Ut. 286. H bonncmenfs'Bedingungen! Ablmncuicnts- Preis pränumerando i Sicrlcljährl. 3,30 Mk., monatl. 1,10 Mk,, wöchentlich 2S Pfg, frei inS HanS. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- tlbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemenls nebmcn an: Belgien, Dänemark, .Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, viumänien, Schweden und die Schweiz. 27. IahrK i5>r Crldjelnt täglich außer Montags. Vevlinev Volksblntk. vie snierttsns.Lediih? KelrSgt sür die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Rauni 50 Psg., sür politische und gewcrlschastliche Vereins- und BcrsammlungS-Anzcigcn 30 Psg. „UUin- Htiietgcn", das erste ssctt- gedruckte? Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzeigcn das-rftc Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niiisfeil biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SogigiiiemolikZt Berlint Zentralorgan der rozialdcmokratifchen Partei DeutfcblatidQ. Redaktion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Clne Anerkennung. Die„Wiener Arbeiter-Zeituug" bringt in ihrer Sonntags- numnier einen Leitartikel, der sich mit unserer Abonnentenzahl befaßt. Wir entnehmen daraus folgende Stelleg: ..Mit Stolz und Genugiliung teilt der„Boiwärts" seinen Lesern und der Partei mit, daß seine Abonnenten die Zahl von loOOOO überschritten haben. Begreiflich ist diese Genugtuimg und verstand- lich die Freude, die die Mitteilung bei allen Genoflen erweckt. Denn diese gewaltige Zahl, die in der sozialdemolratischen Presse ohne Beispiel ist, ist ja nur der Ausdruck der hohen Schätzung, die das Zentralorgan bei den Berliner Arbeitern findet. In Berlin, der wahren Hauptstadt der internationalen Sozialdemokratie, gelangt eben die ideale Forderung immer restloser zur Ersülluug: daß jeder Sozialdemokrat Leser und Abnehmer des sozialdeni akratischen TagblatteS werde! Nur aus diesem Fortschritt in der Erkenntnis der Bedeutung der sozialdemokratischen Presse ist das riesenhafte Wachstum unseres Berliner Brudcrblattes zu erklären. In zehn Jahren hat er seinen ichon damals gar nicht geringen Abnehmerstand verdreifacht; wie lange kann es währen, daß er bei dem zweiten Hundert- tausend hält? Es wird nicht lange währen! Denn die Berliner Arbeiter lassen sich nicht spotten, und kein Ziel, das sie sich scst vorgenommen haben, ist ihrer Kraft, ihrer Energie, ihrer Ausdauer unerreichbar. Vornehmlich ihrer Aus- dauer! Denn hat sich einmal der Gedanke durchgesetzt, dah Sozialdemokrat sein nicht bloß bedeuten kann, bei Wahlen seine Stimme sür den sozialdemokratischen Kandidaten ab- zugeben, das; Sozialdemokrat sein organisiert sein bedeute.*— mid er muh sich durchsetzen, denn auf seiner Ver- wirklichuiig beruht der Fortschritt unserer Bewegung—, so wird die Berliner Arbeiterschaft nickt ruhen noch rasten, bis der gewerkschaft- lichen und der politischen Organisation der letzte Arbeiter eingefügt ist, bis der letzte Arbeiter Abnehmer des sozialdemokratischen Blattes geworden ist. In Berlin werden sie schon mit der laxen Moral aufräumen, daß der sozialdemokratische Arbeiter die bürgerlichen Schundblälter lesen dürfe, daß die sozialdemokraiische Ueberzeugimg mit der bürgerlichen Lektüre vereinbar sei! Die Berliner Arbeiterschaft hat die Gefahr dieser bürgerlichen„Volksblätter" recht- zeitig erkannt und energisch und ausdaiicrnd, wie sie ist, lvird sie diese Schlamperei bald ausgerottet haben. Jeder Sozial- drmokrat organisierter Genosse und jeder organisierte Genosse ein Abonnent des sozialdemokratischen ZcntralorganS: das ist die Losung und die Tat folgt ihr nach!" Wir zweifeln nicht daran, daß unsere Genossen diese Erwartungen erfüllen und alle Kraft datzan setzen werden, daß das zweite Hunderttausend bald voll werde. Unermüdliche Propaganda für den Beitritt zur Organisation und unermüdliche Werbearbeit für die Parteipresse, das ist heute zugleich die wichtigste und dringendste Vorarbeit für die Reichstagswahl I_ Die Blalsl in Cabiau-ftelflau. Ans Königsberg wird uns geschrieben: Eine Hochburg deS konservativen Junkertums ist am 2. Dezember ins Wanken gebracht worden. In den Erörte- rnngcn über den Wahlansfall wird auch die Frage auf- geworfen, warum in Labiau-Wehlau nur 529 sozialdemokratische Stimmen niehr abgegeben worden sind als bei der Wahl 1907. Die Frage ist durchons berechtigt und fordert ihre Antwort. Drei wichtige Faktoren spielten bei dem Wahlkampfe in diesem rein ländlichen Wahlkreise eine sehr große Rolle. Einmal das Fehlen einer guten, selbständig funktionierenden sozialdemokratischen Kreisorganisation. Sodann das Vor- handcnsein einer leicht zu beeinflussenden, Augenblicks- stimmungcn zugänglichen proletarischen Bevölkerung. Schließ- lich die wüste, unehrliche, jedem politischen SÄistaitd Hohn sprechende Wahlagitation der Gegner. Die von den Konser- vativen und Liberalen in diesem Wahlkampfe angewandten Mittel hätten, in einem Wahlkreise mit einer politisch nur wenig mehr aufgeklärten Bevölkerung, sicher die gegenteilige Wirkung hervorrufen müssen. Die sozialdemokratische Agitation war völlig unterbunden. Trotz wiederholter Klagen beim Oberverwaltnngsgericht und Beschwerden bei dem Minister vor und während des Wahl- kampfeS wurde uns Sozialdemokraten nicht eine einzige Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel erteilt. Sämtliche Gasthofs- besitzer, die ihre Lokale für liberale und konservative Versamm- lnngen hergaben, lehnten unsere dahingehenden Gesuche rund- weg ab. Die Konservativen haben innerhalb vier Wochen 6-� die Liberalen in derselben Zeit 49 Wählerversammlungen) bis in die kleinsten und entlegensten Ortschaften abgehalten. In diesen Versammlungen wurden wir Sozial- demokraten in der ersten Zeit des Wahlkampfes sehr schonend behandelt. Auf fortwährendes Drängen der freisinnige 11„Hartungschcn Zeitung" gingen die Konservativen dann in ihren Versammlungen und Flug- blättern immer schärfer und verlogener gegen uns vor. Die Liberalen suchten dann die Konservativen noch zu überbieten. Das liberale Wahlkomitce hatte gleich von vornherein bc- schlössen, in ihren Versammlungen keinem Gegner das Wort zu erteilen. Die Konservativen taten es in ganz beschränktem Maße, und auch nur, um im Schlußwort des Referenten desto mehr Schmutz auf die Sozialdemokratie zu werfen. Noch viel niederträchtiger gingen die Gegner aber in ihren zahlreichen Flugschriften gegen die Sozialdemokraten vor. Davon hier nur einige Proben: In liberalen Flugblättern wurden dreist die längst wider- legten Lügen von der freien Liebe, voni Abschaffen der Religion, der Ehe und des Familienlebens aufgetischt. Die Moabiter Vorgänge wurden als geplante Revo- lutionsver suche der Sozialdemokratie dar- gestellt. In einem konservativen Flugblatt heißt es wörtlich: � „Linde will den Kaiser, dem Du als Soldat die Treue ge- schworen kmst, vom Thron stoßen und seine» Parteiführer Bebel darauf setzen, denselben Bebel, der als einfacher Fabrikarbeiter an- gefangen, die Arbeit aber bald aufgegeben und vom Reden und Schinipfen gelebt hat. Nun ist er ein steinreicher Mann, hat HanS und Hof und Geld. Wovon stammt sein Reichtum? Wovon lebt Linde, wovon die anderen„Arbeitcrfübrer"? Nicht von der Arbeit, sondern von den sauer verdienten Groschen der betörten Arbeiter, die an ihre Verführer mehr Steuern zahlen müssen, als der Staat von den Arbeiterklassen verlangt. An einer anderen Stelle dieses an die Landarbeiter ge richteten Fingblattes heißt es: „Und glaubst Du, Dein Gnlshcrr wäre nach der Wahl eines Sozialdemokraten mit Freuden bereit. Dir Deinen Arbeitslohn zn erhöhen, oder meinst Du sogar, daß ihn Linde dazu zwinge» kvunie? Weißt Du, was ich sogar glaube?-- Ich glaube, er wäre eher dazu geneigt, die kleine Sunmie, z. B. die Dich durch die Versteuerung die Streichhölzer— daipit reizen ja wohl die Sozialdemokraicn die Arbeiter fortgesetzt zur Unzufriedenheit auf — jetzt mehr kosten, zn Deinem Lohn zuzulegen, wenn D» ihn nicht durch Abgeben eines roten Stimmzettels kränken würdest. Denke auch an die Abgaben, die ihm durch das„Klebegesetz"zuDeinem Lvrieite auferlegt find! Die schenkt Dir jetzt Dein Arbeitgeber. Er bezahlt für Dich auch alle Ortsabgabcn und hat es gar nicht nötig. Würde nicht vielleicht nachher Dein Arbeitgeber, den Du jetzt ohne Nutzen absichtlich kränkst, zu Dir sagen: Für Dich bezahle ich nichts, tu' Du es selbst, oder laß Dir von Deinem Linde Helsen I Und weißt Du es nicht, daß die Sozial- demokraten nicht ollein Deinen Kaiser, sondern auch Deinen Gott absetzen wollen? Bei dem Aufstände in Berlin (Moabit) wurde nur ein einziges öffentliches Gebäude zerstört. Und das war die Kirche. Da wurden die Fenster zertrümmert, der Altar besudelt, die heiligen Geräte verhöhnt und zer- brocke». Willst Du mit solchen Leuten gemeinsame Sache machen? Ei, ei! Lies Dir, ehe Du zur Wahl gehst, den ersten Psalm durch. Bemerkenswert ist auch noch eine andere Stelle in einem der 13 verbreiteten konservativen Flugblättern. Es heißt da: „Wählt Burckiard l Er ist der rechte Mann, der Euch allein vertreten kann! Leute! Wer sorgt und strengt sich an. um für seine Familie und Euch und Enre Kinder das notwendige Stück Brot zu ver- dienen? Euer Herr! Wer kleistert für Euch, damit Ihr im Unglück und im Alter etwas habt? Euer Herr! Herr Wagner und Herr Linde kleistern nicht für Euch! EurcS Herrn Brot ist Euer Brot!" In einem anderen Flugblatt heißt es: „Die Freisinnigen und Sozialdemokraten sind auch schuld, daß wir jetzt Streichhölzer und Kaffee teuerer bezahlen müssen, iveil sie die Inseraten- und Wein-. steuer und die Steuer auf elektrisches Licht abgelehnt haben." In diesem Ton und in diesem Stil geht eS durch alle Flugblätter, die in der letzten Woche vor der Wahl fast täglich von den Liberalen und Konservativen per Post den Wählern ins Haus geschickt wurden. Denn diese befanden sich ini Be- sitze der Abschriften sämtlicher Wählerlisten. Wir Sozial- demokraten waren gegen diese skrupellose Agitation fast macht- los. Nur an. zwei Sonntagen und am Bußtage konnten wir mit Hilfe der Königsbcrger Parteigenossen je ein Flugblatt. Kalender und„Landbote" verbreiten. Ein sehr schivieriges Stück Arbeit, auf aufgeweichten, zum Teil ver- schneiten Landwegen von Dorf zu Dorf, von Hütte zu Hütte zu gehen. Vier bis sechs Meilen haben unsere Genossen oft bis zum stockfinsteren Abend machen müssen, um ihre Tour zu erledigen. Mündliche Agitation in den Wohnungen hat mit Unterstützung von einigen redegewandten Genossen der sozialdemokratische Kandidat ausgeführt. Durch diese beschränkte Agitation, die sich vier Wochen lang ans- dehnte, war es natürlich nicht möglich, der oben ge- schilderten Agitation der Gegner ivirksam entgegenzutreten. Und dann kam die Agitation der Gegner nach amerikanischem Stil am Wahltage selbst. Sämtliche vermietbaren Automobile der Städte Königsberg und Jnsterburg, sowie Privatautos und Fuhrwerke, die irgend nur im Kreise auszutreiben waren, hatten die Freisinnigen am Wahltag mit Beschlag belegt, um ihre Anreißer nach den entlegenen Wahllokalen zu befördern und die Wähler zu schleppen. Nach einer ungefähren Zählung hatten allein die Liberalen gegen 650 Wahlhelfer aus Königs- berg und aus anderen Städten außerhalb des Wahlkreises in den Dienst gestellt. Geld spielte eine ganz untergeordnete Rolle. Und die Konservativen? Sie schleppten schon zu ihren Versammlungen ihre Arbeiter auf Leiterwagen zur Ver- sammlung und gaben für jeden Mann 50 Pf. Jteisegeld. neben Freibier und Schnaps. Am Wahltag begleiteten diese Wählertransporte die Inspektoren nach dem Wahl- lokal. Hier wurde ihnen in Gegenwart des Guts- Herrn der konservative Stimmzettel feierlichst übergeben und Expedition: 8M. 68» Linäenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. die Wähler dann nicht mehr aus den Augen gelassen. Es kommt ferner hinzu, daß die Aufstellung der Wähler- l i st e n eine geradezu sträflich leichtfertige war. Ob absicht- lich oder unabsichtlich lassen wir dahingestellt. So konnten in der Stadt Labiau am Wahltage 180 Arbeiter nicht wählen,>veil sie nicht in der Wählerliste standen. In mehreren Wahlbezirken waren insgesamt 260 bayerische Waldarbeiter, die seit fast zipci Jahren in den dortigen Sägewerken arbeiten, nicht in die Wählerlisten aufgenommen. Aus dieser knappen Schilderung wird es es wohl ohne weiteres verständlich, wenn der Rückgang der konservativen Stimmen in diesem ostelbischen Wahlkreise nicht noch, größer und die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen nicht höher angeschivollen ist. • Die Stichwahl. Entgegen anders lautenden Meldungen stellen Ivir fest, daß die Stichlvahl bereits am S. Dezember stattfindet. Die von konser- vativer Seite ausgesprengte Nachricht von einer Verschiebung auf den 16. Dezember ist unzutreffend und soll offensichtlich die Gegner der Junker irreführen. Die Konservativen wühlen mit allen Kräften, um der Niederlage zu entgehen. Das endgültige amtliche Wahlergebnis lautet: Abgegeben wurden insgesamt 16 443 Stimmen. Davon erhielten LandeSrat a. D. B u r ch a r d(dk.) 7217, Bürgermeister Wagner (Fortschr. Vp.) 2517 und Parteisekretär Linde(Soz.) 3708 Stimmen. ein wahrer Ordnungsmann. „O, Wie ist es hochersrculich, solchen Jüngling noch zu finden jetzt in unsrer Zeit, wo täglich mehr und mehr die Bessern schwinden.' Herr Schulze, bei dessen Aussage in der Dienstag-Sitzuug de? Moabiter Prozesses mir diese Heincschen Verse nicht aus dem Sinn gehen Ivollten, ist freilich kein Jüngling mehr, ganz n id gar nicht, aber sonst ist er durchaus in allen Stücken danach an- getan, um etwa Herrn v. Jagow oder seinen hohen Chef, den Polizeiminister v. Dallwitz, zu veranlassen, diese Heineschen Worte zu zitieren, sofern es nicht vermessen ist, anzunehmen, daß solch' hohe Staatsbeamte die Werke dieses frivolen Spötters und im Hohenzollenischloß Verfemten überhaupt kennen. Jedenfalls ist Herr Schulze das Muster, das Ideal eines OrdnungSmanncS, wie es die eben genannten Herren im Busen tragen dürfte», das Muster eines preußischen Patrioten. Wen» Herr Schulze nicht etwa infolge seiner oidnungsretterischen Fähigkeit in Moabit zur Zeugenladung gekommen wäre, er würde sich auf jeden Fall auf den Notruf des Herrn Polizeipräsidenten gemeldet haben. Denn Herr Schulze weiß, was Bürgerpflicht ist. Wenn er einen Menschen über die hohen Behörden räsonniercn hört, so juckt ihn: die Hand, den Nörgler an den Kragen zu nehmen und ihn dem nächsten Polizeibeamten zu übergeben; so er sieht, daß einer ein saures Ge- ficht zu den Anordnungen der ihm von Gott gesetzten Obrigkeit zieht. so schaut er nach einem Schutzmann um. Herr Schulze ist fest über- zeugt, daß die Polizei nicht unrecht tut, und lveun er einmal sehen sollte, daß einige Schutzleute einen ruhigen Passanten niederschlagen und auf den am Boden Liegenden weiter einhauen, so wird er nie- mals auf den ordniiiigSlvidngen Gedanken kommen, daß er eine skandalöse Ausschreitung, einen unerhörten Mißbrauch der Amts- gewalt gesehen habe. Sondern er wird sich demütigen Sinnes dabei bescheiden, daß der Untertan die Wege der Obrigkeit nicht zu er- forschen vermag, daß er nicht beurteilen kann, ob nicht ein zn- reichender Grund für solche Behandlung vorliegt. Nach alledem kann man sich nicht wundern, daß Herr Schulze während der Ereignisse von Moabit einen starken Drang in sich fühlte, die Ordnung zu retten. Am liebsten hätte er sich offenbar an die Spitze der Schutzleute gestellt,»in sie zu schneidiger Attacke zu führen. Denn nach feiner Ansicht ist die Polizei dort viel zu milde vorgegangen. Aber da er im Großen nicht wirke» konnte, so hat er sich mit Kleinem begnügt. Er ist als freiwilliger geheimer Schutz- mann aufgetreten. Als er hörte, wie ein Straßenbahnpassagier seiner Entrüstung über die Behandlung eines Verhafteten Luft machte, da wußte Herr Schulze, was er zu tun hatte. Er hat den nächsten Polizeioffizier aufgesucht und ihm den frechen Nörgler denunziert. So wurde der Angeklagte Senf der rächenden Justiz überliefert. Herr Schulze darf stolz aus die Leistung sein und er ist es äugen- scheinlich auch! Natürlich ließ sich die Staatsanwaltschaft die Gelegenheit nicht entgehen, diesen ihr angenehmen Zeugen nach seinem Urteil über das Verhalten der Polizei zu fragen. Und Herr Schulze hielt da- inst nicht hinter dem Berge. Viel zu milde ist die Polizei ge- wesen— am ehesten ist er noch mit den Kriminalschützleuten zu- frieden, die„am besten aufgeräumt haben". Wie sie das gemacht haben, darüber weiß Herr Schulze allerdings nichts näheres anzu- geben. Ucberhaupt sind seine posiiiven Angaben über die Vorgänge in Moabit, die er doch an vier Tagen beobachtet hat, etwas mager. Nur einmal hat er gesehen, daß mit dem Säbel eingehauen wurde. Aber wenn Herr Schulze auch alle die Mißhandlungen friedlicher Passanten durch Polizeibeamte gesehen hätte, die von so vielen anderen Zengen beobachtet mid bekundet wurden, so hätte er doch nimmer, deshalb von der Polizei schlecht gedacht. Wenn er Schutzleute einen ruhigen, alleingchendeii, wehrlosen Mann hätte niederschlagen und ans den am Boden Liegenden weiter einschlagen sehen, so würde er sich hüten, deswegen die Polizei auch nur in seinem tiefften Innern zu kritifleren. Denn er kann doch nicht wissen, ob sie nicht doch irgend einen berechtigten Grund für ihre Handlungsweise hatte. Herr Schulze ist also der Ansicht, das? das Niederschlagen eines Mannes, der keinerlei Widersetzlichkeit begeht, daß das EinHauen auf einen zu Baden Gestreckten unter Umständen eine durchaus berechtigte Amts- Handlung der Schutzleute sein kann. Nach dieser Leistung des Zeugen konnte der Verteidiger Heine allerdings mit Fug erklären:„Wenn Sie das für angemessen halten, so habe ich keine weitere Frage mehr zu stellen." Die Bekundung des Zeugen genügte allerdings dollkominc». um den Wert oder vielmehr den Unwert seines Zeugnisses für die Polizei festzustellen. Wenn alle polizeifrommen Zeugen, die sich auf den Notruf des Herrn v. Jogow gemeldet haben, vom selben»kaliber sind, wie der Herr Schulze, so mag der Polizeipräsident dcS Wortes gedenken: Gott behüte mich vor meinen Freunden l... *»' Aber der Polizei steht das Wasser bis an den Hals und sie würde selbst einen Strohhalm ergreifen oder was sonst, das noch weniger Tragkraft als ein Strohhalm hat. Denn jeder Tag des Prozesses mehrt das furcktbare Belastungsmaterial gegen die Polizei. Der Dienstag war für sie ein schwarzer Tag erster Ordnung. Und so bedenklich eS um die Qualität der Polizeizeugen steht, so über allen Zweifel erhaben ist die der Zeugen, die sich gegen die Polizei wenden. Der Mechaniker Forst z. B. erfüllt die strengsten An- fordermlgcn, die Herr v. Jagow nur stellen kann. Er ist an den Vorgängen ganz unbeteiligt, er hat fie vom Balkon und von den Fenstern seiner Wohnung aus gesehen, er hat keinen Säbelhieb noch Puff erhalte» und ist von Sympathie mit Aufrührern oder Anti- pathie gegen die Polizei so weit entfernt, daß er ihr Verhalten an dem ersten Tage der Unruhen korrekt und geboten fand. Außerdem hat er zwanzig Jahre lang die Sozialdemokratie bekämpft, er ist Mitglied eines gelben Vereins und war bis vor kurzem 2. Vorsitzender darin, wäre es noch, wenn nicht Kränklichkeit ihn au der Vereinsarbeit gehindert hätte. Er ist auch ein Ordnung»- mann, aber einer von ganz anderem Schlage als Herr Schulze. Das gesunde sittliche Urteil ist ihm nicht in Polizeifürchtigkeit und SchneidigkeitSdrang ertrunken. Wenn er Polizeibeamte friedliche Passanten roh mißhandeln sieht, so loht flammende Entrüstung in ihm auf, so beklagt er bitter, daß die Arbeit derer, die den Fortschritt der Sozialdemokraiie aufzuhalten suchen, durch dasVerhalten der Polizei zunichte gemacht wird. Und er hat allertzings grauenhafte Fälle ge- sehen, und man begreift sehr wohl, daß dieser ruhige, zu allen staatlichen und kirchlichen Autoritäten gläubig aufschauende Mann, der bei der Frage nach seinen Militärverhältnissen unwillkürlich stramme Stellung nimmt, auf den Tisch schlug in gewaltiger innerer Erregung, daß seine gleichgcsinute Frau in heftiges Weinen aus- brach, ob dem, was sie erblicken mußte. Der Bericht kann von dem tiefen Eindruck, den die Aussage diese? klassischen Zeugen machte, nur einen schwachen Begriff geben. Die treuherzige, schlichte Er- zählung deS Zeugen, die nebenbei zeigte, daß so mancher der „Schüsse", die in Moabit gehört wurden, von unter de» Rädern der Straßenbahn explodierenden Knallkapseln herrührte, wirkte mehr, als es das flaminendste Flugblatt, als es die feurigste Rede hätte tun können. Wenn aus dem Munde eines solchen ManueS eine so schwere Auflage gegen die Polizei laut wird, wie will der Polizei- Präsident diese Stimme übertönen? Durch Zeugen ö In Schulze wird ihm das sicher nicht gelingen I Die Aussage des Herrn Frost war in dieser Sitzung die, deren Gewicht die Polizei am schwersten empfinden wird. Aber sie stand nicht allein. Eine ganze Reihe von Zeugen trat auf, die ähnliche empörende Polizcitaten gesehen hatten. Und auch ihre Zeugnisse sind unanfechtbar, da es sich um Leute handelt, die in keiner Weise an Unruhen beteiligt waren. Wirklich, ein schwarzer Tag erster Ordnung für die Polizei. Ter Polizeipräsident antwortet. In unserem gesttigen Leitartikel haben wir beniängelt, daß das Polizeipräsidium zu der sensationellen Enthüllung der polizeilichen Lockspitzel in Moabit geschwiegen hat. Unser Leitartikel hat den Erfolg gehabt, eine polizeiliche Antwort zu provozieren. Sie entspricht sreUich nicht unserer Forderung, sie bringt nicht die er- wünschte Ausklärung, aber sie ist doch eine Antwort. Das Leib- und Magcnblatt des Herrn v. Jagow, das bezeichnender- weise der.Lokalanzeiger" ist, konnte am Dienstagabend die folgende Meldung bringen: Der Berliner Polizeipräsident hat, wie wir erfahren, gegen den„Vorwärts" Strafantrag ge- st e l l t wegen eines Leitartikels, der sich mit den Moabiter Streik- krawallen beschäftigt und in dem die Behauptung ausgesprochen wird, die ousreizeüden Rufe aus der Menge seien von Polizei- beamtcn in Zivil ausgestoßen worden. Dem Wölfischen Depeschenbureau ist diese Mitteilung„von zu- ständiger Seite" bestätigt worden. ES fügt ihr noch folgende Er- gänzung an: „ES handelt sich um den in der heutigen Ausgabe des«Vor« wärts" erschienenen Artikel:„Die geheimen Führer und Leiter der Moabiter Revolution", in dem behauptet wird, Polizei- und Kriminalbeamte seien die Führer und Leiter der Aufständischen in Moabit gewesen und hätten durch aufreizende Rufe die Erregung der Menge zu steigern versucht. Der Polizeipräsident hat wegen dieser Behauptung, daß sich Lockspitzel und polizefliche ax-snis provooatsurs in Moabit befunden hätten, für sich und die ihm unterstellten Beamten Strafantrag wegen öffentlicher Beleidigung gestellt." - Die beiden polizeioffiziösen Meldungen stellen den Inhalt des ,.DorwärtS"artikels sehr schief dar— so enthält er natürlich nicht die blöde Behauptung,.die aufreizenden Rufe auS der Menge seien von Polizeibeamten in Zivil ausgestoßen worden—, doch damit wollen wir uns hier nicht beschäftigen. Es geht uns jetzt mehr um die Absicht deS Polizeipräsidenten. Wenn er wirklich wegen der Behauptung klagt, daß sich Lockspitzel und polizeiliche »geuts provocatvurs in Moabit befunden hätten, jo ist eine sehr interessante und sehr bedeutsame Beweisaufnahme zu erwarten, die wir nicht zu scheuen haben. Wie Herr v. Jagow daS unangreifbare Zeugnis der Herren OSlath und Schmidt er- schüttern will, ist uns unklar. UebrigenS ist in dem Artikel auch die Lockspitzeltätigkeit eine» genau bezeichneten Polizeibeamten bei den Wahlrechtsdemonstrationen erwähnt. Wir hoffen, daß Herr v. Jagow auch diese Behauptung in seinem Strafantrag einbeAeht und also der Wahrheitsbeweis dafiir erbracht werden kann. Sie Nshlen in englsmk. Der erste Wahltag. London, 4. Dezember 1910.