Kr. 290. HboniKmentS'Bedingungfn: SkonnemenlS> Preis pränumerando: Pierteljährl. 3�0 Ml, monaü. 1,10 ÜTcf., wöchentlich 26 Pfg. frei WS HauS. einzelne Nunimer S Pfg. Sonntags- intmmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Kell' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. eingewogen in die Posi-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband slir Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Lureinburg, Pornigal, Sumönicn. Schweden und die Echwcij, 27. Jahrg. Criiljtini täglich außer dentas«. � 4- Vevlinev Volksblatl. vie Insertion;-Ledilhr keträgt für die scchSgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum 00 PIg., für politische und gewerkschastlichs Vereins- und BcrsammlungS-Anzcigen 30 Psg. „Klein« Hnzeigen", daS erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes«eitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ficllen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnicr müssen WS»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt piS 7 Uhr abends geössnet, Telegramm- Adresse: „Sozialiicnlemt Berlin". Zentralorgan der lozialdemohrat» fchen parte» Deutfcblands. Redaktion: SSI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Str. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Folizeiburcaultrat als IRekl)$hanzler. Herr v. Bethmann Hollweg hat den zerschlissenen Philosopheninantel abgelegt. Die gnadenvollen Erleuchtungen, die ihm auf der Hasenjagd in Springe zuteil wurden, haben ihm offenbar den Mut eingeflößt, sich in seines Wesens Dürre unverhüllt zu zeigen: als der preußische Bureaukrat, der alle Geschehnisse und staatsrechtlichen Verhältnisse durch die dunkle Polizeibrille betrachtet, sich aber einbildet, nur als Instrument des GottcSgnadentuius die Reichs- und Staats- geschäste zu führen. Zwei Reden hat er am zweiten Tage der Etatsdebatte ehalten. Zunächst schaffte er sich dadurch einen günstigen sonanzboden bei der blauschwarzen Mehrheit, daß er die sogenannte Finanzreform als ein notlvendiges Werk zur Gesundung der Reichsfinanzen feierte, weil sie Hunderte von Millionen aufgebracht hat. Als ob nicht durch noch viel unsinnigere Steuern auch noch größere Summen aus dem Volke hätten herausgepreßt werden können. Nicht die erzielte Steuer- summe ist der Prüfstein für den Wert der Finanzreform, sondern das W i e ihrer Aufbringung und jeder Verzicht auf den Versuch durch Verminderung der Ausgaben aus der Klemme herauszukommen. Aber über das Schema, alte schlechte Steuern durch neue schlechte Steuern zu ergänzen, sind die bureaukratischen Finanzkünstler nie hinausgekommen. Auch an dem, was man im staatserhaltenden Jargon die bewährten Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik nennt, will der amtierende Oberbureaukrat festhalten„zum Schutz der nationalen Arbeit". Aus Verschen entfloh dabei der Ausdruck »nationalliberale Arbeit" dem Zaun der reichs- kanzlerischen Zähne, welcher unfreiwillige Witz stürmische Heiter- lest entfesselte. Damit hatte der Kanzler denn das Stichivort gefunden für die Stellung der Regierung zu der wachsenden Unzufriedenheit im Volke über diese WirtschaftS- und Steuerpolitik. Wie auch die allgemeinen Neuwahlen ausfallen mögen, geändert werde nichts werden, der Rausch werde verfliegen, und„eine Götter» dämmerung werde nicht hereinbrechen". Die Ueberhebung einer selbstherrlichen Bureaukratie»vie sie im Buche steht! DaS Voll kann»vollen wie es lvill, kann»vählcn, wie es will, die Herren Bureaukraten erklären protzig: es bleibt bei den» alten KurS. Nun, es dürfte den Bethmänncrn doch bei ihrer eingebildeten Gottähnlichkeit bange»Verden. Dann entwickelte Herr v. Bethmann die staatsrechtliche Doktrin, daß die Regierung über den Parteien stehe, nur vom Kaffer und dem Bundesrat Direktiven an nehme und dann mit den Parteien zu einer Verständigung strebe. Er bestritt lebhaft, ein Diener des schlvarzblauen Blocks zu sein und fand dabei lebhafte Zustimmung— beim schwarzblauen Block. Bezeichnend für die Kurz- sichtigkeit der Liberalen ist, daß sowohl Herr Bassermann für die Nationalliberalen wie Herr W i e m e r für die Forffchrittler später diese Theorie zustimmend akzeptierten. Sie glaubten, damit habe der Reichskanzler Herrn V. H e y d e- brand eine Absage erteilt; im, in der Praxis, in der Geschäftsgebarung der Landräte werde leider nach dieser grundehrlich gemeinten Richtschnur des Reichskanzlers nicht gehandelt. Diese vertrauensvollen Bürgersleute werden sehr überrascht sein, wenn am Montag der konservative Redner unter lebhafter Zustimmung feiner Parteifreunde erklären wird, daß die konservative Partei völlig einig sei mit Vom Reichskanzler in der Auffassung, daß er und die gesamte Re- gierung über den Parteien stehen müsse. Die Aufrecht- erhaltung dieser Fiktion gehört eben zu den Geschäftspraktiken der koalierten Junker- und Bureaukraten-Clique. Was der Bureaukrat Bethmann sagen will, läßt sich mit einer kleinen Aenderung in dem Heincschen Vers ausdrücken: Blamier' mich nicht mein schönes Kind, Befiehl mir nicht unter den Linden l Wenn wir nachher zu Hause find, Wird fich schon alles finden. ES kann nicht oft genug, eS kann nicht entschieden genug betont werden, daß eine Regierung gar nicht über den Parteien stehen kann, selbst»venn sie wirklich den Versuch machen wollte. Sie ist stets die Handlangerin der herrschenden Klasse. Bei unS in Preußen-Deutschland setzt die Junkercltque im Bunde mit den industriellen Scharf- machern ihren Willen in der Haupffache durch das Mittel höfischer Hintertreppenpolitik und nur sehr ungern auf parla- memarischem Wege durch. Die amtierende Bureaukratie ist ja auch schon so trainiert, daß sie auf bloßes Zungenschnalzen hin in den vorgezeichneten Bahnen einhertrabt. Das komische Kommandogekreisch des kümmerlichen so vielfach überschätzten Heydebrand vom 26. Noveinber war überflüssig und rollen- »vidrig. Wie unnötig solche junkerliche Direktiven für den amtierenden Oberbureaukraten sind, ging ja dann mit hin- reichender Deutlichkeit aus dem Programm hervor, das Bethmann Holllveg für die Bekämpfung der Sozial- demokratie enttvickelte. was er selbst als wichtigsten Punkt bezeichnete. Freilich erklärte er keines Ansporns zu bedürfen,„zum Schutze der staatlichen Ordnung". Da riefen die Liberalen wiederum Bravo I Dann zählte er die einzelnen Mittel auf,»nit denen auch ohne Ausnahmegesetz der Sozial- demokratie Abbruch getan»verde» soll� und da lächelte Herr v. Heydebrand höchst befriedigt. Der Einfluß der Sozial- demokratie in den Krankenkassen soll gebrochen »verden— eine besondere Freude für Herrn Bueck! Die Strafgesetze sollen verschärft und die bestehenden Strafgesetze schärfer angewandt werden, welche scharfmacherische Auf- muuterung der Sozialistenfresscrci am grünen Tisch gerade noch gefehlt hat. Ja, in seinem Eifer, diese Direktiven gleich praktisch anzutvenden, erging sich dann der„über den Parteien" stehende Reichskanzler in Erörterungen des Moabiter Prozesses, wozu ihn angeblich einige beiläufige Bemerkungen Scheidemanns genötigt hätten. Wie sich der gute Jagow darüber freuen wird! In dem B e t h in a n n H 0 l l>v e g hat er ein l e u ch- tendes Vorbild für seine Annoncenzeugen. Gesehen hat dieser klassische Polizeizeuge auf dem Reichskanzler- sessel natürlich nichts von den Vorgängen in Moabit. Aber er kann auch noch nicht einmal die Verhandlungen gelesen haben, sonst »vürde er nicht ganz nach dem Jagow-Schema feierlich den Polizeibeamten seine Anerkennung aussprechen, daß sie in Moabit nur ihre Pflicht getan hätten. Ja mehr noch I Eine der Behauptungen, mit denen die Staatsamvaltschaft in der Anklageschrift operiert hat,»var, die Sozialdemokratie sei mitschuldig an den Exzessen. Auch nicht der Schatten eines Beweises»vurde für diese Anschuldigung erbracht. Die ganze Geschichte unserer Partei»vidersprichteinersolchen unsinnigen Ver- dächtigung; verschiedene einwandsfreic Zeugen widerlegten sie; tut nichts l Der leitende Staatsmann des Deutschen Reiches schämt sich nicht, in seiner einflußreichen Stellung während des schwebenden Prozesses die Verdächtigung zu»viederholen, auf der Sozialdemokratie laste die moralische Miffchuld an den Moabiter Vorgänge», und sie werde diese Mitschuld nicht ab- wälzen können. Damit war der Gipfelpunkt der staatsmännischen Leistungen dieses Polizeiburcaukraten auf dem Reichskanzlersessel erreicht. Die Sozialdemokraten protestierten empört, die Rechte brüllte begeistert Bravo! Da haben wir einen Vorgeschmack bekommen von den Mitteln, mit denen diese Sorte bureaukratisch-junkerlicher Politiker, die in Deutschland als Staatsmänner posieren dürfen. ohne daß die öffentliche Meinung der gesamten Nation sie von ihrem Platze hinwegfegt, glauben, der größten Volksbewegung aller Zeiten Herr werden zu können I Noch iminer sind solche bösartige Kopflosigkeiten bei den Macht- hadern ein Merkzeichen dafür gewesen, daß eine herrschende Klasse ihrem Untergange entgegentaumelt. Nach den antiparlamcntarischen Bureaukraten die bürger- lichen Parlamentarier l Herr Bassermann gab sich noch regierungsfrommer als bei der Debatte über die Kaiserreden. Das bißchen Oppositton,»vas diesmal noch in seinen Reden in sänfffglichen Tönen durchklang, wird er sich auch bald ab ewöhnen,»venn ihm nur der kleine Finger geboten wird. it der ganzen reaktionären Wirtschaftspolitik von Regierung und Schnapsblock fft er einverstanden; bleibt nur noch die kleine Differenz wegen der direkten Steuern. Von der Absicht, deir sozialdemokratischen Einfluß in den Krankenkassen tunlichst einzuschränken, ist er sehr erfreut. Schließlich glaubte er auch noch, sich de? Zaren annehmen zu müssen, indem er Eni- rüstung darüber bekundete, daß der„Vorlvärts" diesen Wohl- täter der Menschheit bei seinem Besuch in Potsdam„an- gepöbelt" habe. Herrn W i e m e r S Opposition hatte einen kräftigeren Klang, aber sie richtete sich doch mehr gegen den schwarzblauen Block als gegen die reaktionäre Regierung. Mit hoher Ve- fricdigung verzeichnete er den fortschrittlichen Wahlsieg in Labiau-Wehlau, doch schien ihm die Tatsache, daß der Sieg nur mit sozialdemokratischer Wahlhilfe errungen werden konnte, arges Unbehagen zu bereiten. Er erwähnte nicht nur diese Unterstützung mit keiner Silbe, sondern nach einem ver- legenen Räuspern kam er mit der Behauptung heraus. 9006 Wähler hätten dem fortschrittlichen Kandidaten Wagner durch die Abstimmung ihr Vertrauen ausgedrückt. Es dürfte aber doch auch Herrn Wiemcr hinreichend bekannt sein, daß unter diesen 9000 nicht weniger als 3700 Sozialdemokraten waren, die, weit davon entfernt, Herrn Wagner, der sie mit unschönen Mitteln bekämpft hat. ihr Vertrauen zu schenken. ihm nur deshalb ihre Stimme gaben, um den konservativen Kandidaten zu Fall zu bringen. Zivischendurch hielt dann noch der Reichskanzler eine zweite Rede über die auswärtige Politik, die nach dem üblichen Schema der Betonung offizieller Friedens- liebe entworfen war. Am Montag geht die Debatte weiter. Zentrumz-Mrrwsrr. Die päpstlich-feudale Aristokratie der Zentrumspartei, die seit der Hottentoltenwahl im Bunde mit dem hohen Klerus eine stetig steigende Obermacht im Zentrum erlangt hat. sucht den in Warburg- Höxter zum RcichstagSabgeordneten gewählten Herrn Prof. Martin Spahn, den Sohn des Zentrumssührers Peter Spahn, mit allen Mitteln aus der Zentrumspartei hinauszudrängen. Der schlesische Zentrumsabgeordnete Graf Oppersdorfs, erbliches Mitglied des Herrenhauses, hat sogar unter dem Titel:»Eine Gewissens- frage: Ist Martin Spahn ZentrumSinann?" soeben eine Schrift er- scheinen lassen, in der er, um sich und die anderen Gegner de« jungen Spahn im Zentrum„vor dem Vorwurf des Bruches der Parteidisziplin zu schützen", nachzuweisen versucht, daß Martin Spahn kein Zentrumsmann sei. Oppersdorff kommt zu dem Schluß,„daß Professor Spahn seine eigene ganz bestimmt aus- geprägte Geistesrichtung habe, die sich nicht besser als mit den: von ihm selbst gewählten Schlagwort„Entklerikalisierung" bezeichnen lasse." Ter Herr Graf meint: Ernste Gewissensfragen sind eS, die uns die Feder in die Hand gedrückt haben; und weil e§ eine sehr ernste Angelegenheit ist, komiien und können wir nicht schweigen. Es bandelt sich eben um nichts Geringeres als um die alle, vielbewährte Zentrums- traditio» und Zcntrumseinigkeit, um heilige und unverletzliche, von unS zu achtende, ja sogar— man wird cS recht verstehen—- uns zur Pflege und treuen Vertretung anvertraute Grund- anschau nngen des katholisches Volkes. Wer hierin die alte siegreiche Fahne des Zentrums hochhält, der fürwahr ist kein Störenfried! Die Einigkeit gilt uns als Ge- w i s s e n s p f l i ch t. Daher gerade unser Kampf gegen Vorgänge und Versuche, welche die wahren und tiefsten Grundlagen der Einigkeit untergraben, und welche den bisher dauerhasten Einllang der wesentlichen Grundanschauungen. Ueberzeugungen und Gesinnungen fürderhin unmöglich machen! Daher unser Kampf gegen Vorgänge und Versuche, welche darum auch das gegenseitige Verslehen und Vertrauen, daS die Männer der verschiedensten Erdenrichtungen in der Zentrumsfraltion für künftige schwere Zeiten wie seit Alters her immer einigte, er- schüttern und zerstören können! Und dann noch eines! DaS Vertrauen des katholischen Volkes ist ein kostbarer, aber ein verlierbarer Schatz. Seine Treue hat nicht gewankt und wird nicht wanken, so lange wie nach der politischen und nach der religionspolitischen Seite hin auf seine Führimg kein Schatten fällt! Wer aber die. E n t- k l e r i k'a l i s i e r u n g" zur Parole wählt, der schließt fich selbst von der Schar»euer Männer anS, die unser treu katholisches Boll bislang mit Recht als seine„Führer" ge« achtet und geliebt hat. Der Angriff ist charakteristisch siir die Machtvcrhälinisse innerhalb des Zentrums und den Geist, der heute in dieser Partei herrscht. Nicht daS wird dem jungen Spähnchen zum Borwurf gemacht, daß er sich gegen die Uebertragung des ReichStagSwahlrechtS auf Preußen ausgesprochen und damit gegen eine von der gentrumspresse als politischen Glaubensartikel— Programmsatz kann man nicht sagen. denn das Zenlrum hat kein Programm— ausgegebene Forderung verstoßen hat, sondern daß er modernistischen Anschauungen zuneigt; und doch behauptet bekanntlich daS Zentrum eine interkonfessionelle Partei zu sein. Wenn der Herr Graf v. OpperSdorff von der Einigkeit spricht, die allen Mitgliedern der Zentrumspartei als„GewissenSpflicht" gilt und gelten muß, so ist daS nichts als leeres Geschwätz, lediglich dazu bestimmt, die wirklichen Motive zu verhüllen. Diese GewissenSpflicht ist schon recht häufig im Zentrum verletzt worden, ohne daß bisher ein Hahn danach krähte; oder ist eS etwa keine Gefährdung der Einigkeit, wenn fich verschiedentlich Zentrums- Mitglieder, und zwar Stande»- und GefinnungSgenossen des Grafen v. OpperSdorff wenn wir nicht irren, find eS 16 Personen— gegen daS Reichstagswahlrecht gewandt haben? Wenn daS keine Störung der Einigkeit ist. dann müssen unbedingt die anderen leitenden Partei- Mitglieder im Geheimen ebenso denken, wie diese sechzehn! Doch die katholische Aristokratie und vor allem der Episkopat wollen von Herrn Martin Spahn nichts wissen; und ihrem Einfluß ist es denn auch gelungen, einen Teil der Zentrunisfraktion gegen den..Modernisten" mobil zu machen. In einer Gesamtsitzung der Zentrumsfraktion de» Reichstages, die bis spät in die Nacht dauerte, ist gestern die Frage erörtert worden:„Soll Herr Martin Spahn in die Zentrumsfraktion aufgenommen werden, oder soll man ihn hinauswerfen?" Nach einstündigcm Wortstreit wurde schließlich aus Rücksicht auf den der Verhandlung ferngebliebenen Vater des Herrn Spahn junior und besonders, weil man nicht der Welt zeigen wollte, wie abhängig die Zentrumsfraktion von den Wünschen und Befehlen des Episkopats sei, beschlossen, Herrn Professov Martin Spahn als �Mitglied der Zentrumsfraktion anzuerkennen aber erst nachdem Herr Spahn die weitgehendsten Zusicherungen gegeben hatte sich in seinen Reden und Schriften aller Aeußerungen enthalten zu wollen, die einen„modernistischen" Anstrich trügen. Willig versprach Herr Spahn alles, was verlangt wurde; worauf die große Mehrheit der Fraktionsmitglieder folgender Erklärung zustimmte: „Nachdem Professor Dr. Spahn über die von ihm vor zwölf Jahren angeknüpften Beziehungen zu dem Grafen Hoensbroech sein Bedauern ausgesprochen, und nachdem er über die bc- anstandeten literarischen Kundgebungen befriedigende Er- k l ä r u n g e n abgegeben hat, betrachtet die Fraltion die Bc- denken gegen seine Ausnahme für ausgeräumt." Damit scheint vorläufig die Sache erledigt zu sein; aber sie ist es noch nicht. Der Episkopat und die mit ihm verbündete feudale katholische Aristokmtie verlangt ohne jede Rücksicht auf den Vater des Verdächtigen, den Zentrumsführcr Peter Spahn, daß Herr Martin Spahn völlig kalt gestellt wird. Die„Köln. Ztg." meldet darüber, wie uns aus Köln telegraphiert wird: „Martin Spahn hat, wie ans der Erklärung der Zentrums- fraktiou hervorgeht, bevor er nach langem Kampf die Aufnahme durchsetzte, seine früheren Beziehungen zu dem Grafen Hoens- broech bedauern und befriedigende Erklärungen über seine bc- anstandeten literarischen Kundgebungen abgeben müssen, über deren Inhalt nichts weiter verlautet. Wenn diese Erklärungen auch die Zentrumsfraktiou befriedigt haben, eine höhere In st a 11 z wird sich davon schwerlich befriedigt fühlen. Wir glauben, zu wissen, daß die Broschüre des Grafen OpperSdorff gegen Martin Spahn in Rom das Interesse, das man dort seit dem Jahr feiner Berufung an die Straßburger Universität seiner Person geimdmet ffai und das sich in deftigen Angriffen der»Voce della Veritä" und der„Corres pondanze de Rome" äußerte, noch gesteigert hat. Der Erfolg,' den er jetzt mit seiner Aufnahme in die Zentrumsfraktion erzielt hat, ist geeignet, das dort glimmende Mißtrauen gegen die starke katholische Partei in Deutschland zur Flamme anzufachen und Folgen heraufzubeschwören, die durch die Ablehnung der Person Martin Spahns als eines Mitgliedes dieser Partei hätten ver- mieden werden können. Sicher ist, dieser Spahn im Fleische des Zentrums wird ein Balken im Auge der römischen Kurie Iverde n." Interessant an diesem inneren Jntrigenkampf in den Zentriumsreihen ist, daß der hohe Klerus sich in solchem Maße als Aufsichtsiiistanz der Zcntrumsfraktion des Deutschen Reichstages fühlt, daß er dieser einfach vorschreiben zu können meint, wen sie als FraktionSmitglied aufnehmen darf, und wen nicht— und doch i st bekanntlich nach der Versicherung der Zentrumsblätter das Zentrum durchaus keine konfessionelle Partei! Die konservative liiederlage. „Aus htm Hasse heraus, der mich beseelt gegenüber Ihrer rücksichtslosen Brutalität, sage ich, die preußische Junkerclique, die hinter der„Krcuz-Zeitung" steht, ist die menschgcwordeiu! Habgier, Frechheit und BrntalitSt." Daß diese zornigen Worte, die Genosse Scheidemann in seiner prächtigen Rede den Konservativen entgegenschletiderte, aus der Seele des deutschen Volkes gesprochen waren, dafür ist der Ausgang der Wahl in Labiau-Wehlau wohl der beste Beweis. Je größer der Terrorismus der Konservativen war, desto kläglicher wirkt das Resultat. Trotz allen Druckes ist es den Konservativen gerade mit aller Mühe und Not gelungen, die Stimmcnzahl vom 2. Dezeniber zu behaupten. In der ersten Wahl hatte Burchard 7217 Stimmen erhalten, nach deni vorläufigen amtlichen Wahlresultat wurden im ganzen abgegeben 17067 Stimmen; davon entfielen auf Wagner 984-1 Stimmen, auf Burchard 7220. Während also die Fort- schrittler ihre Stimmenzahl noch um 619 Stimmen über die von ihnen und den Sozialdemokraten zusammen am 2. Dezember erzielten vermehren konnten, ließen sich für den Konservativen gerade noch ein halbes Dutzend aufbringen. Der Wahl- terrorismuS beginnt eben zu versagen, der Haß gegen die Junker hat endlich die Fesseln gesprengt, in die die Furcht vor dem wirtschaftlichen Bohkott und vor der behördlichen Schikanierung die Landbevölkerung geschlagen hat. Ist aber diese Furcht erst überwunden, dann hat' es mit den Konservativen im Reichstag des allgemeinen und gleichen Wahlrechts ein Ende. Darin liegt die eine große Vedeutung dieser Wahl. Die Fortschrittspartei verdankt dieses Mandat der Stich wahlunterstützung der Sozialdemokratie, wie sie deren Unter stützung die beiden Landtagsmandate von Breslau und Hirschberg in Schlesien verdankt. Die Sozialdemokratie hat diese Unterstützung in Labiau-Wehlau ohne jede vorherige Verhandlung und bedingungslos gewährt. In der Nieder- ringung des schwarzblauen Blockes verfolgt sie ihr eigenes Interesse und alles, was die Konservativen von Unter- Handlungen zu erzählen wissen, ist freie Erfindung. Ein Märchen ist es auch, Ivenn heute die„Hallesche Zeitung" gar meldet, daß zwischen Fortschrittspartei und Sozialdemokratie ein Wahlbündnis für die Reichstagswahl abgeschlossen worden sei. All diese Lügennachrichten haben nur den durch- sichtigen Zweck, den Philister mit der«roten Gefahr" in Schrecken zu jagen. Allerdings muß auch gesagt werden, daß wenn es anderer- seits den Liheralen ernst damit ist, die konservative Gewalt- Herrschaft zu brechen, sie sich werden entschließen müssen, bei Stichwahlen ebenso Mann für Mann für den Sqzialdemokraten qls„kleineres Nebel" einzutreten. Und wir meinen, daß die Liberalen hier ein gut Stück Erziehungsarbeit an ihren Wählern zu vollbringen haben. Die Herrschaft des schwarz- blauen Blocks ist nur möglich geivorden, weil die Liberalen immer wieder den Junkern und Klerikalen bei den Stich- wählen die Kastanien aus dem Feuer geholt haben. Herr v. Bethmann Hollweg fordert immer und immer wieder die Liberalen auf, diese selbstmörderische Taktik auch in Zukunft zu befolgen und unter den Liberalen gibt es gar manche