Hohe Schule, geritten im Herren» sattel Frl. Bapti&td, Mr. Alb. Pearson. Alt-Boabit 47/48. Sonntag, den 13. November: Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 4 Aufz. von G. OhneL Philippe Derblay: Dir. Hans Reitz. Kassenerössn. 6'/, Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tatiiz. Moritzplatz BuKsenbagren Hasenheide Unions- Braneret Die beiden TrefiTpimkie füp Tankende Polles Caprice. Abends 8 Uhr: Der Frldwebelhugtl Ein Akt in Schnurren von Hengstler und Soda Soda. Bnnter Teil. Hotel xur Jungfrau, Touriilenposse von Salyr. Susvk.! Freitag, II. tlov, ah.?'/, Ulir:I Oala-Abcnd. Grolle Sensation erregen die tollkühnen Produktionen der Adones Brothers am freistehenden Mast In Höhe von 76 FnS bisher noch nie gezeigt! 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November 1910. Soziales. Der Magistrat gegen Ortskrankenkasiea. Boa» Statistischen Amt der Stadt Berlin ausgegebene Zähl- karten waren zur Ausfüllung cm die Krankenkassen gegangen. Es handelte sich um die Aufnahme einer Statistik für das Jahr 1909. »für jeden Betrieb, der am 1. Januar 1999 mindestens 25 versicherungspflichtige Personen beschäftigt, sollte je eine Karte ausgefüllt werden. Jeden Monat sollte darauf die Zahl der im Betriebe bc- schärtigten Personen vermerkt werden, mit einer Trennung zwischen männlichen und weiblichen. Ferner, wieviel männliche und wieviel weibliche davon erwerbsunfähig krank seien. 249 Kassen füllten� die Karten aus. Der Borstand der Ortskrankenkasse für das Wäsche- gewerbe weigerte sich jedoch. Der Magistrat als Aufsichtsbehörde erließ darauf an die Kasse eilte Verfügung, worin er dem Vorsmnd aufgal, einem Bureaugehilfen des Magistrats Einsicht in die Kassenbücher zu gewähren, damit dieser die Zählkarten ausfüllen könne. Der Magistrat berief sich auf 8 45 Absatz 2 des Krankender- sicherungsgesetzes, wonach die Aufsichtsbehörde befugt ist, von allen Verhandlungen, Büchern und Rechnungen der Kasse Einsicht zu nehmen und die Kasse zu revidieren. Der Kasscnvorstand erhob Klage mit dem Antrage, der Be- zirksausschutz möge die Verfügung als gesetzwidrig aufheben. U. a. bemerkte der Vorstand, daß den Arbeitgebermitgliedern der Kasse daran liegen müsse, die Arbeitsverhältnisse in ihren Betrieben nicht öffentlich bekannt werden zu lassen. Der Bezirksausschus» hob die Verfügung des Magistrats auf nnd führte aus: Der vom Magistrat für seine Versügüng heran- gezogene Absatz 2 des§ 45 sei nur eine nähere Bestimmung des im Absatz 1 desselben Paragraphen festgelegten Aufsichtsrechts der Aufsichtsbehörde, die danach zu überwachen hat„die Befolgung der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften." Somit könne die Ein- sichtnahme von allen Verhandlungen, Büchern und Rechnungen der Kasse durch die Aufficbtsbehorde nur für Aufsichtszwecke verlangt werden. Darum handle es sich hier aber nicht. Der Magistrat habe zugegeben,'daß die Anordnung zur Durchführung statistischer Er- Hebungen ergangen sei. Wenn der Magistrat erklärt habe, daß er häufig zu gutachtlichen Berichten oder gesetzgeberischen Vor- schlagen ausgcfordert werde und daß er auch deshalb die Anord- nung erlassen habe, so sei das nicht eine Erfüllung der gesetzlichen Aufsichtspflicht. Der Magistrat legte Revision ein und machte geltend, der Ma- gistrat sei bei Aufstellung der Statistik durch das Städtische