Mr. S68. nbonncmentS'ßedingungen: «Bouncmcntä> Preis pränumerando i Licrleliährl. Z,M Mk.. nionall. 1.10 MI., wöchcntlilt, 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntags- »uuimcr mit illuslriericr Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» ktbonnement! t.li) Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zciiungs. PrctSiisic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnenients nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumäuteii, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. erscheint tZgllch außer montags, Vevlinev Volksblertt. Zcntralorgan der rozialdemokratSfchen Partei Deutfcblande. VIe Tnkrtions'Gebflltr Heirägt für die scchsgespaltene Kolonel« xeilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschasiliche Vereins» luid VcrlammlungS.Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Sn-eig-n". das erste fsctt. gedruckies Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. 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Wenn wir heute eine Ausnahme machen, so go schieht es nur darum, weil es mit dieser Art von Denkmälern eine besondere Bewandtnis hat, auf die wir einmal die Auf merksamkeit lenken möchten. Diese Denkmäler, die zurzeit wie die Pilze aus der Erde schießen, können dem Volke nianches zu denken geben, wenn es nur genau hinsehen will. Vor einigen Jahren traf ich einmal zu nachtschlafender Zeit in der„Musenstadt" Weimar ein. Auf einem freien Platze erblickte ich ein inächtiges Reiterstandbild, das einen mit der Pickelhaube geschmückten martialischen Herrn darstellte. Ich war so naiv, in der Dunkelheit das Standbild für ein Moltke-Denkmal zu halten. Als ich ani anderen Morgen wieder vorüber kam, sah ich, daß es ein Denkmal des Groß- Herzogs Karl Alexander war, desselben, der bei der Wahl eines Sozialdemokraten im Weimarer Kreise gesagt hat: „Das habe ich um mein Volk nicht verdient!" Aber die Sache stimnite mich heiter, denn ich hatte diesen Monarchen einmal in der Nähe gesehen und zwar auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin. Als dort unser Zug einlief, erschienen eine Menge Schutzleute.„Niemand aussteigen!" rief es gebieterisch. Wir glaubten erst, es werde ein steckbrieflich Verfolgter gesucht. Aber da ging auf dem Bahnsteig ein kleines, schwächliches Männchen vorbei und das Publikum durfte erst aussteigen, als diese Erscheinung vcr- schwunden Trtrr." ES war Karl Alexander, der nie in einem Feldznge befehligt hat, aber in seinem Standbild zu Weimar als gewaltiger Kriegsheld„verewigt" ist. Und da fiel mir mein Irrtum erst ein. Wie konnte ich em Moltke denken? Reistcrstandbildex werden ja in Deutsch- land nur denMitgliedern regierenderFürsten- Häuser errichtet! Auf die Größe des Gebietes dieser Herrscher kommt es dabei nicht an.„Hand- langer" wie Moltke und andere dagegen müssen, wenn ihre Bilder in Erz und Stein für die Nachwelt errichtet werden, hübsch bescheiden zu �uße bleiben. Höchstens als„Neben- figuren" erlaubt man ihnen einmal zu Pferde zu steigen, wie bei dem Kaiser-Wilhelm-Tenknial zu Leipzig. Auch die„Hand- langer" Bismarck und R 0 0 n sind diesem Schicksal nicht entgangen. Um das Reichstagsgebäude herum stehen in Erz zu Fuße Bismarck, Moltke und Roon, die drei„Paladine Wilhelms des Großen", denen in tausendfacher Verherrlichung das Haupt- verdienst an der Gründimg des Deutschen Reiches zugeschrieben wird. Die monarchistische Kunst gönnt ihnen kein Pferd. Dies beruht nicht auf einem geschriebenen Gesetze; es ist so der„Brauch". Und wenn der deutsche Bürger einem von ihm besonders verehrten Feldherrn ein Denknial setzt, so fügt er sich diesem„Brauch". Es ist dies ein Teil der angestammten Ehrfurcht vor dem Gottesgnadcntum. Nun wird uns niemand mit dem Verdacht behelligen, daß uns diese historische Klassifizierung einen besonderen Kumnier verursachen könnte. Jede Kunst entspricht ihrem Zeit- alter, und die Zeitalter lösen sich ab. Die Zukunft wird eine neue Kunst bringen. Auch hat die Menschheit in diesem Punkte entschiedene Fortschritte gemacht. Der römische Kaiser Nero, der sich für eine nie dagewesene Größe hielt, verfügte einst, daß sein vom Barbier ihm abgenommener Bart in eine goldene Kapsel eingelötet und„für ewige Zeiten" auf dem Kapital aufbewahrt werde. Die Römer von danials durften nicht lachen, und die Majestätsbeleidigung kostete im alt- römischen Kaiserreich gleich Kopf und Kragen. Daß die„Handlanger" auch als historische Denkmäler zu Fuße bleiben müssen, interessiert uns nur deshalb, weil es eine charakteristische Beleuchtung der monarchistischen Ge- schichtSaufsassung ist. Der General v. Seydlitz, dessen Denkmal dieser Tage in Trebnitz enthüllt worden ist, war ein ganz besonderer Reit- künstler und hat sich in den schlcsischen Kriegen als Ka- vallericgeneral hervorgetan; ihm verdankte der alte Fritz die Siege von Roßbach und Zorndorf, sowie seine Rettung bei Hochkirch und er hätte auch bei Kunersdorf den Sieg behalten, wenn es nach Seydlitz' Ratschlägen gegangen wäre. Uebcrhaupt wird man bei näherem Zusehen leicht zu der Ueberzeugung kommen, daß der alte Fritz seinen„Hand- langem" weit mehr verdankte, als gewöhnlich angenommen wird. Aber dem Kavalleristen Seydlitz ist im Denkmal— zu Berlin und zu Trebnitz— so wenig ein Pferd gegönnt worden, wie seinem nicht minder berühmten Kriegs- gesährten Ziethen. Seydlitz als Kürassier. Ziethen als Husar, sind von Dichtern und Künstlern, namcnt- lich von Fontane und Menzel. verherrlicht worden; emf dem Wilhelmsplatze zu Berlin aber erscheinen sie als „Sandhasen", wie das„Fußvolk" von den eingefleischten Kavalleristen vom hohen Pferd herab�verspottet wird. Auch der alte Blücher, dieser populärste Soldat aus den Fürsten- freiheitskriegcn, ist im Denkmal auf dem Opernplatz zu Fuß geblieben wie seine Mitstreiter aus dem Befreiungskriege, die Scharnhorst, Gneisenau, Aorck und B ü l 0 w. Nicht cinnial den Staatsstreichshelden von 1848 ist ein Pferd gegönnt worden. In der Leipziger Straße stehen sich General von Brandenburg und General von Wrangel gegenüber; nicht einmal der letztere, der mit Reiterstiefeln und Sporen seinen Mittagsschlaf zu halten pflegte, hat es zu einem Pferde bringen können. Man sage nicht, daß es überall in Monarchien so sei. Der„Dank vom Hause Oesterreich" hat in der Weltgeschichte einen üblen Klang. Aber die Habsburger haben doch ihrem R a d e tz k y zu Wien ein Reiterstandbild errichtet. In Rom und in Mailand erhebt sich die Reiterstatue von Giuseppe Garibaldi. Wenn die Monarchie gegen diesen Volks- Helden ihren aus mittelalterlichen Vorurteilen überkommenen „Brauch" inne zu halten versucht hätte, so würde sie damit an dem fast allgemeinen Univillen gescheitert sein. Aber so unbedeutend die Sache an sich ist, so bezeichnend ist es doch, daß die italienische Monarchie dem V 0 l k s h c l d c n, dem Heros der kriegerischen Demokratie Italiens, nicht verweigern kann, was bei uns von der monarchistischen Kunst den treucsten Anhängern und„Handlangern" der Monarchie mit Verletzung der historischen Eigenart dieser Erscheinungen ver- weigert wird. Wir lesen in einem militärisch-politischen Werke: „Die alten Griechen hatten ein Gesetz, daß derjenige, der nur einen Sieg errungen hatte, sich edler, größer und schöner abbilden lassen mußte, als er wirklich war. Der durch drei Siege beglückte Feldherr nur durfte getreu und wahr sich öffentlich darstellen lassen." Jedenfalls konnte im alten Hellas nach dem ersten Teil dieses Gesetzes keiner als Feldherr verherrlicht iverden, der über- Haupt keinen Sieg errungen. Wäre Karl Alexander dort ein kleiner Potentat gewesen, so hätte er schtverlich ein schöneres Denkmal bekommen, als Miltiades oder Xenophon. Ceterum censoo: An Äriegsdeukmälern hat die Welt nun mehr als genug. Unser Blick ist der Zukunft zugewandt, die den Helden des Friedens und des Geistes ihre Denkmäler bringen wird l ver Mosblter Prozeß. Wie vorauZzuschen, wurde die Verhandlung am Montag mit der Bekanntgabe des Beschlusses auf Abweisung des AblehnungS- antrages der Verteidiger eröffnet. Er weist keine lvescntlich neuen Momente gegen den vom Donnerstag auf— die Gründe sind ebenso dürftig geblieben, wie sie damals waren. Der Prozeh kommt also vor der Lieber-Kammer zum AuStrag— die Scharfmacher. dürfen vorläufig zufrieden sein. Der Monsterprozeh, den sie für ihre Wahl- zwecke dringend brauchen, findet statt und zwar vor dem Richter- kollegium, in das die Herren Reatlionäre agrarischer wie industrieller Couleur besonderes Vertrauen setzen. Inwieweit allerdings der Verlauf des Prozesses ihre hochgespannten Hoffnungen erfüllen wird, baS steht noch sehr dahin. Gewiß ist diese Versammlung von 34 Angeklagten, wovon mehr als die Hälfte aus der Untersucknmgshast vorgeführt wird, an sich geeignet, die Vorstellung zu wecken und zu verstärken, daß die StaalSgewalt sich gegen ein verbrewerisches Komplott zu wehren hatten. Wenn man indes die einzelnen Straftaten, die die Anklage verschiedenen Angeklagten zur Last legt— Behauptungen, die erst noch er- wiesen werden müssen— in den Eröffnungsbeschlüssen verlesen hört, so gewinnt man doch einen wesentlich anderen Eindruck. Ganz ab- gesehen davon, dah einzelne dieser Straftoten in gar keiner fach- lichen Verbindung mit den Unruhen stehen, viele andere bestehen in nichts weiter als in den, Ausstohen von einigen Schimpfworten gegen die Schutzleute, Schimpf- Worte, die unter anderen Umständen vom Schöffengericht in kurzer Verhandlung mit einer gelinden Strafe gesühnt iverden würden. Infolge der Verbindung der Anklagen besteht jetzt aller- dinzs für diese Beleidiger die Gefahr, dah den Richtern auf dem Hintergrund der anderen, schwereren Straftaten diese Schimpfworte bedeutend schlimmer und gefährlicher erscheinen werden, als es sonst geschehen wäre. Ein Umstand, der eigentlich als milderndes Moment in Betracht kommen mühte, kann ihnen infolge des prozessualen Vorgehens der Staatsanwaltschaft und des Gerichts zum strafverschärfenden Grund werden. Sie haben sich bei Vorgängen, die eine weitreichende Erregung hervorriefen, dazu hinreihen lassen, dieser Erregung in einigen unparla- mentarischen Worten Ausdruck zu geben. Logischerweise mühte ihnen die allgemeine, ansteckende Erregung als mildernder Umstand angerechnet werden— aus dem Milieu dieses RieseSprozesses aber erwächst die Gefahr, dah das Gegenteil stattfindet. Der Kampf der Verteidigung um den gesetzlichen Richter war vorerst vergebens— aber er war nicht umsonst. Er hat die Oeffentlichkeit in der wirksamsten Weise auf den Charakter des Ver- fahrens aufmerksam gemacht, er hat seine Tendenz schonungslos ent- hüllt und aller Well gezeigt, dah über diesen Prozetz nicht die Göttin mit der Binde vor den Augen, sondern die Staatsräson waltet! Und deshalb können die Scharfmacher selbst mit dem An- fange des Prozesses doch nicht so recht zufrieden sein. Zur eigentlichen Verhandlung kam es auch diesinal noch nicht. Im Namen der Verteidiger(immer unter Ausschluß der Herren Cohmann und Ulrich) stellte Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld den Antrag, die Verhandlung so lange auszusetzen, bis jedem An- geklagten auch die Anklageschriften gegen seine Mitange- klagten zugestellt worden seien. In einer wohldurchdachten, juristisch gut fundierten Begründung setzte der Verteidiger in klar gegliederter Rede auseinander, daß die Angeklagten in ihrer Verteidigung behindert sind, lvenn sie nicht genau wissen, was ihren Mitangeklagten von der Anllagebehörde vorgeworfen wird. Herr Etster Staatsanwalt Steiubrecht widersprach und be» stritt, dah das Gesetz diese Maßregel gebiete. Es kam zu einer interessanten juristischen Debatte, in der die Verteidiger Dr. Rosen- selb, Dr. Heinemann und Dr. Cohn sowie der öffentliche Ankläger das Wort nahmen. Der Gerichtsbeschluß, der nach halbstündiger Beratung erfolgte, lehnte den Antrag ab, wie schon Herr Lieber den vor der Haliptvcrhandlung gestellten Antrag der Verteidiger abgelehnt hatte, doch gab das Gericht der Staatsanwaltschaft altheim, ob sie ans ZweckmähigkeitSgriinden, um den Angeklagten eiitgegeiiznkomme», ihnen im Laufe der weiteren Verhandlung die sämtlichen Anklagen zustellen Ivolle. Herr Stein- brecht hatte sich schon vorher dazu bereit erklärt und wiederholte jetzt die Zusage. Nachdem sodann die 34 EröffunngSbeschlüsse verlesen waren, wurde die Verhandlung alif DienStag ll'/e Khr vertagt, wo dann endlich mit der Veriiehniung der Angeklagten begonnen werden soll. Sie„IKaffernrcvolte" in veutsth- Sädwett-Mrika. DaS Gouvernement von Deutsch-Südwest-Nfrika versucht nunmehr durch eine offizielle Darstellung das Massaker unter den beim Bahnbau der Strecke Wilhelmstal— Karibik beschäftigten, aus der Kapkolonie stammenden Kaffern zu erklären und zu be- schönigen. Nach dieser offiziellen Darstellung jedoch bleibt die Tat» fache bestehen, dah man erst die schwarzen Arbeiter in der un- erhörte st e n Weise gereizt hat, uin sie dann durch Waffengewalt zu„bernhigen"f tvohei nicht weniger als 14 dieser Arbeiter getötet wurden! Nach der amtlichen Darstellung legten am 29. Oktober 59 der Kaffern die Arbeit nieder, um nach Windhuk zu marschieren, woselbst sie mit der Bauleitung selbst verhandeln wollten. Sie wurden aber am übernächste» Tage durch die Polizei wieder nach dem Lager„zurückbefördert". Da die Haltung der Arbeiter in den folgenden Tagen„Iveitere Belinruhigniigen" befürchten lieh, wollte der Bau» ingenieur in Wilhelmstal die„Rädelsführer" e i n f a ch f e st n e h inen lassen, um sie dem Gericht zu überweisen. Natürlich weigerten sich die Rädelsführer, sich einfach widerrechtlich abführen zu lassen. Als danit Soldaten herbeigeholt wurden, um die„Rädelsführer" mit Gewalt herauszugreifen, rotteten sich die Kaffern, etwa 89 Mann, mit Messern und bleibeschwerten Stöcken bewaffnet, zusammen. Nunmehr rückte das Militär bewaffnet an. Als die Kaffern sich erilcut weigerten, die sogenannten Rädelsführer herauszugeben, sondern eine„drohende Hallung einnahmen", umzingelten die Soldaten die Kaffern. Nach der offiziellen Darstellung sollen nunmehr die Umzingelten „gegen die Soldaten angcstürint" sein und auf sie„eingeschlagen" haben, so dah die Soldaten von der Waffe Gebrauch machen muhten." Resultat: 14 Tote auf feiten der Kaffern. Natürlich hatte weder der Bauingenieur das Recht, sogenannte Rädelsführer verhaften zu lassen, noch waren die Soldaten be» rcchtigt, bei diesen Lohndiffcrenzen den Handlanger de« Unternehmertums zu machen I Wenn man freilich bedenkt, wie bei uns schon Polizei und Militär skrupellos gegen streikende Arbeiter verwendet wird, braucht man sich über das rücksichtslose Vorgehen der Soldaten gegett schwarze Arbeiter in Südwestafrika nicht zu wundern. Und handelte es sich um deutsche Schwarze, so würde weder Huhn noch Hahn wegen dieses Massakers krähen! Da es sich jedoch um englische Untertanen handelt, wenn auch nur um Farbige, wird hoffentlich die Untersuchung etwas gründ- lichcr sein. Das Vorgehen der den Bahnbau ausführenden Firma erscheint um so ungeheuerlicher, wenn man hinzunimmt, dah die Firma nach ihrer eigenen Darstellung die schwarzen Arbeiter bei Lohn- differenzcn und Arbeitseinstellungen wiederholt einfach dadurch kirre zu machen suchte, dah sie ihnen Kost und Wasser vorenthielt! Da in diesem Durst- und Hungerbict eine solche Vorentbaltnng nichts anderes bedeutete, als die Eingeborenen dem Verschmachten preiSzu- geben, und die Eingeborenen infolgedessen eines Trunkes Wasser» tvegen viele Kilometer tveit nach den Farmplätzen ziehen muhten, bedeutete diese Art. bei Lohnstreitigkeiten die Arbeiter„zur Vernunft zu bringen", nichts anderes als die An- Wendung der brutalsten Gewalt in der denkbar verwerflichsten Form! So waren denn die Arbeiter vollständig der Willkür ihrer nächsten Vorgesetzten preisgegeben. Als sie den Versuch machten. sich mit der höheren Betriebsleitung selbst in Verbindung zu setze», wurden sie per Schub von der Polizei gewaltsam zurückbesördert! Aber damit nicht genug, sollten sie auch noch ihrer Wortführer und Sachwalter gewaltsam beraubt werden. Als sie sich diese neue Vergeivaltigung nicht widerstandslos gefallen lassen wollten, richtete man ein entsetzliches Blutbad unter ihnen ani Dah nach solchen Vorgängen die Arbeiter a»S den englischen Besitzungen Südafrikas nicht mehr nach Deutsch-Südwestafrika gehen mögen, wird man ihnen schwerlich verdenken können. Da man aber die Hcreros zum größten Teile ausgerottet hat und eS infolgedessen an schwarzen Arbeitskräften mangelt, ersehnt man die Gelegenheit, auch die OvamboS durch eine» frisch-fröhlichc» Krieg ihres Hab und Guts berauben und ebenso zu rechtlosem Arbeitsvieh degradieren zu können wie die kümmerlichen Reste der übrigen ein- geborenen Bevölkerung! Das Cnde des Slaffenttilittands. London, 11. November.(Eig. Ber.) Nach 21 Sitzungen ist die Konferenz der Häupter der beiden großen bürgerlichen Parteien zu keinem Resultat ge- kommen. Die acht Teilnehmer haben sich verpflichtet, nichts über die Beratungen der Konserenz verlauten zu lassen, und man wird daher wohl eine Zeitlang warten müssen, eh- sich der Schleier von der geheimnisvollen Erscheinung hebt, deren Treiben uns bis setzt nur durch die konvulsivischen Bewegun- gen unter der dichten Hülle einigermaßen verständlich wurde. Aber obwohl die Vertrauensmänner beider Parteien gelobt haben, zu schweigen, sind beide Parteien dennoch schon heute bei der Arbeit, sich gegenseitig die Schuld an dem Mißlingen der Konserenz rn die Schuhe zu schieben. Tie Liberalen be- haupten, der erzreaktionärc Flügel der konservativen Partei habe eine Vcrstäichigung über die Vetofrage hintertrieben, und die Konservativen geben an, die Liberalen hätten es von Anfang aii niit der Konsenenz nicht ernst gemeint und hätten nicht die geringsten Zugestiändnissc machen wollen. Andere sagen wiederum, die Lilberalan hätren sich geweigert, die Frage der Selbstverwaltung Irlands durch ein Referendum ent- scheiden zu lassen. Es ist jedoch müßig, sich mit den gegenseitigen Anklagen zu beschäftigen, die nur den Zweck haben, für die nun uttvermeidlichen Nahen allgemeinen Parlaments- Wahlen Stimmung zu machen. 'lieber der Konferenz schwebte der Geist Redmonds, den man nicht bannen konnte. Ter Führer der Nationalisten kehrt morgen aus Amerika zurück, beladen mit 40 000 gol- denen SovereignS. die die stets freigebigen irischen Enii- granten auf dem Altar des ailten Vaterlands geopfert haben. Tiefes Mal ist der Goldstrom zur Befreiung des alten Heimat- landes reichlicher denii je geflogen: denn hatte Redmond nicht versichert, daß dies der letzte und erfolgreiche Versuch sei. Irland die langersehnte Home Rnle zu geben? Durch seine Versprechungen an die in Amerika wohnend-ii Landsleute gebunden und gestützt ans die gefüllte Kriegskasse, wird sich der Führer der Nationalisten nunmehr anschicken, von der liberalen Regierung die Bezahlung seiner Dienste zu fordern. Nach einem langen traurigen Intermezzo wären wir demnach wieder dort angelangt, wo der Gang der Ereignisse mit der Annahme der Vetobill in erster Lesung unterbrochen wurde. Tie Vetobill, die sich ans die vorher angenommenen Vetoresolutionen stützte, zerfällt, wie erinnerlich sein wird, in drei Teile. Ter erste nimmt dem Hanse der Lords das Recht, Geldvorlagen, abzuändern oder zu vertvcrfcn. Ter zweite schränkt das Vetorecht der Lords bei anderen Vorlagen ein: Er bestimmt, daß derartige Vorlagen, wenn sie in drei aus- einanderfolgcnden Sessionen vom Unterhaus angenommen und wenigstens einen Monat vor dem Schluß der Session an das Haus der Lords geschickt und dort jedesmal ver- warfen worden sind, ohne die Zustimmung der Lords und mit der einfachen Genehmigung des Königs Gesetz werden, vorausgesetzt, daß fest dem Tatuni der Einbringung der Vor- läge im Unterhaus bis zu den: Datum, au dem diese Vor- lagen im Unterhaus zum dritten Male angenommen werden. wenigstens zwei Jahre verstrichen sind. Der dritte Teil endlich verkürzt die Dauer der Parlamente auf 3 Jahre(an- statt sieben wie bisher). Rein äußerlich detrachtet, scheint sich die politische Lage seit deni Anfang des Monats Mai ein wenig verändert zu haben: aber innerlich hat sich doch eine merkliche Wand- l u n g vollzogen. Mag auch die Konferenz keine positiven Resultate gezeitigt haben, eines hat sie doch vollbracht. Sie hat vielen Leuten, die selbst noch nach Asquiths Verrat zu Anfang des Jahres an die redlichen Absichten des Mini- steriums in der Frage der Lords glaubten und den Kanips- ruf gegen das Oberhaus nicht nur als eine zugkräftige Wahl- Parole auffaßten, gewaltsam die Augen geöffnet. Welches Vertrauen kann das Volk jetzt noch zu Führern haben, die ihre Gegner scheinbar aufs bitterste bekämpfen und sich gleich darauf mit dem verhaßten Feinde ein langes Stelldichein geben. Was wird man alles aus der Konferenz besprochen haben? Wird man besprochen haben, wie man es verhindern kann, den König, der in 7 Monaten gekrönt werden soll, in den konstitutionellen Streit zu ziehen? Wird man geheime Vereinbarungen getroffen haben, um die Iren dennoch um ihre» Lohn zu prellen? Die Antwort auf diese und ähnliche Fragen werden die nächsten Wochen bringen. Doch schon sind Anzeichen vor- Händen, die auf die künstige Politik der Regierung schließen lassen. Wenn A s q u i t h wirklich ein energisches Vorgehen gegen das Oberhaus beabsichtigt, so müßte sein erster Schritt der sein, alle fortschrittlichen Elemente gegen den gemein- scunen Feind zu vereinigen. Wie behandelt er nun seinen Bundesgenossen, die Arbeiterpartei? Gestern beschloß eine Konferenz von beinahe 500 Vertretern der Gewerkschaf- teil und anderen Arbeiterorganisationen, ciiw Deputation an den Premierminister zu schicken, um ihm Resolutionen zu unterbreiten, in denen die Widerrufung des Osborneurteils und die Besoldung der Parlamentsmitglieder gefordert wurden. Heute empfing Herr Asquith diese Deputation, die eine klare Antwort auf das Verlangen der organisierten Ar- beiterschast erwartete. Aber die Antwort fiel schlimmer aus, als selbst der größte Pessimist erwartet hatte. Mit dielen mit tröstlichen Verfickcrungen vermischten Worten erklärte der geriebene Jurist den Vertretern des Proletariats, daß er sie nicht empfangen habe, um ihnen die Politik der Re- gierung auKeinanderzusetzcn, dies sei kaum die Gelegenheit dazu. Er wollte nur hören, was die Vertreter der Arbeiter» schast vorzubringen hätten usw. in dem bekannt«, Stil. Was die Besoldung der Parlamentsmitglieder anlange, so müsse er zwar zugeben, daß diese Forderung in den, Newcastler Programm der liberalen Partei enthalten sei; er Haffe auch, daß die Frage in zufriedenstellender Weise gelöst werde. Mit diesen läppischen unverbindlichen Zusicheningen entließ er die Deputation. Diese Episode erweckt nicht den Schein, als ob sich Herr Asquith auf die linksstehenden Elemente stützen will. Oder sollte der Premierminister der Arbeiter- Partei zutrauen, daß sie auch diese kavaliermäßige Abfcrti- gung ruhig einsteckt? Man erwartet allgemein die Wahlen im Januar des nächste» JahreS oder gar schon im nächsten Monat. Tic Liberalen glauben, die besten Aussichten zu haben. Ter Ausfall der Gemcindewahlen am 1. November und die Resultate der letzten Nachwahlen haben ihnen Mut gemacht. Sie hoffen, daß die günstlgercii ErwerbSvcrhältnisse die Agitation der Tarifreformer abschwächen werde und daß die große Verwirrung im Lager der Konservativen dazu beitragen wird, ihren Sieg zu vervollständigen. Die konservative P a r t e r macht augenblicklich eine Krise durch. Einer schimpft d'e» andern aus. Man verlangt eine Reorganisation der Partei von oben herunter, wobei man vermutlich dem ein- zigen Staatsinann, den die Konservativen besitzen, Bal- sour, der allein die heißhungrige Gesellschaft zusammen- halten kann, den Prozeß zu machen wünscht. Die einfluß- reichste Sektion scheinen jetzt wieder die alten Reaktionäre zu bilden, deren Tenkapparat viel zu langsam geht, um sich schnell in der klügeren Taktik der jüngeren bürgerlichen Führer zurechtzufinden. Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen und sehen nicht die Notwendigkeit ein, sich den ver- änderten Verhältnissen anzupassen und nnhaltbare Positionen aufzugeben. Wie vorteilhaft wäre es für die Konservativen gewesen, wenn sie der Parole ihres jungen Führers Smith gefolgt wären. Dieser schlug vor einigen Wochen vor. die konservative Partei sollte sich für die Besoldung der Parla- mentsmitglieder aussprechen, damit man der Partei nicht zum Vorwurf machen könne, sie wolle die Vertretung der Arbeiterklasse im Parlament verhindern. Die Maßregel würde der konservativen Partei gar nichts gekostet haben: denn die parlamentarische Vertretung der Arbeiterschaft schadet nur der liberalen Partei. Die beunruhigten Dick- häutec in der konservativen Partei liefen jedoch gleich Sturm gegen diese Neuerung. Die Liberalen sind geneigt, ihre Chancen zu überschätzen. Die wirtschaftliche Lage ist ihnen günstig, ihr Hauptgegner ist entmutigt und ihrem Konkurrenten um die Stimmen der Arbeiterschaft wird es schwer fallen, die Mittel zu finden, um einen Wahlkampf erfolgreich zu bestehen: aber es ist doch eine große Frage, ob die Arbeiterwähler der nördlichen In»- dustriebezirke nach allem, was in diesem Jahre vorgefallen ist, mit der gleichen Begeisterung für die Liberalen ws Feld ziehen werden wie bei den letzten Wahlen. poUtifcbe(leberNckt. Berlin, den 14. November 1910. Wahlsiege in Frankfurt a. M. Die gestrige Stadtvcrordnetenwahl in Frankfurt a. M. hat mit einem glänzenden Siege der Sozialdemokratie geendet. Gewählt würben 8 Sozialdemokraten, 7 Fortschrittler, 2 Na- tionalliberale und 1 Mittelständler. Das Zentruni erhielt kein Mandat. In Stichwahl kommen 11 Sozialdemokraten mit 6 Fortschrittlern, 3 Nationalliberalen und 2 Mittelständlern. Die Wahlbeteiligung betrug in einigen Bezirken 80 Prozent, im Durchschnitt 73 Prozent. Wahlberechtigt waren 30 000 Personen, 38 200 haben gewählt. Davon gaben ungefähr 17 000 sozialdeniokratische Stimmen ab. Die ge- samten Gegner erhielten über 20000 Sttmmcn. Von den 29 zu besetzenden Mandaten hatten die Fort- schrittler bikher 13, die Nationalliberalen 4, die Mittel- ständler 3, das Zentrum 1 und die Sozialdemokraten 6 in Besitz. Die Sozialdemokraten haben den alten Bestand er- halten und bereits 2 Sitze gewonnen, während alle anderen Parteien Verluste erlitten._ Die Einfuhr französischen Schlachtviehs in Bade». In Karlsruhe ist das erste Schlachtvieh ans Frankreich ein- getroffen; ein Waggon Ochsen, ein Waggon Farren und drei Waggons Rinder. Besonders die Ochsen sind von guter schwerer Qualität. Insgesamt sind es 64 Tiere, die sofort in be- sondere Stallungen untergebracht wurden. Nach nochmaliger Untersuchung Iverden die Tiere mcf den Markt gebracht werden. Eigentümer sind Karlsruher Viehhändler. Zu gleicher Zeit ist, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitmig" meldet, das erste stanzö- silche Vieh in Heidelberg angekommen, und zwar in tadelloser Verfassung und ganz hervorragender Qualität. Die Tiere sind für Rechnung der Heidelberger Fleischerinnung bezogen und von dem Metzgermeister Karl Seeinann und dem Sohn des Obermeisters Heinrich Koch auf dem Viehmarkt in La Billette(Paris) eingekauft. Weitere Sendungen erfolgen im Laufe dieser Woche. Die Spesen sind leider infolge des hohen Zollsatzes sehr hoch. •.' Die agrarische Presse ist über diese Vieheinfuhr auS dem Aus- lande höchst aufgebracht, zumal auch die bayerische Regierung, wie wir bereits meldeten, an die Reichsregierung das Ersuchen stellen will, die Einfuhr von ausländischem Vieh und gefrorenem argenti- nischen Fleisch in Bayern zu gestatten. Da das verlogene Gerede, im Auslande wäre daS Vieh noch teurer als in Deutschland, durch die Einfuhr glänzend widerlegt wird, denn trotz der sehr hohen Zölle, Frachtkosten und Spesen stellt sich immerhin der Preis der französischen Rinder in Karlsruhe noch etwas niedriger, als der des gleichwertigen deutschen Rindviehs, so versuchen es jetzt die agrarischen Blätter zur Abwechselung wieder mit der naiven Be- hauptung, durch die Einfuhr fremden Schlachtviehes würden die deutschen Viehbestände verseucht. Die„Deutsche TageSztg." kündet bereits eine konservative Interpellation über die Vieheinfuhr im Reichstage an. Sie schreibt: „Was dein Grotzherzogtum Baden zugestanden wird, läßt sich schwer dem Königreich Bayern verlveigern. Und wenn eimnal das französisibe Vieh eingelassen wird, dann wird man sich auch um die Zulassung anderen ausländischen Viehes bemühen. So ver- kündet denn auch die bayerische Regierung bereits, daß sie eine Erleichterung der dänische» Schlachtvieheiiifuhr bei der Reichs» regieruug angeregt habe. So wird denn der unbedingt n o t w eii big e S e u ch e n s ch u tz immer mehr durch« krochen, und das in einer Zeit, wo die Folgen der Verseuchung klar vor Augen liegen. Man wird dem Reichskanzler sofort beim Zusammentritte des Reichstages Gelegenheit geben müssen, sich zur Sache zu äußern. Die deutsche Landwirtschast hat ein An- recht darauf, zu fordern, daß ihr Vieh gegen die Seuchen des Auslandes geschützt werde. Tut man daS nicht, so wird man sich nicht ivundcrn dürfen, wenn die Viehhaltung zurückgeht und wenn dann wirklich eine Fleischnot eintritt." Wenn es sich nur»im den Seuchenschutz handelt, warum tritt dann nicht die agrarische Presse für die Zulassung von gelühltem und gefrorenem argentinischen Fleisch ein? Wird dadurch auch das deutsche Rindvieh verseucht?