Politiker. die sich die sozialdemokratische Stichwahlhilfe gern gefallen ließen. aber von der bürgerlichen Samrnelpolitik gleichzeitig selbst profitieren möchten. Wir glauben, daß eine solche Taktik unmöglich ist und die Liberalen dadurch nur. sich selbst um jede Aussicht bringen würden, die Herrschast des schivarzblauen Blocks und den Ab- solutismus der regierenden junkerlichen Bureaukratie zu Fall zu bringen. Würde Labiau-Wehlau den Liberalen endlich den Mut der Entschließung einflößen, so iväre dies allerdings von großer Bedeutung für den Aussall der nächsten Wahlen. Die linksliberale Presse bespricht das Wahl- ergehnis auch nur allein von diesem Gesichtspunkt aus. So schreibt das„Berk. T a g e b l.": Der Stichlvahlsieg des Fortschrittlichen VolkSparteilers wäre, tute offen zugegeben werden muß, trotzdem nicht»täglich gewesen ohne die Unterstützung der Sozialdeino- k r a t i e.... Mo» soll sich»icht— lulc das nach der Haupiwahl in einigen rechlZIiberalen Organen geschehen ist— um, die Anerkennung dieser Tatsache schwächlich herumdrücken, und man soll vor allem aus dieser Wahl von Labiau-Wehlau die rechte Lehre ziehen. In den großen und größeren Städten wird bei den nächsten Reichsragswahlen die Sozialdemokratie für den Liberalismus ei» sehr gefährlicher Gegner sein, und ti ist klar, daß der Besitz der Fortschrittlichen Bolkspartei dort mit aller Energie verteidigt werden muß. Aber da«, was der LiitksliberaliSmnS dort vielleicht verlieren wird, kann er den Konservative» abnehmen, ivenn er. wie er es in Labiau-Wehlau getan, mit Wucht und Ent- schiedenheit gegen sie auftritt, die Bolksstimmting zu benutzen weiß und sich nicht in kindlicher Aengstlichkeit oder in diplomatischer Bedenk- lichleit scheut, dort, wo die Situation es verlangt, gemeinsam mit der Sozialdemokratie vorzugehen. Alle Kräfte der Opposition gegen den schwarzblauen Block und gegen die von ihm ab- hänaige Regierung zusaninienzufassen, das ist der beuligen und der kommenden Stunde wahres und tniverkeiinbareS Gebot." Dagegen verhält sich die eigentliche fortschrittliche Partei- presse wesentlich zurückhaltender, während die konservative Presse wie bei der Hauptwahl, die Bedeutnug des Wahl- resullats zu verkleinern sucht und über die„amerikanische Wahlagitation" deS Freisinns jammert, Gracchen, die über Aufruhr klagen. Nur der„Reichsbote" ist ehrlich und macht seinem gepreßten Herzen folgendermaßen Lust: „ES ist zu furchten, daß wir im nächsten Jahr noch ahn- liche schmerzliche U e b e r r a s ch n n g e n in chemals konservativen Kreisen zu erwarten haben. Die Finanz- reform mit der darauf aufgebauten liberalen Agitation hat eine zu starke LinkSströmung hervorgerufen, die sich seitdem bei allen Nachwahlen gezeigt hat. Wenn der Staatssekretär Mermuth gestern rühmte, daß durch die Finanzreform das Fort mit der Fietirsptit! Die Produktionsziffern für den Monat Oktober, dem ersten Monat int zweiten Jahre der neuen Branntweinsteuer, zeigen wiederum das erhebende Bild: die Erzeugung betrug im Monat Oktober 1909: 138 393 Hekto- liter. Diese Ziffer zeigte gegen dieselbe Zeit von 1903 schon einen starken Rückgang, im Monat Oktober 1910 hat die Produktion an Branntwein aber nur noch 120000 Hektoliter betragen! Der Rückgang hat also auch im neuen Stenerjahre an- gehalten! Daß der Schnapskonsum weiter sinkt, bis der Tribut an die Agrarier verschwindet, dafür zu sorgen, ist jedes denkenden Arbeiters Pflicht! Darum meidet den Schnaps! Reich aus seiner Finanznot herausgekommen sei, so hat die kon- servative Partei das schwer zu büßen, und durch die gegen scitige Berhetzung der Parteien wird das Uebel noch immer schlimmer werden." Dies konservative Weh gc schrei ist Musik in den Ohren de» deutschen Volkes. Die Junker haben von den Wahlen alles zu fürchten. Sie wissen das, und deshalb ihr Geschrei nach Aus nahmegesetzen und nach dem Staatsstreich. Aber die Zeiten. lindern sich, und was früher einmal gefährliche Drohung mar, ist heute nur ohmnächtige Wut. Unter den Willen des gleichen Wahlrechtes werden die Junker sich zu beugen eben lernen m ü s s e n._ Zagom Freiwillige. Der Aufmatsch der Jagowschen Freiwilligen bat in der Sonn- abendsitzung des M o a b i t e r Prozesses begonnen. Dat. Resultat war furchtbar. Das heißt für die Polizei und die Staats anwaltschnft— die Verteidigung wird dem Herrn Polizeipräsidenten sehr dankbar sein. Denn diese eine Probe zeigt mehr als genügend. daß die Verzweiflung der Polizei schon den höchsten Grad erreicht haben muß, wenn sie sich nicht scheut, solche Schutzzeugen für sich austreten zu lassen, die sich entweder durch den ernsthaften Vortrag der tollsten Näubergeschichteu mit unsterblicher Lächerlichkeit bedecken, oder die so gut wie gar nichts zu sagen haben. Denn was diese Zeugen über die Vorgänge in Moabit zu erzählen wußten, daS sind Allgemeinheiten, die längst bekannt und von keiner Seite bestritten sind, und was sie über die Haltung der Schutzleute hinzufügen, das sind subjektive Urteile, die nicht bestehen können vor den detaillierten positiven Angaben der anderen Zeugen über grobe Ausschreitungen der Polizeibeamten. Eine Widerlegung dieser Aussagen bewirken die der Polizeizeugen in gar keiner Weise; sie prallen von ihnen ebenso wirkungslos ab. wie Lehmkugeln von einer Panzerplatte. Auf der Seite der Verteidigung stehen die genauen bestimmten Angaben über konkrete Vorgänge, Polizei und Staats- anwaltschoft haben im günstigsten Fall allgemeine Raisonnements, „SentimentS", um mit Herrn Lieber zu reden, für sich. Es ist schwer, keine Satire zu schreiben. Die Aussagen der Polizeifreiwilligen BarS und v. Scharf lassen sich wirklich nicht ernst- hast behandeln. Was dazu zu sagen ist, das erschöpft das Morl Räubergeschichten", womit Genosse Heine die Sache treffend ge- stempelt hat. An schauerromantischer Phantasie können es diese Zeugen mit dem bekannten Herrn Berthold aufnehmen, an„guter, staats- erhaltender Gesinnung" mit dem Herrn Schulze, dem tatkräftigen Denunzianten. Je dürstiger oder lächerlicher die Tatsachen, die sie anzugeben wissen, umso freigebiger sind sie mit ihren Urteilen. Herr Bars weiß, daß der Hanswurst, den er vor versammelter Menschen- menge seinen genialen Kricgöplon entwickeln hörte, wie ein Agitator aussah, und er weiß, wie ein Agitator aussieht, denn er hat ein« mal in Spandau einen gesehen. Und Herr v. Scharf, dessen zarteö patriotisches Empfinden schon beleidigt ist, wenn ein Verteidiger, der Sozialdemokrat ist, eine Frage an ihn zu stellen wagt, braucht gor keinen tatsächlichen Anhalt, um zu erkennen, daß die Unruhen„planmäßig geleitel" wurden, daß randalierende junge Burschen von„der Partei" gedungen sind und daß Leute, die in einer Destlllation Unsinn schwätzen,„zu der Partei" gehören. Er braucht zu solchen Erkenntnissen nicht» al« seinen gesunden verstand und seine patriotische Phantasie. Und was er weiß, das wird ihm kein„Vertreter der Genossen" ausreden können. Denn Herr v. Scharf hat viel erlebt und hat klare Augen. Die beiden Zeugen sind von der Polizei vernommen worden, ehe sie bor Gericht auftraten. Polizei und Staatsanwaltschaft halten eS also für angebracht, solche Geschichten, diese Mischung von Unsinn und Sozialistenhaß, im Gerichtssaale vortragen zu lassen. Wir konstatieren das— eine Kritik erübrigt sich. Aber freilich, was halten Herr v. Jagow und Herr Steinbrecht nicht alles in diesem Verfahren für möglich, was riskieren sie nicht alle» unter todesmutiger Nichtachtung deS Wortes von der tötenden Lächerlichkeit. Sie lassen ihre Freiwilligen bekunden, daß sie zu Tageszeiten, da von Polizeiattacken noch keine Rede, ungehindert die Polizcikelten passieren konnten; daß sie die Herren Ober- poslassistcnten und anderen Honoratioren von den Polizeibeainlen höflich behandelt wurden. Werden dadurch etwa die vielen Fälle ungeschehen gemacht, in denen andere Leute beim Versuch, die SckmtzinatmSketten zu passieren, angeschnauzt oder gar verprügelt wurden? Aber die Herren v. Jagow und Steinbrecht bringen.noch mehr fertig. Sie werden Beweise erbringen, daß sich in Moabit Un- befugte als Kriminalbeamte geriert haben, womit offenbar da? Zeugnis des Schneidermeisters OSlath über die Lockspitzelarbcit etlicher Kriminalbeamten„widerlegt" werden soll. Müßten die Herren fich nicht selbst sagen, daß einig« solche Fälle, wenn sie nachgewiesen werden sollten, doch noch lange nicht glauben machen können, daß sich die Polizei längere Zeit von einer größeren Anzahl alscher Kriminalbeamten foppen lassen wird, die sich so benehmen, wie der Zeuge Osiath es geschildert hat! Sie müßten eS sich sagen, aber— in der Slot frißt der Tetifel Fliegen. Mehr aber noch als Fliegenfreffen ist der Versuch, dem Zeugen Frost seine klaren, bestimmten, absölnt einwandfreien Wahrnehmungen einfach abzustreiten. Herr Frost ist ein mehr alz klassischer Zeuge — er ist köitigstreu und kirchlich-fromm, Mitglied«ineS gelben Vereins, Gegner der Sozialdemokratie, an den Unruhen gänzlich unbeteiligt— seine Bekundung, die von ehrlicher Empörung über die Ausschreitungen der von ihm beobachieten Polizeibeamten durch- zittert ist. trägt den Stempel der reinsten Wahrheit deutlich an der Stirn. Und dieses Zeugnis will man jetzt zu Nichte machen, indem man einige Polizeioffiziere zitiert, die bekunden solle», daß sie nicht gesehen haben, was Herr Frost gesehen hat, daß sie aber der Ansicht sind, sie hätten es sehen mliffen, wenn» passiert wäre. Man wagt zu behaupten. He» Frost müsse sich geirrt haben, weil die be- treffenden Polizetbeamten nichts van tsn Lorfällen wissen, die er beobachtet hat. Man will den Mann als Faselhans hin- stellen, der erklärt hat, daß seine Frau ob des Gesehenen in heißes Weinen der Empörung ausbrach, daß er selbst sich durch einen Schlag auf den Tisch Luft machen mußte. Für- wahr, dieser Versuch ist nicht mehr mit parlamentarischen Worten zu qualifizieren! Wenn die Polizei jede gut begründete Aussage, die ihren Organen Ausschreitungen vorwirft, also angreifen will, dann wird sie niemals fertig werden. Denn immer höher wird der Berg der Anklagen. Die Sonnabendsitznng hat wieder eine Fülle von solche» Bekundungen gebracht, darunter Fälle schwerster, allerschwerster Art Und der Versuch, eine dieser Aussagen durch die Zitierung des beschuldigten PolizeiosfizierS, des Leutnants Folte, zu erschüttern, mißlang in eklatanter Weise. Doch die Polizei ist noch nicht ganz verlassen— außer ihren Freiwilligen hat sie auch noch andere treue Freunde und gute» Trost. Die„Militärisch-politische Korr." brachte die folgende offiziöse Mitteilung: „Ein Beweis dafür, daß der bisherige Gang der Moabiter Verhandlungen die Auffaffung an maßgebender Stelle über das korrekte und tapfere Verhalten der Berliner Schutzmann- sibaft während der Oktoberkrawalle in nichts beeinflußt hat, ist die in dieser Woche erfolgte Uebermitteluiig von zahlreichen Ordensdekorationen an Osfiziere und Beamte des Jagowschen Ressorts. Dem Polizeimajor Klein, dessen ruhiger und be- sonnener Haltung in mehr als einein Straßenrenkontre zwischen Scdutzmamtichaft und Exzedenlen die Wahrung der öffentlichen Ruhe zu verdanken gewesen ist, wurde die königliche Krone zum Roten Adlerorden dritter Klasse mit der Schieise verliehen, eine sehr selten gegebene Deko- r a t i o n, die im allgemeinen kaiserliche Flügeladjutanten und Kommandeure von Garde- und Leibreaimentern erhalten. An die anderen Offiziere der Schutzmaiinichast ging meist der Kronen- orden t. Klasse, während als Belohnung für die vom Kaiser dankbar anerkannte Pflichterfüllung den an der Unterdrückung der Moabiter Auiruhrgefahr beteiligten Beamten die Medaille des Roten Adlerordens oder des Kronenordens verliehen worden ist. Wie unrichtig ferner die jüngst gebrachte Meldung von einer Versetzung des Polizeipräsidenten v. I a a o w auf einen anderen Posten„von geringerer Bedeutung" sein mutz, geht am sichersten daraus hervor, daß, wohl für da» kommende Ordens- fest, eine besondere Dekorieruiig' für den viel angefeindeten tüchtigen Mann in Aussicht steht, der sich deS vollen Vertrauens des Kaisers und seiner Vorgesetzten erfreut." Wir gönnen den Herren Polizeiosfizieren und dem Herrn Polizeipräsidenten alle Orden. Aber im jetzigen Moment müssen diese Auszeichnungen und die Form der Bekanntgabe wie ein Versuch zur Beeinflussung des Gerichts wirken, ebenso wie die tolle Scharf- macherrede, die der Reichskanzler am Sonnabend im Reichstage hielt. Im Interesse der Angeklagten muß gegen diele Kundgebungen protestiert werden— die Sozialdemokratie hat sie nicht zu bedauern. Denn sie klären die Situation, und diese klärende Wirkimg ist um so größer, je blamabler das Ergebnis deö Prozesses für die Polizei ist. Die Aadlen in England. Von den 670 Abqeordnetcn sind bereits 196 gewählt, und zwar 178 Liberale, 225 Union isten. 32 Vertreter der Arbeiter- Partei, 56 Anhänger Redmonds und 6 Anhänger O'BrienS. Die Liberalen geirwnnen 17, die Unionisten 21, die Arbeiter- Partei gewann 4 Sitze. Verlust lind Gewinn der Parteien haben sich somit wieder ausgeglichen. Von den noch ausstehenden Wahlen sind Ueberraschungen nicht mehr zu er- warten, und das neue Haus wird dem alten außerordentlich gleichen. Die Konservativen fahren fort zu erklären, daß die geringen Erfolge und die wachsende Gleichgültigkeit der Wähler der Regierung nicht gestatten werden, grund- stürzende Aenderungen der Verfassung vorzunehmen. So erklärte der einflußreiche Konservative Vonar Law in einer Rede, ivenn die Regierung nach dem jetzigen Wahlergebnis an Boden verloren habe, so sei sie nicht imstande, vom König den Umsturz der Verfassung zu verlangen. Tagegen führten Lloyd George und Churchill auS. die Regierung besitze eine gute substantionelle und homogene Majorität, und eS sei ein Unsinn von Valfvur, von einer neuen Wahl zu sprechen, dig in wenigen Monaten stattfinden müsse. Wahlunruhen. London. 10. Dezember. Aus Anlaß der Wahlen kam eS gestern in Belfast zu stürmischen Straßenszenen, bei denen mehrere Personen verletzt und viele Schaufenster eingeworfen wurden; auch einige Revolverschüsse wurden abgefeuert. Die Unruhen nahmen gestern abend ihren Anfang. Vor da» Tor eines Gebäudes, in welchem eine antikatholische Versammlung tagte, wurde ein Sprengkörper geschleudert, wodurch eine Person schwer verletzt wurde. Der Polizei gelang es, die Menge zu zer- streuen, politische deberfickt. Berlin, den 10. Dezentber 1010. Aus der Delegiertenversammluitg deS Zentralverbandes deutscher Industrieller. �nm Nachfolger des ausscheidenden bisherigen General- sekretors des Zcntrolverbandes deutscher Industrieller, des Herrn H. A Bueck, dessew Rede gegen die sozialdemolrotischc Arbeiterschaft wir in gestriger Stummer ausführlich mit- teilten, ist in der gestrigen Delessiertenversammlung der Re- gierungsrat a. D. Dr. jur. Schüvetghofer gewählt worden: ein Mann, der früher Senots-SyndituS in Lübeck gewesen ist. 1900 aber in den preußischen Venvaltungsdienst übertrat und dann 1907 zur informatorischen Beschäftigung in industriellen Unternehmungen und Bauten beurlaubt wurde. 3Selchcni Geistes dieser würdige Nachfolger Buecks ist, zeigte er deutlich in seiner gestrigen Antrittsrede, in der er sich heftig gegen die Belastung der Großindustrie durch die sozialpolitische Gesetzgebung waildte und sich zum Schluß fol- gende Aeußerungen leistete: „Die Leistungen für diese Versicherungsart sKrankenversichernng) machen in Deutschland gäl)'/, Millionen Mark, in Oeslerretch-Nn- garn 02'/;, Millionen, in Frankreich 22 Millionen und in Belgien 3,6 Millionen Mark aus. Bei derartigen Verhältnissen fei eS wohl an der Zeit, daß die führenden Sozialpolitiker im Reichstage so- wohl als in den zuständigen Reichsstellen bei allen weiteren sozial- politischen Maßnahmen auch die Belastungsfrage berücksichtigten, damit nicht bei uns eines schönen TageS die Quellen, auS denen bisher geschöpft wurde, versagten. Reben dem Arbeiter sei eS doch in erster Reihe der Arbeitgeber, der die Sa st en der sozialen Gesetzgebung zutragen habe; und der Gesetzgeber, der ohne Rücksicht auf die bisherigen Saften dem Unternehmer immer wieder neue zumute, sollte sich bewußt sein, daß eine jede in blindem Eifer über das Ziel hinausgehende Sozialpolitik in ihrem Enderfolge das Gegenteil der Absicht herbeiführen und die den wirtschaftlich Schwachen zugedachten Segnungen in Verderben umwandeln müsse. Falls durch ein Ü ebermaß der sozialen Gesetzgebung die Produktivität der Arbeit heruntergesetzt und die WettbewerbSsähigkeit mit dem AuS- lande lahm gelegt würde, so sei ein Rückgang der deutschen Industrie unausbleiblich und ein solcher Rückgang müsse am letzten Ende seinen stärksten Nieder schlag in der Loge der arbeitenden Klassen finden.' Selbstverständlich fanden diese Aeußerungen den größten Beifall der Delegierten des Zentralverbandes, die sich gegen Schluß der Sitzung in einer langen Resolution für die Be- günstigung der Betriebskrankenkassen und für die gleiche Stinnirengahl der Arbeiter und Unternehmer in den Orts. krankenkassen, aber gegen die Ausdehnung der Unfall-Ent- schädigungspflickit der Unternehmer und gegen die Ansamm- lung größerer Reservefonds bei den VerufsZenossenschaften auZiprachen. i# Die Vertretung der Interessen des Zentralvsrbandes lohnt sich übrigens in reichlichem Maße. Der pensionierte Herr Bueck erhält als Extragratifikation bei seinem Abschied ein aus Sammlungen der Zentralverbandsmitglieder hervor- gegangenes„E h r e n- G et d g e s ch e n k". das sich bereits auf 7 00 00 0 M. belauft, obgleich erst ein kleiner Teil der Mtglieder seinen Obulos entrichtet hat. Auf ein Geschenk von Wz Millionen Mark kann also Herr Bueck mit einiger Sicherheit rechnen. Eine ganz nette Gratifikation! Der Scharfmacherkanzler in natioaallibcralem Urteil. Herr von Bethmann Hollweg hat an, Sonnabend in der Ctatsdebatte in einer Weise über die Moabitcr Vcrkommnisie, den„Terrorismus der Streikenden", die Notwendigkeit, die Arbeitswilligen in höherem Maße zu schützen, gesprochen, daß ihm die verdiente Antwort im Reichstag selbst und in der sozialdemokratischen Presse nicht geschenkt werden wird. Eine hübsche Charakteristik seiner Rede liefert aber auch der Artikel eines nationalliberalen Blattes, der schon v o r der Scharfmacherrede des Kanzlers, des Junkers- und Unter- nehmerabsolutismus veröffentlicht wurde. In den„M ü n- chencr Neue st en Nachrichten" vom Donnerstag findet sich nämlich ein Artikel, in dem wörtlich ausgeführt wird: „Wenn Arbeiter den Erfolg ihres AusstandeS durch Arbeitswillige und Streikbrecher gefährdet sehen, so suchen sie nach Mit- teln, um dies zu vereiteln. Das tun nicht nur Arbeiter in solchem Falle, das tun auch die Angehörigen jeder anderen Gesellschaftsklasse, die ja auch sich der Waffen der Sperre, des Boykotts, der Arbcitsverwei- gerung bedienen: nur sind die Methoden verschieden. Wo hier mit spitzen Worten, mit A e ch t u n g und D u e l l f o r b e- r u n g gearbeitet wird, ergeht sich der Arbeiter in Schimpf- Worten und Drohungen, oder er hilft sich mit Schlägen. So sind die Manieren verschieden. Der sittliche Wert dieser Mittel ist der gleiche und überall ver- w e r f l i ch. Dazu tritt, daß die Arbeitswilligen sehr ver- schiedenc Elemente unter sich bergen. Gewiß sind viele von ehrenhaften Gründen geleitet: Treue, Anhänglichkeit an den Arbeitgeber. Sorge für Weib und Kind. Mißbilligung eines Streikes. Aus stark ausgeprägtem SolidarirätSgefühl werden aber auch diese Gruppen von Arbeitswilligen von den Streikenden als Verräter an der Arbeitersache betrachtet. Mehr und mehr jedoch treten unter den Arbeits- willigen zene höchst unerfreulichen Giemen te hervor, die in normalen Zeiten keine Arbeit finden, weil sie wenig keiften, von Ort zu Ort ziehend, sittlich bemakelt sind. Aus diesen Menschen rekrutieren hauptsächlich ge- wisse Agenturen ihre Kolonnen, die sie unter dem Namen von Arbeitswilligen überall dorthin verschicken— natürlich gegen hohe Bezahlung—, wo ein Streik aus- gebrochen ist, und meist ist der Arbeitgeber später froh, wenn er s,e mit guter Manier wieder los wird. Denn diesen Arbeitswilligen liajt gewöhnlich sehr wenig an der Arbeit, sondern am gewerbsmäßigen Streikbruck), gegen dessen Gefahren sie mit Revolvern und Knüppeln aus- gerüstet sind. Im Moabiter Krawallprozeß zum Beispiel ist doch letzt schon zur Genüge erwiesen, wie die A r b e i t» w i l I i- gen zum mindesten ebenso gehauen haben, wte die Streikenden, und zwar nicht bloß in der Berteidiguna sondern auch im Angriff. Bezeichnend ist auch die Tatsache, daß alle wirklich großen Nrbcitskcimpfe sich in vollster Ruhe-und Ord- nun« vollziehen E» sind fast nur die kleinen, örtlich begrenzten Ausstände, bei denen Krawalle vorkommen, Streikposten und Streikbrecher sich in die Haare geraten." Das Münchener nationalliberals Blatt bemerkt zum Schlüsse seines Artikels, daß es s e h r v e r d i e n st v o l l wäre, wenn in den EtatSdebatten nicht nur von den So- zialden, okraten, sondern auch von den b ü r g e r- lichen Parteien und der R e i ch s r e g i e r u n g auf diese Tatsachen hingewiesen würde, wenn das Geschrei nach einer neuen Zuchthousvorlage ertöne. Herr von Bethmann Hollwea ist diesem verständigen Rat nicht gefolgt, er hat viclinehr die läppischen und gehässigen Angriffe der Scharf in acherpresse vom Schlage der „Deutsche» T a g e S z e l t u n g" und der„P o st" seinem Konzept zugrunde gelegt. Uns Soziakdemokraton kann daS nur angenehm sein. Denn wenn ein Reichskanzler selbst nach dem Urteil eines nationalliberalen Blattes die rtementarsten Pflichten der sozialen Billig- k e i t Jimkern und Scharfmachern zuliebe so gröblich verletzt wie Herr von Bethmann Holllveg, so leistet er damit der sozialdemokratischen Agitation eine gar nicht zu überschätzende Nnterslützung!