Ur. S7S. nbonnemenls-Bcdingungen: NboimemeMS- Preis prünuineranda i vierleljährl. SP0 Ml., monall. l.ia Ml.. »vöchcntliih 28 Pfg. frei ms Haus. Eiiizelno Pumuicr 5 Pfg. Sonntags- nummci mit tüufiticrtec Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- tlbonuemenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcilmigs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabounemenls nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahr«. CrMtlnt tlglitf) anEer montags. Berliner Bolksblnik. Die TniertionS'Gebflljr Kelrägt für die scchsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Nnuni SO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersanmilungs-Anzeigen 30 VI*- „Kleine Hnoeigen". das erste fsel«. gedruckte) Wort M Pfg., jedes Ivenere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort» Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis t» Uhr nachmittags in der Erpediston abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozialdtinoKrat Rsrlin-. Zentralorgan der foztaldcmokratt fehen parte» Dcutfchlande. Redaktton: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Nie Hüffler entsteht. Wochen hindurch hat die Scharsmacherpresse mit fana- tischer Leidenschaft die Auffassung gepredigt, daß für den Auf« rühr in Moabit und am Wedding die sozialdemokratische Partei die Verantivortung trage. In der Kreisblattpresse, überhaupt in den kleineren Kläffern des reaktionären Blätter- maldes wurde nackt und dürr behauptet, daß die Sozialdemo- tratie nicht nur die intellektuelle und moralische Urheberin des „Aufruhrs", der„revolutionären Vorübungen" gewesen sei, sondern sogar die unmittelbare Anstifteriii. Die konservative, freikonservative und nationalliberale Presse der Großstädte konnte nun freilich nicht wagen, ihren Lesern einen solchen Stumpfsinn aufzutischen. Aber sie erklärte wenigstens dreist und gottesfürchtig, daß, wenn auch die Urheber des Aufruhrs nicht entdeckt werden würde, doch zum mindesten die Sozial- demokratie die moralische Verantwortung für den Auf- rühr insofern nicht von sich abwälzen könne, als sie durch ihre systematische Verhetzung die Stinunung zu solchen Exzessen ge- schaffen habe. Das charakteristische aber dabei war, daß nicht nur die unverkappten Scharfmacher gegen Sozialdemokratie und moderne Arbeiterbewegung in skrupellosester Weise hetzten, sondern daß auch die Z e n t r u m s p r e s s e sich an diesem in- fanien Verleumdungsfeldzuge mit wahrer Leidenschaft be- keiligte. Ganz abgesehen davon, daß eine derartig infame Scharf- macherci sich für eine Partei sehr wenig schickt, die dock) die Interessen der Arbeiterklasse wahrzunehmen beteuert, hatte das Zentrum auch seiner eigenen Vergangenheit, seiner eigenen Erfahrungen wegen die allerbegründetste Ursache, sich der- artiger Verleumdungen zu enthalten. Hat doch das Zentrum wiederholt am eigenen Leibe die Perfidie einer solch verlogenen Verleumdungstaktik schmerzlich genug empfunden. Wenn sich aber damals das Zentrum mit berechtigter Entrüstung gegen die Scharfmacher- und Verleumdungsmethoden einer fkrupel- losen Gegnerschaft wendete, so sollte es jetzt auch ein Rest von politischem Anstand davor bewahren, ganz nach der Methode seiner ehemaligen Gegner nunmehr selbst die Sozialdemokratie zu verunglimpfen� Da das Zentrum aber so völlig seine Erfahrungen aus der Äulturkampfzeit vergessen zu haben scheint, ist ebenso nütz- lich wie interessant, es gelegentlich daran zu erinnern. So wollen wir auch heute sein Gedächtnis durch die Erinnerung an den„Mordversuch gegen F ü r st Bismarck" durch den ultramontanen Böttchergesellen Ludwig Stull« mann ein wenig auffrischen. Nach der amtlichen Depesche vom 13. Juli 1874 verwundete Kullmann durch einen Pistolen- fchuß den Fürsten Bismarck am Handgelenk„und gestand nach feiner Festnahme, daß er den Fürsten w e g e n d e r K i r ch e n- g e s e tz e habe töten wollen." Die offiziöse Presse beeilte sich sofort, die ultramontanc Bewegung für diesen Mordversuch verantwortlich zu inachen, lind als die„Germania" Kullmann zwar einen„nichtswürdigen Verbrecher" genannt, dabei aber erklärt hatte,„Fürst Bismarck könne sich nicht wundern, wenn der Unwillen in dem einen oder anderen Kopfe zum Plane einer verbrecherischen' Gewalttat sich verdichte", da wurde von den kultiirkämpserischen Scharfmachern für das Attentat der „verderbliche Einfluß des ultramontanen Treibens verant- wortlich gemacht,„durch welchen die rohen Massen der katholische u �Bevölkerung zur Auflehnung gegen die Staatsobrigkeit und wilde Ziaturen zur frevelhaften Gewaltsamkeit verleitet werden." AIS dann Kullmann vor dem Schwurgericht zu Würzburg prozessiert wurde, gab sich die Anklagebehörde alle Mühe, gleichfalls das„ultramontane Treiben" für das Attentat verantwortlich zu machen. So spielten schon in der Anklageschrist die„aufreizenden Vorträge des Pfarrers Störmann" eine hervor- ragende Rolle. Und erst recht die Verteidiger machten den Geist des katholischen Männervereins, dessen Mitglied Stull- mann gewesen, für das Attentat verantkvortlich. In seiner Rede hieß es: „Meine Herren! Sie haben die Persönlichkeit des katholischen Pfarrers Störmann aus dem verlesenen Bericht der Polizeiverwaltung zu Salzwedel kennen gelernt; Sie haben einen Vortrag, welchen dieser Geistliche bei Gelegenheit des Bereinsstiftungsfestes gehalten hat, sowie dessen Brief an den Vereinsvorstand verlesen hören. Welcher fanatische und intolerante Geist weht uns aus diesen Schriftstücken entgegen, und doch sind das nur einzelne Bruchstücke, während die eigentlichen Statuten und die anderen Schriften des Vereins einige Wochen vor der kurz nach dem Kissinger Attentat vorgenommenen polizeilichen Haus- suchung angeblich verbrannt worden sind. Welchen unglückseligen Einfluß muß dieser Besuch des katholischen Männcrvereins im Zu- sammenflusse mit dem Lesen der leiden- schaftlich geschriebenen P a r t e i b l ä t t e r auf Kullmann geübt haben." Und am 4. TsMuber 1874 erklärte Fürst Bismarck in einer Entgegnung aus eine Rede des Abgeordneten Windt- Horst:„Aber mögen Sic sich lossage.« von diesem Mör- Der. wie Sie wollen, er hängt sich an Ihre Rockschößefest. Ernenn tSieseineFraktio n." Und dasselbe Zentrum, das sich damals voller Empörung gegen solche scharfmacherische Beziehungen aufbäunite, läuft heute selbst im Troß der elendesten Scharfmacher und Wer- leumder! Aber noch ein anderes historisches Exempel, das das Zen- trum zum Erröten vor seiner jetzigen jammervollen Haltung bringen müßte. In dem soeben erschienenen Büchlein, in dem Herr Bachem seine Erinnerungen aufgezeichnet hat, erzählt er höchst interessante Vorkommnisse aus einem„Aufrluhr", den man, auch zur Zeit des Kulturkampfes, dem Zentrum au die Rockschöße hängen wollte. Im Juli 1876 war es in Marpingen, Bürgermeisterei Alsweiler des Regierungsbezirks Trier, zu Menschenaufläuseu gekommen, weil einige Stinder eine Erscheinung der Mutter Gottes gehabt haben wollten. Die staatlichen Behörden Witter- teu hinter diesen Aufläufen abergläubischer Bauern eine straf- würdige ultramontane und reichsfeindliche Zusammenrottung, die durch einen„betrügerischen, strafrechtlich zu verfolgenden Schwindel" inszeniert sei. Auf den Bericht des Reviergcu- darmen veranlaßte der Bürgermeister von Alsweiler den den Landrat vertretenden Kreissekretär in Saarbrücken zur Be- reitstellung einer Kompagnie Soldaten. Nach solchen Vor- bereitungen begaben sich Bürgermeister und stellvertretender Landrat nach dem Ort des„Aufruhrs". Dort fanden sie— wir folgen hier immer der Darstellung des Herrn Bachem — eine große Volksmenge, stellten sich hinter dieselbe und forderten die Zunächststehenden zum Auseinandergehen auf. Als dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, machte der Bürgermeister der Militärbehörde Mitteilung, im Walde von Marpingen seien die Aufruhrakte verlesen und die Beamten seien durch die Menge bedrängt worden. Um den bedrohten Staat zu retten, erschien schleunigst das M i l i- t ä r und machte eine Attacke auf die Volksmenge. In einem Artikel der„Kölnischen V 0 l k s z e i t u n g" wurde diese Attacke dahin gekennzeichnet:„Es war wie zum Ueber- fallein erSchanze.... Das Militär hat sich benommen tvie in Feindeslan d." Aber damit nicht genug, wurden nunmehr auch die schwer- sten Schikanen über die aufrührerische Gemeinde verhängt: es wurde Einquartierung in den Ort gelegt und nach deren Abzug wurden sieben Gendarmen dort postiert. Woraus der Gemeinde ein Schaden von 4666 M. erwuchs, der durch einen Zuschlag von 115 Proz. auf die direkten Staatssteuern- auf- gebracht wurde. Und als im Dezember des Jahres 1877 das Zentrum im preußischen Abgeordnetenhause den famosen „Aufruhr" und seine Niederwerfung zur Sprache brachte, er- klärte derMinisterdesJnnern, Dr. Friedenthal, daß gegen die Beteiligten nicht nur wegen Betrugs, sondern auch wegen Aufruhrs. Auflaufes und Land- friedensbruchs Anklage erhoben werden solle. Und so geschah es denn auchl Allerdings arbeitete da- mals die Justiz noch nicht ganz so rasch wie in diesen Zeiten der Fabrikation eines künstlichen Sozialistenschrccks. Erst am 3. März 1879 begann die Verhandlung vor dem Zuchtpolizei- gericht in Saarbrücken, die mehr als 26 Sitzungen in An- spruch nahm. Just wie bei dem Moabitcr Aufruhrprozcß waren mehr als 266 Belastungszeugen geladen. Und just wie bei dem Moabiter Prozeß„konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, als habe der Vorsitzende aus den Akten die volle Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten ge- Wonnen, als habe er das verurteilende Erkenntnis sozusagen in der Tasche". Was aber dem Prozeß eine besondere Pikanterie verlieh, war die Entlarvung der niederträchtigenLock- s p i tz e l e i e n, die ein Polizeibeamter bei der Voruntcr- suchung in Marpingen betrieben hatte. Der Polizei- kommissar von M e e r s ch e i d t- H ii l le s s e m nämlich, der kurz nach seiner Ankunft in Marpingen bereits einen die ganze Bevölkerung maßlos beschimpfenden Leumunds- beriefst über die Marpingcr geschrieben hatte, indem er sie als„unterwühlt, franzosenfreundlich, servil, verlogen" und zum Meineid neigend charakterisiert hatte— dieser Polizei- kommissar von Meerscheidt-Hüllessem hatte selbst, als Jr° länder verkappt, aufhetzendeReden gegen Polizei und Gendarmen geführt und sich als Geheim- Polizisten hauptsächlich eines eben entlassenen Zuchthäuslers bedient! Dieser Kriminalkommissar von Meerscheidt-Hüllessem war mit der Wahrheit seiner Bckun- düngen derart umgesprungen, daß ihn Herr Bachem, der da- mals als Verteidiger fungierte, ohne präsidiale Unterbrechung als„einen höchst kopflosen oder höchst gewissen- losen Mann" bezeichnen, ja schließlich aussprechen konnte, daß er„diesen Mann bei Verfolgung seiner Zwecke zu allem fähig halte". Daß notabcne dieser also gestäupte Kriminalkommissar bis zum Berliner Polizei- direktor avancieren konnte, dem erst der Prozeß Stern- bcrg mit seinen Bcstechungs- und Korruptionsasfären das Genick brach, wirft gleichfalls ein eigenartiges Licht auf die Verhältnisse unseres preußischen Polizeistaatsl So erfuhr das Zentrum am eigenen schmerzenden Leibe, wie der„Ordnungsstaat" gelegentlich Anlaß zu Militär- attackcn schafft, wie er Aufruhr inszeniert, sobald es ihm seinen politischen Zwecken nützlich erscheint. So erfuhr das Zentrum, daß gelegentlich skrupellose Polizeibeamte vor keiner Zette- lung, vor keiner Provokation zurückschrecken, sobald sie den Intentionen gewisser Scharfmacher dienen zu können glauben. Und wenn das Zentrum trotz alledem in das verächtliche Junkergeschrei wegen des Moabiter„Aufruhrs" mit vollen Expedition: SM. 63» Lindenetrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984» Backen einstimmte und die Sozialdemokratie gleich den erst- besten freikonservativen Scharfmachern der moralischen An- stiftung dieses„Aufruhrs" bezichtigte, so verrät das einen ganz ungewöhnlichen Grad politischer Verkonimenheit! Wenn aber das Zentrum die Erinnerung an dergleichen Episoden der Kulturkampfzeit vergessen hat, so versteht sie das arbeitende Volk und die ganze unbefangene Oeffentlich- kcit um so besser zu würdigen! V-— Li» anderes Bild. Am Sonnabend hat sich im M 0 a b i t e r Prozeß das Blatt gewendet. Das schöne Bild von der frommen Polizei, die keiner Fliege ein Leid anzutun fähig ist, erfuhr einige sehr wesentliche Korrekturen. Mit groben Strichen hat die Wirklichkeit die harmo- nischcn Linien des K l c i n s ch e n Bildes zerstört, und was uns jetzt cntgegcngrinst, das ist das wohlbekannte Antlitz der Berliner, der preußischen Polizei, das sich im allgemeinen bei keinem Bürger besonderer Beliebtheit erfreut. Aach den Gründen braucht nian nicht lange zu fragen— die Aussage des Kaufmanns Preuß über die Behandlung, die ihm widerfuhr, als er sich in der Nacht zum 27. September nach seinem Geschäftslokale begab, um die zerstörten Schaufenster zu besichtigen, spricht Bände darüber. Eine einzige Zeugenaussage genügte, das Klcinsche Bild zu zerstören, genügte vollkommen, um schlagend zu beweisen, daß der„Vorwärts" in seiner Kritik des Vorgehens der Polizei in Moabit lein Wort zuviel gesagt hat. Diese Kritik ist natürlich bei der Polizei durchaus nicht be- liebt und Zeuge Polizeilcutnant Bismarck behauptet frischweg, daß der„Vorwärts" seit Jahren eine shstcmatische Hetze gegen die Polizei betreibe, die im letzten Grunde an den Vorfällen in Moabit Schuld trage. Mit solchen Anschauungen, die lediglich die so eifrig bestrittene Ileberncrvosität der Polizei beweisen, läßt sich nicht ernst- hast rechten, ebensowenig wie mit der Behauptung, daß die im „Vorwärts" verösfentltchten Mitteilungen des Transportarbeiter- Verbandes, worin gesagt ist, die Streikenden von Kupfer würden alles daran setzen, die Arbeitswilligen fernzuhalten, eine Auf- fordcrUng zu Gewalttätigkeiten gegen die Streikbrecher darstellen. Herr Bismarck brachte das noch bestimmter vor, als Tags zuvor sein Kollege Folte— die unsinnige Unterstellung wird durch die Wiederholung indes nicht bester. Gespannt darf man darauf sein, ob die Anklagebehörde in Ermangelung von Besserem nach diesem Strohhalm greifen wird. Im Interesse der Arbeiterbewegung könnte man es fast wünschen. Denn jeder urteilsfähige Mensch wird sich sagen müssen, daß es sehr faul mit der polizcilich-staats- anwaltschaftlichen Behauptung von dem angeblichen Zusammen- hang der Unruhen mit der Sozialdemokratie und den Gcwerk- schaften stehen muß, wenn sie mit solch lendenlahmen Argumenten bewiesen werden soll. Vergeblich ist alles Bemühen der Staatsanwaltschaft, Material zur Begründung der famosen Vermutungen einer planmäßigen Leitung des„Aufstandes" zu bekommen. Die langgezogenen Pfiffe, nach denen allemal die Tumultuanten auf die Straße kamen, die Radfahrer, die das„Aufstandsgebiet" in Augenschein nahmen. diese gewiß nicht auffälligen Erscheinungen kann wirklich nur eine blühende Polizeiphantasie als Beweise für Leitung und Plan- Mäßigkeit ansehen. Nicht besser fährt die Anklagcbchörde mit ihrem Bestreben, vornehmlich die Arbeiterschaft als die Trägerin der Ausschreitungen hinzustellen und die Rolle des Janhagels möglichst zu verkleinern. Verschiedene Aussagen in dieser Sitzung, selbst die des Polizei- Wachtmeisters Pitt, zeigen den Janhagel als den Verüber der wüsten Ausschreitungen, besonders klar geht das aus der Aussage. des Gastwirts Rittberger hervor. Selbst die unbcdcnkljichstc)! Scharfmacher werden kaum zu behaupten wagen, daß die Leute, die das Lokal Rittbergers ausgeraubt haben, Arbeiter ge- Wesen seien. Gewiß gibt es in der Arbeiterschaft Leute, die sich in der Erregung zu gewalttätigen Handlungen fortreißen lasten— aber daß die deutsche Arbeiterschaft aus Dieben besteht, eine solche Behauptung richtet sich selbst in den Augen eines jeden vernünftigen Menschen. Mit merkwürdiger Vorsicht suchen die Polizeizcugen jeder näheren Aussage über die Betätigung der Kriminalpolizei in Moabit aus dem Wege zu gehen. Auch aus dem 5rrilninalkommissac Kuhn war darüber so gut wie gar nichts herauszubekommen— bemerkenswert ist auch seine Weigerung, über die publizistische Tätigkeit der Polizei während der Vorfälle auszusagen. Ob der Polizeipräsident die Genehmigung zur Aussage geben wird, die die Verteidigung beantragt? Das Unangenehmste von allem, was der Tag der Staats- anwaltschaft und der Polizei brachte, war aber die Aussage des Warcnhausbesitzers Preuß. Wie unbequem diese allerdings für die Polizei und besonders für die Kriminalschutzleute schwer be- lastenden Bekundungen der Anklagebehörde und den Vertretern der Polizei waren, das zeigten ihre eifrigen, aber völlig nutzlosen Versuche, die Aussage zu erschüttern. Der Zeuge hielt ihnen ruhig stand. Nichts könnte bester die Unsicherheit bezeugen, die die Staatsanwaltschaft bereits empfindet, als der Umstand, daß Herr Steinbrecht zu dem geradezu, sagen wir, um einen milden Aus- druck zu gebrauchen, kindlichen Argument griff, der Zeuge könne ja nicht wissen, ob die prügelnden Zivilisten, die er bemerkt, Kriminalbeamte gewesen seien! Das war kein Heldenstück, das war ein.Fehler, den bei kluger Ueberlcgung lein Staatsanwalt begehen durfte! Das Blatt hak sich gewendet. Und eS wird sich noch mehr wenden! politifcbe deberHcbt Berlin, den 19. November 1910. Nur keine Ueberstürzung. J1'' Der«Berliner Lokal-Anzeiger" dementiert die gestern von uns wicdergegebcne Nachricht der„Allgemeinen Fleischer- zeitung", daß die Reichsrcgierung bereit sei, den Forderungen der bayerischen Regierung betreffend die Einfuhr von franzö- sischcm Schlachtvieh in Bayern und die Erleichterung der Ein- fuhr von dänisclien Rindern in Norddeutschland nachzugeben. Von den bayerischen Anträgen sei bisher nur der erste, auf Zulassung der Einfuhr von Schlachtvieh aus Frankreich, von der Ncichsregierung gonehmigt, der letzte, auf Zulassung lebender Schweine aus Oesterreich-Ungarn, abgelehnt worden. Tie bayerischen Anträge auf Beseitigung der See- auarantäne und Tuberkulinimpfung für dänisches Vieh, auf Aufhebung des Einfuhrzolles auf Mais und Flittergerste sowie auf Ermäßigung der Frachten für sämtliche Futtermittel seien dagegen im Bundesrat noch nicht erledigt, ebenso wenigderAntragaufvoriiberqe Heu de Außerkraftsetzung gewisser veteri n ä r p o l i- z e i l i ch e r G r e n z b e st i m m u n g e n. In diesen Fragen könne die IteichSregierung nur im Einvernehmen niit dem Reichstage vorgehen. Im Reichsamt des Innern sei man schon stark damit beschäftigt, das erforderliche Material für diese Beratungen im Reichstage zusammenzutragen. Gegen eine Aufhebung der Sperre an der französischen Grenze habe die Reichsregierung keine Einwendungen zu machen, da seit IV2 Jahren in Frankreich die Maul- und 5llauenseucl>e erloschen ist. Dagegen sei die Reichsregierung nicht gewillt, mehr Schweine aus Oesterrcich-Ungarn in das deutsche Zollgebiet hereinzulassen, als das deutschchsterreichische Abkommen gestatte. ** * Mainz, 19. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Für Mainz ist die Einfuhr französischen Schlachtviehes gestattet worden. Das wöchentliche Kontingent stellt sich auf SO Stück Großvieh und 200 Schweine. Lnndlmndlerifchcr Mandatsschacher. Die Konservativen und Landbündler eifern zwar mit den Brust- tönen tiefster Ucberzeugung gegen die„vaterlandsfeindliche role Rotte", doch wo cS gilt, sich ein Mandat zn verschaffen, sind die Heerführer der Triarier gexn bereit, sich mit der Sozialdemokratie zu verständigen. Unser Stuttgarter Parteiblatt, die„Schwab. Tagwacht" hatte jüngst, um den Wert konservativer Phrasen zn kennzeichnen, behauptet, daß ein bündlerischer Reichstagsabgeordneter um 1900 sein gefährdetes LandtagSmandat zn retten, versprochen habe, der Sozialdemokratie ein anderes LandtagSmandat auszuliefern. Diese Mitteilung wurde von einem konservativen Blättchen, dem„Landmann", entschieden bestritten. Darauf veröffentlichte gestern die„Schwäbische Tagwacht" als Antwort folgenden Brief des Reichs- und Landtagsabgeordneten Vogt- Gochsen(Wirtschaftliche Vereinigung) an einen sozialdemokratischen ReichStagSabgeordneten. Berlin, 14. Dezember 1900. „Gcehrtestcr Herr! Den mir gestern tclegrap'hisch in Aussicht gestellten Brief von Stuttgart habe ich hier erwartet und teile Ihnen hierauf ergebenst mit, daß meine Partei die Kandidatur Lemppenau in Göppingen mit allem Nachdruck aufrecht erhält, wen» Sie den Parteiangehörigcn in Neckarsulm empfehlen und sie veranlassen, für mich einzutreten. Ich persönlich meine, sie werden doch nicht dazu beitragen wollen, daß dieser Bezirk ans Zentrum ver- lorcn geht. Mir selbst wird dadurch kein besonderer Tort zuge- fügt, aber ich möchte nicht, daß eine Partei den Sieg davon- trägt, deren weitere Verstärkung Sie so wenig als ich wünschen können.,., Mit vollkommener Hochachtung Ihr ergebener W. Vogt." Der„Schwäbische Merkur" bemerkt hierzu:„Aus diesem Briefe, von dem man doch annehmen muß, daß er echt ist, geht hervor, daß der Abgeordnete Vogt tatsächlich ein Wahlabkommen mit der Sozialdemokratie abschließen wollte. Der Brief ist ein politischer Skandal und eine Bloßstellung vor allem auch für das bündlerische Organ, das mit seinen Angriffen auf andere Leute sehr rasch bei der Hand war, ohne sich über den Mangel an Sauberkeit im eigenen Hause genügend orientiert zu haben." Geworden ist aus dem feinen Schachergeschäft freilich nichts. Unsere Parteigenossen gingen auf den Vorschlag nicht ein. Tarauf zogen die Konservativen die Kandidatur Lemppenau, die nur eine Stimmenzersplitterung bezweckte, zurück doch Genosse Lindemann wurde trotzdem gewählt. Klerikale Fruktifiziernng der«eneste« Kaiserrede. Die Aufdringlichkeit, mit der die klerikale Presse die Kaiserrede im Kloster Beuron für ihre politischen Zwecke aus- nützt und aus dieser Rede das Eingeständnis Wilhelm II. herausliest, daß er ohne die Unterstützung des Zentrums und der katholischen Kirche, d. h. des Klerus, nicht zu regieren ver- möge, wird selbst der„Kreuzzeitung" zu bunt. Sie richtet folgende heftige Mahnung an den lieben ultramontanen Bmidesbruder: „Wir haben bisher zu der parteipolitischen Fruktifizierung der Kaiserrede durch die Zentrums- presse geschwiegen, weil wir es nicht für ausgeschlossen hielten, daß in der ofiziösen Presse der authentische Wortlaut der Rede veröffentlicht werden ioürde. Da diese Veröffentlichung aus- bleibt, sehen wir uns in der Annahme bestärkt, daß die Rede vertraulichen Charakter hatte und keine politische Kundgebung für weitere Kreise war, also von den Zuhörern ebenso auf- genommen werden mußte, wie andere improvisierte, dem Milieu angepaßte Ansprachen des Kaisers, z. B. in Offiziers- und Be- amtenkreisen, bei privaten Gastmählern usw. Wir glauben daher auch, daß die unbefugte Veröffentlichung der Rede in der Zentrumspresse und ihre politische Fruktifizierung eine dem Zentrum keineswegs erfreuliche Wirkung haben wird. Jedenfalls beteiligen wir uns nicht an dieser Diskussion. Was aber die Nutzanwendung der„Germania" zugunsten des Jesuitenordens betrifft, so müssen wir sie mit aller Bestimmt- hcit ablehnen. Waren schon die Päpste nicht einig in der Be- urteilung des Jesuitenordens, wie dessen Aufhebung durch Clemens XIV. beweist, so wird man uns nicht verdenken können, daß wir die Zulässigkeit dieses Propaganda-Ordens in dem konfessionell gemischten Deutschland auch heute noch nachdrück- lichst bestreiten und durch alle dem Benediktincrorden gc- . spendeten Lobsprüchc uns darin nicht irre machen lassen. A n eine Aufhebung des Jesuitengesetzes denkt die konservative Partei jedenfalls nich t." Wir können es der Zentrumspresse nicht verdenken, wenn sie die neueste Redeleistung des Kaisers für ihre Zwecke aus- nutzt, zumal sie die Logik auf ihrer Seite hat. Wenn der Kaiser Jedes Gläschen Schnaps dedentet eine Kiebesgabe für die ärgsten Volksfeinde! Darttm> Genost'en» Meidet de« Schnaps! sich auf die Ausbringung schöner unpolitischer Toaste bei froh- lichcn Gastmählern und Offiziersliebestafeleien beschränken wollte, fände nicht bald die eine, bald die andere Partei eine günstige Gelegenheit zu den von der„Kreuzzeitung" beklagten „parteipolitischen Fruktifizierungen". Vielleicht regt die „Kreuzztg." an, daß Sr. Majestät allergetreueste Triariek dem Kaisxr zum nächsten Kaisersgeburtstag eine patriotische Adresse überreichen mit der Devise: Reden ist Silber, SchweigenistGold!_ Stimmungsmache. Herr v. Jagow» Berlins geistreicher Polizeipräsident, hat — Ivohl weil er ahnungsvoll fürchtet, daß der Moabiter Prozeß allerlei blamable Enthüllungen über die Berliner Polizeiwirtschaft im Gefolge haben wird— eine Kundgebung an die Berliner Schutz- manuschaft erlassen, in der er dieser seine Anerkennung ausspricht und ihre Fähigkeiten rühmt. Das Wolffsche Telegraphen- Bureau weiß über diesen Erlaß des Polizeigewaltigen von Berlin zu be- richten: In einer Kundgebung an die Berliner Schutzmannschaft hat sich der Polizeipräsident v. Jagow dahin geäußert, daß er in den letzten Monaten häufig Gelegenheit gehabt habe, die helfende Tätigkeit der Beamien der königlichen Schutzmannschaft im Straßen- dienste genau zu beobachten. Er sei deshalb in der Lage, den Straßendienst tuenden Beanitcu seine Anerkennung auszusprechen. Auch aus den verschiedensten Kreisen des Publikums seien ihm mit seine» Beobachtungen übereinstimmende Mitteilungen zugegangen. Der Polizeipräsident schließt mit dem Wunsche, der Schutzmann im Straßendienst möge also nach wie vor üben: Umsicht, Für- sorge und Höflichkeit. Es spricht für das gute Herz des Herrn v. Jagow, daß er die Berliner Schutzmannschaft belobigt; aber die öffentliche Meinung wird kaum seiner AnsichtSäußermig einen solcben Wert beimessen, daß sie sich durch diese irgendwie beeinflussen läßt. Die Stärke der Reichstagsparteieu wird beim Zusammentritt des Reichstages folgende sein: Sozial- d e m 0 k r a 1 e n 52 Mitglieder, Konservative 56 Mitglieder, 2 Hospitanten(Mandat 2. Königsberg unbesetzt), Reichs Partei 20 Milglieder, 5 Hospitanten, Wirtschaftliche Vereinigung 10 Mitglieder. 1 Hoipitant, Deutsche Reform Partei 2 Mit- glieder, 1 Hospitant, Zentrum 105 Mitglieder, 1 Hospitant, Polen 20 Mitglieder. Nationalliberale 4t Mitglieder, 5 Hospitanten, Fortschrittliche Volkspartei 48 Mitglieder. Keiner Fraktion gehören an 18 Mitglieder(Arnold, Dr. Böhme, Bruhn, v. Dannenberg, Dr. Gregoire. Haussen. Freiherr Heyl zu Herrnsheim, Hilpert, Kabelt, Labroiie, Lehmann(Jena), Dr. Graf v. Schwerin-Löwitz. de Wendel, die elsaß-lothringischen Abgeordneten Delsor, Preiß, Dr. Ricklin, Wetterl«, Wiltberger). In den Vorstand des Reichstages sind zu wählen der zweite Vizepräsident(bisher Erbprinz Hohenlohe) und ein Ouästor(bisher Abg. Schmidt-Warburg)._ „Nichtsnutzigkeit." Die christlichen Gewerkschaften sind in den Augen ihrer frommen Brüder von den katholischen Fachabteilu'ngen mit den Sozialdemokraten auf eine Stufe zu stellen, sie werden von der strenggläubigen„Berliner Richtung" genau so be- urteilt und behandelt wie irgend ein roter„Umstürzler" auch. Sie müssen sich sogar von den Fachabteilern genau so viel Schlechtigkeiten nachsagen lassen, ivie die christlichen Gewerk- schaften den Sozialdemokraten nachzusagen pflegen. So hatte jüngst der„Arbeiter", das Organ der Berliner Richtung, die Unruhen in Moabit, Bremen und Köln mit den christlichen Gewerkschaften in Verbindung zu bringen gesucht. Das Zentral- blatt der christlichen Organisationen nennt das eine„Nichts- n u tz i g k e i t Zur selben Zeit ist aber in einem christ- lichen Gewerkschaftsblatt, dem„Deutschen Metall- arbeit er", zu lesen: „Die Kraivalle in Moabit. Bremen. Köln und neuerdings wieder am Wedding im Norden Berlins waren Aus- schreitungeu r o h e st er Art. Sie sind um so viel schlimmer, als sie nicht etwa einer momentanen Er- r e g u n g entsprangen; nein, der ganze Verlans und das Ver- hallen der Beleiligten zeigt die E r z i e h u n g s f r ü ch t e der jahrelangen Verhetzung der Massen durch die Sozialdeinokratie." Wir gestatten uns, das ebenfalls als eine Nichts- n u tz i g k e i t zu bezeichnen und iveisen im übrigen das christ- liche Blatt darauf hin, daß„Ausschreitungen rohestcr Art", namentlich Messerstechereien, nirgeudivo mehr blühen, als da, wo das Zentrum die politische und sittliche Leitung der Massen in Händen hat._ Arbeitsprogramm des preußischen Landtages. Der preußische Landtag wird am 10. Januar zusammen- treten. Noch an demselben Tage wird, wie offiziös gemeldet wird, der Finanzminister Dr. Lentze dem Abgeordneienhause den neuen Etat unterbreiten. Von weiteren Vorlage» befinden sich in Vor- bereitung ein Entivurf über Zweckverbändc; ein Entwurf zur Regelung der Schulpflicht Taubstummer, ein Entwurf über die Ein- führung des Schleppmonopols auf dem Dortmund-EmS-Kanal, ein Entwurf betreffend Einführung der allgemeinen FortbildungSschul- Pflicht für alle gewerblichen Arbeiter unter 13 Jahren, ferner einige kleinere Vorlagen, darunter Eingemeindungsvorlagen. Ungewiß bleibt noch, ob daS Wassergcsetz, die Steuervorlagen und ein Eni- Wurf über fakultalive Feuerbestattung den Landtag in dieser Session beschäftigen werden. Wahrscheinlich ivird das nicht der Fall sein. Der liberale Wahlblock in Württemberg. Die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei in Württemberg haben, wie wir bereits berichteten, für die bevorstehenden Reichstagswahlen ein parteipolitisches Uebereinkommen getroffen, wonach eine gegen- fettige Bekämpfung in den 17 württembcrgischen Wahlkreisen unterbleiben soll. Tie n a t i o n a l l i b e r a l e Partei wird im 1. Wahlkreis(Stuttgart), im 2.(Cannstatt), 4.(Böblingen-Maul- brmm), 5.(Eßlingen), 12.(Crailsheim-Mergentheim), 13.(Aalen- � Ellwangen) und im 17. Wahlkreis(Ravensburg) Kandidaten auf- stellen, die Volkspartei begnügt sich mit dem 3. Wahlkreis(Heil- bronn), 0.(Rcutlingen-Tübingen), 7.(Lahr-Neucnbürg), 8.(Freu- denstadt), 0.(Balingen). 10.(Göppingen-Gmünd), 11.(Backnang- Hall), 14.(Geislingen-Ulm), 15.(Blaubeuren) und 10. Wahlkreis lBtberach). Beide Parteien werden keine Gegenkandidaten auf- stellen, vielmehr die Kandidaten der anderen Partei nachdrücklich unterstützen. Bezüglich des 14. Wahlkreises gilt das Abkommen unter der Borausseyung, daß der bisherige Vertreter eine Kandi- datur wieder annimmt. �Tie nationalliberale Partei hat nach dem Verlust des 2. Wahl- kreises an die Sozialdemokratie bei der Nachwahl diesen Sommer nur noch ein Mandat im Besitz, das des 5. Wahlkreises, der vom nationalliberalen Professor Wetzcl vertreten wird. Aber auch diese letzte Säule nationalliberaler Herrlichkeit wird bei der kommenden Wahl sicher stürzen. Ter jetzige Inhaber des Mandats hat die Wiederannahme der Kandidatur bereits abgelehnt. Die Fortschritt- liche Volkspartci hat den 3. Wahlkreis iNcrumann), 6.(Payer), 7.(Schweit Hardt), 8.(Wagner), 9.(K. Haußmann), 10.