Nr. 284. Ubonnftnents-Bcdlngungcn; MonnementS. Preis pränumer-ndo i Sicrtcljöhrl. 320 SSf., monall. 1,10 m, wöchcntiich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5$fg. Sonntags. «uinimct mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Weif 10 Psg. Post. fju.»«icmcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post. ZeitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige iluSland S Mari pro Monat. PostabonneotentS nebnicn an: Belgien. Dänemark, Liolland. Italien. Luxemburg. Portugal, kiunänien. Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. CiWnt«lzllch anStr lloottg». * f>. Vevltnev Volksblcrlt. Die Tnlertions-Gctüftr BchtSgl für die scchsgcjpallene Koloncl- geile oder deren Raum m Pfg, für politische und gcwcrlschastllche Vereins. und Bersanimlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnaeigen", da» erste ffett» gcdrulkte)«ort 20 Pfg, jedes weitere EZort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Rnzcigen das erste«ort 10 Pfg, jcdeZ weitere Wort 5 Pfg. Worte über IZ Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnserale für die nächste Nummer müssen Iiis 5 Uhr nachmittag- in der Expedition abgegeben werden. Die Erpediiwn ist vis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialdtinoknt ssekll»". Zentralorgan der rozialdernokrati feben Partei Deirtfchlands. Redahtiont 6CQ. 68, Ltndcnetraasc 69. Kernsprechcr: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 4 Dezember Gxpedttion: 8M. 68, Ltndcnstraaac 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Nieder mit den«onlervativen! Labia«» 3. Dezember. Vorläufiges amtliches Wahlergebnis. Nach nunmehr beendeter Zählung find bei der ReichStagScrsaywahl im Wahlkreise Labia»- Wehlan für Burchard(kons) 7216. für Wagner(Bp.) 5517 und fär Linde(Toz.) 3768 Stimmen abgegeben worden. Mithin Stichwahl zwischen Burchard und Wagner. Die Wähler von Labiau-Wehlau haben der kon- servativcn Partei eine tüchtiqe Ohrfeige veiabfolgt. Von 11575 Stinimen im Jahre 1907 sind sie auf 72l6 reduziert worden. Sie haben nicht weniger als 4359 Stininien ver- loren. Nach Oletzko-Lyk. wo die konservativen Stimmen von 29 343 auf 19 161 vermindert wurden, ist das der zweite rein ländliche Wahlkreis, den die Konservativen bis dahin stets als unbestrittenen Besitzstand betrachten dursten, der die völlige Abkehr von der konservativen Partei erkennen läßt. Das Resultat von Labiau-Wehlau ist noch viel bedentungs voller als das von Lyk-Oletzko. Hier handelte es sich um eine politisch wenig regsame Bevölkerung, deren politischer Stimmungswechsel immerhin noch von der konservativen Presse als eine Folge der neuartigen, mit den gröbsten Mitteln und dem größten Geldaufwand betriebenen Agitation erklärt werden konnte, die die vom Hansabund unterstützten National- liberalen entfalteten. Diesmal aber handelte es sich um einen Wahlkreis, dessen soziale Struktur den Konservativen nicht günstiger sein konnte, der von jeher von ihnen intensiv bearbeitet war. War auch die Wahlaibeit der Freisinnigen eifriger als je zuvor, so haben auch die Konservativen kein Mittel unver- sucht gelassen, um ihre Stimmen zu behaupten. Und trotzdem dieser große Verlust I Es ist ein typischer Vorgang und das Beispiel von Labiau-Wehlau wird weiter fortwirken in ganz Ostelbien. Räch diesen Verlusten gibt es nur wenige Kreise, die den Konservativen noch als sicher gelten dürfen. Die Reichstags- wählen können sich zu einer vernichtenden Niederlage dieser schlimmsten Volksfeinde gestalten, wenn die liberalen Parteien nur halbwegs ihre Pflicht erfüllen. Ist doch die Flucht aus der konservativen Partei das charakteristische Merkmal aller Wahlen der beiden letzten Jahre. In den Kreisen, in denen diese Partei beteiligt war. in Landsberg- Soldin, Jauer- Bolkenhain, Usedom-Wollin, Oletzko-Lyck. Frankfiirt-Lebus und Labiau-Wehlau haben die Konservativen gegenüber der Haupt- wähl von 1997 nicht weniger als 23 298 Stimmen verloren l Das ist die Antwort des Volkes auf die Politik des schwarz- blauen Blocks und seines Bethmanns! Aber von all diesen Verlusten ist die Zliederlage in Wehlau-Labiau für die Konservativen am schmerzlichsten. Denn sie bedeutet, daß ihre stärkste Stütze ins Wanken gekommen ist. Keine politische Partei— und nicht nur in Deutschland — hat so viele M u ß w ä h l e r wie die preußischen Konser- vativen. Nie hat die Welt ein vollendeteres System des Wirt- schaftlichen und politischen Terrorismus gesehen als das, dem die Konservativen in Preußen und namentlich in Ostelbien die Sicherheit ihres politischen Besitzstandes danken. Die wirtschaftliche Uebermacht des Großgrundbesitzers, der behördliche Einfluß des stets konservativen Verwaltungs- beamtcn wirken zusammen, um jeden Abhängigen— und wer auf dem Lande ist nicht politisch oder wirtschaftlich abhängig? — zum politischen Leibeigenen der Reaktion zu machen. Seit- dem es in Preußen konstitutionelles Leben gibt, ist die Konstitution für die Wähler des flachen Landes fast auf- gehoben worden durch dieses politische Unterdrückungssiistem, an dessen Ausbildung bis in die feinsten Details alle Regierungen Preußen? ununterbrochen gearbeitet haben. Und fast schien jeder Widerstand gegen diese Vergewaltigung unmöglich, die Bevölkerung sich mit der Tatsache ihrer politischen Unfreiheit abgefunden zu haben. Konservative Abgeordnete wurden für den Reichstag und den preußischen Landtag nur zum Schein gewählt, in Wirklichkeit vom Landrat im Verein mit der konservativen Parteileitung ernannt. Nun endlich ist das Eis gebrochen, nun müssen die Konservativen auch in den ländlichen Gefilden Ostelbiens kämpfen, und jeder Kampf wird zur Niederlage. Daß aber endlich die konservative Götzendämmcrung anbricht, daß endlich Leben aus den feudalen Ruinen hervor- sprießt, das ist die Folge der konservativen Politik, deren Resultate endlich dem Volke zum Bewußtsein kommen. Eine Zeitlang konnte es scheinen, als würde die großagrarische Zollpolitik auch die mittleren Schichten des platten Landes in ihre Gefolgschaft ziehen. Jetzt endlich geht auch ihnen die Erkenntnis auf, daß die Politik der Verteuerung aller Lebens- mittel, der fortwährenden Steigerung der indirekten Lasten, der Versagung aller politischen N-'chte niit ihren Interessen im- vereinbar ist. Nun endlich ist die Erbitterung über die egoistische Raubpolitik der Großgrundbesitzer stark genug ge- worden, unr aller Wahlbecinflussnng Trotz zu bieten und gegen den Konservativen zu entscheiden. Gegenüber dieser Bedeutung des Wahlergebnisses treten die anderen Momente in den Hintergrund. Die Sozialdemokratie hat seit der Hauptwahl 528 Stinimen gewonnen, aber den Stand von 1993 niit 5966 Stimmen nicht erreicht. Der�jrund ist neben wirtschaftlichen Umständen. auf die noch zurückzukommen sein wird, hauptsächlich darin zu suchen, daß unsere Agitation auf das äußerste erschwert war. Nicht e i n Versammlungslokal stand uns zur Verfügung, ein Umstand, der allein zeigt, mit welchem Terrorismus die Gegner, und nicht nur die Konservativen gearbeitet haben. Die Freisinnigen haben sehr gut abgeschnitten, ihre Agitation ließ allerdings an Demagogie nichts zu wünschen übrig. Noch aber ist der Kreis den Konservativen nicht entrissen. Dem schwarzblauen Block eine Niederlage zu bereiten, ist jedoch ein dringendes Interesse der Sozialdemokratie. Wenn auch die Führung des Wahlkampfes nach der Art des Herrn K 0 p s ch die Entscheidung nicht erleichtert hat, so haben doch unsere Genossen im Einvernehmen mit dem Partei- Vorstande keinen Moment lang gezögert, die Parole gegen den schwarzblauen Block auszugeben. Der konservative Volksfeind muß niedergeningen werden und deshalb werden die sozialdemokratischen Wähler am Tage der Stichwahl, die am 9. Dezember statt- finden dürfte. Mann für Mann für den Freisinnigen ihre Stimme abgeben. Wir wissen, daß die Fortschrittspartei ein erbitterter Feind der Sozialdcmo- kratie ist, wissen, daß das Bürgertum im Kampfe mit der Arbeiterklasse um die Umgestaltung der kapitalistischen Gesell- schaft uns unversöhnlich gegenübersteht. Die Politik des preußischen Junkertums aber legt der Arbeiter- klasse solche Opfer auf und bringt der Fortcntwickelung des deutschen Volkes solche Gefahren, daß es politische Pflicht ist, alles daran zu setzen, um diesen gefähr- lichsten und tückischesten Feind zu schwächen. Und wo Sozial- demokraten das Ihre dazu tun können, muß es geschehen. Auf das Staatsstreichgeschrei der Konservativen gibt es nur diese Antwort. Die Macht der Junker ist nicht im Volke verankert. Die Wurzeln ihrer Macht, liegen in der Veherrschung des prcußi- sck)en Staates, in ihrer Verfügung über die Verwaltung, über alle führenden Stellen in der Bureaukratie und Arniee. Nicht bei den Rcichstagswahlcn allein fällt über die Herrschaft der Konservativen die Entscheidung. Sic müssen in Preußen geschlagen werden, die Junkermacht mutz niedergerungen werden in der Erkämpfung des gleichen Wahl- rechtsinPreußen. Aber wir wissen, daß jeder neue Er- folg auf dem Felde der Wahlen für die herrschende Kaste ein neuer Anreiz ist vom Recht des Volkes an die Gewalt des von ihnen beherrschten Staates zu appellieren. Wir wissen ober auch, daß dieser Appell um so weniger möglich und jeden- falls um so weniger aussichtsreich wird, je deutlicher und offenkundiger es ist, daß die Befürworter des Staatsstreichs jeden Boden im Volke verloren, daß ihrem Be- ginnen der geschlossene Wider st and der Massen sicher ist. Daß Wehlau-Labiau bewiesen hat, daß das deutsche Volk in allen seinen Schichten von den Junkern nichts mehr wissen will, das ist ein gutes Vorzeichen für die kommenden Wahlen. Denn dann gilt es, den Konservativen und ihren Verbündeten Schläge zu versetzen, die ihnen die Lust aus. treiben, dem deutschen Volke seine Rechte zu rauben, die ihnen die Macht entreißt, ihre wucherische Ausbeutungspolitik fort- zusetzen.».» Die Stichtvahlparole. Königsberg. 3. Dezember.(Privattelegramm des.Vorwärts'.) Unsere Genossen veröffentlichen zur bevorstehenden Stichwahl folgende Etkläruiig: Infolge der wüsten, unehrlichen Agitation unterer Gegner ist unser Kandidat Linde in der Stichwahl ausgefallen. ES ist jetzt nur noch zwischen dem konservaiiven Kandidaten Burckiard und dem liberalen Kandidaten Wagner zu entscheiden. Den Wählern ist be- kannt. daß daS arbeitende Volt von dem einen ebenso wenig wie von dem anderen zv erwarten hat. Doch erheischt die politische Lage, daß unter allen Um st än den der konservative Kandidat, derVertreter deS schwarzblauenVlocks. niedergezwungen wird. Wie die Dinge liegen, kann das nur noch durch die Wahl des liberalen Kandidaten herbeigeführt werden. Wir ersuchen daher unsere Parteigenossen und alle Wähler, die bei der Hauptwahl für Liude gestimmt haben, am Stichwahltage zur Wahl zu gehen und. so schwer eS ihnen an- kommt, ihre Stimme abzugeben für den liberalen Kandidaten Wagner. Es gilt das nur für diese Stichwahl. Die Zulunft muß und wird auch in Labiau-Wehlau der Sozialdemo- kratie gehören. Jetzt kann nur die Losung sein: Nieder mit den Konservativen! Der Vorstand des sozialdemokratischen Provinzverbandes Ostpreußen. I. S.: Braun, Vorsitzender. Linde. Parteisekretär. •« • Preststimmen. Während die liberale Presse laut jubelt, ist die kon- scrvative reckst kleinlaut.. Die„Deutsche Tageszeitung" verlegt sich aufs Ableugnen: „So bedauerlich dieS Ergebnis auch ist, so kommt ihm doch eine besondere Bedeutung kaum zu(!); man hatte einen ähnlichen Ausgang vielmehr auf der Rechten wohl nicht nur befürchtet, sondern als ziemlich wahrscheinlich erwartet. Und wenn man vermutlich von der anderen Seite die Wendung von einem„zweiten Oletzko-Lyck" hören wird, so schießt eine solch« Bezeichnung erheblich da n e b e n. In Oletzko hatte sich mehr als die Hälfte der gesamten bürger- lichen Wählerschaft mit cinemmal auf die linke Seite geworfen; in Labiau-Wehlau dagegen hat die Linke nur die Stimmen er- oberk, die der Konservative 1307 gegenüber dem Status fast aller früheren Wahlen hinzugewonncn hatte.... Mit einiger Sicherheit wird man aber schon jetzt sagen können, daß unter besonders schwierigen Umständen der Grundstock der konservativen Wählerschast der alten Kahne treu geblieben ist, und daß insbesondere auf dem flachen Lande die Bauernbunds- agitation ein deutliches Fiasko(?) erlitten hat; und das wäre immer noch ein nicht unerfreuliches Ergebnis!" Guten Hcrzenö, wie wir sind, können wir der lieben„D. T." nur recht viele solche„nicht unerfreuliche Ergebnisse" wünschen. UcbrigcnS ist dies Gerede selbst der„Krcuz-Zeitung" zu dumm. Sie zielt offenbar auf die„D. T.", wenn sie schreibt: „Die Liberalen stellen das Zurückdrängen der Konservaiiven in Labiau-Wehlau mit dem Mandatverlust in Oletzko-Lyck in Parallele. Sic haben damit nicht ganz un- recht. Denn in beiden Wahlkreisen bat eS sich gezeigt, daß auf konservativer Seite die politische Arbeit jahrelang arg ver- nachlässigt worden ist.... Man scheute anscheinend davor zurück, die konservative Bevölkerung politisch aufzuklären. Das haben nun Liberale und Sozialdemokraten besorgt. und sie haben infolge der konservativen Untätigkeit lcick'te Arbeit gehabt. Daraus müssen unsere Parteifreunde in Ost- Preußen endlich eine Lehre ziehen und in eine kräftige Organi- sations- und Agitationsarbeit eintreten." Also noch mehr Tcrrorismus und Wahlbeeinflussung? Aber das wird alles nichts mehr nützen, die Konservativen sind erkannt. Die objektivste Behörde. Die„objektivste Behörde" hat während des Moabiter Pro- zesseS viele schwere Angriffe erfahren. Man hat ihr vorgeworfen, daß sie in diesem Falle ihrer Pflicht, nicht nur die belastenden. sondern auch die entlastenden Momente zu sammeln, vergessen habe, daß sie relativ harmlose Straftaten zu schweren Verbrechen auf- zudowtern sich anstrenge, daß sie in diesem Bestreben bei geringsügigen Delikte» nngercckitfertigte Untersuchungshaft durchzusetzen sich be- mühte, kurz, daß sie den Angeklagten nur das finstere Gesicht der Anklagcbchörde zeigte, daß sie sieh ihnen gegenüber nur als die un- erbittliche Rächerin fühlte. Am Sonnabend erfuhr man, daß diese Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bitter Unrecht taten. Man hat sie ganz und gar falsch beurteilt, wenn man ihr unterstellte, daß ihr ganze» Ginnen und Trachten nur auf die Erzielung recht bieler und recht harter Strafen gerichtet sei. O nein, auch in den Amtsstuben der Auklagebebörde haben die Gefühle verzeihender Milde eine Statt. Diese äußerlich so grimmig« Behörde, der Schrecken aller Schuldigen, die von Gesetze» wegen berufen ist, alle Straftaten, die zu ihrer Kenntnis kommen, zur Sühne zu bringen, ist unter Un, ständen imstande, sich erhebliche Mühe zu machen, um einen überwiesenen und geständigen Ucbeltäter der Bestrafung zu entziehen. Diese Behörde, der nach der Vorstellung des Nörglers die Strofanträge wegen Be- leidigung von Behörden, Amtsorganen und Unternehmern gar nicht massenhaft genug sein können, die nach seiner Meinung häufig genug durch sanfte Mahnungen die Beleidigten zur Stellung solcher Anträge ennuntert. diese Behörde ist gar nicht so. Sie kann vielmehr auch anders, sie kann anch zurZurückziehung eines Strafantrags mahnen. Natürlich— nicht jeder Angeklagte verdient solches Bemühen. Besondere mildernde Umstände müssen ihn der Nachsicht der Staatsanwaltschaft empfehlen. Solcher mildernder Umstände gibt es mannigfache— besonders durchschlagend für die Beurteilung einer Tat ist natürlich — die Abstammung des Täters. Es ist nicht einmal nötig, baß er ein Sproß der Edelsten der Nanon ist. um sie in mildcrem Licht zu sehen. eS genügt dazu schon, wenn er mit einer staatlichen Behörde, z. B. der Polizei, verwandt ist. Das ist beim Angeklagten Kunstmaler Wehdcmann der Fall. Er selbst hat diesen mildernden Umstand nicht einmal geltend gemacht, aber die objektivste aller Behörden hat ihn nicht übersehen. Als man heraus hatte, daß Wehdemann einen Kriminalbeamten zum Vater hat, da erkannte die Staatsanwalt sofort, daß sein Fall sehr milde liege und in ihrer nienschensrcundlichen Gesinnung legte sie sogleich der Polizei nahe, den Strafautrag gegen billige Bedingungen zurückzuziehen. Und die Polizei war auch nicht unerbittlich, sie war bereit, auf die Bestrafung deS Sünders zu verzichten, der in angetrunkenem Zu- stand« an ihre Ehre getippt hatte, indem er— nach den Behauptungen eines Schutzmannes— der Meinung Ausdruck gegeben hatte, daß es eine Gemeinheit fei, wie es die Polizei treibe. Aber sie hatte eine kleine Bedingung— Weydemann sollte zwar ohne Strafe, doch nicht ohne Buße davonkommen. Er sollte 25 Mark an die UnterstützungSkasse der Schutzleute zahlen, dann wollte man ihn laufen lassen. Aber der Sünder war so frech, gerade in Geldverlegenheit zu sein--- die Recherchen der Polizei hatten ihm die Stellung gekostet— und als die Polizei drängte, war er so unverfroren, ihr Ratenzahlung anzubieten. Ueber solche Uublißfertigkeit ergrinimte der Kriminalkoinmissar Kuhn, mid er fuhr den Mann an, daß die Polizei keine jüdischen AbzabluugS- geschäste mache. Und so war der mcnscheustenndliche Schritt der Staatsanwaltschaft umsonst, und Herr Weydemann mußte trotz des mildernden VaierS auf die Anklagebank. Als fein Fall aber jetzt heran kam, da freute sich die Staatsanwalt der Gelegen- heit, zu zeigen, wie human sie ist und Herr Staatsanwalt Siclzner erhob sich und nahm schnell das Wort, ehe der Angeklagte oder sein fürwitziger Verteidiger davon sprechen konnten, denn wer reinen Gewissens ist, der wartet nicht. bis andere von seinen Taten sprechen. Aber weil e» nicht jeder- mannS Sache ist. sich selbst seiner Tugend zu rühmen, so war die Stimme des Herrn Staatsanwalt» gepreßt und zitternd und feine Worts überstürzten sich lind seine Haltung war Vcr- legenhcit. Die böse Verteidigung aber hatte nicht einmal Verständnis für die Viilde der StaalSanwallschaft, weil ihr nie etwaZ recht ist, was die Anklagebehörde tut— beantragt sie strenge Strafen und Unter- suchungShoft. so schreien die'Herren Rechtsanwälte über Härte und ist sie milde und will einem Sünder zur Straflosig- keit verhelfen, so ist es ihnen auch wieder nicht recht. Und so sagte der Verteidiger Heine, dah die Polizeibeamtenqualität des Vaters doch eigentlich ein Umstand sei, an dem der Angeklagte Weydemann kein besonderes Verdienst habe, und dah die anderen Angeklagten, die wegen ähnlicher Straftaten wie Weydemann an- geklagt und in Uutersuchungshast gesteckt wurden, und denen der Herr Erste Staatsanwalt mit der ganzen Strenge des Gesetzes niit schweren Strafen gedroht hat, eS doch bitter empfinden mühten, daß sie so ganz anders behandelt worden seien als Weydemann, bloß weil sie in der Wahl ihres Vaters nicht vorsichtig genug ge- Wesen sind. So werden die edelsten Absichten mihdeutet— wer kann sich Wundern, daß Herr Steinbrecht sich darob erregte und heftigen Mundes entgegnet, dah e» ganz falsch ist. die Staatsanwaltschaft der Begünstigung de» Angeklagten wegen de» Ilmstandes, daß er Kri- niinalbeamtensohn ist, zu beschuldigen. Nicht diese Tatiache an sich ist eS ja, so zu dem Schritt der Bnklagebehörde Ler- anlassung gab, sondern allein die, daß die Beleidigimg sich mit gegen den Vater des Täters richtete, so dag mau die Affäre gewifiermahen als eine interne Familienangelegen- heit ansehen mühte, die man unter den Verwandten gütlich beilegen könnte. Aber der hartnäckige Verteidiger bezweifelt, dah Weydemann, als er die inkrimtnirle Aeuherung tat an seinen Vater gedacht hat— er nimmt an, dah er mir die Schutzleute gemeint habe» kann, die um ihn herum waren. Mit der Familien- aiigelege»heit ist eS also auch nichts. Da kommt der Vorsitzende der arg bedrängten Staats- anwaltschast zu Hilf«. Sr erinnert daran, dah nur die Tat des Angeklagten für das Urteil des Gerichts in Frage kommt. Aber dieser Hinweis war nicht glücklich� Verteidiger Heine schließt sich rückhaltlos der Meinung des Hern, Direktors an— aber für die Staatsanwaltschaft sei diese Bcgleitangelegenheit doch von erheblichen, Interesse von wegen de» ElrasmaheS, das sie gegen die anderen Angeklagten beantragen werde. Er stellt gewissermaßen das Ansinnen an die Staatsanwalt- schaff, ein Recheuexempel aufzustellen derart: Wenn die Tat des Angeklagteu Weydemann gesühnt worden wäre durch 0 Strafe+ 1 Entschuldigung-1- 25 M. Buße. wie viel oder vielmehr wie wenig Strafe ist dann erforderlich zur Sühne der Straftat des Angeklagten£—? Da sitzt nun die Staatsanwaltschaft in einer böse» Klemme. Sie hat den übrigen Angeklagten schwere Strafe» versprochen nnd nun kommt ihr der unglückselige Weydemann dazwischen. Das kommt davon, wenn man edle Absichten hat. Aber das ist noch nicht einmal alles. Noch eine andere böse Klemme zwickt und zwackt die Anllagebehvrde. Es ist ihr nämlich bei dieser Gelegenheit ein Vergehen zur Kennt- ni« gekommen. das sie von Rechtswegen verfolgen muß. DaS höchste Gericht hat entschieden, daß eö Versuch derEr- Pressung ist, wenn jemand einen, anderen verspricht, keinen Strafantrag wider ihn zu stellen, sobald er eine Buße zahlt, auch wenn diese Buße nicht dem Unternehmer de« ErpressungSversucheS. sondern der Kasse irgend einer gemeinnützige» Einrichtung zufallen ' soll. DaS paßt wie angegossen auf den Fall Weydemann, und den ErprefiungSversuch hat hier— die Polizei begangen. Und so müßte die Staatsanwaltschaft die Polizei wegen ErpressungSversuchS anklagen! Denn gleiches Recht für alle gilt in Preußen! Aber wiederum ist'S unmöglich, daß die Staatsanwaltschaft die Polizei anklagt. Haben wir Mitleid mit der Staatsanwaltschaft! • Halt, Kollege{ Die Charakteristik der Kriminalschutzleute wurde in der Sonn- abcndsitzung um einen bedeutsamen Zug bereichert. Herr Schneider- meister Oslath hat Bekundungen gemacht, die uns zeigen, daß sich unter diesen Herren nicht bloß tüchtige verprügeler friedlicher Passantem sondern auch eifrige Förderer des.AusstandeS" befanden. Diejenigen, die Herr Oslath beobachtete, waren eifrige Rufer zum Streit und schmetterten ihr.Hurra! Bluthunde! Ans die Blaue»!* so kräftig heraus, daß nur der Kenner dieser Ge- stallen auf den Gedanken hätte kommen können, et sei ihnen nicht ernst damit I Sie waren überhaupt in ihrem Gebaren als„Aufriihrer* so echt, daß sie mehrmals Attacken im- informierter Schutzleute durch da» Losungswort„Halt, Kollegs!" ablvenden mußten. Die durchaus unanfechtbare Aussage de» Herrn Ooläth ist von den bitteren Pillen, die der Prozeß der Polizei zu losten gegeben hat,«ine der bitterste». DaS fehlt« ihr gerade noch. daß ihr»nter ihren Streitkräften und unter den Triebkräften der.Revolution" auch noch Lockspitzel nachgewiesen werden! Den Eindruck dieser außerordentlichen Enthüllung werden alle die 42 Zeugen, die Herr Steinbrecht ans denen ausgesucht hat, die sich aus den Notruf des Herrn Polizeipräsidenten gemeldet haben, nicht verwischen können. »• «» Wieder weilte heute der blutige Schatten des erschlagenen Her- man» in, Gerichtssaale. Unverdächtige Zeugen, Belastungszeuge». die die Staatsanwaltschaft gegen die Frau Sattler aufgerufen hotte und die in dieser Beziehung völlig versagten, schilderten die mörderische Säbelei, der Hermann zun, Opfer siel, genau so. wie tagS vorher Frau Jordan. Sine fast menschenlesr» Straße, ein von der Sorge um den Sohn auf die Straße getriebener Bater, eine von keiner Geinhr bedrohte Schutzmannsschar, au» der sich zwei Mann loslösen und dann plötzlich ohne jede Veranlassung auf den friedlichen Mann losschlagen. Mit grausiger Realistik schildert« elne Zeugin, wie der Verwundete taumelnd, vorgebeugten KopfeS die Straße entlang wankte, wie sein Blut in Windungen die Sftaß« färbte, daß«s aussah, al« hätte man den Bürgersteig mit einer Gießlanne gesprengt— aber mit einer Gießkanne voll Blnt. Und während so das grausige Verbrechen zweier Schutzleute, das eine Familie de» Ernährers beraubte, immer deutlicher zutage tritt, stellt sich gleichzeitig heraus, daß gegen die Angeklagte Frau Sattler aber auch nicht dos geringst« stichhaltig« B-weiSmalerial vorliegt. Und sie war«ine» der Prachtstücke der Anklage, die eingehend hervorhob, daß diese gefährliche Kran Mitglied des Sozialdemokratischen Vereins, Disstdentin und wegen einer aus politischem Anlaß cnlstandenen Beleidigung vorbestraft ist. Wenn da» Kammergericht nicht entgegen dem Willen der miteren Instanzen die Frau aus der Untersuchungshaft, in der sie 1» Tags verbringen mußte, entlassen hätte, sie säße womöglich noch heute darin. Line Mieden erregende Begnadigung. Äm 10. Mai 1B10 waren zwei Mitglieder des feudalen Bonner Studentenkorps Borussia zu acht Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil sie gemeinsam mit mehreren anderen Borussen, die zurzeit als Einjährige bei den KonigShusaren dienen, den ein- jährig-freiwilligen Unteroffizier Veith in seiner Wohnung überfallen und durchgeprügelt hatten. Veith war gleichfalls Student und hatte irgend eine Streitigkeit mit einem Borussen gehabt, dem er unter Berufung auf seinen Katholizismus die Ge- nugtuung mit den Waffen verweigerte. Dafür rächten sich die Borussen in der gekennzeichneten Weisel Die Militärbehörde ver- hängte über die Einjährigen, die dergestalt einen militärischen Vorgesetzten verprügelt hatten, drei Tage Mittclarrestl Später kam die Sache auch vor das Kriegsgericht, das jedoch auf Freisprechung erkannte,„weil die Zeugenaussagen unbe- stimmt" gewesen seien. Diese Unbestimmtheit der ZeugcnauS- sagen war zweifellos ein unerhörtes Glück für die Einjährigen, da ja bekanntlich eine Mißhandlung Vorgesetzter sonst mit den schwer st en Gefängnis- und Zuchthaus st rasen ge- ahndet wird. Denn daß daS Kriegsgericht die Mißhandlung eines Vorgesetzten deshalb milder betrachtet haben würde, weil die militärischen Exzedente» Bonner Borussen waren, ist natürlich ganz undenkbar! Nicht ganz so glimpflich kamen die beiden Borussen davon, die sich als Z i v i l i st e n an der Verprügelung des Unteroffiziers beteiligten. Die BerufungSkammer in Bonn mußte wohl die Zeugenaussagen nicht für ganz so unbestimmt gehalten haben wie daS Kriegsgericht, denn sie verurteilte die beiden Studenten zu acht Tagen Gefängnis. Freilich, auch diese beiden studentischen Beleidiger eines Stellvertreters Gottes sollten doch noch glimpflich davonkommen. Wilhelm II. hat von dem Rechte der Begnadigung Gebrauch gemacht und die Gefängnisstrafe in Festungshaft umgewandelt. So ist denn das feudale Korps der Borussen der Schmach ent- gangen, etliche seiner Mitglieder ins Gefängnis wandern zu sehen. Diese Schmach wäre allerdings auch eine unerträgliche gewesen. Denn die Bonner Borussen sind nicht nur keine gewöhnliche Studentenverbindung, sondern selbst unter den feudalen Korps noch ein ganz besonderes Elitekorp». Gehörte ihm doch seit langen Jahren kein einziger Bürgerlicher mehr an. Dafür sind eine lange Reihe von„hohen" und allerhöchsten" Personen Mitglieder der Bonner Borussen gewesen, z. B. der Erbprinz von Hohenlohe- Langenburg, die Fürsten zu Fürsteaberg und Schönburg- Waldenburg, der Herzog Karl Eduard von Koburg, die Großherzöge von Mccklcnburg-Schivcrin und Sachsen-Weimar, sowie viele andere Fürsten. Endlich außer zahlreichen anderen Hohenzollerichrinzen nicht nur der Kronprinz, sondern auch Wilhelm II. selbst. Und Wil- Helm II. hat ja mehr als einmal seiner Schätzung des korpsstuden- tischen Lebens, über dessen Treiben man auch bei der ungeheuren Mehrheit der akademischen Gebildeten einer sehr geringen Wertschätzung begegnet, unverblümtesten Ausdruck gegeben. So z, B. auch in jener am 7. Mai 1M1 bei den Bonner Borussen ge- haltenen Reitz'. in der er es al» seine„feste Ueberzeugung" erklärte, daß„jederKorpsstudentdiebesteErziehung" erhalte. „die ein junger Mann für sein späteres Leben be- komme". Er hoffe, daß dereinst viel« Beamte und Offiziere aus dem Kreise der Bonner Borussen hervorgehen würden. Nun haben just die Bonner Borussen in der letzten Zeit sehr viel von sich reden gemacht. Besonderes Aussehen erregte bekannt- lich jener Exzeß, bei dem angetrunkene Bonner Borussen einen förmlichen Ucbcrfall auf einen Bahnzug unternahmen, wobei sie wie Vandalcn hausten und nicht nur sämtliche Scheiben zerschlugen, sondern auch da» Bahnpersonal mißhandelten. Und trotz der schärfsten Verwarnung durch den Senat der Universität Bonn überfiel dann ein paar Tage darauf eine Anzahl Borussen den ein- jährig-freiwilligen Unteroffizier' Veith! Den Begnadigten steht nun für ihre fernere Karriere kein Hindernis im Wege. Sie können Offiziere, Staatsanwälte. Land- rate, Regierungspräsidenten usw. werden, um dann im Sinne eines Heydebrand das„aufrührerische" Proletariergesindel zu Paaren zu treiben! Ket» Wunder, daß diese Begnadigung peinliches Aufsehe» erregt!_ politische(lebersicdt. Berlin, den 3. Dezember 1910. Konservative Mittelstandörettung. AuS dem Reichstag. 3. Dezember.„Wem das Herz voll ist, geht der Mund über". DaS Wort bewährt sich il'tzt in eigenartiger Weise an der konservativen Partei. DaS Herz ist ihr voll von Angst und Langen vor dem Strafgericht der allgemeinen Neuwahlen. Jede Nachiva hl zeigt, dah ihr die Wähler davonlaufen. An dcilRockschößen lassen siesich nicht zurückhalten, die Handwerker und Bauern, die früher die zuverlässigste Kerntruppe der konservativen Partei gebildet haben. Da geht den konservativen Angstmeiern der Mund über von Äer- sichernngen ihrer glühenden Liebe zum Mittelstande. Der Mittelstand ist eS, an dessen Wohlfahrt ihr ganzes Dichten und Trachten hängt. Sie wollen ihn retten vor dem Unter- gange. Sie bieten ihm alle politischen Kurpfuschermittel an, unter deren Herrschaft in der Zunftzett das Handtverk ver- knöchert ist. Sollte der Mittelstand durch diesen Ucberschwall von Freundschaftsversicherungen sich nicht bewegen lassen, auch ferner noch konservative Stimmzettel in die Wahlurne zu pfropfen? Dieser Gedankengang war Zweck und Inhalt der Debatte über den konservativen Antrag„betreffend Maßregeln gegen den Niedergang des Handwerks". Was aber an wirklicher Teilnahme für den Mittelstand hinter diesem wahlpolttischen Notschrei der konservativen Partei steckte, das verrieten die konservativen MittelstandSsreunde dadurch, das; sie tn ihrer überwiegenden Mehrheit der Erörterung Ihres eigenen Antrages fernblieben. Nachdem der konservative Redner Pauli- Potsdam gesprochen, lauschte stellenweise nur ein einziger Konservative den Verhandlungen, höchstens wuchs ihre Zahl später auf acht Zuhörer an. Herr Pauli schnarrte alle die ebenso alten wie un- bewährten zünftlerischen Mittelstandsheilmtttel her. Ihm sekundierte Herr E u l e r vom Zentrum, der die Mittelstands- femdlichkeit der Sozialdemokratie auf eine Rede Schweitzers aus dem Jahre 1869 zurückführte. Nähere Angaben über den Zeitpunkt dieser Rede ist er schuldig geblieben. Gegen diese üble Gepflogenheit der SchnaPSbloctrednep. mit un- kontrollierbare,» Zitaten um sich zu schmeihem machte Genosse B r ü h n e energisch Front. Er drehte den Spieß um, indem er nachwies, wie die angeblichen Mtttslstandsfrcunde durch ihre Zollpolitik dem Mittelstände den Lebensunterhalt und die Rohstoffe verteuerten und ihn damit schwerer geschädigt hätten. als ihm irgend wie durch andere staatliche Mittel genutzt werden könne. Auch der fortschrittliche Herr P achnicke führte den Konservativen und Zentrumbleuten ihre mittel standsfoindlichen Praktiken zu Gemüte. Dann zog aber der Antisemit Raab das ganze Register zünstlerischer Trauer- lieber auf. Ztuudcnlang polemisierte er gegen Rational- liberale. Fortschrittlcr und besonders den Hansabund. Auch an der Sozialdemokratie suchte er sich schließlich zu reiben, indem er ein Zitat aus der„Bremer Bürgerztg* hindeutete, daß die Sozialdemokratie den Mittelstand vernichten wolle. Soweit das im Rahmen einer persönlichen Bemerkung mög- lich war, wies Genosse Ledcbour diese Verdächtigung ent- schieden zurück. � Dann wurde die Debatte vertagt. Am Montag soll zunächst das Arbeitskammer- gesctz an die Reihe kommen. Gegen die Staatsschmarotzer. Die konservative Presse setzt ihre perfide Hetze gegen die „sozialdemokratische Tyrannei" und für die sogenannten„Grundlagen des deutschen Staats- Wesens" munter fort. Interessant ist, daß jetzt die konservative Parteileitung, die sich bisher im Hintergrund hielt, offen als Macherin des Treibens hervortritt. Die «Konserv. Korresp.", das offizielle Organ der Parteistrategen, bringt nämlich unter dem Titel„Notwendige Maßnahmen gegen die sozialdemokratische Tyrannei" einen Angriffsartikcl gegen die sozialdemo- kratische Arbeiterschaft, der sich als eine für die Zwecke der kleinen konservativen Provinz.