_ „Das bißchen Moabit." Verschiedene Nachrichten stimmen darii, überein, daß in letzter Zeit von den Konservativen verschiedene Versuche ge- macht worden seien, den Kaiser ,md den Kanzler für Ausnahmegesetze zu gewinnen. Nach der„ssföuigs. berger Allg. Ztg." sei der Ka i s e r mich bereits durch H a m- b u r g e r Einflüsse für ein neues Arbeitswilligeugesctz, ähnlich der Zuchtbausvorlage gewonnen worden. Der Reichs- kansier aber habe ihn umgestimmt. Der Kanzler selbst fei Gegner von Ausnahnwgesetzen und als nian auch an ihn herantrat, habe er sich wenig zugänglich gezeigt. Als man als BewckS für die Notwendigkeit die Vorgänge in Moabit heranzog, hätte er geantwortet:„D a S bißchenMoabi t!" Nun bat heute Herr v. Bethmann Hollwcg im Reichstag Alle politischen Scl)auermärchen über Moabit nochmals als „Tatbestand" vorgetragen und man könnte der Mrimlng sein, daß dadurch die Erzählung von dem«bißchen Moabit" bereits widerlegt sei. Das brauchte aber durchaus nicht der Fall sein. Herr v. Bethmann entwickelt vielleicht in Privat- g e s p r ä ch e n, die nicht fii? die Oeffentlichkeit bestimmt fiiij>, richtigere Ansichten als im Reichstag. Jedenfalls ist das Wort von dem„bißchen Moabit" in seiner Kürze weit zutreffender als die Scharfmacherlegende, die der Kanzler heute im Reichs- tag erzählte._ Der Zitatenruhm des Herrn v. Hehdebrand hat Herrn v. BethmaNn nicht ruhen lassen und so hat er heute seinen Witz an angeblichen Aeuße- rungcn des Genossen Liebknecht geübt. Wir stellen dcmgegxn- über fest, daß sämtliche Berichte über die Reden Liebknechts den Sinn äußer st ungenau oder ganz entstellt wiedergeben. Tie Erhöhung der AitwaltSgebiihren. Seit geraumer Zeit drängen die deutschen Anwälte auf die Er- höhung ihrer Gebühren im Prozeßverfahren. Die Regierung war auch bereit, dem Reichstage eine Vorlage zu machen, verlangte aber vorher von den Anwaltskammern statistische Unterlagen über das Einkommen der Rechtsanwälte. Die Anwaltskammern haben eS jedoch abgelehnt, die ihnen zugesandten Fragebogen zu beannvorten. mit dem Bemerken, daß angenommen werden dürfe, der Reichstag werde auch ohne statistische Unterlagen den Wünschen der Anwälte Rechmiiig tragen. Diesen Optimismus teilt die Regierung offenbar nicht— und zwar mit gutem Recht— weshalb sie die Einbringung einer solchen Vorlage auf spätere Zeit vertagt hat. Die neue Verfassung für Elsaft-Lothringen. Die«Kölnische Zeitung" läßt sich berichten: „Die elsaß-lothringische Berfassungs- Wahlrechtsreform, die am Montag, 12. Dezember, von den Ausschüssen im Bundesrat und am Donnerstag, 15. Dezember, von dessen Plenum beraten werden soll, schien bisher bei keiner bundesstaatlichen Regierung erhebliche Einwendungen hervorgerufen zu haben. Denn bis vor zwei Tagen waren noch keinerlei Abänderungs- antrüge im Bundesrat«ingebracht worden. Von Sachsen orte man allerdings, daß es von der Einführung eines demo- ratischen Wahlrechts in Elsaß-Lothringen ungünstige Rückwirkungen auf die Stimmung der sächsischen Wählerschaft befürchtete, so daß sie etwa Anspruch erheben könnte, ein nicht minder freiheitliches Wahlrecht zu erhalten. Diese Befürchtungen haben sich nun in letzter Stunde noch zu Anträgen verdichtet, in denen Sachsen eine Ein- s ch r ä n k u n g der in der Vorlage vorgesehenen Wahlrechts- reform vorschlägt. Man nimmt an, daß die Ausschüsse im Bundesrat infolgedessen zwei Tage zur Beratung der Vorlage brauchen werden, daß die Anträge Sachsens aber abgelehnt werden."_ Geheimnisse eines Arbeiteransschnsses. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Die in dem Leitartikel«Weiße Salbe' des.Vorwärts' aB- gedruckte Erklärung der zwei Hirsch-Dunckerschen ArbciterauSschuß- Mitglieder von Zeche Königsgrube hat eine Gegenerklärung der Zechenverwaltung zur Folge gehabt. Sie bestreitet, jede Beeinflussung des ArbeiterauSichusseS durch irgend einen Verlreter der Zechen- Verwaltung zwecks Herausgabe der gegen die«Hetzereien des Berg- arbeiterverbandeS" gerichteten, den Zeitungen übermittelten Erklärung. So zu lesen im„Bergarbeiter", Organ des Hirsch-Dunckerschen GewertvereinS. Die Sache wäre damit für den ArbeiterauSscbuß erledigt, wenn nicht daS Hirsch-Dunckersche Blatt hierzu noch folgendes ver- öffcntlickite: „Anmerkung der Redaktion: Wegen genanntem Artikel und der Erklärung der Kam. Bahn und Rehm hatten wir eine AuS- spräche mit der Verwaltung der Zeche Köniasgrube und sind wir z» der Ueberzcugung gekommen, daß die Verwaltung den Arlikel des ArbeiierauSschusseS nicht veranlaßt hat. Die Auffafiung aber, daß die Zechenverwaltung den ArbeiterauSschuß oder sonst jemanden zur Anfertigung deS Artikels veranlaßt habe, war für uns die Veranlasiung. die polemischen Ausführungen gegen die Zechen« verwalinng zu machen. Da erstereS, wie uns aufs bestimmteste versichert wurde, nicht zutrifft, fallen damit auch die daran ge- knüpften Bemerkungen. In der gleichen Angelegenheit ersuchen unS die beiden AuS- schußmitglieder um Ausnahme folgender Zeilen:„Die unter- zeichneten Ausschußmitglieder der Zeche Königsgrube schrieben in einer Erklärung in voriger Nummer„Der Bergarbeiter", daß der Artikel von einem Bcausiragten der Zechenverwaltung verfaßt sei.' Ferner:«Daß die Unterschrift von den Unterzeichneten lediglich auf Grund der aus sie geübten Beeinflusiung geleistet sei. Diese Bchmiptungen entsprechen nicht den Talsachen. Mit der letzteren Behauptung wollten wir übrigen« nur nm Ausdruck bringen, daß die Unterschrift in- olge der wirtschaftlichenAbhängigkeit geleistet ei, nichts werter." Peter Bahn. Paul Rehm. Mit dem letzten Satz wird auch indirekt bestätigt, daß die in der auf so geheimnisvolle Weise zustande gekommenen Erklärung des Albeiterausschnsses bestrittenen Anklagen der Vcrbändler nicht ohne Unierlagen sind. Die beiden Ausschußmitglieder bestreiten die gerügten Mißstände nicht, vielmehr geben sie zu, daß die Unterschrist unter der von ihnen weder verfaßten noch gebilligten Erklärung «infolge wirtschaftlicher Abhängigkeit geleistet sei' I Darin liegt ohne weiteres eine Ablehnung der weder von den LrbeiterauSschußmitgliedern noch von einem Vertreter der Zechen- Verwaltung verfaßten Erklärung gegen die«Verbandshetzer'. Wie nun eigentlich dos Machwerk zustande kam. ist noch immer im Dunkel geblieben. Genug, eS ist veröffentlicht worden: obgleich die beiden ArbeiterauSschußmitglieder ihre Unterschrist„infolge wirtschaftlicher Abhängigkeit geleistet' haben._ Auf de» RedaktionStisch geflogen J Wenn die sozialdemokratische Presse in die Loge kam, geheime amtliche Schriftstücke zu verüfsentliche». heulte der ganze Chor der regierungstreue» Presse allen voran die„Deutsche Tageszeitung"— über Bertrauensbruch und Diebstahl. Daß ober die- selb« Presse eS nicht verschmäht. Schriftstücke zu veröffentlichen, die ihr nicht auf völlig einwandfreie Weise zugegangen sein können, beweist jetzt die„Deutsche Tageszeitung" selbst. Das agrarische Blatt brachte jüngst den Entwurf eines Briefes, auö dem eine neue Taktik des tzansabundes herausgelesen werden konnte. Der Hansa- bund teilte darauf dem agrarischen Blatt mit, daß ein Rund- schreiben solchen oder ähnliche» Inhalts vom Hansovund niemals erlassen worden ist. Die„Deutsche Tageszeitung" sagt dazu, daß ihr das Schreiben tatsächlich zugegangen se», es stehe in der Redak- tion zur Verfügung, doch sei cö möglich, daß es sich nur um einen in Mafchinendruck vervielföltigten Entwurf zu einem solchen Rundschreiben handle, der nicht zum Versand gelangt sei. Verkehrte Handlung eines Geschworenen. Der württembergische Landtagsabgeordnete Genosse Aenn- g o t t hatte in der letzten Periode deS Stuttgarter Schwurgerichts als Obmann der Geschworenen fungiert. In einer MeineidSsache wurde der Angeklagt« verurteilt. Als dann Genosse Kenngott einen anonymen Schmähbricf erhielt, der ihm und der Sozialdemokratie wegen des Schuldspruch? Vorwürfe machte, veröffentlichte er in der«Schwäbischen Tagwacht" eine Erklärung. In dieser legte er u. a. dar. da e r gegen dag Schuldig gestimmt habe, auch der Sozial- demokratte dürfe der Fehlspruch nicht zugerechnet werden, denn für ihn seien Angehörige anderer Parteien verantwortlich, Eine solche Erklärung hätte der Genosse Kenngott unterlassen, die „Schwäbische Tagwacht" ihre Aufnahme ablehnen sollen. Einmal .hätte er ejwaS weniger nervös gegenüber DchmühschristeNt jnS- befonssere anonymer Natur, sein sollen. Ferner aber berirägt sich die Offenlegung, wie ein Richter, Schöffe oder Geschworener, gc- stimmt hat, nicht mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie, die im Interesse der Gerechtigkeit und der Unabhängigkeit der Richter stets geheime Abstimmung gefordert hat. Auf demselben Stand- punkte steht das GerichtSversassungSgesetz. Es legt in§ 200 den Schöffen und Geschworenen die Verpflichtung zum Stillschweigen über den Hergang bei der Beratung und Abstimmung ausdrücklich auf. Wenn aber bürgerliche Blätter jetzt über die bedauerliche Verletzung der Schweigepflicht ein Zetermordio erheben, so steht ihnen da« schlecht an. In der ersten Lesung der Strafprozeßnovelle war in§ 200 auch die selbstverständliche Schweigepflicht der gc- lehrten Richter zum Ausdruck gebracht. Die Mehrheit der bürger- lichen Vertreter strich diese Vorschrift aber in zweiter Lesung, wie- wohl in einer Reihe von Fällen klargelegt wurde, daß die Schweige- Pflicht von gelehrten Nichtern in politischen Prozessen verletzt worden ist. Wer fich nicht schiesst, fliegt! Zum Falle Dam mann schreibt Rechtsanwalt Dammann der„Kölnischen BolkSzeitung": Bei Erwähnung meiner Duell- angelegenheit im Reichstage hat Kriegsminister v. Her- ringen erklärt, ich sei für schuldig befunden,„weil ich von einem Kameraden, mit dem ich in nicht einwandfreier geschäftlicher Be- ziehung gestanden, brieflich schwer beleidigt, meine verletzte Ehre nicht hinreichend gewahrt habe." Auf den Zuruf:„WaS hätte er denn tun sollen?' hat der Minister entgegnet: abgesehen von einer Forderung hätte ich den Ehren rat anrufen oder gerichtliche Klage anstrengen können. Ich hätte aber nichts von alledem getan. Darin liegt der mir gemachte Vor- Wurf nicht genügender Wahrung meiner Ehre begründet. Dem- gegenüber stellte ich fest: l. gleich am Tage und Stund«, als ich den beleidigenden Brief erhielt, habe ich unter Einsendung des Originals dem Ehrcnrate Meldung gemacht. L. Gleich- zeitig habe ich gerichtliche Klag« eingeleitet und arnfc davon v«m Ehren rate Meldung gemacht. Der Ehrcnrat hat mich aber unter Hinweis auf Nr. 1 der Allerhöchsten Kabinetts- o r d e r vom Ib. Juni 1807 gezwungen, gerichtliche Klage zunickzu- nehmen. Diese Bestimmung lautet:„.Kommen zwischen Offizieren Beleidigungen vor, so sind die Beteiligten verpflichtet, unter Unterlassung aller weiteren Schritte ihrem Ehren- rate sofort Anzeige machen." Alles daS geht aus den ehren- gerichtlichen Alten hervor._ Unterstützung der Tabakarbeiter vnd Zündholzarbeiter. Bekanntlich hat Genosse Scheidemann im Reichstage an- gekündigt, daß unsere Fraktion zum Etat die Einstellung von Mitteln zur weiteren Unterstützung der durch die Finanzreform arbeitslos gemachten Tabakarbeiter sowie der Zündholzarbeiter verlangt. Die Regierung hat eine Erklärung nicht abgegeben, wiewohl die Unterstützungen der Tabakarbeiter entgegen dem Gesetz seit dem 1. Dezember eingestellt sind. Die„Süddeutsche Tabakzeitung" teilt mit, sie habe an den zuständigen Regierungs- stellen erfahren, daß die NcichSregierung bereit sei, weitere Mittel für eine Entschädigung an solche Arbeiter zur Verfügung zu stellen, die durch das neue Tabaksteuergcsetz gänzlich oder vorübergehend arbeitslos geworden sind. In RegierungSkreiscn habe man sich jetzt von der Notlage der Tabakarbeiter, vornehmlich der west- fälischen(auch der lippeschcn), die zumeist ander« Arbeit nicht finden können, überzeugt. Auffällig ist, daß die ReichSregierung e»ne solche Erklärung im Reichstage nicht abgegeben und sich auch darüber ausgeschwiegen hat, ob sie endlich das Verlangen der sozialdemokratischen Fraktion erfüllen will, die durch die Zünd- holzverteuerizng in traurigste Lage gebrachten Arbeiter zu unter- stützen._ Betrunkene Ulanen. In Lindenhorst bei Dortmund lag am t. September die 3. Eskadron des Westfälischen Ulanenregimcnts Nr. 5 im Ouarticr. Der Sergeant Möller war Patrouillenführer und hatte den Auf- trag, in Gemeinschaft mit anderen Soldaten die Wirtschaften zu revidieren, damit sie Einquartierten sich nicht zu lange dort auf» hielten. Bei dieser„Revision" wurden, wie wir damals berich- teten, ganz empörende Ausschreitungen verübt. In zwei Wirt» schaften hausten die Soldaten wie die Vandalen. Einem Steiger wurde durch einen heftigen Fußtritt das Nasenbein zerschlagen. Die Wirte konnten sich der angetrunkenen Soldaten nicht erwehren. Diese mißhandelten die Gäste, gaben Schüsse ab und so weiter. Als man dem Sergeanten Möller mit Anzeige drohte, meinte er. er brauche keine Vorgesetzten, er sei„eine Behörde für sich" und zeigte seine Schußivaffe. In einer Wirtschaft, wo eine geschlossene Ge- sellschaft tagte, erzwang sich die Patrouille Eintritt, schlug mit dem Säbel über den Tisch, worauf es zu einer wüsten Schlägerei kam. Als ein mit dem Säbel mlhhandelrer Mann zu Boden stürzte, rief der Sergeant Möller, man möge.das Las. den Luinv".totsteche, Andere Ulanen bearbeiteten den am Boden Liegenden mit Fuß, trittcn. Mit größter Mühe konnten der rasend» Sergeant und seine Genossen erst au« dem Lokal gebracht werden. Dem miß- handelten Steiger kam bei der Gelegenheit auch ein Portemonnaie mtt 00 M. Inhalt abhanden, das später leer aufgefunden wurde. Die Angelegenheit hatte am 22. Oktober das Kriegsgericht in Düsseldorf beschäftigt, daS den Sergeanten Möller zu zwei Monaten und zwei Wochen Gefängnis, den Ulan Müller zu hier Wochen Gefängnis, den Gefreiten Garbe zu zwei Wochen Gefängnis und den Reservisten Stüber zu 14 Tagen Gefängnis verurteilte. Gegen dieses Urteil legte der„Gerichtshcrr" und auch der Ver- leidiger der Verurteilten Berufung ein. Am 7. Dezember stand die Sache vor dem Oberkriegsgericht in Münster zur Verhandlung. Der Kriegsgerichtsrat Ziemer sprach von einer geradezu empörenden Mißhandlung, die die strengste Sühne erfordere. Die betrunkenen Soldaten hätten die größten Exzesse verübt. Der Anklagevertreter beantragte gegen Möller 0 Monate Gefängnis und sofortige Verhaftung sowie De» gradatton, gegen Müller 4 Monate. Garvc 3 Monate 1 Woche Gc- feingnis und gegen Stüber 4 Wochen Nittelarrest. Der Ver- leidiger der Angeklagten wollte das Gericht dadurch milhs stimmen. daß er auf die«für die Soldaten außerordentlich schwierigen Verhältnisse im Kohlenrevier" hin- wies. Der Sergeant M ö l l« r wurde wegen Hausfriedens» bruch, Mißhandlung, Mißbrauch der Waffen und schwerer Körperverletzung zu 5 Monaten G e- rängntS und Degradation verurteilt, Müller erhielt 2 Monate 14 Tage. Garbe 2 Monate Gefängnis und Stüber 14 Tnge Mittelarrest, sslonaeo. AnS einem kleinen Fürstentum. Pari?, 10. Dezember. Heute waren Gerüchte verbreitet, baß in Monaco die Republik proklamiert worden sei. Dies ist falsch, die politische Situation ist unverändert. Man erwartet hier die Veröffentlichung der vom Fürsten versprochenen Konstitution, gn deren Entwurf zurzeit noch in Paris ge- arbeitet wird. Im Fürstentum herrscht völlige Ruh». ßraflUen. Wieder eine Mentettk. London, 10. Dezember. Wie daS Rentersche Bureau er- fährt, hat der brasilianische Gesandte in London heute vor- mittag von dem Minister des Acußern in Nio d>e Janeiro dis tolegrasihische Mitteilung erhalten, daß eilt Bataillon Marinesoldaten in einem der Fort? von Rio qe. meutert habe. Die Regierung habe ein Kriegsschiff entsendet, welches bereits fein Feuer auf daS Fort er» öffnet habe. 6ewcvkrchaftUcbe� Dte Hntwort der ßergwerksdirefttion auf die ßergarbeiterforderung. Die königliche Bergwerksdirektion für das Ruhrgebiet in Recklinghausen hat dem alten Bergarbeiterverband auf die auch ihr eingereichten Bergarbeiterforderungen ebenfalls eine ablehnende Antivort erteilt. Für Regelung der Lohnverhältnisse seien die Arbeiterausschüsse da, die knapp fchastlichcn Angelegenheiten gehörten jedoch nicht zu deren Kompetenz._ Berlin und Umgegend. Statistisches aus dem Schuhmachergewerbe Berlins Der Zentralverband der Schuhmacher hat im 1. Quartal dieses Jahres eine Lohnstatistik aufgenommen. Das Ergebnis, das bereits in Nr. 46 des Verbandsorgans veröffentlicht ist, beschäftigte am Mittwoch eine Mitgliederversammlung der hiesigen Filiale des Ver- bandes. Der Organisationsvertreter Hermann gab eine Uebersicht über das Thema. Die Statistik hatte nicht den Zweck, das durch- schnittliche Jahreseinkommen der Berufsgenossen zu ermitteln, sondern es sollte festgestellt werden, wie viel Lohn innerhalb einer bestimmten Arbeitszeit verdient, wie die tatsächlich geleistete Arbeit bezahlt wird. Zu diesem Zweck wurden für das 1. Quartal 1916 Karten ausgegeben, worauf die Beteiligten Woche für Woche ihren Arbeitsverdienst samt der tatsächlichen Arbeitszeit, sowie ihre Zeit- Versäumnisse einzutragen hatten. Beteiligt haben sich an diesen Aufnahmen 333 Personen. 10 der Karten wurden jedoch unvoll- kommen ausgefüllt, so daß nur 329 für die Bearbeitung der Sta- tistik verwandt werden konnten. Von diesen kommen 639 auf die Schuhindustrie, 28 auf die Ballschuhmacher, wobei es sich um Heimarbeit handelt, und 217 auf die Schotzschuhmacher und Repa rgturarbeiter. Unter den an der Statistik beteiligten 689 Schuh Industriearbeitern sind 59 weibliche und 6 von ihnen sind als Heim arbeiterinnen tätig. In den Schuhfabriken ist die Akkordarbeit vor herrschend und die Statistik bezieht sich denn auch auf 511 in Akkord und nur 178 in Zeitlohn beschäftigte Arbeiter. Bei dem Zeitlohn handelt es sich meist um Stundenlohn und nur in 39 Fällen um Wochenlohn mit FeiertagSbezahlung. Die Statistik umfaßt für diese Branche 689 x 13 Wochen, also 8957 Wochen. Die Tage der Arbeits- losigkeit und Krankheit machen jedoch zusammen 357 Wochen aus. Rechnet man überdies noch die durch in die Woche fallende Feier- tage, durch Warten auf Arbeit und aus anderen Ursachen versäumte Arbeitszeit ab, so bleiben 428 195 Arbeitsstunden übrig. Die Lohn- summe, die hierfür ausgezahlt wurde, beträgt 220 324 M., also im Durchschnitt 51,6 Pf. die Stunde. Arbeitsstunden kommen auf jeden Arbeiter durchschnittlich 49,8 die Woche, so daß der durchschnittliche Wochenverdienst 25,68 M. ausmacht. Nach Gruppen berteilt ist der Durchschnittsverdienst der Arbeiterinnen 32,9 Pf. die Stunde = 15,87 M. die Woche, der der Einleister 43,7 Pf. die Stunde — 23,43 M. die Woche, und der der Maschinenarbeiter 61,9 Pf. die Stunde= 31,05 M. die Woche. Von den Schoßschuhmachern sind 180 Akkordarbeiter und 87 arbeiten in Zeitlohn, von diesen im Wochenlohnsystcm 31. In der Schoßbranche haben die Maßschuhmacher, die großenteils Heim- arbeiter sind, die längste Arbeitszeit. Sie beläuft sich im Durch- schnitt, nach Abzug aller Versäumnisse, auf 58,3 Stunden die Woche. Der Geschäftsgang war kein besonders flotter, sonst wäre gewiß eine höhere Stundenzahl herausgekommen. Tatsächlich ist in dieser Branche in der Heimarbeit mit 11 � Stunden täglicher Arbeitszeit zu rechnen. 53 Heimarbeiter haben Angaben über die beim Liefern und Warten auf neue Arbeit versäumte Arbeitszeit gemacht, und sie beträgt danach für den einzelnen Arbeiter durchschnittlich 4 Stunden pro Woche. Für die Reparaturschuhmacher stellt sich die tatsächlich geleistete Arbeit auf 53)4 Stunden die Woche. Sie haben mit einer sehr unregelmäßigen Arbeitszeit zu rechnen. Ihr durchschnittlicher Stundenverdienst ist nur 42,4 Pf.— 22,69 M. die Woche. Für die Maßschuhmacher kommt ein Stundenverdienst von 45,3 Pf. -- 26,40 M. die Woche heraus, für die Zuschneider 53 Pf.— 29,26 M. die Woche. Von den im ganzen an der Statistik beteiligten Personen ent- fällt auf 47 ein Wochenverdienst bis zu höchstens 15 M.; von ihnen sind 34 Arbeiterinnen, die übrigen Reparaturarbeiter; auf 113 15—20 M. Wochenverdienst, auf 301 20—25 M.. auf 315 25-30 M.. auf 107 30-35 M., und nur 46 verdienten mehr als 35 M. ES ist klar, daß eS nach dieser sehr gewissenhaft aufgenommenen Statistik nur für eine sehr geringe Zahl der im Berufe tätigen Arbeiter mög» lich ist, durch ihren Arbeitsverdienst eine Familie zu erhalten. Der Redner machte ferner noch einige interessante Mitteilungen über die Berufs- und Betriebszählung vom Jahre 1307, soweit das Schuhgewerbe in Frage kommt. Danach waren in jenem Jahre in diesem Gewerbe 155 405 Personen beschäftigt gegenüber 148 468 im Jahre 1835. Die Zunahme in den 12 fahren— 6937=- 4,6 Proz. — ist ziemlich gering, aber das Merkwürdige ist, daß die Zahl der männlichen Arbeiter nicht zugenommen, sondern vielmehr ab- g e o m m c n hat, und zwar um 3467, während die Zahl der w e i b- lichen Arbeitskräfte um 10 404— 79,4 Proz. gestiegen ist. Das ist auch ein interessanter Beitrag zur Beleuchtung der Königs- berger Kaiserrede von dem schönen Beruf der Frauen als Haus- frauen und Mütter. Im allgemeinen beträgt bekanntlich die Zu- nähme der weiblichen Arbeitskräfte in Handel und Gewerbe inner- halb der 12 Jahre 42 Proz., im Schuhgewerbe ist sie also fast doppelt so stark. Die Bevorzugung der weiblichen Arbeitskräfte hat ja ihren Grund darin, daß sie noch billiger sind als die männlichen, und die Frauen werden in die Fabriken getrieben, weil die Löhne der Männer zur Erhaltung der Familie nicht ausreichen. Der Schuh- macherverband ist zwar in den letzten Jahren stark gewachsen und zählt jetzt rund 41 000 Mitglieder, rechnet man jedoch damit, daß nach Abzug der Lehrlinge und Jugendlichen ungefähr 130 000 Per- sonen im Schuhgewerbe Deutschlands beschäftigt sind, so erkennt man, daß der Verband noch viel stärker werden muß. um allgemein die so dringend notwendige Verbesserung der Löhne zu erzielen.