Ur. 285. Abonnements veZZiigungen: HBonnemenlS- Preis JiränmuftaiiSo i Viertcljährl. 3,30 Mr., monall. 1,10 Mk» Ivöchcnllich 2a Pig, frei ins Haus. Einzeluc Nummer S Pfg. Sonntags- iiunimei mit Mustricrter Sonntags- Bcilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- »lbonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L. Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabouneinents nehmen an: Belgien, Däneinarl, Holland, Italien, Luxenilmrg, Portugal. Rlmlänien, Schweden und die Schweiz. 27, Jahrs. Mchilnl täglid) anßcr Glontags, Verlinev VolksblsM. Zentralorgan der rozialdemokrat» fchen partei Deutfcblands. Die Inlertions-Lebtih? keträgt für die sechsgcspaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum SO Pfg., für politische und gewerlschastliche Verein-- und LersammIungS-Anzeigcn 30 Psg. „Mein- Snieigen". das erste tfctt- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stcllen-Alizcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 P?+ Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste«inmmer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adrssset „Sozialdeniolirat Kerl!»-. fUdahtion: SSI. 68» Ltndcnstraesc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die geheimen Führer und Leiter der Moabiter Revolution. Nach den geheimen Führern und Leitern der Moabiter Revolution haben die Polizei und die Staatsanwaltschaft mit vielem Eifer, aber wenig Erfolg gesucht. Der mysteriöse Mann niit dem Spitzbart und den langen Beinen, den Herr Berthold so anschaulich beschrieben hat, ist unauffindbar, und sonst hat sich nichts ermitteln lassen, was das heiße Sehnen unserer Reaktionäre nach Aufdeckung der geheimen Fäden, die von den Anfrührern zur Sozialdemokratie hinüberfuhren sollten, befriedigen konnte. Es ist eben nicht möglich, im nüchternen Lichte des Gerichtssaales, wo phantasievolle Ver mutungen und scharfmacherische Behauptungen ohne tatsächliche Unterlagen nicht gelten, etwas zn beiveisen, das nicht existiert. Der Prozeß ist in dieser Beziehung ein so völliges Fiasko, daß eS sich nicht lohnt, darüber noch ein ernsthaftes Wort zu verlieren— der Teil der Anklage, die den Organen der Junker und Scharfmacher die Behauptung von dem Zu sammenhang der Moabiter Ereignisse mit Plänen der Sozial demokratie mehr oder minder bestinimt nachplappert, ist längst der allgemeinen Lächerlichkeit verfallen und höchstens noch ein Stoff für die Witzblätter. Aber ganz führerlos ist die Revolution von Moabit doch nicht gewesen— es hat Führer gegeben, die allerdings ihre Führerqnalität sehr geheim gehalten haben, so geheim, daß selbst die Geführten sie nicht erkennen konnten. Und diese geheimen Führer waren— so hat die Sonnabendsitzung des Moabiter Prozesses ergeben und die MontagSsitzung bestätigt — keine Sozialdemokraten noch Revolutionäre, sondern Polizeibeamte. Die 5triminalschutzleute, die Herr Schneidermeister Oslath und Herr Schmidt beobachtet haben. sind die einzigen Führer und Leiter der„Aufständischen" ge- Wesen, die es in Moabit gab und deren Existenz vor Gericht erweislich ist. Sie waren Führer, da sie die Führung der Menschenmengen, in denen sie sich befanden, anstrebten, da sie den Will-m der um sie Versammelten auf ein bestimmtes Ziel zu lenken bemüht waren, da sie die Erregung der Menschen zu steigern unternahmen. Sie riefen:„Blut- Hunde l" und„Haut die Blauen!" und in ihrem Munde war das die Aufforderung zu bestimmten Taten. Denn sie riefen so nicht etwa, weil sie der Anblick der Polizeitaten, mit denen sie ja innerlich durchaus einverstanden waren, empört hätte und sie ihrer inneren Erregung durch irgend ein kräftiges Wort Luft machen mußten, das sie ivählten, ohne gerade auf das genaue Zusammenstimmen des Wortes und ihres Wollens zu achten. So liegt die Sache fast stets bei den nicht- polizeilichen Rufern: ihre Aenßeningen sind unwillkürliche Kundgebungen der Entrüstung und des Protestes, nicht aber ernsthafte Aufforderungen an die Unistehcndcn. Andere haben lediglich mitgerufen, weil die Rufe ihrer Nachbarn ansteckend auf sie wirkten. Anders aber bei den Kriminal- beamten. Wenn sie diese Rufe ausstoßen, die ihrem inneren Empfinden so ganz fern liegen, so können sie das nur zu ganz b e st i m m t e m Zweck tun, so verfolgen sie eine Absicht dabei. Und diese Absicht ist, die Menschenmenge in ihrem Verbalten zu beeinllnßen, sie so zu lenken, daß bestimmte Zwecke erreicht werden. Welches diese Zwecke sind, danach braucht man nicht lange zu fragen. Sie liegen klar zu Tage, wenn man nur erwägt, wessen Interessen es entspricht, daß die Menge zusammenbleibt, sich der Polizei widersetzt und sich zu Gewalttätigkeiten hinreißen läßt. Den Interessen der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung ganz gewiß nicht, wohl aber den Interessen der Reaktionäre, die nach Material gegen die politische und gewerkschaftliche Betätigung der Arbeiterschaft, die nach einem zugkräftigen Wahlschwindel, der die Wahlfaulen zur Abgabe ordnungspartcilicher Stinimzettel an die Wahlurne schrecken soll und nach einem Vorwand für Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter- klaffe gieren. Für die Zwecke wäre ein„soztaldemokrati- scher" Aufruhr gelegen gekommen oder wenigstens Straßen- schlachten, die man dafür ausgeben konnte. Und zu solchen Straßenschlachten wollten die polizeilichen aZents provocateurs die Massen führen. Wer ihnen den Auftrag dazu gegeben hat, das ist noch im Dunkeln geblieben. Der Polizeipräsident hat es für gut befunden, sich zu der sensationellen Aussage des Schneider- meisters Oslath nicht zu äußern. Der ganze Alexanderplatz schweigt in allen Tonarten, nicht der leiseste Versuch ist bis jetzt gemacht worden, festzustellen, daß diese Art Tätigkeit nicht zu den amtlichen Aufgaben der Kriminalschntzlenre in Moabit gehörte. Die Oeffentlichkeit kann sich vorläufig die Kommentare zur Aussage des Schneidermeisters Oslath selbst machen und kann sich zugleich den Kopf darüber zerbrechen, was das in diesem Falle sicherlich äußerst auffällige Schweigen des Polizcipräsidinnis zu bedeuten hat. Dreierlei ist möglich. Entweder haben die betreffenden Krinnnalschntzleute auf eigene Faust den Lockspitzel ge- macht— dann muß sie der Polizeipräsident abschütteln und sie der Staatsanwaltschaft überliefern. Oder sie haben auf Befehl ihrer Vorgesetzten gehandelt, dann sind diese dem Straf- richter verfallen. Oder endlich: sie haben auf Anregung von Leuten gehandelt, die nicht zur Polizei gehören, die aber ein- flußreich genug sind, daß ihr Wunsch für eine mehr oder Sxpedltfon: SM. 68, Lindcnstrasse 69» Ferusprechcr: Amt IV, Nr. 1984« [ minder große Anzahl Polizcibeamter Befehl ist— dann hat Herr v. Jagow das höchste Interesse daran, diese Leute vor der Oeffentlichkeit festzustellen. Der erste Fall ist der un- ivahrscheinlichste. denn es ist nicht anzunehmen, daß sich unsere Kriminalschutzleute soviel mit Politik be- schäftigen, daß sie wissen, wie erwünscht den Junkern und Scharfmachern und ihren Werkzeugen an den Regierungstischen solch ein kräftiger Stratzeukrawall wäre, den man als sozialdemokratischen Aufruhr drapieren könnte. Und ebensowenig ist anzunehmen, daß sie so glühende Partei- gänger dieser Mächte sind, um ohne Befehl für sie ein so ge- wagtes Spiel zu spielen, wie sie in den Straßen von Moabit entricrt haben. Hier müssen höhere Kräfte zur Erklärung herangezogen werden, und deshalb ist die breunende Frage, die Herr v. Jagow zu beantworten hat, die: wer hat die K r"i m i n a l s ch 11 tz l c u t e bewogen, bei den Ereignissen in Moabit als Lock- s p i tz c l a u f z u t r e t c n? Er darf überzeugt sein, daß die Autwort auf diese Frage für die Oeffentlichkeit tausendmal mehr Interesse hat, als zu erfahren, wie viel Zeugen Herr v. Jagow auftreiben kann, die beschwören können, daß sie alle die groben Ausschreitungen der Polizei, die von Augen- zeugen bekundet worden, nicht gesehen haben. Vielleicht meint der Polizeipräsidenk, die Aussage des Schneidermeisters Oslath gehe ihn nichts an, iveil er ihm nicht zu glauben brauche. Aber dann tvürde er gegen die Grundsätze handeln, die er in seinem bekannten Notaufruf sür die Beurteilung der Zeugen in diesem Prozeß selbst aufgestellt hat. Der Herr Schneidermeister Oslath erfüllt alle die strengen Anforderungen, die Herr v. Jagow in seinem Kommentar, den er in der Scherlpresse zu seinem Notruf gab, aufgestellt hat. Er ist an den Vor gängen unbeteiligt, er hat weder die Säbel noch die Fäuste der Polizisten zu kosten bekommen, ist nicht einmal angeschnauzt oder gar beschimpft worden, er hat auch nichts von Sympathie mit Aufrührern verraten. Daß er nicht Sozialdemokrat ist. hat er zum Ueberfluß noch unter Eid er klärt. Es spricht also, selbst nach polizeilichen Begriffen, nichts gegen seine Objektivität. Daß er sich getäuscht habe, ist bei der Genauigkeit seiner Angaben, bei der Länge seiner Beobachtungen und da er mehrere gleiche Fälle wahrgenommen hat, nicht möglich. Von der Seite ist sein Zeugnis sicherlich nicht zu erschüttern. Aber vielleicht will Herr v. Jagow zu einem anderen Loche hinaus. Vielleicht fragt er naiv wie ein Staatsanwalt:„Woher wissen Sie denn, daß diese Leute Kriminalschutzleute waren-- Ist es nicht möglich, daß Unbefugte den Kriminalbeamten gespielt haben?" Aber mit dieser naiven Frage dürfte der Polizeipräsident ebensowenig Glück haben wie die Staatsanwaltschaft, der der Verteidiger Heine trocken entgegnete, die Polizei werde sich doch nicht an- dauernd von. falschen Kriminalschutzleuten foppen lassen! Es wäre allerdings ein starkes Stück, wenn das möglich wäre. Dagegen spricht aber schon der Unistand, daß die falschen Kriminalbeamten dann gleich in ganzen Nudeln aufgetreten wären. Eine solche unlautere Konkurrenz hätten sich doch die echten Kriminalbeamten sicher nicht gefallen laffcn. Kurz, von welcher Seite nian das Zeugnis des Herrn Oslath auch ansehen mag, es bietet keine verwundbare Stelle. Und steht heute schon nicht mehr allein. Am Montag hat der Zeuge Schmidt eine Bekundung getan, die uns auch wieder einen Kriminalbeamten als Bluthund-Rufer zeigt. Die Zeugnisse mehren sich— nian darf hier auch die Tatsache mit heranziehen, daß bei einer der WahlrechtSdemon- strationcn des verflossenen Frühjahrs einer der Polizeispitzel, die sich unter falschem Namen und in der Maske von Ar- beitern in die sozialdsmokratischen Wahlvereine Berlins ein- schleichen, die Genossen auf einer der Spreebrücken aufforderte, einen des Weges kommenden Postwagen ins Wasser zu werfen und„nicht so feig zu sein", sondern der Polizei Widerstand zu leisten. Diesen Talbestand hat Rechtsanw.Dr.Kurt Rosenfeld schon in den ersten Tagen des Prozesses unter genauer Bezeichnung des Beamten niitgetcilt— der Polizeipräsident hat sich bisher nicht bemüßigt gesehen, beim Gericht die eidliche Vernehmung des betreffenden Spitzels zu beantragen. Auch hier verharrt Herr v. Jagow in auffälliger Teilnahmslosigkeit. Es gab polizeiliche Lockspitzel in Moabit— diese ungeheuerliche Tatsache ist erwiesen l Es fragt sich mir noch, in wessen Auftrag sie handelten. Die Frage kaun allein der Polizeipräsident beantworten. Und wenn er es selbst nicht weiß, so ivird es ihm doch auf alle Fälle ein Leichtes sein, die Kriminalschntzleute, die um die von Herrn Oslath an- gegebene Zeit und an der von ihm bezeichneten Stelle tätig waren, zu ermitteln, und von ihnen kraft seiner amtlichen Autoritär die Wahrheit zu erfahren! Wir nehmen an, daß er ein Jntcreffe daran hat, sie zu kennen. Einerlei aber, ob diese Frage beantwortet wird und wie sie beantivortct wird, die Tatsache, daß es polizeiliche Lock- spitzet in Moabit gab,(st nicht mehr wegzndisputiercn. Und diese Tatsache ist eine Bombe, die das ganze Gebäude der Anklage, soweit sie gegen die Arbeiterbelvegung geschmiedet ist und soweit sie die besondere Gefährlichkeit und Straf- Würdigkeit der Angeklagten durch den Hinweis auf den „revolutionären" Hintergrund ihrer Taten erweisen will, in die Luft sprengt. Eine Bombe. deren Splitter alle die zu Boden schlagen. die aus diesem Prozeß einen Prozeß gegen die Arbeiterklasse zu machen gedachten oder ! die von ihm eine Schädigung der Arbeiterbewegung ersehnten. ! Der grelle Feuerschein dieser explodierenden Bombe läßt die Oeffentlichkeit die Verlogenheit der Scharfmachcrerzählung vom sozialdemokratischen Ausstand erkennen und zeigt ihr, daß die geheimen Führer der Aufständischen ganz wo anders sitzen als im sozialdemokratischen Lager. Daß es einflußreiche Kreise in Deutschland geben � muß, die Straßcnschlachten gegen das Proletariat ersehnen und sie künstlich zu machen suchen, um die Arbeiterklasse durch die Kleinkalibrigen zur Ader lassen zu können, um dann den geschwächten Körper des Proletariats in Fesseln zu schlagen und in Hungerkur zu nehmen! Die Bombe hat eingeschlagen und hat diese Pläne vor- erst zerschlagen und verschüttet. Sic hat den Fuchsbau der Verschwörer gegen das Proletariat gesprengt— das Licht der Sonne scheint in ihre Schlupfwinkel und zeigt sie in ihrer wahren Gestalt dem Volke! Zerrissen und zerfetzt ist die Anklage. Die Sozialdcmo- kratie wollten sie fangen-- nun sitzen die Jäger im eigenen Eisen I Eine Bombe ist explodiert, die Polizei hat einen Stoß erlitten wie nie zuvor. Den geheimen Führer der Revolution von Moabit ging sie aus zu suchen— nun grinst ihr cnt- gegen die grinsende Fratze des■Axeiit provocateur, des Lockspitzels, den sie am eigenen Busen genährt hat! Herr v. Jagow aber soll sich nicht beklagen. Er ist sicherlich ein guter Christ, und als solcher wird er das Bibel- wort kennen: Womit einer sündigt, damit soll er gestraft werden! Ausgleichende Gerechtigkeit! De? neueste Urbeiterverrat des Zentrums Der Beschluß der Reichsvcrsicherungsordnuiigs-Kommission deö Reichstages gegen das Heilverfahren der LcmdeSversiche- rungsanstalten ist geeignet, die Arbeiter aufs schwerste zu schädigen. Er ist nur dadurch zustande gekomfsien, daß sich das Zentrum auch in dieser Frage zu den rücksichtslosesten Arbeitcrfeinden, den Konservativen und Ratio- nalliberalen, geschlagen hat. Wie ist die Sachlage? Durch das Jnvalidenversicherungsgcsetz ist den Landesbersiche- rungsanstalten der Invalidenversicherung das Recht gegeben worden, für solche Versicherte das Heilverfahren zu übernehmen. die dadurch entweder ihre Erwerbssähigkcit wiedererlangen oder vor der drohenden Erwerbsunfähigkeit sür absehbare Zeit bewahrt werden können. Dabei ist es dem Ermessen der BcrficherungS- anstalten überlassen, in welcher Höhe und für welche Zeitdauer sie die Kosten der Heilbehandlung im Einzelfalle tragen. Sie können die Kranken in Krankenhäusern, in Heilanstalten für Lungenkranke oder Luftkurorten, in Genesungsheimen, Rekon- valeszcntenanstaltcn, in Bädern aller Art oder in Privatpflcge unterbringen. Von diesem Rechte haben die Versicherungsanstalten immer mehr Gebrauch gemacht. Ihre Heilbchandlungskosten sind von Jahr zu Jahr gestiegen, so daß sie betrugen im Jahre Ivov: 5 262 601 SWu= 4,1 Proz. der Beiträgeeinnahmen, 1909: 19 327 553 M.= 10,3 Proz. der Beiträgeeinnahmen. Ebenso ist die Zahl der in Heilbehandlung genommenen Per- sonen von 27 427 im Jahre 1909 auf 191 158 im Jahre 1999 gestiegen. Von den„ständig" behandelten Versicherten waren im letzten Jahre verpflegt: 15 463 in Krankenhäusern(Kliniken, Trinkerheilanstalten, orthopädische und mcdiko-mcchanische Anstalten, Naturheil- anstalten, Heilanstalten für Geschlechtskranke. Wasserheilanstalten und so weiter). 39 322 in Heilanstalten für Lungenkranke, Luftkurorten. 7329 in Genesungsheimen, Rckonvaleszentenanstalten. 13 569 in Bädern(See-, Mineral-, Schwefel-, Moorbädern und so weiter). 551 in Privatpslegc, Landaufenthalt, eigener Wohnung. 16 in nicht näher bezeichneten Heilanstalten. Diese Fürsorge ist durchweg solchen Personen zuteil geworden, die von den schlimmsten Krankheiten bedroht sind: von Lungen- tuberkulöse, Rheumatismus, Gicht-, Herz-, Lungenleidcn nicht tuberkulöser Art, Blutarmut, Harn- und Gcschlechtsleidcn, sowie Folgen der Trunksucht. Dieser prophylaktische(vorbeugende) Teil der VcrsicherungS- gesetzgebung ist wohl das Wichtigste des ganzen Gesetzes für die Arbeiter. Bcdauerlicy ist, daß er in das Ermessen der Anstalt gestellt und dem Versicherten entgegen den Anträgen der Sozial- demokratie kein Recht ans Heilbehandlung zusteht. Immerhin hat die Heilbehandlung vielen Arbeitern erhebliche Vorteile ge- bracht. Schreibt doch hierüber das Rcichsversicherungsamt in seinem letzten Jahresberichte:„Erfreulicherweise läßt sich auch feststellen, daß die Heilerfolge, welche durch die nach Art und Ort der Be- Handlung wie der sonstigen Fürsorge mannigfachen Maßnahmen erzielt werden, sowohl an Zahl, als auch an Dauer des Bestandes fortgesetzt erheblich zunehmen." In der Festschrift, die aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums der Deutschen Arbeiterversicherung die Deutschen Versicherungsanstalten herausgegeben haben, rechnet der Geheime Oberregierungsrat Elle aus, daß durch die Heilbehandlung große materielle Werte gerettet tucrfccnt„Eine gewaltige Summe, die die gemachten Auf- Wendungen in vollem Matze rechtfertigen, auch wenn man auf die idealen Werte der Heilbehandlung keine Rück- ficht nimmt, wenn man nicht beachtet, wieviel Belehrung und er- ziehcrische Kenntnis in das Volt hineingetragen worden ist, wie wertvoll es ist, wenn Bater und Mutter den Kindern in einer Zeit, wo sie ihrer am meisten bedürfen, noch auf Jahre er- halten geblieben; nicht daran denkt, wieviel Not und Elend von den Betroffenen und ihren Familien ferngehalten, wieviel Tränen getrocknet worden sind." Bei derselben Gelegenheit hat das Neichsversicherungsamt endlich in feiner Festschrift erklärt, „daß das Heilverfahren der Versicherungsträger, namentlich auf dem Gebiete der Invalidenversicherung, ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Arbeiterversicherung bildet." TaS Zentrum aber gab sich dazu her, einem An- trage zuzustimmen, durch den höhere Aufwendungen für die Heilung der Kranken als ctivas Ungehöriges denunziert wurden, und das Rcicksversicherungsamt zu Matznahmcn dagegen veranlatzt werden soll. Nach dem Beschlutz der Kommission dürfen die Ver- sicherungsanstalten, wenn das neue Gesetz mit dieser Beshmmung wirklich in Kraft treten sollte, nur noch 7 Proz. ihrer Bei- t r ags e i n n a h m e n für Heilverfahren verwenden! Wenn sie einen höheren Betrag dafür bestimmen wollen, müssen sie erst die GenchmigungdesReichsversicherungsamtesein- holen. Hierbei ist zu berücksichtigen, datz im Jahre Igstg von den '41 deutschen Vcrsichcrungsanstalbcn usw. nicht weniger als 30 mehr als 7 Proz. der BeitrogseinnaHmen für Heilverfahren ausgegeben haben, zum Teil sehr viel mehr, nämlich bis zu L4,S4 Proz. der BeitragSeinnahmcn. Auf der anderen Seite freilich bleiben einige Versicherungsanstalten auch sehr weit hinter den 7 Proz. zurück. Aus dem Jahre 1909 liegt ferner eine Zusammenstellung vor, wie vielen Personen von je 10 909 Versicherten bei den einzelnen Versicherungsträgern eine Heilbehandlung im Jahre 1999 zu teil geworden ist. Hier steht an der Spitze Berlin mit 171 Heilbehand- lungen auf 19 999 Versicherten. Es ist dies aber auch die Ver- sicherungsanstalt, die den höchsten Prozentsatz der Veitragsein- nahmen für die Heilbehandlung verwendet. Dann folgt Ober- bayern, wo autzergewöhnliche Verhältnisse vorliegen; aber auch hier ist der Satz der Ausgaben höher als 7 Proz. der Beitragsein- nahmen, nämlich 8,93 Proz. Dann sehen wir mehrere andere Ver- sicherungsanstalten mit mehr als 199 Heilbehandlungen auf je 19 999 Versichertc, die alle bedeutend mehr als 7 Proz. ihrer Bei- tragSeinnahmen für Heilbehandlung verwenden. Auf der anderen Seite stehen Westpreutzen mit 36 Heilbehandlungen auf 19 999 Versicherte, ebenso Pommern und einige andere, die mit 7 Proz. der Beitragseinnahmen auskommen. Diese rückständigen Versicherungsanstalten hat die Kommission und mit ihr das Jen- trum in bczug auf das Heilverfahren den anderen Versicherungs- anstalten als Muster hingestellt. Das Zentrum suchte seinen den Bestrebungen seiner früheren Führer ins Gesicht schlagenden Arbeiterverrat mit der Erklärung zu rechtfertigen, datz eS durch die neue Bestimmung einzig und allein eine Verschwendung der Mittel durch zwecklosen Luxus, wie in Berlin vorgekommen sei, verhindern wolle. Tatsäch- l'.ch aber hat das Neichsversicherungsamt auch ohne die neue Be- stimmuirg das Recht, gegen eine solche Verschwendung einzu- schreiten. Und weshalb hat das Zentrum die Beschränkung der neuen Bestimmung auf jenen einzigen Fall nicht im Gesetz klar und deutlich ausgesprochen? Weshalb hat es die Beschränkung der Ausgaben für Heilzwecke auf höchstens 7 Proz. der BcttragSem- nahmen als Regel hingestellt? Weil ihm an der Heilung des Ar- bcitecS nichts liegt, weil dem jetzigen Zentrum die Gelder der Versicherungsanstalt nur zur Entlastung der Armenlasten der Ge- meinden dienen sollen. Ander» ist seine Stellung nicht zu ver- stehen. Der Arbeiterverrat des Zentrums in dieser Angelegenheit ist in keiner Weise zu entschuldigen. DaS Zentrum mutz wissen, datz nur zu viele Versicherungsanstalten aus der neuen Bestimmung die Mahnung entnehmen werden, für Heilzwecke mög- lichst mit 7 Proz. der Beitragseinuahmen auszukommen. Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Verhalten gar mancher Versiche- rungSanstalt gegenüber den„guten Ratschlägen" des Reichsver- sicherungsamtes, des ReichsamtS des Innern und des Reichsschatz- amtcS kann auch das Zentrum darüber nicht im Zweifel sein, datz infolge der neuen Bestimmung die Ausgaben der Versiche- rungsanstalten für Heilzwecke mehr und mehr eingeschränkt werden zum schweren Schaden kranker Arbeiter. Und hierzu hat sich das Zentrum hergegeben. Ohne die Stimmen der Zentrumsabgeordneten wäre für den skandalösen Ve- schlutz in der Kommission die Mehrheit nicht vorhanden gewesen. Arbeiter, gebt auf diesen Arbeiterverrat des Zentrums die gebührende Antwort! Klärt eure Mitarbeiter über den neuesten Arbeiterverrat des Zentrums auf l_ Die Ashien in£ngland. Lvndo», 3. Dczemlwr.