Kr.SSI. BbonnemcntS'Bedlngungcn: Blonnementä■ Preis pränumeranda! »ierteljShrl. SfiO SKI, monaU. 1,10 Ml., IvöchenIIich 2» Pfg. frei WS Hau?. Einjclne Nummer 5 Pfg. Sonntag?. nummer mit illustrierter SonmagS- Beilage.Die Neue Well" 10 Psa. Post- Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- PreiSIisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungar» 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements »ebme» an: Belgien. Dünemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. Crtdjclnt»glich auScr montags. ___ � Vevlrnev VolksbleM. Die IniertionS'Gcbiiljr beträgt für die scchsgcspaltcne stololiel- geile oder deren Raum H) Pfg., für politische und gcwerlschaslNche Vereins- lind DersammIungS-Anzeigeit SO Psg. „Kleine Hnreigcn", das erste(fest. gedruSte) Wort 20 Pfg., jedes weitete Wort 10 Pfg. Stellengefuchc und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort b Pfg. Worte über IZ Buchstaben zählen für zwei Warle. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nach mittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geäfsnet. Telegramm- Adresse: „Sozlaldlmokrat Rtrlin* Zcntralorgan der fozialdemokrat» fchen parte! Deutfcblands. Rcdahtion: SM. 68, Llndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Donnerstag, den 1. Dezember Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. I.S8I. ßilanzverkblekrung clurch den Rekl)sctat. Man erinnert sich wohl noch, welch lebhafte Diskussion zur Zeit der Reichsfinanzreform über die Aussichten einer Sanierung der Reichsfinanzen stattgefunden hat. Der Un- eingeweihte mußte aus diesen Diskussionen den Eindnick ge- Winnen, als handele es sich bei der Beurteilung der Etats- Verhältnisse um eine furchtbar schwierige, unendlich dunkle Ge- heimwissensäiaft, die einem normalen Sterblichen immerdar unfaßbar sein müsse. In Wirklichkeit aber sollte auch aus jedem Etat sofort der Stand der Staatsfinanzen ebenso klar hervorgehen, wie der Stand irgend eines geschäftlichen Unter- nehmens aus der Bilanz ersichtlich sein muß und ersichtlich ist. Und in Wirklichkeit wäre auch bei einigem guten Willen und dem Verzicht auf etatsmäßige Bilanzvcrschleierungskünste bei einem Etat auch mit Leichtigkeit festzustellen, wie es denn um die Finanzen des betreffenden Staates bestellt ist. Denn eS handelt sich ja im Grunde um die einfachsten Dinge der Welt: um einfache Gegenüberstellung der Einnahmen und der Aus- gaben. Aus solcher Gegenüberstellung ergibt sich dann ohne weiteres, ob die Einnahmen zur Deckung der Ausgaben aus- reichen oder welcher Anleihebetrag notwendig ist, um die AuS- gaben zu decken. Unser Reichsetat gibt solch klare Uebersicht nicht. Wer ein Bild vom wirklichen Stand der Reichsfinanzen gewinnen lvill, muß sich erst mühseligen Berechnungen unterziehen, da die Regierung es bislang nicht einmal der Mühe ivert erachtet hat, dem Reichstag einen einfachen Netto- Etat vor- zulegen. Das preußische Abgeordnetenhaus hat eine solch übersichtliche Rcchnungsablegung für den größten deutschen Bundesstaat bereits seit einigen Jahren durchgesetzt— im Reich hat man sich noch nicht dazu bequemen vermocht. Man hält es offenbar für vorteilhafter, die Ocffentlichkcit in mög- lichster Unklarheit über die wirkliche Lage der Reichsfinanzen zu erhalten und namentlich auch zu verschleiern, welch un- geheuerlichen Prozentsatz aller faktischen Reichseinnahmen unser herrlicher Militarismus verschlingt. Wir wollen deshalb unsererseits das, was die Etats- Übersicht schämig zu verbergen sucht, hiernnt ein wenig klarer herausarbeiten. Nach dem Brutto- Etat, der uns vorliegt, betragen die Einnahmen und Ausgaben des Reiches annähernd 3 Milliarden, nämlich 2924945 730 M. Vergleicht man nun mit diesem Brutto- Betrag die Ausgaben für Militarismus und Marjnismus, so kommt ein ganz anderes Bild heraus, als wenn wir die wirklichen, die N e t t 0- Einnahmen zum Vergleich heranziehen. Von den 2 924 945 750 M. Einnahmen sind nämlich erst- lich abzuziehen die Betriebsausgaben für die Staatsbetriebe, in erster Linie die Reichspost, die Reichseisenbahnen und die Reichsdruckerei. Das sind nicht weniger als 815 Millionen Mark. Abzuziehen sind weiter die Ueberweisungen in Höhe von 163 Millionen, die in den 212 Millionen der Matrikular- beitrüge stecken. Da bekanntlich nur 80 Pf. Matrikularbciträge pro Kopf der Bevölkerung zur Erhebung gelangen, vermindert sich die Reineinnahme daraus auf 49 Millionen. Ferner sind von den wirklichen Einnahmen abzuziehen die 98 Millionen der Anleihe. Und endlich finden wir, daß im Brutto- Etat unter den Einnahmen deS außerordentlichen Etats 89 Millionen figurieren, die bereits in den Einnahmen des ordentlichen Etats enthalten sind und dort zur Deckung für eine Schuldentilgung in Höhe von 89 Millionen dienen, die in den Ausgaben des ordentlichen Etats(in der Summe von 280 Millionen für die Reichsschuld) enthalten ist. Die 89 Millionen Einnahme kehren nun aber seltsamerweise im außerordentlichen Etat wieder, ohne daß sie von den Ein- nahmen des ordentlichen Etats in Abzug gebracht wären und ohne daß auch die entsprechende Ausgabe im außerordentlichen Etat wiederholt wäre! Folglich sind auch diese 89 Millionen von den Bruttoeinnahmen in Abzug zu bringen, wenn wir ermitteln wollen, welche wirklichen Einnahmen das Reich aufzuweisen hat. Es gelangen also in Abzug: 815 Millionen Mar! 163 63„, 89 In Summa 1165 Millionen Mark Subtrahieren wir diesen Betrag von den 2924 Millionen der Bruttoeinnahmen, so bleiben nur 1759 Millionen wirkliche Einnahmen des Reiches übrig! Wenn wir nun aber»veiter diesen wirklichen Einnahmen des Reiches die Ausgaben für unseren herrlichen Militarismus einschließlich des Marinismus und der Kolonialpolitik gegen- überstellen, ergibt sich folgendes wunderbare Kulturbild: Es belaufen sich die Anforderungen aus den fortdauernden und einmaligen Ausgaben des ordentlichen und außerordentlichen Etats für die Landarmee auf..... 816 Millionen Mark die Marine auf...... 458»» die Kolonien lReickSmschuß).> 26 In Summa 1300 Millionen Mark Dazu kommen noch 280 Millionen Mark für Verzinsung und Tilgung der Reichsschuld und die Ausgaben des Pensions- fonds(abzüglich der Zivilpensionen) in Höhe von 150 Millionen Mark, so daß sich die Gesamtaufwendungen für militärische Zwecke auf 1300-ff 280-ff 150— 1730 Millionen Mark belaufen! Einer wirklichen Einnahme des Reiches von 1759 Millionen stehen also militärische Ausgaben in Höhe von 1739 Millionen gegenüber l Diese Zahlen belveisen, daß das Deutsche Reich im Grunde nicht viel niehr ist, als eine Institution zur Mästung unseres Militarismus. Sie beweisen ferner, daß auf die Dauer gar nicht daran zu denken ist, mit den bisherigen Einnahmen aus- zukommen, daß vielmehr eine neue gewaltige Steuerschröpfung des Volkes unausbleiblich ist! Denn mit dem Schuldcnmachen kann eS ja im bisherigen Tempo unmöglich so weitergehen. Hat doch die Schuldenlast des Reiches am 1. Oktober 1910 bereits die Höhe von 4 990 Millionen, also rund 5 Milliarden erreicht I Man begreift nach alledem, weshalb sich die Regierung dagegen sträubt, ihren Etat so übersichtlich zu gestalten, daß man sofort den Stand der Finanzen zu erkennen vermag. Je dunkler, unübersichtlicher, bureaukratisch-verworrener, finanz- akrobatisch gekünstelter der Etat ist, desto leichteres Spiel haben ja Regierung und bürgerliche Parteien I ver Schlachtruf der lioniervativen. In den Reihen der konservativen Macher scheint das Losung-- wort ausgegeben worden zu sein:.Auf zum Sturm gegen die Sozialdemokratie!" Unter widerlich-aufdringlicher Ver- sicherung ihres RohaliSmuS, der man allzu deutlich anmerkt, daß sie an die sogenannte„allerhöchste" Stelle gerichtet ist, ruft die konser- vative Prefie unter der Führung der.Kreuzztg.", deö Organs der Epigonen deS ehemaligen Strauchrittertums, zum heiligen Kampf gegen die„rote Rotte" auf. Die Staatsverwaltung dürfe, so heißt es, nicht dulden, daß die Massen des Volkes immer mehr mit Mißachtung und Haß gegen die bewährten staatlichen und gesell- schaftlichen Grundlagen unseres öffentlichen Lebens erfüllt werden, damit nicht schließlich durch die rohe Gewalt mißleiteter Massen an diesen Grundlagen gerüttelt werde. Und dasselbe Lied wie die verlogene konservative Presse sang heute Herr v. Heydebrand auf dem konservativen Parteitage für die Provinz Pommern in Stettin. Schon gleich zu Beginn der Tagung verriet der Vorsitzende v. N 0 r in a n n, was geplant sei, indem er seine Ansprache zu einem heftigen Ausfall gegen das geltende Reichsvereins- und-Versammlungsrecht benutzte, das den Massen viel zu weiten Spielraum laffe. Dann folgte der General- feldmarschall der Partei, Herr v. Heydebrand, dessen ganze Rede sich zu einem fulminanten Kampfaufruf gegen die sozialdemokratische Partei gestaltete, unterbrochen von allerlei an die Regierung ge- richteten Beschuldigungen, zu langmütig und zu nachsichlig zu sein. So meinte Herr v. Heydebrand: „Es ist keine Frage: Die Zeit der Abrechnung mit dem un- versöhnlichen Gegner des Staates wird uns nicht erspart werden, die Stunde lvird kommen und sie muß kommen.(Stürmische Zustimmung.) Unsere Feinde werden der bürgerlichen Gesellschaft den Kampf nicht ersparen, auch wenn in der bürgerlichen Gesellschaft gewiffe Teile leine Neigung zum Kampfe haben sollten, danach wird nicht gefragt werden. Ich weiß so gut wie jeder von Ihnen, daß man solche Mächte, die anstürmen gegen alles, was wir für fest, heilig und wert halten, nicht mit äußeren Zwangsmitteln zu Tode bringt, sondern daß sie allein innerlich überwunden werden müssen. Das ist eine heilige Auf- gäbe unseres inneren Volkslebens, das sich durch- kämpfen muß. Wir müssen unser Volk durchdringen, daß diese Mächte reduziert werden. Schon ist die bürgerliche Gesellschaft bor die Frage gestellt, ob sie noch Herr im Hause ist. Die andere Aufgabe ist die. daß die bürgerliche Gesellschaft es nicht so weit kommen läßt, daß sie einfach an die Luft gesetzt wird.(Lebhaftes Sehr richtig I) � Daher habe ich vor einigen Tagen, als wir von dieser Rotte vor die Wahl gestellt wurden, ob wir uns erlauben dürfen, daß unser Kaiser und König eine selbständige Meinung habe, ob wir religiösen Sinn hegen und haben dürfen, und ob unser Kaiser ein treuer religiöser Mann sein darf,— als diese Frage gestellt wurde, da haben wir ihnen die richiige Antwort gegeben.(An- haltende Zustimmung.) ES ist weit gekommen, daß man sich schon in diesen Verteidigungszustand versetzen muß. Wir v e r- langen keine Ausnahmegesetze, aber wir ber- langen Schutz der bürgerlichen Gesellschaft gegen den Terrorismus, der so weit geht, daß wir das Recht auf unsere eigene Arbeit, aus unsere freie Meinungsäußerung bei den Wahlen überhaupt nicht mehr haben, daß Tag für Tag das, was uns heilig und teuer ist, in den Staub gezogen wird, ohne daß sich ein Richter findet, der diese Leute vor sein Forum zieht. Wie können Dinge wie in Moabit und imWedding und in Bremen mit einem Schauspiel enden, daß man nickt weiß, wer der Angeklagte ist. Solche Zustände wollen»vir in Deutschland nicht haben, und eine konservative Partei, die das nicht aussprechen wollte, würde ihren Platz nicht verdienen." Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: „Gegenüber den immer stärker hervortretenden Bestrebungen, die eine Förderung des Umsturzes der bestehenden Staats- und Wirtschaftsordnung bezwecken oder begünstigen, erachten wir eS für dringend geboten, daß die staatserhaltenden Parteien für die Ausrechterhaltung der Autorität und für den Schutz der Arbeits- willigen mit aller Energie eintreten." Der Zweck dieser Taktik ist klar. Es soll die Mißstimmung des Volkes über die Steuerpolitik und die Lebensmittelverteuerung der Agrarier, die in der heutigen Fleischnot ihren drastischen Ausdruck findet, durch das Geschrei:„Die rote Revolution st cht vor den Türen!" übertönt und zugleich die Regierung ge- zwungen werden, einen rücksichtslosen behördlichen Kamps gegen das KoalitionS- und das Versammlungsrecht zu eröffnen. Eine perfide Mache, um so widerlicher, als sich unter der vor- geblichen Besorgtheit um daS Staatsinteresse das ordinärste Eigen- interesse versteckt._ Nghlstisbllcli. London, 23. November.(Eig. Ber.) Schon tobt der Wahlkampf mit großer Heftigkeit im ganzen Lande. An allen Straßenecken starren einem schon wieder die in schreienden Farben gehaltenen Wahlbildcr cnt- gegen. Beide Parteien haben die Reserve aus der letzten Wahlschlacht ins Feld geschickt. Hier sehen»vir tvieder das pathetische Bild des Arbeitslosen und der hungrigen Familie, die als die Opfer des Freihandels hingestellt werden; dort gewahrt man»vieder die Darstellung der„hungrigen Vierziger- jähre" und das Porträt des idiotisch dreinschauenden Herzogs, der von der Angst geplagt wird, inan werde sein Land besteuern. Mit einigen Variationen pfeifen beide bürgerlichen Parteien das- selbe Lied wie im Januar des Jahres. Die Variationen bestehen meistens darin, daß der Kandidat der einen Partei dem Kau- didaten der anderen frech und ungeniert einige der wirk- samsten Punkte seines Programms stiehlt. So fordert ein Liberaler seine Wähler in einem mächtigen Plakat auf: „Stimmt für den Liberalen und die»nächtigste Flotte I"„Die mächtigste Flotte" gehörte bisher zu den heiligsten Besitz- tümern der Konservativen. Ein Konservativer verkündet: „Stimmt für den Konservativen und damit für das Reich, die Flagge und die Freiheit!" Ein anderer hat in fußhoheli Buchstaben die Parole angeschlagen:„Stimillt für den Kon- servativen und Alterspensionen!" Dabei hat sich der Mann bei der Abstiinmung über das AltcrspensionSgesctz gedrückt. Es war vorauszusehen, daß die 5ionscrvativen mit der höchst unbequemen Last der LordS auf dem Buckel alles ver- suchen würden, um die von Asquith ausgegebene Wahlparole zu überschreien. Der erste Plan, die sorgsain gepflegten Vor- urteile des Volkes gegen die Jrländcr mobil zu machen, war zu ungeschickt eingefädelt»vorden. Dem Ruf„Dollarkönig" »var zu leicht mit der Antivort„Dollararistokraten" zu begegnen. Sie scheinen sich daher jetzt im allgemeinen auf den nie ganz wirkungslosen chauvinisti- schen Rummel zu verlassen. Allerdings haben sie in den letzten Jahren zu oft„Wolf" gerufen, als daß sie hoffen könnten, in diesem Zeichen zu siegen. Die nieisteu der konservativen Kandidaten haben sich deshalb ein sozial- politisches Programm angeschafft, das sich von dem liberalen »venig unterscheidet. Ueberdics beteuern sie bei jeder Ge- legenheit ihre deinokratische Gesinnung. Ein Kandidat, der in diesen Wahlen das Wort:„Demokratie" nicht in großen Buchstaben in seincin Manifest aufführt, dürste schwer zu finden sein. Bis jetzt hat jedoch die liberale Parole noch die erste Stelle behauptet. Die Antwort, die die Konservativen darauf gegeben haben, hat wenig Ueberzeugungskraft. Den Liberalen fällt es leicht, die von den Lords angenommenen Resolutionen Roseberys und Lansdolvnes zu zerpflücken und sie als Winkel- güge zu bezeichnen, durch die nur die Form, nicht aber das Wesen des Oberhauses, das heute die Hochburg der kon- servativen Partei ist, verändert werden lvürde. Der Vor- schlag der Lords, daß die Hälfte der neuen zweiten Kamincr von den Peers gelvählt werden sollte, würde die kleine Minderheit der liberalen Lords auf iinmcr aus der Kammer verbannen und eine dauernde Majorität der Konservativen im Oberhause zur Folge haben. Auch»vürde der Krone und damit der Regierung das Recht der Peersernennung genommen, durch das sie das Oberhaus allein bceinfluffen kann. Es ist »vahr, die Lords wollen freiwillig auf das Recht, Geldbills zu verwerfen oder abzuändern, verzichten; diese Verzicht- lcistung ist jedoch in solch unbestimmter Weise abgefaßt, daß sie recht wohl mit einer Vermehrung der Macht der zweiten Kammer vereinbar ist. Das Referendum schließlich, das von den Lords für»vichtige Fragen verlangt»vird, ist überhaupt kein Referendmn im deinokratischen Sinne. Es würde nur dazu führen, den Obstruktionsgelüsten der zivciten Kammer freie Bahn zu verschaffen, so oft es die Lords beliebten, eine Maßregel als„»vichtig" zu betrachten, das heißt, so oft die Aussichten eines konservativen Wahlsieges günstig schienen. Die konservativen Gegenvorschläge haben somit nur geringe agitatorische Kraft und sind auch viel zu kompliziert. als daß sie in dem Wahltrubcl zur Geltung kommen könnten. Ihnen gegenüber ist die liberale Politik höchst einfach. Die Liberalen machen das Volk glauben, es ginge den Lords an den Kragen, und sie verschweigen in den Volksversammlungen geflissentlich ihre Absicht, an die Stelle des Oberhauses eine zweite Kammer zu setzen, die die Forderungen der Arbeiterklasse nicht niindcr heftig, wenn auch nicht gerade so offen, bekämpfen würde, »vie das bestehende Haus der Lords. In einem Lande, wo der politische Kampf in der Haupt- fache von zivci großen Parteien ausgefochtcn»vird, ist es schwer, den Ausgang einer Wahl voraus zu sagen. Denn eine geringe Verschiebung der Stimmen kann eine große liberale oder konservative Mehrheit im Parlament zur Folge haben. »vas ein Blick auf frühere Wahlergebnisse sofort erläutert. Man spricht allgemein davon, daß die Liberalen eine Anzahl Sitze gewinnen werden, und die Stimmung unter bell. Kon- servativcn ist nicht gerade hoffnungsvoll. a• « Gegen das Referendum. Lonbo», 30. November.(Privattelegramm.) Der Wahl- aufruf Asquiths enthält auch eine bemerkenswerte Stelle über das Referendum, die deutlich zeigt, wie wenig demo- kratisch der Chef der liberalen Partei gesinnt ist. Asquith macht sich zuerst mit Recht über die plötzliche Bekehrung der Lords zu dem Referendum lustig. Er selbst aber sei dagegen, dag man das Urteil, das nach parlamentarischer Tcbatte durch die Vertreter des Volkes nach reiflicher Ueberlegung gefällt werde, ersetze durch ein unsicheres und sporadisches Urteil durch einep Volksbeschlutz über eine nicht vollständig geklärte Streitfrage. Eine solche Aenderung würde die ganze Grundlage der re- präsentativen Regierung umstürzen und das Unterhaus zu einer blotz debattierenden Gesellschaft degradieren. Das heitzt in der Tat, das Kind mit dem Bade ausschütten. Es ist schon richtig, datz der Plan der Tories darauf hinausläuft, jene Gesetze, die dem Referendum zu unterbreiten sind, nach eigenem Ermessen zu bestimmen, und deshalb undemokratisch ist. Aber das Recht des Volkes, über wichtige Angelegenheiten in Ur- abstimmung zu entscheiden, bleibt deshalb doch eine demokratische Forderung, die zu ihrer Ergänzung allerdings auch des Rechts der Initiative bedarf. Asquiths Erklärung ist die Antwort auf die Balfours, es bestehe kein Bedenken, die T a r i f r e f o r m einem R e- ferendum zu unterbreiten. Diese Erklärung hat grotzes Auf- sehen erregt. Die konservativen Blätter frohlocken darüber und bezeichnen Balfours Schritt als einen Meisterstreich, der die Wahl für die Konservativen gewinnen werde, da er es allen Freihändlern ermögliche, sich mit den Anhängern der Tarif- reform in der Verteidigung der Lords, der Union und der Ver- fassung zu vereinigen. Die liberalen Blätter führen aus, Balfour, der gesagt habe, wenn das Verdikt des Referendums sich gegen die Tarifresorm ausspreche, so werde es keine Wahl und keine Aenderung mit sich bringen, die Regierung würde im Amte bleiben und er würde sich verhalten, als ob nichts geschehen wäre. habe hiermit Verrat an dein begangen, was seine eigene Partei als die Grundlage ihrer Politik bezeichne. Aber die Liberalen hüteten sich zu glauben, datz Balfour aufrichtig und ernst ge- sprachen habe. Sie betrachten seine Erklärung als ein reines Wahlmanöver, das dazu bestimmt fei, seiner Partei die Stimmen von Lancashire zub sichern. Sie sind über- zeugt, datz der Versuch mitzlingen werde, die Wähler zu täuschen. Wenn BalfourS Versprechen aber ernst gemeint sei, werde es die unionistische Partei einfach in Stücke zerschmettern. pditifcke OeberHcbt. Berlin, den 30. November 1910. Mißstände im Heilgewerbe. AuS den, Reichstag, 30. November. Im Heil- gewerbc gibt es natürlich ebensogut Mitzstände, wie in anderen Gewerben auch. Lassen sie sich auf gesetzgeberischem Wege be- scitiMi?, dann gut. Wenn aber die Firma des heute debat- ticrten Gesetzenttvurfs lautet„gegen Mitzstände im Heil- gcwerbe", so deckt sie nicht völlig den Inhalt.-Denn sein Zweck geht weit darüber hinaus. Ter Gesetzentwurf würde, tvenn er so angenommen wird, dm Skaturheilkundigen die Ausübung ihres Gewerbes nahezu unmöglich machen, während anderer. seits die Mitzstände, die der Ausübung deS Gewerbes der approbierten Aerztc anhaften, durch das Gesetz kmim berührt werden. Daraus erklärt sich denn auch, weshalb die Aerzte höchst zufrieden mit dem Eiütvurf sind, während die Natur- heilkundigen dagegen Sturm laufen. Ob man aber ärztliche Behandlung oder die Behandlung durch Naturheilkundige vorzieht, ist eine Privatangelegenlseit jedes einzelnen. Das kann deshalb auch in keiner Weise zur Parteifrage gemacht werden. Torüber gehen ja auch die Meinungen, in allen politischen Richtungen erheblich ausein- ander. Auch die sozialdemokratische Partei kann sich deshalb als Partei weder für die eine noch die andere Behandlungs- nrethode entscheiden. Sie hat ihre Stellung zu dein Gesetz- entwurf ausschlietzlich danach einzurichten, ob wirkliche Mitz- stände, wie der Ge h e i ni ni i t t e l s chwi n d e l jeder Art, dadurch, toeun nicht ausgerottet, so doch eingeschränkt werden können, und sie mutz gleichzeitig ihr Augenmerk darauf richten, datz die vorgeschlagenen Ueberwachungs- und Straf- bestimmungen wicht berechtigte Interessen einzelner Personen schädigen und ungerechtfertigte Eingriffe in die Lebens- führung weiter Loikskreise herbeiführen. Unter diesem Gesichtspunkt behandelte auch unser Ge» nosse Z i e t s ch die Vorlage in der ersten Lesung in einer sehr gründlichen, von scharfsinniger Prüfung der Sache zeugenden Rede. So wies er nach wie das Verbot der Verwendung„ge- fährlicher Heilmittel" zu gröblichen Mitzbräuchen durch die ausführenden Organe führen könne, ebenso wie die rigorose Handhabung der Ueberwachung der Naturheilkundigen, denen unberechtigter Weise ganz allgemein der Ekelname„Kur- pfusch er" angeheftet wird. Einigen Aerzten, die zum Worte kamen, wollte das nicht einleuchten. Wie ja auch die Regierungsvertreter die Heilbedürftigkeit der Vorlage durch- aus nicht zugeben wollten. Morgen geht die Debatte weiter. Hans«l»und und Sozialdemokratie. Neben einigen anderen Blättern hatten vor kurzem auch die „Leipziger Neuesten Nachr." dem Hansabund vorgeworfen, datz er seinen Kampf nur gegen die Agrarier führe, dagegen vermeide, scharf gegen die Sozialdemokratie vorzugehen. Der Vizepräsident des Hansabundes, Landtagsabgeordneter Dr. Stäche, erwidert darauf in einer Zuschrift, datz der Hnnsabund ein unbedingter Gegner und Feind der gegenwärtigen Sozialdemokratie sei und daher mit der Sozialdemokratie nicht paktieren könne. Dr. Stäche beruft sich auch auf eine Erklärung des Präsidenten des Hansa- bundcS Prof. Nietzer: „Hinsichtlich der Stellung zur Sozialdemokratie sind wir unS im Präsidium darüber einig, datz dem Hansabund eine Förderung der Sozialdemokratie unbedingt fernliegen mutz, und datz er diese ebenso zu bekämpfen hat, wie dies seitens aller übrigen in ihm vertretenen, bürgerlichen Parteien geschieht". Die Herren Nietzer und Stäche bestätigen damit nur, was wir schon wiederholt konstatiert haben. Ter Hansabund ist eine einseitige Interessenvertretung des mobilen Kapitals, vornehmlich des grohen Handels- und Aankkapitals— den kleinen gewerblichen Mittelstand gebraucht man nur als Mitläufer und als solche ein entschiedener Feind aller Arbeitcrbestrebungen, die sich gegen die kapitalistische Profitmacherei und die Ausbeutung der Arbeits- kraft richten. Wenn sich der Haisiabund heute gegenüber der Sozialdemokratie etwas zurückhält und sich zunächst hauptsächlich gegen die Agrarier weichet,(o nur weil seine Zeiter gls gewiegte Taktiker nicht gerne zugleich den Kampf gegen zwer Fronten führen � möchten, sondern bei sich denken: einer nach dem andern. Wir verstehen diese Taktik recht wohl, und wir werden, wenn eS soweit ist, danach auch unsere Taktik einrichten. Die Auflösung des Reichstags. Unser Hinweis, datz der Reichstag der Hottentottenwahlen längst sein Dasein verwirkt und die Herrschaft des Schnapsblocks nichts anderes sei als eine freche U s u r- p a t i o n, hat das Mitzfnllcn der„Germania" erregt. Das nimmt nicht weiter ivunder und ist nur ein erfreulicher Be- weis, datz die schwarzen Volksverräter die Abrechnung fürchten. Köstlich ist aber die Art, wie die„Germania" der Forderung nach der Neichstagsauflösung entgegentritt. Sie erklärt das Verlangen des deutschell Volkes, eine Volks- Vertretung zu bekommen, die seinein Willen mehr ent- spricht als der Reichstag des Wahlbetruges von 1907, als gänzlich unbegründet. Denn„was könnte denn die R e- g i c r u li g für einen Grund oder ein Interesse daran haben, jetzt, mehr als ein Jahr vor dem ordnungSmätzigen Ablauf der Legislaturperiode, den Reichstag aufzulösen'i Etwa nur der Sozialdemokratie zu Liebe?" Das sind ja nette konstitutionelle Grundsätze! Bisher haben wir immer geglaubt, datz der Reichstag nicht ein Organ der Regierung, sondern ein Organ des Lölkes sein soll, datz ein Reichstag, dessen Zusammensetzung zu den Uebcr- zeugungen der Wähler in den schärfsten Widerspruch geraten ist. seine Existenzberechtigung verloren hat, ganz gleich, ob dies der Majorität, die in Wirklichkeit längst in der Wählerschaft zur Minorität geworden ist, und der Regierung patzt oder nicht. Diesen konstitutionellen Grundsätzen wird auch in England, wo das Parlament fast nie bis zu seinem gesetzlichen Ende zusainmenbleibt, von jeher Rechnung getragen. Aber was gilt dein Zentrum Konstitution, was gelten ihm Volksrechte! Möglichst viel zu erraffen, solange die Gelegen- heit den politischen Dieben vom schlvarzen Schnapsblock günstig ist, das ist den Enthusiasten für indirekte Steuern und Verrätern des preutzischcn Wahlrechts die einzige politische Richtschnur. Deshalb sind sie gegen das Recht des deutschen Volkes, den Reichstag nach seinen» Willen zu gestalten, und deshalb allein sperre» sie sich gegen die Auflösung. Um so mehr aber haben die Gegner der Junker und Klerikalen Ursache, immer wieder darauf hinzuiveisen, datz das Recht des Reichstages, das er nur vom Volke empfängt, verwirkt ist. datz seine Wcitertagung, mag sie auch dem Buchstaben entsprechen, mit dein Geist des konstitutionellen Systems im schärfsten Widerspruch steht. Bodenreformer und Bodenspekulanten. MS Antwort auf die Hausbesitzerversammlung im ZirkuS Schumann, die gegen die Rcichswertzuwachssteuer protestierte und die bodenreformerischen„Irrlehren" scharf kritisierte, hatte der Bund der Deutschen Bodenreformer eine Gegenkundgebung nach den „Gerinauia-Sälen" einberufen, die heute abend tagte und bald nach Eröffnung wegen Ueberfüllung gesperrt wurde, so datz eine.Parallel- Versammlung in einem anderen Saale stattfinden mutzte. Nach der Begrützung der Erschienenen durch den Vorsitzenden Lubahn hielt der Vorsitzende des Bundes Demscher Bodenreformer. Adolf Damaschle, eine mit scharfen Ausfällen gegen die Führer des Hausbesitzerverbandes gespickte Rede gegen die Bodenspekulation und den Bodenwucher. Nach lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution an- genommen; „Die vom Bunde deutscher Bodenreformer einberufene Ver- sammlung Berliner Bürger aller Parteien spricht die Erwartung aus, datz der Reichslag der Reichswertzulvachsstcuer zustimmeu werde. Sie erklärt, datz die Steuer weder den(etzhaften Haus- besttz schädigen kann, noch die Bautätigleit vermindert oder die Mieten verteuert. Ebensowenig bevorzugt die Steuer das Grotz- kapital. Sie ist nicht mittelstniidSfeindlich und wirkt nicht un- sozial. Wir hoffen, datz der Reichstag der Vorlage eine Fassung geben wird, die dem Reiche, den Staaten und de» Gemeinden einen angemenenen Anteil an dem unverdienten Wertzuwachs des Bodens sichert."