_____ Die badischen Nationalliberalen. Sonntag hielte» die badischen Nationalliboralen in KarlS- ruhe ihren Parteitag ab. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand das Referat des Parteichefs Rebmann über die politische Lage. Der nationalliberale Führer pries zunächst die Groß» blockpolitik, die im Landtage«üie arbeitsfähige Mehrheit ge« schaffen habe. Herr Rebinann sagte darüber: „Die Regierung hat im Anfang des Landtages diese Situation nicht erlannt. Vom Regierungötische wurde nnS zu- gerufen, wie es denn möglich sein sollte, daß die Rationalliberaleu mit der Sozialdemokratie zusammen Gesetze fertig bringen könnten, Der Landtag hat die Arbeit geleistet und Me Regierung hat sich schließlich diese Arbeit ganz ruhig gefallen lassen. Der Landtag hat sie geleistet in verttaueuSvölle« Zusammen- arbeiten mit dieser Regierung. ES ist in diesem Landtag nützliche Arbeit für das Land geleistet worden. Diese Tatsache muß immer und immer wieder ausgesprochen werde», denn sie ist die glänzendste Rechtfertigung für unsere Politik, die auch in unseren Reihen vielfach Widerspruch gefunden hat. Es ist zur Evidenz erwiesen, daß man mit der Sozialdemokratie praktische Arbeit leisten kann.(Bravo!) Das, was noch nirgends möglich war, hier in Baden ist es geschehen und zwar ist es möglich geworden, weil die Sozialdemokratie mit großer Mäßigung sich an die Arbeit gemacht hat und weil sie sich ihrer Verantwortung, die sie mit dem Eintritt m diese Politik über- nommen hatte, voll bewußt war." Dann erteilte Herr R e b m a n n der Bethmann-Bodmanschen Sammelpolitik eine energische Absage. Die Nationalliberalen könnten den Kampf gegen das Zentrum nicht aufgeben. Die Sammelpolitik habe nur den Zweck, den Groll des deutschen Volkes über die Reichsfinanzreform abzulenken. Die Nationalliberalen sollten diese Blöße decken, die an dem Körper dcS schwarz-blauen Blocks entstanden ist. Das wollten sie nicht und würden sie nicht tun. Herr R e b m a n n teilte dann mit, daß die NationaMberalen eine Aufforderung der Konservativen, bei den Reichstags- wählen gemeinsam gegen die Sozialdemokraten vorzugehe». abgelehnt haben, nachdem auf Anfrage die Konservativen er- klärt hatten, daß das Bündnis auch das Zentrum umfassen müsse. Mit dieser Partei sei ein Zusammengehen unmöglich. Bei Besprechung der Sammlungspolitik kam dann Herr Rebmann auch auf die Maßregelung des Herrn Arnsperger zu sprechen, um diese Maßregelung zu— entschuldigen und zu verteidigenl Es sei„ein alter Grundsatz, daß politische Beamte die jeweilige Politik der Regierung nach außen zu ver- tteten haben, unbeschadet dessen, was jeder einzelne im Innern denkt". In den Vereinigten Staaten wechselten die Beamten ja auch mit dem Wechsel der Parteiherrschaft. Die Vorwürfe gegen Bodman überstiegen daher daS Maß des Zulässigen. Aber— man muß diesen echt nationalliberalen Eiertanz genau reproduzieren— „sollte sich irgendwo oder irgendwie die Neigung zeigen,(aber Herr v. Bodman hat doch nicht nur Neigung gezeigt, sondern die Tat begangen!) den Beamten die Ausübung ihrer politischen Rechte zu verkürzen, so würden wir Nationalliberale dem mit aller Eni- schiedenheit entgegentreten. Ich traue am allerwenigsten dem Minister V.Bodman zu, daß er daS tun wird, denn er ist ein durch und durch liberaler Mann und wir müssen ihn schützen, soweit es in unserer Macht steht." Das ist doch wenigstens eine neue Deffnition eines„durch und durch liberalen" Ministers. Das ist nämlich ein solcher, der Beamte, die als Privatpersonen nationalliberale Politik vertreten, straf- versetzt. Und das ist allerdings ein Liberalismus, den sich nicht nur Herr v. Bodman, sondern ebensogut Herr v. B e t h m a n n ruhig gefallen laffen kann. Die armen Jungliberalen! Da haben sie — ebenso wie die nationalliberalen Blätter und die Fortschrittler— Protest um Protest gegen die Maßregelung ihres Parteifreundes er- hoben und jetzt erfahren sie, daß daS eigentlich nur Demokratie ist; in Amerika macht man's auch so. Nun hat man allerdings bisher gemeint, daß die Art der Stellenbesetzung in den Vereinigten Staaten nichts mit Demokratie, sehr viel aber mit der politischen Korruption zu tun hat. Aber der nationalliberale Führer kam eben auf keine gescheitere Ausrede, um Herrn v. Bodman, an dem nun einmal offen» bar alle Großblockpolitiker einen Narren gefressen haben, zu ver» tcidigen. Den Schluß der Rede bildeten dann ein paar dumme Ausfälle gegen die Sozialdemokratie, die der feine Herr für Moabit und so» gar für den Eisendahnerstrcik in Frankreich verantwortlich machte. Immerhin berühren die Angriffe deö Schlusses noch immer weniger unangenehm atS das Lob der„Mäßigung" im Eingang der Rede. Der Parteitag stimmte den Ausführungen RebmannS zu und nahm von der Fassung einer Resolution Abstand. Die Internationale des Polizeisäbels. Die Zentrumspresse ist bekanntlich mit an der Spitze gctvcscn, als eS galt, für die Unruhen in Moabit die Sozialdemokratie ver- antwortlich zu machen. Mit allem Eifer christlicher Nächstenliebe waren Blätter wie die„Germania"— wir erinnern an den Artikel mit dem Satz vom„s o z i a l i st i s ch v e r s e n ch t e n Mob" — bemüht, Polizei und Gericht zu„rücksichtslosem Einschreiten" gegen die Unruhstifter, die natürlich im sozialdemokratischen Lager sitzen, aufzuhetzen. Die staatsrettcrische Sehnsucht der Klerikalen erstreckt sich sogar auf die Nachbarländer, wo der Geist der Ber- fassung und das Freiheitsgefühl des Volkes verhindert haben, daß sich die Polizei zur Höhe preußischen Schneids entwickeln konnte. So haben bekanntlich die Brüsseler Sozialdemokraten jüngst bei der Eröffnung des Parlaments ungehindert von Polizei und Militär, in einer Weise demonstrieren dürfen, die für Preußen- Deutschland den Umsturz aller Ordnung und Sitte bedeuten würde. Das läßt in einem klerikalen Blatte, dem Brüsseler„Patriote", Sehnsucht nach unseren Staatsrettern entstehen, indem es klagt über die„völlige Untätigkeit der am Tage der Parlamentseröfsnung doch so zahlreich auf dem Wege des Königspaares aufgebotenen Polizeimannschaften gegenüber dem skandalösen Treiben sozial,- stischer Rotten", und das darauf zurückführt, daß der sozialistische Beigeordnete Grimard seit Jahren es darauf anlege, die Brüsseler Polizei„sozialistisch zu verseuchen", indem auf seine Empfehlung zahlreiche Sozialdemokraten als Polizisten angestellt worden seien. Die deutsche Zcntrumspresse greift diesen staatSretterischen Bissen mit Wonne auf und der Brüsseler Korrespondent der„Kol- nischen Volkszeitung" bemerkt dazu:„Gute Kenner der Personalberhältnisse bestätigen diese Anklage des„Patriote", und das Verhalten der Polizeimannschaften am Dienstag, wo sie weite Trottoirstrecken von vorichcrein gegen das Publikum abgesperrt, dann aber im letzten Augenblick für zahlreiche Rotten, die schon durch ihre roten Fahnen weithin als Sozialdemolraten erkennbar waren, freigegeben hatten, sollte in der Tat die Aufsichtsbehörden dringend veranlassen, in die Zusammensetzung des Brüsseler Polizeikorps einmal hineinzuleuchten." Nun wissen wir also, waS Belgien noch fehlt. ES ist zwar ein katholisch regiertes Land, ausgezeichnet durch eine übergroße Zahl von Klöstern und Kneipen, durch lange Arbeitszeit und geringe Löhne, sowie durch seine massenhaften Analphabeten. In dieser Beziehung ist es ein klerikale» Mustcrland. Aber eins fehlt ihn, noch zur Vollkommenheit: die Flinte, die schießt, und der Säbel, der haut— wenn die Arbeiterklasse von der Verfassung Gebrauch macht und auf der Straße demonstriert, die außer für den Verkehr höchstens nur noch für kirchliche Prozessionen und Ergebenheit»- kundgebungcn der klerikalen Regierung gegenüber da sein soll. Vielleicht benutzt das Zentrum seinen Einfluß, zu dcranlasscn, daß Herr v. Jagow nach Brüssel geschickt wird, um die dortige Polizei zu reorganisieren und ihr zu zeigen, wie man mit„sozialistisch ver- feuchtem Mob" fertig wird._ Landtagsauflösnng in Schtvarzburg-Rudolstadt? Im Rudolstädter Landtag standen am Sonnabend die von der Regierung eingebrachten Gesetzentwürfe betreffend Schaffung einer Kapitalrentensteuer, Acnderung des Emkommensteuer- und Abände» rung des Wahlgesetzes in bezug auf die Höchstbesteuerten zur General- debatte. Ja einer längeren Erklärung über die Finanzlage deS Landes betonte Staatsminister Freiherr v. d. Recke die Rotwendig» keit der Annahme der eingebrachten Vorlagen mit der Bedingung, daß die Regierung nur Wert auf daSZustandelommen der Finanzgesetzc lege, wenn auch die Aenderung des WablgesetzeS dorn Landtag akzeptiert werde. Gleichzeitig müsse eine Festlegung der Grund- und Gebäudesteuer sowie der Gewerbesteuer angestrebt werden, die der Landtag bisher von Etat zu Etat bewilligte. In der Debatte er- klärten sich sowohl die Agrarier als auch unsere Genossen gegen eine derartige Festlegung, die den Einfluß deS Landtages wesentlich schwächen und die ollmähliche Abschaffung der Grund- und Gebäude- steuer verhindern würde. Im Namen unserer Fraktion gab Genosse Hartmann die Er- klärung ab, daß unsere Genossen im Landtage alle Mittel in Be- wegnng sepen und nötigenfalls auch in die Obstruktion treten würden. falls die Regierung die Erhöhung des WahlzensuS der Höchst- besteuerten von 120 auf 300 M. durchzudrücken versuche. Sollte die Regierung bei Ablehnung dieser WahlrcchtSverschlechterungsvorlage die anderen Gesetze zurückziehen, eventuell zu einer Landtags- auflösung schreiten, so würde unsere Partei die volle Verantwortung vor dem Volke tragen. In, weiteren Verlauf der Debatte meinte der Staatsminister, daß die Regierung auf die Wahlrechtsvorlage bestehen müsse und daß sie eventuell an das Land appellieren toolle, falls keine Verständigung über die eingebrachten Gesetzentwürfe zustande komme. Viel Erfolg wird diese Drohung kaum haben. Ein neuer Zeppelin? Man schreibt uns: In verschiedenen TageSblättern war vor einigen Tagen die Notiz zu finden, daß bei einer stattgehabten Zusammenkunft zwischen dem Prinzen Heinrich und dem Grafen Zeppelin Verhandlungen oder Besprechungen wegen Lieferung eines neuen Zeppelin-SchiffeS für die Militärbehörde geführt worden seien. Nach den keineswegs günstigen Erfahrungen, welche die Militär- behörde mit den„�'-Schiffen gemacht hat. muß es wundernehmen, daß überhaupt auch nur der Gedanke an die fernere Beschaffung eines solchen Luftschiffes auftauchen kann. Die Gründe, welche die Verwendung eines Zeppelins als Militärluftschiff unmöglich machen, sind doch bei den letzten Havarie» der„�'-Schiffe, die ihre völlige Zerstörung im Gefolge hatten, so deutlich zutage getreten, daß auch der größte Verehrer des verdienstvollen Grafen sie einsehe» mußte. An und für sich mag die Theorie, daß ein starres Luftschiff an Schnelligkeit und Betriebssicherheit, solange es in der Luft, in seinem Element ist. dem unstarren oder halbstarren überlegen sei, berechtigt sein, allerdings auch nur dann, wenn es hinsichtlich der Schnelligkeit gleiche Verhältnisse wie die anderen Luftschiffsysteme aufweist. Beim Landen aber, oder während der Verankerung auf festem Boden ist ein„LI'-Schiff in fortwährender höchster Gefahr, sobald der Wind böig wird oder sich an Stärke der Schnelligkeit der Eigenbewegung des Schiffes nähert, denn im letzteren Falle würden auch die schleunigst angeworfenen Motoren das Schiff nicht mehr retten können. Ein unstarres oder halbstarres Luftschiff kann aber im kritischen Moment mit Hilfe der Reißleine fast momentan entleert und damit vor der Zerstörung bewahrt werden. Wenn nun auch durch irgend eine Verrichtung die vielen Be- hälter der„�"-Schiffe von dem Gase befreit werden könnten, so wäre damit doch noch nichts gewonnen, denn erstens würde der windfangende Körper als solcher bestehen bleiben und von dem Sturm aus dem Erdboden hin- und hergewälzt werden, zweitens würde das Aluminiumgerippe gar nicht imstande sein, in diesem Falle auch bei Windstille, auf der kleinen Fläche, auf welcher es auf dem Boden aufläge, sein eigenes Gewicht zu tragen. Also auch hierbei würden Deformationen in der Gestalt des Schiffes eintreten, die die bedingungslose Unbrauchbarleit des Fahrzeuges zur Folge hätten. Einesteils bringt das.starre System' diese nicht zu beseitigenden Uebelstände mit sich, zweitens aber ist das Aluminium auch in seinen Legierungen das unzuverlässigste Material und, abgesehen von seiner Leichtigkeit, zu Luftschiffen sehr schlecht geeignet. Allerdings mag in der Art und Weife wie ein Zeppelin auf festem Boden zu verankern ist, noch manche Verbesserung möglich sein, dessenungeachtet sind aber die angeführten Hauptmängel, soweit sie mit dem System in Verbindung stehen, nicht zu beseitigen; sie machen deshalb die Verwendung der Zeppeline als Militärfahrzeuge unmöglich. Die Militärverwaltung soll sich ja von Anfang an sehr energisch gegen den Ankauf von Zeppelinschiffen gesträubt haben, und, wie die Folge gelehrt hat. sehr mit Recht! Der einzige noch lebende Zeppelin- lreuzer wird ängstlich behütet und nur bei ruhigstem Wetter aus der Halle gezogen, er ist der Schrecken der verantwortlichen Führer. Zu Vergnügungsfahrten bei gutem Wetter ist ein„Zeppelin" wohl geeignet, er bietet den Mitfahrenden hohen Genuß; für mili tärische Zwecke haben aber solche kostspieligen und empfindlichen Fahrzeuge keinen Wert. Wenn also jetzt auch der Lustmilitarismus bereits Millionen verschlingt, sollte man wenigstens um so peinlicher jede Geld- Verschleuderung vermeiden, die selbst vom militärischen Standpunkt aus verwerflich erscheint._ In den Armen liegen sich beide! Nicht nur zwischen dem Reichsschatzsekretär Mermuth und dem Admiral v. Tirpitz. sondern auch zwischen Mermuth und dem Kriegs- minister v. Heeringen besteht, wie einige gute Beziehungen zum Kriegsministerium unterhaltende Blätter zu melden wisien, das schönste Einvenrehmen. In der Meldung der„Deutschen Nachr. von den Kämpfe, r zwischen Mermuth. Heeringen und Tirpitz steckt, wie versichert wird, auch nicht ein Körnchen Wahrheit. So schreibt z. B. die„Rhein.-Westf. Ztg.": „Hierzu erfahren wir von unterrichteter Seite im Kriegs- Ministerium, daß die ganze Meldung durchaus unzu- treffend i st. Zwischen Generals v. Heeringen und dem Staatssekretär deS ReichSschatzamtes ist 6 er m besten Einvernehmen eine vollständige Einigung erzielt worden. Auch ist der weitere Teil. daß der ÄrtegSministcr die Forderung eines SepleimatS statt eines OuinguennatS beabsichtigt habe, vollständig unzutreffend." Eigentlichen Wert haben solche Berficheningen natürlich nicht. Beamte»»flucht aus dem Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie. Mit tiefer Betrübnis teilt die.Kreuz-Zeitung" in ihrer SoNNtagSnuminer aus einer Rede des ReichsverbandsgeneralS v. L i e b e r t mit. daß im letzten Lahre 40S2 AuLtriitSerklärungcn aus dem Reicksverbande erfolgt find und daß unter de» Aus- getretenen nicht weniger als lültl Beamte sich befinden. Das sei ein tieftrauriges Zeichen der Zeit. Man dürfe ohne weiteres an- nehmen, daß die 1200 Beamten liberal seien und durch die„liberale Sreuerhrtze" zu dem Entschluß gebracht worden seien, nicht länger in einem Berein mit konservative» Männern zusanniren gegen die Sozial- demokratie zu arbeiten. Vielleicht würden sie in, Grohblock die Bunde«- genosienschafl der.Umsturzpartci" gegen die Konservativen suchen. Die„Kreuz-Zeituilg" schließt ihre Jeremiade mit der dringenden Aufforderung an alle Beamten, der konservativen Partei beizutreten, franhrdeb. Neue DrradnonghtS. Paris, 14. November. Bezüglich der vom Marineausschuß der Aantmer beschlossenen Forderung, den Bau zweier weitere: Panzerschiffe in Angriff§n nehmen, wird gemeldet, die Re- gierung beabsichtige, ebenso wie im laufend«,, Jahre auch im Jahre 1311 die Kiellegung zweier Trcadnoughts zu beginnen. Man glaubt, daß sich die zuständigen Marinebehörden, die demnächst die Frage zu prüfen haben, für den 2 3 OOO Tonnen typ mit zehn 34 Zentimeter-Geschützen in fünf Panzertürmen in der Längsachse aussprechen werden. Cnglsnck. ' Die Politik der Ire». London, 14. November. Der irische Nationalistenführer Red- m o n d ist gestern abend von seiner Reise nach Amerika zurück- gekehrt. Es wurde ihm ein glänzender Empfang bereitet, wie er seit der Rückkehr Parnells aus Amerika im Jahre 1830 nicht mehr vorgekommen ist. Als sein Dampfer gesichtet wurde, loderten Freudenseuer auf den Höhen längs der ganzen Küste empor bis nach Oueenstown. Salutschüsse wurden abgefeuert und Raketen stiegen auf. Bei seiner Landung in Oueenstown erklärte Redinond, die Wärme seines Empfanges in Amerika sei unvergleichlich ge- Wesen. Die Summen, die«r durch Subskription für die irische Sache erhalten habe, beliefen sich ans 200 000 Dollars. Redmond erklärte in seinen Ansprachen in Cork und Dublin, die Ereignisse nähmen eine EntWickelung, die den Triumph der Homerule sichere. Er gehe nach London, um von den englischen Parteien in ihrer schwierigen Lage die besten Bedingungen zu er- langen, die möglich seien. Der gegenwärtige Kampf der Parteien untereinander gewähre Irland eine unvergleichlich« Ge- lcgcnheit und könne nur mit der schleunigen Beseitigung des einzigen Hindernisses für die Errichtung eines irischen Parlaments enden. Auch dem irischen Nationalistenführer O'Connor, der so- eben von einer politischen Reise durch Kanada zurückgekehrt ist wurde von den in London lebenden Iren gestern eine begeisterte Kundgebung dargebracht. O'Connor erklärte, Amerika sei bereit. die Bestrebungen der Iren zu unterstützen. Mehrere konservative Zeitungen erheben seit dem Scheitern der Vetokonferenz heftige Vorwürfe gegen das Kabinett. daß es von der irischen Unter st ützung abhängig sei, Nicht nur England allein, sondern das ganze britische Reich sei einer unerhörten Beschämung und Gefahr ausgesetzt durch den Versuch, die britische Verfassung mit amerikanischem Gel de zu zertr-ümmern. Dieser Vorwurf bezüglich der irischen Homerule wird wahrscheinlich ein Hauptpunkt der konservativen Wahlparole sein. Schatzkanzler Lloyd-George hat den Zeitungen ein Schreiben zugesandt, in dem cö heißt: Wir haben vergebens jedes Mittel ai, gewandt, auf versöhnlichem Wege für alle Briten die gleichen politischen Rechte zu erlangen. Jetzt sind wir z u m Ka m p getrieben worden um eine unparteiische Behandlung im Heimat lande. Wir weisen- den Anspruch der 600 Tory-Peers zurück, daß sie dazu geboren seien, über das Schicksal von 4 5 Millionen Landsleuten zu verfügen und deren Wünsche nach einer guten Regierung mit Füßen zu treten. Ein neues Rieseilschiff. London, 14. November. Wie die Blätter melden, schreibt die Admiralität den Bau eines neuen Kriegsschiffes auS, das größer, schneller und stärker sein soll, als irgend ein be reits bestehendes oder im Bau befindliches Schiff der englischen Flotte. ES soll den Panzerkreuzer„Lion" noch übertreffen und eine Wässerverdrängung von 2 8 000 Tonnen, eine Länge von 720 Fuß und eine Geschwindigkeit von 30 Seemeilen haben, gegen 26 500 Tonnen, 600 Fuß und 28 Seemeilen des„Lion". l�nßlanct. Eine unwahrscheinliche Behauptung. Petersburg, 14. November. Der Minister deS Innern Stolhpin hat in einem Schreiben an den Präsidenten der Duma daraü aufmerksam gemacht, daß der Kaukasusabgeorduete Nicolai Tscheidse. ein einflußreicher Führer der Sozialdemokraten, mr Grund falscher Dokumente in die Duma gewählt worden sei. Amerika. Tie mexikanischen Feindseligkeiten. Washington, 14. November. Ei» Amerikaner verwundeic in Aguadelafara einen Mexikaner durch einen llievolvcrschuß. während ein Mexikaner namens Opet den P o l i z e i ch e f in Auardarko(Oklahoma) ermordete. Tic Behörden beider Länder bemühen sich, weiteren Ausschreitungen Einhalt zu tun. Der Gouverneur von Oklahoma hat für den Fall der Verhaftung Opets sorgfältigste Bewachung angeordnet, um ein Lynchgericht zu ver hindern._ Neue Unruhen. New Aork. 14. November. Ei» Telegramm auS San Juan bei Sur meldet, daß in Leon die Menge einer Truppen- abteilung, die zur lluterdrückung einer politischen Kundgebung aufgeboten war. Wider st and geleistet habe. Die Truppe» hätien mit Artilleriefeuer die Straße gesäubert, wobei viele Personen getötet oder verwundet worden seien. Huö der Partei« Porteiliterntur. Protokoll vom Internationalen Kongreß in Kopenhagen. Verlag Buchhandlung Vorwärts. Berlin SW. 68. Von der Tagesordnung nd von besonderer Bedeutung die Verhandlungen über: Das Genossenschaftswesen— Die Arbeitslosenversicherung— Die Sicherung des Weltfriedens— Abschaffung der Todesstrafe— Die Einheit der ÄetverkschaftSbewegullg— Die Verwirklichung der inter »ationalen Solidarität— Das Protokoll kostet 1,50 M., ge bunde» 2 M. VereinöauSgabe 50 Pf. Zu beziehen durch alle Buch Handlungen.> Der Jdeenkampf gegen den Sozialismus. Letzte« Hest der Broschürenserie Parvus: Der Klosicnkamps des Proletariats. Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Da» soeben erschienene Heft hat folgenden Inhalt: Die göttliche Weltordnung— Das Malthusische Gesetz— Die neue Beweisführung— Die freie Kon kurrenz— Rechtfertigung der Kapitalistenklasie— Die Sparsamkeit — Die Verschwendung— Die Unternehmertätigkeit— Die Unternehmerinitiative— Die„Faulheit" der Arbeiter— Die„Roheit" des Proletariats— Die Abtöiung der Religion— Da« nationale Argument— Die Zerstörung der Familie— Die Zwangserziehung Die Organisationöschwierigkeiten— Die Abschaffung des Privat- eigentums— Das Erbrecht— Die Handwerker- und Bauernsrnge Der Handel und die Kaufmannschaft— Berufswahl und soziale Gleichheit— Die revolutionäre Methode. Preis 20 Pf. Zu be- ziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. „BildungSarbeit". Blätter für das BildungSwesen der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich, Redaktion und Verwaltung, Wien V, Wienstraße 83», Von dieser Zeitschrift ist soeben die zweite Nmmner des zweite» Jahrgang» erschienen, die wieder eine Reihe interessanter Beiträge bringt. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Die Erziehung der neugewonnenen Gewerkschafter.-- Theorie und Praxis der Gewerkschaften. Disposition eine« Vortragszyklus von sechs Vorträgen.— Gewerkschaftliche Unterrichtskurse.— Eine Arbeiterbibliothek.— Bericht der Zentralstelle für das Bildungs- Wesen.— Auch ein Bilduugsmittel l.— Christlichsoziale Bildungs- arbeit.— Deutichnationale Bildungsarbeit.— Die Volkszählung.— Bücherschau.— Eine Verteilung von Rainmnds Werken.— Das Jahresabonnement der Zeitschrift beträgt 2 Kronen. Erfolgreiche VerständigungSkonferrnz in Elsaß-Lothringe«. Im elsäsfische» Parteistreit ist, was die Organisations» frage und die Frage der Zuschüsse au die zum Mülhauser AgitationSbczirk gehörenden Wahlkreise Altkirch-Thann und Gebweiler betrifft, auf einer unter dem Vorsitze des Genossen E b e r t in Straßbnrg abgehaltenen Konferenz volle Berständigung er- folgt. Die beiden elfässische» Parteiblätter brachten in der Nummer vom letzten Sonnabend diese gleichlautende Veröffentlichung: „Am letzten Mittwoch fand in Straßbnrg eine Besprechung zwischen dem Landesvorstaud und dem Vorstand deö Kreisvereiiis Mülhausen unter Leitung eines Vertreters des ParteivorstandeS statt. Die Besprechung ergab die einhellige Zustimmung zur Schaffung einer aus fünf Genossen bestehenden Revisions- und B e s ch w e r d e i n st a„ z, die in der Weise gebildet werden soll, daß zwei Mitglieder von den Delegierten aus dem Verbreitungs- bezirke der„Mülhauser Volkszcilung". zwei Mitglieder von den Delegierten aus dem elsäsfische» VerbreitnngSbezirke der„Freie Presse" und ein Mitglied von de» lothringischen Delegierten ans der LaiideSversammlung gewählt werden. Bis zur Wahl dieser Landes-Kontrollkom Mission durch die nächste Landes- Versammlung fungiert der P a r t e i v o r st a n d als Kontroll- instanz."__ Die Hallcufcr Polizei weiß nicht alles. Zu der Berichtigung der Hallenser Polizeiverwaltung in der Sonnabendiiumnier des„Vorwärts" schreibt unser dortiges Partei- blatt u. a. folgendes: AuS unserer örtlichen Kenntnis heraus müsien wir zu dieser „Berichtigung" sage», daß sie selbst ganz außerordentlich der Be- richtigung bedürftig ist. Zunächst fragen wir: Wenn eS unrichtig ist, daß die bekannte Heide-Verfainmlung ohne Kenntnis der Hallesche» Polizei statt- gefunden hat, weshalb ist denn gerade an dem Tage der Koni- missar des„zuständigen" PolizeidezirkS. Herr Sommer, be- u r l a u b t worden£ Und ferner fragen wir, an welcher Stadtgrenze denn„die Genosien" von der Halleschen Polizei in Empfang genommen wurden, als sie von der Heide zurückkamen? Läuft die Stadtgrenze mitten du rch Halle? Denn erst bei der Brunnenftraße stieß man auf den ersten Ordnungshüter, der ein mehr verwundertes als wissendes Gesicht machte, Wen» die Hallesche Polizei„von allen, Bescheid wußte", wieso ging dann, als erste Meldung von den„ungesetzlichen Heidebesuchern" kam, ein Hetzen und Jagen uild Telephonieren los, als sei der berühmte„Umsturz" leibhaftig in Halles Mauern erschienen? Wenn weiter die Hallesche Polizei von dem„ungesetzlichen Vorhaben der Genossen" so rechtzeitig Kenntnis hatte, weshalb teilte sie denn der N a ch b a r p o l, z e i nicht die geplante Frevel- tat mit, um sie so zu verhüte»? Sie leistet doch sonst tu der „Verhütung strafbarer Handlungen" Vorbildliches I Mit der von der Polizeiverwaltung behaupteten gottähnlichen Allwissenheit scheint es danach nicht sehr weit her zu sein. Gemcindcwahlerfolgc. Die Stadtverordnete»Zw a h l e n für die 3, Abteilung in Erfurt, die vom 7.