- und KreiSblattpresse präparierte Miniatur- ausgäbe des am Mittivochabend in der„Kreuz-Ztg." erschienenen verlogenen Hetzartikcls herausstellt. Das läßt mit Sicherheit darauf schließen» daß auch der Artikel der„Kreuz-Ztg." im konservativen GeneralstabSquarticr fabriziert und das Organ der Hammersteinlinge und der Nachfolgerinnen der Flora Gaß nur als geeignete Ablagerungsstätte für dieses duftige schriftstellerische Fabrikat benutzt worden ist. Zum Schluß des Artikels der„Kons. Korresp." heißt es ganz ähnlich wie in der„Kreuz-Ztg.": Die staatsbürgerliche, wirtschaftliche, soziale und persönliche Freiheit des loyalen Staatsbürgers muß also wirksamer als bisher gegen Terorismus geschützt werden. DaS Eingreifen der Staatsgewalt in diesen Dingen herbeizuführen, ist Sache der Regierung. Sie trägt die Verantwortung dafür, daß die Unter- wühlung unseres gesamten Staats- und Gesellschaftslebens rechtzeitig verhindert wird. Sie allein ist in der Lage, die ge- setzgeberischen und rechtlichen schwierigen Fragen, um die et sich hier handelt, vorzubereiten und zu klären. Die konservative Partei erwartet nicht, daß die notwendigen Maßregeln schon von heute auf morgen ergriffen werden, aber sie ist der Ueber- zeugung, daß in nicht zu ferner Zeit der Weg gefunden und, unter Umständen auch gegen einen widerstrebenden Reichstag, bis zu Ende gegangen werden muh. Natürlich darf dort, wo literarischer Mist abgeladen wird, daS Jntelligenzblatt des Bundes der Landwirte, die„Deutsche Tagesztg.". nicht fehlen. Unter der für seine Leistungen so charakteristischen Kognakmarke%" veröffentlicht in ihrer letzten Nummer(577) ihr Herr Chefredakteur einen„Moabiter Lehren" überschriebenen Leitartikel, der noch allerlei Be- lobigungen der Berliner Polizei und der Ermahnung, künftig gleich von vornherein kräftiger zuzusassen, mit den Sähen schließt: „Wollen wir aber nicht nur dem Mob und dem Janhagel, sondern auch den verführten und verhetzten Massen die Lust am Aufruhr verleiden, so muß noch etivaS anderes geschehen. Erfahrungsgemäß entstehen Krawalle. Straßenkämpfe, Aufrührereien entweder infolge von Ausständen oder al» Begleiterscheinungen von Straßenkundgebungen gegen die öffentliche Ordnung oder durch syste- matts che Verhetzung der Menge. Wir müssen dafür sorgen, daß bei Ausständen die Arbeitswilligen geschllvt werden nnd daß die Möglichkeit von Gewalttaten Ausständiger von vornherein beseitigt wird. Das sogenannte Streikpestenstchcn muß verboten, die in Betracht kommenden Stätten müssen so überwacht werden, daß etwaige Unruhen im Keime erstickt werden. Wenn eS bei Straßen- und Massenkundgebungen, die sich gegen den Staat, gegen die öffentliche Ordnung, gegen die rechtmäßige Regierung richten, zu Krawallen und Gewalttaten kommt, fo müssen die verantwortlich gemacht werden, die die Kundgebungen veranlaßt haben. Schließlich muß die Presse, die mit dem Feuer des Aufruhrs frevelhaft und frivol spielt, die offen die Frag« er- örtert, wann revolutionäre Kundgebungen zweckmäßig seien. aufs schärfste überwacht und gegebenenfalls zur Verantwortung gezogen werden. Genügen die Gesetze in dieser Beziehung nicht. dann müssen sie verschärft werden. Der Staat, der es nicht vermag, seine Ordnung zu wahren und zu sichern. schaufeltsichselb st sein Grab.... Wie die Dinge jetzt liegen, ist die lendenlahme, altweiber- hafte Schleppmacherei, die vor jedem festen Zugreifen zimperlich warnt, nicht nur eine grenzenlose Torheit, sondern auch«ine Versündigung an dem Staate, an de? Sicherheit und an der Zukunft des Volke»." Zu begreifen ist dieses neurasthenische Geschwätz. Preußens Junkerkastc. die. wenn sie nicht auf Volkskosten durch eine infame MrtschastS' und Zollpolitik künstlich erhalten und ge- füttert svürde, längst wirtschaftlich und politisch bankerott würde, suhlt sich durch die politische Vorstinimung der breiten Schichten des deutschen Volkes in ihrer langen Herrschaft bedroht und so greift sie zur Heraufbeschiuörung eines blutigen Reyolutionsgespenstes und zur Stgatsstreichelei, um sich am Ruder zu erhalten,__ Kardinal Fischers Hirtenbrief. Zurückgekehrt von Rom, hat sich Erzbischof Fischer von Köln daran gemacht, in einen» Hirtenbrief Bericht über die Erfolgs seiner Romreise zu erstatten. Ter Kardinal ermahnt in dem Briese die Katholit's», sich in ihrer kirchlichen Ge- sinimng nicht vcrwirrei» nnd bemmihigen zu lassen durcl) „allerlei Gerede", wie es seit Wochen verbreitet werde. Ii» der sogenannten Geiverkichaftöfrage habe der Papst mit Ent- schiede,»hoit erklärt, daß er nach wie vor den bisherigen Stand- Punkt eninebme. nämlich daß er den beiden Richtungen, die in Deutschland bestehen, gleichmäßig neutral gegenüberstelle. ..Das dient." heißt cd in dem Schriftstück...zur Beruhigung für unsere katholischen Arbeiter, die den christlichen Acwerk- schalten beigetreten sind oder beizutreten gedenken. Nur knüpfe ich dann wieder im Sinne de» Heiligen Vaters zwei Bemcr- kungen hieran: t. Wird e ö für die Zukunft immer mehr unser Bestreben sein, neben den Gewerk» schaften spezifisch kathalische«rbeiterorga- nisationen. Arbeitervereine. JünglrngSver- eine, Gesellenvereine. Kongregationen usw. weiter auszubauen, die nach Möglichkeit zu fördern und so den katholischen Geist zu Pflegen und zu vertiefen? S. Und das liegt dem Heiligen Vater und Eurem Erzbischof besonders am Herzen, möge endlich aller Hader und Zwist zwischen beiden Richtungen aus gewerkschaftlichem Gebiete aufhören." Weiter wendet sich dos Schreiben flCfl«! da» Antichristen. tum und sagt zun» Schluß:„Man hat die Mär verbreitet. Stier Erzbischof habe in Rom in einer Untgpeedung den Katfer als von einer Beirimmten politischen Partei, die u»Z Kache-] lifen nahesteht, abhängia darzustellen versucht. Das ist Tor- heit! Aber Wahrheit ist, daß ein gläubiges Volk eine feste Stütze auch für die weltliche Ordnung bildet und ein Bollwerk gegenüber dem Anprall des Umsturzes ist. Altar und Thron stehen allerdings nahe beisammen." Ter Hirtenbrief bestätigt in jeder Hinsicht unsere Mel- dung, daß der Papst bezw. die römische Kurie die christlichen Gewerkschaften keineswegs als den spezifisch katholischen �ach- und Gescllenverrinen gleichberechtigt betrachte, daß mtm aber aus bestimmten politischen Gründen, d. h. aus Rücksicht aus die Stärke des Zentrums, vorläufig die christlichen Gaverk- schasten duldet. Unter der Hand soll jedoch versucht werden, die streng konfessionellen Arbeiterorganisationen möglichst aus. zubrciten tind ihre Position gegenüber den christlichen Gewerk- schaftm zu stärken, um diese auf solche Weise allmählig mntt- zusctzcn._ Ter Liberaliömns im Vertvaltungsdienst. Ter'Abgeordnete Freiherr v. Zedlitz hat jüngst im„Tag" in einem Artikel über die Reform deS Verwaltungsdienstes auch einiges über den preußischen Landrat geschrieben und dabei erwähnt, daß neuerdings mehr und mehr der Nachwuchs der Groß- industric, namentlich der westlichen, der sich früher fast ausschließ- kich der Erwerbstätigkeit widmete, zum höheren Verwaltungsdienst zugelassen werde. Herr v. Zedlitz will es dahin gestellt sein lassen, ob diese bürgerliche Zufuhr das politische Eintreten der Ver- waltungsbeamten für die Konservativen abschwächen werde; vor- läufig fei allerdings davon noch wenig zu merken. Hieran an- knüpfend schreibt die„Kölnische Zeitung": „Wir glauben, daß man auch in Zukunft davon nicht viel wahrnehmen wird. Tie jungen Herren aus dem Westen, die jetzt für die- Landratskarriere in Betracht kommen, entstammen allerdings einem Milieu, daö zweifellos nicht als feudalkonser» vativ angesprochen werden kann, aber sie werden sich als tntelli- gente Männer sagen müssen, daß, wenn sie unter die Wölfe gehen, sie auch mit ihnenheulen müssen. Tun sie es nicht, so werden sie eben zerrissen und haben, um das Bild zu verlast?», wegen unzulänglicher konfer- vativer Gesinnung keine Aussicht, in die höheren Stellungen aufzurücken. Das neue Milieu, in das sie kommen, tut das scinige. um energisch auf s ie abzufärben, und schließlich werden manche von ihnen, die. wir wollen nicht sagen Strebertum, aber doch Ehrgeiz besitzen, erst recht alles tun. uni zu zeigen, daß der wegen ihrer Herkunft auf ihnen etwa lastende Verdacht liberalisierender Neigungen völlig unbegründet I ist. Bei solcher Veranlagung können sie dann die schneidig- sten Konservativen werden und sich dem Ring, der unsere Verwaltung beherrscht, vollwertig einreihen." Die armen Liberalen! Eifrig streben sie danach, mit den Konservativen gleichberechtigt zu sein und zu den höheren Ver- waltungsstellen zugelassen zu werden. Und dabei müssen sie er- leben, daß ihre Sprößlinge, die sie ausschicken, um die Konservativen zu liberalifieren, vom junkerlichen Geist schnell und sicher angesteckt werden und alsdann wider den Liberalismus zu Felde ziehen, wie jeder preußische Landrat! Ter Liberalismus unserer Bourgeoisie ist demnach ein gebrech- liches und wandelbares Ding. Auf dem letzten Vertretertag der Iungliberalen beklagte ein Redner die Erscheinung, daß schon mancher Liberaler durch den KommerzienratStitel oder ein Reserve- ientnantSpatent ins konservative Lager hinübergezogen worden sei. e Riesmrlvse, diu Folge des H o ch, fchutzzolltarifs» gehen ausschließlich in die Taschen her Großgrundbesitzer.» Man müsse aber zwischen dem Getreidebau deS Großgrundbesitzers und des Kleinen durchaus unterscheiden. Durch den Zoll sei nur zu schützen- woran die großen Massen der produzierenden Stände ein Interesse haben, aber es darf durch sie nicht die Pro- duktion geschmälert werden. Tank den Zöllen werden die inlän- dischen Erzeugnisse ins Ausland billiger verkauft als sie die inländischen Verarbcitungs- und Veredelungsindustrien er- halten. Eine Regierung aber, die einer derartigen Politik das Wort redet, ist ein Ungeheuer und die sie unterstützenden Ab- geordneten werden sich vor dem G e r ich t ihrer Wähler zu verantworten haben._ €rigland. Die Wahlen. London, 3. Dezember. Heute ist der erste wirkliche Wahl- tag. während gestern nur die unbestrittenen Kandidaten als gewählt proklamiert wurden. Es kommen 69 Mandate zur Besetzung, von denen drei der Arbeiterpartei, 33 den Liberalen und 26 den Konscrpativen gehörten. Die Wahl- aufrcgung ist groß. Bis 4 Uhr 30 Minuten nachmittags waren 17 Liberale. 33 Union sten und S Rahänger R e o m o n d S gewählt, iäniilich ohne Gegenkandidaten. Unter den Gewählien befinden sich John R e d m o n d, Arl nd H o o d, der Haupieinpeitscher der Unionisten und der Schutzzölluer und ehemalige uuionistische Minister Chaplin._ Aufgeregte Leute. London, S. Dezember. Das imionistische Komitee der Gras- schafr Ulster(Irland) hat beschlossen, Angebote zur unverzüglichen Lieferung von Waffen und Miiniiioii einzufordern. Dieses Vorgeht» wird jedoch kaum ernst genommen. ver vorfener ßierltrawall vor Gericht. Die BicrpreiZerhöhuiig im vergangenen Sommer, eine Folge unserer glorreichen Reichsfinanzreform, rief bei der bayerischen Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung hervor. Nicht allein in den Städten, sondern auch auf dem platten Lande, teilweise sogar unter Anführung von Geistlichen, wurde gegen jede Er- höhung des Bierpreises protestiert. In einzelnen Orten von Ober- und Niedcrbayern wurde der von frommen Zentrums- bauern beschlossene Boykott mit einer solchen Zähigkeit durch- geführt, daß in einzelnen Orten die Bierpreiserhöhung tatsächlich verhindert wurde und die bayerische Regierung sich veranlaßt sah, in einem Erlaß den Bezirksämtern nabezulegen, die Beamten und Bürgermeister aufzufordern, in der Bierpreisfrage„aufklärend" und„beruhigend" zu wirken und gegen den Boykott Front zu machen. Die Zentrumsbauern in Torfen, einem Marktflecken in Oberbaycrn. schoben die Schuld an der Bierpreiserhöhung dem ehemaligen Reichstagsabgeordneten. Oekonomierat und Brauerei- besitzer Joseph Bachmayer in Dorfen in die Schuhe. Am 1. Juni trat auch in Dorfen die Bierpreiserhöhung in Kraft und am Sonntag, den b. Juni, mittags, brach in der Maierfchen Gastwirtschaft und 15 Minuten später auch in der Gastwirtschast„Zur Seife" in Torfen, die beide ziemlich weit voneinander entfernt liegen. Feuer aus. Die beiden Wirtschaften und fünf andere An- wefen wurden vollständig eingeäschert. In den beiden nieder- gebrannten Wirtschaften wurde Bier au» der.Bachmayerschrn Brauerei verzapft. Der Staatsanwalt behauptet, daß dieser Brand von ruchloser Hand in der Erregung über die Bierpreiserhöhung gelegt worden sei, ein Brandstifter konnte aber bis jrht nicht ermittelt werden. Die Anklagebehörde hat nach durchgeführter Voruntersuchung keine verlässigen Momente für die Annahme, daß diese Brandstiftung und die späteren Gewalttätigkeiten gegen die Brauerei Bachmaver auf vorheriger Verabredung beruhen und auf einen einheitlich organisierten Plan zurückzuführen sind. Zur Löschung der Brände waren außer Angehörigen der Dorfener nahezu sämtliche Feuerwehren aus der Umgebung herbei- geeilt. Der Sitte auf dem Lande entsprechend, wurde schon während des Löschens an die Feuerwehrmänner Freibier verteilt. Das Bier wurde teilweise in Eimern und anderen größeren Gefäßen herbeigeschleppt und im Umtrünke konsumiert. Es war ein heißer Tag und das Bier machte die Köpfe der Jcuerivehr- männer bald rebellisch. Noch während des Löschens machten vcr- schieden« Feuerwehrleute ihrem Unmut über die Bierpreiserhöhung durch verschiedene Aeußerungen Luft. Man hörte Rufe:„Die Brauer sehe» jetzt ihr Werk!"«Der Zwoaring(der erhöhte Bier- preis von L Pf.) brennt! wir sollten ihn brennen lassen!" Als am Abend die Brände so ziemlich gelöscht waren, waren die Köpfe der Feuerwehrmänner um desto erhitzter. Am Marktplätze wurden die Feuerwachen bestimmt und die Feuerwehrleute hatten sich hier in größeren Mengen angesammelt. Da auf einmal fiel die Aeuherung:„Die gescheerten Bauernrammeln sollen heimgehen!" Ai« di« Anklage behauptet, soll diese Aeußerung von einem Dorfener Bürger gefallen sein, in Wirklichkeit wurde sie aber von dem Gendarmeriewachtmeister von St. Wolfgang gebraucht. Titz Leute kamen in große Erregung. Der ganze Menschenknäuel bewegte sich gegen die Bachmayersche Brauerei, auS der Gendarmen kamen. Erbittert üb« die Bierpreiserhöhung. verlangten die Leute von dem vermeintlichen Urheber der Bi«preiSerhöhung, Brauereibesitzer Bachmaher, weiteres Freibier, da daS sonst übliche Quantum noch nicht geliefert worden sei. Das wurde verweigert, worauf die Menge die Brauerei Bachniayer stürmte. Nach- dem Brauereibesitzer Bachmayer schon acht Tage vorher Drohbriefe bekam, daß alles kurz und klein geschlagen und Feuer angelegt werde, wenn die Bierpreiserhöhung nicht rückgängig gc- macht werde, befürchtete man Schlimmes und schloß schleunigst da» Tor und die gensterländen. Diese Vorsichtsmaßregeln hielten aber nicht lang« stand und nun stürmte die Meng« durch das Tor in den Hofraum und von da in die Wirtslokalitäten. Man machte den Versuch, die Exzedenten durch einen Wasserstrahl»n vertreiben, waö aber mißlang. Unter den Rufen:„Haut zu! Schlagt zu!" wurde von der außenstehenden Menge das Bach- mayersche Anwesen mit Steinen bombardiert. Unt« Johlen und Gröhlcn wurden die sämtlichen Fenster eingeworfen. Die aus- geregte Menge schrie:«Sein Geld hat er den Bauern abgeftphle», jetzt möcht er auch noch das Bier steigern. 2ö Pf.»ahl'n wer nei! Haut's nur alles z'sainmi Der Zwoaring wird teuer! In Dorfen gibt's noch mehr, wenn der Preis nicht zurückgeht!" Nachdem die Menge auch in den Wirtschaftsräumen randalierte, gab Brauercibesitzer Bachmaher öffentlich bekannt, das, der alte Bierpreis wieder eingeführt werde. Mit dieser Erklärung gaben sich die Bauern schließlich auch zufrieden.— Die aus der ganzen Umgebung zusammciigekommeue Gendarmerie war gegen die auf- geregte Menge machtlos. Der Staatsanwalt erhob gegen 32 Personen Anklage wegen Landeosriedenobrnchs und Zachbeschädigimg. 13 Angeklagte hat die Strafkammer, da giädelsfüheer nicht ermittelt werden konnten, vor das Landgericht München II verwiesen und beginnt die Vcr« Handlung, für die eine Woche angesetzt ist, am Montag im Schwur- gertchtSsaale. Gegen 11 Angeklagte wurde das Verfahre» ein- gestellt, der Rest wurde zur Aburteilung vor das Schöffengericht Dorfen verwiesen. Zur Verhandlung sind zirka 100 Zeugen geladen. Ueber de» Ausfall dcö Prozesses werden wir berichten. Hus der Partei. Eine Anzahl guter und billiger Jugcndschriften hat unser Bildungsausschuß aus seinem größeren Verzeichnis zu- sammengestellt. Es soll kleineren Orten die Veranstaltung einer Jugendschrifteiiansstcllung erleichtern und natürlich auch an Orten, wo keine Ausstellung möglich ist, den Eltern an die Hand gehen. Dieses kleine Verzeichnis kann von der Buchhandlung Vorwärts (Berlin SW. 38, Lindenstr. 60) in kleineren Posten gratis, in größeren Posten(zur Massenverteilung) zum Preise von 1,50 M. pro 100 Exemplare bezogen werden. Bei Massenbezug werden bc- sondere Vorzugspreise berechnet. Die Nummern des Verzeichnisses entsprechen denen des großen Verzeichnisses; bei Bestellungen von Büchern in den Parteibuchhandlungen genügt die Angabe der Buchnummern. Das Verzeichnis nennt im ganzen 204 Bücher; die Bücher einiger billiger Sammlungen sind dabei einzeln gerechnet. Der Gesamtlverkaufsspreis der 204 Bücher beträgt etwa 135 M.; werden alle Bücher zugleich bezogen, so treten Verbilliaungen ein. Wir bitten die organisierten Arbeiter, bei ihren Wcihnachts- einkäufen nur die Bücher dieses Verzeichnisses zu berücksichtigen. Sie finden darin Bücher für jedes Alter, für jeden guten Geschmack und für jeden Preis; dagegen sind solche Bücher streng ausgeschlossen worden, die in Form oder Inhalt den frischen und gesunden Sinn der Proletarierjugend zu schädigen geeignet sind. Gemcindewahlcn. Einen glänzenden Sieg über das Zentrum errangen unsere Genossen bei der Stadtverordnetenstichwahl in Hilden bei Düsse!- darf, die am Donnerstag und Freitag vorgenommen wurde Die beiden Kandidaten der Sozialdemokratie erhielten je 733 S t i m- m e n. während es die Kandidaten des Zentrums auf 638 Stim- men brachten Bei der Wahl vor zwei Jahren mußten sich unsere Genossen noch mit ganzen 136 Stimmen begnügen Zum ersten Male ziehen zwei Sozialdemokraten in das Stadtparlament ein. Die RcichStagskandidatur im zweiten Hamburger Wahlkreis. In einer Versammlung deS Sozialdemokratischen Vereins für den zweiten Hamburger Wahlkreis wurde auf Vorschlag des�Vor- standes und der Vertrauensleute Genosse I. H. W. D i e tz- tAutt- gart, der seit langen Jahren Vertreter des Kreises ist, c i n st i in- m i g wieder als Kandidat für die nächste Reichstagswahl aufgestellt. Der Chefredakteur des„Avanti" als Duellant. Genosse T r e v e s, der seit dem 15. November Chefredakteur des„Avanti" ist, hat sich, wie aus Rom gemeldet wird, am 20. v. M. mit dem Journalisten Giulio De Frenzi duelliert. Ursache des Duells war eine Polemik zwischen dem„Giornale d'Jtalia" und dem„Avanti" bei Gelegenheit des nationalistischen Kongresses, der dieser Tage in Florenz zusammentreten wird. Bei dem Duell, das mit dem Säbel auogefochtcn wurde, trug Ti� Frenze eine leichte Wunde an der linken Seite der Brust davon. Die Duellanten haben sich versöhnt. Das hätte Genosse Trcves, wenn er das Bedürfnis zur Aus- söhnung hatte, nur vor der Rauferei tun sollen. Bedauerlich ist es. daß ein Genosse sich dazu verleiten läßt, den mittelalterlichen Anschauungen atmenden Duclluiifug mitzumachen. Die Affäre läßt darauf schließen, daß der reformistische Genosse noch sehr stark in bürgerlichen Ehrbegriffen befangen ist. Die beleidigte Militärverwaltung. Die„Frankfurt« Zeitung" brachte am 18. Juli die Nachricht, für das sächsisckie Armeekorps fei ein neuer Kommandeur ernannt, aber der bisherige Kommandeur denke nicht daran, seinen Posten zu verlassen. Die Ernennung des neuen Kommandeurs könne nicht rückgängig gemacht werden, weil in der sächsischen Armee kein Posten vorhanden setz der eben so hoch bezahlt würde. Die„Ldp- zigcr Volkszeitung". sowie andere Blätter druckten die Notiz der „Frankfurter Zeitung" nach. Da die„Frankfurter Zeitung" in militärrschen Dingen als zuverlässig gehalten wurde, so knüpfte die „Leipziger Volkszeitung" daran einige auffällige Bemerkungen. Das sächsische Kricgsininisteriiim hat am Tage darauf eine Richtig- stellung veröffentlicht, wonach die Mitteilung auf Mißverständnissen und Erfindungen deruht. Obgleich die„Leipziger Volkszeitung" von dieser Richtigstellung N o t i z n a h m, wurde sie doch wegen Beleidigung angeklagt und ihr Redakteur Müller zu 200 M. G e l d st r a f e verurteilt.__ Soziakö* Zweckwidriges Heilverfahren. Wie die von den Jnvalideiiversicherungsanstalicn eingerichteten Lunociiheilanstalten zu ebenso tnhumanem wie zweckwidrigem Rentenabzug benutzt werden sollen, lehrt eine Beryandluiig vor dem Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Erfurt. Ei» Arveiter aus Erfurt ist bochgrerdig lungenkrank. Die LandesversicherungS. anstalt Sachsen-Änhalt hatte ihm die gesetzliche Invalidenrente lm Betrage von 16« Mt. jährlich bewilligt. Nach einig« Zeit mußte sich der Arbeiter auf Anordnung der Versicherungsanstalt einem Heilverfahren in Schilo unterziehen. Bei seiner Entlassung aus der Anstalt begutachtete der Austalisarzt, daß sich die Erwerbsfähig- keit des Arbeiters auf etwas üb« 83H Prozent erhöht habe. Daraufhin wurde dem Arbeiter die Rente entzogen, obwohl er nicht arbeiten konnte. Er stellte erneut den Antrag auf Rente. Vor dem Schiedsgericht machte der Arbeiter einen wahrhaft bemit, leidenSwerten Eindruck, seine Haltung war matt und schleppend. Auf die Frage des Vorsitzenden, wovon er denn sein Leben friste. antwortet« der Arbeiter, die Luiiscnsllrsorgefteve Erfurt liefere ihm das Mittagessen und außerdem bekomme er eine kleine Armen- unterstiitzniig. Das Schiedsgericht sprach dem Mann die Rente zu. Ein unsozialeres Verhalten der PerstcherungSaiistalt Sachsen- Anhalt, die allerdings von jeher al« eine der riickitändigsten gilt. läßt sich kaum denken. Erst kuriert sie den schwindsüchtigen Prolc- tarier notdürftig zurecht und dann stößt sie ihn in den erdarmnugs- losen Kampf uni? Dasein, dem der Kranke, mochte ex Arbelt ve, kommen oder nicht, in kürzester Frist gänzlich erliegen müßte. Oder meint die LandcSvcrsichcriinaSanstalt Sachsen. Anhalt, daß ein nur zu„etwas über ein Drittel arbeitsfähiger Schivind- süchtiger so leicht Arbeit erhält, und tpenn, ob er dann soviel per« dient, um seinen ausgemergelten Körper so kräftig ernähren zu können, wie cS notwendig ist! Da« obige Betspiel aus der Praxis der Versicherungsanstalt Sachscn-Auhalt kennzeichnet so recht den weltfremden Geist der Bureaukratcnkrcise. die den Arbeitern di: „Kompottschüsseln" füllen._ Das Kasperlspiel mit der Arbeitsloseupersicherung nimmt in Bayern seinen Fartgaug. Run hat auch der Stadt- Magistrat Regensburg eo abgelchnt, nach dem po» der bayrischen Regierung an die Gemeinden gegebenen Musterstatut eine Arbeits- loseiiversichcrung nach einem komdiuiertcn Köln-Bern« System zu errichten. Man will nicht eher an die Sache herangehen, als bis das Reich, der Staat oder die Kreisrcgicrung Beihilfe leisten. Auf diese Weise werden die bayrische» Arbeit« nie zu einer Arbeitslosenversicherung kommen, weil die EtaatSrcgiernng ver- langt, daß die Gemeinden vorangehen sollen. Interessant ist, daß in der Gemeindevertretung von Regensburg auch die Zentrums- abgeordneten Dr. Heim und Dr. Held fitzen; bekanntlich hatten in der letzten Session des bayrischen Landtages unsere Genossen bean- trogt, 150 000 M. auszuwerfen, ihn den Gemeinden, die die Arbeits- losenvcriicherung einführen, Zuschüsse geben zu können. Der An- trag wurde vom Zentrum bekämpft und iiicdergcstiinmt, weil die Gemeinden«st die Bersichcrnng einzuführen hätte». Jetzt helfen dieselben Herren, hie den sozialdemokratischen Antrag zu Fall brachten, auch in den Gemeinden pie Arbeitslosenversicherung niederstimmen und sagen, der Staat soll vorangehen. Auch das 1 ist ein Beitrag zur hcuchlcrifchcii Arhcitcrpolijik deS Zentrums,. GewerfefcbaftUcbe�. Der zentrunispolitircbe Gcwerfevcret«. könnte Aufsehen erregen, daß kr christliche GSetuvF« herein bei dem ausgebrochenen Bergarbeiterstreik offen die Rolle des Streikbrecheragenten übernommen hat und daß"r die Lohnbewegung der Bergarbeiter schädigt durch die den übrigen Verbanden erteilte Absage. Das verräterische Verhalten erklärt sich aber sehr einfach: Der christliche Verba-.d gehorcht einer politischen Parole des Zentrums,'welches sich bei den Großindustriellen aus wahltaktischen Erwägung m lieb Kind machen will und darum die Interessen kr Arbeiter mit vollem Bewußtsein und voller Ueberzeugung verletzt. Was hinter den Kulissen vorgeht, das verrät die„Kölnische Ztg.". Ln seiner Nr. 1291 vom 1. Dezember er. schre:bt das Bleut: 1„Die schweren Niederlagen bei den Wahlen der Sicherhcits- männer und der Knappschastsältesten haben dem Ansehen der Christlichen einen sehr empfindlichen Stoß versetzt. Das alles soll wettgemacht werden; Erfolge will man haben, um jeden Preis. Lange haben die Führer der Christlichen geschwankt, ob sie nicht wieder mit den Genoffen vom alten Verband einen frisch- fröhlichen Krieg gegen die Werkbesitzer unternehmen sollten; das hätte am sichersten die Organisation wieder gestärkt. Politische Erwägungen haben aber auf einen anderen Weg geführt und eine Trennung von den Genoffen für absehbare Zeit notwendig gemacht. Deutlicher kann man in dieser Sache werden, wenn einmal die Sammelpolitik für die Reichstagswahlen von Köln bis Hamm auch die breite Oeffentlichkeit beschäftigen wird." Das ist deutlich genug! Das Wahlabkommeit zwischen Zentrum und Großindustrie soll nicht gestört werden, darum muß der christliche Gewerkverein die Interessen der Arktter verraten. So will es die Parteipolitik des knmz'-g'.scki Aeiürums. Und da wagen die Christen ihre Verrätereien noch heuchlerisch zu verteidigen mit der Behauptung, die Forde- rung des Bergarbeiterverbandes sei ein Wahlmanöver. Der christliche Verband im Bunde mit dem Zill nun reicht den Ar- beitern immerzu Steine statt Brot. Berlin uncl klmgegench. r Achtung, Dachdecker Berlins und der Umgegend! Zu den Arbeitgebern, welche sich nach dcni Tarifvertrag durchaus nicht richten, gehört auch Herr Dachdeckermeister Georg Althaus. Ackerstratze 155. Erst jetzt war es möglich, festzustellen, daß Herr A l t h a u s seinen Dachdeckern, welche bei ihm schon jahrelang be° schäftigt sind, den tariflich festgesetzten Lohn und das Fahrgeld nicht bezahlt hat. Daß Herr A l t h a u s mit seinen Leuten machen konnte, was ihm beliebte, lag daran, daß von diesen Dachdeckern niemand der Organisation angehört, so daß sie insolgedesien alles über sich ergehen laffen müssen. Zurzeit hat Herr A l t h a u s die Ausführung der Dachdeckerarbeiten auf der Anstalt in Buch über- 'nommen, und auch hier glaubte er in derselben Weise weiter wursteln zu könne». Als die Organisation Kenntnis von den Zu» ständen in Buch erhielt, versuchte sie, die Sache mit Herrn Alt- haus auf gütlichem Wege zu erledigen. Herr AlthauS ver- sprach am LS. September auf Ehrenwort, die Bestimmungen des Tarifvertrages einzuhalten. Nach ganz kurzer Zeit aber stellte sich berauö. daß Herr Althaus nicht Wort hielt und das alt« Manöver fortsetzte, so daß die Organisation gezwungen war, am 10. Oktober die Sperre über die Firma zu verhängen. Am 12. Ok- tober verpflichtete sich Herr Althaus nun durch seine NamcnS- Unterschrift, di« Bestimmungen des Tarifvertrages für das Dach- dcckergewerbc zu Berlin einzuhallen und Sonderabmachungen, welche dem Tarifvertrag zuwiderlaufen, mit seinen Leuten nicht zu treffen. Weder sein Ehrenwort noch seine Namensunterschrist haben aber Herrn Althaus veranlaßt, nun auch nach dem Tarifvertrag zu handeln. Er versuchte nach wie vor billige Ar- beitSkräfte zu bekommen und beschäftigte auf der Anstalt in Buch mehrere Dachdecker zu einem Stundenlohn von 80 Pf., während nach dem Tarif 85 Pf. zu bezahlen sind. Auch hat Herr Alt« haus in Buch nach dem Tarifvertrag seinen Leuten eine halbe Stunde Fahrzeitvergütung zu bezahlen. Diese Verpflichtung hat er der Mehrzahl der Dachdecker gegenüber bis zum 24. November auch erfüllt. An diesem Tage zu Feierabend erklärte Herr Alt- h a u S seinen Dachdeckern ganz plötzlich, daß es von morgen ab die halbe Stunde Fahrzeitvergütung nicht mehr gebe. Diese Matz- nähme des Herrn A l t h a u s veranlatztc nun die Dachdecker, die Arbeit einzustellen, denn das konnten und durften sie jedenfalls doch nicht über sich ergehen laffen. Am 25. November früh legten von 24 auf der Ansialt beschäftigten Dachdeckern IS die Arbeit nieder. Im Laufe dieser Woche h«ben sich noch drei Kollegen an- geschloffen. Leider scheint die Bauverwaltung von Buch das Treiben des Herr A l t ha u s zu unterstützen. Bis jetzt ist noch nicht bekannt geworden, daß Herr AlthauS veranlaßt worden wäre, die Arbeiten fortzusetzen. Bei dem augenblicklich gelinden Wetter hätte auf der Anstalt wohl gearbeitet werden können. Am 28. November ließ nun Herr A l t h a u s durch seinen Rechtsbeistand, Herrn Rechtsanwalt Hadra, die Aufforderung an die Organisation ergehen, in einer der nächsten Nummern des „Vorwärts und der„Volkszeitung" die Aufhebung der Sperre zu publizieren, weil nach dem Tarifvertrag Bausporren erst dann zu- lässig sind, wenn der Entscheidung der Kommission oder des Schiedsgerichts nicht Folge geleistet wird. Die Aufforderung schloß mit dem Hinweis, daß Klage erhoben wird, wenn dieser nicht nachgekommen wird. Mit Herrn AlthauS hat sich die Schlich- tungskommission nichl befaßt und wird es auch nicht tun, weil er nicht Mitglied des ArbeitgeberverbandeS ist. In diesem Sinne ist »hm durch unseren Rechtsbeistand Dr. Liebknecht geantwortet. Kollogen, meidet diese Werkstelle, bis die Differenzen erledigt find. Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. Die Firma S. Druckenmüller ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: »Höflichst bezugnehmend auf den Artikel in der Ausgabe Ihres Blattes Nr. 27g vom 2g. vorigen Monats, betreffend die Lage der Eisenionstruktionsarbeiter, bitten wir Sic um die Aufnahme fol- gender Zeilen: Unser Geschäftsjahr schließt mit dem 30. November; es ist des- wegen bei uns üblich, den letzten Sonntag im November für die Inventur mit zu Hilfe zu nehmen. Hierzu wird nur ein Teil unserer Leute gebraucht. Es kann daher nicht die Rede davon sein, daß die von uns für vergangenen Sonntag angesetzte Inventur, wie in dem fraglichen Artikel vermutet, unsere Arbeiter von dem Besuch einer zu diesem Tage anberaumten allgemeinen Branche»- Versammlung abhalten sollte." Deutfebes Reieh. Zum Streik in der Bielefelder Wäschcbranche. Montag, den 5 Dezember, beginnen vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts Verhandlungen; davon wird es abhängen, ob bald ein Friede ge- schlössen werden kann.