Nr. S67. flbonnementS'ßedindungen: Nboiinemenis. Prtiz pränumeranda: Licrlcljnhrl. S20 Ml. monatl. 1,10 Ml, wSchrnllich Pfg. frei in" Haus. (fitiijcliic Äununct 5 Pfg. Somitaas. nunimct mit iUuflricticr SonntnnZ. Beilage.Die Neue Well' 10 Pia. Pajl- tlboiinemenl: 1,10 Marl pro M o n a i. Eiiigeiragen in die Posi-Zeilunas- Prelsliilc. Unicr Kreuzband für Dcuilchland und Oesterreich. Unaaru L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. BostabonnemenlS ncbmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, Crfditlnt lZzllch außer Itlontagj, 37. Jahrg. Devlinev Volksblntt. �entralorgan der tozialdcmokrati feben parte! Deutfcblanda. DU TnMIonS'Gcbüljp vellllgt für die sechsgefpaltene«olonel- geile oder deren Raum b0 Pfg., für politifchc und gewerkschaftliche Vereins- lind Bersammlungs-Anzeigen SO Pfg. t, Kleine Hnzeigen", das erst-(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellcngeluchc und Schlaf- flellen-Anzeigen das erslc Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen bis S II hr nachmittags in der Srvedilion abgegeben werden. Die Expedition ist bis? Uhr abends Leöffnct. Telegramm. Adresse: „SMialiltiMliraf mrlin", Redaktion: 8 AI. 68, Linden Strasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 13. November 1910. expedition; 8«!. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Zweite, verbeiierte Auflage. Eine Wiederholung war die gestrige Eröffnungssitzung des Moabiter Krawallprozesses— und doch mehr denn eine blohe Wiederholung. Der Inhalt war derselbe wie der der Mittwochsverhandlung— der Kampf um den gesetzlichen Richter —. aber neue Auseinandersetzungen warfen neues Licht auf die Sache. Vor dem Eintritt in die eigentliche Verhandlung erfolgte end- lich der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Abtrennung der An- llage gegen die„Petroleuse", Frau Reinhardt, und auf Entlastung der Leidenden aus der Untersuchungshast. Ter Gcfängnisarzt hält sie allerdings für„haftfähig", aber die Staatsanwaltschaft meint jetzt selber, dah die Kranke nicht imstande sei, zu flüchten. Ter einzige Fehler dieses Antrages ist, datz er erst jetzt gestellt wurde. Tenn über den Zustand der Frau konnte die Staatsanwaltschaft angesichts der Tatsache, daß sie während der ö Wochen der Unter- suchungshaft vom ersten bis zum letzten Tage im Lazarett geweilt hat, doch wahrlich nicht im Zweifel sein. Was heute für die Hast- entlastung zutraf, das lag schon in den ersten Tagen der Haft vor, und man muh es mit dem Verteidiger Dr. Cohn bedauern, daß durch die unnötige Haft der Gesundheitszustand der Frau vcr- schlcchtert worden ist, weil die Staatsanwallschaft, gestützt auf die sachverständigen Gutachten eines Polizcileutnants und mehrerer Schutzleute hin die Frau für eine Simulantin halten zu müssen glaubte. Ter Gerichtshof brauchte sich nicht einmal zur Beratung zurückzuziehen, um den zustimmenden Bcschlust zu fasten. Ten Antrag der Mehrheit der Verteidigung auf Trennung der Anklagen und Verweisung der einzelnen Fälle vor die zuständigen Kammern begründete wiederum mit scharfgeschlifsenen juristischen Argumenten und in einem Vortrag von überzeugender Klarheit Rechtsanwalt Dr. Heinemann. Er konnte feine Begründung jetzt noch weiter ziehen, stc auf Grund der am Sonnabend ergangenen Gerichtsentscheidung in derselben Sache um mehrere schwerwiegende Momente vermehren. Tann wurden von den Verteidigern Dr. Rosenfeld, Th. Liebknecht, Heine, Rosenberg, Dr. Cohn undBahn wieder die Einwände wegen des fehlenden sachlichen Zusammen- Hangs mehrerer Anklagen mit den Moabiter Vorfällen erhoben oder die juristischen Argumente ergänzt. Zwei Verteidiger schloffen sich allerdings diesem Vorgehen nicht an: die Herren Costmann und Ulrich. Was Herr Cotzmann gesagt hat. darf man übergehen. Dagegen darf Herr Ulrich Anspruch auf Beachtung machen. Er ist in diesem Prozeß eine interessante Figur— nicht wegen seiner Persönlichkeit oder als Jurist, sondern weil er ein an schwerem Konflikt der Pflichten Leidender ist. Er mutz Verteidiger fein in einem Prozeß, wo er Ankläger sein möchte. Als Rechtsanwalt mutz er für seinen Klienten, einen Jugendlichen, der eine Laterne zertrümmert haben soll, die Freisprechung oder doch eine möglichst milde Strafe zu erreichen suchen, als anti- femitisch-konservativ-scharfmacherischev Agitator mutz er im Gegen- teil wünschen, daß dieser Angeklagte als ein schwarzer Bösewicht, als ein gefährlicher Revolutionär, als das vcrabschcucnswürdigc Produkt sozialdemokratischer Verhetzung, in specie der„sozialdemokratischen" Jugendbewegung erkannt werde. AlS Verteidiger mutz er im Interesse feines Klienten wünschen, daß dessen Sache abgetrennt werde, damit der junge Mann vor dem Jugendgericht in vielleicht halbstündiger Verhandlung abgeurteilt werden könnte. anstatt nun drei oder vier Wochen auf der Anklagebank sitzen zu müssen, als antisemitisch-koi'servativ-scharfmacherischer Agitator da- gegen mutz er die Verbindung der Anklagen wünschen, damit der große Monster-Aufruhrprozeh zustande kommt und vor den zu- verlässigen Richtern der Lieber-Kammer verhandelt wkfd. Damit der verzweifelnde Schnapsblock, wenn die Lügen über die Vorgänge in Mlwbit nicht mehr ziehen wollen, wenigstens die harten Strafen. die man von der 3. Strafkammer erwartet, als Quasi-BeweiSmittel für die Gefährlichkeit der„Rrrevolution" von Moabit verwenden und daraus einen S�ahlschreck für die Ordnungswähler konstruieren könne. So wird der arme Herr Ulrich zwischen zwei einander widerstreitenden heiligen Pflichten hin- und hergczerrt. Aber heroisch hält der Tapfere in diesem schlveren Kampfe seines Innern Stand und ringt sich zu der juristischen Ueberzeugung durck, daß — die Verbindung der Anklagen gerechtfertigt ist. Eine juristische Ueberzeugung, die so tief ist, daß es Herrn Ulrich ganz unmöglich ist, auch nur ein Wort über die Gründe zu sagen, die ihn zu ihr geführt haben. Rechtsanwalt Heinemann rührte unsanst an dieser wunden Stelle der Ulrichschen Ueberzeugung, aber Herr Ulrich läßt sich nicht ausholen. Genügt es nicht für jeden loyalen Staatsbürger, daß er auf demselben Standpunkt steht wie die hohen Behörden?! Sehr wirkungsvoll wies Rechtsanwalt Dr. Cohn gegenüber den hier schon behandelten Zweckmätzigkeitsgründen der Staats- anwaltschaft und des Gerichts für die Verbindung der Anklagen darauf hin, daß durch die lange Tauer der Verhandlung, die infolge dieser Verbindung eintritt, die auf freien Fuß befindlichen An- geklagten um Lohn und Brot gebracht, in Not und Schulden gc- stürzt werden, daß sie ihre Arbeitsstelle verlieren können. Rück- sichten der Menschlichkeit sollten die Rücksicht aus die Interessen der Anklage überwinden. Tarauf ging der Vertreter der Anklage nicht ein. Herr Erster Staatsanwalt Steinbrecht mühte sich aber um so mehr, die Be- bauptung— Verdächtigung sagte eo— abzuwehren, daß di« Staatsanwaltschaft bestrebt gewesen ist, den Prozeß vor die dritte Strafkammer zu bringen. Daß er gerade vor die zuverlässigen Richter der Kammer Lieber geraten ist, daran ist die StaatSamoalt- schast nach den Versicherungen des Herrn Stcinbrccht jo unschuldig wie ein neugeborenes Kind. 3htr dem Zufall, daß die Voruntcr- suchung im Falle Hagen zuerst abgeschlossen wurde, und daß die Staatsanwaltschaft pflichtgemäß, im Interesse des in Haft sitzenden Angeklagten sofort die Anklage aufsetzte, ist das zuzuschreiben Im Gegensatz zur Mittwochssitzung wandte sich Herr Steinbrecht diesmal mehr der juristischen Seite der Verbindungsfrage zu— er präsentierte ein Reichsgerichtsurteil, das vor Jahren die Re- Vision dreier„Vorwärts" redakteure abwies, die gegen ein ähn liches Verfahren eingelegt wurde. Er mutzte sich aber von den Verteidigern Heine und Dr. Heinemann sofort sagen lassen, datz dieses Urteil zugunsten ihrer Auffassung spreche. Allerdings habe damals das Gericht nach Ansicht des Reichsgerichts das Recht zur Verbindung der drei Fälle gehabt, aber gerade die Erörterungen, die sich daran knüpften, gaben den Anlaß zum Erlaß der Geschästs- anweisung für das Berliner Landgericht I, die solches Verfahren künftig unmöglich machen sollte. Scharf ging Rechtsanwalt Heine auch mit den anderen Verteidigungsgründen des Anklagevertreters ins Gericht. Im einzelnen wies er nach, daß die Staatsanwalt schast schon von Anfang an der Ansicht war, datz die Anklagen verbunden werden müßten, datz sie aber trotzdem Einzelanklagen erhob, angeblich im Interesse der Angeklagten, um das Verfahren zu beschleunigen. Tatsächlich aber hatten die Angeklagten, deren Anklage zuerst fertiggestellt wurde, davon nicht den allergeringsten Nutzen, denn die Verbindung bewirkte, datz sie doch warten mutzten, bis die letzte der 35 Anklagen fertiggestellt war. Bei der Erhebung einer gemeinschaftlichen Anklage hätten die Angeklagten also um keinen Tag länger auf die Verhandlung zu warten brauchen, als so. Aber dann hätte die Anklage allerdings nicht den Namen Hagen und Genossen tragen dürfen, sondern der Name des nach dem Alphabet zuerst kommenden Angeklagten, also Albrecht, hätte zu ihrer Bezeichnung genommen werden müssen, und dann hätte der Prozeß nicht vor die Kammer Lieber, sondern vor eine andere Kammer kommen müssen I So konnte Heine mit vollem Recht er- klären, daß die Darlegungen des Ersten Staatsanwalts durchaus nicht geeignet sind, die Ueberzeugung zu entlrästen, datz der Prozeß mit voller Absicht vor die dritte Kammer gebracht worden ist. Herr Steinbrccht und sein Kollege Staatsanwalt Stelzner versuchten mit vielem Eifer, diese wuchtigen Anklagen zu Wider legen, aber sie erzielten damit nur immer schlagendere Wider lcgungcn der Verteidigung und griffen schließlich zu Argumenten, die man alles andere denn glücklich und überzeugend nennen mutz. So. wenn die Herren versicherten, datz sie erst Wochen nach der Erhebung der Anklage Hagen erfahren haben, datz die 3. Kammer für den Prozeß zuständig sei, daß sie bisher keine dienstlichen Beziehungen zur jtammer Lieber und daher gar keine Ahnung davon hatten, datz diese Kammer im Rufe grosyer Strenge stehe. Daß Herr Stelzner das wundersame Argument wiederholte, welches Herr Steinbrccht schon am ersten Tage vorbrachte, wonach einer der Einzelfälle, der sich weit von Moabit abspielte, deshalb in diesen Prozeß gehöre, weil der betresfende Angeklagte erklärt hatte, er wolle nach Moabit gehen und dort alles entzweischlagen, sei nur nebenbei erwähnt. „Was nicht in den Akten steht, ist nicht vorhanden meint Herr Steinbrccht. In den Akten steht nichts von dem notorischen Ruf der Lieber-Kammer— also haben Herr Stcinbrccht und Herr Stelzner keine Ahnung von diesem Ruf, den alle Welt in Berlin und darüber hinaus kennt. In den Akten steht nichts von der Absicht der Staatsanwaltschaft, den Prozeß vor die Lieber-Kammer zu bringen, also hat eine solche Absicht nicht bestanden. Treffend erwiderte ihm Rechtsanwalt Th. Liebknecht, datz man nicht alles in die Akten schreibt, was vorgeht. Und schlagend war sein Nachweis, datz die Staatsanwaltschaft, deren Eifer, um der An- geklagten willen die Sache zu beschleunigen, allein die Erhebung der Einzelanklage wider Hagen mit allen ihren prozessualen Folgen herbeigeführt haben soll, in einem anderen Falle sich nicht scheute, entgegen den Interessen eines Angeklagten eine erhebliche Verzöge- rung seiner Angelegenheit im Interesse der Anklage zu bewirken. Tie Verteidigung der Staatsanwaltschaft wider diese immer erneuten Vorstöße wurde schwächer und schwächer— aber der Be- schluh des Gerichts war derselbe wie am Mittwoch. Der Antrag der Verteidigung wurde abgelehnt— die Begründung war im großen und ganzen dieselbe wie im ersten Fall. Das gleiche gilt von dem Ablehnungsantrag, den Rechtsanwalt Heine nun wiederum im Namen der Verteidiger(mit Ausnahme Cotzmanns und Ulrichs) stellte. Doch wurde er durch die Ein- beziehung des ursprünglichen Antrags des Verteidiger? Dr. Cohn, der sich auf die ungewöhnliche Härte bei der Verhängung der Untersuchungshaft stützt, erweitert. Hierbei konnte Heine die Tat- fache vortragen, daß mit der bekannten schematischen Begründung, die voraussichtliche Höhe der Strafe begründe den Fluchtverdacht, die Haft über Angeklagte verhängt wurde, für deren Vergehen als Höchststrafe 3 Monat Gefängnis vorgefehen sind. Recytsanwalt Bahn ergänzte den Antrag sodann noch durch den Hinweis auf die gänzlich ungerechtfertigte Vcrhängung der Ordnungsstrafe, die ihm auferlegt wurde. Herr Ulrich fand es nötig, zu erklären, datz sein Klient sich dem Ablehnungsantrag nicht anschlietzt, sondern fest überzeugt ist von der Unparteilichkeit der Kammer. Die Verhandlung wurde sodann auf Montag, 12 Uhr, vertagt. Anerkannt mutz werden, daß der Vorsitzende diesmal die Vcr- Handlung ruhig führte ünd den Verteidigern in ihren Ausdrücken die Freiheit gewährte, die sie brauchen und die ihnen zustehen mutz. KoheitiexzeUe. Knuten Oertel begeistert sich in der„Deutschen Tages- Zeitung" wieder einmal für die Prügelstrafe. Nachdem das edle Organ für Brotwuchcr und Schnapsbentepolitik Wochen- lang tagtäglich nach schärferem Dreinhanen des Polizeisäbels gegen das Proletariat geschrien, eignet sich zur Abwechslung wieder einmal ein brünstiger Schrei nach der Prügelstrafe zu einer frommen SonntagSepistel I Ter Mord am Humboldthafen liefert dem Schwärmer für mittelalterliche Rohcitsexzcsse wieder einmal das Thema zu seinen anmutigen Betrachtungen. Die viehische Roheit der vier an dem eklen Verbrechen beteiligten Burschen will er, wie alle RohcitSverbrechcn überhaupt, durch die Prügelstrafe geahndet Wissen.„Unter das Tier gesunkene Schurken" schrecke iveder Gefängnis noch Zuchthaus, nicht einmal das Schafott, wohl aber empfänden sie„Heidenangst vor ein dring» licher, fühlbarer. Wiederholter Erregung körperlichen Schmerzes." lieber Richtigkeit oder Unrichtigkeit solcher Henkerß- Philosophie wollen Wir mit dem Junkerorgan nicht streiten I Ter spartanische Gesetzgeber Lykurg glaubte durch das gleiche Mittel Unempsindlichkeit gegenüber dem physischen Schmerz zu erzielen! Wie dem aber sei: liegt es denn nicht tausendmal näher, die Ursache der Roheit, der Entartung und damit des Verbrechens zu beseitigen, statt Bestialität mit Bestialität austreiben zu wollen?! Und nichts ist leichter für den S c h c n w 0 l l c n d c u, als die Ursachen deS Verbrechens zu erkennen. Wer verfällt denn dem Verbrechen? Der körperlich und geistig Vcr» w a h r l 0 st e I Die Ursache solcher Verwahrlosung aber ist das soziale Elend! Die Statistik beweist das ja! Mit Gefängnisstrafen, durch die die Erstbestraften erst in die Hoch- schule des Verbrechens geschickt werden, und durch Fürsorge- erziehung älnMicltschin und Blohmcschc Wildnis läßt sich natürlich ebensowenig ausrichten, tvie durch fromme Traktätchen und augenverdrehendc nioralische Salbadereien! Dem Gefallenen mutz energisch die Hand zur Hilfe gereicht werden, während die Unverbesserlichen, pathologisch Belasteten, in Heilanstalten gehören. Vor allen Dingen aber mützte dem Verbrechen im allgenicinen und dem Roheitsverbrechrn im besonderen durch eine soziale Sanierung, durch A 11 s» r 0 t t u n g des sozialen Elends der Nährboden ent- zogen werden, da? sonst allen erzieherischen Palliativmitteln zum Trotz das Verbrechen immer von neuem erzeugen würde. Das sind in Wahrheit die Lehren, die einsichtige und ehrliche Menschen aus Bluttaten ziehen mutzten. Das Blatt für Lebensmittelverteuerung und Fusclvergiftung des Volkes hält cö freilich für wohlfeiler, nach der Knute zu schreien, um aus dem durch die Junkcrpolitik vergifteten Volkskörpcr die Krankheit heraus zu prügeln! Und wenn das Junkerorgan sich deS langen und breiten den Kopf darüber zerbricht. was denn das Verbrechen eigentlich verschulde, die Schundliteratur, die Lustmordliteratur oder was sonst. so möchten wir ihm doch einmal ein etwas gründlicheres Studium der Kriminalstatistik empfehlen. Im Jahre 1907 erfolgten nämlich u. a. folgende Verurteilungen: Einwohner- wegen Unzuckt, wegen gefährl. zahl Notzucht usw. Körperverletzung Berlin. I.. 2040 000 142 20S3 Pommern.., 1634 000 112 2586 Ost-u.Wcslpeutzcn 3 672 000 162 7350 { 5 638000 4*220 922 602 13935 Kathol.) Diese Zahlen bclveiscn, datz daS Verbrechen, speziell daS Roheitsverbrechen, keineswegs ein Spezifikum der „irreligiösen" Großstädte, sondern auch auf dem„gläubigen" Lande sehr verbreitet ist. Sie beweisen. datz Elend, Unwissenheit, Unbildung die Saug- wurzeln des Verbrechens sind! Nftht durch Prügel ist des- halb das Verbrechen zu bekänipfen, sondern durch energische soziale Reformen, d. h. durch Z erbrech ung der schmachvollen reaktionären Junkerherr- schaftl_ flus der lüdchsverildKrungsordnungs- Kommission. Sitzung vom Sonnabend, den 12. November. AIS Fabriken im Sinne der ReichSversichcrungSordnung sollen u. a. solche Betriebe gellen, die gewerbSmätzig Sprengstoffe oder explodierende Gegenstände erzeugen oder verarbeiten. Hinzugefügt wurden noch die Betriebe, die elektrische Kraft erzeugen oder weitergeben. Gcwcrbekrankheitcn. In der eisten Lesung hatten die Sozialdemokraten den Antrag gestelli, datz die Nufallveisicherung auch den Schaden infolge von Gcwerbekrankheiten ersetzen soll. Der Antrag ist mit großer Mehrheit abgelehnt worden. DaS Zentrum kam jetzt zurück auf einen AbscdwäcdungSantrag zu dem sozialdemokratischen Antrag, der in der ersten Lesung»lii kleiner Mehryeit abgelehnt worden ist. ES beantragte, datz der Bundesrat berechtigt sein soll, die Uiisallvcrsiche- rung aus bestimmle gewerbliche BerufSlrankbeilen auszudehnen und dazu besondere Vorschriften zu erlassen. Der Antrag wurde gegen die Stimme» der K 0 n j e r v a t i v e n und Naiionalliberalen angenommen. Unfälle auf dem Wege nach und von der Arbeit. Die Sozialdemokraten wiederholten den Versuch, die Versicherung auf die Unfälle zu erstrecken, die sich aus dem not- wendigen Wege nach und von der Arbeit ereignen. Der Antrag vür�t aBet taicBtt geM die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Erhöhung der Rente entsprechend der Ztrigerung der Arbeitslöhne. Die Sozialdemokraten beantragten, daß für Renten- empfänger der JahresarbeitSverdienst, der der Berechnung der Rente zugrunde gelegt worden ist, in dein Verhältnis erhöhl werden soll, in dem der Durchschnittslohn nach der Aufstellung der Berufs- genoffenschast gestiegen ist. Das soll alle zehn Jahre geschehen. Hiernach ist dann der Betrag der Reute neu festzustellen, Bezeich- nend ist eS, daß sich der A r b e i t e r Vertreter de» Zentrums. Abg. Becker, gegen den Antrag erklärte. Der Antrag ivnrde dann auch gegen die Stimmen der Sozialden, okraten abgelehnt. Die übrigen Anträge waren von geringerer Bedeutung mit Aus- nähme einiger Anträge, die die Leistungen der Versicherung erhöhen wollten. Diese Anträge werden jedoch' bis zum Schlug der zweiten Lesling zurückgestellt, weil die bürgerlichen Parteien erst genau»ab- Wägen" wollen, wieweit sie dabei gehen können. Fortsetzung an, Montag. poUttfcKe CUbcrficbt. Berlin, den 12. November 1910. Hansabund und Sozialdemokratie. Ter Hansabund ist von den Agrariern wiederholt der Be- HiinUissitNg der Sozialdemotvatie beschuldigt worden. Eine kindische Beschuldigung, die von il,ren Verbreitern selbst nicht geglaubt wird; denn der Hairsabund ist der einseitige Vertreter der politischen Interessen des mobilen Kapitals. vorn eh in lichdesHandcls- undBarrkkapitalS. und daß diese Interessen init denen der sozialdemokratlschen Arbeiterschaft übereinstimmen, ver- inag nur ein politischer Idiot zu behaupten. Allerdings richten sich die Bestrebungen des Hansabundcs nicht nur gegen die Arbeiterschaft, sondern zugleich gegen die einseitige Geschäfts- und Profitpolitik der ostckbischen Großagrarier, und da diese Schicht noch die zurzeit mächtigere und vor allen, einsluß- reichere ist, denn ihr steht die ganze Negicrungsinaschincrie zur Berfügung, so richtet sich in den östlichen Gegenden zu- nächst der Hauptangriff des Hansabundcs gegen den Bund der Landwirte und seine Gefolgschaft. Doch wäre es für die Sozialdemokratie höchst gefährlich, wenn sie sich daiibcr täuschen wollte, daß der Hansabund tatsächlich den Kampf gegen zwei Fronten führt und daß, wenn der agrarische Gegner geschwächt rst. alsbald der Vorstoß des Hansabundes gegen die Sozial- demokratie erfolgen wird— vorausgesetzt, daß dann nicht schon der Hansabund seine Stoßkraft infolge der inneren Streitigkeiten zwischen den in ihm vorherrschenden Interessen- gruppen völlig verloren hat. In jenen Gegenden, wo die agrarischen Schichten keine Rolle spielen, wo also der Sozialdemokratie liberale bürger- liche Parteien gegenüberstehen, da nimmt denn auch schon heute der Hansabund gegen die Sozialdemokratie eine scharfe Front- stellung ein und sucht die bürgerlichen Parteien zu bewegen, sich für die nächsten Reichstogswahlen zum Kampf gegen die sozialdemokratische Arbeitersclxrst zu vereinigen. Recht interessant sind in dieser Beziehung einige Bemerkungen, die Herr K n o b> o ch, der Direktor des Hansabundes, in einem Vor- trage, den er am Dienstag über..Neudeutsche Wirtschafts- Politik" in Lübeck hielt, gemacht hat. Der Herr Direktor sagte da unter anderem:„Es geschieht heute keine Reichstags- Wahl mehr, in der nicht der Hansabund vermittelnd und unter- stützend eingreift, damit sich die bürgerlichen Par- teicn au f einen Kandidaten einige n." Und im weiteren Verlaufe führte er aus:„Der Hansabund will nicht bloß gegen die Sozialdemokratie zun, Kampfe aufrufen, sundern er will verhüten, daß der Zuwachs der Sozial- demokratie von Jahr zu Jahr steigt." Tie Leiter des Bundes bezeichnen also die Förderung des Mischmasches zur Bekämpfung der Sozialdemokratie als eine der wichtigsten Aufgaben des Hansabundcs. Mermuth und Tirpitz. Die gestern weitergegebene Meldung der„Deutschen Nachrichten", daß zwischen dem Rcichoschatzsekretär Werninth, dem Staatssekretär dcS ReichSmarineamts v. Tirpitz und dem Kriegsministcr v. Hecringen ein erbitterter Kanips um die Forderungen des neuen ReichshauShaltsetats(1911) statt- gefunden hätten, wird von dem„Verl. Lokal-Anzeiger" offiziös bestritten-- wenigstens was den Admiral v. Tirpitz anbelangt. Ueber die Differenzen zwischen Wermuth und v. Hecringen schweigt vorsichtigerweise das Scherlsche Blatt. Eö schreibt: Wie wir an zuständiger Stelle erfahren, ist diese Nach- richt— soweit die Marine in Betracht kommt— voll und ganz aus der Luft gegriffen. Es find in diesem Jahre bei der Aufstellung des Etat» nicht einmal persönliche Berhand- lungcn zwischen dem Staatssekretär des ReichSmarineamts und dem Staatssekretär Wermuth notwendig geworden, sondern alle Beratungen sind in Sitzungen der Kommissare der beiden Be- Hörden— wie dies den Anordnungen des Reichskanzlers und den Gepflogenheiten entspricht»— zum Abschluß gebracht. Insbesondere ist Erfindung, daß für die Marine eine größere Summe zu Küstenbefestigungen neugefordert sei. Die für diese» Jahr hierfür angesorderte Summe— S,Ü Millionen Marl— ist ein Teilbetrag der Gesamtsumme von 30 Millionen, die 1908 für die Vcrbcsierung der Küstenbefestigungen im ganzen als not- wendig veranschlagt wurde, und von welcher bisher 10.3 Millionen bewilligt worden find, lieber die Höhe gerade dieser Etatö- forderung bestanden überhaupt keine MeinungS- Verschiedenheiten bei den Beratungen zwischen ReichSmarineamt und ReichSschatzamt. Was die angebliche Absicht des Staatssekretärs de? Reichs- Marineamts anbetrifft, im nächsten Jahre seinen Abschied zu nehmen, nachdem der Marineetat seinen höchsten Stand erreicht hat und damit daS Flottcngesetz durchgeführt erscheint, so läßt sich nur sagen, daß sich der Admiral von Tirpitz zurzeit einer besonderen Frische und Gesundheit erfreut und daß er mit leb- haftem Interesse die Borkommnisse bcS öffentlichen Lebens verfolgt. Bon einerAmtSmüdigkeit ist in seiner Umgebung nicht das geringste bekannt. 'Die„zuständige Stelle", von der der„Lokalanz." spricht, dürfte daS Reichsmarineamt selbst sein. Damit ist freilich noch nicht gesagt, daß das Dementi in allen Teilen richtig ist._ Masseusen-Annoncen und Polizeizensur. Als während dcS Bruhn-Prozesses auf die vielen durchsichtigen Masscuscn-Annoncen der„anständigen" Presse hingewiesen wurde. erklärte der Annoneenchef der„Bossischen Zeitung", in der sich dieser Fleischmarkt ebenfalls ziemlich breit macht, daß die vossin nur solche Masieuseninscrate ausnehme, die vom Polizei- Präsidium als unanstößig bezeichnet worden seien. Da sich uiile c den Masseusen-Jnseraien der Bosnn Irotzdem noch eine Unzahl höchst eindeutiger Lockannonccn besauden, erregte die Erklärung des Annonccuchess der„Bossischen Zeitung", daß diese Anzeige» ja gewissermaßen die Polizeizensur passiert hätten, begreiflicherweise den Unwillen der frommen„Kre uzzeitung". Gegen diese moralischen Glossen der„Kreuzzeitung" verwahrt sich hinwiederum daS Berliner Polizeipräsidium durch ein Schreiben an deren Redaktion. Darin wird crllärt, wie denn die Polizei dazu gekommen sei, den unter dem Masscusenschild gehenden Kuppclannoncen gewissermaßen ei» polizeiliche» Reinlichkeits- attest auszustellen. Das komme nämlich daher, daß im August l'lM vom Polizeipräsidium einer Anzahl Zcitungsrcdaltionen ein Schreiben zugegangen sei, wodurch sie vor der Ausnahme der ll'k asseusenannouren gewarnt wurden, da ein Teil derselben nur die Anbahnung unsittlicher Zwecke erstrebe. Die bewußte Förderung derartiger unzüchtiger Verhältnisse durch Auf- nähme von Annoncen werde eventuell strafrechtliche Ver- f o l g u n g nach sich ziehen. Dadurch erschreckt, pflegen nun eine Anzahl von Zeitungen der Kriminalpolizei die bedenklichen An- zeigen vorher zur Prüfung vorzulegen.„Nach Prüfung der Sachlaae" erhielten dann die Zeitungen Mitteilung. Zu einem polizeilichen Verbot der Massagcnannonccn über- Haupt, erklärt die Zuschrift, fehle es an gesetzlichen Handhaben. ES versteht sich von selbst, daß die fromme„KreuzzeUung" mit dieser Erklärung nicht zufrieden ist. Liegt es doch aus der Hand, daß dergestalt die Polizei, natürlich wider ihren Willen, gewisser- maßen zur Schutzpatronin der Masscuscninserate und der die In- serateneinnahme über die journalistischen ReinlichkeitSbedenken stellenden Presse geworden istl Interessant ist dabei auch, daß die Polizeiverwarnung gerade im Jahre 1800 erfolgte, also gerade zur Zeit der Lex H e i n z e- B e st r e b u n g c n! Aber dieser polizeiliche Versuch, den Annoncenteil der Presse von unsittlichen Inseraten zu rei- nigcn, hat schnurrigcrweise gerade dazu geführt, die sittlichen und st r a s r c ch t l i ch e n Bedenken gegen die Auf- nähme solcher Inserate zu beseitigen! Es ist wie bei der Prostitution überhaupt gegangen: durch die Einführung des IleberwachungSsystems ist die Unzucht nicht unterdrückt, sondern im Gegenteil mit dem polizeilichen Erlaub- nisschein ausgestattet worden? Die„Kreuzzeitung" sollte sich also deshalb nicht all zu sehr entrüsten. Die Prostitution, die gewerbliche Unzucht ist nun ein- mal untrennbar voni lapitalistischcn Staat. Und wer weiß, wenn die Masseusenannoncen vollständig aus der Presse verschwänden, ob sie nicht auch mancher Agrarier bei seinem Studium der Reichs- Hauptstadt schmerzlich vermissen würde! livvtt neue Schiesteisen für die Berliner Polizei. Die Berliner Polizei ist nunmehr neu bewaffnet worden. An Stelle der Browningpistolen oder der alten Revolver sind 5000 Exemplare der Dreyscschen Selbstladepistole an die Mann- schaften geliefert worden. Die Browningpistolen werden nur noch von 1000 Beamten geführt. Diese Ncubewaffnung wird einen Kostenaufwand von sicherlich nicht weniger, wenn nicht beträchtlich mehr als 100 000 M. bedingen. Man hätte meinen sollen, daß 1000 Brownings, von den in Menge vorhandenen Revolvern ganz abgesehen, doch wahrhaftig genügt hätten. Aber daS Junkergeheul über die.Revolution in Moabit" hat nun auch einer deutschen Waffenfabrik zu einer so stattlichen Waffenlieferung verholfen! So wenig Geld für kulturelle Zwecke vorhanden ist: für Mili- tariSmuS und Polizeiwesen, für Mordwaffen gegen äußeren und inneren Feind ist immer Geld in Masse vorhanden! Die Rentengutsgründungen der Landbank in Berlin. Man begegnet häufig in den Wartesälen der Bahnhöfe und an anderen allgemein zugänglichen Orten Plakaten, die in den schreiendsten Farben gehalten sind und zur Abwanderung nach dem Osten ermutigen sollen. Mit wenig Kapital soll hier dem kleinen Bauern oder dem Landarbeiter, der sich ein paar Taler erspart hat. Gelegenheit gcboten werden, ein eigenes Heim zu erwerben. Die Wohltäterin, die all das bietet, ist die Landbank in Berlin, die ihrerseits wieder mit der amtlichen General« lominisston in Verbindung steht. Zu den von dieser Bank vorgenommenen Gründungen von Rentengutskolonien gehört auch die Kolonie Z a b i k o w o. Nach einem dem»Berliner Lokal- anzeiger" zugegangenen Bericht haben nun die Ansiedler in einer Versammlung heftige Angriffe gegen die Landbank in Berlin er- hoben. Diese habe die Ansiedler unter allerhand unerfüllbaren Ver- sprechungen aus ihren früheren, meist besseren Berhältnisse» herausgelockt. Etwa dreißig Ansiedler hätten jetzt keine Arbeit. Die Ansiedler seien gezwungen, die Untersiützinig der Polen zu sticken. Der Morgen Land, den die Landbank mit etwa 280 M. bezahlt Hab:, sei den Ansiedlern für 800 bis 1700 Mark verkauft worden. Mit den Gebäuden, die durchschnittlich 2S00 M. gekostet haben, stelle sich der Preis einer Ansiedelung auf etwa 0000 M. Die Baulichkeiten seien nicht nach den baupolizeilichen Vorschriften errichtet, die Landbant verweigere die enlsprcchenden Reparaturen, so daß den Ansiedlern, denen das DistriktZamt jetzt die Beseitigung von Baumängeln auf deren eigene Kosten aufgegeben, ein neuer Kostenaufwand von 400 bis 1000 M. entstehe. Mehr als 100 der angesetzten Kolonisten hätten unter Preisgabe ihrer An- Zahlungen von S00 bis 600 M. die Kolonie ver» lassen, nachdem sie meist ihr Hab und Gut verloren hätten. Die Erschienenen beschlossen, aus gemeiiischaftliche Koste» einen Anwalt mit der wirksamen Vertretung ihrer Interessen zu beaustragen. Bayern öffnet die Grenzen! Die bayerische StaatSregierung hat sich doch endlich be- tvogen gefühlt, das Ergebnis der außerordentlichen Viehzählung zu veröffentlichen, und wie erwartet, ist tatsächlich die Viehhaltung in Bayern zurückgegangen. Die Zahl der Rinder hat zum Beispiel um 210 000 Stück oder 6,4 Proz. abgenommen. Die Zahl der Schafe ist um 97 000 oder 13,2 Proz. seit 1907 zurückgegangen. Mit Rücksicht auf diese ungünstigen Verhältniffe und auf den andauernden hohen Stand der Vieh- und Flcischprcise hat das StaatSministertuni, wie uns tele- graphisch gemeldet wird, Schritte unternommen, um die Einfuhr von Schlachtvieh auS Frankreich nach Bayern zu ermöglichen. Ferner sind Verhandlungen eingeleitet, betreffend Einfuhr von Fleisch aus dem Auslände und betreffs Herbeiführung von Frachtermäßigungcn für die Beförderung gewisser Mastmittel. Auch wurden bei Ux Reichsregierung Schritte getan, um eine Erleichterung der Einfuhr von Schlachtvieh aus Dänemark nach Norddeutschland herbeizuführen. Tie süddeutschen Staatsregiernngen koinnien eine nach der anderen und öffnen in Anbetracht- der steigenden Fleisch- not wenigstens teilweise die Grenzen, doch die vaterländische Regierung des MnsterstaateL Preußen, fühlt sich noch immer nicht veranlaßt, die Einfuhr von Vieh und von argentinischem gekühlten und gefrorenen Fleisch zu gestatten. Höher als die genügende Ernährung der Vollsmassen. steht ihr der Prosit der Großagrarier. Eine Fleischnotinterpellation im Altenburger Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion im Altenburger Landtag hat eine Interpellation eingebracht, in der sie von der StaatSregierung AnSknnftfverlangt über die Schritte, die sie im Bundesrat unter- nomine» hat, um eine Linderung der Fleischnot herbeizuführen und welche Maßnahmen sie ergriffen habe, um im Bereiche des Staat'- gebietes der Fleischnot und Flcischteuerung entgegen zu wirken. Weiter wird sie befragt darüber, ob sie dem Landtage eine Aus- stellung vorlegen wolle über dem Umfang der Schlachtungen in öffentlichen Schlachtanstalten des Herzogtums unter Angab« der Art und der Menge des toten Gewichts der zum Verzehr gebrachten Schlachttiere, mit Angabe des Verkaufspreises für«in Kilogramm Fleisch am Verkaufsorte aus den Zeitraum von 1900 bis 1910. Zwei weitere Punkte der Interpellation gehen dahin, AuSlunft zu erlangen über den Umfang der Tierseuchen im Herzogtum, ihre Ursachen und den durch sie verursachten Schaden. Tie Zlrbeiterfrenndlichkeit des Zentrums. In Aachen hatten im Oktober 1909 die im christlichen Ge- meinde» und Hilfsarbeilcrverband organisierten städtisckcn Arbeiter an die Stadtverwaltung eine Eingabe gerichtet, in der um Ver- besierung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sowie um Errichtung von ArbeiterauSschüfien gebeten wurde. Nachdem 14 Monate ins Land gegangen waren, ohne daß die Gesuchsteller eine Antwort bekommen hatte», protestierteeine Veri ammlung von Gcmeindealbeitern gegen diese Behandlung ihrer Wünsche. Endlich befaßte man sich in der jüngsten Stadtverordnetenversaminlnng damit. DerOberbürgermeister gebrauchte die Ausrede, daß er den Einsender der Eingabe nicht gekannt und sie darum unberücksichtigt gelassen habe. Dann inachte er Aus- führmige», die von scharfmacherischem, arbeiterfeindlichem Geiste ge- tragen waren. Lohnzulagcn gewähre man nicht, 2,50 M. pro Tag für die Arbeiter der Slraßenreinigimg seien genug, denn sie er- hielten diesen Lohn ja eigentlich als Unterstützung: die Ausschüsse lehnte er energisch ab, ebenso die Einmischung fremder Agitatoren. womit ein Beamter des christlichen Verbandes aus Köln gemeint war. Diese Ausführungen wurde» ohne Debatte entgegen- genommen, nicht ein Stadtverordneter wandte sich gegen sie! Dazu bemerkt die.Gewerlschastsstimme", das Organ d«S christlichen Verbandes: .Geradezu befremdend hat es auf die christliche Arbeiterschaft gewirkt, daß bei der Siadlverordnetensitziing ans den bürgerlichen Parteien dem.Herrn im Hanie"» Staiidpunkt des Herrn Ober- bürgerineisters nirniand enigegengetrete» ist. Dazu muß noch ge- sagt werden, daß die christliche Arbeiterschaft ein emschiedcnereS Eintreten und eine entschiedenere Unterstützung der berechtigten Wünsche der städtischen Arbeiter durch die bürgerlichen Parteien verlangen muß." Man muß wissen, daß in der Aachener Stadtverordneten- versammlmig das Zentrum die ummischränkle Mehrheit besitzt, daß eS also dieser Partei leicht wäre, die berechtigten Wünsche der städtische» Arbeiter zu befriedigen, zumal wenn sie von der chtzist- ticken Gewerlichast vorgetragen werden. Aber hier tut das Zentrum nichts. eS schweigt zu den arbeiterfeindlichen Ausführungen des Oberbürgermeisters still! So sieht die Politik des Zentrums au»: icköne Worte für die Arbeiter, im besten Falle ein paar Bettel- bissen für sie; wenn eS sich aber um Taten handelt, denn hat«S noch immer die Interessen der Arbeiter verraten. Gegen die Schifiahrtsabgaben. Zur SchiffahrtSabgabeiifrage hat die Karlsruher Handelskammer folgende Erklärung beschlossen: Die von der»lammer wiederholt ge» äußerten schwere» Bedenken gegen die Einführung von SchiffahrtS- abgaben sind durch den BundeSratLentwurf nicht beseitigt worden. Die Kammer begrüßt eS, daß der Einwurf auf die Tagung der auf den 18. d. M. berufenen KommissionSsitzring des Deutschen Handels- tages gesetzt worden»st und bittet den HnnvelStag. beim Reichstage vorstellig zu werden, daß dieser dem Entwurf seine Zustimmung versagt._ Konservativ-cmtisemitische„Ordnnngsstntze»". Ein antisemitisches Heldcnstückchen, daS unter Führung deS konservativ-antisemitischen WahlmachcrS ün Wahlkreise Erfurt- Schleusrngen- Ziegenrück, deS bekannten Gutsbesitzers Gräfe in Walschleben, in einer am 2V. Juni d. I. in diesem Orte einberufenen politischen liberalen Versammlung verübt wurde, sarid am Mitttvoch vor dem Schöffengericht Erfurt ein interessantes gerichtliches Nachspiel. In jener Versammlung, die der fortschrittliche Professor Hoffmann in Erfurt leiten und in der der freisinnige Parteisekretär Dornblüth-Gotha referieren sollte, führten die durch Zuzug auL Erfurt verstärkten Antisemiten einen wahren Höllenspektakel auf. als ihr Verlangen nickN erfüllt wurde, den Vorsitz in der Bersainmlung dem Dorfschulzen von Walschleben zu übertragen. In der Gerichtsverhandlung bekundete der als Zeuge ver- nominelle Professor Hoffmann, daß er den Eindruck gehabt habe, als wenn Gräfe die Versammlung planmäßig habe stören wollen. Jede Aufforderung an die Antisemiten, sich ruhig zu verhalten. wurde mit verstärktem Lärm beantwortet. Ter Hinweis auf den Hausfriedensbruch, decssn er sich schuldig mache, beantwortete Gräfe damit, daß ihn bas nicht kümmere. sc»vaS mache man mit ein paar Groschen Geld ab. Ferner hat Gräfe versucht, den Lärm den Sozialdemokraten in die Schuhe zu schieben, wogegen Prof. toffuiann— nebenbei bemerkt, selbst ein scharfer Gegner der ozialdcmokratic— feststellte, daß er selbst genau gesehen habe, wie Gräfe und sein Anhang den Spektakel vollführten. AuS der Gerichtsverhandlung gewann auch der Amts. richter die Ueberzeugung, daß Gräfe großen Lärm verursacht habe. wie er dem Zeugen und Gastwirt Müller gegenüber betonte, der, offensichtlich unter einem gewissen Drucke stehend, mit der Aussage zurückhielt und schließlich auch die Sozialdemokratie deschuldigte. Auch der Amtsrichter meinte, daß sich Gräfe des Hausfriedensbruches bewußt gewesen sei. Er beantragte eine Geld st rase von— 20 Mark? Das Gericht aber gelangt zu einer Freisprechung. Professor Hosfmanu habe zwar das Hausrecht besessen, aber der Angeklagt« Gräfe Hab« der Ausforderung zum Verlassen de« Lokals nicht gefolgt, weil er im Glauben gewesen sei, der Wirt habe Hoffmann daS HauSrecht nicht übertragen._ Belgien. Die Sozialifte»» und die Thronrede. Brüssel, 9. November.