— Dies wurde dann auch vom Referenten wie in der Diskussion ganz besonders betont. Dte statistischen Erhebungen sollen übrigens fort- gesetzt werden; für das kommende Jahr ist das 2. Quartal dazu ausersehen._ Achtung! Maschinisten und Heizer t In dem Warenhaus T i e tz am Alexanderplatz sind am 6. Dezember fünf Maschinisten und Heizer entlassen worden. Durch Zufall hat die HauSinspektion durch den Schaltisten Ahmann erfahren, daß die jetzt Entlassenen organisiert sind, woraus sofort die Kündigung erfolgte. Die Kollegen durften den Betrieb nicht mehr betreten. Seitens der Hausverwaltung wurden die Sachen in Pakete gebunden und dann wurden die Entlassenen zu ver- schiedenen Zeiten behufs Aushändigung der Papiere auf daS Bureau bestellt. Der Organisation teilte man auf deren Anfrage nach dem Entlassungsgrnnd mit, daß die Entlassung„aus Grunde der Sicher- heit" erfolgt sei. Wenn tatsächlich derart wichtige Gründe zur Ent- lassung vorgelegen haben, hätte man diese sicherlich der Organisation mitgeteilt. Deshalb können wir nur annehmen, daß die Ent- Fassungen wegen Zugehörigkeit zur Organisation erfolgt sind. DaS Warenhaus Tietz fAlexanderplatz) ist bis auf weiteres für organisierte Maschinisten und Heizer gesperrt. Der Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands, Verwaltungsstelle Berlin. Veutkches Reick). Bergarbeiterstreik. Auf der Donnersmarckgrube in Oberschlesien ist es Anfang dieser Woche zu einem teilweiscn Streik der Bcle�- Schaft gekommen, weil die Verivaltung die Schicht willkürlich, ohne die Arbeiter, wie es vorgeschrieben ist, 14 Tage vorher davon in Kenntnis zu setzew um zwei Stunden verlängerte. Daraufhin legten 270 Knappen von 437 die Arbeit nieder. D»ei am Donnerstag abgehaltene Belegschaftsber»<�mlungen erklärten, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, biS die Forderungen der Streikenden erfüllt sind. Jetzt fordern die Streikenden Zurück- ziehung der verlängerten Sckicht, Erhöhung des Lohnes um 10 Prozent und Zusicherung, daß nach Beendigung des Ausstandes keine Matzregelungen vorgenommen werden. Die Vermittclung des Bergarbciterverbandes und der polnischen Berufs- Vereinigung wurden von der Verwaltung abgelehnt. Die Verwaltung will nur mit den Arbeiterausschüssen verhandeln. Es ist nicht aus- geschlossen, daß durch das rigorose Vorgehen der Verwaltung der Streik auf andere Gruben übergreift. Die Justiz gegen kämpfende Arbeiter. Der Kampf zwischen den Metallindustriellen und den Metall- arbcitern wegen des Leipziger Arbeitsnachweises ist zu Ende. Die Unternehmer haben anerkennen müssen, daß die Beschwerden der Arbeiter berechtigt waren. Nunmehr aber ist die Justiz in Aktion getreten, um die Missetäter zu bestrafen, die sich während der Sperre „Ausschreilungen' zuschulden kommen ließen. In den letzten Tagen wurde ein Arbeiter, der einen Sperrebrecher„Streikbrecher' genannt und einem anderen Abtrünnigen einen leichten Schlag ins Gesicht versetzt hatte, zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Ein anderer Arbeiter soll einen Arbeitswilligen mit der furchtbaren Drohung erschreckt haben, er könne sich gratulieren. In diesem Falle lautete das Urteil ans eine Woche Ge- fängnis. Seine Entlastungszeugen wurden einfach abgelehnt. Es stehen in nächster Zeit noch weitere Verurteilungen in Aussicht. Sie erfolgen sämilich auf Grund von§ 163 der Gewerbeordnung, obwohl es sich bei dem Kampfe lediglich um Besserung der Zustände des Arbeitsnachweises, nicht ober um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen handelte. Die Justiz zieht jedoch die Anwendung der Gewerbeordnung dem geineinen Strafgesetzbuch vor, weil der § 153 der Gewerbeordnung keine Geldstrafe zuläßt, so daß eS da durch ermöglicht wird, die kämpfenden Arbeiter in das Gefängnis zu stecken. Die betroffenen Arbeiter werden hoffentlich Berufung einlegen, um eine Entscheidung der oberen Instanzen herbeizuführen Gegen Spitzelt«« und Maßregelungen im fächfischen Eisenbahnbetriebe nahm das Dresdener Gewerkschaftskarlell nach einem Referat des Landtagsabgeordneten Genossen WinH, der gemaßrcgelter Eisenbahner ist, eine Resolution an. in der erllärt wird, daß auch den Eisenbahnern das nach§ 152 der Gewerbeordnung gewährleistete Koalitionsrecht von den Eisenbahnverwaltungen nicht streitig gemacht werden dürfe. Die Versammlung des Dresdener Gewerkschaftskartells beschloß. die Reichsseklion der Eisenbahner(Deutscher Transportarbeiter- verbaod) mit allen Kräften und Mitteln der Solidarität bei ihrer schwierigen Agitation zu unterstützen. Sie sprach ferner über die unternommenen Bespitzelungsversuche ihren tiefsten Abscheu aus mit der Erklärung, durch die sozialdemokratischen LandtagSabgeordnetcn energisch das uneingeschränkte Koalitionsrecht der Eisenbahner zu fordern._ Moabit bei Mülhausen i. Elf. Die in der Donnevstagsnummer doS„Vorwärts" gemeldeten Auftritte vor dem Baugeschäft Uhl in Dornbach bei Mülhausen i. E. haben die Folge gehabt, daß außer der Ortspolizei und den Gen- darmen der Umgebung eine Anzahl Schutzleute aus der Stadt Mül- Hausen herangezogen wurden, welche nun das Baugeschäft bei Tag und bei Nacht bewachen, was aber nicht verhindert, daß die in dem Geschäft tätigen„Arbeitswilligen" friedliche Passanten anfallen, falls sie diese für streikende Schreiner hallen. Die Unternehmer- söhne Uhl provozieren ungestraft Vorübergehende in der frechsten Weise. Ein in Mülhausen beschäftigter Arbeiter, dessen Weg an dem Hause vorbei fiihrte, wurde von den„nützlichen Elementen" an- gefallen und mißhandelt, und als er beteuerte, daß er mit der ganzen Sache doch nichts zu tun habe, herrschte man ihn an:„Seid still. Ihr habt doch eine Samthose an, Ihr seid auch einer von den Streikenden!"(Die Holzarbeiter tragen in der Gegeng vielfach Samthosen.) Ein christlich organisierter Hol�° arbeiter, diesmal tatsächlich ein Streikender, der aber l'-diglich aus Neugierde vor dem von der bewaffneten Macht beschützten Hause stehen blieb, ohne gegen irgend jemand eine Hand zu heben, wurde ohne weiteres angefallen und erhielt eine TrachtPrügel, weil er mit seinem Fahrrad nicht schnell genug davonkam; die christliche Holzarbeiterorganisation kommt in der Freitagsnummer der„Oberelsässischen LandeSzeihxng' in Mülhausen auf den Vorgang zu sprechen und stellt diesen Tatbestand fest, legt aber lediglich Verwahrung ein gegen den Verdacht, als könnten sich Ehristlichorganisierte„ungebührlich' verhalten haben, und findet kein Wort des Protestes gegen diesen Un. ternebmer» und Streik brecherterroriSmuS. Ein viekbelachter Vorgang spielte sich am Krawallabend(Montag) ab. Auf einen passierenden Holzarbeiter stürzen sich zwei„Arbeits- willige' und halten ihm den schußfertigen Slevolver vor die Nase. Ihnen schließen sich zwei Schutzleute an und kommandieren: „Hände hoch!" Der Mann wird einer Leibesvisitation nach einer verborgenen Waffe unterworfen. Da fühlt einer der Poli. zisten unter dem Wams einen verdächtig geformten, warmen Gegenstand. Er betastet ihn vorsichtig und ruft frohlockend:„Aha, da haben wir das Zeug, m»toem geschossen worden ist!...* DaS gefährliche Ding wird zum Vorschein gebracht, und siehe da: eS ist die noch warme— Tabakspfeife des Streiken- den.— Ein ernster Zwischenfall ist, wenn man von den Exzessen der„Arbeitswilligen' absieht, seit Montag nicht mehr vorgekommen, da die Streikenden gen Platz meiden. Nur die Tag und Nacht patrouillierenden Pasten der bewaffneten Macht machen das Haus mit Umgebung ausfällig. Die Bevölkerung des Quartiers fühlt sich wie im Belagerungszustand. Zum Kampfe in der Pforzheimer Edelmetallindustrie. Die badische Regierung hat beiden Parteien ihre Vermittelung angeboten. Die Unternehmer haben ihr Erscheinen zu Verhandlungen in einer Zuschrift brüsk abgelehnt. Die Vertreter der Arbeiter haben in einer zweistündigen Aussprache mit dem RegierungSverireter diesem die Situation geschildert und über die Möglichkeit einer Ver- ständigung keinen Zweifel gelasien. Die Scharfmacher unter den Unternehmern find übrigens Freisinnige. Der Zusammenhalt der Streikenden ist mustergültig und ihre Stimmung zuversichtlich; sie sind gewillt, den UnternehmerterrorismnS zu überwinden und sie werden ihn überwinden. Husland. Der amerikanische Gewerkschaftskongreß. Die Präsenzliste ergibt die Anwesenheit von 358 Delegierten, die 94 Landes-, 28 Staats- und 34 Stadwerbände vertreten. Ferner sind als Gäste, denen aber nach alter Sitte ebenfalls Stimmrecht eingeräumt wird, zwei Vertreter des englischen Gewerkschaftskon- gresses und ein Vertreter des kanadischen Gewerkschaftskongresses anwesend. Unter den sonstigen offiziell aufgesührten Gästen be- finden sich auch je ein Vertreter des„Verbandes der christlichen Kirchen", wie auch deS„Amerikanischen Bundes der katholischen Vereinigungen". Nach einer Reihe von Begrüßungsansprachen, darunter auch der des Bürgermeisters von St. Louis, erfolgen die Wahlen von nicht weniger wie 14 besonderen Kommissionen und darauf die Verlesung der Berichte an den Kongreß, aus denen wir schon einen Auszug mitteilten. Der Kongreß tagt in der Licderkranz-Halle, die von deutschen Vereinen der Stadt er- richtet ist. Der Bericht vom kanadischen Gewerkschaftskongreß gibt Ver- anlassung zur Ernennung einer besonderen Kommission, die sich mit der Frage der Beziehungen der kanadischen Gewerkschaftsbewegung zu der der Vereinigten Staaten beschäftigen soll. Darauf werden eine Reihe eingelaufener Anträge kurz begründet und an die ver« schiedenen Kommissionen verwiesen, darunter ein Antrag auf Er- richtung eines gewerkschaftlichen Pressebureaus, ferner ein An- trag, der die Schaffung einer Organisation der unständigen Ar- beiter und Wanderarbeiter will, da diese bisher von allen Ge- werkschaften zurückgewiesen und dadurch zu Gegnern der Gcwerk- fchaftsbewegung werden. Weitere Anträge verlangen Regelung der Seemannsgesetzgebung, Reorganisation oder Ausschluß des Mühlen- arbeiterverbandes, Schaffung einer Organisation für die Gas- arbeiter. Vereinheitlichung der Gewerkschaftsmarke, die jetzt in jedem Verbände eine andere ist, Anstellung von Agitatoren,� Durch- führung von Boykotts usw. Unter den verlesenen Begrüßungs- schreiben wird besonders das des internationalen Sekretärs und Vorsitzenden der deutschen Generalkommission C. Legten mit Beifall aufgenommen. Das New Uorker Gewerkschaftskartell der jüdischen Gewerkschaften berichtet, daß seine Mitgliedcrzahl inner- halb anderthalb Jahren von 8000 auf rund 150000 gestiegen ist. Der Direktor der Bucks Ofen-Gesellschaft, mit der die Gewerkschaf- ten kürzlich nach langem Kampfe Frieden schlössen, hat den Dele- gierten Geldbörsen als Souvenir zur Verfügung gestellt, die dankend angenommen wurden. Ein Vertreter der Gewerkschaften in Los Angeles giht einen ausführlichen Bericht über die dortigen Arbeiterkämpfe sowie über die Explosion in dem Gebäude eines Scharfmacherblattes, die jetzt, trotzdem es sich offensichtlich um eine Gasexplosion handelt, als ein..organisiertes Komplott" gegen die Arbeiterschaft ausgespielt wird. Unter den zahlreich einlaufenden Anträgen befindet sich auch der Antrag, anläßlich der Weltaus- stellung 1015 in San Francisco einen internationalen Gewerk- schastskongreß abzuhalten; ein anderer verlangt die Organisierung der Bureauangestellten der Gewerkschaften! Der Kongreß beschäf- tigt sich weiter mit den Streitigkeiten der beiden Elektrikerorganisa- tionen, deren Schlichtung schließlich dem Bundesvorstände über- wiesen wurde, der eine Wiedervereinigung in die Wege leiten soll. Die eigentliche Arbeit des Kongresses vollzieht sich in den Kom- missionsverhandlung. deren Ergebnisse dem Kongresse in den letzten Tagen zur Entscheidung vorgelegt werden. Aus Antrag der Kommission werden eine Reihe von Anträgen, die die Anstellung von Agitatoren verlangen, dem Zentralvorstande zur Berücksichtigung überwiesen, doch wird von diesem darauf hin- gewiesen, daß die Finanzen des Gewerkschaftsbundes weitere An» stellungen nicht gestatten, wenn nicht für neue Einnahmequellen gesorgt werde. Für die unzähligen Wanderarbeiter und unständigen Arbeiter soll baldigst eine besondere Organisation geschaffen werden. — Um die Beziehungen der organisierten Arbeiterschaft zu den E armern noch fester zu gestalten, wird beschlossen, zum nächsten ongreß des großen FarmervcrbandeS eine Delegation zu entsenden. — Der Antrag des Schneiderverbandes, der Organisierung der Ar- beiterinnen mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden und hierfür besondere weibliche Kräfte einzustellen, wird dem Zentralvorstande zur Berück- sichtigung überwiesen.— Ganz energisch protestiert der Kongreß bei dem Berichte der Resolutionen-Kommission gegen eine von den Eisenbahngesellschaften bei der Regierung beantragte Erhöhung der Frachtsätze, die jetzt schon ganz riesige Summen abwerfen. Eine Reihe einzelner Schutzmaßregcln für Arbeiter werden in anderen Resolutionen vom Parlamente verlangt, so der Achtstundentag für Postbeamte, Schutzvorschriften für Kaiarbeiter, eine Seemanns- ordnung usw. Uebcrhaupt kehrt in den meisten Anträgen die Ten- denz wieder, irgend etwas für einen speziellen Beruf oder Ort herauszuschlagen. Der beantragten Errichtung eines gewerkschaftlichen Presse- bureaus stimmten Vorstand und Kongreß zu. Ter Anti-Tuberku- lose-Kompanie des„Roten Kreuzes" spricht der Kongreß Anerken- nung aus und empfiehlt ihre Unterstützung.— Eine lange und er- regte Debatte ruft ein Antrag des New-Dorker Gewerkschaftskartells hervor, der die Reorganisation des Gcwerkschaftsbundes und dazu die Ernennung einer besonderen Kommission verlangt, damit die gegenseitige Hilfeleistung der Verbände und ihr Zusammenarbeiten besser werde. Nachdem auch Gompcrs gegen den Antrag gesprochen, wurde er abgelehnt.— Die Lebensmittelteuerung veranlaßte die Annahme einer Resolution, die sich gegen die hohe Besteuerung der Margarine wendet. � Ein Antrag, anläßlich der geplanten Weltausstellung bei der Eröffnung des Panamakanals im Jahre 1915 einen internationalen Arbeiterkongreß zu veranstalten, wird vertagt, da Ort und Zeit der Ausstellung noch nicht feststehen.— Das Andenken Tolstois, von dessen Tod inzwischen Nachricht eingegangen ist, wird durch Erheben von den Sitzen und durch eine besondere Resolution geehrt. Der Kongreß fährt darauf in der Verhandlung über die bor- liegenden Anträge fort. Ein solcher, der die Errichtung einer be- sonderen Abteilung für Kinderschutz im Ministerium des Innern verlangt, wird dem Zentralvorstand überwiesen, der ferner den Auf- trag erhielt, zu untersuchen, ob durch den Stahltrust verbrecherische Subjekte aus europäischen Ländern als Arbeiter importiert werden. Das Ergebnis der Untersuchung soll in allen Ländern belantif gegeben werden. „Weil der Bau von Kanälen vielen Arbeitern Beschäftigung geben würde", soll der Bau einer Wasserstraße von den großen Seen zum Meere gefordert werden, nachdem GomperS darauf hingewiesen hatte, daß die Forderung auch im öffentlichen Interesse gerecht- fertigt sei.— Mit Genugtuung nahm der Kongreß Kenntnis von dem Anschluß von Lehrerorganisationen an den Bund, und wurde diesen jede Unterstützung zur Erlangung besserer Gehaltsverhältnisse zugesagt Auf Grund des Berichtes der Kommission wurde der Antrag auf Schaffung einer Legitimationskarte für alle GewerkschaftSmit- glieder, mit der ihr Uebertritt zu den anderen angeschlossenen Ge- werkschaften erleichtert werden sollte, abgelehnt, wie auch zahlreiche Anträge, nach denen alle Gewerkschaftssektionen verpflichtet sein sollen, sich ihren zuständigen Ortskartellen und StaatSverbändcn anzuschließen, doch sollen die Verbände ersucht werden, in diesem Sinne zu wirken. Mit der Organisation in Kanada beschäftigt sich eine Resolution, die den kanadischen Gewerkschaftskongreß als die beratende Behörde in allen politischen Angelegenheiten des Landes anerkennt, im übrigen aber den Zentralverbänden auch in Kanada volle Autonomie sichert, die sich, obwohl sie alle dem amerikanischen Gewerkschafts- bunde angehören, auch dem kanadischen Kongreßkomitee anschließen können. Lerant». Neda lt.; öiiKard Barth, Berlin. Inseratenteil perantw.i kt. Blicke» Berlin, Druck».Verlag: vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstau �aul Singer& Co., Berlin SWi Krcztc ffocbrichtcn. Schwere Stürme über Marseille. Marseille, 10. Dezember.(Preß-Tel.) Ein heftiger Nordsturm hat in Marseille großen Schaden angerichtet. Die Telephon- und Telegraphendrähte wurden von den Leitungsstangen herunter. gerissen; zahlreiche Dächer sind abgedeckt und Bäume entwurzelt. Das Meer ist infolge des Unwetters weichin über seine Ufer getreten. Die im Haft» liegenden Schiffe konnten nicht auslaufen und die Postdampfer sind mit großer Ver- fpätung eingetroffen. Von drei Segelschiffen ist man ohne jede Nachricht; man befürchtet, daß st« dem Sturm zum Opfer gefallen sind._ Die Meuterei in Rio de Janeiro. Rio de Janeiro, 10. Dezember.(Meldung der Agcnce HavaS.) In der vergangenen Nacht, kurz bor Mitternacht, hat das See- bataillon, das in der Kaserne auf der in der Bai von Rio de Janeiro in geringer Entfernung von der Stagt gelegenen Insel das Cobras untergebracht ist, gemeutert. Nach heftigem Geschüv- fever, das die Kriegsschiffe um 5 Uhr früh gegen die Insel das Cobras eröffneten, boten die Meuterer an, sich zu ergeben. Um 11 Uhr vormittag herrschte in der Stadt völlige Ruhet(Siehe auch unter„Politische Uebersicht".) Hierzu 7. Beilagen. Dr. 290. 27. Iahrgllvg. KnlGe Ks Juraiirls" Arlim ilullioliliilt. Soutttllg, IL Dezember 1910. Reichstag» 98. Sitzung. Sonnabend, den 10. Dezeittbeb, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: v. Bei h mann Hollweg, Del- brück. Mermuth, v. Heeringen, v. Tirpitz, Kraetkc, V L i n d e q u i st. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Ersten Lesung des Etats. Reichskanzler v. Bcthmann Hollweg: Es war mir unmöglich, an der gestrigen Sitzung teilzunehmen. Ich werde auf die gestrigen Re�'.l in einem späterem Stadium der Debatte zurückkommen und mich gegenwärtig nur zu einigen Fragen der inneren Politik äußern. Der Zusammenhang zwischen der Neichsfinanzreform und dem Etat von 1311 liegt auf der Hand. Wie man sich auch zu den neuen Steuern im einzelnen oder im ganzen stellen mag, praktisch entscheidend ist die Frage, wie wir uns hätten einrichten sollen, wenn die Reichsfinanzreform nicht gewesen wäre.(Sehr richtigl rechts.) Wir hatten so annähernd eine Milliarde neuer Reichs� schulden im Verlauf weniger Jahre in Aussicht. Was die Nation bewegte, war nicht der Streit um diese oder jene Steuerart sondern die Ueberzeugung, daß die Finanzwirtschaft wie wir sie bis dahin getrieben hatten, nicht weiter gehen könnte.(Lachen links.) Deshalb(Lachen und Unruhe links' hat auch auch Fürst Bülow aus der Ablehnung der Erbschaftssteuer nicht die Konsequenz gezogen, den Reichstag aufzulösen. Er hat im Gegenteil den sofortigen Abschluß der Reichsfinanzreform für eine Lcbensforderung des Reichs erklärt und dieser Forderung seine Person unterworfen. Das ist der Hergang gewesen(Sehr lvahr! rechts.), den man zum Teil im parteipolitischen Interesse zu der sch leiern sucht.(Sehr richtigl rechts.) Der vorliegende Etat ist die beste Rechtfertigung dafür, daß die Regierung den Be� schlössen der Reichstagsmehrheit trotz ihrer Bedenken beigetreten ist. Der Vorwurf der Linken, daß die neuen Steuern ungenügende Erträge lieferten, soll nur bedeuten, daß die Herren nicht nur die Steuern anders umgelegt, sondern auch dem Reiche mehr Mittel gegeben wissen wollen.(Große Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Ich notiere das gern für den Fall, daß wir einmal mehr Geld brauchen.(Erneute Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Aber schon das Reichswertzuwachssteuergesetz wird Gelegenheit geben das Reich besser zu dotieren. Der Heeres- und Marinectat sind auf der Grundlage völliger Verständigung der beteiligten Ressorts aufgestellt und die Heeresverstärkung ist so bemessen worden, wie sie die Heeresver- waltung von Anfang an gefordert hat. Die Herren v. Tirpitz und v. Heeringen würden niemals eine Politik mitmachen, die das ihnen anvertraute Gut der Nation verkümmern würde, lind ich würde noch heute neue Steuer» vorschlagen, wenn ich zu der Heber zeugung käme, daß die Aufrcchterhaltung der Wehrmacht neue Mittel fordert.(Beifall rechts.) Für solche Forderungen würde das deutsche Volk immer zu haben sein.(Sehr richtigl rechts.) Aber auch die Lösung der anderen Aufgaben, die das Leben an uns stellt, wird nicht erleichtert, wenn die Parteien dauernd an der Vergangenheit haften.(Lachen links.) Ich verweise auf die Reichsversicherungsordnung. Ich hoffe, daß es noch im Laufe dieser Session gelingen wird, dies Werk zum Abschluß zu bringen. Aehnlich steht es mit dem von mir im Frühjahr dieses Jahres angekündigten Entwurf zur Fortbildung der Elsaß-Lothringischen Verfassung. Auch hier wer den wir hoffentlich zu einer Verständigung kommen, ebenso in der Frage des Staatszugehörigkeitsgesetzes, das, wie ich annehme, Ihnen noch im Laufe dieser Session vorgelegt werden wird. Ich bin gefragt worden, wie ich mich zur W i r t s ch a f t s- Politik stelle. An den bewährten Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik halte ich mit allem Nachdruck fest. (Stürmische Bravorufe rechts; Lachen links.) Das werde ich in Sonderheit auch tun bei den bereits eingeleiteten Verhandlungen mit Schweden und Japan über den Abschluß neuer Handelsver träge.(Erneuter Beifall rechts.) Indem ich das tue, handele ich im Einklang mit den Ansichten der großen Mehrheit dieses Reichs- tages. Man hat behauptet, meine Parole des Schutzes der nationalliberalen Arbeit(Stürmische Heiterkeit im ganzen Hause.)