Kr.STI. nbonnemenfS'Bctfingungjn: Nkonnemenl»- Preis pränumerando: Licrtcljährl. 3�0 Mk, nronatl. 1.10 Mk� wöchcnllich 2» Psg. frei ins HauS. Einzelne j!iimmcr 5 Pfg. Sonntags» nummct mit illustrierter Sonntags- Biilage.Die Nene Welt' 10 Pfg. Post. ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband siir Teutstbland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnen, enIS nchinen on: Belgien. Dänemark Holland. Statten. Luxcniburg. Portugal, Rumänien Schweden und die Schweiz. 27. Jahr« Crldjeint täglich anßtr montags. Vevlinev Volksblelkk. Die TnlertlonS'GebflDr belrügl für die lechSgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 00 Pfg. für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsamnilungs-Anzcigcn 30 Psg. „Aleine Sn-eig-n". da? erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort K Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächsic Nummer müssci» bis»Uhr nachmittags in der Expedilioir abgegeben werden. Die Exveditioil ist biS 7 Uhr abends gevsfnet. Telegramm- Adreffe: „Sozialdcinokrat Berlin". Zcntratorgan der foziatdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redahfion: 8 AI. 68, Lindenstraese 69. geriisprecheri 2lmt IV, Nr. 1983. Expedition: 801. 68, Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. IRodcrne Rrbeiterbemgling. Streiks und IKrawalle. Es gibt Leute, welche die Streiks für eine Erfindung der modernen Arbeiterbewegung halten, und die es namentlich der modernen, das heifit der sozialistischen Arbeiterbewegung aufs Konto setzen, wenn Streiks in Krawalle ausarten, oder wenn aus Anlaß von Streiks Krawalle entstehen. Wer ehrlich diese Ansicht hegt, kennt die Geschichte nicht. Wer aber die Geschichte kennt, kann nicht ehrlich sein, wenn er solche Ansichten zum besten gibt. Seit Menschen für andere Menschen arbeiten mußten, hat es, ob direkte Gewalt, ob in Rechtseinrichtungen verhüllte Gewalt oder ob wirtschaftliche Ungleichheit allein diesen Zivang bewirkte, Auflehnungen der Arbeitslosen gegen ihre Arbeits- Herren gegeben. Und diese Auflehnungen spielten sich in bei- nahe regelmäßiger Abstufung in um so gewalttätigeren Formen ab, je weiter wir in der Geschichte zurückgehen. Man weiß von blutigen Sklavenaufständen— ja, Sklaven- kriegen im alten Rom; Kämpfe, die sich Jahre lang hinzogen und bei denen Raub und Mord im großen Stil an der Tages- ordnung war. Aber die Aufstände, von denen die Geschichts- schreiber erzählen, erschöpfen durchaus nicht das Kapitel der Auflehnung der Sklaven wider ihre Herren und die ihnen von den Herren bereitete Lage. Sie sind nur unter be- sonderen Umständen erfolgte Zusammenfassungen von dem, was sich als ewiger Kleinkrieg durch die ganze Geschichte der Staaten mit Sklavenwirtschaft zog. Von ihm erzählt deut- licher als die mangelhaft und unvollständig überlieferte Chronik der Zeitereignisse die Geschichte der Gesetzgebung und der Staatskunst der Alten. Die„weise" Gesetz- gebung Spartas, in der unkritische Zeitalter Sozialisnius zu entdecken glaubten, was war sie in Wirklichkeit anderes, als eine in ein System gebrachte Organisatton der„Freien" zur Nicderhaltung der Sklaven und Zinsbaucrn? Es war ein unausgesetzter Terrorismus von oben, zu dem es schwerlich ohne wiederholte gewalttätige Aufstände der Sklaven und Zinsbauern gekommen wäre. Er war auch nicht überall durchzuführen. Anders werden durch solche Aufstände Reformen erzwungen. Namentlich in der uns näher liegenden römischen Geschichte ist der Zusammenhang zwischen den Ge- setzen zur Milderung der Schuldknechtschast und Notlage be- drückter Volksklassen und Aufsländen dieser aufs deutlichste zu verfolgen. Eine der folgenschwersten politischen Refornien der römischen Republik, die Schaffung des Instituts der Volkstribunen wird auf den UrtypuS der General- streikidee. den Auszug der Plebejer auf den heiligen Berg zurückgeführt. Das ist noch halb Sage. Aber das vierte, dritte und zweite Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sahen Rom immer wieder als den Schauplatz wilder Kämpfe zwischen der Volksmasse und den bevorrechteten Klassen, bei denen das Vlut in Strömen fließt und die um Bodenverteilung und politisches Recht handeln. Und wie in Massen importierte Sklaven die Schinderarbcit verrichten müssen, zu der man die Freien nicht herabdrücken konnte, setzt die Aera der Sklaven- kriege ein. Die revoltierenden Sklaven wurden besiegt und grausame Rache ward jedesmal an ihnen genommen. Aber die Sklaverei zu verewigen gelang doch nicht. Sie wurde mit der Zeit ver- dämmt kostspielig bezw. unwirtschaftlich. Denn wenn er nickt revoltiert, hilft sich der Sklave durch— Sabotage. Dies scheinbar modernste Kampfmittel ist eines der ältesten Zuflucktsmittel der gewaltsam Unterdrückten. Nur unter dem brutalsten Zwang und solange Massennackschübe den Preis der Sklaven auf dem tiefsten Stand halten, bezahlte sich Sklavenarbeit. Ueberall hat man das erfahren. Der Sklave hat kein Pflichtbewußtsein, kann es nicht haben. Er kennt kein Interesse an der Arbeit. Arbeitsmittel und Arbeits- gegenständ sind ihm gleichgültig. An ihnen läßt er daher je nachdem seine üblen Launen aus. Wertvolle Tiere starben unter den Händen von Sklaven schnell hinweg. Die Wirt- schaftsgeschichte des römischen Reiches hat die Unvereinbarkeit der Sklaverei mit dem Fortschritt der Wirtschaft aufs deutlichste bewiesen. Als die Masseuimporte von Sklaven nachließen und deren Preise stiegen, wurde die Sklaverei unhaltbar. Hier war in der Tat das Trödeln und Verderben bei der Arbeit ein Faktor � der Befreiung. ES ist die urivüchsige, aus der Natur der Dinge herausgewachsene Waffe der Versklavten. Die„Sabo- tage" ist die Alternattve des organisch- organisatorischen Kampfes um rechtliche und materielle Hebung, und so hat sie denn auch in der Gegenwart ihre Verkünder und An- Hänger bezeichnenderweise in dem Großstaat Westeuropas gefunden, tvo die Organisation der Arbeiter am n, eisten zu wünschen übrig läßt: in Frankreich. Frankreich ist das klassische Land bis in die neueste Zeit hinein sich fortsetzender gewalttätiger Aufstände. Das Mittel- alter ist überall der Schauplatz heftiger, in Gewalttätigkeiten sich zuspitzender Kämpfe in Stadt und Land: in den Städten der Zünfte und der sonstigen niederen Bevölkerung wider die j Geschlechter und später der Gesellen wider die Meister, auf� dem Lande der Bauern wider die adeligen und geistlichen Herren. Kaum irgendwo führen diese Kämpfe aber zu wilderen Zusammenstößen wie in Frankreich. Unsere Bauernkriege ver- blassen vor den französischen Jacquerien, und den Kämpfen der Maillotins und Cabochiens im 14. Jahrhundert haben' wir in Deutschland gleich terroristische Volkserhebungen nicht entgegenzusetzen, wie wir ja auch keine Bartholomäusnacht in der Geschichte haben. Und die Ueberliefernng dieser mittel alterlichen und spätmittclalterlichen Kämpfe beeinflußt die Kämpfe der frühkapitalistischen Epoche und wirkt noch heute im Volke fort. Unterstützt durch die Rückwirkungen der Rivalitätskämpfe der oberen Klassen lebt im französischen Volk das Vertrauen, im Notfall durch die Revolte das Seinige zu erreichen, und hält die Masse der Arbeiter ab. sich den gewerkschaftlichen und polittschen Organisationen anzuschließen Eine in der französischen Gewerkschaftswelt heute vor herrschende Richtung aber macht aus der Not eine Tugend und erklärt die Massen in der Organisation für entbehrlich, sofern nur ein zielbeivußter Kern organisiert ist, um, wenn der„psychologische Moment" kommt, die Führung zu über nehmen und die Massen mit sich fortzureißen(Emile Pouget, Li» Confödöration Gönsrale du Travail, p. 33). Das ist jedoch eine Auffaffung, die dem Frühstadium der kapitalistischen Entivickelung entspricht. In der Frühepoche des Kapitalismus spielen sich überall die Arbeiterkämpfe tumultuarisch ab. Im 17. und 18. Jahr- hundert sind die Klagen über die Unbotmäßigkeit der Arbeiter, über Zusammenrottungen, Gewalt- und Racheakte der Gesellen, geheime Verbindungen und Verabredungen in Mittel- und Westeuropa allgemein. In Deutschland erzählen Reichstags abschiede wider die Gesellenverbindungen von ihnen, in Eng land Petttionen der Wähler und Bürger an das Parlament sowie Proklamationen von König und Parlament wider die aufrührerischen Gesellen. Solch eine Proklamatton ward u. a am 4. Februar 1718 gegen die Wollkämmer und Weber des südwestlichen England erlassen. Aber diese königlichen Donnev ivorte, die auf der Londoner Handelsbörse verlesen wurden, verfehlten ihren Zweck, denn die Tagebücher des Hauses der Gemeinen für 1723 und 1725 enthalten wiederholte Klagen über Fortbestehen dieser Verbindungen, die während des ganzen achtzehnten Jahrhunderts hindurch beständig von sick) hören machen"(S. und B. Webb. Geschichte des engliidjen Trade UnioniSmus, deutsche Uebersetzung, S- 25/26).„Durch die ganze Manufakturperiode", schreibt Marx,„laust die Klage über den Disziplinmangel der Arbeiter."(Kapital, Bd. I. IV. 5.) Zertrümmerung von arbeitsparenden Maschinen. Wegnahme oder Zertrümmerung des Werkzeugs von Gesellen, die wider die Verabredung fortarbeiteten, und gröbste körperliche Mißhandlung solcher Gesellen und sonstiger „Eindringlinge", alles das ist Generattonen. Jahr hunderte hindurch in Uebung, ehe es eine moderne Arbeiterbewegung gab. Wie wild eS in dieser Hin- ficht Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in England aussah, dafür hat Friedrich Engels in der Lage der arbeitenden Klassen amtlich, festgestelltes Material in Fülle erbracht, und wer keine Blaubiicher und wisscnsckiaftliche Ab- Handlungen lesen mag, der lese in Dickens' Roman„Barnaby Rrrdge" die meisterhafte Schildernug der schauderhaften Ver- Wüstungen, welche die Volksmasse Londons im Juni 1780 während der Gordonschen Katholikenhetze aufführte, oder in Mrs. GaskellS klassischem Roman„Mary Barton" die Be- schreibung der wilden, bis zum Mord gehenden Streikszenen, deren Schauplatz Lancashire zu Anfang des 19. Jahrhunderts gewesen war. Und wie im sozialen Kampf, so in Vergnügen. Ohne Raufereien ging es in der guten alten Gesellenzeit fast nie ab. Noch in der Mitte der fünfziger Jahre waren in Berlin die Tanzböden Sonntags der Schauplatz wüster Kämpfe, die Ge- scllen des einen Handwerks gegen Gesellen des anderen Hand- Werks aufführten. In Schlägereien machte sich die über- schüssige Energie Lust, da sich andere Betätigung nicht bot. So findet die sozialistische Bewegung der Neuzeit und die von ihr geistig beeinflußte Arbeiterbewegung den Arbeiter vor; so überliefert ihn der Kapitalismus in seiner Jugend Blüte. Was hat sie aus ihm gemacht? Hat sie ihn roher, zu Ge- walttätigkeiten geneigter, blinder unr sich schlagend gemacht? Kein ernsthafter Sozialforscher, und sei er sonst noch so reaktionär, kann oder wird das behaupten. Denn das g e- naue Gegenteil ist der Fall. Die sozialistische Arbeiterbewegung hat jene Tendenzen nicht nur nicht ge- steigert, sie hat im Gegenteil die einen beseittgt, die anderen gemildert. Gerade der Vergleich moderner Arbeiterfeste mit den ehemaligen Gescllenvergnügen illustriert das aufs drastischste. Um aber bei den Streiks zu bleiben— die sozialisttsche Bewegung hat die Streiks nicht erfunden. Sie waren vor ihr da, grassierten, als sie aufkam. Anfangs verhielten sich die Sozialisten sogar direkt ablehnend zu den Streiks. Dabei konnte es nun freilich nicht bleiben, der Sozialismus konnte die Auflehnungen der Arbeiter gegen die Unterdrückungs- und Verelendungstendenzen des Kapi- talismus nicht ignorieren. Aus der Verbindung des Sozialismus mit der elementar sich entwickelnden Arbeiter- bewegimg entstand die Sozialdemokratie und die von sozial- denrokratischenr Geist erfüllte Gewerkschaft. Ihr Werk in bezug aus jene Känipfe war. daß sie ihnen organischen Charakter verlieh— man könnte das viel mißbrauchte Wort hier mit Fug anwenden und sagen, daß sie sie zivilisierte. Vor 19 Jahren sagte in England in der königl. Unter- suchungskoinmission über die Arbeiterfrage der Chef einer der größten englischen Schiffsbaufirmen, Sir Benjamin Browne: „Seit wir große Gewerkschaften haben, haben wir t weniger Streiks." Und in der Tat sind in England die Streiks in den gut organisierten Gewerben seltene Erscheinungen geworden. Selten, wenn man auch selbst in England noch nicht so weit ist, daß nicht von Zeit zu Zeit große Fragen durch den Streik zur Entscheidung ge- bracht werden müssen. So hat' denn England auch jetzt wieder u. a. seinen Kampf in der Schiffbauindustrie. Aber wie anders geht es bei ihm zu als bei den Bergarbeitern in Wales. Warum? Die in Betracht kommenden Schiffsbau- arbeitcr haben seit Jahrzehnten eine festgcgliederte Organi- sation mit echt gewerkschaftlichem Leben, während die walliser Bergarbeiter bis vor kurzem von der Geiverkschaft nicht viel mehr als die Form hatten, vielleicht auch heute noch nicht viel mehr haben. Außerdem fehlt der englischen Arbeiterbewegung der starke geistige Zusammenhalt, über den die deutsche Ärbeiterbeivegung mit ihrer so kräftig ent- wickelten Presse gebietet. Aber in Deutschland haben die Streiks doch zugenommen, mag hier ein Klugredner eimvenden. Gewiß, aber wie stark hat nicht auch in Deutschland die Industrialisierung, die Zahl der Arbeitcr zugenommen. Wir haben in Deutsch- land in einem Vierteljahrhundert den wirtschaftlichen Ent- Wickelungsprozeß durchgernacht, der in England von Anfang des 19. bis Ende des 19. Jahrhunderts gewährt hat, und wie in England mußten auch in Deutschland die Unter- nehmcr erst dazu erzogen werden, mit ihren Arbeitem als organisierter Kraft zu verhandeln. In dem Maße, als dieses Werk nicht durchgeführt ist, werden auch die Streiks nicht abnehmen. Aber daß sie in der erdrückenden Mehrheit der Fälle sich heute in unendlich geordneterer, humanerer Form abspielen als vor dreißig/vicrzig Jahren, wird jeder Unternehmer bestätigen, der jene Zeit noch erlebt hat. Und das ist in hohem Grade der Durchdringung der Arbeiter- bewegung mit dem sozialistischen Gedanken, dem wachsenden Verftäuduis für den Wert systematischer Organisationsarbeit zuzuschreiben._ Ed. Bernstein. Die fromme Polizei. Der Freitag war der erste Tag deS Moabiter Prozesses, an dem die Staatsanwaltschaft einigermaßen auf ibre Kosten kam. Vor dem Tische des Gerichts, der mit verbeulten T-chutzmannShermen, llnifornistücken, Säbeln, Stöcken und anderen Trophäen bedeckt ist, stand der Polizeimajor Klein und gab eine Schilderung der vier „Rkvolutions"tage, die sich ziemlich gefährlich anhörte. Sonderbar berührt nach diesen Erzählungen, in denen von Hunderten von Schüssen auf die Polizei die Rede ist, daß kein Beamter aufzutreiben ist, der von einer Kugel getroffen wurde— an anderen Verletzten auS den Reihen der Polizei werden einige 80 genannt. Uebrigens hat der Herr Major nicht alle Erwartungen der Anklagebehörde erfüllt. Der Herr Erste Staatsanwalt hätte gern von ihm gehört, daß der Charakter der Unruhen, die ganz besondere Erbitterung der Bevölkerung gegen die Polizei auf revolutionäre Bestrebungen, auf politischen Hintergrund, auf die Dirigierung der Bewegungen durch ein Revolutionskomitee oder dergleichen schließen ließe. Aber der Zeuge konnte Herrn Steinbrecht hier nicht folgen und gab die Erklärung, daß die Vorfälle in dem Haß der Arbeiter gegen die Arbeitswilligen und. in dem„beklagenswerten" Haß der Bevölkerung gegen die Polizei ihre Wurzel hätten. Woher dieser„beklagenö- werte" Haß gegen die Polizei stammt, dafür hat der Major aller- dings nur unzulängliche Erklärungen, denn noch seiner Darstellung sind die Polizeibeamten alle durch die Bank Leute, die an Geduld und Besonnenheit und Höflichkeit und Menschlichkeit alle Sterblichen übertreffen. Der Zeuge konnte die wahrhaft bewunderungswürdige Ruhe, die die Schutzleute während der austegenden Tage bewahrt haben. nicht genug herausstreichen. er hat auch nie gesehen. noch gehört, daß irgend ein Polizist eine Ausschreitung verübt bat. glaubt nicht, daß Leute, die höflich bitten, durch eine Polizistenkette durchgelassen zu werden, grob angeschnauzt oder gar geschlagen werden. ebenso bält er es für ganz ausgeschlossen, daß Leute in Arbeiterkleidung schlechter als gutgekleidete Personen behandelt werden. Ihm ist überhaupt absolut nichts bekannt, was gegen die Polizei spricht. Er hat kaum einen Menschen gesehen, der durch Säbelhiebe verletzt wurde, noch viel weniger hat er etwas davon gemerkt, daß auf dem Kohlenhof von Kupfer u. Co. die Prügelkolonne der Arbeitswilligen die Verhafteten bearbeitet hat. Was er über die Haltung der Schutzleute bekundete, war derart, daß man sagen muß: Weniger wäre mehr gewesenl Herr Major Klein ist sicherlich überzeugt von dem. waS er bekundet hat. aber er wird wenige Leute finden, die ihm glauben, daß seine Schutzleute die wahren Engel find. Der Herr Major ist sicherlich auch kein Wüterich, keiner, der Befriedigung beim Anschauen einer Straßenschlacht empfindet, aber er ist preußischer Polizeibeamter in jeder Faser und zweifelt nicht daran, daß die Pflicht der Polizei, die Ordnung bezw. ihre Autorität anstecht zu erhalten, der Pflicht, den Verkehr zu sichern, weit voran geht. Er ist durchdrungen da- von, daß alle Maßnahmen der Polizei vorttefflich waren und daß keine Veranlassung war, die Straßensperrungen dem Publikum bekannt zu geben, obgleich die gesperrten Straßen in den Abend- stunden für Tausende, die vom Bahnhof Beusselstraße kommen, der gewohnte Heimweg sind. Der Herr Major ist der Meinung, daß die Menge, die zuerst die Polizei angegriffen habe, aus Arbeitern und nicht aus Janhagel bestand, gesteht aber zu, daß jene Schar. die in der Nacht zum Dienstag bei der Reformationskirche spektakelte. Merkmale des Janhagels aufwies; auch nach Meinung seiner Beamten ist sie mit Janhagel gemischt gewesen. ES ist das jene Menge, aus der einzelne Teilnehmer einige Butzenscheiben der Kirche einwarfen. ««hulich» BeklNdllNgen«lachte Herr Poli�eilsutni»lt Folie; die Giaatsanwaltschast. die sich noch immer um den Nachweis demüht. datz die Nrbcitabeuwgnwz für die Unruhen verantwortlich ist. erlebte die Genugtuung, dotz dieser Zeuge einen„Vorwärtr-Artilcl als Schuldigen an den Ausschreitungen hinstellte— weil in diesem Artikel, der von dem versuch der Firma Kupfer erzählt, Streik- brecker heranzuziehen, gesagt wird, die Streikenden würden die Arbeitswilligen mit allen Mitteln fernzuhalten suchen und die Arbeiter aller Branchen würden aufgefordert, ihnen dabei behilflich zu sein. Zu dem PassuS.mit allen Mitteln" will der Herr Leutnant die«usssrderuug zu Gewalttätigsten erkennen. Vom Verteidiger darauf aufmerksam gemacht, dast das natürlich doch hecht.mü allen legalen Mitteln", meinte der Zeuge zunächst. dast die Arbeit» nicht gevildet genug seien, um baS zu erkennen. schließlich zog er sich auf seine subjektive Aufsassung zurück. IlebrigenS schlägt der Herr Leutnant den Einfluß des„Vorwärts" auf die Bevölkerung sehr hoch an: der„Vorwärts" braucht nur zu schreiben, daß die Sozialdemokraten an den Unruhen nicht beteiligt find und sofort flauen die Unruhen ab. Aber sowohl au« diesem wie aus dein ersten Zeugen vermochte die Staatsauwaltschaft ver- geblich etwa» über Momente herauszubekommen, die sich als Anzeichen einer yiuwirlung der Sozialdemokratie deuten ließen. Die Zeugen wußten in dieser Beziehnng nicht einmal so viel zu sage», wie neulich der Palizeipräsident in London, der dort bekannt- iich kategorisch erklart hat. daß fich dem Beobachter„auS dem Plan- mäßigen Auftreten der Tunniltuanten" gewisse Schlußfolgerungen auf eine geheime Leitung aufdrängen müßten. Die nüherm Beobachter unter seinen Beamten waren vorfichtiger..,. Tröffnet wurde die Verhandlung mit einem geharnischten Protest des Verteidigers Heine gegen die im„vorwärts" schon gestern ge- schilderte vespitzelui� der Entlastungszeugen— Herr Steinbrccht beeilte sich, von der Polizei abzurücken und schleunigste Abhilf« zu- zusagen._ Die keile in Cngland. Die Krone im Streit der Parteie«. London, 16.?!oveinber.(Cig. Der.) Die unerwartete Vertagung des Unterhauses aus Freitag Hai unS wieder in den politischen Nebel zurückgeführt, in dem das Hinundcherhuschen den Stoff zu den mannigfaltigsten Spekulationen liefert. Es wäre müßige Spielerei, sich mit all den Hypothesen und Behauptungen zu befassen, mit denen sich die bürgerliche Presse die geheimen Vorgänge zu erklären verstlcht. Sonderbarerweise geht diese Presse um den Hauptpunkt wie die Kahe um den heißen Brei herum. Es kann wohl kaum noch einem Zweifel unterstehen, daß sich die Krone in den Streit gemischt hat und dem Minister Asquith Schwie. rigkeiten macht. Um diese Schwierigkeiten zu verstehen, muß man sich die Erklärung ansehen, die Asquith im April dieses Jahres abgab. Er sagte damals, um die Rebellen im eigenen Lager und die Jrländer zu beruhigen:„Sollten wir uns«licht in der Lage besmden. in der«vir es gewiß machen kötmen. daß dieser Politik(d. h. der Vetopolitik) in diesem Parlament ge- schliche Wirkung verschafft wird, so werden wir entweder unsere Demission einreichen oder die Auflösung des Parla- ments empfehlen. Lassen Sie mich noch hinzufügen, daß«vir in keinem Falle eine Parlanlentsauflösui«g empfehlen werde««, es sei dem« unter Bedingungen, die es sicher stellen, daß in dem i Knien Parlament das Urteil des Volkes, wie es in den Wahlen zum Ausdruck kommt, Gesetz wird." Es ist sehr erklärlich, daß König Georg in seinem Krö- nungsjahr einen großen politischen Spektakel vermeiden möchte. Auch ist es kein Geheimnis, daß die Sympathien des neuen englisckien Königs, der sich während der Zeit, in der er Prinz von Wales war, so sehr für die impemlistische Jdoe ins Zeug gelegt hat, a«lf der Seite der Konservativen zu suchen sind. Die Allgabe, daß der König bemüht sein soll, den Ausbruch der Feindseligkeiten und die Parlamentsauflösung bis nach der Krönung zu verschieben, entbehrt daher nicht der Wahrscheurlichkeit. Das würde auch die Taktik der konser- pativen Peers erklären, die eine unverzögerte J«mngriffnahme der Detobill verlangen. Eine regelrechte parlamentarische Bchandlumg der Vctobill, die im Unterhause in erster Lesung angenommen worden ist, könnte mindestens so lange hinaus- gezogen werden, bis sich die konservative Partei reorganisiert und eine zugkräftig« Wahlparole gefunden hätte. Alles scheint jetzt davon abzichäugen, wie Herr Asquith, der im AuS- und Unterlegen noch seinen Älleister sucht, seine oben zitierten Worte auslegen wird. Gibt ihm die Krone nicht die Garantien, daß nach der Wahl im Falle eneS liberalen Sieges die Vetobill auch gegen den Willen der Lords Gesetzeskraft erlangen wird, so ist er genötigt— immer unter der Voraussetzung, daß seine Worte keinen anderen als den gewöhnlichen Sinn haben— von der Regierung zurückzu- treten und damit seiner Partei die taktischen Lorteile zu nehmen, die die regierende Partei besitzt. Für die Liberalen wäre es jetzt ein Vorteil, wenn sie sich vor kurzen« gar nicht so monarchistisch gebärdet hätten. Als König Eduard starb, war es gerade die liberale Presse, die an byzantinischen Lobeshymncn das Aeirßorst» leistete. Heilte ist das englische Volk mehr momuchistisch gestimmt denn je und gerode heute wäre eS für die lwerale Partei««otwendig, dem neuen König die Krallen zu weifen, um ihn gefugig zu machen. Hier sind wer nun bei dem Dilemma der Regierung angelangt. Vermag sie keinen Druck auf den König auszuüben, so Wird König Georg höchsiwahrscheinlich nicht mit den Garantien herausrücken. Versucht si« aber in ihrer Press«, dem König den Standpunkt klarzumachen, so splelt sie den Konservativen in die Hände mch»nacht chra Gegner um eine mächtige Wahl- Parole reicher. Der liberalen Partei«vird es schwer fallen, gegen die monarchistischen Vorurteile, die si« in diesem Jahre im Volke befestigt hat, mit einem Make anzukämpfen Die Grklärnngcn des Ministerprasidente». London, 18. November.