ifeS70< itanmmentS'Bedlnsiinstti: «bonnnneiuz. Preis pränumerando i Lierteliährl. 3&) MI, monatl. 1,10 Ml. wöchenMch 28 Pfg. frei ins Hau?. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- u uwmer mit illustrierter EonntagS- Beilage„Die Reue Welt" 10 Pfa. Post» illionnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-ZcitungS- PreiSIistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Man, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrfdKtot«glich inScr nuntagi. T7. Jahrs» Vevlrnev VolksblAtk. vie Insertion;-Ledilh? deträgt für die scchSgespaltene Kolone?» zelle oder deren Raum 60 Pfg„ für politische und gcwerlschaftliche Vereint. rmd BersammlungS-Anzeigen 60 Psg. „«leine ZZnreig-n". das erste fseU- gedrucktes Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf. ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist. bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozUIilcinelirat kullü". Zentralorgan der roztaldemokratifcben parte! Dcutfchlande. Redahtfon: SM. 68, Lindcnstraeoe 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, de« 18. November liUO. Expedition: SM. 68, Lindenstraesc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. verbot des Streikpoitenstehen;! Ein AusnahnKFesetz gegen die Arbeiterklasse verlangt der Geheime Oberjustizrat Senatspräsident beim Kammergericht D r. K 0 f f k a. in der„Deutschen Juristenzeitung" vom 13. November. Sein Aufsatz ist nicht minder kennzeichnend für den unbewußten Mangel an Unparteilichkeit, der unseren Richtern zur zweiten Natur geworden ist, wie für die Welt- fremdlseit in allen Dingen, die sich auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiterklasse beziehen. Für den Senatspräsidenten ist es, bevor auch nur in erster Instanz eine Klarlegung der Vor- gönge in Moabit und Bremen stattgeftindeu hat, ausgemacht, daß ein„geordnetes Staatswesen solche Unruhen unmöglich dulden" könne und daß„selbswerständlich" die Teilnehmer an den Unruhen eine„empfindliche Strafe" erhalten werden. Ebenso selbswerständlich erscheint ihm, daß die Arbeiter schuld an den Unruhen sind. Ob nicht etwa die Arbeitgeber oder die Polizei Veranlassung zu den Unruhen gegeben haben, erscheint ihm nicht einmal erwähnenswert. In der Tat: eine parteiischere Beurteilung eines Sachverhalts lediglich auf Grund Polizei- offiziöser Zeitungsnachrichten, von denen der größte Teil, sich schon als unwahr herausgestellt hat, ist kaum nröglich. Sie genügt aber dem Nichter zum Schrei nach Ausnahmegesetzen gegen die Arbeiter! Dr. Koffka wirft einen schnsüchtigen Blick nach der im Jahre 1899 verscharrten Zuchthausvorlage. Er will zwar einer „Wiedereinbringung jenes abgelehnten Entwurfs das Wort nicht reden*, aber einen Teil der Vorlage möchte er doch retten und erweitern. E r wünscht, daß durch ein Reichs- gesetz das Streikpostenstehen überhaupt untersagt werde. Daraus, daß der Lübecker Senat das Streikpostenstehen verboten und unter Strafe ge stellt hatte, und daß späterhin Polizeiverordnungen erlassen und angewendet sind, um das Streikpostenstehen zu verhindern. Zieht der Kanunergerichtssenatspräsident den Schluß, daß die Behörden gegen das Streikpostenstehen als einen„Miß brauch des Koalitionsrechts" vorzugehen„geneigt und ge- zwungen" gewesen sind. Und doch nmß er in demselben Auf- satz das bekannte Urteil des Reichsgerichts vom 4. Februar 1901 erwähnen, das die Lübecker Verordnung als gegen dieReichsgesetzeverstoßend für rechts- ungültig erklärt hat. Gegen die Reichsgesetze verstößt ein Verbot des Streikpostenstehens, weil es gegen das K 0 a liti ans recht verstößt. Der Verfasser will das Koalitionsrecht zwar auf dem Papier stehen lassen, seine Anwendung aber unter Strafe stellen. Der Arbeitgeber, meint er, sei durch die be- kannte, von chm gebilligte, gesundem Rechtsempfinden aber ins Gesicht schlagende Konstruktion einer Erpressung aus der Ankündigung eines Streiks genügend geschützt. Die armen Arbeitswilligen seien aber nicht geschützt. Durch Polizeivcrordnungen könne man da nicht vorgehen, weil diese nur aus dem Gesichtspunkt der Verkehrsstörung einschreiten könnten. Dem Verfasser muß bekannt sein, daß gerade das polizeiliche Vorgehen gegen Streikpostenstehen. das die Ver- hütung einer Verkehrsstörung vorschützt, das Koalitionsrecht antastet. Mit Unreckst hat das Kammergericht nach dem un- freiwilligen Ausscheidens des Kammergerichtsrats Havcnstein aus dem Strafsenat den Mißbrauch, der durch Polizeiverordnungen gegen Streikposten. st eher geübt wird, für zulässig erklärt, weil dem Richter nicht zu st ehe, nachzuprüfen, ob eine polizeiliche Maßregel erforderlich und zweck- mäßig gewesen sei. Mit Vollem Recht läßt sich behaupten: wenn Ausschreitungen gegen Ar- beits will ige stattgefunden haben, so ist in daran das polizeiliche Vorgehen, da» unter dem Vorgeben. einer Verkehrsstörung entgegenzutreten, aus menichen leeren Straßen Streikposten wc gwei st. Dl e Richter des Kammergerichts hätten alle llrsache, sich zu fragen, ob nicht ihre auf dem Ge- biete des Streikpostenstehens geübt? falsche dem Urteil des Reichsgerichts vom 4 �ebruar 1901 schroff widersprecl,cnde Rechtsprechung Mit>chuld, wenn nicht Hauptschuld an den vorgekommenen Ausschreitungeil trägt, mögen sie von der Polizei gegen Arbeiter oder mögen sie von Arbeitern auch gegen Arbeitswillige begangen sein. Der Kern der Ausführungen des Kammergerichtssenats- Präsidenten liegt in folgendem Satz:„D a s S t r e i k p 0 st e n- stehen aber muß untersagt werden und ist meines Erachtens allein aus dem Entwurf von 1899 herauszuschäle n." Das Recht auf Streik- postenstehen nehmen, heißt das Koalitionsrecht nehmen! Zu einer anderen Anschammg kann nur gelangen, wer ein F e i n d des Koalitionsrechts ist! Dr. Koffka meint, den Standpunkt, der von einer Seite im Reichstag bei der Beratung des Zucht. Hausgesetzes geltend gemacht wurde:„der Arbeiter, der sich von einem Streik ausschließe und weiter arbeiten wolle, sei ein verächtlicher Lu m p, weil er sich von seinen Käme- raden trenne und deshalb keinen Schutz verdiene", werde wohl niemand sonst vertreten. Ter Verfasser irrt. Das ist der Standpunkt aller, die für das Wesen des Koalitionsrechts Ver- ständnis haben, auch der von Richtern. Erklärte doch ein Londoner Richter sehr zutreffend in einer Gerichtsverhandlung im Jahre 1898: „Für die Gewerkschaftsmitglieder ist ein Streikbrecher für seine Klasse das, was ein Verräter für sein Land ist, und obgleich beide in beschwerlichen Zeiten nützlich sein mögen, für die eine Partei, so sind sie doch mißachtet von allen, sobald der Friede zurückkehrt. Der Streikbrecher ist der letzte» der einem andere» Hilfe gibt, aber der erste, der Hilfe verlangt, doch arbeitet er nie- mals gesichert. Gr nimmt nur ans sich Rücksicht, aber er sieht nicht über den Nächsten hinaus, jedoch für Geld und würdelose Zubilligung wird er seine Freunde verraten, seine Familie und sein Land. Mit einem Wort, er ist ein Verräter in kleinem Maßstabe, der erst seine Kollegen verkauft und nachher wird er von seinem Arbeitgeber verkauft, bis er zuletzt verachtet und ver- abscheut ist von beiden Parteien; er ist ein Feind seiner selbst, der Gegenwart und der kommenden Gesellschaft." TieS Urteil wird jeder unterschreiben, dem nicht völlige Weltfremdheit eigen und deshalb das Verständnis für die Not- wcndigkeit des Koalitionsrechts verschlossen ist. Das K 0 a l i» t i 0 n s r e ch t ist, wie Gneist einmal zutreffend sagte, eine Grundlage der best ehe ndeu Gesellschafts- 0 r d n u n g. Es ist erforderlich, wenn der Verkäufer der Ware Arbeitskraft nicht schlechter behandelt werden soll, als der Ver- käufer irgend einer anderen Ware. Ter Abeitsvertrag ist die ökoilomische Zufluchtsstätte für Millionen und Abermillionen. Eine Beschränkung der Koalitionsfreiheit der Arbeiter enthält eine Beschränkung in> der Wahl der Mittel, die auf die Be- stimmung der Arbeitsbedingungen, namentlich des Arbeits- lohnes und der Arbeitszeit, einwirken können. Denn sie engen die Verabredung des gemeinschaftlickien Handelns ein, durch das allein der Annahme der Bedingungen Nackchruck verschafft werden kann. Koalitionsbeschränkungen gefährden wegen der Untremibarkeit der Ware„Arbeitskraft" von der Person ihres Eigentümers diepersönlicheFreiheit des Arbeiters. Das Koalitionsrecht im Kampf gegen die ökonomische Hörig- kest der Arbeiter einschränken, heißt: dem körperlichen, geistigen und sittlichen Niedergang der Arbeiterklasse V 0 r s ch u b l e i st e n. Zum Koalifions- recht gehört das Streikpostenstehen als Mittel zu seiner Aus. Übung. Ist es schon ungeheuerlich, daß neben der gesetzlichen Gewährleistung des Koalitionsrechts im 8 152 der 8 l53 einen Galgen für gewisse Arten des Gebrauchs des Koalitionsrcchts aufstellt, so heißt ein Verbot eines Streikposten- stehens aufstellen das KoaTitionsrecht s e l b st aufheben! Wer die Geschichte insbesondere der englischen, französischen und deutschen Kämpfe um das Koalitionsrecht kennt, der weiß, mit welch ungeheuren Opfern sich die Ar- beiterklasse das Recht auf Streikpostenstehen errungen hat. Und sie wird es sich nimmer nehmen lassen! Die„Deutsche Tageszeitung" bemerkt zu dem Koffkaschcn Aufsatz: „Wir wollen unS mit diesen Ausführungen nicht eingehend auseinandersetzen. Unsere Leser wissen, daß wir eine Ver- schärfung der bestehenden Bestimmungen für geboten, ja für un» erläßlich erachten. Wenn Senatspräsident Koffka hervorhebt, daß der Reichstag einer solchen Verschärfung nicht zustimmen werde, so gilt daß nach menschlicher Voraussicht auch für das von ihm empfohlene und für notwendig gehaltene Verbot des Streik- Postenstehens. Erachtet die Regierung derartige Maßnahmen und Verschärfungen für nötig, dann hat sie die Pflicht, den Widerstand des Reichstages zu brechen oder die Verantwortung für die bedenkliche Unterlassung ihm aufzubürden." Die Arbeiterklasse ersieht hieraus von neuem, daß die Reaktionäre nach einem neuen Ausnahmegesetz gegen die Ar- beiterklasse lechzen. An ihr wird es sein, das Menschenrecht, dessen Raub geplant ist, nicht mir festzuhalten, sondern seine Erweiterung und Sicherstellung durchzusetzen. Dr. Koffka sagt an einer Stelle seines Aufsatzes: „Will man daher solchen Unruhen vorbeugen, so muß ent- weder die Polizei abgehalten werden, die Arbeitswilligen zu schützen, oder sie muh in den Stand gesetzt werden, den Arbeits- willigen genügenden Schutz zuteil werden zu lassen. Für daS erstere kann man sich unmöglich entscheiden." Der Verfasser vergißt zu bedenken:wenndiePoIizei sich nicht in Arbeitskämpfe hineinmischt. dannent st ehenebenkeineUn ruhen. Das Hinein- mischen erfolgt durch die Behinderung der Streikposten. Ein Verbot des Streikpostenstehens würde naturgemäß Unruhen provozieren, zu deren vermeintlicher Hinderung das Verbot empfolsten wird. Wer, wie der Verfasser, die Polizei gegen die Arbeiter anruft und gar ein Reichsgesetz in diesem Sinne verlangt, der tritt völlig auf die Seite der Arbeitgeber gegen die Arbeiter. Der tritt auf die Seite derer, die die Arbeiter zu Sklaven hcrabzudrücken trachten. Gegen ein Ausnahine- gesetz, wie es der Kamniergerichtssenatspräsident verlangt, wird die Arbeiterklasse ohne Unterschied ihrer Polstischen Richtung wie ein Mann stehen- Das gebietet ihre Sclbsterhalsting! gefährliche thronltiitzei). vor dem 13. Dezeniber 1909. als noch das Zentrum Regienings- Partei spielte, gehörie eS zum offiziellen RcgierungSprogramm, daß der höheren katholischen Geistlichkeit bei allen möglichen Gelegen- heiten kleine Aufmerksamkeilen erwiesen wurden. Der Kaiser be- suchte die katholischen Prälaten, Abteien, Klöster und Kirchen und hielt dabei längere oder kürzere Reden, in denen er die Verdienste des Klerus um die«ufrechterhaltung des christlichen Glaubens und die Riederhaltung de» sogenannten materialistischen Geistes feierte- ; Auch die in Hobenzollem-Sigmaringen gelegene, einst den Augustinern gehörende Erzabtei Beuron der Benediktinerkongregation hat er wiederholt mit feinem Besuche„beehrt". Die Ausschaltung deS Zentrums störte auch diese guten Beziehungen zwischen Kaiser und Klerus. Die Besuche hörten auf. und der Kaiser betätigte seine Redegabe auf anderen Gebieten— bekanntlich nicht immer zur Zu- friedenheit„seines" Volkes, selbst nicht der Nationalliberalen. Frei« konservativen und Antisemiten. Auch nach der redlichen Mitwirkung des Zentrums bei der letzten vaterländischen Neickisfinanzreforin blieb zunächst der Kaiser mißtrauisch. Nachdem sich aber heraus- gestellt hat» daß die in Preußen herrschenden Junker von einem neuen konservativ- liberalen Block nichts wissen wollen, sondern die Paarung mit dem Ultramontanismus bevor« zugen, geht jetzt von neuem die kaiserliche Gnadensonne über den hohen Klerus auf. Der Kaiser hat wieder die Erzabtei Beuron be- suckt und eine jener bekannten Reden über die künstlerischen, reli- giösen und sonstigen Verdienste der Benediktiner gehalten. Und die klerikale Presse hat nicht versäumt, sofort den Wortlaut der kaiser- lichen Ansprache zu veröffentlichen, um der Welt zu beweisen, daß das alte schöne Verhältiiis zwischen Kaiser und Klerus wieder hergestellt ist. In dieser Bekundung, daß der Kaiser die alten Beziehungen wieder anzuknüpfen trachtet, liegt die Bedeutung der Kaiserivorte im Kloster Beuron. nicht in dem Wortlaut der Rede, die völlig im Sinne der üblichen Ansprachen des Kaisers gehalten ist. Einiges Interesse bietet nur folgender Passus der Rede: Was ich von Ihnen erwarte, ist, daß Sie in den Bahnen Ihrer Vorfahren weiterarbeiten und mich unterstützen in meinen Bestrebungen, dem Volke die Religion zu erhalten. Dies ist um so wichtiger, als das 20. Jahr- hundert Gedanken ausgelöst hat. deren Be- kämpfung nur mit Hilfe der Religion und mit Unter- stützung des Himmels siegreich durchgeführt werden kann. Das ist meine feste Uebcrzeugung. Die Krone, die ich trage, tonn hier nur dann einen Erfolg verbürgen, wenn sie sich gründet auf daL Wort und die Persönlichkeit des Herrn. Als Symbol dafür habe ich das Kreuz in diese Kjxche gestiftet, um damit, wie ich es in meinem Handschreiben gesagt habe, zu_ beweisen, daß die Regierungen der christlichen Fürsten nur im Sinne deS Herrn geführt werden können, und daß sie helfen sollen, den religiösen Sinn, der den Germanen angeboren ist, zu stärken und die Ehrfurcht vor Altar und Thron zu vermehren. Beide gehören zusammen und dürfen nicht getrennt werden. Darum fördere ich von ganzem Herzen die Bestrebungen, die Sie verfolgen. Wie bisher werde ich Ihnen auch in Zukunft meine Huld und meinen Schutz bewahren. Das alte Schema! Thron und Altar müssen sich gegenseitig stützen und gemeinsam die Bestrebungen bekämpfen, die daS zwanzigste Jabrhundert ausgelöst hat: d. h. den Sozialismus. Der Kaiser weist also den geistlichen Orden die Tätigkeit einer Art geist- sicher Gendarmerie zu. Eine prächtige Aufgabe. Nur glauben wir. daß ein Thron, der sich auf Mönchsorden stützt, nicht allzu fest fundiert ist; wenigstens zeigen die Vorgänge in Spanien und Por- tugal, daß solche Stützen oft recht wackelig sind. Die arbeitswillige Prügelmalchine. Am 6. Oktober meldete der.Vorwärts", daß einer der bei den Unruhen in Moabit Verhafteten auf den Kohlenhos von Kupfer u. Co. von der Garde des Hintze und unter den Augen der Schutzleute furchtbar verprügelt worden ist. Kein Blatt der bürgerlichen Presse hat von dieser furchtbaren Anklage Notiz zu nehmen sür nötig be- sunden, aber auch dem Polizeipräsidium und der Staatsanwaltschaft hat sie kein Lebenszeichen entlockt. Alles blieb stumm. Jetzt, im Prozeß zu Moabit stellt sich heran», daß der entsetzliche Fall, den der„Vorwärts" damals mitteilte, nicht ver- einzelt ist. Die Vernehmung.der Angeklagten zeigte ihn als ein Stück eines wohlorganifierten Systems I Wie eine gutgeölte Maschine funktionierte auf dem Kohlenhos von Kupfer u. Ko. die Prügcltriippe deS StreikbruchunteniehmerS Hintze. Sie trat sozusagen automatisch in Funktion, die Schutzleute hatten gar nicht nötig, sich etwa durch ein Kommando zu kompromittieren. DaS Erscheinen eine» Verhafteten genügte, um die Fäuste und Beine der„wert- vollsten Elemente" in Tätigkeit zu setzen. Dem wehrlosen Häftling wurde von zehn bis fünfzehn der rohen Gesellen, die mit Wollust dieses Schinderamt übten— es hat, wie die Bekenntnisse Friedrich Hintzes zeigen, ihrem Charakter wunderbar entsprochen— ein„Willkomm" bereitet, dessen Schilderung einem noch heute das Blut in den Adern erstarren läßt. Nicht nur mit Fäusten, auch mit scharfen Instrumenten müssen sie geschlagen haben, wie die Wunden des Angeklagten Zollchow beweisen, die vom GcrichlShof beaugenscheinigt wurden. Und nicht eher wurde von dem unglücklichen Opfer ab- gelassen, als bis die Arbeitswilligen des SchlagcnS müde waren oder der beaufsschtigende Polizeibeamte mit den Worten:„Nun ist'S genug!" den Befehl zur Einstellung der Schinderarbeit gab I Nicht sin allen Fällen übrigens haben die Schutzleute die Miß- Handlungen durch ihre Pinkertons ausführen lassen— mehrfach haben sie sich auch eigenhändig bemüht. Der Angeklagte Heine erzählt, daß er an Händen und Füßen gefesselt und dann derartig mißhandelt wurde, daß man im Krankenhause Moabit an seinem Auskommen zweifelte, wie der Polizeibericht selbst anderen Tages meldete. Ein anderer Angeklagter gibt an, daß er in der Zelle zweimal von je zwei Schutzleuten geprügelt wurde I Ob wir von einem Strafverfahren gegen die schuldigen „Sicherheitsbeamten" hören werden? Oder wird der Polizei- Präsident sie nicht ermitteln können, wie seinerzeit sein Breslaucr Kollege den Handabhacker nicht zu finden vermochte. Oder wird er sie etwa gar ebenso in Schutz nehnen» wie jene Helden» die die englischen Journalisten verprügelten? Eine Lunte GeseMckiafi ist's, die von der Staatsanwnlischast auf den Anklagebanken zusammengewürfelt worden ist. Da sitzt der junge Burich, der Steine warf und anderen Steine in die Hand drückte, neben dein gereisten Mann, der in der Erregung über das. was er sah, ein Wort der Empörung nicht zurückhalten tonnte; der ehrliche Arbeiter neben Leuten mit bedenklicher Vergangenheit, der Organisierte neben dem Indifferenten und dem Gelden, der Ruhige, den das Erregende des Milieus fortrig. neben dem am typischen Blau- koller Leidenden und den Leuten mit der«betrunkenen Beschichte'. Eine bunte, gemischte Gesellschaft, die allen schon das Scharfmacher- und Polizeimärchen von der„sozialdemokratisch verhetzten Masse', die die Moabiter„Revolution" gemacht hat, zerstört. Es wird dem bösesten Willen , licht gelingen, diese Angeklagten der Arbeiterbewegung anzuhängen. Mehrere davon erklärten�, datz sie noch nie in ihrem Leben einem Verbände angehört haben, und der Gelbe Albrccht, der sich „aus GeschäftSrücksichten', wetl er sonst auf den Siemens-Schuckert- Werken keine Arbeit erhielt und keine Aussicht auf einen Meister- Posten hätte, der seine„Geschäftsinteressen" so sehr zu wahren weiß, daß er nicht einmal die Beiträge für den gelben Verein zahlt, der läht sich mit aller Rabulistik nicht in einen von der Sozialdemo- kratie Verhetzten uniwandeln. Der LebiuS versucht den Mann jetzt abzuschütteln, aber das wird ihm nicht gelingen. Der ist ein aus- gewachsenes Prachtexemplar eines Gelben, der, von keiner Gesinnung beschwert, nur seinen unmittelbarsten eigenen Vorteil im Auge hat, keinerlei Verpflichtung gegen seine Berufsgenossen und seine Organi- fation kennt. Daß er seine Beiträge nicht zahlt, das hat er mit sehr vielen seiner gelben Kameraden gemein! Den Schluh der Sitzung füllte wieder eine Debatte über Hast- entlassungSanträge aus. Die Staatsanwaltschaft ergriff jetzt selbst die Initiative und empfahl, drei Häftlinge freizulassen. Der energische Vorstost der Verteidigung ist also nicht ohne Erfolg ge- Wesen. Sie fügte den Anträgen der Staatsauwallschaft noch einige andere an, worüber es wieder zu interessanten Auseinandersetzungen kam. DaS Jntereffanteste war dabei ein weiterer Rückzug der Staats- anwaltschaft. Verteidiger Th. Liebknecht hatte die unglaublich rück- ständige soziale Auffassung gegeißelt, die die Anklagebehörde in der Aullageschrift wider die streikenden Kohlenarbeiter kundgibt, indem sie der Firma Kupfer u. Co. attestiert, dasi sie die VcrmütelungS- Vorschläge ablehnen mußte. Jetzt erklärte Herr Steinbrecht zur allgemeinen Ueberraschung, daß daS nicht die Anschauung der Staats- anwaltschaft, sondern nur die des Geschäftsführers der Kohlenfirma sei, die die Anklage lediglich referiere. Mit Recht konnte der Ver- teidiger entgegnen, daß das nirgends in der Anklageschrift zu erkennen sei und datz diese doch selbstverständlich die Ansichten der Anklagebehörde wiederzugeben habe!/ DaS Gericht entsprach zweien von den drei HaftcntlassungS- antrügen der Staatsanwaltschaft und einem von den Anträgen der Verteidigung._ Der Sieg des Sozialismus in den Vereinigten Staaten. New Uork, 9. November.(Cig. Ber.) Cineil g r o st e n Erfolg bat der Wahltag unserer Partei gebracht. Wir schreiben diesen vorläufigen Bericht nach Mitternacht des Wahl- tages, und die letzte zusanrinenfasscnde Meldung aus dem Laitdesbureau der Partei, die nach Nelv Ifork gelangt, besagt, daß im ganzen Sands eine gewaltige, vielleicht hundertprozentige Stimme nztl na hnie der Partei stattgefunden hat. In den Staaten Wisconsin, Ohio, Minnesota und Massachusetts sind insgesamt 35 s o z i a l i- stische Staatslegislatore gewählt. Die Berichte aus Kalifornien deuten auf eine Bervicrfachung des Parteivotums hin. Den gröhten Enthusiasmus er- regtm aber die Nachrichten aus M i l w a u k e e, das den Ruhm gewonnen hat, die ersten f o z i a l i st i f ch e n Volksvertreter nach der Bundeshauptstadt zu entseudcu, einen Ruhm, in den sich mir die Parteigenossen von C o l u m- bus in Ohio mit den Mikwaukeern teilen. In Milwaukee sind, wie der„Vorwärts" bereits telegraphisch berichtet hat, zu Repräsentanten gewählt die Genossen Viktor B e r g e r und Winfield G a y l o r d. Austerdein haben die Arbeiter des Countys(Regierungsbezirk) Milwaukee r e iu sozialistische Countybehörden gewählt, so dast die Sozialdeinotratie l)eute in der Stadt, wie im County Milwaukee gebietet. In der Person des Genossen Zabel wurde dort auch der e r st e sozialistische Staatsanwalt der Vereinigten Staaten gewählt. Die sizialistische Fraktion in der Volks- kammer des Staates Wisconsin(dessen wirnchemliche Haupt- stadt Milwaukee ist), wurde von sechs auf elf Mann verstärkt und zu dem bisherigen sozialistischen Senatömandat wurde ein zwciteL hinzucrobcrt. Zugleich hat unsere Partei gestern von einer andercn Stadt WisccmsinS, H o l l y. Besitz ergriffen. Nach den telegraphischen Meldungen aus der sozialdemokrati- scheu Groststadt am Michigan-See feierten unsere dortigen Ge- nassen ihren Triumph durch großartige Straßendemon- strationc». In der Stadt N ew I o r k haben wir zwar nicht derartige glänzende Erfolge zu verzeichnen, aber immerhin haben wir auch in der Landesmetropole, die zugleich die Metropole des anierikanischen Kapitalismus mit all seinen korrumpierenden Einflüssen ist, einen Schritt vorwärts gemacht. Die Berichte aus allen Bezirken Grost-New Aorks ergeben eine Zunahme unserer S t i m m e n z a h l gegen die Staats- und Kongretzwahlen von 1908 und erst recht gegen ldie vorjährigen städtischen Wahlen. Die New Vorker„Volks- zeitung" nimmt an. dast der Staat New Uork 50900 sozialistische Stimmen geliefert hat, von denen auf die Stadt New Uork etwa die Hälfte entfällt. Damit hätte unser« Partei die von dem„gelben" Zeitungsmillionär H e a r st aufgemachte „Unabhängigkeitsliga" von der dritten Stelle verdrängt. In der unteren Ostseite New UorkS kandidierte Genosse Meyer London, der nur dadurch unterlag, dast Demokraten und Republikaner sich in elfter Stunde gegen den Sozialisten ver- einigten. Immerhin hat Genosse London über ein Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. In« Staate New Uork haben«vir durchweg Fortschritte gemacht, die teisiveise geradezu überraschend sind. So sprang unsere Stimmenzahl in Buffalo von 759 auf 300(1, in Schenectady von 853 auf 2550, in Rochester von 1183 auf 2284. Auch aus Pennsylvanien. Massachusetts, Connecticut und New Jersey laufen ähnliche Berichte ein._ politifcbc(Jcbcrficbt, Berlin, den 17. November 1010. Tie Grenzen ans für die Vieh- und Flcischeinfuhr. Auch die sächsische Regierung erkennt jetzt an, daß eine Fleischnot in Sachsen besteht und AbhilfSmaßnahmen dringend erforderlich sind. Ter sächsische Staatsministcr Graf Vitztum von Eckstädt wird sich, wie der„Berliner Lokal-Anzeiger" er- fährt, am Montag nach Berlin begeben, um in der Sitzung des BundesratSailsschusses für auswärtige Angelegenheiten die Wünsche Sachsens an die Reichsrcgierung zur Abhilfe der Fleischnot vorzubringen. Die Meldung kann in dieser Form natürlich nicht richtig sein, denn der BundesratSausschnß für Ausivärtige Angelegen- Helten hat mit der Frage der Fleischnot nichts zu tun. Wahr- scheinlich wird der sächsische Minister mit dem Reichskanzler und mit den Vertretern der preußischen Regierung verhandeln wollen, um eine Oeffuung der Grenzen zu erzielen. Vor furzer Zeit noch hat die sächsische Regierung nach dein Muster der preußischen das Vorhandensein einer Fleischnot bestritten. Ob der Reichskanzler geneigt fein wird, den Wünschen der sächsischen Regierung nachzukommen, das ist recht fraglich; denn der heftige Protest der konservativen Presie gegen die Einschränkung der Grenzsperre und die gleichzeitige Ankündi- gung einer Scuchenschutz-Jnterpellation im Reichstage durch den Moniteur des Bundes der Landwirte, die„Deutsche Tageszeitung", haben ihre Wirkungen im Reichskanzleramt nicht verfehlt. Blasse Furcht vor den Drohungen der Kon- servativen herrscht dort vor. Und tatsächlich scheut man denn auch, wie wir hören, davor zurück, die von Bayern gestellten Wünsche zu gewähren, nur eine größere Einfuhr von aus- ländischen Schweinen in Bayern will die Reichsregierung allenfalls zugestehen. Doch wird noch zwischen dem Reichskanzler und Bayern unterhandelt, und lvenn letzteres energisch auf seine Forderungen besteht, wird ihm voraussichtlich ge- stattet«Verden, außerdem noch eine beschränkte Zahl Rinder aus Frankreich nach seinen Hauptschlachtvtehinärkten ein- zuführen. Die sozialdemokratische Fraktion des sächsischen Landtages hat deshalb zu geeigneter Zeit einen weiteren Vorstoß unter- nommen. Die Genossen Sindemiaim««nd Fräßdorf wandten sich im Namen der sozialdemokratischen sächsischen Landtags- fraktion mit dem dringende»« Ersuchen an die Regierung, Maßnahmen zur Linderung der bestehenden Fleischnot, ins- besoirdere durch Oeffnung der Grenzen nach dem Beispiel Badens und Bayerns, zu treffen. * ♦* Der„Deutsch-argentinische Zentralverband zur Förderung wirtschaftlicher Interessen", Berlin, hat eine längere Petition an den Reichstag gerichtet, in der er uin Zulassung der Ein- fuhr von argentinischen» Gefrierfletsch in Deutschlaird ersucht. Iii der Begründung heißt es: Welche Bedeutung die Einfuhr argentinischen gefrorenen Rind- fleischeS für den englischen Markt hat, ergibt sich daraus, datz im Jahre 1S00 allein 2 381 543 englische Zentner im Gesamtwerte von 3382328 Pfd. Stert, zur Einfuhr gelangten. Demnach dürfte nicht zu bezweifeln sein, datz die Qualität deS argentinischen Gefrierfleisches eine gute ist. Die Preise ftlr argentinische? Gefrierfleisch stellen sich nach amtlicher Aufstellung des deutschen Generalkonsulats London in, Engroshandel auf dem Londoner Zentralfleischmartt am 1. September 1910 wie folgt: Hin'erviertel 34 Schilling pro englischen Zentner(13.3s Kilogramms, also etwa 0,79 Mark pro Kilogramm. Lorderviertel 27 Schilling der englische Zentner, also etwa 0,57 Mark pro Kilogramm. Demgegenüber betrugen zur selben Zeit die Preise für Rind- fleisch im Kleinhandel in Berlin(nach der vom Königl. Preutz. Statist. Landesamt herausgegebenen„Statistischen Korrespondenz): Hinterviertel... 1,90 M. pro Kilogramm Vorderviertel... 1,78„„„ Eine Schädigung der deutschen Landwirtschast durch die Em- fuhr gestorenen Fleisches erscheint deshalb als ausgeschloffen, weil das gefrorene Fleisch stets nur als Oualttät zweiter Klaffe ein Nahrungsmittel der unbemittelteren Klaffen fein und somit der heimischen Ware keine Konkurrenz machen wird. Hierfür sprechen die diesbezüglichen Erfahrungen Englands. Dort stellte sich gegen- über dem oben angegebenen Preise von 79 M. pro Doppelzentner I. Qualität argentinischen GestierfleischeS der Doppelzentner englischen Rindfleisches I. Qualität auf III M. Handelte es sich für die konservativen und klerikalen Agrarier tatsächlich um die Fornhaltung der Seuchengefahr, sie könnten gegen die Einfuhr von argentinischem gefrorenen Fleisch nichts einzu- >v enden haben; denn eine Verseuchung des deutschen BtehbestandeL durch solches Fleisch ist völlig ausgeschlossen. Aber es handelt sich eben für sie nicht um Seuchenschutz, sondern um die Hochtreibung der Viehpreise. DaS Gerede vom Seucheitschutz betrachten sie selbst nur als eine Verlegenheitslüge. » In Karlsruhe macht sich bereits die Wirkung der Einfuhr von französischem Schlachtvieh bemerkbar. Wie von dort gemeldet wird, hat die Einfuhr schon den Erfolg gehabt, daß die Fleischerinnung beschlossen hat, die Wurstpreise um 10 Pf. pro Pfund herabzusetzen. Eine Herabsetzung der Fleischpreise soll in allernächster Zeit erfolget«. Die wirkliche Militürvorlage. Die Neuforderungen des Kriegsminlsters bilden in der militaristischen Presse den Gegenstand abfälliger Kritik. General v. Loebell, der Förderer der vaterländischen Arbeitervereine, fragt empört:„Ist denn unser an wehrfähigen Männern so reiches Deutschland an Geldmitteln so arm, daß die zu den so geringen angeforderten HeereSverstärkungen notwendigen Unteroffiziere und Mannschaften durch Etatsherabsetzungen bei den bestehenden Truppenteilen gewonnen werden sollen?" Das Verdienst, der Katze die Schelle umgehangen zu haben, gebührt aber unstreitig dem militärischen Mitarbeiter der„Berliner Neuesten Nachrichten". Er skizziert die Haupt- wünsche des Heeres, wie sie diesen Sommer von der Heeres- Verwaltung„angeblich" geplant waren, dahin: Vermehrung der Kaders durch Neuaufstellung dritter Bataillone bei den 33 Jnfanterieregimentern, die erst zwei Bataillone besitzen, Neuformierung der zweiten Feldartillcrieregimenter bei der 37. und 39. Division, Vervollständigung der bayerischen Feld- artillrriercgimcnter auf die Batseriezahl der übrigen deittschen Regimenter, Verstärkung der Trambatalllonc um je eine weitere Kompagnie. Das deckt sid) vollständig mit den Angaben, die der„Vor- wärt»" i« seiner Nummer vom 26. Juli gemacht hat. Aber auch diese Vorlage war bereits aus das berühmte„äußerste Maß" beschränkt, in Wirklichkeit gingen die Pläne der Heeres- Verwaltung erheblich weiter. Nur dem von hoher Stelle unterstützten Machtgebot des Reichsschatzsekretärs sich fügend— also der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe— hat die Heeresverwaltung klein beigegeben. Ob sie dabei als schmerz- stillendes Pflaster die Zusicherung erhalten hat, daß ihr nach den Wahlen keine Schranken mehr gezogen werden sollen, ist uns nicht bekannt, wir halten es aber für sehr»vahrscheinlich. Aus dem ganzen Treiben ergibt sich aber, daß die jetzigen Mehrforderungen bloß eingebracht wurden, damit der Reichs- tag nicht aus der Uebung kommt. Die wirkliche Militär- Vorlage ist fix und fertig, sie kommt nach den Neinvahlcn. Der Kampf der„Nationalliberaken Korrespondenz" gegen die Selbstverwaltung der Ortskraukenkassen. Zu diesem Kapitel wird uns noch geschrieben: Am Ende des vorigen und Anfang dieses Monat? brachte die „Nationalliberale Korrespondenz" in einigen ihrer Nummern eine Sammlung von Anekdoten und Märchen über sozialdemo- kratische Umtriebe in den Ortskrankenkassen. II»« die Setvsloerwaltung der Orisiaffen zu vernichten, erscheint der „Nationalliberalen Korrespondenz' jede? Mittel recht, wenn es nur dazu dient, die Ort'kraiikeiikaffen-Vorsiände bei den Scharsmachern und der Regierung zu denunzieren. Wir glauben aber, datz selbst diesen Stellen Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit der Er- Zählungen der„Nationalliberaleu Korrespondenz" aufsteigen werden, denn wenn sie nur die geringste Probe aushielten. lvürde die Korrespondenz doch wenigstens die Orte nennen, wo sich die verschiedenen Begebenheiten abgespielt haben sollen. Bei der „Notionalliberalen Korrespondenz' wird wohl das Material hängen geblieben fein, mir dem Mitglteder des ReichswahrheitSverbandcS vor einiger Zeit Aufsehen erregen z» können glaubten; sie mutzten aber ihre Gewährsmänner sehr bald von den Rockschößen ab- schütteln. Um zu erfahren, was an dem„Material" der.Nationalliberalen Korrespondenz" wahre« ist, wandte sich der NeichSragsabgeordnete Eichhorn an die„Nationalliberalc Korrespondenz' mit dem Er- suchen, in da? Material Einsicht nehmen zu dürfen. DaS wurde ihin aber auS politischen Gründen verwehrt. Tie Zentrale für daS Deutsckie Krankenkassen Wesen zu Berlin, doch sicher eine berufene Instanz, versuchte nunmehr ihr Glück und sandte nachstehendes Schreiben an die genannte Zeitschrift: „An die Redaktion der„Nationalliberaken Korrespondenz- Berlin W. 9. In der Nummer vom 4. d. M. bringen Sie in Ihrer ge« schätzten Zeitung eine Noiiz über sozialdemokratische QnSkranken- fassen und bemerken dabei, datz Ihr diesbezügliches Material jedermann zur Einsicht frei steh», sofern er ein Interesse daran hat und einen vertrauenerweckenden Eindruck macht. Ich gestalte mir nun die ergebene Anfrage, ob und wann eS mir gestaltet ist, in dieses Material Einsicht zu nehmen. Für Ihre FrcunMichkoil im voraus verbindlichst dankend, gestatte ich mir, ein Freikuvert mit der Bitte um baldgefällige Antwort ergebenst beizufügen. Mit vorzüglicher Hochachtung Zentrale für das deutiche Krankenkassenwesen Engelufer 15, Berlin. gez.: E. S i m a n o w s k i. Vorsitzender." Hierauf ging ihr am 11. November 1910 folgende Antwort zu: „Nationalliberale Korrespondenz" Bersin W. 9, 10. November 1910. Schellmgstr. 