— 12. November— sechs Tage!— dauerten, brachten für die s 0 z i a I d e m o k r a I i s ch e Kandidatenliste einen erheblichen Stimmenzuwachs gegen das Jahr 1308. Damals betrug die durchschnittliche Stiiunienzahl für jeden Kandi- daten 1422, während sie dies Jahr aus 2171. also u», rund 750 Stimm en stieg. Die vereiiiigicn bürgerlichen Gegner blieben mit 2318 bis 2856 Stimmen zwar in der Mehrheit, ihre durchschnittliche Stiiiimeiizunahnie beträgt aber nur 444, Es wurde infolge der von beiden Seiten betriebenen sehr rührigen Agitation eine Wahlbeteiligung von über 38 Proz,, der bisher' bei Erfurter Kommunalwahle» höchste Stand, erzielt, Bei den Gemeinderatswahle» in Alsfeld in Oberhesicn wurden zwei sozialdemokratische Vertreter in das Stadtparlament gewählt. Einen schönen Sieg errangen unsere Genossen in Suhl lim Erfurter Wahlkreise) bei den Stadtverordnelenwahlen in der dritten Abteilung. Unsere drei Kandidaten wurden mit fast 300 Stimmen Mehrheit gewählt, sie erhielten 421 bis 451 Stimmen, während es die Gegner nur auf 147 bis 161 Stimmen brachten. Bei einer Wahlbeteiligung von 365 kamen vor zwei Jahren 84—110 Stimmen auf unsere Liste, während in diesem Jahre bei einer Wahlbeteiligung von 641 unsere höchste Stiiiiinenzahl 451 betrug, was eine Stimmenzunahme von 341 bedeutet. Endlich! Der sozialdemokratische Deputierie Breton, der sich bereits in der Frage der Wahlreform und bei der Abstimmung über das Budget von der Mehrzahl seiner FraktionSgenosse» getrennt hatte, weigerte sich auch, wie aus Paris telegraphiert wird, bei der letzten Kammerverhandlung den Parteiantrag auf Berfetzung Briands in den Anklagezustand zu unterzeichnen. Er wurde deshalb gestern von dem Sozialisteirverband des Departement« Eher, dem er angehört, zur Rechenschaft gezogen, nnd da er fühlte, daß die Mehrheit der Versanmilung gegen ihn war, so erllärte er seinen A u L t r i t t aus der sozialistischen Partei. Der Rcdaktionöivcchsel im„Auantl". Mit dem lö. November übernimmt Genosse Claudio Treve« die Ehefredaktton des„Avant," �Bissolati hat bereit« die Leitung deS Blattes niedergelegt und in der Nummer vom 0. November AbfchicdSworte an die Leser gerichtet. Jitteriinistisch hatte Genosse B o n o m i die Ehefredakiion überiiomincn. Bonomi, der bisher erster politischer Redakteur unseres Zentralorgans war, scheidet aui IS. d. M. an« der Redaktion aus. Personalien. Zum Barteisekretär für den Wahlkreis»o»um ist an Stelle deS nach Köln gewählten Genossen Runge d»r Genosse Scheibe- Dortmund gewählt worden. Jugendbewegung. Arbeitcr-Jugend. Die soeben erschienene Nummer 23 hat unter anderem folgenden Inhalt: vom Kampf gegen die freie Jugendbewegung(Die Auf- lösung der Berliner Jugendorganisation).— Der Kampf um das Koalitionsrecht(Schluß). Von Wilhelm Schröder.— Drei Freunde Schluß). Von H. Thurolv.— Vo», Schiffbau(Mit Illustrationen). Von Richard Woldt.— lieber die Entstehiing deutscher Städte.— Vom Kriegsschauplatz.— Aus der Jiigeiidbewegimg(Rheinpfalz, Dresden).— Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Ick riet ut. Aus den, Leben eines mecklciiblirgischen Hütejungen. Von Karl OkonSky.— Spiel- und llntrrhaltungsabendc im Jugendheim. Von Paul Schiller.— In, Spreewald(Mit Illustrationen).— Pflanzengenosseiischaften.— Eine Wache Sei Kap Horn.— Gedichte usw. Die„Freie Uolkslmh „Die Vcrsommläng bedauert auf das lebhafteste, daß der Obcrpräsidcnt der Provinz Brandcntmrg die berech- tigte Beschwerde der Freien Volksbühne gegen die Zensur* Verfügung des Polizeipräsidenten üerworfe» hat. Solche Maßregeln der Verwaltung gegenüber einem verdienten volkstümlichen Kunstinstitut gleich der Freien Volksbühne sind geeignet, die in den Massen der Bevölkerung ohnehin schon vorhandene Mißstimmung noch zu vermehren. Die Versammlung ist der Ueberzcugung, daß das Geistesleben der Nation keiner polizeilichen Oberaufsicht bedarf und sich in voller Freiheit segensreich entwickeln kann. Sie fordert daher nicht nur die Wiederherstellung der in zwanzigjähriger Praxis bewährten Zensurfreiheit der Freien Volksbühne, sondern die Beseitigung der der- altcten Theaterzensur überhaupt." Theodor Wolsf. Wolfgang Heine. Leo Arons. Ludwig Fulda. Hermann Heijcrmans. Paul Goldmann. Rudolf Breitscheid. Dr. Paul Nathan. Dr. Paul Harms. Dr. Eduard David. Dr. Hugo Heinemann. Alfred Kerr. Karl Vollrath. Landau. Hermann Molkenbuhr. Paul Schlenther. Hans Leuß. ES war ein„gemischtes Publikum", das da gestern Abend den großen Saal der Neuen Philharmonie nebst Galerie bis aufs letzte Plätzchen füllte. Da sah man Arbeiter und Arbeiterinnen, da sah man Männer und Frauen aus der Bourgeoisie, da sah man Schau- spieler und Literaten, Arbeiterführer und Pariamentarier, sozial- demokratische und bürgerliche Zeitungsschreiber. „Die Freie Volksbühne und die Zensur"— dies war das Thema, das so viel verschiedene Köpfe eines Sinnes gemacht und zur zweiten Protestversammlung hcrausgetrommelt hatte. Die erste war dem neuesten Zensurstücklein des Berliner Polizeipräsidenten, Stilkünstlers und Neugierigenwarners zu dan- ken gewesen, dem Herrn von Jagow, der— unerforschlich in seinen Ratschlüssen— dekretiert hat: die Freie Volksbühne müsse„unter Sitte" gestellt, unter dieselben Polizei- und Zensur-Daumschrauben gequetscht werden, wie die privatkapitalistischen Theaterbetriebe eines Dr. Zickel, Direktor Wagner und dergleichen! Gegen Jagows Polizciattncke wider Kunst und Kultur war die „Freie Volksbühne" an den Oberpräsidenten der Provinz Branden- bürg gegangen. Aber die Brandenburger Krähe hackt der Berliner Dohle das blaue Auge nicht aus—: die Berufung wurde verworfen. Tie Protestversammlung von gestern schob sich zwischen diesen ober- präsidialen Weishcitsspruch und den letzten dornigen Weg, den die „Freie Volksbühne" jetzt zu betreten hat: den Gang zum königlich preußischen Oberverwaltungsgericht.... Genosse Heine, gestählt durch die Zensurkünste des Land- gcrichtspräsidcnten Lieber, zeichnete mit kräftigen Strichen das Seelenbild des Polizeizensors und die Gefahren, die in der Z e n- sur als solcher drohend schlummern. Er ließ sie Spießruten laufen, die reaktionären Scharfmacher und Scharfmachcrblätter vom Kaliber„Post" und Konsorten: all jene Schreier, deren Gelüst, zur Revolution von oben, zum Staats st reich zu schüren, die brünstige Sehnsucht nach der Kunst-Zensur, die fanatische Wut gegen Volksbühnen, freie(!) Volksbühnen, in sich birgt. Das ist jene Staats-„Raison", jene Staats-„Vernunft", die zum Unsinn wird, zum Unsinn' u n d zur Plage. Am revolutionärsten und wirkungsvollsten sprach Chefredakteur Vollrath, der gewiß nicht ausschaut wie ein verhungerter Um- stürzler oder ein„unzufriedener" Schnorrer und Verschwörer. Mit ue" und die Zensur. zielsicherem Humor peitschte er die Zensur, indem er sie bei ihrer Tätigkeit aufsuchte und ein paar Stücklein erzählte von ihren läppischen und täppischen Attentaten gegen Dichtcrwerk«, wie Schillers„Wilhelm Tell". Und vollends hatte er die Lacher auf feiner Seite, als er von jenem Zensor zu berichten wußte, der den ehefrcundlichen>-atz:„Der Weg zu meinem Schlafgemach geht nur durch die Kirche" umzuändern befahl in den Blödsinn:„Der Weg zu meinem Schlafgemach geht nur durch die— Küche!" Auch eine ernste, eine sehr ernste Note hatte Herr Vollrath in seiner Rede. Von der Berufung an das Oberverwaltungsgericht hält er nichts seine Auffassung, der nachher Gen. Dr. Heinemann widersprach), darum glaubte er, unter dem brausenden Beifall der Versammelten, zum allerschärfsten Protest gegen die verzopfte Bureaukratenregic- rung aufrufen zu müssen: zur A b r e ch n u n g m i t d e m S t i m m- z e t t e l am Tage der nächsten Reichstagswahl, dem Tage des Gerichts! Für die folgenden Redner war es schwer, hiernach noch zün- dende Parolen zu finden. Und es mißlang denn auch Herrn Hans Leuß, der den Scherz versuchte, dem verknöcherten Polizeier von Jagow als— verkapptem Demokraten eine Art Danksagung ab- zustatten. Dagegen schlugen Alfred Kerrs Ausführungen noch ein- mal durch. Der wußte allerdings vom Wirken der preußischen Theaterzensur Erbauliches zu sagen: wie sie sorglich wacht, daß nicht etwa die Namen bekannter Adelsfamilien auf die Bretter kommen. So mutzte einmal„von Zedlitz" in„von Nedlitz", ein anderes Mal„von Arnim" in„von Barnim" verwandelt werden! So tüchtig ist die Zensur! Am interessantesten aber war doch fol- gende Mitteilung, die Herr Kerr den staunenden Zuhörern zu machen wußte: Zum Jahrhundertjubiläum der Berliner Univer- sitüt hatten sich die Herren Professoren mit dem Antrag zu be- schäftigen. Gerhart Hauptmann und den Maler Liebermann zu Ehren-Doktoren zu ernennen. Der Antrag fiel glatt durch! Die Gründe hat Kerr nicht genannt. Das war auch nicht nölig. Die Versammlung wußte ohnedies, weshalb die rückgratschwache Ber- liner Professorenclique mit derlei Anträgen nicht zu kommen wagte, in dem Augenblicke, wo es sich darum handelte, in allererster Linie einmal Wilhelm II. den juristischen Ehrendoktorhut aufs Haupt zu drücken..... Kerr schloß seine Rede mit dem politischen Ausblick, daß, wie die S e l b st Verwaltung für Kommunen usw. zu fordern sei, ein reifes, mündiges Volk auch S e l b st- Z e n s u r an seinen Theater- stücken üben könne und werde. Geht es in Preußen ohne Bilder- zensur für Ausstellungen und Museen, dann kann auch die Bühne des polizeilichen Gängelbandes cntraten. Gen. Vaake, der zweite Vorsitzende des Vereins„Freie Volks- bühne", faßte das Resultat der Aussprache in einige kernige Schluß- Worte zusammen. Er warb um weitere Sympathien für die Bildungsorganisation der Berliner Arbeiterschaft, erbat Beiträge für den Kämpffonds des Vereins und animierte die Versammlung zu einein aus aller Herzen kommenden Hoch auf die Freie Volks- bühnen-Bewegung. Als die Menge aus dem Saale flutete, befand sie sich auf historischem Boden, nämlich da, wo die Berliner Polizei nach der denkwürdigen Fcrrcr-Versammlung den Kulturfreunden gezeigt hat, was eine Harke ist. Gestern abend war weit und breit keine Pickelhaube, kein Achtgroschengesicht zu sehen. Sic hätten, wenn es ihnen Spaß machte, ruhig kommen dürfen. Auch in den Protesten wider Zensur und Zensoren keimt revolutionäre Zukunftssaat, der man es nur nicht oder noch nicht ansieht, daß sie einmal über Nacht gar mächtig in die Halme schießen kann. EevverKscKaMicKes. Berlin und Otngegend. Was der liebe Gott und sein Oberbürgenneister den Parkarbeitern beschert. Alle Jahre wieder, wenn es Herbst wird und der Winter heran- naht, entläßt die Stadt Berlin Hunderte ihrer Parkarbeiter und Arbeiterinnen. Die das Frühjahr und den Sommer über in den städtischen Anlagen und Parks für kärglichen Lohn gearbeitet haben, die sollen dann hingehen und sich bei irgendeinem Privat- Unternehmer Arbeit suchen. Aber da im Winter viel schwerer Arbeit zu finden ist als im Sommer, sind sie meist der bittersten Not preisgegeben. Ist die Stadtverwaltung daran schuld? Wer wird das behaupten wollen! Die Stadt hat eben keine Arbeit mehr für die Leute, sagt man, und vor allem: es ist kein Geld da. Der Etat ist aufgebraucht. Daß sie nicht auch den Winter über für die Stadt nutzbringende Arbeit verrichten könnten, daran glauben die entlassenen Parkarbeiter nicht recht. Im Jahre 1908. als die Krise so furchtbar auf der deutschen Arbeiterschaft lastete, da zeigte die städtische Verwaltung schließlich doch soviel soziales Verständnis, daß sie ausnahmsweise einmal von den üblichen Entlassungen Ab- stand nahm. Die dadurch vor der bittersten Not bewahrten Ar- beiter wurden dann den Winter lang nicht etwa mit mehr oder minder nutzlosen Notstandsarbeiten beschäftigt, sondern mit Ar- beiten, die gemacht werden mußten und der Bevölkerung Berlins voll zum Nutzen gereichten. Die Parkarbeiter sind der Meinung, daß auch jetzt genug zu tun wäre, um die Massenentlassungen zu vermeiden, und soweit das wirklich nicht der Fall sein sollte, könnten die Entlassenen doch in anderen städtischen Betrieben, z. B. in den Gasanstalten weiter beschäftigt werden, wo im Winter mehr Ar- beitskräfte gebraucht werden als im Sommer. Daß sie zu solcher Arbeit nicht fähig sein sollten, ist ein Irrtum, denn die Parkver- waltung sucht sich bei Neueinftellungen auch schon lange die kräf- tigsten Leute in den besten Lebensjahren heraus. Am Ül. Oktober wurde nun der Ausschuß der Parkarbeiter bei dem Oberbürgermeister K i r s ch n e r vorstellig. Der Ausschuß verzichtete in diesem Fall auf den vorgeschriebenen Instanzenweg, weil man sich schon im vorigen Jahre ohne den gewünschten Erfolg an die Partdeputation gewandt hatte, sowie auch an den Bürger- meister Reite, der damals ganz ahnungslos von den Entlassungen war und erklärte, daß er sich künftighin davon informieren lassen wolle, um eventuell für eine Verschiebung der überschüssig wer- dendcn Arbeitskräfte zu sorgen. Daß das nichts genützt hat, be- Iveist der Umstand, daß in diesem Jahre schon 599 bis 699 Parkarbeitcr entlassen sind. Man hat diesmal sogar schon im Hochsommer niit den Entlassungen begonnen. Der Aus- schußvcrtreter K l i p p e r t sagte zu dem Oberbürgermeister unter anderem, daß in allen Revieren Entlassungen stattgefunden haben und daß die Leute, die so aufs Pflaster gefetzt wurden, nun meist dem Elend preisgegeben seien. Er ersuchte den Oberbürgermeister, doch nach Möglichkeit für Abhilfe zu sorgen, Herr Dr. Kirsch- wer erwiderte, daß er die Abgesandten der Partarbeiter nicht als Ausschußmitglieder empfangen könne, da sie das Statut und die Vqrschriften für den Ausschuß nicht innegehalten und den In- stanzenweg nicht befolgt hätten. Er sei aber dennoch nicht abge- neigt, ihnen Gehör zu schenken.„Es gibt," sagte er dann weiter, „ja auch noch andere Betriebe, wie z. B. die Arbeit auf den Stein- Plätzen, die im Winter nicht weiter geführt werden. Es liegt ja nun doch einmal in der Natur, wie dies schon in der Bibel st e h t. w o es h e i,ß t, daß nicht aufhören wird S o m- mer und Winter, Frost und Hitze usw. Und wenn Gott selbst schon solche Einrichtung geschaffen hat, so können wir Menschen nicht dagegen sein. Freilich wollen wir nach besten Kräften auch den Arbeitern gegen- über unser möglichstes tun. Die Gasanstalten brauchen mehr Ar- beiter im Winter als im Sommer und auch auf dem Baltenplatz und im Botanischen Garten sind für den Winter noch Arbeiten in Aussicht genommen." Der Oberbürgermeister versprach schließlich, nach Möglichkeit dafür sorgen zu wollen, daß diese Arbeiten fort gesetzt und den Parkarbeitern Beschäftigung gegeben werden soll. Nachdem noch ein Ausschußmitglied erklärt hatte, daß man ganz damit zufrieden sein könne, wenn auf solche Weise für Beschäfti- gung der Entlassenen gesorgt und weiteren Entlassungen vorgebeugt weide, erhob sich der Oberbürgermeister und die Audienz war be- endet. Am Sonnabend hielten nun die Parkarbeitcr bei Schütte in der Jüdenstraße eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der über die Audienz beim Oberbürgermeister Bericht gegeben wurde. In der Versammlung trat allgemein die Ueberzeugung hervor, daß die Parkarbeiter nur dann ihre Verhältnisse gründlich verbessern können, wenn sie ihre ganze Kraft für die gewerkschaftliche und politische Organisation einsetzen. In dieser Ueberzeugung wurden sie noch weiterhin bestärkt durch die Ausführungen des Stadtverordneten Gottfried Schulz, der ihrer Einladung zur Versammlung gefolgt war. Das zweite sozialdemokratische Mitglied der Parkdeputation, Stadtverordneter Z u b e i l, war leider verhindert, zu erscheinen, da er in einer anderen Versamm- lung als Referent zu sprechen hatte. Aus der Mitte der Ver- sammlung wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es doch nur die Sozialdemokraten seien, auf die man sich verlassen könne. Schon seinerzeit, als man eine Versammlung im Englischen Garten ab- hielt und alle Mitglieder der Parkdeputation eingeladen hatte, waren Gottfried Schulz und Zubeil die einzigen, die erschienen. Im übrigen wurden die Aeußerungen des Oberbürgermeisters sowohl von dem Vertreter des Gemeindearbeiterverbandes, Po- lenske, wie von einer ganzen Anzahl Redner aus dem Kreise der Parkarbeiter scharf kritisiert. Namentlich, daß das freisinnige Stadtoberhaupt sich wie andere große Herren von Gottes Gnaden auf die Bibel beruft, schien den Versammelten durchaus unange- bracht. Das Trostwort, das der Bibelgott nach dem Verlauf der Sintflut Noah und dem Menschengeschlechte gab und in dem es übrigens auch heißt, daß nicht aufhören solle Samen und Ernte, kann doch wahrhaftig nicht als Entschuldigung dafür gelten, daß die Stadt'Berlin alljährlich ein halbes Tausend und mehr ihrer Arbeiter für die Winterszeit dem Hunger und der Not preisgibt. Wenn das jenes Gottes Wille gewesen wäre,'da hätte er doch min- bestens auch dafür gesorgt, daß den Berliner Parkarbeitern ein Winterschlaft wie dem Dachs beschiedcn worden wäre. Aber den Saisonarbeitern der Parkverwaltung werden keine Saisonlöhne bezahlt, von denen sie sich soviel Fett ansammeln könnten, um den Winter über davon zu zehren. Deuvtcbes Reich. Achtung, Klavierarbeiter! Bei der Firma Z e i t e r n. W i n k e l- m a n n in Braunschweig befinden sich seil dem 3. November 9t Kolleaen wegen Lohndifferenzen im Ausstand. Die Firma ist nun auf der Suche nach Arbeitswilligen. Wir machen darauf aufmerksam, damit sich die Kollegen nicht durch Arbeitsangebote unter Deckadressen über die dortigen Verhältnisse täuschen lassen. Ucberhaupt ist notwendig, bei Annahme von Stellen nach außerhalb sehr vorsichtig zu sein und sich erst bei der Lokal- Verwaltung des Ortes über den betreffenden Betrieb zu erkundigen. Der Streik der Lieg nitzer Klavierarbeiter daiiert unverändert fort, und ist cS Ehrensache, den Zuzug nach Liegnitz so wie bisher fernzuhalten. Die Branchenleitung des Holzarbeiterverbandes. Die Knappschaftswahlcn im Waldenburger Bergrevier brachten dem Bergarbeitevverband einen großen Sieg gegen die Verbündeten. reichstreue Zechenpartei, christlichen Fachabteiler und Hirsch-! Dunckerschen Gelverkvereine. Von 47 zu wählenden Knappschafts- ältesten erhielt der Verband 42; seine Stimmenzahl hat sich ver- vierfacht. Zur Aussperrung in der Pirmasenser Schuhindustrie. Sonnabend ist in 69 Vcrbandsfabriken, die zirka 7999 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen, durch die Unternehmer die Kündi- gung erfolgt. Diese ist durch gedruckte Zettel ausgesprochen und zwar mit zweierlei Inhalt. Für die Mitglieder des Zentralver- bandes erfolgte die Kündigung ohne Vorbehalt, während den Mit- gliedern der anderen Organisationen und den Unorganisierten durch den Kündigungszettel mitgeteilt wurde, daß sie sich nach Ab- lauf der Kündigungszeit am 28. November im Bureau des Arbeit- gebers zur Arbeit melden sollen. Die Unternehmer beabsichtigen, mit solchen Arbeitern, die dem Zentralvcrband nicht angehören, die Betriebe aufrechtzuerhalten. Sie wollen also den Kampf nur gegen den Zentralvcrband fuhren. Nach den Angaben des Fabrikantcnvereins sollen in den Verbands- fabriken 3999 Mitglieder des Zentralverbandcs und etwa die gleiche Zahl anderen Organisationen Angehörige und Unorganisierte be- schäftigt werden. Zurzeit sind am Platze etwa 229 Schuhfabrikanten und 39 andere zur Schuhfabrikation gehörige Betriebe vorhanden, die zn- sammen zirka 19 999 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen, so daß etwa 199 Betriebe von der Kündigung nicht betroffen werden. Es kommen etwa 99 Betriebe in Betracht, die mehr als 99 Per- sonen beschäftigen und dem Fabrikantcnverein angehören. Die Fabrikanten hatten bei Bekanntgabe des Beschlusses, daß die Kün- digung aller Arbeiter am 12. d. M. erfolgt, u. a. erwähnt, daß sie zu weiteren Verhandlungen unter Vorsitz des Gewerberatcs bereit seien. Durch diese Erklärung wurde doch die Meinung erweckt, daß der Weg zur Einigkeit gefunden werden könnte. Dock diese Hoffnung ging nicht in Erfüllung,— Wie uns versickert wird, hat Herr Gcwcrberat R ö s i n g c r wohl versucht, noch vor der Vor- nähme der Kündigung eine Unterhandlung zwischen den Parteien herbeizuführen, es gelang ihm dies aber nickt, weil die Fabrikanten erklärten, ihr Vorsitzender sei verreist und könne deshalb eine Unter- Handlung in dieser Woche nicht mehr stattfinden. Würde die Ar- beiterorganisation so handeln, wie es die Fabrikanten belieben, so wäre ein großes Geschrei bei allen Gutgesinnten. lZustand. Der Kampf der Bergarbeiter in Südtvales. London, 12. November.(Eig. Ber.) Die relative Mäßigung, mit der der Minister des Innern Churchill dem Drängen der Scharfmacher Folge leistete, hat eine gewisse Beruhigung der Lage im Rhondda-Tale gebracht. Wie brutal die von London importierte Polizei auch gehaust hat, so hat doch die Tatsache, daß bisher wenigstens noch kein Schuß abgefeuert worden ist und das eingeführte Militär diskret im Hintergrunde bleibt, eine Verschärfung des Kampfes verhindert. Die letzten Nachrichten wissen nur von ungestörtem Frieden zu melden. Allein die Mäßigung der Arbeiter ist von den Scharfmachern mit einer neuen Provokation beantwortet worden. Gestern sind 29 Heizer unter polizeilichem Schutz von Cardiff nach Tonypandh geschmuggelt worden, um die lokalen Streikbrecher und die Strcikbrecherdicnste leistenden Grubcnbcamten abzulösen. Wie es heißt, soll der Internationale Rccdervcrband diese Streikbrecher vermittelt haben; diese Scharfmachervrganisation scheint also den Handel mit Streikbrechern auch für andere Berufe gewerbsmäßig betreiben zu wollen. Die Arbeiter haben es im Ver- trauen darauf, daß der vom Minister des Innern vorgeschlagene Waffenstillstand auch von der anderen Seite ehrlich eingehalten werden würde, an der nötigen Wachsamkeit fehlen lassen und die Einschmnggelung der Streikbrecher in die Grube nicht bemerkt. Jetzt, wo sie den Betrug merken, herrscht bei ihnen wieder große Aufregung und kann leicht zum Ausbruch von Feindseligkeiten führen. Genosse S tan ton, der Führer der Streikenden, macht jetzt bekannt, mit welcher empörenden Brutalität die Polizei in den Kämpfen von Dienstag und Mittwoch vorgegangen ist. Die D r ä h i c, die den Schauplatz der Zusammenstöße umgeben, wurden elektrisiert und die Streikenden mit heißemWasser be« spritzt. In dieser Weise wurden nicht nur die Streikenden selber. sondern auch Frauen und Kinder traktiert. Stanton soll in einem Interview mit einem bürgerlichen Journalisten erklärt haben, daß er es deshalb nötig finde, eine Kampfesbrigade von Strei- kenden zu organisieren, um sich gegebenenfalls gegen solche Angriffe der Polizei wirksam verteidigen zu können. Am Montag soll unter Vermittelung des Handelsministeriums ein Einigungsversahrcn eingeleitet werden. LrCtzU Nachrichten. Delegiertenwahl zur Ortskrankenkasse der Schneider. Gestern fand die Wahl der Vertreter zur Gencralver- sammlung der Ortskrankenkaffe der Schneider statt. Von 2089 abgegebenen Stimmen entfielen 1745 auf den Zentralverband der Schneider: 325 Stimmen erhielten die Christlichen und 19 zersplitterten._ Stadtverordnetenwahlsicg in Güstrow. Rostock, 14. November.(Privatdepeschc des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnctenwahl in Güstrow wurden durch die Sozialdeinolratie zwei neue Mandate erobert. Zum Tode verurteilt. Jnsterburg, 14. November.(W. T. B.) Das Schwurgericht hat die wegen Raubmordes, begangen im August an dem russischen Saisonarbeiter Sokolowski. angeklagten Arbeiter M o- r a w s k i und G a l a t zum Tode verurteilt. Blutige Schlägerei bei einer Hochzeit. München» 14. November.(B. H.) Bei einer Hochzeitsfeier in Pippinried kam es zu einer blutigen Schlägerei. Der Ge- meindediener Hermann und ein Bauerssohn wurden töd- lich verletzt. Zur Stteiklage in Südwales. Cardiff, 14. Novencher.(W. T. B.) In einer heute stritt- gehabten Versammlung haben die Bergwcrksbefiber von Südwalcs beschlossen, die Forderungen der Arbeiter, be- treffend die allgemeine Erhöhung der Löhne, zu bewilligen. Schwere Unwetter. Paris, 14. November.(Preß-Tel.) Im Pyrenäcngebiet herrscht seit 24 Stunden ein gewaltiges Unwetter, das zahlreiche Opfer fordert. Uebcr Perpignan braust ein Orkan dahin, der mehrere Fischerboote zum Scheitern brachte. Die Boote der Ret- tungsstationen sind ausgefahren, um die Schiffbrüchigen aufzu- nehmen. Der Sturm warf einen Mast der elektrischen Leitung um, so daß der Draht riß und Kurzschluß entstand. Ein Teil des Elektrizitatsgebäudes von Perpignan ist dem ausbrechenden Feuer zum Opfer gefallen. Große Fenersbrunst. Genf, 14. November.(B. H.) Heute nachmittag 1 Uhr entstand in dem Arbeiterdiertel von B i x ein Großfeuer, bei dem 16 Häuser der Papierfabrik zerstört wurden. Paul Singer se Co., Berlin LW� Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl, Lerantw. Redait.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Uh. Glocke. Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt Nr. 268. 27. Jahrgang. 1. Keilme Ks Jomitfs" fitiiintt itolliolilatl. Dienstag. 15. Nsvember 1910. Die ioatriter Vorgänge vor Serlcht. Vierter Tag. Die gestrige Sitzung war auf 12 Uhr angesetzt. Sie kegann aber erst um 2 Uhr. Das ist eine Folge mangelhafter technischer Einrichtungen in der Gerichtsschreiberei. Den Angeklagren mutzte der Gerichtsbeschluß über den Ablehnungsantrag de.' Verteidigung zugestellt werden. Die Herstellung von einigen SO Exemplaren dieses Beschlusses mittels der Schreibmaschine nahin so lange Zeit in Anspruch, da man über einen Vervielfältigungs- apparal in der Gerichtsschreiberei nicht verfügt. Als die Angeklagten gegen 2 Uhr ihre Plätze eingenommen hatten, wurde ihnen der erwähnte Gerichtsbeichlutz mitgeteilt. Es ist vom Landgerichtsdireklor Westermann, Landgerichtsrat Haberstroh und Assessor Dust unterzeichnet und lautet in seinem entscheidendeil Teil: .Die Ablehnungsgesuche sind, soweit über die geltend gemachten Gründe nicht bereits durch den hiermit in Bezug genommenen Be- schlutz vom w. November entschieden und daher die ledige Wieder- holung unzulässig ist, unbegründet. 1. Was über die Aufrechterhaltung der Haftbefehle gegen die Angeklagten Weitz, Plaster und Romanomski in dem Beschlutz vom 10. November gesagt ist, gilt auch für die Angeklagten Kratzat und Pilz. 2. Aus der Nichtgestattung des Wortes an drei respektive zwei Verteidiger in den Sitzungen vom S. respektive 10 November und der behaupteten Erregtheit und den geltend gemachten Widersprüchen in einzelnen Aeutzerungen des Vorsitzenden kann kein Rückschluß auf eine Befangenheit desselben gezogen werden, selbst wenn diese letzteren Behauptungen glaubhaft gemacht wären. 3. Das weitere Vorbringen der Verteieigung, die Ablehnung der vier Richter der dritten Strafkammer des hiesigen kgl. Land- gerichls I aus§ 21 der Strafprozetzordnung sei auch im Hinblick auf den weiteren Umstand begründet, datz das Gericht gegen den bei der Verhandlung beteiligten Verteidiger in der Person des RechlS- anwaltS Bahn aus Z 180 Gerichlsverfassungsgeseyes eine O r d- nungsstrafe von 100 Mark festgesetzt habe, lätzt nach Prüfung der vorgebrachten tatsächlichen Momente nach keiner Richtung die Befürchtung zu, datz die vier abgelehnten Richter in der vorliegenden Strafsache gegen die einzelnen Angeklagten unbefangen zu urteilen antzerstande sein werden. Es liegt kein Grund vor, der geeignet wäre, Mißtrauen gegen die Unparteilichkeit der abgelehnten Richter zu rechtfertigen." &urz nach 2 Uhr eröffnet Landgerichtsdirektor Lieber die Sitzung.— Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosen- feld begründet namens der meisten Verteidiger und Angeklagten einen Antrag auf Zustellung der Anklageschrist. Der Verteidiger beantragt:AussetzungderVerhandIung biSzurZust'ellung jeder Anklageschrift anjeden Angeklagten. Die Angeklagten sind nicht hinreichend zur Hauptverhandlung vorbereitet und konnten sich nicht vorbeiten, da entgegen dem Z 109 Str.-Pr.-O. nicht jedem Einzelnen von ihnen die gegen jeden anderen Angeklagten ergangene An- klageschrift zugestellt ist. Diese Zustellung ist durch den Verbindungsbeschluh erforderlich geworden. Der Verleidiger beruft sich für seine Ansicht auf Glaser, Haitdbuch des Strafprozesses. Dort heitzt es Band 2 Seite 86:„Wirkung der Ver- bindung: Bezüglich aller zusammenhängenden Strafsachen wird nur e i n Strafprozetz geführt. in welchem alle» An- geschuldigten prinzipiell die gleiche Stellung, allen zusammen- treffenden Straftachen die gleiche Behandlung zukommt. Wenn nur bezüglich einer der demselben Angeklagten zur Last fallenden strafbaren Handlungen die Verteidigung eine not- wendige ist. ist sie es für alle Mitteilungen, welche dem Angeklagten zum Zwecke seiner Verteidigung zu machen sind, sollen in der Regel den ganzen Verhandlungsstoff umfassen; ja der Angeklagte hat ein Recht, auf Einsicht in die Akten aller verbundenen Strafsachen und auf Mitwirkung während der ganzen Verhandlung." Da die sämr- lichen Anklageschriften nicht allen Angeklagten zugestellt worden sind, sind die Angeklagten in ihrer Verteidigung beschränkt und sie haben daher das Recht, behufs besserer Vorbereitung ihrer Verteidigung die Nachholung des Versäumten und die Aussetzung zur Haupt- Verhandlung zu beantragen. Diese Auffassung vertritt auch der Kommentar von Löwe(Anm. 3b zu Z 199) und die Entscheidung des Reichsgerichts fBd. 1, S. 315, 318). kleines Feuilleton. Tdeater. Berliner Theater:„Der neue Koinpagnon". Schwank von Richard'Skowronnek. Skowronnek hatte den hübschen Einfall, in dem neuen Schwanke seine eigene Schwank- dichter-Zunst parodistisch zu verulken. Der durch die Erinnerung an frühere Tauticmenernten und eine mit dem Direktor vereinbarte Konventionalstrafe zu immer neuen Anläufen gestachelte Poet, dem absolut nichts einfallt— ein Virtuos im Ernnden angeblicher Störungen, die ihn nicht zum Erfinden kommen lassen und ein komödianlisch-selbstbcwutzter Hauslyrann— gab Stoff zu einem drolligen ersten Akt. Wie Schiller den Geruch von faulen Aepfeln als Anregung bei seinem Schaffen brauchte, lätzt er Tag für Tag die schönsten Pfirsiche sich in das Arbeitszimmer bringen, um seine Kraft auf Einverleibung dieser Slimmungsmittel zu konzentrieren. Unfatzbar ist dem grotzen Manne der Gedanke, datz seine Töchter— undank- barerweise— ihn um eines Freiers willen verlassen könnten. Als ein Kritiker von ihm die Hand der Aeltesten erbittet, nützt er die Konjunktur in heller Schadenfreude, um mit dem jungen Herrn ob dessen Rezensionen ins Gericht zu gehen. Die Jüngere aber, die aus früheren Lustspielen des Papa gelernt hat, datz junge Leute die ausgesucht verrücklesten Intrigen anzetteln müssen, um verblendeten Eltern ein Jawort abzulisten, stiftet ihren Leut- nantsliebsten an, sich als Erfinder einer neuen Komüdienidee ihrem Erzeuger vorzustellen. Die gelehrige Schülerin gewinnt das Spiel, der Alte fällt auf jeden noch so durchsichtigen Trick herein. So kommt das Doppelpaar zum Ziel und der geprellte Schwiegervater wider Willen zu seinem Lustspielrezept. Der persiflierende Grund- ton milderte in etwas die Fadheiten, die sich zum Scklutz hin recht bedenklich häuften. Bei freundlicher Gesinnung konnte man sich trösten, datz gerade dies Manko als Parodie auf Schwanke, wie der Held des Stückes und seine zahlreichen Kollegen sie fabrizieren, be- fonders treffend sei. Ein flottes Ensemble, in dem vor allen M e i n h a r d t als verhinderter Dichter amüsierte, half über vieles fort. 6t. Musik. Das erste VolkS-Beethoven-Konzert sah am Sonntag den grotzen Blüthnersaal vollbesetzt I Das ist, schon ganz äuherlich betrachtet, höchst bemerkenswert. Wie oft war ich bei den sonstigen sogenannten„populären" Konzerten in dem gleichen Sa«, aus dem mir das Gähnen der Leere entgegenstarrte. Etwas Aufgezwungenes, Kirchenniätziges im nüchternen Sinne des Wortes, lagert sonst häufig über derartigen volkstümlichen Konzerten. Ganz anders war's diesmal. Kopf an Kopf fatz ein Publikum. dem man das frohe Sonntagsfeiergefühl aus den Mienen ablesen tonnte. Es war die Andacht, die aus dem Die Verteidigung hat diesen Punkt von vornherein für sehr wesentlich gehalten und deshalb rechtzeitig schriftlich beantragt, jede Anklageschrift an jeden Angeklagten zuzustellen. Der Vorsitzende hat aber diesen Autrag abgelehnt. Die in dem Bescheide des Vorsitzenden vom 7. d. M. angeführten Gründe, wonach vorliegend eine Zustellung der einzelnen Anklagen an jeden Angeklagten nicht erforderlich ist, weil es sich um eine Verbindung nicht aus Z 3, sondern aus Z 236 Strafprozetzordnung handele, sind nicht zutreffend, da auch im Falle des Z 236 die Vorbereitung jedes Angeklagten auf den ge- samten Prozetz erforderlich ist. Auch bezieht sich gerade auf diesen Fall aus§ 236 der Strafprozetzordnung das oben wiedergegebene Zitat aus Glasers Handbuch des Straf- Prozesses. Eine Zustellung jeder Anklageschrift an jeden Angeklagten ist umso mehr erforderlich. als nach dem in der Sitzung vom 9. d. M. verkündeten Gerichts- beschlusse die Verbindung der verschiedenen Sachen, in denen g e- trennt Anklage erhoben worden ist, mit der Begründung aufrecht erhalten worden ist, datz die verschiedenen Straf- taten denselben Ursprung haben, und datz im wesentlichen dieselbe Beweisaufnahme in allen Fällen erforder- lich ist. E s g e h t n i ch t a n. d e n e n g e n Z u s a ni m e n h a n g der verschiedenen Sachen in der einen Richtung zu behaupten und in der anderen abzulehnen. Liegt eine so enge tatsächliche Verbindung zwischen den verschiedenen Sachen vor, wie in dem Gerichtsbeschluh vom 9. d. M. angenommen wird, dann hat jeder Angeklagte ein dringendes Interesse und ein Recht, auch die Anklage gegen die anderen Angeklagten, deren Be- gründung und die Beweisniittel rechtzeitig im einzelnen kennen zu lernen. Unter anderem würde ihm das Recht zurErkundigung über dieZeugen sonst völlig verkürzt werden. Wenn in dem Bescheide des Borsitzenden vom 7. d. M. hervorgehoben wird, die Zustellung der einzelnen Anklagen an jeden Angeklagten sei bis zur Hauptverhandlung nicht mehr durchführbar, so ist dies unerheblich. Unzulängliche Bureaueinrichtiiiige» können nicht von gesetzlichen Borschriften entbinden und dürfen nicht zu einer Beschränkung der Bertcidigiing führen. Der Gesetzgeber hat in 8 199 Str.-P.-O. die Zustellung der Anklageschrift vorgesehen, um in denjenigen Fällen, in denen es keine Berlifungsinstaiiz gibt, dem Angeklagten einen er- höhten Schutz gegen die Gefahr zu gewähren, datz die Hauplver- Handlung ohne genügende Vorbereitung der Verteidigung stattfinde. Würde das Gericht den Antrag der Verteidigung ablehnen. so würde es sich über ein zum Schutz der Angeklagten gegebenes Recht einfach hinwegsetzen, so würde es diese» schon jetzt an Ungewöhnlich leiten reichen Prozetz um eine weitere Ungewöhnlichkeit bereichern. Das Gericht würde die Verteidigung der Angeklagten wesentlich beschränken und einen neuen Grund liefern, der das Reichsgericht veranlaffen mutz, daS ganze Verfahren für null und nichtig zu erklären. Erster Staatsanwalt Steinbrecht ersucht um A b- lehnung des Antrages. Wenn auch die Anklagen zu gemein- samer Verhandlung verbunden seien, so bleib: doch jede einzelne Anklage als selbständige Sache bestehen. Diesen Standpunkt nahm auch der Kommenralor Löwe sowie das Reichsgericht ein. Hiernach sei es nicht notwendig, datz jedem Angeslagten Kenntnis gegeben werde von dem, was den übrigen Angeklagten zur Last gelegt werde. Es genüge, wenn jedem Angeklagten mitgeteilt werde, was ihm zur Last gelegt werde. Das sei geschehen. Die Staatsanwaltschaft sei sogar noch weiter gegangen und habe den Angeklagten auch die als Zeugen geladenen Personen mit Angabe ihrer Wohnung benannt, datz sie in ihrer Verreidigung darauf Bezug nehmen könnten. Rechtsanwalt Dr. Heinemann trat in einer kurzen juristischen Darlegung dem Standpunkt des Staatsanwalts ent- gegen. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld bemerkte: Der Vor- sitzende habe in einem Schriftstück gesagt, nach Eröffnung der Haupt- Verhandlung sei es nicht mehr erforderlich und auch nicht mehr mög- lich gewesen, allen Angeklagren sänitliche Anklageschristen zuzustellen. Dagegen müsse entschiede» betont werden: mangelhafte technische Einrichtungen, welche die rechtzeitige Zustellung der Anklageschrift hindern, könHn kein Grund sein, die gesetzlichen Vorschriften autzer acht zu lasse« Rechtsanwalt Cohn: Zweckmätzigkeitsgründe sowie die schuldige Rücksicht auf die Angeklagten sprechen für unseren Antrag. Da die letzte Anklage am 20. Oktober erhoben, der Verhand- lungstermin aber am 9. November angesetzt war, so wäre noch Zeit genug gewesen, den Angeklagten die Anklageschrift zuzu- stellen, wie es das Gesetz verlangt. Herzen quillt, die das Schweigen der vielen Hundert Männer, Frauen und Mädchen aus der Arbeiterklaffe zum Ausdruck brachte. Die Zusammenstellung des Programms. deren sich in nicht leichter Arbeit der als Pianist mitwirkende Leo Kestenbera unterzogen halte, war so geschickt getroffen, datz in der empfangsfreudigen Zuhörerschaft Langeweile auch dann nicht hätte aufkommen können, wenn die gewählten Kompositionen noch weniger populär gewesen wären. Die echte Herzensmusik wirkt eben— das erkaniite man ans diesem Konzert und seiner spontanen Erfolge wieder einmal deutlich— unmittelbar auf alle Menschen und nicht zum wenigste» auf die einfachen Menschen ein, für die ein Konzert wirklich eine Er- bebung und eine Vertiefung zugleich bedeutet. Während des wie milder Trost in die Seele flietzenden Andante aus der „Kreutzersonate"(Herr Konzertmeister Lambinon spielte den Violin- part ausgezeichnet) sah ich. wie sich zwei Freundinnen Verständnis- innig anschaute» und wie dann ein Freudeläckeln kaum merklich über die Wangen der beiden Mädchen huschte I Das war rührend und köstlich zugleich, zu beobachten, wie da Beethovens Musik ihre Zauber- macht ausübte. Am erfreulichsten erschien eS mir, datz die Vokalmusik— etwa das von Herrn Kalweit gesungene„Adelaide" oder die viel zu selten gehörten stimmungskräftigen„Schotti- schen Lieder— durchaus keinen stärkeren Beifall erzielte als die reine Kammer- und Klaviermusik. Im Gegen- teil: man schien sich die Hauptandacht förmlich für das gewaltige B-6ur-Trio(op. 97) aufgespart zu haben, so spontan und kräftig klang der Beifall nach den einzelnen Sätzen. Das Märchen, die Gesangömusik sei„populärer" als die Jnstruinental- musit, ist also von neuem widerlegt worden. Der wohlmende Ein- stütz ernster klassischer Musik auf ein nach ernstem künstlerischen Genutz verlangendes Arbeiterpublikum hat sich während dieses schönen Beethoven-NachmittagS aufs herrlichste offenbart. iL N. Humor und Satire. Aufruf! Deutsche! Patrioten! Beschämt blicken wir auf das wackere Städtchen Mergentheim im Schwabenlande. Die Leute zeigen uns, was wahre Loyalnät ist! Sie haben an der Stelle, wo am Schlüsse des vorjährigen Kaiser- manövers S. M. der Kaiser gestanden hat, einen Denkstein gesetzt. Dreihundert Veteranen, deren Festzylinder in patriotischer Rührung glänzten, wohnten der Enthüllungsseier bei. Kein Auge, keine Kehle blieb trocken. Es war ergreifend. Deutsche! Patrioten I An wie vielen anderen Stätten unseres Vaterlandes hat S. M. schon gestanden, ohne datz ein Denkstein die Stelle zierte! Jedes fehlende Denkmal aber ist auch ein Brandmal auf dem Kerbholz der patriotischen Indolenz unserer Nation. Dieses Kerbholz mutz geheilt werden, bis es wieder in fleckenloser Reinheit den Schild der deutschen Ehre ziert. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Unser Verfahren in bezng auf die Anklageschrift ist vollkommen gesetzlich. Wenn es aber das Gericht beschlietzen sollte, sind wir bereit, aus Zweckmäßig- keitsgründen den Angeklagten im Laufe der Verhandlung noch d:e Anklageschrift zuzustellen. Nachdem das Gericht beraten hatte, verkündete der Vorsitzende folgenden Beschluß: Der Ai:trag der Verteidigung wird abgelehnt. Es ist jedem Angeklagten eine Anklageschrift zugestellt, welche auf die ihm durch den Eröffmuigsbeschlutz zur Last gelegten Straftaten Bezug nimmt. Damit ist den Bestimmungen der Strafprozetz- ordnnng genügt. Dies Verfahren ist kein autzergewöhnliches.� Es ist dasselbe, wie es schon seit Jahren in allen derartigen Fällen angewandt worden ist. Der Wunsch der Verteidiger steht dem Gesetz nicht entgegen, für ihn sprechen auch Zweckmätzigkeitsgründe. E s wird der Anregung der Staatsanwaltschaft statt- gegeben und im Laufe der Verhandlung allen An- geklagten die von den Verteidigern gewünschte Anklageschrift zuge st ellt werden. Hierauf wurden die ErSffmmgSbeschlüsse in den einzelnen Anklagefällen verlesen. Daraus geht folgendes hervor: T i e d e m a n n ist angeklagt wegen Teilnahme an einer Zu- sammenrottung und Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung. Wasch fut soll ebenfalls an einer öffentlichen Zusammenrottung lß 115 I> teilgenommen haben. Plaster ist der Beleidigung von Schutzleuten durch das Wort„Bluthunde" beschlildigt. L i t w i ck i und Georg Meier stehen unter der Anklage, an einer öffent- lichen Zusamurenrottung im Sinne des Z 115 1 teilgenommen zu haben. Nörenberg ist der Beleidigung von Schutzleuten angeklagt. Dasielbe wird auch den Angeklagten Mus- lewski, Krämer. Frau Dominiak und B r e y e r zur Last gelegt. Hagen und T r e p k o w L k i sind des Widerstandes und tätlichen Angriffes gegen Beamte angeklagt. Bock soll groben Unfug und einen Messerangriff aus einen Schutz- mann begangen haben. Unter der Anklage der Beleidigung iSchimpf- worte gegen Schutzleute) stehen Frau Friese, Heide, Frau und Frl. Sattler, Heinemann und Rohte. Hermann Weitz ist des Angriffs aui Polizeibeamte beschuldigt. Brand und Schulz sollen gemeinschaftlich Laternen zertrümmert haben. A l b r e ch t ist wegen groben Unfugs und Beleidigung angeklagt. Zoll- ch o w steht unter Anklage lvegen Beleidigung und Teil- nähme an einer Zusammenroltung. Otto Weitz soll groben Unfug verübt und sich an einem Auflauf beteiligt haben. R o m a n o w s k i und M i e r s ch werden der Beamtenbeleidigung beschuldigt. Kliche soll ebenfalls Beamte beleidigt und Steine geworfen' haben. E i s e n r e i ch und Senf sind wegen Beamteubeleidigung und Teilnahme an einer Znsammenroitung, W e i d e m a n n ist wegen groben Unfugs und Beamtenbeleidigung angeklagt. Pilz und Kratzat stehen unter der Anklage der Miß- handliing eines Arbeitswilligen und des Vergehens gegen Z 153 der Gewerbeordnung. Nach der Verlesung der Eröffnungsbeschlüffe wurde die Sitzung um 3Vs Uhr auf heute 9Vz Uhr vertagt. Sie soll mit der Ver« nehniung der einzelnen Angeklagten zu den einzelnen Straftaten be- ginnen. Nach der Vernehmung sollen zum allgemeinen Teil gleich- mätzig die von der Staatsanwaltschaft als auch die von der Ver- teidigung geladenen Zeugen beziehungsweise Sachverständigen gehört werden._ flu? der llie)cl)$verIi(l)erung$ordmuigs- Kommiliion. Sitzung vom Montag, den 11. November. Eine erwähnenswerte Debatte entspann sich zunächst über das Recht des uneheliche» Kindes eines verunglückten Arbeiters auf die Waisenrente. Die Kommission hat in der ersten Lesung für den Fall, datz ein Versicherter infolge eines Betriebsunfalls stirbt, die Rente auch jedem Kinde zugesprochen,„zu dessen Unterhalt der Verstorbene gesetzlich verpflichtet war". Diese Bestimmung wurde dahin geändert, datz sie für ein uneheliches Kind nur gilt, so weit der Verstorbene ihm nach gesetzlicher Pflicht Unterhalt gewährt hat. Dafür stimmten die Konservativen. Nationalliberalen und so viele Zentrums- Abgeordnete, wie zur Mehrheit not- wendig war. Die Herren wollrcn es unbedingt vermeiden, datz auch dann, wenn der Vater sich gar nicht oder nur ganz wenig Wir wollen einen grotzen Volksbund mit vielen Unter-KomitceS gründen, um olle jene geheiligten Stätten ausfindig zu machen, die je unter dem Schwerpunkt Seiner Majestät lagen und dort Denk- steine zu errichten. Wir wollen nicht ruhen, bis auch der letzte focher Flecke Erde mit lapidarem Jubel der Nachwelt erzählt: Hier stand, hier lag. hier sah, hier ritt, oder hier fuhr Seine Majestät! Auf, Deutsche! Patrioten! Tretet dem grotzem Bunde bei. Unser Vereinszeichen fei ein Emailleichild mit roter Zunge und der Devise: „Was nützt mir der Stiefel, wenn er nicht geleckt wird I" Das weitere Komitee.<„Fugend.") Notizen. — Ein ständiges Marionettentheater wurde im Eispalast eröffnet. Es steht unter der Leitung des Bildhauers W. Hecker, der seine Befähigung für dies Genre schon seit längerem bewiesen hat. Es sollen hauptsächlich für Kinder bestimmte Stücke gespielt werden. — Die gänzliche Ueberflüssigkeit des Nobel» Preises hat die schwedische Akademie wieder einmal erwiesen. Sie hat den Litcraturpreis Paul H e y s e zuerkannt. Heyse hat ihn sicher so gut wie mancher andere(vor 10 Jahren bereits) verdient. Aber wie soll der Literatur damit gedient werden, wenn 80jährige, längst anerkannte, unproduktiv gewordene und in den besten Ver- hältniffen lebende Dichter benobelt werden? — Die sprechende Uhr. In Bern, der altberühmien Stätte der Uhrmacherkunst, hat man jetzt(wie früher schon anderswo) eine neue Uhr ersonnen, die die Stunden nicht mehr schlägt, sondern regelrecht ansagt, eine vollkommene sprechende Uhr. Es handelt sich dabei um eine einfache Kombination von Uhr und Phonograph. Alle Viertelstunde wird der im Uhrgehäuse verborgene kleine Phono- graph in Tätigkeit gesetzt und kündet mit lauter, menschlicher Stimme die Zeit. Eine einfache Vorrichtung ermöglicht eS. während der Nachtstunden den Phonographen auszuschalten. — Die Weltproduktion an Gold seit der Entdeckung Amerikas hat einen Wert von etwa 57 Milliarden Mark. Bon 1193 bis 1800 wurden 9,8288 Milliarden Mark gewonnen, von 1301 bis 1850 3,2613 Mill., von 1851 bis 1900 23,6160 Mill.. von 1901 bis 1906 8,2816 Mill. Der Jahresdurchschnitt der Produktion ist von 31,92 Millionen in der ersten Zeitperiode fortgesetzt gestiegen und betrug 1907 und 1003 für 1781.11 Millionen Mark. Heute werden zirka 10 Proz. des Goldes in Afrika(Transvaal) gewonnen, während der Goldreichtum Kaliforniens abnimmt.— Da eine vernünftig organisierte Gesellschaft des Goldes in der Gestalt des Geldes nicht bedürfen wird, brauchen wir uns über die Zukunft der Gold- Produktion(auch abgesehen von dieser Statistik) keine Sorge zu machen. um du uneheliches Kind geliimmert hat, nach seinem Tode für das Kind Unfall-Hinterbliebenenrente oder eine gröbere Entschädigung als vorher beansprucht werden könne. Ausnahmerecht gegen die Ausländer. In der ersten Lesung wurde die Verschlechterung beschlossen, daß nach den Bestimmungen für die Unfallversicherung die Hinter- bliebcnen eines Ausländers, die zurzeit des Unfalls nicht im Inland ihren gelvöhnlichen Aufenthalt hatten, keine» Anspruch auf die Rente haben sollen. Durch Beschluh des Bundesrats kann die Bestinimung für bestimmte Grenzgebiete sowie für die An- gehörigen solcher Staaten, deren Gesetzgebung den Hinterbliebenen getöteter Deutschen, die bei Betriebsunfällen verunglückt sind, ent- sprechende Fürsorge gewährleistet, außer Kraft gesetzt werden. Hier- gegen wurde von verschiedenen Seiten Einspruch erhoben. Die Unfall- Versicherung gilt an Stelle der Hastpflicht umer Ausschluß von Zivil- ansprächen. ES ist aber ein allgemein anerkannter Grundsatz des internationalen Rechtes, daß die Ausländer in bezug auf das Zivil- recht nicht schlechter als Inländer gestellt sein dürfen. Deshalb ist die Ausnahmebestimmung gegen die Ausländer unvereinbar mit jenem Grundsatz des internationalen Rechtes. Trotzdem nahmen die Konservativen, Nationalliberalen und das Z e n- trum die Ausnahmebestimmungen wieder an. Selbst die notwendigsten Verbesserungen sind nicht zu erreichen, ja die Konservativen, Nationalliberalen und ein Teil des Zentrums versuchen immer wieder, die Borlage noch weiter zu verschlechtern. Nächste Sitzung: Dienstag. Huö Induftm und Rande!. Agrarpolitisches Handbuch.') Die Frage der agrarischen Wirtschaftspolitik Schutzzölle, Lebensmitlelsteuern— wird bei den nächsten Reichstagswahlen im Vordergrunde der Diskussion stehen. Sie bildet den Brennpunkt des Meinungs- und Jnleressenstreites, weil der nächste Reichstag, falls er nicht eines schnellen unnatürlichen Todes stirbt, sich mit der Neugestaltung unserer Handelsverträge zu beschäftigen habe» wird, und die Junker die Zollmauern noch verstärken und erhöhen wollen. Diese Frage hat aber nicht nur wirtschaftliche Ve- deutung, sie ist der Angelpunkt unserer gesamten sozialen und politischen Verhältnisse sowie deren Entwickelung. Geht man den Motiven der politischen Hetzer nach, die Zuchlhausgesetze gegen Arbeiter verlangen, das Koalitionsrecht beschneiden wollen, für ein neues Sozialistengesetz sich begeistern, eine Reform des Dreiklassen- Wahlrechts verweigern, gegen jedes sozialpolitische Reförmchen toben, dann stößt man auf die Liebesgaben- und Schutzzollpolitik als treibende Kraft. Alle die volksfeindlichen Bestrebungen wurzeln im Boden der wirtschaftlichen Interessen der Privilegierten. Zwar steht unS über einen der Hauptzweige der ausbeuterischen Wirtschafts- Politik, der agrarischen, bereits eine reichhaltige Literatur zur Verfügung, trotzdem ist das jetzt vom Reichstagsabgeordneten Georg Gothein, Bcrgrat a. D., herausgegebene„Agrarpolitische Handbuch" als ein gutes Rüstzeug für den Politiker und Agitator im Kampfe gegen den Volks- und kulturfeindlichen Agrarismus freudig zu be- grüßen. Wir unterschreiben nicht alle Schlußfolgerungen des Ver- fassers. manche seiner Bestrebungen bekämpfen wir ganz entschieden, aber als Materialquelle füllt sein Buch unbestritten eine Lücke aus; als Wegweiser wird eS jedem, der sich über eine der in Betracht koinmenden Materien schnell informieren will, ein guter Helfer sein. Von Vorteil halten wir die Stoffanordnung. Alle ein- schlägigen Fragen sind in alphabetischer Folge in kurzen gemein- verständlichen Artikeln behandelt. Das Verständnis für die jetzt akuten Fragen der agrarischen Wirtschaftspolitik in ihrem historischen Werden weckt der Verfasser durch einen Rückblick auf die technische und geschichtliche Entwickelung der Agrarkultur. Wie ein roter Faden leuchtet besonders aus der ganzen Verwaltungspraxis der Egoismus des typischen Agrariers hervor, ganz gleich ob er als ge- borener oder Parvenü-Junker auftritt. Mit einer Selbst- Verständlichkeit, die keiner Begründung bedarf, erhebt er überall Ansprüche auf Bevorziigung. deren Kostenträger immer die produzierenden Stände sind. Die Entwickelung des Jndustrialismus und der Weltwirtschaft steigerte die Gier der Junker nach Reichtum und Luxus. Eine intensive und extensive Liebesgabenpolitii mußte den agrarischen Profithungsr befriedigen. Diese Politik, die das Volk ausbeutet, den Großgrundbesitzern Millionen in den Schoß wirst, ist dabei die wahre Ursache der Not der Landwirtschaft. Die Schutzzölle, die Liebesgaben aller Art treiben nicht nur die Preise der Lebensmittel, sondern auch die der Lachten und der Güter hinauf. Die Landwirtschaft bleibt nicht genügend rentabel, weil der neue Päckiter oder Besitzer immer den infolge von neuen Liebes- gaben gesteigerte» Ertragswert in Form erhöhter Pachten oder Zinsen- Pflicht kapitalisieren muß. Der wirkliche Produzent schafft und darbt oft genug dabei, während die Grundrentennutznießer Milliarden einheimsen. Die Reichsschuld könnte, wie Gothein fest« stellt, um 2 Milliarden Mark niedriger sein ohne die Liebesgabe aus der Zuckcrsteuer. Daraus kann man ermessen, was dem Volke die ganze LiebeSgabenwirlschaft kostet. Nicht nur die großen Fragen dieser Politik werden in dem Handbuch behandelt; der Verfasser zeigt, wie fast ein jedes Gesetz mehr oder minder auf agrarische Interessen zugeschnitten ist und den Ansprüchen der Junker auf Extravorteile oder Befreiung von Lasten Rechnung trägt. Jedem, der im öffentlichen Leben steht, wird daS Buch sicherlich gute Dienste leisten._ v. Abschlüsse der Privatcisenbahnen. Es haben in den ersten zehn Monaten insgesamt 94 Aktiengesellschaften ihre Bilanzen veröffentlicht; ihr Aktienkapital betrug 1908/09 zusammen 438,72, im Jahre 1909/10 444,68 Millionen Mark. Für 93 Gesellschaften ließ sich der Gewinn resp. Verlust er- Mitteln, und zwar schloffen im Jahre 1903/09 86 Gesellschaften mit Gewinn, 7 mit Verlust, im Jahre 1909/10 84 mit Gewinn und S mit Verlust ab. Der Gewinn betrug im Jahre 1908/09 bei den 86 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 413,26 Millionen Mark insgesamt 18,90 Millionen Mark und im Jahre 1909/10 bei den 84 Gesellschaften mit einem Kapital von 409,86 Millionen Mark insgesaint 21,21 Millionen. Trotzdem also weniger Gesellschaften als im Vorjahre mit Gewinn arbeiteten, ist die Gewinnsumme doch gestiegen. Bei den größeren Gesellschaften bewegten sich die Rein- gewinne in den beiden letzten Geschäftsjahren, wie folgt: Akt.-Kap. Reingewinn in M. in 1000 M. 1908/09 1909/10 Westfäl. Landeseisenbahn. 20 460 633 713 710 464 Süddeutsche Eisenb.-Gcs.. 25 560 1526 451 1912 866 Brandenburg Städtebahn 12 054 99 425 110 466 Westdeutsche Eisenbahn. 10 360 369 870 Verlust 975 834 Moselbahn A.-G.... 10 000 Verlust 28 458 Verlust 236 445 Lübeck-Büchener.... 25 000 2 065 069 2 676 386 Mit Ausnahme der Westdeutschen und der Moselbahn haben alle großen Bahnen günstiger abgeschnitten als 1908/09. Schultheiß. Der Geschäftsbericht der größten Berliner Brauerei schweigt sich leider über das meiste Wissenswerte gründlich aus. Wie groß die Produktion war. wieviel Malz verbraucht worden ist. welche Löhne gezahlt morden sind, darüber erfährt man nicht«. Man kennt die Ursache der Schweigsamkeit I Im Geschäftsjahre 1909/10 betrugen die Einnahmen 29 382 235 M. gegen 25 936 229 M. im Vor- jähre. Der ausgerechnete Reingewinn stellt sich ans 2 346 312 M. Die Dividende beträgt, wie im Vorjahre, 14 Prozent. Bemerkens- wert aus dem Bericht ist noch folgende Mitteilung:„Auf einem vom Eifcnbahnsiskus gepachteten Terrain unmittelbar am Wannsee, haben wir ein neues AuSschanklokal errichtet. daS mit der Fertig. stellung in das Eigentum des Fiskus übergegangen ist: da der Pachtvertrag 25 Jahre läuft, erschien eS angemessen, für die Amorti- *) Agrarpolitisches Handbuch von Georg Gothel». M. d. R. Herausgegeben vom HandelsvertragSverein. Verlaq von Liebheit u. Thiefen. 