Pr. 274. Ndsnnemenk-keöinzlmgen: IwoniiementS> Preis pränumerando i Liertcljcihrl. 3P0 M?., nionoll. 1,10 Mk„ wöchentlich Sx Pfg. frei ins Hans. Einzelne Kummer S Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sanntags- Beilagc»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Kbomiement: 1,10 Mar! pro Monat. Einactragc» in die Post-ZeitungS- Preislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» L Mark, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. eil»«»» lsgllch auSer fiJentags. Verlinev Volksblstkl. Die Tnf«rt1onS'6eliflftf gefragt für die sechsgespaltene Kolonel» zeilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Bereins- und Bcrsammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Klcfne Snrcigen", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müsse» bis S Nhr nachmittags in der Expedition Abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdemhlirat Rcrl«", Zentralorgan der rozialdernoftrati fchen Partei Deutfditandd. RedaNtion: SM. 68» Ltndcnstras9C 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mitttvoch, den 23. November tttlO. Expedition: SM. 68, I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. versaiiungsliämpfe. Während schon die Vorlagen der Regierung zur Geißelung ihrer reaktionären Tendenz herausfordern, drängt sich dem Reichstag gleichzeitig die Pflicht auf, Herrn v. B e t h ni a n n H 0 l l w e g und seine Ministeriellen Gehilfen zur Verant- Wartung zu ziehen wegen des gesamten Getriebes ihrer Politik im Jnlande und Auslände. Dabei haben wir mit der erstaunlichen Tatsache zu rechnen, daß der sogenannte„leitende" Staatsmann des Deutschen Reichs, trotzdem er über ein Jahr ini Amte ist, bis heute noch kein greifbares und klar erkennbares Regierungs- Programm verkündet hat. Er hat sich bisher bei den ver- schiedenen Gelegenheiten, die ihm geboten waren, entweder völlig ausgeschlvicgen oder sich in nebelhaften Gemeiilplätzen ergangen, die unkritischen oder wohlwollenden Leuten philo- sophisch vorgekommen sind. Auch der findigste Rätselrater könnte aus den Reden deS Herrn v. Bethmann Hollwcg nichts heraussinnieren, was einem Programm ähnlich sieht. Von Taten, durch die er für sich reden ließe, ist auch nichts zu spüren geivesen. WaS bisher unter seiner Leitung geschehen ist, waren eigentlich nur ererbte Geschäfte aus der Zeit seines Vorgängers. Mit der ererbten preußischen Wahlresorm ist er obendrein kläglich ge- scheitert. Beurteilen kann nian ihn also eigentlich nur nach dem, was er hat geschehen lassen. Und da springt es auffällig in die Augen, daß während seiner Kanzlerschaft die absolutistischen Bestrebungen, die eine Zeitlang zurückgetreten waren, nunmehr um so ungenierter geltend gemacht werden. Gleichzeitig machen sich die industriellen Scharfmacher eifriger als je ans Werk, mit Hilfe einer willfährigen Beamtenschaft den Arbeitern die Ausnutzung des Koalitionsrechts und sogar des Vereins- und Versammlungsrechts zu verkümmern. Wenn irgendwo, gilt bei diesen Vorgängen dem allein ver- antwortlichen Minister im Deutschen Reich, dem Reichskanzler gegenüber die Anwendung des Wortes:„Wer schweigt, e r!v e ck t den Anschein der Zustimmung." Herr v. Bethmann Hollweg läßt die Dinge gehen, wie sie wollen, er schweigt, wo er reden, wo er kraft seiner verantwort- lichen Stellung Einspruch erheben müßte, also billigt er sie. Er billigt die von absolutistischem Geist erfüllten Kund- gedungen Wilhelms IL, er billigt die Scharfmacherpraktiken, die politische Reaktion in allen ihren Betätigungen, wie er ja als Handlanger der agrarischen Wirtschaftspolitik bei der Durchdrückung der Steuerreform des Schnapsblocks in den Kanzlersessel hinaufgerutscht ist. Aber wenn man sein ängstliches Schweigen mit Fug und Recht so deuten kann, so ist damit die Sache für die Ocfsentlichkeit noch nicht erledigt. Will Herr v. Bethmann der Kanzler der gottgewollten Abhängigkeit von allen reaktionären Einflüssen sein, so soll er sich dazu auch bekennen. Und da er nicht von selbst den Mund' auftut. muß der Reichstag ihm die Zunge lösen. Die Sozialdemokratie hat deshalb beschlossen, durch eine I n t e r- pellation über die Aeußerungen des Kaisers in 5!önigsberg die Verfassungsfrage aufzurollen. Unsere Redner wenigstens werden getreu unseres bewährten Grundsatzes sich beniühen, auch diesmal„auszusprechen, was ist'. Es muß das aber dann zu der interessanten Probe führen, ob die bürger- lichen Parteien heute noch auch nur dasjenige Maß von Wahrung der Volksrechte aufzubringen wissen, zu dem sie sich im Jahre 1903 noch bekannt haben. Von den Freisinnigen angefangen, bis hin zu dem Wortführer der Konservativen, Herrn v. Heydebrand und der Las a. Verschiedene Anzeichen deuten allerdings daraus hin, daß den Konservativen und ihren Verbündeten jene konstitutionellen Anwandlungen bereits leid geworden sind. Dem Zentrum sind die Worte, die Kaiser Wilhelm II. im Kloster Neuron gesprochen hat, eingegangen wie Honigseim. Die Aus- ficht, bei dem Kampfe für Thron und Altar der Kirche neue Mochtbefugnisse zuschanzen zu können, ist jedenfalls verlockend genug für die Zentrunispolitiker. um ihnen eine veränderte Haltung der 5lrone gegenüber zweck- mäßig erscheinen zu lassen. Aber auch kaum auf die Lide- r a l e n, die entschiedenen wie die unentschiedenen, ist mit Sicherheit zu bauen, trotzdem sie mittlerweile sehr wider ihren Willen in eine Oppositionsstellung gegenüber der Regierung hineingedrängt worden sind. Hat doch die schwankende Haltung der Nationalliberalen den Offiziösen den Mut ge- geben, sie als Futter für eine Bethmannsche Samrnlungs- Politik zu behandeln. Doch niögen die bürgerlichen Parteien sich stellen, wie sie wollen, die Sozialdemokratie muß unablässig die Umgestaltung von Reich und Staat zu wirklich demokratischen Gemeinwesen betreiben, in denen Ernst gemacht wird mit dem Parlamenta- rismus. So stehen die kommenden Auseinandersetzungen im Reichs- tag denn auch im engsten Zusanimenhang mit den Wahl- r e f 0 r m b e st r e b u n g e n, die in den Einzelstaaten, Preußen voran, erst ein dem Reichstagswahlrecht mindcsteusgleichwertigcs Wahlrecht zu erkämpfen." Die Versassungskämpfe im Reiche sind auch nur richtig zu verstehen als Teil der Umgestaltung unserer sämtlichen Staatseinrichtungen aus bureaukratischen zu wirklichen Selbstverivaltungskörperschaften. Es bleibt ja den Auseinandersetzungen bei sonstigen Gelegenheiten der Nachweis vorbehalten, wie schädlich dieses bureaukratische Regieruugssystem in seiner agrarischen Politik auch auf die auswärtigen Beziehungen Deutsch- lands einwirkt. Um nur ein naheliegendes Beispiel zu er- wähnen, wird der Abschluß günstiger Handelsverträge mit dem Ausland aufS äußerste dadurch erschwert, daß die amtierende Bureaukratie den Agrariern und den Schlotbaronen zu Liebe die Einfuhr möglichst zu erschweren sucht und eine künstliche Viehsperre schafft. Wie ja auch das geplante S ch i f f a h r t s- g e s e tz direkt gegen die Verträge mit ausivärtigen Staaten verstößt und dadurch unsere Beziehungen zu ihnen schädigt. Wo man die Reichspolitik auch' anpackt, sie ist schadhaft und brüchig. Ein Gesundungsprozeß kann nur eingeleitet werden, wenn das gesamte Negier ungssy st em von Grund auf umgestaltet wird. Von dem gegen- wärtigen Reichstag ist zwar Ernstliches nicht zu erwarten. Ilm so mehr muß darauf hingewirkt werden, bei den bevorstehenden Neuwahlen eine Vertretung in den Reichstag hinein- zubringen, die den Kampf dafür aufnimmt, daß das deutsche Volk endlich selbst über seine Geschicke ent- scheidet._ (Partes- und Streitzgelchichte». Die Dienstags-> Verhandlung des Moabiter Prozesses war vorwiegend der Auseinandersetzung der Verteidigung mit den Scharfmacherfabeln gewidmet, die in der Anklageschrift ihren Nieder- schlag gefunden hatten. Es waren allerdings nur noch traurige Trümmer da— die Aussagen der Genossen Th. Fischer und Werner hatten das Gerüst der fragwürdigen Konstruktion, die die Sozial- demokratie und die Gewerkschaften der Urheberschaft des„Aufstandes" beschuldigt, schon fast völlig zerschlagen. Die klaren, bündigen Er- llärmigen der Partei- und GeweikschaftSfuuktionäre besorgten heute den Rest so gründlich, daß das Gefühl allgemein ist, die Staats- anwallschaft werde die gänzlich unhaltbar gewordene Position räumen müssen. Uebcr allen Zweifel ist nun die, freilich für alle Einsichtigen und einigermaßen mit der Arbeiter- bei.»g Vertrauten selbstverständliche Tatsache festgestellt, daß der Strelt bei Kupfer u. Co. nicht vom Verband der Transportarbeiter gemacht wurde, sondern daß er der Initiative der Arbeiter ent- sprang, und daß der Transportarbeiterverband sich stets bemüht hat. einen friedlichen Ausgleich herbeizuführen. Und aber- und abermal ist für alle, die es hören wollen, gesagt worden, daß die Sozial- demokratie nicht so dumm ist, durch Putsche oder sinnlose Angriffe aus die Polizei eine Förderung ihrer Sache zu erwarten, daß sie den gesetzlichen Weg geht und Straßemmruhen als der Ausbreitung ihrer Bestrebungen schädlich verwirft. Womit natürlich nicht gesagr ist, daß unsere Partei etwa darauf verzichtet, dem Staatsstreich gegenüber das Notwehrrecht zu gebrauchen I Genosse Ströbel erhielt auch Gelegenheit, zu zeigen, daß die Haltung deS„Vorwätts" zu den Vorgängen in Moabit und zu denen im Weddingviertel durchaus keinen Widerspruch aufweist, daß der kühne Schluß, die Sozialdemokratie sei für die Vorfälle in Moabit verantwortlich, weil sie eine War- nung vor der Beteiligung an Ansgmmlnngen am Wedding erließ, völlig in der Luft schwebt. Einen Mann von reinstem kapitalistischen Zuschnitt bekam man in dem Geschäftsführer der Finna Kupfer u. Co.. dem Bevollmäch- tigten des Herrn StinneS zu hören. Die ganze Unfähigkeit des Unternehmers, daS Empfinden und die Anschauungen seines Anta- gonisten, des Proletariers zu verstehen, trat in seiner Aussage klar zu tage. Herr Buichmeier begreift eS nicht, daß Alkordarbeiter, die für sich keine Lohnforderungen stellen, um der Sache ihrer schlechter gestellten Kollegen, die im Zeitlohn stehen, wegen am Streik teil- nehmen, etwas, daS für jeden klassenbewußten Arbeiter etwas Selbst- verständliches ist. Der Begriff der Solidarität ist eben für den Unternehmer nur schwer zu begreifen. Der Verteidiger Dr. Cohn wußte in sehr launiger Weise durch den Zeugen selbst den Beweis zu führen, daß die Arbeiter, wenn sie den Preis ihrer Arbeitskraft zu steigern suchen, nur dasselbe tun, was die Unternehmer und was speziell Herr StinneS in seiner Sphäre tut, nämlich die Konjunktur fiir sich ohne Rücksicht auf entgegenstehende Jnlereffen auszunutzen. Interessant war ferner als Ergebnis dieser Befragung, daß den auf dem Kohlenhofe stationierten Polizeibeamten von der Firma Kupfer Bier und Stullen geliefert wurden; ob diese Auslagen der Firma wieder zurück- erstattet worden sind, das wurde nicht aufgeklärt. Nebenbei zeigte sich an der Aussage deS Herrn Geschäftsführers in eklatanter Weise, wie gefährlich eS ist. nach den Berichten zu urteilen, die jemand von den Aeußerungen anderer Personen gibt. Die Behauptung, daß der Lagerverwalter des Kupferschen Kohlenhofes I während des Streiks von seinen Lebensmittellieferanten boykottiert worden sei, reduzierte sich, als der angeblich Boykottierte selbst vernommen wurde, dahin, daß sich die Lieferanten geweigert, ihm Waren über seinen persönlichen Bedarf hinaus zu liefern, da sie annahmen, daß diese für die Verpflegung der Streikbrecher bestimmt wären. Den Schluß machte diesmal ein Zeuge der Staatsanwaltschaft, der wirklich ein Belastungszeuge war. Herr Schulze hat allerdings etwas sonderbare Beobachtungen gemacht. Schutzleute, die sich ruhig Steinwürfe gefallen lasten, sind eine Erscheinung, die an den Glauben der Mitwelt etwas zu große Ansprüche stellt. Der Vorsitzende machte heute die Mitleilimg. daß neun Zehntel deffen, was verhandelt wird, für daS Gericht ganz unerheblich ist, daß eS nur durch die Strafprozeßordnung gezwungen ist, das alles anzuhören. Ein pikanter Zug ist eS, daß dieser Vorstoß gegen die Strafprozeßordnung nach dem gestern von uns gekennzeichneten Artikel der„Kreuz-Zeiwng" erfolgte, noch pikanter aber, daß die Aeußerung nach einer Frage der Staatsanwaltschaft fiel, die von der Verteidigung beanstandet wurde. Sie Bahlen in den vereinigten Staate». New Jork, 9. November.(Eig. Ber.) Auch in den Vereinigten Staaten marschiert die sozia- lissische Bewegung vorwärts, wie die überraschenden Erfolge und das glänzende Wahlergebnis des gestrigen Tages be- weisen. In MilwauÜce im Staate Wisconsin, das in der Person des Genossen Seidel einen sozialistischen Bürger- mcister hat und wo die Sozialisten die Mehrheit im Stadtrat haben, wurde Genosse Viktor Ber g er zum Kongreßmitglied ' erwählt, und mit ihm zieht der erste sozialistische Vertreter in das nationale Repräsentantenhaus ein. Die ersten Depeschen hatten auch den Sieg unserer beiden sozialistischen Kongreß- kandidaten G a y l 0 r d in Milwaukee und Bachmann in Columbus, Ohio, gemeldet, aber diese Meldungen erwiesen sich als falsch. Beide unterlagen ihren republikanischen Gegnern, Gaylord mit nur wenigen Stimmen. In die Staatslegislaturen entsendet die sozialistische Partei eine ganze Anzahl Abgeordnete. Soweit Resultate vorliegen, wurden erwählt Genosse Maurer in Reading, Staat Peunsylvanien, und wahrscheinlich auch Genosse Heß, Genosse Dr. B 0 s w 0 r t h in Elkins, Staat West-Virginia. Genosse Lawrence, Vicepräsident des Bergarbeiterver- bandes, in Herrin, Staat Illinois, Genosse Merrill in Haverhill, Staat Massachusetts, und die Genossen Gilboy, Metcalf, Hahn, Vint, Bcrner, Kahn, Brockhausen, Binner, Klenzendorf, Katzbau, Kiefer und Weber in Milwaukee, Staat Wisconsm. In Milwaukee, der Hochburg der Sozialisten, siegten außerdem sämtliche sozialistischen. County-Kandidaten. Die Erwählten sind Martin Plehn, County-Clerk, Willionl A. Arnold, Sheriff(Vollzugsbeamter), Jakob Hunger, Registrar, Charles B. S ch m i d t, County-Schatzmeistcr, Dr. H. L. N ah ich. Coroner(dem die Untersuchung plötzlicher Todesfälle und tödlich verlallfenier Unfälle zusteht), W. C. Zabel, Distriktsanwalt(Staatsanwalt), und Dr. C. W. J) 0 u n g, Gerichtsschreiber. Die Stimmenmehrheit unserer Genossen über ihre republikanischen Gegenkandidaten im County schwankt zwischen 2000 und 5000 Stimmen. Zu den aufgezählten Erfolgen kommen noch eine große Anzahl Siege in kleineren Städten und Gemeinden, die Erwählung von Friedensrichtern, Superrevisoren usw. Ebenso erfreulich wie diese direkten Erfolge ist der be- deutende S t i m m e n z u w a chs im Osten und im Westen, im Norden und im Süden, in Industriestädten und unter der Landbevölkerung. Während bei den letzten allge- meinen Wahlen(Präsidentschafts- und Kongreßwahlen) im Jahre 1908 die Sozialisten es auf 425 000 Stimmen in den» Vereinigten Staaten brachten, ist gestern trotz einer ungemein schwachen Wahlbeteiligung die sozialissische Stimmenzahl auf etwa 700000 gestiegen, möglicherweise noch höher. Einzelne Resultate(die Ziffern in Klanunern sind die sozio- listischen Stimmen im Jahre 1908) seien hier angeführt: Staat Connecticut 10 707(5113), Bridgeport. Conn. 2593 (644), Menden, Conn. 644(207), Waterbury, Conn. 961 (527), New Häven 1315(831), Columbus(Ohio, ein Kongreß- distrikt) 10 927(1200), St. Mary. Ohio 311(28). Warren, Ohio, 412(137), Minneapolis, Minnesota, 11 753(1000), Oakland, Ealifornicn, 5705(3642), San Francisco! 9503 (2013), Los Angeles, Californien», 10 000(3047). Lym, County. Kansas, 754(120), Rochester, Pennsylvanien, 1480 (622), Lock Häven, Pennsylvanien, 1100(305), Paterson, New Jersey, 819(413). Gleich günstig lautende Teilrestiltate liegen aus den Großstädten des Landes, wie Philadelphia und St. Louis, vor. Weniger befriedigend ist das Resultat der Stadt New Jork. Zwar hat die Partei die Scharte des Vorjahres ausgewetzt und heuer die Stimmenzahl auf über 27 000 erhöht(im Jahre 1908 waren es über 23 000 und im Jahre 1909 etwa 12000), aber angesichts der größeren Hilfs- mittel der Partei in Neiv Jork— es erscheinen hier drei Tageszeitungen und etliche Wochenblätter— bleibt das Ergebnis hinter dem anderer Großstädte zurück. Hingegen hat sich der Staat New Jork gut gehalten. In der Industrie- ftadt Schenectady und den Vororten schnellte die Zahl der sozialissischen Stimmen von 835 im Jahre 1908 auf 2850 in die Höhe, in Syracuse von 1116 auf 2200. Und was den Erfolgen der sozialistischen Partei und den' Wahlziffern eine erhöhte Bedeutung gibt, ist die daraus er-' sichtliche wachsende Abkehr der Arbeiter von der von G 0 m p e r s gepredigten Politik und die allgemeine Wirkung auf die amerikanischen Arbeiter. Ihnen liefert der Ausfall! der Wahl den� schlagenden Beweis, wie grundfalsch ihre von Kleinmut diktierte Ansicht gewesen ist, daß gegen die söge- nannten großen Parteien aufzukommen unmöglich und des- halb ein Eintreten für die Sozialisten gleichbedeutend mit dem „Wegwerfen der Stimme" sei. Auf diese Schichten werden die Erfolgs in Milwaukee und anderwärts und die über- raschende Stärke, welche die sozialistische Beivegung allent- halben entwickelt hat, einen heilsamen Einfluß ausüben. Ihre angesichts des„historischen Zweipartciensystms" scheinbar berechtigte Auffassung von der Aussichtslosigkeit der sozio- listischen Bewegung hat einen tödlichen Stoß erlitten. Das Eis ist gebrochen,»ich mit Recht bezeichnet unser eng- lischoZ ParkeiorFan„Nie Call" die Erfolge 5er Parkei Ulr5 t>en Einzug Viktor Borgers in den BundeskongrrH als den Beginn einer neuen und hoffnungsvollen Aera in der Ge- fchichte dcS amerikanischen Sozialismus. » Ten Demokraten brachte der 8. November den erhofften Sieg. Ihre Demagogenkunststücke, die geheuchelt« Mrsorge für die kleinen Leute, die schwer unter der Teuerung seufzen, die versprochene Revision des Zolltarifs haben ihm Wirkung nicht verfehlt. In New Kork, New Jersey, Connecticut. Massachusetts werden die republikanischen Gouverneure durch demokratische abgelöst. Das R e p r ä s e n- t a n t e n h a u s des Kongresses, das bisher eine große repu- blikanische Mehrheit hatte, wird künftig» ans 225 Demo- traten, 165 Republikanern und 1 Sozialisten zusammengesetzt sein. Und da die Demokraten auch die Mehrheit in einer Reihe Staatslegislawrcn erlangten, die die Bundessenatoren zu erwählen habeic, wird die republikanische Mehrheit im Senat von 25 auf 12 reduziert. Nunmehr werden die Demokraten zu beweisen haben, in- wieweit es ihnen mit ihren Wahlversprechungen ernst war. Zunächst müßte der Kongreß die Herabsetzung oder Aufhebung der hohen Zollsätze auf alle Lebensmittel und Massenbedarfsartikel vornehmen, und da Sparsamkeit in« Bundeshaushalt und ein energisches Frontinachcn gegen die von den Republi- kanern geübten Extravaganzen mit das Feldgeschrei der Demokraten bildeten, müßten Militarismus und na- mentlich Marinismus bedeutend beschnitten werden. Wir befürchten, daß die Wcchlermassen in dieser Hinsicht ebenso bitter enttäuscht werden wie jene Arbeiter und Gewerkschafter, welche in der Hoffnung auf eine bessere Berücksichtigung ihrer Interessen in den gesetzgebenden Körperschaften Demokraten gegen die Republikaner heraus- hauen halfen. Denn der Sieg der demokratischen' Partei bedeutet keinen Sieg des Fortschritts, sorrdern einen Triumph der reaktionären Mächte und des kapita- l i st i s ch e n E i n flu s s e s. Die neuerwählten demokratischen Gouverneure in Connecticut, New Aork, Massachusetts, New Jersey und jener in Ohio sind konservativ und reak- t i o n ä r. Und Roosevelts Niederlage im Staate New Dork ist zurückzuführen auf das Bündnis zwischm den reaktionärsten Elementen seiner eigenen Partei mit den durch und durch reaktionären Demokraten. Bedürfte es noch eines Be- lveises, so lieferten ihn die heutigen Kommentare der kapita- listischen Zeitungen, die fast allesamt, ohne Rücksicht auf ihre sonstige Parteistellung. die demokratische Partei unterstützten. So bezeichnen«Sun".„Times".