(Cig. Ber.) Von 67 Man- baten, um dre gestern gerungen wurde, fielen 31 den Libe- ralen, 30 den Konservattven und 6 der Arbeiterpartei zu. Die Konservativen gewannen 0 Mandate von den Libe- ralen und eins von der Arbeiterpartei. Sie verloren 3 Man- date an die Liberalen, erzielten somit einen Gewinn von 4 Mandaten. S» allen Kreisen, die ihre politische Farbe ge- tvechselt haben, hatten die früheren Besitzer nur sehr kleine Mehrheiten(zwischen 29 und 322 Stlinnien). Etwas größer war die frühere Mehrheit der Arbeiterpartei in dem jetzt an die Konservativen verlorencin'Wahlkreise Wigan(510). Angesichts dieser Ergebnisse muß inan zum Schluß komme«, daß sich die Ansichten der Wähler während der letzten 10 Mo- nate, wie vorauszusehen war, wenig geändert haben. Eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses der Parteien scheint unter diesen Umständen einzig von dem Wahlglück in den Kreisen abzuhängen, in denen die Majoritäten gering sind. Und dieses Glück kann sowohl dem einen wie dem anderen hold sein. Es wurde schon in früheren Berichten daraufhingewiesen, daß bei diesen Wahlen der Geldbeutel eine größere Nolle spielt als bei den Wahlen im Januar. Bei den jetzigen Wahlen wird bekanntlich»ach den Wahllisten des letzten Jahres ge- wählt. Es sind mithin viele Tausende Wähler, die inzwischen verzogen sind, aufzutreiben und das bedeutet einen großen Aufwand an Arbeit und Geld, den sich wohl die reichen bür- gerlichen Parteien, nicht aber die Arbeiterparteien leisten können. In Manchester haben sich die Konservativen gründlich verrechnet. Zwar haben sie ihre Position in Manchester und Salford, der Hochburg des Freihandels, etwas verstärkt: aber nur wenige konservative Freihändler trauten der neuen'Nefe- renduni-Taktik und die meisten wählten wieder liberal der Sicherheit wegen. Die unerwartete Wahlparole B a l f o u r s scheint auch in der Schutzzollzentrale Birmingham einen Ein- fluß ausgeübt zu haben. Sie muß die intransigenten An- Hänger der Tarifreform etwas entmutigt haben: denn in den drei Birminghamer Wahlkreisen, in denen gestern gewählt wurde, sank die Stimmcnzahl der Konservativen von 20 682 auf 15 981. Allerdings haben auch die Liberalen einen be- trächtlichen Rückgang zu verzeichnen. Weder die Liberalen noch die Konservativen haben Ur- fache, über den Ausfall der ersten Wahlen zu frohlocken. Nur die Iren können getrosten Mutes sein: sie haben die Aus- ficht, daß sie das künftige wie das letzte Parlament beherrschen werden. » Der Stand der Parteien, Die bisherigen Wahlergebnisse bestätigen die Prognose, die die Resultate des ersten Wahltages zu stellen erlaubten. Die Stim- mung der Wählerschaft hat sich seit den Januarwahlen nur wenig geändert. Die Unionisten haben einige Mandate gewonnen, das Kräfteverhältnis der Parteien aber bleibt im wesentlichen unver- ändert und die konservativen Hoffnungen sind unerfüllt geblieben. Bis zur Stunde sind 89 Liberale, 16 Vertreter der Ar- beiterpartei und 19 Anhänger Redmonds gewählt, also 124 Gegner des Oberhauses, denen 126 Konservative gegen- überstehen. Die Liberalen haben 7 Sitze gewonnen, die Unionisten 11, die Arbeiterpartei 1. Die Unionisten haben somit bisher nur einen Reingewinn von 3 Mandaten. Die konservativen Blätter sind auch über diese ge- ringen Gewinne sichtlich enttäuscht, für die ihnen das Anwachsen der konservativen Stimmen nur geringen Trost ge- währt. Und schon ziehen sie sich auf neue Komprom ißvor- schlage zurück. Sie erklären, der Radikalismus habe so schlecht wie möglich abgeschnitten, die R e g i e r u n g sei infolge der Wahl- resultate machtlos, und sie könne die Betobill weder durch- bringen noch Garantien vom König erhalten. Sie sagen ferner. daß die Konservativen nur sechs Monate lang fest zu stehen brauchen, um die Pläne der Koalition zu Nichte zu machen und mit einer siegreichen Majorität die Macht wieder zu erlangen. Sie nehmen an, daß die Regierung wahrscheinlich gezwungen sein wird, eine andere Konserenz zur Besprechung der Ber- fassungsfrage vorzuschlagen. Die liberalen Blätter verhöhnen zwar zunächst diese Bor- schlüge und bezeichnen die Behauptung, daß die Regierung ihre Vor- schlüge nicht weiter verfolgen könne, weil ihre Majorität nicht ge- wachsen sei, als kindisch. Taö besagt aber noch nicht, daß die Regierung nach geschlagener Wahlschlacht nicht doch noch auf Kam- promisse eingehen wird. Im übrigen stellt sich die liberale Presse über den Ausfall der Wahlen, namentlich in L o n d o n, noch ziem- lich befriedigt. Auch der Ministerpräsident A S q u i t h lehnte in einer Rede den Kompromißgedanlen ab. Er erklärte, die Liberalen forderten jetzt zum letzten Male, daß das Vetorecht der Lords demjenigen der K r o n e folgen solle, das tatsächlich mit dem Tode der Königin Anna erloschen sei. Asquith führte weiter aus, es sei ein Hauptpunkt der Politik der Regierung, daß sie, wenn daS Vetorecht der Lords begrenzt sei, dazu schreiten werde, das Plu- ralwahlrecht abzuschaffen und so die Scheinvertretung des Volkes in eine wirkliche Vertretung umzuwandeln. DaS R e- ferendum habe sich in anderen Ländern nicht bewährt. Doch Herr ASquith Ivar auch vor den Januarwahlen sehr energisch und setzte sich dann doch mit den Konservativen an den Konferenz- tisch. Und stärken werden die Neuwahlen die Position der Liberalen sicherlich nicht. Heute wird über 40 Sitze, darunter 22 in London, entschieden. Wahlergebnisse. London. 6. Dezember. Ter bekannte Unionist Smith ist in Liverpool mit 6383 gegen 5669 Stimmen wiedergewählt war- den. In Blackburne, wo sich vier Kandidaten in zwei Wahl- bezirken gegenüberstanden, erhielt der Vertreter der Ar- beiterpartei Snowden die größte Zahl von Stimmen. In Newcastle-on-Tync wurden heute der Liberale Edward S h o r t t mit 16 599 und der Anhänger der Arbeiterpartei Walter Hudson mit 16 447 Stimmen gewählt gegen die Unionisten Ridley und Clark, die 12 849 bezw. 12 915 Stimmen erhielten. In Sunderland erhielten Greenwood(liberal) 11 997 und Gold- stone(Arbeiterpartei) 11291 Stimmen; sie sind gewählt gegen Johnson Hicks(Unionist), der 19 369 bezw. gegen Samuel(Uniopist). der 10 132 Stimmen erhielt. Beide Sitze befanden sich bisher in den H ä n d e n der Unionisten. Unter den übrigen Gewählten befinden sich Genosse Mac- donald. der in Leicester wiedergewählt wurde, der Minister R u n e i m a n und der Nationalist O' C o n n o r, die rechte Hand Redmonds. politifcbe debcrHcbt. Berlin, den 6. Dezember 1910. Sind die Eisenbahnarbeiter mindern Rechts? Aus dem Reichstag. 6. Dezember. Die zweite Lesung deS ArbeitSkammcrgesetzcs kam heute nicht über den Z 12 hinaus. Der Haliptkampf drehte sich um die Frage, ob die Eiscnbahnarbeitcr gleichen Rechts mit den anderen Arbeitern oder ob sie mindem Rechts sein sollten. EL handelt sich dabei um den§ 7 deS Gesetzes, der bestimmt, >ver als„Arbeit nehmer" im Sinne des Gesetzes zu be- trachten ist. Die Regierung tvünschtc diesen KreiS der Berechtigten möglichst eng zu fassen. Die Sozialdemokraten traken für mög» lichste Ausdehnung der Bestimmungen ein, so daß alle Kategorien von Arbeitern zu den Arbeitskammern heran- gezogen werden. Die Kommission hatte den Einigungs- bemühungcn der Regierung insofern Rechnung getragen, daß sie Handlungsgehilfen jeder Art ausgeschlossen lassen wollte: sie hatte aber doch trotz des Widerstandes der Regierung den Eisenbahnarbeitern die ArbeitLkammern zugänglich gemacht durch Hinzufügung des Passus: Als Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Sinne herrschender Bestimmungen gelten auch die Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Fabriken und Werkstätlen der Eisenbahnen. Der Staatssekretär Delbrück, der schon in der Generaldebatte gegen diesen Passus sich ins Zeug gelegt hatte, gab sich auch heute die erdenklichste Mühe, den Beschluß zu vereiteln. Er berief sich auf den Z 6 der Gewerbeordnung, der nicht nur die Betriebsangestellten der Eisenbahn, sondern auch die Werkstättenarbciter ausschließe. Dann führte er natürlich alle die Bedenken ins Feld, hie vom Standpunkt der herrschenden Klassen es höchst unerwünscht erscheinen lassen, daß die Eisenbahnarbeiter sich organisieren. Er wurde unterstützt von dem Nationalliberalen Herrn S ch w a b a ch, der selbst früher Eisenbahnbeamter gewesen ist und auch jetzt als Hilfsbeamter sich bewährte. Die Genosseil Hoch und H u c machten demgegenüber energisch den Anspruch der Eisenbahnarbeiter auf gleiches Recht geltend. So wies Hoch auf den Widerspruch der Dclbrückschen Argumente zu dem Ztveck und Wortlaut des Gesetzes selbst hin. Das solle ja angeblich dem„Frieden" zwischen Unternehmern und Arbeitern dienen und den Schutz der Arbeiter vor Gefahren bezwecken. Wie könne denn die Regierung ihren Eisenba hnarbeitenr diese Wohltaten vor- enthalten wollen? Die Freisinnigen und Polen unterstützten diese Forderungen. Der Ehristlichsoziale Behrens und die Zentrumsredner konnten sich aber nicht enthalten, ihr Eintreten für den Kommissionsentwnrf durch Angriffe auf die Sozial- demokratie abzuschwächen. Bei der Abstimmung wurde zunächst die weitestgehende sozialdemokratische Fassung gegen Sozialdemokraten und Polen abgelehnt. Dann wurden die drei Absätze der Kommissions- fassung zunächst in getrennter Abstimmung angenommen. Bei der Gesamtabstimmnng über den Z 7 wurde die Auszählung, der sogenannte Hammelsprung notwendig. Dabei trennten sich die Lager so, daß f ü r die Kommissionsfassung die Sozialdemokraten, die Freisinnigen, die Polen und die Wirtschaftliche Bereinigung geschlossen, und außerdem noch eine Minderheit des Zentrums stimmten. Dagegen stimmten geschlossen die Konservativen. Freikonservativen. Nationalliberalen und die Mehrheit des Zentrums. Die Aus- zählung ergab 132 für und 115 gegen den§ 7. Die Rc- gierung hat also eine Niederlage erlitten. da sie die Einbeziehung der Eisenbahnarbeiter für un- annehmbar erklärte. Es muß sich nun zeigen, ob in der dritten Lesung diese Mehrheit zusammenhält, oder ob, wie das häufig schon geschehen ist. dann ein Teil der bürgerlichen Arbeiterfreunde wieder auf die Regierungsseite fällt. Auf Heydebrands Spuren. Der Konservative Landesverein Sachsens hat gestern km Dresdner„Künstlerhause" seine Generalversammlung abgehalten. Nach einer langen Rede des Herrn Dr. Mehnert nach Heydebrand- schem Muster wurde folgender, die nächsten Reichstagswahlen be- treffende Beschluß gefaßt: „Die konservative Partei Sachsen» sieht cS nach wie vor als die oberste Aufgabe des Staates und der bürgerlichen Gesellschaft an, die gr und stürzen den Bestrebungen der So- zialdemokratie unter Einsetzung aller Kräfte zu bekämpfe». Hierdurch ist ihr die Richtlinie für die ini nächsten Jahre bevorstehenden RcichStagswahlcn von selbst ge- geben.„Unversöhnlicher Kamps gegen dre Um- srurzpartei!" muß die Parole sein, unter der wir in die Wahlschlacht ziehen. Tankbar werden wir es begrüßen, wenn wir bei diesem Kampfe aus den Reihen der anderen bürgerlichen Par- tcicn kräftige Unterstützung erholten. Unerbittlich muß sich unser Kampf aber gegen diejenigen richten, die mittelbar oder uninittcl- bar die Sozialdemokratie fördern und für sie eintreten. Mit der Eozialdcmokr.:iie als Umsturzpartci darf es kein Paktieren geben! Für die Wahlen selbst ist anzustreben, daß die bürgerlichen Par- teien unter Unterlassung jeder Bekämpfung untereinander der gemeinsamen Front gegen die Sozialdemokratie eingedenk bleiben und wenig st ens für die Stichwahlen eine gegen- seitige Unter st ützung der Ordnungskandidaten sich zusichern. Wer von den bürgerlichen Parteien hierfür nicht zu haben ist, muß ebenso als Feind angesehen und behandelt werden, wie die Sozialdcmo- kratic selbst." Der Konservative Landesverein gab gleich eine kleine Probe, wie er sich den Kampf gegen die Sozialdemokratie denkt. Er ver- langte auf Grund gewisser Aeutzerungen aus Lehrerlreisen, daß die maßgebenden Instanzen ungesäumt die zur Aufrechterhaltung der Disziplin der Lehrerkreise notwendigen Borkehrungen treffen, Ein Skandal. Die Mannheimer„Volksstimme" veröffentlicht dieser Tage die sensationelle Meldung, daß auS den verseuchten Ställen des Prinzen von Löwenstein auf Schloß Langenzell in Laden krankheitsverdächtige Schweine verkauft w'o r d e n s ti e n. und zwar an Metzgermeister in Heidelberg, das Pfund z u' 4S Pf. Ter Normalpreis beträgt zurzeit 72 Pf. im Schlachtgewicht. Daraufhin hat der Direktor des Heidelberger Schlachthauses in einer Erwiderung erklärt, daß das Bezirksamt Neckargemünd zu diesem Handel seine Zustimmung gegeben habe. Es seien einmal 28 Schweine zur„sofortigen Abschlachtung" ein- geliefert worden. Das Blut sämtlicher Tiere hätte man laufen lassen; 5 derselben seien wegen akuter Schwcincscuchc beanstandet und als bedingt genußtau zlich erklärt worden. Später feien nocl' einmal aus denselben Ställen 12 Schweine nach Heidelberg gc- kommen, von denen drei der Abdeckerei übergeben worden seien. Der Schlachthausdircktor meint in seiner Erwiderung, daß-S besser gewesen sei, die Lieferung wäre unterblieben. Die Heidelberger Fleischcr-Jnnung erklärt ln einer Zuschnft an die Mannheimer..Volksstimme", daß sie machtlos dagegen sei. wenn einige Metzgermeister die Ferkelstecherei als Spezwlitat be- trieben. Eine Verantwortung für solche Art Geschäfte müsse sie ab- lehnen. Die badischen konservativen und klerikalen Blätter fuhren einen energischen Kampf gegen die Vieheinfuhr auS Frankreich, lieber die skandalösen Geschäfte eine- P r i n z e n. der noch dazu Vorsitzende der Landwirtschaftskammcr ist. aber schweigen sie sich Wollig aus. wie sie auch kein Wort der Kritik darüber finden, daß die Staatsbehörde den Handel mit kranken Schweinen zuließ. Ware der Besitzer dieser kranken Schweine ein gewöhnlicher Bauer gewqen, der Xbinb hätte sicher aus einem anderen Loch gepfisfen..„.. Noch ein anderer agrarischer Schwindel ist in Baden aufgedeckt worden, Die Badischc Landwirtschakts.kammer hat efntn Bericht auö Laden bürg in Lcr Presse bcrbrcitci, wonach dort„beinahe jeder Landwirt" in seinen Ställen fctteSch weine liegen habe, aber kein Mensch da sei, der sie taufe. Die Heidelberger Flcischcr-Jiinung sandte ihren Vertreter nach dem Städtchen, um die fetten Schweine aufzukaufen. Der Bürgermeister erklärte, die Meldung der Landwirtschastskammer sei falsch; ein Vichmakler des Lrtcs gab die gleiche Erklärung ab, und als man auf die Suche nach den fetten Schweinen ging, da entdeckte man schließlich ein ein- ziges verkäufliches Schwein. Ter Besitzer desselben der- langte dafür aber den Preis von 2 1 0 M k., so daß der Handel nicht Auslände kam. Vorsitzender de: Landwirtschastskammer ist, wie erwähnt, der Prinz Löwenstcin mit den kranken Schweinen. Gemeindewahlcn in Württemberg. Im Dezember finden in ganz Wüttemberg die Gemeinde- Wahlen statt. Das eine Jahr ist'ein Drittel der Mitglieder des Gemcinderats neu zu wählen, deren Amtsdauer sechs Jahre ist. Das andere Jahr wird um die Hälfte der' Mandate zum Bürger- ausschutz— Amtsdauer vier Jahre— gekämpft. Dieses Jahr ist der Lürgerausschuß an der Reihe. Gemeinderat(mit Bürger- meister) und Bürgerausschuß zählen gleich viele Mitglieder. Beide gehen aus der allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahl aller„Bürger" hervor. In Städten über 10 000 Einwohnern wird nach dem Proporz gewählt. Ter Bürgerausschuß hat etwa die gleichen Rechte und Befugnisse wie in Norddeutschland die Stadtverordnetenversamm- hing. Er hat den Etat mit festzustellen, ohne seine Zustimmung können neue Steuern nicht eingeführt, alte nicht erhöht werden. Einnahmen und Ausgaben, die nicht im Etat festgelegt find, be- dürfen seiner Genehmigung. Er hat auch die Kontrolle über die Gemeindeverwaltung auszuüben. Ferner kann er Anträge an den GeMeinderat stellen, über die dieser Beschluß fassen muß. Zurzeit hat die Sozialdeniokratie in 128 Orten 318 Vertreter im Bürgcrausschuß sitzen. Das Wachstum der Sozialdemokratie in der Gemeinde wird am besten illustriert durch das Anwachsen der sozialistischen Stimmen bei den Bürgcrausschußwahlen in Stuttgart. Wie erhielten Stimmen im Jahre 1900: 2004; 1902: 3028; 1904: 5031; 1900: 7093; 1908: 8043 gleich 39 Proz. aller abgegebenen Stimmen. Dieses Jahr eröffnete die altbcrühmte Reichsstadt Eßlingen am 1. Dezember den Neigen. Unsere Genossen holten sich in der Proporzwahl von 10 Mandaten gleich die Hälfte, fünf. In L u d w i g s b u r g, der zweiten Residenz des Landes, beginnt es auch zu tagen. In diesem württembergischen Potsdam haben Unsere Genossen sehr schwer zu arbeiten. Vor zwei Jahren gelang es zum erstenmal, einen Sozialdemokraten in den Bürgerausschuß zu schicken. Dieses Jahr haben die Genossen den zweiten Mann hinein- gewählt. Stuttgart wählt am kommenden Freitag. Ein fortschrittlicher Reichstagsknndidat für Teltow- Bceskow. � Die Fortschrittliche Volksparlei hat älS Zählkandidaten für die nächste Neichstagsivabl im Kreise Teltow-Beesko-v den Charlotten- burger Stadtrat Professor Dr. Spiegel aufgestellt. Darauf gewählt zu werden, wird Herr Spiegel selbst kaum rechnen; denn die Frei- sinnigen erhielten bei der letzten Wahl nur ungefähr ein Fünftel der abgegebenen Stimmen. Es fielen nämlich auf den Genossen Zubeil 104 104, auf den Konservativen 52 490 und auf den Frei- sinnigen nur 39 000 Stimmen. Landtagsersanwahl in Hirschberg. ®,(;i der gestrige» Londtagsersatzwahl in Hirschberg-Schönau («chlesie»), die infolge deS Todes des fortschrittlichen Abg. Wagner notig geworden ist, wurden im ganzen 390 Slinimen abgegeben; davon entfiele» auf den Kandidaten der Fortschrittlichen Bolkspanei Wenke, Rentier in Hirschberg in Schlesien, 203, auf Landgerichts- rat a. D. Seydel i» Hirschberg i. Schl. snatl.) 187 Stimmen. Wenke ist somit gewählt. Die Fortschrittliche Volkspartei verdankt das Mandat der sozialdemokratischen Unterstützung. Erst das Geschäft, dann Politik und Religion. Herr Matthias Erzberger hat schon wieder einen Nasenstüber -von einem Zentrumsblatt. Die„Schlesische Volkszeitniig" schreibt: -- o Abgeordnete Erzberger gibt in seiner Korrespondenz seit einiger Zeit wieder allerlei Informationen über Interna aus der Zenirumspartei zum besten, beschwert sich dabei jedoch über die liberalen Blätter, daß diese sich mit derlei Sachen befassen. - Unseres �rachtens täte auch der Abg. Erzberger gut, seiner Rede- und Schrciblnst wieder einmal envas die Zügel anzulegen und . vorab den Dingen ruhig ihren Lauf zu lassen.' _ Herrn Erzberger wird diese Mahnung wenig quälen, den» seine Ausplauderei vo» allerlei„Interna aus der Zentrumspartei' bringt 'bm manche Mark ein und Herr Erzberger hat einen entwickelten Geschäftssinn. Marine und kommunale Selbstverwaltnng. �>uer der Saupttrümpse, die die Führer des bürgerlichen Blocks in der Wahlagitation für die Stadtverordnetcnwahlen in Kiel gegen die Sozialdemokratie ausspielen, ist die Behauptung, eiue sozialdemokratische Mehrheit würde wegen der Stellung der Sozlaldemolratie zur Marine den wirtschaftlichen Zusammenbruch der«ladt Kiel bedeuten. Die bürgerlichen GeschästSpvlititcr in der Klclcr Stadtvertrctung befleißigen sich denn auch gegenüber der Manne einer Geschenk- und Scrvilitätspolitik, die sich nicht gut überbieten nur damit ihnen die Gnadensonne der Marine scheint. Tic Manncverwaltung quittiert dieses Bauchrutschen vor ihr durch Fußtritte aus das Bürgerrecht und die kommunale Selbst» Verwaltung..Im Tage vor den Stadtverordnctenwahlen z. B. mußte der Paiizerlrcuzer v. d. Tann eine mehrtägige Probefahrt in Soe antreten, ungefähr I..0 Arbeiter der Reichswerst mußten die Probefahrt imtmachcn und konnten deshalb ihr Bürgerrecht nicht ausüben. Dos stärkste Stuck aber, das sich die Marineverwaltung gegen die Selbstverwaltung geleistet hat. deckte der Genosse Adler in der letzten Stadtvcrordnetensttzung auf. Die Debatte drehte sich um die Verteidigung der kommunalen Selbstverwaltung Dabei machte der Genosse Adler zur allgemeinen Verdutztheit der büraer- lichen Stadtverordneten die Enthüllung, daß der Kieler Magistrat schon seit geraumer Zeit, ohne daß er den Stadtverordneten davon Mitteilung gemacht hat. der Marineverwaltung sämtliche Pläne ' über Straßenanlagen erst zur Genehmigung unterbreitet. Die Marineverwaltung hat es verlangt mit Berufung darauf, daß Kiel eine Festung sei. Der Magistrat war der Meinung, daß Kiel un. möglich ein Festung sein könne, weil draußen. 10 Kilometer von Kiel an der Außenforde Küstenforts errichtet sind. Er wandte sich beschwerdeführend an den Minister, der aber entschied zugunsten der Marineverwaltung. Stillschweigend wurden von jener Zeit alle Pläne der Marineverwaltung zur Genehmigung unterbreitet. ohne daß die Stadtverordneten etwas davon wußten. Die bürgerlichen Stadtverordneten waren über die Enthüllung sehr erstaunt' aber niemand tat den Mund zu einem Protest auf. So verteidigt das Bürgertum die Selbstverwaltung. Ein befremdlicher Rechtsgrundsatz. „ Der Redakteur der„Deutsch- Ostafrikanischen Zeitung". W- von Roy ist wegen Beleidigung hoher Kolonialbeamter KU vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wie wir der „Norddeutsche,, Allgenicinen Zeitung" entnehmen, hatte der verurteilte Redakteur hohe Beamte deS Gouvernements, unter anderen den Vertreter des Oderrichters, RcgierungSrat Knake, mit einem Eulenburgskandal in kompromittierende Verbindung gebracht, ferner hatte er den Gouverneur von Deutsch-Osiafrika, Jrcihcrrn von Rcchenbcrg, und den Referenten Freiherrn von Wächter homosexuellen Geschlechtsverkehrs bezichtigt. Nach dem.Gerichtscrkenntniü ist der Beklagte den Wahrheitsbeweis für diese Behauptungen schuldig geblieben und deshalb zu der erwähnten Freiheitsstrafe verurteilt ivordcn. Die Höhe der Strafe gibt zu besonderen Bemerkungen keinen Anlaß, viel- mehr erscheint sie relativ milde, wenn man sie mit den Strafen vergleicht, die Ivegcn viel geringfügigerer Ehren- kränkiingeii in Deutschland selbst gegen sozialdemokratische Redakteure verhängt zu ivcrden pflegen. Befremdlich dagegen erscheint uns ein Passus des Urteils, der nach der„Nord- deutschen Allgenieinen Zeitung" folgendermaßen lautet: „Wenn schon nach heimischen Begriffen es unzulässig ist, jemand in der Achlung seiner Mitmenichen herabzusetzen, indem das Recht ans Achtung der Person über das Rech: ans Aufllärung eines fubjeliiv cinpsimdenen Mißstandes gestellt wird, um so mehr muß dieser Grundsatz Geltung haben in einem Lande, wo sich die Herrschaft der weißen Rasse auf den Grundsatz des Autoritätsbewußi- seins gegenüber der beherrschten farbigen Nässe gründet, und w o jede Mitteilung an Schwarze über tatsächliche Verfehlungen W eißer verpönt i st. Jnsbesnndere muß dieses dann gelten, Denn über Personen, wie der Gouverneur, welche der schwarzen Rasse gegen- über die Slaatsautoritül in ganz besonderer Weise vertreten, der- altige unwahre Gerüchte verbreitet werden." Hier wird also der geradezu unglaubliche Grundsatz auf- gestellt, daß in unseren Kolonien Weiße niemals ihnen bekannt gewordenen Verfehlungen anderer Weißer dadurch nachgehen dürften, daß sie sich nnt Eingeborenen zum Zwecke von Re- chcrchen und einer notwendig werdenden Beweisführung in Ver- bindung fetzen. Wäre dieser Grundsatz richtig, so wäre ja jeder Beamte oder Ansiedler in den Kolonien völlig davor geschützt, wegen Verfehlungen an Eingeborenen jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden. Daß unsere Kolonialpresse diesem Grundsatz zustimmt, entspricht ja völlig dem brutalen und hochmütigen Hcrrenstandpunkt den Eingeborenen gegen- über. Doch müssen wir den schärfsten Protest dagegen er- heben, daß auch die Gerichte in unseren Kolonien sich einen solchen Grundsatz zu eigen machen. Wegen Misthandluna Untergebener in mindestens &»v Fällen war durch Urteil des Kriegsgerichts der 9. Division in Glogau vom 3. November d. I. der im 8. Jahre dienende Sergeant Lewitzky von der 3. Kompagnie des Infanterieregiments 154 in Jauer zu der überaus milden Strafe von sechs Wochen Mittelarrcst verurteilt worden. Wegen des zu niedrigen Strafmaßes und weil nicht auch auf Degradation erkannt worden ist, hatte der Gerichtshcrr Berufung eingelegt. Die strafbaren Handlungen, deren sich der Angeklagte schuldig gemacht hat, liegen bereits zwei Jahre zurück und kamen erst zur Sprache, als der wegen der Mißhandlungen durch den Angeklagten fahnenflüchtig gewordene Musketier Kubitzki im Juli d. I. wieder ergriffen worden war. Im Herbst 1908 war dem Angeklagten, der damals noch Unteroffizier war, die Ausbildung von Rekruten über- tragen worden. Nach seiner Behauptung bestanden die seiner Ab- teilung zugeteilten Leute aus besonders schwer zu behandelnden Elementen. Aus diesem Grunde hätten die Leute schärfer ange- faßt werden müssen, um sie zu brauchbaren Soldaten zu machen. Wie die Beweisaufnahme ergab, bestand die Erziehungsmethode des Angeklagten darin, daß die Rekruten, die sich etwas zuschulden hatten kommen lassen, bis zur vollständigen Erschöpfung das Gewehr und in der Kniebeuge Schemel �strecken mußten. Diese Uebungen dauerten des öfteren 5 bis 7 Stunden. Stöße vor die Brust, Schläge mit der Säbelscheide auf die Handrücken und das Gesäß, Schläge mit der Faust auf die Nase, daß sie blutete, waren nichts seltenes; in einem Falle stieß der Angeklagte einen am Boden liegenden Soldaten mit dem Stisclabsatze ins Kreuz, einen anderen mit dem Gewehr ins Gesicht. Von der Gesamtzahl der zur Anklage stehenden 250 Fälle wurden 43 unter Mißbrauchs der Waffe und vier von diesen als besonders schwere festgestellt. Der Anklagevertreter beantragte unter Aufhebung des ersten Urteils auf eine Gesamt st rase von drei Monaten Gefängnis und auf Degrq- d a t i o n zu erkennen. Trotzdem dem Angeklagten von seinem Koinpagniechef das denkbar beste Zeugnis ausgestellt wurde, ging das Oberkriegsgcricht in Posen über den Strafantrag recht erheb- lich hinaus, denn die Strafe wurde auf sechs Monate Ge- f ä n an i i bemessen und außerdem aus Degradation erkannt. Die Erziehungsmethode, deren sich der Angeklagte bedient habe, heißt es im Urteil, sei eine durchaus verwerfliche gewesen, sie sei als eine Feigheit anzusehen, die zur Mißachtung der Autorität der Vorgesetzten führen müsse.— Wegen der Höhe der erkannten Strafe und um die Disziplin nicht zu gefährden, wurde auch die Verhaftung de? Angeklagten verfügt. fratikreich. Da?„Attentat" gegen Briand. Paris» 6. Dezember. Das Zuchtpolizeigericht verhandelte heute gegen de» Camelot du Roy L a co u r, der am Tage der Ein- wcihung des Fcrry-DenkmalS den Ministerpräsidenten Briand zu schlagen versuchte. Der Verteidiger Lacourö beantragte, den Fall vor die Geschworenen zu verweisen, da es sich um vorsätzliche Körperverletzung handele. Der Gerichtshof beschloß, diese Frage im Endurteil zu erledigen. Auf Befragen erklärte Lacour. er habe Briand talsächlich mil seinem Schlage getroffen. Der Verireter der Anllagebehörde verlas daraus eine Erklärung B r i a n d s. worin dieser angibt, er sei nicht getroffen wurden. Leon Daudet, der Herausgeber der.Actio» francaise", der als Entlastungszeuge auftrat, sagte aus. Lacour habe einfach die Befehle der„Actio» francaise" ausgeführt. Kleine Chronik der Briandscheu Reaktion. Paris. 2. Dezember.