(U n t e r h« u 0.) Das Haus war wegen der erivarteten Erklärung des Premierministers in allen Teilen dicht besetzt. Die Mitglieder des«Parlaments selbst warm in so großer Anzahl erschienen, daß mehrere von ihnen keinen Sitz fanden. D a l f o u r und Asquith wurden bei ihrem Eintritt in den Sitzungssaal von ihren Anhängern enthusiastisch begrüßt. Zu Beginn seiner Neds stellte Premierminister ALquith in Abrede, daß sich in den Plänen der Regierung irgend eiwaS geändert habe. Die Regierung habe sich niemals mit dem Gedanken befaßt, die Budgetvorlage fallen zu lasten. Sie schlage vor, daß .dav HauS die wesentlichen Teile des Budgets er- ledige, nämkich den Teezoll, die Einkommensteuer und den Amortisationsfonds. Nachdem Asquith noch zwei andere minder wichtige Matznahmen erwähnt hatte, die noch in diesem Jahre er- ledigt«oerden mutzten, und mitgeteilt hatte, daß die Regierung beabsichtige, im nächsten Parlament eine Entschädigung für die Mitglieder des HauseS in Yorschlaz zn bringen, teilte er mit, batz die Regierung dem König geraten habe. «ach Erledigung der erwähnte« xarlam«, tarische» Arbeiten Üc gegenwärtige Session und das jetzige Parlsment zu schließen. (Lebl?aftcr Beifall bei lden Ministeriellen.) Asquith erinnerte an die Annahme der von der Regierung beantragten Veto- Resolutionen, die im April durch starke Mehrheiten im Hause er- folgt sei. und an den präzedcnzloscn Vorgang, daß bei dem Tode des geliebten Königs Eduard die beiden bereits in Schlacht- ordnung stehenden Parteien ihre Waffen niedergelegt und die Führer sich zu einer geheimen Konferenz zurückgezogen hätten. Was diese Konferenz angehe, so schäme er sich nickt zu gestehen, daß er fast bis zum letzten Augenblick auf die Möglichkcu einer Verständigung gehofft habe.(Beifall auf feiten der Ministeriellen.) Er glaube, diese Hoffnung sei von allen Mitgliedern der Kon- ferenz geteilt worden.(Beifall.) Obschon diese Hoffnung«'cht in. Erfüllung gegangen, so sei der Versuch doch der Mühe wert gewesen.(Beifall.) Er sei entschieden der Ansicht, daß niemals ein ehrlicherer Versuch von Männern starker MeinungSverschieden- heilen gemacht worden sei, die beiderseitigen Ansicht?« zu verstehen, wenn möglich, eine gemeinschaftliche BaflS für eine Verständigung zu finden und auf dieser Basis einen Bau zu errichten, der wenigstens eine Aussicht auf Stabiliät und Dauer geicähre. Sie hätten sämtlich die Lösung dieser Aufgabe nur mit Wider- streben aufgegeben, aber sie hätten sie doch aufgegeben, weil sie die Ueberzcugung gewonnen hätten, daß eS für den Augenblick nutzlos sei, die Lösung weiter zu versuchen. Es sei mützig an- zunehmen, daß die Verständigung, die sich selbst unter so günstigen Verhältnisten als unerreichbar erwiesen habe,«n diesem Varla- ment in dem Lärm und dem Ungestüm deS Parteikampfes auö- gearbeitet werden könnte.(Beifall aus feiten der Ministeriellen.) Das Resultat ist. fuhr Asquith fort, daß wir wieder zum Kriegszustande gelangen.(Beifall auf feiten der Ministeriellen.) Die Regierung«veiß. daß. wenn die Lords eine Gelegenheit wünschen, um vor der Wahl zu der von dem Unterbaus gebilligten Politik Ja oder Nein zu sagen, diese Gelegenheit in der nächsten Woche geboten werden wird. Es würde aber die reinste Fiktion sein, wenn«nan irge«>dw°lchen Ziveifel äußern würde, welches die wirkliche Entscheidung der LordS über die Veto-Bill sein wird. In dem jetzigen Ttadmin der Angelegenheit handele cs sich nicht um Amendements oder Unuvandlungen. sondern um eine Annahme oder Ablehnung des Wangen.(Beifall auf feiten der Ministerielle««.« Wir haben eS daher für unsere Pflicht gehalten, der Krone die Auflösung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt, nämlich zu Anfang der übernächsten Woche, arizuraten. und»vir sehen keinen Grund, warum dieser Tag nicht Montag, der LS. dieses Monats, sein sollte.(Laut.'r Beifall auf feiten der Ministeriellen.) Die allgemeine Wab« kann zeitig vor Weihnachten beendet sein und wird daher nur eine ganz geringe Störung der Interessen des Geschäftsle�cnS und der all- gemeinen Bequemlichkeit der Nation verursachen. Nachdem zwei aufeinanderfolgende Unterhäuser dasselbe Urteil gefällt haben, ist die Zeit gekommen, diese Streitfrage, die der fortschritllich.n Gesetzgebung den Weg völlig sperrt, dem Schiedsspruch der Nation zur endgültigen Entscheidung zu unter- breiten.(Lauter Beifall auf feiten der Ministeriellen.) Nach der Rede des PrimierministerS ergriff Balfour das Wort. Er spottete über die Entscheidung der Regierung, nur einen Teil des Budgets zur Debatte zu bringen. Die Regierung fürchte sich anscheinend, Zeit zur Erwägung der Sachlage zu geben. Sie habe eine sehr schwere Verantwortlichkeit auf sich ge- noinmen durch den Rat, den sie dem König erteilt habe. Als cm Mann, der die Traditionen und die Konstitution von Königen und Ministern respektiert zu sehen wünsche, gebe er seinem tiefen Bedauern über die Politik der Regierung Ausdruck. Der Abgeordnete Belloe(liberal) lenkte die Aufmerksam- keit des Hauses auf die Tatsache, daß Asquith nichts über die von der Krone zu gewährenden Garantien gesagt habe. Asquith erwiderke aus eine Anfrage bezüglich seiner be- kannten ErNSrung, über die Stellung der Regierung zur Ober- hausfrage, die er ain 14. April abgegeben: Diese Erklärung re- präsentiert jetzt wie damals die Intentionen der Re- gterung. Ich weigere mich und werde mich immer weigern, irgendeine Erklärung bezüglich eines Rates abzugeben, den ich als veraniwortlicher Minister der Krone gegeben haben mag oder vielleicht später geben werde. Der König steht außerhalb der politischen und der«Wahlkontroversen. Es ist die Pflicht seiner Untertanen, diese voin«IZarteikamps abgesonderte Stelürng zu er- halten und zu sichern. Nach weiterer Debatte wurde die zn Anfang der Sitzung Ve- antragte Resolution, den Rest der Session für die Regierung?- vorlagen zu verwenden, angelumimen und die Sitzung darauf vertagt. Sitzung de» Oberhauses. London. 18. November. Oberhaus. Carl of Cr eine gab eine ähnliche Erklärung ab wie die von Asquith im Unterhause. Lord LanSdowne bezeichnete die Auflösung alS ein parla- mentarifcheS Manöver, das mit dem größten Zy- niSmnS ausgeführt werde. Er stellte die kategorische Frage, ob die Regierung die erbetene Garantie erhalten habe und «mter welcher Bedingung. Earl of Crews gab keine direkte Antwort. Cr erklärte: Der Rat. dos Parlament aufzulöten, ist der Krone auf Grund der Annahme erteilt worden, daß die PeerS die Vetobill nicht annehmen werden. Wenn Lord Lanodolvne mir die Versicherung gibt, daß er die Betobill annehmen will, so wie sie ist, so werde die Frage er- neut erwogen werden. Ich nehnie an. daß die PeerS, wenn die Rcgierunz mit einer genügenden MehrheU auS den Wahlen hervorgeht. bereit fein werden, dem Willen deS Volkes nachzukommen, so wie er bei den Wahlen zum Ausdruck ge- langt fein wird. Die Wahlparole der Kouscrvatlvea. London, 17. November. Balfour erklärte in einer Rede in Nottingham bezüglich der Veto-Konferenz. wenn die unionistischen Mitglieder den Bedingungen zugestimmt hätten, unter denen allein eine Einigung möglich gewesen sei, so hätten sie ihre Sache verraten. Die Tarifreform sei nach«vie vor die vornehmste schöpferische Politik der Unicmislen.«Kenn sie eine Belastung der um Lohn arbeitenden Klaffen bedeute, so wurde er sie nicht anrühren. Wenn sie zu einer Erhöhung der Brot- preise führe, so müsse eine Entschädigung durch Er- mätzcgung der Zölle auf Tee, Zucker und dergleichen golvahrt werden. Bezüglich des Oberhauses erklärte Balfour, eine Zweite Kammer sei notwendig. Es müsse eine Zlveite Kammer geben, die fähig sei. einen mäßigenden Einfluß auf die Geschäfte des Landes auszuüben, obschon das Unterhaus das dominierende Element in den« Zweikammersystem bleiben müsse.«Da« reformiert« Oberhaus sollte a«iS drei gleichwertigen Elementen bestehen, erstens aus Männern, die durch ihr öfsentlichcS Amt dafür geeignet seien, zweitens aus Mitgliedern, die von den Peers selber gewählt wor- den seien, drittens aus solchen, die durch iraeicdein außerhalb des Oberhauses einzuführendes Wahlverfahren oder auf andere Weise «n doS Oberhaus gebracht würden. Er fei gegen eine ge» wält« Zweite Kammer, weil sie die Stellung der Ersten usurpieren würde. Di« rreidende Macht hinter der Betobill der Regierung bestehe«mS dennit etwas Samt darüber I" Nach der Rückkehr der Bourbonen wurde das alte Schlagwort aber die Siegeslosung der KönigStreuen. In den Reden und Liedern auS den Jahren ISIS und ISIS spielt das Wort ein« große Rolle. Besonders eifrig gebraucht eS der Graf de Marcellus, von dem man, nach dem Buch.Biographie des vöputäs"(1822), spöttisch behauptete, er fange alle seine Reden an mit den Worten„Thron und Altar" und schließe sie mit den Worten„Altar und Thron". In Deutschland hat da? Wort in dm dreißiger und vierziger Jahren deS 19. Jahrhunderts eine große Rolle al» Hohuwort zur Verspottung der„Reaktionären" gespietL ES ist bekannt, wie Heine 1830 gegen daS Schlagwort kämpfte, wie Börne fich 1830 gegen das Schlagwort kämpste, wie Börne fich 1832 in den„Briefen m«» Paris" übet die»Freunde des Thrones und des Altars" lustig machte. Seit 1848 ist da-Z Wort ein LleLlingZauSdrnck der preußischen Konservativen, die es in neuerer und neuester Zeit mit Vorliebe in Reden und Schriften gegen die Liberalen und die Sozialdemolraten verwendet haben._ Zur Neichsfinauzlage. Die ReichSeinnahmen haben sich in den letzten Monaten wcsent« lich gebessert. Fiir die sieben Monate vom 1. April bis Ende Okiober betragen die Einnahmen an Zöllen ZdS.7 Millionen Mark. Die Tabaksteuer brachte 7,7, die Zigarettenstcner 13.2, die Zuckersteuer M.S. die Salzstener 31.4, Verbrauchsabgaben für Branntwein 87, Schaum weinsteuer ö.S, Leuchtmittelsteuer 5. Zündwarenfteuer 7,8. Brollfteiier und UebcrgangSadgabe von Bier 82,1, Spielkarten» stempel 1. Wechfelstempelsteuer 11, Reichsstempelabgaben: a) Wertpapiere 28,7, b) für Tewinnanteilfcheine und Zinsbogen 2.3, o) für Kauf» und sonstige Anschaffungsgeschäfte 13.S. d) Lotterielose: StaatSlotterie lö.3, Privallotterien 11.6, s> Frachtrirkunden 9,4. 4) Personcnfahrkactcn 13. x) Erlauhniskarten für Krastkahrzeuge 2,1, k) Vergütung an Mitglieder von AussichtSräten 3, i) von Schecks 2,2. le) von Grundstücksübertragnngen 2S,S Millioneir. Die ErbfchaflS- steuer brachte 24,1, die statistischen Gebühren 1 Million. Die gesamte Jsteinnahme deS Reichs für die ersten sieben Monate beträgt 830,3 Millionen, während nach dem Voranschlag die Einnahme für daS ganze Rechnungsjahr 1910 mit 1S40 Millionen berechnet waren. Die Zölle waren auf 831,9 Millionen veronschlagt worden, die Tavafftener auf 14,4, Zigarettensteuer auf 23.7, Zuckerstener auf 147.2. Der Grundstücks- uberrragungSstempel war auf 2S.d Millionen veranschlagt, hier ist der Voranschlag jetzt bereits überschritten. Der Stempel für Kauf» und sonstige AiischaffnngSgeschäfte war aus 13,3 Millionen veran- schlagt worden, ist also ebenfalls fast erreicht. Zur Fleischnot. In der heutigen Sitzung fccä Lebensmiffelversorgiings- ousscyusseS der Stadt München gab. wie die„Allgem. Fleifchsr- Zeitung" meldet, der Vertreter des Königlich bayerischen Staatsministcritnns des Innern, Rrgieningsrat Dr. Attinger, offiziell bekannt, daß zur Linderung der Fleischnot bereits folgende Maßnahmen bei der ReichSNegierimg erwirkt worden seien: 1. Zulassung der Einfuhr lebenden Viehes ans Frank- reich. Mit der Einfuhr kann bereits in den nächsten Tagen begonnen werden. 2. Aufhebung der Sccguarantäne und Tubcrkulinimpfung für dänisches Vieh für Norddeutschland, damit dadurch der bayerische Markt entlastet wird. 3. Aufhebung deS Einfuhrzolles fiir Mais und Futter- gersie, sowie Erinäßigung der Frachten fiir sämtliche Futter. mittel. Hinsichtlich der Zulassung lebender Sch weine aus Oesterreich- Ungarn erklärte der Vertreter des Ministeriums, daß die Neichsleitung diesen Antrag abgelehnt habe. Auch könne die vorübergehende Aushebung der Bestim- nmngen deS§ 12?lbsatz 1 des Reulis-Viehseuchenaessyes ohne Zustimmung des Reichstages nicht erfolgen. Der Lebensmittelversorgungsansschuß erkannte diese Maßnahmen zwar dankbar an, erklärte sie aber nicht süransreichend, um der herrschenden Fleischnot wirklich abzuhelfen, es nuuÄe daher eine neue Vorstellung im Staats- Ministerium beschlossen, dah dasselbe auch cineErmäßi- gung der Einfuhrzöllevon Vieh- und Fleisch bei der Neichsleitung erwirke. Aus de» elsässische» Bezirkstagen. Die drei Bezirkstage in Elsaß-Lothringen haben die am Montag eröffnete diesjährige Tagung>vie üblich schon nach dreitägiger Dauer geschlossen."Diese Körperschaften tagen noch immer unter Ausschluß der Oesfentlichkeit. Ein auch in diesem Jahre eingebrachter Antrag der drei Sozialdemokraten im o b e r e l s ä s s i s ch e n Bezirkstag auf Z u l a s su n g der Presse zu den Sitzungen wurde erst mit 12 gegen L Stimmen a n g e n o nr m e n, dann aber am Nachmittag mit 18 bürgerlichen Stimmen gegen die 3 sozialdcmo- kratischen wieder aufgehoben, als der Bezirks» Präsident Freiherr v. Pi ttkamcr erklärt hatte, er erhebe gegen den Beschluß Einspruch.(Die Berufung deS 23c» zirkspräsidentcn auf die Rechtslage ist unhaltbar, da dieselben gesetzlichen Bestimmungen über die Nichtöffentlichkcit der Sitzungen in Elsaß-Lothringen auch für die Gemein d e r äte bestehen und die Presse in den größeren Gemeinden nun seit Jahren doch zugelassen wird.) Zur Behebung der Fleisch» not beschloß der Bezirkstag des Unterelsaß auf Antrag unserer Genossen, die Regierung um Zillasstlmj der Einfuhr von ausländischem Schlachtvieh nach sämtlichen Schlachthäusern Elsaß-LothringenS zu ersuchen, während der ober- e ljässi s ch e Bezirkstag den auf völlige Ocffnung der Grenzen für die Einfuhr von Bich und Fleisch lautenden sozialdemokratischen Antrag annahm. Zur BerfasinngSreform nahm der Bezirkstag für Oberelsaff mit sechs Stimuicn bei einer Anzahl Enthaltnugcn den sozialdemokratischen Antrag au, die die Einführung der rcpubli- kauischen StaatSrcforiu fordert; für den Antrag stimmten mit den Sozialdemokraten Emmcl, Wickl) und Bucher die biirger- lichen Abgeordneten Bluinenthal, Preiß und Ostermeyer. Die übrigen Klerikalen enthielten sich der Stimmabgabe, da sie der republikanischen Vokksstronumg nicht entgegenzutreten wagen. Zur Wahlrechtsfrage sprach sich der Bezirks» tag für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Stimm- recht aus, lehnte jedoch mit Stimmenmehrheit daö Proportional- Wahlrecht und daS Frauenstimmrecht ab. Im Interesse der notleidenden Winzer wurde in beiden elsässischen Bezirkstagen Steuererleichterung gefordert. Der Kampf nm die mecklenburgische Berfassnngsfrage. Der Mecklenburgische Landlag wurde heute eröffnet. Ein- gegangen ist ein Reskript der Schweriner Regierung, in dem an- gekündigt wird, daß die VerfaffungSvorlage vom 19. November 1909 dem Landtag wieder zugehen wird und zwar zunächst zur kom- misfarisch-depiitatischen Beratung. Ferner ist dem Landtag ein Ent- wurs zur Reform der bestehenden Steuergesetzgebung zugegangen, ivelcher eine progressive Einionimensteuer und eine ErgänznugSsteuer vorsieht. Autzerdem sind Vorlogen eingegangen betreffend GehaltS- erhöhungen für Beamte.___ Der Polizeikrawall in Kökn-Dentz, der sich am 3. Oktober ereignete, hat nachträglich ein Menschen- leben gefordert. Der Gestorbene ist aber keiner der verletzten Bürger, sondern ein P o l i z e i b e a m t e r, der in den dreißiger Jahren stehende Schuhmann Georg Kassel. Es soll durch die Obduktion der Leiche festgestellt werden, ob der Beamte durch einen Pflastersteinwurf oder durch einen Hieb mit einem den Schutzleuten entrissenen Säbel zu Schaden gekommen ist. UcbrigenS ist diese Verletzung: eine Zerschlagung des Ellbogens, nicht derart gewesen, daß sie nach ihrer Natur den Tod hätte herbeiführen müssen. Nach mehr als fünfwöchigem Krankenlager wurde dem Kranken der Zlrm amputiert, und in der Nacht darauf starb er. Vielleicht erfährt man noch näheres darüber, ob der Beamte sonst noch krank ge- Wesen ist und dadurch der Tod herbeigeführt wurde. Der von der Kölner Behörde herausgegebene Polizcibericht Ve- hauptet, der gestorbene Beamte sei zu Tode gekommen, als er„zum Schutze von Arbeitswilligen einschritt". So greift man der kommenden Gerichtsverhandlung vor. Bon den ausständigen Bau- Hilfsarbeitern wird auf daS bestimmteste erklärt, daß sie an den Vorgängen vom 3. Oktober gar nicht beteiligt gewesen seien. Die Menschenansammlungen an der bestreikten Arbeitsstelle in Deutz seien verursacht durch das provokatorische Benehmen der Arbeits- willigen und durch das ebenso überflüssige wie große Polizeiauf- gebot; nicht Streikende, sondern Neugierige seien die Beteiligten. In der Tat sind die von der Polizei mißhandelten Leute fast aus- schließlich Nicht streike udc, von der Arbeit in benachbarten Fabriken heimkehrende Arbeiter oder Angestellte. Die Beamten haben auf völlig unbeteiligte, ahnungslose Leute eingeschlagen, die zum Schutz die Hände cmporhielten, in einem Fall auf jemanden, der hilflos am Boden lag. Jedenfalls muß jede Beschuldigung der Streikenden nach wie vor als unbegründet zurückgewiesen werden. Der„Landfricdcnsbruch"-Prozcß, der wegen der Dcutzer Vor- gänge stattfinden soll,, ist auf Veranlassung deS Ministers deS Innern durch die Kölner Polizei herbeigeführt worden. Es finoen fortwährend Vernehmungen statt, und cS sind in den letzten Tagen mehrere Verhaftungen erfolgt. Natioualliberal-fortschrittliches Wahlbündnis in Württemberg. Zwischen den Nationalliberalen und den in der Fortschrittlichen Volkspartei ausgegangenen Demokraten Württembergs ist es für die näckiste ReichStagSwahl zu einem festen Wahlbündnis ge- komme», vor einigen Wochen noch habe» die Nationatliberalen ihre Zustimmung zu einem Wahlbündnis davon abhängig gemacht, daß der Abg. Haußman» i» der Agitation einen andere» To» gegen sie anschlage. Dieser Wunsch scheint nun erfüllt worden zu sein, denn die beiden Parteien haben die 17 württembergischen Mandate brüderlich unter sich verteilt. Die Fortschrittliche BolkSpnrtei stellt in 10, die nationalliberale Partei in 7 Wahlkreisen einen Kandidaten auf. Gegenivärtig sind von den 17 würtlembergischen ReichstagS- wahlkrenen 8 im Besitz der Fortschrittlichen Volkspartci, einer im Besitz der Naiionalliberalen, 4 werden vom Zentrum. 3 vom Bund der Landwirte und 2 von den Sozialdemokraten vertreten. Die österreichische Regierung gegen die deutschen Schiffahrtsabgabcn. In der österreichischen Delegation verwies der Minister des Aeußern, Herr v. A e h r e n t h a l, in Beanlworhmg einer Interpellation über die Stellung der Regierung zur Frage der durch den deutschen Gesetzentwurf bedrohten Abgabe nsreiheit der Elbeschiffa hrt darauf, daß diese Abgabenfreiheit durch i n t e r- nationale Verträge garantiert sei. Die österreichische Regierung habe an anderer Stelle ihrer Anschauung über die A u f r e ch t e r h a l t u n g der Abgabcnfreiheit Ausdruck verliehen, und er könne sich diesen Aeußerungen nur anschließen. Der auf Betreibe» der Junker, die die billigen Getreidefrachten auf den Wasserstraßen verteuern wollen, eingebrachte Gesetzentwurf über die Schiffahrtsabgaben ist in der Tat nicht nur volkswirtschaftlich schädlich, sondern steht auch zu den inter- nationalen Rechtsverpflichtungcn im schärfsten Widerspruch. Nattonalkiberaler WahlterroriSmuS. In N e u n k i r ch e n, im„Königreich Stumm", haben für die am vergangenen Donnerstag begonnenen Gemeindcwahlen � die Nationalliberalen mit den Stuinmschen Werken und den fiskalischen Betrieben ein Wählabkommen getroffen. Die Gegenkandidaten ge- hören dem Zentrum an. Wie dem„Berliner Tageblatt" berichtet wird, bat nun die Firma Gebrüder Stumm am 14. November beim Schichtwechsel durch ihre Beamten an alle Wähler der dritten Klasse unter ihren Arbeitern folgende Aufforderung in geschlossenem, per« sönlich adressierten Kuvert zustellen lassen: .Gcmeindcratswahlen 1910. An Herrn........ Hier Wir erwarten von Ihnen, daß Sie zur Wahl erscheinen und den von uns mit ander» Körperschaften vereinbarten Kandidaten der anliegenden Liste Ihre Stimme geben. In der Wählerliste der... Klasse sind Sie mit Nr.<.. ein- getragen. Neunkirchen, den 13. November 1910. Gebrüder Stumm, Gesellschaft mit beschränkter Haftung." Zu den Inhabern dieser Firma gehört auch der Reichstags- abgeordnete Generalleutnant d. Schubert, der der national- liberalen Fraktion als Hospitant angehört. Noch eine Berichtigung der Essener Eiscnbahndirektion. ES wird unS geschrieben: Königliche Eisenbahndircktion. Essen, den 13. November 1910. Bezugnehmeild auf Ihre miS erst jetzt zur Kenntnis gelangte Notiz in Nr. 242 Ihrer Zeitung vom 15. Oktober d. I.„Zur Berichtigung der Eiscnbahndirektion Essen" ersuchen wir gemäß Sil deS ReichspreßgcsetzeS vom 7. Mai 1874 um Aufnahme nach- stehender Berichtigung: 1. ES ist, wie wir bereits in unserer Berichtigung vom 11. Oktober 1910(Nr. 240 Ihrer Zeitung) hervorgehoben haben. unzutreffend. daß die Eilenbahudircltion Essen wegen einer Gebührenzahlung von einem Bochumer Rechtsanwalt wiederholt gemahnt morden ist. 2. Ebensowenig trifft eS zu, daß eine Zwangsvollstreckung durch das Amtsgericht Essen vorgenommen worden ist. Die Zahlung der den, RechtSanivalt zustehenden Gebühren ist vielmehr erfolgt, ohne daß irgendwelche Mahnung erfolgt ist. Ein Antrag deS Rechtsanwalts auf Zwangsvollstreckung beim Amtsgericht Essen, von den, wir erst nach erfolgter Zahlung Kenntnis erhalten haben, ist durch rechtskräftigen Beschluß deS- selben Gerichts vom 18. Oktober 1910 kostenpflichtig ab- gelehntwordeu. i 3. ES sind mithin keinerlei Kosten entstanden, zu deren Zahlung wir verpflichtet gewesen wären. Dr. F i e b a ch. Unser Korrespondent wird sich zu dieser verspäteten Berichtigung äußern.__ frankreick. Lriand als Diktator. Paris, 18. November. Der frühere Marilieminister Pelketan beschuldigt im heutigen.Matin" den Kabinettchef Briand, unlängst 22 P r ä f e k t e l, nach Paris berufen zu haben, um sie aufzufordern, ihre Haltung seiner persönlichen Politik anzupassen. ES soll sich darum handeln, alle Abgeordnete zu boykottieren, welche gegen daS neue Kabinett gestimmt haben. Die Zahl der zu boykottierenden Abgeordneten soll 183 betragen. Velglen. Die Adreffdebatte und die Opposition. Brüssek, 17. November.(Eig. 0er.) Der SenatSadresie der Majorität—-«13 Antwort auf die Thronrede— haben die Vertreter der Opposition eins die Thronrede kritisierende ErgZnzunß M» geschlossen. Für die sozialistische Gruppe hat Genosse Lafontaine den Bericht redigiert, der. ebenso wie der liberale Bericht- erstatter Goblet, daS gründliche Ausschweigen der Thronrede über die wichtigste», vom Volk geheischten Reformen feststellt. Abgesehen davon, daß sie die wichtigste polltische Reform: die deS Wahlrechts unerwähnt läßt, geht sie auch über die notwendigsten sozialen Re- formen: die Abschaffung des§ 310 des Strafgesetzes, die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit, die Fixierung von Minimallöhnen hinweg Die Sozialisten können sich auch nicht den LobeSwonen der Adresse anschließen, in einem Augenblick, wo daS Volk unter den schiversten finanziellen Lasten zusammenbricht, der wichtigsten Mitte! für sein moralisches und materielles Dasein entbehrt. Nächste Woche beginnt im Abgeordnetenhause die Debatte über die Adresse-» die deS Senats wurde heute eröffnet. Für die sozialistische Gruppe wurde vandervelde designiert. Besonders in der Deputiortenkaminer wird cS der Debatte an Schärfe und schroffster Kritik über die Jammerthronrede nicht fehlen. Auch die Partei wird ihr demnächst eine denrliche Antwort geben. Wie der Gencralrat in seiner letzten Sitzung beschlossen, wird in der nächsten Zeit die Propaganda für daS allgemeine Wahlrecht und die Kammerauflösung mit einer Reihe von Meetings im ganzen Land einsetzen. DaS Schweigen der Thronrede wird eine laute und beredte Antlvort finden— daS wird die Regierung alsbald zu sehen bekommen. JVTcxiko. Eiue Verschwörung. Ea» Autsni»(Texas). 