sta- tistische Amt von dem Bestreben geleitet worden, über bestimmte Verhältnisse Aufklärung zu verschaffen. Die Aufsichtsbehörde müsse Material sammeln, um dies eventuell zugunsten der Kassen zu verwerten. Auch dieser Zweck sei mit der Statistik und ihrer Durch- führung verfolgt worden. Der Vertreter der Kasse betonte demgegenüber noch, daß durch Bekanntwerden der Verhältnisse von Firmen der Wäschebranche diese geschädigt werden könnten, was wieder die Gründung von Betriebskassen fördere. Dadurch würde die Zwangskasse, wie Klä- gerin sei, geschädigt werden. Das Lbervcrwaltungsgericht bestätigte die Vorentscheidung mit folgender Begründung: Mit Recht sei der Bezirksausschuß davon ausgeMngen, daß der ganze§ 45 des Gesetzes nur von der Auf- ficht handle, der Absatz 2 also auch nur«ine nähere Umschreibung des Aussichtsrechts gebe und demzufolge nur zur Durchführung dieses Rechts die Einsichtnahme„von allen Verhandlungen, Büchern und Rechnungen der Kasse" verlangt werden könne. Der Senat stehe nun auf dem Standpunkt, daß die Selbswevwaltung der Kassen nur auf dem im Gesetz ausdrücklich beschränkten Wege bc- schränkt werden solle. Dies« Bestimmungen müßten also eng aus- gelegt werden. Hier liege nun klar zutage, daß die Anordnung des Magistrats nicht der Ausübung des Aufsichtsrechts aus 8 45 dienen solle, sondern zu andern Zwecken. Dazu habe die Aufsichts- behörde kein Recht. Daö rechtfertigte die Aufhebung der Verfügung durch den Vorderrichter._ Aus dem Ausschuß des Berliner KaufmannSgerichts. Der Ausschuß beschäftigte sich in seiner Sitzung am 9. Novem- der mit einem Antrage der Freien Vereinigung der Kaufmanns- gerichtsbeisitzer von Berlin und Umgegend(Handlungsgehilfen). Dieser begehrt vom Reichsjustizamt die Vorlegung einer Handels- gesetzbuchsnovelle, in der mit zwingender Kraft die Aushändigung einer Abschrift der schriftlich getroffenen Vereinbarungen über das Anstellungsverhältnis an den Handlungsgehilfen und ferner die Kündigung von der Einhaltung der Schriftform abhängig gemacht wird. Von einem Teile der Kaufleutebeisitzer wurde geltend ge- macht, diese Bestimmungen seien nicht von so weittragender Be- deuturg, daß sie eine Aenderung des Handelsgesetzes rechtfertigten. Von säten der Gehilfenbeisitzer wurde dem entgegengetreten und ausgeführt: Die Form der Anstellungsverträge ist heute so vcr- klausuicrt und paragraphcnreich, daß es dem Handlungsgehilfen nicht nöglich sei, bei einmaligem Durchlesen derselben diese in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen. Es müsse daher gefordert werden daß ein Exemplar des Vertrages dem Gehilfen übergeben werde, damit er vor Abschluß des Vertrages sich genau informieren könne, was er unterschreibe und außerdem zu jeder Zeit in der Lage sä, nachzuprüfen, mit welchen Bestimmungen er sich einver- standen erklärt hat. Der die Aushändigung des Ver- träges betr. Antrag wurde in folgender Form einstimmig angenonmen:„Sofern schriftliche Vereinbarungen über das Anstellrngsverhältnis getroffen werden, ist dem Handlungsgehilfen vor den Abschluß eine Abschrift mit ausreichender Frist zur Kennt- nisnahne auszuhändigen." Für die S chst iftform der Kün- digung wurde ausgeführt: ein großer Teil der Streitigkeiten zwischer Prinzipalen und Gehilfen drehe sich um die Fortsetzung des Dimstverhältnisses bezw. um die Gültigkeit der einseitig er- folgten