(Eig. Ber.) Die Affäre der beiden Re- dakteure der„Guerre Sociale", die erst durch die Drohung mit dem Hungerstreik die Behandlung als politische Gefangene erzwingen konnten und die wegen einiger Artikel verfolgt werden, die sie weder verfaßt noch als verantwortliche Redakteure zu vertreten haben, ist ein Beispiel davon, wie es ltnter der jetzigen Ordnungsdiktatur mit der Freiheit der Presse aussieht. Ein anderes Beispiel bietet die Art, wie sich die Regierung die oppositionelle Wochenschrift „Oeuvre" vom Hals zu schaffen sucht. Der Herausgeber dieses Blattes, Herr Teil), ist sicher keine Persönlichkeit, der das Amt als Kritiker der öffentlichen Moral zukommt und im„Oeuvrp" stehen oft genug Artikel, die es eher zum ordinären Skandalblatt stempeln als zum Wortführer einer politischen Opposition, aber darum bleibt das von der Polizei gegen diese Revue angewendete Mittel gleichwohl ein unverhüllter Willküralt. Man hat nämlich den öffentlichen Berkaufsstellen auf den Bahnhöfen und den Kiosken einfach das Auflegen der neuen Nummer untersagt. Die Nummer ist nicht gerichtlich mit Beschlag belegt worden und ihr Inhalt wird nicht zum Gegenstand einer Anklage gemacht; es liegt also eine bloße Polizcivcrfügung vor. Die Anordnung übertrifft sogar die in Teutschland üblichen Bahnhofsvcrbote gegen un- bequeme Zeitungen, weil weder die Bahnhöfe noch die Kioske Staatseigentum find. Die Furcht von der Konzeffionscntziehung sichert ebc.r die AusjüZrung des ungcjetzliKen Befehls. Die Justiz von-Ronen hat ein neues Klassenurteil gelicfcrk. Ein Arbeiter, der in Havre einen Streikbrecher verprügelt hatte, war vom dortigen Zuchtpolizeigericht zu der sicher strengen Strafe von 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der öffentliche An- tläger fand das aber zu tvenig und meldete die Berufung an. lind jetzt hat in der Tat der Appcllhof von Ronen die Strafe auf 13 Monate crhöhtl, Hrnrnfca. Gegen die Einwanderer. New Aork, 0. Dezember. Die seit drei Jahren eingesetzte Einwandcrungskom Mission legt dem Kongreß einen vierzigbändigcn Bericht vor. Sie erklärt, die Ein- Wanderung sei nicht mehr eine wirtschaftliche Not- wendi gleit und trage daher zur Bena chteiligung des amerikanischen Arbeiters bei. Die Kommission verlangt einstimmig den A.u s s ch l u ß unverheirateter, u n g e- lernter Arbeiter, ferner den Ausschluß von Analphabeten wie die direkte Beschränkung derKopfzahl der Einwanderer in geivissen Fällen. Auch soll jeder Einwanderer ein Hcimats- zeugnis vorweisen._ Ein seiner Plan. New Jork» 20. November.(Eig. Ber.) Da die Politikanten Milwaukees trotz der in Anwendung gebrachten Kniffe und ihrer Tücken die Erwählung des Genossen Viktor B e r g e r zum Re- Präsentanten, und damit den Einzug des ersten Sozio'isten in den Kongreß nicht zu verhindern vermochten, wollen sie es jetzt mit anderen Mitteln versuchen, um den Willen der Wähler nachträglich zu korrigieren. Wie aus Milwaukee gemeldet wird, wird der unserem Genossen Berger unterlegene republikanische Gegenkandi- bat Cochem an den Kongreß bei dessen Zusammentritt das Ver- langen stellen, Berger auszuschließen, weil er ein Feind der derzeitigen Verfassung und ein Re- volution är sei. Nun steht ja allerdings dem Repräsentanten- haus das Recht zu,„die Resultate der Wahlen und die Befähigung seiner Mitglieder zu prüfen" und„seine Mitglieder wegen un- würdigen Betragens zu bestrafen und Mit Zweidrittelmehrheit auszustoßen"; aber in dem Falle Berger liegt auch nicht der ge- ringste Anhaltspunkt für eine Anwendung jener Bestimmungen vor. Und der Einwand mit der Feindschaft Bergers gegen die Ver- fassung, die der ehrenwerte Herr Cochem für ein Rührmichnichtan auf ewige Zeiten zu halten scheint, ist zu einfältig, um Worte darüber zu verlieren.__ Hus der Partei. Der„Wahre Jakob" unter Anklage. Gegen den Genossen Heymann, Redakteur deS„Wahren Jakob', wurde bekanntlich wegen der fogenaniiten Pfaffen» nummer ein gerichtliches Verfahren eingeleitet. Nunmehr ist, wie unS ein Telegramm aus Stuttgart meldet, das Hauptverfahren gegen den Genossen Heymann vor dem Schwurgericht in Stuttgart eröffnet worden. Den Versuch, aus dem Jnhalr der Nummer eins Anklage wegen G o t t e S l ä st e r u n g zu koiistruieren. hat man fallen gelassen, dagegen Anllage wegen— Verbreitung unzüchtiger Schriften und Abbildungen erhoben. Die beleidigte Majestät. Bekanntlich war die Broschüre des Genossen Wendel„Hie Fleischnot— hie Gottesgnadentum' beschlagnahmt Ivorden. Nim hat Genosse Wendel eine Anklage wegen M a j e st ä t s» beleidigung erhalten, desgleichen der Verleger und der Buchhändler._ Erfolgreiche Gemeiudewahl. Bei den Stadtverdnetenwahlen der dritten Abtcilnng in D e t« in o l d wurden am Montag zum ersten Male zlvei Ge» nassen gewählt._ Soziales. Die Aussperrung der Bühnenarbeiter am Reuen Opercttrn-Theator beschäftigte gestern wieder die 0. Kammer des Gewerbegerichts. Die sieben ausgesperrten Bühnenarbeiter, die trotz der verein- barten 14tägigen Kündigungsfrist fristlos entlassen wurden und denen bei Lösung deS Arbeitsverhältnisses selbst der rückständige Lohn nicht ausbezahlt wurde, hatten das Gewcrbcgericht angerufen. Der Direktor Palfi, der noch im Sühnetermin jede Einigung mit den Klägern schroff abgelehnt und die Gültigkeit der von den Arbeitern errungenen Vertragsbestimmungen mit so sonderbaren Gründen angefochten hatte, ist wohl durch unsere Darlegungen zu einer anderen Auffassung bekehrt. Er erschien zum gestrigen Termin nicht selbst, sondern ließ das Unternehmen durch den Rendantrn Walter vertreten. Dieser erkannte die klägerische» Forderungen abzüglich der Versicherungsbeiträge an. Bei zwei der Kläger wollte er allerdings noch eine Schadcnersatzfordcrung im Betrage von je 00 M. gegen die Lohnforderungen aufreckincn. Da aber die Kläger mehr als 125 M. monatlich nicht verdienten. war die Aufrechnung gesetzlich unzulässig, und so wurde denn im Wege der Widerklage die Forderung geltend gemacht. Die beiden Kläger und Widerbeklagten P. und R. wurden beschuldigt, einen BcleuchtungSrahmen vorsätzlich zertrümmert zu haben. Die Vor- sätzlichkeit wird daraus gefolgert, daß das Unglück sich während der Kündigungsfrist ereignete. Die Beweisaufnahme fiel völlig zugunsten der Kläger aus. Nicht einmal Unvorsichtigkeit konnte als vorliegend erachtet werden. Der Prozcßvertrctcr de» be- klagten Unternehmens zog darauf hin die Widerklagen zurück und übernahm die Verpflichtung, die klägerischen Forderungen, die sich zwischen 70 und 121 M. bewegten, und sich zusammen auf 002,54 M. belaufen, zu bezahlen. Der Kampf um die kaufmännische Krankenkasse in Hamburg ist seitens der bürgerlichen Elemente nach dem bekannten Grund» satz:„Der Zweck heiligt die Mittel" geführt worden. Bei früheren Wahlen haben unsere Parteigenossen gut abgeschnitten, was von Leuten, die die Kasse als ihre Domäne betrachteten, zum Vorwand genommen wurde, der Sozialdemokratie alle? inögtiche anzudichten. Als trotzdem jene WahrheitSfrcunde einen Reinfall befürchteten, trat der— Hamburgische Verband zur Bclämpsung der Sozialdemokratie den Plan, der ein Flugblatt verbreiten ließ, in dem folgende schöne Stelle enthalten ist: „Unermüdlich ist die Sozialdemokratie bestrebt, auch diese Kasse als die letzte der hiesigen 19 Ortskrankcnlasscn in ihre Ge- walt zu bekommen. Wenn ihr der Plan gelingt, danu sind 29 900 bürgerliche Mitglieder entrechtet, dann kann die sozial- demokratische Partei ungehindert über die reichen Mittel der Kasse, die sich auf über 2s4 Millionen Mark an Reservefonds und Jahreseinnahme» belaufen, zugunsten ihrer Genossen verfügen." Am Sonntag haben die Vertreterwahlen zur kaufmännischen Krankenkasse stattgefunden. Unsere Genossen, die in dem Sudel» blatt als Kassenräuberbande hingestellt werden. Iiabcn 059. die Gegner 129o Stimmen erhalten. Mehr als 27 009 HaiidlungS» gehilfe» haben sich also der Wahl ferngehalten. Auf diesen mit ..allen Mitteln errungenen Sieg können die Kürgerlichen nicht besonder» stolz sein. CewerkfcbaftUcbc«?. Jefuitenkniffe. Der christliche Gcwerkschaftssekretär und Abgeordnete I m b u s ch unternimmt es in einein Artikel im„Tag", der großen Oeffentlichkcit die rechte Meinung von der Berg- arbeiterbeivegling im Ruhrbecken beizubringen. Ein garstig Lied, daS er da zinn Vortrag bringt. Um das unkollegiale Verhalten des christlichen Geiverkvereins zu beinänteln, hat er seine Leier arg auf den Politischen Ton gestimmt. In echter Jesnitenmoral wehklagt er, daß wirtschaftliche Fragen mit Politischen Zwecke» verknüpft werden, denn die Lohnbewegung diene nur politischen Zwecken: der Sozialdemokratie. Jmbusch schreibt u. a.: „Der Sozialdemokratie küme ans politischen Gründen ein Streik, der verloren geht und deshalb vielen Unmut und Er- bitterung auslöst, gar nicht ungelegen. Auf der schon erwähnten VertrauenSntnnncrversaininlung des Gewcrkvcreins christlicher Bergarbeiter wurde cS ganz offen ausgesprochen, daß die Sozial- deinokratie aus der Lohnforderung und deren Begleiterscheinungen für sich politischen Gewinn bei den nächsten Neichstagswahlen er- hoffe. Diese Partei sehut sich geradezu danach, in dieiem Niesen- arbciterbczirk endgültig und allgemein ihre Fahne zu hissen. Bis- her sieht eS in dieser Beziehung nicht gerade glänzend aus. Ihre bisherigen Mandate dortselbst hat sie nach hartem Kampf mit knapper Not in der Stichivahl erhallen und befürchtet jetzt, es könnte auch mal anders kommen." Eine rege Phautasie, die Jmbusch in diesen Zeilen zeigt I Wer von ivirtschaftlichen und politischen Dingen etwas versteht, wird zugeben müssen, daß es eine etwas sehr kost- spielige Wahlagitation wäre, wenn der Bergarbeiterverband im Ruhrrevier, in dem ZöOlXX) Bergarbeiter beschäftigt werden, einen Streik deshalb ins Leben rufen würde, um einer politi- schen Partei zu nützen. Nein, die Wahlagitation ist billiger zu haben: die Taten des schwarz-blauen Blocks und in Sonder- heit die dcS Zentrums geuiigen vollauf, uin die Wähler mobil zu»lachen. Dabei reden wir von dem hanebüchenen Unsinn noch gar nicht, den ein so großer Politiker wie Jmbusch mit solcher Fruktifizierung ausspricht. Die Situation im Bcrggewerbe— das Sinken der Arbeitslöhne, die Rechtlosmachung der Arbeiter tc.— ist wahrlich zu ernst, als daß man mit solchen Jesuitenkniffcn über die Wirklichkeit hinwegtäuschen könnte. Sonderbare Begriffe von de» Aufgaben der Gew"' k'chaften muß doch Jmbusch haben! Jahrelang mühsam aufgesparte Gelder sollten zu Huiidcrttauscnden verbraucht werden, nur um einem Abgeordneten in den R.' Illag zu verhelfen. Solche Unterstellung sollte selbst ein christlicher Führer unseren Ge- ivcrkschaften nicht machen. Und diese christlichen Herren be- klagen sich noch obendrein bitter über die Verleumdungen, denen sie angeblich vom alten Verband ausgesetzt sind. Kann es eine größere Verleumdung für eine Verbandsleitung geben, als sie hier Jmbusch beliebt? Wir replizieren nicht damit, daß jemand auf solche Ideen eigentlich nur kommen kann, wenn er selbst hinter dem Busch gesteckt hat, sondern wir hoffen, daß selbst den Lesern des„Tag" diese Mär im Reichsverbandsstil zu albern ist, um ernst genommen zu iverden. BerUn und Clmacgcnd. Achtung, Dcrgolder und Goldlcistcnarbeitcr! Bei der Firma Goldslhmidt u. Co., Hamburg- Eilbeck, Hasselbrookstr. 33, be- finden sich die Kollegen wegen Preisdifferenzen im Streik. Da die Firma versuchr, Arbeitswillige heranzuziehen, selbst»ül Hilfe von Agenten, werden die Kollegen ersucht, Arbeitsangebote zurückzuweisen. Zuzug ist st r e n g fernzuhalten. Die Zentralkominission der Vergolde r. Oeutriedes Reich. Die Arbeitsverhältnisse im Chemigraphen- und Kupferdruckgcwcrbe sind aus einer vom Tarifamt soeben bearbeiteten Statistik zu ersehen. Hiernach gehören der Tarifgemeinschaft des Gewerbes Firmen an. Von 8 Firmen mit 19 Gehilfen ging kein Material ein. Die 134 tariftreuen Firmen beschäftigen 2249 männliche und 16 weibliche Gehilfen, die sich auf 19 verschiedene Berufe verteilen. Außerdem war von 18 nichttaristreuen Firmen mit 138 Gehilfen Material eingelaufen. Durch die gegenseitige Organisationsverpflichtung ist seit 1993 die Zahl der tariftreuen Prinzipale von 54 auf 142, der Vcrbandsgehilfen von 696 auf 2511 gestiegen, so daß heute 93,5 Prozent aller Gehilfen organi- siert sind.— Im festen Wochenlohn arbeiten 2211 Gehilfen und 99(sämtliche) Kupferdrucker im Akkord. Im Jahre 1963 war der Lohn bei 12,7 Prozent der Gehilfen nocl» unter dem Minimum, heute dagegen ist er es nur noch für'A Prozent. Mehr als das Minimum erhalten heute 99,6 Prozent aller Gehilfen. Der Durch- schnittswochcnlohn beträgt 35,74 M.— Die Tauer der Arbeitszeit ist bei 2134 Gehilfen oder 89,4 Prozent eine 48stündigc pro Woche; 84 Gehilfen arbeiten weniger als 48 Stunden und 198 arbeiten länger. 95 Prozent aller Gehilfen sind bei tarifmäßiger Arbeitszeit beschäftigt.— Die Zahl der Lehrlinge ist seit 1993 von 253 auf 597 oder um 193,9 Prozent gestiegen, während zu gleicher Zeit die Zahl der Gehilfen um 137,3 Prozent stieg. Es ist demnach ein wesentlicher Rückgang der Lehrlingszahl zu verzeichnen. Ta die prozentuale Zunahme der Gehilfenzahl eine größere ist, als die der Lehrlinge, so haben die Unternehmer eine Aendcrung der Lehrlingsskala beantragt und zwar dahingehend, daß schon auf 1 bis 3 Gehilfen ein Lehrling gehalten werden kann, nach den jetzigen Tarifbestimmungen darf auf 1 bis 4 Gehilfen ein Lehrling gehalten werden. Das Tarifamt wird in nächster Zeit hierüber entscheiden.— Auf dem Arbeitsnachweis waren im ersten Halb- jähr 1919 durchschnittlich wöchentlich III oder 4,6 Prozent aller Gehilfen als arbeitslos eingetragen. Lohnbewegungen im Bildhanergewerbe. Die Steiubildhauer in Hamburg flehen seit zirka 6 Wochen in einer Tarifbewegung. Sie wünschen durch kollektiven Arbeits- vertrag festgelegt, was schon bisher im allgemeinen üblich war bei allen besseren Firmen in Hamburg: siebenstündige Arbeitszeit und einen Lohn in Höhe des bisherigen Akkordverdienstes. Gegen letzteres wenden sich die Unternehmer, die behaupten, in Lohn nicht dasselbe wie in Akkord zahlen zu können. Als mehreren Gehilfen größere Akkordarbeiten angeboten wurden, lehnten sie das ab. andere schloffen sich dem an, die übrigen erklärten sich solidarisch, nachdem die Unternehmer einen Gegeiltarif den Gehilfen aufoktroyieren wollten. Somit be- finden sich jetzt sämtliche Steiubildhauer in Hamburg, gegen 49, im Ausstande. Zu weiteren Verhandlungen erklärten sich die dem Arbeitgeberschutzverbande des Baugewerbes ongehörigen Unternehmer nur dann bereit, wenn vorher die Arbeit wieder ausgenommen und die Warnung vor Zuzug im„Hamburger Echo" verhindert wird. Darauf konnten die Gehilfen nicht eingehen. Die Konjunktur in Hamburg ist zurzeit günstig. Da die Unternehmer bestrebt sind, Kräfte von auswärts heranzuziehen, ist Zuzug streng fernzubalten. Die Steinvildhaner im Kmiiatorimn in Dresden hatten wegen des überaus gesundheitsschädlichen Arbeiten? in den Innen- räumen dieses Baues mit den in Betracht koinmenden zwei Finnen die 6Vr d e b e t r i e b e. Abg. Irl sZ.) begründet einen Antrag, auch diejenigen Per- sonen, die nicht bloß borübergehend und gelegentlich für andere Gewerbetreibende außerhalb der Arbeitsstätten der letzteren mit der Anfertigung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt sind, als Arbeit- nehmer im Sinne dieses Gesetzes zu betrachten. Abg. Dr. Potthoff(Vp.): Wenn die Eisenbahnarbeiter der Geiverbeordnuiig nicht unterstehen, so folgt daraus nicht, daß sie kein Koalitionsrecht haben, sie haben dann nicht das durch die Gewerbeordnung beschränkte Koalitionsrecht, sondern das nach dem Reichsvereinsgesetz allen Staatsbürgern zustehende Recht, sich zu erlaubten Zwecken zu vereinigen. Wenn nun auch die Eisenbahnarbeiter zweifellos nicht der Gewerbeordnung unterließen, so trifft das nicht zu für die in den Fabriken und Werkstätten der Eisenbahnen, in den Nebenbetrieben der Eisenbahnen beschäftigten Arbeiter. Allerdings sind durch die Bemühungen der preußischen Regierung die Gerichte dahin gekommen, die Arbeiter auch dieser Nebenbetriebe der Eisenbahnen als nicht der Gewerbeordnung unterstehend an- zusehen. Den Antrag Irl lehnen wir ab. da er keine Verbesserung. sondern eine Verschlechterung deS§ 7 ist. Der Antrag Albrecht ist mir grundsätzlich sympathisch und in der Kommission habe ich ihm zugestimmt. Er würde die Arbeits- kammern und ihr Tätigkeitsgebiet sehr ausdehnen. Er ist jedoch in der Kommission abgelehnt und könnte jetzt nicht ohne eine wesentliche Umgestaltung des Gesetzes angenommen werden. Damr könnte das Gesetz jetzt nicht erledigt werden. Da uns aber daran liegt, so werden wir gegen ihn st i m m e n. — Dann empfehle ich Ihnen noch, einen von uns eingebrachten An- trag zu K 7 anzunehmen, wonach Betriebsbeamte, Werk- nr ei st er, Techniker, Handlungsgehilfen und Hand- l u n g s l e h r l i n g e von dem Gesetz ausgenommen werden. Diese Personen gehören in eine K a u f ni a u n s k a m m e r. Die Kommission hat zwar in einer Resolution sich für eine Kaufmanns- kammer erklärt, aber diese Resolution ist nur eine Seifenblase oder ein fauler Wechsel auf die Zukunft..Die Kaufmannskammern könnten sehr wohl durch Hinzufügung von etwa zwei Paragraphen in das Gesetz hineingearbeitet werden. Staatssekretär Delbrück: Durch höchstinstanzlicheS Urteil ist erst neuerdings entschieden, daß die Arbeiter in Fabriken und Werkstätten der Eisenbahnen nicht unter die Bestimmungen der Gewerbeordnung fallen. Diese Nebenbetriebe unterstehen also auch nicht denGe- w e r b e i n s p e k t o r e n. Damit steht es nicht in Widerspruch, wenn sie in einzelnen Bundesstaaten aus Zweckmäßigkeitsgründen doch der Aufsicht von Gewerbeinspektoren unterstellt sind. Im übrigen kann ich nur wiederholt erklären, daß, ganz abgesehen von der Rechtslage, die Regierung auf dem Standpunkt steht, daß es im öffentlichen Interesse liegt, wenn weder die B e st i m in u n g e n der G e- iverbeorduung n och die Best immun gen dieser Vor- läge auf die Arbeiter der Eisenbahnbetriebe An- Wendung finden. Ferner bitte ich Sie. die Vorlage nicht noch mit der Ausdehnung aus die Handlungsgehilfen zu belasten. Abg. v. Boll» sk.) wendet sich gegen die Einbeziehung der Fabriken und Werkstätten der Eisenbahnen. Wir müsse» alles tun, um eine Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs zn verhindern. Abg. Schwabach snatl.): Meine Freunde werden ebenfalls für die Streichung des Beschlusses der Kommission in bezug auf die Eisenbahnarbeiter stimmen. Diese Betriebe sind keine gewerb- lichen Unternehmungen, denn sie produzieren lediglich für den Bedarf der Eisenbahnen. Es sind Teile eines großen Ganzen, auch ihre Krankenkaffeneinrichtuugen sind einheitlich geregelt. Der große Trierer Verband umfaßt alle Kategorien dieser Arbeiter und schließt das Streikrecht aus. Der Beschluß der Kommission wäre auch wirkungslos, denn das Bedürfnis nach Einrichtung von Eisenbahnarbeitskammern würde von den Eisenbahnen und auch vom Bundesrat natürlich entsprechend ihrer grundsätzlichen Stellung verneint werden. Das gleiche trifft zu für die Arbeiter der übrigen Reichsbetriebe. Dagegen stimmen wir der Resolution der Kommission zu, wonach den Ausschüssen der in den staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Handwerker da« Recht auf Verhandlungen betr. Lohn und ArbeirSzeit zuerkannt wird und wonach serner die Mitglieder solcher Ausschüsse, abgesehen vom Falle der Arbeitsunfähigkeit, nur entlassen iverden dürfen unter den Voraussetzungen, die bei einem Staats- beamten die Entlassung im Disziplinarwege rechtferligen. Wenn diese Bedingungen erfüllt werden, werden die Arbeiter- ansschüffe auch wirkliche Organe des sozialen Friedens werden. Abg. Hoch sSoz.): Wir wollen die sachliche Zuständigkeit der Arbeitskammern auf alle Arbeiter ausdehnen. ES liegl absolut kein Grund vor, irgend eine Arbeiterkategorie von diesem Gesetze auszunehmen, zumal ja die ArbeitSkammer nur fakultativ und wo der Bundesrat d a S B e- dürfnis für vorliegend erachtet, eingeführt werden sollen. Dem dritten Absatz der Kommisstonsfaffung wollen wir eine Fassung geben, daß auch alle Arbeiter der Reichs-, Staats- und Gemeinde- betriebe unter das Gesetz fallen. Wenn der Herr Staatssekretär be- tont hat, eS liege im öffentlichen Jntereffe, die Eisenbahnarbeiter von diesein Gesetz auszunehmen, so sollte man meinen, die Arbeiter- kammern seien eine Einrichtung zur Organisierung des Streiks, um die Arbeiter.aufznhetzerr". wie die Herren immer sagen. Nach dem Gesetz aber sollen doch die Arbeitskammern gerade berufen sein, den wirtschaftlichen Frieden zu pflegen. Nun be- ? reife ich nicht, warum eS eine Gefährdung der öffentlichen Wohl- ahrt sein soll, wenn der wirtschaftliche Frieden zwischen Arbeitgebern und Arbeitern der Eisenbahnwerkstätten gefördert wird. sSehr gut! bei den Soz.) Sehrgefteut hat es mich, daß der Herr Staatssekretär großes Gelvicht daraus legte, daß auch die Beteiligten mit dem Gesetz einverstanden sind. Wir haben eine ganze Reihe von Eingaben von Arbeitern aus staatlichen Betrieben bekommen, die sich meist für die Einbeziehung unter dies Gesetz aussprechen; da- gegen keine. Einstimmig dafiir ist z. B. der w ü r t t e m b e r g i s ch e christliche Verband der Eisenbahner, ebenso der Arbeitsausschuß der Arbeiter der Elsaß-Loth- ringischen Eisenbahnen. Desgleichen der Verband deutscher Eisenbah narbeiter lind-Handwerker, Sitz Berlin. Eine Bittschrift des Zentralverbandes deutscher Eisenbahnarbeiter und Handwerker auS Elberfeld ist überreicht von dem Abg. Behrens. Ich bin neugierig. ob er auch hier den Standpunkt dieser Petition mit Nachdruck vcr- treten wird.— Der Herr Vorredner hat nun auf die wunderschöne Resolution der Kommission verwiesen. Dadurch zeichnet sich ja die nationalliberale Partei aus, daß sie. wenn es gilt, positive Arbeit zu leisten, die Arbeiter mit solchen Vertröstungen abspeist, daß sie aber, wenn es gilt, den Inhalt solcher Reiolutionen wahr- zumachen, das Gegenteil beschließt. sSehr wahr I bei den Soziald.) Auf dleie Wene werden die Arbeiter nur getäuscht. Die Faffuny der Kommissionsbeschlnsse entspricht ebenfalls nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Weshalb sollen die Arbeiter der Geinelndebewiebe nicht unter da-Z Gesetz kommen und seinen Schutz gemexen? Sie selbst wünschen es, wie ihre Petitionen be- 1'°. Eingaben der Bureaubcamten, die wir evensallö m das Gesetz anfzunehmen beantragen. Durch unsere Fassung werden alle Streitsragen über die Auslegung des Z 6 der Gewerbcordnung für dieses Gesetz ohne weiteres beseitigt. Bei den H a n d l n n g s g e h i lfe n ist die Sache so, daß die Nützlichkeit solckier Eimichluiigen von allen Seilen zugegeben wird. Man streitet sich nur um die Art der Einrichtung. Die Kommission hat den Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei ab- gelehnl und will die Handlungsgehilfen auf die Zukunft vertrösten. Das schimpflichste haben hierbei die Herren von der Wirtschaft- lichen Vereinigung getan. Sie haben einen schönen Antrag versaßt, ihn aber nicht in der Kommission eingebracht, sondern als Jnitialivantrag. weil sie wußten, er kommt dann nicht mehr zur Verhandlung. Ihren Leuten aber wollen sie dann sagen, „wir haben mitgearbeitet". Ja. sie haben mitgearbeitet, um die Leute zu hintergehe» und zu betrügen. Vizepräsident Schultz: Sie haben Abgeordneten vorgeworfen, daß sie Leute hintergehei, und betrügen. genommen. Dieses Resultat wird von der unterlegenett Rechten, der sich auch et» großer Teil des Zentrum? anschloß, mit lebhaftem Widerspruch aufge, n o m m e n. Bei der Gesamtabstimmung über 8 7. welche dieselbe Grup- pierung zeigt, ist das Bureau über das Resultat zwoifelhaft. Der Hammelsprung ergibt die Annahme des Paragraphen mijj 132 gegen IIS Stimmen. Die 8I 8 bis 10 werden debatteloS angenommen. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Mittwochi 1 Uhr. Schluß?L7 Uhr."_ Die erhebungen iiber die Arbeitszeit in der ßinnenicbiffabrt. Im Jahre 1902 wurde dem Beirat für Arbeiterstatistik der Auftrag erteilt. Erhebungen über die Dauer der im Binnen- schiffahrtsgewerbe üblichen täglichen Arbeitszeit zu veranstalten. Später ist dieser Auftrag auf Wunsch des Beirats dahin erweitert. daß die Erhebungen auch auf die Sonntagsarbeit ausgedehnt werden. Das Material, das durch Ausgabe von Fragebogen zusammen-« getragen wurde, ergab eine Bestätigung der vielfach-.» Klagen über unregelmäßig«, lang ausgedehne Arbeitszeiten. Besonders die GUtrrschiffahrt auf der Oder und Elbe bot ganz außerordentlich mißliche Zustände. Arbeitszeiten von 14 bis 16 Stunden bilden keine Ausnahme; nicht selten aber kommt es vor, daß Tag und Nacht der Betrieb fortgesetzt wird, ohne daß der Mannschaft eine Ruhezeit gewährt wird. Bei längeren Fahrten kommt es bor. daß die Fahrt ununterbrochen bis zu 70 Stunden fortgesetzt wird. Auch auf den märkischen Wasserstraßen kommen Fahrten, die Tag und Nacht ohne Unterbrechung sortgesetzt werden, vor, und muß anschließend daran die schwere Arbeit des Löschen? oder Beladcns von der Mannschaft übernommen werden. Eine Sonntagsruhe während der Fahrt wird nirgendSS tnnc« gehalten, nur in den Häfen ist da? Löschen und Beladen der Schiffe, abgesehen von einigen Ausnahmen verboten, und ergibt sich somit hier eine Sonntagsruhe während des Festliegen? der Schiffe. Durch die mündliche Vernehmung der Auskunftspersonen vor dem Beirat für Arbeiterstatistik ist dargelegt worden, daß in der Rheinschiffahrt durch Tarifverträge mit dem Zentrawerband der Heizer und Maschinisten eine Regelung der Arbeitsverhältnisse er» zielt wurde, die im wesentlichen dahin ging, daß der Mannschaft auf den Güterschiffen eine achtstündige Ruhezeit gesichert wurde. Die Durchführung deS Tarifs ist. wie von dem Direktor einer Schiffahrtsgesellschaft bekundet wurde, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten, so doch möglich gewesen. Für den Fährbetrieb und die Ewerschiffe in Hamburg, den Fährbetrieb in Ludwigshafen ist gleichfalls durch Tarifvertrag die Arbeitszeit geregelt, so daß hier gewisse Ruhezeiten eintreten und im Hamburger Fährbetrieb eine wöchentlich ööstündige Arbeitszeit festgelegt ist. Ganz ungeregelt, vollkommen der Willtür der Gesellschaften überantwortet bleiben die Arbeitszeiten auf den übrige« Wasser« straßen« 5ach Abschluß dieses Teils der Erhebungen hat der Beirat für Arbeiterstatistil eine Umfrage an die Arbeitgeber- und Arbeiter- organisationen gerichtet, mit der Anfrage, ob infolge der Taucr der Arbeitszeit nachteilige Folgen für die Gesundheit der Arbeit- nehmer hervorgetreten sind. Diese Anfrage ist von den Organi- sationen der Arbeitnehmer, zu denen hier auch die angestellten Schiffsführer und Kapitäne gerechnet wurden, überwiegend be- jaht, von denen der Arbeitgeber dagegen in der Mehrzahl verneint. Zugleich haben alle diejenigen Organisationen, welche nachteilige Folgen der Arbeitszeit angenommen haben, diese Folgen auch als nicht ausgeglichen durch Arbeitsruhe zu anderen Zeiten des Jahres und daher als dauernd angesehen. Insgesamt haben im Reiche dauernde nachteilige Folgen der Arbeitszeit für die Gesundheit in einzelnen Betriebsorten der Binnenschiffahrt: verneint bejaht Organisationen mit Mitgl. Organisationen mit Mitgl. Arbeitgeber.. 