18. November. Geheimagenten der Per- einigten Staaten entdeckten eine Verschwörung gegen den Präsidenten und die Regierung von M e x r k o. Die Er- Hebung war für übermorgen geplant. Die Verschwörer verfügen über reiche Mittel, sie kauften in den Vereinigten Staaten Waffen. Ihre WaffeudepolS in Sau Antonio und an anderen Orten stehen unter Ueberivachung und werden mit Beschlag belegt werden, wenn man versuchen sollte, die Waffen über die Grenze zu schaffen. foißland. Ein neuer Anschlag gegen die sozialdemokratische Dumafraktion. Schon vor der Eröffnung der vierten Dumasession suchte die Regierung die Tätigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten mit allen Mitteln zu hindern, indem sie sie hermetisch von den Wählern abschloß, ihre Immunität aus ein Minimum reduzierte, ihre Brief- schaftcn durchschnüsfeln und sie auf die unverschämteste Weise bc- schnüffeln ließ. Nun aber hat Herr S t o l y p i n folgenden lloup verbcrcitet: Drei Jahre nach den Wahlen, bei denen namentlich die sozialdemokratischen Kandidaten auf das sorgfältigste unter die Lupe genommen und auf alle nur erdenkliche Weise des Wahl- rechts beraubt wurden, erklärt er, der sozialdemokratische Abac- ordnete von TifliS, 91. S. Tschcheidse, sei ans Grund falscher Dokumente, an Stelle seines verstorbenen Bruders, in die Duma gewählt worden. Auf Grund dieser Anschuldigung, die den Stempel der Plumpesten Mache auf der Stirn trägt, verlangt der Chef der russischen Regicrungsterroristcn im Namen der Gesetz- lichkeit und der Gerechtigkeit den Ausschluß Tschcheidses aus der Duma. Die sozialdemokratische Fraktion hat bereits durch den Ge- »essen Gegetschkori die Erklärung abgeben lassen, daß die Anschludi�ung Stolypins eine Lüge ist. Sie hat auch genügend Beweise m Händen, um die infame Insinuation Stolypins und seines Dumalakaicn Gutschkow zu widerlegen. Trotzdem ist es keineswegs ausgeschlossen, daß die Regierung und das ihr er- geben« Duputiertenpack den Versuch machen, den Genossen Tschcheidse wenigstens provisorisch aus der Duma zu entfernen. Bei dem fanatischen Haß, den die Regierungsparteien diesem trcsf- lichsten Redner der sozialdemokratischen Fraktion entgegenbringe», ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sie vor keiner Infamie zurück- schrecken werden, um den Willen ihres Herrn und Gebieters Stelypin zu vollstrecken. Es kommt noch hinzu, daß der Duma- Präsident Gutschkow, der nur mit einer geringen Majorität wiedergewählt wurde und darum aus Rache gegen die Opposition den Exzessen der junkerlichen Stallknechte bollkommen freien Laus läßt, bi dem Anschlag gegen die sozialdemokratische Fraktion seine Hand mit im Spiele hat. Genosse Gegetschkori warf ihm nach der Abgabe, der crwäbnten Erklärung die Anschuldigung 7ns Gesicht, daß er„im Solde dunkler Mächte stehe" und führte dadurch eine Situation herbei, die jedenfalls die Klärung be- schleunigen wird._ Hus der partei. Ein sozialdemokratischer Beigeordneter. Bei der am Mittwoch in N e u- I s e n b u r'g in Hessen vor- genommenen Wahl eines Beigeordneten wurde Genosse Benkert mit 651 Stimmen gewählt. Ruf den bisherigen bürgerlichen Bei- geordneten entfielen 520 Stimmen. Ob die hessische Regierung den Willen der Wählerschaft respektieren wird, bleibt abzuwarten. Die OrAnnisationen zum Parteitag. Sachsen-Coburg-Gotha. In einer Versammlnug des sozialdemokratischen LandeSvereinS in Coburg erstaltete der Delegierte. Genosse S t e g n e r den Bericht vom Magdeburger Parteitage. In der Diskussion erklärten sich alle Redner mit den auf dem Parteitage gefaßten Beschlüssen einverstanden. Einstimmig fand eine Resolution Annahme, die den Beschlüssen, besonders in der Budgetfrage, zustimmt und erwartet, daß in Zukunft derartige Verstöße gegen die Partcicinheit unter- bleiben._ polizeiliche», Gerichtliche» ulw. Die sogenannte Pfaffennummer deS„Wahren Jakob" läßt übereifrige Staatsanwälte noch immer nicht zur Ruhe kommen. Jetzt, nach reichlich einem Vierteljahr, versucht man in Mannheim der noch vorhandenen Exemplare habhaft zu werden. Von den Buchhändlern und Kolporteuren wird verlangt, daß sie die Listen ihrer Abonnenten der Staatsanwalt- schaft einreichen. Ein Ansinnen, das natürlich die Befug- nisse der NntersuchungSbehörde überschreitet. Auch in P f o r z- heim hat eine Haussuchung in den Geschäftsräumen unseres dor- tigen Parteiorgans stattgefunden, um der viclbegehrten Nummer habhaft zu werden. Das Ergebnis war gleich null. Wegen angeblicher Beleidigung einiger Knapp- schastsbeamten wurde Genosse S t e i n k a in p vom„Bochumer Lolksblatt" zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. Der Vorsitzende lehnte den Antrag des klägeriicken Rechtsanwalts, die Bor- strafen zu verlesen, mit der Begründung ab, daß bei dem Stande de» Angeklagten eiue Kollusion mit dem Preßgesctz sehr natürlich sei. Die Essener Polizeiveamten sollen die der polnisch-sozia» listiichen Partei angehörenden Genossen Wojciecworsti- Dortiiiund und Z a l i c z« Essen beleidigt haben. Die Beleidigung wurde gefunden in einem polnischen Flugblatt über den prcußiichen WahlrechtSkampf. Genosse W. wurde als Verleger von der Slraf- kammcr in Essen wegen der vermeintliche» Beleidigung zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Genosse Z. dagegen frei- gesprochen, weil ihm keine Verbreitinig des Blattes nach- gewiesen werden konnte. Der Staatsanwalt hatte gegen Wojciec- worsli sechs Monate und gegen Zalicz zwei Wochen Gefängnis beantragt. 0ewcrkrcbaftUcbee. Cm protcft der BerUncr Gasarbeiter. In den Kreisen der Berliner Gasarbeiter gärt eS gewaltig. Ueberall herrscht Empörung über die Art, wie die Gaswerks-Depu- tation die Forderungen der Arbeiter behandelt hat. Noch niemals kamen die Gasarbeiter in solchen Massen zusammen, wie am Donnerstagabend in Freyers Festsälen in der Koppenstrahe. Der Saal und die Galerien konnten die Andrängenden nicht fassen: alle Tische wurden entsernt und Kopf an Kopf, unter grosser Stille im Saal, lauschten die Versammelten dem Vortrage von Emil W u tz k y, der an der Gaswerksdeputation und ihrem ablehnenden Verhalten den berechtigten Forderungen der Arbeiter gegenüber eine ruhige und sachliche, aber einschneidende Kritik übte. Will die Gaswerksdcputation den Krieg? so fragen jetzt die Gasarbeiter, die so lange geduldig und bescheiden gewartet haben, dass man sich an den massgebenden Stellen ihrer Wünsche erinnere und end- lich ein Entgegenkommen zeige. Man lässt die Arbeitcrvcrtreter nicht zu Worte kommen; man setzt nicht einmal die verlangte Unterkommission zur Prüfung der Arbeiterfordcrungen ein. Man ist sogar soweit gegangen, dass man den Arbeitern statt der er wartete». Verbesserungen noch Verschlechterungen anbietet, indem man zuin Beispiel den Krankengeldzuschuh bei den Gasarbeitern davon abhängig inachen will, dass ein Vierteljahr Dienstzeit ver gangen sein muh, ehe er gewährt»vird. Die Gasarbeiter sind schlechter gestellt als die Arbeiter in manchen anderen städtischen Betrieben. Die Gasarbeiter verdienen in der Mehrzahl 25 bis 26 M. pro Woche, das ist ein Jahreseinkommen von 1366 bis 1356 Mark, während bei der Strassenreinigung 1423,56 bis 1697,25 M Jahreseinkommen erzielt wird, freilich wenig genug, aber doch über die Hungcrlöhne der Gasarbeiter hinaus. Und die Leistungen stehen im allgemeinen auf gleicher Stufe.— In den Vororten er- halten die GaSarbeiter mehr als gerade in Berlin. Sogar in Rixdorf werden 4,25 bis 4,75 M. pro Tag bezahlt, wo in Berlin 4,65 bis 4,23 M. bezahlt werden. Und was die Arbeiter von den Rcdnsarten über die„dauernde Stellung" zu halten haben, wissen sie ganz genau. Oft genug hat derjenige, der einmal krank wurde, gleich seine Entlassung bekommen. Die Stadt Berlin erkennt die Tarife, nach denen die Privatindustrie die Arbeiter entlohnt, nicht an und bezahlt oft viel schlechtere Preise. Und in jeder Be- ziehung ist die Entlohnung erbärmlich; man zieht die Feiertage ab, und zu einem Ausschlag für Ueberstunden hat man sich jetzt erst entschlossen. Die Gasarbeiter machen sehr viel Ueberstunden und erzielen erst dadurch manchmal einen annehmbaren Wochcnver- dienst. W u tz k y wies besonders darauf hin. um etwaigen trüge- rischen Aufstellungen über die Höhe der Löhne der Gasarbeiter zu begegnen. Er hatte eine Reihe Lohnzettel zur Hand und zeigte an mehreren Beispielen, wie„hohe Löhne" erreicht werden. Da hatte ein Arbeiter 63 Stunden gearbeitet und— nach Abzug der Krankenkassenbeiträge usw.— 28,79 M. als Lohn erhalten, ein anderer bekam für 96 Stunden als Wochenlohn 43,64 M., ein dritter hatte gar 166 Stunden in einer Woche gearbeitet und er- hielt 46,18 M. Die Unzufriedenheit unter den Gasarbeitern ist immer größer geworden; sie verlangen mit Entschiedenheit eine Berücksichtigung ihrer Forderungen, die, kurz zusammengefaßt, folgendermaßen lauten: Regelung resp. Erhöhung der Löhne auf der Basis des Wochen lohncs für 6 Arbeitstage gleich 54 Stunden bezw. 6 Arbeitsschichtcn gleich 43 Stunden. Durchgehende Festlegung fünfjähriger Lohnskalen mit alljährlichen Steigerungen(nach einer bestimmten Tabelle). Für Ueberstundenarbeit in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends 56 Proz.» für nicht arbeitsplanmäßigc Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit(9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens) 166 Proz. Zuschlag.(Für die regelmäßige Nachtarbeit im Dreischichtsystem kommt der Zuschlag nicht in Betracht.) Aenderung des Sommerurlaubs dahin, dass nach einjähriger Dienst- zeit eine Woche» nach fünfjähriger Dienstzeit zwei Wochen Urlaub gewährt werden. Aenderung der Bestimmungen über die Einrich- tung von Arbeiterausschüsscn. Die Vertrauensmänner haben sich mit der gegenwärtigen Lage der Dinge eingehend beschäftigt und in einer geheimen Ab- stimmung mit 122 gegen eine Stimme beschlossen, der Versamm- hing zu empfehlen, eine Lohnkommission einzusetzen, die mit der größten Energie und unverzüglich an die Arbeit geht, um cnt- sprechenden Schritte in dieser Richtung vorzunehmen und der Ge- samtarbeiterschaft der städtischen Gaswerke eventuelle Vorschläge zu machen. Die Empfehlung wurde in die folgende Resolution, in der die Stimmung und Ansicht der Versammlung klar zum Ausdruck kommt, mit einbezogen. Die Resolution lautet: „Die ain 17. November 1916 im Kellerschen Saale, Koppen- flraße 29, tagende und von über 3666 Personen besuchte Protest. Versammlung der Handwerker und Arbeiter in den städtischen Gaswerken Berlins ist tief entrüstet über die wiederholte brüske Ablehnung der von den Arbeiterausschüssen eingereichten Forde- rungen seitens der Gaswerksdeputation. Die Versammelten stellen fest: 1. daß die Löhne der breiten Masse der Berliner GaSarbeiter seit 1965 keine Aufbesserung erfahren haben, obwohl in- zwischen die Existenzbedingungen durch die immer schlimmer werdende Teuerung unhaltbar geworden sind; 2. daß der übergroße Teil der Gasarbeiter gegenüber den Ar- beitern anderer städtischer Betriebe erheblich schlechter ent- lohnt wird und trotzdem bei den diesjährigen Lohnauf- besserungen wiederum übergangen worden ist; 3. daß trotz der gegenteiligen öffentlichen Behauptungen deS Dezernenten der Gaswerke auch diesmal von den in Lohn- fragen allein zuständigen Stellen, der Direktion und Depu- tation, mit den Arbeiterausschüssen nicht verhandelt wurde und letztere bis heute noch nicht einmal eine Antwort von der Deputation haben. Die Versammelten erheben entschieden Protest gegen eine derartige, jedes sozialen Verständnisses bare Behandlung der Arbeiter und ihrer Vertreter in den Arbeiterausschüssen. Die Versammelten beschließen einmütig, mit allen zu Ge- böte stehenden Mitteln die Durchsetzung ihrer bescheidenen Forde- rungen zu betreiben, und beauftragen die Obleute der Arbeiter- ausschüsse, unverzüglich an den zuständigen Stellen vorstellig zu werden und in kürzester Zeit das Resultat der Verhandlungen einer neuen Versammlung zu unterbreiten. � Ueberzeugt, daß die Durchführung des Kampfes nur durch solidarisches und geschlossenes Handeln der Gasarbeiter möglich ist, machen die Versammelten es den noch fernstehenden Kol- legen zur Pflicht, ungesäumt der gewerkschaftlichen Organi- sation sich anzuschließen." Einstimmig wurde die Resolution nach einer kurzen Diskussion angenommen und als Lohnkommission die neun Obleute der Ar- beiterauSschüsse gewählt. Ein Antrag, der eine Erklärung der Ver- sammlung herbeiführen wollte, daß die Gasarbeiter auch zu einem Streik bereit seien, wurde zurückgestellt. Noch hofft man. in Frieden alle Differenzen zu schlichten. Berlin und Oingcgend. Achtung, Metallarbeiter! Es ist in den letzten Tagen ver- sucht worden, Arbeitskräfte für Süddeutschland(Pforzheim) an- zuwerben. Wir machen darauf aufmerksam, daß in Pforzheim ein großer Kampf tobt und Zuzug dahin streng zu meiden ist. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Der Streik in den Schraubenfabriken ist, wie er am Donnerstagabend beschlossen wurde, einmütig durch- geführt worden. Gestern vormittag fand die erste Streikver- sammlung statt, ebenso zahlreich besucht wie die am Vorabend des Streiks. Otto Handle berichtete über die Arbeitsniederlegung. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen der Schraubenfabriken haben, mit ganz vereinzelten Ausnahmen, den Streikbeschluß ohne weiteres erfüllt. Die Arbeitgeber waren, wie sie den einzelnen Werkstatt- kommissionen gegenüber zum Ausdruck brachten, grösstenteils überrascht, dass der Kampf so plötzlich entbrannt ist. Einige meinten, das sei nicht richtig, dass man so schnell mit der Arbeits- niederlegung bei der Hand war; hätte man nochmals verhandelt, so wäre wohl noch eine Einigung möglich gewesen. Mit dieser Auf- fassung steht jedoch das Verhalten der Arbeitgeberkmnmission bei den Verbandlungen am Donnerstag in Widerspruch. Wenn den Arbeitgebern jetzt durch die Arbeitsniederlegung grosse Unannehm- lichkeiten erwachsen, so haben sie das denjenigen ihrer Vertreter zuzuschreiben, die einer annehmbaren Einigung unüberwindliche Schwierigkeiten entgegensetzten. Ucbrigens ist die Stellung der Arbeitgeber zu dem Streik sehr verschieden; einige sind zu Ver- Handlungen bereit, während andere den absoluten Herrenstandpunkt herauskehren. Bei einer Firma wurde den Vertretern der Ar- beider gesagt:„Wagen Sic es ja nicht etwa, Arbeitswillige abzu- halten, sonst werde ich sofort zu Herrn von Jagow fahren und es kann so kommen wie in Moabit!" Der betreffend« Herr scheint also Lust zu haben, einen kleinen Stratzenkrawall zu provozieren, wird aber sicherlich keinen Erfolg damit erzielen. Die Streikleitung wie die Streikenden selbst werden sich natürlich nicht das gesetzliche Recht nehmen lassen, etwaige Arbeitswillige über die Tatsache des Streiks und die Pflicht der Solidarität aufzuklären, werden aber ebenso eifrig bestrebt sein, der Polizei auch nicht ein- mal einen Scheingrund zum Einschreiten zu geben. Eine Reihe von Firmen hat nun Verhandlungen nachgesucht, und mit ihnen wird die Streikleitung nalürlick» auch verhandeln, um nach Mög- lichkeit eine Einigung herbeizuführen. Sollten hier und da, wie das ja in der Regel zu geschehen pflegt, einige Arbeitgeber ver- suchen, private Verhandlungen mit ihren Arbeitern anzuknüpfen, so kann dem nicht nachgekomen werden. Die Arbeiter werden nur durch die Organisationsleitung verhandeln. Buchbinder! Streikarbeit von Hannover nach Berlin avisiert. Zigarrenkatalog der Firma Schrader-Vremen, gedruckt von der Firma R. Pctersen-Hannover ist nach Berlin zur Fertigstellung gesandt. Auf diese Arbeit ist zu achten und Vorkommendenfalls sofort dem Bureau zu melden. Die Ortsverwaltung. Lohnbewegung der Kranzbinder. Den Tarif unterschrieben hat noch die Firma Kleiner, Grenadier st rasse. Wir be merken, daß alle abgeschlossenen Tarife auf ein Jahr gelten, also auch für die Zeit bis zum Totenfest 1911. Gesperrt sind noch folgende Firmen: Pethke, Strelitzcr Strasse 2(liefert Markthalle Ackcrstraße), Kolbe, Elisabethkirch- strasse 12, Droczdowski, Rirdorf, Okerstraße. Die letzteren zwei liefern vielfach für Rixdorfer Blumengeschäfte. Kollegen aus den Blumengeschäften, sorgt dafür, daß keine Ware aus den gesperrten Kranzbindereien verarbeitet wird Allgemeiner Deutscher Gärtncrverein, Ortsverwaltung Groß-Berli». OeutTcheo Reich. Zur Berichtigung der Zigarrenfabrik Wilhelm Merten? Cleve schreibt uns unser Korrespondent: Der Syndikus des Arbeitgeber-VerbandeS für das Tabak- gewcrbe, Dr. Scheda, gab am 31. Oktober in der bürgerlichdn Presse bekannt, daß„die auf Beschluß des N u tz l o ch e r Orts- Verbandes der Zigarrenfabrikanten erfolgte Kündigung auf Veranlassung des BezirkSarbeitgeber-Verbandes vorläufig zurück- gezogen»vorden" ist. Als Grund hierfür wurde in derselben Meldung angegeben, es habe sich bei Nachprüfung des Protokolls über die Verhandlungen mit den Arbeiterorganisationen heraus- f:stellt,„daß bei acht Zigarrensorten die Angaben der betreffenden irma über die bisher gezahlten Löhne um 16 bis 56 Pf. pro Mille höher gelautet hätten als die Angaben der Arbeiterorganisationen". Dr. Scheda ging am 36. Oktober in Begleitung der Fabri- kanten Willstäoter und Maier jun. in Nußloch von Fabrik zu Fabrik ,und kündigte mit ganz derselben Begründung die Zu- rückziehung des AuSsperrungSbeschlusseS an. Die gegen Mertens erhobenen Anschuldigungen sind bis heute noch nicht entkräftet. Nicht einmal der Arbeitgeber-Berband hat einen Widerruf seiner ersten Erklärung veröffentlicht; der„vorläufig zurückgezogene" AuSsperrungsbeschlutz wurde nicht wieder erneuert. Mertens mußte sich in Nußloch mit„seinen" Arbeitern ohne das.Hilfsmittel" Aussperrung verständigen, und zwar derart, daß er die Forde- rungen der Tabakarbeiter größtenteils erfüllte. Wie Herr Mertens zu seinen„Fehlern" kam, darum können sich die Arbeiter nicht bekümmern. Tatsache ist, daß die Unter- nehmer sich auf Grund der falschen, von Mertens gelieferten Zahlen zur Fassung des Aussperrungsbeschlusses verleiten ließen. Die Führer des Tabakarbeiterverbandes halten ihre Dar- stellung über die Lohnverhältnisse bei Mertens nach wie vor für die richtige. Der Arbeitgeber-Verband hat bis zur Stunde nicht erklärt, daß Mertens Unrecht geschehen sei. Zugegeben wird von den Arbeitern, daß vielleicht in zwei von den acht strittigen Punkten wirtlich ein Versehen vorliegen kann. Nach Art des Ver- laufs der Verhandlungen ist aber sonst ein Irrtum in dem Sinne, wie eS Mertens darstellt, ausgeschlossen. Der Stickereistreik in Oelsnitz i. B. ist zugunsten der Arbeiter beendet worden. Die Stickereimaschinenbesitzer bewilligten pro 1666 Stich 1 Pf. Lohnzulage, was für die Sticker einer Lohnzulage von 2 M. pro Woche gleichkommt. Die Arbeiterinnen sollen nach Leistung bezahlt werden, doch bewilligten einige Firmen auch wöchentliche Zulagen von 1 M. und 1,56 M. Dieser Erfolg in Oelsnitz wird sicherlich eine gute Wirkung auf die Streikbewe- gung in Plauen ausüben. am I. Januar. Die Werke umfassen rund 26 Prozent der gesamten deutschen Steinkohlcnproduktion und zirka 56 Prozent der Roheisen- erzeugung. Der Anteil an der Rohstahlgewinimng und den Walz- fabrikaten geht noch über 56 Prozent hinaus. Danach kann man sich ein Bild machen von der Bedeutung dieser Werke im deutschen Wirtschaftsleben. Ihre finanziellen Ergebnisse erlauben ein allge- meines Urteil, sie zeugen von einer glänzenden Lage der Kapitalisten. Nachfolgende Zusammenstellung der Ergebnisse aller 17 Gesell- schasren aus dem letzten Geschäftsjahre illustriert das. ES betrug nämlich: 1968 69 1969/16 in Millionen Mark Zunahme in Prozent 12,2 17,6 17.2 ZI.? 1.9 16,6 8.9 7.7 in Hus Induftnc und ftandeL öl2/# Millionen Mark Dividende. Der Spießer, der seine Kenntnis über die sozialen und Wirt» schaftlichen Verhältnisse aus der Unternehmerpresie schöpft, mutz längst davon überzeugt sein, daß die Eisengrotzindustrie am Rande des Zusammenbruches steht. Besonders in der letzten Zeit nehmen ja in den Organen der Unternehmer die Klagen über ruinöse Be- lastung der Industrie durch Steuern und soziale Ausgaben einen sehr breiten Raum ein. Dazu kommen die Lamentationen über hohe Löhne und schlechte Verkaufspreise. Angeblich ist die Kon« tnrrenzsähigkeit der Industrie aufs schwerste bedroht, und zu ihrer Sicherheit soll gar eine Einschränkung des Koalitionsrechtes erforder- lich sein, damit die bösen Gewerkschaften, die gar keine Rücksicht nehmen auf die Sorgen und Qualen der Dividendenichlucker, die Löhne und damit die Gestehnngskosten nicht noch höher treiben können. Bei dieser Forderung merkt man schon, daß das Jammern der Jndustriemagnaten einen Zweck hat. Man will Stimmung machen für die verlangte. Arbeiterknebelung. Und um diese Stimmung zu erzielen. wird die Oeffent- lichkeit in der gröblichsten Weise irregeführt. Den besten Beweis für diese Behauptung liefern die Gcschäftsergebnisse der großen Hüttenwerke. Sie dokumentieren eine glänzende Verzinsung des in der Eifengrotzindustrie angelegten Kapitals und für das letzte Geschäftsjahr eine ganz bedeutende Gewinnsteigerung I Die„Rhein.- Westfäl. Ztg." veröffentlicht eine Zusammenstellung der Ergebnisse von 17 Hüttenwerken, die ungefähr über die Hälfte der inSgesaint in der Hüttenindustrie investierten Kapitalien verfügen. Bei 14 Gesellschaften schließt das Geschäftsjahr mit dem 1. Juli, bei S das Aktienkapital...... 609,8 684,3 der Rohgeivinn....... 125,5 147,5 die Rücklage........ 197,8 231,9 die Dividendenslimme.... 69,5 91,7 die Kohlenfördelung..... 26,6 27,5 die Roheisenerzeugung.... 5,9 6,5 die Rohstahlerzengung.... 5,6 6,1 die Herstellung von Wolzfabrikaten 5,2 5,6 Das sind hochinteressante Zahlen. Zunächst zeigen sie, daß in der Zeit, auS der die herzzerbrechenden Klagen über die ungeheuer- liche Belastung der Industrie stannnen, der Gewinn bedeutend ge- wachsen ist. Die Durchschnittsdividende stieg von 11,4 Proz. auf 13,4 Proz, Die vorletzte Dividende kann sicherlich schon eine ziemlich weitgebende Profitsucht befriedigen, sie reäniertigt keinesfalls das steinerweichende Gejammer über ruinöse Belastung. Aber die Kohlen- barone waren damit �icht zufrieden; die Löhne wurden beschnitten Und so konnte die Dividende noch um 2 Proz, hinaufgesetzt werden. Weiter ergibt sich, daß auch daS Gestöhne über schlechte Preise un- berechtigt war, ist doch der Gewinn viel stärker gestiegen als die Produktion. Die Einheitspreise müssen demnach ebenfalls hinauf- gegangen sein. So zeigt sich im Lichte der GeschäftSergebiiisse, daß die Gesellschaften auf Kosten der Arbeiter die Gewinne gesteigert haben und alle die Klagen über unerslbwingliche Ausgaben unwahr sind. Man will damit die Oeffentlichkeit täuschen über die Habgier und die politische Gefährlichkeit des ScharfmachertumS. Die Kohlengroßhäudler als„Herren im eigenen Hause". Die Rheinische Kohlenhandel- und Reederei- g e s e l l s ch a f t m, b. H. in M ii h l h e i m a.b. Ruhr, das sogenannte Kohlenkonlor arbeitet seit Jahren dahin, den gesamten Kohlenhandel in die Hand zu bekomme»,. Das zeigt ein Berttag, den das Kohlenkonlor mit allen Großhändlern abgeschlossen hat. Im nachfolgenden bringen wir die wichtigsten Bestimmungen; sie lauten: Die sowohl für die vom Kohlenkontor bezogenen, a l S auch für sämtliche andere gefnhrien Brenn- Materialien festgelegten Preise nnd Bedingungen sowie etiva iin Laufe deS Jahres von der Bersammlnng be- schlossencn Aenderungen find von den unterzeichneten Firmen auf daS genaueste innezuhalten. Preisnachlässe, mit AuS- nähme der besonders vereinbarten, sind in keiner Form und in keinem Falle gestattet. Die VertragSteilnehmer über- nehmen diese Verpflichtimg für sich selbst, für ihre Stellvertreter, Angestellte, Agenten, ProvisionSreisende oder Rechtsnachfolger sowie für ihre Unternehmer. Ausnahmen, welche für einzelne Geschäfte auf besonderen Wunsch des KohlenkontorS erfolgen, fallen nicht unter die Bestimmungen des Vertrages. AlS Sicherheit für die gewissenhafte Erfüllung der über- nvmmenen Verpflichtungen stellt jeder der Unterzeichneten eine Kaution von..... Mark in per Sicht zahlbaren Sola- wechseln a 169 M. auf die Finna...... ans. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen die festgesetzten Preise und Bestinimungen seitens einer der unter- zeichneten Firmen verpflichten sich diese, eine Strafe auf sich zu nehmen. Diese kann im Höchstfalle, wenn eS sich um Mengen bis zu zehn Tonnen handelt, mit 29 M., für jede weitere zehn Tonnen mit zwanzig Mark mehr bemessen werden. In Wiederholungsfällen kann die Strafe mit je hundert Mark pro zehn Tonnen festgesetzt werden. Die Kommission bezw. Beruflingskommission entscheidet unter Ausschluss des Rechtsweges hierüber. Bei der Aufklärung von Verstößen feiten? erneS Unter- nehmers ist in gleicher Weise zu verfahren, wie bei den Unter- bietungen seitens eines der Unterzeichneten. Die Kommission hat daS Recht, bei einem Verstoss die Entziehung der Lieferung zu beschließen; sie kann jedoch von diesem Recht abstehen, wenn der Umerabnehiner freiwillig die nach obigen Bestimmungen zu berechnende Konventionalstrafe zahlt. Wird bei einem Unterabnehmer zum wiederholten Male eine Nichteinhaltung der festgelegten Preise nnd Bedingungen kon- statiert, so ist die Kommission verpflichtet, die Liefe- rung zu sperren. Der Vertrag zeigt, wie wenig die Kohlengroßhändler und ihre Unterabnehmer»m Kohleiigcschäft noch zu sagen haben. Sie find nur noch Akkordarbeiter. Und diese Herren, die geschlossene Gesell- schasten zur Ausbeutung der Allgemeinheit bilden, stört kein Staats- anivalt und kein Richter. ES sind ja auch staatSireue Elemente, deren Sinn nur auf Ausbeutung der Konsumenten gerichtet ist. Letzte ffochiichtcn. Ein dreister Mord. Lübeck» 18. November.(W. T. B.) Heute nachmittag drang ein 29jähriger Mensch namens Hartmann in die Wohnung eines in der Jürgenvorstadt wohnenden 73 Jahre alten Fräuleins Jensen, überreichte einen Erpresserbrief und gab, als die Dame seine For- derung ablehnte, einen Schuft auf sie ab. durch den sie auf der Stelle getötet wurde. Der Mörder wurde verhaftet. AuS der französischen Dcputiertcnkammer. Paris, 18. November.0 viele stehen sonst nicht da, es sei merkwürdig, daß sie heute dastehen. Mit einem Male wurde eS lebeudtg. Die Arbeiter stürmten auf die Wagen tos, wurden aber zurückgedrängt, und die Wagen konnten auf den Platz fahren. Es� Kieß, mm dem Wage» sei geschossen und die Arbeiter dadurch aufgeregt wurden. Die Beamten sagten mir, der Kutscher des Wagens sei geworfen worden, nitd darauf habe er geschossen. Schon vorher sab ich auf dem Kuhlenplatz 7 bis L Revolver liegen. Ich fragte, wozu die Waffen bestimmt seien? Mir wurde gesagt, der Verwalter habe die Revolver angeschafft, um die Kutscher damit zu bewaffnen. Nachdem'ch das erfahren halte, verbot ich, daß den Klitschern Revolver mitgegeben werden. Der Revolver, niit den, der Kutscher schoß, war sein Privateigentum. — Die Loweicheu Arbeiter, die den Wagen angegriffen bauen, wurden auf de» Hof gedrängt und das Tor von de» Beamten ge- schloffen. Dann wurden vom Hofe aus ü b e r d i e Mauer Steine nach den Schutzleuten geworfen. Wir öffnele» das Tor und drängten die Lerne von dem Vorhof noch weiter zurück. Dabei halten die Beamten blank gezogen. Die Leute warfen auch bei dieser Gelegenheit Steine auf die Beamte». Ich selbst bin durch einen Stemwurf am Bein verletzt worden. Als die Beamte»„Kebrl"»lachten, wurde» sie von iieucm an- gegriffen. Wie die Maillivürfe kamen die Arbeiter aus den Fabrik- geväuden und loenn wir gegen sie vorgingen, waren sie verschwunden, so daß wir keincii festnehmen konnten. Dies Spiel wiederholte sich mehrmals. Ich überlegte mir, ob es nicht geboien fei, von der Schnß'vaffe Gebrauch zu machen. Da ertönte die Kkims f ciiilletcm. Wilhelm Raabe im eigenen Spiegel. Naabes stilles Leben bietet wenig Bemerkenswertes. Was daraus hervorzuheben wäre, hat er selbst einmal in einein Beitrag für den niedersächsischcn Kalender„Hcidjer" zusammengefaßt. „Ich bin— schrieb er darin— am. 8. September 1831 zu Eschershausen im Herzegtum Braunschweig geboren worden. Mein Vater war der damalige„Aktuar" ani dortigen Amtsgericht. Meine Mutter ist es gewesen, die mir das Lesen aus dem„Robin- son Crusoe" unseres alten Landsmanns aus Deensen, Joachim Heinrich Campe, beigebracht hat. Was ich nachher aus den Volks- und Bürgerschulen, Gymnasien und auf der Universität an Wissen- schaften zuerworben habe, heftet sich alles an den lieben feinen Finger, der mir ums Jahr 1836 herum den Punkt über dem i wies. Im Jahre 1845 starb mein Vater als Justizauitmann zu Stadtoldendorf und zog seine Witwe mit ihren drei Kindern nach Wolfenbüttel, wo ich das Gymnasium bis 1849 besuchte. Wie mich danach unseres Herrgotts Kanzlei, die brave Stadt Magdeburg, davor bewahrte, ein mittelmäßiger Jurist, Schulmeistcr, Arzt oder gar Pastor zu werden, halte ich für eine Fügung, für welche ich nicht dankbar genug sein kann. Ostern 1854 ging ich nach einem Jahr ernstlicher Vorbereituiig nach Berlin, um mir„auf Universitäten" noch etwas mehr Ordnung in der Welt Dinge und Angelegenheiten, soweit sie so ein junger Mensch übersehen kann, zu bringen. Im November des- selben Jahres begann ich dort in der Spreegasse die„Chronik der Sperlingsgasse" zu schreiben und vollendete sie im folgenden Frühling. Ende September 1856 erblickte das Buch durch den Druck das Tageslicht und hilft mir heute noch neben dem „Hun'gerpastor" im Erdcnhaushalt am meisten mit zum Leben. Denn nur für die Schriften meiner ersten Schasfensperiodc, die bis zum letzterwähnten Buche reicht, habe ich Leser gefunden, für den Rest nur Liebhaber. Anno 1862 sah auch ich ein, daß es nicht gut sei, wenn der Mensch allein bleibe, heiratete und zog nach Stuttgart, wo uns zwei Mädchen geboren wurden und ich„Die Leute aus dem Walde",„Den Hungerpastor",„Abu Telsan" und„Der Schüdde- rump" schrieb. Mit Freude, aber auch mit Wehmut, gedenken zwei Greise noch heute an jene junge, gute, sonnige Zeit unter den Reben und den Freunden und Freundinnen des Neckartales I Fabrikpfeife, die Arbeiter verschwanden und alles war ruhig. Wenn es iiickit so gekommen wäre, dann wäre uns nickits anderes übrig geblieben, als mit der Schußwaffe vorzugehen. Das war ein so schwerer Kampf, daß ich die mir zur Verfügung stehenden Maliiischaften nickit für miSreickieiid hielt. Ich erbat und bekam 18 9 Mann Verstärkung, die sich auf dem Kohlenplatz saininelten. Ilm sie unterzubringen, mietete ich in der Gegend eine leerstehende Wohnung. Ehe sie in Gebrauch geuoinmen werde» tounke, bat mich der Wirt, die Bcrabreduug rückgängig zu machen, iveil seine Mieter ihm ge- droht häiien, sie würden ihiii die Knochen entzwei schlagen, wenn er die Schutzleute aiifuehiiie. Andere Uiilerkiiiistsräiime konnte ich nicht bekommen. Dann lieferte u n S d i e Militärbehörde Zelte, in denen die Beaniten auf dem Kohlenplatz unter- gebracht wurden.— Ruch den Vorgängen mit den Löweschen Arbeitern ließ ich die Sickiligeiiiiraße absperren. Abends gegen 7 Uhr sammelte sich vor der SchutzmannSkette an der Beuffel- straße eine Me:ischenii>eiige an, es wurde auf die Schutzleute geichimpft, aber sie blieben ruhig. Ich habe mir die Leute angeiehen, es war kein Janhagel, sondern bessere Arbeiter. Auf die Schutzleute wurde geworfen, dann wurde die Menge zurückgedrängt, wobei die Schutzleute blank gezogen hatten. Zwei Schanklokale, aus denen Steine und Flaichen geworfen wurden, ließ der Polizei- leutnant räumen. Auch aus den Häusern wurde mit Steinen und Sand geworfen. Die Situation wurde immer brenzlicher. Später wurden Laternen ausgelöscht und der Feuermelder unbefugt in Tätigkeit gesetzt. Mir ivurde gemeldet, daß auch Fenster eingeworfen würden. ES herrichte die reine Anarchie. Wenn die Beamten vorgingen, wurden sie mit Schimpflvorten empfangen. Dann bekam ich Nachricht, daß ein Schutzmann, der von der Menge verfolgt wurde, sich in ein Schanklokal an der Ecke der Erasmus straße geflüchtet hatte und das Lokal demoliert, sowie der Wirt verletzt worden sei. Polizeileiltilaiit Götz dal den Beamten später befreit. An diesem Abend sind an der Reformationö- kircl, e sieben Scheiben eingeworfen worden. Auch an der GotzkvwSkysiraße kamen Unruhen vor. Am 27. war es wäbrend d:S TageS ruhig. Um'/«T Uhr abends mußten die Mamischafteil wieder ausrücken. Da wurden sie sogleich von den Leuten beschimpf:. Um 8 Uhr wurde an der RefornmtiouSkirche mir Steinen geworfen und geschmipft. An der gwingli» und Gotzkowskystraße spielten sich ebeiiiolche Vorgänge ab. Kurz nach 8 Uhr wurde das Kommando an der Reformationskirche angegriffen. Jede Ausforderung des Leutnants, auseinander zu gehen, wurde mitSchimpfeii und Steinwürfen beantwortet. Als die Sache iiiiiiier toller ivurde, ließ Lentiiant Sonimer die Menge mit dem Säbel zurücktreiben.— In der Rvstocker Straße wurden die Beamten, die gegen die Menge vorgingen, von allen Seiten beschossen. Die Straße war vollständig dunkel, denn die Laternen waren ausgelöscht Bon allen Seiten knallten Pistolenschüsse. Nun gingen wir in breiter Front in der Rostocker Straße vor. Die Mailiischaiteii bekamen den Befehl, jeden Schuß und jeden Wurf mit der Schußwaffe zu beantworten. Mit Säbeln war nichts zu machen, es lvurde von Ballons geschossen und geworfen. Bor dem 27. ist i» ganzer Froul von uns nicht geschossen worden. Wenn von den Beamten geschossen sei» sollte, dann kami es nur vereinzelt geschehen sein. Das Schießen der Bcamten in der Rostocker Straße hatte den Erfolg, daß sogleich vollständige Ruhe eintrat. Nachdem ich die Bemmen zurückgezogen hatte, flammte mitten in der Rostocker Straße ein Holzstoj; aus, der Brand wurde aber von der Feuerwehr gelöscht.— In der Huttenstraße wurde um 12 Uhr aus einem Hause g e üh o j s e u. Ein Schutzmann betrat den dunklen HauS- flnr. um den. der geschossen halle, scstzuiiehmen. Der Schntzinann wurde mit Schüsseu empfangen. Er schoß darauf wieder. Der Schuymalin nuißte sich zurückziehen, denn ans de» Fenstern der Hofgebände ivurde init allen mögliche» Gegeilständen gemvrfcn. — An anderen Stellen sind Steine und Blumentöpfe aus lken Fenstern geworfen worden. Wenn keine Polizeiwache auf dem Kohleuplatz gewesen wäre, dann wäre der Platz demoliert und in Brand gesteckt worden. Von Personen, die nicht genannt sein wollten, ist mir öfter gesagt worden, wir sollten achtgeben, am Abend werde der Platz in Brand ge st eckt. Da die meiste» Sleinwmfe ouS Schanklokalen erfolgten, so wurden am 23. von 5 Uhr ab die Lokale in der Rostocker und Sickingenstraße sämtlich, in den benachbarten Straßen zum Teil gc- schlössen. Am 28. fanden noch vereinzelte Ansammlungen statt, die zuiückgcdrängt wurden. An verschiedenen Stelle» wurde auch noch vereinzelt auf Beamte geworfen. Gegen 9 Uhr ging es am Kleinen Tiergarten los. Die Leute, welche sich dort angeiammelt hatten, wurden zunächst aufgefordert, auseinandeizugeden, und als das keinen Erfolg batte, wurde» sie mit der Waffe zurückgedrängt. Die Unruhen am Kleinen Tiergarten dauerten bis Vz12 Uhr, dann trat Ruhe ein. Am 29. erhielt ein Teil der Mannschaft Karabiner und scharfe Patronen, doch sollte von diesen Waffen nur auf ausdrücklichen Befehl des betreffenden Offiziers Gebrauch ge- macht werden. Abends hatte sich an der Heilandskirche wieder eine Seit dem 21. Juli 1879 wohne ich nun in Braun schweig, wo mir noch zwei Töchter geboren wurden. Was- ich hier am Orte im Laufe eines Menschcnnlters weiter zusammengeschrieben habe, überlaffe ich auf dem Altersteil Allershausen als Schriftsteller a. D. der Begutachtung der Nachwelt. Möge sie nach Möglichkeit Nutzen daraus ziehen! Drei Dinge sind mir persönlich aus meinem Aufenthalt auf der Erde heute, wenn auch nicht die bemerkenswertesten, so doch merkwürdig. Ich komme noch aus Jien Tagen, wo in meines Vaters Haus an der Weser mit Stein, Stahl und dem„Plünnenkasten" Licht angezündet und Feuer gemacht wurde. Ich habe einen Herrn gekannt, der noch seinen Zopf trug. Ich habe noch einen Mann gesehen, der im siebenjährigen Kriege mit dabeigewesen war." - Theater. Kleine« Theater: Joachim von Brandt, Komödie von Moritz Heimann. Eine psychopathische Studie, die ihren Gegenstand aber bereits in den charakteristischen Szenen des ersten Aktes der Hauptsache nach erschöpst. Das Bild dieses total zerfahrenen, exzentrischen Menschen, der im Alkohol Be- täubung sucht, seine Selbstvcrachtung in wüstem Krakeel austobt, sich aber vor einem festen Wollen bewundernd beugt, wirkt— erst frappicreild— in der breiten Ausmalung nervös ermüdend. Die Gestalt langt nicht zum Träger eines vieraktigen Dramas. Erst der aus dem Rahmen der Charaitcrkomödie herausfallende dritte Auf» zug mit seiner famosen Versipottung preußisch-bureautratischer Schiebungskünste, belebte wiederum das Interesse. Im Weinstübchen des Apotheker» unterhalten sich die Hono- ratioren über die neuesten Streiche des verrückten Brandt. Der ängstliche Bürgermeister meint, daß dieses Junkerexemplar es allzu arg treibe. Die Behörden müßten einmal Ernst machen. Kühnheiten, die er damit bekräftigt, daß er, als der Pistolen ab- knallende Unhold draußen nach ihm verlangt, gehorsamst dieser Order folgt. Der hünenhafte Baumeister ist von anderem Schlage. Als Joachim im Zimmer einen Streit vom Zaune bricht, befördert er den dürren Choleriker die Stiege hinunter.. Doch Brandt kommt wieder. Die Lektion hat ihn etwas ernüchtert, ja er empfindet anscheinend Sympathien für den Sieger. Marktleute» mit denen er Unfug getrieben, bringen ihn von neuem in bramarbasierende Wut, die endlich im Gespräch mit dem Hauslehrer des Apothekers melancholischer Beschämung weicht. Der junge, besonnen-klare Menschenmenge eingefunden, es ivurde Bluthunde gerufen und dann mit dem Säbel in der Hand die Menge von den Beamten zurückgedrängt. Aus den Fensterit wurden einzelne Schüsse abgegeben. Die Täter konnten wir nicht ermitteln. Tciching- und Revolverpatroncii ivurde» aus den Fenstern geworfen. Die Patrone» sollten dadurch jedenfalls zur Orxplosition gebracht und die Schutzleute dadurch verletzt werden. — Weiter sagt der Zeuge, au den folgenden Tagen seien noch ver- einzelte AnSsckireitmigcii vorgekommen, dann sei Ruhe eingetreten. Eine Frage des Vorsitzenden, ob Eistierte von Arbeits- willigen mis.Win Kohleuplatz systematisch verprügelt worden seien, verneint der Zeuge. Ihm sei nichts davon bekannt, er würde es auch nicht geduldet haben. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Woher kommt eö, daß von Anfang an eine solche Erbitterung gegen die Arbeits- willigen und die Schutzleute herrschte?— Zeuge: JedeufallS hat man auf die Arbeitswilligen einen Zwang ausüben wallen, daß sie die Arbeit niederlegen, urch weil wir dazivijcheu kamen und das ver- hinderte», so hat sich der Haß gegen uns gewandt. Ich erkläre mir das so: Wenn man einem Hunde einen Knochen wegnehmen will, dann beißt er. Leider GotieS tritt der Haß gegen die Polizei bei uns stärker auf wie in anderen Staaten. Das liegt zum Teil an der Erzie h u n g. In anderen Staaten wird der Schutzmann den Kinder» als hilfsbereite Perion bezeichnet. Bei uns droht man unartigen Kindern mit dem Schutzmann. Daö muß doch zum Haß gegen die Bcamten bei- trage».— Staatsanwalt: Wie viele Beamte sind bei den lliiruhen verletzt worden?— Zeug«: 89—86, und zwar durch Würfe mit Steinen und Flasche».— Rechtsanwalt Heine: Also durch Schüsse ist kein Beamter verletzt, trotzdem daß ein Hagel von Schllsscii von allen Seiten auf die Polizei abgegeben wurde?— Zeuge: Es war ja dunkel alö geschossen wurde. Da kann man natürlich nicht treffen.— Rechtsanwalt Heine: Sind Gr- schoffc gefunden worden?— Zeuge: Nein. Die Straße war ja so mit Scherben imd KlaSsplittern bedeckt, daß ich keine Berittenen in die Straße schicken konnte. Da hätte man auch keine Geschosse finden können. Rechtsanwalt Heine: Wissen Sie, daß es Radfahrer-Revolver gibt, die nur knalle» und zum Ver» scheuchen von Hunden dienen?— Zeuge: TaS ist mir nicht bekannt.— Rechtsanwalt Heine: Nachdem bei dem Vorfall in der Sickiiigcnstraße der Kohlenwagen aus den Platz gebracbt war. konnte docb die Sache erledigt sein und die Polizei brauchte nicht gegen die Löweschen Arbeiter vorgehen.— Zeuge: Nein, nachdem wir die Arbeiter aus den Hof gedrängt und den Torweg geschlossen hatten, hätte für die Arbeiter die Sache erledigt sein müssen. Dann warfen sie aber über die Mauer.— Rechtsanwalt Heine: Wäre es nicht das Beste gewesen, wenn Sie sich nun mit Jbren Beamten auf die andere Seite der Straße begeben hätten, wo niemand von de» Steinwürfen getroffen werden konnte. Nach Schluß der Mittagspause bätte doch das Werfen von selbst aufgehört.— Zeuge: ES ivurde in großen Bogen bis auf die andere Straßeiiseire geworfen. UevrigenS konnte es unS doch nicht einfallen, uns znrückzilziehei,, iveil da geworfen wurde.— Rechtsanwalt Heine: Das ist eS. was ich wissen ivollte.— Auf eine weitere Frage des RechlSmiwaltS Heine sagt der Zeuge: Trotz der Absperrung der Sickingenstraße sei jeder, welcbcr dort wohnte oder geschäftlich zu tun hatte, durckgelaffeu Warden.— Rechtsanwalt Heine: Es wird b e- wiesen werden, daß das nicht der Fall ist, ja, daß Schutzleute an der Sickingen straße harmlose Passanten, die vom Bahnhof kamen, schlugen, und daß sogar Leute am Billettichalter des Bahn» hofeS geschlagen worden sind. Es tvird bewiesen ivcrden, daß Leute durch die AbjpcrriuigSietle hindurch gelassen, dann aber von anderen Schutzleuten, die in der abgesperrten Straße waren, g e s ch l a g e n wurden.— Zeuge: Von alledem lveiß ich nichts. Wenn es vorgclommen sein sollte, so war cS gegen den Befehl.— R e ch t s a n iv. Heine: Sind an der Heilandskirche und im kleinen Tiergarten Beamte angegriffen worden? Zeuge: Ich selbst habe es nicht gesehen. eS ist mir aber berichtet worden.— Rcchtsanw. Heine: Ist Ihnen bekannt, daß in der Turm- straße Beamte ihr Augenmerk besonders auf die Leute richteten, die aus' der Straßen bahn stiegen und daß solche Leute, auch Damen, von den Bcamten geschlagen ivurden.— Zeuge: Davon weiß ich nichts. Wenn es geschehen loäre, hätte ich doch Meldung davon bekommen.— R e ch t S a n w. H e i n e: O nein, ich glaube nicht, daß ein Schntzinann, der solche Ausschreitungen begeht, es Ihnen melden wird.— Zeuge: Aber es waren doch überall Offiziere, die würden es melden.— RechtSanlv. Heine: Auch das trifft nicht zu. Ich habe Zeugen dafür, daß Straßen» Passanten unter den Augen von P o li z e i o f fi z ic r e n. von Beamten mißhandelt wurden. Halten Sie, Herr Major, eS für anständig, daß Frauen als Hurrn und Saumcnscher bezeichnet wurden?— Zeuge: Nein.— NechtSanw. Heine: Haben Sie gesehen, daß ein Mann, der am Boden lag, mit Säbelhieben und Fußtritten traktiert Mensch, der den wunderlichen Freundschaftswerbungen Brandts eine kühle Zurückhaltung entgegensetzte, erscheint ihm als ein höheres Wesen, aus dessen Kraft er Linderung schöpfen könnte. Dem Augenblicksimpulse blind gehorchend, drängt er ihm seine Hcrzei.sgehe-mniise auf. Er habe mit namenloser Leidenschaft ein Mädchen gcliebl und dennoch in willenloser Schwäche die Schwester geheiratet. Nun sei sie zum ersten Male in sein Haus gekommen. Ihn ängstige der Zauber. Der Jüngling spricht sehr edel von einer idealen Liebe, und Brandt flammt im Moment zu en- thusiastischer Begeisterung auf. Der Hauslehrer verliebt sich gleich- falls in die herbe Schönbeit der Schwägerin. Sie weift das Werben beider Männer ab, und der Junker vollends verzweifelt, überbietet in srlbstinörderischem Zerstörungsdrange all feine früheren Toll- heitcn. Er verhöhnt Polizei und Gerichte und verbarrikadiert sich schließlich auf seinem Gutshof. Die Einsamkeit einer ausgiebigen Gefängnishaft schwebt ihm alS Ziel der Sehnsucht vor. Doch einem Junker lverden solche Wünsche nicht so leicht er- füllt. Eine brillant pointierte Satire, schiebt sich die Unterhandlung des aus Berlin gesandten Rcgicrungsratcs mit dem streberisch gelehrigen kleinen Bürgermeister ein. In einer Viertelstunde sind alle „unliebsamen Mißverständnisse" aufgeklärt, hat sich der»Aufruhr" in einen kleinen Scherz verivandelt.' Der Schluß fällt ab. Brandt, der die Vertuschungsheldcn mit gebührender Verachtung heimschickt, gerät bei der Nachricht, daß seine Frau ihm ein Kind geboren, in eine Art von tzoffnungS- ParoxiSinus. Abel brachte die Mischung alkoholischer Brutalität und ver» stiegener Donquichotterie in der Hauptfigur mit verblüffender naturalistischer Echtheit heraus. Auch die meisten Nebenrolle» waren gut, der überlegen lächelnde Negierungsrat und das devote Bürgermeisterlcin durch die Herren Max L a n d a und Heinrich ausgezeichnet besetzt. Der demonstrative Beifall galt sicher mehr dem Autor als seinem Stück. clt. Notizen. — Thcaterchronik. Im Frkedrich-Wilhelm- städtischen Schauspielhause werden jetzt Abonnements- hefte zum II. Quartal, gültig für sechs verschiedene Stücke an beliebig zu wählenden Wochentagen(in 14tögigem Abstand), aus- gegeben. — E h r l i ch- H a t a 698 wird, wie Professor Ehrlich mit- teilt, Anfang Dezember in den Handel kommen und somit allen Aerzten zur Verfügung stehen. wurde?— Zeuge: Nein.— Rechts anw. Heine: Sie sagten, der Hag gegen die Schutzleute sei eine Folge der Erziehung. Ist Ihnen nicht bekannt, dag in anderen Länder» auch die Schutzleute besser erzogen werden, wie bei uns?— Zeuge: Ich glaube, in der Erziehung der Schutzleute sind uns ander« Länder nicht iiber. Bei imS werden die Beamten zu ruhigem Verhalten und böslichem Verkehr mit dem Publikum erzogen. Wenn mcck eine AnSschmtnng vorkommt, dann sind die Vorgesetzten nicht schuld daran.— Nechtsanw. Heine: Im Berliner Publikum herrscht das Gefühl, das; sich der Schutzmann nicht als Schützer und Freund, sondern als Gegner des Publikums benimmt, namentlich wenn es sich um Arbeiter handelt.—Zeuge: Da machen wir keinen Unterschied. Die Arbeitet sind ja manchmal höflicher wie die Gebildeten.— RechtSanw. Heine: Ja. daS weiß ich. Aber die Schutzleute sind nicht immer höflich. Die Beamten hatten also nicht Befehl, Leute, die wie Arbeiter aus- sehen, zurütkzutoeisen, andere aber dmch die AbsperrnngSliuie zu lassen?— Zeuge: Nein, es wurde in dieser Hinsicht kein Unter- schied gemacht.— Er st er Staatsaniv. Steinbrecht: Warum ist von den Löwrschen Arbeitern keiner verhaftet?— Zeuge: ES war niemand zu kriegen. Sie warfen nach uns aus 50—60 Schritte Entfernung und wenn wir herankamen, verkrümelten sie sich in den Fabrikgebäuden. Vorsitzender: War das Zusnmmciihalten der Leute ein bewichteS und planmähigcS oder hielten sie mir aus Solidarität zusammen?— Zeuge: Das läßt sich schwer sagen. Meistens war es wohl Solidarität. In der Nostocker Slratze aber schien das Vorgehen der Tnmultuanten planmähig zu sein. Ebenso bei Löwe, denn die Leute standen in Reihen auf dem Bürgersteig und in der vordersten Reihe waren Frauen aufgestellt. Die Steine, mit denen bei Löwe geworfen»mrd«, müssen die Leute mitgebracht haben, denn dort konnten sie sie nicht gefunden haben. Es ist uns mitgeteilt worden, dah ein Knabe mit einem Feuerhaken da» Mosaikpflaster des Bürgersteigs aufgerissen habe. ES soll auch ein Radfahrer in den Strahen gesehen worden sein, der an verschiedenen Stellen daS Mosaikpflaster mit einein Spitzhammek aufhackte. Besonders vor den Schanklokalen war das Pflaster aufgerissen. ES wurde aber gleich nachher durch die Bauinspektion wieder hergestellt.— SiechtSanw. Hein«: Wissen Sie. wie die Nachricht, dah die ReformationS« kirche ganz zerstört sei, in die Zeitungen gekommen ist?— Zeuge: Das weist ich nicht. RechtSanw. Cohn: Wenn bei Paraden Absperrungen vor- genommen werden, wird cS an den Anschlagsäulen bekannt gemacht. Warum haben Sie die Absperrungen in Moabit nicht ebenso vekaiint gemacht, damit die Tausende von Passanten, welche dort namentlich gegen Abend verkehren, sich danach richten konnten.— Zeuge: DaS war nicht nötig, die Bensselstrahs war ja für den Verkehr frei, nur die Sickingenstratze war gesperrt.— Rechtsanwalt Rosen» selb: Habe» Sie den Kunbeii ermittelt, der mit einem Feuer- haken das Strastenpflaster aufgerissen haben soll?— Zeuge: Nein, ich bin der Sache nicht nachgegangen. Ich habe ste für eins Kinderei oder für eins T a r t a r e n n a ch r i ch t ge- halten.— R e ch t s a» iv a l t R o s e n f e l d: Ist der Radfahrer mit dem Spitzhawmcr ermittelt?— Zeuget Auch dieser Sache bin ich nicht nachgegangen. Auf weitere Fragen des Rechtsanwalts R o s e n f e l d antwortet der Zeuge: Das Fortschaffen der Revolver, die er beiKnpfer fand, habe er nicht gesehen. Doch sah er einen Mann, der bluiüberströmt am Boden lag, er loisie aber nicht, wie derselbe zu der Verletzung gekommen sei.— Rechtsanwalt Cohn: Erllärt sich der Haß gegen die Schutzlrute vielleicht dadurch, dah sich Polizeibeamte unter falschen Namen alS Mitgsieder soziasdemokratischcr Wahlvercine aufnehme» ließe», um den Verein zu bespitzeln?— Zeuge: Davon weist ich nicht?.— Rechtsanwalt Cohn: Kennen Sie die Ursache der Verletzungen deS Arbeiters Herrmann, der an der Verletzung gestorben ist?