(Wieland) und den 14. Wahlkreis(Starz) im Besitz. Vor Abschluß dieses„Uebereinkommens" hat sich unser Stuti- garter Parteiblatt bemüht, für ein parteipolitisches Ueberein- kommen der liberalen Parteien mit der Sozialdemokratie Stimmung zu machen. Tie nationalliberale Partei ließ zurücksageu, daß die grundsätzlichen Gegensätze zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie(Zoll- und Steuergesetzgebung, Monarchismus, Wehrfragen) so große seien, daß ein Zusammengehen unmöglich sei. Tie Sozialdemokratie ist in den bevorstehenden schweren Kämpfen aus die eigene Kraft angewiesen. Sie wird mit Ehren bestehen._ Die„Kreuz-Zeitung" und das„Dachauer Bolksblatt". Die ehrsame„Kreuz-Zeitung" brachte vor einiger Zeit die Meldung, daß ein in Dachau vei München wohnender sozialdemo- kratischer Redakteur gegen den Redakicur eines ZentrumSblatteS ZcugniszwangShaft beantragt habe. Als wir feststellten, daß weder der betreffende Redakteur, ein Herr Bäck, noch sein Blatt, das „Dachauer Volköblatt", sozialdemokratisch seien, schwieg sich zunächst die„Kreuz-Zeitung" aus: jetzt endlich fühlt sie sich aber doch ver- anlaßt, ihre Meldung richtig zu stellen. Sie erklärt: In Nr. 528 brachten wir eine Korrespondenz aus München, in der gesagt war, daß der Redakteur des„Dachauer VolksblattcS", das ein ausgesprochen sozialdemokratisches Organ sei, gegen den Redakteur des Zcntrumsblattcs in Dachau die Zeugniszwaugs- hast beantragt habe. Der„Vorwärts" hatte in seiner bekannten Tonart dazu bemerkt, daß ein solcher Antrag zivar gestellt sei, daß aber weder das Blatt, noch der Redakteur sozialdemokratisch wären. Aus nähere Erkundigungen erfahren wir nun, daß das „Dachauer Volksblatt" zwar nominell das Organ der Dachauer radikalen Juuglibcralen sei, aber in Wirklichkeit ganz sozial- demokratische Tendenzen vertrete. Auch habe der Kläger, Ober- amtsrichtcr Krcichgauer, im Gerichtssaale wiederholt von dem Blatte festgestellt, es huldige sozialdemokratischen Tendenzen, ohne daß der anwesende Redakteur dem widersprochen habe. Das alles ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß es sich nicht um ein sozialdemokratisches, sondern um ein radikal-jungliberales Organ handelt. Tie Schlußfolgerungen des Artikels sind dem- nach nicht gegen die Sozialdemokratie, sondern in diesem Falle gegen die Jungliberalcn zu richten, die ja hinsichtlich des Zeugnis- ztvangsverfahrens mit der Sozialdemokratie einer Meinung sind. Wir stellen die Tatsache hiermit richtig. Wie uns aus Dachau geschrieben wird, ist auch diese„Bericht!- gung" wieder nicht ganz richtig. Das„Dachauer Volksblatt" ist nicht jungliberal, sondern eines jener unparteiischen Blättchen, die je nach den Umständen bald liberal, bald demokratisch, bald tlcrikal schillern. Erst in seiner Nr. 125 vom 25. Oktober erklärte es wieder, daß ihm alle Parteipolitik wurscht sei. Sozialdemokratisch ist es jedenfalls nicht; und wer es sozialdemokratischer Tendenzen beschuldigt, ist entschieden politisch unzurechnungsfähig. Wohl aber ist es in Rücksicht auf seine kleinbürgerlichen und ländlichen Leser recht fromm und gottesfürchtig. Es bringt jeden Freitag die G o t t e s d i e n jt o r d n u n g und tischt seinen Lesern ausführliche Berichte über kirchliche Feste auf. f�rankreick. Eine echt russische Affaire. Paris, 19. November.„Gil Blas" veröffentlicht einen Ar- tikcl über einen Zwischenfall, welcher in der Duma stattgefunden hat, wo das Mitglied der äußersten Rechten P u r i s ch k c w> t s ch eine Rede über die Schulfrage hielt, worin er heftige Ausfälle gegen Frankreich machte. Derselbe erging sich in lebhaften Be- leidigungen gegen Frankreich und sagte unter anderem:„Wir können uns ein Beispiel an dem Auslände nehmen, insofern, als es sich um Deutschland und England, speziell aber u.a Deutsch- land handelt. Aber es ist nicht statthaft, Frankreich zum Vorbild zu wählen, wo die R e g i e r u ii g n u r a u s K a n a i l l e n b e st c h t." Die Beleidigungen der französischen Regierung veranlaßtcn eine Protestkundgebung der Liberalen, aber der D u in a p r ä s i d e n t weigerte sich, dem Redner einen Ordnungsruf zu erteilen. „Gil Blas" fragt, was Frankreich zu tun gedenke, nicht wegen Be- strafung des betreffenden Abgeordneten, sondern wegen der un- qualifizicrbaren Haltung des Dumapräsidcnten, welcher sich zuni Mitschuldigen der direkten Beschimpfung der Republik gemacht habe. Spanien. Neue Strclknnruhcn in Barcelona. Barcelona, 19. November. Zwischen A u s st ä n d i g e n und Arbeitswilligen der Automobilwerke Hispania Suisse kam es neuerdings zu einem Z u s a m in e n st o ß. Die Polizei stellte mit der blanken Waffe die Ruhe her.Ein Ausständiger wurde verhaftet, drei Personen lebensgefährlich verletzt. In Gin et in der Provinz Valencia haben 099 mit dem Orangen- Versand beschäftigte Arbeiter den Ausstand erklärt; sie ver- langen den achtstündigen Arbeitstag. Snglanci. Zur politischen Lage. London, 19. Iiovcmbcr.(Privat- Tologmmm.) Das Bemerkenswerteste an der Rede AsquithS ist das, was sie nicht enthält. Für die Arbeiterpartei ist am wichtigsten, daß das O s b o r n e- U r t»i l bestehen und dadurch die Beivegnngsfreiheit der Arbeiterorganisationen in der unerträglichsten Weise beschränkt bleiben soll. Der Kampf der Liberalen gegen die Lords hört sofort auf. wenn die Lords einen Schlag gegen die Arbeiterorganisationen führen. deren politische Vcrselbständigung und Unabhängigkeit die Liberalen noch mehr fürchten als die Konservativen. Ebenso schweigt sich Herr Asqnith darüber aus, ob er die Garantien vom König erhalten hat oder nicht, obwohl dieses Schweigen die Position der Liberalen im Wahlkamvf schwächen muß. Denn hat Herr Asqnith, Ivie es fast wahrscheinlich ist, diese Garantien nicht, dann ist es sehr leicht möglich, daß auch dieser zweite Feld- zug gegen das Oberhaus nur ein Scheingefecht bleiben wird. Im ganzen hat man de» Eindruck, daß die Taktik der Regierung in den letzten Tagen die Aussichten der Liberalen im Wahlkampf eher verschlechtert hat. Preßstimme«. London, 19. November. In gestern abend gehaltenen Reden der Parteiführer kam zum Ausdruck, daß in dem am 3. Dezember bc- ginnenden Wahlkampf klar entschieden werden müsse, ob das Volk lieber eine 3t e f o r m dcS Hauses der Lords als eine B e- schränkung seiner Befugnisse wünsche. Die liberalen Blätter sind der Ueberzeugung, Asqnith habe vom König das Versprechen erhalten, daß im Falle eines Sieges der Liberalen, eine genügende Anzahl von Peers ernannt werden solle, um den Widerstand der Lords gegen die Be- schränkung ihres Vetorechtes zu brechen. Sie loben alle einstimmig den hohen Mut und die Kaltblütigkeit, die ASquith in dieser KrisiS bewiesen habe. Die konservative n Blätter sind der Zlnsicht, daß die Haltung der Regierung während der Debatte auf M e i n u n g S- Verschiedenheiten unter den Mi» i st er n schließen lasse, und daß das Geschrei gegen die LardS nicht mehr die treibende Kraft habe, wie im vorige» Jahre, besonders mit Rücksicht auf die nach ihrer Meinung schmähliche Behandlung der LordS durch die Regierung. Die Uniouisten feien einiger als je und hofften znvcr- sichilich auf den Sieg._ Eine Rede des Ministerpriisidentcu. London, IS. November. Der Premierminister Asquith eröffnete heute mii eincc Rede im Nanonalliberalen Klub den Wahl- feldzug; beinahe alle Minister waren anwesend. ASquith erklärte, eö seien Umstände eingetreten, wie sie in der Geschichte der britischen Konstitution»och nicht zu vcr- zeichnen gewesen seien. Daö 1906 erwählte Unterhans sei durch da« Oberhaus systematisch lahm gelegt worden. In dem im Januar 1910 gewählten Unterhaus sei eine Mehrheit von mehr als hundert Stimme» für die Beschränkung der Befugnisse d e s O b e r h a u s e S. Die Velokonferenz fei fehl- geschlagen. Man habe daher die Beimihungeu um einen Koißpromiß abbrechen und den Krieg erklären müssen. Alle Wahlen in den Stadtbezirken könnten am 8., die in den Landbezirken am 17. Dezember beendet sein. Die» sei sicherlich besser, als wenn die Wahlen bis nach Weihnachten drohend über dem Lande schwebte». Das Oberhaus müsse auf jene untergeordneten Funktionenbeschränkt werden, die für eine solche Körperschaft angenonnnen seien. Der alte malerische Bau deS Oberhauses sei von seinen eigenen Be- wohnern als unsicher bezeichnet worden. Die großen Fragen, die die Regierung vertrete, könnte» nicht aufgeschoben werden. Darum bitte er die Bevölkerung um ihr Vertrauen. Anders als in Preitße». London, 19. November. 117 Anhält gerinnen des F r a u e n st i m m r e ch t s, die gestern verhastet worden waren, wurden heute dem Polizeigerichr in Bowstrcet vorgeführt. Ein Vcr- treter der Polizeibehörde kündigte hierauf au, Minister Churchill habe nach sorgfältiger Erwägung der Sachlage mit der Polizeibehörde entschieden, daß eine gerichtliche Verfolgung der Anhänge- rinnen dc-s Fraucnftimmrechts bei dieser Gelegenheit keinen Vorteil für d a s ö f f e n t l i ch e I n t e r e j s e bringen würde. Sämtliche Angeklagte wurden hierauf auS der Haft entlassen. Mexiko. Unruhen. Mexiko, 19. November. Nach dem Bericht von Reisenden, die hier aus Puebla eingetroffen sind, begannen die gestrigen Un- ruhen, als die Polizei unter Führung ihres Chefs eine Protest- vcrsammluiig gegen die Wiederwahl Porfirio Diaz' aufzu- lösen versuchte. Diese Versammlung fand in einem großen Saal statt, dessen Tür bei Ankunft der Polizei von einer Frau auf- gerissen wurde, die durch«inen R e V o l V e r s ch riß den P o l i» zeiche f niederstreckte. In dem sich darauf ciitspimicndcu Handgemenge wurde auch ans eiircm Fenster eine Bombe ge. schleudert, die viele Polizisten tötete. Endlich gelang cs, das Gebäude zu räumen. Aus der Stadt Mexiko trafen dann Truppen ein. griffen, verstärkt durch Landleute, das Haus an, in welchem sich die Aufrührer verschanzt hatten, und nahmen es nach bcrdcrseitigem heftigen Gewehr reu er. Eine große Zahl der Aufrührer wurde getötet, darunter mehrere grauen, unter diesen auch die, welche den Polizeichef erschossen hatte. Es wurden 100 Gewehre mit viel Munition beschlagnahmt. Stach den letzten Nachrichte» soll die Ordnung w i e d c r h e r. g e st e l l t sein. Angeblich Kotten die Aufrührer für morgen einen Aufstand in der �stadt Mexiko geplant..Es sind umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Alis der(Relchswcrncherungsordmings- üoinmMion. Sitzung vom Freitag, den 18. November. " In der ersten Lening ist den Ilnlernchinern entsprechend dem geltenden Rcchr die Verpflichtung auferlegt worden, den teckmischen Äuss'chtsbeainlen ihrer Genossenschaft den Zutritt zu ihren Betriebs- statten während der BetriebSzcit zu gestatten und den RcchnungS- bcamte» die Bücher und Listen an Ort und Stelle zur Einsicht vor- zulegen. Dagegen wurde damals gegen d e n W i d e r s p r u ch der Sozialdemokraten abgelehnt, daß die Unternehmer diese Pflicht auch gegen die Mitglieder der Geiiosseiischaftsorgane und die Beamte» des Reichsversicheruiigsamts habe» sollen, wenn sie die Tätigkeit der bezeichneten GenossenschaflSbeamten beauf- sichtige». Jetzt, in der zweiten Lesung, erklärten die Regierungen, sie müßten Wert darauf legen, daß den Unternehmern mindestens gegen die Beamten deS Re!chsbersicherllNgsai»tS jene Verpflichtung auferlegt werde. Denn es sei vorgekommen, daß dem Präsidenten des ReichsversichcrungSanitS die Besichtigung eines Betriebes von einem Belriebsunternehmer verweigert wurde. Die Sozialdemokraten traten auch jetzt wieder für die Aiinahine der ganzen Besliniiniing ei». Da« Z e n t r u m schlug vor, daß da» Recht, die Betriebe zu besichtigen, nur den ständigen Mit- gliedern des ReichsversicheriingSamtö gegeben werde. Dogegen erhoben aber die RegierungSvertreter mit Rücksicht auf die Unfallverhütung in den Bergwerken, Einspruch. Hier seien die Unfallverhülungsvorschriften nicht von der KnappschaftSberufSgenossenschaft, sondern von den obersten Berg- werksbehörden erlasse» worden. Daher habe hier das Reichs- Versicherungsamt nichts hineinzureden. Von den Sozialdemo- kraten, dem Abg. Behrens und anfangs auch von de» Zentrumsabgeordiieleil Dr. Hitze und Becker wurde mit allem Nachdruck darauf hingeiviescn, daß eö Fälle gebe» könne, in denen die Förderung der Unfallverhütung durch das ReichsversicheriiiigSaint auch in den Bergwerken dringend nolwendig fein würde. Schließlich gab aber das Zentrum insoweit nach, daß eS sich damit ein» verstanden erklärte, dem Neichsverncherungsamt das Recht der Be- triebsbesichtigung mir zu dein Zweck zu geben,„uni die Durchführung und Wirkung der erlaiieiien UnsallverhütungSvotschrifien festznstellcn". So wurde dann auch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten be- schlössen. Daniit sind m der Tat die Bergwerke von- der Ver- pflichiung, die Betriebe durch daö Reichsvcrsichcrimgsamt besichtigen zu lasten, ausgeschlossen. Nnteriichmerhctze. In der ersten Lesung ist die Bestimmung deS Entwurfs un- verändert aufgenommen worden, daß der Unternehmer in gewissen Fällen die Pflichten, die ihm auf Grund dieses Gesetzes obliegen, den Betriebsleitern, Anfstchtspersonen oder anderen Angestellten seines Betriebes übertragen darf uud dann von Strafen frei bleibt, wenn der Stellvertreter den Vorschriften zuwider handelt; die Strafe trifft allein den Stellvertreter. Dies sollte jedoch nicht gelten für die Pflichten, die den, Uiiternehmer auf Grund der UnfgllverhütungSvorschriften ob-- liegen. Das Zentrum beantragte, daß der letzte Satz gestrichen und den Uiiteruehmern das Recht erteilt werde, auch ihre Pflichten in beziig auf die Unfallverhütung den BetricbSbcamlen ihres Betriebes zu übertragen. Die S o zi a l d e m o lra t e n wiesen darauf hin, daß ein Unternehmer eine solche Person mit seiner Vertretung betrauen kaiiii, die zahlungsunfähig ist! dann könnte die Strafe gar nicht eingetrieben werden. Infolgedessen fügte das Zentrum seinem Antrage zu. daß der Unternehmer für die Strafe haftet, wenn sie von dem Stellvertreter nicht einzutreiben ist. Gegen diese» Zusatz trat der n a t i o n a lli b e rale Ab- geordnete Hausmann entschieden auf. Wenn der Uiiternchmer nach bestem Wissen und Gewissen seinen Stellvertreter bestimmt habe, dann müsse er unter allen Umständen von Strafe frei bleiben. Die Kominission ließ sich aber auch durch diese Beschwörung nicht abhalten, den Zcutrumsaiitrag mit dem Zusatz anzunehmen. Hierauf wurde» die Bcstinimuiigen für die landwirtschaftliche BcrufSgciiostciischaft beraten. Im allgemeiiien wurden unwesentliche Aenderungen au den Beschlüffen der ersten Lesung vorgenommen. Hervorzuheben ist nur der Zusatz, daß die GenostenschaflSversammluilg mindestens jährlich einmal einberufeu werden muß. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt. Em der Partei. Ein Ausgetretener. Aus der Partei und aus dem deutschen Textilarbcitervcrband ausgetreten ist nach einer in der gegnerischen Presse veröffentlichten .Erklärung" der ehemalige Lokalrcdakteur der„Mülhauser Volks- zeitung" und noch frühere Lokalbeamte des genannten Verbandes Jean Metz aus Diülhausen i. Elsaß. Wie tief gesunken der Aus- getretene ist, beweist, daß er in der Mülhauser Unternehmcrpressc allerlei dunkle Anschuldigungen gegen den Verband und die Partei veröffentlicht. Aus dem Partcibetricb wurde der Exgeuosse m i t seiner persönlichen Zustimmung durch die Prcßkom- Mission entfernt, weil sein moralisches Verhalten das bedingte. Seine früheren Kollegen, die Textilarbeiter Mülhausens, haben sich mit den Verdächtigungen des Metz beschäftigt und e i n st i in m i g eine Resolution angenommen, daß sie es nicht für notnxxndig halten, sich mit einem derartig heruntergekommenen Exkollegcn weiter aus- ciiiauderzusctzen. Eine große Attraktion scheinen die gegnerischen Parteien mit dem neugewonnenen Bekämpfcr der Sozialdemokratie danach nicht gemacht zu haben. Tie Partei kann sroh sein, daß sie einen der- artigen Menschen los ist._ Gciitciitbewahlerfolge. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Muskau(Obcrlausitz wurden in der 3. Abteilung drei Sozialdemokraten mit großer Majorität gewählt. Muskau ist der Sitz des Grafen Arnim, der seinerzeit im Reichstage, als Genosse Bebel in ergreifender Rede die Not eines Kindes schilderte, den bekannten Zwischenruf machte:„Der Vater hat wohl alles ver- soffen!" Graf Arnim ist ein eifriger Förderer der gelbeti Arbeiterbewegung und unterhielt eigens zu diesem Zwecke einen Sekretär in Mnskau.— Wie unser glänzender Wahlerfolg zeigte, hat er aber damit den Fortschritt unserer Partei nicht aufhalten können._ Tie Organisation der Sozinldcmokratie Nicdcr-OcstcrreichS blickt noch dem Berichle der LaiiveSparieivertretiing an den Landes- Parteitag auf eine tüchtige Eutivickelimg zurück. In Durch« fiihrnng des Reicvenberger ParleitagSbeschlnslcs war vornebmlich die bisherige lockere Organisatioi» in die vcrcinsmäßige überzuführen mit einem Mouatsbeitrag von mindestens 20 Heller(17 Pf.). Ende 1909 waren rund 2500, am 30. Juni 1910 20 801 Vereinsmitglieder vorhanden. Dazu kommen noch etwa 18 000 srei Organisierte, zu» sainmen 45 000 bei 115 000 gewerkschaftlich Organisiemii. In der Provinz bestehen 147(i. V. 128) örtliche Orgmiisatioiieii mit 11 106(8787) Mitgliedern, wovon 5730 in den Vereinen. Dem Landes fr a u e n komitee sind in Wien 2410, in der Provinz 1375 Frauen angeschlossen, zusammen 3791. Die I n g e n d orgaiiisalion zählt in Wien 18 Ortsgruppen mit 1758, im Lande 10 Gruppen mit 383 Mitgliedern, zusammen 2141. Gemein deVertreter sind 7 in Wien, 143 in weiteren Gemeinden vorhanden. 94 politische Verfolgungen, zumeist prcßgesetzlicher Art, führten zu 82 Geld- und 12 Arreststrafen._ Auskunftsstrllc der im Auslande lebenden Sozialdemokraten deutscher Zunge. Auf die Initiative des„Deutschen Sozialdemokratischen Lese- klubs" in Paris hin hat eine Konferenz der Vertreter deutscher Orgaitisatioiicii im Auslande gelegentlich des Internationalen Kongresses. in Kopenhagen stattgefunden. Es wurde die Gründung einer„Auskunftsstclle der Sozialdemokraten deutscher Zunge im Auslände" beschlossen und der„Deutsche Sozialdemokratische Lese- klub" in Paris mit der Ausführung dieses Beschlusses betraut. Die Generalversammlung des Lcseklubs vom 15. Oktober 1910 wählte zu Leitern des Unternchmens seinen Vorsitzenden, den Genossen Joses S ch r e h e r, das Mitglied des deutschen Gcwerkschaftskartells in Paris, Genossen Paul R i c b k c, und den Partcischriftstcller Gc- nopen S. Grumbach. Als juristischer Beirat wird das Mitglied des französischen Partcivorstandcs, Genosse Rechtsanwalt Uhry. fungieren. Die Auskunftsstelle bezweckt, alle Anfragen, betreffend die poli- tischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Auslandes, Lohn- sätze, Arbeitszeit, Verhältnisse des Arbeitsmarktes, rechtliche und soziale Einrichtungen im Auslande, so gut als möglich zu bcant- Worten und dadurch den AuSwanderungslustigen mit Jnforma- tionen uud Ratschlägen an die Hand zu gehen. Mit Arbeiisvcr- Mittelung beschäftigt sich die Auskunftsstxlle nicht. Ferner will die Austunftsstelle sich den deutsch sprechenden Genossen im Auslande in allen organisatorischen Fragen zur Verfügung stellen. Als ofsi- zielle Organe werden neben den in Berlin und Wien erscheinenden Arbeiternotizkalendern als Pnblikationsorgane dienen:„Vorwärts"- Berlin,„Arbcitcrzeitung"-Wien, ,,VoIksrccht"-Zürich und„Vor- wärts"-Ncw Dork. Um eine möglichst erfolgreiche Tätigkeit ausüben zu können, 'ist einerseits eine präzise Fragestellung, anderseits die selbstlose Be- reitwilligkcit derjenigen Personen und Körperschäfte» erforderlich, die von der Auskunftsstclle als Jnformationsquelleii in Anspruch genommen werden. Auskünfte werden nur an politisch oder gewerkschaftlich organisierte Genosscu erteilt. Der Auskunftsuchcndc hat seiner Aufrage Rückporto in Briefmarken beizulegen. Die Fragebogen werden den Bezirks- und Landes- organisatioycn oder den gewerkschaftlichen Zentralverbänden zu- gehen und durch deren Vermittclung den auskunftsuchenden Gc- iiossen zur Verfügung gestellt werden. Briefe und Geldsendungen betr. die Auskunftsstellc siud zu richten an: Josef Schleyer, 11 Bd. d'Enghicn— Enghien-Les- BainS—(S. u. O.) Frankreich. poliMili-Kes, 0ertchtllchc9 ulw. Wegen Beleidigung der Richter des Lieg- nitzer Schöffengerichts wurde der verantwortliche Re- daktcur der Äreslauer„Volkswacht", Genosse Reinhold Darf, von der Breslaucr Strafkammer zu einem Monat Ge- fängnis verurteilt: Tie„Beleidigung" wurde in der Kritik eines Schöffengerichtsurteils gefunden, da» einen Liegnitzer Gc- nostcn wegen angeblicher Veranstaltung eines unerlaubten Mai- umzugeS zu drei Tagen Haft verurteilte. jfiigendbeweguug. „Arbcitcr-Jngend". Tie soeben erschienene Nummer 24 hat unter anderem folgen- den Inhalt: Fort mit der Schundliteratur. Von C. Döring.— In Dalarne. Reiseskizzen aus Schweden. Von Engelbert Graf.— lieber die Entstehung deutscher Städte.(Schluß.)— Die Pflanze kann cS dich lehren!(Illustriert.)— Wie ein Pastor über das Kesseltreiben auf die freie Jugend urteilt. Von P. Ristau.— Jugcndkonferenz in Schleswig-Holstein.— Aus der Jugendbewegung.(Leipzig, Weißenfels.)— Jüiiglingsvereine und Jntcrnationalität.— Vom Kriegsschauplatz usw. Beilage: Die Bestie Krieg. Von Emil Unger.— Vom Drachen.(Illustriert.)— GracchuS BavSuf.(Mit Bild.) Von A. Conrady.— Bücher für die Jugend.(Literatur zur Gesund- hcitspflegc.)'— Wie der Teufel ins Weihwasser fiel. Von Richard v. Volkmann-Leander.— Der Turnvater im Reich der Frösche. (Bild.)_ Soziales* Abäiiberuitg der Tischzeit. Ein Rechtsstreit wegen Verlegung der Tischzeit kam in der letzten Sitzung der 1. 5tammer deS Ber- lincr Kaufmannsgerichts zum Austrag. Ter Sachverhalt in dem Prozesse war folgender: Ter Kläger I. hatte beim Engagement mit Beklagtem L. eine tägliche Tischzeit von 11 bis 1 Uhr vcr- einbart. Nach einiger Zeit verlangte der Prinzipal, daß von 1 bis 3 Uhr das Geschäft geschlossen werde und daß das ganze Personal während dieser Zeit zu Tisch gehe. Der Klüger weigerte sich am ersten Tage der Neucinführung und wurde, als er auch am zweiten Tage seine alte Tischzeit beibehielt, sofort entlassen. Im Termin stützte sich Kläger auf die getroffene Vereinbarung, die nicht willkürlich von einer Seite abgeändert werden könne. Er habe seine ganze Wirtschaftsführung zu Hause auf die vertraglich fest- gelegte Tischzeit eingestellt und könne nicht wegen plötzlicher Sinnes- änderung des Chefs alles umwälzen. Das Kaufmannsgericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung des Rcstgehalts bis zum Ablauf der Kündigungsfrist. L. könne nicht verlangen, daß der Angestellte binnen 48 Stunden� seine immer innegehabte und vertraglich vereinbarte Tischzeit ändere. Allerdings gäbe der Beklagte in diesem Falle besondere Motive für sein Verlangen an, nämlich den Verdacht, daß der Kläger nach seiner Tischzeit, wenn er allein im Geschäft sei, die Geschäfts- büchcr durchschnüffele und durch Verbreitung umvahrer Angaben über die schlechte Vermögenslage des Chefs die Interessen des Gc- schäfts geschädigt habe. Indessen sprechen die Motive für das Verlangen einer Aendcrung der Tischzeit nicht mit. Vom„Segen" der BetriebSkrankenkassen. Ter„Proletarier" bringt folgenden Fall der Behandlung eines Arbeiters in der Ackriebskrankenkasse der Notherschen Kunst- Ziegeleien in Licgnitz zur Kenntnis. Nach einem sehr langen Streik bei der Firma meldete sich der mit seinen anderen Arbeits- kollegen schon wieder tätige Arbeiter H. bei dem BetriebSinspekior mit dem Ersuchen um cincn Krankenschein. Der Mann hat schon 30 Jahre für die Firma gearbeitet. Den Krankenschein er- hielt er mit der schriftlichen Randbemerkung des Herrn Knur: „Wegen StreikcnS noch arbeitslos." Durch den Arzt aufmerksam gemacht, forderte der Arbeiter von dem Betricbsinspektor einen neuen Krankenschein. Dieser enthielt� die folgende Bemerkung: „Ter p. H. hat die Arbeit aufgenommen, ist Arbeit überhaupt nicht mehr gewachsen und scheint sich auf eine gewisse Zeit noch etwas Verdienst durch Kranksein beschaffen zu wollen, Herr Doktor, dies bitte zu beachten." Der Doktor beachtete dies natürlich auch, und der wirklich kranke Arbeiter wurde eben nicht krank geschrieben. Ter Fall illustriert trefflich die Gemeingefährlichkeit deS Be- tricbskrankcnkasscnsystcins. Ev reiht sich dem berühmten Hau- noverschen Fall an, in dem der nichtsahnende Arbeiter dem Arzt einen Uriasbrief überbringen«nußtc. Streikposten dürfen nicht geduldet werde». Streikposten werden von der Polizei weggewiesen, auch wenn sie keinem Menschen— außer dem bestreikten Niitcrnehlncr— im Wege sind. Auch wer zu Unrecht in den Verdacht gerät, ein Streikposten zu sein, muß„macheu, daß er fortkommt". Tut er cS nicht, so gibt cS das übliche Strafmandat. So erging cs im September zur Zeit des Glasarbritcrstrciks bei der Glühlampen- fabril Krüger«. Friedeberg in der Kastanicnallee auch einer Ar- bcitcriil Frau Kallenbach, die mit streikte und durch die Kastanien- allee gehen mußte, um ihre Strcikkarte abstempeln zu lassen. Ein Schutzmann forderte sie auf, weiterzugehen. Als sie erstaunt ant- wortetc, sie tourme ja eben erst an, wurde sie festgenommen und mit ihr ein Arbeiter Gräbert, mit dem sie ciiiige Worte gewechselt hatte. Beide bekamen ihr Strafmandat. Frau Kallenbach erhob Widerspruch und stand nun am Sonn- abend vor den Schöffen des Amtsgerichts Berlin-Mitte(143. Ab- teilung). Gegen die Darstellung, die sie gab, konnte Schnbmann Voigt läudcr nichts von Belang vorbringen. Weggewiesen habe er Frau K.»im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung", da- mit nicht Arbeitswillige belästigt würden. Sie und auch Gräbert hätte ihm geantwortet, die Straße gehöre dem Verkehr, jeder könne gehen, wo er wolle. Er, Zeuge, habe mit Sistierung gedroht, falls sie wieder vorbeikämen, und als sie trotzdem wieder vorbei- kamen, habe er beide sistiert. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld stellte folgenden Beweisantrag: Der Angeklagten sei von einer am Streik beteiligten Person gesagt worden, daß ein Polizcileutnant von Streikenden ausdrücklich gefragt worden sei, wie sie sich verhalten sollen und er geantwortet habe» sie dürften auf und ab gehen, aber nicht auf der Granitbahn stehenbleiben. Polizeilcutnant Wolter, der das gesagt haben sollte, bekundete als Zeuge, er habe nichts Derartiges gesagt, vielmehr habe er angc- ordnet. Streikposten wcgzuweisen. Er fügte hinzu, das Streik- postenstchcn werde von den Streikenden ausgenutzt und cs würden von ihnen Rechte daraus hergeleitet, die sie nicht haben. Auf Be- fragen deS Verteidigers gab er hinterher zu, ihm sei bekannt, daß Streikpostenstehen erlaubt sei.„Selbstredend ist das." sagte er,„erlaubt, wenn der Posten nur dasteht und niemand.hindert; aber die fassen ja ihre Aufgabe anders auf." Also, wenn der Pesten„niemand hindert", gilt diesem Polizeilcutnant daö Streit- postenstehen als erlaubt. Trotzdem blieb er dabei, eS sei aus- geschlossen, daß er irgcndwem erlauben würde, auf und ab zu gehen. Tie Vernehmung Gräberts, der bekunden wollte, daß auch ihm das, und zwar von einem Schutzmann als zulässig bezeichnet worden sei, wurde vom Gericht abgelehnt. Ter AmtSanwalt sah als erwiesen an, daß Frau K. nicht un- bedingt Folge geleistet habe. Das Streikpostenstehen, klagte er, sei weit verbreitet. Es sei bekannt, daß Geldstrafen für Streik- Posten von Streikkassen bezahlt werden. Darum müsse er 3 Tage Haft beantragen. Ter Verteidiger forderte Freisprechung. Er hob hervor, daß Frau K. gar nicht Streikposten gewesen sei. Aber rlbst wenn sie cS gewesen wäre, so habe kein Anlaß vorgelegen, ie„im Interesse der Ziuhe und Ordnung" wegzuweisen. Es sei durchaus falsch, von einem Streikposten ohne weiteres anzunehmen, daß er Arbeitswillige belästigen könne. Er habe den Verlauf des Streiks zu«beobachten und nötigenfalls Arbeitsivillige aufzu- klären, wofür diese selber oft sogar dankbar seien, da nur zu viele auS NnkenntniS der Sachlage sich zur Streikarbeit hergeben. Durchaus falsch fei auch die Annahme, daß Streikkassen die Geld- strafen für Streikposten bezahlen. Das Strafmandat der Polizei habe eine Geldstrafe als ausreichend angesehen, aber freilich in Höhe von 30 M., was immer noch eine große Härte fei gegen- über einer Arbeiterin, deren Wochenlohn weit darunter bleibt. Das Urteil sprach die Angeklagte schuldig. Sic habe die Auf- forderung� weiterzugehen, nicht unbedingt befolgt. Diese sei nötig gewesen„im Interesse der Ruhe und Ordnung"; denn, so sagte die Begründung,„selbstverständlich werde» Strcitpostei, hingestellt, nm von der Arbeit abzuhalten". Statt der beantragten Haftstrafc reiche aber eine Geldstrafe von 15 M. aus. Wodurch das Gericht alg eNviesen ansah, daß es sich hier um einen„Streikposten" handelte, da? sagte die Urteilsbegründung nicht. Gewcrkrcbaftllcbw. Die Gelben und der JMoabiter prozcß. Das Organ der Gelben der„Bund" war so schön im Zuge, um die Vorkommnisse in Moabit für die gelbe Sache auszuschlachten. Da wird festgestellt, daß einer der Ange- klagten ein bewußter Gelber ist. Der Mann hat den Gelben das ganze Konzept verdorben, und um die Bahn wieder frei zu machen, versuchen die Obergelben, den Angeklagten, der sich in Moabit als Gelber echtester Gesinnung bekannt hat, von ihren Rockschößen abzuschütteln. Im„Bund" vom 20. d. M. erscheint eine kleine Notiz mit der Ueberschrift: Kein Gelber im Moabiter Kra mallprozeß. Am Schluß dieser Notiz heißt es: Daß Albrecht(der Name des gelben Angellagten) sich gegen Zahlung von ö0 Pf. im Gelben Arbeitsnachweis Arbeit verscl>afft und auf Grund der Arbeits- nachweiskarte freie Rechtsauskunft geholt hat, macht ihn noch nicht zu einem AnHanger der gelben Arbeiterbewegung. Mit dieser Notiz wird wieder einmal versucht, die Oeffentlichkeit zu täuschen. Selbst wenn der gelbe Angeklagte nichts weiter getan hätte, als die 50 Pf. im Nachweis der Gelben zu bezahlen, dann ist er damit eben Mitglied des gelben Arbeitsbundes geworden. Für die 50 Pf., die beim Besuch des Nachweises der Gelben bezahlt werden, erhält der Besucher eine M i t- §l i e d s k a r t e des gelben Arbeitsbundes mit dem Nationale es Mitgliedes und dem Datum der Aufnahme ver- sehen. Außerdem enthält die Karte das seinerzeit aufgestellte Programm der Gelben. Um aber den ganzen plumpen Ver- such des Abschüttelns recht drastisch in die Erscheinung treten zu lassen, sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß in der- selben Nummer des„Bund", in der dieser Versuch gemacht wird, folgende Vereinsnachricht steht: Pcrliu. Die unentgeltliche juristische Sprechstunde für Mitglieder des gelben Arbeitsbundes findet an jedem Mittwoch, abends von 7— 9 Uhr, im Arbeitsnachweis, Jnvalidenstr. 142, statt. Jeder Besucher üiuß sich durch seine, vom Vertrauensmann mit dem Datum versehene Bundeskarte bezw. Mitgliedsbuch ausweisen. Damit ist klar festgestellt, wie vergeblich der Versuch ist, den Angeklagten Albrecht von den Rockschößen der Gelben abzuschütteln. Nein, Ihr Gelben! Albrecht ist seiner Mitgliedskarte und seiner Gesinnung nach ganz der Eure!