97 6223 21 2 191 Arbeitnehmer. 18 720 69 20 383 In ähnlicher Weise wie zu der Frage, ob Gesundheitsschädi- gungen vorliegen, haben die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorgani- sationen auch zu der weiteren Frage Stellung genommen, ob eine Regelung der täglichen Arbeitszeit erforderlich und durchführbar erscheine. Während sich 86 Unternehmerorganisationen mit 6611 Mitgliedern gegen eine Regelung erklärt haben, halten 31 Arbeit- geberorganisationen mit 1779 Mitgliedern solche Vorschriften für erforderlich und durchführbar. Auf feiten der Arbeiterorgani- sationen haben sich 76 mit 20 733 Mitgliedern für, 12 mit 322 Mitgliedern gegen die Durchführbarkeit und Notwendigkeit einer Regelung der Arbeitszeit ausgesprochen. In besonderen Eingaben ist der ablehnende Standpunkt von Unternehmerorganisationen noch begründet und von dem Hafenarbeiterverband in einer Gegen- schrift bekämpft worden. Das gesamte Material ist dann mit einer bei den Kranken- kassen veranstalteten Umfrage über Art und Umfang der Er- krankung der Binnenschiffer dem Reichsgesundheitsamt mit zur gutachtlichen Aeußerung unterbreitet. Das Gutachten ist im Juni 1910 erstattet und geht im wesentlichen dahin, daß durch die lang- andauernde Arbeitszeit, besonders bei den Heizern, sehr hohe Krank- heitszifferu zu verzeichnen sind. Eine Gefährdung der Gesundheit scheint dann vorhanden, wenn die regelmäßige tägliche Arbeitszeit so lange währt, daß die ununterbrochene Ruhrzeit für die Mann- schaft auf den Fähren, die nur nach Bedarf fahren, weniger als 8 Stunden, dann Fähren in ununterbrochener Fahrt weniger als 10 Stunden, denjenigen Personendampfschiffen, welche lediglich dem Reise- und Ausflugverkehr dienen, weniger als 7 Stunden, den- jenigen Dampfern, welche der Lokalschiffahrt dienen, weniger als 8 Stunden, den eigentlichen"Güterdampsschiffen, den Segelschiffen und Schleppkähnen an den Lösch- und Ladetagen weniger als 10 Stunden, denselben Güterdampfschiffen in der übrigen Zeit weniger als 8 Stunden, den Segelschiffen und Schleppkähnen in der übrigen Zeit weniger als 6 Stunden beträgt. Am 30. November wurde nach langer Pause der Beirat für Arbeiterstatistik wieder einmal zusammenberufen, um in einem Gutachten an den Reichskanzler dazutun, welche gesetzgeberischen Maßnahmen er im Hinblick auf die Erhebungen empfiehlt. Der Referent in dieser Sache, Geheimrat Naumann aus dem preußischen Handelsministerium, blieb wesentlich mit seinen Bor- schlagen hinter denen deS Reichsgesundheitsamtes zurück. Er ver- Wu! 1. Kreis. kangle folgende Abweichungen von bell Vorschlägen des Reichsgesundheitsamtes: Für die Fährdampfer im ununterbrochenen Be- trieb nur für die Maschinisten und Heizer eine lOstündige Ruhe- zeit, für die übrige Mannschaft nur eine achtstündige Ruhezeit, für die Segelschiffe und Lastkähne außerhalb der Schleppschiffahrt hält er eine Regelung der Ruhezeit für unnötig und für die Schlepp- dampfer und Kettenschiffahrt will er eine Ruhezeit nur für Oder, Elbe und Warthe, da nach seiner Meinung die Verhältnisse auf dem Rhein durch Tarifvertrag eine genügende Regelung gefunden haben. Von dem Mitglied des Beirates, Genossen Robert Schmidt, waren umfangreiche Gegenvorschläge ausgearbeitet und wurden in der Sitzung eingehend begründet. Schmidt hielt die Mindestruhe- 'zeiten von 8 Stunden für ungenügend, erhob aber im Einver- ständnis mit den beteiligten Organisationen keine allgemein weiter- gehenden Anforderungen, Um wenigstens auf allen Wasserstraßen allgemein eine Mindestruhezeit herbeizuführen. Er verlangt des- halb, daß entgegen dem Referenten auch für den Rhein und die märkischen Wasserstraßen diese Ruhezeit vorgeschrieben wird, daß auch für die Personendampfer und Schleppkähne, für die der Referent nur 7 resp. 6 Stunden Ruhezeit empfiehlt, eine acht- stündige Ruhezeit tritt und für die Fährdampfer, Ewersührer min- bestens 10 Stunden Ruhezeit gewährt wird. Diese Ruhezeiten sollen an die Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens gebunden sein und das Schiff stillgelegt werden, da sonst von einer Ruhe der Besatzung nicht geredet werden kann und auch die Kontrolle un- möglich wird, wenn etwa durch Wechsel der Mannschaft die Ruhe- zeiten verlangt werden. Der Vorschlag verlangt ferner die voll- ständige Sonntagsruhe für die Schiffahrt, wobei sich Schmidt zur Begründung seines Vorschlages auf Holland beruft, wo seit langem auch für die Schiffahrt die strikte Sonntagsruhe durchgeführt ist. Alle diese Borschläge wurden im Beirat für Arbeitcrstatistik abgelehnt, sie fanden von keiner Seite Unterstützung, aiur die lOstündige Ruhezeit für die Fährdampfer fand bei einigen Reichs- tagsabgeordnetcn Befürwortung, aber keine Mehrheit im Beirat.— Die Binnenschiffer hätten somit nach einer Erhebung, die acht Jahre dauerte, ein nur sehr geringes sozialpolitisches Ergebnis aus dem Schlußgutachten zu entnehmen, ganz abgesehen davon, zu welch praktischen gesetzgeberischen Resultaten oder Verordnungen diese Vorschläge überhaupt führen werden. Die Binnenschiffer werden also gut tun, auf die Regelung ihrer Arbeitsverhältnisse durch sozialpolitische Gesetze oder Ver- ordnungen nicht zu warten, sondern sie werden das Beispiel ihrer Kollegen am Rhein befolgen müssen und durch Gewerkschastsorgnni- sation das erstreben müssen, was die Gesetzgebung und der Beirat für Arbcitcrstatistik versagt. )Zus aller Melt. Ungliicksfahrt eines Freiballons. Mit einem dem Münchener Touringklub gehörenden Ballon wollten am Sonnabendnachmitiag die Münckiener Herren Direktor D i st l e r, Hauptmann a. D. Jördens und Kaufmann Metzger eine Fern- fahrt nach der Schweiz unternehmen. Der in Gersthofen bei Augsburg aufgestiegene Ballon wurde durch widrige Winde von seinem Reiseziel abgetrieben und schlug die nördliche Richtung ein. Schließlich gelangte er auf die N o r d s e e, wo er am Sonntag früh während eines Sturmes auf den Wasserspiegel niedergedrückt wurde. Der Korb des Ballons tanzte auf den Wellen, eine über dem Korbe zusammenschlagende Woge spülte den Kaufmann Metzger aus dem Korbe heraus. Metzger ertrank. Später gelang es den übrigen Insassen, den Ballon wieder flott zu machen, so daß am Sonntagabend in der Nähe der Hafenstadt Kirkwall auf den zu Großbritannien gehörenden Orkney-Inseln die endgültige Landung erfolgen konnte. Einige Ergebnisse der Volkszählung. Ueber eine Anzahl größerer Städte Deutschlands liegt das vor- läufige Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember d. I. vor. Wir fügen den bei der Zählung ernnttelten Resultaten in Klammern die Resultate der Zählung vom Jahre 190ö bei. Danach beträgt die Einwohnerzahl in Dresden 546 882 s516 996). Hannover 299 753 {272 335), Magdeburg 279 644(263 476), Chemnitz 286 454 (244 927), Nürnberg 332 539(294 425), Braun schweig 143319 (136 397), Lübeck 98 612(91 371). Ranbanfall tut Kassenlokal. In der Ortskrankcnkasse zu Kulm in Westpreußen wurde gestern vormittag ein frecher Raubanfall versucht. Ein etwa 26 Jahre alter Mann drang in das Kassenlokal ein und schlug den Kassierer mit�eiuem schweren Hammer zu Boden. Er verletzte ihn so schwer, daß an dem Auskommen des Beamten gezweifelt wird. Wahrscheinlich hatte es der Täter auf eine Beraubung der Kasse abgesehen, doch konnte er sein Vorhaben nicht ausführen, weil er überrascht wurde. Es gelang ihm, zu fliehen. Er soll dem Vernehmen nach in der III. Klasse eines ZugeS der Strecke Thorn— Posen gesehen worden sein. Die Polizei auf der ganzen Strecke ist aufgeboten, bis jetzt konnte man jedoch des Tälers nicht habhast werden. Ausweisung der Zigenucr aus Italien. Wie unser römischer Korrespondent mitteilt, hat der Minister- Präsident die allmähliche Ausweisung aller Zigeuner aus Italien und das Verbot des'ZuziehenS neuer Banden verfügt. Ausgewiesen sind bis jetzt 708 Personen. Die Maßnahme knüpft sich natürlich an die Einschleppung der Cholera. Nun hat sich aber doch herausgestellt, daß die Cholera in Apulien schon Opfer gefordert hat. ehe die Zigeuner überhaupt angekommen waren._ Kleine Notizen. Eine Familie an Nahrungsmittelvergiftung gestorben. Infolge Genusses vergifteter Nahrungsmittel, wahrscheinlich Bonbons oder Schmalz, sind in Graudenz der Arbeiter Matzat, seine f rau und drei Söhne gestern Morgen gcsto.rbcn. wei andere Söhne liegen ohne Bewußtsein hoffnungs- los im Krankenhaus danieder. Die Erkrankung erfolgte schon am Montag Abend, ohne daß ihr zunächst große Bedeutung beigelegt wurde. Die ungcberdige Erdgasquclle. Das GaS der vor einigen Tagen gelöschten und abgedichteten Erdgasquelle dringt jetzt durch das Erdreick, so oaß die weiteren Abdichtungsarbeiten ausgc- geben wurden. Man will versuchen, das Gas so schnell wie möglich nutzbar zu machen, damit es den normalen Ausweg durch die Rohre nimmt. Schneesturm in Rußland. Von heftigen Schneestürmen sind auf der zentralasiatischen Bahn etwa 20 Güterzüge überrascht worden; die Züge blieben auf der Strecke liegen. Mehrere Per- sonenzüge liegen seit Tagen auf den Stationen und können der Schneeverwehungen wegen nicht vorwärts. Die Passagiere leiden Mangel an Nahrungsmitteln. In den Kreisen Petrowsk und Kasalinsk sind über 100 Kirgisen und eine große Anzahl Pferde, Kühe und Schafe erfroren. iiil Mannek und Frauen tbe Heute Mittwoch, den 7. Dezember er., abends 8'/2 Uhr, im„Tiergartenhof" rTergTrun. TageS-Ordnung: l. Vortrag-„Drs UnlkkS Mille das oberste Gesetz". 2. Freie Diskussion. 208/11 Reserent: Reichstagskandidat Redakteur DÜWell. MT Alle politisch denkenden Manner und Frauen sind zu dieser Versammlung dringend eingeladen. vor Etader-utei'. Karl Petermann, Ritterstr. 49. II Filiale Oroß-Berlln. nnerstag, den 8. Dezember, abends 8'/z Uhr, m Gewerkschaftshause, Engelufer 1»,(großer Saal) sukerontentlfcke General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Ncichstagsabgeordneten Genossen Feit« Knnert: „Der Klassenkampf der modernen Arbklttrbemegnng." 2. Verbandsangelegenhelten. 3. Kündigung von zwei Beamten des OrtSbureaus. Zutritt nur gegen Borzeignng des Mitgliedsbuches. __ I>le Orfmverwaltang. Verwaltuag Berlin. Einsetzer. Donnerstag, den 8. Dezember IS10: Bezirk s- Versammlungen- in folgenden Lokalen: 1. Bezirk: Merkowski, Andreasstraße 26. „ Gliesche, Kopenhagener Straße 74. ll.„ Sauer, Levetzoivstraße 21. 4.„ Preil, Rixdorf, Rosenstraße 24. ,, Wiemcr» Büloivstraße 38. ß.„ Mix, Skalitzer Straße 39. 7.„ Tunack, Charlottcnburg, Wielandstr. 4. 8.„ Melzer, Wiesenstraße 29. Die Kollegen aus den Vororten find besonders dazu eingeladen. Tages-Ordnung: Bericht der BezlrkSsührer. Vorschläge zur Neuwahl der Kommission und Gencralversammlungsdeleglerten. Branchenangelegenheiten. 93/12 IViodelltischler- Hentc. Mittwoch, abends 8 Ubr: Vertrauensmänner-Versammlung bei Waldt, Pflugstraße 3._ Gummiwaren aller Art. Anfr. erb. 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Branchen- und VerbandSangelegenheiten. >> Mitgliedsbuch legitimiert t Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 126/16____ Iii, Ortsverwaltung. der Hausfrauen an grossen Wäsche- und Reinigungstagen: 1. Erleichterung der Arbeit, 2. gründliche Reinigung und 3. Erzielung einer schneeweissen, unverdorbenen Wäsche, werden seit 25 Jahren von Dr. Thompson't Seifenpuher, Marke Schwan, getreulich erfülltl MM! CONJTANTlN CIGAR&TT&N verdanken ihr Renommee der hervors ragenden Qualität und Bekömmlichkeit In allen besseren Cigarrengeschäften zu haben 5uv Tiiektigstellung! Die Zeitungen bringen Mitteilungen über Erkrankungen u»d Tove«salle, welche infolge des Genusses unserer Mar- g a r i n e, Marke„Bocka", eingetreten sein sollen. Hierzu gestatten wir uns folgendes zu bemerken: Zunächst handelt es sich um ganz grobe Ucbertreibungcn. Es soll in Wirklichkeit ein Kind im Alter von 2)4 Jahren verstorben sein; ob insolge des Genusses von Mar- garine. ist bisher gänzlich unbewiesen Die Sektion der Kindesleiche steht noch aus. Weitere in Betracht kommende Todesfälle liegen über- Haupt nicht vor Im übrigen ist der objektive Tatbestand folgender: Am 23. November l. Js. sind in unserer Fabrik' 120 000 Pfund Pflanzenbutter-Margarine hergestellt worden, darunter 5 Buttcrungen Margarine, Marke„Backa", ä 1200 Pfund. Die erhobenen Klagen betreffen nun insgesamt ein Quantum von etwa 1000 bis 1200 Pfund Margarine, Marke„Backa", so daß danach anzunehmen ist, daßsiesichauseineeinzigebestimmteButtcrungder Margarine, Marke„B a ck a", von 1200 Pfund be- ziehen. Demgemäß haben denn auch, als wir die gesamte, am 23. November l. Js. hergestellte Marke„Backa" von unseren Kunden wieder abholen ließen, zahlreiche Kunden erklärt, es läge gar kein Grund vor. die Ware sei ausgezeichnet. Ueber die Herstellung der Margarine, Marke„Backa", ist folgendes zu bemerken: Seit mehreren Jahren wird in immer steigendem Maße Pflanzenfett als Rohprodukt für Margarine verwendet. Tie ausschließliche Verwendung von tierischen Fetten für die Margarinesabrikation ist unmöglich, da diese für den enorm gewachsenen Bedarf an Akargarine bei weitem nicht mehr hinreichen und dazu auch infolge ihrer enorm gestiegenen Preise und de« hohen Einsuhrzolles für den größten Teil der Margarine- Konsumenten unerschwinglich sind. Tie Verwendung von Pflanzen- fetten ist für die mittleren und billigen Sorten längst Gemeingut der Margarinesabrikation geworden. Jedes Pflanzenfett enthält als Rohvrodukt Fettsäuren und ist daher in feinem Urzustände ranzig und als Gcnußmittel nicht geeignet. Zu einem Genußmittel wird"es erst durch lehr sorgfältige«, in der ganzen Margarine-Fabri- kation angewendetes Rassinierungsverfahren. Es ist eine Volkswirt- schaftlich außerordentlich erfreuliche und nützliche Tatsache, daß es der Margarine-Fabrikation gelungen ist. durch dieses RassinierungS- verfahren aus Pslanzensett, welches früher nur als Seifenfett verwend- bar war, ein billiges und gesunde« VolkS-Nahrungsmittcl zu schassen. Pflanzenfette zahlen vor der Raffinierung nur den niedrigen Einfuhr- zoll für Seifeufette von 1 Psg. pro Pfund, während raffinierte Pflanzenfette, als Speisefette, 10 Psg. Zoll per Pfund kosten. Aus einem Pflanzenfett wird auch die Margarine, Marke„Backa", her- gestellt, und zwar ist uns dieses Pflanzenfett durch Vermittlung ei»er angesehenen Hamburger Firma gcliesert. Bei einer erstmaligen Einfuhr vor ca. 4 Monaten ist dieses Pflanzenfett im Zollinteresic von den Nahrungsmittel-Chemikern der Generalzolldirektion in Ham- bürg untersucht worden. Diese erklärten, daß es sich um reines Pflanzenfett handle, welches Fettsäuren enthalte und daher in diesem Zustande mit 1 Psg. pro Pfund zu verzollen sei. Dabei fügten sie in ihrem schriftlichen Gutachten hinzu:„Indessen läßt der Geruch und Geschmack des Oeles feine Verwendung zu Speisczwecken nach geeigneter Raffination möglich erscheinen." Daß diese geeignete Raffination bei uns stattfindet, ergibt sich ohne weiteres aus der Tatsache, daß die bis zum 23. November l. Js. stattgehabte Ver- Wendung jenes Rohproduktes zu irgendeiner Beschwerde nicht geführt bat, und daß auch von den 5 Butterungen am 23. November aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine einzige bemängelt wird. Wir können auch ohne Uebertreibung behaupten, daß unser Rassinierungsverfahren das denkbar vollkommenste ist, und daß unser leitender Betrieb«- Chemiker von durchaus erprobter Zuverlässigkeit ist. Tie Altonaer Polizeibehörde muß bestätigen, daß der Leiter unseres Gesamtbetriebt«, Herr I. H. Mohr, in mehr als dreißigjähriger Tätigkeit in der Margarine-Fabrikation am Altonaer Platze wegen der Beschaffenheit seines Fabrikates noch nicht ein einziges Mal einen Konflikt mit den Behörden gehabt hat. Wenn nun wirklich am 23. November l. I«. in einem kleinen Teil der hergestellten Ware auf irgendeine Art eine Schädlichkeit gelangt fein sollte, so kann bisher nur gesagt werden, daß die« mit der regelmäßigen Beschaffenheit der Margarine, Marke „Backa", nichts zu tun hat. Seit Sonnabend, den 26. November l. Js., ist sowohl das Hygienische Institut in Hamburg, wie da« Städtische Nahrungsmittel-Untersuchungsamt in Altona mit der chemischen Unter- suchung der am 23. November l. I«. hergestellten und beanstandeten Margarine, Marke„Backa", besaßt und hat in dieser Margarine eine Schädlichkeit bis jetzt nicht entdecken können. Beide Institute haben sich auch Proben von dem unrasfinierten Rohmaterial geben lassen; doch würde dessen etwaige Ungenießbarkeit durchaus nichts beweisen. Jeder Fachmann wird bestätigen, daß das Rassinierungsverfahren bezweckt, aus einer ungenießbaren Rohware ein genußsähiges Speiwsett herzustellen. Darüber, wie jene einzelne Buttcrung am 23. November laufenden Jahres mangelhast geworden fein kann, sind nur Ver- mutimgcn möglich. An diesem Tage war der Betrieb infolge der in Altona stattgehabten Stadtverordnetenwahl, bei welcher auch unser Herr I. H. Mohr als Kandidat beteiligt war, ein ungewöhnlicher; da sowohl Arbeiter wie Aussichtspersonal sich beteiligten und deswegen abwechselnd mehrere Stunden fehlten, so kann aus irgend eine bisher unaufgeklärte Art irgend ein Versehen bei der Fabrikation statt- gefunden haben. Wir halten es nicht für zulässig, ohne zwingende Beweise irgend eine Persönlichkeit nach dieser Richtung hin zu ver- dächtigen. Ebensowenig erscheint es uns aber zulässig, daß man ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts uns selb st"verdächtigt. Wenn unsere Konkurrenz es für anständig gehalten hat, aus diesem, uns ohne unser Verschulden erwachsenen Mißgeschick eine Reklame für sich zu machen, so können wir das Urteil hierüber jedem billig und gerecht Denkenden getrost überlasten. Wir haben zu dem an"- ständigen Sinn der Bevölkerung das Zuttauen, daß diese Spekulation unserer Konkurrenz mißlingen wird. Wir bitten diejenigen Blätter, welche sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt haben, auch diese, unsere Entgegnung, veröffentlichen zu wollen. Handelt es sich dabei doch nicht bloß um unser Interesse, sondern auch um dasjenige unserer etwa 600 Angestellten. »>000 ZNark Belohnung n»iv denjenigen zn, der nns den Bn�«>ei» bringt, ob von irgend einer Seite zu der in unserer Fabrik am 2S. November d. 5»., hergestellten Margarine, Marke„Vaefa", absietztlietz oder Versehentlieh Austttze ge» macht worden sind, durch die deren Gnalitat oder Nerdauungsfähigkeit beeinträchtigt werden konnte. Ultonaerj�argarine-Merke JVIohr& Co., 6. m. b. I). b J. B. JMohr. Klassiker wmmmm Zu Festgeschenken sehr geeignet: Ehamissos Werke. 2 f�er 4 � Freiligraths sämtliche Werke. Hauff* sämtliche Werke. � � 4 Leinenbände. Preis nur 4 M. ijfim f-mtliche Werde. NS ICnatt. Gedichte. Preis früher 3 M.. jetzt 1 M. Shakespeares sämtliche dramatische Werke. In 12 Bänden. Uebersetzt von A. W. o. Schlegel und TTieck. 4 starke Lrinenbände. Preis früher SM.. jetzt 4,50 M. 247/8' Sifaketpeares sämtliche dramatifche filofbo In 3 elegante» Leinenbäuden gebunden wvl TlV.(ca. 2800 Seiten umfassend). Uebersetzt von A. W. v. Schlegel und L. Tieck. Mit einer biographischen Einleitung von Rudolf Gcnöe. Preis nur 3,50 M. Zu beziehen durch alle Borwärts-Speditionen sowie direkt von der Expedition des Vorwärts Lindenstr. 69(Laden). Ctgarren-Händlern bequemsten Ewkauf zu billigste« Preisen bietet das größte und reichhaltigst ausgestattete r Carl Röcker, Grüner Weg 112(Fernspr. VII, 3861). Offeriere folg. Marken z. 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Fall bernommen. Angeklagt ist ein junger Diann namens Eisenreick», ein frommer Mormone, der auf dem Wege nach der Er- bauungsftunde auf der Straße in eine Menschenmenge geriet und bei dieser Gelegenheit festgenommen wurde. ES war am 29. Sep- tember abends nach 8 Uhr. Schutzinaim Gatow fuhr auf einem Rade die Turinstraße einlang. Er sagt, es war eine Menfcheninenge auf der Straße, in einiger Eutfernunz fiel ein Schuß, ob aus der Menge, weiß der Zeuge nicht. Die Menge.stürmte", wie der Zeuge sagt, nach der Emdener Straße, er folgte auf dem Rade nach. AuS der Menge ivurde öfter„Bluthunde" gerufen. Der Zeuge sah einen jungen Mann, der abieils von der Menschen«, enge auf der anderen Seite der Siraße„Haut ihn" rief. Der junge Mann, es ist der Angeklagte, wurde von einem anderen Schutzmann fest- genommen.— Der Angeklagte gibt zu. daß er einmal „Haut ihn" gerufen hat. Wie er dazu gekommen ist, kann er sich nicht erklären. Jedenfalls hatte er nicht die Absicht, die Menschen auf- znfordern, daß sie die Schutzleute hauen sollten.— Schutzmann Witzelberg hat den Angeklagten festgenonnnen. Er hat auch nur einen Ruf des Angeklagten gehört. Dieser stand allein, Wider- stand gegen die Beamten wurde nicht geleistet.— Der Angeklagte sagt, als er fistierl wurde, habe sich ihn, ein Zeuge an- geboren. Der Schutzmann Witzelberg habe den Mann zuriickge wiesen und mit dem Säbel bedroht.— Zeuge Witzelberg: Ich hatte ja gar nicht den Säbel gezogen, reden Sie doch nicht solchen Unsinn.— Der Angeklagte bemerkt»och, daß ihm auf den, Wege nach der Wache von dem Schutz- mann der Arm umgedreht wurde, so daß er in gebeugter Haltung gehen mußte. Es folgt der dreißigste Fall. Er betrifft den Angeklagten Li o u, a n o lv s k i. Dieser stand am 23. September abends mit anderen Hausbeivohnern vor der Haustür und hat, wie er zugibt, einmal.Bluthunde" gerufen.— Polizeiwachtmeister Koch, der als erster Zeuge zu diesem Fall ver- nommei, wird, sagt unter andere»,: In der Waldsrraße zwischen Strom- und Wiclefstraße sammelten sich vor den Häufen, Menschen an, die aus die Schutzleute schimpften. � Das Publikum wurde von den Beamlen aufgefordert, in die Häuser zu gehen. Die Aufforderung wurde befolgt, aber die Lenke kamen wieder heraus. Bor den, Hmge Waldstraße 42 wurde„Bluthunde" gerufen. Der Zeuge ging mit einem Schutzmann auf die vor der Tür stehende Gruppe zn. Die Leute rannten auf den Hof. die beiden Veainlcn folgten ihnen. Ein junger Mann mit Namen Bartsch lief in, zweiten Ouergebäude die Treppen hinauf. Der Zeuge»ah», an, Bartsch sei derjenige, welcher vor der Tür„Bluthunde" gerufen hatte. Deshalb wurde Bartsch von dem Zeugen und noch einein Schutzmann auf der Boden- treppe, wohin er sich geflüchtet halte, festgenoinmen. Daß der An- geklagte Romanowski vor der Tür„Bluthunde" gerufen hat, kann der Zeuge nicht angeben. Auf Befragung durch den Vorsitzenden sagt der Zeuge, die Menschenmenge auf «M» Straße habe die Schutzleute wiederholt mit Steinen geworfen, es sei auch mehrmals geschossen worden. Trotzden, habe er mit den ihm unterstellten Beamten ruhig und ohne Waffcngebrauch die Menge zu zerstreuen versucht.— R e ch t s a n w. E o h„ macht darauf auf- merksam, daß Glühbirnen auf die Straße geworfen sein sollen und fragt den Zeugen, ob er den Knall einer Glühbirne von dem Knall einer Schußwaffe unterscheiden könne..—„Ganz genau", sagt der Zeuge. Bald darauf, nachdem noch einige Fragen an den Zeugen gerichtet waren, g i b t d e r Z e n g e z u, daß er den Knall nicht mit Sicherheit unterscheiden kann und daß er daS Feuer von Schüssen nicht gesehen hat. F r ä u l. B a r t s ch, die Schwester des von dem Vorzeugen erwähnten Barisch, stand ebenfalls vor der Haustür. Sie hat gehört, daß der Angeklagte Romanowski einmal„Bluthunde" ries und hat ihm das untersogt. Ob er nachher noch gerufen hat, weiß sie nicht. Die Schutzleute verfolgten die HauSbeivohncr bis auf den zweiten Hof. Die Zeugin lief in ihre vier Treppen hoch liegende Wohnung und hörte, daß die Schutzleute den Hausbewohnern zuriefen:„Weg vom Fenster, sonst schieße», wir!"— Der Erste Staatsanwalt hält der Zeugin vor, daß sie vor dem Unter- suchungsrichter gesagt habe, sie habe gehört, daß Romanowski inehrere Mole„Bluthunde" gerufen habe.— Die Zeugin sagt, sie könne sich nicht erklären, wie diese Angabe in das Protokoll gekommen ist. Sie könne nur sagen, sie habe mehrmals rufen hören, Romanowski habe aber nur eimnal gerufen.— Fräulein Jendretzki hat auch vor der HauStüre gestanden und be- ftätigt die Angaben der Vorzengin.— Fuhrherr Devitz gibt den, Angeklagten Romanowski, der bei ihm in Stellung war, da? Zeugnis eines soliden nüchternen Menschen.— Die Angaben des Wachtmeisters K o ch werden durch einen als Zeuge ver- nommenen Schutzmann bestätigt. Auch dieser Zeuge sagt, aus der Menge habe man auf die Beamten geworfen, aus einem Hause seien zwei Schüsse gefallen.