(Eig. Ber.) Noch am selben Tag«, an dem die Thronrede gehalten wurde, haben die Sozialisten noch in einen, massenhaft besuchten Meeting im.Maison du Peuple" ihr Urteil geiprocheit. Der Vorsitzende Genosse HuySmanS sprach in seiner EröffnungSred» über die großartige Demonstration der Massen und der Abgeordneten. Neben den Klerikalen haben auch liberale Deputierte und ein Teil der liberalen Presse die Rufe der Sozialisten in der Kammer und den Wurf der Flugzettel als.Taktlosigkeit" gegen die Königin be- trachtet. Man begreift, daß die K l r r i k a l e n über den Empfang, den die Sozialisten ihrer Regierung bereitet, nicht erbaut sind. Daß die Liberalen jedoch über eine Demonstration gegen die Regierung, gegen die sie doch in den Zeitungen so Sturm laufen, so zusammenschrecken, zeigt immerhin, daß man ihren großen Taten, die im Anzüge sein sollen, nicht mit allzu vielem Optimismus entgegensehen soll. Ihre GefühlSseinheit»st um so verdächtiger, als die Leute wohl wissen, daß den Sozia- listen die Person AlbertS gleichgültig ist. Was die Königin betrifft, so wäre die Rücksicht, die die Liberalen für sie verlangten, vollständig deplaciert. Jeder hat das Risiko seines Berufe»: wenn die Königin als Frau de« Monarchen «n der Zeremonie teilnimmt, muß sie e» auch hinnehmen, daß ein Teil der AollSbertreier semer Meinung in der ihm passenden Form über die Thronrede oder die Regierung, die sie verfaßt hat. Ausdruck gibt. Nebenbei soll die Königin diese Demonstration auch klüger und weniger zimperlich aufgefaßt haben, als die in Demut ersterbenden feinfühligen Liberalen. Nach HuySmans sprach der Deputierte D e b ü n n e in blSmischer Sprache, dann die Deputierten Bandervelde, MeySmans und Delporte. Mit stürmischen Zurufen wurde ihr Urteil über die phrasenhafte alle VolkSreforinen verleugnende Thronrede von der Menge aufgenommen. Die Nufforderung. nun den Kampf für die Wahlrechts- und Schulreform und die sozialen Reformen mit allen Kräften aufzunehmen und bereit zu sein, wenn die Stunde zum Angriff rufen wird, erweckte Stürme der Begeisterung. Die die Thronrede kritifierende Resolution, die zum Kampf und zur Organisation aufruft, wurde mit Akklamation an- genonimen. Spanien. Reaktionäres Gerede. Madrid, 1k. November. In der Deputiertenkammer erklärte Minifterpräfident C a n a l e j a S in Beantwortung einer Interpellation über die 8l r b e i t s a u s ft ä n d e, die Regierung fei entschlossen, für die Freiheit der Arbeit unparteiisch ein- zutreten, ohne sich durch Drdhungen beirren zu lassen. CanalejaS kennzeichnete dann die Bcdeiiilichkeit der zwischen den spanischen und den ausländischen Syndilaren bestehenden Leziehmigen und fuhr fort: Es besteht ein Unterschied zwischen einein wirtschaftlichen Ausstand and einem revolutionären Ausstand. Der erste» ist erlaubt und die Regierung unternimmt nichts gegen ihn. Der revolutionäre Ausstand aber kann nicht g e- duldet>o erden und die Regierung ist verpflichtet, ihn selbst mit bewaffneter Macht zu unterdrücken. Unter lebhaftem Beifall schloß der Ministerpräsident: Ich fordere die Arbeilrr auf. sich nicht blind hinreißen zu lassen von trügerischen Führern. Weder durch Sabotage noch durch Gewalt, sondern nur auf gesetzlichem Wege werden sie eine Besserung ihres Loses erzielen. SngUnd. Tic Verfassungskrisc. London, 12. November. Prcmierimnister A s q u i t h hat sich gestern zum Könige nach Saudringham begeben. Höchstlvahrscheinlich ist der Zlvcck der Reise der, dem König Vorschläge zu unterbreiten über die Ausübung der königlichen Prärogative zur E r n e n n u n g neuer Peers, um die Annahme der Rcgierungsvorschläge über die Einschränkung der Vetobefugnis des Oberhauses durch dieses zu sicheni. Der Rücktritt der Regierung oder die Auflösung des Hauses wird von der StiÄung ab- hängen, die die Mehrheit zu der Ansicht des Preniierministers einnehmen wird. Kriegsminister H a l d a n c hielt in Warrington eine Rede, in der er erklärte, die liberale Partei könne dem Urteil der Nation nur eine» Vorschlag unterbreiten, nämlich die Forderung, daß der Wille des Unterhauses das Uebergewicht haben solle. Diese Frage könne der Station nur vorgelegt werden, indem man sie vor die a l l g e- meinen Wahlen stelle,»vas schnell geschehen müsse. Weiter führte Haldane aus, daß die Beziehungen Englands zu Deutschland selten besser gewesen seien als augenblick- lich. ES dürfte zwischen den beiden großen Nationen, denen die Erde ein großes Feld der Betätigung für Handel und Industrie biete, keine Nebenbuhlerschaft bestehen. Deshalb könne man England nicht mehr Berechtigung zugestehen, Teutschland wegen des Ausbaues seiner Flotte zu kritisieren. als Teutschland, England Vorwürfe zu machen, wenn dieses seine Land- und Scerüstungen einer Revision unterziehe. Sozialistische Fortschritte bei den Gemeindewahlen. Aus London wird uns geschrieben: Die Gemeinderatswahlen, bei denen in England außer London jedes Jahr am 1. November ein Drittel der Gemeinde ratsinitglicder gewählt wird, sind diesmal recht gut für die sozialistischen und sonstigen?lrbeiterkandidaten ausgefallen. Die englischen Genossen haben die Verluste des letzten Jahres reichlich wettgemacht. In Manchester sind fünf weitere Arbeitcrkandidaten(wohl Mitglieder der I. L. P.) gewählt worden. In West Hain, wo die S D. P. stark ist. haben die Sozialisten mit einigen Progressiven(von den Fabicrn beeinflußte Liberale) die Mehrheit und es wird jedenfalls ein sozialistischer Bürger meistcr geivählt werden. Vor den Wahlen machte die Lau doner reaktionäre Presse die größten Anstrenaunaen. um den drohenden Sieg deS Sozialismus in der großen Arbeiterstadt zu verhindern: aber all ihr Schnupfen war vergebens. Heute jammert sie darüber, daß der Sozialismus in England nicht sterbcni will, und macht die Reden ÜloydGcorgeS für den Aufschwung des Sozialismus verantwortlich, während der Sekretär der Antisozialistischen Liga, des englischen Gegen- stücks des deutschen Reichslügenverbandes. als geriebener Geschäftsmann das Phänomen durch den Hinweis darauf deutet, daß man ihm nicht genug Geld zur Bekämpfung der soziall- stischen Hydra gegeben habe. Gegen die Führerschaft BalfourS. London, 12. November. Die konservative„Morningpost" beröffemlicht einen deftigen Artikel gegen B a l f o u r. den baS Blatt beschuldigt, die Ursache der jetzigen Spaltung innerhalb der unionisti- schen Partei zu sein. Das Blatt macht den Vorschlag, Austen Ebomberlain zum Führer der Umonisten zu wählen. Auch »Daily Graphic" befürwortet den Borschlag. Die Zusammensetzung des Magdelurger Parteitages nach de» einzelnen LnndcSteilen. Es ist gewiß nicht uninteressant, festzustellen, in welcher Weise die Parteimitglieder der eiuzeluen Landesteile auf dem Magdeburger Parteitag vertreten waren. In der nachstehenden Tabelle»st sowohl bei den Delegierten wie bei den ReichStagSabgeordneien immer der Krei«. den sie vertreten, bei der Berechnung eingestellt worden, weil der Wohnort und Kreis nicht immer zusammenfallen. ÄgitationSbezirke beziv. Bundesstaaten Ostpreußen...... Westpreußen..... Groß-Berlin..... Brandenburg..... Bommern...... Polen Schlesien...... Provinz Sachsen.... SchleSwig-Holstein... Hannover...... Westfalen mit Lippe.. Lberrhein...... Niederrhein Saargebiet...... tesieii-Nassau..... essen-Knssel.... Bayern einschl. Rheinpfalz Sachsen....... Württemberg..... Baden....... Hessen....... Mecklenburg..... Thüringen, Sachsen, Altenburg, Gotha. Oldenburg. Ostftiesland, Sachsen-Meiningen.. Braunichlveig, Anholt, Hamburg..... Bremen(Nordwest)'... Lübeck....... Elsaß-Lothringen Insgesamt Zahl der Mitglieder 6 663 2 682 101 101 22 894 9 626 1073 31 299 43 267 39 743 27 538 39 325 10 663 28 635 516 19 633 4 633 67 049 08 650 21246 14 524 17 070 7 395 43 607 43 225 20 743 3 720 8 536 Delegierte und Abgeordnete Auf 1000 Mit- glieder entfallen Vertreter 43 25 7 1 13 21 15 20 13 6 17 13 2 34 53 14 20 12 6 22 21 4 3 6 396 0.63 0,66 0,42 1.09 0.72 0,93 0.41 0.49 0.37 0.72 0.44 0.56 0.59 0,66 0.43 0.61 0,53 0.65 1.37 0,70 0,67 0,30 0.48 0,19 0.30 1.60 0,54 Eue der Partei. Ein sozialdemokratischer Stadtrat. In dem altenburgischen Bergarbeiterstädtchen Meuselwitz ist von der Stadtvcrordnetenversainmlung der Genosse Heil- mann mit 0 gegen 6 Stimmen zum Stadtrat gewählt worden.__ Gemeindewahlersolge. Bei den Stadtverordiietcnwahlen in D a r m st a d t gelang es unseren Genossen, von 18 zur Wahl stehenden Mandaten drei zu erobern. Gegen die vorige Wahl erzielten wir einen Stimmenzuwachs von 1L00 b i i 1500. Die Arbeiterschaft hat nunmehr vier Vertreter im Stadtparlamcnt. Die Stadtverordnetenersatzwahl in Ronsdorf(Kreis Rem- schcid-Lcnncp-Wcttmann)«ndcte mit einem gläuzendenSi'ege unseres Kandidaten, der 483 Stimmen erhielt, während es der bürgerliche Kandidat auf nur 180 Stimmen brachte. Bei den Stadtverordnetenwahlen der 3. Abteilung in Alten- bürg lSachsen-Altenburgs wurde die s oz i a l d e m o-k r a t i sch e Liste mit 1877 gegen 503 Stimmen der Reichsverbandsliste gewählt. Vier Sitze hatte die Partei zu behaupten, einen fünften Sitz hat sie erobert. Es sitzen nunmehr l> Sozialdemokraten im Altenburgcr Stadtvcrordnetcnkollegium. Gegenüber der Wahl vor L Jahren, bei der der Reichsverband 1200 Stimmen erzielte, hat er ZOO Stimmen verloren, 720 038 Die Verteilung ist, wie man sieht, ziemlich gleichmäßig. Jeden- falls ist die Differenz geringer, als man allgemein anznnehnien pflegte. Die vielfach auch vorhandene Meinung, als ob Groß- Berlin einen übermäßig großen Einfluß aus dem Parteitag gehabt habe, wird gleichfalls widerlegt. Mehr als einen Delegierten auf tausend Mitglieder hatten nur Elsaß-Lothringen, Baden und die Provinz Brandenburg. Bei Elsaß-Lothringen erklärt sich das aus der betrübend niedrigen Mitgliederzahl und in Baden hat die Budget- frage die starke Beschickung veranlaßt. Insgesamt entfallen auf 2000 Mitglieder etwas mehr als zwei Vertreter, das ist eine Zahl, die im allgemeinen dafür bürgt, daß der Wille der Genossen auf dem Parteitag richtig zum Ausdruck lommt. Die Organisationen zum Parteitag. Mülheim a. Rh. ?:» zwei gutbesuchten Versammlungen nahmen die Genossen in eim a. Rh. Stellung zu den Beschlüssen des Magdeburger Parteitages. Ten Bericht erstattete der Delegierte Genosse M i ß. Besonders ausführlich nahm Redner zu der Frage der Buget- bewilligung Stellung. Er hat gegen die� Resolution deS Partei- Vorstandes gestimmt und legte seine Gründe dafür dar. Mit der Budgetbcwilligung der Badenser ist Genosse Miß nicht einverstanden. Die vorgebrachten Gründe rechtfertigen die Bewilligung nicht. Dem Antrag 07 habe er zugestimmt, um den Parlamentariern das Gc- wissen zu schärfen und so die Partei in Zukunft vor unerquicklichen Zwischenfällen und Debatten zu bewahren. Nach einer längeren Diskussion wurde mit allen gegen eine Stimme eine Resolution angenommen, die die Erwartung ausspricht, daß in Zukunft nicht wieder durch disziplinloses Verhalten Anlaß zu Debatten gegeben wird, wie sie der Parteitag in Magdeburg zeitigte. Die Resolution spricht weiter aus. daß der Erziehung der Genossen zum Klassen- bcwußtsein durch Vorträge und Artikel im Parteiorgan fortgesetzt besondere Aufmerksamkeit zu widmen sei. Hiidrsheim. In drei aufeinander folgenden Versammlungen befaßte sich der Hildesheimer Wahlberci»»>it den Verhandlungen des Parteitages. Den ersten Abend füllte das Referat des Delegierten Genossen E v e r s aus. der sich voll und ganz auf den Boden der süddeutschen Genossen stellt« und auch in diesem Sinne auf den» Parteitage votiert hat. In der Diskussion vertraten die meisten Redner die Ansicht des Delegierten uno bedauerten wie dieser die Ablehnung der Einsetzung einer Studienkommission. Eine Resolution, die sich mit den Beschlüssen des Parteitages voll und ganz einverstanden erklärte, und für deren Durchführung einzutreten versprach, wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt. Bant-Wilhelmshaven. Zum Bericht über die Berichterstattung vom Parteitage sendet uns der Borsitzende des LandespartcisckretariatS für Oldenburg, Genosse Adolf Schulz, eine Berichtigung, in der erklärt, daß es ein Irrtum des Berichterstatters sei, wenn er schreibe, daß die Handlungsweise des Parteitagsdelegiertcn Hug gegen seine Mandat- geber in der Debatte als..unerhört bezeichnet sei. Es werde dadurch der Anschein erweckt, als wenn die Versammlung recht stürmisch verlaufen sei. Das fei nicht der Fall: die Debatten wären wohl scharf, aber durchaus sachlich geführt worden. Der erste(«zialistische Lehrertag. Am 1. und 2. November tagte in Bologna die erste bon den allgemeinen Lehrertagcn gesonderte Zusammenkunft der den Ge- wcrkschastskartellcn angeschlossenen Ortsgruppen des Allgemeinen italienischen Lehrervcrbandes, in dem sie als.äußerste Linke" und .Borhut" auftreten. Ueber das Verhältnis zu der Arbeiterschaft und zum Lehrerverband entspann sich eine lebhafte Aussprache, a» der als Vertreter Mailands Abg. C a b r i»» i teilnahm. In einer Resolution wurde die Solidarität von Arbeitern und Lehrern de- tont und vom Lehrerverband eine Reihe Reformen der Organisation (Schaffung von Provinzialverbändcn und Verhültniswahlvertretung usw.) gefordert. Man forderte weiter vom Staat die Aufhebung des Kultusetats und Erhöhung des Unterrichtsb»idgets, Unter« stützung der Volksbibliotheken, Verbot der Erteilung von Volks- schulunterricht durch Personen ohne Befähigungsnachweis. Der Verband wurde zu schärferer Bekämpfung des vorliegenden Unter- richtsgesetzes aufgefordert. Verbandsorgan ist die von der Rai- lündcr Gruppe herausgegebene„Scuola Populäre". Literatur. Soeben erschien im Verlage der Buchhandlung Vor- wärtS, Berlin: Schiller» Werte. Auswahl und Einleitung von Dr. Franz Mehring. Drei starke Leinenbände. Preis 3,60 M. In seiner Einleitung schreibt Mehring u. a.:..Zwischen den Idealen der Arbeiterklasse und dem Idealismus Schillers klafft ein unüberbrückbarer Abgrund. Allein deshalb kann sie dem Dichter und dem Menschen nur um so gerechter werden, dem Dichter, der eine Welt der Schönheit geschaffen hat, den» Menschen, der ein ge- borener Kämpfer war. der, wie er einmal sagte, von der Wiege seines Geistes ab, und, wie wir hinzufügen dürfen, bis an die Schwelle des Grabes, mit dem Schicksal gekämpft hat, mit dem furchtbaren Druck, der über seinem Volk und feiner Zeit lag. In diesem Kampf ist Schiller niemals müde geworben'. weder die bitlere Not hat ihn gebrochen, die seine jungen Jahre verzehrte, noch die tückische Krankheit, die ihn wieder und wieder packte, als die dupere Schattengestalt der Sorge um des Lebens Nahrung und Notdurft von seiner Schwelle gewichen war. Immer blieb er ein aufrechter und stolzer Mann, und wann wir das Götzenbild zcrtrümmer»», das die Bourgeoisie aus ihm gemacht hat; in seiner Ahirenreibe w,rd das kämpfende Proletariat immer gern diese hohe Gestalt gruben. Soziales. Alkoholkrankc und Vcrsschcrungsanstaltcn. Die wenigsten Versicherungsanstalten Deutschland? befassen sich mit der Heilung von Alkohoikrankcn. Gewöhnlich werden nur Mittel für Lungenkranke. Herzkranke usw. spärlich dewilligt und die Kranken auch noch von Vertrauensarzt zu Vertrauensarzt gc- schleppt, um dann den Bescheid zu erhalten, daß das Heilverfahren� dessen Gewährung bekanntlich ja de» Versicherungsanstalten sre» überlassen ist, abgelehnt wurde, lind wird die Kur befvilligt, so ist sehr häufig ein solcher Andrang nach den Heilstätten vor- hai'.den, daß eine Wartezeit von 8— 10 Wochen auch noch die Krank- heit chronisch werden läßt. � Deshalb sind nachstehende Ausführungen, die wir dem Bericht der Landes»Bersicherui»gSanstalt„Rheinprovinz" entnehmen, sehr interessant. In der Zeit vom Jahre 1903 bis 1909 wurden»nSgcsaint 178 Trinker i»» Fürsorge genommen.„Von diesen Trinkern sind 06 ohne Erfolg entlassen worden, 7? noch in Behandlung, während von den 306 gebessert Entlassenen anfangs des Jahres 1910 291 nicht rückfällig gcworde?» waren, es befiirden sich unter ihnen 172 Abstinente»»".... Die eingerichteten Trinkcrfürsorgestellei» wurden ocsonderS in Barmen»nid Düsseldorf sehr stark in Anspruch ge- nornmen,„trotzdem an beide»» Orten recht tätige Abst'.nenzvcrelne jeder Konfession bestanden", so in Düsseldorf allein in 9 Memaien 277 Einzelfälle. Der Bericht beinerkt bei Punkt:„Unterbringung von alkoholkranken Invaliden" noch folgendes: „Die Erfolge der Jnvalidrnpflege sind bei den Alkoholkranken befriedigende,«selbst Jirvalrdeir, die jahrelang dem chronischen Alkoholgcnuß sich hmgegeben haben, werden, wo sie den Gefahren med Lockungen der Straße entzogen sii»d, wieder zufrieden n»it ihrer Lebenshaltung und zeigen in den Heimen keine Neigung mehr zum Alkohol. Alles m allen» kann man sagen, daß die dauernde Jnter- niexung der Trinker das beste, aber auch vielfach einzige Heid- »Nittel ist. Selbst wenn durch einen vorübergehenden Aufenthalt in den Anstalten wirklick) die Erlverbsfähigkeit wiedererlangt loird, so>>t doch zu beachte»», daß diese nur bei den günstigen Verhältnissen der Anstalt bestanden hat. Diese ArbeitSfähigleit könnte austerhalb der Anstalt nur erhalten bleiben,»venn die Rentenempfänger in der Fainilie die gleichen guten Verhältnisse»viedcr fä»»den, was« aber»vohl für die meisten ausgeschlossen erscheint, und der Alks- Holgenuß fortfiele. Nun aber ist der Alloholismu» als eine Krank- bei» resp. ein krankhafter Zustand aufzufassen, der nur bei einen» Teile der Krauten zu heilen ist. Daher kömmt es, daß selbst die- jenigen, die voll arbeitsfähig entlassen werden, noch kurzer Zeit draußei» wieder arbeitsunfähig werden. Es sind mehr oder »vcniger geistig Kranke oder defekte Existenzen, die durch ihre Trunksucht Geistesstörungen bekommen,«xber infolge außergewöhnlicher Willensschwäche sofort wieder rückfällig»Verden und dami: sich z»lgrunde richte». Diese begehren nach einiger Zeit bald vo»» selbst wieder Aufnahme. In einer Reihe von Fällen sind End- inündiguirgei» veranlaßt worden, besonders dann, wenn»»ach der Eittlassuny Rückfälligleit eingetreten war." Ein vernichtendes Urteil über die Lohn« und Einlommensveio- Hältnisse liegt in der Anerkennung, daß für die meiste»» Rente»»- einpfäriger die schlechten Verhältnisse die Ursache für den Alkohol- genuß sind. Der eigentliche Nährvater ui»d Verursacher des Alko- hotlSnius sind die schlechte»» sozialen Verhältnisse. Die Lebens- mittclvertcuerer»ind Bedränger der Arbeiter in ihren» gewerk- schaftlichei» und politischei» Kampf sind die Hauptschuldigen für die Krankheit Alkoholismus, deren Opfer die Ji»validci» ge»vorden sind. Gleichzeitig sind die dem Alkoholismus ergebenen die besten Kuirdcn der Junker: je»»ehr. Schnaps vertilgt wird, je mehr Ar- bester durch Schnaps in ihrer W»derstai»dSfähiglest, Willenskraft und Energie gehemnst werden, desto stärker wird die Macht der Junker. Wer die Junker an ihrein Empfindlichsten treffen u>»d gleichzeitig durch sein Beispiel den AlkoholiSinuS bekämpfen will, der denke an die Mahnung des Leipziger Parteitages, den Schnaps möglichst zu meiden._ Geseliwidrigc Bestimmung einer Betricbs-Krankcnkasse. Die Firma I. Pohlig in Äöln-Zollstock und»n Brühl gehörst zu denen, die sehr viel Montagen auszuführen hat, nicht nur in allen Gegenden Deutschlands, sondern mich in» Auslande und in anderen Welsteilen. Ihre BetriebS-Krankenkasse hat nun durch einen Statuten», achtrag ihre»» Bezirk abgegrenzt auf die Kreise Köln-Dtadt und Lwln-Land und weiter bestimmt:„In der Kasse sind alle Personen versichert, die innerhalb des Kassenbezirks in den» Betriebe der Firma, sei es mit der Fabrilation, sei es»nit anderer» Dienstleistungei», gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt sind."— Die Gültigkeit dieser Begrenzung stand in Frage in einen» Ver- itMlturigSstreitverfahren, in das die Kasse eintrat, nachdem auf Anweisung des Ministers durch die Aufsichtsbehörde der Kasse aufgegeben worden ivar, diese bereits vom Bezirksausschust ge» nchmigte und zur Anwendung gekommene Stakutenänderung wieder zu beseitigen. Die Folge ivar nämlich die gewesen, daß die außer- halb des Kassenbezirks in Deutschland beschäftigten Hilfskräfte den Ortskrantenkassen u» Köln-Zollstock und in Brühl, den Betriebs- iiistanzen der Firma, zugewiesen worden waren in Gemäßheit des 8 6a des Krankcnkasseiigesetzes,»vo bestimmt ist;„Für Personen. welche in Gewerbebetrieben beschäftigt sind, deren Natur eö mit sich bringt, daß einzelne Arbeiten ai» wechselnden Orten außerhalb der Betriebsstätte ausgeführt werden, gilt auch für die Zeit. während welcher sie inst solche», Arbeiten beschäftigt siird, als Bc- schäftigungsort der Eitz des Gewerbebetriebes." Es stand hier fest, daß die Montage»» nicht etwa von besonderen, über Deutschland zcrstmst leigenden Betriebsstätten auö geleitet wurde», sondern daß die Oberleitung imnier von Köln bezichunaSweise Brühl bei Kölit aus erfolgte. Das Vorgehen der Aufsichtsvehördc(Minister) war auf Beschwerden der genannten Ortskassen zuri'ickzuführen. Das Oberverwaitungsgericht als letzte Instanz billigte da» Verlangen der Aufsichtsbehörde und wieö die Klage der Betriebs- tafle ab. Begründend wurde ausgeführt: Die in Frage koinmen» den Bestimmungen des Statuts können nur so aiisgelegt werde». daß da»mt sämtliche Arbeiter, die auswärts arbeiten, hätten m>s- geschlossen»»»«rden sollen. Die Frage sei, ob das zulässig sei. 'weifclloS gelte der ß 5a des Krankenkassengesetzcs für Betriebs- rankenkasscn nicht. Gleichwohl ist die Absicht der Kasse, die raun»- ich? Begrenzung ihres Bezirks so zu gestalten, daß alle Arbeiter, die unter ss 5a fallen, ausgeschlossen sind, nicht zulässig. Die Kasse könne sich auch nicht berufen auf da» vor einigen Jahren gefällte Urteil in Sachen der Betriebskasse der Verjscherungsgesellsckwft „Viktoria". Allerdings sei in dem Urteil eine räumliche Be- grenzung für zulässig erklärt worden. Aber nur eine solche, die dem Grundgedanken des ganze», Gesetzes entsprechen Ivürdc. daß da, wo besondere Betriebsstätten eingerichtet sind(lvie bei der „Viktoria"), die von diesen Betriebsstätten au» beschäftigten Ar- beiter vom Umfange de« Bezirks der Petriebs-Krankenkasse(damals Berlin) ausgeschlossen werden können. Aus jenen» Urteil folge trineowegs eine Zulässigkeit einer solchen Ausschließung, wie sie hier in» Falle Pohlig erfolgt sei. Wem» jenes frühere Urteil in der Literatur anders ausgelegt»vorden sei. dann sei das eben etne falsche Auslegung.— Hier hätten für die auswärts beschäftigte,» Arbeiter keine besonderen Betriebsstätten bestanden, wie bei der „Viktoria". Der fragliche Statutennachtrag sei gesetzwidrig und die Auflage der Aufsichtsbehörde, die betreffende Abgrenzung der Betriebskasie wieder zu beseitigen, gerechtfertigt. GewcrkrcbaftUcbce. Gin Tcrzetcbnie der GewerkfcbaftsUteratur. Mit zunehmender Konzentration des Kapitals der- schärfen sich auch die Gewerkschaftskämpfe. Aus der Urform von lokalen Lohnstreitigkeiten mit engbegrenztem Geltungs- bereich entwickeln sich mehr und mehr die großen zentralistisch durchgeführten Machtkämpfe, die sich gleich auf ganze Industrie- zweige erstrecken. In allen Phasen gewerkschaftlicher Aus- einandersetzungen steht die ganze Gewerkschaft der Arbeiter geschlossen dem geeinigten Unternehmerverband gegenüber. Aus den Guerillakriegen früherer Zeiten entstehen mehr und mehr wohldurchdachte Massenaktionen mit verfeinerter Kriegs- technlk. Das Gewerkschaftsleben hat deshalb auch eine besondere GewerkschastSlehre hervorgebracht, eine Tisziplin, die studiert und ausgebaut werden muß. Denn die Mittel und Formen des Gewerkschaftskampfes müssen sich nach den Ver- Hältnissen im gegnerischen Lager richten. Auch der Unter- nehmer hat ja gelernt, sich zu organisieren, hat sich in Kampfverbänden zusammengeschlossen und sucht besondere Angriffs- und Berteidigungsmittel anzuwenden. Dazu die EntWickelung, die der Jndustrialismus überhaupt ge- noininen hat. Großbetriebe sind entstanden mit fein ver- ästelter Betriebsstruktur, die Fabrikbetriebslehre, die Kunst, Betriebe zu leiten, ist hier ebenfalls zu einer besonderen Wissenschaft geworden, in der die zünftigen Werkleiter genau unterrichtet werden. So zeigt sich uns also, daß der Gewerk- schaftlcr von heute eine Menge Dinge kennen muß: denn die angegriffenen Unternehmungen sind industrielle Festungen, die ihre Wälle und Vcrschanzungen haben. Der Gewcxk- schaftsstratcgc hat die schwachen Befestigungspunkte zu er- kennen, um danach seine Entscheidungen zu treffen. Tie Entwickelung der heutigen Gewerkschaftsbewegung zeigt sich uns auch in der Literatur. Es war notwendig, in der Gewerkschaftspresse selbst, der eigenen sowohl wie der gegnerischen, den Gewcrkschaftskampf in allen seinen Er- scheinungsformcn zu fixieren, die neu auftauchenden Fragen zu erörtern oder geschichtlich den Verlauf bestimmter Teilbewegungen zu verfolgen. Dazu kam noch die Literatur der Unbeteiligten: Monographien über einzelne Gewerbezwe'ige, sozialpolitische Untersuchungen usw. von bürgerlichen Wissen- schaftlcrn. Für den Praktiker hat es oft an einer Sammelstelle für diese Literatur gefehlt. Es gab keine Bibliographie, ans der man sich sofort das vorhandene Material über eine bestimmte gewerkschaftliche Frage zusammenstellen konnte. Deshalb hat die Generalkomniission der Gewerkschaften dem Genossen S a s s e n b a ch den Auftrag gegeben, ein Literatur- Verzeichnis*) aufzustellen. Es sollten von ihm alle wichtigeren Artikel, Abhandlungen, Broschüren, Bücher usw. über ge- werkschaftliche Fragen durchgesehen und in Form von Titel- angaben nach einer bestiminten Anordnung registriert werden. War die erste Ausgabe naturgemäß noch etwas unvoll- kommen, so ist die 4. Ausgabe, die uns hier vorliegt, schon ein stattlicher Band geworden. Auf rund 200 Seiten hat Sassenbach ein unifangreiches Material zusammengestellt und wird dieses Verzeichnis als Nachschlagewerk jedem Ge- nassen und Gewerkschaftler große Dienste leisten, der sich über gewerkschaftliche Fragen eingehend unterrichten will, noch dazu, da der Anschaffungspreis von 69 Pf. bezw. 39 Pf. überaus gering zu nennen ist. Berlin und Qmgegend. Achtung, Metallurbeiter, Ziukgießer und Stürzer! Bei der Firma Holdbeim u. Feder �Metallwarenfabrik). Rittcrstr. 7t/75, dauert der Streik unverändert fort. Die Firma versucht durch Agenten sowie auch durch Inserate in bürgerlichen Blätter» Arbeitswillige um jeden Preis zu be- kommen. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, dafür zu sorgen, daß Arbeitsangebote von dieser Finna nicht beachtet werden. Die Firma H o l d h e i m u. Feder ist sür Metallarbeiter cdcr Branche, ebenso für Zinkgießer, nach wie vor gesorgt. Deutscher Metallarbeirerverband, OrtSverwaltung Berlin. Au unserem Bericht über den 6. internationalen Metallarbeiter- Kongreß erhallen wir folgende Auschrift: Ilm mißverständlichen Auf- fassuugen vorzubeugen, ist eS nötig, eine Unrichtigkeit des Berichts sofort richtig zu stellen. Es heißt in diesem, daß der Antrag der finnischen Metallarbeiter aus Unterstützung von 4000 M. ans der Bundeskasse abgelehnt ist. Diese Forni der Mitteilung wird die An- nähme hervorrufen, als ob die finnische» Metallarbeiter nicht unter- stützt werden sollen Dem ist aber nicht so. Die Finnländer sollen unterstützt werden, jedoch nicht in der beantragten Form, sondern in derselben Weise, wie seinerzeit die ungarische» und niederländischen Metallarbeiterverbände unterstützt sind. Welche Form dieses ist und warum eine andere Form der Unterstützung für besser erachtet wurde. das interessiert hier nicht. Die Hauptsache ist, daß die Metall- arbeiter in Deutschland ivissen, daß der Kongreß nicht etwa ab- lehnte, überhaupt etwas für. die unterstützungsbedürftigen Finnländer zu tun. Der nächste internationale Metallarbeiter-Kongreß soll 1313 in Berlin stattfinden. Adolf Cohen. Achtung, Kürschner! Gesperrt sind für Kürschner: Herpich Söhne, Leipziger Str. 3— 11; R i ß m a n n, Bellen lliancestr. 27; Beil, Zimmerstr. 29; für Mützenn, acher: G. A. H o f f m a n n, Gneisenanftr. 33. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Lohnbewegung der Kranzbinder. Die Kranzbinder von Groß-Berlin befinden sich zurzeit in einer Bewegung, die eine Regelung ihrer Akkordlöhne vorsieht. Es ist ein Tarif aufgestellt worden und liegen auch von einer Reihe Kranz- bindcreien Bewilligungen vor. Geregelt sind die Verhältnisse der folgenden Firmen: Jendereck. Schöneberg; Klinge. Fürther Straße; Feld- ka m p, Wilhelmstraße; P r i e m k e, Perleberger Straße; Treich e l, Lindenstraße; Tieffensee, Friedcnstraße; Z w e i g a r t. Fenn- straße; G r u n z k i. Chorinerstraße; Simon, Charlotteuburg, Wilmersdorfer Srraße. Gesperrt sind folgende Finnen: Preuß. Pnttkamerstr. 16 (Lieferant sür die Blumengeschäfte Koschel, Charlottenburg und' Norden, Zintmermann, Stief, Miemel in der Markt- balle II(Friedrich- und Lindenstraße), B e t h g e. Strelitzer Str. 2 (liefert Markthalle Ackerstraße), Kolbe, Eliiabethkirchslraße 12. Kleiner, Grenadierftraße, Droczdowski, Rixdorf. Oker- straße. Die letztere» drei liefern vielfach für Rixdorfer Blumen- geschähe. Rollegen aus den Blumengeschästen, sorgt dafür, daß keine Ware auS den'gesperrten Kranzbindereien verarbeitet wird. Allgemeiner Deutscher Gärtnrrvcrcin, Ortsverwaltung Groß-Bcrli«. #) Verzeichnis der in deutscher Sprache vor- hanoenen Gewerkschaftlichen Literatur. Im A u f- trage der Gene ralkom Mission der Gewerkschaf- ten Deutschlands zusammengestellt von Johann Sassenbach. 