_ Wechsel im sächsischen Finanzministerium. Der siichsischs Finanzmiiitsier Dr. v. Rüger, eines der reak« tionärsten Mitglieder deS sächsischen Kabinetts, tritt endlich von der politiichen Bühne ab. Wie das„Dresdner Journal" meldet, hat der König dem Staats- und Finanzminifter Dr. v. Rüger in einem allerhöchsten Handschreiben die von ihm aus Gesundheitsrücksichten erbetene Entlassung aus den Staatsdiensten unter Belastung von Rang und Titel eines StaatöministerS bewilligt— Der König hat ferner den Ministerialdirektor im Finanzministerium Geheimral v. Seydewitz unter Ernennung zum StaalSminister die Leitung des Fmanzministeriums übertragen. Der Dank des Kaisers. Der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" wird auS Berlin mit- geteilt, datz dem Kaiser über den Verlauf der Interpellation, die seine Rede betraf, ausführlich Bericht erstattet worden sei, dagegen sei eS völlig unwahr, datz der Kaiser selbst das Konzept auS- gearbeitet habe für die Antwort, die der Reichskanzler dem Reichs- tage gab. Der Kaiser habe lediglich vorher mit Belhmann Hollwcg über die zu erteilende Antwort gesprochen, um damit den allgemeinen Rahmen der Beantwortung festzulegen. Inzwischen habe der Kaiser dem Reichskanzler für seine Ausführungen gedankt. Dei Selbstverwaltung der Krankenkassen in Halle aufgehoben. Nachdem in Halle a. S. die Aerzte in dem Konflikt mit den zn einem Kaffenverbande vereinigten Krankenkasten so gut wie unter- legen waren, hat nunmehr der dorlige Magistrat als Aufsichts- behörde durch einen Eüigriff in die Selbstverwaltung der Kasten den„Sieg" der Aerzte herbeigeführt. Den Kassen war auferlegt worden, bis zum Lö. November den Nachweis genügender ärztlicher Versorgung ihrer Mitglieder zu erbringen. Unter„genügender Ber- sorgung" verstand der Magistrat, datz auf je 1SOO Mitglieder und kurberechtigte Angehörige ein Arzt— Spezial- ärzte nickt gerechnet— zu kommen habe, eine Forderung. deren Erfüllung die Kassen dem finanziellen Ruin auSge- liefert hätte. Am 23. November wiesen die Kassen aber dennock hin- reichende ärztliche Versorgung nach. Ohne weitere Prüfung erklärte der Magistrat, der Nachweis bedeute eine Weigerung, jener Auflage nachzukommen. Er untersagte den Kassenorganen jede Tätigkeit hin- sicktlick der ärztlichen Versorgung ihrer Mitglieder und übernahm selbst die Erledigung dieser Kassengeschäfte. Da hinler der Aufsichts- behörde die Regierung steht, ist jede Beschwerde aussichtslos. Den Krankenkassen in Halle ist somit zugunsten der Aerzte daS Selbst- vcrwalrungsrecht einfach genommen worden. Und ein Krankenkassen- gesetz, daS solche Matzregeln zulätzt, soll noch verschlechtert werden. Aus Hessen. Wie uns aus Dannstadt gemeldet wird, hat die gestern wieder zusammengetretene Zweite Kammer eine» Ausschutzantrag an- genommen, beim Bundesrat dahin zu wirken, datz alsbald eine reichsgesetzliche Regelung der ArbeitSloseuversiche- rung in die Wege geleitet werde. Kardinal Fischers Erfolge. Der Erzbischof Fischer von Köln hat durch seinen Besuch in Rom nicht nur erreicht, datz die christlichen Gewerkvereine vorläufig vom deutsche» Episkopat geduldet werden und Angriffe deS Klerus auf sie unterbleiben sollen, sondern datz auch die gegen den Modernismus gerichteten letzten Dekrete deS Papstes für Deutsch land eine Milderung beziv. Abschwächimg erfahren. Hinsichtlich der Erstkommunion soll, wie die„Neue Freie Presse" meldet, zunächst alles beim alten bleiben. Die bisherige Gewohnheit, noch der die Erstkommunion gewöhnlich mit der Schul- entlassung zusammenfällt, soll erst allmählich geändert und die private Erstlominunion bis in daS zehnte Lebensjahr herab- gerückt werden. Die feierliche Erstkommunion soll auch künftig mit der Schulentlassung zusammenfallen. Bezüglich deS Antimoderriisten- eides hätten die Vorstellungen deS Kardinals Fischer und des Nuntius Frühloirth in Rom erreicht, datz ihn die deutschen Theologieprofessoren an den staatlicken Universitäten nickt zu leiste» brauchen. Und das dritte Zugeständnis des Vatikans besteht darin. datz den Zöglingen der deutschen Priesterseminare gestattet bleibt, auch fernerhin politische Zeitungen und Zeilschrisleil zu lesen. Deutsche Kolonialgesellschaft. Der Vorstand der Deutschen Kolonialgesellschast, der zurzeit in Elberfeld tagt, bewilligte wieder 3000 M. Zuschutz für die Kolonial- schule in Witzenhausen und die gleiche Summe zur Beschickung kolonialer Veranstaltungen. Für die kolonialwirtsckaftliche AuS- stellung Kassel 1911 und zur Landivirtschastlicken Wanderausstellung wurden 2909 M.. zur Besiedelung Deuisch-OftafrikaS 29 999 M. und für die Expedilion des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg nach Tüd-Kamerun 30 000 M. bewilligt. Rücktritt des Gouverneurs von Togo. Wie offiziell gemeldet wird, hat der Kaiser dem Kaiserlichen Gouverneur von Togo, Grafen von Zech auf Neuhofen, die nackgesuckte Versetzung in den Ruhestand mit der gesetzlichen Pension unter Verleihung des Ranges als Rat t. Klasse„erteilt". Als Ur- fache des Rücktrittes wird angegriffene Gesundheit angegeben. Schon während seiner letzten Dienftperiode hätte der Gouverneur nur noch mit Aufbietung aller Energie auf seinem Posten aus» zuhamn vermocht._ Vorbereitungen für ein Anti-Ttreikpostengesetz. Wie das Material der Arbeitgeber für ein neues Zuchthaus- und Anti-Streikpostengesctz aussehen wird, davon erhält man einen Begriff durch das nachstehende Schreiben, das der BreSlauer „V o l ks wach t" auf den Tisch geflattert ist. Es enthüllt zugleich die schöne Animiertätigkeit des Verbandes deutscher Metall- industriellen, an den das Gutachten gerichtet ist. Die Auskunft geht von einem der grötztcn Metallindustrielleu Breslaus aus und hat folgenden Wortlaut: G r ä b s ch c n, den 23. Oktober 1910. An den Verband deutscher Metallinduslrieller, Breslau V. In Beantwortung Ihres werte» Schreibens vom 23. Ol- tober cr. teile ich Ihnen ergebenst mit, datz von der im Jahre 1901 erfolgten Aussperrung aus Anlast des Formerstreiks bei der Firma F. Kemna, Hierselbst, etwa 90 Proz. meiner Arbeiterschaft betroffen wurde. Wenn seinerzeit keinerlei Ausschreitungen seitens der Streikposten gegen die Arbeitswilligen vorkamen, s o ist das w o h l„ h a u p t s ä ch l i ch darauf zurückzuführen, datz meine Fabrik damals in einer sehr verkehrsreichen Strohe Bres- lauS, der Gräbschenerstratze. gelegen war, und �chutzmannspostcn an den Stratzcnkreuzungen Sonnenplatz-Gräbschenerstratze und Holteistratze-Gräbschcnerstratze aufgestellt waren, die durch fort- währendes Patrouillieren alle als Streikposten verdächtig cr- scheinenden Personen zum Weitergehen aufforderten. So wurde z. B. der damalige VerbandSsekretär Schlegel, der sich besonders für meine Arbeiterschaft interessierte, wiederholt energisch seitens der Polizei zur Ordnung verwiesen. Tätliche Angriffe oixr sonstige Ausschreitungen sind jedoch nicht vor» gekommen; doch versuchten einige der Ausgesperrten durch Zureden und Drohungen die Arbeitswillige» zur Niederlcgung der Arbeit zu bewegen. Daß nichts vorgekommen ist. ist, wie gesagt, nur auf die damalige Lage meines Fabriketablissements und die genügende Hilfe seitens der Polizei zurückzuführen; wie dies jedoch jetzt werden würde, nachdem ich meine Fabrik nach Grabscheit verlegt babe, woselbst meine arbeitswillige Arbeiter- schast oder meine Meister nur durch die unzureichenden Gen- darmerieposten geschützt werden würden, ist gar nicht ab» zusehen, und wäre gerade schon jetzt an motz» gebender Stelle dafür zu wirken, datz für eventuelle Fälle die sofort zu ergreifenden Matzregel il festgestellt würden. Geeignete Schritte in dieser Angelegenheit dürften wohl am geratensten seitens des diesseitigen Verbandes resp. des Gesamtverbandes erfolgen. Hochachtungsvoll (gez.): Gustav Trelcnbcrg. Es mutz also an allen Stellen des Gutachtens zugegeben werden, datz nlchts, datz ke i n e r l e iA u S s ch.r e i t u n g e n und tätliche Angriffe erfolgt sind. Selbst das einzige Argument von dem mizurdchenden Gendarmenschutz ist unzutreffend, da die Eingemeindung Gräbschens nach Breslau nahe bevorsteht. Es liegt kein Anlaß zum Eiirschreiten vor, aber die Verschärfung der Strafgesetze toird trotzdem e ni p s o h l e n. Die Arbeiterschaft wird kurzerhand verdächtigt, datz sie Ausschreitungen nur unterlassen bat, weil sie sich aus den verkehrsreichen Strotzen gefürchtet hat. Ohne jeden Beweis wird frisch drauflos verdächtigt. Wie das dem- nächst erscheinende Material der Scharfmacher zu bewerten ist, er- gibt sich aus dieser Probe zur Evidenz Der Nachfolger des Oberscharfmachers. Zum Nachfolger des Generalsekretärs Dr. Bueck, der am 1. Januar aus der Leitung des Zentralverbandes deutscher In» dustrieller ausscheidet, ist sein seitheriger Stellvertreter, RegierungS» rat D r. Schweighofer auSersehen. Letzterer Herr war noch im Frühjahr d. I. als Rat bei der Regierung in Breslau tätig, ist aber nach bekannten Mustern von den Scharfmacher» ausgekauft worden. Soldatenschinderei. Vor dem Kriegsgericht der 13. Division(Hamburg) hatte sich am Sonnabend der Unteroffizier O b e r t h ü r vom 13. Husaren- Regiment(Wandsbek) wegen Mitzhandlnng eines Unter» gcbenen und M i tz h a n d I u n g unter Mißbrauch der Waffe zu veranttvorten. Nur eniem Zufall ist es zuzuschreiben, datz der saubere Patron an seinem weiteren„ErziebungSwerk" gehindert wurde. Im Juli d. I. versevte er von hinten dem Husaren Winter einen Schlag gegen das Ohr und einige Tage darauf ver» arbeitete er den Unglücksmenschen mit dem Säbel. Als W. von einem Katarrh befallen ivurde, kam er ins Lazarett, wo auch eine Eiterung des OhreS festgestellt wurde. Als der ihn im Lazarett besuchende Vater die Ursache der Eiterung wissen wollte. deutete ein anderer kranker Soldar die Ursache pantomimisch an, ivährend der Sohn schwieg. Der Vater wußte genug; ersuchte den Unteroffizier auf, der alles in Abrede stellte. Auch vor dem Kriegsgericht legte er sich aufs Leugnen. Da die als Zeugen ver- nommenen Husaren einen sehr befangenen Eindruck machten. wurde der Angeklagte hinausgeführt. Jetzt stellte sich heraus, datz der rohe Bursche noch drei weitere Soldaten mitz» handelt hatte. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. Der Ankläger verurteilte in scharfer Weise die bei den Kavallerie- Regimentern bestehende Neigung, jüngere Soldaten mit der Waffe oder son st wie zu mißhandeln. Diese Neigmtg müsse energisch ausgetrieben werden, man dürfe nicht dulden, daß junge Soldaten womöglich von Unteroffizieren z» Krüppeln geschlagen werden. Von dem Antrag auf Degri�ation wolle er zunäckist Abstand nehmen, da die anderen MißhandlungSfälle bald zur Ab- urteUung kämen. Der Antrag lautet aus siebe» Monate G e- fän gnis, daS Urteil jedoch nur auf— sechs Woche» Wittel- arrest._ Zwei Fälle von Mißhandlungen beschäftigten am Montag das Kriegsgericht in Erfurt. Der Ser- g e a n t Alfred Busch vom 1. Bataillon des 7l. Infanterieregiments in S on derS h a u sen hatte einem Musketier einige Fuß- t r i t t e versetzt. Bei der dadurch notwendig gewordenen ärztlichen Behandlung wurde ein Mastdarmvorfall festgestellt. Der Soldat mngte schließlich e n r l a s s e n werden. Der behandelnde Arzt bekundete nun vor dem Kriegsgericht, daß der Mastdarmvorfall nicht eine Folge der Mißhandlung sei. der Soldat habe das Leiden schon früher gehabt. Wegen Vergehens in, Dienste erhält deshalb der Sergeant nur acht Tage Mittelarrcst. Der zweite Fall betrifft eine Mißhandlung durch sogenannte.alte Leute". Der Rekrut Schönheit von der 9. Komp. des 90. Infanterie- Regiments in Rudolstadt war freiwillig zum Militär ge- gangen. Als er an einem im zweiten Jahre dienenden Kameraden in höflicher Form eine Anfrage richtete, wurde er gefragt, wie er dazu komme, einen„alten Kerl" anzurede» I Die andern„alten Kerls" mißhandelten darauf den anständigen Rekruten und besonders wurde er vom lieben„Kameraden" Karl S ch e r f von der elften Kompagnie mit Fußtritten bedacht. Scherf wurde deshalb zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Der eine 8 Tage, der andere i Wochen. Vielleicht hat daS Gericht angenommen, daß der Sergeant einen geringeren Grad von Einsicht in das Strafwürdige seiner Handlung hatte. Oeftermch. Verlängerung der Geschäftsordnung. Wien, 30. November. Der Geschäftsordnungsausschuß dcS Ab- gcordnetenhauses hat einen Autrag auf Verlängerung der Gültigkeit der provisorischen Geschäftsordnung bis zum 31. De- zember 1911 unter Hinwcglaffung der Bestimmungen über die Bc- sugnis deS Präsidenten, Abgeordnete von den Sitzungen auszu- schließen, angenomiiten. frankreicb. Prompte Wirkung. Paris, 39. November. lPrivattelegramm.) Die Drohung mit dem Hungerstreik hat ihre Wirkung getan. Die verhasteten Mit- arbeiter der„Guerre sociale" wurden noch gestern abend in die Abteilung für politische Gefangene übergeführt. Russisches aus Briands Reiche. Paris, 28. November.(Eig. Ber.) Tie drittz Republik dankt ihrem Briand, daß sie nunmehr eine Erscheinung kennt, die bisher dem Zarenreich vorbehalten war: den Hunger st reik politi- scher Gefangener. Während des Eisenbahnerstreiks wurden zwei Redakteure der„Guerre Sociale", M e r l e und Alme- rchda, verhaftet. Ten Vorwand boten die in diesem Blatt veröffentlichten Ncnommistereien der sogenannten„Kampf- organisation". Da ein Anhaltspunkt für die Verbindung der beiden Redakteure mit dieser ganz und gar nicht vorhanden war, konnte ihre Verhaftung nur als ein Versuch der Regierung be- trachtet werden, das Erscheinen des unbequemen Blattes unmöglich zu machen. A n a t o l e France und Octave Mirbeau protestierten damals öffentlich gegen diesen Geloaltstreich. Ter Einspruch dieser berühmten Schriftsteller wurde von den„ge- bildeten" großen Zeitungen verhöhnt, von der Regierung wurde er nicht beachtet. Tie verhafteten Journalisten Ivurdcn in Jsolicrhaft gesetzt und eines nicht definierten Verbrechens be- schuldigt. Diese geftissentlich aufrechterhaltene Unbestimmtheit diente dazu, sie der Rechte der politischen G e- fange ncn zu berauben. Ihre Proteste blieben vergeblich. Schließlich aber war es dem Untersuchungsrichter nicht mehr möglich, den Gefangenen zu verheimlichen, daß sie nur wegen eines Prcßdclikts angeklagt werden sollten. Die Forderung, nicht gleich gemeinen Verbrechern behandelt zu werden, stand ihnen nun als unzweifelhaftes Recht zu. aber alle ihre Eingaben nützten nichts. So haben sie sich entschlossen, als letztes Mittel den Hungerstreik anzuwenden. In einem Brief an Briand geben sie bekannt, daß sie den Streik am Dicnstagmorgen beginnen werden, falls sie bis dahin nicht in die Abteilung für politische Gefangene übergeführt sein werden. Charakteristisch für die Verlottcrung der bourgeois-rcpublika- nischcn Presse ist die Tatsache, daß das Verfahren gegen die beiden revolutionären Journalisten fast nur in der Presse der reaktionären Opposition Tadel hervorgerufen hat. Der alte R o ch c f o r t z. B. hat ihm temperamentvolle Worte verliehen. Aber für die Bande der von der Regicrungs- und Kapitalskrippe lebenden radikalen Bedientcnjournalistcn existiert nicht einmal die berufliche Solidarität. Sie haben für die Doktrinäre einer uneinträglichen Opposition nur haßvolle Verachtung übrig. Die verschwundenen Millionen der Orden. Paris, 30. November. Der Prozeß gegen den früheren L i q u i- dator Duez, der betrügerischer Machensckiaften bei der Liqui- dation von Kongregationsgutern beschuldigt ist, ist an das Schwur» gericht verwiesen worden. Die Anklage lautet auf Urkunden- fälschung, Verwendung gefälschter öffentlicher Urkunden und Unter- schlagung. Gleichzeitig ist der Prozeß gegen seinen Sekretär Martin G a n t i e r und gegen zwei weitere Mitschuldige mit Namen Lefevve und Breton an das Schwurgericht verwiesen worden. Wegen Sabotage vernrteilt. Clermont-Ferrand, 20. November. Das Kriegsgericht ver- nrieilte den Soldaten Exbrayat vom 86. Jnfanterie-Regie» ment wegen Sabotage zu einer Gefängnisstrafe von 20 Monaten und zu einer Geldbuße von 100 Frank. Der Soldat hatte während des EijcnbahnerausstandeS Telegraphen- drähte beschädigt, deren Bewachung ihm aufgetragen War. Rußland. Ein Konflikt mit dem ReichSrat. Petersburg, 30. November. Ja einer privaten Besprechung hervorragender Mitglieder der Oktrobristenfraktion der ReichSduma wurde festgestellt, daß die Verhandlungen der Kam- Mission zur Herbeiführung cineS Vergleichs zwischen dem Reichs« rat und derReichsduma erwiesen hätten, daß deren gemein- same Weiterarbeit unmöglich sei.— Eine Ver- sügung des Parteikongresses ermäwtigt die Fraktion, vor einem Konflikt mit dem ReichSrat nicht zurück zu» scheuen. Zur Lösung eines solchen Konflittes werden der Fraktion folgende Wege bezeichnet: 1. ein persönlicher Bericht des Dumapräfidenlen an den Kaiser, 2. eine Jinmediatpetition um Ein« Wirkung auf den ReichSrat und 3. passiver Widerstand durch Ber- zögerung der Annahme von Gesetzvorlagen, deren schnelle Erledigung dem ReichSrat oder der Regierung erwünscht sei. Das VolkSschulgeseii. Im TanrisdHen PalaiS erschallen wieder die haß- erfüllten, chauvinistischen Reden der Nationalisten, die Tob- suchtSausbrüchc der junkerlichen Stallknechte, die heuchlerischen fprcdigten der orthodoxen„Pätcr�cn". und die Ministcp und ihr Bcamlenlroß gehen wieder aus und ein in dieser Kaimner der Bolkscntrcchtung, als wäre ihnen das„Zusammenregicren" mit der Duma schon in Fleisch und Blut übergegangen. DaS Paradestück der Session bildet das neue Volksschulgesetz. An- geblich die erste Stufe zur Verwirklichung des allgemeinen Volks- schul Unterrichts, in Wirklichkeit jedoch ein bureaukratisches Mach- werk, das der Verpfafsung der Volksschule Vorschub leisten soll. Aber auch gegen diese Vorlage der Dumakommission, die mit den Wünschen der Regierung bereitwilligst rechnete, erhebt das Mi- nisterium Einspruch. Es geht eben von dem Grundsatze aus, daß dem Volke die Dummheit erhalten werden müsse, da man eS sonst nicht regieren könne. Und die Mehrheitsparteien der Duma sind damit eigentlich einverstanden. Auch ihnen liegt weniger daran, die allgemeine Volksschulbildung in Rußland einzuftibren, als Rußland vor der Volksschulbildung zu schützen. Der Unter- schied in den vorgeschlagenen Methoden ist nur quantitativer: während die Dumamehrheit ihre Kommissionsvorlage präsentiert, schreit die Regierung nach einer Armee von Inspektoren, und der Vertreter des heil. Synods und die Dumageistlichen verlangen die Klerikalisierung der Volksschule in einem Umfange, wie sie selbst der berüchtigte Pobjedonoszew in den achtziger Jahren nicht zu fordern wagte. Auch auf diesem Gebiete zeigt es sich, wie die re- aktionäre Richtung der inneren Politik alles in ihren"Bann zieht und selbst den Interessen der herrschenden Parteien ins Gesicht schlägt. Die japanischen Siege haben dem offiziellen Rußland die Erkenntnis eingebläut, daß es einer kulturell höher stehenden Armee bedarf, während die Bourgeoisie immer mehr zur.Einsicht gelangt, daß die kapitalistische Produktion ein höheres Bildungs- Niveau des Arbeiters erfordert. Trotzdem sucht sich die Duma und die Regierung um ihre elementarsten, von ihren eigensten Jnter- essen diktierten Pflichten herumzudrücken und bewilligen nur einen Bruchteil dessen, was die Volksbildung verlangt. Die Folgen dieser Obstruktion gegen die Geschichte werden sich rechtzeitig genug einstellen und alle diejenigen, die diesen gewaltigen Prozeß aufzuhalten suchen, auf den Kehrichthaufen der GeschidEste werfen. Hmeriha. Kein Arbeitseifer. Washington, 30. November. Der republikanische Führer Senator Hale erklärte in einem Interview, in der kommenden Session werde der Kongreß keine gesetzgeberischen Arbeiten von größerer Wichtigkeit, insbesondere kein Tarifgesetz zu er- ledigen haben. parlametitarifches» Aus der Neichsbersichcrungsordnungs-Kommission. Sitzung vom Witt lo och, den 30. November. Eine Begüiistigung der Bctriebskrankenkassen. Die Versicherungsanst.üt soll alle in ihrem Bezirke Beschäftigten, die nicht in Soiideransralten ihrer Versicherungöpflicht genügen, umfassen. Werden Personen in einem Betriebe beschäftigt, dessen Sitz in dem Bezirk einer anderen Versicherungsanstalt liegt, so können sie mit Zustimmung der beteiligten Verficherungsaustalten auch bei der des Betriebssitzes versichert werde».— In der ersten Lesung ist der Zusatz gestrichen worden, daß Mitglieder einer Be- triebSkrankenkasse auf Antrag des Arbeitgebers bei der Versicherungs- anstalt des VetriebssitzeS versichert werden müssen. Jetzt in der zweiten Lesung wurde aber dieser Zusatz durch die Kon- servativen, Siationalliberalen und das Zentrum in die Vorlage wieder hineingebracht. Mitwirkung der Arbcitervertrrtcr im Borstande der BrrsicherungS- aiistaltcn. Die Sozialdemokraten lviesen ans die Unzulänglichkeiten hin, die sich daraus ergeben, daß nicht bestimmt sei, bei welchen Angelegenheiten die Vertreter der Unternehmer und Arbeiter im Vorstände der Landesversicherungsaiistalten mitzuwirken haben. Sie becnuragten daher, daß die Satzung der Versicheruugsanstalien auch über die Gegenstände bestimiucn soll, für die im Vorstaude die Mitwirkung der Vertrerer der Arbeitgeber und Versicherten bei der Beratung und den Beschlüssen erforderlich ist. Ter Antrag wurde angenommen. Gegen das Heilverfahren. Einen sehr bezeichnenden VerschlechternngSantrag brachten die Konservativen in bezug auf die Durchführung des Heil- Verfahrens ein. Sie forderten, daß der Voranschlag für Heilverfahren oder Jnvalidenhanspflcge der Genehmigung des ReichsversicherungS- amts bedürfen soll, soweit er 7 Proz. der Beitragseinnahmen überschreitet. Welche Bedeutung dies hat, ergibt sich daraus, daß viele Ver- sicherungSanstalten erheblich mehr als 7 Proz. für Heilverfahren zwecke aufgewendet haben, nämlich bis 28,83 Proz. der Beitrags- einnahmen. Daher wandten sich die Genossen Hoch und Molkenbuhr sehr entschieden gegen den Antrag, der dazu führe» würde, daß die Versicherungsanstalten die Heilverfahren, die sich bei so vielen kranken Arbeitern, bei Tuberkulosen, Herzkranken usw. als sehr segensreich erwiesen haben, viel seltener als bisher durch- führen würden. Auch Abg. Dr. M u g d a n sprach sich gegen den Antrag anö, ebenso Abg. KulerSii. Dagegen erklärte sich der Arbeitervertreter des Zen- lr um S.Äbg. Becker, für de» Antrag aus— finanziellen Gründen. Er erbat siÄ aber eine„beruhigende Erklärung" von der Regierung, daß daS ReichSversicherungsaml die notwendigen AuS- gaben für die Zwecke der Heilverfahren genehmigen werde. Selbstverständlich gaben die RegierungSverireter die gewünschte Erklärung. Unsere Genossen verwiesen demgegenüber darauf, daß bereits im Mai dieses JahreS das Reichsversicherungsamt die Ber- sicherungSanstalten zur— Sparsamkeit in bezug aus Heilverfahren gemahnt hatte und die Folge davon eine uuverantioortliche Ein- schränkung der Heilverfahren in manchen Versicherungsanstalten ge- wesen sei. Hierauf beantragte Abxp Dr. M u g d a n, daß das Reichs- versicherungSamt nur dann die Genehmigung der Ausgaben für die Heilverfahren verweigern dars, wenn die Ueberschreitnng jener 7 Proz. die finanzielle Sicherheit der Versicherungsanstalt gefährden würde. Diesen Antrag stimmten aber die Konservativen. N a t i o n a 1 l i b er a l e n und das Z e n trum nieder: sie wollten eben dem Reichsversicherungsamt fteie Hand zur Einschränkung der Ausgaben für die Heilverfahren lassen. Dafür nahmen sie aber den Antrag der Nationalliberalen an, nach dem das ReichsversicherungSaml bei der Prüfung der Aus- gaben für die Heilverfahren die Leistungsfähigkeit der Versicherungs- anstatt berücksichtigen soll. Der Zentrumöabgeordnete Dr. Fleischer verriet dabei mit einer außergewöhnlichen Offenheit, weshalb dieser Antrag angenommen werden müsse: Der Antrag hätte praktisch gar keine Bedeutung, er sei ganz„unschuldig", werde aber den schlimmen Eindruck, den die Einschränkung der Ausgaben für die Heilverfahren hervorrufen werde, abschwächen; er könnte die Leute draußen im Lande«beruhigen". Diese Offenheit war selbst dem Antragsteller und dem Arbeiter- Vertreter des Zentrums, Abg. Becker, zu stark. Beide Herren ver- sicherten, daß sie dem Antrage einen ßrößeren Wert beilegen.— Der Zwischenfall ist bezeichnend dasür, wie das Zentrum mit Hilfe der Konservativen und Nationalliberalen die Reform der Arbeiter- Versicherung betreibt._ Aus der Budgetkommission. Die Budgetkoinmission hielt am Mittwoch ihre erste Sitzung nach de.» Wiederzusammentritt des Reichstages ab. Zur Beratung stand der Entwurf eines„Reichsbesteuerungsgesetze s", per bereits gm 16. April die erste Lesung im Plenum des Reichs»- iages passiert hat. Es handelt sich darum, die S t c u e r p f l i ch k der Rcichsbetricbe zu regeln. Ter in der Vorlage auf- gestellte Grundsatz, wonach das Reich nur Bcuutzungs- und Ver- waltungsgebühren an andere Bundesstaaten zu entrichten hat, da- gegen von allen zur Hebuna gelangenden Staatssteuern, mit Aus- nähme der Steuern auf Malz und Bier, befreit ist, wurde im großen und ganzen von der Kommission gebilligt. Mit Rück- sicht darauf, daß in den Militärlantinen, namentlich aber in de» Ofsizierkasinos Wein auch au fremde Besucher aus- geschenkt ävird und in Pietz in einer Kaserne sogar Zigarren fabriziert werden, beschloß die Kommission, daß nur Einrichtungen, die zur Verpflegung der Truppen dienen, von der Steuer befreit sind. Ten Gemeinden, die durch fabrik- mäßige Reichsbetriebe, namentlich durch solche der Heeres- und Marincverwaltung stark belastet werden, soll ein gcsetz- mäßiger Anspruch aus ReichSzuschüsse gemährt werden, wenn die Zahl der in diesen Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter mehr als 10 Proz. der Zivilbevölkerung ausmacht. Bei dieser Fest- stellung sollen alle Arbeiter und Angestellten mit mehr als 2000 Mark Jahreseinkommen nicht mitgezählt t Verden. Das Zentrum hat einen Antrag gestellt, der auch von den Sozialdemokraten und den Freisinnigen unterstützt wird, wonach der Zuschuß unbeküm- mert um die Zahl der höher entlohnten Angestellten schon dann geleistet werden soll, wenn die Zahl'der in diesen Staatsbetrieben beschäftigten Ardeiter mehr als 2 Proz. der Zivilbevölkerung der Gemeinde ausmacht. Zur Ermittelung der Höhe der Zuschüsse sollen die Aufwendungen, die die betreffende:! Gemeinden für Volksschul- und Arme»lasten machen, maßgebend sein. Nach einem Antrag Gröber, der allgemeine Unterstützung fand. sollen auch noch die Polizei- und Straßenkosten mit verrechnet werden. Von den sozialdenwkratischen Mitgliedern der Kom- Mission wurde nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß Elsaß- Lothringen, das an stelle der bisherigen Besteuerung der Reichs« eisenbahnbetriebe in Zukunft von dem rechnungsmäßigen Ueber- schusse mindestens 200 000 M. erhalten soll, von der Neuregelung einen erheblichen Schaden haben würde. Die Diskussion über diese für das Reichsland und für die Beziehungen des Reiches zu demselben wichtige Frage wurde auf die Donnerstagsitzung vertagt. Bus der Partei. Gemeindrwahlerfolge. Noch einen schönen Wahlerfolg im schwarzen Münster» lande brachten uns die Stadtverordnetenwahlen in B u c r. Die sozialdemokratischen Kandidaten erhielten 1260—1276 Stimmen, gegenüber der vorigen Wahl ein Mehr von 863 Stimmen. Unsere Kandidaten kommen mit dem Zentrum in Stichwahl. Bei den Stadtverordnetenwahlen in der Militär- und Beamten- stadt Minden wurde kein endgültiges Resultat erzielt. Die drei sozialdemokratischen Kandidaten und ein bürgerlicher Kandidat stehen in Stichwahl, so daß uns ein Mandat sicher ist. Der Stimmenzuwachs unserer Partei ist ganz gewaltig. Während wir 1908 197 Stimmen erhielten, musterten wir bei dieser Wahl 563 Wähler. In Stockelsdorf bei Lübeck brachte es bei den Gemeinde- wählen die sozialdemokratische Liste auf 332— 335 Stimmen, während die Gegner mit 289— 281 Stimmen unterlagen. Die Sozialdemokratie hatte bereits im Gemeinderate die Mehrheit und hat diese Position glänzend behauptet. Bei den Gemeindewahlen im Herzogtum Anhalt erzielten wir verschiedene sehr erfreuliche Siege. In Nienburg wurden vier Genossen neu gewählt. Noch vor zwei Jahren siegten die Neichstreuen mit 70 Stimmen Majorität. Auch in Leopoldshall wurden drei Genossen erstmalig in das Gemeindeparlament gewählt. In Sandersleben gesang es. von vier sozialdemokratischen Kandidaten zwei zum Siege zu bringen. In Eythra in Sachsen gestalteten sich die Gemeinderats» Wahlen zu einem großen Erfolge der Arbeiterschaft. Sowohl in der dritten wie auch in der zweiten Wählerklasse wurden die Kandidaten der Sozialdemokratie mit großer Majorität gewählt. In der Stadtverordnctcnstichwahl in Frankfurt a. M. wurden 6 Kandidaten der fortschrittlichen Volkspartei, 3 National- liberale und 2 Mittelständler gewählt. Von den 11 zur Stichwahk stehenden Sozialdemokraten gelang es keinen durchzudringen.. DaS Endergebnis ist nunmehr: Die Frcisinn-Demokraten erhalten 34 Mandate, die Sozialdemokraten haben zwei ge- Wonnen, also 22 statt 20, die Nationalliberalen haben einen gewonnen, also 12 statt 11, die Mittelständler, das Zentrum und die Antisemiten haben je einen verloren, also haben sie im ganzen nunmehr 3 von 71 Mandaten erhalten. polizeiliches, Gerichtliches ufw. Ein Nachspiel zur Borussenaffäre. 