— Portier Hoffmann hat die Vorgänge auf der Straße zu derselben Zeit beobachtet. Nachdem er die Haus- tür verschlossen hatte, wurde sie von Hansbewohnern, die sich vor die Tür stellten, wieder geöffnet. Wenn die Polizei kam, flüchleten die Leute i„S Hau?. Das wiederholte sich 6—8 mal, und jedesmal hat der Zeuge im Auftrage des Hausbesitzers die Türe wieder ver- schloffen. Bei der Gelegenheit ist er auch vor die Tür getreten und hat gejechen, daß ei» Mann, der ganz ruhig daher kam, von Schutz- leiten ocrhaue» wurde „wie ein Stück Bieh". Der Mann bat: „Lassen Sie mich doch, ich habe ja gar nichts getan." Aber der Schntzmaim sagte: „Das ist mir ganz egal" und schlug»vciter.— Der Vorsitzende fragt, ob der Zeuge nicht gesehen habe, daß auö den Häusern geworfen wurde, und ob er nicht gehört habe, daß geschossen ivurde.— Der Zeuge ver- ii eint diese Fragen. Darauf bemerkt der Vorsitzende: Also davon haben Sw nichts gesehen, aber wenn die Polizei jeinandan schlägt, daS sahpn Sie.— Zeuge: Ja, das ist ja direkt vor meinen Augen Pulsiert.— Vorsitzende?: Wenn vor Ihren Augen etwas Jjyruntetfnllt und vor Ihnen niederklatscht, das müsse«. Sie_ doch hören.—?• e 11 3.C: Ich habe so was nicht gehört. Ich war ja nicht immer draußen. Weiter sagt der Zeugt,: Gruppen von 30—40 Menschen wurden von Schutzlemeu verfolgt. Wen die Schutilcute kriege» konnten, der be- kam mit dem Säbel eins über das Kreuz, auch wen» er gar nichts gemacht hatte. Bei solchen Attacken rannten die Leute in die Häuser. Wenn die Schutzleute vorbei waren, kamen einzelne Leute«vieder aus den Häusern. Dann waren plötzlich Kriminalbeamte da. Wo fie herkamen weiß man nicht. Sie schlugen auf die Leute loS, welche vor den Haustüren standen. Auf eine Frage des Rechts- a n w a I t s Heine sagt der Zeuge, der alte Mann, von dem er schon gesprochen hatte, kam ganz allein und ruhig die Straße entlang. Zwei Schutzleute gii.Pen auf ihn zu und schlugen ihn nieder. Ns er schon am Bvdcn lag, kam noch ein dritter Schutz», am, und s ck» l n g a u f d e n M a n n ein. Der Zeuge hat den Verletzten aufgehoben und ins Haus gebracht. Als der Zeuge hinausging um dem Verletzten zu helfen sagte jemand zu ihm: Gehen Sie nicht dahin, sonst wird Jbueii auch der Schädel ein- geschlagen.— Der nächste Zeuge, P a p i e r>v a r e n h ä u d l e r D i e tz hat gehört, daß aus eine», Hause ein Schuß fiel. Er hat gesehen, daß Schutzleme die Menschenmenge Pertrieben. Die Menschen flohen, so daß zivifchen ih«en und Schutzleuten sehr schnell ein 15—20 Schritt breiler leerer Raum entstand. Bienschcn, die nichts ahnend in diesen leere» Raum hineingerieten, wurde» von den Beamten geschlagen. Bei einer solchen Gelegenheit bekam ein junger Man» von einem Schutzmann mit dem blanken Säbel erst cineii Schlag von rechts und dann einen Schlag von links. In einem anderen Falle sah der Zeuge, daß sich die Leute vor attackierenden Schutzleuten in die Häuser zurückgezogen hatten, daß nachher aber wieder einzelne Lerne herauskamen. Bei solcher Gelegenheit hörte der Zeuge einen Anfschrci, als ob jemand geschlagen worden wäre. Gleichzeitig sagte jemand: „Was haben Sie hier zn suchen?"— Auf eine Frage des Rechts- a„ w a l t s Heine antivortet der Zeuge: lieber das Verhalten der Polizei herrschte unter den Bewohnern der Gegend große Erregung. Es sei die allgeuteiiic Meinung, es würde nicht so schlimm geworden sein, wenn nicht die Polizei so scharf vorgegangen wäre, und wenn sie nicht, anstatt nur die Exzedentcn festzunehmen, ohne Unterschied auf das Straßeiipublikum eingehalten hätte. Polizeiwacht m ei st er K o ch tritt vor und erklärt eS für ausgeschlosfeu, daß Leute aus dem Publikum von Schutzleuten mit dem.Säbel geschlagen worden seien. Von den Beamten seines Kommandos habe an dem betreffenden Abend— es handelt sich um den 28. September— niemand den Säbel gezogen. Sie hätten das Publikum ohne Waffe zurückgedrängt, obgleich die Menge mi, Steinei, geivorfe» habe und auch ein Schutz gefallen sei. Wenn ein Beamter Beranlaffung gehabt hätte, von der Waffe Ge- braucki zu machen, dann wäre es ihm— dem Zeugen— gemeldet worden.— Nechtsan walt Rosenseld: Wen» aber ei» Beamter ohne Vcranlasiiiug die Waffe gebraucht hat, dam, würden Sie wohl keine Meldung bekommen haben.— Zeuge: DaS kommt überhaupt nichl vor. daß ein Beamter ohne Veranlassung von der Waffe Gebrauch macht. — R e ch t S a n w alt Rosenfeld: Wolle», Sie das auf Ihre» Eid nehmen?— Zeuge: Auf meinen Eid nehme ich das nicht.— Der Vorsitzende greift-hier mit einer Bemerkung ein, wo,-auf Rechtsanwalt Rosenseld erividcrt: Der Zeuge scheint zu glauben, daß er nicht alles, was er bier sagt, auf seinen Eid nehmen braucht.— Auf einige Fragen des Rechtsanwalts Rosenseld sagt der Zeuge, daß a,n 23. und 29. September auch Polizeibcamte in Zivil in Moabit Dienst taten. Wie diese Beamten operierten, daruin habe er sich nicht gekümmert.— Der Zeuge Dietz gibt aus eine�Frage des R e ch l s a n Iv a l t s Heine an, daß er weder Sozialdemokrat sei noch Beziehungen zur Arbeiterbe toegung und kein politisches Interesse an dieser Sache habe. Ter Zeuge»vird dem Wachtmeister Koch gegenübergestellt und bleibt dabei, daß die Schutzleute n, it blankem Säbel vorgingen und ein Mai,„ in der angegebenen Weise n, it dem Säbel geschlagen wurde.— Wachtmeister Koch bleibt ebenso bestimmt dabei, daß seine Beamten nicht den Säbel gezogen hatten. Einer der Angeklagten bemerkt hierzu, auch er habe gesehen, daß am 23. gegen' all Uhr in der Waldstraße— wo also nur die unter dem Wachlmetster Koch stehende Truppe in Frage kommt— die Schutzleute erst ohne Waffe, dann aber, nachdem aus einem Häufe ein Schuß ge- fallen fei, mit blankem Säbel vorgingen.— Zeuge H o f f m a n n gibt auch an, daß die Sckintzlente am 28. blank gezogen hatten und daß bestimmt an diesem Abend der Manu niedergeschlagen wurde, dessen er sich nachher annahm. Der Zeuge erinnert sich dessen ganz genau, weil er gerade an diesem Abend, an den andere», Abenden aber nicht zu Hause war.— Die Frage«ach dem Waffengebranch durch die dem Wackitnieister Koch unterstellten Beaniten fuhrt zu einer eingehenden Erörterung der Umstände bei der Fe st- nah in e des Bruders der Zeugin Bartsch. Wackit- meister Koch stellt den Hergang so dar: Ich nahm a n, Bartsch habe„Bluthunde" gerufen. Deshalb ging ich ihm nach ins Haus und verfolgte ihn bis auf die Bodentreppe im zweiten Ouergebäude. Mit mir ging der Schutzmann Starke. Jeder von uns hatte eine Handlaterne. Wir beleuchteten Bartsch und sahen, daß er blutete. Bartsch bat:„Herr Wachtmeister, hauen Sie mich nicht, Sie sehen ja, ich blute schon." In meiner G e g e n>v a r t ist Bartsch nicht geschlagen. Ich habe ihn nicht geschlagen und habe auch nicht gesehen, daß ihn der Schutzinann geschlagen hat. Fräulein Bartsch macht hierzu folgende Angaben t Mein Bruder ist kürzlich erst von außerhalb gekommen. Er hat sich um den Streik gar nicht gekümmert. Am Mittwoch abend stand ich mit thm und andere», Hausbewohnern zusaminen vor der Tür. Wir waren bis Va� zusammen, bis dahin war mein Bruder unverletzt. Nun wurde„Bluthunde" gerusen.� Die Schutzleute kainen und wir gingen ins Haus. Ans dem Hofe war ich noch mit meinem Bruder zusaminen, dann ging ich in unsere Wohnung und mein Bruder rannte in seiner Angst die Treppe un zweiten Quer- gcbäude hinauf. Als ick» oben war, sah ich, d a ß z w e i S ch u tz- l e u t e mit einen, Mann ans den, zweiten Ouergebäude kamen. Daß dieS mein Bruder war, wußte ich nicht. Als mein Bruder nickit kam, wurde ich ängstlich imd rief nach ihm. Ich bekam aber keine Antlvort. Eine Viertelstunde später suchte ich »ach meinein Bruder, da meldete er sich auf dem Hof und bat ganz kläglich, ich möchte ihn doch oben bringen, dem, er könne gar nicht mehr laufen. Ich sah nun, daß mein Bruder am Kopf verwundet und stark mit Blut besudelt war. Wir gingen oben und ich habe ihm mit einer Freundin zusammen das Blut abgewaschen. Von der Bodentreppe bis nach unten sah man die Blutspuren von den Wunden meines Bruders. Eine andere Zeugin bestätigt diese Angaben. Die Verteidiger bemühen sich, durch viele Fragen an Wachtmeister Koch und Fräulein Bartsch festzustellen, wie Bartsch zu den Wunden gekommen sei. Wachtmeister Koch bleibt mit aller Bestunmtheit dabei, daß er nichts davon wisse und daß er seine bisherigen An- gaben aufrechterhalte. Das Gericht beschließt, zu diesem Falle den Schutzmann Starke und den Bruder der Zeugin Bartsch, der augenblicklich in Falkenberg arbeilet, a l s Zeugen zu laden. Mechaniker Frost hat von seiner Wohnung an der Ecke der Turm- und Waldstraße an mehreren Abenden die Borgänge aus der Straße beobachtet, lieber seine Wahrnehmungen am Abend des 28. September sagt er: Es lief ja diel Volk zusammen, aber� das Volt verhielt sich ruhig. An den vorhergegangenen Tagen wurde ja auS der Volksmenge„Bluthunde" gerufen, aber am Mitt- wochabend war daS nicht der Fall. DaS Volk stand ruhig, um zu sehen. was die Polizei machen würde. � Plötzlich gab ein Polizeileutnaiit daS Kommando, blank zu ziehen. Nun gingen die Schutzleute mit blankem Säbel gegen die Menge vor. Ein Mann kam ruhig des Weges. Er bekam von einem Schutzmann einen Säbelhieb und stürzte wie vom Blitz getroffen nieder. Als der Mann am Boden lag, beugte sich ein Schutzmann über ihn, sah ihn an und ging weiter, ohne sich un, den am Boden Liegenden zu künimern. Zwei Zivilisten hoben den Verletzten auf und brachte», ihn fort. Meine Frau war über de,, Vorgang so cnlsetzt, daß sie weinte. Sie sagte: Daö ist ja grauenhaft. Mich selbst hat dieser Vorgang so erbiltert, daß ich auf den Tisch schlug und zu meinen Kinder»,»aale: Mein Lebe», lang habe ich die Sozialdemokratie bekämpft; dieses Berhalte» der Polizei gibt ja der Sozialdcmokrgtie Wasser auf ihre Mühle. Hier sieht man, was der Bürger wert ist. Wie ei» Hund wird er niedergeschlagen. Wer legte Patronen auf die Schienen? Vorsitzender: Haben Sie gehört, daß geschoffe», wurde? — Zeuge: Ja, ich habe darüber eigentümliche Beobachtungen gemacht.'Ich hörte einen Knall, ein Wagen der Straßenbahn fuhr gerade vorüber. Unter dem Wagen kam Rauch hervor. Hieraus schloß ich, daß man eine Patrone aus öie Schiene gelegt hatte, die durch den darüber fahrenden Wagen.'p- plädierte. Gleich daraus sah ich eineiy Mann, der zwischen den Straßenbahuschienen stand. Er sah aus die Schienen nieder, ohne sich zu bücken. Als ein Wagen herankam, trat der Mann vom Gleise zurück. Sobald der Wagen über die Stelle fuhr, wo vorher der Man», stand, gab es wieder einen Knall und unter de», Wagen rauchte es. I ch h a t t e d i e A b s i ch t, diesen Mann f e st n e h n, e>, zu lassen. Aber ich bin davon abgekvmmen, weil ich nicht wagte, auf die Straße runterzugehen, denn ich hörte, daß ein Samariter seinen, Namen keine Ehre geinacht hatte. Und da sagte ich mir, wem, ich ans die Straße gehe und einem solchen Menschen begegne, dam, könnte ich vielleicht ctivas Ungesetzliches tun.— Ferner hat der Zeuge noch folgende Beobachtungen gemacht: AIS eine Attacke vorüber war, stand ein einzelner Mann ruhig auf der Straße. Zwei Schntzlente stürzten sich auf ihn, der Manu bekam cincil Säbelhieb und sank zu Boden. Was aus diese», Mann ge- »vordeu ist, weiß ick» nicht, denn ich war so entsetzt, daß ich an diesem Abend nichts»oeiter sehen mochte. Bei einer anderen Gelegenheit habe ich noch gesehen, daß eine alte Frnu mit ciiiem Tö'pfchcn in der Hand ängstlich langsamen Schrittes über die Straße kain. An der Ecke stand ein Schutzmann mit den, Säbel in der Hand. Als das Mütterchen»m die Ecke biegen wollte, bekam sie von dem Schutzmann einen Säbelhieb über de» Rücken, so daß sie vorn- übersank. Ich sagte mir: nun habe ich genug, mehr mag ich nicht sehen.— Rechtsanwalt Heine: Hat das Mütterchen die Polizei bedroht?— Zeuge: Nein, sie ging ja mit allen Zeichen der Angst über die Straße.— Rechtsanwalt Heine: Nahmen Sie au, daß der Schutzmann aus Angst, Furcht oder Bestürzung vor der alten Frau zuschlug?— Zeuge: Dazu war ja gar leine Veranlassung.— Rechtsanwalt Heine: Also das alte Mütterchen kam mit allen Zeichen der Angst daher, wollte ruhig bei den Schntzlenten vorbei und bekam einen Säbelhieb über den Rücken?— Zeuget Ja, so war es.--- R e ch t s a n w o l t Heine: Wie war eS denn mit dem Samariter?— Zeuge: Der kam aus einer Gruppe von Leute», und rief de» Schutzleuten zu: Kommt hierher. Daui, kamen auch die Schutzleute herbei und jagten die Menschen.— R e ck» t s a n w. Heine: Al'o der Samariter machte den Dcmtnziaittcn? Zeuge: Jawohl. Auf eine Frage nach seinem Verhältnis zu der Sozialdeinolratie sagt der Zeuge: Ich habe ei» Mcnschenalter die Soziiildeniokratic bekämpft. Ich bin c>u freier, unabhängiger Manu, einer Geiverkschaft gehöre ick nick», au. Ich arbeite seil 13 Jahren als Mechaniker bei Siemens und gehöre dem Werkverein dieses Betriebes an.— Rechtsanwalt H e i n e m a n n: Dann gehören Sie also zu den Gelben?— Zeuge: Ja. Ich war'/« Jahre zweiter Vorsitzender des gelben Vereins. Wegen Krankheit habe ich diesen Posten niedergelegt.— Bor sitzen der; Gehören Sie einer Sekte an? Zeuge: Nein, ich bin Mitglied der Landeskirche. Buchdruckeretbesitzcr Auge hat gesehen, daß ein Kriminalbeamter einen Manu mit einem Knüppel schlug und dabei sagte:„Was habt Ihr hier zn stehen?" Bei einer anderen Ge- legcnheit sah der Zeuge, daß ein Malt», ruhig au den Häusern ent« langging. Auf dem Straßeudamm stand eine Kette von Schutz« leuteu. Aus der Kette löste sich ein Schntzmaim loS, stürzte auf den einzelne» Mann zu und schlug auf ih», ein. Zetyge Schulze ist Führer einer SanitätSkoloune vom Roten Kreuz. Seiner Angabe nach ist er nach Moabit gegangen, um einen Mann festzustellen, der sich als falscher Samariter unter der Menge beivegie. Er hat den Mann auchgetroffen, es i st ihm aber nicht gelungen, die Persönlichkeit f c st z u st e l l e n. Als der Zeuge im Straßeiibahmvagen faß, hat er die Verhaftung des Angellagten Senf mit angesehen. Senf »ei mit bestürzter Miene in den Wagen eingestiege»,. Der Zeuge habe sich gedacht, der»verde ivohl etwas begangen haben. Senf h a b e s i ch n n n d a r ii b c r a n f g e h a I t e n, d a ß e i n Schutzmann soeben einen, S i sl i e r t e n den Arn, umgedreht hatte, so daß der Sistierte in ge» beugter Stellung gehen mußte. Zwei Schutz- l e u t e seien in d e n W a g e„ gekommen und hätten den Angeklagten Sei, s verhaftet. Auf eine Frage der Verteidiger»ach den Beziehungen der Smnarilcr zur Polizei sagt der Zeuge: Die Sanitätskolomie vom Roten Kreuz habe keine Bezieh,», gen zur Polizei. Die Mitglieder der Sanitätskolonne seien von keiner Seite beaustragt worden,»ach Moabit zu gehen. Außer der Sanitätskoloune vom Roten Kreuz gibt eS noch Samariter vom Verein für freiwillige Kraukenpflege. lieber die Tätigkeit dieser Samariter lau» der Zeuge nichts sagen. Auf eine Frage des Vorsitzenden sagt der Zeuge Schulze: So lveit er eS gesehen habe, sei das Verhalten dcr Poli,ei dtirchauskorrektgewesen. Ja die Polizei habe sich der lärmenden Menge gegenüber zu milde benommen.— RechtSanw. Cohn: Hatten Sie denn das Bedürfnis, Blut zu sehen«— Vorsitzender: Ich bitte doch, solche Fragen zu unterlassen.— Zeuge: Die Menge hat ja so getobt und ge- schrien, daß ich Angst bekam. Ich habe die Milde und Ruhe der Polizei bewundert.— Auf eine Frage de? Staatsanwalts sagt der Zeuge, er habe auch gesehen, daß ein Mann von einem Polizei» lentnaut gestoßen ivurde.— Rechtsanwalt Heine: War das auch zu milde?— Nachdem der Zeuge noch weitere Eutzelheiten mitgeteilt und nochmals seine Bewunderung iiöer die Ruhe der Polizei ausgesprochen hatte, fragt ihn Rechtsanwalt Heine: Ihr Gutachten, daß die Polizei überall maßvoll gewesen ist, bezieht sich doch nur auf das. was Sie gesehen haben? Wenn Sie nun gescheit hätten, daß ein etnzelner'Mann, der ruhiej über die Straße ging, von drei Schutzleuten mit den, Säbel niedergeschlagen und aus den an, Bode», Liegenden„och weiter eingeschlagen Ivurde. so würden Sie wohl das nicht billigen?— Zeuge: Wenn ich nicht wüßte, was los war. dann ja. Wem, man aber die Ursache kennt, dann muß »lan anderer Meinung sein.— Rechtsanwalt Heine: Sie meinen also, wenn Sie den Fall nicht keituen, dann ist die Polizei immer iin Recht. Wenn Sie nun aber gesehen hätten, daß ein ein- zelner ruhiger Mann von drei Schutzleuten mit dem Säbel nieder- geschlagen und auf den am Boden Liegenden noch weiter ein- geschlagen wird, würden Sie das auch für angemessen halten?— Zeuge: Es kommt darauf an, was der Mann g e in a ch t hat. Danach würde ich»sich jedenfalls erst er- kundigen.— Rechtsan w. Heine: Wem, Sie das für au- gemessen halten, dann verzichte ich aus jede weitere Frage. Rechtsanwalt Rosenfeld: Sie sagten, die Kriminalbeamten räumten am besten auf. Wie machten die Beamten das? Zeuge: Dadurch, daß sie erschienen waren.— Rechtsanwalt Rosen- selb: Das ist doch kein Aufräumen.— Zeuge: Danit habe ich mich falsch ausgedrückt. Polizeileutnant Götze g'bt an, daß am 1. Oktober ein Mann festgenommen wurde, der eine Binde mit dem roten Kreuz trug, obgleich er mit dem Roten Kreuz nichts zu tun hatte. Der Mann sagte, er habe aus Menschenfreundlichkeit Samariterdienste leisten wollen. Straße n bahnschaff i, er Juck war in dem Wagen tätig. wo der Angeklagte Senf verhastet worden ist. Auf ihn hat das Aussehen des Angeklagten nicht den Eindruck gemacht, den der Zeuge Schulze empfunden hat. Nach der Wahrnehmung des Zeugen Juck hat sichSenf nicht so verhalten, als wenn er etwa? auf dem Gewissen hatte und vor der Polizei fliehen mutzte. Hierauf wird der A r b e i t g e b e r d e S A»- geklagten Senf vernommen. Er schildert ihn als einen intelligenten, tüchtigen und zuverlässigen Arbeiter. Damit war die Sitzung beendet. Heute um S'/z Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Cinsessngene Druchrchriftm, Hriperion-Almauach auf das Jahr 1911. geb. 3 M.— Daö Se'ben Alexander des Graste» von M.«usmin. 3 M.. geb. 4 M.— Der Daufch von P. Glaudel. Deutsch von Fr. Blei. 3 M., geb. 4 M.— Der Mau», der TanuerStag war, vou G.N.Chesterton. 3.50 M., geb. 4M. H. v. Weber, München. Jahrbuch für sozialen Jortschritt und freiheitliche Welt- anschauung. 2 M. Leipzig, Felix Dietrich. Amtlicher Marktbericht der städtischen MarMaleu-Dkrcttion über de» Grotzbandel üi den Zentral-Marktballcn. Morktlage: Fleisch: Zusuhr genügend, Geichöst schlepvend, Preise sür Schwcinesteisch anziehend, sonst unverändert..Wtld: Zusuvr genügend. Geschäft etwas lebhastcr, Preise fast unverändert. Geflügel: Zuiuhr genügend, Geschäft, flau, Preise schmantend. Fische: Zufuhr mogig, Geschäft schleppend, Preiie svenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preiie»»-> verändert. G emüie. Obst und Südfrüchte: Zujuhr genügend, Geschäjt etwas reger, Preise wenig oerändert. Mittwoch, den 7. Dezember, Ansang VI, Uhr. Königl. Opernhaus. Der Liebes traut. Königl. Schauspielhaus. Der Störenfried. Lefsing. Die Wstdente. Deutsches. Judith. Ülusana« Uhr. Kammerspiele. Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Neues Schauspielhaus. Der Zerrissene. Nachmittags 3 Uhr: Frau Holle. »viniichr Over. Tiefland. Weste». DaS Puppenmädel. Nachmittags 4 Uhr: Rotläppchen. kleines. Verflixten Fraueiiziouuer. l. Klasse. Berliner. Der scharfe Jrmler. Nachmittags 3'/« Uhr: Macbeth. Neues. Der G. m. b. H.-Tenor. Driauo». Der heilige Hat». Refidenz. Der Unterpraselt. Thalia. Polnische Wirischast. Nachmittags 4 Uhr: Hänfel und Gretel. Schiller O.«Wollner• Tbenlei) Prinz Friedrich von Homburg. Sch» h>harlo«trnburg. Das Urbild des Tartnss. Friedrich- Wilhel», städtische». Die Räuber. Neues Cimttcn. Der Gras von Luremburg. Luftipielhau». Der Felbherrn- Hügel. Luisen. Preziosa. Modernes. Der Doppelmensch. .Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. Bollsoper. Die weitze Dame. .(Ans. 8'L Uhr.) Note. Der Wniserjägtr. Folie» Eaprrce. Der Feldwebrl- hllgel.(Ansang 8'/. Uhr.) Meeror.ot. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Julie Wippchcn. iitpano. Spezialinilen. Spezialitäten. Reichsbnllen. Sieitincr Sänget. Winteraareen. Spezialitäten. Walhalla. Bravo! Da capol(An- lang 80« Uhr.) Sanssouet. So wird'S gemacht. Spezialitäle».(Ans. S>/, Uhr.) Kart Havelland. Svczlatuälen. Urania. Taubenftraste 48/4». ZibendS 8 Uhtt Jerusalem. Höriaal 8 Uhr: Dr. E. Börn stein: Steriiwarte, Jnvalldenstr. 57— OS. Lessing-Theater. 7'�Uhr �Jb�enzyNuS, 8. BorstellMH! Donnerstag 8 Uhr: Anatol. Freitag 8 Uhr: Wenn der jM»R« Wein blüht. Berliner Theater. H-ute- DßT Ml JüflkeP.» Mr. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Täglich: ttMM. Ansang 8 Uhr. Ikeater des Westens. 8 Ubr: D»« Pupponnittdel. Mittw. u. Somiab. 4 Uhr: Rotkäppchen. «Sonnt. 3'/, U.; Die aeechiedene Frau. Modernes Theater (frOher Hebbelthealer). Abends 8 Uhir: _ Poppeimenach._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der FeldherrtchugeU Berliner Volksoper Belle-Alliancestratze 7/8.—>/,S Uhr: Die weitze Dame. Friedrlch-WilheiiDstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, 7. Dezember, abends 8 Uhr: Die Ränder. Donnerstag, Freilag: Die der- siegelte Venus. Sonnabend nachm. S'l, Uhr: Die Herinanilschlacht. 8 Uhr zum ersten- mal: Hosgunst. Sonntag: Hosgunst.__ i OSE=THEATE Grotze grantsurle» Str.>32. Ansangst Uhr. Ende 1t Uhr. \J Akt ßaiserjäger. Li Komödie in 3 Akten von Brennert und Oftwald. Donnerstag: Die Millionen- «rbin. Freitag und jolgcudc Tage: Ter Kaiserjaaer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Schnee- wittchen. Ufa nla. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abonds 8 Uhr: Prediger.M i c k I e y, Lychen: Jerusalem nach dem Stande der Altertumsforschung. Hörsaal 8 Uhr: Dr. E. Börastoin: Heizung. KaiHer-fanornma. Wanderung durch die Gifel. Letzte Woche Tirol, Kar- wendet»nd Wetterstein- Gebirge. Ei«>« Reise 20 Pf. Kind nur 10 Ps flbonnern. 1 M. Taus. Abonn. �eMelii-Itieslel� Direttion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank i» 3 Alten v. Leon Gandillot. Morgen und folgende Tage: Der Unterpräfekt. Luisen-- Theater. Abends 8 Uhr: Preziosa. Donnerstag: Preziosa. Freitag: Der Hütlenbesitzer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Zwerg Nase. 8 Uhr: Berlin geht zu Bett. Aletropol- Theater. Hnrra! Wir leben noch! Grotze AuSstattungSreoue in 7 Bildern v. I. Freund. Mustl v. V Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr— Räuchen gestattet. �chlller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Mittwoch, abends 8l»dr: prior Friedrich von»omdurg. Schauspiel in ö Alien o. H. v. Kleist. Ende IG/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: SodoniN Ende. Freitag, abends 8 Uhr: prlnr priedrlcli von Homburg. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch abends 8 Uhr: I>a» Urbild des TurtiiiT. Lustspiel in 5 Auszüge» v. St. Gutzkow Ende io1/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Per Pummkopf.. Freitag, abends 8 Uhr: Pas Urbild des Tartllff. -I I- LICHT-SPIELE Heute Beginn 4 Uhr �eliüler- Vor Stellung. Beginn der Abend-Vorstellung 6 Uhr. Mozart-Saal. 99 CLOU" BERLINER RONZERTHAOS Mauerstr. 82— Zimmerstr. 90/91 Eintritt 50 Pf. !!! Heute!!! Opern-Abend. Dirigent: H. Ulppel. 8 Uhr: Neues Programm. 0 Uhr: Bellini, daS telepathische Phänomen. LlZse Teriy, amerkauisch. Diva zu Pferde und 10 gsvIZö Attraktionen 10. 9feoes Proprramm! 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Vorm Konzert Sonntag 4 ihr: Nachmiitags-Vorstellung Jedon Montag, 9 Uhr abends: Grofies Instrumental- und Vokal-Konzert, ohne Entree-Aulschlag, Wohltätigkeils-MalineeXS' im Hohenzollern-Sport-Palast, Potsdamerstr. 72 Sonntag, 11. Dezember, mittag/!« IS Uhr. Dirigent: Herr General-Musikdirektor Dr. Richard Straub. MITWIRKENDE: Frl. Tilly Hill, Konzertsängarin; Frl. Margarete Ober, KgL Hofoperns Ungerin; Herr Rudolf Borger, Kgl. Hofopemsüngor; Herr Putnam Griswold, Kgl. Hof- opernsängor; Kgl. Opernchor(Direktor Prof. Rüdol). 1. Vorspiel zu rDie Meistersinger,. Eichard Wagner 2. Siegfried-Idyll.......... Richard Wagner 8. EX. Sinfonie mit Soli und Chor.. L. v. Beethoven |MV~ SitKplUtzse zu 10, 5, 4 n. 3 31 und Steh plütze zu S 31., auch ganze VImcIic zu O. 8 u. IS Platzen sind von Mittwoch, den 7. Dezember zu haben in der Hoftuusikalienhandlung von Bote& Book, I.eipzigerstr. 37, in der Musikalienhandlung von Stahl, Potsdamerstr. 39, A. Wertheim, LeipzigerstraDe und an der Kasse des Sport-Palastes. 11. Dezember bla 3 l'hr nachmittag!* anderen Karten dos Sport• Palastes aufgeliobcn. [ bonntag, sind alle Schwarzer Richard Arnhold, Adler Lichten- Frankt. Chaussee 5. Jeden nittwoeh;-Vi« Gr. humor. Soiree der altrenomm. beliebten Leipziger Sänger ehem. Mitglieder der„Kuge-Zimmermann Leipziger Sänger" Herren Meusel, Acke, SennhSfer, Held, Werner, Stephan und Robin. Modern. Dezent. I»'««h Scr vorsteiiunc: Stets wechselndes Programm.| Tanzkränzchen. Anfang 8 Uhr. VorzngKhartcn babcu Gültigkeit. Bosporus am Moritzplatz. Das ißavlcte- Konsum« System war das Richtige. Entree frei. Sie lösen nur ein Pro- aramm für 2l> PI. pro Person, damit haben Sie ein GlaS Munchener oder Pilsener Bier bezahlt. b Uhr: Gas vollständig neue Vsrieth- Programm. Von 11—1 Uhr: Künstler• Konzert Dir. Roh. Krüger. Excelsior Liditspielhaus Rix dort, Bergstr. 151/152. Hcnte npoe« Programm, u. a.: Scmframls, ein großes Drama aus der babylonischen Geschichte. Max nnd Müller, die beliebten Humoristeh in ihren neuesten Szenen; Max hat neue Stiefel an, Müller wird das Opfer seiner Redlichkeit.— Als Einlage: Der Brand der Benzintank.. In Knmn.elobnrg. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der heilige Hai». Alt-Moablt 47/48. Ssnnabend. den IQ. Dezember, nachmittags 4 Uhr: Große Kinder-Vorsttiiung: Max u. Moritz Nach der Vorstellung: Gr. Gratis Verlosung. Casino Theater L»tbniiger Strotze 37. Täglich 8 Uhr. Das Original Berliner Bollsstück Julie Wippchen. Urberliner Humor t Urberlinrr Typen l Im Stile der ehem. Wallner-Bühne. Vorher erstllasstger bunter Teil. Sonnt, d'/i Uhr: Oer Hochmutsteufel. Mittwoch, den 7. Dezember, abends 7'/» Uhr: Neul Neul 8elbinl Vrappe, 5 Verf., alS Radsahrer u. Rollschuhläuser. Neu! Maud Elton mit ihrer Hundeineute. Der ttreisel-Globus neueste Kreation deS Drrelwr kldert bellumann Apachen zu Pferde, geritten v. Frl Uora Schomsan u. Herrn Karl Heb sowie die übrigen SlttraMonen. g-/, Uhr. Her groke Coup der Schmuggler. Romantische Pantomime in 4 Akt. BoUschuhba/� KurfUrstendamm 151 Täglich geöffnet 1—1 Vorm., 3.30— 12 Hachm Konzert 3.30— 12 Nachm. Sonntag geöffnet 11-2 Vorm., 8.30—12 Nachm Konzert 12—2 und 3.30—12. Passage-Panoptikum, Der Riese Morgen, Donerstag zum ersten Male zu sehen! Der bearnalitcho Riese. der grilüte Tlensch, der Je Kelebt, ist HO mm (CrUUer als Machnow t lebend! MW Ohne Extra-Kntree! Mi Thkater„Groß-ötlim" Millwoch. 7. Dez.:?Heu« Welt, Hascuheide. uhr'- Das Lecht der Nuttkr 30— 50—75, 100 Pf. Auf Vorzug: 20. 30, 50, 00 Ps. Tiefes Inserat gilt als Vorzugsbillett. N. d, Theater: Tanz. Abou. 20-30 Ps. Donnerstag Puhlmann- Theater: Die giäuber. i Am Mittwoch Am Donnerstag (l B rauorei) Uaide-(Union'- I. GroOs Weihnachts- Kindervorstellung Märchen und lustige Schnurren. Anfang 3 Uhr. Zirkus Busch- Mittwoch. 7. Dez., ab. TO. Ubr; Kr. Kala-Vorstellaus. 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Mittwoch, den 7. Dezember IMG: Haus Sachs. Schauspiel in 4 Auszügen v. Johann Ludwig Deinhardsteln. Kasfeneröfsnuiig 7»Hr. Ans. 8 Ubr. Köötystadt-Kasino. Holzmarktnr. 72, Ecke Aler anderstrabe, Täz'.tch: Eranz 8obani,1tt. Neu I, Gesobw. Gau. Max Vleroier. Aldprl Hteolaus. Gesotiw, Sunder- nr-nn. Mstr. Maximilian, utufttal Clown. Molly Vereh nfw. (Tnter der blühendea linde Biograph-Vorführungen. Ansang 8 Uhr. Sonntags 0'/, Uhr. fteichshallen-Tliealer. Stettiner Sänger. Weihnachts- Programm 1 Bei Vater'n»* WcihnachtSbitd v.Mehscl. Anfang wochentags « Uhr SvÄnIagS V Uhr- liucs'thcutsi'. Pestsäle und Kincmator�raph vorm. Grotsrjan, Jnbab.: Rud Merz, Schönhauser Allee 1*9. TÄ.8, 9353. I.cbcnde PhotAKf-apbien. Eintrill 30 u. 40 Ps. Sin» er bw Holste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vrirzug»ieck«s. Programm. vei'maiiia-P?'aedt-8Sis Varl Hiebtor. X., ChnuMMCc-StraOe 110. Heaft r#_ Mittwoch; ßL Panl Kantheys Anfang§ KTbr. feintzitt 90'Pf. Nachi/em: Prri-Tan». — Voi»iugsk*rten gehen.: FVzroen Donnerstag; Groll-an nilitAr- Konzerl. � den Inhalt der Int, übe miMtnr d» Redattien Po itziiku« gegenadcr kein P /rantwortung. Creiüt-Haus ,BelIealliaiice" BellealUtnco-Str. 100, 1. Et&ge. f aren u. Höbe] a. kvltnt. Redlnff. Berliner Credit-Haus BV Kommandantenstr. 67."332 it- Turmstraße 55, Ecke Waldstr. pwährtjedeeüb. spielend leichter An- u. Abzahlung mehpJShrlgen Kredit auf Waren und Htabet. lAsote.S. ÄS, Auf Abzahlung gibt Wllh. Nearaann, Pappelallee 83 Waren, Möbey Garderobe. wfii(i,öii,SÄfr c Alkoholfrei�GetrSnfc� Sinalco(Bilzl)rause) Oan.-VertreL QttO StaflCk fliO, Landsberger Allee 6/7. - Fernruf VIl; 1666 u. 1864.- f ranz Abraham HaoA. Messina-u.Römertrank-Kell. > 4, Schlegelat.d, Fernsp. 111,7727. Im Brnii« MÄaSS: ftnttrh Seiter- u. Limonad.-Fabrik IlCUlfl, Thaeretr. 44. T.A.7,8176. � � Bettes alkehol- Ata�i kteie» öetränk. 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O.Brnnm��Ti�r28- Stenzel.L.�auchObst0 t«itwörtlich«r Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den gnseratentei! vetantw.: T?7Gl-ckr, Berlin. Druck u. Verlag iZZorVart««uchdruckerei u. BerlagSanftalt Paul Singer Sc To« Berlin SW. Dr.M. 27. Zahrgavs. z. Ktilme dis Lamärts" Kkllim WllisdlM Mittwoch. 7. Dezember t910. berliner j�ackricdten. Zum Äinderschutzgesctz äußert sich jebt zum ersten Mal auch die S ch u l d e p u t a t i o n der Stadt Berlin in ihrem Jahresbericht. Der eben rrichienene Bericht über das Schuljahr 1909/10 klagt, daß dieses Gesetz immer noch z u wenig beachtet werde. Gefehlt werde besonders gegen die Bestimmungen, daß Kinder über 12 Jahren nicht länger als 3 Stunden tätlich beschäftigt werden dürfen, daß ihnen um mittag eine mindestens zwei- stündige Pause zu gewähren ist, und daß am Nachmittag die Beschäftigung erst eine Stunde nach beendetem Unterricht be ginnen darf. Auch werde nicht überall die Vorschrift befolgt, daß das Austragen von Zeitungen, Milch, Backwaren, sofern es für Dritte geschieht, nicht vor 8 Uhr früh und nicht nach 8 Uhr abends erfolgen darf. Häufig koinnie es auch vor, daß Kinder ohne Arbeitskarte beschäftigt�werden. Ueber die Versuche, d u r ch d i e S ch u l e d i e s e n M i ß- brauchen zu begegnen, bringt der Bericht die folgende sehr beachtenswerte Mitteilung:„Rektoren und Lehrer, die sich bemüht haben, für Kinder ihrer Schule oder Klasse die Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen durch die beteiligten Gewerbetreibenden zu erreichen, haben durch ihre Bemühungen vielfach nur bewirkt, daß die Kinder entlassen wurden, und daß die Geschäftsinhaber für ihre Dienste sich Kinder aus anderen Schulen suchten, in denen die gewerbliche Beschäfti- gung der Kinder weniger genau überlvacht wurde". Man sieht, daß n i ch t n u r N o t f o n d e r n auch Profitgier erfinderisch macht. Gegenüber solchen Kinderaus- bcutungsgelüsten hebt der Bericht hervor, daß die sorgfältige Befolguniz der Vorschriften des Kinderfchutzgesetzes dringend nötig sei im Interesse der Gesundheit unserer Volksschulkinder. Ter Schule sei es ohne große Mühe möglich, festzustellen, ob und wie weit bei ihren gewerblich beschäftigten Schulkindern das Kinderschutzcjesetz beachtet wird. Bei einer von allen Schulen gleichmäßig und konsequent durch- geführten Kontrolle werde nur selten noch eine Uebertretung vorkommen. Um das zu erreichen, hat die Schuldeputation den Rektoren eine übersichtliche Zusanimen- stellung der Bcstiinmuiigsn des Kinderfchutzgesetzes zugehen lassen. Wenn Uebertretungen erniittelt werden und Vor- stellungen bei den Eltern oder dem Gewerbetreibenden nichts helfen, soll den Schulinspektoren Bericht erstattet und dieser an das Polizeipräsidium weitergegeben werden. Wir vermuten, daß die Schuldcputation erst durch das entschlossene Vorgehen unserer in der Kinderschuh- kommission tätigen Genossen und Genossinnen zu ihrem jetzigeil Eifer aufgeinuiltert worden ist. Hoffentlich vergißt sie nicht, in ihrem nächstjährigen Bericht genau mitzuteilen, welche Erfahrungen sie in diesem verschärften Kampf gegen die Kinderausbeutnng gemacht hat. Es ist übrigens nicht ohne Interesse, zu sehen, lvie weit die Schuldcputation selber die gewerbliche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder be- günstigt. Im letzten Schuljahr wurden in Berlin 18o2 Ge- meindeschulkinder noch vor Vollendung der Schulpflicht vom Schulbesuch dispensiert. Solche Dispensationen werden lediglich zu dem Zweck, schon die dreizehnjährigen Kinder voll zur Erwerbsarbeit benutzen zu können, nachgesucht und bewilligt. Aus der städtischen Verkehrs-Teputation. In dem Entwurf der Nord-Südbahn ist u. a. die Anlage einer Haltestelle an der Gerichtstraße vorgesehen; die beiden benachbarten Haltestellen sollen an: Wcdding und an der See- straße liegen. In der letzten Stadtverordnetenversammlung ist der Wunsch geäußert worden, an der Kreuzung der Nord- Südbahn mit der Ringbahn am Bahnhof Wedding eine Halte- stelle anzulege». Demgemäß hat die Verkehrs-Deputation in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, daß zwischen den Unter- grund-Bahnhöfeil Wedding und �oeestraße zwei Haltestellen, und zwar an der Ringbahn und am Leopold-Platz, vorgesehen werden. Die hierfür entstehenden Mehrkosten werden über- schläglich auf 300 000 M. geschätzt.— Um einer vom Minister der öffentlichen Arbeiten gege- benen Anregung betreffend die Benutzung der Köthener Brücke zur Ucberfnhrung von Straßenbahnliinen und damit eine Entlastung der Potsdamer Straße und des Potsdamer Platzes stattzugeben, beschloß die Verkehrs-Teputation, über den Bau eines Teiles der von den Gemeindebehörden, sowie auch vom Polizei-Präsidcnten grundsätzlich schon gcnehinigtcn städtischen Südlinie„Großgörschcnstraße— Krausenstraße— bezw. Behrenstraße", die mittels der in wenigen Tagen zu er- öffnenden Köthener Brücke den Landwehrkanal überschreitet, sowie über eine eventuelle Benutzung der herzustellenden Linienstrecke zwischen dem Schönebcrger Ufer bis zu den vor- handenen Gleisen in der Prinz Albrechtstraße durch die Züge der Großen Berliner Straßenbahn, von neuem mit der Gesell- schaft in Verhandlung zu treten. Bisher hatte die Große Ber- liner Straßenbahn einem Ersuchen der Tiefbau-Deputation gegenüber auf Kosten der Stadt bei dem Neubau der Gleise auf dem Schönebcrger Ufer die kurze nach der Brücke herauf- führende Verbindungskurve mit einzubauen, abgelehnt.— Die Deputation genehmigte ferner einen Abänderungs- Vorschlag der A. E.-G., nach welchem die von ihr geplante Schnellbahn Moabit— Ripdorf in dem Teile südlich des Wasfertorplatzes nicht mehr um die Mclanchthonkirche nach der Urbanstraße gehen soll, sondern nach Kreuzung des Kanals über das Kottbuser und Planuser durch die Grimmstraße nach der erstgenannten Straße geführt werden soll. Auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordneten- sifeung am morgigen Donnerstag stehen eine Reihe wichtiger Vorlagen. Zunächst soll die Debatte über die Verkehrsfragen fortgesetzt werden. Von Bedeutung ist auch die Bericht- erstattung über die einem Ausschusse überwiesene Vorlage über Nichtbcwilligung von Mitteln zur Entsendung von 51in- dern in Heim-, Heil- und Erholungsstätten. � Ferner stehen zur Beratung der Erlaß eines Ortsstatuts gemäß 8 195 d Absatz 2 der Gewerbeordnung über die Einschränkung der Sonntagsarbeit im Kleinhandel, der Verkauf des Scheunen- vierteis. sowie die Erhöhung der Hundesteuer von 20 M. auf 39 M. jährlich. Sterngucker. Zu der kleinen Plauderei„Sterngucker" in Nr. 283 des„Vorwärts" senden unS die Aussteller des Fernrohrs am Mttenbergplatz eine dahingehende Berichtigung, daß es sich in diesem Falle nicht um ein Zeiß-Fernrohr. sondern um ein vom Vorzeiger des Instruments selbst erbautes uach Herschel konstruiertes Spiegel-Tcleskop handelt. Des ferneren legen die Herren Gewicht auf die Feststellung, daß ihr Instrument an jenem Abend weder aus den Mars noch auf den Mond, sondern auf andere Ge-- stirne eingestellt war; sie versichern auch, daß sie ihr Instrument keineswegs ollein des Profits halber zeigen, sondern gleichzeirig in der— gewiß anerkeiincnswerte»— Absicht, Aufklärung über die Sternenwelt zu verbreiten. Im übrigen bemerken wir gern, daß wir bei der kleinen Schilderung keineswegs die Absicht hatten, den Ausstellern des In- struments irgendwie nahe zu treten, wie ja ganz selbstverständlich die launige Schilderung nicht wortwörtlich zu nehmen sein sollte. Die Zahl der unicrcchtigt zur Kirchensteuer Veranlagten ist auch in diesem Jahre außerordentlich groß. Einmal werden viele Per- sonen zur Zahlung von Kirchensteuern veranlagt, die seit vielen Jahren aus der Kirche ausgeschieden sind und keine Kirchensteuer zu zahlen brauchen, zum anderen sind wieder Personen von der katholischen Kirchengemeinde veranlagt worden, die nie katholisch waren und umgekehrt. Die Schuld an diesen Vorkommnissen wälzen die Kirchengemeinden auf den Berliner Magistrat ab, von dem sie behaupten, er liefere ihnen diese unrichtigen Listen, auf Grund deren die Veranlagungen erfolgten. So wurde einem Dreher G. aus der Swinemünder Straße 84, der vor länger als zwei Jahren aus der evangelischen Kirche ausgeschieden ist, aber von der katholischen Gemeinde zur Zahlung von Kirchen- steuern veranlagt wurde, auf seine Beschwerde auf dem Bureau der katholischen Kirchengemeinden von Groß- Berlin erklärt, G. sei in der von der Steuerdeputation des Magistrats ein- gereichten Liste als katholisch gemeldet. Derselbe G. erhielt außer- dem von der evangelischen Stadtsynode eine Veranlagung für seine angebliche Ehefrau, obwohl G. noch unbeweibt ist. Das sind nur einige kleine Proben aus dem massenhaften Material, das uns in dieser Angelegenheit zugegangen ist und das aus die Ordnung in den Steuerlisten des Magistrats ein grelles Schlag- licht wirft. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch auf die zahlreichen Klagen hinweisen, die sich auf die Erledigung der Einsprüche gegen unberechrigte Veranlagung zur Kirchensteuer beziehen. Die Reklamanten klagen darüber, daß sie zuerst durch die unzulässige Kirchensteuerveranlagung belästigt und veranlaßt werden, zu rekla- mieren und dann nach monatelangem Warten keine Antwort auf ihre Eingabe erhalten können. Ermäßigte Eintrittskarten zur Ausstellung der Sezession(25 Pf, statt 1 M.) sind durch die Verwaltung des G e w e r k s ch a f t S- Hauses zu beziehen. Die Beauftragten der Organisationen können die Karten im Bureau der Herberge in Empfang nehmen. Einzelne Karten werden bei Vorzeigung der Mitgliedsbücher im Zigarren- geschäft von Horsch ausgegeben. Zur Geschichte der„Bolkskrankenkasicn". Wir haben in unserem Blatte wiederholt vor dem Beitritt zu sogenannten„Volkskrankcnkassen" gewarnt und haben auch eine ganze Reihe Warnungen des Polizeipräsidiums vor solchen Kassen mitgeteilt. Trotzdem lassen sich immer noch viele Personen von zungenfertigen Agenten beschwatzen und werden Mitglieder. Erst zu spät sehen dann die Leute ein, in welche Hände sie ge- fallen sind. Die Enttäuschung tritt dann ein, wenn in einem Krank- heitsfalle Ansprüche an die Kasse erhoben werden. Dann wird vielfach erklärt, daß Unterstützung nicht gezahlt werden könne, weil das Mitglied an der betreffenden Krankheit schon früher gelitten hätte und weil in diesem Falle die Kasse nicht zahle. Vielfach wird auch in solchen Fällen den Mitgliedern erklärt, sie hätten bei der Aufnahme eine frühere Krankheit verschwiegen, weshalb man das Mitglied ausschließen müsse. Aber auch auf andere Weise werden die einer solchen Kasse Angehörigen geschröpft und zwar selbst dann noch, wenn die Kasse pleite ist. Die Mitglieder werden für eine gewisse Zeit noch zu Leistungen herangezogen. In welch ungenierter Weise dieses Ge- schüft betrieben wird, dafür möge ein Zirkular sprechen, das ein Herr W. Werner aus Hohenneuendors an Mitglieder verschickt. Dieser Herr Werner bezeichnet sich: Amtlicher Liquidator und Direktor und versendet Zirkulare folgenden Wortlauts: Sie haben es doch nicht etwa vergessen, daß Sie der„All- gemeinen Volkskrankenkasse E. H. 126 in Liquidation in Berlin". auf Grund des gegen Sie ergangenen Urteils, einschließlich Kosten 30.55 Marl noch zu zahlen habe». Di« Zwangsvollstreckung ist seinerzeit gegen Sie fruchtlos ausgefallen, so daß ich nunmehr das Offenbarungseidverfahren einleiten und schließlich Lohnpfändung vornehmen müßte, wo- durch Ihne» natürlich immer mehr Kosten entstehen würden. Da die weiteren Vollstrcckungsmaßregeln innerhalb 36 Jahren täglich vorgenommen werden könne», so haben Sie bis dahin kaum Ruhe. Ich möchte nun das Liquidationsverfahrcn gern bald erledigen und will Ihnen insoweit entgegenkommen, als ich Ihnen folgenden Vorschlag mache: Sie zahlen innerhalb 2 Wochen zur Abgeltung sämtlicher Ansprüche 21 Mark. Dadurch bekommen Sie endlich Ruhe und sind die Sache ein für alle Mal los. Ich habe nun alles getan, um Ihnen die Abtragung der Schuld leicht zu mache». Können Sie innerhalb der Frist den Betrag auf einmal nicht zahlen, so bin ich evtl. bereit, die Frist um einige Wochen zu verlängern, evtl. auch Ratenzahlungen zu bewilligen, bei kleineren Ratenzahlungen fällt aber die Er- Mäßigung weg. Nach fruchtlosem Ablauf der Frist würde ich mich mit Fordcrungseintreibcrn in Verbindung setzen und können Ihnen dann leicht Unbequemlichkeiten entstehen, für Ivelch« Sie mich dann aber nicht verantwortlich machen dürfen. Etwaigen An- fragen ist Porto für die Antwort beizufügen. Ergebenst Werner. Liquidator. Der Inhalt des abgedruckten Zirkulars spricht für sich selbst und läßt recht sonderbare Schlüsse auf den„amtlichen Liquidator" zu. Wir wollen gar nicht davon reden, daß die Androhung der Lohnpfändung gesetzlich unzulässig ist, wenn der Betroffene nicht über 1500 Mark jährliches Einkommen hat. Feststellen woller. wir nur, weß Geistes Kind dieser Herr Werner und die sogenann- ten„Volkstrankenkasscn" sind._ Die Einnahme der städtischen Straßenbahnen im November 1910 betrugen 136 328.45 M, gegen 74 662,60 M. im November 1909, das ist eine Tageseinnahme von 4544,28 M, gegen 2488,75 M. im November 1909. Es wurden insgesamt 1 508 568 Personen gegen 794 999 Personen im Vorjahre befördert. Die Anzahl der im No- vember gefahrenen Wagenkilometer(Motorwagen und Anhänge- wagen) ist von 134 171 des Borjahres auf 250 767 gestiegen. Recht unerfreuliche Zustände scheinen in einem Teil der Königl. UniversitätS-Polikliniken. von denen heute nur diejenige für Haut- krankheiten herausgegriffen fei, zu herrschen. So wird beispirlö- weise seitens der Patienten Klage geführt, Waschgelegenheiten, sogar solche mit warmem Wasser, seien in dem gedachten Institut(Männer- abteilung) zwar vorhanden, jedoch nur für die Herren Aerzte. Die einzige andere Wasserleitung, die im übrigen zumeist umlagert ist,. dient dem Spülen der Uringläser. ES ist wiederholt vorgekommen, daß Patienten, die nach beendigter Untersuchung das— wohl begreif» liche— Bedürfnis fühlten, die Hände zu säubern, von den Aerzten selbst von„ihrer" Waschgelegenheit verwiesen wurden. Das mutet um so seltsamer an/ als beispielsweise bei Gonorrhoepatienten die Aerzte gar nicht genug zu peinlichster Sauberkeit— inbesondere der Hände— ermahnen können. Hier aber läßt man die Patienten, die noch soeben ihre kranken Gliedmaßen, eitrige Watt-, usw. berührt haben, einfach laufen; dadurch kann ihre Krankheit im nächsten Augenblick durch eine unbedachte Bewegung leicht auf die eigenen Augen übertragen werden oder es können mit denselben un- gesäuberten Händen alle möglichen anderen Dinge, wie Türklinken, Straßenbahngriffe usw., ja womöglich sogar andere Menschen berührt werden. Das geschilderte Verfahren widerspricht den einfachsten Forderungen der Hygiene und erfordert schleunigste Abhilfe._ Das Gerücht von einem Morde war gestern in Cbarlottenburg verbreitet, es stellte sich aber nach näherer Untersuchung heraus, daß es sich um einen Selbstmord bandelte. Gegen 6 Uhr morgens wurde der 42jährige Schankwirt Menzel, Galvanistr. 10, in seinem Lokal mit einer Schußwunde aufgefunden. Da er noch schwache Lebens- zeichen von sich gab, wurde Menzel nach dem Krankenhause Westend geschafft, wo er bald nach seiner Aufnahme starb. Wie es beißt, war Menzel in verschiedene Prozesse verwickelt, durch die et sehr erregt wurde und die ihn schließlich zur Waffe greifen ließen.- Erschossen hat sich gestern unter einem Stadtbahnbogen an der K-rfärstenallee im Tiergarten der 50 Jahre alte Kaufmann Bernhard Sinon aus der Magdeburger Str. 24. Schlechter Geschäftsgang hatte ihm den Revolver in du Hand gedrückt. Todessturz aus der vierten Etage. Einen gräßlichen Selbstmord verübte Montagabend das 21jährige Dienstmädchen Berta Müller, das bei einem Kaufmann in der Fasanenstr. 65 in Stellung war. Die M. versah ihren Dienst zu größter Zufriedenheit ihrer Herr- schaft und war sehr lebenslustig. Am Sonntag hatte das Mädchen noch mit einer Freundin ein Vergnügen besucht und war erst spät zurückgekehrt. Am Montag zeigte die M. keinerlei Veränderung in ihrem Wesen. Als die Herrschaft fortgegangen war, öffnete das Dienstmädchen das Fenster ihres in der vierten Etage belegenen Zimmers und stürzte sich auf den Hof hinab, wo sie mit zer« schmetterten Gliedern blutüberströmt liegen blieb. Ehe ein hinzu- gerufener Arzt zur Stelle war, war die Unglückliche verstorben. Ueber das Motiv zu der Tat ist nichts bekannt. Einen eigenartigen Butterhandel betrieb seit einiger Zeit der 23 Jahre alte, aus Wronke gebürtige Kaufmann Paul Kauffmann. der von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen wurde. Er be- stellte durch den Fernsprecher auf einen beliebigen Namen Butter, die gege» Nachnahme nach einem bestimmten Orte geschickt werden sollte. Nachdem die Verkäufer die bestellle Ware als Eilgut hatten abgehen lassen, erbat sich Kauffmann durch einen Voten von ihnen ein Duplikat des Frachtbriefes. Dieses versah er dann mit dem Vermerk, daß die Sendung ohne Nachnahme herausgegeben sei. Auf den so gefälschten Frachtbrief hin wurde dann auch von der Eisen- bahnverwaltung oder vom Spediteur die Butter immer ohne Zahlung ausgehändigt. Dieser Schwindel ist in vielen Fällen ver- übt worden. Eine geschickte Wechselfallenschwindlerin operiert gegenwärtig in den südlichen Stadtteilen. Sie sucht kleinere Geschäfte auf, kaust für wenige Pfennige etwas und gibt Ein- und Zweimarkstücke in Zahlung. Kaum hat der Verkäufer das Wechselgeld aufgezählt, so entdeckt die Kundin plötzlich, daß sie genügend Kleingeld hat. Durch Gespräche sucht sie nun die Aufmetksoinkeit des Verkäufers abzulenken und dabei streicht sie sowohl das Zweimarkstück als auch das Wechselgeld ein. Die Wechselschwindlerin arbeitet so geschickt, daß ihr Manöver nicht leicht entdeckt wird. Erst später, wenn die gefährliche Kundin dem Laden längst den Rücken gekehrt hat, werden die Geschädigten aufmerksam. Gänsebrüste im Werte von 1000 Mark erbeuteten Einbrecher, die nachts in das Geschäft des Kaufmanns Hans, Fnedelstr. 33, ein- drangen. Die Diebe verschafften sich mit Hilfe von Nachschlüsseln Zutritt zu den Arbeits- und Lagerräumen. Sie packten über 400 Gänsebrüste in Säcke ein und schleppten die schwere Beute ungehindert fort. Der Bestohlene ist durch die Bande um 1000 Mark geschädigt worden. Zu dem Automobilunfall in der Koloniestraße, über den wir in der Sonnabendnummer auf Grund einer Korrespondenz berichteten. teilt uns der Führer des Wagens mit, daß er keinesfalls schnell gefahren sei und daß ihm an dem Unfall der kleinen Werner, Exerzierstr. 5 wohnhaft, keine Schuld beigemessen werden könne. Die Räder des Wagens seien der Kleinen auch nicht über den Leib gegangen, sondern eS fei ein Oberschentelbruch festgestellt worden. Erwiesen sei auch nicht, daß dieser durck den Kraftwagen herbei« geführt worden sei. Er. der Chauffeur, habe die Verunglückte sofort in seinem Wagen nach der Unfallstation und von da nach dein zirankeiihause gebracht und sei dann selbst mit Zeugen nach dem Polizeirevier gegangen, um dort den Vorfall zu Protokoll zu geben. DaS Dezembrrprogramm des Wintergartens bietet mehrere neue interessante Nummern, die für sich allein schon einen Besuch der Vorstellungen lohnen. Vornehmlich ist die Akrobatik gut vertreten. Die Leistungen der Gebrüder Wille auf der frei mit den Füßen balanzierien Leiter und an der großen BambuSstange gehören zu den schwierigsten, was bisher auf diesem Gebiete geboten worden ist. Und auch die Produktionen der chinesischen Gauklerfamilie Shanghaihien zeugen von einem außergewöhnlichen Können, wenn auch einzelne ihrer Darbietungen nicht gerade ästhetisches Empfinden auslösen, da sie für die Ausführenden recht schmerzhaft sein inüsien. — z. B., wenn zwei der Chinesen sich mit ihren Zöpfen an frei herab- hängende Drahtseile binden und dann die Beine so ineinander ver- schränken, daß eine lebende Schaukel entsteht, an die sich obendrein noch zwei andere Personen der Truppe hängen. Ebenso ist die Musik und die Gesangskuust im diesmaligen Programm gut ver- treten; die erster« durch vier guatemalische jylophon-Virtuosen, die levtere durch die elegante Pariser Chansonette und Tänzerin Liane D'Eve, deren Auftreten besonders bei der Lebewelt stets Beifalls- stürme entfesselt, denn Mademoiselle Liane wechselt ihre prächtigen Kostüme auf der Bühne vor den Augen der Zuschauer. Nicht ver- gessen werden darf der Sportakt von Olympia Desvall, der in der Vorführung eines prachtvoll dressierten PferdeS und einer zahl- reichen, die schwierigsten Kopfsprünge ausführenden Hundemeute besteht. So kommt jeder Besucher auf seine Rechnung. Der, der akrobatische Künste, wie auch der, der Musik, Gesang, Tanz oder Tierdressuren liebt. Zeuge» zum Moabit« Prozeß gesticht. Personen, die gesehen habe», wie ein Mann in der Nacht vom 26. zum 27. September Ecke Turm- und Beusselstratze von Schutzleuten mit Säbeln nieder- geschlagen wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Herrn Rechts- anwalt Bahn, Alt-Moabit, einzusenden. Vor allem kommen ein Wächter einer Wach- und Schließ ges ellschaft und ein radfahrender Kontrolleur oder Oberwächter jener Wach- und Schließ- gescllschast in Betracht und ein Herr, welcher bei beiden um Schutz bat. Leser, welche mit den Betreffenden zusammen kommen, wollen sie auf diese Veröffentlichung aufmerksam machen. Vorort- Nach richten* Rixdorf. An die arbeitende Jugend. Da die Schüler- und Schülerinnen- abteilungen von der Polizei gewaltsam geschlossen worden sind, er- richtet die Freie Turuerschaft zwei neue Abteilungen für die schul- entlassene Jugend. Diese turne» von jetzt ab Mittwochs von Va? bis Vaö llhr und Freitags von Va7 bis Vaö Uhr. Die Abteilung für schulentlassene Mädchen turnt zuerst am Freitag, den 9. Dezember, Mittwochs zur selben Zeit die Jünglinge. Schulentlassungszeugnis ist als Legitimation mitzubringen. Das Turnen findet für beide Abteilungen in Hoppes Festsälen, Her- mannstratze SS, statt. Tchöneverg. Aus der Stabtverorbitctenversammlnng. Zunächst wurde die zurückgestellte Frage die Unterstützung des Bundes für Mutterschutz betreffend, erledigt. Ter Referent Genosse Bernstein betonte hierzu: Durch den eingesetzten Revisor sei nachgewiesen worden, daß Unregelmäßigkeiten nicht vorgekommen sind. Die Tätigkeit des Bundes für Mutterschutz sei eine segensreiche, weshalb ein- gegriffen werden sollte. Die bereits zugesagte Unterstützung jetzt zurückzuziehen, heige sich gegen den Bund erklären.