(Eig. Ber.) Man zählt diesmal 100 Wahlkreise, in denen kein Kampf stattfinden wird, waS recht drastisch die finanzielle Erschöpfung der Parteien nach dem großem Kampfe zu Anfang deS Jahres zum Ausdruck bringt. Auch der Genosse Ketr Hardts und zwei oder drei andere Arbeitcrparteiler werden voraussichtlich keinen Kampf zu bestehen haben. Aus SüdtvaleS wird berichtet, daß der Kampf der Bergarbeiter im Nhonddatale politische Formen angenommen hat. Bekanntlich herrscht unter den Bergarbeitern jenes Landes- tsilcs eine grotze Unzufriedenheit mit den Gewerkschafts- führern. Die Sozialisten und Arbeiterparteiler im Rhonddatale haben beschlossen, dem Führer der walisischen Bergarbeiter- föderation Abraham, der auch der Arbeiterpartei an- gehört, einen sozialistischen Gegenkandidaten entgegenzusetzen. Die S. D. P. hat den Beschluß gefaßt, alle Kräfte auf die Kandidatur Hyndmans zu konzentrieren und die übrigen fünf Kandidaturen fallen zu lassen. Die I. L. P. hat die Kandidatur ihres Vorsitzenden Anderson fallen gelassen. Mithin werden nur 56 Kandidaten der Arbeiterpartei zur Wahl gehen. Von diesen 56 wird berichtet, daß 34 als Mitglieder der einen oder anderen sozia- listischen Partei bekannt seien. Was den Wahlkampf im allgemeinen betrifft, so kann man nicht unlhin, zu konstatieren, daß e3 den K o n s e r- v a t i v e n wiederum in großem Maßstabe gelungen ist. eine unbeschreibliche Verwirrung in den Köpfen der Wähler anzurichten. Sie versuchen in letzter Stunde, durch seitenlange, in fetten Buchstaben gedruckte Artikel den Wählern die Handhabung des Referendums klar zu machen. Nach allen Regeln der Vernunft müßte diese Taktik, aus der deutlich die Stimme der Verziveiflung spricht, nur einen Erfolg haben: den Sieg der Liberalen. Man darf aber nicht vergessen, daß sich der Charakter deS englischen Volkes I» deu luvten iPhn oder filufipfi» stakreu merklich»verändert hat, eine Erscheinung, auf die englische Schriftsteller schon häufig hingewiesen haben. Die Erregbarkeit und die Neigung. sich der augenblicklich herrschenden Stimmung hinzugeben, ist ohne Zweifel gestiegen. Ob das nun eine Begleiterscheinung der hitzigen innerpolitischen Kämpfe ist, sei dahingestellt. Tat- fache ist aber, daß man heute in England mehr als in den meisten anderen Knlturstaaten Europas an das Gefühl der Wähler appellieren kann. Viel hängt daher von der Stimmung ab, die die eine oder andere Partei im geeigneten Augenblick erzeugen kann. Wird es der konservativen Partei gelingen, der noch schwankenden Wählerschaft das Gefühl beizubringen»� daß die Konservativen eigentlich mit ihrem Vorschlage, das Refe- r e n d u m einzuführen, die wirklichen Demokraten sind und daß der Schutzzoll nicht gegen den Willen der Volksmajorität eingeführt werden wird? Gelingt es ihr, so werden ihr wahr- scheinlich eine bedeutende Anzahl Stimmen aus dem Teile des Bürgertums, dem die Reden des Schatzkanzlers nicht gefallen, zugeführt werden. Dein denkenden Teile der Wählerschaft mutz jedoch die plötzliche Schwenkung der Konservativen als klarer H u m b u g erscheinen. DaS Referendum ohne das höchst wichtige Recht der Initiative würde in England nur als Mittel benützt werden, um eine diskreditierte Re- gierung im Sattel und im Genuß der Aemter zu halten. Wenn die jeweilige Regierung das Recht hat, die Fragen zu formulieren, so wird sie sie auf alle Fälle so stellen. daß sie der Bejahung gewiß ist. Der Schutzzoll ließe sich auf diese Weise leicht einführen. Balfour sprach davon, daß er nichts dagegen habe, wenn die Grund- sätze der Tarifreform einem Referendum unterbreitet würden. Was sind nun die Grundsätze der Tarifreform? Um eine erdrückende Mehrheit für diese„Grundsätze" zu er- halten, brauchte eine konservakive Regierung die Frage nur so zu formulieren, daß sie im Grunde genommen lautete:„Sind Sie dafür, daß der Ausländer Ihre Steuern zahlt?"— Man nehme übrigens diesen Wahlkniff nicht ernst. Weder die Konservativen noch die Liberalen denken im Ernste daran, die Grundlagen der Regierung durch Maßregeln wie das Referendum zu demokratijieren. Kommen die Konscr- vativen dieses Mal ans Ruder, so wird man bald recht wenig von dem Referendum vernehmen. Höchstwahrscheinlich würde man eine königliche Kommission einsetzen, die die Frage gründlich zu Tode zu studieren hätte. »* • Die Ergebnisse des ersten Wahltages. Di« bisherigen Wahlen, die wohl alS symptomatisch gelten dürfen, lassen erkennen, daß größere Verschiebungen in der Stärke der Parteien unwahrscheinlich sind. Die Konservativen haben aller- dings einige Erfolge aufzuweisen; ihre Stimmen sind gestiegen und sie haben bisher drei Mandate den Liberalen abgenommen. Doch diese Erfolge sind zu gering, um ihnen die Aussicht auf Er- ringung der Majorität zu gewähren. Auf der anderen Seite wer- den die Liberalen auch ferner von den Stimmen der Arbeiterpartei und der Iren abhängig bleiben. Immerhin würde ein solcher Wahl- ausgang das moralische Gewicht der regierenden Partei eher ver- ringern und jene Elemente kräftigen, die auf beiden Seiten be- strebt sind, den VerfassungSstreit durch ein Kompromiß auS der Welt zu schaffen. Heule finden in 67 Bezirken die Parlamentswahlen statt. Es sind 76 Deputierte zu wählen. Im letzten Parlament verteilten sich diese 76 Abgeordneten wie folgt: 36 Unionistcn, 33 Liberale, 6 Arbeiterparteiler und I Nationalisten. Man erwartet, daß Ig De- putierte, nämlich 14 Konservative. 3 Liberale und 1 Arbeiterpartei- ler ohne Opposition gewählt werden. Geringere Wahlbeteiligung. London, 4. Dezember. Die Union» sten haben gestern bei den Wahlen nicht so gut abgeschnitten, wie man erwartet hatte. Wenn aber das Verhältnis ihrer Gewinne dasselbe bleibt. so dürfte die Regierung doch in eine üble Lage geraten, die ihren Rücktritt zur Folge haben könnte. Die Liberalen verzeichnen mit Genugtuung den Rückgang der unionistischen Mehr- heiten in Birmingham und die Erfolge In London und Manchester, insbesondere auch die Niederlage BonarLaws, deS eifrigen Verfechters der Tarisreform, der seinen sicheren Sitz in London aufgab, um in Manchester zu kämpfen. Norton, Mac- namara und Mastermann haben ihre Sitze in London behalten, während Birrell und Hobhöuse sich in Bristol behaupteten. Im all- gemeinen besteht eine außerordentliche Aehnlichkeit in den Mehrheiten mit den Wahlen vom Januar; immerhin ist ein bemerkenswerter Ausfall in der Gesamt st rmmenab- gäbe zu verzeichnen, der zum Teil auf das nasse und kalte Wetter zurückzuführen ist. das auch eine lebhaftere Wahlbewcgnng aus den Straßen nicht aufkommen ließ. Preßstimmen. London, 5. Dezember. Die liberalen Blätter äußern eine fast überschwengliche Freude über die Wahlergeb- nisse vom Sonnabend und erklären. London habe ein glänzen» des Beispiel gegeben. Die Ilnionisten hätten leine Aussicht, in Schottland, Irland und Wales Sitze zu gewinnen, und da sie schon über die meisten englischen Grafschaftssitze verfügten, so seien ihre Hoffnungen genau genommen auf 242 städtische Wahlkreise be- schränkt. Von diesen seien aber über ein Viertel bereits destritten worden, und die Ilnionisten hätten dabei nur drei Sitze gewonnen. Die Ilnionisten seien bereits aus dem ersten Kampf geschlagen und diskreditiert hervorgegangen. Die Sache des Freihandels und eines freien Unterhauses fei gerettet. Die unionistischen Zeltungen triumphieren nicht, zeigen sich aber von den bisherigen Resultaten befriedigt. Sie erklären, wenn die Ergebnisse vom Sonnabend ein Fingerzeig für das Gesamtergebnis seien, so sei das Ministerium ASguith be- reitS jetzt zurOhnmacht verurteilt. England habe in nicht mißzuverstchender Weise de» Zerstörern der Konstitution Halt ge- boten. Die Unionistcn betone» besonders ihre Siege in Lanca- s h i r e. aber ihre Enttäuschung, namentlich über London- verrät sich in vielen Wendungen und spiegelt sich auch wieder in den dringenden Aufrufen an die Unionisten in London, sich auf- zuraffen und die Situation zu retten. Wahlresultate. London, 5. Dezember. Bis 5 Uhr nachmittags waren gewählt: 53 Liberale, 80 Unionisten, 8 Vertreter der Arbeiterpartei und 15 Anhänger John Redmonds. pditileke(leberkickr. Berlin, den 5. Dezember 1910. Zweite Lesung deS Arbeitskanimergesehes. A u s d e m R c i ch s t a g, 5. Dezember. Gegenüber dem Arbeitskammergesetz gruppieren sich die Parteien des Reichs- taas in d r e i R i ch t u n a e u. Die Sozialdemokratie erstrebt, einer umfassenden Organisation die Wahrnehmung der Arbeiterinteressen in die Hand zu aeben. Sie hatte des- halb dem Regierungsentwnrf einen anderen entgegengesetzt, der reine Jnstanzenwahlen bis zu der Zentrale eines R e i ch s- arbeitsamtcs verlangte und dieser Organisation weit- gehende Befugnisse zur Negelung des Verhältnisses zwischen Unternehmern und Arbeitern sowie zur speziellen Wahrneh- mung der Arbeiterintcressen geben wollte. Mit diesem Ver- langen blieb unsere Partei indes ebenso allein im Plenum wie vorher in der Kommission. In der zweiten Gruppe fand sich die Mehrheit des Hauses, bestehend aus Zentrum, Christlich- Sozialen. Na- tionallibcralen, Freisinnigen und Polen zusammen. Sic paßte sich dem Grundgedanken des Regierungsentwurfs an, hatte sich allerdings durch die Sozialdemokratie antreiben lassen, einige Verbesserungen in das schwächliche Sozial- Produkt der amtierenden Bureaukratie hineinzubringen, so die Bestimmung, daß auch A r b e i t c r s e k r e t ä r e in die Arbeitskammern gewählt werden können, sowie daß die Eisen bah na rbeiter nicht von der Einrichtung aus- geschlossen sind. Tie dritte Gruppe bildeten die Parteien der Rechten, die aus Angst vor der Sozialdemokratie schon in dem kümmer- licksen Regierungsentwnrf revolutionäre Keime heraus- geschnüffelt hatten. Ihre Redner machten durch ihre poli- tischen Scharfmachereien die Debatte über den 8 1 des Ge- setzes wieder zu einer allgemeinen politischen und sozialpoli- tischen Debatte. Der 5tonservative Gras W e st a r p warnte vor Arbcitskammcrn, weil die ruchlose Sozialdemokratie sich diese Institutionen nur zu Machtpositionen umgestalten würde. In seiner Angst vor dem Umsturz griff er zu dem verbrauch- ten Ladenhüter, der sozialdemokratischen Fraktion vorzu- werfen, sie bestände nicht aus„Arbeitern". Seine ganze Rede hielt sich auf dem niedrigen Niveau, das wir aus der jüngsten Aera der Sozialistenbekämpfung bei unseren Gegnern- ge- wohnt sind, so daß dieser ehemalige Polizeipräsident von Schöneberg wie eine Imitation seines amtierenden Berliner Kollegen, wie Jagowder Kleine, anmutete. � Der Freikonservative Herr v. Dirksen zitierte für seine gleickl- artigen Bemühungen den Geist des seligen Stumm und suchte die Regierung scharf zu inachen zum.Widerstand gegen die Sozialreform, indem er sich auf den Kaiser berief. Das ging selbst dem Staatssekretär Delbrück wider den Strich. Er deutete an, daß das nur eine fein eingefädelte Intrige� sei, um das Zustandekommen eines Gesetzes zu verhindern. Sonst bewährte er sich auch jetzt wieder als oer Vertreter einer selbst unter das Maß des Grafen Posadowsky zusammen- geschrumpften Sozialpolitik. Tie beiden vorhin erwähnten Verbesserungen des Gesetzes erklärte er für unannehmbar. Unter den Reden der bürgerlichen Sozialreformer hob sich am vorteilhaftesten die des fortschrittlichen Abgeordnete» N a u m a n n hervor, der den Westarp und Dirksen ihre ar» beiterfeindliche Rückständigkeit zu Gcmüte führte. Leider be- einträchtigte er den Eindruck seiner Rede dadurch, daß er gegen die Sozialdemokratie den abgestandenen Vorwurf vorbrachte, sie verhalte sich nur„negativ", obgleich doch bei jeder Ge- legenheit, so auch hier, die Sozialdemokratie durch positive Anträge den Beweis für ihre Gewilltheit zu positiven Leistun, gen- liefert. Daß die bürgerlichen Parteien sich gegenüber der positiven Arbeit der Sozialdemokratie fast durchweg negativ verhalten, macht doch diese positive Arbeit nicht selbst negativ. Genosse L e g i e n begründete eingehend den sozialdemo- kratischen Antrag auf Errichtung eines Reichsarbeitsamtes und rechtfertigte die Notwendigkeit, den A r b e i t e r s e? r e>! tären den Zutritt zu den Arbeitskammern zu ermöglichen» da sie gerade die besten Kenner der Verhältnisse und im übrigen die Vertrauensmänner der Arbeiter seien. � Dem Staatssekretär führte er zu Gemüde, datz die Ausschließung der Eisenbahnarbeiter aus den Vertretungen gerade die un- erwartete Wirkung haben würde, die Leute unzufrieden zu machen,.weil sie sich entrechtet sähen. DaS gegnerische Gezeter von- dem„Arbeiterterrorismus" tat er mit dem Hinweis darauf ab. daß die konservative Partei ihre ganze Macht dem Terrorismus verdanke, den Unternehmer und Behörden zu ihren Gunsten ausüben. Bei der Abstimmung über? 1 wurde zunächst der sozial. demokratische Antrag gegen die Stimmen unserer Partei a b- gelehnt, dann der§ 1 des Regierungsentwurfs mit großer Mehrheit, auch unter Zustimmung der Sozialdemokraten, gegen einen Teil der Rechtcni angenommen. Reichstags-Disposttionen. In der Sitzung des Seniorenkonvents am Montag, den 6. Dezember, wurden die Beschliisie der letzten Sitzung im allgemeinen bestätigt. Für die zweite Lesung deS LlrbcitSkammergesetzeS sind Montag und Dienstag vorgesehen, am Mittwoch sollen RcchnungS- berichte sowie die Fortsetzung der Besprechung der Mittelstands- Interpellation folgen. Sollte da? Arbeitskammergesetz am Montag in der zioeiten Lesung erledigt werden, dann wird der Präsident für Dienstag die Novelle des Strafgesetzbuches auf die Tagesordnung setzen, andernfalls kommt sie erst auf die Tagesordnung der Sitzung vom 19. Januar 1911. Am Donnerstag fällt die Sitzung wegen des katholischen Feiertages aus. Am Freitag beginnt die erste Lesung 'des EtatS, die voraussichtlich bis zum 14. Dezember, also bis zum Beginn der WeihnachtSferien dauern wird. Herr von Bethuiaun Hollweg berichtigt. Die„Kreuz-Zeitnng" hatte in einer Polemik gegen national- liberale Blätter die Szene, in der Herr von Heydcbrand den Reichs- kanzler in kategorischem Befehlstone.zu Maßregeln gegen die revolutionären Umtriebe aufforderte, daraus zu erklären gesucht, daß Herr V. Betbinonn Hollivcg de» außerparlamentarischen Verkehr mit allen Abgeordneten ohne Ausnahme vermeide. Herr von Bethmaim Holliveg beeilt sich deshalb in der„Norddeulschen Allgem. Ztg." an der Spitze des Blattes erklären zu lassen, daß die Darstellung der „Kreuz-Zeituug" unrichtig sei. Gerade in der letzten Zeit, wie auch schon während der Sommerpause, habe der Reichskanzler Vertreter der bürgerlichen Fraktionen, darunter auch den Abgeordneten von Hetzdebrand, bei sich zur Unterredung empfangen. Man weiß nicht recht, ob Herr von BethmannHollweg sich durch diese Ertlärung gegen den Borwurf entschuldigen� will, nicht auch schon perlönlich die Befehle deS konservativen Führers ent- aegeugenommen zu haben, oder ob das Dementi besagen soll, daß Herr von Heydcbrand eigentlich dock nicht nötig gehabt habe, ihn vor der Oeffentlichkeit zu blamieren, da sich ja zu Hause schon alleS gefunden habe» würde. Regierung«ud Großindustrie. Die Beziehungen der rhcinisch-westfälischen Großindustrie zur Regierung haben sich in letzter Zeit immer inniger gestaltet. DaS kam auch auf dem Jubiläumsfest zum Ausdruck, das gestern der Bcrein deutscher Eiscuhüttculeuto in Düsseldorf abhielt. Der Ober- Präsident v. Rheinbabcii übermittelte den Glückwunsch deS Kaisers und gab verschiedene Ordensverleihungen bekannt. Er überreichte als al,!»»»» des Kaisers dessen Bildnis im goldenen Rahmen als Schmuck des neuen GeschäftSgebäudeZ. Zugleich wies Freiherr v. Nheinbabe» auf die groveu Ausgaben der BerbandZerneuerung hin und gab der Hoffnung AuKdruck, daß die Beteiligten zu Opfern gern bereit sind. Piff, paff, puff! Zwischen den Profejforen der Nationalölonomie an der Berliner Universität ist ein heftiger Streit entbronncn. Die Negierung hat vor 2Vz Jahren den Professor Ludwig Bernhard von Kiel nach Berlin als ordentlichen Professor berufen. Bernhard hat bekanntlich ein Werk iiber die polnische Frage veröffentlicht, daö viel wertvolles Material, wenn auch manchmal in einseitiger Weise, zusammenstellt. Die Regierung wollte Bernhard, wie eä damals hicsj, Gelegenheit zu weiteren Studien geben. Die Ernennung erfolgte iiber die Köpfe der Fakultät hinweg. Die Professoren fligten sich znnächst, rächten .sich aber später dadurch, dafc sie dem Eindringling die sogenannten „großen Vorlesungen" vorenthielten. Bernhard brachte schließlich in einem Vortrage, den er in der Vereinigung für staatswissenschasrliche Vorlesungei» hielt, seine Beschwerden öffentlich zur Sprache. Darüber kam cö zu einem scharfen Briefivechsel mit Schmoller, Wagner und Sering, durch den sich Bernhard beleidigt fühlte. Und schließlich hat Herr Bernhard Herrn Prof. Sering zum Duell g e fo r d e r t. Doch vergeblich I Herr Sering hatte zwar nicht soviel Geschmack, da-Z Duell rundweg abzulehnen, aber er soll Bedingungen gestellt haben, die das Zustandekommen schließlich vereitelten. Die Gegnerschaft gegen Bernhard soll darin ihre Ursache haben, daß dieser gegen den„Kathedersozialismus" aufgetreten ist. Bernhard gehört zu jenem Typ, der seine Karrierchofinungen auf die Ver- tretung industrieller Scharfmacherintercssen gestellt hat. Er ist ein abgesagter Gegner der„sozialpolitischen Lasten" und fordert für die Industrie„freien Spielraum", das heißt den Stillstand der Sozial- Politik. Da die» auch immer»nehr die Forderung der Preußen beherrschenden reaktionären Sippe und bei der Ernennung preußischer Profeffoken gute Gesinnung ein Haupterfordernis ist, begreift man, daß. diese'„wissenschaftliche UeVerzeugung" bei den Anwärtern auf preußische Professinenstellen sich rasch verbreitet. Neil ist allerdings, daß diese„Wissenschaft" nun auch mit der Pistole vertreten werden soll. Neu, aber sicher durchaus gerechtfertigt. Denn warum sollen die Anschauungen jener einflußreichen Kreise, deren Klasseninteressen die Herren 4 la Ehrenberg und Bernhard in der Sozial.wissenschaft" vertreten wollen, nicht auch für ihren gesellschaftlichen Verkehr gelten. So ein Professor mit der Duellpistole ist doch wirllch etwas Pik- feines, viel feiner als die gesellschaftlich so schlecht erzogenen Bücher- Würmer von Anno Tobak. So was darf sogar in den aristo- kratischsten Salons enipfangen werden, ohne daß man sich des Be- sucherS zu schämen brauchte. Herrn Bernhard ist eS ja diesmal noch vorbeigelungen, Herr Sering ist noch zu rückständig. Hoffentlich entschädigt die Negierung ihren Schützling, Herr Bernhard hat den Beweis erbracht, daß er reif ist zur Nobilitierung. Aller- dingS, die Zahl der Bernhards ist vorläufig noch eine beschränkte und es sollte dafür gesorgt werden, daß bei solchen Duellen das Leben dieser Teuren nicht in Gefahr gerät. Wir empfehlen deshalb den Herren, sich bei solchen Vorkommniffen geeigneter Waffen zu bedienen. Wie wäre eS mit W i n d b ü ch s e n Z Sie scheinen ja das Windmachen gewöhnt._ Landtagsersatzwahl in Breslau. Äei der Montag. stattgcfundencn LandtagLcrsahwahl für de» verdorbenen Zentrumsabgeordneten Z i e s ch e brachte die Hauptwähl keine Entschcidimg. Dem konservativ- klerikalen Mischmasch fehlten zur absoluten Majorität 5 Stimmen. Im ersten Wahlgarige erhielten Lobe(Soz.) 355, Ehlers(Vp.) 473, Boge lskons.-klerik.) 820 Stimmen. Bei der Stichwahl, die da- durch notivendig wurde, erhioltE h le r s nunmehr 839 Stimmen, Vogel 824. Der freisinnige Kandidat wurde demnach mit einer Majorität von 15 S tiin m en gewählt. Dieser Sieg war also nur möglich durch die eiserne Disziplin der sozialdemokratischen Wahlmänner. Ein sozialdemokratischer Wahlinann wurde von seinem Arbeitgeber, der selbst konservativer Wahlmann ist, aus der Stelle gemäß- regelt._ Der Normalarbeitstag der badischen Staatsbeamten in zentralen Bureaus soll von ViQ bis W Uhr mit einer zwei- stündiaen Mittagspause sfhl bis%3 Uhr) festgeseht werden. Außerdem soll ein dienstfreier Nachmittag in der Woche kam Sonnabend) eingeführt werden. Leider verlautet bisher nichts darüber, ob. den Arbeitern der Werkstätten und dem fahrenden Personale der Staatsbahucn ebenfalls der Achtstundentag gewährt werden soll. Gegenwärtig ist das im Eisenbahnbetrieb tätige Fahrpersonal in der gefahrbringendsten Weise ausgenützt. Lokomotivführer und Heizer init 17stündiger Dienstzeit, denen oft während eines Monats kein freier Tag zufällt, gehörten in letzter Zeit nicht mehr zu den Ausnahmen. Wilhelm Bruhns Neichstagskandidatnr. In Friedeberg(Neumark) fand gestern eine antisemitische Vertrauensmännerversammlung statt, die ans allen Teilen des Reichstagswahlkrcises Friedeberks- Arnswaldc, den be- kanntlich Herr Wilhelm Bruhn im Reichstage vertritt, beschickt war. Nach einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede des Herausgebers der patriotischen„Wahrheit" wurde diesem das Vertrauen der Delegierten ausgesprochen und er von neuem als Kandidat für die nächste Reichstags- und Land- tagswahl aufgestellt. Zugleich wurde von den Vertrauens- männern beschlossen, als Kandidaten der Rcformpartei für Ost- und Wcst-Sternberg Herrn Fröhlich-Berlin und für Schlochau-Flatow Herrn Dr. Pflug-Berlin aufzustellen. Angedrohte Budgetverweigernng. In der Sitzung vom letzten Donnerstag des Reichstags hat bei der Winzerdebaite der Zentriunsabgeordncte für den dritten Nassau- ischen Wahlkreis Dr. Dahlem zu der Budgetfrage eine Stellung eingenommen, die ausdrücklich registriert zu werden verdient, um sie jenen eiitgegeuhalten zu können, die behauplen, die sozialdemo- Haiische Fraktion triebe durch ihre Ablehnung des Budgets eine UN- fruchtbare Negationspolitik. Nachdem Dr. Dahlem dargelegt hatte, daß die notleidenden Winzer finanziell unterstützt werden müßten, sagte er nach dem Stenogramm: „Nun meine ich aber, sollte man auch im Deutschen Reichs- tag praktisch an die Sache herangehen. Wir werden ja demnächst den Etat zu verhandeln haben, und sicherlich wird auch die Budgelkommission sich mal den Fall überlegen, ob man nicht einen Posten in den Etat hineindividieren soll, um die Leute zu unter- stützen. Wenn so vorgegangen wird,— waS können denn die verbündeten Regierungen dagegen machen? DaS müssen sie einfach akzeptieren, und wenn sieeS nickt lv ollen, käme eben derEtatnichtzu- stände.(Hört I bört! bei den Sozialdemokraten.)" Wenn ein ZeMrumSabgcordneter das Budget schon zu verweigern droht, wenn die Negiermig eine Unterstützung der Winzer ablehnt, um wieviel tausendmal mehr ist den» die sozialdemokratische Fraktion verpflichtet, gegen das Budget zu stimmen, das in seinen Hatlptsätze» zur Aufrechterhaltimg der Klaisenherrschast dient. Die Mldeutschen. Der Alldeutsche Verband hielt gestern in Dresden eine Sitzung deS deutschen Gesamtvorstandes ab, in der das Mitglied des Reichs- ratS und böhmischen Landtages Dr. Urban über die Wirkung der Schiffahrtsabgaben auf Dentsch-Böhme» referierte. Er erklärte, die Parlamente Oesterreichs und Ungarns würden dein Entwurf niemals die verfassungsmäßige Genehmigung erteilen. Ein anderer Redner, der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, Dr. Claß-Mainz, sprach über die Notwendigkeit der Enteignung der polnischen Grundbesitzer in der sogenannten Ostmark und über die elsaß-lothringische Verfassungsfrage. Er meinte, die ganze An- siedelungspoUtik werde zum Stillstand kommen, ja scheitern müssen. wenn nicht die WirkuugZmöglichkeit durch die Enteignung geschaffen werde. Ein so kaltblütiger Beurteiler wie Professor Bernhard, zu- gleich einer der genauesten Kemier der Verhältnisse des Ostens, habe die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die sofortige Anwendung der Enteignung allein die Ansiedelungspolilik retten könne. Gegen die Schiffahrtsabgaben hat die Dresdener Handelskammer aufs neue pro- testiert, indem sie einstimmig einen Antrag annahm, worin jede Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf bisher'freien Strömen grund- sätzlich abgelehnt wird. Der dem Reichstage zugegangene Gesetz- enlwnrt sei nicht geeignet, die schweren grundsätzlichen Bedenken zu zerstreuen, er erscheine vielmehr ungenügend für eine weitere Beratung. ES fehle darin seder Anhalt über die von den Abgaben zu er- Ivartende Verbesserung deö Verkehrs und die Art, wie die Abgaben durch- geführt werden sollten, wenn Oesterreich und Hollaild an den die Abgabe- erhebung' verbietenden inicriiationalen Verträgen festhalten. Jeden- falls aber müsie der schärfste Widerspruch dagegen erhoben werden, daß auf der Elbe Abgaben erhoben würde», bevor es auf dem Rhein geschieht. Schließlich wird der Reichstag dringend ersucht, zu de» Beratungen Bcrirctcr der Schiffahrt und der beteiligten In- dustrie zuzuziehen._ Totenschiffe. An das Wort des Reeders Schiff in Elsfleth:„Leider ist die Mannschaft gerettet", erinnert eine Verhandlung vor dem Secamt in Rostock. Dw Reedcrfirma Fried t. M e n tz in Rostock kaufte im Jahre 1909 einen alten englischen Dampfer „Edith", der vom deutschen Konsul ein Seetüchtigkcitsattest zur Uebcrfahrt von England nach Stettin ausgestellt erhielt. Ter späteren Aufforderung der SceberufSgenossenschaft, das Schiff zu„überholen", hat der Reeder nicht entsprochen, vielmehr vor- gegeben, das sei nicht nötig, weil die„Edith" bereits wieder nach Schweden verkauft sei und die Ucbergabe alsbald erfolgen werde. Das Schiff war absolut nicht seetüchtig, weshalb im März dieses Jahres die alte Besatzung in Stolpmünde abmusterte. Der Maschinist hat den Kapitän und den Reeder mündlich und schriftlich auf die alte einzylindrige Maschine aufmerksam gc- macht, die sich nach seinem Zeugnis in„miserablem Zustand" be- fand. Er hat auch lebhaft dagegen protestiert, als das Schiff von Stolpmünde wieder ausfuhr. Ilnd als die„Edith" auf See war. hat der Maschinist gefordert, daß wieder umgekehrt werde, weil Wasser in den Schiffsraum drang, die Pumpen jedoch nich't funktio- inerten, da Kohlen,� Asche und Haferkörner sich in den Ventilen festgesetzt hatten. Der Maschinist bezeugte noch, daß der Kapitän das Zurückfahren nach Stolpmünde barsch abgelehnt und dabei ge- äußert habe:„Ich lasse Euch versaufen, wie die R a t�t c n". Schließlich hat der Kapitän das Signal zum Verlassen des Schiffes gegeben. Das Rettungsboot war jedoch völlig in Un- ordnung: es hatte kein Steuer, ein Riemen(Ruder) war gebrochen, die Dollen livorin die Ruder ruhen; fehlten, ebenso der Pfropfen für das Loch am Boden und ein Gefäß zum Wasserschöpfen war nicht vorhanden. Die Mannschaft hat die ganze Nacht im Boot zubringen müssen. Am anderen Morgen wurde sie von einem anderen Dampfer aufgenommen. Ein Ntann ist an den Strapazen dieser Nacht gestorben. Die„Edith" ist untergegangen. DaS Urteil des Seeamtes zu Rostock lautete dahin, daß die schlechte Beschaffenheit des Schiffes und die mangelhaste Besatzung den Untergang der„Edith" verschuldet haben. Dem Kapitän Gillwitz aus Wustrow wurde das Patent alS Kapitän sowohl w i e als Steuermann entzogen. Gegen den Kapitän schwebt überdies noch ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung. Als nämlich das Rettungsboot„klargemacht" werden sollte, hat der Kapitän einen angetrunkenen Matrosen, der darin lag, i, herausgeholfen". Dieser Matrose ist spurlos ver- schlvundenl Der Schiffskoch hat vor dem Sceamt bezeugt, jener Matrose habe den Kapitän händeringend ober vergeblich a n- gefleht, ihn wieder ins Rettungsboot biueinzu- lassen und ihn mitzunehmen. franhmeb. D Vertreter der Arbeiterpartei und 16 Anhänger Rcdnionds. Die Liberalen haben fünf und die Unionisten acht Sitze gewonnen. Der Minister R u n c i m a n wurde in Dewsbury mit 7061 gegen �033 Stimmen, der Nationalist O'Connor in Liverpool mit 2458 gegen 689 Stimmen wiedergewählt. Der bekannte Unionist Smith ist in Liverpool mit 6383 gegen 5069 Stim- men wiedergewählt worden. Ein Fnhrwcrk überfahren. Dtolp, 5. Dezember.