750 Mark Geldstrafe wurden am Dienstag in zwei Preßprozessen von der Strafkammer des Kieler LaudgerlchtS über den verantwortlichen Redakteur der„SchleSwig-Holsteinischcn Volkszeitung", den Genossen Hermann Brecour, verhängt. Zunächst stand unter Anklage eine Notiz, durch die die Bonner Staatsanwaltschaft und ein Bonner Gericht beleidigt sein sollen. Bekanntlich waren Mitglieder des hochfeudalen Korps der Bonner Borusscn zu einer auffallend geringen Geldstrafe ver- urteilt worden, trotzdem sie sich grobe Ausschreitungen(Gefährdung eines Eisenbahnzuges usw.) hatten zuschulden kommen lassen. Die Staaisanwaltsckxift hatte zunächst Revision gegen das Urteil angc- meldet, diese Revision aber später wieber zurückgezogen. Die Kritik mußte, wie bereits gestern gemeldet, Genosse Brecour mit 600 Mark Geld st rase büßen.— Der Vorsitzende des Gerichts. Landgerichtsdirektor v. Grohmann, der schon früher ein- mal Gelegenheit genommen hatte, die Presse anzurempeln, wogegen selbst die in Kiel erscheinenden bürgerlichen Blätter Stellung nahmen, leistete sich in der Begründung des Urteils eine neue Brüskierung der Presse. Er führte aus, cS sei nicht nur in der politischen Richtung deS Angeklagten, sondern auch sonst Gepflogenheit, die Unpartcrlichkeit der gelehrten Richter herabzuwürdigen und herab- zusetzen. Der Herr täte wirklich besser, die Ursachen zu er- gründen, weshalb die deutsche Rechtsprechung beim Volke immer mehr in Mißkredit kommt. Auch die Bonner Borussen glaubte der Herr noch besonders verteidigen zu müssen. Die Bc- Zeichnung Rauf- und Saufbolde in der Notiz ist nach seiner Mei- nung unerhört gehässig und beschimpfend.— Die zweite Anklage richtet sich gegen eine Notiz:„Aus dem Reich« dcS Herrn von Brcitenbach". Auf Grund eines Gerichtsberichtes war behauptet worden, eine Firma habe an Mitglieder der Eisenbahn- dircktionen in Berlin und Breslau Bestcchungsgelder gezahlt. Diese Behauptung beruhte auf einer irrtümlichen Auffassung des Bc- richterstatters, tatsächlich hat die Firma n u r a n einen Eisenbahnwerkmeister Bestechungsgelder gezahlt. Diesen Irrtum mußte der Genosse Brecour mit 150 Mark Geldstrafe büßen._ Wieder ein beleidigter Rrichöverbändlct. Während des Kommunalwahlkampfes in Darmstadt hatte unser dortiges Parteiblatt dem Dr. Lutzwig vom Reichsverband einige unangenehme Wahrheiten gesagt, weil besagter Herr in einem Buche verschiedene Unwahrheiten über die Sozialdemokratie behauptet hatte. Darob fühlte sich der ReichSvcrbändler beleidigt und verklagte den verantwortlichen Redakteur des„Volksfreund", Genossen K n o b t a u ch. Das Schöffengericht erkannte gegen den Sünder auf 150 Mark Geldstrafe, eventuell einen Monat Gefängnis. Wie der Vorsitzende in der Begründung des Urteils ausführte, hätte in Rücksicht auf die sehr schweren(Presse-) Vorstrasen dcS Angeklagten digentlich auf Gefängnis erkannt werden müssen, das Gericht habe aber doch davon abgesehen, weil die Erregung des Beklagten über den Angriffe, artikel strafmildernd berücksichtigt werden mußt� GewerhrcbaftUcbe� 1400 Steinmetzen haben den Achtstundentag. Die Bearbeitung des Sandsteins ist äußerst gesuirdheits- schädlich. Wenn die Steinmetzen etwa das 25. Lebensjahr erreicht haben, dann sind sie schon berufskrank. Der Zentralverband deutscher Steinarbeiter hat es bekanntlich durchgesetzt, daß für die Steinmetzen in der Sandsteinindustrie diirch Bundesratsbeschlutz die tägliche Arbeitszeit auf neun Stunden festgesetzt wurde. Die Organisation hat es aber weiter durch eigene Kraft, wenn auch nach langwierigen Kämpfen, dahin gebracht, datz teilweise der Acht stunden- Arbeitstag errungen werden konnte. In, nachstehenden Orten hat der Achtstundentag Gültigkeit: Berlin, Breslau, Leipzig, Bunzlau, Plagwitz, Rackwitz, Neudorf, Hockenau, Warthau, Schöna und Posta. Die letzteren sieben Orte befinden sich durchwegs in ländlichen Steinbruchsgebieten, allerdings hat es dort die meiste Mühe verursacht, diese Forderung durch- Zudrücken. Ob die Herabsetzung der Arbeitszeit auf täglich 8 Stunden genügt, um die Berufskrankheit(Lungenschvind- sucht) unter den Steinarbeitern merklich eindämmen zu können, dürfte sehr fraglich sein. Ter Zentralverbaird der Steinarbeiter, der statistische Erhebungen darüber sehr pflegt, dürfte bald nachzuweisen in der Lage sein, daß in den-Orten mit verkürzter Arbeitszeit die Lungenschwindsucht weniger stark grassiert. Die Steinmetzmeister haben natürlich sehr häufig geltend gemacht, datz sie bei dieser Herabsetzung der täglichen Arbeits- �eit nicht mehr konkurrenzfähig seien. Wie irrig ihre Ansicht rst, geht daraus hervor, datz gerade gegenwärtig in den schlesi- schen und sächsischen Steinbruchsgebieten große Aufträge vor- liegen. Die verkürzte Arbeitszeit macht die Sandsteinindüstrie nicht tot, wohl aber die Kunststeinfabrikation. Berlin und Umgegend. Heber Mißstände bei der Firma Bergmann, Elektrizitätswerk, Oudenarderstratze. hat der„Vorwärts" vor einigen Wochen erst berichtet. Jetzt kommen die gleichen Klagen aus dem Werk Rosenthal, wo etwa 2000 Arbeiter beschäftigt sind. In einer Bo- triebsversammlung, die am Dienstag gleich nach Feierabend im Lokal„Paulinenhof" in Wilhelmsruh stattfand, wurden die Ver- hältnisse im Werk eingehend besprochen. Karl Wücke vom Deutschen Metallarbeiterverband referierte. Er führte eine Reihe von Mitzständen an, die allgemeine Unzufriedenheit erregt haben. Zum Beispiel seien die Wascheinrichtungen sehr mangelhaft, die •in einigen Abteilui�en sogar gänzlich fehlen, während man in anderen den Arbeitern die Seife entzogen hat. Bei manchen Ar- beitcn, wie bei der Verbleiung, sind bessere Wascheinrichtungen durchaus notwendig, soll nicht die Gesundheit der Arbeiter schwer gefährdet werden.— Ein Speisesaal, wie er in anderen großen Betrieben zum Einnehmen der Mahlzeiten vorhanden ist, fehlt hier, obgleich von Herrn Bergmann selbst den Arbeitern wiederholt versprochen worden ist. einen Speiseraum herrichten zu lasten.— Sehr ungenügend sind auch die Garderobeeinrichtungen. Oftmals hängen die Kleider ungeschützt irgendwo, und manchem Arbeiter ist schon etwas abhanden gekommen. Ueber den Mangel an Schutz- Vorrichtungen wird sehr viel geklagt. In der großen Maschinen- halle werden schwere Stücke über den Köpfen der Arbeiter trans- porticrt, während die Möglichkeit besteht, daß einmal eine Kette reißt, was eine Katastrophe zgr Folge haben müßte.— Die schwache Beleuchtung auf dem Hofe bringt ebenfalls viele Ge- fahren; vor kurzem erst entstand ein schwerer Unglücksfall dadurch. Im Bandwalzwerk ist die Beleuchtung auch unzureichend. Mannig- faltige Klagen kommen aus allen Abteilungen. Vielfach werden Lohnabzüge gemacht; in der Spinnerei, wo viele Frauen arbeiten, zieht der Meister etwas vom Lohn ab, ohne genügende Aufklärung über die Gründe der Abzüge zu geben. Nicht selten erhalten die Arbeiterinnen weniger, als sie glauben verdient zu haben. In der Autobauabteilung werden ebenfalls große Abzüge gemacht, da- gegen wird dort immer mehr an Leistungen verlangt. So soll ein Arbeiter jetzt drei Fräsemaschinen bedienen, der früher nur zwei bedient hatte, und doch läuft die dritte Bank oft nur leer. Auch körperliche Kontrolle müssen sich Arbeiter gefallen lassen. Das trifft allerdings meist nur diejenigen, die Ueberzeit arbeiten. Berg- mann hat sich einmal dahin geäußert, daß die Ueberstunden ge- ivöhnlich„zum Stehlen von allerlei Material" benutzt würden. Wücke meinte, wenn man boshaft sein wollte, dann könnte man denjenigen, die sich nach Ueberstunoen drängen, eine solche BeHand- lung wohl gönnen, aber aus Brinzip müßte man dagegen prote- stieren, daß die Arbeiter als Spitzbuben betrachtet werden. Er empfahl den Arbeitern, zusammenzustehen, für Verbesserungen energisch einzutreten und sich der Organisation anzuschließen.— In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten noch vielfach ergänzt. Viele Klagen wurden noch laut, viel Unzufrieden- hcit gab sich kund._ Die Lohnverhältniffe der Metallarbeiter in der Mtlitäreffektenbrauche. Ju den Militäreffektenfabriken herrschen noch ganz erbarm- liche ABeitsbeoingungen. Es werden Löhne gezahlt, die zu einer auch nur halbwegs befriedigenden Lebenshaltung gänzlich un. zureichend sind. Dabei sind es Arbeiter, die ihren Beruf, die als Gürtler, Drücker ustv. ihre vier Jahre gelernt haben und sich gleichwohl mit Löhne» zufrieden geben, die weit hinter dem zurückbleiben, was in anderen Branchen der Metallindustrie Hilfs- arbeiter verdienen. Die Ursache ist selbstverständlich die, daß die Arbeiterschaft der Branche sich seit vielen Jahren nicht um die Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse bemüht hat. Nach einer zweijährigen Ruhepause hatten sich die Arbeiter und Arbeiterinnen der Militäreffektenfabriken am Dienstag wieder einmal ziemlich zahlreich versammelt, um sich über die Verhältnisse auszusprechen. Wie der Vertreter des Metallarbeiterverbandes, W u s ch i ck, als Referent ausführte, besteht zwar im allgemeinen in der Branche als regelmäßige Arbeitszeit die neunstündige, jedoch wird viel Ueberzeitarbeit geleistet, was den Arbeitern zum Teil als ein annehmbares Mittel erscheint, die elenden Löhne etlvas aufzubesser». Die Löhne belaufen sich auf 22 bis 32 M. die Woche. Höhere Löhne sind außerordentlich selten. Manche sind Jahrzehnte lang in ein und demselben Betriebe tätig und verdienen nicht einmal 30 M. die Woche. Bei der Firma (Schwerin u. Sohn ist. wie berichtet wurde, ein Gürtler IS Jahre beschäftigt und hat es glücklich auf 45 Pf. Stundenlohn gebracht. Hier und da kommt es noch vor oder kam es wenigstens noch vor einigen Jahren vor, daß die Arbeiter einen gewissen Künstlerstolz darüber zur Schau trugen, daß sie die blinkenden Helmspitzen und den berühmten preußischen Adler anfertigen durste», wenn sie dabei auch nicht einmal das zu einem anstän- digen Leben Nötige verdienten. Es scheint jedoch, daß diese Tor- heit jetzt überwunden ist. Die Versammlung zeugte dafür, daß man auch in dieser Branche die tatsächlichen Verhältnisse erkannt und eingesehen hat, daß eine Besserung nur durch eine starke Or» ganisation erreicht werden kann. Uebrigens wurde in der regen Diskussion ausgeführt, daß der Referent die Verhältnisse noch zu rosig geschildert habe. Der Lohn von 22 M. sei durchaus noch nicht der niedrigste; es komme vor, datz 18, 17 M., ja noch weniger Lohn �ie AZoche gezahlt werde. Der Referent habe nur zu sehr recht, wenn er die Militäreffektenfabriken als Anstalten zur?lus- btldung von Hungerkünftlern bezeichnete. Im allgemeinen wurde hervorgehoben, daß man alles aufbieten müsse, um endlich einmal zu einen« festen Tarifvertrag zu gelangen, wie er in Hannover füc die Branche bereits durchgeführt ist._ verantlv. Redakp; fttAgrb Berlin. Jnferatenteil perantw-z Die Geselleuausichuhwahl bei der Germania- Bäckerinnung ist auf morgen, Freitag, den 2. Dezember, mittags 2 Uhr, im Gerinania-Jnnungshaus, Chausseestr. 110, angesetzt. Bei der Bedeutung, die diese Wahlen seit dem Auftreten der Gelben haben, speziell für die nächste AmtSdauer des Ausschusses, ist es unbedingt notwendig, daß alle Wahlberechtigten pünktlich zur Wahl erscheinen. Wahlberechtigt sind alle Bäckergesellen, die spätestens bis zum 2. Dezember dieses Jahres 21 Jahre alt sind und bei einem Meister arbeiten, der dieser Innung angehört. Wahlberechsigt sind auch jene Gesellen, die an diesem Tage nur aushilfsweise beschäftigt werden. Die Jnnungsleitung gibt gedruckte Wahllegitimationen heraus, ohne welche niemand zur Wahl zugelassen wird. Die Wahlberech- tigten müssen diese Legitimationskarten von ihren Meistern zeitig genug fordern. Pünktlich zur Wahl zu erscheinen, ist unbedingte Pflicht. Für die Verbandsmitglieder wird mittags 12 Uhr im unteren des Jnnungshauses eine vorbereitende Versammlung ab- gehalten und wird dort auch der Kontrollvermerk betreffend.Wahl- deteiligung" inS Mitgliedsbuch einaedruckk. Wer diesen Vermerk nicht aufweisen kam«, ist nicht zur Wahl erschienen und hat gegen die Interessen der Berufsgenoffen ver- stoßen. Die Agitationskommission des Verbandes der Bäcker und Konditoren. Der Streik in dem Allgemeine» Deutschen Metallwerk G. m. b. H. in Ober-Schöneweide ist beendet. Die Sperre ist hiermit auf- gehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. DeutTcheo Reich. Unternehmermoral. Die Arbeitgeber des Baugewerbes in Strausberg i. Mark ge- hören anscheinend zu denen, welchen es erhebliche Mühe macht, den Arbeitern das gegebene Wort zu halten. Seit mehreren Jahren bestehen zwischen ihnen und den Maurern und Bauhilfsarbeitern Verträge oder Abmachungen, die immer vom Frühjahr bis zum nächsten April gelten sollten. Trotzdem versuchten mehrere dieser ehrenwerten Männer, diese Abmachungen in jedem Winter zu durchbrechen und die Löhne zu kürzen, so daß wiederholt Bau- sperren erforderlich wurden. Zu Anfang dieses Jahres wurden wieder Verhandlungen ge- führt, die eine Lohnerhöhung und eine Verkürzung der Arbeits- zeit zum Ziele hatten. Am 27. Februar ging dem Zweigverein der Maurer folgendes Schreiben zu: „Die Arbeitgeber teilen auf das Schreiben vom 25. d. M. folgendes mit. Bei der letzten Besprechung mit Ihrem Vor- stände haben wir uns dahin verständigt, den Stundenlohn und zwar vom 1. 4. 1910 bis 31. 3. 11 für den Gesellen bei lOstün- diger Arbeitszeit auf 00 Pf. zu erhöhen. Wir sind nicht in der Lage, für dieses Jahr mehr bewilligen zu können. Hochachtungsvoll Wilh. Liesegang. Fritz Staudt. Otto S ch n ü r b e I." Zeit und Umstände veranlaßten die Maurer, auf die weiter- gehenden Wünsche zu verzichten und sich mit diesem Angebot zu- frieden zu geben. Die Bauhilfsarbeiter erkämpften sich dann im Lause des Sommers ebenfalls eine Lohnerhöhung von 40 auf 50 Pf. die Stunde. Aber wie das Mädchen aus der Fremde, so erscheinen jetzt wieder mit Eintritt des Winters die LoHnrednzierungeit. Den Anfang macht Herr Maurermeister Schnürbel, der, wie aus dem obigen Schriftstück ersichtlich, sich bereit erklärte, den Maurern bis 31. März 1911 00 Pf. Stundenlohn zu zahlen. Am vorigen Löhnungstage kürzte er den Maurern und Bauhilfsarbeitern den Lohn um 10 Pf. pro Stunde. Als die 20 Beschäftigten durch Ar- beitseinstellung gegen diese Praxis protestierten, schwang sich der Herr zu einer heroischen Tat auf und erklärte, zwar den fälligen Lohn für die verflossene Lohnperiode nachzuzahlen, aber in Zu- kunft den bisherigen Lohn um 5 Pf. zu kürzen. Er meinte, daß dies doch ein ganz gerechtes Verfahren sei. Es würde doch sehr bald Frost eintreten, was unter Umständen zur Folge haben könnte, daß unter diesem Witterungseinfluß manche Arbeit leiden würde und noch einmal angefertigt werden müßte. Da müßten doch die Arbeiter einsehen, daß er jetzt den gleichen Lohn wie im Sommer nicht zahlen könne. Die Arbeiter sind aber so einsichtslos und können der Lohn- Politik des Herrn Schnürbel nicht zustimmen und dies um so weniger, als der Vater Staat, der Hauswirt und die Lieferanten der Gebrauchsgegenstände für den Arbeiterhaushalt zu der höheren Lebenscmschauung des Bauunternehmers von Strausberg sich noch nicht durchgerungen haben und an den Bauarbeiter im Winter wie im Sommer die gleichen Anforderungen stellen. Sie wollen es trotz des drohenden Winters Unternehmen, den Herrn zu einer anderen Ansicht zu bekehren._ Der Streik auf Zeche Lukas und die Christliche«. In der Versammlung der Streikenden am Mittwoch gab der Gewerkvereinsbeamte H ü S k e s namenS des Zentralvorstandes der Christlichen folgende Erklärung ab: »Zum Streik auf Zeche Lukas erklärt der Zentralvorstand deS Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands folgendes: 1. Die Belegschaftsmitglieder, welche dem Gewerkverein an- gehören, haben sich den Bestimmungen des Statuts und des Streikreglements entsprechend zu verhalten. Selbige bestimmen, daß die statutarische Streikunterstützung nur den Mitgliedern ge- zahlt werden kann, welche mit Genehmigung des Zentralvorstandes in den Streik eintreten. 2. Der Zentralvorst and gibt zu dem Streik auf Zeche Lukas keine Genehmigung, weil die Belegschaft unter Disziplinbruch in den Streik eingetreten ist. 3. Wir fordern die Einzelmitglieder des Gewerkvereins, die mit in den Streik eingetreten sind, auf, unverzüglich die Arbeit wieder aufzunehmen. Wer nicht sofort die Arbeit wieder aufnimmt, wird aus dem Gewerkverein ausgeschlossen. 4. Der Zentralvorstand des Gewerkvereins erkennt die von anderen Organisationen über Zeche Lukas verhängte Sperre nicht an und st eilt es den Gewerkvereinsmitgliedern frei, dort Arbeit anzunehmen. Der Gewerkverein wird seine Mitglieder, die auf Zeche Lukas arbeiten, gegen Ueber- griffe zu schützen wissen." Diese Erklärung erfuhr in jedem einzelnen Punkt den heftigsten Widerspruch der gesamten Belegschaft. Jeder Satz wurde mit„Pfui" und einem spontanen Entrüstungssturm seitens der Versammelten beantwortet.— Die Leiter des alten Verbandes und auch der Be- zirksleiter der Hirsch-Dunckerschen brandmarlten das Verhalten deS GewerlvereinS als einzig dastehend in der Arbeiterbewegung. Es muß dabei bemerkt werden, daß die Christlichen unter den Streiken- den kaum in Frage kommen, denn es sind unter einer Belegschaft von 034 Mann nur vier Christliche. Es ist bemerkenswert, daß die Christlichen aus anderen Revieren dort arbeiten sollen.— Die Kommisston erstattete Bericht über die mit dem Bergrat gepflogenen Verhandlungen. Der Bergrat empfiehlt, die Arbeit wieder auf- zunehmen, denn die Zeche werde wahrscheinlich nicht verhandeln. Auch seien die behaupteten Mißstände nicht wahr. Er habe weder Hohlräume, noch Wetteransammlunaen, noch Holzmaugel bemerkt. Die Sicherheitsmänner hätten ebenfalls keine Mißstände gefunden. Daraufhin erklärten mindestens 12 Versammlungsteilnehmer, daß sie bereit seien, mit dem Bergrat anzufahren und ihm die Wetterlöcher zu zeigen.— Die Versammlung nahm zum Schluß eine Abstimmung vor, daß weiter gestreikt werden soll. Der Buchbmdcrstreik in Braunschweig konnte am Montag, den 28. November, durch Verhandlungen von Vertretern beider Parteien beigelegt werden. Merkwürdigerweise weigerten sich die hauptsäch- Ct. Vloikr, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlaalanktcMl' lich in Betracht kommenden Bnchdmckereibesitzer(die die größten Buchbindereibelriebe besitzen, während in der Buchbinderinnung fast nur Kleinmeister vertreten find) einen Tarifvertrag abzuschließen, da angeblich die Braunschweiger Verhältnisse für einen Buch- bindertarif noch nicht reif seien. Dafür wurde aber ein Uebereinkommen mit dem Buchbinderverbande abgeschlossen, nach dem die Lohnsätze analog dem Hannoverschen Betriebe geregelt sind, was für Brannichweig ein ganz annehmbarer Vorteil ist, da dort bisher faktisch keine Minimallöhne bestanden. Außerdem sollen die über Minimum entlohnten Gehilfen ab 1. Januar eine ihren Leistungen entsprechende Zulage erhalten. Wegen der Wieder- einstellung der Streikenden schloß der 14tägige Streit nicht so günstig ab, da nur der kleinere Teil der Streikenden zunächst be- rücksichtigt werden kann, doch versprachen die Unternehmer, bei vor- kommendem Bedarf die verheirateten und älteren Arbeiter in erster Linie zu bevorzugen und Arbeitskräfte überhaupt so lange anS den Streikenden zu entnehmen, bis diese wieder untergebracht sind. In der Kunstbutterfabrik von Wizemann iu Obertürkhei« sWürttemberg) stehen die Arbeiter und Arbeiterinnen im Abwehr- streik. Wegen Maßregelung einiger Arbeiterinnen— es wurden un- organisierte eingestellt und seither im Betriebe beschäftigte organi- sierte Arbeiterinnen entlassen— haben sämtliche organisierten 35 Ar- beiterinnen die Arbeit niedergelegt. Seit April dieses JahreS besteht im Betriebe ein mit dem Verbände abgeschlossener Lohntacif. Diesen sucht die Firma dadurch teilweise zu umgehen, daß sie Arbeiterinnen mit den höheren Löhnen entlassen bat und an ihre Stelle neue ein- stellte mit geringeren Löhnen. Die Firma setzt ihre Produkte in der Hauptsache bei Konsumvereinen ab. Ein Streit um die Landarbeiter droht anscheinend zwischen den Ultramontanen in Bayern auszubrechen. Das Organ der katholischen Arbeitervereine hat vor kurzem die Notwendigkeit der Gründung von Arbeitervereinen auf dem Lande darzutun versucht. Die ultramontane„Augsburger Postzeitung" ist darüber empört und schnarcht das Arbeiterblatt folgendermaßen an: „Es ist ungeheuerlich, daß der„Arbeiter" immer wieder die Gründung von ländlichen Arbeitervereinen empfiehlt, obwohl schon mehrere solcher Vereine sich nicht als lebensfähig erwiese» und wieder eingingen. So wenig sich die Bauernvereine mit dem Jndustriellenverband vereinigen werden, so wenig lassen sich landwirtschaftliche Arbeiter mit den Industriearbeitern in gleichen Vereinen und mit gleichen Gesichtspunkten leiten. Hierzu eignen sich viel besser die Burschenvereine oder die Heimschen Dienst- botenvereine. Staatsbürgerliche Schulung, Versicherungsgesetz- belehrung usw. kann und wird auch in diesen Vereinen behandelt werden. Warum also immer zersplittern?" Diese rührende Sorge um die Landarbeiterorganisation hat natürlich ihren besonderen Grund. Man will die Landarbeiter nicht in zu nahe Berührung mit den Industriearbeitern kommen lassen. damit sie nicht durch Streikgedanken angesteckt werden. Seit in Bayern schon einige Male Landarbeiter, die in der christlichen Ge- werkschaft organisiert waren, gestreikt haben, ist man in dieser Hinsicht im Zentrum sehr empfindlich geworden. Die nltramontan gesinnten Landarbeiter aber sollen offenbar gar nicht gefragt wer- den, welche Organisationsform sie sich wünschen. Sie müssen sich einfach willenlos in den Pferch hineintreiben lassen, den der Herr Pfarrer für sie bestimmt. Ausland. Einigung in der englischen Kesselinduftrie. Die Arbeitgeber der Kesselarbeiter für die Marine haben die Vereinbarungen angenommen, welche in einer Konferenz mit Dele- gierten des Handelsamtes getroffen war. Die Aussperrung der Kesselarbeiter dauert seit Ende September und war durch Teil- ausstände verursacht worden. Zu Anfang nächster Woche wird die Arbeit in allen Betrieben in vollein Umfange wieder aufgenommen werden._ Bevorstehende Beilegung des englischen Bergarbeiterstreiks? Aus C a r d i f f wird gemeldet: Die 25 000 Ausständigen der Cambrian und Aberdaregrnden haben mit großer Mehrheit be- schlössen, die bereils abgelehnte Vermittelung des Gewerkvereins nunmehr anzunehmen. Somit sind Aussichten zur Einigung vor- handen._ letzte ffocbrichtcn. Eine Lohnbewegung der Ruhrberglente. Wie uns ein Privattelegramm aus Bochum meldet, fand Mittwochnachmittag eine gemeiuschaftliche Kon- ferenz der Vorstände des Hirsch-Dunckerschen, des polnischen und des alten Bergarbeiterver- band es statt. Es wurde beschlossen, mit Lohnforderungen an den Zechenverband heranzutreten. Mit diesem Beschluß treten die Bergarbeiter des Ruhr- reviers in eine von ihnen längst gewünschte Lohn. bewegung ein._ Englische Wahlreden. Manchester, 30. November.(W.T.B.) Lord Rosche rh sprach heute in der hiesigen Freihandelshalle zu einer Ver. sammlung. Er erklärte, unter der gegenwärtigenRegie. rung sei es zu einer sehr ernsten Beschränkung der persönlichen Freiheit gekommen, einer Beschränkung, der sich die Vorfahren der heutigen Generation niemals unterworfen hätten. Lord Rosebery erklärte, es gäbe keine größere Gefahr für die Freiheit, als die Einsetzung einer einzelnen Kammer, wie sie von der Regierung vorgeschlagen worden sei. Die Vergehen der Lords seien nicht so schlimm, wie man behauptet habe. Die be- vorstehenden Wahlen seien in leichtfertiger, unüber» l e g t e r W e i s e und ohneGrundherbeigeführt worden. Er selber sei«in eifriger Befürworter einer starken, demokratischen zmeitcn Kammer. Hinter der Regierung rage das RiesenzepterdesSozialismus empor, der die Schranie einer zweiten Kammer zu entfernen wünsche. Er beabsichtige keineswegs, das Oberhaus oder sgine auf dem Erblichkeits- Prinzip beruhende Zusammensetzung zu verteidigen; er greife es im Gegenteil seit fast 30 Jahren an. Er habe das Vertrauen zu der Nation, daß sie auf die ihr vorgelegten Fragen eine ver- nünftige Antwort geben werde. Zum Tode verurteilt. Leipzig, 30. November.(W. T. B.) Heute sind die beiden Stall schweizer Schwinger-Freiberg und Schal- kowsky-Heiligenbrunn vom Schwurgericht zum Tode verurteilt worden. Sie hatten in der Nacht zum 4. Mai d. I. die 77jährige Friederike Eismann in Portitz ermordet und be- raubt. Ueberschwemmungskatastrophe in Frankreich. Paris, 30. November.(W. T. B.) An der K ü st e der B r e- tagne herrschen heftige Stürme. Die Stadt AngerS steht zum größten Teil unter Wasser. Der Verkehr in der Stadt kann nur mittels Booten bewerkstelligt werden. Bei Bcncest ist der Tamm durchgebrochen und das Wasser überschwemmt ganz: Strecken Landes. Die anwohnenden Pächter mutzten ihre Woh» nnngen verlassen. Auch die Rhone ist in schnellem Steigen begriffen und die llferbewohner schweben in großer Gefahr. Bau! Singer St Co., Berlin 5ZV, Hierzu 3 Beilagen u.UuterhaltungSbl, |i. 281. 27. Jahrgang. t WIM des Jormiitts" fitiliiitt WIKsdlM Donnerstag. 1, Dezember 1910. Reichstag» 90. Sitzung. Mittwoch, den 30. November, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Die Gescbästsordnungskommission beantragt, die Genehmigung zur Sla-Verfolgung des Abg. Dr. P a ch n i ck e(Vp.) wegen Ueber- tretung ortspolizeitilber Vorsckriflen zu versagen. Bcrichterstaner Abg. Dr. Junck(natl.s weist unter großer Heiter- keit der Linken daraus hin. daß dem Abg. Packnicke Nicktbefolgung der polizeilichen Anmeldepflicht und Aehnlickes vorgeworfen werde. Abg. Dave: Wir haben gegen den Antrag der Kommission nichts, aber mit Rücksicht auf die Bedeutsamkeit des vorliegenden Falles sHeiterkcit), möchte ich darauf etwas eingehen. Es könnte sonst vielleicht binnen kurzem ein Artikel im Organ des Herrn Reicks- kanzlers erscheinen, der darauf hinweist, daß, wenn schon so maß- volle Mitglieder der Linken wie Kollege Dr. Pachnicke mit dem Staatsanwalt in Konflikt kommen, dies ein Zeichen für die bedenkliche Verwilderung infolge der Ver- heyung des Volkes sei.(Heiterkeit.) Ich möchte daher kurz auf die rechtliche Seite der Sache eingehen. Es handelt sich um mehrere Straftaten, die nicht im ideellen Zusammenfluß, sondern in realer Konkurrenz stehen.