4. Ausgabe. 213 Seiten. Preis 60 Pf.(Durch die Organisation bezogen 30 Pf.) Zu haben in jeder Parteibuch- Handlung._ Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.'. veurlcbes Reich, Im Messingwerk Hcegcrmühle hatten die Werkzengmacher, die das Werk zum großen Teil aus Berlin engagiert hat, mit vielen Mißständen und veraltclcn Zuständen zu kämpfen. Monatliche Per- rcchnniigen, zehntägige Lohnperioden, ungenügende Einiichlungen, zebnstündige Arbeitszeit usw. waren abzuschaffen. Da diese Gruppe Arbeiter gut organisiert war, gelang es auch, verschiedene Per- besscrnngen teils durch Unterhandlung, teils durch eincii kurze» Stieik einzurühren. Es war den Arbeiiern sogar möglich geworden, für ihre Abteilung statt der bisher zehnstündigen die neunstündige Arbeitszeit ein- zuführe». Auch bieFirma hätre sich mitdieserEinrichluiig abgefunden, wenn nicht aus dnrRcihen derMeister Widerspruch entstanden wäre. Besonders der Meister W r b a, ein ehemaliger Dreber, gefällt sich darin, die Löhne zu drücken und seine früheren Kollegen zu maßregeln. Die Firma geht jetzt dazu über, die angeblich zu teuren Arbeiter zu ein- lassen und billige, durch Inserieren im„Anzeiger für das Berg- und Hüttenwesen' gewonnene, zu engagieren.— Die Arbeiter der Werk- zengbraiiche, Schlosser, Dreber, F'.äser, Schmiede, Härter usw. seien deshalb geivarnt. Zuzug ist von dem M e s s i n g w e r k H e e g e r- mühle, Aron Hirsch, Aktiengesellschaft, strengstens fernzuhalten. Ter Streik der Klavierarbeitcr in Liegnitz dauert jetzt schon über 0 Wochen und noch ist kein Ende zu erwarten, da die Arbeiter fest entschlossen sind, nicht eher wieder die Arbeit aufzunehmen, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Tie Firmen, die noch nicht bewilligt hoben, zeigen keinerlei Entgegenkommen und. suchen in auswärtigen Blättern Streikbrecher. Zuzug ist von L i e g n i tz streng fernzu- halten. Es ist auch hier wieder Tatsache, daß die Firmen, die ihren ganzen Reichtum der Arbeiterschast verdanke», am allerreaktio- närsten sind._ Erfolgreiche Lohnbewegung bei der Vcrsichcrnngs- gesellschaft„Viktoria", Zentralinkassostclle Hamburg. Die vor einigen Wochen vom Verband der Bureauangestelltcn (Sitz Berlin) über den Viktoriabetrieb in Hamburg ausgesprochene Spe.re wegen fortgesetzter Maßregelung von Verbandsmitgliedern ist aufgehoben, da die„Viktoria" weitgehende Zugeständnisse ge- macht hat. Die Einnehmer und Rechercheure der Viktoria in Hain- bürg, b0 an der Zahl, sind sämtlich im Verband der Bureauange- stellten organisiert. Sie stellten bereits im vergangenen Jahre das Verlangen einer 20prozentigen Lohnerhöhung(das Gehalt beträgt 100 M. monatlich), Fortzahlung des Gehalts im Krankheitsfalle, freie Acquisition und Gewährung eines Urlaubs von 14 Tagen im Jahre. Die Viktoria lehnte jedoch jede Verhandlung ab und ging mit Maßregelungen vor. Endlich kam das Maß zum Ueberlauscn, als jetzt eine größere Zahl Angestellter entlassen werden sollte. Die Angestellten beschlossen, gemeinschaftlich du Arbeit einzustellen und zu diesem Zwecke zu kündigen. Nunmehr war die Viktoria zu Ver- Handlungen bereit. Unter Zustimmung der Direktion in Berlin wurde folgendes vereinbart: 1. Das Gehalt der Einnehmer beträgt ab 1. Januar 1311 für die Probctätigkeit von 3 Monaten 100 M., für länger Be- schäftigte 12b M. monatlich. 2. Der zweiprozentige Jnkasso-Provisionsbezu� für Volks- Versicherung wird bereits gezahlt, sobald die Pramienkontrolle 60 M. monatlich ausweist. Die Auszahlung erfolgt hinfort monatlich. 3. Das Gehalt wird im Krankheitsfälle weitergezahlt. 4. Nach 3 Jahr Dienstzeit werden 6 Diensttage, nach 6 Jahren 10 Dienstjage Urlaub gewährt. b. Die Zugehörigkeit zur Organisation wird nicht gehindert. Maßregelungen aus dieser Bewegung finden nicht statt. Außerdem ist ein Angestelltcnausschuß, der unter Mitwirkung der Organisation gewählt wird, anerkannt. Damit sind die Forderungen der Angestellten sämtlich bewilligt und die Organisation hat einen vollen Erfolg errungen. Zu den Differenzen im Schuhgewerbe zu Pirmasens. Der Fabrikantenvercin hat neuerdings wieder Stellung genommen zu den schivebenden Streikfragen und beschlossen, daß allen dem Zeiitralvrrband angehörigen Arbeitern und Arbeiterinnen zum 26. d. M. gekündigt werden soll. Vorher soll eine friedliche Bei- legmig der Differenzen unter Vermittelung des Gewerberats Roesinger und Beteiligung von Vertretern beider Parteien ver- sucht werden, lieber da? Resultat dieser Verhandlungen soll dann eine Fabrikantenversammluiig beschließen. Dos ist schon ein wesentlich anderer Beschluß als der in der ersten Versaminlnng gefaßte, demzufolge Verhandlungen mit der Organisation überhaupt abgelehnt wurden. KusUnd. Der Abwehrkampf in der Möbelindustrie zu Malm? ist mit vollem Erfolg für die Arbeiter beendet. Die Arbeit wurde am Montag wieder aufgenommen. Die Unternehmer haben, nachdem der Streik 9 Wochen dauerte und Streikbrecher nicht aufzutreiben waren, auf die Herabsetzung der Löhne sowie ans die Verlängerung der Arbeitszeit verzichtet und ebenso darauf, daß der Ablaufs- termin des neuen Tarifvertrages auf den 1. Januar festgesetzt werden sollic. Ter neue Tarifvertrag gilt bis zum 1. Juli 1914. Der Streik der Waliser Bergarbeiter. London, 10. November 1910.(Eig. Bcr.) Groß war die Freude der englischen Bourgeoisie aller Parteirichtungen, als es dem fran- zösischen Premierminister B r i a n d gelang, den Ausstand der Eisen- bahncr mittels des Militarismus niederzuwerfen. Man beglück- wünschte den brutalen Hausknecht des Kapitalismus zu seiner Heldentat, und es wurden Wünsche laut, daß England in den un- ruhigen Zeiten, denen das Land entgegengeht, einen ähnlichen „Mann der Tat" finden werde. Sogar die linksliberale Presse, die sonst vor Arbeiterfrcundlichkeit trieft, spendete dem„Retter" der bürgerlichen Gesellschaft Lob und heißen Dank. Dieser selbe blinde Klassencgoismus beseelt heute wieder alle bürgerlichen Schichten Englands, deren Presse die Unruhen in dem Waliser Streikgebiet in einer sensationellen Weise, die auch nicht im ent- ferntesten den Tatsachen entspricht, aufbauscht, um Stimmung gegen die Bergarbeiter zu machen. Eins der entschiedensten linkslibe- rialen Blätter schreibt sogar von einer„Schreckensherrschaft" in Südwales. Man sympathisiert mit den Streikbrechern, den Be- amten und gar den Grubenpfcrden, die angeblich in den Gruben verhungern, obwohl sich die Streikleitung bereit erklärt hat, Leute zu stellen, die nach den Pferden sehen sollen. Kein Wort der Sym- pathie mit den armen Bergmannskinder», auf deren Hunger die Grubenbesitzer spekulieren, damit die Väter auf die Knie ge- zwungen werden. Gewiß sind in Südwales Ausschreitungen vorgekommen. Bei dem leicht erregbaren Temperament der Waliser und bei der An- Wesenheit einer großen Schar junger Burschen ist dies leicht er- klärlich. Aber die Berichte darüber sind kolossal aufgebauscht worden. Wie anders beurteilt die bürgerliche Presse doch Kra- walle, die von Studenten oder Angehörigen der eigenen Partei an- gestiftet werden. Wenn Studenten in Massen ausziehen, um im Battersea-Park ein Denkmal zu zerstören, wenn ein liberaler Mob einen ,.Dumping"-Laden der Tarifreformcr zerstört und alles kurz und klein schlägt, oder wenn konservative Rowdies mit Messern nach den Gegnern des Krieges werfen, so findet man nur entschuldigende Worte, und ein Herr Balfour erklärt mit Philosophenmiene, man dürfe die Geduld der Menschen nicht auf eine zu schwere Probe stellen. Wenn aber Bergarbeiter, die lange ruhig, aber ergrimmt mit ansahen, wie ihnen der übermächtige Kapitalistcnvcrband ein Stückchen Recht nach dem anderen nahm und ihre Lebenshaltung immer mehr herabdrückte, schließlich die Geduld verlieren und sich entschließen, lieber zu hungern, als unter den herrschenden Be- AH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlägsanstäu dingungen zu arbeiten, und wenn es dann in der Erregung z» Straßenkrawallen kommt, so kennt die Entrüstung des Bürgertums keine Grenzen. Alle Schandtaten, die dann von dem Diebes« gesindel, das jeden Massenauflauf als eine willkommene Gelegen- heit zum Plündern ansieht, begängen werden, werden alsdann auf das Konto der Streikenden gesetzt und das fleißige Bergarbeiter- Volk, das man, so lange es sich alles gefallen läßt, wohl als die emsig in der Tiefe wühlenden Titanen, die die ganze Industrie der Nation auf dem Rücken tragen, hinstellt, wird nun auf einmal zu einer Bande von Dieben und Totschlägern. Welcher Unterschied zwischen den Vorfällen, wie sie sich in der erhitzten Phantasie der journalistischen Sensationsmachcr abspielen, und der Wirklichkeit besteht, ist aus den Angaben zu ersehen, die der Genosse Tom Mann, der sich gerade im Streikgebiet be- findet, in der letzten Nummer der„Justice" macht. Tom Mann beschreibt dort die Anstalten, die die streikenden Bergarbeiter im Rhonddatal machten, um die Maschinisten, Heizer und andere Arbeiter, die sich nicht dem Streik angeschlossen haben, zu ver- hindern, die Arbeit fortzusetzen. Er schreibt: „Um die Arbeiter der genannten Kategorien aufzuhalten, wurde beschlossen, daß alle Bergarbeiter in der Nähe der Grube, in der sie in Arbeit standen, um 5 Uhr morgens demonstrieren sollten. Um 4 Uhr 30 Min. waren sie aus dem Hause und auf dem Marsch. Um 6 Uhr fand ein Umzug bei den dem„Cambrian Combine" gehörenden Zechen statt, bei dem 2500 Mann beteiligt waren, die sich in einer Reihe die Hauptstraße entlang nach einem Punkte in der Nähe des Eigentums der Zechengesellschaft und wieder zurück bewegten. Außerdem zogen etwa 10 Partien von je 30 Mann verschiedene Wege entlang und nach den Berg- abhängen, um denen entgegenzugehen, die von der Nachtschicht kamen oder nach Tagesschicht gingen. Es regnete zeitweilig sehr stark; aber es befanden sich dennoch viele Frauen— einige mit Kindern— im Umzug. Lieder wurden gesungen und dann und wann entstand eine Aufregung, wenn man einer Gruppe Be- amten oder einigen Maschinisten oder Heizern begegnete. Be- rittene Polizisten patrouillierten in guter Laune. Um 6 Uhr 25 Min. wollten sich zwei Maschinisten nach der Grube schleichen. Sie wurden erkannt und einige der Frauen redeten in sehr ein- dringlicher Weise in der walisischen Sprache, die ich nicht ver- stehe, auf sie ein. Sogleich sammelte sich eine Menge und die be- rittene Polizei verlor auf einen Augenblick die gleichmäßige freundliche Haltung, die sie vorher gezeigt hatte, und ritt auf die Menge los. Es hieß, daß einige Frauen umgeritten worden seien. Ich sah die Frauen nicht am Boden, da ich mich ungefähr sechs Meter weit entfernt von den Pferden befand. Aber die Menge war über den Vorfall erzürnt und machte gleich Miene, sich eine grobe Behandlung nicht gefallen zu lassen. Wenigstens ein Polizist bekam einen derben Schlag. Innerhalb einer Viertel- stunde hatte sich dieser Tumult gelegt. Die Demonstranten harrten jedoch aus; ihre Menge bildete die Reserve, aus der Ab- teilungcn für besondere Zwecke genommen wurden." Die konservative Presse tadelte heute morgen den Minister Churchill, weil er nicht sogleich Militär gegen die Streikenden aufgeboten hat, lobt aber die Regierung wegen ihres Entschlusses, das Militär in Bereitschaft zu halten. Die Konferenz der britischen Bergarbciterfördcration, die gestern in London tagte, nahm eine Resolution an. die sich scharf gegen die Verwendung des Militärs richtet. Sie wurde dem Minister Churchill überreicht, der aber antwortete, daß er im Notfalle von dem Militär Gebrauch machen würde. Diese Drohung mit dem Militär wird die Leute nur noch mehr reizen. Die südwalisischen Bergarbeiter glauben— und zu diesem Glauben sind sie nach allem, was sie erduldet haben, berech- tigt—, daß der mächtige Verband der Grubenbesitzer entschlossen ist, die Bergarbeiter zu demütigen und ihre Organisation zu sprengen, indem er die Distrikte der Reihe nach angreift. Vop diesem Gesichtspunkte aus ist die Erbitterung der Streikenden leicht zu erklären und ihre Forderung, daß der Bcrgarbeitervcrband in Südwales den Generalstreik erklären sollte, scheint unter den Herr- schenken Verhältnissen nichts anderes als ein Gebot der Klugheit zu sein. Die Setzer der Tageszeitungen und der Generalstreik. Rom, den 11. November.(Eig. Ber.) Zu der in italienischen Arbciterkreisen oft behandelten Frage, ob bei Generalstreiks der Zeitungsdruck ruhen soll oder nicht, hat soeben der 8. Verbandstag der Buchdrucker, der in Neapel tagte. Stellung genommen. Und zwar gelangte eine Tagesordnung zur Annahme, die den General- streik für ein nur in extremen Fällen anzuwendendes Mittel erklärt. die Buchdrucker auffordert, von der Beteiligung an kopflosen Streiks abzusehen, ihnen aber zur Pflicht macht, bei allgemeinen Arbeits- einstellungen, die von der Konföderalion der Arbeit proklamiert werden, den Zeilungsdruck ruhe» zu lasten. Bei allgemeinen Streiks die lokal beschränkt sind, bleibt die Entscheidimg über die Beteiligung der Tagesblätter der lokalen Abteilmig der Buchdruckerorganisation vorbehalten. Für Streiks in Lohnfragen werden die Betriebe der Tageszeitungen allen anderen Betrieben gleich gesetzt. Bis jetzt sind bei Generalstreiks die Tagesblätter in Italien nie erschienen. aber diese Taktik war auch von sozialistischer Seite getadelt worden. KttzU ftacbrlchtcn. Tie Streiklnge in Ferro!. Madrid, 12. November.(W. T. B.) Nach amtlichen Nach- richten aus Fcrrol, wo die Arscnalarbeiter wegen der Ent- lassung eines Kameraden in den Ausstand getreten sind, droht die Lage sich zu verschlimmern. Die dortige Schiffsbaugesell- s ch a f t, welche mit der Regierung einen Vertrag über den Bau mehrerer Kriegsschiffe abgeschlossen hat, beabsichtigt nicht nur eine Aussperrung zu erklären, sondern will auch den Bertrag mit der Regierung über den Bau des Geschwaders kündigen, wenn die Ar- bester die Arbeit nicht wieder aufnehmen. Die Gendarmerie in Ferro! ist verstärkt worden. Beendeter Ausstand. Jersey City, 12. November.(W. T. B.) Die Ausständigen der Expreß Company haben die Vorschläge der Gesellschaft an- genommen. Verurteilter Betrüger. Könitz(Westpreußen), 12. November.(W. T. B.) Der Kon- trolleur der Kreiskasse in Tuchcl, Supplitt, wurde von dem hiesigen Schwurgericht wegen Unterschlagung von 102 300 M. zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Zum zweiten Male zum Tode verurteilt. Trier, 11. November.(W. T. B.) Der Rennfahrer Br«uer wurde heute wiederum zum Tode verurteilt, Die Cholera in der Türkei. Konstantinopel, 12. November.(W. T. B.) Heute find hier 21 Erkrankungen und 11 Todesfälle an Cholera festgestellt worden. Beim ersten und zweiten Armeekorps sind in den letzten beiden Tagen 144 Erkrankungen und 31 Todes- fälle vorgekommen. Jaul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilagen, Kr. 267. 27. Jahrgang. I. öfiliijf des.Mmiirls" litiliiift ZIslkÄM Zovntag. 13. November 1010. Die Moabiter Vorgänge vor Gerkljt. Die Verhandlung, welche am Donnerstag wegen Erkrankung eines Richters und dadurch notwendig gewordene teilweise Ver- Änderung in der Besetzung des Gcrichthofes abgebrochen wurde, nahm gestern von neuem ihren Anfang. Am Donnerstag hatte Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn die Haftentlassung der Frau Reinhardt schriftlich beantragt. Nachdem gestern die Sitzung eröffnet worden war, führte, der Erste Staatsanwalt Steinbrecbt aus: Die Angeklagte Frau Reinhardt sei durch den Gerichtsarzt untersucht worden. Die Untersuchung habe ergeben, datz die Angeklagte herzkrank sei, dah sie zwar haflfähig, aber nicht verhandlungs- fähig sei. Aus diesem Grunde werde die Abtrennung des Ver- fahrcns gegen Frau Reinhardt beantragt. Im Laufe der Verhandlung habe sich nun herausgestellt, datz die Herzkrankheit der Frau Reinhardt derart sei. daß auch ein Fluchtverdacht gegen sie nicht vorliege. Deshalb beantrage die Staalsanwaltschafl auch die Haftentlassung der Angeklagten Reinhardt. RechtsanwaltDr. OskarCohn: Ich stimme mit dem An trage des Ersten Staatsanwalls überein, aber nicht mit der Begründling. Die Gründe, welche der Erste Staatsanwall für die Haftcnilassung anführt, bestehen schon vom ersten Tage des Vor- Verfahrens an. Schon in der Anklageschrift wird gesagt, datz Frau Reinhardt h e t z k r a n k ist. Aber erst jetzt kommt die Staalsanwaltichaft zu der Ansicht, datz die Herzkrankheit der Frau Reinhardt den Verdacht ausschließt. So ist Frau Reinhardt ohne Grund zu einer Hast von sechs Wochen gekominen. Er st er Staatsanwalt Stein brecht: Ich halte meine Begründling aufrecht. Die Aerzte haben die Angeklagte Reinhardt bei Verhängung der Untersuchungshaft für haflfähig erklärt und tue es auch jetzt noch. Aber weil sich, wie der Augenschein ergibt, der Zustand der Angeklagren Reinhardt im Laufe der Verhandlung ver- schlimmerl hat, liegt kein Fluchtverdacht mehr vor. Rechtsanwalt Cohn: Ich weise darauf hin, daß Frau Reinhardt sich vom Anfang der Untersuchungshaft an i ni Lazarett befindet. Also muß doch selbst die Gefängnis- Verwaltung und der Arzt der Meinung sein, daß sie recht krank ist. Auch in der Anklageschrist wird sie als herzkrank bezeichnet. Das weiß also die Staatsanwaltschaft und doch gibt sie sich Mühe, die Krankheit von Frau Reinhardt als nicht erheblich erscheinen zu lassen. Das Gericht beschließt, die Sache gegen Frau Reinhardt abzutrennen und die Untersuchungshaft aufzuheben. Damit ist wider Willen seitens der Staatsanwaltschaft und des Gerichts anerkannt, daß der Beschluß, der die Frau Reinhardt ihrem gesetzlichen Richter entzog und der Lieber- Kammer zuwies, jeder Grundlage entbehrte und ferner, daß die Verhängung und das bis dahin von der Lieber-Kammer zugelassene Fortbestehenlasscn der Haft durch aus unbillig war. Was ist denn das Verbrechen, dessen der Staatsanwalt sie zeiht? Daß die herzleidende Frau, als zur Nachtzeit 1 Polizeileutnant und 5 Schutzleute in ihre Wohnung eindrangen, solchen Schreck bekam, daß sie die Petroleumlampe fallen ließ und in Krämpfe fiel. Das ge- nügte, um sie als einer schweren Straftat hinreichend verdächtig hinzustellen I DaS genügte, um in einem Polizei- offiziösem Bericht die arme Frau als„Pctroleuse" auszu- schreien. Und Blätter vom Schlage des„Berliner Lok.-Anz.", der„Post" und einer Unzahl Krcisblätter nahmen diese In- famie in ihren Spalten auf. Zweck der Uebung dieser Blätter ist ja die Verdächtigung der Arbeiter und die Hetze gegen sie. Empörend ist— auch ohne Vergleiche mit der Behandlung eines Fürsten Eulenburg, einer Fürstin Wrede. einer Frau V. Schönebeck usw.— die Behandlung, die die Justizbehörden der kranken Proletarierfrau haben angcdeihen lassen. Verhaftung und Anklagebeschluß wären völlig unmöglich gewesen, wenn nicht die Annahme der Polizeitruppe, die Krämpfe seien simuliert, seitens der Staatsanwaltschaft beigetreten wäre, der eine politische Ausschlachtung der durch die Polizeimaßnahmen hervorgerufenen Moabiter Vorgänge am Herzen liegt. Be- zeichnend ist, daß das Gericht die Zuziehung eines medizinischen Sachverständigen nicht sofort nach dem ersten Ohnmachtsanfall verfügte und auch nach den wiederholten Ohnmachtsanfällen der Angeklagten nicht aus eigener Initiative die Haftentlassung anordnete, vielmehr diesem Gebot der Menschlichkeit erst nach- kam, als der Staatsanwalt es beantragte. Und da spricht man im Ernst von Gerichten, die von der Staats- anwaltschaft unabhängig seien. k)umor. Ein eben erschienenes Buch K u b i n k e von Georg Hermann ldem talentvollen Verfasser von„Jettchen Gebert"), ein Buch, worüber ganz Berlin W., als es im„Berliner Tageblatt" in Fcuilletonform erschien, lachte und redete, gibt mir Gelegenheit, mich mit dem Humor zu beschäftigen. Gleich von vornherein möchte ich bemerken, daß es mir leid tut, für diesen mir so höchst unsympathischen Roman unwillkürlich Reklame machen zu müssen, aber es ist noch niemals gelungen. Vivisektion ohne einen Kadaver vorzunehmen und es ist fast selten ein Buch auf den Markt ge- bracht worden, das es einem Sozialdemokraten so leicht macht, das Wesen des Humors im allgemeinen und den einer bestimmten Klasse im besonderen darzulegen. K u b i n k e spielt in der Welt der Dienstboten, Friseur- gehilfcn, Portiers usw., weswegen sich Hermann in seinem Vor- wort„entschuldigt". Der aus der Provinz kommende Friseur- gehilfe Kubinke,„für den der Frühling sein Bestes gab", hat nach- einander sexuellen Verkehr mit drei Dienstmädchen in demselben Hause, Emma, Hedwig und Pauline. Zwei von ihnen werden schwanger— von der dritten erfahren wir es nicht genau. Ku- binke wird zweimal zur Zahlung von Alimenten verurteilt, und hängt sich auf. Dies das hölzerne Gerippe des Romans und die Veranlassung zu dem Humor. Was verstehen wir nun unter Humor? Humor ist die Kundgebung eines faktisch guten und m i t l e i d i- gen Menschen. Es gibt in der ganzen Weltliteratur keinen Humo- risten, dessen Charakterzüge von Güte und Mitleid abweichen. Ironie, Satire, Sarkasmus und Spott, sind kaum oder höchstens entfernte Blutsverwandte des Humors. Ein Prophet geißelt Mängel, kann sie hassen— der Humorist geißelt nicht, haßt nicht. Er macht sich über seine Mitmenschen lustig, und tut das als Mitmensch, nicht verbittert, nicht ingrimmig, nicht geifernd. Wer vom Haß beseelt ist, kann nicht humorvoll schreiben. Und obendrein verlangt der Humor den gleichen gesellschaftlichen Boden. Die vielen humoristischen Autoren, die sich über die Bourgeoisie .lustig" machen, sind natürlich vom Haus Bourgeois. Die humo- ristischen Feuilletons, die die lesende Bourgeoisie erquicken, können nicht anders als von Autoren mit Berlin W.-Empfindungcn ge- schrieben werden. Ein Bourgeois kmm sich humoristisch über einen Bourgeois äußern, ein Arbeiter nur über einen Arbeiter. Ein humoristisches Buch eines Arbeiters über die Bourgeoisie ist un- Nach Entlassung der Frau Neinhardt aus der Haft wurden wieder die Personalien sämtlicher Angeklagten festgestellt.— Nackidem daS geschehe» war, ersucht Rechtsanwalt Cohn den Vorsitzenden, er möge feststellen, daß von den LS An- geklagten 21 unbestraft und 14 vorbestraft sind, davon fünf wegen Eigentumsvergehen. In der Presse sei behauptet worden, die meisten der Angeklagten seien wegen Eigentumsdelikten vorbestraft. Im Interesse der Angeklagten müsse öffentlich festgestellt werden, daß sie nicht eine Gesellschaft von Dieben und sonstigen Eigentums- frevle rn seien. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber bemerkt, er habe bei jedem einzelnen Angeklagten die Vorstrafen festgestellt. Was außerhalb des Saales geschehen sei, darauf habe daS Gericht keinen Einfluß, die Berichterstatter könnten ja auf den Hiniveis des Rechtsanwalts Cohn Bezug nehmen. Bemerken möchten wir, daß die Lügen über die Vor strafen der Angeklagten von derselben Presse verbreitet sind, die die polizeioffiziösen Enten über die Moabiter Vorgänge ihren Lesern serviert hat. Erneuter Antrag auf Trennung der Sachen. R e ch t s a n w. Dr. Heinemann stellt aufs neue den An- trag, die nicht zur Zuständigkeit der dritten Strafkammer gehörenden Anklagen von der Sache Hagen u. Gen. abzutrennen und sie den zuständigen Kammern zu überweisen. Der Verteidiger macht für seinen Antrag dieselben Gründe geltend, die er schon in der ersten Sitzung angeführt hatte. Ferner führt er aus: In dem Beschluß, wodurch das erkennende Gericht am 10. November die Trennung ablehnt, war, soweit der Beschluß auf der Verteidigerbank verstanden wurde, gesagt, daß die für die anderen Sachen zuständigen Kammern ihre Zu- stimmung zur Zusammenlegung gegeben haben. Sollten damit die erkennenden Kammern gemeint sein, so ist aus den»ms zugänglich gemachten Akten eine solche Zustimmung nicht ersichtlich. Bei de» Akten Hagen findet sich nur von der vierten Kammer ein zustimmender Beschluß. Im übrigen haben sich nicht die Kammern, sonder» nur die Vorsitzenden geäußert und zwar ganz verschieden. Der Vorsitzende der zweiten Kammer lehnt es ab, eine bindende Erklärung zu geben. Der Vor- sitzende der sechsten Kammer beginnt seine Erklärung niit de» Worten:„Mir scheint". Der Vorsitzende der siebenten Kammer erklärt, diese würde die Sachen verbinden. Der Vorsitzende der zehnten Kammer erklärt, er werde der Verbindung zustimmen. Der Vorsitzende der ersten Kämmer erklärt die Frage für zweifelhast, ob eine Verbindung möglich sei. Auch der Vorsitzende der dritten Kammer gibt seinen Zweifel über die Auslegung der Geschäftsordnung in den Akten Ausdruck. Hiernach liegt jedenfalls ein zustimmender Beschluß der nach der Geschäftsordnung erkennenden Kammern nicht vor. Es ist auch nichl zutreffend, daß die E r ö f f n u n g S k a m ni e r n der Zusammen- lezung zugestimmt haben. In den Sacken Weiß, Miersch und Heide wird die Verbindung der erlennenden Kammer vorbehalten, also derjenigen, die nach der Geschäftsanweisung zuständig ist. In der Sache Sens bringt die EröffiiungSkainmer denselben Gedanken zum Ausdruck mit den Worten:„Die Verbindung muß der für die Hauptverhandlung zuständigen Strafkammer aiihcimgestellt werden." Dies aber ist nicht die dritte Strafkammer. In Sachen Kliche und Krämer hat die dritte Kammer selbst eröffnet und selbst die Verbindung beschlosien. In anderen Sachen baben die Strafkammer Iva, 2 und 1 eröffnet, aber keinen Verbindungsbeschluß gefaßt. In Sachen Heinemann hat die vierte Kammer das Hauptverfahren vor sich selbst eröffnet. Trotzdem ist auch diese Sache mit der vorliegenden verbunden.— Endlich wird noch darauf hingewiesen, daß nach der Geschäfts ailwcisinig alle diejenigen selbständigen Anklagefälle, an denen aus- schließlich Jugendliche beteiligt sind, lediglich die siebente Strafkammer zu entscheiden hat. Letztere Sachen sind schon aus diesem Grunde abzulremien. Der Vorsitzende der dritten Strafkammer(also Direktor Lieber selbst), führt der Verteidiger aus, wollte mit Rücksicht auf die Zweifelbaftigkcit der Frager, wie die Akten ergeben, das Präsidium anrufen, damit dieses entscheide, welche Kammer zuständig sei. Ob dies geschehen ist, wissen wir nickt. In jedem Falle ist das Piäsidium selbst gar nicht in der Lage, eine Aenderung des Geschäflsplaiies außerhalb des Geschäftsjahres vorzunehmen. Da hervorragende wissen- schaftliche Autoritäten auf meinem Standpunkt stehen, und der Vorsitzende der dritten Strafkammer selbst die Frage, ob nicht das Gericht unzuständig sei, für höchst zweifelhaft hielt, empfiehlt sich die Trennung, damit nicht die ganze folgende Verhandlung vom Reichsgericht für nichtig erklärt wird. Für meine Auffassung spricht der Wortlaut des Gesetzes. Von dem darf im Interesse der Rechlssicherheit nicht um Haaresbreite abgewichen werden. Die Rechtsanwälte Rosenfeld und Liebknecht weisen, wie in der ersten Sitzung, so auch jetzt wieder darauf bin, daß die ihren Mandanten zur Last gelegten Handlimgen in keinem denkbar, solch ein Buch muß unweigerlich sarkastisch oder satirisch werden. Es gibt keinen Mittelweg. Tritt der bürgerliche Humo- rist aus seinen Kreisen, ist er nicht zufrieden damit, sich über seine eigene Klaffe lustig zu machen, schreibt er humoristisch über eine andere Klasse, dann nimmt sein Humor ganz entgegengesetzten Cha- rakter an. Denn, das wiederhole ich mit Nachdruck, Humor kann und darf nie kränken oder verletzen, er darf nicht weh tun, im Gegenteil, er läßt mitlächeln. Der bürgerliche Humorist, der ein Buch schafft, das in Arbeiterkreisen spielt, und der also mit„Liebe und Güte" erfüllt ist, bleibt in der Liebe und Güte seiner Klasse stecken. Seine Standesgenosscn, die sich auf demselben Niveau befinden, werden sich an seinem Humor ergötzen, aber die von ihm humoristisch betrachteten Arbeiter werden diesen Humor mit Ekel empfinden.- Wenn ich behaupte, daß Kubinke ein durch und durch schlechtes Buch ist, stelle ich mich nicht auf den bornierten Stand- Punkt, daß nicht gespottet werden dürfte, nein, ich halte dieses Buch für so schlecht und zugleich für so bemerkenswert für uns, weil wir daraus ersehen, wie der Humor der Bourgeoisie in ein dummes, feiges, herzloses, auf falschen Angaben beruhendes und beleidigendes Getue ausarten kann. Kein Friseurgchilfe, kein Dienstbote, kein Portier, kein Briefträger, kein Schlächtergesellc wird bei diesem Buck» das Lächeln, das der Humor hervor- ruft, lachen— sie werden sich ärgern mit dem Aerger des Bour- geois, der einen Einblick in ein erlogenes Lebensbild aus eigener Sphäre gewinnt. Es ist einfach unmöglich, einen humo- ristischen Roman zu„dichten", wenn man die Wirklichkeit, die man mit„Güte und Mitleid" bespöttelt, nicht sehr innig und eingehend kennen gelernt hat. Der„historische" Werdegang dieses Romans ist folgender gewesen: Georg Hermann, Bewohner von Berlin W., sieht, als er at.nds ausgeht, Dienstmädchen, die sich ihrer wenigen freien Abendstunden erfreuen, indem sie auch„poussieren". Er findet dieses„interessant". Der Herr Georg Hermann läßt sich jeden Tag in Berlin W. rasieren, entweder beim Friseur selbst oder in seiner eigenen Wohnung, find dann liest er eines Tages in irgend einer Zeitung, daß ein Friseucgehilfe zur Zahlung von Alimenten an drei Mädchen auf einmal verurteilt wurde. Der Herr Georg Hermann lacht mit dem Behagen des Dichters, der einen„Fund" gemacht hat. Und ohne weiter etwas aus dem in- timen Lebcnsgang des Friseurgehilfen zu wissen, ohne die geringste Ahnung von der nicht beneidenswerten Existenz eines solchen „poussierenden" Mädchens für Alles(das im Grunde genommen Zlisammenhailge mit den Moabiter Vorgängen stehen.— Rechts« anmalt Rosenberg ergänzt die allgemein juristischen Dar- legungen des Rechtsanwalts Heinemann. Rechtsanwalt Cohn legt dar, daß die Sache Miersch weder sachlich noch örtlich mit den Moabiter Vorgängen zusammen- hänge. Miersch sei der Beleidigung beschuldigt. Er habe sich aber nicht einmal des von der Staalsanwallschafl als kennzeichnend für die Moabiler Ereignisse angesehenen Morles„Bluthunde" bedient, sondern Ausdrücke wie„Pfui Deibel, Ochse" gebraucht. DaS Ein- heitliche der Vorgänge bestehe nach Ansicht der Staatsanwaltschaft darin, daß im Vordergründe ein Mann stehe, der ein Femgericht gegen Arbeitswillige abgehalten haben solle und eine Frau, die enies Petlolcumatteiitats gegen Polizeibeamte beschuldigt sei. Diese beiden seien»ach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Führer der „Moabiler Revolution".