_ ßcrUn und Umgegend. Vereinbarungen in der Schraubenindnstrie Berlins. Der Streik der Arbeiter und Arbeiterinnen der Schrauben- fabriken hat nach kurzer Tauer zu einer Vereinbarung zwischen den Organisationen beider Parteien geführt. Es haben gestern vor- mittag weitere Verhandlungen stattgefunden. Sie dauerten von 10—12 Uhr, und unmittelbar darauf berichtete Handle darüber in der Versammlung der Streikenden. Die Verhandlungen setzten dort ein, wo sie am Donnerstag gesck>eitert waren, nämlich bd der Forderung auf Erhöhung der Akkordpreife. Es war äußerst schwierig, eine Einigung zustande zu bringen. Es gelang jedoch schließlich auf Grundlage einer Erhöhung des Stundenverdienstes um Proz. vom 1. Januar 1911 ab. Die Vereinbarungen, die dann die Zustimmung der Vertreter beider Parteien fanden, sind folgende:„In der Verhandlung arn IV.jKovember 1910 zwischen der Kommission des Vereins Berliner Schraubenfabrikanten und der Lohnkommission des Verbandes der Metallarbeiter sind folgende Vorschläge gemacht worden, die zur Einigung geführt haben: 1. In der Regel wird nach Akkordprcisen gearbeitet. Dort, wo in Lohn gearbeitet wird, geschieht dies nach freier Vereinbarung, jedoch nicht unter 60 Pf. pro Stunde. 2. Ungeübte oder Arbeiter, die in Metallschraubcnfabriken an Maschinen»och nicht gearbeitet haben, werden die ersten vier Wochen nach Vereinbarung entlohnt und erhalten dann bei Lohn- arbeit nicht unter 45 Pf. pro Stunde. 3. Arbeiterinnen, welche auch in der Regel in Akkord be- chäftigt werden, erhalten einen Lohn nach freier Vereinbarung, edoch nicht unter 37.5 Pf. pro Stunde. 4. Werkzeugmacher werden nach vierwöchiger Beschäftigung nicht unter 60 Pf. pro Stunde entlohnt. 5. Die Akkordsätze sollen nach Bedarf vom 1. Januar 1911 ab so erhöht werden, daß der Stundenverdienst sich gegen früher um 7.5 Proz. hebt. 6. Die Akkordsätze unterliegen wie bisher der freien Verein- barung. 7. Ueberstunden werden mit 25 Proz. Aufschlag bezahlt. Die bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse werden nicht verschlechtert.— Zu der Forderung auf eine Lohnerhöhung für die Lohnarbeiter, die jetzt bereits höhere Löhne erhalten, haben die Vertreter der Arbeitgeber erklärt, daß die Lohnerhöhung durch freie Vereinbarung erfolgen sollte. Es sei selbstverständlich, daß, wenn die Akkordarbciter niehr verdienen, auch den Lohnarbeitern ein höherer Lohn zukomme. Handle empfahl der Versammlung, die Vereinbarungen gut- zubeißen. Wenn auch die gestellten Forderungen nur zum Teil erfüllt sind, sei es doch mit Rücksicht auf die ganze Lage zweck- mäßiger, sich damit zufrieden zu geben, als Len Streik auf unbe- stimmte Tauer auszudehnen, ohne eines besseren Erfolges sicher zu sein.— Auch die Vertrauensleute hatten sich in ihrer Mehrheit für die Annahnre der Vereinbarunzen ausgesprochen.— Dem Bericht folgte eine lebhafte Diskussion, in der eine heftige Opposition gegen die Annahme der Vereinbarungen zum Ausdruck kam. Je- doch wurden dies« schließlich in der geheimen Abstimmung mit 708 Stimmen gegen 474 gutgeheißen. Demgemäß wird die Arbeit bei den Mitgliedern der Vereinigung der Schraubenfabrikanten am. Montagmorgen wieder aufgenommen. Mit den außerhalb der Ver- cinigung stehenden Arbeitgebern sind meist schon Verhandlungen angeknüpft, so daß voraussichtlich auch bei ihnen der Streik bald beigelegt werden kann._ Zur Gasarbeiter-Bewegung. In der Nummer vom Freitagabend bringt das„Berk. Tage- blatt* eine anscheinend aus dem Rathause inspirierte Notiz, welche der Nichtigstellung bedarf. Es wird da gesagt, daß die Berliner Gasarbcitcr an den Magistrat auch„Forderungen wegen Ver- kürzung der Arbeitszeit" gestellt haben. Das ist unwahr— eine solche Forderung befindet sich nicht unter den eingereichten Anträgen. Ebensowenig entspricht es den Tatsachen, wenn im „V. T." zu lesen ist:„Wie wir erfahren, ist von einer Ableh- n u n g der Forderungen seitens des Magistrats— wie dies in der gestrigen Versammlung dvr Gasarbeiter mitgeteilt wurde— keine Rede. Der Magistrat hat zu den Anträgen überhaupt noch nicht endgültig Stellung genommen." Demgegenüber sei festgestellt, daß 1. die Forderungen im August 1909 eingereicht wurden; 2. die Forderungen der Gasarbeiter wie aller städtischen Arbeiter bei der Feststellung des Etats für 1910/11 von M a g i- st rat und Stadtverordnetenversammlung un- beachket geblieben, also abgelehnt worden sind; 3. eine nach der Amtsniederlegung der ArbeiterauSschüsse plötzlich tagende Magi st ratskom Mission zwar für die Arbeiter einiger Betriebe kleine Aufbesserungen bewilligte, die Gasarbeiter aber wiederum mit ihren Anträgen abwies. Der Magistrat hat also reichlich, überreichlich Zeit gehabt, Stellung zu nehmen; er hat auch Stellung genommen und hat Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw. bis jetzt wenigstens— die GaSarbeiteranträge abgelehnt. An diesen Tatsachen ändern alle krampfhaften Bemühungen der Magistratsoffiziösen nichts. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Ortsvenvaltung Berlin. Die Berliner Wäschearbeiter führen einen zähen Kampf gegen die Einschmuggelung von Bielefelder Streikarbcit nach Berlin. In- folgedessen hatten die Berliner Wäschefabrikanten am vergangenen Freitagnachmittag die Vertreter der Arbeiterorganisation zu"einer Verhandlung geladen, die in den Räumen des Gewerbegerichts unter dem Vorsitz des Herrn von Schulz tagte. Herr Hanf, als Obmann der Unternehmerorganisation, be- schuldigte den Verband, den Schiedsspruch verletzt zu haben durch Versammlungen, Flugblätter usw., wo behauptet wurde, bei ein- zelnen Berliner Firmen werde Bielefelder Arbeit hergestellt. Die Arbeiter würden dadurch äußerst erregt und aufgehetzt und der Friede im Gewerbe gestört. Eue, der Vertreter der Wäschearbeiter, erklärte hierzu folgen- des: Der Verband hätte Beweise, daß von Bielefeld Arbeit nach Berlin gekommew sei. Eue nannte auch die Betriebe. Durch die Auszeichnung und Numerierung der strittigen Artikel sei erwiesen, daß sie mit solchen aus Bielefeld identisch seien. Auch die Plätte- rinnen hätten sie als Streikarbcit bezeichnet. Eue sowohl wie M i r u S betonten, daß auch die von den Herren mit so großem Nachdruck vorgebrachte Erklärung, die Fabrikantenvercinigung be- stände nur aus Ehrenmännern, denen man unbedingt vertrauen könne, die Arbeiter nicht von der Ueberzeugung abbringen werde, daß Streikarbeit in die Berliner Betriebe geschmuggelt wird. In bezug auf die Firma Sternberz jun. konnte eine Entscheidung nicht getroffen werden, vielmehr soll in einigen Togen eine zweite Sitzung stattfinden. Bezüglich eines anderen Falles, der die Firma Emil Grünbaum betraf, einigten sich die beiden Par- teien in folgender Weise: Herr Grünbaum sowie sein Geschäfts- führer, Herr Stauf, geben eine Erklärung zu Protokoll, in der sie ehrenwörtlich versichern, daß in besagtem Betriebe noch keine Bielefelder Arbdt aitgefertigt worden sei und dies auch in Zukunft nicht geschehen solle. Es könne auch ohne Wissen der beiden Herren keine derartige Arbeit hineinkommen. Auch seien soviel andere Aufträge da, daß Bielefelder Arbeit gar nicht ausgeführt werden könnte. Damit ist dieser Fall erledigt und die vier entlassenen Zuschneider können sofort ihre Stellen wieder einnehmen. In einer Versammlung im„Schweizergarten" erstattete dann die Kommission Bericht über die Verhandlung. Wie groß das Interesse an dem Streik in Bielefeld und an der strittigen Frage um die Streikarbeit isb, bewies der kolossale Besuch der Versamm- lung. Der weite Saal war bis auf den letzten Platz besetzt und viele Besucher mußten stehen. Auch einige Vertreter der Chefs ivaren anwesend. Die Ausführungen der Redner wurden von leb- haften Beifalls- und Zustimmungsäußerungen unterbrochen, die zeigten, daß die Verhältnisse richtig dargestellt waren. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung der Wäschearbeiter und-Arbeite- rinnen spricht den in Bielefeld im Streik stehenden Kollegen und Kolleginnen ihre Sympathie aus und verspricht alles zu tun, tvas diesen zum Siege verhelfen kann. Vor allem gelobt die Versamm- lung, jede bis jetzt im Betriebe nicht hergestellte Arbeit solange zurückzuweisen, bis einwandfrei festgestellt ist, daß es sich nicht um Streikarbeit handelt. Die Versammelten haben ferner aus den Ausführungen der Referenten entnommen, daß eine Verbesserung der derzeitigen Lohn- und Arbeitsbedingungen nur durch eine starke gewerkschaftliche Organisation erreicht lverden kann; sie ge- loben'deshalb, unverbrüchlich an dem Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschcarbeitcr festzuhalten, unausgesetzt für diesen zu agitieren und neue Mitglieder zu werben." Der Streik der Fleischergesellen bei der Firma Morgen- stern ist noch nicht beendet. In letzter Zeit ist von Herrn v. Schulz der Versuch gemacht worden, eine Einigung herbeizu- führen, tvas jedoch an der Halsstarrigkeit der Firma Morgenstern scheiterte. Desgleichen scheiterten auch die Einigungsversuche der Organisationsvertreter. Zuzug ist nach wie vor streng fernzu- halten. Zentralverband der Fleischer, Ortsverwaltung Berlin. Deublcbes Reich. Das Lichtdruckgewcrbe ohne Tarifvertrag. Zwischen Vertretern des Bundes Deutscher Lichtdruckanstalten und Gehilfenvertretern fanden Verhandlungen wegen Abschluß eines neuen bezw. wegen Verlängerung des alten Tarifs statt. Die Verhandlungen drehten sich zunächst um die Arbeitszeitfrage. Während die Gehilfen die tägliche achtstündige Arbeitszeit forderten, verlangten die Arbeitgeber eine solche von 54 Stunden wöchentlich, inklusive je einer Viertelstunde Frühstück- und Vesperpause. Gegen die früheren Tarifbestimmungen bedeutete dies eine Verschlechte- rung. Auch in der LehrlingSfragc konnte es zu keiner Verständi- gung kommen. Ein Gehilfenvertreter stellte hierauf an die Arbeit- geber die Frage, ob sie sich denn überhaupt noch für berechtigt hielten, mit den Gehilfen einen über ganz Deutschland gültigen Tarif abzuschließen, nachdem sie soeben ein von ihnen selbst ver- faßtes Rundschreiben an sämtliche Lichtdruckereibesitzer herumge- schickt hätten, in dem über die Bedeutungslosigkeit der Unternehmer- organisation geklagt wird. Angesichts dieser Situation erklärten die Gehilfenvcrtreter, daß es zwecklos sei, mit diesen paar Herren einen Tarif abzuschließen, der mit seinen schlechten Bestimmungen für ganz Deutschland maßgebnd sein soll, weshalb die weiteren Beratungen abgebrochen wurden. Ter jetzige Tarif läuft noch bis zum 1. Januar 1911, alsdann bricht eine tariflose Zeit im beut- scheu Lichtdrnckgewerbe ein. Und an dieser werden die Unter- nehmer keine Freude haben, denn nachdem die Gehilfen durch das Rundschreiben über die Pläne der Unternehmer unterrichtet sind, wird sich die Gehilfenschaft danach zu verhalten wissen. Denn auch aus dem, Eatzungsentwurf" der zu gründenden Unternehmerorgani- sation gebt mit aller Deutlichkeit hervor, daß an Stelle des„Bundes der Lichtdruckanstalten", der sich„nicht ausschließlich" mit Arbeiter- fragen befaßte, eine reine Kampforganisation der Lichtdruckunter- nehmcr gegen die Gehilfenschaft treten soll, oie sich„nur mit Ar- beiterfragcn zu befassen hat" und die allen Forderungen der Ge- Hilfen, auch wenn s,e noch so geringfügig und berechtigt sind, einen Damm entgegensetzen soll. Zur Aussperrung in der Schuhindustrie in Pirmasens. Unter Leitung des königlichen Gewerberats hat zwischen Ver- tretern des Fabrikantenvereins und des Zentralverbandes der Schuhmacher eine Vorbesprechung wegen der angekündigten Aus- sperrung stattgefunden. Da auf beiden Seiten das Bestreben be- steht, die Differenzen in Güte beizulegen, so ist zu hoffen, daß die ferneren Verhandlungen zu einer Einigung führen werden. Ausland. Die walifischen Streikunruhcn vor dem Unterhause. London, 16. November.(Eig. Ber.) Die Arbeiterpartei be- nutzte gleich den ersten Tag der Wiedereröffnung des Parlaments, um die Regierung wegen der Polizeibrutalitäten und der Truppen- sendungen nach dem Schauplatz des Bergarbeitcrstreiks in Südwales zur Rechenschaft zu ziehen. Die Debatte ließ keinen Zweifel dar- über übrig, daß die Unruhen und die angeblichen Ausschreitungen der Streiibcvölkerung von der Presse in der gewissenlosesten Weise übertrieben, in vielen Fällen sogar direkt erlogen waren, während die brutalen Provokationen der Polizei völlig verschwiegen wurden. Die Regierung stand durchweg auf der Anklagebank und ans der schlvächlichen Verteidigungsrede des Ministers des Innern Chur- chill war deutlich zu entnehmen, daß er sich selber schuldig fühlte. Den Angriff fährte Genosse Keir Hardie, dessen Wahl- kreis Mcrthyr Tydvil den einen Teil des Streikgebietes, den Aber- dare-Distrikt in sich schließt. Nachdem es ihm bei den Frage- Etz. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. verlagSanstafl stellungen nicht gelungen tvar. vom KriegSminister Daldane und von Churchill zufriedenstellende Antworten zu bekonunen, brachte er die Angelegenheit bei der Debatte zur Vertagungsresolution ausführlicher zur Sprache. Er sagte, daß die streikenden Berg- arbeiter an der Ausübung ihres durch Gesetz garantierte Rechts des Streik Posten st ehens gehindert worden seien. Er fragte den Minister des Innern, ob er dies augeordnet habe, und falls nicht, ob er der Polizei Instruktionen erteilen wolle, von nun an das Recht des Streikpostenstehens und der friedlichen Ueber- redung von Streikbrechern zu respektieren. Das Militär sei ganz unnötigerweise in das Streikgebiet gebracht worden; die lokale Polizei hätte jederzeit völlig genügt, die Störungen zu überwäl- tigen. An den Unruhen in Tonypandy seien nicht mehr als hundert Leute beteiligt gewesen, und auch diese waren keine Streikenden, sondern zum Teil von außen importierte zweifelhafte Elemente, die im Trüben fischen wollten. Aber die Anwesenheit von Militär und von importierter Polizei sei eine Provokation der friedlichen Bevölkerung und führe leicht zu Ruhestörungen, denn sie erwecke den Anschein, als wollten die Behörden für die Unternehmer Partei ergreifen. Der walisische Bergarbeiter verspürt keine Neigung zur Unordnung. Er ist fast ausnahmslos ein ruhiger, gesetzesachtender, friedlicher Bürger, der fleißig die Kapelle besucht und sehr oft 2lb- stinenzlcr ist. Er zählte dann eine ganze Reihe Beispiele von Polizeibrutalitäten auf, die ihm persönlich zur Kenntnis gelangt sind: wie die Zaundrähte elektrisiert wurden, um den vor den Polizeiattacken fliehenden Streikenden Brandwunden zuzufügen, wie sie mit Wasserspritzen und Knütteln traktiert und viele aus der Menge in den Kanal gestoßen wurden, wo eine Frau fast er» trunken wäre. Nach solchen Provokationen sei es kein Wunder. wenn ein Teil der Streikenden sich zu trotzigem Widerstände hin- reißen ließ. Man darf nicht vergessen, daß viele der Streikenden alte Soldaten seien, die in Südafrika gekämpft, wo sie gelehrt worden seien, es sei eine patriotische Pflicht, das Eigentum des Feindes zu zerstören. Sie be- trachten eben die Grubenherren als ihre Feinde und sehen nichts Schlimmes darin, die in Südafrika gelernten Grundsätze hier in Anwendung zu bringen. Er wolle damit solche Zwischenfälle nicht entschuldigen, sondern führe dies nur an als eine Wirkung des Militarismus. Er forderte, daß die Regierung sofort eine Unter» suchung über die Unruhen einleite, damit festgestellt werden könne, auf welcher Seite die Schuld liege. Jones, der liberale Vertreter des angrenzenden Wahl- kreises, pflichtete den Ausführungen Keir Hardies in vollem Um- fange bei. Auch er verlangte eine Untersuchung und erklärte, die Bevölkerung am Orte sei überzeugt, daß die Polizei bei ihren bestialischen Angriffen nicht nüchtern gewesen sei. Man möge es einmal feststellen, wieviel Bier jeder der Polizisten erhielt. Ferner habe die Polizei die Ueberbleibsel ihrer Fleischmahlzeiten auf den Uferstrand geworfen, um die ausgehungerten Streikenden aufzuhetzen. Er protestierte gegen die Llrt, wie die Londoner Presse die Vorgänge übertrieb. Manche der Berichterstatter seien so feig gewesen, daß sie sich nicht einmal auf die Straße wagten und�sich die blutrünstigen Geschichten an einem sicheren Orte aus den Fin- gern sogen. Sie dachten, man hätte sie nach Tanger oder Timbuktu geschickt und glaubten Berichte schicken zu müssen, die für solche Orte passen. Lluch die importierte Polizei dachte jedenfalls die Leute dort anders behandeln zu müssen, als man es in England sonst gewohnt ist. Er verlangte, daß für solche Fälle feste Regeln für das Verhalten der Polizei und der Truppen vorzuschreiben und zu veröffentlichen. Ebenso sollte bekannt gemacht werden, wer das Recht hat, die Absendung von Truppen zu verlangen. Nachdem noch Llbraham, der Führer des südwalisischen Bergarbeiterverbandes in ähnlichem Sinne gesprochen, antwortete der"Minister des Innern, Churchill. Er sagte, auch er könne kaum glauben, daß die Ruhestörer zu der Bergarbeitcrbevölkerung gehört haben. Das Recht desStreikpostenstehens und der friedlichen Ueberredung erkenne er an, und er werde seine Autorität anwenden, damit dieses den Arbeitern durch Parlamentsakte zugesicherte Recht respektiert wird. Was die Polizeibrutalitäten anbetrifft, so glaube er, daß Keir Hardie darin übertrieben habe, ebenso wie die Presse ganz gewiß in der anderen Richtung übertrieben hat. Wenn Unschuldige nicht büßen wollen, dann sollten sie zu Hause bleiben. Ucbrigens sei er bloß für die Londoner Schutzleute, nicht aber für die lokale Polizei verantwortlich. Die Absendung von Militär habe man nach gründlicher Erwägung als notwendig erachtet, aber es wäre im Hintergrund gehalten worden und werde nur in dem Falle benutzt werden, wenn sich die Polizei als ungenügend erweisen sollte, waS er allerdings nicht erwarte. Er hoffe, daß auch in Zukunft in ähn» lichen Fällen Polizei anstatt Militär gesandt werden würden. Genosse Barnes, der Vorsitzende der Arbeiterpartei, er- klärte die Antwort Churchills für nicht zufriedenstellend. Er habe auf die schweren Anklagen mit Bezug auf die Brutalität der Polizei keine Antwort zu geben gewußt, und er wolle auch die geforderte Untersuchung nicht einleiten. Die ausdrückliche Anerkennung des Rechts des Streikpostenstehens sei zu begrüßen, aber die übrigen Ausführungen Churchills werden kaum dazu beitragen, die Berg- arbeiterbcvölkerung zu beruhigen. Keir Hardie erklärte eben- falls, daß er angesichts der unzufricdenstcllenden Antwort Churchills auf einer namentlichen Abstimmung bestehen werde. Bei der Ab- stimmung stimmten einige Radikale mit der?lrbeiterpartei. Zu der Debatte mag nur noch bemerkt werden, daß sie die Stellung Churchills keineswegs gefestigt hat. Aus seiner Rede ging klar hervor, daß er es nur sckhr ungern mit der Arbeiterpartei ver- derben möchte. Aber trotzdem�er sich die Vorwürfe der Scharfmacher wegen seiner angeblichen„Schlappheit" zugezogen hat, so gab er ihrem Drängen doch in so hohem Maße nach, daß seine Popularität bei den Arbeitern, um die er sich seit jeher so sehr bewirbt, einen schweren Schlag erlitten hat. Man schreibt Churchill die Ambition zu. später einmal Ministerpräsident in einer Koalitionsregierung von Radikalen und Slrbeitcrparteilern fein zu wollen, und mau soll ihn auch nur zu dem Zwecke zum Minister des Inneren ge- macht haben, um ihm die Popularitätshascherei auszutreiben. Ter erste ernste Fall, wo Churchill in seinem Slmte zwischen Kapital und Arbeit Stellung nehmen mußte, ist ihm zum Verhängnis ge- worden; das Ministerium des Inneren hat sich wieder einmal als das Grab der Reputationen erwiesen. Hetzte I�acbrichten. Zur Beschlagnahme in Bremer Gctvcrkschaftsbureaus. Bremen, 19. November.(Privottelegramm des„Vor- wärts".) Die Staatsanwaltschaft hat der Ortsverwal- t u n g des Deutschen Transportarbeiter-Verban- des durch deren Rechtsanwalt mitteilen lassen, daß der größte Teil der beschlagnahmten Schriftstücke wieder frei- gegeben sei. Ueber die Beschlagnahme der übrigen Sachen werde die Strafkammer entscheiden. Die Springfluten am Adriatischen Meer. Wien, 19. November.(W. T. B.) Die von der Seebchörde in Trieft zur Ermittelung des durch die letzten Springfluten verur- sachten Schadens nach Graba entsandte technische Kommission hat festgestellt, daß zwar durch Ueberflutung van Straßen und durch Eindringen der See in Erdgeschosse erheblicher Materialschaden an- gerichtet worden ist, daß aber von einer ernstlichen Gefährdung der Stadt keine Rede sein kann. Die Nachrichten über große Zerstörun- gen und Häusereinstürze haben sich als unzutreffend erwiesen. Von Gendarmen zu Tode geprügelt. Athen, 19. November. Wie der„Ngcnee d. Athenes" aus Saloniki gemeldet wird, ist dort ein Grieche von Gen- damen so geprügelt worden, daß er gestorben ist. Zwei andere Griechen sind in dem Dorfe Sohos ermordet worden. Man legt das Verbrechen einer türkischen Bande zur Last.__ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. Ar. 272. 27. Ishrgavg. !. Ktilxse Ks Lsmmls" Knli»tl vollisdIM. Zonntag. 20. November 1910. Die Moabiter Vorgänge vor Sericht. Achter Tag. Nach Eröffnung der Sonnabend- Sitzung nimmt Rechts- anwalt Kurt Rosenfeld Bezug aus die Angaben des Polizei- leutnantS Folte Vom Freitag über Vorgänge an der Moltkebrücke bei den Wahlrechtsdemonstrationen im Januar 1908. Brweisanträge dafür, daß Polizcibeamte Krawalle angestiftet und„Bluthunds gebrüllt haben. Der Verteidiger beantragt, eine Reihe von Zeugen zu laden, welche bekunden sollen, dast sich unter den Demonstranten ein Kriminalschutzmann Wilhelm Schlaf befand, der sich unter dem falschen Namen Karl Spinger im sozialdemokratischen Wablverein aufnehmen liest. Er hat sich an den Kleinarbeiten der sozialdemokratischen Organisation mit großem Eifer beteiligt, ebenso an den Wahlrechtsdemonstrationen. An der Moltkebrücke befand er sich unter der Menge und forderte die Arbeiter zu Gewalttätigkeiten und kum Wider st ande gegen die Beamten auf. Er nef„Hoch das Wahlrecht" und „Nieder mit Bülow." Insbesondere forderte er die Menge auf, einen Po st wagen, der über die Brücke fuhr, umzukippen und ins Wasser zu werfen. Der Kriminal- beamte Schlaf machte den Arbeitern Vorwürfe, dast sie nicht scharf genug gegen die Polizei vorgegangen seien. Besonders laut und oft rief er„Bluthunde". Das ist festgestellt durch ein Urteil der Strafkammer vom 1(5. April 1608, dessen Verlesung ich be antrage. In dem Urteil wird, gesagt die Bekundung mancher Zeugen, dast sich Polizeibeamte im Zuge befanden, die sich in der angegebenen Weise betätigten, ist richtig.— Wenn sich der Beweis in dieser Richtung nicht vollkommen führen liest, so liegt das daran, dast das Polizeipräsidium den Beamten untersagte. Aussagen über ihr Verhalten bei den Demonstrationen zu machen. Das Gericht behält sich den Beschlust über diesen An- trag vor. Hierauf wird die Vernehmung der Zeugen fortgesetzt. Rechtsanwalt Dr. Heinemann richtet an den Polizei- major Klein die Frage, ob nicht auf dem Hofe der Löwe- schen Fabrik Pfla st erarbeiten verrichtet wurden. Major Klein gibt das zu, meint aber, die Sleine. mit denen ge- worsen wurde, könnten nicht von den-Pflasterarbeiten herrühren, sie seien anderer Art gewesen. In bezug auf den am Freilag erwähnten Radfahrer, der mit einem Spitzhammer das Pflaster der Bürger- steige aufgehackt haben soll, gibt Major Klein an: ein Kriminal- schütz, nonn Hastler will wahrgenommen haben, dast ein Mann auf einem Rade am 26. September(morgens) herumfuhr und mit einem Maurerhammer die Sleine aufhackte.— Auf Antrag der Ver- teidigung soll der Kriminalschutzmann als Zeuge geladen werden. Polizeileutnant Folte ergänzt seine Aussage vom Frei- tag. Bei den Vorgängen vor der Löweschen Fabrik hätten mindestens tausend Personen auf der Slraste gestanden. Auf dem Hofe habe es die Polizei, die über 20 Mann und 8 Pferde verfügte, mit ö0 bis 70 Leuten zu tun gehabt, die ihr gegenllberlraten. Er st er Staatsanwalt Steinbrecht: Ich lege grasten Wert darauf, zu erfahren, welcher Art das Publikum war. welches sich an den Strastenunruhen beteiligte.— Polizeileut- nant Folte: In Vorderhäusern der Gegend, um die es sich hier handelt, wohnt besseres Publikum, aber auch Arbeiter, die. wenn sie eine größere Wohnung haben, ein Zimmer vermieten. Ich habe be- obachlet, dast die Leute, welche auf der Straße tumultiertcn, von den Hausbewohnern dadurch unterstützt wurden, dast man sie in die Häuser hineinließ, wenn die Beamten gegen sie vorgingen und hinter ihnen die Haustüren verschloß. Auch in den Wohnungen sind die Leute zum Teil ausgenommen worden, um sie der Polizei zu entziehen.— Als die Unruhen schon vorbei waren, habe ein Schutz- niann in einem Geschäft Karten kaufen wollen, der Geschäftsinhaber habe aber erklärt, er könne nicht wagen, einem Schutzmann etwas zu verkaufen. Der Geschäftsmann habe sich an- scheinend vor der Rache der Streikenden gefürchtet.— Rechtsanwalt Cohn: Ist Bier undSchnapS an die Schutzleute verteilt worden?— Polizeimajor Klein: Schnaps ist ausgeschlossen. Die Leute haben nur abends eine Flasche Bier bekommen oder wenn sie acht Stunden lang gestanden haben. Es war auch keine Gelegenheit, dast die kleines feuitteton. Theater. Kammerspiele: Der verwundete Vogel. Ko- mödie von C a p u s. Das französische Theater behandelt immer noch wie vor 40 Jahren und mehr mit Vorliebe das(scheints) un- erschöpfliche Thema der Eheirrungen. Unter den Abarten dieses Genres, das heute ja vor allem zu Schwankvariationcn herhalten mutz, vertritt Alfred Capus die resignierte, graziös verfeinerte und bei alledem schwachlebige und dünnflüssige. Er sieht wohl neue Probleme, aber er spielt mehr mit ihnen, als dast er sie beherzt anpackte. Er ist der sanfte Dramatiker der müden, klugen Leute, die keine Dramen mehr erleben. Der Dichter der Lustspiele:„Die Börse oder das Leben und „La Beine" hat uns die letzten Jahre mit ziemlich farblosen und etwas langweiligen Stücken versorgt. Auch sein neustes ist von dieser Art: manches ist fein geraten, aber das ganze doch wenig dramatisch und dürftig.„Der verwundete Vogel" heißt die Ko- mödie nach einer Fabel Lafontaines, die in die Lehre ausllingt, dast ein Mensch dem anderen die Waffen zu seiner Bekämpfung liefert. Eine tiefere Beziehung der Fabel zum Inhalt des Stückes wird nicht herausgearbeitet. Avonne, das gefallene junge Mädchen, dem in ihrem Beschützer, den reichen und vornehmen Gelehrten Salviere. bald ein Geliebter ersteht, hat auch mit dieser neuen Liebe kein Glück. Saldiere ist wohl dem Zauber der ungebrochenen Jugend und des kecken Lebensmutes erlegen, aber gegen den Willen seiner geliebten, in geistiger Harmonie mit ihm verbundenen Frau ivagt er Uvonne nicht zu behaupten. Zudem hat er nicht geglaubt, daß sie ihn tiefer liebe, und als er sich davon überzeugt, verzögert er wohl aus Mitleid die Entscheidung, aber gibt Avonne doch preis als seine Frau dazu drängt. Die breit ausgesponnene psychologi- sche EntWickelung wird mit einer Soiree beim Minister, kleinen gesellschaftlichen Seitenblicken und viel Rührseligkeit eines äußerst braven, zur Tugend mahnenden Bruders Dvonnes drapiert. Die Aufführung litt, abgesehen von den unverzeihlichen Pausen(Regie, Herr Reinhardt!), unter den Längen, die eher ver- stärkt als gemildert wurden. Auch nahm Herr W i n t e r st c i n den sonst gut charakterisierten Salviere zu schwer. Bezaubernd durch ihre Frische und rührende Liebe wirkte Frl. Eibenschütz (als Avonne). Vornehm und überlegen, aber mit reichlich elegischem Unterton, spielte Fr. Fehdmer Salvieres Frau. Einige Chargen suchten durch Uebertreibungen die komische Kurzweil aufzu» bringen.— r- Lessing-Theater:„Das zweite Leben", Schau- spiel von Georg Hirschfeld. Fast nur noch in den Brahm- schen Premieren hält das Publikum, in Erinnerung der Kampfzeit de? aufstrebenden Naturalismus, an dem Gewohnheitsrechte fest, je nach Belieben auch seinem Mistfallen durch Zischen deutlichen Beamten sich Schnaps kaufen konnten.— Polizeileutnant Folte wird von der Verteidigung befragt, ob Kriminalbeamte unter seinem Kommando standen. Er sagt, ihm seien nur die Kriminalbeamten des Reviers unterstellt gewesen, aber nicht die von der 4. Abteilung nach Moabit geschickten. Der nächste Zeuge, Polizcileutnant Götze, st seit dem 26. in der Bcusiel- und Sickingenstraste tätig gewesen. Am 26.— so gibt der Zeuge an— habe sich gegen Abend eine Menschenmenge angesammelt, die johlte und Steine. Flaschen und dergleichen auf die Beamten geworfen habe. Die Menge sei zunächst ohne Waffen zurückgedrängt, sie sei aber immer iviedcr in derselben Weise gegen die Beaniten vorgegangen. Aus einem Lokal sei ge- warfen worden, aus den Hänsern sei Sand und Wasser auf die Beamten geschüttet worden. Hierauf sei die Menge mit dem blanken Säbel zurückgetrieben. Die Polizei habe die vier Destillationen an den Ecken der Bcussel- und Sickingenstraste geräumt. Seit 6 Ilür hätten die Beamten immerzu in Güte, aber vergebens versucht, die Menge zu zerstreuen.— Am 27. sei gegen lU6 Uhr abends an der Ecke der Sickingen- und Beusselsträße eine Menschenmenge versammelt gewesen. Kurz vor 7 Uhr hätten die Beamten auf Befehl des Zeugen von der blanken Waffe Gebrauch gemacht, nachdem sie von der Menge nnt Steinen und Flaschen geworfen worden seien. Sechs bis sieben Personen hätten die Arbeitermarscillaise gesungen. Vor dem Ein- schreiten mit der Waffe sei die Menge dreimal ausgefordert worden. auseinanderzugehen. Die sonstigen Aussagen des Zeugen decken sich im allgemeinen mit den Angaben der Vorzeugen über die Straßen- Vorgänge. Er gibt an, daß mehrere Schntzleute durch Steinwürfe verletzt worden seien. Weiter sagt er, ein Radfahrer, der wie ein Arbeiter aussah, sei in den Straßen herumgefahren, habe an den Lokalen gehalten, anscheinend um Nachrichten zu über- bringen oder Erkundigungen einzuziehen. Das lasse einen Schlust auf eine planmäßige Leltung der Unruhen zu.— AuS der Befragung des Zeugen ergibt sich, dast die Polizei diesen sagenhaften Radfahrer ebenso lvie den Nadfahrer mit dem Spitzhammer nicht festgestellt hat. Aus eine Frage des Staatsanwalts antwortet der Zeuge, die Polizei habe der Menge gegenüber gar nicht vordringen können, sondern sie habe ihre Not gehabt, um die eingenommenen Posten zu halten. Trotz der vielen Ausschreitungen hätten nur wenige festgenommen werden können, weil die Polizei anfangs in zu schwacher Zahl vertreten gewesen sei. Polizeileutnant Bismarck macht über die Strastettborgänge im allgemeinen dieselben Angaben wie die anderen Polizeioffiziere, nur mit dem Unterschiede, dast er die Farben dicker aufträgt. Die Polizei sei immer erst vorgegangen, nachdem sie mit Steinen, Preßkohlen, Eisenstücken, Teller, Blumen- töpfen, Flaschen und dergleichen beworfen worden sei, auch geschossen sei aus Publikum. In den Häusern, aus denen geworfen worden sei, wohne kein Mob, keine Rowdies, kein Janhagel, sondern besseres Publikum. Diese Angaben beziehen sich insbesondere auf Vorgänge in der Rostocker Straße am 27. zwischen 10 und 12 Uhr nachts. Immer sei ein lang- gezogener schriller Pfiff das Signal zum Angriff auf die Polizei gewesen.— Da auch dieser Zeuge an planmäßig geleitete Angriffe auf die Polizei zu glauben scheint, wird er von den Verteidigern nach dieser Richtung befragt. Er sagt darauf: Essei ja nicht nötig, daß ein besonderer Plan bestanden habe. Die Leute wären'r doch einheitlich vvrgegaugen, denn sie fühlen sich verbunden dura» die ewige Hetzerei deö„Vorwärts" gegen die Polizei. Die ewigen Hetzartikel des„Vorwärts" seien die Saat, deren blutige Frucht in der Rostocker Straße aufgegangen sei.