(Heiterkeit.) Ort der Tat ist die Ge- meinde Hopferau bei Füßen in Bayern, wo Kollege Pachnicke seit fünf Jahren seinen Sommer zuzubringen pflegt. Er soll zu- nächst für ein weibliches Mitglied seines Haussiandes die vor- geschriebenen Krankenkassen beitrüge nicht gezahlt haben. Man würde ja vielleicht darin einen Rückfall in Manchester- liche Anschauungen(Heiterkeit) eine Verachlung der sozialen Fürsorge des Reiches(Heiterkeit) erblicken können, aber die Krankenkassen- beitrage sind in Wirklichkeit doch bez ahlt. Nickt so einfach liegt die andere Tat. Hier handelt es sich um ein sogenanntes fort- gesetztes Verbrechen.(Heiterkeit.) Bisber ist in den fünf Jahren ein Vorgehen Wegen der nickt erfolgten Polizei- liche n Anmeldung unterblieben. Es scheint aber, daß der Ortsvorsteher, wie ich höre, Mitglied der Landtags- fraktion des bayerischen Zentrums(Heilerkeit), den Verdacht bekommen hat, daß etwa Kollege Pachnicke dort Unter- stützungswohnsitz erlangen könnte(Große Heiterkeit) und sich daraus finanzielle Schwierigkeiten für die Gemeinde ergeben könnten, (Erneute große Heilerkeit) oder hak er geglaubt, daß nunmehr ein Einniste» staltfindet und die Gefahr der Verseuchung der betreffenden Gegend mit unzuträglichen Gedanken zu besürcklen sei?(Heiter- keit.) Nach Ansicht der bayerischen Autoritäten auf diesem Gebiete (Heiterkeit) besteht allerdings die polizeiliche Anmeldevflicht in Hopferau, diese Straftat scheint alio wirklich begangen zu sein. Ich möchte daraus einen allgemeinen Schluß ziehen. Im Ha:nlel sagt der König, als Hamlet den hinter einem Vorhang versteckten Polonius ersticht:.Die schwere Tat, sie hätte uns getroffen, wenn wir daselbst gestanden hätten." Im Juteresse des ungestölten Fortganges unserer Verhandlungen möchte ich also dock die Kollegen ermahnen, künftig sich nicht nur, wenn sie nach einem fremden Orte in Bayern kommen, zu erkundigen„Wo trinkt man hier das beste Bier, (Heiterkeit) sondern auch danach, welche ortspolizeilichen Vorschriften in bezng auf die Auineldepflicht bestehen. Nun zu der politischen Seite des Falles!(Heiterkeit.) Bei den Beratungen der Strafprozeßkommission ist bekanntlich einer der wesentlichsten Streitpunkte zwischen der Regierung und der Koinniission die Frage der Jmnrunität der Reichstags- Mitglieder. Nun'können wir ja die beruhigende Versicherung aus diesem Falle mitnehmen, daß wir in geordneten Zuständen leben(Heiterkeit), daß Recht und Gesetz bei uns nicht erschüttert werden, wie das neuerlich so oft behauptet wird, aber wir werden doch, wenn die Frage der Immunität zur Verhandlung kommt, von der Regierung die übliche Wendung hören: man könne den Reichstagsabgeordneien leinen Freibrief geben, Verbrechen zu begehen(Heiterkeit), und die Versicherung, daß nicht etwa überflüssige Sachen zur Anzeige kämen, daß man sich dafür auf den Takt und die Geschicklichkeit der Be- Hörde verlassen könne.(Heiterkeit und Sehr gut l links.) Dann wird es gut sein, auf den Fall Pachnicke zurückzugreifen. Aus diesem Grunde können wir dem Bürgermeister von Hopferau Dank wissen, daß er die Weltgeschichte der Kämpfe zwischen Staats- autorilät und Parlamentarismus um den Fall Pachnicke bereichert hat.(Heiterkeit und lebhaftes Bravo I links.) Rleines feuilleton- Was man nicht zählt. Warum zählt man die Menschen? Die Gelehrten der Statistik steigen zum Volke herab und belehren es über die ungeheuere Wichtigkeit der Volkszählung. Und Leute, die es im Leben zu gar nichts gebracht haben, können es an diesem Tage doch zu zwei Ehrenposten bringen: Man ist ein Gezählter oder gar ein Zähler. Vielleicht liegt es daran, daß ich mich längst zu den Ueberzähligen rechne, oder es ist ein angeborener Hiriidefekt. der mich die Erhabenheiten von rubriziertem Papier, Additionsexempeln und Tabellensatz nicht begreifen läßt— kurz, ich wage das Bekenntnis: die Volkszählung ist mir(hoch- deutsch gesprochen) schnuppe, total schnuppe. Das Vergnügen scheint mir mit zu viel Arbeit erkauft, statistisch mit ungeheuerer Umständlichkeit festzustellen. was man schon— vorher weiß l Die Statistik scheint mir ein Kunstgriff der regierenden Bureaukratie, die Menschen von dem. was man wissen möckte, /aber nicht wissen soll, abzulenken auf die ziffernmäßigen Nachprüfungen dessen, was selbst- verständlich und jedermann obne Volkstählung bekannt ist. Daß ich im Hauptbuch des Deutschen Reiches— vor der elek- irischen Zählmaschine sind wirklich einmal alle Menschen gleich— den Ziffernwert 1 habe, ist mir nicht unbekannt. Ich weiß auch, was sich, wenn man all die Einser ziisammenzähl». ergeben wird: Deutsch- land verinehrt sich jährlich um 800 000 Menschen, vielleicht auch um eine Million. Wozu also erst zählen. Es ist mir auch nicht Zweifel- hast, daß die Menschen gewöhnlich entweder männlich oder weiblich find und daß gerade die kleinen Verwechselungen des Geschlechts, die vielleicht Feinschmecker interessieren könnten, in der Zählung nickt be- rücksicktigl werden; wer kein Geschlecht hat. hat auch keine Rubrik, er muß sich in irgendeine Sparte hineinmogeln. Ick wette, daß maii nach einiger Zeit einen beträchtlichen Ueberschnß der Frauen ermitteln wird. Ick weiß ferner, daß die Menschen sich gemeinhin in verschiedenen Altersstufen befinden, und in irgendeinem festen Ort. bisiveilen auch in einem beweglichen— Eisenbahnen oder Schiffen— geboren sein müssen; allenfalls hätte es für mich Reiz zu wissen, ob neuerdings in Luftschiffen und Drachenfliegern Menschen nicht nur gestorben. sondern auch bereits geboren sind. Endlich wird inir die Zählung mit Sicherheit die Talsache entschleiern, daß die größere Hälfte der Deutschen evangelische, die kleinere katholische Christen sind; daß es außerdem über'600 000 Jude* gibt, einige Mennonilen und ein paar Dissidenten, die sich seit lSOS vermehrt haben. So wird die Volkszählung in ihrer gespreizten Wichtigkeit vor- übergehen, und ich werde hintendrein genau so klug sein wie zuvor. Da« heißt: ich werde ein Fremdling in meinem Lande sein und ganz und gar nicht wissen, was diele 60 oder 64 Millionen Mensche» denken und treiben, wie sie leben, wie sie sich kleiden, was sie essen, wie sie wohnen. Und doch, was könnte man alles durch eine Volks- zählung erfahren. Die„Konfession" ist sehr gleichgültig. Aber wichtig wäre die Beantwortung der Fragen: Glauben Sie an die Konfession, zu der Sie sich zählen? Handeln Sie nach Ihren Vor- schritten Gehen Sie in die KirÄe? Beichten Sie? Wie oft{ Der Familienstand beschränkt sich auf das Problem: Ledig. Ver- Heirat, Verwitwet, Geschieden. Daß ein fünfjähriges Kind in der Abg. Dr. Arendt(Rp.): Die Sache hat auch ihre ernste Seite. Es ist ein grober Mißgriff der in Betracht komnienden Persönlichkeit, daß wir gezwungen sind, unsere Zeit mit dieser An- gelegenheil zu vergeuden.(Sehr richtig I> In be�ug auf die Straf- Prozeßreform irrt sich aber Herr Dove. Ick glaube, sie wird uns schützen vor der Wiederkehr solcher Mißgriffe. Der Satz rllinima non curat praetor(um Kleinigkeiten kümmert sich die Be- bürde nicht) wird durch sie berücksichtigt, indem dem Gericht größerer Spielraum eingeräumt wird, zu entscheiden, was Strafverfolgung verdient und was nickt. Abg. Mcycr-Kausbenren(Z.): Als Vertreter des betreffenden Wahlkreises(Heiterkeil) muß ich den betreffenden Amtsanwal in Schutz nehmen. Bei Unterlassung der Verfolgung einer strafbaren Handlung würde er mit Zuchthaus bestraft werden.(Große Heiterkeit.) Für das Legalitätsprinzip ist gerade die Freisinnige Volkspartei eingetreten.(Hört! hört! im Zentrum.) Im übrigen handelt es sich um ein schwebendes Verfahren (Erneute große Heiterkeit) und gerade die Freisinnigen haben den Standpunkt vertreten, daß der Reichstag in ein solches nickt ciw greifen dürfe. Im übrigen hat Herr Dove in bezug auf die Polizei- liche Amncldung das Vorliegen eines Deliktes selbst anerkannt. (Bravo l im Zentrum.) Abg. Dove(Vp.): Es ist mir nicht eingefallen, irgend einen Beamten auzugreisen. Wenn sich jemand durch meine Ausführungen beschwert fühlen konnte, so höchstens Kollege Pachnicke, denn ich habe ihn der Strafverfolgung preisgegeben. (Heiterkeit.) WaS das Legalirätsprinzip anlangt, so habe ich ja nichts dagegen, daß die Tat gerochen wird.(Heiterkeit.) Aber war es so eilig? frage ich. Verjährung kam nicht in Frage. Ich habe lediglich die staatsrechtliche Frage erörtert, ob wegen eines solchen Falles der Reichstag in seinen Arbeiten gestört werden mußte. (Bravo! links.) Dannt schließt die Debatte. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Das Gesetz betr. den Schutz des Reichsbanknoten- papiers gegen Nachahmung wird debattelos in dritter Lesung angenommen. Das Knrpfuschereigesetz. Es folgt die erste Beratung des Gesetzes gegen Mißstände im H e i l g e w e r b e. Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Mißstände auf dem Gebiete der Kurpfuscherei und des Geheimmittelwesens sind so groß, daß ein gesetzliches Eingreifen unbedingt notwendig er- scheint. Eine gänzliche Unrersagung des gewerbsmäßigen BeHandelns Kranker durch nicht approbierte Personen erscheint nicht angängig; einen Zustand, der so lange besteht, kann man nicht auf einmal radikal beseitigen, ohne schweren Schaden zu stiften. Nur bei bestimmte» Krankheiten, wie Geschlechtskrankheiten, soll nach dem Entwurf die Be- Handlung durch nicht approbierte Personen ganz ausgeschlossen sein. Auch die G e h e i ni m i t t e l können nicht ohne weiteres durch weg verboten werden, sondern das unbedingte Verbot kann sich»mr auf bestimmte Gehcimmittel erstrecken. Vor allem sollen die reklamehasten Anpreisungen von Heilmitteln verboten werden, und der Bundesstaat soll die Befugnis erhalten, das Verbot von Geheimmüteln zu erweitern. Abg. Dr. Faßbcnder(Z.): Man kann den Aerzten Wohl zu- gestehen, daß sie Anspruch auf Schutz vor unlauterer Konkurrenz haben, weil man von ihnen einen staatlichen Befähigungsnachweis verlangt. Aber dieser Schutz darf nicht"so weit gehen, daß man das berechtigte Interesse anderer Kreise schädigt. Auch wird in der Kommission zu prüfen sein, ob das Geich nicht auch Kreise trifft die gar nicht getroffen werden sollen. Redner verbreitet sich über die Vorzüge des Natnrheilverfahrens, dem in den weitesten Kreisen ein immer wachsendes Vertrauen entgegengebracht werde. Zum Schluß beantragt er die Verweisung des Einwurfs an eine Kommission von 23 Mitgliedern. Abg. Henning(k.) bleibt auf der Tribüne vollkommen unver- ständlich; er scheint die Vorlage vor allem deshalb zu begrüßen, weil sie die buntscheckigen randespolizeilichen Vorschriften zur Be- kämpfung der Mißstände im Heilwcsen beseitigt. Abg. Zietsch(Soz.): In der Bekämpfung des wirklichen KurpfuschertumS und des tatsächlichen Schivindels aus dem Gebiet der Gebeimmittel sind meine Regel ledig ist, ahnt man ungefähr. Aber welch ein Bild des Lebens würde sich ergeben, wenn man fragte: Warum haben Sie ge- heiratet? Ans Liebe? Wegen des Geldes? Wegen der Ver- sorgung? Aus Dummheit? Aus Langeweile? Aus Neugier? Sind Sie Ihrer Frau treu? Lieben Sie Ihren Mann? Wie oft brechen Sie durchichuittlich die Ehe? Wie oft gibt es Zank unter den Ehegatten? Weshalb? Wegen des Wirtschaftsgeldes? Aus Eifersucht? Aus Niedertracht? Aus Nervosität? Aus Gewohn- heit? Erziehen Sie Ihre Kinder? Wieviel Zeit verwenden Sie dazu? Wie erziehen Sie, mit welchen Mitteln, nach welchen Grundsätzen? Oder man denke an die Fragen nach der geistigen Kulwr? Lesen Sie Bücher? Kaufen Sie Bücher? Welche? WaS wenden Sie daiür an? Lesen Sie Zeitungen? Welche(Parteirichtung, färb- los)? Besuche» Sie Theater(Oper, Schauspiele, Possen) oder Konzerte(Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Militännusik)? Be- suchen Sie Zirkus, Spezialitätentheater, Kinos? Getdaufivendnngen für alle diese Zwecke? Gehen Sie in Museen? Benutzen Sie Bibliotheken? Ferner die Probleme der politischen und wirtschaftlichen Be- tätigung; der Nahrung, Kleidung. Hausung! Die Zählung der ein- zigcn Frage:„Wieviel Fleisch essen Sie wöchentlich? oder;„Wieviel Bier, Scknaps, Wein trinken Sie?" wäre wichtiger als die ganze Volkszählung, wie sie heute ist. Endlich gäbe es noch allerlei Wichtige? zu ermitteln. Lieben Sie Wilhelm II.? Wünschen Sie, daß er redet, telegraphiert, kom- paniert?(Nicht Gewünschtes zu durchstreichen I) WaS denken Sie von Bethmann Hollweg? Haben Sie Vertrauen zur preußischen Justiz? Warum? Empfinden Sie Zärtlichkeit, Bewunderung, Angst- gefühle für einen preußischen Schutzmann?... So müßte man zählen, wenn man das Volk zählen wollte. Man zählt anders, mau addiert gleichgültige Ziffern, weil eben das Volk selbst immer noch eine gleichgültige Ziffer ist— für die, die schließlich sich nur selbst und ihre kleine Minderheit als Menschen zählen l Kesr. Theater-Sabotage. Aus Paris wird uns geschrieben: Das „soziale" Drama ist wieder in Mode. Nur sieht es jetzt ganz anders aus, als zur Zeit, da die demokratische Bourgeoisie sich sentimental und Humanitär vom Elend der Enterbten rühren zu lassen liebte. Nicht nur die Politiker, sondern auch die Dichter haben sich der Wut der um ihren Profit besorgten Kapitalisten und Kleinbürger„angepaßt". Sie hatten dabei obendrein den Vorteil, daß sich ein Defizit an Intelligenz und dramatischer Kraft ohne weiteres verdecken ließ. Paul B o u r g e t gilt seit seinem tristen Melodrama„Barrikade" als eine sozialpolitische Leuchte, die zu jedem großen Begebnis im Klassenkampf den Reportern ein Scharf- machersprüchlein hersagen muß. Ein Zeugnis dafür, welchen Rabatt an Vernunft und Geschmack das bourgeoise Publi- kum den Autoren bewilligt, die seinen Haß' gegen die Arbeiterschaft befriedigen, bietet ein Einakter„Sabotage", der jetzt im«Grand Guignol" aufgeführt wird, einem kleinen Theater, das als Spezialität die Anrichtung von groben oder raffinierten Nervenmartern für die zahlungsfähige Lebewelt hat— eine psychische Abart der wohlbekannten„Massage". Freunde mit der Mehrheit vollkommen einverstanden, und deshalb sind wir bereit, in einer Kommission den vorliegenden Entwurf weiter zu bearbeiten und von dem Allsfall der KommissionS- beratniigen wird unsere endgültige Stellungnahme abhängen. Vor der Hand begegnet der Entwurf sehr vielen Bedenken. Er scheint nicht nur das wirkliche Kurpsilschertum und den wirklichen Schwindel mit Geheimmitteln zu treffen, sondern weite Kreise darüber hinaus. Ohne weiteres ist anzuerkennen, daß mit Geheimmitteln aller Art der ärgste Schwindel getrieben wird. Will hier der Entwurf durchgreifend bessern, so darf er sich nicht auf die Geheimmittel beschränken, die von nichtapprobierten Personen in den Handel gebracht werden. Anch von approbierten Aerzten wird auf diesem Gebiete ei.n ziemlich großer und starker Unfug getrieben.(Lebhaftes Sehr richtig!) Der Entwurf ivill gewisse Geheimmittel, ihre Reklame und ihren Bezug aus dem Ausland verbieten. Nötiger wäre znnüchst eine einwandfreie Definition dßS Begriffs der Heilmittel, die der Entwurf nicht bringt. Der Entwurf will im Z 6 Arzneien, Apparate und andere Gegenstände verbieten, von deren Anivendung eine Schädigung der Geiundheit zu befürchten ist. Das ist doch sehr gefährlich auch für die offiziellen Heilmittel. Was kann nicht alles für die Gesundheit schädigend sein?(Zuruf: Wasser I Heiterkeit.) Gelviß. unter Uniständcn auch Wasser. Aber was für schädliche Folgen für die Gesundheit kann nicht das Jmpfmittel, die Kublymphe hoben.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraren.) Alltäglich klagen Eltern, daß die Krankheiten ihrer Kinder durch das Impfen veranlaßt sind.— Ob mit Recht oder Unrecht, lasse ich dahingestellt— aber diese Uebcrzeugung ist in weiten Kreisen verbreitet. Der jj 6 des Entwurfs geht noch weiter. Nach ihm kann der Bundesrat den Verkehr mit Gegenständen verhüten, welche die Empfängnis zu verhüten oder die Schwangerschaft beseitigen sollen. Um Apparate aus dem Handel auszufchließen, die zu Verbrechen gegen das keimende Leben dienen, genügen schon die heutigen Strafgesetze. Die Praxis hat hier eigentümliche Blüten von Gerichtsurteilen gezeitigt.(Sehr richtig! bei den Sozial- dcmokraten.) Eine weibliche Perion ist wegen des Versuchs des Verbrechens gegen das keimende Leben angeklagt und verurteilt worden, weil sie ein Glas Glühwein getrunken hat. Das Gericht sagte. es konnnl nicht auf die Gefährlichkeit oder Un- gefährlichkeit des Mittels a», sondern auf den Willen, init welchem das Mittel eingenommen ist.(Hört I hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Und nun gar noch das Verbot der Mittel gegen die Empfängnis I Wir haben im Strafgesetzbuch kein strafbares Delikt, welches Verhütung der Konzeptionen beißt, und doch soll hier die Beschaffung von Mitteln zu einer an sich straffreien Handlung unter Strafe gestellt werden.(Hört! hört! bei den Soz.) Zur Verhütung der Empfängnis sind oft finanzielle, wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Rücksichten maßgebend, und auch körperliches Unvermögen. Das trifft namentlich zu bei den Männern derjenigen Kreise, die wenn sie in den heiligen Stand der Ehe tretem sich nicht mehr darum zu kümmern brauchen, wie sie die Empfängnis verhüten.(Lebhafte Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdcmolraten.) Und wenn sie nun wirklich so hohen Wert darauf legen, daß unser Geburtenüberschuß konstant bleibt oder noch wächst, dann würden Sie es doch nicht erleben, daß eine Frau aus hohen gesellschaftlichen Kreisen als Mittel, der Familienvcrmehrung zu steuern, eine Bütte mit kaltem Wasser empfohlen bat. Zur Jllustrierung des Ernstes, mit dem sie einen hohen Geburten- Überschuß haben wollen, erinnere ich Sie an das Wort des früheren Reichskanzlers Fürsten Bülow von der politischen Karnickelwirtschast. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Sorgen Sie lieber dafür, daß der kleine Beamte nicht mit Sorge in die Zukunft blicken muß, wenn wieder ein sogenanntes freudiges Ereignis in seiner Familie eintritt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Zu der ungeheuren Dehnbarkeit der Bestimmungen des ß 6 kommt die Blankovollmacht für den Bundesrat, den Verkehr init Arzeneien und Heilmitteln eipzuschränken. Auch der§ 3 gibt dem Bundesrat eine solche Blankovollmacht gegen das sogenannte Kur- pfuscherlum. Den Kampf gegen das tvirlliche Kurpfuschertum werden ivir jederzeit mitmachen, weil unter seinen Schäden vor allem gerade die Arbeiter leiden. Aber Sie werden es nicht durch Reglenrentierung aus der Welt schaffen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ein Kurpfuschertum hat es auch unter Knrierzivang gegeben. Wollten Sie das Kurpfuschertum auf gesundheitlicher Grund- läge bekämpfen, so müßte das Gesetz anch eine Definition des Kurpfuschers enthalten. Meiner Ansicht nach wäre der- „Sabotage" spielt in einer Arbeiterwohnung. Ein Kind ist krank, die Mutter schickt zum Arzt, der Vater aber, ein Elektriker, geht in eine Gewerkschaftsversammkung. Der Arzt stellt Diphtherie fest. Das 5lind ist verloren, wenn nicht der Luftröhrenschnitl ohne Verzug vorgenomnien wird. Die Vorbereitungen sind getroffen, der Arzt setzt das Messer an, führt den Schnitt— da erlischt plötzlich das Licht. Der Arzt stößt verzweifelte Rufe aus, die Mutter schreit gräßlich auf. Man bringt endlich eine Kerze, aber das Kind ist tot. Da kehrt der Vater triumphierend zurück. Er ist es ja, auf dessen Antrag die Maschinen stillgelegt wurden. Die Mutter ruft ihm. wahnsinnig heulend, zu:„Mörder! Mörder!" Das Publikum aber bricht in donnernden Applaus aus. Denn die Verruchlheit der Gewerkschaftsbewegung ist geradezu elektrisch beleuchtet. Vielleicht ließe sich aus dieser edlen Dichtung noch die weitere, entschieden aktuelle Moral ziehen, daß das elektrische Licht für Proletarier- Wohnungen gefährlich ist. Festgestellt sei auch, daß für das Werk nicht weniger als drei Autoren verantwortlich zeichnen. Das In- genium eines Einzelnen hätte nicht ausgereicht. O. P. Humor und Satire. Volkszählung. Wie SerxeS zählte. Im siebenten Buche des Herodot lesen wir:„Gezählt aber wurde auf folgende Weise: Sie brachten zehntausend Mann auf einen Fleck und drängten sie so eng als möglich zusammen. Dann beschrieben sie einen Kreis ringsumher, zogen eine Bcrzäunung den Kreis entlang, so hoch, daß sie dem Mann bis an den Nabel reichte, und trieben dann weitere Zehn- tausend in diesen Pferch, bis sie alle auf diese Art durchgezählt und völkerweis geordnet waren. Auf diese Art wurden hunderttind- iebzignial zehnlausend Mann erinittelt." Wieviel Bureaupersonal, Schreiberei. Druckkosten könnten erspart werden, wenn wir bei unserer Zählerei diese ebenso einfache als sinn- reiche Methode anwenden würden I Verhältniszahl.„Liebster, wirst du mir auch ewig treu ein? Kann ich stets auf dich zählen?"—„Jawohl, am 1. Dezember kannst du zählen!" Junker.„Also, was meinen Sie, wieviel werden heraus- kommen?"—„Na, ich meine so an Zehntansend."—„Ich wette auf 64 Millionen in Deutschland."—„Ja, loenn Sie die Proleten alle mitzählen I"_(„Lustige Blätter".) Notizen. — Die„Freie Volksbühne" bringt im Neuen Schau- spiclhause von» Sonntag, den 4. Dezember, ab Maeterlincks „Monna Van na" zur Aufführung.— Außerhalb des Sckau- spielrepertoirs wird im Thalia-Theater Offenbachs Operette„Die chöne Helena" inszeniert. Die erste Aufführung ist am 18. Dezember. — Die Nationalgalerie erwarb des ungarischen Malers Munkacsys Gemälde„Das Zigeunerlager im Walde". — Kunstchronik. Die Vereinigung bildender Künstler eröffnete am Dienstag Potsdamer Str. 33 ihre erste Ausstellung, die nur Werke bis zum Preise von 300 M. enthält. Der Besuch ist außer Montag und Donnerstag(SO Pf.) frei. fenlfle als Kurpfuscher att kezelchuen, der die Heilkunde ausübt und dabei Aerrichtuirgeu ausübt, deren Ausübung er nicht gewachsen ist. Solche Leute finden Sie in allen Gewerben, Die Acrzte freilich wollen jeden Nichtarzt als Kur- pfuscher bezeichnen. In einer solchen Erklärung liegt eine groge Gefahr und starke Schädigung weiter Volkskreise, Soll jeder als Kurpfuscher bezeichnet werden, der nicht den staatlichen Aus- bildungsgang durchgemacht hat, so ist das ein enger znnftle- rischcr'Standpiiukt. Gerade solche Leute sind auf allen Gebieten gute Arbeiter geworden und selbst in der Reichs- regicrung hat cS Leute gegeben, die nicht durch die anerkannte Schule der Diplomalic gegangen und doch zu den�böchsten Sprossen emporgcklettert sind, sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten,) Die Regierung macht cS sich sehr leicht, sie sagt in der Begründung, das; die scharfe und unzweideutige Abgrenzung des Begrisis der Kurpfuscherei nicht möglich ist, und dag sie deshalb alle die Personen dem Gesetz unterwerfen will, die das Heilgewerbe ohne die staatliche Approbation ausüben. Denken Sie sich diese Bestimmungen aus die NaUirheilkunde übertragen I Eine solche Dr. Eisenbartkur gegen alle nicht approbierten Aerzte kann der Reichstag nicht gutheißen. Sie würde die Naturheil- künde totschlagen, und gerade das scheint die Ab- sicht des Entwurfs zu sein. Er soll die Kurierfreiheit abschaffen, die 18ö9 gcsckaffen ist, wobei sich damals hervorragende ärztliche Autoritäten fiir sie eingestellt haben. Die Regierung sagt freilich, die Kurierfreiheit soll nickt abgeschafft werden. Aber tat- sächlich wird sie durch die§§ 2 und 3 des Gesetzes beseitigt. Daß das auch die Absicht der Regierung ist, geht aus der Begründung hervor, Ivo mit dürren Worten gesagt ist, daß den Absichten des Gesetzes nur entsprochen wird, wenn Personen durch den Eintragnngs- zwang in die Bücher der nichtapprobierten Heilkundigen sich von der Inanspruchnahme solcher Heilkundigen abschrecken lassen. Eilt- sprangen sind alle diese Bestrebuugen aus dem Verlangen der organi- siertcn Aerzte. Würde dem Verlangen der Aerzte nachgegeben, so würden Taufende von Existenzen der Nirtnrhcilkunde vernichtet. Das Gesetz trifft aber auch die Aerzte, die im Ausland approbiert sind. Wenn davon die Rede ist, daß Ausnahmen gestattet werden können, so ist das nur eine weitere Privilegierung der besitzenden Klassen. Es werden weiter durch das Gesetz betroffen alle Frauenärzte, die im Auslände studiert haben. Was den Kampf gegen die Naturheilkunde selbst anbelangt, so kann es nicht Ausgabe des Reichstages sein, in dieser strittigen Frage zu entscheiden, ob die Naturbeilkunde mit Recht oder Unrecht neben der Medizinalwissenschaft besteht, ob der Naturheilmethode oder der an den Universitäten ge- lehrten medizinischen Methode der Vorzug zu geben ist. Jedenfalls kann nicht bestritten werden, daß die N a t u r h e i l m e t h o d e die Notwendigkeit ihres Daseins in Millionen von Fällen erwiesen hat und daß ihr Kern in die weitesten Kreise des deutschen Volkes ein- gedrungen ist. Mindestens 250000 Organisierte scharen sich heute um diese Lehre, die auch eine große Menge positiver Arbeit geleistet hat, indem von ihr Sauatorien, Luftbäder, Ferien- kolonien usw. inS Leben gerufen sind. Der Nominalwert der von der organisierten Naturheilkunde geschaffenen Einrichtungen beziffert sich auf über 5 Millionen Mark, Sehr gefährlich ist die Bestimmung, daß die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes ent» zogen werden kann nicht durch die Gerichte, sondern durch Ber- waltungsbehörden. ES handelt sich um nichts anderes als um die Bestrebungen der Acrzte, ihre Privilegien noch weiter auszubauen. Diesen Kampf haben sie geführt, seitdem die Kurfrciheit in die Gewerbeordnung hineingekommen ist. Bedenken Sie, daß die Aerzte auch gegen das Mcdizinstudium der Frauen bis zu- letzt Sturm gelaufen sind, ebenso wie gegen die Zahn- techniker. Und wie verträgt es sich mit der angeblichen Fürsorge der Aerzte für die Volksgesundheit, daß sie bei ver- schiedeiien Streiks ihre ärztliche Hilfe verweigerte». Wenn man das wirkliche Knrpfuschertnm bekämpfen will, so müssen als Korrelat dafür gefordert werden der Kurierzwang, eine gerechte Verteilung der Aerzte über das Land, um der Landflucht der Aerzte Einhalt zu tun. und Einrichtung von Lehr- stühlen der Naturheilkunde an den Universitäten. Die Hauptsache ist die Befferuiig der wirtschaftliche» Zustände und die Aufklärung des Volkes über seinen eigenen Körper, Dann werden wir in einem gesunden Bolkskörper einen gesunden Geist bekommen, den selbst Millionen von Kurpfuschern nicht kaput machen können, sLebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller- Meiningen(Bp.): Auf die Angriffe gegen die Aerzte wird mein Freund Dr. Struve eingehen. Dem Grund- gedanken des Gesetzes stehen wir sympathisch gegenüber. Nicht glücklich aber ist die Taktik der Regierung, uns in der letzten Session eine Reihe so wichtiger Gesetze vorzulegen. Es könnte da- durch leicht eine Art legislatorische Knrpsiischerei entstehen.(Heiter- keit.) Daß häßliche Mißstände im Knrpfuschertum bestehen, wird niemand leugnen. Ich nenne die F e r n b e h a n d l u n g, die Fruchtabtreibungen und die Mißstände bei der Bebandlung der Geschlechtskrankheiten. Wir werden aber andererseits auch zu prüfen haben, ob nicht durch das Gesetz berechtigte Interessen verletzt werden. Vor allem findet sich in dem Gesetz eine weit- gehende Ueberschätzung der Zusländrgkeit des Bundesrates. Die Rechte, die der Bundesrat hier verlangt, müssen energisch beschnitten werdenl(Sehr richtig!) Zu begrüßen ist. daß denr Unfug des G e s u n d b e t e n s, der vor allem die oberen Zehntausend ergriffen hat(Sehr richtig! links), entgegengetreten werden soll. Nnannehinbar find zum Teil die Bestimmungen über die Bekämpfung des Geheimmittelwesens. Die auf diesem Gebiete bestehenden Bundesratsvcrordnungen waren teilweise direkt un- gesetzlich. Der Schwindel mit den Geheimmitteln hat unter diesen Verordnungen geblüht wie nur je. Und dieser Zustand soll nun durch das Gesetz erhalten werden. Mittel zur Verhütung der Empfängnis sollen vom Bundesrat ohne weiteres untersagt werden können. Dabei werden von den Aerzten selbst solche Mittel unter Umständen verordnet. Der ß 6 bedroht die chemisch-pharmazentische Industrie, die Tausende von Arbeitern beschäftigt und Anerkennung in der ganzen Welt gefunden hat? dieser§ 0 rst die eigentliche orux des Gesetzes und inutz von Grund aus geändert werden. Die übrigen Para« graphen bilden einen cockex crinoinalis specialis draconicus(ein drakonisches Ausnahme-Strafgesetz.) Besonders auffällig find die hohen Strafen für F a h r l ä 1 s i g k e i t e n; hierin lieg« auch eine große Gefabr für die Presse, denn nach Kammergerichts- urteilen ist ein Redakteur auch verantwortlich für den Inhalt von Inseraten. Wir sind bereit, in der Kommission mitzuarbeiten, und hoffen, daß der gute Kern sich wird herausschälen lassen. Der beste Schutz gegen Kurpfuscherei sind nicht drakonische Strafen, sondern Aufklärung.