Dr. Ä76. üboniiemenk-keäingmgeni kbonnements- Preis pränumeranSo i Lierteliöhrl.%30«Sf, monatl. 1.10 Mk., wöchentlich Sti Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nvmmrr 5 Vfg. Sonntag«' pro Eingetragen in die Post-ZeitungS- PreiSlisic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dünemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrs. CrUtln, täglich auHtr IDontagi. � f Vevlinev Volksblntt. VI« Insertion;-Lediih? keirLg! für die scchSgespaltcne KoIsllÄ« geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlung?-Anzeigen M Pfg. „Uleine Tinreigen", das crsie sselt« gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- sicllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort k Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist d!s 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adxeffe: „SozialiKincKrat«ulia". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchtandd. Rcdahtion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Nmt IV. Str. 1983. Freitag, den 25. November 1910. Expedition: EM. 68, Lindenstraeee 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. vor dem Keichsrat. Aus Wien wird uns geschrieben: Ganz ungewöhnlich spät wird der österreichische R e i ch s r a t in diesem Jahne einberufen, und doch soll er vom 24. November, wo er zusammentritt, bis zu Weihnachten sehr schwere Arbeiten erledigen. In diesen drei Wochen mutz erstens die provisorische Geschäftsordnung verlängert werden, deren Geltung Ende des Jahres abläuft, was zlvar geseh- technisch keine übermätzige Arbeit wäre, politisch aber um so größeren Sckswierigkeiten begegnen kann; dann mutz, da an eine Erledigung des Voranschlages nickst zu denken ist, das so- genannte Budgetprovisorium zustande gebracht werden, und schließlich sind bis Ende dieses Jahres die notwendigen Ver- sügungen wegen der Verlängerung der Bankgemeinschaft zu treffen. Das ist ein Pensum, das auch für leistungsfähigere Parlamente, als es das österreichische Abgeordnetenhaus ist, ein zu großes wäre; um so mehr, als das Haus, wie es nach so einer langen Vertagung selbstverständlich ist, noch andere Sorgen haben dürfte als ausschließlich die Sorgen der Regierung, und jedenfalls eine gründliche Diskussion über die immer unerträglicher werdende Lebensmittclteuerung führen wollen wird. Aber es gehört zum System Bienerth. das Abgeordnetenhaus unausgesetzt in Zwangslagen zu versetzen und ihm die notwendige Zeit zu fruchtbarer Arbeit so weit als möglich zu verkürzen. Das vielgerühmte System Bienerth entschleiert sich freilich immer deutlicher als die völlige Unfruchtbarkeit, als der gänzliche Stillstand auf allen Gebieten. Es gelingt ihm gar nichts: das ist die Wahrheit über diese Regierung, für die die Reklame kecker und vordringlicher betrieben wird, als je sür eine vor ihr. Die nun zu Ende gehende zweimonatige Landtagssession ist der beste Beweis, wie trostlos die Ergeb- nisse dieser angeblich aus die Beruhigung der nationalen Leidenschaften gerichteten Regierung sind. Die nationalen Verhandlungen in Böhmen, von denen man die Gesundung der Verhältnisse im böhmischen Landtage(der, seit zwei- cinhalb Jahren gewählt, noch nicht zu seiner Konstituierung gekommen istl) und eine Besserung in dem Verhältnisse der zwei Nationen erwartete, sind ohne jedes sachliche Resultat geblieben: es ist aus ihnen, die mit so viel Hoffnung begrüßt worden waren, nicht das Geringste herausgekommen. Nun ist es wahr, daß gegen diesen tiefwurzelnden, eingefressenen Streit die Regierung über kein Wundermittel verfügt, und wir Sozialdemokraten verspüren ja seine Kraft selbst so stark, daß uns der Spott über andere vergeht: aber es ist doch klar, daß eine Regierung, die über ein wirkliches Ansehen verfügt und die Vermutung des ehrlichen Maklers für sich hat, auf die Parteien, die zum Kompromiß tatsächlich bereit waren, einen ganz anderen Einfluß besitzen würde, als er der Re- gicrung Bienerths eignet, die, wenn der Ausgleich zustande gekommen wäre, der lachende Dritte gewesen wäre, da er ge» scheitert, sich mit der Rolle des weinenden Dritten zufrieden gibt, der aber die Fähigkeit, die möglichen Ziele abzustecken und die Parteien zu ihnen zu führen, vollständig versagt ist. Das Problem ist in Böhmen nunmehr deutlich zu er- kennen: es heißt: Schutz und Rechte den Minoritäten. Also das Recht der deutschen Minorität im Lande und in seiner Verwaltung durch eine möglichst weitgehende Autonomie, von der die von den Deutschbürgerlichen akzeptierten Zugestand- nisse nationaler Sektionen im Landesausschusse nur ein schwächlicher Abklatsch sind: dafür aber ausreichenden Schutz der nationalen Minoritäten, die in das Sprachgebiet der anderen Nation eingesprengt sind. Daß sich aber dieser echte und wahre Ausgleich, der jeder Nation das gibt, wessen sie bedarf. nuraufdemokratischenGrundlagen ent- wickeln kann, daß also eine demokratische Wahl- r e f 0 r m mit abgegrenzten Wahlbezirken seine erste Voraus- setzung sein muß. ist deshalb klar, weil sonst der Ausgleich von den nachrückenden Schichten wieder verleugnet würde. Was aber klar ist, ist der Regierung Bienerth unbekannt, und so erschöpfte sich ihre Mitwirkung an den zweimonatigen Friedensverhandlungen darin, daß sie erklärte, das allgemeine Wahlrecht für den Landtag in keinem Falle zuzulassen! Ter böhmische Landtag, der schon lange Jahre obstruiert ist. wird also auch weiter arbeitsunfähig bleiben, und das gleiche Schicksal ward schon anderen beschert und harrt anderer. So mußten die Landtage von Mähren, Steiermark. Jstrien, Görz und Gradiska, weil ihnen die nationale Obstruktion die Tätigkeit abschnitt, geschlossen werden, uiid dem galizischen, in dein sich wieder der Gegensatz zwischen Polen und Ruthenen »auslebt", droht dasselbe Schicksal. Die Regierung Bienerth steht aber diesen gefährlichen Erscheinungen, die ihre Rück- Wirkung natürlich auch auf den Reichsrat üben müssen, mit jener unerschütterlichen Wurstigkeit gegenüber, die sich durch nichts aus dem Gleichgewicht bringen läßt. Die eigentliche Maxime der Regierung Bienerth ist und bleibt: Gleichgültig. keit. Wenn sie ihr„Alibi" hat, hat sie ausgesorgt, und wenn sich der treffliche Bienerth in keine Fährlichkeiten begibt— worunter er versteht, sich auf keine bestimmte Sache zu ver- Pflichten— so glaubt er, daß er in keiner umkommen kann. So wird, und das ist die Ironie der Dinge, die Stellung oeS Herrn v. Bienerth um so fester, je weniger ihm etwas pelingt. Die Logik ist folgende: Gelänge ihm etwas und hätte V Ä irgend einem Gebiete Erfolg, so wäre der Beweis er- vacht, daß er ein Genie ist. Mißlingt ihm alles, das heißt, werden die Verhältnisse immer und überall verworrener und trister, so erscheint Bienerth nur um so notwendiger: als die „Autorität", die dem allgemeinen Chaos sich entgegenstellt und entgegenwirkt. Das kommt daher, daß in der Meinung der„Maßgebenden", und zu einem nicht geringen Teile in der öffentlichen Meinung, das Haus des allgemeinen Wahlrechtes den Prozeß vorweg verloren hat, daß man für die Mißerfolge die Schuld ihm und seiner„Unfähigkeit" zuschiebt, wogegen der Regierung die mildernden Umstände des so schwerfälligen und unergiebigen Hauses nicht versagt werden. Und da die Deutschbürgerlichen, voran die sogenannten„Freiheitlichen", von ihrer unbegründeten Schwärmerei für Bienerth nicht lassen mögen, so empfängt, ohne daß es recht wüßte, warum, das Kabinett Bienerth den Charakter der Deutschfreundlich- keit, jeder Angriff auf ihn scheint ein Angriff auf deutschen Besitz, und so wird die unzulängliche und unfruchtbare Re- gierung immer mächtiger und lebt im Grunde davon, daß sie nichts vollbringt! Herr v. Bienerth kann für nichts und das Parlament für alles: das ist jetzt so die österreichische kon- stitutionelle Doktrin. Wobei man die Unfähigkeit und Unzn- länglichkeit der Majorität dem Parlamente auf- halst: was die Majorität schuldig bleibt, was sie verschuldet, geht alles aufs Konto des Parlamentes, dem die im Dunkel schleichenden Volksfeinde nicht vergessen können, daß es das Produkt des gleichen Rechtes ist. Deshalb wird der Prozeß zwischen Bienerth und Parlament, wie nun die allgemeinen Machtverhältnisse sind, nicht mit dem Sturz der Regierung, viel eher mit der Auflösung des Abgeordneten- Hauses enden. Zwar kann diese, da die Schwierigkeiten des Parlamentes nur die getreue Reproduktion der Schwierig- kciten des Staates sind, aus sich schlechthin eine Besserung nicht erzeugen, aber die Vergewaltigungsmethode, mit der seit Becks Sturz das demokratische Haus traktiert wird, treibt zu ihr als zu dem Schluß der Unvernunft. Csbisti-AeHIs«. AuS dem Wahlkreise Labiau-Wehlau wird unS geschrieben: Am 2. Dezember wird in Labiau-Wehlau ein Wahlkampf— falls nicht eine Stichwahl notwendig wird— beendet sein, dessen AuS- gang alle Parteien im Reiche mit großer Spannung entgegensehen. Der Wahlkreis ist ein fast rein ländlicher. Er zählt 636 ländliche Ortschaften und nur vier kleine Ackerbürgerstädtchen: 1. Labia« mit 4512 Einwohnern, 2. Tapiau mit 5118 Einwohnern, 3. Wehlau mit 5284 Einwohnern, 4. Allenburg mit 1651 Einwohnern(nach der Volkszählung von 1965). Diese 640 Ortschaften sind für die gegen- wältige Nachwahl in 139 Wahlbezirke eingeteilt. Die 139 Wahl- lokale befinden sich zum Teil in den Stadt- und Dorfschulen, in Gutshöfen und auf den Schulzenämtern. Außer einigen Ziegeleien, Torfstreufabriken und Schneidemühlen sind im Wahlkreise keine In- dustrieunternehmungen vorhanden. Auch große Rittergüter sind ziemlich selten, desto zahlreicher sind die mittleren und kleinen Guts- bcsitzer und die Eigenkätner. ES gibt Dörfer, die einen Umkreis von mehr als einer Meile haben, aber so dünn bewohnt sind, daß ein Besitztum vom andern oft 1 bis 2 Kilometer entfernt liegt. In einem dieser Dörfer sind z. B. 139 Reichstagswähler vorhanden, darunter allein 104 kleine Besitzer, die zwar ihr eigenes Besitztum haben, aber zum Teil nebenbei als Fährmann, Maurer, Zimmerer oder ungelernte Arbeiter ihre Existenz fristen, während das bißchen Landwirtschaft von der Frau oder den größeren Kinden besorgt wird. Da so wenig größere Güter vorhanden sind, finden diese kleinen Eigen- kätner und Arbeiter in der Nähe ihres Wohnortes vielfach nicht ge- nügend Beschäftigung: so zum Beispiel die Drainagearbeiter. die mit einem Schachtmeister Wochen- und monatelang, auch außerhalb ihres Wahlkreises, umherziehen und arbeiten. Eine große Anzahl Maurer. Zimmerer und ungelernte Arbeiter findet Beschäftigung in der nur durch eine ein- bis dreistündige Bahnfahrt zu erreichen- den Provinzhauptstadt Königsberg. Ein Kanal, der„Große Friedrichsgraben', verbindet mehrere Flüsse und Ströme als Wasserfahrstraßen. An den Ufern dieses Kanals wohnen mehrere Hundert Flößer mit und ohne Eigentum, die, so lange das Wasser offen ist, für große Holzfirmen und Schneidemühlen Holzflöße auf dem Wasser transportieren. Nord- westlich grenzt der Kreis Labiau an das Kurische Haff. Dort be- finden sich Fischerdörfer mit 599 bis 1999 Einwohnern. Auch hier trifft man Fischer mit und ohne Eigentum an. Diejenigen, die keine eigenen Geräte haben, oder nicht im Besitze der Fischcreiberech- tigung sind, fischen gegen Lohn oder Tantieme für die großen Fischcrwirte. Aermlich und dürftig sieht es bei den meisten dieser Fischerfamilien aus, die ihren oft mit Lebensgefahr erzielten Fang entweder dem Fischerwirt und den Aufkäufern großer Exportfirmen für meist recht billigen Preis abliefern oder den Fang mit eigenem Fahrzeug oder Kahn nach den Städten bczw. größeren Marktflecken befördern. Und noch eine besondere Kategorie von Einwohnern hat dieser Wahlkreis aufzuweisen. Einen beträchtlichen Teil des Landkreises Labiau nimmt nämlich der sogenannte Moosbruch ein. Es ist dieses eine dicht bewaldete Gegend mit reinem Torf- und Moorboden. Dort wächst nur sehr wenig oder gar kein Getreide, meist lediglich dürftiges Viehfutter. Desto besser gedeihen hier Kartoffeln und Zwiebeln. Um nun für die ausgedehnten Forsten, die durch fast gar keine oder doch nur schlecht passierbare Wege mit den bewohnten Ortschaften verbunden sind, die notwendigen Waldarbeiter zu bc- schaffen, hat die Regierung auf diesem Torf- und Moosbruch Kolo- nien gegründet. Das Stückchen Land, auf dem diese Kolonisten angesiedelt sind, reicht natürlich nicht im entferntesten aus. um Hurck) feie fearaus zu betreibende Landwirtschaft eine Familje zu er- nähren. Während die Frau den Kartoffel- und Gemüsebau besorgt ! und ein bis zwei Schweinchen füttert, geht der Mann für einen Tagelohn von 1,89 bis 2,29 M. im Walde arbeiten. Und das Stück» chcn Land wie das elende Holz- oder Lehmhäuschen, das sie bc» wohnen, ist nicht ihr Eigentum, sondern nur vom Forstfiskus auf . bestimmte Zeit gegen jährlichen Mietzins gepachtet. Diese Leute, die zum großen Teil aus Litauen stammen, führen durchweg ein höchst elendes Dasein. Etwas besser stehen sich wirtschaftlich die Kolonisten, die einige Morgen Land und das dazu gehörige Häuschen ihr Eigentum nennen. Sie betreiben etwas Schweinezucht, bauen auch Kar- toffeln und Zwiebeln zum Verkauf. Meist sind die Kolonisten wie auch der größte Teil der Bewohner der erwähnten Fischerdörfer Sektierer. Unzählige religiöse Sekten haben sich hier eingenistet und betreiben mit fanatischem Eifer die Proselytenmacherei. Daß diese vom öffentlichen Leben fast abgeschlossene, jeder Auf- klärung unzugängliche bedürfnislose Bevölkerung streng konserva» tw ist, versteht sich fast von selbst. Bei der Hauptwahl im Jahre 1997 wurden im Wahlbezirk„Königgrätz" dieses Moosbruchcs 342 konservative, 1 freisinniger und 7 sozialdemokratische Stimm- zettel abgegeben. In einem anderen Wahlbezirk,„Franzrode", er- hielten nur die Konservativen 351 Stimmen; keine freisinnige. keine sozialdemokratische Stimme fand sich in der Urne. Aehnlich war das Wahlresultat in verschiedenen Fischerdörfern. Die höchste Stimmcnzahl(153) erzielten wir in diesem Labiaucr Landkreis im Flößer- und Fischerdorf Agilla am Friedrichsgraben. Günstiger war das Wahlresultat für uns 1997 in jenen Dörfern, wo ländliche Freiarbeiter wohnten, während da, wo große und mittlere Güter mit ihren Landarbeitern, Jnstleuten und Scharwcrkern zu wählen hatten, sich meist verhältnismäßig wenige sozialdemokratische Stimmen in der Wahlurne vorfanden. Eine große Rolle spielte auch natürlich in diesem rückständigen Wahlkreis der nationale Rummel. Er bewirkte, daß die sozialdemokratischen Stimmen von 5966 im Jahre 1993 auf 3179 im Jahre 1997 zurückgingen. Es ist deshalb schwer zu beurteilen, inwieweit sich seit 1997. die politische Situation in diesem Wahlkreise geändert hat. In wirtschaftlicher Beziehung bleibt so ziemlich alles beim alten. Die Landarbeiter, Fischer. Waldarbeiter. Flößer und auch die Arbeiter in den kleinen Städten darben nach wie vor. EtwäS gebessert hat sich nur die Lage der Maurer, welche durch ihre Organisation höhere Löhne erzielt haben. Auch haben verschiedene kleine Bcsitzer und) Arbeiter etwas besseren Verdienst bei der Nonncnholzarbeit in den Wäldern gehabt. Im allgemeinen herrscht aber im Wahlkreise eine starke Erbitterung über die Erhöhung der Preise für Lebensmittel' und Gebrauchsartikel sowie die Teuerung des Tabaks, des BierS und des Branntweins durch die Reichsfinanzreform. Leider ist die Bevölkerung sehr schwer für die politische Organisation zu haben. Der KreiSvcrein hat nur gegen 399 Mitglieder, doch wird der„Land- böte" im Wahlkreise viel gelesen; auch kommen jetzt viele Arbeiter und kleine Besitzer mit der Großstadt Königsberg mehr in Be- rührung. Sie holen sich persönlich und schriftlich Rat und Auskunft vom Parteisekretariat. Zudem ist der jetzige Kandidat, Genosse Linde, sehr vielen Wählern seit länger als 19 Jahren persönlich bekannt. Das Vertrauen zur konservativen Partei ist bei diesen Wählern vollständig erschüttert. Freiwillig werden von der arbei- tenden Landbevölkerung für diese Partei voraussichtlich nicht viele Stimmen abgegeben werden. Diese Stimmung haben sich die Königsberger Freisinnigen, die 1997 nur 1769 Stimmen in diesem Kreise aufbrachten, zunutze gemacht. Sie traten als Liberale— mi» einem kleinstädtischen Bürgermeister als Kandidaten— auf und bc- treiben mit dem Gelbe des HansabundcS eine jedem politischen An- stand ins Gesicht schlagende Wahlagitation nach amerikanischem Stil. Wir Sozialdemokraten agitieren persönlich und mündlich in den Wohnungen der Wähler unter Zuhilfenahme von Flugblättern und dem„Landboten'. Versammlungen können wir nicht ab» halten. 139 KönigSbergcr Parteigenossen haben sich uns opfer- bereit an den Sonntagen zur Verfügung gestellt. Das Wahlrcsultat vorauszusagen, ist in Anbetracht dieser Verhältnisse sehr schwierig; werden doch unzweifelhaft am Wahl- tag die Gegner, vor allem die konservativen, weiter in reichem Maße Schnaps und Freibier spendieren und die abhängigen Wähler auf jede Art und Weise einzuschüchtern suchen. Sie SchMHttZSbgllbei). Der dem Reichstage zugegangene Gesetzentwurf über die Schiffahrtsabgaben ist bereits in der Nr. 253 vom 28. Ok- tober des„Vorwärts' kurz besprochen worden. Verblüfft hat allgemein, daß nach der dem Entwurf bcigegebenen Begründung im Bundesrat die Annahme einstimmig beschlossen worden ist. Man hatte vor allem gerechnet, daß Sachsen und Baden fest bleiben würden, weil diese Bundesstaaten von den Abgaben am schwersten getroffen werden würden., Der Wandel in der Stellung der hierbei in Betracht kommenden Regierungen von Sachsen, Baden, Hessen und der Thü» ringischen Kleinstaaten ist in der Hauptsache wohl dem Umstände zuzuschreiben, daß die Einnahmen aus t'n Abgaben zum Ausbau unseres Wasserstraßennctzes und zur Verbesserung der jetzigen Schiffahrtswege verwendet werden sollen. Weiter ljat dazu jedenfalls auch die Erkenntnis beigetragen, daß ein solcher Ausbau notwendig ist, und daß die Beschaffung der erforderlichen Mittel auf anderem Wege angesichts der schlechten Finanzlage der be- tciligtcn Bundesstaaten großen Schwierigkeiten begegnen würde. Besonders ist aber auch noch ins Gewicht gefallen, daß die Er- Hebung von Schiffahrtsabgaben eine agrarische Forderung ist, die durchzusetzen die bundesstaatlichen Regierungen von den einflußreichen agrarijchen Kreisen i m m e r mehr Uedrängt wurden. Fa, den preußischen Agrariern ist eZ überhaupt zuzuschreiben, daß die preußische Regierung den Entwurf eingebracht hat. Ten» das preußische Gesetz vom 1. April 1S0S(den Bau deS Rhein-Weser- lanals betreffend) bestimmt im§ 1!) ausdrücklich, daß auf den im Interesse der Schiffahrt regulierten Flüssen Abgaben zu erheben sind. Ja, die Junker haben sogar die Inbetriebsetzung der neuen Kanüle an die Einführung von Schiffahrtsabgaben gebunden. Sie haben damals unter anderem geltend gemacht, daß die W- gabenfreiheit auf dem Rhein, der Weser(ausgenommen der Unter- kauf) und der Elbe eine Ungerechtigkeit, eine Verletzung deS Prinzips„Jedem das Seine I" zum Nachteil des Ostens dar- stelle, denn die märkischen Wasserstraßen brächten jährlich 3,7 Millionen Mark, während die Rheinschiffcr, trotz der besseren Wasser- Verhältnisse des Rheins, nichts zu zahlen hätten. Daß bei einer Reihe anderer wirtschaftspolitischer Maßnahmen der agrarische Osten gegenüber dem industriellen Westen, so durch die G e- treidezölle, das Ausfuhrschein sy st em, die Brannt- Weinliebesgaben, hervorragend begünstigt wird, davon hat man wohlweislich nicht gesprochen! Als weiteres durchschlagendes Argument gilt für die Regi«- ruitgen und für die oft- und westelbischen Agrarier der Hinweis auf die Erträgnisse der Eisenbahnen. Wenn— so wird argumentiert— die Eisenbahnen dem Staate hohe Ueberschüsse bringen. sie also mit einer Verkehrsstcuer belastet sind, weshalb soll man dann die Benutzer der Wasserstraßen anders behandeln und soll ihnen nicht wenigstens die Kosten, welche die Instandhaltung und der Ausbau der Wasserstraßen verursacht, auferlegen. Daß die Eisenbahnen, denen bei der Güterbeförderung durch die Schiffahrt auf einzelnen Strecken eine bescheidene Konkurrenz gemacht wird, dem Staate gehören, ist für die vcrkehrsfeindlichcn Agrarier und für die Regierung natürlich ein weiterer Grund für die Belastung des Verkehrs auf den Wasserstraßen. DaS Leitmotiv bei der ganzen Aktion ist bei Preußen immer, dadurch Geld in die StaaiSkasse zu bringen; diese Aussicht hat auch die anderen beteiligten Bundes- staaten veranlaßt, ihren Widerspruch aufzugeben, nachdem feststand, daß sie an den Einnahmen partizipieren. Es sollen nämlich für die Stromgebiete des Rheines, der Weser und der Elbe Strom- Lauverbände gebildet werden. Jedem Strombauverbande würden die Erträgnisse aus seinem Verbände zufließen und in seinem Bezirk wieder verwendet werden. Eine sehr wesentliche Belastung wird durch die Schiffahrts- abgaben das Getreide erfahren, das selbstverständlich in die höchste Klasse eingereiht werden wird. Die Mannheimer Handels- k a m m e r berechnete in ihrem letzten Jahresbericht, daß bei einem Durchschnittssatz von 0,04 Pf. der deutsche Rhein, wenn im Jahre 4Z08 die Schiffahrtsabgaben schon wären erhoben worden, 3 13iZ 000 Mark hätte aufbringen müssen, wovon auf den Platz Mannheim allein 1268 094 M. entfallen wären. Hieran würden beteiligt sein: das Getreide mit 463 746 M., Steinkohlen mit 364 836 M., Holz mit 126 734 M.. Petroleum mit 721 147 M.. Salz mit 64 271 M.. Oclfarben mit 40675 M.. Oele mit 33 231 M.. Mehl mit 33 662 M. und so weiter. Mit der Zunahme des Güterverkehrs, der durch die Bevölkerungszunahme von selber bedingt ist, würden die Ein- nahmen natürlich entsprechond steigen. So berechnet der Arbeits- ausfchuß der Rheinschiffahrtsinteressenten, daß im Jahre 1920 der Zwcckverband des Rheines eine Einnahme von 7 Rillionen Mark haben werde. Da die SchiffahrtZabgaben eine Verteuerung der Getreide- fruchten auf den drei Hauptflüssen Deutschlands zur Folge haben und hiervon ausschließlich vom Ausland eingeführtes Getreide be- troffen wird, so bedeutet ihre Einführung einen erhöhten Zollschutz, bedeutet von neuem eine Verteuerung des Brotes und anderer Importartikel. Daß das auch die A b s i ch t der Großagrarier ist, darüber haben dieselben bei der Beratung der Kanalvorlage im Preußischen Abgeordneten- hause und auch bei anderen Gelegenheiten keinen Zweifel gelassen. In dem Kommissionsberickt deS Dr. Am Zehnhoff ist damals ganz offen gefordert worden, daß der StaatderLand Wirtschaft mit hohen Schiffahrtsabgaben zu Hilfe kommen müsse, denn der Rhein sei ein Einfalls tor, dessen Ge- fährlichkeit durch den an ihn anzubauenden Kanal noch erheblich vermehrt werde. Bei der Zusammensetzung des Reichstages wird man damit rechnen müssen� daß die Vorlage der Regierung angenommen Wird. Der schwarzblaue Block, der der Regierung