— Die Ver- leidiger fragen den Zeugen, auf welche Artikel des„Vorwärts" er sich beziehe.— Da beruft er sich auf die schon am Tage vorher angezogene Aufforderung des TransportarbeiterverbandcS, die dahin geht, die Streikenden sollten aushalten und die Arbeiter aller Branchen sollten sie in diesem Bestreben mit allen Mitteln unterstützen.— Die Verteidiger halten dem Zeugen den Artikel vor und weisen darauf hin, dast das doch kein Hetzartikel ist. Der Zeuge liest:„Mit allen ivtitteln"—„mit allen Mitteln"— ja. hm— „mit allen Mitteln"— das können doch die Arbeiter für eine Auf- forderung zur Gewalt halten.— Der Zeuge soll auf Ver- langen der Verteidiger„Hetzartikel" deS„Vorwärts" anführen. Er weiß darauf nichts weiter zu antworten, als daß der„Vorwärts" seit Jahren schreibe. das nervöse, das übernervöse Verhalten der Polizei sei schuld an den Ausschreitungen.— Rechtsanw. Cohn: Das ist doch Ausdruck zu verleihen. AndcrSwo läßt man, auch bei der intensiv- sten Langweile, dem Aufgebot der Beifallsklatscher sein Ver- gnügen. Es mag das rücksichts- und würdevoller aussehen, aber auch jener andere, aktivere Brauch hat seine guten Seiten. Warum sollte gerade die Opposition, wenn sie vernünftig ist, zur Schweig- samkeit verurteilt sein? Hirschfelds, des einst so vielversprechen- den Dichters der„Mütter", neues Drama, das schon bei seiner Erstaufführung in der Wiener Burg keinen Erfolg hatte, stieß hier auf eine ungewöhnlich energische Ablehnung. Ein prä- tentiöses Gebaren, das der Gutgläubigkeit des Publikums die Annahme unerhörter Voraussetzungen zumutet und dann schlechterdings nicht das Mindeste, was interessieren und nachträg- lich die Voraussetzungen rechtfertigen könnte, zu entwickeln weist, inußte provozieren. Der erste Akt spielt in dem England des siebzehnten Jahr Hunderts, dessen bigotte Regierung die anatomische Zergliederung der Leichen mit dem Tode bestrafte. Die Aerzte, die auf ihre Forscherarbeit nicht verzichten wollten, mußten für die Herbeischaf- fung des Materials lichtscheues Gesindel,„Auferstehungsmänner", werben, die bei Stacht und Nebel die Toten aus den frischen Gräbern stahlen. Der Held des Dramas, ein etwas faustisch dra- piectcr Gelehrter, wartet ungeduldig in seinem Arbeitszimmer auf die Ankunft des bestellten Transportes. Man bringt ihm die Leiche einer vornehmen, wunderschönen Jungfrau, die erst vor wenigen Stunden bestattet ist. Bezaubert starrt er in das bleiche Antlitz. Es schlummert nur im Banne des Scheintods, die Glut seiner Sehnsucht facht die erloschene Flamme wieder an. Sie richtet sich empor und blickt ihn, erst fremd, dann mit verklärtem, zärtlichem Schimmer in den Augen, an. Seltsamer noch als das Erwachen ist, daß dem Mädchen jede Erinnerung ihres früheren Lebens entschwunden, am seltsamsten, daß dieser grüblerische große Geist das Manko ausnützt, die Wehrlose mit einem elenden Lügengewebe für sich einzufangen. Er gibt sich aus für ihren angetrauten Gatten, der sie aus langer, schwerer Krankheit durch seine Heilkunst rettete. Vielleicht, daß eine stärkere Phantasie dem Märchen einer solchen Ehe bedeutsame Gleichniffe, Perspektiven hätte abgewinnen können. Bei Hirschfeld rückt und rührt sich nichts. Der Arzt ist mit der anmutigen, streng behüteten Beute nach Florenz geflüchtet und ermahnt sie immer wieder zu verschwiegener Zurückhaltung. Sie aber plagt sich im Gespräck mit einem vom Autor eigens dazu herbeizitierten italienischen Ehdpaarc hartnäckig mit vergeblichen Erinncrungsbemühungen. Einzig zerstreute Töne einer Volks- licderweise klingen aus jener B�lt in ihrer Seele nach. Auf dem Theaterzettel ist neben Evelyn Gray noch einö Schwester Anna Gray und ein Lord Lord Marwick, der Evelyn als Bräutigam bestimmt war, verzeichnet. Wie zu erwarten, treffen beide iin dxitten Akte in Florenz ein und just in der Kapelle, in der die arme Evelyn zur Jungfrau Maria fleht, sie aus der Wirrnis zu erlösen, singt Anna das bewußte alte Volkslied. ErkennungS- nur eine Kritik der Polizei. Sind Sie denn der Meinung, dast man die Polizei nicht kritisieren darf? Was ver- stehen Sie also unter Verhetzung?— Zeuge: Wenn ich das sagen soll, dann müßte ich alle die Artikel des„Vor- wärts" vor mir haben.— R e ch t§ a u w. C o h n beantragt, dem Zeugen aufzugeben, dast er die Artikel deS„Vorwärts", die er für Hetzartikel gegen die Polizei hält, vorlegt.— Rechtsanwalt Heine: Der Zeuge hat hier eine politische Rede gehalten. Das führt dazu, dast auch wir dies Gebiet betreren. Wir können Artikel der„Deutschen Tageszeitung", der„Post" und anderer Blätter vor- legen, in denen gegen die Arbeiter gehetzt wird. Wir können daraus den Schluß ziehen, daß die Polizei durch den Einfluß solcher Hetzartikel den Kopf verloren hat.— Vorsitzender: Wollen Sie Anträge stellen?— Rechtsanw. Heine: Ich er- suche Sie, den Zeugen zu veranlassen, daß er nur Tatsachen be- kündet und keine politischen Reden hält.— Vorsitzender: Das ist mir an sich sehr erwünscht, aber hier sollen die Vorgängs gründlich erörtert Werve», da lassen sich Abschivcifungen nicht immer vermeiden. Ich bitte die Herreu Verteidiger, auch bei ihren Fragen zu prüfen, ob diese nicht zu solchen Abschivcifungen Anlast geben. Der nächste Zeuge Kriiuiiialkonrmtssar Kuhn hatte das Kommando über die in Moabit tätig gewesenen 140 Kriminalbeamten der vierten Abteilung des Polizeipräsidiums. Er hat auch die polizeilichen Ermittelungen geleitet, aus denen dieser Prozeß erwachsen ist.— Vor seiner Vernehmung will Kommiffar Kuhn eine Erklärung abgeben. Als er sich auf Aensterungen in der Presse bezieht, unterbricht ihn der Vorsitzende mit der Bemerkung: Das Gericht bilde sich seine Ansicht nur nach dem, was innerhalb dieses Saales erörtert werde.— Was der Zeuge erklären wollte, ging bald aus seiner Aussage selbst hervor: Er lehnt es ab, daran schuld zu sein, daß diesem Prozeß eine politische Ten- denz gegeben wurde. Wie Kommissar Kuhn aussagt, hat sich die 4. Abteilung lediglich mit der Ermittelung von Straftaten zu befassen. Nur zu diesem Zweck sind die Kriminalschutzleute nach Moabit geschickt worden. Aus amtlichen Meldungen sowie aus Zeitungsberichten habe die Kriminalpolizei die Ansicht geschöpft, dast die Zahl der wegen Ausschreitungen in Moabit eingelieferten Personen im Verhältnis zu den vielen Ausschreitungen zu gering sei. Man habe angenommen, die uniformierten Beamten ivürden nicht im- stände sein, die Leute, welche Straftaten begehen, festzunehmen, des- halb sollten sie durch die Beamten der 4. Abteilung bei deu Fest- nahmen unterstützt werden. Erst am 28. September seien die Kriminalbeamten nach Moabit geschickt worden. Wer hat die Hetzartikel gegen die Arbeiter in die Presse gebracht? Da sich der Zeuge auf ZeitiingSnachrichien über Unruhen in Moabit berufen hatte, fragt ihn Rechtsanwalt R o s e n f e l d: Wer hat diese Nachrichten in die Presse gebracht?— Zeuge: Das ist mir nicht bekannt.— Rechtsanw. N o s e n f e l d: Wisse» Sie, ob die Polizei und wer von ihren Beamten solche Nachrichten an die Presse gibt?— Zeuge: Die Beantwortung dieser Frage lehne ich ab. Das ist eine interne Angelegenheit der Polizei. Darüber darf ich nichts sagen.— Die Verteidiger beantragen, das Gericht möge das Polizeipräsidium ersuchen, den Beamten die Genehmigung zu erteilen, daß sie alles aussagen dürfen, was mit den Moabiter Vorgängen in Znsauiuienhang steht. Es sei durchaus notwendig, daß in jeder Hinsicht volle Klarheit geschaffen werde.— Rechtsanwalt Rose«feld: Waren außer den Beamten der vierten Abteilimg auch Beamte der politischen Polizei in Moabit.— Zeuge: Davon weist ich nichts.— Rechtsanwalt Rosen feld: Waren auch P o l i z e i v i g i l a n t e n in Moabit?— Zeuge: Unter meinem Kommando nicht. Ob sonst welche dort waren, weist ich nicht.— Rechtsanwalt Cohn: Hatten Jhre Beaintcn Auftrag, sich unter das Pnblilnm zu mengen? — Zeuge: Sie sollten sich nur bei ernsten Zttsammcnstöstctt an der Ergreifung der Täter beteiligen. Am Kraiikenhause Moabit habe ich einige Beamte aufgestellt mit dem Austrage, Verletzte, die sich dort verbinden ließen, fcstzuftellett. Ans weitere Fragen der Ver« leidiger gibt der Zeuge die AttSkttuft, dast Kriminal» Wachtmeister Fritze, der bei einem Moabiter Revier stationiert ist, bei der Polizeiattacke auf die aus- l ä n d i s ch e n Journalisten zugegen war.— Rechtsanw. Cohn: Herr Kommissar, haben Sie selbst Berichterstattern In- formationen über die Moabiter Vorgänge erteilt, oder haben Sie über diese Angelegenheit Ausarbeituiigen für die Presse gemacht.— Zeuge: Auch das ist eine interne Angelegenheil der Polizei. Ich lehne die Beaittwortung dieser Frage ab.— Die Verteidigung beantragt, die Genehniigung zur Beantwortung über die Fragen einzuholen, welche sich auf die Be- szene: Der Arzt und Gatte kommt hinzu. Er bleibt im Wettlaufe hochtönend feierlicher Worte Sieger und Evelyn wird nun, da sie die Wahrheit weiß, den Schöpfer und Gestalter ihres zweiten Lebens, nur noch inniger lieben! Irene Driesch bot in der Rolle der Evelyn, der einzigen im Stücke, die dankbare Momente hatte, eine virtuose Leistung. Wunderbar war das Erwachen aus dem Scheintod, aufs feinste abgestimmt die träumerisch versonnene, angstvoll gespannte Ton- art in den späteren Szenen. Doch die Bewunderung blieb, da die Dichtung ein Mitgehen, eine Illusion unmöglich machte, kalt. dt. Humor und Satire. Der oft elbische Junker an den deutschen Michel. Nimm deine schlanken Linien Nur mit ins kühle Grab Und kaufe Argetttinien Ja keine Ochsen ab I Denn erstens sind sie dort sehr rar Und zweitens dürr und wild, Und drittens etwas sonderbar: Dem Hirschen gleicht ihr Bild! Und viertens, kaufen wir dort ein La xros das welsche Rind, So wird eS grab so teuer sein, Wie uns're Viecher find! Und fünftens, käm' das Rindvieh an In einer Hafenstadt, So war' nur Haut und Knochen dran: Du ästest Dich nicht fatt l Und feSstenS schmeckt gefrorneS Fleisch Wie Pappe, schal und öd I Drum last das dämliche Gekreisch Und sei doch nicht so blöd! Im Land deS schwarz- und blauen Blocks Benimm dich nicht verrucht: Den Deutschen mästet mir der Ochs Der deutschen Rittdviehzttcht I („Jugend".) Notizeu. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde (Georgenstr. 34-36) spricht Montag O. B a s ch i n über die mter- nationale Südpolarforschting, Dienstag Dr. W. Behrmann über den Deichschutz an Deutschlands Küsten, Freitag Dr. K. Wenke über die Farben, gönnen und Bewegungsweisen der MeereStiere. — Die Theater. Aus st ellting gewährt am Sonntag ermasttgte Eintrittspreise(SO Pf). im Ml in daß ich in der Hutten- und Ziehungen der Polizei zu den PreftBerichten liher die MoaBIter Vor« gänge beziehen, insbesondere darüber, ob ein bestimmt bezeichneter Artikel des„Lolal-Anzeiger� auf polizeilichen Informationen beruht, In diesem Artikel, der am 27. November erschien, wird gesagt, die Ausschreitungen in Moabit seien mit keiner Partei in Verbindung zu bringen, streikende Arbeiter hätten stch nicht daran beteiligt, sondern nur der Mob, der Abschaum der großstädtischen Bevölkerung Hierauf wird der Zeuge Menzel vernommen. Er betreibt eine S ch a u k w i r t s ch a f t in der Rostocker Str, 2. Der Zeuge sah am 26. abends nach 10 Uhr einen Manu so eilig von der Straße durch das Lokal st ii r m e n, daß ihm nur zum Beivußtsei» kam, es sei ein Mann mit schwarzem Schnurrbart gewesen. Im Nu verschwand derMonn durch die Hintertür. Ich und me�ne Gäste- sagt der Zeuge— waren sprachlos. Draußen stand eine Menschen menge. Als ich heraustrat sagte man zu mir: Du willst Partei� budiker sein und beherbergst Schuhleute? Ich sagte: Mein Lokal steht jedem znr Berfiigung. Da wurden Steine nach mir geworfen. Ich ließ die Jalousie herunter und sah nach, wo der Mann geblieben war, der durch das Lokal stürmte. Mein Privatzimmer war von innen verriegelt. DaL Fenster nach dem Hofe stand offen. Dort stieg ich ein. Unter dem Bette fand ich den Rock eines Polizeiwachtmeisters sowie Säbel und Hand schuhe. Die Menschenmenge vor meinem Lokal bestand aus etwa 800 Personen. Solveit ich sehen konnte waren eS meist junge Leute und fast nur Rowdies. Sie warfen Fensterscheiben und Laternen kaput. Wachtmeister Pitt st der Mann, von dem der Vorzeuge sprach. Er stellt sein Erlebnis o dar! Ich ging allein die Nostocker Straße entlang. Eine Menschenmenge ivarf Laterne» entzwei und steckte eine Litfaßsäule in Brand. Als sie mich sahen, riefen sie:.Da ist ein Blauer, haut ihn, schlagt ihn tot". Es drängten sich immer mehr Menschen um mich herum. Ich zog den Säbel und suchte zu entkommen. Die Menge war immer um mich herum. Man versucht«, mich zu schlagen und, wie ich glaube, mit Messern zu stechen. Die ganze Rostockcr Straße war dunkel. Ein junger Mensch kam auf mich zu und rief:.Füllst Du Hund denn iroch nicht, ich schieße Dich tot. Er hielt mir auch einen Gegenstand vor, ich glaube, es war eine Pistole. Ich flüchtete in das Lokal von Menzel und bat die Frau, mich nach hinten hinaus zu lassen. Ich bekam keine Antwort, ging ins Privatzimmer des Wirtes, riegelte die Tür ab, legte Rock und Säbel ab, stieg durch das Fenster auf den Hof. klopfte D Hinterhaufe an mehrere Wohnungen, um Aufnahme finden. Mir wurde nicht geöffnet. Doch fand ich schließlich dem Hause bei einer Familie Austrahme. Die Leute, welche mich aus der Straße bedrängten, bestanden überwiegend aus N o w d i e s. Es waren nur wenig andere Leute darunter. AngeklagterWeidernann: Zu der Aussage deSKriminal kommiffars Kuhn möchte, ich bemerken, das"'' Rostocker Straße gesehen habe, Wie Passanten von Kriminalbeamten unbarmherzig geschlagen wurden. Ja. einer der Beamten hätte beinahe von seinen eigenen Kollegen Prügel bekommen. Er konnte sich nur dadurch schützen, daß er dem Manne, der schon den Stock erhoben hatte, zurief: „Kollege! Kollege!" Zeuge Schankwirt Rittberger ist der Inhaber des Lokals an der Ecke der Bcussel« und Erasmus» straße, welches in der Nacht vom 26. zum 27. September demoliert worden ist. Er sagt: Als ich eben das Lokal schließen wollte, kam ein Schutzmann mii dem Säbel in der Hand hereingestürmt und rannte hinten hinaus. Sofort stürzte eine Menschenmenge herein. ich wurde mit Steinen geworfen und mußte samt meiner Frau flüchten. Ich telcphonierte an die Polizei. Es verging ungefähr eine halbe Stunde, ehe die Polizei kam. Inzwischen hatten die Tumultuanten in meinem Lokal alles demoliert: Fensterscheiben.Lampen, Tische, Stühle, Flaschen, alles war zerschlagen. Eine Uhr. eine Karten- presse und Zigarren sind mir bei dieser Gelegenheit gestohlen. Ich schätze meinen Schaden ans 1400—1600 Mark. Jich selbst wurde verletzt und war zweimal im Krankenhause. Die Menge bestand aus R o w d i e s. Da waren keine ordentlichen Leute dabei. Wer weiß, was das alles gewesen ist. Ein Junge von 16— 17 Jahren hat auf dem Hose alles kaput geschmissen. Zeuge Bochmann wird hereingerufen und vom Vorsitzenden gefragt, was er von den Vorgängen in Moabit wisie. Der Zeuge antwortet: Von Moabit weiß ich gar nichts.— Es stellt sich schließlich heraus, daß der Zeuge als Arbeitswilliger bei der mit Kupfer u. Co. verbundenen Firma Karstadt beschäftigt war und in irgend einer Weise belästigt worden sein soll. Der Zeuge weiß auch hierüber nichts Sicheres anzugeben. Wächter Schulz ist dazu gekommen, als zwei Schaufenster- scheiben des Warenhauses von Preuß eingeworfen wurden. Das war in t>er Nacht vom 26. zum 27. Hierauf wird Kaufmann Preuß über diese Angelegenheit vernommen. Er sagt: Ich wurde in der Nacht vom Wächter geweckt, der teilte mir mit, daß meine Schau- seiister zertrümmert worden sind. Als ich auf die Straße kam, stand dort eine dichte SchutzniaimSkette. Ich ersuchte die Beamten, mich durchzulassen, und sagte, ich sei Preuß. der Inhaber de« Warenhauses, ich wollte nach meinem Geschäfts lokal sehen. Da schrie mich ein Schiihmann an:„Scheren Sic sich weg," und ein anderer Schutzmann rief:„Was will er hier Man ließ mich nicht durch»ach meinem Gcschästslokal.— Auf eine Frage des Ersten Staatsanwalts sagt der Zeuge: Im Schaufenster habe ich nachdem ein Plakat angebracht mit der Mitteilung, daß ich mit Streikbrechern keine Verbindung habe. Ich tat dies, weil behauptet wurde, ich hätte Decken für die Arbeits willigen von Kupfer geliefert.— RechtSanw. Cohn: Sie wurden also ohne jede Veranlassung von de» Schutzleuten an- geschnauzt und mußte» vor der Polizei flüchten?— Zeuge: Ja wohl.— RechtSanw. Heine: AIS Sie an die Beamten heran- traten, war die Polizei nicht bedrängt?— Zeuge: Nein, i ch tv a r ja der Einzige, der außer den Beamien da w a r. Die Schntzlenie standen mit gezogenen Säbeln ganz allein in der Straße.— RechtSanw. Heine: Also, als die Fenster eingeschlagen wurden, war die Polizei nicht da. Als aber der Besitzer deS Waren- Hauses kam, um nach dem Schaden zu sehen, da wurde er von den Beamten bedroht. Polizeileutnant Götz: Mir ist von der ganzen Sache absolut nichts gemeldet worden. An jenein Abend hatte ich einen Wachtmeisicr und 15 Schutzleute an Ort und Stelle zurückgelassen. Diese müßten in dieser Sache eingegriffen haben. Die betreffenden Beamten würde ich wohl noch benenne» können. Beamte in Zivil hetzten zur Erbitterung durch feige, rohe Mißhandlungen. Rechtsanwalt Cohn fragt den Zeugen, ob er sonst noch Beobachtungen über das Verhalten der Polizei gemacht habe.— Zeuge: Ich habe mehrmals von meiner Wohnung aus gesehen, daß Leute von Beamte» geschlagen wurde». Ein junger Man» von 16 bis 47 Jahren, anscheinend ein Hausdiener oder Laufbursche, »vurde nubarinherzig geschlagen. Er weinte wie ei» Kind und bat dir Beamten, ihn doch loszulassen, er sei doch ganz unschuldig. Trotz dem wurde der Mann von mehrere» Beamten in Zivil hingeworfen und wiederholt mit Stocken geschlagen.— Ich habe gesehen, daß viele Kriminalbeamte da waren. Sie standen gruppenweise in Türnischen. Die Straße ivar fast menschenleer. Wenn ein Mensch koS iiiid hieben mit Stöcken und Ochsenziemern auf ihn ein. Das geschah auch in Gegen Ivart von uniformierten Schutzleuten. A» drei Abenden habe ich gesehe», daß Leute erst durch die Schutzmannskette durchgelassen und dann von Kriminal bramten geschlagen wurden. Der junge Mann, von dem ich sprach, wollte gar»ichr durch die Polizeikette, sondern nur an ihr vorbeigehen.— RechtSanw. Heine: Aus solchen Ursache» ist wohl die Erbitterung gegen die Polizei zu erkläre»?— Zeuge: Ja von meine» Kunde» habe ich gehört, daß wegen solcher Vorgänge eine allgemeine Erbitterung Herrschi.— Rechtsanwalt Heine: Wurden auch Leute, welche durch die Polizeikelten mußten, z u einer Zeit, wo keine Ansammlungen waren, geschlagen?— Zeuge: Das habe ich öfter gesehen. Ich selbst hatte Schwierigkeiten, durch die Polizeikette zu kommen, wen» ich von meinem Geschäft nach meiner Wohnung gehen wollte. Auch einer von meinem Personal soll von Beamte» ans dem Wege nach Hause gestoßen worden sein. Weiter bemerkt der Zeuge, daß er von Polizeibeamtcn aufgefordert wurde, vom Balkon zu gehen.— RechtSanw. Heine: Haben Sie etwa geschossen oder mit Blumentöpfen geworfen?— Zeuge: Bewahre.— RechtSanw. Heine: Sollten Sie vielleicht deshalb vom Balkon gehen, um nicht zu sehen, waS die Polizei macht?— Zeuge: Den Eindruck hatte ich.— Borsitzender: Wenn Sie gewußt hätten, daß von Balkons geworfen worden ist, würden Sie dann noch glauben die Polizei läßt niemanden auf dem Balkon, damit er nicht Zeuge sein kann?— Zeuge Dann würde ich da» aNerdmgS nicht annehmen. Aber an jenem Abend wußte ich nicht, daß geworfen worden sei Aus dem Hause, wo ich wohne, ist überhaupt nicht geworfen. Das ist bei den Leuten, die in dem Vorderhaus« wohnen, ganz ausgeschlossen. Polizeileutnant Folte behauptet, wer durch die Ab- sperrungskeiien wollte, wenn er dort zu tun hatte, der sei auch durchgelassen worden. Aber es seien auch Leute gekommen, die auf die Frage: Wo wollen Sie hin? antworteten:®«s geht Sie gar nichts an. Herr Leutnant, Sie sind doch nicht so dumm, Sie wissen doch, die Straße dient dem Verkehr. Wodurch waren dir Mißhaudker kenntlich? Erster Staatsanwalt Steinbrecht fragt den Zeugen Preuß, wieso er behaupten könne, daß die Leute, welche Straßen- Passanten mit Stöcken schlugen, Kriminalbeamte gewesen seien. Zeuge Preuß: Das sieht man doch. Wenn alle paar Schritt ein Mann mit einem Stock in der Hand sieht, mit den uni- formierten Schutzleuten spricht und vor ihren Augen auf Straßen- Passanten losschlägt, das können doch nur Kriminalbeamte sein. RechtSanw. Heine: Die uniformierten Schutzleute würden doch wohl nicht geduldet haben, daß in ihrer Gegenwart Straßenpassanten von beliebigen Rowdies mißhandelt würden.— Kriminal- kommissar Kuhn tritt vor und erklärt, daß sich von den i h m unterstellten Beamten, nach den Weisungen, die er ihnen erteilt habe, niemand an der vom Zeugen Preuß be- zeichneten Stelle befunden haben könne. Es könnten doch auch andere Leute gewesen lein, die geprügelt haben, vielleicht die Leute vonHintze, von denen der.Vorwärts" berichtet habe? Auch Polizeileutnant Folte tritt dieser Ansicht bei. Rechtsanwalt Heine bemerkt: wir wissen ja noch nicht, ob nicht auch Beamte der politischen Polizei in Frage kämen. Wenn die Leute, die unter den Augen der um- armierten Beamten auf harmlose Straßenpassanten ein- chlugen, keine Kriminalbeamten gewesen seien, dann könnten es nur Leute von her Hintzeschen Knüppelgarde gewesen sein. AlS Rechtsanwalt Heine infolge einer mahnenden Be- merkung erklärte, er meine die Kuüppelgarve des von der Firma Kupfer angeworbenen Sireikbrecheragenten Hintze, meinte der Vor» sitzende: DaS ist ja wieder etwas ganz neues. Hierauf wurde die Sitzung auf Montag v'/z Uhr vertagt. •* Die Hetze gegen die Arbeiter seitens der„unparteiischen" eitungen spiegelt sich auch in ihren Gerichtsberichten wieder. >en Vogel in tendenziöser, einseitiger, gefärbter Bericht- erstattung schießt der Scherlsche„Lokal-Anzeiger" und sein Ableger, der„Tag", ab. Es sei nur ein Beispiel angeführt. Aus der Vernehmung des Zeugen Preuß lassen diese Blätter alles fort, was der Zeuge über die Polizei bekundete. So, daß er von der Polizei gehindert wurde, seinen Laden zu betreten, ferner, daß die Schutzleute ihn anherrschten, daß er vor den Schutzleuten flüchten muhte, sowie daß Beamte in Zivil— oder den Polizeibeamten bekannte Hintzesche Kmippelgardisten?— harmlos ihres Weges gehende Leute brutal mißhandelten. Das alles lassen diese Blätter fort, wie» wohl ihr Berichterstatter auch über diese Dinge ihnen Meldung erstattet hatte. Und weshalb? Etwa auS einem anderen Grunde als dem. der sie veranlaßte, die aus Polizei- offiziöser Quelle stammenden Lügen- und Tartarenberichte über die Vorgänge in Moabit und später über die vom Wedding aufzunehmen? Diese Berichte stammten aus jenen Kreisen. die eifrig bemüht sind, dem Bürger durch die Furcht vor dem roten Gespenst das Gruseln zu lehren, um ihn für Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter geneigt zu machen und ihn noch einmal bei den Reichstagswahlen für sich ein- zufangen. Diese Kreise arbeiten Revolten auf Lager— genau so wie eS die Reaktionäre und Polizeispitzel der KOcr Jahre getan haben. Und als Ablagerungsstätte dienen ihnen willig Blätter vom Schlage des„Lokal-Anzeiger". Wer Blätter dieses Schlages unterstützt, unterstützt die Reaktion in ihrer widerwärtigsten Gestalt, trägt zur politischen Stärkung der Lebensmittelverteurer und Steuerschrauber bei und leistet auf unwahren Nachrichten fußenden Ausnahmegesetzen gegen die Bürger Vorschub._ Mocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Montag: Lohengrm.(An. Oavalleri« rustican». ittwoch Freitag: fiäuifll. Operuhaus. Sonntag: Mignon. fang 7 Uhr.) Dienstag: Bajazzi. OavaUor Der LiebeSIrank. Donnerstag: Die Walküre.(Anfang 7 Uhr.) jrvcnog; Die Meistersinger von Rüruverg.(Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Satome. (Anfang 8 Uhr.) Sonntag! Aifm. Ansang 7>/, Uhr. SieueS tönigl. Lvrr»-Tt>catrr. Sonntag: Der Evangelimann. Montag: Der eingebildete Kranke. Dienstag bis Sonnabend: Aeichlossen. Sonntag: Nathan der Weif«. Anfang 7'/, Uhr. Könlgl. Schauspielhaus. Sonntag: Wallenfteins Tod. Montag: Die Rabenfteinerin. Dienstag: Der Familientag. Mittwoch: Der KrampuS. Donnerstag: Die Räuber.(Anfang 7 Uhr.) Freitag: Wallenfteins Lager. Die Piccolomini. Sonnabend: Wallenfteins Tod Sonntag: Der Krampus. Ansang 7'/, Uhr. Deutsche« Theater. Sonntag: Herr und Diener. Montag: Herr und Diener. Dienstag: Don Carlos. Mittwoch: Jaust. Donnerstag: Hamlet. Freitag: Judith. Sonnabend und Sonntag: Herr und Diener. Montag: Ein Sominernachtstraum. Anfang T'/a Uhr. Deutsche« Theater(K a m m c r f p i e l e). Sonntag: Der ver- wundete Bogel. Montag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Dienstag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Mittwoch: Der verwundete Bogel Donnerstag: Nawttn. Freitag: Die Komödie der Irrungen. Dir Heirat wider Willen. Sonnabend: Der verwundete Bogel. Sonntag: Der verwundete Vogel. Monlag: Gawün. Anfang 8 Uhr. Lefsing-Theater. Sonntag: Das. zweite Leben. Montag: Wenn der junge Wein blüht. Dienstag: Das zweite Leben. Mittwoch: Ibsen- zykluS: RoSmerSholm. Donnerstag: Wenn der junge Weln blüht. Frei. tag: DaS zweite Leben. Sonnabend! Wenn der junge Wein blüht. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Rofenmontag. AbendS: Wenn der junge Wein blüht. Montag: Gespenster. Anfang 8 Uhr. Kleines Theater. Sonntag: Joachim v. Brandt. Montag: Erster Klasse. Di« verflixten Frauenzimmer. DicnSiag: Joachim v. Brandt Mittwoch und Donnerstag: Erster Klasse Freitag: Joachim v. Brandt. Sonnabend und Donnerstag: Erster Klaffe. Die'verflixten Frauenzimmer. : Erster Klasse. Die verflixten stch ans der Straße sehen ließ, stürzten drei bis vier Beamte aus ihn I Frauenzimmer. Sonntagnachmittag ö Uhr: EM idealer Gatte. Abends Erster Klasse. Die verfllzlen Frauenzimmer. Montag: Joachim v. Brandk. Ansang. 8 Uhr. NeucS Schauspielhaus. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Ueber unsere Kraft. Dienstag: Web dem, der lügt. Mittwoch nachmittag 3 Uhr: Weh dem, der lägt, iilbends: Sternenhochzett. Donnerstag: Die Jungsrau von Orleans. Freitag: Wann kommst Du wieder? Sonnabend nachmitttag 3 Uhr: Weh dem, der lügt. Abends: Genoveva. Sonntag; Genoveva. Montag: Wann kommst Du wieder 7 Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Sonntag: Der scharfe Junker. Montag: Der neue Kompagnon. Dienstag bis Donnerstag: Der scharfe Junker. Frei- lag: Der neue Kompagnon. Sonnabend: Der scharse Junker. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Taisun. Abends und Montag: Der neue Kompagnon. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Die Schauspieler des Kaisers. Abschied vom Re- giment. Montag und Dienstag: Kean. Mittwoch bis Freit«,: Der Sieger. Sonnabend Sonntag und Montag: Der G. m. b. tz.> Tenor. Ansang 8 Uhr. SNoderues(Hebbel.) Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Allabendlich: Der Duppeimeiisch. Ansang 8 Uhr. Komische Oper. Sonntag: Di« Lohome. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Die Bohäme. Mittwoch: Tosca. Donnerstag: Tiefland. Freitag: Die Bohöme. Sonnabend: Abbö Nouret. Sonntag- nachmittag 3 Ubr: HoflmannS Erzählungen. Abend»: Die vohöme. Mon- lag: gigeunerliebc.-Ansang 8 Uhr. Ansstellungstheater am Zoo. Täglich: Oedipu» aus Kolono». Von Freitag, den 25. November ab: Der Fremde. Sonntag, den 27. d.M., nachmittag« 2'/, Uhr: OedtpuS aus KolonoS. AbendS: Der Fremde. Thalia-Theater. Sonntag: Die Haubenlerche. Montag und DIens- tag: Polniichc Wirtschast. Miitwochnachmittag 3 Uhr: Häusel und Grete!. Abends: Polnische Wirvchast. Donnerstag und Freitag: Polnische Wirt- schast. Sonnabendnachmittag 3 Ubr: Aschenbrödel. Abends und Sonntag: Polnische Wtrlschajt. Ansang 8 Uhr. Schiller-Theater O. Abends: Sodoms Ende. Montag: Die Liebe wacht. DtenSlag: SodomS Ende. Mitsivoch: Die Kreuzelschreibcr. Donnerstag und Freitag: Die Fee Eavrice. Sonnabend: Sodoms Ende. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. AbendS: Die Fee Caprice. Montag: WallensteinS Tod. Ansang 8 Uhr. Schiller> Theater«rharlottendurg. Sonntag: Kabale und Lieb« Montag: Pete* Friedrich von Homburg. Dienstag: Da« Urbild de» Tartüff. Mittwoch: Prinz Friedrich von Homburg. Donnerstag: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: SooomS Ende. Sonnabend: Das Urbild des Tartüff. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Das Urbild des Tartüff. Ansang 8 Uhr. Friedrich-ilStthelniftädtisches Schautptelhanö. Sonntag: Faust. --—------------- � g 3 Uhr- und Frei« . ermmml- schlacht. SkbeiidS: Krieg tm Frieden. Sonntagnachmittag 3 Uhr, Die tennannsschiacht. Abend«: Die Räuber. Montag: Die Hermannsschlacht. »fang 8 Uhr. Neues Operetten-Theater. Sonntag nachmittag S Uhr: Die Glocken von Corneville. Abends: Wenn der junge Wein blüht. Täglich bis Dienstag: Der Gras von Luxemburg. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Di« goldene Märchenivelt. AbendS: Der Gras von Luxemburg. Donners- tag und Freitag: Der Gras von Luxemburg. Sonnabendnachmittag 8 Uhr i Die goldene Märchenwelt. Abends: Der Grat von Luxemburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Corneville. Abend«: Der Gras von Luxemburg. Ansang 8 Ubr. � �. Residenz Theater. Donntag: Die Kameliendame. Montag: bkodleee« Obligo. Von Dienstag ab allabendlich: Der Unterpräsett. Ansang 3 Uhr. Theater des Westen«. Sonntag: Der stdcle Bauer. Montag bis Donnerstag: Die schönste grau. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Da» Puppenmädel. Sonntagnachmittag S>/. Uhr: Die geschiedene grau. AbendS: Da« Puppenmädel. Ansang 8 Uhr. Triauon- Theater. Sonntag: Monsieur Alphonse. Von Montag ab allabendlich: Der heilige Hain. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pariser Witwen. Ansang 8 Uhr. WBerliner Volks. Oper. Sonntag und Montag: Der Troubadour. Dienstag■ Undine. Mittwoch: Die weiße Dame. Donnerstag: Martha. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend: Der Troubadour. Sonntagnachmittag i'l, Uhr: Der Trompeter von Sälkinaen. Abend« 8 Uhr: Dt« AIrtkanerin. Montag: Der Troubadour. Ansang i'l, Uhr. Luisen- Theater. Sonnlag: Deborah. Montag: Am grünen Weg. DienSlag: Der Hütt-nbesitzer. Mittwoch 61« Freitag: Preziosa. Sonnabend; Berlin geht zu Bett. Sonntag: HasemannS Töchter. Rontag: Preziosa. Ansang 8 Uhr. Lustspteldaus. Sonntag: Geschlossen. Allabendlich: Der Feldherrn- Hügel. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Da« LeutnantZ. mündel. Abend«: Von Stuse zu Swse. Metropol-Theater. Allabendlich: Hurra l— Wir leben noch! Anfang 8 Uhr. Herrnfeld-Theater. Sonntag: Die Meyerhaln«. Else au« der Bar. Montag und folgende Tage: Eine verlorene Nacht. Der Derbysteger. An- sang 8 Uhr. Easino-Theater. Sonnlagabend: Ackermann. Täglich: Der schneidige Rudolf. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag: Mutter Gräberi. Rose-Theater. Sonntag: Die Räuber. Montag: Da« vierte Gebot. DienSlag: Da« vierte Gebot. Mittwoch und Donnerstag: Sein Prinzenchen. Freilag: Anna-Llse.