„Herald" usw. unter Seiten- hieben auf Roosevelt und dessen„neuen Nationalismus" das Wahlergebnis als einen Meinungsausdruck der Bevölkerung gegen alle Neuerungen und gegen Beschränkungen des„Gc- schäfts" oder besser gesagt des Profits und der kapitalistischen Willkür und feiern die demokratischen Gouverneure Dix, Wilson. Harmon, Baldwin, die ausgesprochene Arbeiterfeinde sind, als hervorragende Staatsmänner, von denen das„Ge- schüft" keine Beunruhigung zu befürchten habe. Bon dieser Sorte Demokraten hat die Arbeiterschaft nichts Gutes �u erwarten. Uird deshalb wird sich die demokratische Partei weit rascher abwirtschaften, als die republikanische es getan hat. Und' der lachende Dritte ist nicht mehr ein Hearst, dessen Rolle jetzt ganz ausgespielt ist, sondern die mächtig aufstrebende sozia- kistischePartei._ politilcbe Ücbcrlicbt. Berlin, den 22. November 1910. Die Beseitigung von Kadavern. Aus dem Reichstag, 22. November. Mit der Ehrung der im Laufe der Ferien verstorbenen Reichstags- abgeordneten und der Erledigung einer Anzahl von Forma- litäten eröffneten die zahlreich erschienenen Reichstags- abgeordneten die Arbeiten der Wintertagung, um dann die erste Lesung von drei kleineren Gesetzentwürfen schnell hinter- einander zu erledigen. Mit kurzen Worten wurde die „Aenderung der Gerichtskosten" einer Kom- Mission überwiesen, da es sich dabei nur um Folgen der Aenderung der Strafgesetze handelt. Nicht mehr Zeit erforderte der Gesetzentwurf betreffend„S ch u tz des zur Anfertigung von Äeichsbauk- noten verwendeten Papiers". Eingehender wurde die Debatte indes bei der Vorlage zur Beseitigung von Tierkadavern. Es haben sich Mißstände herausgestellt dadurch, daß bisher nur Kadaver von den an Seuchen eingegangenen Tieren zerstört werden mutzten, während die Kadaver von Tieren, die auf sonstige Weise zu Tode kamen. die Lust verpesten oder gar in unzulässiger Weise als Nahrungsmittel verivandt iverden konnten. Dem will der Gesetzentwurf vorbeugen, indem er auch für die Unschädlichmachung dieser Kadaver Vorschriften erläßt. Im Prinzip waren alle Parteien damit einverstanden, nur wurden auch hierbei einige agrarische Schmerzen vor- gebracht. Schließlich folgte das Haus einer Anregung des Genossen Scheidemann, auch diese Vorlage einer Koni- Mission von 14 Mitgliedern zu überweisen. Man könnte ein glückverheißendes Symbol darin erblicken, daß der Reichstag sich zunächst mit der Beseitigung von Kadavern befaßt. Denn es wäre eine der schönsten und würdigsten Aufgaben für den Reichstag, auch aus unseren« Staatswesen alle die Kadaver zu beseitigen. die die Lust unseres öffentlichen Lebens verpesten: die Kadaver feudaler und absolutistischer Einnchtungen. Leider fehlt dem jetzigen Reichstag sowohl der Wille wie die Skrast. Hat ihn doch selbst, da offenbar die Mehrheit der Wähler längst nicht mehr hinter ihm steht, bei lebendigem Leibe bereits der Tod erfaßt. Und er ist nicht einmal mehr wie Heines„Mouche" eine „schöne Leiche". Auf die morgige Tagesordnung werden geschäftSordnungs- gemäß die eingebrachten Interpellationen gesetzt und zwar eine sozialdemokratische wegen der Lebens- mtttelteuerung. worauf auch eine gleichzeitig ein- gebrachte konservative sich bezieht; dann eine sozial- demokratische wegen der jüngsten Kaiserreden. Ob indes morgen schon in die Erörterung dieser Fragen ein- getreten werden kann, hängt davon ab, ob die Regierung gleich antworten will, oder ob sie einen späteren Termin dafür bestimmt._ Der Kampf um das Landtagsmandat in Breslau. Am Montag fanden in Breslau die Wahlmännerwahlcn für die Wahl eines neuen LandtagSabgeordnetcn an Stelle des verstorbenen Zentrumsabgeordneten Zteschü statt. Es wurde jedoch nicht eine völlige Erneuerung der Wahlmanner vorgenommen, sondern nur 641 von den 1731 Wahlmänuern nengewählt. Von diesen 641 Neugewählten kommen, so weit sich feststellen läßt, auf unsere Partei 19 3. auf die Liberalen 175, auf die Konservativ-Klerikalen 273. Mit Einschluß der alten Wahlniänner verfügt jetzt die sozialdemokratische Partei über 361(früher nur 309) Wahlmänner, die liberale über 527, die konservativ-klerikale über 843. Es hat demnach bei der Abgeordnetentvahl am 5. Dezember eine Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei, Handelskammersyndikus Dr. Ehlers und dem Zentrums- kandidaten Kaufmann Vogel stattzufinden, bei der unsere Partei den Ausschlag gibt. Beachtenswert ist die Znnajjme der sozialdemokratischen Wahlmänner und der relative Rückgang der konservativ- klerikalen. Bei der letzten Wahl(im Juni 1908) war nämlich das Wahlresultat nach der„Vresl. Ztg." folgendes: „Bei der Wahl sim Juni 1S03 waren zu wählen 1731 Wahl- Männer. Davon kämen nicht zustande die Wahlen von 24 Wahl- Männern, es wurden demnach wirklich gewählt: 1707 Wahl- männer. Hiervon wurden am Wahltage für ungültig erklärt 23 Mandate, eS blieben übrig wahlberechtigte Wahlmänner 1084. Hiervon wählten am Tage der Abgeordnetenwahl tatsächlich: konservativ-tlerikal 844, liberal 47g, sozialdemokratisch 803, zer- splittert 1. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 1632. ES fehlten demnach bei der Wahl 62 Wahlmänner. Bei 1632 abgegebenen Stimmen betrug die absolute Mehrheit 317 Stimmen. Da die Konservatäv-Klerikalen 844 Stimmen auf jeden ihrer Kandidaten vereinigten, so zählten sie 1908 nur 27 Stimmen über die absolute Mehrheit. Diese Mehrheit wäre schon damals höchst zweifelhast gewesen, wenn die 62 fehlenden, gewählten Wahlmänner zur Slelle gewesen wären, denn diese Wahlmänner gehörten durchweg den Liberalen an, da die konservativ-klerikalen Wahlmänner vollzählig zur Stelle waren." Die sozialdemokratische Reichstagsfraktton hielt am Dienstag vormittag ihre erste Sitzung in der wieder be- gonnenen Session ab. Genosse Singer begrüßte zunächst die neu eintretenden Mitglieder, die Genossen Göhre, Keil, Faber. B u s o l d und K u n tz e. Der Fraktionsvorstand wird in seiner bisherigen Zusammensetzung belasten. Für den abwesenden Genosten ©übe tum wird Genosse Göhre in die Wertzuwachssteuer- konimisston delegiert. 1 Die Fraktion erhebt als drittstärksie Partei Anspruch auf die Stelle des 2. Vizepräsidenten.-- Ferner wird die Fraktion darauf dringen, daß ihr eine stärkere Vertretung in den Kommissionen eingeräumt wird.— Zu dem Gesetz über die Schiffahrtsabgaben werden als Redner Dr. Frank und Stolle bestimmt. In den Seniorenkonvent tritt Genosse D i e tz mit ein.— Für die im Reichstagsbericht mitgeteilte Interpellation über die Lebensmittelteuerung wurden die Genoffen Emmel und Hildenbrand als Redner bestimmt. Zur JnterpellationüberdieletztenKaiserreden werden die Genossen Ledebour und David sprechen.— Die Fraktion nahm ferner Stellung zu der Notlage der Tabak- und Zündholzarbeiter. Da die Geschäftsordnung des Reichstags nicht gestattet, schleunige Anträge auf Ncichsunterstützung dieser durch die letzte Finanzreform geschädigten Arbeiter einzubringen, beschloß die Fraktion, in der Budgetkommission bei erster sich bietender Gelegenheit die Einstellung von Mitteln für Unterstützung dieser Arbeiter zu beantragen. Wer wird zweiter Vizepräsident des Reichstags? Zur Frage der Besetzung deS Postens des zweiten Vizepräsidenten im Reichstage weiß eine hiesige halbosfiziöse Korrespondenz zu be- richten, daß die Reichspartei geneigt ist, wieder einen Kandidaten aus ihren Reihen zu stellen und Verhandlungen mit bestimmten Personen bereits angeknüpft sind. ES dürste allerdings schwer halten, einen Kandidaten schnell zu finden, da der Posten nur als AnSbilfSstellung bewertet wird und somit keine große Anziehungskraft ausübt. Doch dürfte sich Herr v. D i r k s e u bereit erklären, den Posten zu übernehmen, wenn gewisse Bor- bediugungen erfüllt werden. Also Herr v. Dirksen will QerlegenheitS-Lückenbüßer spielen. lieber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten. Zur Fleischnot. Nach einem Berliner Telegramm der.Köln. Ztg." scheint die ReichSregiening der bayerischen Anregung auf eine Erleichterung der Einfuhr von Vieh auS Dänemark Folge geben zu wollen. Die Reichsregierung ist nach dieser Meldung der Ansicht, daß Ländern, die im wesentlichen als seuchenfrei gelten. Erleichterungen gewährt werden können. Zu diesen Ländern gehören Frankreich und Däne- mark. Auch Holland könne dabei in Frage kommen. Dagegen kann die Einfuhr auS Oesterreich-Ungarn nicht gestattet werden, weil die Voraussetzung der Seuchenfreiheit dort nicht gegeben sei. Die Frage der Versorgung mit gefrorenem Fleisch unterliegt gegcnwärttg noch der Prüfimg; die Einfuhr von solchem Fleisch ist aber nur möglich durch einen Akt der Reichsgesetzgebung. » Der Münchener Magistrat zur Fleischnot. Auf einen sozialdemokratischen Antrag beschloß der Münchener Magistrat am DienStag einstimmig, bei der Regierung erneut vor- stellig zu werden, damit diese Schritte uuternilnmt, um eine Er- Mäßigung oder völlige Aufhebung der Zölle auf Vieh und besonders auf Fleisch herbeizuführen. In der Debatte erklärte ein ultra- montaner RechtSrat, eS würde nichts schaden, wenn das Fastengebot für Katholiken auS religiösen und von anderen Leuten aus hygienischen Gründen mehr beachtet würde. « Dem Bundesrat und den eiuzelstaatlichen Ministerien ist eine amtliche Deickschrist zur Fleischversorgung Deutschlands zugegangen. Die.Post" erfährt auS dieser Denkschrift, daß der Verfasser, Geheimer OSerregierungsrat Fleischer, sich in der Hauptsache mit der Frage befaßt hat, wie der Viehstand Deutschlands gehoben werden könne. Der Verfaffer hat berechnet, daß es in Deutschland etwas über eine Million Hektar unkultivierten Moorboden gibt, und er führt dann aus, wenn diese Flächen als Wiesen kultiviert werden, daß dann jährlich 162 Millionen Doppelzentner Heu gewonnen würden, womit man jährlich 2 408 780 Stück Großvieh mehr als jetzt ernähren könne. Was diese Rechnung soll, ist nicht recht zu verstehen, die Re- gierung kann sich doch unmöglich der Hoffnung hingeben, daß die Masse deS deutschen Volkes, die unter der heutigen Teuerung schwer zu leiden hat, sich beruhigen wird, wenn man ihr vorrechnet, daß unter gegebenen Umständen, die in langen Jahren eintreten können, 2 408 700 Stück Großvieh mehr als jetzt gezüchtet werden können. Gegen die städtischen Nahrungsmittelsteuern. Einen raschen Erfolg haben die Vorstände des Sozialdemokra- tischen Vereins und des Kartells der Freien Gewerkschaften in Mülhausen i. E. mit einem Aufrufe gehabt, den sie gegen die WeitereytriHtung des Oktrois auf Wild und Geflügel erlassen haben. Dieses Oktroi ist, Sie berichkel, durch lkrleil LeS Oberlandesgerichts Colmar vom 14. Oktober auf Grund des ReichsgesetzcS von 1302, das für den 1. April 1910 die städtischen Verbrauchssteuern aus Fleisch und Vieh verbietet, für aufgehoben erklärt worden; die Stadtverwal- hingen von Metz, Saargemünd. Markirch und Mül- hausen i. E. erklärten jedoch öffentlich, daß sie das Oktroi auch auf Wild und Geflügel wie bisher weiter erheben würden, da sie auf„anderem Standpunkt" als dieses Oberlandesgerichtsurteil ständen und erst den Ausgang eines von der Stadt Straßburg gegen dortige Wildbrethändlcr angestrengten neuen Prozesses, der bis zum Reichsgericht geführt werden soll, abwarten wollten. Indessen ist das Urteil des Oberlandesgerichts Colmar vom 14. Ok° tober d. I., gegen welches infolge zu niedrigen Streitwertes die Revision nicht zulässig ist, die rechtskräftig gewordene Entscheidung des höchsten Gerichtshofes im Lande, die Weitererhebung des Oktrois aus Wild und Geflügel aber ist nach dieser Entscheidung gesetzwidrig; und so forderten denn die genannten beiden Vorstände die gesamte Einwohnerschaft der Stadt Mülhausen in öffent- lichem Aufrufe aus, die Weitcrentrichtung dieses gesetzwidrigen Oktrois kurzweg zu verweigern. Der Aufruf fand ein so leb- hafteS Echo, daß die verstärkte Finanzkommission deS Gemeinde- rats von Mülhausen schon drei Tage darauf, aml Dienstagabend, zusammentrat und mit großer Mehrheit die sofortige Auf- Hebung des Oktrois auf Wild und Geflügel beschloß,— allerdings nur für solange, bis das Reichsgericht in der Angelgenheit entschieden haben würde. Von den oktroierhebenden Gemeinden Elsatz-Lothringeus wird auf Geflügel und Wild jetzt yur noch in Metz, Saargemünd und Markirch Oktroi erhoben. In Straßburg und Colmar wird das Oktroi auf Beschluß der Gemeinderäte allerdings nur„g e st u n d e t", d. h. die Oktroi- betrüge werden, soweit nennenswerte Beträge in Betracht kommen, aufnotiert, um für den Fall, daß das Reichsgericht entgegen dem Oberlandesgericht sich für die weitere Geltung des Oktrois aus- sprechen sollte, später nacherhoben zu werden. Dieser Beschluß auf „Stundung" ist v o l k s w i r t s ch aftl ich soverkehrt wie möglich: er berechtigt die Händler, mit dem Hinweis auf die Eventualität der späteren Nacherhebung den Preisaufschlag um den Betrag des Oktrois zu verweigern, und läuft somit für Wochen und vielleicht Monate auf ein G e s ch e n k an die Händler hinaus, falls, wie zu wünschen ist, das Reichsgericht sich ebenfalls auf den Standpunkt des Urteils des Oberlandesgerichts Colmar stellt. Professor Häckels Austritt aus der evangelischen Kirche. Wie aus Jena gemeldet wird, hat Professor Ernst Höckel seinen Austritt aus der evangelischen Kirche erklärt. Ein Berliner Mittags- blatt hat ihn telcgraphisch um die Angabe der Gründe ersucht, die ihn zu seinem Austritt bestimmen. Professor Häckel hat daraufhin geamworlet:.Die Ueberzeugung, daß die Treuuung von Kirche und Staat, ebenso die Trennung von Kirche und Schule zu einem immer dringenderen Kulturgebot wird; ferner die zunehmende politische Reaktion durch den überwiegende« Einfluß des schwarz-blauen Blocks; die zwangsweise Erziehung zur religiösen Heuchelei; endlich die persönliche Empörung über die fortgesetzten jesuitischen Anklagen der klerikalen und konservativen Presse gegen die angeblichen Fälschungen von Embryonenbildern." Mandatsmüde? Der Zentrumsabgeordnete Dr. P i ch l e r scheint seine Tätigkeit auf den bayerischen Landtag konzentrieren zu wollen. Er bat Montag in einer VertrauenSniännerversanmilung in Passau erklärt, daß er kein Reichstagsmandal mehr annehme, da ihm zwei Mandate zu beschwerlich seien. Ein literarischer Bravo. Herr Andreaj NiemojewSki, der Freidenker und Judenhetzapostel, dem wir in Nr. 266 unseres Blattes auf die unsauberen Finger klopfen mußten, veröffentlichte in Nr. 15 der Frankfurter Zeitschrift „Das freie Wort" einen Artikel gegen unS unter dem Titel„An die Adresse deS Vorwärts", eine Schimpfepistel. Wir haben darauf nicht geantwortet, denn der Schmutz reicht nicht an uns heran und sein unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinendes Bläuwen, das uns schon oft angekläfft hat, verdient keine Beachtung. Jetzt hat aber Herr NiemojewSki in seinem Warschauer Blatte ein Trimuphgeheul angestimmt mit dem Leitmotiv„der„Vorwärts" schweigt". So un- angenehm eS uns daher ist, müssen tvir unS doch noch einmal mit diesem Herrn befassen. Herr NiemojewSki bestreitet also vor allem, daß er ein Antisemit sei. DaS find nichts als Ausflüchte. Inzwischen hat sich jedoch die Polemik zwischen dem Warschauer Arbeiterblatt„Mlot" und Herrn N. weiter gesponnen, und er hat seine Karren immer mehr aufgedeckt. In einem seiner Artikel erklärt er,„der Semitismus, das Judentum, ist das Synonym der Mequinonie, Korruption, des Servilismus, der Profanatio» und Perversität"; es gebe Ausnahmen, doch seien sie so überaus selten, daß sie nicht in Betracht kommen. DaS ge- nügt wohl. Für uns kam dieser Skribifar nur soweit in Betracht, als die Hetze, die er in Polen innerhalb der„demokratischen" und„libe- ralen" Bourgeoisie gegen die Juden inszeniert» tonnte, ein krasses Beispiel deö Verfalles der polnischen Bourgeoisie liefert. Ferner mußten wir ihn deshalb abschütteln, weil er in seinem gemeinen Fcldzug gegen die Sozialdemokraten sich auf uns berief und uns niit Zuschnften verleumderischen Inhalts beschäftigte. Ebenso wie unS, hat er sich übrigens den Genossen JaureS, Bebel, Mehring an die Rockschöße hängen wollen und sie alle haben ihn in dem ge- nannten polnischen Arbeiterblatte mit der gebührenden Verachtung abgewiesen. Auch Genosse Otto Bauer verwahrt sich im Wiener „Kamps" sehr energisch dagegen, daß Herr N. seinen Namen für seine verwerflichen Tendenzen mißbraucht. Um die schmutzige Art dieses SchmockS zu kennzeichnen, zwei Beispiele. Er schreibt über Genossin Luxemburg:„Ihre Vorfahren betrieben in Polen den Ausschank von Schnaps; sie selbst schänlt keinen Schnaps aus, aber das was sie in Broschüren und Artikeln verzapft, hat alle Kennzeichen literarischen Fusels". Oder: er wirft einem liberalen Blatte vor, eS habe ein Zitat gefälscht(waö als unrichtig erwiesen wurde) und fügt hinzu:„ES fragt sich, ob in der Redaktion nicht auch Schecks und Wechsel gefälscht werden." Das dürfte genüge». Für uns ist dieser Bursche ein für alle- mal abgetan. Er ist gestäupt und hat fortan Schimpffreiheit. Oertemicb. Die Sstcrreichische Flotte. Wien, LI. November. Wie verlautet, ist daS Flottenbau» Programm der österreichisch-ungarffchen Kriegsmarine folgendes: vier Schlachtschiffe, davon zwei zu 20 000 und zwei zu 23 000 Tonnen Deplacement, drei Schnellkreuzer, zehn Torpedo- fahrzeuge, zwölf Hochsectorpedoboote, sechs Unterseebote. Die G e« samttosten betragen 310 Millionen Kronen. Englanci. Der Rcformeifrr der LordS. London, 22. November. Die LordS suchen die Wahl- Parole der Regierung dadurch wirkungslos zu machen, daß sie sich selbst zu weitgehender Umgestaltung des Oberhauses bereit erklären. Diese Absicht trat in der gestrigen Debatte deS Oberhauses deutlich zutage. Wir geben deS- halb die wichtigsten Stellen der Reden in folgendem wieder. Im Namen der Regierung eröffnete Earl of Crew« die zweite Lesung der Veto-Bill nnt.lder Erklärung» die Beziehungen zwischen beiden Häusern kämen einem dauernden Konflikt gleich. wenn die Liberalen am Ruder seien, und einein beständigen Zustimmen, wenn sich die ü o n s e r v a t i v e n an der Regierung befänden. DieS sei ein Spiel, das nicht für immer so weiter gehen könne. Die Reform Vorschläge würden gegenüber der bestehenden Lage keine Abhilfe bringen. Die Regierung appelliere an das Land, daß es die Vcio-Bill unterstützen möge, um den erwählten Vertreten, einer freien Nation ein der- nünftigcs Mast von Freiheit wieder zu verschaffen.(Beifall bei den Ministeriellen.) Lord Lansdowne erwiderte, wenn die Oppofitron eme Gelegenheit gehabt hätte. Amendements zur Bill einzubringen. fo hätte er dem Hause geraten, die zweite Lesung anzunehmen. denn die Amendements wären dann vom Unterhause erwogen worden, und so würde ein Versuch gemacht worden sein, zu einer Verständigung zu gelangen. Die Bestimmungen der Bill bezüglich der finanziellen Vorlagen seien unvollständig und Mangel- hast entworfen. Wenn die Bill Borsorge getroffen hätte, dast in einer Finanz-Bill nichtfinanzielle Angelegenheiten nicht enthalten sein dürsten, so würde er den Lords vorgeschlagen haben, auf ihr gegen» wärtiges konstitutionelles Recht zu verzichten, Finanzvorlagen zu behandeln. Die Bestimmungen über die gewöhn- liche Gesetzgebung entsprächen bei weitem nicht den Rechten einer sich selbst achtenden zweiten Kammer. Eine Bill auch von der gröstlen Wichtigkeit könne nach den vorgeschlagenen Bestiinmungen durch den alleinigen Willen des Unterhauses in zwei oder drei Jahren zum Gesetz werden. Ein solcher Plan sei voll von Gefahren. ES sei lächerlich zu behaupten, dast die Lords gegen die Gesetzesvorlagen der Regierung Obstruktion übten. ES bleibt uns nichts andere» übrig, fuhr Lord Lansdowne fort, als die wenigen noch übrigen Tage der Session zu benutzen und zu versuchen, V o r- schlüge in möglichst einfacher und klarer Form schriftlich nieder- zulegen, die zur Regelung der Frage der Beziehungen beider Häuser dem Lande vorzulegen wir geneigt sind. Die hierauf von LandSdowne beantragte Vertagung der Beratung erregte lebhafte Bewegung und führte zu einer scharfen Debatte zwischen der Regierung und der Opposition, in welcher die Regierung Lansdownes Vorgehen als ein in der Geschichte des Hauses beispielloses bezeichnete. DaS Oberhaus vertagte darauf die Diskussion der Bill aus Mittwoch. Lord Lansdowne kündigte sodann an, dast er am Mittwoch folgende Resolution beantragen werde: Erstens: Es sei wünschenswert, Vorkehrungen zu treffen zur Beilegung der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Nnterhause und dem Oberhause, das nach den Reformvorschlägen von Lord Roieberh umzubilden sei. Zweitens: Wenn man sich über Gesetzvorlagen, die keine Finanzvorlagen seien, nicht einige» könne, so solle eine gen, einsame Sitzung beider Häuser zur Eni- scheidung der Frage stattfinden mit Ausnahme des Falles, wenn es sich um eine Uneinigkeit über eine Frage von groher Wichtigkeit handle, die dem Urteil des Volkes nicht unterbreitet worden sei. In einem solchen Falle solle die Angelegenheit durch ein Referendum der Wählerschaft zur Entscheidung unterbreitet werden und nicht in einer gemeinschaftlichen Sitzung beider Häuser. Die PeerS seien damit einver- standen, bei Gewährung gelv isser Sicherheiten auf ihr verfassungSm ästiges Recht der Zurück- Verweisung von F, nanzvorlagen zu verzichten. Man glaubt in politischen Kreisen nicht, daß die vor- schlage Lord Lansdownes im Oberhaus die Lage ge- ändert oder die Auflösung des Parlaments abgewendet haben. Die M i n i st e r i e l l e n erklären, die Vorschläge seien ganz unbefriedigend und zeigten nur. wie groß die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Parteien sei. Sie sehen in den von Lansdowne angekündigten Resolutionen eher ein bloßes Manifest der Peers. als einen Schritt zur .Herbeiführung eines Kompromisses und geben der Meinung Ausdruck, daß die einzige Wirkung der Vorschläge die sein werde, den Peers eine Erklärung über die Veto-Bill zu er- sparen. Die Unionisten dagegen meinen, daß die auf feiten der Peers bekundete Vernunft und Mäßigung im Lande eine gute Wirkung tun»verde. Eiu ZogestSudniS au die Arbeiterpartei. Londo». 22. November. Unterhaus. Der Premierminister «Squith sagte in Beantwortung einer Interpellation: Ich habe die Absichten der Negierung bezüglich der D i ä t e n für die Mit- glieder deS Hauses bereits angedeutet. Wir werden eine Vorlage einbringen, durch die den TradeS-UnionS er- laubt werden soll, in ihren Satzungen die Bildung einesFondS vorzusehen, der für die A k t i o n i n, P a r l a m ent und in den Gemeindeverwaltungen, für Repräsentation und ähnliche Zwecke bestimmt ist, und durch die ihnen ferner ge- stattet werden soll, sich für diesen Zweck zusammen, u- schließen, vorausgesetzt, daß die Ansicht der Mitglieder der betreffenden Trade Union tatsächlich festgestellt worden ist. und dast k e i n M i t g l i e d g e z w n n g e n wird, zu diesem Fonds beizusteuern. Der erste Punkt der Tagesordnung war die zweite Lesung der F i n a n z b i l l. Austen Chamberlain erklärte, dast er sich an- gcsichts des Vorgehens der Regierung weigere, an der Debatte über die zweite Lesung teilzunehmen. Nachdem sich kein Mitglied zum Wort gemeldet, wurde die zweite Lesung einstimmig an- genommen. Eine Wahlrede Lloyd Georges. London. 