(Amtliche Meldung.) Heute nachmittag 5.40 Uhr ist auf dem Ueberweg in Kilometer 367,8 der Strecke Stolp— Belgard ein Fuhrwerk durch eine probefahrende Ma- schine überfahren worden. Der Eigentümer Holtz wurde getötet, Tischler Schmidt leicht verletzt, beide stammen aus A d l.- K u b l i tz. Tie Pferde sind nicht beschädigt, das F u h r- werk ist zertrümmert. Die Ursache des Unglücks ist die nicht geschlossene Schranke. Paul Singer& Co., Berlin L>V. Hierzu Z Beilagen u. Nnterhaltnng»»». Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.i Sh. Glocke. Berlin. Druck u.verlag:BorwärtSBuchdr.u.verlagSanstaS Hr. 285. 27. Jahrgang. 1. Üfilinje des Juniiätls" Jitiiiiift Jollislilnlt. Dienstag. 6. Dezember 1910. K.eickstag. S4. Sitzung. Montag, den 6. Dezember, nachmittags 2 Uhr. Am BundeZratStisch: Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Arbeitskammergesetzes. Die Abgg. Albrccht tSoz.) u. Gen. beantragen an Stelle der Kommissionsbeschlüsse eine eigene Vorlage von 27 Paragrapben. welche die Eirichlung eines RcichsardeitSamtcs verlangt, ein Arbeits- amt für de» Bezirk jeder oberen Verwotlinigsbehvrde und für den Bezirk jedes Arbeitsamtes eine Arbcitcrkamincr. § 1 der Kommissionsbeschlüsse lautet: Für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer eines Gewerbezweiges oder mehrerer vcrivandter Geiverbeziveige sind auf fachlicher Grundlage, soweit nach dem Stande der gewerblichen Entwickelung ein Bedürfnis besteht. Arbeilskammern zu errichten. Die Arbeits- kamnier» sind rechtsfähig. Abg. Wicdcberg(Z.); Wir stehen auch heute noch dem Gesetz sehr ihm palbisch gegenüber. Wenn es auch nicht alle uniere Wünsche erfüllt, so wollen wir doch dem Gesetz zustiaimen. wie es aus der Koiiiniiision gekommen ist, und werden die Beratung nicht durch Anträge aufhalten. Der Antrag der Sozialdemokraten würde von neuem eine Koiiiniissionsberalimg notwendig machen. Wir werden schon deshalb gegen ihn stimmen. Wir haben ja schon ieit Jahren die Crrichlnng eines ReichsarbeitsamieS gefordert. So wie es sich der Antrag Albrechl aber denkt, würde es unseren ganzen behördlichen Organismus durchbrechen. WaS die Frage, ob Arbcilskamniern oder Arbeitertammern vor- zuziehen sind, belriffr, so sind wir für die Schaffung der paritäiiichen Arbeitskammern. Die eigentlichen Slandes- vertretlinge» der Arbeiter sind heute die Gewerkschaften, wenn sie auch nicht gesetzlich privilegiert sind, wie die Slandes- Vertretungen anderer Berufe. In der Oeffenilichkeit werden auch Beschlüsse paülälischer Kammern viel mehr Eindruck machen als Beschlüsse einseitiger Interessenvertretungen. Der beruflichen Gliederung stimmen wir zu, wenn wir auch die territoriale vor- gezogen hätten.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Lcgien(Soz.): Die Bedenken des Vorredners gegen unseren Antrag sind nicht zutreffend. Nimmt der Reichstag den grundlegenden§ 1 unseres Ge'etzenlwuns an, so wird sich über die Einzelheiten bis zur drillen Lesung leicht eine Verständigung erzielen lassen. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß sozialpolitische Gesetze, wenn sie einmal erlassen sind, sehr schwer wieder geänderi werden, auch wenn inan ihre Mangelhaftigkeit erkannt hat. Diese Erfahrung der- anlasit uns zu dem Vorschlage, die gesetzliche Vertretung der Arbeiter so zu organisieren, daß sie für die Arbeiter auch wirklich Wert hat. d. h. in A r b e i t e r k a m m e r n. Ich will den Wert der Koinniissionsbeschlüsse durchaus nicht unterschätzen, aber was die Arbeiter in erster Linie braiichen. ist doch eine reine Vertretung ihrer Interessen. Diese kann nur in Arbeiterkannner» erfolge», wie wir sie beanlrage». Paritätisch soll dann die zweite Jiistonz, das Arbeitsamt sein. Ihm würden in der Hauptsache all die Aufgaben zufallen, die Sie den Arbeltskammern geben wollen. Als oberste Instanz schlagen wir dann vor das Reichsarbeitsamt, das ja auch der Vorredner wünscht. Nach der ganzen Situation auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung ist eine solche Zentral- instanz ein dringendes Bedürfnis. Wir wollen die Arbeitskraft des ReichsamlcS des Innern durchaus nicht in den Schatten stelle». Tat- fache ist aber, daß es auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung sehr überlastet ist. was zur Folge hat, daß eine ganze Reihe Dinge, die auf diesem Gebiete ge- schaffen werden niüsiten, nicht von ihm in Vorschlag gebracht werden Eine gewisse Selbständigkeit eines solchen Reichs- arbeitSamles, wenn auch nicht eine vollständige Trennung vom Reichöamt des Innern würde daher wesentlich unsere sozial- politische Gesetzgebung fördern, und dem Reichsamt des Innern die Möglichkeit geben, auf anderen Gebieten eine intensivere Tätigkeit zu entsalten. Ferner schlagen wir an Stelle der berilflichen Organi- salionen der Kamniern die territoriale Gliederung vor. Jeder der die Arbeiterverhältnisse einigerinnhen kennt, weih, dasi die allgemeinen sozialen Verhältnisse der Arbeiierschaft, auf die es doch hier ankommt, für die einzelnen Berufe durchaus nicht so verschieden sind, daß ein Grund vorliegt, Arbeiterkammern auf beruflicher Grund- kleines feiriUeton. Tbeater. Lesfing-Theater:„A n a t o l" von ArturSchnitzker. Fünf Epiioden ans dem Leben eines Wiener Flaneurs, der uichts. auch gar nichts anderes als seine windige» Liebesabenteuer im Kopfe bat I Bei aller eleganten Ironie und Pianderknnst. die diesen Zyklus, eine der frühesten dramatischen Arbeiten Schnitzlers, verziert, fällt einem die Fadheit des Bürchschens. ivenn man ihn einen ganzen Abend vor sich hat. bedenklich auf die Nerven. Die Komik fort- währenden Beirügens und Betrogenwerdens läßt auf die Dauer nach. Man muh daran denken, dasi es nur ein Zufall ist. wenn dieser Pflastertreter auf wahlverwaudte weibliche Seelen � stößt, die mit gleicher Münze zahlen und so eine Art poetischer Gercchtig- keit an ihm vollziehen. Aus diesem Kreise_ heraus geratend kann er jeden Augenblick zum gewissenlos bru- talen Gernichter fremde» Lebensglückes werden— die Kehrseite, die Scknitzler in seiner.Liebelei" gezeiarnet hat. In den Szenen des.HochzeitsmorgenS". die die Aufführung ab- schloffen, tritt der Kontrast zivischen der angeschminkle» Komödie»- färbe und dem peinlich tristen Hintergrund— dem Ausblick auf das Los der schon an rbrem Hochzeitstage betrogenen Frau— ganz un- verhüllt hervor. Die Stimmung, die im ersten Teil des Abends bis zum.Abschiedssoupec", sehr animiert war, flaute im weiteren Ver- laus merklich ab. Am hübschesten in der Idee, wiewohl nicht gerade am bühnen- wirksamsten, war dos erste, ouck in der Freie» Volksbühne geipielte Stückchen.Die Frage an das Schicksal". Der melancholisch leicht« sinnige Liebhaber, der von sich auf andere schließend, in eisersüchtiger Leidenschaff um die Treue seiner momentanen Flamme bangt, hypnoti- siert das Fräulein in der Uebcrzeugung. daß sie in diesem Zustand die volle Wahrheit sagen werde. Er empfindet aber dann in dem entscheidenden Moment eine solche Furcht, daß er den Zeugen des Experiments fortschickt und das Mädchen mit einem langen Kuffe erweckt. Nichtwissen ist das Beste. Ein Thema, das der Dichter in den verwandten Situationen seines„ParacelsinS" wieder aufgenommen und psychologisch auf glücklichste vertieft hat. Den nachhaltigsten Eindruck machte das kleine Mittelffückchen im ersten Teile..Weihnachtseinkäufe". Hier wird die Schilderung intimer. Lina Lossen« diskrete Kunst brachte den leise abgestuften Uebergang zu lebendig überzeugendem Ausdruck, Mannards auch sonst vortrefflicher, schon etwas angejahrter Anatol erreichte hier in diesen Szenen, in denen sich zu der blasierten Nonchalance ein Zug urwüchsig echter Liebenswürdigkeit geiellt, den Höhepunkt. Herr Reicher spielte den Freund und Räfonneur. cid. Neue« Schauspielhaus: Der Zerrissene von Johann N e st r o y. In der allgemeinen Wiederbelebung vergangener Zeilen und Stile, die wie stüher die bildende Kunst jetzt Literatur läge zu organisieren. Wir sehen in dieser beruflichen Organisation viel- mehr eine arge Zersplitterung der Kräfte.— Hier verlangt man eine paritätische Organisation, bei den Handiverkerkainmern, H a n d e l s k a m ni e r n, L a n d w i r t s ch a f t s k a m in e r n aber ist es nie in and eingefallen, eine paritätische Ver- tretung herbeizuführen. Warum dann auf einmal, wenn es sich um Arbeiter handelt? Glaubt man etwa, daß die Arbeiter nicht befähigt und berufen wären, ihre eigensten Interessen selbst zu beraten und darüber Beschlüsse zu fassen? Die Beschlüsse soicher Arbeiterkammern werden genau so wertvoll sein wie die Beschlüsse der Handwerker-, LandivirischafiSkammern und anderer Interessen- Vertretungen. Es liegt uns fern, durch lange Reden die Erledigung dieser Sache aufhalten zu wollen. Ich beschränke mich daher ans diese wenigen Bemerkungen und bitte Sie im letzicn Augenblick noch einmal, sich doch noch für unseren Gesetzentwurf°zn entscheiden, der den Wünschen der Arbeiter entspricht.(Bravo I bei den Sozial- demokraien.) Abg. Graf Westarp(k.): Theoretisch hat der Gedanke, Arbeit- geber und Arbeitnehmer in einer Kommission zu vereinigen, etwas Verlockendes. Es fragt sich aber, ob beide Parteien zusaniinen- arbeilen wollen. Die Sozialdemokraten sind, wie Sie gehört haben, gegen die Arbeilskammern. Und auch die Unternehmer haben große Bedenken dagegen aus der Erfahrung heraus, daß die Sozialdeniokratie solche Veranstollungen nur aus- nütze zur Förderung ihrer Parteibe st rebiin gen und zur Erfüllung der Massen mit revolutionärem G e i st.(Hu hu I bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere daran, wie die Sozialdemokratie die Krankenkassen gemißbraucht bat zu Stäiien sozialdemokratischer Agitation und Machleiitfaltung. (Sehr richtig I rechts. Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Aus diese» Gründen hatten wir schon lebhafte Bedenken gegen die Re- gierungsvorlage, und die Komniisfion hat das Gesetz noch wesentlich verschlechtert. U n a n n e h m b a r ist für uns die Bestimmung des Z 7, wonach auch die Eisenbahnarbeiter in solche Kanunern eingefügt weiden sollen. Auch wollen wir nicht den sozialdemokratischen Sekretären die Tür zu den Arbeilskanmiern aufmachen. Auch die Oeffentlichkeit der Verhandlungen können wir an- gesichts des sozialdemokratischen Tcrrorismus nicht ziigestehen. Durch die Kommissioiisbeschlüsie ist der Entwurf für uns unannebm- bar geworden und wir werden einstimmig dagegen stimmen.(Wiederholtes Bravo! recht». Zischen links.) Abg. Menz(Bp): Der Vorredner hat ein blutrotes Bild uns an die Wand gemalt; aber mir kam seine Rede vor wie eine Wahlrede, deren wir noch niehrere zu hören bekommen werden. Der Vorredner fürchtet, wen» die Arbeilersekreläre hineinkommen, werden diese revolutionären Elemente die anderen mit fortreißen. Aber diese Furcht ist unbegründet, es wird vielmehr gehen wie bei den Sladtverivaltnngen, wo die positive Mitarbeit mäßigend ans die revolntionären Elemente eingewirkt hat und einwirkt.(Zustimmung bei der Volkspartei.j Abg. Horn-Renß(natl.): Die Wiedereinbringung des mehrfach abgelehnten sozialdemokratischen Antrages kann aus agitatorischen Gründen erfolgt sein. Meine politischen Freunde werden ihn auch beute ablehnen. Der Redner wendet sich in längeren, auf der Tribüne nicht verständlichen Ausfühiungen gegen den Gedanken der Einführung eines Reichsarbeitsamls. Abg. v. Dirksen(Rp.>: Für uns ist der Entwurf durch die KomniiisionSbeschlüsse unannehmbar geworden. Es würde unsere Verhandlungen erleichtern, wenn auch die Regierung erklären würde, welche Punkte für sie unannehmbar bleiben. Hoffemlich gehl sie nicht auf Kompromisse ein, wie das, von dem in der Presse die Rede war, wonach die Arbeitersekretäre nur nicht zum ersten Male, später aber stets wählbar sein sollen. Ein auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes zu st an de gekominener Reichstag geht leicht weiter in der Nachgiebigkeit bei sozialpolitischen Forderungen, als sich mit dem Gesamtwohl verträgt. Die Unersättlichkeit der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie darf nicht dazu führen, aus Rücksichten auf die Wähler Zugeständnisse zu niachen. Die Befürworter von Arbeitskammern berufen sich auf die kaiserliche Botschaft; aber aus ihr kann man das nicht herleilen. Außerdem ist ieit Erlaß der kaiserlichen Bolschaft die Macht der Arbeiterschaft unendlich gestiegen, sie bat in den Ge- werlschaften und ihren Vertretern zielbewußte, energische Vertreter gefunden; ferner sind paritätische Aibeitsnachweise entstanden, Tarifkommisflonen; durch all das ist die Macht der Arbeiterschaft so gewachsen, daß man bald Gesetze zum Schutz der Arbeitgeber, nicht der und Theater beherrscht, sind wir jetzt glücklich bei der vormärzlichen Biederineierei angelangt Nestroy. der Wiener Possenmacher von dazumal ist wieder in Mode gekommen. Schon wiederholt hat man seine Renaissance versucht, aber jetzt scheint er definitiv durch- gedrungen zu sein. Das zeigt den heillosen Ticsstand unserer Bühne. Nestroy. haben literarische Modemiiacher unS versichert, ist höchst modern. Das zeigt den ganzen Tiefstand unserer Bühne. Eine der fadesten Possen dieses Bühnenfabrikauten, der allerdings als Bühnen- geichäflsmann schon so modern war wie seine Kollegen von heute, hat am Sonnabend in Berlin Beifall gesunden. Das Publikum scheint also mit Theater und Kritik im Einverstäiiduis zu sein. Die Posse wurde allerdings im besten Gewände(aber ohne Gesang) vorgesührt. Das biedermeiersche Milieu war„emzückeud", die Krmoline war allein ein Erfolg. Aber entschädigt das für soviel Triviolitäten und öde Wortwitzelcieu? Die Darsteller leisteten im Aufgebot komischer Masken und Gestalten, in der Charakteristik durch Stimmen und Getue, ja in Akrobatik das erdenklichste. Herr Lind war als dummschlauer Pächter sicher urkomisch, Ida Wüst bot eine köstlich affektierte Person. Die Kathi des Fräulein Frey war frisch und sauber, und der Schlosser des Herrn P r a g e r kräftig und urwüchsig. Aber alle Ausstattung und äußer- liche Aufwand können diesen Nestroy nicht wieder genießbar machen, dessen einziges Verdienst bleibt, hinter den Possen von heute an skrupelloser Mache kaum zurückzubleiben.— r. Freie Volksbühne(im Neuen Schaiikpiekhaus): M o n n a Vanna, von Maurice Maeterlinck. Es ist wahr: Ties Drama, das dem Stoff nach eigentlich eher eine Novelle aus der italienischen Rcnaiffancezeit deucht, enttäuschte bei den Franzosen. Zunächst enttäuschte es, weil es fast durchweg in reimlosen, stall ge- reimten Alexaiidrinern geschrieben war. und zweitens, weil dem französischen Geschmack soviel Edelmut und— Reflexion zuwider- liefe». Bei uns halte„Monna Vanna" kolossale Kassencrfolge. Seine Erstaufführung hier fiel gerade in die Zeit der Abkehr vom Nalurnlismus. Da mußte ein Drama von so ausgeprägt neu- romantischer Art auf guten Boden fallen. Das, was doch am tiefsten die Gemüter reizte, war eben das vor aller Augen sichtbare Keuschheitswunder, nämlich die nackte Frau— im schwarzen Mantel... Gewiß, es ist fast zuviel Tngendgröße aus einmal. Aber wer zweifelte, daß das Weib solcher gewaltigen Beweise etwa nicht sähig seil Daher ist denn auch die faszinierende Wirkung dieses Schauspiels erklärlich— selbst angesichts einer weniger befriedigenden Dar- stellimg. Rudolf Christians verwendbarer Fleiß in Edren: aber es ist doch sehr ffcaglich, ob ein Guido Coloima so auffällig mit seinem Schmerz posierte? Was einzig erschüttern kann, ist Natürlich- keit und Verinncrlichung des Gefühls. Bei Maria Mayer als Monna Vanna war anfänglich fast eine fröstelnde Herbigkeit; im Schlußakt allerdings gewann diese an warmlöniger Beredheit und riß fort. Erich K a i s e r- T i e tz gab seinem Feldhanptmaiin Pnncivalli alle sympathischen Züge einer Männlichkeit, die sich sowohl ihrer Kraft wie ihrer Grenzen bewußt bleibt. Unter den Episodendarstellern wird noch Willy P r a g e r(Marco Colonna) zu erwähnen sein. o. st. Arbeitnehmer, wird machen müssen.(Zustimmung rechts; Lachen bei den Sozialdemokraten.) Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist nur möglich, wenn er von beiden Seiten ehrlich erstrebt wird; die Sozialdeniokratie aber will keinen Frieden. Zwangsorganisationen, die dem Frieden dienen sollten, sind stets von der Sozial- demokratie mißbraucht worden, die durch ihren T e r r o r i s in u§ selbst auf viele Untecnehmer bei öffentlichen Wablen und Verhandlungen Einfluß gewonnen hat. Die Ein« beziehmig der Eisen bah narbeiter in dos Gesetz ist für unS ebenfalls u ii a u n e h m b a r. Kurz und gut: In der Kommissions- fiissmig ist das Gesetz für uns unannehmbar, aber auch der RegieruiigSeniwurf erscheint uns zum mindesten entbehrlich und gefährlich.(Bravo I rechts.) Dieser Entwurf ist dk» Anfang aiif ciucr abschiissigen Bahn; aus den Arbeilskammern werden Arbeilerkaminern, ihnen folgen obligatorische Arbeiterausschüffe und die Krone ist der Verhnndlmigszwaiig. Für die Einführung eines solchen konstitutionellen System» in der Industrie können wir die Verantwortung nicht übernehmen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Der sozialdemokratische Antrag verfolgt weitergehende Ziele als der Entwurf der Regierung. Er ist bereits in der Kommission abgelehnt worden. Für die Regierung ist er n ii a n n e h ni b a r, weil er einen Eingriff in die Rechte der Bundesstaaten verlangt und die Organisation des Reiches auf voll« ständig neue Grundlagen zu setzen sucht, indem er für bestiinnite Klassen von Interessen und Interessenten eine besondere Organisation der Behörden zu schaffen sucht. Das ist vollständig undenkbar. In einem wohlgeordneten Staatswesen können nicht irgend welche Interessen lösgelöst von den übrigen mit besonderen Rechten aus- gestaltet werden. Herrn Wiedeberg möchte ich erwidern, daß eSunmüg« l i ch ist, die Sozialpolitik vom Reichsamt des Innern loszulösen. Redner gibt eine historische Uebcrsicht der Eiustehniigsgeschichte des Entwurfs. Inzwischen ist manches passiert, was Bedenken erregeKx kann.(Znriis rechts: M o a b i t I Zustimmung rechts. Lachen links.) Gleichivohl würde ich es beklagen, wenn der Entwurf scheiterte. Gewiß ist die Bctäliginig der Sozialdemokratie ans den vielen Ge- bieten, wo wir eine Art Selbstoerwnltiing zur besseren Vertretung der Interessen der Arbeiterklasse geschaffen baben, wenig geeignet, unser Vertrauen in diese Tätigkeit zu stärken. Aber wir haben im deutschen Vaterland nicht nur sozial- demokraii'che Organisationen, sondern auch andere. und diese anderen Organisationen und die Nichtorganisierten Ar- bcitcr bilden die Majorität, und ick würde es für Unrecht halten, dieien die Möglickikeit einer sachgemäßen Vertretung ihrer Interessen auch in Geiiieinschaft mit den Arbeitgebern nicht zu geben, bloß weil zurzeit die Sozialdemokratie i» solchen Körperschaften die Mehrheit hat. Man müßte an dem Deutschen Reiche verzweifeln. wenn man glaubte, das würde immer so sein. Die Zeiten werden sich ändern.(Lebhafte Heilerkeit bei den Sozial- demokroten.) In diesem Punkte bin ich Optimist und deshalb halte ich an dem Wunsche fest, daß der Entwurf oerabschiedet werden möge. Ich wende mich nun zu den Einzeluheiten. Es ist schon darauf hingewiesen, daß mit dem Einwurf ein Versprechen von höchster Sielle erfüllt wird. Aber auf Grund dieses Umstände« kann man nicht verlangen, daß die Negiermig sich jede Umänderung des Ent- würfe« gefallen läßt.(Sehr richtig I rechts.) Ich teile die Bedenken, daß Arbeilskammern vom Bundesrat statt von den Landcszentral« bchörden eingerichtet werden sollen. Noch bedenklicher ist die Herabsetzung des Wahlalters auf 2ö Jahre. Für das aktive Wahlrecht könnte man vielleicht darüber diskutleren, beim passiven muß unbedingt am dreißigsten Jahre sestgeballen werden. Die Kommission hat ferner die Arbeimebmer und Arbeitgeber der Fabrilen und Werkstätten der Eisciibahnen in den Entwurf ein- gefügt. Aber Eiseiibahiibetriebe stehen nicht im Dienste eines einzelnen Unternehmers und dienen überhaupt nicht, soweit tominunale Betriebe in Frage kommen, Erwerbsinteressen, sondern sie sind Betriebe im Interesse des wirtschaftlichen Vorwärtskommens und unter Uniständen auch im Jntcresse der Sicherheit und Ordnung. Deshalb unterstehen sie nicht der Gewerbeordnung. ioudern sind anders zu behandeln. In Frankreich werden sie jetzt von den anderen Betrieben herausgenoiiiiiien, und Sie verlangen, daß wir den Schritt um. den jetzt ein Ihnen nahrsteheuder Minister in Frankreich zurücktut.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemo« kraien. Lebhaftes Bravo I rechts.) Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Den sozialdemokratischen Antrag lehnen wir ab, wir braiichen über ihn auch nicht mehr zu diskutieren, nachdem er in der Kommission mit großer Mehrheit abgelehnt ist. Die konscssioncllen Arbeitervereine stehen Humor«nd Satire. Moabit. So'en Mann, der jar nischt wollte, Jing am Trottowar, Denn warum er det nich sollte, War ihm ooch nich klar. Miitemang in det Exzesse, Janz in seinem Recht, Kricgi er dreie in die Fresse, Aber schon nich schlecht. Staunend kriegt er'S auf die Backe Det et nur so knnllt, Und denn jing's ihm uff de Jacke Mit die StaalSjcwalt. Mit det Jummi ins Jesichte, Uebers Oojenpaar. Det ihm— hohes Landjerichtel— Det ihm schunmirich war. IS er, weil nian ihn verbimste, Noch verbrecherlicb? Det is nu det allerschlimmstel Man befreist et nicki. (Peter Schlemihl im.Simplicissimil«".) Notizen. — Theaterchronik.