__ Zum Bergnrbeiterstreik auf Zeche Lucas. In einer Bcrgarbeiterversammlung am Freitag, die stärker besucht war als die bisherigen, wurde zunächst ein Schreiben des Bergrais Höchst verlesen, wonach die Verwaltung es ablehnt, vor dem Einigungsamt zu erscheinen. Erst soll die Belegschaft wieder einfahren. Im Laufe des Tages erschien ein Beamter und über- brachte der Streikleitung folgendes Schreiben: „Aachen, den 1. Dezember ISIS. An die Belegschaft der Zeche„Lucas" in Dortmund. Sic haben unter Kontraktbruch am 28. v. Mts. die Arbelt niedergelegt. Erst nach dem Eintritt in den Ausstand haben Sic Lrrantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.j un» durch den Arbeiter-Ausschuß eine Reihe von Beschwerden vortragen lassen. Wir waren also nicht mehr in der L«Ke, die Beschwerden zu untersuchen und den Tatbestand festzustellen, da die Belegschaft schon ausständig war. Wir fordern Sie auf, spätestens am Montag, den 5. Dezember d. I., wieder cinzu- fahren. Geschieht dies, so werden wir die vorgetragenen Bc- schwerdcn gewissenhaft prüfen, bleiben dann noch Differenz- punkte bestehen, so nehmen wir, wie von Ihnen gewünscht, den Schiedsspruch des Berggewerbegerichts, Epruchiammer Dortmund, an. Fahren Sie jedoch an diesem Tage nicht ein, so werden wir auf Grund der Arbeitsordnung auf Zeche„Lucas" Ihren Namen in der Arbeitcrliste streichen und bei der Aus- zahlung des Ncstlohnes die durch 8 6 der Arbeitsordnung ver- wirkten Lohnbeträgc in Abzug dringen. Aktiengesellschaft fiir Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen gez. Dr. W e i d m a n n." Die Versammlung war allgemein der Meinung, daß auf das Schriftstück hin nickt eingefahren werden soll. Wenn die Ver- waltung erklären würde, daß sie die Kommission der Belegschaften anerkenne und mit ihr vcichandeln wolle, und weiter verspricht, keine Maßregelungen vornehmen zu laffen, dann soll dem Angebot nähergetreten werden in einer Versammlung, die am Sonntag statt- finden soll. 40 Mann, die neu angelegt wurden, haben sich dem Streik angeschlossen; außerdem drei Maschinisten und zwei Kessel- Heizer._ Eine Lohnbewegung der Rohglasschleifer in der Oberpfalz. Zu den unterdrücktesten Arbeitern gehören unstreitig die Roh- glasschleifer in der Oberpsalz. Die Arbeitszeit ist unbeschränkt und beginnt Montags früh gegen 3 Uhr und endet mit ganz kurzen Unterbrechungen selten vor Sonntags früh 6 Uhr. Die Arbeits- räume gleichen reinen Gifthöhlen. Durch den zum Schleifen ver- tvandten Sand besindet sich eine Luft in der Schleiferei, die die Atmungsorgane besonders stark angreift und ruiniert. Andere Arbeiter bekommen in dem durch Waschen der Gläser stetig feuch- ten Arbeitsraum Rheumatismus, die Berufskrankheit der Schleifer. Heizung und Beleuchtung der Arbcitsräume lassen sehr zu wünschen übrig. Die Werkswohnungen, in denen die Arbeiter ihr elendes Dasein verbringen, liegen fast ohne Ausnahme über der Schleiferei. Bis fünf Familien hausen oft in einem einzigen Raum, auch die Küche ist für viele gemeinsam. Damit aber nicht genug. Die Wohnräume werden außerdem als ArbeiiSräume benutzt. Sind die Gläser fertig geschliffen, dann müssen sie nämlich dussiert werden, um völlig klar und blank zu sein. Das Dussieren wird von den Frauen in den Wohnungen besorgt und zwar in der Art. daß zwei aufeinanderlicgende Spiegelscheiben hin- und hergeschoben werden. Zwischen die Gläser wird Schmirgel gelegt und durch das öftere Abwaschen ist auch der Fußboden in den Wohnungen in einem völlig durchnäßten Zustand. Trotz der unmenschlich langen Arbeitszeit betragen die Löhne für Glasschleifer und Polierer selten mehr wie 10— 12 M. in der Woche. Di« Frau erreicht als Dussiererin in der Heimarbeit einen Wochenlohn von 3— 5 M., so daß der Höchstlohn für beide Personen in der ganzen Woche 17 M. selten übersteigt. Mit der Ausbreitung weiterer Industriezweige in der Oberpfalz gelang eS auch, die Rohglasschleiser dem Zentralverband der Glasarbeiter zuzuführen, und so stehen jene bisher rückständigen Arbeitermassen jetzt in einer Lohnbewegung. Sonn» tag. den 20. November, tagte eine Konferenz der Rohglasschleifer in Weiden, die eine ganze Reihe von Forderungen aufstellte, die den Besitzern der Rohglasschleisercicn zugestellt wurden. Verlangt wird eine Lvprozentige Lohnerhöhung, bessere Heizung und Beleuchtung der Arbeitsräume, Arbeitsschluß an Sonnabenden um 5 Uhr, Schaffung ausreichender Wohn- und Dussierräume, das Abeisen und Lösen der eingefrorenen Wasserräder soll mit 30 Ps. Stundenlohn bezahlt werden, der Transportbruch für un- geschliffene und geschlissene Gläser soll vom Unternehmer getragen werden. Die Forderungen sind ganz bescheiden. Die Schleifereien und Polieranstalten befinden sich fast ohne Ausnahme im Besitz von Millionären, die ihren Wohnsitz in Fürth, der Zentrale der Spiegelindustrie, haben. Die Forde- rungen können von den kapitalkräftigen Unternehmern leicht be- willigt werden. Geschieht das nicht, werden die durch den Zeit. tralverband der Glasarbeiter angebahnten Verhandlungen abge- wiesen, dann sind die Arbeiter gesonnen, die Arbeit einzustellen. Rund 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen werden in der Oberpfalz in der Glasindustrie beschäftigt. Eine ungeheure Begeisterung herrscht unter der Arbeiterschaft, sie will diese Fesseln derSklaverei endlich abstreifen. Die gesamte Gewerkschaftsbewegung und auch die politische Partei ist an diesem bevorstehenden Kampf ungemein interessiert, denn in dieser Zentrumsdomäne, die der Abg. Dr. Heim im Reichstage vertritt, hat diese Partei der christlichen Nächstenliebe sich noch nie um das zum Himmel schreiende Elend der Glasarbeiter gekümmert. Auch die bayerische Regierung könnte diesen kulturwidrigen Zuständen einige Aufmerksamkeit zuwenden._ Bei der Schuhfabrik L. Greiner in Zweibrücken sind wegen Lohndifferenzen sämtliche Zwicker ausständig. Die Firma sucht auswärts Arbeitskräfte. Zuzug ist fernzuhalten. Zur Lohnbewegung der oberbayerischen Bergarbeiter. Während der vom Berggewerbegericht gefällte SchiedS- spruch von den Bergarbeitern in Penzberg und.Hausham angenommen wurde, lehnte die Generaldirektion der Oberbayerischen Aktiengesellschaft für Kohlenbergbau es ab. sich dem Schiedsspruch zu uitterwerfen. Nachdem die hochmögcndc Direktion mit einer geschraubten Erklärung jeder gütlichen Einigung aus dem Wege geht, haben gestern 1500 Bergleute in Hausham ihre Kün. digung eingereicht. Die Pcnzberger Belegsckoft wird, wenn es zum Aeußersten kommen sollte, den Haushamer Kameraden ihre Solidarität beweisen. Die Kündigungsfrist läuft am 15. Dezember ab. Die Gencraldirektion sucht die Leute dadurch wankelmütig zu machen, daß sie den Bergleuten die Werkswohnungen kündigt.— Zuzug von Bergleuten nach Oberbayern ist strengstens zu meiden l Huolanck. Achtung, Fliesenleger! Seit ungefähr sechs Wochen sucht die Firma Giovanni Schmidt in Mailand im„Deutschen Arbcitsmarkt" Fliesenleger. Den deutschen Fliesenlegern sind an- scheinend die Verhältnisse in Mailand nickt genügend bekannt, ob- wohl sie in der Fachpresse des öfteren geschildert wurden. Nur so ist es zu erklären, daß sich in letzter Zeit sehr viele deutsche Fliesen- leger bei der Firma gemeldet haben. Da sämtliche deutsche Leger der Firma wegen Arbeitsmangel aussetzen müssen, kann vor der Eingehung von Verträgen oder vor Reisen nach Mailand nur dringend gewarnt werden, zumal der Lebensunterhalt in Mailand für die Deutschen doppelt so teuer ist wie in der Heimat, die Löhne aber nicht im geringsten höher sind. Anfragen wolle man richten an: Adolf Sckulz, Ristorante„Alle due Americhe", Via Ponte Seveso 3, Mailand. )Zus Inäultrie und Handel Geldmarkt»nd Börse. Früher als man es erwartet halte, hat die Bank von England am 1. Dezember ihre Distontoratc auf iZ-i Proz. herabgesetzt. Im vorigen Jahre hatte die Bank eine Acndcrung ihrer Rate nicht borgenommen, diese vielmehr in Höhe von 5 Proz. über den Jahres- Wechsel hinaus festgchalien. 1L08 halte der Diskont der Bank von England 7 Proz. betragen. An der Berliner Börse sah man die Diskontcrmäßigung als ein Zeichen zu einer beruhigteren Auf- fassimg der Lage an. Dafür, daß sich die Verhältnisse am Geld- markt günstig geändert haben, spricht auch die Besserung in dem letzten Ausweis der Rcichsbonk. Der Berliner Privatdiskont hielt sicy bis zum Ende der diesmaligen Berichtsperiode vom 25. No- vember bis 1. Dezember auf i'A Proz., nachdem er mit 4% Proz. in die Woche getreten war. Die Ultinioliquidation an der Berliner Börse ist ohne Komplikationen vorübergegangen. Die Umsätze be- wogten sich an der Berliner Börse in dieser Woche wieder in weiteren Grenzen. Besonders stieg der Umsatz von Aktien der Berg- wcrks- und Hüttenakiiengescllschaften, Metallwarcn, Maschinen- und Eisenbahnüedarfsfabriken uird der Elcftrizitäts- und Kabel- fabriken. Das Durchschnittskursniveau der an der Börse zum Ultimohandel zugelassenen Papiere hob sich um 0,36 Proz. auf 107,52 Proz._ Preisrückgang in Baden. In den Städten des badischen Unter- landes sMannheim, Heidelberg, Karlsruhe) hat die Einsuhr französischen Schlachtviehes schon einen erheblichen Rückgang der Flcischpreise herbeigeführt und zwar für Ochsen-, Rind- und Kuhflcisck in den Grenzen von 4 bis 8 Pf. das Pfund, für Kalbfleisch um 10, für Schweinefleisch um 5 Pf.; das Mast- fleisch kostet jetzt 70 Pf. Dabei handelt es sich um ein noch recht minimales Kontingent der Einfuhr. In Mannheim findet der städtische Seefischmarkt stürmischen Zuspruch. Die Preise siird hier um 2 bis 6 Pf. billiger als bei den Händlern. Maisernte und Schweinezucht. Die jetzt veröffentlichte Zusammenstellung der Welternte für da» Jahr 1610 läßt erkennen, daß die Gesamterträge an Weizen, Roggen, Gerste und Hafer mehr oder minder hinter den vorjährigen zurückbleiben. Dagegen ist die Maisernte derart reichlich ausgefallen, daß sie als die beste bis- herige Welternte bezeichnet wird. Sie belics sich auf 105,9 Millionen Tonnen gegen 95,7, 90 und 86 Millionen Tonnen in den Vorjahren. Dabei ist die Einfuhr nach Deutschland in dem laufeiiden Jahre fast um ein Drittel geringer gewesen als im Jahre 1909, so daß die deutsche Schweinezucht, um nicht unter den Folgen der schlechten Kartoffelernte eine neue KrisiS entstehen zv lassen, die Einführung von Mais noch wird forcieren müssen. In Anbetracht der schlechten Kartoffelernte hat bereits der Bundesrat das Spirituskontingent um die verhältnismäßig hohe Quote von 24 Proz. herabgesetzt gegen 14 Proz. im Jahre vorauf. Amerika wirft sich infolge der starken Maisernte mit großer Wudht wieder auf die Schweinezucht, so daß für die späteren Monate billiges Fleisch und Schmalz mit großer Sicherheit von drüben zu erwarten sind. Krupp verteilt höhere Tibidende. Wie die anderen großen gemischten Werke verteilt auch die Aktiengesellschaft Krupp, deren Anteile bis auf einige tausend Mark im Besitz der Frau von Bohlen-Halbach sich befinden, für das letzte Geschäftsjahr eine höhere Dividende. Aus der am Sonnabend ab- gehaltenen Generalversammlung wird nur folgendes mitgeteilt: Essen a. Ruhr, 3. Dezember. Die Generalversammlung der Aktiengesellschaft Friedrich Krupp Essen a. Ruhr genehmigte den Abschluß für 1909/10. Die Dividende wurde auf 10 Proz. gegen 8 Proz. im Vorjahr festgesetzt und ein Betrag von rund 2 Mil- lioncn Mark an die Rücklagekonten überwiesen. Ferner wurde eine außerordentliche Zuwendung an die Beamten-Pensionskasscn in Höhe von einer Million Mark bewilligt. Rrund 160 000 M. werden auf neue Rechnung vorgetragen. Da das Mienkapital 180 Millionen Mark beträgt, stellt sich die Dividendensumme auf 18 Millionen Mark. Eine nähere Wür- digung des Abschlusses ist erst möglich, wenn Angaben über Ab- schreibungen usw. vorliegen._ Fusionen im Bcrsicherungsgeschäft. Die Monopolisierung�be strebungen im Ver- sicherungsgewerbe haben seil langem in einzelnen Kreisen der Ver- sicherungsbranche Gegenströmungen ausgelöst, die noch nicht zur Ruhe gekommen sind. Die Neugründung einiger Gesellschaften ist direkt mit einer Spitze gegen den sogenannten Versicherungsring erfolgt. Auf der anderen Seite ist man eifrig bestrebt, durch Fusionen das eigene Tätigkeitsgebiet zu erweitern. Kürzlich hat die Versicherungsgesellschaft„Arminia" in München die Prudcntia-Versicherungsaktiengesellschaft in Berlin in sich auf- genommen. Erst 1903 verschwand in der„Arminia" die„Han- novcra". Militärdienst, und AussteuerversicherungSgesellschast in Hannover, und 1905 die„Augusta", Allgemeine deutsche Invaliden- und Lebensversicherungsaktiengesellschast in Berlin. Im Jahre 1908 erhöhte die„Arminia" ihr Kapital um eine Million Mark. Die Aktien wurden zu 25 Prog. eingezahlt, von den Aktionären dann ober an ein Konsortium zum Nominalwert von 1000 M. verkauft, also mit 300 Proz. Gewinn! Auch die 1899 gegründete „Pru dentis" hat schon andere Gesellschaften in sich auf- genommen. Sie übernahm das Volksversicherungsgeschäft der GcgenseitigkeitSgesellschast„Fides" und der Hannoverschen LebenS. Versicherungsanstalt. Später steckte sie dann noch den gesamten Lebens- und Volksversicherungsbestand d«S liquidierten Nord- deutschen Versicherungsvereins in Rostock und die der gleichfalls liquidierten Allgemeinen Versicherungsbank in Hamburg und der „Union" in Altona ein. Die Fusion stellt also einen neuen Schritt auf dem Wege der planmäßigen Fusionspolitik der Versicherungsgesellschaften dar, die auf diese Art ihren Macht- bereich und ihre Gewinnchancen immer mehr steigern. Die sogenannte„Volksversicherung" bleibt dabei stets das allcrlukrativste Geschäft. Im letzten Jahre zahlten die führenden VersicherungS- Unternehmungen eine Dividende, die bis zu 62� Proz. betrug. Dazu sei bemerkt, daß die Dividenden der Versicherungsaktien- gesellschaften, nicht wie wir vor kurzem versehentlich mitteilten, auf das Nominalkapital, sondern nur auf das wirklich eingezahlte Kapital berechnet werden. xtz. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Biichdr.u.Verlaglanpatt jiaul Singer Lc To., Berlin LVk. letzte ffochrtchtcn« Durch den Gcnnsi von Margarine erkrankt. Wolffs Telegraphenbnreau verbreitet folgende Nach- richt aus Berlin: „Wie bisher ermittelt ist. hatte sich eine Familie Graf in kr Boxhagcner Straße 19 Pfund Margarine von einer auswärtigen Firma schicken lassen und davon meh- reren Bekannten kleinere Posten überlassen. Sämtliche Personen, die von der Margarine gegessen hatten, sind erkrankt, doch sä/eint die Vergistung nicht sehr ernster Statur zu sein. Die Zahl der Erkrankten steht noch nicht fest."_ Tie Wahlen in England. London, 3. Dezember.(W. T. B.) Bis 9.39 Uhr tostr- den als gewählt proklamiert: 23 Liberale, 35 Unionisten und 5 Nationalisten. Die Liberalen und Unionisten haben je einenSitz gewonnen. Verurteilter Sittlichkcitsvcrbrecher. Gera, 3. Dezember.(W.T.B.) Der 35jährige L ehr e r und Hausvuter im Rettungshaus Karolinenfeld lGreiz), Ernst Köhler, wurde heute vom Schwurgericht Gera wegen SittlichkeitSverbrechcuS und AmtSvcrgchrnS zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Ucvcrflutiing der Ruhr. Essen(Ruhr), 3. Dezember.(B. H.) Die Ruhr führt wieder Hochwasser«nd überflutet stellenweise die Ufer. Hierzu 7. Vellage»,' |i. 284. 27. Jahrgang. 1. Atüllgt ka Joriöiil0w Scrliiicr flollistliitt. Reichstag. SS. Sitzung. Sonnabend, den S.Dezember, vormittags 11 Uhr. Lm BundeSratstiscki: Dr. Delbrück. Rettung des Handwerks. «uf der Tagesordnung steht der Aulrag der Konservativen. der Reichskauzler soll auf gesetzliche Maßregeln Bedacht nehmen, um dem fortschreitenden Niedergange des Handlverts und der weiteren Abnahme der Zahl der selbständigen Gewerbetreibenden vorziibeiigen. Abg. Pauli�Potsdam(f.): Wenn auch durch manche Gesetze den Wünschen des Mittelstandes Rechnung getragen ist, sind doch noch so viele Wünsche unerfüllt geblieben, das; unser An» trag notwendig ist. Es mutz unbedingt etwas geschehen gegen den rapiden Rückgang der selbständigen Handwerker, die kleinen und mittleren Betriebe werden durch die Groß- betriebe und Konsumvereine, wenn es so weiter geht, bald vollständig aufgerieben werden. Be- sonders leiden die Bauhandwerker unter dem Bauschwindel, aber trotzdem denkt die Regierung nicht daran, den zweiten Teil deS zum Schutz der Baubaudwerker erlassenen Gesetzes i» Kraft zu setzen.— Der„Vorwärts" hat letzthin in einem Artikel„Wo bleiben die Beiträge der Jnnungsmitglieder?" daraus hingewiesen, datz der Obermeister der Malerinnung 3ö(Z0 Mark a n Entschädigung jährlich erhalte: sofort hat der Minister Veranlassung genommen, in eine Prüfung darüber einznireten, ob die Entschädigungen der Obermeister ihren Leistungen für die Innungen entsprechen. Dabei sind doch aus diesem Gebiete »loch nie Mitzstände hervorgetreten wie bei den Ortskranken- lassen, �ort hätte der Minister weit eher Gelegenheit einzugreifen.— Der Redner geht dann auf die Gefängnisarbeit und ihre Konkurrenz für den Handwerker ein und erklärt eine» planmätzigen Schutz des Handwerks für notlvendig. �(Bravo I rechts.) Abg. Enlcr(Z.): Mit der Tendenz des Antrages sind wir ein- verstanden, tvir können aber nicht anerkennen, datz das selb- ständige Handtverk abninrmt, wie es in dem Antrage heitzt. e S nimmt vielmehr zu, wenn auch nicht in dem Matze wie die Grotzbetriebe. Unsere Bestrebungen zur Hebung des Handwerks wurden von der Volksparlei und der äutzersten Linken st e t S bekämpft. Bei der S o z i a l d e m o k r a t i e ist das nur konsequent; schon 1869, bei der Einführung der Gewerbeordnung, erklärte Herr v. Schweitzer, er stimme für das Gesetz nicht, weil er von ihm Vorteile für den Staat und die Gesellschaft erwarte, sondern im Gegenteil, weil tausende und abertaufxnde selbständiger Existenzen dadurch ruiniert würden, die dann zur Sozialdemolraiie kämen. Tatsächlich smd durch die zügellose Gewerbefreiheit nicht taulende, sonder» hunderttausende selbständiger Existenzen ver- nichtet worden. Viel hat aber auch das Handwerk s e l b st g e- sündigt, indem es versäumte, eine straffe Organisation zu schaffen. Der Redner schildert alle zugunsten des Handwerks getroffenen Matznahmen. Unterzugehen braucht das Handwerk nicht; die Hauptsache ist. datz es sich fest z u s a m»n e n s ch l i e tz t und mit dem früheren Standesbewutztsein er- füllt.(Bravo I im Zentrum.) DeS weiteren preist der Redner das Zentrum wegen seines Eintretens für den Mittelstand und polemisiert gegen die Bestimmung der Gewerbeordnung, datz jeder sich selbständig machen könne; man sollte das mindestens doch nur majorennen Personen gestatten.— Die Handwerker müssen sich auch ganz besonders der Jugend annehmen, damit sie nicht ins rote Lager abschwenkt. (Zustimmung im Zentrum und rcäils.)— Auch der kleine Kauf manns st and befindet sich in derselben prekären Lage wie das Handwerk. Die Beamten sollten auf ihre Frauen einwirken, datz sie nicht in den grotzen Warenhäusern kaufen, das ist ihre patriotische Pflicht.(Sehr richtig! im Zentrum.) Ueber unseren Antrag. Erhebungen über die Lage des mittleren und kleineren Kausinannsstandes anzustellen, haben wir von der Regierung noch keine Antwort gehört, ich frage den Vertreter der Regierung, was cmS diesem Antrag geworden ist. Abg. Dr. Pachuicke(Vp.): Die konservativen Handwerksretter hatten an positiven Vorschlägen für das Handwerk zunächst den obligatorischen Befähigungsnachweis, der jetzt vom Handwerk selbst als taube Nutz erkannt ist. Dann verlangten sie, Handwerksprodukre soll nur der feilhalten, der sie selbst erzeugt. Das würde Tausende von Handwerkern ruinieren. denn wer verlauft heute nur selbstgefertigte Produkte? Ein dritter Lorschlag war die Z w a n g s i n n u n g. Die Sehnsucht danach scheint nicht so grotz zu sei», wie Sie vorgeben, sonst würden viel mehr Zwangsinnungen bestehen. Als viertes Mittel ergab sich ein Rlemes feuilleton. Die Hinrichtung einer Gottheit. Mit dem Eindringen euro- päischer Kultur in China vermindert sich, wenn auch nur langsam, der Schrecke» alten Aberglaubens, und für die chinesischen Gölter neigt die gute Zeit sich ihrem Ende zu. Euie seltsame Kunde kommt so aus der Stadt Tichinzab, die südöstlich von Sutschow in der Präfektur Sungkiang liegt. In Tschinzah erhebt sich ein prächtiger alter Tempel, der einem mächtigen Gölte und einer Göttin geweiht ist. Vor kurzem erkrankte die Tochter eines reichen Bürgers, und man sagte der Mutter, datz der Gott des Tempels die Tochter zur Frau begehre und sie daher sterben müsse. In ihrer Herzens- angst flehte die Mutter ihren Mann an, doch schleunigst in de» Tempel zu gehen und dem Gotie ein grotzeS Opfer zu bringen. Aber der Vater der Kranken ging nicht zum Tempel, sondern zur Präfektur von Sungkiang und ersuchte die Behörden, sich einmal um die Ge- schäste de» Gottes zu bekümmern. Einige Tage später erschien der Präfeki mit einigen Kanonenbooten vor Tschinzah und gab Befehl. sofort die beiden Gottheiten aus dem Tempel heraus zu schleppen. Tie Arbeiter waren von den Priestern bestochen und erklärten, die Götter wären zu grotz und zu schwer, um transportiert werden zu können. Darauf schritt der Beamte in den Tempel und stürzte mit eigener Hand den Gott und die Göttin vom Throne. Der Gott wurde dann mir sechs.Klingen" hingerichtet, sei» Haupt mit zwei .Klingen" abgeschlagen und sein Leib gevicrteilt. Die Göttin aber wurde verbraunt uild ihre Asche zusaminen mit den Ueberresten des Gottes in einen See geworfen. Wie die Eiszeitjäger Wild fingen. Ein überraschendes Licht auf die Jagdweise der prähistorischen Menschen werfen eine An- zaHl-Wildsauggruben, die der Schweizer Archäologe O. Hauser bei Lauaerie haute(Frankreich) entdeckt hat. Die Bedeutung dieses neuen Pfundes erörtert Dr. L. Rcinhordt in der„Umschau". Auf einem nach allen Seiten hin steil abfallenden Hochplateau wurden eine Unmenge von Wildpferd- und Büsfelknochen gefunden, aus denen man schließen kann, datz dieses Plateau während der zweiten Hälfte der letzten Zwischeneiszeit autzerordentlich wildreich gewesen sein mutz. Um seinen Durst zu löschen, mutzte das Wild zur Tränke, die sich ihm in dem trockenen Kreidckalkgcbiet nur an dem tiefer gelegenen Bezere-Flutz darbot. Bon den beiden Abstiegen, die allein zum Wasser führten, war der eine durch die Lagerplätze der Menschen besetzt, das Wild mutzte daher den anderen Abstieg einschlagen, der weiter talaufwärts bei Laugerie haute zu dem ziem- lich breiten Fluh führte. ES ist daher begreiflich, datz die Bewohner der Niederlassung don Lmigerie haute auf den Gedanken kamen, Sturm auf die Warenhäuser. Aber wer hat denn das Warenhaus für Armee und Murine geschaffen? Der Bund der Landwirte ist selbst eiu großes Warenhaus(Sehr richtig I links), was kann man bei ihm nicht alles kaufen, und was kann man nicht alles bei Dr. Heim und seinem bayerischen Bauernbund kaufen.(Sehr gut! links.) Uebersieht man die konservativen An- träge und Reden und vergleicln sie mit dem heutigen Zustande, so erblickt man ein Trümmerfeld, zerstörte Jllnsionen. ein voll- endetes Fiasko. Aber die Konservativen baben auch Positives ge- leistet: den Zolltarif und die Finaiizreform. Ihre Wirkungen er- strecken sich auf die gesamte Vollswilticbuft, also aucb auf das Handwerk. Diese Wirkungen sind eine Verteuerung der LcbcnS- mittel, der Rohstoffe, der Halbfabrikate. Eine Aenvernng wird leider nur schrittweise erfolgen können. Die Handwerker haben sich deS- halb von Jdnen(nach rechts) abgewondt. geblieben ist Ihnen nur der sogenannte Bund der Handwerker, der gelegentlich mit einen, Flugblatt an die Oeffentlicvlcu tritt, wie jetzt'in Labiaii-Wehlnu. sehr zur Ueberrastbung der wirklicbcn Hundwelker, die sich dagegen erklärt haben. Es wäre interessant, die Geschäftsbücher des Bundes der Landwirte einzusehen; da würde man wohl dem Ursprung der Flugblätter des sogenannten Bundes der Handwerker aus die Spur kommen. Im Handwerk ist der Gedanke der Selbsthilfe wieder lebendig geworden, und das ist mit Freuden zu begrützen. Ein viel belächeltes, aber doch wahres Wort istr die Hand- werlerfrage ist eine Bildungsfrage. Deshalb ist die Ausgestaltung und Weiterentivickelung des gelverblichen Bildungswesens, die Förderung der Pflichtsortbildmigsschulen notwendig. Bersckoffen Sie ferner dem Handwerk einen g r ö v e r e n E i n s l u tz auf die Regierung und Ver waltung, geben Sie ihnen in den einzelnen Bnndesstaaten ein besseres Wahlrecht(Lehhaste Zustimmung links), geben Sie ihnen ein geheimes und direktes Wahlrecht, dann sorgen Sie mich am besten für das Handwerk.(Lebhaftes Bravo! bei der Volkspartei.) Abg. Brühne(Soz.): Als in der porigen Woche hier über die Fleischteucrung be- raten wurde, erklärte der konservative Abg. Rupp, wir hätten mit unserer Interpellation nur einen Fleischuotrummel für die Wahlen in Szene setzen, wollen. Was würden Sie wohl sagen, wenn wir erklärten, Sie wollen sich mit Ihrem Antrag nur jetzt vor den Wahlen vor den Handwerksmeistern zeigem(Leb- Haftes Sehr wahr! links.) Die gestrige Wahl gibt Ihnen ja den besten Beweis, wohin es geht.(Zuruf bei den Konservativen: Ach wo!) Wenn Sie für das Handwerk schon etwas tun wollen, dami schaffen Sie den Handwerkern billiges Brot. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Pauli hat ja eine ganze Anzahl Gesetze aufgezählt, die zum Schutze des Handwerks erlassen sind. Das Gesetz zur Sicherung der Bau- forderungen und das gegen den unlauteren Wettbewerb sind vom Reichstag e i n st i m m i g angenommen, auch wir Sozialdemokraten haben dafür gestimmt. Weiter meinte Herr Abg. Pauli, das kleine Handwerk würde von den Großbetrieben vollkommen aufgesogen. Der Antrag soll ja auch bezwecken, den Niedergang des Handwerks aufzuhalten. Nlin hat aber Herr Pauli und ebenso der Abg. Euler nachgewiesen, datz von einem Niedergang gar nicht die Rede sein kann, die Mittelbetriebe haben zugenommen. Dann kam Pauli auf die Konsumvereine zu sprechen. Nun der beste Beweis, datz die Arveiterkonsumvereine bei den Handwerkern nicht so verhaßt sind, wie Sie behaupten, ist der, datz Tau sende von Handwerkern darin Mitglieder sind. Herr Pauli wollte die Konsumvereine und ebenso die Warenhäuser stärker besteuern. Wer heute noch glaubt, man könne die Waren- Häuser durch Steuern beseitigen, über den mutz man lachen. Sie sind heute in der Lage, ihre Steuern auf ihre Abnehmer ab- zuwälzen, in vielen Fällen auch auf die Fabrikanten. Weiter sprach Herr Pauli von den Entschädigungen der Jnnungsmeister. Da liegen die Dinge allerdings merkwürdig. Ich kenne mehrere Innungen, mit 1300—1500 M. Einnahmen, bei denen die per- sönlichen Verwaltungskosten 700— 800 M. betragen, was da noch für Herbcrgs- und Gesellenwcsen übrig bleibt, kann jeder selbst ausrechnen. Dann sprach er von den Ortskrankenkassen. Aber hier dürfen ja die Vorsitzenden nach dem Gesetz gar nicht bezahlt werden. Sie bekommen nur eine sehr niedrige Entschädigung. Herr Euler meinte: Die sozialdemo- kratische Partei habe von je auf dem Standpunkt gestanden, das kleine Handwerk so schnell wie möglich zugrunde gehen zu sehen. Aber tvir Sozialdemokraten haben gar kein Interesse daran, den kleinen Handwerkerstand zu ruinieren, und wir können ihn auch nicht ruinieren, ruiniert wird er von ganz anderer Seite, vorn GrosjkapitaliSmus und den Gros'bctrirbe». Aber auch hier darf man nicht vergessen, datz durch die Großindustrie heute in vielen Städten hunderte kleiner Handwerker beschäftigt werden, die dort besser bezahlt werden, als wenn sie selb- diese Durchgangsqestelle für ldas durstige Wild seitlich durch nieder» geworfene Baumstämme zu versperren und an der freigelassenen Passage zwei Reihen von Fanggrubcn anzubringen. Selbst wenn die Tiere die eine Reihe glücklich passierten, mutzten sie mit Sicher- heit in die zweite fallen. So entstanden die 21 ncuentdeckten Wild- fanggruben, deren Anlage für die Primitiven Jäger mit einer ge- waltiacn Arbeitsleistung verbunden lvar. Mutzten doch jene nur mit Waffen aus Stein und Horn ausgerüsteten Menschen die Gruben in den harten Kallstein mühselig durch Klopfen mit Feuerstein-Knauern eingrabe». Trotz der starken Verwitterung weisen die Gruben noch heute eine Tiefe von durchschnittlich 1,6 Meter bei einem Durchmesser von 2.3 Meter und einem untersten Durchmesser von 0,6 Meter auf? In diesen Vertiefungen, die bei ihrer Entdeckung ganz mit vom Regen herabgesckitvemmter Erde gefüllt waren, fand man allerlei einst von den Jägern verlorene und weggeworfene Feaerstcingeräte, deren Technik mit Sicherheit auf die Soluträenzeit schlietzcn lassen, so datz diese Fanggruben der vorgeschichtlichen Jäger auf ein Alter von wenigstens 100 000 Jahren Anspruch machen dürfen. Musik. So allgemein menschlich und international die Tonkunst auch ist— Landesnmsik hat dennoch ihren Wert. Das heißt eine Musik, die Ausdruck der einem bestimmten Lande oder Volke eigenen Stimm ang sein will. Der tscbeibis»e Komponist Friedrich Smetana hat in seiner sinfonischen Dichtung„Mein Vater- land" eine solche Musik künstlerischster Art gegeben. Datz wir von den sechs Stücken, aus denen sie besteht(koinvoniert im Jahre 1874 und in den folgenden), wenigstens das erste,„Moldau" aeitamit, wieder einmal hören kounien, danken wir dem II. Volks» Sinfoniekonzert, das von der Stadt R i x d o r f am Freitag in der„Neuen Welt" gegeben wurde. Auch Fr. LiSzts „Ungarische Rhapsodie" Nr. 2 gehört hierher; lind selbst Webers Onverture zu dein„im deutschen Wald" spielenden„Freischütz" patzt dazu. Nu» würde es eine ganz besondere Gabe gewesen sein, wenn auch der Rest deS Prograiilins derartiges gebracht hätte. So z. B. R. Schinnanns„Bilder ans Offen"(allerdings für Orchester nur bearbeitet, wie diesmal seine„Träinncrci" für Orchester be- arbeitet erschien, trotz des in jeder solchen„TranSskriplion" liegenden Unrechtes): oder VolkinannS„Visegrad"; oder selbst K. Gold- marks„Ländliche Hochzeit". Statt dessen gab eS u. a. kunstarme Violinstücke, die dem Konzertmeister des B l ü t h n e r- O r ch e sl e r S, N. Lambinon, Gelcgenbcit zur Virtuosenwirkung verschafften. Edmund v. Strautz dirigiert sorgsäliig, aber etwas gar weich. Den Hornisten sei noch die Bitte nahegelegt, in ihrer Haupt- stelle der.Freischütz"-Onverture die Töne vollständiger durchzu- halten. bz. 1 ständig wären und bei ihren Kunden monatelang auf ihr Geld warten müssen. Es bestreitet niemand, datz unsere Hand- werker schwer zu kämpfen haben. Aber doch nicht die Handwerker allein, betrachten Sie die kleinen Kaufleute, da verdecken manchmal die schön geputzten Schaufenster das größte Elend.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staat und die Ge- sellschaft den Handwerkern helfen sollen, so darf man doch auch den Arbeiter nicht vergessen, we>m er arbeitslos wird und Wochen- und monatelang herumlaufen mutz, um seine Arbeits- kraft zu verkaufen.— Nun, wie es da in der Familie aussieht, weiß nur der, der es gesehen hat. Auf die Dauer wird die Arbeitslosenversicherung nicht zu umgehen sein.