— Für die Trennung der Sachen spreche auch der Umstand, daß die nicht inhaftierten, nur wegen geringer Vergehen Angeklagten durch die Ver« bindung der Anklagen wochenlang ihrer Arbeit entzogen und dadurch schwer geschädigt werden. Und das alles nur, um die Idee der Staatsanwaltschaft, es bestehe ei» Zusaiitmenhang aller Sachen, aufrechtzuerhalten. Vielleicht werde der Gerichtshof, wenn er dies alles erwäge, sich auch die Sache einmal vom menschlichen Standpunkt ansehen. Dann müßte er zu der Ausicht kommen, daß es sich nicht rechtfertigen lasse, Menschen unnötig zu quälen, wie es hier für einen großen Teil der Angeklagten der Fall wäre. Rechtsanwalt Bahn trägt erneut die Gründe vor, wes- halb die Sache Bock mit den Moabiter Vorgängen in keinem Zu- sammenhang stehe. Ferner weist Redner hin auf einen Artikel im „Berliner Lokalanzeiger" vom 7. Noveinber, worin gesagt wird, daß die Staatsanwaltschaft mit Erfolg bemüht gewesen ist, den Riesen- Prozeß vor die dritte Strafkammer zu bringen, da Landgerichts- direktor Lieber in dem Rufe steht, ein besonder? energischer Richter zu sein. Es sei bekannt, daß der„Berliner Lokal- anzeiger" gute Beziehungen zu offiziösen Stellen unterhalte. Auch dieser Artikel könne nur aus einer amtlichen Quelle stammen. Die Angaben des Artikels seien auch nicht widerlegt morden. ES wäre zu wünschen, daß sich die Staatsanwaltschaft dazu äußert. Rechtsanwalt Ulrich: Mein Name steht nicht unter dem AbtrennmigSailtrage. Zu meinem Bedauern kann ich nicht an- erkennen, daß kein Zusammenhang zwischen den hier anstehenden Sachen besteht. Aber es würde mich angenehm berühren, wenn das Gericht sich den Gründen des Rechtsanwalts Heinemann. an- schließen würde. Mein Mandant soll nur eine Laterne zertrümmert haben. Eine Sache, die vor dem Schöffengericht in einer halben Stunde erledigt werden könnte. Es ist ja für mich eine Ehre, aber kein Vergnügen, wegen einer zerbrochenen Laterne bis Weihnachten hier zu sitzen. Rechtsanwalt Liebknecht: Ich glaube. Herr Ulrich meint nur, daß sein Mandant in keiner Verbindimg mit den Hand- lungen der anderen Angeklagten steht. Daß die übrigen Sachen in Verbindung stehen, kann er nicht wissen, denn er kennt sie nicht. Rechtsanwalt Ulrich: Ich halte meine Ansicht aufrecht. Alle hier unter Anklage stehende» Vorgänge sind einem Milieu entsprungen und stehen also in Zirsammenhaiig. R e ch t s a nw a l t C o ßm a n n: Ich beantrage insbesondere die Abtrennung � der Sache meines Mandanten Georg Meier. Er ist der Sohn anständiger Eltern und hat nur einen dummen Streich begangen. Er st er Staatsanwalt Stein brecht: Jetzt ist mir Gelegenheit gegeben, aus die Verdächtigimg zu antworten, die Staatsanlvaltschaft habe die Anklage gegen Hagen zuerst erhoben, um die ganze Sacke vor die dritte Strafkammer zu bringen. Als »ach den Moabiter Unruhen die ersten Festgenommenen eingeliefert winden, ließ sich noch nicht übersehen, inwieweit für die einzelnen Sachen das Landgericht oder das Schwurgericht zuständig war. Darum mußte jede Sache für sich bearbeitet werden. Aber der Gedanke war von Anfang an der, daß alle die mit den Moabiter Unruhen zusammenhängenden Sachen einheitlich bearbeitet werden sollten sowohl von der Staatsanlvaltschaft wie vom Unter- suchungsrichter. Durch Vorlegung der Akten kann ich nachweisen, daß die Staatsanwaltschaft durchaus korrekt vorgegangen ist. Die Sache gegen Hagen ist als erste in der Vornntersuchnng abgeschlosien und am S. Oktober bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Um den» Angeklagten Gelegenheit zur Vorbereitung seiner Ver- teidiaung zu geben, ist dann sogleich Anklage gegen Hagen erhoben worden. Dabei ist gleich gesagt worden, daß noch andere Sachen nachfolgen, wenn die Untersuchung derselben abgeschloffen ist. Der erste Eröffiiimgsbeschliiß ist maßgebend dafür, vor welche Kämmer die Sache kommt. Vorher konnle die Staats- anwaltschaft gar nicht wissen, vor welche Kammer die erste Sache kommen würde. Daß dies die dritte Kammer war, daran ist die Staatsanwaltschaft vollkommen schuldlos. Auch stehe ich auf dem Standpunkt, daß es wünschenswert wäre, gegen die Jugend« lichen besonders zu verhandeln. Aber auch diese Sachen kann ja ein schlechteres Leben hat, als jedes Schoßhündchen in Berlin W.)» ohne sich je für solche Art Menschen wirklich interessiert zu haben, beginnt der Herr Georg Hermann einen humoristischen Roman auf den„Fund" des Friseurgehilfen mit seinen„drei Brau- tcns" hin. Der Fund ist ganz neu, etwas absolut Neues, noch nie Dagewesenes. Der erste beste Einwohner von Berlin W., der durch die Tür„Nur für Herrschafte»" Zutritt hat, hat in seinem Luxus- leben von seiner Jugend bis in seine Ehe hinein, vielleicht Hun- derte von Bräuten ohne Mimentation gehabt. Ein Herr aus Berlin W. mit drei Bräuten ist kein Ausnahmefall und kein Stoff für einen humoristischen Roman. Aber solch einem„Friseur- gehilfcn" gegenüber leckt sich der Bourgcoisautor alle fünf Finger. Hätte der Herr Georg Hermann, wenn er Friseurgehilfe aus dem Kurfürstendamm gewesen wäre, und obendrein Schriftstellertalent besäße, hätte er dann auch diesen Roman schreiben können? Unmöglich. Denn fiir die, die offene Augen haben und alles dog- matische Denken verwerfen, ist der gesellschaftliche Zustand der Ku- binkes, der Emmas, der Hedwigs, der Paulinen noch nicht der- artig vorgeschritten, um ihn„humoristisch" zu behandeln. Es ist die literarische Tat des Herrn Georg Hermann, daß er sich dazu erniedrigt hat. Die erst kürzlich veröffentlichicn Ergebnisse der zur„Besciti- gung des Kost- und Logiszwanges" bei den Barbieren veranstalte» ten Erhebungen, haben über die Schlafräume und deren Luftinhalt. Beleuchtung, Einrichtung und Wartung Zustände offenbart, die nicht gerade„fröhlich' stimmen. Die größte Zahl der Logis war unbefriedigend, schlecht, sehr schlecht, menschenunwürdig. Als typisch für ein menschenunwürdiges Logis(in Berlin) gilt ein„Logis" auf dem Korridor, zwischen Küche und Abort. Der Fußboden ist asphaltiert. Der Schlaf- räum ist nicht heizbar. Die Bettwäsche der zwei Betten wird alle sechs Wocken gewechselt. Am Tage schlafen auf den Betten die Kinder. Man wäscht sich im Laden unter dem Leitungs» hahn. Arbeitszeit 15 Stunden. Liest man die Ergebnisse weiter durch, dann macht man jeden Augenblick„humoristische" Eni- deckungen. Zum Beispiel:„Das Bett steht am Tage in einem anderen Raum und wird abends in den Arbcitsraum geschoben", oder„vom Schlafraum geht es in den Kohlenkeller, der ohne Fenster ist. Sobald Kohlen geholt werden, muß die Kohlenkeller- küre aufbleiben, damit Licht in den Keller kommt. Dadurch legt sich aber der ganze Kohlenstaub auf mein gegenüberliegendes Bett". Oder:.Mahnung liegt im Keller und ist sehr feucht", oder:„Aus- kleiden muß man sich halb im Laden, da im Schlaftaum kein Platz die Strafkammer im Interesse der Rechtspflege mit den anderen verbinden. Der Vorwurf, die StaatSanwaltfckiaft habe künstlich die Sache vor die dritte Strafkammer gebracht, ist im- berechtigt. Dem Artikel im �Lokal-Anzeiger" muß ich entschieden K.'ideriprechen. Ich habe ihn nicht gelesen. Wenn er uns bekannt get�'esen wäre, hätten wir auch keine Veranlassung gehabt, ihn zu berichtigen. Rechtsanwalt Heine: Es ist auch mir bekannt, dast die Sache H�'gen am 6. Oktober in der Voruntersuchung abgeschlossen war nnd am 8. Okrober als erste an die Staatsanwaltschaft kam. Aber die Ausführungen des Erste» Staatsanwalts sind für mich nicht überzeugend. Wichtig für uns ist die Feststellung, das; die Staatsanwaltschaft von Anfang an nicht daran gedacht hat, die getrennten Anklagen getrennt zu behandeln, sondern sie miteinander z u v e r b i n d e n. EZ ist schon an fich bezeichnend, daß die Sache Hagen eine Stunde früher zum Abschluß kam als eine audere Sache und daß deshalb die ganze Sache vor die dritte Strafkammer kam. Wenn dte Staatsanwaltschaft nicht die Absicht hatte, die Sache vor die 3. Strafkammer zu bringen, dann hätte sie eine gemeinsame Anklage erhebe» müssen. ES hat ja für die zuerst Angeklagten gar keinen Wert, daß so schnell gegen sie An- klage erhoben wurde. Denn sie mußte» nun doch warten, bis auch gegen die später Angeklagten verhandelt wird. Die Unter- suchungShaft ist also durch die schnelle Srh«bu»g der ersten Anklage für die zuerst Angeklagten nicht um eine Stunde verkürzt worden. Was ist denn nun aus der Beschleunigung des Verfahrens geworden, welche die Staatsanwaltschaft mr Interesse der Au- geklagten betreiben wollte? Von vornherein war ja beabsichtigt, alles zusammen zu verhandeln und die ersten Sachen so lange liegenzu lassen, bis auch die letzten abgeschlossen wären. Es ist doch ein anormales Verfahren, baß den Angeklagten erst die Spezialanklaae zugestellt und dann der Schriftsatz vom 24. Oktober abgefaßt wurde. der die Sache als eine gemeinschaftliche be- handelt und erst das enthält, was die Staatsanwaltschaft eigentlich wollte. Wn§ die StaotSanwalischwft jetzt vorbringt, das kann unsere Ansicht nicht ändern, daß man beabsichtigt hat, die Sache gerade vor diese Kammer zu bringen. Wenn die Staatsanwaltschaft einen solchen Verdacht vermeiden wollte, hätte sie anders verfahren müssen: nämlich: die anderen Sachen mit derjenigen verbinden, die nach dem Buchstaben des Angeklagten die erste ist. Wäre die Staatsanwaltschaft so verfahren, dann hätte ste jeden Verdacht gegen sich und gegen da» Bericht ausgeschlossen. Wenn die Staats- anwaltsckiaft trotzdem ander» verfahren ist und diese Erörterungen nicht gescheut hat, so muß sie doch einen bestimmten Zweck im Auge gehabt haben. Er st er Staatsanwalt Steinbrecht weist es nochmals zurück, daß die Staatsanwaltschaft mit Absicht die Sache vor die dritte Kammer gebracht habe. Staatsanwalt Gtelzner unterstützt die Darlegungen des Erste» Staatsanwalt» mit längeren Ausführungen über die einzelnen Sachen, wodurch er den Zusammenhang derselben nachzu- weisen sucht. Die Staatsanwaltschaft Halle die Angeklagten Pilz und Frau Reinhardt nicht für die Leiter der Unruhen. Sie stehe viel- mehr auf dem Standpunkt, daß sich eine einheilltche Leitung nicht nachweisen lasse, daß die Unruhen aber die Folge— sozialdemokratischer Verhetzung seien. Rechtsanwalt Hetuemann: Herr Ulrich hat meine juristischen Ausführungen nicht verstanden.'Es wird auch keinen Erfolg haben, wenn ich versuchen würde, sie ihm verständlich zu machen. Dem rechtsgelehrten Gerichtshof gegenüber brauche ich sie nicht wiederholen. Rechtsanwalt Heine führt u. a. au«: Mir wird gesagt. daß der Herr Staatsanwalt nochmal» da» Wort.Verdächtigungen- gebraucht hat. Ich bin nicht nervös und streite nicht über Worte, be- halte mir aber vor, denselben Ausdruck zu gebrauchen gegenüber den allgemeinen Ausführungen der Anklage. Der Vorsitzende sowie der E r st« S t a t S a n w a l t be- merken, mit dem Ausdruck sei nicht der Standpunkt der Verteidigung gemeint, sondern Verdächtigungen, die außerhalb deS GerichtSsaale», in der Presse, ausgesprochen seien. Rechtsanwalt Theodor Liebknecht: Daß die Staats« anwaltfchaft a k t e n m ä ß i g korrekt verfahren ist, daran zweifeln wir nicht. Aber in den Akten steht nickt alle«. Zum Betspiel nicht, daß der Staatsanwoll Stelzner Tag für Tag bei dem Untersuchungsrichter war und mit ihm verhandelt hat. Während die Staaisaiuoaltschaft im Interesse des Angeklagten Hagen mit größter Beschleunigung Anklage erhob, hat ste die Akten gegen Pilz, als ick Beschwerde gegen die Inhaftierung desselben erhob. länger als nötig liegen lassen. Auch da« sollte, wie mir gesagt wurde, im Interesse de» Angeklagten geschehen sein. Al« ich dem StaatSanivalt sagte: da« Interesse des Angeklagten vertrete ich, und ich wünsche schnelle Erledigung meiner Beschwerde, erhielt ich zur Aniwort: die StaatSanwaltschast wolle dem Kammergericht Gelegenheit aeben, Uiren Standpunkt bezüglich der genieinsl Sachen kennen zu lernen. i a m e n Behandlung aller Staatsanwalt Stelzner bemerkt ,u den Ausführungen Liebknecht«: So gut wie der Verteidiger Hove auch der Staats- für zwei Personen ist", oder:„Im Sommer ist«S vor Ungeziefer kaum auSzuhalten, der Chef sagt dann aber einfach:„als er Gehilfe war, hatte er es noch viel schlimmer". Oder:„Der Chef ist lungen- krank. Gelüftet wird nicht. DaS Waschbecken wird von der ganzen Familie benutzt"... Nehmen wir an, daß alle diese angeführten Tatsachen AuS- nahmefälle sind, daß die Berliner„ZhibinkeS" sich schon größtenteils vom Kost, und LogiSwesen frei gemacht haben und beschränken wir uns lediglich auf die Arbeit des Friseurgehilfen, dann kann doch jedes Kind feststellen, daß diese Arbeit allgemein eine lange, ungesunde und trostlose ist. Diese al» Herren gekleideten Prole- tarier, die darauf angewiesen sind, da» Kinn der Herren in Berlin W. reinzuhalten, wie„römische Sklaven" Manicure aus. zuüben, die Damen nach der neuesten Mode zu frisieren, und in ihrer nicht durch Kundschaft beschäftigten Zeit„Haararbeiten" au». zuführen, können nur durch einen herzlosen Menschen(eventuell mit viel Herz für die eigene Klasse) humoristisch betrachtet werden. Ein Bourgeois sieht Kubinke mit den flatternde» grünen Enden eines neuen„Autoschal»" und schreibt:„so fühlte er jetzt seine ganze Person durch diesen neuen Haisschmuck gehoben und verziert". Ein Bourgeois beginnt einen Friseurgehilfenroman nicht mit der tatsächlichen realen Existenz solch eine« Gehilfen, son- dern mit der Witzblätter-Außerlichkeit eines neuen Autoschal«. Rur ein Bourgeois, der es nicht riskieren würde, ohne genaues Studium über Astronomie, Chemie, Mathematik zu schreiben. wagt eS, Proletarier, von denen er nichts versteht... h u m o- r i st i s ch zu behandeln I Die Dienstmädchen, von denen der Autor sagt:„ES sind gute Mädchen, es sind tüchtige Mädchen— Emma, Hedwig und Pauline. Sie lassen nie den Mülleimer über Nacht in der Wohnung stehen, und sie arbeiten auch mal bis elf Uhr— wenn es sein muß; sie plantschen und scheuern mit roten Köpfen und klirren mit Geschirr und Kesseln und singen dazu bei offenen Fenstern, daß man glaubt, das Hau» stürzt ein," solch ein Autor lacht wohl mit zynischer Ueberlegenheit, aber kann kein Humorist fein. Das ist er aber und sogar mit Talent, wenn er die Herr- s ch a f t e n desselben Hauses„verspottet". Sobald er jedoch eine andere Klasse vornimmt, ist er von verblüffender Plattheit. Wenn die neu-romantische Strömung, die sich lärmend gegen die Elends- Malerei aufbäumt, auf diese Weise dabei bleibt, wird die Bour- geoisie noch manchmal über humoristische Bergarbeiterromane, humoristische Bäckerromane, humoristische Schisferromane usw. lachen können. Aber wir. die wir zuletzt lachen, werden diese„Strönmng", ohne Humor, den minderwertigeren Zeitcrscheinungen\ ein« rcingieren. Heinz Sperber. anwalt das Recht, beim Untersuchungsrichter Akten einzusehen. Nur aus diesem Grunde sei er beim Untersuchungsrichter gewesen. Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn zieht aus der Behandlung de« Verfahrens gegen drei Angeklagte den Schluß: Entweder hat die Eröffnungskammer eine Haftsache in unbegründeter Weise verzögert oder es haben Besprechungen zwischen ihr und der Staatsanwaltschaft stattgesunden, diese Sachen so lange hinauszuschieben, bis die Sache Hagen so weit sei, daß sie vor der dritten Strafkammer anhängig gemacht werden könne. Erster Staatsanwalt'Steinbrecht: Wenn Ber- zögerungen vorgekommen find, so ist die Staatsanwaltschaft nicht schuld daran. Nachdem das Gericht über den Antrag der Verteidiger beraten hatte, verkündete Landgerichtsdirektor Lieber den Beschluß: Die Sache gegen die Angeklagte Reinhardt abzutrennen, ist be- reitS beschlossen. Im übrigen hat das Gericht die AuSführimgen der Verteidiger nochmals eingehend geprüft und ist zu demselben Ergebnis gekommen, wie in dem Beschluß vom S. November.— Es bleibt also bei der gemeinsamen Verhandlung sämtlicher Anklagen. Rechtsanw. Heine stellt anfS neue den AblehnnngSantrag gegen die ständigen Mitglieder der dritten Strafkammer, nämlich die Herren Lieber, Neumann, Wesseler und Ehrenberg. Zur Begründung des Antrages führt der Verteidiger dieselben Tal» lachen an wie am ersten Sitzungslage: Dadurch, daß die Siaals- anwaltschafl die Sache gerade bor diese Kammer gebracht habe, sei zum Ausdruck gekommen, daß die StaatSanwallschaft die Jnter- essen der Anklage, besonder» die von ihr hervorgehobenen p o l i- tischen Momente bei dieser Kammer besonders gut vertreten glaube, und die Kaminer habe, indem sie darauf einging, Grund zum Mißtrauen gegeben. Das müsse im Jnleresie der Angeklagten aus rein sachlichen Gründen und ohne persönliche Spitze gegen die betressenden Richter geltend ge- macht werden. Als neue Gründe kommen noch die folgenden hinzu: Die Beschwerde Liebknechts in Sachen Pilz und Kratzat sei vom 26. bis 28. Okiober unerledigt liegengeblieben. Die 3. Strafkammer habe als Beschluhkammer die Untersuchung»- hast gegen Pilz und Kratzat aufrechterhalten, ojb wohl dazu kein Anlaß vorliege. Es sei nur gesagt worden, beide Angeklagte hätten hohe Strafen zu ge- wärtigen. Doch so hoch könne die Strafe gar nicht au«- fallen, daß ein Fluchtverdacht gerechtfertigt wäre. Auch die OrdnungSstrase gegen den Rechtsanwalt Bahn lasse die Besorgnis der Befangenheit der Richter begründet er- scheinen. Alle Umstände, auf welche sich der AblehnungSautrag stütze, sprächen dafür, daß die obgelebnten Richter der Sache nicht mehr mit der Unbefangenheit gegenüberständen, die im Interesse der Angeklagten, im Interesse der Rechtspflege gefordert werden müsse. Rechtsanwalt Bahn begründet ebenfalls einen Ab- lehnungsantrag. Er führt unter anderem au»: Ich habe nicht» gegen die Herren Richter persönlich, muß mich aber auS rein sachlichen Gründen dem AdlehmmgSantrage anschließen. Dazu bringt mich in erster Linie die Fassung der Anklageschrift, die die Sache auf da« politische Gebiet hinübergeleitet Hot. Da» ist mir, der ich nicht zur Sozialdemokratie, sondern zu einer bürgerlichen Partei gehöre, aufgefallen. Die Anklageschrift sagt, e« handele sich bei den Unruhen nicht um zufälliy zusammengekommene Personen, sondern um Leute sozialdemokrattscher G e s t n n u n g, die durch die Organe der Sozialdemokratie aufgehetzt worden seien. Diese Ausführungen der Anklageschrist deuten auf eine gewisse Tendenz hin und veranlassen un», Mißtrauen in d»e Er- klärung der Staatsanwaltschaft zu setzen, warum die Sache vor die dritte Kammer gekommen ist. Ein anderer Grund für die Besorgnis der Befangenheit ist die V e r h ä n g u» g der Ordnungsstrafe gegen mich. Es ist mir nickt angenehm, darüber zu sprechen, aber ich bin von meinen Mitverleidigern dazu bestimmt worden. Der Redner erörtert eingehend den Hergang, welcher mit der verhängung ber Ordnungsstrafe endete und be- zeichnet diese al» sachlich und formell ungerechtfertigt. Als sich der Vorgang abspielte, sei überdies die Sitzung schon geschlossen ge- Wesen, da» Gericht also nicht berechtigt gewesen, eine Ordnungsstrafe zu verhängen. Dadurch, daß der Direktor Lieber einen Gericht»- beschluß herbeiführte, habe er fich zum Richter in eigener Sache ge in acht. Denn formell habe«S sich ja nur um ein Privat- gespräch zwischen dem Anwalt und dem Vorsitzenden gehandelt, wegen dessen er, der Anwalt, nur vor einem anderen Gericht hätte zur Verantwortung gezogen werden können. Rechtsanwalt Ulrich bemerkt, fein Mandant habe nicht die geringsten Bedenken gegen die Unbefangenheit der Richter. Da nun wieder eine andere Kammer über den Ablehnung»- antrag befinden mutz, so schloß der Vorsitzende um 2 Uhr die Ber- Handlung und sitzte dir nächste Sitzung auf Montag 12 Uhr fest._ Hua der Frauenbewegung. Von ber ehelichen LebenSnemeinschaft. Nach d«m ß 1353 de« Bürgerlichen Gesetzbuches sind die Ehe- gatten einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet. Der ij 1354 sichert dein Manne die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten; der Mann bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung. Die Frau ist aber nicht verpflichtet, der Entscheidung de» Manne» Folge zu leisten, wenn sich die Entscheiduitg als Mißbrauch seines Rechtes darstellt. Di« Frau hat z. B. da» Recht, von dem Manne standesgemäße Wohnung und Kleidung zu verlangen, ebenso anständige Behandlung und Beistand in Rechtsstreitigkeiten ustv. Beide Ehegatten sind jeder zu seinem Teile gleichberechtigt und verpflichtet zu einer dem Wesen der Ehe entsprechenden Gestaltung des gemeinsamen Lebens mitzuwirken. Wo aber MeinungS. Verschiedenheiten und Differenzen auS diesen gemein» samcn Fragen entstehen, da— so bestimmt es das B. G. B.— ist die Enftcheidung in die Hand des ManneS gelegt. In Sonder- angelegenheiten der Frau dagegen ist dem Manne keine Entscl)cidung eingeräumt. Dadurch, daß z. B. der Mann der Frau gestattet, einen Gewerbebetrieb zu eröffnen, wird dieser Gelverbebetrieb eine sie lediglich selbst, nicht auch den Mann an- gehende Angelegenheit; sie scheidet au» dem Bereiche der das ge- meinschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten im Sinne de» K 1354 aus. Die Ehefrau kann dem Manne sogar da» Betreten der GewerbSräumlichkeiten untersagen. Die Frau hat die Pflicht, den Namen des Mannes zu führen. Nur, wenn die Frau z. B. als Schriftstellerin oder Künstlerin«in berechtigtes Interesse an der Weiterführung ihres Namen» hat, würde sich d«S Verlangen des Mannes, nur seinen Namen zu führen, der Frau gegenüber als ein Mißbrauch seines Rechte» dar- stellen. Die geschiedene Frau darf ihren Familiennamen wieder annehmen. Ist die Frau allein für schuldig erklärt, so kann der Mann ihr die Führung seines Nomen» untersagen. Nach dem 8 13&8 des B. G. B. Ist die Frau, unbeschadet der Vorschriften des§ 1354, berechtigt und verpflichtet, das gemein» schaftliche Hauswesen zu leiten. Zu Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des Manne« ist die Frau verpflichtet, soweit eine solche Tätigkeit nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist. Nach dem§ l3/z— 50 Proz. unter Preis abgeben, damit unsere guten Sachen nicht de» Ramschern zum Opfer fallen. Infolge unseres ausgedebnten Lersandgeschäftes hat sich wieder ein grotzer Posten angesammelt, so datz jeder etwas nach seinem Geschmacke findet. Freie Besichtigungen— keinerlei Kaufbelästigung. Zum Beweise, datz obiges Angebot streng reell und nicht mit ähnliwen schwindelhaften Angeboten identisch ist, perpflichten wir uns, 10 000 M. Strafe an die Armen Berlins zu zahlen, wenn uns einer in diesem Ausverkauf etwas Unreelles nachweist. Andere Waren kommen mit zum Berkauf, insbesondere Kleider von echt englischen Stoffresten, in der stillen Zeit von unseren Matzschneidern angefertigt. 8788* Gebr. Heinetnann,«O« Behrenstr. 2« a, ltnsere Geschäftsräume sind Sonntags und Feiertags während der BerkaufSzeit geöffnet. Bitte ausschneidc» und bei Bedarf nachfragen. MDWWW auf jeder LixsreNe: lil S;m.m � f rix- tfhöxte Veraand unter Nachnahme oder gegen Vorausbezahlung dea Betrages. Wir bitten genau auf uneera ma und Fabrikmarke zu achten. Garantieectaeln: Nicht gefallende Woren tauschen wir bereitwilligst um oder zahlen Betrag zurück. Umsonst u. portofrei versenden wir auf Wunsch an jedermann unseren grollen illustrierten Weihnaehts- Praeht-Katalog welcher ca. 9000 Grogenstände aller Warengattungen in größter Auswahl enthält. Waren'Lager Im Werte von ca. Vs Million Mark. 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Es ist Pflicht eines jeden Genofien. sich an der Wahl zu beteiligen. Auch die auswärts ivohnenden, aber in Berlin arbeitenden Genossen haben das Recht und die Pflicht, ihr Wahlrecht in Berlin in dem Bezirk, in welchem sie arbeiten, auszuüben. Dir liste Nr. I Liste der freien Gewerkschaften, ist die einzig richtige Liste, die jeder Partei- und Gewcrkschaftsgenosse zit wählen hat. Arbeitslose und Kranke sind wahlberechtigt. Die Verweigerung der Abstempelung der Wahllegitimationeu dlirch die Polizei ist ans falsche Auffassung derselben znrückznfiihren. ES sollen nur solche Personen nicht zur Wahl zugelassen werden, welche im allgemeinen nicht mehr im Arbeitsverhältnis stehe». Allen Zurückgewiesenen empfehlen wir. mit Legitimationspapieren, Jnvalidcnkarte oder Mietskontrakt. Steuerquittung oder Krankenschein zur Wahl zu gehen und sich an dem Tisch, an welchen die Wahllegitimationen geprüft werden, unter Angabe der Zurückweisung eine Legitimation anssüllen lassen. In Zweifelsfällen entscheidet der anwesende Wahlvorstand. Rur ist allen diesen zu raten, recht früh zur Wahl zu gehen, damit der Wahlgang dadurch nicht gestört wird. Arbeiter! Parteigenossen! Memand darf heute bei der Wahl fehlen. Gehe jeder frühzeitig zur Wahl! Es gilt, die Kräfte zu messen gegenüber den anderen Scheinorganisationcn. Die sozialdemo- ratischen Arbeitgeber sind mit gutem Beispiel vorangegangen, indem sie 21 Mandate eroberten. Es muß alles daran gesetzt werden, eine möglichst große Stimmenzahl auf Liste I zu vereinigen. Um Wahltreibereien zu verhindern, werden die Stimmzettelverteiler der Liste l durch Tragen einer roten Armbinde kenntlich sein. Eill empörender Fall von Fursorgeverfahreu wurde gestern vor 8 Tagen bor dem Schöffengericht in Solingen aus gerollt. Er ließ einen Einblick in die Art tun, wie und warum oft «in Fürsorgeverfahren gegen angeblich verwahrloste Kinder ein- geleitet und gewöhnlich auch zuungunsten dieser Kinder durch geführt wird. Die Macher des Ganzen, ein Geistlicher und ein Haoptlehrer. kamen bei Aufrollung des Falles bös unter die Räder. Angeklagt waren der verantwortliche Redakteur der„Belgischen Arbeiterstimme", Genosse Wendemuth in Solingen, und der Filialleiter des genannten Blattes, Genosse Kuptr in Ohligs. Den Gegenstand der Anllage bildete ein Artikel der„Arbeiterstünme der am 10. März d. I. unter der Spitzmarke„Zentrumstoleranz" erschienen war. In dem Artikel war von den» Fabrikarbeiter Peter Sand auL Hilden bei Düsseldorf die Rede, der in einem fortwährenden Kampf mit der Hildener(katholischen) Geistlichkeit liege, weil er sich von der Kirche abgewandt habe, und gegen den seine Gegner nun alle Mittel anwendeten, um ihn mürbe zu machen. Als einer dieser Leute wurde der Bikar Körvrr in Hilden bezeichnet, von dem zum Beweise dafür der Artikel etwa folgendes sagte:„Der Fabrikarbeiter Sand hatte am L.Dezember 1S0S eine Beleidigungsklage gegen seinen Nachbar Johann Müller angestrengt, weil dieser fromme Bruder in Christo ihn in übler Werse verleumdet hatte. Das Amtsgericht in Gerresheim verurteilte deshalb diesen zu 4S M. Geldstrafe, trotzdem sich der Kaplan Körver in der Verhandlung in auffallender Weise für den Angeklagte» ins Zeug legte. Ter Arbeiter sollte aber bald gewahr werden, was es heißt, wenn man es mit einem„Ge salbten des Herrn" verdirbt. In der Verhandlung gegen Müller hatte nämlich der Itjährige Pflegesohn de? Sand(den letzterer als vier Wochen altes Kind von einem holländischen Dienst- mädchen, das zu der Zeit in Köln in Stellung war, ohne jede Vergütung an Kindesstatt angenommen hatte, da er selbst keine teiblichen Kinder besaß) als Zeuge die beleidigenden Acußerungen bestätigt, wie dos auch von einer Anzahl Nachbarn geschehen war. Kurz nach der Gerichtsverhandlung reichte der Kaplan eine Be- schwerdr bei dem Bormundschaftsgericht ein, und zwar mit dem Erfolg, daß der Mann vor kurzem den Bescheid bekam, daß der Junge in eine Fürforgennstalt übergeführt werden sollte. Es begründete das Vormundschaftsgericht den Entschluß damit,„der Arbeiter hätte in bezug- auf die Erziehung des Jungen mit der Geistlichkeit und Lehmschaft nicht Hand in Hand gearbeitet und demzufolge sei ihm das Erziehungsrccht zu entziehen." Das hier dargetane Verhalten des Kaplans wurde mit scharfen Worten kritisiert und die Schlußfolgerung gezogen:„Dieser Fall liefert wieder den Beweis, welch unheilvollen Einfluß die Geistlichkeit auf die Fürsorgeerziehung ausübt, und daß cS endlich an der Zeit ist, daß auf gesetzlichem Wege diesen Herren Fanatikern gründlich das Handwerk gelegt wird." Der angegriffene Kaplan fühlte sich beleidigt und stellte gegen den Genosse kupke als Ver» fasser des Artikels und den verantwortlichen Redakteur Straf- antrag. Der Staatsanwalt erhob Anklage. Der Kaplan wurde als Nebenkläger zugelassen. Als Zeuge vernommen, gab der Bikar an, daß er mit dem ganzen Fürsorgeverfahren nichts zu tun gehabt habe. Er könne aber sagen, daß der Pflegesohn des Sand lügnerisch sei. Auf Befragen des Vorsitzenden und des Bertcidigers der Angeklagten gab der Kaplan an, der Knabe habe ihn einmal belogen, und zwar deshalb, weil er auf Befragen gesagt habe, er halle die Messe besucht,»vaS sich nachher als falsch herausgestellt habe. Der Zeuge gab auf Vorhalt zu, daß der Kleine vielleicht aus Furcht vor Strafe zu einer Notlüge seine Zuflucht genommen habe. Das war alles, was der Herr Kaplan über den„lügnerischen Jungen" wußte. Darauf aufmerksam gemacht, daß er eine Eingabe des Hauptlehrers Sayn an den Waifenrat in Hilden unterzeichnet hatte, worin die Kort- nähme des Pflegesohnes der Eheleute Sand von diesem verlangt wird, weil bei dem„raffinierten und verlogenen Charakter der Eheleute Sand" nichts Gutes für das Kind zu erwarten wäre, gab der Vikar folgendes an: Eines Morgens wäre der Haupt- lchrer Sayn mit dem Schriftstück zu ihm gekommen und hätte ihm die„Sünden" der Eheleute Sand und des Jungen vorgelesen, worauf er gesagt habe:„Wenn dag so ist, dann muß da» Kind von den Eltern fort!" In dem Schriftstück war aufgeführt, daß der Ehemann Sand äußerst raffiniert» ein Prozeßler usw. sei. der seinen Pflegesohn schon als Zeugen mitnehme. Der Vikar mußte .zugeben» die Angaben des Hauptlehrers nicht nachgeprüft zu haben; er hätte auch nicht gewußt, daß das Schriftstück zu amt- lichen Zwecken benutzt werden sollte. Er selbst habe auch die Ehe- leute Sand nicht näher gekannt. Nur einmal sei Sand zu ihm gekommen, weil er seinen Pflegesohn gestraft habe und habe sich nach der Ursache der Bestrafung erkundigt. Das Gespräch habe aber nur wenige Minuten gedauert. Der Hauptlehrer Sahn als Zeuge vernommen, gab an, die Eheleute Sand und der Pflege- söhn seien verlogen. Auf die Frage des Borsitzenden, wie er zu dieser Ansicht gekommen, hatte er erst nur ein verlegenes Achsel- SBlle». Schließlich stellte sich heraus, daß der Pjlegesohn des Sand—» mit den beide», Söhnen des Lehrers zweimal Streit hatte, wobei elfterem noch obendrein übel mitgespielt wurde. Für die„Raffinesse und Verlogenheit" der Eheleute Sand wußte dieser Hauptzeuge nichts weiter vorzubringen. Seine allgemeine „Ansicht" wäre eben so, meinte er. Auf seine Eingabe hin haben sich der Waisenrat, Polizeilommisinr und Bormundschaftsgericht gestützt, mit dem Ausgang, daß den Eheleuten Sand auch das Kind genommen wurde. Der Fabrikarbeiter Sand gab an, auf den Gedanken, der Kaplan Körver habe sich an dem Fürsorgeverfahrcn hervorragend beteiligt, sei er durch verschiedene Beobachtungen gekommen. Er verwies auf den Prozeh mit seinem Nachbar Müller. Eines Tages(vor dem Prozeß) sei sein Pslegesohn nach Hause ge- kommen und hätte weinend gesagt, der Bikar wolle ihn in Für- sorge bringen; er hätte ihm das in der Schule angedroht. Darauf sei er zu dem Vikar gegangen, der schließlich gesagt habe:„Ziehen Sie die Klage gegen Müller(ein spezieller Freund des Kaplan») zurück» bann behalten Sie Ihr Kind." Darauf habe er sich aber nicht eingelassen. Der Vilar hätte ihm sogar noch fünf Mark angeboten! Als dann die Verhandlung gegen Müller stattfand, sei dieser mit dem Vikar gclommen, und der Vikar habe Un- günstiges über seine Pslegesohn ausgesagt, der in dein Prozeß als Zeuge aufgetreten sei Nach dem Termin hätte sich plötzlich der Gerichtsdicner an die Eheleute Sand gewendet, mit dem Be- merken, eben hätte der Bikar KSrver ihm gegenüber die Acußerung fallen lassen, nun müßte der Pflegesohn von seinen Eltern fort. Der Bikar wurde aufgerufen und nun bestritt er,.so gesprochen zu haben. Er habe wohl mit dem Gerichtsdiener gesprochen und gefragt, ob denu die Vormundschaftssache gegen den Pslegesohn des Sand schon erledigt wäre. TaS sei doch eine merkwürdige Frage, meinte der Vorsitzende. Schließlich gab Sand noch an, daß er seinen Pslegesohn adoptieren wollte; das fei vorläufig ab- geschlagen. Deshalb habe er sich auch an den Juftizmiinster ge- wendet. Seine Frau Hab« sich in den Rhein stürzen toollen, als man ihr den Pflegesohn nahm, der ihr sehr ans Herz gewachsen war. Die Ehefrau Sand konnte im wesentlichen die Aussagen ihres Ehemanne» bestätigen und fügte aus eigener Kenntnis noch hinzu, daß der Vormundschaftsrichter zu ihr gesagt habe, das Kind würde ihr genommrn, weil sie und ihr Mann es nicht ver- standen hätten, mit der Geistlichkeit und Lehrerschaft Hand in Hand zu arbeiten. Der Amtsanwalt beantragte für Wendemuth Freisprechung. da auf ihn der Z 20 des Preßgesetzes in Anwendung zu kommen habe, gegen Kupke 50 M. Geldstrafe wegen formaler Beleidigung. Der Berteidiger, Rechtsanwalt Brück-Elberfeld, plädierte für Frei- sprechung. Der Wahrheitsbeweis in derartigen Fällen sei schwer zu führen; in diesem Falle sei er aber vollkommen gelungen. Das Gericht sprach beide Angeklagte frei. Zur Charakteristik des ganzen Falles sei noch erwähnt, daß der Pflegesohn des Sand sich jetzt in Holland bei seiner Mutter befindet. Man hatte den Jungen in Fürsorgerziehung gesteckt, es aber seinem bisherigen Pflegevater überlassen, die Kosten für den Unterhalt zu tragen. Nach einem Vierteljahr holte ihn dieser von Düsseldorf, wo er bei einer Familie untergebracht war, wieder fort und brachte ihn nach Holland, um ihn der Gewalt der Geistlichen zu entreißen. Das ist dem Manne auch gelungen. Noch mehr als das verwerfliche Treiben der beiden Geistlichen muß das gesunde Rechtsempfinden empören, daß unser Fürsorgesystem so wenig Schutz gegen niedrigste Rachsucht bietet, daß gegen ein Kind unter diesen Umständen auf Fürsorgeerziehung erkannt werden konnte. Jetzt wird eS hoffentlich den Beteiligten gelingen, den Fürsorge- beschlutz zur Aufhebung zu bringen, wenn er nicht von Amts wegen in Wegsall gebracht wird. Wird die Staatsanwaltschaft gegen die Jnszenierer dieses Kindesraubs Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung erheben? (Wegen Raummangel wiederholt zurückgestellt.) Hii9 Induftm und ftandel Industrielle Konzentration. Die Verschmelzung der Dortmunder„Union" mit der Deutsch- Luxemburgischen Gesellschaft wird eine gewaltige Umtvälzung her- beiführen. Der Name Stinncs bürgt dafür. StinneS gehört nicht zu jenen Leuten, die fernab von ihren Betrieben, von Schacht und Hütte, in irgendeiner Weltstadt ein Drohnendasein führen. Stinncs ist immer mitten drin, er schmiedet die Riesenpläne und überwacht ihre Durchführung; alte verkommene Zechen werden unter seiner Direktion zu modernen Gruben. Bei Barop(südlich von Dortmund im Kreise Hörde) besaß Stinncs bisher schon die Zechen„Louise Tiefbau" und„Wiendahls- dank". Durch den Handel mit der„Union hat er auch die Zeche „Glückauf Tiefbau" bekommen, die zu den«nodernsten Anlagen ge- hört. Stinnes erwarb ferner die Zeche„Kaiser Friedrich" bei Barop und ist nun dabei, auch die Zeche„Tremonia" in seinen Besitz zu bringen. Und jetzt hört man, daß StinneS auch Absichten aus„Borussia" habe.„Borussia" grenzt unmittelbar an„Kaiser Friedrich" und„Louise Tiefbau". Diese Zeche ist vor zwei Jahren t Algelegt worden, obicho» noch Kohlen anstehen. SünueS erwarb ie seinerzeit, um deren Beteiligung am Kohlensyndikat auf Zeche Bruchstraße" zu übernehmen, Gegen die Stellung wehrten sich die Gemeinden uird erzielten einen Scheinerfolg. Es wurden ein paar Leute noch einige Zeit beschäftigt, dann ereignete sich ein Schachtbmch und Stinnes ließ sofort mit dem Abbruch der Tages- anlagen beginnen; Schachtgebäude und Schornsteine müden mit Dynamit auseinandergesprengt. Die in den unterirdischen Bauen sich ansammelnden Grubenmassen bedrohten die umlicgendcir Zechen. Auf Zeche„Glückauf Tiefbau" war bereits ein Durch- bruch des Wassers erfolgt und es schwebte eine Schadenersatzklage, die durch die Vereinigung mit der„Union" gegenstandslos geworden ist. Nun soll anscheinend auf„Louise Tiefbau" der Betrieb wieder aufgeiwinmen werden. In den Zeitungen werden Schachthaucr und Schlosser für diese Zeche gesucht. Stinnes Plan geht dahin, alle die genannten Zechen unterirdisch durch einen Tunnel zu ber- binden. Sie liegen sämtlich in südlicher Richtung von Dortiiiund in einer Länge von zirka 10 Kilometer zu beiden Seiten der Ber- gisch-Märkischen Eisenbahn. Die Verwirklichung des Planes würde einen Grubenbetrieb schaffen, wie er bisher noch nicht bekannt ist. In erheblicher Tiefe wird von„Wiendahlsbank" beginnend'der Tunnel, der sämtliche Stinneszechcn bettreicht, zum Dortmunder Hafen durchgeführt. Die gesamte Prgouktion kann dann durch einen Ricsenschacht am Hafen gefördert werden. Hier versorgt sich erst die„Union" mit Kohlen, der Ueberschuß wird aus dem Kanal verschifft. Bei dem Gesamtprojekt ist zweifellos auch die baldige Verbindung des Kanals mit dem Rhein in Rechnung gestellt worden. Angeblich sind die Maschinen für den Tunnel- und Schachtbau schon bestellt. Ein weiterer Plan Stinnes geht dahin, die Hoch- ofengase der„Union", die man bisher zlvecklos entweichen ließ, in elektrische Energie umzuwandeln. Damit gewann e man sowohl für den Hüttenbetrieb, als auch für den unterirdischen Transport billige Kraft. Wahrscheinlich ersteht aber auch dem städtische« Dortmunder Elektrizitätswerk eine schwere Konkurrenz, denn die „Union" erbietet sich jetzt schon, die Kilowattstunde Strom für 4 Pf. zu liefern, während das stadtische Werk 10 und 12 Pf. verlangt. Wir sehen, die Industrie eilt mit Riesenschritten sozialistis»Hcn Produktionsformen entgegen. Möge Stinnes der Arbeiterschaft noch so feindlich gegenüberstehen; das eine steht doch fest: der Groß-. industrielle, als Diener der kapitalistischen Tendenz, ist wider Willen ein gewaltiger Revolutionär, der wie wenige dem Sozialis- mus die Wege bereitet!