Aufkündigung des Vertrages. Die mündliche Form der Kündiging führe sehr häufig zu Mißverständnissen bei beiden Kontraknten. Das werde durch die schriftliche Form der Kündi- gung bqeitigt. Der Antrag gelangte in folgender Fassung zur A n n a> m e:„Eine Kündigung des Dienstverhältnisses muh schrif:lich in unzweideutiger Form erfolgen, widrigenfalls sie unwirksam ist." Für den Antrag stimmten ein Kaufmann und 8 Handlungsgehilfen, dagegen 7 Kaufleute. Der Vorschlag, den Vorschriftn zwingende Kraft zu geben, wurde von den Antrag- stellcrn vorläufig zurückgezogen. Die nächste Sitzung findet am 29. November statt. Vor und nach der Sitzung wurde lebhaft von allen Mitgliedern des Ausschusses dagegen protestiert, daß sich in demselben Hause, in dem die Sitzungen des Ausschusses und die Gerichtssitzungen abgehalten werden, ein öffentliches Vergnügungs- und Konzert- Etablissement befindet. Große Plakate zum Eingang des Gerichts verkünden, daß in dem Hause„Promenadcnkonzerte" stattfinden. Das Ansehen des Gerichts müsse hierunter leiden. Es wurde eine Kommission von 6 Mitglieder gewählt, welche sich beschwcrde- führend an den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung wenden soll, um diesem Uebelstande abzuhelfen. Die Konimission soll auch die noch schwebenden Beschwerden gegen den Magistrat zur Erledigung bringen. Bekanntlich hat der Magistrat auf ver- schieden« Eingaben seitens des Ausschusses bis heute noch nicht einmal geantwortet._ Nichtbezahlte Nachtarbeit. Der Kutscher G. hat 14 Wochen lang bei dem Fuhrhcrrn Wik- Helm Jainbor in der Hannoverschen Straße in Arbeit gestanden. Seine übliche Arbeitszeit erstreckte sich auf die Zeit von 5 Uhr mar- gcns bis abends 8 Uhr, oftmals auch 9 Uhr. Hin und wieder kam es vor, daß zwar bei Tage nicht genügend zu tun war. Doch mußten sich die Kutscher auch dann zur Verfügung halten und um die Pferde kümmern. Aber oftmals, 2 bis 5mal jede Woche, mußten die Kutscher auch nachts arbeiten und zwar jedesmal fünf Stunden. Sie hatten in der Zeit von 12 bis 5 Uhr nachts die eintreffenden Waren nach der Zentralmarkthalle zu befördern. Der Kutscher G. hatte in der kurzen Zeit seiner Beschäftigung allein in 46 Nächten gearbeitet. Aber eine Bezahlung der Nacht- arbeit hat ihm der Arbeitgeber nicht geleistet, obwohl sie ihm zu- gesichert worden sein soll. G. klagte deshalb beim Gewerbegericht auf Bezahlung der in den Nächten geleisteten Arbeitsstunden mit insgesamt 138 M. Der Beklagte bestritt, daß dem Kläger eine besondere Be- zahlung für die Nachtarbeit zugesichert worden sei. Er berief sich auf den vom Kläger unterschriebenen Arbeitsvertrag, der keine beschränkte Arbeitszeit vorsieht, sondern im Gegenteil sagt, die Arbeitszeit ist wie die Arbeit liegt. Der Kläger habe sich also nach diesem Vertrage verpflichtet, die auch erforderliche Nachtarbeit bei einem Wochenlohn von 24 M., der inzwischen auf 89 M. gestiegen ist, zu leisten. Der Beklagte berief sich dafür ferner auf das Zeugnis seiner Ehefrau, die den Kläger engagiert und auch wöchentlich abgelohnt hat. Auch einige Mitarbeiter des Klägers sollten bekunden, daß die Möglichkeit der vom Kläger behaupteten Vereinbarung geradezu ausgeschlossen war. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme gelangte das Gericht zu der Ueberzeugung, daß der Kläger vertraglich verpflichtet war, die bei der Eigenart des Betriebes des Beklagten erforderliche Nachtarbeit ohne Extravergütung zu leisten. Die Klage wurde abgewiesen. Das Urteil ist ein durchaus irriges. Soweit Nachtarbeit und überhaupt übermäßige Arbeit, und zwar unentgeltlich verlangt wird, war der Vertrag gegen die guten Sitten verstoßend und des- halb bereits nichtig. Es mutzte danach angemessene Vergütung ein- treten. Zu demselben Resultat gelangt man bei Auslegung des Vertrages nach den Grundsätzen über Treu und Glauben. Da- nach kann der Ausdruck„Arbeitszeit sei. wie die Arbeit liegt", nur so ausgelegt werden: wie sie bei angemessener Anordnung der Arbeit und Arbeitszeit liegt. Versicherungsanstalten gegen die Landflucht. Welchen Einfluß die Agrarier sich in den so bureaukratisch ver- walteten Versicherungsanstalten gesichert haben, ergibt sich aus den Berichten dieser Anstalten. So jammert der Bericht der Landes- Versicherungsanstalt Ostpreußen über die Landflucht und stellt fest, daß bis Ende 1999 bereits 1 989 126 Ouittungskarten von Abge- wanderten aus der Provinz von fremden Versicherungsanstalten eingegangen sind. Im Jahre 1999 betrug die Zahl der eingcgan- genen Karten sogar 99 849. Der Bericht bemerkt hierzu: Unter den 99 849 Versicherten, von denen Karten 1 ff. aus anderen Anstaltsbczirken hier eingeliefert sind, befinden sich 83 369 Personen im Alter von höchstens 49, 55 248 in solchem von 16 bis 39 Jahren, woraus sich deutlich ergibt, daß die Ab- Wanderung nach dem Westen gerade die jüngsten und leistungs- fähigste» Arbeitskräfte ergreift!! Und wie versucht man nun die Mittel einer LandeSvcrsiche- rungsanstalt für die Zwecke der Agrarier flüssig zu machen? Man beschließt einfach, Gelder„zur Förderung der Seßhaftmachung der Landarbeiter" zu verwenden. Wir finden im vorliegenden Bericht folgende Rubrik: b) zur Förderung der Seßhaftmachung von Landarbeitern: 1. der Provinzialverwaltung der Provinz Ostpreußen zwecks BeWirkung der Einlage für die Landgcscllschaft 2 999 999 M., 2. der LandwirtschastSkammer desgl. 159 999 M., 3. 26 Kreisen deSgl. 789 999 M., in Summa 2 939 999 M. Innerhalb dieser Darlehnsbewilligungen sind neu und von weittragender Bedeutung diejenigen zu b. Die Seßhaftmachung von Landarbeitern erscheint als einziges Mittel, der fortgesetzt steigenden Landslucht Einhalt zu tu«. Zugleich ist sie geeignet, die Wohnungs» und Gefundheitsverhältnisse sowie die ganze wirtschaftliche Lage der Arbeiter zu verbessern, diese wie auch deren Angehörige der heimatlichen Landesversicherungsanstalt zu erhalten und damit auch deren Beitragseinnahmen günstig zu beeinflussen. Die auf die innere Kolonisation gerichteten Bestrebungen des Staats, der Kommunalverbände, Genossenschaften und Privatpersonen will die Ostpreußische Landgesellschaft E. G. m. b. H. zusammenfassen und in einheitliche Bahnen lenken. Ilm aber auch den einzelnen Ausbeutern unter den Agrariern den Bau von Wohnungen für ihre Arbeiter zu ermöglichen und sie so softer au die Scholle zu fesseln, gibt man Darlehen„an ver- fchiedene Besitzer zum Bau von Landarbciterwohnungen" in Höhe von 196 799 M., an Aktiengesellschaften wie Kleinbahnen in Pillkallen und Jnsterburg, Säge- und Hobelwerke Schaak in Mellen uslo. die Summe von 67 999 M. Zum Schein hat man auch an ein- fache Arbeiter, z. B. einem Schmied die Summe von 6999 M. als Hypothek gegeben. Tie