— Die Liberale Vereinigung hatte ihren Antrag, 199 M. zu gewähren, zurück- gezogen, der sozialdemokratische Antrag, 299 M. zu geben, wurde abgelehnt.— Die Vorlage des Magistrats, zwei Schulärzte im Hauptamt als höhere Beamte auf sechs Jahre mit einem Gehalt von 6999 M. anzustellen, wurde einem Ausschutz über- wiesen, dem die Genossen Küter, Mag na n und Rott- l ä n d e r angehören. Genosse Molkcnbuhr erstattete den Bericht des Aus- schusses, der sich mit der F l e i s ch n o t zu beschäftigen hatte. Nachdem Redner nochmals die Ursachen der Fleischnot dargelegt Und auf den Widerstand der Agrarier hingewiesen hatte, die letzten etwaigen Maßnahmen, der Misere zu steuern, teilte er mit, daß erwogen worden sei, ob von der Freibank Fleisch bezogen werden könnte. Hiervon habe man Abstand genommen, da auch dieses Fleisch als minderwertig anerkannt wurde. Dagegen werde der Magistrat ersucht, die Einfuhr und den Vertrieb von Seesischen in Erwägung zuziehen. Beschlossen wurde. daß die Versammlung die Antwort des Ministeriums für Land- Wirtschaft, Domänen und Forsten in bezug auf die Fleischteuerung als stichhaltig nicht anerkenne, ihre Forderung auf Aushebung der Zölle aus Futtermittel, Vieh und Fleisch sowie der schikanösen Erschwerungen der Einfuhr aufrechterhalte und sich vorbehält, sie bei jeder geeigneten Gelegenheit wieder geltend zu machen. Ferner wurde beschlossen, der llmgemcindung der beiden zum Teil in Schöneberg und Friedenau liegenden Grundstücke Däumich und Sachs zuzustimnien. Hieraus gelangte die Vorlage die Arbeitslosenversiche- r u n g betreffend, zur Debatte. Stadtverordneter Peine(Lib.) wies darauf hin, daß ein großer Teil der Notstandsarbeiter nicht aus organisierten, sondern aus unorganisierten Arbeitern bestehe, die Vorlage spreche jedoch nur von Arbeitern in Vereinigungen und von Sparern. Dieser Vorlage fehle jedes soziale Empfinden. Der verstorbene Bürgermeister Wilde hätte derartige Flickarbeit nicht vorgelegt. Genosse Bernstein meinte: Die Vorlage komme sehr spät. Mit der Volkszählung hätte gleichzeitig eine Ar- beitslosenzählung stattfinden müssen. Auch die sozialdemokratische Fraktion habe an der Vorlage vieles auszusetzen, erkenne jedoch das gute Prinzip derselben an. Dieses Beispiel werde für Groß- Berlin anfeuernd wirken und da dürfte niemand zurückstehen. Wohl seien in der Vorlage Härten enthalten, die beseitigt werden müssen. Die Limistierung des Betrages 15 999 M. sei zu eng begriffen, sollte der Betrag nicht ausreichen, dann müßte eben nachgefordert werden. Daß der Zuschuß nicht gewährt werde, wenn die Arbeits- losigkeit durch eigene Schuld entstanden, ist eine außerordent- lichc Härte, die nur dadurch beseitigt werden könne, wenn die Gewerkschaften darüber entscheiden, ob eigene oder nicht eigene Schuld vorliegt. Ebenfalls sei der Satz: Arbeiten der Stadt gelten stets als passend, zu streichen, da dieser Passus nur dazu angetan sei, Konflikte heraufzubeschwören. Tie Einsicht der Stadt in die Buchführung der Gewerkschaften könne sich natürlich nur daraus erstrecken, inwieweit die Unterstützung bei de» Organisationen ge- währt werde. In der Hauptsache würden selbst die Gctverkschaften das Statut anerkennen. Daß den Nichtorganisierten, solveit die- selben in der städtischen Sparkasse als Sparer eingetragen sind, die Hälfte des Betrages zurückerstattet wird, als sie während der Ar- bcitslosigkeit abgehoben, jedoch nicht über 1 M. pro Tag, sei insofern anzuerkennen, als dadurch den Schwindelkaffen das Wasser abge- fangen würde. Bürgermeister B la n k e n st e i n betonte, daß das zu späte Einbringen der Vorlage mit. an dem plötzlichen Tod des Oberbürgermeisters liege. Der Geist der Vorlage sei jedoch der- selbe. Den Liberalen scheine nur die Vorlage als solche unan- genehm zu sein. Zugegeben müsse werden, daß die Vorlage ein Ideal nicht darstelle, aber der Anfang sei vorhanden und bedürfe nur des Weiterbaues. Hepner(wild) meinte, als Stadtver- ordneter habe man nicht mit warmem Herzen, sondern mit ruhigem Verstand derartige Vorlagen zu beobachten. Auch die Saison- arbeiter hätten dafür zu sorgen, daß in den Zeiten, in denen höhere Löhne verdient werden, etwas zurückgelegt werde. Ganz be- sonders müßten dies die Maurer, die immerhin im Sommer 7 bis 8 M. pro Tag verdienen. Bei den Sparern fehle die Kontrolle, die bei den Gewerkschaften vorgesehen, daher sei besondere Vorsicht ge- boten. Zobel(Lib.) betonte, die Vorlage verfolge den Standpunkt: wer da hat, dem wird gegeben. Der Gewerkschafter, der hohe Arbeitslosenunterstützung bezieht, bekomme noch mehr, der niedrige Unterstützung Beziehende steht sich wesentlich schlechter. Den So- zialdemokraten liege an der Elendsbekämpfung gar nichts, das hätte der Genosse Dr. Lindemann in seinem Jahrbuch über Ar- bcitslosenunterstützung ebenfalls zugegeben, indem der Verfasser sich «US Gegner der Versicherung zeige. Genosse Bernstein warnt davor, sich so falschen Anschau- ungen wie Herr Zobel hinzugeben. Wer in den Gewerkschaften hohe Unterstützung bezieht, der müsse auch hohe Beiträge zahlen. Genosse Daum ig verwies nochmals auf das gute Prinzip der Versicherung. Die Aengstlichkeit der Liberalen sei nicht zu ver- stehen, da eigene Betriebsstätten für Notstandsarbeiten gegenwärtig nicht errichtet werden können. Ebenso hätten Zwangsversiche- rungcn, wie die Liberalen sie wünschen, vielfach Fiasko gemacht. Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, dem die Genossen B e r n st e i n Und D ä u m i g angehören. Hierauf gelangte der Fahrplan der hiesigen Untergrundbahn zur Kenntnis. Genosse Küter wünschte, daß der Fünfminutenverkchr auf die Früh- und Abendzüge länger ausgedehnt werden möge. Dies wurde zugesagt. In das Kuratorium der Fortbildungsschule wurden die Genossen M a g n a n und Flamme, in die Deputation für das höhere Schulwesen die Genossen Bernstein und Molkenbuhr und als Armcnpfleger die Genossen Reiter und Kleemann ge� wählt. Ei» Opfer seines Berufs wurde der Straßenreiniger Paul Fechner. F. hatte gestern nachmittag an der Kreuzung der Vorberg und Akazienstraße den Fahrdamm gereinigt, als ein MilchfnHrwerk in ziemlich scharfem Tempo herangefahren kam. F. wurde gegen den Bürgersteig gedrängt, zu Fall gebracht und mit solcher Wucht auf den Fahrdanim geschleudert, daß er einen Sckiädelbruch erlitt. In besinnmigslosem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Auguste-Viktoria-Krankenhause gebracht, wo er hossmingslos daniederliegt. Lichtenberg. Ein eigenartiger Unfall hat sich vorgestern nachmittag in dem Hause Rösnerstr. 69 zugetragen. Gegen 6 Uhr hatte der in der dritten Etage wohnhafte Bügler W. seinen Kachelofen mit Holz und einem Bund feuchten Strohs geheizt und dann das Zimmer verlassen. Nach etwa 19 Minuten erfolgte eine Detonation, die so gewaltig war, daß die Fenster des Zimmers, in dem der Ofen stand, zersprangen. Wie sich herausstellte, war der Kachelofen explodiert und vollständig aufgerissen worden. Die herbeigerufene Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit. Offenbar haben sich durch das Verbrennen des nassen Strohs Gase gesammelt, deren Expansionskraft der Ofen nicht gewachsen war. Die Wahlen für das Kaufmannsgericht Lichtenberg finden am 29. Januar 1S11 statt. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehilfe, der in Lichtenberg beschäftigt ist, bis zum Tage der Wahl das 2S. Lebensjahr vollendet hat und in der Wählerliste steht. Die Eintragung in die Wählerliste muß bis spätestens am 13. Dezember beim hiesigen KaufmannSgericht entweder schrift- lich oder mündlich an den Wochentagen in der Zeit von 8—3 llhr im Rathause, Zimmer LI, beantragt werden. Der Antrag muß enthalten: des Antragstellers Vor- und Zunamen, Wohnung und Beruf, sowie die Adresse des Betriebes, in dem er tätig ist. Antrags- Formulare sind im Bureau des Zentralverbandes der HandlungS- gehilfen und Gehilfinnen, Berlin, Neue Königstr. 36, zu haben. Jeder wahlberechtigte Handlungsgehilfe beantrage feine Auf- „ahme in die Wählerliste, damit er nicht sein Wahlrecht verliert. Pankow. Ein tödlicher Straszenbahnuilfall ereignete sich am Montagabend in der Maximilianstraße. Als der Gärtner Ferdinand Kochler, Nieder-Scköiihausen, Blankenbnrger Str. 11 wohnhaft, den Motor- wagen 2232 der Linie 57 in voller Fahrt verließ, kain er zu Fall. überschlug sich einige Male und blieb dann bewegungslos liegen. Der Verunglückte wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt ge- schafft, der jedoch nur noch den infolge Genickbruches eingetretenen Tod feststellen konnte. Die Leiche des K. wurde nach der Pankower Leichenhalle übergeführt. Nieder-Schönhansen. Der hiesige BildungSausschuß veranstaltet am Sonntag, den 11. Dezember, nachmittags 2)4 Uhr, im Etablissement Sanssouei (Jnh. A. Tunsch) einen March en-Vortrag mit Licht- bildern und Gesang. Leitung: Herr Martin Hartwig, Mitglied der vereinigten Schillerthcater. Eintrittskarten für Kinder 19 Pf., für Erwachsene 29 Pf. Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Bernau. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Der seinerzeit von den Stadtverordneten angenommene Antrag des Stadtverordneten Dr. Wieners, die Verpflegungssätze für Kassenmitglieder iin städti- schen Krankenhaus pro Tag auf 2,75 M. herabzusetzen, stand»och- mals zur Verhandlung. Der Landrat hatte verlangt, daß nicht nur den Kassenmitgliedern der Bernauer Krankenkassen diese Ver- güustigung zu teil werde, sondern auch de» Kassenmitglicdern des Kreises, da doch der Kreis mit der Hälfte der Bausumme wie auch mit einer jährlichen Beihilfe von 299 M. pro Bett am Kranken- haus beteiligt sei. Genosse Krüger hielt es für selbstverständlich, daß die Vergünstigung auch de» Kasseniuitgliedern des Kreises gewährt werden müsse, dieser Ansicht schloß sich auch Dr. Wieners an. Der Antrag wurde diesmal mit 12 gegen 11 Stimmen ab- gelehnt, es bleibt somit der frühere Verpflegungssatz von 3 M. bc- stehen. Die Versammlung gab für die Besetzung zweier neuer Lehrer- stellen am 1. April 1311 ihre Zustimmung. Zum dritten Mal brachte der Magistrat die Vorlage be- treffend die Mietung der Turnklubhalle für die Kinder der städti- schen Schule zu Turnzwecken vor die Stadtverordnetenversamm- lung. Diesmal mit dem für den Magistrat erwünschten Erfolg. Der Turnklub hatte 199 M. für Heizung herunter gelassen, wes- halb die Vorlage mit 14 gegen die 8 Stimmen unserer Genossen Annahme fand. Bei dieser Gelegenheit fand auch eine Ausein- andersetzung zwischen dem Stadtverordneten Pfau und dem stell- vertretenden Stadtverordnetenvorsteher Schmcichcl statt. Der Be- richt des„Vorwärts" hatte es der Deutschen Turnerschaft angetan, weil darin betont wurde, daß die Turnhalle nur darum erbaut wurde, weil man annahm, die Stadt würde den Turnklub durch Mietung der Halle mit mindestens 699 M. jährlich unterstützen. Im„Niederbarnimer Kreisblatt" in Nummer 12g war auch eine �dahingehende Annonce sowie ein Eingesandt erschienen. Die An- nonce wurde vom Stadtverordneten Pfau verlesen. Am Schluß der Annonce wird betont, daß die Bemerkung oeS Stadtvcrord- neten Pfau eine durch nichts bewiesene, alleinige Anschauung dieses Herrn sei und jeder tatsächlichen Grundlage entbehre. Darauf erklärte der Stadtverordnete Pfau, daß ihm die Mittel- lung über die 699 M. von dem stellvertretenden Stadtverordneten- Vorsteher Schmeichel, welcher auch Mitglied des Turnklubs ist, gemacht worden sei. Letzterer meinte, dieses Gespräch sei Wohl einmal am Biertisch gepflogen worden sei, aber doch keineswegs verbindlich. Alödann wurde die Versammlung mit einer Vorlage beglückt, wonach man im Sommer künftigen Jahres am Ort mit historischen Hussitenfestspielen beginnen will, um Bernau in weiteren Kreisen bekannt werden zu lassen; man rechnet auch darauf, daß viel Ber- 1 liner diesen Spielen beiwohnen lverd'cn. Zu d'en Vorarbeiten wurden 1999 M. gefordert. Genosse Helbig war der Meinung, daß diejenigen, welche sich für derartige Festspiele interessieren und sich Vorteile versprechen, selbst in die Tasche greifen sollten, um die Unkosten zu bestreiten. Redner verlangte, daß, wenn die Stadt nun einmal spendabel sein wolle, sie zu dem bevorstehenden Weihnachtsfeste der Armenkommission diese 1999 M. überweisen möge, damit den Armen Bernaus ein wenig die Not gelindert werde. Die Vorlaae wurde jedock» mit 16 bürgerlichen gegen die 8 Stimmen unserer Genossen angenommen und mit Ach und Krach ein Festausschuß, bestehend aus den Stadverordneten Dr. Wieners, Dr. Böhme und Raum, zusammengebracht. Tpanda». Zu der vom Magistrat ausgeschriebenen Stabt&ffuratsstelle haben sich 37 Bewerber gemeldet. Von dem zu diesem Zwecke eingesetzten Ausschuß sind fünf Bewerber zur engeren Wahl ge- stellt worden. Die Wahl findet jedenfalls erst im Januar nächsten Jahres statt. Potsdam. 299 Mannschaften erkrankt. Beim Leibgardehusarenregiment sind am Sonnabend nach dem Abendessen, das aus Heringssalat bestand, ungefähr 299 Mannschaften des Regiments— von jeder Schwadron etwa 49 Leute— erkrankt. Bei den Leuten stellte sich gegen 11 Uhr nachts Uebelsein und Erbrechen ein, einige bekamen auch Durchfall. Man holte sofort die Regimentsärzte herbei, die die Leute wieder kurierten. Man führt die Erkrankungen all- gemein auf den Genuß des Heringssalates zurück, der mit einem minderwertigen Oel zubereitet worden sein soll. Positives steht aber in der Beziehung noch nicht fest. Der Kessel, in dem das Gericht zubereitet wurde, ist verschlossen worden, die Speisereste wurden zur chemischen Untersuchung nach Berlin gesandt. Ein großes Naturtheater soll hier in dem Wald auf dem Brauhausberg errichtet Werden. Es hat sich bereits ein Komitee mit den„besten Namen der Berliner und Potsdamer Gesellschaft" gebildet. Der Spielplan ist jetzt schon bis zum Jahre 1917 fest- gelegt. 1811 soll bereits die Jahrhundertseier der Befreiungs- kriege durch Volksspiele in diesem Naturtheater begangen werden. Im Jahre 1912 und 1913 folgen die ersten Preisschauspielc(fünf- hunderste Wiederkehr der Tage, da die Hohenzollern erstmalig ihren Fuß in die Mark Brandenburg setzten), dann folgt Richard Wagners„Tannhäuser", ein Zollerndrama, ein Evangclienstück und 1917 ein neues Lutherspiel. Das Personal soll nach Beschluß der Vorstände an den Gewinnen partizipieren, in gleicher Weise sind wohltätige Anstalten an den Uebcrschüssen beteiligt. Bei schlechtem Welter sollen diese Aufführungen in die 4999 Personen fassende„Stadthallc" verlegt werden, die vorläufig auch noch nicht existiert. An der Spitze dieses Unternehmens steht der Ober- bürgermeister Vorberg-PotSdanr. Es wird versichert, daß der Stadt keine Kosten entstehen sollen..Man wird dieser„vatcr- ländischen" Kunst mit der gebührenden Skepsis entgegenzusehen haben. Ein Hochstapler ist auf dem hiesigen Bahnhof in der Person des 26 Jahre alten Technikers Hans Arndt aus Schleusenau bei Bromberg verhaftet worden. A. mietete im Hause Ebräerstr. 2 ein Zimmer als„Regierungsbauführer". Gleichzeitig war er auch im Hotel Stadt Königsberg abgestiegen. Der Schwindlerplan gründete sich auf ein Debüt des Arndt als..Leutnant". Bei einer Berliner Firma, die jedoch nur Bargeschäfte abschließt, bestellte Arndt als Leutnant v. Dewitz eine Offizierscquipierung und ließ sie per Nachnahme nach Buschwitz auf Rügen senden. Am 2. Tc» zember traf Arndt in Potsdam ein. Im Militäreffektcngeschäft Knöllcr in der Schwertfegerstraßc trat A. als Ingenieur A.. Leutnant d. R. eines Telegraphen-Bataillons, auf. Man glaubte dem Burschen und sandte Bestell iftig nach Ebräerstr. 2. Ter Auftrag lautete über O,siziershelm. Schärpe, Browning, Seiten- gewehr. In derselben Straße bestellte er dann als Bauführer A, bei einem Schneider einen Paletot für 72 M. Auch sonst suchte der Gauner, noch wehere Geschäftsleute zu brandschatzen. Einein derselben stiegen bald Zweifel über den Kunden auf und er machte die Polizei auf ihn aufmerksam. Dieser gelang es, am Bahnhof den Spitzbuben festzunehmen. Lese- und Diskutierklub„Süd.Ost-. Heute Mittwoch. abendZ 8>/z Uhr: bei Neidhardt, Görlitzer Straße S8: Mitgliederoerlammlung Vortrag über:„Das Eutdeckungszeitaller." Gäste willkommen. SSittrninflOudrrNktil vom fi. Dezember lai«, moracns 8 Udr. lij 8|» *81 4 1!| Igsl= e« CtalUmcn ilfl° ■c s * e iimnmrdt 758 ISO tiambure;755SD Perlte i7S7O krautt a M 753 NO München 755 3 Wien 760 SO Vetter UK ri» t? W to 4 Kalb bd.— 2 3 Nebel— 1 2 wollig 2 heiter 3 better 2 bedeckt — 1 1 4 4 «tavonen -L ti k- taoaranda 756 Still Schnee— 1 eterSburg 768 W 1 bedeckt—2 Sc, Up.740 NA SwolNg j 8 »erbten 745 ISA 2 bedeckt! 8 VanS>764 SO i»bedeckt| 8 I Iii «vetterveognose für Mittwoch, de« 7. Dezember!»10. Bielsach nebelig oder wolkig bei mäßigen nordöstlichen Winden, ohne erhebliche Niederschläge; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetlerbureau. vlasseritands.Stachrtcbteo der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wassern and M- m- l. TUM Brezel, Juiterburg Weichsel. Tbarn Oder. Ralibor , Krassen , Frankturt Warthe. Sck-nmm , LandSberg Netze, Boroamm Elbe, üciNneritz , Dresden , Barbv , Magdeburg Wasserlland Saale, Grochlitz Havel. Svandauft . Rathenow') Spree, Soremberg') « Beestow Weser, Münden . Minden Rhein, Maxi'NilianSwl » Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertbelm Masel, Trier am I leit 5. 13. 4. 12. ern oni') 164 88 129 130 82 108 484 463 153 269 242 0 4 +3 —24 -7 —6 -13 -31 +1 -22 +15 «1 4- bedeutet WuibS,- lkall.—•) Unierveaet.—•) Eisstaild— 4) Oberhalb der Angerappbrücke Eisstand.—•) EiStrcibcn. Spitzen, Stoffe and Gewebe, Die ernjofmdlich oder zart, diu r allein die Sunlichtseife Gründlich reinigt und bewahrt! SozialdeuoiQ'aüscIierWatüyereiD des S. Herl. Reiehstags-Wahlkreises. K a c h r n f. Am 1. Dezember verstarb unser Genosse, der Schuhmacher psu! LAidwix Wolliner Str. 26. Ehre ihrem ZlndeukenZ Die Beerdigung hat am Man- tag, den S. Dezember, statt- gesunden. 231 114 D«? Torstand. Verband derfreien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Charlottenburg. Den SWgiieöern zur Nachricht, daß die Frau unseres Kollegen Wall am Montag, den S. d. M., ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Dezember, nachmittags 21/j Uhr, von der Leichenhalle des Luiscn-Kirchhofs, l Fürstenbrunner Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 3S/S Oie Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Arbeits« kutschcr 52/19 Psul Swiderski ani 3. d. Mts. im Alter von 35 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. Mts., nach« mittags 3 Ubr, von der Leichen- balle des Michael- Kirchhofes in Maricndors aus statt. Die Bezirksverwaliung. Heule morgen entschlies sanst nach langen, schweren Leiden mem lieber guter Mann, der frühere Gastwirt 2141b Lertiioll! Gaertig im 44. Lebensjahre. Die trauernde Witwe 1di»z»a Gaertig; geb. NelB. Nieder-Schönhauscn. 5. Dezember. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Dezember, nachmittags 21/., Uhr, von der Leichenhalle des alten Elisabeth- KiichhoscS, Slckcrstr. 37, aus statt. Am Soniag, den 5. Dezember. verschied nach kurzem, schiverem Leiden unser langjähriger, treuer Mitarbeiter 2142b Herr fiöolf Schramm. Der Verstorbene war ein Bor- bild seltener Pflichttreue und Ar- beitssreudigkeit, so dag wir ihm stets ein ehrendes Andenken be« wahren wcrd-n. Die Inhaber der Firma Widert L,abut*, Alexandrinenstr. 22. Allen Freunden und Belannlen die traurige Nachricht, dag meine liebe Frau, unsere gute Mutter lugusle TMaelis geb. Schmeling an der Operation u. Herzschwäche im Alter von 52 Jahren ver« starben ist. Ole trauernilen Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mitl- woch, 7. Dez., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle dcZ Britzer Fried« Ecke Triststratzc, hosS, Chaussee- aus statt. 21 43b Danksagung. Für die vielen Beweiie liebevoller Teilnahme bei der Beerdlaung meiner lieben Frau Anna Grenmer sage ich allen Verwandten und Freunden, sowie dem Arbeiler-Turn« verein Adlershos meinen herzlichsten Danl. Im Namen der Hinterbliebenen ■»ani Gremser. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau 21516 üabriele Hafermann sage ich allen Genossen, insbesondere auch der Direktrice der Firma A. Sternbera und den Kolleginnen meiner verstorbenen Frau sowie meinen Kollegen aus der Abteilung H. F. 2 bei Meister Kuhn, dem Männerchor.Wedding-, Herrn Waldeck Zllanassc und allen denen, die in den schweren Stinldeii sich der Ver« storbenen und meiner Kinder an- genommen haben, hiermit meinen herzlichsten Dank. fritz Hafermann nebst Kindern und Verwandten. DankHag;nng;. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung unserer liebe» Tochter lagen wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank. 207SL Cuullle Kürbitz. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters Schütz sagen wir allen Freunden und Be- lannteli, sowie seinen Kollegen der Firma D. Römer unsere» innigsten Dank. 21506 Wilhelm Schuh. Linse Polest geb. Schütz. Lina Maurizat geb. Schütz. Danksagung. ür die vielen Beweise inniger Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Ott« HUthel sagen wir hiermit allen Beteiligten im Namen der Hinterbliebenen unseren herzlichsten Dank. 2149b Emil HUthel nebst Frau. iWestonsTraiierniaiazii! Extra- Abteil<■ ns (1. Gesch.; Berlin W., Mohren- StraBe37a(2 Haus von der Jerusalemer StraBe). 1 II. Gesch.; Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 115(2. Haus von der AndreasstraSe). I Sehr gr. Ausw. fert. 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Die nach gesetzlicher Vorschrift verschlossenen und mit Inhaltsangabe versehenen Flaschen bieten die Gewähr richtigen Maßes und voller Alkoholstärke. Die Verkaufspreise sind auf den Flaschen vermerkt. Wir richten die dringende Bitte an das Publikum, uns von etwaigen Anzulänglichkeiten unserer Organisation Mitteilung zu machen; insbesondere werden wir für eine Benach- richtigung dankbar sein, wenn etwa unsere Marke„Äerold" am Orte nicht erhältlich ist, oder unsere Verkaufspreise nicht innegehalten werden, oder andere Störungen des Verkehrs hervortreten. Bis zur Abstellung der Mängel wird Brennspiritus in Kannen von 5, 10, 20 oder 50 Liter mit der Eisenbahn bis zur nächst- gelegenen Station geliefert werden. Äir bitten alle Beschwerden nnmittelbar an die Spiritus-Zenttale, Berlin W. 8. Abt. 7 zu richten.(Die Bezeichnung„Abteilung 7" gest. nicht unterlassen!) Im praktischen Gebrauch empfehlen wir für Lampen ausschließlich Brennspiritus von 95 Prozent zu verwenden, um die höchste Leuchtwirkung— den besten Ersah für elektrisches und Gasqlühlicht— zu erreichen; die gleiche Sorte(95 Prozent) ist für eine gute Leistung der Bügeleisen erforderlich. Für Kocher sollte Brennspiritus von keinesfalls weniger als 90 Prozent benutzt werden. Beim Einkauf raten wir nachdrücklich, aus die Marke„Äerold" und den unverletzten Ver- schluß der Flasche zu achten. jeder Art vom einfachsten bis feinsten Genre, direkt aus der Fabrik. Einzelverkauf zu Engrospreisen. 7 Kaiman, iiiiidaiili (keine Ramschwar«)| ZU|| wirklioh vorteil-« haften Preisen! PIDsclmiiintel Feinste englische (Lister& Co. Ltd., Bredfort) ca. 140 cm lang, auf reinseidenem Datnassöe gefüttert früh. Preis bis I55M. 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Ergänzung deS AufsichtZrateS. 5. Festsetzung deS Gesamtbetrages, den die Anleihen der Genossen« lchaft nicht überschreiten sollen. Die Kelvin»« und Verlustrechnung liegt in unserer GcschüslSstelle, Fehmarnstr. 10, auS. Bäokereigenossenschaft..Volksbrot", Eingetragene Genofienlchast mit beschränkter Haltung. 2153b Der Vorstand. Fielltz. Kollahn. Kasmshl. Mölzner, Die Grnudbegriffe der Wirt« schasiSIehre. Eine populäre Einsüh« rung von Julian Borchardt. Preis 40 Ps. Expedition Vorwärts, Linden» ftratze 6S. Lid! lien �sscdlsL! AIAVLk?» VoiRiII«n>HVtirkeI sind mit allerbestem Fleisch. extrakt nebst feinsten QeniQseauszOgen sowie dem nötigen KocbsaU und Gewürz auf das sorgfältigste hergestellt. Ein Wfirlel zu 5 Pf. gibt V<— Va Liter kräftige Flelscbbrflhe, die der besten hausgemachten in nichts nachsteht. 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(Ohne Gewäbr.) pCacbdruck verboten.) SO[500] 78 lOil 543 98 3S3 573 202« 574 872 88« V'5 3179 99 358 684 789 88« 4345 64 89 440 5 4 96 865 5003 UT 51 73 506 613[3000] 6lU 19 85 456 803 10 13000) 83 950 7393[1000] 438 649 66 713 8001 113 290 864 717 77 893[15000] 9082 584 721[500] 10001 36 40 68 213[3600] 45 99 495 648 89 728 f500j 819 72 93 971 1117» 86 542 72 97«06 755 93 984 12 197 953 5« 13047 133 49 224»3 393[ 500] 411 53« <1000] 639 41 33 788 913[3000] 14179[1000] 406 83 «88 15178 204_ß3[ 3000] 367 561 10178 393 733 43 918 17019 199«60 310 647 765 74 83 986 1 8097 175 229 666 754 833 38[500] 916 19(>55 105 85 401 88[ 500] 911 20199 392 462 515[500] 53 688 91 796 820 66 960 21029 43 58 274 608[500] 14 34 2 2001 101 384 98 463 600 813 2 3010 677 2 4280 518 603 727[1000] 913 25018 85 165 208 75 571 BIO 812( 500) 89 947 2 6007 142 236 »I[3000] 365 79 722 27103 215[500] 333[500] 858 2 8076 473[1006] 632 900 2 9357 > 30.113 42 378 435«83 852 952 95 3 1 051 255[1000] 617 678 874 3 2028 49« 562 715 30 882 3 3X39 478 501 763 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700 51 864 918[500] 251319 451[lOOO] 98 521[lOOO] 661 710»5t 252920 55 91 136 213[500] 328 3.1 411 43 727[300] 845 2531 1 «15 416 17 75»5 387 92« 52 95 2 5 4 066 72[500] 105 383 [5001 512 788 909[1060] 255216.100 519 IinOO]»5 612 718 8» 256117 4.14 533 69 693[500] 94 2 5 7058 86 1-4 «33[ 500] 327 71 451 51«00 719»71 25838:) 408 82 687[500] 259066 118[500]»60 89 613 49 57 887»19 260)0« 67 133 888 261019 32 51 262 6' 279 409»3 97 609 748 839 901 2 6 3171 235 96.121[500] 29 448«z 926 2 6 4 248 95 566 72««17 265138 299 31» 61 87 702 47 70 77»81[.1000 1 2 66018 1.11 49« 665 267006 424 32«»8[500] 92[500] 766 76 953 268023 1*9 43 506 63 908 21 2 60335[5001 131 365 771 474 874 »24 98[500] 270096 241[500] 349 49«[1000] 561[500]«10 86 82« 271362 67 272029 IS 119 222 36» 300 603 708 71 »61 273,190[1000] 770 274181 86"Sä 319 434 86 883 97? 