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Sein Prlnzetzwen. Sonntag: Da« vierte Gebot. Moittag: Sein Prtnzxtzchen. Ansang 8 Uhr. Jolle«»apriee. Allabendlich vi» ans weitere«: Der FeldwebelhÜgel. Sonntag: Die Dorjmusitanten. Ansang 8>/, Uhr. -Un-No.rbeaeer. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang» Uhr. Sann- tagnachniittag ii'l, Uhr: Spezialtläten. Poflaae- Theo:er.«onntag, nachmittag« 3 Uhr: SpezialUiten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Urania> Theaeer. Taubenstr.«8/40. Sonntag: Der Blerwaldflätler See und der Gotthard. Dienstag: Rund um Asten. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnoaiidenstr. 67—62. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichshallc»- Theater. Täglich: Slettiner Sänger. Ansang S Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich: Bravo l Da capo l Spezialttäten. Ansang 8'/, Uhr. Sanssouci. Allabendlich: Ach, die Kerl». Spezialitäten. Ansang B'U Uhr. Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang 3 Uhr. Wrttervrognose kttr Sonntag, den 8«. November 1910. Etwa« kälter, zunächst noch vorhervschend wollig mit leichten Schnee- fällen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden! später austlarend. Beritner W e t t erb ure a u. WnsserstandS-Starhrtthte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom verlwer Wclterbureau. Wasserstand M e m e l. TUM L r e g e l, Jnflerbnrg Weichsel, Tboru Oder. Ratibor . Kroiien . Frantiurt W a r t d«. Schrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elb«, Letlmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg 0 4- bedeutet Wuchs,— Fall.>) llnterveael. der deutschen Wagenbauer. Berlin, Bezirk 16. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß da» Mitglied Karl Jänicke am 18. November verstorben ist. Die Beerdigung findet am 22. November, nachmittag» 4 Uhr, von der Halle des ZenttassrledhosS in Fricdrichssclde auS statt. Um rege BcteUigung bittet Der Borstand. Mtol-NoMiMsk 1011 gelangt foeden zur Ausgabe» Reichhaltiger Inhalt. Preis SV Pf.- EzptWolldtS„Vsr«iirts" 217/4* liindenstr- 69. rünfeld8 Weihnachts-Wäsche Berlin Wy Leipziger Straße 20-21. Nr. sn. Bamii-Ilicltteil Chitlon mit Umlcgeknnen. feinen Ptltcben und Hohlnihten.. M. 4.75 Nr. 3316. Damee- lachtlieail. Mittelfein Chiffon mit Hohlnihten und breitem C Q C Suckereitniiti M. D,OJ Nr. 3276 Mor9li|Ukl. Merine. rot oder dunkelliia gnmdlg gemustert, b»umw3amrael- Flanell mit Lammet• Umlege- n 1 C kragen und Stulpen M./• I O Nr 3279. Ugrgetjacke. Dunkelblau rot, grau oder dunkel- lila Plauschßanell mit Sammet-Um- legekragen und Stulpen, bchnur- beaata und Taillen- l A O C schnür..... M, lU.Zj NrJ577 Daaio-Bilnklill Hemden tuch mit gebogt er Falbel 2 2� Nrjaoa Biua-Tigh»i Mltlellein Chiffon, mit Hohlnihten und n � C Bogenabictalutt£,»13 Nr. 2633. 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In den Vereinigten Staaten führte die unheilvolle Wirkung der Agrarzölle zu einer neuen politischen Herrschaft. Die extreme Schutzzöllnerei, die dem Volke als ein Segen für die nationale Arbeit gepriesen worden war, hatte eine ungeheuerliche Verteue- rung der Lebensmittel im Gefolge. Was der Verstand nicht er- faßte, das begriff das Volk durch den Magen: es war mit der Zöllnerei furchtbar betrogen worden! Nun gab eS bei den Wahlen zum Repräsentantenhause seinen Willen kund, eS stürzte die Partei der schutzzöllnerischcn Republikaner, die Demokraten kommen ans Ruder. Des Volkes Forderung lautet: Fort mit den wucherischen Schutzzöllen! Und wie steht es in Deutschland? Hat hier das Volk endlich begriffen, daß die LebensmittelMe nichts anderes sind als eine wohlorganisierte Bewucherung der Konsu- menten, eine Plünderung in Permanenz? Wenn noch nicht, dann ist es die höchste Zeit dazu. Das ist der Fluch der Agrarzölle, daß sie die Not der Landwirtschaft nicht mindern, sondern sie erzeugen und verschärfen. Jede Zollerhöhung, jede neue Liebesgabe gebiert auch eine Steigerung der Bodenpreise und einen starken Güter- Wechsel. Werden für landwirtschaftliche Erzeugnisse höhere Preise erzielt, steigt auch der Verkaufswert de? Bodens. Hat eine Wirt- schaftspolitische Maßnahme das allgemeine Preisniveau in die Höhe getrieben, verkauft der bisherige Besitzer sein Gut mit ent- sprechendem Gewinn, der ihm nun eine dauernde Rente abwirft. Der neue Besitzer arbeitet unter denselben Rentabilitätsbcdin- gungen wie der Vorbesitzcr vor der künstlichen Steigerung der Preise. Bald hört man wieder das alte Klagelied von der Not der Landwirtschaft. So bildet das Hinauftreiben der Warenpreise durch Zölle und indirekte Steuern mit der nachfolgenden Steige- rung der Bodenpreise eine Schraube ohne Ende, die das Volk zu- g misten der Grundrentner in der infamsten Weise bewuchert und ausplündert, ohne daß die Lage der eigentlichen Bauern und der landwirtschaftlichen Arbeiter eine Besserung erführe. Einen sehr starken Besitzwechsel und eine enorme Steigerung der Bodenpreise verursachten die neuen Handelsverträge mit dei� erhöhten Zöllen, die seit vier Jahllcn in Wirksamkeit sind. Der städtische Hausbesitz ist ja schon lange ein Gewerbe, nicht mehr der Anker der Boden- ständigkeit; mit dem Grundbesitz in den Städten wird gehandelt wie mit anderen Waren. Manches HauS wechselt in wenigen Jahren mehrmals den Besitzer. Das Hinaufschnellen der Gütcrpreise oder vielmehr die Mög- lichkeit, durch den Verkauf des landwirtschaftlicheu Gutes einen Kapitalgewinn zu erzielen, der eine dauernde Rente garantiert, zeitigt nun auf dem Lande ähnliche Erscheinungen. Im Osten gibt es jetzt Gutsbesitzer, die, wie P. Belgard in der„Frankfurter Zeitung" mitteilt, in 2 his 3 Jahren 4 bis 5 Güter erwarben und wieder verkauften. Eine Besitzung im Kreise Johannisburg in Ostpreußen wechselte gar im Laufe eines Jahres sechsmal den Eigentümer und der Preis stieg dabei auf annähernd das Doppelte. Und ähnliche Preissteigerungen sind, seitdem der neue Zolltarif als Preisschrmibe fungiert, für fast alle Güter in Ostpreußen zu konstatieren. Nur wenige Besitzer gibt eS. die nicht bereit wären, ihr Gut zu verkaufen. Der Ostpreußischen Landgesellschaft wurden in den letzten 4 Jahren rund M Million Hektar zum Erwerb angeboten. Der Ansiedelungskommission sind im Jahre 1909 nicht weniger als 314 Güter mit über 109 900 Hektar Umfang allein aus Polen und Westpreuhen angeboten worden, im Jahre 1904 waren es 447 Güter mit 197 012 Hektar Fläche. Die Durchschnittspreise betrugen im Jahre 1904 pro Hektar erst 1020 M., 1907: 1S08 M. Nach dieser Ileberspannung trat ein Rückschlag ein, der den Durchschnittspreis wieder auf 1272 Mk. im Jahre 1909 hinabbrachte. Die von der Kommission bezahlten Preise betrugen im Jahre 1904 das 112,5- fache des Grundsteuerreinertrages, im Jahre 1909 jedoch das I30,8fache. Wie die Preise chinaufgehen, zeigt Velgard an einer Reihe von Einzelbeispielen. Das Gut Mehlawischten im Libauer Kreise in Ostpreußen, 300 Hektar groß, wurde vor 1% Jahren für rund 400000 M. verkauft; vor acht Jahren hatte es 210 000 M. gekostet. Das Gut Kalborn(Kreis Osterode) brachte 255 000; zwei Jahre vorher 190 000. Das Gut Praßnick im Landkreise Königs- bcrg wurde im Juni 1309 für 480 000 M. verkauft; die 1400 Morgen große Besitzung kostete vor einigen Jahren nur 320 000 M. Das im Kreise Pillkallen gelegene Gut Kischen brachte 1909 165 000 M.; knapp 3 Monate später ging es für 175 000 M. in andere Hände über. Im Goldaper Kreise stieg der Wert des Gutes Tagutschen in wenigen Jahren von 45 000 auf 80 000 M. Im Kreise Gerdauen erzielte der Besitzer des Rittergutes Georgen- felde 950 000 M., er hatte vor ctiva 3 Jahren 670 000 M. angelegt. Im Lycker Kreise— das ist Masuren mit den niedrigsten Boden- preisen— stieg der Wert des Gutes Czerwonken in zwei Jahren von 180 000 auf 200 000 M. Im Kreise Angerburg wurde das Gut Szemjannen für 385 000 M. verkauft, während es 5 Jahre vorher nur 160 000 M. gebracht hatte. Ter Preis des 2700 Morgen großen Gutes Dorschen betrug 650 000 M.z vor vier Jahren kostete es 490000 M.; der vorletzte Besitzer hatte gar nur 340 000 M. an- gelegt. Im Ortelsburger Kreise stieg der Verkaufswert des Gutes Fiugatten in den letzten 7 Jahren von 110000 auf 235 000 M. und im Kreise Darkehmen endlich veräußerte ein Rentier, der erst vor ganz kurzer Zeit das Gut Ußballen erworben hatte, die Besitzung alsbald wieder mit 30 000 M. Verdienst weiter. Dasselbe Bild zeigt sich in Westpreuhen. Kreis Sckstvetz: Das 257 Hektar große Rittergut Josephat brachte dem Besitzer 240 000 M.; er hatte vor einem Jahr 140 000 M. bezahlt. Kreis Schlochau: das Rittergut SzonowSk, das vor einem Jahre 410 000 M. gekostet hatte, wurde im April 1910 für 650 000 M. weiterverkauft. Kreis Briefen: das 1750 Mvrgen große Rittergut Schemen brachte Juli 1909 580 000 Mark. Vor einem Jahre kostete es 50 000 M. weniger und im Jahre 1902 rund 241 000 M. Im Juli 1309 verkaufte die.Land- bank das Gut Gurken im Kreise Stuhm für 320 000 M.; sie hatte es anderthalb Jahre zuvor mit 270 000 M. bezahlt. Das Gut Wonne im Löbtauer Kreise, welches jetzt für 370 000 M. verkauft wurde, kostete 1897 nur 114 800 M. In Schlesien wurde kürzlich das Dominium Ncugabel für 750 000 M. verkauft. ES hat vor zehn Jahren 370 000 und im Jahre 1909 rund 660 000 M. gekostet. Im westpreußischen Kreise Elbing war daL Gut Luisental nebst Ziegelei an der Haffküste, unweit der kaiserlichen Besitzung Cadinen gelegen, im Wege des Zwangsverkaufs für 68 000 M. von einem Konsortium erworben worden. Von diesem Konsortium kaufte es bald nachher die Landbank. Sie bezahlte 70 000 M. Dann wurde die Besitzung wieder weiter verkauft und noch mal weiter ver- kauft, und im September, also einige Monate nach dem Zwangs- verkauf, auf den Preis von 650 000 M. gebracht Natürlich steigen auch die Pachtpreise für königliche Domänen. So lautete im Juni dieses Jahres bei der Verpachtung der rund 1600 Morgen um- fassenden Domäne UniSlaw im westpreußischen Kreise Culm daS Höchstgebot 25 100 M. Die bisherige Pacht betrug etwas über 12 IXT M. Und bei der Verpachtung der Domäne Griewe in dem- selben Kreis« blieb der bisherige Vachtinhaber Amtsrat Meyer mit 30 256 M. Höchstbietender— er hatte bisher nur etwas mehr als 13 000 M. bezahlt. Dem neuen Besitzer und Pächter wird es sicherlich nicht schwer fallen, dieselben Klagen über die Rot der Landwirtschaft anzustellen wie ihre Vorgänger, bevor diese die er- höhten Preise ergattert hatten. Man kann jetzt dieselben Berech- nungen über die Notwendigkeit vermehrter Liebesgaben auf. machen, wie es damals geschah von den glühenden Verehrern der heimatlichen Scholle, die nun als Rentenschlucker dauernde Nutz- nießer der Arbeit anderer geworden sind. Schon jetzt wird von den Interessenten Stimmung zu machen versucht, um bei der nächsten Revision unseres Zolltarifes für einige noch nicht mit Zöllen belastete Produkte solche zu erlangen und die bestehenden Zollmauern weiter zu erhöhen. So hat kürz- lich die Brandenburgische Landwirtschaftskammcr erst noch wieder die Einführung von Obstzöllen gefordert. Wie gefährlich diese Politik für die Lebenshaltung des Volkes ist, das lehrt die derzeit herrschende Teuerung, besonders auch der steigende Fleischmangel. Die Notstandspreise sind vorwiegend eine direkte Folge der er- höhten Getreidezölle. Diese garantieren einen höheren Profit aus dem Kürncrbau, der dabei extensiv betrieben werden kann und weniger Fleiß und Aufmerksamkeit des Besitzers beansprucht. So stieg.z. B. die für den Fiörnerbau beanspruchte Fläche von 13 852 236 Hektar im Jahre 1899 auf 14 217 812 Hektar im Jahre 1909. in der gleichen Zeit war die Wiesenbaufläche nur von 5 887 572 Hektar auf 5 961 536 Hektar gewachsen. Nach dem Wirksamwerden der neuen Handelsverträge ist gar ein Rückgang eingetreten, und zwar von 5 970724 Hektar im Jahre 1907 auf 5 967 314 Hektar im Jahre 1908 und dann auf die noch etwas geringere Fläche im nächsten Jahre. Das haben die unerhört hohen Getreidepreise getan. Die Viehzucht wurde vernachlässigt, das Angebot blieb zurück und so gingen auch am Viehmarkt die Preise rapid hinauf. Der wirkliche Notstand, der sich daraus entwickelte, blieb lange ver- schleiert, indem minderwertiges Vieh an den Markt kam. So konnte man mit genügend großen Stückzahlen rechnen, um unter Benutzung von Durchschnittsgewichtszahlcn zu konstatieren, � daß von einer Fleischnot nicht gesprochen werden könne. Nach diesem Rezept arbeitete auch das preußische Landwirtschaftsministerium. Nach seiner Berechnung, bei der man halbgemäsietes Vieh als voll- gewichtiges bewertete, gab und gibt es keine Fleischnot. Wie mit dieser Methode die wirklichen Verhältnisse verschleiert werden, entschleiert das Resultat der außerordentlichen Vieh- zählung in Bayern vom 10. Oktober d. I. Bei einem Vergleich mit dem Ergebnis der Zählung vom 2. Dezember 1907 ergibt sich nämlich folgendes: Damals waren vorhanden 3 725 430 Rinder, jetzt nur 3 485 737, d. h. 239 693 Stück oder 6,4 Proz. weniger. AIS besonder? ungünstiges Moment wird dabei konstatiert, daß am Rückgang der Bestände das Jungvieh(Tiere von drei Monaten bis zu zwei Jahren) den größten Anteil hat; die Abnahme beträgt hier nicht weniger als 17,7 Proz. Auch der Bestand an Schafen ist von 735113 auf 638 132. also um 96 981 Stück oder 13,2 Proz. zurückgegangen. Gegenüber der Minderung dieser für die Volks- ernährung wichtigen Viehbestände fällt wenig ins Gewicht, daß die Zahl der Schweine von 2 056 222 auf 2 235 431, die der Ziegen von 303 150 auf 312 937 Stück gestiegen ist. Das ist ein Mehr von zusammen 183996 Stück, während der Ausfall an Rindern und Schafen 336674 Stück beträgt! Dem Fortschritt in der Schweine- Haltung wird dazu das einschränkende Wort hinzugefügt, daß er nur von Dauer sei, wenn die diesjährige Kartoffelernte die Schweinezucht begünstige. Die Angaben über den Rückgang der Wiesenflächen berechtigen leider allzu sehr zu der Befürchtung, daß die EntWickelung in Teutschland nicht besser sich gestaltete als in Bayern. Danach wäre mit einem Andauern der hohen Flcischpreise zu rechnen, das heißt mit einem fortdauernden Not- stand. Mit den weiteren Ansprüchen der Agrarier auf Liebesgaben wächst auch die Last, die auf allen produzierenden Ständen ruht. Für Handel und Gewerbe bedeutet sie ein Hemmnis ihrer Ent- Wickelung. Der Mlilliardensegen, der in der Hauptsache über die Großgrundbesitzer niedergeht und der eine Anzahl von Grund- rentnern schafft, bedingt für die breite Masse eine Einschränkung der Konsumlkraft, deren leidender Teil vorwiegend die Erzeugung von Gebrauchsgegenständen usw. ist; denn an den hier in Betracht kommenden Artikeln wird erspart, was die Lebenshaltung mehr verschlingt. Und eine Ersparnis bedingt auch ein Minderbedürfnis an Arbeitskräften und die Einschränkung der Rachfrage am Ar- beitsmarkt wirkt wiederum lohndrückend. So ist die agrarische Wirtschaftspolitik eine Gefahr für die gesamte deutsche Volkswirt- schaft. D. unücht .lUJiekclfic SunUcht Seife mehr 9 flÜausoerfuiuffc? Da dank ich sehr! Mit andrer Seife wasch Ich nicht!" Höchst aufgebracht Frau Ekbeth spricht Klassiker memm Zu Festgeschenken sehr geeignet: (f||«inif«s Werlit. 2»'®. kttilwch« simtlich!Wf. illÄrwTä' fjanffs mm Werde. M"l 4 Leinenbände. Preis nur 4 M. Keines(ämlliche Weide. ÄÄSC UK ffflail. Gedichte. Preis früher 3 M.. jetzt 1 M. Shakefpearts sämtliche dramatische Merke. Mass« Schneiderei für clogiuite Herren-Hoden Fertig u. nach Mail. Garantie für tadelloien 81t« u. beste Verarbeltg. Aul Teilzahlung Wocbenrate von 1 H. an. J. Kurzberg iimil»».!«....... Haokscb. Markt, I. laden u. U Et. tn 12 Sänden llebersctzt von A.— T i e ck. 4 starke Lciueuväiidc. jetzt 4.50 M. o. 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Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 20. November, nachnr. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Die Räuber. KantUlerspiele: Gatuäi,. Nachm. 3 Uhr: NeueZ Theater: Tarlüfs.— Die Ge schwister. Neues Operetten- Theater: Die Glocken von Corneoille. Kleines Theater: Der ideale Gatte. Schiller- Theater Charlottenburg: Egmont. Schiller-Thcater 0.: Die Ehre. Meiropot-Theater: Von Stuse zu Stufe. Neues Volks-Theater: Ucber unsere Krast. I. tMbcndS S'/i Uhr: NeueZ VolkS-Thcater: Asbrand. Montag, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend: Jsbrand. Mittwoch, Freitag: Ueber unsere Krast. I. Volls-Oper: Montag: Der Trouba dour. Freitag: Der Freischütz. �essin�-Ikeater. 8 Uhr: Das ztveite Lebe». Montag 8 Uhr: Wen» der junge Tvei» blüht. öeriiner l�tiester. Abends 8 Uhr: vor iseksrte Junker. Morgen: Der neue Kompagnon. Modernes Theater (früher Kebbeltheater). Abends 8 Uhr: DoppcluienHcb. Neues Theater. Gastspiel Ferdinand Bonn. AScndS 8 Uhr: Schauspieler des Kaisers. Abschied vom Regiment. Montag und Dienstag: Kcan. ßerlmer Volksoper Belle-Alliancestr. 7/8. 8 uhr: Der Troubadour. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Oer(Idclc Bauer. Morgen: l>ie sohOnate Frau. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Sonntag, den 20. November, 8 Uhr: Die kameliendame. Schausp. in 5 Akt. v.A. DumaS Sohn. Montag, den 21. November, 8 Uhr: Noblesse oblige. Dienstag und solgende Tage: Der Uuterpräfekt. DieUlieh-WIheUlttisehes Schauspielhaus. Sonntag, den 20. Nov., abends 8 Uhr: » HR 8 t. Nachm. S1/, Uhr: KriemhtldS Rache. Montag: Die Hermannsschlacht. Dienstag: Die Hermannsschlacht. Luisen-Theater. 3 Uhr: OenchloNsen. 8 Uhr: Neueinstudierung: I* e l> o i* a Ii. Volksschausp. in 4 Akten v. Moscnthal. Montag: Am grünen Weg. Dienstag: Der tzültenbesitzer. Mittwoch, Donnerstag u. Freitag: Prcziosa. S onnabend 4 Uhr: Zwerghase. lose-rnc/mc Groge Frantsurter Str. 132. Ans. 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Die Räuber. L Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Montag u. Dienstag: DaS vierte Gebot. Mittwoch und Donnerstag: Sein Prinzcstchen. testen Nur einmalige Aufführung: Die Meyerhains Mit Anton und Donat Herrnscld mid Else aus der Bar. Morgen Montag: Gt«« verlorene Nacht und Der Derbv-Siegcr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Cfraiila. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Vierwaldstälter See und der Gotthard. Montag abend 8 Uhr: Ber'Vicrwaldatlitter See und der Gotthard. Kaiser-Panorama Reise nach dem Orient. II. interessant. Reise in Siam. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Ps. Abonucin. 1 M. Tausende Abonnenten. Tpw* OCISCHER garten Heute Sonntag: — Eintritt ÖO Ps.— Kinder unter 10 Jahren die Hülste. Ab nachmittags 4 Uhr: Gr. Militärkonzert. Täglich nachm. 4 Uhr: Großes Billt&rkonzert. Marionetten- Theater BUnchencr Künstler. Ausstellung/s- Hallen Portal IV am Zoo Portal IV Nachmittag und Abend: Kleine Opern und Puppenspiele Eintritt 1, 2, 3 und 4 Mark. Passage-Pauopllkuin. Nltzetto der Mensch ohne Skelett. Bnddhas dunkles Geheimnis. 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AbendS 8 Uhr: Geschlossene Vorstellung. Morgen, Montag, abends 8 Uhr: Ber F'eldherruhüjgek. IZZXZZZZUTZZZZIZZI i ixxxxrzxxxxizx Casino-Theater Lothringer Siraste 37. Täglich 8 Uhr. Einmalige Aufführung: �.«Kermaaii. "Vorher bunter Teil. Ab morgen bis Donnerstag: Stl schnkldigk Rudolf. Triunon-Theater. 8 Uhr: 9Ionsiear Alphonse. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: „Ber heilige Halu." Königsiadl-Kasino. Holzinarklttr. 72, Ecke Lllexanderstraste. Das erfolgreiche November- Programm mit Franzi hlobanskl. Neu I Molly Verch. Frenz Rudolf!, Esther and Sou, Little Pix usw. Riesen-Erfolg: Eiu alter Ftirkschuster. Volksstück m. Ges. i. I Akt v. O. Richter. Csslsus Panoptikum Größtes Schau-Etablissement Berlins. Großes Kii n stier- Konzert und Spezialitfiten-VorsteHung. Täglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. "i LICHT-SPIELE Mozartsaal— Nollendorfplatz Heute neuer Spielplan. GRAF TOLSTOI. Die Erdgasquelle In Neuengamme. 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JHexaniierpIatz, Unter ileu Liotlen 21, Weddinn, P.einickendorferstr. 14, Moritzplatz, (Buggenhagen), Hasenlieide, (Unions-Braueroi). Hochbahnstation Kottbliser Tor. 8 Uhr: Gllßspikl des iwWw Iis r». 9 Uhr: Adelaide. Ein Genrebild. Musik v. Beethoven. Alt-»oablt 47/48. Sonntag, den 20. November: Die fjniitiftilfrdsc. Schausp. in 4 Ausz. v.®. o. Wildenbruch Kasseneröffn. 6'/, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Vsm«. 151, Franlsu ler Allee toi. Bleien- 4.1ehtldld- Bilhne. Beute Verstellung. Ansang 6'/, Uhr.— Sonntags 3 Ubr. V olks- Tli ea ter _ Rtxvorf. Hcrmannftr. 20. Sonntag, den 20 November 1910: 9(in Altar. Schauspiel in 5 Akten von Wexel Montag, den 21. November 1910: Die Rächerin ihrer Ehre. Schauspiel in 4 Akten v. W. Schmidt- Hästter und M. Kaufmann. Ansang Sonntag 7, Montag 8'/. Uhr. Märkgrafen-Säle 34. narkgrafcn-Damm 34. -------- An der Stralauer Allee.--------- Jeden Sonntag: Gi-eBes» Ball. Im Restaurant täglich miistkalische Unterhaltung. 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DM- Aufnahme von Lehrlingen in den Turnstunden. Aktiva I i I n n»- Kon t o Passiva MI 46 732,42 3 168,80 UiT Waren-Konto: Waren zum EinkausZ- werte..... Ausstehende Forderungen..... 3 168,80 49 901,22 Muthaben-Konto..— 2 095,55 Wechselkaffen-Konto.— 460,— Geschäftsanteil-Konto d. K-V. K....— 1 000,— Jnventar-Konto...— 20 730,— KautionShinterlegungS- Konto.....— 8 180,— Haus-Konto....— 170 678,66 Scheck-Konto d. Strebst» Bin eins Köpenick.— 33,93 Kassa-Konto...— 166,01 Schaaffhaus. Bank-Ver.— 195,59 3»r~ Sparmarken-Konto. 130,— Hausanteil-Konto.. 3130,— Darlehcns-Konto.. 550,— Hypotheken-Konto 107 000,— Kreditoren-Konto II. 3 191,45 Kreditoren-Konto III. 13 200,— Licseranten-Konto.. 12 696,54 Bank-Abteilung Grotz- einkauss-Gesellsch. 15 683,49 Geschäslsanteit-Konto 35 626.37 Prcijkoblcn-Konto.. 281,60 Sparkasscn-Konto.. 28 886.03 Nescrvesonds-Konto. 3 377,15 Kautions-Konto.. 3 690,— Hausant.-Zins.-Konto 0,20 Spar-Konto.... 20 799,32 Reingewinn... 198,81 Summa— 248 440,96 Mitglieder-Bewegung. Am SO. Jurst 1909 waren vorhanden..... Neu eingetreten............. Summa 248 440,96 Summa . 201 6 Freiwillig ausgetreten zum 1. Juli 1910...... Durch Tod................. Durch Ueb ertragung............... 2 Gestrichen................... 1 Nach§ 4, Abs. 8 ad d ausgeschlossen......... 66 Am 80. Juni 1910 waren Mitglieder vorhanden....... 1974 319 2293 276 "Süi en betrug am 1. Juli 190» DaS GeschöftS S» 1. Juli 1910............... 35 626,37 Zunahme 44 28 483,51 M. Dt» Haftsumme betrog am 1, und am 1. Juli 1910... Zunahme 7 142,86 M. Juli 1909........ 59 220,- M. ............ 60 540,—, 1 320,— M. . Zunahme vrrteiluug deS Reingewinnes. Sterbe-UnterstützungS-Konto............. 180,— M. Vortrag auf neue Rechnung............■ 18,81, Summa 198,81 M. Die Auszahlung der Rückvergütung erfolgt am Freitag, den v. De, zember 10 10, nachmittags von 3—8 Uhr, im Kontor der Genossen- ichast. Adlershof, Bismarckstrafte II, Hos parterre. Rindern unter 12 Jahren wird kein Geld ausgezahlt. Zur Auszahlung mutz das Mit- gliedtbuch mstgebracht werden. 107/16 Der Borftand. HeraiUB Hlltfebrandt. Wilhelm Kohl. Max Jacobson. Der Auffichtsrat. teil Gerhard. Karl iagnow. Wilh. Dürre._ Karl Salzmann. med. Karl ReinhardU spezlal-llratllohe Institute(flr Geschlechtskrankheiten Haut-, Harnleiden, Schwache(Impotenz) ■ NeaniliisMa 12""" Polsdamer Strafia 117 Sa""ff Vollkommenstea kombiniertes Heilverfahren bei frischen and veralteten Fallen. 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Vorlegung der mit de» Kassen- beainlen abznschlichclidcn Verträge. 5. Eisatzlvnhl für die auSgcschiede- nen Vorstandsmitglieder Herren Pickenhage» und Gliese in ge- trennter Wuhlverhandlung. und zwar a) ans den Reihen der Arbeitgeber an Stelle des aus- geschiedenen Herrn Piekenhageu für die AmtSdauer desselben, b) aus den Reihen der Arbeit- »ehmer an Stelle des ausgefchic- denen Herr» Gliese für die Amts- daucr desselben. 6. Neuwahl für die am 31. Dezember 1910 ausscheidenden Vorstands» milgUeder i» getrennter Wahlver- handlung, und zwar a) aus den Reibe» der Arbeitgeber sür die Herren Blum und Elias, b) aus de» Reihen der Arbeitnehmer für die Herren Crfclt, Seifet, Scholiain und Bölker sür die Amtspcriodc bis zum 31 12. 1912. 7. Wahl einer Nechnuiigsprüsungs» kouiiniisian zur Prüfung der Jnhresrcchnung pro 1910. 8. Autiag der Frau Lilly, welche das 45. Lebensjahr nberlchrilten, um Ansuahme als sreitvilligcs Mitglied. 296/10 9. Kasjcnaiigelegenhciten. Der Borstaud. O. Seilet, Borsitzendec Orts-Krankeukasse der iWittklto Scrliiis. mir Freitag, den 25. November, abe-dS 8 Uhr, bct Dalg, Skalifter Str. 51/52: Außerordentliche General-Versammlung Tages. Orvmmg:. 1. Wahl eines VorstandsinitgliedeZ sür Arbeilgeber aus zwei Jahre. 2. Wahl von zwei Voritandsmit- gliedern sür Arbeitnehmer auf zwei Jahre. 3. Wahl des RechnungSprüIungs» Ausschusses sür 1910. 4. Antrag: Lupe, Erhöhung deS GehaltS für Kraukenbesucher. 5. Antrag: Mnschke, Entschädigung der Delegierten. 6. Antrag: Schwieder i» Sachen Hauff. 296/9 7. Verschiedenes. Nur Delegierte haben Zutritt. ■B Delegiertenkarte legitimiert.» Paul Sobeel, 1. Hornomann, II. Vorsipender. Vorsitzender. Berliner umor-nuartett r« Gis. Treuer Kastanienallee 19 10 Mark monailiche Teilzahlung, licsert elegante Herrcngardcrobc nach Maff* I. Tomporowski, ffiS'Ä (Billige Preise.) Kasse 10 0/0 Rabatt. Auch engl. Dainenkoslüme u. PaletotS. waren jodor Art om einfachsten bis feinsten Genre direkt d« Fabrik. 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Tie Venreter der preußischen Bergbauvercine hatten vor kurzem auf einer Zusanmenkunft beschlossen, eine umfassende Er-- Hebung über die öffentlichen Lasten des deutschen Bergbaues in die Wege zu leiten, um zahlenmäßig die gegenlvärtige Belastung des ■ Kohlenbergbaues mit öffentlichen Auflagen darzustellen. Veranlaßt fühlten sie sich dazu durch die Versuche der lehren Jahre, den Kohlenbergbau in steuerlicher Hinsicht einer Sondergesetzgebung zu unterwerfen, insbesorwere durch die wiederholten, in erster Linie von den Agrariern genommenen Anläufe-tur Herbeiführung eines Kohlenausfuhrzolles, sowie durch die anläßlich der Reichsfinanz- reform in dem gleichen parteipolitischen Lager hervorgetretenen Bestrebungen, dem wichtigsten mineralischen Brennstoff, der Stein- kohle, eine Steuer aufzuerlegen. Zwar erkennen sie an, daß die Regierung„mit dankenswerter Entschiedenheit" den Kohlenausfuhr- zoll abgelehnt hat und daß sie eine gleiche Haltung gegenüber dem Plane einer Kohlensteuer eingenommen hätte, wenn derselbe greif- bare Gestalt erlangt hätte. Aber ganz scheinen sie dem Frieden. denn doch nicht zu trauen, die Stellungnahme der Regierung bieter ihnen keineswegs eine unbedingte Gewähr dafür, daß sie den wiederkehrenden Bestrebungen auf eine Sonderbelastung des Kahlenberg- baues mit gleicher Entschiedenheit entgegentreten wird, und deshalb rüsten sich fcje Interessentenkreise beizeiten zur Abwehr. Den ersten Schritt hierzu soll eine Untersuchung der jetzt schon vor- handenen lBelastung des Bergbaues bilden. Dieser Aufgabe hat sich Dr.� Ernstj I ü n g st in mehreren Aufsätzen der Zeitschrift„Glück- auf" unterzogen, die jetzt in erweiterter Form als Sonderabdruck erschiene m sind und insofern Beachtung verdienen, als sie klar er- kennen lassen, daß die Grubenbarone die ihnen auferlegten Lasten aus die t irbeiterklasse abzuwälzen bestrebt sind. Schou einmal, im Jahre 1892 hat der Verein für die bergbau- lichen Jr.tteressen im Oberbergamtsbezirk Dortmund die Belastung des privaten preußischen Kohlenbergbaues untersucht. Die ehe- malige Klrnqueie erstreckte sich auf die Jahre 1885 bis 1891, sie ergab, daß detx Ruhrbergbau mit Steuern etwa dreimal so hoch belastet war wüe der Bergbau in Oberschlesien, und daß auch feine Aus- gäbe:,» für Zwecke der Arbeiterversicherung wesentlich höher waren. An ichziese Untersuchungen knüpft I ü n g st an. Seine Tarstellung umfaßt aber nicht das ganze Ruhrrevier, sondern nur einen Teil der_' dort bestehenden bergbaulichen Unternehmungen, die sogenann- keii� reinen Kohlenzechen, soweit sie die Form einer Aktiengesell- fapaft haben. Es handelt sich um 17 Gesellschaften, die mit einem Mapital von rund-150 Millionen Mark arbeiten und im Jahre 1998 Annähernd 28 Millionen Tonnen, etwas mehr als ein r Drittel der gesamten Köhlen des Ruhrreviers, gefördert haben. Bekanntlich erschöpfte sich die Steucrleistung des Privatberg- baues im Ruhrrevier vor der Miquelschcn Steuerreform im wesentlichen in der Bergwerksabgabe, die ursprünglich 19 Proz. des Er- löses aus dem Produktenverimife der Zechen ausmachte, allmählich aus 2 Proz. sank und im Jahre 1895, wenn auch nicht aufgehoben, so doch außer Hebung gesetzt wurde. An die Privatbergberechtigten muß diese Abgabe auch heute noch weiter entrichtet werden, und sie bedeutet für diese wenigen Glücklichen eine riesenhafte Einnahme, die ihnen mühelos in hen Schoß fällt. Von den im Rubrrevier be- stehenden Regalgebieten kommt für die Leistung der Abgabe vor- läufig nur die GrcffjiHaff Menninghausen in Betracht, wo die Regal- gerechtigkeit dem Herzog von A r e n b e r g zusteht. Hier hat der Steinkohlenberabau bereits Mitte der 18ö9er Jahre begonnen und sich seudem io günstig entwickelt, daß er von da ab bis zur Gegen- wart Mtk>r als t.T Millionen Mark an Regalabgaben aufgebracht hat. Allein im Jahre 1998 waren es 18 Zechen, die, mit ihrem Grubenfeld ganz oder teilweise in dem Regalgebiet des Herzogs von Arenberg liegend, an diesen die gewaltige Summe von an- nähernd 1.4 Millionen Mark an Bergwcrkssteuern abführten. Da der Ruhrbergbau bei seinem Fortschreiten nach Norden sich vor allem in der Grasschaft Recklinghaüsen ausbreitet, ist auch die Zahl der der Bcrgwerksabgabe unterworfenen Zechen in ständiger Zunahme begriffen, und Jüngst rechnet bereits jetzt damit, daß das Regal- recht dem Herzog v. Arenberg im Jahre 1915 nicht viel weniger als 2,5 Millionen Mark eintragen wird. Besonderes Interesse verdient es, daß der BergfiskuS fast mit seinem ganzen niederrhei- nisch-westfälischen Felderbesitz in dem?lrenbcrgschcn Regalgcbict liegt; schon heute hat er an Bergwcrksabgaben weit mehr als 199 999 M. jährlich zu leisten, ein Beitrag, der sich nach Annahme von Jüngst auf das Sechsfache steigern wird, wenn die fiskalischen Flächen erst zur vollen Leistungsfähigkeit entwickelt sind. Von den Aktiengesellschaften des Ruhrbergbaues, die Jüngst in den Kreis seiner Betrachtungen zieht, sind nur drei(Hibernia, Arcnberg und Harpen) zur Leistung der Bergwerksabgabe verpflichtet, sie zahlten im Jahre 1998 etwa 559 999 M. an den Herzog von Arenberg. Diese Zahl muß man im Auge behalten, wenn man sich ein richtiges Bild davon machen will, was in der Hauptsache zur Belastung des Berg- baues beiträgt. Der staatlichen Einkommensteuer sind die Aktiengesellschaften und Berggewerkschasten seit dem 1. April 1892 unterworfen, ihr Betrag bewegt sich zwischen 2,4 und 3,3 Pf. pro geförderte Tonne und unterliegt nur geringen Schwankungen. Anders die Gemeinde- steucr, die von 1892 ab bis 1897 von 19 auf 7,4 Pf. pro Tonne ge- funken ist, um dann allmählich bis auf 17 Pf. im Jahre 1995 zu steigen. Im Jahre 1996 bclies sie sich auf 16,1 Pf. Was speziell die Jahre 1997 und 1998 betrifft� so zahlten zwei Gesellschaften (Bochumer Bergwerk und Luise Tiesbau) überhaupt keine Staats- cinkommensteuer, bei den übrigen bewegte sie sich zwischen 1,3 und 9,3 Pf. pro Tonne, im Durchschnitt betrug sie im Jahre 1997 3,4 und im Jahre 1998 3,6 Pf. Das Jahr 1999 hat ebenso wie der Mehrzahl der Einkommensteuerpflichtigen überhaupt, so auch den mit großem Kapital arbeitenden Aktiengesellschaften des Ruhr- bergbaues eine wesentlich erhöhte staatliche Steuerlast gebracht; das Gesetz betr. die Bereitstellung von Mitteln zu Dienstcin- kommenverbesserungen unterwirft die Aktiengesellschaften, Berg- Werksgesellschaften usw. einem Steuerzuschlage von.19 bis 59 Proz. je nach dem Einkommen. Für die Gesellschaften im Ruhrrevier kommen infolge ihrer hohen Einnahmen nur die höchsten Sätze in Betracht, und das hat zur Folge gehabt, daß mehrere Gesellschaften 1999 doppelt so viel Staatssteuern zu zahlen hatten wie ini Jahre vorher. Zu der Staatscinkommensteucr kommen noch die Ge- mcindesteuerzuschläge, die in den einzelnen Gemeinden verschieden hoch bemesien sind. Gewiß handelt es sich für die Gesellschaften, wenn man bloß die nackten Zahlen in Betracht zieht, um hohe Steuerleistungen, aber trotzdem darf man daraus nicht etwa den Schluß ziehen, daß sie„in einem das zulässige Maß überschreiten- den Umfange" für Gemeindezwecke zu steuern haben. Sehr viel Wesens macht I ü n g st von den weiteren direkten öffentlichen Lasten(Beiträgen an Berg- Gcwerkschaftskassen, Handelskammern usw.) und ganz besonders haben es ihm die Beiträge für das Knappschaftswesen und für die Versicherungs- gesetzgebung angetan. Auch hier sind die Zahlen, wenn man sie für sich betrachtet, gewaltige. Aber was will es in Wirklichkeit besagen, daß die großen Gesellschaften insgesamt 41 Millionen gezahlt haben! Haben doch die Arbeiter ihrerseits an Beiträgen auch 27, Millionen ausgebracht! Die von den Zechen entrichteten VcrsicheruiPsi»eiträge ohne weiteres den Lasten zuzurechnen, ist ja ein beliebtes Manöver, aber man darf nicht vergessen, daß es sich hierbei in Wirklichkeit um nichts anderes als um den Arbeitern vorenthaltenen Lohn handelt. Mit bewegten Worten klagt Jüngst darüber, daß sich die sozialen Aufwendungen um so höher stellen, je weniger leistungsfähig infolge der Ungunst der natürlichen Bc- dingungcn ein Werk ist. Dabei muß er selbst zugeben, daß die Werke"in ihrer Gesamtheit sehr wohl noch eine Mehrbelastung tragen können; nur das einzelne Werk hält er hierzu je nachdem für völlig außerstande. Mit diesen Worten hat er das Märchen von der zu hohen Belastung der Werke durch die sozialen Auf- Wendungen selbst zerstört, zumal da aus seinen weiteren Unter- suchungen hervorgeht, daß im Jahre 1998 im Durchschnitt die öffentlichen Lasten noch lange nicht so hoch waren wie der Re'N- gewinn und die gezahlte Dividende. Betrugen sie doch nur 63,�2' Prozent vom Reingewinn und 82,19 Proz. vom Tivideudenbetrag! Die Tendenz der Veröffentlichung liegt klar zutage. Wie die Agrarier so sind auch die Grubenbaronc bestrebt, die öffentlichen ■— =r Lasten möglichst auf die schwachen Sckultern abzuwälzen und sich ihrer sozialen Verpflichtungen zu entziehen. Zu diesem� Zwecke operiert man mit Zahlen, die an sich richtig sein mögen, in Wirt- lichkeit aber jeder Beweiskraft entbehren und ohne jede Bedeutung sind, wenn man die Lasten mit den Gewinnen und den Arbeiterlöhnen vergleicht. Einen solchen Vergleich zicbt Jüngst wohl- weislich nicht. Allerdings spricht er wiederholt von den hohen Löhnen im Ruhrbergban, aber zahlenmäßiges Material dafür hütet er sich beizubringen. Der Grund ist einleuchtend, denn dadurch würde ja sein ganzes Beweisthcma über den Haufen gerannt werden. 