5 M., geb. 6 R. sation unseres Kostenaufwandes, der bis setzt zirka 365000 M. beträgt, im Konto„Unkosten der Ausschanklokale" eine jährliche Quote von 18 000 M. vorzusehen." Die Angaben beweisen, daß der FiSkus ein sehr„einnehmendes" Wesen hat und ein Bierausschank enorme Ueberschüffe abwerfen muß._ Neue Panzerplatte. Der Großindustrielle Thießen erklärt, daß er mit der Pauzerplattenindustriegesellschaft gar nicht« zu tun habe. Die betreffende Meldung stammt aus den„Leipziger Neuesten Nach- richten". DaS größte Stauwerk der Welt wird zurzeit in Australien erbaut. Der Barren Jack, wie das Werk genannt worden ist, wird nach dem Engineer hin eine Länge von fast 250 Meter, eine Höhe bis zu 75 Meter erhalten. Der ganz aus großen Siemen mit Zement her- gestellte Bau hat an der Basis eine Breite von fast 50 Meter. DaS Werk ist zur Sammlung der Gewässer aus einem Gebiet von gegen 15 000 Quadratkilometer bestimmt, wo ein erheblicher Schneefall im Winter einen größeren Wasserreichtum aufspeichert. Das Stauwerk hinter dem Damm soll bei vollständiger Füllung über eine Milliarde Kubikmeter enthalten. Dieser Anlage hat die Natur etwas vor- gearbeitet durch die Schaffung einer tiefen Schlucht in Hügeln aus Granit, die gleichzeitig ein treffliches Baumaterial liefern. Die Fortsetzung dieser Schlucht in das Gebirgsland hinein auf eine Strecke von ungefähr 350 Kilometer sickiern dem Werk die Zuführung der Gewässer aus der ganzen Umgebung. Im August nächsten Jahres soll der Damm eine Höhe von 35 Meter erreicht haben und dann will man die Anlage nutzbar zu machen beginnen. Die übrigen Arbeiten sollen bis zum August 1913 vollendet werden. To�iales� Berleffung eines zehnjährigen Knaben durch einen Bullen—• kein Betriebsunfall! Ein auffallendes, unrichtiges und antisoziales Urteil fällte das Reichsversicherungsamt in Sachen des Schülers L. gegen die ostpreußische landwirtschaftliche Berufsgenossensckwft. Der zur Zeit des Unfalls zehn Jahre alte Schüler L. war bei dem Guts- besitzer K. als Hütejunge beschäftigt. In der Herde befand sich auch ein gefährlicher Bulle. Als sich dieser etwas zu weit von der Herde entfernt hatte und der Junge ihn wieder zurücktreiben wollte, fiel das wütende Tier über den Knaben her, nahm ihn auf die Hörner und richtete ihn so zu, daß er sein Leben lang durch den Bruch des Oberschenkels eine erhebliche Gesundheits- beeinträchtigung erfahren hat. Nach Aussage des Knaben war das Tier so gefährlich, daß es in der Regel an Kopf und Border- deinen gefesselt wnrde. An dem Tage war dies nicht der Fall. Der Vater des Knaben erhob Entschädigungsanspruch, wurde jedoch von der Genossenschaft mit der Begründung abgewiesen, daß der Knabe'durch das Reizen des Bullen die unfallbringende Gefahr selbst verursacht habe, diese sei also dem Betriebe nicht zu- zurechnen. Die Berufung war erfolglos. Vor dem Sck>iedsgericht erklärte der Besitzer K. im Gegensatz zu dem Verletzten, der Bulle sei kein gefährliches Tier, der Junge habe vielmehr wahr- scheinlich aus Uebermut mit der Peitsche auf daS Tier ein- geschlagen, er selbst habe ihn dieserhalb schon zweimal verwarnen müssen. Darauf erfolgte Ablehnung mit folgender Begrüdung: Nach der Zeugenausfage ist das Schlagen des Bullen aus Ueber- mut erfolgt. Liegt eine ausdrückliche Warnung zur Unterlassung vor, so liegt auch für ein Kind kein Grund vor, ihm für seinen Uebermut eine Ausnahmestellung zu gewähren. Der Rekurs, den der Bater anhängig machte, ist jetzt vom Reichsversicherungsamt zurückgewiesen! In der Begründung des Urteils heißt es unter anderem: Obschon sich der Unfall bei Gelegenheit einer landwirtschaftlichen Betriebstätigkeit ereignet hat, kann er nicht al» Betriebsunfall gelten, da der Kläger durch fein Verhalten sich außerhalb des Be- trirbes gesetzt hat. Obwohl K. ihm zweimal verboten hat, ist das Tier dazu gebracht worden, auf den Kläger einzugehen. Er ist hiernach einer Gefahr erlegen, in der er sich mutwillig begeben hat. Die Grenze dessen, was Kindern zugute gehalten werden kanxj, ist hier erheblich überschritten. Bei diesem Alter war er reif genug, die Borhaltungen zu begreifen, die ihm das Schlagen verboten, und doch hat er diesen nicht Folge gegeben. Wenn er eS nicht tat, war es nicht mehr einfacher kindischerMUebermut, welcher ihn zu seiner Handlung fortritz, sondern ausgesprochener böser Wille. Mit Recht ist daher die Gewährung einer Rente abgelehnt. Das ist denn doch tvohl die Höchstleistung, die das Reichsversicherungsamt bei der Konstruktion des„AußerbetriebsetzenS" erreicht hat. Die Versicherungsgesetzgebung hat nach ihrem Wort- laut den einen Vorteil vor dem Haftpflichtgesetz, daß auch un- verschuldete Unfälle zu entschädigen sind. Die Rechtsprechung des ReichSverstcherungSamteS hat sich aber seit dem Ausscheiden Dr. Bödikers immer mehr dahin entwickelt, daß sie durch die Kon- struktion de?..AußerbetriebsetzenS" die rechtliche Lage deS Ar- beiters in vielen Fällen gegenüber der Haftpflichtgesetzgebung. wie diese vom Reichsgericht ständig interpretiert wurde, erheblich verschlechtert hat. ES wird jetzt als Schuld dem Arbeiter zu- gerechnet, was früher als solche des Arbeitgebers erachtet wurde. So hat das Reichsgericht in ausnahmsloser Praxis dahin ent- schieden, daß die Mahnungen des Arbeitgebers auch dem er- wachfenen Arbeiter gegenüber feine Verpflichtung nicht aufheben, geeignete Sicherheitsmaßregeln zu treffen; ein Verschulden deS Arbeiters liege nicht vor, sobald er durch die Gewöhnung an die Gefahr unvorsichtig gemacht wird. Einem stößigen Bullen gegen- über hat der Arbeitgeber solche Uns�llverhütungSmatzregeln an- zuwenden. Unter dem Haftpflichtgesetz würde er schon deshalb verurteilt sein, weil die Anvertrauung der Hut über den Bullen an ein Kind ein grobfahrlässiges Verschulden darstellt, das ihn zivilrcchtlich und strafrechtlich haftbar macht. Die mitgeteilte Entscheidung des ReichsversicherungSamtcs zeigt, wie ein ver- ständiger Grundsatz einer Gesetzgebung durch die Rechtsprechung in sein Gegenteil verkehrt werden kann. Versammlungen. Mißstände bei der Firma Bergmann. Eine Betriebsversammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Bergmann, Maschinenfabrik, Oudenarderftraße, fand am Donnerstag abend in der PharuSsälen, Müllerstratze, statt. Böl- l e I referierte. In der Arbeiterschaft des Werkes herrscht große Unzufriedenheit; über mannigfache MiMnde wird geklagt. In zwei vorhergegangenen Versammlungen wurden diese Mißstände schon bloßgelegt; eine Kommission wurde gewählt, um der Direktion oie Klagen zu übermitteln, aber man machte diesekbe Erfahrung. die man schon öfter gemacht hatte, daß nämlich die Mitglieder sol- cher Kommissionen bald unbeliebt waren und entlassen wurden. oder sie fühlten sich stets mit der Entlassung bedroht. Auf einen Arbeiterausschuß, wie er in anderen großen Betrieben besteht, hatte die Arbeiterschaft längst verzichtet, weil keine Möglichkeit bestand, die Interessen der Arbeiter durch einen Ausschuß vertreten zu lassen. Auf eingereichte Beschwerden erteilte die Direktion nicht einmal eine Antwort. AIS in diesem Jahre Differenzen aus- brachen, die zu einem Streik und dann zu einer Aussperrung führ- Jen, erschien der Direktion plötzlich die Einrichtung eines Arbeiter- Ausschusses recht nützlich und sie regte die Wahl eines Ausschusses an. Die Arbeiter wünschten, daß die Wahl nicht nach den alten OsHungeji, sonder» den modernen VerMtnissen gemäß vorgenom- kmen werden sollte, und sie veaufkräglen die VerhandlungSkom- Mission, die während des Streiks tätig war, der Direktion die Wünsche der Arbeiterschaft vorzutragen. Das geschah, aber die Direktion gab wieder mal keine Antwort. Bei der Erledigung des Streiks erhielten die Arbeiter das Versprechen, daß ihre Beschwer- den geprüft und eine Reihe von Mißständen abgestellt werden sollten. Die Arbeiter warteten vergeblich darauf und schickten endlich eine Kommission vor, um die Direktion an die gegebenen Versprechen zu erinnern; eine Verhandlung fand auch statt, die Direktion verlangle Material zur Prüfung und erhielt es, aber eine Antwort wurde den Arbeitern nicht zuteil. Die Arbeiter klagen über Lohnabzüge, über schlechte Behandlung und über Man- gel an Fürsorge. Beschwerden kommen aus allen Abteilungen; die Ventilation ist schlecht, eS fehlt an Staubsaugevorrichtungen bei den Schleifmaschinen, Brennöfen stehen frei und geben gefährlichen Dunst, die Waschgele�enheit ist mangelhaft, die Garderobenräume genügen nicht; von ernem Speiseraum kann kaum die Rede sein, die Kantine bietet keine Gelegenheit, sich etwas Kaffee oder Milch zu wärmen; man möchte auch gern wissen, wo die Ueberschüsse aus der Kantine bleiben. Die Schichtarbeiter haben eine uminter- brochene Arbeitszeit von neun Stunden und verlangen eine Pause zum Essen. Oftmals fft schon darauf hingewiesen worden, daß in einem großen Werk kein Krankenwagen zur Verfügung steht. Die Behandlung durch die Meister läßt viel zu wünschen übrig. Neuer- dings werden besonders viel Lohnabzüge gemacht, was die Arbeiter auf einen eigenen Vorgang zurückführen. Die Direktion hat vor einiger Zeit gefunden, daß die Meisterlöhne zu hoch seien. Ober- meister erhalten bis 700 M., Meister bis 300 und 400 M. pro Mo» nat, Vorarbeiter von 45 bis 60 M. pro Woche. Erschreckt über die Ansicht der Direktion, daß diese Kategorie der Angestellten zu viel verdiene, hielten die Meister eine Versammlung ab und beschlossen eine eigene Art von Lohnbewegung, die sich nicht nach oben, sondern nach unten richten soll. Man will auf die Arbeiter einen stärkeren Druck ausüben und eventuell durch Abzüge an den Löhnen der Arbeiter sich Gunst und Gnade der Direktion erhalten.— Der Referent forderte die Arbeiter auf. sich ihre Rechte nicht kürzen zu lassen, auf die Abstellung der Mißstände immer weiter zu dringen. die regelrechte Arbeitszeit nicht durch Ueberstunden zu verlängern, besonders aber sich der Organisation, dem Deutschen Metallarbeiter- verbände fest anzuschließen, um eine starke Stütze zu gewinnen. Die Sektion der Putzer vom Zentralverband der Maurer hielt am Mittwoch in Dräsels Festsölen in der Neuen Jriedrichstr. 35 eine Mitgliederversammlung ab, die sich hauptsächlich mit der Ver- schmelzung der Lokalkasse der Sektion mit der Zweigvereinskassc und der Einführung der Hauskassierung beschäftigte. Durch das neue, am 1. Januar für den Bauarbeiterverband in Kraft tretende Statut werden bedeutungsvolle Aenderungen im Verwaltungs- wesen angeordnet. Der bisherige Maurervcrband gliedert sich in Zweigvereine, die sich wiederum in den größeren Orten oder In- dustriegebieten— so auch in Berlin— in mehrere Sektionen gliederten, von denen jede einzelne ihre besondere Verwaltung hat. Das neue Statut läßt zwar die einzelnen Sektionen bestehen, weil die besonderen Berussfragen der einzelnen Berufsgruppen durch die Sektionen besser erledigt werden können, als durch die ge- schlossenen Zweigvereine. Jedoch sollen die besonderen Verwal- tungen der Sektionen, die ihrerseits jetzt erst mit dem Zweigverein und dieser wieder mit der Hauptkass'e abrechnen, aufhören zu be- stehen. Vom 1. Januar ab soll in jedem Zweigverein nur eine Verwaltung und Kasse bestehen. In allen Sektionen, mit Ausnahme der der Putzer, werden die Beiträge durch HauSkassiercr von den Mitgliedern abgeholt, während bei den Putzern die Einkassierung der Beiträge von den Baudeputierten mittels des Listensystems geschieht. Durch die Zusammenlegung der Verwaltungen würde also auch hierin eine Aenderung«intreten. Während die anderen Sektionen mit diesen Neuerungen einverstanden sind, finden diese bei den Putzern aus den verschiedensten Gründen noch einen starken Wioerstand. Zunächst besitzt die Sektion der Putzer eine ver- hältniSmähig gut fundierte Lokalkasse, gegenwärtig mit über 57 000 Mark Bestand. Dann aber auch werden bei den Putzern während der Wintevmonate Beiträge erhoben und Krankenunterstützung ge- währt, was in den anderen Sektionen nicht der Fall ist. Auf diese besonderen Vorrechte wollen die Putzer nicht verzichten und daher ihr Widerstand gegen die Verschmelzung der Verwaltungen und Kassen. Der Zweigvereinsvorstand hatte sich nun in einer seiner letzten Sitzungen mit der Putzersektion beschäftigt und entsprechend dem Statut beschlossen. Das veranlasste den Sektionsvorstand der Putzer die Versammlung einzuberufen und die Mitglieder zu be- fragen. Der Sektionsvorsitzende N c u m a n n schilderte zunächst die Entwickelung der Putzerorganisation vom ersten Anfange, dem Berliner Putzerklub, bis zur heutigen Sektion im Maurervcrband. Er glaubt, daß die Sektion, wenn die Verwaltungen erst zusammen- gelegt sind, nicht mehr so erfolgreich für die Mitglieder wirken wird, wie sie es bisher konnte. Er ercnnerte an die Erringung des Achtstundentages. Jene Bewegung sei gegen den Willen des Zen- tralvorstandcs mit Erfolg durchgeführt worden. Auch die im dort- gen Jahre den Mitgliedern gewährte NotstandSunterstützung, die ettva 20 000 M erforderte, hat nicht den Beifall von oben gehabt. Mit der Verschmelzung der Sektianskasse mit der ZweigvereinS- lasse wird der Sektion die Selbständigkeit genommen. Es sei hier die Lebensfrage der Sektion zu entscheiden und er wünsche, daß sich die Mitglieder zuvor reiflich die Sache überlegen, ehe sie ihre Entscheidung fällen. Der Zweigvereinsvorsitzende Hanke hob in seinem Korreferat hervor, daß es sich weder darum handle, den Putzern ihr Geld noch ihnen ihre Selbständigkeit zu nehmen. Der VerbandStag wollte lediglich, daß die Kräfte, die heute im BerwalwngSwesen durch die einzelnen Verwaltungen in den Sektionen nicht zweck- entsprechend verwandt werden, für notwendigere Arbeiten der Or- ganisation fieigemacht werden. Bei einer Zusammenlegung der Kassen büßen die Putzer nichts von ihren Rechten ein, denn die ein, zelnen Sektionen sollen entsprechend ihrer Größe auch im Zweig- vcreinsvorstand« vertreten sein. Daneben bleibe noch der Sek- tionsvorstand bestehen, der durchaus selbständig die BerufSintev» essen der Putzer vertritt. Die beiden Angestellten werden sellsstver» ständlich in die Zweigvereinsverwaltuny übernommen. Redner ist überzeugt, daß auch unter den neuen Verhältnissen die Jnter- essen der Putzer wirksam gewahrt werden können und deren Or« ganisatwn gefördert werden wird. In der Diskussion, an der sich auch der Gauleiter Silber- schmidt beteiligte, kamen die Befürworter und Gegner der Ver- ichmelzung fast wechselseitig zum Wort. Die verschiedensten Mio» mente für und wider wurden vorgetragen. Schließlich lehnte die Versammlung mit geringer Mehrheit ab, sich allen Anforderun» gen de? neuen Statuts zu fügen. Jedoch gab die Mehrheit zu er- kennen, daß sie sich mit diesem Beschluß nicht außerhalb deS Sta- tut? stellen wolle. Der Verschmelzung dürfte zugestimmt werden, wenn es möglich fem sollte, daß bestimmte Einrichtungen und Ver- günstigungen, die die Mitglieder unter der selbständigen Verwal» tung gehabt hatten, ihnen auch unter der gemeinsamen Verwaltung erhalten bleiben. Auf Antrag Hanke wird darauf beschlossen, ,n einer weiteren Versammlung hierüber und insbesondere über die Gruppierung deS Zweigvereinsvorsiandes zu verhandeln und Klarheit zu schaffen.„_, Alsdann wurden SzymanSki und R 0 ck m a n n als Hei«. gierte zu der am 20. November stattfindenden Gaukonfevenz ge» wählt._ Hus der frauenbewegung« MutterschastSversicherung. Damen in Spitzenblusen, seidenen JuponS und einem HuMert von einem halben Dutzend Hundertmarkscheinen salbadern über soziale Fragen, und die Regierung breitet segnend wie ein Pastor die Hände über sie und sieht im übrigen untätig zu, wie sich die Masse der erwerbstätigen Frauen und Madchen für Hungerlöhne tagein, tagaus schindet und quält und be« den unheimlichen Preis- steigerungcn durchs Leben hungert. Daran denken die fürsorg- lichen DllM.en cbenjo wenig wie ihre ftaojsjtutzenden Ehehälften, Laß Bei 5er Beutigen Verteuerung aller Lebensmittel die Ernatj- rung aller Minderbemittelten und ihres Nachwuchses zurückgehen und sie einer tiefgreifenden Unterernährung entgegenführen muh. Wie sich in den Köpfen der männlichen Staatsstützen die soziale Praxis malt, das erkennt man aus dem Ausspruch des Kabinetts- rats der Kaiserin t>. Behr-Pinnow auf der ersten Tagung zur Zentralisation der Säuglingsfürsorge in Dresden:„Deutschland kann stolz sein auf seine soziale Fürsorge!" Wie es mit dieser Fürsorge in Wirklichkeit steht, davon wissen die arbeitenden Frauen ein anderes Lied zu singen. Jedm Stück Vieh gewährt man vor der Geburt eine wochenlange Schonfrist. Für die arbeitende Frau steht das neue Reichsversicherungsgesetz eine Schonzeit von— vier- zehn Tagen vor! Und weiter glaubt die soziale Fürsorge des Staats genügend getan zu haben, wenn sie die letzt mit der Kranken- Versicherung verbundene Mutterschastsversicherung auf im ganzen sechs Wochen ausdehnt und der Wöchnerin während dieser Zeit M bis% des ortsüblichen Tagelohnes garantiert. Bei dieser völlig unzureichenden Unterstützung können Mutter und Kind glatt der- hungern. Daß Ernährung und Säuglingssterblichkeit in direktem Zusammenhange stehen, ist hundertfach nachgewiesen worden. Der Regierung erscheint das wohl als kein zwingender Grund für eine schleunige Verbesserung der gesetzlichen Grundlage. 113 000 Säuglinge gehen alljährlich in Deutschland bis zum fünften Tage zu- arunde. Schlechte Ernährung und übermäßige Erwerbsarbeit der Mutter, Ausbeutung mit einem Worte trägt die Schuld an diesem furchtbaren Zustand, aber man salbadert, staatSrettet und lobt die soziale Fürsorge Deutschlands über den grünen Klee! Wir besitzen in Deutschland Bezirke, wo nach der Statistik 93 Proz. Kinder gestillt werden und die ein Minimum der Sterblichkeit von 19 Proz. auf- weisen. In der Pfalz, wo etwa 89 Proz. Brustkinder vorhanden sind, ist die Sterblichkeitsziffer 16 Proz. Im Norden Berlins, im Arbeiterviertel, beträgt die Zahl der Brustkinder nur 39 Proz. und die Sterblichkeit beläuft sich auf die horrende Ziffer von 41 Proz.! Was uns nottut, ist eine umfassende staatliche Mutterschaftsver- sicherung, eine staatliche Mutterschaftskasse für die Gesamtheit aller erwerbstätigen Frauen, nicht nur solcher, die der Krankenversiche- rungSpflicht unterliegen. Deutschland ist auf diesem Gebiete das rückständigste Land unter den zivilisierten Ländern. Während Berlin in allen Entbindungsanstalten zusammen nur 399 Betten besitzt, verfügt Paris z. B. über ein halbes Dutzend Maternites, von denen jede einzelne mehr Betten hat. als in Berlin alle Anstalten zusammen! Selbst in Rußland, dem vielgeschmähten, ist man uns in dieser Beziehung über. In Bivskau und Petersburg liegen die Verhältnisse ähnlich so wie in Paris! Auch ein Schlaglicht auf die Richtigkeit des Wortes:„Deutschland in der Welt voran!" Bei uns verläßt man sich in den Kreisen der Staatsstützen immer noch auf die völlig unzureichende, ja oftmals geradezu gefährliche, weit parteiische„Wohltätigkeit". Glaubt man doch bei den aus privater Initiative hervorgegangenen Anstalten in ünfahlicher Unduldsam- leit, die sich mit der Betonung des„christlichen" Standpunktes gut zu vertragen scheint, unverheiratete Mütter von der Fürsorge vor, während und nach der Entbindung ausschließen zu können. Unsere Forderung muß daher lauten: Für Ehefrauen und für uneheliche Mütter muß in gleicher Weise durch das Gesetz gesorgt werden: durch Schaffung von MltterschaftSkasscn und durch Errichtung von Entbindungsanstalten in größerem Umfange, � in denen in allen Fällen, wo die häuslichen Verhältnisse die nötige Pflege von Mutter und Kind nicht gewahrleisten, berde für ausreichende Zeit ein Unterkommen finden können. Das unsagbare Eleno, wie eS heute .......— 1---- i-ich einem I Reduktion erfahren. 19099 Frauen müssen alljährlich in Deutsch- land die Geburt mit dem Tode bezahlen. Wer die siechen Mütter unter unserer Arbeiterbevölkerung kennt, wer sieht, wie durch die unheimlichen Teuerungsverhältnisse Brot, Fleisch, und was sonst zum Leben gehört, immer weniger auf den Tisch kommt, der weih auch, wo dem Tode die reichste Ernte winkt. Versammlungen— Veranstaltungen. Steglitz. Heute Dienstag. 8'/, Uhr. öffentliche Frauenversammlung im„Btrkeiiwäldchen", Schutzenstraße. Referentin: Luise Zietz. Leseabende. Bohnsdorf. Donnerstag, den 17. November, SVa Uhr, in»Villa Kahl", Vortrag. Gen. F a r w i g:»Ursprung und Wesen der Religion". Ferner Bericht über den Besuch der Erziehungsanstalt »Am Urban". nicht gewahrleisten. be,de für ausreichende Zeit ein en finden können. Das unsagbare Elend, wie es heute offen zutage tritt, daß eine Wöchnerin mit ihrem Kind nach Aufenthalt von S— 6 Tagen die Anstalt verlassen mutz, weil der Andrang zu groß mW die Fürsorgemöglichkeit nicht ausreichend ist, muh unter allen Umständen verschwinden. Dann werden auch die fürchterlichen Zahlen auf dem Schlachtfelde der Mutterschaft eine Hiid aller QXelt« Schwere Eisenbahnunfälle. tn Kalamazoo am Michigansee stieß auf einem mübergang ein Güterzug mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Neun Personen wurden auf der Stelle getötet, zwölf schwer verletzt. Zwanzig Passagiere trugen leichtere Verletzungen davon. Der über- rannte Straßenbahnwagen wurde vollständig zertrümmert. » Ein gestern früh auf der Station P o r i t s ch in Böhmen eingetroffener Gütereilzug fuhr infolge falscher Weichenstellung auf einen in der Station stehenden Güterzug. Ein Heizer wurde schwer verletzt, sechs Bahnbedten stete erlitten leichtere Verletzungen. Die beiden Maschinen der Züge wurden schwer beschädigt, zwei Güter- Waggons vollständig zertrümmert. Tolstois Aufenthalt. Das allgemeines Aufsehen erregende Verschwinden des greisen Dichters hat seine Aufklärung gefunden. Nach einem aus K a l u g a kommenden Telegramme ist Tolstoi mit dem Nachtzuge in dem im Gouvernement Kaluga gelegenen Opsinklostcr mit seinem Arzt ein- getroffen und hat am andern Morgen seine Schwester in dem zwölf Wer st entfernten Nonnenkloster besucht. Tolstoi hat versprochen, in das Optinkloster zurückzukehren. ES ist aber nicht wahrscheinlich, dah der aus der Kirche AuSgestohene im Kloster dauernden Aufenthalt nimmt. Ein Priester wegen Vergiftung des MestweinS angeklagt. Rom, 19. November.(Eig. Ber.) In Reggio Calabria findet in diesen Tagen ein Prozeh gegen den Priester N a s o statt, der beschuldigt ist, in den Meßwein seines Pfarrers Gift getan zu hoben. Am 24. Februar 1S9S— die Mühlen der italienischen Ge» rechtigkeit mahlen bekanntlich langsam— fand der Priester Albanese, daß der Mchwein einen widerwärtigen Geschmack hatte. Nach- em er einen Schluck getrunken, sagte er zum Sakristan. er möchte den Wein kosten, und stürzte dann unter heftigen Schmerzen zusammen. Beide starben am 39. Februar nach lai furchtbaren Leiben. Die Obduktion ergab ein« Vergiftung und die Untersuchung des MehweinS stellte fest, dah«r eine S'/zprozentige Sublimatlösung war. Der Verdacht fiel gleich auf den Priester Naso, der auf den Bergifleten eifersüchtig war, weil dieser die von ihm ersehnte Pfarrstelle erhalten hatte. Bei der Ver- Handlung gab der Angeklagte ohne weiteres zu, daß er ein wenig priesterliches Leben geführt hat und«in großer Freund von Ber- gnügungen ist. Den Mord stellte er aber mit aller Energie in Ab- rede und will ein Alibi erbringen. Der Schmuggler mit dem künstlichen Bein. In C o m o sind die italienischen Grenzaufseher einem merk- würdigen Schmuggel auf die Spur gekommen. Ihr Verdacht wurde durch einen Mann erregt, der mit künstlichem Bein die Grenze passierte. Man fand dann richtig in der Höhlung des Beines 47 silberne Uhren. Da der Verhastete viel zwischen Chiassa und Como verkehrte, mag er aus feiner Krüppelhaftigkeit schon recht viel Kapital geschlagen haben._ Kleine Notizen. Einäscherung eines historischen Schlosses. DaS bei Landau an der Isar gelegene Schloß W i l d t u r m, da? noch auS�der Rümerzeit stammt, ist mit sämtlichen Oekonomiegebäuden niedergebrannt. DI« Gefahr der Pcstverschleppung auS Lissabon hat die deutsche Regierung veranlaßt, Schutzmaßregeln zu ergreifen. Alle aus dem Hafen von Lissabon nach einem deutschen Hafen kommenden Sckiffe sind nach einer Bekanntmachung bis auf weiteres vor der Zulassung zum freien Verkehr ärztlich zu untersuchen. Folgenschwere Gasexplosion. In dem Eisenwerk W i t k o w i tz bei Mährisch-Ostrau fand während der Reparaturarbeiten an einem Hochofen«ine Gasexplosion statt. Mehrere Arbeiter wurden tödlich, mehrere andere leichter verletzt. Ein fünffacher Mord. In Petersburg sind gestern ein Schneidermeister, seine Ehefrau und dreiGesellen ermordet und beraubt in der Wohnung des Meister? aufgefunden worden. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Ueberfall auf einen russische» Postwage». Der von Alexandra WS k nach Beloiersk gehende Postwagen wurde am Sonntagabend überfallen und der Postillon und ein Polizeibeamter durch«ine Bombe getötet. Die Räuber erbeuteten 39999 Rubel. Schweres Bergwerksunglück. In den Bergwerken zu Angin in Frankreich verursachte eine Explosion einen Erdrutsch. Bier Berg- leute wurden von den Erdmassen begraben und getötet. Augeschwemmte Leichen. In Brest jFrankreichj sind vier Leichen von Matrosen, die mit RettungSgürteln ausgerüstet waren, an das Ufer gespült worden. Nach den Aufschriften auf den Rettungsgürteln handelt eS sich um Matrosen eines engli- scheu Dampfers._ eingegangene Druchrcbrlften. „Kommunale Praxis«. 10. Jahrgang, Heft 42—44. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin L1V. S8, Lindenstratze 69. Dt«.kommunale Praxi»- erscheint wöchentlich und kostet pro Quartal SM. Bestellungen nehmen alle Postanstalten, Buchhandlungen und Zeitungs- spedilionen entgegen. Probenummern kostenlos vom Verlag. »In freie» Stunden«. Eine Wochenschrist. Romane und Er- zäblungen sür da» da» arbeitend« Volk. Die Heste 42— 44 sind erschienen. Jede Woche ein Hest zum Preise von 19 Ps. Bestellungen nehmen alle Kolporteure und Spediteure entgegen. Probeheste vom Verlag Buch- Handlung Vorwärts, Berlin LV. 68. Der Staatsbürger Nr. 18. HalbmonatSschrist sür politische Bildung. Herausgeber: Dr. H. Dorn. 49 Pf. Fr. W. Grunow, Leipzig. SozialdemokfatisetierWatilveFeln für den lisl (1. AbteUimjf.) Den Genossen hiermit die traurige Nachricht, daß am Sonn- abend unier langjähriges Mitglied, der Schmied. Genosse Richard Möde an der Proletarierkrankheit der- starben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des AndreaS-Kirchhoses in Hohenschönhausen auS Natt. Die Genossen treffen sich V.S Uhr bei Nid. Neue Friedrichstr. SS. U«»» Vorstand. Sozisldetnokratiseher Watilvereln des 1 Bert. Reidsstags- Wahlkreises. Tode*• Anaelge. Am 12. November verstarb unser Genoffe, der Zigarremnacher Rudolf Waciismuth Freienwalber Str. 9. «hre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitfivoch, den 16. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de» französischen Kirchhofs, Pankow. Wollantstraße. au» statt. Um rege Beteiliguna ersuch, 23,>->__ Der Poniand. Um 11. November, nachmittag» 9 Uhr. verschied mein lieber. auter Mann, unser guter Bater. Sohn und Bruder Oskar Bauernfeind im 36. Lebentjahre. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen Witve Lisbetb Bauernfeind nebst Kindern. Die Beerdigung findet Bußtag nachmittag 3 Uhr von der Leichen- halle in Ober»schöneweide au» statt._ 18166 Zentral-Verein der Mauer Deutseblands. Verwaltung Berlin. Am Freitag, den 11. November, verstarb in der Irrenanstalt Buch unser langjährige» Mitglied, der Holzbildhauer >Vil!iam Rasmus Im Alter von 48 Jahre». Die Beerdigung findet heute, den 18. November, nachmittags 4 Uhr, aus dem AnstallSsriedhos in Buch statt. Die Kollegen werden um Beteiligung gebeten. 29/16 Der Vorstand. Verband der Sattler und Portefeulller. Ortsverwaltung Berlin. Am Sonntag, den l3. November. verstarb nach schwerem Kranken- ager unser Kollege Ibeodor Stavitzki (Werkstatt Robert Reicheltj. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. d. Mi»., nachmittags 2'/« Uhr, von der Leichenhalle de» Friedhose» der Psingst-Eemeinde in Weißensee, Lichtenberger Straße 111—123 au» statt Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 157/18 Die OrtSverwaltung. Die traurige Nachricht, daß mein iimiageliebter Mann, unser treusorgenoer Vater, Bruder. Schwager und Onkel, der Por- zellandreher l7S4L Karl Hollmich nach langem, schwerem Leiden santt entschlasen«st. Um stilles Beileid bittend Die tieftrauernde Gattin «edft Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 1»� d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Luisen-Kirchhose» am Fürstenbrunner Weg au» iiott. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsetella Barlin. Todes- Anzelce. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Josef Kittel gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Trauerfeier findet am >8. November, nachmittags 4 Uhr, im Rixdorser Krankenhause in Suckow statt. Rege Beteiligung erwartet 128/8 Die OrtSverwaltung. Allen Teilnehmern an der Be erdigung unserer unvergeßlichen Ber- storbenen Klara Scelttnder, Insbesondere dem Singerchor her Reichsdruckerei sage ich hiermit unseren tiesgesählten Dank. Im Namen der trauernden Hinter- diiebenen Paul Secländer. Danksastuna. ür die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Schwieger- und Großmutter allen Freunden, Bekannten und Verwandten unsern innigsten Dank. 1897b it. Zamzow. Olga und Ida HinU. Familien Elchelherg u, Schneider. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, 10— 2, 8—7. Sonntags 10—12. 2— 1 Dr.Schünemann Spezialarzt Gr Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, SSIL" jetzt Oranienstr. IS», gegenüber Kommandantenstrage. 19—2, 5—7, SonnlagS 19—12. 4i Hygienische r�mmr Beoansiru»-. neueai.Katalof m. Hmpfohl.-iol Aerrte u.Prot. erat, n fr H.«enr. Sucoiwaraatahrik Berlin NW. Pri*driclutru.e»1/9 FU 1.80 n. S.OO Kraft-Botwein Käuflich w Apotheken'.Orogen- 1 Kolonial-GeschiftM. Ober- Schoneweide, Hackepeter ! Großes Wurstessen! Bichard Schnlse, 18176 SlemenSstr. 12. 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J 43 44 118 03 226 305 97 404 12 501 705 866 902 1 256 »86 646 76[500] 88 629 86 930 2056 III 805 405 544 876 61 929 3060 288[3000] 363 96 559 796(500) 896 964 44a7 964 96 5202 16 880 652 818 6 444 57 63 525 684 781 48 52 78 882 7125 238 80[3000] 660 660 724[500] 65 8216[1000] 306 506 25 52 672 778(5001 818) 24 916 9058 142 43[3000] 98 536 703 56 10171 531 683 11033 122 64 243 653 93 675 973 12065 169 251 69 501 603 911 25 75 1 3 56 477[3000] »82 782 1500] 14102 65[1000] 215 2 7 35 72 330[1000] 471 516 681 799 1 5287 503 87 619 768 1 6043 135 13 97 418 94 511 61 716 68[600] 17085 416 58[1000] 74 610 13 1 8016 138 83 200 311 575 691 756 1 9293 308 Sl 677 78 853[5000] 902[1000] 72 20217 37 99 384 646 627 824 55 2 1 090[3000] 178 1500] 209 436 80 577[500] 649 82 739[1000] 82[500] 937 86 2 2330 79 488 93 517 52 626 50 67 91 877 981 44 23093 124 87 228 302 504[500] 854[1000] 2 4014 377 94 425 582[600] 712 58 2 5058[10 000] 75 113 45 338 73 6(9 »8 819[1000] 68 970 2 6168 240 327 2 7 528 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Gewinnrade verblieben; i Prämie zu 300 000 II. 1 Gewinn in 600 000, 1 zu 200 000, 1 zu 150 000, 1 zu 100 000, 2 ZU 80 000, 1 ZU 70 000, 2 ZU 60 000, 3 zu 50 000, 3 ZU 40 000, 10 zu 30 000, 19 zu 15 000, 60 zu 10 000, 124 zu 5000, 1797 ZU 3000, 2328 ZU lOOO, 4540 ZU 600 6. Ziehung 5. KL 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 14. November nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den beireflenden Kummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachchuek verboten.) 43 177 248 328 918 45 1 006 310[3000] 489 636 75« TO 981[1000] 2199 21.« 622 59 864 3 313 22 532 9« 720 652 4478 505 50 711 20 821 33 976[SOOO] 5113 30 274 351 428 51 674 941 6005 63 7043[500] 430 55 510 (500) 693 823 74 8320 530 37 42 48 13000] 700 30 875 84 960 9155 392 653 Ol 926 80 1O031 160[1000] 327 72 547 793 II1" 20 47 203 488 571 723 60[ 500] 89 949 1 2124[600] 52 479 585 724 34[500] 834 53 63 1 3100 389 715 872 1 4014 418[ 3000] 502 7 896 1 5004 85 123 37 243 870 438 599[1000] 761 868 1 6527 81 629 946 1 7022[500] 33 223[600] 312 423 506 713 55[1000] 855»68[SOOO] 74 1 8210 355[500] 524 622 772 75 819(5001 31 923 53 1 9020 348 523 66 «83 90 907 46 2O?09 193 232 364 497 653 2 1310 563[500] 22023 31 209[1000] 12 309 39 771»81 23109 68 831 52 429 73 706 2 4090 176 858 2 5 211 99 582»41 66 58 953 2 6043 48 234 33 460 518 823 946 2 7052[1000] 228 79 392 409 [3000] 43 702 7 889[500] 2 8068 109 501 643 62[1000] 29197 318 434 645 83 942 58 30148 203 453 939 3 1 083 615»S[500] 913 49 32225[500] 318 27[500] 604 863 3 3212 455 637 962 3 4035 675 612 97 724 69[500] 35175 422[1000] 717 813 68 916 3 6036 414 549 03 829 79 944 37195[500] 420[1000] 64 633 89 895 3 8043 75[MO] 691 718 69 3 9257 64 479 512 773 814 921 66 40211 679 722 23 803 4 1 016 579 708 881 42008 891 430 66 4 3 076 434 719 4 4108 99 247 816 46 632 788 914 45114 29 791 903 4 6020 109 427 685 4 7240 60[500] 318 419 753 880«6 917 2 7 4 8063 86 179 373 668 759 49142 294 353 479 667[5000] 748 863 50041[500] 165[500] 59 233 73[1000] 327 91 509 31 85 678 833 75 929 51170 84[500] 207 364 6« 743 85 929 5 2129(500] 317 792 926 5 3354 456 585 919 54106 17[500] 66 255 324 5519» 305 787 90 56080 111 24 296 411 678 703 5 7425 65 554«57 700 60 832 73[500] 58063 89 112 30 38 469 83 637 637 833 932 59110 32 94[lOOO] 246 83 424 532[1000] 615 69033 227 79 591 751 82 6 1 497 670 606 712 884 98 62157 357 470 547[5001»8 731 934 63231[1000] 401 [500] 546 674 854 913 6 4050[lOOO] 58 83 433 54 782 851[500] 997 65009 194 261 316 54 457 73[500] 509 22 614 15 957 6 6081 188 285[SOOO] 346 82 4SI 611 62 67141 98 337 544 759 6 2 6 8030 113 45 597 604 6 9 384 95 43» 509 95 615 749 998 79045 422 531 39 65 7 1 416 504 868 926[500] 63 [1000] 7 2269 342[3000] 698 962 7 3094 125 46 60 265 329[3000] 61 493 564 7 4014 151 300 48 414 21 34 561 916 7 5075 112 279 420 590 790 7 6005 140 315 489 640 621 700 38 66 816 54 977 7 7056 114 45 980 7 8039 246 640 948[500] 65 79087[1000] 109 212 38[1000] 346 47 446 «57 62 797 821 8O0I5 177 245 353 68[3000] 75 90 621 28 52 92 779 981 94 8 1 213 409 661 780 13000] 828 62 976 82113 632 953 58 83032 386 632 90 765 817 996 84155 67 70 78 321 418 551 747 845 90 8 5001 281 365 600 8 6519 848 87007[500] 44 58 207 749 81 804[lOOO] 38 963 88365 614 55 81 850 931 89 236 409 597 755 362 03[1000] 90148 61 271[500] 749[3000] 873 902 91355 57 431 680 703 908 9 2138 318 35 60 651[500] 933 93018 157 574 615[500] 777 911 94103 7 216 718 20 816[500] 72 88 943[1000] 95016 49[ 500] 341 81 571[500] 609 705«6 804 96120 70 460 699 9 7015 694 789[1000] 94 859 89 9 8 014 63 345 606[1000] 990 99179 230 349 53 528 670 745 90 995[500] 100394 502 61 662 98[500] 711 93 962 1 9 1 00» 21 72 17» 333 40 84 461 MS 69 701 800 64 79 102087 167 210 729 818 917 103 11 60 119 50 99 227 369 1 0 4 236 SM 34 63 431 105139 209 21?55 404 761 106155 309 412 918 87 1O7000 215 DOS 096 751 108003 235 350 37 450 63 634 754 909 03 1 99 088 219 84 637 632[1000] 703 71 91 880[500] 959 119643 46 751 925 918 51 91 11 1011 119 281 402 41 610 962[3000] 112013 383 468 577 636 721 113109 289 [500] 91 657 743 68 854[1000] 965 114003 38 42 77 552 701 16 877 909 11 5502[3000] 978 116305 53[3000] 482 651 712 826 63 117023 CO 118U3 221 64 406 992 119146 343 505 70 71 803 120 255 309 401 22" 700 819 1 2 1 004 23 95 108 73 214 443 73 629 50 783 1 2 2 023 292 300 7 28 542[500) «4 717 1 23030 IlOOO) 285 307 573 788[600] 879 923 83 124009[1000] 177 99 371 469 92 890 095 1 2 5 240[3000] 53 385 630 810[1000] 99t 1500] 126153»44 41.55 127129 229 51[3000] 312 89 456 62 600 788 1 28075 293 323 410 63 87 561 129014 53 362 80 460 721 51 648[500] 848[500] 943 59 130034 413 1500] 61 665 633 743 856 96 920 1 3 1 913 454 508 613 1 32153 467 92 604 36 869 1 33(3? 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Für bes Qnfeiatenteirbeianhvj TH.Gl»cke, Berlin, Druck u.«erlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSqnftalt Paul Singer Lc Co.. Berlin SW, Dr. 268. 27. Jahrgang. ßtilnjf 1».Amiirts" Dtllim NcksdlÄ. Diwstxg. 15. ilmimkt 1910. SlirtfchaftlictKr Nochendmchl. Berlin» 14. November 1910. Die Zuckcrsteuer als Konsumhemmcr.— Prämienwirtschaft.— Produttionseinschränkung in Deutschland.— Technischer Fortschritt und Preiscntwickclung.— Zunahme der Rohrzucker- eTzeicguno.— Rübcnzuckcrkultur in Amerika.— Die Notwendigkeit einer Preisermäßigung für Zucker. Zucker gehört, physiologisch betrachtet, zu den besten Nahrungs- Miiieln. Daß er es in Deutschland aus wirtschaftlichen Gründen now nicht geworden ist, verdanken wir unserer Liebesgaben-Steuer- Politik. Würde Zucker nicht künstlich verteuert, dann brauchte diese süße und vor allem nahrhafte Speise in keinem Haushalt zu fehlen. Unsere agrarische Steuerpolitik hält den Konsum des deutschen Zuckers in Teutschland in engen Grenzen, gleichzeitig schuf sie die Möglichkeit, deutschen Zucker zu Preisen, die sich weit unter den einheimischen hielten, auf den Weltmarkt zu bringen. Die Steuer, die der deutsche Verbraucher zahlen mußte, diente vorwiegend dazu, den Produzenten Exportprämien zu gewähren. Infolge dieser Politik war deutscher Zucker im Auslände bei weitem nicht so teuer als im Erzeugungsland; in England z. B. kaufte man ihn durchweg pro Pfund um 10 bis lö Pf. billiger als bei uns. Diese Politik hatte zur Folge, daß der Rohrzucker der englischen Kolonien mit dem deutschen Rübenzucker in England nicht konkurrieren konnte und der deutsche Rübenzucker dort die Grundlage schuf zu einer lukrativen Zuckerwarenindustric. Die inländische Bevölkerung wurde somit doppelt geschädigt: einmal erschwerte die hohe Steuer, die seit ld96 pro Pfund 10 Pf. betrug, den Konsum von Zucker, dann erlitt die deutsche Zuckerwarenindustrie eine Schädigung, indem der billige deutsche Rübenzucker das Hochkommen einer konkurrenzfähigen Zuckerwarenindustrie im Auslande begünstigte. So etwas geniert die„Schützer der nationalen Arbeit" natürlich nicht; Zweck und Ziel aller ihrer Maßnahmen ist ja das Wohl des eigenen Portemonnaies. Die Prämienwirtschaft führte jedoch zu so unhaltbaren Zu- ständen, daß schließlich gegen den Willen unserer Agrarier die Brüsseler Konvention im Jahre 1909 mit der Mißwirtschaft etwas aufräumte. Die Prämienzahlung wurde verboten und weiter be- stimnit, daß der Zoll die inländische Steuer nur in bestimmten Grenzen übersteigen dürfe. Die Folge davon war eine Ermäßi- gung der Steuör von 20 auf 14 M. pro Doppelzentner. Ter Eingangszoll, der früher 40 M. betragen hatte, wurde auf 20 M. ermäßigt. Im Jahre 1900 erfolgte eine Verlängerung der Kon- vention bis zum Jahre 1911. Der Ablaufstcrmin rückt allmählich heran, es ist daher wohl angebracht, sich mit der Frage der Neu- Ordnung der Verhältnisse zu beschäftigen. Und da erscheint vor allem die gänzliche Aufhebung der Steuer zwingend notwendig; sowohl im Interesse der Konsumenten ckls auch in dem der gesam- tcn Zuckcrindustrie. Die Steuerermäßigung ließ den Konsum im Jnlandc steigen. Während im Jahre 1901/02 der Verbrauch pro Kopf der Bcvölke- rung sich erst auf 11,0 Kilogramm stellte, stieg er im Jahre 1903/04 plötzlich auf 17,2 Kilogramm. In den nächsten Jahren sank der Verbrauch allerdings etwas, er stieg aber bald wieder und erreichte im Jahre 1908/09 den Satz von 17,0 Kilo- gramm. Weiter Preisermäßigungen als Folge von Stcuerhcrab- jctzungcn würde» den Verbrauch naturgemäß noch mehr heben. Am 1. April 1909 sollte die Steuer von 14 auf 10 M. ermäßigt werden. Jedoch war dabei Voraussetzung, daß bis dahin eine neue Steuer mit einem Erträgnis von 35 Millionen Mark eingeführt worden sei. Tie Reichsfinanzreform bürdete nun zwar dem Volke eine neue indirekte Steuerlast von mehreren hundert Milli- öncn Mark auf, aber weil man damit das Loch im Reichssäckel noch nicht stopfen konnte und die Besitzenden nicht zahlen wollen, bleibt die Zuckersteuer von 14 M. weiter in Wirksamkeit. Die deutschen Konsumenten müssen deninach für deutschen Zucker auch fürderhin noch 7 Pf. Steuer pro Pfund bezahlen. Es hieße Wasser in die Spree tragen, wollte man erst noch nachweisen, daß solche Steuer den Konsuin hemmt. Macht doch die Steuer einen Betrag aus, her dem Marktwerte von zirka 13 Millionen Doppelzentnern SIeichkonimt. Ohne die Steuer könnte das Volk demnach so viel hicker mehr konsumieren, ohne daß ihm dafür ein Pfennig mehr Ausgabe erwüchse. In ihrer Kurzsichtigkcit und Volksfcindlichkcit versuchen die Agrarier durch Produktionseinschränkung�den Preis hoch zu halten, anstatt durch Vcrbilligung der Produktion den Konsum zu för- der». Um das Angebot abzuschwächen, wurde die Anbaufläche ver- ringert. Im Jahre 1903/09 betrug die mit Zuckerrüben bebaute Fläche nur 430 185 Hektar gegen 478 740 Hektar im Jahre 1901/02. Im letzten Jahre war auch die Ernte schlecht, so daß trotz verbesser- tcr Technik nur 19 803 870 Doppelzentner Rohzucker gewonnen wurden gegen 21 823 005 Doppelzentner im Jahre 1901/02 und S3 147 792 Doppelzentner im Jahre 1905/00. Geringerer Anbau bedingt natürlich auch eine Verminderung der in der Zuckerindustrie verwendeten Arbeitskraft; andere Fak- toren: verbesserte Technik und Betricbskonzentration, wirkten in der gleichen Richtung. Im Jahre 1890/91 waren z. B. 400 Fa- briken in Betrieb; die Zahl der verwendeten Dampfmaschinen stellte sich auf 4710, die 08 091 Pferdestärken indizierten und in zwölfstündiger Arbeitsschicht 1342 Doppelzentner Rüben verarbeite- tcn, wobei aus einem Doppelzentner Rüben 12,09 Kilogramm Roh- zucker gewonnen wurden. 1908/09 ein ganz anderes Bild. Die Zahl der Fabriken ist auf 358 zurückgegangen, die der Maschinen auf 5925 und die der indizierten Pferdestärken auf 100124 ge- stiegen. Jetzt wurden in einer 12stündigen Schicht 2810 Doppel- zentner Rüben verarbeitet und ein Doppclzentner Rüben ergab 10,77 Kilogramm Rohzucker. Ein gewaltiger technischer Fort- schritt! Die Konsumenten haben davon wenig Vorteil. Im Jahre 1899 kostete nach Magdeburger Notierung ein Doppelzentner Roh- zucker ohne Sack, 88 Proz. Ausbeute, 3 Monate Ziel, 21,8 M., im Jahre 1908 nicht einmal 2 M. weniger, es mußten noch 20,0 M. gezahlt werden, im nächsten Jahre ging der Preis sogar wieder aus 21,2 M. hinauf. Raffinade kostete 1899: 48,9 M., im Jahre 1909: 41,7 M. Von einer mit der technischen EntWickelung parallel laufen- den Preisbewegung kann gar keine Rede sein. Das Hochhalten der Zuckerpreise hat nun eine unseren Agra- riern sicher unbequeme Wirkung gezeitigt. Im Interesse des Volkes ist sie jedoch nur zu begründen, denn sie berechtigt zu der Hoffnung, daß sie eine Herabsetzung der Zuckerpreise bewirkt. Die technische Entwickelung hat auch die Rohzuckererzeu- gung auf eine neue Basis gestellt; gleichzeitig haben die Beschlüsse der Brüsseler Konvention der Konkurrenzfähigkeit des Rohrzuckers eine neue Stütze gegeben. Eine Gegenüberstellung der Produk- tionsziffern illustriert die EntWickelung: Vor 10 Jahren war die Wclterzeugung an Rübenzucker mit rund 00 Millionen Doppelzentnern ungefähr doppelt so groß, als die Erzeugung von Rohr- zucker. Die Rohrzuckerproduktion hat nun aber solche Fortschritte gemacht, daß deren Ertrag für das Jahr 1909/10 ebenfalls auf rund 00 Millionen Dopelzentner geschätzt wird, während anderer- seits die erzeugte Rübenzuckcrmenge über dieses Quantum nur unwesentlich hinausgehen dürfte. Hält diese Entwickelung weiter an, und es spricht nichts dagegen, dann wird der Rohrzucker dem Rübenzucker bei dem Hochhalten der jetzigen Preise auf dem Weltmarkte eine vernichtende Konkurrenz bereiten. Sicherlich ist der amerikanische Markt für europäischen Zucker verloren. Da- durch wächst naturgemäß der Wettbewerb mit dem Rübenzucker auf den europäischen Märkten. Zudem droht nun dem euro- päischen in dem amerikanischen Rübenzucker eine scharfe Kon- kurrenz. Das amerikanische Kapital ist eifrig dabei, vornehmlich auf Kuba eine leistungsfähige Rübenzuckerindustrie erstehen zu lassen. In den westlichen Staaten der Union sind bereits 10. Rüben- Zuckerfabriken in Betrieb, die täglich Vs Millionen Doppelzentner Rüben verarbeiten können. Im Jahre 1907 waren rund 52 800 Acres Mit Zuckerrüben bebaut, im Jahre 1908 aber bereits 72 700 Acres und im Jahre 1909 schon rund 93 300 Acres. Die gelieferte Rübenmenge betrug im Jahre 1907 rund 9 090 300 Zentner, sie stieg im Jahre 1908 auf 12 941700 Zentner und erreichte im Jahre 1909 die Höhe von rund 17 041 700 Zentner. In Kali- fornien stellte sich die Zuckerproduktion im Jahre 1907 auf 1 400 500 Zentner und im Jahre 1909 bereits auf rund 2 545 400 Zentner. Der durchschnittliche Zuckergehalt der Rüben betrug im letzten Jahre 17,01 Proz. Sicherlich wird auch diese Produktion noch erheblich gesteigert werden, so stark, daß der Rübenzucker Amerikas und der koloniale Rohrzucker einen scharfen Wettkampf auf dem Weltmarkt hervor- rufen. Dagegen zu rüsten durch eine schnelle Beseitigung der Zuckersteuer, ist der sicherste Weg, um die Entwickelung in den Dienst des Volkswohles zu stellen. Die Ermäßigung und baldige Aufhebung der Zuckersteuer würde nicht nur den Konsum im privaten Haushalt ganz außerordentlich heben, solche Maßnahme bätte auch eine bedeutende Befruchtung der Zucker verbrauchenden Lebensmittelindustrien, speziell der Zuckcrwarcn herstellenden Ge- werbe im Gefolge.'_ D. Gerichte- Zeitung. Gin bedenkliches Vorkommnis ans dem Arbeitsnachweis der Berliner Fleischerinnung. stand im Mittelpunkt einer Privatbcleidigungsklage, die gestern vor dem Schöffengericht Verlin-Mitte verhandelt wurde. Das wesentlichste» was in der inehrstiindigen Verhandlung festgestellt wurde, ist folgendes: Vor vier Jahren wurde ein Führer der gelben Bewegung, der meistcrtreue Altgeselle Brednow wegen Beleidigung des Vorsitzenden des Zentralvcrbandcs der Fleischer, Genossen Hensel, verurteilt. Einer der Zeugen, welcher Brednow erheblich belastete, der Schlächter- geselle Bartz, bekam nach diesem Prozeß lange Zeit keine Arbeit auf dem Arbeitsnachweis der Innung. Er brachte das in Zu- sammenhang mit seiner Zeugenaussage gegen Brednow. Bartz schickte seinen Vater zum Arbeitsvcrmittlcr der Innung, dem Sprechmcistcr Dräbert. Auch durch das, was Bartz von seinem Vater über dessen Gespräch mit Dräbert erfuhr, wurde er bestärkt in seiner Meinung, daß er wegen seiner Aussage gegen Brednow auf der schwarzen Liste stehe.»Wir kennen unsere Pappenheimer" hatte Dräbert auf die Frage� von Bartz' Vater, warum sein Sohn keine Arbeit bekomme, geantwortet. Was war unter diesen Um- ständen begreiflicher, als daß der Schlächtergeselle Bartz versuchte. sich dem Arbeitsvermittler gegenüber zu rehabilitieren, um von der schwarzen Liste gestrichen zu werden. Bartz ist nach dem Ein- druck, den sein Auftreten vor Gericht machte, ein recht konfuser Mensch, der wohl die Tragweite seiner Worte und Handlungen nicht beurteilen kann. Aber, wie man es zunächst anfangen muh, um sich bei dem Sprechmeister in ein gutes Licht zu setzen, das scheint er doch gewußt zu haben.— Mit dem Arbeitsnachweis der Schlächterinnung ist ein Restaurant verbunden, welches der Sprech- Meister Dräbert führt. Dort machte Bartz im Juni vorigen Jahres mit anderen Kollegen eine größere Zeche. Es wurde Bier aus- gewürfelt. Bartz war so vom Biergcnuß beeinflußt, daß ihn seine Kollegen für„besoffen" erklärten. In diesem Zustande ging er in das Privatkontor des Sprechmeisters Dräbert. Dort war auch Brednow anwesend, der mit Dräbert eine Weisse trank. Ob nun Bartz oder Dräbert und Brednow das Gespräch auf die bewußte Zeugenaussage brachten, steht nicht sicher fest. Doch waren diese drei Personen sogleich in eine solches Gespräch verwickelt, zu dem später auch Dräberts Buchhalter Hempcl hinzugezogen wurde. Bei dieser Gelegenheit soll Bartz sich selbst bezichtigt haben, daß er im Prozeß Hensel gegen Brednow einen Meineid geleistet habe, wozu er von anderen Zeugen, die auf Honsels Seite standen, veranlaßt worden sei. Hempel fertigte ein Schriftstück an, worin dieses angebliche Bekenntnis des Bartz enthalten ist und legte es Bartz zur Unterschrift vor. Dieser hat es unterschrieben, doch behauptet er, er sei so betrunken gewesen, dass er gar nicht wußte, nm was es sich eigentlich handelte. Nichtig ist— das gab selbst Dräbert vor Gericht zu—, daß Bartz bei diesem Besuch in Dräberts Privat- kontor zwei Flaschen Wein bestellt und bezahlt hat, sowie einige Kognaks. Diese Getränke sind von Dräbert, Brednow und Bartz gemeinsam verzehrt worden. Bartz hat dafür 8,25 M. bezahlt, die dem Sprechmeister Dräbert in seiner Eigenschaft als Schankwirt zugeflossen sind. Nachdem man den Arbeitslosen auf diese Weise um 8,25 M. im Kontor des Sprechmeisters erleichtert hatte, wurde — das„Geständnis" des Bartz der Staatsanwaltschaft übergeben, damit sie wegen Meineides gegen ihn einschreite. Die Vorunter- suchung gegen Bartz ist auch eingeleitet worden, nach Abschluß derselben aber hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren mangels Beweises eingestellt. Die Verfertiger des„Geständnisses" haben außer der Staats- anwaltschaft auch der Presse Mitteilung von der Sache gemacht. Die„Post" und andere Scharfmacherblätter haben vor Jahresfrist das angebliche„Geständnis" in ihrem Sinne ausgeschlachtet. Sie stellten es so hin, als hätten sie nun endlich einen Fall gefunden, der sich als Beweismittel verwenden ließ für ihre Behauptung, daß es Sozialdemokraten gar nicht darauf ankomme, Meineide zu leisten, um einen Genossen herauszureißen.— Während Bartz nur davon gesprochen haben soll, daß ein gewisser Premier und andere ihm nicht bekannte Personen ihn beeinflußt hätten, erschien in dem„Geständnis", welches öffentlich ausgespielt wurde, die Behauptung, Hensel selbst habe Bartz zum Meineide verleitet. Als Bartz sah, welcher Gebrauch von seinem angeblichen„Geständnis" gemacht wurde, scheint ihm die Tragweite seiner unüberlegt gcgc- bcncn Unterschrift bewußt geworden zu sein. Er ging nun»n- aufgefordert nach dem Bureau deS Verbandes der Fleischer und erklärte dort, das„Geständnis" habe er auf Veranlassung von Brednow und Dräbert in Trunkenheit abgegeben; diese hätten ihm erklärt, er könne es ruhig unterschreiben, es werde von dem Schriftstück kein Gebrauch gemacht, es solle nur zur Rechtfertigung Brednows dienen. Was in dem Schriftstück siehe, sei nicht wahr. Gegen die in der Scharfmacherprcsse erschienene Verleumdung Hcnsels wehrte sich dieser in dem Organ seines Verbandes. Brednow, als der mutmaßliche Urheber der ganzen Sache, wurde daher scharf mitgenommen. Auf Grund dieses Zeitungsartikels hat nun Brednow gegen Hensel wegen Beleidigung geklagt. Diese Klage ist es, in der gestern der vorstehende Tatbestand festgestellt wurde. Während Dräbert und Hempcl als Zeugen angaben, Bartz habe sein„Geständnis" in völlig nüchternem Zustande und ganz freiwillig gemacht, behauptete Bartz als Zeuge/er sei vollständig betrunken gewesen. Schon im Restaurant Dräberts habe er viel Bier getrunken und oben, in Dräberts Privatkontor, sei»das Saufen erst recht losgegangen". Weiter sagte der Zeuge, was er vor vier Jahren in dem Prozeß Hensel gegen Brednow aus- gesagt habe, entspreche durchaus der Wahrheit, er sei nicht bccin- flußt worden. »iechtsanwalt Ulrich, welcher den Kläger Brednow vertrat, suchte Stimmung zu machen mit dem Hinweis, daß der Beklagte Leiter einer sozialdemokratischen Gewerkschaft sei, der seinen poli- tischen Gegner schwer beleidigt habe und deshalb empfindlich be- straft werden müsse. Rechtsanwalt Dr. Hcincmann erhob als Verteidiger des Be- klagten Hensel Widerklage und stützte dieselbe darauf, daß Brednow das den Beklagten beleidigende„Geständnis" verbreitete und den- selben auch in einem diese Angelegenheit behandelnde� Artrkel der „Deutschen Fleischerzeitung" beleidigt habe. In seinem Plaidoher kennzeichnete der Verteidiger mit aller Schärfe das verwerfliche Verhalten, welches darin liegt, daß man einem armen Arbeitslosen erst 8,25 M. für Wein abnimmt, mit ihm zusammen trinkt, ihn dann anf Eirund des angeblichen Geständnisses denunziert und die Sache in einer Weise in die Oeffentlichleit bringt, die für den Beklagten schwer beleidigend ist. Hiergegen habe sich der Beklagte gewehrt, er habe lediglich berechtigte Interessen vertreten und müsse freigesprochen werden. Das Gericht kam zu einer Freisprechung des Angeklagten. Da sich unter diesen Umständen nach der herrschenden Rechtspraxis ein Eingehen auf die Widerklage erübrigt, so wurde das Wider» klagevcrfahren eingestellt. Die Kosten wurden, dem Kläger auf» erlegt.— In der Urteilsbegründung sagte der Richter unter anderem, es sei nicht erwiesen, daß der Beklagte Hensel den Zeugen Bartz zum Meineide verleitet habe. Im Bewußtsein seines guten Gewissens und seiner völligen Unschuld habe sich Hensel gegen die ihn verdächtigenden Artikel der„Post" und der„Deutschen Fleischer- zeitung" gewehrt» gestützt auf die Angaben der ihm von Bartz ge- wordenen Mitteilung, dieser habe nicht freiwillig, sondern in völliger Trunkenheit das Schriftstück im Kontor Dräberts unter- schrieben. Wenn auch der Beklagte scharfe Ausdrücke gebraucht habe, so seien diese aus den Umständen zu erklären, auch seien die Aeußerungen unter dem Schutz des Z 193 gemacht. Bcreinsvcrgnügcn oder öffentliche Tanzlustbarkeit. Der Zweigverein Thorn des Vevbandes der baugcwcrblichen Hilfsarbeiter hatte beim Gastwirt Salewski ein Vergnügen abge» halten, bei dem man sich, eben weil es ein Vereinsvergnügen ivar� an die Polizeistunde nicht kehrte und zu dem man aus demselben Grunde keine polizeiliche Erlaubnis eingeholt hatte. Die Behörde sah aber das Vergnügen als öffentliches an und machte den Gast- Wirt verantwortlich wegen der Nichteinholung der Erlaubnis und wegen Uebertretung der Polizeistunde.— Die Strafkammer sprach jedoch den Angetlagtcn frei und führte aus: Die Entscheidung sei abhängig davon, ob es sich um eine öffentliche Tanzlustcharkcit handelte oder um das Fest einer geschlossenen Gesellschaft. Das letztere müsse angenommen werden. Nur Mitglieder und ftjre Angehörigen seien zu dem Vergnügen eingeladen worden. Andere Personen, abgesehen von noch einigen eingeladenen Gästen, hätten keinen Zutritt gelabt. Nun habe zwar der Zweigvereiw 120 Mit- glicder und die Mitgliedschaft werde auch nicht allzu schwer er- warben. Trotzdem müsse hier angenommen werden, daß es sich bei den Teilnehmern um einen nach außen abgeschlossenen Kreis von innerlich miteinander verbundenen Personen handelte und somit um eine geschlossene Gesellschaft, die weder an die Polizeistunde gebunden'war noch einer Erlaubnis bedurfte. Das Kammergericht verwarf die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision mit der Begründung, daß das Landgericht ohne Rechtsirrtum das Gesetz auf den festgestellten Tatbestand a»ge» wendet habe. Mit Recht sei Freisprechung erfolgt. «vitterunftsnoerftckit vom 14. November l»!