21. November. Schatzkanzler Lloyd George hielt heute abend in Mike End(Grafschaft Esier) eine Rede, in der er ausführte, die letzte Wahl habe eS den Liberalen ermöglicht, das Budget durchzubringen: die kommende Wahl werde es dem erb- I i ch e n Hause unmöglich machen, j-malS wieder eines zu ver- werfen. DaS Geld für soziale Reformen habe sich in England gefunden, während die schutzzöllnerischen Budgets ausländischer Staaten die erforderlichen Einkünfte nicht hätten ausbringen können. In Deutschland habe man eS sogar für nötig befunden, wegen der Vermehrung der Kosten der Lebens- Haltung die Zivilliste deS Kaisers zu erhöhen. Die Regierung gehe jetzt daran, für weitere 200 000 arme alte Leute zu sorgen und sie zu Staatspensionären gleich Herzögen zu machen. Noch mehr: Man habe sogar die Geldmittel erlangt, um 2 Millionen Arbeiter gegen Arbeits- losigkeit zu versichern, ferner, um im nächsten Jahr die Versicherung von IS Millionen Angehörigen der arbeitenden Be- völkerung gegen Erkrankung ihreS Ernährers in die Wege zu leiten. DaS letzte irische Schreckgespenst habe nian in amerikanische Dollars gerahmt; er möchte aber wissen, seit wann denn die britische Aristokratie die amerikanischen Dollars verschmäht habe. Man müffe darauf bestehen, daß. wenn das Volk beschlossen habe, dast gewisse Mastnahmen Gesetz werden sollen, niemand, weder ein Großer noch ein Kleiner, das Recht haben sollte, das zu verhindern. Wenige französische Freibeuter aus der Normandie hätten seinerzeit die Besitzer des Grund und Bodens in England getötet und eine Totcnsteuer von 100 Prozent erhoben. Auf diese Weise sei die britische Aristokratie entstanden. Der Schatzkanzler schloß mit der Mahnung, den Weg dafür zu ebnen, daß die Gerechtigkeit ebenso leichten Zugang habe zu den grauen Häusern des Volkes wie zu de» Palästen. Wieiiet eltti! Franendemonstration. London, 22. November.(W. T. B.) Als der Premierminister Asquith heute das Parlament Verlaffen hatte, drängten sich An- Hängerinnen des Frauc'nstimmrechts an seinen Wagen und zer- trümmerten mit einem Stock eine Fenster- scheide des Gefährts. Etwa hundert Verhaftungen wurden vor- genommen. Darauf zogen die Frauen vor die Wohnung deS Premierministers in der Downing Street, wo nur wenige Schutzleute postiert waren. In wenigen Minuten erschien jedoch Verstärkung aus dem Platze, und es gelang, die Frauen, von denen wieder mehrere verhaftet wurden, zurückzudrängen; sie zogen darauf nach Whitehall, wo es ebenfalls zu Zusammen- stöhcn mit der� Polizei kam. JVIonaco. Gegc» die französische» Beamten. PariS. 22. November. Der größere Teil der Bewohnerschaft von Monaco verlangt die Entfernung aller vom Fürsten zur Berwaltung des Fürstentums berufenen Franzosen. Die Menge veranstaltete kürzlich eine Kundgebung gegen den General- kommandanten Admiral Hautefeuille unter den Rufen:„Nieder mit den Franzosen! Tod den Franzosen!" Unter diesen Umständen ist die französische Regierung, bei aller Achtung vor der Uuab- hängigkeil des Fürstentums, fest entschlossen, zu verhindern, dast an den den Begierden der Gegner Frankreichs ganz besonders aus- gesetzten Rivierapunkten ein Herd franzosenfeindlicher Treibereien geschaffen werde. Es sind alle Mastnahmen getroffen, mn erforderlichenfalls ein ents ch i ed e n eS und rasches Borgehen zu ermöglichen. JVIexiho. Die Ursachen der Revolution. Obwohl Republik, unterscheiden sich die Zustände von Mexiko kaum von den russischen. Die Presse steht unter Zensur, der Klerikalismus unterdrückt jedes Geistesleben, die Gewalt ist in den Händen einer militärischen Oligarchie und zudem besitzt Mexiko noch ein feudales System der Leibeigen- schaft, das sonst nirgends mehr existiert. Diese Leibeigenen, die„Peones", zumeist Indianer, sind die Arbeiter ans den großen mexikanischen Landgütern. Seit 10 Jahren bemühen sie sich um ihre Emanzipation. Der Präsident Po rfirio Diaz, ein indianischer Mestize, ist ihr größter Feind. Seit zwanzig Jahren herrscht er als Diktator und alle Versuche der Eman- zipation hat er in Strömen von Blut erstickt. Unter dem Regiment dieses Zaren sind die Jesuiten, die an der jungen Frau des Diktators eine feste Stütze haben, und die großen Grundeigentümer die wahren Herren des reichen mexikanischen Landes geivorden. Um sich die Guiist der Vereinigten Staaten zu erkaufen, hat Diaz die amerikanischen Kapitalisten ins Land gezogen. So kamen die Goldmincn der Provinz Chihuahua größtenteils in amerikanischen Besitz. Die amerikanische Presse wurde gekauft und die Regierung ließ auf ihre Kosten angesehene bürgerliche Journalisten einladen, damit sie dann das Lob der Regierung und vor allem des Präsidenten verkünden. In Mexiko selbst gibt es keine Freiheit der Presse. Liberale Journalisten, die nur wenig Preßfrciheit forderten, wurden entweder aus dem Lande getrieben oder eingekerkert. Und so ist es gekommen, daß seit 1888 Diaz fünfmal sich zum Präsidenten der Republik wählen lassen konnte. Er hat um sich eine Clique geschaffen, die nur ein Bestreben kennt: sich um jeden Preis an der Macht zu behaupten. Es ist eine Bande von Spitzbuben, darunter vorbestrafte Verbrecher, welche heute größtenteils die Aemter der Republik inne haben. Die liberale Opposition wurde in der grausamsten Weise verfolgt, in die Verbannung gejagt und ihre Häupter nach San Hnan de Ullua, der mexikanischen Vastille, gebracht. einen der abscheulichsten Gefängnisse, das noch aus der Zeit der ersten spanischen Eroberungen herrührt. Die politischen Gefangenen wurden viel schlimmer behandelt, als die ge- ineinen Verbrecher. Kaum einer hat je diese fürchterlichen Höhlen lebendig verlassen. WaS die P e o n e s anlangt, so werden>nit ihnen viel weniger Umstände gemacht. Wenn sie Verbesseriingen zu verlangen wagen, werden sie einfach nieder- geschossen. Als vor zwei Wochen in der Provinz Ankatan ein Aufstand der Peones ausgebrochen war. schickte die Regierung Truppen hin und viele Hunderte wurden getötet. Da jede Propaganda in Mexiko selbst unmöglich gemacht ist, haben sich die ivenigen Liberalen an die amerikanische Grenze zurückgezogen. Jetzt aber zeigte sich die Solidarität der Regierungen. Herr Tast ließ die mexikanischen Bürger Bülareal und Magon auf Verlangen des Diaz arretieren. Nur das leidenschaftliche Eingreifen der sozialistischen amerikanischen Presse verhinderte die Auslieferung, die ursprünglich geplant war. Jetzt aber scheint es. daß das mexikanische Volk mit diesem Despotismus endlich aufräumen will und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die jetzigen Kämpfe, an deren Spitze der Liberale Francisco M a d e r o steht, den Sturz der Autokratie herbeiführen werden._ Die revolutionäre Bewegung. Washington, 22. November. Chiffrierte Depeschen aus privater revolutionärer Onelle behaupten, die mexikanischen Re« bellen seien iin Besitze von Gomez Palacio und Torreon- Dreihundert Mann der RegierungSteuppen hätten sich mit den Aufständischen vereint und die regierungstreuen Truppen in Torreon aiigegriffen. In ZacateeaS, wo eS 25 Tote gegeben haben soll, sei die Regierung Herr der Lage geblieben. Die mexi- kanische Regierung habe sich, um die Weitergabe von Nachrichten zu verhindern, aller Tclegraphendrähte, auch der im Privat- besitz befindlichen, bemächtigt. Aus San Antonio(TrxaS) sind zwei Abteilungen Kavallerie an die Grenze abgegangen, um die Interessen der amerikanischen Bürger zu schütze». In Acambaro(Guanojuata) kam eS zu einem Z u s a m m e n- stoß zwischen Truppen und Revolutionären, die das dortige Rathaus zu plündern verstichien. Die Revolutionäre, von denen 20 ge« tötet und 80 verwundet wurden, wurden in die Berge zurück- getrieben._ Die letzte» Kämpfe. New Dork, 22. November. Der„Associated Preß" wird aus Mexiko gemeldet, die Regierung Diaz stehe einer ernsten Re- v o l u t i o n gegenüber. Wie verlautet, befindet sich F r a n- ciSco Madcro, der. Führer der Revolutionäre. in Coahuila. Die Revolutionäre haben gestern die Kasexnen in Orizaba angegriffen, wurden jedoch nach schwerem Zusammenstoß mit den Truppen zurückgetrieben, die Stadt Torrean wurde von den Revolutionären ftuudculaiig mit schio crem Geschütz beschossen. In der Stadt wurden viele Personen getötet.— Aus Guadalajara wird gemeldet, dast Infanterie, Kavallerie und Artillerie nach Torrean abgegangen sei. Ckins. Verfassnngsfrage». Peking, 22. November.(Meldung des Reuterschen Bursa!'?.) Heute nachmittag kam es im ReichSauSschnst zu einem erregt-.r Auftritt, weil der Staatsrat die Denkschriften deS Reichs« auSschusses über die Salzfrage und die UnterrichtSfrage den betreffenden Departements überwiesen hatte. Ein Mit- glied erklärte, der Staatsrat stoße die Vorschläge der nationalen Körperschaft willkürlich um und erlaube sich Eingriffe in ihre Privilegien. Solche Beamte hätten den Sturz der Ming-Dynastie verursacht. Mehrere Mit- glieder erklärten, entiveder inüsie der Staatsrat zurücktreten oder der RcichSausschust gehen. Schließlich wurde ein Ausschuß ernannt, um eine unzweideutige Protesterklärung zur Einreichung an den Thron zu entwerfen._ Hus der parteü Wilhelm Schaff(et f. Nach langem, schwerem Leiden ist in einer Heilanstalt unser Parteigenosse W. Schäfsler- Heilbronn, LandtagSabgeordneter für den Bezirk Hcilbronn, in der Nacht zum Sonntag gestorben. Er hat ein Alier von 54 Jahren erreicht. Bon Beruf Klavierinachcr, war Schäffler schon in jungen Jahren in der Holzarbciterbewegung tätig. Von Stuttgart nach Hcilbronn übergesiedelt, half er in Kassel den Holzarbeiter-Verband gründen. In seiner gewerkschaftlichen Tätig- keit blieb ihm Gefängnisstrafe nicht erspart. 1903 sandte ihn der bi» dahin volksparteilich vertretene Wahlkreis Heilbronn-Land in den würitembergischen Landtag. Im Jahre 1906 wurde er mit noch größerer Majorität wiedergewählt. Dem Heilbroimer Gemeinde« rat gehörte Schäffler gleichfalls an. Unermüdlich war der kleine und körperlich schwache Mann für die Partei und die Gewerkschaften tätig. Sein überaus bescheidenes Wesen und treue Kameradschaft- lichkcit haben ihm viele Freunde geworben. Uebergroste Arbeitslast hat ihn vor der Zeit aufgerieben. Arm an Geld und Gut, aber überreich an Liebe und Vertrauen der Parteigenossen wie aller Armen und Elenden ist er geschieden. Die Partei betrauert sein Hinscheiden tief._ Gcmeindewahlerfolge. Bei der Stadtverordnclemvahl in Stettin gewannen am Montag in der dritten Abteilung unsere Genossen 1738 Stimmen, während sich die Stimnienzabl der liberalen Kandidaten um 730 ver- mehrte. ES wurden für unsere Genossen 10 044, für die Liberalen 6335 Stimmen abgegeben. Die Sozialdemokratie verlor einen Sitz und kam dafür in einem anderen inil Stimmengleichheit in auSsichlS- reiche Stichwahl. Die Liberalen haben alle abhängige!» Wähler, insbesondere die Beamten, zur Wahl gepreßt. Der Ausfall der Wahl berechtigt zu den beste» Hoffnungen für die nächste Reichs« tagSwahl.. Soziales. Ungültigkeit der Stadtperordnetenwahlc» in Mülheim a. RH. In Sachen der Gültigkeit der Stadtverorduetenwahlen in Mülheim a. Rh. bmn Jahre 1908 ist nunmehr den Parteien das Urteil zugestellr worden. Da» ObervcrwaltuugLgericht hat die Wahlen der Sozialdemokraten Marx, Klein und Mitterhauser für ungültig erklärt. In einer Rechtsfrage, die erst im Vordergründe deS Streites stand, stellte sich das Gericht auf den von den drei Gewählten und ihrem Vertreter Dr. I. Herzfeld vertretenen Standpunkt. In der Beziehung erkannte das Obcrvcnoaltungs- gerich: an, daß Hausbesitzer im Sinne der Rheinischen Städte- ordnung drei Stadtverordnete der dritten Abteilung seien, die im Grundbuch mit ihren Ehefrauen als Eigentümer mit dem Vermerk eingetragen Waren:„Lebt im Güterstande der aus der ge- setzllchen Gütergemeinschaft des früheren rheinischen Rechts über« geleiteten Fahrnistgemeinschaft." Da die fraglichen drei Herren somit Hausbesitzer Waren, brauchten die genannten drei Sozial- demokratcn keine zu sein. Mit dem Einwände, daß Eigentümer hätten gewählt Werden müssen, ist also das Zentrum, das die Wahlen angefochten hatte, glatt abgefallen. Erfolg hatten die Anfechter der Wahlen aber mit dem erst in letzter Stunde vor dem Overvcrwaltungsgcricht noch erhobenen Einwände der Wahl- bceinflussung. Die kleinen Geschäftsleute sollen terrorisiert Worden sein. DaS Gericht erblickte eine unzulässige Wahlbeeinflussung in einem Flugblatt, von dem nur wenige Exemplare unter Leute kamen, da die Parteileitung die Versendung dieses von einer einzelnen, unbefugten Person vcranlastten Flugblatts verhinderte. In diesem Zirkular Waren allerdings Geschäftsleute mit dem Boykott bedroht Worden, falls sie das Zentrum wählten. Das Gericht erklärte eo für unerheblich, dast die Parteileitung die weitere Versendung des Flugblatts verhindert habe, so dast nur eine ganz geringe Anzahl unter die Leute kam. ES meint, die Jnhibierung des Flugblattes hätte nicht genügt; die Parteilung hätte öffentlich den Inhalt deS Flugblattes mistbilligcn müssen. Ein kommunales Gebäude für sozialpolitische Zwecke, in seiner Art das erste in Deutschland, wurde am 2l. November in K ö l n dem Verkehr übergeben. In einem zweiflügeligen, vier- stückigen, architektonisch bemerkenswerten Neubau hat die Stadt Köln folgende Institute untergebracht: 1. den Allgemeine» Arbeits- »achweio der Stadt Köln, 2. die„Stadtkölnische VcrsicheriingSkasse gegen Arbeitslosigkeit im Winter", 3. den WohnungSnachweis der Stadt Köln, 4. den Stellennachweis für kaufmännische Angestellte, dem eine Schreibstube für stellenlose Kaufleute angefügt ist, 5. den von der Wirteinnung und den anderen Arbcitgcbervercinigungcn des Gastwirtsgewerbes gemeinsam mit sämtlichen Achilsenorga- nisationen unterhaltenn„Paritätischen Arbeitsnachweis für das Gastwirtsgewerhe", der sich gegen die privaten Stellenvermiitler richtet und erst jetzt geschaffen wurde.— Eine groste Anzahl von zweckmästig eingerichteten Bureau, und Warteräumen ist für die Arbeitsnachweise der Gewerkschaften und der Innungen reserviert. Die Konzentratiou aller dieser Einrichtungen in einem Ge- bäude bietet allen Beteiligten groste Vorteile, ohne dast eine» der Institute etwas von seiner Selbständigkeit einbiistt. Gemeinsam mit den Gewerkschaften soll die unter 2 erwähnte Arbeitslosen- Versicherung zu einer Vcrsichernng-kassc gegen Arbeitslosigkeit über das ganze Jahr nach einem dein Genter System verwandten Per- fahren ausgebaut Werden, und zwar»och zum kommenden Sommer. Im Zusammenhang daniit sollen künftig die städtischen Notstands- arbeiten geregelt werden, für die die Stadt Köln im letzten Jahre 142 000 M. ausgegeben hat. Die grasten SLarteräume der Arbeits- nachweisanstalt und der Versichcrungskasse sollen zugleich als Wärmehnllen für Arbeitslose dienen. Tie Säle sind sehr freund- sich ausgestattet; sie bieten Sitz-, Lese-, Schreib-, Wnschgelcgenheit und sind mit cinein Büfett für Milch, Kaffee und alkoholfreie Ge- tränke ausgestattet. I» dem Hause befindet sich eine Schneider- und eine Schuhmacherflickstubc, ähnlich denen im Berliner Arbeits- Nachweis, wo die Arbeitslosen ihre Bekleidung gegen geringes Ent- gelt ausbessern lassen können. Sil der Eröffnungsfeier am verflossenen Sonnabend hatte der ürgermcister von Köln auch Vertreter sämtlicher Arbeitgeber- und Arbeiinehincrorganisationen eingeladen. Auf ihre Anfrage hatte man den Vertretern der freien Etewerkschasten erklärt, dast ein Laiserhick, nicht beabsichtigt sei, nachträglich aber diese Aus- kunft dahin berichtigt, dast vom Regierungspräsidenten doch ein solches Hoch ausgebracht werde. Tarauf erklärten die freien GcWelkschastlcr einmütig, dast sie der Feier nicht beiwohnen würden. Man fragt sich vergebens: WaS hat Wilhelm II. mit dem Arbeitsnachweis, der Arbeitslosenversicherung und dem Wohnungs- Nachweis zu tunk Welchen Zusammenhang hat er mit der neuen Kölner Einrichtung'« GewerkZedaMicke«?. Der Kampf um den Ruhetag. Vom Zentralvcrband der Bäcker und Konditoren werden hn Reichsgebiet in der Woche vom 20.-27. November öffentliche Versammlungen veranstaltet, um zur Einfübrung eines wöchentlichen Ruhetages Stellung zn nehmen. Die Organi- sation führt den Kamps uin die Ltägige Arbeitswoche seit ihrem Bestehen; auf einen, Bäckerkongreß 1891 in Alten- bürg(S.-A.) wurde die Forderung: Einführung der voll- ständigen Sonntagsruhe in einer Resolution erhoben. 1904 wurde aus mehreren hundert Städten eine Petition an den Bundesrat eingereicht zur reichc-gesetzlichen Einführung eines wöchentlichen ZOstüiidigen Ruhetages für alle beschäftigten Personen. Der Bundesrat hat den Petenten nicht einmal eine Antwort zugehen lassen; dem Zeutralverbande deutscher Bäckcrinuuugen machte er dafür die folgende Mitteilung: „Da der Bundesrat in seiner Siyunci vom 19. Juni d. I. beschlossen, den Eingaben einer Reihe von Böckergehilfenversamm- lungen uin die gesetzüche Festlegung eines Söstündigen Ruhetages beziv. Einführung der Soniuagsrube im Bäckergewerbe keine Folge zu geben, sehe ich die dortige Eingabe als erledigt au. Im Auftrage(gez.) Caspcr." Das Verhalten des Bundesrats verwundert nicht, be- sonders wenn nian weiß, daß im letzten Jahrzehnt in bezug auf Arbeiterschutz für die Beschäftigten in den Bäckereien und Konditoreien nicht das geringste geschehen ist. Die Gehilfenorgaiiisation ivendete sich trotz des ab- lehnenden Bescheides 1903 in einer erneuten Petition an den Reichstag, um zu erreichen, daß von dieser Seite der Forderung stattgegeben werden soll. Auch dort konnte sich die reaktionäre Mehrheit in der Petitionskommisfion zu keinem anderen Standpunkt durchringen, als daß die Petition dem Reichs- kanzler als Material überwiesen werden sollte. Zur Aus- führung des Beschlusses kam es infolge des Schlusses des Reichstags im vergangenen Jahre nicht. Nun übernimmt die Organisation erneut einen Lorstoß und über- reicht dem Reichstag eine Petition. In anderen europäischen Staaten tvurde in dieser Beziehung für die Beschäftigten weit niehr getan. So ist die sechstägige Arbeits- Woche durch Gesetz geregelt in den skandinavischen Ländern, in Finnland, Oesterreich, Ungarn, Italien, Kanton Tessin(Schweiz) und Frankreich. Dort ist die Sonntagsarbeit vollständig ver- boten oder den Arbeiteril wenigstens ein LLstündiger Ruhetag durch Gesetz garantiert. Die gesetzliche Regelung der sechstägigen Arbcitsmoche in den Bäckereien und Konditoreien hat nicht nur bei der Ge- Hilfenschaft das größte Interesse gefunden, sondern auch in großem Maße bei den Konsumenten. Die oftmals an die Oeffentlichkeit gebrachten Unreinlich keilen in den Be- trieben sind vornehmlich auf die unmenschliche Ausbeutung der Arbeiter zurückzuführen. Dazu konimt nach ständige Nachtarbeit. Die unnatürlichen Arbeitsmethoden bringen ein starkes Anschwellen der Krankheits- und Sterblichkeitsziffer mit sich. Es ist unter solchen Uinstäuden verständlich, daß sich eine große Anzahl von Hygienikern für die Gehilfen- forderung in Wort und Schrift ausgesprochen haben, die die Eiuführung der sechstägigen Arbeitswoche in diesem Berufe für dringend notwendig im Interesse der Gesundheit für die unmittelbar Beteiligten wie auch der Konsumenten halten. Selbst Unternehmer treten für die sechotägige Arbeitswoche ein, besonders die Klcinmeister, die selbst mitarbeiten müssen und die Schäden der siebentägigen Arbeitswoche am eigenen Körper empfinden. Von den Scharfmachern im Unternehmer- lager wird gegen die Forderrmg, wie gegen alle Reform- bestrebungen der Gehilfen Sturm gelaufen. Der Gehilsenorganisation ist es aber trotz alledem ge- lungen, für mehr als 0000 Arbeiter den wöchentlichen Ruhe- tag zu erkämpfen. Wenn noch in Betracht gezogen wird die Zahl der in den Bäckereien und Konditoreien Beschäftigten am NieVrrheiil, in Westfalen, den Regierungsbezirken Trier, Aachen und die im Reich verstreut liegenden Betriebe, wo schon seit Jahren nur an sechs Tagen in der Woche gearbeitet wird, dann sind heute schon mindestens 15000 Arbeiter in den Bäckereien und Konditoreien in dem Genuß der sechs- tägigen Arbeitsivoche, d. i. der siebente Teil aller im Berufe beschäftigten Gehilfen. Die Arbeiterorganisation wird mit aller Zähigkeit den Kampf weiter führen, weil die sechstägige Arbeitswoche im Interesse der Arbeiter des Berufes, wie auch der Konsumenten, dringend notwendig ist. LerUn unrl llmg-egenck. Die Arbeitslosigkeit in Berlin. ' Von der großen Arbeitslosigkeit in Berlin kann man sich nach der Bermittelungstätigkeit des paritätischen Zentral-Arbeits- Nachweises einen ungefähren Begriff machen. In der letzten Sitzung des Zentralvcrcins für Arbeitsnachweis berichtete der Vorsitzende Dr. Freund von der Bermittelungstätigkeit der drei Quartale dieses Jahres. Hiernach hat sich der Geschäftsumfang bedeutend gehoben. Die Zahl der eingeschriebenen arbeitslosen Personen betrug insgesamt 170 000(+ 38 000), die Zahl der ge- meldeten offenen Stellen 155 000(4- 50 000), die Zahl der besetzten Stellen 120 000(4- 35 000). Der Gesamtvorstand beschloß, den Magistrat Berlins zu ersuchen, in den städtischen Voranschlag eine erhöhte Summe für die Unterstützung des Vereins einzustellen und mit ihm über die weitere Enttvickelung des Arbeitsnachweises in kommissarische Verhandlungen zu treten. Die wirkliche Arbeitsvermittelung für Berlin wird damit natürlich noch lange nicht zahlenmäßig dargestellt, da verschiedene Verbände, wie die der Metallarbeiter, Buchdrucker usw. ihre eigenen Arbeitsnachweise haben. Deurtcbes Reich. Ter Etuisarbeiterstreik in Rathenow beendet. Nach nahezu 20wöchigcr Dauer wurde Montag die Be- endigung des Etuisarbeitcrstreiks beschlossen. Bisher waren die Verhandlungen mit den Fabrikanten stets daran gescheitert, weil die Unternehmer eine allgemeine Lohnerhöhung und die tarifliche Regelung der Arbeitsverhältnisse ablehnten. Die Streikenden hatten sich bereits damit abgefunden, daß fürs erste an eine Bei- lcgung des Kampfes nicht zu denken sei. Schließlich verlangten die Unternehmer die Zusammensetzung einer VerhandlungSkommission, zu der der Buchbiuderverbaud und der Hirsch-Dunckersche Gcwerk- verein je sechs Mann delegieren sollten. Darauf konnte sich der Buchbinderverband nicht einlassen, da von den Hirsch-Dunckerschen nur zwei Mann(!) am Streik beteiligt waren, von seinen Mitgliedern aber 180. Jetzt hatte der Hirsch- Dunckersche Gewerkverein hinter dem Rücken der Streikleitung des Buchbinderverbandes Verhandlungen mit den Fabrikanten angeknüpft, bei denen die Unternehmer folgendes Angebot machten: Es wird eine Lohn- erhöbung von 5 Proz. gewährt, mit Ausnahme der Spczialöranche der Froschmaul- und Blcchetuis, Ivo der Aufschlag nur 3 Proz. be- trägt. Die Arbeitszeit