(Bravo! bei der Volls- Partei.) Direktor im Reichsamt deZ Innern v. Joiiquiire: Der Gesetz- entwurf ist nickt ein solcher zum Schutz der Aerzte, sondern zum Schutz der Vollsgesundheit. Deshalb richtet er fich auch nicht gegen di» Naturheilkunde. Der Entwurf soll sich gegen die Kurpfuscher richten und man hat getadelt, daß er keine Definition des Kur- Pfuschers enthält. Aber' eine solche ist eben nicht möglich und deshalb blieb nichts übrig als zwischen approbierten und nickt approbierten Personen zu unterscheiden. Die Regierung rechnet mit Bestimmtheit auf einen Erfolg, aus eine starke Einschränkung der Schäden, namentlich auf dem Gebiete des Heilmittclwesens. Die Verdienste der chemischeu Industrie erkennen wir wohl an; aber unsere Apotheker rufen dringend nach Schutz und an ihren Klagen können wir nicht ohne weiteres vorbeigehen, und schließlich wird unsere mächtige chemische Industrie die Bestimmungen dieses Gesetzes ertragen und überdauern. Abg. Dr. Urning(natl.): Die Vorwürfe, die der Abg. Zietsch ganz allgemein gegen die Aerzte erhoben hat, sind ganz un- egründet; bei keinem Aerztestreik ist je die ärztliche Hilfe irgend jemandem verweigert worden, so weit er sie a l s M e n s ch in Anspruch nahm, sondern nur so weit er sie auf Grund eines Kassenscheines inAnspruch nahm. Herr Zietsch scheint mit Mephisto zu meinen:„Der Geist der Medizin ist leicht zu fnffsn." Das denke» die Naturheilkundigen auch. Sie sollten aber au.ch den nächsten Vers bedenken:.Ihr durchstudiert die groß und kleine Welt."(Abg. Zietsch:.Um es am Ende gehe» zu lassen, wie's Gott gefällt.") Richtig, die Natur muß mitwirken, aber die Natur allern tut es nicht, die Medizin ist eine Kunst, und der Mann, der auf die Menschheit losgelassen wird, muß doch eben eine gewisse Grun.dlage haben. Ich möchte dabei an ein anderes Fanstzitat erinnern:„Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang." Unter den nicht approbierten sog. Heilkundigen ist die Vorbildung aber recht gering, und nnndestens die Hälfte sind ganz minder- wertige Persouen, auf die häufig der Z 51 des Strafgesetzbuches angewendet werden muß, der ihnen Straffreiheit wegen ihrer an Geistesstörung grenzenden Minderwertigkeit gewährt. Durck die Tätigkeit der Kurpfuschor werden aber gewisse Seuchen stark ver- breitet und die Volksgosuudheit erheblich geschädigt und bedroht; und deshalb ist das Gesetz notwendig. Als 1869 die Kuriersreiheit eingeführt wurde, hielt man die Bevölkerung für so aufgeklärt, daß sie den Kurpfuschern nicht verfallen würde. Das scheint aber ein Irrtum gewesen zu sein. Freilich sind die Arbeiter weniger geneigt, zum Kur- Pfuscher zu gehe» als die sogenannten Gebildeten. Es ist das mit eine Folge der Krankeuversicherung; hierzu kommt, daß sie auch den Kurpfuscher oft nicht bezahlen können, zum Beispiel ist das Gesundbeten sehr teuer. Gerade hiermit kommen wir wieder zum finstersten Werglauben aber auch zum Krankbeten und zum bösen Blick. Im gewissen Umfange muß der Einwurf Gesetz werden, aber zugleich müssen wir einen Appell zur Aufklärung an alle wirklich Gebildeten richten. Redner beantragt dann die Ucberweisuug des Entwurfs an eine Kommission von 21 Mit- gliedern. Abg. Dr. Hoeffel(Rp.) erkennt an, daß die Vorlage eine geeignete Grundlage zur Bekämpfung des Kurpfuschertums biete. lieber einzelne bedenkliche Bestimmungen werde sich in der Kommission eine Verständigung erzielen lasien. Abg. Lottman»(Wirlsch. Vg.): Das Schicksal der Borlage ist nach dem Verlauf der Debatte ganz unbestimmt. Das liegt in der Natur der Sache. Die Naturheilmethode hat viel Segen ge- stiftet, auf dem Boden der Bekämpfung des wirklichen Kurpfuscher- tums werden wir uns aber sicher alle zusaminenfiuden. Hierauf wird die Wetterberatung vertagt auf Donnerstag 1 Uhr. (Außerdem Interpellationen betreffend die Rebschäd- l i n g e.) Schluß 6V4 Uhr._ Schweizerischer(Parteitag. Zweiter Berhandlungstag. Basel, 27. November.(Eig. Ber.) Nach Eröffnung der Sitzung wird zunächst der Bericht über die Abrechnung des Parteikassierers gegeben. Die Ein- nahmen betrugen 7612,36 Frank, der Kassenbestand beträgt 1099,36 Frank, der Preßfonds 889,35 Frank, der Militärsonds 4458,88 Frank. — Eine Sympathiekundgebung für das vom russischen Henker unter- drückte finnische Volk findet ohne Debatte einstimmige An- nähme. Die auch in der Schweiz sehr stark bemerkbare allgemeine Lebensmittelteuerung führte nach langer Debatte über die Maßnahmen zu ihrer Beseitigung zu folgendem Beschluß: Die sozialdemokratische Fraktion erhält den Auftrag, im Nationalrat eine Interpellation darüber einzubringen. Sollte das keinen befriüigenden Erfolg haben, so soll eine Initiative zur Re- Vision der Bundesverfassung unternommen werden. Die Aktion gegen die Teuerung soll unter Mitwirkung des Ver- bandes schweizerischer Konsumvereine durchgeführt werden.— Den Anträgen der Züricher Arbeiterunion, auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages die Taktik der Partei und das Frauenstimmrecht zu setzen, wird zugestimmt. Weiter wird die Herausgabe eines Handbuches für sozialdemo- kr a tische Wähler beschlossen. Ueber das Verhältnis der Partei zu den Gewerk- schaften referiert Grimm-Bern. Die Gedankengänge seines Referates faßt der Vortragende in einer längeren Resolution zu- sammen, in der er betont, daß die Befreiung der Arbeiterklasse von jeglicher Ausbeutung und Knechtung und damit die Ueber- Windung der kapitalistischen Produktionsweise nur möglich ist durch den politischen und wirtschaftlichen Klassenkampf des Proletariats. Während die sozialdemokratische Partei vornehmlich die Trägerin des politischen Kampfes der Arbeiterklasse ist, erfüllen die Gewerkschaften ihre Aufgaben vorwiegend auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Kampfes. Die Aufgaben beider Organisationen sind also gleich notwendig und gleichwertig. Auf dem besonderen Gebiete, auf dem jede der beiden Organi- sationen ihre inneren Angelegenheiten unabhängig von der anderen ordnet und ihre Aktionen selbständig einleitet und durchführt, er- schöpft sich aber die Tätigkeit von Partei und Gewerkschaften nicht. In dem Maße, als der kapitalistische Entwickelungsprozeß vorwärts schreitet und die Konzentration der Produktivkräfte wächst, bilden und entwickeln sich die modernen Unternehmerver- bände, die den Forderungen der Gewerlschaften einen stets größer Werdenden Widerstand entgegensetzen. Dieser Widerstand, wie die infolge der Teuerung der gesamten Lebenshaltung zunehmende Ver- schlechterung der Klassenlage der Arbeiter, führt naturgemäß zu einer Erweiterung und zu heftigeren Formen der gewerkschaftlichen Kämpfe. Ter Kamps der Gewerk- schaften wird indes nicht nur erschwert durch wirtschaftliche Hemm- nisse, die ihm die Kapitalistenklasse entgegenstellt. Oekonomisch herrschend, ist diese zugleich die politisch herrschende Klasse und benützt als solche die ihr zur Verfügung stehende Staatsmacht, um den wirtschaftlichen Aufstieg der Arbeiterklasse mit Anwendung von Polizei- und Militärgewalt, durch Ausnahmegesetze und schikanöse Richtersprüche zu hindern. Diese Hemmnisse können nicht durch den gewerkschaft- lichen Kampf und dessen Methoden allein beseitigt werden, dazu ist vielmehr die gemeinsame Betätigung mitderpoli- tischen Organisation der Arbeiterklasse notwendig. Eine Gewerkschaft, die ihre Tätigkeit ausschließlich auf das rein Wirt» schaftliche Gebiet beschränken, auf der Theorie der Interessen- Harmonie zwischen Kapital und Arbeit aufbauen oder ihre Sorge nur auf die beruflichen Interessen auf der Grundlage des zünftle- rischen Egoismus richten wollte, wäre daher zur Ohnmacht und Unfruchtbarkeit verurteilt. Kommen also die Gewerk. schaften auf die Dauer nicht vorwärts ohne den politischen Kamps und die politischen Errungenschaften der Arbeiterklasse, so wird umgekehrt die Partei nur dann Erfolge in der Richtung des sozia- listischen Endzieles erreichen, wenn sie sich stützt aus die Aktion organisierter Massen, deren Forderungen und Be- strebungen sie zu den ihrigen macht. Massenaktion und Massen- orggnisation, die der ökonomischen Situation des Proletariats ent- sprechen, bedeutet aber gewerkschaftliche Aktion und Organisation. So entsteht mit der zunehmenden Verschärfung der Klassengegen- sätze ein stets wachsendes Gebiet des proletarischen Befreiungs» kampfes, auf dem Erfolge nur erzielt werden können durch das einmütige, geschlossene Zusammenwirken von Partei und Gewerk- schaften. Um die politische und gelverkschaftliche Einheit des Handelns der Arbeiterklasse in der Schweiz zu fördern, müssen zwischen Partei und Gewerkschaft ständige Beziehungen unter» halten werden. Dr. Adler-Zürich ist mit den Ausführungen Grimms im all» gemeinen einverstanden. Huggler-Bern, Sekretär des Schweizer. Gewerkschaftsbundes. reut sich, daß dieses Thema endlich einmal behandelt wird und tat- ächlich bestehende Mißverständnisse beseitigt und völlig klare und gute Beziehungen Mischen Partei und Gewerlschast hergestellt werdeit. In gleicher Weise äußert sich Sirude-Zürich, Sekretär des Schweizer. MolerverbandeS. Seiue zum Teil scharfe Kritik an Parteiverhältnissen findet Widerspruch. Nach Schluß der Diskussion, aus der noch zu erwähnen ist, daß Sigg-Zürich für die Gleichberechtigung der aus- ländischen Genossen innerhalb der Partei eintritt, wird eine Kommission gewählt, die unter Zugrundelegung der Grimm- scheu Thesen eine einheitliche Resolution ausarbeiten soll. Das Referat des Genossen Grimm soll als Broschüre herausgegeben werden.— Ein Züricher Antrag, der die Förde- rung der sozialdemokratischen I u g e n d or g a n i- sation verlangt, wird wegen Zeitmangels auf den nächsten Parteitag verschoben. lim 5& Uhr wird dann der Parteilag geschlossen. für erweiterten Kinüerichiilzl Es ist Wohl das größte Verbrechen der kapitalistischen Wirtschaft, daß sie nicht nur in ihrer Tendenz der Ausbeutung alles dessen, was sie erfassen kann, tausendfältig den Keim des Siechtums schon den noch ungeborenen Kindern einpflanzt, sondern auch die kleinen Kinderhändchen auf die verschiedenste Weise hineinriß in das Getriebe des Erwerbslebens. Durch sstiederhaltung des Proletariats in seinen Lebensbedingungen förderte sie den Mißbrauch der Kinderkrast. Viele Eltern ließen ihre Kinder unter dem Zwange der Not eine„Stelle" für ein paar Pfennige annehmen, ohne dabei zu bedenken, daß so den Erwachsenen, also auch ihnen, eine Konkurrenz entsteht, die herabmindernd wirkt auf das allgemeine Lebensniveau der Arbeiterschaft. Gewiß, einiges hat die Gesetzgebung inzwischen getan, unter dem Drucke der unermüdlichen Agitatton der Sozialdemokratie und infolge des Eintretens einiger sonsttger Humanttäre. Wohl auch, weil eine völlige Vernichtung der Volkskraft selbst gegen das Interesse der bürger- lichen Gesellschaft wäre. Es ist aber herzlich wenig und absolut ungenügend. Die Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Beschäftigung Jugendlicher in den Fabriken gehen längst nicht weit genug. Im Alter, wo der junge Mensch noch wird, ist eine Ausnutzung möglich, die die Entwickelung hemmt. Und dann die vielen Ausnahmen. Auch ein Äinderschutzgesetz haben wir, das am 1. Januar 190-1 in Kraft trat. Leider ist es Stückwerk und seine Durchführung läßt nicht weniger als alles zu wünschen übrig. Verboten ist zwar die Beschäftigung aller Kinder vor Schulbeginn überhaupt. Immer noch sieht man jedoch am frühen Morgen in Dunkelheit und Kälte kleine Gestalten durch die öden Straßen eilen und dann treppauf, treppab laufen, um Frühstück zu tragen, Zeitungen auszulegen usw. Wie es mit dem Lernen in der Schule unter solchen Umständen steht, ist klar. Der beste Wille kann da nicht helfen, wenn der Körper und der Geist nicht richtig ausgeruht und überdies in hetzender Tätigkeit überanstrengt sind. Der ganze kleine Mensch wird in der körperlichen und geisttgen Entwickelung zurückgehalten. Nicht anders wirkt die Beschäfttgung am Nach- mittag, sei es nun in der Heimindustrie, oder sei es sonstige gewerbliche Beschäftigung des Kindes. Die Bestimniungen des Kinderschutzgesetzes machen hier Halt beim zwölften Lebensjahr. Es dürfen in der Haus- industrie, im Betriebe von Werkstätten, im Handels- und Ver- kehrsgewerbe(also auch als Warenausträger), in Gast- und Schankwirtschaften, sowie als Botengänger fremde Kinder unter zwölf Jahren überhaupt nicht, und eigene Kinder unter zwölf Jahren nicht für Dritte beschäftigt werden. So ist der weiteste Spielraum gelassen der gewerblichen Beschäftigung von Kindern über zwölf Jahre. Und es zählen denn auch die Kinder unter vierzehn Jahren nach vielen Tausenden, die gewerblich tätig sind, ganz abgesehen von denen, die arbeiten entgegen den Verbotsbestimmungen des Gesetzes. Was da vernichtet wird an Gesundheit, Kraft, Lebensfreude und sittlichen Werten ist ohne weiteres erkennbar. Solchen Zuständen muß mit aller Kraft entgegengetreten werden. Die Gesetzgebung muß weiter gehen als bisher, und es muß da- für gesorgt werden, daß die gegebenen Bestimmungen auch innegehalten werden. Vornehmlich alle Frauen haben die Aufgabe, mitzuwirken an der Kontrolle der Jnnehaltung des Gesetzes und die Kinderschutzkomniission zu unterstützen in ihrem so außerordentlich wichtigen Bestreben. Mit diesen Fragen des Kinderschutzes beschäftigte sich die Arbeiterschaft Groß-Berlins in 23 öffentlichen Volksversamm- lunge«, wovon 13 aus alle Gegenden des Berliner Stadt- gebietes entfielen, während die anderen sich verteilten auf die Vororte Rixdorf, Charlottenburg, Adlershof, Treptow-Baum- schulenweg. Britz, Lichtenberg, Rummelsburg. Pankow. Reinickendorf und Ober-Schöneweidc. Zahlreich war man der Einladung des Aktionsauschnsses gefolgt. Die meisten Säle waren bis zum letzten Platz gefüllt. Namentlich aber in den arbeiterreichen Außenbezirken und Vororten war der Andrang ein außerordentlich starker. Das Thema:„Mißbrauchte Kinderkrast". erörterten eingehend und gestützt auf ein durchschlagendes Material. die Genossinnen Arendsee, Baader, Bohm-Schuch, Buch mann, Demmning, Döltz, Fahrenwald, Hanna, Juchacz.Kähler. Kiesel. Lungwitz. Matschke, MiruS, Philipp, Reichert, Schulte, Sußmann, Thiel. Tietz. Weyl.Wurm und Z i e tz. Die Versammelten folgten mit lebhaftem Interesse den Ausführungen über die behandelte Spezialstage und ihr Bei- fall bewies, daß sie gewillt feien, nicht nur an der Förderung des Kinderschutzes mitzuwirken, fondern auch an der Erreichung der allgemeinen Kulturziels der politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft. In allen Versammlungen wurde einmütig folgende Resolution angenommen: „Unter den schweren Schäden, welche die kapitalistische Pro- duktionsweise für das Proletariat im Gefolge bat. steht die Kinder- ausbentung mit an erster Stelle. Die gewerbsmäßige Kinderarbeit raubt den Kindern Lebenslrast und Lebensfreude und erstickt die besten Keime in der Entwickelung des kindlichen Geistes. Für viele Kinder bildet die frühzeitige Beichästigung in Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft die Ursache körperlicher und sittlicher Schädigung mannigfachster Art. Die Versammlung erklärt, dag das am 1. Januar 1S04 ia Kraft getretene Kinderschutzgcsetz nicht im entferntesten den An- sprüche» an den gesetzlichen Schutz der Kinder gegen vorzeitige Ber- Wüstung ihrer körperlichen, geistige» und sittlichen Kräfte genügen tan». Sie fordert deshalb: Verbot jeglicher Erwerbsarbcit schul- und vorschulpflichttger Kinder in Gewerbe, Land- und Forstwirtschast, bei häuslicker Arbeit, bei Boten- und Gefindediensten; Ausdehnung der Schul» Pflicht auf das vollendete 14. Lebensjahr; Herabsetzung der tag- lichen MaximalarbeitSzeit für fitgenbliche Arbeiter von 14 bis 13 Jahren auf höchstens 6 Stunden und Einführung eines obliga- torischen FortbildungsschuluntcrrichtS für beide Geschlechter. Ferner fordert sie nachdrücklich die Durchführung einer wirk« sameu Kontrolle des Kinderschutzgesetzes. Um diese zu ermöglichen� Me Vermehrung der Gewerveaufflöhtsveamten und die Heran- ziehuug von Aufsichtspersonen auS den Kreisen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Versammelten geloben, daß sie mit allen Kräften an der Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise, als der eigent- kicken Ursache des Kinderelends, und für Einführung der sozia- listischen Gesellschaftsordnung tätig sein wollen, da nur hierdurch Not, Elend und Ausbeutung, auch der der Kinder, ein sicheres Ende bereitet werden kann."_ Hus Induftric und ftandel. Schutzzollsorgeu. Am 16. v. Mts. haben in Stockholm die Verhandlungen über hie Erneuerung des am 1. Dezember künftigen JahreS ablaufenden deutsch.schwediichen Handels- und Tarifvertrages begonnen. Sie bürsten sich indes diesmal schwieriger gestalten als beim Abschluß des Vertrages von 1906. Denn Schweden hat im Lause der letzten Zeit seine wirtschaftlichen Ambitionen wesentlich geändert: Vor einem Menschenalter war es noch ein durchaus agrarisches Land; 72 Proz. seiner Einwohner waren in Ackerbau, Viehzucht und Fischerei tätig, nur 15 Proz. im Gewerbe und 5 Proz. in Handel und Verkehr. Heute ist es— ein Fall, den man bei einem Lande ohne Kohlenlager und mit dünner Bevölkerung vordem kaum für möglich gehalten hätte— aus bestem Wege, sich zu einem Jndustrielande zu entwickeln, dank insbesondere den gewaltigen Kraftquellen seiner zahlreichen Wasserfälle. Schon 1900 war die Agrarbevölkerung auf 54 Proz. herabgegangen, die gewerbliche und kaufmännische auf 29 und 11 Proz. gestiegen, und diese Entwickelung hat sich seitdem noch wesentlich verstärkt. Frühere landwirtschaftliche Nebengewerbe, wie Müllerei, Ziegelei, Steinbrüche, Steinbruchbetriebe, Meierei, Holzbearbeitung, Rübenzuckergewinnung haben sich zu selbständigen Industriezweigen entwickelt. Der Holzreichtum der Wälder hat eine sehr namhafte Zelluloscindustrie ins Leben gerufen; auch Papier und Pappe. Düten und Kuverts, Alben, Tapeten, Kontobücher werden bereits produziert; das Tischlereigewerbe hat sich zur Großindustrie entwickelt. Die inländische Verarbeitung der vortrefflichen schwedische» Eisenerze hat wesentliche Fortschritte gemacht: 1907 gab es bereits über 600 Eisen- und Stahlwaren- tabriken, daneben sonstige Metallwarenfabriken, Fabriken von Wagen, elektrischen Maschinen und Apparaten usw. Große Fortschritte hat serner die Woll- und Baumwollin du st rie gemacht. I» der Genußmittelbranche ist die Tabakfabrikation, Brauerei. Branntweinbrennerei und Destillation hochgekommen. Schließlich ist eine recht entwickelte Lederindustrie sowie Schuhfabrikation, Seifen- industrie und Zementindustrie entstanden. Diese Entwickelung kommt denn auch im schwedischen Außen- Handel zur Geltung, welcher seinen Charakter im Laufe der Zeit erkennbar geändert hat. Die Entwickelung in der Zusammensetzung des schwedischen AuslandsbezugS läßt den Schluß aus die Zukunsl zu. daß der Import Schwedens an unmittelbaren Konsum- g ü t e r n aucb fernerhin im bisherigen Umfange gesichert er- scheint, sein Bedarf an R o h- u n d H i l f S st o f f e n der Industrie sich wahrscheinlich noch st e i g e r n roird. Dagegen dürste der schwedische Markt für den Absatz ausländischer Fertigfabrikate sich ständig ungünstiger gestalten. «o ist denn Schweden auch alsbald nach dem Abschluß des Handelsvertrages von 1905 dazu übergegangen, einen durchaus neuen Zolltarif auszuarbeiten, einen besseren Schütz für die ein- beimische Industrie und eine günstigere Grundlage für künftige neue Bcrtragsverhandlungen zu bieten. In der amtlichen Begründung wird ausdrücklich hervorgehoben: »Das Bestreben des A u s l a n d s, den einheimischen Markt der eigenen Produktion zu sichern und den Import möglichst auf unveredelte Waren zu beschränken, enthält sicherlich auch eine kräftige Auf- forderung an die kleineren Staaten, so umfassend wie möglich ihre eigene VeredelungSindu st rie zu verteidigen"! Es ist eben das alte Lied von der Verhängnis- vollen ansteckenden Kraft de? Schutzzolles, welches un? hier ins Ohr klingt. Schweden folgt diesem Zug der Zeit, wie es in den Motiven heißt,.mit der Resignation des Freihändlers, der eingesehen hat, daß die Wahl zwischen Freihandel und Schutzzoll der lebenden Generation nicht offen steht". Die Begründung zum schwedischen Zolltarif nimmt insbesondere Bezug darauf, daß die deutsche Industrie— während sie sich selbst gegen Einfuhrware stark schützt— der ausländischen Industrie vielfach durch Export zu Schleuderpreisen das Leben schwer mache. Die Preise für Kautschuk, die im vorigen Jahre gegen 1908 beträchtliche Steigerungen auf- zuweisen hatten, sind in diesem Jahre zum Teil wieder erheblich zurückgegangen. Die Hamburger Preise für einige Sorten seien für Oktober 1903, 1909 und 1910 in der folgenden Tabelle zusammen- gestellt. Es kostet ein Doppelzentner rohen Kautschuks der folgenden Sorten in Mark: Oktober 1908 1909 1910 Südkamerun.. 5,60 9,40 7.80 Oberkongo I.. 8,00 11,60 11,60 Fine Para Harb. 10,10 19,40 12,30 Cameta.... 5,50 8.50 6,95 Peruvian BallS. 7,00 10,60 9,10 Mexican Gummi. 6,50 10,20 9,00 Am stärksten ist der Preisrückgang in diesem Jahre bei Fine Para Harb gewesen, dessen Preis um 34 Proz. gefallen ist. Sehr erheblich ist auch der Rückgang bei Südkamerun-Kautschuk. Bei den anderen angeführten Sorten sind nicht sehr erhebliche Abweichungen von den Vorjahrspreisen festzustellen. Der Preis für Oberkongo- Kautschuk ist auf der Höhe des vorigen Jahres geblieben. Trotz des Rückgangs der Preise für verschiedene Sorten des Rohmaterials halten die Verarbeiter an den hohen Preisen fest, die sie mit Hin- weis auf die Verteuerung des Gummis normiert hatten. Höhere Dividende. Die Elektrizitäts-Aktiengesellschast vorm. Schuckert u. Co., Nürnberg, erzielte im letzten Geschäftsjahre einen Reingewinn von 5 208 119 M.(Vorjahr 4 535 953 M). Es wird vorgeschlagen, eine Dividende von 7 Prozent(Vorjahr 6 Prozent) zu verteilen. Braudividende. Von 19 Prozent im Vorjahre erhöht die Aktien- Gesellschaft Bergschloßbrauerei die diesjährige Dividende auf 22 Prozent. Die Koniumenten bezahlen die erhöhte Braufteuer und höhere Dividenden. Soziales. Ein eigenartiger Lehrvertrag beschäftigte gestern die zweite Kammer des Kaufmannsgerichts unter Vorsitz des MagiftratsasiefforS Dr. Liebrecht. Die Firma „Unitas", Finanzierungsgesellschaft, Heinicke u. Mollen, wurde von einem ihrer Lehrlinge auf Rückzahlung des Lehrgeldes von 300 M. verklagt. Der Kläger wurde im schriftlichen Lehrvertrage als Volontär bezeichnet, im Vertrage aber von„Lehrverhältnis", .Lehrgeld" u. dgl. gesprochen. Der„Volontär" bezog kein festes Gehalt, sondern sollte bei jedem durch seine Mitwirkung zustande gekommenen Geschäft eine Gewinnanteilprovision von 5 Proz. be- kommen. Nach Ablauf des ersten Monats löste der Kläger wieder den Vertrag, weil ihm zur Gewißheit geworden war, daß er im Geschäft der Beklagten nicht viel lernen würde. Denn es war so gut wie nichts zu tun. Obendrein fehlte es an genügender An- leitung und Unterweisung. Es war nur ein einziger Buchhalter, fünf„Volontäre" und vier Schreibmaschinenmädchen beschäftigt. Die jungen Leute vertrieben sich die Zeit mit allerhand Kurzweil. Da nichts zu tun war, hat der Kläger auch keine Provision verdient. Der Inhaber der Firma, dessen persönliches Erscheinen zum Termin ausdrücklich angeordnet worden war, meinte: Nach dem vertrage habe der Kläger keineo Anspruch aus Rückzahlung bgß. Lehrgeldes, weil er den Vertrag grundlos gelöst habe. Der Kläger, der von dem Geschäft noch nichts versteht, könne in einem einzigen Monat auch nicht beurteilen, ob er etwas lernen kann oder nicht. Er habe die jungen Leute stets gründlich ausgebildet. Auf den Hinweis des Vorsitzenden, daß der Kläger nach dem Gefetz berechtigt ist, im ersten Monat den Vertrag zu lösen und auch einen Anspruch auf Rückzahlung des Lehrgeldes hat, erwidert der Beklagte, daß ein eigentliches Lehrverhältnis nicht vorliege. Ter Kläger sei vielmehr bei ihm als junger Mann gegen Pro- Vision beschäftigt. Er habe sich allerdings zu dessen Ausbildung verpflichtet. Doch der Lehrvcrtrag sei nur eine Formsache. Er wollte sich durch die Zahlung des Lehrgeldes dagegen sichern, daß der Kläger, wenn er kaum etwas begriffen hat, schon nach einigen Monaten zur Konkurrenz läuft und dort gegen Gehalt arbeitet. Er wolle sich die jungen Leute doch nicht für die Konkurrenz an- lernen. Daß kein richtiges Lchrverhältnis vorliegt, beweist auch der Umstand, daß der Kläger gegen Provision arbeitete. Der Kläger sollte nur an ihn gebunden sein, und deshalb sei der Ver- trag gemacht und der Kläger als Volontär bezeichnet. Dem- gegenüber behauptet der Kläger, daß der Beklagte nach„Volontären bezw. Lehrlingen" inseriert habe. Er wollte als Lehrling ein- treten. Der Beklagte habe ihm dann gesagt, daß er bei 500 M. in einem Jahre ausgebildet werde, für 300 M. müsse er zwei Jahre und für 100 M. drei Jahre lernen. Er habe sich dann ge- sagt, daß er in einem Jahre wohl doch nichts Richtiges lernen könnte. Er habe deshalb den mittleren Vorschlag gewählt. Der Beklagte habe ihn nur deshalb als Volontär im Vertrage bezeichnet, weil sich das bester anhöre. Nachdem das Gericht seiner Ver- wunderung über die eigentümliche Form des Vertrages Ausdruck gegeben, wird der Beklagte gefragt, was er denn mit den jungen Leuten machen will, wenn er sie ausgebildet hat. Er könne sie doch unmöglich alle beschäftigen. Wenn er alljährlich eine solche beträchtliche Anzahl junger Leute für sich ausbilden wird, würde sich doch sein Geschäft ganz eminent entwickeln müssen. Auf Be- fragen gibt der Beklagte an, daß das Geschäft drei Jahre besteht; bisher habe er vier junge Leute ausgebildet und vier seien ihm wemelaufen. Auf die Frage, ob denn in den anderen Bank- geschäften dieser Art es ebenso gehandhabt wird, erklärt der Be- klagte, das wisse er nicht; er richte sich auch nicht nach diesen, sondern mache es wie es ihm beliebt. Das Gericht verurteilte den Beklagten zur Rückzahlung des Lehrgeldes. Nach Z 133 des Bürgerlichen Gesetzbuches habe das Gericht den wahren Willen der Parteien bei einer Willens- erklärung zu erforschen und nicht an dem Buchstaben zu haften. Danach war der Kläger nicht Volontär, sondern Lehrling gewesen. Das Wesen des Volontärs bestehe darin, daß er sich freiwillig zur Verfügung stellt, um das Geschäft kennen zu lernen. Er ist nicht auf eine längere Zeit gebunden, sondern hat nur eine Mndigungs- frist. Auch brauche er kein Lehrgeld für das Umsehen zu zahlen. Da aber in dem vorliegenden Vertrage und vom Beklagten selbst die Summe als Lehrgeld bezeichnet wird, so liegt hier ein Lehr- vertrag vor. Diesen im ersten Monat zu lösen, war der Kläger berechtigt, ohne daß die Parteien Ansprüche gegeneinander haben. Der Beklagte kann also nicht das Lehrgeld für sich in Anspruch nehmen, sondern ist zur Rückzahlung verpflichtet. Gegen Treu und Glauben. Gestern klagte beim Jnnungsschiedsgericht der Sattler Sch. gegen seinen Arbeitgeber, den Sattlermeister August Krusch. Er verlangte eine zweiwöchige Lohnentschädigung mit 66,44 M., weil er am 2. November fristlos entlassen worden ist. Der Beklagte wendete� Kündigungsausschluß ein und legte als Beweis einen vom Kläger unterschriebenen Revers vor. Dem hielt der Kläger entgegen, daß-ihm der Revers erst nach fünfwöchiger Beschäftigung zum Unterschreiben vorgelegt worden ist. Er habe sich erst ge- weigert, denselben zu unterschreiben. Er unterschrieb ihn aber, nachdem ihm gesagt worden war, eS fei nur eine Formsache; wenn er nicht unterschriebe, so würde er gekündigt werden, und würde dann nach 14 Tagen unterschreiben. Er brauche nicht seine Ent- lassung zu befürchten, wenn er schon jetzt unterschreibt. Trotzdem sei er am nächsten Tage entlassen worden. Der Beklagte gab zu, daß der Revers erst am Tage vor der Entlassung unterschrieben worden ist. bestritt aber, daß dem Kläger Weiterbeschäftigung zu- gesichert worden sei. Das Schiedsgericht erklärte die Art, wie der Beklagte diese Vertragsänderung zu seinen Gunsten ausgenutzt hat, als gegen jedes Anstandsgefühl verstoßend und verurteilte ihn dem Klage- antrage entsprechend. Das Schiedsgericht nahm aus der um- strittenen anfänglichen Weigerung des Klägers, zu unterschreiben. an, daß er diese Kündigungsvereinbarung nur unter der Voraus- setzung unterschrieben habe, daß er noch mindestens 14 Tage weiter beschäftigt wird. Die bald darauf erfolgte Entlassung verstoße deshalb gegen Treu und Glauben. Serkdts- Leitung. Milczyner Hölle. Die Milczyner Prügelaffäre wird nun am 17. Dezember zur gerichtlichen Erörterung kommen. Auch dieser Prozeß wird wieder einen gewaltigen Umfang annehmen, denn sowohl die Zahl der zu erörternden Fälle als auch die Zahl der zu vernehmenden Zeugen ist eine sehr große. Die Anklage richtet sich gegen 9 Personen und zwar: 1. den Hilfsprediger Friedrich Brcithaupt, 2. den Kauf- manu Julius Engels, 3. den Schneider Karl Wrobel, 4. den Bau- techniker Martin Wendland, 5. den Tischler Adolf Brozinski, 6. den Waschmeister Emil Sckstiler, 7. den früher in Milczyn angestellt gewesenen Max Rienischneiber» 8. den Schneidergesellen Georg Lang und 9. den Kutscher Richard Habedank.