9. An die Zentrale für das Deutsche Krankenkassenwesen z. H. des Herrn E. Simon owski LO. 10, Engelufer 15. Auf Ihr gefl. Schreiben vom 9. d. M. erwidere ich ergebenst. datz ich bedauere, Ihnen die erbetene Einsicht in das von der „Natiouall. Korr." veröffentlichte Material über die sozialdemo- kratische Mitzwirtschaft in dc» Örtölrankenkasien nicht gewähren zu können. Ich bemerke dabei, datz Ihnen bei der Bezugnahme aus die Aeutzeruug in Nr. 235 der.Nationalliberalen Korr.' insofern ein Irrtum unterlaufen ist, als wir für die Einsicht- »ahme nicht nur die Bedingung eines vertrauenden Eindruckes. sondern auch die weitere Bedingung aufgestellt haben, es müsse Gewähr dafür gegeben sein, datz die„auf diese Weise erlangte Kenntnis der Namen uird Orte nicht zu Rachealten gegen die Einsender benutzt wird'. Sie haben daS offenbar übersehen. Wir müffen diese Gewähr eo ipso als nicht vorbanden ansehen bei Mitgliedern der Sozinldemokrmie und bei solchen Persönlichkeiten, welch« dieser Partei nahe stehen. Im übrigen haben wir nur einen kleinen Teil der uns übersandte» Klagen veröffentlicht»nd zwar denjenigen, bei dem die Zuverlässigkeit der Einsender und ihrer Angaben zweifelsfrei festgestellt werde» konnte. Ergebenst gez. Dr. Fritz Stephan Neuinann." Die Ausrede, mit der sich Dr. N e u n» a n n auch der Zentrale für daö deutsch- Kraukeiikasiemvesen gegenüber um die Vorlegung seines„Materials" herumdrückt, ist ebenso faul, wie die Ausreden gegenüber dem Abg. Eichhorn und der„Leipziger VolkSzeituug". Wenn irgend eine Stelle berufen ist, Klarheit über vermeintliche Mitzstände in den OrlSkrankenkassen zu sckiaffen, so doch sicher die Zentrale für daS deutsche Kraukeiikaffeiiwesen. die nicht nur die Jutereffen der Krankenkassen wahrnimmt, sondern auch in ihrer jahrelangen Arbeit stets aufs Eifrigste bestrebt war, etwa auftauchende U n z u t r ä g l» ch t e» t e n in den Kassen zu beseitigen. Wer die verdienstvolle Tätigkeit dieser Zentral- stelle verfolgt hat, wird uns darin nur zustimme». Und nun besitzt die„Nalioualliberate Koircsvondenz" die Unverfrorenheit, dieser Zentrale dieselben unaiiständlgen Praktiken zu unterstellen, die bei den nationalliberalen Arbeitgebern, wie aktenmätzig feststeht, gang und gäbe sind. Bleibt die.Nationalliberale Korrespondenz" dabei, auch ieht und fernerhin Anschuldigungen zu erheben, ohne bestimmte Orte oder Namen zu nennen, so mutz sie sich schon gefalle» lassen, datz ihre sensationellen Schwindelnachrichten auch als Schwindel be- zeichnet werden._ Das Zentrum in Bade»». AuS Offenburg wird mi» telegraphiert: Mittwoch fand die Landesversammlung deS badischen Zentrums in Offenburg statt. Ueber die politische Lage sprach der Chef der Partei, Geistlicher Rat Wacker, über die Finanzrrform Herr Zehnter und über die Lieichstagswahlen Herr Echofer, der die Aussichten deS Zentrums als sehr günstig bezeichnete. Der 9.(Durlach-Pforzheim) und 10. Kreis(KnrlSruhe-Bruchsal) könnte durch ein Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien der Sozialdemokratie abgenommen werden. Die Versammlung nahm eine im reinsten Scharsinacherstil gehaltene Resolution gegen die Sozialdemokratie an. deren Be- kämpfung die wichtigste Aufgabe der Regierung und der bürgerlichen Parteien sei. Die Nationalliberalen und Herr v. Bodman werden in heftigen Worten beschuldigt, der Sozialdemokratie Vorschub zu leisten. Da? Zentrum würde den gemeinsamen Kampf aller bürgerlichen Parteien durch die Sozialdemokratie freudig begrüßen und eine solche Sammlung lebhaft unter st ützen. Die Versammlung hat wiederum gezeigt, datz das Zenirmn seit dem Abschluß deS ichwarzblauen Bündnisses zu einer reaktionären Gefahr der schlimmsten Art geworden ist. Die Warenhäuser und der Wahlfonds des Hansa- bundes. Der Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser, e. V., bringt folgendes Schreiben zur Versendung: .Bertraulich! Verlin, 10. November 1910. An unsere Herren Verbaudsmitglieder I Rundschreiben Nr. 28/1910. Betr. WahlsoudS des HansabundeS. Wie Ihne» bekannt. ist der Hansabund gegenwärtig mit der Sammlung eines Wahlfonds für die nächsten ReichsiagSwahlen. die evtl. im November 1911 stattfinden tollen, beschäftigt. Der Hansabund bezweckt, wie wir Ihnen positiv mitteilen können, dir Bcsritizung der ngrarisch-konservativeu Herrschaft und damit der Reaktion in Deutschland. Eine bessere, d. h. liberalere Zu- sammcnsehuiig des Reichstage-? ist der erste Teil seines Programms, dem dann die Bcfierung der Verhältnisse in den Einzellandragen und in der Verwaltung folgen soll. Alle gewerblichen Kreise müssen deshalb die größten An« streng ungen machen, daß das erste Eingreifen des Hansa- bundes von vollem Erfolge gekrönt wird. Eine weitgehende Bc- einflustung der Wahlen ist aber nur möglich, wenn der Hansa- bund über die erforderlichen Geldmittel verfügt; darum m ü s s e n Handel, Gewerbe und Industrie diesmal das größte Opfer bringen und tief in die Taschen greifen: wenn da-Z nicht geschieht, sind alle Bemühungen für diesmal und auch sür die Zukunft fruchtlos. Wir bitten Sie daher, keine Opfer scheuen zu wollen, viel- mehr dem Vorstande des Hansabundes ihrer Ortsgruppe bezw. Ihres Provinzialverbandes namhafte und möglichst große Summen zur Verfügung zu stellen. Zugleich bitten wir Sie, uns die Höhe deS von Jbnen geleisteten nur einmaligen Beitrages baldgefälligst mitzuteilen, da- mit wir dem Haiisabunde im Interesse der Verstärkung deS Gewichtes und Einsluises unseres Ler- b a n d e S die Gesamtsumme, die unsere VerbandSmitglieder für den WahlfondS geleistet haben, angeben können. Wir hoffen keine Fehlbitte zu tun, wenn wir an Ihre Opfer- Willigkeit appellieren und begrüßen Sie mit kollegialer Hochachtung Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser, e. V. sgez.) Oskar Tietz. Vorsitzender. lgez.) Dr. I. Wcrnicke. Generalsekretär.' Militärische Jugenderziehung. Generalleutnant z. D. v. Reichenau behandelt im Scherlschcn .Dag' das gegenwärtig sehr aktuelle Thema der militärischen Jugenderziehung. Der Verfasser wendet sich mit aller Schärfe gegen die Soldatenspielerei, die gegenwärtig namentlich von der den besitzenden Ständen angehörigen Jugend getrieben wird. Das Urteil. daS er fällt, ist außerordentlich scharf. Er bemerkt, daß. wer jahrelang Soldat gespielt hat. wird sich schlecht mit den Forderungen der Disziplin abfinden. Der Uniformierung und Ausrüstung der Knaben-Truppenteile wohne ebenfalls lediglich der Charakter der Spielerei inne. Dann heißt es: .Die jugendliche Soldatenspielerei erfüllt ferner die Knaben nur zu leicht mit einer Eitelkeit und Ueberhebung, die den sonstigen Aufgaben der Erziehung hinderlich werden muß. Uniformen. Fahnen, Paraden, öffentliche Bewunderung und Hurrabeifall bringen den Knaben falsche Begriffe über ihr Können und die Bedeutung ihrer Leistungen bei. Daö ist un- gesund, verdirbt den Charakter, tilgt die Harmlosigkeit kindlicher Auf- sassung auS und begünstigt die Neigung zur Großmannssucht, die der modernen Jugend ohnehin gefährlich ist. Das beeinträchtigt auch die aufmerksame Hingabe an den Schulunterricht. Kann man erwarten, daß Knaben, denen noch die ihnen geltenden Hurras von gestern in den Ohren klingen, heute geneigt sein werden, sich aufmerksam mit wissenschaftlichen Dingen zu be- schästigen? Es taugt nichts, wenn Kinder an die Oeffentlichkeit gezogen werden!' Was wird der KriegSminister v. Heeringen dazu sagen, der im borigen Jahre einige Offiziere des Kriegsministeriums damit beauf- tragte, eurer Parade der Berliner Jugendwehr amtlich beizuioohncn. So viel uns erinnerlich, hat sich einer der Offizier« höchst an- erkennend ausgesprochen. Ein Urteil, das von dem Unternehmer, der diese Jugendwehr leitet, sofort geschäftlich ausgenützt wurde. Die Auslassungen des General« v. Reichenau stehen in schroffstem Widerspruch zu den Ansichten, die man im KriegSministerium über diese Soldatenspielerei hat. Man wird dem General v. Reichenan zustimmen müssen, wenn er dafür eintritt, daß man die Jugend zu gesunden, kräftigen, charakterfesten Mensche» erziehen solle. Allerdings gehen die Ansichten über die Wege, die zu diesem Ziele führen, ganz erheblich auseinander. Die Vertreter der Sozialdemokratie sind im Reichstag schon vor langen Jahren für eine bessere körperliche Aus- bildung der Jugend eingetreten. Insbesondere war es Bebel, der diesen Gedanken stets mit allem Nachdruck verfochten hat. Heute ist die Militärverwaltung selbst durch die Not der Zeit gedrängt, dem Gedanken der besseren militärischen Ausbildung der Jugend nahezutrcten, nur daß sie diese Ausbildung mit einer ebenso öden wie unsinnigen Soldatenspielerei erreichen will. Die Erste Kammer im elsast-lothriugischeu Verfastungs- plan. Die Straßburger„Post" veröffentlicht aus dem Entwurf der Verfassung für Elsaß-Lothriugen ausführliche Angaben über die Zusammensetzung der Ersten Kammer. Danach soll sich die Erste Kammer folgcnderinaßen zusammensetzen: Zunächst enthalt sie 5 ständige Mitglieder, die auch bei der jeweiligen Neubildung der Kammer für 5 Jahre, ebenso wie bei jeder Neuzusammenseyung nach dieser Auffassung Mitglieder bleiben würden. DaS sind die Bischöfe von Straßburg und Rietz, der Oberlandesgerichtspräsident, der Präsident des Oberkonsistoriums der Kirche augsburgischer Kon- fession und der Präsident des Syiwdalvorstandes der reformierten Kirche. Für die israelitische Kultusgcmcinschaft kommt lein stän- digeS Mitglied in Betracht, weil koin gemeinsames Oberkonsistorium besteht, sondern es wird sür jede neue Legislaturperiode ein Mit- glicd der drei israelitischen Konsistorien neu zu wählen sein. Ebenso wird die Universität ihren Vertreter in die Erste Kammer aus der Zahl der ordentlichen Professoren jeweils neu zu wählen haben. Weiter einhält die Erste Sdammer 4 gewählte Vertreter der Gemeinderäte der vier großen Stadtgcmeinden Straßburg, Metz, Mühlhausen, Kolmar, drei gewählte Mitglieder des Land- wirtschastsrat» für Elsaß-Lothriugc», je einen gewählten Vertreter der Handelskammern Straßburg und Metz und einen gemeinsamen Vertreter der beiden Handelskammern in Straßburg und eventuell 1 bis 3 gcipählte Mitglieder noch zu schaffender Arbeitervertretun- gen, also zusammen 18 bis Ll Vertreter von Körperschaften. Dazu kommen die vom Kaiser auf Vorschlag des Bundesrats zu er- nennenden Mitglieder der Ersten Kammer, die die Hälfte der Ge- samtzahl der Mitglieder nicht überschreiten dürfen. Zu diesen Absichten bemerkt die Straßburger„Post', daß es außerordentlich schwierig sein werde, aus der einheimischen Bevölkerung eine genügende Zahl Männer in die Erste Kammer zu enlscnden. die die sichere Bürgschaft für eine unbedingt reichstrcue deutsche Gesinnung und Haltung leisten würden. Es komme aber alles darauf an, daß die Z u fa m m e n f e tz u ng der Ersten Kammer die oppositionell? Wirkung der Zwei- tenKammer ausgleiche. Nationalliber«l-freisinn!ge Meldungen. Gestern fand in Köln zwischen gewählten Vertretern der Fort- schrittlichcn Vvlkspartei und der Nationalliberalen der Rheinprovinz eine Besprechung statt, um über eine Einigung beider Parteien für die nächsten Reichstagswahlen Beschluß zu fassen. Wie die„Franks. Zeitung" erfährt, ist im Prinzip eine volle Einigung zwischen den Vertretern der beiden Parteien erzielt worden, die von dem Gesamt- vorstände der beiden Parteien allerdings noch zu genehmigen ist. Oefterreick-dngarn. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Graz,'17. November'.(Privattelegramm.) Bei der gestri- gen Gemein deraiswahl errangen unsere Genosseir im dritten Wahlkörper trotz des stark beschränkten Wahlreäffs einen glänzenden Erfolg. Die Hauptstadt der Steier- mark wählte sechs Sozialdemokraten, darunter den Redakteur des„Ärbeiterwillen", Gen. Dr. Schacher! und den NcichSratsabgeordneten Gen. P o n g r a tz. Spanien. Ein Uebercinkoulmcn mit Marokko. Madrid, 17. November. Zwischen Spanien und Marokko ist ein Uebercin kommen abgeschlossen worden, wonach Spanien die Verwaltung des Teiles des RiffgebieteS, der von den spanischen Truppen besetzt ist, und von Alhucemas und Penon erhält, ferner eine Entschädigung von KS Millionen Pesetas, die in 75 Jahresraten zu entrichten ist. Mit dem Abschluß dieses Ver- träges dürfte die Gefahr eines neuen Kolonialkrieges fürs erste ab- gewendet sein. Cnglanc!. Die politische Lage. London, 17. November.(Privattelegramm.) Die Konservativen haben den Kampf ins Oberhaus verlegt. Die Lords verlangen, daß ihre Beschlüsse über die Vetoresolutionen abgewartet würden, bevor das Land befragt wird. Sie wollen der Wahlparole der Liberalen ein eigenes Programm der Oberhaus r c f o r m entgegenstellen, das zwar das Prinzip der Erblichkeit stark einschränken., aber eben dadurch den Ein- fluß des Oberhauses verstärken würde. Zugleich waren gestern Gerüchte im Ilmlauf, daß der König die Garantie, die Asquith verlange, nicht gewähren wolle. Bekanntlich hat Asguitl) sick> verpflichtet, nur dann die Regierung fortzuführen, falls er die Sicherheit habe, daß nach einem liberalen Wahlsieg der König so viele liberale Lords er- nenne, daß das Gesetz gegen die Lords auch im Oberhause auf sichere Annahme rechnen könne. Bei Bersagung dieser Garantien lväre Asguith nach seinen oigenen Ankündigungen zum Rücktritt verpflichtet gewesen. Heute scheint aber das Vcr- bleiben der Regierung und die Auflösung des Hauses sicher. Die hochoffiziöse..W c st m i n st e r- G a z e t t e" erfährt, daß die Absicht der Regierung, das Parlament möglich st bald aufzulösen, nach wie vor feststehe. Es wird beab- sichtigt, das Budget noch vor der Auflösung zur Au- nähme gelangen und die Budgetdebatte im Unterhause erledi- gen zu lassen, während die Lords über die Vctobill beraten. Man kann daher annehmen, daß daS Parlament nicht später als Montag in acht Tagen aufgelöst wird. Unter diesen Umständen wird die Debatte im Ober- Hanse zur reinen szarce, um so mehr, da die Regierung bereits angekündigt hat, keinerlei Aenderungen an ihrem Eesctzcsvor- schlag zu akzeptieren._ Die Oberhausschung. London, IL. November. Oberhaus. Das Haus ist dicht besetzt. Lord Lansdowne verlangt die unverzügliche Vorlage der Vetorcsolutionen und erklärt zur Begründung: Es ist uns zu verstehen gegeben worden, daß wir uns am Vorabend einer Auflösung des Parka nients befinden. Eine der Folgen der Auflösung wird darin bestehen, daß alle jetzt dem Parlament vorliegenden Angelegenheiten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Eine andere Folge der Auflösung wird zweifellos die sein, daß die F i n a n z e n in einen Zustand un- heilbarer chaotischer Verwirrung gebracht werden, wie man sich bei einem früheren Anlaß ausgedrückt hat.(Gelächter auf Seiten der Opposition.) Eine Auflösung würde auch eine Verzögerung der Beratung von Roseberys Reform resolutionen und der Parlamentsbill der Regierung verursachen. Wenn sich das ereignen sollte, so würde cS ein sehr leicktfertiger Affront für das Parlament sein. Er sei genötigt, die Ansicht zu vertreten, erstens, daß eine Verminderung der Anzahl der Peers Wünschens w-ert sei, zweitens, daß kein Peer im Oberhaus lediglich aus erblichem Recht sitzen und ab- stimmen solle, drittens, daß das Oberhaus von außen entweder durch Ernennung oder durch Wahl verstärkt werden müsse. Seine Partei sei ferner bereit, wenn möglicb Mittel zu erwägen, durch welche die MeinungSverschieden- heiten zwischen dem Oberbaus« und dem Unterhaus« vielleicht in vernünftiger und wenn möglich freundschaftlicher Weise aus- geglichen werden könnten. Er möchte wissen, was geschehen sei, um die Regierung zu veranlassen, alles durch eine hastige Auflösung des Parlaments kurz abzuschneiden. Die einzige Ant- wort auf diese Frage sei— soweit er gewahr werde—, daß in der Zwischenzeit die Betokouserenz gescheitert sei. Aber wir haben absolut kein Recht zu der Annahme, fuhr der Redner fort, daß. weil acht Mitglieder beider Parteien nicht zur Ucbereinstimmung gelangen konnten, das Parlament der Gelegenheit beraubt werden soll, sich mit diesen so wichtigen Problemen zu beschäftigen. Die Regierung sollte in beiden Häusern mit ihre» Vetoanträgen vorwärtsgehen. Hierauf brachte Earl of E r e w e namenS der Regierung die Parlamentsbill ein, die sodann in erster Lesung formell angenommen wurde. Der Minister erklärte sodann: Die Vetovorschläge der Regierung seien weder feindlich noch unverträglich mit der Reform des Oberhauses. Lord L a n S- d o w n e wünsche anscheinend mehr Zeit für daS Oberhaus, sich zu reformieren, bevor die Frage der Beziehungen der beiden Häuser zueinander in Erwägung gezogen würde. Niemand habe das Oberhaus bezüglich der itzeformfrage gedrängt, die seit vielen Jahren dem Hause wie dem Lande vorgelegen habe. Aber nichts sei geschehen, und es sei anscheinend nur eine geringe Annäherung für eine Einigung über die Methode der Reform vorhanden. ES sei überzeugend bewiesen worden, daß eö aussichtslos sei, zu versuchen, die Frage durch eine Verständigung in diesem Parlament zu lösen. Er nehme nicht lediglich an, daß dies aussichtslos sei, sondern er wisse es. lBeisall auf Seiten der Regierungspartei.) Das Oberhaus sei berechtigt, seiner Ansicht über die Betobill Ausdruck zu geben, aber die Regierung könne keine Amendements disku- t i e rc n. Dir Regierung sei bereit, die Bill dem Hause vor- zulegen, damit eS dieselbe annehme oder ablehne, aber cä würde ein vollständiges Possen spiel sein, zu ver- suchen, im Hause alle die Punkte zu diskutieren, die in der Konfe- renz diskuriert worden seien. Nachdem Lord N o s e b e r y sodann angekündigt hatte, daß er morgen seine Reformresolutionen deatttragen werde. erklärte Lord Lansdowne. in Anbetracht der Weigerung des Earl of Crewe, eine Diskussion von Amendements zuzu- lassen, sei es zweifelhaft, ab die Veto-Bill überhaupt mit Nutzen diskutiert werden könnte. Mer er werde seine Kollegen über diese Angelegenheit befragen. Es sei jedoch schwierig für die Lords, sich zu entscheiden, bevor Asquith am Freitag seine Erklärung abgegeben habe. Dem Vernehmen nach wird die zweite Lesung der Parlaments-Veto-Bill im Oberhause am Montag statt- finden- Rußland. Zarische Justiz. Moskau, 17. November. Der Appcllhof sprach heute daS U r- teil gegen 31 Personen, welche wegen Zugehörigkeit zur revolutionären Partei angeklagt waren. Drei wur- den zu Zwangsarbeit, zehn zur Verschickung und die Mehrheit der übrigen Angeklagten zu Festungshaft verurteilt. Orke». Ter Belagerungszustand. Koiisnmtiilopel, IL. November. Nach zuverlässigen Nachrichten ist zwischen den Mitgliedern des Kabinetts ein Einvernehmen dahin erzielt worden, daß der Belagerungszustand mit dem 18. April 1911 aufgehoben lverdcn soll. Dagegen soll das Prcßzesetz verschärft werden. ff uz der(Reichsveriichcrungsordnungs- liiommiiiion. Sitzung vom Donnerstag» den 17. November. Die Unterkommission zur Beratung deS Antrages v. Gamp» nach dem die Kleinunternehmer von den Berufs genosseiischaflen abgetrennt und in Genossenschaften für b e st i m m t e B e z i r k c vereinigt werden sollen, erstaltete Bericht. Danach habe die AuS- spräche ergeben, daß die Absonderung der Äleiminiernehmer im Nahmen des jetzigen Entwurss nicht zweckmäßig, ja sogar nicht einmal durchführbar sein würde. Dagegen sei die Beschwerde durchaus berechtigt, daß in den Berufsgenosse» schatten die Kleina nre rfn ehme�r inbezug auf die Verwal- tunq tatsächlich rechtlos seien. Maßgebend seien einzig und allein einige wenige Großnntcr- nehmer. Für die große Masse der Kleinunternehmer bestehe die so viel gerühmte Selbstverwaltung gar nicht. Demgemäß beanlragte das Zentrum, daß in einer Ge- nosseiischaft. in der vcrichiedenc GeiverbSzweige oder Betriebsarten (große,»nltlere, kleine Betriebe) vereinigt sind, diese im Vorstände möglichst vertreten sein sollen. Der Antrag wurde augenvmme», obgleich damit für die Kieiiinnternehmer so gut wie gar nichts er- reicht ist. Für die Unfallverhütung ist ein Antrag der Sozialdemokraten wichtig. Er bezieht sich auf eine Vereinfachung, die auf Anregung der Konservativen beschlossen worden ist. Nach dem geltenden Gesetz und ebenso nach der ursprünglichen Fassung de« Entwurfs muß jeder Unternehmer, der mehrere selbständige Betriebe verschiedenartiger Gewerbezweige hat. den Berinegenosscnschaftcn für alle diese Ge- werbezwcige angehören. Für solche Fälle wurde beschlossen, daß der Unternehmer auf seinen Antrag mit allen seinen Betrieben nur einer BerufSgenoffenschaft zugeteilt wird, wenn die Botriebe in dem Bezirk desselben Ober- vcrsicherungSamtS liegen und in ihnen zusammen nicht mehr als 10 Versicherungspflichtige beschäftigt werden. Die Sozialdemokraten wiesen im Anschluß hieran auf einen Mißstand hin, der schon jetzt i» den Nebenbetrieben besteht. sich aber in Zukunft auch bei den Betrieben zeigen wird, die nach der neuen Bestimmung einer andere» Genossenschast zugewiesen sind, als sie nach ihrer Narur angehöre» müßten. Auf alle diese Be- triebe würden nämlich die UniallvcrhülungSvorschristen, die sür die Bciriebe dieser Art erlassen sind, nicht gelten, da jeder Betrieb nur den Unfallvclhntuiigdvorschriftcn derjenigen BerufSgenossenschaft unter- worfen ist, der er angehört. Die Sozialdemokraten beantragten daher, daß in jedem Falle die UnfallverhiitnngSvorschrisien der« jenigen BerufSgcnosienschaft zur Anwendung kommen müssen, der der Betrieb nach seiner Natur angehöre» müßte. Dies wurde dann auch sowohl sür die Ncbcnbctriebe als auch für die selb- ständigen Betriebe beschlossen. Im übrigen gab sich der n a t i o n a l l i b e r a l e Abgeordnete Dr. S e in l e r die größte Mühe, die schon ohnedies nur zu un- genügenden Bestimmungen über die Unfallverhütung noch mehr zu verschlechtern. Er hatte damit aber kein Glück. Nächste Sitzung Freitag. Eua der Partei. Das Jubiläum eines Nrbcitcrblattcs. Stockholms„Socialdemok raten" konnte am 18. Nohbr. dieses Jahres das 2Sjährige Jubiläum seine-? Bestehen? feiern. Es war am selben Datum des Jahres 1886, alS, abgesehen von einigen früher herausgegebenen Probenuinmeril, die erste Nummer deS Blattes erschien, daS von da ab regelmäßig cinnial wöchentlich herauskam, bis es im April 1390 in ein Tageblatt umgewandelt wurde.„Socialdemokraten" war das erste sozialdemokratische Organ in Schweden. daS Bestand hatte. Wohl hatte der Schneider August Palm, ein auch jetzt noch außerordentlich eifriger Parteigenosse, schon im Jahre 1882 in Malmö eine kleine Zeitung„Folkviljan"—„Ter Volkswille'— gegründet, sah sich aber bald genötigt, um nicht Wirtschaft- lich zugrunde zu gehen, daS Blatt aufzugeben und die Stadt zu verlassen. Er ging nach Swckholm, wo es ihm und dem kleinen Kreis von Genossen im Sozialdemokratischen Verein dann drei Jahre später gelang, mit einem Kapital von 108 Kronen das Blatt ins Lebe» zu rufen, das sich von Anfang an schon durch feinen Titel zur Sozialdemokratle bekannte.»Socialdemokraten' ist am Montag in einer illustrierten JubiläunisauSgabe erschienen, in der Hjalmar Branting, der seit einiger Zeit wieder die politische Redaktion deS BlattcS übernommen hat. einen Ueberblick über die verflossenen 25 Jahre gibt, und August Palm sowie andere Genossen die Eni- Wickelung des Blattes schildern. Gemeindewahlerfolge. Bei den Stadtverordnetenwahlcn in Kothen eroberte unser? Partei vier Mandate von neun zu besetzenden. Bisher hatten wir nur ein Mandat in Besitz. Der Stimmenzuwachs gegenüber der Wahl von 1908 beträgt 390. Einen schönen Erfolg erzielten unsere Parteigenossen bei der Stadtverordnetcnwahl in H i l d e n bei Düsseldors. Auf die Kaudi- baten der Sozialdemokratie fielen 4SI Stimmen, das Zentrum brachte eö auf 435 und die Liberalen auf 50 Stimmen. ES ist Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokratie erforderlich. Der StimmenznwachL, den die Sozialdemokratie zu verzeichnen hat. ist ein ganz enormer, wenn man berücksichtigt, daß sie im Jahre 1906 auf ihre Kandidaten nur 49 und im Jahre 1908 nur 136 Stimmen vereinigte. Bei der Gcmeindcrat-Zwahl in Eichholz- Lichtendorf (Wahlkreis Dortnumd-Hörde) siegten unsere Genossen in der dritten und zweiten Abteilung. Die Gegner verfügen nur noch über die erste Abteilung. Eichholz-Lichtendorf ist die vierte Landgemeinde im Wahlkreis Dorlmund-Hörde, in der unsere Genossen über die Mehrheit verfügen. Gcwerh rcbaftlkbes. D(e Gärung unter den Arbeitern Großbritanniens. London, den 13. Nabelnder.(Eig. Ber.) Fch habe eben eine längere Unterredung mit dem Ge- Nossen Tom Mann gehabt, der voil einer Agitationstour durch Großbritannien nach London zurückgekehrt ist. Tom Mann befürwortet als die dringendste Reform für die bri- tische Gcwerkschaftsbeivegung die Zentralisierung der dielen bestehenden Organisationen in große Jndustrieber- bände. In Südwales war er Augenzeuge der von der bür- gerlichen Presse so übertriebenen Bergarbeitertumulte. Ich befragte ihn daher über die Vorkommnisse im Streikgebiet. „Neunzehn Zwanzig st el von dem, was die bür- gerliche Presse über die Unruhen in S ü d w a l e s ge- ichrieben hat, ist erlogen und erfunde n," erwiderte er mir. Er beschrieb mir darauf die Umzüge der Streikenden, die sich in ordentlicher Weise vollzogen hätten, wo die Polizei die Leute in Ruhe gelassen habe. In Südwales bei den Berg- arbeitern wie bei den Kesselschmieden, die er ebenfalls besucht habe, sei das große Uebel der Mangel einer einheitlichen Organisation. Neben der großen Bergarbeiterorganisation beständen noch eine Reihe kleinerer unabhängiger Organisa- tionen von Arbeitern, die auf der �eche arbeiten. So gebe es eine Gewerkschaft der Lokomotivführer, die die Kohle auf den unterirdischen Strecken befördern, ferner eine Organisa- tioir der Fördermaschinenarbeiter(eoZioe winders) und andere mehr, die bei einem Streik der Bergarbeiter nicht mit- machten und wie jetzt in Wales den günstigen Verlauf des Ausstandes beeinträchtigten. Solange diese Arbeiter auf ihrem Posten blieben und die Anlagen in guten: Zustand hielten, hätten die Bergwerksprotzen in SüdwaleS keinerlei Verluste zu erwarten; denn für oie ausfallende Produktion würden sie aus der Kasse des Unternehmerverbandes ent- schädigt. Er hoffe, daß dieser Streik dazu führen werde. eine einzige, alle Arbeiterkategorien im Bergbau um- fassende Organisation zu schaffen. lieber die allgemeine Unruhe unter den Arbei- tern im Lande äußerte sich Tom Mann, daß sich, so weit seine Erfahrungen reichten, noch nie eine solche Unzufrieden- heit mit den bestehenden Verhältnissen und mit der Unzuläng- lichkeit der heutigen Gewerkschaftsorganisation in Groß- britannicn gezeigt habe wie jetzt. Selbst die Arbeiter, die man gewöhnlich zu den konservativen Elementen rechnet, wachen auf. U eberall fand der Genosse das britische Proletariat ernstlich bestrebt, die von den Sozialisten ausgestreuten Ideen zu der- st e h e n. Ihm, der zu Anfang des Jahrhunderts nach Austra- lien ging und erst vor sechs Monaten wieder heimkehrte, fei dieser Wandel als eine freudige Ueberraschung gekommen. Nie zuvor habe die sozialdemokratische Bewegung in Groß- britannien einen besseren Boden zur Entfaltung gehabt, wie gerade jetzt. Was der Genosse über die Sonderorganisationen der Maschinisten und anderer Arbeiter in dA: Berchverksindustrie sagt, wird man auch in Schottland in allernächster Zeit studieren können. Dort bestand schon vor der Gründung des schottischen Bergarbeiterverbandes eine Gewerkschaft der Fördermaschinenarbeiter. In der letzten Zeit sind Versuche genmcht worden, diese kleine Gewerkschaft mit dem Berg- arbeiterverband zu verschmelzen. Die Bestrebungen sind aber bisher immer an dem Verlangen der kleinen Organisation, das gleiche Stimmrecht zu haben wie die 70— 80 000 Bergarbeiter, gescheitert. Augenblicklich kämpfen die schottischen „kaxiuk winders" um den A ch t st u n d e n t a g. Sie haben schon darüber abgestimmt, ob sie in einen allgemeinen Streik eintreten sollen; das Resultat der Abstimmung wird ober vor- läufig, solange die Verhandlungen noch nicht zu Ende geführt sind, noch geheim gehalten. Gleichzeitig haben sie. ohne Be- dingungen zu stellen, den schottischen Bergarbeiterverband er- sucht, sie aufzunehmen. Treten sie in den Streik, so werden wir in Schottland in den nächsten Wochen eine allgemeine Stillegung der Bergwerksindustrie erleben. Ein gutes Omen für die zentralistische Entwickelung der britischen Gewerkschaften ist der Antrag der Maschinenbauer (eaxinksrs). die Gewerkschaften der Maschinenbauer und Werftarbeiter zu einer Organisation zu vereinigen. Das Exekutivkomitee der Maschinenbauer hat an die Vorstände der verschiedenen in Betracht kommenden Organisationen eine Einladung zu einer Konferenz geschickt, der ein Einigungs- plan unterbreitet werden soll. Verlln und Umgegend. Beschwerden der Hilfsarbeiter in der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft. Eine Betriebsversammlung der Glüh- und Nernstlampenfabrik, Abteilung der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, fand am DienS- tagabend bei KlrschkotoSki in der Beusselstraße statt. Es standen allerlei Mißstände in dem Betriebe zur Besprechung, durch F r o m k e vom Deutschen Transportarbeiterver. band in einem Vortrage beleuchtet, denn eS handelte sich besonders um die Packer. Lager-, Expeditionsarbeiter und Hilfsarbeiter überhaupt. Die Löhne sind hier sehr niedrig; Arbeiterinen werden mit 17 bis L0 Pf. Stundenlohn eingestellt und Arbeiter mit 33, 36 und 37 Pf. Eine Arbeitszeit von 11, 12 und 18 Stunden wird nicht selten verlangt. Von der Organisation will man nichts hören, man erschwert und verwehrt es den Arbeitern, den Verbänden sich anzuschließen, die ihre Interessen vertreten, obgleich der Generaldirektor Rathenau selbst erklärt hat, daß den Arbeitern in dieser Beziehung keine Hindernisse in den Weg gelegt werden sollen. Jüngst hat man erst zwei Vertrauensleute entlassen, und die Gründe der Entlassung erscheinen den Arbeitern als sehr ungenügend. Auch die.Kommissionsmitglieder, die gelegen!- lich Verhandlungen führen, fühlen sich bedroht. Zahlreiche Be- schwerden über die Zustände im W-erk sind laut geworden. Unter anderem wird über schlechte Behandlung durch den Obermeister Fröhlich geklagt. Speise- und Garderobenräume sind mangelhaft; es fehlt an Klosetts, und dieUeberwachungüberdasVer- Weilen in den Klosetts(!) wird als sehr ungehörig empfunden. In der Packerei ist die Beleuchtung sehr schlecht; in der Glasbläserei, wo eine drückende Hitze herrscht, fehlt es an ge- nügender Ventilation.