beträgt 56 Stunden wöchentlich. In allen übrigen Punkten bleiben die Bestimmungen des Tarifes von IVO? bestehen. Die Streikenden waren genötigt, zu dem Angebot Stellung zu nehmen, dessen Annahme schließlich mit 80 gegen 62 Stimmen erfolgte._ Mit dem Raub beS Koalitionsrechtes durch die Direktion der Lübecker Straßenbahnbehörde beschäftigte' sich am Montagabend eine große Volksversammlung in Lübeck. Seit Monaten maß- regelt die Betriebsleitung der dortigen Straßenbahn die Mit- gliedcr des TransportarbcitervcrbandeS, selbst wenn diese nicht für den Verband agitieren. Das Denunziantentum wird gepflegt und Gesinnungsriecherei getrieben, daß es eine Art hat. In den letzten Tagen ist auch der Obmann der Kommission der Organisation ohne weiteres entlassen worden. Er forderte von dem Betriebs- leiter, ihm den Beweis für die Behauptung, er habe agitiert, zu bringen. Achselzuckend erklärte der Senator, dem die Straßenbahn untersteht: es tue ihm ungeheuer leid, aber die Entlassung müsse bestehen bleiben. Es handelte sich um einen der tüchtigsten Be- amten, der da auf das Pflaster flog. In dem§ 8 der Betriebs- ordnung wird— entgegen dem Gesetz— gesagt: Es ist strengstens untersagt/ einer gewerkschaftlichen Organisation anzugehören. Ter Referent, Genosse Stelling, hielt gründliche Abrechnung mit der Straßenbahndirektion. Am Schlüsse wurde eine Resolution angenommen, in der von der Behörde gefordert wird, das Koalitionsrecht den Angestellten zu gewähren und mit ihren Organisationen zu verhandeln. Selbst die anwesenden Gegner stimmten für die Resolution. Ausdehnung der Pforzheimer Gold- und Silber- arbeiter-Bewegung. Der Kampf in Pforzheim, den die dortigen Scharfmacher in frivoler Weise vom Zaune gebrochen haben, nimmt immer größere Dimensionen an. Zurzeit stehen zirka 2500 Arbeiter und Arbeiterinnen im Kampf, die zum Teil streiken, zum Teil auSgc- sperrt sind. Ende dieser Woche dürften noch zirka 5000 bis 6000 Personen, wenn nicht mehr, dazukommen. Damit wird die In- dustrie in Pforzheim ziemlich zum völligen Stillstand kommen. Bei den Unternehmern, die einen derartigen Widerstand nicht erwartet haben, sondern die dachten, daß auf die Drohung der Aussperrung hin die Arbeiter der Organisation den Rücken kehren würden, herrscht das größte Durcheinander. Sie sehen jetzt lang- sam ein, daß der Rat, den ihnen ihre Oberscharfmachcr gegeben haben, für sie die schwerste wirtschaflliche Schädigung bedeutet, und einzig und allein die Angst vor der moralischen Niederlage dürfte es noch sein, die sie hindert, das zu tun, was vernünftig lväre: mit den Arbeitern Frieden zu machen. Die Arbeiter selbst, die zum ersten Male in Pforzheim in dieser Industrie in einem Streik bezw. in eine Aussperrung verwickelt werden, sind durch das brutale Vorgehen der Fabrikanten auf das Aeußerstc erbitterte und statt Niedergeschlagenheit herrscht eine Kampfcsstimmung, die Gewähr dafür gibt, daß der Uebcrmut der Scharfmacher gebrochen wird. Zuzug nach Pforzheim ist jedoch auf das Strengste fernzuhalten. Huslanck. Ein Streik-Garantiefonds der schwedischen Buchdrucker. In der verflossenen Woche fand im Volkshause zu Stockholm der 8. Verbandstag des Schwedischen Thpographenvervandcs statt. Ter wichtigste Beschluß, der dort gefaßt wurde, betrifft die Bildung eines persönlichen Garantiefonds der Mitglieder. Jedes Mitglied soll zu diesem Fonds wöchentlich 50 Oere zahlen und zwar so lange. bis sein Anteil auf 200 Kronen angewachsen ist. Da der Typo- grapheiwerband rund gerechnet 5000 Mitglieder hat, wird der Fonds, wenn die Sammlung beendet ist, ungefähr eine Million Kronen ausmachen. Die Zinsen des Kapitals fließen in den Re- servcfonds des Verbandes, so daß die Beiträge zu diesem Fonds herabgesetzt werden können. Die Anteile selbst bleiben Person- liches Eigentum der Mitglieder, dessen sie zedoch verlustig gehen, wenn sie sich unsolidarisch dem Verbände gegenüber zeigen. Beim Tode des Mitgliedes und bei regelrechtem Austritt aus dem Ver- bände wird der Anteil zurückgezahlt. Der Garantiefonds soll zur Unterstützung bei Lohnkämpfen, Streiks und Aussperrungen dienen. Die Veranlassung zur Gründung dieses Fonds waren die Erfahrungen beim allgemeinen Massenstreik von 1009. Es fehlte damals bei manchen Mitgliedern an dem nötigen Solidari» tätsgefühl, und man erwartet nun, daß in Zukunft das finanzielle Interesse an ihrem Garantieanteil solche Mitglieder mehr an die Beschlüsse des Verbandes binden wird. Außerdem kommt in Be- tracht, daß die Buchdruckereibesitzer damals das ganze Vermögen des Verbandes mit Beschlag belegen wollten, was nur deswegen nicht gelang, weil die Verbandsleitung es schleunigst dem Dänischen Typographenverbande übertragen hatte, der dafür die Bev- pflichtung zur Unterstützung der streikenden Buchdrucker Schwedens übernahm.— Der Beschluß zur Gründung des Garantiefonds, der mit dem 1. Juli 1911 in Kraft tritt, wurde, wie es in dem Ver- bandstagsbericht heißt, mit überwältigender Mehrheit gefaßt. Die Teilnahme der Typographen am Generalstreik hat bekanntlich noch einen langwierigen Schadenersatzprozeß zur Folge gehabt, mit dem jedoch die Vuchdruckereibesitzer und Zeitungsvcrleger hinein- gefallen sind, wenigstens unter der Voraussetzung, daß' die höher« Instanz nicht zu einem andern Urteilsspruch kommt. Der Prozeß ist dem Ttzpographenverband jedoch sehr teuer zu stehen gekommen, denn sein Rechtsanwalt, Advokat H e l l b e r g, verlangte nicht weni- ger als 20000 Kronen als Honorar und dazu ungefähr 3000 Kronen für besondere Unkosten. Das gilt in Schweden als eine ungeheuer hohe Forderung für«inen Rechtsanwalt, wie sie bisher nur in einigen wenigen Fällen bei Prozessen, wo es sich um Millionen und um sehr reiche Leute handelte, vorgekommen ist. Der Advokat Hellberg, der seit dem Generalstreik Parteimitglied ist, wurde deswegen in der sozialdemokratischen Presse stark angegriffen, und die Sache beschäftigte dann auch den Verbandstag der Typographen, der jedoch, wie der offizielle Bericht sagt, einstimmig beschloß, dem Advokaten den Dank für die Führung des Prozesses auSzu- sprechen, und ihm Auftrag gab, die Sache vor der höheren Instanz weiter zu vertreten. Die Debatte über die Angelegenheit soll einen Protest gegen die Einmischung der Presse in die innern Angelegenheiten des Verbandes gebildet haben.„Socialdemo- kraten", dessen Berichterstatter merkwürdigerweise zu den Vcrhand- lungen nicht zugelassen wurde, bezweifelt jedoch, daß die Prozeß- rechnung wirklich so ganz einmütig gebilligt worden ist. Versammlungen. Deutscher Mctallarbciterverband. Die Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin, die am Sonntag im großen Saale der Brauerei Friedrichshain stattfand, beschäftigte sich zunächst mit der Abrechnung vom 3. Quartal 1910, die den Delegier- tcn gedruckt vorlag. Zum Vergleich sind die Zahlen vom selben Quartal vorigen Jahres beigefügt. Dadurch tritt sehr deutlich die Tatsache hervor, daß die Organisation mächtig« Fortschritte ge- macht hat. Wie der Kassierer Henning in seinen mündlichen Ergänzungen betonte, konnte die Verwaltung noch nie einen so günstigen Kassenabschlutz vorlegen wie diesmal. Für die Haupt- kasse schließt die Abrechnung mit der Bilanzsumme von 528 091 45 Mark gegenüber 473 307,30 M. im 3. Quartal 1009. Die Einnahmen für Beiträge belaufen sicb diesmal auf 520 230,64 M., da- malS waren es 422 935,15 M.z für Unterstützung an kranke Mit- glieder sind schon diesmal 113 757,35 M. ausgegeben worden, da- mals 110 263,55 M., an arbeitslose diesmal 09 841,75 M., damals 115 872,83 M., an streikende diesmal 37.303.40 M.. damals 77 089,90 Mark, an gemaßregelte Mitglieder diesmal 11 305,50 M., damals 12 966,80 M. Von den großen Unterstützungsausgabcposten ist also nur der für die kranken Mitglieder höher als im 3. Quartal 1909. An die Hauptkasse wurden 120 900 M. eingesandt gegenüber 50 000 Mark im selben Quartal vorigen Jahres. Die Bilanzsumme der Mrechnung der Lokalkassc ist 1304 942,14 M. gegenüber 989 842,19 M. im 3. Quartal 1909. Der Kasscnbestand bclief sich am Quartalsschluß auf 959 320,30 M., am 1. Ottober 1909 waren es 873 476,42 M. Die Streikunterstützung aus der Lokalkasse er- forderte diesmal 20 874.30 M., damals 34 877,30 M. Zur Unter- stützung der Werftarbeiter sind von der Lokalkasse 120 000 M. ab- geliefert worden; demgegenüber steht im 3. Quartal 1909 eitf Posten von 20 000 M. zur Unterstützung im schwedischen General- streik. Die Mitgliederzahl war am Quartalsschluß 78 140 und hat jetzt die 80 000 bereits überschritten. Unter den Mitgliedern sind 6800 weibliche. Die Mitgliederzahl ist im Laufe des Quartals um rund 8000 gestiegen; seit dem 1. Januar 1910 bcläuft sich die Steigerung auf 14 000. Die Zahl der weiblichen Mitglieder hat sich seitdem verdoppelt. Es sind bei allen diesen Zahlen nur die wirklich beitragzahlenden Mitglieder gerechnet. Die starke Zu- nähme der weiblichen Mitglieder ist offenbar zu einem guten Teil als ein Erfolg der seinerzeit zur Agitation unter den Arbeite- rinnen eingesetzten Kommission anzusehen. Dem Kassierer Henning wurde nach kurzer Diskussion ein- stimmig Dccharge erteilt. Die Generalversammlung beschäftigte sich sodann mit einem Antrag, vier neue Angestellte für die Verwaltungsstelle zu wählen. Der Bevollmächtigte Cohen begründete den Antrag. Mit dem starken Zuwachs an Mitgliedern haben sich die Arbeiten in den Bureaus der Verwaltung dermaßen gehäuft, daß es nickst mehr möglich ist, sie mit der vorhandenen Zahl von Angestellten ordnungsgemäß und mit der wünschenswerten Schnelligkeit zu erledigen, so daß die Milglieder, die auf dem Bureau zu tun haben, oft stunocnlang warten müssen, bis ihre Angelegenheit erledigt werden kann. Auch kann die Statistik nicht so bearbeitet werden. wie es notwendig wäre, und ebenso reichen die Arbeitskräfte für die Kartothek sowie die im Außendienst bei Differenzen mit Unter- nehmern nicht aus. Der Redner bemerkte ferner, daß die Zahl von jetzt 34 Angestellten bei rund 78 000 Mitgliedern keineswegs als hoch anzusehen sei, um so weniger, wenn man mit der an- dauernden starken Zunahme an Mitgliedern rechne.— Die vorgeschlagene Neuanstellung wurde nach kurzer Diskussion mit allen gegen ungefähr 10 Stimmen bescblossen. Darauf wurde nach län- gerer Debatte ein neuer Wahlmodus für die Anstellung beschlossen. Danach sollen von jetzt ab, wie es schon in anderen Verwaltungsstellen des Metallarbeiterverbandes üblich ist, bei Neuanstellung die Stellen zu freier Bewerbung ausgeschrieben werden. Die Be- Werbungen werden dann einer aus 12 von der Generalversanim» lung und 3 von der mittleren Verwaltung zu wählenden Mitglic- dern bestehenden Kommission zur Prüfung überwiesen. Darauf wird die Liste der von der Kommission für geeignet befundenen Kandidaten der Generalversammlung zu weiterer Auswahl vor- gelegt. Enthält die Liste nicht mehr Kandidaten als Posten zu besetzen sind, so wird die Wahl durch die Generalversammlung vollzogen; andernfalls entscheidet die Urabstimmung. In die Kom- Mission können nur solche Mitglieder gewählt werden, die seit mindestens fünf Jahren dem Verbände angehören. Nachdem dies beschlossen loar, wurde die Wahl der Konunission vollzogen, soweit dies Sache der Generalversammlung ist. Dabei wurde auch die Frage nach der politischen Organisation berücksichtigt.— Nach Erledigung einiger anderer Angelegenheiten wurde die General- Versammlung, die den großen Saal bis auf den letzten Platz füllte» beendet._ Hetzt« ftacbrlchteti. Anfhcbnng des Maiszolles in Frankreich. Paris, 22. November.(W. T. B.) Die Regierung hat für die Zeit bis zum 1. September 1911 einer Aufhebung des Einfuhr- zoll« auf MaiS, der für hundert Kilogramm drei Franks beträgt, im Prinzip zugestimmt. Für Mais, der zur Destillation oder zur Stärkefabrikation verwendet wird, bleibt der Zoll bestehen. Der Acht-Stundentag für Bergarbeiter. Paris, 22. November.(W. T. B.) Der Senat hat die Vorlage angenommen, durch welche die tägliche Arbeitszeit der unter Tage beschästigten Bergarbeiter ans acht Stunden herabgesetzt wird. Aus dem englischen Oberhaus. London, 22. November.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung de? Oberhauses fragte Lord L a m i n g t o n, wie die Angelegen- heit der persischen Anleihe von privaten Firmen stehe und ob Persien zu Anfang dieses Jahres daran verhindert worden sei, irgendwelche finanzielle Unterstützung dieser Art zu erhalten. Lord H e r s ch e l l erwiderte im Namen des Auswärtigen Amts, die britische Regierung habe nicht den Wunsch, und wenn sie den Wunsch hegte, würde sie gar nicht dazu in der Lage sein. Persien an der Erlangung eines Darlehens von privaten Quellen zu hindern. Was die Frage anlange, ob Persien daran gehindert worden sei, eine Anleihe von privaten Quellen zu Anfang deS JahreS zu erlangen, so habe ein gewisses Syndikat in London im März Vorschläge bezüglich einer Anleihe an Persien gemacht, aber zu der Zeit seien Verhandlungen im Gange gewesen in betreff eines gemeinschaftlichen Darlehens von der britischen und russischen Regierung an Persien. Die britische Regierung habe keine Möglichkeit zu einem anderen Vor» gehen sehen können, als der persischen Regierung mitzuteilen. daß, solange die Verhandlungen schwebten und solange nicht die Rückstände der Zinsen bezahlt worden seien, die britische Regierung nicht bereit sei, einer Verpfändung irgendeines Teiles der öfsent- lichen Einkünfte seitens Persiens zuzustimmen. Lord H e r s ch e l l verteidigt noch in längeren Ausführungen die Haltung des Auswärtigen Amtes in der Anleihefrage. London. 22. November.(W. T. B.) Im Unterhaus fragte im weiteren Verlauf der Sitzung D i l l o n, welche H a l- t u n g die englische Regierung für den Fall einzunehmen be- absichtige, daß die persische Regierung cS ablehnen sollte. ihre Einwilligung dazu zu geben, daß die Straßen im Süden Per- sicns von Truppen unter dem Befehl englischer Offiziere überwacht würden. Sir Edward Grey erwiderte, was bisher von der persischen Regierung verlangt worden sei, das sei. daß die O r d- nung auf den Straßen Buschir— Schiras— Jspahan wieder hergestellt werde, und daß, wenn die persische Regierung nicht binnen 3 Monaten dazu imstande sei, sie acht oder zehn britische Offiziere, die ihr von der indischen Regierung zur Verfügung gestellt, aber in persischen Diensten stehen würden, dafür verwende, persische Truppen für die Wiederher» stellung der Ordnung zu organisieren. ES würde verfrüht sein, schon jetzt zu sagen, welche Haltung die eng- tische Regierung einnehmen wird. Zwei Kinder verbrannt. Erfurt, 22. November.(W. T. B.) In der Wohnung des Schreibers S i e b e r t in der Kleinen Herrcnbergstraße spielte» heute nachmittag die drei Kinder im Alter von 2—6 Jahren in Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern und setzten die Bette» in Brand. Die beiden jüngeren Kinder fanden den Erstickungstod. Das ältere ist an Rauchvergiftung lebensgefährlich erkranlt. Ein schwerer Bootsunfall. Paris, 22. November.(W. T. B.) Wie au? Nantes gemeldet wird, ist ein Boot, in dem 17 Arbeiter und Arbeiterinnen über die Loire fetzen wollten, mitten im Flusse an eine Zeucht- bojc angeprallt und zerschellt. Sieben Arbeiter sind er- trunken, die übrigen konnten sich retten, indem sie sich teils an der Boje anklammerten, teils schwimmend das Ufer erreichten. Daül Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltung»«, Verautw. Siedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; Uh. Blocke, Berlin. Drück u. Verlag:BorwärtS>vuchdr.n.0erlag»anttqlt Ar. 274. 27. Jahrgang. 1. Ktilm Ks Jonoärts" jitiiinct Jlolkolilatt. Mlvoch. 28. NiMluber 1910. Quittung. Im Monat Oktober gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aacken-Siadt, 3. Quart. 1910 96,62. Altkirch-Tbann. 2. Quart. 1910 5,08. Aachen-Land, foz. Verein 3. Quart. 1910 69,30. Berlin- Groß, a konto seiner acht Wahlkreise 15 000,—(bamnter: Blumenthal 2. Abt. 1—; Alexander F. 6,—; Kranzüberschuß von den Kollegen der Firma Siebert u. Aschenbach 6,70; Fr. K.— ,40; Kollegen der Firma Max Bernhardt u. Co. 1,50; Tischlerei Bleu- dinger, Bredow u. Co. 10,—; SBi.itet 10,—; Bleisteg 1,—; Kraiiz- iiberschuß vom 734. Bezirk 16,65; Moses sür Referat 3,—; von den Kollegen der Argus-Motoren sBierpro�ente) 22,50; A.B.Mister 1,—; König 2.—; Genossin Wehl für Referat 6,—; von Gen. Martens durch Stuttfeld 10.—; Sechserkasse Goldleistenfabrik Bartels 5,—; Sechserkasse Müller u. Schmelzer 7,20; Hennig, Argen- tinien 5.—; Resultat einer Schlichtungskommission B. 5,—) Berlin diverse Beiträge: W. Z. 50,—. Machetes 5,—. O. Scki. Dieffenbachslroße 36 5,—. Jnle II., Rilterstraße 10,40. Dr. L. A 100,—. Die Konlobucharbeiler vom Wedding 5,—. Gutenberg, September 89,—; desgl. Oktober 31,50..Bombe" 0,50.„Durch Belhke, Liers und Rennecke, im Auftrage" 300,—. Arbeiter der Deutschen Metallwarenwerke 6,—. Jnle. Ritterstraße, 3. Quart. 1910 16.20. Alt-Stralau, Eisengießerei G. Grauert, Abt. 2 14,85. M. W., Aug., Septbr., Oktbr. 6,—. Ueberschuß der Sechserkafse der Tischlerei C. H Bormann 10,—. Knabe 3,—. 21. 23. 50,—. P. S. 50,—. Beelitz, Genossen in der Lungenheilstätte 20.—. Breslau Ost und West, 1. Quart. 1910/11 1150,50. Bant, Beitrag vom 1. Quart. 1910/11 716,34. Braunschweig, 1. R.-W.-Kr. 1020,73; Brannschweig, 3. R.-W.-Kr. 92,55. Bern 50.—. Cöln a. Rh., Reg. W. 20.—. Crefeld, 1. Quart. 1910/11 279,18. Düsseldorf, 1. Quart. 1910/11 907,30. Esten a. R., 1. Quart. 1910/11 900,21. Euskirchen- Bergheim. 1. Onart. 1910/11 16,—. Erfurt-Schleusingen 300,—. Elberseld-Barmen, 1. Onart. 1910/11 1000,—. Eberswalde lWahlkreis Oberbarnim), 3. Quart. 1910 143,22. Frankfurt a. M., 3. Quart. 1910 1471,70. Falkenberg, Oberschlesien 7,10. Freibnrg, 5. bad. R.-W-Kr., 3. Quart. 1910 91,68. Gcbweiler, 3. Quart. 1910 14,92. Hamburg, I. R.-W.-Kr. 5000,—; Hamburg, II. R.-W-Kr. 5000,—; Hamburg, Hl. R.-W.-Kr. 15 000,—. Hagen i. W., 3. Quart. 1910 565,05. Halle a. S. 1200,—. Jerichow, I. u. II,, 3. Quarr. 1910 571,45. Kempen, 3. Quart. 1910 25,74. Ludwigshafen, Gau Pfalz, Nachtrag vom 1. Quart. 1910 62,21. Desgl., 2. Quart. 1910, Wahlkreise: Ludwigs- hafen-Speyer 840,—; Neuitadt 156,18; Germersheim 23,64; Pirmasens 132,30; Homburg 25,86; Kaiserslautern 132,90; Sa.: 1373,09. Limbach-Mitlweida, 15. sächs. R.-W.-Kr., 3. Quart. 1910 600.—; Lüneburg, 16. hannov. R.-W.-Kr., a konto 1910/11 400,—. Mülheim- Wipperfürth, 1. Quart. 1910/11 498,66. Mülbausen i. Elf., 3. Quart. 1910 158,58. Magdeburg. 3. Quart. 1910 1345,13. Nürnberg, Gau Nordbayern, Rest v. 1. Quart. 1910. Wahlkreise: Erlangen-Fürlh 32,70; Bayreuth 13,75; Hof 35,67; Bamberg 17,88; Kronach-Lichtenfels 9,03. Desgl., 2. Quart. 1910, Wahlkreise Erlangen- Fürth 774,96; Bayreuth 303,42; Schweinfurt 176,82; Hof 194,28; Ansbach- Schwabach 229,02; Regensburg 107,52; Neustadt a. W: 43,74; Eichstätt 19,74; Kitziugen 23,04; Kronach-Lichten sels 79,56; Bam berg 80,22; Lohr 28,08; Würzburg 243.48: Amberg 26,46; Nürn Berg 2963,29; Forchheim-Kulmbach 72,96; Neumarkt 14,52; Dinkels bühl 41,16; Aschaffenburg 69,63; Neustadt a. S. 21,45; Rothen bürg 17,70; Sa. 5645,03. Nordische Wasserkante 60 000,—. Ottenseu-Pinneberg- Elmshorn, 6. schlesw.-holst. Kr., 2 a konto Raten a 800,—— 1600,—. Oldenburg, 1. R.-W.-Kr., 3. Quart. 1910 177,35. Potsdam-Osthavelland, 3. Onart. 1910 440,08. Prenzlau-Angermünde» 3. Quart. 1910 77,33. Quedlinburg Aschersleben-Colbe 3. Quart. 1910 694 80.1 Recklinghausen 267,— � Stettin, Agitationsbezirk Pommern. 2. Quart. 1910, Wahlkreise: Stettin 310,20; Randow- Greifenhagen 513,84; Usedom-Wollin 103.31; Greifswald-Grimmen 62,37; Stral- sund-Rügen 67,34; Anklam-Demmin 18,42; Kolberg-Köslin 56,76; Stolp-Lauenburg 13,92; Naugard-Regenwalde 9,36; Pyritz-Saatzig 11.53; Greisenberg-Kammin 12,75; Neustettin 9,60; Dramburg- Schivelbein 5,28; Bütow-Schlawe 7,80; Sa. 1202,98 Saarbrücken, foz. Verein des Saarreviers 3. Quartal 1910 70,43 Solinge» 3. Quart. 1910 743,11. Slendal-Osterburg 3. Quart. 1910 209.30. Siegen i. W. 1. Quart. 1910/11 23,58. Singen a. H., 1. bad R.-W.-Kr. 20,—. Schlesw, g, 3. schlesw.- holst. Kr.. 1. Onart. 1910/11 178,36.„Vorwärts" 3. Quart. 1910 16 479,—. „Wahrer Jakob".„Neue Zeit",„Gleichheit" 15 000,—. Worms- kleines feuiUeton. Wie Tolstoi Dichter wurde. In den„Bekenntnissen" seines Nters hat Graf Tolstoi erzählt, daß er in der tiefsten Zeit seiner Verderbnis„aus Eitelkeit, Gewinnsucht und Hochmut" angefangen habe, m schriftstellern.„Wie oft habe ich während des Schreibens mein Hirn zermartert, um unter, der Maske der Gleichgültigkeit oder des Scherzes die Sehnsucht nach Höherem zu verbergen, die den wirklichen Inhalt meines Lebens bildetet Ich erreichte meine Absicht und man pries mich." Aber es waren doch noch andere Impulse, als die Gier nach Ruhm und Reichtum, die den jungen Grafen in der großen Natur des Kaukasus zum Dichter machten. Das abcnteuerreiche Leben als Soldat, die ideale Leidenschaft für ein schönes Kosäkenmädchcn, das ganze gesteigerte Lebensgefühl, das in dieser ersten, wirklich tatenreichcn Periode seines Lebens in ihm erwachte, ließ seinen innersten Beruf, mag er ihn auch später noch so heftig abgeleugnet haben, den Beruf des Dichters, in ihm mächtig werden.„Es ist etkvas in mir, was mir den Glauben gibt, daß ich nicht dazu geboren bin, zu sein wie alle anderen." Dies Gefühl regt sich in seinen Briefen aus der Krim uchd läßt den Schriftsteller sich in den flüchtigsten Auszeichnungen regen. Mit greifbarer Anschaulichkeit stehen die Visionen seiner Kindheit vor ihm, und ihm selbst, fast unbewußt, entstehen so die Bilder seines ersten Buches„Kindheit". Er schickt das Manuskript am 2. Juli 1852 an Nekrassoff, den Herausgeber der damals wichtigsten russischen Zeitschrift, des„Zeitgenossen". Und Nekrassof erkennt sofort den großen Dichter; zwar kann er ihm für sein Erstlings- werk kein Honorar zahlen, aber er verspricht ihm für spätere Werke das höchste Honorar, das er bieten kann, nämlich 50 Rubel für 16 Druckseiten. Am 6. September vollzieht sich das große Er- eignis der russischen Literaturgeschichte: unter der Chiffre „L. N. T."