die neuen Reichs- steuern bewilligt hat. wird auch den hier beteiligten Bundesstaaten auf dem Umwege über den Reichstag neue Landessteuern be- willigen. Denn darauf läuft die Einführung von Schiffahrtsab- gaben doch schließlich hinaus, schon weil der Ausbau der Wasser- stratzen doch schließlich aus Landesmitteln in absehbarer Zeit hätte erfolgen müssen, und dann, weil aus den Erträgnissen auch Aus- gaben, so die Unterhaltungskosten der Damm- und Buhnenbauten. sowie der Schleusen usw. bestritten werden sollen, die bisher von den angrenzenden Bundesstaaten zu decken waren. Möglich, ja sehr wahrscheinlich, daß die ganze Aktion auch noch zu unliebsamen diplomatischen Verwickelungen führt, weil auf dem Rhein nicht ohne die Zustimmung der holländischen und auf der Elbe nicht ohne Zustimmung der österreichischen Regierung Schiffahrtsabgaben ein- geführt werden können. Die Vorlage bestimmt deshalb auch keinen Termin für das Inkrafttreten, sondern sie will das dem Bundesrat überlassen: man muß erst die eingegangenen Verträge lösen. Ob das der Regierung, ohne die deutschen Interessen auf anderen' Gebieten zu schädigen, gelingen wird, muß nach dem bisherigen Verhalten Hollands und Oesterreichs in dieser Frage als aus- geschlossen gelten. politische Cleberfkbt. Berlin, den 24 November 1910. Fortsetzung der Notstandsdebatte. Aus dem Reichstage, 24 November. Als Hohenlohes seliger Erbe ging heute der freikonservative Land- gerichtsrat Schultz(Bromberg) auS der Wahlurne hervor und erhielt bald Gelegenheit, sein Amt als zweiter Vize- Präsident auszuüben. Der Schnapsblock hatte für ihn 186 Stimmen abgegeben. Genosse Singer erhielt B2 Stimmen, so daß außer den Sozialdemokraten auch einige bürgerliche Abgeordnete für ihn gestimmt haben müssen. Die Nationalliberalen und Freisinnigen gaben weiße Zettel ab. Dann nahm dieNotstandsdebatte ihren Fortgang. Nur der freisinnige Redner Dr. W i e m e r stellte sich dabei gleich den Sozialdemokraten auf den Standpunkt, daß eine wirkliche Fleischnot bestehe und daß alle Mittel zu ihrer Er- leichterung ergriffen werden müßten. Dem Staatsminister Delbrück hielt er vor, daß er als Oberbürgermeister von Danzig auf dem Städtetage eine Auffassung über den Not- stand kundgegeben habe, die im Gegensatz stehe zu seinen Ausführungen in dieser Debatte, ganz lvie Miguel aus einem Oberbürgermeister sich zum Liebling der Agrarier durch- gemausert habe. Nach W i e m e r kamen dann nur noch Agrarier zum Wort: der freikonservative Herr V. G a m p und der Antisemit Werner, dann auch der nationalliberale Paaschs, dessen Auffassung sich nur in Nuancen von denen der Landbündlcr unterschied. Herr T r i m b o r n, der als zweiter Redner der Zentrumspartei wider allen Brauch innerhalb der ersten Serie zum Wort gelassen wurde, schlachtete mit Behagen die schutzzöllnerischen Aufsätze verschiedener Mitarbeiter der „S o z i a l i st i s chj? n M o n a t s h e s t e" gegen die Sozialdemokratie aus. Selbst hing er dann dem agrarischen Haupt- teil seiner Rede ein antiagrarisches Schwänzchen an, das wohl als Köder für die katholischen Industriearbeiter in Rheinland- Westfalen gute Dienste tun soll. Nach ihm gab der Landwirtschaftsminister v. Sch orleme r eine kurze Erklärung ab, die natürlich darauf hinauslief, daß es bleibt, wie es ist. Die einmütige Nnterststtzung der agrari- schen Mehrheit erleichterte den Ministern, sich so leichten Kaufs ans der Affäre zu ziehen. Schließlich hielt auch noch der Dr. R o e s i ck e vom Bund der Landwirte eine endlose Rede, in der abermals die Schutzzöllner der„Sozialistischen Monats» hefte" gegen die sozialdemokratische Notstandsbekämpfung aus- geschlachtet wurden. Dann wurde die Debatte auf morgen vertagt. Nachher soll die Interpellation wegen der Kaiserreden an die Reihe kommen. Aus dem Seniorenkonvent des Reichstags. Der Seniorenkonvent des Reichstag? entschied sich am Donnerstag über die Einteilung der Geschäfte de? Reichstags bis zu den Weihnachtöserien. Freitag soll die sozialdemokratische Interpellation über die Kaiserreden auf die Tagcsordmmg komnien. Nach Er- ledigung derselben wird die Interpellation über PensionSversicherung der Privatangestellten zur Besprechung gelangen; nach dieser die Interpellation zum Kamps gegen die Rebschädlinge. Sollte bis Sonnabend diese TageSorduung erledigt werden können, dann wird am Montag die Beratung des Gesetzentwurfs über die Schiffahrtsabgaben auf die Tagesordnung kommen. Danach wird das Kurpfufchereigefetz beraten. Es soll aber in nächster Woche ein Schwerinstag abgehalten werden. Ferner soll dann bis zum 7. Dezember zur Beratung gelangen: Der Gesetz- entwurf über Arbeitskammern, die Strafgeietznovelle und RechnungS« fachen. Am 8. Dezember fällt die Sitzung aus, weil katholischer Feiertag ist. Am 9. Dezember soll die Beratung des-Etats be- ginnen, die jedenfalls bis zum 15. Dezember den Reichstag in An- spruch nehmen wird. Dann soll die Vertagung deS Reichstages vom 15. Dezember bis 10. Januar erfolgen. Am 1. Dezember, dem Tage der Volkszählung, findet Sitzung statt. Vor Weihnachtensollen keine sitzuiigSfreien Tage gewährt werden, dafür sollen die Sitzungen Sonnabends 11 Ihr und Montags 2 Uhr beginnen. Auf Antrag der sozialdemokratischen Vertreter wird eine neue Berechnung jder Sitze für die neu zu wählenden Kommissionen nach der jetzigen Stärke der Fraktionen aufgestellt. Eine Sammelrede des Herrn von Heydebrand. Auf dem Parteitag der westfälischen Konservativen, der am 23. November in Herford stattfand, hielt Herr v. Heyde- brand eine Rede, in der er für eine Einigung aller bürgerlichen Parteien gegenüber der So- zialdemokratie oder, um es anders auszudrücken, um ein Zusammengehen aller Ausbeuter- schichten zur Niederhaltung der Arbeiter- k l a s s e warb. Herr von Heydebrand hatte allen Schichten und Parteien des Bürgertums mancherlei Verbindliche? zu sagen. Die konfessionellen Gegensätze erschienen ihm„keines- Wegs als Unglück", denn sie hinderten ja nicht, daß Katholiken und Protestanten, ultramontane und konservative Agrarier in wirtschaftlichen und politischen Fragen Hand in Hand gingen. Konservative und Zentrum trenne wohl manches, aber stärker sei doch daS— Einigende in„dieser Zeit der Glanbenslosig- keit". Gegen den Vorwurf, daß die konservative Partei dem Bund der Landwirte hörig sei, verwahrte sich Herr von Heyde- brand dadurch, daß er ein hohes Loblied auf den B u n d de r Landwirte anstimmte, dessen„hohe Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft und die nationale Sache" die konservative Partei„besonders freudig anerkenne". Auch sei es „gänzlich unwahr", daß der Bund der Landwirte„auf Kosten anderer Stände Sondervorteite erstrebe". Andererseits aner- kenne die konservative Partei auch durchaus die Interessen der Industrie. Sie werde sich stets verpflichtet fühlen, auch für ihre Lebensbedingungen einzutreten, vornehmlich in Form von Schutzzöllen. Auch das Handwerk wurde der liebe- vollen Fürsorge der Konservativen versichert und freimdlichst aufgemuntert, doch„alle seine Forderungen genau zu for- mulieren" und„ssenau die Hilfe zu bezeichnen", deren es be- dürfe. Es sei keineswegs konservative Anschauung, daß das Billigste deshalb genommen werden müsse, weil es das Billigste sei. Während so alle bürgerlichen Schichten eitel Anerkennung und Aufmunterung erfuhren, fiel für die Arbeiter nichts ab als die Warnung vor allzu großer Be- gehrlichkeit! Die Beeinflussung der Arbeiterschaft, führte Herr von Heydebrand nach der offiziellen Inhalts- angabe seiner Rede durch eine Extraausgabe der„Konser- vativen Korrespondenz" aus, sei eine reizvolle Aufgabe gerade für die christlichsoziale Partei. Nur dürfe diese nicht in der Wahl ihrer Mittel zu weit gehen und nicht die Interessen der Arbeitnehmer ausschließlich voranstellen. Also die Handwerker wurden geradezu aufgefordert, nur ja ihre Wünsche genau und deutlich auszuspreckjen, dem Bund der Landwirte wurde nachgerühmt, daß er nie auf Kosten anderer Stände Sonder- vorteile erstrebt habe— aber die Christlichsozialen(!) wurden ausdrücklich gewarnt, es in Vertretung der Arbeiter- interessen nur ja nicht an der geziemenden B e« scheidenheit fehlen zu lassen! Die Sammlung aller bürgerlichen Elemente des gesamten Arbeitgebertums gegenüber der arbeitenden Klasse wurde dergestalt von dem konservativen Führer als Wahlparole ausgegeben. Diese Parole ist ja nicht gerade neu. Aber die Arbeiterklasse darf gleichwohl erwarten, daß ihr bei den Wahlen die ungeheure Mehrheit aller bürgerlichen Elemente folgen wird!_ Ultramontane Scharfmacherhetze. Die historischen Reminiszenzen, die wir in der Nr. 272 de? „Vorwärts" zu dem Thema„Wie Aulruhr entsteht" dem Zentrum ins Gedächtnis zurückriefen, scheinen, auf einen Teil der Zentrums- presse wenigstens, ihren Eindruck nicht verfehlt zu haben. Die „Kölnische VolkSzeitung" wenigstens erklärt, daß eine Partei- politische Ausschlachtung der Moabiter Vorkommnisse, der die tatsächliche Grundlage fehle, in der Tat unter allen Um» ständen verwerflich sei. Sollte sich ergebeu. daß die ersten Berichte die Angelegenheit zu sehr aufgebauscht hätten, so werde das nach Abschluß der Verhandlung festzustellen sein und auch festgestellt werden. Wenn das Kölnische ZentrnmSorga» eine parteipolitische Aus- schlachtung der Vorkonimuisse für verwerflich erklärt, so hätte sich doch die Zentrumspresse auch peinlichst davor hüten müssen, vor der gerichtlichen Feststellung die mehr oder minder polizeioffiziösen Tartarennachrickten nicht nur wiederzugeben, sondern auch auf Grund dieser phantastischen Erzählungen obendrein die Sozialdemokratie in der unerhörtesten Weise zu verunglimpfen. In Wirklichkeit aber hat die führende Zcntrumspresse in wüster Soziali st enhetze mit der„Post" und der„Deutschen Tagesztg." geradezu gewettcifert! So wagte die„Germania" am 1. November 1910 zu behaupten, daß die Polizei in Moabit wohl nicht mit der nötigen Entschiedenheit vorgegangen zu sein scheine:„Man kann ein rücksichtsloses Einschreiten gegen den sozialistisch verseuchten Mob nur wünschen..„Daß ein Unschuldiger bei einem Krawall auch einen Hieb abbekommt, läßt sich gar nicht der- meiden". Und die„Kölnische V o l k s z t g." selbst schrieb am 30. Oktober über die Vorgänge auf dem Wedding, es hätten sich im Zentrum der Berliner Arbeiterviertel„ein paar Tausend streikende Arbeiter mit ihren Gesinnungs- genossen angesammelt, um als revoltierende Massen gegen Eigentum und Ordnung, gegen Gesetz und staatliche Autorität an- zustürmen." Und einer solchen, die polizeioffiziösen Berichte noch übertrumpfenden Darstellung machte sich das rheinische Zentrums- organ schuldig, trotzdem durch die Darstellungen des„Vorwärts", die sich aus detaillierte Mitteilungen stützten, die auch in mehreren bürgerlichen Blättern ihre V e st ä t i g n n g gefunden hatten, erwiesen worden war, in welch unerhörter Weise die polizciosfiziösen Berichte schon die Vorgänge in Moabit auf- gebauscht hatten? Die politische Verwahrlosung deS ZenlrumS liegt eben darin. daß eS die infame Scharsmocherhetze gegen die Sozialdemokratie mitmachte, obgleich es sich dabei nur auf die offiziösen Schauer- geschichten stützen konnie, während doch der Fall Kullmann und die Marpinger-Affäre dem Zentrum hinläuglich beweisen mußten, welch schamloser Verleumdung und Verdächtigung ein Scharfmacherklüngel politischen Gegnern gegenüber fähig ist! Korfanty als Märchenerzähler. Die ehemals feindlichen Brüder Napieralski und Korfanth hatten am Bußtage die Vertrauensmänner ihrer beiden Parteien zusammengerufen, um sich von diesen die vollzogene Einigung noch- mals sanktionieren zu lassen. DaS ist beiden anscheinend vor- trefflich gelungen, denn die Vertrauensleute sollen Korfauty vor Freuden auf den Schultern getragen Häven. Aber nur mit einem Schwindel hat man das fertig bringen können. Nach dem„Ober- schlesischen Kurier" hat Korfanty in der fraglichen Konferenz wörtlich folgendes ausgeführt: „... Die Gerüchte von den kolossalen Unterstützungen meines VerlagsunternehmcnS sind eine Fabel. Wohl haben mir die Sozialdemokraten im letzten Augenblick ihre Hilfe angeboten, aber imter der Bedingung, daß ich Ober- schlesien verlasse, mich von jeder Arbeit zurückziehe und mein Mandat niederlege. Diese Bedingungen habe ich nicht angenommen. (LebbafteS Bravo! und Sehr richiig l") Ich habe mich dann mit Napieralski verbunden." Wenn der Bericht de? oberschlesischen ZentrumSblatteS stimmt und daran ist wohl kein Zweifel, dann hat Korfanty eben wieder einmal unverschämt gelogen. Weder die oberschlesische Be- zirks-Partcileitung. noch überhaupt ein Gcnoffe in führender Stellung hat jemals mit Korfanth überhaupt gesprochen, viel weniger erst ihm ein solches Angebot inachen können. Korfanty konnte mit dieser lügenhaften Darstellung nur bezwecken, seine etwa wegen der Verbrüderung mit Napieralski noch nicht ganz beruhigten Anhänger zu versöhnen._ Tic Reichsversichernngsordtmugskommission nahm in ihrer Donnerstagsitzung die See-UnfallversiHe- r u n g nach den Beschlüssen der ersten Lesung an. Die gering- fügigen Aenderimgen lvaren ausschließlich redaklioneller Statur. In der Freilagsitzung wird mit der Beratung der Invaliden- und Hinterbliebene»Versicherung begonnen. Spaltung der liberalen Nathansfraktiou in München. Während die Nationalliberalen und die Fortschrittliche Volks- Partei für die NeichStagswahl ein Wahlabkommen für ganz Bahcni getroffen haben, ist gleichzeitig eine Spaltung in der liberalen Rat- Hausfraktion in München eingetreten. Die Junglibcralen haben sich von den Altliberalen getrennt. Wie man hört, ist die Ursache des Konfliktes die Art, wie die Jungliberalen die Interessen der städtischen Angestellten zu vertreten und dabei die Sozialdemo- kraten zu übertrumpfen suchen. Der jungliberale Gemeindebevoll- mächtigte(Stadtverordnete) Jehle, der zugleich städtischer Beamter ist. soll im Rathause ein förmliches Beschwerdebureau für die Angestellten der städtischen Straßenbahn eingerichtet haben. Nun hat er neulich einige Beschwerden vertreten. die nach Auffassung des Magistrats ganz unhaltbar sind. Der Oberbürgerincisler erklärte, so lönne eS nicht weitergehen, da die Disziplin in bedenklicher Weise gelockert werde. Am Mittwochabend ist eS deshalb zu heftigen Auseinandersetzungen in der liberalen Fraktion und schließlich zur Sezession der Jungliberalen, denen sich der Demokrat Dr. Ouidde anschloß, gekommen. Geradez» tragikomisch ist das Schicksal der drei Demokraten, die dem Münchener Magistrat und dein Gemeiudekollegium an- gehören. Der eine ist bei den Altliberalen geblieben, der zweite ist zu den HauSagrariern übergegangen und der dritte hat sich nun den Jungliberalen angeschlossen._ Bruhn und Liman. Ter Verein»Berliner Presse" hat in seiner letzten Sitzung einstimmig folgende Resolution angenommen: „In dem Prozeß gegen den Herausgeber der Wochenzeitschrist „Wahrheit", Wilhelm Bruhn, sind sowohl vom Gerichtshöfe, wie von den Sachverständigen und den Verteidigern Anschauungen über die deutsche Piesse bekundet worden, die der Verein„Berliner Presse" auf das entschiedenste als unzutreffend zuiückwcisen muß. Insbesondere lehnt der Verein jeden Versuch ab, die redaktionellen Gepflogenheiten der„Wahrheit" mit denjenigen der deutschen Presse und ihrer Redaktionen zu identifizieren. Der Verein kann deshalb auch die Ausführungen des als Sachverständigen über Redaktionssührung und Inhalt der„Wahrheit" vernommenen Schriftstellers als zutreffend nicht anerlennen." Eine Ohrfeige für den Sachverständigen, Herrn Lima«. v. Gerlach exmittiert. Der Liberale Verein in Marburg, der Liberale aller Schattie- rungen, auch solche von der Breitscheid-Gruppe umfaßt, hat be- schloffen, den Herrn b. Gerlach bei den nächsten ReichStagZwahlen nicht wieder aufzustellen. fVankrefcb. Bürgerlicher Terrorismus. PariS, 2i. November. Nach einer Meldung auZ R o u e n hat der dortige Bürgermeister den Verwaltungsrat der Arbeitsbörse aufgefordert, den Sekretär Tortou zu ent- lassen, da er dem Allgemeinen Arbeiterverband angehöre, der eine ausschließlich revolutionäre Tätig- keit entfalte. Falls Tortou seines Postens nicht enthoben würde, würde der Arbeitsbörse die ihr von der Stadt bisher be- willigte Geldunterstützung entzogen werden. Portugal. Eine Demoustratiou gegen die Negiernng. Lissabon, 24. November. Mitglieder revolutionärer und republikanischer Vereine und Klubs'zogen gestern abend mit Musik und Fackeln vor den Sitz des republikanischen Parteidirektoriums, um ihre Shmpathie mit den Parteileitern kundzutun. Es heißt, daß die Kundgebung den Charakter einer gewissen Opposition gegen die provisorische Regierung gehabt habe. Das Haupt der Revolutionäre Machado dos San tos bringt in seinem Parteiorgan eine unverkennbare Gegnerschaft gegen ge« wisse Handlungen der Regierung zum Ausdruck. Cnglsncl. Der Wahlaufruf der Sozialdemokratie. London, 23. November. Die sozialdemokratische Partei veröffentlicht ein Manifest mit heftigen Angriffen gegen beide Parteien. Das Manifest erklärt, die Liberalen seien noch heuchlerischer und verräterischer als die Konservativen und fordert die Angehörigen der Partei auf, beide kapitalistische Parteien st eis zu bekämpfen, diesmal aber gegen die am Ruder befindlichen Männer zu stimmen, welche die Angriffe auf die politischen Bestrebungen der TradeS Union» unterstützt hätten. AuS dem Parlameut. London, 23. November. Das Oberhaus setzte seine Beratungen bis zu später Stunde fort unter immer geringerer Anteilnahme des Hauses. Der Erzbischof von Jork tadelte die 3tegierung wegen der Hast, mit der sie die Frage vor das Volk gebracht habe. Nach weiterer Debatte wurde die Sitzung auf morgen vertagt. Das Unterhaus hat die dritte Lesung der Finanz- b i l l nach kurzer Debatte angenommen. Die Frauenrechtlerinnen. London, 24. November. Die Anhängerinnen des F r a u e n st i m m r e ch t s, die am Freitag verhaftet worden waren, sind ohne Vernehmung von Zeugen auf Anordnung deS Mi- nisters Churchill in Freiheit gesetzt worden, da sie nur der Behinderung deS öffentlichen Verkehrs angeklagt waren. S2 A n- häng er innen des Fraucnstimmrcchts, die angellagt waren, Fen st er zertrümmert und Polizeiagenten an- gegriffen zu haben, wurden zu Geldstrafen und zwar größtenteils zu einer solchen von S Pfd. Slerl. oder zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Viele von den Verurteilten zogen die Gefängnis st rase vor. Die Frauen, die gestern morgen die Wohnung des Präsidenten deS Ministerrats angegriffen hatten, erschienen ebenfalls vor dem Polizeigericht in Bowstrcet. Der Richter betonte, daß das Zurückziehen der Anklagen eine Ermutigung zu weiteren Gewalttätigkeiten bedeute. Gegen die Deutschenhetze. London, 23. November. Lloyd George hielt heute in St. PancraS eine Rede, die beständig von Anhängerinnen des FrauenstimmrechtS, die bis auf das Dach geklettert waren, unterbrochen wurde. Der Minister wies darauf hin, daß der auswärtige Handel um VO Millionen Pfund während des Jahi es gestiegen fei, und erklärte, eS sei eine bemerkenswerte Tat- fache, daß Großbritannien»nehr wie je zuvor an Deutsch- land verkaufe..Ich wuitdere mich, fuhr der Minister sott. „warum der böse Deutsche unsere Waren kauft. Sie können über- zeugt sein, daß die gelbe Preffe irgendwelche unheilvollen Beweg- gründe entdecken wird. Wir haben in diesem Jahre mehr Mefferschmicdewarcu nach DenlsSland verkauft als je zuvor. Was wollen die Deutschen damit? Natürlich uns den Hals damit abschneiden'"(Lautes Gelächter.) Lord LanSdownes Plan bedeute, daß die Demokratie durch eine lange Stange ferngehalten werden solle, so daß sie nickt beißen könne. Die Rederei über gemeinsame Sitzungen und Konferenzen sowie über ein Referendum sei reiner Unsinn. Das Referendum bedeute, daß die Wählerschaft aufgefordert werden solle, über jede liberale Vorlage ihr Urteil abzugeben, und weiter bedeute c«, daß die Partei der Reichen die Demokratie durch das Gewicht ihres Goldes allein erdrücken werde. Diese Vorlckläge seien lediglich auSgesonnen, um das Unterhaus zu be- schimpfen mid herabzuwürdigen, dadurch, daß man sein« Autorität verringere. foißlanä. Neue Studentendemonsiratiouen. Petersburg, 24. November. Am frühen Nachmittag sammelten sich auf dem Ncwski-Prospekt zwischen der Kasan- Kathedrale und der Polizeibrücke einige tausend Studenten und Studentinnen, wodurch der Verkehr gestört wurde. Ein zufällig vorbeimarschierendes Infanterie- Regiment sowie eine Kosakensotnie drängten die Menge in die angrenzenden Straßen. Die berittene Polizei versperrte die Zugänge zum Newski-Prospekt. Die Menge verlies sich all- mählich, besonders, da durch Absperrung der Nikolaibrücke Zuzug von Studenten aus dem Stadtteil Wassiljewski Ostrow verhindert wurde. Später befestigte ein Student an einem Zeitungskiosk gegenüber der Kasan-Kathedrale eine schwarze Fahne mit der Aufschrift: Fort mit der Todes st rase? Fahnen mit derselben und mit der Aufschrift: Ich kann nicht schwcigenl tauchten verschiedentlich in der Menge auf. An verschiedenen Stellen griff die berittene Polizei mit blanker Waffe ein und drängte die Menge zum Nikolai-Bahnhos zurück. Am Anitschkow-Palais sang die Menge das Lied: Ewiges Gedenken! und einen Trauermarsch. Bei der Säuberung der Straßen sind einige Verletzungen vorgekommen. Die Ruhe ist voll- kommen wieder hergestellt. MxiKo. Die revoluttonäre Bewegunz. London, 24. November. Die revolutionäre Bewegung hat einen sehr ernsten Charakter angenommen: besonders in den nördlichen Provinzen ist die Lage eine sehr kritische. Zahlreiche Indianer befinden sich auf dem Kriegspsade. Madeira, der Führer der Insurgenten und Präsidentschaftskandidat, befindet sich in der Pro- vinz Coahuilu an der Spitze v»n 600 Mann. Seine Streitkräfte find in rascher Zunahme begriffen, auch verfügt er über zwei Geschütze. Die Kämpfe in Chilahua und in den Zentral- Provinzen scheinen sich zu bestätigen. In Pachicha sind Mauer» anschläge angebracht worden, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, den Präsidenten D i a z sowie seine amerikanischen Freunde zu ermorden. Aus der Stadt Mexiko liegen nur wenige Nachrichten vor. Wie der Korrespondent der„New Jork World" meldet, herrscht in der Hauptstadt Ruhe, jedoch macht sich auch dort eine große Spannung bemerkbar; Kavalleriepatrouillen durchziehen die Stadt. Die Telegraphcndrähte im Norden der Stadt find abgeschnitten. Man versichert, daß ein Teil der Truppen zu den Revolutionären übergegangen ist. Die Negierung läßt dagegen offiziell erklären, daß die Unruhen unsinnig überlrieben und sie ivieder Herr der Lage sei. Mndero Gegenpräsident. New Jork, 24. November. Madero proklamierte sich als Präsident der provisorischen Regierung Mexikos und fordert seine Anhänger auf, etwas gegen die Ausländer zu unter- nehmen. Lt'afiUen. Meuterei der Flotte. In der Hauptstadt Brasiliens sind ernste Unruhen ausgebrochen. Eine offiziöse Meldung aus Rio de Janeiro berichtet, daß die Mannschaften der meisten Schiffe der Flotte gestern abend gen: entert haben. Es scheine sich um eine Insubordination ohne politischen Charakter zu handeln. Doch spricht eine andere Meldung offen von der revolutionären Be- wegung, deren Zweck der Sturz des nougewählten Präsidenten Hermes da Fonseca sei. Die Mannschaft zweier Kriegsschiffe habe gemeutert und die Offiziere ermordet. Sie verlangen Solderhöhung und Abschaffung der körperlichen Züchtigung. Auf die Stadt wurden Kanonen- schüsse abgegeben. Die Lage sei ernst und der Handel stocke. Es seien jedoch zwischen Seeoffizieren, die sich an Land be- finden sollen, und den Meuterern Verhandlungen im Gange. Da strenge Telegrammzensur geübt wird und die Regierung bestrebt ist, die Lage möglichst günstig darzustellen, läßt sich der Charakter der Bewegung schwer erkennen. Abflauen der Bewegung. Rio de Janeiro, 24. November. Die Nacht ist ruhig verlaufen. Die Schiffe der Meuterer warten außerhalb der Barre auf einen A m n e st i e b e s ch l u ß des Kongresses, der um 1 Uhr nachmittags zusammentreten wird. Alles läßt erwarten, daß tzi? Lage sich bessert. Eue der parte!