«. morgen« 8 Ndr. vtationen le o 2j ja S ZI swmcmde 1 753 SD Hamburg 745©D Sellin 1752 SO gnmkf.a M 749 Still ihümfieu 1755 SD Wien 757 SO Wetter 7 wollig 5Ncgeli 3 bedeckt Dunst 1 bedeckt 1 heiter aai C®' all i? mS> «tatlonen Ss |e. H a c ä 5 = S ef Savaranda 76431 eterSburg 764 NW Scilly ckberdee» Pari« 739 WNW 732 O 745 SW I Setter rfK C* 1* Mi 2 bedeckt—14 1 Schnee—1 7 halb 6b. 9 8 10 3 bedeckt 6 bedeckt «Vetterprognose für Dienstag, den IS. November IS10. Zunächst wärmer, vorwiegend trübe mit Regensällen und etwa» leb- hasten südwestlichen Winden; später wieder langsam ausklarend und etwas kühler. Berliner Wetterbureau. Achtige deutsche Seleuchtungs strumpf ist diese Kufgabe glänzend gelöst! Jedermann befitzt nun ein vollendetes, preiswertes Fabrikat, das in seiner enormen Lebensfähigkeit und zähen Haltbarkeit nnübertroffen dasteht! Diese sehr preiswerten Brnno-GiithKörper find in allen einschlägigen verkanssgeschästen erhaltlich: verlangen Sie.ansdrncklich nur Vruno-Slühstrümpfe! Verkaufsstellen weist die ölUW' GlöhWtt'VM.' Gtsöllslh. Bttllfl, BtüOIDftt. 19. bereitwilligst nach! Chemiker haben jahrelang kostspielig experimentiert. um einen unzerbrechlichen Glllhkörper zu Kon» ftrnieren! 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Noveniber, abends 7 Uhr Beleuchtet durch 500000 Normalkerzen Feerie „Am Nordpol" aOO Elslanf-Künstler Unter Mitwirkung des Kosleckschen Bläserbundes — Trompeterchor des LeibsOarde»Regts.— Künstlerische HauS'Kapelle Restaurant 6000 Personen. Yorverkanf in den Warenhäusern Hermann Tietz und ständig an der Rasse. V olgt-Theater Geiundbrunncn, Badstraße 53. Gastspiel in Puhlmann« Theater. Schönhauser Allee 448: Dienstag, den 13. November 1010: Der Gewissenswnrui. Bauernkomödie mit Gesang in 3 Akten von L. Anzengruber. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr dLlt-noabU 47/48. Donnerstag, den 17. November: Dil Smihfiilkriht. Schaufp.in 4 Aufz. v. E. v. Wildenbruch Kasseneröstn. 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. Nach der Borstellung: Tanz. Reichshallen-Tiieater. Stettiner Sänger. „Im ftelocli" Miiit. Humor, v. Mcysel. € Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. floUschuhbaha Kurfürstendamm 151 Heute Letztes Auftreten von ni IGeDtil, der bfasillanlsetie Apollo ■ The Qandy Children ä Folies Caprice. 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Bortrab und Rezitation des Genoffen Zimmermann über: „Aus dem literaiischen Schaffen unserer Zeit!'— 2. Verschiedenes. Räch der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. s». Süden n. Südost 1. Vortrag der Kollegin Frau L u n g« t tz über: hohen Lebensmittelpreisen.-— crschiedcnes. Räch der Versammlung: Schutz gegenüber den ü. Set"" »Der wirksamste 2. Diskussion.— Gemütliches Beisammensein. Für 8p&l)llau bei Gottwald,«chönwatdcr Strafte 80. 1. Vortrag des Kollegen S e w e k o w über:.Die Brandschatzung der deutschen Arbeiterklasse durch indirekte Steuern!"— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der Gene alversammlung. Die Mitglieder werden ersucht, ihr« Frauen mitzubringen. Für OkCr-�küßLVLldk 6(1 Rabe,«ilhelmwenhofstr. 43 1. Vortrag des Kollegen BrunS:.Butztagstimmuna'— 2. DiS» kusfion.— S. Bericht von der Generalversammlung.— 4. Verschiedenes. Für RlZdOrf bei Geliert, Steinmeftftr. 93. 1. Vortrag de« Kollegen Rücket:.Die Ausplünderung der Arbeiter- blaffe durch indirekte Steuern!*— 2. Diskussion. Räch der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. . der Ardeiter> Stricht von der Donnerstag, den 17. November, abendS 8'/, Ahr: Für NOrdBD bei Krämer, Husflteustr. 40. I. Vortrag des Genoffen Zimmermann über:.Die Geschichte de» preusiitchcn Junkertums-— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der Generalversammlung.— 4. Verschiedenes. Für Nordwest bei Klrsebkowsld,«euffelftr. 9. 1. Vötting de« Kollegen R ü ck« r:»Die Br> klaffe durch mdirckte Steuern-— 2. Diskussion. Generalversammlung.— 4. Verschiedenes. Für OSteD bei Roth, Straftmaunstr. 29. 1. Vortrag de» Kollegen Bruns:.ZeiitralisationSbcstrebungen inner balb der GewerkschastSbeweglmg,"— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der Generalversammlung.— 4. Verschiedenes. Für Ciiarlottenburg im Volkshansc,«osiue«»?. 8. 1. Vortrag des Kollegen Sewekow:.Generalstreik oder Massen� streik."— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der Generalversammlung.— 4. Ausnahme neuer Mitglieder.— 5. Verschiedene». Für lege! bei Kakle»,«erltucr Str. 92. 1. Vortrag de» Kollegen Bentin:„Die Scharfmacher an der Arbeit.-— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der Generalversammlung.— 4. Verschiedenes. Für SChSlieberg bei Franz, Dempelhofer 8t«, 18a. .Ausnahmegesetze für die Ar» cht von der Generalversammlung.— t. Vortrag des Kollegen Weifte: deiter?-— 2- Diskussion.— 3. Bericht 4. Verschiedenes. Sur Weißensee bei Content, Sehderstr. 5. 1. Vortrag des Kollegen Bennewitz:.Die Arbeiterbewegung und ihre Gegner."— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der Generalversammlung. — 4. Verschiedenes. Sonntag, den so. November, vormittags S'/z Uhr: Gruppe der Kunststeinarbeiter im„Rosenthaler Vcreinshaus", Rosenthalcrstr. 67. 1. Bericht von der Generaloersammlung.— 2. Diskussion.— 8. Sie stellen wir unS zu», kommenden Frübjahr i Für Adiershof � Kam.»»«««»»«. i«. 1. Dortrag des Genoffen Zabel über:„Die Gewerbeordnung und die Richte de«, Arbeiters.-— 2i Diskussion.— 3. Neuwahl eine» Bezirks- letter« resp. SchrisisührerS.— 4. Berichte.— 5. Verbandsangelegenheiten. Für Rummelsburg D. Ding. � Rlnme, Sllt.Boxhagen so. 1. Vortrag des Kollegen Brun«: ,Zentralisatton«bestrebungen inner- halb der Gewerkschaften.-— 2. Diskussion.— 3. Bericht von der General- Versammlung.— 4. Verschiedenes. Sonntag» den 20. November, nachmittags 4 Uhr: Für Reinickendorf bei HGokltakrt. Eichbornstr. 18. l. Vortrag der Kollegin L u n g w t tz i„Die wirtschasttiche und polltische Unfreiheit der deutschen Arbeiterschast."— 2. Dt«kulsion.— 3. verschiedenes. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensei«. Di« Kollegen werden ersucht, mit ihren Frauen recht vollzählig zu erscheinen. »4/5» Rio Ortaverwaltnng. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 17. November, abends 8% Uhr» in Hoppe? FeMlen, Hermannstraste 40: JHItgUcdcr-Terfafiintluiig. Tagesordnung» 1. Vortrag de« Redakteurs 81. Kayaer. t. VerbandSangelegenheiten. 93/9 Grotes Anisehen Martin Katz «rreffen die enorm billigen Preise bei Schneidermeister Dresdener Straße 76, nahe den Thaliatheater t- ml Wer-CanWe oaeli Mal aue besten deulsohen o. englleehen Stetten, prima Zutaten, ■: sarenllert tadelloser Sita, erstklassige Verarbeitung:: Fertige Herren- Konfektion In gediegenster AoefOhrung In greSer Auswehl am Platze. :: Klelnate Wochen- oder Monatsraten gern geetittei,; Torxelgor dleaea Inaerata erhält S-/. Rabatt. 9 StrbeitsnuNiwciS: Hoj l. Amt 3, 1239. BertvaltungSstelle Berlin. Haupebureau: VbaritsstraSe 3. Hol III. Amt 3.>987. Donnerstag, den 17. November 1S1O, abends 7 Uhr, in den Andreas-Fesisälen, Andreasstr. 21: Allgemeine Versammlung aller in Schrauben-Fabriken beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen �Werkzeugmacher und Einrichter). TageS-Ordnung: 1. Bericht nber die Verhandlungen mit de« Arbeit- gebern. S. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! I» dieser Versammlung werden wichtige Beschlüsse gefaßt. Jeder Kollege und jede Kollegin muß wissen, wie unsere Stellungnahme in Zukunft ausgeführt wird. Darum ist es Pflicht aller in Schraubcusabriken beschäftigten Ardeiter und Arbeiterinnen, in dieser Dersamulliing anwesend zu sein. Die Vertrauensmänner»verde» ersucht, am Donnerstag schon um S'/z Uhr im Versammlungslokal anwesend zu sein. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, dast MetaN- arbeiter-Notizkalender für 1011 a 60 Pf. b« den Bc- ztrkskassiercr» und im Bureau zu haben sind. »25/9_ Die Ortavcrwaltnnc. Acbloog! WM'r der«rt«-Kr»Iltoll0sse — der Gelb- nnh Jinngießtr.■ Heute SicnStag, den 1Z. Roveniber, abend» von S1/*— 7 Uhr. im GewcrkschastShause, Saal 3, findet die velefflertensrahl für die obige Kasse statt. Alle großjährigen Mitglieder sind verpflichtet, an der Wahl teilzunehmen. SW Kasscn-Mltgllcdsbach Icgeltlmlert."WS __ I. A.: Lust. Sshwadeöal. unasnsTMT Ganz Berlin kennt nur 'Uribttv ah besten Schuhpute In Dosen zu 10, 20 u. 25 Pf. überall erhältlich. 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Verschiedene». Die Delegierte« erhalten zur Generalversammlung noch eine schrifl- liche Einladung, welche alS Legi- limation dient. 280/3 Zahlreichen Besuch erwartet Ber Vomtand. Orts-Krankenkasse für den AnitSbezirk Tegel mit Ausschluß von Plötzensee. Bekanntmachung. Zur Vornahme ber Wahl von Vertretern für die Generalversammlung gemäft§ 60 de» hiesigen Kassenstatuts vom 19. Ottober 1904 wird je eine 280/7 Wahlversammlung der Kaffcnmitglieder und Arbeitgeber nach dem»rappschen Saale /Inh. Mar Gamm) in Tegel, Bahnhof- slraftc 1—2, wie folgt einberufen: 1. Für die Kassenmitglieder Ttcnstag.d. SL. November 1919, abend» 8 Uhr. TageS-Ordnung: Wahl von 87 Vertretern. 2. Für die Arbeitgeber Mittwoch, d. 2». November 1919, abend» 8 Uhr. TageS-Ordnung: Wahl von 36 Vertretern. Wahlberechtigt /und wählbar find sämtliche Kasscmnitglieder einschüeftlich der sclbstzahlcr. welche groffsährig und im Besitz der bürgerlichen Ehren- rechte sind. Für die vorzuchmcnden Wahlen ist der Mitalledcrstand vom 30. Oktober lvtO maßgebend. Die Wahl ist geheim und findet durch S'nmmeitd in der Weise statt, daß jeder Wahlberechtigt« soviel Namen aus einen Zettel schreibt, al» Vertreter zu wählen find. Geschrtebenc, gedruckte oder aus andere Weise hcrgcstellie Stimmzettel sind « Legitimation für die Kassen- Mitglieder dient da» Krankenkassen- bu> für die Arbeitgeber die Beitrag»� gnillung vom Oktober d. I.— R»S tunft wird im Kassenlokal erteilt. Tegel,>2. November 1910. Bor Vorstand. gez. Oswald Art», Vorsitzender. gez. Willi. Pahlow, schriftsührer. Stempel-flabr« von 3S»tL» Robert Hecht, Berlin S., Cranicnftr. 143, Nesert schnell und villig alle Arten Stempel in bester AuSsühruna «autschuk-Shpe».Perfekt« um Zusammensetzen einzelner Wärt« «wie ganzer Sätze von 1,»0 m.« Orts- Krankenkasse der Klempner. DienStag, den 22. November et,, abends 8'/, Uhr. im GeHverkaeboPtabanae, Engel-Ufer 15, Saal 1: Vonssmmluns der großjährigen Mitglieder unserer flösse beljuf» Wahl von 198 Ver* tretern filr das Jahr 191t. Das OiiiltungSbuch legitimiert. Mittwoch, den 23. November er.» abend» 8'/, Uhr. Köpenleker Straße 100: Versammlung der Arbeitgeber, welche Beitrüge für angemetdcte Mit- glieder ,u unserer Kasse leisten, bchus» Walilv.soVertretern kür des/shM»1t. Die Arbeitgeber können sich auch durch ihre Ges chäsissührer od. Betriebs- beamte vertreten lassen. l80lb»er Veratand. Orts-Krankenkasse der Stellmacher. Mittwoch, d. 23. November 1919, abends 8'J, Uhr. in DriifelS F e st s S 1 e n. Neue Frtedrichstr. 35: Grdoatllebe l-SsiAzl-VölZWinliiG Tagesordnung: sS80/4 i. Neuwahl von drei Borstands» Mitgliedern(ein Arbeitgeber, zwei Arbeitnehmer). 2. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der JahreSrechnung 1910. 3. Verschiedene Kassenangelegeu» Helten. Der Borstanb. g. A.: F. J o s-e>v L k t. 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Berlin SM, lt. 268. 37. Jahrgang. 3, fdlogt dts.Amilrls" KMtl WldsdlM Dienstag. 16. November IM. Sie Lmerbegerkhttumhlen der Arbeit- nebmer haken am Sonntag stattgefunden und gingen ziemlich glatt von statten. Durch die Erfahrung gewitzigt, hatte der Magistrat diesmal die Wahlzeit bis nachmittags 6 Uhr festgesetzt, im Gegensatz zum Jahre 1908. wo nur bis 3 Uhr gewählt werden konnte und wo zufolge der knappen Wahlzeit grostes Gedränge auf den Höfen vor den als Wahllokale dienenden Turnhallen herrschte. Am Sonntagvormittag herrschte zwar auch Massenandrang, aber später wickelte sich das Wahlgeschäst glatter ab als früher. Viele Schwierigkeiten wurden Arbeitern auf verschiedenen Polizeirevieren wegen der Abstempelung der Wohnungsbescheinigung gemacht, ganz besonders wurden hiervon Arbeitslose betroffen, die nach den Bestimmungen wahlberechtigt waren Die Polizei erwies sich in dieser Beziehung als wenig entgegenkommend. Bor den Wahllokalen priesen die Siimmzettelverteiler ihre Listen den Wählern an. besondere Anstrengungen machten die Wiesen- thaler, die ihre Liste unter der Firma:»Liste des Deutschen Metall- arbeiterverbandes" ausriefen. Dadurch sollte vor allem bei den Metallarbeitern der Glaube erweckt werden, als habe der Deutsche Metallarbeiterverband eine eigene Liste aufgestellt. Dieses Manöver scheint denn auch teilweisen Erfolg gehabt zu haben, der in dem Zahlenergebnis zum Ausdruck gelangt. Im ganzen wurden abgegeben 99 625 Stimmen; im Jahre 1998 83 211. Es beteiligten sich demnach 7436 Arbeiter mehr an der Wohl. Von diesen abgegebenen Stimmen erhielt die Liste I der freien Gewerkschaften 82 610, gegenüber den abgegebenen Stimmen 1908 6652 Stimmen mehr. Die Liste der Christlichen bekam 2411 Stimmen, 35ß Stimmen weniger wie im Jahre 1908. Die Hirsch-Dunckerschen bekamen 2960 Stimmen; auch diese Liste hatte 772 Stimmen weniger wie 1908. Die Liste III der Wiesenthaler erhielt 2644 Stimmen. ES erhalten demnach die freien Getverkschaften 64, die anderen Listen je 2 Beisitzer. Nach diesem Resultat find die Stimmen der Hirsch-Dunckerschen und die der Christlichnationalen zurückgegangen, während die für die Liste I der freien Gewerkschaften abgegebene Stimmenzahl ge wachsen ist. Die Stimmenzahl der Wiesenthaler ist. wie schon oben dargelegt, nicht auf geradem Wege erlangt worden, sondern auf Kosten des Zentralverbaudes der Metallarbeiter. Die von den Wiesew thalern betriebene Agitation wurde in rein persönlicher Art geführt und baute sich aus Angriffe gegen leitende Perionen des Metall- arbeiterverbandes auf. Wenn sich unter solchen Umständen Arbeiter täuschen liehen, so zeigt das. dah viele Arbeiter über die Verhältnisse der Gewerkschaften noch nicht genügend unterrichtet sind und dah sie keine Arheiterzeitung lesen. Die weitere Aufklärung in den Gewerkschaften wird dafür sorgen, dah die Arbeiter immer mehr erkennen, wo in Wirklichkeit ihre Jntereffen am besten gewahrt werden. Im großen und ganzen ist das Wahlergebnis für die Liste I der freien Gewerkschaften ein günstiges; es muß aber dahin gewirkt werden, daß in Zukunft die Wahlbeteiligung noch besser werden muß als bisher. Partei- EtogeUgenKeiten. Zur Lokalliste! F. U. In Nlederkehmc steht uns das Lokal von Krufchwitz zu ollen Veranstaltungen zur Verfügung, dagegen sind die Lokale von Schmidt. Niederlehme und Riedel, Neue Mühle unter allen Umständen zu meiden. In Mariendorf werden besonders die Kirchbofsbesucher darauf aufmerksam gemacht, daß Graßls Gesellschaftshaus, Chauffeestr. 396. streng zu meiden ist. Es wird außerdem das in der Lotallisle ver° zeichnete Lokal von Aug. Fehlberg. Eisenacherstr'. 11. viS-a»vis dem ÄreuzkirchM empfohlen. Spandau. Das Lokal von Seitz, Schützenstraße, ist nach wie Vor gesperrt. Lokalkommisfion für Berlin und Provinz Brandenburg. Der Obmann. A. Hanisch. Zweiter Kreis. Morgen. Bußtag, Herrenpartie der 7. und 8. Ab- teilung nach Neu-Helgoland am Müggelsee. Abfahrt früh 8 Uhr 19 Min. vom Görlitzer Bahnhof. Rege Beteiligung er- wünscht. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Am Bußtag findet eine Fußpartie nach Pichelswerder� zum Alten Freund statt. Treffpunkt: Station Eichkamp. Die Genossen, welche sich daran beteiligen und die elektrische Straßen- bahn Sir. 91 benutzen, fahren bis zur Endstation Halensee und gehen zu Fuß bis zur Station Eichkamp, die in 29 Minuten zu erreichen ist. Daselbst vereinigen sie sich mit den Genossen, welche die Stadt- bahn benutzen. Abmarsch von dort pünktlich 19 Uhr. Um rege Be- teiligung ersucht Der Vorstand. Friedenau. Heute abend 8\'2 Uhr bei Mechelke, Handjerystr. 60, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Referat über Konsum- genossenschaftsbewegung. Wahl einer Vergnügungskommission. An- träge. Verschiedenes.— Mittwochabend 8 Uhr Reulerieier im„Rhein- schloß". Der Vorstand. Britz- Buckow. Heute Dienstag, den 15. November, abends 8Vz Uhr, im Lokale von Schöneberg, Nudower Straße 66: Mit- gliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag über»Der Massenstreik". Referent Genosse Redakteur Dittmer. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung von Groß-Berlin. 4. Verschiedenes.— Gäste willkommen. Der Vorstand. Treptow- Baumschnlcnweg. Heute abend 8Vz Uhr findet bei Speer, Banmschulenstr. 68, die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins stall. Aus der Tagesordnung stehen Gemeindeangelegen- heilen. Referent: Genosse C a r o w. Friedrichshagen. Heute abend 83/4 Uhr findet im Schultheiß- Restaurant, Friedrichstr. 74, der fünfie Vortragsabend des Genossen Mar Grunwald über»Grundbegriffe der theoretischen Volks- Wirtschaftslehre" statt. Köpenick. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Stadt» thealer(Inhaber Otto) die Wahlvereinsversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht ei» Vortrag. Mahlsdorf tOstbahn). Morgen Mittwoch(Bußtag), den 16. d. M., findet Flugblativerbreitung stair. Die Genossen von Mahlsdorf- Süd treffen sich morgens 8 Uhr bei Mader. Köpenicker Allee, Ecke Winklerstraße; die von der Kolonie und Mahlsdorf-Ost im Nestau- rant Träger, Bahnhofstraße. Ferner machen wir auf die am Sonnabend, den 19. d. M.. abends im Lokal des Herrn Linke, Grunowstraße. stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam und ersuchen für guten Bestich der Versammlung zn agitieren. Die Bezirksleitung. Reinickcndorf.Wcft. Heute abend 8l/3 Uhr findet in den„Eich- bornsälen", Eichbornstr. 69. die Mitgliederversammlung des Bezirks- Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. L. Vortrag, g. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tegel. Heute Dienstag, abends S'/j Uhr pünktlich, findet im Lokale von Julius Klippenstein, Spandauer Str. 4, die Mitglieder« Versammlung statt. Vortrag des Gen. Ucko über„Moabit". Ver- einsangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Waidmannslnst und Umgegend. Am Bußtag, den 16. November. Herrenpartie nach Liepnitzsee. Die Genossen samtlicher Bczirlsorte treffen sich früh 8 Uhr in Schönfließ an der Dorfkirche. Abmarsch von dort Punkt 8l/2 Uhr. Potsdam. Am Mittwoch(Bußtag) findet der Zahlabend in allen Bezirkslokaten bereits um l/.ß Uhr statt. Der BildungsauSsch uß veranstaltet am Sonnabend, den 19. d. Mts., abends 8 Uhr, im.Viktoriagarten" einen Wallotte- Abend(Moderne Lieder und Worte). Eintrittskarten vorher bei Staab und Waldt._ Berliner JVacbnchtem Die technische Mittelschule der Stadt Berlin wurde am Montag durch einen Festakt eingeweiht. Die Eröffnung dieser neuen Lehranstalt, von der für das Gewerbe und die Industrie Berlins viel Förderung erwartet wird, liegt schon um ein Jahr zurück. Im Oktober vorigen Jahres. begann die technische Mittelschule zunächst auf der Unterstufe mit dem Unterricht, und in diesem Jahre brachte ihr dann das Sommersemester und jetzt das Wintersemester den lveiteren Ausbau durch Hinzufügung der übrigen Klassen. Ihr Heim hat sie in Lerlin-Nord, westlich der Müllerstraße am Zeppelin- platz: es ist ein Teil der vom Baurat Hoffmann geschaffenen stattlichen Gebäudegruppe, die einen von vier Straßen umgebenen Baublock einnimmt und außer der technischen Mittel- schule noch die 53. und die 300. Gemeindeschule sowie die 14. Realschule beherbergt. An der Einweihungsfeier beteiligten sich Lehrer und Schüler der Anstalt, Mitglieder der städtischen Schulverwaltung, insbesondere des Kuratoriunis der Mittelschule, zahlreiche Stadtverordnete und Magistratsmitglieder, auch Vertreter der Staatsregierung, sowie eine Reihe von Männern des Gewerbes und der Industrie. Man hielt die bei solcher Gelegenheit üblichen Reden, die durch Gesang von Schülerinnen der 53. Schule eingeleitet und abgeschlossen wurden. Bürgermeister Reicke, der Vorsitzende des Kuratoriums, begrüßte die er- schienenen Gäste. Ein Ministerialdirektor aus dem Handels- Ministerium drückte die Sympathien aus, deren die Staats- regterung die Stadt Berlin bei feierlichen Anlässen zu ver- sichern pflegt. Direttor Volk, der Leiter der technischen Mittelschule, legte ihren Zweck und ihre Organisatton dar. Die Schule, deren Organisationsplan im wesentlichen ein Werk des früheren Stadtschulrats Gerstenberg ist, hat zwei Hauptabteilungen, eine für Maschinenbau mit zwei Fachklassen und eine für Technologie und Gewerbe- bettieb mit zwei Fachklassen, außerdent eine gemein- same Unterstufe mit zwei Vorklassen. Sie will durch Unterricht von zweijähriger Dauer tüchttge technische Kräfte für Industrie und Gewerbe sowie für kommunale und staatliche Betriebe heranbilden, junge Leute, die einmal in ihrem Beruf eventuell auch eine leitende Stellung einnehmen können. Als im Januar 1M5 die Stadtverordnetenversanim- lung beschloß, für Berlin die längst gewünschte technische Mittelschule zu schaffen, wurde hervorgehoben, sie solle Haupt- sächlich dem sogenannten„neuen Mittelstand" nützen, der mit der Entivickelung der Industrie aufgekommen sei. Gewünscht wurde eine Schule dieser Art schon seit 1898 von Unternehmerkreisen, die darüber klagten, daß es an gut vorgebildetem Personal fehle. Die ganze Schul- und Bildungsfreundlich- keit der besitzenden Klasse wurzelt ja überhaupt lediglich in dem Wunsch, aus der Arbeiterklasse sich möglichst brauchbare Hände oder Köpfe heranzubilden, die dem„Brotherrn" mög- lichst viel Profit liefern. Die neue Schulgattung ist nach ihrem Plan und Ziel ein Mittelglied zwischen der gewerblichen Fachschule und der technischen Hochschule, dem entsprechend mutz sie von den aufzunehmenden Schülern das Einjährigen- Zeugnis oder eine durch Prüfung nachzuweisende gleichivertige Vorbildung fordern. Auf die EinweihungSfeier erfolgte eine gemeinsame Besichtigung der Anstalt, wobei ihre anheimelnden Räume und ihr reichhaltiges Lehrmaterial in manchem bewundernden Wort die verdiente Anerkennung fanden. Schade nur, daß die oben ewähnten Aufnahmebedingungen das Gros des Nachivuchses der Arbeiterklasse von vornherein vom Besuch dieser neuen Bildungsstätte ausschließen._ Das neue Aquarium im Zoologischen Garten und die Stadt Berlin. Der Zoologische Garten erhielt bisher eine jährliche Bei- Hilfe von 12 009 M. von: Magistrat Berlin. Dieser hat beschlossen, vom 1. April 1911 ab auf 49 Jahre eine Beihilfe von 25 909 M. zu gewähren unter der Bedingung, daß im Zoologischen Garten ein Aquarium errichtet wird und den Zöglingen der Berliner städtischen Schulen freier Einlaß gewährt wird. Den Berliner Privatschulen und Fortbildungsschulen sollen Preisermäßigungen(29 Pf.) gewährt werden. Der städtische Seuchenhof in Berlin ist bisher von der Vieh. zentrale in Friedrichsfelde gegen den Willen der städtischen Ver- waltung benutzt worden. Es ist vorgekommen, daß auf dem städtischen Seuchenhof ohne Wissen der städtischen Verwaltung erkranktes Vieh vom Magerviehhof in Friedrichsfelde geschlachtet worden ist. Städtischen Beamten ist sogar das Betreten des städtischen Seuchenhofes von der Polizei verboten worden. Begreif- licherweise konnte der Magistrat Berlin sich mit diesen Vorkomm- nissen nicht einverstanden erklären und hat dagegen Einspruch er- hoben. Es soll nunmehr ein besonderer Seuchenhof in der Nähe der Kolonie Hessemvinkel und des Gutsbezirks Wilhelmshagen bei Erkner errichtet werden. Darüber herrscht natürlich in Erkner eine große Erregung, die aber wenig nützen dürfte, denn hinter der Viehzentrale steht die Regierung. Durch den Seuchenhof wird die schönste Gegend im Osten von Berlin„verschandelt". Mit der Ab- Holzung des Terrains ist schon begonnen worden. Unwillkürlich wird man an die Errichtung der Fleischvernichtungsanstalt der Stadt Berlin erinnert. Als diese bei Schildow erbaut werden sollte. wurde Lärm geschlagen. Berlin mußte nachgeben und die Anstalt in Rüdnitz, in einer weltabgelegenen Gegend, ohne jede Verbindung errichten. Die Viehzentrale errichtet ihren Seuchenhof im Zentrum einer blühenden Villenkolonie. Die Ausstellung empfehlenswerter Jngendschrifte» im Gewerkschaftshause, verbunden mit einer Ausstellung von Wandschmuck, ist während des Monats� November jeden Sonntag und Donnerstag von 5— 9 Uhr geöffnet. Eingang zum Ausstellungsraum Portal L. Von Sonntag, den 11. bis Sonntag, den 17. Dezember, findet die Ausstellung wie alljährlich im Saal III statt. Während dieser Zeit ist die Ausstellung täglich von 3—9 Uhr zugängig. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. Der Stadtältcste und Stadttat a. D. Hübner ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Rektor Bock wieder krank. Das Befinden des Rektors Bock, der sich bekanntlich im Moabiter Untersuchungsgefängnis befindet, hat sich wieder einmal verschlimmert, so daß er nach dem Lazarettgefängnis in der Cbaritö übergeführt wurde. Von ärztlicher Seite wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß Bock bis zum 13. Dezember, an welchem Tage die Gerichtsverhandlung gegen ihn beginnen sollte, nicht verhandlungsfähig sei. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ist daher der Termin aufgehoben. Tödtlicher Automobilunfall. Ein gräßlicher Unglücksfall trug sich vorgestern nachmittag in der Fraiizösischenstraße zu. Zwischen der Friedrich- und Charlottenstraße wollte der zehnjährige Schüler Richard Pichler, Neue Griinstr. 39, den Fahrdamm überschreiten, wobei er nicht das Herannahen einer Automobitdroschke beobachtete. Als der Chauffeur Signale gab, sprang der Knabe erschrocken zur Seite und rannte nun in ein anderes vorüberkommendeS Auto. Er wurde unter die Räder gerissen und so unglücklich überfahren, daß ihm der linke Brustkasten fast vollständig eingedrückt wurde. Sterbend wurde Pichler in die Königl. Klinik eingeliefert. Ein schwerer Straßcnunfall hat sich gestern nachmittag in der Boxhagener Straße zugetragen. Vor dem Hause Nr. 3 wurde der 39jährlge Arbeiter Karl Lindemanu aus der Cadiner Straße 21 von einem Straßenbahnwagen der Linie 76 umgefahren. Der Verun« glückte stürzte so heftig zu Boden, daß er mit einem schweren Schädelbruch liegen blieb. Nachdem er ans der nächsten Unfall- siation die erste Hilfe erhalten hatte, wurde er nach dem Krankctl- hause am Friedrichshain transportiert. Mit dem Pfeil das Auge auszeschossen. Bei einem beklagens- werten Unfall hat der zehnjährige Schüler Ernst Meinicke das rechte Auge eingebüßt. M. hatte mit einem anderen Schulkameraden mit einem Pfeil Schießübungen unterilommen. Ein unglücklicher Zufall wollte es, daß er dem Spielgefährten in die Schutzlinie rannte und daß der Pfeil ihm in das rechte Auge eindrang. Der Verwundete wurde sofort nach der Charito gebracht, wo das Auge aber nicht mehr gerettet werden kouiite. Wahnsinnstat einer Mutter. Ein schreckliches Familiendrama hat sich am Sonntag in dem Haufe Heidenfeldftr. 16, im Osten Berlins, abgespielt. In einem Wahnsinnsanfalle erdrosselte dort die Frau des Maurers Richter ihre beiden kleinen Kinder, zwei Mädchen im Alter von 4 und 5 Jahren, und erhängte sich dann selbst an einer Ofentür. Die Schreckenstat wurde mittags durch den heim- kehrenden Ehemann entdeckt. Das Richtersche Ehepaar wohnte schon seit etwa drei Jahren in dem Hause Heidenfeld- strotze 16. Da der Mann stets Arbeit hatte, lebte die Familie in auskömmlichen Verhältnissen. In letzter Zeit zeigten sich bei der Frau plötzlich Spuren von Geistesstörung. Ihr Zustand verschlimmerte sich immer mehr, bis gestern der Verfolguiigswahn voll zum Aus- bruch kam. Als der Mann die Wohnung verlassen hatte, erdrosselte die Unglückliche ihre beiden kleinen Kinder mit einem Bindfaden und erhängte sich dann selbst an einer Ofentür. Bei der Heimkehr des ManneS waren Mutter und Kind schon Leichen. Die herbei» gerufene Revierpolizei nahm den Tatbestand auf und ließ die Leichen nach dem Schauhause schaffen. Die Tragödie hat in der Umgebung des Hauses große Aufregung hervorgerufen. Die Wettleidenschaft hat einen Kaufmann Heine, der in einer hiesigen Großhandlung eine Vertrauensstellung belleidete, veranlaßt Untcrschleise in Höhe von 2! 