_ Wie moderne Elektrogrschiifte gemacht werden. Zu dem Artikel in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" unter der vorstcheilden Stich- marke wird uns mitgeteilt, daß in der Angelegenheit bereits vor mehreren Monaten eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltsckiast in Frankfurt a. M. eingegangen sei. Auf den Ausgang deö Verfahrens darf man gespannt sei. Trübe Aussichte n. In der soeben stattgefundenen General- Versammlung des Viehzüchter- und GräservereinS in Husum wurde, wie der„Allgemeinen Fleisckier-Zeitnng" berichtet wird, festgestellt, daß angesicktS der außergewöhnlich starken Nachfrage nach Fettvieh in diesem Jahre auch in den letzten Wochen schon viele Tiere ver- kauft wurden, die unter anderen Verhältnissen erst als Magervieh zum Verkauf gekommen wären und daß infolgedessen im Frühjahr voraussichtlich eine Knappheit des Materials für die Weidcmast zu erwarten ist. Wenn das in dem viehreichen SchlcSivig-Holstein konstatiert wird, daS große Gebiete Deutschlands mit Vieh versorgt, wie mag cS da erst in anderen Gegenden aussehen? Getreidepreise an deutschen Fruchtmärkten. Die Bewegung der Preise im Monat Oktober Ivar sehr ungleichmäßig: Weizen und Roggen wiesen eine Preissteigerung, Hafer und Gerste einen Preis- rückgang auf; bei Spelz blieb der Preis unverändert. Der Preis für Weizen stellte sich bei einem Umsatz von 138 090 Doppelzentner durchschnittlich auf 19,12 M. pro Doppelzentner gegen 19,16 im September; er hatte im Oktober 1909 20,57 M.betragen. Den Höchstpreis wies Württemberg mit 25 M. auf, den Niedrigstspreis ivdecklenburg mit 15 Mk. Bei Spelz beträgt der Preis im Oktober wie im September 21,11 M., der Oktoberpreis 1909 stellte sich auf 21,95 M. Der Durchschnittspreis rar Roggen betrug im Oktober d. I. bei einem Umsatz von 140 237 Doppelzentner 14,11 M., der September hatte eine» Preis von 14�22, der Oktober 1909 einen solchen von 15,49 M. gebracht. Am höchsten stand der RoggenpreiS un Oktober d. I. in Württemberg, wo er 21 M., am niedrigsten in Wdecklenburg-Scliwerin, wo er 12,50 M. betrug. Bei Gerste ist der Durchschnittspreis im Oktober bei einem Umsab von 49 857 Doppelzentner auf 11,04 M, gestiegen; er stellte sich rm September ertjs 14,18, im Oktober 1909 auf 16,39 M. Der Höchstpreis wurde in Württemberg mit 21 M., der Niedrigstpreis in Mecklenburg- Schlvcrin mit 11,50 M. iwtiert. Hafer endlich hatte im Berichts- monat bei einem Umsah von 102 557 Doppelzentner einen Preis von 14,88 M. aufzuweisen, der Septemberpreis betrug 14,49 M., der Preis von Oktober 1909 15,21 M. Den Höchstpreis wies wieder Württemberg mit 19,29, den Nicdrigstpreis Ostpreußen mit 11,90 Mark auf. Bichmangel. Die außerordentliche Viehzählung in Bayern vom 10. Okiober ergab, daß die Zahl der Rinder um 239 693 Stück oder 6,4 Proz., die der Schafe um 96 981 Stück oder 13,2 Proz. ab- genommen hat, während die Zahl der Schweine um 179 205 Stück oder 8.7 Proz., die der Ziegen um 4787 Stück oder 1,6 Proz. zunahm. Amtlicher Mnrktbrrtch» der ftödtllcheii Marktvallen-Dtrektlon über den Erotzbandel in den Zenwal-Marcktballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schmach, Gelchält still. Preise unverändert. W t I d: Zufuhr sehr reichlich,«Setchäst nicht lebhast genug, Prclsc ziemlich unverändert. G-» I l ü g e l: Zusuhr reichlich, Gcichäst nicht lebhast geiuig, Preise gedrückt. Fische: Zusuhr mählg, lLeschäst ziemlich Icbhast, Preise wenig verändert. Suiter und Käse: Geschält ruhig, Preiie unverändert. Gemüse, Ob» und Südsrüchtc: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig, Preist unverändert. (Siche Wochcn-Tpiclplan.) Freie LulkSbiihnc: Sonntag, den 13� N o v e m b e r, nachmittags 3 Uhr: Neues Schauspielhaus. 10. Abteilung (Gruppe 41): lieber unsere Krajt. Herruseld-Tbcatcr. 1.— 3. Abteilung. (Gruppe 3—5, 3—10): Der Herr Senator-. Residenz- Theater. 1. Abteilung. (Gruppe 1): Die 300 Tage. Montag, den 11. November, abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 10. Abteilung III. Abendabteilung: Uebernuscre Kraft. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, den 13. November, nachm. 2'lt Uhr: DeutfcheS Theater: Die Räuber. Kammcrspicle: KatvZ.ii. Nachm. 3 UKr: Neue? Volls-Thcater: lieber unsere Kraft, l. Schiller-Tbcater 0.: Die Ehre. Schiller- Theater Charlotlenburg: Egmont. Neues Operetten- Theater: Die Glocken von CorncviUe. Neues Theater: Tarlüsf.— Die Ge< schivisler. Kleines Theater: Moral. Metropol-Thcatcr: Pariser Leben. r.beuds S'la Uhr: Neues Polks-Thenicr: lieber unsere Kraft I. Hochschule sür Musik: Vcdhovenfcicr. Neues Volks- Theater: Moittag: Asbrand. Dienstag bis Sonn abend: lieber unsere Krast. I. Volls-Oper: Freitag: Der Freischütz. Montag: Don Juan. l.essinZ-Iiieatel'. 8 Uhr: Taulris d. Narr. 8 Uhr: TÄcnii der junge Wciu blüht. Montag 8 Uhr: JbscnzukluS, 4. Vor- slellung: Ei» Lolksfeiiid. berliner l'tieeiter. AbcndS 8 Uhr: Der neue Kompagnon. Nachm. 3 Uhr: Pension Schüller. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Heule und täglich 8 Uhr: Dlv bof.te der Frauen. Neues Theater. Täglich: Gastspiel Ferdinand Bonn. . Kean. __ Ansang 8 Uhr._ Berliner Volksoper Nachm. 3'/, Uhr: Der Freischütz. Abends 8 Uhr: Die Slfrikauerin. Tdester des Westens. Ansang 8 Uhr. Die«cliUnste l i au. Sonnt. 3'lt\X.: Die geschiedene Frau. Miltivoch(Lnhtag) 8 Uhr: 0ra- toriiim: Die Schöpfung. Residenz-Tlieater. Direktion: Richard Ztlcxander. Abends 8 Uhr: Noblesse oblixe. Schwank in 3 Akten von Hennequi» und Beber. Sonntag, 20.-N.D.(Totensonntag) zu ermäsjigtcn Preisen: Die Came- lieudauie. Margue'.ile Gauthier: M. Rcisenhoser. Luisen-Theater. NachmiitagS 3 Uhr: Der Hnttenbesitzer. Abends 8 Uhr: Berlin geht zu Bett. Montag: Der Hütteubcsitzer. Dienstag: Der'Hütlenbesitzer. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Preziosa._ Friedrich-Wiltielmstadtisches Scliauspieihaus. Sonntag, den 13. Nov., abends 8 Uhr: IM« Räuber. Nachm. 3 Uhr: Klette» Zum Schlusi: Niabe. Mvntag: Die Räuber. Dienstag: Die Räuber. OSE=THEATE| Kroge Frankinitcr Str>32. Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Die Verschwörung der Frauen. AbcndS 8 Uhr: IMe Räuber. Montag: Fritz Reuter. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch: Kcschlosscn. 10 neue Attraktionen 10 Nachmittags «'/, Uhr: Nachmittags Preise. Abends 8 Uhr: Das Kolossal-Programm mit Rizzl Wir Iii in ihrer Operetten-Neuheit W Franenrütsel. □ □□ Urania. Wissenschaftliches Theater Tanbenstraße 48/19. Abends 8 Ubr: Der Vlerwaldstfttter See und der Gotthard. Hörsaals ühr: Dr. Eiohard Hennig; Deutschland im Weitverkehr. DO ÖD □□□ lOSSSCHER GARTEN Heute Sonntag: — Eintritt.5« Pi.— Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Ab nachmittags 1 Uhr! Or. Militärkonzert. Täglich nachm. 1 Uhr: Großes Bilitllrkonzvrt. Donnerstags: loh. StrauB. Marionetten- Theater Biinchener Künstler. Ausstellungs- Hallen Portal IV am Zoo Portal(V Nachmittag und Abend: Kleine ßptni uml Puppenspiele Eintritt l. 2, 3 und 4 Mark. Kfctropcl' Theater. Abends 8 Ubr— Rauchen gestaltet. Pariser l-cbcu. Hnrra! Wir leben noch! 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Kämmerer, Elisabethufer 37; Anna Köhler, Drbanscr. 134; W. Kolbin, Bdlowstr. 56; H. Koppe, Tilsiter Str. 45; G. Kuhring, Jabustr. 1; Parske, Büschingstr. 2; Alberl Rensky, Choriner Str. 23; W. SeideJ, Ber�raannstr. 59; M. Gölfert, Yorokstr. 40; A. Rietdorf, Eixdorf, Pannier- straße 39—40; A. Abraham, Donaustraße 25; K. Schönebeck. Schöneberg. Brunbildst- 7. a« na 3J8 CS SBBHBBBflllBßB a B■ B B H AdBAUBuOk AZA A ä ää AÄÄÄ. Castans Panopium Fri(epd:i�rPale..;65 Größtes Schau-Etablissement Berlins. Großes Künstler-Konzert und Spczialitilten-Vorstellang. Tfiglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. LICHTSPIELE Mozartsaal— Nollendorfplatz Heute der neue Spielplan. DAUERVORSTELLUNQ 3—11 UHR. Ii Sonntag, den 13. November: 2 Große Iförstellonp 2 Nachm. S'l, Uhr u. abends 71ls llfir. Nachmittags bat jeder Erwachlene 1 iUnd untrr zehn Jahren frei aus allen Plätzen autzer Galerie, scdeS weiteic!lntd unter 10 Jahren halbe Preise. In beiden Vorstellungen �eiclihsltixes Progi-gTini. 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Den Ursprung zu der gemeinsamen Arbeitseinstellung bildete, wie sich aus der Verhandlung ergab. folgender Sachverhalt: Von den 200 Kontoristen, welche die Firma beschäftigt, machte sich eines Tages einer der Gehilfen den Scherz, das Pult eines Mitangestelltcn während dessen Abwesenheit meterhoch mit Kästen zu belegen. Der Prokurist der Firma stellte zuerst die gemeinsame Frage und, als er keine Antwort erhielt, an jeden einzelnen die Frage, wer sich den Unfug erlaubt hätte. Sämtliche Angestellte weigerten sich, den betreffenden Kollegen zu nennen. Taraufhin verfügte der Geschäftsführer M., daß die Angestellten mit Aus- nähme einiger Unbeteiligter„zur Strafe nachbleiben sollten". M. verfügte dies mit den Worten:„Diese Woche werden Sie eine Stunde zur Strafe länger arbeiten, vielleicht auch nächste Woche; wenn Sie artig sind, verkürzen wir die Zeit." Diesem Verlangen kamen alle Angestellten außer den vier Klägern nach, und die Folge war für letztere die Entlassung wegen Arbeitsverweigerung. Die Kläger stützten ihre Klage darauf, daß sie in der Maßregelung eine dem Arbeitgeber nicht zustehende ungerechtfertigte Tisziplinierung erblicken. Sie hätten auch in der Tat nicht gesehen, wer dem Buch- Halter den Schabernack gespielt hätte. Die Firma dagegen be- hauptet, daß es sich tatsächlich um wichtige Nacharbeiten gehandelt habe, sie mußte aber zugeben, daß sonst immer ganz pünktlich um 7 Uhr geschlossen wurde, und daß die Anordnung am ersten Tage für die Kläger eine Strafe für die verweigerte Auskunft bilden sollte. In der Beweisaufnahme wurde noch festgestellt, daß nür die Kläger nacharbeiten sollten, und daß die ihnen aufgetragene Arbeit nicht die von ihnen sonst verrichtete war. Ter Prokurist I. bekundete auch, daß er selbst eine Disziplinierung nicht gut hieß, und sie, wenn er es vorher gewußt hätte, inhibiert hätte. Das Kanfmannögericht entsprach dem Antrage sämtlicher vier Kläger, indem es die Beklagten zur Zahlung der restlichen Gehälter verurteilte. In der Begründung heißt es: Wie die Beklagte selbst einsieht, ist eine Disziplinierung der Kläger, weil sie sich weigerten den Namen des Kollegen anzugeben, eine unzulässige Maßregel ge- Wesen. Das Gericht ist der Ueberzeugung, daß die'Disziplinierung, die der Prokurist verboten hatte, doch auf Umwegen vom Geschäftsführer M. fortgesetzt worden ist. Es geht das auch daraus hervor. daß ihnen nicht in ihren Ressorts gehörende Arbeiten übertragen worden waren, und daß man ihnen die Arbeiten wenige Minuten vor Geschäftsschluß gab, um sie dadurch zum Nacharbeiten zu zwingen. Die Weigerung der Kläger kann nicht als eine beharr- liche angesehen werden. Ihr Anspruch ist darum in vollem Umfange gerechtfertigt. Betriebsunfall. Aus welch kleinen Anlässen heraus schwere Erkrankungen ent- stehen können, lehrt folgender Fall. Der Schriftsetzer P. war am 28. August 1909 beschäftigt, sich mit einer neuen Waschbürste die Hände zu reinigen. Hierbei verlcyte er sich den Daumen der rechten Hand, indem eine Borste der Waschbürste ihni in das Fleisch drang. P. zeigte diese kleine kaum sichtbare Wunde seinen Mit- ardcitern. Nach zwei Tagen stellten sich Schmerzen«in. P. mußte sich in ärztliche Belmndlung begeben. Di« Wunde heilte verhält- uismäßig schn«ll.(12 Tage.) P. nahm die Arbeit wieder auf. Anfang Mai 1910 wurde der im August 1909 verletzte Daumen wieder dick, der Arzt stellte Gelenkfistcl fest. P. erhob nunmehr bei der zuständigen Deutschen Buchdrucker-Berufsgenossenschaft Anspruch auf Entschädigung. Er wurde abgewiesen weil nicht erwiesen sei, daß ein Unfall überhaupt stattgefunden und die im Mai 1910 eingetretene Erkrankung des Taumens nicht mit cincul Unfall im Zusammenhang stehe. Hiergegen legte der Verletzte Berufung beim Schiedsgericht für Arbritcrversicherung Stadtkreis Berlin«in. Dasselbe forderte von dem behandelnden Arzt Dr. R., Spezialarzt für Chirurgie, ein Gutachten eim In diesem heißt es:..... eine solche kleine Wunde braucht zunächst, solange sie noch realtionslos ist, nicht sichtbar zu sein; sie wird dies oft erst, wenn ihre Ränder sich entzünden und «ttvaS aufquellen... Ich halte«s daher sehr ivohl für möglich, daß der Verletzte sich eine harte und steife Borste in das Gelenk hineingestochen hat, die das Gelenk zunächst entzündet aber nicht eitrig infiziert hat."... Das Gutachten führte dann weiter aus, daß diese ursprünglich leichte Gelenkcntzündung zu einer all- mählich sich ausbreitenden Erkrankung de» Knochens geführt habe. Ter Umstand, daß die Knochenerkranlung an der Beugeseite ein- trat, während die Hanttvunde an der Streckseite lag, spräche durch- aus nicht gegen den Zusammenhang, da wcchrsckstinlich die Borste schräg ihren Lauf genommen habe. Der Arzt hielt den Zusammen- hang zwischen der Verletzung und der nach Monaten eingetretenen Erkranlung�für gegeben. Auf Grund dieses Gutachtens verurteilte dann das Schiedsgericht die Genossenschaft zur Entschädigung. Nicht immer gelingt der zweifellose Nachweis zwischen einem Unfall und einer später erst eintretenden Erkrankung. Jnsbe- sondere dam« nicht, wenn der crstbehandelnde Arzt der Verletzung wenig Bedeutung beimißt und von den Verletzten über die Art des Unfalls nicht genügend informiert wird. Unsere Leser können an diesem Fall wieder ermessen, wie oft kleine Ursachen große Wirkungen hervorrufen und wie notwendig es ist, auch die kleinste Verletzung zu beachten und für Beweismittel Sorge zu trägem Verlamlnlungen. Der Gefamtzweigverein Berlin des ZeutralverbandeS de? Maurer hielt am Sonntag in den Gcrmaniasälen, Chaussecstraße, seine Generalversammlung ab. Es wurde zunächst der Kassen- becicht vom dritten Quartal verlesen. Tie Einnahmen der Sektionen bcliesen sich auf 142 675,43 M., die Ausgaben auf 8 624,63 M., der Kassenbestand der Sektionen ist im Lause des Quartals von 127 875,80 Mk. auf 134 050,80 Mk. angewachsen. In der Zweizvereinskasse betrugen die Einnahmen, den alten Bestand von 59 715,5l Mk. mitgerechnet, 200 749,22 Mk., die Ausgaben 135 986,78 Mk., so daß der Bestand am Quartalsschluß auf 64 742,44 Mark gcstiegeti war. An die Hauptkasse sind 90 817,01 Mk. eingesandt worden- Ter gesamte Kassenbestand dcS Zweigvercins war am Quartalsschluß 198 813,24 Mk. Der zweite Punkt der Tagesordnung war:„Die Ver- schmelzung des Zcntralverbandes der Maurer mit dem der Bauhilfsarbeiter", die sich bekanntlich mit dem 1. Januar 1911 vollzieht. Der Vorsitzende, Otto Hanke, gab hierzu eine Uebersicht über die wichtigsten Bestimmungen des neuen Statuts für den gemeinsamen Bauarbeitcrverband, namentlich, so- weit dabei die künftige Gestaltung des Zwcigvereins und dessen Ver« waltung in Frage kommt. Tie Verwaltung wirh nicht nur durch die Verschmelzung mit den Bauhilfsarbeitern vereinheitlicht, son- dern auch dadurch, daß die besonderen Kassenvcrwaltungen der Sektionen der Putzer,>der Gips- und Zemcntbranche, sowie der Maurer aufgehoben und von der Zweigvcreinstasse übernommen werden. Dasselbe gilt von der Einkassierung der Beiträge und der Verbreitung des„Grundstein". Die Sektionen selbst bleiben jedoch bestehen und erledigen nacy wie vor ihre desonderen Berufs- oder Branchenangelegenheiten. Im Zweigvereinsvorstand sollen die gelernten und ungelernten Arbeiter möglichst entsprechend ihrer Mit- glicderzahl vertreten sein. In Groß-Bcrlin werden die Bauhilfs- arbcitcr oorläufig ungefähr ein Fünftel oer Mitgliederzahl des ge- ineinsamen Ziveigvereins ausmachen, und da nun für den Zweig- Vereinsvorstand 5 besoldete Vertreter in Frage kommen, sind aus den Reihen der Maurer 4, und aus den Reihen der Bauhilfsarbeiter einer zu wählen. Macht sich die Anstellung eines sechsten Vertreters notwendig, so soll dieser Posten wiederum mit einem Bauhilfs- arbeiter besetzt werden. Die Wahlen zum Zweigvereinsvorstand finden am 16. November in allen Bezirrcn und Zahlstellen in ge- meinsamcn Mitgliederversammlungen der Maurer, Putzer, Gips- und Zcmentarbeiter usw., sowie der Bauhilfsarbeiter statt. Gleich- zeitig werden auch die Wahlen zum Verbandsausschuß vollzogen, sowie die der Delegierten zur Gaukonf-rcnz, die auf den 21. No- vember einberufen ist.— Die Generalversammlung erklärte sich mit der zu diesen der- schiedenen Wahlen vorgeschlagenen Verteilung der Posten und Man- date einverstanden und beschloß ferner, daß für die Kandidaturen nur solche Mitglieder in Frage kommen können, die ihre Qrgani- sationspapiere vollständig in Ordnung haben, oder, wo Beitrags- schulden vorhanden sind, um Gestundung nachgesucht haben, und außerdem auch Mitglieder der politischen Organisation sind. Tie Versammlung diskutierte sodann über die vorgeschlagenen Kandidaten und stellte die Kandidatenlisten auf, soweit hierbei der Zweig:- verein der Maurer in Betracht kommt. Tarauf wurden 19 Mit- glicder für das Wahlkomitce gewählt, das am Tage nach den Wahlen die Stimmen auszuzählen und das Ergebnis festzustellen hat. Dem Wahlkomitee gehören außerdem 5 Mitglieder aus den Reihen der Bauhilfsarbeiter an.> � Zentralvrrband der Mnurer. Die Gipsbranche, die Putzer, Träger und Rabitzspanner hielten am Freitag bei Jannaschk in der Jnselstraße eine Mitgliederversammlung ab, in der als erster Punkt: Der Deutsche Bauarbeitervcrband aus der Tagesordnung ftand. Der Scktionsvorsitzende H a e s e legte dar, welche Ursachen und Gründe für den Zusammenschluß des Maurer- und des Bauhilfsarbcitervcrbandes zu dem gemeinsamen Bau- arbcitcrvcrband ausschlaggebend waren, der mit dem 1. Januar koiiimciiden Jahres ins Leben treten wird. Die Sektion der Gips- und Zementbranche bleibt nach wie vor bestehen und regelt wie bisher ihre besonderen Branchenangelegenheiten. Tie Vcrschmcl- zung bat für die Sektion im wesentlichen nur die Veränderung zur Folge, daß die besondere Kassenverwaltung aufgehoben wird und in die des gemeinsamen Zweigvercins aufgeht. Zur Glicde- rung der Sektion schlägt der Redner im Namen des Vorstandes vor, daß die Sektion in Zukunft aus zwei Gruppen, der Gips- baubranche und der Zementbaubranche bestehen soll. Jede der beiden Branchen wählt drei Mitglieder in ihren Vorstand und da- mit zugleich in den Sektionsvorstand, der mit dem in der General- Versammlung zu wählenden Sektionsvorsitzenden aus 7 Personen zusammengesetzt sein soll. Ferner empfiehlt der Redner, daß dem Vorstand auch die Vertretung gegenüber den Unternehmern in der Schlichtungskommission übertragen wird.— Diese Vorschläge wurden nacii kurzer Debatte von der Versammlung fast einstimmig gutgeheißen. Sodann wurde der Branchenvorstand gewählt und zwar als t. Vorsitzender Lemm, 2. Vorsitzender Ernst Pfeifer, Schriftführer Bruno Sasse. Für die Wahl des Sektionsvorsitzendcn wurde der bisherige Vorsitzende Haese nominiert. Zu den Ge- werbegcrichtswahlcn am 13. November forderte Haese zu allgc- meiner Beteiligung auf, die für die Arbeiterschaft des Gips- und Zemcntbaugcwerbes um so notlckvndiger ist, als gerade sie in vielen Fällen genötigt sind, das Gcwcrbcgcricht in Anspruch zu nehmen. Als Delegierte zu der am 20. November stattfindenden Gau- konferenz sind von der Sektion der Gips- und Zementbranche ge- wählt: Otto Haese, Georg Schmidt und Otto Plagemann. Die Filiale Berlin des Kürschnerverbands hielt am Mittwoch in den„Musikersälen" ihre Generalversammlung ab. Die Abrcch- nung vom 3. Ouartal, die den Mitgliedern vervielfältigt vorliegt, schließt mit der Bilanzsumme von 9710,55 M. ab. Unter de» Aus- gaben sind für die Streikunterstützung aus der Hauptkassc 389 M., aus der Lokallasse III M., für Krankenunterstützung 696,90 M., an die Hauptkassc gesandt 4600 M. Die Mitglicderzahl der Filiale ist im Laufe des Quartals von 551 männlichen und 751 weiblichen auf 586 männliche und 820 weibliche, also auf 1406 Mitglieder gestiegen. In die Sckretariatskommission wurde R a s ch k a gewählt. Unter„Gewerkschaftliches" berichtete der Vorsitzende Fritze über den Streik bei der Firma Salbach, der mit dem Abschluß eines Vertrages endete, der in den Hauptpunkten dem allgemeinen mit den Pelzwarcnsabrikantcn abgeschlossene» Vertrage entspricht, den Arbeitnehmern ferner die«aisonzulage sicherstellt und einen Schutz vor willkürliche» Entlassungen und Lohnhcrabsetzungcn bietet. Im übrigen teilte der Redner mil, daß sich jetzt innerhalb der Mützenbranche die vom Kürschnervcrband an- gcstrebte Umwandlung vom Akkordlohn- zum Wochenlohnsystcm vollzieht, und daß neuerdings auch die Firmen A. Winter und Schede ler das Wocbenlohnsysteni eingeführt haben. Außerdem wurde in der Versammlung die L e h r l i n g s z ü ch t c r e i, die sich im Kürschncrbcruf immer mehr ausbreitet, scharf kritisiert. In folge der seit einigen Jahren vom Unternehmertum und seiner Fachpresse zwecks Heranziehung von Lehrlingen betriebenen Agita- tion ist es dahin gekommen, daß gegenwärtig in Berlin 140 Lehr- linge im Kürschnerbcrus vorhanden sind, die zu einem Teil sogar vielmehr ausgebeutet als ausgebildet werden. Erwähnt wurde unter undercm. daß die Weltfirma H c r p i ch Söhne, die mit ihren „erstklassigen" Arbeitskräften große Reklame macht, nicht weniger als 16 Lehrlinge, bei jetzt, in der Saison, 39 Gehilsen beschäftigt: die Zahl der Gehilfen wird wohl nach Weihnachten auf 20 bis 22 herabsinken. Hat ein Lehrling ausgelernt, so heißt es in der Regel, daß er nicht genug leiste und deswegen nicht weiter beschäftigt werden könne.— Schließlich befaßte sich die Versammlung noch mit verschiedenen anderen Mißständen; namentlich wurde hervor- gehoben, daß es in einer Reihe von Betrieben nur zu sehr an der nötigen Reinlichkeit mangelt. Zrntralvcrband der Töpfer. In der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung gab der Vorsitzende Segawe den Vor- siandSbericht für das Dritte Ouartal. Unter anderem teilte der Redner mit, daß 84 Streitfälle auf Bauten zu erledigen waren. An den Verhandlungen der Streitfälle nahmen in 12 Fällen die Vertreter der Meister teil. Zwei Bausperren wurden im Laufe des Quartals verhängt. Die«tatistik des Arbeitsnachweises er- gibt, daß die Konjunktur im dritten Ouartal dieses Jahres wcsent- lich ungünstiger war als in derselben Zeit des Vorjahres. Ende September 1910 Ware» 430, Ende September 1909 aber nur 268 Arbeitslose eingeschrieben.— In Königs-Wusterhausen wurde eine Lohnbewegung geführt, die mit dem Abschluß eines Tarises endete.— Die vom Kassierer B o»i h a m m e I erstattete Ab- rcchnung zeigt eine Einnahme von 17 125,66 M., eine Ausgabe von 14 530,23 M. Das Vermögen der Lokalkasse beträgt 46072,33 M. Für UnterstützungSzwecke wurden 4107,45 M. ausgegeben. Die Mitgliederzahl am Schluß des Quartals 2187. das sind 12 weniger als am Ende des ziveitcn Quartals. Uebcr den seit zwei Wochen bestehenden Fensterstreik wurde berichtet: In der ersten Woche sind 1b ungenügend und 10 gar nicht verglaste Bauten gemeldet worden, auf denen zusammen 280 Töpfer beschäftigt waren, welche ig den Streik einträte». Einschließlich der 482 Arbeitslosen waren also 762 Per- joncn zu unterstützen. Das sind 300 mehr als im vorjährigen Fensterstreik. In der ersten Woche wurden 3600 M. Streik- Unterstützung gezahlt. Gegenwärtig sind noch drei Bauten vom Streik betroffen, aber die Zahl der Arbeitslosen hat sich um 120 vermehrt, so daß noch 371 Mitglieder zu unterstützen sind. Im Interesse einer vollständigen erfolgreichen Durchführung des Fenslerstreiks beschloß die Versammlung, die Streilunterjtützung auch noch für die dritte Woche zu zahlen. ) Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Shcrlock Holmes. Allabendlich bis Dienstag: Der Doppelmensch. Mittwoch: Ge- Ichlojjcn. Donnerstag bis Sonntag: Der Doppelmensch. Ansang 8 Uhr. Komische Lper. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Arzt wider Willen. Abends: Tie Boheme. Montag: Der Arzt wider Willen. Dienstag: Die Boheme. Mittwoch: Geschloffen. Donnerstag: Tiesland. Freitag: Die Boheme. Sonnabend: ToSca. Sonntag: Die Boheme.?>nsang 8 Uhr. Thalia-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Hochtourist. Abends und Montag und Dienstag: Polnische Wirtschast. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: Polnische Wirtschasi. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Aschenbrödel. � Abends: Polnische Wirttchast. Sonntag: Haubenlerche. Ansang 8 Uhr. Schillcr-Theatcr«. Sountagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre.?lhends: Robert und Bertram. Montag: Sodoms Ende. Dienstag: Das Urbild des Tartüff. Mittluoch: Geschlossene Vorstellungen. Donnerstag: Sodoms End«. Freitag: Der Bibliolhekar.«onnabcnd: Die Welt, m der man sich lang- weilt. Sonntag: Sodoms Ende. Montag: Die Liebe wacht. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater Eharlottenburg. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Egmont. Abends: Die Liebe wacht. Montag: Der Dummkopt. Dienstag: Prinz Friedrich von Homburg. Mittwoch: Geschlossene Vorstellungen. Donnerstag: Das Urblid des Tartüff. Freitag: Prinz Friedrich von Hom- bürg. Sonnabendnachinitlag 3 Uhr: Wilhelm Tcll. Abend?: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnlag: Kabale und Liebe. Anfang 8 Uhr. Friedrich-BZilhelmstadtischeS SchauivirlhauS. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Kletten. Niobe. Abends bis Dienstag; Die Räuber. Mittwoch: Geschloffen. Donnerstag und Freitag: Die Räuber. Sonnabend- nachmittag 3 Uhr: Die Hermannsschlacht. Abends: Unbestimmt. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: KricmhildS Rache. Abends: Krieg im Frieden. Montag: Die HermaimSschlacht. Ansang 8 Uhr. Neues Operetten- Theater. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Cchncnillc. Täglich bis Dienstag: Der Gras von Luxemburg. Mittwoch: Geschlosseu. Doiinetslag und Freitag: Der Gras von Luxem- bürg. Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Die goldene Märchenwelt. Abends: Der Gras von Luxemburg. Sonntag: Wen» der junge Wem blüht. Ansang 8 Uhr. Nesidrnz-Theater. Allabendlich: I7odloszo obligo. Ansang 8 Uhr. (Mittwoch: Geschlossen.) Th ater des Meile nd. Sonntagnachmiltag 3V, Uhr; Die geschiedene Frau. Täglich: Die schönste Frau.(Mcltwoch: Oratorium Die Schöpsung) Sonntag: Der sidclc Bauer. Ansang 8 Uhr. Trtanon- Theater. Sonutagiiachmittag 3 Uhr: Theodore u. Eic. Allabendlich: Der heilige Hain.(Mittwoch: Geschlossen.)?lnlang 8 Uhr. Berliner BolkS-Oper. Sonntagnachmitlag'd'l, Uhr: Der Freischütz. Abends 8 Uhr: Tic Asrilanerin. Montag: Don Jnan. Dienstag: Martha. Mittwoch: Geistliches Konzert. Donnerstag: Die weitze Dame. Freiing: Der Freischütz. Sonnabend: Rigolelto. Sonntag und Monlag: Der Troubadour. Ansang 8'/, Uhr. Luisen- Theater. Sountagnachmittag 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Abends: Berlin gebt zu Bcit. Montag bis Mittwoch: Der Hüttenbesitzer. Donnerstag: Preziosa. Freitag: Berlin geht zu Bett. Sonnabend: Durch- gegangene Weiber. Soimlag: Unbestinmtt. Montag: Am grüne» Weg. Ansang 8 Uhr. Lust, vielbans. Allabendlich: Der Feldherrnhügel. Ansang 8 Uhr. Diesen und nächsten Sonniagnachmiitag 3 Uhr: DaS Leutncmtsmündcl. (Mittwoch und Sonntagabend: Geschloffen.) Nletropol- Theater. Allabendlich: Hurra l— Wir leben noch I Ansang 8 Uhr.(Mittwoch: Geichlosscn.) Herrtiseld-Theater. Täglich: Eine verlorene Nacht. Der Derbhfieger. Ansang 8 Uhr.(Mittwoch: Geschlossen.) Easino-Theater. Täglich: Der schneidige Nudols. Anfang 8 Uhr. Henic nachmittag ä'l, Uhr: Mutter G rädert.(Mitwoch: Geschlossen.) Nächsten Sonntagabend: Ackermann. Nosc-Tdeater. Soiintagnachnliltag 3 Uhr: Die Verschwörung der Frauen. AbcndS: Die Räuber. Montag: Fritz Reuter. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch: Geschlossen. Doimelstag: Das neue Gebot. Freitag und Sonnabend: Sein Prinzetzchen. Sonulag mid Montag: Die Räuber. Ansang 8 Uhr. Kölies Eaprlec. Allabendlich bis aus weiteres: Der Feldwebelhügcl. Ansang 89, Uhr.(Mittwoch: Geschlossen.) Rvollo-Thratrr. Alladendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Diesen und nächsten Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten.(Mittwoch: Geschlosseii.) Bniinge< Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialttäten. Allabendlich: Spezialitäten. Aiffnnz 8 Uhr.(Mittwoch: Geschlossen.) nrnilta- Theater. Taudcmlr. 48/49, sonn lag: Der Vierwaldilätter See und der Gotthard. Montag: Durch Indien und Ceylon. Tterttwarle. Jnvalidenitr. 07—62. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Ubr.(Mittwoch: Geichlossen.) Reichshalleu. Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.(Mittwoch: Vieschloffeu.) Walhalla- Theater. Allabendlich: Bravo l Da capo I Spezialitäten. Ansang 81/, Uhr.(Mittwoch: Geschlossen.) Sanssonci. Allabendlich: Ach, die KerlS. Spczialllätcn. Ansang 8'/« Uhr.(Mittwoch: Geschloffen.) Earl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. (Mittwoch: Geichlossen.) Sechster Wahlkreis! Sonntag, den 13. November, abends 6Vz Uhr: 2 öffentliche politische Versammlungen für Männer nnd Frauen. 1. In den„plksi'US-SLIon", Miillerstraße 14Ä. Vortrag des Genossen LandtagSadgcordncten Adolf IfofflTianil! Gottgewollte Abhängigkeit und menschliche Logik. 2. Im„RtasKiKvn Gesellschaftshaus(S Wiclefstr. 24. Vortrag der Genossin Ltlise ZietZ• Der lvirWastlichk und Politische Kampf der Arbeiterklasse iu der Gegenmart. Nach den Versammlungen: Gemütliches Beisammensein. Tanz 30 Pf. �eleilrlcd Stitller, Prinz-Eugen-Str. 16. KAjM L,e EMvenistt. All-Moabit 43. Montag, den 14. November, abends S»Hr. in Fev» GeseNichnftshauS, Brunncnftr. 184: Oetkeatl. Volksversammlunx. TageS-Ordnnng! 1. Bortrag:„Was wollen wir Anarchisten?" Rrscrent: Genosse Bertold Lahn. l7S8b L. Z�reie Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorntand. I. SI. l Robert Hüller, Anklamer Str. 31. HI. ZentralverbandderHausangestellteu Sonntag, den 13. November, abend« 7 Uhr.(in den Eorona- Aestsnlen(srühcr: Neue» SilubhanS).«ommandantenstrahr 7i! l: vienttboten- Versammlung. TageS- Ordnung: Bortrag: ,100 Jahre preußische Gesindeordnung». Referent: Ardeitcrsekretär Hermann dlüilee. Freie Aussprache. 292/15 Nachdem:«emütliche««eisauimenfrin.»MW_ tStlüf TerwnUnnc Uerlln. Sonntag, den 13. November, abends S'/o Uhr: Brancheu-Versammlung für alle in der Ktock-, Schirm- und Haarschmuck-Sranche beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen in den Ritter-Tälen. Ritterstr. 7». Tagesordnung: Vortrag. Nachher: Äcmtitl. Beisammensein u. Tanz. Tisch-Branche. Sonntag, den 20. November, vorm. v'/, Uhr: Kranchen-Verfammluug für Kerlin«. Uororte im Englischen Garten, Alexanderstr. 27«. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchentommission. 3. Diskussion. >. Lerbandsangelegenhetten._ Bautischler, Bez. 1» Montag» den 14. November, abend? 5,/j Uhr (gleich nach Feieradend): Kranchen-Nerfammlnng bei Raab«, Fichtestr. 20. Tagesordnung: t. Deraiung der Anträge zur General-Versammlung. >. BerbandSangelcgcnheiten. Bautischler, Bez. T. Montag. Tagesordnung den 14. November, abends 6 Uhr (gleich nach Feierabend): Kranchen-K.rfammlung bei Zieh, Warschauer Strafte«4. nung-. 1. v« 2. Lerbandsangelegenhetten. Seratung der Anträge zur General� /Versammlung Bilderrahmenmacher. Bufttag: Herrenparkie nach GrLnheide zum Bater Aielitz. ai'N« K Udr am �.ckleliickei Madaistrahe. rodt. toio, Treffpunkt piinttlich morgen»« Uhr am Tchlesischcn Bai. Für ittochztigler di» 10'/. Uhr tn Erkner bei D e g e Freitag, den 18. November abends 8 Uhr: Leneral-Versammlung im Gewerkschastshause, Engelufer 14/15. Tage». Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der OrtSverwaltnng nnd der ArbeilSvermittler. 3. Anträge. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Lesor die»rs Blattes wissen, aus welchen Gründen GlfC'Cigaretten m-m n\nA™ N bovorau-en sind. 1593L* 7öbS, Schneidermeister Gliriige gksuiht für 3 Laft-Aiito», Süden, Südwesten. Offerten unter V. 1 an Haupt- expeditio» de»„BorwärtS«.' Deutscher Hanarbelteruerband. -—- � Zweigverein Berlin. Mittwoch, den 16. Noventber(Bußtag), vormittags 10 Uhr> sindcn in untenstehenden Lokalen in gememsmen Mitglieder-Versatntntonp des Zentralverbandes der Maurer nnd de» Zentralvcrbaudcs der baugewerbliche« Hilfs- arbeite- die Wahlen des Berbandsausschusses, de» ZweigvereinS- Vorstandes und d« Delegierten m Gankonferenz statt, wozu an- sou-s« dringend eingeladen sind. I bei Litfin, Memeler Str. K7. Osten II bei Schröter, Franlsmter Allee 126. «tl,1«sten bei Böhm. Naunynstr. S. dtttcken im«Märkischen Hof-, Admiralstr. 