* Die Emiischenmg der Genossin Julie Bebel findet bereits am heutigen Freitag statt. Die Hinterbliebenen bitten, von Blumen- spenden und Kondolenzbesuchen Abstand nehmen zu wollen. Das Partei- und GewerkschaftshauS in Hannover. Ein neues eigenes Heim besitzt jetzt auch die hannoversche Arbeiterschaft. In ganz kurzer Zeit schon wird der Vau völlig be-, endet sein. Es ist gelungen, ein Grundstück an einem der belebtesten Punkte der Stadt zu erwerben. Die Gesamtausgaben für den Neubau, mit dem im Sommer lS09 begonnen wurde, werden zirka 1630 000 M. betragen, wovon 615 000 M. auf den Anlauf des rund 5400 Quadratmeter großen Bauplatzes entfallen. Energisch sich in die Höhe reckend, erhebt sich der massige Bau über die umliegenden Häuser, ein Schmuck für die Gegend. Die Hauptfassadc nach der Nicolaistratze zu ist aus gelblichem Sandstein hergestellt und nur mit wenig figürlichem Bildwerk über dem Portal versehen. Da? Vorderhaus hat eine besonders geschmackvolle Inneneinrichtung aufzuweisen. Aber auch im Mittelhause hat man eS nicht an kunstvoller Ausstattung fehlen lassen, ebenso- wenig wie in der sich anschließenden Herberge. Ueberall weite. lichte ArbeitSräume. denen durch eine tecknisch vollkommene Ventilationsanlage ständig frische Luft zugeführt wird. Zentral- Heizung und elektrische Beleuchtung erhöhen die Annehmlichkeit. Eine eigene elektrische Kraftanlage erzeugt die für Arbeits- und Beleuchlnngszwecke erforderliche Energie. In den untern Räumen des Vorderhauses befinden sich außer der Expedition des„Bolkswillen" und der neueröffneten Volksbuchhandlung die Restauration, welche, mit gediegener Ausstattung versehen, den Gästen angenehmen Aufenthalt gewährt. An das Restaurant schließt sich der Speisesaal an, der auch für Vorträge und Sitzungen bestimmt ist. In den drei oberen Geschossen befinden sich die Redaktion de?„Volkswillen", das Arbeiter- und GewerkschaftSfekretariat, das Bureau des Sozialdemokratischen Wahlvereins, dem augenblicklich gegen 18 000 Mitglieder angehören, sowie die Bureaus«amtlicher Gewerkschaften, die insgesamt rund 38 000 Mit- glieder zählen. In der am Sonntag dem Verkehr übergebenen öffentlichen Lese- Halle stehen dem Leser neben den 100 Zeitungen aller politischen Parteien etwa 75 Zeitschriften sowie eine Handbibliothek zur Ver- fügung. Kein Geldopfer hat man gescheut, alle Einrichtungen in diesem Ientralpunkt der Hannoverschen Arbeiterbewegung den Anforderungen der Neuzeit entsprechend zu gestalten. Auch für die Druckerei, die gegenwärtig täglich den„Valkswillen" in einer Auflage von 31 300, den„Proletarier" einmal wöchentlich in einer von 166 000 Exemplaren zu drucken hat, sind bedeutende Neuanschaffungen gemacht. Eine neue 32«'eisige Rotationsmaschine, eine neue Schnellpresse und mehrere neue Setzmaschinen vervollkoinmenen fortan die technische Ausrüstung. In dem massiven Gebäudekomplex, der sich bis zur Odernstraße erstreckt, ist, getrennt von den andern Räumlichkeiten, die Herberge untergebracht. In den weiten Schlafiälcn und den einzelnen Freindenzimmcrn sind mehr denn 100 Betten aufgestellt; die unteren Räume sind mit Badeeinrichtungen versehen. Eine inustergültige Eiimchtm«g, die allen hygienischen Anforderungen ge- recht wird. lieber die vorzügliche Einrichtung hat selbst die Polizei bei der Besichtigung ihre Bewunderung ausgesprochen, und auch der erbittertste Feind gesteht die Vorttefflichkeit der Her- berge zu. Mit Stolz kaim die Hannoversche Arveiterschaft auf ihr neues Heim blicken, das ein Merkzeichen organisatorischer Zusammen» fassung der Arbeiterschaft darstellt. Gcmeindttvahlerfolge. Bei der Stadtverordnetenwahl in Mainz wurde der seit- herige Besitzstand der Sozialdemokratie geivahrt. Wir hatten einen Stiinmenzuwachs von 800, obgleich wegen Steuer- rück ständen 1000 Wählerzurückgewiesen wurden. Die Stadtverordnetenwahlert in Worms ergaben die Wahl der Kandidaten des schwarzblauen Blocks. Unsere Kandidaten vereinigten aus sich 600—700 Stimmen mehr als bei der vorigen Wahl. Bei den Stadtverordnetentvahlen in Gießen wurden zwei Sozialdemokraten gewählt, von denen einer neu g e w ä h l t ist. In Hohenlimburg(Kreis Aiena-Jserlohn) siegte bei der Stadkverordnetemvahl die Liste der vereinigten Sozialdemokrateir und Demokraten über die Lilie der Vereinigten Freisinnigen, National- liberalen und Klerikalen. Es wurden ein Sozialdemokrat und ein Demokrat gewählt. In Schönhaide, einem Jndustriedorfe, in dem die Gelben besondere Anstrengungen machten, siegte die sozialdemokratische Liste mit 300 Stimmen; die Gelben brachten eS nur auf 100. In N e u h a n s e n im Erzgebirge gewannen wir in der 3. Klasse ein Mandat neu. In C a l l n b e r g gewannen wir zlvei neue Mandate. In H o h e n st e in- E r n st t h a l gewannen wir drei und in Stolberg ebenfalls drei Mandate. Die GemeindcratSwahl in Köppelsdorf i. Thür, ergab die Wahl von z w e i S o z i a l d e m o k r a t e n. Im Gemeinderat sitzen nunmehr fünf Genossen. In Tilsit vereinigten sich auf die sozialdcmolratischen Kandi- daten 500 bis 523 Stimmen; eS ist Stichwahl notwendig, doch ist uns ein Mandat sicher, da zwei Genossen gegeneinander in die Stichwahl kommen. Drei weitere Mandate werden wahr- scheinlich gewonnen werden. Vor zwei Jahren erhielten die sozial- demokratischen Kandidaten 107 Stimmen, seit dieser Zeit also ein glänzender Fortschritt. Soziales* Oberflächliches Gutachten eines„VertraueilsarzteS". Welch un-geheure Schwierigkeiten oft dein auf dein Schlacht- felde der Arbeit verwundeten Arbeiter bei seinein Kampfe um die so schmale Unfallrcnte j>enntnislosigkeit eines Vertrauensarztes, des Schiedsgerichts und Oberflächlichkeit des Arztes und des Ge- richts bereiten, zeigt ein jetzt zugunsten des Arbeiters vom. Reichs- Versicherungsamt entschiedener Fall. Der Arbeiter Friedrich P. glitt am 6. Januar 1008 im Betriebe auf der Treppe aus und schlug dabei mit der rechten Seite auf eine Treppenstufe auf. Er mußte die Arbeit sofort einstellen und den Arzt aufsuchen. Seit dem Tage hatte er fortgesetzt über Kreuz- schmerzen zu klagen. Die Norddeutsche Textil-Berufsgenossenschaft wies den Antrag des völlig erwerbsunfähig gewordenen Arbeiters auf Unfallrente ab. Denn eS fei der Unfall nicht erwiesen, auch keine Unfallfolge mehr nachweisbar. Gegen diesen dem wirklichen Sachverhalt ins Geficht schlagenden Bescheid legte der Verletzte beim Schiedsgericht für Arbeitervcrsiche- rung für den Stadtkreis Berlin Berufung ein. Das Schiedsgericht holte von seinem Vertrauensarzt Dr. Engel ein ärztliches Gutachten ein. Dies kam zu dem von keinerlei ärzt- sicher oder allgemein menschlicher Kenntnis getrübten Ergebnis: P. mache einen greisenhaften Eindruck und leide an Verhärtung der Schlagadern und allgemeiner Schwäche. Unfallfolgen bestehen keine. Seine Beschwerden seien auf das Alter zurückzuführen. Ohne ein- gehende Bewciaufnahme wies das Schiedsgericht unter dem 29. 12. 1908 die Berufung mit folgender Begründung gurück:„Die Untersuchung durch Dr. Engel hat ergeben, daß bei P. ein vor- geschrittener Grad der Vergreisung, Verhärtung der Schlagadern und allgemeine SchN'äche besteht. Ein Nervenleiden materieller Art liegt nicht vor, ebensowenig Hüftweh. Auch ist keine auf einen Un- fall zurückzuführende Sieifigkeit der Wirbelsäule erkennbar. Aeußere Anzeichen eines Rippenbruches sind schon von den erst be- handelnden Aerzten Dr. W. und Dr. K. nicht festgestellt worden. Selbst wenn man annimmt, daß der Unfall sich in der vom Ver- letzten angegebenen Art zugetragen hat, so hat er keine Folgen hinterlassen. Die Beschwerden, unter denen der Verletzte zu leiden hat, sind eine Folge-seiner unabhängig von dem Unfall bestehenden Altersleiden." Das Reichsversicherungöamt ordnete auf erhobenen Rekurs weiteren Beweis an. Der Arbeitgeber bekundete:„P. ist voll nnd ganz erwerbsfähig gewesen, hat die gleiche Arbeit wie jeder andere Arbeiter verrichtet und auch den gleichen Lohn erhalten." Ein Mit- arbeiter des P. erklärte:„P. wollte etwas forttragen. Er entfernte sich aus dem Arbeitsraume und kehrte nicht wieder. Nach einer Stunde habe ich mich nach dem Verbleib des P. erkundigt, da wurde mir von Arbeitern gesagt, daß P. aus den von meinem Arbeits- räum nach dem Hofe führenden zwei Stufen ausgerutscht sei und sich deshalb nach seiner Wohnung begeben habe." Die Ortskranken- lasse bestätigte, daß P. vom Jahre 1905 bis 1907 nur einmal, und zwar vom 12. Dezember bis 19. Dezember 1906 an Hexenschuß krank und arbeitsunfähig war. Das Reichsversicherungsamt forderte ein ärztliches Obergutachtcn vom Geheimen Mcdizinalrat Professor Dr. H.. Direktor der l. medizinischen Universitätsklinik, ein. Das Reichsversicherungsamt kam dann zu einem dem Kläger günstigen Urteil. Die Norddeutsche Textil-BerufSgenossenschaft wurde verurteilt, dem P. vom Tage der Entschädigungspflicht eine Rente von 75 Proz. zu zahlen. In den Urteilsgrllnden des erkennenden Senats heißt es unter anderem:„.... hat das Reichsversicherungsamt die Ueberzeugung gewonnen, daß-der Kläger tatsächlich am 6. Ja- nuar 1908 den von ihm behaupteten Unfall erlitten hat. Wenn auch Augenzeugen nicht zugegen gewesen sind, so hat er doch an dem- selben Tage dem von ihm in Anspruch genmumenen Arzt Dr. W. den Unfall geschildert. Dr. W. hat auch erhebliche äußere Anzeichen von Verletzungen gefunden, darunter einen Bruch oder eine Knickung der linken Rippe. Da auch der Kläger bei verschiedenen Gelegenheiten stets die gleiche Schilderung von dem Unfall gegeben bat. und da er vor dem Unfälle, von geringen vorübergehenden Erkrankungen abgesehen, stets voll arbeitsfähig gewesen ist, so muß der Unfall als erwiesen gelten. Durch diesen hat der Kläger aber nach dem Gutachten des Geheimen Medizinalrats Professor Dr. H. in Berlin vom 16. Mai 1916 derartige Verlesungen an der Lenden- wirbelgegend und der reckten Lcndengcgend, einschließlich eines Bruches des einen Brustwirbels erlitten, daß er hierdurch in seiner Erwerbsfähigkeit um 75 Proz. beeinträchtigt ist. Da gegen die Richtigkeit dieses Gutachtens einer hervorragenden ärztlichen Autorität keine Bedenken bestehen, so war dem Rekurse stattzu- geben." Aus dem Obcrgutachten interessiert der Teil, der die falschen Ansichten des Vertrauensarztes Dr. Engel korrigiert. Es heißt dort u. a.: „In-seinem Wesen und Verhalten macht P. durchaus nicht den Eindruck vorgeschrittener Greisenhaftigkeit.... Ferner kann ich das Bestehen von IdrankheitSzuständen nicht anerkennen, die andere Gutachter als vorliegend und zum Teil als Quelle der ge- klagten Beschwerden angenommen haben. Dazu gehören einmal -die Arteriosklerose: eine solche ist weder durch Verhärtung der fühlbaren Schlagadern, noch durch Verbreiterung der Hauptkörper- schlagader, noch durch die Beschaffenheit ihrer Töne, noch endlich durch Erhöhung des Blutdrucks nachweisbar, und schließlich konnte ich mich von dem Vorhandensein einer durch sie bedingten vor» geschrittenen Vergreisung bei P. nicht überzeugen." In diesem Falle ist ja schließlich dem Verletzten nach 2ichsähri- gem aufreibendem Kampfe durch die Instanz sein Recht geworden, die die Reichsversicherungsordnunq dem Arbeiter rauben will. In wie wenigen Fällen aber gelingt es, so offensichtliche Unrichtigkeiten, die ein„Vertrauensarzt" für das Ergebnis wissenschaftlicher Er- fahrungen hält, nachzuweisen? Werden auch die wenigen Fälle, in denen eine sorgfältige Beweisaufnahme in letzter Instanz die Oberflächlichkeit des Verfahrens und die Voreingenommenheit gegen den Arbeiter— Faktoren, die in vielen Fällen das schiedsgerichtliche Verfahren kennzeichnen— zungunsten des Ärbeiters durch Gesetz unmöglich, dann läßt sich ohne Uebertreibung leider behaupten: in der Mißhandlung des Rechts des verletzten Arbeiters steht Deutschland an der Spitze aller Nationen, GewßrhfcbaftUcbc� Die Kirche für die Satten. Während der brutalen Aussperrung der Metallarbeiter in Schwelm chatte der Pfarrer Dittmar den Kampf in einer Predigt erwähnt. Er soll dabei zugunsten der Arbeiter Partei ergriffen haben. Fast sämtliche Arbeitgeber in Schwelm richteten an das Konsistorium in Münster eine Beschwerde. Darauf ist jetzt folgende sehr bezeichnende Antwort eingelaufen: „Die auf die Eingabe boin 6. Juli 1910, betreffend eine Predigt des Herrn Pfarrers Dittmar vom 19. Juni 1910, von uns angestellten Ermittelungen haben den genauen Wortlaut der beanstandeten Predigt nicht zweifelsfrei ergeben können, da Herr Pfarrer Dittmar, der leider die Predigt nicht schriftlich vorbereitet hatte, uns erst hinterher eine Nekoiistruktion aus dem Gedächtnis eingeliefert hat, die aber nach dem Zeugnis des damals anwesenden Superintendenten die Predigt im allgemeinen richtig wiedergibt. Nach seiner Erklärung. und wie er dies auch in der Einleitung der Predigt betont, hat Herr Pfarrer Dittmar, ohne Partei zu ergreifen, im allgemeinen der Gemeinde Büste predigen wollen. Das Wort Gottes ohne Ansehen der Person und des Standes zu verkünden und auf Grund desselben mit Ernst zur Büste zu rufen, ist des Geistlichen Recht und Pfbcht, und wir würden. wenn er im Rahmen dieser Aufgabe geblieben wäre, keine Ver- anlassung nehmen können, dem Herrn Pfarrer Dittmar Vor- Haltungen zu machen. Doch lästt auch die von ihm eingelieferte Rekonstruktion seiner Predigt erkennen, dast er da, wo er ins einzelne geht, verschiedentlich mit einseitiger Schärfe verfahren ist. was bei der damals in der Gemeinde herrschenden Spannung geeignet war, die Erregung zu vermehren. Damit hat er begründeten Anlast zur Beschwerde gegeben. Wir haben Herrn Pfarrer Dittmar dem- gemäst das Nötige eröffnet. Königliches Konsistorium der Provinz Westfalen v. Shdow." Ei. ei, mit„einseitiger Schärfe". So sagt das Konsistorium und der Befehl der Unternehmer ist erfüllt.„Kommet her, die Ihr müh- selig und beladen seit"... wir wollen Euch noch obendrein ver- prügeln I Kapital, Kirche und Polizei halten zusammen gegen die Gewerkschaften._ Deutkebes Reieb. Eine verfehlte christliche Denunziation. Wie Terrorismusgeschichten erfunden und freiorganiflerte Arbeiter verleumdet werden, zeigt ein Brief, den der Vorsitzende des christlichen HolzarbeitcrverbandeS in Bamberg an die Leitung einer dortigen Möbelfabrik richtete. Der Brief lautete: „Zcutr.-Verb. ch�. Holzarb. Bamberg, 15. November 1910. Sehr geehrter Herr Direktor I Unterzeichnete Ortsverwaltnng obigen Verbandes möchte Herrn Direktor bitten, den in Ihrem Betrieb besctiäfligtcn Schreiner G. A. vor den Belästigungen mancher Mitarbeiter, welche den- selben zum Uebertritt in den roten Verband bringen wollen, zu bewahren. Hochachtungsvollst I. A.: Josef Krieger. 1. Vorstand. Egelseestraste Nr. 11. Der Name de? Arbeiters, der hier nur angedeutet ist, ist im Original ganz ausgeschrieben. Mit der löblichen Absicht, gegen die freiorgauisierten Arbeiter zu putschen, sind die Herren aber an die unrichtige Stelle gekommen. Sie erhielten von der Firma folgenden Brief: „Bamberg, den 19. November 1910. Titl. Zentralverband christl. Holzarbeiterl fZahlst.'lle Bamberg.) Wir erhielten Ihr wertes gestriges Schreiben uud haben nach Untersuchung de? uns mitgeteilten Falles Ihnen mitzuteilen, dast Ihre Ansicht, der bei uns beschäftigte Schreiner A. werde unter Belästigung seiner Kollegen zum Eintritt in den Holzarbeiterverband gezwungen, förmlich aus der Lust gegriffen ist, was Ihnen A. selbst bestätigen kann. Wir sind der Ansicht, dast Sie sich in einem solchen Falle zu- vor genauer informieren müssen, ehe Sie eine derartige Anschuldi- gung erheben, andernfalls bringen Sie Ihre Mitglieder in Ver- legenheit und forder», wie in diesem Falle, die Entrüstung der zu Unrecht verlcinndete» Kollegen heraus. Wir sind der Uebcrz> iignng, dast hüben wie drüben jeder überzcugungStreue Arbeiter Mannes genug ist, seine Freiheit selbst zu wahren und mengen uns in derartige Angelegenheiten gar nicht, eS fei denn, dast die Ordnung unseres Betriebes darunter notleidet. Hochachtend N. N." Die Abfuhr ist kräftig, aber wohlverdient. Der Brief des christ- lrchen Führers zeigt deutlich. wie TerrorismuSgeschichren entstehen. Nicht immer findet sich eine Betriebsleitung, die die Denunzianten so abfallen lästt und die Machinationen der Christen an den Pranger stellt. Mit diesem Resultat werden die christlichen TerroriSmuS- gefchichtenerzähler wohl nicht an die Oeffentlichkeit treten. Tarifbewegnng der KonfektionSschneider. In den Orten Frank- fürt am Mai». Darmstadt. Mainz, Speyer, Worms und Heidelberg — als S'tz der Industrie— stehe» die K o n f e k t i o n s s ch n e i d e r in einer Tarifbewegung. Der 1909 für diese Städte abgeschlossene Tarif, der mit Ende dieses Jahres abläuft, wurde schon vor einigen Monaten vom Zentralverband der Schneider gekündigt. Dieser Tarif war der erste, der in der deutschen Konsektion abgeschlossen wurde. Der nun vom Verband neu eingereichte Tarifeniwurs sucht in seiner umfangreicheren Ausarbeitung den fortgesetzten Verfeine- rungen in der Koufekiionsbranche und der eingetretenen Verteuerung der Lebenshaltung Rechnung zu tragen. Er sieht erhöhte Preise in den Grundstücklöhnen und die bessere Erfassung der Eytraarbeiten vor.— Diese Bewegung umsastt hauptsächlich Heimarbeiter.— Am nächsten Montag treten die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeiter zu Tarifverhaudlnngen in Frankfurt a. M. zusammen. Lohnbewegung in der Klasicrindustrie. Seit vier Wochen streiken die Schreiner, Polierer, Bezieher, Maschinenarbeiter und Bildhauer der Firma C. F. Glast u. Co., Heilbronn a. N. In Betracht komme» zirka vierzig meist verheiratete Leute, von denen zwanzig von 10 bis 27 Jahre im Betrieb tälig waren. Nur durch Fernhalten von Arbeitswilligen ist es möglich, den Sieg zu erkämpfen. Die Ortsverwaltung Heilbronn. Vom Koalttkous- und Petitionsrecht der Staats« angestellten. Der OrtSverein Wilhelmshaven vom Deutschen Techniker- verband hatte vor einigen Wochen eine Petition an den Staats- sekretär des ReichsniarineamtS gerichtet, in der er die Ausdehnung der Diäteuordnung auf die Gehaltssätze und den Wohnungsgeld- zuschust der ctaismästig angestellien Werfttechniker und die Schaffung neuer etalsniästiger Werfitechnikerstellen, die Eiiirichluug von Be- anitenauSschüsfen und anderes forderte. Die Antwort des Staats- sekretär« ging dahin, dast er es grundsätzlich ablehne, in Erörterungen über die dienstlichen Verhältnisse usw. der auf den Kaiserlichen Wersten bcschäft>gten Hilfstechniler einzutreten, da er nicht in der Loge fei, ousterhalb stehenden Jiitereffe,»verbänden eine Berechtigung zur Einulischuilg in diesen Angelegenheiten zlizitgestehe». Eine Ver- sammlung nahm zu der schroffen Ablehnung der eingereichten Petition Stellung und erklärte, dast den Bcrussorganisatioiicn das Recht ein- geräumt werden müsse, die Interessen ihrer Mitglieder, darunter auch der im Staatsdienst beschäftigten Beamten und Angestellten. jeder Stelle gegenüber wahrzunehmen. Die KoalitionSsreiheit sei für die Angestellten di� Kaiserlichen Wersten aufgehoben, wenn das Reichsmarineamt dem Deutschen Technikerverband die Berechtigung zur Wahrung dahinzielender Jnteresjen seiner Mitglieder abspreche. Die Versammlung fordert nachdrücklichst die Anerkennung der Orga« verantw. Redakt.: Richard Larth, Berlin. Inseratenteil verantw.: nisation und damit auch das Recht der Petition. In einer Petition an den Reichstag, den Bundesrat und daS ReichSinariueamt soll dieses Recht gefordert werden. ZZusland. Tie Holzarbeiterbcwegung in Frankreich. Schwere Kämpfe führen in diesem Jahre die Holzarbeiter in Frankreich, um ihre Lage zu verbessern. Diese gestalten sich be- sonders ffchwierig, weil es mit einer einheitlichen Organisation noch sehr im argen liegt und die Föderationen über erhebliche Mit- gliederziffern nicht verfügen. Weiter kommt aber noch in Betracht, dast die Syndikalisten und Anarchisten mit ihren krausen Ideen recht viel Unheil anrichten und in vielen Fällen jahrelange, mühevolle Gewerkschaftsarbeit zunichte machen. So haben es denn die wenigen einsichtigen Gewerkschaftler doppelt schwer, die einzelnen Bewegungen so vorzubereiten, daß dieselben zum Vorteil der Ar- beiter durchgeführt werden können, wobei die geringen Mittel, über welche die Gewerkschaften verfügen, auch eine Rolle spielen. Trotz aller dieser Schwierigkeiten führten in diesem Jahre die Organi- sationen der Holzarbeiter eine ganze Anzahl Kämpfe mit großer Entschiedenheit durch Ein solcher wurde jetzt nach llmöchentlicher Dauer in Paris beendet, und zwar in einer der grötzten Möbel- fabriken Frankreichs, bei der Firma Sanyas et Papot, wo zirka 250 Möbelavbciter beschästigt sind. Bei diesem Kampfe wurde Polizei und Militär öfter zum Schutze der Arbeitswilligen aufgc- boten und bei einer dieser Gelegenheiten ein Streikender durch einen Säbelhieb getötet. Die Beerdigung dieses Opfers der Polizei- Wut gestaltete sich zu einer machtvollen Demonstration, die, weil von der Polizei unbehelligt, friedlich verlief. Bei der Rückkehr der Demonstranten von dem außerhalb Paris liegenden Friedhof wollte die Polizei jedoch den geschlossenen Zug der Arbeiter sprengen, und bei dieser Gelegenheit gebürdeten sich die Polizisten wie die Wilden. Nicht weniger als 200 Verwundete blieben auf dem Platze. Der Kampf selbst wurde jetzt ohne materielle Vortetle abgebrochen, doch hat er seinen Eindruck auf die Unternehmer nicht verfehlt, und auch bei einigen anderen Firmen konnten unter dem Eindruck des Kampfes annehmbare Zugeständnisse erzielt werden. Bedauer- lich war hei dieser Bewegung, dast sich eine Anzahl deutscher(!) Arbeiter zu Streikbrecherdiensten hergab. Bei der berühmten Möbelfirma Schwab war ein Streikbrecher von Sanyas et Popot eingestellt und wegen„Belästigurnj" dieses Menschen zwei Arbeiter von einem der Werksührer entlassen. Die Arbeiter forderten hierauf die Entlassung des Werkführers und eine angemessene Lohnerhöhung; nach zweistündigem Streik wurden die Forderungen bewilligt. Die Bautischler haben in 5 Fabriken einen Lohn von 85 Cents pro Stunde und die lOstündige Arbeitszeit errungen; vorher wurde noch II Stunden! gearbeitet. Einige 100 Arbeiter der Lcdersitzmöbelbranch« befinden sich in einer Bewegung zur Durchführung eines Normallohnes von 1 Frank pro Stunde. Die Kistcnmachcr befinden sich in einer ganzen Anzahl Fabriken im Streik. Eine Anzahl Kistcnfabrikanten haben die Forderungen der Arbeiter, unter denen sich auch viele Frauen befinden, bewilligt. Der Streik war zuerst allgemein, braucht jetzt aber aus den ange- izebencn Gründen nur noch partiell weitergeführt zu werden und die Arbeiter haben die berechtigte Hoffnung, dast auch diese bald nachgeben müssen. Die Korbmacher in Saumur haben nach einem vierwöchent- lichen Streik einen vollen Sieg errungen. Die Arbeitszeit in dieser Weinstadt beträgt in der Saison noch 12 Stunden und mehr, bei einem Verdienst von 2ch0 bis 3 Frank pro Tag. Erreicht wurde ein Aufschlag von 50 Cents täglich. In Tours stehen die Möbeltischler und Bildhauer seit dem 1. September im Kampfe. Sie verlangen u. a.: Erhöhung des Stundenlohnes um 10 Cents und des MindestlohncS auf 90 Cents pro Stunde. Zu evlvarten steht, dast durch diese Bewegungen die Organs- »sation der französischen Holzarbeiter, insbesondere in Paris, einen wesentlichen Aufschwung zu verzeichnen hat, und durch die Kräfti- gung die Zentralisation die so notwendige Förderung erfährt, damit dann eine systematische Verkürzung der jetzt noch 10 und mehr Stunden täglich betragenden Arbeitszeit angestrebt werden kann. Versammlungen. Die Töpfer haben in der Zeit vom 14. November bis zum 19. cefp. 22. Noveniber eine Bauteilkontrolle vorgenommen, die manches interessante Ergchnis zeitigte. Das OrganifationSverhältniS ist besser, als man angenommen hatte. Auf 109 Bauten mit Kachel- ofenheizung wurden von den arbeitenden Töpfern 925 als Mit- gliedcr des Zentralverbandes festgestellt, dagegen nur 84 als Lokal- organisierte, also weit weniger, als man von jener Seite immer behauptete; gar nicht oder anders organisierte Töpfer wurden 89 gezählt. In einer Bauvertrauensmännerverfammlung, die sich mit den Resultaten der Bautenlonlrolle beschäftigte, wurde festgestellt, dast sich noch mancher Töpfer bereit erklärt habe, dem Zentralver- band beizutreten. In der vorigen Woche wurden auf dem Nach» weis 472 Arbeitslose in den Listen geführt.