— Manche Kritik wurde in der Diskussion noch geübt und als Mittel zur Bekämpfung der Mißstände eine bessere Organisation unter den Arbeitern und Arbeiterinnen «mpfohlen. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß sehr viel an den Arbeitern selbst liegt, die sich zum Beispiel die beklagte grobe Behandlung verbitten müßten und die manche Mißstände durch energisches Drängen nach Abstellung bekämpfen könnten. Der or- ganisierte Arbeiter sindc dann in seinem Verbände immer die beste Rückendeckung._ Lohnbewegung der Kranzbinder. Zu den Firmen, welche den Tarif anerkannten, ist jetzt noch Preutz.Puttkamerstr. 16. hinzugekommen. Preuß hat schon mit Beginn der Lohnbewegung Lerantlp. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Juseratenteil veranttm! die geforderten Löhne gezahlt, doch fehlte bisher die formelle An- erkennung des Tarifes. Diese ist jetzt erfolgt. Damit gelten auch die BetriebSverhä!tnisse der Abnehmer von Preuß: Koschel, Charlottenburg, sowie Korden, Zimmermann, ©lief, M i e m e l in der Markthalle II(Friedrich- und Linden- straße) als geregelt. Gesperrt sind noch folgende Firmen: Bethge. Strelitzer Straße 2(liefert Markthalle Ackerstraße), Kolbe, Elisabethkirch- straße 12, Kleiner, Grenadierstraße, Droczdowski, Rix- dorf, Okerstraße. Die letzteren drei liefern vielfach für Rixdorfer Blumengeschäfte. Kollegen aus den Blumengeschäften, sorgt dafür, daß keine Ware aus den gesperrten jtranzbindereien verarbeitet wird. Allgemeiner Deutscher Gärtnerverein, Ortsverwaltung Groß-Berlin. Achtung, Schuhmacher! Der Schuhmachermeister Zernke, NO. 43, Landwehrstr. 13(Reparaturwerkstatt), suchte am letzten Sonntag in der„Volkszeitung" Arbeiter. Dieselben wurden vom Arbeitgeber gefragt, ob sie dem Verbände angehörten. Bei Be- jahung der Frage wurde den Arbeitsuchenden gesagt:„Solche Leute kann ich nicht gebrauchen!" Dem Organisationsvertreter, der sich über den Sachverhalt informieren wollte, wurde die Tür gewiesen. Die organisierten Kollegen mögen dieses beachten. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Allgemeiner Streik in den Schranbenfabriken Berlins. Die in den Schraubenfabriken beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen nahmen gestern abend in einer außerordentlich zahl- reich besuchten Versammlung in den„Andreassälen" den Bericht über die Verhandlungen mit den Zlrbeitgebern entgegen. Der große Saal war samt den Galerien bis auf den letzten Stehplatz gedrängt voll. Die Verhandlungen hatten erst am selben Nachmittag statt- gefunden und von 4 bis TM Uhr gedauert. Aus dem Bericht, den Handle gab, ist zu entnehmen, daß es hinsichtlich der Einstellungs- oder Mindestlöhne nach langem Hin und Her, vorbehaltlich der Zu- stimmung der Versammlung, zu einer Einigung zwischen den Ver- tretern der Parteien gekommen war. Die Verhandlungen scheiterten jedoch an der Forderung einer prozentualen Erhöhung der Akkord- preise. Die Vertreter der Arbeitnehmer bestanden keineswegs un- bedingt auf die gestellte Forderung von 10 bis 13 Proz., sondern zeigten sich bereit, den Arbeitgebern soweit wie nur irgend möglich entgegenzukommen, um auf die eine oder andere Weise eine an- nehmbare Erhöhung des Wochenverdienstes bei Akkordarbeit zu er- zielen. Das Zugeständnis, daß die Vertreter der Arbeitgeberorgani- sation schließlich als ihr äußerstes Angebot machten, besagt, daß die Akkordpreise nach Bedarf so erhöht werden sollten, daß der Stundenverdienst um 3 Proz. steigt. Uebrigens erklärten sie auch. daß es noch keineswegs sicher sei, ob ihre Mandatgeber den ge- machten Zugeständnissen zustimmen würden. Zu einem weiteren Entgegenkommen hinsichtlich der Akkordpreise waren sie nicht zu bewegen. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten darauf, daß sie ihren Mandatgebern dies Angebot nicht empfehlen könnten, es aber der Versammlung zur freien Entscheidung vorlegen wollten. Es wurde dann noch einige Zeit über die übrigen Forderungen ver- handelt, jedoch ohne daß etwas Nennenswertes dabei herauskam. Die zu 7 Uhr einberufene Versammlung wartete schon lange auf das Erscheinen ihrer Vertreter. Es beschäftigte sich sodann zunächst eine Sitzung der Vertrauenspersonen mit dem Angebot der Unternehmer und kam einstimmig zu dem Ergebnis, daß das Zugeständnis der Akkordpreiserhöhung als ungenügend zu bezeichnen ist.— Nach kurzer Diskussion faßte die Ver- sammlung ebenfalls einstimmig denselben Beschluß.— Sodann teilte Handle mit, daß nach Meinung der Vertrauensmänner ein weiteres Verhandeln mit den Arbeitgebern nicht angängig sei und derartige Versuche nur zu noch längerer Verschleppung der An- gelcgenheit führen könnten. Es sei demnach nichts anderes möglich, als den Streik zu beschließen. Die Kommission sowie auch die Ortsverwaltung seien ferner der Auffassung, daß die Einrichter und die Werkzeugmacher sich mit der übrigen Arbeiterschaft der Schrau- benfabriken sofort solidarisch erklären. Die Abstimmung über den Vorschlag zur Arbeitsniederlegung war geheim und es beteiligten sich daran nur die Arbeiter und Arbeiterinnen der eigentlichen Schraub-nfabriken mit Ausschluß der Arbeitslosen sowie der in den Betrieben beschäftigen, die die Schrau- ben zum eigenen Gebrauch und nicht als Ware herstellen. So wurde der Streik, der heute, Freitag morgen, beginnt, mit984 gegen34Stimmen beschlossen. Zur Beilegung ber Differenzen bei der Firma Herpich Söhne fanden auf Veranlassung des Arbeitgeberderbandes der Pelzwaren- branche Berlins am 14. November unter Teilnahme des Arbeit- geberverbandes, des HouptvorstandeS des Deutschen Kürschnerver- bandeS, der hiesigen Filiale, des Herrn Julius Herpich,' der beiden Geschäftsführer Herren Richter und T e u fe r t, der drei Werkführer, sowie des Ausschusses und etlicher Gruppen der Firma Verhandlungen statt. Hatten wir bis dahin geglaubt, daß eS sich bei all den Handlungen des Werkführers Wolfermann um ein System seiner Person handelt, von dem die Firma nichts weiß und vieles nicht billigen würde, so sollten wir durch diese Sitzung eines anderen belehrt werden. Auf alle die Anklagen der dort be- schäftigten Kollegen, die von Angesicht zu Angesicht in Gegenwart des Herrn Julius Herpich und der Geschäftsführer gegen Herrn W. erhoben wurden, wußte dieser so gut wie nichts zu er- widern; aber Herr Herpich deckte Herrn Wolfermann da- durch, daß er erklärte: Seine Wierkführer hätten zu all den Hand- hingen, die sie im Geschäft unternommen, seine Zustimmung ge- habt. Wo dieselbe nicht vorher eingeholt worden wäre, da erteile er sie nachträglich! Für diese„Absolution" hatten wir genügendes Verständnis, obwohl uns die Situation dafür nicht günstig schien. Auf unsere Frage, welche Vorschläge nun die Firma zu unterbreiten hätte, erwiderte Herr Richter, daß sie diejenigen, die ihnen als Arbeitswillige treue Dienste bis jetzt geleistet, nicht entlassen, und nur nach Bedarf einstellen könnte. Das hieß also: Wir weichen uns diejenigen, die uns genehm sind, aussuchen! Damit hatten die Verhandlungen ihr Ende erreicht. Tatsächlich hat die Firma drei alte Gehilfen eingestellt, die nur dasitzen müssen, um sagen zu können, eS haben sich Arbeitswillige gefunden. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Kürschnerverband. Filiale Berlin. Die Firma&. A. Hoffmann, Mtlyenfabrik, die sich sonst so gern als„human" bezeichnen läßt, hat dieser Humanität am Mon- tag ihren Arbeitern gegenüber dadurch einen schönen Dienst ge- leistet, daß sie Kriminalbeamte zugezogen hatte, als die Leute sich ihre Sachen einpackten und den Restlohn ausbezahlt erhielten. Auch hier hat sich der erst diesen Sommer auf Anregung des Herrn Hoffmann gegründete„Arbeitgeberverband der Mützenfabri- kanten" mit dem Ausstande befaßt. Die Herren wollten es aber nicht wissen, daß der Ausstand jetzt Sache der Organisation ist, denn sie richteten ein diesbezügliches Schreiben an das Streikkomitee der Ausständigen. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Kürschnerverband, Filiale Berlin. Dentfebes Reich. Wie Streikexzessc gemacht werden. Die bürgerliche Presse brennt in gegenwärtiger Zeit geradezu darauf, von fürchterlichen Streikexzessen berichten zu können. Und die Polizei geht mit einer Schärfe gegen Streikende vor. die wohl geeignet ist, Streikexzesse erst entstehen zu lassen. AIS Beweis dafür ein neuer Fall. In T h o r n streiken die Steinsetzer. Vor einigen Tagen kamen von Graudenz 2 Poliere und 3 Lehrlinge, die vom Bahnhof von einem Unternehmer und 2 Polizeibeamten abgeholt und zur Arbeit transportiert wurden* Als der Unternehmer auf der Baustelle sah, daß die Arbeitswilligen sich mit den Streikenden unterhielten, forderte er die dabeistehenden Polizeibeamten auf, die Streikenden «.Glocke. Berlfa. Druck«. Verlag: Borwärt» Buchdr. u. vcriagsanjtqv zu entfernen. Dem wurde auch Folge geleistek. Später wurde das angesammelte Publikum aufgefordert, zurückzugehen. Obgleich dieser Aufforderung sofort nachgekomlnen wurde, wurden die Streikenden von den Polizeibcamten beschimpft. Als das auch dem anwesenden Gauleiter des Steinsetzcrverbandes Schwandke passierte, fragte er, artig seinen Hut lüftend, die Beamten nach ihrem Vorgesetzten, um die Beleidiger feststellen zu lassen. Ob dieser Freveltat wurde er gepackt und von zwei Beamten abgeführt. Auf der Wache wurde ihm dieselbe Beh-rndlung zuteil. Nach einstündigem Arrest ging er zum Herrn Polizeiinspekior, der wissen wollte, was Schwandke in Tsiorn wolle.„Wollen es wohl machen, wie in Moabit?" Nachdem ging es wieder dreiviertel Stunden in Arrest. Dem Gericht vorgeführt, gefiel sich der Gc- richtsschreiber in derselben Rolle und verlas Schwandke die Episteln, bis dieser dagegen protestierte und eine Behandlung be- anspruchte, wie sie jedem Untersuchungsgefangenen zukomme, zu- mal ihm kein Vergehen nachgewiesen werden könne. Der Ver- haftete wurde schließlich aus der Untersuchungshaft entlassen. Natürlich gibt die bürgerliche Presse entstellte Berichte heraus. Sie redet davon, daß die Arbeitswilligen mit Tätlichkeiten bedroht wurden; die Phantasie der Skribifaxe geht sogar soweit, zu be- richten, daß die Streikenden das Steinpflaster aufgerissen hätten. um Wurfgeschosse zu haben. Ferner wird erzählt, Schwandke habe sich zwischen die Schienen gestellt und trotz wiederholter Auf- fordcrung nicht oder nur mehrmals stehen bleibend den Platz ver- lassen; deshalb sei er verhaftet worden. Auch seien die Arbeits- willigen durch sein Auftreten derartig eingeschüchtert worden, daß sie mittags Thorn verließen. Berichtigungen von Schwandke nahm die noble Presse nicht auf. Genosse Schwandke hat gegen das Auftreten der Polizeibeamten Beschwerde eingelegt. Die Gelben haben Angst vor der Wahrheit. In dem in Augsburg erscheinenden Wochenblatte„Die Wehr", dem von der bekannten Maschinenfabrik Augsburg ins Leben gerufenen und bezahlten Organ der Gelben findet sich in der letzten Nummer folgender bezeichnender Aufruf: Achtung, Gelbe! Der Deutsche Metallarbeiterverband gibt Fragebogen heraus über die Löhne und Arbeitsverhältnisse, welche nicht nur den Freiorganisierten, sondern auch allen anderen Arbeitern zur Aus- füllung zugestellt werden. Wir ersuchen unsere Mitglieder, diese Fragebogen nicht aus- zufüllen, da die Beantwortung doch wieder zur Agitation und zur Belästigung derjenigen Arbeiter benützt wird» welche der Freien Organisation nicht angehören. Die in dem Fragebogen gewünschten Angaben gehen die Or- ganisierten gar nichts an; wenn wir irgendeine Aendcrung unserer Arbeitsverhältnisse wünschen, dann wissen wir selbst, wie wir die Sache anzustellen und an wen wir uns zu wenden haben. Augsburg. November 1310. Schriftamt. Die gelben Drahtzieher haben allerdings begründete Ursache� mit der Angabe der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der gelben Mit- glieder hinter dem Berge zu halten. Käme doch im anderen Falle ziffernmäßig zutage, welche horrenden Lohnabzüge den in die gelben Werkvereine gepreßten Arbeitern in der letzten Zeit gemacht worden sind, nachdem sie erst zum Austritt aus der Gewerkschaft oeran'aßt und so wehrlos dem Unternehmertum ausgeliefert worden sind. Es käme dann heraus, daß die„menschenfreilndliche" Maschinen» fabrik"Augsburg Akkordlohnreduzierungen von 30, 7g und 100 Proz. vorgenommen hat. Deshalb die Angst vor der Statistik. Der Lohnkampf bei der Zigarrenfirma Mertens in Rußloch (Baden) ist mit einem sehr wesentlickien Erfolge für die Arbeiter beendet worden. Am 16. November nahmen sämtliche Arbeiterinnen und Arbeiter, die seit vier Wochen im Streik standen, die Arbeit wieder auf. Die Arbeiter stimmten einem zweijährigen Tarife zu. Letzte ffaefmehten. Die Einfuhr von Schlachtvieh in Bayern. München, 17. November. Nach amtlicher Mit- teilung wird die Einfuhr von Schlachtrinderu und Schlachtschwcinea aus Frankreich nach Bayern in einigen Tagen mit der Maßgabe gestattet werden, daß wöchentlich eingebracht werden dürfen: in den Schlacht- Hof Augsburg 100 Rinder und 100 Schweine, Hof 50 Rinder, 200 Schweine, Kaiserslautern 100 Rinder» 200 Schweine, LudwigShafen 150 Rinder, 200 Schweine, München 500 Rinder, 400 Schweine, Nürnberg 300 Rinder, 400 Schweine, Regensburg 70 Rinder, 100 Schweine. Der Einführende hat spätestens 3 Tage vorher bei der Schlachthof- direktion des Bestimmungsortes unter Angabe der Stückzahl anzufragen, ob die Zulassung nach Maßgabe des Wochen- anteils gestattet werden kann. Die Reform des englischen Oberhauses. London. 17. November. In der heutigen Sitzung des Ober- Hauses eröffnete Lord Rosebery die Diskussion über seine Resolutionen zur Reform des Oberhauses. Die einleitenden Reso- lutionen, die sich über das Wünschenswerte der Reform und die Grundlinien aussprechen, auf denen die Reform vor sich gehen sollte, sind bereits früher in diesem Jahre zur Annahme gelangt. Die jetzt von Rosebery beantragte Resolution erklärt, das Ober- Haus solle aus folgenden Lords des Parlaments bestehen, erstens, die von allen erblichen Peers aus ihrer Mitte gewählt und die durch Ernennung seitens der Krone bestimmt seien, zweiten?, die kraft ihrer Aemter im Oberhause säßen, drittens, die aus außer- halb des Hauses stehenden Persönlichkeiten gewählt seien. Lord Rosebery befürwortete dringend die Annahme der Resolution. Die zur Verfügung stehende Zeit sei kurz, und das Oberhaus werde vielleicht keine andere Gelegenheit erhalten, diese oder irgend eine andere Resolution zu diskutieren, die die Zu- kunft des Oberhauses betreffe. Die Resolution bringe die Bereit- Willigkeit des Oberhauses zum Ausdruck, an der Lösung der Auf- gäbe seiner eigenen Reform mitzuarbeiten und jede Regierung zu unterstützen, die einen Reformplan auf dieser Grundlage vor- bringen sollte. Auf solchen Prinzipien könne das Oberhaus refor- miert, das große konstitutionelle Problem gelöst und die alte Kon- stitution erhalten werden ohne die Erschütterungen, die mit einer Reform verbunden seien, welche durch fortgesetzte neue allgemeine Wahlen durchgeführt werde. Es sei keine Wahl möglich zwischen einer Reform des Oberhauses und der Tyrannei einer einzelnen Kammer. Die Resolution Roseberys wurde einstimmig ange- lnommen. Die Cholera in der Türkei. Konstantinopel, 17. November.(W. T. B.) Heute wurden 37 Erkrankungen und 21 Todesfälle an Cholera festgestellt. Schwere Fenersbrunst. Koustantiuvvel, 17. November.(W. T. B.) In dem Orte D a r i d i e am Marmarameer sind 966 Häuser durch eine Feuers- brtmst vernichtet worden._ Kaul Singer öl Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilogen».UnterhaltungSbl, Nr. 270. 27. Jahrgang. 1. Pciliiie des Jraätts" Kerlim llollisilatt. Freitag, 18. Uovtlilber 1910. Die Moabiter Vorgänge Sechster Tag. vor Gericht. Bor der Estrade, auf der das Gericht sitzt, sind auf zwei Tischen eine Menge Verschiedener Gegenstände aufgehäuft: Bündel Von Kleidungsstücken, sieben Schntzmannshelme, einige Säbel und der- gleichen mehr. Jeder dieser Gegenstände ist mit einem Etikett der- sehen. Wahrscheinlich sind diese Gegenstände bei den„Straßen- schlachten' beschädigt worden und sollen nun als Beweis- mittel dieneir. Nachdem Landgcrichtsdirektor Lieber die Sitzung eröffnet hatte, setzte er die Vernehmung der Angeklagten fort. Die Angeklagte Frau Sattler soll aus dem Fenster ihrer Wohnung auf Schutzleute geschimpft haben. Sie b e st r e i t e t das und sagt, wenn sie von Hausbewohnern angezeigt sei, sö könne das nur aus Rache geschehen sein. Sie habe nicht geschimpft, nicht geworfen, auch incht gesehen, datz andere Leute vom Balkon geworfen haben. Dagegen habe ich gesehen— sagt die Angeklagte—, daß die Schutzleute auf das Publiskum geschlagen haben, ohne Ursache. Auch Kriminalbeamte sah ich auf die Leute einschlagen. Ein Mann wurde so ge- schlagen, dost er besinnungslos zusammenbrach. Das ist der Arbeiter Hcrrmann, der später infolge dieser Verletzungen gestorben ist. Wie wilde Tiere haben die Schutzleute und Kriminal- bcamten auf die Leute losgeschlagen, bis sie liegen blieben. Ich sah, wie einem Manne der Kopf gespalten wurde. Die Angeklagte Fräulein Sattler steht unter derselben Beschuldigung wie ihre Mutter und bestreitet ebenfalls ihre Schuld. Der Angeklagte Hausdiener Heinemann soll eine Menschenmenge gegen die Schutzleute aufgereizt haben. Er sagt, die Menge sei ruhig gewesen, sie sei auch nicht aufgefordert worden, auseinanderzugehen. Später soll ein Schuß aus der Menge gefallen sein. Er sei festgenommen und auf der Wache ohne weiteres schwer mißhandelt worden. Er habe Backpfeifen bekommen, sei von den Schutzleuten mit Fäusten und Säbeln geschlagen werden. Der Angeklagte, Arbeiter Rothe, soll sich an einer Zusammen- rottung von Menschen beteiligt haben, welche Steine gegen Schutzleute geworfen haben sollen. Es soll aus einem Fenster geschossen ivorden sein. Der Angeklagte soll„Bluthunde" gerufen haben.— Er gibt an. er sei auf dem Wege nach Hause in die Menge geraten und fest- genommen worden, ohne das; er eine Veranlassung dazu gegeben habe. Auf der Wache sei er von Schutzleuten mit Füßen getreten worden. Der Angeklagte Hermann Weist, der vom Balkon herab nach Schutzleuten geworfen haben soll, gibt an: Ich besuche jeden Abend eine technische Schule, unr mich als Werkmeister auszubilden. Als ich abends um �11 aus der Schule kam. sah ich. dast die Straße dunkel war. Menschen rannten mir entgegen: Ein Schutzmann stürmte mit dem Revolver in der Hand auf die Menge los. D a ging der Tumult los. Weil mir die Situation gefährlich schien, ging ich in ein Schanklokal, um zu warten, bis es ruhig werden würde. Erst nach 12 Uhr konnte ich nach Hause gehen. Die Straße war menschenleer. Aus den Häusern riefen mir Leute zu, ich solle nicht weiter gehen, denn da oben in der Beussel- straße sei es gefährlich. I ch bat deshalb drei Schutzleute, mich zu schützen. Einer von ihnen begleitete mich daranf nach Hause. An, Abend des folgenden Tages schien mir die Siiualion auf der Straße so gefährlich, daß ich nicht zur Schule ging, sondern zu Hause blieb. Aus dem Fenster sah ich, daß Menschen die Siraste entlang gingen. Ich sah auch zwei Schutz- leute. welche blank gezogen hatten und jedem Passanten, dem sie begegneten, einen Hieb mit dem Säbel versetzten. Ein Arbeiter bekam eine» Säbelhieb über den Kopf, so daß das Blut herunterfloß. Ich liest die Jalousie herunter, weil ich die fürchterlichen Dinge auf der Straste nicht mehr sehen mochte. Denn ich graulte mich davor. Später wurde Hilfe gerufen, da sah ich noch einmal zum Fenster hinaus. Gegen 9 Uhr wurde es ruhiger. Dann habe ich bis>/z2 schriftliche kleines Feuilleton. Der Blutdruck beim Fliegen. Die körperlichen Erscheinungen, die sich beim Erklimmen großer Höhen im Gebirge geltend machen, müssen mit einigen Abänderungen wohl auch dann eintreten, wenn sich ein Mensch in eine», Ballon oder mit einer Flugniaichine in entsprechende Höhen erhebt. Unierscheidende Merk- male sind, dast beim Fliegen die körperliche Anstrengung eine ge- ringere ist oder gänzlich fehlt, dast dafür aber der Uebergang von geringeren zu größeren Höhen schneller erfolgt. Zur Beurteilung der Folgen dieser Umstände sind die Arbeiten, die Pros. Moulinier in der „Medizinische» Wochenschrift" i» Bordeaux über den Blutdruck bei Avia- tikern veröffentlicht hat, von bedculendc», Wert. Es hat sich heraus- gestellt, daß e,u Flieger, der mir inöglichstcr Schnelligkeit zu 12 l t a g s um 1 1 U h r ereignet.— Der Augellagte sagt weiter: Auf der Wache haben mich die Schutzleute geschimpft nnd geschlagen. Eine Stunde später kamen zwei andere Beamte, �die stießen mich mit Füßen und schlugen mich mit Seitengewehre». Sie haben mich halb loi geschlagen. Der Angeklagte Barbier Eifenreich gehört einer sehr frommen Sekte an, den Mormone n. Er ging mit der Bibel unter dem Arm in die Erbauungsstunde. Auf der Straße kam er unter eine von Schutzleuten zurück- gedrängte Menschenmenge. Er hörte einen Schuß fallen, sah die Menschen fortlaufen und einen Schutzmann einige Leute verfolgen. storbenen Dichter der„Verlobten", A. Maitzoni.„Italienischer Opcrnstil", so heißt es nun von dein Werl bei uns deuiichen Musikwiffern I Nun hat der junge„Oratorien-Verein zu Rixdorf' unter seinem Dirigemen S t e h»t a n n sich au das Verdische Requiem herangewagt und es weiten Kreisen durch eine zweimalige Auf» sühnnig zugänglich gemacht: am Dienstag in der Neuen Welt und am Mittlvoch in der Singakademie. Nach der zweite» Auf- fühtung zu urteilen kann man den Rixdorferu zu ihrer aufsteigenden Linie Glück wünschen. Der Chor ist fest bei der Sache, bcsipt zwar nicht den Stimmenglanz wie die musikalisch lang durchgebildeten Singvereine, erfreut aber doch durch die Abwesenheit des Rauhen und Schreienden. Von den vier Solisten fanden sich wenigstens die zwei mittleren allmählich in die besonders schwierige» Aufgaben des Soloquartetts hinein. Und mit der Komposition selbst kann sich nicht mir der Mnfiker, sonder» auch der Poet befreunden. Sic enthält doch weit mehr als Opcrneffekt; und„geinnd" ist es uns„Nördlichen" jedenfalls, uns auch cimnal etwas recht„Südliches" zukommen zu lassen. az, Notizen. — Vorträge. Der Leiter des Schweizer Freilichttheaters am Vierwaldstänersee. Direktor Lorenz von Hartenstein, wird gm Freitag, den 18. d. M., nachiiiittags 4 Uhr, im Kinosaal der Theater- ausstellung einen Vortrag halten über„Freilichttheater" jmit Lichtbildetn). — K u» st a b e n d. Der IV. Volkskiinstabend der Stadt Char- lottenbnrg findet am Totensonntag ab. 8 Uhr im Kaiser-Friedrich- Gymiiasiiun in der Knesebeckstraße statt.— Dr.. A. Koppelt hält einen Lichtbildervortrag über Venedig imd seine Kunstschätze. — Die M o n d f i» st e r n i s war am Mittwoch abend infolge ziehender Wolken erst von 12 Uhr ab sichtbar. Die forischrefteiide Verfiiistcrung ließ sich dann im ganzen gut beobachten. Die ver- finsterte Mondscheibe, deren silberner Rand noch länger zu sehen mar, leuchtete in einem dunklen Rot aus dem von Gewölk uud Regenschanern bisweilen verdeckten Himmel. — Eine S ü d p o! l o t t e r i c, die Pont bayerischen Staat bereits genehmigt ist und auch in anderen Vaterländern zugelassen ivird, soll die Mittel ausbringen für die antarktische Expedition des Münchener OberleNtnants Filchner.— Unsere Kapitalisten haben für solche und andere tvissenschastliche Unternehmuiigen bekanntlich nichts übrig. — W i e man Nachdruckshonorar spart. Die„Bremer Nachrichten" hatten sich in den nnter Hmnor inld Satire erschienenen Bericht des Buxtehnder Lokal-Anzeigers" über die Moabiter Vor- gänge dermaßen vertieft, daß sie ihn abzudrucken beschlossen. Da sie indessen Nachdriickshonorare zahlen zu müssen fürchteten, gaben sie den> Nachdruck ein Schimpf. Vorwort. Um der edlen Koofmichs- seele fürs Künftige den Zwiespalt zwischen Gelüste» und Dürfen zu ersparen, wollen wir ihr gern de» GraliSabdrnck der Beiträge von Franz ausdrücklich gestatten. Damit sie sich aber bessere Umgangs- formen angewöhnt, dürfte für diesen verschämten Nachdruck die Ein- treibung des Nachdruckshonorars am Platze sein. Da rief der Angeklagte:„Haut ihnl", weil es auch anders riefen. Wie er dazu gelommen ist, kann er sich nicht erklären, er schreibt es einer momentanen Aufregung zu. Jedenfalls sei er nicht zu Gewalt- tätigkeiten geneigt, denn das verbiete ihm seine Religion.� Der Angeklagte bemerkt noch, daß er von seinein Arbeitsverdienst seine leidende Mutter unterstütze, woran er jetzt, da er in Untersuchungshaft sitzt, verhindert ist. Der Angeklagte Glasbläser Senf ist der Beamten- beleidigung beschuldigt. Er soll, als Eisenreich festgenommen und abgeführt wurde, den Schutzleuten zugerufen haben:„Gemeinheit". Der Angeklagte sagt, eS habe ihn empört, dah ein Mann, der nichts weiter getan habe, als„Haut ihn 1" gerufen, von mehreren Schutzleuten gepackt und mißhandelt wurde. Er habe das von der Straßenbahn aus gesehe» und es als eine Gemeinheit bezeichnet. Da sei er selbst von zwei Schutzleuten aus dem Straßen- bahnwagen herausgezerrt und»ach der Wache gebracht worden. Der Beamte, der ihn dahin brachte, habe nur angeben können, daß der Angeklagte auf Befehl des Hauptmanns festgenommen sei. Zwei Stunden habe man ihn auf der Wache eingesperrt. Daß aus der Menge geschossen sei. sei ein Märchen.— Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß bei seiner Fest- nähme ein Revolver und 24 scharfe Patronen gefunden wurden.— Der Angeklagte erklärt das so: Er habe de» Revolver, wie er durch Zeugen nachweisen könne, erst am 29. September von einem Freunde gekauft. Dieser habe ihm den Gebrauch der Waffe erklärt und dabei sei eine Patrone in, Lauf geblieben. Er habe nicht die Absicht gehabt, von dem Revolver etwa gegen die Polizei Gebrauch zu machen, sondern ihn nur mehr zun, Spaß an- geschafft und weil er von seinem Ausenthalt in der Schweiz her wisse, daß dort das Waffentragen nichts Außergewöhnliches sei.— Aus eine Frage des Vorfitzenden, warum er be» seiner polizeilichen Vernehmung gesagt habe, er habe den Revolver gefunden, antwortet der Angeklagte: Wenn die Polizei so viele Märchen erzählt, kann ich ja auch ein Märchen erzählen. Der folgende Angeklagte ist der K u n st m a l e r W e i d e m a n n. Er soll sich der Beleidigung und des groben Unfugs schuldig gemacht haben. Wie er angibt, ist er am 2. Oktober von seiner Arbeitsstelle nach seiner Wohnung in der Huttenstraße gegangen. In der Freude darüber, daß die Unruhen vorüber waren, hat er mit Bekannten mehrere Bürgerlokale besucht und sich eine» starken Rausch angetrunken. Was nachher geschehen ist. weiß er nicht, es ist ihm ans dem Bewußtsein gekommen, daß er nach der Polizeiwache gebracht wurde. Am folgenden Tage schlief er zu Hauie seinen Rausch aus und ging am zweiten Tage nach der Polizeiwache, um sich zu erkundigen, weshalb er eigentlich si stiert worden ist. Hier erfuhr ich— sagt der Angeklagte— ich solle mich der Beamtenbeleidigung schuldig gemacht habe». Wkan gab mir den Rat, ich solle auf dem Präsidium versuchen, ob sich die Sache nicht beilegen ließe, schlimm könne es nicht werden, wurde mir gesagt. Ich befolgte diesen Rat. auch deshalb, weil mein Bater Kriminalbeamter ist. Als ich auf de», Polizei- Präsidium mein Anliegen vortrug, wurde ich wie der erste beste Pennbruder unter die Brause genommen, abgeseift und eingesteckt.— Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, ob er denn von den Straßenunruhen an den vorhergegangenen Tagen nichts gesehen habe, ob er nicht gesehen habe, daß Steine und Blumentöpfe auf die Schutzleute geworfen wurden, ob er nicht das eingeschlagene Warenhaus von Preuß gesehen habe.— Die letzte Frage bejaht der Angeklagte, die anderen verneint er und sagt, er habe im Gegenteil gesehen, daß Schutzleute ohne Grund gegen das Publikum vorgingen, und er habe die Ruhe der Arbeiter bewundert, die sich durch das Vorgehen der Beamten nicht aus der Fassung bringen ließen. Rechtsanwalt R o s e n f e l d stellt dnrch Befragung des An- geklagten fest, daß das„zerschlagene Warenhaus" völlig unversehrt und nur eine eingeschlagene Scheibe zu sehen war. Der letzte Angklagefall betrifft de» Schankwirt Pilz und den Kernmacher Kratzat. Beide sind beschuldigt, einen Arbeitswilligen namens Wellschmied mißhandelt zu haben. Außer- dem soll Pilz einen zweiten Arbeitswilligen, Gottschal!, durch Drohungen zur Teilnahme am Streik zu jbewege» versucht haben. Nach der Darstellung der Anklage soll Wellschmied von Streikenden in ein Hinterzinimer des Pilzschen Lokals, wo sich das Streikburean befand, geführt worden sein. Man habe ihm Butter- brot und Bier gegeben und ihn zum Streiken zu überreden versucht. Als das nicht geholfen habe, hätten sich die Streikenden auf Well- schmied gestürzt und ihn mit Fäusten und Gummischläuchen ge- schlagen. Wellschmied wollte fliehen, aber Pilz soll ihn daran ge- hindert haben, und Wellschmied soll dann noch mehr Prügel be- kommen haben.— Pilzstellt dieSache so dar: Ich kam aus meinem Bierkeller. Da saß Wellschmied, den ich gar nicht kannte, an einem Tisch im Lokal. Meine Frau sagte mir, er habe zwei Stullen und Bier bestellt. Ich brachte ihm da? Bestellte. Als er gegessen hatte, kam er an den Schenksisch pnd bestellte noch ein Glas Bier. Jetzt kainen noch einige Personen an de» Tisch, die wohl mit Wellschmied etwas vorhatten, aber ich habe nicht gesehen, ob sie ihn geschlagen haben. Wellschmied beugte sich über den Tisch. Mir schien, daß er sich mit der Stiefel- spitze an einem Tritt neben dem Tisch festgeklemmt hatte. I ch führte Wellschmied hinter den Ladentisch und durch eine Hintertür zum Lokal hinaus. Weiter hatte ich n,,t Wellschmied nichts zu tun.— Die Bedrohung des anderen Arbeitswilligen wird gleichfalls bestritten.— Kratzat gibt an, Wellschmied sei von einigen Leuten, die aus dem Hinterzimnler kamen, geschlagen worden. Er. der Aiiaeklagte. ge- hörteg aber nicht zu diesen, er habe auch nicht geschlagen. Zu den Streikenden habe er keine Beziehungen, er habe bei Ludwig Löwe gearbeitet. Der gauze Auftritt mit Wellschmied habe höchstens zwet Minuten gedauert. Beweisanträge. Rechtsanwalt Rosenfeld bittet, festzustellen, daß der Angeklagte Litwicki lediglich ans Grund seiner eigenen Aussage an- geklagt worden ist, die er als Zeuge vor dem Untersuchungsrichter in einer jetzt vor dem Schwurgericht anhängigen Sache machte. Der Untersuchungsrichter habe Litwicki nicht darauf hingewiesen, daß er eine Aussage, die ihn selbst belastet, nicht abgeben brauche— Vorsitzender und Staatsanwalt ver- weisen auf die Akten, welche diesen Hinweis enthalten.— Wie Rechtsanwalt Rosenfeld bemerkt, ist dieser Hinweis, wie sich aus den Akten ergibt, erst nach der Vernehmung erfolgt.— Der Angeklagte Litwicki sagt, der Untersuchungsrichter habe ihn nicht darauf hingewiesen, daß er sein Zeugnis verweigern könne. — Rechtsanwalt Rosenfeld beantragt, über diesen Punkt das Zeugnis des U n t e r s u ch u n g s r i ch t e r S zu hören und ferner einen Arzt der Unfallstation zu laden, der über die Art der Wunden Auskunft geben soll, die dem Angeklagten ZoUchom auf dem Kupferschen Kohleiiplnlie von Arbeitswilligen in Gegenwart der Polizei zugefügt worden find.— Auch von anderen Verteidigern und Angeklagten werden noch neue BeweiSanwäge gestellt. Hafteiitlassuugsanttäge. Nun folgte eine längere Erörterung über die Entlassung der Angeklagten aus der Untersuchungshaft. Staatsanwalt Stelzner führt aus, mit der Haft- enilasiung des Angeklagten Eisenreich sei die Staatsanwaltschaft einverstanden. Eisenreich gehöre einer Sekte an. welche Gewalttätigkeiten verwirft. Der Angeklagte habe nur in der Erregung in den Ruf„Haut ihn I" eingessimmt. ohne sich der Tragweite seiner Handlung bewußt zu sein. Auch Schulz könne au« der Haft entlassen werden unter der Voraussetzung, daß er bei feinen Eltern Aufnahme finde. Schulz mache einen guten Eindruck. er stamme auS anständiger Familie und habe wohl nicht die Absicht gehabt, sich gegen die Ordnung aufzulehnen, wenn er sich auch, an- scheinend durch Wand verleitet, schwer vergangen habe. Wand könne nicht entlassen werden. Rechtsanwalt Dr. Heinemann beantragt, die Hast» «vtlassungen noch veiter auszudehnen. Die bis- herigen Verhandlungen hatten ergeben, daß ein Grund, die Haft fortbestehen zu lassen, nicht vorliege. Wen» der Staatsanwalt meine, eS seien deshalb hohe Strafen zu erwarten, weil die Schimpfworte in einer erregten Situation gefallen seien, so könne man auch umgekehrt sagen, die allgemeine Erregung müsse als Milderungsgrund gelten. Denn unter solchen Umständen lassen sich auch ruhige und besonnene Leute zu unbedachten Aeußerunge» fort» reißen. Ein klassisches Beispiel dafür sei ja der Angeklagte Eisen- reich. Der Verteidiger begründet die Haftentlassung insbesondere für die Angeklagten Zollchow, Miersch und Wand. Die Rechtsanwälte Cohn. Liebknecht. Rosen- f e l d und Rosenberg beantragen und begründen die Haft- entlassung der Angeklagten Heide, Pilz. Kratzat, Litwicki und Senf.