999 M. zu begehen. Er wurde deshalb in Untersuchungshaft genommen. Eine teure Nacht. Sechs blaue Lappen hat einem Landwirt, der sich vorübergehend in Berlin aufhält, eine fidele Nackt gekostet. Am Sonnabendabend mackte er in einein Kasino Unter den Linden die Bekanntschaft zweier Lebedamen, die sich erboten, ihm Berlin bei Nackt zu zeigen. Die beiden wußten sehr wohl, daß bei dem Fremden Geld zu holen war, und sie sorgten dafür, daß er bald die nötige Betlsckwere hatte. Sodann suchten sie mit ihm ein Pensionat in der Dorotheenitraße auf und raubten ihm die Geldtasche, die sechs Hundertmarkscheine einhielt. Als der Beraubte am Morgen erwachte, wunderte er sich sehr darüber, wie er in da? unbekannte Zimmer geraten konnte. Noch mehr aber war er erstaunt darüber, als er die unliebsame Entdeckung machte, daß seine Brieftasche mit den 699 Mark verschwunden war. Die Kriminalpolizei ist den beiden Frauenzimmern auf der Spur. Das Herbstfest des Vereins Freie Volksbühne, welches diesmal im Konzertsaal der Happoldtschen Brauerei abgehalten wurde, wies ein sowohl den politischen Zeittendenzen als der frohen Unter- Haltung Rechnung tragendes Programm auf. Fritz Richard rezitierte poetische Episteln von Platen, Heine, Conrad Ferdinand Meyer, Adolf Glaßbrenner(,. Brennglas"), Herwegh, Freiligrath usw., in denen das„Gottesgnadentuin" vormärzlicher Potentaten mit unverkennbarer rückwirkender, Beziehung auf die Gegenwart gegeißelt wird. Heines„König Langohr" und GlaßbrennerS „Muckerlied" gelangen ihm Wohl am besten. Hier kann der Vortrag eine mimoplastische Unterstreichung gut vertragen, während sonst jeder Aufwand an rhetorischem Pathos störend empfunden wird. Frau Motte Lutz sang einige gehaltvolle Lieder von Saint-Saens, Berger uiw James Rothstein mit hoher Kunjtvollendung. Roth- steins Komposition des ergreifenden Liedes vom Hemde(nach Thomas Hood von Freiligrath) mußte besonders interessieren. Die Grundstimmung ist vortrefflich erfaßt; der Ausdruck dramatisch gesteigert und das sangbare Element mit musikalischer Feinheit behandelt. Der reinen mächtigen Wirkung dürfte die Komposition im Konzertsaal wohl sicher sein; es fragt sich jedoch, ob sie nicht durch die ungleich mächtigere im gesprochenen Text überboten wird. Uebrigens fanden auch noch einige andere Neuheiten desselben Komponisten, hauptsächlich das satirische„Lämmchen" und die Humoreske„Der faule Hans"' verdienten Beifall. Gustav Adolf Henckels versteht es dank seiner komischen Vortragsmittel aus- gezeichnet, die Lacher auf seine Seite zu bringen. Wie immer schoß aber Frau Bozena Bradsky doch den Vogel ab. Auch sie brachte verschiedene neue Chansons und Brettllicder von Oskar Strauß und Bogumil Zepler mit. Daß sie allgemeine Heiterkeit entfesselte, versteht sich am Rande. Nur der Bcchsieinflügel, an dem James Rothstein sämtliche musikalischen Programmstücke begleitete, erwies sich als ein ausgeklapperter Marterkasten für feine Ohren— leider! Im Zettel störten einige sachliche Druckfehler. Glaßbrenner schrieb sich weder mit einem„s", noch hieß er Gustav, sondern Adolf. Dies zur Richtigstellung. Ein gewaltiges Schadenfeuer brach Sonntagabend gegen 6 Uhr in der bekannten Berliner Weißbicrbrauerci von Gabriel u. Jäger in der Choriner Straße 85/86, Ecke Zehdenicker Straße, aus. Der Brandherd lag in der alten Mälzerei, die in einem etwa 25 Meter langen und 19 Meter breiten dreistöckigen Gebäude unter- gebracht war. Als der Wächter um 4 Uhr die Runde machte, ist ihm nichts Verdächtiges aufgefallen. Erst kurz vor 6 Uhr, als er die Mälzerei wieder betreten wollte, schlugen ihm beim Oeffnen der Tür dicke Rauchwolken entgegen. Er alarmierte sofort das übrige Personal und sorgte dafür, daß die Feuerwehr benachrich- tigt wurde. Als wenige Minuten später der Löschzug aus der nahen Oderberger Straße anrückte, stand der zweite Stock des alten Mälzereigebäudes schon in Flammen. Es wurden daher unvcr- züglich noch lveitere Löschzüge zu Hilfe gerufen. Sowohl auf der Straße wie auf dem Hofe wurden große mechanische Leitern er- richtet, während mehrere Dampfspritzen in Tätigkeit traten. Bald waren 14 Schlauchleitungen in Aktion Md ungeheure Wasser- mengen Kurden in die Glut geschleudert. Trohdent griff das Feuer auch nach dem dritten Stach über, tvo es wieder reichliche Nahrung fand. Die Löscharbeit mußte mit der größten Vorsicht ausgeführt werden, da Malzteile fortgesetzt erplodierten und ein großer Funkenregen über den Hof getrieben wurde. In der Haupt- fache galt es, das gefährdete Hauptgebäude und den neuen Malz- speicher zu schützen, was auch durch unausgesetztes Wassergeben gelang. Von dem zweiten und dritten Stock des alten Mälzerei- gebäudes konnte nichts gerettet werden, auch der Dachstuhl ist zer- stört. Der Schaden ist ganz bedeutend, da mehrere tausend Zentner Malz vernichtet sind. Mit der vollständigen Ablöschung hatte die Wehr bis in die Nacht hinein zu tun. Die Brandursache ist un- unbekannt. Arbeiter- BildungSschule. Der nächste Vortrag über»Ein- fllhruug in den wissenschaftlichen Sozialismus" (Kursus des Genossen Jul. Borchardt) findet am Mittwoch(Büß- tag) früh VzlO U b r statt. Da wegen der Verlegung am vorigen Sonntag zahlreiche Teilnehmer gefehlt haben, so wird zunächst der vorige Vortrag»och einmal wiederholt. Daran schließt sich dann gleich die folgende Lektion. Gefunden. Am Mittwochabend vergangener Woche find in der Alten Jakobstraße vierundzwanzig Stück auf Schnur gezogene Gummi- Pufferklötze für Automobile gefunden worden, unter Kommissions- nummer 35 26 l. Sollte dieselben ein Kutscher verloren haben und selbiger ersatzpflichtig sein, können dieselben abgeholt werden bei Frank, Eylauerstr. 24, am Kreuzberg, Hof 1 Tr. r. Auf dem Kunstabend der Dreher in der Brauerei Friedrichshain am 12. November ist ein silbernes Armband gesunden worden. Das- selbe ist bei Wegener, Badstraße 65. Ouergebäude 4 Treppen,' ab- zuholen. Vorort- JVadmcbtem Rixdorf. „Glänzender Sieg" der Bürgerlichen. In den Wahlbetrachtungen der kommunalen Vereine kehrt die Redensart von einem„glänzenden" Siege über die Kandidaten der Demokratie und der mit ihnen verbündeten Sozialdemokratie in der zweiten Abteilung immer wieder. Daß das ehrsame„unparteiische" „Rixdorfer Tageblatt" in dasselbe Horn stößt, verwundert nicht sonderlich. Es gehört schon die Stirn der Wahlrechtsräuber und ihres biederen Leiborgans dazu, angesichts der besonderen Umstände noch von einem Siege oder gar von einem„glänzenden" Siege zu reden. Nachdem durch das schändliche Ortsstatut Hunderte von Wählern von der zweiten in die dritte Abteilung abgeschoben wurden und so die Schichten der Besitzenden in der zweiten Abteilung eine dominierende Stellung einnehmen konnten, haben dann diese Leute noch den sonderbaren Mut von„glänzenden" Siegen zu reden. Das Gerede wird zur Heuchelei, wenn man die einzelnen Auslassungen einer näheren Betrachtung unterzieht. Wieder ist es das„unpar- teiische"„Rixdorfer Tageblatt", welches die niedrige und schmutzige KampfeSweise seiner Anhänger mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe verdeckt und anderen dafür die Schuld in die Schuhe zu schieben versucht. Mit der ehrbaren Miene eines Biedermanns erklärt das Organ der Wahlrechtsräuber treuherzig, daß die vereinigten bürger- lichen Parteien auch in diesem Wahlkampfe den bisherigen Stand- Punkt vertraten, daß man nicht Parteipolitik in das Stadtparlament tragen solle. ES vergißt nur zu erwähnen, daß gerade die bürger- lichen Parteien eS waren, die die abgestandenen Unwahrheiten des Reichs— Wahrheitsverbandes in dem verflossenen Wahlkampf be- nutzten, um den politischen Gegner in Mißkredit zu bringen. Daß weiter— was hisher nicht widersprochen wurde— diese Pamphlete in der Druckerei des„Rirdorfer Tageblatt" hergestellt wurden, aller- dings, ohne unter diese irgendeine Firma zu setzen. Wenn sich dieses„unparteiische" Organ darüber aufhält, daß„auswärtige" Parteiagitatoren, die mit den örtlichen Verhältnissen nur sehr flüchtig bekannt sind, in den Wahlkampf eingriffen, so wird auch hier vergessen mitzuteilen, daß die vereinigten bürgerlichen Parteien sogar finanzielle „auswärtige" Unterstützung erhalten haben. Ist doch öffentlich unwidersprochen in der positivsten Form gesagt werden, daß der Reichsverband für die vereinigten bürgerlichen Parteien Geldmittel zur Verfügung gestellt hat. Für das„R. T." und deren Trotz liegt also nicht der allergeringste Grund vor. sich über„auswärtige" Hilfe anderer aufzuhalten oder zu mokieren. Hinterher noch kühn behaupien zu wollen, daß die vereinigten bürgerlichen Parteien auch in diesem Wahlkampf den bisherigen Standpunkt vertraten, keine Parteipolitik in das Stadtparlament zu tragen, nachdem der Reichs- Wahrheitsverband im Interesse dieser Parteien seine Schlammfluten über Rixdorf ergoffen hat, ist denn doch eine so starke Leistung, die selbst noch bei den Wahlrechtsräubern auffällig erscheint. Wie uns noch mitgeteilt wird, ist in den städtischen BureauS— allem Anschein nach nicht gegen den Willen des Magistrats— ein großer Teil der Wahlarbeiten erledigt worden, selbstverständlich der Wahlarbeiten für die bürgerlichen Parteien. Der Wahlrechtsraub hat sich glänzend bewährt. Eine kleine Clique hat in Rixdorf die absolute Herrschaft. Daß diese absolute Herrschaft unter Außerachtlaffung der gesetzlichen und rechtlichen Be- stimmungen erzivungen wurde, verursacht diesen politischen Tugend- bolden durchaus keine Gewissensbisse. Gchöneberg. Leichenfund. Die Leiche eines unbekannten Mannes Kurde gestern nachmittag gegen 3 Uhr auf einem Spargelfelde, an der Straße 36. gefunden. Der Tote, dessen Alter auf etwa 50 Jahr geschätzt wird, hat anscheinend schon mehrere Tage dort gelegen. Es wird vermutet, daß sich der Mann zum Schlafen niedergelegt hat und erfroren ist. Ausweispapiere wurden bei der Leiche nicht vorgefunden. Bekleidet war der Tote mit graubrauner Joppe, dunklem Jackett, braunkarierter Weste, dunklen Hosen, grauen Strümpfen und guten Schnürschuhen. Um den Hals trug er ein kleines Tuch. Lichtenberg. Gesiegt! Das Trifolium der Gelben, Polizeitruppen und Grundstücksspekulanten steht jammernd am Grabe seiner Hoffnung, bei der gestern vorgenommenen Stadlverordneten-Ersatzwahl im 18. Bezirk dieses Mandat der dritten Abteilung für die Vorschuß- bank noch einmal retten zu können. Das Aufgebot der Kräfte und der im geheimen ausgeübte Terror hat nichts genutzt: die Sozial- demokralie eroberte das 16. Mandat der dritten Abteilung. Die eifrige Orgauisations- und Agitationsarbeit unserer Genossen im Wahlbezirk, die allein die Arbeit leisteten und für Sonntag mittag noch eine Ver- sammlung arrangiert hatten, die sicher von gutem Einfluß auf das Ergebnis gewesen ist, verschaffte unserem Kandidaten EliaS das Mandat. Bei der vorigen Wahl vereinigten wir nur 187 Stimmen aus unseren Kandidaten; der bürgerliche Kandidat blieb mit 251 Stimmen Sieger. Diesmal votierten 2iS Wähler für den Genoffen Elias, während der Vertrauensmann der Gelben. Polizeier und Spekulanten sich mit 177 Stimmen begnügen mußte. Unter Berück- fichtigung der Stimmverhältnisse ist unser Sieg ein hocherfreulicher, der für uns die besten Hoffnungen auf die nächsten Wahlen recht- fertigt. Die dritte Abteilung ist ganz unser, nun heißt die Parole: Sturm auf die zweite Abteilung l_ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für döT * Em schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag in der Lederfabrik von Gebrüder Schlägel in der Röderstr. 25. Durch einen Fehltritt stürzte dort der 27 jährige Arbeiter Alex Lenk aus der Hausburgstr. 10 in einen Bottich mit kochender Gerbbrühe. Er erlitt so schwere Verbrühungen, namentlich an den Beinen, daß er nach dem Krankenhaus am Friedrichshain geschafft werden mutzte. M rePtow-Baumschnlenweg. Aus der Gemeindevertretung. Die Wertzuwachs- und Um- satzsteuerordnung bedurfte, nach dem Urteil des Oberverwaltungs- gerichts gegen die StäHe Schöneberg und Bochum, einer Um- arbeitung. Diese Umarbeitungen wurden bereits im Oktober in geheimer Sitzung erledigt. Sie wurden am 25. Oktober von der Regierung genehmigt und am gleichen Tag« vom Gemeindevorstand veröffentlicht. Frau Peterschun war am 6. März, an dem die Berliner Arbeiter den denkwürdigen Wahlrechtsspoziergang nach dem Treptower Park geplant hatten, von attackierenden Gendarmen in der Elsenstraße überritten und schwer verletzt worden. Sie er- hob gegen die Gemeinde Treptow Anspruch auf Schadenersatz. Der Gemeindevorstand wies im Einverständnis mit der� Mehrheit der Gemeindevertretung Frau Peterschun ab. Diese beschritt nun den Klageweg und beanspruchte von der Gemeinde Treptow an Schadenersatz und Schmerzensgeld 1965 M. Die Gemeinde Treptow wurde dem Grunde nach verurteilt. Der Gemeindevorstand will gegen dieses Urteil Berufung einlegen und ersuchte daher um Zu- stimmung der Gemeindevertretung. Genosse Hartmann empfahl, den Gemeindevorstand zu beauftragen, mit Frau Peterschun in Einigungsverhandlungen einzutreten. Die Frau sei nicht, wie bei Beratung des Abweisungsbeschlusses behauptet worden sei, selbst schuld gewesen, daß sie überritten wurde. Die Gemeinde sei nicht nur durch dieses Urteil, sondern auch moralisch verpflichtet, die Frau zu entschädigen. Die Berufung sei auch deshalb nicht zu empfehlen, weil der Redakteur Barth vom„Vorwärts", dem ja bereits auf Beschluß der Gemeindevertretung der Streit verkündet worden ist, nicht regreßpflichtig gemacht werden könne. Genosse Karow und Herr Kröbel von der Demokratischen Vereinigung schlössen sich diesen Ausführungen an. Der juristische Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung empfahl, die Berufung einzulegen. Bürger- meister Schablow schlug vor, den Gemeindevorstand zu beaustragen, mit Frau Peterschun in Verhandlung einzutreten; aber dennoch die Berufung einzulegen, damit die Berufungsfrist nicht ablaufe, ohne daß eine Einigung zustande gekommen sei. Dieser Vorschlag wurde von der Mehrheit angenommen. Die Kosten im Betrage von 2500 M. zum Bau eines Schuppens auf dem Gemeindegrundstück Kiefholzstr. 47 für Wagen und Gerätschaften wurden bewilligt. Den Zeitpunkt der Bauausführung zu bestimmen wurde dem Gemeinde- vorstand überlassen.» Treptow steht vor der dringenden Aufgabe, einen neuen Fried- Hof anzulegen oder seinen im Gebrauch befindlichen Friedhof be- deutend zu vergrößern. Letzteres ist wegen der eigenartigen Grund- besitzverhaltnisse in der Nähe des Kirchhofs sehr schwierig. Die Gemeinde hat schon vor einigen Jahren das ehemalige Ackermann- sche Grundstück in der Kiefholzstratze oberhalb des Teltowkanals für Friedhosszwecke angekauft. Dieses Grundstück ist auch bereits vom Kreisarzt untersucht und für Beerdigungszwecke geeignet er- klärt worden. Das Grundstück liegt jedoch etwas tief und muß, wenn es als Kirchhof benutzt werden soll, um 1% Meter aufgehöht werden. Nach einer Kostenberechnung des Gemeindevorstandes würde dadurch der Gemeinde jede Grabstelle auf 52� M. zu stehen kommen, das sei zu teuer. Der Gemeindevorstand schlägt deshalb vor, einen Friedhof in Alt-Glienicke zu errichten. Dort würde, nach der Berechnung des Gemeindevorstandes und unter Berücksichtigung der nachträglich von Alt-Glienicke geforderten Summe von 8200 M. als Ersatz für entgangene Grundsteuer die Grabstelle sich auf 13 Mark stellen. Gegen dieses Projekt hat eine öffentliche Versammlung in Treptow eine Protestresolution angenommen und dem Gemeinde- vorstand übersandt. Die sozialdemokratischen Gemeindevertreter und Herr Kröbel haben gemeinsam beantragt: 1. Den Vorschlag des Gemeindevorstandes, in Alt-Glienicke einen Friedhof zu er- richten, abzulehnen. 2. Ten Gemeindevorstand zu beauftragen, mit der Stadt Berlin wegen Ueberlassung von Land zu Friedhofs- zwecken in Verhandlung zu treten. 3. Wegen der Eingemeindung Treptows mit Berlin in Verbindung zu treten. Auch einige bürgerliche Vereine und der evangelische Pfarrer, Herr Ablenstiel, protestieren gegen die Errichtung des Friedhofs in Alt-Glienicke. Bürgermeister Schablow betonte dazu: Er er- kenne die Forderung, den Friedhof innerhalb des Gemeindöbezirks zu errichten, als berechtigt an. Treptow habe aber sehr wenig eigenen Grundbesitz, zwei Drittel des gesamten Grund und Bodens des Gemeindebezirks sei in den Händen der Swdtgemeinde Berlin. Berlin sei aber bestrebt, von diesem Besitz nichts zu veräußern. Das ehemals Ackermannsche Grundstück sei erstens zu teuer zum Friedhof. Die Gemeinde müsse aber auch bestrebt sein, dieses Grundstück für später zu errichteiYe Baulichkeiten und Anlagen der Gemeinde zu reservieren. Amch mit dem ForstfiskuS seien wegen Landankauf zu einem Friedhof Verhandlungen gepflogen worden. Der Forstfiskus habe aber zunächst die Einreichung eines Bebauungsplanes der Königsheide verlangt. Das sei jedoch auf Jahre hinaus noch nicht möglich und so sei auch dieses Projekt als gescheitert zu betrachten. Genosse Karow begründete die einge- brachten Anträge und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß, wenn Treptow nicht solche kleinliche Nadelstichpolitik gegen Berlin führe und sich zu einer eventuellen Eingemeindung bereit erkläre, von Berlin auch noch Land bekommen werde. Treptow könne be! einer Eingemeindung nach Berlin doch nur gewinnen. Die durch- aus schlechten Verkehrsverhältnisse, unter denen Treptow zu leiden habe, wären dann viel leichter zu bessern. Das im Besitz Berlins befindliche Land würde der Bebauung erschlossen werden und der ganze Ort könnte sich dadurch schnell entwickeln. Das Projekt Alt- Glienicke müsse schon darum abgelehnt werden, weil es den Anver- lvandten der Verstorbenen, die doch meist Besitzlose seien, schwere Opfer an Zeit und Geld aufer lege. Herr Kröbel wies ebenfalls auf die großen Vorteile hin, die Treptow von einer Ein- gemeindung nach Berlin zu erwarten habe. Bürgermeister Schablow und Gemeindebaumeister Bientz wiesen noch darauf hin, daß Treptow in den letzten fünf Fahren eine Zunahme von 15 000 Ein- wohnern zu verzeichnen habe. Wenn sich Treptow weiter so ent- wickele, dann habe es nach 15 Jahren 43 000 und nach 20 Jahren 58 000 Einwohner. Berechne man pro Mille 13 Sterbefälle, so sei bei dieser Bevölkerungszunahme das ehemals Ackermannsche Grund- stück, welches zirka 13 300 Grabstellen fassen könne, im Jahre 1929 vollständig belegt. Das Grundstück in Alt-Glienicke faßt zirika 28 830 Grabstellen. Hier könne man also damit rechnen, daß man nach 25 Jahren eventuell von neuem beerdigen könne. Nachdem noch einige Gemeindevertreter vom Grundbesitzerverein sich gegen die Anlegung des Friedhofs in Alt-Glienicke ausgesprochen hatten, machte der Bürgermeister den Vorschlag, die Angelegenheit zu ver- tagen und dem Vorstand den Auftrag zu geben, noch einmal mit Berlin in Unterhandlung zu treten. Der Vorschlag wurde ange- nommcn. Einige Punkte der Tagesordnung wurden der borge- rückten Zeit wegen bis zur nächsten Sitzung vertagt. Pankow. Heute DienStag finden die Wahlen der Gewerbegerichts- b e i f i tz e r statt. Die Arbeitgeber wählen in der Zeit von 10 bis 1 Uhr, die Arbeitnehmer von 6-9 Uhr. Das Wahllokal befindet sich Restaurant„Bellevue", Breitestr. 21a. Keiner, der sich in die Wählerliste hat eintragen lassen, darf von der Wahl fernbleiben. Zehlendors(Wannseebahn). Daß die Gemeindevertretung auf die Wünsche der Besitzenden viel mehr Rücksicht nimmt wie auf die Bedürfnisse der Minderbemittelten zeigt der Kampf um die Volksschule im Südbezirk. Schon vor acht Jahren war von unseren Genossen im Gemeindewahlkampf auf die Notwendigkeit der Errichtung hingewiesen worden und im Laufe der Jahre wurde immer wieder aus die zu- nehmende Dringlichkeit verwiesen. Während hier aber fast Inseratenteil veravsto� Th. Glocke, Berlin. Druck g. Verlag: Vorwärts ein Jahrzehnt notwendig war, um die ersten Schritte zu veranlassen, soll der vor längerer Zeit beschlossene Bau der Ober- Realschule sehr beschleunigt werden. Das genügt aber den Drängern in dieser Angelegenheit nicht. Die Oeffentlichkeit Zehlendorfs wird jetzt durch ein längeres„Eingesandt" im„Zehlendorfer Anzeiger" bearbeitet, um durch diesen Druck auch den Bau des seinerzeit im Prinzip beschlossenen Reform-Realgymnasinms zu beschleunigen. Zur Vorbereitung dieses„Eingesandt" haben die Herrschaiten in reckt rühriger Weise Umfragen in Zehlendorf-West und Schlachtensee anstellen lassen, um die voraussichtliche Schüleczahl festzustellen, die eventuell für den Besuch in Frage käme. In dem Eingesandt will man allen Ernstes glauben machen, daß eine Anzahl der Zuzüge in Zehlendorf-West und Schlachtensee nur auf den angeführten Beschluß der Gemeindevertretung zurückzuführen ist. Das ist natürlich Unsinn, denn die Mehrzahl der Villenbcsitzer hatten ihre Gelände längst vor dem Beschluß gekaust und zum Teil auch schon mit dem Bau ihrer Villen begonnen, als jener Beschluß er- folgte. Aber dieser Unsinn hat Methode, weil er die nötige Wirkung aus unsere Gemeindevertretung haben wird. Aus diesen Vorgängen sollten auch die Arbeiter lernen, ihre Interessen mit größerem Nach- druck zu verfechten, was sie aber nur durch den Znsammenschluß in der politischen und gewerkschaftlichen Organisation tun können. Nieder-Schbnhausen-Nordend. In der lebten Gemcindevertretrrsitzung machte der Bürgermeister Abraham zunächst auf den neugegrundeten Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose für Pankow-Nieder-Schönhausen aufmerksam. Die Aufgabe des Vereins sei, Maßregeln zu treffen zur Unterdrückung der Tuberkulose. Beitrittserklärungen nimmt der Gemeindevorstand ent« gegen. Als Oberlehrer und Leiter der Knabenvorschule und der Sexta des RealprogymnasiumS wurde Herr Dr. Stolze aus Pankow gewählt. Das Gehalt desselben beträgt vom 1. April 1911 ab 2700 M. und 220 M. Mietsentschädigung; ferner erhält er als Leiter der Schule 500 M. jährlich extra. Hieraus wurden die Reisekosten für die Vorbereitung der Wahl eines Oberlehrers an der höheren Mädchenschule bewilligt und Direktor Seelmann beaustragt, über den zur engeren Wahl gestellten Herren an Ort und Stelle Er- kundigungen einzuziehen. Bezüglich der Benutzung der TanS- formatorsänlen(Säulen der Allgemeinen Elesiritätsgefellschaft) zu Retlamezwecken wurde beschlossen, die Verpachtung an einen Unternehmer öffentlich auszuschreiben und die Festsetzung der Be- dingungen der Baukommission zu überlassen. Von der hiesigen Orts- grnppe des Deuischnationalen Handlnngsgehilfenverbandes lag ein Gesuch vor um Erlaß eines Ortsstatuts über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Nebenbei sei bemerkt, daß schon vor längerer Zeit vom Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen ein solcher Antrag an den Gemeindevorstand gestellt war, aber aus irgend welchen Gründen nicht zur Beratung gestellt wurde. Das Gesuch hatte insofern Erfolg, indem die Vertretung den Beschluß faßte, abzuwarten, was die Stadt Berlin unternimmt, um eine ein- heilliche Regelung in dieser Frage zu erzielen. Eine längere Debatte zeiligte ein Gesuch der Leiterin des hiesigen Fröbelschen Kinder« gartens um Bezahlung der Miete für die erforderlichen Räume im Betrage von 400 M. vom 1. Januar 1911 bis 1. April 1912. Nach- dem der Bürgermeister auf das Bedürfnis des Kindergartens hin- gewiesen hatte, stimmte die Vertretung dem Gesuch zu, jedoch soll der seitherige jährliche Zuschuß von 150 M. wegfallen. Hierauf folgte eine nichtöffentliche Sitzung. Potsdam. Stadtverordnetenfitzung. Elf Stadtverordnete haben einen An- trag eingebracht, wonach die Stadlverordiieteiiversammlung die Be- dürinis- und die Platzfrage sowie die Aufbringung der Mittel für den RathanSneubau erörtern möge. Schon feit Jahren reichen die Räume nicht mehr aus. Die einzelnen Zimmer sind überfüllt und einzelne Abteilungen hat man in der Nachbarschaft des Rathauses unterbringen müssen. Der Oberbürgermeister äußerte hierzu, daß sich der Magistrat mit dieser Angelegenheit schon seit langem befasse. Eine gemischte Kommisfion werde demnächst hierüber beraten. Als unbesoldeter Stadlrat wurde mit 42 von 47 abgegebenen Stimmen der Stadtv. Krause gewählt. Das öffentliche Anschlagwefen soll ab 1. April 1911 auf zehn Jahre verpachtet werden. Die vom Magistrat vorgeschlagenen Vertragsbestimmungen sollen von einer Sonder- kommisfion nochmals einer Prüfung unterzogen werden. Das Grundstück des Herrn v. Brackeiihausen an der Ecke der Wöriher Straße hat gleich den andere» Grundstücken dieser Gegend einen Anliegerbeilrag von 9000 M. zu entrichten, welcher bei Vornahme von baulichen Veränderungen fällig wird. Der Eigentümer hat gebeten, diesen Betrag aus 3000 M. herabzusetzen, weil sein Grundstück nicht wie die anderen durch die Anlegung der Straße 35, welche der Anlaß zu den Anliegerbeiträgen war. gewonnen habe. Die Abstimmung wird bis zu einer stattgefundenen Lokalbesichtigung vertagt. Zu seiner diesjährigen Konferenz hat der Ostdeutsche Verband von Di- rektoren und Betriebsleitern von Elektrizitätswerken Potsdam als Tagungsort ausersehen. Daß dies der Fall ist, ist nichts Sonder- bares, daß aber die Stadt Potsdam diesen Gästen(etwa 50 bis 60 Personen) ein Frühstück für 300 M. auf Kosten seiner Steuer- zahler spendieren will, muß denn doch Verwunderung erregen. Wir meinen, die Steuergroschen sind praktischer zu verwenden. Schon häuft sich die Zahl der Arbeitslosen am Ort und der zu erwartende strenge Winter läßt die Aussichten aus Arbeitsgelegenheit weniger rosig erscheinen. Wir find neugierig, ob dann unsere Stadtväter im gegebenen Falle auch eine so offene Hand gegenüber ihren Mit« bürgern zeigen, wie sie es gegenüber ihnen völlig fernstehenden Perionen tun. Die Frühstücksbewilligungen sind bei unseren Stadt- vätern jetzt so zahlreich, daß man fast an eine Krankheit glauben möchte._ Jugendveranstaltungen. Nowawes. Am Mittwoch, den 16. November, veranstaltet die„Freie Jugendorimmsation" einen Ausflug nach Pich-lswerder. Der Abmarsch er- folgt um 9 Uhr vom Vereinslokal, Priesterstr. 31, aus. Am Donnerstag, den 17. November, abend» 8'/, Uhr, findet im Berclns- lokal eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Gäste find ein- geladen._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktdallen-Dlrektson»der den Großhandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleitch: Zusuhr stark, Geichäll ruhig. Preise für Bullensleisch und Fresser anziehend, für Schweinefleisch nachgebend. Wild: Zutubr reichlich, Geichäst lebhast, Preise fast unverändert. G e s I ü g e I: Zusuhr genügend. Geichäst flau, Preise gedrückt. Fische: Zusuhr knapp, Gcschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig. Preise behauptet._ Wafferstanvs-Nachrichte» der Landesanstall sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Welterbnreau. Nach telegraphischen Metdungen ist die Oder bei Natibar bis heute morgen aus 392 cm g e j a l l e n. Ebenso sind O b e r r h e i n und Mosel weiter g e s a l l e n, auch bei Koblenz dauert das Fallen sort. Der gestrige Wasserstand bei Köln lag rund'lt m über Mittelhochwasser und 1 m über der Aususerungshöhe. Buchdruckerei u, VerlagSgnstalt Paul Singer St Co.. Berlin SW»