— Von 258 Bauten, die kontrolliert wurden, hatten 80 Zentralheizung für 5558 heizbare Räume. Die 109 Bauten für Kachelofenheizung hatten 2292 Kachel- öfcn, 3050 Veltener Oefen und 1899 Chamotteöfen. 99 Bauten für Kachelofenheizung sind für Töpfer in Angriff zu nehmen. 79 Bauten hatten einen Vertrauensmann für den Zentralverband. Die Zahl der Lehrlinge im Gewerbe beträgt 119; davon werden 94 auf den Bauten beschäftigt. Verband der Schneider, Schneiderinnen und WSschearbetter. Die Filiale Berlin I des ScbneidcrverbandeS hielt am Mittwoch im großen Saale dcS Geiverkschaftshauses ihre Generalversammlung ab. Der Jahresbericht der Ortsvcrwaltung lag den Mit- gliedern in einer 94 Seiten starken Broschüre vor. Im verflossenen Geschäftsjahre hat sich die Konjunktur gegenüber den beiden vor« hergegangenen Jahren gebessert. Am stärksten setzte die Bewegung zur Regelung und Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Herrenkonfektion ein, wozu eine Aussperrung in Stettin kurz vor Weihnachten den ersten Anstoß gab. Die KonfektionS- schneidcr Berlins verweigerten Streikarbeit und traten selbst nach und nach bei einer gröheren Anzahl von Firmen in die Lohn- bewegung ein. Bis zum Schluß des Geschäftsjahres hatte man mit 21 Firmen für rund 2500 Arbeiter Tarifverträge abgeschlossen, wodurch recht ansehnliche Verbesserungen erreicht wurden. Mit einer Reihe weiterer Firmen schweben noch Verbandlungen über den Abschluß der Tarifverträge. In der Herrenmast- brauche sind die bereits vorhandenen Tarife auf eine Anzahl weiterer Firmen ausgedehnt worden, und jju demselben Zweck fanden Lohnbewegungen der Herrenmastschifetder in Steglitz und Charlottenburg statt, die erfolgreich verliefen. In Steglitz hatten einige Schneidermeister eine einstweilige Verfügung erwirkt, durch die die Bekanntgabe der über die betreffenden Firmen verhängten Sperren bei 1590 M. Strafe verboten wurde. Die Angelegenheit hat inzwischen das Landgericht besdhäftigt. Gegen das Urteil ist jedoch Berufung eingelegt und die Sache soll nun am 29. November vor dem Kammergericht zur Verhandlung kommen. Außerdem haben einige Steglitzer Schneidermeister gegen den Filialvorsitzenden Kunze Anklage wegen Erpressung beantragt, die er durch die Leitung des Streiks begangen haben soll. Andererseits ist aber auch ein Strafverfahren gegen die Schneidermeister Voigt und Schöncrt beantragt worden, weil sie solche Meister, die mit dem Schneiderverband den neuen Tarifvertrag ab- geschlossen hatten. durch Androhung von Eeidstrafcu zu zwingen suchten, vom Vertrag zurückzutreten. Der Staatsanwalt hat jedoch die Erhebung der Anklage abgelehnt, wo- gegen nun Besckssvcrde bei der Oberstaatsanwaltschaft erhoben ist. In der Kostüm brau che ist der im vorigen Jahre abgeschlossene Tarifvertrag noch be» einigen neuen Firmen durchgeführt worden. Außerdem fanden in der Branche ziemlich langwierige VerHand- W». Glocke. Berlin. Druck u. Verlag.- vorwärts Buchdr. u. verlagSanftäk«� hingen über die durch die GeverocordnungSnobelke herbeigeführl« Einschränkung der Arbeitszeit an den Sonnabenden und Tagen vor den hohen Festen statt. Auf Vorschlag des Einigungsamtes des Gewerbegerichis einigten sich die Parteien dahin, baß die Vesper- pause an den betreffenden Tagen ausfällt, wodurch die Arbeitszeit an diesen Tagen von bisher 7�- auf"V* Stunden verkürzt wurde. In einer anderen Streitfrage, die Lohnbücher betreffend, hat das Einigungsamt einen Schiedsspruch gefällt, der von beiden Parteien anerkannt worden ist. Wegen Einfuhrung der Lohnbücher ist jedoch noch nichts weiter unternommen worden, was namentlich daran liegt, daß auch noch über eine geordnete Lehrzeit für Schneide- rinnen verhandelt werocn soll. In der Damenkonfektion beschränkte sich die Tätigkeit der Organisation im allgemeinen darauf, die Gelverbeordnungs- Novelle zur Durchführung zu bringen. Es kommt hier noch häufig vor, daß die Arbeiterinnen weit über die gesetzlich vorgeschriebene Zeit hinaus in den Werkstätten beschäftigt werden, ohne daß sie selbst dagegen Einspruch erheben oder die Behörde dagegen ein- schreitet. Mit einigen Firmen ist es auch in dieser Branche ge« lungen, Tarifverträge abzuschließen, wodurch wenigstens eine Grundlage für eine allgemeine Regelung gewonnen ist. In der K n a b e n k o n f e k t i o n herrschen im allgemeinen noch so traurige Lohnverhältnisse, daß die vielen dort beschäftigten Frauen sich zum größten Teile noch hoffnungslos in ihr Schicksal ergeben.' Bei einer Firma dieser Branche haben die Werkstatt- arbcitermnen durch kurzen Streik die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um eine Stunde erzielt. Unter den Büglern hat die Organisafton in letzter Zeit gute Fortschritte gemacht. In der M i l i t ä r b r a n ch e ist nach längeren Verhandlungen ein Nachtrag zum Tarif vereinbart worden, der die Bezahlung für die neuen feldgrauen Uniformen betrifft. Eine Tabelle über den Umfang der in den verschiedenen Branchen abgeschlossenen Tarifverträge ergibt, daß jetzt 9874 Schneider und Schneiderinnen in tariflich geregelten Geschäften tätig sind. Eine tabellarische Uebersicht über die Lohnbewegungen des verflossenen Jahres zeigt, daß Arbeitsniederlegungen in 52 Betrieben stattgefunden haben, während in 9 Betrieben die Forderungen ohne Streik bewilligt wurden. Nur in einem Betriebe ist die Bewegung ergebnislos verlaufen. Der Kassenbericht für das verflossene Jahr gibt ein recht günstiges Bild. Di« Abrechnung der Hauptkasse schließt mit der Bilanzsumme von 136 160,55 M. Die Krankenuntcrstützung er- forderte 16 071,58 M., die Rciscunterstützung 1261,42 M,, an die Hauptkasse wurden in bar 86 200 M. abgeliefert, das sind über. 20 000 M. mehr als im vorigen Jahre. Die Lokalkasse hatte 84 302,82 M. Einnahmen und 49 187,02 M. Ausgaben. Ihr Be- stand ist im Laufe des Jahres von 23 435,85 M. auf 35 115,80 M. angewachsen. Unter den Ausgaben sind neben anderem 1241,33 M. für lokale Streikunterstützung und 1000 M. für die Ausgesperrten in Stettin. Die Zahl der Mitglieder ist im Laufe des Jahres von 5651 auf 6783 M. gestiegen, und zwar die der männlichen von 4710 auf 5649, die der weiblichen von 941 auf 1134.— Zu den gedruckten Berichten gaben der Bevollmächtigte K u nz e sowie der Kassierer Kotsch eine Reihe mündlicher Ergänzungen und Erläute- rungen.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer ein- stimmig Decharge für den ebenfalls gedruckt vorliegenden Kassen- bericht vom 3. Quartal sowie für die Jahresabrechnung. Einsftmmig wurden wiedergewählt als 1. Bevollmächtigter Kunze, als 3. Bevollmächtigter Mai und ferner wurden gewählt oder wiedergewählt als Mitglieder der Ortsvcrwalhmg: Gebauer, Kcrschewski und Schumacher. tyctztc Nachrichten. Abgeordneter Schuler schwer erkrankt. Der Zentrumsabgeordnete Julius Schüler, ßer im Reichstag den badischcn Wahlkreis Offenhurg-Kehl vertritt. wurde während der gestrigen Fraktioussitzuna der Zentrums- Partei von einem schweren Unwohlsein befallen. Er liegt in bedenklichem Zustande im Krankenzimmer des Reichstages darnieder._ Stadtvcrordnctcnwahlsieg. Mühlhausen i. Th., 24. November.(Privattclegramm deS„Vorwärts".) Einen glänzenden Sieg errangen unsere Genossen bei der heutigen Stadtverordnetenwahk. Mit 936 Stimmen eroberten sie sechs Mandate der dritten Abteilung. Bisher hatte unsere Partei zwei Vertreter im Stadtparlament._ Die ErgLaznngskrtdlte. Paris, 24. November.(W. T. B.) Die Regierung hat der Kammer die neuen Ergänzungskredite vorgelegt, die 8 989 990 Franks betragen und zur Deckung der in den letzten vier Monaten für die Okkupation marokkanischen Gebiets auf- gewendeten Kosten bestimmt sind. Die Finanzbill im Oberhaus angenommen. London, 24. November.(W. T. B.) Das Oberhau» nahm die Finanzbill in allen Lesungen an. nachdem Lord Miadle» ton gegen daS Verfahren der Regierung bezüglich des Budgets P r o t e st erhoben hatte. Bei der Fortsetzung der Debatte über die Resolutionen von Lord LanSdowne wie« der L o r d k a n z l e r die Behaup- tung zurück, daß die Auflösung zum Borteil von Homerule erfolge. Es sei nach Ansicht der Regierung notwendig, die unvereinbaren Verschiedenheiten der Prinzipien über die Abstellung der auS den Beziehungen der beiden Häuser sich ergebenden Uebelständen un- verzüglich zum AuStrag zu bringen. Die Regierung habe die Erfahrung gemacht, dast eS für ein liberales Ministerium unmöglich sei, unter Bewahrung seiner Selbstachtung und mit Nutzen im Amte zu bleiben, wenn für die Uebelstände keine Ab- Hilfe geschaffen werde. Nach dem Scheitern der Veto. Konferenz sei die Auflösirng des Parlament? der ein» zige Weg, den die Regierung beschreiten könne. Der Kanzler kriti- sierte sodann die Resolutionen LansdowncS. Lord Curzon erklärte, die Resolutionen seien ein ehrlicher und ernster Versuch zu einer Reform, die die Zweite Kammer als ein echtes und sicheres Charakteristikum deS politischen Systems bewahren würde. Hinweq mit dem Oberhaus London, 24. November.(W. T. B.) In dem Wahlmani- fest der unabhöngigen Arbeiterpartei wird erklärt, wenn eine Regierung des Volkes zur Tatsache werden solle, müßte das Ober- Haus gänzlich abgeschafft werden. DicS wollten weder die Libe» r a l e n noch die Konservativen, aber nichts anderes werde genügen._ Verurteilter Betrüger. Danzig, 24. November.(W. T. B.) Die hiesige Strafkammer hat heute den Rechtsanwalt und Notar Ernst Hofer aus Kart- haus, der durch jahrelange Unterschlagungen zahlreiche Personen um rund 38 999 M. geschädigt hatte, zu zweiundniihalb Jahren 0ic« fiiugnis verurteilt. Die Cholera. Konstantinoprl. 24. November.(W. T. B.) Heute sind L3 Choleraerkrankungea und 15 Todesfälle zu verzeichnen. ßaul Singer& Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagea«.NuterhallungSbt. Kr. 276. 27. Jahrgang. kilsze ilcs Lowick" Alliier AldsdlM Freitag. 25. November l9lV. R.eickstag. TV. Sitzung, Donnerstag, den 24. November, nachmittags! Uhr. Am BnndeSratstisch: Dr. Delbrück, v. Schorlemer. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des zweiten Vizepräsidenten. Es werden 311 Stimmzettel abgegeben, darunter 68 un- beschriebene. Von den 243 gültigen Stimmen hat erhalten Abg. Schultzrma sind vor allem zu nennen: die Gußstahl- fabrik Essen mit ihren Außeuwerken, Schießplätzen, Kohlen- zechen und Eisensteingrubcn, serner die Friedrich-Alfred- Hütte in Nheinhausen, das Stahlwerk Annen, daS Grusonwerk in Magdeburg und die G e r m a n i a w e r f t in Kiel. Von den 76 249 Werksangehörigen im engeren Sinne waren 61,3 Proz. verheiratet und 38.7 Proz. ledig. Von den Arbeitern und Beamten sämtlicher Werke waren 12 366 mit 31 257 Familienangehörigen in Fabrikwohnungen und Logier- und Schlaf- Häusern untergebracht. Im Bezirke der Gnßstahlfobrik Essen allein ist die Zahl der Fabrikivohnungcn in den letzien sieben Jahren von 4291 auf 6059 gestiegen. Alle die Riescnmehrwerte, die durch die Arbeit der Arbeiter und Angestellten geschaffen werden, fließen in die Taschen der F a m i I i e Krupp. So will eS die.göttliche" Weltordnung l Kleine Siotizen. Selbstmord einer Familie. Durch Leuchtgas hat sich in Franken- tha! in der Pfalz das Ehepaar Dolle und ihr 39jähriger Sohn vergiftet. Das Motiv der Tat liegt in den zerrütteten Vermögens der hält nissen der Familie. Während eines Brandes in der Brauerei Gans in Mann- heim erlitten zwei Vrauereiarbeiter so schwere Brandwunden, daß sie nach kurzer Zeit starben. Eine Explosion schlagender Wetter ereignete sich in der letzten Nacht auf der Zeche Viktoria Mathias bei Essen. Fünf Berg- arbeiter erlitten bei der Explosion leichte Verletzungen. Durch einen Eisenbahuzug wurde in der Nähe von A l l e n st e i n ein Wagen mit zwei Insassen überfahren und zer- trümmert. Die beiden Insassen sind tot. Gesuilkcucr Dampfer. Nach einem Zusammenstoß mit dem engli- schcn Dampfer.Sappho" ist im H a in b u r g e r H a f e n der einlaufende englische Damufer„Zyklon" gesunken. Die Mannschaft konnte gerettet werden. Die Cholera in der Türkei. Infolge der immer weiteren Aus- breitung der Cholera kündigte der Gouverneur von P e r a an, daß dsie Schulen geschlossen werden sollen. AuchdieSchließung der R e st a u r a n t s ist in Aussicht genominen. KriekKaften der Redaktion. Brandt. Eschwege. Es sind nur noch 120 Millionen Mark vorhanden. — G. S, DaS ist abhängig von den zwi'chen dein Eigentümer und dem Verwalter getroffenen Abmachungen. Betragen Sie daher den Eigentümer. — Alter Abonnent 27. Nicht ÄaukenvorsicherungSpflichtlg.— M. St. IL. 1. In Berlin bis 11 Uhr. 2. Polizeistrase, falls fpäler.— — K. G. 83. Fragen Sie bei dem Verband der Barbiere. Paul LIere, Rofenthaler Sie 57, an,— H. Biegcrt Nr. 9. Nach Pankow, feit 1805. — H., Gr. Lichterfeldc. Der Vertrag ist nicht stempelpflichtig. Ein Leihvertrag oder Psandvertrag allein genügt nicht. Ein Kauf- mit daran« schließendem Leihvertrag oder ein Sicherungsübereignungsrertrag lväre wirlfam. Der letztere würde der Situation entsprechen.— M. C. 49«.. Ja. — St. I. 100. Der Taufschein ist erforderlich.— Sänger, Rixdorf. Wir raten sowohl vom Beitritt als wie zur Ucbernahme einer Vertretung ab. — 21. F. 20. An den TrauSportarbeiter-Verband. Engeluser 15, oder an die EeschästSieiiung.— Beetz, Mühleubeck. Nach ihren wissenschaftlichen Werken nicht.— stlrbciteriekretariat Flensburg. Beide haben ihr Bureau gemeinschastlich, Chansseestr. 121.— B. B. 25. Wir halten eine Anfechtung des Testaments aus dem angegebene» Grunde für aussichtslos.—(S. X. 46. 1. Nein. 2. Ja. — K. H. 1895. Fragen Sie bei der Akademie direkt an.— S. 21. 11. Nein.— E. D. 100. Wenden Sie sich an den Gemcindearbciterverband, Engeluser 14/15.— S. 42. Nur dann, wenn Verführung vorliegt und der gesetzliche Vertreter Swasantrag stellt.— F. B. 24. Aus VeihUse zur Stclleiwermtttelung können wir uns nicht einlasse».— 56. 21. R. Wenn die Geldmittel es gestatten, raten wir zur Bestellung eines Verteidiger?. Die Möglichkeit der Vestrasung ist nicht ausgeschlossen.— 29573. O. G. Verjährt ist der Anspruch noch nicht. Prusen Sie aber, ob Sie bei dem Vergleich mit dem Vater nicht etwa aus Ihre Rechte gegen den Sohn ver- zlchtet haben.— I. K. 3080. Die Frage läjjt sich nur nach Prüfung des Urteils beantworten.— F. 17. Nach Ihrer Darstellung ist Ihr An- spruch begründet.— P. L. 1. und 2. Ja.— E. K. Wenn Sie nach- tueisen könne», daß als Zablungsterinin der Januar vereinbart ist, so lönncn Sie aus Herausgabe klagen. Ist der Nachweis nicht zu führen, so ist vorher zu zahlen.— E. H. 40. Hat der Schwiegervater dem Kinde in der Zeit, für welche Alimeute rülkständtg sind, Unterhalt gewährt, so sind Sie zahlungspflichtig. ltei' beste und diiligske Z. Berliner Reichstags-Aahlkrels. Tonntag, den S7. November, abends V'/z Uhr: Versammlung für Wnner u. Frauen im großen Saale der ArminhaUe», Kommandantenstr. 58159, Vortrag des Landtagsabg. Heinrich Ströbel. >■' Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein.———— Entree Inklusive Garderobe 20 Psg. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Ps. nach.' Um rege Beteiligmig ersucht 113/15 Der Einbcruser: Augnst Pohl, Naunynstr. 30. #,.!!8i'te Urlieiter- Eatter-Vereiir Mitglied deS Arbeiter» Radsabrer-Bundet .Solidarität». Touren zum Sonntag, den 27. November. Sämtliche Abteilungen 1'/, Uhr: Baumlchulemveg kSpecr). 3. Abt: Die vbieilungsversamm- langen sindcn nicht wie biSKcr iai Märkischen Hos. sondern Neichcnberger Hos, Neichcnberger Straße 147, und zwar jede» 1. und 3. Mittwoch im Monat statt. Die nächste Aersamm- lung ist am 30. November, abend» 81/, Uhr, während die erste im Dezember ausiällt. Verein Lichtenberg, 1 Uhr: Kar. lojselpussertour nach Kanlsdors- Süd (Zum Asrikaner). Start an den be» kannten Stellen. Bei schiechlem Wetter per Bahn oder Straßenbahn zwischen Köpenick und MahlSdcrf. 13/3 Ortskrankenlkasse für daS KöidWsitdk- ßkllitibk zu Berlin. Am Sonnabend, de» 3. Dezember 1910. abends 8 Uhr, im Gewerk- schaftshause, Engeluser 15, Saal 1. findet die Wahl der TelcgieUeu siir die Jahr- 1911—1912 statt. Die Wahl der Arbeitnehmer findet von 8— 9 Uhr und der Arbeitgeber von 9—10 Uhr statt. 290/20 Um zahlreiche Beteiligung wird er- sucht. Der Borstand. I, A.: Otto /ilmsnäingor, Vorsitzender, Tolstoi-Romane Jeder Roman statt 4—5 Mark siir nur 8 Mark Ganzleinonb. m. künstl. Dockelpr. Frankoliof. b. Bezug all. 4 Romane Tolstoi, Graf Le», Auferstehnng T olstoi, Graf Leo, Kreutzer-Sonate Tolstoi, Grnf Leo, Anna Karenina Tolstoi, Graf Leo, Krieg u. 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Bei den Ausschachtungen auf dem Terrain für eine neue Irrenanstalt in B u ch sind in diesem Sommer Spuren einer vor- geschichtlichen Ansiedelung blohgelegt und durch das Märkische Museum weiter verfolgt worden, wobei zum ersten Male eine vollständige Dorfanlage aus der Bronzezeit(zirka 1000 Jahre v. Ch.) aufgedeckt worden ist. Zum Abschluh der Aus- grabungen und für die systematische Untersuchung des Geländes sind im ganzen 2300 M. über den Etat erfovdcrlich. Die Bewilli- gung erfolgt ohne Debatte. Auf Grund der Beratungen der gemischten Deputation sucht der Magistrat für die zukünftige Bereitstellung von Mitteln im Etat, aus denen den in Berlin ortsangehörigen Kriegsteilnehmern von 1864, 1866 und 1870/71 Zuwendungen bewilligt werden können, die Zustimmung"der Versammlung nach. Die Empfänger müssen am 2. September 1910 ihren Wohnsitz in Berlin gehabt haben, die Zuwendungen, die ihnen auf Antrag bewilligt werden können, dem Grade ihrer Bedürftigkeit angemessen sein. Im Etats- jähr 1911 sollen 160 000 M. für diesen Zweck ausgeworfen werden. Stadtv. Modler(A. L.) hebt hervor, dah die gemischte De- putation die Zuwendung als eine Ehrengabe, nicht als ein Almosen betrachtet wissen will. Da der 2. September 1910 als Stichtag gelten- solle, sei es auch angezeigt, schon für das Jahr 1910 eine Ehrengabe zur Verteilung zu bringen. Redner bringt einen ent- sprechenden Antrag ein und bittet, ihn trotz der ablehnenden Haltung des Kämmerers einstimmig anzunehmen. Stadtrat Nlimslan: Trotz seines warmen Herzens für die Veteranen muh der Magistrat in den Grenzen des Möglickxm bleiben und kairn nicht Hoffnungen erwecken, die nachher nicht in Erfüllung gehen. In dem Dispositionsquantum sind für diesen Zweck keine 150 000 M. mehr vorhanden; auch würden die tzor- liegenden Tausende von Gesuchen ja gar nicht mehr rechtzeitig erledigt werden können. Unsere Finanzen würden durch den Antrag Modler in Unordnung gebracht wevden. Stadtv. Borgmann(Soz.): Aus der Tatsache, daß Tausende von Gesuchen vorliegen, geht unzweifelhaft hervor, dah eine Notlag« vorhanden ist; der Antrag Modler kann und soll eine rasche IIb- Hilfe schaffen. Die Schwierigkeit der Erledigung>der Arbeiten im Magistrat soll man doch nicht immer und namentlich nicht bei solchen Gelegenheiten vorschieben. Solange der Staat seine Auf- gäbe nicht erfüllt hat. den Bedürftigen zu helfen, müssen wir uns für verpflichtet ansehen, helfend einzugreifen. Was die„unge- ordnete Finanzwirtschaft" anbetrifft, so werden wir uns bei anderer Gelegenheit darüber aussprechen: durch 150 000 M. mehr oder weniger aber kann niemals die Finanzwirtschaft Berlins über den Haufen geworfen werden. Selbst bei völliger Erschöpfung des Dispositionsfonds werden die erforderlichen Mittel aufzubringen sein. Wer schnell hilft, hilft doppelt.