18e. Südwesten bei Habet, Bergmanustr, 5—7. Westen bei Tüiemer, Bülowstr. 58. »evünedee� in den»Neuen Rathaussälc»-. Meinwger Str. S. Nenvlt in der Pavenliofer Brauerei. Turmstrasie. Weckckln» bei Rabe. Kolberger Str. 23. 0r«»nlennneeer Vo-stnckt in den«Boruffia» iälen-, Älterstr. 6/7. hkercken I und II bei Obiglo, Schw'dter Str. 23/24. �«eckest in den..Lunniälcu-, Neue»lönigstr. 7. I'rteckeleliskelcke bei Sommerfeld. Baidersce-, Ecke Niquelstrasie. T-iedtenVere bei Pietcuhagen. Scharnweber- strasie 61. �ckleesv»? bei Baschin, Meherstr. 1. Alt-Glienieko bei BZitte. Köpenicker Sir. 0. Unk Isckert bei Obst, Berliner Chaussee 20 ckolmnnlNtKnl bei Gobicn, pioouslr. 3. SSichcImincu« Frledrlehsliae<>n bc! Lerche. Friedrichstr. IIA Nixckoi'k bei Hoppe, Hcrmannftr. 49. le>» p<> I tc» t bei Dhiele. Berliner Str. 41. mariendort bei Löwenhagen. Chauffcestr. 37. Zlarlentelcke bc: Berger, Berliner Str. 114 (nachmitiagS 2 Uhr). I'Heckenan bei Schönefeld, Rheinstr. 81. vte»IIts bei Heizmaun, Florostraxe. Ecke Dünlcr» strahe. I.nnlrw lt» bei Schulz, ZUllblenstr. 21.� <»e.-l,1el»teetelcke bei Wohrruborf, vitestr. 22. tSeliniai'Uenckerk bei Barkel» Bern, ander Strahe 4. Zehlondorf bei Mickten, Potsdamer Str. 25. Teltow bei Boxow, Zcbleiidorfcr Str. 4. a 1 1 y.— 2. Freie Aussprache. Sonnabend, den lv. November bei Boeker, Debersir. 17: verismmlung der Schäftebrancbe. Vortrag de» Kollegen lageS.Ordnung: 1. 2. Gesta.iung der Agitation. Vollzählige» Ericheinen erwartet Hamacher.-~ 170/6 Die Ortoverwal tnng. tlrbettenadimri»; Hol L Amt 8. 1239. BerMaltnngSiiellr Berti«. Hanvtvnreau: Obnritbetrale 3. Hof III. Amt 3. 1987. Dienstag, den 13. November ISt«, abends 8 Uhr» im Gewerkschaftshause, Engclufer 1b, Saal 7: Kranchen-Uersammlnng der Schwarzblech-Schlosser und Zeugschmiede. TageS-Ordnung: 1. Bortrag de» Kollegen WDcke. 2. Branchen- angelcgenheitcn. 8. LeischiedeneS. Pilichi eines Jeden Kollegen ist es, In dieser Versammlung zu erscheinen. Metall- Uuseren Mitglieder» zur Kenntnis, dast arbeiter-Notizkalender für Ivlt a SO Pf. be: den T zirkSkasstcrern nnd im Bareau zu haben find. 125/0 Die Ortavorwisltanff. Beim Belm Verze'ssn diese» Inserat» 4% Raas«. MfM im lim-l» sparen Damen Geld! ltlWMÄwÄ�ÄLSZZI ilMll ISS? Hin ÄVtÄÄ früher 10.—. 60,—, 80—, 70.-. 80.—, SO—, 100 M. (etil st-, z».-. 40.-.«> 7a—. rs�r WIlrtslllM 01.11« palM'�nZ-fZ». »Mr Uoclislega�te U-�ile iealPUlsch m V.laur»■'u Herd""®® fecer bedeulend um HeTslellvngeprelt IM SpgzieiStat:Ffy«]griii!gtBtslfir sMaim üDsdiließeoiie Tocö-Paieiois Lk�'r Äparie Kinn o. AliüiiMläoiel Rerbfitrh Loden Mlmel. Loden Pel.iinen Uullllilil' Kinder- und Kieler Peletete 10-35 l 1023 1 3-15 Ol-tn"ül,ar': Tnohkeuam r,r"rsNax Kssczytz, uSSSrA. letil- u Hei«■.«den, eine Treppe, am A'ttaederplata Ott u sCItl. QO"■ Seacnlen Sie in Uli am Interette die Heuenummer. I»lsl» wv#• Verein der Jftilchhändler u. Jdolkerei* feesiizer von Tegel u. Umgegend. Den se> hrlen Koiistimenten zur gefl KeiiiitiuSiiahme, daß iämtllche Borsigwalde und Umgegend von Groß-Serlin nachkomme� dem Beschluß der Milchhändler.Drrelnigurg und vom 14. d. Mt». ab den Prcl» aus L2?j. pro Liter VoNmNoh festsetzen. ES ist dir» angesichts der ständig steigenden E'mkausSprelsc»iiw duichous gerechte urd beichlidene Forderung, um die L>b»Ssähigkeit im Milchdandel aus dem 2> usciidcn zu erholietL Knitter. Brunotnitr. 15. Bettfedern BERLINS«» Prinzenstr. 46-47 I Fabrik USUS Grösstes Spezialgeschält Deutschlands Bettfedern »u 0.8?. 1.00, 1.25. 1.61. 1.80, ZW. 2.80. S Oo, 3.50 die 8.00 Uark per Fi'und Daunen tu 2 85, a.80, 5,00, 6.80 die O.OD Mark per Pfund Fertige grosse Betten beeirhrnd»us Oberbett, Unterbett, 2 Kissen eu 12, 15, 20, 2t, 23, 31 3l, 38, 45, 54, 61, 75, 90 bis 12» Uark Grösstes Lager in Bettinletten, Metall- Bettstellen u allen anderen Bettartikeln Beste Betlenfüllungt BK MPSS-tPfun« Nonopol- Daunen geaohUtel) Plana 2.85 tum Oberbett Gris Krankettkaffe der Posamentiere, Keiler, Seidenknopf- und Sandmacher. Gemig i 45 unlfteS Ltawts findet dievun.zhl der Vertreter zurÄeneral- Versammlung statt. Kur Vornahme dieser Wahl laden wir die Herren Arbeitgeber, welche Veittäge aus eiacnen Mitteln �ur Kasse leisten so- wie alle Kafienmitglteder, welche daS 21. Jahr vollendet haben, zu der am Dienstag, den 22, November, abends 8 Uhr, im istestaiirant veekseaee tZiN'ton, Dresdener Ttvahe 45, flott- jlndendeii Wahlversammlung ein. Tagesordnung! Saht der Vertreter zur General- Versammlung. Es sind zu wZhlen 43 Arbeitgeber- Vertreter, 101 Arbeitnehmervertrcter. Die Wahl der Vertreter der Arbeit- geber und der Kassenmitglieder erfolgt », getrennter Dahlhandlung mittels ÄtimmzeUcl(geheim). Die 280/3 O r d en 1 1 1 c h e General- Yersammlong findet am Mittwoch, den 7. Dezember. abends S Uhr. imRestauranI llrseiivver Lartsii, Dresdener Straße 45, statt. Tagesordnung: 1, Vcrwaltungsbericht des Vorstande«. 2. Aassendericht vro I.. II. und Hl. Luarlal IS10(Dislusfion über Puntt l und 2). 3. Wahl des GesamtvorstandeS(3 Ardettgeber, S Arbeitnehmer). 4. Dahl von drei Kasscnrevijoren. k. Etwaige Anträge nach ß 52. Abs. 7 de» Statut» und Verschiedenes iu kaficnangelegen. Helten. Zu vollzähligem Erscheinen ladet die Vertreter ein vei» Vorntnnd. J. V.: Bernh. Harrer, Vorfitender Georgen lirchltr. 53. Orts-Krankenkasse der Mascliinenbaa- Arbeiter u. verwandten Gewerbe zu Berlin. Die ordentliche General-Vessammlnng der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer findet am ig an tag. den Zg. ttevember d. 1., abends 8'/, Uhr, in Schutz Prachisllen, Am KönigS- graben 14», statt. 1526b Tagesordnung: I. Dahl von drei Revisoren zur Prüsi-ng der JahreSrechnung für das Jahr 1910. 2 Bericht über die Vertrag»- Ver- Handlungen mit dem Verein der frei- gewäbiten Kafienärzte. 3. Verschiedene». gap- Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kasten- bücher notwendig ist, müssen mündlich oder schristlich bebnss Beantwortung derselben in der Generalversammlung bis zum 26. November er. dem Bor- stände mitgeteilt werden. Da dfe Versammlung vrSzi'e 8'/, Ubr eröffnet wird, so ist pünktliches Erscheinen der Oerren Vertreter Unbedingt erforderlich. Bas Mandat legitimiert. Berlin, den>12. November 1910. Der Vorstand. Fr. Sehuldl. W. Heidenhain. Freie TimieWft Morf-Krih. Mitglied deS Arbeiter-TurnerbundeS. Montag, den 14. November, abends 8'/. Uhr, in Hoppe» Frstfüle»(Jnh. Bartsch), Hermannftroche 4S: krosie protestverssmmlung TageS-Ordnung: 1. Der Poltzeikampf gegen unsere Jugenbabteilmtge«. Referent Stadtverordneter Genosse! Montag, den 14. November 1910, abends 8 Uhr: Mgem. fsedter-Verzsmmivng im Elysium, Landsberger Allee 40/41. Tage«-Ordnung: t. Vortrag deS Genossen Wuschlek:„Die MIWiinbe in den Berliner Laubenkolonien und der Bund der Ltaubenkolonisten Berlin« nnd Umgegend" nsw. 2. DiSlussion. 3. Verschiedenes. Laubenkoloniucn! Zlgitiert für diese Versammlung, um Protest zu erbeben gegen Bodenwucher und Eeneralpächteriystem. 292/16 Die AgitationSkommisfio« für den Osten. Arbeiter-BIIdimgssebuIe. Dienstag, den 15. November, abends 81/. Ulir, im Schullokal, Grenadierstraße 37: General-Yersammlung. Tagesordnung: J. Bericlit des Vorstandes und der Revisoren. 2. AntrSjfe. 3. Schv'anceleponheiten. 4. Wahl des Vorstandes, der Unterrichts- Vertreter, der Revisoren nnd der Ordner. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge müssen bezahlt werden. 6/18* Deutscher Buciibinder-Verband. (lahlstelle 3erUn.) Montag, den 14. November 1910, abends 8 Uhr, in den neue» Slrminhallen, Kommandantenstr. 58/59: General-Versammluug. TageSordnungr t. GcschästS- und Kassenbericht. 2. Bewilligung einer WeihnachIS. Unterstützung für die Eisenbergcr und Raihenower streikenden EtuiSarbciler. 3. Beratung des Entwurfs zum OrlMmhit und ArbettSnachweiSrcgleinent. 4. VerbandSangelegcnheiten und Verschiedenes. 25/8' -— Mitgliedsbuch legitimiert. i.■ Die Versammlung wird pünltlich 8'/, Uhr cröfinct. Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtSverwaltung. Morgen, Montag, den 14. November, 8�/« Uhr, in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Straße: I Tagesordnung: 1. Die Freie Volksbühne und die Zensur. GdsUrauUenhasse der Gastwirte Bcd verwandten Gewerbe z« Berlin. Bekanntmachung. SrilEDtllcbe GeceralversaiBiBloiig der gcwählieu Kasscnvcrtretcr am Donnerstag. den it4. Ro- vembe« ASlO. nachm. S'l, Uhr. Ut» Lokale de» Herrn Kube, Alte Aalotstrafie TS. Tagesordnung: t»abl de« Ausschusses zur Prüfung der JahreSrechnung sür 1910. 2. voi-standswablen. a Sestütigung der vom Vorstände beschlo'l-nm Gehaltszulage für die Kassenarzte. i. Bestätigung der Anstellung der teiren Dr Ros-nberg und Dr. oewy al» Kassenärzte S. Bericht de» Vorstande« über die 17. Jahresversammlung von Ort«- krantenlafien im Deutschen Reicht. 280/2 Bcritn, den 1. November 1910. von Vorwt»»«!. papp», Braun. Vorsitzender. Echrlstsührer. 6. Allgemewe». tfi Orts-Krankenkasse Bildhauer, Stukkateure und verw. Gewerbe zu Berlin. Die osdöNtl. Keitösgl-VgtSWttiltitig gemäsi§ 43 de» Statut» findet am Mittwoch. XS. November d. y.. abend» 8 Uhr. im G.werkschaftv- Hause. Engelnfer IS, Saal I statt. Tagesordnung:[219/18 1. Dahl von orei VorslandSmit- gliedern(1 Arbeitgeber, 2 Arbeit» nehmcr). 2. W.'hl»on drei Revisoren zur Prüfung der JahreSrechnung pro 1910. a ÄeschäfilicheS(Abänderung der AnstellungSverträge). Der Vorstand. I. v.: Fritz Waldeyer, Vorfitzender. 2. Diskussion. Redner: Wolfgang Heine, Karl Vollrath, Alfred Kerr, Friedrich Holthaus, Hermann Molkenbuhr» Der Einberufer: G. Winkler, Rixdorf, Kirchhofstr. 45. Mittiooch. 16. November uachmittags 3 Nhr, m kellers keslzSlen, Koppettstr. 2S (Mähe Schlefifchcr Bahnhof)! Zutritt und Teilnahme für jedermann frei und unentgeltlich. Nach Beendigung de» WetlkampfeS spiele» vier Mitglteber de» .Berliner Arb ile�-Fwachklubt- blind(b. h. ohne Ansicht deS Brette») gegen einaiid-r. Sollte jedoch Schachincister A l a p i n anwesend fein können, so hält derselbe am Demonstrationsbrett einen Vortrag oder er spielt g eichzeittg gegen mehrere Gegner blind. 292/14» Zur EpttffnnnB der 147211» Kerbst- und Winter-Saison empfiehlt da» SpezialHaus 8. Mmami. Charloltenhurg, SSE," ■- noch billiger wie bisher. Herren- und Knaben-Ilkktetdiing fertig und nach Maß. 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BanvereinS-Konto 300,— Slammanteil-Konto,Hofi»ung»200,— Kohlen-Konto, Autzenstäiid« 1 505,35 GrundstückS-Konto... 208118,— Darlehn-Konto.Hoffnung» 1 050,— Sstellen-Konto..... 22 175,95 EinrichtungS-Konto... 7 826,— Rutomvbil-Konto.... 9 96t,— Bau-Konto..... 25t 019,10 KaulionhinterlegungS-Kto. 6 005.85 Summa. 1712 022,91 mtellcderbcweg/nnc. Bestand am 30. Juni 1909........ 19 173 Ren eingetreten............. 1t 444 AuSgeschieben durch Ueberlragung..... 17 .. Tob. 32 . Ausschluß....... 1725 Freiwillig ausgeschieden.......... 885 Bestand am 30. Juni 1910... ■ Passiva. M. Geschöst8anti;il-Koiito. 247 0t 2,07 RclcroefondS-Konto. 40 614,41 SparsoiidS-Konto I... 479 499,64 Licferantcii-Ronto... 93 593.08 KantionS-Koiito.... 16 136,38 DtSposittoiiSsondS-Konto. 1 361,72 RückvergülunaS-Konto.. 632.04 Lparntarlen-Konlo... 14 579,50 Lpczial-N»te> vcfondS-Koitto 2 938,66 Hauoantell.Koitto... 360 000,— Milgstederguthabe n-Konto ». C-V....... 109,65 HauSanteilzmIen-Konto. 10 985,87 «palfoudS-Konlo II,, 184,297,69 Hypothekeii-Kouto.., 150 000,— VersiiberunaS-Konto.. 3 058,42 DarlehenS-ilonto... S0 167,— Gewinn- u. Verlust-Konto. Reingewinn..... 57 036,— Summa' 1 712 022,91 30 61« 3 639 27 95? fi-tilglieder Die GeschöftSguthaben der Mitglieder betrug, am 30. Juni 1910 247 012,0? M. .. 30. Juni 1909 104 152.37. Mithin mehr.. 142 859,70 M. Die Hastlumme der Mitglieder betrug am 30. Juni 1910. 838 710,— M. ',... 30. Juni 1909. 575 160.- Mithin mehr.. 268 550,— M. 107/10 ver Torstand. R. Junger. 0. MQcke. � Nach beendeter EngroS-Saison beileutenä reliiiiierlea rsbl'lkpi'elsen: Engl. PaletotS von S M.. schwarze Paletot« v n»ä M.. engl, und dlau« Costumes edenlalls von IS M.. Adend-EaveS von 0.S0 M. und Plüschmäntel von SS M. an. 196/6 l�roaenstraSo SS, parterre, im Laden, lell"n|u! BumskSppu! Bußtag Herrenpartie nach Bcelist. Tresipunlt: TL Uhr früh Vereins« lokal Lüdenstr. 55. Abfahrt: Alexanderplatz 8.20_ Uhr. SPJJF" Gäste willkommen.-M6 Geiiis. OSlräHässe für Mariendorf und Umgegend. Bekanntnzachnng. Am Montag, d. 21. Notimbet: 1910, abends 7 Uhr, findet Int Restaurant Löwenhagen zu Martendorf, llbausseestr. 27, die lZldenil. Geeeiel-VelLemmliinz statt, zu der die Herren Arbeitgeber- nnd Arbeitnehmervertreter hierdurch ergebcnst eingeladen werden. TageSordnunat 1. lZrfatzwahl zweier Arbclwehmer» Vertreter in den Vorstand. 2. Neuwahl eine» Arbeitgeber- und zweier Arbeitnehmervertreter in den Vorstand. 3. Wahl dreier Revisoren zur Prüfung der JahreSrechnung für 1910. 4. Die Anstellung der Hilfsbeamte» Ast und Saedler und Festlegung deren GehaltSbezüge. 3. Bericht über die Verbandlungen mit dem Verein der freigewählten Kassenärzte in Berlin. 6. Verschiedenes. Etwaige Anträgen odervelchwerde», »u denen die Einsichtnahme der Gc- fchäsisbücher ersorderlich ist, sind dem Vorstande 3 Tag« vorher Ichrtstlich mitzuteilen. Glelchzeittg den Herren Arbeitgebern und den Mitgliedern zur Kenntnis, daß. die Zahlstellen in den Ortschaften Lichtenrade und Maricnsclde zum 1. Dezember 1910 aufgehoben werden. Von diesem Tage ab bestehen für Lichtenrade bei dem Kausmann K e m p« r t, daselbst, Dorsstr. 2, und für Maricnjelde bei dem Maureu F.Gr e u Iich,daleldst,KaiIcr-?llleeS0, Aleldeftcllcn sür An- und Abincldungciu Dle Kassenbeiträge und Eintritts- gelber für die Pflichlmiiglieder werden in diesen Orten bei den Arbeitgebern durch einen Kassierer cinkaisiert, hin» gegen haben die freiwilligen Mit» glieder diese aus ihre Gefahr und Kasten an die Kasse in Marrendorf abzuliesern, bei der auch allgemein alle wetteren Kassenangclcgmheiten anhängig zu machen find. Mariendorf. 10. November 1910. 279/17 Ter Borstand. Baeebier, Vorsitzender. llixdorf. Zeütral-Kraßkeu- n. SMasse der ZimiiOT. DienStag. den 15. November» abends S'/a Uhr: Wslikdtr-Versgiiimiimg bei Grillert, Steinmctzstraßc Nr. 93. Erscheinen aller Mitglieder erforder» lich. 253/11 Der Borstand. Oaremwr« Irti«o, B,standi,n,e das beste Waschmittel. t/t Pfund-Paket 15 Plg. Reste namentache,■cbvar* and farbig. CoatameaHtolf«.ueue«i, Munter. Trieot filetfe, Beldsn- Pln«i-h. 5 an mal,. Seide rtn. Co» fecüoB Jaokei'i ra'etot». man 1,1. Co« tum», lad flo.i um- Arzt, Gas-, Wasserleitung, Gemeinde- u.höh.Schnlen Am SchDtzenhaus S herrl. j Hochwald-Landbaustellen. [ 10»/, Anzahl. Tilgung des [ Restes in lOjähn. Raten.] □ Rute l» Mark. ninetr. Broschüre gratis! j Berlin, Neue jjl KSnigstr. 71. Femspr. VII, 3038 wem G. m. b. Ii. Kaisens Kaffee besonders zu empfehlen: mütelamerikan. Hisebsngea zu Mi. U.IU und das Va Pü Kaisern unübertroffen, nur 25 Pf. das Pfuni Tee Deocste Ernte, direkter Import Mi. II bis 5.00 das Pfd. offen und in Paieten. Proliepaketelien 10 PI. Kaiser's entölter Kakao in Pulverform, Mi. 1.00 bis 2.49 das Pfd. Garantiert rein und leicht löslich. 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Admlralstraße 31-32 Köpenicker Straße 144 Muskauer Straße 13 Neanderstraße 37 Oranienstraße 1 Keichenberger Straße 123 Wrangelstraße 23 Wrangelstraße 54,,, Berlin O. Andreasstraße 57 Boxhagener Straße 14-16 Ebertystraße 48 Frankfurter Allee 61 Frankfurter Allee 71 Grüner Weg 41 Gubener Straße 51 Krautstraße 48b Königaberger Straße 31 Petersburger Straße 81 Bichthofenstraße 15 Simon-Dach-Straße 13 Stralauer Allee 23b Berlin NO. Gollnowstraße 11 Greifswalder Straße 1 Landsberger Allee 29 Lippebner Straße 29 Berlin C. Alte Schönhauser Straße 30 Britz Chausseestraßo 47 Charlottenburg Augsburger Straße 44 Berliner Straße 115 Berliner Straße 144 Dankelmannstraße 60 Grolmannstraße 14 Suarezstraßo 15 Boitzendorffstraße 4 Kleiststraße 19 Kaiser-Friedrich-Straße 57 Knobelsdorffstraße 48 Mommsenstraße 15 Nehringstraße 1 Pestalozzistraße 9a Pestalozzistraße 29 Uhlandstraße 32 Wilmersdorfer Straße 126 Wilmersdorfer Straße 148 BoxhagensRummelsburg Alt-Boxbagen 4-3 Wilmersdorf Berliner Straße 131 Eingbahnstraße 13 Nürnberger Straße 33-34 Friedrichsfelde-Karlshorst Prinz-Beinrich-Straßo 4 Friedrichsfelde Berliner Straße 43 Lichtenberg Frankfurter Chaussee � Frankfurter Allee 171 Wilbelmstraße 10 Weißensee Königebaussee 32 Pankow Breite Straße 24a Rosenthal Hauptstraße 10 ReinickendorfoW. Schamweberstraße 16 Reinickendorf-Ost Eesidenzstraße 107 Rixdorf Hermannstraße 40 Hennannstraße 119 Kaiser-Friedrichstraße 242 Rummelsburg Grünberger Straße 12 Sobillerstraße 12 Schmargendorf Breitestraße 22a Schöneberg Colonnenstraße 66 Goltzstraße 36 Hauptstraße 149 Tempelhofer Straße 21 Neue Winterfeldtstraße 44 Eieenacber Straße 73 Steglitz Düppelstraße 28 Eheinstraße 41 Scbloßstraße 85 Albrecbtstraße 107 Tegel Berliner Straße V Tempelhof Berliner Straße 15 Adlershof Bismarckstraße 14a Nowawes Friedrichstraße 15 Ober-Schöneweide Wilhelminenbofstraße 41 Edisonstraße 58 Potsdam Brandenburger Straße 20 Nauener Straße 38 Spandau Breitestraße 49 Hamburger Straße 35 Jägerstraße 1 Neuendorfer Straße 5a Potsdamer Straße la Scbönwalder Straße 87 Treptow Baumschulenweg 19— 20 Mariendorf Cbausseestraße 34 Südende Steglitzer Str. 25(EokeLangestr.) Kaiser's zum Rohessen, Mk. 0.05 bis 0.80 pro Tafel oder EiegeL Feine in Schachteln, von Mk. 0.50 an. 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Der Angeklagte war im Jahre 1907, nachdem er von seinen Eltern verstoßen worden war, nach Berlin gekommen u*rd hatte sich bei dem Grüner Weg 129 wohnhaften Tuchscherer Köckcritz eine Schlafstelle gemietet. Nach seiner An- gäbe sei die 29jährige Ehefrau des K. schon in den ersten Tagen sehr zärtlich zu ihm geworden. Es hätte sich dann zwischen ihnen ein intimes Liebesverhältnis hinter dem Rücken des Mannes ge- bildet, welches ihn körperlich völlig ruiniert hätte. Schließlich sei die Frau seiner überdrüssig geworden und hätte jede weitere An- Näherung mit höhnischen Worten zurückgewiesen. Dies hätte ihn in eine furchtbare Aufregung versetzt, so daß er nicht gewußt habe, was er tue.— Am 22. August dieses Jahres wurden die Bewohner des Hauses Grüner Weg 129 durch mehrere Schüsse alarmiert. Als sie hinzueilten, fanden sie den Angeklagten mit dem noch rauchenden Revolver in der Hand inmitten einer großen Blut- lache auf dem Treppenflur liegen. In einiger Entfernung von ihm lag die Leiche der Frau Köickeritz, die von zwei Kugeln in das Herz und die Lunge getroffen worden war. Der schwerverletzte Angeklagte hatte sich, nachdem er die Frau K. getötet hatte, selbst einen lebensgefährlichen Schutz beigebracht. Er wurde nach dem Krankenhaus Friedrichshain geschafft, wo man bei ihm einen Ab- schiedsbrief an seine Eltern fand, der unter anderem die Worte enthielt:„Ich ward verstoßen und dann betrogen, aber die Vcr- geltung wird kommen." Schon in der Voruntersuchung stellten sich erhebliche Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten heraus. Es wurde festgestellt, daß er durch Vererbung syphilitisch geworden. Ferner ergab sich, daß sich R. in früher Jugend wiederholt an Tieren und später an gleichaltrigen Knaben vergangen hatte. Rechtsanwalt Dr. Haendel stellte deshalb den Antrag, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand zu untersuchen, da offenbar bei ihm der§ 51 in Anwendung gebracht werden müsse.— Bei Beginn der gestrigen Ver- Handlung wurde der Angeklagte von konvulsivischen Zuckungen be- fallen, die plötzlich sich zu einem schweren Krampfanfall steigerten. der nach dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Stoermcr epilep- tischer Natur war. Da der Angeklagte von dem Sachverständigen als vrrhandlungsunfähig bezeichnet wurde, mutzte die Verhandlung sertagt werden._ Dr. Ehrenfricd gegen Dr. Juliusburger. Der bekannte Beleidigungsprozeß des Berliner Rechtsanwalts Dr. Ehrcnfried gegen den Oberarzt Dr. Juliusburger von der Privatirrenanstalt Berolineum in Lankwitz beschäftigte gestern den 2. Strafsenat des Kammergerichts in der Revisionsinstanz. Ge- legentlich der Zustellung der Schadenersatzklage des Privatklägers hatte der Angeklagte Dr. Juliusburger seinerzeit dem zustellende» Gerichtsvollzieher erklärt:„Ich verpflichte mich, den Dr. Ehren- fried binnen 14 Tagen wieder dahin zu bringen, wo er gewesen ist. Hiermit war die Privatirrenanstalt in Lankwitz gemeint, in welcher Rechtsanwalt Dr. E., der inzwischen in zahlreichen Gerichtsurteilen für vollkommen geschäftsfähig erklärt worden und nach wie vor bei den drei Berliner Landgerichten als Anwalt tätig ist, auf Be- treiben seiner Verwandtschaft gewaltsam eingesperrt worden war. Wegen dieser beleidigenden Aeutzerung, die nach seiner Meinung aucy eine starke Gefährdung der persönlichen Freiheit mit Hilfe psychiatrischer Macht deutlich durchblicken läßt, hat Dr. Ehren- fried den Strafantrag gestellt. Das Gericht erster Instanz hat den Dr. Juliusburger wegen formaler Beleidigung zu 199 M. Geld- strafe verurteilt. Dieses Urteil ist vom Landgericht II bestätigt worden. Beide Parteien haben gegen das Urteil der Berufungs- instanz Revision eingelegt. In der gestrigen Verhandlung vor dem Kammergcricht vertrat der Kläger den Standpunkt, es hätte auch Bedrohung und üble Nachrede Msienommen werden müssen. Der Beklagte wendete ein, er habe lediglich als Arzt und in Wahrung berechtigter Interessen gesprochen. Der Senat beschloß nach längerer Beratung, die Entscheidung am 25. November zu verkünden._ Abermals das Wort abgeschnitten. Die Duplizität der Fälle— mehrfaches Vorkommen derselben auffallenden Erscheinung— zeigt sich auch im Gerichtsgebrauch. Kaum hat die Lieber-Äammer durch ihre Ordnungsstrafe wegen Konstatierung der Tatsache, daß einem Anwalt das Wort abge- schnitten war, Aufsehen erregt, so wird uns auch aus Göttingen ein Fall mitgeteilt, der zeigt, wie schwer es dem Angeklagten und dem Verteidiger gemacht wird, zu seinem Recht zu gelangen. Nach zweitägiger Verhandlung war ein Kaufmann Disselhorst wegen Wechselfälschung und Betrugs vom Schwurgericht verurteilt. Nach Verkündung des Urteils erklärte der Verteidiger Rechtsanwalt Stöckmann:„Da der Angeklagte Revision einlegen will, so... Hier wurde der Verteidiger von dem Vorsitzenden, Landgerichtsrat Nedecker, durch die Worte unterbrochen:„Ich habe von Ihnen keine Erklärungen entgegenzunehmen! Ich erkläre die Sitzung für geschlossen!" Dann erklärte Landgerichtsrat Redecker noch, wenn ein Angeklagter derartiges sage, dann sei es ihm be- grciflich, aber ein derartiges Verhalten eines Rechtsanwalts sei ihm noch nicht vorgekommen. Nach kurzem Dank an die Ge- fchworenen schloß der Vorsitzende nochmals die Sitzung. Rechts- anwalt Stöckmann wollte dem Gerichtshof von folgendem Vor- gange in Kenntnis setzen: Als die Geschworenen sich zur Beratung zurückgezogen hatten und das Beratungszimmcr abgeschlossen war, bemerkten sie, daß sie anstatt 12 nnr 11 waren. Auf ihr energisches Klopfen wurde nochmals geöffnet und der zwölfte Geschworene herangeholt. Um diesen Vorfall, der eventuell ein Revisionsgrund sein kann, sofort genau festzustellen, wollte Rechtsanwalt Stöck- mann beantragen, den Obmann der Geschworenen darüber zu be- fragen. Das Wort wurde ihm abgeschnitten. Wie soll das Reichsgericht entscheiden können, ob wesenrliche Prozctzmängel vorliegen, wenn entgegen dem Gesetz dem Ver- teidigcr das Wort zur Stellung von Anträgen und Feststellung von wesentlichen Hergängen abgeschnitten und der Vorfall nicht protokolliert wird? In der Strafprozetzkommission wurden alle Anträge, die darauf abzielten, durch Umwandlung der„Soll"- in ,.Muß"-Vorschr>ften solchen Gesetzwidrigkeiten entgegenzutreten, abgelehnt. Ebenso wurde abgelehnt, statt des allein zugelassenen Beweises der Protokollfälschung den der Unrichtigkeit des Protokolls zuzulassen. U-ber ein Drittel der Kommissionsmitglieder waren Richter. Das zeigt, wie voll berechtigt das Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit der Richter im deutschen Volke ist. Keine Klassenjustiz? Am 19. Oktober berichteten wir über die Aufhebung des Urteils des Schöffengerichts Mittweida durch die Chemnitzer 4. Strafkammer des Chemnitzer Landgerichts. Der Technikpms- besucher Bischof war in erster Instanz zu 2 Monafen Gefängnis und 19 Tagen Haft verurteilt. Diese Strafe wurde von der Straf- iammcr in 1939 M. Geldstrafe umgewandelt. Unser Berichterstatter hatte angegeben, diese Umwandlung sei erfolgt,„um dem Ver- urteilten die Möglichkeit des weiteren Besuchs des Technikums und die Fortsetzung seiner Studien zu ermöglichen". Uns wird von autoritativer Seite mitgeteilt, daß die Gründe andere waren. „Nicht, um dem Verurteilten die Möglichkeit des weiteren Besuches des Technikums und die Fortsetzung seiner Studien zu ermöglichen, sind in zweiter Instanz statt der Freiheitsstrafen Geldstrafen er- kannt worden, sondern weil nach dem Gutachten des Gerichts- assistenzarztes in der Berufungsverhandlung festzustellen war, daß der Verurteilte ein körperlich und geistig nicht vollwertiger Mensch ist, bei dem eine allgemeine krankhafte Seelenanlage mit krank- hafter Schwäche namentlich auf nervösem Gebiete besteht, und daß er unter dem Einflüsse dieser Anlage und unter Alkoholwirkung die Straftaten begangen hat. Außerdem hat der Verurteilte, was der Bericht ebenfalls unerwähnt läßt, den geschädigten Gemeinden vollen Ersatz geleistet." Bei diesem Sachverhalt ist die Umwandlung der Strafe be- greiflich. Das ändert aber nichts an der von uns gezogenen Schluß- folgerung, daß sich die Reichen von Freiheitsstrafen loskaufen. Zwei betrunkene Arbeiter, die Rosenstöckchen herausgerissen hatten, mutzten je 8 Monate Gefängnis brummen. 1939 M. hätten sie freilich, auch wenn ihnen gegenüber dieselben Milderungsgründe angenommen wären, jlicht zahlen können. Haftpflicht bei Gefahren des Winterö. Im Hinblick auf die bevorstehenden Wintermonate dürfte es von Interesse sein, an die Rechtsprechung des Reichsgerichts bei Unfällen durch Glatteis zu erinnern. Jeder Hauswirt, wie auch derjenige, der irgendwo einen Verkehr eröffnet, kann nach§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auf Schadensersatz in Anspruch ge- nommen werden, wenn er auf den vom Publikum benutzten Wegen es fahrlässigerweise unterläßt, bei Eisbildungen in entsprechender Weise für Beseitigung der gefährlichen Glätte zu sorgen. Die Anforderungen, die unsere Rechtsprechung an den einzelnen stellt, erklären sich natürlicherweise nach dem Umfang des Verkehrs und sind in verkehrsreichen Orten straffere als in ländlichen. Verkehrs- armen Gegenden. So hat das Reichsgericht schon mehrfach aus- gesprochen, daß in verkehrsreichen Straßen der Hauswirt oder Anlieger die Verpflichtung hat, des Morgens wie auch nach Bedürf- nis am Tage mit abstumpfendem Material zu streuen, frisch ge- fallenen Schnee zu entfernen und bei neuen Glatteisbildungcn wiederum zu streuen, wie auch eventuell für eine hinreichende Be- leuchtung der ihm gehörigen Verkchrsstätten und deren Zugänge zu sorgen. Von einer Verantwortlichkeit wird er in diesem Falle auch nicht durch die Bestellung einer beauftragten zuverlässigen Person entlastet, falls er nicht hin und wieder Kontrolle über deren Pflichterfüllung übt und die nötigen Anweisungen trifft. Bei ländlichen Verhältnissen tritt die Abmessung eines beider- seitigen Verschuldens mehr in den Vordergrund, besonders dann, wenn es sich um Stellen und Plätze handelt, die der Eingeweihte kannte und zu umgehen oder nur mit besonderer Vorsicht zu be- treten pflegte. Hierzu interessiert folgende Entscheidung des Reichsgerichts. Der Schullchrcr L. in Oberjettingcn hatte gegen den Hirschwirt fl. in Kuppingen Schadensersatzansprüche erhoben. Der Kläger ist am 6. Januar 1997, abends gegen 9 Uhr, auf einer aus vier Stufen bestehenden Hausstaffel infolge Glatteises aus- geglitten, als er die Wirtschaft des Beklagten verlassen wollte. Die von ihm gegen den R. erhobenen Schadensersatzansprüche sind vom Obcrlandcsgericht Stuttgart wie auch vom Reichsgericht abge- wiesen worden, weil ein Verschulden des Beklagten nicht ange- nommen werden konnte. Es herrschte nämlich an diesem Tage vom Nachmittag bis zum Abend Tauwetter. Die Richter führen deshalb aus, daß der Beklagte von dem vorhandenen Glatteis keine Kenntnis gehabt habe und daß er ohne Verschulden habe annehmen können, daß bei dem herrschenden Tauwetter und bei dem gegen Abend einsetzenden schwachen Regen, Glätte sich nicht mehr bilden werde. Während der Kläger noch das Fehlen eines Geländers und einer Beleuchtung gerügt hatte, spricht das Reichsgericht unter Zurückweisung der Revision des Klägers aus, daß unter den ge- gebenen ländlichen Verhältnissen bei derartigen Staffeln niit nur vier Stufen Geländer und Beleuchtung nicht üblich sei, und daß das Oberlandesgericht daraus ein Verschulden des Beklagten nicht herleiten brauchte._ Hus aller Melt. RocbwalTcr und CTeberrchwemmungen. Der Rhein ist noch immer im weiteren Steigen be- griffen. Die beiden Ufer oberhalb Bingens und RüdeS- heims sind weit ins Land hinein überschwemmt. Dagegen ist die Mosel während des letzten TageS gefallen. Der Schaden, den das Hochwasser der Mosel angerichtet hat, ist bedeutend. Die Um gegend von Trier gleicht einem See. Der Strom treibt viel Bauholz, Hausgeräte und tote Tiere fort. Der Straßenverkehr in mehreren Vororten und in der Krahncnstraße in Trier wird durch Kähne aufrechterhalten. * DaS Hochwasser in Frankreich. Im Laufe des gestrigen Tages ist die Seine weiter um einen halben Meter gestiegen. Verschiedene Straßen längs des Flusses in den Vorstädten von Paris sind überschwemmt. In der Vorstadt V i l l e n e u f haben zahlreiche Einwohner ihre Wohnungen verlassen, um sich vor den andringenden Fluten in Sicherheit zu bringen. Mehrere Fabriken stehen teil- weise unter Wasser und mußten den Betrieb ein st e l l e n. Der Bahnkörper der Paris— Lyon— Mittelmeerbahn wird bereits vom Wasser unterspült. Nach den aus der Probinz vorliegenden Meldungen sind die Hochwasserschäden sehr beträchtlich. Die obere Seine und die Marne steigen rapide weiter. Die Loire hat in der Touraine mehrere Brücken und Häuser fortgerissen. An der Küste der Bretagne herrscht ein schwerer Sturm. Bei dem Kentern eines Fischerbootes e r- tranken vier Personen. « Das Unwetter in Belgien. Aus R e n a i x werden große U e b e r s ch w e m m n n g e n be- richtet. Zahlreiche Arbeits, die sich dort gestern morgen zu ihrer Arbeitsstätte begeben wollten, mußten wieder umkehren, da ihnen der Weg vom Wasser abgeschnitten worden war. Auch in G r a m m o n t. A a l st und im D e n d r e t a l e ist die Lage sehr bedrohlich. Allgemein wird eine schlvere Hochwasser- k a t a st r o p h e befürchtet. Die Maas ist bereits an mehreren Stellen über ihre Ufer getreten und hat weite Gebiete über- schwenimt. Der heftige Regen dauert an und wechselt nur ab und zu mit orkanartigen Stürmen und starkem Schneefall. In den Vogesen liegt die Schneedecke bereits 28 Zenti- m e t e r hoch._ Tolstoi verschwunden. Der greise Dichter L e o T o l st o i hat sein Gut Jaßnaja Poll- jam mit unbekanntem Ziel verlassen. In einem von ihm zurückgelassenen Briefe schreibt er. die Verhältnisse, in denen er lebe, ständen mit dem von ihm gepredigten Gedanken in Widerspruch. Er könne nicht länger so lebe» und werde, auch wenn sein Aufenthalt entdeckt würde, nicht zurückkehren. Der Dichter ist zum letzten Male am 10. November zunächst in einem Wagen der Bahnstrecke Moskau— Kursk und später in einem Zuge der Rjäsan-Bahn in Begleitung seines Arztes Dr. Makowezki gesehen worden. Seine An- gehörigen vermuten, daß sich Tolstoi in ein Kloster im Gouvernement K a l u g a begeben hat.