275.v-n[500] 592[500] 711 276096 229»8 713 801 917 62 80 8 77016 348 637 61« 745 850 927 70 2 7 8025 900 270165 253 461 931 280261 71» 86 91 98« 28 1 010 255 389 481 96 595 665 708 94 917 2 8 2 057 29« 41t 85 672 948 72 283686 735 74 858 69 997[3000] 2 84189 298 493 626 836 I, 285010 126[3000] 54»5 215 58.171 42« 62«82 745 57 286213 68«[10001 799 972[500] 2 8 7171 304 98 421 «65[1000] 79 778 288065[1000] 792 280012 53[3000] 107 397 491 58» 613 20 0279 91 923 67 2 91100 360 532 655 737 60 89 292208[1000] 359 558 603 30 45 934 2 9 3082 400 626 38 204 24 67 401 617 51 984 295273 98[ 600] 440 680 [1000] 296031 181«02 396 408 577«65 92 743 910 2 9 7072 137 77 492 584 673 782 2 9 8473 544[500] 600 713 903 75 92 2 0 0019 73 281 519»07 46[3000] 79 910[ICOO] 3001.0 313 74 466«54 76« 906 39 30 1 077 587 735 811[10001 302>00[500] 6 13««8 2#5 410 692 753 30 303 7' 90 110[500] 32 782[50ü] Im Gewinurade verblieben: 1 Prämie zu 300 000 M, 1 Gewinn zu 50 000, 1 zu 40 000, 3 zu 30 000, 3 zu 15 IKK). 11 zu 10 000, 19 W 3000, iü ZU 3000. 376 XU 1000, 383 zu 300 24. Ziehung 5. KL 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 8. Dezember nachmittags. Kur diu Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Summern in Klammem beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Kachdruck verboten.) 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Für dee Inseratenteil verantw.: Ztz.Vlockt, Berlin. Druck u. Verlag:«orwärt«»uchdruckerei u. LerlagSanstatt Paul Singer& So* Kerlin SWT Ar. 286. 27. ZahrMß. 4. Mm iks Lmäck" KMll NsllisdlÄ. Mittjvslh, 7. DtZkNiber lW. parlamentarifckes. Ein verkehrsfcindlicher Gesetzentwurf. Die Budgetkommission beschäftigte sich in ihrer Diens- tagssitzung mit dem Gesetzentwurf betreffend die Fernsprech- gebiihrenordnung. Der Entwurf lvar schon im Herbst 19V7 eingebracht worden, er kam aber nicht mehr zur Erledigung und wurde bei Beginn der jetzigen Session ohne, dah die geringste Llenderung an ihm vorgenommen worden wäre, von neuem einge- bracht. Und das geschah, obgleich sowohl in der Presse wie bei der ersten Beratung im Plenum des Reichstags in scharfer Weise Kritik an diesem Kraetkeschen Machwerk geübt und seine Verkehrs- feindlichkeit unzweifelhaft nachgewiesen worden war. Die Tendenz der Vorlage geht dahin, durch Aufhebung der Pauschalgebühr die telephonischen Gespräche einzuschränken und die"Benutzung dieses im Geschäftsleben unentbehrlichen Verkehrsmittels zu v e r- t e u e r n. Es soll eine Grundgebühr und außerdem noch eine Ge- sprächsgebühr von 4 Pf. für jeden ausgeführten Anschluß inner- halb eines Kreises von b Kilometer erhoben werden. Die Fern- gebühren sollen � betragen bis 25 Kilometer 20 Pf. ansteigend bis zu 2 M., wie das auch heute, wo eine Grundgebühr nicht erhoben wird, geschieht. Diese 2 M. sind heute der Höchstsatz, während nach der Vorlage über eine Entfernung von tOOll Kilometer hinaus für jede angefangenen 250 Kilometer 50 Pf. gezahlt werden sollen. Ein Zentrumsantrag will bis 15 Kilometer 10 und bis 50 Kilometer 20 Pf. Gesprächsgebühr festsetzen. Ein weiterer An- trag des Zentrums will neben der Gesprächsgebühr und der neuen Grundgebühr nach Wahl des Teilnehmers eine Pau» schalgebühr einführen. Diese soll betragen: bei nicht über 2000 Verbindungen 75 Mark jährlich „ 2000 bis 4000„ 140„ „ 4000„ 6000„ 200„ „ 6000„ 8000„ 250„ „ 8000„ 10000„ 300„ Die Höchstzahl der bei einem Anschluß zulässigen Verbindungen beträgt 10 000 jährlich. Ein nationalliberaler Antrag verlangt gleichfalls die Beibehaltung der Pauschalgebühr, die in Sätzen von 65 M. bis zu 300 M. jährlich abgestuft werden soll. Die Debatte wurde noch nicht zu Ende geführt. Voraussichtlich wird der Zentrumsantrag angenommen werden, da der Staats- sekretär Kraetke sich auch verschämt für ihn aussprach, so dah es den Eindruck machte, daß dieser Antrag zwischen der Regierung und dem schwarzblauen Block hinter den Kulissen vereinbart worden ist. Aus der Wahlprnfungskommission des Reichstages. In der Dienstagsitzung unterhielten sich die Mitglieder der Kommission zunächst über den unwürdigen Kuhhandel, der sich bei den letzten Wahlprüfungen im Plenum abgespielt hat. Es wurde gewünscht, daß beim Seniorenkonvent angeregt werde, daß, sobald ein Bericht von der Wahlprüfungskommisfion fertig- gestellt ivird, dieser sofort zur Beratung an das Plenum gelaugr. Daun schritt die Kommisston zur Beratung der Wahl des Ab- geordneten Kleye(natl.), die vom Plenum an die Kommission zurückverwiesen wurde, weil die Mehrheit des Plenums von den bisherigen Grundsätzen über amtliche Wahlbeeinflussungen ab- wich. Der Referent, Abg. Fischer sSoz.), hielt an dem bis- herigen Standpunkt der Kommission fest und beantragte wiederum Ungültigkeitserklärung der Wahl. Die Mehrheit der Kommission entschied sich jedoch für Gültigkeit der Wahl, d. h. sie machte den Umfall der Mehrheit des Plenums, durch den erst der Kuhhandel ermöglicht wurde, mit. Aus der Reichswertzuwachsstcuerkommisfion, In der Dienstagsitzung erklärte bei Beratung des§ 3 ein Rcgierungsvertreter, daß die Fassung des Paragraphen so ge- schehen sei, um Umgehungs Möglichkeiten zu verhindern. Durch das Wort.Gewerkschaft" sollen alte und neue Bergwerks- luxe unter die gesetzlichen Bestimmungen fallen. Der Paragraph wird nach der Vorlage angenommen. Z 4 wird mit einem Zusatz- antrage angenommen, der die Vereinigung aneinandergrenzender Bergwerksgebicte behandelt. Bei§ 5 entsteht eine lange Debatte über die Frage, ob Waldbestände, Obstbäume, Rebstöckc bei Ver- äußerungen und Wertsteigerungen in Abzug zu bringen sind. Mehrere Mitglieder der Kommission betonen, daß dann auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse in Abzug zu bringen seien. Geschehe das, dann sei das Gesetz gang agrarisch und be- laste nur die Städte. Schließlich wird ein Zusatzantrag Westarp angenommen, der folgendermaßen lautet:„Von den Preisen kommt in Abzug der Wert der Erzeugnisse der Grundstücke, so- lange sie mit dem Boden zusammenhängen." Die§§ 6 und 7 werden nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. Nächste Sitzung Mittwoch. Eue Induftm und Ftondel. Geschäftsabschlüsse in der chemischen Industrie. Die III Akliengesellschaften der chemischen Industrie, die in der Zeit von Januar bis Okiober über da« jeweilig letzte Geschäftsjahr berichtet haben, erzielten im Jahre 1909/10 auf ein Gesamtoklien- kapital von 407,46 Millionen Mark durchschnittlich eine Dividende von 15,5 Proz. gegen 18,9 Proz. im Vorjahre. Ueber die Rein- gewinne haben in den ersten elf Monaten zusammen 132 chemische Fabriken mit einem Gesamtakticnkapital von 450,53 Millionen Mark Aufschluß gegeben, von denen aber nur 113 mit einem Reingewinn abschlössen, während 19 Verlust auswiesen. Im Borjahre betrug die Zahl der mit Gewinn arbeitenden nur 112, die der verlustbringenden aber 20. Beiden 113, das letzte Jahr mit Reingewinn abschließenden Gesellschaften stellte sich dieser bei einem Aktienkapital von 427,66 Millionen Mark insgesamt auf 101,39 Millionen; er hatte 1908/09 Bei den 112 Gesellschaften mit einem Altienkapital von 402,40 Millionen Mark nur 86,73 Millionen Mark betragen. Die Steigerung des Reingewinns Beläuft sich demnach auf rund 17 Proz. Hochkonjunktur in der Samtindustrie. Die ganz außerordentliche M o d e g u n st für Samt in der Damenbekleidung, die in der diesjährigen Winterfaison herrscht, hat den Absatz der Samtindustrie stark belebt. Es kommt hinzu, daß auch das Exportgeschäft sich im laufenden Jahre sehr be- friedigend anläßt und Samt aller Art in erheblich größeren Mengen als vergangenes Jahr am Weltmarkt untergebracht werden konnte. Rebmen wir die Exportmengen aller Arten Samt, die ausgeführt werden, zusammen, was in Anbetracht der verschiedenartigen Be- Wertung nur des Vergleichs wegen zulässig ist, so erhalten wir für die ersten zehn Monate dieses Jahres eine gesamte Ausfuhrmenge von 23 658,69 Doppelzentner gegen 21 549,77 Doppelzentner im gleichen Zeitabschnitt 1909. Die Ausfuhr hat sich also der Menge nach um 9.3 Proz. gehoben. Für den Wert der Samtausfuhr ergibt fich dieses Jahr insgesamt ein Betrag von 25.59 Millionen Mark gegen 22,66 Millionen im Vorjahre: die Steigerung beträgt 12.9 Prozent. Die größere Steigerung beim Werte rührt daher, daß zu- l meist erheblich bessere Qualitäten als im Vorjahre aus- geführt worden sind._ Fünf neue fiskalische Kalischächte. Die Wirkungen des Kali- aesetzeS, das zur Verhinderung von Neugründungen erlassen worden ist; werden immer toller. Nachdem eine ganze Reihe privater Knli»j werke sich entschlossen haben, neue Schachtanlagen zu bauen, nimmt der preußische Fiskus den Bau von fünf neuen Schächten in Angriff. Der Fiskus hat in dieser Beziehung vor den privaten Werken den Vorieil, daß seine neuen Schächte gleich in den Genuß der Quote, auf die sie kraft ihres Felderbesitzes und ihrer Produktionsfähigkeit einen Anspruch haben, eintreten. Das Gesetz sollte die wilde Gründung von Kaliunternehmen hemmen, nun erweist es sich als einen Anreiz dazu. Gin Baucrnland ist die an Bayern, Böhmen, Niederösterreich, Salzburg und Steiermark grenzende Provinz Oberösterreich. Hier bedecken die Güter von 5 bis 20 Hektar,>oie wir einer im„Kampf" veröffentlichten Arbeit des oberösterreichischen sozialdemokratischen Reichsratsabgeordneten Gruber, eines gemaßregelten Lehrers ent- nehmen, 31,2 Proz. der Gesamtfläche, die Güter von 20 bis 100 Hektar 19 Proz. der Gesamtfläche. Der Bauernbesitz ist weitaus der vorherrschende. 22 Proz. des Landes, ohne die unproduktiven Hochalpengediete, dienen als Wiesen und Gärten großenteils der Futterproduktion für die erhebliche Viehproduktion. Die steigenden Anforderungen des von diesen Mittel- und Großbauern naturlich stark beschickten Lebensmittelmarktes zwangen dazu, die alte Dreifelderwirtschaft, bei der immer ein Drittel des Bodens brach lag, aufzugeben, auch das Brachfeld mit Futtermitteln, Klee usiv. zu bebauen. Die Viehproduktchn ist enorm gestiegen: von 332 118 Rindern i. I. 1850 aus 588 569 Rinder t. I. 1900, die Zahl der Schweine in der gleichen Zeit von 65 200 auf 231507! Sehr interessant ist der Vergleich dieses Bauernlandes mit dem gesamt- österreickstschen Durchschnitt; auf je 100 Bewohner kommen in Oberösterrcich 726 Rinder(gegen 364 in ganz Oesterreich) und 348(179) Schweine. Dagegen ist die Schafzucht sehr zurückgegangen. Das System der Sommer stal l sütterung liefert reichlichere Düngermengen, was sich nicht nur in der Uniwandlung des Weide- lands in Meckex uuö Wiesen, sondern namentlich in der Steigerung der Ernteerträgnisse äußert. Der Ertrag pro Hektar betrug im Jahrzehnt 1899— 1908(in Klammern die Zahlen von 1875— 1879) für Weizen 17,5(14,6), Roggen 10,8(14,7), Gerste 20,7(17,2), Hafer 27,2(20,3). Die Umwälzung der Müllerei durch Entstehung großer Tampfmü'hlen, wahrer Mehlfabrifen, hatte zur Folge, daß sich die 1875 bestehenden 2254 Mühlen auf 1712 vermindert haben. 1865 war eine Dreschmaschine im Lande, 1902 arbeiteten 16 000 Be- triebe mit der Dreschmaschine und von den 8674 Milchzentrifugen, die 1902 in Oesterreich in Verwendung standen, wurden 2567 von den industriellen Bauern Oberösterreichs verwendet. Der Zentral- Molkereigenossenschaft in Schävding am Inn gehören 15 Genossen- schaften mit 2000 Mitgliedern an und sie verarbeitete 1908 11 829 654 Kilogramm Milch zu 434 227 Kilogramm Butter. Wäh- rend der Preis des Kilogramms 1900 206 Heller, 1908 265,1 Heller war, betrugen die Spesen pro Kilogramm in diesen zwei Endjähren 21,1 und 14,6 Heller, der Erlös war von 162 854 auf 1 102 570 Kronen gestiegen. Die genossenschaftliche Eierverwertung hat 1908 aus rund 1300 Wirtschaften 3�/2 Millionen Stück Eier dem Markt zugeführt. Natüvlich werden die Bauern hier das Aeußerste an Verwertung der Milchprodukte leisten. Dadurch, aber auch durch die Umwandlung alter Bauerngüter in Jagdreviere, geht die Rinder- aufzucht sehr zurück. Die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion läßt aber auch die Zahl der landwirtschaft- lichen Bevölkerung wesentlich und rasch zurück- gehen— also nicht die berühmte„Landflucht" der Herren Agrarier. Steigende Ausbeutung des Personals ist die Folge: 1876— 1879 erntete man pro Kopf der berufstätigen Bevölkerung 14,6 Hektoliter Getreide. 1899—1908 aber 20 Hektoliter! 1869 zählte man noch 54 000 landwirtschaftliche Tagelöhner, 1900 aber nur mehr 27 000. Dafür wird auf den Gütern von bis 2 Hektaren bis zu denen von 200 Hektaren mit 2,2 bis 12,5 Pr»z. Arbeitern unter 16 Jahren gearbeitet. Hier ein vom gierigsten MammoniS» mus beherrschtes.ideales" Bauernlandt Gerichts-Deining. Konflikt zugunsten des Charlottenburger KrtminalinspektorS Krause. Einen Kampf um feine Ehre führt seit vielen Jahren der vor- malige Steinmetzineister und Bildhauer, jetzige Agent Werber. Im Beleidigungsprozeß zweier Frauen hatte W. 1891 als Zeuge aufzutreten. Ebenfalls vernommen wurde damals der Kriminal- kommissar, jetzige Inspektor Krause. Dieser erstattete nach einiger Zeit gegen W. Anzeige, die dazu führte, daß W. wegen Meineids zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Von vornherein bestritt W. irgend eine Schuld. Er behauptete, in jenem Prozeß die reine Wahrheit gesagt zu haben, und sobald er das Zuchthaus verlassen hatte, begann er nach den verschiedensten Richtungen hin um die Wiederherstellung seiner Ehre zu kämpfen. Vergeblich Ovaren Versuche, eine Wiederau fnahine des Verfahrens durchzu- setzen. In verschiedenen Eingaben richtete er hart« Beschuldi- gungen gegen Herrn Kraus«, mit der Absicht, auf diesem Wege die Angelegenheit klarzustellen und seine Unschuld nachzuweisen. Er wurde jedoch, wie unseren Lesern erinnerlich, einmal zu 14 Tagen Gefängnis, ein andermal zu 10 Tagen wegen Beleidl gung Krauses verurteilt. Ein Ermittelungsverfahren gegen Krause, das Werber durch eine Anzeige veranlaßt fyiitt, wurde eingestellt. Nachdem 1908 eine Eingabe an den Minister unbeant- wartet geblieben mar, wiederholte W. demnächst verschiedene scharfe Angriffe gegen Krause in einer Eingabe an die Staatsanwalt- schaft, in der er ein Verfahren gegen Krause oder gegen sich selbst anregte; er wollte den Nachweis seiner Behauptungen gegen Krause führen.— Darauf stellte Kriminalinspektor Kraus« und seine vorgesetzte Behörde Strafantrag. Wegen Beleidigung Krau- seS wurde Werber vom Schöffengericht zu 209 Mark, in der Be- rufungsinstanz vom Landgericht aber zu Ü Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen eines Vorganges in der Schöffengerichtsfitzung vom 21. Juli vorigen Jahres ging Werber gegen Krause wegen Be- leidigung vor. Es wurde auch das Hauptverfahren eröffnet, weil Krause verdächtig sei, in der Schöffengerichtssitzung vom 21. Juli 1903 Werber beleidigende, nicht nachweislich wahre Tatsachen be- hauptet zu haben. Der Polizeipräsident erhob oBer zugunsten de» Kriminalinspektors den Konflikt, über den gestern das ObervcrwaltungSgericht zu befinden hatte. Werber stellte nun den fraglichen Vorgang aus der Schöffen- gerichtssttzung so dar: Krause habe in der Sitzung informatorisch gehört werden sollen. Er habe dann jedoch ohne Anlaß dazu über ihn(Werber) alsbald geäußert, daß Werber ihn fortwahrend ohne Ursache verfolge, daß er ein gemeingefährlicher Mensch sei, der entweder ins Irrenhaus gehöre oder eine schwere Strafe erleiden müsse. Auch habe Krause betont, daß er jahrelang im Zuchthaus gesessen hätte und keinen Glauben verdiene. Ferner habe er ihm vorgeworfen, versucht zu haben, Zeugen zu beeinflussen. Letzteres sei unwahr. Er habe nur einen Zeugen aufsuchen, ihn aber keineswegs beeinflussen wollen. Dagegen habe Herr Krause im Warteraum mit Zeugen gesprochen. Den Konflikt bitte er für unbegründet und unzusässia zu erklären. Von einer Amtsaus- Übung bei jenen Aeußerungen seines Gegners könnte keine Rede fein. Kriminalinspektor Krause stellte den Vorgang etwas anders dar. Cr hätte aus einigen Fragen entnommen, daß der Kläger Werber eine Vertagung habe herbeiführen wollen. Deshalb habe er gebeten, daß in die Verhandlung eingetreten werden möchte, und habe gesagt, er halte Werber für gemeingefährlich oder geistig nicht normal. Auf dem Korridor habe er. Krause, im Vorbeigehen gehört, ivas Zeugen sagten, und ein Zeuge habe ihm von selbst erzählt, daß Werber bei ihm gewesen sei.©eine Wahrnehmung habe ,€r bem Gericht mitgeteilt. Den vom Kläger snaegebenen Wortlaut Bestreitet er, In der weiteren Verhandlung glaubte Herr Krause erklären zu müssen, daß Werber Sozialdemokrat sei und darauf ausgehe, die Oeffentlichkeit gegen ihn einzunehmen, unter anderem durch den„Vorwärts". Werber betonte dem gegenüber, daß er nur sein Recht wolle. Oberverwaltungsgcricht erflärte den Konflikt für zulässig und begründet, so daß das Beleidigungsverfahren gegen den Kriminal- inspektor endgültig einzustellen ist. Begründend wurde ausge- führt: Es stehe fest, daß der Inspektor in dem damaligen Prozeß gegen den jetzigen Kläger Werber als Zeuge geladen gewesen sei. Daraus folge aber nicht, daß er sein Zeugnis nicht in amtlicher Eigenschaft abgegeben habe. Er sei in der ganzen Angelegenheit nur als Beamter beteiligt. Die vorgesetzte Behörde habe den Strafantrag gestellt gehabt. Wenn Krause zum 4. Juli 1909 ge- laden wurde, so habe das nur in amtlicher Eigenschaft geschehen können. Er sei Kriminalbeamter. Er habe Ermittelungen vor- zunehmen. Wenn er in dem Moment, wo er vernommen werde, die Momente vorbringe, die notwendig wären, dem Richter Auf- klärung zu geben, so sei der Konflikt als zulässig zu erachten. Er sei aber auch begründet, selbst wenn die Aeußerungen gefallen wären, die ihm Kläger in den Mund lege, die Kr. aber bestreite. Die wiederholten Bestrafungen des Klägers und der jetzt bestätigte Umstand, daß Kläger einen Zeugen sprechen wollte, würden den Beamten berechtigt haben, sich so zu äußern. Krause habe seiner, durch genügende Tatsachen gestützten Ueberzc uguugen Ausdruck gegeben. Wenn er das aber tat, so habe er seine Amtsbefugnisse nicht überschritten.—=_ Der Betrieb in einer gemeingefährlichen LastcrhShie bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der 10. Strafkammer des Landgerichts l. Aus der Untersuchungshaft wuvde die ledige Schankwirtin Anna Wascher vorgeführt, um sich wegen gewerbs- mäßiger und mittels hinterlistiger Kunstgriffe betriebener Kuppelei zu verantworten. Die Angeklagte betrieb seit dem Jahre 1903 in der Blumenstraße 74 unter dem ildamen„Cafe Flora" eine Schank- Wirtschaft mit Bedienung„von zarter Hand". Da das Geschäft sehr gut ging, eröffnete sie in der Holzmarktstraße 8 eine„Filiale. Nach den Beobachtungen der Kriminalpolizei ging es besonders in dem von der Angeklagten geleiteten Lokal in der unglaublichsten Weise zu. Wie festgestellt wurde, duldete die Angeklagte nicht nur die wüstesten Orgien, sondern hielt die Kellnerinnen direkt dazu an. Wenn ein Gast nur Bier trank, so spielte sie die sittlich Entrüstete, sobald er jedoch eine Flasche„Wein" bestellte, drückte sie gleich beide Augen zu. Solchen„Weingästen" räumte sie auch gewöhnlich ihr Privatzimmer ein. Um ihren Gästen frische und unverdorbene „Ware" bieten zu können, engagierte die Angeklagte nur 16- bis 18jährige Mädchen unter dem Vorwandte, sie als Dienstmädchen zu beschäftigen, so daß die Betreffenden gar nicht ahnen konnten, welcher Gefahr sie entgegen gingen. Bei passender Gelegenheit wurden die Mädchen dann mit Rotwein und Sekt betrunken ge- macht und in willenlosem Zustande den Gästen zugeführt. In meh- reren Fällen soll die W. sich auch eines versuchten Verbrechens gegen das keimende Leben schuldig gemacht haben. Das Gericht erkannte nach einer siebenstündigen unter Ausschluß der Oeftent- lichkeit geführten Verhandlung mit Rücksicht auf die fast beispiel- lose Gemeingefährlichkeit des Treibens der Angeklagten auf zwei Jahre und 6 Monate Gefängnis. Eine buellwlitige Polizeiverwaltung. Vor einiger Zeit erregte die Meldung von der Suspendierung dreier Bromberger höherer Polizeibeamten allgemeines Aufsehen. Neben dem Polizeiinspektor Bathe waren auch der Vorsteher der Kriminalpolizei, Kriminalkommissar Schreiber und der Polizeikom» missar Benner ihre» Amte» enthoben worden, ohne daß über die Gründe dieser auffälligen Vorgänge in der Oeffentlichkeit Näheres verlautete. Die Angelegenheit zieht sich schon mehrere Monate hin und beschäftigt neuerdings auch die Staatsanwaltschaft und den Untersuchungsrichter. Als Folg« der Affäre ist auch«ine VerHand- lung zu betrachten, die vor dem Kriegsgericht der 4. Division statt- fand, und sich gegen den Polizeiinspektor Bathe wegen Herausforde- rung zum Zweikampf, smvie gegen den Fabrikbesitzer Petersen wegen Kartelltragens richtete, lieber die Vorgeschichte dieser Duell- affäre ist verMtnismätzig wenig in die Oeffentlichkeit gelangt. Als Polizeiinspektor Bathe nach seiner Suspcndierung von seinem Bor- gesetzten, dem Stadtrat und Polizeidezernenten Schwidrtzki, ver- nommen wurde, soll er Angaben gemacht haben, die diesem un- glaubhaft erschienen und als dann Bathe bei einer zweiten Ver- nehmung einige von der ersten Darstellung abweichende Erklärungen abgab, soll der Stadtrat erklärt haben, daß Bathe vorher die Unwahrheit gesagt haben müsse. Der Polizeiinfpektor fühlte sich dadurch beleidigt und unterbreitete, da er Reserveoffizier z. S. ist, die Angelegenheit dem Ehrenrate, nach dessen Spruch die Heraus- forderung zum Zweikampf erfolgte. Der Stadtrat nahm die For- derung aber nicht an, sondern zeigte dies dem Staatsanwalt an, der die Angelegenheit dem Kriegsgericht überwies. Zu der Ver- Handlung vor diesem waren beide Angeklagte in Uniform erschienen, sie brauchten auch nicht auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Die Verhandlung wurde zum größten Teil unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit geführt. Der Angeklagte Bathe wollte auf anonyme Briefe eingehen, die vor einiger Zeit in der Stadt kursiert hatten, wurde aber vom Vorsitzenden daran gehindert. Der als Zeuge vernommene Stadtrat Schwidetzki schilderte den Vorfall wie oben angedeutet. Das Urteil lautete(jegen Bathe auf zwei, gegen Petrrfon auf einen Tag Festung.— Eine recht milde Strafe I ßrkfktften der Redahtfon. ®k« fjurlfllfd)««pr«a> stund« findet Llndenftr» ste JTr.#9. dorn vier Tr«vv«ii— gadrftulil—, woist-nt-iqlich dun 4'/, bis?>/„ Ndr nbciids, Eoiinudends von 4Y, bis B Uhr nnchmitingS statt, nieder fgr de» Briefkasten bestimmten Zlnkrag- ist-in Bnchftab« nnd«ine Zabl als Pierk» zeichen deizufitgeu. Brieflich« Sliitwiirt wird nicht erteilt. Silig« graqtn trage man in der Svrechttnnde dar. H. VI. 60. Soll im Herrnselb-Theater austreten.— W. D. 999. Ja. — D. 33. Die Liste ist beim PolizeiprSstdium erhältlich.— P. 61. 34. Ja. — Schuldigkeit. 1. Das läßt sich erieichen, wenn zunächst Name und Adresse Ihre» Schwagers nicht angegeben ivird. Eine Verpflichtung zur Angabe der Personalien besteht sur die KindeSmutter nicht. 2. Ja.— W. Ich. 2S. 1. Nein. 2. Nur mit Zustimmung des Vormundschasts- genchts. 3. DaS Geld muß mlindelsicher angelegt und der Nachweis dasür beim VormimdschaftSgcricht geführt werden.— P. B. I. New.— T. SO. DaS ist abhängig von den Versicherungsbedingungen und der Stellungnahme der Gesellschaft.— P. P. 430. Wenn die Sachen aus Ihren Mitteln bezahlt find: Nein.— G. B. 127. Ja.— A. Sch. 703. Einen gesetzlichen Anspruch aus Herausgabe des KindeS haben Sie nicht. Da« Vormundschastsgericht kann aber eine dahingehende Anordnung treffen. ES ist zweckmässig, fich der vorherigen Zustimmung des Bor- mundcS zu versichern, die aber nach Lage der Sache kaum zu erreichen fein wird.— H. Ä. 100. 1. AussichiSloS ist die Sache mdst. Ihr Bruder müssie die Schenkung beweisen. 2. Zu den Le- gräbniSkosten: Ja, da die 75 M. ofseilbar nicht ausgereicht haben. — Tch. 24. Ein Antrag an die Versicherungsanstalt hat Aussichl aus Erfolg.— O.®. 7. 1. Zu der im Vertrage bestiminieii Zeit. Besindet sich im Vertrage keine bezügliche Bestimmung: täglich zwischen 10 und 6.— P. 401. 1. und 2. Nein.— R. 53. 1. Aus Verlangen eines Erben: ja. 2. Ja. 3. Nein.— F. 20. 1. Es kann kostenlose Aenderung ersolgen. Eines ArmenattrstcS bedürscn Sie nicht. 2. In Potsdam.— H. 05. Mit Ihrem Oelde können Sic tun und lassen was Sic wollen.— Z. E, I.Ja. 2. Nicht aussichtslos.—osi1.00. Weste SOPf. decies Wort 10 Pfennig. 005 erete Won(iettgcdruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN för die nichste Nummer werden in den AnMfime- stellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse b9» bis 5 Uhr angenommen. Verkaufe. Bilder faufen Sie direkt Fabrik bei Bogdan, Weinmeisterskrahe L.' Borwnrtsieier erbnlien süns Vrozenc Eistrarabntt, selbst bei nach- stehenden GeiegenheitZkäusen. Teppiche, sarbsehlerhast, spottbillig. Stevpdeckrn.SimiiiseideZ.TöMark. 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