— Pastor Breithaupt wirb beschuldigt, eine Anzahl von Fürsorgezöglingen mittels ge- fahrlicher Werkzeuge und in einer das Leben gefährdenden Be. Handlung mißhandelt, einige andere widerrechtlich eingesperrt und die Mitangeklagten zu gleichen Mißhandlungen bestimmt zu haben. — Die Vorgänge, um die eS sich hier handelt, sind durch den „Vorwärts" aufgedeckt. Trotz aller Beschönigungsversuche des „Lokalanzeiger" und des Magistrats kam die Wahrheit ans Licht. Die Stadt Berlin hatte mit dein Fürsorgestift Milczyn G. m. m. H. deren Geschäftsführer der Pastor Matthies Ivar, im Jahre 1909 einen Vertrag abgeschlossen, wonach die Stadt Berlin der Anstalt 100 bis 200 Zöglinge überweisen sollte. Zum Leiter der Anstalt wurde von Pastor MatthieS der Predigtamtskandidat Breithaupt. der jetzt 33 Jahre alt ist und s. Z. in der Arbeiterkolonie Hoff. nungsthal tätig �war, ernannt. Pastor Breithaupt ist der Sohn eines Pastors und war zuerst Fahnenjunker gewesen. Krank- heitshalber mußte er die militärische Karriere aufgeben und wandte sich dann der Landwirtschaft zu. Er machte dann noch nachträglich daS Abiturientenexamen, studierte Theologie, war kurze Zeit in der Bodelschwinghschen BctheSdaanstalt und dann als Erzieher im Evangelischen Johannesstift tütig, von dort kcun er nach Hoffnungs- thal und schließlich nach Absolvierung des zweiten theologischen Examens nach Milczyn. Die gerichtliche Verhandlung wird sich vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gockel abspielen. Der Hauptangeklagte Pastor Breithaupt wird von dem Justizrat Leonh. Fricdmann und dem Rechtsanwalt Jlleh verteidigt werden. Als Nebenkläger ist der Rechtsanwalt Dr. Kurt Noscnfeld zugelassen worden. Für die Verhandlung sind 14 Tage in Aussicht genommen. Die Verzweiflungstat einer unehelichen Mutter beschäftigte gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Kindesaussctzung war das Dienstmädchen Martha Bath angeklagt. — Die Angeklagte wurde Mitte Mai d. I. in der Entbindungs- ansialt der Kgl. Charite von einem Knaben entbunden. Als sie entlassen wurde, stand sie mit ihrem Kinde völlig mittellos auf der Straße. In der Hoffnung, wenigstens für ihr Kind ein Obdach zu bekommen, wandte sie sich an das Waisenhaus mit der Bitte, ihr Kind wenigstens so lange dort zu behalten, bis sie eine Stellung gefunden habe und eine anderweitige Pflege beschaffen könne. Sie wuxde jedoch von dem Waisenhaus abgewiesen Mgn gab ihr dort den Rad, sich an die Armendirektion zu wenden. AlS sie sich an diese wandte, wurde ihr der Rat zuteil, sich an die Pflegschafts- abteilung des Polizeipräsidiums zu wenden. Als sie hier mit dem Kinde auf dem Arm erschien, wurden ihr die Adressen von Pflege- rinnen gegeben, Ivelche bereit wären, das Kind gegen Erstattung des Pflegegeldes aufzunehmen. Da die Angeklagte jeder Mittel entblößt war. griff sie schließlich zu einem verzweifelten Mittel. Sie legte das Kind, welches in einen alten Unterrock eingewickelt war. in dem Flur des Hauses Platz vor dem Neuen Tore 6 nieder und beobachtete aus einiger Entfernung, ob das Kind bald ge- funden würde. Nach kurzer Zeit wurde das schreiende und zapvelnde Wesen auch von dem in dem Äebcnhause wohnhaften Gastwirt Bunzel aufgefunden, der den seltsamen Fund sofort der Polizei übergab. Bon dieser wurde der Findling dem Waisen- Hause in der Alten Jakobstraße zugeführt, wo er sich noch jetzt be- findet.— Die Strafkainmer uahm an. daß von einem hilflosen Verlassen im Sinne des Gesetzes keine Rede sein könne und er- kannte auf Freisprechung der Angeklagten. Die Verhandlung zeigt, daß die Einrichtungen de» Waisenhauses und der Armendirektion ernste Mängel aufweisen: Helfen, nicht von Pontius zu Pilatus weisen, sollte Aufgabe dieser Ver- waltungen sein._ Zur Auslegung des BercinSgesetzrS. Wegen öffentlicher Aufforderung zur Begehung einer straf- baren Handlung hatte sich am 18. Juli vor dem Landgericht Sönitz der GewerkschaftSfekretär Schvpvhl zu verantworten. DaS Gericht sprach ihn frei. Aus Anlaß eines Ausstairdes fand am 29. Dezember 1909 eine Versammlung der Arbeiter einer Fabrik in Czersk statt. zu welcher der Angeklagte als Leiter der Zahlstelle der christlichen Arbeiter eingeladen war. Der Amtsvorsteher nahm an, daß es sich um eine öffentliche Versammlung handle und sandte den Gen- darmeriewachtmeister Petereit zur Ueberwachung. Der Angeklagte als Leiter der Versammlung weigerte sich, dem Beamten einen Platz zu überlassen, da die Versammlung keine öfsentliche, sondern nur eine solche für die Arbeiter der S.'schen Fabrik sei. Der Gendarm erklärte nun die Versammlung für aufgelöst. Der An- geklagte rief den Anwesenden zu. sie sollten nicht weggehen. Nach- dem die öffentliche Versammlung aufgelöst sei. werde jetzt die Versammlung der S.'schen Arbeiter eröffnet. Das Gericht hat angenommen, daß die aufgelöste Versammlung keine öfsentliche war und nicht aufgelöst werden durfte. Der Angeklagte habe also nicht zu einer strafbaren Handlung aufgefordert, als er die An- wesenden zum Dableiben einlud.— Auf die Revision des Staats- antealts hob am Dienstag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. ES fei nicht er- schöpfend geprüft, ob es sich um eine öffentliche Versammlung handelte oder nicht, da außer den Arbeitern der betreffenden Fabrik auch die Leiter Der Zahlstellen der drei Verbände ein- geladen und erschienen waren. ES sei auch zu prüfen, ob die Sachlage zur Anwendung des 8 18. 4 des Vereinsgesetzes(Nicht- entfernen nach erfolgter Auflösung) Anlaß gebe. Hus aller Sielt. Erschlageuc Grubensklavcn. Die Unfallchronik des deutschen Bergbaues ist gestern Wieder durch mehrere schwere Uiisülle bereichert worden. Ans dem Schacht 3 der Zeche.Rheinelbe" bei G c l s en ki rch e n sind durch Zubruchegehen einer Strecke fünf Bergleute verschüttet worden. Nach mehrstündigen Bergungsarbeiten wurden zwei der Verschütteten als Leichen, zwei schwer und einer leicht verletzt zu Tage gebracht. Ein ähnliches Unglück er- eignete sich auf einer Kohlengrube bei M y S l o w i tz in Oberschlesien. Dort ging ein Stützpfeiler zu Bruch. Von den herabstürzenden Kohlenmassen wurden fünf Arbeiter verschüttet. Bisher ist einer als Leiche geborgen worden. Die in der Nacht vom 22. zum 23. November auf der Zeche „Viktoria Mathias" bei E s s e n a. Ruhr verunglückten fünf Berg- l e u t e sind nunmehr sämtlich ihrer Berletzunge« er- legen._ Drei Millionen hungernde Mensche». Wie ein Telegramm aus Shanghai meldet, wird der nördliche Teil der chinesischen Provinz A n h u t von emer großen Hungersnot h ei ni gesucht. Drei Millionen Menschen sollen in dem Gebiet der Hungersnot preisgegeben sein. Täglich sterben Hunderte. Kleine Notizen. Da« Hochwasser des Rheins. Wie auS Köln gemeldet wird. ist der Rhein seit gestern um 1,33 Meter gestiegen. Die Rheinhöhe beträgl jetzt 4.80 Meter, doch wird noch ein weiteres An- schwellen deS Stromes befürchtet. Urberschwemmungen in Frankreich. Die Loire ist über die Ufer getreten und hat das angrenzende Gelände übersiutet. Die niedriger gelegenen Straße» der Stadt Saumur stehen unter Wasser. Die Eleltrizitätszentrale ist gleichfalls über» schwemmt. Zur Hilfeleistung sind Soldaten abgesandt worden. Schiffstatastrophe. Wie ein Telegramm auS London meldet, stieß gestern morgen ein unbekannter Dampfer mit dem auf der Höhe von GraveSend ankernden englischen Kohlendampfer.Gratidnde" zusammen. Der Kohlendampfer sank binnen zwei Minuten in die Tiefe. Bon der aus zehn Köpfen bestehenden Mannschaft sind nur zwei Mann gerettet ivorden. Die Cholera aus der Insel Madeira. Der unheimliche Gast hat sich auch aui der herrlich gelegene» Insel Madeira eingenistet. Nach einei» Telegramm von dort sind bis zum 27. November 77 Er» trankungen und 32 Todesfälle an Cholera auf der Insel vorgekommen. Offenbar ist die Seuche durch im Hafen an- gekommene Schiffe eingeschleppt worden. Der Hauptmann als Mörder. In Paris wurde gestern nach- mittag der Hauptmann Meynier unter der Beschuldigung ver- haftet, daß er die vor einiger Zeit tot anfgefmidene Baronin d'Ambricourt ermordet habe. Die Affäre erregt seit mehreren Tagen in Paris große Sensation. Eingegangene Vruckfckriften. Preusstschcr Kommiß. Soldatengeschlchten von August W innig. Illustriert von I. Dam berger- München. Verlag Biichhaudlung Vor, wärts, Berlin S\V. 68.— E» sind feine der landläusigen Soldaten» geschichten, die der Verfasser in feinem Buche gibt. Er schildert seine eigenen Erlebnisse während der Dienstzeit, loie er sie mit den Augen de» Nassen- bewußten Arbeiters gesehen hat. Preis 1,50 M., geb. 2 M. Auch zu be» ziehen in 10 Heften a 15 Pf tilcschirhte der Reuoliitioncu vom niederländischen Ausstand bis zum Vorabend der französischen Revolution. Bon A. Cvnrady. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit. Die Hefte 2— 4 find erschienen. Bestellungen zum Preise von 20 Ps. pro Heft nehmen alle Buchhandlungen, Kolporteure und ZeiwngSspeditionen entgegen. Jede Woche erschewt ein Heft. Mit dem Abonnement kann jederzeit begonnen werden. Probehefte und Prospekte kostenlos vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68. »In freie» Stunden". Verlag Buchhandlung Bor- wärts, Berlin SW. 68. Die Hefte 46— 47 sind erschienen. Wie uns der Verlag mitteilt, gelangt das Kunstblatt Ruhsdael Fiujjlnndschajt mit Wind« mühte— das die Abonnenten kostenlos erhalten— mit Stummer 52 zur Ausgabe. »Kommunale Praxis". Wochenschrist für Kommunalpolitik und Ge. meiiidesozialiSmus. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Die Hefte 45—47 sind erschienen. Abonnementspreis pro Quartal 3 Mark. Pa» Nr. 8. Halbmonatsschrift. Herausgegeben von W. Herzog u. P. Casjirer. 50 Pj. Verlag P. Cassirer, Berlin. Kürschners Jahrbuch l»n. Welt- und Zeitspiegel-Kalender, geographilch-slatislisches Handbuch und VerkehrSIexlkon.(Hermann HillgerS Verlag, Berlin und Leipzig. 1,20 M., ged. 1,80 Wt.) ßrtefhafUn der Rcdahtfott. »t,(uriftilrtie Sp«»flu»d. Nudel. Ltnd-U«rah««r.«». vsr» «er rredven- � a d r» n b l wochentagltch voii?>/. llbr akei.d», eonnabeiid» von 4>/- bis« Ilh«»achmitiogS Na«,. Aeder für de»«rief- taste» bestimmten«ufraa? ist-,n«u-stftad. und-in->jabl-lS Merk- »eiche» d-i»uiügen.«rtefliche Avtioor, wird nicht«rteilt. Eilige Aragen«rage mau in der Evrechstnnde vor. Weihnachte» ISIS. Wie raten, sich an die Zentrale fiir private Für- sorge, linier den Lmden 1K. zu wenden.— W. B. 1. Wenn sämtliche auch im zweiten Testament Sedachten einig gehen, bedarf es des Ervffnungs- Verfahrens nicht. 2. Eine anderweite Abmachung ist nur mit Zustimmung der Schwägerin möglich.— H. M. Ol«. Wir halten eine Klage aus Rückzahlung für durchsührbar.— I. K. Äl-t. 5 Jahre 8 Monate Gesängnis. — B. S. 50. Wenden Sie sich an das Kolonialamt mit einem Gesuch um Ausllärung über den Widerspruch in den beiden Bescheiden, soweit das zugrunde gelegte Diensteinlommen in Frage kommt.— E. 404. 1. Bei etwa 30 M. Wochcneinkommen wäre ein geringer Betrag beschlagnahme- sähig. 2. Ja, in vier Jahren, wenn nicht Unterbrechung ersolgt. 3. Ja. — St. M. Lichtenberg. Grundgehalt 1400 M.. Ortszulage 600 M.. Alterszulagen 7 X 200 M und 2 X 250 M.. zusammen 1900 M.— C. P. 59. Nein.— W. 8. 66. Das ist Sache des Bereins.- R. 98. Ja.— F. Nr. 10. Sie sind steuerpflichtig mit Leginn des Monats, der demjenigen folgt, in dem Sie in Beschäsligung getreten sind.— H. S. 10, Obcrschöncweide. Die Entscheidung von ZJetten lehnen wir ab. — 3t. M. 77. Der Hauswirt hatte kein Recht, die Versteigerung zu inhibieren. Wenn Sie"Miete schulden, sind Sie zur Abgabe der Ein- willigungserklärung vervflichtet.— G. P. 38. Ja.— S. 1600. Nein. Es muh zunächst aus Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft gellagt werden bei dem Landgericht, in dessen Bezirk der Ehemann seinen Wohnfitz bat. Die Klage mutz durch einen Anwali anhängig gemacht werden. St. Schmidt, Wolfach. 400 bis 600 Bogen. Preis 20 bis 30 M.— E- G. 27. 1. Ja. 2. Der Roman„Erweckt" erscheint in Buchform im Laufe des Januar in unserem Verlag. Der Preis steht noch nicht fest.— St. 64. 9. Juni 1904.— E. P. J{8. Wenn Sie ein Eigentumsrecht an dem Klavier haben, so können sie dessen Herausgabe verlangen. Die Mutter und, wenn der Vater verstorben ist, die Geschwister sind zu je'1, erbberechtigt; die Haushaltungsgcgenslände verbleiben jedoch sämtlich dem Mann.— 40 F. W. Transportarbeiter-Verband, Engeluscr 15.— M. S. 115. Die Mutter zur Hülste, die Gesch visier zur andern Hülste gleichmäßig.— Genosse H. St. Wiederholen Sie Ihre Anfrage und fügen Sie hinzu, wann die zweite Ehe geschlossen ist und wo der erste Ehewohnsitz war.— I. H. 150. 1 und 2. Ja.— W. B. Wenden Sie sich direkt an den Verband.— B. Nr. 50. Wenn sie testamentarisch nicht bedacht ist, nur angemessene Entschädigung sür die Dienstleistungen. Die Erben könnten gegenüber den länger als zivei Jahre zurück- liegenden Ansprüchen den VerjährungSeinwand erheben.— H. 1001. Rem.— W. R. 100. Sie sind zur Abnahme verpslichtet. 'Ilmtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Dtrektion über den Großhandel in den Zentrai-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach. Gel chäsl still, Preise unverändert. Wild: Zusnbr aus- reichend, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr reich- lich, Geschäft etwas lebhafter, Preise ziemlich unverändert. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft etwas lebhast, Preise leicht anziehend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst Lvd Südfrüchte: Zufuhr gnügend, Geschäft ruhig, Preise fest. WasserstaiidS-Nalstictckiteo Wasserstand M-m-l, Tilstt P r e g e l, Jniterbitrg Weichsel. Tborn Oder. Ratibor , Krosien , Frankfurt Warthe, Schriumi , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg am 29 11 26t-) -38«, 98-) 205 257 269«) 66-) 44 8 104 —10 269 223 >e>t 28.11 f.IU') +3 +5 —16 —3 —14 —1 0 0 —6 —3 0 —12 —12 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, svandaul , Rathenow') Spree, Svremoerg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Mari milian sau , Kaub . Köln Neckar. Heilbron» Main, Wertheim Mosel, Trier am! leit 29.11. 28.11. ata l) cm 118 95 118 112 142 —(5 42 508 313 357 320 219 _ 2 +3 0 0 +2 +39 _ 2 +18 +47 + 43 +174 +21 415')+144 »)+ bedeutet Wuchs.— stall.—») Nniervegel.—*) Grundeis. treiben—) oberhalb der Angerappbrücke Eisstand—») Eistreiben in :U Stiom breite—•) höchster Wasserstand: 271 cm vom 28. um 5 Uhr nachm. bis 29. um 11 Uhr vorm.— 7) Eistreiben— 9) annähernd mittleres Hochwasser. MSeMraMe? VMrt liixclorf. Am 28. d. Mts. verstarb unsere Genossin Frau /tans Richter geb. Diederich, Prinz Handjerystr. 29(18 Bezirk). Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. Dezember, nach millags 3 Uhr, von der Leichen� halle des Riidorser Gemeinde friedhoses am Mariendorser Weg, aus statt. 236/4 Um rege Beteiligung ersucht Vor�tan«!. Deutscher Metallarbeiter-Verband! Perwaltniigsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß u»Ier Mitglied, der Gürtler psu!(Zericke am 28. d. Mts. au Lungen- entjündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. Dezember, nach- inittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Georgen-Kirchhoses in Weißensee, Röllestraße, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, berj Dreher Hermann Drichel| am 29. d. Mts. an Luiigen- entzündung. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 2. Dezember,»achmiltags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Sophien-KirchhoseS in der Freien- ivatder Straße aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser WillKelm Ehrlich am 26. d. Mts. iitsolge Unfalls. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des alten Zwölf-Aposteb Kirchhofes, Schöneberg, Kolonnen- straßc, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 126/9 vis Ortsvorv/sttnng. MiMm i ßeri E. H. 89. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser Kollege Heinrich �tenz�el Weisestr. 45 wohnhaft, am 27. No- oember im Alter von 68 Jahren oerftorbe» ist. Ehre seinem Zlndenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den t. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Jakobi-Kirchhojes, Hermannftraße, aus statt. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Oskar Oaleit Köpenickerstraße 171 wohnhaft, am 29. November im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Ehre seine». Andenke»! �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirch- hoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 199/11 Der Vorstand. Am 28. November verschied nach langem schweren Leiden meine liebe Frau, unsere Herzens- gute Mutter, Schwester und Tante Anna Dichter Diederich. Dies zeigen tieftbetrübt an IHaz Dichter nebst Kinoern und Verwandten. Die Beerdigung findet Freitag, den 2. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeinde- griedhoss, Mariendorser Weg, aus statt. Verdanä der Qemeinde- und Staatsarbeiter. Sektion Charlottenburg. El.-Werk.! Den Mitgliedern hiermit zur! Kenntnis, daß der Kollege Otto(jrinxel im Alter von 23 Jahren ver- starben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 1. Dezember. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Lnisen-Kirchhoses Fürstenbrunner Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 293/20 Die Ortsverwaltung. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege �uzust ksnge Reinickendorserstr. 42(Bezirk 2) gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 1. Dezember, uachmilt.igs 2 Uhr, vom Katholi- scheu Krankenhause, Große tzam- burgerstraße aus, nach dem städtischen Friedhose in der See- straße statt. 35/4 Um rege BeteMgung ersucht Oie Ortsverwaltung. iZkntrnl-Knnlktnknsseder Tnpezierer. Berlin III. Am 27. November verstarb nach | langem Leiden unser Mitglied W.«ochst. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Zentral- Friedhose in Friedrichsseide statt.— Um zahl- reiche Beteiligung bittet 206Sb Die Ortsverwaltnng. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Otto Bergmann sage ich allen Bekannten und Kollegen meinen ausrichtigsten Dank. 267/ lO Berlin im November l9t0. Margarete Bergmann. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Schwägern, Minns Rosentreter geb. Butz nach schwerer Krankheit im Alter von 37 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Dezember, nachmittags 2>/, Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses Moabit nach dem Slädtischen Friedhof, Seestraße, aus statt. Der trauernde Gatte Otto Rosentreter ncbsi Kindern. Danksagung. Sage allen Freunden und Be- kannten sür die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Bruders, deS Zigarrenhändlers Lissng Rahnv Hcidenscldstr. 19, und den, Wahlverein Bez. 400 Teil II, meinen herzlichsten Dank. 1960L Uudoir Dühne. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Multer sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Frauen-Sparverein„Lotbringen- sowie dem Lotterieverein.Glückspilzmeinen herzlichsten Dank. 1962L Albert Brüning und Tochter. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Barl Lehmann sage ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbeiondcre Herrn Waldeck Manasse sür die lrost- reichen Worte am Grabe des Ver» ftorbenen, semer der Zeug- und Rasch- macher-Jnnnng zu Berlin sür die bewiesene Ehre und dem Gesangverein Becherklang meinen herzlichsten Dank. Frau Witwe fterrnine Lehmann nebst Kindern. 2066b Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres Sohnes, Bruders und Schwagers Ködert Renk sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kollegen des Kabelwerks, Abt. Blechwalzwerk, den Kollegen der Abt. Bandwalzwerk Oberspree, dem Verband der Fabrik- arbeiter Deutschlands sowie den Sängern der A. E.-G. Kabelwerk Oberspree unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinter- bliebeneu 2067b Albert Renk und Frau. Reste Itanaenluche, schwarz nnd färbte, Costuraes-Stoffe. neueste Master. Trioot-Stoffe, Selden- PlQaeta. Kämmet o. Seide etc. Con fccüoB Paletoi!«. _ Jacketts, Regen- mäntel, Costaxnes and Cosiom- röeke in grosser Answabl. C. Pelz, Kottbuserstr. 5. Am Freitag, den 2. Dezember 1910, abends 8 Uhr, in den „Markgrafensälen", Markgrafendamm 34. 57/11 Referent: Landtagsabgeordneter Adolf Hoff mann: „Göltliclie WeMnung» kapitalistische MiBwirtschaft". Eintrittspreis 10 Pf. Der Elubernfer: A. Harndt, Pappel-Allee 15—17. Freitag, den Ä. Dezember 1910, abends 8V2 Uhr, im großen Saal voll Keller(Iah. Fretter), Koxpeustraße 39: Große Versammlung aller Arbeiter der städtischen Gaswerke. Tagesordnung: 1. Die Verhandlungen der Lohnkommission mit der Gaswerksverwaltung. 2. Stellungnahme zu den Veschlüssen der Deputation. 293/17 GnnprtPN? Freitag soll die Entscheidung in unserem Lohnkampfe fallen. Es ist unab» o. K,eisbare Ehrenpflicht aller Gasarbeiter, in dieser überaus wichtigen Ver» sammlung anwesend zu sein. Die Vertrauensmänner. I. A.: Emil Wutzky, Engelufer H. Verleih-Instltnt: Friedrichs,., 1 5/1, a.Orabg. 'Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1,50,4) es« 1,00, Weste öOPf. Jei mir ml" ist ein Bleichpulver, zu gebrauchen anstatt von Chlorkalk. Wir garantieren, dah Wäsche, hiermit behandelt, be» stimmt keinen Schaden erleidet, da alle schädlichen Bestandteile auf chemischem Wege entfernt sind. Macht die Wäsche blendend weiß und entfernt alle Flecken. Zu haben in jeder Drogen- und Kolonialwarenhdl. k Paket 10 Pfg. Engros-Lager Bei Engel A Co., Berlin C., 292/18* Burgstr. 29. Tel. Amt III. 3780. Alleinige Fabrikanten: I. H. Krooshof& Co., G. m. b. H., Hannover. j[ Sie in den nie beste Küche für Hochzeiten finden C. 54. Sophienstr. 17/18 Blumensir. 10 Tel. m. 2783. Inhaber: Paul Baatz. Tel. VII. 3095. 20 Säle nnd Vereins-Zimmer mit modernen Bühnen, 50— 1500 Personen fassend, an Sonnabenden und Sonntagen l_ nooh frei. 14841,* 2 (E. H. Nr. 2 Hamburg). Oertliche Berwaltung Berlin. iW Freitag, den 2. Dezember» abends 81 3 Uhr,"WM im Gewerkschaftshause, Engelufer 15(Saal 5): l�litgliecker» Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnimg vom 3. Quartal. 2. Kasfenangelegenhetten. 253/12* Der Borstand. I. A.: Richard Schröder, Berlin O., Tilstter Str. 7. v. IV. Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Sonntag, den 4. Dezember, vormittags 16 Uhr, in Schmidts Festsäle», PrinzenaNee 33: MM VorssuttmlRmK"WD Tagesordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Gankonferenz. 2. Vorstandswahl. 3. Verbandsangelegenheilen. 145/20 Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist daS Erscheinen eines jeden Kollegen notwendig._ Der Borstand. Das schonst.Weihnachtsgeschenk ,910 Jahrelang Freude und Nutzen. Paradiesbad— Mittel- Küchenbad KLÄi..'ÄS «ad dar«Meb*omcbtaod«ob H. SS—«b. 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Sdlnje il» Jmwöttf Jlnlintt MlisblÄ Dotttlerskag. 1. Deztlnbtt 1910. ßerlincr JVacbncbtcn. Polizei und Presse. Ueber das Kapitel„Polizei und Presse" haben wir uns schon des öfteren ausgelassen und wiederholt die Art der Berichterstattung bemängelt, die aus dem Ressort der Kriminalpolizei beliebt wird. Es ist bekannt, daß die Zkriminalpol�ei ihre Mitteilungen einer Korrespondenz zur geschäftlichen Ausnutzung übermittelt, wodurch bestimmten Privatpersonen eine bevorzugte Stellung eingeräumt wird. die aber dem Ansehen der Kriminalpolizei nichts nützt. Gewiß werden in diesen von der Kriminalpolizei inspirierten Meldungen vielfach die Namen bestinimter Kriminal kommissare lobend erwähnt; das kann aber in weiteren Kreisen lediglich nur die Meinung auslösen als geschähe das nur aus Dankbarkeit. Dieses Verfahren des Nachrichtenverschleißes aus dem Gebiet der Kriminalpolizei, auch die ganze Aufmachung ist in letzter Zeit auch von anderen Blättern augegriffen worden. Im Anschluß an einen Artikel über Polizei und Presse in der„Deutschen Tageszeitung schreibt dem genannten Blatte der Polizeipräsident v. Jagow folgendes: „Es besteht auch bei mir nicht der geringste Zweifel darüber, daß eS im höchsten Maße unerwünscht ist, wenn einzelne Blätter ihrer Berichterstattung über die das strafrechtliche Gebiet be- rührenden Tagesereignisse durch die ausführliche Schilderung aller grauenhaften Einzelheiten und die Verherrlichung der in Be- wacht kommenden Täter eine das öffentliche Gefühl verletzende, sensationelle Färbung geben. Es ist aber nicht angängig, für diese Art der Berichterstattung die mir unterstellte Kriminalpolizei derautworllich zu machen. Die versorgt, wie es selbstverständlich ist, die Presse systematisch mit Nachrichten, wenn es sich darum handelt, AnhaltSpunlte zur Aufklärung strafbarer Handlungen zu gewinnen oder das zur Ueberführung Verdächtigter geeignete Be Weismaterial zu beschaffen; und zwar tut sie dies regelmäßig immer nur insoweit, als eS zur Förderung der ihr vorliegenden kriminalistischen Aufgaben notwendig und nützlich erscheint. Natürlich ist aber die Kriininalpolizei ohne jeden Einfluß aus den redaktionellen Betrieb der verschiedenen Blätter. Folgewcise kann sie eS nicht verhindern, daß einzelne Blätter das ihr mitgeteilte Material unter besonderer Hervorhebung pikanter Details, unter Bezugnahme auf Persönlichkeiten oder sonstwie in sensationeller Weise journalistisch verwerten; und ebensowenig hat sie ein Mittel an der Hand zu verhüten, daß sich die Presse auch noch anderweitig informiert und daß dadurch etwa unrichtige oder entstellte, die öffentliche Meinung irre- führende oder gar beunruhigende Nachrichten zur Publikation ge langen. Denn die Kriminalpolizei ist nicht die einzige Quelle, aus welcher die reichshauptstädtische Presse ihre Informationen schöpft. Bei vielen Zeitungen und Korrespondenzbureaus wird ein vorzüglich organisierter, durch die Mithilfe des Publikums unterstützter Bcrichterstatterdienst unterhalten, der jedes wichtige kriminalpolizeiliche Ereignis sofort zu ihrer Kenntnis bringt und sie in den Stand setzt, auf Gmnd selbständiger Ermittelungen Nachrichten zu bringen." Was der Polizeipräsident hier sagt über die Bericht Erstattung der Presse über Kriminalfälle ist nicht ganz richtig. Der größte Teil der Berliner Presse ist in Kriminalsachen auf die von der Kriminalpolizei inspirierten Korrespondenz an gewiesen und es geht nicht gut an, alle nitd jede Verant Wartung für dieselbe einfach abzuweisen. Richtiger wäre es, wenn die Kriminalpolizei eigene Mitteilungen über besonders wichtige Vorfälle der Presse zugänglich machen würde. Das der Publikum, ist die überwiesenen Auf liegt mehr in ihrem eigenen Interesse als im Interesse Presse. Denn ohne die Presse, ohne das Kriminalpolizei nicht in der Lage, die ihr gaben zu erfüllen._ i Berliner Berkehrsfragen und der Eisenbahnminister. Die Denkschrift des Magistrats über den Stand der Verkehrs- fragen enthält verschiedene Schreiben des Eisenbahnministers, aus denen hervorgeht, daß der Minister dem Magistrat fortgesetzt mahnen mußte, in verschiedenen Verkehrsfragen endlich zu einem Ergebnis zu kommen. Und es ist wahr, daß im Magistrat auf diesen» Gebiete so gar nichts getan worden ist. Die einzige Tat ist die endlich nach langen Mühen und Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten erfolgte Vorlegung des Projektes der Nord-Süd- bahn, ein Projekt, das aber schon im Jahre 1903 von der Stadt- verordnetenvcrsammlung beschlossen worden ist. Was aber das Schicksal der bekannten Krauseschen Durchbruchsprojektc, insbe- sondere das wichtige Projekt des Voßstraßendurchbruches betrifft. so ist ja bekannt, daß der Magistrat in seiner Mehrheit das letzt- genannte Projekt wiederholt abgelehnt hat. Die Begründung, mit der das geschehen ist, erscheint selbst dem Eisenbahnminister so wenig durchschlagend, daß er sich in einem Schreiben an den Magistrat wie folgt ausläßt: „Der Minister Berlin W. 63, per öffentlichen Arbeiten. Wilhelmstratze 79, IV. A. 18. 