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ten Antragstellern wird es auch sehr schwer fallen, positive Vor- schlage zu machen. Uebrigens sino die Klagen über die Notlage des Handwerks in vielen Fällen stark übertrieben. Vielfach klagen die Schwärmer für die Zwangsinnungen, die Arbeiter lernen heute nichts mehr und können nichts leisten. Das trifft aber keineswegs zu. Wer heute Kundschaft erwerben will, mutz sogar ganz außerordentliches leisten. Weiter klagt man, die Ar- beiter gehen vielfach zur Grotzindustrie über, im allgemeinen werden dort eben bessere Löhne gezahlt, und die Arbeitszeit ist viel geregelter; auch ist die Beschäftigung dort meist eine stetige, nicht so vorübergehend wie bei den kleinen Handwerkern. Die besseren Gesellschaftskreise, die sich so vielfach für das Wohl des Handwerks ins Zeug legen, versagen, wenn es praktisch darauf an- kommt; wenn eine deutsche Fürstin sich verheiratet, dann läßt sie ihre Kostüme in Paris und London arbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Datz in den letzten Jahren große Klagen über die Not des Handwerks kommen, ist erklärlich und mit Freuden ist es zu begrüßen, datz man selbst in den Zwangsinnungen anfängt, gegen die Zoll- und Steuergesetzgebung eine andere Stellung einzunehmen.(Sehr� richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Preissteigerung der Nohstofje ist in manchen Gewerben ganz unglaublich. So kostete in meinem Berufe, in der Lederbranche, vor zehn bis zwölf Jahren das Pfund gegerbte Kuhhaut 23—27 Pfg., heute dagegen 68— 7S Pfg. Durch diese Verteuerung der Rohstoffe werden eine große Anzahl Handwerksmeister ruiniert, die ihren Betrieb nicht mehr aufrecht- erhalten können. Weiter kommt die Schmutzkonkurrcnz hinzu, die sich die Handwerker selbst machen. Ein Handwerksmeister, der seinen Arbeiter den richtigen Lohn nicht zahlen kann, soll ruhig verschwinden, er hat kein Recht mehr, als Meister zu existieren. Herr Pauli sprach davon, daß Hundert- tausende jährlich den Handwerkern verloren gehen für Waren, die ihm nicht bezahlt werden. Dieser Mitzstand ist in der Tat sehr grotz. Sehr viele Wohlhabende, die wohl imstande sind, die Sandwerkerrechnung zu bezahlen, legen sie wachen- monatelanz beiseite. Das Borgsystem trägt mit dazu bei, datz jährlich Hunderte und Aberhunderte von Handwerkern ihr Handwerk aufgeben müssen. Die Zwangsinnungen, die hier so gelobt worden sind, geben für das Gesellenwesen autzerordentlich wenig aus. Viele JunungS- meister sträuben sich noch iinnler dagegen, datz die Lehrlinge die Fortbildungsschule am Tage besuchen. Ein Besuch dieser Schulen am Abend ist für 14— 18 jährige junge Leute jedenfalls wertlos, weil sie in der ersten halben Stunde einschlafen. (Sehr wahr! bei den Sozialdeinokraten.) Auch die Lehrzeit mutz anders geregelt werden. In vielen Berufen beträgt sie noch vier Jahre, im Schornsteinfegerberus sogar fünf Jahre. So kann es vorkommen, datz der junge Mann als Lehrling zum Militär kommt. Drei Jahre Lehrzeit wären vollständig genügend. Ein unhaltbarer Zustand ist es. datz die Innungen so hob- P r u. fungsgebühren erheben kann, datz sie d�ibei erhebliche lieber- schüsse machen. Vielfach betragen die Gebühren über 10 M. Das ist für eine arme Witwe, der es schon schwer genug fällt, ihren Sohn drei, vier Jahre lernen zu lassen, ein sehr großes Opfer. Daß ein grotzer Teil der Handwerker nur ungern zur Zwangs- innung gehört, beweist die Tatsache, datz„ach der amtlichen Statistik in einer sehr großen Zahl von Fällen die Beiträge zwangs- weise eingezogen werden müssen. Wäre nicht eine Dreiviertel- mchrhcit, sondern einfache Majorität zur Aufhebung der Innung notwendig, so wäre dieHälfte derZwangsin nungen schon aufgehoben. Viele Innungen halten das ganze Jahr keine Vorstandssitzung ab. Da sitzt so ein alter, echter Jnnungs- meister und macht die ganze Geschichte. Solche Innungen sind geradezu zum Lachen.— Für das Handwerk wird auch bei diesem Antrag nicht viel herauskommen. Will das Handwerk, daß die Zustände geändert werden, dann mag es dafür soroen, das) die Zu- fammenfeijuno des nächsten deutschen Reichstags eine andere wird, daß ein Reichstag zustande kommt, der nicht gewillt ist, die Lebens- Haltung noch immer mehr zu verteuern.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Abg. Findel(nail.) Ucber die Fürsorge für die Arbeiter darf Humor und Satire. Zeugen ges ucht! Herr von Jagow sucht durch Bekanntmachungen Zeugen für den Moabiter Krawallprozetz. Als erste Offerte ging ihm folgender Brief zu: � Hochvaehrter Vota von die Polizei! Also Zeugen suchst de? Kannst de haben! Wat ick bin, so habe ick schon in die jrötzten Prozesse niitjewirkt; se babcn nur sojar extra uff'ne eijene Bank jesetzt un mir rechts unn links mit'» Polypen jarniert, von wejcn die malerische Jesammtwirkung. Ick kenne mir ooch in's Strafjesetz so ziemlich aus. unn wenn der Herr Staatsjewalt irjcnd wat»ich wcetz, ick helfe ihm jcrnc aus. Wat nun de Moabiter Krawalle anbetrifft, so war ick während die Zeit in's Ausland, in Schweden, hinter die Jardine», kann also Allens mit jutem Jewissen beschwören. Ick kann beschwören, dat ick„ich jesehen habe, wie die Polypen die englischen Journalisten rnit'n Södel'n Leitartikel uff'n Kopp jeschricben haben, unn ick kann noch'ii Dutzend Zeugen beschaffen, die et ooch»ich jesehn haben. Ick kann ooch beschwören, dat ick»ich dabei valctzt worden bin! Ick kann überhaupt ne janzc Menge beschwören; wat mecne Freunde sind, die� sagen immer:„Wenn wer'n Eid braucht, dann man nur Müllern's Justav'ran! Bei billigste Preise beste Be- dicnung!" Ick hoffe, vaehrter Herr von Jagow, dat ick Sie ooch zu meener werten Kundschaft zählen darf. Lrjanisiert bin ick nich, außer i», Jesangverein„Stichflamme", wo se mir den„Caruso mit'» Stemmeisen" nennen. Schreiben Se man Gustav Müllern, hauptpostlagernd. Direktion Ehreusachc. (Karlchen in der„Jugend.) Notizen. — Der chinesische Zopf in der europäischen Frisur. Das englische Konsulat in Swatau hat berichtet, datz die Ausfuhr von Meitschenhaaren aus China in letzter Zeit auf das Doppelte gestiegen ist und gibt als Ursache an, datz durch die mo- dernen Frisuren der europäischen Damen eine stärkere Nachfrage entstanden ist. Alle Klassen der Chinesen sind nach der Aussage des Konsuls an diesem Geschäft beteiligt, und die Armen sammeln sorgfältig alle Haare, die sie sich aus ihrem Kops auskämmen. Ob unsere Modedamen wissen, daß sie ihr Haupt möglicherweise mit den Abfällen chinesischer Zöpfe schmücken? — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Montag Kustos O. B a s ch i n über die Expeditionen fremder Nationen ins Südpolargebiet; Dienstag Dr. G. Braun über Äüstenwandcrungen in der Normandie und Bretagne; Freitag Dr. A. Merz über: EiH Woche an Bord eines Feuerschiffe», tnatt nW die Fürsorge sür d»Z Handwerl vergessen. Gerade diesen Gruppen hat die sogenannte Finanz- reform schwere Wvnden geschlagen. Die kleinen und mittleren Handwerker und Kaufleutc stehen sich vielfach schlechter als ihre eigenen Angestellten. Völlig ungerechtfertigt ist die flon- kurrenz, die der Staat den Handwerkern durch Gefängnis- arbeit bereitet. Auch die Großindustrie könnte wahrhaftig melw Rücksicht auf das Handwerk nehmen. Es ist wirklich nicht nötig, daß zum Beispiel die großen Elcktrtzitälsgesellschaften dem Hand- werk die Jnstallakionsarbeiten wegnehmen. Am gefährlichsten aber, noch gefährlicher als die Konkurrenz der Warenhäuser, sind mr den Mit�lstand die Beamten- und landwirtschaftlichen und A r b e i ter- Ko n s u m v e re i n e. Meine persönliche Meinung ist die, daß die Konsumvereine überhaupt nicht in den Rahinen des Genossenschnfiögrseltes paffen. Die Väter des Ge- nossenschaftsgedankens haben nicht daran gedacht, daß die Genossen- schaftöform dazu dienen sollte, einen Teil des deutschen Volkes zu tuiniercrt. Zu den Mitteln, die geeignet sind, dem Handwerk zu helfen, gehören Einschränkung des Hausierhandels, Besteuerung der Wanderlager und Festlegung des Osterfestes. Im Interesse des Reiches und der Nation muß der Mittelstand erhalten bleiben. sBravo! b. d. Natl.) Abg. Linz(Npt.j: ES empfiehlt sich, daß die bürgerlichen Par- teie« dort, Ivo es sich um das Wohl des Mittelstandes handelt, nicht gegeneinander polemisieren, sondern in gemeinsamer Arbeit für den Mittelstand eintreten.— Auch die ReichSPartci ist immer dabei gewesen, wenn es galt, zugunsten des Handwerks einzutreten. Wir verlangen u. a. Beschränkung der Wanderlager und der Gefängnisarbeit und Ausbau des Fortbil- dungsschulwcsens, allerdings unter grösttmöglicher Rück- sichtnahme auf die Wünsche des Mittelstandes bei der Wahl der Tageszeit für die NnterrichtSstnnden. Die Konsumvereine sind eine wirtschaftliche Er- gänzung der Sozialdemokratie, die leitenden Per- sonen darin sind stets Sozialdemokraten. Herr Brühne bestritt, daß die Sozialdemokratie den Mittelstand vernichte» wolle. Jeden- falls ist die Vernichtung des Mittel st andes die Voraussetzung des sozialdemokratischen ZukuirftS- ftaates. Auf dem Gcnossenschaftstage in Düsseldorf weigerte sich her frühere Abgeordnete v. E l in, an allen Orten für die Konsum- vereine den Achtuhr-Ladcnschluß anzuerkennen(Hört! hört! rechts), ebenso die Sonntagsruhe, einen Mindestlohn für die Angestellten sowie Ferien für sämtliche Angestellte. In der sozialdemokratischen Presse ist er deshalb scharf angegriffen und mit Stinnes auf eine Linie als Ausbeuter gestellt worden. Für uns ist jedenfalls das Zugeständnis interessant, daß auch in den Konsumvereinen kapi- talistisch gcwirtsckmstet werden muß.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Raab(Antis.) tritt für die möglichste Ausdehnung des Rkfähigungsnachweises ein. Ein jüdischer Bäckermeister, der in Oesterreich sein Gewerbe nicht ausüben konnte, weil er den Befähigungsnachweis nicht erbringen konnte, betreibt in Berlin «ine Bäckerei mit sieben Filialen.(Hört! hörtl bei den Antisemiten.) Redner b efürwortet des wetteren die Einrichtung von Kammern für Handwerkssachen bei den Landgerichten. Sehr geschädigt wird der Mittelstand auch durch den Terrorismus der sozial- demokratische» Arbeiter, deren Forderungen durch den Boykott unter st ützt werden. Die National- liberalen, die sich auch immer als Freunde des Handwerks auf fpielen, sind in der Tat die Vertreter des Groß, k a p i t a l s. Der an Stelle des Herrn Schmieding gewählte Herr H a r m a n n bezieht als Anfsichtsrat der Harpener Berg- tverksgcnossenschaft LO 000 M. i m Jahre und ist a u s d r ü ck- lich gewählt worden, weil man sich von ihm eine gute Vertretung der großkapitalistischen In- tcressen verspricht.(Hört! hörtl bei den Antisemiten.) Und im nationalliberalen.Handbuch steht, daß die Nationallibe- rale» für das Verbot von Trusts nicht zu haben sind.(Hörtl hörtl bei den Antisemiten.) Die professoralen Belehrungen des Herrn Pachmcke über die Notwendigkeit besserer Ausbildung der Hand werter nützen diesen auch nichts. Gerade mancher K ü n st l e r im Handwerk w i rd�S o z i a ld c m o k r at, weil er feine Befähigung nicht verwerten kann, sonder» gezwungen ist, Schund zu produzieren, wenn er seine Waren in der Konkurrenz gegen die Warenhäuser los werden will. Von dem Freisinu hat das Handwerl nichts erwarten, da er für die Aufrechterhaltung der Gewerbefreiheit eintritt. Nun weist der Freisinn immer auf die giiianzrcform hin, die das Handwerk geschädigt haben soll. Aber loaren die Freisinnigen nicht selbst bereit, 400 Millionen indirekte Steuern zu bewilligen? (Sehr wahr! bei den Antisemiten.) In der Tat ist unsrc Zoll und Steuerpolitik durchaus m i t t e l st a n d S f re u n d l i ch. (Hörtl hörtl links.) Unter dem Zollschutz hat sich in Teutschland Industrie und Handel glänzend entwickelt.(Abg. Ledebour: Trotzdem!)„Des Freisinns Herz ist dort, wo die Geldsäcke der Börsenjobber sin d," so hieß eS im Blatt des Herrn Rahardt, der ja jetzt bedauerlicherweise dem Hansabund angehört, dem Hansabund, der von den großen Syndikaten Riesensummen zu Wahlzwecken erhalten hat. Wer ein bißchen gesunden Sinn im Mittelstand hat, den warnen schon die Namen seiner Größen Jakob Ricßer, Tietz und Wertheim.(Sehr richtig! bei den Anti semiten.) Die Sozialdemokratie ist in ihren Ausdrücken gegenüber dem Mittelstand vorsichtiger geworden. Wie aber ihre wahre Ge, siunung ist, beweist die Aeußcrung der„Bremer Bürgcrzeitung" „Wir sind überzeugt, daß die wirtschaftliche EntWickelung Bremens dahin führen wird, die Zahl der kleinen Hauseigentümer abnehmen zu lassen. Und das ist gut so: die Bremer Arbeiterbewegung wird dadurch sehr gewinnen. Los vom Grund und Boden muß der Arbeiter, bevor er revolutionär denken und handeln kann." Die ti'leußerung betveist, daß die Sozialdemokratie den Untergang des Mittelstandes will.(Ledebour: Die wirtschaftliche EntWickelung will es!) Sic sollte ehrlich genug sein, das auch zuzugeben l(Bravo! bei den Antisemiten.) Hierauf vertagt sich das Haus. Abg. Ledebour(Soz.) bestreitet in persönlicher Bemer, kung, daß jemals ein Anhänger der Sozialdemokratie erklärt habe, daß die Sozialdemokratie den Mittelstand ruinieren wolle. Nächste Sitzung: Montag, Uhr.(Zweite Lesung des Arbeittkammergesttze?.) Schluß Vi Uhr. VIrtlchMIcher Wochenbericht. Berlin, 3. Dezember. 1010. Lohnbewegung im Bergbau— Pr-duktionsstcigerung— Starke Wertzunahme— Preiserhöhungen— Bewegung der Löhne— Gewinnausschüttungen— Eintommensschmälerung für die Arbeiter. Trotz der glänzenden Lage, deren sich der Bergbau erfreut, und trotz der Stabilität der Verkaufspreise waren die Bergherren bei niedergehender Konjunktur immer schnell dabei, die Löhne zu kürzen, aber sie ließen einem wirtschaftlichen Aufschwung nie frei- willig und unmittelbar auch entsprechende Lohnsteigerung folgen. AuS diesem Grunde sehen sich die Bergarbeiter jetzt veranlaßt, den Unternehmern die Forderung auf eine entsprechende Lohnerhöhung zu untevbreiteu. denn obwohl die Einkommen der Bergarbeiter während der Krise stark zurückgegangen sind, der Bergbau im laufenden Jahre aber wieder besser floriert, denken die Gruben- Besitzer an keine Lohnausbesserung. Diese ist aber schon darum dringend notwendig, weil infolge der unaufhaltsamen und emp- findlichen Lebensmittelteuerung die Kaufkraft des Geldes stark ge- funken ist. Doch wollen wir uns hier nur mit der Frage be- fchäftigen, ob die Lage de? Bergbaues wieder besser geworden ist. und wie die Rentabilität sowie die Lohncntwickclung m diesem Gewerbe sich gestaltete. Die Eutwickelung der Produktion veranschaulicht die folgende Ilcbtt'sichs. Eö kirj'g die Gesamtprodpktjon in Deutschland:, Die Produktionssteigerung im laufenden Jahre, besonders bei dem hochbezahlten Koks, zeigt einen nicht unerheblichen Aufschwung im Vergleich mit dem Vorjahre. Anscheinend ist auch die Kon- kurrenz der Braunkohle gegen die Steinkohle an der Grenze an- gelangt, denn die crstcre hat im laufenden Jahre ihren Absatz nicht weiter steigern können, während die Förderung der Steiluohle um 2% Millionen Tonnen zugenommen hat. Dabei ist die Ausfuhr an Steinkohle nicht gestiegen, woraus für die Werke eine er- höhte Einnahme resultiert, denn die Auslandsgeschäfte werfen im allgemeinen für den Kohlenbergbau keinen oder nur geringen Ge- winn ab Im Oktober dieses Jahres war die Ausfuhr sogar ge- ringer, als im Parallelmonat des Vorjahres, sie sank von 2 290 400 Tonnen auf 2 248 903 Tonnen. Die Ausfuhr an Koks hat dagegen ziemlich stark zugenommen, aber der Jnlandsverbrauch ist trotzdem noch gestiegen. Unter Berücksichtigung der Produktion, der Ein- fuhr und der Ausfuhr, ergeben sich folgende VerbrauchZmengen für die ersten zehn Monate der beioen letzten Jahre: 1909 I9l0 Zunahme Steinkohlen.. 114 142 324 115 973 001 183, 277 Koks..... 15 370 659 10 590 574 1 219 915 Tie Marktlage hat sich, wie diese Ziffern ergeben, zweifels- frei verbessert. Wie aber sieht eS mit der PrciSentwickelung aus? Sie spiegelt eine ganz enorme Verteuerung der Kohle. Nach den amtlichen Angaben betrug die Geiamtförderung im Jahre 1890 rund 101?» Millionen Tonnen und vrren Wert 789', h Millionen Mark, dagegen repräsentiert die Förderung von rund Millionen Tonnen im Jahre 1908 einen Wert von 1522 Millionen Mark. Demnach ist der Wert pro Tonne von 7,77 M. auf 10,31 M. oder um 2,54 M. gestiegen. Die tatsächliche Steigerung ist aber größer. Nach den Notierungen der Essener Börse ergeben sich folgende JahresdurchschniUSpreise: Die Preise waren Flammkohlen. Fettkohle».. Magere Kohle» Gaslohlen.. Hocvoseiikoks. Gießereikoks. Brechkoko I u. II In 20 Jahren ist«ine Verteuerung von zirka 100 Proz. ei». getreten. Mit dieser Steigerung haben die Löhne auch nicht an« nähernd Schritt gehalten. Sie sind nicht einmal in demselben Ver- hältniS gestiegen. Wären die Löhne prozentual so aufgebessert worden, als die Preise gestiegen sind, dann wäre auf Arbeiter und Unternehmer ungefähr je die Hälfte der Mehreinnahine ent- fallen. Tatsächlich hat den Löwenanteil das Kapital geschluckt, da« heißt, der Anteil des Kapitals am Arbeitserlrage ist gestiegen: trotz der viel besungenen und viel beklagten Lohnerhöhung. Wie es mit dieser bestellt ist, zeigt dies« Aufstellung. Es betrug der Schichtlohn eines Arbeiters: in Oberschlesten. in Niederschlesicn. Revier Dortmund Revier Saarbrücken 1898 M. 2.7» 2.07 3,74 3.40 1908 m. 3,52 3.29 4,82 4,04 in 1903 gegen 1998 mehr M. 0.09 0.02 1.0« 0,04 Die Vcrgleichung der Lohnsteigerungen mit den PreiSauf. schrägen läßt deutlich erkennen, daß die Ernte hauptsächlich die Scheunen der Unternehmer füllte. Das kommt auch in den Gelvinn- ausschüttringen zum Ausdruck. Nach den Zusammenstellungen im Kaiserlich Statistischen Amt verteilten im Durchschni� Dividenden: 1907/08 IWS/Oö sämtliche deutschen Aktien-G..... 8,1 7,38 Bergbau. Hüllen, Salinen, zusammen 9,5 8,07 darnnter Steiiikohleubergbau.. 12,0 10ch5 gemischte Werke....... 0,5 7,69 Das sind Krisendividenden! ES zeigt sich, daß die Bergbau- betriebe und die mit solchen verbundenen Unternehmen mit ihren Dividenden über den Gesamtdurchschnitt hinausragen. Allerdings brachte auch für sie das Jahr 1908/09 starke Ausfalle. Zum Ml find diese aber durch hohe Rücksiellungen herbeigeführt worden, und man befindet sich schon wieder auf dem Wege erhöhter Gewinn- Zahlungen. Für 41 Gesellschaften der gemischten Betriebe mit an« nähernd 000 Millionen Mark Aktienkapital liegen vergleichende Angaben bis Ende September vor. Danach betrug im Jahre 1909 die Durchschnittsdividende 7,5 Prozent, im Jahre 1910 aber wieder 7,0 Prozent. Ja, die größte» Montanunternchme», wie Phönix usw.. erzielten im letzte» Jahre die hockssten Ueberschüsse. Wie günstig sich für die Aktionäre die Lag« gestaltet hat. demonstrieren folgende Angaben. Es verteilten Dividenden in Prozenten: 1908/09 1909/10 Phönix...... 0 15 Höscki....... 14 18 Rombacher Hütte.. 5 8 Aumctz-Friedc.... 7 10 Deutsch-linxemblirg.. 10 11 Maximilianshütte.. 16 21 Burbachcr Hütte... 80 35 Mit den Gewinnen der Unternehmer geht eS aber wieder kräftig bergauf; zudem erwuchs den Kapitalisten aus der vorüber- gehenden Dividendenkürzung kein Zwang zur Einschränkung der Lebenshaltung. Anders bei den Arbeitern! Die Einkommens- fchmälcrung, die sie traf, machte eine Verschlechterung der Lebens- führung notwendig. Ist doch der Lohn seit 1908 nicht unbeträchtlich gefallen, während gleichzeitig die agrarische Wirtschaftspolitik. deren Meisterstück die Reichsfiiimizrefcrm des Schnapöblocks war, die Preise fast aller Lebensmittel unbarmherzig hinauftrieb. Im Ruhrrevier sank der Schichtlohn im Jahre 1909 im Vergleich mit dem Vorjahre um 33 Pf., der Jahreslohn um 150 M., von 1404 auf 1335 M. Der Rückgang macht 10 04 Proz. aus. Das Ei» kommen im Jahre 1908 war aber auch schon erheblich niedriger als das des vorausgegangenen Jahres. Im Vergleich mit dem Jahre 1907 ergibt sich für 1909 ein Lohnrückgang von 227 M. gleich 14,53 Proz. Das ist jedenfalls eine sehr empsinolich« Einkommens- Verkürzung. Wenn die Bergarbeiter nun Vitt einer Lohnforderung hervor- treten, dann folge» sie damit einem zwingenden Gebot. Die durch- schlagende Begründung findet die Forderung in dem starken Lohn- rückgang seit 1907, in der drückenden Lebensmiltelteucrung und in den steigenden Gewinnen der Bergwerksunternehmungen. l>. Alo�en-tzplelplsn der ßerUner Cheater. König!. Opernhaus. Sonntag: MIgnon. Zlontag: Lohengrin Anfang 7 Uhr. Dienstag: Der Freischütz. Mittwoch: Der Liebest: ank. Donnerstag: Taniibäuser. Freitag: Sinfonie- Konzert. Sonna'-cnd: iklektra. Anfang 8 Uhr. Sonntag: Der Prophet. Montag: Samson und Dalila. Ansang 7>/, Uhr. Neues tönigl. Oper»- Theater. Sonntag: Madama viiiterflh. Moni ig i Aeltra. Dienstag: Madama BuUetfth. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: Othello. Sonn- abend: Geschlossen. Sonntag: Othello. Ätisang 7'/, Uhr. KSuigk. Schaufpiekhau?. Sonntag: Wallensteln» Lag«. Dl« Piccolommi. Montag: Wallenstelns Tod. Dienstag: Die Rabeiisteinerln. Mittwoch: Der«lörcnsried. Donnerstag: Der KrampuS. Freitag: Der Störenfried. Sonnabend: Die Journalisten. Sonntag: Der Störensried. Montag: WqllcnsteMs Lager. Die Piccol mini. Ansang Ist, Uhr. Tcutschcs Theater. Sonnlag: Hamlet. Montag: Herr und Diener. Dienstag: Hamlet. Mittwoch: Judith. Donnerstag: Herr und Diener. Freitag: Ein Sommernachtslraum. Sonuabend und Sonntag: Othello. Montag: Faust. Ansang 7st, Uhr. Deutsches Theater lKammerspiele). Sonntag: Der ver- lvundete Bogel. Montag: Die Komödie der Irrungen. Die Hcüat wider Willen. Dienstag: Der verwundete Bogel. Mittwoch: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Donnerstag: Ein Engel. Freitag: Gawlln. Sonnabend und Sonnlag: Ein Engel. Montag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Ansang 8 Uhr. Lessing-Tlicater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: DaS Konzert. Abends: Anatol. Montag: Wenn der junge Wein blüht. D enstag: Anatol. Mitt- woch: Die Wildente. Alis. 7st, Uhr. Donnerstag: Anatol. Freitag: Wenn der junge Wein binht. sonnahend: Anatol. Eonntagnachm. 3 Uhr: TantriS der Narr. Wends: Anatol. Montag: Baumeister Solnes!. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Somiiagnachinittag 3 Uhr: Joachim v. Brandt. ttbciids und Montag und DienSlag: Erster Klasse. Die veislixten Frauen- zimmer. Mittwoch bis Sonnabend: Erster Klasse. Die verflixten Frauen» »immer. Barietö. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Abend: Erster Klasse. Die oerflixlen Frauenzimmer. Montag: Erster Klasse. Die verslixten grauenziinmer. Baricts. Ansang 8 Uhr. Neue? Ächnuipielhau«. Sonntag: Der Zerrlssene. Montag: Wann kommst Du wieder? Dienslag: Der Zerrissene. Mittwochnachniittag 3 Uhr zum erstenmal: Frau Holle. Abends: Ueber unsere Krast. Donnerstag: Der Herr Verteidiger. Freitag: Genoveva. Soimabendiiachmitlag 3 Uhr: Frau Holle. Abends: Der Zerrissene. Sonntag: Der Herr Verteidiger. Montag: Wann kommst Du wieder? Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Svmilagnachmitlag 3 Uhr: Taifun. Abends: Der scharst Junker. Montag und Dienstag: Taifun. Miltwochnachmittag 3 Uhr: Macbeth. Abends: Der scharfe Junker. Donnerstag: Tatsun. Freitag zuui erstenmal: Der Tal sman. Ansang 7st, Uhr. Sonnabeud- nachmitlaz 3 Uhr: Macbeth. Abends: Der Talisman. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Einer von unsere Leut. Abends: Der Talisman. Monlag: Der lchatsc Junker. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Sonntag bis Sonnabend: Der Gm.?. H.-Tenor. Anfang 8 Uhr. Modernes tHedbel-) Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Shcrlock Holmes. Allabendlich: Der Doppelmensch. Ansang 8st, Uhr. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiesland. AbendS: Die Bohöme. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Di« Boböine. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: ToSca. Freitag: Die Bohöme. Sonn- abend: Hossmann» Erzählungen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: ToSca. Abends: Die Bohtme. Montag: Zigeunerliebe. Ansang 8 Uhr. AussteUunastheater am Zoo. Sonntagnachmittag Lst, Uhr t OediPuS aus ttolonnos. Täglich abends 8 Uhr: Der Fremde. Thalia-Theatrr. Sonntag. Montag und Dienstag: Polnische Wirt» tchast. Miitwochnachm. 3 Uhr: Hänjcl u. Kretcl. AbendS: Polnische Wirt- ichlift. Donnerstag und Freitag: Polnische Wittschast. Sviuiabenduachmittag L Uhr: Aschenbrödel. Abend» und Soimtag: Polnische Wirtschalt. Ansang 8 Uhr. Sfiiitler-Tlicater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. AbendS: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Die Kreuzelschreiber. DienSlag: Die Fee C-stnice. Wlittvoch: Prinz Friedrich von Honiburg. DonnerSIag: Sodoins Ende. Freitag: Prinz Fneorich von Homburg. Sonnabend: Die Fee Eaprice. Sonmaanachniiitag 3 Uhr: Die Ehre. Äbends: Robert und Bertram. Montag: Wallensteiiis Tod. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater Eharloternburg. Sonntagnachmittag? Uhr: Egmont. Abend»: Die Macht der gintterni«. Montag und Dienstag: Der Bund der Jugend. Mittwoch: Das Urbild des Tartüss. Donnerstag: Der Dummkovs. Freitag: Das Urbild des Tartüss. Sonnabend: Der Bund der Jugend. Sonntagnachmittag 3 Uhr l Egmont. AbendS t Die Macht der Fiiisteriits. Montag: Die Fee Eaprice. Ansang 8 Uhr. Friedrich-WilbrlmstädKscheö Schaulvielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Hermaunjchlacht, AbendS: Die versiegelt« Venus. Montag: Die Räuber. DienSlag: Die ve�icgelle Venns. Mittwoch: Die Räuber. Donnerstag und Freilag: Die versiegelte Penu». Soimabendnachmittag 3 Uhr: Die Hcrmaniischlacht. AbendS zum erstenmal: Hosgunst. Sonntag: Hosgunst. Ansang 8 Uhr. Montag: Unbestimmt. Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Di« Glocken von Evrncville. Abends: Der Gras von Luxemburg. Täg- lich: Der Gras von Luxemburg. Sonnlagnachviiitag 3 Uhr: Dl« Glocken von Corneville. Abends und Monlag: Der Gras vo» Luxemburg. Ansang 8 Uhr. Residruz'TIieatrr. Täglich: Der Ulilerpräsekt. Ansang 8 Uhr. Th ater des WektenS. sountagnachmlltag gst, Uhr: Die geschieden« Frau. Abends: Das Puppemnädel. Montag und Dienstag: Da» Puppen- niädcl. Mittwochnachmiltag 3 Uhr: Roilävpchcn, Abends: Das Puvpen- mädel. Donnerstag und greilag: DaS Puppemnädel. Eoniiabendnach» mittag 3 Uhr; Rotkäppchen. Abend«: DaS Puppemnädel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die geschiedene Frau. Abends> Das Puppenmädu. Montag: Daö Puppenoiadel. Ansang 8 Uhr. Trianou- Theater. Sountagnachmillag 3 Uhr: Frl. Jolelte— meine Frgu. Abends: Der heilige Hain. Von Montag ab allabendlich: Der heilige Hain. Sonntagnachiniltag 3 Uhr: Frl. Joseite— meine grau. Abend»: Der heilige Hain. Ansang 8 Uhr. Borlturr Volts-Cpcr. Sonntagnachmittag Ost, Uhr: Nndine. Abend» ziim erstenmal: Die Dollarprinzessin. Montag: Don Juan. Dienstag: Di« Dollarprinzelftn. Mittwoch: Die weilz» Dam«. Donnerstag: Die Dollarprinzejtin. Freilag: Der Troubadour. Sonnabend: Die Asrikanerin. Sonntag: Die Dobarprinzessin. Ansang 8 st, Uhr. Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: flenn. Abend«; Der Registraior aus Reisen. Montag: Deborah. Dienstag: Der Registrator aus Reisen. Mittwoch und Dounersiag: Preziosa. Freitag: Der Hlitteubesttzer. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Ztocrg Rase. Abends: Preziosa. Sonntag- nachmitlog 3 Uhr: Deborah. Abend»: Berlin geht zu Bett. Montag: Hasemamis Töchter. Ansang 8 Uhr. Lustspirldaus. Sountagiiachmittqa 8 Uhr: DaS LeulnantSmllndel. Abend«: Der Feldherinhügel. Allabendlich: Der Feldherrnhügel. Soiitiiagnachniillag 8 Uhr zum erstenmal: Der Herr Senator. Abend» und Montag: Der Feldherrnhügel. Ansang 8 Uhr. Mctropol- Theater. Allabendlich: Hurra I— Wir leben noch! Ansang 8 Uhr. Herrnfeid-Theater. Täglich: Em« verlorene Nacht. Der Derbhsieger. Ansang 8 Uhr. Easiuo.Theater. Sonntagnachmittag 3st, Uhr: Weihnachten. All- abendlich 8 Uhr: Julie Wippchen. Sonnlaguachmiilag 3 Uhr: Der HochmutSleiisel. Roso-Tlnater. Sonniagnachmiitag 5 Uhr: Die Räuber. Allabendlich 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Folios Gaprice. Allabendlich bis aus weiteres: Der Jcldtvebelillgel. Ansaug 8st, Uhr. Apollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sonn- tagnachmittag Ost, Uhr: Spezialitäten. Passage- Tveaeer. Sonntag, nachmittag» 0 Uhr: Spezialitäteu. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. PZineorgartem Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Neittisballcn- Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr, Sonniags 7 Uhr. Walhalla> Theater. Allabendlich: Bravo l Da eapo l Spezialitäten. Ansang 8st, llhr. Sanssouci. Ost« Uhr. «karl-Haverland-Tbeater. Täglich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Ilraiila- Thoaior. Taubensw. 48/4V. Sonntag: Der Vierwald�älter See und der Gotthard. Montag. DienSlag und DonnerSIag: Eine Nil- fahrt bis zum Ii. Katarakt. Mittwoch und Sonnabend: Jerusalem. Freitag: Konstantinopel uno ha« goldene Horn, Sonntag t Der Vierwaldstälter Lee und der Gotthard. Ansang 3 Uhr. Sternwarte. Jnvaliienslr. 57— LT Allabendlich: Ach, die KerlS. Spezialitäten. Anfang esMMcrmtnöftlietflefie vom 3. Dezember 1910, morgen« 8 IIb». 6 taltonen Vetter kwmemb« 760 S Hamburg 708 ONO rerilt 768 D Franks a M 763 D Münch«» ,764O Wie» 765 Sllll 1 wolkig 3 bedeckt 2 bedeckt 3 Dunst 2A4)-l Nebel tfc ri* ni «tattonen Vetter »» Ii Havarnnba 758 RB Petersburg 759«SB Seilt» ,755 DSD !U>«rd«rv Bans 769 CSD 7590■ L bedeckt 2 dedeckt 5 wolkig swolktä 3 bedeckt -7 -2 » a 4 Wetterprognose>ür Sonntag, den 4. Dezember 1910. Kalt und vorwiegend nebelig oder wolkig bei zi«mllch frischen nordöst- lichcn Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berlioervetterburea» Grosstes Lager tn Mjprtea iaisctra mit Brlilautea und Edelsteinen verziert V. 40 s00 Mark ObneEdelsieine aber mit feiner Emaille-Dekorat. v. M. 18 an. Sie nur noch fugenlose Trauringe MarkeBeimon.e Wir haben die lechnisch voll- kommenste mechanische Ein' ricbtun? für Fabrikation von lugenlosen Trauringen. KonSgs!r.46 Ecke Hoher 6telnweg u. 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Jojtgmj, Z KtilllZt ÜtS Kttlilltt NlllllSdllllt. S«mw. t Z-M-IM. Sie Mabiter Vorgänge vor Bericht. Achtzehnter Tag. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung sagte der E r st e S t a a t s- anwalt Steinbrechr: Da die Verteidigung auher den schon vernommenen Zeugen noch eine Anzahl von Zeugen benarml hast welche über das allgemeine Verhalten der Polizei Auskunft geben sollen, so sehe ich mich veranlagt, zu diesem Thema auch noch weitere Zeugen zu benennen. Es haben sich bei mir eine graste Anzahl von Leuten gemeldet. Von diesen sind 74 vernommen worden. Sie haben zu Protokoll erklärt, dah sich die Polizei ruhig und korrekt benommen hat. Ich beantrage, 4 2 von diesen Zeugen zu laden. Austerdem beantrage ich die Ladung des G e- schastsführers Borckiardt. Derselbe soll Auskunft geben über feine Erfahrungen bei dem Kupferfchen Streik und bei anderen Streik; besonders über das Verhältnis zwischen Streikenden und Arbeitswilligen. Durch diesen Zeugen soll die Behauptung der Ver teidigung ividerlegt werden, dast die Arbeitswilligen nur anrüchige Elemente seien.— Auf eine Erwiderung des Rechtsanwalts Heinemann schränkt der Erste Staatsanwalt seinen Antrag so- weit ein, dah der Geschäftsführer Borchardt nur über den Streik bei Kupfer aussagen soll. Hierauf tritt das Gericht in die Beweisaufnahme zum dreiundzwanzigstcn Fall ein. Derselbe betrifft den A n g e k l a g t e n K l i ch e. Die Zeugen Kassenbeamter Zietz und Drogist Reismüller haben den Angeklagte» am Vormittag des 29. September in einem Bier- lokal in der K ö n i g st r a st e getroffen. Die Zeugen sagen, der Angeklagte schimpfte auf die Polizei und hatte die Taschen voll Steine. Er sagte, er habe gestern von einem Schutzmann eine Back- pscife bekommen, jetzt werde er nach Moabit gehen und alles kaput schlagen. Als der Angeklagte Kliche das Lokal verliest, folgten ihm die Zeugen Zietz und Reismüller. Kliche ging die Königstraste ent- lang, die beiden Zeugen immer hinter ihm her. Ein Leiterwagen fuhr vorüber. Kliche setzte sich hinten auf den Wagen, hielt die Beine in die Höhe, fuchtelte mit den Armen und warf dabei zwei- mal mit Steinen. Einen Stein warf er gegen das Postgcbäude, ein anderer Stein traf einen Knaben. Als die beiden Zeugen eines Schutzmanns ansichtig wurden, ließen sie den Ange- klagten fe st nehmen. Trotz de? sonderbaren Verhallens, welche? Kliche zur Schau trug, erklären die Zeugen, er sei nüchtern gewesen. Kliche dagegen behauptet, er sei betrunken ge- »vesen. In mehreren Lokalen, die er besucht hatte, sei von Moabit gesprochen worden, er habe sich an den Gesprächen beteiligst aber ivas er sagte, wisse er nicht. Wie er zu den Steinen gekommen ist, könne er sich nicht erklären. Er habe niemanden Wersen wollen. Er habe auf der Straste nur die Steine weggeworfen. Nach seiner Festnahme wurde der Angeklagte Kliche auf die Polizeiwache gebracht. Ueber die Behandlung, die ihm dort wider- fuhr, sagt der Angeklagte: Ich habe mich ganz ruhig verhalten. Die Schutzleute haben mich aus die Bank geschmissen und mit Händen und Füßen bearbeitet. Gleich nachdem ich in die Zelle gebracht wurde, bin ich geschlagen worden. Nach ungefähr zwei Stunden kamen wieder zwei Schutz- leute in die Zelle. Einer sagte:„Du Hund, Dich schlagen wir tot." Dann schlugen sie wieder auf mich ein.