„König Oedipu«' wird im ZirkuS Sckmmnnn auch noch am 10. und 31. Dezember aufgeführt. Der Vorverkauf findet nur bei A. Wertheim. Leipzigcrstraße statt und beginnt ani 8. Dezember. — Das A ii s st e t l u n g s t h e a t e r ist, wie nicht ander« zu erwarten, dem Pieitegcier verfallen. Wenn nicht noch eine Ver- stäiidigung mit den Gläubigern ermöglicht wird, sind die Scbau- spieler brotlos. Aber auch dann dürfte» die Aussichten schlecht sein. Eventuell wird das Lerlincr Theater die(ganz Überflüsse) Bühne übernehmen. — Gegen daö Ausführungsverbot von„Früh- l i n g s Erwachen" protestierten in Königsberg die für unuinndig crllärten Studenten, und es waren sogar der Rektor und Professoren dobei. — Passive Resistenz in der Oper. Infolge von Vorkommnissen bei der Somiobend-Vorstellung in der Wiener Hofoper, wo der Herrenchor passive Resistenz übte, hat die Direktion die sofortige Entlassung der betreffenden Mitglieder verfügt. Von dieser Maßregel werden 48 Choristen betroffen, unter denen sich auch Thomas Koschat befindet. Der Herrenstandpunkt nimmt sich in einem k. k. Institut, daS aus Volksgeldern unterhalten wird, sehr komisch aus. a?e a»f dsni Voden'der paritätischen Arbeitskammern und auch die soiialdemokralische Arbeiterschaft ist durchaus nicht ein- mutig für Arbeiterkammern. Daß im übrigen im Gesetz im wesent- lichen von Arbeiterinteressen die Rede ist. ist nur sclbstverstSndlich� Die paritätischen Arbeitskammern sollen doch eben die Interessen der Arbeitnehmer wahrnehmen; die Interessen der Arbeitgeber sind ge- wahrt in den Handwerker-, Handelskammern usw.— Für uns handelt eS sich bei der sozialen Gesetzgebung nicht um eine Geschenk- Politik, sondern sie ist notwendig auZ unserer kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und nationalen Entwickelung de« Volkes heraus Der Sozialdemokratie soll man auf anderen Gebieten entgegen- treten, soll aber die übrige Arbeiterschaft nicht entgelten lassen, was die Sozialdemokratie tut. Nicht richtig ist, dah sämtliche Arbeitgeber gegen die Wählbarkeit von Beamten der Arbeitgeber- und Arbeitnehmcrberufsvereine find, wie Herr v. Dircksen meinte. 17 Arbeitgeberverbände haben tn einer Petition die Zu- lassung solcher Sekretäre ausdrücklich verlangt, und eine davon ist unterzeichnet von dem bekannten Herrn Fetisch, einem konservativen LandtagSabgeordneten. sHvrt I hört!) Abg. Kulerski: Trotz der Mängel der Vorlage werden wir für die KomniisstonSbeschlllsfe stimmen. Eine terri- toriale Gliederung und die Einsühruntz von Arbeiter- k a m m e r n wäre jedenfalls besser gewesen. Wir erwarten aller- dingS, dah � die geringfügigen Verbesserungen, die das Gesetz in der Kommission erfahren hat, auch beibehalten werden. Abg. Naumann(Vp.): So einfach, wie Herr Legten meinte, ist die Annahme des sozialdemokratischen Antrages denn doch nicht. Das Reichsarbeitsamt können wir nicht so nebenbei beschliehen. Tätigkeitsbereich genug wäre gewih für ein solches Amt vorhanden, ober ei gehört nicht in dies Gesetz. Mit der territorialen Gliede- rung können wir uns nicht einverstanden erklären. Alle Arbeiter- schutzbestimmungen sind gewerblicher Art. ebenso wären die Arbeiterkontrolleure nur für einzelne Gewerbe einzuführen. Der Zweck der Kammern ist erweitert auf die Vorarbeiten für Tarif obschlüsse und für Einrichtung von Arbeitsnachweisen. WaS fehlt ist die Berufung der Kammern zur Herausgabe von Ausführungs- Vorschriften für alle Bestimmungen über Arbeitszeit und Arbeiter- schütz, soweit sie vom Bundesrat generaliter gegeben werden. Die Bereicherung der Zweckbestimmung der Kammern ist notwendig, damit sie ein wirklich lebensfähiger Organismus werden. Je mehr daS geschieht, desto weniger werden die Konservativen gefallen an ihnen haben. Das bewies die an Moabit erinnernde Rede des Grafen Westarp.(Sehr gut! links.) Mar» beschwert sich sonst auf der Rechten darüber, dah die Sozialdemokratie die Sozialpolitik parteipolitisch ausnutze. Heute aber hat der Redner der Konscr- vativen parteipolitische Gesichtspunkte in eine rein praktische Angelegenheit der Sozial- Politik hineingebracht.(Sehr wahr! links.) Wie Herr v. Heydebrand bei der Kaiserdebatte mit ausgestrecktem Arm dem Reichskanzler seine Order mitteilte: soundso haben Sie sich zu verhalten, so haben heute Graf Westarp und Herr v. Dirks cn der Regierung die Parole ausgegeben: Regierung, bleibe hart und gib nicht nach. Zunächst schon in bezug auf die weiblichen Mitglieder, die aber im Regierungsentwurf drin- standen. Die Konservativen verletzten die einfachste menschliche Gerechtigkeit, wenn sie die Frauen nicht zulassen wollen in diesen Vcrtretungskörpcr der Arbeiter. Tann lassen Sie doch die Frauen überhaupt nicht zur Erwerbsarbeit zul Solange Sie aber in Landwirtschaft und Industrie ohne billige weibliche Arbeitskräfte nicht auskommen können, solange Ihr Wohlstand miterworben wird durch hunderttausende weibliche Arbeitskräfte, macht es«inen avherordentlich eigentümlichen Eindruck, wenn Sie diese weiblichen Kräfte von der Vertretung in den Arbeitskammern ausschließen wollen.(Sehr wahrl links.) Herr v. Dirksen meinte sogar, oie Sozialpolitik habe nicht versöhnend gewirkt. Nun. zur Zeit des Sozialistengesetzes hörte man immer die Prophezeiungen: Wir stehen am Rande einer Revolution, etwas Unerhörtes wird geschehen, jetzt beginnt Deutschland zu versinken. So war die Angstmalerei in den SOiger Jahren. Das Sozialistengesetz ist fort, wir leben ohne Extraschutzmahregcln, und die Revolution ist bis heute nicht gekommen, und selbst wenn Sie sich Mühe geben, die Moabiter Vorfälle biSzueinerRevolutionindieHöhe zu drehen, so gelingt Ihnen das nicht.(Sehr wahrl links.) Die Revolution ist nicht gekommen, die Industrie hat sich ent- w'ckclt, wir haben steigende Ziffern deS Erwerbes, alles geht in die Höhe, die Regierung beweist, sobald sie Steuern haben will, wie der Wohlstand bei uns gestiegen ist. sSchr gutl links.) Und weshalb sind die Prophezeiungen nicht eingetroffen? Aus dem Grunde, weil inzwischen Staat und Gesellschaft gelernt {laben, den Arbeiter mehr einzuschätzen, als das vorher der Fall «»ar.(Sehr wahrl links.) Wir stehen mit der Forderung der Arbeitskammern auf dem Boden der kaiserlichen Bot» schaft, während die Herren der Rechten, die den Kaiser nicht ße- nug verteidigen können, wenn seine Worte ihnen in ihre Plane passen, ruhig seinen grundlegenden Regierungs- plan fahren lassen, wenn«S ihnen so pass t, a u S sozialpolitischem Egoismus.(Sehr gutl links.) Herr v. Dirksen sagt, inzwischen ist die Sozialdemokratie bei uns anders geworden. Kein Land hat eine so negierende Sozialdemokratie wie Deutschland. Gewiss, aber woher kommt eS, wenn die Sozialdemokratie noch vielfach so negativ ist? Wenn man auf die Sozial- demokratie in Frankreich, England und Belgien ver- weist, so sage ich: ja, gehen Sie nach Frankreich, England und Belgien, und sehen Sie, was dort an Bürgerrechten vorhanden ist, und dann gehen Sie nach Preußen, in das Land des Dreiklassen Wahlrechts!(Sehr gutl links. Gelächter rechts.) Solange wir den Klassenstaat haben, kommt als Antwort die Klassenbewcgung. Warum geht es in Süddeutschland besser? Weil man dort bürgerliches Rechtsgefühl hat.(Sehr richtigl links.) Dies bürgerliche Rechtsgefühl ist auch heute wieder verletzt worden durch den Angriff auf das allgemeine Wahl- recht in der Rede des Herrn v. Dirksen.(Sehr wahrl links.) Die Herren der Rechten find eS, die die Machtfrage aufwerfen. Herr v. Dirksen wies auf die Notwendigkeit der Erhaltung der Autorität hin. Sie wollen eine längst vergangene patriarchalische Autorität erhalten. Sie rufen nach Staat und Polizei, die Ihnen helfen sollen, wenn Sie Fehler gemacht haben. Sie weisen stets aus Stumm hin und seine patriarchalisch« Fürsorge für die Ar- bester. Was kommt aber, wenn diese Autokraten nicht mehr sind? Dann kommen die Aktiengesellschaften, dann läuft das grosse Unter- nehmen ganz bureaukratisch und dann ist es doppelt notwendig, dass an die Stelle der nicht mehr vorhandenen Personen ausgleichende Gliedsr treten. Das sind die Arbeitskammer». Die Einwände des Staatssekretärs gegen ihre Einrichtung durch die Zentralinstanz, den Bundesrat, sind nicht stichhaltig.— Daß kerner di« Arbester der Eisenbahnwerkstätten ausgenommen sein sollen, spricht gegen den Vcrstaatlichunasgedanken von Eisenbahnen. Wetter wendet sich der Staatssekretär gegen die Zulassung von Arbeitersekretären. Dabei sind gerade die Arbeiter- sekretäre die einzigen unkündbaren Elemente in der Arbeitervertre- tung. Ihre ganze übrige Vertretung kann von der anderen Seite gekündigt werden. Und was ist das für eine Parität, die den Unternehmern gestattet, ihre Direktoren und sonstigen Angestellten als ihre Vertreter in die Arbeitskammern zu senden, den Arbeitern dagegen nicht, ihre Vertrauensleute h,»zuschicken. Wir wünschen das Zustandekommen deS Gesetzes. aber ohne die Opfer an Exaktheit und Klarheit, die uns zugemutet werden.(Bravol b. d. Voltspartei.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Der Vorredner meinte, die Nicht- «inbeziehung der Eisenbahnarbeiter in den Entwurf müsse gegen neue Verstaatlichungen von Eisenbahnen bedenklich machen. Er übersteht, dah es für alle Etsenbahnarbeitrr gilt, gleichgültig, wer die Eisenbahnen betreibt.— Eine Imparität erblickt er darin, dah Arbeiterfekretäre nicht zugelassen werden sollen, wohl aber die Ber- tretungen der Industriellen durch Direktoren nsw. Aber diese zu- gelassenen Vertreter stehen unmittelbar im Betrieb und in der Ar- bt.it, Das gilt nicht von deo Arbeit trsekretären. die daher nicht geeignet sind, die Interessen der Arbeiter zu vertreten.(Lebhafter Widerspruch links.) Abg. Legten(Soz.): Dem Staatssekreiär erwidere ich, dah niemand mehr bo rufen ist, die Interessen der Arbeiter zu vertreten, als der von den Arbeitern selbst berufe»� Sekretär oder Vorsitzende der Organi- Sition. Wir sind so energisch dafür eingetreten, dah unabhängige ertreter der Arbeiter in die ArbcitSkammern kommen, weil jeder andere Arbeiter, der nur einigermaßen energisch die Interessen seiner Berufskollegen vertritt, ohne weiteres entlassen wirb.(Zu- stimmung b. d. Soz.) So sieht es in der Praxis aus. Die Behaup- tung deS Staatssekretär«, dah Eisenbahnbetriebe keine gewerblichen Betriebe seien, wird dadurch nicht richtig, daß er sie wiederholt. Dah sie nicht unter die Gewerbeordnung fallen, ist leider richtig. Aber dadurch verliert ein Betrieb noch lange nicht den Charakter eines gewerblichen Unternehmens. Ter Staatssekretär stellt die Arbeiter in allen deutschen Eisenbahnbetrieben als Arbeiter min- deren Rechtes dar.(Sehr richtigl bc d. Soz.) 23enn Sie meinen, durch solche Praxis die Arbester vor der Sozialdemokratie zu bewahren, und die Gefahr eines Eisenbahnerausstandes zu be- festigen, so irren Sie. Gerade im Gegenteil. Nur derjenige Arbeiter wird Rücksicht auf seinen Unternehmer und auch auf den Staatsbetrieb nehme», der das gleiche Recht hat wie jederandere. Gerade der Druck, der von der Eiscnbahnverwal- tung ausgeübt wird, dieser Terrorismus— und das ist Terro- rismuS,— dah Sie den Eisenbahnarbeitern das Koalitionsrecht nicht gewähren, dah jeder, der sich einer Organisation anschlieht, entlassen wird, und ztvar wider Recht, denn wenn die Eisenbahn- arbeiter auch nicht unter die Gewerbeordnung fallen, so besitzen sie doch daS Koalitionsrecht. Die Gewerbeordnung von 1S4S enthielt noch das Koalitionsverbot für die Eiseitbahnarbeiter. In die Gewerbeordnung von 18(39 wurde es nicht aufgenommen, und es ist den Eisenbahnarbeitern niemals genommen worden; deshalb ist«S unerhörtester TerrorismnS,«S ihnen in der Praxis zu nehmen. (Lebhaftes Sehr richtigl b. d. Soz.) Und die Arbeiter in den Eisen- bahnwerkstätten werden«S sich merken, dah der Staatssekretär hier erklärt, sie seien minderen R e ch t s als die Arbeiter der In- dustrie.(Lebhaftes Sehr richtigl b. d. Soz.) Ich empfehle nochmals unseren Antrag. Der. Abg. Horn meinte, er sei nur aus agitatorischen Gründen eingebracht. Wenn Sie unsere Absicht, den Arbeitern zu zeigen, was notwendig ist, um ge- ordnete Betriebe zu schassen, als agitatorisch ansehen, so muh das lein. Wir wollen noch in letzter Stunde das Gesetz so ausgestalten, oah es den Arbeitern nützt. Wenn Sie meinen, dah die Arbeiter dann in gröberer Zahl zu uns kommen werden, nun gutl So nehmen Sie dock» unsern Antrag an und vertreten Sie die Interessen der Arbeiter, dann wird vielleicht Wahrheit, was der Staatssekretär sagte: Die Zeiten änd«rn sich.(Sehr gutl b. d. Soz.) Uebrigens bin ich mit ihm einverstanden. Denn gerade wir Sozial- dcniokraten glauben und hoffen, dah die Zeiten sich ändern werden. (Lebhaftes Sehr richtig!) Allerdings nicht im Sinne der Herren von Westarp und Dirksen, sondern im Sinne de« Sozia- k i S m u S. Wenn Sie unsern Antrag ablehnen, und ebenso den Entwurf, dann vergehen vielleicht wieder Jahre und Jahrzehnte, ehe wir uns wieder mit der Materie beschäftigen; wundern Sie sich dann nicht, wenn immer weitere Schickten der Aroeiter zu uns kommen. Herr von Dirksen meinte, die ArbcitSkammern seien nicht erforderlich, weil die Arbeiter in den Gewerkschaften und ihren' Führern die beste Vertretung haben. Für diese Anerkennung danken wir. Ich gebe Ihnen aber zu bedenken, dah diese gewerl- schaftlichen Organisationen heute eigentlich noch ausserhalb der Ge< icygebung stehen, daß man immer' und immer wieder versucht, sie als nicht rechtmässig bestehend hinzustellen. Wer so zwanzig Jahre lang an Prozessen aller Art mit Polizeibehörden beteiligt ist, die das gewerkschaftliche Leben lahm legen sollten, der weih, dah von einer Anerkennung unserer Organisationen nicht nur keine Rede sein kann, sondern das) alles geschieht, insbesondere mit Zustimmung der konservativen Partei, um unsere Organisationen zu vernichten. (Lebhaftes Sehr richtig! b. d. Soz.) Es mangelt bisher an einer gesetzlichen Vertretung der Arbeiterschaft; diese will der Entwurf bringen, daneben werden die Gewerkschaften bestehen und bestehen müssen. Wollte man den Arbeitern weniger bieten als die Be- schlüsse der Kommission, so sollte man daS Gesetz lieber begraben. Die Frage ist damit freilich nicht aus der Welt geschafft. Wieder- holt sind Wünsche der Sozialdemokraten von Regierung und Reichs- tag zurückgewiesen, nach Jahrzehnten aber von ihnen selbst ansge- r ommen und genau so würde es auch hier kommen, mst oder ohne Willen der Regierung. Und deshalb soll der Reichstag dem evtl. „Unannehmbar der Regierung entgegensetzen sein«Notwendig für die Arbeiterklasse".(Zustimmung b. d. Soz.) lderr von Dirksen wies auf die Niacht der Arbeiter bin. Gerade von der Rechten klingt eS so eigentümlich, anderen oen Vorwurf zu machen, sie streben nach Macht im Staat«.(Sehr richtigl b. d. Soz.) Ihr Einfluh beruht doch auf Ihrer alten wirt- schaftlichen Macht, und auch wir Arbeiter müssen versuchen, größere Macht zu erringen.(Zustimmung b. d. Soz.) Herr von Dirksen erklarte das Gesetz für zwecklos, weil ich bei der ersten Be- ratung einen dauernden Frieden zwischen Kapital und Arbeit für utopistisch erklärt hätte. Solange die kapitalistische Produktionsweise besteht, muh auch der Streit zwischen Kapital und Arbeit bestehen; das schlieht nicht aus, dah man für bestimmt« vorliegend« Fragen einen AuS- gleich sck»affen muh. DaS ist natürlich kein Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit.(Sehr richtigl b. d. Soz.) Und deshalb wieder- hol« ich meine Erklärung, jeder Versuch eines solchen Ausaleichs ist eine Utopie, solange die kapitalistische Produktion, da« Privat- eigentum an den Produktionsmitteln, die Trennung von Kapital und Arbeit besteht. Weiter fragte Herr von Dirksen, wie sich denn die Industrie zu dem Entwurf stellt. Einige Unter nehm erverbände haben ihn verworfen, aber soll es denn ein Gesetz zur Vertretung der Unternehmerinteressen sein? Haben Sie bei der Schaffung der Handwerkskammern, der Handels, und Landwirtschaftskam- m«rn gefragt, wie die Arbeiter sich dazu stellen? Die Ar- beitcrorganisationen, gleichgültig, welcher Richtung sie angehören, habensichfürdieSchaffungvonArbettSkammern ausgesprochen, und dies Urteil muh wichtiger für Si« sein, als das Urteil der Unternehmerverbändc.(Zustimmung b. d. Soz.) Auf die Angriffe des Grafen Westarp gegen meine Partei einzugehen halte ich für überflüssig. Bon Terrorismus der Sozial- demorratie zu reden, steht mn wenigsten einem Vertreter der kon- lervativen Partei zu, die ihre Rolle im Staatswesen nur noch vurch den unerhörte st en Terrorismus bei den Wahlen aufrecht erhalten kann.(Sehr wahrl b. d. Soz.) Wetter meinte Graf Westarp, auch dies Gesetz würde der Sozialdemokratie dienen, um die Revolution vorzubereiten. An- genommen, da» wäre richtig, wie stände es dann um die Einrich- tungen des heutigen Staates, wenn so eine einfache Jnteresscnver- tretung der Arbeiter, die e» noch nicht einmal ist, geeignet sein soll, den angeblich so feststehenden Staat zu stürzen.(Sehr gut b. d. Soz.) Wenn Graf Westarp wieder meinte, wir seien nicht Ver- treter der Arbeiter, so stelle ich fest, dah die meisten unter uns Berufsarbeiter waren, dah wir nur infolge de? Terrorismus der Unternehmer die Berufsarbeit aufgeben muhten, als wir für die Interessen unserer Kollegen eintraten, und dah wir im übrigen unsere Stellung als Aroeitervertreter dem Vertrauen der Arbeiter selbst verdanken. Dah die Partei des Grafen Westarp sich am allerwenigsten als Vertreterin von Arbeiterinteressen bezeichnen kann, haben seine Heu- tigen Ausführungen klar bewiesen. Verlangte er doch Ausnahme» aesetze gegen die Arbeiterklasse und Herr von Dirksen verlangte RückwärlSdirigierung der Sozialpolitik. Tai wird auch der ver- nagcltste Arbeiter nicht als Vertretung der Arbeiterintcressen an- sehen können.(Bravo! b. d. Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Fleischer(g.): Wir sind in eine Generaldebatte über die allgemeinsten Fragen gekommen, nur der schzvarz-blaue Block fehlte noch Aber Sie sehen, da« Zentrum bleibt hier unberührt von rechts und von links. Der Rechten sage ich: wir wollen gerade durch die Arbeitskammern diejenigen, die den Frieden zwischen Arbeitern und Arbeilgebern stZren, auf den geordneten gesetzlichen Verhandlungsweg zwingen. Eine ArbeitSkarniner, die andere Ziele verfolgt, kann nach K 42 der Kommissionsbeschlüsse aufgelöst werden. Die Kammern sollen auch nicht in die Autoritätssragen der einzelnen Betriebleiter eingreifen, sondern nur allgemeine Fragen regeln. Die Herren von der Sozialdemokratie sollten die Forderung der Arbeiterkammern aufgeben, nachdem auch Herr von Dirksen sich dafür erklärt hat. Auhepdem ist der Antrag Albrecht in seiner jetzigen Fassung auch ganz undurchführbar. Damit schließt die Diskussion. Abg. v. Dirksen(Rp.) bestreitet, an dem ReichStagSwahlrecht gerüttelt zu haben, dazu sei er viel zu vorsichtig, denn er wisse, wie tabu das Reichstagswahlrecht sei. Abg. Naumann: Der Gebrauch des Wortes tabu, das aus götzendienerischen Verhältnissen stammt, aus das Reichstagswahl- recht, beweist am besten die Stellung des Herrn von Dirksen zu diesem Wahlrecht.(Sehr gut! links.) Der tz 1 des Antrags A l b r e ch t wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt, Abg. Legten (Soz.) zieht darauf den Rest des Antrags zurück. 8 1 der Kom- missionsbcschlüsse wird darauf mit groyer Mehrheit angenom- men. Die Weiterberatung wird auf Dienstag 1 Uhr ver» tagt. Schluß 6% Uhr._ Die Generalverlammlung von Groß-ßerlin Die außerordentliche Generalversammlung des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine, die am Sonntag in den „Gcrmaniasälen" stattfand, beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Beitragserhöhung für Groß-Berlin. Der Vorsitzende Genosse E r n st machte zu dem folgenden Antrag: „Die Kreis-Gencralversammlung des Kreises Niederbarnim vom Sonntag, den 2. Oktober d. I., hat zu der Frage der Bei- tragserhöhung Stellung genommen und sich für einen Monats- beitrag von 49 Pf. für männliche und 29 Pf. für weibliche Mit- glieder erklärt sowie für Abschaffung sämtlicher Extrasamm- lungen in Groß-Berlin ausschliehlich derjenigen für Wahlen. Außerdem wurde beschlossen, an die nächste Verbands- Generalversammlung den Antrag zu richten: „lieber die Erhöhung der Beiträge eine Urabstimmung vor- nehmen zu lassen." den Vorschlag, zuerst darüber abzustimmen, ob die Frage durch eine Urabstimmung entschieden werden sollte, da in diesem Fall die weitere Verhandlung über die Beitragserhöhung zwecklos sein würde. Der Vorschlag wurde von der Generalversammlung gut- geheißen. Genosse Miele(Niederbarnim) begründete den Antrag auf Urabstimmung. Man wolle allen Mitgliedern de? Verbandes Ge- legenheit geben, sich für oder gegen die Beitragserhöhung zu ent- scheiden. Nun halten ja allerding» verschiedene Kreiswahlvereine schon eine Urabstimmung vorgenommen, und eS sei demzufolge wohl damit zu rechnen, daß der Antrag hier abgelehnt werde. Jedenfalls aber müsse gewünscht werden, dah in Zukunft bei allen wichtigen Angelegenheiten den Mitgliedern durch Urabstimmung die Entscheidung übertragen werde. Genosse Ernst: Der Zentralvorstand will den Mitgliedern soweit wie irgend möglich Gelegenheit geben, sich auSzuspreche» und di« Entscheidung selbst zu treffen. Da jedoch einige Kreiswahl- vereine keine Bestimmung über Urabstimmung in ihrem Statut haben, mußte es den Kreisen überlassen bleiben, in welcher Weise sie die Entscheidung treffen wollten. Nachdem im dritten, vierten, fünften und sechsten Kreise Urabstimmungen stattgefunden haben, e scheint eS heute überflüssig, nochmals eine Urabstimmung zu be- schließen. Der zweite Kreis hat eine Umfrage in den Zadlabenden veranstaltet, aber die Generalversammlung dieses Kreise» war nicht für die Beitragserhöhung zu haben. In den genannten vier Kreisen haben sich 21213 Mitglieder an der Urabstimmung be- teiligt und IS 717 haben sich für die Beitragserhöhung erklärt und nur 5496 dagegen. Ich glaube, daß eS unter diesen Umständen nicht angebracht ist, die Sache nochmals an die Kreise zurückgehen zu lassen. ES kann sich nur darum handeln, ob wir den Antrag trotz der Urabstimmung jener Kreise ablehnen.