— Staatsanwalt Stelzner widerspricht den Entlassungsgründen der Verteidiger. Nur gibt er anheim, auch Litwicki zu entlassen, weil er, wie der Verteidiger angeführt hatte, demnächst einen Familienzuwachs zu erwarten hat. Rechtsanwalt Liebknecht fordert nochmals die Haft- entlassung von Pilz und Kratzat. Er weist daraus hin. daß es eine grundlose Verdächtigung sei, wenn die Staatsanwaltschaft an- nehme, weil Pilz Partei- und Streikwirt sei, werde er Zeugen zum Meineid verleiten. Das ganze Versahren gegen Pilz gehe von der- selben falsche» Voraussetzung aus, welche die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift zum Ausdruck bringt, indem sie sagt, die Firma Kupfer konnte die Forderungen der Streikenden nicht be- willigen, sie mußte die Einigungsverhandlungen ablehnen usw. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Die Staatsanwalt- schaft hat zu dem Streik selbst keine Stellung genommen. Was darüber in den Akten steht, das sind— die Aussührungen deS Geschäftsführers der Firma Kupfer Rechtsanwatt Liebknecht: Davon steht nichts in den Akten. Die Anklageschnst gibt die subjektive Meinung der Staatsanwaltschaft wieder und diese geht dahin: die Firma m u tz t e ablehnen, sie konnte nicht bewilligen usw.— Ferner bemerkte RechtSanivalt Liebknecht, daß der Angeklagte Georg Meyer, dessen Verteidiger sCoßmannj nicht anwesend ist, um Entlaffuug aus der Haft bittet. Rechtsanwalt Ulrich, der den aus konservativer Bürger- familie stammenden Angeklagten Schulz verteidigt, war während des ganzen Tages nicht anwesend. Rechtsanwalt Heine, dessen Mandanten übrigens durch andere Verteidiger mitvertreten werden, konnte nicht anwesend sein, weil er in Lüdenscheid einen wichtige» Prozeß wahrzunehmen hatte, desien Verhandlung, trotz eines Antrages von Heine, nicht ver- legt worden ist. Nach einer kurzen Beratung des Gerichts verkündete der Vor- sitzende, daß die Haftentlassuug der Angeklagten Litwicki, Miersch und Eisenreich beschlossen ist. Bei den übrigen in Haft befindlichen Angeklagten soll die Haft aus den bisherigen Gründen bestehen bleiben. Wie aus der Begründung des Gerichtsbeschlusses hervorgeht, verdankt Litwicki dem bevorstehenden F a m i l i e n e r e i g n i s. Miersch der Trunkenheit bei der Tat und Eisenreich seiner Frömmig» keit die Entlassung aus der Untersuchungshaft. Die Sitzung wurde um 3'/, Uhr auf heute um 0 Uhr vertagt. £Iiis Induftm und DandeU Nette Aussicht. Die Reichsfinanzreform hat neben der Volksfeindlichkeit der Ritter und Heiligen auch deren Unfähigkeit als Steuertechniker er- wiesen. In der Sucht, die Besitzenden von der Gefahr einer Erb- schaftssteuer zu befreien, packte man den Besitzlosen eine Reihe Steuern auf, deren Erträgnis nicht richtig eingeschätzt wurde. Gründlich blamiert hat sich der Schnapsblock z. B. auch mit der Zündholzsteuer. Sie löste nicht nur eine große Erregung aus. er- wies sich als selbstwirkende Agitation von unvergleichlich auf- rüttelndem Erfolge; ihr finanzielles Ergebnis blieb auch weit hinter dem errechneten Ansatz zurück. Zündhölzer und Zündkerzen sollten jährlich 25 Millionen Mark in die ReichSlasse springen lassen. Für das Etatjahr 1911 hat man vorsichtigerweise nur 15% Millionen Mark als Ertrag dieser Steuer eingesetzt. Das ist zweifel- los ein blamables Fiasko. Nun bietet sich der Negierung ein Retter an. der viel mehr aus der Zündholzsteuer für den Fiskus heraus- schlagen will; es ist die Vereinigung der Zündholzfabrikanten. Diese wollen im ersten Jahre 15 Millionen Mark dem Neichssäckel zu- führen und die Leistung allmählich bis auf 34 Millionen Mark pro Jahr anwachsen lassen. Natürlich verlangen sie dafür eine Gegen- gefälligkeit, nämlich ein Privatmonopol für die Produktion und den Vertrieb von Zündhölzern und die Besteuerung aller anderen Zündmittel. DaS könnte den Fabrikanten passen, sie würden das Vielfache der Steuer, aus den wehrlosen Konsumenten heraus- schinden. Man merkt: der Gedanke der LiebeSgabenpolitik macht Schule! Die Flcischnot. In Mannheim arbeiten anscheinend die Viehhändler der Steuerung der Fleischnot entgegen. Heber den ersten Auftrieb französischen Viehes dortselbst am vergangenen Montag berichtet die Schlachthofdirektion: „Der Import von französischem Schlachtvieh für den Platz- bedarf war heute noch sehr gering; obwohl die Erlaubnis zur Einfuhr des ganzen Kontingents gegeben war, brachte nur eine Firma 11 Ochsen und 11 Farren zum Verkaufe, welche von ganz hervorragender Qualität waren. Die übrigen Händler, welche Einfuhrerlaubnis erhalten hatten, fanden die Einkaufspreise und die Spesen zu hoch. Die Preise für die französische Ware stellten sich deshalb mit den inländischen Waren gleich hoch. Die Händler mit inländischer Ware befürchteten einen zu großen Import französischer Schlachttiere und so hatten wir zirka 200 Stück Wenigerzufuhr von deutscher Ware als sonst. Die Ten- denz des Marktes war deshalb sehr lebhaft und ist vom Sinken der Fleischpreise noch nichts zu bemerken." Unser Mannheimer Parteiblatt schriebt hierzu: „Es muß angesichts der gestrigen Erfahrungen der dringende Wunsch ausgesprochen werden, daß nicht die Viehhändler durch ab- sichtliche Zurückhaltung des einheimischen Schlachtviehs die Preise künstlich in die Höhe halten und so den Maßregeln zur Linderung der Fleischnot direkt entgegenarbeiten. Sollten die Herren wirklich eine derartige„Preispolitik" treiben wollen, so müßten seitens der städtischen Verwaltungen energische Maßregeln ergriffen werden, um diese Pläne zu durchkreuzen." » e > Die Stadtverwaltung in Gotha hatte den Bezug von d ä n i- schem Ochsenfleisch organisiert, um es zum Selbstkostenpreis an das Publikum abzugeben. Das Fleisch wurde für 68 bis 72Pf. dasPfund abgegeben. Darob waren die Fleischermeister erbost. Sie warfen dem Stadtrat„bedenkliche Kurzsichtig- keit" vor und wetterten gegen die„Schädigung des G e- werbe s". Sogar einen Kandidaten zu der heute stattfindenden Stadtverordnetenwahl haben die Herren aufgestellt, und zwar den „Obermeister der Fleischerinnnung", der für die gesicherte Existenz der Berufskollegen kämpfen soll! Und schon haben sie den Erfolg zu verzeichnen, daß die Stadt den Fleischbezug einstellte.— Nach Waltershausen kamen pro Woche überhaupt nur 6 bis 16 Zentner des dänischen Fleisches. Der Fleischverkauf war noch nicht recht bekannt gegeben, da war auch schon„ausverkauft". Dem Stadtrat in Ohrdruf bewilligten die Stadtverordneten in der letzten Sitzung 1060 M., damit er dänisches und holländisches Rind- Wsch beziehen könne, zwecks billiger Abgabe an die Bevölkerung. Deutschlands Außenhandek. Nach den soeben erschsemnen-mit- lichen Ausweisen betrug der Wert der deutschen Einfuhr im Oktober dieses Jahres ohne Edelmetalle 754,5 Millionen Mark und in den zehn Monaten Januar bis Oktober 7646,6 Millionen Mark gegen 6976,6 Millionen Mark im Vorjahre, die Einfuhr ist also um 76 Millionen gestiegen. Der Wert der deutschen Ausfuhr stellte sich im Oktober auf 648.5 und in den zehn Monaten Januar bis Oktober auf 6694,7 gegen 5361,4 Millionen Mark. Die Ausfuhr stieg dem- nach in den verflossenen 16 Monaten dieses Jahres um rund 793 Millionen. Die wirtschaftliche EntWickelung des südlichen Amerika macht reißende Fortschritte. Die 26 Republiken„Latein-Amerikas" niichen Republiken in Washington, dessen Mitteilungen auch diese Statistik entnommen ist, berechnet den Gesamtbetrag des Kapitals, daS aus den Vereinigten Staaten in den lateinischen Republiken an» gelegt ist, auf rund 1 Milliarde Dollars. Der größte Teil davon entfällt auf Eisenbahnen. In Mexiko sind rund 766 Millionen angelegt, bekanntlich der Grund, weshalb die Regierung des Präsi- demen Taft die gesetzlose Gewaltherrschaft des Präsidenten Diaz von Mexiko stützt; 135 Millionen in Kuba, das bekanntlich im Geschäftsinteresse der nordamerikanischen Zuckerspekulanten von der spanischen Herrschast„befreit" wurde; 50 Millionen in Brasilien, 36 in Argentinien, 26 in Guatemala, je 16 in Bolivia und Chile, 7 in Costa Rica usw._ Hud der Frauenbewegung. Erfolgreiche Agitation. In den Kreisen Nieder-Barnim und Teltow-Beesfow wurde si» den letzten Wochen eine Reihe von Frauenversammlungen abge- halten, die durchweg sehr gut besucht waren und der Organisation viele neue Mitglieder zuführten. Die verschiedensten Themata standen auf der Tagesordnung. In Reinickendorf sprach Genossin Fricdländer vor ungefähr 366 VersammlungS- besiichern über:„Lcbensmittelwucher und Kaiserreden." Eine größere Anzahl neuer Mitglieder für den Wahlverein wurde hier gewonnen. In Lichtenberg referierte Genossin Wulff vor zirka 466 Frauen über:„Die Frau im wirtschaftlichen Leben und die Auffassung deS Kaisers ül>er die Aufgaben der Frau." Auch diese Versammlung hatte einen erfreulichen agitatorischen Erfolg. Dieselbe Referentin sprach in Friedrichsfelde über da» Dhema:„Die Reichs tagslvahlen", wobei sie besonders hervorhob, daß sich die Frau um die politischen Verhältnisse kümmern müsse, Genosse P i n s« I e r gab bekannt, daß in Friedrichsselde ein« Ein- richtung zur Unterstützung für Wöchnerinnen und der Fürsorge für Lungenkranke bestehe,' die leider zu wenig in Anspruch genommen werde. Eine gute Versammlung hat auch in Tegel stattgefunden, wo Genossin Wulff über:..Junkerpolitik und Kaiserreden" sprach. Eine größere Anzahl Frauen erklärte ihren Beitritt zum Wahlver- ein. Dasselbe Thema behandelte Genossin Wulff in einer gut besuchten Versammlung in Stralau, wo 14 Frauen für den Wahlverein gewonnen wurden. Eine Versammlung in Grünau, in der Genossin Schulte das Referat übernommen hatte, brachte dem Wahwerein 11 neue Mitglieder. Ueber:„Wilhelm II., die Königin Luise, die deutschen Frauen und Mädchey" sprach Genossin Matschke in Marienfelde. Der Wahlverein gewann hier sieben neue Mitglieder. In Steglitz wurden in einer Verfamm. lung, in der Genossin Zietz über:„Lebensmittelteuerung refe- rierte, 25 Neuausnahmen erzielt. Auch in Zehlendorf gelang es, eine Reihe neuer Mitglieder für den Wahlverein zu gewinnen in einer Versammlung, in der Genossin Zieh über:„Der Kampf der Frau um Schutz für Mütter und Säuglinge im Spiegel der Kaiserrede" referierte. Die durchweg sachlichen Ausführungen lösten überall großen Beifall aus. Neben den Stcuausnahmen kann als Erfolg gebucht werden, daß eine größere Anzahl neuer Wonnen- tinnen für die„Gleichheit" gewonnen wurde. In jeder Verfamm- lung machte die Leiterin auf die Wichtigkeit der Leseabende auf- mcrksam und es ist zu wünschen, daß diesen Anregungen Folge ge- leistet werde. Bemerkt mag noch werden, daß in einzelnen Orten die Polizei anscheinend Gefahr für den Staat witterte, denn sie hatte bewaffnete Hüter der Ordnung entsandt, die jedenfalls eine Revolution verhindern sollten. Aber die Revolutionierung der Köpfe kann man nicht verhindern. Mutterschutz. Eine Anzahl Mitglieder deS Deutschen Bunde? für Mutterschutz bat im Verein mit anderen gleichgefinnten Männern und Frauen ein neues Mütter- und Kinderheim ins Leben gerufen, zu dem ihnen als Grundlage von hilfsbereiter Seite 15 666 M. ge- spendet wurden. Das geräumige, in Pankow gelegene Mutterschutz- HauS, unter der Verwaltung von Frau Franziska Schultz, ist zwar wirtschaftlich völlig unabhängig vom Bunde, doch dessen Ideen, der uncbelichen Mutter und derein Kinde in den Zeiten, da beider Existenz am schwersten bedroht ist, unter hygienischen Bedingungen eine sichere Stätte zu bieten, werden hier herrschend sein. Leseabende. Steglitz. Freitag, den 18. November, fällt der Frauenleseabend auS. Hue aller Melt. Ein vermißter Ballon. Seit Sonntag wird der Ballon„Saar", der sich an einer Wett- fahrt des niederrheinischen Vereins für Luftschiffahrt beteiligte, der- mißt. Da man vermutet, daß der Ballon in die Nordsee abgetrieben worden ist, sind 26 Torpedoboote auf die Suche nach dem Ballon gesandt worden. Visher ist die Streife ergebnislos geblieben, doch berichtet der Kapitän eines schwedischen Dampfers, der in Hamburg eingetroffen ist, daß er Sonntag nacht in der Nordsee bei hellem Mondschein einen großen Ballon in nordwestlicher Richtung auf dem Meere habe treiben sehen. Nach Ansicht des Kapitäns haben fich im Korb Leute befunden, er habe jedoch auf Anruf keine Antwort erhalten. Grubcnkatastrophe in England. Ein schweres Unglück ereignete sich gestem in einem Kohlenbergwerk in der Nähe von Bristol. Nach dem Schicht- Wechsel wurde eine Anzahl Grubenarbeiter zutage gefördert, dabei stürzte aus bisher unbekannten Ursachen ein mit Gruben- arbeitern voll besetzter Fahrstuhl in die Tiefe. Drei Bergleute wurden sofort getötet, 25 wurden schwer verletzt an die Ober- fläche gebracht._ Von einer Springflut überschwemmt. In Trieft wurden die am Meer gelegenen Stadtteile überflutet. Der Stratzcnbahnwagenverlehr mutzte teilweise e i n g e st e l l t werden. Namentlich haben die Geschäfte in den an das Meeres- ufer grenzenden Straßen schwer gelitten. In den Kaffeehäusern erreichte das Wasser die Höhe von Sofas. Das Verdi-Theatcr wurde gleichfalls überschwemmt. Auch in dem Seebad G r a d o verursachte die Springflut grotzen Schaden. Am Strande wurden die Mauern und Badekajüten niedergerissen. Die Insel bietet ein Bild traurigster Verwüstung. In Fiu me richteten der Sturm und die Flut gleichfalls großen Schaden an. Zwei EisenbahnwaggonS wurden unigeworfen, acht andere aus den Schienen gehoben. Die sehr hoch gehende See warf zahlreiche Boote um. Der Leuchtturm bei Fiume wurde fast ganz demoliert. In Venedig überschwemmte die Springflut den Markusplatz derart, daß der Verkehr nur durch Gondeln aufrechterhalten werden konnte. Während eines Sturmes, der am Dienstagabend auf dem Mittelländischen Meere tobte, wurden durch Springfluten, die über das Ufer drangen, mehrere Orte schwer heimgesucht. Ans dem Eisenbahnwagen gestürzt. Auf der Fahrt von K o h l f u r t nach Görlitz ist eine Schülerin, Tochter des Eisenbahnassistcnten A P e l t in Kohl- furt, aus dem Zuge gestürzt und von einem vorbei- fahrenden Güterzuge getötet worden. Fast zu der gleichen Zeit ist ein zwölfjähriger Knabe aus Lodz, der sich mit seiner Mutter auf dem Wege nach Hamburg be- fand, zwischen den Stationen Weddel und Schandelah in Braunschweig aus dem Zuge gestürzt. Das Kind wurde so schwer verletzt, daß es eine halbe Stunde nach der Einlieserung in ein Krankenhaus starb. Immer standesgemäst! Eine kuriose Geschichte meldet unser Kasseler Parteiblatt auS E s ch w e g e. Danoch soll dort ein Gerichtsvollzieher strafversetzt worden sein, weil er den Pferdemist von der an seinem Garten vorbeiführenden Straße in seinen Garten gebracht habe. Rollegen haben den Mann wegen dieser nicht standesgemäßen Tätigkeit an- gezeigt. Die vorgesetzte Behörde hat die zweitschwerfte Maßregel, die Strafversetzung, über den Sünder verhängt, der in so unerhörter Weise gegen die Moralsätze des Gerichisvollzieherstaudes gesüudigl hat. Vielleicht hat zwar der gegen seinen Stand frevelnde Gerichts- Vollzieher in seinem Leben als' Kavallerist schon des öfteren den Pferdemist aus dem Stalle entfernt, das berechtigt ihn aber durch- aus uoch nicht, als Mann mit der bekannten blauen Mütze in alte standeSunwürdige Passionen zu verfallen. Die Hölle von Jalta. In der Nähe von Jalta. am Ufer des Schwarzen Meeres, wurde auf den Tabakplantageu von A r i p h eine ganz unglaubliche Ex- plotitation von Frauen und Minderjährigen festgestellt. Der Be- sitzer zwang seine ArbeitSsklaben, taglich nnnnterbrochenbon 4 Uhr früh bis 12 Uhr nachts zu arbeiten. Häufig wurden die Arbeiter und Arbeiterinnen, die zudem auf das elendeste entlohnt wurden, vom Arbeitgeber geprügelt. Die humane Polizei verurteilte den Plantagenbesitzer wegen Ueber- iretung der gesetzlichen Vorschriften zu der horrenden Straf von fünfzig Rubel! Ganz wie bei uns! Auch in Deutschland werden ja die Unter« uehmer fast in allen Fällen, wo eS sich um ungesetzliche Ausbeutung der Arbeitskraft handelt, mit Strafen belegt, die wie eine Prämie auf die Uebertretung der Arbeiterschutzgesetze wirken. Kleine Notizen. Eine blutige Schlägerei gab eS am Mittwoch abend in H a n a u zwischen Soldaten des 8. Ulanen- und dritten Eisenbahn- regimenteS. Zwei Soldaten vom 3. Eiienbahnregiment wurden durch scharfe Säbelhiebe am Kopf und an den Armen schwer verletzt. Die Exzedenten wurden sämtlich nach der Polizeiwache gebracht. Dir Liebe. AuS Eifersucht schoß am Mittwoch abend in Frankfurt a. M. ein 21 jähriger Mechaniker auf seine Geliebte und verwundete sie schwer. Nach der Tat richtete er die Waffe gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel in den Kopf, die ihn schwer verletzte.— Aus den gleichen Motiven erschoß in Chemnitz ein 2Sjähriger Kaufmann eine 21jährige Kellnerin. Durch eine» Schuh in die Schläfe verletzte er sich dann selbst in lebensgefährlicher Weise. Wieder einer! Der Rendant der Gerichtskasse in Heide, Gerichtsschreiber T s ch i n k e l, ist nach Unterschlagung von mehr als 2 0 0 8 0 Mark amtlicher Gelder flüchtig geworden. Ei» großer Brand hat in der letzten Nacht das Jesrossüuowsche Frauenkloster in P o l o z k im russischen Gouvernement Witebsk eingeäschert. Von den 00 Nonnen, die das Kloster bewohnten, werden drei vermißt. Unserem Genossen U. Genosfin' Kar! Böhme n°b„ Frau die herzlichsten Glückwünsche zur silberne» Hochzeit. J Die Genossen des 709. Bezirks.< ««»««»»««««««»«««»»« Deutscher Transportarbeiter-Verband.! Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Portier OzKsi- Fabian am 15. November im Alter von 43 Jahre» verstorben ist. Ehre seinem Viidenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 13. November, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- halle des Kirchhoses der Christus- Gemeinde aus statt. Macdrat. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege F�nst Kfauss am 13, November im Alter von SS Jahren verstorben ist. Ehre seinem Zludcnken! 42/6 Die Bezirksverwaltung. Danksagung. Sagen hiermit allen, nem lieben Gatten, welche mel- WWW»........ unserem guten Vater, dem Kesselschmied Robert Kcpft- aus seinem letzten Wege das Ehrengeleit gegeben, unseren herz- lichsten Dank. ISlvL Wwe. Lbarlotte Kerx _ nebst Kindern._ Tanksagnufl. ;e vielen 23er für die vielen Äewcise herzlicher Tellnahm« und die reichen Kranz- spenden bei der Beeidigung meines Mannes .?o»epIi Kittel dem Deutschen Metallarbeiterverbande sVerwoltungsnclle Berlin) sowie allen Freunden, Bekannten und Verwandten meinen innigsten Dank. ILSöb Die irnusrnden Hinterbliebenen: Al bertine Kittel geb. Berlin. Danksagung. Zurückgekehrt vom Grabe unsere» lieben Enischlaseiien sagen wir allen, die ihm daS letzte Geleit gaben, herz- lichcn Dank. Auch danken wir sür die zaiilreichc» Kranzspenden und Unterstützung während der Krankheit des Verstorbenen. Insbesondere danken wir dem Köpenicker Wahl- verein, dem Köpcnickcr Männerchor, sowie den Kollegen der Firma A. E.-Ä. Abt. Gunimifabrik und den Kollegen der Firma Krüger u. Co., Köpenick. Die trauernde Witwe Mne Engler nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Bcwciw herzlicher Teilnahme und die vielen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Porzcllaiidrchcrs Karl Hollmich sage ich alle» Bekannten, dem Herrn Che! und den lieben Kollegen meines unvergeßlichen ManneS meinen herz- lichsten Dank. 181 IL Die trauernde Witwe Luise Hollmich nebst Kindern. ZHKiU'vttv» Josetty, Manoli, Garbaty etc., 10 Stück 2 Bs.- Marken 15 Pf., 14 Stück 20 PI.; 10 Stück 3 Ps.- Marten 23 Pf-? 10 Stück 4 Pf.- Marlen 30 Ps. usw.* Zigarren eratklutiisige Fabrikate zu billigsten Preisen Alte Jakobstrafie 133* Orts-Krankenkasse des Maurergewerbes zu Berlin. Montag, de» 28. November 1010, abends 8 Uhr, findet Eugcl- nfer 13(GcwcrkschastshauS). Saal 7, Levei'sl-Vei'LsmmIllng der Vertreter der Kassenmitglieder und der Arbeitgeber statt. TaacS-Ordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Bor- stand es. 2. Ergäiizungswahl des Vorstandes sür die Jahre 1311 und 1312 sür die ausscheidenden Vorslandsmit- gliedcr: a) von den Arbcilgebcrm die Herren Schmidt und Gewiß, b) von den Kassenmitgliedern die Herren Daehne, Lehmpsuhl, Hachncl, Grassau. 3. Wahl des NechnungsprüsungS- arrSschusseS. 4. Statutcnänt'eiling der§§ 37, 63. S. Beratung und Beschlußsassun� über den mit dem Aerztevcrern sür die Jahre 1311—1316 abzuschließenden Vertrag. 283/15*° Berlin, 14. November 1310. Ter Vorstand. A. Daehne. K. L e h n t g. Orts-Krankenkasse der Schmiede. Sonnabend, den 26. November, abends 8'/, Uhr, bei Tabert, Markusftrahe 14, Eingang Grüner Weg: OiMlmtllcbo Geueral-Yersauimlung. 1. Neu- rcsp. Wiederwahl der auS- scheidende» Vor-randSmitglieder: a) 1 Arbeitgeber aus 3 Jahre, b) 2 Arbeitnehmer aus 3 Jahre, c) 2 Arbcilnchmer aus 2 Jahre (Ersatzwahl). 2. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Jahrcsrechnung 1313. 3. Verschiedenes. 283/17 Der Borstand. Ad. P i I g r i m, Vorsitzender. Offeriere insrischer. nur schöner Ware: Nur ein Preis! S Gänse 0,65 8—14 Pfund schwer.* SV�Nuc allererste Qualität Gänserümpfe, V2 Gänse. Fette Suppcuhühner, jge. Brathühner. p°. Wegner, SQ., Mariannenstr. 34. Bekantttmachnng. Die statutenmäßige lZelleral-VersammIvvg der Ortskrankenkasse Hierselbst findet am Dienstag, den 20. Nov. 1010, abends 8 Ilstr, Ii» T a d a u i ch en Restaurant. Residenzstraste 124 Hierselbst statt. Tagesordnung: 1. Wahl von Vorstandsmitgliedern a) einen Arbeitgeber, b) vier Arbeiinchmcr. 2. Wahl der Rechnungsprüfer sür die Jahrcsrcchnung vo» 1310. 3.») Bescheid betreffend deS am 7. Dezember 1333 bezw. 13. Oktober 1313 beschloffeucn Statuts. b) Beschlußsaffung betreffend die Acnderung deS§ 43 deS Statuts 4. Genehmigung des mit dem Aerzteveretn abzuschließenden Per- träges. 5. Antrag der Beamten, betreffend die Gehaltserhöhung. 6. Verschiedenes. Die Kassenvertreter haben zu ihrer Legitimation die Kassenbücher sowie besonders ergehenden Einladungen vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kassen- Vertretung gehöre», kann der Zutritt nicht gestaltet werden. Etwaige Beschwerden, zu denen die Einsichtnahme der Geschäftsbücher er- forderlich ist, sind dem Vorstande mindestens drei Tage vorher schristlich einzureichen. 283/16 Reinickendorf, 17. November 1310. DerlforstaniilerOrtskrankenkasss I. A.: Bensch, Vorsitzender. Meiner werten Kundschaft zur Nach- richt, daß ich die Werkzeugschlosserei Idiidwig Koch, Ttralsunder Srrafte 10, weiterführe. 18766 Witwe Koch. JerliHBP ipheiter- Mitglied deS Arbeiter» Radsahrer-Bundet »Solidarität»'. Touren zum Sonntag, 20. November. 1. Abt.: 1 Uhr: Papenberge. Starb Bülowstr. 53. 2. Abt.: 1'/, Uhr: Krankenhaus- besuch.(Ohne Rad.) Treffpunkt: Fontane-Promenade 13. 3. Abt.: 1 Uhr: Grünau(Jäger. hau«). Start: Lausitzer Platz. 4. Abt.: 7 Uhr: Streiszügc durch den Westen. 1'/, Uhr: Zehlendors (Mlckley). Start: Küstriner Platz. 5. Abt.: 2 Uhr: Hirfchgartcn(Kar- toffcl- und Herlngstour). Start: EUjtium. Bei schlechtem Wetter per Bahn. 6. Abt.: 5 Uhr- Obiglo. 7. Abt.: 1 Uhr: Wannsee. Start: Kösliner Str. 8. 8. und 3. Abt.: 1'/, Uhr: Wilhelms- ruh(Seeschlößchen). 8. Abt. Start: Waldstr. 3. 3. Abt. Start: Schilling- stratze 15. 13. Abt.: 1'/, Uhr: MahISdors. Start: Wcbcrstr. 6. 12/23 1'isclHler»Verein (F. H. 80.) Sonnabend. 19. Nobvr., abds. 81/, Uhr, Melchiorstr. 15: Versammlung. Vortrag des Herrn 8. Fromhold über:»Konventionelle Lügen«. VerlchledeneS. 133/3 Der Borstand. Tcrlelh-Instltat: IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, H in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Mnntcrgflltie In Konatrnktion nnd Ansfühmnc, gleich vorzüglich für Hausgebrauch a. Indu.trle. IL Singer Co. Nahmaschinen Act. Oes. ItERIilV, leipziger StraRe 08. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. B Betrifft Herren welche sich elegant kieiuen und doch beim Einkauf sparen wollen. Wir empfe len aus unserer Abteilung fertige Herrengarderobe: Oe- legenheitsk&ufein Winterpaletots, Ulster und Anzögen. Diese Stücke sind zum Teil aus feinsten Maßstoffen gefertigt(mit Sieppfulter, auch auf Seide gefüttert), für jeden Herrn passend am Lager, u. a.; Serie I Serie II Serie III Serie IV Winterpaletots. 10.-14.-18.-22.- eft Ulster engl Farben 12.— 16.— 20." 24.—„ Jackett- Anzüge 11.-15.-18.-24.-„ Gehrock- Anzüge 18.-22.-27.-32.-, fielflklelder v. M. 5- an twdff ["Verleihung von Oesel.scliafts- Anzügen.| Abonnements-Haus Jägeistr. 11 i.T zwischen Friedlich- und KanomersfraSe Vtraed- und tbonrMients-lbteilung, Sountag 8—10, 12—2 Uhr ge! ffoil Eine wirkungsvolle Agitationsschrift PreiS 5 Pfg.- Bei Partiebezug erheblicher Rabatt Verlag W. Ptanntu»& So» Magdeburg,(Stoße MIlnzftr. S Wenn der Siegeslauf ver SvztaldrniokraNr drichieunlgi werden toll, wenn die nächsten RetchStaaSwadlen«Ine vernichtende Niederlag« der Junter und andrer Neattionär« dringen soll, muß das große»eer der Landarveller und»er eandardrUerlnnen und auch die Masse der FraucnlndenSiädlen für dl« Ardeliervewegung gewonnen werde» Diesem Zwecke dient nun die Sammlung von zwäts Brieien einer Ardeiirrw au« der Siadi an ihre Schwester auf dem Lande, die einfach und voltstllmii« die L-aupisorderungen der Sozialdemotralie und die Sinwände der Gegner detzandeln. Welchen großen Anklang die Briefe in Nord und Süd gefunden baden, beweist am besten die Tatfache, daß stch fett der kurze» Zeil itzret Erscheinens drei große Auflagen nittig machte» Zu haben in sämtlichen Patteigeschäften ...................................................... Hill«............. Unser neuer Selwnander-KerkeeblensUefel v. R. G. M. 362 916 bietet Schutt gegen Ntaae und Kälte, indem er Ihre Füese wenn und trocken lullt. Et kostet In Liuwtaslüiirung M. 16.50 Kräftige Kalbleder-Wetteraiiefel für Damen und Herren mit extra starken Doppel■ Sohlen Einheitspreis.,... M. 12.60 LuxusaiHlöhrung,. M. 16.60 Korkkehles Stiefel Salamander Scbuhges. m. b. H., Berlin Zitt; Ben i 8, W«, 182. Das tsf die Brandsohle. W. Priedriob-Stroße 182 SW. Friodrioh-StraCe 221 N. Friedrichstr. 118/19 0. König-Straße 47 W. Potsdamer Straße 6 0. Rosenthaler Tor 1 W. Tauenteien-Straße 15 N. Bad-Straße 20 NO. Gr. Frankfurter Str. 102 (am Stranßbergorplatz)' NW. Wilsnacker Straße, Boke Turm-Straße 9 Oharlottonb., Wilmersdorf�» Straße 126 Steglitz, Schloß-Straße 20 Spandau, Breite Straße 30 Potsdam, Nauener Str. 94 A. Lelnwandschlcbt B. Lcderbnadsohlo C. gerletteKorksohle o. dünne Lederdeek- »ohle Dr.Schünetnann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 661L' jetzt Oranienstr. ISS. gegenüber Kommaudantenstrage. 13—2, 5—7, SonntagS 13—19. Nathan Man«l 12» Skalitzer Ttr. 12». Die schönsten Hepren-Winter-Palelols n. ülstep imil Anzöge reI& I�Vn Monats-Garderobe »oiiKauali creu getrogene Sachen, fast neu, für jede Figur passend, speziell Baiich anzüge sind i» groffcr Auswahl stets zu staunend _ billigen Preisen zu habe». Nstk an Wand 12'.) Skalit.er Ttr.|-4i>.■ Hochdahl! statiou KottbiiserTor. I Bitte ausHaiiSiiummerzu achten, W 1�1 l mit 100 Betten, VersammIungS- jimmer, Saal in einer süddeutschen Industriestadt an lautianSsäbigen, nachweislich tüijjtigfii U lichter zu vergeben. 132/75 Angebote unter ü. 308 FJf. an Rudolf Moste, Stuttgart. W» dugendatissehujl für Qroß- Berlin. Sonntag, den 20. November, abends 6 Uhr, im Moaditer Schützenhause, am Nordufer: lugenä-Verlammlung. Bortrag des Herrn Dr. Uns«» Qeledtsntrltt über: Die Entstellung und Entwickelung des Liedes. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu dieser Versammlung srcundlichst eingeladen. Der Eintritt ist srei. 233/2* Zentralverband-u fiaehdeeker TerwaltnugsHtelle Berlin. Sonntag, den 20. November, vormittags 10 Uhr, bei Grande, Weinstratze 11: \ ersam m lungs TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kenossen Tiiwcll über:„Die indirelte Besteuerung der Arbciterschast. 2. Verbandsangelegenheiien. KL. Die Mitgliederversammlung der Jnnungstrankentasse findet am Freitag, den t8. November, nicht statt. Es handelt sich um eine Versanimlung der Delegierten zur Jnnungs- krankcnkassc. 54/11__ Ter Borstand. CroBes lufselien Martin Katz Schiicidernieiater Dresdener Straße 76, nahe dem Thaliatheater UM- üiii Hr-üanlerohe nach M aus bestem deutschen u. englischen Stoffen, prima Zutaten, :: garantiert ladeiloser Sitz, erstklassige Verarbeitung:: Fertige Herren- Konfektion . in gediegenster Ausführung in großer Auswahl am Platze. ;: Kleinste Wochen- oder Monatsraten gern gestattet:: Vorzeijjer dieses Inserats erhält 5 0/0 Rabatt. An die Arlicilcr«nd Arbtiterinncil der Miischt-Fnlirilliitilln, Wnsillc-Klinscliliilll, Krnllintlell-, Knrselt-»nd Ichiirienlirßiicht Kcrlillg! Kollegen und Kolleginnen I Bei der Firma Grünbaum hat man die Zuschneider wegen der Bieleselder Streikarbeit gematzregelt, die dortigen Arbeiterinnen werden sich mit ihnen solidarisch erklären, mag kommen, was da will. Wäschearbeiterinnen und Arbeiterl Wir rufen Euch zu: Macht keine Streifarbeit! Zurück mit jeder sremden Arbeit! Kommt alle, um die not- wendigen Schritte zu besprechen und zu beschliegen, in die OeflentUehe Versammlung am Freitag, de» 18. Noventber, abends 8�z Uhr, ===== im Schweizer-Garten, am Königstor.- Tages-Ordnung: 1. Der Streik der Wäschearbeiter in Bielefeld, die Unter- bringniig von Strrikarbeit in Berlin und die hierauö erfolgten Mafiregelungcu und event. Zlrbeitsiiiedeelegnngen bei der Firma Emil Geünbaum. Berichterstattung über die Sitiung mit den Fabrikanten, und waS gedenkt die Berliner Wäschearbeiterschaft zu tun? Neserenten: W. Eue und A. Heitmann. 2. Diskussion und Bcschlugsassung. 252/10 Kollegen, Kolleginnen, Heimarbeiterinnen I Sehr ernst ist die Situation für die Wäschearbeiter! Unsere Parole sei, darf nur sein: RauS mit der Streikarbrit aus Berlin. Fabrik- und Heimarbeiterinnen und bei Zwischenmeistern Beschäftigte kommt zur Versammlung I Die Kutscher und Fahrer sowie die Arbeiterinnen in Dampswasch- anstalten sind hiermit ganz besonders eingeladen. Unsere Mitglieder ersuchen wir, in allen Arbeitssälen diese Vers ammluna bekannt zu geben. Verband der Schneider, Schneiderinnen n. Wäschearbeiter Deutschlands. Neue Königstr. S. Filiale Berlin III. Telephon 3, 6734. Ohne Jede Anzahlung vorkaufe ich Pianos erstklassiges Fabrikat (Stnal prämiiert Staats- medailie) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer Tonfülle. (Flligelton) gegen kleine monatliche Tcllzahlnng, ohne jeden Preisaufschlag. 126/15* Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Conrad Krause Nchfg., Eck"ku?fü"ste1ls"rsb"TohechMtir lo�io. Auch Sonntags geöffnet. Bekannt in aller Welt ist's lang, „Humor" nimmt ein den ersten Rang. Humor putzt alle Metalle sauber uud geruchlos. Zu haben in großen Flaschen von 10 Pt an. Hnmor-Werhe t«. in. b. II., Berlin NO. 18. 8. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 17. Norember vormitfags. Nut die Gewinno über 240 Mark nind den betreifenden Nummern tu Klammern beigefügt. fObne Gewähr.) Oenohdruck verboten.) «4 853[5001 040 1 000[500] 281 450 689 879 2019 109 10 87« 403[5001 5.15 6U 961 3022 201[500] 921 47 4071 96 137 693 812(6'0l 923 5559 705 800 933 93 6216 25 63 65[1000] 419 582 602 54 7004 286 421 640 84 704 64 8109 501 C"8 30[1000] 73C 9238 300 616 29 87 � 0014 24 379 442 89 771 11305 27 39[500] 93 331 428 68 1 2000 71 77 314 809 1 3487 759 975 1 4059 133 803 490 660 723 816 1 5072 125 250 91 333 522 736 69 94 848 83 961 16103 271 300 471 578 967 1 7 108 1 8053 163 339 62 90 909 1 9184 339 96[ 3000] 20205 87 398 f5"0] 21017 89 230 360 613 723 64 820 987 2 2 283 328 409[ 500] 750 023 35 83[600] 23206 67 401 4 590 710 94! 