(Beifall.) Stadtv. Cassel(A. L.): Ich muh ja anerkennen, dah un? die 150 000 M. im nächsten Jahre fehlen werden. Da eS sich aber um eine ganz besondere Ausgabe handelt, muh auch einmal eine Aus- nähme statthaft sein. Es ist die Anregung zu der Mahnahme ge- kommen aus der Feier des 40jährigen Gedenktages des Sieges von Sedan, und da scheint es uns notwendig, mit der Zuwendung auch sofort zu beginnen, da das Reich seiner Verpflichtung nicht nachge- kommen ist. Die Berliner Finanzen werden dadurch nicht in Zer- rüttung geraten. Die Gesuche werden in der Zeit bis zum 31. März wirklich noch alle zu erledigen sein. Vorsieher: Von einem Notstand, der vorliegen soll, ist keine. Rode gewesen. Wir wollen hier ein Geschenk machen. Stadtv. Borgmann: Gcwih soll hier der Charakter einer Armenunterstützung ausgeschlossen sein. Der Begriff des»Not- standes" ist andererseits sehr dehnbar; auch der Stadtrat NamS- lau sprach von den Tausenden von„Gesuchen". Stadtv. Cassel: Es soll wohl weniger ein Geschenk als eine Ehrengabe sein; die Zuwendung soll ja auch»nach dem Grad« der Bedürftigkeit" erfolgen. Die Vorlage wird darauf einstimmig, der Antrag Modler gegen eine erhebliche Minderheit angenommen. An den Verein für dos Wohl der aus der Schule ent- lasfenen Jugend wird zur Einrichtung und zum Unterhalt von 7 im Etatsjahr 1910 neu eröffneten Schulküchen ein Betrag von 10 500 M. als außerordentliche Kostcnbeihilfe gewährt. Am 31. März er. gelangte in der Versammlung folgende R e- Solution zur Annahme:„Den Magistrat zu ersuchen, das AuSwärtswohnen der Beamten nur unter scharfer Kontrolle der Bcdürfnisfrage in Zukunft zu gestatten." Der Magistrat bringt zur Kentnis, dah er daraufhin bestimmte Grundsätze für das Auswärtswohnen festgesetzt hat, nach welchen diese Erlaubnis erteilt wird. Stadtv. Borgmann: Die Vorlage versucht eine Frage zu ordnen, welche schon öfter und lange erörtert worden ist. Wenn man glaubt, dah Berlin dem Beispiel gewisier Vororte auf diesem Gebiete zu folgen hätte, so ist das ganz irrtümlich. Groh-Berlin ist ein ein- heitliches Wirtschaftsgebiet, die Verkehrsgrenzen zwischen den ein- zelnen Orten und Berlin sind durchaus flüssig. Es spielen hier sehr stark Hausagrarierinteressen hinein. Die jetzt borgeschla- genen Bestimmungen stellen allerdings ungefähr dasjenige fest, was isher seitens des Oberbürgermeisters innegehalten worden ist. Er hat stets eine strenge Prüfung der Bedürfnisfrage eintreten lassen. Unter diesen Umständen haben wir gegen die mitgeteilten Bestim- Wungen nichts einzuwenden," i l Stadtv. Cassel: Es handelt sich hier nicht um Mahnahmen, I welche die Folgen von Maßnahmen einzelner Vorortgemeinden sind, es handelt sich auch nicht um eine Kampfmahregel gegen die Vor- orte. Der Rcchtsstandpunkt ist der, daß die Beamten und Lehrer einer Stadt ihre Residenz in dieser Stadt zu nehmen haben. Aus- nahmen zu statuieren, muh aus Billigkeitsrücksichten zulässig sein; in dieser Beziehung muh in einem Ausschuh nähere Prüfung statt- finden. Nicht im Interesse der Hausbesitzer, sondern der ganzen Bevölkerung Berlins, insbesondere im steuerlichen Interesse muh gefordert werden, daß die Beamten, Lehrer und Lehrerinnen, die ihre Amtspflicht in Berlin zu erfüllen haben, auch in Berlin wohnen. Unsere Beamten und Lehrer müssen sich als Bürger unserer Stadt Berlin fühlen. Stadtiv Mommsen(Fr. Fr.): Ich hoffe meinerseits, dah die Vorlage ohne Verschärfung aus dem Ausschuh herauskommen wird, denn ich halte sie nicht für ein Ruhmesblatt in der Geschichte oer städtischen Verwaltung.(Unruhe.) Als der verstorbene Kollege Wallach diese Forderung zuerst verfocht, wurde er hier nicht ganz ernst genommen.(Stürmischer Widerspruch.) Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Selbstverständlich hat niemand, dessen Amtspflicht es verlangt, daß er in der Stadt wohnt, das Recht, auswärts zu wohnen. Die Vorlage aber geht darauf hinaus, auch denen, deren Auswärtswohnen dem Jrkteresse des Dienstes absolut nicht schaden würde, das Auswärtswohnen zu beschränken. Soweit sollten wir lediglich im steuerlichen Interesse doch nicht gehen. Wir wissen doch, wie schwer es ist, tüchtige Beamte für die Stadt heran- zuziehen.(Widerspruch.) Das geht ja bis in die obersten Stellen hinauf. Jetzt wollen Sie die Auswahl noch weiter er- schweren. Im Westen Berlins gibt es jetzt kaum noch Häuser, deren Wohnungen sich für Beamte eignen. Entweder sind es alte Häuser, in die er nicht hineinmag, oder moderne, wofür er den Wo h- nungpreisnicht erschwingen kann.(Lebhafter andauern- der Widerspruch.) Alle Beschränkungen, die nicht im Interesse des Dienstes erfolgen, sind unnötig und vom Uebel.(Zuruf: Kräh- Winkel!) Praxis und Praxis ist zweierlei. Man will jetzt die bisherige milde Praxis möglichst beseitigen, um wenigstens in Zukunft die Wünsche gewisser Gruppen der Versammlung zu erfüllen. Stadtv. Ladcwig(N. L.): Wir hätten cS für eine Courtoisie gehalten, wenn der Magistrat diese Vorlage erst im Gemeindeblatt veröffentlicht hätte, nachdem er sie uns zur Kenntnis gebracht. Schon Suarcz hat im Landrecht den Grundsatz der Residenz für die Beamten aufgestellt. Bisher hat der Magistrat zuweilen eine zu laxe Praxis geübt. Vielfach nehmen unsere städtischen Be- amten in den Vororten kommunale Aemter an. In einem mehrere Hunderttausend Einwohner zählenden Vorort ist der Stadtverord- netenvorsteher besoldeter Berliner Kommunalbeamter! Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.): Ob die zitierte Bestimmung des Allgemeinen Laudrechts Anwendung auf Gcmeindebeamte findet, ist mir zweifelhaft. Dah endlich feste Normen geschaffen werden, kann man nur begrüßen. Aber über das Mah des Not- wendigen soll man nicht hinausgehen. Die Beamten ziehen nicht aus Uebermut oder Vernnügungssucht in die Vororte hinaus, sondern weil die wirtschaftlichen Verhältnisse sie hinausdrängen. Die Hausbesitzer haben sich mit Petitionen an uns gewandt. Das tun sie doch, weil sie ihre Wohnungen teurer vermieten wollen.(Zu- stimmung und stürmischer Widerspruch.) Soll auf dem Wege etwa der Kampf gegen die Vororte eingeleitet werden? Stadtv. Cassel: Soll die Kompetenz der Schuldeputation aus- geschaltet werden? Von einem Kampfe gegen die Vororte ist hier gar nicht die Rede. Der Standpunkt des Kollegen Mommsen richtet sich unmittelbar gegen die Interessen der Staot. (Stürmische Zustimmung; vereinzelter Widerspruch.) Auch in Berlin kann man mit der Ortszulage und der Mietsentschädigung behaglich wohnen; und was hätten sonst diese Zuschüsse zum Ge- halt für einen Zweck? Nicht vom Interesse der Hausbesitzer, son- dern vom allgemeinen Interesse wird unser Verlangen diktiert; richtige Mahnahmen, die im allgemeinen Interesse liegen, deshalb zu unterlassen, weil sie auch den Hausbesitzerinteressen nützen, haben wir keine Veranlassung. Mit der Erteilung der Er- laubnis nach diesen Bestimmungen sollten übrigens Beamte nicht betraut werden, die selbst diese Erlaubnis in Anspruch genommen haben.(Sehr gut!) Das Dezernat darüber muh von un- befangenen Personen ausgeübt werden. Oberbürgermeister Kirschner: Die Auffassung deS Magistrats und meine eigene werde ich im Ausschuß und bei der späteren Be- ratung zum Ausdruck bringen. Die Schuldeputation soll in betreff der Gesuche der Lehrer keineswegs auöge- schaltet werden; in der Berufungsinstanz kann sich der ein- zelne an den Magistrat wenden. Ein Recht, diese Grundsätze fest- zustellen, hat die Versammlung nicht; es handelt sich um AufsichtS- befugnissc, welche der Magistrat wahrzunehmen hat. Der D e z e r- n e n t hat nur die Vorentscheidung: die Endentscheidung treffe ich selbst; noch nie bin ich von ihm beeinflußt worden, günstig für die Antragsteller zu entscheiden, mehrfach aber ist daS Gegen- teil der Fall gewesen. Mit Ablauf seines Mietsvertrages wird der Betreffende nach Berlin ziehen, und zwar am 1. Oktober 1911. Stadtv. Cassel: Ich muß für uns das Recht in Anspruch nehmen, an den Handlungen des Magistrats Kritik zu üben; auch nach den eben erfolgten Aufklärungen halte ich nicht für wünschenswert, daß Beamte mit der Erteilung der Er- laubnis betraut werden, die selbst nicht in Berlin wohnen. Jahrelang haben wir taktvoll, bloß privatim auf diesen Fall hin- gewiesen; hätten wir ihn nicht öffentlich zur Sprache gebracht, so würde der Herr vielleicht auch am 1. Oktober 1911 noch nicht in Berlin wohnen. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Zur Diskussion steht nunmehr der vom Magistrat vorgelegte Bericht über den Stand der Vcrkehrsfragen. Stadtv. Cassel beantragt mit Rücksicht auf die Bedeutung der Vorlage und die geringe Zeit, die zu ihrem Studium bisher ge- geben gewesen sind, die Absetzung von der heutigen Tagesordnung. Stadtv. Borgmann schließt sich dem Antrage an, verlangt aber, daß sie unbedingt in der nächsten Sitzung verhandelt werde, da eine Verschleppung vitale Interessen der Stadt Berlin eventuell gefährden könne. Stadtv. Rosenow(N. L.) äußert sich in gleichem Sinne. Die Versammlung beschließt die Absetzung, nachdem der Vor- st e h e r noch darauf verwiesen hat, dah er geschäftsordnungsmäßig den Bericht auf die nächste Tagesordnung setzen müsse. Vom 1. Oktober 1910 bis 1. Oktober 1913 sollen bei der Ein- ziehung der Waisenpflegrkosten von den unierhaltSpflichiigen An- gehöligen. gleichviel ob es sich um Anstalts- oder Familienpflege handelt, folgende Einheitssätze zugrunde gelegt werden: für Kinder im 1. Lebensjahre täglich 80(bisher 70) Pf., h n»2.,„ 65(„ CO)„ . von 2—6 Jahren„ 55(„ 60), „ schulpflichtige Knaben„ 55(„ 55)„ . Mädchen„ 50( B 50), Die bisherigen Sätze hatten nur bis 31. März 1910 Geltung; die Versammlung soll nachträglich genehmigen, daß sie auch für das abgelaufene Sommersemester in Rechnung gestellt werden. Die Vorlage gelangt obue Debatte zur Annahme. In den städtischen Erfrisch, mgshäuschen im Treptower und im Biktoriapark soll„von jetzt an auch sogenanntes echteSBier, für 0,30 M. nicht mehr als 0,4 Liter verschänkt werden dürfen. Ter Antrag ist motiviert mit dem unzureichendem Ergebnis de? Betriebes: Ein Wintergeschäst ohne Bierausschank sei nicht möglich, die letzten beiden Sommer seien verregnet. Stadtv. Werner(91. L.) will das Wort„sogenanntes" beseitigen und hält das„nicht mehr als 0,4 Liter" für einen Druckfehler. Er beanttagt dafür zu setzen:»nicht weniger als 0,4 Liter",- Stadtv. Wnrm(Soz): Wir halten nicht für richtig, eine öffent» liche städtische ErfrischungShalle zu einem B i e r a u s s ch a n k zu machen. Man braucht gar nicht Abstinent zu seilt, um diese Auf- fassiuig zu teilen. Wer soll alkoholfreie Erholungsstätten errichten, wenn nicht die Gemeinde? Diejenigen, die das Bedürfnis haben» kein Bier zu trinken und sich in einem Ralime ailfzuhalien, der ihnen nicht von Biertrinkern streitig gemacht wird, müssen doch auch zu ihrem Rechte kommen. Wir sehen daher den Antrag als einen Fehlschlag an, können aber auch gar nicht begreifen, wie der Magistrat dazu kommt, mitten im Laufe von Verträgen Aenderun gen vorzuschlagen, welche dem Pächter höhere Erträge sichern sollen. Wem, die Stadt Verträge geschlossen hat, muß sie auch daran festhalten. Jeder Pächter läuft die Gefahr, daß er schlechtere Geschäfte macht, wenn es regnet: übrigens, wenn es regnet, regnet es auch ins Bier binein. Kommen wir hier entgegen, so können alle städtiscken Pächter mit gleichen Ansprüchen an die Stadt herantreten. Wir dürfen den kleineren Genieinden nicht ein falsches Vorbild geben. Bürgermeister Dr. Reicke erklärt, er habe lange Jahre auf genau demselben Standpunkt gestanden, aus ideellen Gründen der Abstinenz- und Tempcrenzidce gehuldigt. Aber dieser Standpunkt laiige, roalpc-Iitisch betrachtet, manchmal nicht mehr zu. Er be- müht sich, die Gründe des Vorredners zu widerlegen; die Zeiten hätten sich geändert; man könne die Pächter nicht zugrunde gehen lassen, sie könnten die Pacht nicht weiter zahlen. In allen ähnlichen Einrichtungen anderer Großstädte komme Bier zum Ausschank. Echtes müsse man nehmen, da das„Helle" beim Berliner keinen besonderen Beifall finde. Das„nicht mehr" sei kein Druck- fehler, es solle eben nicht zu viel Bier für 30 Pf. ge- liefert werden! Stadtv. Wurm: Wenn die Pächter in solcher Notlage sind, kann man ja auch mit Ermässigung der Pacht helfen. Allgemein aber ist es n i ch t ü b l i ch, von dem Vertrage während seiner Dauer abzugehen. Dem Berliner Bier hat der Bürgermeister ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Es soll auch kein Druckfehler sein, wenn da- steht:„nicht mehr als vier Zehntel". Zllso eine Straf st euer für den Biergenuß! Durch diese Verteuerung wird nur ein exklusives Pirblikum in die Häuschen gezogen, dem Arbeiter aber das Lokal verwehrt. In London wird in keinem öffentlichen Park ein Alkoholgeträuk ausgeschenkt. Daß die Völlerei durch die kleinen Gläser eingeschränkt wird, eine so weitgehende Fürsorge braucht Berlin wirklich nicht zu übe». Wenn der Bürgermeister meint, die Abstinenz- und Tempcreiizideen seien abgetan, so über- sieht er, welche Erfolge die Bewegung gezeitigt hat. 150 Millionen Liter Schnaps sind durch unsere Agitation weniger getrunken worden. Die Anträge Werner werden abgelehnt, ebenso aber auch die Vorlage. Schluß der öffentlichen Sitzung nach 8 Uhr. Soziales. Die Aussperrung der Bühnenarbeiter am Neuen, Opereften- theatcr beschäftigte gestern den Sühneterinin der Kammer 6 des Gewerbegerichts. Es klagten die sechs Bühnenarbeiter, die aus Solidarität für zwei gemaßregelte Kollegen am 8. November ihre Kündigung eingereicht, aber dann vor Ablauf der Kündigungsfrist entlassen wurden. Sie verlangten Zahlung ihrer verdienten Löhne sowie Entschädigungssummen für den Nest der Kündigungsfrist. Aus den vom Direktor Palfi gemachten Einwendungen und den klägerischen Erwiderungen war folgendes zu entnehmen: Die Kläger nutzten Ende August die ihnen günstige Wirtschaftslage aus und stellten Lohnforderungen. Diese wurden vom Direktor, wenn auch ungern, bewilligt, weil Ersatzkräfte nicht zu haben waren. Der Direktor suchte dann wiederholt den früheren Zustand wieder herzustellen, das scheiterte an dem Zusammenhalt der Bühnen- arbeiter. Der Direktor erkannte schließlich die Zugeständnisse schriftlich an, machte einige von ihm verfügte Kündigungen rück- gängig und gab auch dem Verlangen auf die Einführung einer vierzehntäyigen Kündigungsfrist statt. In etwa neun Wock�n war es dem Direktor Palf: gelungen, sich die Ersatzkräfte für die noch beschäftigten Arbeiter zu sichern. Darauf kündigte er am 7. No- vember zwei Arbeitern. Das beantworteten die übrigen mit einer Kündigung ihrerseits. Einige Tage später wurde durch das Um- fallen eines Beleuchtungsrahmens ein Beleuchtungskörper zer- irümmert. Direktor Palfi entließ nun alle Arbeiter. Er be- hauptet, die Kläger hätten ihm den Schaden absichtlich zugefügt. Die von ihm schriftlich anerkannten Vertragsbedingungen hält er für nichtig und rechtsungültig. Er habe dem Druck« der Arberter nachgegeben, weil er Ersatzträfte nicht hatte. Der Mehrlohn sei ihm mithin abgepreßt. Er könne Einbehaltung deS Lohnes ver» langen. Der Borsitzende, Magistratsassessor Dr. Seckt, bemühte sich ver- gebenS, dem Direktor klarzumachen, daß der feit Wochen bestehende Vertrag durchaus rechtsgültig ist. Den Klägern sei eS nicht zu ver. denken, wenn sie die günstige Wirtschaftslage für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ausnutzten. Der Umstand, daß keine Arbeitskräfte zu bekommen waren, könne für die Anfechtung der Verträge nicht geltend gemacht werden. An der Unbelehrbarkeit deS Direktors, daß Verträge einzuhalten sind, scheiterten die Eini- gungSversuche des Richters, so daß die Sache vor der Kammer zur Entscheidung kommen muß._ Die Wühlerei gegen die OrtSkrankenkassen, wie sie namentlich durch die„Nationalliberale Korrespondenz" be- trieben wird, erfuhr in der Herbstgeneralversammlung der OrtS- krankenkassc Gcra-Reuß am 22. d. M eine scharfe Verurteilung. DaS Vorstandsmitglied der Arbeitgeber, Fabrikant Flcmming, erklärte auf Aufforderung eines Vertreters, „daß während feiner 14jährigen Tätigkeit als VorstandSmit- glied in den VorstandSsitzungen niemals etwas Ungehöriges vor» gekommen fei". und das zweite Vorstandsmitglied, Stadtrat Hertel, erklärte darauf, „daß während seiner Tätigkeit im Vorstande alle Beschlüsse in sachlicher Weise und im besten Einvernehmen gefaßt seien". Die Ortskrankenkasse Gera ist eine derjenigen, die von dem Reichsveibändler Dr. Weiskcr, einem Parteiführer der reußischcn Nationallibcralen, ganz besonders aufs Korn genommen worden ist— bisher allerdings stets mit schmählichem Mißerfolg, Wasserstand». Stachrtchten ver LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wclicrbureau. *) ch bedeutei Such».— galt, Unierpegrt. □□□ Theater und Vergnügungen nun Freitag. 25. November. Ansang 7I/i Uhr. Königl. Opernhaus. Die Meister- singer von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Nene« tSnigl. Opern-Theater. Geschloffen. Sötilgl. Schauspielhaus. Wallen- ftcinS Lager. Die Piccolomint. Deutsches. Judith. Ansang« Uhr. Kammerlpicle. Kombdie der Irrungen. Heirat wider Willen. Lessing. DaS zweite Leben. Reue» SchamvlWtmuS. Wann kommst du wieder? Kleines. Joachim von Brandt. Berliner. Der ichntje Junker. NeueS. Der Sieger. Triano». Der heilige Hain. Komische Over. Die Bohdme. Residenz. Der Unterpräfekt. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller U exoaner- idealer.) Die Fee Capi-ice. Sch»(Zharlottendurg. SodomS Ende. Friedrich. Wilhelmftödtische«. Die Hermannichlacht. Weste». Geschlossen. Reue» Oueretteu. Der Gras von Luxemburg. SuftsvielhauS. Hügel. Luisen. Preziosa. ModerurS. Der Doppelmensch. Herrufeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. Bolkooper. Der Freischütz.(An» sang 8'/, Uhr.) Stoi«. Anna-Lise.(?lnsang 7 Uhr.) KolirS Eaprice. Der Feldwebel- Hügel(Ansang 8'/« Uhr.) Metruoal. Hurra— Wir leben noch I Kasluo. Der schneidige Rudolf. Slpolio. Spezialitäten. Pa- age, Spezialitäten. RrichSballen. Steitiner Sänger. Walhalla. Bravo l Da capol(An- saug SV. Uhr.) Wiu»«rgarien. Spezialitäten. Sanssouci. Ach, die Kerls! Spezialitäten.(Ans. 8ili Uhr.) Karl Havelland. Sveziaulnlen. Urania. Taubenstrasle 18/49. Abends 8 Uhr: Rund um Asien. Hörsaal 6 Uhr: Vortrag vom StiftungSsouds der Berliner Ge- Ivclbe>AuSstellllng 187!). Sternwarte, Jnvaitdenstr. S7— 62. Der Feldherrn- Lessing-Theater. 8 Uhr: Daö zweite Leben. Sonnabend 3 Uhr: Wenn der junge Wein blühte_ Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Dt-r scharfe Janher. Morgen: Der scharfe Junker. Neues Theater. Lehtes Gastspiel Ferdinand Bonn. Abends 8 Uhr: Der Sieger. Sonnabend zum erstenmal: Der G. m. b. H. Tenor. Sonntag und Montag: Der G. m. b. H. Tenor._ Theater des Westens. Heule: Ocachlossen. Morgen �l|. Uhr: Das Puppenmadel. Sonm. 3>/,u.: Die peschlBdene Frau. Modernes Theater Orflher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: Poppclinenach. Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Der Feldherrnlingel. Berliner Volksoper Belle-Alliancestr. 7/8. iiß Mr: Der Freischütz. FriedriGh-Wiliielmstädtisches Schauspielhaus. Freiiag, den 25. Nov., abends 8 Uhr: Die Kermannschlacht. Sonnabend 8 Uhr: Die Hermann» schlacht. 8 Uhr: Krieg im Frieden. Sonntag 3'/, Uhr: Die Hermann. schlacht. 8 Uhr? Die Räuber. Mdenz-Theater. Dircltion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Ullterpräfekt. Schwank in 3 Akten o. Leon Gaudillot. Morgen und folgende Tage: Der Unterpräfekt. Sonntag, den 27. November, nach- mittags 3 Uhr: Gretchcn Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Preziosa. Schauspiel in 4 Akten von Wolf. Sonnabend 4 Uhr grohe Kinder« Vorstellung: Zwerg Nase. 8 Uhr: Berlin gehi zu Bett Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hütten» befider. 8 Uhr: HaicmannS Töchter. Montag: Preziosa._ Ausstellungs-Theater am Zoo ebenda 8 übrs Oedipus auf Kolonos. Urania. Wissenschaftliches Theater Xaubenstreße 48/49. Abends 8 Uhr: Rund um Asien. Hörsaal 8 Uhr: Vortrag vom Stiftnngefonds der Berliner Gewerb eaasstellnng 1879. 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Walhalla-Theater DeinbcrgSmcg 19/20(Rosenth. Tor) Anfang 8'/, Uhr. Bravo!— Da capo! Eine AllerwektS-Revue in 5 Bildern von M. Rcichardt, Musik o. R. Thiele. In Szene gesetzt v.Kir. James Klein. Sonntag nachmittag 3',, Uhr: K�reziof«» tn glänzender Ausstattung. — Ermäßigte Preise.— �önigsladl-Slaslno. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstrahe. Das erfolgreiche November» Programm mit Fx-ann Hobanski. Neu! Molly Verch, Prenr Rudolf], father and Sou, Little Pix usw. Riesen- Erfolg: Ein alter Flickschuster. VolkSstück m. Ges. i. 1 Alt o. O. Richter. UCBT- SPIELE TOLSTOI. Authentische Aufnahme. Mozartsaal. Sport-falasf Grösster Eispalast der Welt Beleuchtet durch 500 000 Normaikerzea Feerie„Am Nordpol" x 200 Eislauf-Künstler 3 Bilitar- nnd Zlvilkapellen Restaurant für 6000 Personen Entreo; Bis 7 Ubr 75 Fix., nach 7 Ehr I Bark. Unterricht im Eislauf Vorverkauf in den Warenhäusern von Hermann Tietz nnd ständig an der Hasse. -�«chul,� KurfOrstendamm 151 llorgen Sonnabend, Ä6. Nov. Beginn der großen Sporiwoche für Amateure Die Preise im Werte von 2000 Mark sind ausgestellt Im Schaufenster des Vera- Bchnh• Geschäftes, Friedrlchstraße 174. Karl HaTerland- Slnfang Ttiosfon Kommandanten. präz. VI» VL IliCölCl. strafet 77/79. Candianys Sketsch Italienische Nach» Karl uroth m. neuen Schlagern sowie U erstklass. Speziallt-ttrn.( Folies Canrice. * Schnitzel Komiker Solo-Teil: Der Dorfmusikant* Morgen und folgende Tage: Der FkldtvtbtlHügtl Lan�er-AhteHunx i Süd-Ost(öa,,u®der,in) ::;:: Männer-Chor Köpenick;:::; M, d. D.A.-S.-B.:::::::: M d. D.A.-S.-B. Chormeister: Herr PAUL KURZ. Sonntag, den 37. SToTcmber 1010 in der Brauerei Friedrichshain (Am Friedrichshain) Mitwirkende: Konzert- u. Opemsängerin Frau Emmy von Holstein aus Kopenhagen. Vtolin-Künstlerin Frau Bianca Becker- Samoiewska. Herr Professor Otto Becker, Orget- und Flügel-Begleitung. 1952b Nach dem Konzert: TatlZ* Anfang 6 Ubr.— Bülets im Vorverkauf 50 PI., an der Kasse 60 PI. A CLOU Mauerstr. 82— Zimmerstr. 90/91\ Berliner Konzerthaus Anfang 8 Uhr: Vorletzter Tag!!! Gastspiel v. Mitgl. des Mailänder ScalasOrchesters i 66 Künstlep. virig.: Egisto Tango. 10 Solisten-! Wochen täglich nachm Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt. Excelsior Liclitspielliaus RiidorT SSSS'r« Passaje das glänzende Eröffnungs- Programm. Freitag, dm 25. November, abends VI, Uhr: Ganz Berlin spricht von der Ausstattungs-Pantomime Her große Coup 9'/, Uhr der 9'/, Uhr Schmuggler Mirza Coolem persiiche Truppe, 12 Personen. 5Jcu! Mr. Pearson 3leu! „Der Römer'*. Hohe Schule geritten im Herren- sattcl ?räiit. Baptista* Apachen zu Pferde geritten von Frl. Dora Schumann und Herrn Karl Heg. Hochbahnswtion Koltbufer Tor. Heute: Klein« Preiset 50, 75 Ps. nsw. Gastspiel des Fellini liansen liord Tommy! 0'/, Uhr: Alh die Keck!! M. Berlkner Poffc, Musik v. EinödShoser.«1X0»» Nai'KTlRQatSr- Fest-äle und KInematograph vorm. Groierjan. Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser«Nee 129. Tel. 3. 9353. Eebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps., Kinder die Halste. Ani.7 U., Sonnt. 1 U. Verzugskarten, mir wochent. gültig. 