— Hierauf wurde der Antrag auf Urabstimmung gegen vereinzelte Stimmen abgelehnt. Sodann kam der Antrag» sämtliche Extrasammlungen, ausschließlich der für Wahle», abzu« schassen, zur Abstimmung und wurde abgelehnt mit 801 gegen 289 Stimmen. Hierauf begann die Debatte über die Frage der Beitrag»« erhöhung. Schröter(zweiter Kreis): Ich hätte erwartet, dah der An- trag eingehend begründet werden würde. Bis jetzt hat mich noch niemand überzeugt, dah die Erhöhung notwendig ist. Die einzelnen Kreise sowohl wie der Verband von Groh-Berlin sind bei den bis- herigen Beiträgen den Anforderungen, die an sie gestellt werden, vollkommen gerecht geioorden. Die Beitragserhöhung ist als über- flüssig anzusehen. Man sollte lieber versuchen, durch um so eifrigere Agitation die großen Massen, die uns noch fernstehen, zu gewinnen.... ,. Fülle(zweiter Kreis): Die Zahlnacht der Buchdrucker hat sich einstimmig dafür erklärt, der Beitragserhöhung nicht zu wider- sprechen, hat aber zugleich auch den Wunsch ausgedrückt daß mit dieser Festlegung der Beiträge die Frag« für eine möglichst lange Reihe von Jahren ihre Erledigung gefunden haben möge. Durch die Organisation der Frauen ist ja der Beitrag der Männer ge- wisscrmaßen auch schon erhöht worden, da doch in der Familie der Leitrag der Frau meist au« dem Verdienst des Mannes bestritten werden muß. Wenn andere Wahlkreise im Lande bereits höhere Beiträge festgesetzt haben, so darf man nicht vergessen, dah von den Berliner Parteigenossen noch eine ganze Reihe anderer Leistungen verlangt werden. Ich bin beauftragt, dahin zu wirken, dah an die leitenden Stellen die Bitte gerichtet wird, bei den Ausgaben für Parteizwecke Sparsamkeit walten zu lassen. DaS gilt namentlich auch für Delegationen. Bei dem letzten Internationalen Kongreß ist ja der„Vorwärts" schon auf den glücklichen Gedanken gekommen, dah die Zahl der deutschen Delegierten auf ein Drittel vermindert werden sollte. ES hat auch gar keinen Zweck, sich von einer so großen Anzahl Delegierten vertreten zu lassen. Aus dem letzten Jahresbericht für Groh-Berlin geht hervor, dah an die Provinz Brandenburg nahezu 48 999 M. Zuschuß gezahlt wurden. Das ist nach unserem Empfinden etwas reichlich in einer verhältnismäßig ruhigen Periode. Wahlkreise, die eine so gering« Mitglicderzahl haben, dass sie nicht selbst die Mittel ausbringen, die zur Delegation auf den Parteitagen notwendig sind, sollten lieber auf eigene Delegierte verzichten und ihr Mandat einem anderen Genossen mitübrrtragen. Genosse G r o g e r(Teltow-Beekkow): Manche Ausführungen FülleS können wohl von den betreffenden Instanzen berücksichtigt werden; aber es ist hier nicht der Ort, darüber zu entscheiden. Der Wahlkreis Teltow-Bceskow zieht seinen Antrag auf 19 und 5 Pf. Extrabeitrag zurück. Wir haben uns dahin verständigt, für den An» trag Niederbarnim auf 49 und 29 Pf. Monatsbeitrag einzutreten. Genosse BSSke: Der zweite Kreis hat sich die Aufaabe leicht gemacht. Wenn man beschließt, nicht mehr Geld auszugeben, dann ist es leicht, keine Beitragserhöhung zu beschliehen. Aber Schröter hat, indem er sagte, wir müssen die Massen haben, unwillkürlich den Antrag auf Beitragserhöhung begründet. Wir sind durchaus damit einverstanden, dah alle unnötigen Ausgaben gespart werden, aber über die Delegationen zu den Parteitagen zu entscheiden. haben wir nicht die Macht. Draußen in der Provinz stnd, gerade um die Masse» zu gewinnen, Mittel notwendig. Schon weil die Bevölkerung hier so zerstreut wohnt,'st die Agitation auf dem, hat in den Kreisen unserer Mitglieder Anstoß erregt, daß. Wenn Land mit weit größeren Schwierigkeiten und Unkosten verknüpft, irgendeinmal ein Genosse auf unseren Unterhaltungsabenden etwas —•-----.-.jrx=_vj— leisten soll, gleich reichlich liquidiert wird. Mr sind jedoch über- zeugt, daß zur Agitation Mittel gehören Wir sehen, daß die Genossen in solchen rückständigen Kreisen bereits besondere RcichStagLwahlfonds gründen. Sie stehen an Opfermut den Berlinern nicht nach. Wenn wir bedenken, wie der Hansabund, der Bund der Industriellen und der Bund der Landwirte arbeiten. wie unfern schärfsten Gegnern der ganze amtliche Apparat zur Verfügung steht, müssen wir um so mehr erklären, daß die Partei Mittel braucht. Täterow lerster Kreis): Ich hätte nicht geglaubt, daß es notwendig sein sollte, hier noch lang und breit über die Beitrags- erhöhung zu reden. Wenn Fülle meinte, daß an den Mitteln für die allgemeine Agitation gespart werden sollte, bin ich entschieden dagegen. Es wäre eine gewaltige Täuschung, zu glauben, es könnte alles ohne Mittel gemacht werden. Der niedrige Beitrag ist nicht Laukant(sechster KreiS): Wenn Fülle eine Einschränkung der Parteitagsdelegation wünschte, so hätte er dafür sorgen müssen, daß ein solcher Antrag auf der Provinzialkonferenz zur Vcrhand- lung gekommen wäre. Die verflossene Zeit war auch keineswegs für die Provinz eine so ruhige, wie man annimmt. Wir hatten die Wahlen in Frankfurt-Lebus und in Eoldin und sie waren natur- gemäß mit großen Kosten verknüpft. Es ist ganz selbstverständlich, daß die schlechtesten Kreise die meisten Kosten verursachen. Genosse Voigt(sechster Kreis): Wir brauchen auch für Berlin noch Geld und müssen uns mit der Frage beschäftigen, wie die Zahl- abende verbessert werden könnten, und ebenfalls sind natürlich ausschlaggebend für die Stärke der Organisation. Das haben wir Mittel zur Landagitation notwendig. Aber welcher Parteigenosse sowohl in der EntWickelung der Wahlvereine wie auch der Gewerk- hat sich wohl je geweigert, zur Wahl seinen besonderen Extrabei- schaften gesehen. Erst mit den höheren Verpflichtungen ist den trag zu leisten. In Hagen-Schwelm haben die Genossen schon Mitgliedern die Einsicht gekommen, wofür sie die Opfer bringen. Ich bin fest überzeugt, daß die Beitragserhöhung notwendig und nützlich für die Stärkung unserer Organisation sein wird. Genosse D ü w e l l(Gemeindevertreter-Kommission): Mit �_...... seiner Mahnung zur Sparsamkeit hat mir Fülle gewissermaßen aus Mittel, daß Leute mit vielleicht IS oder L0 M. Wochcnverdienst dem Herzen gesprochen. Aber die Sparsamkeit muß vernünftig mit einem gewissen Recht über die allzu hohen Beitrage, die von getrieben werden. Es wäre verkehrt, wollten wir aus Sparsamkeit ihnen verlangt werden, klagen können. Wenn der Antrag ange- auf die Beitragserhöhung verzichten. Es kommt darauf an, daß nommcn wird, müssen wir dem Zcntralvorstand aufgeben, auch für einen Extrabeitrag von bll Pf. beschlossen. Wenn das hier in der selben Weise gemacht würde, dann könnte ich dem wohl zustimmen, jedoch nicht, wenn es sich um Erhöhung des laufenden Beitrages handelt. Der gewerkschaftliche Kampf erfordert schon so hohe der Antrag mit an Einstimmigkeit grenzender Majorität angenommen wird, um den Genossen zu zeigen, daß die Erhöhung zwingend not- wendig und nützlich ist. Wir haben den Kampf jetzt unter ganz anderen Voraussetzungen zu führen als früher. Wir müssen mit unserer Agitation weit über die Kreise von Personen hinaus, die verhältnismäßig leicht für uns zu erreichen und zu gewinnen waren. Unsere Gegner stehen uns bei dem jetzigen Wahlkampf stärker gerüstet als je zuvor gegenüber. Der Bund der Landwirte arbeitet mit seinem großen Apparat von Amtspersonen für die Konservativen, die große Organisation des Klerus für die Zcntrumspartci und den Liberalen steht in zahlreichen Stadtver- waltungen ein starker Agitationsapparat zur Verfügung. Ter Bund der Industriellen und der Hansabund haben den Grundsatz aufgestellt, daß die Arbeitgeber für jeden Arbeiter oder auch für je 1000 M. Lohnsumme 1 M. in den Wahlfonds zahlen sollen. Rechnet man dazu die Summen, die die Unternehmerorganisationen als solche, die die großen Banken und dergleichen Institute aufbringen werden, so sind es wohl annähernd 20 Millionen, die unfern Gegnern für den kommenden Wahlkampf zur Verfügung stehen. Gegenüber diesen gewaltigen Wahlmitteln müssen wir rüsten. Früher waren wir die Pioniere und konnten mit verhältnismäßig geringen Mitteln auskommen, heute aber haben wir einen über-- mächtigen Gegner zu bekämpfen. Genosse B o m m e r(vierter Kreis) wendet sich als alter Parteigenosse gegen die Beitragserhöhung und erinnert an die opferreiche Tätigkeit der Genossen in früheren Zeiten und unter dem Sozialistengesetz. Wenn wir die Beiträge erhöhen, werden wir eine Menge armer Genossen abstoßen. Wir würden vielleicht mit der Hälfte des Beitrages weit mehr Mitglieder gewinnen können. Genosse Schwemke(zweiter Kreis): Schröter hat nicht im Namen des zweiten Kreises gesprochen, sondern nur seine persön- liche Meinung gesagt. In den Zahlabenden hat sich die Mehrheit unserer Genossen für die Beitragserhöhung ausgesprochen, wenn auch dann unsere Generalversammlung sich dagegen erklärte. ES die nötige Sparsamkeit zu sorgen. Genosse Ernst widerspricht der Ansicht, daß die Genossen in den ländlichen Kreisen in den Opfern für die Arbeiterbewegung etwa besser gestellt sind als die Berliner. Wohl haben die Ge- Nossen und Gewerkschaftsmitglieder in Berlin auch viel mit Maß- «gelungen zu rechnen, aber die auf dem Lande sind dem noch viel mehr ausgesetzt. Auf den Dörfern bedeutet die Maßregelung oft- mals zugleich auch die gesellschaftliche Aechtung. Wer es da wagt, gegen den Landrat oder andere einflußreiche Personen zu opponieren, muß damit rechnen, aus dem Ort und seiner engeren Heimat gänzlich hinausgedrängt zu werden. In allen Kreisen ist nun mindestens der 30 Pf.-Beitrag durchgeführt und in vielen werden schon 40 oder 60 Pf. bezahlt. Der letzte Redner hat mit Recht einen weiteren Ausbau der Zahlabende verlangt. Das er- fcrdert die Anstrengung aller Genossen, aber auch Mittel sind dazu notwendig. Nach Aufhebung der Jugendorganisation durch die � Polizei haben wir um so mehr die Pflicht, für die Aufklärung der Jugend zu sorgen und auch für die weiteren Bildungsbestrebungen müssen mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die De- legierten aus den Kreisen, wo sich die Urabstimmung für die Bei- tragserhöhung ausgesprochen hat. hätten wohl die Pflicht hier zu erklären, daß sie sich der Urabstimmung unterwerfen. Hierauf trat Schluß der Debatte ein. Die Abstimmung ergab die Annahme des Antrags, den Beitrag für männliche Mitglieder auf 40 Pf., für weibliche auf 20 Pf. festzusetzen, mit 642 gegen 49 Stimmen. Ferner wurde beschlossen, daß der erhöhte Beitrag mit dem 1. Januar 1911 in Kraft treten soll. Zum zweiten Punkt der Tagsordnung: Die politische Situation, nahm Genosse Ledebour daS Wort zu einem rhetorisch glänzenden, gut einstündigem Vortrage. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Genosse Li ep mann gab hierauf bekannt, daß vom ersten KreiS 8 Delegierte anwesend sind und 2 fehlen, vom zweiten 39 an- wesend, ebenfalls 2 fehlen, vom dritten 19 anwesend und 2 fehlen,> vom vierten ISS anwesend und 12 fehlen, vom fünften 14 anwesend und 1 fehlt, vom sechsten 191 anwesend und 14 fehlen, von Teltow- Bceskow 161 anwesend und 26 fehlen und von Niederbarnim 83 an» wesend sind und 9 Delegierte fehlen. Im ganzen sind von den 738 Delegierten, die die Kreise zu stellen haben, 670 anwesend. Dazu kommen S8 Vertreter des Zentralvorstandes und der sonstigen Korporationen. Da weitere Anträge nicht vorlagen, war die Tages- ordnung damit erledigt und die Generalversammlung wurde mit Hochrufen, auf die Sozialdemokratie geschlossen. Eingegangene Di'ucKfdmfren. Von der„Gleichheit�, Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 4 des 21. Jahr- ganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Um die Demokratie.— Tolstoi. Von Rosa Luxemburg.— Julie Bebel+. — Aus den Erinnerungen einer Krankenschwester. Bon Hannah Lewin- Dorsch,(schlug.)— Säuglingsernäbrung und Säuglingssterblichkeit. 111. Von Dr. A. LipsiuS.— Eine Wanderung durch die Weltausstellung in Brüssel. II. Von A. Th.— Aus dem Wege zur Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen in der Holzindustrie. Von fk.— Zum Streik in der Bicielclder Wäicheindustrie. Von R. N.— Mit ven Beilagen»Für unsere Mlllter und Hausjraucn" und.Für unsere Kinder". Die.Gleichbeit" erscheint alle l4 Tage einmal. Preis der Nummer !0 Ps., durch die Post bezogen deträgt der Adounementsprcts viertcljäbrltch ohne Bestellgeld SS Ps.; unter Kreuzband 86 Pf. Jahresabonnement 2,00 M. Vom„Wahren Jneob« ist soeben die 25. Nummer beS 27. Jahrganges in einem Umfang von 20 Seiten mit zahlreichen bildlichen und text- lichen Beilagen erschienen. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie von allen Buchhandlungm und Kolporteuren zu beziehen_ Amtlicher Marktbericht der städlilchen MarNhallen-Dtrettion über den Grogbandel in den genwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark, Gelchäil ruhig, Preile sür Hammel- und Schweinefleisch nach- gebend. Wild: Zusudr reichlich tfleichäst nicht lebhast genug, Preise sast unverändert. Geslüg el: Zusuhr genügend, Gcichäit mähig, Preise unverändert. F i i ch e: Zusuhr knapp,(Seschäst sehr schleppend, Preise wenig verändert, sür Secsische nachgebend. Butter und Käse: Geschäst ruhig. Preile unverändert. tÄemüie, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst ruhig. Preise wenig verändert. Waflerstaniis-vtachrtchtea der LanbeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Wetlerbiireau. Wasserstand M e m e l. Tilstt V r e g e l, Jnsterbnrg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor . Krossrn , Frantiur» Warthe, Schrimm , LandSberg Rehe, Vordamm Elbe, Leinnerih , Dresden . Barbv . Magdeburg Wasserstand Saale, Arochlttz Havel, Svandauf , Rathenow') Spree. Soremberg') , Lecslow Weser, Münden , Mwden Rhein, MaximUianSau , Kaub , Köln Neckar. Heiwroim Main, Werlhein» Mosel, Trier am 4. 12. CIN 164 84 126 154 147 39 114 497 398 494 152 291 226 seit 3. 12. cm1) -12 —8 0 -24 +1 -10 —12 —17 —22 —42 —16 —22 —45 '1+ bedeutet Such».— Fall.—•) Untervegel.—•) Eisstand.— *) Oberhalb der Angerappbrücke Eisstand.—') Eistreiben. Ein SonntagsmädoL Hans Baomana and Frao. Oh arl Ottenburg, 4. Dezember. Sozialdemokratischer Wahlvereln des ß. Bert. Relchslags-Wahlkrelses. Toden-Annelixe. Am 4. Dezember verstarb unser Genosse, der Schneider alohiarm Domicz Chausseestr. 9. Ehre ihrem Andenrent Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr, aus dem Anstalts-Kirchhos in Buch statt. Um rege Beteiligung ersucht V«»- vo»-»tm>d. perliand der Sdjneiiipr, Schnkiderilllltuu. Wäscht Arbeiter Deutschlands. (Filiale Berlin I.) Den Milglicdcri, geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Mann Domicz am 4. Dezember im Atter von 42 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Aiidriiken! Die Beerdigung findet Donner«, tag, den 8.! ezcmber, nachmittag« 3 Uhr. von der Leichenballe in Buch au« statt. 164/4 Die Ortsverwaltung. Männer-Gesang-Vereln „Namenlos". Nach kurzem Krankenlager verstarb unser Sangesbruder Nedeni Nenn. Beerdigung Mittwoch, 2'/, Uhr, von Türrschmidtstrah» 45 auS 21366 Her Yor.t»nd Am 2. Dezember verschied nach langen schweren Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere gute Mutter, Tante, Schwester AngllZle lltmaon geb. Haft im M. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen Joseph Alimann nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Dezember, nach- mittags S'l, Uhr, von der Leichen. Halle des Städtischen Friedhofs in Friedrichsield« au» statt. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachrlchl, daß unser Kollege, der Arbeiter August Dannenberg am 2. Dezember im Aller von 23 Jahren verstorben ist Ehre seinem Slndenken! 52/18 Die Bezirksverwaltung. Deutseher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Unseren Milgllebern zur trauri« gen Nachricht, dah unser Mitglied. die Falzerin Fräulein Iherese Fischer verstorben ist Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Dezember, nach, mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des Nixdorfer Gemeinde- FiicdhoseS, Nudower Strasse, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 25/12 Die Orisverwalluag. Am 3. Dezembrr verschied Plötz lich an Herzschlag unsere geliebte Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Wilhelmlne Kammrath geb. Puut.ch, Rigaer Strasse 39. Dies zeigen tiesbetrübt an Karl Klotb nebst Familie, Berlin. Wilhelm Kammrath, Sohn, nebst Familie, Stolp I. Pommern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. M., nach- mittag» 3 Uhr. von der Leichen- 'alle des DilmerSdorjer Kirch. ose» auS statt, L Danksagung. Für die vielen Beweile inniger Teilnahm« und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und BaterS Ernst Frey sag« ich hiermit allen BeteUIgten meinen herzlichsten Dank L Witwe Paullns Frey und Kinder, Scharnwcberstr. 25,_ Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und reichen Kianzspenden bei der Beerdigung deS DrebcrS Hermann Dricbel sage allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Meister und werten Kollegen der Hausschildschen Ma- schincusabrit und den Mitgtiedern de« Deutschen MetallarbcitervcrbandeS hiermit meinen herzlichsten Dant. i'ran Karoline Steinhardt nebst Geschwiiiern u. Anverwandten. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,„X?."*, 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 ........ f.. I„Ich litt seit 3 Jahren an gelbl. M• Ausschlag mit surchtba em Borussu-Feslsale Hauliucken. ; � t.„ v. n �___......... 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A.Bebel, Die Frau und der Sozialismus, 51. Auflage, kr. Engels, Ursprung der Familie....... Karl Marx, Das Elend der Philosophie..... K. Kautsky, Das Erfurter Programm...... Fr. Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse iu England F. 8. Simon, Gesundheitspflege des Weibes.... H. Lux, Etieune Cabet und der Jkarische Kommunismus v. Flecdauov, N. G. Tschernischewsky. Brofch. 2,50 M. Fr. Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft.............. Josef Dietzgen, Das Akquisit der Philosophie und Briefe über Logik........... C. Hugo, Die englische Gewerkschaftsbewegung... Karl Marx, Revolution uud Kouterrevolutio» in Deutschland............. A. Dodel, Aus Lebe» und Wissenschaft, I. Serie, 3 Teile. a. Lebe» uud Tod. Illustriert....... b. Kleinere Aufsätze»ud Borträge..... c. Moses oder Dnrwin?......... C. Hugo, Städteverwaltung und Munizipal Sozialis» mus in England............ Q. Moch, Die Armee der Demokratie. Brosch. 1,— Tl Karl Marx, Die Kritik der politischen Oekonomie.. losepb Dietzgen, Das Wesen der menschlichen Kopfarbeit •losepli Dietzgen, Kleine philosophische Schriften.. Leo Deutsch. Sechzeh» Jahre in Sibirien.... Karl Marx, Theorien über den Mehrwert. I. Band. II. Band 1. Teil......... 2. Teil......... HI. Band(Schluß)........ Karl Marx, David Ricardo. Broschiert 10,50 M.; Karl Kautsky, Ethik und materialistische GeschichtS- auffassung.............. M. Hiltquit, Geschichte des Sozialismus in den Ber- einigten Staaten. Broschiert 2,50 M. Pastailnow, Die Lage der arbeitenden Klasse in Rußland. Leo Deutsch, Biermal entflohen. Broschiert 1,50 M. Feter Maßlow, Di-Agrarfrage in Rußland. Brosch 2.50 M Paul Louis, Geschichte des Sozialismus in Frankreich. Broschiert 2,50 M. Eduard Bernstein, Sozialismus und Demokratie in der englischen Revolution. Broschiert 3,50 M. Karl Kautsky, Der Ursprung deS Christentums... 8. 8. Boudin, Das theoretische Shste« von Karl Marx. Karl Kautsky, Borliufer des neueren Sozialismus. 2 Bände........... a Band Pfe. Buonarroti, Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit............... Karl Kautsky, Vermehrung und Entwickelung in Natur und Gesellschaft. Broschiert 1,50 N. Gev. 2.- M. .. 2.- .. 2,50 Geb S.Geb. 1,50 Geb. 2,— Geb. 2,— Geb. 2,50 Geb. 2,50 Geb. 2,— geb. 8,— Geb. 8,- 2- 2- '• 8.- >. 2,- Gcb. 2,— Geb. 1,50 Geb. 2,50 : geb. 1,50 Geb. 4,— Geb. 2,— Geb. 2,50 Geb. 3,60 Geb. 6,— Geb. 5,— Geb. 5,60 Geb. 8,— geb. 11,50 Geb. 1,60 ! geb. 8,— Geb. 8,— ; geb. 2,— •! geb. 8,— ; geb. 3,— ; geb. 4.— Geb. 5,75 Geb. 8.- i. 8,- Geb. 2,50 : geb. 2,- Als Wandschniiick empfehlen wir: Die Marseillaise Bon varS. Qu tünstlerischem Lichtdruck. BUdgrüße 47'/,X57 vw, Kartongröße 79 X>06 ew. Preis pro Blatt 3 M. Der erste Mai Knpserätzung. Bildgröße 47X68 cm, Kartongröße 73X85 cm, Preis 4 M. Die Freiheit führt das Volk! Kupsergravüre. Bildgröße 43 X 54 cm, Kartongröße 72 X 85 cm. Preis 6 M. 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Zu diehem Falle wird als e r st e r Zeuge der angeblich mißhandelte Arbeitswillige Wellschmiedt Vernommen. Er sagt, er sei am 4. oder ä. Oktober bei Kupfer in Arbeit getreten. An einem dieier Tage sei er Von der Arbcii nach Hause gegangen. Auf der Straße seien zwei Männer an ihn herangetreten und hätten ihn gefragt, ob er bei Kupfer arbeite. Er habe erklärt, das sage er nickt. Tarauf hätten ihn die beiden Leute mit Gummi- fchläucken und mit der Faust über den Kopf geschlagen. Er habe nun zum Kohlenplatz zurückgehen wollen. Auf dem Wege dahin habe er zwei Schutzleute getroffen, die hätten ihn bis zur Beusselstrabe begleitet. Dann sei er nach Hanse ge- gangen. Kurz darauf sei er wieder heruntergekommen. Da seien ihm Vier Männer entgegengetreten, die hätten ihn festgehalten und ihn gefragt, Ivo er arbeite. Er habe geantwortet: bei Kupfer. Tann hätten die Männer gesagt, er solle mitkommen, sie würden ihm andere Arbeit verschaffen, er könne in Plötzensee bei Aus- schnchtungsarbeiten anfangen. Die Männer seien nun mit ihm nack dem Lokal von Pilz in der Rosiocker Straße gegangen. Er iei dort in das Hinierzimmer geführt worden, da seien viele Leute gewesen. Auch hier habe nian ihm gesagt, er könne Arbeit in Plötzensee bekommen. Er habe sich bereit erklärt, diese Arbeit anzunehmen, denn es sei ihm egal, wo er arbeite. Nun habe ihn einer von den Leuten gefragt, ob er essen wolle. Er habe nichts gesagt, aber der Mann, der ihn fragie, habe ihm ein GlaS Bier und Butterbrot geben lassen. Als er da-Z verzehrt hatte, habe er nach Hause gehen wollen. Da habe Pilz gesagt, er könne noch etwas trinken und habe ihm noch ein GlaS Bier gegeben. Gleich daraus sei Pilz in das Hinter- z i m m e r gegangen. Daun seien die Leute aus dem Hinlerzimiucr auf ihn zugekommen und hätten gesagt:„Was, Du willst lügen?" Nun sei er ohne weiteres von 15 bis 20 Mann mit Fäusten und Gummisckläuchen geschlagen worden. Er habe bei Pilz, der hinler dem Schanktisch stand, Schutz vor den Schlägen suchen wollen. Pilz habe ihn aber zurückgestoßen. Frau Pilz, die auf dem Korridor stand, habe ihn hinten hinausgeführt.— Im Laufe der Per- uchmung des Zeugen kommt noch mehrmals die Beteiligung des Angeklagten Pilz cm der Schlägerei zur Sprache. Der Zeuge ge- braucht nicht mehr den Ausdruck, Pilz habe ihn unter die Leute, die ihn schlugen,„ z u r ü ck g e st o tz e n", sondern er sagt, Pilz habe ihn„zurückgehalten". Als der Vorsitzende kurz darauf den Zeugen fragt, wie oft ihn Pilz„zurückgestoßen" habe, weist Rechtsanwalt Th. Liebknecht daraus hin, daß der Zeuge nur von„zurückhalten" gesprochen habe. Der Vorsitzende ver- bittet sich, daß der Verteidiger ihn in der Befragung des Zeugen unterbreche. Es kommt hierauf zu einem ziemttch erregten Hin- und Herreden ztoifchen dem Rechtsanwalt Liebknecht und dem Vor- sitzenden. Dieser Vorfall endet damit, daß Rechtsanwalt Liebknecht die Frage des Vorsitzenden, wie oft Pilz de» Zeugen„zurückgestoßen" habe, formell beanstandet und das G e r i ch t die Beanstandung der Frage durch Beschluß zurückweist. Der Zeuge Wellschmiedt beantwortet hierauf die Frage so: Pilz babe ihn acht- bis zehnmal zu den Leuten, die ihn schlugen, zurückgestoßen. Weiter sagt der Zeuge, als er aus dem Pilzschen Lokal nach Hause ging, habe er seine Schwester getroffen, er habe ihr den Vorfall erzählt, und die Schwester habe die Sacke angezeigt.— Wer ihn geschlagen hat, kann Wellschmiedt nicht angeben. Den Angeklagten Kratzat will er im vorderen Lokal gesehen haben, er k a n n aber nickt sagen, daß er einer von denen ist, die geschlagen haben. Auf eine Frage des Vorsitzenden sagt der Zeuge, er sei schon vom ersten Tage an, wo er in Acbeit trat, von den Streikenden belästigt und schon vor dem Vorfall im Pilzschen Lokale auf der Straße geschlagen worden. Der Angeklagte Pilz bestreitet die Angaben des Zeugen und sagt, er sei aus dem Bierkeller gekommen und habe das von seiner Frau bereits Hergerichte Butterbrot und Bier dem Well- schmiedt vorgesetzt. Später sei W e l l s ch ni i e d t an den Schanktisch ge- treten und habe noch ein Glas Vier bestellt. Das habe er, Pilz, eingeschänkt und sich nicht weiter um Wellschmiedt gekümmert. Kurz daraus habe er bemerkt, daß Wellschmiedt, der wohl mit anderen etwas vorgehabt habe, sich über den Schenktisch gebeugt. ' Er, Pilz, habe den Eindruck gehabt, daß Wellschmiedt über einen Tritt am Schanktisch gestolpert sei. deshalb habe er ihn am Arm ergriffen, um ihm behilflich zu sein. Er habe ihn dann hinten hinausgeführt. Er habe nicht gesehen, daß Wellschmiedt ge- schlagen worden sei.— Auf eine Frage des E r st e n Staats- an w a lts sagt der Zeuge Wellschmiedt, die beiden Männer, die ihn schon früher aus der Straße geschlagen hätten, seien auch im Pilz- scken Lokal dabei gewesen und hätten gesagt:„Immer feste."— Verschiedene Fragen deS Ersten Staatsanwalts beantwortet der Zeuge, abweichend von seinen ersten Angaben mit: „Ich glaube so war es." Als der Erste Staatsanwalt an de» Zeugen die Frage richtet, waö der Angeklagte Kratzat sagte, als er mit den anderen Leuten aus dem Hinterzimmer kam, pro- testiert Rechtsanwalt Heine gegen diese Art der F r a g e st e l l u n g. Der Zeuge habe ganz klar gesogt, daß Kratzat im Vordcrzimmer war. Der Staatsanwalt lege durch solche Fragen dem Zeugen Dinge in den Mund, die er nicht gesagt habe. Der Verteidiger protestiert dagegen, daß dem Zeuge», der alle Fragen mit:„So war es",„ich glaube" beantwortet, etwas suggeriert werde.