- erscheint das Erstlingswerk des Mannes, der seiner heimatlichen Dichtung den Weltruhm erobern sollte. Das Buch mit seiner wundervollen Analyse der kindlichen Welt, das den Anstoß zu einer ganz neuen Betrachtung der Kindesseele gab, erregt ge- waltiges Aufsehen; alle Welt will wissen, wer dieser geheimnisvolle „L. N. T." ist; aber der Name des neuen Dichters wurde der All- gemeinheit erst bekannt, als Tolstoi nach dem Krimkriege in den Kreis der Petersburger Literaturwelt eintrat und nun unter den Mitarbeitern des„Zeitgenossen" an weithin sichtbarer Stelle stand. Ter Erdgasbrand bei Ncuengamme. DaS Phänomen in den Vierlanden bei Hamburg dauert bis zur Stunde noch unverändert fort. Es setzt aber dabei immerwährend aus, um nach wenigen Augenblicken mit dumpfem Knall wieder hervorzuschießen. Nach wie vor ist das furchtbare Tosen des ausströmenden Gases meilen- weit im Umkreise zu hören; trägt der Wind den Schall herüber, so übertönt das Geräusch der Gasquelle selbst das Donnern der v-Züge auf der mehr als eine Stunde in der Luftlinie von Neuengamme entfernten Berlin-Hamburger Eisenbahnstrecke. Am- Heppenheim 3. Quart. 1910 109,50. X. D. Z., a konto-Zahlung 5000,—. Zinsen aus dem Marxismus 10 000,—. Berlin, den 21. November 1910. Für den Partcivorstand: I. V.: Fr. Ebert, �_ Lindenstr. 69. Reichstag» 83. Sitzung, Dienstag, den 22. November, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Delbrück, Lisco, Kraetke. Präsident Graf Schwerin-Löwib eröffnet die Sitzung und be- grüßt die Abgeordneten. Er teilt dann mit, daß während der Unter- brechung der Tagung die Abgeordneten Zimmermann, D e i t o snatl.), Schmidt-Warburg. Dr. von S k a r z y n s k i lPole), Arendt- Labiau(l.) gestorben sind. Das Haus ehrt das Andenken der Verstorbenen in der üblichen Weise. Weiter teilt der Präsident mit, daß während der Unterbrechung der Tagung der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg sein Amt als zweiter Vizepräsident niedergelegt hat. Ferner, daß die Abgeordneten Träger ffortichritll. Vp.j, von Strom- Beck(Z.), L e n d e r(Z.), das achtzigste Lebensjahr erreicht haben und übermittelt ihnen die Glückwünsche des Hauses. Sozialdemokratische Interpellation über die KönigSberger Kaiferrcde. Eingegangen ist folgende Interpellation Albrecht und Genossen(Soz.); „Was gedenkt der Reichskanzler zu tun in Ausführung der im November 1908 vom Fürsten Bülow als verantwortlichem Reichskanzler und zugleich im Namen des Kaisers dem Reichstag gegebenen Zusichernnaen, die durchbrochen worden sind durch die in diesem Jahre in Königsberg und an anderen Orte» vom Kaiser über seine staatsrechtliche Stellung abgegebenen Erklärungen." Sozialdemokratische Interpellation über die Flrischnot. Eingegangen ist ferner folgende Interpellation Albrecht und G e n o s s e n sSoz.): „Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um der die Volks- gesundheit schwer gefährdenden LebenSmittelteuerung zu be- gegnen?" Den gleichen Gegenstand behandelt eine konservative Interpellation, die sich gegen die Oeffmmg der Grenzen richtet. Die Jnlerpellalionen sollen aus die Tagesordnung der morgigen Sitzung gesetzt werden. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung eines Gesetzentwurfs betreffend die durch die neue Strafprozeßordnung veranlaßten Aendcruiigcn des Gerichtskostcngesetzes. Die Vorlage geht nach unwesentlicher Debatte an die Straf- prozeßkommission. Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs über den Schutz des Reichsbanknotenpapiers. Dr. Arendt(Rp.) und Ortrl(natl.) wünschen ein den ästhetischen und praktischen Ansprüchen besser genügendes Bank- noteupapier. Die zweite Lesung der Borlage findet im Plenum statt. Die Beseitigung von Ticrkadavcrn. Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück: Das Gesetz entspricht einer Anregung des Reichstages bei der Beratung des Viehseuchen- gesetzes. Es gebt von der Erkenntnis aus, daß bei der Bedeutung der ungenügenden Beseitigung der Kadaver für die Viehseuchen- Verbreitung die Gesetzgebung des Reiches und der Einzelstaaten nicht mehr den Anforderungen entspreche, welche im Sanitäts- und veterinärpolizeilichen Interesse gestellt werden müssen. Es muß von Reichs wegen der Grundsatz aufgestellt werden, daß eine unschädliche Beseitigung der Kadaver zu erfolgen hat. Das Gesetz regelt die Mindenforderungen, die in dieser Hinsicht zu stellen sind. Abg. Sicbenbürgcr(f.) erklärt sich im Interesse der Landwirtschaft mit der Vorlage einverstanden. Abg. Fischbeck(Fr. Vp.) begrüßt das Gesetz im Interesse der Volksgesundheit. Die Befugnis des Bundesrates, zu gestalten, daß Teile von Viehkadaver» von Privaten benutzt würden, soll eben mit großer Vorsicht angewandt werden, idamit nicht das Gegenteil von dem herauskommt, was das Gesetz bezweckt. Abg. Neuner(natl.) erklärt, daß seine Freunde der Vorlage im allgemeinen synipalisch gegenüberstehen. Freitag waren genau 14 Tage seit der Entzündung des Gases vergangen, dessen Ausbruch 22 Stunden vorher begonnen hatte. Innerhalb dieser Zeit dürften nach einer Schätzung annähernd 10 Millionen Kubikmeter Gas ausgeströmt sein; diese ungeheure Menge, deren Wert in die Hunderttausende geht, würde aus- gereicht haben, ganz Hamburg für länger als einen Monat mit Leuchtgas zu versorgen. Neuerdings sind denn auch, wie von Hamburg aus gemeldet wurde, Versuche gemacht worden, den Brand zu löschen. Inzwischen ist, wie Professor Dr. Gürich, der Diikektor des Mineralogisch-Geologischen Instituts in Hamburg mitteilt, das Gas einer Analyse unterworfen worden, wobei sich ergeben hat, daß es zu 91,5 Proz. aus Methan besteht. Dieses Methan- oder Sumpfgas ist die einfachste gesättigte Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff. Es ist ziemlich identisch mit dem Grubengas der Schlagenden Wetter, findet sich vor allen Dingen auch in Petroleumgegenden. So gibt es am Kaspischen Meer Methangasquellen, die seit Jahrzehnten, vereinzelt seit Jahrhunderten brennen. Es ist ein Produkt der Zersctzungs- Prozesse organischer Materie, bildet sich bei trockener Destillation der Steinkohle und ist daher nicht nur in Kohlenbergwerken vor- handen, wo der Druck der Gesteinsmassen den Destillationsprozeß zersetzt, sondern es ist auch ein Bestandteil des Leuchtgases. Methan entsteht ferner bei der durch Bakterien bewirkten Gärung der Zellulose, wie sie in Sümpfen vor sich geht und auch bei der Verdauung im tierischen und menschlichen Darm erfolgt. Es ist ein färb- und geruchloses, brennbares Gas mit einem spezifischen Gewicht von 0,56. Zur Verflüssigung gehört ein Druck von 180 Atmosphären. Bei der Vermischung mit Sauerstoff oder atmosphärischer Luft erfolgt im Moment der Entzündung eine heftige Explosion, sobald auf ejn Volumen Methan 6 Volumina Luft kommen. Die Verbrennungsrückstände sind Kohlensäure und Wasser. Diese Kohlensäure ist das giftige Gas, das bei Ex- plosionen Schlagender Wetter den eingeschlossenen Bergleuten so oft verhängnisvoll wird. Daß das Gas von Neucngamme bisher niemals ans Tageslicht gekommen ist, hat seinen Grund in der großen Tiefe von 245 Meter, aus der es durch Bohrungen nun- mehr seinen Weg zur Oberfläche der Erde gefunden hat. Durch eine 95 Meter dicke Tonschicht war es völlig gegen die oberen, mehr lockeren Schichten abgeschlossen, die vorwiegend aus Sand und Geschiebemergel bestehen. Professor Gürich ist jetzt der An- ficht, daß die Gasquelle in Petroleumlagerschichten ihren Ur- sprung hat. Für die„deutsche Schrift". In Darmstadt wurde eine„Ver- einigung der Freunde deutscher Schrift" gegründet. Sie wollen für die deuische Schrift, der auch im Uulcrhallungsblatt kürzlich der Prozeß gemacht wurde, eintreten. Da sie immerhin Argumente und nicht bloß deutsche Gefühle ins Feld führen, wollen wir einige davon wiedergeben. Um der„Eckenschrift" gerecht zu werden,— führen sie aus— darf man nicht nur die einzelnen Buchstaben untersuchen. Einzel- Buchstaben liest der Abc-Schütze. alle anderen Menschen aber Wortbilder, und diese find in gebrochener Schrift beut- Abg. Scheidemann(Soz.): Zu den ästhetischen Genüssen höherer Art, die uns in der Viehieucheukommission beschert worden sind, ge- hören auch die schöngeistigen Auseinandersetzungen über die Not- wendigkeit der Tierkadaver und Kadaverteile. Die Regierung scheint in ihrer Vorlage im großen und ganzen das Richtige getroffen zu haben. Einige Einzelheiten werden wohl am besten noch in einer Kommission von 14 Mitgliedern zu prüfen sein. Abg. Vahrcnhorst(Rp.) spricht sich ebenfalls für Ueberweisung der Vorlage an eine Konunission von 14 Mitgliedern aus. Die Ueberweisung wird beschlossen. Vizepräsident Dr. Spahn teilt mit, daß eine fortschrittliche Interpellation eingegangen ist: „Kann der Reichskanzler erklären, ob im Laufe der nächsten drei Monate dem Hause eine Vorlage über die Versicherung der Privatbeamten zugehen wird?"(Heiterkeit.) Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr.(Interpellationen über F l e i s ch t e u e r u n g, K a i s e r r e d e und Privatbeamten- Versicherung. Konservativer Mittel st andsantrag.) Schluß 3% Uhr._ Hus Induftric und Handel» Weitere Preissteigerung. Das Hinaufschnellen der Preise am Kaffeemarkt ist immer noch nicht zum Stillstand gekommen. Die Haussiers arbeiten mit der Behauptung, die nächste Ernte werde schlechtere Erträge liefern, als bisher angenommen worden ist. Wie die Preise seit Juni im Ver- gleich mit dem Vorjahre gestiegen sind, zeigt folgende Aufstellung. Es notierte J/3 Kilogramm: am Anfang der Monate Juni September Oktober Novemb. 21. Novb. in Pfennig 1909... 32'/» 32'/» 32'/» 36'/, 36»/« 1910... 34'/z 42 47>/z 47>/z 53'/« Demnach ist der Preis seit. Juni dieses Jahres um 18»/« Pf. oder um zirka 54 Proz. gestiegen; gegenüber dem gleichen Termin des Vorjahres macht die Steigerung 17 Pf. oder über 46 Proz. aus. Das Aufreizende ist dabei, daß noch ungefähr 6 Millionen Sack durch die sogenannte Kaffee-Valorisation dem Markte ferngehalten werden. Auch eine Blüte kapitalistischer Kultur. Ein neues Goldland. Angeblich hat man in der Eifel Gold gefunden; ja, es soll dort schon in früheren Zeiten ein Goldbergbau in Betrieb gewesen sein. Es ist eine Gesellschaft gegründet worden, die Gold„heben" will. Es wird ihr das auch wohl gelingen, wenn sie genügend von denen findet, die nicht alle werden. Ernteschätzung. Die Gesamtproduktion der nördlichen Welthälfte wird vom landwirtschaftliche» Institut in Rom wie folgt geschätzt: sür Weizen 847 999 000 Doppelzentner oder im Verhältnis zum Er- trage des Vorjahres auf 97 Proz., Roggen 359 029 000 Doppel« zentner beziehungsweise 97 Proz., Gerste 267 223 000 Doppelzentner beziehungsweise 91,1 Proz., Hafer 534 434 000 Doppelzentner be- ziehungöweise 94,1 Proz. Die Winterbestelluug ist in Europa nor- mal verlaufen, der Saatcnstand allgemein befriedigend. Neue Schiffe. Die Hamburg-Amerika-Linie hat 17 neue Dampfer mit einem Deplacement von 170 000 Tonnen in Auftrag gegeben; darunter ist ein großer Fracht- und Passagierdampfer, der allein 60000 Tonnen Raumgehalt haben soll. Geschästsergebnisse im Papicrgewerbe. Unterscheiden wir die dem Papiergewerbe zuzurechnenden Ge« sellschaflen nach solchen, die hauptsächlich Zellstoff herstellen, solchen, die die Zellulosesabrikation mit der Papierherstellung vereinigen und endlich nach solchen, die sich ausschließlich mit Papier- resp. Pappen- fabrikation beschäftigen, so erhalten wir folgendes Bild: Zahl d. Aktienkapital Reingewinn Gesell- in 1000 M. in 1000 M. schaften 1908/09 1909/10 1908/09 09/10 Zellulosefabriken.... 7 32515 40618 7084 6699 Zellulose- u. Papierfabrik. 8 9 966 8 908 883 964 Papierfabriken mit mehr als 2 Millionen Mark. 11 54 800 58 500 3 619 S S70 Papierfabr. mit weniger als 2 Millionen Mark. 47 22 627 27 736 4 453 5 299 licher als in Antiqua, weil erstere mehr Ober- und Unter- längen hat. Zudem sind die Lettern der Fraktur schmäler, eignen sich also gerade für deutsche Wörter, die durchschnittlich viel mehr Buchstaben zählen als französische oder gar englische. Fürs Lesen deutscher Sprache ist darum Bruchschrift vorteilhafter. Daß man sie nicht ans dem Gedächtnis zeichnen kann wie Antiqua, ist belanglos. Die kleinen Anhängsel der Frakturbuchstaben brauchen nicht ins Auge gefaßt zu werden; von einer Ver- Minderung der Äurzsichtigkeit durch Einführung der„Altschrift" kann keine Rede sein. Die deutsche Schreibschrift ist so handlich wie die lateinische. Ihre Zeichen verbinden sich mit den vor- ausgehenden und folgenden mindestens ebenso leicht; kein Er- ivachsener braucht alle Ecken beizubehalten. Sie' sind sogar bequemer als die lateinischen, weil sie es vermeiden, auf kleinem Räume die Drehungsrichtung umzukehren, und auch nicht nötigen, dieselbe Stelle nochmals zu erreichen oder eine längere Strecke zweimal zu überfahren. Was den Ausländer vor unserer Sprache zurückschreckt, ist der schwierige Sprachbau, nicht die Buch- staben; diese sind ihm als Zierschrift wohl bekannt. So ist die Bruchschrift eine zweckmäßige Weiterbildung der karolingischen Minuskel; die Humanisten dagegen verleugneten die geschichtliche Entwickeluirg und fielen in die Vergangenheit zurück. Der Sonnenofen. Bei Versuchen, die zur Ausnutzung der Sonnenwärme unternommen wurden, fand man schon im Jahre 1695, daß durch die Wärme der in einem Brenuspiegel gesammelten Sonnenstrahlen Diamanten verbraunt werden können. In späterer Zeit erfand man„Sonnenmotoren", die unter der glühenden Wüsten- sonne ausgestellt wurden. Alle diese Versuche blieben Spielereien oder hatten doch nur geringes wissenschaftliches Interesse, und er« gaben keine praktischen Konsequenzen. Jetzt aber teilen die Ehemiker Stock und Heynemann in den Berichten der deutschen Chemischen Gesellschaft Versuche mit, die der Schaffung eines Sonnen- ofenS dienen. Sie gehen von der Tatsache aus, daß die Sonnen- wärme, die durch ein Brennglas auf einen Körper im luftleeren lltaume gerichtet wird, sehr hohe Temperaturen erzielt. Zu ihren Versuchen bedienten sie sich einer Linse von bedeutender Brennweite. Diese war in geeigneter Weise an einer Glaskugel befestigt, die mit einer Luftpumpe verbunden war. In der Glaskugel befand sich auf einem Träger der zu erhitzende Körper in einem Magnesia- tiegel. Die eintretenden Sonnenstrahlen passieren ohne be- sondere Erhitzung das Glas, und auch in dem fast lustleeren Raum gehl wenig von ihrer Wirksamkeit verloren. Um so inten- siver ist ihre Wirkung auf den bestrahlten Körper. Schon bei ganz kurzer Bestrahlung konnte Kiesel, dessen Schmelzpunkt bei 1450 Grad liegt, zum Schmelzen gebracht werden, und Gußeisen verflüssigt sich fast augenblicklich._ Notizen. — K u n st ch r o n i.k. Die Van G o gh- Au Sstellung im Kunstsalon Paul Cassierer, Viktoriastr. 35, ist bis Somrtag. den 27. November, verlängert. Die gellulosefavriken berteNten in, Jahre 1908/09 auf ein Mtienkapital von 32,94 Millionen Mark durchschnittlich 17,92 Proz. Dividende, im Jahre 1909/10 bei einem Aktienkapital von 41,04 Mill. Mark 13,19 Proz. SS kleinere Papierfabriken, d. h. solche. deren Aktienkapital bis zu 1 Million Mark geht, verteilten im Jahre 1908/09 auf ein Aktienkapital von Sl,37 Millionen Mark durchschnitt- lich 0 Proz. Dividende, im Jahre 1909/10 auf ein Aktienkapital von S2, 02 Millionen Mark 7 Proz. 11 große Papierfabriken, deren Aktienkapital 2 Millionen Mark und darüber beträgt, verteilten 1908/09 auf ein Aktienkapital von S4.8 Millionen Mark durchschnitt- lich 3,79 Proz., 1909/10 bei einem Aktienkapital von öS, 4 Millionen 4,01 Proz. als Dividende. Die gemischten Betriebe mit einem Aktienkapital von 9,S7 Millionen Mark verteilten im Vorjahre ö,14 Proz., im Jahre 1809/10 bei einem Aktienkapital von 10,41 Millionen Mark ö,07 Proz. Dividende. Bei den eigent- lichen Papierfabriken sind besonders folgende mit kräftigen Dividendensteigerungen hervorzuheben. Bei der Varziner Papier- fabrik stieg sie' von s auf 8 Proz., bei der Papierfabrik Reisholz von 10 aus IS. bei der Ammendorfer Papierfabrik von 12 auf 22, bei der Papierfabrik Krappwiy von 10 auf 20, bei der Fr. Galbach A.-B-, Leer i. Ostfr., von 4 auf 7 Proz. Preise von Seefischen. Im Gegensatz zu den Fleischpreisen bleiben die Fischpreise hinter den vorjährigen zurück. Für die ersten sieben Monate ergab sich am Fischmarkt»och eine Preissteigerung gegenüber von 1909, von da ab aber ging die Preisrichtung nach unten. Ein Doppelzenwer tosteste im Durchschnitt Mark: 1909 1910 Gegen 1909 Januar/Juli 22,9 LS,8+ 2,9 August.. 52,5 45.7— 6,8 September. 52,9 40,9— 12,8 Oktober.. 53,3 42,1—11,2 Demnach hat sich das durchschnittliche Preisniveau in den letzten Monaten gegenüber dem Vorjahre gesenkt. An und für sich ist der Preis wie immer von Jahresmitte ab beträchtlich höher als im ersten Halbjahr. Was aber hervorgehoben werden soll, dos ist die Tatsache, daß im laufenden Jahr die regelmäßige Preissteigerung geringer ist als im Borjahre. So2iales. AuS der Präzis einer Krawattenakademir. Der Krawattenfabrikant und Direktor der„Ersten Berliner Krgwattrnakademie", Adolf Steinberg, stand gestern wieder vor dem Gewerbegericht. Die Kraivattennäherin W. klagte gegen Steinberg und seine Ehefrau, die beide Inhaber der Krawatten, fabrik sind. Die Klägerin ist auf eines jener Inserate, in denen Steinberg sein Lehrinstitut anpreist und dauernde Heimarbeit nach Beendigung des Lehrkurses in Aussicht stellt, in Steinbergs „Krawattenakademie- als Schülerin eingetreten. Am 31. Januar war sie„ausgebildet" und erhielt ihr Prüfungszeugnis. Arbeit erhielt sie jedoch zunächst nicht. Erst nach 14 Tagen sei sie durch Steinberg an eine Inhaberin einer Arbeitsstube für Krawatten vermittelt worden. Dort sei sie aber nicht lange gewesen, weil ihr diese Arbeitgeberin schon die zweite Lohnrate schuldig blieb. Die Klägerin fordert nun für die dazwischenliegenden 14 Tage ihrer Beschäftigungslosigkeit eine Entschädigung von IS, 00 M. Steinbcrg, der selbst die beklagte Firma im Prozeß vertrat, wendete ein, daß die Klägerin bereits am 6. Februar auf jene Stelle hin vermittelt worden ist, und vom 19. Februar ab von seiner Fabrik beschäftigt wurde. Die Beweisaufnahme bestätigte die Angaben des Beklagten. Das Gericht wies die Klage ab. Es nahm als klar erwiesen an, daß die Beklagte der Klägerin Arbeit zugesagt hat. Fest stehe auch, daß die Klägerin die Beklagte um Arbeit angegangen ist. Es wate nur noch zu prüfen gewesen, ob die Beklagte ihre Versprechungen erfüllt hat oder nicht. Nach Ansicht des Gerichts ist das geschehen. Wenn sich Klägerin auf die Zeitungsannonce stütze, worin von lohnender und dauernder Arbeit die Rede war, so sei zu beachten, daß eine Zeitungsannonce keine Offerte im rechtlichen Sinne ist. In einem Inserat könne alles mögliche versprochen werden. Rechtsgültig aber sei nur das, was die Parteien miteinander vereinbart haben. Die Entscheidung unterliegt erheblichen Bedenken. Nach den Grundsätzen von Treu und Glauben ist zu beurteilen, was ver- einbart ist. Der Inhalt des Inserats ist danach, falls nicht aus- drücklich abweichendes vereinbart ist, als von beiden Seiten ge- wollt zu erachten. Hinzu kommt, daß auch das einfache Ver- sprechen, für Arbeit zu sorgen, ohne Verletzung der Grundsätze von Treu und Glauben nur so aufgefaßt werden kann, daß lohnende und dauernde Arbeit gemeint ist. An nicht lohnender Arbeit liegt einer Arbeiterin nichts. Die laxe Auffassung des Gewerbegerichts ist geeignet, unsolidem, betrügerischem Geschäfts- gebaren Tür und Tor zu öffnen. 