25 Ps. auf allen Plätzen. StctS wechs. Programm. Sonntag, den 27. November: Vortragsabend Robert Koppel □ □ □ □ des Herra Gmftea und neitcrea (; ffähereB im Programm:) □ □ □ □ in den 8ophien-8äUn(großer Saal) öopbun-strase 17-18. €r3ffnimg 6 Ohr. Beginn 7 Ohr. -------------- Eintritt 60 pf.(inkl. Garderobe).■- unn Kinder unter 10 Jahren haben keinen Tutritt.„ ,» n Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Konntec. Bill etts auch tu haben bei Rosemann. Winsstr. 64(Zlgarreahendlung), Zucht, Immanuelkirch' strado 12(Partelsgoditlon), Hahniach, AuguststraBa 60(Parteispediüon). m Sv2 m £*2 Zirkus Busck.l Freitag, 25. Nor., abends 7';, Uhr: j OroBer Gala-Abend,| Die berühmten Tonnenpferde, j dressiert und vorgeführt von Herrn Olroktor Pierre Altheff. I Außerdem: Frau Dir. Adele AU- j hoff mit ihren exzellentesten( Freiheitsdressuren. Um 9'/, Uhr zum 76. Male: „VENEZIA" Besonders hervorzuheben: Das j Sailen unter Wasser. Dar grobe J Karneval— und Gondel■ Korso I auf dem Kanal-Grande! Vother das gr. Gala-Programm. 1 msm Der arohte Schlager der Dheater-Salson ISlv. Line verloreiie lischt Ein lustiger Trauersall in zwei Alte» von Anton und Donat Heirnfeld. Vorher: Der Derby-Sicger. Vorverkaus ll— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Vasmo-Tkvsivn Lothringer Strafee 37. Täglich 8 Übt. DaS Original Berliner VolkSstück Julie Wipp che». Urbcriincr Humor! Urbcrliner Tstpen k Im Silke der ehem. Wallner-Buhne. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 3'/, Uhr: Mutter Grävert. kieiek8lT»lleu-7lTe»!Li'. Ltöttinei Sänger. Zum Schluß: ,,Tm Mauseloch". Milit. Humor, v. Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Thrater„GroH-Ktrlin". Freitag Moabit. »/.s Uhr: Die Kartenlegerin. 4 Uhr Klndermäichen-Vonlellung; Rotkäppchen.— lSratiSPralcntoert. Sonnabend Pub! manns Theater 4 Uhr: Rotkäppchen. Graiispras. Ii III* 64 Badsir. 64 b. a. m. Bosporus am Moritzplaiz. Täglich: Variete. Ii o nr.ert. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der heilige Hain. ! Serl. Zoek-Zrguerki f, Max Schwarz. Fidiolnstr. 2/3. Sonnabend. Lk. Novbr. er.:! Visner!bigIm-Aböntl von 19SSb\ I Johann StraußJ aus Wien.(42 Künstler) Ans. 8 Uhr. Snlree 50 P>. Res. Platz 75 Ps. Borverkaus a lE resp. KV Ps. In der* .Borw.'-Flliale, Gneisenaustr. 72.[ iftt« den Inhalt der Jnierare Übernimmt die Redaktton dem Publikum gegenüber veraatwortung. keinerlet Todesanzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß meine teure Frau, unsere innigst- geliebte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Julie Bebel geb. Leiden Otto 68. im Lebensjahre ver- nach längerem schieden ist Wir bitten, Blumenschmuck und Kondolenzbesuche unterlassen zu wollen. Stille Bestattung. Kremation Freitag, den 25. November. Zürich und Schöneberg-Berlin, den 22. November. August Bebel. Frieda Simon geb. Bebel. Dr. F. B. Simon. Werner Simon. Heute abend S'/, Uhr verschied sanft nach kurzem Kranksein mein lieber Mann, unser xuter, treuer Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr IjouIs Paradies im 68. Lebensjahre. Dies zeigen in tiefer Trauer an Rosine Paradies, geb. Mayer, Julia Liebknecht, geb. Paradies, Willy Paradies, Rechteanwalt Dr. Karl Liebknecht Berlin, den 23. November 1910 Hohenstaufenstr. 45, Beerdigung; Sonntag, den 27. November, mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes, Weißensee. 1971b Kondolenzbesnobe dankend verbeten. Sozialileinckratiseber ffahiverein des 6. Beri. Reichstags-Wahlkreises. Tode»- Anacigc. Am 23. November oevftorB unser Genosse, der illempner Otto Schmidt Gerlchtslr. 73. Ehre seinem Aiidciikc»! Die Äccrdigung slndet am Loniiabeud. den 26. Nov., nach- mittags 2'/« Uhr, von der Leichen- Halle des städlischen syciedhose», Müllerslratze, Lcke Leeslraßc, au- stall. Uni rege Bcleilignng ersucht 231/8 Der Vorstand Am 23 d. Mls. verstarb unser Milarbciter, der Maschinenmeister Oskar Fröhlich. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet nm Zoimtag, den 27. November, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de» neuen Matthäi- JUrchhoseS am Priesterweg ans statt. 1975b Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Am Mittwoch starb unser Kot- lege,'der Klempner Otto Schmidt. Beerdigung Sonnabendnach- rnttln» 2'/, NHr, von der Kapelle des Phiiippus.Apostel-FriedhoscS. Müllcrslr. 44/45, auS. Die Kollegen der Firma Fr. pelers Nacht 1972b Am 23. November, srüh 4 Uhr. verschied»ach langem, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Balcr, der Töpfer Henmuin Donner. DicZ zeigen tiesbetrübt an Bert» Donner geb. Horn nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, de» 26. November, »achmitlags 3Uhr, vo» derLeichcn- Halle deS Et. Georgen-KirchhoseS. Landsberger Allee, auS statt. a Deutscher Metatlarbeiler-Verbanril Vrnvaltnngsstelle Ucrliu. Toden- Anxeiyren. Ten Kollegen zur Nachricht, oai; lliiscr Milgücd. der Klempner Karl Sciiäricke am 25. d. M. an einem Lcberleide» gestorben ist Die Beerdigimg findet am Sonnabend, den 26. November,! nachmittags 4 Uhr, von der! Leichenhalle des Zentral- Fried boseS in Frledrichsiclde auS statt Fcnier starb unser Mitglied, der Klempner Otto Sehmidt am 23. d. M. an einem Lungen. leiden. Die Beerdigung findet' am Eonnabend, den 25. November, nachmittags 2,/4 Uhr, von der Leichenhalle de» Philipv-Apostel. Kirchhofes in d-r Müllerstr. 44,45 aus statt. Ehre ihrem Slndenken Z Rege Beteiligung erwartet 126/2 Die Drtsverwallung Zentralverband der Töpfer Deutschlands Filiale Berlin. Hierdurch die traurige Räch- richt, dah der Kollege Herrnann Donner (Bezirk Osten) Inm Mittwoch, den 23. November, im Alter von 57 Jahren an einem Leberleiden verstorben ist. Ehre seinem Audenke» k Die Beerdigung findet am Zonnabend, den 26. November, nachmittags llsUhr, von der Leichen- Halle des Georgen- Kirchhoses. Lnndsberger.Allie2t,23. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der??o 194/2 lorstaud. ZeM- Wien- und Sterbe- kasseldeutscbeQ Wapbauer Filiale Berlin V. Am Dienstag, den 22. Novdr., verstarb unser Mitglied, der Schraubendreher Gnstav Xieemann Müllerstr. 143a. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. Novbr., nach. mittags 3'/« Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Fr-iedhoseS. Müllerstrahe, Ecke Leestr., aus statt. Rege Beteiltgung erwartet 257/18 Die OrtSvenoaltnng. Am 22. November verstarb»ach lurzeinabcr'chwcrem Leiden unlere einzige. gel-ebteTochtcr, Schwester. Schwägerin, Enlelin und Grob cntelin, grau dnnsSchunhe geb. Fiedler, m Alter von 27 Jahren. Dies zeigen liesbe rnbt an Die trauernden Eltern Putzer Reinst. Fiedler nebst grau. Die Beerdigung findet am Frei- tag. nachmittags 3>/, Uhr, vo» der Leichenhalle de? Zbxdorser Gc- meindesriedhoseS, Martendorf erweg aus statt. 1970b Danksagung. Sage allen Teilnastmern bei der Beerdigung meines lieben MaiineS sowie für die reichen Kranzspenden meinen besten Dank. l9S9b /Harle Kwlecslnski. Hierdurch allen Bekannten, Freun- den und Verwandten die traurige Nachi icht, datz-mein lieber Mann. unser guter Pater, Schwiegervaier. Grotzvarer und Bruder, der Ra'ch- machcrmeister 1972b Ksrt Lehmann am 20 d. M. im 60. Lebensjahre verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten Dwe. lichinanii nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonn- tag. den 27. November, nachmtttagS 3 Uhr, von der Leichenhalle der Frerrel giösen Gemeinde, Pappel- Allee 15/17, auS statt. Bücher Refkauflagen- Gelegenhelksexemplare- Antiquarische Werte. -------- Alle Bücher sind gut gebunden.-------- Ztatiirwisseufchaftliche imd$tlfttvtxUe. Kölsche, Wilhelm, WaS ist die Natur? 1 Band, statt Mk. S.— nur Mk. l.SV — EutwilkelungSgeschichte der Nnfur. 2 Bände illustriert, statt Mk. iS,— nur Mk. 10,— — Aus der Schneegnibe. 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Jahrhundert Preis statt Mk. 2,— nur Mk.—.75 Zu beziehen durch alle vorwärtsspeditionea sowie von der Expedikion des Vorwärts, Lindenstraße 69, Laden. Danksagung. Sagen hiermit allen, welche meinem lieben Mann und unserem Vater, dem Schlosser.Alfrsd Garnbke aus seinem letzten Wege das Ehrengeleit gegeben, insbesondere dem Metall- arbeiterverband, dem Vorstand der Wagenbanerlasse und den Kollegen der Firmen Löwe und Jachmann meinen herzlichsten Dank. Dir trauernde Witwe Ida Gamble nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS, unsere» mite» Vaters sage ich hiermit allen Verwandten, Kollegen, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 18792 Frau EllKabcth jäschko nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen, reichen Kranz» spenden und Beweise herzlicher Ten- nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter Ottilie HerTOK sage ich hiermit allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Genossen Herrn Dorner der Bau» genossenschast„Paradies" für sein« trostreichen Worte am Sarge meinen herzlichsten Dank. Otto Herzog nebst Kindern. Dr.Simmel Spezial-Arrt* für Haut- und Harnlefden. Prtnzenslr. 41,«oSÄ 10—2, 6— 7, Sonntags 10—12. 2— 4 Verwaltune Kcrlln. Montag, den 28. November 1910: Mitglieder Nersammluugen Tischler, Bezirk Südosten II um 51/] Ahr(gleich nach Feierabend), im Itelchenberser Hot- Reichenberger Straße 147. TageS-Ordnung: I Bericht von der Generalversammlung. L. Unsere Rgltatlo». 3. B.rbandsangelegenheitc». 93/18 Kttchemnöbeltischler abendS 8 Uhr, im EnLlIscdon O'ai-ton, Alexanderstrafte 87c. Sitzmobelttscher abends 5'/, Uhr, im Gewerkschaftshaoae, Engelufer 15 (Saal I). Tages-Ordnung: 1. Liegt die Notwendigkeit einer Branchrnbildung dp»? 2. Berbaudsangclcgcuheite». Einsetzer. Montag, de» 88. November ILIO, abends 8 Uhr, bei Bockcr, Weberstrafte 17; Branchen» Versammlung. Tages-Ordnung; 1. Vortrag.— 2. Bericht von der(Seneralversammlung.— 3. Braucheuangelegenheite» und Verschiedenes. Iblv Kommlssloii, ttrbeitonodi iuris: Hof l. Amt 3, 1239. Aerwaltuuqssielle Beelin. Hanptdurcau: VdaritsstraSa 3. Hol III. Amt 2. 1937. Sonntag, den 27. November, vormittags 10 Uhr» Hllgemcine VerfammluiK aller In eiscnkonsfruhlions-ßlcrkttätten in den bekhäftioten Arbeiter n Sophiensälen, Sophienstraße 18. Tagesordnung: I. Vortrag de« Kollegen A. Cohen über?»Die SteuerpoNtlk und die Aulgnbcn der Geivertschasten'. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheltc» und Versch cdcneS. Da in dieser Bcrsammlimg über, die wirtschaftliche Lage der in den Eiscnlonstruktionsbetrieben beschäftigten Arbeiter beraten werden soll, ist seder Kollege verpsiichtet, zu erscheinen. Sonntag, den 27. November, vormittags 10 NHr: Verisani mlaus: der Aohrleger und Helfer Berlins u. llmg. im GeweikschaftshanS, Engelufer IS, Saal 4. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen S t ö r m e r über:„Vater Staat und seine Kinder". 2. Diskusfioii. 3. VcrbandSangelegenhelten. 4. Verschiedenes. Kollegen! Mit. Rücksicht ans die Wichtigkeit der Tagesordnung erwarten wir, dah jeder von Ihnen in dieser Versammlung anwesend ist. Da bei dem dritte» Punkt der Tagesordnung über verschiedene Branchenangelegen- heilen Bericht erstattet werden soll, muß für zahlreichen Besuch gesorgt werden. Tonntag, den 27. November, vormittags lOUHtt Allffenielae Versammlung der Fanrstnlilmonteure u. Helfer in den P«achtsälen der Bolkbraucrei, Chausseestr. 64. Tages- Ordnung: 1. Branchenangelegenheilcn. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelcgenheitm. Kollegen I Tut Eure Pflicht und erscheint vollzählig. Unseren Mitglieder» zur Kenntnis, dast Metall- arbeite»-Notizkalender für 1011 a 00 Pf. bei den Be- zirkskassierer» und im Bureau zu haben sind. Zahlstellen wurden neu errichtet bei W. Kalkbrenner(54), Ehristlnetv strabe 27, Di ich. Heinrich(190), Wrangeistr. 107. 126/1_ Die OrtSverwaltung. Gesehäfts-Erölfnung! Ich habe in der Trlftstr. 8(Ecke Gentorstr.) eine Schweine-Schlächterei u. Wurstfabrik eröfinet und bitte nm gütigen Zusprneh. 1852L Ich bemerke ausdrücklich, daß mein Geschäft mit der Firma Morgenstern n i o b t in Verbindung steht Hochachtungsvoll Otto Schützsack. a Ziehung S. Kl. 223. Kg!. Pfgtr�. tbfierte. Ziehung vom 24. November vormittags. (für die Gewinne über 540 Mark eind den betreffenden Nummern in Klammem beigefügt. (Ohne Gew&hr.)(Nachdruck verboten.) _ 1 S23 90 407 603 90 TOM] 764 R77 982(3000] 1151 B, 459 öio 84 603 357 43 95s Ol 2077 440 748 803 3181 91« d-SOO 307[500] 410 42[1000] 73 872€13 88 783 -HZ 5007[3009] 187 411 660[ 509] 96 755 6160 431 650 77 679 710 Sä 33 93 969 7185 323 620 877[1000] 8013[3000] 22 49[500] 94 503 60 631 87 760[599] 635 40 9007 18[ÖOO] 108 12 85 204[1000] 77 495 019 10063 120 24 3 310 61 73 671 1X071 114[1000] 66 S04 401 501 728 65 73 959 1 2079 96 107 99 403 13 42 690 636 73 737[500] 13228[1000] 371 779[ 3000] 855 T8[1000] 14939 4 9 254 595 1 5113[1000] 29 40 227 307 «94 551 947 1 6031 242 815 310 50 621 39 65 813 73 97 17087 181 286 614 1 8013 55 205 615 21 907 19029 61 418 91 2O019[1009] 175 549 789 2 1 263[1900] 389 668 704 72 803 2 2070 230 383 840 52 75 92 t 23032 115 71 216 604 89 2 4242[1000] 347[1000] 587[500] 25176 225 31 97[3000] 352 07 496 630 2 6063 144 956 393 433 59 620 747 76 853 911 27158 23? 331 404 «2 626 4 4 845 28102 95 097 715[1009] 608 887 29039 «7 1(6 303 463 544 629 710 899 906 3O014 96 143 52 204 93 97 306[3000] 66 413 682 772[SOOö] 909 2 7 3 1 036 57 150 650 820 945 32265 340 «6 69[500] 90 653 75 808 25 6 S 3305» 73 75 100 209 [500] 441 576 623[10000] 98 979[ 500] 34133 630 78 «47 768 3 5145 206 346 482[ 500] 551 830 3 6258 395 522 €15 TIS 909 20 87 3 7 032 114 458 701 86 841 930 3 8142 54 207 394 454 99 577 722 37 826 81 90 943 39163 80 «74 90 514 37 39 61 65 018 47[1000] 900 40967 SO[509] 318 658 4 1 053 73 94 101 539 56 •42063- 47 82 00[1000] 322 437 05[500] 709 4 3051 <5000] 58 822 606 60 4 4110 252 446[1000] 57 525 849 «5 978 4 5338 94 725 51[3900] 907 4 6220 24[500] «98[500] 524 28 40 4 7247 515 34[1000] 82 638 61 999 4 8 082 101 886 99 931 74 4 9 031 137 72[500] 98 227 S66 72 575[lOOO] 87[500] 658 87 896 904 5O0I4 463[1000] 530 657 71 758[800] 51074[1900] 76 122 40 94 212 20 622 853 5 2150[ 500] 366[MO] «0 449 582[500] 630 69 701 879 5 3 009 10[1000] 303 71 593 851 81 64042 204 414 56 609 686 5 5013 72 198 5 6012 215 64 320 80 86 451 603 88 5 7089 262 693 721 27 58237 Sil 566 79 92 607 933 59'.92 834 58 77 60036 02[500] 86 174 79 80 91 218 161 506 25 TOO «7 826 79 929 6 1 011 139 108 728 11 805 8 62 81 923 62318 86 519[500] 873 63127[500] 631 937 89 92 64372[ 500] 445[500] 878 05313[500] 84 618 829 82 66238 383 901 67209 19 307 29 95 669 6 8059 236 87 613 034 93 69151 248 529[500] 94[1000] 726 801 24 70081 289 437 700 68 917 7 1 073 210 381 640 52 727 831 7 2538 717 855 951 7 3054 809 933 42 74171 «60 731 39 41 75127[500] 84 69 81 369[599] 413 875 76163 217[500] 65 77 321 37[500] 426 664 7 7427 609 80 907[500] 76 7 8170 275 82 428 718 90 933[500] 79170 314 473 519 672 912 75 8O0I1[500] 121 26 304 67 047 64 83 799 872 960 8 1 036 137 391 53t 655 932 8 2105 278 355 630[10000] 65 861 926[3000] 83015 171-ZI 413 46 752 843 8 4172 [3000] 228 85 325 653 62 66 767[500] 823 8 5134 271 S59 403 76 621 716 82 939 91 86 289 03 352 406 35 47 «4[1000] 022 38 910 40 8 7123 08 246 416 651 8 8025 [3000] 151 68 89 403 080 673 766 89133 85 234 596 614 827 72(500! 9OI01[1000] 323 425 604 737 869 988 9 1 093 321 619 912 9 2162 407 534 749 910 57 60[500] 63 9 3 900 400 717 61 837 918 29 9 4112[500] 81 453 69 95119 310 572 673[1000) 706 83 853 tlOOO] 915 9 6226[1000] SIC 411 43 600[600] 653 87 705 978 7500] 97021 165 [3000] 611[300] 678 9 8279 84 400 358 9 9070 141 287 91 330 63[1(100] 772 823 30 100 10[500] 37 460 602 14 23 888[500] 959 71 10 1 066 521 31[500] 772 840[500] 953 1 02028 245 [500] 023 72 90 784 963 1O30S9 87 144 254 498 15 663 SCI SSO 104006 83 216 815 1 05175 252 81 91 S07 23 556 610 33 1 0 6 096 120 687 707 11 107092 182 87 217 41 57 64 06 90 353 618[1000] 992 108049 128 48[500] 432 63 788 609 82 1 09102 212 316 29 606 18 88 021 792[500] 949[1000] 110099 443 503 808 930 111017 211 89 461 514 [500] 76 762 822 39 112236 321 690 794 113045 165 €4 530 980 114023 46[3000] 194 203 351 803 71 115242 463 92 68 1 857 905 71 116037 510 630 814 909 94 117063 417[1000] 21 91 665 75[1000] 803 118140 215 883 934 119213 740 9 4 808 120110 20 256 378 677 932 1 2 1 337 93 401 11 501 24 1 22 425 2 7 63 602 732 870[1000] 90 1 23008 321 67 515 59 91 651 854 961 05 1 2 4065 152 776 1 25141 92 263[ 3000] 710 63 854 933 1 2 6 89 349 59 432 656 713 851 68 910 1 2 7 216 315 424 525[ 3000] 128196 268 440 565 70 1 29144 66[1009] 266 345 564 817 27 83 904 19 88 95[1000] 13 0 0 2 299 465 509 742 1 3 1 299 526 777 1 32129 453 571[1000] 747[500] 893 1 3 3077 154 217 433 61 577 96 6.2 726 802 988 1 3 4093 176 263[1900] 340 135105 15[1000] 807[500] 621 29 812 1 3 6047 65 SO» 556 97 607 51 13 7092 160 629 1 38128 224 446 [590] 562 746 88[500] 819 924[500] 82 139388[500l 639 60 637 992 140024 193 218 34 37 309 2« 723 815 1 4 1 363 865 434 1 4 2674 762 876 949 78 1 43280 448 306 88 79 722 «54 1 4 4046[1000] 95 211[509] 484[590] 988 1 4 5022 79 198 214 17 086»41 146096 335[500] 606 57 774 147013 103 SO 226 338 91 130001 489 531 635 42 700 56 TIS 7ZM TiBimSi M M' 135$* IM HTül(R. 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ODO 8 92 150169 334 767[590] 910 70 89 151266 439 657 074 1 32 265 473[500] 530 64 795 873 1 5 3 039 41 161 303 455 632 714 40[ 500] 96 1 5 4211 71 624 834 1 55118 [1090] 57 471 513 615 CG 75 897 1 5 6002 284 301 410 523 726 991 15 7362 42o 60 571 158101 233[500] 822 713 863 87 017 63 1 59245 307 681 97[1000] OOS 39 73 6G2 929 160145[1000] 86 257 526 604 756 72 908 H 16 1 442 568 019 27 712 814 904 1 62 033 35 44 210 (10001 402 709 88 918 25 80 1 63038 93[500] 43!) 642 970 1 6 4313[1000] 481 591 633 1 6 3084 697 1 6 8075 [500] 145 242 308 90 600 03 781 Ol 871 167028 16« 72 245 717 927 1 6 8075 260 448 1 69128 626 39 870 170196 210 352 655 783 903 1 7 1 482 087 869 949 68 1 7 2088 317 64 91 173181 761 814 58 1 74213 53» 943 1 7 5028 191 211 64 817 682 85 925 1 76240 64[500] 864 428 52 547 57 825 72 1 7 7021[1000] 312[500] 59 814 036 84 1 78189 215 6 0 331[1000] 63 735 66[1000] 893 008 81 179113[500] 438 733 15000] 18O060 193 218 33 863 586 680 715 66 1 8 108t 111 339 515[1000] 611[599] 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November nachmütag». ifur die Gewinno über 240 Mark Bind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. '(Ohne Gew&hr.)(Nachdruck verboten.) 19[3009] 469[1000] 92 890 906 1 027 171 240 418 %t2(3000] 619 77 SO 2042 145 279 563 654 911 3054 118 911[3009] 18[590! 4287 444 531 645 943 5236 67 406 79 729 6112 214 797[3000] 854 692 7160 294 96 894 833 8130 309 520 621[500] 915 79[1000] 9042 865 982 1 0050 91 853 11228 595 14 31 12032 201 20[500] «52[1000] 603 89 1 3077 283 541 654[ 500] 09 765 972 »14420 95 680 886 99 1 5033 103 537 931 16037 96 115 4 5 262 43 1 593 672[500] 784[lOOO] 98 17180 207 441 636 67 901 63 82 1 8134 471 628[1000] 894 950 19493 658 80 827 42[1000' 20169 431 554 58 732 814 92 2 1 002 41 214 41» 510 2 2021 117 292 560 65»[500] 06 907 2 3103 403 49[300] €25 903 23 2 4134 536 822 96 2 5 026 98 860 550 65 706 S2 973 2 8033[500] 50 128 85 87 276[1000] 42z[3000] 2 7032 273 353[1000] 508 60 64[ 500] 724 75 945 28095 563 021 24 791 807 83 89 954[ÖOO] 79 2 9055 88 211 49 624 603 747[SCOO] 73 845 3 0012 194(500) 225 43« 869[300] 94 921[3009] Q1191 95[1000] 462 543 821 62 3 2173 319 424 514 16 662 837 930 3 3104 44 22! 302[500] 432 681 973 3 404! 192 614 25 959 7»[500] 35071[500] 621 81 891 912 28 3 8150 262 7 4 632 912 3 7024 69 164 228 43[500] 86 354 589[.000) 608 4 4 855 3 8059 168 744 863 914 39113[SOCO] 272 849 736 47 40151(5001 79 313 482 726 994 4 1 319 42 617[590] 867 990 4 2 441 69 679 803 iuOOOJ 92 43126 741 66 912 [500] 44107 349 444 551 787 832 4 5292 592 780 4 6202 864 439 690 745 959 4 7263 391 588[1090] 896 48165 257[8000] 819 52 82 459 95 816 48 49152 7»«94 901 50026 134[500] 9» 629 228 61»23 889 51443 [3000] 507 18 72 763 941 52001 32 55 570 630 778 895 »73 53344 401 763[590] 870 85 5 4108 816 624 710 24 78 996 5 5 781 5 0316 416 875 82[3090] 904 67 57093 473 689 922 5 8109 312 46 93 486 749 66 804 978 5 9003 68 810 47 00120 897 64» 955 03 61143 423 508 924 61 81 62001 115 19 292 326 461 593 603 804 9 037 86 0 3058 874 955 64271 427 73[500] 631 80 92 889 6 3003 121 225 54[3000] 557 633 58[1000] 602 702 9 861 60057 28 167 293 344 548 616 716 95[500] 861[500] 85 520 67124 237 85[1000] 371 80 479 91 652 753(lOOO] 832 971 68111 201 362 411 624 53 023 6 9021 55-64 386 tlOOOl 716 629 99[1000] 7 0019 496 656 729[1000]«1 73 7 1 064[3900] 105 245 54 358[3(«i0] 697 718 20 93 833 943 7 2036 135 701 *3000] 848 73'I09 127 499 503 811 7 4 003 838 80,1 7 5 201 419 511 659 741 831 76132 235 354 564 88 7 7047 252 75[500] 88 667 633[500] 733 90 7 8-07 333 521 710 903 700.-7 189 4?3 705 976 8O056 87 158 227 366 643 852[lOOO] 953 8 1 065 116 82 234 404 539 89 796 993[SCOO] 82184 667 829 8 3022 81 41 120 78 148 563€61 8 4008 90 120 23 53 326 430 98 808 897 8 5 084 97 381 526 99 983 8 6108[1090] 63 333 47 472 855[500] 87011[1000] 120 57 406 26 77 603 69(1000) 971 8 8014- 454 92[500] 536 41[500] 638 89090 574 609 22 728[SOOO] 90[1000] 9 0008 24 233 807 9 1 001 813[ 500] 88 496 9 2232 639 715 21 32 82 899 995 9 3053 211 80 315 81 57[ 500] 69 71 646 57 874 94137 307 439 72 650 65[50 000] 936 95181 318 425 2 6 855 9 0009 98 479 518 815 98 937[590] 9 7053 319 173 585 709 9 8037 72 123 245 91 618 723 649[1000] 99 002 112 242 318 615 707 36 56 71 100047 308 604 93 727 826 55 1OX044 170[500] 277[ 500] 349 92 96 581 650 1 0 2 241 853 90 899 927 66 63 1 03191 228 302 413 50 754 67 96 845 942 1 0 4026 262[500] 416 813 40 964 1 05498 663 929 81 100 235 67 324 787 880 969 77 1 07154 210 09 451 912[1900] •108294 487[SOOO] 671 808 109310[500] 454 649 717 62 821 908 110425 713[1000] 41 82 954 111041 159 495 609 840 53 112023 440 579 771 954 113123 235 136 544 832 986 114040 834[1000] 36 227 446 665 901 47 98 115288 94 651 701[1000] 12 110110 83 339 81 478 730 117138[ 3000] 81 250 696 624 25[ 3000] 39 71! 43 61 «8[500] 118010 96 168 209 407[500] 99 637 45 94 707 900 8 119087 180[5901 221 93 337 650 87 701 5 12 0034 245 419 730 39 805 121019(10O0J 331 47 ««[1090] 414 771 12 2051 228 32 368 449 984 1 2 3 098 121 202 397 447 686 708 29 953 1 24122 25 356[1000] 601 848 1 2 5064 77 28« 480 571 74 807 58 1 2 0329 905 5 500) 06 1 27082 163 250 557 718 33(SCOOl 66 865 12 8216 845 418 771 129122 248 533 81 645 93 706 20 13 0921 38 277 637 972 1 31148 790 820 1 32-50 [509] 96 570 799 915 34 1 3 3092 140 723 835 936 63 80 134024 128 214 398 608 63 98 1 35149 65 478 632 76 875 1 30147 91 379 568 625 756 1 37010[1009] 174 221 482 624 53 898 943 1 3 3954 58 464 997 1 39016 325 420 603 flOOOl 18 28 920 14 0 219 24 329 547 1 4 1 229 42 624 815 911 79[3000] 89 142314 78[500] 556 661 723 606 1 43022 190 304 580 721 57 800 955 1 4 4018 38 167 209 339 434 505 652 [600] 624 73 938 1 4 5051 98 191 308 75 929 1 40105 22 (1000] 60 266 619 717 1 47024[500] 546 604 712 25 148 278- 29 408 78 822 02« 149037[600] 49 S44, 68 69 621 45 876 997[1900] 150133 41 881 413 614«44 SOS 27«48 151016 68 87 68 221 78[lOUOj 644 6 4 797 27»16[600] 7»[600] i52i5? 