— Schutzmann Krause, der den Angeklagten sistierte, sowie die Schutzleute v. ZilevSky und N a u e, die auf der Wache mit ihm zu tun halten, behaupten, dast der Angeklagte nicht geschlagen worden sei. Der Zeuge ReiSmüller. der auch mit auf die Wache gegangen war, meint sogar, der Angeklagte sei von den Beamten so anständig behandelt worden, dast er. der Zeuge, sich darüber tzewuudert habe — Rechtsanwalt Rosenfeld: Halten Sie es nicht für richtig, dast man aus der Polizeiwache anständig behandelt wird?— Zeuge: In dieswn Falle nicht. Der Angeklagte hatte doch Steine in der Tasche, er wollte doch nach Moabit und hat sich auch aus dem Wege zur Wache so renitent benommen, dast ich mit zufaffen mustte.— Rechtsanwalt R o s e n s e l d versuchst durch Fragen an die Schutzleute näheres über die Vorgänge aus der Polizeiwache festzustellen.— Schutz« mann Krause sogst er habe semen Kollegen, der den Angeklagten in die Zelle brachte, ermahnt, recht vorsichtig zu sein, damit der An- geklagte nicht sagen könne, er sei geschlagen worden.— Die Frage nach dem Grunde dieser Ermahnung beantwortet der Zeuge dabin: Weil der Angeklagte bei seiner Festnahme mit Steinen bewaffnet und vorauszusehen war. dah er wegen Moabit angeklagt werden würde.—- Auf weitere Fragen antwortet der Zeuge, solche Mahnung zur Vorsicht werde in jedem Falle gegeben.— Der An- geklagte sagt, die Zelle, in der er von vormittags bis 19 Uhr abends eingesperrt war, sei so dunkel, daß er die Bcamteu, die ihn schlugen. nicht wiedererkennen könne. AIS später der Schuyniann v. Zilewsky vernommen wurde, erklärt der Angeklagte mit groster Bestimmtheit: Diese» Beamte» erkenne ich an der Stimme. Der hat mich in der Zelle geschlagen und zu mir gesagt:„Du Hund, dich schlagen wir tot."— Schutzmann v. Zilewsky bestreitet das.— Rechtsanwalt Rosenfeld: Auf die Frage, ob Sie geschlagen haben. können Sie die Aussage verweigern. Zeuge v. Zilewsky antwortet mit fester Stimme:„Ich verweigere nichts, ich habe ihn nicht ge- schlagen, nicht einmal angefastt." Auf weitere Fragen gibt der Zeuge zu, dast er einmal in die Zelle deS Angeklagten hineingesehen habe.— Rechtsanwalt Heine: Sic wollten wohl blast sehen ob er noch lebt. S i e haben ihm kein Leid getan, aber die Prügel hat er bekommen. Eine Zeugin, Frau G e n t s ch. wird zu einem der früher er- örterten Fälle vernommen. Sie kann dazu nichts sagen, hat aber folgendes gesehen: Am 26. September, abends nach 7 Uhr, hatte die Polizei eine Menschenmenge vertrieben. Die Straste war bereits leer, da kam ein einzelner Mann. Ei» Kriminal- fchutzmann schlug den Mann mit einem Stock über den Kopf. Dann kam noch ein uniformierter Schutzmann. Der schlug den Mann von hinten mit dem Säbel auf den Kopf, bis er niederfiel. AIS der Mann schon am Boden lag, schlug der Schutzmann noch auf ihn ein. Der Verwundete wurde von Strastenpassanlen auf die Seite getragen. WaS dann aus ihm geworden ist, weiß die Zeugin nicht. Fräulein PawlowSki. die Zinnnerwirtin des Angeklagten Heide, bezeichnet diesen alS einen sehr soliden jungen Mann, der keine alkoholischen Getränke genoß und deS Abends zu Hause über Büchern saß. Hierauf werden noch einige Zeugen zum Falle Sattler vernommen. Keiner von diesen kann sagen, daß Frau ober Fräu- lein Sattler„Bluthunde" gerufen haben. Der Zeuge Jordan hat nur von seiner Frau gehörst daß.die Dicke" gerufen haben rnüffe. Dieser Zeuge hat auch die Medersäbelung des verstorbenen Hermann mit angesehen. Luch er bestätigt, daß Hermann ganz allein langsam über die Straße ging, als ihm ein Schutzmann zwei Säbelhiebe über den Kopf versetzte. Das Blut floß dem Geschlagenen über den Kopf, er wurde vo» einem Manne in ein Haus geführt.— Der Zeuge Freitag hat diesen Vorgang ebenfalls beobachtet und stellt ihn ebenso dar wie der Vorznige. Am folgenden Tage hat der Zeuge noch die B l u t s p u r e n auf dem Straßenpflafter gesehen. In einem anderen Falle hat der Zeuge gesehen, dast an der Strastenecke eine mit einem SchutzmannSinontel bedeckte Masse lag. Dann fuhr ein Krankenwagen vor, der Mantel wurde entfernt, darunter lag ein Schwerverletzter, der in den Wagen getragen wurde.— Die Zeugin Erau Reimann hat ebenfalls das Niederschlagen e r m a n n S beobachtet. Sie stimmt mit den Angaben der Vorzeugen überein und sagst am folgenden Tage war an der Stelle. wo Hermann niedergeschlagen, bis au das Haus in das er geführt wurde, eine Blnlspur, als wenn man das Blut mit einer Gießkanne hingegossen hätte. Nun folgt die Erörterung des vierundzwanzigsten Falles, der den Angeklagten Trepkowöki betrifft. Der als Zeuge vernommene Schutzmann Stege sagt: Trepkowski stand an der Strastenbahnhaltestelle und beschimpfte zwei Schutzleute. Kurz darauf trat er an mich heran und sagte: Die Hunde können nichts weiter, als mit dem blanke» Säbel dreiiibauen. Ich ersuchte ihn, sich zu legitimieren. Da machte er eine Kehrtwendung und zeigte mir das Gesäß. Dann habe ich ihn siftiert. Er leistete Widerstand, indem er sich gegen den Boden stemmte. Auf dem Flur der Polizei- wache drehte er mir den Daumen um. Davon war ich 17 Tage krank. Ich rief„Hilfe", aber es hörte mich keiner. Als lvir oben an der Treppe waren, wandte sich der Angellagte nochmal gegen mich. Ich kam zu Fall und rief wieder„Hilfe". Dann kam ein Kollego hinzu, und nun gelang es uns, den Angeklagten in die Wache zu bringen.— Der Angeklagte Trepkowski bestreitest den Beamten beleidigt zu haben und beruft sich darauf, dast er völlig b e- trunken war. Das wird auch durch einen Zeugen be- stätigt, der angibst Trepkowski war so betrunken, dast er nicht arbeiten konnte. Er mustte deshalb von der Arbeitsstelle nach Hause gehen.— Auf dem Wege nach Hause hat sich dann der unter Anklage stehende Vorgang zugetragen.— Medizinalrat Dr. Hoff mann erstattet ein Gutachten über den Zustand des Angeklagten TrepkowSkst Dasselbe geht dahin: Der Angeklagte leidet an ch r o n i s ch e m A l k o h o l i§ m u s und Ischias, er ist insolgedesscn sehr nervenschwach und leicht erregbar. Der fünftindzwanzigste Fall bettifft den Angeklagten Senf, welcher der Beamtenbeleidiguiig beschuldigt ist. Gegen den Angeklagten wird als belastendes Moment angesührst daß bei seiner Festnahme ein Revolver und scharfe Patronen bei ihm gefunden wurde». lieber die Herkunft des Revolvers wird der Zeuge Ulrich vernommen. Er sagt, ivcil er aus Berlin abreisen wollte, habe er den Revolver, der früher sein Eigeutum war, an den Angeklagten verkaufst Um dem Angeklagten zu zeigen, wie die Waffe zu laden ist, habe er eine Patrone in den Lauf gesteckt. Das war kurz bor dem Tage, wo der Angeklagte festgenommen wurde. Er. der Zeuge, habe den Revolver nie benntzst Hierauf wird der sechsundzwanzigste Fall verhandelst Angeklagt ist der Arbeiter R o h t e. Er soll nach der Bekundung dcL Schutzmanns Barleben„Bluthunde" gerufen haben. Unmittelbar vorher— sagt der Zeuge— wurde anö den Fenstern geworfen und die Schutzleute schössen. In der Menge befand sich der Angeklagte nicht.— Frau Schul,, die Mutter des Angeklagten sagt aus: Als ich an dem betreffenden Abend nach Hause ging, sah ich. wie dje Schutzleute auf die Menschen losschlugen. Einem Manne haben sie den Kopf gespalten. Ich war furchtbar erschreckt über diesen Anblick. Mein Sohn war im Begriff auszugehen. Ich sagte, er solle lieber zu Hause bleibe», daß er nicht m den Trubel komme. Er meinte aber: D u brauchst keine Angst zu haben, ich kümmere m i ch nicht um die Sachen. Mein Sohlt ging und kam erst in der Nacht wieder nach Hause. Er sah entsetzlich aus. Im Gesicht war er rot, sein Anzug war beschmutzt und zer rissen. Ich sagte: Wie siebst du denn aus? Er antwortete: Mütterchen, mich haben sie verhaftet und auf der Wache mißhandelst Nach der geistigen Veranlagung ihres Sohnes befragt, sagt die Zeugin, sie halte ihn nicht für normal. Er habe von seiner Geburl bis zum 19. Jahre an Krämpfen gelitten. In der Berliner Gemeindeschule sei er nur bis zur fünften Klaffe gekommen. Er sei ein beschränkter Mensch. Um die Situation zu kennzeichnen, die zu jener Zeit, wo der Angeklagte sich strafbar gemacht haben soll, wird Schneider- m e i st e r O s l a t h ulS Zeuge vernommen. Er sagt: Auf der Straste sammelten sich Menschen an. Es waren meistens Neugierige. Es wurde„Hurra!" und auch„Bluthunde!" gerufen. Mehrmals sah ich, dast dir Schutzleute, ohne dast vorher eine Aufforderung an die Menge gerichtet wurde und ohne daß irgendwelche Gewalttätig- leiten begangen lvurden, mit blankem Säbel Attacken gegen das Publikum machten. Die Menschen wurden von den Schutzleuten ge- stosten und geschlagen. Kriminalbeamte als agents provocateurs(PcovozierungSwerkzeuge). Es ist mir aufgefallen, dast immer, wen» die Menge zurück- getrieben wurde, einzelne Herren sich an die Wand drückten und stehen blieben und von den Schutzleuten nicht behelligt wurden. Das war mir so auffallend, dast ich beschlost, festzustellen, was das iür Herren waren. Am folgenden Abend, Mittwoch den 28. September, ging ich binimter in die Turmstraste und stellte mich zwischen eine Gruppe dieser Herren. Da habe ich nun beobachtet. dast diese Herren, die auf dem Bürgerstcig in der Menschenmenge standen.„Bluthunde" und„Haut die Blauen" riefen. Darauf ging die Attacke loS. Die Menge wurde zurückgetrieben. Die Herren stellten sich an die Wand und ließen die Menge samt den ver- folgenden Schutzleuten vorbei. Tainl rückten die Herren wieder nach, mischten sich wieder unter das Publikum und riefen wieder:„Bluthunde",„Haut die Blauen". Dann wieder- holte sich dasselbe Spiel. Die Menge wurde attackiert, sie rannte davon. Die Herren drückten sich an die Wand, ich machte eö ebenso und die Beamten liefen an uns vorbei. Solche Fälle habe ich öfter beobachtet. Einmal stand ich in einer Gruppe dieser Herren. Eben war eine Attacke gemacht. Da kam ei» Schutzmann auf unS zu und holte aus, um einen der Herren zu schlage». Der Herr hob seinen Stock in die Höhe und rief:„Halt, Kollege!" Da schlug der Schutzmann nicht, sondern ging weiter. Auf eine Frage vom Verteidigertisch sagt der Zeuge: Ich weist ganz sicher, daß dieser Herr, welcher den Stock hob und„Halt, Kollege!" rief, vorher in der Menge war und„Bluthunde"—„Haut die Blauen" gerufen hat.— Vor- sitzender LandgerichlSdirektor Lieber unterbricht die Ausführungen des Zeugen mit der Frage, ob er gehört habe, dast am Dienstagabend geschossen worden fei.— Rechtsanwalt Heine bemerkt, der Zeuge habe soeben vom Mittwoch, nicht vom Dienstag gesprochen.— Der Zeuge sagt, er habe nichts von schießen gehört.— Landgerichtsdirektor Lieber: Konnten Sie denn die Stimmen so genau unterscheiden, um zu wissen, wer „Bluthunde" gerufen hat. Es waren doch viele, die so riefen.— Zeuge: Ich stand ja direkt neben den Herren und habe ganz genau gehört, daß sie gerufen haben:„Bluthunde"—„Haut die Blauen". Auf weitere Fragen antwortet der Zeuge: Diese tcrrea waren in großer Zahl anwesend. Alle zehn bis fünfzehn chritt stand eine Gruppe von zwei bis vier solcher Herren. Walten der uniformierten Polizei. Bei einer anderen Gelegenheit hat der Zeuge gesehen, dast ein Polizeileutnant einen jungen Mann mit dem Säbel über den Rücken schlug und dast ein Schutzmann eine» alte» Mann mit dem Säbel auf de» 5lopf schlug, daß er wie tot hinfiel. Der Zeuge hat mit anderen Leuten den verletzten alten Mann in einen Hausflur getragen. Ein Samariter wurde geholt. Die Leute sagten. eL sei doch barbarisch, einen alten Mann so zu schlagen. Da sagte der„Samariter": Der hat noch lange nicht genug gekriegt.— Rechtsanwalt Heine fragt den Zeugen, ob er Sozialdemokrat fei oder der' Sozialdemokratie nahe stehe.— Zenge: Nein, ich bin ein freier Bürger und selbständiger Handwerker. Staatsanwalt Stelzner fragt den Zeugen, ob die Herren, die er beobachtete, nicht Leute gewesen seien, die sich für Kriminalbeamte ausgaben, ohne es zu sein.— Zeuge: Darüber habe ich kein Urteil. Ich mustte sie jedenfalls für Kriminalbeamte halten.— Rechts- anwalt Heine stellt fest, dast der Zenge solche Vorgänge ja mehrmals beobachtet hat und bemerlt: Die Polizei wird sich doch uicht fortgesetzt von falschen Kriiuinalbcamten foppen lassen. Es folgt der siebenunbzwanzigste Fall. Angeklagt ist der Kunstmaler W c i d c»! a n n. Nach seiner Angabe, die durch einen Zeugen bestätigt wird, hat er am 2. Oktober abends mit Freunden eine Kneiperei gehabt, aus Freude dar- über, dast die Moabiter Unruhen zu Ende waren. Als er dann in stark angeknciptem Zustande nach Hause ging, soll er auf Schutzleute geschimpft haben, wenigstens ist er aus diesem Grunde von einem Schutzmann sistiert worden. Von der Wache wurde Wetdemann sogleich wieder entlassen. AmnächstenTage schlief er seinen Rausch aus und am dritten Tage erkundigte er sich bei der Polizei, weshalb er eigentlich sistiert worden war, denn er selbst konnte sich auf die Vorgänge jenes Abends nicht mehr besinnen. Auf der Polizei erfuhr Weidemann erst, daß er sich einer Beamten- beleidig» ng schuldig gemacht haben solle. Man gab ihm d�n Rat, sich zu cnrschubdigen, dann würde die Sache vielleicht nicht so schlimm werden. Als Weide mann einige Tage später diesem Rate folgend nach dem Polizei- Präsidium ging, wurde er in Haft genommen, erst nach drei Tagen ist er entlassen. Erklärung des Staatsanwalts. Ehe das Gericht in die Beweisaufnahme in diesen Fall eintrat, bemerkte Staats« niv alt Stelz n er, dem Antragsberech- tigten sei a n h e i m g c st c l l t worden, den Strafantrag gegen Wetdemann zurückzuziehen, wenn dieser sich entschuldige und einen Betrag an die tl n t e r st ü tz u n g s k a s s c zahle. Ter Angeklagte Weidemann sagt, die Zurücknahme des Strafantragcs wurde nicht abhängig gemacht von einer Ent- schuldigung, sondern lediglich davon, daß ich 25 M. an die U n t e r st ü tz u n g s k a s s e der S ch u tz nl a n n s ch a f t zahlen sollte.—Rechtsanwalt Heine: Weil dieser Ange- klagte der Sohn eines strimiiialbeamtcn ist, wurde ihm Gelegenheit gegeben, straffrei auszugehen, während andere junge Leute, die auch nichts Schlimmeres getan haben, wie Wöideman», bereits seit Monaten in Untersuchungshaft sitzen. Singe kl.: Ich habe die 25 M. nicht gezahlt, weil ich mir sagte, wenn mein Vergehen nur ein so geringes ist, dann kann ich es auf das Urteil diP Gerichts ankommen lassen. Der Vor- sitzende versucht die W eitere rörtcrung dieser Angelegenheit abzuschneiden mit dem Bemer- k e n, daß sie nicht zur Sache gehöre. Rechtsanwalt Heine be- merkt dazu: es sei zur Beurteilung der Sachlage doch nottvendig, festzustellen, daß die Stnatsanwaltschast bereit war, einen Ange- klagten laufen zu lasten, wenn er 25 M. zahle. Erster Staatsanwalt Stein brecht: Wir wollten dem Angeklagten nur Ge- legenheit geben, eine Beleidigung zurückzunehmen, die sich gegen seinen eigenen Vater richtete.— Rechtsanwalt Heine: Von einer Beleidigung des Vaters kann ja keine Rede sein. Die Be- Icidigung kann sich doch nur gegen die Schutzleute richten, die um den Angeklagten herumstanden.— Ter Angeklagte Weidemann gibt über die eventuelle Zurücknahme des Strafantragcs folgendes an: Nach meiner Entlastung aus der Unterfuchungs- Haft erhielt ich eine Vorladung nach dem Polizeipräsidium. Hier sagte der Kriminalkommissar v. Bchr zu mir, die Sache könne rückgängig gemacht werden, wenn ich einen Betrag an die Untcrstützungskasse der tschutz Mannschaft zahlen wolle. Ich sagte, 19 M. würde ich allenfalls geben, da sagte Kriminalkommissar v. Bchr: Das ist zu wenig! Sic werden schwer bestraft, wenn Sie angeklagt werden. Zu einer größeren Zahlung konnte ich mich nicht bereit erklären. Einige Tage später erhielt ich Ivieder eine Vorladung, diesmal vor den Äriminalkommissar Kahn. Als ich zu Herrn Kuhn hiueintrat, sagte er sogleich zu mir: Na, wollen Sic nun berappen? Ich bemerkte darauf, da ich infolge der Untersuchungshaft meine Stellung ver- lorcn hatte, sei nicht in der Lage, 25 M. auf einmal zu zahlen, aber ich würde sie in zwei Raten zahlen, wenn die Sache damit erledigt werden könnte. Da sagte Kriminalkommissar Kuhn: Jüdische Abzahlungsgeschäfte machen wir nicht. Dann geht die Sache weiter. Vor meiner Vernehmung auf dem Polizeipräsidium hatte ich bereits Nachricht bekommen, daß die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben sei. Zum Anklagefalle selbst wird hierauf der Zeuge Klaus vernommen, welcher den Angeklagten auf der Kncipfahrt begleitet hat. Der Zeuge bestätigt, dah der Angeklagte sich aus Freude über das Ende der Moabiter Unruhen st a r k bezecht habe. Damit war die Sitzung beendet. Am Montag v'ch Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Aus der frauenbewegung. Weibliche Fabrikinspcktorc» in Dänemark. Das dänische Mi- nisterium des Innern hat die Stadtverordnete Frau Julie Arenholt zum Fabrikinspektor in Kopenhagen ernannt. Frau Arenholl hat das polytechnische Käiididaieyameu bestanden. Als Fabrikinspektorin hat sie die Aufgabe, die Bäckereien und Konditoreien zu kontrolliere». Und da eS sich hier zumeist um Nachtarbeit handelt, fällt auch ihre Tätigkeit hauptsächlich in die Zeit nach Mitternacht. Frau Arenholt ist die zweite Frau, der in Dänemark ein solches Amt übertragen wird. Berichtigung. In der Notiz„Der weibliche Postbeamte' in der gestrigen Nmnmer de!„Vorwärts" ist die tägliche Vergütung für Markenverkäuferinncn mit 9,75 Marl angegeben: es soll heißen .2.75 Marl". Versammlungen— Beranftaltunge«. Berrin für Frauen und Mädchen der ArbeiterNaffe. Mittwoch, den 7. Dezember, 8»/, Uhr» im Englischen Garten, Alexanderstr. 27o (oberer Saal). Vortrag des ReichstagSabgeordnelen Dr. Eduard David über:„MutterschaflSversicherung und Volksgesundheit". Gäste. Männer und Frauen, willkommen. Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Schürzen-, Korsett- und Krawatten- brauche. Montag, den 6. Dezember. 8'/z Uhr. bei Wrübbel, Heidenfeldstraße 5:„Der Streik der Bielefelder Wäschearbeiter und Arbeiterinnen". Referent Herr TrintS.\ Zentralvrrband der Hausangestellte». Sonntag, den 4. Dezember. abends 7 Uhr, in KubeS Festsälen, Alte Jakobstr. 75. Bortrag des Herrn Georg Davidsohn:.Die Weihnachtsfeier ein t und jetzt"._ Leseabende. Erster KreiS. Montag. S. Dezember. 8� Uhr. bei Schütte, Juden- straße 55. außerordentlich«: Lefeadend. Frauen als Gäste will- kommen. Niederfchöneweide. Dienstag, 8Va Uhr, beim Genossen Lengsch, Britzer Straße 17. (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Polkobüliuc: Sonntag, den 4. Dezember, nachmittags 3 Uhr: Neues Schauspielhaus. 12. Ableitung (Gruppe St— bt): Monna Vanna. Thxlia.Theater. 2 /3. Abieil.(Grllppe K— 10): Kanipf. gcirnfclb- Theater. 3. Abteilung (Gruppen— 12): Der Herr Senator. Ncsidenz-Theatcr.<5.— 7. Abteilung (Gruppe 20-30): Di» 300 Tage. Montag, den S.Dezember, abends S Ubr: Neues Schauspielhaus. 15. Abteilunj II. Abendabteilung: Wann lehr Du wieder. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 4. Dezember, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Die.ftomödie der Irrungen.—«eirat wider Willen. Kammerspiele: GawKn. Nachm. 3 Uhr: Neues Theater: Tariüff.— Die Ge< Ichwlster. Zlrues Operetten- Theater: Die Glocken von Conieville. Kleine« Tbeatcr: Joachim von Brandt. Echillcr-Tbeater O.: Die Ehr«. Schiller. Theater Eharlotlenburg: Egmont. Metropoi-Theatcr: Pariser Leben. Neues Volls-Theater: Ucber unsere Kraft. »lbends ß'l, Uhr: Neues Bolls-Theater: Asbrand. Montag, Millwoch, Freiing: Der G'wlsfrnsmurm. Dienstag, Don- ncrStag, Sonnabend: Usbraild. Montag(Bolts-Oper): Don Juan. �essiiix-Ikeatsf. S Uhr: DaS Konzrrt. S Uhr: Rnatol. Montag 8 Uhr: Wenn der junge Wriu blüht. berliner'Hieatel-. H-uK- Oer scharfe Mer.«»hr. Nachm. 8 Uhr: Taifun. Neues Theater. Täglich: Wili-Iiiir. Ansang 8 Uhr. Modernes Theater ((rlthor Hebbellheater). Abend» 8 Uhr: Do]»pcIinCiimcIi Berliner Volksoper Nachmittag» 3'/, Uhr: Abend» 8 Uhr zum erstem»«!: Plc Woilurprlnneemtw. Theater des Westens. 8 Uhr: I>a* l'upponnUldoI. Mitlw. u. Sonnab. 4 Uhr: Rotkäppchen. Sonnt. 3V« u.:_Dle geschleilene Frau. Residenz-Theater. Direkt ton: Ziichard Alerandcr. Abend» 8 Uhr- Der Unterpräfekt. Schwant in 3 Alten v. Leon Gandtllot. Morgen und solgcnde Tag-: Der Uliterpräfekt Friedrich-WiHinsÄchei Schauspielhaus. Sonntag, 4. Tczeniber, abend» 8 Uhr: Die vrtktgelte Ueitus. Nachm. 8 Uhr: Die Hermann. schlacht. Montag: Die Räuber. Dienslag: Die versiegelte Venu». Luisen- Theater. » uhr. Kean. 3 uhr. Abend» 8 Uhr: Der Kegistrator auf Reifen. Montag: Deborah. Dienstag: Dar Registrator aus Reisen. Millwoch: Preziosa. Donnerstag: Prcziosa._ Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: vaa l.eutnanlamllnitel. Abend» 8 Uhr: Uor CcldhorriiliüKol. OSE-THEATE Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Sonntag abend 8 Uhr: Der VIemuld.tUtter See and der tiotthard. Montag abend 8 Uhr: Eine Nlifuhrt bin zum zweiten Kutarakt. Kaisor-Panorania. Wanderung durch die Eiset. »ggLJ Letzte Woche Tirol, Kar- Wendel und Wrtterstein- Gebirge. Eine Reiie 20 Ps., Kind nur 10 Pf. Abonnem. 1 M. Taus. Abonn. -(Th- > Blßthner- V""V LOtzow Saal StraBa. Haute Sonntag, abds. 7'/s Uhr: Konzert des Wlhntt'Wchi'lltrs. Dirigent: Hofkapeilm E. V. Strauß. SoL: Elsa von Brave(Klavier). Entrec 75 Pf. Trianon-Theater. ßlnfang 8 Uhr. Der heilige Hain. ZKstropol-Tkeatsr. NachnntlagS 3 Uhr: Pariser Leben. Abends 3 Uhr: Rauche» gestattet. Hurra! Wir leben noch! Grohe AuSstatliiiigSrevue In 7 Bildern v. I. Freund. Mnsil v. B Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. 1 1 1«r-V I» e» t«!». Sehlller-Tlieater 0.(Wallner.Tbealj Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Ebne. Drama in 5 Akten v. H. Sudcnnann. Ende b'l, Uhr. Sonntag, abend» 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in 5 Alien o. H. v. jUeist. Ende 10»/« Uhr. Montag, abends 8 Ubr: Die Kreazel.ebreiber. Dienstag, abend« 8 U h r: Die Fee Caprlce. Schiller-Theater CharloHenburg. Senn tag, nachm. 3 Uhr: Egmont. Ein Trauerspiel in süns Aufziigen von Gocihe. Ende 6 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: IMe Dacht der Finsternif«. Schauspiel in 5 Akten von Leo N. Tolstoi. Ucbersetzt von R. Löivenscid. Ende 10'/, Uhr. Montag, abends 8 Uhr: Der Dund der.Tugend. DienSlag, abend« 8 U6t: Der Rund der Jagend. CLOU" BERLINER KONZERTHIOS Mauerstr. 82— Zimmerstr. 90/91 !!! Heute!!! ---------(Anfang 4 Uhr.— Eintritt SO P(.) Gr. Goppel-Konzert. _ Dirigenten: Hernhagen. StUrmer. SlenCH Programm! tm~ Heute:-VB 2 Vorstellungen 2 Nachmittags 3 Uhr und abends 8 Uhr mit Liane d'Eve Excentriquo Irancaise umrahmt von einer Auslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. s=r Rauchen gestattet h LICHT-SPIELE Heute Beginn 3 Uhr Mozart-Saal. 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Insofern ist ganz richiig, wenn Maurenbrecher in seinein„Geleilwort" sagr, dieses geschichtliche Verständnis mache uns in der Gegenivarr unabhängig und frei gegenüber der über lieferten Religion. Wir können uns die Fragen des Lebens au' Grund unserer IvisienschaflUchen Erkenntnisse selber beannvorien. Aber— und jetzt kommt der Pserdefust des ganzen Werkes zum Vorschein— nun spricht Manrenbrecher sofort von.ausbauender Arbeit" und einer„Weltanschauung für modernes Denken und Wollen", zu der sein Buch erst die Bausteine,»och nicht den Grund- rist liefeni soll. Also ist er der Meinung, dast eine Bibelkritik das liefern könne. Dem mutz aus das entschiedenste widersprochen werden Unserer Meinung nach enthält die Bibel nur den Bauichutt eines bestiinmten Gebäudes antiken Denkens«nd Wollens, den wir uns nicht in das Gebäude unserer modernen Weltanschauung hinein schmuggeln lassen dürfen als kernigen Stein frisch aus dem Bruche. Aber gerade das erscheint iinS als die Absicht der Maurenbrecherschcn Arbeit. Dieser unklaren, widerspruchsvollen Absicht entspricht auch die widerspruchsvolle Grundlage seiner Schrift, wie Maurenbrecher sie weiter in seinem Geleitwort niedergelegt hat. Er will die Religion als geschichtliches Gebilde erklären, jeder religiösen Vorstellung ihre notwendige Stelle in der Kette der Entwickelnng geben, sich gehorsam beugen vor dem Zwange, der in den Dingen selbst liegt. Darum legt er seinen Untersuchungen„je weils einen Kreis zusammengehöriger biblischer Ge schichten— Schöpfungsgeschichten, Sintflutgeschichtcn usw.— zu gründe."— Der Witz an der Sache ist nun aber eben der, dast diese in der Bibel beieinander stehenden Geschichten eben meist » i ch t z u s a m in e n gehören und Produkte ganz verschiedener Entwickelungsreihen find. Erst in sehr später Zeit, als man von der alten Entwickelnng nichts mehr wustic und von ihr mich nichts mehr wissen wollte, sind sie von bestimmte Zwecke verfolgenden priesterlichcn Sammlern ihrem sachlichen Inhalt nach zusammen getragen und wegen ihrer Vielsachen Widerjprüche gewaltsam mir einander in Einklang gebracht worden. Freilich nnist Maurenbrecher gleich auf den ersten Seiten die Geschichten trennen, aber sie erscheine» stets als Zusammenarbeitungen gleich naiver und gemütvoller Erzähler aller barmloser Geschichien, — der Leier erfährt nirgends kurz und klar, dast die Bibel nicht nur die Literatur zweier verschiedener Völker, der Israeliten und der Juden, sonder» auch die verschiedenster Zeiträume und Kulturstufen durcheinondetwirrt,— die Sagen der noch halbwilden Juden vom Jahre 1000 und die Anschauungen der durch Babylonie» und Persien kultivlerten»achexilischen Juden des fünften und vierten Jahr- Hunderts v. Chr., sowie die aller Zwischenzeilen. Statt aber die trotz aller Pciesterarbeit auftretenden Widersprüche in der Bibel auf zuführen, abzuwägen, um dadurch zur Wahrheit durchzudringen, werden sie geradezu in der Weise der Orthodoxie übergangen oder in harmonistischec Zusanunenarbeitung zu einer erbaulichen Geschichte des Judentums und seines Gottes formuliert. Darum sieht Mauren- brccher auch nicht die FälschnngSkünste der späteren Jerusalemer Tempclpriesterschaft. die von ihrem Spezialgolt Jahwe, der in der Urzeit nur der Gott einer kleinen Giuppe geweien sein kann, be haupieten, er sei schon seit ältesten Zeiten der Gott des .Volkes Israel", das es in jenen ältesten Zeiten noch gar nicht gab. Er inacht deshalb deren Schwindel mir. der darin besteht, dieser Gott Jahwe mit den sämtlichen Lokal- göttern deS Landes Palästina zu eineni einzigen Gölte zusammen- z».schmelzen. Aber dieser Priestccgoit wurde erst herrschend im nach- cxilischen Juda, während die historischen Bücher der Bibel— denen charakieristischcr Weise M. kern H e i t widmet— und auch die prophetischen, aus jeder Seite beweisen, dast sich Jahwe in vor- exiliieber Zeit den Voltsgöttern gegenüber nur mit Mühe selbst auf dem Tempelberge behauptete. Solchen Unsinn kann man nur mitmachen, wenn man keinerlei Religionstheorie hat oder nur eine jüdisch-rheologische. Mauren« brccher sagt uns denn auch, dast er keine geben wolle. So ganz ohne aber geht cö doch nicht, und so gibt er uns fchlicstlich doch eine. so im Vorbeigehen— sie ist aber auch danach. „Religion ist n i ch t nur eine plumpe Täuschung der Massen durch babgierige Priester, und sie ist nicht nur ein Recken und Strecken der Meniche» nach edlerem, höherem Leben. Sie ist beides zu- gleich!" Diese„Theorie" ist teils nationalistisch, teils theologisch, — im ganzen ideologisch und ans jeden Fall total unrichtig. Sie weicht weit ab von dem. was die allgemeiner, nichtthcologische Re- ligionsgeschichrsforschung als Religion ansieht. Maurenbrecher tut seinen Mittheologen seit den ältesten Zeiten unrecht, wenn er die eine Hälfte der Religion als plumpe Täuschung seiteus habgieriger Priester darstellt. Religion ist keine bewustte Erfindung, am wenigsten zu Täuschungszwecken, sondern das Produkt der ursprünglichsten Philo- sophie der Menschheil. Sie ist ursprünglich der Kult— die Pflege— der Geister der Abgeschiedenen, der auch heute noch die Grundlage der geoffenbarten Religionen bildet, denn auch der groste Gott des Christentums ist nur ein„Geist"— lies„Gespenst"—, dem man am Altare wirkliche Opfer— wie im katholischen oder symbolische Opfer— wie im protestantischen Kult— darbringt. Die Bekämpfer der materialistischen Geschichtsauffasiung haben in bezng auf die Religion hervorgehoben, dast diese sich nicht durch jene erklären lieste. Sie haben damit Schliff gebacken. Nicht ein Sozial- demotrat, sondern der KnlturgeschichlSfo> icher Julius Lippert hat zuerst reinlich und zweifelsohne im Zusammenhange und auf Tatsachen gestützt festgestellt, dast Religion ein Produkt des menschlichen Egoismus sei. Sie dient(oder soll dienen), wie alles was der M.nsch tut. der Erhaltung seines Lebens; sie ist»ach LippertS Ausdrucksweise Produkt der„LebenSsüriorge" des Measchc». Furcht und Hoffnung— Furcht vor dem Schaden. den �ie anrichten könnten—, Hoffnung auf die Hilfe, die sie zu leisten vermöge», lästt den Urmenschen den Geistern„Verehrung" zollen. Eine„Verehrung' ist aber eine Gabe. Das ist der Kult. Der ganze Vorstellmigökluinplex von der Ver- biiiduiig des Menschen mit der Geisterwell ist das Gebiet der Re- ligion. Ein sittlicher Gedanke liegt ihr nicht zugrunde; ihr Prinzip ist das. was die Römer kurz bezeichneten als cko ut dos: ich gebe, oamit du gibst tiialürtich möalictist mebr). Aber die Religion, wie sie die erste über das bloste Triebleben hinausgehende Einrichtung ist, nimmt sie nun alle weiterhin neu entstehenden Einrichtungen nirter ihre Sanktion, meist in ihren Dienst: soziale, rechtlich«, künstlerische. Letztere eignete sich der Kult vorzugsweise air: Tanz, Musik, Deklamation, mimische Dar- stellung. Bau-, Mal-, Schnitz-, Schreibkunst, Astronomie, Rechen- kunst, Wittcrungskund« usw. Aber dieses wahrhaftige Recken und Strecken nach Edlerem und Höherem hat die Religion immer in ihre spanischen Stiefel eingeschnürt; die geistige und künstlerische Entwickelnng des letzten halben Jahrtausends empfängt ja geradezu ihren Stempel von dem Kampfe aller Künste und Wiffenschaften behufs ihrer Befreiung von der Religion. Sie ist allen gelungen bis auf di« Moral, die das Priestcrtum noch heute, für sich mono- polificrcn möchte, Maurenbrechers Religionsauffassung ist, um sie kurz zu be- zeichnen, die Religionstheorie der liberalen protestantischen Theologie. Diese hat eingesehen, daß es auf dem alten Wege nicht weiter geht, dast die Bibelkritik, wenn sie sie nicht betreiben, von anderen besorgt wird, und so gibt sie heute, bis auf wenige Aus- nahmen zu, dast die Bibel, besonders das alte Testament, in vieler Bezichnng falsches enthält. Aber das ist�nur das Werk unverstän- diger Menschen und liegt nicht in der Sache. Diese, die Religion selbst, sucht man in ihrer„unbegreiflichen" Eigenart zu