... nationalen Arbeit sei aufgebraucht und gegen standslos. Damit steht sehr im Widerspruch, daß gerade unsere Wirtschaftspolitik Gegenstand der heftigsten Kämpfe im Reichstage ist. Jahraus, jahrein behaupten die Sozialdemokraten — und ihre Behauptungen finden in einem großen Teil der frei- sinnigen Presse ein stets dankbares Publikum(Bravo I rechts; Lachen links.)—, daß unsere Wirtschaftspolitik der Vater allen Unglücks sei. Landwirtschaft, Industrie und Handel aber halten an den Grundlagen fest, auf denen sich unser wirtschaftliches Leben so glänzend entwickelt bat. Wenn es zum Biegen oder Brechen kommt, wird sich das Volk für solche Experimente bedanke», die ihm den Boden unter den Füßen wegziehen. Von allen diesen Aufgaben der praktischen Politik ist in der bisherigen Parteibeweguna" wenig die Rede gewesen. Alles spricht nur von den bevor st ehenden Wahlen. Aber auch der Rausch der bevorstehenden Wahlen wird verfliegen, und wie diese Wahlen auch ausfallen werden, eine Götterdämmerung wird nach ihnen nicht anbrechen.(Bravo? reckts. Lachen links.) Wenn sich die Leidenschaften ausgetobt haben, wird sich das nüchterne Leben mit seinen praktischen Forderungen wieder geltend� machen und die Schlagworte werden im Hinter- gründe verschwinden. Aber die Nation wird in ihrer überwältigen- den Mehrheit ctn den Reichstag die Frage richten, ob er ihr unsere Wehrmacht, unsere staatliche Ordnung und die Grundlagen schützen will, auf denen sich unser Wirtschaft- lich-s Leben entwickelt hat.(Große Unruhe links.) Dann wird sich herausstellen, ob es klug gehandelt war, daß sich diejeni- gen Parteien, die in den großen nationalen Fragen immer das- selbe Ziel hatten, so bitter befehdet hatten. I ch k a n n mich und will mich nicht mit irgend einer Parteikombina- tion identifizieren. Auf demokratischer Seite wünscht man das, und damit hängt das stürmische Verlangen nach einer Wahlparole zusammen. Es würde ja auch die Wahltaktik und Wahlagitationen unendlich erleichtern, wenn ich mich hinter eine bestimmte Parteikombination stellte. Den Gefallen werde ich Ihnen nicht tun. Man spricht von einem schwarzblanen Reichskanzler. (Sehr richtig? links.) Mich persönlich läßt dies Gerede gänzlich kalt.(Lachen links.) Es ist nicht wahr, daß ich mich zu dem Werk- zeug der Machtpolitik irgendeiner Partei mache.(Widerspruch b. 0. Soz.) Der Abg. David hat neulich hier die Beamten als Funktionäre der Volksvertretung hingestellt. Dem- nach scheint die Sozialdemokratie ihrer Sache schon so sicher zu sein, daß sie Zukunft und Gegenwart nicht mehr unterscheiden kann.(Sehr richtig! rechts.) Ich diene nicht dem Parlament (Zurufe b. d. Sozialdemokraten: Aber den Junkern!) Den Junkern ebensowenig wie Ihnen.(Lang anhaltendes Gelächter links.) Ich führe die Politik(Stürmische Heiterkeit links) und schlage die Ge- setze vor, die dem Wohle des Vaterlandes dienen, solange ich dazu die Zustimmung des Kaisers und der Verbündeten Re- gierungen finde.(Beifall rechts.) Auf dieser Grundlage suche ich zu einer Verständigung mit dem Reichstage zu gelangen. Ge> währen mir bei dieser Politik Zentrum und Konservative Unter- stützung, so nehme ich sie genau so gerne und dank- bar an, wie die Unterstützung und Hilke einer anderen Partei. Ich komme nun zu dem wichtigsten Punkt, der als solcher auch von der Mehrheit des Reichstages anerkannt wird, zu dem Verhältnis zur Sozialdemokratie. Bei der Beratung der sozialdemokratischen Interpellation bor 14 Tagen legte Herr von tzeydebrand die Gefährlichkeit revo- lutionärer Umtriebe dar und richtete die Aufforderung an mich, nicht untätig zu sein, sondern durch Gcgcnmaßregeln vorzubeugen. Ich habe-damals Herrn von Heydebrand nicht geantwortet, weil wir es nur mit der sozialdemokratischen Interpellation zu tun hatten. Ich stelle mich durchaus nicht auf den Standpunkt, daß es Pflicht der Parteien ist, den Regierungen bestimmte Vorschläge zu machen. Es ist absolute Pflicht der Regierung, ihrerseits mit Vor- schlagen vorzutreten, wenn sie die gegenwärtigen Machtmittel nicht mehr als ausreichend betrachtet. Aber ich kann nicht den Eindruck aufkomnien lassen, als bedürfe die Regierung eines besonde- ren Ansporns bei ihrer Aufgabe zum Schutze der staat- lichen Ordnung.(Hört! hört! und sehr' richtig! links, Be- wegung.) Dieser Eindruck wird erweckt, wenn der Regierung in allgemeinen Wendungen Vorhaltungen über ihre Pflichten gemacht werden. Tagegen verwahre ich mich.(Beifall links.) Was die Zulänglichkeit der staatlichen Machtmittel anlangt, so ist unstreitig die Staatsordnung in anderen Ländern besser gestellt. In England und Frankreich, also in Ländern, denen Sie reaktionäre Tendenzen doch nicht nochsagen können(Heiterkeit rechts), besteht das beschleunigte Verfahren bei der Ab- curteilung von Vergehen, wenn sie sich gegen die öffentliche Ord- nung richten.(Sehr richtigl rechts.) Dort tritt, wie wir soeben beim französischen Eisenbahneraufstand erlebt haben, die Strafe am ersten und zweiten Tage nach dem Delikt ein, und zwar häufig eine recht derbe Strafe. Bei uns dauert es Wochen, dauert es Wkonate, um womöglich in einen Monsterprozeß aus- zugehen, der selber kein Ende findet.(Sehr wahr! rechts.) Mit Recht hat neulich Graf Posadowski gesagt, das jetzige Verfahren entspricht nicht dem Rechtsbewußtsein des Volkes.(Sehr wahr! rechts.) In der bereits vor einem Jahr den Reichstag vor- gelegten Strafprozeßordnung haben die Verbündeten Regierungen Bestimmungen vorgeschlagen, welche geeignet erscheinen, den sich hieraus ergebenden Mißständen abzuhelfen. Ich hoffe, daß der Reichstag die Regierung in diesen Bestrebungen mit Energie unterstützen wird.(Beifall rechts.) Ebenso bitte ich den Reichstag bei der Beratung der Reichsvcr- sicherungsordnung die Bestrebungen der Verbündeten Re- gierungen zu unterstützen, die dahin gehen, dem Mißbrauch unserer sozialpolitischen Einrichtungen zu Werkzeugen sozialdemokratischer Machtpolitik zu hindern.(Bravo! rechts. Lachen b. d. Sozialdemokraten.) Die Sachverständigenkommission, die das neue Strafgesetzbuch ausge- arbeitet hat, ist der Ansicht gewesen, daß das geltende Recht in dem Kampfe gegen die aufhetzende und aufreizende Tätigkeit fanatischer Agitatoren (Beifallsgebrüll rechts), keine genügende Hilfe bietet, und hat deshalb neue Bestimmungen gegen Aufwiegelung und gegen die Verherrlichung vergangener Verbrechen vorgesehen. Es wird geprüft werden müssen, ob das Strafgesetz buch auch in der Richtung zu ergänzen ist, daß die persönliche Freiheit und das persönliche Selb st best immungs- recht nachdrücklicher geschützt werde als bisher.(Tosender Beifall rechts.) Diese Erwägungen reichen bereits um Jahre zurück. Es handelt sich überhaupt bei diesen Dingen nicht um Er- scheinungen neueren Datums. Schon im Jahre 1895 hat Bennigsen hier im Reichstage erklärt, daß gegen die unterwühlende Arbeit der Sozialdemokratie Front gemacht werden müsse(Hört! hört! rechts) und daß gegenüber dieser Aufgabe die Gegensätze bürgerlicher Parteien zurückzutreten hätten.(Hört! hört! rechts.) Ich will nicht sagen, daß die Sozialdemokratie in der Zwischenzeit revolutionärer geworden ist— revolutionär ist sie immer gewesen—, aber der revolutionäre Aus druck tritt mit brutalerer Deutlichkeit hervor. (Sehr richtigl rechts.) Den Rat des Abg. Bassermann, sich offen und ehrlich zur Monarchie zu bekennen, werden, fürchte ich, die Sozialdemokraten ablehnen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo kralen.) Sie sehen, ich habe recht.(Heiterkeit.) Sie machen aus Ihrem Herzen keine Mördergrube. Es ist doch wirklich be- zeichnend, daß gerade in dem Augenblick, wo die am meisten links- stehende bürgerliche Partei das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie nicht bloß theoretisch, sondern auch praktisch erörtert, die Sozialdemokraten den Herren von der Fortschrittlichen Volkspartei ins Gesicht sagen:„Von Eurer Monarchie wollen wir nichts wissen, wir verlangen die Republik. Der Abg. N o s k e hat in Magdeburg erklärt, daß die Sozialdemokratie unter der Parole der Republik in den nächsten Wahlkampf marschieren würde; der Abg. Lieb- k n e ch t hat in Amerika gesagt, in Teutschland werde es die EntWickelung sehr bald dahin bringen, daß vielleicht ebenso über Nacht ivie in Portugal die deutsche Krone tveg- geblasen würde.(Hört! hört! rechts.) Nachher soll ja Herr Liebknecht von seinen Illusionen über Amerika etwas zurück- gekommen und sogar Heimweh empfunden haben; aber ich fürchte, nach seiner Rückkehr wird er sehr bald die Magdeburgische Sprache wieder sprechen.(Sehr richtig! rechts.) Auch die, die der Ansicht sind, daß man den Kampf gegen die Sozialdemokratie nur auf geistigem Boden führen dürfe, werden mir darin zustimmen, daß die Volksklassen, die sie vor der Sozialdemokratie bewahren wollen, nicht im unklaren darüber bleiben dürfen, wo hinaus die Sozialdemokratie eigentlich will, und was sie liber heute als morgen verwirklichen würde, wenn sie nur die Macht hätte. (Sehr richtig! rechts.) Tie sozialdemokratischen Massen werden von Jugend auf gelehrt, in allen Einrichtungen unseres Staates und unserer Gesellschaft nur Veranstaltungen zu er- blicken zur Entrechtung und Knechtung des Arbeiterstandcs. Wundert man sich da, daß die so bearbeiteten Köpfe heiß werden. (Sehr gut! rechts.) Die Taten des Menschen sind eine Folge der in ihm lebenden Ideen. Wer den Massen predigt, daß es erst gut werden kann, wenn das Bestehende zertrümmert wird, der ist mit schuld und trägt an der Schuld mit(Große Unruhe links), wenn die Massen die Konsequenzen ziehen.(Zu- stimmung rechts.) Deshalb bin ich auch der Ansicht, daß die Sozialdemokratie moralisch mit verantwortlich ist an den Exzessen von Moabit. (Tosender Beifall rechts; Unruhe links; Zuruf: Der Kanzler greift in ein s ch w e b e n d e s V e r f a h r e n ein!) Dann hätten Sie nicht selbst die Angelegenheit berühren müssen.(Unruhe links; Abg. H u e ruft: Sprechen Sie doch von Ihren riminalbeamten! Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Scheidemann hat gesagt, daß die Moabiter Vor- gänge zu neun Zehnteln auf das Konto der Polizeispitzel und Arbeitswilligen zu setzen seien. Die Moabiter Vorgänge haben sich, wie nachher die Unruhen in Bremen und anderswo aus Reibereien zwischen Streikenden und Arbeitswilligen entwickelt. Gegen den polizeilichen Schutz der Arbeitswilligen haben sich in Moabit große Menschenmassen angesammelt, die mit Schreien, Drohen, Toben, Revolverschüssen, Zertrümmerungen(Lachen und ironische Zurufe der Sozialdemokraten: Hu! hu!) die öffentliche Sicherheit störten. Zuerst hieß es in der sozialdemokratischen Presse, es sei lediglich lichtscheues Gesindel, das dahin gelaufen und Roheitsdelikte verübt habe. Aber unter den Verhafteten be- finden sich einige 43 politisch oder gewerkschaftlich organisierte Personen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Was ist das gegenüber der großen Masse?) Selbst wenn die große Mehrheit als Janhagel, als Pöbel gelten könnte, so würde damit bewiesen sein, daß die Sozialdemokratie nicht diese Gc- sellschaftsklassen im Zaume halten kann.(Lärm bei den Sozialdemokraten.) Wer Wind säet, erntet Sturm. (Sehr wahrl rechts.) Mit dem Kultus der großen Zahl zieht die Sozialdemokratie in großer Zahl einen Dünkel hoch, der sich bei ihren schlechten und schlechtesten Elementen in eine wilde Auf- lehnung gegen den Staat umsetzt.(Sehr wahr! rechts.) Da es nun mit der Janhageltheorie nichts ist, hat der„Vor» wärts" die Provokationstheorie an ihre Stelle gc- setzt, genau so wie der Abg. S ch e i d e m a n n. Danach sollen womöglich nach einem allgemeinen Plan und auf höhere Weisung die Moabiter Unruhen künstlich von der Polizei angeregt worden sein. Das ist eine willkürliche, unbewiesene, unwahre Be- hauptung.(Große Unruhe und Ohorufe bei den Sozialdemokraten. Abg. S t ü ck l e n ruft: Wollen Sie die Zeugen beeinflussen? Lärm. Zurufe rechts.) Ich hätte nicht über die Moabiter Vor- gänge gesprochen, ich tue es nur, weil der Abg. Scheidemann die Sache angefangen hat.(Großer Lärm und Unruhe links.) Präsident Graf Schwerin bittet, den Reichskanzler ruhig an- zuhören. Reichskanzler v. Bethinann Hollweg: Es ist unsinnig zu graubcn, daß die Polizei Freude an der Sache'hat, da der Dienst in Moabit an die Geduld der Beamten die allergrößten Anforderungen stellt. Ich setze dieser Behauptung die öffentliche Anerkennung entgegen, daß die Polizei in Moabit ihre Pflicht getan hat.(Stürnnsche Bravorufe rechts und im Zen» trum. Stürnnsche Unruhe bei den Sozialdemokraten. Rufe rechts: Ruhe da drüben. Erneuter Widerspruch bei den Sozial- demokraten. Stürmische Unruhe im ganzen Hause. Zurufe b. b. Sozialdemokraten: Sie haben ja die Polizei beeinflußt!) Ich be- einflusse weder jemanden, noch lasse ich mich beeinflussen. Hinter der Provokationstheor'e wollen Sie bloß Ihre moralische Mitschuld verbergen.(Sehr richtig! rechts, Widerspruch b. d. Soziaidemo- kraten.) Das wird Ihnen aber nicht gelingen. Sie werden diese Mitschuld nicht von sich abwälzen können. Der Versuch dazu wird höchstens eine erneute Ausforderuiig zu neuen Straßenkämpfen sein. Sie wollen die Massen in immer größere Verbitterung hineinhetzen. Die Haltung gegenüber den Moabiter Exzessen stimmt überein mit den taktischen Lehren der Führer der Sozialdeniokratie, immer größere Erbitterung hervor- zurufen und den großen Entscheidungskampf um die politische Macht vorzubereiten. Die in Moabit durchgebrochene Stimmung haben Sie gewollt, auf die arbeiten �>ie planmäßig h i n. Daß Ihnen der Anlaß, der Zeitpunkt u�d auch die Verwüstungen des Moabiter Zauberlehrlings nicht passen, hindert am Kern der Sache gar nichts.(Lebhafte Zustimmung rechts. Stür» Mischer Widerspruch b. d. Sozialdemokraten.) Sollen wir nun unsere Zuflucht zu Ansnahmematzregeln nehme»? Kann die staatliche Gewalt mit Hilfe des gemeinen Rechts der in ihren Zielen gesetzwidrigen Machtpolitik der Sozialdemokratie sich erwehren? Fürst Bülow hat mehrfach vor diesem hohen Haufe erklärt, daß Reich und Staat, Monarchie und Gesellschaft bei furchtloser Anwendung der vorhandenen gesetzlichen Mittel jeden Versuch des Umsturzes niederzuhalten in der Lage sei. Derselben Ansicht bin i ch a u ch. Vorschläge zu Ausnahmegesetzen mache ich Ihnen nicht. (Beifall bei den Liberalen.) Mit dem preußischen Staat ist es, wie Bebel in Magdeburg richtig ausgeführt hat, so eine eigene Sache. Dieser preußische Staat läßt sich wedqx durch Demonstra- Honen, noch durch Zeitungen, noch durch sonst was erobern.(Zu- rufe bei de» Sozialdemokraten: Abwarten!) Die Sozialdemokratie kann mit ihrer revolutionären Politik höchstens erreichen, daß viele Menschen aus den von ihr byzantinisch umschmeichelten und auf» geregten 5tlaffen ins Unglück gebracht werden. Das deutsche Volk, in seinem Kern gesund, kann von der Sozialdemokratie wohl v e r- führt und erregt werden, aber ihre politischen Endziele und ihre wirtschaftlichen Utopien lehnt das deutsche Volk in seinem Herzen ab. Unbekümmert um die Sozialdemokratie und stets im Gegensatz zu ihr haben die Regierungen mit dem Reichstag eine soziale Gesetzgebung geschaffen, die sehr viel weiter geht als die irgendeines anderen Landes der Welt. Wir werden uns darin auch in Zukunft nicht irre machen lassen. Aber die soziale Für- sorge hat mit der Stellung des Staates zur Sozialdemokratie nichts zu schaffen. Wie der Staat es als seine Pflicht erkannt hat, diese Fürsorge zu treiben, so ist es seine Pflicht, alle gesetzwidrigen und gewaltsamen Angriffe auf seine Ordnung unter Anwendung aller ihm zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel mit nachdrücklicher Energie niederzuschlagen, und diese Energie wird wach- sen mit der Heftigkeit der Angriffe.(Lebhafter Beifall rechts.) Die Arbeiten, die uns für die Gegenwart und für die nähere Zukunft bevorstehen, und die doch schließlich dem Leben der Nation die Richtung geben, tragen nichts in sich, was sich als Tendenz zu einer rückschrittlichen Bewegung charakterisieren müßte. Die E i n- h e i t unseres Rechts, die Stärke des Heeres, die Schaffung der deutschen Flotte, die Sozialpoli» t i k und die wirtschaftliche Gesetzgebung— Konservative und Zentrum und Liberalismus— ihrer aller Arbeit und aller Verdienste die stecken darin. Nur durch gemeinsame Arbeit kann gesund und stark erhalten werden, was durch gemeinsame Zlvbeit geschaffen ist. Dem Wohle des Vaterlandes wird nicht ge» dient, wenn dauernd ein Bestandteil ausgeschaltet wird, und dem Wohle des Vaterlandes zu dienen haben wir alle ein Recht, aber auch die Pflicht.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum, Zischen bei den Sozialdemoiratem) Abg. Bassermann(natl.):(Die Rechte verläßt zum größten Teil den Saal.) Der Reichskanzler sagte, Fürst Bülow habe die Annahme der Reichsfinanzrcform für notwendig gehalten. Ich halte sie für einen Fehler; ohne sie würde der Aufmarsch der Sozialdemokratie nicht so erfolgt sein, wie es geschehen ist. Die Gesetze, die der Rcichskanzler nannte, Reichsversichcrungsordnung, Strafprozeßordnung, werden dem Fortschritt dienen, und ich hoffe, daß auch die Versicherung der Privatbeamten dazu kommt. Mit den Ausführungen des Reichs« kanzlers über die elsaß-lothringische Verfassung sind wir ebenfalls einverstanden. An der Wirtschaftspolitik, von der der Reichskanz- ler sprach, haben wir Nationalliberaleu mitgearbeitet. Ich begrüße daß der Reichskanzler nicht der Vollstrecker der Machtgelüste einer Partei sein will. Schon unter Fürst Bülow ist erwogen worden, ob die Machtmittel des Staates gegen die Sozialdemo- kratie ausreichen, und der Reichskanzler hat auch henke wiederholt, daß die Gesetze ausreichen. Das ist auch unsere Ansicht, und daneben muß man auf sozialem Gebiet fortschreiten auf dem Wege der Votschaft des hochseligcn Kaisers. In der kon- servativen Presse hat inan in den letzten Wochen wiederholt eine Umsturzvorlage verlangt. Als seinerzeit die Umsturzvorlage in eine Kommission verwiesen wurde, verfolgte die öffeutliche Mei- nung, die Kreise der Künstler und der Wissenschaft mit wachsendem Unbehagen, was dort zusammengebraut wurde. Wir begrüßen es. daß derartige Maßnahmen nicht ergriffen werden sollen. Gegen- über vielen Uebertrcibungen möchte ich auf die Kriminal» statistik hinweisen, die keineswegs ei» Bild entwirst, als ob i» Deutschland alles drunter und briiüer geht. Sfn den Ausschreitungen in Moa b i t hat zweiscllos auch die systematische Verhetzung der sozial de mokrati scheu Presse mit beigetragenskanzler beklagte die Langsamkeit und das Schleppende deS deutschen Verfahrens. Wenn aber die Moabiter Verhandlungen so ausgedehnt sind und den Eindruck eines stcuerlosen Schiffes erwecken, so trägt daran die Staatsanwaltschaft schuld, welche die Sachen vereinigt hat, sonst wären bereits eine Menge Verurteilungen vor den zuständigen Schöffengerichten erfolgt. sJustimmung links.)— Mit de» Grund- iätzen des Reichsschntzsckretärs, dah die Matntularbeiträge nicht irhöht werden, daß Anleihen nur für Ausgaben werbenden Cha- rakters aufgenommen werden, abgesehen natürlich von der Auf- rcchterhaltung unserer Wehrkraft, sind wir einverstanden. Die Wertzuwachs st euer soll neben einer Unterstützung der Veteranen die Mehrausgaben de» neuen Ouinquennats für das erste Jahr decken, in den anderen Jahren sollen die dazu erforder- lichcn 24 Millionen durch die vermehrten Einnahmen aus den neuen Steuern gedeckt werden. In dem vorgelegten Etat steckt schon wieder ein Stück Finanzreform. Bei einer neuen Finanzreform werden Sie nicht um direkte Reichs- st e u e r n herumkommen. Redner rechtfertigt die ablehnende Hal- tung der Nationalliberalen bei der letzten Reichsfinanzreform. Die Kritik ist nicht von den Parlamentarier» nusgeaangen, sondern von dem Volke selbst.(Lebhafter Beifall bei den Nationallibe- ralcn.) Der Militärvorlagr stimmen wirzu; die Armeedarf nicht rosten noch rasten. Wir werden wohl in der Kom- Mission noch Auskunft darüber erhalten, warum sie nicht reichlicher ausgefallen ist. Bei solchen Vorlagen darf natürlich der finanzielle Gesichtspunkt nicht der ausschlaggebende sein, sondern die Haupt- fache ist, dajj unsere Armee auf jeden Fall schlagkräftig ist.— In der Frage des Tempelhifer Feldes kommt es nicht allein auf die finanziellen und staatsrechtlichen Gesichtspunkte an, sondern auch aus die sozialen. Für die grohcn Städte ist es eine elementare Notwendigkeit, dah richtige Bebauungspläne nach den Grundsätzen der modernen Hygiene geschaffen werden.(Sehr richtig! links.) Die Exklusivität des Offizierkorps ist noch immer zu beklagen; hierauf sollte der Herr Kriegsminister fortgesetzt sein Augenmerk richten.— Die Organisation unserer Flotte macht dank der zielbewuhten Arbeit des Herrn Staatssekretärs erfreu- liche Fortschritte.— Die von Herrn Speck bemängelte Ausgabe für eine Inspektionsreise nach den polnischen Provinzen halten wir für berechtigt angesichts der grohen nationalen Bedeutung der Polenpolitik.(Bravo l bei den Nationalliberalen.) In dem neuen Herrn im Auswärtigen Amt bcgrützen wir mit Befriedigung einen genauen Kenner des Auslandes. Die Besserung unserer Beziehungen Mit Ruhland freut uns, eine Besserung, an der die Sozialdemokratie unschuldig ist.(Sehr richtig!) Die Haltung des„Vorwärts" dem Zaren gegen- über war geradezu unanständig und pöbelhaft. (Sehr richtig!) Herr Speck hat gestern zu einer Annäherung zwischen der nationalltberalen und Zentrum?- Partei aufgefordert. Ter Zeitpunkt ist nicht gut gewählt rn der Zeit der Anthnodernistenbewegung und der Borromäus- cnzyklika.(Sehr richtig! bei den Natioimllib.) Die Unzufriedenheit im Volke ist nicht Nur durch die Reichsfinanzreform veranlasst; unsere Bureaukratic ist unserer grossartigen Entwickelung nicht gefolgt. Der Ausfall der Wahl in Labiau-Wcylau beweist auch, dass die Bevölkerung iibcrdriiffig ist des konservativen Partei- rcgiments, da» wir haben.