6encbt9- Zeitung. Wes Geistes Kind die Streikbrcchergarde ist zeigte eine von dem„Arbeitswilligen" Josef Hagge- Miller zu Krumbach in Schlvaben erhobene Privatflage. Ueber die am Donnerstag vor dem Knmibacher Schöffen- gericht stattgehabte Verhandlung geht uns nachstehender Be. richt zu: Im Verlauf des nun schon 12 Wochen andauernde» Streiks der hiesigen Textilarbeiter fand am 28. Oktober Hierselbst eine öffentliche Volksversammlung statt, welche von etwa 400 Bürgern und Arbeitern besucht war. In dieser Versammlung soll nach der Klage der l&auleiter des Deutschen Textilarbeiterverbandes. Ge- nosie Feinhals-Augsburg, den„Arbeitswilligen" Josef Haggemiller ein„gemeines Individuum", einen„Betrüger" und einen„ver- kommenen Menschen" genannt haben. Der Beklagte bestritt, die Aeußerungc« in der Form, wie die Anklage behauptet, gemacht zu haben. Wohl habe er sich als Vertreter der Textilarbeiter berech- tigt und verpflichtet gehalten, das gemeingefährliche Verhalten deS Privatklägcrs in der Versammlung zu schildern und die Streiken- den sowie die Bürger Krumbachs vor dem Kläger zu warnen. Es sei in der jetzigen Zeit doppelt geboten, die Arbeiterschaft vor Pro- vokateure zu warnen. Der Kläger habe vor dem Streit die Arbei- ter in der Fabrik zu„belehren gesucht", daß„nur durch Schnaps, Schnupftabat und Dynamit der Kapitalismus vertrieben werden könne und die Kapitalisten ins Jenseits befördert werden mühten". Kläger habe vor dem Streik scharf auf die Firma geschimpft und noch in einer Versammlung am 31. Juli den Ausspruch getan: „Jeh habe schon in 150 Webereien gearbeitet, aber noch keine solche Bruchbude angetroffen, wie bei der Firma Steiger u. Dcschler." Im Betriebe habe er erklärt:„der Betrieb der Firma Steiger u. Deschler in Söflingen ist eine Schnallenbude, wenn auch die Ar- beiterinnen dort nichts verdienen, bei Nacht kommen sie doch zu ■ihrem Verdienst." Wenn der Kläger auch ein Gewohnheitsalkoholiker sei und die »erständigen Arbeiter auf das Geschwätz des Ltlägers nichts geben. so sei derselbe für die vielen jugendlichen Arbeiter und Arbeite- rinnen eine große Gefahr, vor der mit aller Schärfe gewarnt wer- den müsse. Der Kläger habe auch während des Streikes die Ar- beit in Pfersee ohne Kündigung verlassen, nachdem er sich 15 M. a Konto habe geben lassen. Es müsse als Betrug angesehen wer- den, wenn der Vorschuß mit der Absicht genommen sei, ihn nicht abzuarbeiten. Dies alles habe der Beklagte in der fraglichen Ver- sammlung besprochen. Daß seine Warnung vor dem Kläger und dessen Kennzeichnung berechtigt gewesen sei, das hätten die letzten Vorgänge gezeigt. Am vergangenen Samstag hätten die Streik-. brecher die„Belohnung", welche die süddeutschen Textilindustriellcn für den Streikbruch aussetzen, erhalten und habe sich der Kläger Haggemiller für diesen Betrag einen Revolver gelaust. Mit diesem habe n schon am Samstag in einer hiesigen Wirtschaft, ohne jede Petansafsung eine» Schuß abgegebe»- Mm Senn tag Morgen habe d'er Kläger im nahen Walde Schießprobcn gema'chf und am Sonn- tag Abend sei es in einer anderen Wirtschaft beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Der Kläger habe aus ganz geringfügiger Ursache auf die Anwesenden mit dem Revolver angelegt und nur dem Umstände, daß die Sicherung sich verbogen habe, sei er nicht zum Schießen gekommen. Die anwesenden Bürger— glücklicherweise sei kein einziger Streikender dabei gewesen— hätten dem Kläger dann auf der Stelle eine gehörige Tracht Prügel verabfolgt. Der Revolver sei der Polizei übergeben worden und enthielt fünf scharfe Patronen. Der Kläger Haggemiller wehrt sich dagegen, daß er gegen hse Firma gehetzt habe. Er habe nur in dieselbe Kerbe wie die andern gehauen. Betreffs der Verhältnisse in Söflingen habe er nur ge- sagt, die dortigen Mädchen brauchten sich nicht zu organisieren, denn sie könnten sich ja abends in Ulm mit den dortigen Unter- offizieren etwas nachverdienen. Wenn er auch gern Bier und Schnaps trinke, so sei er doch nicht immer besoffen. Er verdiene jetzt während des Streiks so viel, daß er zufrieden sei(Und dabei ist er mit seiner Frau und zwei Kinder trotz des hohen Lohnes im Armenhause untergebracht!) Der Firmeninhaber, Herr Steiger, gab auf Befragen zu, daß der Kläger früher öfters blau gemacht und auch mehrmals be- trunken zur Arbeit gekommen sei. Er habe kein Interesse an dem Prozeß gehabt und in keiner Weise auf den H. eingewirkt, daß er seme Klage anbringen oder durchführen solle. Der Stückpassierer Dussler kann als Belastungszeuge nur be- künden, in der Versammlung sei davon gesprochen worden, die Firma nehme während des Streiks Lumpen an, auch seien die Worte„gemeines Subjekt" in Beziehung auf den Kläger gefallen. Eine Reihe Zeugen bestätigen übereinstimmend die Schilderung, die der Beklagte über die Versammlung gegeben hatte. Zu einem Zeugen hat der Kläger sich geäußert:„Ich nehme die Arbeit auf, Nieil die roten Lumpen mir leine Unterstützung geben wollen." Zuerst bestritt H. diese Aeutzcrungen und erst als ein weiterer Zeuge ähnliche Aussprüche des H. vorbrachte, meinte er, nur des Ausdruckes„rote Hunde" könne er sich erinnern. Hierauf erhob Feinhals Widerklage mit dem Bemerken, daß es ihm allerdings äußerst peinlich sei, gegen einen Mann wie Haggemiller, eine Be- leidigungSklage zu erheben. Als der Gerichtsvorsitzende den Kläger mehrmals scharf ins Gebet nahm und ihn ermahnte, in Zukunft nicht mehr zu schwätzen als er verantworten könne, erklärte Haggemiller mit Pathos:„Ich werde in Zukunft mit dem Deutschen Kaiser halten und meine Kinder staatlich und kaiserlich erziehen." Nach fast dreistündiger Verhandlung kam dann auf Anregung des Vorsitzenden folgender Vergleich zustande: Ter Privatklägcr und Widerbeklagte Hagge- miller nimmt seine Klage zurück und übernimmt die gesamten Ge- richtSkosten sowie die Kosten fiir die vom Gericht geladenen Jen- gen. Der Beklagte und Widerkläger Feinhals nimmt die Wider- klage zurück. Die Kosten für die von ihm mitgebrachten Zeugen trägt letzterer selbst. Die nationale und gelbe Garde kann auf den„nicht immer be- trunkenen" Kläger stolz sein, der verspricht, seine Kinder„staatlich" erziehen zu lassen und sie zurzeit ini Armenhaus städtisch erziehen läßt. Ein netter Ordnungsgardist und Armenhäusler, der zum. Kampf mit Schnaps, Schnupftabak, Dynamit und Ermordung der Kapitalisten auffordert und sobald er die Belohnung für Streik- bredherdienste in Händen hat, sich einen Revolver verschafft, um auf friedliche Bürger zu schießen. Der Mann ist zur Organisie- rung von Putschen zu empfehlen, die unseren Patrioten erforder- lich erscheinen, uni für Ausnahmegesetze Stimmung zu machen und den Groll gegen den schwarzblauen Block abzuleiten. Bus der frauenbewegung» ■ Frauenbewegung nnd Kulturfortschritt. In der kulturellen Hebung der letzten zwanzig Jahre spielt die Frauenbewegung eine bedeutende Rolle. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man erklärt, die Stellung der Frau im Leben der Völker er- gebe einen wichtigen Maßstab zur Beurteilung des kultu- r e l l e n Niveaus. Ob die Frau eine geachtete oder unter- geordnetete Stellung einnimmt; ob sie sich einer freieren Regung erfreut oder nur geduldet ist; ob sie als Kameradin oder Sklavin erscheint, kann schon deshalb nicht außer Betracht bleiben. als durch diese Stellung das Familienleben, die Er- ziehung und Bildung des heranwachsenden Geschlechts und damit wichtige Träger des Kulturgedankens berührt werden. Durchweg wrrd man die EntWickelung der Frau zum„eoon politikon" um ein Wort Aristoteles' zu gebrauchen, zum politischen Wesen, wird man Frauenwürde oder Frauenunterjochung als einen beachtenswerten Maßstab zur Aufzeigimg der Kulturhöhe eines Volkes in Anwendung bringen müssen. Schon ein oberflächlicher kulturgeschichrlicher llmblick läßt darüber nicht den geringsten Zweifel. Es gibt sogenannte zivilisierte Nationen, in denen die Stellung der Frau heute noch nrcht die Höhe erreicht hat, wie fie im alten Babylon zur Zeit Hamurabis vorhanden und gesetzlich ver- bürgt war. Diese eine Tatsache schon gewährt uns die Ueber- zeugung, wie wertvoll, wie bedeutungsvoll da bereits das erste leise Auskeimen der Frauenbewegung sein mußte, welchem Kultur- sortschritt dieses Erwachen der Bewegung an sich bereits gleichkommt. Dieser erste Anstoß ist indessen nicht so jungen Datums, wie von einer Anzahl unserer modernen Frauenrechtlerinnen bürgerlicher Observanz zur höheren Ehre ihrer selbst gern dargestellt wird. Er reicht vielmehr schon über ein Jahrhundert zurück; er wnrzelr in der großen französiichen Revolution. Olympe de Gougcs, die 1789 die„Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin" herausgab, Theroigne de Moricourt, die an die Gesetz- gebende Versainmlung eine Petition richtete, in der sie für die „patriotischen Frauen" die Befugnis erbat, sich in den Waffen üben zu dürfen, schließlich Rose Lncombe, die die„Gesellschaft der revolutionären Amazonen" gründete und leitete— das waren Vorläufcrinnen und Vorkämpfcrinnen der modernen Frauen- bewegung. Man hört nun innner wieder hervorheben, aus wie kleinen Anfängen die Bewegung erwachsen und wie langsam sie vorwärtsgeschritten sei. Gewiß, das läßt sich nicht leugnen. Aber man wird der Stärke dieser Bewegung in ihrem Kern nicht gerecht, so lange man außer Betracht läßt, wie viele Jahrhunderte der Knechtschaft, der Unterdrückung, der Bevormundung die Frauenwelt entwöhnt halten, sich ihrer selbst zu erinnern. Berücksichtigt man diese jahrhundertelange Abhängigkeit, dann muß man sich wundern, woher die Frauen den Mut und die Kraft nahmen, auf � eine Äenderung der unhaltbaren Verhältnisse Hinznarbeilen. Und wo- her kam diese Bewegung? Oper fragen wir richtiger: Wie brachte sie die Massen in Fluß? Wurde sie von Fübrerinnen der Literatur oder von jenen Frauen, die ans den Höhen der Menschheit wandeln, ins Leben gerufen und den Massen aufgezwungen? Nein! Dieser Drang kam ans der Seele der er werbsrätigen unteren Stände. die die Härten und Ungerechtigkeiten der sozialen Unordnung am eigenen Leibe verspürten. Die deutsche Arbeiterin hatte längst die Schützengräben aufgeworfen und das Geplänkel gegen die sozialen Verkehrtheiten begonnen, als das Gros der Frauen noch lanye untätig oder mit sich und der neuen Be- wegung rm Hader, im Hintergründe verharrte. AuS der industriellen Entwickclung heraus erstand und erstarkte diese Bewegung, im Anschluß an die Verbreitung sozialistischer Ideen unter der männlichen Arbciterwelt. Die proletarische Frauenbewegung brachie daS Wesen der Arbeiterbewegung zur Ver- vollkommnnng, gab ihr die notwendige Ergänzung und trug früh- zeitig schon an ihrem Teile bei zu den kulturellen' Fortschritten, die in der Erfüllung sozialistischer Forderungen liegen. AuS den läppischen Spukgeschichten und dem langatmigen Gevattertratsch biedenneierischer Spinnstubenmägde war mit einem Male daS strenge Thema der sozialen Not solidarisch empfinden- der Arbeiterinnen geworden, die Kampf dem Bestehenden. Erwachen, geistigen, wirtschaftlichen und politischen Fortschritt auf ihre Fahnen geschrieben hatten I Kulturkämpferinnen im wahren Sinne des Worts. Was an Kulturwerten fiir die Frau in langem Kampfe geschaffen wurde, das verdankt sie dem eimnütigen und ziel- bewußten Borgehen der erwerbstätigen Stande. TaS in der Durchtränkung weiterer Volkskreise mit den Ideen der Frauen- bewegung präkliscb geleistet, was an Erfolgen dieser Bewegung ge- zeitigt wurde, gehör: unbestritten auf das Konto der erwerbstätigen Stände. Die Emanzipationsbestrebungen, die in bürgerlichen Kreisen nebenher und in einzelnen Fragen parallel laufen in den Forderungen der arbeitenden Frauen, ermangelten in erster Linie zur Erzielung einer wirksamen Durchschlagskraft der kräftigen äußeren Organiiation, aber freilich nicht minder auch des starken, bewußten inneren An- triebs, um achtenswerte Erfolge zu erringen. Und welche sozial« politische„Hochkultur" sich in den Frauenvereinen aufbläht, die cbaritative Halbheiten an Stelle durchgreifender gesetzlicher Reformen stellen, das hat man an hundert und aberhundert Beispielen so überzeugend erfahren, daß die ganze Voreingenommenheit und Ueberbebung dieser Kreise dazu gehört, um fie ihre eigene DiS- kreditierung nickn erkennen zu lasten. Wenn Frau v. Bopelius ihre Waichbütte empfiehlt zur Vermeidung des Kindersegens und Frau v. Bismarck allen Ernstes ihre inhaltleere Kochkiste zur Verminderung der Säuglingssterblichkeit und zur Hebung der Kinderpflege anpreist, dann ist das eine Politik, die Steine anstatt Brot gibt! Gegen die Kaiserrede und Prof. Gruber. Eine massenhaft besuchte Versammlung bürgerlicher Frauen Wiens am 16. November nahm Stellung zu den Kundgebungen Wilhelms H. und des Professors Gruber. Selten war eine bürger- liche Frauenversammlung so massenhaft besucht wie diese. Es mußte in einem in der Nähe des Versammlungslokals gelegenen Kaffee- hause noch eine zweite Versammlung abgehalten werden. Frau Berta Pauli war die Hauplreferenlin, und sie verstand es. in einer glänzenden Rede sowohl den Nachkommen der„hochseligen Königin Luise" als auch den Hygieniker in München zu widerlegen. Wenn wir auch sonst nicht immer eines Sinnes mit allen Ans- führungen der Vertreterinnen der bürgerlichen Frauenbewegung sind, so kann man doch Frau Heinisch zustimmen, die damit schloß, daß sie die Broichüre Prof. Dr. Grubers segne, Venn sie habe die Frauen aufgerüttelt.________ Hub aller CHelt. Drobnen der mcnrcblicben eefclircbaft Wohin die Verhältnisse in der heutigen Gesellschaftsordnung, die von pfiffigen Demagogen als„von Gott gewollt" hingestellt wird, führen, zeigt ein Artikel, der in der englischen Frauenzeitschrift „Girl's Oron Paper" erschienen ist. Danach sind die Ausgaben einer Dame für ihre Toiletten in den letzten Jahren ungefähr um das Sechsfache(11) gestiegen. Die Zahl der Toiletten, die eine Dame der vornehmen Welt haben muß, ist drei- bis viermal so groß wie früher. Ein Dutzend Hüte für die Saison, wo sonst zwei oder drei genügten, kann nicht mehr als„ertravagant" angesehen werden. Es soll keine Seltenheit sein, daß eine Dame für einen Hat mit schönen Straußenfedern 1000 M.(geschrieben: eintausend Mark) und für ein Paar eleganter Schuhe 120, auch 200 und 300 M. bezahlt. Wenn man ftüher, so heißt es weiter, eine kostbare Abend- toilette sich schon für 600 M. herstellen lassen konnte, erscheinen jetzt die Damen bei großen Gesellschaften mit Toiletten, die 800 bis zu 2000 Marl kosten. Die Schuld an diesem wahnsinnigen Luxus schreibt die Verfasserin des Artikels den reichen Amerikaner» zu. die den Geist des ProtzentumS in die europäische Gesellschaft hineintragen.(Auch ein Zeichen für die feine Kultur der oberen Gesellschaft Europas, daß sie sich den Verrücktheiten der ameri- kaniscken SchweinezüchterSgattinnen und-Töchter unterordnend Die amerikanische Frau wird in dem Artikel als kleidertoll bezeichnet, selbst der Pariser Modemarkt muß sich ihren Wünschen und Schrulle« anpassen. Der Ausspruch einer Dame, den die Verfasserin wiedergibt, bildet die beste Illustration für den raffinierten Luxus in den oberen Regionen. Die erzählte nämlich: als jungverheiratete Frau sei sie mit 2000 Mark im Jahre ganz gut ausgekommen. Jetzt verbrauche sie 2V 000(zwanzigtausend) Marl und müsse dabei sehr sparsam(lll) sein und sich sehr einrichten, um nicht allzu sehr hinter de« geforderten Luxus zurückzubleiben! Trefflicher kann wohl der Wahnsinn der heutigen VesellschaftS» ordnung nicht gekennzeichnet werden als durch solche Tatsachen. Und das ist dieselbe Gesellschaft, die Gift und Galle speit, wenn die Arbeiter sich erdreisten, auch etwas von dem Segen ihrer Arbeit zu fordern, und die alle Mittel, selbst die brutalsten, anwendet, wenn es gilt, streikende Arbeiter niederzubütteln. Für die Arbeiter sollten diese Zustände einen erneuten Ansporn bilden, mit der heuttgen Klassenherrschaft aufzuräumen I_ Schwere Unwetterkatastrophen. Wie ein Telegramm aus Saigon meldet, sind in der Provinz Ouang-ngai in Annam(Hinterindien) schwere Regengüsse verbunden mit Stürmen niedergegangen und haben große Verheerungen angerichtet. Mehr als tausend Menschen sind dem Unwetter zum Opfer gefallen. An der Küste sind während deS Sturmes vierhundert Fischerbarken verloren gegangen. O Im nördlichen Eismeer haben in den letzten Tagen heftige Stürme schwere Verheerungen angerichtet. An der M u r m a n k ü st e, im äußersten Norden deS europäischen Rußlands, sind acht Fahrzeuge mit vierzig Mann Besatzung untergegangen. Die Wellen haben mehrere Leichen an das Ufer gespült. Kleine Notizen. Straßenbahnunfall in München. Ein heftiger Zusammenstoß ztvischen zwei Straßenbahnwagen erfolgte gestern an einer Straßen- ecke. Die beiden Wagen wurden schwer beschädigt, sämtliche Fenster zertrümmert. Die Fahrgäste wurde» fast sämtlich durch herumfliegende Glassplilter verletzt, zwei Personen trugen bedeulendere Verletzungen davon. Millionenschwindeleien. In New U o r k erklärte Generalpost- meister Hitchcock, in den letzten fünf Jahren habe das amerikanische Publikum durch Schwindel mit wertlasen Aknen etwa 100 Millionen Dollar verloren. Die Postbehörde hob dieses Jahr allein 78 Fiitnen ans, welche dielen Schivindel betrieben. Außer Burr Brother, wurden gestern auch die Unternehmer der Continental Wirdes Company verhaftet. Eiseilliahnuilfall. Ans der Strecke der Warschan-Wiener Eisenbahn ist eine Brücke in dem Moment e i n g e st ü r z t, als sie von einem Güterzug passiert wurde. Vier Waggons stürzten in die Tiefe, drei Kondukteure fanden bei dem Unglück ihren Tod. Zum Tode verurteilt. Nach sechstägiger Verhandlung verurteilte gestern das Elbinger Schwurgericht den Landwirt Sprenger wegen Ermordung des Landwirts Guddck in RcimerSwalde zum Tod e. Die Frau des Ermordeten, die mit Sprenger ei« Liebesverhältnis unterhalten hatte, wurde freigesprochen. Briefhartcn der Redaktton. Sit(utifhIAc evtcAftunvt rinbti üinbenftraye Skr. 99, vorn biet Trcvvcn— ffabrftubl—, luaibcntägiiib von i'h bis?>/, llbr abenbb, eommbcnb? von t'/j bis 0 Uhr nachmittags ftoti. tttbtt für den Brief» lasten bestimoiten Rufraae ist ei» tiiirbftab» mtb eine Zobl als aiferf« zexbeu beizufügen. üncflirfie«ii.iniuri ttiirb»ig» erteilt. Ciiidt grnaea traue mau in der Evrcchstunbe vor. Marie 3 und B. W. 2V. Wir raten, bei der Zentrale für private Fürlorge Unter den Linden 16 anzujragen.— P. D.«. 1. Der Bor- mund resp. die Wutler sollen einen Antrag auf Aussetzung der Strafe verbüßung an die EtaatSanwaltschast richten. Berufung ist nicht mehr zu- lafllfl. 9. ftn den KZn!g ton Stetigen.— H. S. 18. PollzeMche Meldung ist nicht ersorderlich. Ueber die anderen Fragen bestiunnl der Verein.— Äi. B., Warschau. 1. Ja. Bis zur Vollendung des IS. Lebensjahres. L Wenn die Befürchtung fich aus Tatsachen oder Aeugerungen gründet und das glaubhast gemacht werden kann. liege fich ein Arrest bewirke».— Fr. L.. Rixdorf. Sie find unseres Erachtens nicht hastbar.— F. K. 180. Wir raten ab, in die neue Kasse überzutreten.— P. F. 32. Nein, wenn nicht eine selbständige Verpflichtung der Erben nachweisbar ist. — Paul 3. 1. Das emdfiehlt fich. 3. Das ist abhängig vo» dem Umfang der Tätigkeit. Ist die Sache gerichtlich an« hängig gewesen, so empfiehlt eS sich, den Nachlagrichtcr zu besraarn. — M. A. 84. UnS unbekannt. unlicht .Bravo'sagt entzückt das Frauchen. „Sohätt'ichmir's nicht gedacht!" �underuolle Sunlichtseife!" 3A/äsche blütenweiss sie macht!" SozialdemokratisteW/ereiD des 6. Berl. Relchstags-WalilkFeises. Todes- Anzeige. Am 21. November verstarb unser Mitglied, der Zigarrenmacher ftieUridi Krause Biesenthaler S trage 9. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 24. November, nachmittags 2'/2 Uhr, vom Trauer. >use aus nach dem Neuen Pauls- rchhof in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht l>ei» Vorstand. SozialdemokratisciierWaiilirerelD des 8. Berl. Reiclistäss- Wahlkreises. Todes• Anzeige. Am Sonntag, den 29. November, verstarb unsere Genossin Ienn/ Baer Müllerstr. 4. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Nov., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoscs, Müllerstrage Erle Seestr., aus statt Um rege Beteiligung ersucht 231/4 Der Borstand. Oeutsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltuncsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Dreher frit? Lorenz gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute. Mittwoch, den 23. d. MtS., nach. mittags 3 Uhr, von der L.ichen. Halle des Köpcnicker Kirchhofes in Köpenick aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/17--— Die OrtSverwaltung. Alle» Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag mein lieber guter Vater 1951 b Wilkelm ksüner am Sonnabend, den 19. No> vember, nach Vollendung seines 70. Lebensjahres an Herzlähmung sanst verschieden ist. Dies zeigt um stilles Beileid bittend an HJara Kalincr. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 23. Noveniber, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des alten Thomas- Kirch- hoses, HcrnraNnstrage, aus statt. ZentraMerliaiiil der Maurer veMIamk Kweigvcrcin Berlin. Sektion der Patzer. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Mitglied Wiütelm Kaßner am 19. November verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 23. November, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des alten Thomas- Kirchhofes in Rixdors, Hermannstragc, aus statt. Die örtliche Berwaliung. Am 21. November, früh S Uhr, verschied nach kurzem aber schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Grogmutter iüma Ehringstiausen geb. Nettig im 67. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt im Namen der trauernden Hinter. bliebenen an R»d. Ehringshausen. Berlin, den 22. November 1910. Die Beerdigung findet am onncrstag, den 24. Novem- bcr 1910. nachmittags 1'/, Uhr, M|.....'3< Mi von der Leichenhalle des Zentral- sriedhojeS in FriedrichSjelde aus statt. 1SS4L Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vateis spreche ich allen Freunden und Bekannten sowie dem Wahlverein und Zentral- oerein der Bildhauer meinen innigsten Dank aus. 1942b Die trauernde Witwe Pelaula Wierzejewski nebst Sohn. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten, Ver- wandten und Kollegen sage ich meinen herzlichsten Dank sur die vielen Kranz- spenden und Beweise herzlicher Teil- nähme, insbesondere dem Deutschen Metallarbeiter- Verband und den Sängern, die meinem inniggeliebten, unvergeglichen Manne Robert Palm daS letzte Geleit gegeben haben. Die trauernde Witwe Martha Palm geb.»nndke. aRüncrftrafcc 118. Haben Sie biott? /eA fertige davon Anzug od. PMletOi nach Mm SS, schick, datier h. Zutaten von 25 Mark an. Moriti Laband, Neut Promenade H, Ii.(Stadtb Bors.) Danksagung. ür die liebevollen Beweise Herz- licher Teilnahme und reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeglichen Mannes, des Putzers Uidwix Simanowski spreche ich, da eS mir nicht möglich ist, jedem einzelnen zu danken, auf diesem Wege allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders den Putzern der Kolonne Th. Rabe, dem Soz. Wahlverein Des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises(Abt. 4, Be- zirk 577), dem Rauchklub.Humboldt' und dem Raucherbund meinen in- nigsten Dank aus. 1SK3L Lm Namen der Hinterbliebenen Emma Simanowski. Dr. Semmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄUm.z, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Achtung, Vemuk! &aal, 1000 Personen fassend, Sonntag, den II. Dezember unter günstig. Bedingung zu vergeben. Allee Für die bewiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Drechslers Heinrich Montag sagen wir aus diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. 1948b Wihve Montag nebst Kindern. Orts-Krankenkasse der Maler. Montag, d. 28. November 1910. abends 8'/, Uhr: Ordentliche Gentral-Urrsammlnug in dm Arminhallen, Komman- dantenstr. 58/59. Tagesordnung: 1. Wahl von a) 2 Vorstandsmitgliedern aus den Reihen der Arbeit- gcber; b) 4 Vorstandsnntgliedern aus den Reihen der Arbeitnehmer. 2. Wahl der Revisoren zur Prü- sung der JahrcSrcchnung für 1910. 