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Diese sollen teils im Bureau und teils tm Außendienst tätig sein. Bewerber, die mindestens fünf Jahre Mitglied sein müssen, werden ersticht, ihre Bewerbung bis spätestens Sonnabend, den 3. Dezember d. I., bei der biesigen Ortsverwaltung, mit der Aufschrift„Bewerbung" versehen, einzureichen. 125/20*_ Die Ortnrerwaltnng. Nach Bremen gesneht erfahrener SII�GIVlIflhUIClZCr Sambonriermaschinen Hole- meher, alleiniger Fabrilanl Bell- mann, Gollnowstrage 26, Preise billig. Abzahlung günstig.__ 8251t«1............................., Richard Barth, Berlin, gür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul für größere Gllkerw-reeiikakrUr. Dauemde selbständige Stellung und hoher Lohn zugesichert. Offerten unter W. 6561 an Wilh. Schellcr, Annoncen- Expeditton, Bremen. 289/12* Stellengesuche. Ein Steindrucker sür furze Zeit verlangt H. Bcmert, Cbarlottcnburg. 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Wir machen darauf aufmerksam, daß das Lokal uns nicht zur Verfügung steht. N.-B. In Nicder-Schöichauscu hält der MSnnergesangverein .Deutsches Lied" am 26. November rni Restaurant Schloß Schön» hausen ein Vergnügen ab. Auch dieses Lokal bitten wir streng zu meiden. In Nieder-Schönhanscn steht unS das Lokal„Gesellschastshaus" (Jnh. Karl Orths. Blankenfelder Str. 17. zu den altbekannten Bc< dingnngen zur Verfügung. Das Lokal.Schwarzer Adler", Blanken- selber Str. 4, hat den Besitzer gewechselt jetziger Inhaber Karl lllitz). Es steht nach wie vor zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. T.-B. Rixdorf. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit. daß die Passage- Festsäle bis jetzt der Partei und den Gewerkschaften noch nickt zur Verfügung stehen. Wir bitten Vereine und Gesell schasten. dies zu beachten. In Rudow bei Johannisthal stehen der Partei immer noch keine Saallokale znr Verfügung. Es wird deshalb gebeten, die Lokale von Rolle und Palm, beide in der Köpenicker Straße gelegen, zu berücksichtigen._ Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, den 27. November, abends 6V2 llhr, findei in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59, eine Versammlung statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Landtagsabgeordneten S t r ö b e l. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Entree inkl. Garderobe 29 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Pf. nach. Der Vorstand. Wiliiicrsdorf-Halcnsee. Die am Donnerstag im.Vorwärts" angekündigte Flugblattverbreitung zur Kinderschutz» ogiration findet für unseren Ort erst an einem späteren Sonn» tage statt; ebenso wird der am DienStag mit wichtiger TageS- ordnung statlsindenden Mitgliederve rsamnilung wegen die Volksversammlung erst später abgehalten. Der Vorstand. Tempclhof. Heute: Letzter Unterrichtsabend im«Wilhelms- garten". Schniargendorf. Heute Freitag abends 8>/z Uhr im Restaurant «Schiitzenhans", Huiitekehlestraße 20, öffentliche Gemeindcwählcr- verfammlung der 3. Klasse. Referent: Genosse Groger-Rixdorf. Brih-Buckow. Sonntag, früh 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus Flugblatt- und Handzcttelverbreitung. Der Vorstand. Obcr-Schöncwcide. Am Sonntag, den 27. November, morgens 8 Uhr, von den BezirkSlokalen Flugblattverbreitnng. Die Bezirksleitung. Nicder-Schöiihausen-Nordcnd. Am Sonntag, den 27. Noveniber, früh 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus Handzettelverbreilung für die an» Dienstag, den 29. Noveniber. stattfindende Bolksvcrsamln- lung. in der ReichstagLabgeord neter Dr. Ludwig Frank spricht. Die Bezirksleitung. Stralau. Am Sonntag, den 27. November, früh 8 Uhr, von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Die Mitgliederversammlung für November fällt aus. Mühlcnbcck(Bezirk Nicder-Schönhausen). Sonntag, den 27. No- Veniber, nachmittag 4 Uhr, im„Gasthof zur Sonne"(Inhaber A. Bärsch): Volksversammlung für Männer und Frauen. Tages- ordnung: 1.„Christentum, Kirche und Sozialdemokratie." Referent: Genosse Unger. 2. Diskussion. Die Nicder-Schrn, hauser Genossen treffen sich um 12 Uhr bei Schiisieler, Nordend. Die Bezirksleitung. Bernau. Am Sonnabend, den 26. d. M., abends S'/a Uhr, im Schützen Hause: Große Franenversammlung. Tagesordnung: Junker- Politik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen. Referentin: Frau Frida Wuiff-Berlin. Schenkeildorf bei Königs-Wusterhausen. Am Sonnabend, den 26.. d. Mts., abends b'/z Uhr, Mitgliederversammlung bei Otto Paetsch."_ Der Vorstand. ßcrlimr J�acbricbteiis Aus der Stadtlierordnetenversirmmlung. Dsii Veteranen von 1870/71, die am 1. Sep- tember 1910 in Berlin wohnten, will die Stadt eine kleine Ehrengabe in klingender Münze gewähren. Ob man's wirklich hochtrabeitd eine Ehrengabe nennen oder schlicht als Geschenk oder Unterstiitzuitg bezeichnen soll, darüber wurde gestern beinahe gestritten. Den meisten der Veteranen wird es wahrscheinlich sehr gleichgültig sein, gleichgültiger jedenfalls als die Fmge, wieviel nian ihnen geben will und wann man es ihnen geben wird. Ein Antrag des Stadt- verordneten M 0 d l e r forderte, daß hiermit nicht erst bis zum nächsten Jahre gewartet werde. Aber der Magistratsvertreter Stadtverordneter N a m s l a u wehrte ab, das liege außer- halb der Möglichkeit, weil im Stadtsäckel das Geld knapp sei. Genosse Borgmann wies treffend daranf hin, daß der Magistratsvertreter selber von der großen Zahl der Gesuche gesprochen hatte, die schon eingegangen seien. Da sei schnelle Hilfe doppelte Hilfe. Vorsteher M i ch e l e t meinte, es handle sich keineswegs um Linderung eines Notstandes. Die Ver- sammlung bewilligte die vom Magistrat geforderten Mittel und stimmte erfreulicherweise auch dem Antrag zu, daß die Zahlung an die Veteranen schon in diesem Jahre erfolgen möge.— Den Beamten undLehrern der Stadt soll es nur in Ausnahmefällen gestattet werden, außerhalb Berlins zu wohnen. Das ist eigentlich schon immer so gehalten worden, aber der Magistrat hat jetzt die Vorschriften in bestimmte Form gebracht und sie den Stadtverordneten zur Kenntnisnahnie vorgelegt. Zu beschließen hat du die Versammlung nichts, doch hält sie die Erörterung in einem Ausschuß für wünschenswert. Der Magistrat fand prinzipielle Zustimmung bei den meisten Gruppen der Versammlung, auch bei der sozialdemokratischen Fraktion, deren Gründe Genosse Borg mann vortrug. Mißbilligend sprach sich Herr M o m m s e n aus. Borgmann hatte erklärt, daß unsere Gc- Nossen die eigennützigen Absichten, die für die Hausagraricr maßgebend seien, selbstverständlich durchaus verwerfen. Das war für Herrn Cassel ein Anlaß, wieder mal zu erklären, daß seine Leute keineswegs einseitig die Interessen der Haus- bescher zu fördern suchen. Und Beifall spendeten ihm die— Hausbesitzer. Als dann auch Herr Mommsen die Haus- besitzer neckte— nur ein klein wenig, denn er meinte es nicht böse—, da kam es während einer nochmaligen Abwchrrede Cassels zu einem Krakeel, den ein wütender Zwischenruf Mommsens herbeiführte. Von besonderem Reiz war ein Zu- samnienstoß zwischen Cassel und dem Oberbürgermeister K i r s ch n e r, der durch gewiste Anspielungen sich persön- lich gekränkt fühlte. Doch Herr Cassel war im Recht, wegli I er beanspruchte, sogar de» Herrn Oberbürgermeister kritisieren � zu dürfen. 1 Zum Schluß gab es noch eine kleine Alkohol- debatte im Anschluß an den Magistratsantrag, den Pächtern der bisher alkoholfreien Restaurants im Treptower Park und im Viktoriapark fortan den Ausschank auch von Bier zu gestatten. Genosse Wurm warnte vor diesem Schritt, den der Bürgermeister Reicke mit der„Not" der Pächter zu entschuldigen suchte. In der Abstimmung wurde der Antrag des Magistrats abgelehnt, wobei die sozialdemokratische Fraktion den Ausschlag gab. Ein Psrrdcschlachthof soll auf dem Gelände des städtischen Schlachthofes erlichtet werden. Die Kosten sind auf 356 000 M. veranschlagt._ Aus dem Rathause. Der Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage über die Entsendimg von Kindern in Heil-, Heim- und Erholungsstätten hat am Mittlvoch nach zwei mehrstündigen Sitzungen seine Beratungen beendet. Unsere Genossen gaben sich alle Mühe, dem Ausschuß die dringende Notwendigkeit des sozialdemo- kratischen Antrages darzulegen, statt 50 000 M. wie die Magistratsvorlage, 200000 M. für die Zwecke der Entsendung zu belvilligen. Trotzdem ziffernmäßig nach- gewiesen wurde, daß gegenwärtig nach den amtlichen An- gaben der Armcndirektion 1708 schwächliche und kränkliche Kinder, die von den zuständigen Organen säintlich als„dringend notwendig' begutachtet waren, der Ueberiveisung harren, gelang es schließlich mit knapper Not, bei Stimmengleichheit 75 000 M. loszueisen. Die Bedingung der Magistratsvorlage, daß die Entsendung der Kinder nur in städtische Heimstätten erfolgen soll, wurde glücklicherweise gestrichen. Es wäre dies auch geradezu lächerlich gewesen, da diese Heinistätten nur 124 Kindern Platz biete und außerdem mit geivifsen Krankheiten behaftete Kinder, wie etwa mit offener Lungentuberkulose, dort keine Aufnahme finden. Wenn darauf hingewiesen wurde, daß es nicht notwendig sei. die teuren fremden Heitstütten zu benutzen, sondern daß man die Kinder in eigenen An- stalten unterbringen müsse, so ist dem durchaus beizupflichten. Unsere Genossen erkannten auch die Vorzüglichkeit der städtischen Heimstätten an, beklagten aber, daß derartige An- stalten zu wenig vorhanden sind. Dementsprechend wurde vom Genossen Dr. Wehl der folgende Antrag auf schleunige Vermehrung der städtischen Heimstätten gestellt und einstimmig zum Beschluß erhoben:„Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat um eine möglichst baldige Vorlage zur Errichtung größerer, einfach ausgestatteter Wald- erholungsstätten, ähnlich wie die bestehenden Heinfftätten, für kränkliche, schwächliche sowie für lungenkranke Kinder ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes, die das ganze Jahr hindurch geöffnet sind."— Bei der Erörterung dieser Frage wurde dem Ausschuß vom Herrn Kämmerer ein u n- erhörtes Stückchen Mißtvirtschaft, wie sie in der Armenverwaltung besteht, vorgeführt. Man erfuhr hier, daß von den 100000 Mark, die zur Ent- sendung von Kindern in Heil- und Erholungs- statten im Etatsjahr 1910 bestimmt waren, 72 800 M. verwandt waren zur Begleichung von Rechnungen aus dem Jahre 1909! Anstatt, daß die Annenverwaltung, wenn sie mit den für das Jahr 1909 ausgeworfenen Geldern nicht ausreichte, mit einer entsprechenden Nachtragsforderung gekommen lväre, hat sie die Rechnungen anstehen lassen und erst in diesem Jahre aus dem ihr für die Zwecke der Entsendung im Etatsjahre 1910 zur Verfügung gestellten Fonds bezahlt. In diese peinliche Lage wäre die Annenverwaltung allerdings nicht gekommen, wenn man ihr im vorigen Jahre nach dem Antrage unserer Genossen 175000 M. statt der von der Mehrheit der Stadt- verordnetenversamnilung bewilligten 100000 M. zur Verfügung gestellt hätte. Diese 72 800 Mark sind nun Hundert en und Aber Hunderten unglücklicher Kinder in diese ni Jahre vorenthalten worden!_ Zur weiteren Einfiihrnng des Automobil-FeuerlSschvetriebeS sollen auch auf dem Grundstück der Feuerwache Paukstr. 1 bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Entwurf und Kostenanschlag hierzu über 23 500 M. fanden ebenfalls Genehmigung. Mit der Eingewcindiing vvn Treptow nach Berlin und dem Plane, eine Schnellbahn durch die Kiefholzstratze nach dem Görlitzer Bahnhof— Dönboffplatz— Lehrter Bahnhof zur Hebung der Verkehrs- not zu erbauen, beschäsiigle sich am Mittwoch abend eine vom Ver- ein Berliner Grundeigenlümer„Süd-Ost" nach dem Köpemcker Hof, Köpenicker Stratze 174. einberufene, auch von Treprowern besuchte Versammlung. Der Vorsitzende, StadtverordneterJJden und Notar Aehnelt, hielten Vorträge zu diesen alluellcn Fragen, die zu einer lebhaften Debatte führten, an der sich auch Treptower bc- teiligten. Nach einer längeren Erörterung lourde ohne Widerspruch beschlossen, den Magistrat Berlin dringend zu ersuchen, nochmals mit Treptow und de» Staatsbehöroeu wegen der Eingemeindung von ganz Treptow oder des grötzten Teils von Treptow im Interesse der Entwickelung beider Gemeinden mit mög- lichster Beschleunigung zu unterhandeln und, falls diese Ein- gemeindung zustande kommt, für eine Schncllbahnverbindung Treptow— Dönhoffplatz usw. zu sorgen. Für den Fall aber, daß eine Eingemeindung von Treptow aussichtslos sein sollte, wurde der Wunsch ausgesprochen, den Treptoioern entgegenzukommen, natürlich unier der Voraussetzung, daß die Gemeinde Treptow und die Jnter- essenten dann auch da» Risiko für den Vau der Schnellbahn über- nehmen._ Volkszählung und Religionsbekenntnis. Am t. Dezember dieses JahreS findet wiedernm eine allgemeine Volkszählung statt. Dabei dürfte eö von hohem Werte sein, außer allen anderen Angaben auch über die Religionszugehörigkeit der Volksgenossen ein möglichst genaues Bild zu erhalten. Zebntausende haben in den letzten Jahren ihre» Austritt aus dem Christentum oder dem Judentum vollzogen. Viele derselben bezeichnen sich als„Dissidenten". Dissidenten sind aber alle nichtlandes- kirchlichen Sektierer wie Adventisten, Baplisteu. Methodisten auch, und niit diesen zusammen versetzt das Statistische Amt alle„Dissidenten" in die Rubrik„sonstige(oder andere) Christen".— Wer der Kirche den Rücken kehrte, hatte doch seine Gründe dafür, es kann ihm also nicht gleichgültig sein, noch immer dazu gezählt zu werden. Um sich davor zu schützen, mutz man in die betreffende Rubrik deS Zählblattes das Wort„konfessionslos" schreiben. Angehörige freier Gemeinschaften können antzerdcm noch in Klammer deren Bezeichnung(freireligiös, Monist, Humanist usw.) schreiben, die matzgebende Bezeichnung stst aber da» zuerst zu schreibende Wort »konfessionslos"._ , Mit Brownings bewaffnet vor den Friedhöfen. Uns wird ge- schrieben: Am letzten Sonntag, dem Totensonntag, wanderten Taufende die Hermannsiratze(Rixdorf) entlang nach den Friedhöfen. Viele Teilnchmcr mutzten die unaNgehme Erfahrung machen, datz vor den Begräbnisstätten Schutzleute postiert waren, teilweise sogar Doppelposten. Es ist dies ja nickns Ungewöhnliches, man ist leider daran gewöhnt, bei allen möglichen und unmöglichen Anlässen von der Polizei beaufsichtigt zu werden. Was mich aber empörte, war die Ausrüstung derselben; ein jeder war mit dem vorzüglichen Browning bewehrt. Man mag über das Schietzeisen der Polizei, über die Zweckmätzigkeit usw. desselben verschiedener Ansicht sein, an diesem Tage und bei solchem Anlaß lvirkle es beleidigend, pielätlos, brutal. Auf den Friedhöfen Gottesdienst, wo von den Geistlichen auf die Bedeutung des Tages mit Betrachlungen auf den Tod hingewiesen wurde, beim Verlassen des Friedhofes der Schutzmamis-Doppelpoften mit den. Browning..._ Lcichcnfund in der Havel. Da» geheimnisvolle Verschwinden des an der hiesigen Hochschule für die bildenden Künste studierenden Kunstmalers Paul Rehberg hat jetzt, wie eS scheint, seine Ausklärimg gefunden. Gestern früh wurde am Burgwall bei Spandau die Leiche eines jungen Mannes aus der Havel gezogen, von dcm man glaubt, datz er mit dem vermitzten Studenten Rehberg identisch ist. Die Leiche war bereits so stark in Verwesung übergegangen, datz sie vorläufig noch nicht mit Sicherheit rekognosziert werden konnte. Der Tote trug eine Studeulenmütze uud einen Uhrzipfel mit studentischem Abzeichen bei sich. Im Nacken wies die Leiche eine Verletzung auf, die möglicherweise von einem Stich herrührt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, datz die Verletzung von dem Schraubenflügel eines Danipiers hervorgerufen worden ist. Die Spandauer Polizei steht auf dcm Standpunkt, datz Rehberg das Opfer eines Unfalles gelvorden ist. Bon einem rinsiürzcndcn Bretterstapel getötet. Einen furchtbaren Tod fand gestern nachmittag der Arbeiter Anton Nialkaf aus der Soraner Stratze 4. N. war bei der Firma Wcitzenhagen, Canner Chaussee 143, beschäftigt. Als er gestern auf dem Gerüstplatz zu tun hatte, stürzte in nächster Nähe plötzlich ein zwei Etagen hoher Bretterstapel ein. N., der dicht daneben gestanden hatte, wurde unter de» einstürzenden Trünimern vollständig begraben und er- schlagen. Al» hinzuspringende Arbeitskollegen zu Hilfe eilten war es zu spät. Nur noch den bis zur Uiikeumlichkeil zermalmten Leichnam des N. verniochten sie aus den, Trüminerhaufen hcrauSzu- schaffen. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Im Namen der Ordnung. Ein Arbeiter teilt uns folgendes Erlebnis mit: Am Montag, den 21. Noveinber, ging ich früh 7 Uhr nach der Speiiehalle um Kaffee zu trinken; man kann dort 10 Pf. sparen. Um'/«S Uhr wollte ich mich zur Arbeit begeben, als ein Heer von Kriminalbeamten erschien und uns alle ansforderte, nach der Wache zu gehen. Wir mutzten alle folgen; es waren uggefähr 60 Mann. Auf der Wache wurden lvir einem Verhör unterzogen und dann zum Präsidium gefahren. Dort wurden wir nochmals alle aufgerufen. Ich meldete mich zum zweiten Male und sagte, daß ich feste Wohnung und feste Stellung hätte, aber trotzdem wurden wir nach den Zellen abgesührt, als ob wir alle Verbrecher wären. Um 1 Uhr bekamen wir Kaffee und ein Stück Brot. Dann wurden wir nach Abteilung V geschafft, wo lvir stehend oder sitzend verweilen mutzten. Da ich einer der letzten war, kam ich erst um sechs Uhr daran und wurde nach kurzem Verhör freigelassen. AIS ich am anderen Morgen um 7 Uhr znr Arbeit komme, sagt der Meister, ich habe für Sie zwei andere eingestellt; hier haben Sie Ihre Papiere und Ihr Geld. Ich mutzte natürlich, da wir eintägige Kündigung aus- gemacht hatten, soiort gehen. Dadurch habe ich nun eine gute Arbeit verloren. Als ich zur Polizei ging, wurde mir mitgeteilt, datz es in solchen Fällen Entschädigung nicht gebe, ich solle doch nicht in eine solche.Kaschemme" gehen. Und alles das geschieht im Interesse der Ordnung! Gegen die langen Hutnadeln wendet sich folgende Bekannt- machung des Polizeipräsidenten:„Seit längerer Zeit ist die Beobachtung gemacht worden, datz viele Damen ihre Hüte auf dem Kopse durch lauge Nadeln befestigen, deren Spitze» über den Hutrand heranSragen. Diese Hurnadeln bilden im Stratzen» verkehr, besonders innerhalb der Slratzenbahnwagen, für alle, die in der Nähe der Trägerinnen solcher Nadeln kommen, eine schwere Ge- fahr, und es sind auch tatsächlich bereit» mehrfach Anzeigen über Verletzungen, die durch Hutnadeln infolge plötzlicher Kopsbewegungen verursacht sind, bei mir eiiigegange». Ich sehe mich daher im Interesse der öffentlichen Sicherheit veraulatzl, die Damen zu er- suchen, derartige langhcraussteheude Hutnadel» entweder ganz zu vermeiden, oder wenigstens deren Spitzen durch schiitzende Hülsen, ivie sie hier in den Geschäften feilgeboten werden, zu bekleiden und so unschädlich zu machen. Ich daif wohl erwarten, datz es nur dieses Hinweises bedarf, um der gefährlichen Unsitte zu steuern, und es mir erspart bleiben wird, anderweite Polizeiliche Matzuahuien da- gegen zu ergreifen." Kirchenwahlc» unter polizeilicher Ncicrwachuiig scheinen nicht alle Tage vorzukommen. Das war aber gestern der Fall, als es sich um jüdische Gcmeindewahlen handelte. In dieser Gemeinde führen die Orthodoxen und Liberalen eine heftige Fehde. Ganz wie in öffent- lichen polirischen Versammlungen satz in einem Wahllokal in der Burgstratze an einem besonderen Tischchen ein Polizeiicutnant als .Aussichtsbehörde" in voller Uniform. Ein Unhold'auf der Wpnnsecbahn. Ein gemeingefährlicher Mensch trieb gestern abend aus der Waimseebahn sein Unwesen. Er fuhr fortwährend auf der Strecke Berlin-Steglitz und setzte sich nur in solche Nichtraucherabteile, in denen sich einzelne Damen befände»', Bor deren Augen beging dann der Bursche die obscvnsten Dinge. Er entblöhte sich und zwang die Frauen, ihm bei dem schamlosesten Treiben zuzusehen. Leider hatten die meisten der Betroffenen nicht den Mut, den frechen Menschen feststellen zu lassen. Erst als eine der Damen zwischen den Stationen Friedenau und Steglitz die Not- leine zog, konnte die Festnahme deS Unholdes erfolgen. In dcm Unhold ermittelte man einen Händler Knappe aus Schlachtensee. Selbstmord eines Studenten. Durch zwei Nevolvccschllsie nahm sich gestern abend der 26jährige Student der Rechte Walter Holländer, der einzige Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen Berliner Bankiers, das Leben. Der junge Mann wohnte bei seiner Mutter in der Jagowslr. 10 in der Kolonie Grunewald. Vor einiger Zeit knüpfte er mit einer Dame ein Liebecverhällnis an, das aber vor wenigen Tagen plötzlich eine Trübung erfuhr. Der Kummer hierüber liefe in ihm den Entschluß reifen, gewaltsam aus dem Leben zu scheiden. Ein Znsammcnstoß zweier Stcaffenbahnwagcn ereignete sich vorgestern nachmittag gegen 4 Uhr an der Ecke der Acker- und Feldstratzc. Dort stieß der Wagen der städtischen Stratzcnbahn mit ziemlicher Wucht gegen die rechte Seitcnwand des die Kreuzung passierenden Motorwagens Nr. 1680 der Linie 3 der Großen Ber- liner Srrahenbahn, der mit der Hinterachse aus den Schienen gc- hoben wurde. An dem angefahrenen Wagen wurde eine große Seitenscheibe eingedrückt, der Tritt abgeriffcn und die Perronstütze und die Achse verbogen, während der Waggon der Siemens- und HalSkebahn leichtere Beschädigungen davongetragen hatte. Glück- licherwcise sind bei dem Zusammenstoß Personen nicht verletzt worden, obwohl beide Wagen gut besetzt waren. Die Passagiere, die bei dem Anprall von ihren Sitzen geschleudert wurden, kamen mit dem Schrecken davon. Ein Opfer der Klatschsucht ist die 46 Jahre alte Frau Ida deS Steindruckereibesttzers Bredel aus der Prinzessinnenstr. 3 geworden. Die Frau geriet in Klatschereien hinein, die seit einiger Zeit in Iljten Bekanntenkreisen getrieben wurden. Sie nahm sich diese Dinge endlich so zu Herfen, daß sie aus dem Leben zu scheiden beschloß. Während sich gesiern morgen um L'/z Uhr ihr Mann in seiner Druckerei und ihre 18jährige Tochter, die Berkäuferin ist, im Geschäft befanden, sprang sie aus dem Flurfenster des vierten Stockes, das neben ihrer Wohnung liegt, auf den asphaltierten Hof hinab. Sie verletzte sich so schwer, daß sie nach fünf Minuten verschied. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Eine furchtbare Neberraschung wurde gestern abend der Ehefrau deS 39jährigen Mechanikers Franz Schultz, Soldwer Str. 71. bereitet. Als Sch. von der Arbeit heimkehrte, kam es zwischen ihm und seiner Frau zu einem erregten Austritt wegen Familienangelegenheiten. Frau Sch. entfernte sich dann, um mit ihrem jüngsten Kinde zum Arzt zu gehen. Daheim wieder angelangt, klingelte sie vergeblich an der Korridortür. Als sie sich gewaltsam Eintritt verschafft hatte, fand sie ihren Mann zu ihrem Entsetzen am Spiegelhaken erhängt auf. Sch. hatte sich in der Zivischenzeit das Leben genommen. Dem Treiben eines Kluitionsschwiudlers hat die Kriminalpolizei wteder einmal ein Ende gemacht. Der 39 Jahre alte Paul Kerkau dsiib schon seit Jahren i» einem fort beim„Gründen". Er bildete Em- und VerkaufSvereiniguuge», die bald dieses, bald jenes ver- treiben sollten. Zuletzt handelte es sich um einen Nasierapparat. Zustande kam jedoch keine Gründung. Kerkau beschränkte sich vielmehr darauf, Leuten, bei denen er Geld witterte, seine Pläne auseinanderzusetzen und sie gegen Bürgschaft als Kassierer, Buch- Halter. Lageristen, Rechercheure usw. anzunehmen. Seine Rede- gewandtheit wurde wirksam unterstützt durch eine schöne Ein- richtung, die sein Bureau und die dahinter gelegene Wohnung zierte. Wenn die Leute nichts zu tun bekamen, mißtrauisch wurden und ihr Geld zurückverlangten, so gab er bald diesem, bald jenem einmal fünf oder zehn Mark zur Beruht- gung. Plötzlich verschwand er dann, ohne die Miete bezahlt zu habe». Auch die Hauswirte hatten das Nachsehen, denn die Ein- richtung gehörte anderen Leuten, denen sie verkauft oder verpfändet war. Der Schwindler tauchte bald wieder anderswo auf, fing von neuem an zu.gründen" und brachte es so fertig, auf Kosten anderer stets auf großem Fuße zu leben. Endlich wandten sich einige An- gestellte an die Kriminalpolizei, die jetzt das ganze Treiben aufdeckte und Kerkau hinter Schloß und Riegel brachte. In der MaSke eines GlasermeisterS brandschatzt seit einiger Zeit ein Schwindler, ein wiederholt bestrafter 41 Jahre alter Glasergeselle Karl Kundtmann, kleine Geschäftsleute und Ver Walter von Häusern, in denen Glasermeister wohnen. Er kommt meistens gegen Abend, erzählt, daß sein Sohn eine Scheibe zer schlagen habe und daß er sich von dem in dem Hause wohnenden Kollegen 20 M. habe leihen wollen, den Meister aber nicht ange troffen habe. Unter dieser schwindelhaften Vorspiegelung ver- anlaßt er dann die Leute, ihm das Geld zu leihen und verschwindet mit der Beute. Ein schwerer Straßendahnunfall ereignete sich gestern nachmittag in der Turmstraße. Als die 33 jährige Frau Türke, Stralaucr Platz ö/? wohnhaft, vor dem Hanse Nr. 73 des genannten Straßen zuges die Straße überschreiten wollte, wurde sie von dem Motor- wagen 2234 umgestoßen und kam neben dem Gleise zu liegen. Die Verunglückte erlitt einen Schädelbruch und schwere Gehirnerschütterung und wurde in einer Droschke nach dem Kranlenhause Moabit über- geführt. Eine größere BerkehrSstöruilg gab es gestern nachmittag in der Umgebung des Hackeschen Marktes. Sie entstand dadurch, saß vor dem Hause Neue Schönhauser Straße 14 ein Spanndraht der Großen Berliner Straßenbahn riß und mit der Rosette, die im Mauerwerk des bezeichneten Hauses befestigt war, auf die Straße stürzte. Hier- bei wurde ein Geschäftswagen der Maschinenhandlung von Herinann Lenibke i» der Münzstraße 27 umgeworfen. Um das Verkehrs- Hindernis zu beseitigen, wurde auch die Feuerwehr herbeigerufen. Personen sind bei dem Unfall nicht verletzt worden. Der Slraßen- bahnverkehr wurde während der Reparaturarbeiten in der Neuen Schönhauser Straße eingleisig aufrecht erhalten. Metallarbeiter! Beim Kunstabend der Norden-Bezirke am Sonn- abend, den 19. November, in den.Germaniasälen", Chausseestr. 119, sind folgende Gegenstände gefunden worden: 1 Damenportemonnaw mit Inhalt, 1 Dameuhandschuh, 2 Damcukämm», 2 Zirkusbillelts, 1 Taschenspiegel. Abzuholen im Verbandsbureau, Charitöstr. 3, Zimmer 1. Feriter ist eine Krawattennadel mit roten Steinen'Kleeblatt) verloren gegangen! bitte dieselbe, wenn gefunden, abz�cben. Die Siingcrabttiluiig I Süd-Ost(Gau Berlin! und Männerchor Köpenick veranstalten am Sonntag, den 27. November 1919, in der Brauerei FriedrichShmn eine Mnsikaufführv"� unter Mitwirkung der Konzert- und Opcrnsängerin Frau Emmp b. Holstein aus Kopen- Hägen, Biolinkünstlerin Frau Bianca Becker-Samolcwska, Herrn Prof. Otto Becker, Orgel- und Flügelbegleitung, Chonneister Herr Paul Kurz. Anfang 9 Uhr. Eintritt 69 Pf. Vorort- Ffocb richten. Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich am Mitr- tvoch— abgesehen von einer Reihe kleinerer Vorlagen— zunächst mit dem Bericht des Ausschusses über die Vorlage betreffend Auf- Hebung der Gemeindebeschlüsse über den Bau einer Zentral- ma rkthalle an der Niebuhrstraße. Entsprechend dem Antrage des Ausschusses beschloß die Versammlung die Aufhebung der früher in dieser Angelegenheit gefaßten Beschlüsse und die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Prüfung der Frage der Errichtung einer Großmarkthalle Auch die Sozialdemokraten traten für diese An- träge ein, obwohl sie. wie ihr Fraktionsredner Klick betont«, nicht verkennen, daß das Terrain an der Niebuhrstraße wegen seiner zen- tralen Lage für den Bau der Markthalle geeigneter sei als das in Aussicht genommene Terrain am Neuen Fürstenbrunner Weg. Andererseits aber müßten sie zugeben, daß das Terrain an der Niebuhrstraße nicht ausreiche. Ueber die Frage der Errichtung einer Großmarkthalle brauche man sich hier den Kopf nicht zu zer- brechen, das werde Sache der Deputation sein. Er müsse aber be- tonen, daß sich eine Großmarkthalle niemals rentieren werde, wenn nicht auch ein Detailhandel damit verbunden ist. Eine lange Debatte rief die Beratung der Vorlage über den Erlaß eines Ortsstatuts gegen die Verunstaltung der Ortschaft hervor. Namens der Sozialdemokraten sprach Zietsch, der den: Bestreben des Magistrats, der Banausität und der Geschmacklosigkeit in der Architektur entgegenzutreten, volle An- erkennung zollte. Er erklärte, daß seine Freunde grundsätzlich keine Gegner eine» solchen Ortsstatuts sind, daß es aber fraglich sei, ob der beabsichtigte Zweck damit erreicht wird. Es komme darauf an, Städtebilder zu schaffen, die den Bedürfnissen der Neuzeit und auch dem Geschmack gerecht werden. Dazu genüge es aber nicht, daß der Wille in der Stadtvertretung vorhanden ist, sondern auch der Geschmack des Publikums müsse sich anpassen, er wachse aus der Zeit heraus. Vor� allem sei notwcirdig ein gewisses Gemein- empfinden, ein Gemeinsinn der Bürger. Auch den könne man nicht durch Ortsstatut schaffen, sondern auch er müsse herauswachsen aus den allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen. Den Sozialdemokraten liege weit mehr als eine Fassadengestaltung in künstlerischer Beziehung ein gesundes Bauen am Herzen, aber davon stehe im Ortsstatut nichts. Wenn der Magistrat wirklich eüvaS Gutes schaffen wolle, dann würden die Sozialdemokraten gern mit Hand anlegen.— Die Debatte endete mit der Ueber- Weisung der Vorlage an einen Ausschuß, dem als Vertreter der Sozialdemokratie die Genossen Klick und Zietsch angehören. Die Vorlage des Magistrats betreffend die Verstärkung des Dispositiolisfonds zur Verwendung minderwertiger Ar. beitskräfte gelangte zur Annahme. Auch die Sozialdemokraten stimmten schließlich dafür, obwohl ihr Vertreter Genosse Zietsch_ Leräntwortlicher Äedakteur Richard Barth, Berlin. Aür den Jnseratenteilherantw, ein« Reihe von Bedenken gegen diese Art von Sozialpolitik geltend machte. Vor allem betonte der sozialdemokratische Redner, daß es nicht anginge, unter Notstandsarbeiten solche Arbeiten zu verstehen, mit denen die minderwertigen Arbeitskräfte beschäftigt werden. Gegen diesen Begriff der Notstandsarbeiten, wie er sich in der Vor- läge des Magistrats finde, müsse er Protest erheben. Von weiteren Vorlagen, die teils ohne, teils nach unerheblicher Debatte zur Annahme gelangten, seien erwähnt die Vorlagen be- treffend Bewilligung einer Beihilfe von 19 999 M. an den Verein Hoffnungstal und dctreffend Erweiterung des Rat- h a u s es. Eine Reihe von Anträgen aus der Mitte der Versammlung, darunter ein sozialdemokratischer Antrag betreffend die Errichtung eines Gemeindefriedhofes, werden auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt. Die Charlottenburger Schlächterinnung gegen Maßnahmen zur Linderung der Fleischnot. In seiner Beantwortung über die Interpellationen betreffend Maßnahmen zur Beseitigung der Fleischnot hatte der Charlottenburger Magistrat den gemeinsamen Bezug von dänischem Fleisch für die städtischen Arbeiter in Aus- ficht gestellt. Dieser Beschluß soll jetzt in die Tat umgesetzt werden. Darüber ist die freie Schlächterinnung höchst erbost, die Jnnungs- Mitglieder wollen nicht einmal den Verkauf des Fleisches über- nehmen. Nach längeren Vorverhandlungen mit dem Magistrat haben sie den Verkauf dänischen Fleisches an städtische Arbeiter rundweg abgelehnt und dem Magistrat den schweren Vorwurf ge- macht, daß er dadurch das so„schwer bedrängte" Schlächtergewerbe schädige, anstatt, wie es seine Pflicht sei. die Schlächter„in dieser uns alle an den Rand der Leistungsfähigkeit bringenden Zeit" zu unterstützen, damit die Schlächter„als nicht zu wenig Steuern zahlende Bürger nicht ganz lahmgelegt würden". Weiter hat die Innung„festgestellt", daß die Konkurrenz schon dafür sorgt, daß die in Charlottenburg fast in jeder Fleischerei verlangten Fleisch- waren bester und besserer Qualität schon jetzt mit ganz beschei- denem Verdienste, oft aber sogar mit Verlust abgegeben werden, und schließlich sprechen die Schlächter die Ansicht aus, daß die Maßnahmen des Magistrats das Ansehen ihres Gewerbes schädigen und daß ihnen dadurch das Vertrauen der Mitbürger entzogen wird, sie bitten deshalb, das Fleischergewerbe nicht durch Einrich- tung städtischer Fleischverkaufsstellen zu schädigen und zugrunde zu richten."— Es ist einleuchtend, daß alles das, was die Schlächter gegen die Maßnahmen des Magistrats vorbringen, nichts als leere Redens- arten sind. Geradezu lächerlich ist es, wenn sie in einer Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung behaupten, daß das dänische Fleisch minderwertig sei und daß der Magistrat es nicht billiger verkaufen könne, als die Schlächter selbst die besseren inländischen Fleischwaren abgeben, wenn der Magistrat nicht auf Kosten der Bürger tausende und abertausende Mark dabei zusetzen will. Wenn es in der Eingabe weiter heißt, daß in vielen anderen Städten das Nutzlose eines solchen Unternehmens städtischerseits schon festgestellt und wieder davon Abstand genommen ist, so be- weisen die Jnnungsmeister damit, daß sie von den wirklichen Ver- Hältnissen keine Ahnung haben. Gerade da, wo sich städtische Be- Hörden zur Linderung der Fleischnot emporgeschwungen haben, sind die Schlächter bald gezwungen worden, mit den Preisen herunterzugehen, und den Vorteil hatte naturgemäß die Bevölke- rung. Die Charlottenburger Schlächterinnung unterstützt durch ihren Protest lediglich den Fleischwucher und gießt den Agrariern Wasser auf ihre Mühle. In eine recht eigenartige Lage kommt dadurch, nebenbei be- merkt, die liberale Fraktion, die bei der Besprechung der Jnter- pellation über die Fleischnot sich wer weiß wie volksfreundlich ge- bürdete und nun zu ihrem Schmerz sehen muh. daß der erste Unterzeichner der Petition der Schlächterinnung, Herr Gott- helf Paschke, Obermeister und neugewählter Stadtverordneter ist, der von den Liberalen als Kandidat auf den Schild erhoben wurde. Für diesen Mann haben aus Ver- anlassung der Liberalen die unteren Beamten Charlottenburgs ge- stimmt. Vielleicht sehen die Wähler nun ein, was für eine Dummheit sie gemacht haben. 300 000 Einwohner hat Charlottenburz am 23. November nacki der Fortschreibung des Statitstischen Lmteö erreicht. Im Jahre 1875 war es eine Mittelstadt mit 23 009 Einwohnern, 1894 wurde das erste Hunderttausend überschritten, bereits acht Jahre später hatte sich die Einwohnerzahl verdoppelt und wieder nach acht Jnhren ist nunmehr daS dritte Hunderttausend erreicht. Charlottenburg steht nach Einwohnerzahl jetzt an zwölfter Stelle unter den deutschen Großstädten. Die Mitglieder des Magistrats haben dem„Jubiläumsbürger" ein Geschenk in Gestalt eines Sparkassenbuches überreicht, daS dem Vater des Neugeborenen mit Glückwünschen übergeben ist. Ichöneberq. Der Bortrag über Einführung in die moderne Gcscllschaftslehre findet nicht, wie gestern mitgeteilt wurde, Donnerstag, sondern am beutigen Freitag abends 8Vz Uhr bei Grosser, Martin-Luther- straße 31 statt. Der erste BolkSuntcrhaltimgSabend der Stadt Schöneberg ist diesmal der Kammermusik gewidmet und findet Sonnlag, den 27. November, abends 7 Uhr, in der Aula der Hohen- zollernichule, Belzigerstraße, Ecke Eisenacher Straße, statt. Billette ,uin Preise von 30 Pf. sind bis Sonnabend abend in der Spedition, Martin-Luther-Str. 51, zu haben. Rixdorf. DaS Borgchen der Polizei gegen die Freie Turnerschaft Nixdorf Britz charaklerisicrt sich immer mehr als eine finnlose Drauf- gängerei, die um so sonderbarer wirken muß. wenn sie im Auftrage der Negierung vor sich geht. Vorgestern abend war, wie uns berichtet wird, in dem Fabrikgebäude von Laborenz. Knesebeckstraße, eine fliegende Polizeiwache untergebracht, um das Turnen der zweiten Schiilerabteilnng deS genannten Vereins im Lokale von Felsch, Knesebeckstraße, mit Gewalt zu verhindern. DaS Turnen fiel aus, dafür fand eine Märchcnvorlcsung für Kinder und deren Eltern statt. Die Sache hatte gerade be- gönnen, als die Kriminalpolizei, bestehend aus neun Mann, gefolgt von einem Polizeileutnant und einem Schutzmann, den Saal betrat. Der Leiter der Versammlung machte darauf aufmerksam. daß eS sich um eine private Veranstaltung handele, zu der die Polizei keinen Zutritt habe, er forderte daher die Polizisten auf. den Saal zu Verlasien. Dies taten die Hüter des Gesetzes nicht. Sie verlangten vielmehr, daß ihnen der Name eines Turnleiters an- gegeben werde. Es erfolgte die Antwort, daß es ja kein Turnabend sei, sondern eine Märchenvorlesuug. Tarauf wurde der Leiter der Versammlung notiert und die Kinder aufgefordert, den Saal zu verlassen. Die mitgekommenen Eltern weigerten sich, darauf wurde der Saal mit Gewalt geräumt und einzelne Frauen und Männer, die mit ihren Kindern nicht gehen wollten, verhaftet. Bis nach 8 Uhr belagerte noch ein Polizeiaufgebot von neun Schutz- leuten das Lokal, damit niemand mit Kindern mehr in den Saal gelangen sollte. Selbst Lehrlingen wurde das Betteten des Lokals nicht gestattet. Angeblich weil es sich um eine politische Versamm- lung bandele, wie der Wachtmeister erklärte. Erst der Reklamation des Versammlungsleiters gelang es, auch den Lehrlingen Eintritt zum Saal zu verschaffen. Seinen Wochenlohn in Höhe von 24 M. mit brannem ledernen Portemonnaie verloren hat am Sonnabend, den 19. November, auf dein Wege vom HermannSplatz bis zur Sanderstraße ein hiesiger Arbeiter. In dein Portemonnaie befand sich außerdem noch eine Photographie mit Namen. Der ehrliche Finder wird gebeten, das Verlorene bei Arnold. Pflügerstr. 6 III, abzugeben. Wilmcrsdorf-Halensee. Der Gesaugvereiu„Wilmersdorfer Männerchor� veranstaltet am Sonnabend abend 3>/z Uhr, im Victoria- garten, Wilhelmsaue 115, ein Konzert mit künstlerischem Programm. Es wird auch auf zahlreichen Besuch der Genossen gerechnet. Rummelsburg. Die Gelnciudcvertretimg hatte in ihrer Sitzung am letzten Mittwoch zunächst die Wahl von zwei Kreistagsabgeordnelen vor- zunehmen. Gewählt wurden zwei Vertreter des Boxdagener Grund- dcsitzervereins, die Gemeindevertreter Veltrick und Schröder; unser Vertreter John blieb mit 10 Stimmen in der Minderheit. Unsere Genossen hatten bei der diesmaligen Wahl der Kreistagsabgeordneten mit einer gewissen Bestimmtheit erwartet, daß schon die reine Anstaudspflicht die bürgerlichen Vertreter veranlassen würde, bei einer Zahl von fünf Krcistagsabgeordnelen, welche die Gemeinde zu wählen hat, nun auch einen Vertreter der Sozialdemokratie, die nach dem Reiultat der letzten Reichstagswahl allein drei Viertel der ganzen Bevölkerung ausmacht— mit wählen würden I— In dieser Ansicht wurden unsere Vertreter noch bestärkt, als in einer vertrauliche» Gemeindeverlretersitzung, in welcher die Kreistagswahlen vom Bürgermeister zur Sprache gebracht worden waren— auf ein solches Verlangen unserer Vertreter— von keiner Seite dagegen Ein- Wendungen erhoben wurden. Unser Vertreter wäre auch höchst- wahrscheinlich gewählt worden, wenn nicht noch in letzter Stunde der Gemeindevertreter Barkmann, der sich äußerlich und im persönlichen Verkehr stets als ein ganz besonderer Arbeiter- und Sozialistenfreund aufspielt— im Bunde mit dem neu erkorenen Führer der Boxhagener Grundbesitzer, Gemeindcverlreter Veltrick, ihre treuen Schäflein hätten zusammengetrommelt. Sie wollten unter allen Umständen die Helden sein, die dafür gesorgt habe», daß die seelische Eintracht im Niederbarniiner Kreistag durch keinen Sozialdemokraten eine unliebsame Störung erfährt. Unsere Vertreter werden aber nicht unterlassen, bei gegebener Gelegenheit dieses beschämende Be- tragen der bürgerlichen Vertreter in gebührender Weise zu kennzeichnen und auch ihre Taktik in Zukunft danach zu richten wissen. Hierauf lvurden für jede Hilfe bei der Volkszählung 5 M. als Entschädigung bewilligt. In daS Kranken- hauslurawrium wurde der besoldete Schöffe Moier gewählt. In der folgenden nichtöffentlichen Sitzung fand die Anstellung des Kassen- assistenten Freidank auf Lebenszeit statt. Gegen die Stimmen unserer Vertreter wurde beschlossen, bei der Rnmmelsburger Gcmeindespar- lasse eine Anleihe in Höhe von 445 000 M. zu einem Zinssatz von 3� Proz. aufzunehmen. Unsere Vertreter stimmten dagegen, weil bei dem Zinssatz von 3�/g Proz. die Sparkasse kaum ihre eigenen Unkosten deckt und im übrigen selbst noch mit Unterbilanz arbeitet. Stralau. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Festsetzung des Freindenschulgeldes. Der Gemeindevorstand schlug vor 6 M. Schulgeld pro Schüler und Monat zu erheben. Die Zahl der Ausländer am Orte ist in letzter Zeit erheblich ge- stiegen. Insbesondere hat die hiesige Jutespiuncrei eine große An- zahl Tschechen herbeigeholt. Die Zahl der srcmdsprachigen Schul- linder beträgt bereits 36, welch- auf die einzelnen Klassen verleilt sind. Der Unterricht wird hierdurch ungünstig beeinflußt und der Erfolg desselben in Frage gestellt. Es soll daher für diese Kinder eine besondere Klasse eingerichtet werden, wodurch die Anstellung einer weiteren Lehrkraft notwendig wird. Von verschiedenen Rednern Ivnrde der Satz von 6M. für zu hoch erllärt. Unser Genosse wies daraus hin, daß hauptsächlich Arbeiter mit niedrigem Einkommen in Frage kämen, die gar nicht in der Lage seien, für 3 b>S 4 Kinder das Schulgeld zu zahlen. Die Arbeiter würden dadurch gezwungen, nach ganz kurzer Zeit de» Ort wieder zu ver- lassen. Die Juie-Spinnerei müsse zu den Kosten herangezogen und dadurch das Schulgeld ermäßigt iverden. Der Redner gab ferner dem Wunsche Ausdruck, daß die Einrichtung der geplanten Klasse beschleunigt werde. Nachdem Herr Hoffmann crllärl hatte, die Firma sei bereit, zu den Kosten beizutragen, wurde der Gemeinde- vorstand ersucht, Verhandlungen mit der Firma anzubahnen. Darauf wurde die Angelegenheit vertagt. Eine Schiffcrkinderschule soll auch in diesem Winter wieder eingerichtet werden. Die Zahl der Schüler beträgt 12 gegen 33 und 40 Schüler in den Vorjahren. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 26. November, feiert der Arvciter-Radfahrer- verein Lichtenrade im Wirtshaus Lichtenrade(N. Deter), am Bahn- Hof. iein erstes Stiftungsfest. Die Genossen werden gebeten. da der Verein stets für unsere Bestrebungen tätig ist, sich recht zahl- reich zu beteiligen. Bernau. Am Sonntag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der Arbeitergesangverein„Freiheit" im Elysinm ein Konzert mit darauffolgendem Tanz. Da sich der betreffende Verein bei Partei- Veranstaltungen bereitwilligst zur Verfügung stellt, werden die Parteigenossen ersucht, sich recht rege daran zu beteiligen. Programm 20 Pf._ SlmMIrtjer OTnrttberidtt der itädttliben Marktballen.Dtrektton über den(«rohkandel in den Zenlral-Marttballen. Ätarttlaqe: Fleisch: Zufuhr stark, tflelchäK etwas reger, Preise sür Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Znfubr reichlich, Weichäst lebliast. Preise sast unverändert. G e s l ü g e I: Zusuhr reichlich, Gelchäst nicht lebhast genug, Preise etwas gedrückt. Fische: Zusnhr genügend, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. G e m ü I e, C 6 ft und Südfrüchte: Zusnhr ge> nügend, Geschäft sehr flau, Preise wenig verändert. «Sittcrunqsuderücki» vom L4. November 1»lv. morgens B twr. Ii fwtmmdt 7 67 NNO Hamburg 709 NNO n erlin!757N Franti.-M 769 NO Rünchen>769 NW Wien 762 WNW 3 Vetter 4 wolkig 2 bedeckt 2 wolkig 1 wölke»! 1— 2 2 wolkig'— 4 öhalbbd.—2 Ufti c!» f- jrtS> Ctattomn t H S S g"5 H I» Bf >avaranda 774 N ctersburg 771 ONO Vetter c-* t* *£ Sctllv llderveen Paris !7b9 Still j762 SSO �04OSO 2 Nebel 2bedcckt Nebel 4 Regen 1 bedeckt —3 _ 2 10 6 t Wetterprognose für Freitag, de» 25. November 1010. Zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Schnccsällen und ziemlich schalten nordwestlichen Winden! Temperatur in der Nähe des Gcsricr- punlies. lerlincr Wetterbureau. Jitgeiidveranstaltungen. Steglitz nud Umgegend. Am Sonnabend, den 26. November, abends S'/, ttbr. begeht die„Freie Jugendorganisation Steglitz und Umgegend" ihr erstes Stislimgsieft im„Rheinschlotz", Friedenau, Rheinstt. 60. Für den künstlerischen Teil deS Abend» find folgende Kiinstlcr gewonnen: Fräulein Elsa Kunz sSopra»), Herr Wilhelm Spohr(Rczi- lator), Herr Nudols Tobias(am Klavier) und daS Pofaunenguaitett deS Herrn Walter. Die Festrede hat der Rcichstagsobacordnete Paul Göhr« übernommen. Der Emtrillspreis beträgt sür Erwachsene 30 Pj., sür Jugend» liche 29 Ps. Nach Beendigung des Programms großer Bali, S!ngegangene vruckfckriften. Bon der„Reuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 8. Heil des 29. Jabrgangs erschienen. Es hat solgendcn Inhalt t Buridans Esel.— David Ricardos Steucrthcorie. Von M. Nachimso».— Der Weg der Reaktion. Von Wilhelm Düwcll.— Der moderne Antisemitismus in Rußland. Von W. Mcdcm.— Die Elbsandsteininduslrie und ihr« Arbeiter. Von Joses Kliche.— Reue Bücher über Genossenschastswesen. Bon .Fleißner.— Literarische Rundschau: David Trielsch, Marokko und Persien. on Radek.— Notizen: Eine neue Ausgabe im Klassenkampf. Von P. Ristau. Kiel.— ZÄtschristenschau. TH.Gl»cke, Berlin, Drücku-Berlag: Vorwärt» tzuWruckerei u. Verlagöanstalt Paul Singer s- Co., Berlii» SW,