— Der Staatsanwalt nimmt hierauf von der Stellung seiner Frage Abstand.— Rechtsanwalt Liebknecht stellt eine Reihe von Fragen an den Zeugen, die sich auf dessen früheren Aufenthalt und Beschäftigung beziehen. Aus den Antworten ergibt sich, daß Wellschmiedt aus dem Rheinland am IS. September nack Berlin kam, daß er vordem in Wien war und von dort mit einer geschiedenen Frau aus Furcht vor ihrem früherem Manne abreiste. In Berlin angekommen, fand Wellschmiedt eine Portier- stelle, die er am 1. Oktober anireten sollte, die er aber nicht antrat, um einige Tage später als Arbeitswilliger bei Kupfer onzu- fangen.— Auf Veranlassung des Rechtsanwalts Liebknecht macht Wellschmiedt vor. wie ihn Pilz angefaßt oder gestoßen habe. Was Wellickmiedt zeigt, ist weiter nichts als ein Anfassen a», Arm. wodurch ihn Pilz zurückgehalten habe. Z e u g e G o t t s ch a l k hat am 3. Oktober als A r b e l t s- williger bei Kupfer angefangen. Er sagt, zwei Tage später sei er auf der Straße von Streikenden gefragt worden, ob er bei Kupfer arbeite. Er habe erwidert, das gehe keinem was an. Er sei dann weiter gegangen nach dem Bahnhof Puilitzstroße. Als er den Bahnhof beinahe erreicht hatte, sei ein Schuß gefallen. Er nehme an. eS sei ein S i g n o l sch u ß der Streikende» geweien. Gleich nach dem Schuß seien mehrere Leute über ihn hergefallen und hätten ihn mir Gummisckläuchen geschlagen. — Der Borsitzende fragt, ob die Gummischläuche init eisernen Schrauben verschlossen waren. Ein solcher sei den, Gericht vor einigen Tagen vorgelegt worden.— Der Zeuge weiß das nickt. Ein Gummischlauch— sagt er— sei so laug gewesen wie ein Spazrer- stock. Am anderen Tage sei er— der Zeuge— auf den, Bahnhof von Streikenden„festgenommen" worden. Widerstand sei unmöglich gewesen, weil es so viele Streikende gewesen seien. Von zwei Mann sei er bei Pilz„eingeliefert" worden. Dort sei er gleich mit Vorwürfen überschüttet worden. Er soll sich schämen, während des Streiks zu arbeiten: wenn er die Arbeit nicht niederlege, würden ihm die Knochen kaput geschlagen, habe Pilz zu ihm gesagt. Aus Furcht habe er dann die Arbeit niedergelegt. Die Streikenden hätten ihm Arbeil in Plötzcusee versprochen, er habe aber dort keine Arbeit bekommen.— Erster Staatsanwalt: Warum sind Sie Nicht wieder bei Kupfer eingetreten?— Zeuge: Soll man sich denn totschlagen lassen? Weiter sagt der Zeuge: An dem Abend, wo er bei Pilz„eingeliefert" worden sei, seien auch Well- schmiedt und noch ein junger Mann„eingebracht" worden. Diesen jungen Mann würden die Streikenden auch verhauen haben, wenn nicht der S t r e i k l e i t e r N i t s ch k e dazwischen- getreten iväre und sS verhindert hätte.— Der A n- geklagte Pilz bemerkt, dem Zeugen sei Arbeit beim Kanalbau in Plötzcusee nachgewiesen worden, er sei mir deshalb nicht eiii- gestellt worden, weil er Schuhe von Segeltuch trug und man mit solchem Schuhwerk nicht am Kanal arbeiten könne.— Der Zeuge sagt dagegen, der Schachtmcister habe ihn abgewiesen mit der Be- merkung, es würden augenblicklich keine Arbeiter eingestellt. Der Z e u g e B a u m a n n saß mit dem Angeklagten Kratzat zusammen im Pilzschen Lokal, als sich der Vorgang'mit Wellschmiedt abspielte. Er hat»ur gesehen, daß einige Leute um Wellschmiedt herumstanden, und sich weiter nicht darum gekümmert. Er hat aber gehört, daß Pilz sagte:„WennJhrEuch haue» wollt, dann geht auf die Straße." Der Z c u g e G r i e f e l ist ebenfalls in den ersten Oktobertagen als Arbeitswilliger bei Kupfer eingetreten. Er sagt, als er eines Abends nach Hause fahren wollte, sei er von Streikenden „festgenommen" worden. Dabei habe ihm ein Mann mit einem Schnurrbart einen Schlag an das Kinn gegeben. Er sei nach dem Pilzschen Lokal geführt worden. Dort habe man ihn überredet, die Arbeitt niederzulegen und ihm Uiiterftützung versprochen. Auf dies Anerbieten sei er eingegangen. Alle, die im Lokal waren, hätten ihn anfassen wollen. Der Streik- Iciter Nitschke habe das aber verhindert. Die Leute hätten von ihm verlangt, er solle sich am nächste» Tage wieder im Pilzschen Lokal melden und hätten gesagt, wenn er wieder zur Ar- beit gehe, würden sie ihm auslauern. Er habe noch bis zu». Sonn- abend bei Kupfer gearbeitet und dann aushören muffen, weil der Streik zu Ende war. Der Zeuge Lüdke, ebenfalls ein Arbeitswilliger, sagt, auf dem Wege nach Hause seien ibn, etwa 20 Mann bis zum Bahnhof gefolgt. Auf dem Bahnhof habe er einen Schlag inS Gesicht bekommen. Zeuge Beier, der auch als Arbeitswilliger bei Kupfer tätig war, gibt an, er sei in der Sickingenstraße von IS bis 20 Mann umzingelt worden. Man habe ihn' gefragt, ob er bei Kupfer arbeite; er habe daS geleugnet. Trotzdem fei er geschlagen worden. Er nehme an, mit einem Schlagring. Er habe Schlage auf den Kopf und die Hand bekommen. Jm'Kraiikcnhmise sei er verbunden worden und habe acht Tage laug einen Verband getragen.— Auf Vorhalt des Angeklagten Pilz gibt der Zeuge zu. daß er gar keinen Verband getragen babe, sondern die Verletzung nur mit einen, Heftpflaster versehen war. Auf Fragen deS Vorsitzenden gibt der Zeuge noch an: Er sei gezwungen worden, am anderen Tage wieder zu Pilz zu gehen. Zwei Mann hätten zu ihm gesagt, er solle kommen, sonst würde es ihm schlecht gehen. Pilz habe ihn anständig und höflich behandelt. Vertagung deS Falles Pilz. Der Vorsitzende teilt mit, daß die Verteidigung noch 31 Zeugen zum Falle Pilz angegeben habe. Dieser Fall soll am"Bkittwoch weiter verhandelt werden. Die Beweisaufnahme greift nun wieder zurück auf einige schon / früher verhandelte Fälle. Journalist Erdmannsdörfer wird über seine Wahrnehmungen in Moabit vernommen. Er sagt unter anderem, er sei am 28. September mit der Straßenbahn die Veusselstratze hinansgesahren. Am Bahnhof sei er ausgestiegen. Die Straße war dort fast menschenleer. Da kam aus der Siemens- straße ein junger Mann, hinter ihm her ein Polizei- leutnont und sechs bis acht Schutzleute mit blanken Säbeln. Der Polizcilcutnant stieß den jungen Mann mit der Faust inS Genick. Dieser Vorgang veranlaßle den Zeugen, den Polizeileutnant, den er gleich nachher ans dem Bahnhof Beussel- straße traf, um Schutz für seine Person zu bitten. Der Leutnant lehnte daS ab.— Auf Fragen der Verteidiger bemerkt der Zeuge, daß der Polizeileutnant keine Veranlassung hatte, dem jungen Mann einen Stoß zu versetzen. Denn wenn der junge Man» etwas Straf- bares begangen haben sollte, so hätte er leicht festgenommen werden können, denn eS war viel Polizei, aber kein Publikum da. Jeden- falls war das Verhalten des Polizeileutnants eines Offiziers un- würdig.— Als der Zeuge aus dem Bahnhof kam, sah er. daß Polizeibeamte einen lungcn Mann vor sich herstießen. Der Zeuge ging dann weiter, hat aber nichts Auffallendes gesehen. An einer Stelle standen sich Polizei und Publikum wie zwei feindliche Lager gegenüber. Feindselige Rufe gegen die Polizei wurden nicht ausgestoßen. Es wäre leicht gewesen, die Menge in Ruhe zu zer st reuen, aber das geschah nicht. An einer anderen Stelle hat der Zeuge gesehen, daß ein Schutzmann ohne Veranlassung einem Manne, der ruhig und allein auf der Straße stand, einen so kräftigen Schlag versetzte, daß der Mann wankte. Festgenommen wurde der Mann nicht, er kann also nichts Strafbares begangen haben. P o l i z e i l c u, n a n t Kühne, der für den Vorgang am Bahnhof Beuffclstraße in Frage kommt, wird telephonisch herbei- gerufen. Er erinnert sich, daß ihn Erd mannsdörfer um Schutz ersuchte, gibt dagegen an. daß er von dein Vorfall, wo er nach Angabe des Zeugen eine», jungen Manne ins Genick gestoßen hat. nichts wisse. Dr. P a n n e k o o k hat als Arzt der Nnfallstatlon die Wunden des Angeklagten Zollchow verbunden, die diesem durch die Knüppelgarde HintzcS auf dem Kohlenplatz zugefügt worden sind. Der Zeuge bekundet, daß die Wunden von stumpfen In strun, enten her- rühren, kann aber nicht sagen, welcher Art diese Instrumente geweien sein müssen.— Der Angeklagte Zollcholv kam nach der Unfallstation, nachdem ihm auf den, Kohlcnplatz von einen, Heilgehilfen ein völlig iliizurcichcndcr Notverband angelegt worden war. Als Rechtsanwalt Rosenfcld bemerkt, daß dies unter Aufsicht und durch Veranlassung von Polizeibeamten ge- schebcn sei, crilärt Polizeileulnai, t Folte: Niemand sei von Heilgehilfen auf Veranlassung oder unter Aufsicht der Polizei verbunden worden. Die Beamten hätten vielmehr von, Polizeimajor Klein die Weisung erhalten, alle Verletzten nach der Unfallstation oder nach den, Kraukeiihause zu bringen. Hier und da habe sich aber ein Samariter vom Noten Kreuz eingefunden lind aus eigenem Antriebe Verbände angelegt, wobei ihn die Polizei nicht gehindert habe.— R e ch t S a n w a l t C o h n: Ist die Anweisung, Verletzte nur im Kcankenbause und auf der Unfallstation verbinden zu lassen, deshalb gegebe.a. damit die Polizei die Mög- lichkeit halte, die Verletzten sestznstclien?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— R e ch t s a n w a l t C o h n: Ist nicht gegen Verletzte, die auf solche Weise festgestellt wurden, ein Verfobmi' eingeleitet? — Zeuge: Das weiß ich nicht, darüber kann vielleicht der Kom- miffar Kuhn Auskunst geben.— Rechtsanwalt Cohn: Sind die Samariter mit Wiffen der Polizei unter die Menge geschickt worden, um Kundschaftcrdienste zu verrichten?— Zeuge: Davon weiß ich nichts. Ich habe sie nicht als Kundschafter gebraucht. Der Angeklagte Zollchow bemerkt, als seine Wunden aus dem Kohlenplatz ver- bunden wurden, sagte ein Polizeibcamter: DaS braucht nicht ver- bundcn werde», der kniin sich von seinen Genossen verbinden lassen. K r i m i n a l w a ch t m e i st e r F a b e r wird über die Bchandliing des Angeklagten Albrecht ans der Polizeiwache befragt. Der Zeuge sagt, Albrecht, der stark angetrunken war, habe sich bei der Vernehmung auf der Wache sehr aufgeregt gezeigt, er sei vom Stuhl aufgesprungen, habe sich die Haare gerauft und in großer Erregung gerufen:„Lassen Sie doch das sein, lassen Sie doch diese Vernehmung unter den Tisch fallen." Der Zeuge habe den Angeklagten beruhigt und ihn vernommen. Daun sei er in die Zelle gebracht worden und soll sich dort so renitent benommen haben, daß er gefesselt weiden mußte. Ter Zeuge hat gehört, daß an die Zellcutür geschlagen wurde, er weiß aber nicht, ob dies von Albrecht herührte. auch weiß er nichts von Mißhaiidlimgen de? An- geklagten.— Angeklagter A l b r c ch t: Wem, ich tobsüchtig war, warum haben Sie mir nicht eine Z:vangsjacke angelegt und mich in eine Anstalt gebracht? Aber hingcschniissc» bin ick. getreten haben sie mich ins Genick. Darf ich vielleicht bitten. daß ich mal an einen, der Angeklagten vormachen darf, lvie sie eS mit mir gemacht haben? Dieses Ersuchen erregt Heiterkeit. Der Vorsitzende sa�t: Nein, nein, das geht nicht.— Der Angeklagte beschreibt die Person des Beamten, der ibn mißhandelie und will von dem Zeugen wissen, welcher Beamte daS ist. Der Zeuge tagt, das wisse er nicht, eS waren so viele Beamte auf der Wache.—„Gut"— sagt der Angeklagte—„dann gehe ick morgen aufs Revier und werde mir den Beamten heraus- suchen. Zeuge Schmidt hat einen Mann gesehen, der am 28. Sep- teniber an der Ecke der Beussel- und Sickingenstraße»ichreremal „Bluthunde" rief. Er hält diesen Mann seinem ganzen Aussehen nach für einen 5irii»i»albeamten und wird in dieser Ansicht dadurch bestärkt, daß sich derselbe vorher in einer Gruppe von Männern de- fand, mit denen ein Polizeilcutnant sprach. Damit endete dre Sitzung. Die Verhandlung wird heute um SVa Uhr fortgesetzt._ Hus der frauenbewegung. Die Mutter in der deutschen Rcichsversicherungsorduung. So hieß das Thema der außerordentlichen Tagung, die der deutsche Bund für Mutterschutz für den 3. und 4. Dezcm- der einberufen hatte. Am ersten Tage schilderte Frau Stritt das Berhälliiis zwischen Mutter und Kind als Hauptfaktor und ursprünglich treibende Kraft der Zivilisation, sowohl in technisch- gewerblicher, wie in sozial-ethischer Beziehung. Die lange geübte Beschräniung der Frau auf ihre Geschlechtsaufgabc ist von ver- hängnisvoller Wirkung gewesen. Die Schutzbedürftigkeit des Weibes, die sie dem Kinde gleichstellt, das sie zu schützen von der Natur bestimmt war, ist durchaus eine Folge der patriarchalischen Familienordnung. Das tritt besonders in den begüterten Schichten hervor, wo die Frau sich auf ihren Mutterberuf konzentrieren konnte. In den unteren Schichten wieder wirken ungünstige Lebens- und Arbeitsbedingungen nachteilig auf die Befähigung der Frau zur Mutterschaft ein. Die wirtschaftliche und geistige Entwickelung der Neuzeit hat dadurch, daß sie die Frau in den Existenzkampf hineinzog, dem alten Zustande, wo sie nur Ge- schlechtswesen war, ein Ende bereitet. Wir befinden uns jetzt in -einem UebergangSzustand zu neuen Formen, der zunächst neue und schwere Leiden und Laster für die Frauen in ihren Folgen auch für den Nachwuchs und damit eine Gefahr für die Nation, für ihren Bestand, für ihre Leistungsfähigkeit bedeutet. Diese Krise, in der wir uns heute befinden, wird um so eher der Gesundung weichen, je schneller Reformen geschaffen werden, die die körperliche, geistige und berufliche Ausbildung der Frau berück- sichtigen, das private und öffentliche Recht umgestalten und der schweren natürlichen Belastung der Frau durch die Mutterschaft Rechnung tragen. Der zweite Referent, der Vorsitzende der Ber- liner Ortskraankenkaffe der Kaufleutc, Albert Kohn, zer- pflückte den Gesetzentwurf und wies als Sachkenner hin auf die vielen Lücken und Unzulänglichkeiten dieses staatlichen Mutter- schütze». Vor allem tadelte er, daß alles, was einen wirklichen Fortschritt bedeutet hätte: die freien Hebammendienste, die ärzt- liche Behandlung der Schwangerschaftsbesckmierden, das Stillgcld, die Erhöhung der Wochenhilfe über die Hälfte des Tagelohnes hinaus u. a. m. nicht Pflicht- und Regelleistung aller Kassen sei, sondern nur fakultativ, d. h. ihrem Ermessen anheimgegeben werde. Damit die Hochschwangere nicht wie bisher bis unmittel- bar vor ihrer Niederkunft arbeite, forderte er eine obligato- r i s ch e Echwangerschafts- und Wöchnerinnenunterstützuiig zu- nächst auf die Dauer von je mindestens sechs Wochen (im Entwurf 2 und 6 Wochen), freie Hebammendienste und ärzt- liche Hilfe bei der Geburt, Stillgeld auf die Dauer von min- bestens 6 Monaten(im Entwurf 12 Wochen). Die nötigen Zuschüsse hat der Staat zu leisten. Wenn erforderlich, soll Kur und Verpflegung in einem Wöchnerinnenheim oder freie Haus- pflege gelvährt werden. Scharfen Protest erhob der Redner ferner gegen die reaktionären Anschauungen, die ihren Niederschlag in dem Gesetzentwurf defundcn haben. Die Deklassierung großer Arbeiterschichten im§ 452, der in den Landkrankenkassen während der 6 Winiermonate die Herabsetzung von Kranken- und Wochengeld auf ein Viertel des ortsüblichen Lohnes zuläßt, ist aus ostelbischen Einfluß zurückzuführen und erfordert ganz energische Zurückweisung. Nach einer lebhaften Diskussion«inigte man sich nach den Vorschlägen des Referats aus eine Reihe von Zusätzen zur Kran- kenversicherung, von denen noch hervorgehoben seien: Zahlung dcö .Krankengeldes auch für Sonn- und Feiertage, Aufnahme des Krankenpflegepcrsonals in den Kreis der Versicherungspflichtigen. Hcraussetzung der Einkommensgrenze für die Versicherungspflicht aus mindestens 5000 M., Heraufsetzung des Wochengeldes auf die Höhe des vollen Grundlohnes, obligatorische Schtvangetzschafls- Unterstützung bei Exlverbsunfähigkeit. Der zweite Beratungstag brachte zunächst einen Vortrag deS Rdchstagsabgeordnetcn Eduard David über Mut t c r- schaftSversicherung und Rassen Hygiene. Der Red- »er wies hin auf d!e hohe Leistung der Frau als Mutter, die als Gegenleistung von der Gesellschaft wohl verlangen könne, daß sie frei von Sorgen und Entbehrungen der Geburt eines neuen Welt- bürgers entgegensehe. In der Mutter schützen wir das Kind, im Mutterschutz treffen wir Fürsorge für die Zukunft des Volkes. Es gibt Raffcnhygienickcr, die Muttersckafts- und SäuglingSfür- sorge verwerfen, iveil sie meinen, das Kind müsse sich selbst bc- haupten im Lcbcnökainpfc und Schutz der Schwachen verhindere die Auslese und stelle die Höherzüchtung der Art in Frage. Diese Auffassung beruhe auf einer oberflächlichen Uebertragung des Be- grifses der Auslese durch den Kanftif ums Dasein aus der Tier- weit und dem Leben deS Naturmenschen auf die komplizierten Lebens- und Erwerbsverhältnisse der Gegenwart. Nicht mit körperlichen Aulegewcrten. sondern mit oft ererbten klingenden Werten wird hier gekämpft. So kann der minderwertige Mensch, der Geld und Gut besitzt, sich jederzeit im Leben durchsetzen, schwächliche Säuglinge reicher Eltern bleiben bei sorgsamer Pflege am Leben, während Millionen Von Säuglingen mit hohen organi- scher, Anlagen in unnatürlichen Verhältnissen zugrunde gehen müssen, weil ihnen die goldene Rüstung fehlt. Die kapitalistische Wirtschaftsweise zwingt den von ihr ausgedeuteten Frauen Le- benSbedingungen auf, die schon den Embryo schädigen, die ihn Jtnrgem lassen im Multerl-'be. Wenn d'er Kampf für eine rossen- h Haienische Prophylaxe heute so Mem Widerstand begegnet, so ist nicht mangelnde AMlllärung. sondern das Profitinteresse, die Kurcht vor stärkerer Belastung des Unternehmertums daran schuld. Um so mehr ist«S nicht nur"Recht, sondern Pflicht vor allem der Frau, in diesen Kampf einzutreten, in dem es zu zeigen gilt, daß der Mensch höher steht alö kapitalistischer Gewinn. Nach Dr. David erstattete Reichstagsabgeordneter Dr. Heinz P o t t h o f f das Referat über Wimen- und Waisenversicherung. Pött- hoff begründete seine Forderungen zur Hinterbliebenen-Versiche- rung mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Mütter- und Kindererhaltung, die im Interesse einer vernünftigen Menschen- ökonomie liegt. Nach einer Diskussion fanden eine Reihe von Abänderungsvorschlägen zur Hinterbliebenen-Versicherung im Tinne des Referats Annahme, außerdem beantragte man AuS- dehnung der VersicherungZpflicht auf die liberalen Berufe, sowie auf das Ärankenpflegepersonal, auf Hausgewerbetreibende und deren hausgewerblich Beschäftigte, ferner Waisenrente auch für die unehelichen Kinder. Im Schlußwort wies Frau Mcisel-Heß darauf hin, welche tiefgreifenden und segensreichen Folgen ein staatlich anerkannter Mutterschutz in Zukunft auf die Neugestaltung der sexuellen Ver- Hältnisse, des Familienlebens, wie auch der geistigen Entwickelung der Frau haben müsse. Kaufmännische Kranken- und Sterbekasse von 1882.(S. H. 7t.) Dienstag, den 6. Dezember, abends 9 Uhr. im Restaurant Juden str. 18/19: Sihimg. itotnemde 763 SD öamdurg|738 0SD Serlin 76t SD Arantl.avi 766 D Rünchu, 1 739 SD 53ien 1 762 30 Setttt 6 Beittr 6 bald bd Sbalb bd 1 N-bel 4 Nebel 3 Nebel »«i »il k? Ui —3 0 — o 1 -1 2 etattonen m Ii i|z Havaranda 759 Still Petersburg 764 WSW SctIU) 735 W Setter *S! c* h Mi balbbd.— S 1 Schnee—2 ilbemen Part» 742 DSD 719 S 6 wolkig 6 Regen 1 bedeckt 10 s 11 Wetterprognose für Dienstag, den S. Dezember IVIO, ESwaZ gelinder bei vcränderllcher�Bewöllung und sehr lebhaslen süd- llchen Winden: gering- Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Ein merhörles Experimenk ist mr defekt zu werden! wegen solch autzergewohnlicher Elastizität, sehr langer Brenndauer bei gleichmäblgew Gasverbrauch unb wegen seines ruhigen. brillierenden Lichtes ist der Bruno-Glllhstrumps der Liebling seder Familie geworden! 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Donnerstag, abend« 8 Uhr: _ Per Pnmnikopf. LICHT.SPIELE Heute Beginn 6 Uhr Mozart-Saal. OSE=THEATE| „CLOU" BERLINER RONZERTBIOS Mauerstr. 82— Zimmerstr. 90/91 Eintritt SO Pf, III Heute II! Populäres Konzert. _ Dirigent: Kapellmeister C. Zimmer. Grobe Franlsurle» Str. 132. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Dkl Kaisfrjägfr. OO«eOOG««»O«««O»,eOe«e»O0O»e»OOOOOO,G«GD �essinz-Ikeater. 8 Uhr: Auatol. Mittwoch 7'/,Uhr JbsenzhNus, 8.Vor» stellung: iit Wildente. Donnerstag 8 Uhr: Auatol. Berliner Theater. HuteSUHcTalftUl. Morgen: Der ichnrie Junker. km Theater. Täglich: MM-W. Ansang 8 Uhr. Tkenter lies Westens. 8 Ubr: Pas Piijpiienmttdel. Mitlw. u. Sounab. 4 Uhr: Rolküppchen. Sonnt. 8'/. U.; PI« neschiodene Frtu. Modernes Theater ((rOher Hebbeltheater). Abend« 8 Uhr: Poppelmenseh._ Frledrich-Wilhelmstadfisches Schauspielhaus. DieuStag, 8. Dezember, abend« 8 Uhr: Die verßegtite Zlealls. Mittwoch! Die Räuber. 1 Die ver. pegelte Venu«. Direktion! Richard Alexander. Abend« 8 Uhr i Ter Unterpriisekt. 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Voigt-Theater Telundbnnine», Badftrofte 88. Gastspiel in PuhlmannS Thraker, Schänbauier?ll!ee l48. Dienstag, den 0. Dezemb« iglD: Knns Sachs. Schauspiel in 4 Auszügen v. Johann Ludwig Demhaidst-in. Kasseneröstnung 7 Ubr. Auf. 8 Uhr. vosporuL lllä MiiütiL Da« Varielä- Konsum- Stzstem war dos Richiige. � Entree frei, iit läsen nur ein Programm sür 20 Pf pro Perion. damit haben Sie ein Sta« Äünchcncr oder Piisener Bier bezahlt. 0 Uhr; Das vollftlndlg neue Varlet». Programm..„ Von n—l Uhr; KOnetler• Konzert Dir. Bob. UrUscr. Karl Haverland- ÄoMtr-nSÄ"- Sic wunderbaren nruen Dezember-Spezlalltlten. Mante Pohlmann,6"�"� Inhalt der JufTm? dkrmimmt die Redaktion dem Vubtiknm gegenüber ketueriei Verantwortung. 3.HerlwerReichswgswalMrew Dienstag, den«. Dezember, abends 8� Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer IS: NoiKs-Uersammlung. TageS-Ordnung: „Unsere poltttsche ßnge�. Referent: Reichstagsabgeordneter Keber-Ieilll. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 813/16* Der Einberuter: August Pohl, Naunynstrab« 30. Zentral-Verband der Zimmerer ZabirtelU Berlin und Umgegend. Mittwoch» dea 7. Dezember, llbriids 8'/- Zlhr, lil den„Zophitn-Sälen�, Sophienstr. t7/18(1. Etage, großer Saal): iligemeine Mitglieder-Versammlung. referiert. über das Thema: Reichstags-Abgeordneter Genosse Arbeiterbewegung eine Knlturmach�. Stf BoUjShligeS Erschetne» der Mitglieder ist Ehrenpflicht. i&Q Der Vorstand. «Die 255/7 Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittwoch den 7. Dezember 1910, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokalen Groh-Berlins und der Vororte- Außerordenti. Bezirks- Versammlungen. Tages-Ordnnng: Die vom 1. Januar an geltenden Bestimmungen des Status sowie die besonderen Einrichtungen der Putzersektion. Um pünktliches Erscheinen ersuchen Der Sektionsvorstand und die Obleute* Sektion der Gips- und Zementbranche. Mittwoch, den 7. Dezember 1910, abends 8 Uhr: General- ¥er8taniinlimgs im Gewerkschaftshanfe, Engelufer IS(grosser Saal). Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten von der Gaukonferenz. 2. Wahl Sektionsvorsitzenden. 3. Geschäftliche Mitteilungen. 4. Verschiedenes. nttsHcdobUCh legitimiert! des Zahlreichen Besuch erwartet Der Sektionsvorstand» Pianos-Gelegeniiells- kilufc in st. Auswahl v. 300 bi« 400 M., dar. Schiedmeyer, Biese etc. Garantie.— Pianohaus Krause, Berlin W., Ansbaoher Str. I.* Zenlrierliiodi.rSebuiiberlleiitsi;hliiiifls Mittwoch, de» 7. Tezcmder. abeuds 8'l, Uhr, in de».Resideuz- ZH\tnü, Laudoberger Str. 31- Mitglieder-Versammlung Tagesordnung: 170/7 1.*$1« Ergebnisse der im 1. Quart«! veranstalteten Nohn- ftatiftik-. Rescrent: Kollege Nermann. 2. DtStussion. 3. BetschicdeneS. Um vollzähliges Erscheinen ersuch»_ Tie Qrtsvcrwaltung. 99 Sorten alkoholfr. Betränke Trauben- und Obstweine(Moste), Frucbtsätte, wohlfeile Erfriscbungs- gclränke, Bier, Limonaden-Extrakte etc.— Ausführliche erklärende Preisliste bitte zu verlangen.