1551. den 12. November 1910. III. B. 10. 459. D. Aus dem Berichte vom 4. d. M.— 2015 V. 10— habe ich ersehen, daß der Magistrat nach erneuter Beratung abermals den Durchbruch der Voßstraße nach der Viktoriastatze abgelehnt hat. Diese Ablehnung kommt mir um so unerwarteter, als der Herr Oberbürgermeister Kirschner, nachdem die vom Stadt- baurat Krause ausgearbeitete Denkschrift stadtseitig im März 1908 an allerhöchster Stelle vorgelegt war, in der zur näheren Darlegung der städtischen Pläne im Juni desselben Jahres seitens Sr. Majestät des Kaisers und Königs gewährten Audienz die in der Krauseschen Denkschrift entwickelten Vorschläge vertreten und gerade unter Hinweis auf sie die Tunnelprojekte der Großen Berliner Straßenbahn bekämpft hat. Mit der Ablehnung des Voßstraßendurchbruches ist, wie ich Shon in meinem früheren Schreiben hervorgehoben habe, von en Vorschlägen, die zu einer Entlastung des Straßenzuges Leipziger Straße-Potsdainer Straße gemacht worden sind, der wesentlichste gefallen. Ein hinreichender Ersatz dafür ist aber picht in Aussicht gestellt. Wenn auch anerkannt werden mag, daß zurzeit durch die polizeiliche Verkehrsregelung auf dem Potsdamer Platz und durch die Durchlegung der Voßstraße über den Wilhelmsplatz eine gewisse Erleichterung für den genannten Straßenzug ein- getreten ist, so ist doch nicht damit zu rechnen, daß sich dieser gebesserte Zustand auf die Dauer erhalten wird. Der Verkehr nach Westen und von Westen wächst stetig mit der unaufhaltsam fortschreitenden Bebauung dieser Gegend, und ebenso nimmt der innerstädtische Verkehr fortgesetzt zu. Die dortseits erwähnten städtischen Pläne(Herstellung einer neuen Verbindungsstratze Kurfürstenstratze— Schöneberger Straße und Durchbruch von der Lindenstraße nach der Beuthstraße) haben doch für die erwähnte Frage nur einen geringen Wert. Jedenfalls werden sie für den großen Verkehr, der sich in der Potsdamer Straße als dem hauptsächlichsten westlichen Zugangswegc zum Stadtinnern und in der Leipziger Straße in immer steigendem Maße zusanrmen- drängt, eine fühlbare Erleichterung nicht schaffen. ES wird mithin, solange der Magistrat für die Voßstraßen- Perläpgerupg einen wirksamen Ersatz nicht porgeschlagen hat. die Frage der Untertunnelung der Potsdamer und Leipziger Straße entgegen der in dem dortseitigen Schreiben entwickelten Auffassung zur Erwägung gestellt bleiben müssen, woraus sich für die städtische Verwaltung die Notwendigkeit ergibt, zu der Frage der stadtseitigen Ausführung dieses Tunnels Stellung zu nehmen. Von der Mitteilung, daß der Magistrat die Hoffnung hegt, die zwischen der Stadt und der Großen Berliner Straßenbahn schwebenden Streitfragen, einschließlich des wegen der Tunnel- Pläne schwebenden Ergänzungsversahrens, im Wege des güt- lichen Uebereinkommens zu erledigen, habe ich mit Interesse Kenntnis genommen. Eine solche Regelung würde im Interesse der Allgemeinheit nur freudig begrüßt werden können, da damit endlich ein Hindernis beseitigt würde, das sich so lange Zeit der weiteren Durchführung der notwenigen Verkehrsverbesse- rungen hemmend in den Weg gestellt hat. Vermißt habe ich bei den dortseitigen Ausführungen Angaben darüber, wann die von der Stadt in Aussicht gestellten Abhilfcmaßnahmen tatsächlich ausgeführt werden sollen. Mir ist nicht bekannt— abgesehen von der schon längere Zeit der Eröffnung harrenden Köthener Brücke—, daß die Ausführung der Durchbrüche usw. bereits zum Gegenstande der Entschließung der Stadtverordnetenversammlung gemacht sei. Die Notwendig keit, dem wachsenden Verkehre neue geeignete Wege zu schaffen, ist aber so dringend, daß wohl nicht unterbleiben darf, der Aus- führung der stadtseitig geplanten Abhilfemaßnahmen mit Be- schleunigung näher zu treten. Ich nehme an, daß der in Aussicht gestellte weitere Bericht in dieser Beziehung bestimmte Angaben enthalten wird. Den Ausführungen, die in dem dortseitigen Berichte über eine entlastende Wirkung der Schnellbahnen gemacht werden, vermag ich durchaus zuzustimmen. Ich glaube aber daraus die Erwartung entnehmen zu sollen, daß städtischerseits nunmehr den Schnellbahnplänen mit Entschiedenheit weiterer Fortgang gegeben wird und namentlich die für den Nord— Süd-Verkehr so dringliche Schnellbahn Müllerstraße— Friedrichstraße— Kreuz berg schleunigst zur Ausführung kommt. Ferner geben mir jene Ausführungen Anlaß, daraus hinzuweisen, daß nuninehr, wo die Herstellung einer parallelen Entlastungsstratze zur Lmp- ziger und Potsdamer Straße von dem Magistrat verworfen ist, die Herstellung eines Ersatzes durch eine Schnellbahn ins Auge gefaßt werden sollte. Die Fortsetzung der von der Gemeinde Schöneberg hergestellten Untergrundbahn, die jetzt in unzuläng� licher Weise am Nollendorfplatz endet, nach dem Stadtinnern (Brandenburger Tor— Unter den Linden) dürfte als eine wichtige Entlastungslinie in erster Reihe in Betracht kommen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß der Magistrat einer solchen Fort setzung seine Aufmerksamkeit zuwenden und erwägen wird, ob nicht vielleicht diese Bahn unter Mitwirkung der Stadt Berlin zu einem wirklich nutzbringenden Gliede des Grotz-Berliner Schnellbahnnetzes ausgebaut werden kany. Mit Dank würde ich es erkennen, wenn der in Aussicht ge- stellte weitere Bericht sich auch über diese Schnellbahnfrage ein- gehender verbreiten wollte, v. Breitenbach. An den Magistrat hiesiger Haupt- und Residenzstadt." Man braucht nicht mit allem einverstanden zu sein, was der Eisenbahnminister im vorstehenden über die Verkehrsfragen dar- legt, aber zustimmen muß man ihm, was er über die Behandlung des Voßstraßenprojektes durch den Magistrat sagt. Im übrigen mutz festgestellt werden, daß der Magistrat in dieser Angelegenheit die Stadtverordnetenversammlung vollkommen ausgeschaltet hat. Der Ausschuß zur Revision der Lohnsätze der städtischen Arbeiter hielt am Dienstag feine zweite Sitzung ab. Stadtrat Fischbeck erklärte, daß er das von dem Ausschuß gewünschte Material über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in sänitlichen städtischen Betrieben, bis auf einige unwesent liche, zusammen habe. Ebenso sei er im Besitz des von den Vororten verlangten Materials; es sei jedoch noch nicht möglich gewesen, den Ausschußmitgliedern das gesamte Material zrigänglich zu machen. Der Vorsitzende Stadtv. Giese erklärte, daß er den Aus- chuß berufen habe, ohne dies Material zu haben, um Stelltng zu dem Verhalten einzelner Deputationen in der Lohnfrage zu nehmen. Es sei bekannt geworden, daß verschiedene Depu- tationen die Erörterung der Lohnfrage abgelehnt haben, da ja der Ausschuß sich hiermit befasse. Stadtrat Fischbcck erklärte, daß sich der Magistrat bereits mit der Angelegenheit beschäftigt habe und die Deputationen angewiesen seien, sich bei den Beratungen des Etats auch mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der Arbeiter zu beschäftigen ohne Rücksicht auf die Arbeiten des Ausschusses. Diese Er- klärung veranlasste eine größere Zahl von Mitgliedern folgen- den Antrag dem Ausschuß zur Annahme zu empfehlen: „Der von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzte Ausschuß hat von der Vorlage 685 Kenntnis genommen und legt sein Mandat in die Hände der Stadtverordneten- Versammlung zurück, da in den einzelnen Deputattonen die Beratung über etwaige Lohnerhöhungen gepflogen werden soll." Unsere Genossen bezeichneten dieses Verfahren für un- erhört. Es sei eine Bankrotterklärung und auch eine Blamage ur den Ausschuß, mit einem derartigen Antrage an die Stadt- verordnetenversammlung zu gehen. Der Antrag bedeute eine Verschleppung der Lohnfrage auf den Nimmerleinstag; sie orderten entschieden die Zusammenstellung des' vor- liegenden Materials, um an der Hand desselben in der Beratung fortfahren zu können. In seiner ersten Sitzung hat der Ausschuß erklärt, in eine Beratung nicht eintreten zu können, wenn den einzelnen Mit- gliedern nicht Unterlagen gegeben seien über die Arbeits- Verhältnisse der in den einzelnen Betrieben beschäftigten tädtischen Arbeiter, insbesondere darüber, wann für einzelne Arbeitcrkategorien die letzte Lohnerhöhung eingetreten sei,»md es sei daraufhin beschlossen worden, den Magistrat um Vor- legung dieser Uebersichten zu ersuchen. Jetzt sei der Magistrat diesem Ersuchen nachgekommen, das Material liege vor und nun wolle der Ausschuß das auf seinen Beschluß beschaffte Material gar nicht erst entgegennehmen und sich auflösen. Das sei keine sachliche Erledigung des ihm gewordenen Auf- träges. Gewiß sei die Aufgabe des Ausschusses eine»nühe- volle, aber sich davon unter der Angabc von Schein- gründen zu drücken. sei allerdings ganz unverständlich. Der Hinweis, daß einzelne Verwaltungen und Deputationen sich mit den Lohnverhältnissen der Arbeiter beschäftigten, könne den Ausschuß nicht alteriercn. Es sei gar nicht gesagt, daß man zu dem Resultat zu kommen brauche, zu sagen, diese oder jene Arbeiterkategorie bedürfe einer Aufbesserung; man könne sehr Wohl auch dazu kommen, dem Magistrat zu empfehlen, bei Regelung der Arbeitsverhältnisse der städttschen Arbeiter nach gewissen generellen Grundsätzen bezüglich Entlohnung, Arbcitsdauer usw. unter Aufstellimg eines gewissen Lohnminimums zu verfahren. Schließlich wurde nach diesen Darlegungen der obige Antrag zurückgezogen und beschlossen. das Material den Ausschußmitgliedern zugänglich zu mache». � Die Lohnfrage städtischer Arbeiter spielte auch in der letzten Sitzung des KuraioriumL für den städtischen Vieh- und Schlachthof bei Festsetzung des Etats eine Rolle. Die von den sozial- demokratischen Mitgliedern gestellten Anträge zur Verbesseriing der Lage der städtischen Arbeiter lvurden ausnahmslos abgelehnt. Als hierauf Genosse Hoffmann beantragte, die Lohnsrage dem Stadt- verordneten-Ausschuß zu überweisen, der init der Regelung dieser Materie beauftragt ist, analog dem Beschlüsse der Wasserwerks- deputation, kündete Herr Fischbeck an, daß der Magistrat am Freitag über das Kuratoriuin der Wasserwerke feierlichst zu Gericht sitzen werde, um der Verwaltungsdeputation in gehöriger Weise klar- zumachen, daß sie samt den dazu gehörigen Stadtverordneten Hörige des Magistrats wären, d i e k e i n R e ch t h ä t t e n, mit einem Stadtverordneten-Ausschuß in Verbindung z u treten; das verstieße gegen die Städteordnung! Die bürgerlichen Stadtverordneten knickten allergehorsamst zusammen und die Arbeiter- antrüge waren beseitigt. Die Markthallcndcputatio» beschäftigte sich in der Sitzung am Mittwoch init der Beratung des Etats für 1911. Der Etat schließt mit einer Einnahme von rund Z'/z Millionen und einer Ausgabe von rund 3 Millionen Mark ab, so daß seit längeren Jahren endlich wieder mit einem lleberschuß, und zwar von Vz Million Mark gerechnet wird. Die Erhöhung der Standgelder hat hierzu den größten Teil beigetragen. Zu lebhaften Erörterungen führten die Anträge unserer Genossen auf Erhöhung der Arbeiterlöhne. Es wurde von diesen darauf hin- gewiesen,, daß die Wünsche der Arbeiter recht bescheiden seien. Tie verlangten Lohnsätze: Anfangslohn 4 M., steigend jedes Jahr um 15 Pf. bis zun» Höchstlohn von 4,75 M„ unter Zahlung von Wochen- löhnen, sei das inindesie, was zur Erhaltung einer Familie er- forderlich sei. In einer größeren Reihe von Vororten würden er- heblich höhere Löhne gezahlt, auch andere städtische Verwaltungen wären bereits am 1. April 1910 mit Lohnerhöhung vorgegangei». Nur ein kleiner Erfolg wurde errungen. die Mehrheit bewilligte. unter Jnnehaltung der bisherigen dreijährigen Lobnskalen eine Zu- läge von 15 Pf., so daß der Anfangslohn 3 M. 90 Pf. wie bei den Slraßenreinigern betragen soll; dieselbe Zulage erhielten auch die Reinignngssrauen. Die Maschinenheizer sollen den Lampenwärteru wieder gleichgestellt werden. Hoffentlich hat der Magistrat und Kämmerer gegen diese ge- ringen Erhöhungen nichts einzuwenden. Jammervoll bleiben die Löhne bei den teueren Lebensbedürfnissen immer noch. Die Jngendschriftenausstellung im Gewerkschaftshans ist heute Donnerstag von 5—9 Uhr geöffnet. Eingang Portal B, neben dem Bureau des Holzarbeiterverbandes. Der Bcnzinbrand in Rummelsburg war gestern ziemlich»in- verändert. In der letzten Nacht wurde die Reserve-Dampsspritze 2 und die Pitller-P»m>pe schadhaft. Beide Fahrzeuge mußten deshalb nach Berlin gebracht werden, wo sie ausgebessert werden müssen. Von den großen Holzvorräten der Danipfschneideiniihle, die»nit rund 500 000 M. versichert sind, geriet nachts ein Holzstapel in Brand. Es gelang diese Gefahr zu beseitigen. Verbrannt sind bis jetzt rund 8 Millionen Liter Benzin, unversehrt sind noch zirka 0 Millionen Liter Benzin»md 500 000 Liter Oel. Die Tanls stehen jetzt bis zu einer Höhe von zirka 80 Zentimeter im Waffer. Dieses ist mit Benzin vennischt, das obenauf schwimmt und dort, wo es nicht allzusehr verdünnt ist, brennt. Der Wasserstand würde noch höher sein, wenn nicht eine Menge Versickerle und außerdem noch eine Menge wieder herousgepumpt würde. Dieses Wasser wtlrde teils auf den Hof, teils in Gullies gepunipt. Das aus dem Hofe stehende„W a s s e r" geriet in der Nacht in Brand und mußte durch Auswerfen von Sand gelöscht werden. Gestern vormittag wurden die Tanks, die in der Nachbarschaft des brennenden Tanks stehen, von allen Seiten tüchtig unter Wasser genommen. Zu diesen» Zweck kletterten Feuermänner a u f die entfernt stehenden ungefähr- beten TanlS, zogen die Schlauchleitungen in die Höhe und gaben nun von oben Wasser. Der Berliner Feuerwehr sind durch den Brand eine Menge Kosten entstanden. Die ununterbrochen Tag und Nacht unter zehn Atmosphären arbeitende» Dampfspritzen müssei» gründlich geprüft und mit neuen Maschinenteilen versehen werden. Die Schläuche sind zum Teil unbrauchbar geworden, dazu kommt der Verbrauch an Kohlen, Benzin, Geräten. Monturen, Stiefeln usw., so daß voraussichtlich mehr als 30 000 M. Kosten zu buchen sein dürften. Fast wie ein Schwabenstreich mutet die Geschichte an, die jetzt bekannt geworden ist und viel belacht wird. Die Brandstelle liegt bekanntlich»»»mittelbar an der Grenze von Runnnelsbnrg auf forst- fiskalischem Gebiet. Gehört also zu keiner Gemeinde. Als die Tanks gebaut wurden, sollte die Anlage an die Wasserleitung von Rummelsburg angeschlossen werden. Dazu war mir nötig die Erlaubnis der Unterführung der Wasserleitungsrohre an der Chaussee, die Rummelsburg von der Anlage trennt. Diese Genehmigung wurde aber vom ForstfisluS verweigert. Nun hat»nan die Be- scherung. Das Wasser muß 360 Meter weiter aus der Spree ge- fördert werden unter Schwierigkeiten, die nicht gering sind. Es geht nichts über Fiskalismus und Bnreaukratismus. Defraudation bei der Deutschen Bank. In einer Depositenkasse der Deutschen Bank ist eine Unterschlagung im Betrage von 73 500 M. vorgekommen. Der Obcrkassierer Hoesling ist verhaftet, die Kassierer Krause und Giese, die an den Unterschlagungen gleich- falls beteiligt sind, sind geflüchtet.— Die Unterschlagungen sind nur dadurch möglich geworden, daß drei Beamte, die sich gegenseitig kontrolfleren sollten, sich zu ihrer Handlungsweise zusammengetan hatte». Das erste Opfer deS Eissports. Ein beklagenswerter Unfall er- eignete sich gestern nachmittag in Havelberg. Beim Eislaufen auf den Pastorschen Wiesen brach die 17jährige Else Paersch, Tockiter eines Oberbahnassistenten, als sie einen drei Meter tiefen Graben passierte, plötzlich ein und versank vor den Augen mehrerer Herren, mit denen das junge Mädchen die Schlitlschnhpartie untenioimnen hatte. Einer ihrer Begleiter versuchte das junge Mädchen zu retten, brach jedoch gleichfalls ein und vermochte sich selbst nur mit knapper Not und Mühe zu retten. Der Leichnam des jungen Mädchens konnte erst nach mehreren Stunden unter der Eisdecke hervorgezogen und geborgen werden. Absturz des Fliegers Gruhlich. Auf dem Flugplatz Johannis- thal ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr ein schwerer Ab- stürz, der glücklicherweise ohne ernstliche Folgen verlief. Der Ingenieur Gruhlich, der durch seine Flüge mit dem Harlan- Eindecker in letzter Zeit bekannt geworden ist,»»nternahm einen Passagier- aufstieg, bei tvelchem er seinen Schüler Simon an Bord mit sich führte. In einer Höhe von 60 Metern umkreiste der Pilot»nit 70 Kilometer Geschwindigkeit die Bahn. Plötzlich wurde der Apvarat im„Langen Jagen" nach der AdlerShoser Seite zu von einem Wind- 'tost erfaßt und pfeilschnell schoß der große Apparat zu Bvam. Eine Katastrophe wäre unfehlbar eingetreten, wenn der Eindecker nicht glücklicherweise auf die elektrischen Starkstromleitungen aufgeprallt wäre. Eiwa 5 Meter rutschte der Aeroplan auf den Kupfcrdrähtei» entlang und stieß dann gegen den Leitungspfahl an. Der Propeller zerschmetterte und der Motor blieb aus dem Holzmast sitzen, während las Traggestell zu Boden stürzte»ind vollkomnien zertrümmert wurde. Ingenieur Gruhlich hatte eine schwere Verletzung des rechten Beines erlitten, während sein Schüler unverletzt davon kam. Die Spezialisten auf dem Gebiete der Taschcndieberci haben gegenwärtig�Hochsaison. Sie benutzen den starken Wcihnachtsver- kehr in den Straßen und Warenhäusern dazu, um tüchtig zu stehleu. und die Kriminalpolizei läßt die dreisten Langfinger durch � besondere Patrouillen überwachen. Einen guten Griff machte gestern ein Taschendieb In einem WareichauZ. Unbemerkt bolte er im Menschengewühle einer Tarne das Portemonnaie aus der Hand- taschc heraus. Fast bOV M. sollten dem Dieb zur Beute fallen. Weniger Glück hatte ein anderer Langfinger, der in einem Kauf- Haus am Dönhoffplatz von einem Kriminalbeamten auf frischer Tat ertappt wurde und der nun das Weihnachtsfest im Untersuchungs- gefängnis verleben muh. Tie Zigeuner mit der Wcchselfalle. Ein würdiges Zigeuner- paar hat die Kriminalpolizei hinter Schloß und Riegel gebracht. Eine in der Grünthaler Stratze wohnhafte alte Zigeunerin hatte mit ihrem siebzehnjährigen Sohn„Geschäftsreisen" unternommen, auf denen sie mit der berühmten Wechselfalle arbeitete. Sie gab ein Zwanzigmarkjtück bei kleinen Einkäufen in Zahlung und erbat sich beim Herausgeben bestimmte Geldsorten. Gemeinsam mit ihrem Sohne half die alte Frau dem Verkäufer in der Kasse suchen. Beim Suchen in der Kasse vcrschlvanden dann unbemerkt alle mög- lichcn Geldstücke, und erst wenn die beiden das Geschäft wieder verlassen hatten, bemerkten die Jtchaber, daß sie in raffinierter Weise bestohlen worden waren. Ein Geschäftsinhaber in der Pannierstrahe machte gestern die Polizei auf das diebische Paar aufmerksam. Dreist logen die beiden, überhaupt in den fraglichen Geschäfte» gewesen zu sein. Sie wurden, jedoch von den Ge- schädigten wiedererkannt. Ei» schwerer Einbruchsdiebstahl ist auf dem Grundstück Mark- grafenstrahe 22 verübt worden. Diebe, die anscheinend vorher„aus- baldowert" hatten, suchten den Inhaber des Herrcngarderoben- gcschäftes von P. heim. Gewaltsam verschafften sie sich Zutritt zu dem Privatbureau des P., wo sie alle Behälter nach Geld und Wertobjekten durchwühlten. Aktien der Naphta-Werke in Höhe von lbOV M. sowie mehrere Gehpelze und Schmuckgegenstände im Werte Von 2500 M. fielen den Einbrechern in die Hände. TodeSstnrz au» dem Fenster. Aus dem Fenster der im vierten Stock des Hauses Warschauer Strasse 70 belegenen Wohnung ihrer Eltern stürzte gestern in der Mittagsstunde das dreijährige Töchterchen deS Lehrers Kordewan. Die Kleine hatte sich, während ein Leierkasten auf dem Hofe spielte, zu weit aus dem Fenster gebeugt und hierbei das Gleichgewicht verloren. Sie hatte bei dem Sturz so schwere Verletzungen erlitten, daß ihr Tod bald darauf eintrat. Antiunfall des Polizripräfidente». Zu einem Zusammenstosse zweier Auionwbile, in deren einem der Polizeipräsident v. Jagow sass, und einem Strasseubahnwagen kani eS gestern abend aiy Potsdamer Platz. Gegen ll<ß Uhr versuchte das Auto des Polizeipräsidenten von der Leipziger Strasse her über de» Potsdamer Platz zu fahren mußte jedoch an der Strassenkreuzung haltmachen, da die Durchfahrt noch nicht frei war. An der linken Seite des Autos, etwa 2 Meter entfernt, hielt ein Strassenbahnwagen der Linie 78. der gleichfalls auf das Trontpetensignal des Verkehrskommandos wartete. Als sich beide Wagen in Bewegung setzten, nahte von hinten die Auto droschke öl 27 und verinchte zwischen dem Automobil des Herrn v. Jagow und dem Strassenbahnwagen hindurchzukommen. Erst im letzten Augenblick«, kannte der Droschkenchauffeur die Unmöglichkeit durchzukommen und bremste scharf ab. Trotzdem rannte die Kraftdroschke das Auto des Herrn v. Jagow so stark an. dass dieses gegen die Bordschwelle geschleudert wurde. Auch der Strassenbahnivagen erlitt einige Beschädigungen der Seiteiiwand, während die Auto droschke unbeschädigt davonkam. Der Polizeipräsident verlieb un- mittelbar nach der Karambolage den Wagen und setzte seinen Weg zu Fuss fort. Grosser Dachstuhlbrand in Berlin 17. In der siebenten Morgen- stunde brach gester» in der Buttmannstr. 4, im Norden Berlins, ein grosser Dachstuhlbrand aus. Als der erste Löschzug der Feuer- wehr eintraf, stand der Dachstuhl des Vorderhauses fast in ganzer Ausdehnung in Flammen. Der Brandinfpektor liess sofort drei Schlauchleitungen vornehmen und sowohl über mechanische Leitern. wie auch über die Treppen Wasser geben. Nach einstündiger Lösch- tätigkeit war die Gefahr beseitigt. Das Feuer blieb auf den Dachstuhl des Vorderhauses beschränkt. Ueber die Ursache des Brandes ist nichts ermittelt. Das Opfer eines Brandunglücks ist die 67 Jahre alte Witwe Wilhelmine Wittig geb. Teche aus der Müllerjtr. 39 geworden. Die betagte Fron lebte nach dem Tode ihres Manne?, der Bankbeamter war, für sich allein und batte im Erdgeichoss des Seitenflügels eine Stube von einem Schuhmachermeister abgemietet. Dieser wunderte sich, dass sie gestern den ganzen Tag nichts von sich hören ließ. Als man daraufbin nachmitiagS ihre Stube öffnete, fand man sie in der Nähe der Tür entkleidet tot auf einem Stuhl sitzen. Neben dem Stuhle lag ihr Hemd, das verbrannt war. Auf dem Fensterbrett stand ein ab« gebranntes Licht und in der Nähe lag ei» verbramttes Streichholz. Wahrscheinlich hat die Frau in der Nacht Licht gemacht, wobei das Hemd angezündet wurde. Die Frau hat dann wohl aus dem Zimmer entfliehen wollen, ist ober in der Nähe der Tür, vom Herz- schlage gerührt, auf dem Stuhl zusammengebrochen und gestorben. Eine seltene Feier. Zur Feier deS 35. Geburtstages ihres Mitgliedes„Vater Schubert" hatten sich am Dienstagnachmittag zahlreiche Mitglieder der Freireligiösen Gemeinde im NikolauS-Bürger-Hospital in der Grossen Frankfurter Strasse zusammengefunden. Da der alte Herr auf den Füssen nicht mehr gut weg kann, war vom Kuratorium bereitwilligst ein grösserer Raum im Hospital zur Verfügung gestellt worden. Zahlreiche Blumenspenden schmück- ten den Tisch, als der Kinderchor der Gemeinde die Feier mit einem Liedchen einleitete. Nach dem Vortrag eines Gedichtes, das den Jubilar als Vor- kämpfer unserer Ideen feierte, ergriff der Kurator Stadtverordneter Meybrink das Wort uird begrüßte den langjährigen Insassen des Hospitals im Namen des Kuratoriums in herzlicher Weise. Nach ihm nahm Genosse Manasse das Wort zu einer wirkungsvollen An- spräche, in der er„Vater Schubert" als Vorbild hinstellte und in warmen, zu Herzen gehenden Worten feierte. Es sprachen noch der Vorsitzende, Genossin Altmann und Prof. Dr. Gehrke. Nach ihnen dankte der Jubilar allen Erschienenen in selten frischer Weise für die Teilnahme, die sie ihm bewiesen. Mit einem letzten Liebe deS Äinderchores schloß der offizielle Teil der ergreifenden Feier._ Vorort- JVaebriebtern SchSneberg. Vom Autobus getötet wurde gestern der 16 jährige Kaufmanns- lehrling Ernst Gllnlher au» der TbomasiuSstr. 12. Der junge Mann, der in dem Gummiwarengeschäft von Engel in der Potsdamer Strasse beschäftigt ist, fuhr gegen 8 Uhr abends auf einem Zweirade diesen Strassenzug entlang. Als ihn ein nach Schöneberg fahrender AutomobilomnibuS einholte, versuchte der Lehrling mit dem Kraft- wagen um die Wette zu fahren. An der Ecke der Eisenacher und Hanplstrasse geriet der Radfahrer in eine Stratzenbahnschine und kam zu Fall. Er stürzte so unglücklich, dass er unter den Omnibus geriet, dessen Vorderrad ihm über den Kopf hinwegging, der vollständig zermalmt wurde. Der Tod des Verunglückten trat auf der Stelle ein; die Leiche wurde nach der Halle in der Naxstraße ubergeführt. Steglitz. Gin tödlicher Unfall ereignete sich gestern früh kurz vor S'/a Uhr in der Fregestr. 3va. Dort werden gegenwärtig an dem Hause Putzarbeiten ausgeführt. Der dreitzig Jahre alte, in der Albrecht- strasse wohnende Arbeiter Ahlenheit war mit dem Emporziehen eines Kalteimers beschäftigt, als plötzlich der Eimer durch ein Hindernis aushakte und auf den Arbeiter herabfiel. Der Bedauernswerte hatte so schwere Verletzungen erlitten, dass er bald daraus starb. Der bedauerliche Unfall hätte vermieden werden können, wenn zum Einporzlehen des Eimers anstatt ein einfacher offener, ein f Schnapphaken verwendet worden wäre. Dadurch wäre ein Heraus- fallen des Eimers unmöglich gewesen. Leider werden solche einfache Haken noch sehr oft zum Hochwinden von Material aus Bauten ver- wandt, ein Verfahren, das baupolizeilich verboten werden müßte. Rixdorf. In der öffentlichen Versammlung vom 23. November bei Hoppe ist eine schwarze Handtasche(Leder) mit Portemonnaie und Photo- graphien verloren worden. Es wird gebeten, dieselbe in der Vorwärtsspedition Neckarstr. 