retten und insbesonder- ihre oben dargelegte natürliche Entstehung zu verhüllen. Die Tatsachen müssen sich zu diesem Zwecke die niaiinigfaltigsten Entstellungen gefallen lassen. Der erste Ge- wäHrSmann, den M. zitiert, der Berliner Thcologicprofessor Herm. G u n ke l, sagt in seiner, auck von M. benutzten Genesiserklärung (1902): Die Erkenntnis der Sagcnhastigkcit der Bibclerklärungen „ist schon zu sehr Gemeingut der historisch Gebildeten geworden, als dast sie sich unterdrücken liehe; sicherlich wird sie— das ist ein ganz unauchaltsamer Prozeß— in unser Volk dringen; sorgen wir Evangelischen dafür, dast sie ihm im rechten Geiste geboten wird." Daß dieser„rechte" Geist nur der Geist der er- habcnen theologischen Spekulation, der tönenden und dröhnenden Nichtigkeit, der Verwäfferung und des Abschleifens aller Bestimmt- heit, der Geist der Umnebelung sein kann, dürfte jedem Denkenden klar sein. Maurenbrecher bläst ins Horn dieser Theologen, milde und sanft. Er schreibt fürs Volk und will die gläubigen Seelen nicht schrecken. Ebenso sanft in der Form und schwach in der Sache: das ist sein Prinzip. Die Käufer der zehn Hefte erhalten außer dem Gelcitswort keinerlei Einleitung in d-n Stoff. Die Bibel bleibt, was sie ihnen erscheint— ein Buch oder Bücherhaufen. Es gibt keinerlei vor- läufige orientierende Nachricht, wann, wo, wie die Schrift entstanden, auf welche Weise und aus welchen Gründen sie sich in so wunderbar erscheinender Weise bis aus die Gcgeiilvart erhielt, während so viel Jüngeres völlig unterging. Auch erhalten wir keinen Abriß der Geschichte des Volkes, bei dem sie entstand. Alle Antworten auf diese Fragen muß der Leser, wenn sie überhaupt gegeben werden, sich aus dem fast 000 Seiten starken Buch heraus- klauben. Wem wirklich an Verbreitung religiöser Aufklärung lag, würde an erster Stelle einen Uebcrblick über die Entwickelungsgeschichte der Religion gegeben haben, nicht wie er sie sich zusainmcnphanta- siert hat, sondern nach dein derzeitigen Stand der Wissenschaft. Er müßte zeigen, wie auf den noch ungeordneten Geisterglauben der Glaübe an Geschlechts- und dann aufsteigend an Stammes- und Ortögöttcr sich entwickelte, und wie nach der entstehenden staat- licheu Organisation der Glaube an Landes- und Reichsgötter ent- stand. Tann war an der Hand der biblisdien Geschichten und Notizen nachzuprüfen, ob die religiöse Entwickelung der Juden diesem Stufengange entsprach. Da würde sich gefunden haben, dast die religiös« Geschichte der Juden sich von der allgemein menschlichen nicht unterscheidet, die Juden also kein religiös bevorzugtes Volk sind; sie vielmehr, weil sie allgemein rückständig waren, aber zlvi- schcn Kulturvölkern wohnten, ihre höheren Religonsidcen von diesen entlehnten. Ferner, dast auch die religiösen Ideen des Christen- tums ganz auf denen der alten Völker beruhen, nichts grund- stürzend Neues, sondern nur die anders formulierten alten sind. Daraus würde sich dann der Schluß ergeben, dast es der fortgesetz- tcn Täuschungen endlich genug sei, und daß man sich lieber auf sich selber, statt' auf himmlische Hilfe verlasse. Aber daran liegt M. anscheinend nichts— und im Grunde kann er zu solchcni Gedankengange auch gar nicht kommen. ES hindert ihn daran seine Theorie der Religion— halb Betrug, halb Sehnsucht nach dein Ideal. Den Betrup ivill er beseitigen, dem Ideal ivill er in der„gereinigten" religiösen Verbrämung weiter nackffagen. Ein freisinniger Theologe, nichts weiter. Und so springt Maurenbrecher, ganz in der Weise theologischer Einleitungen", die aber freilich vielerlei Studium voraussetzen, mitten in die Sache hinein. Er erklärt uns in den ersten fünf Heften die„Geschichten" der Bibel bis Moses und gibt in den zwei wlgcitdeii eine Skizze der Entwickelung der jüdischen— er sagt falsch: israelitischen— Religion. Es ist im böckfften Grade charakte ristisch, dast er alle wirklich geschichtlichen Bücher— trotz starker Uebcrarbeilung durch das, was sie uns unbeabsichtigt überliefern noch die besten Quellen für die jüdische Geschichte und die Ursprung- liche jüdische Religion— ganz überspringt und nur einige Rosinen herausnimmt, die in seine Auffassung passen. Die letzten drei Hefte behandeln die Jesnslegende. Der theologischen Auswahl entspricht die Behandlung des Stoffes. Die ersten drei Bibelkapitel erfordern über 60 Seiten Grostoktav; es wird da seitenlang über Formung, nicht Sd)öpfung, den Gottcsfluch über Acker und Weib, die eifersüchtige Gottheit, die vier Flüsse, Entgeistigung der Natur usw. philosophiert, ohne dast dem Leser ein Faden gegeben wird, an dem er das aufreihen kann. Genau so in den anderen Heften, wo überall lang und breit über jüdische Religion, den Gott Jahwe, Priester, religiös« Einrichtungen geredet wird, ohne daß der Leser vorwärts kommt. Maurenbrecher glaubt teils dem Bibeltext, teils den theologischen Auslegern, meist aufs Wort, und beide hat er selbst sehr scklecht ver- standen. Wie könnte er sonst dazu kommen, das jüngste Quellwerk der Mvsesschriften als Erzählungsbuch I, das älteste als III zu be- zcichncu. Das geht ja zurück bis auf Delitzsch' Vater und muh einen noch unbclehrtcn Leser vollkommen verwirren. Mauren- brecher kann auch nicht selber beurteilen, ob die Quellen, wie sie zur Zeit beschaffen sind, nicht Fälschungen enthalten. Es steht ja fest, daß der südpalästinische(levitische), erst in der späten Königs- zeit zum jüdischen„Reichsgott" gewordenen Jahwe, der im israelitischen Nordp-ilästina niemals herrschte, vielfach in alte nordpalästinische Geschichten hineingeäudert worden ist,— die alten Gottesimmen verdrängte. Maurenbrecher berücksichtigt das nicht; er sieht, mindestens seit dem neunten Jahrhundert keinen religiösen Unterschied mehr zwischen Norden und Süden, sondern überall Jahweverehrung. So bringt er es Heft 3, S. 20, fertig, die von Amos(8, 14) vorgeführten drei Hauptgötter des Nordreichs in eine Vergangenheit zu versetzen, obgleich es am Tage liegt, daß der jüdische Jahtvemissionar Amos eben gerade deshalb den Jsreali- ten flucht, weil sie noch unter seinen Augen eben jene Götter und nicht Jahwe verehren.„Für die Israeliten des 8. Jahrhunderts wäre cö natürlich Unsinn, anzunehmen, daß sie bewußt verschiedene Götter angebetet hatten."— Nein! es ist ein Unsinn, inid noch dazu ein blamabler, zu behaupten, daß die damals noch nicht allzulange und nur sehr locker staatlich gecinigtcn Israeliten schon den e»n e n Gott gekannt oder gar den Gott des immerdar feindlichen Nachbar- Volkes Juda verehrt hätten. Hochgebildete Griechen und Römer be- teten noch zur Zeit Christi„bewußt verschiedene Götter an." Man sieht, dast Maurenbrecher, dem die Juden trotz der Woindelhaften Mosesoffcnbarung ein auSerwähltcs Volk sind, zu deren Gunsten alle geschichtliche Logik auf den Kops stellt. Dabei scheidet dieser selbe Prophet Amos den von ihm verdon- nerten„El" an einer anderen Stelle noch genau von seinem Jahwe. 4,n heißt es bei ihm:„Ich stürzte euch um. wie einst Gott(El) Sodom und Gomorra umstürzte",— ist der Spruch Jahwes. Schlagen wir k. Mose 19 nach so finden wir, dast dort Gott Jahwe Feuer und Schwefe! über die Städte regnen liest. Also erst nach Amos, der dort noch„El" las, sind die Fälscher an der Arbeit gewesen. Zu Amos Zeiten war cö noch rein israelitische Lokalgeschichte. Aber M. ist das alles eins. An Dutzenden anderer Stellen mutz er einen ähnlichen, oft seitenlangen Summs veranstalten, um eine Erklä- rung, die auf den ersten Blick falsch erscheint— und die er ansckiei- nc iii> selber seinen Quellen nur halb glaubt— plausibel zu machen. Trotzdem der Agitator des Südreichs das No.'dreich lästert und aus demselben deshalb mit preußischer Schneidigkeit„ausgewiesen" wird, kriegt M. es fertig in Heft 3, S. 16 z>- behaupten, schon unter David und Salomo wären Israel und Juda zu dem Gefühl(?) einer einheitlichen Natroiialität zusammengewachsen. DaS würde kein Völkerkundiger glauben, selbst wenn die Bibel nicht das strikteste Gegenteil behauptete. Sie erzählt jedoch, dast das nur mit Sohn wieder zwischen Ne. (1. Könige 15, 6). Ja, der Krieg hat laut den Bibelberichten zwischen beiden Ländern bis zum Untergang Jsracl-Sanlarias eigentlich nie aufgehört. So muß M. um seine religiöse P Hanta- sien zu retten, Geschichte auf eigene Faust machen. Wenn er durch sein Buch bezwecken ivill, dast der Leser selbst auch bald Spreu von Weizen scheiden lerne, so wird wohl schon das angeführte genügen, dast das Buch zur Spreu fliegt.— Alles sonstige Falsche uird Schiefe in den Erzvätergeschichten zu wider- legen, brauchte man ein ganzes Buch. Im 4. Heft, Mosegeschichten, erfahren wir über Mose? ver- hältnismästig am wenigsten, dafür wird aber wieder in langaus- gesponnenen Kapiteln über Gott Jahwe orakelt, das ganze theo- logische Material über diesen Namen nochmals gefegt, der brennende(aber nicht verbrennende) Dornbusch ganz platt ratio- nalistisch mit einem unter(?) ihn, brennenden Erdfcucr erklärt. Seite 38 gibt M. uns seine Götterthcorie am ausführlichsten: „Irgend ein Fels, ein Baum, ein Stein, ein Quell, ein Natur- schauspiel am Himmel, hier ein Vulkan oder ein Erdfeuer haben den Sinn naiver Naturmenschen bewegt. Ter Gegenstand oder das Naturschauspiel erweckten Grauen und Schrecken oder Ehr- furcht und Staunen... So wird bereits für die unmittelbare Anschauung des Naturmenschen, ohne daß er auch nur eine»spur weiteren Nachdenkens brancht, der Naturgegenstand selbst zum lebendigen Wesen. Als solches erhält er"sofort einen Namen: Der Baum wird Mamre. der Brunnen El-Roi, der Stein Bethel, der Fels Abrani. die Sonne Marduk und die Feuersflaunne ist Jahwe geworden." Die Feder sträubt sich fast beim Abschreiben dieses Nonsens. Jeder, der behauptet, sich unter diesem Bimbam etwas Vernünftiges oder Logisches vorstellen zu können, ist ein ganz gewöhnlicher Auf- schneider. Wer den Begriff eines Gottes bereits besitzt, der mag unter den vorgetragenen Umständen wohl sagen: Hier wohnt einer!, aber bilden kann man den Begriff eines Geistes durch solches Erlebnis ebensowenig wie den der Erhaltung der Kraft durch eine Ohrfeige. Und der Urmensch ist zwar unwisseird, aber ein vortress- lichcr Logiker. Obige Theorie ist erfunden und mit Eifer propagiert worden, um den unheilbareil Blödsinn zu beweisen, init dem an» geblich die Naturvölker geschlagen sind, und die Erleuchtung der christlichen Nationen durch die allein wahre Offenbarung um so glänzender strahlen zu lassen. Aber seit zwei Jahrzehnten tritt ein ernst zu nehmeirder Forscher diesen Quark nicht mehr breit. Maurenbrecher hätte sich nur die dritte Auflage von HellwaldS Kulturgeschichte und neuere geschichtliche Werke etwaS ansehen brauchen. Seite 40 kommt M. auch auf die Seele zu sprechen, um sie Seite 44 ganz in theologisdicr Weise von der Gottesvcnstellung scharf zu trennen. Letztere ist„von auderwäris aufgekeimt". Von wo sagt M. nicht. Er schämt sich doch noch ein bißchen. Wir aber wollcns sagen: Bon„o b e n"! Dem religiösen Mischmasch entspricht der kulturhistorische. Die Gotteslade— Lade Jahwes— ist ein Kasten. Soweit so gut. Aber diese Lade des unkultivierten Wüstenvolkes war(Heft 4, S. 48)„mit babylonischem Schnitzwerk verziert, Cherubfiguren usw."„Der Bcduincnstamm Israel mutz diese Lade irgendwo erbeutet oder erhandelt haben." Daß diese Ausschmückung der Phantasie öfter der Kunstfertigkeit späterer Zeit— als auch im Tempel eine. nicht diese, Lade stand— ihre Entstehung verdanken könne, wie das Kapitel, in dem die Beschreibung eilthaltm, tatsächlich der exilischen, wenn nicht der nachexilischen Zeit entstammt,— das komint M. nickt in den Sinn. Solche aus den Fingern gesaugten, geradezu an Fälschungen streifenden Behauptungen, die selbst sichere Resultate der liberalen Kritik wieder wegeökamotiercn, finden sich zu Hunderten. Wir müssen zu Ende kommen und übergehen die nächsten drei Hefte; das Resultat der Kritik könnte doch kein anderes als bisher sein; auf je sechs Zeilen müßte man eine Seite lang berichtigen. Heft 8 und 9 befassen sich mit der christlichen Mythe und bleiben sowohl>vas den Inhalt wie die systematische Gestaltung desselben betrifft, weit hinter vielen bürgerlichen Darstellungen zurück. Drews und Lublinski haben in neuerer Zeit besseres gegeben, auch schon viele ältere. Natürlich beriefen sie sich nicht ans den Berliner Hoftheologen Harnack und die übrigen Quellen Maurenbrechers, die meist von gleicher Qualität sind und kein besseres Resultat zeitigen konnte». In Heft 10,„Der geschichtliche Jesus", wird uns aus den neutesiamentlichen Quellen scilbunflSVoll sein Armelcutcevangelium vorgeführt, ebenso eine Geschichte j'iner Lebensschicksale. Da jeder Leben-Jcsu-Theologe dieselben anders auffaßt, hat solch« Darstellung nur subjektiven Wert. Zudem ist die Zeit der Leben- Jesu- Theologie vorbei. Ter Beweis der historischen Forschung, daß die Heilsgott-Erlöser- Messiasidee attheidnisckcs ReligionSgrit sei, darf heute als ebenso völlig gelungen angesehen werden wie die Tatsache nick/t aus der Welt zu schaffen ist, daß die überlieferten Jesu? ge Schichten von Anfang bis Ende Adoptierungen heidnischer Mythen sind. Das heißt: alte mythologische Erzählungen wurden bewußt auf die neue Figur angewendet und ans ihnen die angeblichen Lebcnsschicksale dieser Figur herausspintiiiert bezw. neu gedichwt zu dem Zwecke, seinen Erlöserberus im Symbol zu zeigen. So angesehen bleibt religiös für und geschichtlich von Jesus nichls übrig. Ein Sozial» demokrat hat alle Ursache, sich mit diesem Resultat zufrieden zu geben. Mit dem Bericht über den Tod des Jesus schließt das Buch so schroff, wie eL angefangen. Trotz seines abschreckenden sonstigen Wortrcichtums hat es keinen armseligen Hinweis auf die Zukunft von Religion und Christentum oder deren Bedeutung für die Ar- beiterklasse. Entweder hat Maurenbrecher dazu nichts zu sagen, oder er will darüber nichts sagen. Beides wäre gleichwertig, beides würde auch in gleicher Weise uns zeigen, dast Maurenbrecher die Bedürfnisse der Arbeiterklasse in bezug auf die Rcligionsgeschichie keinesfalls erkannt hat._ B. Sommer. Eingegangene Drucklekrikren. 3.50 M.. geb. 4.50 M. Süd- Hokunderdiift von Auguste Supper. deutsche Moii-itshcste, München. Der Komps deS BürgertumS um die Freiheil von Prof. H. Lmmmel(Vollsschrijten Heft 16.)— Die prcutztsche Berfassung von Pros. Dr. F. Caucr.(Bottsschristen Hcjt 17) je 15 Pf..Nationalverein", München. Grnndbegrlsse der Politik von Friedrich St-impser. Verlag der Fiänk. Verlagsanslalt u. Buchdruckern®. m. 6. H. Nüniderg. Preis geb. 3 M. Auch in t0 Licserungcu a 25 Ps. zu beziehen. Steienvermittlergeicti vom 2. Juni 1010 von Wiktor SzczeSliy. Perlag F. Bahlen, Bei Ii», Linkstr. 16. Geb. 2,40 M. Tie Kampfe um KuappschastSreforme» im allgemeinen Knapp- schaftöverein Bochum. 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Mit diesem Vorgehen der Konkurrenzfirma fällt für uns jede Veranlassung zur Rücksichtnahme fort, und erklären wir hiermit öffentlich: Es ist unwahr, daß die von der Konkurrentin in den Handel gebrachten Pathe-Platten sämtlich Original-Aufnahmen seien. Den besten Beweis gibt Caruso selbst, der in einem Brief erklärt, daß diese Aufnahmen vor dem Jahre 1903 entstanden sind und er diese, wie auch andere so alte Aufnahmen, nicht billigt. Wer die quarrenden, quietschenden Phonographen- Walzen der damaligen Zeit kennt, wird auch als Laie beurteilen können, ob nach derartigen Walzen kopierte Schallplatten dem Trara in den Angaben und den Ueber- treibungen in den Ankündigungen entsprechen. Wer sich über Aufnahme-Technik und Schallplatten- Herstellung unterrichten will, findet diese Information in den interessanten Abhandlungen„Wie entsteht eine Mill-Opera-Platte", welche unserem Versand-Katalog beigefügt sind. Unsere Kataloge enthalten alle weiteren in Betracht kommenden Angaben, besonders auch eine Aufführung der von uns geführten Mill-Opera-Konzert- Apparate und die Bedingungen, zu denen dieselben versandt werden(bequeme niedrige Ratenzahlung ohne* Preis-Aufschlag etc.). Die Zusendung der Kataloge geschieht gratis und franko überall hin. Otto Jacob sen., Berlin, 005 Friedenstraße 9. Größtes Sprechmaschinen-Versandhaus Deutschlands. . Deutschlands größtes Spezialgeschäft für Trauringe Sämtliche Trauringe, schmal oder breit, leicht oder schwer, in allen Größen fix n. fertig zum Mitnehmen. Hochelegante Ausführnng. Aus einem Stück gearbeitet, r n n a n I n C = ohne Lötung.------- f U Ij C U i U ö. Ringt Duk. BOOgestemp. 5 mm breit 10. 900 900 985 985 900 900 985 085 985 985 985 14 Kar. 585 8. 333 IV. iv, IV, 2 8 7 5 7 5 7 5 7 5 4 5 5 5—7 5—7 15— r'S 50 „ 16.50 , 17- „ 19.50 „ 20— „ 21.50 n 22- „ 22,50 . 27.50 , 33— v. 7.50-16— v. 4.50— 8.50 v. 0.50— 3— „ Chamieroit. 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MlU Ks LsmSrls" Lklliurr WllisdlM Sonntag, 4. DeztUlber 6ericKrs elrung. Eine auf der Landstraße verübte schwere Bluttat beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts III. Wegen versuchten Mordes war der Arbeiter Willi Schulz vor den � Geschworenen angeklagt.— Am 26. Juli d. I. ereignete sich auf der Chaussee zwischen Mahlsdorf und Dahlewitz eine Bluttat, der bei- nahe ein blühendes Menschenleben zum Opfer gefallen wäre. Der Schwnzer Robert gtichtcr hatte an diesem Tage seinen bisherigen Dienst in der?kähe von Rüdersdorf aufgegeben und befand sich nun auf der„Walze" nach Berlin, um sich dort einen neuen Dienst zu suchen. Er war lustig und guter Dinge und ging fröhlich singend die Chaussee enrlang, ohne zu ahnen, daß er eine Stunde später einem feigen Meuchelmörder in die Hände fallen würde. In der Nähe von Dahlewitz gesellte sich der jetzige Angeklagte zu ihm, der angeblich ebenfalls auf der Wanderung nach Berlin war. Als Richtcr in der Nähe von Mahlsdorf müde wurde, legte er sich in ein an der Chaussee befindliches Hafcrfeld, wo er auch bald ahnungs- los einschlief. Nach kurzc'r Zeit wurde er durch stechende Schmerzen im Halse wach, zugleich fühlte er, wie ihm jemand die Kehle zudrückte. Noch im Halbschlaf sah er, wie sein Wandergenosse auf ihm kniete und wie ein Unsinniger mit einem Messer auf ihn ein- stach. Trotzdem ihm infolge des großen Blutverlustes beinahe die Kräfte schtvanden, gelang es ihm, sich seines gefährlichen Angreifers zu erwehren. Aus sechs tiefen Kopfwunden blutend, schleppte er sich nach dem nächsten Dorfe, wo er ohnmächtig zusammenbrach. Er mußte sofort in das Krankenhaus geschafft werden, wo ex mehrere Wochen schwerkrank daniederlag. Die Staatsanwaltschc/st erhob gegen Schulz erst nur Anklage wegen gefährlicher KörtzLr- Verletzung. Die Strafkammer des Landgerichts III erklärt� sich jedoch für unzuständig und verwies die Sache an daS Schwni�ericht, da Schulz des versuchten Mordes für dringend verdächtig augesehen wurde. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde der Angeklagte zu 6 Jahren Zuchthaus und den üblichen Acbenstrafen verurteilt. Gartenstadt Hohen- Neuendorf 1 Waid(Nordbahn), Wasser, Arzt, Gas-, Wasserleitung, Gemeinde- u.böh.SchuleD Am Schützenhaus K herrl. j □ Rute 13 Mark. Hecnwald-Landbaustelleo. 10'/, Anzahl. Tilgung des 1 Bestes in 10 jährt. Raten. Kein Bauzwang. ülustr. Broschüre gratis!| AIIMg. Känlgttr! Vt* Femspr. VII, 3038 waren Jeder Art vom einfachsten bis feinsten Genre direkt � Fabrik. Einzelverkauf z. Engrospreisen. Kommandanten- straBe 15, I. Kein Laden. Teleph. 1. 3917. ■iooiH Hark Bsloknimg aaaaa W Geegenherskaute Bildschöne Herren- Ulster... m. 35. zs, Ii. Paletote.. m. 32, 22, 15 Anzüoe m,«. 36, 2s. 15 eilweise aus Maesstoffes.| oppen. 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Dieselben, desgleichen aber auch die Herren Mitglieder des Reichstages und anderer gesetzgebender Behörden, die Vertreter der Presse usw. werden zu einer am Dienstag, den 6. Dezember, abends 8 Uhr, in den Germama-Prachtsälen, Berlin, Chausseestr. 110, stattfindenden Nrotejtversammlung, welche sich mit dem Gesetz gegen Mißstände im Heilgewerbe befassen wird, dringendst eingeladen. 2U2S Der Einberufer: tVi»! Seeger, Berlin SW., Willibald-Alexis-Straße 12. 6eM Versaramhrag Kr UÜf MlldS MP für Ktünner und frauen"VW Mittwoch, den 7. Tezember 1010, abends 8'/z Uhr, „l'iei'Kai'tenkoL" Tagesordnung:!. Vortrag:„DkS Millt dliS Ubellle Etstli". 2. Freie Dlslussion. Neserent: ReichStagSkandidat Ncdatteur �Vflll» UÜIVSlI, fjtW Alle politisch denkenden Männer und Frauen sind zu dieser Versammlung dringend eingeladen WU 20?/ 10___ Ter(»inbtriifct: Karl Pelormann, illitteritr. 49. im am Stadtbahnhos Tiergarten. 3. KerUner Ueichstagsmahlkreis Dienstag, den 0. Dezember, abends 8'/» Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: NoNrs-Nersammlnng. TageS-Ordnung: „ßlufere politische Kage�. Referent: Reichstagsal'geordneter Keber-Iena. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 213/16» ve? Klnverator: August Pohl. Naunhnstrah« 30. Lsallster VZnKIKrsis! Sonntag, den 4. Dezember 1010, abends«'/- Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemnnder Strafe 42: oeffentliche politische Versammlung für Männer und Frauen. RfÄS Mssrge-LrÄsKung. 9kadH der tBevfamtnUmg; GBIVlil'lllchOS OGiSfllfllTIBnSSina Tanz 30 Pf. 231/11» Dcp Efnberater. Julius Marschnor, Sivinemünder Str. 70. Sonntag, den 4. Dezember, abends 0 Uhr. in Kellers Festsäleu, Koppenstrafte 20 (grosser Saal): Jugend- Uersammlnng. Bortrag beZ Herm Hvlsimelv»(srtlher Lehrer tu Bremen) über: �l'itz Aekktev, sein Leben nnd Wirken. Nach dem Vortrag: Gesellige Unterhaltung. Alle Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen sind sreun blichst eingeladen. 231/4» Der Eintritt ist frei._ Garderobe 10 Pf. Vmin für f rauen u. ffkackeben der Arbeiterklasse. Mittwoch, 7. Tezember, abends 8'/, Uhr. im«nglischen Garten, Aleranderstrasie L7v(oberer Saal): Bortrag des Reichstagsabgeordneten»p. Eduard David: 65/20„Mutter, chastsversicheruiig und Voltsgesnndheit". Säst», Männer und Frauen, willkommen. Ter Vorstand. Iis- Nachweis in allen frisch, u. veraltet, awaifelhaft Fäll, durch wlssciischaltl. Uiitersuchnng. sofort! deSgl. Harn-(spez. aus wo- norrhoe.Fadcii) u. Sdulum-iliiulylen. 0r.«om«,»r» vo., Spezlal-Laborat.. Friedrlchslr. ILS, zw. tironen, und Mohrenstrake), I.«724. Perf. Stückspr. diStr. u. tofteiil. Geössnet von 8—8 Sonntags von IS— 1.» Ivelgverein Leriin. Sektion der Patzer. Mittwoch den 7. Dezember 1010, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokale« Groft-Berlins und der Vororte, Uußerordentl. Bezirks- TersammtuDgen. TageS-Ordnung: Die vom 1. Januar an geltenden Bestimmungen des Status sowie die besonderen Einrichtungen der Putzersektion. ■ Um pünktliches Erscheinen ersuchen Der Sektlons vorstand und die Obleute« IVB. DoS Bczirkslolal von Steslttn besindet sich Mommseustrasse 7 bei LirbStr. I«eigvereln Berlin. Seklion der Gips- und Zementbranebe. Mittwoch, den 7. Dezember 1010, abendS 8 Uhr: direiieral- Verünaiinilnngs im Gewerkschaftshause, Engelnfer lö(großer Saal). Tages-Ordnung:» 1. Bericht der Delegierten von der Gaukonferenz. 2. Wahl des Sektionsvorsitzenden. 8. Geschäftliche Mitteilungen. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet lwltUlledsduel» legitimiert! Der Sektionsvorstand; Bekanntmachung. Orts Krankenkasse für den Amtsbezird Tegr! mit Ausschluß von Plötzensee, Die Htrbjf-Gtntrnlvtrsnmmlung wird anberaumt aus Mittwoch, den 14. Dezember 1S10, um 71/, Uhr abends, nach dem Trappnclien Saale ,Jnh. Max Gamm), Tegel, Babuhosstrahe l/2. Tagesordnung: 1. Wahl eines Ausschusses von drei Miigileder»»ur Prüfung der Jahres- rcchnung iSid. 2. Bericht des Vorstandes. Anschllehend hieran findet um S's, Uhr-ine �ulkrordeutlklie Generalversammlung statt mit solgeuder Tagesordnung: t. Neu. beim. Srsatzwahl jür ausgeschiedene Vorstandsmitglieder. a) Reuwahl für seitens der Kassen« Mitglieder. seitens der Arbelt. geber 1. Jobann Kurth 2. Emil Meyer 3. Wilhelm Pablow d) Trsatzwabl jür 1. Friedrich Heyde o) Neuwahl für 1. Fran, Beuglch 2. Kurt Mathäus Hierzu werden die gewöhlten Ver- freier ergeben» eingeladen, jedoch haben an der Herbsi-Nencralocr, sammlung nur die J908 gewühllen Herren Zntrlit.— Dagegen tSimeu au der auberordentllchen General- verlainmlung»ur diejenigen teil- nehmen, dl« am 22. bxzw. 23. No» oember 1S10 gewählt worden sind. Der Varntand.-207/13 g«z. Oswald Arlt, gez. Wllh. Rahlow, Borsitzend cr.«chrislsührer. Vcrwaltnug Ucrllu Mitglieder-Versammlungen am Montag, den I». Dezember. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Verbandsangelegenheiten. �llckler. Osten 11 1 5'/j Uhr(gleich nach Feierabend) bei Lltfiu, Memeler Str. 37. 1. Punkt der Tagesordnung: Vortrag. Osten 111:»>/, Uhr(gleich nach Feiavabcnd) in den Prachtsälen des Östrus, granksurter Alle« 13«. Dentllede V«r«rte: obendz b'l, Uhr(gleich nach Feierabend)(d Arnold, Frankfurter Chaussee 3,6. Horden: b'l, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Odiglo, Schwedter Etraye 23. Mordwesten(Wrdding.Moobtt): s>/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Kaezaroiusti. Raoenöstr. 0. 1>Voclett- uncl fabriktiscdler unä IVlociellcireckklei' um S Uhr abends im Rosenthalcr Hof, Roscmhaler Stratze li/12. Bautifcblcr Bez. 4 ZÄ Ätt a»"»Asi Mit t w o c h, den 7. Dezember er., abends 8 Uhr: Nertrauensmanner-Nerfammlungeu der ßranehen und Bezirke. ! Montag, aon 10. Dezember cr.t General»Vertammlung. Stnkkatenre Montagabend 7 Uhr» im GcwerkschaftShaust; Versammlung tnil Trauen ! Tagesordnung: Vortrag des Rcichstagsabgeordneten Suzols über:.Die politische Lage-. 2. Diskussion. S. Gewerllchaslliches. AWf Um zahlreichen Besuch wird gebeten.— Die Bcrjammlung wird piiukttlch crögiwt. W, Wenjel», MmdelSsohnsir. it. Arbeitsnaldwets: Hol L Ami 8, 1239. verwalrungsiielle Berlin. Hauvtdurea«: ciioriiseir-o« 2. Hol III. Ami 3. 1SS7. Montag, den A. Dezember 1910: Bezirks- Versammlungen für die gelsmte Verwaltungsltcüe Berlin in(olgenben Lokalen: Morden und Tegel: ÄÄ5- Vortrag de» Kollegen W i s s e l l. Neonefon- Obislog Fcgtsäle. Schwedter Strafte 23. abends fluracll. 81/, llür. Kenossenlchaliswelen und GewertschastSkanchf. Ref.: Kall. A. Wufchick. Unröen I Fraalre» Feiitallle, Badstr. 19. abends 8'/, Uhr. VOtlbit* Pr"chtBlUc Nord-West, Wiclefstrafte 34, abend» Vortrag de»'Genossen R. D o I d t über: Moderne Favrtkorganlsation und Arbeiterkontrolle. Gesten nnS Zekönederg: Vslev unU Uedleoberg: s!�e'«7�°'-n�' s',. 8trs!»u u. kummelsburg: ZSlieudeiirke: Benchierslatlun: von. Internationalen Metallarbetter-Kongreß. Ref.: Kollege A. Cohen. (Sr«un,»nni>i Feststtle, Naunynstr. 27. abends 8'/, Uhr. Bortrag. WoiRaneaa• Peukert* Restaurant, Köuigchaussce 38, IfElUcildCC. abends 81/, Uhr. Disrlarf* Vereinsbrauerel. Hermannstr. 211/319, abends niluori. 8'/, Uhr. 126/13 Ctiarlottenburg: Volkshans,«ostnenpr. S. abend? 8'/. Uhr. �fattlif?' Restaurant SekelUiase, Ahornstrafte 13», abends SlCljllU.. 8>/, Uhr. Vortrag de» Kollegen Bahn. Köpenick u. Frledrlchshagen: strafte 71, abend» 8'/, Uhr.— Neuwahl der Bezirksleitung. �nantisil' Rextanrant TorwUrts, Tchöuwalder Str. 80, OpallUdU. abends 8'/, Uhr Ober-Sehöneweide: s»/, uhr. Tagesordnung: Bericht von der letzte» Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Ute OrtsycrwaltuHK. Verband der Sattler und Portefeuiller. ----------- vrtsvenvalwug Berlin.- Die nächsten Branchen-Versammlungen finden an nachsolgenden Tagen statt: Porttseuillkr- a. Kkisrartikelbrauche: bei Graumann, Naunynstr. 27. Pilitiir-Iirnildjf: Mittwoch, den 7. Dezember, abends s Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 o. Finolkumltgtr«. Tkppiljjuühtr: n�5"' bei Welbnacbt, Brünstr. 21. lüntiril�riindir: Mittwoch, den 7. Dezember, abends S'/, Uhr, im Grwerkschaftühausc, Engeluser 15. Sektion(lhorlotttllburg: Mittwoch. 7. Dezember, abends S',. Uhr. im Boltshausc, Rosmenitr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Bevsammlungen erwarten 187/19__ Die Uranchenlettnngen. Sozialdetnokraliseher Wahlverein Charlottenburg. Dienstag, den«. Dezember, abends S'/a Uhr, im groften Saale des Bolkshauses, Nosinenstr. 3: MUgiieder-UersammiilNg des Wahlvereins/' Tage«»Ordnung:! 1. Vortrag des Genossen l»r. dnUng Moses-Berlin llber:»Auf »nm Kamstf gegen den Absolutismus l" 2. Diskussion. 8. Bereius- angelcgenheilen. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.-MG 230/17 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der vorstand. oaw med. Hart Reinhaedi»»pailal-lritiloha Institut# für r Geschlechtskrankheiten Haut-, Harnloldon, SlchwUche �'" HianderslraB« 17"- PDlsdaiOM Stab 117 i Vollkommenstes kombiniertes Heilverfahren bei rrlmchcn und veralteten lilllen. Kachwcts- lieb unerrelcbto lluuererfolre In Tertabltnls- milp 5 kurzer Zelt. 285/13 [ Um«ioh vor iwecidoaen evt sohädliohon Kuren ru sohüteen, verlange war» austührllche Broschüre in meinen Inatituten oder durch die Post(venobloss. Kuvert) gratis und franko. Syphilis- Nachweis D durch siosenschaflliohe Blutuntersuchung. ÜKerren-Vortrag!! Am Mittwoch, den 7. Dezember, abends 'jvlO Uhr, findet im Saale des Koataurants Potsdamer HtraOe 45 ein Herren- Vortragt statt über: Harnleiden, Syphilis -Hata 61 und da# neue Heilmittel Ehrlich-Hata 606. — Eintritt frei II— Orts- Krankenkasse der Mcchaiilktr.Optikerv.vtrili. Gkiverbe\\\ Kerlin. Montag, IS.Tezbr., abds.SUHr, in den„Armiudalleu-, Komman- dantcnftrabe 58/59: Videiitl. lZeiisssI-VkissiiiinIiing sämtlicher Vertreter. Tagesordnung: In getrennter Wahloerlaminlimg: �>ir die Vertreter der Arbeit- geber: Wahl von zwei Mitgliedern und zwei Ersatzmännern zum Vorstand an die Stelle der ausicheidciidcn Herren Goldschmidt und Würffel. Thür die Vertreter der«äffen, Mitglieder: Wahl von vier Mii- gliedern und vier Ersatzmännern zum Vorstand. Es scheiden aus reib, sind bereits ausgeschieden die Herren Hcuiann, Koibow, Strunz und Kesiner. In gemeinschastlichcr Versammlung: 1. Wahl einer Komniission zur Prüsung der Zabresrechnung von 1910. 2. Neuwahl der Bcschwerdekommisfion. 3. Anstellung eines Beamten. 4. Anlrag aus Bewilligung einer Eni. schädigung an die Mitglieder der Wahlveriammlungs- und RevisionS« lommijsion. Berlin, den 30. Noveniber 1910. 297/12 Der Borstand. I. A.:«ar llutsclis. Vorsitzender. Beschwerden und Auslagen. zu deren Beantwortung dte Einsicht der Kassenakten«rsorderlich ist, können nur erledigt werden, wenn sie bis zum 8. Dezember schristlich im Kassen« lokal eingereicht werden. OV Die Nieiieralbersammlung wird Pünktlich eröffnet, s Allgemeine Orts- Krankenkasse für Nixdorf. Liulsäung zu der am Montag, de» IS. De« zrmber, in Hoppe» stcitsalen. Hermannstr. 49. stattfindenden Ssdeiitl. gönelsI-VosSZiiiiiiliiiig Tagesordnung! 1. Abends 8—8'/, Uhr(nur für Arbeitnehmer-Delegierte): Wabl eine» Vorstandsmitgliedes au» den Reihen der Kassenmiizliedcr an Stelle oeS ?»errn E x n e r dl» zum 31. Dezember 9U(Erlatzwahl). 2. Abend» 9 Uhr(Im großen Saal): Gemeinschaftliche Gift»»g der Arbeitgeber, und lArdeitnehmer- Delegierten mit Vortrag des Herrn Or. Ludwig Moyer über:.Betriebs» Unfälle und erste tzUseleistung". Rixdors, den 2. Dezember 1910. Jdealpassage 12. Der Knsseuvorstand. Neumeier, Vors. Walther, SchnMhr. {MV Die den Delegierte» zugesandte Einladung dient als Legiti- matlon und ist beim Eintritt in die Veriammlung zur Eintragung in dte Präsenzliste vorzuzeigen. Wobnungsveränderungen find der Kasse sosorl mitzuteilen._ 297/11 .Oris-Meotasse zu Berlin. Am Sonntag, II. Dezember 1910, vormittags 10 bezw 10'/, Uhr, findet in den Prnchisäien AIi«Bcr!in. Blumen- strafte 10, die oM. Generalversammlung statt, zu der die für 1910/1911 ge. wählten Vertreter hiemlit ergebenst eingeladen werden. Um 10 Uhr t Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber. Tagesordnung: Wahl zweier Vorstandsmitglieder für 1911/1912 a» Stell« der au«- fcheidenden Herren Rolmow und Nutz. Um 10'/, Uhr: Versammlung siimtl. Vertreter. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Pros. Konser über.Die Bedeutung der Alkohol» trag, sür dte Bollshygiene"". 2. Wahl de» Ausschusses zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1910. 3. ßlbänderuna der§§ 10 Abs. VUI und 18 Abs, V de» Statut«. 4. Eri'öhung der Anfangsgehälter der Kasienangestellten. b. Beschlublassung über«inen neuen mit den Angestellten der Kasse ab- zuschliesienden Diensieertrag. 6. Abschluß eines Vertrages mit zwei bisherigen tzilssarbeitern. 7. Pensionierung eines Kassenbeamten 8. Mitteilungen des Vorstandes. Lcrsammluug der Vertreter der Kaflenmitglieder. Tagesordnung: Wahl von viervorstandsmilaliedmi sür 1911/1912 an Stelle lM»»:»< scheidenden Herren Raosch.«Kastel, Knuth und des bereits ausgeschiede- neu Herrn Mauer. 297/9 Berlin, bin 9, Dezember 1910. Der Vor*tnnd. Wilhelm Piehl. Vorsitzender. Achtung, Vereine! Sonnabend, 7. Januar, sowie Sonn- tage im Januar, tzebruar, März Säle mit Theaieibühne zu ver- geben. Engl. Garten. Alexander. ftiafee 27 o. 20936 Gtiiitlirsme Gris-Kmüt»- tiilsse für Noivawts»iid zluigtgend. Die in den Generalversammlungen vom 18. Weil und 19. September d. I. beschlossenen Stalutenände- rungen sind mit Ausnahme des Zu- satzcs zu§ 10 vom BczirkSauSschusi genehmigt worden und treten mir dem 2. Januar 1911 in Krasl. Gemätz diesen Aenderungen werden die Mitglieder von diesem Zeilpunlle ab nach Matzgabe ihres Arbeitsver- dienstes in sieben Loimkiassen einae- teilt; dcmcntsvrcchend ändert sich auch die Höhe der Beiträge sowie des Krankengeldes. Ferner werden die vom 2. Januar 1911 ab fälligen Beiträge für die versicherungspjlichiigen Mitglieder monatlich von den Arbeitgebern durch den Kassenboten abgeholt. Freiwillig versicherte Mitglieder sowie die selb ständigen Hausgewerbetreibenden haben ihre Beiträge auch weiterhin selbst an die Kasse abzusübren. Aussührliche Druckrxemplare der erwähnten Statutenänderungen(13. und 14. Nachtrag) sind im Kassen- lokal und in den Fabrikkoittoren er- hälilich. 297/14 NowaweS» den 3. Dezember 1910. Der Borstand. W. Kersten, K. Will, Vorsitzender. Schristsübrer. Zum Feste offeriere und empfehle in anerkannt nur besten Qualitäten: Psd. Pid. Psd. Psd. Psd. Orts- Krankenkasse der KtkivdrvlktruLtthsgraplirn. Am Dtenötag, den IZ. De- zember cr., abends 8'/, Uhr, findet im Gcwcrlschaftshause, Engel- user IV, im grotzen Saale die Qrdentltebe General-Versammlung pro 1910 statt. Sämtliche Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Kassenmitglteder werden hierzu er- gebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl des Ailslchusses für die Prüfung der Jahre«: echnung. i a) Neuwahl zum Vorstand, 7 Personen aus der Zahl der Vertreter der Ver- sicherten(§§ 38 u. 39 deS Statuts). b) Neuwahl zum Vorstand, 3 Personen aus der Zahl der Vertreter der Arbeitgeber(§ 38 des Statuts). o) Neuwahl von 3 Vorstandsmti- (iliebcrn(aus Grund be«§ 49 de» «tatuts). 3. Verschiedenes. 2117b Berlin, den 3. Dezember 1910, Der Borftaud. I. A.: M, Stu h I m a n n, Bors. Gardinen» Fabrik: VardininhauS Bernhard Echwartz Wallstr. IZ Li»»nm 24. Dezember erhält die Kundschaft lvirtschattsbücher für>911 gut nützlichem Inhalt.* Vorwflrtsleserl Aufgepaßt! Prtiizen-'Dfandteth«. Prinzen- strafte»». I Treppe(teiii ■Jaden), MonatsMdrrobr und versallene Psänder, stir tede Figur passend, behebend in Wimer- valetot» vou 3—25. Auzugen von ,10—25, Hosen von 2.50 gli. Velten. Wäsche, Gardine». Portiere». Teppiche. Goldsachen, Uhren, Ketten, Ring«, Pclz-SlolaS. im Versatz versgllen, staunend billig. Annoncen-Porzeiger erhält Fahr- geid. Prwzen-Pjandleih«, Prinzen- »ratz» 34, 1 Treppe(»wische» Nillerstratze und Morttzplatz).» J. Buer JSL Badslr.lSp.,�;,,,. Herren- und Knaben- ynSq Moden, Berufskleidung. ) m dfBf Elegante kujJSnB Paletots u. Pelerinen. GroBes Stoftleger;; zur Anfertigung n.MaS Allerbilllgsto, streng feste Prelle. W. HsrmannMüllef Berlin, Magazinstr. 14. Suioatra S6il a 21 verzollt II. Länge Vollblatt, sfeiner Brand, schöne Mittelsarben. tfeinrick franck lol.: III. 4352. Brunnen-Stf. 185. 8 bis 7 Uhr geüScet. 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Empfehle den werten vereinen und Gewerkschaften meinen Saal zu mlunge" Achtung Versammlungen usw. Amt VII 3520. Hermann vargrnann, Andreaii-Peatsttle. doooopoooo O Nsumann5 Volksgarten O V Röderftr.«8/2» O O Empfehle den geehrten Gewerkschaften und Zlereiitc» /fcP%. mein Garten-Etablisscment zum Abschluft von? M Sommersesten�, 25 000 P«sotien fassend, �10 000 HchDe O Sitzplätze, 3 grotze Spezsalitäten-Bithiien, grotzer Parkett- Saal. SKajfeeluchen, 3 verdeckte Kegelbahnen.»«« Oochachtunasvoll Frlpilrlch Beumann. © O HochachwngBvall Friedrich Neumano, Rödcrstr.S«/S». Wo�Am. Kein Nadelwechsel•=■ Keine Plattenabnulzung Der Gipfel ver VollUommenheif ist erreicht! Es gibt keinen Nadelwechsel unö keine Plattenabnutzung mehr!— Das sind die eminenten Vorteile der Path£- Plaften, deren Siegeszug durch die ganze Weit durch nichts aufgehalten werden kann! Pathe- Platten werden mit einem unzerstörbaren Saphirstift gespielt, vermeiden mithin den kostspieligen und lästigen Nadelwechsel und nützen sich im Gegensatz zu Nadelplatten niemals ab. Die Überlegenheit des niemals auszuwechselnden Saphirstiftes gegenüber der ständig zu erneuernden und trotzdem jede Schallplatte dauernd angreifenden Stahlnadel ist in die Augen springend. Die „Pathö-Platte" aber ist das Ideal einer Platte, denn sie vereinigt mit der größten Tonfülle, Tonschönheit und Tonreinheit der Wiedergabe eine nahezu völlige Unzerstörbarkeit der kostbaren Oberfläche. Man kann mit einem Saphirstift kreuz und quer über die„Pathö-Platte" tahren, ohne ihr irgend welchen Schaden zuzufügen. Nunmehr kann jedem Kinde ruhig die Benutzung des Apparates sowie der wertvollen Platten anvertraut werden. Eine „Path6-Platte" wird noch nach Jahren und nach dem strapaziösesten Gebrauch genau so rein und schön erklingen, wie beim ersten Male. 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Wir garantieren nicht nur für die wortgetreue Ausführung dieser Zusage, sondern haften auch dafür, daß bei Empfang unserer Sendung keinerlei Anzahlung zu leisten ist, daß keine Nachberechnung von Extra-Spesen, wie Emballage usw., stattfindet, und daß lediglich die minimalen Spesen der Hin- und eventuellen Rücksendung seitens des Empfängers zu tragen sind.— Ebenso findet bereitwilligste Beantwortung aller Anfragen statt— Wir bitten unsere Ansichtssendung per Postkarte oder Brief unter Bezugnahme auf dieses Inserat zu verlangen, am besten sich des unten eingedruckten Bestellscheines zu bedienen. BiaUFreund in Breslau 60 M -i..w�v v:-;.•■: Pgth6-Piatlen werden unter Benutzung aber modernen Errungenschaften auf dem Gebiete der Platten- technik in Fabriken hergestellt, welche viele tausend Arbeiter beschäftigen. 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Es enthält die beliebtesten Opern und Operetten, Märsche, Walzer, Phantasien, Ouvertüren und andere effektvolle Orchester-Vorträge, Arien, Lieder, Duette und Quartette, Instrumental-Soli aller nur bestehenden Arten, spanische, italienische und andere fremdartige Orchestervorträge, und auch der Humor kommt durch Couplets, humoristische Vorträge u. Gesänge ausgiebig zu seinem Recht Trotzdem wir nun sicher sind, durch unser gewähltes Repertoir jeden Hörer zu entzücken, gestatten wir Austausch nicht gefallender Platten nach eigener Wahl.— Wenn wir noch hinzufügen, d ß Arien und Lieder v. international bekannten Größen wie Caruso, Slezak, Schmedes, Birrenkoven, Jos. Schwarz, der Elizza, Runge, Doninsegna u.a. gesungen, fürCoupletsu. Orchester ebenfalls nur allererste Kräfte verwendet sind, so dürfte unser Programm kaum übertroffen werden können. Weitere Platten liefern wir zum Original- Fabrikpreise, unter gleich bequemen Zahlungsbedingungen und ebenfalls mit der Berechtigung der Rücksendung nicht gefallender Stücke. Komplettes Verzeichnis liegt jeder Sendung bei. I Bestellschein 60 m Ceti, autschneldm u. im Kuveit ciueadent Hierdurch ersuche ich die«Irma Slal& Freund In Breslau II, nir de» angebotenen Luxus-Spredi-ApparaC mit echter Pathd-Schalifioee und ___ Stücken auf doppelseitig bespielten Paihä-i'latten sum Gesamt- preise von__ Mk.— ohne Anzshhing, ohne Nschnshme, ohne Cmbsllsge berechnung, insbesondere ohne Jede Kaufverplliditung— nuuseadeo. leb verptllcbte mich, diese Sendung,(slls ich nie nicht su befaslten wünsche, innerhslb 5 Tagen, vom Tage des Cmptanges an gerechnet, franko aurOcica lesenden, andernfalls behalte ich st. und zahle unter Anerkennung den Eigen- lumsrechtea bis zum Auagleich obigen Betrag in monatlichen Raten tos _ Mk. vom Ablaut dar Proheasit beginn tod. 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Gesell schaftshause, Wilhelmsaue 112, stattfindenden Volksversammlung, zu der besonders die Frauen eingeladen sind, über„Mißbrauchte Kinderkraft". Zehlcndorf. Mittwoch, den 7. Dezember, abends Uhr, bei Mhklei, Potsdamer Straße 25: Vortrag der Genossin Simon über: ..Die Ehe in der konservativen und die Ehe in der sozialistischen Weltanschauung". Tempelhof. Die Parteigenossen werden ersucht, für die U n t e r- zeichnung der Petition an den Reichstag, betr. die Tempelhofer Feldfrage, recht rege zu agitieren. Die Stellen, wo die Listen ausliegen, sind durch Plakate gekennzeichnet. Schönwalde(Bez. Pankow). Am Sonntag, den 11. Dezember, findet bei Schulz eine Volksversammlung statt. Genossin Schulte- Rixdorf referiert über:„Junkerpolitik, Kaiserreden und die Mei- nung der Frauen". Agitiere jeder Genosse für guten Besuch dieser Versammlung. � Die Agitationskommission. Berliner JVacbricbten. Tie Geringfügigkeit der Alters- und Invalidenrente beleuckM eine Statistik, die von der Landesversicherungs- anstalt Berlin aufgenommen worden ist. Sie beweist, daß die Gewährung der Rente die Empfänger nickst belvahrt hat vor Inanspruchnahme der Berliner Arntenverwaltuirg. Die Erhebung hat nach Jnvalidenrentnern und Alters- rentnern beiderlei Geschlechts getrennt stattgefunden. , Die Ergebnisse sind folgende: Nachgeprüft wurden die Zählblätter von 13 799 mann- lichcn Jnvalidenrentnern. Davon bezogen 2530 offene Armen- unterstützungen oder 16,0 Proz. der Gesamtsumme. Von den unterstiitzten Rentnern waren 2319 oder 91,7 Proz. verheiratet und 211 oder 8,3 Proz. ledig. Tie Beträge der monatlichen Armenunterstützung schwankten zwischen 6 und 30 Mk.: in einzelnen Fällen wurden sogar über 30 Mk. an Armengeldern gewährt. Rund ein Viertel der Unterstützten zählte schon vor Gewährung der In- validenrente zu den Almosenempfängern, bei drei Viertel war ein Eingreifen der Armendirektion erst nach Eintritt der In- Validität notwendig geworden. Eine Herabsetzung des Al- nwsens fand bei erstcrcn im allgemeinen nickst statt. Von den 13 032 Jnvalidenreirtnerinnen bezogen 2613 oder 20,3 Proz. der Gesamtsumme bare Armenunterstützung. Von den Unterstützten waren 1812 oder 69,7 Proz. verwitwet, ge- schieden usw.. der Rest ledig. Vor dem Rentcnbezuge erhielt fast die Hälfte der Unterstützten schon Armengeld, in dessen Bezüge sie— meist in erhöhtem Betrage— blieben. Von den 1758 Altersrentnern erhielten 118 oder 8,1 Proz. (darunter 117 verheiratete), von den 115 Altersrentnerinncn 83 oder 18,7 Proz. der Gesamtsumme eine Armenunterstützung. Die Einstellung der Armemmterstützung infolge Bezuges der Rente trat nur in ganz vereinzelten Fällen ein. � Im Anschluß daran sind die Ergebnisse der Auszählungen aus dem Verwaltungsbericht über die in Irrenanstalten, Stiften, Siechen, und Krankenhäusern untergebrachten Rentner zusammengestellt, deren Verpflegung in den weitaus meisten Fällen auf Kosten der Stadt Berlin erfolgte. Von den Jnvalidenrentnern befanden sich in: Irrenanstalten:'... Krankenhäusern: rnannL tvetbl. mannl. lveibl. männl. lveibl. 782 352 87 75 4SI 292 Bon den Altersrentnern: 2 1 10 13 33 21 Die Tatsache, daß zahlreiche Alters- und Invaliden- rentner auch die Armenverwaltung in Anspruch nehmen müssen, ist zwar längst bekannt, ihre erneute zahlenmäßige Feststellung zeigt nur, wie schlecht es mit der Alters- und In- validenversicherung bestellt ist. Der Verkauf des ScheunenviertelS ist vom Magistrat gestern beschlossen worden: Käuferin ist die Neue Boden-Aktien-Gesellschaft. Für das Terrain ist ein Preis von 6 700 000 M. vereinbart worden. Bereits vor Iahren war der Verkaufspreis des Terrains auf 8 Millionen Mark festgesetzt worden. Um nicht noch mehr Geld zu ver- lieren durch Zahlung der großen Zinsensumme, ist man zum Verkauf unter dem festgesetzten Preise geneigt geworden. Würde die Stadt eine vernünftige Wohnungspolitik betreiben, hätte sie schon längst Veranlassung gehabt, im vorliegenden Falle zu zeigen, daß auch eine Gemeinde auf diesem Gebiete ct>vas leisten kann: selbst auf die Gefahr hin. daß zu den ver- lorenen 13 öder 11 Millionen noch 2 Millionen hinzugekommen wären. Aber unsere Hausbesitzermehrheit in der Stadtver- ordnetenversainmlung und eine gesunde Wohnungspolitik passen nicht zueinander._ Polizeiliche Legitimationskarten für Preflevertreter. Der Vorstand des Vereins Berliner Journalisten richtete am 23. Oktober d. I. eine Eingabe an den Berliner Polizeipräsidenten Herrn v. Jagow, in der um Einführung allgemeingültiger Legiti- mationskarten ersucht wurde und erhielt unterm 23. November eine Antwort, in der der Polizeipräsident mitteilt, daß er bc- absichtigt, in Zukunft versuchsweise allgemeingültige Legiti- mationskarten für die Vertreter der Presse auszugeben, die diese bei allen außerordentlichen Anlässen zum Passieren der Polizei- lichen Absperrungen berechtigen. Tie Bedingungen, unter denen die Ausgabe der Karten erfolgt, sind recht eigenartig. Es werden im ganzen höchstens sechs Karten auS« gegeben. Die Verteilung der Karten beschränkt sich auf� die Blätter der Vcrläge Scherl, Masse und Ullstein. M. betragen und in drei AlterSzulaaen nach je drei Jahren von 1000 M. bis zum Höchstgehalt von IL 000 Mark steigen. Ein Verein Arbeiter-Jugcndheim ist nunmehr auch in Char» lottenburg von Angehörigen der Partei»nd Gewerkschaften in Verbindung mit dem Jugendansschuß ins Leben gerufen worden, der es sich zur Aufgabe machen will, der schulentlassenen Jugend ein Heim zu schaffen, in dem sie Gelegenheit hat, ihr Wissen zu bereichern, sich durch gute Lektüre fortzubilden und Gcselligtcit zu pflegen. Angesichts der behördlichen Drangsalicrung der freien Jugend. bcwegung in neuerer Zeit so wie der Anstrengungen der Gegner gerade in Charlottenburg, die Jugend für sogenannte christliche und patriotische Bestrebungen einzufangen, ist es Ehrenpflicht der Parteigenossen, der Arbeiterjugend«ine Stätte der Belehrung und der Erholung zu scfcaffcn. Wir erwarten, daß sich recht viele Ge- Nossen und Genossinnen dem neugcdründeten Verein Arbeiter- Jugendheim anschließen. Der Mindestbeitrag von 10 Pf. monatlich ist so gering bemessen, daß ihn viele aufbringen können. Bei- trittserklärui-gen und freiwillige Zuwendungen für den Verein werden auf den nächsten Zahlabcnden von den Bezirksführern und schon jetzt von dem Vorsitzenden, Genossen Dr. S. Rosenfeld, Courbierestr. 9 s, entgegengenommen. WilmerSdorf-Halensee. Die letzte Mitgliedervrrsammlnng deS WahlvereinS beschäftigte sich zunächst mit der Beitragserhöhung. Nach kurzer Diskussion wurde der Antrag, die Wilmersdorfer Delegierten zu beauftragen, in der Generalversammlung Groß-Berlin für einen MonatSbeikrag von 40 Pf. zu stimmen, mit großer Mehrheit angenommen. Ein Äntrag, den Extrabeitrag von IS Pf. abzuschaffen, wurde mit ebenfalls großer Mehrheit abgelebnt Hierauf teilte der Vor- sitzende mit, daß der Vorstand auf Antrag der Genossinnen be- schlössen hat, den Frauenleseabend wieder jeden dritten Freitag im Monat stattfinden zu lassen, die Versammlung stimmte dem zu. Ein Antrag der Genossin Markussobn, den Frauen zu gestatten. im Frauenleseabend zu kassieren, wurde abgelehnt. Der Vorsitzende richtete an die Frauen das Ersuchen, die Zahlabende mehr zu bc- suchen. DeS weiteren teilte der Vorsitzende mit. daß der Vor- stand beschlossen habe, im neuen Jahre Sonntags nachmittags öffentliche Versammlungen mit anschließendem gemütlichen Bei- fammensetn zu veranstalten. Bei den Ersatzwahlen de« Verstandes wurde als zweiter Vorsitzender Genosse Haubold, als zweiter Schriftführer Genosse Markussohn, in die Lokalkommission die Genoffen Becker und Pohl, als zweiter Bibliothekar Genosse Blei, in den BildungsauSschuß die Genossin Markussohn gewählt. Tie Besetzung der freigewordenen Landagitationstour wurde dem Radfahrcrvercin überwiesen Als Delegierte zur VerbandSgeneral« Versammlung wurden die Genossin Markctvitz und-die Genossen Hilbig und Krüger gewählt. Der Vorsitzende referierte hierauf über die letzten Stadtvcrordnetenwahlen und teilte mit, daß der Handwerker- und Gewerbeverein einen Wahlausschuß eingesetzt habe, um bei der nächsten Wahl die verlorenen Stadtverordneten- Mandate wieder zu holen; dieser Plan müsse durch rege Agitation der Genossen durchkreuzt werden. Lankwitz. Urber den politischen Massenstreik referiert« in der letzten Mit» gliederversammlung des Wahwercins Genosse U l Die Ver- fammlung nahm die Ausführungen des Referenten mit Beifall entgegen. Ueber Vereindangelegenheiten gab der Vorsitzende da« Urteil des Schiedsgerichts in dem Ausfchluscherfahren gegen Theurig und Genoffen bekannt. In demselben wird den Genossen Theurig, Zack. Koots und Kühl eine Rüge erteilt. Don einem Ausschluß nahm das Schiedsgericht Abstand, weil sich von den ge- nannten Genossen nur der Genosse Kühl als Mitverfasser d>er Artikel in den.Lankwitzer Nachrichten" bekannte. Gegen letzteren soll ein gesondertes Verfahren eingeleitet werde». Nach Bekannt- gäbe des Urteils entspann sich, wie aus dem uns vorliegenden Be- richt zu ersehen ist, eine lange, höchst unerquickliche Debatte, die auf ein Bestreben einzelner Redner, die vorhandenen Differenzen in ruhiger und sachlicher Weise zum AuStrag zu bringen, gerade nicht schließen läßt. Friedrichshagcn. „Die Genossenschaft als Teil der Arbeiterbeivegung." Ueber dieses Thema referierte Genosse Max Jakobsen in der letzten Mit- gliederversammlung. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen. In der Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten noch ergänzt und betont, daß nicht nur bloß durch Worte agitiert. sondern durch entsprechende Lichtbildervorträge die Konsumbcwegung illustriert werden möge, damit diese Idee in weitesten Kreisen Ein- gang finde. Im Anschluß daran machte Genosse Miele die Mit- teilung, daß am 11. Dezember ein Märchcnabend stattfindet. Die Bekanntmachungen zu den Mitgliederversammlungen erfolgen fortan nur einmal, und zwar am Sonntag vor den betreffenden Versammlungen. Das ehemalige Mitglied Dröscher wurde wegen Streikbruch aus der Partei ansgeschlossen. Aufgenommen wurden acht neue Mitglieder, darunter eine Genossin. MtGNeuicke. Die letzt« Mitgliederversammkung des WahlvereinS«ahm zu» nächst einen Vortrag des Genossen Jakobsen über die„Konsum- frage" entgegen. Nach dem mit(siwßem Beifall aufgenommenen Vortrag forderte der Vorsitzende die Versammelten auf, dem Er, suchen deS Vortragenden, in die GcnossenschaftSbewegung einzutreten, nachzukommen. In den Wahlverein neu aufgenommen wurden vier Mitglieder. Alsdann wurden noch diejenigen Genossen, die ihren Austritt aus der Landeskirche angemeldet haben, darauf aufmerksam gemacht, daß sie den letzten Termin(27. Dezember) nicht versäumen möchten, ihren Austritt mündlich zu erklären. Pankow. Ter Agitation für die Konsumgenossenschaft dient eine öffent- liche Versammlung, welche die GewcrkschaftSuntcrkommission zum Dienstag, den 0. Dezember, nach dem Lokal von Rozycki, Kreuzstr. 3-4, einberufen hat. ES wird ersucht, für die Versamm» lung rege Propaganda zu entfalten. Spandau. Zwei Eiubrnchsbicbstähkc sind in der vergangenen Nacht aus. geführt worden. In dem Automatenrestaurant an der Havelstraßen- Ecke wurden sämtliche Automaten erbrochen und der Inhalt, zirka 500 M.. entwendet. Ferner wurde in eine Baubude an der Götel. straße eingebrochen und dort Rohmaterialien, Zinnblei usw. ent- wendet. In beiden Fällen sind die Diebe nicht ermittelt worden. Dir AuötrittSerkläningen auS der Landeskirche mehren sich derartig, daß es jetzt den Pfaffen allein nicht möglich zu sein scheint, die Leute von ihrem Vorhaben abzubringen, oder wenig. ftens den Versuch zu machen. Uns wird mitgeteilt, daß zu einem Arbeiter, der seine AustrittSerkliirung eingereicht, nach einigen Tagen der Amtsvorsteher von Spandau-Land gekommen sei, und den Versuch gemacht habe, den Mann von seinem Vorhaben ab- zubringen. Es soll dem Amtsvorstehcr jedoch nicht gelungen sein, den Mann von seinem Vorhaben abzubringen. Jugcndschriften- AnSstellungen tvcrden für den WeihnachtSbcdarf auch in diesem Jahre wieder von den einzelnen Bildungsausschüssen veranstaltet. Außer auf gute und preiswerte Bücher für Jung und Alt. erstrecken sich die Ausstellungen auf künstlerischen Wandschmuck, UnterhaltungSspicle und Bilderbücher. Nachstehend geben wir die Orte bekannt, die mit der Ausstellung, deren Besichtigung natürlich kostenlos ist, be- rcitS am heutigen Sonntag, den 4. Dezember, beginnen: Charlottenburg. Die Ausstellung wird eröffnet am Sonntag, den 4. Dezember,. nachmittags 3 Uhr, im Volkshaus, Nosinenstr. 3, sie kann jeden Sonntag in der Zeit von nachmittags 3— 8 Uhr und wochentags von 5— 10 Uhr besichtigt werden. Schöncberg. Di« Jugendschriftcn-AuSstellung wird heute im Tunnel Grosser, Meininger Straße 8. eröffnet. Die BesichtigungL- zeit ist für heute sowie am 11. und 18. von nachmittags 5 Uhr ab und an den Werktagen am 10., 17.. 20., 21. und 22. von 0 Uhr ab. Zchlendorf. Die Ausstellung ist am Sonntag, den 4. Dezember, um 3 Uhr nachmittags im Lokal von Schwarz, Alsenstraße 50, geöffnet. Anschließend hieran wird um 5 Uhr Herr Schriftsteller Breuer einen Vortrag über Bücher und Bilder halten. Ein>° tritt frei. Kövenick. Die Ausstellung währt vom 4. bis inkl. 11. Dezember im Stadttheater(Jnh. H. Otto), Friedrichstraße, und ist geöffnet Sonntags von 3—7 Uhr nachmittags und wochentags von 7—0 Uhr abends. Jugendveranstaltuttgen. Steglitz und ttnigegrnd. Abt. L i ch t e r f e l d e, Nachniittaa» 4 Uhr: Berfaiimilung bei Wahreiworl, Däkcftr, 23: Vortrag dcs Herrn Dr. Wold» lchmlvt über Tolstoi.— Ak>t Zehlendorf. Nachm. 4 Utzr: verfamm- lung bei Schul,, vorm. Kirf«, Teltomer Straße. Vortiag de« Kollegen Lindeinann:»Air sind dee jung« Staats— Abt. Atlmersdorf. Nachm. 4 Uhr bei Seite. Brandeiiburgllche Straße 100: Vortrag des Herrn Sulert über:.Der deutsche Bauernkrieg.' Sericbts- Leitung. Vom Gesindcrccht. Herr Greiser hatte seiner minderjährigen Tochter im Jahre 1908 die allgemeine Ermächtigung erteilt, als Dienstmädchen in Dienst zu treten. DaS Mädchen, das sich nach Swincmünde ver- mieten wollte, ließ sich auch ein Dienstbuch ausstellen. Da sie aber keine passende Stellung fand, so arbeitete sie erst mal als Ver- käuferin. Tann wurde sie Dienstmädchen bei dem Schiffbaudirekwr Schwarz in Stettin. Eines Tages kehrte sie nicht wieder in den Dienst zurück, nachdem sie ihrem Bater einen Besuch abgestattet hatte. Sie hatte über schlechte Kost geklagt und der Vater hatte ihr erklärt, daß er die ihr seinerzeit erteilte Genehmigung, in Dienst zu treten, zurücknehme und daß er nicht gestatte, daß sie in den Dienst zu Schwarz zurückkehre. Fraulein G. wurde demnächst auf Antrag von Schwarz vom Landgericht Stettin zu einer Geldstrafe verurteilt, und zwar auf Grund de» Ausnahmegesetzes gegen die ländlichen Arbeiter und gegen das Gesinde vom Jahre 1854, weil sie ohne Grund den Dienst vor Ablauf der VcrtragSzeit verlassen habe. Die Ermächtigung de» VaterS habe für dies Dienstverhältnis noch fortgegolten und ein Grund, der zum vorzeitigen Verlassen des Dienstes berechtige, habe nicht vorgelegen. Sie ljabe nicht behaupten können, daß ihr die .notwendige" Nahrung verweigert worden sei oder daß ihr.ekel- ciregende" Speisen verabreicht worden wären. Es möge ja sein. daß ihr das Essen nicht geschmeckt habe. DaS sei aber kein Grund zum Verlassen deS Dienstes. DaS Kammergericht verivarf die gegen daS Urteil eingelegte Revision mit folgender Begründung: Der Dicnstvertrag sei gültig gewesen. Ter Vater habe der Tochter eine Ermächtigung gemäß § IIS deS Bürgerlichen Gesetzbuchs erteilt gehabt, wo bestimmt sei: .Ermächtigt der gesetzliche Vertreter den Minderjährigen, in Dienst oder in Arbeit zu treten, so ist der Minderjährige für solche Rechts- geschäfte unbeschränkt geschäftsfähig, wlch« die Eingehung cder Auf. Hebung eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses der gestatteten Art oder die Erfüllung der sich aus einem solchen Verhältnis ergebenden Verpflichtungen betreffen." Diese vom Bater erteilte allgemeine Ermächtigung, in Dienst zu treten, habe noch fortgewirkt, als daS Mädchen den Dienst bei Schwarz antrat. Wenn sie später wider« rufen sei, wozu der Vater das Recht gehabt hätte, dann wäre das für den vorliegenden Fall gleichgültig. Die Rechte der Dienstherr- schaft, welcher sich das Mädchen auf Grund einer noch geltenden Ermächtigung vermietet hatte, würden nicht berührt durch die spätere, während der Dcrtragszcit erfolgten Zurücknahme der Er- mächtigung. Ohne Rechtsirrtum sei ein unberechtigtes Verlassen des Dienstes dargctan. Ein gesetzlicher Grund habe nicht vor- gelegen. Nach dem Familienrecht ist der Vater berechtigt und verpflichtet, für daS körperliche, sittliche und geistige Wohl seiner Tochter zu sorgen. Daraus folgt, daß ihm ein selbständiges Recht zur Auf- Hebung des Vertrages zusteht, wcnn seiner Ansicht nach das körperliche, geistige oder sittliche Wohl seiner Tochter durch den Dienst gefährdet wird. Er hätte deshalb selbst den Vertrag aufheben sollen. Aber mag die Rechtslage sein, welche sie wolle: der Fall zeigt von neuem, wie dringend erforderlich die Aufhebung der Ge- siiideyrdiluiigen ist. Ein Prozetz gegen Homosexuelle. In dem Magdeburger Prozeß gegen 17 Homosexuelle bean- tragte der Staatsanwalt Gefängnisstrafen von 3 bis 7 Monaten gegen olle Angeklagten. Das Gericht hielt eine Verfehlung gegen ß 175 Skr.@. B. nur bei eiiwUi Handlungsgehilfen, einem Haus- diencr und einem Sattlorlehrling für vorliegend, die übrigen An� geklagten feien zwar dringend verdächtig, aber nicht überführt. Gegen den Hausdiener wurde auf 3, gegen die beiden anderen für schuldig befundenen Angeklagten auf je b Wochen erkannt. Wcze» Körperverletzung im Amte ist am 20. April vom Landgericht Koblenz der Polizeisergeank August Karst in Kreuznach zu 100 M. Geldftraf« verurteilt worden. Während er Nachtdienst tat, wurde ruhestörender Lärm verübt. K. hielt einen gewissen B. für einen der Täter und faßte ihn an. Es kam zu Mißhelligkeiten und schließlich ließ der Angeklagte zu, daß sein Hund den B. sowie dessen Genossen H. biß. verurteilt ist K. wegen MiHandlungen des H., freigesprochen dagegen von der Anklage der Mißhandlung des V.— Auf die Revision des als Nebenkläger zugelassenen B. hob am Freitag das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Dache an das Landgericht zurück. Auf B. hat der Angeklagte seinen Hund allerdings nicht gehetzt, er konnte aber annehmen, daß der Hund den B. anfallen werde. Er wußte auch, daß der Hund, trotzdem er einen Maulkorb trug, beißen und den B. verletzen könne. Demnach würden die Voraussetzungen der fahrlässigen Körperverletzung vorliegen. Richtig wäre es. für jeden Polizeihundbih auch den Chef der Polizeiverwaltung zivilrechtlich verantwortlich zu machen. Er muß wissen, daß ein Hund Unheil anrichten kann. Gibt er dem Poli- zistcn einen Hund als»AusrüstuiigSgegenstand", so ist es nur billig, daß er für den dadurch angerichteten Schaden in allen Fällen persönlich haftet.__ Hue der frauenbevregung. Tie politische Rechtlosigkeit der Fraue«. Die zunehmende Teuerung aller Lebensmittel und die Steige- rung der Preise gerade der wichtigsten und unentbehrlichsten WirtschaftSartikel zwang die Frau während der letzten Jahre in erhöhtem Maße zum Mitvcrdienen. In der Zeit von Anfang 1006 bis zum September 19tO ist die Zahl der»rMichen Beschäftigten um 26,4 Proz. in die Höhe gegangen, während die Zahl der mann- lichen Arbeiter im gleichen Zeitraum nur um IS, 9 Proz. stieg. Dieses ganz außerordentliche Emporschnellen der Zahl weiblicher Arbeiter wird um so deutlicher,»venu man die Ziffer deS Wachs- tunlS der weiblichen Be-ölkerung dagegen hält, die in den Jahren von 1891 bis>890 nur um O.S Proz. stieg. Der Uebertritt zur gclverblichen Beschäftigung ist also nicht aus der Zunahme der weiblichen Bevölkerung z-u erklären. Seit dem Jahre 1882 ist die Zahl der erwerbstätigen Frauen rapid getvachsen. Sie betrug 1882: 24.2. bei der Zählung 1895: 25,4 und 1907: 80.4 Proz.. und dürfte nach den oben dargelegten ziffernmäßigen Nachweisen mit dem Ablauf de» Jahres 1910 sicherlich die kolossale Steige- rung auf 33 bis 35 Proz. erfahren. Demnach würde der dritte Teil aller volkswirtschaftlichen Arbeit von der Frau geleistet. Nun vergleiche man mit dieser Entwickelung des FraueneriverbeS einmal den Tiefstand der politischen Rechte der Frau. Aöngst- lich, wie vor zcbn Jahren und länger, al» der Minister v. Hammer» stein bei den AbgcordnctenhauSdebatten über die Zulassung der Frauen zu politischen Versammlungen erklärte:„ES ist traurig, wenn auch die Frauen tn ihrer leichten Erregbarkeit in politischen Versammlungen daS Volk bewegen sollten"— genau so, wie vor zehn, zwanzig Jahren, ist man auch heute noch darauf bedacht. die politiscbe» Rechte der Frauen zu verkürzen. ES ist ein Trauerspiel sondergleichen, daß eine Kulturnation, wie sie die deutsche sein will, sicb von Nen-Secland, von Australien beschämen lassen muß, m welch letztcrem Lande das politische und kommunale Stimmrecht der Frauen nun schon zehn Jahre besteht. Vom passiven Wahlrecht tn Staat und Gemeinde sind unser« Frauen auch heute noch ea ip»c> ausgeschlossen, und das aktive Wablrecht, d. h. die Befugnis, einen Abgeordneten zu wählen, das sie in einigen— beileibe nicht allen!— städtischen und ländlichen Ge- meinden Deutschlands und— man staune!— sogar Preußens ausüben dürfen—, dieses aktive Wahlrecht ist auch danach! lind, darüber braucht man natürlich nicht zu staunen: am nieiften ist'S in Preußen danackl Wo das Wahlrecht vom Gcmcindcbürgerrccht abhängig ist, hat man. mit AnSnabme von Eachfcn-Wcimar- Eisenach und Kvburg, die Frauen auch vom aktiven kommunalen Wahlrecht abgehalftert. Meist darf es übrigens, außer in Sachsen, Hannover, Lübeck und Bremen, auch nur durch einen männlichen Stellvertreter ausgeübt werden! Also mit einem Worte: Es ist zum Lachen! Ueberflüjsig hinzuzufügen, daß sich selbst dieics be- Ichränkte Stimmrecht der Frauen nur auf die Grundbesttzerin oder Eigentümerin bezieht. Für die Prolctarierin aibt'S kein Stimmrecht! Oder doch, halt, eins: Die Wahlberechtigung der Frau für die Krankenkassen ist garantiert. Damit erschöpft sich aber auch sogleich das Maß ihrer gesamten politischen Rechte. Von den fficwcrbegerichten, von den siaufmaniiSgerichten, in die sie unter allen Umständen hineingehörtc, ist sie nach wie vor auS- geschlossen. Dafür hat man ihr nach berühmten Mustern mancherlei ,.in Aussicht gestellt", so daß Wahlrecht für die Berufs- genossenschaften und die unteren BerwaltmigSinftanzen der In- tmlidenversicherung. Tie Frauen haben beute nach Maßgabe ihres Anteils an den volkswirtschaftlichen Leistungen nicht bloß mehr daS Recht, sondern die absolute. unabweiSliche Pklicht, für die Vermehrung ihrer politischen Rechte mit aller Entschiedenheit einzutreten! Ter Zustand von beute ist ein Unding! Viele Millionen erwerbstätiger Frauen, deren Steuergroschen man sehr Wohl zu schätzen weiß, die auch vor den Gesetzen mit dem Manne auf gleicher Linie stehen, politisch eine Ausnahmestellung an- zuweisen, sie politisch tot zu machen, bat ist so ziemlich da» stärkste Stück Willkür in unserem an Willkür und Gesetzlosigkeit wirklich nicht ganz armen Preußen-Teutschland.