'Auch mit bestimmten Wänderuugsvorschlägen halt der Verfasser bescheiden zurück; nur gelegentlich einmal entschlüpft ihm eine Bemerkung, ans der man sieht, worauf dcis Streben gerichtet ist: die großen Gesellschaften wollen einen noch höheren Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung haben, als er ihnen jetzt schon eingeräumt ist. So verlangen sie vor allem eine Reform der Ge- meindeordnungcn nach der Richtung hin, daß die Gesellschaften überall zur Teilnahme an den öffentlichen Gescksiiften der Ge- meinden berechtigt sein sollen, wie das ja auch der im vorigen Jahre im Herren hause unterbreitete, aber unerledigt gebliebene Entwurf eines Gesetzes betreffend Abänderung der Gemeinde- ortorung für die Rheinprovinz geplant hatte. Würde eine solche Bestimmung Gesetzeskraft erlangen, so würde das nichts anderes bedeuten, als daß das Gemcindewahlrecht noch plutokratischer ge- staltet und die Arbeiter völlig entrechtet würden. Das ist ja auch die Zlbsicht der ReAerung, die es diesen großen kapitalkräftigen Gesellschaften erm-ffstichen will, mit Hilfe ihres Einflusses in den Kommunalverwaltungen die Gemcindclasten auf die Arbeiter abzuwälzen. Wenn im übrigen die großen Gesellschaften wirklich so hoch belastet sind, daß sie die Ausgaben gar nicht mehr erschwingen können, wenn sie ihren Bankrott vor Augen sehen— warum widersetzen sie sich dann so sehr der Vergesellschaftung des kapitalistischen Privateigentums an Gruben und Bergwerken? Dadurch würden sie doch mit einem Schlage all ihrer Sorgen ledig sein, und von der Abfindungssumme könnten die Herren Aktionäre zur Not ganz gut bis an ihr seliges Ende leben. ßmfhaftcii der Expedition. K. Z. 199 T. Inserat kostet inkl. Lagergeld für Offerten 19,59 M. Eingehende Offerten werden sofort zugesandt. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. 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Die Mitglieder de« Verbandes sind nnt einer Mitgliedstarte zur Legitimation verfehen, die jedes Quartal erneuert wird und die Farbe wechselt. 283/4 Die für das lanfeiidc Quartal gültige karte ist von weißer Farbe mit braunem Aufdruck und liegt dieselbe am nächsten �ahlabend zur Ansicht aus.— Wahlvcieinsbüchcr gelten nicht als Ausweis für die Zugehörigkeit zur geiverkschasttichen Organisation. SHT Gleichzeitig machen wir daraus ausmerksam, daß der»Verband deutscher Gastidirtsgehitsen' und der .Gastronomische Gehilsenverband- nittzt identisch find.'—' Der Vorstand. Verein für frauen u. Rädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, L3< November, abend» 8'.'2 llhr, im Englischen Garte», Aleranderstraste 27c: Ulf„Industrie»nd Landwirtschaft"."Mg 66/13 Referent: t�ruiirvnld. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Ter Vorstand. Zugsnüsussehusi für grofi-SsrUn. Sonntag, den 30. November, abends 0 Uhr, im Moabiter Schühcuhausc, am Nordufer: lugentl-versammlung. Vortrag des Herrn Dr. Uns« Lieichtentrltt über: Die EntsteliiiRg und Enlwickelung des Liedes. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu dieser Verfamnilung freundlichst eingeladen. Der Eintritt ist frei. 293/2» ZentralyertiantiderHausangestellten Sonntag, den 20. November, abends 7 Uhr. in Schöneberg» in den Neuen RathauSfrstsalen, Martin-Lutherftr. 51: _ Versammlung sss Vortrag von Herrn Paste: 283/6 „Aus den Kinderschuhe» der Gewerkschaften". r nr Verwaltung Berlin. Versammlung der Jugendlichen n. Lehrlinge am Sonntag, den SO. d. M., nachmittags» Uhr im Gewcrkschafts- hanfe, Engelufer lä, Saal S. Tages. Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Darnow über„AuS der Geschichte dcS Deutschen Holzarbeitervcrbandes". 2. Diskussion. V»nr>v?nt»e, Son 24. STovcmber er., abends S'l2 Ehr: Sitzung der Ortsverwaliung im(Sewerkschaftshaus, Eugelufer 14,'IS, Saal IV. Freitag, den SZ. November, abendö 8 Uhr. im Gewerkschaftöhaufe, Engelufer 14/15(großer Saal): Mitgliedsbuch nud Delegiertenkarte legitimiert. MttgtttderHersammlungeu Kiftenmacher Montag, den S1. November, abends 8'/, Uhr, in den.Andreas» Fcftiälen", Zlndrcasstr. S1. Tagesordnung: 1. Vortrag über:.Zlrbeitsnachwei» und ArbeitSvermittelung". Aeserciit: Kollege Itltibiirr. 2. Verbands- und Branchenniigetegenheiten. Bodenleger. Mittwoch, den 23. November, abends 8 Uhr, im Gcwerkfchafts- hanse, Eugelufer 14/15>Äaal VII). Tages-Ordnung: 1. Abrechnung. 2. Unsere Agitation. 3. VcrbandSangelcgenhciten. Bürsten- und Pinfelmacher. ZlittHvorh, d«i» S.'I. Xovriiiber tr.,»bencks 8'/z Ehr, bei Prent!. Holzmarktstr. Hö. Tages-Ordnung: 1. Der Erfolg unserer Tarifbewegnng. 2. Verbands» und Brattchcnangclcgcnheilcn. Stellntacher. Tonnerstag, den 24. November er., abends 8'/, Uhr. im kosen» thaler II«r, RosciitHaler Strasie 11/12. TagcS-Orduung: 1. Dortrag des Genossen Bahn über:»Ehrbegriffe"» 2. Verbands» und Branchenangelegenheiten. Klavierarbeiter. DonncrStag, den 24. November, abends 8 llhr, in den.Aiulrea«- Festsäleu, AndreaSfir. 21. Nähtischbranche. Donnerstag, den 24. November er., abends b'/z Uhr, bei ZEUaeh, Bliimciistraße 38. Tagesordnung: 1.„Unsere Lage in der Nähtischbranche". 2. Branchen» und Werkslattangclegenhcitcn. L3il3__ Die Ortsverwaltung. ZlrbritSnncvwclS: Berwalningsstelle'Berlin. Hnuvivureau- Hoi l. Amt 3. ,233. CharitiwtraBe 3. Hot Hl. Amt 3. 1987. Dienstag, deu 22. November 1910, abends 6 Uhr: Braticben-Terfatnmtung der litetalldrüclier Berlins und Umgegend im Gewcrkschaftshausc, Eugelufer 15, Saal 4. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. 126/14 Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, dast Metall- arbeiter-Notizkalender für 1011 a 00 Pf. bei den Bc- zirkskassicrern und im Bureau zu haben sind. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Orthvervraltanc. Ahtanjt! Achtnns! )itskran«ennaffe de Handwerker zn Spandan. Am Montag, den 28. November. findet m rum Stern", Pots- damer strasie 35, die Mitg'lkdkr- AersammlMg zur Wolil der Delegierte» tür das Jabr ,9,1 statt. 296/8 Di- Wcbl crsolgt in getrennt« WahlversaRimlung jür Arbeitgeber und Arbeinehmer und zwar von 8—3 Ubr«bends. Zu wählen jmd 17 Zlrbeitgcberdelegierte und 17■ilcH- Vertreter and 35 Arbeitnehmer« delegierte und 35 Stellvertreter. Als Legitimation dient für Arbeitgeber die letzte Quittung über bezahlte Beitrage, für Arbeitnehmer die Mitgliedskarte. Daran anschließend Genknü-Utrstlmthtittj. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes(cm Abeitgeber, zwei Arbeitnehmer). 2. Ersatzwahl des Zlorstandes(«in 'Arbeitnehmer). 3. Wahl einer Rech- mmgs.Prüsuiigskommrssion. 4. Ge- nchmigung von Verträgen. 5. Ver» schied eues. vor Vorstnrnd. A. Ludewig, Vorfitz'eiid«. Innutlgs-KrttnKev-Kasse der sisch!er-Zn«uug. vttlöntl. lZengsäl-Vöszs.Mlung der Vertreter der Kasicnn Mitglieder und der Jnnungsmitgliedr'r � aar Donncroteg, 1. Dezember 4010. abends 8 Uhr, im„Gewcrt schastä� Haus", Engelus« 15: 1 Tagesordnung: tz 1. Bericht des Vorstandes. 2. Ergänzungswahl zum Vorstände Zu wählen sind: zwei ArbeiMehr. per und ei» Arbeitgeber sür die Im vre 1911 bis 1913, ein ArbeitnehmK r wr die Jahre ,911 und 19,2. j 3. WahlvondreiNevisor-cnzurPrllfung' der Jahresrcchnung lvtö. 4. Wahl von drei Hitjsarbestern resp. Wiederwahl. 5. Antrag der Angestellten aus Rege» lung des Grundgehalts. ö. Verschiedene?. Um pünktliches Erscheinen wird et- sucht und gebeten, die Einladungskarte als Legitimation mitzubringen. 280/(5_ Der Vorstand. Gemeinsame Ortv-Krankenkasse "MV jüf Dl-Wihiiersdorf und Umgegend. eitgeber rEeueral- Vinladimg. Am Mittwoch, den 30. Novit. 1910,. abends 8 Uhr, 1 finden im Zt i l t o r i a- Garte« WilhelmSaue 1,4/115, ans Grund der Bestimmunge s 50 Absatz 5 dcS Äassentz (11. Nachlrag) Erg von'Lertreterng »ndKafsenmitg vcrsainiiituWN ES sind jffr dl�Whlperiode bis 30. September 1912 2 Vertreter der Arbeitgeber Und 8 Vertreter der Kasscnmitgliedcr zu wählen. Wahlberechtigt und wähwar find nur diejenige» Kassenmitgtieder, welche grosijäbrig und im Besitz der bürg«- tichen Ehrenrechte sind. Für die Mitglieder genügt zur Legitimation eine Arbeitsbescheinigung, weiche mit der Unterschrift und dem Stempel dcS Arbeitgebers versehen ist, oder der Meldcabschiiiit: auch sind LegitimationStaAc», welche zur Teilnahme berechtigen, im Geschäfts» lokal, Kalser-Allee 173a, am Schalter 1 und in den bekannten Meldestellen z» haben. Für die Arbeitgeber, welche der Person nach nicht bekannt sind, legi- tiniiert die l»tzte Beitragsrechnung. seil Im Aiischliisi hieran findetpn dem- Iben Li" Lokal um 81/] Uhr abends eine Ordentliche General-Yersaminlung tatt. zu welcher sämtliche Perlrcter Zcr Arbeitgeber und Kassenmitglieder hiermit eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Verlesung des Protokolls. 2. Wabt des RechimngSprüftmgS- Ausschusses sür daZ Jabr 1910. 3. Berichtigung des 14. Elaluten» nachlrageS.. Beschlug der�Gcneral- veri minlung vom 2S. September 19(0. 4. Beschlusifassimg über den Vertrag mit dc».(iaisenärzien. 5. 1. chtasitassung flf den Gefell» schastS-Pn lrag der Orte-Zkrnnkeulasscn Flicdenau, Tempelhos und Dcuisch- Wilmersdors betreffs Genesungsheim Grotz-Besten. 6.«eichlutzfasiung üb« die Beamten» Verträge. 7. Autrag auf Bewilligung eines Betriebssonds von M. 6000,— sür das Gcnciungsdcim Grotz-Besten. 8. Familicn-Fürsorge.(296/14 Dt.-Wilmersdorf, den 19. Novbr. 1910. ver Verstand. vledel, Vorsitzender. Dncherinann, Schristfübrer. 3. Baen ystr.26 Ecks Prinz.-Allee Herren- und Knaben- f Moden, Beruftkleidung. Elegante iPaletots u. Pelerinen. Grolles Stafflager r. zur Anfertigung n. MaS Allerbilllgste, streng feste Prelte. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: XO. 43 Bamimstr. 21. Sei.: Amt VII 6769. Mittwoch, den 23. November, abends S'/z Uhr, i» den Musikersälen, Kaiser-Wilhclmstraftc 18b: Mitglieder-Bersammlung Tagesordnung: L Tie Arbeitsniederlegung bei de» Firmen<3. A. Hofllnann und Herpich Höhne. 102/18 2. Diskulsion. 3. GcwcrlschastlicheS und VerlchiedeiicS. Der wichtigen Tagesordnung wegen erwarten wir zahlreiches Erscheinen der Milgiiever. Ble Brtsver�allnns. Lektion 5(lnclustriesi-deiter). öoneellocdaitoliauz, hngeiutee>5 II, Zimmer 42. Tel.: Amt IV, 2382, 4747. Achfang! Kollegen! Achtung! Packer, Lager-, Hilfs-, Hof- und Transportarbeiter, sowie Kran- und Fahrstuhlführer, Bierträger, Saal diener» Bezieher, Kraftwagenführer usw. aus allen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie Berlin« nnck TJmxezxenck. Reute Sonntag, den 20. ISfovbr, vorm. 10 Uhr, Große Versammlung im großen Saale der„(Yermania-Prachtsäle", Chausseestr. 11V. TageS-Ordnung: I. Tie Lehren der von den Industriellen angedrohten Massenausspcrrnng und welche Kämpfe stehen uns noch bevor. 2. Diskussion. UUe In Anbetracht der Suherst wichtigen Tagesordnung wird er- wartet, dasj jeder eS als seine PsUcht betrachtet, bestimmt und pitultlich in der Versammlung zu erscheinen. Mit kolleg. Grug Keiner darf fehlen! 42/8 nie Helrtlnn»! eitnn». I. A.: Neri ssromit«. „LveUnsn Arbeiter* Radfahrer- Verein" Mitglied d. Arb-Rad sahrerbund eS„Solidarität". Achtung! Bundesgenossen! Achtung! Sämtliche Touren fallen aus! Heute, Sonntag, vormittags 11 Uhr, Gewerkschastshaus, Saal 4. 13/2 Erscheinen aller Mitglieder Pflicht!-W« Der ZentralToratand. Sit* Berlin.— GeschüitSstclle: höchste Strohe 47. Ichfiing! Ardtittl- is imieß Sonntag, den SN. November 1010, mittags 1Ä Uhr, im GewerlschastShause, Engeluser 15, Saal 4: Oejstntl. Nadfahrtr-Mlsliillmliliig. TageS-Ordnung: 1. Tie Demotratie im Arbciter-Radsahrer>B»nd Solidarität. Referent: Kreisleiter Genosse Franz Preuh-Rixdors. ii. Diskussion. L. Verschiedenes. 13/1» Alle Arbeiter-Radfahrer Berlins und Umgegend, und ganz besonders die Mitglieder des Arbciter-Rad- fahrer-Bnndes Solidarität, sind zu dieser Versammlung hiermit freundlichst eingeladen. Der Ein hernier. I. A.: Gustav Siegmund, Rixdorf, Delbrückfir. 31. vrts-)lrauhsuhassc äer Slsrlt Schöneberg. Mittwoch, den 30. November, abends 7'/, Uhr. fwdet im Restaurant Wilhelms- Hof, GberSstr. 80. eine Ordentliche n General-Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die Erbauung des EicholungSbelmS in Wernigerode- Hasserode im Harz, tili Ii ng des Vorstandes aus Nachbcivilligung von rund 20c>»i M. 2. Wahl von Vorstandsmitgliedern und zwar: a) von 2 Arbeitgebern, b) von 3 Arbei.nebmcrn. 8. Wabl von Prüseru für die Jahrcsrechnung 19 ig. 4. Genebniigung deS Beschlusses des Vorstandes beiressend die Gc- Währung von Teuerungszulagen, Er- höhung der Diäten usw. 5. VeischiedencS. 296/15 Schöneberg, den 17. Nov. 1910. Ter Borstand. Krukow, Vorsitzender. Spittel. Schristiührer. »»»»»«««»»«»«»««SSWi Zepernick- Zarzrlle von 39014 Bernau. ,n(ca 90 R.); u. langjährige, , Parzelle von 39014 an l »Kleine Anzahlung » Hdvotheken. Pläne gratis. Vor- » käuter otindig am Bhf. Zepernick [ J. Rieger, Berlin, Gontardftr. 5. Orts-Krankenkasse der | zu Berlin. Einladung zur ordentlichen Bcneral■ VerMamiuIune am Montag, 28. Roveinber IOIO, abends 8'/. Uhr, nach Wein- straste II sirüber Feindt). Tagesordnung: 1. Neuwahl für zwei laut Statut auS- scheidcnde Vorstands, nitgticdcr. 2. Wahl einer Kommission von drei Mitgliedern zur Prüfung der Rech- nung de» lausenden JahreS 296/3 Ter Vorstand. Ortskraiikenkclsse für da» Kürbiergrwtrbe\n Kerlin. Ticnstag, den SS. November er., abends 10 Uhr. im.Roscnthalcr Hof«. Roscnthaler Str. 11/12: CenölsI-VeszWiiiIiiiig der Delegierten pro 191V. TageS-Ordnung: 1.«eschäsllicht«.— 2. Wahl de» PrüsungsauSschnsseS für die Jahres- rcchnung pro 1910.— 3. Abänderung der AiistcllungSveNräge der Kassen- angestellten.— 4. Anträge. 296/11 Der Vorstand. 8- IL: Paul Echrolie, vors. W M I Herren-Garderobe Damen Garderobe Kinder Garderobe für Knaben und Mädchen Kolossale Auswahl Preise so billig wie nur möglich! wöchentlich Gratis- Zugabe: Herren: eleganter Hut oder modernen Stock. Damen: feine Lederwaren Einziges Abzahlungs-Geschäft, das allein zur Verabfolgung der Sparmarken des Rabatt» Spar- Vareina „NOROEH" berechtigt ist Dazu ausaerdom noch sofortige Gratis-Verabfolgung unserer Weihnachts-Präsente! Trotzdem beim Einkauf für Anziihlung bis«um Feste obenfAllsaorortlgeAnntiandl ung der doppelten Anzahl Rabattmarken 10 Prozent Rabatt (otzt ztiguie kommen, die nicht etwa vom Konto nbecflch-ieben. sondern In b«p bezahlt worden. Waren- und Möbel Kredit-Haus ALLE TAGE AHDEIK Pank-, Gerichts- u. Relnlcktndoneretr.-Ecko ParCorre, 1., 11., III., IV.£taeo. Men- Marken. M •...■ •••••«•>»»»«t«••„■*«*• S o«»«f»* ••••• e Z Z»••••»»-•«• fv »»• e e e» 3»»»»» e.�»«»**•••••••••• «•••••••«•••••<••••»*, o ••••««e•••••«•»»•«•«et Deutscher Arbeiter-Sängerbund.! Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 27. November 1910, vormittags 11 Uhr, im Saale der Brauerei Friedricbshain: Uebungsstunde. Geübt werden folgende Lieder: 1.„Bundesbj-mne'. 2.„Das heilige Feuer'. toioNu�nvo�«agst,:,ch Ausschuß-Sitzung. Tagesordnung: 17/19 1. Aufnahme von Vereinen. 2. BTjndesangelcgenheiten. Die Vereine, welche den Sonderohor bilden, werden ertuuiit,, vollzählig zu erscheinen, da noch der Probe Generalprobe zum Stiftungsfest. Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der 8vhl«8«er und verw. Gewerbe zu Berlin. Montag. Ä8. November 1910, abends 8 Uhr, im GewcrkschaflS- hause, Engeluser 15: Geml-Vemmmliiiiii. Tagesordnung: I. I» getrennter Versammlung: Arbeitgeber Saal III- Arbeitnehmer» I. Ersatzwahl der slainlenmäsiig auS- scheidenden VorstandSmiiglieder: a) Arbeitgeber. SS scheiden aus aus Grund deS KasscnslalutS dir §meil A. Polzin und C. Brfimstrup. s sind daher zu wählen zwei Ar- bcitgcber als Vorstandsmitglieder auf die Dauer von zwei Jahren und zwei Stellvertreter ans die b) gleiche Zeitdauer. Arbeitni e h m c r. Es scheiden aus aus Grund des Kasscnstatnts die Herren G. Lubatsch, F. Lohsa. G. Müller und 0. Lipinskjf. Es find daher zu wählen vier Arbeit. nchmcr als Vorstandsinitglicder ans die Dauer von zwei Jahren. sicirier vier Stellvertreter aus die gleiche Zeildauer. It. Nach beendeter Wahl in gemeinschaftlicher Bersammlnug, Saat I: 1. Wahl deS Ausschusses sär die Prasung der Rechnungen des lausen- den Jahres, und zwar ein Arbcilgeber und zwei Arbeitnehmer(§§ 46 und 49 Nr. 4 des Kassenstatuls) 2. Vortrag d,s Herr» San.-Nai 0r. Arnold Froudonthal über:„Wert und Ve- deninng der Heilstöttcnbchand- lnng«. 3. Verschiedenes. 296/4 Die Herren Delegierten werde» er- sucht, zahlreich zu erscheinen. Die zugesandte Legitimation ist am Ein- gange vorzuzcige». De- Vorstand. Gustav Lubatsch, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Zignrrenmnchkr, AigartttkN- macher, Zignrreiislirtirrtr «. deren genierdl. Hilfsarb. zu Berlin. Montag, d. S8. November Ivlv. abends 71/, Uhr, im unteren Saale der Musitrrsäle. Kaiscr-Wilhelm- Straße t8m: Generalversammlung der Arbeitgeber. TageS-Ordnung: 1. Neuwahl von 2 Vorstandsmit- gliedern. 1909b 2. Kahl eines Revisors zur Vor- prüsung der Jabresrechnung. In demselben Lokal und am selben Tage abend« 8>/, Uhr: Generalversammlung der Arbeitnehmer. Tagesordnung: 1. Neuwahl von 4 vorstandSmit- gliedern. 2. Wahl von 2 Revisoren zur Vor« prüsung der Jahresrechnung. 3. Bericht deS Vorstandes sowie des Rendanten.«Hieran nehme» auch Arbeitgeber-Delegierten die Herren teil.) Ter Borstand. Gris-Kraukeiilttsse der liutiuaeber u. Buttouruituren- Mittwoch, den 30. November IBID. abondt 7'/, Uhr, Ordentliche General-Versammlung im Gewerkschaflshauto, Engeluser 15, Saal 8, wozu die Delegierten eingeladen werden. ISOOb Tagesordnung: a) in geirennler Versammlung 1. Wabl von vier Arbeitgebern. Amtsdauer bis 31. Dezember 1912 Wahl von 9'/,— 3 Uhr. 2. Wahl von acht Arbeitnehmern. AmlSdauerbiS Zt. Dezember 1912 Watzl von 8—9 Uhr. Daran anschiiefiend in demselben Saale b) in gemeinschasilicher Versammlung 3. Wahl der Revisoren zur Prüfung der Rechnung pro 1910(§ 46 des Statuts. 4. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzelguag der Einladung gestaltet. H. Daimhouter, Vorsitzender, «Ute Jalobstr. 20/2L Orts-Krankenkasse des Manrergewerbes zn Berlin. Montag, den 88. November ivtv. abends 8 Uhr, findet Engel- usor IS(GewcrlschaslShaus). Saal 7, Geuersl-Vei'smmluug der Vertreter der Kasienmilglieder und der Arbeitgeber statt. Tages-Ordnungt 1. Bericht über die Tätigkeit des Bor» standcS. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes für die Jahr- l911 und l9>2 für die ausscheidenden VorstandSmit- glicder: a) von den Arbeitgebern die Herren Schmidt und Gewitz, h) von den Kaisenmitgliederii die Herren Dachne, Lchinpfuhl. Hachnel, Grassau. 3. Wahl des NcchnungsprüfungS- ausschufscs. 4. Stallliciiänderiliig der SK 37, 63. 5. Beratung und Beschlujjsassnng über den mit dem Aerztcverei» sur die Jahre>911—1916 abzuschltesiendc» Vertrag. 280/15* Berlin. 14. November 1910. Der Borstand. A. D a c h n e. K. L e h n I g. Orts-Krankenkasse der Möbelpolierer. Sonntag, den S7. November. nachmittags 21/s Uhr, findet bei Miolaok, Blumensir. SS, die ordentl. Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. ErgänzungSwahl deS Vorstandes. 3, Wahl der Revisoren zur Prüfung der Jabresrechnung 1910. 4. Wabl eines Kassierers der Zahl- stelle C. 5. Anträge und Verschieden«». An demselben Tage und in dem- selben Lolal um S Uhr: MlgHeder-Versammlung. 1911 Tagesordnung: 1. Wahl der Vertreter für und 1912. Zu wählen sind fiir die Kassen- milglieder 40 Vertreter und aus der Zahl der Arbeitgeber 17 Vertreler. 296 Ter Borstand. Orts-Krankenkasse der Gclb-il.Zilliisicßtt. Die Geuecslvei'sanimlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer findet am Tienstag. de» Sil. November, avendS& Mit Mod. 120 gelangt der Käufer m den Besitz von 20 . Doppelpl. 4 3 SK.= 40 Stücke. 14 Doppelpl. u. 200 Nadeln sind im ~ ise inbegriffen u. werden m. d. Apparat mitgeliefert. 6 Doppet" 4 3 Mk. erhalt d. Käufer gratis nach Entrichtung Ml- Rate.» Bei Mod. ll7 werden 8 Doppelpl. 4 3 Mk. und 200 Nadeln d. Apparat geliefert n. 5 Doppelpl. nach Erhaltd. S. Rate- I Bei Mod. 112 dagegen 6 Doppelpl. o 3 Mk. u. 200 Radeln mtt dem Apparat u. 4 Doppelpl. grat" 3. Rate und> bei Mod. 110 werden S! 4 3 Ml. n. 200 Sladeln mtt dem Apparat Besteller gettost un» überlaffeu. I dann eine Zusammenstellunz der best- Sonst«ich Wahl ja« Liste« Interessante Kataloge über Schallplatten u. 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Hus Induftrie und RandeL 131437 855 M. Mehrausgabe für Fleisch. Nach den amtlichen Angaben über die Schlachtungen und Preise macht der Fleischervcrband eine interessante Ausstellung. Sie zeigt in welch enormer Weise die Preissteigerung den Konsum belastet. Ergibt sich doch für die ersten 3 Quartale dieses Jahres im Ver- gleich mit der gleichen Zeit des Vorjahres bei einem Mehrkonsum von nur 20 633 Tonnen Fleisch, eine Mehrausgabe von 131437855 M. Bei den verschiedenen Fleischarten sind folgende Veränderungen ein- getreten: Der Fleischkonsum war in 1010 gegen 1009 bei I. Quartal.. H.„ m.... Erste 9 Monate I. Quartal.. U.„.. III.„.. Erste 9 Monate + 1005 + 24744 + 28492 Die Zahlen zeigen recht Rindfleisch Tonnen teurer M. 4- 11872 25 668 706 4- 808 13 986 766 — 13800 23 474 223 — 1120 63 129 695 Schweinefleisch Tonnen teurer M. 4- 2743 14 753 859 12 639 039 7 960405 35 353 303 deutlich, wie Kalbfleisch Tonnen teurer M. 4- 5821 21 204 402 — 5100 4 162 874 — 8472 2 460 146 — 7761 27 827 432 Hammelfleisch Tonnen teurer M. 4- 543 2 393 903 -- 627 1 997 199 -- 52 736 323 — 1222 5127 425 die Schlachtungen von Rindvieh von Vierteljahr zu Bierteljahr abgenommen haben, während die Preise für alle Viehgattungen bereits von Beginn des Jahres höher waren, als im Jahre 1909. Im ersten Vierteljahr wurden für Rinder 25,7 Mill. mehr gezahlt als 1909, dafür aber auch 11,9 Millionen Kilogramm Fleisch mehr geliefert; im dritten Quartal aber wurden 13,8 Millionen Kilogramm Fleisch weniger angeliefert und doch muszten für dieses verminderte Quantum 23,5 Millionen Mark mehr gezahlt werden. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten 63,13 Millionen Mark mehr für Rindvieh ver- auslagt, obgleich die Fleischmenge geringer war. Stärker noch war das Mißverhältnis bei den Kälbem. Die Mehrschlachtungen des ersten Quartals wurden im zweiten ausgeglichen, im dritten folgte dann ein rapider weiterer Rückgang des Angebots, trotzdem aber ist die Einkaufssumme ständig gewachsen. Die Preis- steigerung betrug im Durchschnitt der ersten neun Monate 12,7 Proz. gegen 7,5 Proz. beim Rindvieh, bei dem indes das Angebot nicht erheblich nachließ, während bei Kälbern noch ein Manko von 6 Proz. in die Kalkulation einzubeziehen ist. Bei den Schweinen ist eine nennenswerte Steigerung des Angebots erst in» dritten Quartal ein- 1 getreten und gleichzeitig sind erst die Werte unter die des Vorjahres gesunken. Die Vermehrung des Angebots beträgt 3,2 Proz., die Wertsteigerung 3 Proz. Hammel wurden in verstärktem Maße zur Schlachtung herangezogen und glichen ungefähr das Gewichtsmanko bei Rindern aus, doch stiegen auch hierfür die Preise stark. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten— gleiches Gewicht wie im Vorjahre vorausgesetzt, was aber bekanntlich nicht zutrifft— 20,7 Mill. Kilogramm Fleisch mehr gewonnen, gleich 1,22 Proz., also dem Bevölkerungszuwachs entsprechend. Dabei aber stieg der Preis um 6 Proz., und zwar um die kolossale Summe von 131437 855 M.k_ Teurer Kaffee. Teilweise als Segen der Reichsfinanzreform, im übrigen als Folge einer systematischen Hausse, die sich auf die von der brasilianischen Regierung mit Hilfe deutscher Banken unternommene ternhaltung großer Mengen Kaffees vom Markte stützt, sind die affeepreise rapid hinaufgeschnellt. Stellt man die Preise für Santos Kaffee nach Hamburger Notierung aus dem Jahre 1903 mit den Preisen im Januar und September der letzten zwei Jahre im Ver- gleich, dann ergibt sich folgendes Bild. Es kostete ein Doppclzentner unverzollt Mark: Januar September 1903 1909 1910 1909 1910 56.7 78,2. 85,0 73,0 105.5 Im September dieses Jahres war der Preis aber fast doppelt so hoch als im Jahre 1903. Diese enorme Steigerung bleibt natürlich nicht auf den Groß- Handelspreis beschränkt, sie wird sich wenigstens zum Teil auch auf den Kleinhandel übertragen. Dazu kommt eine Erhöhung der Steuer von 60 auf 85 M. für gebrannten Kaffee, die uns der Menschenfreund- liche Schnapsblockmit der famosen Reichsfinanzreform beschert hat. Die Steuer belastet nun das Pfund Kaffee mit einem Zoll von IL'/z Pf. Dabei ist es ganz gleichgültig, ob man die beste oder die minderwertigste Sorte konsumiert. Der arme Mann, der sich Ausschutzkaffee für 1 M. leistet, hat in diesem Preise dieselbe Steuer gezahlt als der reiche Mann, der die feinste Marke, die 2 M. und mehr kostet, kauft. Die Aermsten der Armen bekommen die Lebens- mittclwucherei und die Steuermache des Schnapsblocks immer am schärfsten zu spüren. Wer wegen der herrschenden Fleischteuerung auf dieses Nahrungsmittel verzichten muß, dem wird die wichtigste Mahlzeit, die aus Kaffee und Kartoffeln besteht, so verteuert, daß er sich mit Surrogaten aus Zichorien begnügen mutz. Zudem sind auch die Kartoffelpreise gestiegen. Nach den Zusammenstellungen der»Statistischen Korrespondenz" kostete ein Doppelzentner im Oktober 1909 nach dem Durchschnitt für 50 Marktorte 5,52 M., im Oktober dieses Jahres jedoch 5,97 M. Und da verlangt man noch, das Volk soll sich für diese Reichsherrlichieit begeistern. Preisabschlag. Nach der Oeffnung der Grenze für französisches Schlachtvieh, hat sich trotz der hohen Zollsätze und trotz der vielen mit der Zulassung verbundenen Schikanen beim Schlachthof in Mülhausen i. Elf. sofort ein Preisrückgang bemerkbar gemocht. Gleich nach dem ersten Antrieb von nur 45 Ochsen, 22 Stieren und 53 Kühen sanken die Preise gegen den gleichen Tag der Woche zuvor um 6—8 Pf. pro Pfund. Diese Tendenz hat fich seit- her verstärkt, so daß die Preisminderung schon 10 Pf. pro Pfund und darüber(am Mittwoch bei Ochsen 12>/z Pf.) beträgt. Das aus der Nähe der Grenze von jenseits Belfort ge- lieferte Mastvieh ist von bester Qualität, wie es nach dem Zeugnis der Schlachthausbeamten seit langen Jahren nicht zur Stelle war. — Auch dieAufhebuitg des Oktrois a-uf Wild und Geflügel hat in Mülhausen die Folge gehabt, daß die Händler Geflügel zu erheblich ermäßigten Preisen ausbieten. )Sus der Frauenbewegung. Leseabcnde. Reinickendorf-West. Wegen der öffentlichen Versammlung nicht am 29. sondern am Dienstag. 22. November, 8Vs Uhr, im Lokal von Felschow, Schillingstraße. Leseabend. Rummrlsburg. Montag. 21. November, 8'/z Uhr, bei Blume, Mt- Boxhagen 56: Vortrag, Genossin Schulte. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, d« 23. November, abends 8Vg Uhr, im Englischen Gartech Alexanderstr. 27o: Vortrag über„Industrie und Landwirtschaft". Referent: Max Grunwald. Gäste willkommen. Zcntralverband der Hausangestellte». Sonntag, den 20. November, abends 7 Uhr, in Schöneberg,„Neue RaihhauSfestsäle": Ver- sammlung. Vortrag des Herrn Pape:„Aus den Kinderschuhen der Gewerkschaften". Nach dem Bortrage: Gemütliches Bei« sammensein._ Freie Turnerschaft Rixdorf- Britz. Montag, den 21. November, findet bei Hoppe, Hermannstr. 49, eine außerordentliche Vereins- Versammlung statt mit der Tagesordnung:„Auflösung unserer Jugendabteilungen". Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Sozialdemokratischer Zentralwahlvcrein für de» Reichstags- Wahlkreis Züllichau- Schwiebus- Krossen- Sommerfeld(Ortsocrein Berlin.) Dienstag, 22. November, abends 8'/, Uhr, bei Böhm, Koppen- strafee 47: Versammlung. Ncbensche Kranken- und Sterbekasfe Nr. 5, gegründet 1795. Heute von 2 bis 7 Uhr Zahl- und Ausnahmetag bei Nöwer, Elisabethkirch- straße 14. Paletot„Gerti" m. 14jo Paletot„Ellen" M. 25.50 WinMetol„i aus kräftigem, dunkelblauem Cheviot, sehr gut ver- il arbeitet, ca. 120 cm l/J Eft lang....... M H.JU aus reinwollen. Cheviot mit Samt besetzt sowie Seidcngsürtel, Silberlitze und Knöpfdien farniert, in schwarz und modernen Fai ben M. noami dc- lh i •f1 gutem, dunkelblauem Cheviot, breitem, elegantem ' tilh Moh air- Astrachan- Schal• kra�ea und Volant satz, ca. 125 cm lan?, •I aus reinwoll. Foule oder Tuch in hellen Abend-Farben, mit schwarzem Seiden-Schal u. Manschetten, janz gefüttert und mit Einlage M. i uca in Zb Unerreichte Auswahl Plüsch-Paletots Winter«Kostümen Kostüm-Röcken Pelz-Konfektion Kinder-Konfektion Blusen MoMg3ct£cn Reich illustrierter Katalog - kostenlos!-- Prinzeßkleid„Irene"' Abend-Mantel„Ilona" M. 29.50| M. 28.50 3. m. b. A. Tkutscfifands �nvßtesJpesiaf-Aaus �Thmen mdJ(md£r-J&n0Üion Sozialdemokratischer Wahlvereln für den 4. Herl. Relebstags-Wablira. Petembarger Viertel. Bezirk 370, Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Bildhauer Kasimir Wierzejewski (Rigaer Strafet 31) gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des PtuS-KIrchhoseS in Wilhelmsberg aus statt. 222/9 Der Vorltand. Zentfal-Verein der Bildhauer öeutsehlands. Verwaltung Berlin. Am 17. November verstarb nach längerem Leiden unser Mit- glied, der Holzbildhauer Kasimir Wierzejewski im Alter von 34 Jahre». _$le Beerdigung findet am Sonntag, den 20. November, nachmittags 8 Uhr, von der Halle des Piu«- Friedhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um Beteiligung ersucht 20/1?»er Ver»t»ii«l. Sozialdemokratischer Wahirerehi für den Uer Franlsurter Viertel(Bezirl 297). Nachruf. Den Mitgliedern zur N dafe unser Genosse, der Dreher Julius Kussatz Grofee Frankfurter Str. 110 gestorben ist. 222/7 Die Beerdigung fand am 19. d. in FriedrichSselde statt. Ehreseinem Andenken! Der Vorstand. Mämierebor Nordost-Lyrania 1849 Nachruf. Hierdurch die traurige Räch» richt, daß unser langjähriger SangcSbruder Sl/20 UuUus Kussst? am IS. d. MtS. nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Sein heiterer Sinn wird Ihm bei uns ein ehrendes Andenken bewahren. Dei> Vorstand. Am Donnerstagabend entschlief sanst nach längerem Leiden unser lieber Sohn und Bruder, der Maurer öerakarä Voixt im 21. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 21.. nachmittag»!>/, Uhr. von der Halle des Zentral.Fried. hoseS in Friedrichsselde aus statt. DieS zeigt tiestrauernd an P. Voigt und Frau. Sozialdemokratisch. Wablverein für den 4. Berliner Reicbstagswablkreis. Görlitzer Viertel. Bezirk 1S3. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unser Genosse, der Maurer öernksrä Voigt Naunhnstrafee 67 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 21. November, nach» mittags VI, Uhr, von der Leichen» Halle des Zenlral-Friedhoses in Friedrichsseide auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/8 Der Vorstand Sozialdemokratischer Wabiverein Brätz. Am 18. d. M. verstarb Plötz- Itch unser Genosse Max Beyer im Alter von 34 Jahren an Gelenkrheumatismus. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. d. M., nach. mittags 2 Uhr, aus dem EunnauS» Kirchhol statt. 204/4 Der Vorstand. Tanksaguug. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Klnnz. spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter, sage ich allen Verwandten stmd Bekannten meinen innigsten Dank. 1908 b August Sch wandt nebst Kindern. Sozialdemokratischer Wahivereio des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am i8. November verstarb unser Genosse, der Drechsler Heinrich Montag (Wriezener Str. 28) Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 20. November, nachmiltaas 4 Uhr, von der Leichenhalle de? st. Sebastian- Kirchhole» in Rewickendors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/4 Der Vorstand. Deutseber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. dafe unser Kollege, der Drechsler Heinrich Montag am 18. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 20. November, nachmittags 4 Uhr, von der Halle de» Sebastian» Kirchhose» in Reinickendors, Humboldtstrafee, aus statt. Um rege Betelligung ersucht Die OrtSverwaltung. Den Mitgliedern zur Nm dafe unser Kollege, der arbeiter Karl Jänicke am 18. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. November, nach. mittag» 4 Uhr, von der Halle des Zentral-FriedhoseS in Frie- drichSselde au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 93/14 Die OrtSverwaltung. Todea-Anzeige. Allen Freunden, Verwandten und Bekannien die traurige Nach- richt, dafe mein lieber Mann, unser guier Vater, Schwiegervater und Grofevater, Bruder und Schwager i/, Uhr, von der Leichenhalle de» alten Thomas-Kirchhose», Rixdors, Hermannsttafee, au» statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. lodes-Aiueige. Hierdurch allen Freunden, Be- kannten und Verwandten die traurige Nachricht, dafe meine liebe Frau, unsere gute Mutter Cbarlotte Kostroa lPosener Str. 6) am 17. d. Mt». im 66. Lebens- jähre nach schweren Leiden sanst entjchlasen ist. Um stille Teilnahme bitten Gottlieb Koatroa Familie l»inite. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gememde- Friedhoses Friedrichsselde aus statt. 1846L Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie zahlreichen Kranz- Ipenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Agnes Szarfenord g-». Schuir sage ich allen Bekannten und Kollegen meinen herzlichsten Dank. �Vilhelm Szarfenord nebst Kindern.[1844g Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- ung meines unvergefelichen Mannes, ZaterS, Bruder» und Schwager», spreche ich allen Freunden imd Be- kannten sowie den betettigten Ber» einen, insbesondere dem Herrn Waldeck Manasse sür seine wohltuenden Worte am Sarge des Errtschlasenen meinen innigsten Dank aus. 1845L Die trauernde Witwe Ullwabetb HfignltzgtS.Bresln. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich der Ideal- genofienschast, dem Verbände der Schneider und Schneiderinnen Deutsch- lands, dem Wahlverew Rirdors, so- wie allen Kollegen und Freunden meinen herzlichen Dank. e tri rauernde Witwe Pauliae Linshöft. Die Harnleiden ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. 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Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und VaterS sagen wir der Direktton, dem Personal und den Kollegen der Internationalen Tulling- Gesellschast sowie dem Deutschen Metallarbeiter- verband, dem Metallschleiserverein sowie allen Verwandten und Be- kannten unseren herzlichsten Dank. Anna Krieger nebst Sohn. iß Jeder Vctfuch. die bewährten Marken PHLMIN (Pflanzenfett) und PHLMONH(Pflanzen-Butter- Margarine) durch unbekannte, billige Fette zu er» letzen. Palmin und Palmona werden feit vielen Jahren täglich in Millionen Haushaltungen verwendet: fle ßnd alfo erprobt und bewährt,(onß würden Ge nicht den ausgezeichneten Ruf genießen, den ße von der feinften bis zur einfachsten Küche besitzen. Darin liegt eine Garantie, die bei unbekannten Marken nicht geboten wird. Achwng! 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SU 437 605 693 1 079 400[5001 13 884 2164«6"1 SSI 59 403 814 2344 446 620[3000] 733[1000] 879 907 4201 31 79 666[500] 723 4S 81 965[500] 5323 55 [1000] 470 643[1000] 876 939 51 6048 60 83 88[1010] 129 207 13 743 73 944 71[500] 7167 561 97[500] 8013 21[3010] 120 509 97 728 924 97 9063 258 314' 23 63 86[500] 580 824 19077 110 215 808 901 11050 333 699 711 79 879 [500] 12070 335 39 765 847 1 3147 257[1000] 325 37 77 464 519 792 802 99 1 4271 305 846 923 1 5298 416 19 79 824 88 1 6436 4 4 67 723 891 17059 203 55 770 978 18165 1500] 19202 345 534 606 948 20178 295 323 74[500] 601 54 780 21188 288'1000] S77 475 83 613 774 927 2 2219[1000] 363 483 556 764 83 815 48 925 2 3037 110[500] 306 37 531 712 62[1000] 881 24119[500] 283 458[500] 60 97[500] 560 25100 79[1000] 768 2 6033 318 435 705 73 2 7151 234 44 434 «27 779 800(30001 53 981 28120 204 93 619 752 96 963 29220 512 CO 763 93 977 30085 274 537 42 661 757 886[500] 996 3 1 02t 175 M 213 327 35 91 741 5« 83 3 2002 23 153 232 61 348 593 850 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Ziehung 5. KL 223. Kgi. Preuss- Lotterie, Ziehung vom 19. November nachmittags. Nur die Gewinne Uber 240 Mark eind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.] 366 71 456 503 784 936 1 204 328 562 913 55 2153 [500] 359 666 885 903 3158 220 28 96[3000] 839 996 4249 74[1000] 313 415 65« 844 907 53 5066 270 492 522 90«27 779 855 85 6166 313 729 848 58 997 7188 322 32 33 44 136 697 806[500] 51 67[500] 901 59 81 8001 91 629 780 9070 165 235 780 858 973 1O023 76 340 624 720 826 32 38 77 988 11070 Sil 456 906 34 1 2170 362[500] 7«? 858 73[500] 982[1000] 13061 603[lOOO] 711 25 863 86 989 14096[3000] 273 82 57» 718 79 909 1 5006 15« 7« 238 363 621 816»8 16027 60[600] 532 46 673 99« 17038 228 676 719[500) 18040[500] 61 376 496 543 48 19» 19130[3000] 86 243 65« 74« 922 2004« 191 261 7« 508«89 797 828[500] 82 993 2 1010 122 206 448 512 736 838[1000] 2 2067 166 470 669 720 871 23150 266 93 511 831 66 2 4006[1000] 61 267 464»86 751 803 2 5118 56 SO» 418 700[500] 75 882 85»8[500] 26118 233 515 88«15 740 60[1000] 27261 963 28292[IQOO] 348[500] 780 861 935 60 29112 77 386 467[ 500] 503 40 624 30063 439 71 599 773»88 3 1 065 333 497 504 42 «19 769 823 911 26 3 2014 127 65 292 301 422 537 41 79 974 3 334»[500] 570«19 65[3000] 753 900[500] 34036 660 734 82 939 89 3 504« 234[lOOO] 90 484 571 636«09 3 6092 432 690 754 812«9 961 88 37040 457 512 61« 983 38299[500] 4a 7 53» 5» 815 781 670 39003 4 372 477 668»49 68 86 4000» 43 56 305 44 426 512 618 50 820 75 4116« 447 599«41«03 42050 69 377 438 745 43105[1000] 72 215 62 575 649 738«99 4 4006 54 151 289 31? 519 764 »19 f500] 70 4 5 2X6 70 SOO 445 605 816 52 97[1000] 848 4 6176 4 7 062 72 274 626 49 4 8091 124[1000] 305 [3000] 460 49418[ 3000] 597«00[ 500] 822 50083 HO 17 72 812 5 1 078 848 410»57 87 52031 85 242 84 723 821 46 5 3 496 584 698 736 54142[lOOO] 219 500 721 93 55126[1000] 42 240 327 54 406 56 75 564[1000] 704[lOOO] 35 848 984 5 6228 387 556 5 7031 257 550 62 5 830« 412 68 62 80 717 80 989.[8000] 59032 83 294[1000] 353[1000] 78 680 903 60118 442 537 79« 95 838 73 83 6108« 199 254 340 8« 481 531 630[1000] 811 62014 59 294 485 553 63122 201 605 12[500] 670 822 933 63 6 4045 310 406 6 50M 147 269 307 64 637 54[3000] 848 990 6 6053 54 10« [1000] 86 299 340 507 78 820[500] 24 80 918 6 7041 72 112 510 920 6 8052 127[3000] 245 310 518 704 68 [500] 69110 70 205 337 96 459 569 683 881 70391 456 793 954 7 1002 3« 817 431 893 72167 291 845 80 7 3521«21[3000] 785> 500] 844 916 19 74137 233|5flOJ 424 58 699 718 7 5031 47 211 381 762 821 76(83 515 607 833 980(lOOO) 81[1000] 77148[500] 210 61 65 800 19 911 78037 27» 627 909 56 68 79188 200 25 319 551 73 715 841 80054 113 212[500] 65«[500] 885 81082 112 817 91 971 82053 592 609[1000] 963 83018 63 188 518 84130 223 17[500] 308 621 921 8516« 333 76 177 515 15 83 636[1060] 773 969 89[500] 86171 268 126 37 719 «81 8 7059 216 22 92 163 68 510 71 791 812 8 8015 233 III 715 67 8 9362 96 445 795 9 0023 275 373 518 85 666 726«09 9 1 336 68[1000] 433 67 852 9 2060[500] 171 873 9 3273»60 421[3000] 599 688 859[500] 901 45 51 76 94124 265 330 55 441 [5001 78 877 9 5031 34 312 411 66 91 506 648 775 886 96141 232 69 319 166 581 9 7088 67 87 126 52 515 815 18 981 92 9 8 232 92 520 12 693 768 978[500] 99098 [30001 443 601 13[500] 781 1OO130 flOOO] 65 288 389 151 59 95 823 31 76 95 «WWS 101(01 71 211 28 95 528 46 621 920[500] 59 102251 93 397 518 1 03123 734 37 876[500] 946 104351 438 067 92 982 1OS402£ 78 1 06 291 696 770 871 107129 227 3-24[500] 470 397 1 08032 221[500] f9 467 [500] 77 563 84 703 68£ 015[500] 87 1 09 225 482 610 71» SS 88 859 93 923 94 110171',13 637 848 977[1000] 111062 129 45» 322 56 900 99 112278 400 12 643[1000] 938 113025 173 439 89 114(83 02 101 7 88 o-t- 74[50»] 400 22-6 7» 382 687 115.1«'500. 114 230[lOOO] 317 83 476 797 835 69 77 932 11605« 201 3M[1000] 69 803 117224 11000] »2 929 83 118301>1000] 740 74 119176[1000] 209 38 43 348 63[500] 416 577 606 21 78 817 67 120086 209 98[500] 465 99 834 922 76 1 2 1 410 594 835 1 2 2032 99 189 245 503 58 638 1 23135 312[500] 409[500] 595 609[500] 715 39 69 1 2 4338 60 511 704 [6001 47 879 1 25136 261 501 649 794 913 62 1 26l',7 307 32 44 68 654 930 42 1 27106 84 307 516 84 1 2 9062 145»20 50(500) 129152 492 764 913 . 130086 139 202[500] 07 590 663 778 832 39[BOOl 131263 98 648 74 774 670 033> 500] 132002 291[10000] 654 57 743 956 74[1000] 133118 509 82 661»15 21 134121 247„44 1 35153 359 408 523 42 45«19 993 13 6407 767 804[500] 137194 271 407 527 998 1 38004 415 68 597 616 804 60 944[1000] 139085 159[500] 298 415 939 140002 229 497 592 669[500] 708 89 1 4 1 411 68 77«83 1 42002 463 942 00 1 4 3 0-4 320 24 454(5001 SU 515 635 704 55 823 931 40 1 44 244 657[500] 913 145141 47 266 84 330 �2[1000] 330 46 85 1500) 87 995 148063[500] 171 250 65 411 766 932 1 47081 114 (10001 471 1500) 697[500] 968 71[500] 148243 5!« [lOOpl 69 754 831[lOOO] 93« 149015 93 19« 36«[500] 97[1000] 569 675 15O021 5« 256 438 818 919 1 5 1 259 320 438[500] 89 691 798 848 flOOO] 935 152118 77 349 412 46 501 887 [500] 15 3 008 9 160 227 565 70 658 74 735 883 84 932 154076 234 63 469 527 715 952 1 55024 401 679 710 [3000] 332 97(3000! 156210 681[500] 780 972 157275 373 630 1 58106 373 80 709 2 4 875 1 59203[500] 31» 469[3000] 558 77 643 708[3000] 65 160198 378 827 39 63 981 16 1 041 810 70 73 440 516 684 1 62112 214 532 877 1 63163[1000] 77 91 332 »7» 1641.29 59 79 95 623 97 813 91 939 58 64 1 6 5395 468 604 90 728 859 916 1 6 6099 185 788 815 833 1 6 7063 152 323 436 552 632 793 938 1 68272 75 418 748 50 169094 218 578 632[1000] 54[500] 61 940 17O013 49 93 140 74 246 301[3000] 873 171023 255 318 69[ 3000] 559 635[1000] 888 172018[1000] 115 37 9p 401 3 507 749 71[500] 77 173713 71 91«[1000] 17 4415 615 937 1 7 5004 163 265 383 401 550 724 75 907 32 1 7 6023 267 305 51 757 1 77310 452[500] 569 76 600 871 178065 255 499[500] 607 57 713 23[500] 60 179460[3000] 570 604 7 768 885 88 18O013 168 73 287 304 42 52 72 89 593 895 1 8 1 248 336 60[5000] 87 457 72 615 1 82148 374 91 410 638 95 799 834 79 959 98 1 83113 256 330 033 59 755 803 2t 31 37[3000] 58 972 1 84098 182 229[5001 501 657 922 185235 71 565 652 186305 76 11000) 653 709 21 8« [3000] 97 852 1 8704c. 240 340 697 706[1000] 188490 659 718 54 817 905 1 89096[1000] 823 36 95 190206 325 476 913 1 9 1 018 34 295 397 529 1 92103 60[500] 229[1000] 45[3000] 77[ 500] 352 831 71[50Ol 193021 32 72 214[1000] 92 417 801 194135 62[500] 292 428 516 893 195075 334 427 51[1000] 641 777 851 90 196210 W 396 741 99 920 25[500] 19 7203 308 551 81 600 1 9 8099 167 275 441 751 19 9012 49 324 27[600] 472 667[1000] 754 889[500] 2OO003 290 337 544[500] 84 757 847 970 2 0 1 000 290 359 410 895 2 0 2015 223 480 849 902 16 54 62 20 3 231 703 629 2 0 4030 40 134 394 440 83«7 530 63 686 95 718 824[lOOO] 205055 404 525 768 200t«5 437 524 614[ 3000] 2O 7031 304[500] 561 718 879 2 0 827« 486 748 2 0 9056 91 210 62 347 642 633 89 730 893 2 1 0292 402 3 800 57 70 918 4 9 211182 224 4M 791 935 2 1 2079 III 301 93 459 545 2 1 3022 18» 214209 84 393 410 862[500] 902>500] 215032 47 400 18 714 902 2 1 6369[500] 778 95 2 1 7367 628[3000] 88 902 33 90[5000] 2 1 8367 432 544 51 620 61 798 219550[50001 608 2 20142 257 328 639 779 984[3000] 221199 41» [500] 507 64 613 914 53 2 2 2 062 208 444 851 909 2 2 3020 [500] 137[500] 226 400 569 614 02 788 869 72[3000] 224021 184[ 500] 492 926 27 2 2 5126 49 931 90 2 2 6320 9-3 451 56[500] 980 90 659 698 2 2 7115 28 43 369 444 697 765 900 4 71 22 8216 329 067 766 864 2 2 9140 526 731 844 90« 23O011 109 544 75[1000] 619[3000] 231083»4 369 523 33 34 845 936 2 3 2023 255 6 4 383 413 98 678 724 77[500] 84 86 912 2 3 3074[3000] 477 614 72«84 87 9 4 2 3 4076 109 85 90 281 344 432 500[500] 714 871 «56 235299[ 3000] 879 911 79 2 3 6037 123 731 807 65 237141 333 733 238027 320 95(lOOO) 542[1000] 668 70 900 2 3 9009 210 43 365 Wlfi 807 36 64 2 4 0094 663 91 792 2 4 1 077 101 217[1000] SSI 400[ 500] 30 67 506 853 2 4 2256 466 73 50««12 76 86« 942 2 4 3031 55 625 750 2 4 4008 79 223 630 873 97 983 2450.10 469 86« 911 90 2 4 6028 32 40 206 476 883 24 7059 146 274 05 344 82 656 91 703 54 57 818[ZZOO] 24 8009 19 277 630 37 683 94 947 2 4 9064 125 333[500] 57 493 569 679 93 25O020[lOOO] 39[50»] 91 512 730 938 2 5 1 232 360 518 651 745 92 907 25 82 89[500] 252049[lOOO] 351 90 671 782 2 5 3 311 420 569 075[500] 890 618 254131 206 568[500] 895 2 5 5077 94 155 436 98 575 «9 627 88 709[500] 909 256092 238 857 76[lOOO] 982 94[5001 257031 73[500] 116 366 413 27[500] 47 91 [500] 562 706 836 2 5 8065 184[500] 288 546[3000] 88«[1000] 966 259311 430[500] 553 646 702 929 26O098 300 35 444 623[500] 39 653 823 2 6 1 09« 189 207 59 551 652 82[5000] 91 262117 19[500] 277 524 89 96 757 91 851[600] 2 6 3006 226 37 381 543 634 901 8[1000] 79 2 64143 693 712 910 2 6 5620 51 64 725 817 918 89 2 6 6260 436 786 8«9 913 46 57 65 84 267044 94[MO] 102 67 336 463 772 941[3000] 268052 118 288 929 269064 292 572 602 49 909 2 70159 82 221 554 780 2 7 1 638 40 78 741 800 58 [500] 915 2 7 2120 201 446 655 857 2 7 3281 50« 52 [3000] 699 912 2 7 4257 359 82 607 770 8z il'OO] 275038 84 241 703[500] 10 916 26[3000] 276195 346 70» 818 [500] 47 2 7 7013 129 233 335 405 9»[500] 570 752 SIT [500] 44 58 932 2 7 8000 22 34 57 126 47 528 2 79180 220 315 474[500] 85 99[1000] 550 96 807 94 902 4 T 280190 333 57 460 517 67 86 607 740 9««0» 281013 189 201[1000] 333[1001] 2 8 2073 126 85 61» 38[500] 53 930 57 2 8 3153 519 725 2 8 4071 426 75 521 65 784 2 8 5045 201 460[1000] 890[1000] 932 286108 249 355 600 844 2 8 7025 302 72 669 885 2 8 8053 63[500] 79 763 967 73 2 89.118 474 733 73 965 390181 568 699 700 830 096 2 91136 72[500] 325 84 839 922 2 9 2053 252 66 456 602 813 2 9 3078 107 52[3000] 512 733 82 1 48 49 83 294258[3000] 583 7» 963 295097 620 744 8S(ä 29 6017 43 45 124 208 472 [30001 575 737[500] 827 75 911 57 2 9 7074 277 93 37» 78 298384[1000] 148[ 500] 83[ 3000] 629 938 6] 299115 325 41 16« 549[ 8000] 65 979 3OO070 307 409 665 874 3 0 1 004 239 506»3 M [1000] 28 724 302152 23« 551 700[500] 303347 478 SM Verantwortlicher Redalteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Gl»«tr, Berlin. Druckt». Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Li Co., Berlin SW. Ar. 272. 27. Jahrgang. 5. Mm des Jotmirls" Kerlim Zomltag, 20. November 1910. Partei- Hngclegenbciten* Einen Vortragszyklus für die Mitglieder deS Wahlverems hat der Vorstand deS sechsten Wahlkreises veranstaltet. AIS Vortragender war Herr Baege ge- Wonnen worden, der an fünf Abenden das Thema:.Vom Urtier zum Menschen" behandelt. Wie sehr gerade unter der Arbeiterschaft für solche wissenschaftliche Erörterungen Interesse vorhanden ist, bewies der Besuch der ersten beiden Vortragsabende Am Freitag, den 11. November, am ersten Abend, war der weiße Saal der Germaniasäle bis auf den letzten Platz gefüllt und am letzten Freitag war die Zuhörerschar noch größer geworden. Die Stühle wurden eng zusammengerückt, trotzdem mußten viele Personen stehen. Zahlreich waren auch die Genossinnen vertreten. Der Vortragende, der seine Darlegungen durch Vorführung einer größeren Anzahl Lichtbilder veranschaulichte, fand ein dank- bareö Publikum. Aufmerksam verfolgten die Teilnehmer die inter- essanten Darlegungen bis an den Schluß des Vortrages. Einige Fragen wurden von dem Referenten in eingehender Weise beant wortet. Nächsten Freitag findet der dritte Vortrag statt, dessen Besuch nur empfohlen werden kann._ Zweiter Wahlkreis. Am Dienstag, den 22. November. abends 8l/3 Uhr, findet bei Nißle, Dennewitzstr. 13, eine öffent- l i ch e Versammlung für Frauen und Männer statt mit der Tagesordnung:.Der Reichstag das Instrument deS Volkes". Referent: Parteisekretär Müller. Frauen und Männer! Erscheint zahlreich in dieser Versammlung. Der Vorstand. Rixdorf. Zu der Stadtverordnetenstichwahl im Westbezirk am Dienstag, den 22. November, ergeht eine Aufforderung an die Wähler zur Wahl am Montag abend von den bekannten Lokalen aus. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Schöneberg. Montag, den 21. November, abends 8 Uhr, findet im„Schwarzen Adler". Hauptstr. 144, eine Agitationsversannnlung statt, zu der ganz besonders die Frauen und Mädchen eingeladen sind. Das Referat hält Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Dienstag, den 22. d. Mts., abends 8 Uhr, findet bei Mickley die Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Disdrssion. 3. Verschiedenes, Der Vorstand. Tempelhof. Dienstag, den 22. November, abends pünktlich 8lh Uhr, bei Thiel, Berlinerstr. 41/42, Mitgliederversammlung. Vortrag des Genossen Wusch ick über die Vorgänge in Moabit. — Verschiedenes. Teltow, Am Dienstag, den 22. November, abends 8 Uhr. findet im Lokale des Genossen W. Bonow die regelmäßige Mit- gliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bortrag des Genossen Pagels. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Mariendorf. Am Montag, abends 7 Uhr, von den Bezirks- lokalen Flugblattverbreitung. Am Mittlooch, abends 3 Uhr, bei Preuß, Kurfürstenstr. 44, öffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Wie können sich die Frauen gegen die Rechtlosigkeit im Staate wehren?" Referentin: Frau I. Wulff-Berlin. Diskussion. Die Genossen werden er- sucht, für diese Versammlung rege Propaganda zu machen. Der Vorstand. Johannisthal. Dienstag, den 22. November, abends 8zh Uhr, Mitgliederversammlung bei Bieler, Friedrichstr. 6. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Die wirtschaftliche Organisation der Gegenwart. Referent: Genosse Jakobsen. 3. Wahl der Dele. gierten zur Verbandsgeneralversammlung. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Niederschöneweide. Am Dienstag, den 22. November, abends SVj Uhr, findet beim Genossen Fichtner, Hasselwerder-, Ecke Fenn straße, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Vor trag des Genossen Disner über Generalstreik und Massenstreik. Der Vorstand. KarlSh-rst. Heute. Sonntag. 8 Uhr, Flugblattverbreitung. Die Genossen>der Nordseite nehmen die Flug- blätter beim Genossen Bertram, Treskowallee 83, in Empfang. Die Genoffen der Südseite treffen sich um 8 Uhr bei Bartels, „Fürstenbad". Dienstag, abends 8zh Uhr, bei Bartels,..Fürstenbad", Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen D r. Conrady. Der Bezirksleiter. Friedrichsfelde. Am Dienstage den 22. November, abends 8% Uhr, findet bei Schulz, Lindcnpark, Wilhelmstr. 11, eine wichtige Mitgliederversammlung statt. Sieinickendorf-Ost. Dienstag, den 22. November, abends 8 Uhr. findet bei Sadau, Residenzftr. 124, die Mitglicderver- sammlung deS BezirkswahlvercinS statt. Tagesordnung:„Woh- nungskunst im Arbeiterhei m." Referent Genosse Barthel. Außerdem Ersatzwahl für den durch Amtsniederlegung erledigten Posten des 2. Bezirksleiters. Die Bezirksleitung. Pankow. Am Dienstag, den 22. d. Mts., abends Uhr, findet im Lokal von Großkurt, Berlinerstr. 27, die Mitgliederver- sammlung des WahlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Weber über Streiflichter aus dem politischen Klassen- staat. 2, Diskussion. 3. Ortsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. _ Die Bezirksleitung. Berliner J�acbricbten. Totensonntag. Ein breiter, in seinen dunNen Farben ernst stimmender Menschensttom drängt sich durch das mehr effektvolle, seinem Charakter nicht völlig Rechnung tragende EingangLtor des Berliner Gemeindefriedhofes in Friedrichsfelde. Auch auf anderen Begräbnisplätzen wimmelt es von Menschen mit ernsten, feierlichen Mienen. Sie wandern hinaus zu ihren Lieben; manchem steigt noch das erdrückende Weh des Verlustes auf und auch so manches Männerauge wird trotz aller Gegenwehr feucht. Dort ein altes Mütterchen besucht ihren so' früh dahingegangenen Lebensgefährten und unbelauscht hält sie ein zärtliches Zwie- gcspräch mit ihm; ihm dort unten, dessen Auflösungsprozeß vielleicht schon so weit gediehen ist, daß nur noch einige mürbe Knochen vorhanden sind. Es ist wovon Lenau in seinen Albigensern spricht: „DaS tote Nichts, das starr und still noch inmier das Verlorene scheinen will." Wir alle wissen es. daß es nur noch ein totes Nichts ist, das dort unten modert; und doch: von Jugend auf daran gewöhnt, läßt es so manchen Jahr um Jahr, wenn ein Liebes dort ruht, diesen stillen Gang tun. Ein gewaltiges Gefühl packt ihn beim Anblick dieses Totenfeldes; dennoch hat dieses Gefühl nichts mit der Kirche zu tun, so sehr sich diese hier auch aufdrängt. Die Totenfeiern sind ihrer Entstehung nach, älter als alle Religionen. Sie sind eigentlich eine Vor form der Religionen. Viele Jahrtausende rauschen an uns vorüber.— Die materiellen Wurzeln jener Versöhnungs- und Opferfeste fußen auf einer primitiven Acker- und Weidewirtschaft. Wenn eS zum Winter ging, die Ernte eingebracht und auch das Vieh von den oft weit entfernten Weiden in den nahen Hürden und Ställen untergebracht; wenn die Vorarbeiten zu dem neuen Wirtschaftsjahr getan, das Saatkorn der Erde an vertraut war: dann begannen jene Feiern und Kulte, die damals unter sich eng verbunden, sich jetzt als Totenfest, Weihnachtsfest und Neujahr uns darbieten. Hier, in dem Reiche der Toten, gibt's fast noch mehr Unterschiede und Klassen, wie im Leben. Ein Hügelgrab reiht sich ans andere. Aus Marmor und Granit ist's in vergoldeten Buchstaben zu lesen, wer hier ruht; und doch rollt das Weltenrad weiter, die Jungen springen in die Lücke und bald ist er vergessen. Auf keiner Stätte des öffentlichen Lebens wird wohl so viel geheuchelt wie auf Friedhöfen I Alle waren gut und edel. nur vielleicht mit dem Unterschiede, deren Gradmesser die Protzigkeit und Größe des Denkmals abgibt. Ich wandere vorbei an den Denkmälern nach dem hinteren Teil des Friedhofes. Dort herrscht Ruhe und Frieden Frieden? O nein l Ein Peitschenhieb trifft uns mitten ins Gesicht. In langen, sich kaum von den Wegen abhebenden Reihen tritt uns ein Feld hügelloser Grabreihen nach dem anderen entgegen. Die hier ruhen, waren keine„Sonnenkinder"; ein Vege tieren war's'meist nur, als sie noch in der Vollkraft waren. und nachher war's ein langsames Verhungern. Welche ge waltige Summe wirtschaftlicher Werte haben die Tausende. die dort hinten verscharrt liegen, wohl der Gesellschaft ge schaffen? Wohnt einmal der Bestattung einer solchen Armen leiche, die vielleicht noch den Weg über den Seziertisch machen mußte, bei, und ein ungeheurer Haß und Verbitterung taucht in Euch auf!-- Doch ich gehe Wetter. Hinten am Ende sind etn paar Denkmäler, die es mir angetan haben: selbst geschnitzte Tafeln, Kreuze und dergleichen primittve Liebeszeichen. Auf einem weiten Felde mit Kindergräbern hockte sonst unter einem Busch versteckt, ein schon Verwetterter kleiner Gipsengel. Ich suche diesmal vergebens nach ihm, man hat ihn aus den Kehrichthaufen geworfen. Dort drüben am Zaun, versteckt hinter dichtem Gebüsch, sehen wir eine breite, von liebevoller Hand noch immer ge- Pflegte Grabstelle. Hier hatte der Tod gleich reiche Ernte gehalten; hat den Eltern alle ihre Hoffnung und Freude: vier Kinder, ihr alles, geraubt. Dicht nebeneinander liegen sie dort unten verscharrt. Zwischen den erfrorenen Blättchen lugt ein kleines Püppchen hervor.—— Arme Eltern! Warum war't ihr auch so arm. daß eure Kinder widerstandslos dem Würgeengel der Proletarierkinder zum Opfer fallen mußten. Weh sttmmt uns der Anblick einer total verwitterten Gießkanne, die an einem mächtigen Lebensbaum angeschloffen ist. Schloß und Kette sind nur noch Bruchstücke. Mitten in der Erinnerung und Pflege ihres Gatten hat mich sie, die Pflegerin, der Tod abgerufen— und die Kanne bleibt an- geschlossen. Niemand gießt mit ihr. Alle, alle, die hier ruhen, steuerten einst voll Hoffnung, mit geblähten Segeln hinaus ins Leben. Tausende mußten frühzeitig inS Gras beißen, weil sie ohne Pflege, ohne ge- nügende Nahrung dahinsiechten.--- Und dumpf wie Orgelton drängt sich in uns der Ruf FreiligrathS empor: „O, steht gerüstet! seid bereit l o, schaffet, daß die Erde, Darin wir liegen stark und starr, ganz eine freie werde!" Ueber die schwebenden Vcrkehrsfragen hat der Berliner Magistrat der Stadtverordnetenversammlung endlich den auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion verlangten Bericht erstattet. Der Bericht geht auf die Verkehrsmiscre in Berlin näher ein und zeigt die Schwierigkeiten, die der Stadt im Wege stehen und die ihr bereitet werden. Er beweist aber auch, daß der Berliner Magistrat seit Jahr und Tag auf diesem wichtigen Gebiet nicht vom Flecke kommt und bildet in letzter Linie eine Anklage gegen den Magistrat, der durch eine gewisse passive Resistenz kein großzügiges Verkehrs- Projekt zur Ausführung bringt, obwohl geradezu geniale Pläne vorliegen._ Zur Volkszählung veröffentlicht das Preußische Statistische Landesamt eine Ansprache an die Bevölkerung, in der auf die Wichtigkeit dieser Zählung hingewiesen und um tatkräftige Förderung des Zählgeschäfts er- sucht wird; auch eine Viehzählung ist mit der Volkszählung ver- Kunden. In der Ansprache heißt es unter anderem: „Mit dem 1. Dezember dieses Jahres kehrt in Preußen wie im ganzen Deutschen Reiche der Tag der Volkszählung wieder. Die unbedingte Notwendigkeit regelmäßiger Aufnahmen dieser Art ist allgemein anerkannt. Kein Volk vermag sie zu entbehren, was sich mit Sicherheit über sich selbst und die ersten Bedingungen seiner Entwickelung und Größe, über Zahl, Geschlecht und Alter, Familienstand, Beruf, Religionsbekenntnis und sonstige persönliche Verhältnisse seiner Angehörigen unterrichten will. Die Ergebnisse der Volkszählung dienen aber bei uns nicht nur als Hilfsmittel wissenschaftlicher Erforschung wichtiger Verhältnisse des Volks- lebens, sondern auch zu mancherlei praktischen Zwecken, wie zur Verteilung gemeinsamer Einkünfte und Lasten der einzelnen Bundesstaaten, zur Regelung der Münzprägung, zur Ordnung vieler Verhältnisse, welche sich nach der Volkszahl richten, z. B. die Zuständigkeit von Behörden der allgemeinen Landcsverwaltung, die Bildung' von Stadtkreisen und llrwahlbezirken, die Wahl von Abgeordneten zu den Kreis- und Provinziallandtagen, das Ver- fahren bei Gemeindewahlen usw. Eine Aufnahme von dem Umfange der Volkszählung ist natür- lich ohne erhebliche Mühe nicht durchzuführen. Ein Blick auf den allgemeinen Verlauf des Zählverfahrens zeigt aber sogleich, daß der Bevölkerung selbst hieraus verhältnismäßig, nur wenig Arbeit und Belästigung erwächst. In den Tagen vom 23. bis 30. November dieses Jahres werden im ganzen Staate Zähler, insgesamt wohl eine Viertelmillion und darüber, bei den einzelnen Haushaltungen vorsprechen, um für edc vom 30. November bis 1. Dezember dieses Jahres voraus- ichtlich dort übernachtende Person eine„Zählkarte A" und für jede Haushaltung ein„HaushaltungsvcrzcichniS B" zu überreichen. Als Ilmschlag für diese Papiere, dem zugleich eine„Anleitung C" zu ibrer Ausfüllung sowie je eine Mustcrausfüklung für beide auf- gedruckt ist, dient ein„Zählbricf v". Die Haushaltungsvorstände haben nur a) die Zählpapicre in Empfang zu nehmen, b) sie gemäß der Anleitung auszufüllen oder durch geeignete Vertreter ausfüllen zu lassen und c) sie vom 1. Dezember dieses Jahres mittags 12 Uhr ab zur Abholung durch den Zähler bereit zu halten. Die Viehzählungen, welche das notwendige Material für die Beurteilung und Bedeutung des Viehstandes in unserer Volkswirtschaft zu liefern haben, sind der Bevölkerung ebenfalls bereits bekannt und geläufig. Es werden gezählt die Pferde» Rinder, Schafe und Schweine. Die Fragen der Zählpapiere t�er Volks- wie auch der Vieh- Zählung sind nicht zahlreich, dabei durchweg einfach und völlig un- verfänglich. Niemals werden die durch beide Zählungen ge- wonnenen Nachrichten über einzelne Personen und deren Besitz veröffentlicht oder für andere als statistische, besonders auch nicht für steuerliche Zwecke benutzt. Tie aus den Zähl- papieren gewonnenen Ergebnisse gehen in allgemeine Tabellen über, in welchen der einzelne Mensch und seine Viehhaltung nicht mehr erkennbar ist. Die Zählpapiere selbst werden nach beendigter Arbeit eingestampft; jedermann darf danach insbesondere auch sicher sein, daß die Angaben seiner Zählkarte über Alter, Bekennt- nis, Staatsangehörigkeit, Militärverhältnis, Beruf und Erwerb, etwaige Mängel und Gebrechen usw. niemals vor unberufene Augen kommen oder an die Oeffentlichkeit gelangen werden. Auf ein vertrauensvolles Entgegenkommen der HauShaliungS- vorstände wie überhaupt der ganzen Bevölkerung, auch hinsichtlich der nicht vom Staate, sondern von den einzelnen Gemeinden ge- stellten Fragen dürfen die Zähler hiernach wohl um so eher rechnen, als diese Männer ihre umfangreiche und mühevolle Arbeit fast sämtlich freiwillig übernommen haben und dem Gemeinwesen da- durch wertvolle Dienste leisten. Das Gelingen beider Aufnahmen hängt wesentlich von dem Zusammenwirken der Zähler mit den Haushaltungsvorständen ab. Diese werden deshalb ersucht, den Zählern, deren jeder eine größere Anzahl von Haushaltungen aufzusuchen hat, ihr Amt nach Mög- lichkeit zu erleichtern und ihnen unnütze Gänge oder Arbeiten zu ersparen."