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Ratio- nalliberalen.) Nach de» Tagen von Jena wurde das Vertrauen deS Volkes zurückgewonnen durch liberale Reformen. Wenn die Wahlen wirklich die vielfach prophezeite rote Flut bringen werden, dann mühte, um der Gärung der Unzufriedenheit zu begegnen, eine Periode der inneren Ncforincn an- heben(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen), die sich besaht mit dem Ausbau der unzulänglichen Finanzrefor m, mit der Wahlreform und der Umgestaltung unserer Vcrival- tung. Bei solcher reformierenden und volksfreundlichen Politik werden Volk und Thron treu zusammenstehen.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Reichskanzlei v. Bethmann Hollwcg: Nachdem Herr Bassermann aus Fragen der auswärtigen Politik eingegangen ist, will ich meine Ausführungen über die innere Politik durch einige über die auswärtige erganzen. Bezug- (ich unseres Verhältnisses z u England habe ich folgen- des zu erklären: Es ist pudlici juris kallgemein bekannt), dass die grossbrltannische Regierung wiederholt dam Gedanken Ausdruck gegeben hat, durch eine vertragliche Festlegung der Flotten st ärke eine Beschränkung der Rüstung zur See zu er- reichen, sie hat jedoch keinen Antrag gestellt, der zu einer positiven Annahme oder Ablehnung führen konnte. Wir begegnen uns mit England in dem Wunsche, Rivalitäten bei den Rüstungen zu vermeiden und glauben, dah dies am besten durch eine ehrliche und offene Aussprache über das, was man will, herbeigeführt wird. Bezüglich unseres Verhältnisses zu Russland kann ich sagen, dah sich beide Regierungen in keinerlei Kom- binatwnen einlasse» werden, welche eine aggressive Spitze gegen die andere hae. Am B a l ka n haben Russland und Deutschland in gleicher Weise ein Interesse an der Aufrechterhaltung des statu» guo. Bei den Besprechungen über P e r s i e n begegneten wir uns mit Russland in dem Wunsche, dass Ruhe und Ordnung dort herrschen. Rußland als Grcnznachbar hat daran noch ein ganz bc- sondereS Interesse, und deshalb haben wir gern zugegeben, rass ihm «in besonderer Einfluh in Nordpersien mit Kon- Zessionen von Eisenbahnen, Telegraphen und Strassen eingeräumt wird. Rußland hat nicht nur unserem Handel in Persten kein Hindernis in den Weg gelegt, sondern auch den Anschlutz für seine Zufuhr nach Persien, soweit sie über Bagdad geht sehr erleichtert. Der Gedaniernmstausch hat dazu geführt, daß die da und dort ent- standenen scheinbaren Mißverständnisse beseitigt sind und das alte vertrauensvolle Verhältnis zwischen Deutschland und Russland befestigt und gekräftigt ist.(Bravol rechts.) Abg. Dr. Wiemer(Vp.): Auch wir werden mitarbeiten an den praktischen Arbeiten, die uns bevorstehen. Aber diese praktische Mitarbeit kann nicht verwischen die tiefen Gegensätze, die sich in dea: Vergangenheit gezeigt haben, diese müssen bielmehr aus. getragen werden.(Bravol links.) Grosse Gegensätze haben sich auch bei der Reichsverficherungsordnung gezeigt. Die Versprechungen in bezug auf die Witwen- und Wa i s e n- versicherung sind nicht erfüllt worden; nur invalide Witwen sollen die Rente erhalten. Auffallend war, dass in der Aufzählung deö Herrn Reichskanzlers die Pensionsversiche- rung für Privatbeamte fehlte. Auch eine Erklärung über dkl Reform des Wahlrechts in Preußen habe ich in der Rede des Herrn Reichskanzlers vermißt(Sehr wahr! links), dieser Reform, die in der Thronrede als w i cht i g st e Auf. gäbe der Gegenwart bezeichnet worden ist. Dah der Reichs- kanzler an den Grundlagen der bisherigen WrrtschaftSpolitik fest- halten will, ist ja selbstverständlich. Er übersteht aber die Kehr- feite dieser Wirtschaftspolitik ganz. Hat doch selbst Herr B u e ck vom Zentralverband deutscher Industrieller erklärt, daß die nicht wegzuleugnende Verteuerung der Lebenshaltung ihren Grund habe in den zum Teil übertrieben hoben Zöllen ! a u f Na h r u n gs mi t t el. Es sei in den maßgebenden in- dustriellen KreifrN ernstlich erwogen worden, auf Herabsetzung der LebenSmittclzölle hinzuwirken.(Hört! hört! links.)— Der Herr Reichskanzler sagte: Der Rausch der bevorstehenden Wahlen werde ! verfliegen, xine Götterdämmerung aber werde nicht kommen. Das will ich glauben, wir in Deutschland sind ja daran gewöhnt, mehr Dämmerung als Götter zu haben.(Heiterkeit. Sehr gut! links.) Kein Wort hat der Reichskanzler darüber gesprochen, wie er sich den konstitutionellen Ausbau unserer Ver- f a s s u n g denkt. Ich bedaure sehr, dass Herr v. Bethmann, wie sich bei der Interpellation über die Kaiserrcde gezeigt hat, in konstitutionellen Fragen zurückgewichen ist hinter die Linie, dieJ-ürst B ü l o iv hier gezogen hatte.(Sehr wahrl links.) Stolz hat der Herr Reichskanzler erklärt, dass er nicht das Werkzeug der Machtstellung irgendeiner Partei sei. Tatsache ist aber, dah die Taten während seiner Reichskanzlerschaft ausgezeichnet hineinpassen in den Kurs des schwarz-blauen Blocks. Noch bei der Wahl in L a b i a u. W e h l a u ist geradezu Unglaubliches von den Landräten geleistet worden.(Sehr wahrl lints.) Die Erklärung des Reichskanzlers, er werde Vorschläge zu Ausnahmegesetzen nicht machen, habe ich mit Genugtuung begrüßt. Ich hoffe, er wird auch Widerstand leisten, wenn solche Vorschläge von anderer Seite gemacht werden. Bedauerlich war, dass er die Reform des Strafrechts und des Strafprozesses in Zusammenhang gebracht hat mit den Mitteln zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Eine Beschleunigung des Prozessverfahrens wünschen auch wir, aber nicht nur damit sozialdemokra- tische Missetäter schneller gefaßt werden können. Herr v. Beth- mann sprach dann von einer tatsächlichen Kooperation der Sozial- demokratie und der Fortschrittlichen Volkspartei. Herr v. Hey de. brand bestätigt durch sein: Sehr richtig!, dass diese Tonart ganz im reaktionären Sinne liegt. Ein solches Geredet st lächerlich, die Herren wissen ganz genau, daß die Volkspariei eine Gegnerin der Sozialdemokratie ist und bleiben wird. Es bestehen zwischen uns grosse MeinungS- Verschiedenheiten, vor allem über den Klassenkamps, dem wir entgegentreten. Wir billigen auch nicht solche Ausschreitungen, wie sie in Moabit borgekommen sind, aber ich wundere mich doch, dah der leitende StaatLinann so ausführlich eingegangen ist auf diese Vorgänge trotzdem der Prozeß noch gar nicht ab- geschlossen ist.(Sehr richtigl links.) Gerade er sollte sich hüten, in ein schwebendes Verfahren derart einzugreifen.(Sehr wahrl links.) Der Reichskanzler hat der Polizei ein gutes Zeugnis ausgestellt. Wir wollen abwarten, wie der Prozess ausgeht, jedenfalls aber ist die der Polizei günstige Stinimung, die in grossen Kreisen vorhanden ist, doch ein wenig erschüttert worden durch objektive und anscheinend zuverlässige Bekundungen, die im Lause des Prozesses gemacht worden sind. Der roten Flut begegnet man nicht durch Philippiken gegen die Sozialdemokratie, sondern durch Verstopfung der Quellen für die Unzufriedenheit, vor allem durch Acnderung der Finanzpolitik. Kostbar war der Appell des Herrn Speck an die Selbstlosigkeit der Linken. Agrarier und Zentrum im Glorienschein der Selbstlosigkeit!(Heiterkeit.) Wegen der Selbstlosigkeit der Konservativen und d«S Zentrums muhte Fürst Dülow gehen, und er hat ihnen dann ins Stammbuch ge- schrieben, dass sie ein frivoles Spiel mit den Jnter- essen der Monarchie und des Landes getrieben hätten.(Sehr wahrl links.) Redner geht dann auf die einzelnen Etats ein. Die Angelegenheit mit dem Tempelhofer Feld hat wieder die Notwendigkeit eines MinisterveralltwortlichkettSgeseyeS bewiesen. Ein Minister muh zur Verantwortung gezogen werden können, wenn er ein Geschäft abschließt, ohne die erforder- liche Genehmigung des Reichstages eingeholt zu haben. In der Angelegenheit der BorromäuS-Enzhklika hat unsere Diploniatie keineswegs ein befriedigendes Resultat erreicht. Ju der Diözese Bamberg ist die Enzyklika entgegen den Ver- sprechuiigen der Kurie promulgiert worden. In diesem Zusammen- hang ist auch an den Modernisteneid zu erinnern.(Unruhe, Zurufe und Lärm im Zentrum.) Es ist angesichts mancher Vor- kmnmnisse, zum Beispiel der Beuroncr Kaiscrrede, nicht zu ver- wundern, dass dem Zentrum der Kamm schwillt. Da wird die Zurückberufung der Jesuiten als besonderer Thronstützen gefordert, während eben doch erst in Portugal der sich auf die Jesuiten stützende Thron zusammcnge- krochen i st. Der konfessionelle Frieden wird durch diese von den Konservative» unterstützte Zcntrumspolitik nicht gefördert. (Bravol links.) DaS Rattcnfängerlied der Sammelpolitik lehnen wir ab. Wir gehen unseren eigenen Weg.(Lachen rechts, Zuruf: Den Weg der Sozialdemokratie!) Ach, meine Herren, Sie wissen doch aus der Zeit der Blockpolitik ganz genau, dass wir ent- schiedene Gegner der Sozialdemokratie sind, das ist doch also eine ganz unehrliche Kampfesweise von Ihnen, wen» Sie fortgesetzt den Versuch machen, uns mit der Sozialdemokratie zu identifizieren.(Sehr richtigl bei den Freisinnigen.) Hoffentlich erhalten wir auf die Frage, wann der neue Reichstag gewählt wird, recht bald eine Antwort. Man wird uns doch wohl dabei nicht auch so überrumpeln wollen, wie man bei der Stichwahl in Labiau-Wehlau die liberalen Wähler zu überrumpeln versucht hat. Dieser Reichstag ist gewählt auf Grund des Programms des Fürsten B ü l o w; nachdem dieser gestürzt ist, hat auch dieser Reichstag seine Existenzberech- tigung verloren.(Sehr wahr! links.) Je eher Klarheit geschaffen wird, desto besser wird es sein für die Regierung, für die Volksvertretung und für die Wählerschaft.(Bravol link».) Abg. Freiheit: v. Gamp(Rpt.): Wir haben uns seinerzeit an die Seite der Konservativen und deS Zentrums bei der Reichs- finanzreform gestellt im Interesse des Vaterlandes.(Bravo! rechts.) Wären die Nationalliberalen mit uns mitgegangen, so wären sicher auch ihre Wünsche erfüllt worden. Uebrigens stimm» ten wir ja in bezug auf die indirekten Steuern ganz mit Ihnen überein, nur dah Sie sogar 400 Milli- onen wollten, während wir dagegen Bedenken hatten.(Sehr rich- tigl rechts.) Es sind vom Reichskanzler eine Reihe neuer Ge- setzeSvorlagen angekündigt. Wir sollten aber Mass halten damit; jetzt schon sind 280 Mitglieder des Reichstages in Kommissionen beschäftigt. Der Reichskanzler hat sich viel mit der Sozialdemokratie beschäftigt, aber sie dankt eS ihm nicht, ihre Bänke sind fast leer.(Abg. E ni m e l(Soz.): Sie sind rauSgegangen, weil S i e reden!(Heiterkeit.) Die Sozialdemo- kratie geht ganz systematisch vor.(Abg. Hoch(Soz.): Sehr richtigl(Grosse Heiterkeit.) Wenn aber die sozialdemokratisch an- gelernten Achtgroschenjungens sich an dem Moabiter Vergnügen beteiligen, sucht sie sie abzuschütteln. Die Gefahr ist sehr ernst; sie haben oft ausgesprochen, was sie wollen, nicht nur Herr Ledebour, den ich ja für einen ruhigen Herrn halte.(Grosse Heiterkeit.) Der Reichskanzler lehnt Ausnahmegesetze ab; unter alle» Umständen aber wollen wir de» sozialdemo- kratischcn Terror brechen. Der Reichskanzler wünscht, dass die bestehenden Gesetze scharf ange- wendet werden; da mag er sich an den preussischen Ministerpräsi- denten wenden, damit darauf eingewirkt wird, dass die Staats- anwälte schneller einschreiten.(Abg. L e d e b o u r(Soz.): Und noch ungerechter I) Die Moabiter Vorgänge sind sehr betrübend, namentlich, weil die eigentlichen Akteure nicht auf der Anklagebank sitzen, sondern unschuldige Verführte.— ES wurde auch die Begnadigung der Bonner Borussen gestreift. ES war daS ein Gnadenakt, der keiner Kritik untrrlirgt, am wenigsten der deS Reichstages. lWiderspruch links.) Und schliesslich lag nur grober Unfug vor.(Abg. Hue(Soz.): Bei Arbeitern wäre daS anders!) DaS ist eine ganz haltlose Beschuldigung. Wenn Herr Scheidemann auf das Fehlen des Herrn Reichskanzlers am gestrigen Tage hinwies, so lag dazu kein Anlaß vor. Im Senioren- konvent ist man übereingekommen, da man die Etatberatung, was ja sehr gut gegangen wäre« nicht verschieben wollte« im Wegbleiben des Kanzlers keine unfreundliche Handlung zu sehen.(Hör!! hörH rechtS.) Die ganze Intelligenz und Kultur kämpft gegen die Sozialdemokratie, nicht für sie.(Beifall rechts.) Hierauf wird die Weiterberatung vertagt. Abg. Singer(Soz.) persönliche Bemerkung: Herrn Gamps Phantasie ist mit ihm durchgegangen. Ich kann konstatieren, dass wir gegenüber der Mitteilung des Herrn Präsidenten, dah am Freitag trotz der Abwesenheit des Herrn Reichskanzlers die Etat- beratung beginnen solle, keinen Widerspruch erhoben haben und dass im übrigen eine Diskussion über diesen Vorfall gar nicht statt- gefunden hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nächste Sitzung: Montag 2 Uhr. Schluß: 514 Uhr._ parlamentarisches. Aus der Budgetkommission. Die Budgetkoinmission erledigte am Sonnabend die zweite Lesung der Fernspreckigebührenordnung. Der Be- schluss der ersten Lesung, die Skala der Ferngespräche so zu gestalten, dass bei einer Entfernung von 250 Kilo- meler 75 Pf. zu zahlen sind, wurde, nachdem Siaatssekretär Kraetke ihn für unannehmbar erklärt hatte, vom schivarz- blauen Block wieder aufgehoben. Die sonstigen Gebühren- sätze bleiben nach den Beschlüssen der ersten Lesung bestehen. — Der Paragraph, der den Ortsverkehr regelt, erfuhr einige un- wescnlliche redaklionelle Acnderungen. Die in der ersten Lesung be» schlossenen Gesprächsgebühren, die nach Wahl des Teil» nehmers für jedes Gespräch oder als Pauschale bezahlt werden müssen. werden nicht berändert. In beide» Fällen kommt noch hinzu die Grundgebühr für die Ueberlassung und Unterhaltung der Zlpparate sowie für den Bau und die Instandhaltung der Sprech- leilungen. Sie beträgt in Netzen von nicht über 1000 Anschlüsien 50 M., bei mehr als 1000 bis einscbliesslich 5000 Anschlüssen 65 M., 5000 bis einschliesslich 20 000 Anschlüssen 80 M., 20 000 bis einschliesslich 70 000 Anschlüssen 90 M., bei mehr als 70 000 Anschlüssen für jede angefangenen weiteren 50 000 Anschlüsse je 10 M. mehr jährlich für jeden Anschluh, der von der LermittelungSstelle nicht weiter als 5 Kilometer entfernt ist. Nächste Sitzung Dienstag Reichsbesteuerungsgesetz. Aus der ReichSzuwachSstener-Kommisfio«. In der Sonnabendsitzung wurde zunächst ein zum K 22 gestellter sozialdemokratischer Antrag verhandelt, der verlangt, dass die Steuerbefreiung der LandeSfür st en und- Für- st i n n e n in dem Gesetz z u st r e i ch e n sei. Zu dein Antrage führte ein sozialdemokratisches Mitglied der Kommission an. dass in der jetzigen Zeit, wo die Aermslen des Volkes so ungeheuer mit Sieuern überlastet seien, man auch die Fürsten zur Steuer heran- zrehen müsse, denn das Eigentum der Fürsten sei nicht durch eigene Arbeit und eigenes Verdienst erworben. Nach einer sehr lebhasten Debatte wurde der Antrag mit 13 gegen 11 Stimmen angenommen. Für den Antrag stimmten: Sozialdemokraten, Freisinnige, Wirtschaftliche Vereinigung, Polen, ein Zentrums- Mitglied und ein Nalionaliberaler. Mit dieser Aenderung wurde der§ 22 angenommen, ebenso fanden die ßß 23 bis 34 mit unwesentlichen Abänderungen Amiahme. Der Z 35, der die Rechtsmittel gegen den Steuerbescheid festlegt, erhielt folgende Fassung: „Gegen den Steuerbescheid sind als Rechtsmittel zulässig 1. die Beschwerde, soweit sie nicht landesrechtlich ausgeschlossen wird. 2. das Verwaltungsstreitversahren oder ein durch die Landes« gesetzgebuiig geordnetes anderweitiges Verfahren vor den Ber- waltungSgerichten und wenn ein verwaltungSgerichtliches Ber- fahren nicht besteht oder landeLrechtlich auSgeichlossen wird, der Rechtsweg." Nachdem noch die ZK 36 bis SS angenommen waren, vertagte sich die Kommission bis Montag. £liis Xtiduftne und Ftandel. BerbandSschmerzen. Im Stahlwerksverbande knistert es schon lange; die Organi- sation hat ihre Schuldigkeit getan, indem sie die Grossindustrie auf Kosten der Weiterverarbeitung stärkte, ihr eine Preisdiktalur ermög- lichte, die den AuSlandSverbrauchcr von Rohmaterial und Halbzeug günstiger stellte, als den inländischen Abnehmer. Die Grohen in der Industrie streben nun über den Verbandsrahmen hinaus, sie wollen der Fesseln lcdig sein, die er ihrem OrganisationSdrange an- legt. Die Zolle auf Roheisen und Halbzeug geben der Schwereisen- tndustrie die Grundlage zu einem Preismonopol im Jnlande, das nur durch die inläudtsche Konkurrenz gemildert blieb. Deshalb strebt man dahin, die Preiszügel für den Jnlandsabnchmer schärfer an- ziehen zu können. DaS sollte gleichzeitig als Mittel dienen, den Weilerverarbeitern in ihren eigenen Erzeugnissen erfolgreich Konkurrenz zu bieten. Man betrieb die Schaffung des Stahlwerks« Verbandes. Die reinen Werke wurden für den Plan gewonnen, in« dem man ihnen Exportprämien usw. versprach und sie tüchtig mit der Redensart vom„Schutze der nalioualen Arbeit" einseifte. Der Verband hat die Hoffnungen und Erwartungen der verarbeitenden Werke gründlich zuschanden gemacht, dafür die Macht der Schwer- eiseniiidustrie mächtig gestärkt, sie zur unbedingten Herrscherin ge- macht. Der Verband errichtete für die Halbzeug der« brauchenden Industrien eine Preisdiktatur, der diese wehr- kos ausgeliefert waren. Die reinen Werke muhten die vom Kohlcniyndikat und von den Halbzeuglieferanten selbstherrlich festgelegten hohen Preise zahlen und sahen sich dabei oft der überlegenen Konkurrenz ausländischer Fabrikanten ausgesetzt, die deutsches Rohmaterial und Halbzeug viel billiger bezogen, als deutsche Abnehmer in Deutschland. Sodann machten die gemischten Werte, die selbst Kohlen sördern, daher von den hohen Syndikats- preise» nicht betroffen wurden und die das Halbzeug zu Selbsttosten« preisen in Rechnung stellen konnten, den eiiiheimischen reinen Werken auf dem in- und ausländischen Markte mit fertigen Erzeugnissen eine vernichtende Konkurrenz. Eine Reihe der reinen Werte fanden Rettung durch Anschluh an gemischte Betriebe, andere suchten sich zu solchen auSzuwachse». Je mehr die gemischtcn Werke die Herstellung von Fertigerzeugnissen an sich rissen, je mehr sie sich zu Unter- nehmungen auswuchsen, die alle ProdnktionSphasen umfasstcn, um so schwächer wurde das Interesse für den Verband, hemmte er doch ihre Entwickelung, zwang er sie doch, sich mit ihrer Produktion in bestimmten Grenzen zu halten. Bisher gelang es trotzdem noch, daS VerbandSgesiige nicht sprengen zu lassen. indem man einzelne der Mächtigsten auf Kosten der übrigen Werke grössere Beteiligungsziffern zubilligte. Nun stehen wieder solche schwer wiegenden, an der Grundtage deS Verbandes rüttelnden Fragen zur Entscheidung. ES handelt sich um Beteiligungsforderungen der Firma Thyssen und der Rheinischen Stahlwerke. Vielleicht gelingt eS auch diesmal noch, die wider- strebenden Elemente zusammen zu halten, aber eS wird scharfe Jnteresieiiknmpfe absetzen. Vielleicht versucht man. die reinen Werte, wie die gesamte Verarbeitungsindustrie mit Rücksicht auf die bevor» stehenden neuen Zolltarislämpfe über die wirkliche Situation hinweg« zutäuschen, weil man diese JodustrU für ein Zollkompromiss mit den Agrariern einzufangen hofft, trotz der groben Geschütze, die der Zentralverband in der letzten Zeit gegen den Bund der Industriellen aufzufahren beliebte. Hat der Zentralverband einen neuen, für seine Mitglieder günstigen Zolltarif in der Tasche, dann wird der Vernichtungskrieg gegen die Kleinen und Kleinsten in der Industrie «ttt rücksichtsloser Brutalität zu Ende geführt. Dann sprengen die wenigen mächtigen gemischten Betriebe die Verbandsfesseln; viel- leicht bilden sie sogar eine Interessengemeinschaft und dann ist die gesamte deutsche Eisen- und Stahlindustrie erbarmungslos der Diktatur einer Handvoll Stahllönige ausgeliefert. BetriebZeinstellung als Folge unserer Steuerpolitik. Die samt- lichen Arbeiter der deutsch-dänischen Patentzündholzfabrik in Aken sind wegen Arbeitsmangels entlassen worden. Auf die Bitte der Fabrikteilung an die Regierung wegen Gewährung eines größeren Kontingents war ein ablehnender Bescheid eingetroffen. Die deutschen Aktiengesellschaften im 3. Bierteljahr 1910. Nach den Ermittelungen des kaiserlichen Statistischen Amtes aus Grund der Bekanntmachungen der Gerichte im„Reichsanzeiger" wurden im 3. Vierteljahr 1910 42 Gesellschaften mit einem nominellen Aktienkapital von 79,14 Millionen Mark neu gegründet gegenüber 54 Gesellschaften mit 61,92 Millionen Mark im 2. Vierteljahr. Von den 42 Gesellschaften des 3. Vierteljahres 1919 wurden 13 mit 32,29 Millionen Mark unter Einbringung bestehender Unterneh- mungen gegründet, für die Sacheinlagen bei diesen Unwandlun�cn 'wurden 16,16 Millionen Mark in Aktien gewährt. Bemerkt iei, daß das kaiserliche Statistische Amt nur diejenigen Sacheinlagen feststellen kann, welche unter Beobachtung der Schuhvorschriften des§ 186 Abs. 2 des Handelsgesetzbuchs eingebracht sind. Kapitalerhöhungen erfolgten im 3. Vierteljahr 1919 bei 71 Ge- sellschaften um 138,36 Millionen Mark; 21 Gesellschaften nahmen Kapitalherabsetzungen um 7,92 Millionen Mark vor. Im selben Zeitraum traten 14 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 13,61 Millionen Mark in Liquidation. Bei 7 Gesellschaften mit 18,99 Millionen Mark Kapital wurde daS Konkursverfahren er- öffnet; unter den letzteren befand sich eine Kommanditgesellschaft auf Aktien mit 12 Millionen Mark Kapital. DaS stumpfe Messer. Aus Philadelphia wird gemeldet: DaS Bundeskreisgericht hat die Klage der Regierung auf Auflösung des Anthrarit-Kvhlen-Trusts abgewiesen, die Temple Jron Company jedoch für eine gesetzwidrige»Kombination" im Sinne des Antitrust- gesetzeS erklärt. Der vom Bundeskreisgericht abgewiesene Antrag der Regierung gegen den Anthrazit-Kohlcn-Trust war im Jahre 1997 gegen die Reading-, die Lackawana«. die Sehiga Vallev- und Central Eastern New Aersey- und