24200 467 90 503 23 018 8 2 744 2 5377.522 54 913 2 6081 253 461 861 033 2 7009 29 [10CO] 205 601 28120 234 361 616 29101 212 31 408 25 564 623 55 3O053 316 93[500] 765 931[500] 3 1 090 259 81 788 903 54 32154 59 66 285 4'3 009 2.5)0 761 803 39 931 830S1 49. 477 565 633 724[500] 888 3 4400 66« 706 51 [500) 53[1000] 841[500| 954 3 5173 268 452 tlOOO] 933 36187 2.59 300 4'7 707 69 3 7056 165 2(9[500] 60 320 40[1000] 400 836 3 3211 55 370[1000] 805 917 3 9 218 302 547 721 40151 442 670 4 1 090 143 334 71 40!!2 8!8[3000] 842 4 2012 26 7 4 213 321 432[1000] 33[1000] 71 550 620 62 792 4 3168 204 21 32 549 658[5001 44254 409 733 993 4 5 408 28 87 98 558 85 952 4 6001 214 34 42 86 313[1000] 21 70 702 47107 540 683"39 67[1060] 825 71 48039 191[3000] 216 89 326 500 700 963 49153 «9 240 438 41 570 718[500] 5 0291 626 704 890 iSOOO] 92.5 46 51188 258 374 417 «70 91 810 76[500] 924 67[1000] 52007 86 320[ 3000] 82 409[500] 52 84 93 506 805 72[500] 5 3019 323 684 88 730 801 5 4001 Ol 116 50. 614 737 97[500] 812 50 5 5 213 50[500] 357 03 664 80 86 807 936 5 6003 356 65 429[1000] 512[S�O] 097 5 7050 193 350 516 770[500] 893 58115 32[100(1] 453 562 690 772 838[1000] 59037 159 208 639[1000] 79 907 52 6OI06 215 34 362 431 53 587 61166 213 331 67 94 1900] 472 635[500] 721 27 858[.500] 62355[1000] 63057 »11 456 539 86 6 4084 035 11000] 900 6 5003 78 91 681 712 870 6 6163 217 582 921 87 6 7l61 440 640 865 883 84 68091[1000] 354[500] 402 6 9 416 62 680 70155[ 500] 230 423 534 926 63 7 1 402 550 6(3 820 987[500] 78[500] 72023[500] 81 251 359 537 030 700 829"22 73]500] 73031 74 74»00 101 252 379 168[ 3000] 88 7 5 271 332 43 401 511 43 743 905 35[itOOl 76224 355 424[3000] 595 801 075 77008 153 67 281 317 575 87 607 37 51 90 07 741 870 985 78011 44 101 214 60 86 496 571 89 601 60 716 850 63 939 58 60 7 9 399 581 764 80133 358[1000] 493 8 1 311 45 57 532 750 991 8 2056 282 319 428 628 52 8 3(120 245 339 431 82 523 854 940 CD 8 4693 205 88 438 502 816 950 83 8 5178 200 4!1 35 605 11 8 6 034 221 348 72[500] 773 815 69 78 (30001 95 959 8 7034[1000] 541 83[500] 657 93 773 8 8022 209 39 52 46«[500] 870[500] 910 87 99 8 9211 U 616 908 88 99(163 291 359 78 458[500] 532 8! 735 933 9 1 290 flOOO) 539 78 934 9 2174 840 710 60 950[ 3000] 99 143 (lOflO] 68 749[500] 90[SOfll 9 4000 351 413 578 863 9 5460 514 693 732 62 836 96604 12 222 400[500] 650 700 31 60 883 920 9 7 000 36 118 227 555 706 873 972 98103 67[3060] 251 60 74 379 414 48 500 612 10 713 «1 83 815 99147[500] 527 648 73 7?7 821[300()| 47 976 100141 338 419 521 818 7 0 913 1 0 1 523 54 661 726 870 1 02(25 604 846[1000] 63 103120 201 63 319 710 (500] 55 825 28 940 63 63[500] 104*89 303 608 706 881 933 62 105010 17 39 210 441 713 90 822 39 106079 »81 447 672 841 107111 71[500] 462 97 546 67 037 75 1OS058 759 803 27 905 10 27 109248 511 670 70Ü 0» 833[500] 1 10098 414 4» 735 87 98 111144 544 74 625 729 889 1 12232 474 87[590] llglC« 760 959 114037 41 826 815 995 115313[ 500] 464 545 653 839 05 11620« 479 13000] 530 tSOOO] 891 921 117135[500] 266[1000] 79 334[inOOl 856[500] 118024 188[1000] 619 21 799 665 73 993 119039 60 84 153(500) 321 408 87[3000] 80![506] 894.____ 120265[500] 380 475 83 644[500] 121013 137 217 «11 67 800 925 61 12 2038 7 4 203 49 66 315[500] 49 61 451 726 47 92 848 69 1 2 3 270 350 404 64 617[ 3000] «95 842 997 1 2 4250 303 414 65 1 2 5221 611 41 708 84 804[500] 946 96 1 2 6272 805 1 27130 48 72 75 200 3 128067[1000] 116 38 247 607 720 839 1 29 222 332 83 S88 90' 1000] 733 J63 13 0222[3000] 92 656 92 922 1 3 1 806[3000] 724 58 «55 1 3 2056 224[SOOO] 463 797(1000) 133326 1 84108 345]1000i 511 78 7 66 1 3 5 032 80 283 415 56 77 663 72 703 899 1 36126[ 5000] 202 499 646 77 810 1 37302 093 13 8 282 361 06 531 790 1 39133 53[3000] SU[500] 508 82 626 59 794 349 77 000 51 140135 336 40: 710 1 4 1 0)5 400 588 666 772 142172 234 351 69 546 632 83[ 500] 609 49 1 4 3054 »64 77[500] 86 474 5 SO 27 683[500] 95 840 70 967 14 4005 200 410 571 768 1 4 5018 57 295 485[10 000] 14 6020 153 95 431 73000] 44 72 574[500 1 91 743[1000] «14 911[500] 86 147178 97 555[1000] 423 77[1000] 831 2« 83 148772 915[500] 14 9 200 315 96 421 977[600] 15O0I0 63[500] 91 146 365 508[1000] 602 1 5 1 729 99 821 83 1 52 478 514?1 85 791 851 153 303 90[3000] 493 615 95 655 7« 7 91« 154141 77 223 94 323 52 703 [500] 886[500] 155132 269 310 32 415 53 697 770 853 69 79 1 56023 99 201 77 78 432 607 883 932 1 5 7003 161 560 858 1 5 8071 9« 97 169 213[1000] 44 363[ 500] 494 510 33 703 1 5 9 015 150 315 437 721 SU[500] 954 [IOOO] 82 � 1 60916 249 409 592 621 38 63[500] 848 1 6 1 043 131 217 3«l[500] 946 1 62024 515 611 724 887 1 63047[5«)] 867 925 83 1 64275 458 605 1 6 5087 303[500] 56 4C2 tf 51 693 783 810 1)09 1 66208 462 500 814 2 7 63[1000] 904 47 1 6 7 348[1000] 400 567 87« 919 168090 463 636 744 844 169132 93 269 682 670 707 888 02 996 170123 91 264 387 528[3000] 89 641 724 1 7 1 018 181 71[600] 207[3000] 80 325 736 963 84 1 72:96 344 448 575 650 54 715 21 848 948 54 1 73101 497 068 1 74U)33 439 03 715 932 85[500] 173115 98 403 937 1 7 6052 125 37 63 233 88 390 507 79 764 933 64 1 77080 297 339 M[ IOOO] 655 700 43[ 3000] 800 915[600] 178017 105 610[3000] 648 832 983 1 7fW$ 170 305 88 97 619 91 947 180314 70 14« 501 181 088 234[500] 83 451 583 64 2 833 SOO] 18»M,1 446 533 07 71 737 804 48 90 183027 370 469 582 1 84168 314[503] 85[500] 185072 112 76»11 469 605 37 980 1 8 6001 155«[500] 359 flOOO] 89 494 541 715 31 35 49 67 825 187141 274 409 542 617 716 31 827 80 936 1 88143 379 450 670 762 1 80 008[5001 24 58 86 121 331 sSOOOl 99 481[8000] 592 660 700 IftlJSOO 539[500] 722 095 19X047 270 87[500] 420 [500] 558 83 852 979 1 9 2222 4 2 414 790 956 1 93188 309 67 604 61 194013 49 376]S0O] 405 1 9 5208 308 403 514 818 80 1 96128 272 481 527 1 9 7004 20 116 19[500] 72 541 803 193322 516 603 715 38 916[5>00] 72 199110 85 268 314] 500] 36 83 403 16 565 919 200112 332 573 813 907 38[10000] 20126! 89 567 [1000] 84 92 638 93 769 2 0216« 847 85 097[500] 203929 48 318 69 662 806 925 92 2O4007 133 54 235 81 324 573 669 2O 5002 doonl 185 99 765 985 2 O 6207 75 98 408 753 908 2 0 7 227 321 37( 500) 70[SWl] 414 71 943 97 20 8325 559 60 61 93[500] 602[500] 770 850 962[3000] 209120[500] 224 496 683 729 86[SOO] 911 63 2 1 0189 231 432[500] 558 845 l>000] 211047 76 [500] 230 474[8000] 88 587 861 2 1 2227 522 632[ 500] 62 710 71 842 969[500] 213172 223 91 391 08 477 770 78 992 214004 71 323 400 517 858 2 1 5269 371 513 71 738 809 901 2 1 6100 220 95 432 602 673 88[1000] 97 726 65 2 1 7047 203 338 426 663 780 993 2 1 8233 344 6» 425 522 764 50[500] 077 2 1 9163 463 764 22O059 160 225 09 483 508 770 918 2 21114 533 2 2 2172 358 7 2 515 603 5 35 711[ 1,000] 869[3000] 908 2 23161 221 463 525 629 795 858 2 24,64[500] 76 531 61 fSttl] 69[500] 707 69 98 875 953 225050 123 82 503 2 2 6 237[ 3000] 324 494 634 922 37 2 2 7206 343 766 818 229032 148[1000] 211 33t 99 468 550 87 98 669 153 2 2 9 355 61 303 32 600[3000] 23 682 2 3 0121 25 4 7 201 92 333 443 1500] 83 637 725 33 994 231157 89 350 467 70 602 720 941 23 2523 673 rsnOO] 898[3000] 974 2 3 3008 83 362 69 7 7 417 55» 234170 219[ 500] 375 667[500] 2 3 5104 04 388 413 23 43 45 800 963 23 6125 86 307 12 4 7 632 706 76 2 3 7233 304 74 607 13 2 3 8247 816 459[500] 770 963 2 3 9014 116 218 69 450 522 613 39[500] 63 61 24 0087 261 313 529 40 06 2 4 1 006 240 95 437 90 242062[ 5001 112 231 362 75 448 2 4 3004 100 13 38 93 429 71 1 24 4142 767 840 955[600] 73 2 4 5 669 823 904 87 2 4 6051 270 502 742 890[10001 247421[500]«33 827 946[500] 2 4 8312 622 32 821 919 2 4 9059 187 233 566 939 250042 67 251005[3000] 154 86[500] 91 715 39 74 996[3000] 2 5 3102 10 279 326 672 682 844 2 5 3.368 753 889[SCO] 930 2 8 4023 121 58 214 371 89[500 i 494 674[IOOO] 751 2 5 5106 315 613[ 500] 847 62 2 5 6005 44 203 385 402 71 87«51 743 988 2 5 7101 398 1500] 25P'24 40 78 420 530 876 2 5 9000 245[500] 853 467 260093[1900] ISO 321 38 503 660[3000] 91 754 261214 24 646 707 11 63 805 6[1000] 2 6 2053 178 275 442 621 6°8 48 060 67 2 6 3 010 100 25 304 545 6 4 730 972 f500l 82 93 2 6 4055 224 782 99 2 6 5 410 92 514 682 735 2 6 6354 423 660 98 886 904 66[500] 267191 270 333 404 2 0 8164 257 893 2 6 9 055 92 402[500] 516 31 270083 190 826 271095 151!90 536 65 664 799 883 914 2 7 2 24 41 203 20 325[500] 417 911 21 273012 167 225 74 312 546 79 829 2 74152 244 65 393 465 561[3000] 608 485 943 73 2 7 5154 211 435 412 516 901 2 7 6204 395 277047[ 3000] 69 256 83 687 701 821 976[ 3000] 77 278008 39 117[500] 99 579 82[500] 667[500] 7? 00 753 279185 76 293 313 636[500] 836[500] 90 2 8 9070 179 300 704 839 98 904 2 8 1 200 313[IOOO] 414 508 37 43 757 2 8 2 037 127 214 808 960 2 8 3038 225 477 759 2 8 4054 137 305 00 418 740 810 15 IlOOO] 57 75 912 2 8 5120 31-1 493 535 731 2 8 6382 424 522 725 97 934 287209 37 28858« 697 770 863 936 2 8 9 046 207 48 77 307[500] 8 93 433 45 70 674 856 90 939 290336 406[1000] 96 615[3.00] 59 788 804 2 9 1"!! [500] 128 60 212 53 403 11 814 292 378 527 663 2 9 3065 222 37 303 87 431 32 605 86 909 2 9 4037[1000] 91 443 690[3000] 722 78[UM] 894 912 15 2 9 5080 148 462 78 2 9 6156 547 647 776 816 17 916 2 9 7 249 71 302[ 600] 561 68 923 298054 277 510 623 724 76 81 2 9 9201 19 [5001 57 93 689 090 3 00(115 279 335 93 867 301191 267[500] 300 883 302264 39« 475 525 608 890 979 3 0 3076 189 272 404 583 862[500] 85 Im Gcwinnrade verblieben; 1 Prämie eu 800 000 M, 1 Gewinn zu SOO OOO, 1 zu 150 000, X zu 100 000,! zu 80 000, 1 zu 70 000, 2 zu 30 COU, 3 zu 50 000, 3 zu 40 000, 9 zu 30 000, 19 zu 15 000, 53 zu 10 000, 111 IB 5000, 16!! zu 3000,!571 zu 1000 4088 zu 500 8. Ziehung 5. KI. 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 17. November nachmittags. Nur die Gewinno Uber 240 Mark sind den betrefkenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 47 22! 333 517 811 116' 317 48 452 634[IOOO] 2009 70 88 201 4 39 314 629 3lS3 287 435 537 956 57 4002 239 355 453 90 5031 94 258 321[4000] 533 890 6304[IOOO] 414 589 65? 923 7074 373 541 670 8 231 44 370 437 883 85[500] 909 94 9142 47 479 81 533 783 830 102 ,0[3000] 430 60 611[500] 634 11015 307 1 200« «3 SOI[500] 379[IOOO] 434 41 99 575 819 30 1 3020 24 6 73 46 0 774 921 14028[30001 147 219 127 43 96 840!K2 1 5054 320 65 68 488 569 77 694 875[500] 16023 34 97 464 83 524 655 163 976 1 7,77 510«43 801[500] 908 1 8277 609 808 llOOOOl 965 75[1000] 19013 56 63 139 91 314 78 647 50 82 928 93?[500] 20035 138 238 712 2 1 001 3 7 4 635 96 968 2 2416 23069 74 256 323 SO?'2 53 614 74 2 4041 83[500] 644 895 2 5047 171 83 279 426 58 996[500] 26027 241 27361[500] 808[5001 35 28174 OOS U[200 000] 835 918 2 9 011 215 25 940 66 99 30 26 640 89 897 9,6 3 1 029 194 203 11 399 728 878 3 2096 121 293 337 800 010 27 33 19 3 3 068 222 1500] 480 629 787 829 955[ItOO] 34152 629 829 39 033 35017 157[1000] 205 303 535 48 292 902[3000] 36101 [500] 15 18 290[500] 152 68«14 97[lono] 973 3 7072 174 569 81 613[500] 753"73 38000 118 23[600] 36 273 416 621 714 45 932 41 3923c[SOO] 484 623 92 833 994 40181 231 33 49 300 75 648[500] 4 1 032[1000] 180 276[ 500] 473 542«31 42186 202 21 30« 501 17[500] 671 783 804 5 90 4 3926 313«45 910 44365 776 897 [1000] 940 68 4 5033 91 93 492 928[SOO] 4 6019 302 419 60 637 700 37[1000] 4 7042 669 745 64 flOOO) 833 85 48039 853 941 58 40103 281 301[1000] 471 623[500] 89[500] 692 705 50314 797 911[3000] 5 1 010 406 683 708 32 821 45 61 52060 61 30;, 75 501 17 687 744 5 3049 156 217 21 SOI 474 89 602[1000] 5 24 27 34 71 83 IlOOO] 704 875 948 80 5 4007 315 928 5 5 275 370«54 840 52 5 8326 439 575 95 680 717 55 922 5"4 117 332 49 471'.83 5 8038 209 64 508[1000] 620 700 59103 15 44[3000] Z12 60 463 611 83 706 859 60023 97 171 93»23 69 590[500] 799 868[500] 922 61030 123 262[IOOO] 53b 00 70« 6 2 248 466 848 6 3114 283 601 92 745 25 855 925 6 4023 121 26 09 219 640 06 600 798 952 6 5344 5»(02 810 12[SOO] 43 72 911 66117 70 823 515 58 710»10[lOOO] 20 50 67090 186 545 732 6 8017 100 10 28' 327[500] 703 66 667 902 61 82 69101 426 627 801 52.06 7O0«8 111 23 1 304 85 40 71124 23[1000] 875 80 423 55 509 13[500] 75[1000] 920 7 2108 21 209 24[500] 65 855 1500] 512 13 630 73SS1 960 81 74259 75089 312 63 694 960 98 7 60,0»4 Bf. 78 608 813]500] 88 [500] 949 76 82 7 7000 418[4000] SO[500] 501 840 7 8004 49 63 410 503 679[500] 776 840 79123 220 [1090] 755 81 825 SOlOS[1000] 307 95 511 753 850 927 37 42 81131 652 893 953 8 2 013 202 331 SO 619[1000] 31 31 83193 252 84 328 33 402 572 820[500] 98« 8 4004 97[4000] 106 263 752[500] 8 5035 121 357 649 703 8 6012 flOOO] BIO«0 873 8 7215 543 741 803[ 600. 40[IOOO] 53 72 83 [500] 88014 87[500] 158[500] 2sO 311 563 600 89018 84 859 426 821 9 0213 566«50[500] 721 851(30001 9 1039 49 60 170 226 459[300(1] 58-1 64» 794 JSt 92363[3000] 531 �500] 93003 25[1000] 667 701 80 flOOOl 592 98 9434» 61 457[10110] 787 832[500] 9 5 047 273 433 900 9 6197 262 631 931[500] 05[SOOfll 97370'605 772 912 9 8063 241[500] 550 54 069 736 33 854 88[500] 953 990.1« 110 23 51 30; 633[1000] 50 713 43 014 ... T�JR384 431 V 8!!3, �°°] 6i 10 1 305 853 023 1 02100 213[500] 85 363[5000] 530 40 91 018 718 27 71 103(170 193 249 67[IOOO] 507 858[3000] 934 104117 52 1300] •l6i~70 479!h>«!°57 47 794 822 990 1O503G 204 524 1O6210 338 411 941 107265 977 1 08262 473 527 683 99 t-' 942[30001 20 49 1 0 9023 49 107 slOOü] 274 862 609 75 734 53 808 27 927 41 93 110123 237[500] 837 576 81 92 643 926 1 11168 2»«18 462 54? 73 112027 340 403 921 113020 408 502«55 815 81 89 901 94[1000] 1141-1» 634 70 115630 116145 220 630 Ol 782 062[500] 117045 500 42[3C0l 161 f500� HS®3 210[500] 69 417 916 23 119020[1000] 41 191 547 07 784 924 120217[IOOO] 07 302 62[5000] 442 558 81 1212»« VouiV �?2159 73 455'10 01101 508 18(1000) IST* 97 1 23 1 2o 49 282 823 636 711 124389 445 574[Snoo f JLnl»T.'S000� 005 901 126054 099 913 1 27127 J 3i � 97 609 31 42 776 831 128430[lOw] 517 945 46 1 2 9048 203 440 50 864 , 130064 491 23 59 707 50 68 823 77 80 948 76 13 1 095 308.2 415 536 82 91 754 983 1 3 2053 75[IOOO] IIa 17 259 749 63 96 802 974 1 33017 86 420 lsool ga 540 94 608 31 738 1 34092 178 217 447 1 3 308" UO -75 516 30 670 745 85 912 1 3 601» 120[50ül»»»-r 88 436 927 1 37141 65 204 79 SM 456 537 694 750 138093 400[SOOO] 583 731 139148[3000] 278 339 44( 30001 416 530 56 76 728[15 ODO] 87 14O010 81 90 194 517 2 7 64 786 914 1 41(17« iin 97 749 842 51 998 142003 126 69 71 83 4M am 871 143000 101 50 333 66 621[500]»5 904 95 1 77 225 58 62 377 87 725 70 829 70 1 4 5046« IX 510 804 471 558 636 87 793 825[500] 14612? 414 [IOOO] 546 723 80 862[1000] 147035 804 967 148540 1 758 149009 47 121 63 558 650 150168 270 448 91 592 691 151146«8 26» 811 445 612 44 152137 278 673 753 860 153099 267 385 [1000] 649 1 54136 470 879 678[500] 941 155170 235 610 9 2 813 978 1 56129 250 319 517 618 84 57 869 928 15 7062 156 410 562 1 5 8064 166 504 765 860 95» 78 159360[500] 603 14 23 943 69 1600-10 174 212 19 79[500] 453 649 742 1 6 1 09t 205 93 543 688 816 83 910 88 1 62020[3000] 65»0 671 836 929 TS 163 06 61 203[600] 83 89 307 81 91 164000 133 260[500] 60 373 427 53[500] 637 747 813 16 5030 202 453 573 760 963 SO 16 6097 214 65 375 448 848 78 1 67024 370 421 37 710 819 1 6 807« 98 294 36» 647(3000] 700 92 843 974 1 69129 30 98 236 850 472[500] 98[500] 608 30 46 757 71 807 952 73(5001 170212 371[3000] 411 611 171028 198 855 519 746 861 172104 12 15 87 622 95 641 173051 49» 715 174100 451 520[ 3000] 610 97 747 651 62 034 1 75408! 747 827 98 1 7 6220 327 708 2 4 831[600] 37 41 177005 279 377 538 96 646[3000] 749 178449 917 179148[1000) 475 94 808 47 DOS i 8 0018 57 71 162 66 250 320 543[500] 643[5001 796 884 1 8 1 016 92 146 203 442 577 91 732 1 82008 25 178 266 336[1000] 402 fSOOO] 60 611 742[5000] 90 978 1 8 3 451 748 62 77 83 823 43 1 8 4064 201 862 5» 51 867 908 1 85031 162 263 579 612 935[ 3000] 1860« 124 57 332 7 4 96 620 794 832 940 1 87877 903[5C0| 188171[1000]»10 363 413 189151[3000] 275 387 514 750 965 190653 191161[IOOO] 245 49 546 1 9 2248[500j 468 592[500] 626 709 878 84 981 19 3 012 327 619 919 [10001 19 4 041 246 567 675 793 87» 940[500] 195269 SS2 1 96103 223 4SI 679 830 1 9 7045 832 461 557 639 989 1 9 8293 421 080 81 89 739 55 57 68 659 995 1 9 950» 655 818[ 600] 200515 604 7 068 201025 405 687 695 727 2 0 2270 467 680 709 45 862 2 0 3 975 84 171 344 624 788 840 980 533 53 754 963[3000] 2 0 6074 172 372 561 751«24 91 98 2 0 4093 231 550 047 891 93 2 0 5343 413[1000] 33 207078[500] 80 152 239 63 386[inoai] 487 637 641 70» 2081 10 93[500] 297 797 990 2 0 9216 360 420 624 88! 21O096 III 97 430 565 87 730 824[1000] 211138 345 441[500] 14[1000]»6[500] 652 877 80 02 952 2 1 2218 41 401 40 034 68 050 2 1 3019 74 123 399 776 837 2 1 4153 383 477 80 98 551 847 03 2 1 5008 fS-OOl 15 63 303 672 721 087 2 IG 176 658 817 6 8 006 2 1 7031 101 40 470[1000] 538 CO 632 807 96 2 1 8324[500] 373 770 219003 102 5! 299 312 638[500] 76 724 r 220953 76 121 62 3.V) 93 429[500] 221260 428 606 [10001 28 73 877 919 2 2 2015 233 365 496[500] 553[500] 734 47 94 99 2 2 3 043 303 445 537 805 908 2 2 4205 45 98[1000] 473 587 2 2 5221 81 93 95 392 435 75 99 784 815 4« 088 226037 222 487 97 227341 228013 419 604 723[500] Ol 804 229075[1000] 833 SO 91 954 230037[1000] 197 430 512 827 97 981 231190 528 69 89° 232088[3000] 288 308 621[500] 694 713 900 233082[500] lli-l 281 785 054 53 2 3 4000 105 287 397 401 1» 73 593 601 23 5001 430 614 40 70» 902 6 25 09 236194[500] 36» 861[1000] 237060 93 159 94[500] 205 436 503 057[.WO] 71 800 17 75 2 38»48 503 91 635 837 78 931 66 2 3 9177 324 410 654 92 826 61 2 4 0317 419 54. 726 35 810 33 921 81 24 1 288 9, 461 UOOO] 621 59 750 864 2 4 2138 329 653 918 243051 483[500] 673 713 2 4 4146 257 358 908 2 4 6027 67 94 [10001 110 200 363 91 552 733 99 839 68 2 4 6063 814 637[5l>e] 87 706 838 997 2 4 7038»09[3000] 369 47« 608 20 45 80» 908 2 4 8025 203 546 2 4 9 200 07 SOO 485 603 1500) 93 813 85 250179[ 3000] 473 609 251007 170 218 649 974 81 252M 28' 31 283 333 1500] 41» 634 746 2 5 3065 508 72 020[500 1 64 88 707 970 80 2 5 4013 146 222 255035 90 255 467 778 904 79 2 5 6259 340 49 695 2 5 7315 [3000] 472 83 98 690 93[3000] 809 946 67 2 5 8033 96 134 SIC 533 39 833 5 5 2 5 9124[lOOn] 51»36 75 622[300] 536 668 717 64 838 79 , 260886[500] 261099»2«, 89 SO 323 4 48 63"Ol 973 [1000] 2 6 212 1 40 738 9> 283139 413 77 83 597 364167 377[500] 93 420»1 573 619 80 812 3 6 5022 70 S.lStRS 944'«1 83 98 2 0700.1 35 303 462 65(1000) 503 940 [300] 268114 15 45." 501 4» 33 97 289110 83 SB UOOO] 7 Ä. 443 533 890 716 838 961[300( 63[1000] ow�70"'74 429 87" 8 271088»21 73 527 001 784 37 739 4? 9!7 68 llOOO] 273023 69 107 23 229 419'1 70 89 712 19 922 27 4102 200 692 918 2/5180 276005(3000] 214 33 093[lUOO] 277141 873 2 7 8081 343 415 5.9 33 85 793 883 913 2 7 9»2 41» 46 94 f>26 98 7G1 911 flOOO] 19 708 242 3M 60 48' 741 813[3000] 28102« 67 282u43 129 VM 422 602 f.'OOOl 85? 64 97) 2S3i(U [3000] 340 472 573 640[30�0] 858 284059 III 43 7ft 657 88 706 2 8*«88 377 403[SMOl 672 UOOOl 781»21 26[3000] 28010 247 5Z 95 812 S>6 G9 flOOOl 2�707� «RQrvK 619 00 e*0[500] 70[500] 80 755 28 qo5/J0G 49 262 319 789 W S?[10001 1 J ü 700 290012 151 490 91 529 636 f�Ol 716*6 fsnort fif« r? 9!74 291035|1000] 45 58 63 105 415 00 511 79 SSI giip J9024l W 4� OO�VKs Tt] 2850»9 Li"1 � 437« 300M5"« II* ,814 2990,19 453 598 676 831 90«?04?ry v Vo�'i.Vtj i50',' 3o17'1 95«1 «54 3 O30S5 107*208 ,mi fs au'mW Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Zur den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Borwärt» Buchdruckern u. BerlagSanstalt Paul Singer& Berlin SW, Nr. 270. 27. Iahrgasg. I Knlaze des Amiirls" Knlim WIKsdlM frtilaü, 18. Sonrnlici 1910. Stadtvtrordnettn• VtrtammluDg. 82. Sitzung vom Donnerstag, den 17. Novemder, nachmittagSSUHr. j Ter Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach Uhr und gcbenlt zunächst der Verdienste des verstorbenen früheren Stadtrats, Stadtättesten H ü b n e r. In den Ausschuß für die Vorlage betr. die L e i t s ä tz e für die Bewirtschaftung der Güter und Rieselfelder der Stadt Berlin hat die sozialdemokratische Fraktion die Stadtverordneten Borg- mann, Heimann, Koblenzer und Wengeis deputiert Auf der Tagesordnung steht zunächst der vom Magistrat am 7. November zur Kenntnisnahme vorgelegte Bericht der Deputation für die städtische Jrrenpflege über die neuerdings gegen die städtischen Irrenanstalten öffentlich erhobenen Anschuldigungen. Es handelt sich um die am 9. und 12. September im„Berliner Tageblatt" unter dem Titel„24 Stunden in der Irrenanstalt" publizierten Artikel, in welchen„grobe Mißstände" in Dalldorf, Hcrzberge und Buch behauptet werden. Der Bericht(gez. Straß- mann) bestreitet fast durchweg das Vorhandensein der behaupteten Mißstände und führt die Anschuldigungen insbesondere hinsichtlich der Stellung des Aerzte» und Pflegepersonals wiederholt auf„laien- hafte Auffassung" und auf„aus mangelnder Sachkunde erwachsene Mißverständnisse" zurüij. Zum Schlüsse heißt es:„Den Artikeln kann der Vorivurf nicht erspart werden, daß sie ohne genügende Sachkenntnis und ohne vorherige gewissenhafte Orientierung Be. unruhigung in die Berliner Bevölkerung getragen haben, ohne daß ein sachlicher Grund dazu vorhanden ist." Stadtv. Dr. Kuhlmann(Fr. Fr.): Der Magistrat hat gut daran getan, sich nicht auf eine Zeitungspolemik einzulassen, sondern die Sache vor das rechte Forum zu bringen. Mit den Angriffen eines Anonymus im„Lok.-Anz." und den referierenden Mitteilungen in der„Deutschen Tageszeitung" und im„Vorwärts" brauchen wir uns nicht tveiter zu befassen. Ich halte die Angriffe des Herrn Heijermans im„Berliner Tageblatt", obwohl er in seiner heute erschienenen Broschüre„reine Menschlichkeit" als Grund für sein Vorgehen angibt, für elende Sensationsmache.(Zustim- mung.) Kam es ihm auf wiffenschaftlich-humanitäre Forschungen an, so hätte er sich an die Verwaltung wenden können. Das hat er ober vermieden. Wir haben in der Verwaltung nichts zu verbergen; was der Verfasser zum Gegenstand seiner Angriffe macht, ist hier bereits oft in größter Breite verhandelt worden. Es ist eine Anmaßung, wenn ein Laie uns über die Behandlung der Irren be- lehren will; das versucht er aber hinsichtlich der Dauerbäder. Geradezu Pflichtvergessenheit würde es sein von der Leitung unserer Anstalten, loenn das noch gar nicht erprobte Mittel Ehrlich-Hata 601i bei der Behandlung zur Verwendung käme; Versuche nach der Rich- tung müssen natürlich gemacht werden und werden gemacht. Seine Behauptung, daß kein Psychiater in der Deputation säße, ist ein Nonsens; 4 sitzen darin. Ebenso hinfällig ist sein Monitum, daß Aerzte ohne genügende Vorbildung in der Psychiatrie angestellt werden. Alles das beweist, daß hier ein Unberufener das Wort ergriffen hat. Der Wechsel ist weder bei den Aerzten, noch bei den Pflegern ein übermäßiger. Daß durch eine Verkettung un- glücklicher Umstände einmal ein Irrer erstickt, wird sich nie ver- meiden lassen. Tie Errichtung besonderer Heimstätten für Irre, um ihnen größere Bewegungsfreiheit zu verschaffen, ist von zweifel- haftcm Nutzen, wie ein in Frankfurt a. M. gemachter Versuch ge- zeigt hat. Im übrigen sind wir auf diesem ganzen Gebiete ständig bemüht, Fortschritte zu madhen; insbesondere wird der Wohnungs- frage für die Aerzte wie für die Pfleger stete Aufmerksamkeit zu- gewendet.(Beifall.) Stadtrat Straßmann: Von den beiden Artikeln des Verfassers ist nur der erste feuilletonistisch; der zweite versucht eine fach- viännische Kritik. Wir haben den ärztlichen Begleiter des Ver- fasscrs ausfindig gemacht und ihn protokollarisch vernommen; es hat sich ergeben, daß seine Ansichten sich mehrfach mit den Aus- führungen des Artikels nicht decken.(Hört! hört!) Der Verfasser war nur in Herzberge, aber nicht in Buch und nicht in Dalldorf, ober er dehnt seine Angriffe auf alle drei Anstalten aus. Der Auf- forderung der Dalldorfer Aerzte. diese Anstalt zu besuchen, ist er nicht nachgekommen.(Hört! hört!) Stadtv. Ulrich(A. L.): Wir nehmen Kenntnis von der Ma- gistratSvorlage und billigen rückhaltlos die Stellungnahme der De- putation, der wir unser unverändertes Vertrauen bezeugen. Der Herr Artikelschreiber hat die Behauptung aufgestellt, daß in den An- stalten Fabrikbetrieb statt individueller Behandlung herrsche, in den Aerzten werde der wissenschaftliche Trieb erstickt. Er hat die ihm liebenswürdig gebotene Gelegenheit, sich von seinen Irrtümern zu überzeugen, nicht wahrgenommen; er hat wiederholt zugesagt, zu /kommen, aber wer nicht kam, war der Herr Berichterstatter. (Hört, hört!) Der Herr wollte sich eben nicht davon überzeugen lassen. Stadtv. Dr. Zadel(So*.): Mancher von uns wird wohl doch angesichts des Berichts zu der Meinung gekommen sein: Spät kommt ihr, doch ihr kommt! Das, was in dem Bericht steht, hätte uns schon vor zwei Monaten gesagt werden können, und dann wäre es wirksamer gewesen. Immerhin ist der Bericht sehr viel objektiver gehalten als die Antwort, die wir in der De- putation erhielten und die sehr stark ad irato erging. Herr Heijermans ist ein angesehener Schriftsteller(Ge- lächter), der sich mit vollem Ernst sozialpolitischen Studien und Problemen widmet und auch den Verkehr mit Psychiatern gesucht und gefunden hat. Ihm daraus einen Vorwurf zu machen, über- lasse ich anderen; wenn ein Mann solche Probleme behandeln will, soll er in die Tiefe steigen(Unruhe); es kommt weniger auf die Wege an, die er nimmt, als darauf, daß er es gründlich tut. Er wollte seinerzeit als Pfleger in die Anstalt gehen, um die Ver- Hältnisse kennen zu lernen; das ist ihm nicht gelungen, weil er A u s l ä n d e r ist. Er hätte auch den Versuch machen können, als Geisteskranker hineinzukommen(anhaltende Unruhe). Der von rhm gewählte Weg lag sehr nahe, und nur kleinliche Geister können ihm daraus einen Vorwurf machen.(Andauernde Unruhe.) Daß er quasi als Arzt vorgegangen ist, kann ihm auch nicht zum Vorwurf gereichen; jedenfalls wurde ihm dadurch Gelegenheit gegeben, objektiv zu beobachten. Will man ein Institut wirklich kennen lernen, so ist es immer besser, man läßt sich nicht ankündigen und nicht herumführen. Ich will damit selbstverständlich nicht den Vor- Wurf erheben, als ob den Besuchern unserer Anstalten irgend etwas vorgemacht werde. Ich meinerseits mache Herrn Heijermans den Vorwurf, daß er nach einer so kurzen Zeit, nach einem so flüchtigen Einblick, dazu übergeht, ein Urteil zu fällen, wo er doch cgentlich als Laie keins haben kann; er urteilt mit den Augen anderer Psychiater. Ihn trifft ferner der Vorwurf, daß er ohne Grund verallgemeinert, und der schwerste, daß er der Aufforderung, sein Urteil zu erweitern und eventuell zu berichtigen, nicht nachge- kommen ist.(Beifall.) AIS Wahrheitsapostcl habe ich die ver- dämmte Pflicht und Schuldigkeit, die Wahrheit nach allen Rich- tungen zu ergründen iwiederholter Beifall); auf der Kreditseite hat Herr Heijermans aber Gewichtigeres stehen als auf der Debet- feite. Er hat es bewirkt, daß in unsere Jrrenpflege jetzt plötzlich ein frischer Zug ?ekommen ist, daß Einrichtungen getroffen sind, auf die wir jähre» ang gewartet haben. In Herzberge sind jahrelang wegen Ueber- füllung Kranke auf Matratzen zwischen die Betten gelegt worden (Hört, hört!). Noch heute haben fast 3000 Irre, die wir aüfzu- nehmen hätten in unsere Anstalten, keinen Platz. Nicht eine, sondern zwei, drei neue Anstalten müssen gleichzeitig gebaut werden. Nicht das geringste wird geändert, wenn in 3, 4 Jahren die Irren- gnftalt IV. in Buch fertig sein wird. Wir bleiben angewiesen auf die P r i v a t a n sta l t e n. Hat der Mann nicht recht, wenn er dies- Tatsachen hervorhebt, und hat er nicht den richtigen Weg be- schritten, indem er die Oeffcntlichkeit aufrief?(Lebhafte Rufe: „Nein!") Gerade in Herzberge allerdings legt der Direktor Wert auf Tauerbäder, dennoch liegt ein Korn Wahrheit in der Bchaup- tung Heijermans, denn in einem oder dem anderen Hause fehlen sie. Bedenklich macheu gegen die Dauerbäder kann der Umstand, daß� der unruhige Krmrke sich, wie anderweitige Erfahrungen be- wiesen haben, dadurch eventuell Rippenbrüche zuziehen kann, die dann aber wieder auf das Konto ungenügender Wartung gesetzt werden müssen. Eine wissenschaftliche Zentralstelle für jede Anstalt ist zur Fortbildung der Psychiater durchaus notwendig, dazu würde sich eine pathologischer Anatom besonders eignen. Es ist daher auch nicht das Richtige, daß das Produkt der Lunebalpunktion nicht in jeder Anstalt selbst untersucht wird. Daß bisher mit Ehrlich-Hata KW in unseren Anstalten nichts geleistet worden ist, habe ich persönlich als einen Mangel empfunden; das würde anders sein, wenn wir einen Pathologischen Anatomen in jeder Anstalt hätten, und ich bitte daher den Magistrat, den be- treffenden Antrag von Herzberge wohlwollend aufzunehmen. Ich zweifle nicht, daß dann die anderen Anstalten bald nachfolgen werden. Die Stellung der Aerzte betreffend halte auch ich es für unwürdig, daß Herren auf sechSwöchentlichc Kündigung angestellt werden, nachdem sie eine Reihe von Jahren bereits praktisch tätig gewesen sind. Um sie an uns zu fesseln, müssen wir ihnen doch mindestens bieten, waS die Privatanstalten bieten. Viel schlimmer ist die Lage der Pfleger und Pflegerinnen. Diese sind das Rückgrat der Behandlung der Irren. Mit ihrem schweren Dienst, mit ihrer Unfreiheit, mit den hohen Anforderungen an ihre Tüchtigkeit steht ihre Besoldung und Behandlung in schreiendem Widerspruch. ES ist nicht wahr, daß man ohne Kost- und Logiszwang nicht aus- kommen'kann; der Bau von Familienhäusern, wie in Teupitz, hilft über diese Schwierigkeit leicht hinweg. Wir haben bei uns nicht einmal ein Kasino für die Pfleger, lediglich am Urban besteht für die Vikioriaschwestern ein eigenes Haus. Bei uns können selbst die Oberpflegerinnen keinen 4wöchentlichen Urlaub durchsetzen. Auch die Hausdiener und Handwerker sind schlechter gestellt als in anderen städtischen Betrieben. Der ständige Wechsel im Pfleger- personal ist eine tieftraurige Tatsache. Er beträgt in Herzberge, Dalldorf, Wuhlgarten zwischen 24 und 28, in Buch nur 4 Proz.; das liegt daran, daß in Buch ganz besonders streng darauf geachtet wird, keine organisierten Pfleger oder Arbeiter einzulassen. Erst in diesem Jahre wurde eine Wärterin hinausgesetzt, die schon 3 Jahre dort war, weil sie für die Organisation Propaganda gemacht; natürlich wurde nicht dieser Grund, sondern ein anderer angeführt, weil sie einmal das Käsebrot zurückgewiesen und die Kollegen und Kolleginnen veranlaßt hatte, dasselbe zu tum Was Herr Heijer- maus geleistet hat, hat sich bereits im Etat zu Verbesserungen ver- dichtet. Die Erhöhung des Anfangsgehalts der Pfleger wäre ohne sein Auftreten nicht beantragt worden.(Stürmischer Widerspruch bei der Mehrheit.) Wir können also der Oeffentlichkeit nur dankbar sein; mir war der Eindruck aus der Verhandlung der Deputation der, daß die Preßfreiheit doch als sehr unbequem empfunden wird. (Hört! hört!) Gewiß macht sich auch die Presse der Uebertrcibung und Entstellung schuldig, aber das wird durch die Diskussion ge- klärt. Die Sache hat ja nun auch ein Opfer gefordert; einem der Herren die Heijermans geführt haben, ist gekündigt worden.(Rufe: Sehr gut! Sehr richtig! Sehr falsch!) Auch ich halte nicht für korrekt, wenn jemand ohne Wissen des leitenden Arztes in die Anstalt hineingelassen wird; aber die Kündigung aus diesem Grunde ist eine Handlung ab irato und entbehrt auch der Klugheit, denn sie wird ohne Zweifel als Racheakt aufgefaßt werden. (Widerspruch.) Der betreffende Asfistenzarzt hat sich allerdings außer dieser Inkorrektheit auch der Propaganda für die Besser- stellung der Assistenzärzte energischer angenommen als dem Magi- jtrat lieb ist. Er ist wegen seiner„Hetzarbeit" unmöglich geworden, genau so wie es unliebsam gewordenen Arbeitern ergeht.(Unruhe.) Die Heijermans-Artikel haben in der Oeffentlichkeit Interesse für unsere Jrronpflege hervorgerufen, ein Interesse, welches hoffentlich nicht erlahmen wird. Wer weiß, ob nicht noch einmal die Zeit kommt, wo man den Herren Heijermans und Bischoff ein Standbill» errichtet!