— D. Mader, Berlin S., Prinzen- stralle 37, Versandgescbllt bygieniscber Nabrangs- and] GenaBmlttel. Zusendung in Berlin und nächsten Vororten frei Haus.-M> Dentseber Holzarbeiter-Verband. Verwaltung; Berlin* Nlittwochi den 7. Dezember, abends LVz Uhr: Verttattensmänner-Versammlnngeti der Bezirke und Sraneken. TageSordnun z: 1. Bericht der Obmänner. 2. Bericht der Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten. == Alle Werkstätten müssen vertreten sein. Mitg;Hedsbuek legitimiert* Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet. Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauendniännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks- oder vertrauensmSnnerversammlnng. Für die Arbeitslosen geben die Arbeitsvermittler Vertrauensmännerkarten am Mittwoch aus. Versammlungslokale sind folgende: 9S/U Cifchler. Südwesten in Habels Brauerei. Bergmannstr. 5—7. Süden bei Glirstng.®nffcilovflt. 68. bttdoMtrn I u. II in bin Nanuhn-Festsälen. Nalmhnstr. 6. Osten I bei«luge. Langestr. 53. Osten II bei Wolter, Flanksurter Allee 106. Osten III bei Bergmann. Boxhagener Strah« 26. Oestllcho Vororte bei W. Schulz, Liehlenberg, Kronprinzen' flraße 37. Ecke Scharnwebe- stroße. Fordomten bei Bocker, Wcberstr. 17. Jede Eargtischierei mub eine» VerirauenSmmm nach dieser Bersamm» lung sende». Rosen thnl er und ScbünhanHer Vorstadt bei Cfiigto, Schwedter Slrahe 23. Wrddlng und Hoablt bei KaezorawSki. Ravenöstr. 6. HH'el0ensee im Pratate». Lehderstr>22. Lautlickier. Bezirlt 1: Südwesten, Süden, Südosten Bei©rnichoff, Akmiialstratze 18o. Bezirk«: Oston bei ZieS. Warschauer Strohe 61. Beslrk 8: Korden und nürdllche Vororte Bei Glische, «openbagener alraft« 71 Bezirk 4: OrsuHdbrnnncn, U edding und Moabit bei Sachse, l/indoiver Strahe 26. �.acienemrlcktungs- und kiontormöbei-krancke im»Englischen Garicu-, Nlexanderstr. L7o. Mbel- u. Stukipolierer sowie ftlagazinarbeiter. Osten bei voeter. Wcbeistr. 17. Südosten im»Mä, tische» Hof". Admiraislr. 18e. Bezirk Zsordeu bei«ramer. Hulsttenstr. 40._ Küchcnmöbelbrancbe bei Drews. Holzmaritstr. 8. Vrecklier, Oreppengeländer- und OuxusmLbel- Lrancbe. Vörden bei Ddhling. Bruniienstr. 7S. Osten bei Schneider. Frledenstr. 67. Südosten und Südwesten bei Stramm» Ritterstr. 128. Rtavtrrarhritet* pünktlich»m 8 Uhr im GewertfchaftShause. orvvittr Engeluser 14/15. Eing. S part.,«rbeiwlosenraum. Mr»in-n-rb-it«r Die in Tischlereien beschäsilgien Maschinenarbeltcr, iowie die Werkstätten in Weißeiisee müssen ebensalls uerlreten sein. bei Hahn»Rosenthaler vereinShou»«, Rosen- OlCUttiaCPCr thaler Siruße 67, ßodenleger im GewerrichaftShause. Engeluser 14/15, Saal 2. �aiousiearbeiter bei Walter. Adalberlstt. 62. Vergoicler im Gelverkschaftöhause, Engeluser 14/15, Saal 3. Kisten- u. Koffennacber beiBonbach,»icSIoueretrabe 28. Korbmacher bei Böhm. Koppenstr. 47. LUrstenmacher-vei PreuH. HolzmarNstr. 65. Kammacher bei Prellst, HolzmarNstr. 65. Perlmutt-, Born- und öteinnußarbeiter um e UH. bei Ernst Thomas, Meichiorstr. 5. Biicierrahmenmacker um« Uhr bei Ratteroth. Ritterstr. 82. Ötocharbeiter um« Uhr bei Lehman», Neue Friebrlchstr. 1. « Zahlstelle Rixdorf. Donners tag, den 8. Dezember, abcndö 8'/. Uhr» Mitglirder-UerfammUmg in Frist Hoppes Festsäten. Hermannstraste 49. TageS-Ordnung: 1. Slenderung der Bureauanshilfe. 2. Verbandsangelegeuheiten. 91110 Bananschläger! Donnerstag, den 8. Dezember, abend« 8 Uhr, im GewertschaftShau», Engeluser IS, Saal 1: � Monats-Versammlung.— Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Buehhoir über:»GenossenschaftSivese» und Sozialdemokratie". 2. DiS.'ussion. 8. Branchcnaiigclegenheitcn und Verschiedenes. 126/15 Kollegen! Wegen der Wlchttgkelt der Tagesordnung wird um voll« »ähligeS Erscheinen ersucht._ Allgemeine Orts- Krankenkaffe für Rixdorf. Linlsäung zu der am Montag, den 12. De- zcmber, in Hoppcs Festsäie», Hermannftr. 49, slolisindeuden anUerordontlichen General-Versammlung Tagesordnung: 1. Abends 3—8'/, Uhr /nur für Arbeitncbmer-Delcgierle): Wabi eines VoritandSmitgiicde» aus den Reihen der Kasse-Mitglieder an Stelle des Herrn E x n e r bis zu»» 31. Dezember lSll /Erlatzwahl). S. Abends 9 Uhr(im grohen Saal): Kemeinschastliche Sistung der Arbeitgeber- und tlrbcitnchmcr- Delegierten mit Bortrag de? Herrn Dr. Ludwig Moyer über:.Betriebsunfälle und ente tziileleistung". Nirdors, den 2. Dezember 1910. Jdealpassage 12. I»er Uusseuvorstund. Noutnoior. Vors Walthor, Ichristsühr. 4P|r Die de» Delegierten zu- gesandle Einladung dient als l'cguU malion und ist beim Eintritt in hie Versammlung zur Eintragung in die Präienzliste vorzuzeigen. Vobnnngsrcraiioerungen find der Kasse sosort mitzuteilen. 297/11 I»ie Ortsvcrwultung. Die besten Winler» PaleiviS und Änzüge Illr Herren. Tmottng- Anzüge. Frackanzüge. sowie von Kavalieren getragene, fast neue Lacken, iür jede Figur passend, in geSÜIoe Auswahl zu unnbertrossen billigen Preisen. 1 Treppe, deSbalb billiger wie im vaden. ISS/lS' Waosoi-ioe- »iealolk/IS I (srüher Prlnzcnstr. 83). vWSII-hck!/!!»» ilirekt i« Pavrik.' Keii�aüen. hell Einzelverkauf enorm billig f Kostüme Kostüm-Röcke Paletots Kimonos Golf-Jacketts Madchen- Paletots. ftMSauingartenl Hausvogtelplatz 11, 1. Etg.] •chrigUber Untargrund-8ahnhsf.| Bei Vorzeigung dtesos In- «orales an der Kasse worden 5 c/c Rabatt vergütet Senn'n;! bl> 8 Uhr g olfnet Dr.Schünemann Bpezialartt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 6012* jestt Crniiteitftr. tat), gegenüber Kommandantenstrage. 10-2, 5-7, Sonntags 10-1» JUNO /— ßeSTE?Pfg. Ü BARETTE 15 Proz. 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Dezember, abends 8 Uhr. im Tiergartenhof. Referent Wilh. Düwell. Die Charlottenburger Genossen sowie die Genossen vom sechsten Kreis sind hierzu eingeladen. Dritter Wahlkreis. Heute, abends 8H Uhr, Volksversammlung im Gewerkschaftshaus. Engelufer IS: Vortrag des Reichstags� abgeordneten Genossen Leber-Jena über:„Unsere politische Lage". WilmerSdorf-Salensce. Heute, Dienstagabend 8% Uhr, spricht Genossin Klara W e y l in einer im Gesell schaftshause, Wilhelmsaue 112, stattfindenden V o l k s ve r s a m m l u n g, zu der besonders die F r a u e n eingeladen sind, über„Mißbrauchte Kinder- kraft". Schmargendorf. Mittwochabend 7 Uhr: Handzettelverbreitung von Bötcher, Spandauer Straße, aus. Niederfchönhaufen-Nordend. Am Donnerstag, 8. Dezember, von abends 7 Uhr ab, findet von den bekannten Stellen aus eine Handzettelverbrcitung statt. Die Bezirksleitung. Potsdam. Mittwoch, den 7. Dezember, abends 8� Uhr, bei Wilhelm, Kaiser-Wilhelmstraße: Wahlvereinsvcrsammlung(Ver cinssachen, die politische Lage, Verschiedenes), Der Vorstand. Lerlwer JVadmcbtcn. Mit dem Zwangszweckverband für Groß-Berlin scheint es die Regierung recht eilig zu haben. Es wird be- richtet, daß der Gesetzentwurf bereits fertig vorliegt und nach Annahme durch den preußisckien Landtag am 1. April 1911 in Kraft treten soll. Im Ministerium des Innern hat eine Konferenz stattgefunden, an der die Vertreter der in Frage kommenden Gemeinden von Groß- Berlin teilgenommen lmben, um gutachtlich gehört zu werden. Nach dem Entwürfe ist für die Stadt Berlin die wichtigste Bestimmung die, daß Berlin in der Gesamtvertretung des Verbandes mit der Ctimnie des Oberbürgermeisters 34 Stimmen haben soll, in wichtigen Fragen soll eine Zweidrittelmehrheit nötig sein. Diese Bestimnrung kann leicht dazu führen, daß Berlin zu verhältnismäßig hohen Leistungen verpflichtet werden kann. Ueber die Konferenz berichtet die„Vossische Zeitung" folgendes: Zum Zwangsverband Groß-Berlin erfahren, wir weiter von unterrichteter Seite, daß an den Verhandlungen im Ministerium beteiligt sind neben dem Minister Dallwitz namentlich der Ge- Heime Ober-Regierungsrat Dr. Freund, der Dezernent für das Kommunalwcsen, ferner Räte aus dem Ministerium der öffcnt- lichen Arbeiten für die Verkehrsangelegenheiten, der Regierungs- Präsident v. d. Sckulenburg-Potsdom, die Landrät« der benach- harten Kreise, v. Achenbach und Graf v. Roedern, die Obcrbürger- nreister Kirschncr, Schustehrus, Kayser, Habermann, Bürgev- mcister Plankenstein-Schöneberg. Stadtverordneten- Vorsteher Michelet, Stadtverordneten-Vorsteher-Stellvertreter Geheimer Justizrat Cassel, Stadtrat Fischbeck, Stadtverordneter Geheimer Baurat Kollmann, ferner Stadtverordneten-Vorsteher Kaufmann und Stadtbaurat Bredtschneider aus Charlottenburg u. a. Auch der Oberbürgermeister von Spandau ist zu den VerHand- lungen zugezogen worden, da die Frage beraten wird, ob Spandau in den Verband Groß-Berlin einbezogen werden soll. Wie wir schon mitgeteilt haben, ist es nicht etwa Aufgabe der Konferenz, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, vielmehr'liegt ihr ein vom Ministeriuin des Innern ausgearbeiteter Gesetzentwurf zur Begutachtung vor. Ein Unterausschuß hat sich der Vorbcratung unterzogen und seine Arbeiten bereits abge- schlössen, so daß die Verhandlungen jetzt im Plenum wieder auf- genommen werden. Dem Unterausschuß haben angehört die Herren Kirschner, Kayser, Cassel, Schustehrus, die Landräte u. a. Abstimmungen haben nicht stattgefunden. Es luurde nur im Einzelnen die allgemeine Uebereinstimmung der Ansichten fest- gestellt oder besonderen Wünschen Ausdruck gegeben. Auf Grund der Konferenzverhandlungen soll der endgültige Entwurf ab- gefaßt und unverzüglich an den Landtag gebracht werden. Das Gesetz soll bereits am 1. April 1011 in Kraft treten." Ergebnisse der Volkszählung in Groß-Berlin. Die Zusammenstellung der Volksznhlungsresultate ist in vollem Gange: in den statistischen Aeintem ist man eifrig damit beschäftigt, mick dem gesammelten Material vorläufig die Gesamtzahl der am 1. Dezember ortsanwesenden Bevölkern»,, festzustellen. Heute liegen die ersten Ergebnisse der Volkszählung von mehreren Groß-Berliner Gemeinden vor. Fn einigen Gemeinden fehlen nur noch wenige Bezirke, deren Bevölkerungsziffern aber den Statistikern aus der vor wenigen Wochen erfolgten Aufnahme durch die Meldeämter bekannt sind. Die Unterschiede dürften gering sein. Im Berliner statistischen Aint, in dem die Bevölkerungszahl der Reichshaupistadt festgestellt wird, sind mehrere hundert Personen mit dem Zählen beschäftigt. Infolge dcS außerordentlich grvßen Materials wird die Endziffer erst in drei bis vier Tagen festzustellen sein. Die ortsanwesende Bevölkerung in nachstehenden Groß-Berliner Gemeinden stellt sich folgendermaßen: 1. Dezember ISIl) 1. Dezember 1005 Charlottenburg... 300 000 230 dl2 Sckiöneberg.... 175 000 140 002 Wilmersdorf.... 110 000 03SöS Rixdorf..... 238 100 153 650 Lichtenberg.... 82 050 65 301 Potsdam..... 73 500 61 440 Groß-Lichterfelde 44 500, Friedenau 37 400, Steglitz 64 300, Zehlendorf 17197, Weißeniee 44 600, Köpenick 33 000, Nikolassee 1600, Grunewald 5950, Britz 11 000. Eröffnung der Eisbahnen. Die von allen Freunden des Schlittschuhsportes lang ersehnte Kälte hat sich endlich ein- gestellt und am Sonntag wurden die zahlreichen Eisbahnen in und um Berlin eröffnet. Namentlich in den westlichen Vororten, in Charlottenburg, Wilmersdorf, Friedenau und Steglitz haben sich in diesem Jahre zahlreiche neue Bahnen aufgetan, die an ihrem Eröffliungstage so überfüllt waren, daß„kein Apfel zur Erde konnte". Hoffentlich bleibt das Wetter auch»veiterhin günstig, damit der Berliner Jugend das schöne Vergnügen nicht allzubald zu Wasser wird. Die„Deutsche Warte", das Leiborgan des sächsischen Regie- rungörat a. D. v. Studnitz, ist durch Kauf in den Besitz der Deutschen Beamten-Verlagsgenossenschaft m. b. H. übergegangen und wird von dieser bereits Ansang Januar 1911 übernommen. In demselben Verlage erscheinen u. a. auch die„Deutschen Nach- richten". Chefredakteur wird der langjährige„Warte"-Lokal- rcdakteur Herr Hermann Thiele. Sämtlichen Angestellten der „Deutschen Warte" ist gekündigt worden. Nur wenige werden mitübernommen. Nu» können sie wenigstens ungeniert heiraten, denn bei Herrn v. Studnitz war die Erlaubnis zur Gründung eines eigenen Hausstandes von entsprechend hohem Gehalt abhängig ge- macht. Und die.Warte" war berüchtigt dadurch, daß sie außer- ordentlich niedrige Gehälter zahlte. Eine Aenderung der„Warte"- Tendenz, die eigentlich gar keine war, ist angeblich vorläufig nicht beabsichtigt. Das Blättchen wird aber wohl bald noch mehr als bisher im stramm nationalen Fahrwasser mitschwimmen. Mit Polackcn fährt er nicht. Ein Sonnabendabendzug der Anhalter Bahn nach Jüterbog. Wagen an Wagen mit der neuen weißlackierten Tafel 4, vorne ein Durchgangswagen 3. Klasse für das„bessere" Publikum. Die Wagen 4. Klasse mit Arbeitsvoll überfüllt. Aber auch die Abteile 3. Klasse sind stark besetzt. Nur ein Abteil ist fast leer geblieben, darin sitzt ein stattlicher Herr in Jagdkostüm, der jedem, der an die Türe kommt, mit miß- trauisch-feindlichen Blicken den Weg förmlich verbarrikadiert. Jeder der Vorbeigehenden fühlt instinktiv, daß hier keine an- genehme Gesellschaft ist und sucht, ohne weiter nachzudenken, un- willkürlich ein anderes Abteil.— An der ersten Haltestelle, Groß- Lichterfelde-Ost, gibt es plötzlich Kroch. Türen werden geschlagen und eine schnarrende Stimme kämpft gegen drei andere, die in Berliner Mundart lebhaft gegen irgend etwas Beschwerde erheben. Die Passagiere stürzen in den Gang; der Schaffner ist auch schon da. Drei Maurer im Arbeitskleid weisen ihm ihre Monatskarten 3. Klasse und zeigen auf den Herren im Jagdlostüm, der prustend und vor Aufregung schwitzend in der Türe steht:„Die Tür hat er uns zugehalten und geschrien: Mit Polacken fahr ich nicht! Bloß weil wir Arbeiter sind! Wenn er nicht mit Ar- beitern fahren will, soll er doch erste Klasse nehmen!" Allgemein nimmt man für die drei Proletarier Partei, die den täglichen Bahngästen des Zuges wohlbekannt und als anständige Leute gut gelitten sind. Leise und höflich macht der Schaffner den Herrn darauf aufmerksam, daß er sich im Unrecht befinde, und wütend mit der Reisetasche schlenkernd zieht der Hochedle ab. Die Arbeiter marschieren als Sieger ein, und alles begibt sich wieder beruhigt auf die Plätze. Aber noch lange hört man von drüben her lebhaste Stimmen:„Bloß weil wir Arbeitsleute sind! Weil wir Arbeitskleider tragen? Am Sonntag ziehen wir uns auch fein an. Aber wir haben ja nicht alle Tage Sonntag." O, du mein Preußen! Zu den Margarinevcrgiftungen in der Boxhagenerstraße, über die wir in der Sonntagsnummer unker„Letzte Nachrichten" be- richteten, wird uns mitgeteilt, daß die Erkrankungen leichter Natur sind und keine weiteren Folgen nach sich gezogen haben. Die Er- krankten sind alle wieder genesen. Aus Spandau werden gleich- falls Erkrankungen infolge Genusses von Margarine gemeldet, dort erkrankte eine Familie in der Achenbachstraße; eine Gefahr besteht auch hier glücklicherweise nicht. Bom Prllgelrecht der Schule. Immer wieder müssen wir in Erinnerung bringen, daß den Lehrern und Lehrerinnen der Gemeindeschulen Berlins vor etlichen Jahren von der Schuldeputation ein Mertblatt über die Ge- fahren des Prügelns gelvidmet worden ist. Denn immer wieder gelangt zu unserer Kenntnis, daß in den Gemeindeschulen Lehrer und Lehrerinnen die sehr beherzigenswerten Mahnungen und Warnungen jenes Merkblattes außer acht lassen. Das Merk- blatt sagte bezüglich der Schulen für M ä d che n, daß man hier am besten überhaupt nicht prügeln solle. Aber das hat nicht gehindert, daß auch in Mädchcn-Gemeindeschulen nach tvie vor von Pädagogen beiderlei Geschlechts Ohrfeigen und StockscMge ausgeteilt werden. Zwei sehr beachtenswerte Proben dieser Erziehungsmethode, die einer und derselben Lehrerin aufs Konto zu setzen sind, werden uns aus der 204. Mädchen-Gemeindeschule(Bötzowstraße) bekannt. In Klasse IVIil hat in der vorigen Woche eine Lehrerin Glogau den Stock gegen zwei Mädchen gebraucht, die im Deutschunterricht etwas nicht recht gemacht hatten. Das Fräulein Glogau gab beiden Mädchen Stockhiebe aus die Hand, beide Mädchen bekamen aber im Verlauf dieser Abstrafungen auch am Kopf den Stock zu spüren. Der Stock traf das eine Mädchen in der Gegend des Ohres, das andere an der Backe unter- halb des Auges. Bei diesem ztveiten Mädchen blieb nicht nur die Schwellung der Hand, sondern auch die Spur im Gesicht noch längere Zeit so deutlich sichtbar daß sie zu Haus« von Angehörigen einwandfrei festgestellt werden konnte. Fremde Personen, die von diesen Vorkommnissen erfuhren, sorgten dann dafür, daß auch wir Kenntnis erhielten. Wir hören, daß der«ine Fall bereits von der Mutter des geprügelten Kindes dem Rektor gemeldet worden ist. Dieser hat hiernach die Pflicht, an die vorgesetzte Behörde zu be- richten. Es wird manche unserer Leser und Leserinnen interessieren, zu erfahren, was denn eine Schulbehövde tun zu sollen glaubt, wenn ein Schiulkind von einem Lehrer oder einer Lehrerin einen Stockhieb an den Kopf erhalten hat. Wenn die Schill- behörde zu der Meinung gelangt, daß der Stockhieb absichtlich gegen den Kopf geführt wurde, so müßte sie wohl Anzeige bei der Staats- anwaltschaft erstatten, aber selbstverständlich können auch die Eltern selber schon die Staatsanwaltschaft anrufen. Nimmt dagegen die Schulbehörde an, daß nur ein Versehen vorliegt, so braucht sie garnichts zu tun. Etwa wegen fahrlässiger Körperver- letzung Anzeige zu erstatten, ist nicht Sache der Schulbehörde, sonoern der Eltern, sjyn der Angelegenheit der Lehrerin Glogau wird wahrscheinlich die vorgesetzte Behörde keinen Anlaß sehen, gegen sie einzuschreiten. Die Schuldeputation unserer Stadt braucht eS nicht mal für nötig zu halten, ihr wegen Fahrlässigkeit im gebrauch des Stockes für die Zukunft den völligen Verzicht auf den Stock anzuraten. Eine Nebenbemerkung möchte» wir hier noch anfügen, zur Be- acktung'sür alle, die es angeht. Die Schuldeputation würde ein« Mutter oder einen Vater, die fahrlässigerweise ihre Meinung über einen prügelnden Pädagogen in allzu kräftigen Worten äußerten, ohne Gnade zur Bestrafung anzeigen. Und es ist leicht möglich, daß vor Gericht solche unvorsichtig darauf- los redende Eltern härter angefaßt würden als ein u n v o r- sichtig daraufloS hauender Pädagoge. Eine Tragödie auf dem Tempelhofer Felde beschäftigt die Kriminalpolizei Berlins und der Vororte. AIS Sonntag, morgens um 0 Uhr, ein Soldat vom Augusta-Regiment über das Feld ging, sah er in der Nähe der einsamen Pappel eine Frau mit einem kleinen Kinde gehen Nach kurzer Zeit brach die Frau zusammen und das Kind sing jämmerlich an zu schreien. Als er hinzukam, lag die Frau schon in den letzten Zügen, während das Kind noch bei Besinnung war. Die Tempelhofer Polizei, die der Soldat benachrichtigte, holte alsbald beide ab, die Frau starb aber schon, bevor sie noch in das Krankenhaus gebracht werden konnte. Sie hatte sich mit Lysol vergiftet. Auch dem Kinde, einem etwa zwei Jahre alten Mädchen, hatte sie von der ätzenden Flüssigkeit gegeben. Der schlechte Geschmack mochte es aber wohl veranlaßt haben, nur wenig zu trinken, während sie selbst einen großen Schluck ge- nommen hatte. Das Mädchen hat zwar auch erhebliche Brand- wunden erlitten, doch hoffen die Aerzte des Kreiskrankenhauses in Britz, in dem es liegt, es am Leben zu erhalten. Die Frau wurde als die 29 Jahre alte, aus Ncuhoff gebürtige Kutscherfrau Minua Schmidt aus der Teltower Straße 23 fest- gestellt. Die Leute hatten drei Kinder, zwei Knaben von 9 und 7 Jahren und ein 2 Jahre altes Töchterchen Charlotte. Sic wohnen seit einem Jahr in der Teltower Straße und lebten nach den Bekundungen der Hausgenossen in bester Eintracht. Frau Schmidt geigte aber schon länger Spuren von Tiefsinn. Auf der Straße erfroren. In völlig hilflosem Zustande wurde in der Nacht zu Sonntag ein 28 jähriger polnischer Arbeiter, der anscheinend geisteskrank ist, auf dem Boxhagener Platz von Schutz- leuten aufgefunden. So viel sich aus den in gebrochenem Deutsch gestammlten Aeußerungcn des Mannes entnehmen läßt, handelt es sich um einen Erdarbeiter, der in der Boxhagener Straße wohnt. Dem Unglücklichen, der die ganze Nacht im Freien verbracht hatte, waren beide Unterarme bis zum Ellbogen vollständig erfroren, so da eine Amputation der Glieder in der Charite, wohin der Unbekannte geschafft wurde, notwendig war. Offenbar hat der Geisteskranke sich in betrunkenem Zustande gestern abend auf dem Boxhagener Platz niedergelassen und ist dann eingeschlafen. Der Selbstmordversuch eines Dienstmädchens erregte Sonntag- morgen in der Lothringer Straße Aufsehen. Die 17 Jahre Minna Böttcher, die in dem Hause Nr. 28 im ersten Stock bei dem Kauf- mann Holländer diente, sprang dort aus dem Fenster auf die Straße hinab und brach sich den rechten Oberschenkel. Ein Schutz- mann brachte sie mit einer Droschke nach dem Krankenhaus am Friedrichshain. Die Herrschaft behauptet, das Mädchen sei auf- gehetzt worden und habe deshalb schon nach einem Monat ziehen wollen, jedoch nicht gekündigt. Sonntagmorgen habe es nun Plötz- lich den Dienst verlassen wollen. Die Herrschaft habe ihr erklärt. sie dürfe vor dem 1. Januar nicht ziehen. Als sie dennoch gehen wollte, schloß Frau Holländer die Flurtür ab, zu der das Mädchen keinen Schlüssel hatte, und legte sich wieder zu Bett, weil es erst sieben Uhr war. Gleich darauf ging das Mädchen nach dem Speise- zimmer und sprang aus dem Fenster. Es wird nun notwendig sein, zu erfahren, wie daS Mädchen die Sachlage darstellt. Ein geriebener Gold- und Jnwelennepper ist gestern der Polizei in die Hände geliefert worden. In verschiedenen Lokalen in Moabit verkehrte seit mehreren Tagen ein Gast, der allgemein durch zahl- reiche Brillantringe, die er an den Fingern trug, auffiel. Er brachte gern das Gespräch auf die Ringe, und über die Herkunft gefragt, erzählte er alle möglichen Märchen. Natürlich waren die Juwelen alle„echt". Der Gauner verstand es nun nach und nach nicht allein den Gästen, sondern auch den Gastwirten selbst seine Goldsachen auszuschwätzen. Er verlangte verhältnismäßig niedrige Preise für die„echten" Juwelen und so fiel mancher aus den Schwindel herein. Zwei Gastwirten in der Bochumer und Essener Straße fiel die Sache aber doch bald auf und sie setzten sich mit der Kriminalpolizei in Verbindung. Gestern erschien nun der Nepper bei dem Wirt in der Essener Straße. Dieser klingelte sofort bei seinem Kollegen in der Bochumer Straße an und der letztere schickte einen Kriminalbeamten, der zufällig im Lokal war, nach der anderen Wirtschaft. Der Betrüger wurde nun verhaftet. Er gestand auch ein, die wertlosen Schmucksachen für hohe Preise an den Mann gebracht zu haben. Vorort- l�acb richten. Steglitz. Die Besprechung der Denkschrift über die Stadtwerdung von Steglitz war der erste und wichtigste Punkt der Gemeinde- Vertretersitzung vom vorigen Freitag. Im Monat März d. I. hatte die Gemeindevertretung beschlossen, der Gemeinde- vorstand möge mit den in Frage kommenden Instanzen wegen der Stadtwerdung und des Ausscheidens aus dem Kreise in Unter- Handlung treten. Auf mehrfache Anfragen von Gemeindevcrordneten hüllte sich der Gemeindevorstand stets in geheimnisvolles Schweigen und versprach eine Denkschrift, die alle Wissensdurstigen befriedigen dürfte. Nun endlich war sie da, die Denkschrift, aber sie enttäuschte allgemein. Man hatte gehofft, darin Mitteilungen über den Fort- gang der beschlossenen Verhandlungen und Vorschläge des Ge» meindevorstandes über das, was nun geschehen solle, zu finden. Statt dessen brachte sie nur eine Gegenüberstellung der Land- gemeinde- und Städteordnung und eine Zusammenstellung von Zahlen, die sich jedermann aus unserem Etat mit Leichtigkeit machen kann. Mit beißender Ironie kritisierten denn auch ver- schiedene Redner diese Musterleistung des Gemeindcvorstandes, aus der nur das eine mit Sicherheit zu entnehmen sei, daß die ganze Frage seit 10 Monaten nicht von Stelle gekommen sei. Von einem Redner mußte sich der Gemeindevorsteher sagen lassen, daß er gesetz- und rechtswidrig gehandelt habe und disziplinarisch bestrast werden könne, weil er den Beschluß der Gemeindevertretung vom März d. I. nicht ausgeführt habe. Von anderer Seite wurde darauf hingewiesen, daß nicht einmal das Zahlenmaterial richtig sei, denn die an den Kreis zu zahlenden indirekten Steuern im Betrage von rund 300 000 M. pro Jahr seien nicht berücksichtigt. Dadurch entstehe ein ganz falsches Bild, das geeignet sei, ob gewollt oder ungewollt, von dem Ausscheiden aus dem Kreise abzuschrecken. Der Vorwurf der rechtswidrigen Handlung brachte den Gemeinde- Vorsteher so in Harnisch, daß er in die Versammlung hineindonnerte, er sei nicht der Hausknecht dieses oder jenes Gemeindevorord- neten und einer Disziplinaruntersuchung sehe er mit Ruhe ent- gegen. Es wurde ihm sehr richtig erwidert, daß man von ihm keine Hausknechtsdicnste verlangt habe, sondern die Ausführung von Beschlüssen der Gemeindevertretung, wozu er gesetzlich ver- pflichtet sei. In der großen Bedrängnis glaubten einige Haus- besitzer ihrem Gemeindevorsteher beispringen zu müssen. Sic er- klärten die Denkschrift für nicht so ganz wertlos und ver- suchten der Oeffentlichkeit glauben zu machen, daß Herr Buhrow ein in jeder Beziehung tüchtiger Gemeindevorsteher sei, dem das Wohl unseres Dorfes über alles gehe. Das Ende der großen Kopf- Wäsche war die Annahme eines Antrages durch die allergetreucstc Hausbesitzermehrhcit, im Januar die Frage der Stadtwerdung in einer Extrasitzung weiter zu beraten. Gelegentlich der Beschluß- fassung über Errichtung einer Polizeiwache im Schöneberger Orts- teil wurde dem ,.CHef"-Nedakteur des gemeindeoffiziöscn„Steglitzer Anzeiger" durch die Hausbesitzerfraktion und den Gcmeindevor- steher eine wohlverdiente kalte Abreibung appliziert. Der junge Herr hatte sich in einem Artikel, der anscheinend den Zweck ver- folgte, den letzigen Polizeikommissar zum Polizeiinspektor zu„machen", mit den hiesigen Polizeiverhältnissen beschäftigt und mußte sich nun öffentlich sagen lassen, dafr er seine Nase in etwas gesteckt habe, wovon er absolut nichts verstehe. Diese Meinung wurde von der ganzen Versammlung geteilt. Am Schlüsse der Sitzung fragte Genosse Aßmann den Gemeindevorsteher nach dem Schicksal zweier Petitionen, die an den Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung abgesandt seien. Es handelt sich um eine der "andlungögehilfen, betr. Regelung der Sonn�- t a g s r u h e, und eine der Malcrgehilfen wegen Verbots der Bleiweitzfarben bei Gemeindearbeiten. Der Gemeindevorsteher erwiderte, daß sich mit der erstgenannten der Gemeindevorstand schon befaßt habe, aber zu keinem bestimmten Entschluß gekommen sei, weil die Sonntagsruhe nur gemeinsam mit Groß-Berlin oder den Nachbarorten geregelt werden könne. Von dem Eingang der Petition der Maler sei ihm nichts bekannt. Schöneder». Ein großer Dachstuhlbrand beschäftigte die Schöneberger Feuer- wehr am Sonntagvormittag in der Hohenstaufenstraße 30, Ecke Bambergerstraßc. Das Jeuer entstand vermutlich durch Unvor- sichtigkeit auf dem Dachboden des Vorderhauses. Obgleich die Ge- fahr frühzeitig bemerkt wurde, griffen die Flammen doch rapide um sich, so daß bei Ankunft der Feuerwehr schon ein erheblicher Teil vom Dachstuhl lichterloh brannte. Während dieser Zeit stockte in der Hohenstaufcnstraße der Verkehr. Die Straßenbahnwagen wurden durch die Motzstraße, über den Nollendorfplatz und über den Winterfeldkplatz umgeleitet. Liegen Mittag rückte die Feuer» fjr wieder ab.