„Wenn ei kein« Ole» fcklechtsverschiedenheiten gäbe." sagt TbomaS Higginson.„so würde das Unrecht, das den Frauen durch ihre politisch« Rechtlosigkeit geschieht, weit geringer sein. Gerade weil ibr Wesen, ihre Ge- wohnheiten und Bedürfnisse von denen de? Mannes verschieden sind, wird sie nicht gerecht durch ihn vertreten, wurde es nie und kann eS und wird es nie werden." Trotzdem sind alle politischen Parteien, mit alleiniger Ausnahme der sozialistischen, die die volitische Gleichberechtigung der Frauen schon im Erfurter Programm anerkennt, durch die Bank für die Verkümmerung der politischen Rechte der Frauen; der Liberalismus genau so wie der blauscbtvarze Block! Tie erwerbstätigen Frauen, die die Bc- deutung eines starken wirtschaftlichen Faktors im Staatswesen gewonnen haben, müssen fanatisch unzufrieden sein mit einem Zu- stand der Gesetzlosigkeit, der Mihachtnna, der Preisgabe an Parteien, die sie als wirtschaftlichen Faktor nicht anerkennen. Hier kann nur ein» helfen: Die erwerbstätigen Frauen baben die Pflicht, sich fester zu organisieren und für weitestmögliche Ausbreitung politischer Aufklärung unter den arbeitenden Frauen zu sorgen, auf alle Winkelzüge der Gegner zu achten, jeden Hieb zu parieren und in größter Einheit und Geschlossenheit den gefetz- gebenden Körperschaften energisch zu Leibe zu rücken. Es muß den Regicrungskreifen stärker zu Gemüt geführt werden, daß man es satt bat, sich länger als Nebensache einschätzen zu lassen. daß die Millionen erwerbstätiger Frauen, dergi Pflichten das Gesetz sorglich umschreibt, deren Rechte aber außerhalb des Gesetzes liegen, ein unbedingtes Recht auf die Mitbestimmung ihres Geschickes verlangen.___ Hilfskasse der Graveure, Ziseleure und verwandten Berufsgenossen tn Berlin tsgt jeden 1. Montag cm Monat Restaurant Bramiert, Lutjen- ujcr 1, abends 8—10 Uhr._____ BHeflulten der Redahtion. C. G. 47. verein für ffeuerbeitattiinq. Brciieftr. 5.«-teilt aus Anfrage Auskunft.— SVZlt. Da» Recht zur Ausübung de« Reichstags» WäblrechlS wird durch Ansprüche d«r Armenverwaltungm ssir Kranken, bauSschulden nicht beleitigt.— A. F. d 2. Die Frau soll bei Gericht den Antrag stellen»weck« Erlaß einer einstweiligen vcrsitgung ans Herausgab« der Sachen.- Sl. B. I. 10-15 M.- 3S5 I.�o»n7i«nr:»:i-*t3!pgTin»n.r.Trn»-}'o»--.nrf Jn�g�w�r u.Lwr..-»':*i«o, j ori bDjTj A.ajoBopaol.väjcntqjr'BDJo» nj r-ü-Fiii"�« n)n»"1■.-i:<>■- j rj• n] a* nki»"'«�a■ a! n« n In«5 Grünfeld8 Weihnachts- Berlin W, Leipziger Strasse 20-21. » v». Jnttniard-TlsctiseäecK. Renlcinea Hansmac' er. ReiiiMit; In Ktron- PW »ufmachung Tisch uch. l.IOy 170 cm. Mond-/ AA tücaerMxMan, Oedeekmit 6 Mundtücher M.. M«VU Marke 2,Zo. W»lS«, niBltln«» abgrpaül. gesiurat Qrfißc 48x115 cm. Jacparil-Hanfltilchsr 6.90 und gebindert. . Duldend M*ik Wt'Be. reim. Markt 2339. JncqiiBtfl-iiBndffltlisr abgepaOt, genlumt OraSe 48x1)5 cm. und gebindert . Dutiend Mirk 8.oo TUchwiscbe, Bettwäsche, Küchenwäsche, Damenwäiche, Kinderwäsche, Herrenwäsche, Taschentücher Nr. 1641 Gelegenheits-Angebote in allen Abteilungen Schünen. UnteriScke, Strümpfe, Morgenröcke, Gardinen, Steppdecken, Bettdecken. Schlafdecken. .RRffeesedechtTeegedeck) Jncqaard-TlschsefiGtK. 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Von den vier beschlag- nahmten Leichen sind bereits drei wieder freigegeben. Es bandelt sich bei diesen Leichen um drei erwachsene Personen, die, wie die Untersuchung ergab, überhaupt nicht von der betreffenden Margarine gegessen hoben. Die einzige noch unter dem Verdacht der Margarinevergiflung beschlaguahmre Leiche ist die des 2Vz Jahre alten Töchterchens des in der Billhorner Brückcnstr. IIS wohnenden Schauermannes G. Die Legalseklion dieser Leiche fand am Freitag- nachmittag im Hamburger Hafenkrankenhause statt. Die Todes- Ursache soll Magendarmtatarrb und Speisenver- g i f t u n g sein. Ob der Tod aber direkt durch den Genuff der vergifteien Margarine erfcigt ist, muff erst die weitere chemische Unter- suchung ergeben._ Todessturz. Aus Rom meldet ein Telegramm: Der Ingenieur Cammarota unternahm heute mit dem Pionier Castella ni auf.dem Flugfelde Centocelle einen Anfst�cg im Zwei- decker. Als sie sich in großer Höhe befanden, stürzte das Flug- zeug plötzlich herab. C a st e l l a n i war sofort tot, C a m m a- rota wurde sterbend ins Lazarett gebracht. Eine Episode aus dem engiischen WahlKampf. Einer der A l l e r e d e l st e n der Nation, der sein Wappen- schild mit amerikanischem Parvennegeld reich vergoldet hat und nun als Redner der Konservativen im Wahlkamps tätig ist, ist der Herzog vonMarlborough. Der hohe Herr hat die schneidige Attacke, die Lloyd George gegen die Junker geritten hatte, mit etlichen Ungezogenheiten beanttvorret. Worauf ein liberaler Mr. H e m ni e r d e ihm in einer Versammlung in PortSfnouth mit folgenden Worten gedient hat: „Der Herzog von M. ging mit mir in dieselbe Schule. Er pflegte meines Bruders Hefte abzuschmieren, aber schlecht. Er war drei Jahre lang der Unterste in der Klaffe und keiner machte ihm diesen Rekord streitig. Auf der Universität Cambridge zeichnete er sich in gleicher Weise aus. Tann ging er nach Amerika und heiratete eine dollarbeladene Dame. Und nun kommt er zurück und be- schimpft Herrn R e d m o n d. weil er Dollars zum Wahl- kämpf von seinen Landsleuten, die durch das schmähliche irische Landsystem nach Amerika getrieben wurden, erhalten hat. Solche Art Leute muffen Männer wie Asquith, L. George und Grey um ihre Zustimmung ersuchen; und wenn es ihnen gerade nicht paßt, ja zu sagen, noch ein paar Jahre warten, um eine Mehrheit zu erhalten."_ Die Uebcrschwemmungen in Frankreich. Die Seine fällt schnell, doch kommen aus der P r o v i n z fortwährend Meldungen über Schadcnfälle, die durch das A n- wachsen anderer F l ü s s'r verursacht sind. Die G a r o n n e hat die Gemeinden in der Umgebung von La Röole überschwemmt, die Loire die Umgebung von Nantes. Bon der Rhone wird namentlich aus dem Departement Gard sehr schnelles Steigen gemeldet, mehrere Dörfer müssen mittels Boote verproviantiert werden. In Sanveterre(Gard) sind zwei Personen beim Keulern eines kleinen Fahrzeuges ertrunken. Eine Revolte im ZwangSarbeitshans wird aus Charkow gemeldet. Dort erschlugen 3 Zwangs- arbeitSsträflinge mit Brechstangen zwei Aufseher, raubten Schlüssel und Revolver, liefen auf den H�f hinaus, töteten dort einen dritten und verwundete»« drri weitere Auf- seh er tödlich. Die Verbrecher wurden bei dem Vcisuch, die Mauer zu erklettern, erschossen. Die übrigen SS Sträflinge verhielte» sich passw. Die Ordnung ist wieder hergestellt. Kleine Notizen. Grohfcuer brach Freitag abend in der Glacelederfabrik von Immanuel Meyer G. m. b. H. in Guben aus. Das Fabrik- gebäude samt einem Lederlager brannte nieder. Bei dem Hinaus- schaffen von Geschäftsbüchern aus dem Kontor erlitten zwei Arbeiter schwere Brandwunden. Von den etwa 200 Arbeitern werden zirka 120 in einer Nebenfabrik der Firma beschäftigt werden können. Von Einbrechern erschossen. Gestern früh wurde in Mensel. w i tz(S.-Altenburg) ein Beamter der Wach- und Schlietzgesellschast, als er drei Einbrecher festnehmen wollte, die in ein Fabrikkontor eingebrochen hatten, erschossen. Dos MuttergotteSbild in der Kirche von S o s n o w i c e ist nach einer Meldung der Schlesischen Bolkszcitung gestern nachmittag sämtlicher Kostbarkeiten beraubt worden. Die Täter sind ent. kommen. Eine Schreckenstat. In Kaiserslautern erschien gestern der 33jährige Händler Eberle auf der Polizei und gab an, er habe seine von ihm getrennte Ehefrau durch etwa lö Messerstiche getötet und seinen 13jährigen Stiefsohn schwer ver- letzt. Die Polizei begab sich sofort an Ort und Stelle und fand die Angaben bestätigt. Die Frau lebte zwar noch, doch ist ihr Zu- stand derart, daß wenig Hoffnung besteht, sie wieder herzustellen. Ein Zug entgleist. Bei N a v a d i a au der spanisch-fran- zösischcu Grenze ist ein Z u g infolge Dammrutsches, den Regengüsse herbeigeführt hatten, entgleist. Drei Reisende sind tot, viele verletzt._ tlrntllrticr Marttbertckie der itädlilchen Marktballen-Dtrektton über den Mrotzbandcl in den Zentral-Marttbolleir Markiloge: F l e>' ck i Zufuhr schwach.(Re((6äft still. Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, äst nicht lebhast genug, Preise säst unverändert. Met lug et: Zuiuhr reichlich, Geichäst nicht lebhast genug, Preise wenig verändert. F, i ch-: Zufuhr mätzig, Geschäft schleppend, Preise nachgebend. Luit er und Käse: Geschäft ruhig, Prelle unverändert. Gemüse, Obtt und S ü d s r ü ch t-: Zusuhr gnügend. Geschält etwas reger. Preise fast un- verändert. «V e» « % SSSSSSSSEeSSSV Unserem Genossen Ferttail Matte n.Fraii Schivclbeiner Str. 40 zur morgigen Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche. vis Lenossvn u. Genossinnen des Bezirks 540 B. % » <» ch ch « ch ch ch ch l dos 6. Berl. Heielistags-Wallrelses Am 2. Dezember verstarb unfere Genossin Frau lZsbriele Harermann Gerichistr. 8. Ehre ihrem Audcnkcnk Die Beerdigung findet am Monlag. den 5. Dezember, nach- miilags 3 Uhr, von der Leichen» Halle der Freireligiösen Gemeinde. Pappcl-Allce, aus statt. 231/12 Um rege Beteiligung ersucht lkoi» Vorstand. Zentral-lferöaBil der Böttciier. Weinkäter iiüd Bilkardeiter Teutschlands.— Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Mitglied �uxust WilcKe am Donnerstag, den l. d. MtS., ans Anlas) einer Blutoci gistmig steiwillig aus dem Leben gc- ichiedcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Bccrdizimg findet heute Monlag, den 5. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen. balle des Trevtowcr Gemeinde- Kirchboscs, Neue Krug- Allee, ans statt. 39/ 10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 2. Dezember verschied sanlt nach kurzem Schmerzenslager meine liebe Frau, unsere Herzens- gute Mutler, Frau Gabiieie Hafermann gcb Kaudziora Gerichljtratze Nr. 3. Dies zeigen ticsbctrübt an l/VItMli-icI, Hnfennann nebst Kindern Martha, Gertrud und Ella. Die Beerdigung sindct am Montag, den 5. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle der Freireligiösen Gemeinde. Pappelallce, aus statt. L114b| Zueigvereln Berlin. Am 29. November verstarb unser Mitglied üilri8 Stegeniann (Bezirk Nord-Ost). Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigimg findet am Montag, den b. Dezember, nachmittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle der Auierstehungs-Gemeinde in Weifzensee, Lichtnberger Strasse, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 139/12 Der Borstand. zgMmliid'Miiei'ValilvMüi ÜLixdkn'iT. Am 2. d. MtS. verstarb nach langem Leiden unser Genosse. der Aibeiter Otto Osumsnn Zielbenstrasse 70(19. Bezirk). Ehre seinem Andenke»!! Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 31/; Uhr, von der Leichenhalle deS Thomas- KirchhoicS, Hcrmannstrasse. aus Natt. 23C/6 Rege Beteiligung erwartet Der Voi-Htnnd. Oeutsctier Metaliarbeiter-Verband Verweltungsstelle Berlin, Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Metallarbeiter 0/to Baumann am 2. d. M. an Halsleiden ge- lwrben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den S. d. M., nach- mittags S'l, Uhr, von der Leichen- halle deS Tbomas-KirchhofeS in Rixdors, Hermannstrasse, aus statt Rege Beteiligung erwartet 128/14 Die Qrtoverwaltnng. TerleHi-Instltot: Friedrichsl.l 16/1, a.Orabg. 'Tor. Sita. Frack, Gehrock i, 50, Hose 1,00, Weste S?Ps. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dotz am Mitlwochvormittag unser guter Vater, Schwiegcr- und Grossvatcr 2116b >Vi!ke!m 8cdüti plötzlich verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnähme an Gie tieftrauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Montag. nachmittags 3'!, Ubr, von der Halle des Elisabeth- Küchhojes, Prinzen-Allee. auS statt. Am 1. Dezember, vormittags 10 Ubr. verschied nach langem. schwerem Leiden unser geliebter sobn, Bruder, Schwager, Onkel Otto Hüthel im 24. Lebensjahre. 21196 Dies zeigen tiesbetrübt im Namen der Hintciblicbcnen an Eiuii Hüthel und Fran. Roilocker Str. 29. Die Beerdigung sindel morgen Montag, den 5. Dezember, nach- mittags t'/, Uhr, von der Leichen. halle des städtischen Fricdhoscs. Müller-, Ecke Seestrasse, aus statt Danksagnttg. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die reichen Kranz- lpenvcii bei der Beerdigung meines lieben Mannes �uxust Lange sage ich hiermit allen Betelligten meinen herzlichsten Dank. Emilie Lange + Hygiemsche4. Bedarf Partikel-\enheiten Neueste illustr. Preisliste gratis. Versandhan* Kech. Berlin 514, lilchterfelder Str. 83. Danktiagang. Für die so überaus zahlreichen. liebevollen Beweise herzlicher Teil- nähme beim Heimgange unsei es geliebten Sohnes und BrudeiS. meines Bräutigams 197/15 Wilhelm Ehrlich unfern wärmsten Dank; vor allem der Leitung der Automobst-Ab- tcilung der Siemens> Schuckerl- Werke, Nonnendamm, den Kollegen Dieser Abteilung, sowie seinen Kollegen der Daimlcr-Werke und Anhalter Bahn, und allen lieben Freunden und Bekannten. Berlin, den 3. Dezember 1910. Wilhelm Ehrlich. Auguste Ehrlich. Georg Ehrlich, Klara Brachmliller. und Goldwaren F. Stabenow Charlottenburg i Berliner Str. 146. Dnnksagmtg. Für die vielen Beweise derzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Schlossers Wilkslm Guth sage ich allen Freunden und Bc- kannten, besonders dem Sozialeem. Wahiverein, Bezirk Weisscnsce, dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, Bezirk I, der Ortsverwaltiing Berlin desselben, den Gewerbegcrichts- beisivern in Weissensee und auch dem Gesangverein.MänneichorWeissensee" meinen herzlichsten Dank, ebenso für die vielen Kranzspenden. W>v. Gut Ii, Weibensee. BaiikMagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Vaters sagen wir allen Freunden und Belannten sowie seinen Kollegen der Firma Bcrnh Noa und BerusSlollegen unseren innigsten Dank. 268/1 M. Heerklotz und Frau. Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W, Mohren- Straße 37a(2 Haus von der| Jerusaiemer Straße). 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VerleililmuM leiner Herren- Moden, l19 13000] II 960[500] 9O02» 82 211 60[500] 680( 500) 606 777 980 3 1 501 601 722 81 038 3 2091 137 922 3 3 211 67 317 496 501 763 «21 34081 113 21[500] 897 528 627 737[500] 45 71 85 3 5 076 93 221 410 620 74 611 36017 56 853 400[3000] 093 7 11[1000] 927 82 37019 79 172 SSO 476 602 611 92« 34122 72 462 611 100[tOOO] 813 43 053 3 0119 358 6» 511 696 40901 133 888 691 700[596] 933 41 41877 487 591 671 961 42658»31 01 4 3 673 291 467 301 86 4 4066 93 185 216 619[ 500] 779 4 5221 895 414 49 60 655 632 303 6| 46032 03 241 460 768 885 4 7 370«31 564 W17 18 839 639 43 74 53 4 8216 026 47 786[500] 827 48251 [1000] 442 814 874[1000] 5 00-9 403[ 500] 87«85 737 333 5 1 075 5 2 078 235 450 913 5317« 619 883 5 4333[500] 55 131 225 537 34 48 1500) 625 5 5(191[6000] 128 315(610] 01(590] 10» 649 50U51«0 412 70 523 706 73[ 6000] 94 BTlifiS 86 405 628 761 981 58030 501 707 3» 59220 173 519 31 061 781 886 985 601111 238 622 624 80 724«1332 99 406«65 951»7 1500] 88[3000] Ö2211 398 625 28 1600] 73 704 G325I MI 620 003 1600]«30 64312«38 37»1)3 38 06» 1600] 6 5240 401 633 793 6 69311 123 312[3000] 474 600 78 812 »76«7481 655 671 005 0 8036 105 438 5 09 35 87» 907 68080»6 7 0073 151 595 618 738«09 957[500] 71085!09 353 84 483 4S 51 097 878»77 72116(500)|ft> 417 077 751 850 73l«3«73 762 7 4091(1000]»85 75111 202[600] «93 679 90-} 7 6 023 75 991 373 35( 5»»] 409 665 781 830 7 7 071(1000] 130 84 3« 11000] 225 402 670 079 78017 165 1600] 313 481[1000] 532 74 693 71» 617»11 79100 67( 500]«2«51 854 so 30 79 164 01 233»8[56«] 415 83 569 027 647 [590] 81090 382 401 574 793 86» 98 8 2 135 90 467[lono] 687 78» 930 99» 83320 370 84318 763»51(600) 79 83 8 5 666 752 70 8 6 45» 61 659 904 II 91 87017 79 103 «21 573 88601 21!29 505 675 339 976 8 9536(68 88« [1600]»6 915 90211 64 113»99 9 X 23» 807 43! 705 73 9211! 998 633[690] 03981 4» 97 0 4094 151 356[ 600] 404 100 [1000]»30 9 5 7e8 381 434»2 677«0»47[ 5001 97[1000] 96133 289 7.73 862(IM)»]»05[5001 97230 63[ 3000]»26 »3«30 90 751 53 98082 31[inOC] 116 343 484 582 89 604 »9 09083 13} 210 870 613 919 51 60[10001 X 00098 211 172 60.1 XvXlS»»53 363 65 898 969 [1000] 10 2 602 77[lOOO] 63(5001»7 785 60 879 84 928 100 160 80» 21 549 978[8000] 104l!» 84 221 40[1000] «6 405 31 680 1300] 748 103111 031 1O6084( 3000] 134 21.» 335[50»] 472 640[600]«63 76 716 107048 174 [500] 212 673 8GI JO8300 174 89[500] 516 H 109096 131«1 336 98 456 54« 3J»4 661 708 11001 7 81[500] 277 431 55»(500) 726 11 1260 461 «10»»( 600)«61 710 31 80?(»»01 1121)63[1060] 80 109 483 337 07(3000) 38 990 113013 27»«2 407 67» 68» 00 114380 50« 90» 115068(10001 150»87 649 [1000] 43 15001«64 745»73-!3000) 116041 117 56» «52 77 80» 117061[1000] 467 707«76[3000]»89 11810» »13 350 70 491 UOOO) 863 119257 340 42 120377 41« 914 121296 479 661[»00)«36 805»55 12 20.14 7112( 600] 12 3 048 185 ,64 40« 65 550 604[500] 80»(5001 134)11 217 4»[30601»15«66 79 1 2 5032 871 «3 160O] 417 731«6 126031[5001 72 73 190 4S0 507 m 900 1 8 7053 7» 571 0S2 83 764 987 1 28,70[ 8000] «7 40» 559 005( 500) 00 701[1000] 800 8 57 017 1 29482 [500] 546«32 795 130*205 356 93 518»4 658 1312,5[3500] 329 81! «««96 13931)6 14000]«3 IS»50 57 1 3312! 6» 635 ldOO] 8«[10»»] 622 77Q 903[600]«ü 134005 400[ 3000] »31 716»3 SSI 135019 145[1000] 236 603«4 01«27 1381116 196 346 700[lonol 84 137020[lOOO] 91 263 M 336 51» 23 99[3000] BS» 761 875»31 3« 138154 548 «88 733»70 15801 139074 IM 449 Ob» 1406»» 760 802 18 912 1 4 1 088[1000] 153 204 40« « 80«37 712 ,1 75»8(500] 800«13 1 42-73 41» 5» «7« 3, 1 600] 734 870 1 4313! 3» 226 473 574 71» 14423« 03 83[60O]«4 714 17 finOO] 873 1 45813) 9,13 __.6ü17 31»[.VO] 41? 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Ziehung S. Kl. 223. Kgl* Preuss- Lotterie, Ziehung vom 3. Dezember nachmittags. [Nur dl» Gewinne Uber 240 Mark«ind den betreffenden Nummern In Klammern beigefügt. (Ohne Gcwlhr.)(Naehdruck verholen.) 198 554 811 91 767[1000] 81» 71[500] 1023[1004» P50 09 78 469 555 764 97 2223[500] 77«08 752 873 [500)»21 85 3318 491 515 72» 8!»»08 14 20 36 4083 ?38»4 48! 85 9» 582 683 721 SO« 31 936[1900] 5äi7 41 130001 317 2 7 509(1000]«75 721(500) 6065»3 232 361 480 712 730»!9 72 553 699 184«0« 8031 183 86 83 570 684 781 Oos» 138 420 75 774»14[50») 10203 855«0[ 500) 709[1000) 63 819 81[500] 11054[10001 92 263 347 OOS 91 732 54 71 79 12035 135 591 607 780[ 500]»16 23 1 3263«9 482 15001«12 14030 93 198 255»07(lOflO) 528««0 853 917«0 78 15262 658 26 1 6331 513»09 1 7001 88 153 303 2 7 413 78«84 97» (3000) 89 1 800j!3>i 94 704 806 67 7« ,11 67 1 0026[500] 155 22» 70 811 35 42» 80 582 674 701 823 93» 93 2 0 253 56» 813»48 1} 2 1 3(7 003 803 I5M) 73 980 22056 185( 500) 358 438 35 636 784 831 45 2 0011 160 70!61 35« 491»1« 918 2 4103 301 29 38 52 588«1« 741 933[1000] 88(500) 25190 5«? 67» 26315 flOOO) 513 28 123 892 2 7343 506 S75 28217 461 686 811[3000] 20035 a» 286 88»4 808 43» 707 30(80 III 163»37 31318 83«54 32183 417 570 «28 150[1000]«34 8 3015 78 182 205 425 707 3 4048 [500] 03 171 2«0 815 409 3 5 488[1000] 575[5001 70» 649 79 99« 30055 57 19« 22« 432 58 681 84 813 37123 727 S'i 905[3000) 38201«44 13090) 800»10 3 0 557 73 »36«91 715»6 818»14 40216 343 1 50091 558 771 015 49 4 1 063 189 29! 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Klicke. Berlin. Druck u. Verlag-PorwSrtD vuchdruckerej u. Lcrlag«anpa(t Paul Sing»& Co. Berlin SW» Nr. 28i 27. Iahrgaug. 7. KciliP Ks Jotniütte" Kerlim Pullisilatt, Zontckg, 4. Dezember 1910. MiWiiude in ciuem Arbeittrsavatorium vor Gericht. Unier dieser sensationellen Ueberschrist �haben bürgerliche Matter einen von der deulschen Journalpoft von Schweder u. Hcrtsch stammenden Bericht über einen am Münchcner Amisgericht durch- geführten Beleidigungsprozeß aufgenonunen. Der im Reichslügcn- verbandsstil aufgemachte Berich! strotzt von Unrichtigkeiten und Verdrehungen. Ter tatsächliche Sachverhalt ist folgender. Oberöltofen ist weder ein Sanatorium, noch ist es das„größte bayerische" Sanatorium, zu dem es der Bericht macht, sondern ist ein Retonvalcszcntenheim und wurde von den Münchener Arbeitern gu einer Zeit gegründet, wo man an Ortskrankenkassen noch gar nicht dachte, konnte also unter„Acgide" der Münchener Ortskrankenkasse, von der der Bericht fabuliert, gar nicht gegründet werden. Oberölkofcn ist eine Erholungsstätte für kränkliche Arbeiter und Kleinhandwerker, bekam schon wiederholt von der bayerischen Re- gierung in Anbetracht des wohltätigen Zweckes die steuerfreie Ge- nchmignng zur Ausspielung von Geldlotterien und steht unter der behördlichen Kontrolle des Bezirksamtes und Bezirksarztes in Ebersberg, die häufig Kontrollen vornehmen und bisher weder in der Verpflegung und Beköstigung der Rekonvaleszenten, noch gegen die Berwaüung des Heimes Beanstandungen irgendwelcher Art zu treffen hatten. Wie in jedem Krankenhause oder Sanatorium die Geschmäcker der Patienten verschieden sind, so gab es auch im Rekonvaleszentenheim Oberölkofen einzelne Leute, die in ihrer krankhaften Laune die Kost beanstandeten. Der in Rede stehende Beleidigungsprozeß hat nun folgende Vorgeschichte: Der Schriftsetzer Ludwig Scclcitner war im Jahre 1M8 fünf Wochen wegen Ueberarbeitung im Rekonvaleszentenheim und beschwerte sich über die Kost, die qualitativ und quantitativ schlecht sei.(Um Legendenbildungen vorzubeugen, setzen wir gleich hierher die Mahlzeiten: Erstes Frühstück um 7 Uhr: Kaffee, ein Brot; zweites Frühstück um g Uhr: zwei weiche Eier, Vi Liter Milch, ein Brot oder Bouillon mit Ei, ein Brot, Vi Liter Bier oder ein belegtes Brot und& Liter Bier. Mittagstisch um 12 Uhr: ein Teller Suppe, Fleisch mit Gemüse, ein Brot. Rachitisch: eine Tasse Kaffee. Nachmittags 3 Uhr: ein Brot. Butter, Vj Liter Bier oder Milch. Abendtisch um 6 Uhr: ein Teller Suppe, Fleisch oder Schinken, Wurst, ein Brot, Liter Bier. Abends 7� Uhr: eine Tasse Milch oder Tee.(Je nach Anordnung des Arztes werden auch andere Speisen verabreicht.) Nach Prüfung der Be» schwerde durch den Ausschuß und später durch die Beschwerde- iommission, wurde der Beschwerdeführer, weil seine Behaust- tungen unbegründet waren, abgewiesen. Seeleitner erstattete nun sowohl gegen den Verwalter Schaupner als gegen den Fleischlieferanten Anzeige wegen Betruges; die Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, ebenso hatte seine gegen den staatsanwaltschaftlichen Beschluß zum Generalstaats- anwalt gerichtete Beschwerde keinen Erfolg. Nun brachte See- leitner seine Beschwerde in einer von zirka Illll Mitgliedern(bei einem Mitgliederbestand von 22lX)V> besuchten Generalversamm- lung vor. behauptete, der Verwalter Schaupner habe jedem Patienten täglich 20 Pf. abgestohlen, er beute die Patienten aus und die Vorstandschaft sehe dieser Ausbeuterei zu, weil der Ver- Walter die Vorstandschaft in der Tasche habe, denn sie werde vom Verwalter abgeschmiert! Mit einer Zufallsmajorität von zirka LO gegen etwa 40 Stimmen verweigerte die Generalversammlung hierauf der Vorstandschaft Decharge. Der Ausschuß, unter dem sich Leute befanden, die fast ein Menschenalter in der Arbeiter- I bewegung stehen und 23 Jahre in der uneigennützigsten Weise im Ausschuß des Sanitätsverbandes(Eigentum des�Rekonvalcszenten- ! Heims) sitzen, verließ hierauf solidarisch den Saal, wobei es zu ! einer Szene kam, die den Gegenstand der Beleidigungsklage � bildete. Nach der Klagebehauptung sollen dabei die Vorstandsmit- glieder Graml, Knieriem, Dachsel, Niederbcrgcr und Riedl dem Seeleitner Schimpfworte zugerufen und Verwalter Schaupner, ' Graml, Niederberger und Riedl dem Seeleitner ins Gesicht ge- ! spuckt(diese behaupten ausgespuckt) haben. Die beklagten Vor- s standsmitglieder stellten Widerklage wegen der von Seeleitner ge- machten Behauptungen. Aus der mehrtägigen Beweisaufnahme �(dem Seeleitner und seinem jungliberalen Vertreter Rechtsanwalt Kohl wurde in der Führung des angebotenen Wahrheitsbeweises der weiteste Spielraum gelassen) greifen wir die„skandalösen Mißstände" heraus. Der Verpflegungssatz von 1,7S M. pro Patient und Tag wurde nicht vom Ausschuß, sondern in der Verpflegungskommission fest- gesetzt(jetzt Regiebetrieb). Der Verwalter war zur Verabreichung von Ochsenfleisch gar nicht verpflichtet, schon deshalb, weil auf dem Lande erfahrungsgemäß Ochsenfleisch schwer oder gar nicht zu haben ist.(Seit Einführung des Regiebetriebes wird das täg. liche Quantum Fleisch von München aus geliefert.) Bestätigt wurde, daß Kuhfleisch 1. Qualität geliefert wurde.— Seeleitner mußte auf Befragen zugeben, daß ihm der Aufenthalt in Kirchseern gut bekommen sei und daß er 11 Pfund(in 5 Wochen!) zugenommen habe. Nach Einführung des Regiebetriebes bezieht Verwalter Schaupner für sich,(eine Frau als Köchin und seine Tochter als Buchhalterin insgesamt 3000 M. jährlich. Dieses Ge- halt wurde von Seeleitner als„Riesengehalt" angefochten. Nach Behauptung Seeleitncrs hat der Verwalter die Vor- standsmitglieder„abgeschmiert". Der Verwalter züchtet selbst Schweine. Alljährlich zu Weihnachten hat er den Vorstandsmit- gliedern je ein Stückchen Geräuchertes zum Geschenk gemacht. Einein anderen Vorstandsmitglicde bot sich die Frau Verwalter vor 5 Jahren, als er noch gar nicht dem Ausschuß angehörte, als Firmpatin für eines seiner Kinder an. Das Kind bekam das übliche Patengeschenk, und nachmittags hat er mit dem Verwalter ein GlaS Wein getrunken. Ein Lieferant für das Rekon- valeszentenheim machte einmal mit seiner Frau eine Automobil- fahrt, und da er zufällig durch Oberölkofen fuhr, lud er den Vor- sitzenden Graml und den Verwalter ein, die Spazierfahrt mit- zumachen. Mehrkosten sind ihm deshalb nicht entstanden. Das ist der BetveiS für die„Bestechlichkeit" der Vorstandsmitglieder. Eine Reihe von Zeugen bestätigte, daß sie mit der ihnen ver- abreichien Kost nicht zufrieden und eine Reihe von Zeugen, dar- unter Kleinhandwerker, bestätigte, daß sie nicht nur mit der Kost, was Qualität und Quantität angelangt, sondern auch mit der Behandlung sehr zufrieden waren und ihnen der Aufenthalt im Heim sehr gut bekommen sei. Nörgler und Kritisierer gebe es eben unter Kranken stets, man könne es eben nicht jedermann recht machen. Der Verwalter sei zwar streng, aber stets gerecht gewesen.— Einige Zeugen hielt sich darüber auf, daß die Rekon- valcszenten ihre Betten selbst aufmachen und ihre Stiefel selbst reinigen mußten und daß die Kloscttspiilnng nicht funktioniert habe. Dagegen wurde ins Feld geführt, daß sogar in der Lungen- Heilstätte Planegg die Patienten ihre Stiefel selbst reinigen müssen. Der Vorstand konstatierte, daß man eben der Meinung war, daß der hierfür notwendige Mehrbedarf an Dienstboten viel besser für die Patienten selbst aufgewendet werde; doch sei dies, nachdem es als Mißstand bezeichnet wurde, abgeschafft und dafür mehr Dienstboten engagiert worden. Die Spülung habe wegen der unpraktischen Anlage der Wasserleitung, wenn das Bad be- nutzt wurde, in dem Klosett nicht funktioniert. Doch sei auch dieser Mißstand mit bedeutenden Kosten behoben worden.— Der Anstaltsarzt Dr. Eltau bestätigte eidlich, daß das Essen allen An- sprächen genüge und besser sei als in der Lungenheilstätte Planegg und einigen anderen norddeutschen Heilanstalten. Zeuge hat das gleiche Fleisch wie die Patienten gegessen. Die Heilerfolge in Oberölkofen waren sehr günstig. Wegen der Entlassung des Patienten Hartwig(der nach der Lesart der Korrespondenz Schweder u. Hertsch) plötzlich aus dem Heim entlassen worden sei, weil er nicht der sozialdemokratischen, sondern der liberalen Partei angehört!) bestätigte der Zeuge, daß H. sich ihm gegenüber «»anständig benommen habe. Hartwig habe den Arzt und den Verwalter prinzipiell nie gegrüßt. Daß Hartwig jüdischen Jargon nachahmte, hat der Zeuge gar nicht gehört, es könne dies deshalb auch nicht der Entlassungsgrund gctvesen sein. Sein Benehmen sei herausfordernd gelvesen. Zu Zeiten großer Wasscrnot war der Wasserdruck schwach, das sei vorübergehend eine Kalamität ge- wesen, aber das sei eben ein Naturereignis, wofür niemand etwas könne. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sei eine gewisse Strenge notwendig; es seien Messerraufereien vorgekommen; manche Patienten hätten sich auch betrunken. Die Kritik, die Kranke am Essen üben, seit mit Vorsicht aufzunehmen. Zeuge stand bei Verabreichung der Speisen entweder beim Speisen- aufzug, um die Speisen zu kontrollieren, oder er ging durch den Speisesaal. Spucknäpfe wurden auf Initiative des Zeugen nicht angeschafft, weil sich Patienten beschwerten, daß das Spucken ini Spucknapfe unappetitlich sei. Der Zeuge würde Nachttöpfe in den Schlafräumen überhaupt verbieten'wegen der Ausdünstung. Kranke, die ausspucken müssen, bekommen einen eigenen Spuck- napf mit Handgriff. Der Vorsitzende Graml ging in den Speise- saal und blieb dort oft über eine Stunde und hörte jeden Patienten mit Geduld an., Die Verhandlung endigte schließlich nach einwechiger Dauer mit folgendem Vergleich: 1. Die Privatbeklagten als Mitglieder des Ausschusses des Sanitätsverbandes anerkennen, auf Grund der gepflogenen Be- Weiserhebung, daß der Prwatkläger Seeleitner mit seiner im Sommer 1008 gegen die Verwaltung des Sanatoriums Oberölkofen erhobenen Beschwerde tatsächliche Mängel zur Sprach« gebracht und zu deren Beseitigung beigetragen habe. 2. Privatkläger See- lcitner erklärt, er habe die Vorwürfe, Verwalter Schaupner habe den Patienten des Sanatoriums Oberölkofen Geld abgestohlen und der Ausschuß des SanitätsverbandeS habe sich von Schaupner abschmieren lassen, niemals erhoben; doch; erklärt Seeleitner weiter, wenn— ohne daß er es weiß— diese Vorwürfe jemals von ihm gutgläubig sollten vorgebracht worden sein, daß er sie auf Grund der gepflogenen Beweiserhebung als unbegründet zurück- nehme. 3. Die Privatbeklagten Schaupner, Graml, Dachsel, Niederberger und Riedl erklären, daß sie eS lebhaft bedauern? in der Generalversammlung im Jahre 1910 den Privatkläger Seeleitner durch Schimpfworte und Anspucken beleidigt zu haben. 4. Von den Gesamtkostcn einschließlich der notwendigen Auslagen der Parteien tragen Schaupner, Graml, Dachsel, Niederberger, Riedl und Seeleitner je ein Sechstel. Wird die Reichsverbandsprcsse nun der Wahrheit die Ehre geben? «Jsclss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafsteilen-Anzeigen 5 flg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- E peditlon, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(Farbcnsehler) Gelegen. beitskmis. Fadnklager Mauerbofs, Große Frankfurterflratze 9, ftlurein gang. Vorwärtslelern 6 Prozent Extrarabatt. Sonntags geöffnet._* Steppdecken billigst Fabrik Große Frankiurlerstratze 9. Flureingang Gardtnenbaus, Groge Frank. nrterstraße 9. Flureingang. 2491K' Zkadkahrerkarten. Wir empseblen den Freundin des Radsports: Mittel» bachs Karte für Rad- und Motor- fahrer von Berlin und iveilcrer Um- gebung. aus Leinen gezogen Preis 1.75 M.(zusammenlegbar).— Karte für Rad- und Motorfahrer von Brandenburg, aus Leinen gezogen und zusammenlegbar 2,50 M. Expedition des.BorwärtS". Lindcnstraße 69. 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