— Zeuge: Nein, diese Ermittelungen sind nicht meine Sache.— RechtSanw. Cohn: Der Mann kann doch nur durch einen Ihrer Beamten verletzt sein.— Zeuge: Das ist mir nicht bekannt.— Eine Frage deS Verteidigers nach der Tätigkeit der Kriminalbeamten in Akoabit beantwortet Pvlizcirnajor Klein dahin: Die 180 Kriminalbeamten habe ich nicht verlangt. Sie wurden mir von dem Leiter der vierten Abteilung des Polizeipräsidiums geschickt. Da sie einmal da waren. wurden sie in den Revieren verteilt. Sie unter st an den nicht Mir, sondern dem Kriminalkommissar Kuhn, der auch für ihre Verteilung gesorgt hat. Welchen dienst- lichcn Auftrag die Kriiniualbeamtcn hatten, weist ich nicht. Der zweite Zeuge, Poltzeileutnant Falte, ist von einem benachbarte» Revier zur Unterstützung der Beamten heran- gezogen worden und hat namentlich das Kommando in der Sickinge n st raste gehabt. Er schildert die Vorgänge vom 24. September an übereinstimmend mit den«»gaben des Majors Klein. Ueber die Episode am 26. in der Sickingenstraste, die mit dem von einem Arbeitswilligen abgegebenen Schuh anfing, sagt der Zeuge: Die Menge drängte an mich heran und verlangte, ich folledenMa n ii fest stelle u, der geschossen hat. Ich fragte: Wer hat geschosien? Man sagte mir: Der auf dem Wagen. Da sagte ich: Wenn es einer von denen ist, dann ist er festgestellt, beruhigen Sie sich nur und gehen Sie fort. Man ant- wartete mir mit Johlen. Ich gab Befehl, die Stratze gewalisam zu räumen. Die Menge flüchtete sich auf den Hof der Löweschen Fabrik. Ich wies den Portier an, den Torweg zu schliesten. Er sagte— vielleicht stand er unter dem Druck der Arbeiter— dazu bcdütse er einer Anweisung der Direktion. Die Menge stand hinter dem Torweg und schrie mir zu:„Hinaus, du Bluthund, du hast hier nichts zu suchen." Jetzt verlangte ich energisch von dem Portier, dost er den Torweg schlieste. Er tat es. Run ging der Steinhagel über die Mauer los. Hinter der Mauer standen eine Menge Leute, auch Frauenzimmer. Es ist auch aus dem zweiten Stock der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschast und aus bem HandelSlaboratorium von Löwe geworfen worden. Nach weiteren Schilderungen, die der Zeuge von den Borgängen der folgenben Tage ebenso wie Polizeimnjor Klein machte, fragt Er st er StaatSanlvült Steinbrecht: Was war es für ein Publikum, daS sich an den Unruhen beteiligte?— Zeuge: ES waren Arbeiter. Soviel Janhagel gibt es in ganz Berlin nicht. Eine Frage des Ersten Staatsanwalts nach der Ursache der Wut auf dt«. Schutzleute und Arbeitswilligen beantwortet der Zeuge so: Am 23. stand ein Artikel im„Vorwärts", der dem Sinne nach sagte: Wenn auch die Firma Arbeitswillige fiefunden hat, so werden die Streikenden mit allen ihnen zu Gebote tehenden Mitteln aushalten und dir Genosse» aller Branchen werden gebeten, sie in diesem Streben zu unterstützen. Ich habe— sagt der Zeuge— vor zwei Jahren eine Erfahrung gemacht. Damals fanden aus«»last eines Streiks in der Fabrik von Härtung auch Aniammlungen und Ausschreitungen auf der Straste statt. Dann schrieb der„Vor- wärtS";„Wir hatten eS für selbstverständlich, dah sich kein organi- fterter Genosse an den Ansammlungen beteiligt." Sofort nach dieser Beröffentlichung im„Vorwärts" trat Ruhe ein. Dieselbe Erfahrung habe ich auch jetzt in Moabit gemacht. Am 23. oder 2g. September schrieb der„Vorwärts": Wir bestreiten, dast sich organisierte Gc- nossen an den Ausschreitungen beteiligt haben. ES ist deshalb über- flüssig, eine Warnung an unsere Parteigenossen zu richten.— An demselben Tage wo das im„Vorwärts" stand, waren die Unruhe» zu Ende. Der vom Zeugen zuerst angeführte Artikel, der zum Aushalten im Streik ausfordert, wird verlesen. Er steht im gewerkschaftlichen Teil und ist vom Transportarbeiterverband unterzeichnet. Rechtsanwalt Dr. Heinemann hält dem Zeugen vor. daß darin nur gesagt wird, die Streitenden sollten aushalten, auch wenn sie auf die schwarze Liste kommen, und weiter werden sie auf- gefordert, die Arbeitswilligen fernzuhalten, selbstverständlich nur mit erlaubten Mitteln.— Wie kann dieser Artikel den Hast gegen die Polizei erklären? fragt der Ber- leidiger.— Zeuge: Den Unterschied zwischen legalen und unerlaubten Mitteln kennen die Arbeiter nicht.— Der Zeuge sprach es nicht klar aus. aber es scheint seine An- ficht zu sein, dast die Aufforderung, die Streikenden in ihrem Bestreben zu schützen, von den Arbeitern so aufgefastt worden sei, als sollten sie auch mit Gewalt gegen die Arbeitswilligen und die sie beschützende Polizei vorgehen. Auf eine Frage des Ersten Staatsanwalts sagt der Zeuge: Der Ruf„Bluthunde" sei gelvisiermasten die Parole zum Vorgehen gegen die Beamten gewesen. Sobald dieser Ruf ertonte, hüllen sich die Masten gesammelt. Das Wort„Bluthunde" deute auf sozialdemokratische Beziehungen, denn eZ werde seit den ersten sozialdcmokrotischrii WahlrechtödeMoiistrationen im Januar 1S08 von den Massen gebraucht.— RechtSanw. Rosen selb: Der Zeuge sagt, er habe bei den WahlrechtSdemonstrattonen 1903 an der Moltkebrncke das Wort„Bluthunde" zum erstenmal von den Masten gebärt. Damals befand sich in der Menge ein Mann, der die Leute aufforderte, einen Postwagen ins Wasser zu werfen. Es ist fest- gestellt worden, dast dieser Mann ein Lockipitzel war. RechtSanw. Dr. Cohn: Weih der Zeuge nicht, dah zwei preustische Regimenter, die Achter in Frankfurt und die Franzer Ivegen ihres Vorgehens'in den Märztagen 1348 bis in die neueste Zeit hinein von den Berlinern als Bluthimde bezeichnet wurden?— Vorsitzender: Nun gehen wir bei den Erörterungen über Moabit schon bis 1848 zurück.— RechtSanw. Cohn: Wir werden vielleicht noch weiter zurückgehen und sprachwistenschaftlichs Studien treiben müssen, uin den Ursprung des Wortes„Bluthunde" aufzuklären, welches von der Staatsanwaltschaft als ein Er- zeugnis der sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonstrationen hingestellt wird.") Damit war die Vernehmung des zweiten Zeugen beendet, dir Sitzung wurde aus heute 9l/3 Uhr vertagt. ") An m. Wenn die StaatSaitwaltschast den Ursprung deS Wortes .Bluthmid' auf die sozialdemokratischen Wahlrechtsdemonstrationen zurückführt, so bringt sie die WahlrechtSdemonstrattonen in einen eigenartigen gusainmenbang mit der— Bibel. Die Luthe rsche Vibelübersetzmig hat den Ausdruck Bluthund zuerst angewendet. So flucht 2. Samuel 16, VerS 7: Simlet dem König David:„Heraus, heraus Du Bluthund» Du heilloser Mann" und ruft tm nächsten Vers ihm zu:„Run bat der Herr daS Reich gegeben in die Hand Deines Sohnes Absalon, und stehe, nun steckest Du in Deinem Unglück. denn Du bist ein Bluthund." In Jesus Sirach. Kap. 84, Vers 27 ferner lägt Luther sagen:»Wer dem Arbeiter setnen Lohn nicht gibt, der ist ein Bluthund." Bluthmid ist der Luthersche Aus- -druck für das wörtlich mit Blutmensch zu übersetzende Bibelwort im 2. Buch Saimielts. Die Stelle aus Jesus Strach lautet in wört- licher(nicht Lutherischer) Uebersetznng:„Blut vergiestt, wer den Lohnarbeiter um den Lohn bringt". In den Berliner Volksschulen lernen die Kinder aus dieser Luthersche» Ucbcrsetzung in der Re- UgionSstulidt. Der Staatsanwalt schiebt alio mit Unrecht der Wahl- rcchtSdemonstratton oder der Sozialdemokratie in die Schuhe, waö Luther und der ReligionSstunde zukommt. Theater und Vergnügungen! DÖD OOD So«»abend, 19. November. Ansang Uhr. KSftiftl. Opernhaus. Fidelis. Neue« konigl. OPern-Theater. Geschlossen. König!. Schauspielhaus. Wallen- stein» Lager. Die Plccolomlni. Deutsches. Faust. Anfang 8 Uhr. Kammcrspiele. Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Wille». Lessin«. Wen» der jung« Wein blüht. Neues SchausvielbauS. 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Abends 8 Uhr: _ Dop|>eIiiicas«b._ Desidenz-Tiieater, Dtrckttoii: Richard Alexqnder. Sonntag, den 26. November, 8 Uhr: Die kameliendame. Schausp. in 5 Alt. v.A.DumaS Sohn. Montag, den LI. November, 8 Uhr: Noblesse ohlige. Dienstag und solgende Tage: Der Unterpriisekt. kerliner Volksoper Belle-Alllancestr. 7/8. •1.9 Uhr: IfigoiettO. ' �©lilller- Schiller-Theater 0.(Waiincr-Tdeal). Sonnabend, abends 8 Uhr: vie Veit, In»er man eich langweilt. Luslsvlcl in 8 Ausz. v. Ed. Pailleron. Deutsch v. A. Tüchten u. F. Wittmann. Ende Up/, Uhr. Sinntag, abenbS 8 Uhr: Sodoms Ende. Montag. abendSSUhr: Die Eiebe wacht. tlrania. Wissenschaftliches Theater TaubenatraDe 48/49. Nachmittags 4 Uhr: In den Oolomiten. Abends 8 Uhr: Der Tlerwaldattttter See und der Gotthard. Hörsaal 8 Uhr; Prof. Hr. Donath; Die elektrischen KrafUentralew vml das Leitungsnetz Theater. Schiller-Theater ClmHottenburg. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel In 5 Auszügen von Friedrich Schiller. Sude S Uhr. 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November: Die Kandtlllttlht. Schausp. In 4 Ausz. v. E. v. Wildcniruch ßufscneroffrt. 6'/a Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Nach der Vorstellung: � Tanz. das kanadlsehe Wunder! um 5.30 o. 9.30 abends. Die Bahn Ist geSlfnet 11—1 Vm..| | 3.30—12 Nm.(Konzerl 8.30— 12) Walhalla-Theater WelnbergSiveg 10/20.(Rosenth. Tor.) Bravo!— Da capo! Sonntag, 20. Novbr.(Totensonntag), abends S'l, Uhr: Precios». Totensonntag: Monsieur Alphsnse. n nur 64 Badstr. 64 Köniptadt-Kasino. Holzmarkttlr. 72, Ecke Alc�anderstrahe. DaS erfolgrrichc November- Programm mit W>aii:e Soban.kl. Ne»! Molly Verch, Frenz Rudolli, father and Sou, Little Fi» usw. Rtesen-Sriolg: Ein alter Flickschuster. »olksstück m. Ges. i. 1 Akt v. O. Richter. Alexanderpl. I U. d. Lind. 21 j Wedding Moritzplatz Hasenheido Union-Theater Heute in edlen 6 Theatern Beginn j der neuen Spielpläne. Unter anderem to b Mnieri Die i Erdgasquelle in Hambürg, V olks- Thealer Rixdorf. Hermonnstr. ftO, Sonntag, den 20. November 1910: Am Altar. Schauspiet tn 0 Akten von Werel. Montag, den 2t. November 1910 t Die Rächerin ihrer Ehre. Schauspiel w 4 Akten o. Sä. Schmidt- Hätzler und M. Kaufmann. Ansang Sonntag 7, Montag 8'/, Uhr. r»Mi. Hochbahnstation Kettbuser Tor. «'/. Uhr: Die herTorragendon Spezialiläten. Ich die Kerls!! Berliner Posse, Mustt v. Etnidshoser. ToiKt-Theeter Gesundbrunnen, Badstratze 68. Sonntag, den 20. November, nach«, t Keine Vorntelinng. Abends 8 Uhr: Der Gewissensivnrm. Bauernkomödie mit Gesang in 3 Akten von L. Stnzengruver. Die Theaterkasse ist von 10 Uhr vormittags ab geöffnet. Theater„Groß-Kerlill". Sonntag, den 20. Nov.(Totensonntag Gastlpicl in Nieder-Gchönhause« Vm'Ztheetei'- Festsäle und Klnemalograph Daun. Grotcrjan, Jnbab.: Rud. Marz, Schöi.liaufer Aller 129. Tel. 3. 9353. liebende PhotoKraphlc». Eintritt SO u. 40 Ps.. Kinder di-tzalste. Ans. 7 ll.. Sonnt. 4 U. Vorzug, harte», nur mochent. gilltlg, 23 Ps. aus allen Plätzen. Stets wcchs. Programm. Sonntag, den 20. Nov.(Totensonntag): istspiel in Nieder-Schoiihaasen, TunjchS Sanssouci: l/,8 Uhr: Schlimme Saat. Soziales Schaulpiel in 4 Alten. Ab 0 Uhr: HVethotiUert. Dienstag Weitzenjee: Daria Stuart. Sar m den }nl)«lt»er 3iticratc IM»«■■ avernimm» die Rrdatttoa de« Publik«« gegenüber keinerlei Beraatmortung. _________ ' Castans Panopium Fri�ä�±.t;ä5' Größtes Schau-Etablissement Berlins. Großes Künstler-Konzert , und Spezialitäten- Vorstclinn�. _ TSglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. 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M. 9,— „ Kinder bis 14 Jahren„ 6,50 ► Vereine erhalten bei größerer Abnahme Ermäßigung. dl« 1. De«. Tel 6» 19873. Sportplatz Botanischer Garten. Gustav Meyer. 1 Mozartsaal- Lichtspiele. Tolstoi =—- auf Sasnaja Poljaoa.— Antheuttsclie Anfnalime aus dem Archiv der Lichtspiele. WiittafMer WadMo des VI, Berlir flelttpmses Sonnabend, den 19. November 1910 im Lokale der Brauerei Könlgstadt, Schönhauser Allee 10: o Lilieneron-Äbend o unter gütiger Mitwirkung des Schauspielers Herrn Robert Koppel. Tanz für Herren SO Pf. Einlaßkarte 50 Pf.— Anfang 8 Uhr. XllXIIIXIXIiZilllllXXIXIIilXIIXIIIIIi Iis Sonntag, den 27. November 1910, im Getverkachaltshanse, Engelufer 15: VoHtstüntlicher Knnstabend veranstaltet von Margarete Walkotte. Mitwirkende: Frau Ackertnann-Manecke, Konzertsäng., Walter Riley, Violine, Ernst Himmel, Harmonium, Margarete Walkotte. Karten Im Torverkant a 50 Pf. bei Herrn Paul H o r s c h, Engelufer 15. Abendkasse 60 Pf. == Beginn 7l;a Uhr.= 1879b XXIIXIIIXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXI 1 CLOU Mauerstr. 82— Zimmerstr. 90/91 Berliner Eonzerthaos L. Ii Winiiii �rTli�m 1ir—— Täglich 8(Ihr:—— Gastspiel des Mailänder Scala« Orchesters 60 KUnstler. Dirig.: Egisto Tango. 10 Solisten. I An allen Wochentagen nachm.: Großes Promenade n-Frei-ltonzert, Karl Häverland- Ansang Titaatnn Jtommantmrtten* prdj. 71/j U. IIlCOlSI. strafe« 77/79. Ein wunderbares November Programm. Lsndign�s Lketsch Italienische Nacht Karl Groth m. neuen Schlagern. Caprice. bß SllSt: Folies ttfccnbß Der FtlduikbklhSgel Ein?ltt in Echiiurren den Hengstler und«Oda Soda. Konter Teil. Hotel sur Jon gf ran. Touriilenposse von Sacht. Gonnabend, den 19. November, abends 7>/, Uhr: Brand Solree high Life. Austreten b. Dir, tilb. Schumann. ARii'«» Goten» perstich« Truppe. 12 Personen. «pachen zu Pferde, aer. von Frl. Dora Schumann unv Herrn Karl Hefe. 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Tilsiter Käse vou-e«.......... Pfund pt Brie-Käse...................... Pfund 45?-. Camembert..................... Btack 19? Neuchateller................. etaok 19 CiänsQ........... p« 60, 63, 63» (gestreift) Stck. 1.05, ��.75, �{.30 Kasseler Rippespeer eU7S Pf. Kochäpfel.................. Sp-und 35?-. Essäpfel....................... p-und 10?-. Aepfel(Amerikaner)............. Pfund 19?- Almerla-Weintrauben.... p-und 30?-. Traubenrosinen.............. p-und 68?-. Schalmandeln................ Pfand 85?- Zitronen..................... vat-end 15?- Apfelsinen.................. Dutzend 75 Pf. Bouillon Würfel(Krone)..... 6 St. 25?-. Bouiiion Würfel(Hanamarke) 4 St. 10?- Erbsen(Victoria)................. p-und 17 p-. Erbsen(uein»)................... p-und 15?/. Erbsen(geechilt)................. Pfund 23 Pf Linsen............ p-und 11, 14, 17?- Bohnen.................. p-und 17, 22?-. Reis............... pfnnd 16, 19, 23- Brech- o. Schnittbohnen',.Dose2J?-. Kohlrabi.......................>/, Dose 23?- Gemischtes Gemüse.....-/,Dcse45„. Suppenschoten......... Dose 33?- Stangenspargel..........>/. Dol.lO- Bruchspargel ohne kop-,. vo-e 65?- Bruchspargel mit Ko?-...-,,Dose 95?- kssbuNsr....... ptese 1.10 Tafelbutter I.20 10.000 SclEirzen Schürzen-Tage 6000 Kinderschürzen ganz besonders preiswert weiss Batist od. farbig gemusterte Stoffe, verschiedenst« Ausführungen, ca. 45—70 cm lang, durchweg Jedes StUck 95» 95, 1.25 Mieder-, Halbreform od. Empire-Fasson, solide � &dl>iiOVSdar&ir9««i£a35l9 Stoffe, InvieLMust., durchweg jed. StUck I.ZS Ii ES WW JShWdg'/ff üak B B IWk mit oder ohne Träger, weiss oder modern ge- ■ OBiCa AwSl I musterte Stoffe, durchweg Jedes StUck ULSTER Neueste Formen nach eigenen Modellen hergestellt aus modernsten englischen und deutschen Stoffen Daokel meliert, Cheviot, PUcbgrit- Muster.... Dunkelgraaer und bräunlicher Cheviot, gestreift und kariert Grauer, brauner, gninlieh. 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Die paar Arbeitswilligen, die sich angefunden haben, reichen wohl zur Herstellung bestellter Waren nicht aus. Daraufhin ist von der Gewerbeinspektion(beziehentlich der uinrreu Verwaltungsbehörde) der Firma die Erlaubnis erteilt, am Sonntag 16 Arbeiter arbeiten zu lassen. Soviel wir fest- stellen konnten, arbeiteten tatsächlich 18 Arbeiter am Sonntag dort. Eine solche Erlaubnis widerspricht dem Gesetz. Ein dringendes Bedürfnis für Streikarbeit erkennt das Gesetz nicht an. Ueberdies zieht solche Genehmigung den Gewerbe- inspcktor, der außerhalb der Lohnstreitigkeiten stehen soll, in den Streit der Parteien. Eine wunderliche Frömmigkeit ist es, Flugblattverteiler wegen vermeintlicher Sonntagsentheili- gung zu verfolgen und die Durchbrechung der Sonntagsruhe in einer Metallwarenfabrik zu gestatten, in der Arbeitswillige bescbäftigt werden. Soll der Streikbruch hinreichende Ent- schädigung für Kirchenbesuch und Sonntagsruhe sein? Die Gültigkeit der Grunbsteuerordnung der Stadt Frankfurt a. M. unterlag am Dienstag der Nachprüfung des Oberverwaltungs- gerichts in der letzten Sitzung des 8. Senats. Wegen seiner 18 be- bauten Grundstücke in Frankfurt a. M. war der Architekt Junior auf Grund der Haus- und Landsteuerordnung vom 19. Februar 1994 für das Jahr 1998 zr Haussteuer mit 19 768 M. herangezogen worden. Er erhob Einspruch und wollte freigestellt sein. Während des Verfahrens trat an Stelle der vom Oberverwaltungsgericht für ungültig erklärten Steuerordnung von 1994 eine neue Steuer- ordnung vom 23. Oktober 1998. Der Vkagistrat hob nun die erste Heranziehung auf und ersetzte sie durch eine neue Heranziehung in der gleichen Höhe für dasselbe Jahr(1998), wovon er am 18. Januar 1999 benachrichtigt wurde. In gleicher Weise wurde hinsichtlich der sogenannten Landsteuer(der Steuer für unbebaute Grundstücke) verfahren, zu der er in Höhe von etwa 1299 Mark herangezogen worden war. Auch diese Heranziehung hatte er angefochten. Jetzt focht Junior auch die neue Heranziehung sowohl zur Hausstcuer als auch zur Landsteuer an. Er machte geltend, dast die neue Steuer- ordnung vom 23. Oktober 1998 ebenfalls ungültig sei. Der Bezirks- ausschuh wies seine Klage aber ab. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte dies Nrteil mit folgender Begründung: Die Heranziehung zur Haussteuer und zur Landsteuer sei mit Recht erfolgt. Die Steuerordnung sei gültig. Der Wortlaut des Absatz 3 des§ 7 der Steuerordnung in der neuen Fassung vom Oktober 1998 stehe nicht mehr im Widerspruch mit dem Kommunalabgabengesetz. Den Baulichkeiten mit Wohnungen und sonstigen Baulichkeiten, die jenen in dsr Besteuerung gleichgestellt würden, stelle die Steuerordnung in ihrer neuen Fassung gegenüber„Baulichkeiten, die ausschlief- lich für gewerbesteuerpflichtige Betriebe benutzt werden." Hier seien in gesetzlich zulässiger Weise verschiedene Grundstücksarten bei der Heranziehung verschieden behandelt worden. In Betracht komme die Novelle zum Kommunalabgabengesetz vom 24. Juli 1996. Dieses Deklarationsgesetz wollte bei der Erhebung von selbständigen Steuern vom Grundbesitz die Möglichkeit schaffen, diese Steuer je nach der verschiedenen Beschaffenheit der Baulichkeiten oder des Grundstücks verschieden zu gestalten und gewerbliche Grundstücke, wie bei der staatlich veranlagten Grund- und Gebäüdesteuer, zu einem geringeren Steuersatz heranzuziehen, als Grundstücke im allgemeinen. Auch der 8 19 der Stcuerordnnng, der von der Land- steuer handle, sei rechtsgültig. Die vom Kläger hiergegen geltend gemachten Einwände seien ebenfalls verfehlt. Zulässig sei auch die Veranlagung zur Steuer für das ganze Jahr. Sei es aber eine Jahressteuer, so könne sie auch im Laufe des Steperjahres ge- fordert werden, wenn die Steuerordnung im Laufe des Jahres zu- stände komme. Zu Bedenken habe noch Anlast gegeben, ob für 1998 eine nochmalige Veranlagung erfolgen konnte, nachdem die erste Veranlagung für dasselbe Jahr durch den Magistrat rückgängig ge- macht worden war. Das sei aber an sich zulässig, wenn ein neues Steuerrecht im Laufe desselben Jahres geschaffen werde. Die Steuer sei dann aber in keinem höheren Betrage zu fordern, wie unter der früheren Steuerordnung. Das sei auch nicht geschehen. Somit sei die gültige Steuerordnung auch richtig angewendet worden. «Sitteruiiqsiiderltck» vom 18. November lim», wornens 8 Udr. öainbutQ Berlin Jranfi.a M Mnck Wien CWtonen 1« C 5 cH s« Havaranda 752 still Petersburg 756(SD Scilly 761 NW fflberöeeji 1 753 NNW Pari» 1756 WZW > Setter tt t- £& Schnee INebe! 7halbbd. 4 wollig ll bedeckt o 4 7 4 2 Wetterprognose mr Sonnabend, den 19. November 1910, Kühl, zunächst vorwiegend trübe mit Schnecsällen und mäßigen West» lichen Wiude»; später wieder zeitweise ausklarend. Berliner Wctterbure««. WasserstandS-Nackivtckiten der LanbeZanstalt sür Gewäsierkunde, mitgeteilt vom Bcrlwer Wclterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilstt •B r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder. Natibor , Krossen , Frauksurt Warthe. Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leilmeritz » Dresden , Barbv , Magdeburg >1 4- bedeutet Buch»,— Sali.') Unierveqel. Die Oder erreichte bei Natibor am 16. um 5 Uhr nachmitlagZ den höchsten Wasserstand mit 362 om, ist aber nach lclcgraphijcher Meldung bis heute morgen aus 352 cm gefallen und fällt weiter. Verwaltung Berlin. Achtung! Lehrlinge«.jugeudlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonntagnachmittag von 3—8 Uhr abends Ist der Arbeitslosensaal Im GewerkschastShaus. Engeluser 14/15, als Leselaal sür die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeitschriften der Jugendbibvothek liegen zur freien Benutzung aus. Die Wcrkstattvertrauensleute werde« gebeten» die Lehrlinge zum Besuch des Lesesaales aufmerksam zu machen. _ Die Ortsverwaltnng. Tisch-Branche. Sonntag, den SO. November, vormittags 9% Uhr, tnt Englischen Garte», Alexanderstr. S7c: Branebcti-Terfatiitiilutig für Berlin und Bororte. t. vertcht der Sranchenlommission angelegenheiten._ TageS-Ordnung: 2. DiSkuffion. ». Verbands« Vvnsammlung der Jugendlichen u. Lehrlinge am Sonntag, den 20. b. SR., nachmittags B Uhr im Gewerkschaftshause. Engelufer 15, Saal 5. Tages.Ordnung: 1. Borwag des Kollegen Tornow über ,AuS der Geschichte deZ Deutschen HolzarbeiteroerbandeS". 2. Diskussion. Unsere Kollegen werden gebeten, die Jugendlichen und Lehr- linge darauf ausmerksam zu machen. gz/l2 Orts-Krankenkasse der Handschuh macher u. verw. Geiverbe zu Berlin. Allgemeine Mttglltdtr-Zlkrsamtlllung Sonnabend, den 2«. November, abends 8'/, Uhr. Rosenthater Str. 57. bei Hahn. Tagesordnung: 1. Wahl von 22 Delegierten pro ISN. 2. Verschiedenes. Zu dieser Veriammlung sind die Wahlberechtigten Mitglieder und deren Arbeltgeber hierdurch eingeladen. Hieran anschließend in demselben Lokale: 280/19 Ordentlich« General-Versanimlung der Delegierten. Tagesordnung: 1 Wahl eines Arbcilgebers zum Vorstande. 2. Wahl zweier Arbeit« nehmer zum Vorstände. 3. Wahl von drei Revisoren für das Rechnungs- jähr 1919. 4. Festsetzung des Gehalts des Kassierers. S. Verschiedenes. Berlin, den 19. November 1910. Ter Borftand. I. A.: 8. stinr, Vorsitzender. Berichtigung. Orts-Krankenkasse , Jirtsliira. In uniercr Bekanntmachung betr. Wablversainmiung in Nr. 269 deS .Vorwärts' muß es heißen: Die Wahl der Arbeitgeber beginnt um 8'/, Uhr und endet pünktlich um 9 Uhr. Zu wählen sind 98 VerWeier (nicht 93 Vertreter). Ter Borstand. 8- A.: Kowalkc, Borsttzendcr. Orts-KranUetikasse der Lackierer. Sonntag, den 27. November er., vormittags 10 Uhr! General- Versammlung im Restaurant Schuhmacher» Skalitzer Straße 126. Tages.Ordnung: 1. Ei satzwahl des Vorstandes(1 Ar- beitgeber, 2 Arbeitnehmer. 2. Wahl des Ausschusses zur Prasting der JabreSrechnung pro 1910(t Arbeit- geber, 2 Arbeitnehmers 3. Ver« Ichiedene Kassenangelegenheiten. Um recht zahlreiches Erscheinen er- sucht 1881b Der Borftand. ködert Zlndler, Vorsitzender. Sit® Berlin.— Geschäslsstelle: Höchste Straße 47. Sonntag, den 20. November 1910, mittags 12 Uhr, im GewerkschaslShause. Engeluser IS, Saal 4: Okffkiitl. Rndslilirtt-Nkchmmimg. TageS-Ordnung: 1. Tie Demokratie im Arbeiter-Radfahrer-Bund SolidarttSt. Referent i Kreisleiter Genosse Franz Preusi-Rixdors. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 13/1* Alle Arbeiter-Radfahrer Berlins und Umgegend, und ganz besonders die Mitglieder des Arbeiter-Rad- fahrer-Bnndes Solidarität, sind zu dieser Bersammlnng hiermit freundlichst eingeladen. Her Blndcrnter. I. A.: Gustav Siegmund, Rixdorf, Delbrückstr. 31. •9 Allgemeine Orts- Krankenkasse für die Ortslirankeukasie der Buehblnder und verw. Gewerbe z« Berlin. Ordentliche General-Versammlung am Dteustag, den 29. Nobember 1910, abends'it9 Uhr, im Gewerkschaftshaus«, Engeluser tS, Saal 1. Tagesordnung: 1. Protokollverlesung. 2. Wahl von zwei Bureauangestellten. 3. Ergän« zungswahlen des Vorstandes(3 Ar- beitgeber, 5 Arbeitnehmer). 4. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechmmg für 1910. S. V«r- Ichicdenes. 