(Große Heiterkeit, Beifall und Zischen.) Stadtv. De. Ritter(Fr. Fr.): Wir sind in der Deputation im Gegensatz zum Vorredner der Meinung gewesen, daß man mit dem betreffenden Arzt viel zu milde verfahren ist. Die Ausführung, daß erst durch die Artikel«in frischer Zug in die Verwaltung ge- kominen ist. muß als Verletzung zurückgewiesen werden. (Zustimmung und Widerspruch.) An den Artikeln ist. abgesehen von der sensationellen Aufbauschung, auch gar nichts dran. Die Dauerbäderbchandlung ist auch nach der Meinung gewiegter Psychiater nichts als die Ablösung eines Zwangsmittels durch das andere, ein Mittel, wodurch das Personal zur Roheit erzogen wird. Die ewige Misere mit dem Pflegerpersonal ist ja eine leidige Tat- fach«, aber brauchbare Ratschläge hat uns Herr Heijermans hier nicht gegeben. Stadtv. Dr. Bernstein»(Soz.): Die Ausführungen deS Vor- redners werden von keiner Sachkenntnis getrübt, sie zeigen bloß, daß er auch die Dinge nicht kennt, über die er spricht(Lärm). ?>eijermans hat den Finger in eine schwer eiternde Wunde gelegt Gelächter): zahlreiche seiner Vorwürfe sind von der Deputation durchaus nicht widerlegt. Das Antwortschreiben der Deputation hat mich nicht befriedigt, und ich nehme die von ihm öffentlich gestellten Fragen wieder auf; um die Antwort kommt die Deputation nicht herum. Wegen mangelnder Aufsicht sind zwei Epileptiker erstickt; was ist wahres an diesem Vorwurf? Herr Kuhlmann meint, sie hätten die Gewohnheit, sich auf den Bauch zu legen und dabei sei die Erstickung erfolgt. Ich bin in jungen Jahren Irrenarzt ge- wesen, habe aber eine solche Erstickung nicht gesehen. ES kommt vor, daß Epileptiker länger in diesem Zustande verharren, nicht zum Bewußtsein kommen, und so vom Leben zum Tode ge- bracht worden sind. Wie steht es mit dem Vorwurf der Unter- bringung der Irren auf Matratzen, wie mit dem, daß in einer Anstalt eine Schnapsbaracke errichtet ist und so dem Alkoholismus Vorschub geleistet wird? Wie steht es mit dem Vorwurf, daß die Pfleger nach 14stündiger Arbeitszeit, wenn sie Erholung finden sollen, über eigene Erholungsräume nicht verfügen? Das ist eine Inhumanität sondergleichen!(Rufe: Hu! hu!) Einer unserer Assistenzärzte leitet zugleich eine Privatirrenanstalt, nimmt also eine bedenkliche Doppelstellung ein. Die Frage der Dauerbäder läßt sich auch nicht so leicht abtun, wie es Herr Ritter getan hat. Die zu den Dauerbädern benutzten Reinigungswannen werden ihrem ursprünglichen Zwecke entzogen. Isolierung soll nur mit Zustimmung des Arztes stattfinden; in Buch isolieren Oberpfleger und Oberpflcgerinnen, ohne den Arzt zu fragen. Warum tun sie es? Weil nicht genügend Aerzte vorhanden sind(Unruhe). In Herzberge sind die Jsolierräumc mit Kranken belegt, die nicht isoliert werden sollen, auch das kann nickt aufrechterhalten werden. „A r d e i t s b e Handlung" ist ein schönes Wort, aber nur eine buntschillernde Seifenblase, wie sie bei uns geübt wird; es fehlt jede vernünftige Systematisierung und Dosierung, jedes Eingehen auf die Eigenart der Kranken. In Buch werden die Irren als Schreiber verwendet, woraus große Schädigungen, Durchstccherekea und selbst Erpressungen entstanden sind. Jeder Beamte bckoinmt einen oder auch zwei Kranke zur persönlichen Dienstleistung, dem Burschensystcm in der Armee vergleichbar; ja, die Kranken werden sogar als Leichenwärter, als Leichendiencr beschäftigt(hört, hört!) und haben verschiedentlich den Alkohol getrunken, in dem die Leichen- teile aufbewahrt werden(große andauernde Unruhe und Gelächter; der Borsteher Kittet dringend um Ruhe). Mit Recht N>ird. weiter getadelt, daß in Buch die Obcrwärter an der sogenannten „M onatsvergütigung" verdienen. Jeder neu eingestellte Arzt erhält sofort eine Abteilung; das ist durchaus ordnungswidrig. Auf je 100 K r a n k e soll ein Arzt kommen unter Abzug des Ober- arztes. Die Zahl der Aerzte nach dem Bestände zu bemessen, soll nun eine„laienhafte" Auffassung sein; man soll sie bemessen nach dem Zugange. Damit wendet sich diese Waffe gegen die Berwal- tung selbst; denn danach wäre die Aerztezahl um ein Achtel zu gering. �_ Die Behandlung des Wärterpersonals ist keine ideale. Ein Wärter darf nach der Dienstzeit nicht auf dem freien Anstaltsarcal spazieren gehen und darf keinen Kollegen im Nachbarpaoillon be- suchen. Das ist eine böse Beschränkung der persönlichen Freiheit; da hatten es ja sogar die Sklaven im Altertum besser. In Buch wollte eine Oberpflegerin eine Leibesvisitation an einer Pflegerin vornehmen; letztere weigerte sich, die Prozedur an sich vornehmen zu lassen; sie bat anderen Tages um ihre Entlassung, die ihr wurde mit der Eintragung:„Grund der Entlassung— Dienstverweigerung". Seit wann gehört eS zu den Dieisst- Verpflichtungen der Pflegerinnen, die Kleider in die Höhe zu heben?(Heiterkeit.) Wie ungenügend die Besoldung unserer Pfleger und Pflegerinnen ist, dafür verweist die„Sanitätswache" auf die Tatsache, daß in kleinen bayrischen An st alten die Besoldungsvcrhältniffe viel bessere sind. Ein großes Kontingent unserer Pfleger kommt aus Ostpreußen aus der Domäne des Januschaucrs.(Großer Lärm. Borsteher: Ich bin doch sehr zweifelhaft, ob derartige Bemerkungen hierher gehören.) Um die Verhältnisse zu bessern, bedarf es einer starken Hand. Als der Mielczyncr Skandal enthüllt wurde, draim die Flutwelle der Eni- rüstung bis in unsere Versammlung.(Wiederholte Unterbrcchun- gung und andauernde Unruhe.) Es kam damals zur Niedersetzung einer Reformkommission, die gute Erfolge erzielt hat. Was der Waisendeputation recht ist. soll der Jrrendeputation billig sein. Sie ist bisher ein Torso, aus ihr muß ebenfalls eine Reform- kommission hervorgehen. Videsnt consules!(Beifall bei den Sozialdemokraten.)„, Oberbürgermeister Kirschner: Die jetzt vorgebrachten Einzel» heiten stehen mit der Vorlage vielfach gar nicht in Zusammen- hang; auch sind sie meist mil„soll" und„angeblich" eingeleitet worden. Das ist nicht der richtige Weg. Nach unserer Ordnung können alle Beschwerden an die richtige Stelle gebracht werden; sie werden dann untersucht und eventuell abgestellt. Aber es kann das Urteil über uns in der Welt nicht fördern, wenn man mit„soll und„angeblich" operiert. Einzelnes erscheint schon jetzt als unbe- gründet. Daß es einem Wörter verboten wird, sich auf dem er- lmckten Terrain zu bewegen, ist eine ganz falsche Darstellung, mit vollem Recht aber wird den Wärtern untersagt, andere, die die Nachtwachen haben, zu besuchen. Ebenso ist die Bemerkung„Dienst- Verweigerung" eine sehr milde Fassung, denn jene Pflegerin ist weggegangen, nachdem sie in den Verdacht geraten war, Anstalts- Wäsche auf dem Leibe zu tragen, und sich geweigert hatte, sich darauf untersuchen zu lassen. Die Verwendung von Irren als Schreiber oder in der Familie kann unter Umständen außer- ordentlich zweckmäßig und förderlich sein; daß sie als Leichen- diener verwendet würden, glaube ich einfach nicht; bringen Sie doch die Anzeige, ich bin bereit, ihr nachzugehen. Die Errichtung einer„S ch n a p s b a r a ck e" ist behauptet wor» den. Außerhalb der Anstalt ist ein Schnapsausschank vorhanden; was kann die Irrenanstalt dafür? Es ist für sie sehr unange- nehm, aber ein Vorwurf erwäckst ihr daraus nicht. Das Schnaps- trinken soll in den Ansialten toleriert werden; können Sie sich da» vorstellen?(Rufe: Nein! NeinI) Gerade aber wenn man die ge- forderte freiheitlichere Bewegung gestattet, wird der Alkoholismus gefördert werden. ES ist tatsächlich in Dalldorf einem Assistenzarzt gestattet worden, die Oberaufsicht über eine Privatanstalt zu übernehmen, weil da Patienten aus Dalldorf untergebracht. sind, die weiter beobachtet werden; Mißstände haben sich dadurch nicht herausgestellt. Auch daS glaube ich nicht, daß für die Pfleger nach llftündiger Arbeitszeit kein Lokal zum Ausruhen vorhanden ist, man sage mir. wo und waNn, ich werde der Sache nachgehen. Richtig ist. daß 2 Epileptiker erstickt sind; die näheren Umstände kann ich nicht mitteilen. Auch solche Tatsachen müßte man nicht als die Verwaltung belastend erwähnen, ehe man die näheren Umstände kennt, und diese zu erfahren ist jeder Stadtvcr. ordnete in der Lage. Jemand, der heimlich, zur Nachtzeit, erne Anstalt besucht und die Wahrnehmungen, die er als Laie macht, be- nutzt, um schwere Vorwürfe zu erhcbbn, bedarf keiner weiteren Kritik, selbst wenn er pshchopathische Studien macht und Material für Trauerspiele sucht. Der Magistrat seinerseits untersucht nur, ob die behaupteten Uebelstände vorbanden sind. Darum haben wir den Bericht.verlangt und ihn ausnahmsweise sofort der Oefsentlich- keit übergeben, nachdem in unerhörter Weise die allgemeine Auf- merksamleit gegen die Stadt erregt worden ist. Die Ueberfüllung der Irrenanstalten leugnet niemand; wir bauen ja deshalb die neue Anstalt für 1000 Irre in Buch. Wir werden dann auch noch Be- darf haben; aber auch die Privatirrenpflege hat ihre großen Vor- züge. Die Behauptung bezüglich der Dauerbäder, welche die Oeffentlichkeit am meisten erregt hat, ist als unhaltbar dar- getan worden. Von einem Racheakt gegen den betreffenden Arzt ist keine Rede; er war schon früher einmal zum Abgang reif. Wenn er, ohne den Direktor oder den Oberarzt zu informieren, einen Fremden zur Nachtzeit auf den Stationen herumführt, wäre eS geradezu ein Akt der Schwäche, gegen den Mann nicht einzu- schreiten. Wir haben die Verpflichtung, die D i s z i p l i n aufrecht- zuerhalten(Widerspruch und Zustimmung). Auch ich wünsche für die Verwaltung die allerwciteste Oeffentlichkeit, denn sie hält das allgemeine Interesse rege und macht Uebelstände zum Gegenstand der Diskussion. Aber die P r e s s e hat auch die Verpflichtung. nicht auf vage Vermutungen hin Behauptungen, die schwere Beschuldigungen enthalten, aufzustellen. Hier ist diese Verpflich- tung nicht erfüllt worden.(Beifall und Widerspruch.) Stadtrat Strohmann weist ebenfalls die Unterstellung eineS Racheaktes zurück. Die Beköstigung der Pfleger sei wesentlich ver- bessert, ihre freie Zeit, namentlich in Herzberge. vermehrt, die Bc» foldung ständig erhöht worden. Redner versucht das an einzelnen Beispielen genauer darzustellen. Erstickungsfälle durch Epilepsie könnten sehr wohl ohne irgend jedes Verschulden der Aufsicht ge- schehen. Stadw. Labewig(N. L.): Unsere Irrenanstalten brauchen das Licht der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen und dürfen eS nicht scheuen. Herr Heijermans hat mir seinerzeit sehr viel Vergnügen gemacht, als er sich, ein moderner Harum M Raschid, in daS Ob- dachlofenafyl begab. In Herzberge aber hat er sich auf k r u m m e n Wegen eingeschmuggelt, und Dr. Bischoff hat eine Disziplin» losigkeit begangen, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Herr Heijermans ist allerdings sehr unvorsichtig vorgegangen und ebenso der Arzt, der ihm geholfen hat. Die Grundlage seiner Publikationen ist also keineswegs einwandsfrei, und das hat auch Dr. Zadek zu- gegeben, dennoch kann ich der Deduktion des Oberbürgermeisters, daß die Presse hier ihre Pflicht nicht erfüllt hätte, nicht folge». Herr Heijermans ist ein angeschener Schriftsteller und hat seine Artikel mit voller Namensunterschrift veröffentlicht. Da geht der Oberbürgermeister also zu weit. Um„elende Senfations» mache" kann es sich schon deswegen nicht handeln, weil man eine solche mit einer Handbewegung abtut, aber nicht lange Stun- den darüber debattiert. Es muß also mehr dahinterstecken. Ueber die Laien ist hiev abfällig gcurtcilt worden. Auch der Ober» bürgermeister ist ein Laie, ebenso sind es die Mitglieder der Deputation aus unserer Mitte, mit der einzigen Ausnahme des Fachmannes Dr. Zadek. Man kann also die Urteile der Laien nicht so ohne weiteres beiseite schieben. Auch eine Kritik mit Eni- gleisungen ist immer noch besser, als die Kritik mundtot zu machen. Stadtv. Cassel: Herr Dr. Bernstein ist weiter gegangen, als Dr. Zadel, der Mitglied der Deputation ist, aber offenbar die von Dr. Bernstein vorgetragenen Beschuldigungen seinerseits nicht vor- tragen wollte. Dr. Bernstein hätte ja den: Dr. Zadel sein Mate- rial mitteilen können, damit es in der Deputation erörtert wurde; damit hätte er sich ein größeres Verdienst erworben. In der De- putation sitzen auch Bürgerdepuiierte, und unter diesen befinden sich ebenfalls£wei Aerzte; ferner nehmen die vier AnstaltSdirel- toren an den Sitzungen teil. Wir bestreiten ganz entschieden, daß, wenn in Zukunft in der Jrrenpflege Verbesserungen erfolgen, sie diesen Artikeln zu verdanken seien. Hierauf wird ein Schlutzantrag von der Mehrheit ange- nommsn und damit den nochmals zum Worte gemeldeten Stadtvv. Dr. Zadel und Dr. Bernstein das Wort abgeschnitten. Es folgen zahlreiche persönliche Bemerkungen. Unter stürmischer Heiterkeit der Versammlung erklärt der Vor- st e h e r, daß die Versammlung von der Vorlage Kenntnis ge- nommen hat. Die Verhandlungen des Magistrats mit dem Mienverein des Zoologischen Gartens haben nunmehr zu einem neuen Vertrag über Errichtung und Betrieb eines Aquariums geführt. Der Vertrag weicht von dem schon am 1. Oktober ISOS angenommenen Entwürfe zu einem Ver- trag mit der damals geplanten neuen Aquariumgescllschaft m. b. H. nur unwesentlich ab; Voraussetzung für das Zustande- kommen des Vertrages ist aber für den Akticnverein, daß die städtische Subvention für den Zoologischen Garten ab 1. April 1911 um 9999 M. jährlich, von 12 999 auf 21 999 M.. erhöht wird. Der Magistrat ist mit dieser Erhöhung einverstanden. Nach dem Vertrage ist dem Akticnverein für den Betrieb des Aquariums auf 49 Jahre eine städtische Beihilfe von jährlich 2S999 M. zu gewähren. Stadtv. Dr. Weist(Sog.): Wir müssen tief bedauern, daß das alte Aquarium geschlossen werden muhte, ohne daß es möglich war, das neue zu eröffnen; da es sich um em gediegenes Instrument für den Anschauungsunterricht und auch um einen Anziehungspunkt für die Fremden handelt. Wir haben wiederholt die Uebernahme In die städtische Regie angeregt, scheiterten aber sowohl am prinzi- picllen Widerstände derer, die schon den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung sahen, wenn sie bloß von der Ver- stadtlichung eines solchen Instituts hören, aber auch an der Be- hauptung, daß nicht einmal die Zinsen für die Markthalle in der Dorotheenstraße garantiert sein würden. Im Oktober 1998 kam leider der Ausschußantrag, der evcntl. die Schaffung eines eigenen städtischen Instituts empfahl, zu Fall, und damit waren der Ver- waltung die Hände gebunden; mit einem anderen Kontrahenten als dem Zoologischen Garten, keinem gemeinnützigen Unternehmen im Sinne der„Urania", sondern einer kapitalistischen Erwerbs- gesellschaft, konnte sie kaum verhandeln, und diese hat nun der Stadt Daumschrauben angelegt. Die Erhöhung der Subvention um volle 75 Proz. ist nicht hinlänglich motiviert, daher muß schon deshalb Ausschußberatung eintreten. In irgendeiner Form müßte doch auch über cventl. Rückzahlung eine Vereinvarung getroffen werden. Von Einrichtungen zu wissenschaftlichen, speziell biologi- scheu Studienzwecken, wie sie der frühere Vertrag vorsah, ist jetzt keine Rede; und was soll aus der Station in Rovigno werden, aus der frisches Material den Schulen zur Verfügung gestellt werden sollte? Wir müssen auch eine Statistik verlangen, in welchem Um fange unsere Schulkinder die Institute besuchen. Nachdem auch die Stadtvv. Jacobi(A. L.), Ladewig(N. L.) und Solmiv(fr. Fr.) für Ausschußberatung gesprochen haben, wird dem gemäß beschlossen. Dem sofort ernannten Ausschusse gehören auch die Stadtv. Basner, Leid, Dr. W e y l und Zucht(Sog.) an. Zur baulichen Instandsetzung der Aula im Schulgebäude Ge- orgenstraße 39-31 werden 3899 M. bewilligt. Hitrauf setzt die Versammlung die übrigen Gegenstände von der Tagesordnung ab. Schluß der öffentlichen Sitzung 9 Uhr. Soziales» Wann liegt„Erwerbsunfähigkeit" vor? In dem Bericht der Jnvaliditätsanstalt für das Rheinland wird eine Entscheidung des OberverwaltungSgerichts über den Be- griff der„Erwerbsunfähigkeit" mitgeteilt, die für die Reichsver- sichcrungsordnung verwendbar ist. Eine Krankenkasse weigerte sich, daS Krankengeld an die Ver- sicherungsanstalt zu zahlen, weil diese das Heilverfahren für Kassen- Mitglieder übernommen hatte,„die noch arbeitsfähig waren, ob- wohl sie an Tuberkulose" krank befunden wurden. Da Krankengeld nur im Falle der Erwerbsunfähigkeit gewährt werden darf, so machte die Krankenkasse geltend, daß sie gesetzlich gehindert sei, das Krankengeld in solchsn Fällen an die Versicherungsanstalt abzu- führen, weil die Tuberkulose„noch nicht soweit vorgeschritten sei. daß sie Erwerbsunfähigkeit verursache". Die Entscheidung vertrat aber den Standpunkt, daß Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Krankenversicherungsgesetzes schon vorliege,„wenn der Tuberkulöse nur mit Gefahr der Verschlimmerung seines Leidens seine Arbeit fortsetzen uud seinem Erwerb nachgehen kann". So sehr wir mit dieser Auffassung einverstanden sind, so entschieden müssen wir auch verlangen, daß durch die neue Reichsverstcherungsordnung dieser Standpunkt nicht allein für die Krankenkassen, sondern auch für die Unfall- und Invalidenversicherung festgelegt wird. Lehrlingsklagen. Vor dem Gewerbegericht wurden am Donnerstag vor der Kammer 5 unter Vorsitz des Magistratsrais Wölbling mehrere Lehrlingsklagen verhandelt. 1. Unzulässige Zurückbchaltung des Arbeitsbuches. Der Meckxmikerlehrling Sch. hatte sein Lehrverhälims zum Mechaniker Streu ber vorzeitig gegen dessen Willen gelöst. Deshalb verweigerte ihm der Lehrherr die Herausgabe des Arbeitsbuches. Der Lehrling klagte aus Herausgabe des Buches und Schadenersatz von 1 M. für jeden Tag, an dem er infolge des Fehlens des Arbeits- buches beschäftigungslos war. Da? Gericht gab dem Klageantrage statt und verurteilte den Beklagten mit folgender Begründung: Der Kläger war vaterlos. Der Lehrvertrag hätte also, jim gültig zu sein, vom Vormundschaftsgericht genehmigt sein müssen. Das war nicht der Fall. Mithin war der Lehrvertrag nichtig und der Kläger berechtigt, aus der Lehre zu gehen, und der Beklagte war zur Ein- Haltung des Arbeitsbuches nicht berechtigt. Da der Kläger ohne Arbeitsbuch nicht beschäftigt werden darf, so war der Schaden als durch Vorenthaltung des Arbeitsbuches erwiesen anzusehen. 2. Klage wegen Nichtzahlung deS Lehrgelds. Der Mechaniker G. Levin klagte gegen seinen Lehrling W. auf Auflösung des Lehrverhältnisses und Zahlung der Vertragsstrafe von 499 M., weil der Vater des Lehrlings die VertragSpslichten nicht erfülle. Räch dem Vertrage hatte dieser für die Ausbildung seines Sohnes 399 M Lehrgeld in sechs Raten a 59 M. zu zahlen. 159 M. sind bereits gezckhlt worden. Ztvci weitere in den 1� Jahren bereits fällig gewordene Raten waren vom Vater des Lehrlings nicht bezahlt, weil der Lehrherr wiederholt die Entlassung des Lehrlings wegen angeblicher Unfähigkeit angedroht hatte. Ter Vater will deshalb das Lehrgeld erst postnumerando zahlen. Das Gericht wies die Klage ab. weil nach dem Gesetz kein Grund zur Aufhebung des Vertrages vorliegt. 3. Unberechtigte Lösung des Lehrverhältnisses. Ter Mechanikerlchrling H. klagte gegen seinen Lchrherrn, den Mechaniker Bierwagcn, auf Ersatz des Schadens, der ihm durch die vom Beklagten vorgenommene Lösung des Lehrvcrhä'tnisses zu- gefügt ist. Der Kläger war nach erst dreimonatlicher Lehre vom Beklagten entlassen worden. Eine anderweitige Lehre zu erhalten war ihm trotz eifrigster Bemühungen nicht möglich gewesen. Ter Beklagte begründet, die Entlassung damit, daß erstens der vierzehn- jährige Kläger seinen ebenfalls bei ihm lernenden sechzehnjährigen Sohn gröblich beleidigt und geschlagen hätte, und zweitens der Kläger sich zur Fortsetzung der Lehre als unfähig erwiesen hätte. Denn wenn er nicht beaufsichtigt werde, mache er alle Arbeiten verkehrt. Die Verhandlung ergab, daß der Kläger vom Sohne des Beklagten zuerst geschlagen worden ist. Das Gericht verurteilte den Beklagten nach dem Klageanträge. Bezüglich des zuerst geltend gemachten EntlassnngSgrunocs nahm das Gericht Notwehr gegen den tätlichen Angriff an, der gegen den kleinen Kläger von dem recht stattlichen Sohne des Beklagten er- folgt war. Der zweite Entlassungsgrund konnte als stichhaltig nicht anerkannt werden, da der Beklagte ja selbst zugegeben, daß der Kläger, wenn er beaufsichtigt wurde, richtig zu arbeiten ver- stand. Mithin liegt keine Unfähigkeit vor. SericKts- Leitung. Sind Möbel i» möblierten Zimmern pfändbar? Für eine große.Reihe von Zimmervermietern ist die Frage, ob wegen ihrer Schulden die Möbel pfändbar sind, die sie einem After- mieter überlassen haben, von großer Bedeutung. Die Recht sprechung geht weit auseinander. Der Fericnsenat des Kammer gerichtS hat unter dem 9. August die Frage der Pfändbarkeit für diejenigen Fälle verneint, in denen aus dem Vermieten von Zimmern der notwendige Lebensunterhalt gezogen wird. Diese in Nr. 19 der„Blätter für Rechtspflege im Bezirk des Kammer- gerichts" veröffentlichte Entscheidung lautet in den wesentlichsten Teilen folgendermaßen: „Die Schuldnerin hat gegen den landgerichtlichen Beschluß weitere Beschwerde erhoben und unter Beibringung von fünf polizeilichen Anmeldungen aus den Jahren 1996 und 1997. aus denen sich in Verbindung mit der Erklärung des Gerichtsvollziehers daS Vermieten eines möblierten Zimmers ergibt, näher ausgeführt, daß sie mit ihrem zwölfjährigem Kinde auf das Vermieten des Zimmers völlig angewiesen und daß das Zimmer ohne die ge- pfändeten Sachen nicht vcrnüetbar sei. Das Rechtsmittel ist an sich zulässig(Z 568 Ms. 2 der Zivilprozeßordnung) und rechtzeitig angebracht. Es ist auch sachlich ge- rechtfertigt. Daß der Schutz des§ 811 Ziffer 5 der Zivilprozehordnung dem Zimmervermietcr niemals zur Seite steht, kann in der All- gemeinheit nicht ausgesprochen werden; es wird vielmehr in jedem einzelnen Falle nach freiem Ermessen zu prüfen sein, ob die Ueber- lassung der Räume zum Bewohnen oder die persönlichen Dienst- leijtungen des Vermieters den wesentlichen Teil der Erwerbstätig- kcit ausmachen. Ist letzteres der Fall, so ist der Vermieter durch § 811 Ziffer 5 der Zivilprozehordnung geschützt(vergl. O.-L.-G. 16, 327, auch O.-L.-G. Frankfurt ebenda 7. 352; ferner O.-L.-G. Köln in J.-D.-R. 6, 991 und O.-L.-G. München ebenda 8, 812). Im vorliegenden Falle, wo die Schuldnerin ein möbliertes Zimmer vermietet hat und davon ihren Lebensunterhalt mit be- zieht, ist bei den offensichtlich kleinen Verhältnissen, um die es sich handelt, anzunehmen, daß die persönlichen, dergleichen Mietern regelmäßig zu gewährenden Dienstleistungen den wesentlichen Teil der Erwerbstätigkeit der Schuldnerin ausmachen; ihr steht also der Schutz des Z 811 Ziffer 5 der Zivilprozeßordnung zur Seite. Hiernach war aus die weitere Beschwerde der Schuldnerin der angefochtene Beschluß aufzuheben und die Beschwerde der Gläubige- rin gegen den die Pfändung einer Freischwingcruhr und einer Waschtoilette und Marmorplatte aufhebenden Beschluß des Amts- gerichts als unbegründet zurückzuweisen, weil die gepfändeten Gegenstände zur Fortsetzung der Erwerbstätigkeit der Schuldnerin unentbehrlich sind." Der Streit um den Kleist-Nnchlaß bildete den Gegenstand einer Pnvatklage, welche gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zum Austrug gebracht wurde. AIS Kläger trat der von Rechtsanwalt Frankfurter vertretene Arzt Dr. Siegmuud R a h n e r auf. Beklagt find der frühere Rektor berBerliner Uni versitä t Pr ofessor?ri ch Schmidt und der Archivar Dr. Minde-Pouet aus Broinberg, venreten von Rechlsanwalt A r o n i o h»- Bromberg. Gegen- stand der Beleidigungsklage bildet folgendes: Bor einiger Zeit ging durch die Presse die Meldung, daß der jetzt als Kläger auf- tretende Dr. Siegmund Rahner eine Reihe von Brieten auf- gefunden habe, die Heinrich v. Kleist an seine Schwester Ulrike und an seinen Jugendsreuitd v. Pfuel gerichtet hatte. Es war seit langem bekannt, daß diese Briefe noch irgendwo existieren mußten und seit Jahren waren diese von zahlreichen Literaturfreunden in der ganzen Welt vergeblich gesucht worden. Als die Wiederanffindung bekannt wurde, trat der jetzige Beklagte, Dr. Minde- Pouet, an Dr. R. heran, um diese Briefe zu einer großen Kleist- Ausgabe zu der- wenden. Dr. Rahner behauptet, daß ihm Dr. Minde-Ponet in einer Unterredung die Milherausgeberschast an dem Werk zugesichert babe. Dr. Minde habe sich, wie der Kläger behauptet, jedoch die an Herrn von Pfuel gerichteten Briefe verschafft und sie zu der Kleist-Auögabe verwandt, ohne auf ihn, als den eigentlichen Entdecker der Briese hiiiznweisen. Diese Behauptung führte zu einem mit großer Schärfe getnhrlen Schriftstreit in verschiedenen literarischen Blättern, an welchem sich auch der Milbeklagte Prof. Erich Sckmidt beteiligte. Wegen verschiedener AiiSfnbrnngen, die in diesem Streite von seilen der Beklagten gefallen waren, strengte Dr. Rahner die jetzige Privat klage an. Diese wurde von den Beklagten mit einer Widerklage erwidert, da Dr. Rahner behauptet haben soll, ihm sei das in jahrelanger mühsamer Arbeit gewoitneue Material hinter« rücks entwunden worden. Nach längerer Verhandlung kam folgender Vergleich zu- stände:»Beide Teile erklären, daß bei den den Gegenstand der Klage und der Widerklage bildenden Angriffen Mißverständnisse im Spiele waren. Beide Teile bedauern dieie Mißverständnisse. Demzufolge nehmen beide Teile ihre gegeiisciligeit Angriffe voll- inhaltlich zurück. Insbesondere nimmt der Privatkläger die Vor- würfe zurück: a).daß die Angeklagwn versucht haben,»einen Besitz- stand sich anzueignen", b).ihm die Früchte seiner Arbeit zu ent- ziehen", o).ihm die von ihm genommenen ForichuitgSresullate hinter- rücks aus den Händen zu winden", ck>„eine geistige Entwendung gegen»hn zu verüben".— Die Angeklagten nehmen insbesondere die Vorwürfe zurück: a).daß die Angriffe dcS Prioatklägers aus persönlicher Rache entsprungen seien", b>„daß der Privatkläger weit ent'ernt von ehrlicher Förderung der Kleistforschimg sei' niid„Geheimnistuerei betrieben habe", o> daß er.selbstische Ablichten verfolgt habe" und ä> daß er.Tatsachen böswillig ver« dreht habe" und.seinem Wesen Böswilligkeit nickt fremd sei".— Beide Parteien haben das Recht, diesen Pergleich zu publizieren. Die gerichtlichen Kosten tragen die Parteien zur Hälfte, die außer« gerichtlichen werden gegeneinander ausgehoben."— DaS Verfahren wurde hierauf eingestellt._ „Arbeiter trinkt kcineit Schnaps". Die ganze Kulturbegeisterung unserer Polizei spricht anS einem Strafverfahren. daS gegen de» Genosien Bohne zu Breslau an- gestrengt worden war, weil er die preußischen Plakatvorichriftcn, die durch§ 39 des ReicbSpreßgesetzeS mir gewissen Modifikalionel! auf« recht erhalten siud, übertreten habe» sollte. Der§9 des preußischen Preßgcsetzes bestimmt:„Anschlagzettel und Plakate, welche einen aiideren Inhalt habe», als Ankündigungen über gesctz- lich nicht verbotene Versaiiiinlnngen, über öffentliche Vergiiiiguiigeii. über gestohlene, verlorene oder gefundene Sachen, über Bertänfe oder andere Nachrichten über den gewerblichen Berkehr dürfen nickt angeschlagen, angehcsiet oder in sonstiger Weite öffentlich aus- gestellt werden." Die Ucbertretung dieser Bestimniung wurde B. zum Vorwurf gemacht. Am 13. März hatte in Morgenau bei Breslau eine große Versammlung stattgesuuden. Die Teilnehmer waren auf dem Nachhausewege. Es war Sonntag nachmittag. Em Polizeibeamter stellte den Angeklagten fest, als er durch die Sckar der BersantmluiigÄbeincher mit einem Zwcirade Hindu» chsuhr und dabei eine Papptafel trug, aus der eine Schnapsflasche abgebildet war und die Worte standen:„Trinkt keinen SckilapS!" DaS Landgericht in Breslau ver» urteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe und führte aus: Der Angeklagte inache� geltend, daß es sich um kein Plakat Hai dele und daß er die Tafel auch nicht habe ausstellen wollen; sie sei nur eine übrig gebliebene Tafel von inehreren, die er in der Versammlung verteill habe, und er habe sie nur nach Hanse bringen wollen. Die Einwände seien entweder verfehlt oder unbeachtlich. Die Tafel sei als Plakat anzusehen, denn sie sei geeignet gewesen, an einer Mauer oder an einer anderen, in üblicher Weise für Plakate bestiinmien Stelle angebracht zu werden. ES liege auch eine öficnt- licke Ausstellung des Plakats vor. Zur Erfüllung dieses Begriffes gehöre, daß das Plakar der Allgenieinheit sichtbar sei und daß der Täter fich dessen bewußt gewesen sei. Beides sei aber hier der Fall gewesen. DaS Kammergericht verlvarf die gegen daS Urteil eingelegte Revision mit der Begründmig: Die Feststellungen deS BorderrichterS feien unbedenklich. � Ohne RechlS- irrtum habe der Vorderrichter die Ausstellung eines Plakats au- geitomiiten. Abgelehnt ist kürzlich in der StrafprozeßordmingSkommtssion der Antrag unserer Genossen auf Aufhebung dcS veraltete» Plakat« gesetzeS._ Zum Diebstahl bei Jandorf ersticht die Firma Jandorf, den Gerichlsberichterflatter über den kürzlich veröffentlichten Gerichtsbericht über eine Frau, die ein Koch- buch gestohlen baben sollte, dabin zu ergänzen, daß die Frau in ihrem Warenhau'e nicht festgenoinmeit. ferner daß sie zivar wegen des Diebstahls an dem Kochbucke freigesprochen, wegen eincS anderen Diebstahls aber verurteilt worden fei. eingegangene DrncUfdmften. Die Sünden der Päpste im Spiegel ber Geschichte. Eine Moderiilsteii.Anlwort aus die BorroniaeuS-En,»!lila oo» Dr Tb Enaert. L Lieierungen a 75 Ps. Kriiger u. Co.. Leipzig Gutscheinstistein u,»d Zugaben-Unwese». Bon.�uth..SeistigeS Eigentum". Charlottenburg 4. 00 Pf." v* Elsäfferium von D. Fiale. 13 S. Ehäfsische Rundschau, Slra'-durg Theater und Vergnügungen l r e i t a g, den 18. November. Ansang Uhr. ttiinigl. Opernpans. Dl« Meistersinger van Nürnberg.(Ans. 1 Uhr) Neuro kouigl. Lpcril-Thraur. Geschlosic». König». TchausPiclhanS. Der ÄrampuS. Denrsches. Sumiirnn. K a m m e r f p i e l e. Der verwundete Vogel. Leffing. Das zweite Leben. Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Der Tartllff. Kleines'. Joachim von Brandt. Berliner. Der neue Kompagnon. Neues. Kean. Trianon. Der heilige Hain. Komische Over. Die Bohöme. Residenz. Noblesse Obligo. Thalia. Polnische Wirischast. Schiller o>WalUier- Dhealer.) Der Bibliothekar. Sch u»> Vbarlotteubur«. Prinz Friedrich von Homburg. Yrirdrich. WilhelmftödttscheS. Die Räuber. Westen. Die schönste Frau. Neues Ovrretteu. Der Gras von Luxemburg. Lnftspieihaus. Der Felbherrn« Hügel. Luisen. Berlin gebt zu Bett. Modernes. Der Doppelmensch. Herrnseld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. VolkSoper. Der Freischütz. lAiisana S',. Uhr.) le. Sern Prinzeßchen. «o«e......>W FolieS Eapricc. Der Feldwebel Hügel(Ansang 8-,. Uhr.) Metronol. Harra— Wir leben noch! Kasino. Der schneidige Rudolf. Ap-sto. Svezialitäten. vatiage. Spezialitäten. Reichsballen. Steitiner Sänger. Walhalla. Bravo l Da capo!(An- sang B'U Uhr.) Winteraarten. Spezialitäten. Sanssouci. Ach. die Ziert» l Speziatitälen.(Ans. 8';, Uhr.) Karl Haverland. Sveziaiitälen. Urania. Danbcnstrahc TtZptS. Abends 8 Uhr: Bon Land und Leute» in Japan. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—02. l.essinx-Ikeatei'. 7'/, Uhr zum erstenmal: DaS zweite Leben. Sonnabend 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Neues Theater. Gastspiel Ferdinand Bonn. «uhr- Kean* Sonnabend: Kean. Sonntag: Schauspieler de« Kasser». Abschied v. Regiment, g. Bonn a.®. Helilller- Schtller-Theator 0.(Wallner-Theal). Freitag, abend» 8 Uhr: Der ltib11otlieba.r. Schwanl in 4 Alten v.®. v. Moser. Ende 10'/, Uhr. S onnabend, abends LUHr: vie Weil, in der man sieb langwellt. Sonntag, abends 8 Uhr- Sodoms Endo. Theater. Schiller-Theater Charlottenbure. Freitag, abend» 8 UBr: Prinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Sitten v. H. v. Kleist. Ende lO'l, Uhr. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Will, ein, Teil. Sonnabend, abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonntag, ade» dS 8 Uhr: Kabale and I-lcbc. Friedrich-Wilhelmstadtisclies Schauspielhaus. Freitag, den 18. Nov., abends 8 Uhr: Die Bänlier. Sonnabend 3'/, Uhr: Die Hermannsschlacht. 