_ Die kriminalpolizeilichc» Ermittelmigc» bei Personen, die im Moabiter Prozeß von der Berteidigmig als Zeugen vorgeschlagen worden sind, sind in einer Weise erfolgt, daß selbst der Staats» anwalt Steinbrecht diese Art Erinittelmigen nicht billige» konnte. Zu den von uns schon veröffentlichten Fällen wird uns heute ein weiterer Fall berichtet, der am letzten Montag sich zutrug. In der Wohnung eines Zeugen erschien in Abwesenheit des Mannes einer jener GentlemnnS, die nur mit Hilfe eines Schwindels sich einzuführen pflegen— anders können diese Leute eben nicht arbeiten—, und wünschte den Mann zu sprechen. Dieser war natürlich nicht anwesend, was dem Ausholcr sicher nicht unbekannt war, sonst wäre er zu anderer Zeit gckommc». Um einen Vorwand zu haben, stellte sich der Mann vor als ein in den Moabiter Prozeß Verwickelter und fragte zunächst nach der Arbeitsstelle des Zeugen. Dann sagte er, er habe sich schon mehrere Fragen im„Vor- wärtS" beantworten lassen, und wollte boren, ob er nicht vom Wahl- verein unterstützt werden könne. Die Gefragte antwortete, daß er sich dann an den Vorstand des Vereins wenden müßte. Weiter meinte er:„Na, Ihr Mann ist doch schon lange im Wahlverein?" worauf die Frau antwortete:»So lange ich'denkcn kann".„Und den Vorwärts" lesen'Sie doch auch?", was die Frau als selbstverständlich bejahte. Schließlich erklärte der Aussragcr, er wolle erst Abendbrot essen und dann wieder kommen. Natürlich kam er nicht wieder.-4 Man sieht, daß man Ausfragern gegenüber sehr vorsichtig sein muß; aber aus vorstehendem erhellt auch, daß uusere„Gentleman" nicht anders«arbeiten" können als mit Lüge und Schwindel. DaS ist ihr Gewerbe. Und solche Leute sollen dann noch Wahrheit und Dichtung unterscheiden können I Wer seinen Austritt nuS der Landeskirche vollziehe» will, muß eine Erklärung an das zuständige Amtsgericht sende», tu welcher er sagt: Ich erkläre meinen Austritt a»S der evangelischen oder katho- tischen Landeskirche. Darauf bekommt er nach einiger Zeit eine Auf- fordcrung des Amtsgerichts zur mündlichen Vollziehung des Aus- lrittS vor dem Amtsrichter. Diese Erklärung kann frühestens vier Wochen, spätestens sechs Wochen nach Abgabe der erste» schriftlichen Willenserklärung vor dem Amtsrichter schriftlich zu Protokoll gegeben werden. Wer eine Bciiachrichligung vom Amtsgericht nicht erhalten sollte, gehe selbst i» der oben angegebene» Zeit nach dem Amts- gericht. Wer die Zeit verstreichen läßt, muß Kosten trotzdem zahlen, obwohl dann die erste Erklärung keine Gültigkeit mehr hat. Wer jetzt seine» Austritt anmeldet, daß er noch bis Ende dieses Jahres amtsgerichtlich perfekt ist, braucht nur noch bis 31. Dezember 1911 Kirchensteuer zu zahlen. Ein falscher Graf wurde gestern von der Kriminalpolizei ent- larvt und festgenommen. In einer Antiquitätcnhandlung in der Willielmstraße erschien vorgestern ein junger Mann, der sehr ge- wandt und sicher auftrat, stellte sich als Graf Eppstein vor und erzählte, daß er für eine Familienfeier, die in den nächsten Tagen stattfinden solle, 50 Altertümer verschiedener Art brauche. Man legte ihm um so bereittvilliger alles mögliche vor, als es sich um ein gutes Geschäft Handelle. Der„Graf" traf denn auch seine Auswahl und ordnete an, daß die Sachen hüsch zusammengestellt und verpackt werden sollten. Nachmittags werde sein Ehaussenr kommen und sie abholen. Dann solle auch die Rechnung bereit liegen. Nachdem der Kunde lvcggegangen war, räumte man wieder auf und entdeckte nun nach Zusammenstellung der ausgewählten Sachm. daß mehrere Stücke, im ganzen für über 300 M., fehlten. Man waltete noch den Nachmittag ab, als aber dann auch der Chauffeur ausblieb, war'man überzeugt, einem Schwindler in die Hände gefallen zu sein und machte Anzeige. Die Kriminal» Polizei beobachtete daraufhin die Pfandleihen und ähnliche Ge- schäfte, und so gelang es, den falschen Grafen schon gestern ab- zufassen, als er versuchte, die gestohlenen Altertümer zu ver- setzen. Er entpuppte sich als ein 19 Jahre alter Buchhalter Willi Eppstein. Er hatte seinen großen Einkauf damit erklärt, daß die Sachen bei der Familienfeier verlost werden sollten. Ein Selbstmord im Hotel wird aus der Slalitzerstraße ge» meldet. Tort kehrte am Freitagabend ein junger Mann ein, der sich für einen Kaufmann ausgab und erzählte, daß er hierher ge- kommen sei, um eine Stellung anzutreten. Als man ihn gestern morgen lveckcn wollte, fand man den Gast tot in seinem Bette liegen. Er hatte sich dort erschossen, ohne daß jemand es gehört hatte. Seine Persönlichkeit ist noch nicht bestimmt festgestellt. Zur BraiidknMfirophe in der Neuen Friedrichstraße werden wir nachiräglich ersucht, mitzuteilen, daß die in dem Bericht über das Unglück enthaltene Mitteilung, es wäre bei Ausbruch des Feuers versucht worden, dasselbe mit einem Minimaxapparat zu loschen, nicht richtig sei; ein solcher Apparat sei nicht zur Verwendung ge» kommen. Der Arbeiterturnverein„Fichte" eröffnet morgen, Montag, abends 8 Ubr, in der Turnhalle der Gemeindeschule Koltbuser Ufer 21 seine 16. Lehrlingsabteilung. Unbekannt gestorben ist die Frau, die am Bußtag bor dem Haufe Schlegelstraße 3 bewußtlos aufgefunden wurde. Sie ist etwa 50 bis 60 Jahre alt, hat dunkles, grau gemischtes Haar und trug einen grauen Umhang, eine braune Bluse mit rotem Einsatz, einen schwarzen Rock und eine schwarze Schürze, Bet ist irr Tote? Auf dem Arnimplatz wurde gestern morgen vm ö Uhr ein etwa 34 Jahre alter Mann tot aufgefunden. Zur Feststellung der Todesursache wurde die Leiche nach dem Schau- Hause gebracht. Der Unbekannte macht den Eindruck eines Ar- beiters. Er ist 1,70 Meter groß, hat dunkles Haar, einen dunkel- roten Schnurrbart und braune Augen und trug einen dunkel- gestreiften Ueberzicher, einen braun karierten Jackettanzug und Schnurschuhe. Vorort- l�ackrickten. RIxdorf. Stadtvcrordnctcnwahlen. Die Stichwahl im Westbezirk<11� Abteilung) findet am Diens» tag, den 22. November.'in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends statt. Es erhielten bei der Hauptwahl am 4. November Adolf Schultze(Deinokrats... 122 Stimmen Paul Fischer(Sozialdemokrat., 122„ Fichtner> Bezirksbercin.... lOg m Kaschow/„West".... 107. Beiß* Neuer BezirkSverein 96, Adomat/„West" 91 Da keiner der Kandidaten die absolute Stimmenmehrheit er- langt hat, findet die Stichwahl zwischen Adolf Schultze. Paul Fischer und Fichtner und Kaschow statt.— Stimmen, die auf einen anderen Kandidaten lauten, sind ungültig. Das Wahllokal befindet sich in der VereinSbranerei, Hermannstr. 2l4/19.— Genossen, welche am Dienstag bei der Wahl helfen wollen, können sich bei Hopve, Hermannstr. 49, um 11 Uhr vormittags einfinden. Tue jeder seme Pflicht I— Die Säumigen zur Wahlurne!— Nieder mit mit den WahlrcchtSräubern!— Es lebe der Kampf! Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Der Männcrgesangvercin Rixdorf(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet am heutigen Sonntag in Kliems großem Festsale ein Konzert. Mit- wirkende Frl. Hilde Ellger(Alt), Herr Arnim Liebermann(Cello) und Herr Otto Ehlers(Klavier). Die Parteigenossen werden ersucht, den Perein der uns bei Parteiversamnilungen stets zur Verfügung steht, zu unterstützen. Charlottenburg. Gerüsteinsturz im Elektrizitätswert. Ein Unfall, bei dem zwei Arbeiter schwer und zwei leicht verletzt wurden, ereignete sich gestern vormittag auf dem Grundstück des hiesigen Elektrizitätswerkes un- weit der Röntgenbrücke. Zur Ausbesserung eines Kranes war dort ein etwa sechs Meter hohes Gerüst errichtet worden. Als vier Ar- beiter auf dem Gerüst standen, brach dieses plötzlich in sich zu- sammen. Alle vier Arbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen und unter den Trümmern begraben. Während zwei von den Ver- unglücklen mit leichteren Verletzungen davonkamen, wurden die an- deren beiden schwerverletzt vom Platze getragen. Der Schlosser Bruno Abel aus der Berlichingenstr. 14 erlitt eine schwere Brust- quetschung und eine gefährliche Kopfwunde,, so daß er fton der Unfallstation in der Berliner Straße nach dem Krankenhaus Westend geschafft werden mußte. Der zweite Schwerverletzte ist der jetzt 38 jährige Arbeiter August Grabowski aus der. Pestalozzistraße 79. Auch er fand auf der Unfallstation in der Berliner Straße die erste Hilfe. Elternverein für freie Erziehung. Auf den morgen abend 8 Uhr im Volkshause, Rosinenstr. 3, stattfindenden großen öffcnt- lichen Vortragsabend wird hierdurch nochmals hingewiesen. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. S. Noscnfeld:„Das Recht des Kindes." 2. Freie Aussprache. Schöneberg. Lei den Delcgiertcnwahlcn der OrtSkrankenkasse wurden die von der Gcwerkschafrskonnnission aufgestellten Vertreter mit 213 5 Stimmen gewählt. Vor zwei Jahren wurden 2281 Stimmen ab- gegeben. Die Beteiligimg war diesnial etwas schwächer, obwohl für ausreichende Wahllokale gesorgt war. Einführung von Rückfahrkarten auf der Schiinederger Untergrund- bahn. Der Magistrat, der sich bekanntlich in dem mit der Howbahn- Gesellschaft geschlossenen Betriebs- und Tarifvertrag die Festsetzung des Fahrpreises für den Lokalverkehr vorbehalten hat. faßte in seiner gestrigen Sitzung den Beschluß, für Einzelfahrten auf der neuen Schnellbahn Fahrkarten nach dem Muster und dem Tarif der Hochbahn auszugeben. Zur Hebung und Begünstigung des Lokal- Verkehrs im allgemeinen und des Verkehrs nach dem Nollendorf- platz und dem Stadtpark im Besonderen sollen Rückfahrkarten zum Preise von 15 Pfennig für die dritte und 20 Pfennig für die zweite Klasse verabfolgt worden. Diese Karten sollen zur Hin- und Rückfahrt zwischen den Stationen Hauptstraße und Nollendorfplatz berechtigen. Die Arbeitgederwahlen finden am Montag, den 21. d. M., nach- mittags von 5—8 Uhr in dem Kassenlokal. Grunewaldstr. 30, statt. Zu wählen sind 52 Vertreter und 52 Stellvertreter. Bor einer dreisten Tiebin warnt die Zuschrift eines Schöne- berger Genossen.— Die Diebin..arbeitet" niit dem alten Trick, kleineren Kindern, die zum Einholen ausgesandt werden, das Geld abzuschwindeln. Sie macht sich an diese Kinder heran, fragt sie nach ihrem Vorhaben, verspricht, ihnen Geld schenken zu wollen und verschwindet dann mit dem Inhalt des Portemonnaies der Einholenden. Dem achtjährigen Sohne des Arbeiters I. aus der Hohenfriedbergstrahe nahm sie auf diese Weise 2 M. ab, nachdem ihr ein Versuch bei einem anderen Kinde mißglückt war. Die Diebin wird von den Kindern übereinstimmend als ein großes, dunkles Fräulein geschildert, das mit dunklem Hut, schwarzem Jackett und schwarzem Rock bekleidet war und eine braune Hand- tasche bei sich trug.— Recht eigenartig muß man das Verhalten eines Schutzmanns finden, an den sich die Mutter des bestohlenen Knaben, Frau I.. wandte, und der ihr bei ihrem Gang nach dem Polizeirevier auf seinem Patrouillengange begegnete. Nachdem sie ihm das Vorkommnis mitgeteilt und die Diebin geschildert hatte, meinte der Beamte freundlich:„Na, bringen Sie sie uns, dann werden wir sie festnehmen!"— Gewiß, ein netter„Witz", der aber in dieser Situation völlig deplaciert war, da die geschädigte Familie durch Unglücksfälle mannigfachster Art sich momentan in äußerst be- drängter Lage befindet und die gestohlenen 2 M. eine recht fühl- bare Lücke hinterlassen. Groh-Lichterfelde. Im Untersuchungsgefängnis erhängt. Im hiesigen Amtsgerichts- gefängnis hat sich gestern früh der 34jährige Schlächter Paul er- hängt. P., der aus Weimar stammt, betrieb dort ein großes Ge- schäft, in dem er mehrere noch nicht Ikjährige Mädchen beschäftigte. Wie sich herausstellte, hatte der Schlächtermeister mit drei seiner Gehilfinnen unerlaubte Beziehungen angeknüpft, die nicht ohne Folgen blieben. Da P. seine Verhaftung fürchtete, floh er aus Weimar und hielt sich längere Zeit in Hamburg. Stettin und Berlin auf. Als ihm hier der Boden unter den Füßen zu heiß wurde, fiedelte er nach Groß-Lichterselde über, wo er sich unter falschem Namen ein Zimmer mietete. Die Kriminalpolizei crinitleltc jedoch bald seine wahren Personalien und verhaftete ihn. Äorgester» früh erhängte sich P. in seiner Zelle.. Friedenau. Der letzten Gcmeindevertretersitznng lag eine statistische Ans- stellung über die in Friedenau vorhandenen Geschäftslokale und Wohnungen sowie über die leerstehenden Wohnungen vor. Zugleich ivarc» die Mietspreise der Wohnungen von 1—8 Zimmern angegeben. Wie die Aufstellung zeigt, herrscht eine große Stachfrage nach größeren Wohnungen, während Ein- bis DreizimmerwohiltN'.gen verhättnis- mäßig viel leerstehen. Der Grund hierfür ist in den hohen Preisen zu suchen, der für Zweizimmerwohnungen im Hinterhause selten unser 500 M. beträgt. Zu Punkt 1, Prüfung und Entlastung der Jahresrechnung für 1908, betont der Referent, daß an Mehr- einnahmen außer dem Vortrag von 138 300 M. und den Beträgen aus den Ucberschüssen von 32 000 M., durch Baugebühren 13 600 M., durch Anliegerbciträge 36 000 M., bei der Einkommensteuer 24100 M., Umsatzsteuer 64 000 M., Elektrizitätswerk 34 000 M. zu verzeichnen sind. Die Ist-Einnahmen betragen 2 189 513,63 M., die Mehrausgaben 24 200 M., die Gesamt-Jst-Ausgabe 1 698 543,82 M., sodaß ein Ueberschuß von 490 969.82 M. verbleibt. Nach Abzug der vor- getragenen Summen stellt sich der Barüberschuß auf 20455,86 M. Nikolassee. Aus der Gemeindevertretung. Für den Ausbau der Privat- schule des Fräulein Leweß wird in Zukunft ein Gemeindezuschuß von 4000 M. pro Jahr gewährt, bisher 2000 M. Ostern nächsten Jahres soll die vierte Klasse eingerichtet sein und es soll gleichzeitig die Anstellung akademisch gebildeter Lehrkräfte erfolgen. Zum Amts- Vorsteher für den neu gegründeten Amtsbezirk Nikolassee mit dem GutSbczirk Düppel ist der Gemeindevorsteher Reinich ernannt worden. Bisher gehörte Nikolassee zum Amtsbezirk Zehlendorf. An den letzteren sind noch für die bisherige Verwaltung 2758,16 M. zu zahlen. Die Vorlagen über den Eintritt der Gemeinde Nikolassee in die Rechte und Pflichten der Verträge zwischen der Heim- stätten-Aktiengesellschaft und den Charlottenburger Wasserwerken über die Lieferung von Wasser, sowie der Englischen Gasanstalt und der Gemeinde Zehlendorf über die Lieferung von Gas und elektrischen Strom wurden einer Kommission zur näheren Prüfung überwiesen. Ober-Schöneweide. Die Gemeindevertretung bereitet ein OrtSstatut gegen die bau- liche Verunzierung des Ortes vor, wodurch man eine würdige Ge- staltung der Baulichkeiten anschließend an ihre Umgebung erzielen will, im Gegensatz zu den manchmal recht fragwürdigen Erzeug- nissen des Bauspekulantentums. Wünschenswert wäre es, wenn dabei auch auf die Hausvor- gärten Bedacht genommen würde, welche sich vielfach in einem elenden Zustande befinden. Bon unseren Genossen in der Ver- tretung ist beantragt worden, daß die Gesundheitskommission eine Inspizierung der Höfe und sonstigen Anlagen vornehmen soll, da oft Zustände herrschen, welche dringend Abhilfe erheischen. Alt-Glienicke. Einer der ältesten Parteigenossen, August D e r o ch e. ist der hiesigen Organisation durch den Tod entrissen worden. Die Be- erdigung findet am heutigen Sonntag, den 20. November, nachmittags 2 Uhr. statt. Um dem alten Veteran noch das letzte Ehrengeleit zu geben, versammeln sich die Genossen nachmittags 1 Uhr bei Joch, Köpenicker Straße. Falkenhagen-Seegefeld. Der Kampf um das Lokal von Nicolay in Seegefeld(Besitzer Kleeßen) ninunt für die hiesige organisierte Arbeiterschaft einen günstigen Verlauf. Am letzten Sonntag fand die erste öffentliche Tanzmusik bei Nicolay nach der über sein Lokal verhängten Sperre statt. Der Besuch war so gering, daß die Musiker schon nach 8 Uhr abends nach, Hause fahren konnten. Mehrere Bereine am Orte haben ihre bei Nicolay festgelegten Vergnügungen abgesagt. Einige Laden- inhaber haben sich über das Borgehen des.roten Packs" abfällig ausgesprochen. Die Arbeiter werden sich daran erinnern, wenn sie ihr� Einkäufe besorgen. Fester Zusammenhalt wird auch hier den organisierten Arbeitern den Sieg bringen. Weifiensee. Die Maul- und Klauenseuche grassiert hier so stark, daß an den Eingangsstraßen rote Tafeln angebracht wurden, deren Auf- schrift das Treiben von Vieh auf das gesperrte Weißenseer Gebiet untersagt._ Jugendveranstaltungeu. Klempclhof-Mariendorf. Am Mittwoch, den 23. November, abends 8 Ubr. spricht im Jugcndbeim, Mariendorf, Chausseesw. 323, Herr Robert Ochlschläger über:„Einsührmig in die Geheimnisse des Schachspiels". Am Donnerstag, den 24. November, hält Herr Dr. Edwin Bab seinen vierten Vortrag über Krankheiten, deren Gefahren und ihre Verhütung. Serickrs-Geltung. Aus den Taschen eines KalendermanoeS. Oeffentlich bemerkbare TonntagSarbrit sollte ein Maurer Wunderlich geleistet haben, indem er in Stangcnhagen bei Trebbin an einem Februarsonntag um Hl Uhr mittags nach der Kirchzeit den Kalender„Märkischer Bolksbote" von Haus zu Haus verteilte. Auf Anzeige eines Gendarmen, der ihn gehen sah und Kalender- Verteilung witterte, wollte der Amtsvorsteher zu Loewendorf bei Trebbin diesen Frevel durch Strafbefchl mit 3 M. Geldstrafe ahn- den. Wunderlich wurde im Juni vom Amtsgericht zu Trebbin, dem er den Fall zur Entscheidung vorlegte, freigesprochen mit der Begründung, er habe die Kalender in der Joppe verwahrt ge- halten und unbemerkbar in den Häusern verteilt, seine Gänge von Haus zu Haus aber seien keine Arbeit im Sinne der Verordnung. die er dadurch übertreten haben sollte. Doch dem Amtsanwalt wollte das nicht einleuchten, darum legte er Berufung ein. Vor dem Landgericht II Berlin(Strafkammer 3) wurde im Oktober auf Antrag des Verteidigers die Sache vertagt, weil das Gericht nicht für möglich hielt, daß W. fünfzig Kalender— soviel sollten es gewesen sein— in seiner Joppe zu bergen vermöchte. Zu dem neuen Termin, der am Sonnabend anstand, hatte der Angeklagte fünfzig Kalender mitbringen sollen, um dem Gericht das Kunststück vorzumachen. Wo er sie habe, fragte der Vorsitzende ihn, als er die Anklagebank betrat.„In den Taschen," lautete die lächelnde Antwort.„In den Taschen? Wo denn?" Und nun holte W. einen Kalender nach dem anderen heraus, genau fünfzig, wie der Vorsitzende durch gewissenhafte Zählung konstatierte. Mehr Beweiserhebung wäre kaum nötig gewesen. Gcndarmeriewacht- meister Starke wiederholte seine Aussage, daß er W. durch die Straßen habe gehen sehen. Erst hinterher habe er, der Zeuge, durch Nachfrage festgestellt, daß W. Kalender verteilt hatte. Acuhcr- lich sei an W. nichts zu bemerken gewesen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rosenfrld fragte den Zeugen, wodurch er denn dann auf W. aufmerksam geworden sei.„Ich kannte ihn," sagte der Gendarm,„und hatte die Mutmaßung, daß er so etwas tun würde."„Sie kannten ihn als Sozialdemokraten?" fragte der Borsitzende. Der Gendarm bejahte. Der Staatsanwalt fand, eS fei doch eine Arbeit, fünfzig solche Kalender auszutragen, und W. sei immerhin aufgefallen. Mit I Tag Haft sollte W. cS büßen, daß er dem Gendarm„aufgefallen" war. Der Verteidiger beantragte, die Berufung des StaatSan- walts zu verwerfen und das freisprechende Urteil aufrechtzuerhalten. In den Ausführungen des Staatsanwalts fehlte es an jeder Be- gründung dafür, daß W. eine öffentlich bemerkbare Arbeit getan habe. Durchaus zutreffend habe der Vorderrichter, in Ueberein- stimmung mit einem Kammcrgerichtsurteil sich auf den Standpunkt gestellt, daß zu einer„Arbeit" im Sinne jener Verordnung eine gewisse Anstrengung erforderlich sei, die als solche äußerlich in Er- scheinung treten müsse. Zu nterken sei, führte der Verteidiger HUs. an W. lediglich das HÄVksssii« haß er durch die Straßen ging. Nichts an ihm habe daraus hingewiesen, hast er ekwal verkeilte. Den Verteilern sei ja auch bekannt, daß nichts, was auf Arbeit schließen läßt, an ihnen zu bemerken sein dürfe. Solle, was W. tat. als Arbeit gelten, so sei es schließlich auch Arbeit, ein Gesang- buch zur Kirche zu tragen. Das Gericht erkannte nach dem Antrage des Verteidigers. Daß W. über die Straße gegangen sei, könne nicht als Arbeit gelten. die Kalender aber und ihre Verteilung seien nicht öffentlich be- merkbar gewesen. Mithin bleibe es bei der Freisprechung. Hus aller Alelt. Cm dunkles Geheimnis. Nach über hundert Jahren ist man anscheinend dem mysteriösen Verschwinden des englischen Gesandten am Wiener Hofe, Lord B a t h u r st. auf die Spur gekommen, der auf seiner Rückreise nach England im November 1809 nach Perleberg kam und seitdem nicht mehr gesehen wurde. Der Gesandte war mit der Extrapost ein- getroffen, stieg in einem Gasthofe ab und war seit jenem Abend spurlos verschwunden. Die Affäre erregte damals ungeheueres politisches Aufsehen. Allgemein wurde angenommen, daß Lord Bathurst auf Befehl Napoleons um die Ecke gebracht worden fei, weil er gegen den auf der Höhe seiner Macht stehenden Kaiser agitierte. Jetzt ist man in einem Wäldchen, in dem vor 101 Jahren die Beinkleider des verschwundenen Lords gefunden wurden, beim Ausroden von Bäumen auf ein menschliches Skelett gestoßen, besten Alter mit Sicherheit darauf schließen läßt, daß es etwa 100 Jahre dort gelegen hat. Es ist wahrscheiu- lich. daß es sich hier um die Ueberreste des verschwundenen Ge- sandten handelt. Wenn aber auch die Annahme zutrifft, wird der „Fall Bathurst", der die Krimmalistik Jahrzehnte hindurch beschäftigt hat, doch ein unenlhülltcS Geheimnis bleiben. Von Tolstois Sterbelager. Auch die am Sonnabend vorliegenden Nachrichten über das Be» finden Leo Tolstois lanten ebenso wenig tröstlich wie an den vorhergehenden Tagen. Im Laufe des gestrigen Nachmittags hatte der greise Kranke einen sehr bedenklichen Anfall von Herzschwäche zu überstehen, den er jedoch gut überstand. Der Schwächeanfall dauerte 20 Minuten. Gegen Abend war die Herztätigkeit etwas gebessert. Wie gemeldet wird, ist Leo Tolstoi bei vollem Bewußtsein und völlig klar darüber, daß er an- dauernd in Lebensgefahr schwebt. Der russischen Regierung ist der bevorstehende Tod de» mit dem Kirchenbann geehrten greisen Denkers sehr unangenehm. Sie be- fürchtet Studentenunruhen, wenn nach dem Tode Tolstois das Lesen der Messen in den russischen Kirchen verboten wird. Die Regierung verlangt daher von der Synode die Aufhebung der Exkommunikation. In Astrapowo ist eine starke Polizeimacht zusammengezogen worden._ Schweres Grubenunglück tu Böhme». Im„Nclsonschacht" der Brüxer Kohlenbergbau- Gesellschaft stürzte gestern bei der Ausfahrt die eörderfchale mit zwölf Mann in die Tiefe. w e i Bergleute wurden schwer, neun leichter ver- letzt. Das Unglück ist dadurch hervorgerufen worden. daß der die Fördermaschine bedienende Maschinist plötzlich von einem Unwohlsein befallen wurde. Unwetter tm AuSlgmde. Aus den verschiedensten Gegenden Europa» kommen Nachrichten über schwere Unwetter. Durch eine große Springflut wurden wiederum mehrere am Adriatischen Meer gelegene öfter- reichische Hafenstädte heimgesucht. In Trieft überflutete das Waffer die Straßen. Der Straßenbahnverkehr war stunden« lang unterbrochen. Auch in Grad» richtete die Springflut erneut schweren Schaden an.— Starke Regengüffe und Schneestürme werden aus den verschiedensten Gegenden Frankreichs gemeldet. DaS Hochwasser der Flüsie wird dadurch noch vergrößert und eS ist zu be- fürchten, daß die UebersSwemmungen einen noch größeren Umfang annehmen. Infolge des Unwetter» sind die Verbindungen, namentlich im Süden Frankreichs, unterbrochen.— An der spanischen Küste wütet seit Freitag ein schwerer Sturm, der den gesamten Seeverkehr unterbrochen hat. Es steht noch nicht fest, ob die auf hoher See befindlichen zahlreichen Fischerboote alle recht- zeitig den� schützenden Hafen erreicht haben. Im Süden Spaniens regnet eS in Ströme«! ein Schnellzug wurde durch einen Dammrutsch aufgehalten._ Grostfeuer in einer englischen Geschohfabrit. Am Freitag abend entstand in einer Geschoßfabrik in Virmin gham Feuer, das sich in kurzer Zeit über das drei Etagen hohe Gebäude verbreitete. In der oberen Etage hatten einige Arbeiterinnen sich nicht reckitzeitig in Sicherheit bringen können. Beherzte Feuerleute suchten ihnen Hilfe zu bringen, konnten jedoch nicht alle retten. Wie bisher festgestellt werden konnte, haben zwei junge Mädchen ihren Tod in den Flammen gefunden, ein anderes junges Mädchen starb auf dem Wege nach dem Krankenhause an den erlittenen schweren Brandwunden. DaS Feuer wurde dadurch verursacht, daß eine brennende Lampe in einen Ballen Zellulose hineinfiel, der sofort in Flammen aufging. Kleine Notizen. Schwere Eiscnbahnunfälle. Auf der Strecke Bremen— Burg entgleiste gestern mittag ein Arbcitszug. Zwei Personen sollen schwer verletzt sein.— In der Nähe von Chemnitz stieß eine Rangiermaschine auf einen Güterzug. Zwei Personen habe schwere Verletzungen erlitten. Die Rangiermaschine wurde vollständig zertrümmert.— Bei einem Zusammenstoß in der Nähe der Station Szolnok-Wicselburg in Ungarn wurden fünf Personen lebensgefährlich verletzt. Erdbeben in Bad Rcichenhall. Gestern vormittag wurden die Einwohner des oberbayerischen Ortes Reichenhall durch einen ziemlich heftigen Erdstoß, der in der ganzen Stadt bemerkt wurde, in Schrecken versetzr. In den Wohnungen, besonders in den oberen Stockwerken, gerieten die Möbel ins Schwanken und drohten umzustürzen. Der Stoß dauerte etwa 3 Sekunden und war von donnerartigem Getöse begleitet. Zu schwere» Kämpfe« zwischen weißen und schwarzen Matrosen kam eS in der französilchcn Hafenstadt Cherbourg. Die an der Rauferei Beteiligten gehören zur Besatzung des im Hafen eingetroffenen amerikanischen Geschwaders. Ein tödlich verwundeter Neger wurde auf der Straße amgesirnden. Zwei andere Matrose» wurden durch M e s s e r st i ch e s ch w e r verletzt. Der ehrliche Handel. Nenen umfangreichen Steuerhinter« Ziehungen sind die amerikanischen Bchördcn auf di? Spur ge- kommen. ES handelt sich um EngroSfirmen der Bekleidungs- i n d u st r i e. Nach Mitteilungen der Steuerbehörde sollen die Betrüge- reien noch umfangreicher sein als die vvr einiger Zeit auf- gedeckten Hinterziehungen des ZuckcrtrustS. Mehrere angesehene Kauf- leute wurde» bereits verhaftet. Bei einer Gasexplosion in einem Haust: in B a r c c Ion a wurden drei Personen tödlich verwundet. DaS Gebäude wurde vollständig zerstört. BrUffcaftcn der RedaftHon« «U Inrtftil«» Sprechstunde finde» Lludeuftrast« Nr. 99, dorn l«Ut Treppen— F a Ii r st» b l—. wocheniänlich von 4'lj bit V'k Ilde abend», Sonnabend» von 4'/z bis« Uhr nachmittags statt. Jeder für den Brief- kästen bestimmten'Zlnirage ist«IN Buchstabe und eine Zabi al« Mtert- »eichen beUnfügeil. Brieflich- SIvtwor« wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage mau in der Evrechstnudc vor. Abonnent S. Ja,— Erwacht 7Z00. 1. Sie müssen, obwohl Sie Dissident sind, den gesetzlich vorgeschriebenen Eid leisten. 2. Gctaust würde das Kind' Im übrigen i'l das Gewissenssache, in der sie selber entscheiden müssen. 5. Friedrichsseide; sür die beiden Kinder der Friedhos der Gc- meinde, der sie angehören. 4. Fragen Sie bei der Zentralkommission der Lrtskrankcnkasscn, Engeluser IS, an.— W. 53. Für den Fall der Klage werden Sic aller Voraussicht nach zur Räumung verurteilt. Das zweck- mZsilgsle ist, Tie bezahlen die Miele und verlangen Jnslandhaliung der Wohnung, eventuell im Wege der Klage.— A. M. 47. Eine Klage ist aussichtslos. Die sragliche Acusicrung enthält keine Beleidigung.— A. 45. Fragen, die die Entziebung der Unterhalts- Pflicht einem Kinde gegenüber bezwecken, beantworten wir nicht. — H. K. 101, Die Mehrkosten eines Heiiversahrens, welche über die ge- setzlichen oder statutarischen Leistungen der Krankenkasse hinausgehen, hat die Versicherungsanstalt zu tragen.— T. O. 4. 1. Nach der Praxis der Steuerbehörden kaum. Versuchen Sie es immerhin. 2. Nein.— K. A. 100. 1. Das ist möglich. Ersuchen Sie bei dem Standesamt um Berichtigung. 2. Anspruch aus Räumung besteht erst, wenn nichts anderes vereinbart ist, bei Fälligkeit zweier Mietsraten. Räumt der Aslermieter alsdann nicht, so musi geklagt werden.— Rixdors P. 16. Mittwoch.— Lotte 84. X., 4., 5. Nein. 2. Ja. 3. Der Man», wenn das Gericht nicht anders ent- scheidet. 6. Rur mit Zustimmung des ManneS.— G. M. 87. Wenden Sie sich an den Vorsiand Ihrer gewerlschastliche» Organisation— H. 10S. 1. Ist im Vertrage nichts anderes bestimmt: ja. 2. Ohne Kenntnis des Gesamtobjekts lägt sich die Faage nicht beantworten.— A. S. 500. X. Gesuch an das VormundschastSgericht. 2. Nach Abiaus von X0 Monaten, nachdem daS Urteil rechtskrästig geworden ist. Von dieser Vorschrift kann Befreiung bewilligt werden.— L. Thomas, Oranicn« strag« ISO. Oranienplatz; Roien- thalcrstratze SX.____ teSOfl* Wenig getragene Winterpalctöts, Anzüge, chchrockanzüge. 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