Erie-Eisenbahn, gegen sieben große von Eisen- bahnen abhängige Kohlengesellschaften, darunter die Temple Jron Company, und gegen 49 unabhängige Koblengesellschasten, mit denen der angebliche Trust Verträge hatte, angestrengt worden. Gerichts-Zeitung, „Streikbrecher" darf man nicht sagen. In der Kunststcinfabrik Gebr. Friesccke mutzten im Sommer die Steinarbeiter, weil ihnen die Anerkennung des von ihrem Zentralverband aufgestellten Lohntarifs versagt wurde, zum Streik schreiten. Es fanden sich Leute, die nicht mitstreikten, und so endete der Kampf mit einer Niederlage der Streikenden. Der Zentralvcrband der Steinarbcitcr berichtete durch seine Orts- Verwaltung Berlin über die Beendigung des Streiks am 19. Juni 1919 im„Vorwärts"(Nr. 133). Die Bekanntmachung wies auch auf die Ursachen des Mißerfolges hin, indem sie unter anderem sagte:„Das Mißlingen des Kampfes ist in erster Linie den Streikbrechern____(hier folgte eine Reihe Namen) zuzuschreiben." Zwei der Genannten, die Steinmetzen August Bofinger und Otto Gl-r, wollten sich nicht„Streikbrecher" nennen lassen. Sie riefen nach dem Staatsanwalt und erreichten, daß gegen den Steinmetzen Winckler, der als Borsiyender der Ortsvcrwaltung Berlin die Bekanntmachung veröffentlicht hatte, Anklage wegen Beleidigung erhoben wurde. Das Amtsgericht Berlin-Mitte stellte sich auf den Standpunkt, daß man„Streikbrecher" nicht sagen darf, und verurteilte Winckler zu 199 M. Geldstrafe. W. hatte geltend gemacht, er habe lediglich über Verlauf und Beendigung des Streiks objektiv berichtet uno ihm stehe der Schutz des§ 193 zur Seite. Demgegenüber führte die Urteilsbegründung aus, daß für die Frage, was Ehrenkrönkung ist,„nicht ein objektiver Maßstab zugrunde gelegt werden kann, vielmehr namentlich die Anffassungsweise der betreffenden Kreise und die Gewöhnung der Beteiligten berücksichtigt werden muß". Der„Vorwärts" sei„bekanntlich ein vornehmlich in Arbriter- kreisen gelesenes Blatt"; in diesen Kreisen gelte es aber als „etwas allgemein Ehrenrühriges und im höchsten Maße Ber- wcrflichcs, ivenn bei einer Arbeitseinstellung der eine oder andere Arbeiter sich der Streikparole nicht unbedingt unterwirft". Winckler habe, indem er Bofinger und Glor in breitester Oeffent- lickkeit eine derartige Handlungsweise vorwarf, sich bewußt sein müssen und sei sich auch bewußt gewesen, daß„seine Kundgebung geeignet ist, unter der übrigen Arbeiterschaft den Eindruck der Mißachtung bezüglich des Bofinger und Glor hervorzurufen". Er habe geradezu die Absicht gehabt, sie zu beleidigen, so daß ihm Schutz des§ 193 versagt werden müsse. Sie habe er„vor der gesamten Arbeiterschaft als diejenigen brandmarken wollen, die durch Bcrletzung der Solidaritätspflicht an der gemeinschaft- lichen Sache Verrat geübt und es so verschuldet haben, daß der von den Arbeitern unternommene Versuch, bessere Arbeits- bedingungen zu erlangen, mißlungen ist". Hätte er nicht„Streik- brccher," sondern„Arbeitswillige" gesagt, so hätte er— meinte die Urteilsbegründung— den Sachverhalt genau ebenso den Tat- fachen entsprechend wiedergeben können. Auf Berufung Wincklers hatte am Sonnabend daS Land- gericht I durch Strafkammer 6(unter Vorsitz des Landgerichts- dircktors Gocbel) zu entscheiden. Der Angeklagte wiederholte, er habe objektiv den Sachverhalt mitgeteilt und als Verbands» beamter berechtigte Interessen gewahrt. Vorsitzender:„Aber das Wort„Streikbrecher" gilt doch in Ihren Kreisen als be- leidigend?" Angeklagter:„Streikbruch wird als ehrlos auf- gefaßt, ja! Wer wenn jemand eine ehrlose Handlung begangen hat, kann er doch nicht durch die Feststellung sich beleidigt fühlen. Nur wenn das unberechtigterwrise behauptet würde, wäre eS be- leidigend." Den Angeklagten, der zwischen dem bemängelten Ausdruck„Streikbrecher" und der als Ersatz empfohlenen Be- zeichnung„Arbeitswilliger" keinen Unterschied sah, belehrte der Vorsitzende, dann hätte er sagen sollen:„Leute, die während des Streiks gearbeitet haben." In der Beweiserhebung wurde nur Bofinger vernommen. Er beklagte sich, daß er schon vor zwei Jahren wegen Akkordarbeit aus dem Berband ausgeschlosien worden sei. Der Vorsitzende meinte, daß auf B., wenn er nicht im Verband sei, das Wort„Streikbrecher" doch gar nicht passe. Winckler antwortete:„Doch! Wer während des Streiks arbeitet, bricht den Streik." Ucber den nichtgeladenen Glor sagte W., der habe dem Streik zugestimmt und sich beteiligt, sei aber später ab- gefallen. Ter Bcrteidiger, Rechtsanwalt Dr. Bebrend, führte aus, W. habe als BerbandSbeamter über Ende des Streiks und Ursache des Scheiterns berichten müssen und dabei in Wahrung berechtigter Interessen auch die nennen dürfen, die durch Nichtbeteiligung den Mißerfolg verschuldet hatten. W. habe da? in einer Form tun müssen, die für die BcrbandSmitgliedrr verständlich war, darum habe er in Ucbereinstimmung mit ihrer Anschanungß- und Ausdrucks- weise die Nichtstreikenden als„Streikbrecher" bezeichnet. Hiernach seit die Absicht einer Beleidigung nicht anzunehmen, und der An- geklagte sei freizusprechen. Der Staatsanwalt beantragte, die Berufung zu verwerfen. DaS Wort„Streikbrecher" fei be- leidigend und habe hier keineswegs gebraucht werden müssen. Das Wort„Arbeitswilliger" hätte genügt, da la jeder wisse, was „Arbeitswilliger" bedeuten soll. Vom Gericht ivurde die Berufung verworfen und die Geld- strafe von 199 M. aufrecht erhalten. Dem Angeklagten könne der ' iS von d Gebrauch des Wortes„Arbeitswilliger", daS der Gegenseite gemünzt worden sei, ebensowenig zugemutet werden, wie etWS einem Arbeitgeber der Gebrauch des Wortes„Streikbrecher". Aber„Streikbrecher" habe W. als Schimpfwort gemeint, ihm sei es darum zu tun gewesen, Bofinger und Glor zu brandmarken. Wäre es ihm auf nur sachliche Feststellung angekommen, so hätte er sie als solche nennen können,„die sich dem Streik nicht an- geschlossen hätten". Vielleicht wird bald ein Gericht auch das als Ehrenkränkung und Brandmarkung ahnden mit der Begründung, daß es nach der Auffassungsweise und Gewöhnung der beteiligten Kreise als ehrenrührig und verwerflich gelte, sich einem Streik nicht an-. zuschließen._ Polizistenehre und— Gesäßtasche. Vor dem Schöffengericht in Halle a. S. wurde dieser Tage ein kurioser Fall von Schutzmannsbeleidigung verhandelt. An einem Sonntage im Oktober begab sich der Lagerhalter Genosse Seibt von seiner Wohnung in eine Versammlung. Als er auf die Straße getreten war, kam ihm der Gedanke, ob er wohl sein Porte- monnaie bei sich habe. Er griff zur Gesäßtasche, wo er es stets zu tragen pflegt, �und überzeugte sich von seinem Vorhandensein. An der nächsten Straßenecke fühlte er sich plötzlich von einem Schutz- mann festgehalten, der im Eilschritt hinter ihm gelaufen kam. Dieser führte ihn ohne weiteres, trotzdem sich der Genosse aus- reichend legitimieren konnte, zur Wache, wo dann der Grund zu diesem eigentümlichen Versehen offenbar wurde. Der Schutzmann hatte die Handbcwegung des Genossen gesehen, sie auf sich bezogen und sich in seiner Ehre gekränkt gefühlt! Nun setzte ein Hochnot- pinlichcs Verfahren ein, in dessen Verlauf die staatsfeindliche Hose auf Vorhandensein einer solchen Tasche nintcrsucht wurde. Derselbe Schutzmann will die gleiche Handbcwegung des Genossen noch ein zweites Mal beobachtet haben, wodurch er sich wieder in seiner Ehre verletzt fühlte. Die Hauptvcrhandlung wurde wirklich anberaumt und hier stellte sich natürlich sofort die Haltlosigkeit der Anklage heraus. Genosse Seibt wurde kostenlos freigesprochen. Der Vor- fall zeigt aber wieder, wie außerordentlich nervös die Halleschcn Polizeibcamten gegenüber dem Publikum sind. Er reiht sich würdig dem Fall an, in welchem ein Maurer wegen„Anlachens" eines Polizeibeamten zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Hoffentlich kommt nun bald eine Polizeivcrordnung heraus, die für Halle das Führen und Benutzen einer Gesäßtasche regelt, Religionsbeschimpfung. DaS Reichsgericht verwarf am Freitag die Revision deS Re- daktcurs der„SwatSbürger-Zeitung", Wilhelm Buchow, gegen das Urteil des Landgerichts Berlin I vom 14. Juni. Dieses hatte ihn als verantwortlichen Redakteur wegen eines Artikels zu einer Woche Gefängnis verurteilt, indem die„StaatSbürger-Zeitung" wieder einmal den Blödsinn wiedergegeben hatte, den Juden gestatte ihre Religion, Eide mit Vorbehalt zu schwören und sie nicht ein- zuhalten. Verlarrnnlungen. Die Sektion der Gips- und Zemcntbranche des Maurer-Ver« bandeS hielt am Mittwochabend ihre Generalversammlung im Gowerkschaftshaus ab. H a e s e erstattete den Bericht von der Gaukonferenz, der ohne Diskussion entgegengenommen wurde.—■ Zu dem neuen Sektionsvovstand, der aus sieben Mitgliedern be» stehen soll, halte die Gipsbaubranche vorgeschlagen W. Lem m, E. Pfeiffer, B. Sasse. Die Betonbaubranche hatte vor- geschlagen P. Drechsler. A. Krämer, P. Grobe. Die Generalversammlung bestätigte die Vorgeschlagenen als Mit» glieder dcL Vorstandes und wählte durch eiuc geheime Ab- stimmung Otto H v e s e zum Sektionsvorsitzenden. Dieser er» teilte zum Schluß noch eimge Informationen, den Uebertritt der Mitglieder zum Deutschen Bauarbeitervcrbcnch betreffend. Mit der Einziehung der Mitgliedsbücher soll zugleich eine statistische Aufnahme verbunden werden. WEIHNIICliTS-VEIIHIlUF zu hervorragend billigen Preisen. Für den Weihnachtstisch besonders geeignet: Hausschuhe Kamelhaarstoff mit Lasche, Bindfaden- sohle, für Damen........... U Kamelhaar und reine Wolle mit Leder- und Filzzwischensohle, sehr warm,"s QC Größe 43-47 2.39, Größe 36-42 L !• Kamelhaar mit Lasche, extra Qualität mit prima weißer Filz- und Ledersohle, verdeckte Naht, Ledereinsatz, OQ� Größe 43-47 3.50, Größe 36-42£, Umschlagcschohe für Damen la Kamelhaar mit Leder- u. Filzzwischensohle, sehr hübsche Dessins t»; 2" Pantoffel, gefütterte Lederhansschnhe für Damen, Herren und Kinder in überraschend großer Auswahl und allen Preislagen. Schnallenstiefel Kamelhaar»Schnal1enstiefel mit Filz- u. Ledersohle. Gr. 43-47 3.29. 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September an der Ecke der Turm- und Waldstratze Dienst hatten, nicht Von der Waffe Gebrauch machten und daß der Zeuge Frost sich also irren muffe, wenn er angab, es sei um diele Zeil ein Mann und eine alte Frau mit dem Säbel geschlagen worden.— Rechtsanw. Heine bezeichnet diesen BcweiSantrag als völlig gegenstandslos. Die An- gaben des Zeugen Frost bezogen sich nicht auf den 28., sondern der Zeuge habe nur sagen können,_ an einem der Tage hätten sich die Von ihm beobachteten Vorgänge abgespielt.— Rechtsanw. Cohn fragt, ob die Zeugen zum Falle Hermann ermittelt seien.— Der Erste Staatsanwalt! bemerkt, infolge der Aussage von Frau Jordan seien Ermittelungen angestellt, aber noch nicht abgeschloffen. Hierauf wird die Beweisaufnahme zum allgemeinen Teil Wieder eröffnet. Räubergeschichten. Der erste Zeuge, ein 20 Jahre alter Buchhalter BarS erzählt folgende Geschichte: In einer Menschenmenge, die sich an der Ecke der Beuffel- und Sickingenstraffe angesammelt hatte— den Tag tann der Zeuge nicht mit Sicherheit angeben— stand ein Mann. der.aussah wie ein Agitator". Um ihn henim standen etwa Lv Menschen. Der Mann forderte sie auf, sich zu bewaffnen und in Reib und Glied gegen die Polizei vorzugehen. Der Mann gab die Anweisung, beim Vorgehen gegen die Polizei sollte die erste Reihe der Angreifer knien, die zweite Reihe sollte stehen. Er sagte, es ist zu erwarten, daß die erste Reihe fallen wird, aber dadurch dürfe man sich nicht zurückschrecken lassen. Der Zeuge fragte denMann, ob er zum Streikkomitee gehöre. Der Mann verneinte das. Auf mich— sagt der Zeuge— machte der Mann den Eindruck eine? Agitators.— An einein anderen Tage hat der Zeuge gesehen, dah Schutzleute mit blankem Säbel eine Menschenmenge vertrieben. Dann wurde aus den Häusern gerufen: ...Hungerleider",.Bluthunde". Die Menge bestand aus Arbeitern und Frauen, auch viele Kinder waren dabei. Einige Leute sagten: Die Kinder machen den größten Effekt bei der Sache. Daß aus der Menge geworfen wurde, hat der Zeuge nicht gesehen, aber einen Schuß will er gehört haben. Am dritten Ausruhrabend— so drückt sich der Zeuge aus— haben die Schutzleute in aller Ruhe die Menge zerstreut. Ein Mann, der stehen blieb und einen Schutzmann höhniich anblickte, wurde von dem Swutzmann am Genick gefaßt, wobei der Schutzmann sagte:.Mach daß Du fort- kommst."— Rechtsanwalt Heine: Hat der Mann, der auf Sie den Eindruck eines Agitators machte, kommandiert, daß sich die Leute in drei Gliedern formieren sollten?— Zeuge: Nein.— Rechtsanwalt Heine: Hat er gesagt, wie sie die Gewehre laden sollten?— Zeuge: Nein.— Rechtsanwalt Heine: Hatten die Leute Gewehre?— Zeuge: Nein, er sagte ja. sie sollten sich bewaffnen.— RechtsanwaltHeine: Sagteer, w o sie die Waffen herholen sollten?— Zeuge: Nein.— Rechts- anwalt Heine: Hielten Sie den Mcnschen für einen ernsten Mann?— Zeuge: Ja.— Rechtsanwalt Heine: Sie hatten nicht den Eindruck daß das ein, Hanswurst — Zeuge: Nein.— RechtSanw. Heine: ES war aber einer.— Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber: Ich bitte, solche Bcnicrkungen zu unterlassen, wir wollen doch hier nicht zum Fenster hinausreden.— Rechtsanw. Heine: Das ist nicht zum Fenster hinauSgesprochcn. sondern zum Gericht und zur Staats- anwaltschaft gesagt, die es für angemeffen hält, uns einen Zeugen vorzuführen, der solche Räubergeschichten erzählt.— Vorsitzender: Auch das ist eine unzulässige Bemerkung.— RechtSanw. Heine: Solche Bemerkungen werden gelegentlich von allen Prozeßbeteiligten. auch vom Borfitzenden gemacht.— Vorsitzender: Ich bin voll- kommen objektiv, auch den Angeklagten gegenüber. Wie sieht ein Agitator aus? Rechtsanwalt Rosenfeld fragt den Zeugen, worauf er seine Annahme stütze, daß der von ihm gesehene Mann ein Agitator sei.— Der Zeuge antwortet, er habe einmal in Spandau einen sozialdemokratischen Agitator reden hören. Der habe eben- solche Bewegungen und Gesten gemacht wie der Mann auf der Straße. ° Polizeiliche Schlägereien. Zeuge M a l k e hat am 27. September abends die Vorgänge an der Ecke der Beuffelstraße und Kaiserin-Augufta-Allce beobachtet. Die Menge war vertrieben, die Straße war leer. Einzelne Menschen kamen. Die Schutzleute riefen:„Rennen Sie. rennen Siel" Ein Mann, der dieser Anffordcrung nachkam, wurde von einem Schutz- mann mit de« Säbel über den Kopf geschlagen. Der Mann be- schwcrte sich darüber bei einem höheren Polizeibcamten. Statt Abhilfe neue Keile. »der der kümmerte sich nicht darum. Als der Mann weiterging, wurde er von einem zweiten Schutzmann geschlagen. Der Geschlagene und auch der Zeuge wurden festgenommen und nach der Wache ge- bracht. Warum, kann sich der Zeuge nicht erklären. Er meint, die Schutzleute seien wütend gewesen und hätten ihn deshalb verhastet. Der Zeuge und auch der mit ibm Sistierte find auf der Polizctwache geschlagen worden mit dem Säbel und mit einem Schemel. Den Sckemcl faßte ein Schutzmann am Bein und schlug damit. Der Zeuge ist durch diese Prügel am Kopf Mld am Rücken verwundet lizeileutnant � bemerkt, dieser Vorfall habe sich auf Charlottenburger Gebiet zugetragen. Ein phantasievoller Zeuge. iDer nächste Zeuge ist-in 7Sjähriger Rentner und früherer Gutsbesitzer Emil von Schack. Er macht all- gemeine Angaben über seine Wahrnehmungen in der Turmstraße. Er schildert das Verhalten der Polizei als einwandsftei und sagt, die Menschenmenge johlte und pfiff und reizte dadurch die Schutzleute. Durch das Pfeifen hat der Zeuge den Eindruck bekommen, daß die ganze Sache organisiert war. Der Vorsitzende fragt, ob junge Leute in der Menge gewesen seien. Der Zeuge antwortet: Ja, die„Jugend, welche die Partei gedungen hat". Auf weitere Fragen des Vor- sitzenden antwortete der Zeuge: Ich habe nicht gesehen, daß Steine nach den Schutzleuten geworfen wurden. Einmal aber, als sechs bis acht berittene Schutzleute vorbeikamen, fiel ein Schuß, aber die Schutzleute taten nichts danach.— Rechtsanwalt Rosenfeld richtet an den Zeugen die Frage, welche Tatsachen ihn zu der Annahme berechtigen, daß die jungen Leute, die er sah, von der Partei gedungen sind.— Zeuge: Ich frage den Herrn Vorsitzenden, ob ich gezwungen bin. dem Vertreter der Genosieii zu antworten.— Rechtsanwalt Heine: Dem Vertreter der Genossen, da« charakterisiert diesen Zeugen.— Vorsitzender zum Zeugen: Sie müssen alle Fragen beantworten, die da« Gericht zuläßt. Die Verteidiger sind hier nicht als Vertreter der Genoffen. sondern sie wirken an der Rechtspflege mit.— Rechtsanwalt Rosenfeld wiederholt seine Frage an den Zeugen. Der Zeuge g-'bt keine bestimmte Antwort, sondern sagt nur zum Verteidiger: Sie werden mir meine Anschauung nicht nehmen. Weiter gibt der Zeuge noch an, er habe gesehen, daß Leute, die von den Schutzleuten vertrieben wurden, in ein Haus gingen und daß ihnen von Parteigenossen die Tür geöffnet worden sei.— Rechtsanwalt Rosenfeld fragt, woher der Zeuge wisse, daß das Parteigenossen waren.— Zeuge: Na, das merkt man doch, sie sprachen ja von Parteisachcn und sie sagten, daß dies nur eine Probe sei. Harmlose Leute, auch Krüppel geschlagen. Zigarrenhändler Noa sagt: Meine Frau rief mich mit den Worten: Da wird schon wieder einer geschlagen. Ich ging an niei» Schaufenster und sah, daß ein Mann unter einen Brotwagen kroch, welcher dort hielt. Da kam ein Polizeileutnant und stocherte mit dem Säbel unter den Wagen. Gleich darauf kam ein Mann mit einem Stelzfuß in meinen Laden, seine Kleidung war zerrissen und beschmutzt. Meine Frau fragte ganz entsetzt, was ihm denn passiert sei. Da antwortete der Mann: Liebe Frau, mir kann ja nichts mehr passieren, als daß mir der andere Fuß auch noch abgeschlagen wird. Im Gespräch mit diesem Manne stellte sich heraus, daß er derselbe Mann war, den ich vorhin unter den Brotwagen habe kriechen sehen. In einem audcren Falle hat der Zeuge gesehen, daß ein junger Mann, der ganz ruhig und harnilos auf der Straße stand, von einem Kriminal- bcamteu mit einem Stock geschlagen wurde. Sowohl in diesem wie in dem ersten Falle war keine Menschenmenge in der Nähe, von der die Polizei et>vas zu befürchten gehabt hätte. Beide Fälle ereigneten sich in der Sickingenstraße. Wer zerschlug die Schaufensterscheibe? Zeuge Schneidermeister Radeloff hat mitangcsehen, wie am 26. September eine Schaufensterscheibe und zwei Schaukästen des Warenhauses von Preuß von einer Menschenmenge entzwei- geschlagen wurde. Die Menge bestand meist aus jungen Leuten, auch Mädchen waren dabei. Weiler sagt der Zeuge, er habe ein Automobil gesehen, auf dessen Chauffeursitz eine weibliche Person saß. Diese Person habe der versammelten Menge zugerufen, sie sollten sich zurückziehen, denn die Blauen kommen. Wie der Stelzfuß behandelt wurde. Maurer Krausch hat von seiner Wohnung in der Sickingen- straße aus am 26. September zwischen 7 und 8 Uhr folgendes ge- sehen: Eine Menschenmenge, die meist aus 16 bis 18 jährigen Burschen bestand, wurde von der Polizei vertrieben. Unmittelbar vor der Wohnung des Zeugen war ein einzelner Mann zu sehen. Dieser Mann wurde von zwei Schutzleuten mit den Säbeln niedergeschlagen. Als der Mann am Bode» lag, kam ein Polizeioffizier und stach mit dem Degen nach dem Manne. Dann kroch der Mann unter einen Wagen und auch hier stocherte der Polizeileutnant mit dem Degen herum nach ihm. Wenn die Pferde in diesem Augenblick angezogen hätten, dann wäre der Mann, der hilflos unter dem Wagen lag, überfahren worden(eS handelt sich um denselben Mann, von dem schon der Zeuge Noa gesprochen hatte). Polizrischutz. Der Zeuge teilt auch ein Ereignis mit, welches ihm selbst passiert ist. Eines Abends, als er nach Hause ging und an eine Schutzmannskette kam, bat er um Durchlaß. Ein Schutzmann ivies ihn zurück mit den Worten: Sie Lümmel, machen Sie, daß Sie fortkommen. Sie wollen wohl hier Klamotten suchen?! Der Zeuge ist dann auf einem anderen Wege nach Hause gegangen. Er hat bei dieser Gelegenheit denselben Polizeileutnant wieder gesehen, der mit dem Säbel nach dem Krüppel unter dem Wagen stach. Der Zeuge glaubt, es sei der P o l i z e i l e u t n a n t F o l t e. Techniker Görlich, der Sohn eines Sekretärs der Staatsanwaltschaft, hat an mehreren Tagen Beob- achtungen in Moabit gemacht. Er hat sich, wie er sagt," in das Aufruhrgebiet begeben, um aus eigener Anschauung einen Eindruck der Vorgänge zu gewinnen. Am Tage habe er nichts Besonderes bemerkt. Erst nach 6 Ubr hätten sich immer größere Menschenmengen angesammelt. Schutzleute hätten zum Weilergehen aufgefordert. Nach jeder Aufforderung sei Blut- Hunde gerufen worden. Steine seien bis in die Nähe der Schntzleme geflogen. Der Zeuge nimmt an, daß die Steine aus der Menge geworfen wurden. Hieraus sei die Menge mit blanker Waffe zurück- getrieben worden. Die Schutzleute hieben auf die Menge ein, es sei aber niemand getroffen worden. Janhagel sei auch unter der Menge gewesen, aber auch viele Arbeiter. Frauen und Kinder. Die Kinder, fagt der Zeuge, hatten lange Stöcke und übten sich auf Kra- walle ein. Als Rechtsanwalt Rosenfeld durch Fragen Näheres über diese Krawallübungen festzustellen sucht, gibt der an: Die Kinder spielten Schutzmann und Bürger. Weiter gibt der Zeuge an, an der Ecke der Turnistraße und Hutten- straße wurde die Menge mit blankem Säbel durch die Schutzleute zer» streut. Dabei kam es zu blutigen Exzessen. Aus der Menge fiel ein Schutz, in einem Hausflur lag ein Verletzter, der hatte eimge schwere Säbelhiebe über den Kops bekommen. Der Zeuge hat den Ver- wundeien ms Krankenhaus transportieren helfen, dort habe sich herausgestellt, daß der Mann schon am Tage vorher verletzt worden sei. Der Zeuge habe diesem Manne Vorhaltungen gemacht, darauf habe der Mann geantwortet, er werde trotzdem wieder auf die Straße gehen, bis er totgeschlagen