8 Uhr, Krieg im Frieden. Sonntag: Faust. Montag: Die Hermannsschlacht. Ideater äes Westens. NbcndS 8 Uhr: Die«ebUnate Vi an. Sonntag S Uhr: Oer lidcla Bauer. Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Der Ftldherruhugel. Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Ter neue Kompagnon. Morgen: Der neue Kompagnon. Berliner Volksoper Lelle-Miaucestr. 7(8. >1,9 Uhr: Der ff r e i f ch ü ff. /Vtodernes Theater (früher Hebboltheater). Abends 8 Uhr: _ Doppelme.iBch._ Trianon-Theater. „Der betllge Hala.*4 Anfang 8 Uhr. Totenfonntaz: Monsieur Alphonse. Aur den Inhal» her Inierare Nbernimm, die Redaktion de» Publik«« gegenüber keinerlei Verantwortung. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. P. Wertheimers Von Land und Leuten in Japan. Kaiser- Panorama Ncu! Ein Bkluch von Part». IV. Reise in Palästina, Jaffa, Nazarelh, Jerusalem usw. Eine Reise 20 Pf., Kind nur!0 Ps. Abonnem. 1 M. Tausende Abonnenten. k!e!!llen?'l>iegtös. Dircltwn: Richard Alexander. Heilte und folgende Tage 8 Uhr: Noblesse oblixs. Schwank in 2 Akten von Hennequln und Veber. Sonnlag. SO. 3h v.(Totensonntag) zu ennämgien Preisen: Die Camc- Itendamc. MargnSrite Gauthier' M. Reisenhoser. Luisen-Theater. AdendZ 8 Uhr: Berlin geht zu Bett. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Hansel und Grctel. 8 Uhr: Durchgegangene Weiber. Sonntag nachm. 2 Uhr: Geschlossen. WcndS 8 Uhr: Dcborab. Montag: Am glünen Weg. Walhalla-Theater WetnbergSweg 19/20.(Rosenth. Tor.) Bravo!— Da capo! Sonntag, 20. Novbr.(Totensomitag), abends 8'/« Uhr: Urevl««». kolies tspriee. Abends 8 Uhr: Der Ftldtvebelhiige! Ein Akt in Schnurren von HenglUer und Soda Soda. n»nt«r Teil. Höfel»ui Jungfi-nn. Tourilienposse von Satyr. CLOU Mauerstr. 82— Ziramerstr. 90/91 Berliner Sonzerthaus ——— Heute von 4 Uhr ab;—— Gastspiel des Mailänder Scala> Orchesters 6G Künstler. Pirig.; Egisto Tango. 10 Solisten. An allen Wochentagen nachm.: Großes Promenaden-Frei-Konzert, Alt-noubit 47/48. Sonnlag, den 20. November: Die Hiilihknlrcht. Schausp. in 4 Ausz. v. E. v. Wildcnbruch Kassenerössn. S>/, Uhr. Ans. 7»/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. IOSE=ThEATE lSroge Frankiurtel Ztr.>82. Bei ausgehoben. Abonnem Wohltärigkcitsvorslellung veranstaltet vom Verein »Hausvflcge' zu Lichtenberg. Zum erstenmal: Zrin prinjeßchen. Lebensbild in 8 Llkten von Schätzler- Verasini. Ans. 8'Jt Uhr. Ende»/.II Uhr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Häusel und Eretel. 8 U.: Sein Prinzegchen. Ausstellungs-Theater abends 8 Uhr: Oedipus auf Kolonos. Thratkr„Groß-Kerlin". Freitag, den 18. November, Zlrius.Hak(Moabit): N,. Uhr: Maria Stuart. Trauerspiel in 6 Ausz. o.Fr.v. Schiller. Entree 20 Ps. VorzugSlarten gültig. Soimiag. Nirder-Jchöiibausen. Tunschs Sanssouci: Scstlimme Saat. vssino-Tkvs�vn Loldringcr Strage 37. Täglich 8 Uhr. Ais Domierstag. Uov.: Der schneidige Zlndolf. Ab Freitag, den 25. November: Jnllc Wippchen. Sonntag 8 Uhr: Ackermann. Königstadt-Kasino. Holzinartlstr. 72, Ecke 3Ucxanderstrahe. Das erfolgreiche November- Programm mit Franz. Sobanshl. Neu! Molljr Verch, Frenz Rudaili, Father and Sou, Ultle Pix usw. Rtcscn-Ersolg: Ei» alter Flickschuster. BolkSstück m. Ges. i. 1 Akt v. v. Richter. Reichsttaüen-Iöeater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: „In,.11„»SS loci»". Mitit. Humor, v. Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. LICHTSPIELE Mozartsaal— Nollendorfplatz 6— 11 UHR DAUERVORSTELLUNG. Eil pSer Erlolg! Brem ou val Etoile Parisienne Latory Herlein v. d. gr. Op. Paris, amerik Läng. „General" Edwaid La Vine der tapfere Haudegen sowie die Bnrgtlieater- Festsäle und Klncmatograph vorm. Groterjan. Jnbnb.: Rud. Merz, Schönhauser Nliec 1*49. Tel. 3. 9353. (jcbende Photogrupliicn. Eintriti 30 u. 40 Ps.. Kinder die Holste. Ans.? U., Sonni. 4 U. Vorzugskarten, nur wochent. g'stlig, 85 Pj. aus alle» Plätzen. StetS wectif. Programm. imr 64 Badstr. 64 Passage-Theater. 3 Barland ytegeroperette 1« Solokräfte Jean Horcaa Hdni. Xadbge Glima-Kämpfe der Isländer-Truppe und das eroBe Frogramin. Freitag, den 18. November, abends 7»/, Uhr: Die große Ausstattungs-Pantomime Der große Coup der Schmuggler Vorher: Das phänomenale Programm. Apachen zu Pferde, ger. von Frl. Dora Schumann und Herrn Karl Heß. 9Iirza Golem persische Truppe, 12 Personen Mr. Alb. Pearson. Freiheitsdressuren, vorgeführt von Herrn Ilono sowie die übrigen Attraktionen. Sftetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AiiSstalliiiigSrcvuc in 7 Bildern v. 8. Freund. Musik v. V Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Sonntag, 20. Nov., abends 8 Uhr: Von Stufe zu Stufe. 2mkiis Busch. Freitag, 18. Nov., ab. 7l/j Uhr; Humoristischer Oala-Abend! Die berühmte Radfahrer- Familie Klein. A. G.: Herr Direktor Pierre Althoff mit s. hervorragenden Freiheitsdressuren. Außerdem: Frau Adele Althoff mit ihren exzellentesten Frei- hoitsdressuren. Am 70 Fuß hoben freistehenden Mast tollkühne Produktionen der Adones Brothers. Die drei urkomischen Frateilinis. Um 91/- Uhr zum 69. Male: VENEZIA« Hochbahnstation Koltbufer Tor. Uhr: Bvutv? Btalhv Preise. Gastspiel der Orig.-Lilipntaner. Ach die Keck!! BerlinerJPosse, Musit v. EinvdShoscr. MM« Der grösjte Schlager der Theatrr�Saison 1910. Eine verlorene Nacht mit Anton und Donat Hc> ruseld. Vorher: Der Derbh-Zieger. Sonntag, 20. Nov.(Tolenionntag): Meyerhains. Else aus ocr Bar. Vorverkauf N— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. l Ab 8 Uhr: Ab 8 Uhr: 10 none Attraktionen 10 Der berühmt. Kunfischiitze der Welt Colonel Gaston Bordeverry, Humorist Walter Stelner. 10 Ubr: JUIzzi Wirth in ihrer Lper.-Neuhcit: Frauenrä'sel. tUa" jALt lYIa Bosporus M Montzplal*. Täglich: Variete. Konzert. Passage-Panoptiknin. Prinz Atom, der kleinete Mensch aller Zeiten lebend! Buddhas dunkles Geheimnis. Oer Mann mit dem eisernen Schlund! Alles ohne Extra-Entree! Eintr. 50 Pf., Kind. u. Soldaten 15 PI. Voigt-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute abeudö 8 Uhr: Ter Gelvissenslvurin. Bauernkomödie mit Gesang in 3 Alten von L. Anzengruber. Sonnabend, 19. November 1910: Keine For.tellnn«. Karl Haverland- Ansang Thneinii Kommandanten. präz. 7-/. U. lUoMvl. straße 77/79. Gin wunderbares November-Programm. Laaäianys Lketsck Italienische Nacht Karl türotk m. neuen Schlagern. Iß �oUschuhba/ifl KurfOrstendamm 151 SeSHnotll— 1 und 3,30—12 abends Eintritt: mi Ko * morgen» 50 Pf. iKODZErtlfuhr Erstkl. Restaur. nachm. 1 M. 5.30 u. 10 Uhr I Sport= Palast Potsdamer Straße 72— 72a Qrösster Eis=Palast der Welt Beleuchtung durch 500000 Normalkerzen Feerie„Am Nordpol" V. s 200 Eislauf- Künstler b Restaurant für 6000 Personen x Drei Militär» und Zivil-Kapellen Entree; Bis 7 Uhr 75 Pf., nach 7 Uhr 1 Mark. lOOllO* Leser dieses Blattes wissen, aus welchen Gründen SlfC'Cigarcttcn 'An ainrl zu bevorzugen sind. 15951/ 41 Hygienische Beauisaroxei. rs euett. ü.aiaiog Einpfehi. viel Aorzte u.Prot grat. 8. Unser, Gmnmhr&xeiiUkrik QarliB NW« Friodricbstraaa«»t/9 Achtung! Zigarrenhändlerü Einfache, elegante, sowie originelle isieL* Zigarren-Weihnachtspackungen ferner: I/20 u. 1/40 in allen Sorten u. Preislagen. Max Ziegenhals, ■■- Tabak— Zigarre Ml!»»0.«. J(| 10 Telephon: Amt VII, 3047, — Zigarren— Zigaretten— cn gros.■; >«•;■* *.. t-* ■SfCN d i Cigaretten mflss«»!, w«nn Mir« Vorzog« voll«rkannt und richtig«In» geschätzt werden, jeden Raucher zufriedenstellen. Was technisch möglich ist, um Vollendetes zu schaffen; ist .In Ihren Qualitäten zum Ausdruck gebracht Ihr« überragende Stellung unter allen auf dem Markte befindlichen Fabrikaten nehmen sie deshalb auch mit voller Berechtigung ein. Josctü Vera o. ML, m. M. u. mit QoM 10 Stock 30 Pt Ersiuder sofort bar Geld für Masienartikel. Rur Einsendungen mit Angabe der Erfindung erhalten Antwort. Offerten unter i. K. 2736a an Rudolf Masse, Berlin 5«._ 172/3 Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Ä."!*. 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 35 I mal Verkauf nur Im Fabrikgebäude! I M Sie sparen Geld!.r| öbel � Engros,,reiseB i der Möbelfabrik iH.Wgner�Willi Maal, Sil B kaufen. Verkauf nnr im Fabrikgebäude— nur I eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35■■ Permanente Musterzimmer-Ausstellung. bb 35 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengetuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Plg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN (Dr die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Undenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Bilder kaufen Sie direkt Fabrik bei Bogdan, Wcinmcisterstratze 2._ J* Drehrollen, Krigar u. Jbssen, Wafimannstrabe 29._(165081* Tevviehe k(jcfcler6attc) in allen Gröszcn, fast sür die Hälsle des Wertes Tctivilblager Brünn, Hackeicher Mark! 4. Babnboi Vörie.(Leser de« »vorwärts» erhalten S Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!» (»lolsen zu Kves GuyolS und Sigismund Lacroix'„Die wahre Ge- statt des Cbriiieniunis''. von August Bebel. Preis 75 Ps., billige Ausgabe 30 Pf. Expedition Lindenstrage 69, Laden. BorwnrtSleser erkalten säns Prozeni Extrarabalt, selbst bei nachstehenden GelegenheiiSläusen._ 'Teppiche, sarbsehlerhasi, spottbillig. Steppdecken, eine Partie, sehenS- wert.___ Plnschportieren 8,65 Mark. Plüschtischdecken mit Sticksehlern 6,85.___ Teppich- Thomas, Oranicn- ftrape 160. Oranienplatz: Rosen- ihalerftrafie 54. 1K30K» Monatsanziige und Winteo Paletots von 5 Mark sowie Hoseit von 1,50, Gehrockanzüge von 12.00, Pracks von 2,50, sowie sür korpulente Figuren. Neue Garderohe zu staunend billigen Preisen, auS Psandleihen oer- sallene Sachen kaust man am billigsten bei Nah. Mulackstrahe 14._* Ohne Anzahlung, Woche 50, Bilder, Spiegel. Ferner: Möbel, Polster- waren, Teppiche, Gardinen. Stepp- decken, Tischdecken, Bettbezüge, Portieren, Uhren, GaSkronen. Weber, Prenzlauerstrahe 25. Besuch eventuell Postkarte. 128SK Sozialreform oder Revolution von Rosa Luxemburg, Zweite durch» gesehene und ergänzte Auslage. Preis 50 Ps. Expedition Vorwärts, Linden- ftrahe 6tl__ Hermannplatz 6. Allerbilligste Psändervertäuse. Riesenauswahl. WinierpaletolS. SommerpalelotS. Jackellanzüge. Gehrockanzüge. Herren- Hofen. Extrabillige PelzstolaS. AnS- lienersachen. Stavnendbilliger Betten- verlaus. Brautbeiten. VermieiungS- belt. Gpotibilliger Wälchevertaus. Gar diuenverkaus. Teppichverkaus. Plüsch' tilchdecken. Steppdecken. Goldsachen. chverkauj. cken. Goi Plüsch. Taschenuhren. KettenauSwabl. Ringe' anSwabl. Schmucksachen. Wanduhren. Ztähmaschinen. GrohbeckinS beliebteste EinkaujSquelle. Allerbilligster Waren- vertauj im' Psandleihhaus Hermatm- platz 6. Auch Sonntags geöfinel.* Bücher des deutschen Hause!. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. Gut au!» gestattet, zirka 300 Seilen umjassend, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Pfennige pro Band. Expedition, Linden strahe 63. Laden._ fftrantoorUiö/er fltbaitcut Teppiche(Farbenjehler),'wtepp- decken, Gardinen. Tischdecken, Tüll bettdecken, Uebergardinen. Sosa- stossreste spottbillig Fabriklager Mauerhofs, Grohe Franklurteritrahe 9. Flureiiigang. BorwärtSIesern zehn Prozent. Sonntags geöffnet. 2488K* Wenig getragene Winterpaietots, Anzüge, Gehrockanzüge, Dam enkleider ans besseren Häusern: auch bessere neue Ulster, Winterpaleiois verlaust billig(für grohe, starke Herten Winter- paleiois, Anzüge besonders blllig, weil zuviel ans Lager) Weih, Blücher- strahe 67 eine Treppe. 185 ~Unfenrnfc auS dem Tümpel der Kultur, Satirenbuch von Fritz Schweynert. Verlag der„Tribüne". Berlin. Preis elegant gebunden 1,— Märk. Zu haben Buchhandlung — S» Vorwärts, 1099S1 M o natsanzüge, Winterpaletots, Ulster, Joppen, Gehrockanzüge, Smokinganzüge spottbillig Rosen- Ihalerstrahe 48. Kein Laden. 1853b* �Riesenaustvahl in Betten, Stand rotrosa Inlett 10,50. Oranien-Psand- leihe, Lranienstrahe 23». 13t/t3* Prachtteppiche. Plüschdecken 5,—, Portieren 3,75, Bettwäsche, Uhren, Ketten nur Orunien- Pfandleihe, Oraniensttahe 23a, 131/14* Winterpaletots, Herrenanzüge zu billigsten Preisen. Oranien-Psand- leihe, Oranienstrahe 23a. 131/15* Gaskronen, dretflammig 4,50, Bronzekronen 7,50, KaSzuglampen 7,00, GaSIvren 1.40, GaSwandarme 0,55. Teilzahlungen gestaltet. Kronen- lager Große Frankfutterstrahe 92; Filiale Ravenöstrahe 6, 130lK* �en, ältere Muster, unterm EinkausSpretS. Andreas- strahe 53, 1377K* Steppdecken» SpezialHaus Emil Lessvre, Oranienstrahe 158. Riesen- nuswahl Steppdecken, Similiseide (Seidenersatz) 4,25 bis 20, Wölkt atlaS 6,50 bis 24, Normaldecken 1,65 bis 10. 1703«* Leihhaus Turmstrahe Dreiund- siebzig! Abteilung PelzstolaS I Betten- lager l Gardinenlager I Prachttepviche I* Herrenanzüge, Herrenvaletots, Ulster, Gehrockanzüge, deren MahpreiS bis 70,00, verkaust 18,00— 38,00 täglich, Sonntag, Deutsches Versandhaus, Jägerstrahe 63, I. Firmabeachtung. Teppiche, Portieren, Tüllstores, Gardinen, Steppdecken, Läuserstoffe, Tischdecken, Fellvorlagen, Dioandecken, spottbillige Riesenposten. Potsdamer- strahe 109, Teppichhaus Konrad Fischer. Vorwärtsleser Extrarabatt. 1723K* Gesctaaftsverkflnfe. Restaurant mit Verwaltung Stral- simderstratze 43. slOZ Gcklokal. Ringbahnstraße 15, zu verlausen, Rixdors._+52 Plättanstalt, gutgehend billig verkäuflich Schonenscht ... sofort chonenfchestrahe.l. nobel. Möbelemrichtung aus Teil, ah- lung. Stube und Küche l5 Mark. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. Berolina, Kastanienallee 49. 1330K* Mäbeiniigebot, gebrauchte und neue Einzelmöbel und ganze Einrichtungen, einfachste. eleganteste Speisezimmer. Herrenzimmer, Schlaf- zimmer, belieben gewesen, oersallen. ipottbillig. Riesenlager, 5 Etagen, Möbelspeicherei. Neue Kömgstr. 5/6. Fabritgebäude. Teilzahlung gestattet. �onntagS geöffnet. 284/19* Gneisenauftr. 10, Ecke Nostizstr S. Grau, belannt als beste Bezugs- quelle, Kassa und Teilzahlung,* Mahagoni-Schlafzimmer mit 180 breitem Schrank, wunderbar aus- geführt, komplett mit Patentmatratzen 625,—, enorm billig I Möbelsabril M. Hirschowitz. Skalitzerstrahe 25. an der Hochoabn. 1683K* Fahrräder. Herrenfahrrad, Damensahrrad, einmal benutzt. 35,—, Holz, Blumen. strahe 36d. lS83K Fahrräder< Gelegenheiten. 25,00, neue spottbillig, alte nehme in Zahlung, Grohe granlsurterslrahe 14, Kämme- reit. 131/5 Musik. Ssuftdaumpianino. wenig benutzt, ist sehr billig verkäuflich. Potsdamer- strahe 27d, Hochparterre. 1680K* Prachtpianino, wenig gespielt 220,00, und nuhbaum Büsett Frieden- strahe 2, Hochparterre links(Königstor). 265/19 llOOO Sprechmaschinen, großer GelegenheitSknus, Stück 5.00 bis 30,60. Machnow, Weinmeifterstrahe 14, Rosen- ihalerstrahe 48, AndreaZstrahe 28. Kottbuserdamm 8. 1579K* SS OVO Schallplatten habe ich aus Lager. Günstigste Gelegenheit sür Wiederverkäufer, fast alle Marken rettreten. Stück 0.20, 0.45, 0.75, 1.00, Dacapo- Platten 1.75, Zonophon- Platten, grünes Etikett, statt 3,— nur 2.—. Odeon-Platten, 2? Zentimeter groß, statt 5.— nur 2,50, Machnow, Wetnmeisterftrahe 14, Rofenthaler- slrahe 48, ZindreaSftraße 28, Kottbufer- dämm 8. 1625K* Bandonion zu verkaufen Zirkel, Rixdorf, Kopfstrahe 38,_+52 Edison- Walzen billig Prinzen- strahe 35, III.+27 Verschiedenes. Englischen Unterricht stir Anfänger und Borgeichrittene(Einzelstunden und im Zirkel) ettellt K. Swientv Charlottenbitra. Gtuttgatter Platz S, Gartenhaus Iii.* Komiker Schwartz, Köpenicker. strahe 147. 1848b Kunststopferei von Frau KokoSky, Schlachtensee, Kurstratze 8 III. �Patentanwalt Wessel, Gttschtner- stra he� 94 /r_ Obiglos Festsäle, Schwedter- strahe 23/24. Kleiner Saal mit Bühne noch Sonntags und einige Sonnabende zu vergeben. Paul Obiglo, Amt 3. 33._+39* Platina, alte Goldsachen, Bruch. gold, Silber, Gebisse. Kebrgold. Gold- watten, Goldgummi, Ouecksilber, Stanniol, Tressen, Absälle, sämtliche gold- und silberhaltigen Rückstände laust Droh, Goldschhtelze, Kövenicker- strahe 29. Telephon IV, 6958.* Kupfer, Messing, Platinabiälle Silberabsälle. Goldlchmelze Nieper Kövenickerstrahe 20a(gegenüber Man- tenffelstratze). 205K* �Platinankauf, 4.50, Rixdorf, Her- mannstrahe 68, 11 rechts, 1878b* Bibliotheken, Neurenovatton chnellstens. Buchbinderei Sieber, Innenstrahe 50. f27* Hohe Belohnung. Entlausen schwarzer, kurzhaariger Zwergpinscher, aus den Namen„Hibi" hörend, abzn- geben bei Gast, Franksutter Allee 117a. Goldene Herrennhr, Nr. 183645, der eine Deckel mtt Radfahrer, der andere mit Jagdtasche eingraviert, vor dem Alten Ostbahnhos verloren. Gegen gute Belohnung abzugeben im Restaurant Ostbahnhos, Küftttner Platz. 80+ Vermietungen. Wohnungen. Balkonwohnungen, 2 Stuben, Küche, sofort, 33,—, Kleine MarkuS- straße 3.__ 18116« Stube und Küche 1. Dezember, 21,00, Admiralstrahe 20. 1721 K Zimmer. Gartenzimmer, leer, zweisenstrig, sür bester«» Herrn, Zorndorser- strahe 21.+64* Sogleich behagliches Vorder zimmer, auch wöchentlich. Witwe Dröseler, Dolzigerstraße 48. 1871b Mietsgesuche. Parteigenoffe sucht 1. 12 Char- lottenburg einlach möbliertes Zimmer. Osterten mit Preisangabe unter W. A., Postamt 4, Kantstrahe.+99 Junger Mann sucht zum 1. 12. ein kleines, einsach möbliertes Zimmer (Nähe Ritterstrahe, Alte Jakobstraße), Osterten mit Preisangabe unter B. 2, an die Hauptexpeditton deS „Vorwärts". 1877b* Zwei Brüder, Schlefier, Hand- werker, suchen ewsach möbliertes Zimmer, PreiSoffetten unter Einig- keil 85, Poftami 20, erbeten._+92 Alleiuwohner sucht kleines möb- lletteS Zimmer, Nähe Rttlerstraße, beim Parteigenosten. PreiSosserten M. 100, Postamt 68. 1867b Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Rohrer verlangt Werina, Rixdorf, Weserstrnhe 54, 1869b Korbmacher aus weihiackierte Leistenmöbei sofort Berliner Luxus- möbel-Jndustrie, Hollmannstrahe 16, Tüchtige« Stampser sür Kunst- steinarbeiten, Vasen, Baluster.Treppen- swsen usw., der auch dieselben ver- setzen kann, verlangt Fischer u, Co., Kroh-Lichterfelde-West, Bahnstrahe 4. Tapezierer und Töpfer jetzt oder später Arbeit gegen freie Wohnung Guineastrahe 38 I._+23 Im Arlieitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Juyendlieinileiter. Den Bewerbern um die Stellung als Jugendheimleiter zur Nachricht. dah die Stelle besetzt ist. 293/3 K. Rosenteld. Erfahrtiitl gew. Redner, sucht Posten als Relfekleur, Sekrelär ete. Osterlen unier C. 2 an die Hauptexpeditton des„Vorwärts*. 1880b mit mehrjähriger Praxis wird bei guter Bezahlung ausgenommen. Genaue Offerten mit Eintrittszeit und Reserenze nsnd.„It. P. 300" an Haasenstein u. Vogler A.-G.. Wien 1/1._ 216/2* So fort viel Geld event. Fixum verdienen Sie durch Uebernahmc solventer, lohnender Vertretung, auch als Nebenerwerb. Offerten unter A. 4001 an noanenateln dt Vogler A.-G., Berlin W. 8. Arbeiterinnen zum Sortieren von Papierabsällen, Ansangslohn 10,00 Mark, steigend bis 15 Mark, verlangt Schimek, Mühlensttahe 11. OkMüi Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Hamburg, In der hiesige» Verwaltung sind die Posten der beiden Devollmnchtigte» neu zu besetzen. Der Antritt wird möglichst bald gewünscht, spätestens bis 1. Januar 1911. Reflekttert wird nur aus tüchtige Kräfte. Bewerber müssen mindestens fünf Jahre Mitglied deS Deutschen Metallarbeiterserbandes sein. Gehalt nach der Skala für Bezirksleiter steigend bis 3000 Mark. Eventuelle Dienstzeit kommt m Anrechnung. AuS der Bewerbung müssen Alter, Berus und bisherige Tätigkeit in der Zlrbciterbewegung ersichtlich fein. Eine selbständige Arbeit über die Ausgabettz eine? Bevollmächtigten ist der Bewerbung beizufügen. Die Bewerbungen müssen bis zum 1. Dezember 1010 mit der Aus- schrist»Bewerbung* an die Ortsvem-aUnng Hamborg, Besen- btnderhof 57, Zimmer 10, eingesandt werden._ 125/12* Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streik nnb Lohn, disferenzen sind gesperrt: Tischlerei Böhnlsch A Co., Fruchtstr. 34. Freys, Petersburger Str. 67. H. Uorcliardt AO«., Rüders- dorfer Str. 20. Piaiiofabrik Koch ckfc Engel, Nrbanstr. 93. Knopffabrik Knal de Thle- mann, Rixdorf, Pflügersir. Für Einsetzer: Bau ZRacqnai-dt, Tempelhos. Friedrich-Wühelmstr. 36. Pianofabrit Zelter AW iukel- maiin. Braunschweig. Sämtliche Tischlereien in Stolp und Laflan in Pommern. Da? Berliner Arbeitswilligen» vermittelnngsburcau d. gelben „Handwerkerschutzverbaudeö*. Die OrtSverwaltung Berlin deS Deutsch. Holzarbeiterverbaudes. Milchgeschäft billig verkäuflich Lindenstraße 59. 18750 AiKgrd Harth, Kerlin. Kür Pen gnlnateateil vtrantmj kh. Blocke, Berlin. Druck u, Verlag-Vorwärts fduchvruckerei u, Verlagsanstgit Paul Singer& So* fBnliu SW, Deutscher KOrsebner-Verband. Filiale Berlin. Gesperrt sür Kürschner find: Herpich SUlinc, Leipziger Strahe 9—11. Beil, Ziinmerstr. 29. Rißmann, Bellcalliancestr. 27. Für Mützenmacher: G. A. Botrmann,«netfcnau- strasic 33. 102/17» Ar. 270. 27. Jahrgang. 1 Mm Ks Jotlliiillä" Kttlinn Pollisllllllt. Frettag. 18. Novembek 1910. Folizeüpitzel an der Arbeit? Am Sonntag wurde in Berlin und einigen Vororten ein Flug- blatt verbreitet, das die Arbeiter auffordert, ihre Pflicht zu er- füllen und sich der politischen Organisation, dem sozialdemokra- tischen Wahlvercin, anzuschließen. Am Montagnachmittag 3 Uhr kommt nun zu einem Genossen H. zu Charlottenburg ein Mann, nimmt ein Flugblatt aus der Tasche und sagt, er sei ein arbeits- loser Genosse und wäre beauftragt, nachzuforschen, ob diese Flug- blätter überall verbreitet worden wären? „Sehen Sie," bemerkt der Unbekannte,„wir lassen immer so- undso viel tausend Flugblätter drucken, und da kommt es schon manchmal vor, daß die Genossen die Flugblätter nicht ordentlich verteilen. Wir sind dann das Geld los und erreicht haben wir nichts. Wir wollen doch jetzt die Liberalen und Konservativen kriegen. Die Brüder müssen wir runter kriegen. Ich soll nun mal fragen, ob Sie nicht Mitglied des Wahlvereins werden wollen?" Genosse H. erwiderte, er wäre bereits Mitglied, was der Un- bekannte erst nicht recht glauben wollte und. das Buch zu sehen wünschte. Als der eifrige Genosse nunmehr in die Küche eintrat und sich die Nummer deö Mitgliedsbuches aufschreiben wollte, fragte ihn H. nach seinem Namen und irgendwelchem Ausweis. Der Be- sucher aber wich der Antwort aus und nun sah sich H. den Herrn doch etwas genauer an. Groß, stark, ostpreußischcn Dialekt, die Hände so gar nicht abgearbeitet, militärische Haltung, und dann so ein bestimmtes„Etwas" im Gesichtsausdruck! Genosse H. sagt sich: Aha, die Sorte kenne ich. und fordert den Besucher energisch aus, sofort seine Wohnung zu verlassen, er ließe sich nicht be spitzeln. Der Unbekannte war empört, er wäre 9 Jahre Mitglied des Wahlvereins und würde noch an demselben Abend dem Ge nossen H. sein Wahlvereinsbuch zeigen; H. möchte nur nicht so laut sein,„die Polizei wäre doch so scharf hinter uns her!" Dann klingelte er noch bei dem Nachbar H.'s, und als er auch hier ab- gewiesen wurde, klagte er wehleidig:„Da soll man noch Lust haben, Mitglieder zu werben!" Anscheinend eifrig die Werbearbeit fortsetzend, ging er in daS Nebenhaus, aber auffälligerweise wurde niemand außer H. von ihm besucht. Auch sein Versprechen, an demselben Abend dem Genossen H. das Mitgliedsbuch zu zeigen, erfüllte er nicht. Wir wären sehr neugierig auf die Nummer und Adresse gewesen! Nun ist aber bei dem Vorfall höchst auffällig, daß in Charlottenburg Flugblätter überhaupt nicht verteilt worden sind; der Bezirk ist in die Agitation zur Gewinnung von Mitgliedern gar nicht eingetreten. Der Be- sucher ist auch kein Mitglied des Bezirkes, ebensowenig Mitglied des benachbarten Berliner Bezirkes! Was hat den Besucher also wohl geleitet, sich zu überzeugen, ob H. Mitglied des sozialdemokratischen Wahlvereins ist? Wir wissen es nicht. Wer aber hat ein Interesse an der Auskunft? Da dient vielleicht als Fingerzeig, daß der Genosse H. sich bei dem Rechtsanwalt Heine als Zeuge über die Moabiter Vorgänge gemeldet hat, und dem Gericht als Zeuge bereits benannt worden ist. Aehnlich liegt ein anderer Fall, über den uns berichtet wird. Zu einem in der Moabiter Sache auf Antrag der Verteidigung geladenen Zeugen kam dieser Tage an einem Vor mittag ein Mann, der sich der in der Wohnung anwesenden Mutter des Zeugen als Brude r eines im Moabiter Prozeß Angeklagten vorstellte. Er wollte wissen, ob der Sohn der Mutter nicht im Interesse seines Bruders etwas aussagen könne »md was der Sohn in der Moabiter Angelegenheit überhaupt wisse. Schließlich kam der Mann auch darauf zu sprechen, daß doch jedenfalls der Sohn auch im Wahlverein sei. Er wurde aber von der Frau bedeutet, abends wiederzukommen, wenn ihr Sohn zu Hause sei. Wer nicht kam, war der„Bruder des Ange- klagten im Moabiter Prozeß". Auch bei der Frau des Angeklagten Tiedemann erschien ein Mann, der sich angelegentlichst danach erkundigte, ob Tiedemann Mitglied des sozialdemokratischen WahlvereinS sei. Frau Tiede- mann konnte darüber keine Auskunft geben und bat den„Ge- nossen", am nächsten Sonntag doch wiederzukommen. Der Besucher zog es aber vor. nicht zu erscheinen. Er muß öffentlich die Frage aufgeworfen werden, wer ist der Veranlasser dieser Belästigungen benannter Zeugen im Moabiter Prozeß und wer übernimmt die Verantwortung für diese Art Herbeischaffung von„Material" zur Charakteristik von der Staats- anwaltschaft nicht genehmer Zeugen? Kann der Polizeipräsident darüber Auskunft geben? Oder aber gedenkt Herr Staatsanwalt Steinbrccht, nachdem er diese Art der Behandlung von Entlastungs- zeugen hierdurch erfahre», dagegen etwas zn tun, und was? Denn ausgerechnet Entlastungszeugen sind es, die in uner- härter Weise belästigt werden. Und zwar während des Prozesses. Liegt da nicht der Gedanke sehr nahe, daß derartige Recherchen, die womöglich auch bei dem Arbeitgeber der Zeugen angestellt werden, auf furchtsame Gemüter dahin wirken, daß sie ängstlich gemacht werden? Daß sie mit ihrer Aussage vor Gericht zurück- halten, weil sie irgendwelche Scherereien befürchten? Wir be- haupten nicht, daß durch solche kleinen politischen Aufmerksamkeiten diese Beeinflussung hervorgerufen werden soll, dazu fehlt uns der Beweis, aber daß sie erzielt w i r d. das ist wohl die Uebcrzeugung von jedermann, der weiß, wie ungern jeder Arbeiter mit der Polizei etwas zu tun haben will. Wir möchten Personen, die als Zeugen im Moabiter Prozeß geladen sind und die in ähnlicher Weise von verdächti- gen Unbekannten behelligt werden, ersuchen, uns davon Mit- teilung zu machen._ parte!- Angelegenheiten. Ausstellungen von Jugendschristen und künstlerischem Wandschmuck. Um vielen Anfragen und Wünschen wegen Veranstaltung von WeihnachtsaussteNuiigen entgegenzukommen, erklärt sich der Zentral- bildungsausschuß bereit, aus seinen Beständen Kollektionen von Jugendschriften und künstlerischem Wandschmuck gegen Erstattung der Unkosten herzuleihen. Damit festgestellt werden kann, in welchem Umfange ein Be- dürfnis nach solchem Ausstellungsmaterial vorliegt, werden die- jenigen Bildungsausschüsse Berlins und Umgebung, die von dem Anerbieten des ZeniralbildungSausschusses Gebrauch zu machen beabsichtigen, ersucht, sich bis zum Dienstag, den 22. November, bei dem Unterzeichneten zn melden. Nähere Mitteilungen gehen ihnen dann in Kürze zu. Der Bildungsausschuß. I. A.: Heinrich Schulz, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Sechster Wahlkreis. Sonnabend, den 19. November, in der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 19: Liliencron-Abend. Anfang ö Uhr. Billetts sind noch zu haben in der Parteispedition fvon Mars, Lychener Str. 123; Dobrohlaw, Schliemannstr. 39; 'Hönisch, Wichertslr. 3; Kriedemann. Stargarder Str. 74; Schönfeld, Fehrbelliner Str. 9, und im Wahlvercinsbureau, Neue Hochstr. 23. Charlottenburg. Heute abend pünktlich 8�/2 Uhr, findet im Volkshause, Rosinensir. 3, der zweite Vortrag aus dem Vortrags- zyklus des Genossen Bernstein über„Das Deutsche Reich und die politischen Porieien" statt. Eintrittskarten für diesen und die folgenden Vorträge zum Gesamlpreise für ö9 Pf. sind bei Schorn- berg, Sesenheimer Str. 1, Wilk, Kirchstr. 39 und in der Stehbier- Halle, Rosinenstr. 3, zu haben. Der Bildungsausschuß. Schöneberg. Am Montag, den 21. d. Mts., abends 8 Uhr, veranstaltet der sozialdemokratische Wahlverein eine Agitationsversammlung im„Schwarzen Adler", Haupt- straße 144, zu der ganz besonders die Frauen und Mädchen ein- geladen sind. Reichstagsabgeordneter Fritz Z u b e i l hält einen Vortrag. Der Vorstand. Schöneberg. Heute abend. pünktlich 8V„ Uhr, bei Grosser, Marlin-Luiherstr. 51, im kleinem Saal, Forlsetzung des Kursus: „Einführung in die moderne GesellschaftSlehre". Der Bildungsausschuß. Bezirk Waidmannslust. Sonntag, den 29. November, morgens 8 Uhr, findet in allen Orten des Bezirks von den bekannten Lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Berliner Nachrichten» Aus der Stadtverordnetenversammlung. Wer nun noch glaubt, daß im Jrrenpflegewejen Berlins vieles faul sei, ja, dem ist eben nicht zu helfen. In der Stadtverordnetenversammlung haben wir uns gestern durch den Herrn Oberbürgermeister belehren lassen müssen: wer so etwas behauptet, der regt die Bürgerschaft gegen die Stadtverwaltung auf. Diesen Vorwurf erhob er gegen den Schriftsteller H e i j e r m a n s, der in einem durch das„Ber- liner Tageblatt" veröffentlichten Artikel schlimme Dinge über die in den Irrenanstalten der Stadt herrschenden Zustände erzählt hatte. Seine Behauptungen seien, so erklärte Ober- bürgermeister K i r s ch n e r,„im großen und ganzen voll- ständig unzntreffend". Den Stadtverordneten hatte der Magistrat den Rechtfertigungsversuch vorgelegt, mit dem die Jrrenpflegedeputation jene Angriffe entkräften zu können meint. Die Redner des Freisinns wollten glauben machen, daß die Mohrenwäsche gelungen sei. Sie schimpften auf den Laien, der sich da ein Urteil über Dinge erlaubt habe, die nur ein Arzt verstehe. Sie entrüsteten sich über„Sensa- tionsmache", durch die er die Stadtverwaltung verunglimpft und die Bevölkerung beunruhigt habe. Und die Presse bekam ihre Püffe ab, wie immer, wenn sie dem Stadtfreisinn unbe- quem geworden ist. Für die sozialdemokratische Fraktion gab Genosse Z a d e k die Erklärung ab, daß eine ganze Reihe der Heijermansschen Bemängelungen sich mit denen decken, die von sozialdemokratischer Seite längst und oft genug vorgebracht worden sind. Im besonderen nannte er hier das Pflege- personal, dessen Lohn- und Arbeitsbedingungen noch immer sehr der Besserung bedürfen. Zadek sprach die Erwartung aus, daß diese erneute Kritik, die Heijermans jetzt an den Irrenanstalten geübt habe, wieder mal ein Anstoß zu weiteren Reformen im Jrrenwesen sein werde. Nachher leuchtete noch Genosse B e r n st e i n so schonungslos in die dunklen Winkel unserer Irrenanstalten hinein, daß die Freisinnigen wütend dazwischenlärmten. Bernsteins Angriffe riefen den Ober- bürgermeister K i r s ch n e r auf den Plan. Er suchte sie als unbewiesene Behauptungen abzutun, und rieb bei dieser Ge- legenheit sich auch an dem Pflegepersonal und an den freien Gewerkschaften. Der Presse will er das Recht der Kritik nicht beschränken, sie habe aber auch die Pflicht der Vorprüfung. Wie die Organe der Stadtverwaltung manchmal sich mit ihrer eigenen Pflicht der N a ch Prüfung abfinden, das ist den Lesern des„Vorwärts" aus manchem Beispiel bekannt. Zum Schluß gab es noch ein Geplänkel des„Sozialfortschritklers" Nathan gegen den zur sogenannten„Freien Fraktion" ge- hörenden Dr. Ritter, der über die„öffentliche Meinung" sich„von oben herab" geäußert hatte. Das letzte Worte hätte gern Herr Cassel gehabt, aber der Eindruck seiner schmet- ternden Phrasen wurde verwischt durch eine Reihe persönlicher Bemerkungen, in denen die Erregung ausklang. Die Vorlage wurde nicht einem Llusschuß überwiesen, sondern als erledigt betrachtet. Hoffentlich wird der Magistrat nun die angeblich nicht vorhandenen Mängel schleunigst— beseitigen. Gegen- über der Kritik, die von sozialdemokratischer Seite kam, hat er es oft genug so gemacht— und uns war das immer die Hauptsache._ Tie Konsnmbewcgnng in Wort und Bild. Nachdem der Kopcnhagener Internationale Sozialisten- Kongreß und der Magdeburger Parteitag den Arbeitern ans Herz gelegt haben, neben ihrer anderen Qrganisationsarbeit auch den Zusanunenschluß der proletarischen K 0 n s u m e n- t e n nicht zu vernachlässigen, regt sich's an allen Ecken und Enden. Auch in Groß-Berlin! Um dieser erfreulichen Stim- mung nachzuhelfen, veranstaltet die Propaganda-Kommission bei uns acht Vortragsabende, deren erstem wir am Dienstag in Rixdorf beiwohnen konntm. In dem Genossen Krolik aus Hamburg hat die Arbeiter- konsumbewegung einen temperamentvollen Redner gewonnen, dessen Vortrag seiner Wirkung um so gewisser ist, als der Redner das Material dermaßen beherrscht, daß er selbst für die Darlegung der Zahlen und Statistiken keines Hilfsinittels außerhalb seines Gedächtnisses bedarf. Dadurch wird die Verbindung zwischen dem Vortragenden und den Zuhörern keinen Augenblick unterbrochen, was dem Eindruck des Refe- rats natürlich sehr zu statten kommt. Dazu kommt die Benutzung eines erstklassigen Lichtbilder- apparates, dieses modernen Zaitberkastens, der sich erfreu- lickwrweise als Anschauungs- und Bildungsmittel allmählich auch in der Arbeiterschaft durchsetzt. Kurz und gut: der Vor- trag in seiner Gesamtheit ist dermaßen interessant, daß wir wünschten, es hätten ihn am Dienstag nicht bloß an die 400 Rixdorfer Arbeiter und Arbeiterinnen, sondern minde- siens drei- oder viermal soviel Personen mit angehört. Und das ebensowohl wegen der einleitenden allgemeinen und ins Einzelne gehenden Ausführungen, als auch gerade um der vortrefflichen farbigen Lichtbilder Witte», die den Werdegang der Konsumentenorganisation zeigen, von den bescheide- nen Anfängen der Rochdaler„redlichen Pioniere" an bis zum Internationalen Genossenschaftsbund, der heute den ganzen Erdball innspannt. Sogar Films(also einen„Kientopp", wie man in Rixdorf sagt) bekamen wir zu sehen. Auf diese Weise ist es möglich, auch den Produktionsvorgang, das Ausladen der Rohstoffe aus den Schiffen, das Verpacken der Warm, das Abfahren von den Hauptlagern an die Verkaufsstellen und dergleichen mehr vorzuführen. Kein Wunder, daß dieser Teil die Zuhörer und-schauer ganz besonders interessierte; denn nicht alle Tage hat man Gelegenheit, den Biskuitbäckern, Gelatinebereitern, Bonbonmachern, Seifenherstellcrn auf die Finger zu sehen. Daß in diesem„Kientopp"— wie auch sonst schon vorher in Kroliks Darbietungen— der Humor ein Wört» lein mitzureden hatte, das versteht sich am Rande, ebenso, daß sich nach dem interessanten Propagandavortrag eine ganze Reihe Teilnehnier und Teilnehmerinnen in die Konsum» genossenschaft einschreiben ließen. Wenn diese Zeilen den Lesern des„Vorwärts" zu Gesicht kommen, haben bereits drei Vorträge stattgefunden. Aber noch vier werden von Freitag bis Dienstag in Berlin abge» halten.