296/1 Der Vorstand. K. Goltesrnann, Borsitzender, Fr. Keeie, Schriftführer. Eine wirkungsvolle Agkkationsschrist Preis 5 Pfg.. Bei Partiebezug erheblicher Rabatt Verla» W. P lanawch& de.» Magdeburg, Große Münzstr. Z Wenn der Siegeslauf der So.staldemotralte beschleunigt werden soll, wenn die nächsten Relchsragswadlen eine»ernlchlende Niederlag» der Junker und andrer Reaktionäre bringen soll, muß da» große Leer der Landgrbetter und der LandardeUeriunen und auch die Masse der Frauen in den Städten für die Arbeiterbewegung gewonnen werden. Diesem Zwecke dient nun ose Sammlung von zwölf Briefen einer Arbeiterin aus der Stadt an ibre Schwester auf dem Lande, die einfach und volkstümlich die Kauprforderungen der Sozialdemokratie und die Einwände der Gegner»edaudeln. Welchen große» Anklang die Briefe in Nord und Süd gefunden Häven, beweist am besten die Tatsache, daß sich sei» der kurzen Zet» ihre« Erscheinen« drei große Auslagen nöNg machten. Zu haben w sämtlichen Patteigeschäften Wir laden hiermit die Delegierten der Kasse zu einer 280/18 «rckentlloven General- Versammlung aus Montag, den 28. November, abends 9 Uhr, nach dem Vellu». lianse in Charlottenburg, Rosinenstraße 8, ein mit der Tages.Ordnung,: 1. Wahl einer Prüfungskommission für die Jahresrechnung pro>910. 2. Beschlußfassung über einen neuen Aerztevcetrag. 3. Bericht des Vorstandes über den Stand des Bauprojekts. V e i- B e g; I n n der Generalversammlung und®war von 8 bis 9 Uhr abeneln finden ebenda getrennte Wahlveriammlunge» der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Delegierten zur Vornahme der Neu- wählen von zwei Arbeitgeber- und 4 Arbeitnehiner-Vorstandsniitglledern an Stelle der turnusmäßig aus dem Vorstande ausscheidenden Herren statt. DieKasscudelegierten erhalten außer» dem uvth eine besondere schriftliche Einladung zur Generalversammlung. Eharlonenburg, den 19. Nov. 1910. Der Kassenvorftand. gez. W. Atarens. _ Gegründet 1373. Hut-Salinger Engros-IIan» für Wenhclten in Filz-u.SejdenhOten Einzelverkauf Sute" teS pÄn° Echte Filzhßte, gute Qualität, M. Z.Ski. Prlrna Spezial- qualität M. 3.75 u. 4.40, Luxusqualltät M. 5,00 u. 5,50. Neu aufgenommen: Fabrik-Lager moderner Pelzwaren zu pKum*''" jetzt Linienstr. I, I Treppe» an der Reuen Königstraße. Gemeinsame Orts- Krankenkasse für Kgs.- Wlistcrhlinscii und Umgegend. Am Sonntag, den 27. November, nachmittags 4 Uhr, sindei im Pfuhl- schen Hotel am Bahnhof die slatuten. mäßige Gtneral-Vtrsammlnvg statt. 296/2 Tagesordnung: 1. Wahl des Ausschusses zur Prü. sung der Rechnung deS lausenden Jahres. 2. Wahl von einem Vorstands- Mitglied der Arbeitgeber und zwei der Arbeitnehmer. Hierzu werden die gewählten Ver. treter der Arbeitgeber und Arbeit- nebmer ergcbenst eingeladen. KgS.-Wusterhausen, 17. Nov. 1910. Bsi- Vorstand. G. Schmidt, Vorsitzender. Jeder Hvbeitcr, jeder I�andwerhef sollte zur Hrbeit die Lederboss Herkules tragen. Unerreichte S LeielungsfahigkeiL Allein-Verka-üf. Sehr starkes Leder in grauen a braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund ans einem Stück ge- arbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. Sehr feste Kapp- nähtem. stark. Gaa> Schwer« LeUer-Pilot-Tauheii. OroSa Flicken umsonst Trot» dieser vielen und anderer Vorzüge kostet M die Herkules- Kose>Ur fjt»»»» normale Mannes- GröEe«5"l. DV Berufs- u. Schutzkleidung für alle Zweige der Gewerke u. Industrie, Sanitätsdienst usw. BÄEB SOHN Spezial.Haus größten Maßstäbe» Cbausaeettr.*9-30— Brückeuitr- U Qr. Frankfurterstr. ao SchBneberg, Hauptstr. IC. Haupi-Katalog gratis und frank» Ortskrankenkasse für das Gewerbe der Verfertignng von Am Sonnabend, d. 26. November cr.» abends 8 Uhr, findet ImRestamautdesHerrn Schulz, Münzstr. 17, Eing. KönigSgraben, die General-Versamniliiiig sämtlicher Arbeitervertreter statt. TageS-Ordnung: X, Vorstandswahlen. Zu wählen sind sechs Arbeitnehmer. 2. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der JabreSrechnung pro 1910. 3. Wahl des Rendante», 4. Verschiedenes. 280/20 Um zahlieiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Der Borstand. Orts-Krankenkasse der Kleuipner. Am Tonntag, den 27. No- vember er., vormittags 10 Uhr, findet im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal I. die Mwkk Geaeralvemmmlung der Vertreter der Arbeitgeber und Kasseiimitgltcder unserer Kasse statt. Tagesordnung! 1. Verlesung der Protokolle. 2. Walil von 4 Vorslaudsmitgliedem <3 Arbeitnehmer, 1 Arbeitgeber). 3. Wahl deS RcchnungSausschusseS. 4. Verschiedenes. 16826 Der Vorstand. Pelz waren Einzelverkauf StoUs und Murfen vom embchsten bis elegantesten von 4 M. an bis 500 M. Nur elgca« Fabrikation B. Kleinman münzstr. 18 ■W Nur I Treppe Sonntag geSltnet Große Tirma vergib» Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf Teilzahlung ohne Anzahlung. Keine Kassierer. Ehissre 55. 100,.Vor» «ärts'-Speditton, Auguststr. 59.• To<1cHan7,eise. HI�rdu»ch allen Freunden, Be- kannten und Verwandten die traurige Nachricht, da» mein innig- geliebter, unvergeßlicher Mann, der Schlosser Robept Palm am 16. d. Mts. im 40. Lebensjahr nach langem, qualvollem Leiden mir durch den Tod cni. rissen wurde. 18S7b Um stille Teilnahme bittend, zeigt dies an blsrllia Palm geb. Handke, Mullerstr. 118. Die Beerdigung und Feier findet am Montag, den 21. d. Als., nach- mittags 3 Uhr, von der Kapelle des PhilippuS-Apojtel-FriedhosS, Müllerstraße 44/45, aus statt. oevtsetiel �etgllgshkitös-VesbZNli Vaiwallungartslls Berlin, Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß lliiscr Mitglied, der Schlosser Robapi Palm gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. d. Mts.,»ach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Philippus-Apostei-Kirch. hoses, Mullerstr. 44/45, aus statt. Ferner starb am 17. d. Mts. unser Mitglied, der Klempner Kmsnuel Tettenborn an Herzleiden. Die Beerdigung findet am Montag, den 21. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrbause, Nieder- 5 chönewcide, Hasselwcrdcr- straße 12, aus aus dem Gemeinde- Friedhos in Ober- Schöneweide statt. Ehre ihrem Slndenke» l Rege Beteiligung erwartet 125/13 Die Ortsverwaltung. Deutseber Bncbbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.)' Am 16, d. Mts. verstarb nach längcrem Leiden unser Mitglied, der Buchbinder Witbelm Degen. Ehre seinem Zlndeuken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 19. November, nachmittags 2 Uhr. von der Leichenballe dcS Rixdorscr Kirch- doses.MaricudorscrWcg, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 25/11 Oie Orfsverwaltung VeM der Brauerei- und lideearteiter sn.X~ Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 16. No- vember, der Flaschcnkellerarbciler Eduard Schikor (Borussia-Brauerei) nach schwerer Krankheit der- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung crsolgt heute, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der AuserstehungS- Gemeinde in Plötzensce, Lichten- berger Straße 110—113. Rege Beteiligung erwartet 43/17 Die Ortsverwaltung. Ztuwt-Kraiilienkasse der Tupezierer. Filiale 1 Berlin. Nachruf. Am 5. November starb in Linz (Oesterreich) nach langem Leiden unser Mitglied 13g7b Josek Poisl. Ehre seinem Andenken 1 Am 9. November schied frei- willig aus dem Leben wegen un. heilbaren Leidens unser Mitglied Kar! Affolter. Ehre seinem Andenken! Tie Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterhekasse der deutschen Waphauer. Filiale Ucf-lln II. Hiermit zur Nachricht, daß unser Miiglied, der Schmied Edtisrd Schlkor verstorben ist. Ehre seinem Andenke» Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. d. MiS., »achmivagS 4 Uhr, aus dem Auserstehungs-Kirchhos in Weißen- sec statt. 257/156] Die Ortsverwaltnug. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Biersahrer Rani Fischer am 15. November im Alter von 32 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 19. d Mts., nach mittags'Iß Uhr, von der Leichen Halle des Rixdorter Gemeinde Friedhofes, Mariendorser Weg. auS statt. 52/7 Die Bezirksverwaltung Am 16. November, abends 10 Uhr. entschtics sanst nach langem, schwerem Krankenlager mein lieber guter Mann, unser guter Vater und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Putzer Mg Sirnanowski im 60. Lebensjahre. Um stilles Teilnahme bitten Ole trauernden Hinterbliebenen Witwe Emma Sirnanowski nebst Kindern. Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 20. November, nach- mittags 12'/, Uhr, von der Leichen- balle der FriedenS-Gemeinde in Nieder-Schönhausen aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes u. lreusorgcnden Vaters sage allen Bekannten, insbesondere dem Zentralverband der Schmiede sowie dem 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis meinen herzlichsten Dank. 1826L Frau Möde u. Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Ver- wandten, Bekannten, dem Wahl- verein und dem Sparvcrein„Bleib- treu" meinen herzlichsten Dank. 18886 Ms. Luise Wachs muth. Danksagung. ür die liebevollen Beweise herz. licher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Henrv Kroneberg sage ich allen Freunden und Be- kannten sowie dem Verbände der Sattler und Porleseuiller, den Kol- legen der Linoleumleger und Teppich- näher, den Genossen dcS 4. Berliner NcichStaaswahlkreiscS(Görl. Viertel), insbesondere den Genossen der 5. Ab- teilung dcS 213. Bezirks meinen herz- lichsten Dank. Witwe Barle Kroneberg geb. Schramm._ | Anzahlg, von i Mk.«rSchentl. i an t Mk. HLBeiser Lothringer Strasse 67 I. n. II. Etage 1 zwIsoh.Sehinhauser u. Roten- | thaler Tor, Ecke Gormannstr. Sonntags bis 2 Uhr wöchentlich Teilzahlung llatera elegante, fertige sMUÜSll Garantie für tadellos. Sitz Aalertigans aaeb Maa» Julius Fabian Schneidermeister. LcMotu:6r.Fnnkftii1erStr.37a n.Qe.eh.:Turm- Strasse IS1- kein Lade«. eeeseessseisssse####* Parteigenosse mit besten Empsehlung sucht in lebhafter Gegend Lokal mit Saal zu mieten oder zu kaufen. um beides Partei u. 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KcilM des Lmiirls" Kkllinn WlKsdlM Sounabelld. t9. Dovembn lW. I die Einrichtung einer neuen Revier lnspektion der schtver verkehr daß er dennißtlos nach dem Lazaruskrankenhause 'städtischen Gaswerke für das Gebiet Reinickendors-Ost beschlossen, gebracht werden mußte. Der Unbekannte ist lö bis 16 Jahre alt Partei- Angelegenheiten. MahlSdors sOstbahn). Die Parteigenossen und Genossinnen werden auf die heute abend Z'/z Uhr im Lokale des Herrn Linke, Grunowsiraßt. statlssudende Fraiicuversainmliing aufmerksam gemacht. Die Genossin Frau Frida Wulff-Bertin spricht über:.Junkcrpolilik, Kaiscrreden und die Meinung der Frauen". Die Bezirksleitung. Neucnhagcn, Bruchmühlr, Eggcredorf, Fredersdorf, Pctershagen. Am Sonnwg findet im ganzen Bezirk eine Flugblattverteilung statt. Das Material ist bei den Bezirkssührern heute abend in Empfang zu nehmen. Weißens«. Am Sonntag, den 20. d. M., morgens von 8 Uhr ab, findet von den bekannten Stellen die Flugblaliverbreitung für die am Montag nach dem Vereinshauje einberufene Frauenversammlung statt. Die Bezirkslertung. Schönerliude(Bezirk Pankow). Am Sonnlag, den 20. d. M., nachniiitags 4 Uhr. findet im Lokale des Genossen Karl S z p e r- linSki eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:„Kaiser- reden und Bolksnot". Referent: Redakteur Hans W e b e r. Genosse�! Agitiert für guten Vesuch zu dieser Versammlung. Oranienburg. Am Sonntag, den 20. d. M.(Totensonntag) findet die regelmäßige Mitgliederversammlung statt. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Der Vorstand. berliner Nachrichten. WaS auf den Berliner Nennplätzen verwettet wird, beweist ein Bericht über den Umsatz am Totalisator, jener vom Staate offiziell genehmigten Wettmafchine. In diesem Bericht heißt es u. a.: „Der anhaltende Aufschwung im deutschen Rennbctrieb tritt auch in den Wetten am Totalisator deutlich zutage. Während im Vorjahre rund 22 172 000 M. auf den sechs Berliner Renn- bahnen an der Wettmaschine umgesetzt wurden, hat die Summe in der soeben beendeten Saison 1010 eine Steigerung auf 28 406 000 M. erfahren. So ansehnlich diese Summe, die in insgesamt 123 Renntagen erreicht wurde, an und für sich er- scheint, so bescheiden nimmt sie sich französischen Verhältnissen gegenüber aus. Auf einer einzigen Pariser Flachrennbahn, und zwar Maisons-Laffitte, wurden in dieser Saison bei 36 Renn- tagen mit nur sechs Konkurrenzen pro Tag nickst weniger als 38 196 665 Frank gewettet, also selbst unter Berücksichtigung des Währungsunterschiedes noch mehr wie auf allen Berliner Bahnen zusammen bei der mehr als dreifachen Zahl von Renntagen mit je sieben bis acht Konkurrenzen. Am bedeutendsten ist der Um- satz in Grunewald gestiegen, und zwar von 4 330 000 M. auf 7 565 000 M. und ziemlich das gleiche gilt von H o p p e g a r t e n. In der deutschen Trainingzentrale stieg der Wettumsatz von 3900 000 M. auf 5 755 000 M., während Karls hör st nur von 4 545 000 M. auf 5 560 000 M. und Strausberg von 1713 0<>0 M. auf 2 315 000 M. gestiegen ist. Ziemlich unverändert geblieben sind die Verhältnisse im Trabrennsport, da in Ruhlebcn rund 3 600 000 M. und in Weißensce zirka 3 610000 M. bei je 20 Renntagen umgesetzt wurden. Die geringe Erhöhung der Wetten in Ruhleben ist zum Teil auf die im Sommer durch die Brustseuche hervorgerufenen schwachen Felder zurückzuführen. Ein gutes Geschäft macht bei der Erhöhung der Wettumsätze auch der Staat, da er davon 16� Proz. Steuer, also die ansehnliche Summe von 4 735 000 M. eingenommen hat. Allerdings wird die Hälfte dieser Summe den Vereinen für Rennpreise wieder zur Verfügung gestellt." Mit diesen 28 Millionen Mark Umsatz am Totalisator ist die Wettsumme keiweZwegs erschöpft. Außer am Totalisator werden bei privaten Wettbnreaus, bei Buchmaclwrn, große Summen verwettet, für die keine Schätzungen vorliegen, weil dieser Wettbetrieb sich hinter den Kulissen abspielt. Und diese Wcttlcidcnschaft, die schon viele Eristcnzen ins Verderben gestürzt hat, wird vom Staate begünstigt, angeblich„im Interesse der Hebung der Pferdezucht". Urb« den Stand der Arbeiten am Märchcnbrunnen hat kürz- lich der Stadtverordnete Galland in einem Grundbesitzerverein eine anschauliche Schilderung enttvorfen, der wir folgendes entnehmen: Mit den Steinmctzarbeiten soll in der nächsten Woche begonnen werden. Die Ausführung dieser Arbeiten soll ununterbrochen ge fördert, aber wegen des UmfangeS der Brunncnanlage, der Säulen. gänge und Postamente längere Zeit in Anspruch nehmen. Nach der Fertigstellung dieser ausgedehnten Anlagen wird die Auf stellung der einzelnen Märchengruppcn aus deutschen Sagen bc ginnen. Groß waren die Schwierigkeiten, die schon mit dem End Wurf des Planes verbunden waren, und nicht gering einzuschätzen waren die übrigen. Anfänglich war die Errichtung von steinernen Bänken mit darüber befindlichen R c l i e f darstellungen beabsichtigt gewesen. Die Bedenken des Kaisers über die geringe Anschaulich- keit der Darstellung in Relief, die durch das farblose Material des Sandsteins und des Marmors»och erhöht wurde, veranlaßte den Etadtbaurat Geh. Rat Ludwig Hoffmann, der kaiserlichen Anregung folgend, v o l l p la st i s che Märchengruppen, die am Rande des großen Bassins oder in Nischen und an den Seiten- Alleen aufgestellt werden sollen, zu wählen. Je eingehender sich unser genialer Stadtbaurat mit dem Plane beschäftigte, desto mehr und intimer wuchs die Eigenart und künstlerische Gestalt der großen Anlage, der einzelnen Gruppen und Figuren zu einem harmonischen Ganzen und gestaltete sich zu einer Aufgabe, die für einen Bildhauer zu groß wurde. Es wurden deshalb mehrere der hervorragendsten Plastiker Deutschlands mit Aufträgen bedacht, denn es handelt sich nicht etwa um einen einzelnen Brunnen, sondern um eine große, sich in den Friedrichshain erstreckende An- läge einer größeren Zahl von Kunstwerken, die teils einzeln, teils zu Gruppen vereinigt zur Darstellung kommen und selbst auf das Gemüt des Kindes wirken sollev. Das umfangreiche Werk, wohl eines der schönsten in Berlin, dessen Kosten auf mindestens 700 000 M. veranschlagt worden sind, dürfte, wie aus einem Guß entstanden, seine Wirkung nicht verfehlen und den Meister loben. Die Erreichung des vorgesteckten Zieles war bei der Ver- schiedenartigkeit der künstlerischen Mitarbeiter mit großen Hinder- nissen für unseren leitenden Baurat verknüpft, deren Beseitigung viel Zeit und Mühe gekostet hat. Nur eine rein persönliche Leistung, die die Eigenart ihres Schöpfers erkennen läßt, kann als Kunstwerk bezeichnet werden. Schematisch entstandene Werke, die schnell entworfen und bald auszuführen sind, werden selten An- spruch auf eine höhere Bewertung erlangen, auch kaum auf die Dauer Freude bereiten.' Große künstlerische Werke von bleibendem Wert brauchen Zeit, um ausreifen zu können. Der Märchen- brunnen hat weit über Deutschlands Grenzen hinaus die Aufmerk- samkeit der kunstliebenden Kreise erweckt. Er wird nach seiner Vollendung einer strengen Kritik unterworfen sein und sie sicher vertragen können. Wenn die endgültige Ausstellung des Brunnens auch noch von verschiedenen Umständen abhängt, so werden die Berliner als Entschädigung für ihre Geduld durch den Besitz eines j Kunstwerkes belohnt werden, das den herrlichen, an Sckwnheit reichen, wenig gewürdigten FriedrichLhain noch mehr schmücken und zu einem großen Anziehungspunkt für ganz Berlin und seine Bc- sucher machen wird. Aus der MagistratSsitzung. Der Magistrat genehmigte einige neae Positionen des Entwurfes zum Etat für 1911. Ferner wurde Schließlich genehmigte noch der Magistrat den Entwurf für den an der Anton- und Ecke Plantagenstraße geplanten Bau einer Gemeinde-Doppelschule und 12 Ncbenklassen, nebst Wohngebäude für die Rektoren und ein Standesamt, sowie den Vorentwurf für eine Feuerwache in der Stockholmer Straße. Die Gründung einer KnochcnverwcrtungSgenossenschaft mit einem Kapital von einer Million Mark ist, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, in einer Donnerstagabend ftattge- sundenen von 700 Berliner Fleischermeistern und Gastwirten be- suchten Versammlung beschlossen worden. Es soll dadurch eine bessere Verwertung der in den Fleischerei- und Gastwirtsbetrieben entfallenden Knochen, für welche bisher ein über ganz Deutschland sich erstreckendes Knochcn-Syndikat die Preise willkürlich und weit unter dem Wert festsetzte, erzielt werden. Die Gesellschaft ist als eine G. m. b. H. gedacht, für welche Anteilscheine in Höhe von 500 M. ausgegeben werden sollen. lieber die Aufbewahrung der Garderobe in der Pflichtfort bildungsschule in der Görlitzer Straße gehen uns Klagen zu, deren Abstellung uns dringend geboten erscheint. Es wird unS berichtet daß den Fortbildungsschülern von Lehrern gesagt worden sei, die Schulverwaltung übernehm« keine Verantwortung dafür, wenn Ueberkleidcr abhanden kämen, die auf dem Korridor aufgehängt würden. Die Folge davon ist, daß zahlreiche Schüler ihre Heber zieher in die Klasse mitnehmen und dieselben vielfach an den Fensterriegeln aufhängen. Da die Zahl dieser Fensterriegel natur gemäß sehr gering ist, werden eine Anzahl Ueberzieher über einandcrgehängt, was zur Folge bat, daß die Ueberkleidcr oft an die Erde fallen. Wenn schon die Schule keine Aufsicht und keine Garantie für die auf den Korridoren aufbewahrten Kleidungs stücke geben kann und die Kleider im Klassenraum abgelegt werden müssen, sollte dafür gesorgt werden, daß dann in den Klassen zimmern Kleiderhaken zum Aufhängen der Ueberkleider angebracht werden. Allerdings halten wir einen solchen Zustand für einen sehr ungesunden, da durch das Ausdünsten der Kleider die Luft in der Klasse sehr verschlechtert wird. Verlangt muß schon werden daß durch Stellung von Aufsicht Diebstählen auf den Korridoren nach Möglichkeit' vorgebeugt wird. Zcntralbahnhof Groß-Lichterfelde-Ost. Die seit langem pra jektierte Verlegung des Fernverkehrs vom Potsdamer nach dem Anhalter Bahnliof scheint durch den nunmehr erfolgenden Umbau des Bahnhofs Groß-Lichterfelde-Ost endlich zur Tatsache zu werden. schon seit Jahren hat die Gemeinde Groß-Lichterfelde bei der Eisenbabndirettion Berlin eine Beseitigung des Bahnüberganges in der Wilhelmstraße, der schon viele Opfer gefordert hat, bean tragt. Durch die ganz exorbitante Forderung des Fiskus aber wurden die Verhandlungen stets verzögert. Die Verhandlungen hätten auch jetzt wohl noch nicht zu einem Resultat geführt, wenn nicht durch die zahlreichen Unglücksfälle in letzter Zeit veranlaßt, der Fiskus seine Forderung von eine Million Mark auf 100 000 M. Zuschuß seitens der Gemeinde herabgemindert hätte. Jetzt hat jedoch die Eisenbahndirektion Berlin der Gemeinde Groß-Lichter- feldc einen Plan vorgelegt, der von einschneidender Bedeutung für die Entwickelung dieses Vorortes ist. Danach soll die ganze be- stehende Bahnhofsanlage verschwinden. Vom Bahnhof Lankwitz bis zu der Stelle, wo die Bogenstraße den Bahndamm berührt, wird derselbe um 4,40 Meter erhöht. Ferner soll die Anlage mit vier Bahnsteigen versehen werden, von denen allerdings zunächst erst zwei zur Ausführung gelangen. Es wird ein Bahnsteig für den Verkehr von und nach Potsdam, ein solcher für den Verkehr nach und von Halle, ein dritter für den Vorortverkehr und ein vierter, der den Fernverkehr aufnehmen soll errichtet. Diese kolossale Anlage ist verständlich, wenn man bedenkt, daß der Fiskus den gesamten Fernverkehr von dem Potsdamer nach dem Anhalter Bahnhof überleiten ivill. Es ist zweifellos, daß hierdurch die Station Groß-Lichterfelde-Ost zur Hauptstation, zu einem AuSfalll tor für den Fernverkehr des Anhalter Bahnhofs avanciert. Weiter ist eine Unnvandlung der Bahnhofszugänge, der Schuppenanlagen sowie eine Erweiterung des Güterbahnhofs geplant. Ei» neuer grosser Sportpalast hat sich in der Potsdamer Straße aufgetan. Wie im„Eispalast" ist auch hier eine gewaltige Halle mit einer verschwenderischen Licktfülle ausgestattet. Auf einer großen Eisfläche zeigen Kunstläufer ihre Künste auf dem Schlittschuh. Das neue Etablissement dürfte sich zu einem Rendez. vousplatz der besseren Gesellschaft auswachsen, ist auch dafür be- rechnet Zum Fall Rektor Bock. In Anbetracht der schweren Erkrankung des im Lazarettgefängnis befindlichen Rektors Bock ist, wie be richtet wird, gestern durch die Verteidigung mit Unterstützung der Aerzte ein abermaliges Haftentlassungsgesuch mit dem Angebot einer Kaution in Hohe von 60 000 M. an die Oberstaatsanwalt� schaft eingereicht worden mit der Bitte, in Anbetracht des schwer kranken Zustandes des Rektors Bock das Gesuch zu beschleunigen Eine schwere Bluttat wurde gestern mittag auf dem Bahnhof Jungfernheide verübt. Dort erschoß der Magistratssekretär Bohr mann aus Spandau seine Frau und versuchte sich dann selbst zu entleiben, wurde aber daran gehindert und festgenommen. Bohrmann ist seit einigen Jahren mit der Tochter eines Wagen fabrikanten auS Potsdam verheiratet. Seit Monaten lebten die Eheleute voneinander getrennt, und die Frau hatte auch bereits die Scheidungsklage angestrengt. In dieser Klage sollte gestern vormittag vor dem Amtsgericht III in Charlottenburg verhandelt werden. Frau Bohrmann erschien mit ihrem Vater und ihrem Bruder, ihr Mann dagegen blieb aus. Deshalb konnte nicht ver- handelt werden. Als die Frau nun mit Vater und Bruder nach dem Bahnhof Jungfernheide ging, um von dort aus nach Hause zu fahren, lauerte ihr Bohrmann auf. wechselte einige Worte mit ihr, zog dann plötzlich eine Browningpistole aus der Tasche und streckte sie, ohne daß ihre Angehörigen es verhindern konnten, mit drei Schüssen nieder. Die Unglückliche brach lautlos zusammen und verschied auf der Stelle. Bohrmann richtete jetzt die Waffe gegen seinen eigenen Kopf. Publikum und Beamte sprangen jedoch zu und hinderten ihn, sich selbst zu erschießen. Bohrmann schlug dann wie wild um sich, wurde jedoch überwunden und nach dem 1. Polizeirevier in Charlottenburg gebracht. Auch hier tobte er wieder und beschädigte mehrere Sachen. In der kurzen Verneh mung erklärte er, daß er nicht wisse, was mit ihm geschehen sei. Kiriminalkommissar Gericke verschob deshalb die eingehendere Ver- nehmung. Er stellte aber duxch andere Ermittelungen bereits fest, daß Bohrmann zu verschiedenen