— In unserer Unter- Haltungsbeilage vom Donnerstag und Freitag dieser Woche sind in einem Feuilleton„Lebende und Sterbende" die Gedanken des greisen Dichters über das Leben der armen Bauern und über das luxuriöse Leben seiner eigenen Familie wiedergegeben. Massenvergiftung von Deutschen in Mexiko. Eine von der deutschen Gesandtschaft in Mexiko an- gestellte Untersuchung hat zu dein Ergebnis gefühct, daß der Tod von 12 Mitgliedern der deutschen Kolonie in T o l u c a, die nach einem kürzlich veranstalteten Bankett ge- storben sind, auf den Genuß von vergifteten Würsten zurückzuführen ist. 25 andere Deutsche sind noch ernstlich krank. Der Schlächter und der Wurstfabrikant sind verhaftet worden. Das feuerspeiende Bohrloch bei Bergedorf. Die Vorortzüge von Hamburg nach Bergedorf sind jetzt ständig überfüllt. Der seit Freitag voriger Woche mit unverminderter Gewalt anhaltende Brand der unterirdischen Gasquelle in Vier« landen übt eine kolossale, aber leicht begreifliche Anziehungskraft aus. Handelt es sich doch bei diesem Naturwunder um eine Er- scheinung, wie sie in unseren Gegenden kaum jemals zu beobachten gewesen ist. Wer zurzeit der Dämmerung oder Dunkelheit hinausfährt, sieht schon dicht hinter der Station Mittlerer Landweg die lodernde Flamme, die den Himmel weithin mit feurigem Schein erhellt. Ihr stoßweises Ausleuchten zeigt den explosiven Charakter des Feuers an. Kommt man in Bergedorf an, sa bedarf es auch am Tage, wo das Flammenzeichen am Horizont fehlt, keiner Wegbeschreihung, um die Brandstätte zu finden. Denn ein ununterbrochener Menschen- ström bewegt sich auf den verschiedenen Wegen, die zum Ziele führen, hin und her. Hat man erst das Straßen- geräufch Bergedorfs hinter sich, so kündet ein anderes, auffälliges. ganz eigenartiges Geräusch die merkwürdige Naturerscheinung an. Je näher man Neueugamme kommt, desto stärker wird dieses Geräusch, und von der Höhe des Kreuzweges, wo der Wegweiser nach Kirchwärder zeigt, wird auch am hellen Tage schon die Flamme des Gasbrandes sichtbar. Der Lärm, den der Ausbruch der unterirdischen Feuergewalten verursacht, ist bereits 199 Meter vor der Brandstätte ohrenbetäubend. Es ist fast unmöglich, ihn mit irgendeinem anderen Geräusch zu vergleichen. Bald knattert es wie Gewehrfeuer, bald rollt es dumpf wie unterirdischer Donner, dann wieder faucht und zischt es, als ob eine Riesenlokomotive in eine Bahnhofshalle einfährt. Geht man ganz dicht am Feuer vorüber, so dicht, wie es die furchtbare Hitze der züngelnden Stichflamme erlaubt, so nimmt der Lärm, der das Trommelfell zu sprengen droht, einen schmetternden Ton an, ungefähr so wie das Aufschlagen unzähliger Hämmer auf eine Stahlplatte. Die Flamme selbst hat die Forin eines Schwertknaufes; sie schlägt in der Mitte hellgelb mehrere Meter hoch empor und rechts wie links schlagen Seitenflammen, von denen die eine dunkelrot gefärbt ist, am Boden hin. Das am Bohrloch liegengebliebene Eiseugerät steht in Weiß- glnthitze, schwarz ragt daneben, vom Feuerschein umloht, die Loko- mobile empor. Das Wasser im vorbeiflicßenden Graben dampft; noch eine gute Strecke davon ist es lauwarm. Der Anblick des Feuers ist so grandios, daß man sich kaum wieder davon trennen kann. Noch in weiter Entfernung davon behält man im Ohr das unheimliche, wasserfallähnliche Rauschen, das die feuerspeiende Quelle hervorbringt..._ Wenn„hohe Herrschaften" reisen. Am 4. November d. I. reisten mittels SonderzugeS die Königin Mutter Mexander von England und die Königin von Norwegen von Klampenburg in Dänemark nach Calais, wobei sie die zum Direktionsbezirk Altona gehörende Eiscnbahnstrecke Vomdrup» Harburg zu passieren hatten. Dem am 2. November für den Soitderzng herausgegebenen Fahrplan, der in allen Details ziemlich genau ausgearbeitet ist, sind u. a. folgende Bemerkungen angefügt: „Wenn auch die Vorschriften bei Reisen Allerhöchster und Höchster Herrschaften bei der vorstehenden Reise nicht An- Wendung sinden, so wird doch bestimmt, daß 1. der Bctricbskbntrolleur Herr Rechnungsrat Baßmann die Begleitung zu übernehmen hat, 2. in Tingleff, Schleswig Fr., Elmshorn und Harburg H. je eine Bereitschaftslokomotive aufzustellen ist und 3. die Inspektionen die Ausrüstung der Strecke mit dem Fahr» plan uns zu melden haben. fUnterschrift.)" Danach kann sich der Laie nur eine ganz geringe Vorstellung machen von den Vorschriften, die bei Reisen„Allerhöchster Herr- schaften" Anwendung finden. Daß das Doknincnt, dem wir vorstehende Bemerkungen ent- nehmen, mit dem Vermerk„Geheim I" bezeichnet ist, verdient noch besondere Erlvähuung._ Kleine Notizen. Aus Seenot gerettet. Durch das Rettungsboot der Station Thieffow der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wurden gestern von der gestrandeten Varl„Antarist" zwölf Per» s o n e n gerettet. Im Schneesturm umgekommen. Wie aus dem Eichsfelde gemeldet wird, ist ein Knecht des Rittergutes Friedlaud in einem heftigen S ch n e e st n r m u m g e k om m e n. Da» Wrack der„Preußen". Der heftige Sturm, der im Kanal herrscht, hat die Mannschaft der„Preußen" gezwungen, das Schiff. von dem sie sich nicht trennen wollte, im Stich zu lassen. Die Mannschaft ist nach Dover gebracht worden. Die Lage des Schiffe» ist unverändert und noch immer hofft man ans Flottmachung. „Es gibt hicniede» Brot genug". Auf den Haseuquais von Ha vre lagern gegenwärtig 399999 Zentner Weizen und 150 999 Zentner Mais, die infolge Wagenmangels aus der verstaatlichten Westbahn nicht verfrachtet werden können. E i n Teil des Getreides verdirbt, weil eS vor dem Regen nicht geschützt werde» kann. Wittcr»n>,snl>ergck,t vom lS. November l!)IO. morgens 8 ilftr. «taNonen serlw Frnnll.a S München Wie» «tattonen s a sS C jO 0 8 «Z, II|~. »» c* t* ik Savaranda 751 N! 9 Schnee—10 eterSburg 753 WNW 1 bedeckt! 1 Sctllh 763 W ZW 758 W 765 SW -lberdee» Bari» i 3halbbd.> 8 1 wollig— 1 1 wolleul— 1 Zeitweise aujklarcnd, vorwiegend trübe oder nebelig mit geringeren Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden; Temperatur wenig ver» ändert. YWfMnpi" M<» t t« t««• n tt t» 0<*••• a> Unserem Bezirkigenossen � Lustav öikLiiLclimillt die hcrzlichslcn Elückwünsche zu seiner beuligen SUderKocttteit. Die Genossen des 685. Bezirks Abt. V. ?e«ssssch»sssssK SozialdeinokratiseiiJaliJverelD für den UerlinerReieiistägsvalilkreis. «örlttzer«fcrtcl, »cjltl 219, Teil II. Dm Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Sattler Heinilcli Kroneberg Grünauer Straße 83 gestorben ist. Ehr« seinem Vlndenken S Die Beerdigung findet am Montag, den 14. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des ZenIral-Fi-iedhose» in griedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/6 Der vorstand. Sozialdemokrat. Mvereio Höpenlck. Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Genosse Ernst Engler nach langem Leiden verstordm ist. Ehre seinem«ndentenl Die Beerdigung findet am Montag, den 14. d. M., nach- mittags S Uhr, vom Trauerhaus«, Kaiser-griedrichstr. 4 aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 204/3 D«r> Voratand. Köpenick. Jännerebor. Den Sangesbrlldern zur Mit- teilung, daß unser Sangesbruder Ernst Engler nach schwerem Leiden versiorbmlst. Ehre seinem Andenkml Die Beerdigung findet am Montag, den 14. d. M., nach- mittags 3 Uhr. vom Trauerhause, kaiser-griedrichstr. 4 aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 61/18 Der Vorstand. Freitag srüh entschlief nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Bruder IBrnst Engler im Alter von 40 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernde Witwe nebst Kindem. Die Beerdigung findet am Montag, de» 14. November, nach« mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Kaiser-Friedrich- Straße 4, aus statt. 17782 Deutscher Metallarbeiter-Verband verwalmngsftelle Veelta. Todes- Anaeiffen. Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Ernst Engler gestorbm ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. November, nachmittags 3 Uhr. vom Trauer- Hause, Köpenick, ParisiuSstr. 10, aus nach dem Köpenicker Kirch- hos statt._ Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter 0tto RQgnitz am 11. November an Blinddarm- mtzündung. Die Berdigung findet am DienStag/ den 16. d. MtS., nachmittag« 3 Uhr. von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in der Müllerstraße, Ecke Seestraße, ans statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 126/7 Ol« Ortsverwultung SozialdemokratiscIierWaliivereiD des 6. Herl. Reichstags- Wahlkreises. Todea- Anaeise. Am 11. November verstarb unser Genosse, der Arbeiter Otto Rügnitz - Levetzowstr. 23. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 16. November, nachmittag« 3 Uhr, aus dem städtischen Friedhof. Müllerstraße, Eck« Seestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am Donnerstag den 10. Novbr., entschlies sanst nach schwerenLeiden unsere inniggeliebte Tochter. Frau Helene Viernicke g«». Rabe. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: W. Rabe, Rixdors, Hermannstraße 66. DI« Beerdigung findet morgen Montag, den 14. November, nach. mittag« 1>/, Ubr, aus dem Zentral- Friedvose in FriedrichSselde statt. Nach kurzem, schweren Leiden verstarb plötzlich unser Genosse, der Bezirkssührer Henrx Kroneberg. Wir verlieren in ihm einen braven Genossen, der bi« zum letzten Augenblick für die Parte! ausopfernd und treu seine Pflicht ersüllte. Wir werden sein Andenken stet« in Ehren halten. Hie Bezirks- und Abtsilungsfülirsr der 5. Abteilung im 4. Wahlkreise Am 11. November, nachmittag« S Uhr, verschied mein lieber, guter Mann, unser guter Vater, Groß» vater und Schwiegervater, der Kesselschmied Robert Berg. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wwe. Charlotte Berg, geb. Stephan. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 14. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle de» städtischen Friedhofes, Müllerstraße, Ecke Seesnaße, au« statt. Zentral-Verbaad der Wer Filiale Berlin. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 10. No. vember, verstarb an Herzleiden unser Mitglied, der Kollege Hermann kalke Bezirk Zentrum im Mter von 64 Jahren. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Dienstag, den 16. November, nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle de« Zentral-Fried- hose» in FriedrichSselde au« statt. Um rege Letefligung ersucht 193/10 v«? Toratand. Nerband der Maler, Farhierer, Anstreicher usw. giliale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Nitglted, der Maler Otto Urban am 9. November verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 14. November, nach- mittag» 3 Uhr, in Buch statt. 130/3 Bio Ortsverwaltung. Zentral- Kranken- und Sterbekasse d. deutschen Waoenbauer Filiale Berlin 13. Tode«- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Freund, der Stellmacher Wübelm Sternke am 11. November verstorben tft. Ehre seinem Andenke»! Di« Beerdigung findet morgen Montag, den 14. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle de« Moabiter Krankenhauses au« auf dem Johannis-Kirchhos in Plötzensee statt. 18866 Die OrtSverwaltnng. ür Danksagung. dt« Beweise herzlicher . Teil- nahm« und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meine« lieben Manne», unsere« guten VaterS, sagen ivir allen Verwandten und Bekannten, towie dem Gesangverein„Llberti" für die erhebenden Grabgesänge unseren wmgiien Dank. Witwe Wiesener Ä Danksagung. Für die vielen Beweise, herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Manne« >Vsläemar Hanel sage hiermit allen Kollegen, Freunden und Bekannten meinen innigsten Dank. Witwe Hartha Hanel nebat Kindern. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen, insbesondere dem Wahl- verein und dem Gesangverein.Frei- hetf-MahlSdors a. d. Ostb., sowie den Fliesenlegern und Hilssarbeitern der Firma Selgoiv im Namen der Hinter- bliebenen meinen besten Dank. 1793b Wilhelm Walther. Margarinewerke Berolina GmbH Lichtenberg-Berlin Engroa-Terkanlaatelle: DlrchaenatraBe 90/974 _ Telephon; Amt Vit, 4301. Achtung I Bewilligte Bäckerei! Mdstimg Teile dem verehrten Publikum und der Nachbarschast mit, daß ich unten zenannle Bäckerei käusiich übernommen habe und zugleich die Forderungen onditoren. Verbandes anerkannt— de« Bäcker» und Kondnoren-VerbandeS anerkannt habe. 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Soeben erschien in unserem Verlage; f Sehillers Werke Auswahl und Einleitung von sDr. FRANZ MEHRING: Drei starke l>einenbUnde Preis 3,50 Stark In seiner Einleitung schreibt Mehring u. a,: Zwischen den Idealen der Arbeiterklasse und dem Idealismus Schillers klafit ein nnüberbrückbarer Abgrund. Allein deshalb kann sie dem Dichter und Menschen nur um so gerechter werden, dem Dichter, der eine Welt der Schönheit geschahen hat, dem Menschen, der ein geborener Kämpfer war, der, wie er einmal sagte, von der Wiege seines Geistes ab, und, wie wir hinzufügen dürfen, bis an die Schwelle des Grabes mit dem Schicksal gekämpft hat, mit dem furchtbaren Druck, der über seinem Volk und seiner Zeit lag. In diesem Kampf ist Schiller niemals müde geworden; weder die bittere Not hat ihn gebrochen, die seine jungen Jahre verzehrte, noch die tückische Krankheit, die ihn wieder und wieder packte, als die düstere Schattengestalt der Sorge um des Lebens Nahrung und Notdurft von seiner Schwelle gewichen war. Immer blieb er ein aufrechter und stolzer Mann, und wann wir das Götzenbild zertrümmern, das die Bourgeoisie ans ihm gemacht hat; in seiner geistigen Ahnenreihe wird das kämpfende Proletariat immer gern diese hohe Gestalt grüßen. 247/6* ♦ ♦ Schwarz Bouillon-Würfel sind billig, weil sehr ergiebig. Hchwars B o u 1 U o n wUrfel sind bei den teuren Fleischpreisen unentbehrlich. Zu haben tn den Kolonialwaren- and Delikatettengeichd/Un. Fabrikanten: Schwarz D Co. SuppsawOrfel-GesellsehtH Bsrlln SW. 88.� ttpli-Käi uns Reisemuster! Schicke Ulster Solide Paletots ModerneAnzüge kolossal billig. August Pletsth BERLIN Rosenthaler Str. S, Ecke Augustttr. » Unreines Blut unb mangklhafle Funkilon der AuSscholbunaSorgane sind baS Grundübel vieler Krankheiten, daher reinige und erneuere Mg man da» Blut von Grund au» mit Boicbela echtem Vachholder-Extrakt„Medico" einem vollkommenen und gründlichen Blutreinigungsmittel zur Anffrtidiung de» BluteS und der Säfte. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 237 335 497 1 013 100 201 596 729 35 9S 2118 69 445 6« 35 73[1000] 001 715 3 U3 224 893 988 4127 461 508 870 914 91[500] 5301[1000] 61[3000] 410 40 773[ 3000] 832 6012 267 319 404 550 04 628 37 916 80 7586 787 8006 163 95 201 523 636 886[ 500] 9630 41 47 961 75 10144 305 02 145 506 972 11207 90 321 708 1 2037 128 278 465 665 83 789[500] 889 938 43 1 3388 476 583 693 731 936 39 1 4154[1000] 28 1 553 877 1 5020 161 617 68 893 968[1000] 16198 272 627 48 711 969 1 7183 772 809 43 82 1 8128 268 343 566 699 783 898 914 63 19014 272 97 360 697[ 500] 708 31 57 837 983 20052 71 121 86 262 309 461 88 92 589 748 907 21335[3000] 454 328 639 91 967 2 2216 33[500] 74 SOI 38[500] 813 46 23049 159 308 530 842 936 24032 25040 246 00 98 391 427 603 839[1000] 26286 337 79 547 97 815( 500) 2 700! 345- 713 822 938 2 8 U3 579 709 41 870[1000] 82 2 9236 320 478 94 788[3000] 900 36036 259[ 300] 375 86[500] 009 94 709 983 3 1 047 103 251 57 73[500] 581 871 32113 67 205[500] 404 49 618 54 643 61[500] 740 69 3 3030 233 355 573 929 34045 258 361 806 37 99 993 35039 136 331'.15 511 93 608 832 43 83 3 6123[5000] 653[500] 825[500] 37 253 327[3000] 69 607 56 771 881 38 102 209 69 400 39 093 149 276 394 503 649 712 40IOO 422 536 641 757 41138[lOOO] 223 41[500] 474 543 609 912 4 2 053 279 450 84 529 7 6 94 825 71 962 92 4 3306 6-33 56 836[1000] 44104 512 816 72 4 5049 170 278 304 699 919 91 4 6311[500] 66 589 863 81 91 911[500] 47183 268 90 400[1000] 83 95 96 559 809 4 8087 263 4(3[1000] 855 983 4 9095[ 3000] 141 [100 000] 391 478 630 43 713 50231 020 5 1 001 94 237 77 419[3000] 78 80 578 52287 324 45 403 653 713 82 845 968 5 3024 71 163 331 83 522 626 973 5 4024 170 234 496 628[lOOO] 82 !»> 55135 37 650 709 5 6137 340 453 91 956 5 7101 42 (500) 207 a>! 352 82 95 651 937 5 8059 347 84 97 798 59030[3000] 325 54 62 704 64 60012 31 38- 117 235 315 413[300] 573 687[500] 778 861[1000] 949 6 1 040 36 1 79 563 6 2078 150[3000] 219 45 303[500] 378 642 61 717 847 975 63184[500] 213 412 697 751 61 808 6 4177 210 14 448 81 611 45 823 6 5053 159 239[ 500] 583 606 90 881[1000] 995 66114 93 291 457 773 809[500] 918 73[ 300] 67113 31 226 33 370 639 714 812 68113 349 740 74 871 963 69217 5 43[500] 34[1000] 531 33 81 DOS 22[1000] 54 IlOOOl 73 70103 70 283 472[1009] 529 775 999 71102 12 392 631 83 850 56 98 913 25 30 71 7 2003 39 130 383 480 733 528 7 3 000 172 229 1500] 41 317[ 500) 77 903[1000] 74098 116 429 907 7 5116 612 777 900 58 85 7 6027 251 60 382 423 5(2 606 756 7 7283 372[ 500] 457[500) 549«26 59 710 95 835 7S035 150 215 329 52 667 92 852[3000] 991 7 9013 7 5 80 293 609 34 60 706 831 [500] 966 80'JU 285 453 514 8 1 480 94 538 764[500] 835 5« 82197 455 500 17 68 611 779 870 923 8 3164 355 605 988 91 8 4549 777 825 8 517 t 263 351 667 918[ 500] 86192[500] 373(13 579 796 991 87136 487 562 SO 615 37 791 822 36 8 8051 281 436 532 629 89154 63 92 [10001 640 867[500] 9(8 9O104[ 500] 349 420!>( 685 712 40 94 3 58 91071 153 213 4 IS 553 758 862 9 2284 402 82«16[1000] 816 «0 944 9 3 0.12 93 287 345 409 37 9 4010 337 878 9 5102 566 968 9 6094 229 402 8 48 511 23 67 631 774 979 97221 42[30001.618 65 736 99 831 9 8013 13000] 106 34 494 663[1000] 805 4? 74 96 909 9 9 220 68 80[300] 915 90 94 1OO110 811 14 512 13 94[3000] 659 60 975 1 9 1035 118 285 647 70 950 1 02003 22 155 78 476 505 866 977 (30001 103185 299 398 687 1 04132 44 8 81 529 85 691 774 105173 201 334 33 422 47 533 665 845 962 86 106362[500] 442 584 614 803 1 07272 587 91 976 108138 316 395 504 70[500)' 696 713 826 1 09 230 407 825 64[3000] 1 10282 4(0 527 693 932[500] 111203 373 466 593 740 812[3000] 18[1000] 910 11201« 203 30(27 671 «63 113228 50 341 496 579 623 888 916 114213 9 2 377 »76 689«59 76 9S8 92[ 3 00] 1 15212 92 312 474[500] »44«6 794 956 11K048 200 363 559 66 97 619 85 94 980 117053 SO 106 497 558 99 0.9 2 3 26 736 875 118512 «13 885 119027 56 563] 1000] 89 679 840 78 120 6 391[500| 474 797 121092 152 62 264 383 514 «1[300] 609 96 9(3 902 1 28061 263 85 565 87 057 88 935 1 2 3613[500]«05 46 1 15000] 12431« 457 344 96 «25 723 957 1 2 5338 732 40 4 7 65 802[1000] 78 983 12 6379 572 952 57 1 2 7073 482 759 871 12 8026 88 06[1000] 302 78 464 553 833 81 956[3000] 129008 TO 78 621[500] 1 3 0 1 90 348[1000] 77 641 850 926 97 1 3 1 0(9 177 «7 887 800 962[ 3000] 132118 57[500] 5(0«9 653 883 [lOOO] 13 3 0(5 08 342 508 735[lOOO] 082 134268 393 404 671 712 lfc.iÖC9 1C3 214 360 483 8 7 708 1 3 6010 »42 64 414 40 516 029(500J 968 137025 172 324 401 »74 764 844 964 1 3 8056 31« 525 791 818 1 39132 291. 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KI. 223. Kgl- Preuss- Lotterie. Ziehung vom 12. November nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den beireffcnden Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 93 374 472 617 677[1000] 973 88 1143 60 200 338 875 73 915 2355 437 502 625 27 3 017 395 502 88 780 4006 34 50 273 351 73 704 5[1000] 35 942 93 5006[3000] 148 [500] 210 63[500] 65 800 42 60S6 262[1000] 891 912 41 7066 99 110 250 58 98 424 33 762 991 8028 786 877 9018 (900] 73 115[1000] 33 206[500] 618 73 123 51 94 872 907 42 10182 385«42 838 11018 247 657 742 900 1 2149 222 81 501 625 50 708 31 876 1 3l(5 245 709 57 1 4019 427 50 572 88 977 1 5292 437 634 634 809 14[1000] 16028 [1000] 35 72[ 3000] 81 660 868 1 7074 843 613 44 812 18060 301 25 573 737 43 1 9005 150 553 619[500] 72 723 94 982 29314[1000] 44»«71 740 825»37 21121 366 403»3 52? 632 742 928 22719 984 23058 233 369 69 528 82 619 774 885 2 4000 95 113 315 25 406 604 86 783 84 904 2 5332 509 37 636 82 716 820 2 6078 80 114 29 31 6« 247 966 27191 248 64 97 346 73[ 3000] 777 85 841 996 28078 569 766 2 9023 100 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20 835 918 93 290058 359 70 461 768[1000> 836 291531 59 292065[500] 150 331 704 25 28[500] 80 293075 315 450 537 72 628 769 924 39 92 2 9 4268[560] 356[500] 423 6« 694 796 2 9 5060 445 2 9 6129 71 203 87 370 460«30 7«t 913 297226«63 714 7 4 93 948 2 9 8061 251 53 340 44 486 572 89 2 9 9507 654 890[500] 909 300212 447 861 SO 391050 262[100] 693 302122 374 91 658 715 17 820[1000] 34[500] 303224 400 542 95[500] 705 906[500] 95 97[500]——' Verantwortlicher Nedalteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwart» Buchdruckerei u. Verlagsaustalt Paul Singer& Co., Berlin SW. ib. 267. S7.z°w«, 5. Deilllge des„NllMlirtg" Kttlilltt NlllkslilM von den bekannten Stellen aus. Daran schließt sich: � a®"1."'.'09 Mngbl attvervre itnng Gewerbegerichtswahl für Arbeitnehmer. _ Kei beiden Aktionen darf niemand fehlen. Partei-?Znge!egenkeiten. Charlotteniurg. Die für Dienstag, den 15. d. MtS., angesetzte öffentliche Versammlung fällt umständehalber aus. Der Vorstand. Rixdorf. Die Flugblattverbreitung zur Gewinnung von Wahl» Vereinsmitgliedern findet für Nixdorf nicht statt, dieselbe wird auf eine spätere Zeit verlegt. Heute abend 7 Uhr findet in Hoppe? Festsälen, Hermannstr. 49, ein gemurlicheS Beisammensein, verbunden mit Konzert und grofier Spezialltätenvorftellung statt. Eintritt pro Person 10 Pf.— Garderobe 10 Pf. Für Tanz sind 25 Pf. nachzuzahlen.— Kasseneröffnung d'/a Uhr.— In Anbetracht des niedrigen Eintrittspreises wird auf ein' volles Haus gerechnet. Der Wahlvereinsvorstand. Friedenau. Die Mitgliederversanrmlnng des Wahlvereins findet am Dienstag, den 15. November, abends 8'/a Uhr, bei Mechelle. Handjerystr. 60, statt. Die Tagesordnung enthalt u. a. einen Vor- trag über die Genoffenschaflsbewegung. Am Mittwoch, Bußtag, abends 8 Uhr. findet im Rheinschloß ein Reuterabend für die Mit- glieder und deren Angehörige statt? Karten hierzu sind bei den Be- zirlssührern zu entnehmen. Abendlaffe findet nicht statt. Der Vorstand. Steglitz. Dienstag, den 15. November, abends 8'/, Uhr. findet im.Birkenwäldchen', Schützenstraße, eine öffentliche Frauen-Ver- sammlung statt. Tagesordnung: 1. Die Lebensmittelver- teuerer und die Hausfrauen. Referentin Louise g i e tz. 2. Diskussion. Heute Sonntag früh 8 Uhr Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Britz-vuckow. Dienstag, den 15. November, abends ll'/g Uhr, im Lokal von Schöneberg. Rudowerftr. 66, Mitgliederversammlung des Wahlveretns. Tagesordnung: 1. Vortrag über.Der Massen- streik'. Referent Genoffe Redakteur D i t t m e r. 2. Diskussion. S. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung von Groß-Berlin t. Verschiedene». Gäste willkommen. Der Vorstand. Nieder-Tchöneweide. Die Mitgliederversammlung findet nicht am Dienstag, den 15. November, sondern erst am Dienstag, den 22. November, statt. Der Vorstand. Zernsdorf. Heut», Sonntag, den IS. November, nachmittags > Uhr, findet die Mitgliederderfammlung des Wahlvereita statt. Der Vorstand. Pank»»,«m Mtttooch, den 1«. November lBußtag), ver- anstaltet der Wahlverein im.Pankower GesellschostShauS', Noczhcki, Zdreuzstt. 8/4, einen Unterhaltungsabend unter Mit- Wirkung der Herren Eugen B u r m a n n(Rezitation) und Hrnrich PeterS(Bariton), des MufikvereinS.Nordstern'(Dirigent Herr Fritz Sorrer). des Pankower MännerchorS(Dirigent Herr Müller) und des TheatervereinS.Freya'(Mitgl. d. B. d. A.-Th.-B Deutschl.); zur Aufführung gelangt:.Die Töchter der Arbeit.' Soziales Bild m 1 Akt von P c e c z a n g. Karten a 30 Pf. sind bei den Gruppen- führen, zu haben. Tegel. Am Dienstag, den 15. November, abends 8'/a Ubr findet im Lokal von Julius Klippenstein, Spandauer Straße 4 die Mitgliederversammlung statt. Die Bezirksleitmig. Wilhelmsruh-Rieder-Schönhausen-Wrst. Heute Sonntag früh 8 Uhr findet Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus statt. Die Bezirksleitung. Wandlitz i. d. M.,(Bez. Pankow). Heute, Sonntag, den 18. No- vember, nachmittags 3 Ubr, findet bei Laffan GesellschaftShau«, Wandlitz i. d. M., eine öffentliche Versammlung statt. Referentin: Frau Wulff-Berlin. Die AgitattonSkommisfion. WaidmannSlust und Umgegend. Am Bußtag, den 16. November, Herrenpartie nach Liepniysee. Die Genoffen sämtlicher Bezirksorte treffen flch früh 8 Ubr in Schönfließ an der Dorfkirche. Abmarsch von dort Punkt S'/a Uhr._ Berliner JVacbrlcbten. Aus alten Berliner Blättern. Die Lektüre des Inseratenteils älterer Berliner Zeitungen bietet mitunter recht viel Interessantes und man kann auS den Anzeigen amüsante Schlüsse aus die Verhältnisse in Berlin vor Jahrhunderten ziehen. So bringt z. B. die Nummer 45 der„Wöchentlichen Berlinischen Frag- und Anzeigungs-Nach- richtcu" vom 6. November 1730 folgendes Inserat:„An einem vornehmen Hofe werden 3 bis 4 Jungfern von etwa 15 bis 16 Jahren, welche eine recht ausnehmende helle Discant-Stimme, auch Disposition und Lust haben, die Musique im Singen und auf dem Clavier zu lernen, verlanget. welche auch. wenn sie schon geschickt, bey Printzessinnen Cammer-Jungfer-Dienste zu verrichten, hierzu nnt angenommen, und mit einer raisonnablen Gage auch fernerhin in der Sing-Kunst und Musique instruiret werden sollen. Im Falle sie aber noch unerzogen, � sollen sie in ihrer Religion und allen wohlanständigen Sitten und Arbeit, bis sie zu eyner Caninier-Jungfer geschickt sehn, und nach Hofe gc- nonimen werden können, informiret und ihnen solche angenehme Conditionen gemachet werden, als wovon die zu obigen sich geschickt befindliche und Belieben tragende Jungfern das Königl. Addreß-Comptoir des mehrern be- nachrichttgen will." Eine andere Anzeige in derselben Nummer zeigt uns, in welchem Stadium sich vor 170 Jahren die mechanischen Künste in Berlin befanden. Es heißt da:„Eine neue Stuben-Uhr. welche nur alle 4 bis 5 Wochen aufgezogen wird, weisset den Monaths Tag, das' Monaths Alter und den ab- und zunehmenden Mond, schlägt die Viertel auf drei Glocken und die Stunden auf eine besondere Glocke, ist mit einem säubern Ziffer Blatt und ein Meister Stück. Ist zu haben auf dem Friedrichswerder gegen dem Pack Hof in Mab. Miahan Hause bey dem Groß Uhrmacher Johann Andreas Hartwig, woselbst auch allerley andere Uhren, Holländische und Teutsche Bratenwender mit Federn oder mit Gewicht." DaS Geschäft muß sich in der Gegend der heutigen Werder- oder der Niederlagstraße befunden haben, denn in der letzteren lag bekanntlich der Packhof oder die Niederlage, nach der die Straße genannt ist. In einemer Beamten nur unter scharfer Kontrolle der Bedürfnisfrage zu gestatten. Der Magistrat hat nunmehr über das Wohnen ber städtischen Beamten und Lehrer außerhalb Berlins folgende Bestimmungen getroffen: In Zukunft wird die Erlaubnis hierzu regelmäßig nur dann er- teilt, wenn durch ein kreisärztliches Attest die Notwendigkeit für den Petenten, bezw. seine Ehefrau, seine Kinder oder sein« bei ihm wohnenden Eltern nachgewiesen wird. Die Genehmigung kann im Dezernatswege erteilt werden. Ebenso kann unver- heirateten Beamten und Lehrpersonen, die bei»hm» außerhalb Berlins wohnenden Eltern leben, das Wohnen daselbst gestattet werden. Wird die Genehmigung zum Auswärtswohnen aus anderen Gründen nachgesucht, so unterliegt die Entscheidung hier- über der Beschlußfassung deS Magistrats. Diese Grundsätze sind auch auf die Personen anzuwenden, die in Zulunft durch Privat- dienstvertrag für den städtischen Dienst angenommen werden. Dagegen finden die Bestimmungen auf diejenigen Beamten und Angestellten keine Anwendung, welche in Anstalten außerhalb Berlin» tätig sind.— Hinsichtlich derjenigen Beamten und Lehrer, die bereits außerhalb wohnen, soll alle drei Jahr« eine Ermitte- lung darüber angeordnet werden, ob die Gründe, die für die Er- laubnis zum Auswärtswohnen naßgebend waren, noch weiter vor- liegen. Das Wohnen in Beamtenwohnhäusern, die außerhalb gelegen sind, wird den städtischen Beamten und Lehrern ge» stattet werden. Zu dem MLdchcnmord a,n Humboldthafen wird mitgeteilt, daß es noch nicht gelungen ist, den Kahn zu ermitteln, auf dem das Verbrechen verübt wurde. Der Kahn hat in der Nähe des Mehl- speichers gelegen. Schiffseigner oder Führer, oder wer sonst etwas von ihm weiß, sollten sich unverzüglich bei der Kriminalpolizei melden. Wie wir mitteilten, hat ein Schiffer in jener Nacht auf das Geschrei der„Martha" zweimal Ruhe geboten. ES ist sehr gut möglich, daß daS nicht der Eigner oder Führer deS Kahnes, auf dem das Verbrechen verübt wurde, sondern eines neben diesem liegenden Fahrzeuges gewesen ist. In der Finsternis haben auch die Verbrecher nicht sehen können, wer gerufen hat. Vielleicht waren die Leute von dem jetzt vergeblich gesuchten Kahne in die Stadt gegangen, und haben die Verbrecher das gewußt. Internationale Taschendiebe machen seit einiger Zeit wieder die hiesigen Theater unsicher. Sie stnd besonders im Deutschen, Herrnfeld- und Rtetropol-Theater, dann aber auch im Zirkus Busch aufgetreten, und haben seit 14 Tagen wiederholt Wertsachen und wohlgefüllte Geldbörsen erbeutet. Die Bande geht in der Weise vor, daß einige Mitglieder an der Kleiderablage vor Beginn oder nach Schluß der Vorstellung künstlich Gedränge verursachen, um den anderen günstiae Gelegenheit zum Stehlen zu verschaffen. Daß es sich um ein« internationale Baiide handelt, geht ans der Verhaftung eines 12jährigen BürschchenS hervor, das in der Friedrichstraße„arbeitete". Ein Kriminalbeamter sah dort, wie ein kleiner Bengel mit großem Geschick Damen in die Handtaschen faßte, und nahm ihn im geeigneten Augenblick fest. Jetzt heulte der Bengel so fürchterlich, ldafi das Publikum Mitleid mit ihm empfand und dem Beamten nicht glaubte. Dieser ließ sich aber nicht irre führen und nahm den Erwischten mit nach der Wache. Der Bursche nennt sich Chaim Viglartzeck auS Warschau. Er sagt, daß er auf der Heimreise vom Ausland nach Warschau seine Mutter auf dem Bahnhof verloren habe. Sein Vater habe in Amerika ein großes Geschäft. Das ist die bei jugendlichen russisch- galizischen Taschendieben übliche Erzählung. Jedesmal, wenn solche Bürschchen hier ertappt werden, kann man sicher sein, daß eine internationale Taschendiebesbande an der Arbeit ist. Die Erwachsenen benutzten die Kleinen bei Gelegenheit und bilden sie zugleich in ihrem unsauberen Handwerk aus. Für 1899 Mark Kleidungsstücke und Stoffe erbeuteten Ein- brecher in einem Herrenkleidergeschäft in der Badstraße 45/46, Ulste�, Paletots, ganze Herrenanzüge, Beinkleider und bunt« Westen.— Wohnungseinbrecher, die es nur auf bares Geld abge- sehen hatten, suchten einen Konditor in der Gipsstraße 12-» heim. Ihnen fielen 431 Mark in die Hände. Ein gemeiner Schwindel, über den schon einmal berichtet wurde, wird immer noch gegen Aerzte verübt. Ein Gauner be» stellt Aerzte angeblich zu einem schiver kranken Angehörigen nach einer erdichteten Wohnung, kehrt dann, wenn die Aerzte unter- wegs sind, nach deren Behausung zurück und schwindelt den Ehe- krauen oder deren Angestellten wertvolle Instrumente unter der Vorspiegelung ab, daß die Aerzte die Sachen vergessen und ihn ge- schickt hätten, sie zu holen. Der Schwindler tritt besonders in Schöneberg auf. Er ist etwa 30 Jahre alt, hat einen rotblonden Schnurrbart und trug bisher eine graue, weiche Sportmütze. Dachstuhlbrand im Norden. Gestern abend gegen 6 Uhr kam in dem Eckhause Raumerstraße 3S/Prcnzlauer Allee 188 ein großer Dachstuhlbrand zum Ausbruch. Als die Gefahr bemerkt wurde, war das Feuer schon längst über seinen Herd hinaus. Au beiden Straßenfronten schlugen lange Stichflammen aus dem Dachgeschoß hervor. Bei Ankunft der Feuerwehr brannte der Dach- stuhl fast in ganzer Ausdehnung und wurde sofort mit vier Schlauchleitungen Wasser gegeben. Die Rohrführer drangen teils über mechanische Leitern, teils über die Treppen hinweg gegen das verheerende Element vor. Die Löscharbciten mußten aber mit der größten Vorsicht ausgeführt werden, da die beiden Ecktürme ein- zustürzen drohten. Der Dachstuhl wurde fast vollständig ein Raub der Flammen. Unfälle sind nicht vorgekommen. Die Auf» räumungsarbeiten zogen sich bis in die späte Nacht hin.— Ein zweiter größerer Dachstuhlbrand wütete fast gleichzeitig in der Alvenslebenstraße 7, Ecke Steinmetzstraßc. Hier mußte die Feuerwehr gleichfalls mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben, um die Flammen zu ersticken. Ein Fahrstuhlabstnrz ereignete sich gestern nachmittag in dem Betriebe der Maschinenfabrik Carl Bccrmann, Vor dem Schlesischen Tor. In dem Moment, als ein Arbeiter den Fahrstuhl im vierten Stockwerk betreten wollte, sauste der Fahrstuhl in die Tiefe. Die Fangvorrichtung funktionierte nicht. Glücklicherweise befand sich niemand in dem Fahrstuhl und konnte der Arbeiter noch rechtzeitig zurücktreten, so daß ein größeres Unglück vermieden wurde. Wie uns mitgeteilt wird, soll der Gewerbeinspektor den Betrieb vor einigen Tagen erst revidiert haben, und ist es merkwürdig, daß e« den Defekt an dem Aufzug nicht gewahrte. Zwei Ringncpper fanden kürzlich in der Friedrichstraße wieder einmal ein Opfer. Einer fragte einen Kutscher aus Weißensee nach dem Wege zum Bahnhof Friedrichstraße, erzählte, daß er in der Nähe des Stettiner Bahnhofs wohne, Goldarbeiter sei und am nächsten Tage von der Fricdrichstraße nach seiner Heimat fahren wolle. Dann kam der zweite dazu, der den Gutsbesitzer auS Ost, Preußen spielte, die Königl. Pfandleihe in der Jägerstraße suchte. um schnell einen wertvollen Ring zu versetzen, weil er bestohlen worden war. Der„Goldarbeiter" flüsterte dem Kutscher ins Ohr, der Ring sei 700 Mark wert und machte dann laut de» Vorschlag. daß der Kutscher den Ring beleihen solle. Der„Gutsbesitzer ver- sprach 10 Proz. Zinsen, der Kutscher gab 50 Mark und hatte dafür einen wertlosen Ring. Rechts fahren! Der Polizeipräsident teilt mit: In dem Nachtrage zur Straßenordnung vom 30. Mai d. I. findet sich unter anderen neuen, den Verkehr betreffenden Bestimmungen eine be» merkenswerte Vorschrift, die daS Ausweichen der Fuhrwerke regelt. Daß dieses unter allen Umständen nach �rechts zu geschehen hat. war schon in der bisherigen Fassung der Straßenordnung in§ 32 angeordnet. Tagegen bestanden mangels einer entsprechenden Be- stimmung darüber Zweifel, welches von zwei sich an einer Straßenecke kreuzenden Fuhrwerken die Vorfahrt habe, und es ist infolgedessen häufig nicht nur zu Streitigkeiten zwischen den be- teiligten Wagenlenkern, sondern auch zu ernstlichen Zusammen- stoßen gekommen.