Industriearbeiter in Ostpreußen zahlen also ihr« Versicherungsbeiträge, damit den Agrariern billige Arbciterwohnungen für ihre miserabel gelohnten und behandelten Lohnsklaven errichtet werden können, nachdem sie sich von Ge- Währung von freier Wohnung usw. noch größeren Nutzen ver- sprechen. Man gewährt Hungerrcnten weiter, damit die hohen Ueberschüssc für die Agrarier erzielt werden und hat trotzdem die Kühnheit, von dem„Mißbrauch der Krankcnkassengelder" zu faseln._ (Serichtö- Zeitung* Einer Sinnestäuschung zweier Ticrschutzlcrinnen verdankt der Arbeiter Oslovski eine völlig unbegründete Anklage wegen Tierquälerei. Zwei dem Tierschutzverein angehörende Damen haben gegen O. eine Anzeige erstattet und vor Gericht mit größter Bestimmtheit behauptet, O. habe einen großen Bernhar- dincr Hund niit einem großen�Straßcnbesen unmenschlich ge- schlagen und ihn dann in den Stall gebracht. Ganz genau be- schrieben die beiden Damen den Hund. Das flockige Fell, den cha- rakteristischen breiten Bernhardinerkopf, das alles wollen sie niit großer Deutlichkeit gesehen haben. Durch andere Zeugen wurde jedoch festgestellt, daß O. eine Ziege, die ihm entlaufen war, an den Hörnern hielt, sie so in den Stall führen wollte und ihr, als sie sich sträubte, mit einem etwa einen halben Meter langen, einer Flicgenklatsche ähnlichen Instrument einige Schläge versetzte. Dies Instrument haben die beiden Tierschutzlerinnen für einen Straßen- besen angesehen. Vom Schöffengericht wurde O. freigesprochen. Aber die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Gestern in der Strafkammerverhandlung wurde der vorstehende Sachverhalt fest- gestellt. Wieder blieben die beiden Damen aus voller Ueberzeu- gung trotz aller Gegenbeweise dabei, daß der Angeklagte einen Bernhardiner Hund mit einem Straßcnbescn mißhandelt habe. Wieder wurde von anderen Zeugen bekundet, daß es eine Ziege war, die ein paar Schläge mit der Fliegenklatsche erhielt und daß noch nie ein Bernhardiner Hund auf dem betreffenden Grundstück gesehen worden sei. Ter Staatsanwalt nahm hierauf die Be- rufung zurück._ Straßcnordnung gegen Streikposten. Werl er auf der Granitbahn des Bürgersteiges stand und sich auf die Aufforderung eines Sckzutzmannes nicht sogleich entfernte, erhielt der Schmied Piatovski eine polizeiliche Strafverfügung, auf 39 M. lautend. Das Schöffengericht sprach ihn frei, weil es die Uebertretung nicht für erwiesen hielt. Aber die Staatsanwalt- sckzaft läßt einen Streikposten nicht so leicht laufen. Auf ihre Be- rufung hatte gestern die Strafkammer über die Sache zu befinden. Hier führte der Verteidiger Rechtsanwalt Lcffer unter Hinweis auf die Beweisaufnahme aus, daß dem Angeklagten auch in dieser Instanz eine Uebertretung der Straßenordnung nicht nachgewiesen sei, vielmehr habe ihn der Schutzmann lediglich deshalb, weil er Streikposten war, fortgewiesen.