Leuten geäußert hat, er werde seine Frau erschießen. Der Verhaftete, der sich vor dem Termin betrunken zu haben scheint, wird wegen Mordes dem UntersuchungS richtet borgeführt werden. Di« Leiche der Frau wurde nach dem Charlottenburger Schauhause gebracht. Einige Wärter der städt. Anstalt Wuhlgarten sollen sich Homo- sexuelle Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen. Der Magistrat hat sofort, nachdem er hiervon Kenntnis erhalten hatte, einen Beamten mit der Untersuchung dieser Angaben be- auftragt. Die Angelegenheit wird der Staatsanwaltschaft über- geben iverden. und trug eine Scbirmmütze, eine graugrüne Joppe, eine gestreifte West«, einen hellblauen Sweater und gestreifte Beinkleider. Er soll Gendler oder so ähnlich heißen. Vorort- l�ack richten* Rixdorf. Die Polizei gegen das Turnen. Als am Donnerstagabend die Mädchenabteilung des hiesigen Arbeiterturnvereins bei Felsch in der Knesebeckstratze zum Turnen antrat, erschienen sieben Kriminalbeamte nebst zwei uniformierten Schutzleuten und forder- ten die Mädchen auf, den Saal zu verlassen. Als die Zlveckmäßig- keit dieser Polizeimaßregel von den Kleinen nicht begriffen wurde, kam der Kommandierende„im Namen der königlichen Regierung zu Potsdam" und drohte mit Gewaltmaßregeln, worauf die Turnerinnen der„Gewalt" wichen. Freitag abend ging es den jugendlichen Turnerinnen der Ab- teilung in Hoppes Fcstsälen noch schlimmer. Wiederum er- schienen 7 Kriminal- und 2 uniformierte Beamte; sie stürzten förmlich auf die Mädchen zu und schrien: RauSl Ja, man ließ den Kleinen nicht einmal Zeit, sich anzukleiden. Die Mädchen mußten sich auf der Strasse anziehen. Ein erwachsener Turner, der Genosse Möhring, hielt sich über die Rücksichtslosigkeit der Polizei auf. Er mußte dieserhalb mit nach der Wache, Ivo seine Personalien festgestellt wurden. Inzwischen sorgte die Polizei für den üblichen Menschenauflauf auf der Straße, die be- kanntlich dem Verkehr dient. Einige Personen sollen noch ver- haftet worden sein. Es ist unerhört, wie die Polizei hier in die Rechte der Staats- bürger eingreift. Selbst die Eltern, die mit ihren Mädchen im Turnsaal anwesend waren, bedrohten die Polizeier. Die Erklärung der Turnleiter, daß die Polizei in dem vom Turnverein gemieteten Lokal gar nichts zu befehlen habe, wurde einfach ignoriert. Die Turner werden nichts unversucht lassen, sich ihr Recht zu erkämpfen. Wider die freie Turnerschaft. Die freie Turnerschaft Rixdorf- Britz hat eine Eingabe an die Schuldeputation gemacht, ihr zur Abhaltung des Turnunterrichts Schulturnhallen zur Verfügung zu stellen. WaS in einer Reihe von Groß-Berliner Gemeinden sich sehr gut ermöglichen läßt, geht in Rixdorf noch lange nicht. Auf die Eingabe antwortete der Dezernent für das Schulwesen, Herr Bürgermeister Dr. Weinreich, folgendermaßen:„Zu unserem Bedauern sind wir aus schultechnischen(I) Gründen nicht in der Lage, dem Verein zur Abhaltung von Turnabenden die von den Gemcindeschulen der Stadt voll in Anspruch genommenen Schul- turnhallen überlassen zu können." Welcher Art diese schultechnischcn Gründe sind, ist aus dem Ukas nicht ersichtlich, vielleicht ist sich der Dezernent auch nicht ganz klar darüber. Sicher ist, daß die Schul- turnhallen des Abends nicht in Benutzung sind. Ober befürchtet etwa der Herr Bürgermeister, daß die freie Turnerschaft die Turnhallen mit ihrem Geiste infizieren könnte? Die Gemeinde Britz lehnte ein ebensolches Gesuch ab mit dem Hinweis, daß der größte Teil der Mitglieder Angehörige der Gemeinde Rixdorf seien, und hier sind es wieder„schultechnische" Gründe, die zur Ablehnung des Gesuches dienen müssen. Wenn eS sich um die Arbeiterschaft handelt, ist die Bureaukratie um„Gründe" noch nie in Verlegenheit gekommen. Karl Rahmig wegen Hausfriedensbruch verurteilt. In der „R. Ztg." lesen wir: Wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung hat sich der Betriebsleiter Karl Rahmig zu verantworten. R. ist am 22. August dieses Jahres infolge Familienzwistigkeiten in die Wohnung des Bahnhofsvorstehers a. ZH Brauer widerrechtlich eingedrungen und hat dieselbe trotz mehrfacher Aufforderung deS Herrn B. nicht wieder verlassen. Außerdem hat der Angeklagte be- leidigende Aeußerungen gegen B. und dessen Ehefrau ausgestoßen. Rahmig wurde umer Zubilligung mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von 60 M. verurteilt. Wilmersdorf. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eine MagistratSvor- läge betreffend die Einrichtung eines provisorischen Armen- haus e s im Hause MlhelmSaue 21 lag vor. Es wurden etwa 4000 Mark für Ausbesserungsarbeiten in diesem der Stadt gehörenden Hause gefordert Zunächst tadelte der Stadtverordnete Rosen- bäum vom Vorstandstische aus die Unzulänglichk-it der jetzt be- nutzten Räume und forderte, daß die Stadt baldigst ein Definitivum einrichte. Auf seine Anfrage, ob eS sich um die Unterbringung von Asvlisten beiderlei Geschlechts oder um Räumlichkeiten für obdach» lose Familien handle, erwiderte Stadtrat Brohm, daß der Magi- strat einzig die Unterbringung von zeitweilig und dauernd obdachlos gewordenen Personen ins Auge fasse. Ein Unternehmen wie das Berliner Asyl für Obdachlose käme keineswegs in Frage. Während in den unteren Räumen des erwähnten Hauses die zeitweilig Ob- dachloscn Quartier finden sollten, würde der Magistrat in den oberen Etagen Hospitalitinnen und dauernd der'Stadt zur Last liegende Einwohner beherbergen. Für die Unterbringung ganzer Familien besitze Wilmersdorf hier keine Räume; eine Trennung der Geschlechter, also ein Auseinanderreißen obdachlos gewordener Familien, sei u n e r I ä ß- lich. In den Räumen des Aufsehers und unter dessen Wartung würden vorläufig obdachlos gewordene Kinder untergebracht werden. Ueber die Herstellung eines definitiven Armenhauses wußte der Stadtrat noch nichts Näheres zu sagen; doch versprach er, daß der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage üifor die Unterbringung siecher und arbeitsunfähiger Personen zugehen werde. Von dem gegenwärtigen Provisorium müsse man leider sagen, daß esselbstfürdiedringendstenBedürfnisse nicht ausreichte. Während'Stadtverordneter Hesse die Magistratsvorlage be- kämpfte und sich für den Abriß des alten Bauwerks erklärte, setzte Stadtverordneter Moll auseinander, daß im Interesse der Armen die Magistratsvorlage bewilligt werden müsse, wenn auch zuzugeben sei, daß einem Privaten Hausbesitzer kaum gestattet werde, Woh- nungen wie die im Armenhause zu vermieten. Nachdem man vom Stadtverordneten Lehmann noch erfahren hatte, daß die jetzigen Zustände im Armenhause„einfach skandalös" sind, weil der Schwamm in allen Räumen haust, wurde die Magistratsvorlage mit allen gegen die zwei Stimmen der Stadtverordneten Hesse und Michael Müller angenommen. Nach Erledigung einer An- zahl kleiner Vorlagen beantwortete Stadtkämmerer R o h d e eine Anfrage des Stadtv. Heinitz über die Sicherung dauernd aus- reicbender Spielplätze dahin, daß der Magistrat in dieser Hinsicht sein möglichstes tun werde. Eine längere übcrzeugungS- kräftige Rede des Fragestellers über den Nutzen öffentlicher Spiel- gclcgenheiten bildete den Schluß der Sitzung. Bemerkt sei noch, daß auf Antrag des Stadtv. K l c t k e ohne Debatte geschlossen wurde, eine gemischte Deputation einzusetzen, die über die Grund- sähe für die in Wilmersdorf zu befolgende Wohnungs- Wer ist der Verunglückte? Ein junger Radfahrer wurde Politik beraten soll. Was mag dabei herauskommen? Bc vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung gestern abend vor dem Hause Ackerstraße 23 überfahren und so i kanntlich haben Magistrat und Stadtverordnetenmehrheit sich bis 5er etwa? darauf zugute getan, daß.sie durch daS Verbot des BauenS von kleinen Wohnungen die Arbeiterschaft syste- matisch auL Wilmersdorf fernzuhalten suchten. Jngendveranstaltunge». Grotz-Lichterfelde. Am Srnntacr den 20. November, nachmittags 2 Uhr. bäll Landlagsabgeoidncier S t r ö b e I im Restaurant von F Wahren- dorf, Bäkestr. 22. einen Vortrag über.Die Geschichte des ZlltertümS" iRo- mischcs Reich). Um rege Beteiligung bittet Der Iugendausschujz. 5Zus aller Alelt. Cm fozxzliftifdncY CrblalTcr. Paris, 16. November,(©ig. Ber.) Ein reicher Tuchhändler in Rauba ix hat ein ansehnliches Legat— etwa 300 000 Frank— für einen Zweck errichtet, der dem Sozialismus dienen soll. Jaures gibt darüber in der„Humamte" folgendes bekannt: Der Erblosser Peueelle hatte sich aus kleinen Anfängen emporgearbeitet. Als er reich geworden war. entschloß er sich, im Bewnßtsei». daß er sein Vermögen nicht sich allein verdanke, furderhin auf jeden Gewinn aus seinem Geschäfte zu verzichten und ihn seinen Angestellten zu überlasten. Er selbst aber blieb bis z» seinem Tode als Reisender für das Unternehmen tätig. In seinem Testament spricht er den Glauben an den Sieg des arbeitenden Volkes auS. Die Hauptmaste feines Vermögens hat er dem Departement PaS-de-EalaiS hinter- lasten, eine Jahresrente von 10 000 Fr. aber einer Dame zugewiesen. Nach ihrem Tode soll ihre Schwester, falls sie sie überlebt, 7000 Fr. davon beziehen. Das Kapital aber soll, sobald eö frei wird, „Jallres oder einem anderen unbestrittenen Führer des Sozialismus zur Errichtung sozialistischer Schöpfungen in der unmittelbaren Umgebung von Neuve-Cdapelle zufallen, womöglich einer nach den Gru»d''älZen der Glasfabrik von Aldi errichteten Weberei." Der Erblasser hofft von diesen Schöpfungen, daß sie„die armen Leibeigenen dieser Gegend aus ihrer Erstarrung und Furcht emporrüiteln werden". DaS Kapital, das der Rente entspricht, beträgtetwa 300000 Fr. JauröS sagt über seine Verwendung folgendes: Ich kann mir nicht Hoffnung machen, die Aussiibrung des Testaments selbst über- wachen zu können. Die zwei mit der Rente bedachten Personen sind kaum älter als ich und ziveifellos ist ihre Existenz in einer friedlichen Gemeinde des PaS-de-Calais weniger er- schöpfend als die des sozialistischen Agitators. Jaures ist der Ueberzeugung, daß nicht die Errichtung eines Unternehmens, sondern die Sicherung eines Absatzgebietes die größte Schivierigkeit darstellt. Tie Glasfabrik von Albi hat einen Teil ihrer Kundschaft bei den G c n o s s e n s ch a f t e n gefunden. Jauröö hat sich nun entschlossen, die 300 000 Fr., die ihm einst zu- fallen sollen, der Großeinkaufsgenossenschaft zu ver- machen, die— wenn nickt eine Weberei, für die das Kapital viel- leicht nicht hinreicht— so doch am Wohnort Peucelles eine Industrie ins Leben rufen soll, die möglichst viel Arbeitslräfte unter würdigen Bedingungen beschäftigt. Die Werkstatt soll den Namen Peucelles tragen._ Tolstois Kampf gegen den Tod. Die Nachrichten vom Krankenlager Leo Tolstois lassen ein baldiges Hinscheiden des greisen Dichters befürchten. Wie ein Telegramm aus A st o p o w o meldet, ist Tolstoi während der Nacht häufig in Bewußtlosigkeit verfallen. Der Puls des Kran- kcn ist sehr unregelmäßig und setzt öfter auS. Tolstoi zeigt große Schwäche, die Aerzte haben ihm mehrere Kampferinjek- tionen gegeben.— Das Ringen des großen Russen mit dem Tode benutzt die„heilige russische Kirche", um für sich Reklame zu machen. Der Metropolit Antonius hat an Leo Tolstoi ein Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, daß er seit dem Bruche Tolstois mit der Kirche ununterbrochen bete, daß Gott den Abtrünnigen zur Kirche zurückführen möge. Wörtlich heißt es in dem Telegramm:„Es mag sein, daß er Sie bald vor sein Gericht ruft. Ich flehe Sic, den Kranken, an, ver- söhnen Sie sich mit der Kirche und dem rechtgläubigen russischen Volke." Nachdem man den lebenden Tolstoi mit all den niedrigen Mitteln pfäffi scher Unduldsamkeit verfolgt hat— sind doch die meisten gegen den greisen Dichter geführten schurki- schen Streiche auf pfäffi s che Einflüsterungen zurückzuführen—, möchten die„Rechtgläubigen" den toten Tolstoi für sich reklamieren, um so die große'moralische Autorität des Dichters in den Dienst ihrer eigensüchtigen Zwecke zu stellen. Wahrlich, ein recht durch- sichtiges Spiel! Todcssturz eines Aviatikers. Der amerikanische Aviatiker Ralph Johnstone, der vor einiger Zeit den Welthöhenrckord mit etwa 3200 Meter aufstellte, ist am Donnerstag in Denver (Verein. Staaten) aus 150 Meter Höhe abgestürzt und war sofort tot. Von den 2000 Zuschauern, die sich auf dem Flugfeldc befanden, eilten sofort Dutzende zur Unfallstelle, wo sich wüste Szenen abspielten. Viele rissen Teile des Apparates ab, um ein Andenken zu haben. Wegen der „Andenken" kam es mehrfach zu schweren Kämpfen zwischen den Zuschauern und es gab zahlreiche Ver- wundunge n._ Ein Dampfer auf offener See verbrannt. Am Donnersiagabend ist in der Nähe von Dover der französische Dampfer„St. Louis" vollständig verbrannt. Das Meer war lehr bewegt; einem Logger aus Folkestone gelang es erst nach fünfstündiger angestrengter Tätigkeit, so lange in der Nähe des brennenden Schiffes zu bleiben, bis die aus fünf Personen bestehende Besatzung gerettet werden konme. Kleine Notizen. Du sollst nicht töten! Der mchrfack c Raubmörder und Erpresser Karl K o P p i u S wurde gestern morgen in Leipzig auf dem Hofe des Laudgcr'chls bingericktet. Ei» deutscher Frachtdampfer gesunken. In den chinesischen Ge- wässern ist der der Hamburg. Amerika-Linie gehörige Frachtdampser „Lydw" gesunken, das Scviff ist vollständig verloren. Eise»bal>nu»fälle. In der Nähe von Peiersburg wurden durch einen Zugzuiammenstoß auf der Warichauer Bahn dreizehn Personen verletzt. Der Materialschaden ist sehr beträchtlich. — In dem spanischen Orte V a l e n e i a ist ein Schnellzug infolge Versagens der Bremsen über das Blocksignal hinausgefahren und entgleist. Zwei Reisende wurden dabei gelötet, drei er- litten schwereVerletzungen und mehrere Personen wurden leichter verletzt. Opfer ihres Berufes. In dem französischen Orte L o n s- l e- Saunier sind bei einem Mühlenbrand drei an den Löscharbeiten beteiligte Feuerwehrleute durch teilweisen Einsturz deö Ge- bäudes gelötet worden. Daö Hochwasser der Seine. Nach einer Meldung auS Paris ist die Seme in den letzten 2i Stunden u m 50 Zentimeter gestiegen. Der Fluß hat in verschiedenen Vororten von Paris die niedrig gelegenen Straßen überschwemmt. Es wird weiteres Steigen des Wassers befürchtet. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 20. November, vonniltagS 9 Uhr, Papvel-Allee 15—17 und Nixdors, Jdealpassage: Freireligiöse Vor- lesung: vormittags 11 llbr Kleine Frankfurter Strafte 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille:„Tod und Leben."— Nachmittags Uhr Pnppei-Allee 15—17, Vortrag von Herrn Waldeck Manasse:„Unsere Toten". Danicn und Herren als Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter iE. H. 29. Hamburg). Mitgliederversammlungen finden in folgenden Filialen statt: Berlin 2. Sonnlag den 20. November, vormittags 10'/, Uhr, im Märkischen Hos, Admiralstr. 18c.— Berlin 3. Sonnabend, den 19. Na- oember, abend? 8'/, Uhr, bel I Kavser, Reichenberger Str. 151.— Berlin 4. Sonnabend, den 19. November, abends 8'/, llbr(Vortrag mit Damen) bei Merkowski, Andreasstr. 2ö.— Berlin 6. Sonnabend, den 19. November, abends 9 Uhr, bei Karsowskn, Bernauer Str. 82.— Berlin 9. Sonnabend, den 19. November, abends 9 Uhr, bei Gundlach, Waldenserslr. 19.— Berlin 10. Sonnabend, den 19. November, abends 8 Uhr, bei M. Faber, Stepfrniistr. 11.— Tegel. Sonnabend, den 19. No- oember, abends 8'/, Uhr, bei F. Kakies, Berliner Str. 92.— RummclS- b u r g. Sonnabend, den 19. November, abends 8'/, Uhr, bei Oskar Blume. Alt-Boxhagen 59.— Nixdors. Sonnabend, den 19. November, abends 81/, Uhr bei Tabbert, Sleinmetzstr. 114.— Eharlollenburj). Sonnabend, den 19. November, adendS 8'/, Uhr, im Valksbause.— Schöne» Berg. Sonnabend, den 19. November, abends 8 Uhr, bei Obst, Martin- Lulherstr. 51._ BrnfTiaften der Redaktion. D. L. vi). Ja.— Liegnitz 30. Ist da« Geld in Güte nicht zu streichen, so bleibt nur ein Antrag aus Erlaß eines Zahlungsbefehls oder mc Klage beim Amtsgericht Hamburg übrig.— El. 93. 99. Der von der Gesellschaft angegebene Ablehnungsgrund greift nicht durch. Sie können llagen.— Schilk. Sornner Straße. Ihr Schreiben ist unleserlich.— — P. L. 85. Eine solche Poliklinik ist uns nich! bekannt. Vielleicht befragen Sie den(Senossen Dr. Silberslein, Rixdors. Berliner Str. 93— P. 51. 1. Monatlich 11,10 M. Invalidenrente. 2. Aus'Antrag erfolgt Bes ciung.— H. W. Aus hober See versenkt, in der Nähe deZ Landes beerdigt.— H. L. LI. De Würfel sollen gleich sein.— W. P. III. Wir emvseblen grundsätzlich leine Aerzte. Damit Sie nicht einem Psuscher in die Hände sollen, iaien wir, eine Anfrage an Pros. Dr. Blaschko, Pols- damer str. 105, zu richten.— B. B. LS. Die Zentrale für private Fürsorge. Unter den Linden l6, wird Ihnen aus Anjrage die gewünschte Auskunst erteilen.— H. M. C. 11. 1889/90 gegründet, 1895 ausgelöst, nach etwa l>/. Jahren neu ins Leben getreten.— A H. Steter Trapsen höhlt den Stein.— M. S. 21. Befrage» Sie einen Arzt.— E. H. 13. 1. Ja. 2. Lagergeld etwa 50 Pf. monatlich. Zunächst einige Monate warten, daim können Sie einen GrrichlSvollzieh- r mit der Versteigerung beaustragen, falls trotz Nachforschungen die Adresse der Eigentümerin nicht zu ermitteln ist. Aus dem Erlös können Sie sich besüedigen, der Rest tit zu hinterlegen. 3. Auch dann können Sie unseres ErachlenS die Herausgabe von der Bezahlung Ihrer Forderung abhängig machen. — Streit 82. Fragen der Frauenemanzipalivn lassen sich nicht im Brief- kästen belandelii.— St. Z. 15. DaS Mittel können wir nicht empfehlen. Wenden Sie sich an einen Spezialarzt.— F. P. 100. Ihre Frage ist nicht verslänMich. Kommen Sic in die Sprechstunde.— St. 100. 1 Ja. raten in beiden Fälle» zu einer Beschwerde an den Regierungspräsidenten. — R. ii. 12. Nein. ES empfiehlt sich, denselben alS selbständigen Mieter anzumelden.— P. SSO. 173 Stopcnict. Sie können die Anlage heraus- nehmen, müssen aber den ursprüngliche» Zustand wieder herstellen.— R.®. 175 Köpenick. Nein.— A. St. Nein.— Schulden. 1. Nur dann, wenn er ohne Gefährdung seines und seiner etwaigen Familie standesgcmäften Unterhalt und unter Berücksichtigung seiner sonstigen Vor- pfiichtungen dazu imstande ist. 2. Das Alter spielt keine Rolle. 3. In vier Jahren.— P. L. 27. Nein, wenn der Betreffende Kennlnis von her Bestimmung halte und gestrichen ist.— M. 17. Nein. «mtltckier Marktberickit der itädttichen Marktballen-Dtrekklon über den Groftbandel in oen Zentrol-Marklballen'viarttlage: F l e i' ch: Zufuhr reinlich. Ge'chäil eiwas rege. Preise unverändert. Wild: Zilsuhr reichlich, Genväst nicht lebhast genug, Preise nachgebend. G e s I ü q e l: Zumhr genügend. Geichäil lcbiiast, Preise fast unverändert. Fische: Znsuhr reichlich, Geichäst matt, Preise etwas niedriger. Luiter und Käse: Geschält ruhig. Prelle unverändert. Gemüse. Obst und Süd» s r ü w t e: Zufuhr reichlich, Geschäft ansangS still, später lebhaiter, Presse sest. 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Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterte. Ziehung vom 18. November naehmiltag». [|qir die Gewinne über 240 Mark lind deu betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. fOhne Gewähr,.(Nachdruck verboten.) 31 95 162 663[500] 8S8 83 914 6» 1048 130 251 824 «7[ 500] 61 902 41 49[1000] 85 2>I0 tlOOO) 151 284 915 20«CO 3490 519 614 89 4040 109«9 371 517 825 50.18 315 377 3 46[1000] 547[ 3000] 809 005 6S'6 479 552 69 «74 721 978 7665 455 539 880 908 8023 105 257 1500] 503 900 37 00-3 80 157[500] 263 163 639 765 930[SOOO] 10123[ 500] 224[1000] 636 735[500] 78 80« 930[500] 11008 671 896 12331 425 62 704 79 849 75[500] 1320» SO 442 741[5001 81» 96»52 1 4104 10 43 321 53 344 447[500] 68[500] 77 551 01» 80 763 902 81 15057 106 10 219 66 74[ 5000] 378[500]«17«05 725 983 5» 10147 505 754 1 7025 84 353 634 71 639 40 1 8219 74» 91 939 1023»[10000! 46»(1000) 94 6!« 94 754 878 20157 228 69 829 7« 489 619 750 2 1 043 07»11 496 (10001 50« 44 611 65 flOOO) 75 85 913 65 94 2 2017 186 S95 371 409 625 8 7 71 347 965 2 3574 726 809 24lM 42 989 449 586 805 94 918 BS 25087 27« 541 89 tlOOO] «82 926 60 2 0179 467 607«14 99 874 2 7027 91 478 580 721 28034 235 4.18 679 84[500] 617«i 089 20049 181 300 211 431 26 6 72 62!) 35[1000] 30132 67 251 871 81 88[1000] 432 650 748 944 3 1018 08 172 237 499 510 023 809»81 3 2 432 880 83 3 3 2« 088 47 593 889 70 3 4117 31 203 81 355 587 tlOOC] 35041 80 SO» 543 749 838 3 0013 40 828 541 733 859 3 7077 80 118»5 61 813 538[3000] 600[ 600] 849 029 3 8 073 337 69 897 461 76 731[1010] 30120 408.11« 40110[500]«5»81 405 740 916 4 1 077 38?»78[800] 852 002 4 2 743 328[503] 32 417 732 78 4 3098 37«»69 44125 301»8 490 080 775 4 5119 41(500) 398 648 4» 760 4014» 74 248 423 62 552 789 915 47190[500] 7,8 863 48258 Sil 65 513 63 634 773 829 41 03 085 40161 802 610 75Ä 5O054[lOOfl] 270 41« 598[1000] 804 966 51154 84« 73«02 52 614 SO 602 58«4 7 05 09 972 5 2 062 330 964 012 5 3009 970 401«92 54018 17 43 236 488 888 5 5249 715 50V«? 13« 833 37[ 500] 85 9 4 897 tlOOO] 576:8 905 97 5 8048 289 632 736 52 83 87» 50005 39 112 6»»S5 86 317 33 39 76 428 86 745 63 881 988 60108 611 763 815(8000) 6 1 081 2»! 80» 87[500) 81 436 797 0 2026 44 62 H3 Sil 518[3000]«25 894 03-23 [5001 86 342«I 6 4027 806[500] 85 436 590 623 28[ 500] »0(»COO) 723 860 932 0 5073 85 464 80 603 754 866 7» 903 62[500] 00 IC» 299 663 82 737 825 995 6 7021 200 81 455 58 8«2[ 500]»24[3000) 43 0 8 425 71 45» 537[500) 101 966 69089 182 291 99 802 79 432 303 40 781 70047 323 82 573 643 61 82 816 58 941 7 1 24»[106») 072 72109 100 347 066 754 7 3028 738[500] 658 74378 389 469«50 733 63 7 5060(500) 77 90 110[3000] 219»5» 98 507 667[500] 7 0063 181 98[3000] 438 92 504[500] «66 720»43 föM] 64 77100 541 74 790 891 78115«30 [1000] 911 26 69 637 717 62 96 843 7 0031 309 45«7 435 vis$19 929 8016»»49[500]«67 789 8 1 30» 9« 338 477 99 694 « 82078 D» 310 8 3161 286 517[1000] 63« 747 RuOl 842.5 807 38[500] 85110 217 76[1040] 411 650 748 77 80175 320 407 534 94 736 8 7 250 36» 98 437«27 28 [500] 799 983 8 80»«0 31« 877 938[300] 80983 30» 617 37»9 41 815 746 986 __ 90884[580] 107»47 422 75 53» 98«57 707«1 0187» 699 710 883 958 02 9 4 9 2''23(1000)»18[500] 862 43« 815 flOMl.34 03 964 VgOSO 171 461 90 699 812 94003 81«6 563[lOOOl 912 63 95164«48 9 0140 83« BS 336 61 971[MOV] 9 7037 249[3000] 38» 98«3» 701 996 98165 419 ilOV)«77 840 OO010 227 340[500] 554 884 ,.100341 487 530 638«4 1O1020»91 328 09 609 998 1O2051 175 445 84 615 817 50 1 03.. 280024 186 539 606 70 83 807 80 287190[500] 277 434 728 05«[1000] 28812« 956 7 00159 k.'l»Ol 38«98 718 3« 200379[3000] 629 89 703(300) 91 943[1009) 201361 557«Ol 714 207292 430 85« 952 63 63 200016 52 100 283 58« SM BO[500] 294010 191 4?7[IOOO] 75 595 205085»1 102[»MO]»14 728 37 82« I>8» 29012» 42« 83«41 71[1000] 786 BIS[500] 297-87 722 33 81» 91« 63 298044 89 390 50! 38 DOS 917 57 200008[3000) 379 377«78 578 790 919 47 300869 415 790 883[1000] 301188»7« BT» 8)1 302979 287 73 SU SM svsoss 1« U SU KS[500) ZK. 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Der gute Wille ist meistens da, und das ifi der beste Anfang. Kürzlich kamen mir zwei Bücher in die Hand, die recht geeignet scheinen, den Müttern bei ihiem schweren Er- ziehungStverke hilfreich die.Hand zu bieten. Das eine ist ein „Leitfaden für freidenkende Eltern und Lehrer", der cS sich zur Aufgabe gemacht bat, den Leser in die Probleme der modernen Weltanschauung einzuführen. Interessant ist schon das kurze Vorwort des BerfssserS A l o i s L a n g e r. der die etwaigen Mängel des Buches damit entschuldigt haben möchte, weil er„vor- mals römisch-karholischer Theologe gelv�sen ist und erst als Greis angefangen hat, de» Spuren echter Wissenschaft . nachzugehen". Die Entschuldigung war überflüssig, denn nirgends haften dem Büchlein Sparen theologischen Geistes an. Dagegen linden wir darin die Entwickclungstheorie ganz vortrefflich dargestellt. Der Verfirffer hat es besonders verstanden, die an sich recht schwierigen Probleme allgemeinverständlich und gut darzustellen. Der Preis des Büchleins beträgt 75 Pfennige. Ganz anderer Art ist dos soeben im D ü r r s ch e n Verlage er- schienene Buch von Schulrat Rzesnitzek: Schnlpsychologie, UJn t e r r i ch t s- und Erziehungslehre.