3. a) Vortrag dcS Hrn. Rendantcn M. Buschold über:„Der zweite internationale Konareh für Gc- Werbekrankheiten m Brüssel«; b) Vortrag des Hrn. Throph. Gibb e über:„Die Verhandlungen des Zentralverbandes von Orts- krankrnkassen in RegenSburg". 4. Verschiedenes. 1941b Der Vorstand. R. Ocrtel, Borfitzender. |m DWW und nadigeahinte Salem DZW-DÄs WW� Al�'Wum- Cigaretten sind DHWWW annähernd eleich wertlos. WWMW WWM Der Kenner nat nur Genuss WWWW: von des echten mit WWMZß F'™8 auf jeder Cigarette: WWAW< iVaVaV'fYrVV*-V-Yr****V'X-VrVr*.irVry*''*-*ii'f'*'*'-'*'*V*'*'*v*'*'*****'*'''r'*'*','*»X*'*'*' n. l'SO u. 2.00 Kraft-Rotwein Kluflloh In Apotheken•.Droneo- u. Koionlal-Gescltfifien. ein Drittel Preise: boohmod., sauber p|(jSChmäntel, SÄ'' Kostüme, apar,e- TOr- arefortigte , oebm wirkende A �3681 311 tGly Gescllschafts- und Ball-Kleider, Frauenmäntel, Ulster, Jacketts, Kostümröcke, Blusen, Pelzmäntel, Pelzjacketts, Muffen, Stolen. trüber bis«,«.«.«, 8t. 1,0. WO,«« bis 1M0 M. letzt S.T. 7. 10. 14, 21, 29, 42, 58, 74.. 520.. WESTMANN Mohren- Strasse 37a(nahe Jeru«alemer«ti.) 1 plr(err# Grosse Frankfurterstr. 115(naha Andreawtr.) /u.I.Etag. GfStlS ,C*10n � Oinkaut 1.«1.2« auf Hunsch 2'/2 w Stoffff!| Alle Weilen voriÄt»« Trauer- Weslmann(s°,«t,t.«..«b.» Abteilung ftir schwarze Koniekdon, Mäntel, Kleider, Böcke, Blusen, Hüte etc._ ..____________________~_______ 1___'_____________________ j Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Mitglieder des Deiitscheu Trltnöportllrbeiter-Nerblttlbes aus sämtl. Krauereien u. Niederlagen Berlins a. Nmgeg. Donnerstag, den 24. November 1910, abends 7'/, Uhr: Große Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Vortragt„Bater Staat i»id seine Kinder.« Referent: A. Stürmer. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 52/9 Kollegen I Sorgt alle sür einen guten Besuch dieser Versammlung. Die Braucheuleituug. I. A.: G. A lisch. Soeben ist erschienen: �rtnUcher Kommiß Oeschiohton aus dem Soldatenleben von AUGUST WINNIG Mit zahlreichen Illustrationen von& Damberger-München Preis 1,§0 Ii. 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November, abends 8 Uhr: Krauchen- Versammlung liei tisiltmlilöiisö und Heifer Groß-Berlins in» Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, gr. Saal, l. TageZ-Ordnung: 1. Vortrag des Landtagsabgeordnelen Genossen H. Strödel. 2. DiS- kussion. 3. Branchcnangelcgenheiten. *>: Zahlreicher Betnich wird erwartet.- Tonnerstag, den 24. November, abends 8'/z Uhr: KUtaglivifei'» Vvnssn�niluBig der Gold' und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Straße 43. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Genosse» Dr. Max Zchütte t„Vulkane und Erd- beben." 2. NruNialil der Agitationskonimission. 3. Verschiedenes. Idle Ii«IIexei> werden der wichtigen Tagesordnung halber ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Donnerstag, den 24. November, abends 8 Uhr: Monatsversammlung der Klempner in den„Musiker- Festsälen", Kaiser-Wilhclm-Str. 18m: TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Tillier über: Meine Steife dnrch Amerika. 2. DiSlussion. 3. Branchenangelegenheiten. 125/18 Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß Metall- arbeiter-Notizkalender für l»il a 60 Pf. bei den Be- zirkskaffierern und im Bureau z« haben sind. Die grofte Unruhe der Kinder mit Rhachitis wird nicht nur durch die Schmerzen in den rhachitischen Entzündungen verursacht, sondern zum groben Teil auch dnrch die hänsig austretenden Darmgärtingen, die man am leichtesten durch die Ernätirung mit.{tu feie", welches auch die Milch leichter verdaulich macht, verhütet. Verband der Ataler, Lstckisrsr, Anstreicher»s». Mtlchiorftraße 28, part. WialC Berlin. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. vonnerstSK, den 24, November 1910, abends 8 Uhr: MitgdiedersVersamtnluns bei A. Frey er, Koppens trasse 29(früher Keller). Ciehtbilder-Vortrag von Kernt 0. Both. Zum Bortrag gelangen: vie fromme Helene. Ca. 200 iolorierte Lichtbilder: und jVIalcr Klcckfcl. Ca. 100 Bilder. Kuno Klecksels Werdegang als Maler in 10 Kapiteln. Kitgiiedsbnch legitimiert. Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen.— Regen Besuch erwartet Die Ortsverwsltimx. 130/4 Verwaltung Berlin. LadkiikmrWu«gs-».KmiIiir»>ödt>bMchk! Tonnerstag, den 24. November, nachmittags 6'/z Uhr (gleich nach Feierabend): Vi'aneken»Versammlung im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 c. Pünktliches Erscheinen aller Kollegen ist dringend notwendig. 93/16 Der Obmann. "'lejlzadluiig iietert auf bequem bei kleinster Anzahlung In bekannter Güte* (mit grBSter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Colin,Cf.Fpanklurterstr.58 waren. Engros— Export. S. Schlesinger, Neue(Snigstr. XI (Ordon n an z b aus) Kein Linden! II. Etage. Eiozelverkaul wie alljährlich zu billigsten Preisen Pelz-Slolas Muffen Eislaufbaretts, Reparaturen sauber und billig. __ Sonntags geöSnet.__ 21 1 Kein Katalog.[gl Achtung I Achtung; tose zo Spatoii. Am Mittwoch. 30. November 1910, findet im Restaurant von Krause,«chönwaider Str. 2, die Mitglieder- Versammlung zur Wahl der Delegierten für daS Jabr 1911 statt. Die Wahl erfolgt in getrennter Wnhlverjammlung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und zwar von 7—9 Uhr abends. Zu wählen find 41 Arbeitgeber- D'legierte und 41 Stellvertreter, und 83 Arbeitnehmer- Delegierte und 83 Stellvertreter. Als Lcgilimation dient für Arbeilgeber die letzte Ouiliung über bezahlte Bei« träge, für Arbeitnehmer die Mit- gliedskarte. Daran anschließend General-iserZLinnilanff. Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstande»(2 Ar- beiigebcr, 4 Atbeiweomer). 2. Erlatzwahl de» Vorstände»(1 Ar- beitnebmer). 3. Wahl einer Rechnung?- Prüsungs- kommission. 4. Genehmigung cineS Vertrages (Klinitbehandiung). 3. Verschiedenes. 269/19 l>er Vorstand. R. A v t> o l d t, Vorsitzender. Reste Hainen«ur-kae%«ehwmrs and fajrbi?,CoKiuroes Sfcoife.neaesie Muster. Trieot-Stofls, öeidftn- Plüsnb. Bammele, Seide euv. Con iecüoo Pslstete. _ Jaebet'g. Pegen- nj&ntet, Oostomes«od Coituin- öcke in rroeser An«wähl. C. Pelz, Kottbuserstr. 5. 12. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung rom!i. Norember vormittags. Kux die Gewinne Uber 240 Mark sind den bctrcffenilen Nummern in Klammern beigefügt (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verholen., 6 2 7 119 236 93 45S lbOOO] 802[1000] 79 03 966 1 092 18S 242[,',00] 403 11000] Ä069 282 313 720 SO[3000] 802 989 3 0S6 310 32 S4ö 629 4022 82 208 14[3000] 63 470 503 615 823 5057 201 38 5U 31[3000] 80 616 57 715 6019 436[500] 79[ 5000] 570 677[1000] 706 909[500] 81 7008 297[500] 300 466 847 8031 103[1000] 61 384 935 9013 l'Z 231 86 381 705 10005 32 125 208 53 94 409 51 73[500] 583 605 830 40[500] 937 1 1019[1000] 207 1 2400 610 710 902 40 13303 433 657 702 27 895 1 4013 161 405 79[ 500] 629 StW 33 1 5059 297[1000] 407 8*0 1 6595 707 966[500] 17792 1 8203 536[1000]«00 28 87 1 9303 507 14 655 57 2 0047 87 107 79 252 308 16 532 609 63 707 2 1 021 129 39 253 326 415 541 695 857 917 20 63 2 2073 329 665 706 81 23121[500] 272 333 732 78 24155 89 223 765 25031 202 8t 301 20[3000] 24 465 543( 500) 640 878 2 6041 100[3000] 847 455 91 591 612 47 703 54 57 27127 65 229 89 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Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 22. November nachmittags. Kur die Gewinne Uber 240 Mark alnd den betreff enlen Nummern in Klammern beigefügt. |(Ohno Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 391 519 91 881 1109 46 48 303 412 37 874 958 62 «4[3000] 2058 92 97 125 206 3 306 765 78[8000] 838 [500] 4067 136 324 43 418 631[500] 47 6349[ 600] 460 «0 644 934 6108[500] 264 92 445[1000] 514 666 93 7710 802[3000] 37 8003 170 223 312 427 659 826 9017 284 510[ 3000] 673 913 79 10378 626 11024 26 281 882 903[3000] 17 38 82 12189 217 454 722 1 3054 74[1000] 612 88 751 14101 333 825[3000]«6 15473 519[ 3000] 644 16273 307 9 «1 94 630 772 802 983 1 7413 98 561 701 970 1 8032 85 (300] 19002 20058 82 385[1000] 437 73 507 666 897 927 2 1 264 412 33 586 678 705 61 2 2 262«65[500] 82 93[500] 783 [1000] 850 65 841 23053 366 410 629 796[3000] 24108 293 35 8 452 614 769[ 500] 25180 533 84 703 874 9)2 99 [000] 26030 416 26 923 27111[3000] 323 536 656 749 812 «9 67[600] 983 2 8032 058 603 72 2 9 070 147 CO 495 951 30004 267 317 421[SOOO] 671 3 1 003 136 238 39 629 916 32091 144 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.«erlag: Vorwärt« vuchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer&. So, Berlin SW." i,. 274. 27.Z.W.-. 2. Keilllßt iltS„ÄlDUts" Ktlliner Nslksbilltt. N»w.h.?z?.«.»« IM. Sie liloaditer Vorgänge vor Bericht. Zehnter Tag. Vor Eintritt in die Tagesordnung wird beschlossen, den An- geklagte n Zollchow aus der Untersuchungshaft zu entlassen, weil seine Mutter gestorben ist. Die Sitzung beginnt mit der Vernehmung des Zeugen Ebcrt, Mitglied de? Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Teutschlands. Auch dieser Zeuge soll Auskunft darüber geben, ob die Partei in Verbindung steht mit de» Moabiter Straßen- unruhen. Er sagt, er habe erst durch die Zeitungen Kenntnis von den Vorgängen erhalten. Die Parteileitung habe keine Veranlasiung gehabt, Mastnahmen in bezug auf die Unruhen zu treffen, weil sie Grund hatte anzunehmen, dast sich kein Parteigenosse daran beteiligt hat. Die Sozialdemokratie hat, so lange sie besteht, keinen Zweisci darüber gelassen, daß sie Gewa-ttätizkeiten verwirft. Eine Reihe von Fragen der Verteidiger beantwortet der Zeuge dahin: Wenn von leiten der Partei aus Anlast der Vorgänge aus dem Wedding ein Flugblatt herausgegebeu wurde, so geschah es deshalb, weil die Moabiter Vorgänge von der bürgerlichen Presse ohne Grund gegen die Sozial- demokratie ausgenntzr wurden. Ausschreiruilgen, wie sie in Moabit vorgekommen sein sollen, hat die Partei stets verurteilt, weil sie nicht ihren, sondern nur den Interessen der Gegner dienen und nur den Gegnern erwünscht sind. Uns sind solche Ausschreitungen schon deshalb unerwünscht, weil«olche schon in früheren Jahren von unseren Gegnern zum Vorwand ge- n o m in e n sind, um die Regierung zu gesetzgeberischen Vorschlägen gegen die organi- sierten Arbeiter zu bewegen. Auch jetzt werden die Moabiter Vorgänge von konservativen und nationaUiberalen Zeitungen in derselben Weise ausgenutzt. Namentlich wird ein Verbot des StreikpostenstebcnS gefordert.— Vorsitzender: Sind Sie sicher, dast alle Mitglieder Ihrer Partei die Gewalt- täligkeiten ebenso verurteilen wie Sie? Oder gibt es nicht radikale Elemente, die darüber anders denken?— Zeuge Eberl: Ich kann nicht wissen, was vielleicht der eine oder andere Parteigenosse denkt.— Vorsitzender: Ich frage auch nicht nach Gedanke». sondern ob etwas Derartiges gesprochen worden ist.— Zeuge E b e r t: Für die Partei sind das Programm und die Parteitags- beschlllsse mastgebend. Dieie verwerfen die Gewalt. In dieser Hinsicht denkt die radikale Richtung in der Partei ebenso wie die revisionistische. Insbesondere ist auch auf den Parteitagen, wo über den Massenstreik verhandelt wurde, von allen Seiten betont worden, dast auch bei Anwendung des Massen st reiks nur gesetz- lich verfahren und jede Ausschreitung vermieden wird.— Auf weitere Fragen der Verteidiger antwortet der Zeuge: Bei unseren Wahlrechtsdemonstrationen haben wir Vorkehrungen getroffen, um etwaige Ausschreitungen von vornherein unmöglich zu machen. Das geschah deshalb, weil die gegnerische Presse geschrieben hatte, es würde zu Unruhen kommen und weil auch bei jener Gelegenheit versucht wurde, das gegen meine Partei auszunutzen. Einwirkung auf die Jugend. Die erwiesenen Parteimitglieder wirken auch auf die Fugend erzieherisch ein, besonders werden die jungen Leute vom Alkohol- geiiuh, vom Herumtreiben auf der Straste ferngehalten und ge- !ucht, sie künstlerischen Genüssen sowie Bildungsbestrebungen zuzn- ühren.— Rechtsanwalt Heine: Ist Ihnen bekannt, dast vor dem Reichsvereinsgesetz eine politische Jugendorganisation bestand, welche in diesem Sinne wirkte, aber nach dem Inkrafttreten des Reichsvereinsgesetzes geschlossen werden mustte?— Zeuge: Das ist richtig. Auch in neuester Zeit tritt die Polizei, besonders in Berlin und den Vororten den Jugeiidbilduugobestrebungen der Sozialdemokratie entgegen. Spitzel haben sich in die Versammlungen der Jugendlichen eingeschlichen und sie der Polizei denunziert. Zeuge Umlauf, AbteilungSführer im sechsten Wahlkreise, bestätigt ebenfalls, dast die Partei mit den Sttaßeuvorgängen nicht iu Berbiuduug steht, insbesondere hat der Borstand des Wahlvereins sich nicht damit be schäftigr, was doch hätte geschehen müssen, wenn die Partei- orgamsatlon die Unruhen gewollt oder geleilet hätte. Ich selbst sagt der Zeuge— habe von den Strastenvorgängen erst durch die Zeitung etwas erfahren und bin ihnen in grostem Bogen aus den, Wege gegangen.— Rechtsanwalt Heine: Glanben Sie, dast untcr den Parteigenosse» in Moabit Stimmung war, sich einmal mit der Polizei herun, zuschlagen?— Zeuge: Das ist gänzlich ausgeschlossen.— Rechtsanwalt Dr. Cohn: Waren nicht die Miiglieder des Wahlvereins ungehalten darüber, dast der„Vor- wärrS" erst später wie die bürgerlichen Zeitungen von den Unruhen etwas erfahren hat und deshalb erst später darüber berichten konnte? Zeuge: Das ist richtig. Heinrich StrZbcl, Redakteur dcS„Vorwärts", wird zu demselben Beweisthema ver nommen. Er sagt unter anderem: Wenn die Partei in irgend einer Weise an den Unruhen beteiligt gewesen wäre, dann hätte der „Vorwärts" als Zeutralorgan der sozialdemokralischen Partei doch in erster Linie etwas davon erfahren müssen. Ich loeist, dast die Partei an der Inszenierung von Unruhen nicht beteiligt war. Der „Vorwärts" hat von den Strastenvorgängen in Moabit erst Kenntnis erhalle» durch die polizei-osfiziöscn Berichte der bürgerlichen Presse, Erst, nachdem wir auf diesem Weg« von den Vorgängen in der Nacht zum 27. September Kenntnis erhalten hatten, haben wir am 27. einen eigenen Berichleriiatter nach Moabit geschifft. Die Bekannt- machungen des Transportarbeiterverbandes, in denen gesagt wird, dast die Streikenden„mit allen Mitteln" ihre Forderungen durchzusetzen suchen würden, kann natürlich nur so verstanden werden. dast alle gesetzlichen Mittel gemeint sind. Wenn damit an Ausforderung zu Geivalttätigkeiten gedacht werden sollte, dann hätte die Rcdaküon den Artikel zurüffgewiescn.— Vom Verteidigcrlische wird daraus hingewiesen, dast die Staatsanwaltschaft gewisse Schlnstfolgerungen daraus zieht, dast ein Extrablatt des „Vorw." mit einer W a r n u n g vor Ausschreitungen aus Anlast der Unruhen am Wedding herausgegeben wurde, aber nicht bei den Moabiter Unruhen.— Der Zeuge sagt dazu: Die Vor- gänge in Moabit wurden von der bürgerlichen Presse i» der skrupellosesten Weise gegen unsere Partei und gegen die organisierten Arbeiter ausgenutzt. Das war der Grund, weshalb wir, als sich am Wedding ähnliche Dinge vorzubereiten schiene», das Flngblalt herausgaben. Ich bin überzeugt, dast sich organisierte Arbeiter und Parteigenossen an Ausschreitungen, soweit solche vorgekommen sein sollten, nicht be- teiligt haben. In dem Flugblatt ivurden die organisierten Arbeiter aufgefordert, dahin zu wirke», dast auch andere, an die unsere War- nung nickt herankommt, sich an den Ansammlungen auf der Straste nicht zu beteiligen. Aus Anlast der Moabiter Vorgänge haben wir kein Flugblatt herausgegeben, weil wir erst am 27. von den Aus- schreilungen in der vorhergegangenen Nacht Kenntnis erhielten und diese Ausschreitungen den Zeitungsnachrichten zufolge vom Jan- Hagel begangen worden sind, der ja den„Vorwärts" nicht liest, von uns also nicht beeinflustt werden kann. Am 27. und 28. handelte es sich meiner Ueberzeugung nach nicht um Un- ruhen, die das Publikum verursacht hat, sondern um grund- lose Attacken der Polizei auf das Publikum. Das ist uns von Augenzeugen mitgeteilt worden. Wir hatten doch keine I (Möglichkeit, Exzesse zu verhindern, die nicht vom Publikum aus- gingen. Die Exzesse wären vermieden worden, wenn sich die Polizei zurückgehalten hätte.— Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Die Anklageschrist steht auf dem Standpunkt, dast die Strastenunruhen in Moabit dadurch verursacht sind, dast der„Vorwärts" die Bevölkerung verhetzt habe. Was wiffen Sie davon?— Zeuge Ströbel: Das Wort„Verhetzung" ist ein von der reaktionären Presse gebrauchtes politisches Schlag- wort. Der„Vorwärts" treibt keine Verhetzung, er kritisiert die reaktionären Mastnahmen und das wird von den reaktionären Par- teien als Verhetzung bezeichnet. Die Sozialdemokratie hat nie Zweifel darüber gelassen, dast sie Putsche nicht billigt. Zusammen- ilöste mit der Polizei liegen nicht im Interesse der Partei, sondern im Interesse ihrer Gegner. Erster Staatsanwalt Stein dreckt: Wie erklären Sie es. dast trotz der Erziehung, die Sie auf die Arbeiter ausüben, eine geschlossene Gruppe Löwescher Arbeiter, die doch zum grohen Teil organisiert sind, einen Angriff auf Arbeitswillige und Schutzleute ausgeführt haben?— Zeuge Ströbel: Das wird sich wohl aus den Umständen erklären lassen. Die Arbeiter werden wohl gereizt worden sein. Uebrigens weist ich nicht, ob eine geschlossene Gruppe einen Angriff gemacht hat.— Vom VAteidigermche wird daraus aufmerksam gemacht, dast die Be- Häuptling des Ersten Staatsanwalts, eine geschlossene Gruppe Löwe'cher Arbeiter habe einen Angriff unternommen, noch gar nicht erwiesen ist.— R e ch t S a n w. Heine: Die Anklageschrift bezieht sich aus einen Artikel des„Vorwärts", worin gesagt wird, wenn die Orgaiii'ationen der Arbeiter aufgefordert worden wären, an der Wiederhersiellimg der Ruhe in Moabit mitzuwirken, dann würde eS den Organisationen gelungen sein, die Ruhe in kurzer Zeit wieder herzustellen. Aus dieiem Passus deS Artikels folgert die Staatsanwaltschaft, dast der„Vorwärts" die Bevölkerung von Moabit an der Scknur habe und dast er die Unruhen veranlastt habe. Wie ist der Satz des Artikels aufznsassen?— Zeuge Ströbel: In dem Artikel ist nicht nur die Rede davon, dast man die sozialdemo- krnlischen Organisationen, sondern auch, dast man die städtischen Körperschaften zur Wiedelherstellniig der Ruhe hätte auffordern sollen. Dabei würden die Arbeiterorganisationen natürlich mit- gewirkt haben, wenn man sie aufgefordert hätte.— Ein Aufruf von uns würde auf den Janhagel nicht gewirkt haben. Wir hätten durch einen Aufruf allenfalls erreichen können, dast eine Anzahl unserer Parteigenossen als Ordner ans die Straste gegangen wären, um die Neugierigen zum Verlassen der Straste zu bewegen. Wir sind natürlich nicht der Meinung, dast Sozialdemo- traten von Exwffen ferngehalten werden sollten, denn Sozial- deinokraten waren an denExzessen nicht beteiligt. Auf eine weitere Frage der Verteidiger sagt der Zeuge: Wir konnten keine Ordner auf die Slraste schiffen, denn sie wären der Gefahr ausgesetzt gewesen, als Veranstalter von Exzessen angesehen zu werden.— R e ch t s a n w. Heine: Sie meinen also, die Ordner wären dann als Rädelsführer angesehen worden?— Zeuge: S e l b st o e r st ä n d l i ch. Der Zeuge Butgercit gehörte zu den Streikenden der Firma Kupfer. Er soll etwas von Belästigungen Arbeitswilliger wissen, weist aber nichts anzugeben.