— Vom Inhalt des fesselnden Krolikschen Referats haben wir hier mit Absicht so gut wie gar nichts erzählt. Wer etwas hören und sehen will, was ex nicht alle Tage vorgesetzt bekommt, der besuche einen dieser Demonstrationsabende. Dann kann er selber nachprüfen, ob wir zu viel gesagt haben. Maul- und Klnuenscnche auf dem Berliner Schlachthof. Gestern mittag ist auf dem Schlachthof in den Stallungen der Firma Kllntzel u. Solm unter den Schweinebestäuden die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Auf Anordnung der Veterinärpolizei mußten, wie die„Allgemeine Fleifcher-Zeitung" meldet, sämtliche auf dem Schlachthof befindlichen Schweine, ettva 1209 bis 1500 Tiere, bis gestern abend abgeschlachtet werden. Der Viehhof wird durch diesen abermaligen Seuchenausbruch nicht berührt. Der Apothekerstreit in Tegel ist beendet. Zwischen der Zentralkoni Mission der Krankenkassen Berlins und der Vororte und den Apotheke nbesitzern Herren S. Schäfer undSchulze in Tegel, ist wegen der Arzneilieferung am 14. November 1919 eine Einigung zustande ge- kommen. Genaimte Apothekenbesitzer liefern nun den Krankenkassen, welche zur Zentralkommission gehören, die Arzneien zu denselben Bedingungen, wie die Apotheker Berlins, jedoch mit einem Rezeptur- Rabatt von 15 Proz. Den Krankeukassenmitgliedern von Tegel und Umgegend steht eS nun wieder frei, die auf Krankeukassenrezevte verordneten Medikamente aus einer ihnen beliebigen Apotheke m Tegel zu ent- nehmen._ Der Senchen-Biehhof bei Erkner. Auf die Proteste, welche in der Presse gegen die Errichtung der Beobachtungsstation für seuchenverdächtiges Rindvieh zwischen Wilhelnishagen und Erkner erhoben worden sind, gibt Herr Forstmeister Kottmeier, der Amtsvorsteher des in Betracht kommenden Bezirks Köpenick-Forst folgende amtliche Er» klärung:, „Der Berliner Vieh-Zentrale ist von der zuständigen Auffichts- behörde aufgegeben worden, einen Bcobachtmigsstall für krankes oder verdächtiges Vieh zu bauen. Dazu mußte eine Stelle ausgesucht werden, die von bewohnten Orten, von Flächen, die für die Bebauung vorgeseben sind, enifernt, aber doch noch so gelegen ist, daß ein Bahnanschluß, der nicht entbehrt lverden kann, möglich ist. Die Anlage selbst ist als einfacher Biebstall gedacht und die Ent- fernung nach den nächsten Orlen Erkner, Wilbelnishageii usw. rechnet nach Kilometern. Der zukünftige Seuclienviehhof, der im Amtsund Gulsbezirk Ltöpenick-Forst belegen, wird an einer Stelle erbaut. deren Entlvickelmig durch Bebauung in absehbarer Zeit nicht erfolgt und bis dahin ist die Anlage längst wieder verschwunden." Diese Erklärung de» Herrn Forstmeisters Kottmeier genügt jedoch den Anwohnern nicht. Sie stützen sich darauf, daß der Plan dieser Anlage weder im Kreisblatt, noch in einer anderen Zeitung bekannt gegeben worden, im Gegensatz zur sonstigen Gepflogenheit. Sei der Viehzentrale, die auch nur ein Privaluitternehmen wäre, die Er- richtnng eines Seucheuviehhofs aufgegeben worden, so hätte der Plan, wie dies bei jedem Privalniamr geschieht, veröffentlicht werden müssen. Eine Reihe von Protestversammlniigen gegen die Errichtung des Seuchenviehhofes dürfte» bereits in der nächsten Woche stattfinden._ Ein prügelnder Pädagoge, dcr'S„nicht wieder tun" will. Wenn eines Lehrers Prügellerstung den Eltern deS geprügelten Kindes zu arg scheint und sie merken lassen, daß jie irgendwie gegen den Lehrer vorgehen wollen, dann können sie leicht eine lieber- raschung erleben. Schon mancher Lehrer, der geprügelt hatte, hielt es da für das Beste, sich zu den Eltern zu bemühen und sie um gut Wetter zu bitten. In diese gewiß nicht angenehme Lage ist auch ein Lehrer Cduard Radtke geraten, der an der 2 5 3. Knaben. G e m e i nd eich u lc in der Straßmannstraße amtiert, im Hause Thaerstraße 22 wohnt und neunundzwanzig Jahre alt»st. Wir setzen seine Personalien möglichst vollständig her, damit nicht mit ihm einer der vier anderen Gemeindeschul'lchrer Radtke verwechselt wird, die es in Berlin noch gibt. Herr Eduard Radtke hat in Klasse V dl einen Schüler H. geprügelt, der wegen eines in der Entwickelung begriffenen Bruchleidens vom Schularzt durch Heber» wachungöschein als schonungsbedürftig gekennzeichnet ist und im übrigen so wenig befähigt ist, daß er erst mit Pollendung des 12. Lebensjahres die Klasse V erreichte. Für den Deutschunterricht hatte H. eine häusliche Aufgabe nicht geleistet, weil er das vorgc- sch riet eu e Lesebuch nicht besaß. Herr R. gab ihm zwei Stock« hiebe über das Gesäß. Auch wenn sie mit kräftiger Hand geführt wurden, wird nach Den unter Lehrern verbreiteten Anschauungen vermutlich kaum einer von ihnen diese Abstrafung für zu hart halten. Doch die Eltern hielten sie nicht nur für zu hart in An« betracht des Bruchleidens, das der Junge hat, sondern überhaupt für unberechtigt, weil sie meinten, daß er wegen Nichtbeschaffung des Buches bestraft worden sei. Sie beschlossen, den Jungen durch einen Arzt besichtigen zu lassen. Der zuständige Schularzt Dr. Schäfer wurde, da Schulärzte amtlich eine Prügelleistung nur auf Wunsch der Schule begutachten, von der Mutter als Privatarzt um ein Gutachten ersucht. Da sie aber auf seine Frage, wer geschlagen habe, die Auskunft verweigerte, so verweigerte e r ein Attest. Ein anderer Arzt, Dr. Hahn, dem die Mutter auf Befragen den Lehrer Radtke nannte, tröstete sie, der Junge werde von den paar Hiebe» nicht sterben, und auch er gab kein Attest. Schließlich wurde von einem dritten Arzt, Dr. Levy, folgendes bescheinigt: „Ich fand an der rechten Hinterbacke einen graugrünen Streifen von etwa drei Zentimeter Breite, an der linten Hinter- backe einen blaugrünen dicken Streifen von der gleichen Breite. Die Stellen waren auf Druck schmerzempfindlich, so daß das Sitzen erschwert war. Ter Knabe leidet an einem rechtsseitigen vergrößerten Leistenkanal mit Verlängerung des Hodens in der Bruchpforte. Schläge auf das Gesäß oder sonstige starke Er« schüttcrungen des Bauches können deshalb zu schweren Komplikationen in der Leistengegend führen." Noch ehe die Eltern weitere Schritte taten, erfuhr Herr Radtke, daß gegen ihn etwas geplant werde. Er beeilte sich, selber die Familie aufzusuchen, und bat Frau H. in Abwesenheit ihres Gatten, die Angelegenheit doch in Güte zu erledigen. Vielleicht habe er wirklich ein bißchen zu sehr geschlagen, aber es t u e i h m l e i d. Für die Kosten des Attestes legte er drei Mark auf den Tisch, wobei er bemerkte, Frau H. solle nicht etwa glauben, daß er Angst habe. Ge- schlagen habe er übrigens nicht wegen des Buches, sondern wegen geringer Leistungen in Religion und im Rechnen. Nebenbei be» merkt: Tatsächlich war es im Deutschunterricht, wo er den Jungen prügelte, und zwar nachdem der ein Lesestück nicht gekonnt hatte. Daß H. nicht das richtige Lesebuch besaß, soll schon an einem der vorhergehenden Tage von Herrn Nadtte gerügt worden sein. Dem Herrn Radtke wurden seine drei Mark noch am Abend durch Herrn H. zurückgebracht. Herr H., der seine Gattin und eine ihr bekannte Frau als Zeuginnen mitgenommen hatte, wurde von Herrn R. ge° fragt, ob er denn etwas in die OeffentlichZeit bringen wolle. Als H. bejahte und auf weiteres Befragen den„Vor- w ä r t ö" nannte, bat R. dringend, das zu unterlassen. Besonders unangenehm sei ihm, daß die Sache gerade durch oen„Vorwärts" veröffentlicht werden solle. Er werde esnichtwieder tun, den Stock werde er künftig kürzer halten, dafür gebe er sein Ehren- wort als Offizier. Herr R. ist nämlich einer derjenigen Gemeindeschullehrer, die sich rühmen können, Reserveleutnant zu sein. Warum er sich nicht mit dem Manneswort eines Gemeinde- schullehrers begnügte, sondern wildfremden Leuten sich als Offizier vorstellte, darüber werden vielleicht diejenigen seiner Kollegen sich wundern, die es n i ch t zum Reserveleutnant gebracht haben. Herrn R.s Stolz auf seine Offiziersqualität hat uns ins Gedächtnis eine Prügelaffäre zurückgerufen, in die dieser Pädagoge vor einigen Jahren verwickelt war. Auch damals ging er den Eltern in die Wohnung, ließ durchmerken, daß er Reserveleutnant sei, und bat, die Sache in Güte beizulegen. Auch damals bot er an, das Attest zu bezahlen, und schickte den Eltern Geld inS Haus, das ihm daiin zurückgeschickt wurde. Im„Vorwärts" wurde ausführlich darüber berichtet, das wird Herrn R. allerdings keine angenehme Erinnerung sein. Herrn R.'s neueste Prügelaffäre hat übrigens noch ein eigen. artiges Nachspiel gehabt. Drei Tage nach seinem Besuch bei Frau H. kam er noch einmal zu ihr gelaufen, trat sehr viel zuversichtlicher auf und teilte in sichtlicher Genugtuung mit, jetzt habe er die Wahrheit festgestellt. Der Junge sei nicht von ihm allein geprügelt worden, vielmehr habe vier Tage später auch der Lehrer Schur den Stock gegen H. gebraucht, und nur davon könnten die Spuren herrühren, die nach weiteren zwei Tagen der Arzt sah. Wir können nicht wissen, welcher der beteiligten Päda gogen da am kräftigsten zugehauen und die nachhaltigsten Spuren hinterlassen hat. Möge Herr Radtke, der's„nicht wieder tun" will, das selber mit seinem Kollegen ausmachen. An seiner Versicherung, daß auch ein anderer gehauen habe, interessiert uns lediglich der neue Einblick, den sie uns in die Behandlung dieses offenbar schwachbefähigten und dabei bruchleidenden Jungen tun läßt. Die Schuldeputatwn sollte einmal festzustellen suchen, wer in der Schule außer dem Schularzt wußte, daß der Junge bruchleidend ist. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern abend am Kurfürsiendamm. Als der 37jährige Malermeister Bernhard Schultz. Grüner Weg 3 wohnhaft, den Fahrdamm überschreiten wollte, kam er auf dem schlüpfrigen Pflaster zu Fall und stürzte vor einem herannahenden Piivatautomobil nieder. Der Chauffeur vermochte noch im letzten Augenblick die Steuerung herumzureißen, doch wurde der Malermeister von dem rechten Vorderrad gestreift und so heftig gegen die Bordschwelle geschleudert, daß er eine Wirbelsäulen Verletzung, schweren Schädelbruch und Gehirnerschütterung erlitt. Der Verletzte wurde nach der Unfallstation am Zoologischen Garten und von dort nach dem Krankenhause Moabit geschafft. Auf der Straße erkrankt ist gestern eine unbekannte Frau von etwa SO bis 60 Jahren. Sie erlitt vor dem Hanse Scklegelstr. 3 einen Schlaganfall und wurde bewußtlos nach dem Krankenhanse Moabit gebracht. Die Unbekannte, anscheinend eine Arbeiterin, hat dunkles, grau gemischtes Haar und trug einen grauen Umhang, eine braune Bluse mit rotem Einsatz und schwarzen Rock und Schürze. Eine große Revolvrrschießcrei spielte sich gestern mittag in der Kolonieftraße zwischen Zigeunern ab. Es kam zwischen zwei Zigeuner- trupps zu heftigen Angriffen, wobei etwa 40 Revolverschüsse ab- gegeben worden sein sollen. Einer der Täter wurde verhastet, dl anderen ergriffen die Flucht. GcsangSkonzerte. Der im Norden unter den Parteigenossen be kannte„Männerchor Norden" sehemalige„Nord",„Rote Nelke".„Freier Männcrchor",„Zimmerer") veranstaltet am Sonnrag den 20. November, ew Konzert in der Brauerei Bötzow unter Leitung des Bundesdirigenten Herrn Diesbach. Anfang präzise 7 Uhr. Ein- trittskarte 40 Pf. Mitwirkende sind Herr DieSbach, Violine, Herr Steinke. Cello, KahntscheS Solistenensemble Der Gesangverein„ L i b e r t ü" hält sein Konzert am Sonntag in Happoldts Konzertsaal in der Hasenheide 32/38 ab. Es wirken mit Professor Bernhard Dessau, Hofkonzertmeister der Königl. Kapelle (Violine) und Konzerlsänger Otto Werth. Beginn des Konzerts 7 Uhr. Eintritt SO Pf. Die Beranstaltiing der Arieiterschachspieler am Bußtag in Kellers Festsälen erfreute sich eines so regen Besuches, daß tattächlich kein Apfel zur Erde fallen konnte. Saßen die Teilnehmer an, Wettkampf (208) an 104 Brettern schon dicht gedrängt, so war das Gedränge der Zuschauer und derer, die wegen Platzmangel nicht mehr am Wettkampf teilnehmen konnten, geradezu unheimlich, ein Zustand der nur beseitigt werden kann, durch das Beschaffen eines sehr großen Raumes. Sämtliche am Wettkampfe Teilnehmenden wurden in zwei Heerlager geteilt, in eine weiße und eine rote Partei. Von den geipielten 104 Partien gewannen die Roten 58, während es die Gegner nur auf 43 brachten.(ES scheint üblich zu werden, daß die Roten immer siegen.) Auch die zwei Blindpartien der vier Berliner Arbeiterschachspieler erfreuten sich eines regen Interesses. ES waren über 500 Personen anwesend. Vorort- Nacbricbtcm Rixdorf. AuS der letzten MagistratSsitzung. Dem Antrage des Mobil» machungSsonderauSschusseS der freiwilligen Krankenpflege für den Stadtkreis Rixdorf, ihm für den Mobilmachungsfall die Baracken der früheren Krankenanstalt in der Canncr Str. 42—43 nebst dem Garten zu überlassen zwecks Errichtung eines BereinSlazaretts soll stattgegeben werden.— Zum 1. April 1911 sollen an den hiesigen Gemeindeschulen acht Lehrer- und drei wissenschaftliche und zwei technische Lehrerinnenstellen neu eingerichtet und die erforderlichen Kosten in den Voranschlag für 1911 eingestellt werden.— Der Magistrat beschloß deS ferneren die Anmeldung eines Zuschuß- ansprucheS aus§ 53 des Kommunolabgaben-Gesetzes gegen die Stadtgemeinde Berlin auch für das Rechnungsjahr ISlO. — ES wurde beschlossen, beim Präsidenten des Bezirksausschusses in Berlin wegen Förderung der bereit« anhängigen Schullastenprozesse vor- stellig zu werden. Der Magistrat erklärte sich mit der Einrichtung eines Pferdemarktes auf den städtischen Grundstücken in den Ochsen- wiesen vom 1. Januar 1911 ab endgültig einverstanden.— Die Ausdehnung des Wochenmarktes aus dem Kranoldplatz auf die Bendastraße bis zur Knesebeckstraße wird genehmigt.— Der Termin für die Stadtverordnetenwahl im Ig. Wahlbezirk wird auf Donnerstag, den 15. Dezem- der 1910 in der Zeit von 10 Uhr vormittag« bis 7 Uhr abends im W. Lempeschen Lokal, Prinz Handjerhstraße 70, an- beraumt. Festgenommen wurde in seiner Heimat Arnsdorf bei Jessen im Bezirk Hasse der Bauunternehmer Richard Zwicker, über dessen Un- treue und Flucht wir berichteten. Der Verhaftete wurde vorläufig in das GenchlSgefängniS zu Jessen gebracht. Er behauptet, nicht zu wissen, wo das Geld, das ihm der Bauherr Knispel gegeben hat, geblieben sei. Er habe am Sonnabendabend eine große Bierreise gemacht. Dabei müsse ihm das Geld irgendwie abhanden gekommen sein, als er sinnlos betrunken gewesen sei. Die Bekundung seines eigenen Bruders, der vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist, widerspricht dieser Ausrede. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Charlottenburg. Elternvcrein für freie Erziehung. Montag, den 21. November. abends 8 Uhr, findet im Volkshause, Rosineustr. 3, ein großer öffent- licher Vortragsabend statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. S. Rosenfeld:„Das Recht bes Kindes". 2. Freie Aussprache. Die hiesige Gcwcrkschaftskommission veranstaltet am Sonntag, den 20. November, 8 Uhr, im Kaiier-Friedrich-Festsaal(Gymnasium), Knescckbeckstr. 24, einen volkstümlichen Kunstabend. U. a.:„Venedig und seine Kunstschätze", Lichtbildervortrag von Dr. Alfred Köppen. Billett« zu ermäßigten Preisen sind zu haben bei Weisheit, Rosinen- ftraße 3, und A. Will, Kirchstr. 30. Tchönederg. Die Delegiertenwahle» zur Ortskrankenkasse finden heute Freitag, den 18. d. M., nachmittags von 4 bis 9 Uhr. statt. Die Wahl der Arbeitnehmer erfolgt in getrennten Wahllokalen und zwar wählen alle diejenigen, die in Betrieben beschäftigt sind die östlich der Wannsee bahn liegen, sowie freiwillige Mit- glieder, die daselbst wohnen, in der Turnhalle der Gemeinde schule, Kolon neu st r. 22/23. Die in Betrieben westlich der Wannseebahn Beschäftigten, sowie die daselbst wohnenden freiwilligen Miiglieder wählen in der Turnhalle der Mittelschule M ü h l e n st r. 15. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes Kassen Mitglied, das über 21 Jahre alt ist und sich im Befitze der bürger lichen Ehrenrechte befindet. Als Legitimation gilt der Meldeabschnitt oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers Für freiwillige Mitglieder gilt die grüne Karte. Zu wählen sind 112 Vertreter und 112 Stellvertreter. Grost-Lichterfelde. Aus der Gemeindevertretung. Nach eingehender Debatte faßte die Gemeindevertretung den Beschluß, dem Gesuch um Erweiterung bezw. Umbau der in der Chausseestraße belegenen Privatirreuanstalt beim Bezirksausschuß zu widersprechen und zwar weniger im Juler esie der Gemeinde als der Nachbarn jener Anstalt. Gemeiudevertr Kübler meinte sogar, daß die ganze Angelegenheit sie gar nichts anginge, da der ß 30 der Gewerbeordnung nur vorschreibe, daß die Gemeinde behörden in solchen Fragen zu hören seien. Die meindevertretung sei gar keine Behörde, sondern nur der i meindevorstand. Dem Herrn Professor scheint an der Selbstverwaltung der meinden nicht allzuviel zu liegen, zum mindestens find ihm in dieser Beziehung die Grenzen offenbar weit genug gesteckt. Man kann es den vorgesetzten„Behörden" nicht einmal übelnehmen, wenn sie solchen Vertretern einer Gemeinde ein wirkliches Selbstverwaltungsrecht nicht zw gestehen wollen. Sie wissen tatsächlich nichts damit anzufangen.— lieber den Abschluß eines Nachtragsvertrages mit der Terraiw gesellschaft am Botanischen Garten referierte Schöffe Domino. Die Gesellschaft mußte seinerzeit für die Kosten der Negenwasserableitung 36 000 M. hinterlegen und sich verpflichten, zum Bau der Moltke brücke 50 000 M. und zur Verbreiterung der Brücke im Zuge der Dahlemer Straße 25 000 M. beizutragen. Nachdem der Bahnho Botanischer Garten durch die Gesellschaft errichtet wurde, ist sie seitens der Gemeinde von ihrer Verpflichtung zu den Brückenbauten befreit worden. Die von der genannten Gesellschaft noch zu zahlende Summe beträgt abzüglich des Zuschusses der Gemeinde zum Brückenbau noch 60 000 M. Nach der Verficherung des Gemeindevorstandes war aus der Terraingesellschast absolut nicht mehr herauszuschlagen als durch den früheren Vertrag bezw Nachtragsvertrag erreicht worden sei. Gemeindevertreter Engel- mann rügte die minimale Landabgabe von 400 Ouadratruten für Gemeindezwecke, die bei einem solchen großen Komplex gar nicht ins Gewicht falle und der Gemeinde wenig nütze. Er mußte ftch aber vom Gemeindevorsteher Schulz mit Recht sagen lassen, daß die Gemeindevertretung ja zugestimmt habe und das Reden post kostum keinen Zweck mehr hätte. Der Nachtragsverlrag wurde genehmigt. Bei dieser Gelegenheit entpuppte sich der Gemeindevertt. Zorn vom Grund besitzerverein des Ostens als ein warmer Freund der unbemittelten Volksschichten. Er flehte den Gemeindevorstand förmlich an. künftig mit den Terraingesellschaften vertraglich festzusetzen, daß Wohnungen unter vier Zimmer nicht mehr errichtet werden dürfen. Solche mit einer Stube und Küche gebe es genug und der Zuzug von Leuten, die den Gemeindeetat belasten. müsse verhindert werden. Er verweise in dieser Beziehung aus das Vorgehen Wilmersdorfs, das er empfehle. Wilnicrs- dorf macht überall in den sogenannten besseren Vorortgemeinden des Westens Schule. ES ist bekannt, daß in einem bürgerlichen Berliner Blatt selbst aus den Kreisen der Grundstücksspekulanten das Vorgehen der westlichen Gemeinden in der für die Minderbemittelten fo wichtigen Wohnungsfrage als durchaus unsozial gebrandmarkt wurde. Herr Zorn ist noch ein Neuling in der Gemeindevertretung. sonst müßte er wissen, daß die Leute, die in Groß-Lickterfelde den Armenetat belasten, nach ausdrücklicher Bestätigung durch den Schöffen Herrn Domino fast ausschließlich aus bürgerlichen Kreisen stammen und daß die Zahl der Wohnungen mit nur einer Stube und Küche sehr gerinn hygienisch zweifelhaft und zudem recht teuer find. Für die Errichtung einer Bedürfnisanstalt am Händelplatz werden noch 57 009 M. nachbewilligt. Außerdem� sollen auf demselben Platz eine offene Wartehalle für die Fahrgäste der Kreisbahn und der hier einmündenden Berliner Straßenbahn, ein Zeitungskiosk und eine Normaluhr errichtet werden. Der von einem Gemeindevertreter ge- äußerte Wunsch, die Sttaßenbahngesellschaft und den Kreis zu den Kosten des Baues der Wartehalle heranzuziehen, wurde als aussichtslos abgelehnt.— Da hätte die Gemeindevertretung in Groß Lichlerfelde etwas früher aufstehen müssen. Einen NntcrhaltuiigSabend unter Mitwirkung von Frau Margarete Walkotte veranstaltet am Totensonntag in Richters Festsälen. Chausseestr. 104, der Lichterfelder„Männerchor". Eintritt 30 Pf, Abendkasse findet nicht statt, weshalb um vorherige Besorgung von Billetts ersucht wird. Der Verein rechnet, da er bei Arbeiterfestlichkeiten mitwirkt, auf regen Zuspruch. Wilmersdorf. Zu der in der Mittwochnummer deS„vorwärts" veröffentlichten Berichtigung des Stadtverordnetenvorstehers Dr. Leidig wird uns nun auch von unserem Korrespondenten, der den fraglichen Bericht uns übersandte, folgende Zuschrift übermittelt: Die von den städtischen Arbeitern beschlossene Eingabe wurde in 49 Exemplaren dem Stadtverordnetenvorstcher zwecks B e h ä n d i g u n g an die Sladlverordneten übermittelt. Nach der Berichtigung des Stadt- verordnetenvorsteherS gewinnt es den Anschein, daß, wie wir richtig vermuteten, wohl unter den kurzen geschäft« lichen Mitteilungen in der Sladtverordnetenveriammlnng dieser Eingabe erwähnt, eine Verteilung an die einzelnen Mitglieder des Kollegiums jedoch unterblieben sei. In dieier unserer Auf- fassung werden wir umsomehr dadurch bestärkt, als von keiner Seite des Kollegiums Anlaß genommen wurde, die auf 11 Seiten Folio- format eingereichte Vorlage einer Würdigung zu unterziehen. Wäre der gute Wille vorhanden gewesen, auch für dre städtischen Arbeiter etwas zu tun, so hätte es bis zu dem nun erfolgten Inkrafttreten der Arbeitsordnung vollkommen genügt, dem Wunsche der Arbeiter zu entsprechen. Daß man dieses uuierlassen, läßt die in unserer Notiz gezogene Schlußfolgerung als richtig erscheinen. Britz-Buckow. Britz-Buckow. Heber„Der Massenstreik" referierte in der letzten Versammlung des Wahlvereins Genosse Redakteur Dittmer. Eine Diskussion über de» lehrreichen Vortrag wurde nicht beliebt. Zur Generalversammlung von Groß-Berlm am 4. Dezember wurden die Genossen Koch und Herms delegiert. Am Schluß machte Genosse Kapke auf die am Montag, den 28. November, im Lolal von Zilz, Werder Str. 83, stattfindende Frauenversammlung aufmerksam. Jnieratentetl oerantw.: Ttz.«locke. Berlin. Druck u. Verlag: Vor wärt» Bohnsdorf. Die letzte Mitgliederversammlung nahm zunächst ein Referat bei Genossen Simon Katzen st ein über„Jugenderziehung" entgegen. Die Ausführungen fanden allseitigen Beifall. Als Dele- gierte zur Verbandsgeueralversommlung wurden der Genosse Weißensee und die Genossin Wedekind gewählt. Unter Vereins- angelegenheiten. wurde Abhaltung eine« Weihnachtsvergnügens be- schlössen. Genosse Nillert gab einen Beschluß des Vorstandes bekannt, am Januarzahlabend eine Kontrolle über die gewerkschaftliche Organisationszugehörigkeit vorzunehmen. Alt-Glienicke. In einer von etwa 400 Personen besuchten öffentlichen Wer« sammlung referierte Genosse S i e r i n g- Berlin über„Los von der Kirche". Dem Redner wurde großer Beifall gespendet. Zum Schluß meldeten sich 14 Genossen und Genossinnen, die auS der Kirche austreten wollen. Der hiesige Arbeitergesangverein trug am Anfang und Schluß der Versammlung ein Lied vor. Reinickendorf. Ein schauriger Fund wurde vorgestern auf dem sogentmnten Grünen Weg gemacht. Dort entdeckten spielende Kinder in der Nähe des Straßenbähnhofs ein großes Paket, aus dem ihnen ein starker Verwesungsgeruch entgegendrong. Die Kinder beüachrichtigten die Polizei, die das Paket öffnen ließ. Man fand in demselben die Leichen zweier neugeborenen Kinder, eines Knaben und eines Mädchens, die schon mehrere Tage an jener Stelle gelegen haben müssen. Ob die beiden Kinder bereits bei der Geburt tot waren oder ob es sich hier um ein Verbrechen handelt, konnte mit Sicher- heit»och nicht ermittelt werden; Spuren äußerer Gewalt konnten bei der vorgeschrittenen Verwesung nicht mehr festgestellt werden. Die kleinen Leichen wurden nach der Halle in der Humboldtsttaße geschafft. Tegel. Der Gesangverein„Immergrün" veranstaltet am 20. November (Totensonntag) ein Konzert. Mitwirkende: Konzert- und Oratorien- sängerin Frau Pankenin-Aderhold und die Wagnersche Künstlerkapelle (Dir. Herm. Wagner). Ansang präz. 7 Uhr. Kinder unter 10 Jahren hoben keinen Zutritt. Billetts im Vorverkauf 40 Pf., an der Abend- lasse 50 Pf. Da obiger Verein bei Parteiveranstaltungen stets seine Schuldigkeit tut, wird auf regen Besuch auch der Genossen ge» rechnet._ ßnefhartcn der Redahtion. L. 88. Wenn die Ehefrau noch der Landeskirche angehört, sind Sie verpflichtet, die Hälfte der Kirchensteuer zu zahlen, zu welcher Sie für den Fall der Zugehörigkeit zur Kirche oeranlagt worden wären.— W. G. 1862. Gegen das Urteil gibt eS kein weiteres Rechtsmittel. Die Kosten des gegnerischen Anwalts ist das Mädchen zu zahlen verpflichtet, die Kosten tbres Anwalts nicht.— H. 16. Der Wirt ist im Recht, wenn Im Vertrage ein JahreSmietSzins vereinbart ist.— Richter. eSege» der Vertagung des Termins lägt sich nichlS tun. Zum nächsten Termin muh ein Berliner Rechtsanwalt bestellt werden. Für den Fall, dah R. im Prozeh obsiegt, soll er Festsetzung seiner Reisekosten beantragen: eS bleibt aber zweifelhast, ob das Gericht diese in voller Höhe sestletzen wird.— Herm. 166. In der Buchhandlung Vorwärts, Preis 10 M.— P. W. 31. Die Frage behandelnde Broschüren und Bücher erhalten Sie in der Buchhandlung Vorwärts zum Preise von 60 Ps. an.— H. Ei. 13. Unverständlich. — Steuern 3. 3. 3. Derjenige Lohn, der 28,85 M. wöchentlich nicht übe, steigt, unterliegt der Psandung wegen Steuern, die nicht länger al» drei Monate rückständig sind. Der Mehrbetrag kann auch wegen älterer Rückstände gepfändet werden.— Adlershof II. Das Einkommen der Eheirau ist dem Einkommen des Maiines zun, Zwecke der Steuer- Veranlagung auch dann zuzurechnen, wenn noch uneheliche Kinder der Frau vorhanden sind. Die letztere Tatsache begründet nur emen Anspruch aus Heradsevuiig um Steucrstufen, entsprechend der Gesamtzahl der Kinder.— 8. L. 68. 1. Aussichtslos sind sie nicht. 2. Magistrat resp. Bezirks. loinmando. 3. Das können wir nicht sagen. 4. Zurzeit nicht. Einstellung ersotgt nur nach Inanspruchnahme der gewerkschasllichrn oder politischen Organisation.— 9JI. W. Vielleicht erhalten Sie auf Anfrage von der Generalkommisston der Gewerkschaften. Engeluser 15. Auskunst.— Ham- burger Paul. Ja.— Münzen 13. Stlberleise oder V-netiantsche eise, erhältlich in jedem Drogengeschüst.— M. W. Rohstraste. Nein. «. 16. gegenstände Die Estern sind zur' Halste Mitcrben. Die Haushaltung«- gehören nicht zur Teilungsmasse; sie verbleiben der Witwe. Deutscher Arbeiter- Abstinentenbund. Ortsgruppe Berlin. Freitag, 18. d. Ms., abends 9 Uhr, spricht im Gcwerkschaslshause. Engel» user 15, Saal 7, Genosse Karl Wacker über:„Antike und modern« Sklaverei". Kein Gcttänkeausschank l Gäste willkommen. Eingegangene Druckschriften. Von der„Renen Zeit»(Stuttgart, Paul Swger) ist soeben das 7. Heit de« 29. Jahrgangs ertchtenen. Es hat folgenden Inhalt: Von Prozeh zu Prozeß— Gompers über.Arbelt in Europa und Amerika". Von L. B Boudin(New Jork),— GeweikschaMiche Wand- lungen in England. Von Th. Rotbstein(London).— Der Parteitag von Mailand. Von Oda Olberg(Rom).— Literarische Rundschau: Gustav Hennig. Zehn Jahre Bibliothckarbeit. Ernst Mehlich. Kleiner Leitfaden für Arbeiterblbltotbeken. Von Kette. Pros Max v. Gruber, Mädchenerziehung und Rassenjppgiene. Von Therese Schlesinger. W. Rothlegel, Die Kauf. preise für land ich« Besitzungen im Königreich Preuhen von 1895 bis 1903. Bon öl. dl. S. P. Arcomvde, Le mouveiueut de la olaase ouvrisre et la Socialdsmokxatie au Caucase. Von E. Leo it.— Zeitschrilten- schau._ Amtlicher Marktbericht der ftädNlchen Marktballen-Dtreltion über den Grohbandel tn den Zenwal-Marttballen. Marktlage: Fl«i Ich; Zufuhr stark, Welchäsl schleppend, Preise für Schweinefleisch anziehend, onst unverändert. Wild: Zustidr genügend. Getckäst lebhaft. Preise est- Geflügel: Zuwhr reichlich, Getchätt nicht lebhast genug, Preis« nachgebend. Fische: Zutuhr mähtg, Geschäft etwas belebt, Preise un» verändert. Birtter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüt e. Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäst ruhig, Preise wenig verändert. stSitterunqSuderNcb: vom 17. November 1»1v. morgen» 8 nur. Ctaüonen Setter Swmetnd« 754 WS© Hamburg ,754 WSW sterlir 756 SW Franst.a M 759 SW München j768SW Wien 761 W 5 bedeckt 4 wolkig 1 bedeckt 4 halb bd. 4wolkeiil— 1 3halbbd. 3 ä* »'I h «tattonen S- llä Ii Setter ,11 G k Haoaranda 751 ONO Petersburg 756 SSO Sctllh 753 NO 2 Schnee—1 ilberdeeu Part» 741 B 757 S 4 Regen 5 wolkig 7 wolkig 2bedeitt I Wetterprognose für Freitag, den 18. November l»1«. Ein wenig käster bei veränderlicher Bewölkung und ziemlich srischcr üblichen Winden; geringe Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WasscrftandS.Nacbrlcbte» der Landesanstalt für Aewästerlunde, mitgeteM vom Berliner Wellerbureau. Wasserstand M e m e l. Tlliil P r e g e l. Jnsterbma W«> ch j« I. Thor» Oder, Rattbor , kkrossen , Frantturt Warthe, Schriinm , Lanvsberg Netze, Borvamm Elbe, Leinnerltz , Dresden , Bardo , Magd Iburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , vee«low Weser, Münden » Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub , Köln Neckar, HeUbronn Main, Wrrlheim Mosel. Trier 0 4- bedeute. Wuchs,— Fall.*) llnierveaet. lvuchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer* Eo„ Berlin SM*