2 abzugeben. Ober-Tchönetveide. Ein Kind durch Beronal getötet. Durch einen unglücklichen Zufall ist ein junges Menichenlebcn vernicblet worden. Der zweijährige Sohn des Kaufmanns T. aus der Mathildenstrasse hatte seit einigen Tagen krank im Bett gelegen. Durch ein verhängnisvolles Versehen kamen dem Kleinen gestern Veronaitabletten in die Finger. Erver- schluckle sie, da er sie für Medizin hielt und musste in schwer ver- giftetem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden, wo er bald nach seiner Einlieserung den Folgen des starken GisteS erlag. Teltow. Vergrößerung des Bahnhofs Teltow. Um dem Maffenverkehr auf dem hiesigen Bahnhofe, der sich im letzten Sommer allsonntäg- lich zu enrwickeln pflegte, gerecht werden zu können, ist von der Eisen babndirektion Berlin nunmehr eine bedeutende Bergrösserung der Bahnanlage vorgenommen worden. Recht« von der Mahlower Chaussee sind zwei nepe Gleise angelegt worden, die dem Personen- verlehr zu», Flugplatz dienen sollen. Drei weitere Gleisanlagen zum Fluglelde sind für das Frühjahr vorgesehen worden. Durch die neue Streckenanlage ist eine glatte Beförderung von ca. 60000 Personen garantiert. Auch sonst ist der Bahnhof mit praktischen Neuerungen versehen worden. Schuiargendorf. Bei der am Dienstag stattgefundenen GemeinderatSwahl wurde der bürgerliche Kandidat mit 316 gegen 192 sozialdemokratische Stimmen gewählt. Zveistensee. „Berliner Allee". Laut Bekanntmachung des Amtsvorstehers werden von jetzt ab die Königs-Chaussee sowie die Berliner Strasse als eine Strasse unter dem Namen Berliner Allee geführt. Die Nummer l beginnt am„Ersten und letzten Weitzenseer" auf der rechten Seite der ehemaligen KönigS-Chauffee und endet mil der Nummer 257 deS Hauses zum„Prälaten-Restaurant". Die Aufstellung der neuen Straßenschilder hat bereits begonnen. Die alten Hausnummern werden mit einem roten Strich ungültig ge- macht. Nieder-Schönhause». Ueber die politische Lage referierte am Dienstag Genosse Dr. Frank- Mannheim in einer überfüllten öffentlichen Per- sammlung im Liedemitichen Lokale.— Während in England, so betonre der Redner, das Parlament, da» Volk also da? erste und das letzte Wort habe, sehe man hier bei uns einen Reichstag, der feit dem Sturze Bülows und de» Ziifaminenbruchs des BüiowblockS keine Existenzberechtigung mehr Hab«. Der Redner schilderte dann de» Unlerichied der Kaiser-Jnierpellationen vom November 1308 und den diesjährigen, streifte die noch unerledigten Gesetzesvorlagen, erwähnte die ungeheuren Ausgaben für den Militarismus und zeigte in beredter Werse, waS für Kuliurausgaben dafür gelöst werde» könnten. An den elenden politischen Berhällnissen in Deutschland werde jedoch nicht eher eine Aenderung einlreten, ehe nicht das Dreiklassenwahlrecht in Preußen beseittgt sei. Mit einem feurigen Appell an die Anwesenden, miizuwcrken an dem Kampf zur Erringung eines besseren Wahlrechts, schloß die imposante Versammlung. Mühlenbeck. In außerordentlich stark besuchter Versammlung referierte am Somilag im Gasthof zur Sonne Genosse U n g e r über.Christen- tum, Kirche und Sozialdemokratie". Nach dem mit grossem Beifall aufgenommenen Vonrag verlas der Versa»rmlung>?leiter ein Em- schuldigmigsschreiben des zu der Versammlung geladenen Pfarrers am Orte. In demselben bedauert der Eingeladene, dass er wegen eine» Familienfestes in der Versammlnng nicht habe erscheinen können. Er würde sich jedoch mit Dank im voraus oerpflichlen, wenn ihm in einer späleren Versammlung Gelegenheit gegeben würde, an- weiend zu sein, um etwaige Mchverständnisse zu klären. Diesem Wunsche des Herrn Pfarrers soll, so bemerkte Genosse Käsehagen. entsprochen werden. �riedrichsthal bei Oranienburg. Die erste öffentliche Versammlung fand an» Sonniag im Gast. Hof„Zu den vier Linden" statt. Wie die Leser des„Vorwärts" sich erinnern werden, sollte bereits im Hochsommer in diesem Lokal eine Volksversammlung stattfinden; dieselbe wurde seiner- zeit vom Amtsvorsteher Lauterbach wegen des am selben Tage statt- findenden Erntefestes verboten. Von dieser Zeit an scheint es der Gafttvirt mit dem AmtSvorstcher verdorben zu haben, denn als er um die Erlaubnis bat, ein Wursteffen mit nachfolgendem gemüt- lichen Beisammensein abhalten zu dürfen, zu dem nur geladene Gäste Zutritt erhalten sollten, wurde ihm das rundweg abgelehnt. Irr dem Lokal tagen, woö sonst nicht oft vorkommt, Kriegerverein, Freiwillige Feuerwehr und Wahlverein einträchtig nebeneinander. Allerdings stellt der Besitzer des Lokals, Herr Bleise, seine Räume nicht aus eigenem Triebe, sondern nur notgedrungen der Ar- beiterschaft zur Verfügung. Denn seit unsere Genoffen ohne grosse öffentliche Agitation im Herbst v. I. ein paar Gemeinde- Vertreter durchbrachten, wuchs auch am Ort die politische Organi- sation, und durch die Macht der Organisation wurde das Lokal frei. In der Sonntagversammlung referierte Genosse Georg U ck o über:„Die Regierung in Nöten." Die Versammelten gaben wieder- holt durch Zustimmungsäusserungen ihr Einverständnis mit dem Redner zu erkennen. Der Vorsitzende bat die Anwesenden, das Gehörte zu beachten und danach zu handeln. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die imposante Versammlung. Spandau. Die Wahl der Delegierten zur Ortskrankenkassr der Handwerker fand am Montagabend im Hotel zum Stern statt. Die Liste der vom Gewerkichastskartell aufgestellten 39 Delegierten und 39 Stell- Vertreter(Arbeitnehmer) gelangte mit 49 Stimmen zur Annahme. 13 Stimmen zersplitterten sich. Die Wahlbeteiligung war eine verhältnismähiß geringe. Es wurden im gaiizen nur 63 Stimmen abgegeben. D»e Wahlbeteiligung der Arbeitgeber war noch geringer. Es halten sich im ganzen 7 Personen dazu eingefunden, welche die von den Arbeitgebern aufgestellte Liste mit 6 Stimmen wählten. In der sich anschliessenden Generalversammlung wurden in den Vorstand gewählt als Arbeilgeber der Klempnermeister Ludewig und als Arbeitnehmer Richard Jandt. Max Frantz und Otto Krüger. Ein vom Genoffen Strucks gestellter Antrag, die Versammlungen abwechselnd im Hotel zum Stern und beim Genoffen Bohle statt- finden zu lassen, wurde angenommen. Die hiefigen städtischen Arbeiter, welche einer erst Anfang dieses Jahres eingerichteten städtischen Krankeiikasse angehören, haben beim Magistrat den Antrag gestellt, ihnen den Krankengeldzuschuss statt für 13 Wochen für 26 Wochen zu gcwähren. Infolge eines Rohrbruches im Hauptwasserrohr an der Char- lottenbrücke. wodurch der Strassenbahuverkehr erheblich gestört wurde. trat gestern für die Bewohner des Stresowviertels eine Störung der Wasserleitung ein, da die Bruchstelle schwer aufzufinden und auch schwer freizulegen war. Wäre die Leitung über die Schulenburg. brücke schon fertig, dann hätte eine solche Betriebsstörung nicht ein- treten lönnen._ Jugendveranftaltungeu. Weisseusee. Heute, Donnerstag, den 1. Dezember, abend» S>/, Uhr, im Prälaten, Lehderftr. 122: Mitgliederversammlung. Aus der Tagesordnung steht Borlrag. Tins der frauenbewegung« Aus eigenem Recht. Bei der durch die levte Berufszählung festgestellten starken Zu- nähme der weiblichen Arbeitskraft in der Industrie handelt eS sich nicht um eine abgeschlossene Bewegung. Seit dieser Zeit hat der Zug der Frau in die Fabrik und Werkstatt vielmehr ein noch leb- haflereS Tempo angenominen, als je zuvor. DaS reflektiert u. a. die Bewegung der Mitaliederziffern in den Kranlenkasien. Nach den Angaben deS„ReichsarbeiiSblatteS" machen wir folgende Sufsiellung. ES betrug die Gesamtzahl: der Mitglieder am 1. Oktober 1910 männl. weibl. 8 585 523 1 633 123 ES hat demnach eine Zugang im Zugang ia Oktober 1910 Prozent männl. weibl. mäunl. weibl. 10 851 31626 0,30 1.32 viel stärlere Einstellung weiblicher als inännlicher Arbeitskräfte stattgefunden. Der weitaus grössere Teil deS Zuganges mit 24 341 Versicherten entfällt auf die OrtSlranken- lassen, die dazu ein-n Rückgang von S636 männlickM Versicherten registrieren konnten. Die Fabrikkranlenkassen buchten einen Zugang von 17 842 männlichen und 5051 weiblichen Mitgliedern. Hier halle die NabrungS- und Genussmitrelindustric die stärkste Zunahme weib- licher Mitglieder. Das Mehr stellt sich auf 1235 Personen. Die in den vorstehenden Zahlen sich spiegelnde Eniwickelung kommt auch bei einer Vergleichung des diesjährigen Mitgliederbestandes mit dein vorjährigen in die Erscheinung. Es wurden nämlich bei den gleichen Kassen, abzüglich der erwerbsunfähigen Kranken. Mitglieder gezählt: Zunahme 1303 1910 absolut m Prozent 139 187 4.34 90 864 6.78 männliche.. 3 206 554 3 345 741 weibliche.. 1339 185 1 480043 Angesichts der sozialen Umwälzung, die in diesen Zahlen sich ausprägt, wirkt die von allen Volksfeinden verteidigte Redensart: Die Frau gehört ins Hau« I, wie beabsichtigter Hohn. Obwohl man der Frau alle Lasten und Pflichten de« Staatsbürgers aufpackt, ver- sagt man ihr alle Rechte, verweist sie ins HauL, aus der die Brot-- wucherpolitik der Heiligen und Schnapsbrenner sie herausreißt und in die dumpfige Fabrik zwingt. Bittend werde,» die Frauen nichts erzielen: aus eigenem Recht müssen sie die Gleichberechtigung sich erkämpfe», und da» geschieht in den Reihen der Sozialveiimralie. Darum hinein in die Organisation! Leseabende. Steglitz. Freitag, den 2. Dezember, Weih nachtsangelege,»Herten. abends 8 t/z Uhr: Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 7. Dezember, abends S'/x Uhr, im.Englischen Garten", Alcxanderstr. 27o(oberer Saal): Borlrag des Reichstags- abgeordneten Dr. David über:.MutterichattSversicherung und Volksgesundheit". Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Soiimag. den 11. Dezember, nachm. 3>/, Uhr, im„Blüthner-Saal", Lützowstr. 76: Beetboven-Konzert. Billett« a 50 Pf. sind zu baden im Bureau deö vierten Wahlsreise», Siralauer Play 1/2; GewerlschastSbauS, Engelufer 15. bei Horsch im Zigarrenladen; bei Frau Klotzsch, Fichlestr. 1; bei Frau Köhler, Schreinerstr. 58 und bei Frau Kulicke, Prinzenstr. 102. Versammlungen. Das Paradies A. Wertheim. -Am Dienstag fand im grossen Saale der.Arminhallen" eine überfüllte Versammlung statt, die der Zentralverband der Hand- lungSgehilsen Deutschlands einberufen hatte»md in der die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Firma A. Wertheim einer eingehenden Kritik unterzogen wurden. Der Referent R. Nürnberg gab cm Bild von der Eniwickelung dieses RiesenuntcrnchmenS. Leiser ständen die sozialen Magnahmen der Firma mit deren Ansehen nicht in Einklang. So bestehe bei anderen Firmen ein Mindest- lohn, der nach und nach steige, bei Wertheim sei dies nicht dcu Fall. Als die Firma sich spaltet«, habe man zugelegt, damit das Personal nicht zu Wolf Wertheim übergehen lolltc. Als diese Gefahr jedoch nicht mehr bestand, hörten auch die Zulagen aus. Besonders zu rügen wäre das Prämieusystem, das die Firma aus- gebildet hat. Durch die Prämien werde nur Neid und Zwietracht unter das Personal gesäht. Einen Missstand bilde auch das Ueber- stundenwesen, unter dem das Personal zu leiden habe. Auch er» hält daL Personal, das vor Weihnachten bis 11 Stunden tätig ist. soweit es Handlungsgehilfen und-Gchilfinnnen sind, keine Ueber- stunden bezahlt. Die Antreiberei bei den Hausdienern sei.bc- sonderö gross. Auch würden sie gezwungen, nach Schluß des Gc- schäfts Pakete auszutragen, besonders dann, wenn eine— Ver- sammlung einberuscn sei. Auch am Dienstag sei dieses Mittel angeivendet worden, und bei den Heizern und Maschinisten wäre durch besondere Arbeitseinteilung bewirkt worden, daß sie nicht wegkonnten. Leute, die anderweitig beschäftigt sind, so aus der Rcichsdruckerei und auch MuierlmSdiencr, arbeiten in ihrer freien Zeit bei Wertheim. Die Firma sieht darin noch eine grosse soziale Tat. Bei den Protcstveranstaltungen gegen die WarenhauSsteuer habe seinerzeit die Firma die Organisation und die sozialdemokratische Partei ganz gut brauchen können. Nach einer Feenpalastversammlung wurde alles entbehrliche Personal beordert, und der Prokurist habe öffentlich zum Eintritt tn die Organisation aufgefordert. Heute werde jeder hinausgeekelt, der organisiert sei. Auch wer krank werde, bekomme ffeine Entlassung. In Räumen ohne Tageslicht, die von der Polizei nicht frei- gegeben sind, werde gearbeitet. Wenn die Revision kommt, werden die Personen, u. a. junge Mädchen, vorher herausgerufen. Die Schuld an diesen Missständen trügen jedoch die Angestellten selbst, soweit sie nicht organisiert seien. Besser werde eS nur, wenn sie zusammenständen: einer für alle, alle für einen!(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion wurden diese Angaben noch vielseitig ergänzt. So habe im Mai d. I. ein Vorgesetzter eine Angestellte attackiert, und als sich die Dame beschwerte, wurde sie— cnt- lassen, während der licbedurstige Herr im Geschäft blieb. Wer in seinem Zeugnis den Stempel auf die linke Seite erhalte, könne schwer wieder Stellung finden. Morgen? müssen die Kassiererinnen antreten und auf das Kommando:.Portemonnaies heraus!" zeigen, dass sie Wechselgeld besitzen, das sie vom eigenen Gelbe stellen müssen. Auch die Konkurrenzllausel wurde noch kritisiert. S ch w i t t a u ermahnte die Maschinisten und Heizer noch eindringlich, sich zu organisieren und ihre Pflichten nicht zu vergessen. Eine entsprechende Resolution wurde einstimmig an» genommen. WitterunqSüberückte vom SS. November I«10. morqens» Ilde. <*§!s aettn £ nrnicmot 761 SSO Camsurg 1 760 SO Seriw 1761 SO Acanfi.a M 758 SO Runchen|'01(SD Wien 763 DSD 3 bedeckt SR««en 2 Halb bd. ß wolkig LRcbei 2 Nebel £« S» M« 3 3 3 6 -3 2 c« 5» h Zk fiasacanba 761 SO I 4 Schnee—6 Peltrtbmg 773$®0«bedeckt-7 Sfloo 760 970 5 bedeckt 7 llberoee» 7882991® 4 deiter 2 Parti 1733«KD»bedeckt• 1 ,1.1 «Settrrproqnoie mr Donnerstag, den I. Dezember ittlO. Ziemlich trübe und nebelig mit gelängen Niederschlägen und mässigeu südöstlichen Wind«; Temperatur wenig verändert. Berliner Wet.crburea». Theater und Vergnügungen Donnerstag. 1. Dezember: Ansang Vj, Uhr. Königl. Opernbaus. Die Meister- sin-, er von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr). Königs. Schauspielhaus. Der KrampuS. Neues königl. Opcrn-Theater. Geschlossen. O�uisches. Hamlet. Aammeripiele. Der ver- mundete Bogel.(Ansang L Uhr.) Ansang, Uhr. NeueS SetiauiPielliauS. Die Lungsrau von Orleans. Ztoiulicbe Over. Die Boheme. Westen. Das Pupvenmädel. Aessiu«. Wenn der junge Dein blüht. Zlle.ves. Die verflixten Frauen- zinrmcr. 1. Klaffe. Veriincr. scharfe Junker. NeueS. Der E. nr. b. H.-Tenor. Trianon. Der beilige Hain. Stestdenz. Der Unierpräselt. Thalia. Polnische Wirlschast. Schiller>» e?»uuel- a,t>raier.) Der Dummkopf. Sch>. lkvariottenbnrq. Prinz Friedrich von Homburg. Friedrich- WilhelmftädtischeS. Tie versiegelte Venus. Neues Overetren. Der Gras von Luxemburg. Lustivieltiau«. Der Feldhcrrn- Suiien. Hasemanns Töchter. Modernes. Der Dopprlmensch. Herrnfrld. Eine verlorene Nacht. Der Derbhsicger. BoltSoper. La Traviata.(Sin- fang 81/. Uhr.) Roii Di« Millionenerbin. Folies Gapricr. Der Feldwebel- Hügel.(Slnfang 8'/, Uhr.) Mer-»»l. Hurra— Wir leben noch! Kasino. Julie Wippchcn. Ap.uo. Lvezialiläleiu Paängc. Svezialiläten. Reichs'� alle». Steitiner Sänger. Walhalla. Bravo l Da capo l(An- sang«'!, Uhr.) Wiiitergaree«. Spezialitäten. Sanssouci. Ach, die Herls l Epezialitälen.(Ans. b'/, Uhr.) Karl Häver land. Svezialiiäten. Urania. Taubenftrasie lpi/tst. Abends ö Uhr: öine NUsahrt stiS zum zweiten Katarakt. Hörsaal ö Uhr: Dr. G. Gehlhoss: Mechanik. L Uhr: Dr. W. Berndt: Die ersten EntwiflelungSvorgänge ain ticrt- schen Ei. Tteruwarte. Jnvalidenstr. 57— 63. Lessing-Theater. Donnerstag, Fieitag 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Eonnabend TL: Z. 1. Male- Anatol. Berliner Theater. kÄ.'»Ä.MrschgrfeIullker Morgen: Der scharfe Junker. Mm Theater. Täglich: lir ll.ii Ii. Mr. Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. 8 Udr: Dan l'unpcniniidel. Mitilv. u. Sonnab. 4 Uhr: Rotkäppchen. Sonnt. S'l, U.: Die geschiedene Frau Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: DoppclincnHch. {Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Der Feldherrnhügel. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank in 3 Akten v. Leon Äaudillot. Deutsch von Max Schönau. Frtedrioh-WiltieWiitlsGties Schauspielhaus, Donnerstag, 1. Dez., abends 8 Uh?: Die oerßegkite Kemis. Freilag: Die versiegelte Venu». -Sonnabend, 3'/, Uhr: Die Her- Mannschlacht, 8 Udr: Die Räuber. L-nisen- Theater. Abends 8 Uhr: Hasemanns Töchter Bolksstück in 4 Akten von L'Arronge. Freitag, Neueinstudierung: Regi- ftralor aus Reiien Sonnabend 4 Uhr: Grobe Kinder- Vorstellung: Hänjel und Gretes— S Uhr: Prczloia. Sanntao 3 Uhr: Kean.— 8 Uhr: Aegiltrator aitt Reisen. Montag: Deborah. ose-in�ie VsiLsensosiaktllosies sater Tanbonstralls 48/43. �benfls 8 lltir: Oine Xilknlint di« zum zweiten Katnrabt. Hörsaal 6 Uhr: Dr. G. Gehlhoff; Mechanik. 8 Uhr: Dr. W. Berndt:- Die ersten Entwickelungsvorgänge am tierischen Ei. _ hfc Kaiser-Panorama K-Wß» Z. 2. Male: Tirol. Kar- ��3 Wendel und Wetterstein- Gebirge. Laud und Leute von Japan. Ei- e Reise L0 Ps., Kind nm' lv Ps. I. Abonnem.. 8 Reisen 1 M. Keriiner Voiksvper Bellc-Alliancestrahe 7/8.—'/,9 Uhr: Ita Traviata. 8 Uhr: Vollständig neues Programm. u.a.£li8e Terry, amerikan. Operetten-Diva zu Pferde. »ellliti, tclapathifchcs Phänomen, sowie weitere tö große Attraktionen 10, Jttletropol' Theater. Hurra! Wir leben noch! Grohc AuSstattungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund Musik v. B. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr— Rauchen gestaltet. Hcliiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Tb eal). Donnerstag, abends 8 Uhr: ver Hinnnikopf. Lustspiel in 5 Auszügen v. L. Fulda. Ende>()>/, Uhr. Freitag, abends v Uhrt vle lb'ee vnpriec. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sdoetoi»!- IliiiZe. TI»eatvr. Schiller-Theater Chartottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Print Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Akten v. H. v. Kleist. Ende 10-/, Uhr. Freitag, abend« 8 Uhr: ver Bund der Jugend. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bas Urbild des Tartiiff. LICHT-SPIELE Mozart-Saal. Oesänge Sibiriens. Nobelshof in Flammen Bilder von der Explosions- Katastrophe in Boxhagen- Rtunmelsburg. Meute J Premiere! Liane d'Eve Exoentriquo fran(jaise umrahmt von einer Aaslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weilteile. Rauchen «WM Der größte Schlager der Theatrr-Zaison ISlÜ. 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Eine Allerwells-Reoue in 5 Bildern von M. Reichardt, Musik v. R. Thiele. L» Szene gesetzt v. Dir. JameS Klein. Sonnlag nachmittag 81i2 Uhr: PrezioNa in glänzender Ausstattung. — Ermäßigte Preise.—-_. B. A. KL Bosporus am Moritzplafz. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. iTbxUeh: Variete. Konzert. Donnerstag, den 1. Dezember, abends 7>/, Uhr. Zum i. Male: Maud Elton mit ihrer Hundemeute. Zum 1. Male: Selbini-Truppa. Zum 1. Male: Hiß Sylvia neuester Alt. Der Kreisel-Globus neueste Kreation von Direktor Alb. Schnmann, sowie die übrigen Attraktionen. O'/a Uhr Der 9'/. Uhr groBe Coup der SeiimuDgier. Romant. Pantomime in 4 Akten. Zirkus Busch. Donnerstag, t Dez., ab. 7'/, Uhr: Gr. Premieren- Abend. KThe 14 Peazan"MAS bbas Ben Abdullahs Araber- Truppe. Komische RadfahrkGnstler Gebr. NamsoL Gastspiel de« Herrn Direktor Pierre Atthoff u. Frau Direktor Adele Althoff mit ihren berühmten Freiheits- dreasuren. Kunstreiterfamilie Frediani. Hr. A.Ort, Schulreiter. Paolo Fratellinia. Prof. Paganini. Frl. Elisabeth von Oynar, Schulreiterin. Troika,ger. v.H. Mirow. Um 9!/4 Uhr zum 83. Maie: „VKXEZIA". Vorher das gr. Gala-Programm. Voigt-Theater Gesundbrunnen. Badstrasie 68. Gastspiel in Trapps FcstsSlen, Tegel, Bahnhosslratzo. Donnerstag, den 1. Dezember l9w: Die Kliilhmhstit. Kassenögnung 7 Uhr. Ansang S'/, Uhr. Nächste Serie: An d. Reieiies Pforten., i�erlnae!»«nnahend. 8. Dezember, �FUliLU-SIlTUklg. abend, 8'/, Uhr, w ien Prachtsälen„Ait-Bariin", Biumensiraße 10. 242/8 Der Vorstand. 1. V.: Q. Winkler. Arbeiter-Bildungssehule.3 Sonntag, den 4. Dezember 1910, in den Industrio-Festsillen, Bcnthstr. 19/80 Wilhelm Busch-Abend „Die fromme Helen©" :::: mit ca. 200 Lichtbildern:: n Vortragender: Herr Otto Roth. Geniütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 40 Pf. Garderobe frei. Beginn_piinktlich 7 Uhr."TRß 6[t9� Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Alt-Boablt 47/48. HtttN. Touncrstag, den I. Dezember t Der Goldliautt. Orlglnal-Schauspicl In vier Auszügen von Birch-Pscisier. Kassenerösin. 7 Uhr. Ansang 3'/« Uhr. Nach der Vorstellung: MM" Tau«."• U.T.I Theaters Alexanderplatz Unter den Linden 21 We{liling,Reinickei]iiorIerstr.H| Hasenheide(OnioDS-Branereij> Moritzplatz. Jedes aktuelle Ereignis wird mit telegrapblscber Schnelligkeit In kinemato- graphischem Bilde gezeigt. dos Benzinlagers bei Köpenick. Begräbnis Leo Tolstois. DasFeuerwunder bei Hamhurg. Watrr„Hroß-Kerlm". SnTS':„Puhlnianns Theater" ufc® Das Recht der Mirtter oder: Wem gehört das Kind. 30—100 Ps., ans Vorzug 20—60 Ps. Freitag:.Art»,-Hut'. Dieselbe Vorstellung._ Hochbahnstalion Koilbuser Tor. S',. Uhr: ? r© IVA R© r v der Vari©t�- Attraktlouen. Ö'/j Uhr: Ich die Kerls!! Berliner Posse, Musil v. EinödShoser. NSnigBM'Kszluo. Holzmarklllr. 72, Ecke Alexanderstraße. Täglich: Pranz hjohaaski. Neu I Gosohw. Gau. Max Wernior. Albert Nlcolaus. Geschw. Sundermann. Mstr. Maximilian, mustlal. Clown. Molly Verch usw. Unter«ler bllihcudcn l.lnde Bi ograp h-Borsfl hrungs». Anfang 8 Uhr. Sonntags 6*1, Uhr. Reiciishalien-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: „Im Maiiscioxih". Milii. Humor, o. Mcyscl. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Karl Haverlan� Anfang fknofnn Kommandanlen» präz. VU U. IllCöier. striche 77/79. Heute Jlciits Jlrogtnmin. llurgtli©at©r- Festsäle und Kincmatograpb vorm. Groterjan, Jnbab.: Rud. Msrz, Schönhauser Allee 149. Tri 3. 9353. l ebende Photograpliicn. Sinti itl 30 u. 40 Pf., Kinder die Halste. Ans. 7 U., Somit. 4 U. Vorzugskarton, »ur wocheni. gültig, 85 Pf. auf allen Plätzen. Stet» tvechs. Programm. im© Casino-Theater Lalbringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Das Original Berliner Volksstück Julie Wippchen. Urberliner Humor! Urberliner Tppen! Im Stile der ehem. Wallucr-Bühne. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 3>/, Uhr: Weihnachten. 64 Badsir. 64 Niüles Fest-Säle Deonewltzstrafie 13» Jeden Donnerstag und Sonntag» Großer Sali. 2065b« C. NiBie. Folies Caprice. 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Co., Berlin NW. 87. Seemanns- Kalender litll. CNotizlalender). Bearbeitet von P. Müller. 63 Pf.„Courier", Berlin 80. 16. Der Literaturhistoriker und die Gegenwart von A. Bartels. E. Avenarius, Leipzig. Die alten Stillerschen Geschäfte befinden sich: Zentrale und Versand; Jerusalemer Strasse 38-39 Eingetragenes Warenzeichen Gegründet 1867 Potsdamer Strasse 2 Tauentzienstrasse 19a Friedrich- Strasse 75 König-Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr. 146 Rixdorf, Bergstrasse 25-26 Januar 1911: Rosenthaler Str. 5 Der reichillustrierte Hauptkatalog wird kostenfrei zugesandt 19. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom&o, November vormittags. Vnr die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern� In Klammern beigefügt, (Ohne Gewähr.)'(Nachdruck verboten.) 46 74 lOOOO] 395 576 889 1 035 264 336 404 85 829 *1 974 90 2008 93 117 21 24 30 300 458 612 835 62 66 «074 142 252 685 646[3000] 708 92 97«06 4153 75 264 !«7[3000] 443 74 581 662 5027 50 152 325 834 74[t,00] ,090 6006 53 138 294 453 813 67 815 7 006 607 87 714 893 070 77 8577 602 65 761 849 947 9313 449 19014 436[500] 680' 625 66 704 828 974 llSST 92 52 59 758 947 1 2266 428«20 13137[1000] 618 38[1000] 716[3000] 873[500] 14242 429 795 1 5002[500] 35 117 ' 550[1000] 617 1 6030 114 206 360 697 725 1 7152 27 41[500] 746 806 1 8217 690 703 12[5000] 901 (19472 621 65 760 69 862 942 65[500] 20045 148 220 53 311[1000] 43 77 417 645[500] 98 910[100O] 2 1 031 338 414 723 902 2 2112 217 345 87 81 929 23094 108 223 400 624 728 990 24167 985 99 Ä5237 637 44 78 994 2 6026[1000] 28 36 199 283 341 866 755 867 957 65 2 7033 125 59 308 637 77[1000] 732 28050[500] 193 296 328 572 610 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000, 1 zu 70 000, 2 zu 50 000, 3 zu 40 OOO, 2 ZU 30 000, 6 zu 15 000, 24 ZU 10 000, 42 zu 5000, 667 zu 3000, 1055 zu lüOO. 1716 zu 50» 19. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 30. November nachmittags. .Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. lOhne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 345 610 903 13 1 794 636 927 99 2128[3000] 292 374 *84 514[500] 75 624 35[500] 711 932 3307 21 471 556 w? 617 54 4315 22 87 690 866 903 70 5070 329 436 629 41 823 928 6199 345 411 99 584 75« 917 7078 80 339 '48? 807 817 8224 61[1000] 348 BS 485 624 65 829 951 [500] 55 9 014 348 90 433 62 672 748 10281 367 424 55 91 559[500] 632[1000] 49 715 967 11329 62 85 830 995 1 2042 4 3 229 846 506 691 790 «04 974 1 3452 771 845[1000] 14136 292[500) 730[500) «97 1 5108 595 675 843 66 61 81 13000] 914[500] 86 89 16339 415 90 931 18024 iäOO] 85 174 955 1 916« 276 V89 410[500] 673 844[500] 952 2O057[500] 338 62 439 501 649 723[600] 21140 62 810 45 2 2007 13 19 140 87 363 451 75 526 616[ 500] 23046 139 296 565[5000] 760 24191 711 25140 331 90 417 99 539 608 84 885 911 26153 271 386 601 48 788 851 96 97 2 7035 79 157 219 360 407 87 760 823 2 8529 [500] 967 29253[500] 879 830 373 3 1 406 54[500] 513 17 710 041 3 2209 13 602 39 [1000] 43 823 972 3 3634 53 86 742 3 4014 65 1 1000] 262 360 84 543 753 886 39 95 946 3 5087 108 89 317 3 6095 875 651 792 854 57[ 3000] 37000 29 r26 427 70 617 716 [500] 945 38156 61 324 482 673 733 923 3 9011 341 605 751 82 859 909 97[500] 40112 207 337 49 94 592[500] 605 828 985 4 1 246 70[1000] 357 723 861 42209 348 88 521 996[1000] 43386 483 86 573 903 97 44003 19 94 130 92 249 428 729 871[3000] 039 60 4 5)65[1000] 266 86 400 623 46177 493 503 67 83 6X1 4 7027 6« 153 310 90 733 85 808 4 8067 371 440 615 18 26 726[1000] 969 4 9292 311 [1000] 550 756 955 I 50259 315 437 43 691 799 821 5 1038 93 164 603 711 52222 62 5 3 223 390 608 781 818 69 5 4021 296 680 833 643[500] 86 55035[500] IIS 262 97 991 5 6392 901 57146 213 810 421 60 559 697 759 77 99 890[1000] 926 5 8015 83 606 84 039 5 9 016 29 177 288 716 79[500] 894[500] 981 60278[ 500] 674 600 1[500] 747 920 61175 295 »10 467[ 3000] 532 649 813 62101 2 10[3000] 62 242 »23 559 6 3 038 281 473 753 802 906 96 6 4.61[600] 366 734 836 911 87 41 6 5016 80 118 488 868 087 6 6356 75[3000] 434[1000) 688 704 836 983 6 7180 91 260 69 »38 66 68 424 616 794 6 8035 298»13 677 69115 408 [500] 601 747[500] 909 7O01« 132 203 6 361[1000] 402 7 1 052[500] 883 696 751 72109 16 462[ 500] 503 7 3307 453 7 4199 335 806 842[500] 75000[500] 19 56 221 303 ISO 718 973 76062 119 25 30 427 98[500] 878 81 77105 292 079 912 7 8393 620 856 79104 294[1000] 606 728 65 SO 95 837 928 80145 398 491 501 637 070 81191 261 516 50[1000] 95 935 87 8 2 052 70[500] 74 IlOOO] 152 205 604 791 858 8 3 010 55 288 301 435 84115 248 369 439 664 8 5«00 »10 429[500] 8 6041 526 810 18 23[500] 942 43 8 7019 123 82 531 8 8516[3000] 43 726 915 50 8 9 018 199 451 61 017 772 808 00119 232 658[1000] 793 846 94 9 1 010 153 671 713 840 956 90 9 2168 7 6 490 607 970 9 3130 440 547 92 700 «15 94084[1000] 113 66[500] 80 363 481 760 94 9 5250 307 94 403 535 745[1000] 9 6018 70 244 376 475 601 9 7060 131 1500) 320 22 448 843 9 8032 93 898 503[1000] 772 835 9 9006 419 641 45 715 824«03 100'49 398 862 946 1 0 1 047 256 312 590 903 102017 22 145 410[ 5001 53 77 412 81 564 699 1 03075 108 40 200 822[1000] 493 607 603| 500] 8 37 8X5 73 «83 1 04616 759 1 05140 88 272 851 466 533 910 47 1O6001[500] 203 548 733 97 1 07056[1009] 74 244 »37 791 902 1 08137 212 673 737£45 62 1O9073[300] »SO 420 730 818 46 11OO40 73 135 93 95 347[1000] 041 85 004[500] 111676 762 832 112l3v 25 205 74 352 82 4115 060 64[500] 98 712 27 908 1 13059 125 207 638 722 52 930 62 114003 66 854 51? 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HoizarbeiterverbaiideS. Kerantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für des Jnleratenteilveraotwu Th. Glocke. Perlin. Druck u. Verlag; Borsärt» Kuchdrutkexei u. verlagSanLalt Ksul Singer&$0* Berli» SÄ