— Zeuge P ö r s ch, Abteilungsführer im sechsten Wahlkreise, bestätigt gleich anderen Zeugen, dast die Partei in keiner Verbindung mit den Strastenvorgängen stehe. Buschmcyer, Geschäftsführer der Firma Kupfer n. Co., gibt Auskunft übar den Streik bei der Firma Kupfer. Seiner Meinung nach ist der Streik vom Zaune gebrochen. Die Firma Kupfer zahle die beste» Löhne, jedenfalls zahle keine andere F>rn«a höhere Lohne. Bei manchen Firmen würden sogar niedrigere Löhne gezahlt. Weiter gibt der Zeuge an. er sei am 19. September einem Kohlenwagen der Firma Kupfer gefolgt, der nach dem Kohlenplatz von Karstädt fuhr. Er habe gesehen, dast die Arbeiter, welche auf den» Wagen fasten, mid auch die Schutzleute, welche den Wagen begleiteten, mit Steinen beworfen worden seien. Der Kurscher sei durch einen Steinwurf verletzt worden. Der Zeuge will auch noch andere Fälle von Be- läsiigungen Arbeitswilliger gehört haben; gesehen hat er davon nichts. Die Firma Kupfer habe die Polizei erst dann um Schutz ersucht, alö bereits Arbeitswillige von Streikenden an« gegriffen worden seien. Die Arbeitsivilligen hätten dann erklärt: dast sie ohne Schutz nicht mehrt hinaustfahren wollen. Die Revolver habe die Firma Kupfer angeschafft, damit die Arbeitswiiligen in der Notwehr davon Gebrauch machen sollten. Aus eine Frage des Staats- anwalts erklärt der Zeuge, die Firma habe die Forderungen der Arbeiter nicht beivilligen können, weil sie sonst— nacht konlurrenz- fähig gewesen wäre. Denn sie habe ohnehin mit VeNliist gearbeitet. — Rechtsanwalt Cohn fragt, ob die Slreikendeur auf die schwarze Liste gesetzt worden seien. Der Zeuge meint anfangs, von schwarzen Listen wisse er nichts, sagt aber dann ans weitere Frazgen des Ver teidigers, dast ein Verzeichnis aller Streikendem dem Arbeitgeber� verbände eingereicht worden sei, damit die Streitende« i nicht anders wo beschästigt werden sollten. Die Verteidiger stellen noch eine Reihe von Fragen an den Zeugen, welche sich insbesondere auf die geschäftlichen Verbindungen der Firma Kupfer mit S t i n n e s beziehen. Hierüber gibt der Zeuge Bnschmeyer im wesentlichen folgende Auskunft: Die Firmen Ernst Kupfer u. Co., sowie Franz Karstädt gehören einer G. m. b. H., an deren Spitze StinneS sowie die „Deutsch Luxemburg" stellen. Zunächst gak» ver Zeuge Buschmeyer an, es liege an der Marktlage, dast diS Firma im letzten Jahre mit Verlust gearbeitet habe. Nach den späteren Angaben, die er infolge eingehender Befragung durch die Verteidiger machte, stellt sich die Sache so dar: Der Berliner Kohleumarkt wird im wesentlichen durch schlesische Kohle versorgt. Dia schlesischen Kohlengruben aber gehören nicht zu dem Syndikat, an dessen Spitze Herr StinneS steht. Um die schlesische Kohle zu verdrängen. setzt das Syndlkat die VerkausSpreise so niedrig an, dast zunächst mit Verlust gearbeitet wird, später aber, wenn die schlesische Konkurrenz geschlagen ist, um so mehr verd ient werden must. Der Zeuge Buschmeyer war bis vor kurzem im Geschäft deS Herrn StinneS angestellt und ist von dort zu Kirpfer u. Ko. gekommen. Er hat von da die Praxis des Herrn Stinnes mitgebracht, mit Arbeiterorganisationen niemals zu verhandeln. Die Verteidiger weisen darauf hin, dast Herr Buschmeyer doch auch als Vevollmächugter einer Firma mit der Kundschaft der Firma in Verbindung trete. Nichts anders täten die Arbeiter, wenn sie durch einen Bevollmächtigten mit dem Arbeilgeber über ihre Forderungen verhandeln wollen. Nach der Herkunft der Arbeitswilligen bekragt, sagt der Zeuge, er habe sie von einem Vermiittler aus Humburg bezogen und diesem pro Kopf 20 M. bezahle. Weiter gibt der Zeuge auf eine Frage des N e ch t§ a n w a l t E o h n an. dast er für die Schutzleute, welche während des Streiks auf dem Koblenplatz von Kupfer stationiert Ivare», Bier und Brot gekauft habe. Dast diese Ausgaben auf das Streii!kont-> der Firma gesetzt seien, treffe nicht zu. Er habe diiese AnS- gaben selbst bestritten. Die Schutzinannschaft dabe eine Aufstellung dieser Kosten von ihm verlangt, ein Teil davon sei ihm bereits wieder zurückerstattet worden. Er habe eS für selbstverstäudlich gehalten, den Schutz- leuten etwas zukommen zu lassen. Weitere Belastungszeugen. Der folgende Zeuge Busche ist Lagerverwalter bei K u p s e r u. C o. Er kamt über Belästigungen von ArbeilSwilligcn nichts aussagen und glaubt nicht, dast Arbeits millige von Streikenden angegriffen find. Der Zeuge Kühn ist von der Staatsanwaltschaft geladen,«eil i er aus Furcht vor den Streikenden die Arbeit niedergelegt haben soll. Der Zeuge bestreitet das. Der Zeuge Landzus soll die Behauptung der Staatsanwaltschaft stützen, dast das Antwortschreiben der Firma Kupfer in der Ver- sammlung der Streikenden nur zum Teit verlesen worden sei. weil der Verband gegen den Willen der Arbeiter den Streik habe durch- setzen wollen. Der Zeuge kann diese Behauptung nicht bestätigen. Geschäftsführer Buschmeycr wird nochmals vorgerufen und von den Vermdigeru über die Ablehnung von Verhandlungen mit den Streikenden befragt. Er betont nochmals, dast er nur mit der Organisation der Arbeiter nicht habe verhandeln wollen. Dies sei auch mastgebend gewesen für die Ablehnung der Verhandlungen, welche MagisiratSrat v. Schulz und Oberbürgermeister Kirschner angebahnt halten. Auch sei für die Ablehnung mastgebeud gewesen, dast sich die Firma einem Schiedsspruch dcS EinigungsamteS habe unterwerfen sollen. BewciZailträgc. Hierauf beantragt Rechtsanwalt Dr. Heinemann, den Oberbürger in ei st er Kirsch nor und Magistrats» rat v. Schulz als Zeugen dafür zu laden, dast die Firma Kupfer die EiiiiguiigSverhandllingen in so schroffer Weise abgelehnt hat, wie es sonst nicht vorkommt und dast eine Unterwerfung unter einen Schiedsspruch nicht verlangt worden ist. Ferner soll Magistratsrat v. Schulz und Professor Franke, Heraus- geber der„Sozialen Praxis", als Sachverständige darüber gehört iverden, dast der von Bnschmeyer vertretene und betätigte Slaiidpuiikt, dast Einiguiigsverhandluiigen mit Arbeilerorgauisationen abzulehnen sind und auch auf Verhandlimgen bor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts nicht einzugehen ist, ein überaus rückständiger, sozialpolitisch einsichtsloser, notwendig zu Konslikten mit den Arbeiter» sühreiider ist, dast es auch verfehlt ist, von einer Machtprobe der Arbeiter zu sprechen, lveim nur bei einer Firma Lohnforderungen gestellt werden und nicht bei allen Firmen der betreffenden Branche, dast dies vielmehr oft der einzige Weg ist, um überhaupt Lohn- erhöhungen durchzusetzen, endlich, dast ein Solidaritätsstreik oit notwendig ist, um für einen Teil der Arbeiter, der Forderungen gestellt hat. dieie Forderungen durchzusetzen. Kupfer u. Co. bliesen zum Kampf. GcwcrkschastSsekretär Körsten macht ausführliche Angaben über die Art, wie das Gewerbegerichr bei ausbrechenden Lohnbewegungen Einigungsverhaildliingen einzuleiten sucht. Er bestätigt die Angaben anderer Zeugen über den Versuch, den Streik bei Kupfer durch Eini- gungsverhandlungen zu erledigen. Einige Fragen der Verteidiger be- antwortet der Zeuge dahin, dast es den Gewerischasten natürlich nicht erwünscht sei, wenn es bei Streiks zu Unruhen komme und dast im vorliegenden Falle von einer Machiprobe des Transportarbeiter- Verbandes keine Rede sein könne. Der Berbandsleiier Werner sei von Anfang bereit gewesen, den Streik durch Verhandlungen beizulegen. Den Gewerlschaften sei es immer erwünscht, wenn Lohnbewegungen in friedlicher Weise erledigt werden touitten. Daiiir spreche schon der Umstand, dast der Zeuge während seiner 18jährige» Täligkeit als GewerbegerichtSbeisiyer mehr als 100 Turifveriräge habe zustande bringen Helsen. Das sei also das Gegemeil vorn Kampf und spreche für die friedlichen Absichlen der Gewerkschaften. Die von der Staatsauivaltschaft geladenen Zeugen Rahmann und Paul Werner sagen nichts Wesent- liches aus. Die Arbeiter suchten vergeblich um Schuh gegen die Polizei nach. Der Zeuge Kandier ist Mitglied deS ArbciteraiiöschusseS der Firma Ludwig Löwe. Ihm ist mitgeteilt worden, dast schon am 24. September, also ehe es zu Ausschreitungen gekommen war, ein Schutzmann eine Arbeiterin, als sie von der Fabrik nach Hause ging, geschubst hat, und dast die Arbeiterinneu auf dem Nachhausewege von den Schutzleuten in schroffer Form aufgefordert wurden, schleunigst iveiteizugeden. Am 20. sagten die Kollegen, sie seien nicht mehr sicher vor der Polizei. Es miistte etwas geschehen, dast sie ohne polizeiliche Belästigung den Weg zwischen der Fabrik und ihrer Wohnung zurücklegen könnten. Ich habe deshalb die Di« rektion ersucht, sich beim� Polizeipräsidium über das Verhalten der ischutzleute zu be- schweren und um Abhilfe zu ersuchen. Die Direktion hat das abgelehnt. Sie sagte, iin„Lokal-Anzeiger" habe gestanden, dast von.dem Fabrikgruudstück Steine nach den Schutzleuten geworfen seien. Von den Vorgängen am 20., die von dem Schust eines Arbeitswilligen ihren Ausgang nahmen, hat der Zeuge selbst nichts gesehen. Er hat aber bemerkt, dast unter den Arbeitern der Löwe- scheu Fabrik graste Empörung über dies Borkonimuis und über das nachher ige Verhalten der Polzei herrschte.— Vorsitzender: Haben Sie darauf Mastnahmen getroffen, um die Arbeiter zu warnen 2.— Zeuge: Das wird ständig gemacht. Wir wollten eine Protefiversammluiig gegen die Angaben des„Lokal-Anzeiger' einberufen, sind aber nicht dazu gekommen. Weiter gibt der Zeuge an, er habe am 24. gegen 11 Uhr abends an der Ecke der Emdener» und Turmstrahe gesehen, dast ei» Schutzmann mit erhobenem Revolver Leute zum Verlassen des Balkons aufforderte. Ferner habe er bemerkt, daß ein Junge festgenommen wurde, der gar nichts gemacht habe. Zeuge Lorenz, Lagerverwalter beiKupfer, kann über Belästigungen der Arbeitswillige» nichts angeben, doch will er gesehen haben, dast Arbeitswillige mit blutenden Köpfen nach dem Kohlenplatz zurückkehrten. Wie die SlaatSanwallschaft behauptet. soll diesem Zeugen während deS Streits die Lieferung von Lebens« mittel» durch seine Lieferanten verweigert worden sein. Er sagt, eS sei ihm nur verweigert worden, Waren für andere zu kaufen, seinen persönlichen Bedarf habe er bei seinen bisherigen Lieferauten stets denken können. Boykottiert sei er also nicht, lieber die Be» waffining der Arbeitswilligen befragt, sagt der Zeuge: Zunächst habe» die Arbeitswilligen mehrere Tage lang Revolver gehabt. Erst als Polizeiinajor Klein die Benutzung der Revolver durch ArbeilSwillge verbot, sind sie ihnen abgenommen worden. Kaufmann Schulz hat von seiner Wohnung an der Ecke der Rostocker und Wittstocker Slraste die Vorgänge auf der Straste beobachiet. Er gibt an, gesehen zu haben, dast am 24. September mit Stellten nach einem Kohlenwagen geworfen worden sei. Auch sei ein Schutzmann, der einen Menschen abführte, mit Steinen beworfen worden. Am 20. und 27. September habe er wahrgenommen, dast die Schutzleute sich sehr ruhig verhielten, obgleich die Menge johlte und Scheibe» eingeworfen worden seien. Erst hiernach seien die Schutzleute gegen die Menge vorgegangen. Er, der Zeuge, habe sich über die Ruhe der Schutzleute gewundert. Aus Fragen der Verteidiger gibt der Zeuge an, er habe einmal gesehen, dast Schutzlenie die Gäste aus einem Schanklokal ttieben. Ein Mann, der aus dem Lokal herauskam, wurde von einem draustenstebenden Schutzmann geschlagen. Festgenommen wurde dieser Mann nicht. Der Zeuge hat auch nicht gesehen, dast dieser Mann die Schutzleute angegriffen habe.— Rechtsanwalt Heine: Also Sic wissen nur, dast der Mann Prügel b e k o m m e n hat und trotzdem be- wundern Sie die Ruhe der Schutzleute?— Zeuge: Die Ruhe war ja vorher. Damit schlost die Sitzung. Die Verhandlungen werden heute 0'/z Uhr fortgesetzt. Feststellen«nöchien wir, dast der„Lokal-Anzeiger" und der „Tag", deren tendenziöse Berichtersteitluiig wir kürzlich festnagelten, auch jetzt nock) fortfahren, ihre Leser höchst einseilig zu informieren, mid bislang noch keinen Anlast genommen haben, ihre gegen die Arbeiter ausgestreuten unwahre» Sensationsnachrichten über die Moabit« und Weddinger Vorgänge zu widerrufen. Cingegsngene Oruchfchriftcn. Kind mb»unst. von Ernst Schur. Verlag P. Brandl, Steg- üb IM. Das zweite Lebe«. Drama von V. Hirschseid. 2 SR., geb. ö M. ff Nleiichel u. To., Berlin W, 35. Die MrchtSvrrhSltN'ffe de» Fadrtt�enfio«».«ab Nnterftiit»««!»»- kästen. Von H. Kode. 3 M. Puttkommer n. Mühlbrecht, Berlin W. 66. Die Geschichte de» deutschen Liberalismus. Von O. Kiew, Hatttnqen. 6,60 M.. geb. S M. Bnchocrlaa der.Hilfe". Zchöneberg. Bam Wesen der Moral. Eine Pbhsil der®itlcn von H. Dankverg, Preis 3 W., geb. 4 M. I. Hostmann, Stuttgart._ chtauben. Heitere che. gendbiicherei Nr. 89.— Zl-cks.— Nr. 40. Ge- demselben. Einzelnummer Kürschners Bücherschaü. Nr. 74?. schichten»on g. Dsrina. 20 Pf. � Deutsche � KriegSfabrt in Ruftland 18lS. Von Förster fangenschaft in Rnstland ISIS— tSk4. Von iv Pf. H. Hillgcr, Berlin W. S. Mater-Kalender I9U. Notizlalender. 1,50 M.— Jahresbericht 1900 der Maler, Lackierer. Anstreicher. Tünche» und BSeisibiuder Deutschlands. N2 H. A. Tobler, Hamburg. Fachdlatt für Holzarbeiter. Heft 11. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeiter-Verbands. Erscheint am lö. jede» MonatS. 1 M. pro Viertel- jähr. Deutscher Holzarbeiter-Verband zu Berlin 0. 2, Neue Fciedrich- straste Z. Der Staatsbürger. Nr. 16. HalbmonatSschrist sür pol! tische Blliunz Bon Dr. H. vorn. 40 Ps. W. Kruno«, Leipzig. AuS Na>ur nnd GcisteSwelt. Bd. SS.— Der Mensch de« Nr- zeit. Bon Sl. Seiworn. Bd. 329.— Deutsche Banknnst. Von Sl. Matbaci. Bd. 329.— Griechische Weltanschauung. Bon M. Wandt. Bd. 3Zl.— DaS Hotelwcsen. Von P. Tanim-Etienne. Einzew. 1 SU., geb. 1,25 N.— Unsere JuugS. Keschichtcu von Fr. Gansberg und W. Eildermann. B. G. Teubner. Leipzig. Tie Geschichte deS Onkel Zdrante. Ein KindnLllch. Herausgeber A. Lichtenstein. Allgemeiner Verlag, Berlin W. 30. Der Dom. Segen und LiederauSivahl von M. Lang. ISS S. M. Moerike, München. Mittwochi. 23. November. Nnfcvg 1'/, Uhr. Königl. OPer»hauS. Der LlebeS- trank. Nene» königl» Opern-Theater. Keschlosten.' Königl. ÄchaustzielhonS. Der Krampus. Deutsches. Faust. Lessing. RoSmerSPoltn. Ansang» Uhr. Kammers pieie- Der Oer. wundet« Vogel. Meuee SchauivlelliaUlS. Sterne». Hochzeit. NachmillagS 8'/, Uhr- Weh dem, der lügt. Kleines. Verflixten Frauenzimmer. t. Klasse. Berliner. Der scharje Jmter. Neues. Der Sieger. Driauon. Der heilige Hain. Komische Over. To�ca. Residenz. Der UnterpräseN. Dbalia. Pointsche Wirischast. itag« 4 Uhr- Nachmittags 4 Uhr- Hänsel und Gretel. Schiller«».»Wallner- Tdeoie») Die Kreuzelschreiber. Sch>u., Eliarivttendurg. Prinz Friedrich von Homburg. Ariebrich« WilhelmstiidtischcS. Krieg im Frieden. NachmillagS Z'/, Uhr: Die Her« mannSschlacht. Westen. Die schSnste Frau. Neues Overetten. Der Gras von Luxemburg. Nachmittags 3'/, Uhr- Die goldene Märchenwelt. Lustipielhans. Der Feldherrn- Hügel. Luisen. Prezlosa. Modernes. Der Doppelmensch. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Dcrbyfieger. VolkSoper. Die weiße Dame.(An- sang 8'l, Uhr.) Mole. Die Millionärin. FolieS Eaprice. Der Feldwebel» Hügel(Ansang 8'/4 Uhr.) Metrvool. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. VaOnqe. Speztalttäten. Reichsdasirn. Steitiner Sänger. Walhalla. Bravo I Da capol(An- sang 8'U Uhr.) Wintergarten. Spezialitäten. Sanssouci. Ach, die KerlS! Spezialitäicn.(Ans. 8'/. Uhr.) Karl Haverland. Epezlautälen. Urania. Danbcnstraste 49/40. Abends 8 Uhr: Der Vierwald- slätter See und der Gotthard. Hörsaal 8 Uhr: Dr. E. Börnstein: Die gebräuchlichen Brennstoste. Steriitvartc, Jnvalidenstr. 67— 62. Urania. WissenBchaftliches Theater Taubenoliraße 48/49. Abends 8 Ülir: De* TlernaldMttttcr See and der Gotlliard. UörseslS Uhr: Dr. B. Bömstein: Die gebriuch- liehen Brennstoffe. Kaiser-Panorama Reise nach dem OHetlt. II, inierestant. Reise in Biem. Eine Reste 20 Ps., Kind nur 10 Ps Aionnem. 1 SB. Tausende llbonnenlen. Residenz-Theater, Direltion: Richard Alexander. Abends S Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank in 3 Allen v. Leon Gaudillot. Morgen mid folgende Tage: Der Unterpräfekt. Smmtaa, den 27. November, nach- mittags 3 Uhr: Gretchen. Luisen-l'tieatei'. Abends K Uhr: l*rv«i<>8a. Donnerstag u. Freitag: Prezlosa. Sonnabend 4 Uhr:~ 8 Uhr: Berlin geht zu Bett. Sonntag Z Uhr: Der Hültenbeslher. 8 Uhr: Haiemanns Töchter. Montag: Preziosa._ OSE=THEATE 1 Große Frankfurter Str. t3S. Die Mttiouärill. (Sein Prinzekicheu.) Lebensbild in 3 Alten von Schüller Parasini. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Donnerstag, Goimad. u. Sonntag Die Millionenerbin. Sannabend nachm.» gm Zauber. lande Rübezahls._ Lessing-Theater. y/a Uhr: gbien-ZyklttS.b. Vorstellmrg RoSmerSstolm. Donnerstag s Uhr: Wen» de» junge Wein dtüht. Anfang 8 Uhr. Lcyte Woche deS Kolossal-Programms. U. a.: Der berühmteste Kunst- schuhe der Welt Cot. 9. Bordeverry. Walter Steiner mit neuen Schlagern. 10 Udr: Mizxi Wirth in ihrer Novität: rrauenrllleel. "Berttner Theater. AbcndS 8 Ubr: Der scharfe Janker. Morgen: Der scharfe Junker. Heues Theater. Gastspiel Ferdinand Bonn. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Der Sieger. Donnerstag u. Jrettag: Der Sieger. Sonnabend zum erstenmal: Der G. m. b. H. Tenor. Tkeater des Westens. 8 Uhr: Die schOnsto Frau. Sonnabend 7% U.: Das Puppenrnädel. Sonnt. B'/jU-: Die gesohleaene frau, Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: _ Lustspiel tiaiiSs Abends 8 Uhr: Der FeldherrnhLgel. Berliner Volksoper Belle-SlMancestr. 7/8. '1,0 Uhr: Die MlteMIKeWlMes Schauspielhaos. Mittwoch, den 23. Nov.. abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Nachm. 3>/, Uhr: Die Hermann- schlacht. T-omierStag und Freitag: Dir Hrr» mannschlacht. Mstropol-Tkeatsr. Hurra! Wir leben noch! Groß! AuSstattimgSrevue In 7 Bildern v. F. Freund. Musik v. B. Holländer. Hn Szene gesetzt von Dir. R. Schr Ansang 8 Uhr— Stauche» geftati Ein beispiellosen Erfolg! BrämonTal L teils Pariaienne Lafory Min v. a. Großen Ope» araorik. Opo- Paris. retteneSncerin „General" Edward La Vine, der tapfere Haudeeon •sowie die übrigen unerreichten !! November-Attraktionen!! Passage-Theater. Garland Kneroperette 10 OolokrMtte Jean noreaa Hdm. Xndfcgo Glima-Kämpfe der Isländer-Truppe und das große Programm. Passage-Pauopiikum. Nitzetto der Mensch ohne Skelett. Bnddhas dunklen fioheimnla. Der Bann mit dem eisernen Oehlnnd l Alles ohne Cxtra-Entree I Elirtr. SO stf., Kind. n. Seidaten 1 5 Pf. Wchfllep-Theater« Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeal). Mittwoch, abends 8 Ubr: Die lärcnaclRchrcihcr. Bauernkomödie mit Gelang in 3 Alten von L. Anzengruber. Ende 10'/, U Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum l.Malr: Die Fee Qsprlcc. Freitag, abends 8 Uhr: Die Fcc CajH'icc. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 u h r: Pelnr priedrich von Hoinbarg. Schauspiel m 5 Akten o. H. v. Kleist. Ende 10-/« Uhr. Donnerstag, abends 8 Ubr: Pdnr Friedrich von Homburg. Freitag, abends V Uhr: a»d«mM Fud«. --- Mo?artsaal. JTut Schülervorstelluiig Ä Beginn der Abendvorstellung 6 ühr. U. a. GRAF TOLSTOI. CLOU Manerstr. 82— Zimmerstr. 90/9! Berliner Sonzerthaus Anfang 8 Uhr: Nur noch wenige Tage: Gastspiel v. Mitgl. des Mailänder Scala'Orchesters 66 Kliustlcsr. Dirig.; Egisto Tango. 10 Sollttten. Wochentäglich nachm. Gr. Promenadan-Koniert bei freiem Eintritt. Aistlwech. 23. 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Lsdenäe Nliotograplilkn. �.ussokneiaen, kür 4 personon gültig/. Wegen Abgabe dieses Inserats erhalten Erwachsene an«Soeben tagen ans allen Pläyrn Lv Pf. Ermilsttgiiug. StF~ Billigster Styvlast deinnad, nur lv Bs."WZ t Jedso zahlende ktiud erdSlt a» jeben, Sonntag«in reibtUott, zu rinein Wvtyentage gültig. graitS. Jeder wächserne hat wochentags für ein Ätnd freien Eintritt. Jelben Montag und Donnerstag von 4— 6 llhr: Kinder 5 Pf. Kindervorstellung. Erwachsene 10 Pf. _ Bochentag« Ansang 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr. 19496* Zirkus Busch. Mittwoch, 23 NDv.,abends7V,Uhr: Cir. Gala-Vorstellung. Die berühmt« Radfahrerfam. Klein. Gastspiel dos Herrn Dir. Pierre Althoff u. Frau vir. Adele Althoff m. ihren hervorragenden und eleganten Freiheitsdressuren. Die Fredianls, Akrobaten zu Pferde, drei Mann. Herr Alfred Ott, Schulreiter. Um 9'/, Uhr zum 74. Male: „VENEZIA" Vorher das gr. Gala-Programm. Der gr. Marstall Ist geöffnet Walhalla-Tlieater BeindergSweg 19/20.(Rosenth. Ter.) Anfang S1/, Uhr. 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Mitwirkende: Prau Ackermann-iVlanCCkc, Konzertsäng., Walter Riley, Violine, Ernst Himmel, Harmonium, Margarete Walkotte. Knrtem Im Torverkant a SO Pf. bei Herrn Paul forsch, Engelnfcr 13. Abendkasse 60 Pf. =■ Beginn VI, Uhr. 1879b* I MäMS Hochbahnstalion Kottbuser Tor. 8',« llhr: 01 Johm Davidson das kanadische Wunderl an 3J0 o. 9.30 abends. Die Bahn ist geBffnel 11— l Vm., I 3.30— 17 Km.(Konzert 8.80—12) Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der heilige Hain. it imr 64 Badstr. 64 Königstadt-kasino. Holzinarltstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Daö erfolgreiche Rovember» Programm mit Franz tsfobanskt. Neu! Molly Verch, Prenz Rudolfi, Father and Sou, Little Pix usw. Rtesen-Ersolg: Ein alter Flickschuster. VollSstück m. Ges. i. 1 AN v. O. Richter. Polles Capriee. Komiker Schnitzel Solo-Teil: Der Dorlmusikant. Morgen und folgende Tag«; An fflbwbflljiiflfl ftarl Haverland- Anfang Ifhrefnn Kommandanten- pr»,. Vi, U. IllUOItü. straße 77/79. 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Reformbad Weißen see, lebdeutr. 104. fer-Ead-SniuÄ'- Ruaa.-röm. Bad, Stephans». 40. Schiller-Bad sTÄ. Schönhauser Bad, Seböst Alles 28. rä!■ i■ M»- Bad**• aa 49 3 1 IBSB a Scblesische Str. 31. VI ktorlo- Bad.Rnmae lib..FT.-All>ertsti 6. Wilhelmsbad. Setiiiicnitr 181 2762. f Bandegdn, Otimtnlw.) R�auEe�träläuer�trTa�/� Lange, A. E.. Brunnonatr. 187. Meyer, P-, Ri-, BcrlincratT. 49-50. " SuEl-----"» Wende, fl., X�34' �BeerdlT����SarflniJ Berndt.wTTTinüIcfTIr.l.Eckelloaeiit. A. Bntti, Zorndorfor Str. 23. KaFüllBÄ�ilUalTP Ouistcr, M., Badntr. 62,63. Georg HeroIdtyCMerbergerntr�S. Hieltel, Fr., Gr. Üamburgerst. 87 Koch, Eiuil, Weißenaee, Köatfl Ob 76. B. Lüttcher, Prinm»!. 24. 17, 10880, MIach, O. 17,Münciieberger»tr. 1. Mold«, FHti. Bild., Renterplatc. Gust, Nobert, Potadameretr.USa H. Peterreeler, ßtrelitieretr. 8. Peler-Schley, WUh. ,Zoi»CBer»tr.l I. Hommeck. C,, Kl., Uermannst. 22. Frltx Sottekorn, Elbwgerstr. II. R. Stark, Wiclefstr. 20. Bal«uoht.-C4;B«nat.) ecker.ReinF nväOen- Str. 164. Beuster, Rlxd., Kiiä.-FriedricksU173. BUflZei, R. Äaia�rfÄr?3t.4». Büttner, A., Danzigerstr. 26. E.Lelschner, Kottbusserdamm 69 KroneD-GrossmaiiQ Elsaseer Str. 92 Leser des„Vorwärts" 5% Rabatt. KcUDnilliff ll D-St.3. ut PcIiUv: I, ü. r., Lf.d.Sparv.Nord �iliisrySMfefKdSa Srlwam mar. FruSSi«. Kunze, Crossbäckerci Berlin N, Pankow�W elften»©« Rieh. Liabenow Kixrtorf, Bergair. 143 Rrotfabrlh. Filialen In allen Stadtteilen. � a che, Ca rl.�rT Samaritorat., Eoke Frank?. Allee. Proskaueretr. 31. Voigtstr. 90. Waldeyerst. 1. OrQnbergerat. 15. 8traübg.-6l. 89. Franseokyat. 16. Mer'�rofsbätierei in allen Btadtteilen u. östlichen Vororten; üb. 60 eig. Oeechfifte. SdiApe, H., Rixdorf, Borgetr. 84. Srhütt.O.pÄ�o. August Tbieimann, Berlinerst. 137a. TTIhviVIl Cbarlottenbarg, Ullfl Ji/il so Filialen. ( B«rufsklcildunB Hambur�eTCaTen'ITnärr.WalUL 35 Keiner, Otto, GenchtstraBe 86. Z Wilh. Scholen) Kottbnserdamm 94, Keller. Schuch, M., LÄÄie. Schwalbe, Wilh- Wolliner-Str.12. Ii/n*!; II Mühiendamni 3, ff ul#Kyl| H. Kettbueerdamin 98 { Blerbrniueraiei'w.HAerh. Heinrich Wüllen Ponjicnitfk«!-, Sehxsrjbret- n. Slxm»- twl-Fkbift. T. U, Stl.t. Msietr. 7, Tcrksifutcll. l.sII.Gcgegd. GreS-Brrllaa BadeanvtaMnn Ahltalten vom Admlralagartcn-Bad: AIexanderplatz8. Lideenufer 29. iReinlckend.-Str.a. Lützowrtr. 74. Arbona-Bad, Anlclamer-Str. 34. Aognsta-Bad, K6pentck.-Str 60,61 Bürger- Bad wSr,r' r�anifw Bad, Mönzatraßc Z, V.C11 1 1 Li- Kareeniiof�ant. [fillral-y AnzmcyuboraW.-5. Bad Frankfurt, Gr. Krlift. Str. 1 38. Lieferant sümtl. Krankonkaasen Bad Frlcdriihshuln,Uad«bMVIlMH3 GOaiel» Bade-Anatnlt, Orrsaaastr 130. Badeanstalt, Bazenbeldo 18. Helena-Bad, Cnlmstr. 30 e. H ohenstiirfe n■ 8 n d t» ilifli Am Nollendorf-WinterfeldpUtz. Bfiraen-Bad, Blrcksenatr. SO Ära Hackeschen Harkt. Lieferant aller Kaeaen. r-t I-indsEerger SMß?, Rollnowstraßc 41. il. Kallach, Lieferant alL Kaaaen. Iffland-Bad, Marsilinsstr. 9. 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