— In der siebenten Morgenstunde hatte die chöneberger Feuerwehr in der Merseburger Straße 4 einen süßeren Garagenbränd zu löschen. Die Straßenreinigungsdeputation erläßt soeben einen Aufruf an die Arbeitslosen, in welchem diejenigen, die bei der Schnee- beseitigung beschäftigt werden sollen, ersucht werden, sich schon jetzt in dem Bureau der Straßenreinigung oder bei den städtischen Straßenaufsehern zu melden. Gleichzeitig gibt die Deputation bekannt, daß bei plötzlich eintretenden großen Schneefällen auch nach Schluß und vor Oeffnung des städtischen Nachweises, ja sogar in der Nacht am Eingange des Rathauses Arbeiter angenommen werden. Charlottenburg. Bewerbungsgesuche um Stände auf den Wochenmärkten in Charlottenburg aus der Zeit vom 1. Dezember 1308 bis dahin 1333 sind bis zum 23. Dezember d. I. beim Magistrat, Ver- waltungsstelle. VI, schriftlich zu- erneuern. Geht die Erneuerung bis zu diesem Tage nicht ein, so erfolgt die Streichung des Be- Werbers in den Listen. Neue Gesuche um Wochenmarltstände sind gleichfalls schriftlich an den Magistrat zu richten Zehlendorf(Wannseebahn). Aus der Gemeindevertretung. Da Zehlendorf in eine höhere Servisklasse versetzt isti wird den Oberlehrerinnen das Wohnungs- geld von 723 auf 323 M. erhöht. Die erhöhte Summe kommt schon für das laufende Jahr zur Auszahlung.— Dem Parkverein wird der Spielplatz an der Burggrafenstratze wieder zur Anlegung einer Eisbahn zur Verfügung gestellt.— Für außerordentliche Botengänge werden 433 M. nachgefordert, weil die im Etat vor- gesehenen 733 M. nicht ausreichen. Diese Botengänge! Sie werden zetzt nebenamtlich von den Wächtern ausgeübt, deren einer dauernd 4— 6 Stunden täglich damit beschäftigt ist. Die klägliche Bezahlung zwingt diese Armen, solchen Nebenverdienst sich zu beschaffen. Den Scheuerfrauen, die auf Bauten der Gemeinde und in den Schulen die Neinigungsarbeiten vornehmen, ist der Lohn von 27 aus 33 Pf. pro Stunde erhöht worden. Leider ließ sich nicht ermitteln, um wieviel Pfennige der Etat dadurch belastet wird.— Um der Versiegung der Krummen Lanke und des Schiachtensees entgegen- zuwirken, hatte sich der Gemeindevorstand mit Nikolassee zur Ein- leitung entsprechender Vorkehrungen ins Einvernehmen gesetzt. Nikolassee hat aber abgelehnt, weil wegen völligen Versiegens des Nikolassees es sich für den Ort nicht mehr lohnt, irgendwelche Schritte zu unternehmen. Die dortige Gemeindevertretung macht allein die Charlottenburger Wasserwerke für diese Misere verant- wortlich. Inzwischen ist ein Rechtsgutachten eingegangen, wieweit eine eventuelle Klage vom Erfolg gekrönt wäre. Es soll nun ge- prüft werden, ob efne Klage des Eigentümers am Platze wäre. Ein eigentümliches Verfahren! Der Besitzer ist Mitglied unserer Gemeindevertretung und des Gemeindevorstandes. Alle diese Schritte und ein eventuell günstiger Ausgang hätten doch nur zur Folge, daß der Wert des Besitzes dieses Herrn ganz gewaltig steigt. So sehr wir es für notwendig halten, daß Schritte getan werden, dem Versiegen Einhalt zu tun. ist doch der Schlachtensee bereits über einen Meter gesunken, so kann es doch nicht Sache der Gemeinde sein, das Privateigentum eines Mannes in solcher Weise zu schützen. Leider wurde die weitere Aussprache in die nichtöffentliche Sitzung verlegt. Den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr und der Sanitätskolonne wurde die Entschädigung eben- falls um 2— 4 Pf. pro Stunde erhöht. Friedrichsfclde. Das traurige Kapitel:„Kindermihhandlungen in der BolkS- schule" wird heute abend 8 Uhr in einer nach dem Lokal von Bube einberufenen Volksversammlung Gegenstand der öffent- lichen Besprechung sein. Da in letzter Zeit lebhafte Klagen über Kindermißhandlungen laut geworden sind, erwarten die Ein- berufer der Versammlung, daß die Einwohnerschaft zahlreich' er- scheint. Bemerkt sei, daß das gesamte Lehrerkollegium schriftlich zu der Versammlung geladen ist. Oranienburg. In eine eigentümliche Lage wurde die letzte Stadtverordneten- Versammlung durch den ersten Punkt: Beschlußfassung über die Abschwenkung der begradigten Havel bei ihrer Mündung in den Großschiffahrtsweg gebracht. Die Vorlage des. Magistrats ist nicht von allen Magistratsmitgliedern anerkannt worden. Der Stadt- verordnetenvorsteher beantragte im Namen des Bureaus, trotzdem über die Vorlage zu verhandeln. Da Stadtverordneter Janschke den entgegengesetzten Antrag stellt, entspann sich eine lange Ge- schäftsordnungsdebatte, die damit endete, daß der Antrag deS Bureaus mit Stimmengleichheit angenommen wurde. Der Vor- steher gab den Ausschlag. Trotzdem nun in die eigentliche Ver- Handlung eingetreten wurde,«lachte sich doch das Gefühl bemerk- bar. daß die Vorläge wieder an den Magistrat zurückverwiesen werden müsse. Mit großer Mehrheit wurde dann auch demgemäß beschlossen. Bei dem Punkt: Verständigung über die Bedingungen für den ferneren. Verbleib der Landwirtschaftlichen- und Gärtner- lehranstalt in Oranienburg, kam' die Meinung zum Ausdruck, die Anstalt unter allen Uniständen in Oranienburg zu halten. Die hauptsächlichen Bedingungen, unter welchen die Landwirt- schaftskammer die Anstalt großmütig in Oranienburg belassen will, sind folgende: 1. Die Landwirtschaftskammer erhält von der Stadt zur Errichtung einer neuen Schule ein 13 Morgen großes Grundstück. an der Germersdorfer Chaussee geschenkt. Sollte die Schule später eingehen, so hat die Kammer an die Stadt 23 333 Mark zurückzuzahlen. 2. Die Kammer erhält von der Stadt ein Baukapital bis zu 233 333 M. gegen Zahlung von 3H Prozent und 1% Amortisation, zur Verfügung. 3. Die Stadt hat durch eventl. Polizeiverordnung dafür zu sorgen, daß die Anstalt in einem Umkreis von 633 Meter vor industriellen Unternehmen geschützt wird. 4. Ferner verpflichtet � sich die Stadt, einen jährlichen Zu- schuß von 3333 M. zu leisten, ebenso hat die Stadt Fehlbeträge, die sich beim Betrieb der Schule ergeben, bis zu 1333 M. pro Jahr zu decken. Ueber den notariellen Vertrag, ebenso über die Aufhebung deS alten Vertrages wird dem Magistrat freie Hand gelassen. Steuer- freiheit, welche die Kammer für die Schule forderte, wird abge- lehnt. In der Diskussion über die Bedingungen suchte man alles auszumerzen, was irgend wie geeignet erschien, die weitere Ver- Handlung mit der Landwirtschaftlichen Kammer zu erschweren. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurden die Bedingungen angenommen. Genosse'S ch u m a n n forderte Kautelen, daß die Schule, nicht wie bisher, den ansässigen Gärtnern Konkurrenz mache. Der Bürgermeister stimmte dem ohne weiteres zu, nur glaubt er, daß durch Verlegung der Anstalt dieselbe gezwungen werde, ihre Produkte nach Berlin zu verkaufen. Sodann wurde noch beschlossen, die höhere Lehranstalt statt mit Quinta mit Sexta zu eröffnen. Darauf folgte eine geheime Sitzung. Tpanvau. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern nachmittag bei den Ausschachtungsarbeiten auf dem neuen Personenbahnhof. Als der hier ansässige 43 jährige Arbeiter Sch. eine vier Meter tiefe Bau- grübe hinabgestiegen war, um dort Ausschachtungsarbciten vorzu- nehmen, gaben die Versteifungen plötzlich nach und die herab- stürzenden Erdmassen begruben den Unglücklichen unter sich. Zum Glück war der Vorfall bemerkt worden und der fieberhasten Arbeit einiger Bauarbeiter gelang es, den Verschüttteten nach einigen Minuten von den aus ihm lastenden Brettern und Erdmassen freizumachen. Im besinnungslosen Zustande wurde der Verun- glückte nach dem Krankenhaus überführt, wo festgestellt wurde, daß Sch. der Brustkorb eingedrückt war. Ferner wurde eine schwere Gehirnerschütterung und innerliche Verletzungen konstatiert. Der Zustaäd des Patienten ist fast hoffnungslos. Die Bauarbeiten wurden von der Polizei bis auf weiteres inhibiert. Das Unglück ist nach Ansicht der Behörde dadurch entstanden, daß die Ver- steifungen der Baugrube nicht ordnungsmäßig befestigt waren. Bekanntlich sollen zum 1. Januar n. I. bei der hiesigen Straßen- bahn Schaffner eingestellt und das seit Jahren bestehende Zahl- kastensystem abgeschafft werden. Die Stadtverwaltung hat sich bei der Gehaltsfestsetzung wieder mal in der altbekannten arbeiter- freundlichen Weise gezeigt, indem man den Schaffnern für das erste Jahr den fürstlichen Lohn von SSM. bewilligte. Das macht'auf auf den Tag, den Monat zu 33 Tagen gerechnet, da ja die Schaffner auch Sonntagsdienst haben, etwa 3,16 M. Trotzdem sollen sich eine große Anzahl von Leuten gemeldet haben; sicher ein Zeichen, daß es schon jetzt eine große Anzahl von Arbeitslosen gibt. Es wäre daher angebracht, wenn die Stadtverordnetenversammlung beizeiten etwas tut, um die Arbeitslosen, wenn der große Frost eintritt, Arbeitsgelegenheit zu schaffen. GericKts- Leitung. Klassenjustiz. Zu den Richtern der schärfsten Richtung in Streikprozessen gehört Amtsrichter v. Löhl, der Vorsitzende des Schöffengerichts II in Hamburg. In den letzten Tagen ist vor seinem Forum ein geradezu blutiges Urteil gegen den Werftarbeiter Döfjler gefällt worden, der zwei Arbeitswilligen die Worte„Streikbrecher" und„Heidel- brrgcr" zugerufen haben soll, was von ihm ganz entschieden in Abrede gestellt wird. Er gibt zu, daß aus einer Menschenmenge ähnliche Worte gefallen sind, aber nicht aus sinem Munde. Für seine-Behauptung sind fünf Zeugen geladen, von denen vier, eben- falls Werftarbeiter, erschienen sind. Die beiden Arbeitswilligen behaupten, D. sei der Rufer gewesen. Der Vorsitzende läßt die Aussage protokollieren, zu welchem Zweck, wird man bald er- fahren. Er fragt, ob nicht die Worte so gelautet haben:„Hurra, die Streikbrecher, die Heidelberger kommen!" Die Arbeitswilligen können sich nur der beiden inkriminierten Worte„positiv" er- innern, worauf der Vorsitzende, ohne daß dies bekundet worden wäre, die Worte„auf sie" hinzufügen will. Die beiden Worte würden in dem Zusammenhange eine Aufforderung zu Gewalt- tätigkeiten bedeuten. Der Verteidiger Dr. R. Cohen protestiert gegen die Protokollierung dieser Worte, welche die Arbeitswilligen nicht zu bekunden vermögen. Als nun die Entlastungszeugen ver- ncmmen werden, ereignet sich ein aufsehenerregender Zwischenfall. Der erste Zeuge, Werftarbeiter Graf, sagt aus, die inkriminierten Worte habe der Angeklagte nicht fallen lassen, er hätte das sonst hören müssen, weil er in unmittelbarer Nähe des Angeklagten stand. Der Borsitzende, der vou einem Meineid sprach, läßt diese Aussage ebenfalls protokollieren und fragt dann den Angeklagten, ob er seine weiteren Zeugen auch meineidig lassen werden wolle. Als der Angeklagte erklärte, er habe gar keine Ursache, von der weiteren Zeugenvernehmung Abstand zu nehmen, da er an der Objektivität der Zeugen zu zweifeln keinen Anlaß habe, wird der Werftarbeiter Brandt vernommen, der ebenso aussagt wie Graf und hinzufügt, die Arbeitswilligen müßten sich irren. Es seien wohl einige Aeußerungen aus der Menge gerufen worden, aber nicht von D. Der Borsitzende läßt auch diese Aussage protokollieren und schließt kurzerhand die Beweisaufnahme, trotzdem mehrere Entlastungszeugen anwesend waren. Der Amtsanwalt machte nun, wie schon in früheren Fällen, mit dem Hinweis auf die Moabiterei Stimmung und beantragte — zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf drei Monate Gefängnis für die beiden Worte und nahm den Angeklagten, einen völlig unbcschol- tcnen Mann, Bater von zwei Kindern(das dritte kommt in den nächsten Tagen!), der seit Beendigung des Streiks bei Blohm u. Boß arbeitet, wegen Fluchwerdachts in Haft. Dann erließ Herr v. Lößl, ohne daß«in Antrag vorlag und die Parteien sich geäußert hätten, gegen die Zeugen Graf und Brandt, die ebenfalls bei Blohm u. Boß arbeiten, wegen Verdachts des Meineids einen Haftbefehl. Nach Z 185 des Gerichtsverfassungsgesetzes kann das Gericht nur die vorläufige Festnahme beschließen, worauf das Protokoll dem zuständigen Nichter zugestellt werden muß, der über die In- Haftnahme verfügt. Der Verteidiger hat sich sofort der drei Verhafteten an- genommen., Herr v. Lößl ist Pferdekenner, Rennstallbesitzer und Landwehr- rittmeister. Gibt es einen Aufschluß für die ungeheuerliche Diffe- rcnz zwischen gesundem Rechtsempfinden und dem, was die Ver- Handlungsweise, das Strafmatz und die Verhaftungen bieten? Bremer Krawallprpzeß. Bremen, 6. Dezember. sPrivattelegramm des„Vorwärts".) Wegen der Krawalle, die anläßlich des Straßenbahnerstreiks am 18. Oktober hier stattfanden, hatte sich heute eine Frau bor defli Schöffengericht zu verantworten. Die Anklage'führt/ vor, daß sis einen Schutzmann mit dem Schirm geschlagen und Bluthund ge- rufen habe. Auch soll sie bei ihrer Festnahme Widerstand geleistet haben. Die Angeklagte bestreitet insbesondere den Widerstand und sagt, daß sie ermüdet auf einer Bank gesessen habe und plötzlich von einem Schutzmann, der sie aufforderte, weiterzugehen, einen Säbel- hieb bekommen habe. Dann hätte sie sich mit dem Schirm zur Wehr gesetzt. Der Staatsanwalt beantragte einen Monat Gefängnis. Das Urteil lautete auf 45 Mark Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft entfaltet seit Wochen eine fieberhafte Tätigkeit. Fast täglich finden Vernehmungen in Sachen der Kra- walle statt. Auch heute wurden wieder verschiedene«Partei- und Gewerkschaftsangestellte vernommen. Die Behörde bemüht sich krampfhaft, die Krawalle als einen organisierten Aufruhr zu lon- struieren._ Hus aller Melt. Eisettliahnkatastrophe in England. Auf der englischen Eisenbahnstätion Willesden hat sich gestern morgen ein schlveres Eisenbahn- unglück zugetragen. Als ein n a ch London fahrender Zug. der mit Arbeitern dicht besetzt war. auf der Station hielt, fuhr infolge falscher Weichen- stellung ein anderer Zug von hinten auf ihn auf. 4t) Personen wurden dadurch schwer verletzt, einer der Verunglückten war sofort tot. Eine große Zahl Passagiere erlitt leichtere Verletzungen. � Der letzte Wagen wurde in die Luft gehoben, bis die Decke des Wagens ins Dach der Station eindrang. In diesem Wagen wurden alle Insassen mehr oder iveniger verletzt._ Wieder einer! Wie uns aus Rom geschrieben wird, findet vor den Assisen von Alexandria unter Ausschluß der OeffentliSkeit im Prozeß gegen den Piiester A r i o t ti, der als Kaplan in Nizza Mouferrato tälig war, und gegen seine Dienstfrau. Margherita de Grandi, statt. Der Priester ist angeklagt, unter Mißbrauch des Vertrauens und eines Dienst- Verhältnisses unsittliche Handlungen an der sieben« jährigen Tochter seiner Dienstfrau borge« nommen zu haben. Weiter wird er sich wegen Wer» gehen? gegen das keimende Leben zu verant« worten haben, das er unter Einwilligung der Dienslfrau durch Anwendung chemischer und mechanischer Mittel an dieser Frau be- gangen haben soll. Schließlich ist der würdige Herr des Ehe« b r u ch s mit der De Grandi angeklagt. Diese selbst ist beschuldigt, ihr kleines Kind dem Priester ausgeliefert zu haben, ferner der zweimaligen Abtreibung der Leibesfrucht und des Ehebruchs. Um das Maß vollzumachen, wird dem Kaplan und seiner Dienstfrau noch eine gröbliche Verletzung deS Schamgefühls zur Last gelegt, da beide durch ein Fenster ihrer Wohnung gesehen worden sind, wie sie in völlig paradisischem Kostüm fangen spielten! Wirklich ein empfehlenswerter geistlicher Herr l Mit dem Förderkorb abgestürzt. In der englischen Kohlengrube Madeley-Wood stürzte gestern ein mit sieben Personen besetzter Förderkorb in die Tiefe. Alle Insassen waren sofort tot. Auf dem Schacht VHI der Gewerkschaft„Konstantin der Große' bei Bochum löste sich bei Bohrarbeiten in einem Ouerschacht ein schwerer Stein. Ein Bergmann wurde erschlagen, ein anderer so schwer verletzt, daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte._ Neue Margarinevergiftungen. Aus mehreren Städten Deutschlands liegen Meldungen über Erkrankungen nach dem Genuß von Margarine vor, die dem Altonaer Margarinewerk Mohr u. C o. entstammen soll. In N e i s s e erkrankten nach dem Genuß von Margarine elf Per« sonen schwer. Auch in Coswig in Anhalt und in Aschers« leben sind einige Personen nach dem Genuß von Margarine unter Vergiftungserschemungen erkrankt. Kleine Notizen. Messerhelden. Auf dem Heimwege vom Wirtshans gerieten in L a n d s h u t in Bayern zwei Tagelöhner in Streit, der m Tällich- keilen ausartete. Dabei wurde der eine durch einen Stich ins Herz getötet, während der andere durch einen Stich i n d i e Lunge tödlich verletzt wurde. Untergegangene Segelschiffe. Während eines Sturmes ist in der Nähe von N e u st a d t in Schleswig-Holstein das Segelschiff„Anna Christine" gesunken. Der Kapitän und drei Mann' der Besatzung sind ertrunken.— An der spanischen Küste ist das Segelschiff „Piincesa" mit 18 Mann Besatzung untergegangen. Der Eigentümer deS Schiffes rettete sich durch Schwimmen. Ein schweres Antomobiliinglück ereignete sich in der Nacht ztckn Sonntag in der Nähe von L e Maus. Ein Autoinobil, in dem sich die Gräfin N i k o l a y und ihr 28jähriger Sohn befanden, wurde hei einem Eisenbahnübergang von dem Pariser Expreß zug er- faßt und v o l l st ä n d i g zertrümmert. Die Gräfin, ihr Sohn und der Chauffeur wurden auf der Stelle getötet. Die Cholera ans Madeira fordert immer neue Opfer. Wie ein Telegramm aus F u n ch a l meldet, sind dort bisher 131 Personen an der Seuche erkrankt und 5 7 gestorben. Die denlsche Reichsregicrung hat angeordnet, daß alle aus dem Hafen von Fmichal nach einem denischen Hafen kommenden Schiffe und ihre Insassen bis auf weiteres ärztlich zu untersuchen sind. Das Unwetter ans dem Kaspischen Meere. Wie jetzt festgestellt ist, sind während des Sturmes auf dem Kaspischen Meere 23 Schiffe gesunken. Die Zahl der ertrunkenen Menschen beträgt 314. Acht Leichterschiffe sind im Eise stecken geblieben. Ihre Lage ist bedrohlich. Zlthung*m II.>. U. Dtiembar M Pflegeheim OTTERIE für kranke Kinder 3867 Gewinne Q'eam wert Mark 100,000 1 ■50,000 110,000 PfleKehetm-Lose& 3 Mark Porto und Liste 80 Pfg. extra. Ziehung am SC. u. tl. Dezember» Rote 4> OTTERIE det Vaterlind. Frauenvereins 3667 Qew'nns Oeeemtwrrt Mark 00,000 50,000 110.000 Rote Kreuz-Lose a 3 Mark Porto und Liste 30 Pfg. extra. 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Ziehung 5. KL 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom S. Dezember nachmittagi. Kor die Gewinne Uber 240 Mark Bind den betreffende]! Nummern in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 24 28 136 249[1000] 842 415 16[ 500] 65 1 108 84 63 478 558 720 74 831 942 2173 528 606 776 875 3 418 618 721 36 71 855 56 4061[500] 81 304 76 778 96 853 667 5298 426 76 6015(itfOO) 63 151 663 905 7036 260 868 418 8071 194 293 612[1000] 627 737 966 9259 07 [1000] 8(9[ 3000] 88 402 511 636 93» 10022 315 976 11076 272[ 500] 841 426 638 63 802 [5000] ID[500] 60 12038[1060] 213 70 540[500] 793 »84 1 3001[500] 31[500] 36 313 81 763 14504 75 701 [600] 15 183 336 418 36(100«] 846 19 83 84 1 6073 131 865[1000] 599 701 875 1 7 061 96 142 276 334 570 665 99 18463 576 843 63 77 1 9226 837 508 682 88 728 2002» 122 405 61 586 702[8000] 827 956 21050 818 955 22110 310 711 61 23085 817 60 90 96 943 24048 161 412 56 88 506 8 67 748 63 958 2 5109 336 445 672 685[1000] 720 924[500] 2 6209 69 525 695 791 27003 160 73 210 884 509 709[600] 83 98[1000] 966 2 8064 105 251 309 60 669 2 9104 27 61 843 500 696 897 [1000] 917 30143 8? 32« 587 88V 88»[500] 928 3 1 861 812 708 47 76 82 964 3 2383 44 448 91 853 93 3 3 014 503 15 833 «23 3 4096 327 43«26 54 80 703 98 805 35088 129 266 [500] 310 14 512 66 676 935 3 6234 503 3 7037 163 83 357 93 447 614 48 658 718 3 8197 411 91[3000] 576 668 738 830 985 3 9026 181 826 642 678 988 40296[509] 816 499 867 4 1018 255 50»«57 42V4S 863[500] 396 588 706 43166 285 810 562«28 782[500] 800 8 44150 576«15 738 998 46047 307 611 768 987 46103 287 675 93 826 4 7086 94 217 78[500] 630 48014 [500] 312 78 368 51. 809 954 4 9400 635 742 84 813 31 005 49 62[1000] 87 5O038 147 386[3000]«88[500] 5 1006 309 587 865 52304 962 98 53888 536 847 918 51 64012(500) 231 40[500] 9*02 5 5100 257 408 17 58 514 985[1000] 56317 6 7020 56 227 83 98 808 08 487 698 653 87 780 868 903 «4 6 8011 218 151 65 889 990 69.504[500] 14 725 993 60238 355 663 681 6 1 242 415 582 729 81 830[500] »53[1000] 62066 169 853 6 3218 438 49 643 79? 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