§ 32 enthält nun in der neuen Fassung den Zusatz:„Bei Fuhrwerlen, welche sich kreuzen, hat das von rechts kommende Fuhrwerk die Vorfahrt." Diese Anordnung besteht schon seit Jahren für die Straßenbahnen und hat sich hier durchaus bewährt; ihre Zweckmäßigkeit auch für den übrigen Wagenverkehr kann dqcher keinem Zweifel unterliegen. Es erscheint dringend wünschenswert, daß der neuen Bestimmung seitens der Kutscher genügende Beachtung geschenkt wird: es wird dadurch manche Ver- kehrSstockung und mancher Unfall vermieden werden. Die Freie Volksbühne und die Zensur. Die Beschwerde der„Freien Volksbühne" gegen die Zensur- Verfügung des Polizeipräsidenten von Berlin, des Herrn v. Jagow, »st bekanullich vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg zurück- gewiesen worden. Es findet nun am Montag, den 14. November, abends 8� Uhr, in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Straße, eine offentlickie Protcstversammlung statt, in der der Reichs« tagsabgeordnele W o l f g a n g Heine daS Referat übernommen hat. Zur Diskussion sind bereits angemeldet die Herren: Chefredakteur K. Vokkrath, Alfred Kerr, Friedrich Holthaus, Herman»» Molkenbuhr. Gesangliche Veranstaltungen. Der Gesangverein„Kreuz» berger Harmonie" veranstaltet am Totensonntag(20. November) im Saale der Brauerei Friedrichshain ein Vokal- und Jnstrumentalkonzert mit Benutzung der Orgel unter Mitwirkung der Konzertsängrin Frau Reichner-Feiten. der Triovereinigung der Herren Kursch(Klavier), Gutdeutsch(Violine) und Deckcrt (Violoncello), sowie des Organisten Boitze. Der Eintrittspreis»st auf 50 Pf. bemessen, Anfang 7 Uhr.— Der»m Norden unter den Parteigenossen bekannte„Sänger- chor Weddtng(M. d. D. A.-S.-B.) veranstaltet am Mittwoch. den 16. November(Bußtag), unter Leitung seines Chormeisters Herrn E. Thilo sein diesjähriges großes Herbstkonzert in den .Mcrmania-Prachtsälen", Chausscestr. 110. Anfang Punlt 7 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf. Mitwirkende sind: Neues Konzert-Orchester, Dirigent„R. Tietz, Konzertsängerin Hertha Geivelt.— Der Männerchor„Fichte-Georgin»a 1879"(M. d. Ä.-S.-B.) veranstaltet heute abend im großen Konzertsaal der Brauerei Friedrichshain sein Herbstkonzert. Da die oben genannten Bereine bei Parteifestlichkeiten häufig mitwirke»», so»st den Veranstaltungen zahlreicher Besuch der Parteigenossen gy wünschen. Der Berliner Arbeiter-Radfahrerverei»(Mitglied deS Arbeiter- Radfahrer-Bundes„Solidaritäl") veranstaltet am Bußtag(16. November 1910, abends 6 Uhr. in der Neuen Welt einen populär- wissenschasllichen Lichtbilder-Vortrag(Bortragender: R. Laube, Leipzig), verbunden mit linematographischer Vorstellung und Tanz. Als Prämie für die Besucher lommt 1 Nähmaschine(Preis 95 Marl) granS zur Verlosung; Programm siehe heutiges Inserat im„Vor- wärts". Der Verein hofft auch auf parteigenössische Unterstützung. Eintritt 25 Pf. Arbeiter-Bildungsschnle. Der nächste Unterricht in die Ein- führung des wissenschaftlichen Sozialismus findet am Sonntag, den 13. November, vormittags *69 Uhr, statt. Die folgende Stunde am Mittwoch(Bußtag), vormittag VhlO Uhr. Der Vorstand. Konzerte im„Elou". Es hat schon was für sich, abends in diesem neuesten stimmungsvollen Berliner Musiksaale dem Spiel eines wirklich guten Orchesters zu lauschen. Zurzeit übt die Kapelle des Mailänder scala-Theaters hier ihre besondere An- zichungskraft aus. Dieses Orchester besitzt seit Jahrzehnten einen wohlbegründeten Weltruf. Dem sieghaften Einfluß der Wagner- schcn Musikdramen ist es zu danken, daß sich die� italienischen Mustiverhältnisse vollständig zu ihren Gunsten verändert haben. Heute ist an Stelle des seichten nur zumeist durch tech- nische Virtuosenmätzchen verblüffenden„Fiddelgefuddcls" von ehe- dem eine gründliche Durwbildung getreten, die auch selbst der voll- endeten Wiedergabe der Werke unserer tiefsten Meister gerecht wird. So darf man denn einen vom Scala-Orchester dargebotenen Wagnerabend zu den auserlesenen Genüssen zählen. Natür- lich wird man die manchmal etwas beschleunigten Zeitmaße dem italienischen Temperament zugute halten müssen. Den Pilgerchor im„Tannhäuser", das Preislied in den„Meistersingern" sind wir nicht getvohnt, in einer Art Marschtempo zu hören. Davon abgc- sehen wir die Borführung aller Wagnernummern, zumal des Siegfried-Jdylls und Vorspiels aus„Tristan" einzig schön. Es ist nur schade, daß jeder, der nur hergekommen ist, um sich der dar- gebotenen Kunstgenüsse zu erfreuen, empfindliche Täuschungen er- lebt. Er muß mit mancherlei höchst prosaischen Störungen als Be- gleiterscheinungcn eines regelrechten„Bierkonzerts" vorlieb nehmen, als da sind: hin- und hertrippelnde Kellner, Zigarrenhändler und Tellergeklapper, überlaute Unterhaltung usw. Erst tüchtig essen und trinken! Wer seine Mark Eintrittsgeld bezahlt hat, glaubt niemand anderem Rücksicht schuldig zu sein. Das„bessere" Publi- kum ist zu sehr gewöhnt, mitzutun; die Leistungen der Zweierlei- Tuchmusikanten, die nachmittags„Promenadenkonzerte" vom Stapel lassen, scheinen seinen Mageninteressen ungleich wohltätiger zu behagen. Von Musikkultur ist also vorläufig im„Clou" noch wenig zu verspüren. Hoffen wir, daß sich mit der Zeit ein feinerer Geschmack Bahn bricht. Wem gehören die Papiere? Der Gärtnergehilfe Paul Tippe, der in der Potsdamer Straße das schwere Verbrechen an dem Ehe- paar Tctzke verübte, nahm dort aus der Wohnung auch mehrere Papiere mit, die später in dem Versteck im Keller des Hauses in der Sedanstraße gefunden wurden. Es ist nun festgestellt worden, daß Tippe kurz vor seiner furchtbaren Tat auch noch Ausweis- Papiere auf den Namen eines Kaufmanns Hermann Thiele besaß, eine Geburtsurkunde, Schulzeugnisse und einen Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst. Diese Papiere sind nicht mehr zu finden. Tippe behauptet, daß er sie zerrissen habe, kann aber dafür keinen stichhaltigen Grund angeben. Auch über ihren Erwerb sagt er vermutlich nicht die Wahrheit, wenn er angibt, daß er sie auf einem Arbeitsnachweis gefunden habe. Der Eigentümer der Papiere wird ersucht, sich bei der Kriminalpolizei zu melden. Die Konsumgeiiossenschaft Berlin und Umgegend hatte im Okkober einen Umsatz von 453 337,53 M. gegen 290 683 03 M. im Vorjahre, also 162 704.50 M. mehr. In den ersten vier Monaten dieses Ge- sckiäftsjabres wurden für 1 561 025,10 M Waren umgesetzt gegen 1 045 404,12 M. im gleichen Zcnramn des Vorjahres, somit 515 620,98 M. mehr. Die Mitgliederzahl beträgt jetzt über 32 000 und treten wieder pro Woche eiwa 300 neue Mitglieder bei. Die Hausaiiieile sind auf etwa 420 000 M. angewachsen, die Anteil- summe nebst Zuschreibungen der diesjährigen Rückvergütung auf etwa 400 000 M., die Spargelder auf etwa 600 000 M. Orchidecn-Ausstellung. Der Verein zur Beförderung deS Gartenbaues veranstaltet vom Donnerstag, den 24. bis einschl. Sonntag, den 27. November im Preußischen Abgeordnetenhause eine Orchideen» Ausstellung. Zcugciigesuch. Am Freitag, den 11., mittag» etwa 12 Uhr ist an der Straßenbahnhalte st elle amSpittel- markt ein 15jähriges Mädchen von einem Einspänner- wagen der Produktenhandlung Gebr. Gesell, Molkenstr. 10a, überfahren worden. Zeugen des Falles, insbesondere der junge Mann, der das Mädchen zur Unfallstation am Spittel- markt begleitet hat, bitten wir, sich zu melden bei Bierfahrer Albert Wascht nSky, Frieden st r. 54. Personen aus dem Publikum, die am 25. August, abends gegen 9 Uhr an der Ecke Königgrätzer- und Möckernstraße den Wortwechsel eines Schutzmanns mit dem Führer einer Automobildroschke be- obachtet haben, der aus angeblichem zu schnellen FabrenS entstand, werden gebeten, ihre Adresse an Bernhard Koplin, Lichtenberg bei Berlin, Gürtelstr. 25», abzugeben. Arbeiter-Samariter-Bund— Kolonne Berlin. Montag abend 9 Uhr, 1. Abteilung, Dresdenerstr. 45, Fortsetzung des Vortrages über Verletzungen— Wundbehandlung und Blutstillung. An schließend praktische Uebungen.— Am Mittwoch(Bußtag), abends 6 Uhr, in demselben Lokal, hält Herr Dr. I. Hirschfeld einen Vortrag über das Kurpfuschertum. Zur Jllustrierung des Vor- träges wird das Material ausgestellt werden, welches seinerzeit auf der Hhgiene-Ausstellung großes Aufsehen erregte. Diese Aus- stellung wird einen interessanten Einblick gewähren in die Werk- statten deS Kurpfuschertums und des Geheimmittelschwindels. Vorort- I�ackricbten. Lichtenberg. Achtung, Stadtverordnctenwahl! Morgen, Montag, den 14. November, in der Zeit von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 8 Uhr. findet die Ersatzwahl der dritte» Abteilung im 13. Bezirk statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist unser Genosse Hermann Elias, Fuhrherr, Blumenthalstr. 24. Da dieser Bezirk von den 16 Bezirken der dritten Klasse als einziger durch einen Bürger- lichen vertreten war, gilt es diesmal alles aufzubieten, um auch hier siegreich zu sein. Die dritte Klasse in der Arbeiterstadt Lichten- berg mutz der Sozialdemokratie vollständig gehören. Nicht genug, daß die Arbeiterschaft schon durch das schmachvolle Dreiklassenwahl- recht so gut wie rechtlos gemacht worden ist, hat man seitens der Bürgerlichen unter Bruch der Geschäftsordnung die winzigen Rechte der Arbeiterschaft durch Verschlechte- rung der Geschäftsordnung noch weiter beschnitten. Und dies alles nur, um es den Vertretern der Arbeiterschaft unmöglich zu machen, die betreffenden Herren Stadtväter öffentlich zu brand- marken, welche nach der Wahl das gerade Gegenteil von dem tun, was sie vor der Wahl versprochen haben. Darum gilt es, auch hierfür Abrechnung zu halten. Ehrenpflicht sämtlicher Genossep ist eS. sich am Tage der Wahl dem Wahlkomitee zur Verfügung zu stellen. Dasselbe hat seinen Sitz im Lokal des Genossen Emil Hennig, Wagner st r. 1. Und nun:„Auf zur Wahl!" *** Im letzten Augenblick sind, wie aus dem Blatte des Herrn „Stadtrat" Koch hervorgeht, auch die„Bürgerlichen" mit der Prüfung und Sichtung der Mandatsanwärter endlich zustande ge» kommen. Die Herrxn tier Vorschußbankgruppe usw. genehmigen die Bekanntgabe, daß Herr„Buveauvorsteher" Hartman des Segens der Grundbesitzcrvereine, des Bürgervereins, der Beamtenvereine und so weiter teilhaftig sei, und als Kandidat der„Bürgerlichen" in die„Wahlschlacht" ziehen dürfe. Da nun aber Lichtenberg auch etliche Arbeiterwähler hat, und daneben auch noch einige „Bürgerliche" vorhanden sein sollen, die der Vorherrschaft der Vorschußmänner recht herzlich satt sind, ist man auf das Mittel gekommen, das den Konservativen des Kreises Frankfurt-Lebus den glücklichen Reinfall gebracht hat, nämlich die Wähler mit der Kandidatur eines„Arbeiters" zu ködern. Der ehrenvolle Auftrag, den Kandidaten zu bestimmen, wurde den Arbeitern der„Eckertwerke" zu teil. Am Dienstag ver- einigten sich etwa 30 sorgsam ausgewählte Arbeiter und Angestellte der Eckertwerke und hoben auftraggemäß den Magazinverwalter des Werkes, Herrn H., als Kandidat der Arbeiterwähler auf ihren Schild. Da nun aber bekannt ist, daß in diesem Werke die Mannen Lebius' die Bevorzugten sind, und so diese„Arbeiter"kandidatur als eine Kandidatur der„Gelben"„populär" werden könnte, ist am Donnerstag ein Ucbereinkommen getroffen worden, nach dem der Kandidat als„Bureauvorsteher" auch dem Verlangen der Herren„Beamten" auf Berücksichtigung Rechnung tragen soll. So soll denn Herr Hartman als Kandidat der Arbeiter, als Erkorener der Hausbesitzer und der Mieter, als Beauftragter der Vorschußmänner und Terraingesellschaften, der Hydra der Rovolu- tion den Kopf zertreten. Daß die Wähler bei der Aufstellung des Kandidaten nicht befragt wurden, entspricht durchaus nur der An- sicht über den beschränkten Untertonenverstand, die in den Köpfen unserer„Kommunalpolitiker" spukt. Ob der beabsichtigte Arbeiter- fang glücken wird? Die„Macher" glauben es selber nicht! Am 19. November feiert der.Lichtenberger Männer- ch 0 r" sein 3. Stiftungsfest im Etablissement von Paul Schwarz. Möllendorfstr. 26. Da der Verein bei den Parteifestlichkeiten mit- wirkt, wird rege Beteiligung der Genossen erwartet. Nixdorf. Ein tolles Stück hat sich der 36jährige Hausdiener Wilhelm Hankner geleistet. H. war bei dem Bäckermeister Kegel. Münchener Straße 18, beschäftigt. Er hatte wiederholt Gelder für seinen Chef einzukassieren, führte diese aber nicht ab, sondern steckte sie in die eigene Tasche. Ferner verübte der Hausdiener in der Nachbarschaft eine Reihe von Diebstählen aus. Als der Meister von den Unredlich- ketten und Diebereien des Hausdieners erfuhr, kündigte er ihm. Nach seiner Entlassung begab sich H. nach einem Unternehmer in der Mainzer Straße und stellte sich diesem als Inhaber der K.'schen Bäckerei vor. Er gab nun an, sein Geschäft verkaufen zu wollen. H. wurde tatsächlich auch handelseinig mit dein Käufer. Es wurde ihm als Anzahlung ein Wechsel über 8000 M. ausgestellt. Aber noch ehe H. das Papier zu Gclde machen konnte, wurde er wegen der anderen Straftaten verhastet. Nun kam � auch der andere Schwindel ans Tageslicht. Der Kauflustige erkundigte sich bei K. über die Bäckerei, doch wußte der eigentliche Inhaber natürlich nichts von dem Verkauf seines eigenen Geschäftes. Er war äußerst erstaunt, daß man hinter seinem Rücken sein Geschäft verkauft hatte. Die Wechsel mußte H. wieder herausgeben. Eharkottendnrg. Unter Aufsicht des GemeindewaisenratS standen am 31. März d. I. nicht weniger als 6855 Mündel. Dazu kommen 336 Halte- kinder, von denen 131 weniger als 1 Jahr alt waren. Unter G e- neralvormundschast standen 1149 Mündel, von denen sich 847 in Charlottenburg, 170 in Berlin und Vororten, 132 auswärts befanden. Bei der Mutter waren 390, in Haltepflcge 383, in städtischer Pflege 313, während 63 Mündel ausschließlich durch den Generalvormund selbst oder seine Gehilfinnen kontrolliert wurden. Die Mütter der unehelichen Kinder waren zu mebr als 50 Proz. Dienstmädchen, die Ursachen hierfür dürften für die Kenner der Verhältnisse leicht zu ermitteln sein. Eine Wertbolle Einrichtung der Gcneralvormundschaft besteht in der an jedem Montag vor- mittag im Säuglingsheim für die Mütter angesetzten Sprechstunde. Die Mütter benutzen die Sprechstunde ausgiebig und werden auf diese Weise ständig von dem Fortgang des Vorgehens gegen den Vater ihres Kindes unterrichtet. Durch Nachfrage in den Säug- lingssürforgestellen wurde in bestimmten Zwischenräumen festge- stellt, ob die Kinder regelmäßig vorgestellt wurden und ob Sie Pflegemütter und dt« Mütter di« ihnen dort gegebenen An- Weisungen befolgen. Das Resultat war im ganzen günstig, Miß- stände konnten meist durch gemeinsames Einwirken auf die Mütter behoben werden. Nur in ganz vereingelten Fällen mußte die Fort- nähme des Kindes aus der bisherigen Pflegestell« beantragt werden, weil die Pflegemutter sich durchaus nicht den ihr ge- gebenen Anordnungen fügen wollte. Es ist anzuerkennen, daß der Berufsbormund sich auch um die körperliche Pflege und Ueber- wachung der Kinder kümmert; Aufgabe der Berufsvormundschaft ist es eben nicht nur. für die Heranziehung der Väter zur Ali- mentenzahlung zu sorgen, sondern sich auch mit Hilfe aller ihr zu Gebote stehenden Mittel um das Wohl der ihr anvertrauten Kinder zu kümmern und den Zusammenhang zwischen Mutter und Kind möglichst zu bewahren. Ein Uebelstand ist der häufige Pflegewechsel. Obwohl immer wieder versucht wird, den Müttern die Ueberzeugung beizubringen, wie schädlich ein solcher Wechsel dem Kinde, besonders im ersten Lebensjahre ist, bringen doch immer noch Mütter oft aus geringfügigen Gründen, weil ihnen an den Pflegeeltern etwas nicht paßt, das Kind einfach aus einer Pflegestelle in die andere. Eine Kontroll« ist hier besonders schwierig bei den Kindern, die sich außerhalb Charlottenburgs im übrigen Grotz-Berlins befinden. Hier trat auch der häufigste Wechsel ein. Ein anderer Grund für den häufigen Wechsel ist die Kränklichkeit vieler Kinder. Es handelt sich hier um solche Kinder, die von Geburt an schwach und elend sind,— hauptsächlich um syphilitische und tuberkulöse—, die von den Pflegemüttern schon mit der Erklärung ins Krankenhaus gebracht werden, daß sie die Kinder, die ihnen zuviel Mühe machten, nicht wieder in Pflege nehmen würden. Aus dem Krankenhaus werden die Kinder an- scheinend gesund zu einer neuen Pflegemutter entlassen, um bald wieder ins Krankenhaus zu wandern. So wechselt Krankenhaus und Pflegestelle bis zu sechsmal im Jahre. Diese Kinder gehörten. wie der Generalvormund in seinem Bericht durchaus zutreffend hervorhebt, überhaupt nicht in Privat-, sondern in Anstaltspflege. Aber leider ist das nicht so einfach, da es an Anstalten für syphilitische und tuberkulöse Kinder rn genügender Anzahl fehlt. In der Familie können solche Kinder trotz aller Sorgfalt unmöglich richtig behandelt werden, ganz abgesehen davon, daß sie eine dauernde Gefahr für ihre Umgebung sind. Wilmersdorf. Wie wenig Wohlwollen der hiesige Magistrat seinen Angestellten, den städtischen Arbeitern gegenüber bekniidel, erhellt so recht aus dem ueuesten Vorgehen der Stadtverwaltung bM Erlaß einer Aibeits- ordnung. Im September batte der Magistrat einen Entwurf heraus- gegeben, der jedvch auf Grund der rückständigen Bestimmungen die Zustimmung der Arbeiter nicht finden konnte.' Der Stadtrat Brehm gab damals in einer Versammlung der Arbeiter selbst zu, daß einzelne Bestimmungen einer Aenderung bedürften. Eine spätere Versammlung befaßte sich dann nochmals mit der neuen Arbeits- ordnung und nahm eine Anzahl AbnnderungSanträge an, die in einer Eingabe unter eingehender Begründung dem Magistrat unter- breitet wurde. Seit dieser Zeit— die Petition wurde am 1. Oktober an den Magistrat geleitet— herrschte Ruhe über den Wassern. Keinem war das Schicksal der neuen Arbeitsordnung, noch der Eingabe bekannt, bis jetzt plötzlich aus der Tiefe der Versenkung das alte Monstrum wieder auftauchte und den Arbeitern in unveränderter Form zur Annahme vorgelegt wurde. Es blieb unter den gegenwärtigen Um» ständen der Arbeiterschaft nicht? ander«? übrig, als sich zur Unter« schrift bereit zu finden, wenn sie nicht aufS Straßenpflaster fliegen wollte. Der Magistrat ließ nämlich durch seinen Sekretär erklären, daß diejenigen, die nicht die Arbeitsordnung akzeptieren, sich nach anderer Bei'chäflignng umsehen müßten. Weshalb schlug man nun diesen Weg ein und warum zögerte man bis jetzt mit dem Vollzug der Arbeitsordnung? Für den Kenner der örtlichen Verhältnisse sind diese Fragen leicht zu beantworten. Die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung standen vor der Tür und da hieß es, die städtischen Arbeiter in Unwissenheit über ihre Zukunft zu halten. Mancher unter ihnen hätte, falls ihm das den berechtigten Wünschen der Arbeiter vom Magistrat zu erwartende„Wohlwollen" bekannt gewesen wäre, sicherlich einem wirklichen Vertreter seiner Interessen die Stimme gegeben oder sich seiner Stimmabgabe enthalleit. Durch das Versteck- tpielen deS Magistrats versuchte dieser jedoch Hoffnungen bei seinen Angestellten zu erwecken, die sich nunmehr als Trugschlüsse erweisen. Ja. man scheute sich der Oeffcntlichkeit gegenüber sogar kundzutun, daß von den städtiichen Arbeitern irgend welche Aenderungen zur Arbeits- ordnung beantragt ivaren. Die dem Stadiverordiietenvarsteher zur Verteilung an die Mitglieder des Kollegiums gesandten Abzüge dieser Eingabe sind bis heute noch keinem der Stadtverordneten übermittelt worden. Geschah da? auch mit Absicht? Nun. man hotte allen Anlaß, sein Ansehen bei der Bürgerschaft vor den Siadverordnetenwohlen zu be- wahren, wenn auch mit den kleinlichsten Mitteln. Wenn bislang Wilmersdorf als die„Stadt ohne Sozialpolitil" bezeichnet werden mußte, so hat sie sich durch dieses Vorgehen den neuen Titel„die reichste Stadt ohne kommunale Arbeiterpolitik" erworben. Köpenick. Die Stadtverordnetcnwahlen sind mit Ausnahme in der zweiten Abteilung, wo eine Stichwahl vorzunehmen ist, vorüber. Mit dem Resultat der Wahlen kann die Sozialdemokratie zufrieden sein. In der dritten Abteilung wurden unsere fünf Kandidaten mit 1495 Stimmen gewählt und zwar einstimmig, da die Gegner schon seit Jahren mit Rücksicht auf die Aussichtslosigkeit uns keine Kandidaten gegenüberstellen. In der zweiten Abteilung gingen die Wogen des Wahlkampfes in diesem Jahre besonders hoch. In den Lo- kalblättern wurde fast Tag für Tag ein„Eingesandt" unterzeichnet mit„Ein Bürger von der arnderen Seite!",..Mehrere Beamte!" usw. Stimmung gemacht, weil eine Einigung gegen die Sozial- dcmokrati« nicht zustande gekommen war. Noch nie war eine solche Wahlbeteiligung zu verzeichnen wie diesmal. Von 1190 einge- schrrebenen Wählern stimmten 742 ab. Von allen drei Richtungen wurde in den Wahlstunden fieberhaft gearbeitet. Während unsere Genossen vor dem Eingang zum Wahlzimmer em� provisorisches Wahlbureau eingerichtet hatten, bedienten sich die Bürgerlichen der Autos. Vor dem Rathause hatte in der ersten Wohlstunde ein Mann mit einem Plakat Aufstellung genommen, welches die In» schrift trug:„Wählt Lucht nicht, sonst muß die Grünstraße ver» breitert werden!" Die Polizei zog das Plakat ein. Wie voraus» zusehen, wurde mit 447 Stimmen Lucht gewählt. Tie Bemühungen, dos Mandat des Herrn Rohrbeck auch im ersten Wohlgange sicher zu stellen, gelang nicht. Das Endresultat gestaltete sich folgender- maßen: Rohrbeck 342, Rogge 293, Lietsche 249, Nickel 248, Scholz 244, Hcntschel 218, Feder 135. Da Lucht gwählt ist. kommen, weil drei Vertreter zu wählen sind, die ersten vier mit der größten Stimmenzahl in Stichwahl. welche Dienstag, den 29. November, in der Zeit von 4—714 Uhr abends im Rathause stattfindet. Interessant wird nun das Ver» halten der Wähler der Herren Hentschel und Feder sein. Werden nun all die gegenseitigen Angriffe vergessen sein? Da es ja gegen die Sozialdemokratie geht, ist die Antwort mohl nicht schwer. In der ersten Abteilung wurden die bisherigen Maudatsinhaber Liese, Kleemann. Martin, Dr. Sckmlze wiedergewählt mit durch. schnittlich 76 Stimmen. Die Bezirksvereinskandidaten unterlagen mit 20—24 Stimmen auch hier. Erstaunen malte sich auf den Gesichtern mancher erstklassiger Wähler, als sie den Zettel„Kandi» baten der Sozialdemokratie in der ersten Abteilung sind" usw. in die Hand gedrückt bekamen. Also soweit ist es schon gekommen. Für die Genossen Hein, Herbst und Nieke wurden je 9 Stimmen» für Woik 8 Stimmen abgegeben. Zernsdorf. Bei der Gemeindevertretcrwahl am Freitag erhielt unser Ge- nosse Albert Besener von 30 abgegenen Stimmen 27. ES zieht somit der dritte Sozialdemokrat in die Gemeindevertretung ei». Falkenberg. Der Männerchor„Bor»ärtS"-Berlin veranstaltet am Mittwoch, den 16. November(Bußtag), vormittags 10 Uhr. im Lokal von Gott» fried Sckiäfer, Schtinnerftratze, eine Morgensprache, zu welcher die Arbeiter� Gesangvereine der umliegenden Vororte besonders em» geladen werden. Weihensee. Die Wahl«0» zwei Kreistagsadgeordneten wurde vor einigen Tagen vorgenommen. Für die alte Fraktion, 7 Mann stark, war der auSscveidende Scböffe Rothe ausgestellt; die neue Fraktion. 12 Mann stark, hatte anfänglich nicht die Absicht, die Kandidatur Rothe zu tinterstützen, aber einige Eiferküchieleien innerhalb der Fraktion trugen dazu bei. auf die Ausstellung eines eigenen Kandi- baten zu verzichten, man unterstützte daher den allen Kandidaten. Unsere Fraktion in Stärke von 8 Mann iväre andernfalls ohne weiteres in Stichwahl gekommen. Gewählt wurden im ersteil Wahl« gange Bürgermeister Dr. Woelck mit 24 Stimmen, im zweiten Wahlgange Schöffe Rothe mit 20 Stinimen; auf den Genossen Fuhr- mann entfielen, da zwei sozialdemokratische Vertreter sehlten, nur 6 Stimmen. Klosterfelde. „Die im Elend find, führe in dein Hauö". An diese christlichen Worte wird man erinneri nach Kenntnisnahme folgender uns ge- wordener Mitteilung:.Bor einigen Tagen kamen zwei anständig ge- kleidete Arbeiter nach hier zugereist. Da dieselben durchnäßt waren und sich in Ermangelung an Mitteln ein Nachtquartier nicht ver- schaffen konnten, wandten sie sich an de» hiesigen Gemeindevorsteher mit der Bitte, ihnen ein Nachtquartier zu geben. Sie hatten leider kein Glück; in Sturm und Regenwetter mußten die Aermsten wieder ihres Weges ziehen. Draußen machten die Obdachlosen einein Arbeiter von ihrem Schicksal Mitteilung. O jed, meinte dieser: Wenn es sich darum handelt, einem Pastor ein Pfarrhaus mit 12 Zimmer» einzurichten, ist Geld vorhanden, zwei Obdachlosen aber kann die Gemeinde nicht einmal ein paar Pfennige für ein Nacht» quartier geben." Dieser uns hier mitgeteilte Vorgang ist nur möglich, weil in der Gemeindevertretung auch nicht ein einziger sozialdemokratischer Vertreter siyt, der die Gemeindeverwaltung auf ihre soziale Pflicht aufmerksam machen kann. Bernau. Tie Bertreterwahlen für Arbeitnehmer der hiesigen Orks- krankenkass« finden am Dienstag, den 15. d. M. im Heermanschen Lokale, Bürgermeisterstraße, statt. Die Wahlzeit ist von 8l4 ljhr bis 9)4 Uhr abends festgesetzt. Zu wählen sind 102 Vertreter. Pflicht eines jeden Kassenwitgliedes, welches das 21. Lebensjahr erreicht hat, ist es, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Das Bernauer Gewerlschaftskartell. Jugendveranstaltnngen. Krete Jugendorganisation Schöneberg. Heute nachmittag 4 Uhr findet bei JanenSky, An der Apostelkirche 7, eine Nersamnilung mit einem Bortrage über„Schillers Leben" statt. Gäste sind luillkommen. Die er- wachsene Arbeiterichast wird gebeten. ihre(chulentlassenen Söhne und Töchter zu veranlassen, diese Veranstaltung zu besuchen. Dreptotv- Banuischuleiiweg. Heule, Sonntag, den 13. November, nachmittags 4 Uhr, sindet eine schlichte ErössnungSjeier de» Jugendheims in Baumsschulenweg, Ernstr. 22, Hos parterre lmkS, statt. Die Räume stehen den jugendlichen Arbeitern, Arbeiterinnen ttttb Lehrlingen an Wochentagen abends von 7 bis'ltW Uhr, an Sonn« und Feiertagen von nachmittags 4 bis lltW Uhr zur Serfügung. Die Leitung erwartet eine zahlreiche Benutzung ecs Jugendheims. Freie Jugendorganisation Ztcglin und Umgegend. Abt. Steglitz. Heute nachmittag 4 Uhr bei Feizmann, Steglitz, Florastrahe (Ecke Duntherstrahe), Versammlung. Vortrag des Kollegen E. Lindcmann: .Wir sind der junge Staat!" Abt. Wilmersdorf. Heute nachmittag 4 Ubr bei Seife, Wilmersdorf. Brandcnbiirgischestrahe 1(X), Versammlung. Vortrag des Kollegen K. Liepnitz über;.Die Aufgaben der proletarischen Jugend". Ferner sei hingewiesen aus die am Mittwoch, den 16. November(Buh- tag) staltsindendc Vereinsparlie nach Pichelswcrder. Trefspuntte der Ab- teilungen sind folgende: Für Steglitz, Friedenau, Lichtcrselde und Lankwitz: Bahnhos Steglitz, morgens 8 Uhr; für Zehleudors: Bahnhof daselbst, morgens T/. Uhr; für Wilmersdorf. Bahnhof Schmargendorf, morgens 8 Uhr. Kusammenlrefsen aller Abteilungen zirka 9'/, Uhr: Bahnhof Grunewald. Boxhagen-Rummelsburg-Stralan. Zu dem am heutigen Sonntag im Casö Bellevue. Hauptslrahe 2, stattfindenden Kunftabend wird um das Erscheinen aller Genossinnen und Genossen nebst Angehörigen ersucht. Beginn Pünktlich 4 Uhr._____ ßriefkaften der Redaktton. Ii« inrlfillrfi« Cvttrtiftmidc fiiidct Lindeukirah« Str. 69, vor» vier Irevvrn— Aakrtiudt—,«oocheniiialigi»o» 4'/, bis?h, Nlir abends, Sonnabends von 4'/z bis 6 Ilh, nachmitiags batl. Jeder sür den Brief- tasten bestimmten Auirag- ist Bnivnabc»ud eine K»bl als Hlcrt-- zciive» brirntuaen. Brieilich« Aotwort wird uiS» erteilt. Eilige Jraarn iraae man tu der Svrelbstnnde vor. Trier 560. Wenden Sie sich an den Deutschen Arbeiter-Stenographen- bund, Bors. I. Arndt, Naunynstr, 70 lV.— Kl. W. 165. Ihr Standpunkt entspricht— leider— der in verschiedenen Sachen zum Ausdruck gekommenen Auffassung des OberverwaltungSgcrichts. Die gegenteilige An- ficht der Genossen würde sür sog. Ansässige in Landgemeinden zutreffen.— Rechthaberischer Karl, Der recherchierende Stadtverordnete macht aus dem ihm unterstellten Bezirk Vorschläge, die allerdings in der Regel akzeptiert werden. Ein Ernennungsrecht steht ihm jedoch nicht zu.— Schoneberg 25. Machen Sie dem Polizeirevier Millcilung.— E. M. 62. Wenden Sie sich an die Zentrale sür private Fürsorge, Unter den Linden 16. — R H. 52. Sie find bis Ostern an den Vertrag gebunden.— R. 58. Der Verlrag ist rechtswirksam. Ob ein wichtiger Grund im Sinne des Gesetzes vorlag, der zur sosortigen Vertragslösung berechtigte, können wir aus Jbrer Darstellung nicht entnehme».— W. 4.>906.— Kl. 200. Virchow-Krankeuhaus.— 21. H. 8. Die Klage erscheint nicht durchsührbar. W.<5. 7. I. Das ist gesetzlich unzulässig. 2. Im Bolksmunde üblich. Nach dem Gesetz gelten die Beiresfenden n i ch t als verschwägert.— G. L. 601. Antrag ist an das kaiserl. Patentamt, Gilschinerstrahe, zu richten, Zeichnungen, Muster. Modelle sind beizufügen. Kosten beim Patentamt etwa SV M. Es empfiehlt Pich die Inanspruchnahme eines Patentanwalts.— E. 9. L. 36. 1. Nein. 2. Ja. Sie können gegen den Vennietcr Klage erheben.— 21. P. 1001. Nur dann, wenn der Arzt sie für erwerbsunsähig krank hält. Die Höhe des Krankengeldes richtet sich nach dem Statut.— Werder(Havels. 1. 6 Proz. 2. Das erscheint anfechtbar. 3. Nein. 4. Ja. — B. 12. Die Pfändung ist zulässig. Die Frau imisi dann intervenieren — Nr. 64. S. P. Sie müssen sich eine Eintrittskarte vom Reichstags- Portier oder einem Abgeordneten verschaffen.— H. B. 10. 1. Ja. 2. Die Mutter kann klagen.— O. B. 33, Die Bcitragsllasse richtet sich nach dem von der OUslrankenkaffe ermittelten durchschnittlichen Tagelobn. DaS Krankenkaffensialnt gibt darüber Ausschlug.— H. M. 54. Sie haben Anspruch aus Zuweisung eines anderen Keller? und aus-Schadenersatz, sosern und soweit Sie nicht zur Abwendung des Schadens beitragen konnten.— — O. S. 25. 1. Der Vormund ist besugt, den Ausenthalt zu bestimmen. 2. Ja, wenn dem Standesbeaniten eine entsprechende Erklärung abgegeben ivird. 3. Ja.— F. Z. 66. Weitere Zahlung ist nicht zu empfehlen. Die Lotterie ist in Prcujzen nicht staatlich genehmigt.— I. D.. Tegel. Nein. — I. E. 14. 200 Marken.— C. 500. 1. Gegen die von ihm vcr- tretene Partei hat der Anwalt in einem solchen Falle keinen ErstattungS- anspruch. 2. Der Lohnbetrag, der 28,85 M. wöchentlich übersteigt, unterliegt der Pfändung wegen Prozesikosten.— 1868. Der Bauleiter erscheint schadenersatzpflichtig. Der liiisall muh bei der Polizeibehörde gemeldet werden. Die übrigen Punkte tragen Sie Ihrer gewerkschastlichen Organi- salion vor.— H. Sch. 47. Reichen Sie ein Gesuch bei der Postdirektion eini— K. 400. Nur dann, wenn Sie früher verllagt oder verurteilt sind. Andernsalls ist der Anspruch verjährt.— 21. W. 1878. Derartige Fragen zu beantworten, müssen wir ablehnen.— Börner, Käprnicker Straffe. Die Betten soll Ihre Schwester berausverlangen. Sollten Sie oerklagt werden, so wenden Sie ein, dah Sie minderjährig sind. — E. 2. 11. 1. Ja. 2. Bei dem Landgericht, in dessen Be- zirk Ihr Bruder wobnt. 3. Nein. Ihre Mutter muh klagen. — C. R. 9. Die„Gummi- Zeitung", Verlag Steinkops u. Springer, DreSden-A. 21.— F. 2. 36. 1. Sie können für die Kinder den Austritt erklären. 2. Ja, wenn der richtige Name arglistig verschwiegen ist. 3. Nein. — F. W. 2. Bestimmte Geschäfte empfehlen wir nicht.— H. H. 5. Soweit uns bekannt: nein.— Kleid 4. Einen Vollstreckungsbesehl er- hallen Sie, nachdem Widerspruch erhoben ist, nicht. Sie können bei dem Gericht, das den ZablungSbeschl erlassen hat. die Anberaumung eines Termins beantragen.— P. K. Bis zur Vollendung deS 14. Lebens- jahres.— K. B. 50. Sie können so handeln wie angegeben, dürfen jedoch die Miete sür die Zeit, während welcher Sie gewohnt haben, nicht rinbeh lten, Ein Anspruch aus Minderung mühte in einem gesonderten Versahren geltend gemacht werden.— 81. L. 20. Ja, wenn es sich um einfache Körperverletzlnig handelt.— O. B. 2. Mit derartigen rein technischen Fragen können wir uns im Brieskastcn nicht befassen. — O. I. 18. Die Ablösungsgebühren sind In den verschiedenen Kirchen- gemeinden der Höhe nach verschieden. Sie erfahren den Betrag beim Küster. Die Grabstelle auf dem Genleindesriedhofe in FriedrichZfeide kostet sür ein Kind bis zu acht Jahren 2 M. Der Friedhossverwaltrr ist nicht besugt, zu fragen, ob die Ablösungsgebühr gezahlt ist, viel weniger noch, die Beerdigung von dem Nachweis der Zahlung der Ablösungsgebühr ab- hängig zu machen.— W. H. 50. Wir raten, sich au die Charitö zu wenden.— W. Z. 18. Oktober 1861.— G. 50. Beschweren Sie sich bei dem Kassenvorstande. Sind Sie nicht Kaffcnpatientin, so bleiben Sie der Behandlung des Arztes fern.— 100. Colmar i. E. Das weitere ersahreu Sie beim amtlichen Berkehrsbureau, Alexanderplatz.— K. 7. 1. Ja. 2. Das ist in diesem Falle zweckmähig.— R. L. 10. 1. und 2. Ja, wenn Sie Ihre Behauptungen beweisen können. 3. Die Ersparnisse muh sich die Firma aus alle Fälle anrechnen lassen.— 81. 100. Nur dann, wenn ciu gerichtlicher Beschluh vorliegt._ Wasscrstanvs.Rachrteltte» der Landesanstalt sür Gewäsierkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. vasierstand M e m e 1. Tilfit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tdorn Oder. Rattbor , Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LanvSberg Netze, Borvamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Bardo , Magdeburg >) 4- bedeutet Wuchs,— Fall. Un'ervegel. Nach telegraphischcn Meldungen war die Oder b e i R a t i b o r bis heute um 7 Uhr morgens aus 434 om g e s a I l c n. nachdem sie gestern zwischen 10 und 1l Uhr vormittags 468 cm erreicht Hütte.— Der Neckar erreichte seinen höchsten Wasserstand bei Heilbromi am 10. um 10 Uhr vormittags mit 400 om.— Ter Wasserstand der Mosel betrug heute morgen bei Trier 620 om und lag damit 180 om über dem mittleren, aber noch >83 cm unter dem höckstbclannten eisfreien Wassechtaiide. Der Flith war bereits im Fallen und sein weiteres Fallen dürste sehr schnell erfolgen. Der Scheitel des Oberrhein-Hochwassers befand sich heute morgen bei Worms und kam der Höhe des dortigen mittleren Hoch- waffers sehr nahe. Die Entwickelung eines besattders gefährlichen Hoch- wassers ist nicht wahrscheinlich. 10�25 R/ennig Helle Freude herrscht im Hause; Grosse Wasch' ist angesagt! lind weil dies mit Sunlichtscifc, Sicherlich sich niemand plagt! Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. 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