— Daß diese Auffassung des Ver- teidigers zutrifft, das kam auch in der Urteilsbegründung zum Ausdruck. Der Schutzmann habe— so sagte der Gerichtsvorsitzende — von seinem Vorgesetzten den Befehl gehabt, jeden Streikposten, der sich vor dem Hause des Schmiedemeisters aufhielt, fortzuwcisen, weil durch deren Anwesenheit eine Störung der Ruhe und Ord» nung zu befürchten gewesen sei. Da der Angeklagte der Aufforde- rung des Schutzmannes nicht Folge leistete, habe er sich strafbar gemacht. Der Angeklagte wurde zu 39 M. verurteilt. Da sage noch einer, daß reichsgesctzlich gewährleistetes Streik- postenstehen nicht bestraft werden kann. An den Borgängen auf dem Wcdding soll auch ein Beamter, der Gefangenenaufseher Theodor Kampf au» Plötzensee beteiligt gewesen sein. Kampf soll an einen der bei dem Schlächtermeister Morgenstern arbeitenden„arbeitswilligen" Ge- sollen herangetreten sein nnd diesen belästigt haben. In dem wci- teren Verlauf soll Kampf dann auch gegen hinzueilende Polizei. bcamtc tätlich geworden sein, sie beschimpft und seiner Verhaftung Widerstand entgegengesetzt haben. Diese Szene soll einen großen Auflauf hervorgerufen und wegen der Bcamtenuniform des K. allgemeines Aufsehen erregt haben. Kampf, der sich zurzeit noch in Untersuchungshaft befindet, hat in Plötzensee wegen seines durch Ueberarbeitung entstandenen Leidens seinen Dienst aufgeben müssen. Er ist in Behandlung mehrerer Aerzte gewesen, ohne jedoch Besserung zu finden. Mit Rücksicht darauf hat Rechtsanwalt Dr. Puppe als Verteidiger des K. einen Antrag auf Haftentlassung. gestellt, zumal weder Fluchtverdacht noch Kollusionsgefahr vorliegt. Ivtttcrunqsudcrslwt vom 19. November llllt». nioraeus«»kir. «latwnen � Seiler B >! KwMembr.!7ö4SW 4 bedeckt Hamburg �7SöWSW 4 bedeckt verlw>757SW- i 2 beitcr zraiits.a M 7K2SO I 1 Dunst München>7K3W! 1 bedeckt Wien 754 WNW 4 Regen wts c?> tili £? m£> «tationen w J-ji a o £3, .f!l Zz 2 "B Settel e« »II 8? *3» Sovaranda 744 D 2 Nebel—3 etersburg 751«SW 2 bedeckt Scillh 755 WNW 4 wolkig .'tterdeei, �762 WSW 3 heiter Paris 1767 SW i 2 ivoltenl— 1 Ii Ii i tSetter«ro<|nafe für Freitag, de» II. November 1910. IcinSwi�'lictÄe.06"'UüIti8 ßEi mäf,iBen östlichen Winden; Berliner Wetterbureau. Menieuloluilied vorteiltiaft für die Itcticr des » Vorwärts". 1 Qfivai-tM« 0 M-5 P p-O �=J . O>- CO ca. * p£k 2° S 1 �~ S S 2 S •• Z ös* 31 Die Wunder der Urwelt und die Sntwicklungsgesehiehte der Srde. Nach den Ergebnissen der neuesten Forschungen bearbeitet und herausgegeben von Gaettav A. Ritter. In klarer, jedermann verständlicher Sprache zieht hier die Schöpfungsgeschichte von den Uranfängen bis zur Gegenwart an uns vorüber. Wir sehen nicht nur den Erdball selbst entstehen, sondern auch die organische Welt, die auf demselben lebt, Pflanzen sowohl wie Tiere sich von den nnvollkommenston organischen Körperchen durch Zeiträume von Jahrmillionen bis zu immer vollkommeneren Gestalten entwickeln, bis sie in dem Menschen, als dem höchstorganisierton und vollendetsten Wesen ihre höchste Schöpfungskraft zeigt.— Was Kopernikus, Kepler, Newton, Kant, Laplace, Alexander v. Humboldt, alle die vielen Forscher als richtig erkannt und zu einem mächtigen Geistesbau zusammengefügt haben, das wird in diesem Buche in großen Zügen entwickelt. Der enorm billige Priimlenpreis oteht In keinem VerhültnlN zu dem Inneren und finßeren Werte dieses liervorragcndcu Werketi. 700 Seiten mit mehr als 500 OriginaMIIastrationen. :: Oanzlelnen-Prachtband:: —— Lexikon-Format.— Das Werk wird zu dem äußerst billigen Preise SIM an die Leser des„Vorwärts" abgegeben. Der Bestellschein ist einzusenden an Willibald Wende's Verlag, Berlin W., lililzow» Straße 31. 3. Ziehung 3. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. November vormittag». Kai die Gewinne Uber:44 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) m 48« 530 35 1 028 198 280 401[500] 664 OSO 88 2160 63 70 556 7!l 700(500] 828[1000] 38 940 3097 106 81«81 420 91«30 786 4265«98 5031 185 877 445 871 6110 298 820 410[8000]«82 7 188 841 498[1000] 699 [JOOO]«19 2 3 788 99 824 52 951 8054 80 144 215 888 [1000] 67 41? 588 98 613[590] 90 705 9088 360 09 418[500] 881 87 10086[500] 97 181 203 172 586 966 11028 226 83 417 620 85 12031 125 56 316 437 88 593 617 891 9? 8 13022[1000] 283[500] 122 623 040[1000] 14111[3000] 62 63 226 Sil 17 81 15078 868 708[500] 80 33 991 16005 19 116 371 199 583 600 1 7253 481<74 919 39 [8000] 81 18337 404 6 72 519[600] 923 77 1 9019 69 74 109[.WO] 108 50 85 612 774 959 20920[1000] 153 71 218[500] 28 958 2 1 016[8000] 225(oOOil| 81 83[1000] 571 646 607 2 2074 711 53 910 M»1 2 3073 230 885 OflJ 088 2 4073 129 148 550 637 25100 212 112 92 607 71 731 2 6292[1000] 866 071 27090 196 211 17 185 016 2 8108 602 8 863 93« 29062 [5001 174 11, 573 987 30111 220 7 2 370 607 3 1 254 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000, 1«u 120 ODO, 2 ZU 100 000. 2 ZU 80000, 2 ZU 70000. 2 ZU«OOCO, 8 zu 50000, 3 zu 40000, 1« ZU 10000. 25 ZU 15000, 71 ZU 10690. III zu 5000, 2089 zu 3000,»231 ZU 1000, 5173 zu 500 3. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss- Lotterie, Ziehung vom 10. November naebmiltaga. Nur die Gewinne Uber 210 Mark sind den beireffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 21« 309 513[10 000]«8» 115« 86 381[500] 72« 52 820 97[lOOO] 2013 95 202 19 337 467 516 72 671 937 3015 227 589 707 813 999 4236 37 90 323 621 5163«3 101 97(3000) 592[lOOO] 757 61 83 99« 0585 7082 90 377 109[-000]«62 801 071[3000] 8017 97 323 720 9 931 163 KS[lOOO] 57 735 10176 769 11031 180 621 848 918 1 2192 94 3«7 668 248 1 3158 677 1 4166 556 812 63 919 1 5008[500] 76 [30001 77 113 244 359 112 555«20 757 63 1 0122 231 99 423 591 927 1 7267 312 57 600 609 800 1 8025 218 368 431 884 40 58[1000] 19012[1000] 113 71[1000] 506 12 [500] 92[500] 702 87[lOOO] 800 18[500] 013 20039 40(500) 104 15 56 522 50 637 713 67 810 999 2 1020 81 811 531[500]«58 809 80 959 2 2033 175 360 66 60« 20 68[ 3000] SSI 942 86[lOOO] 23970 191[8000] 222 70 81 650 900 70 7« 24696 701 16 888 25211 66 flOOO] 803«18 822«7 99 20003 15 509 685 701 829 27185 591 757 810 2 8557«2 702 7 988[1000] 20000 192[SOoj »24 513 861 30808 82 817 971 31161 333 62 119 61 83 811 968 22010 19 50 372 74 511[500] 33007 121 70 93[500] 213 »81 961 87 3 4187 117 3 5 347 75 97[500] 591 767 816 [1000]«63 3 0391 110 611 69 885 953 3 7013 15 179 211 «13 SSI 38111 60 536 3 0021 62 310 153 957 53 40038 388 68 761 911 4 X 810 81 736 879 4 2009 175 136 145 566 762 43099[3000] 310[500] 733 4 4036 195 140 120 587 702 89 887 4 5312[1000] 615 925 39 4 0105 112 41 717 33 919 47164 681 937[1900] 4805«[1000] 105 4 0118 327 611 86 50108 155 81 561 833 54 5 1 083[500] 153[1000] 58» 148 74 702 47 58[1000] 52015[500] 16 1 77 427 790 882 »78 5318» 228 59 78 885 797 54139 58[1000] 82 350 190 105 799 021 5 5336 10 116 582 601 710 873 5 0052 582 189 815 87 83 972 5 7 206 806 512 685 738 932 5 8127 201 (« 58 85 371 857 797 5 0 388[1000] 668 825 964[500] 00125 96 21« 0 1 087 107 526 66« 700 0 2 432 89 504 53 088 241 94 387 519[500] 755[1000] 861»07 64131 15 389 611 46 822 6 5075 46« 7«[1000] 517»1 61»»4 76» 50062[ 3000] 181 533 71! 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