(Preis 3 M.j Der Verfasser dachte sich das Buch als Grundlage für den Unterricht in Lehrerseminaren! doch bietet es nicht nur Lehrern, sondern auch t�tien, besonders den Müttern, eine vorzügliche Einführung in die nwderne Seeleukunde und ErziehuugSlehre. Die Zweiteilung des Buches in die soeben genannten Fächer gibt dem Verfaiser Gelegenheit, Psychologie und Pädagogik bei der Darstellung vollkommen zu trennen, was eine viel einheitlichere Bearbeitung des ganzen Gebietes ergibt. Auszerordentlich wichtig fiir das ungezwungene Eindringen in diese für Äaien noch fast fremden Gebiete ist die Anordnung, die der Verfaßser seinem Buche gegeben hat. So finden wir in dein ganzen Buche nur kleine Abschnitte, Abschnitte von Z— lö Zeilen gehören nicht zu den Seltenheiten, die ganz für sich bestehen und ganz für sich betrachtet werden könnten. Die Abbildungen über Zellen, Nerven, Gehirn ukw. sind recht anschaulich. So viel über das Aeufiere. WaS den Inhalt betrifft, so bietet er eine vorzügliche Einführung und Grundlage für alle das Schillkind und den Lehrer berührende Fragen. Die verschiedenen Richtungen in der Psychologie und Pädagogik werden in knapper Form charakte- risiert, und jedem Gebiete ist ein umfangreiches gutes Literaturverzeichnis angegliedert. Der Verfasser dieses Buches ist aber ein Schulrat, und daher kommt es wohl, daß an einigen Stellen den herrschenden Anschauungen über Religion und Liebe zum Herrscherhause Konzessionen gemacht werden. Von diesen wenigen Stellen abgesehen, vertritt der Verfafier die modernen pädagogischen Richtungen, und wir können uns mit ihm einverstanden erklären, wenn er über die Volksschule sagt, daß sie:«eine Er- ziehung zur Arbeit als notwendige Voraussetzung der Arbeits- freudigkeit. nicht alleinige Mafienerziebung, sondern auch Persönlich- keitsbildung geben soll".„Die Volksschule darf nie einseifig werden, sondem mutz zu jeder Zeit eine Lebensschule sein." _ Toni Sutzmarm. Versammlungen— Veranstaltungen. ' Di« Deutsche Gesellschaft für Mutter- und Kindesrccht ver- änstaltet Sonnabend, den 19. November, abends 8� Uhr, im Kaiserin-Friedrich-HauS, NW., Luisenplatz 2(Platz am Neuen Tor), einen Vortrag über:„Der Schutz von Mutter und Kind durch reichsgesetzliche Mutterschafts- und Familienversicherung." Rcfe- rent ist Geh. Regierungsrat Prof. Paul Mayet. Der Deutsche Bund für Mutterschutz veranstaltet am 3. und ?. Dezember d. I. im Choralionsaal, Vcllevuestr. 4. eine außer- ordentliche Tagung über das Thema:„Die Mutter in der deutschen Reichsverfich erungsordnung."— Es .sprechen als Referenten: am ersten Tage Frau Marie Stritt über: „Bedeutung der Mutterschaft für dieNation", Herr Albert Kohn über:„Schwan gerschafts- und Wochen- bettversicherung"; am zweiten Tage ReichStagsnbgeordnetcr Dr. Eduard David über:„Mutterschaftsversicherung und VolkShygienc" und Reichstagsabgeordneter Dr. Heinz Potthoff über:„Witwen- und Waisenversicherung. Alle diejenigen, welche zur Tagung eine Einladung zu erhalten wünschen und an der Abstimmung teilnehmen wollen, erhalten zur Abstimmung berechtigende Sparten in der Geschäftsstelle der Orts- gruppe Berlin, Wilmersdorf, Trautenaustr. 20. Gerichts-.Zeitung. Im Interesse der Sffentlichen Ruhe und Sicherheit. Bor dem Amtsgericht Berlin-Schönebcrg wurde gestern wieder, tvie schon in der vorigen Woche, eine Sache verhandelt, die der Vertreter der Anklagebehörde gern mit den„Moabiter Strassen- nnruhen" in Verbindung gebracht hätte. Wieder hatte sich ein Ar- beiter zu verantworten, der in der Uorkstrasse, wo die Kohlenfirma Karstadt ihren Sitz hat, als Streikposten auf und ab gegangen war und dem Schutzmannsbefehl, weiterzugehen, nicht Folge geleistet haben sollte. Die Aorkstratze liegt weit ab von Moabit, und der fragliche Vorfall hatte sich schon am 23. September, noch vor Beginn der„Moabiter Stratzenunruhen" abgespielt, aber das Geschäft der Firma Karstädt ist ein Tochtergeschäft der Kohlcnfirma Rnpfer u. Co. Diesmal war es ein Arbeiter Maschetzke, der gegen einen ihm ausgepackten polizeilichen Strafbcfehl von 1 Woche Haft Wider- spruch erhoben hatte und richterliche Entscheidung forderte. Der Hergang war wieder der übliche gewesen: M. hatte zwar keinen Menschen belästigt, aber ein Schutzmann, der ihn sah, kriegte eS mit der Angst, datz der auf und ab wandelnde Streikposten einen Arbeitswilligen belästigen könnte, und das genügte, den Mann wegzuweisen. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er sei zunächst weggegangen, später aber wiedergekommen. Er habe die Absicht gehabt. Arbeitswillige fernzuhalten.„Eventuell mit Gewalt" er- gänzte der Borsitzende, Amtsrichter Dr. Kleemann, doch der An- geklagte verneinte. Zeuge Schutzmann Süßmann begann seine Aussage so:„Es war am 23. September, wie bei der Firma Kupfer u. Co. gestreikt wurde— Er bekundete dann über den Vorgang bei Skarstädt:„Ich war beordert, Streikende zurückzu- weisen— im Interesse der öffentlichen Ruhe und Sicherheit. Maschetzke beobachtete ich etwa eine halbe Stunde lang, wie er fortwährend auf und ab ging. Ich ging ran und forderte ihn im Interesse- der öffentlichen Ruhe und Sicherheit auf. weiter zu gehen." M. sei gegangen, aber wiedergekommen. Datz M. die öffentliche Ruhe und Sicherheit schon irgendwie gestört hätte, sagte der Zeuge nicht. Zeuge habe aber Störungen befürchtet, weil schon zwei Tage vorher nach Karstädls Arbeitswilligen mit Steinen ge- warfen worden sei. Der Borsitzende erläuterte:„Das war zu der Zeit, wo auch in Moabit die großen Unruhen waren." Da stellte der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld sofort fest, datz zu dieser Zeit von„Unruhen" in Moabit noch keine Rede sein konnte. Der Amtsanwalt gab zu. datz Streikposten erlaubt find. ES sei aber„bekannt", daß sie Arbeitswilligen nicht nur zureden, 1 sondern sie eventuell beschimpfen und nnsshandeln. Mit Recht habe die Polizei die Streikposten aus der Uorkstraße wcggewiescn, nach- dem es dort schon Störungen gegeben habe.„Bekannt" sei ja, datz es in Moabit zu ernsten Ausschreitungen gekommen sei. Werden vorbeugende Anordnungem der Polizei nicht befolgt, so habe das Gericht das nachdrücklich zu ahnden. Geldstrafe treffe den Ange- klagten nicht, die werde bekanntlich aus der Streikkaffe bezahlt. Eine Woche Haft sei das Richtige. Dem Borsitzenden fiel hier ein, datz acht Tage vorher in der oben erwähnten Sache unter seinem Vorsitz nicht nach Antrag des Amtsanwalts die eine Woche Haft bestätigt, sondern 10 M- Geldstrafe festgesetzt worden war. Dem Amtsanwalt bemerkte er daher:„Soweit in der letzten Aeutzerung eine Kritik des vor acht Tagen gefällten Urteils liegt, weise ich sie zurück." Kritik habe er nicht beabsichtigt, antwortete der Amts- anwalt. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Rosenscld, beantragte Freisprechung. M. sei weitergegangen; das Wiederkommen habe der Schutzmann nicht untersagt und gar nicht untersagen dürfen. Es stehe auch nicht fest, datz die Wegweisung zur Erhaltung der Ruhe usw. nötig gewesen sei. An jenem Tage seien ja gar keine Störungen vorgekommen. Der Verteidiger zeigte sodann, datz alles, was dem Amtsanwalt als„bekannt" galt, falsch ist. Keineswegs gehöre es zum Wesen eines Streikpostens, Arbeitswillige zu bc- lästigen. Er habe sie aufzuklären, weil sie oft selber nicht wissen, datz sie Streikarbeit übernehmen und ihren Kollegen in den Rücken fallen. Er habe auch zu ermitteln, wie viele Arbeitswillige ein- gestellt sind, denn danach richte sich die Taktik der Streikleitung. Zusammenstöße seien oft von Arbeitswilligen herbeigeführt worden. Eben erst habe in dem grotzen Prozeß wegen der Moabiter Bor- gange, die der Amtsanwalt hier als strafschärfende» Moment heranziehe, Polizeimajor Klein bekundet, datz er die Bewaffnung der Kupfcrschen Arbeitswilligen untersagt habe und hinterher doch ein Arbeitswilliger den ersten Schuß abgefeuert habe. Unrichtig sei schließlich auch, datz die Streikkasse Geldstrafen bezahle. Keines- falls dürfe gegen den noch unbestraften Angeklagten wegen so ge- ringer Uebertretung auf Freiheitsstrafe erkannt werden. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, datz M. unbedingt Folge leisten mutzte, das aber habe er nicht getan, da er wiederkam. Die Wegweisung sei nötig gewesen wegen der Störungen, die es schon einige Tage vorher gegeben habe. Die Anordnung des Schutz- manns müsse als zweckdienlich gelten, solange nicht nachgewiesen sei, datz sie es nicht war. Die Polizei habe nicht auf Unruhen zu warten, sondern vorzubeugen. M. sei strafbar, doch könne, da er keine Ausschreitung begangen habe und noch unbestraft sei, statt der beantragten Haftstrafe eine Geldstrafe von 10 M. genügen. Die Frage der religiösen Erziehung des Kindes bei Gemischtehen wurde in einem Strafverfahren gegen Herrn Schneider aus Tempelhof(Regierungsbezirk Potsdam) berührt. Herr Schneider ist katholisch, seine Ehefrau evangelisch. Beide einigten sich dahin, ihren 1903 geborenen Sohn evangelisch erziehen zu lassen. Das Kind wurde auch evangelisch getauft. Als eL schulpflichtig wurde, brachte es der Vater in die 2. Gemeindeschule in Tempelhof und hielt es zum evangelischen Religionsunterricht an. Der Rektor schloß eS davon aus und sagte dem Bater, das Kind dürfe an dem evangelischen Unterricht nur teilnehmen, wenn er beim AmtSvor- steher ausdrücklich erkläre, datz das Kind evangelisch erzogen werden solle. Schneider lehnte das ab, weil nach 8 78 II 12 des Allgemeinen Landrechts kein Dritter das Recht hat, zu widersprechen, solange die Eltern über den ihren Kindern zu erkeilenden Religionsunter- richt einig sind. Der Rektor schloß das Kind aber vom evange- fischen Religionsunterricht weiter aus, indem er sich stützte auf eine Anordnung des Regierungspräsidenten zu Potsdam vom 17. Oktober 1902, wonach eine Willenserklärung darüber, datz Kinder in einer anderen Konfession unterrichtet werden sollen, als eS nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen geschehen müßte, von den Eltern vor dem Landrat, Amtsvorsteher oder Notar abzugeben sei. Da nun Schneider seinen Sohn auch nicht in den katholischen Re- ligion?ünterricht schickte, so wurde er wegen unberechtigter Schul- Versäumnis des Sohnes angeklagt. Das Landgericht sprach aber den Angeklagten frei und das Kammergericht verwarf am Diens, tag die hiergegen eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Wenn die Verordnung des Regierungs- Präsidenten zu Potsdam die Bestimmungen des Landrechts ein- schränken wollte, dann wäre sie ungültig. Das sei aber ihr Zweck nicht. Sie gehe nur darauf aus. möglichste Klarheit zu schaffen in den Fällen, wo Eltern verschiedener.Religion von dem Recht aus § 73 II 12 des Allgemeinen Landrechts Gebrauch machten und sich über die religiöse Erziehung der Kinder abweichend von§76 II 12 des Allgemeinen Landrechts einigten, wie im vorliegenden Falle. Der Angeklagte könne aber nicht bestraft werden, wenn er, der mit seiner Frau schon lange einig war, eine solche Erklärung vor dem Landrat, Amtsvorsteher oder Notar nicht abgab und sein Sohn gegen seinen und seiner Frau Willen zum evangelischen Religions- Unterricht nicht zugelassen wurde. Die Wirksamkeit einer Einigung nach Z 78 II 12 des Allgemeinen Landrechts könne eben durch das unberechtigte Verlangen der Regierung zu Potsdam in ihrer Verordnung von 1902 nicht beeinträchtigt werden. Mit R.cht sei S. freigesprochen worden. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Erweiterungsbau des Charlottenburger Rathauses. Der nächsten Stadtverordnetenversammlung wird ein Antrag des Magistrats vorliegen, der die Bewilligung von drei Millionen Mark aus Anleihemitteln fiir einen Erweiterungsbau des Rat- Hauses nach Osten hin fordert. Diese Erweiterung ist nötig ge» worden, obwohl das neue Rathaus erst vor fünf Jahren fertig- gestellt wurde, da die Bevölkerungszahl in diesen fünf Jahren und schon vorher während des Rathausbaues sich erheblich vergröhert hat— vom Jahre 1900, wo Charlottenburg 189 000 Einwohner zählte, bis auf rund 298 000 im Jahre 1910—und da dementsprechend die Zahl der Verwaltungsstellen und vor allem die der städtischen Beamten vermehrt werden muhte, um so mehr, als völlig neue Aufgaben der städtischen Verwaltung entstanden, wie Elektrizitätswerk, Wasserwerk, Wohnungsamt usw. Im Jahre 1905 stand in dem fertiggestellten Rathaus eine Ztmmerfläche von 0400 Quadratmetern für 588 Beamten zur fflerfiigung, heute braucht der Magistrat fast die doppelte Gnindfläche für ungefähr 950 Beamte. Außerdem sind für einige Geschäftsstellen, so für die Sparkasse, die Steuervcrwaltung und die Hoch- und Tiefbauver» waltung, größere Räumlichkeiten notwendig und verschiedene Ab- teilungen, so das Statistische Amt, der städtische Pressedienst, das Wohnungsamt u. a., du jetzt außerhalb des Rathauses unter- gebracht sind, sollen im Rathause selbst Platz finden. Für den En- Weiterungsbau werden die der Stadt gehörigen Häuser in depc Berliner Straße 71 und 70 niedergerissen werden, in dem neuem Bauteil wird an der Berliner Straße vor allem die erweiterte Sparkasse ihr Heim aufschlagen. Die Pläne des Erweide- rungSbaneS, der sich architektonisch dem Gesamtbau des Rathaußes anschlietzen wird, sind von dem Stadtbaurat Seeling entworfen. Schöneverg. Ein schwerer Autoniobilunfall ereignete sich vorgestern abend in der Lutherstratze. Als dort vor dem Hause Nr. 10 die 21jährige Kellnerin Eelma Könitz au» der Kurfürsten str. 147 den Fahrdamin überschritt, um sich nach einein Restaurant zu begeben, lvo sie tätig war, beachtete das junge Mädchen nicht das Herannahen einer Automobildroschke. Obwohl der Lenker der 5kraftdroschke noch im letzten Augenblick auszuweichen versuchte, konnte er das Unglück nicht mehr verhindern. Fräulein K. wurde umgerissen und über- fahren. Die Verunglückte erlitt eine starke Brustquetschung, schwere innere Verletzungen und mutzte in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus« Westend übergeführt werden. Grost-Lichterfelde. Im Bette erstickt ist das 2i/„jährige Söhnchen des in der Stern- stratze wohnhaften Arbeiters C.'Die Ehefrau desselben hatte das Kind in sein Betlchen gelegt und zugedeckt. Als die Mutter nach etwa einer Stimde nach dem Kleinen sah, fand sie zu ihrem Ent- setzen das Kmd tot vor. Der Knabe hatte sich im Schlafe umher- geworfen, war mit dem Gesicht unter das Deckbett geraten und erstickt. In dem Bericht„Aus der Gemeindevertretung" in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" hat ein Druckfehler den Bewilligungseifer der Gemeinidevertretung für Kullurzwecke insofern in strahlendstem Lichte erscheinen lassen, als er für die Errichlung einer einfachen Bedürfnisanstalt die nette Summe von 57 000 Mark nach- bewilligen ließ. Allen Lesern, besonders jenen in Grotz-Lichter- fclde werden die Augen übergegangen sein über die Höhe der auS- geworfenen Summe, mit der ein so profanes und an Umfang ver- bältnismcktzig bescheidenes Häuschen mir aller Pracht und höchster Eleganz ausgestattet werden könnte. Da es sich um eine gemeine Täuschung der Gemeindeangehörigen durch den Druckfehlerteufel handelt, wird gebeten, von der Kulturbcgeisterung unserer Gemeinde- verwalrung einen sehr grotzen Teil und von der Summe eine Null abzustreichen. Lankwitz. In. der am Dienstag bei Schulz. Miihlenstratze. stattgefundenen öffentlichen Versammlung sprach Genosse Schütte über„Portugal und Deutschland". Redner zog einen Vergleich zwischen den letzten Vorkommnissen in beiden Ländern. Eingehend schilderte er den Werdegang Portugals in den letzten Jahrhunderten. Die Versamm- lung war mätzig besucht. Die Parteigenossen werden ersucht, in Zu- kunsc für besseren Besuch der Versammlungen zu sorgen. Köpenick. Ncber daS Thema:„Ans den schwersten Tagen der Parter" referierte Genosse Ulm- Zehlendorf in der letzten Wahlvereins- Versammlung. Nach dem betfällig aufgenomnienen Vortrage widmete Genosse Witzler dem verstorbenen Genossen Engler ciiien kurzen Nachruf; die Versammlung ehrte das Ableben des Verstorbenen in üblicher Weise. Aufgenommen wurden acht neue Mitglieder. Genosse Woick gab alsdann einen Bericht über den Verlauf der Stadt- verorditetenwahlen; Redner forderte die Anwesenden auf, bei der Stächivahl in der zweiten Abteilung am 29. November ihre Pflicht zu erfüllen. Genosse Schubert brächte das Verhalten des Stadtverordneten Genossen Zeidler zur Sprache. Derselbe halte bei der Wahl in der ersten Abteilung sein Wahlrecht nicht ausgeübt. Ein Antrag des Bezirks der Dammvorstadt, der Vorstand möge Schritte unternehmen zur Einricbtung eines Gemeindefriedhofes, wurde nach reger Diskusston dem Vorstand überwiesen. Zum Schluß wurde noch auf den vom Bildunqsausschutz veranstalteten Theaterabend (am Totensonntag) und aus die im Dezember statlfindeude Jugend- schristenausstellung hingewiesen. Dicnsdorf(Kreis Becskow). Die Gründung eines WahlvereinS für DienSdorf und Umgegend zeitigte eine Zusammenkunft einer Anzahl Partciaenossen auS DienS« dorf und Pieskow am Sonntag im Gasthof oes Herrn LuziuS. Sämtliche anwesenden Genossen sowie eine Genossin traten dem Verein bei. In den Vorstand wurden gewählt als erster Vorsitzender Friedrich Rüdiger, als zweiter LouiS Wöbbicke aus Pieskow, als Kassierer Genicindevertreler Emil Graske und als Schriftführer Richard Mehling aus DienSdorf. Wenn irgend möglich, soll zur Förderung des jüngsten Gliedes unserer Kreisorganisation am Sanntag, den 27. November, im Gasthof des Herrn LuziuS eine Vo-llsversammlung stattfinden, zu welcher dem Genossen Z u b e i l das Referat übertragen werden soll. Durch diese Nettgründung des WahlvereinS in Diensdorf dürste die Entwickelung unserer Organisation auch in den benachbarten größeren Dörfern Herzberg und Wienicke ermöglicht werden. NowaweS. Ueber„historische Erinnerungen aus der Zeit deS Sozialisten» gesetzeS" referierte Genosse Schmidt-Karlshorst in der letzten Wahl- Vereinsversammlung. Redner ermahnte die Genossen am Schlüsse seiicks Vortrages, mit der Aufklärungsarbeit nicht zu ruhen, da letzt wieder von den Scharfmachern aller Grade aus Angst vor weiteren Erfolgen nach Ausnahmegesetzen gegen uns geschrien wird. — In den Wahlverein aufgenommen wurden 18 Genossen. Die Abrechnung vom dritten Quartal ergab eine Einnahme von 895,29 Mark, eine Ausgabe von 800,02 M. An die Zentralkasse sind 590,80 M. abgeliefert. Der Mitgliederbestand betrug am Schlüsse des dritten Quartals 834 männliche und 54 weibliche. Zur General- Versammlung von Grotz-Berlin wurden die Genossen Seidenberg, Engel, Krähnberg, Schmeling und Oldenburg gewählt. Sein Amt als Gemeindeschöffe hat der Hofschlächtermeister Langer wegen andauernder Kränklichkeit niedergelegt. Bei der in der letzten Gemeindevertretersitzung stattgefundenen Ersatzwahl wurde einstimmig Gemeindeverordncter Obst in den Gemeindevor- stand gewählt. Der Antrag der Armendeputation auf Verstärkung der Armen- kcmmissionen durch Hinzutvahl je einer Armenpflcgerin brachte ein recht erheiterndes Moment in die sonst sehr ernste Angelegenheit. Die Deputation hatte beantragt, zu diesem Zwecke die Instruktion für die Armenvorsteher und-Pfleger durch einen Zusatz zu er- gänzen, laut welchem die Armenpflege durch die Armenpfleger und eine„verheiratete Armcnpflegerin ausgeübt wird, welche von dem Armenvorsteher in besonderen Fällen sowie auch zu den Sitzungen der Bezirkskommisfionen hinzugezogen werden kann". Hierzu beantragte Genosse Wagner, das Wort„verheiratete" streichen und für die Worte„hinzugezogen werden kann"„hinzugezogen wird" zu setzen. Dadurch suhlte sich nun der Dezernent für das Armenwesen, Schöffe Steiner, in seinen heiligsten Gefühlen ver- letzt, und er beschwor die Vertretung, doch um alles in der Welt den Antrag Wagner abzulehnen, denn— man denke!— es könnte doch einmal vorkommen, daß die Armenpflegerin zu einer— Wöchnerin gehen müsse, und da könne man doch auf keinen Fall eine unverheiratete Pflegerin hinschicken. Trok dieser doch gewiß „durchschlagenden" Begründung, welche wohl den Kulminations- Punkt der Prüderie darstellt, konnte sich die Vertretung nicht ent- schließen, dem Antrage des Herrn Steiner zu folgen, sondern nahm einstimmig den Antrag des Genossen Wagner an. so datz in Zu- kunft zum Besuch armer Wöchnerinnen auch unverheiratete Pflege- rinnen herangezogen werden können. Einem Antrage auf Erhöhung der Unterstützungssätze für die OrtSarmen gab die Vertretung ebenfalls ihre Zu- stimnning. Danach sollen in Zukunft für eine einzelne Person monatlich 0— 15 M.(bisher 3— 9 M.), für zwei eruxichsene Per» sonen 19— 20 M.(statt 0— 15 M.) und für jedes bei den Eltern be» findliche Kind 3—0 M.(bisher 1—3 M.) Unterstützung gezahlt werden. Hierzu bemerkte Herr Vobach, datz man die Armen- kommissionen in ihren Mitteln nicht zu sehr beschränken solle; c» erscheine ihm zweifelhaft, ob die vorgeschlagenen Sätze in allen Fällen ausreichen würden, Herr Steiner erklärt, daß die Armen- rommissionen nur in den Fällen an die keantragien Sätze ge- bunden seien, in denen es sich um Arme handelt, die Mar in No- wawes wohnen, aber in anderen Gemeinden»nterstutzungsberechtigt sind. Diese Armen können nur dann eine HÄHere Unterstützung er- halten, wenn sich die verpflichtete Gemeinde zur Rückerstattung derselben bereit erklärt. Eine wesentliche Erhöhung der Mietsentsckädigungen ist samt- lichen an den hiesigen Schulen besänftigten Lehrverwnen durck die neuen Vorschriften über die Wohnungsgeldznschüsse zmteil geworden, da Nowawes durch die neue Ortsklasseneinteilung in die Servisklasse' C gehört. Die hierdurch herbeigeführte Mehr- belastung des gegenwärtigen Etats beträgt zirka 10 300 M. Für die Mittel, welche von der Vertretung bewilligt werden, ist aus Zinsersparnissen Deckung vorhanden. N'eder-Schckneweide. Der Turnverein„Obersprcc"(M. d. A.-T.-B.) eröffnet am Montag, den 21. November, abends 8 Uhr, im Restaurant.Wald- Haus", Berliner Straße, eine Männer- und Ingendabteilung. Nach dem Turnen Aufnahme von Mitgliedern und Wahl des Vorstandes. Die Turnstunden für bie Männer- und Jugendabteilung finden Montags und Donnerstags, abends von 8—10 Ubr im„Waldhaus" statt. Die Frauen- und Mädchenabteilung turnt Mittwochs, abends von 8—10 Uhr, in der Schiilturnhalle, Friichenslratze zu Ober- Scböneweide. Die Parteigenossen werden gebeten, ihre erwachsenen Söhne und Töchter auf diese Uebungsabende aufmerksam zu machen. Potsdam. Eingemeindungsfragen beschäftigen jetzt die Stadtverwalwng. Die Kolonie Cäcilienhohe deS christlick-patriotischen Arbeitervereins hat ihre Kinder nach Potsdam zur Sckmle geschickt. Nachdem daS Schulgeld aber der Stadt in Höhe der Selbstkosten von der Kolonie erstaltet werden sollte, haben sich einflußreiche Gönner dafür ver- wandt, daß diese Kolonie, sowie Teile des Gutsbezirks Tornow und Hermannswerder nach Potsdam eingemeindet werden. Den für die städtische Politi! maßgebenden BezirlSvereinen ist dies aber nicht recht. Sie wollen diese Bezirke nicht allein, mit RÄcksicht auf die zu erwartenden Lasten, sondern große Teile der kgl. Potsdamer Forst, ungefähr von Templin nach Rehbrücke und die jetzt schon dort befindliche Kriegsschule, sowie die großen geo- dätischen und astrophysikalischeu Institute usw. Der Wald soll später der Bebauung erschlossen werden. Das mehrfache Millionen- Projekt soll die Slädt ausführen. Es ist natürlich sehr fraglich, ob die Regierung auf diesen Vorschlag eingehen wird, da sie bisher der Stadt noch nicht einen kleinen Platz dieser Forst zur Errichtung einer Walder holungs st ätte auch nur mietsiveffe überlassen wollte. Auf der anderen Seite sind aber die Aussichten für den kleineren Bezirk, der allerdings für die Stadt nur sehr'wenig neues Bauland schafft, für die Eingemeindung sehr günstig. Hofmarschallaint und Regierung, die in der Residenzstadt Potsdam fast mehr zu bestimmen haben als die Stadtverwallung, sollen für eine Vergrößerung der Stadt wenig Sympathie haben. Sie wollen sie in ihrem bisherigen „traditionellen'' Zustand erhalten. PlQsch-Nänitel Jackett« m. 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Sohenedeng, Hauptstraße 108. Lerantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: ThMecke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Veriagsanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin bW,