werde. Der Zeuge hat noch in mehreren anderen Fällen Verwundete nach dem Krankenhause ge- bracht. Er sagt. das Publikum habe das zu verhindern gesucht und verlangt, daß die Verwundeten nicht nach dem Krankenhause und nicht nach der Unfallstation gebracht würden, weil sie dort von der Polizei festgestellt werden lönnen. Am Abend des 29. September hat der Zeuge gesehen, daß Schutz- leute mit blanker Waffe auf das Publikum schlugen. Der Zeuge meint, die Polizei sei durch die Menge gereizt worden. Der Zeuge sogt, er habe auch gesehen, daß mit Blumentöpfen und Flaschen aus Fenstern geworfen wurde, aber kein Schutzmann wurde durch diese Wurfgeschosse getroffen. Kriminal« b e a m t e hat der Zeuge nur in der Rostocker Straße gesehen, sie mischten sich unter das Publikum und nahmen Personen fest, welche Gewalttätigkeiten verübten oder johlten. Die Festnahme wurde so bewerkstelligt, daß die Beamten die betreffenden Personen ins Genick packten und nach der Wache brachten. Frau Saar ist die Gattin eines Hilfskirchen- dienerS. Sie hat von ihrer Wohnung in der Rostocker Straße au? den Vorgang beobachtet, der damit anfing, daß ein Streikbrecher von einem Kohlenwagen herab auf das Publikum schoß. NeueS kann sie hierüber nicht mitteilen. An anderen Tagen hat die Zeugin gesehen, daß Laternen von barfüßigen Kindern aus- gedreht, aber nicht beschädigt wurden. Die Zeugin hat auch ge- hört, daß eS auf der Straße knallte, sie weiß aber bestimmt, daß das Knallen vvn Feuerwcrkökörpern herrührte, die von Kindern angesteckt wurden. Am 28. September, als die Zeugin abends nach Hause kam, konnte sie eine Schutzmannskette passieren, nachdem sie um Durchlaß ersucht hatte. Wie zart die Polizei Frauen entgegenkam. Als ste die SchntzmannSkette hinter sich hatte, schrie ein höherer Polizeibeamter sie an: Warum treiben Sie sich hier auf der Straße herum? Sir freches, gemeines Frauenzimmer. Mache» Sie, daß Sie von der Straße kommen. Eine anständige Frau treibt sich jetzt nicht auf der Straße herum. Wenn Sie jetzt nicht schnell machen, daß Sir fortkomme«, dann lasse ich Sie verhauen. Vier Schutzleute mit blanken Säbeln gingen der Zeugin nach. Sie trennten sich aber bald und warfen sich auf andere Straßenpassanten. Zeuge Polizciprngeleicn. Zwei Schutzleute ergriffen einen jupgen Mann und schlugen ihn. Ein junger Mann kam ruhig daher, ein Schutzmann rief ihn an: lvohin? und fwlug auch gleich auf den Mann ein. Als der Mann schon auf der Erde lag, wurde noch weiter auf ihn eingeschlagen. Außerdem hat die Zeugin noch andere Fälle beobachtet, wo Straßen- Passanten ohne Veranlassung von Schutzleuten geschlagen wurden. Auch Knnii»albe»wtr, sagt die Zeugin, schlugen mit Stöcken auf jcdrn, der vorbeikam. Hausverwalter Rendel gibt an, er habe von seiner Wohnung Rostocker Str. 13 aus gesehen, daß am 21. September zwei Kohlenwagen vorbeifuhren und daß diese Wagen von Leuten angehalten wurden, die auS dein Pilzschen Lokale kamen. Jeder Wagen wurde von vier berittene» Schutzleuten begleitet, diele hätten aber gegen diese Leute, welche die Wagen umringte», nichts ausrichten können. Ein Polizei- leutnant habe sich bei dieser Gelegenheit sehr tadellos benommen. Der Kutscher des einen Wagens sei durch die Ladentür in das Pilziche Lokal geführt worden. Es handelt sich hier um denselben Fall, der schon bei der Erörterung des Falles Pilz besprochen worden ist. Ter Zeuge Rendel behauptet, er habe während dieses Borganges den Angeklagten Pilz im Laden ge- sehen. Pilz behauptet auch heute wieder, er sei nicht da- gewesen, er habe zu derselben Zeit geschlafen. Der Zeuge muß genau angeben, wie weil er von seiner Wohnung aus das Pilziche Lokal beobachten kann. Es stellt sich heraus, daß er von der Person, welche nach seiner Angabe Pilz sein soll, nur Stirn und Augen sehen konnte, während der ganze übrige Körper turch die Fenstervolhänge verdeckt war. Trotzdem bleibt der Zeuge mit aller Bestininilhcit dabei, daß er de» Angeklagten Pilz erkannt habe. Pilz bestreitet ebenso bestimmt, zu der fraglichen Zeit in semem Laden gewesen zu sei».— Rechtsanwalt Cohn beantragt, eine Lokalbesichtig nng durch das Gericht vorzunehmen. Klempner Schiller hat von seiner Wohnung in der Beuffelstraße aus mit angesehen, wie das 'Ritbcrgersche Bierlokal an der Ecke der EraSmusstraße von einer tumiflstnerendm Menge demoliert ivurde. Die Menge zerschnitt die Rolläden, zerschlug dre Schechen, drang in das Lokal ein. Der Zeuge sah, wie die Laden- kaffe geleert wurde und ei»ige Leute sich den Inhalt derselben in die Tasche steckten. Andere kamen heraus mit Schnapsflaschen und sangen ein Prosit der Gemütlichkeit. Dieser Tumult dauerte drei- viertel Stunden und während dieser ganzen Zeit ließ fich die Polizei nicht sehen. Als dann endlich, nachdem das Lokal demoliert war, die Polizei erschien, lief die radaulustige Menge fort. Kriminalbeamte prügeln Höflichkeiten aus. Am anderen Tage hat der Zeuge folgendes gesehen: Zu einer Zeit, wo keine Menschenmenge auf der Straße war. trat ein junger Mann an einen Schutzmann heran und zog den Hut, anscheinend stellte er eine Frage an den Schutzmann. In demselben Augenblick kanien Kriminalbeamte und hieben fürchterlich auf den jungen Mau» ein. Die Frau des Zeugen, die diesen Vorgang mit ansah, sagte entsetzt: Warum wird denn bloß dieser Mensch verhauen, der hat doch gar nichts getan? Auch uniformierte Schutzleute schlugen mtt Säbeln auf den Mann ein und zwar mit solcher Heftigkeit, daß der Zeuge einen langen Feuerstrahl sah, als einmal ein Säbelhieb vorbeiging und das Straßenpflaster traf. Auch ein anderer Mann bekam Prügel von den Schutzleuten. Der Zeuge sah auf dem Kopf des Geschlagenen etwas glitzern, woraus er schließt, daß der junge Mann stark blutete. Auch dieser Mann kam ganz aller» daher, die Polizei war in keiner Weise bedroht. Außerdem hat eS der Zeuge noch oft bumsen und schreien hören, ohne daß er die Prügelszenen direkt beobachten konnte. Der Zeuge sagt: als sich diese Prügelszenen ereigneten, sei ein höherer Polizei- beamter mit grauem Vollbart zwar nicht unmittelbar dabei, aber doch wohl in der Nähe gewesen. Der Zeuge meint, dieser höhere Beamte hätte die Ausschreitungen der Schutzleute verhindern können. Auch andere unbeteiligte Zeugen des Borgangs seien derselben Meinung gewesen. Der Zeuge wird dem Polizeimajor Klein gegenüber- gestellt und sagt: Das ist nicht der höhere Beamte, den ich gesehen habe. Es wird festgestellt, daß in diesem Falle jedenfalls die Charlottenburger Polizei in Frage kommt. Noch einen anderen Fall von Mißhandlung hat der Zeuge beobachtet. Ein Elkann, der bereits von Schutzleuten geichlagen war und augenscheinlich nicht wußte, wohin er sich wenden sollte, kam an einer Schutzmamisketle vorbei. Ein Polizei- leutnant rief:„Aufgepaßt". Sofort zogeu die Schutzleute blank und mehrere schlugen auf den Manu ein. RechtSanivalt Coßmann beantragt die Haftentlassung seines Mandanten Georg Meyer. Die Zentrale für Jugenderziehung habe sich bereit erklärt, diesen Angcklagten in Obhut zu nehmen. Das Gericht lehnt den Antrag ab mit dem Hinweise, daß die bis» hcrigen Gründe für die Untersuchungshaft fortbestehen. Kriminalbeamte vor. Staatsanwalt Stelzner beantragt die Ladung einiger Zeugen, welche bekunden sollen, daß auch falsche Kriminalbeamte in Moabit gewesen feien. Hierzu beantragt Rechtsanwalt Rosen feld, daß die Kriminalbeamten, welche als Zeugen geladen werden, die Stöcke mitbringen sollen, welche sie in Moabit bei sich führten. Weitere MißhandlungSfälle. Der Zeuge Görlich Witt nochmals vor und fügt seiner Aussage hinzu: Ain 28. und 29. September befahl ein Polizeioffizier in der Rostocker Straße, die Leute sollten so schnell wie möglich in ihre Häuser gehen, da wurden die Leute, welche nach Ansicht der Polizei zu langsam gingen, von Schutzleuten mit flachen Säbelhieben vorwärtsgetrieben. Ein polizcifrommcs Zeugnis. MagistratSbureanassi st ent TeSke hat von: Balkon seiner Wohnung in der Hultenstraße aus folgende Beobachtungen gemacht: Als die Schutzleute mit dem Säbel in der Hand eine Menschenmenge vor sich hertrieben, drehte sich ein junger Mann mir weißem Oberhemd um und feuerte einen Schuß in der Richtung auf die Beamten ab. Ob durch den Schutz jemand getroffen wurde, weiß der Zeuge nicht, er hat auch nicht gesehen, daß der Schütze fcstgenomnicn wurde. Im übrigen, sagt der Zeuge, sei die Polizei nie ohne Veranlassung gegen da» Publikum vorgegangen. Wer sich anständig benahm, sei auch ohne weiteres durch die Absperrungslinien hindurchgelnfse» worden. Einzelne, die nicht schnell genug gi..gen, bekamen, wie sich der Zeuge ausdrückt, einen Klaps. Grundlose Säbelhiebe. Barbier Hilm er sagt ans, er ging am Abend des 23. September mtt einem Freunde in die Bedürfnisanstalt an der Ecke der Strom- und Turnistraße. Ein Schutzmann folgte ihm und schlug die beiden jungen Leute mit dem Säbel. Der Zeuge bekam einen Hieb über den Kopf, und sank sogleich bewußtlos zusammen und wurde bald daraus von Passanten, die den Verletzten in der Bedürfnisanstalt fanden, nach dem Kranken- hause gebracht. Eine 11 Zentimeter lange Kopfwunde war die Folge des Säbelhiebes. Der Zeuge ist bis zum 16. November im Krankenhause behandelt worden. Er betont, daß er ganz ruhig seines WegcS ging, daß auch keine Meuscheumcnge in der Nähe war, die gegen die Schutzleute etwas hätte unternehmen können. Nur ein» zelne Menschen waren aus der Straße, während sich eine größere flfojoM ht eWßtt Entfernung Im Kleinen Tiergarten noch befand. Der Freund des Zeugen ist bei dieser Gelegenbeit gleichfalls dnrch den Gchutzmannssabel verletzt worden und Hai 13 Tage im Krauten- Hause gelegen. An demselben Abend, wo der Zeuge nieder- geschlagen wurde, hat er gesehen, dast ein alter Mann ohne jede Veranlassung»an einem Schutzmann mit dem Siibcl über den Rücken geschlagen wurde. Dabei sägte der Schutzmann zu dem alten Mann: WaS treibst Du Dich auf der Straße herum, Du Saukerl? Auch dieser alte Mann kam ganz allein und ruhig über die Straste. Auf eine Frage des Rechts- anwaltS Heinemann ergibt sich, daß der Zeuge vom Kriminal- kommissar Kuhn vernommen worden, daß aber kein Strafverfahren gegen ihn eingelei�a ist— ein Beweis, daß er nicht etwa durch eine ftrasbare Handlung das Vorgehen des Beamten gegen ihn veranlaßt haben kann. Oberpostassi st ent Haas gibt an. einmal gesehen zu haben, daß ein Stein nach Schutzleuten geworfen wurde, daß zwar Ansammlungen, aber keine Ausschreitungen stattfanden und daß er einmal etwas aus einem Fenster fallen sah und klirren hörte. Ob das ein Wurf war, weiß er nicht. Kellner Braune ging eines Abends durch die Emdener Straße. Die Straße war zur Zeit ruhig, nur einzelne Leute gingen aus dem Bürgersteig. AuS einer Gruppe von Schutzleuten, die auf dem Straßendamm standen, löste fich einer ab und lief einem jungen Mann nach, der ganz allein ging und schlug ihn mit dem Säbel. Um der Gefahr von Prügel au? dem Wege zu gehen, bog der Zeuge in die Tnrmstraße ein. da lam ein Polizeileutuant auf ihn zu. der den Säbel gezogen hatte. Der Polizcileutnant stieß den Zeugen in den Rücken und schlug ihn mit dem Säbel über de» Kopf. Zwei Hiebe durchschlugen den Hut und verletzten den Kopf des Zeugen. Ein dritter Gabelhieb streifte seinen Arm. Frau Baar, dieGattin eineSKanzleisekretärS. sogt: Aach ihren Beobachtungen sei die Polizei stets höflich und rücksichtsvoll gegen das Publikum gewesen und sei nie ohne Ber- anlasiung gegen die Menge vorgegangen. Andererseits hat Me Zeugin auch nie beobachtet, daß aus derMenge «Gewalttätigkeiten gegenSchutzleute erfolgt find. D« telephonisch herbeigerufene Pvlizeilrutnant Folte wird den Zeugen Noa und Krausch gegenübergestellt. Er bestreitet, daß er den Mann, welcher flch unter dem Wagen verkroch, mit dem Säbel gestochen habe. Diese Angabe der Zeugen müsse ein Irrtum sein. Den Mann unter dem Wagen habe er wohl gesehen, ein Schutzmann mit dem Säbel in der Haud habe den Mann unter dem Wagen herausholen wollen. Er. Polizeileutnant Folte, habe aber den Swutzmann davon abgehalten. Denn der Widevsiand des MauneS unter dem Wagen fei ja bereits gebrochen gewesen. Aus diesem Grunde fei der Mann auch nicht festgenommen worden. Polizeileutnant Folte sagt, er habe auch nikbt gesehen, daß der Schutzmann nach dem Manne unter dem Wagen ge- stachen habe. Der Zeuge Krausch tritt dicht an den Polizeileutnant Folte heran, sieht ihm ins Gesicht und sagt mit fester Stimme: Der Mann war von Schutzleuten niedergeschlagen, er lag wehrlos und hilflos am Boden, unmittelbar vor meinem Balkon. Die Schutz- leute rückten vor und da lanicn Sie, Herr Leutnant, mit dem Degen in der Hand und stießen immer auf den Man» zu. Dann kroch der Mann unter den Wagen und Sie, Herr Lentnant, stocherten unter dem Wagen nach ihm. Das haben außer mir noch mehrere Zeugen mit angesehen. Polizeileutnant Folte: DaS bestreite ich ganz ent- schieden. Ich kam erst dazu, als der Mann schon unter dem Wagen lag und habe den Schutzmann, der ihn hervorholen wollte, zurück- gehalten. Aus eine Frage vom Verteidigertisch sagt Polizeileutnant Folte: Ich streite nicht, daß ich blank gezogen und geschlagen habe, aber stechen, das ist nicht meine Manier. Wie Männer und Frauen mißhandelt wurde». Kaufmann Köln kam in Begleitung seiner Schwester und Schwiegermutter an die Ecke der Turm- und Hutlenstraße. Die Straße war abgesperrt, die drei Personen wurden zwar hindurch- gelassen, aber der Zeuge bekam einen Schlag von einem Kriminal- bcamten, der eine Verletzung im Gesicht zur Folge hatte. Frau DamS, die Schwiegermutter des Zeugen, bekam einen Schlag über die Schulter. Sie flüchtete sich in die Gotzkowsky- straße, da belam sie noch einen Schlag und dabei ilbrie sie jemand, anscheinend ein Kriminalbeamter an: Verfluchte Trine, mach, daß Du von der Straße kommst! Dann bekam sie noch einen Schlag, und der Mann, der sie schlug, sagte: So, für heute ist cS genug, morgen kannst Du mehr kriegen! Die Straße war bei dieser Gelegenheit menschenleer, niemand war in der Nähe, der der Polizei Widerstand leisten konnte; außer den Leuten in Zivil, welche die Frau DamS schlugen, waren auch uniformierte Schutzleute in un- mittelbarer Nähe. Die telephonisch herbeigerufenen Polizeileutnants Schäfer und Sommer werden der Zeugin Saar gegen- üvergestellt, aller sie vermag in keinem von beiden den Beamten zu erkennen, welcher sie beschimpfte. Ein Zeuge, der nur SäSrldewegnngea gesehen hat. Oberpostassistent Wesenberg sagt, die Polizei Habs sich musterhaft benommen. ES sei schmachvoll, daß sie sich von der Menge habe provozieren lassen, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen. Die Menge habe mit Steinen geworfen, aber trotzdem hätten die Schutzleute sich vollkommen ruhig verhallen. Der Zeuge sowie feine Angehörigen seien immer ungehindert durch die Absperrrmgslinien hindurchgekommen. Wenn sich Menschen angesammelt hatten, dann hätten sie auf die Schutzleute geschimpft und wenn die Schutzleute gegen die Menschen vorgingen, dann hätten diese wohl die Bewegung des Schlagens mit de in Säbel gemacht, aber o b sie wirklich schlugen, hat der Zeuge nicht gesehen. In der Mensch-nvrengo hat der Zeuge Leute, die er für Kriminalbeamte hielt, und die Hunde bei sich halte», gesehen. Die Sitzung wurde hierauf geschloffen. Am Montag wird wieder der Fall Pilz erörtert. «mttickier Marktberlcht der ftSdttlchen Marttballen-Dtrektton ad» den Mroylumdet in den ZeuNal-Maikt ballen. Mark: läge: glei'ch, Zufuhr schwach, Belckalt still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich. Äcickäst nicht lebhaft genug, Preise sast unverändert, ä e» f 1 fi g e I: Zufuhr genügend. Geickast etwas lebhafter, Preise seit. Mische Zusuhr reichlich, Geschäst ohne Kaufluft, Preise nachgebend besonder» für O echte. Bulter und Käse: Geschäft ruhig. Prelle unverändert. Gemüse. Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. «äi iternngsudrrsieti» vom 10. Dezember 1910, morgen» 8 lldr. Statten en M Bettet Swmemv» 752 SSW Hamburg 75l>OSO verlin 75t S jranti.a M 749 O München 1751 SO Wien 754 S 1 Nebel »Nebel t bedeckt t Dunst 2 Nebel t bedeckt >»« P & •tattraen tt tl *7» Havarmida 750 33 SS Petersburg 763 SA! Scillh 727 S elberde«» 736 SSO Part,>742 SSO! 6 bedeckt 1 bedeckt 5 bedeckt 4 Regen 4 bedeckt l l\ 10 8 0 BSettervrognoke für Sonntag, de« 11. Dezember 1910. Mild und zeitweise heiler, vorwiegend neblig oder wollig mit leichte» Regensällen und ziemlich lebbasten südlichen Winden. Unserem Meister, Herrn Aldrrt itorchardt A.« dl« herzlichsten Glückwünsch zur silbernen Hochzeit. 01«»»«Iwrit. Fa. Samuel Meyer ! .___B-EDpsverkaüI! Rixdorf, Walterftrafte, Ecke Knesebeckftr.. Kohleuplah.«. Vlot«.* Haut* u. Harnleiden, BlMen- u. N lerenlelden, vorzeitlge Schwäche ic. behandelt ohne Quecksilber n. ohne Einspritzung mit nach- weisbar bestem mfolge SPezialarzt vr. meck. Geyer, Schoneberg, Grunewaldlir. 100, am alt Bot. Gart. Sprichst. 9—1 u. 6— 9, Sonntag» nur bis 12 Uhr. is- Nachweis In alfen frisch u. veraltet, cweifelhaft Fäll, durch wlssenschastl. Unteisuchung. sosort z de»gl. Har-n-(spez. aus Go- norrhoe-ffäden) u. Sputiim-Analhsen. Or. Horneyer& Co., Spezial-Laborat., Friedrichstr. 189, ,n>. Kronen- und Mohrenstiatz«), I.»724. Pers. Rückspr. dislr. u. tostenl. Geöffnet von 8—3 Sonntag, von 12— 1.__• jeder Art vom einfachsten bis feinsten Genre, direkt aas der Fabrik. 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"'S € AsM 'I�V, wwb WW Die Überlegenheit des niemals auszuwechselnden Saphirstiftes gegenüber der ständig zu erneuernden und trotzdem jede Schallplatte dauernd angreifenden Stahlnadel ist in die Augen springend. Die Pathe-Platte aber ist das Ideal einer Platte, denn sie vereinigt mit der größten Tonfülle, Tonschönheit und Tonreinheit der Wiedergabe eine nahezu völlige Unzerstörbarkeit der kostbaren Oberfliche. Eine Pathö-Platte wird noch nach Jahren und nach dem strapaziösesten Gebrauch genau so rein und schön erklingen, wie beim ersten Male. Diese beiden epochemachenden Verbesserungen werden mit noch nie dagewesenem Enthusiasmus begrüßt werden, sie sichern der Sprech maschine nunmehr den ihr längst gebührenden Platz in Jedem Hause, In jeder ramilie. 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Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Fidelio. Ansang Tl, Uhr. Neueö königl. Opern- Theater. Sonntag: Othello. Montrg: Unbestimmt. Dienstag: Othello. Mittwoch: Iphigenie. Ansang S Uhr. Donnerstag: Othello. Freitag: Sappho. Anfang 8 Uhr. Sonnabend und Sonntag: Torquato Tasso. Montag: Unbestimmt. Anfang 7>/, Uhr. Königl. Sltianipiethaus. Sonntag: Der Störenfried. Montag: Wallensteins Lager. Die Piccotomini. Dienstag: Der Störensried. Witt- woch: König Richard III. Donnerstag: Der Störensried. Freitag: Der ftramrvs. Sonnabend: Wallensteins Tod. Sonntag: Der Störensried. Montag: Der Familientag. Ansang TL Uhr. Deutsches Theater. Sonntag: Othello. Montag: Faust. Dienstag: Othello. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: Othello Freitag: Sumurstn. Sonnabend und Sonntag: Othello. Montag: Herr und Diener. Ansang VI, Uhr. Deutsches Theater(K a m m er s v i e I e). Sonntag: Ein Engel Montag: Di« Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Diens- tag: Ein Engel. Mittwoch: Der verwundete Bogel. Donnerstag: Ein Engel. Freitag: Gawan. Sonnabend: Der verwundete Vogel. Sonn- tag: Ein Engel. Montag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Ansang 8 Uhr. Lessiug-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tantris der Narr. Abends: Anatol. Montag: Baumeister Solneß. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Anatol. Freitag: Wenn der junge Wein blüht. Sonnabend und Sonntag: Anatol. Montag: Hedda Gabler. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Abends: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Pariets. Montag bis Sonnabend: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Pariets. Eonntagnachmittag 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Abends und Montag: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Variöte. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Der Zerrissene. Montag: Wann kommst Du wieder? Dienstag: lieber unsere Kraft. I. Teil. Mittwoch- nachmittag 3 Uhr: Frau Holle. Abends und Donnerstag: Der Zerrissene. Freitag: Wann kommst Du wieder? Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Frau Holle. Abends, Sonntag und Montag: Der Zerrissene. Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Einer von unsere Leut. Abends: Der Talisman. Montag: Der scharse Junter. Dienstag: Der Talisman. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Macbeth. Abends: Taifun. Donnerstag: Der Talisman. Freitag: Der scharse Junker. Sonnabend- nachmittag 3 Uhr: Macbeth. Abends: Der Talisman. Sonntagnachmsttag S Uhr: Pension Schöller. Abends: Der Talisman. Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Täglich: Der G. m. b. H.-Tenor. Ansang 3 Uhr. Moderues(Hebbel-) Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Allabendlich: Der Doppelmenfch. Ansang 8 Uhr. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tosca. Abends: Die Bohsnis. Montag: Zigeunerliebe. Dienstag: Die Boheme. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Die Boheme. Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Die Boheme. Sonntagnachmittag 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Abends: Tiefland. Montag: Tiefland. Ansang t Uhr. Ausstellungstheatcr am Zoo. Sonntagnachmittag 2'/, Uhr: Oedipus aus Kolonos. Täglich abends 8 Uhr: Der Fremde. Thalia-Thcater. Sonntag. Montag und Dienstag: Polnische Wirt- schast. Mittwochnachm. 3 Uhr: Hänsel u. Gretel. Abends: Polnische Wirt- ichast. Donnerstag und Freitag: Polnische Wu tschast. Sonnabendnachmiltag 3 Uhr: Aschenbrödel. Abends, Sonntag und Montag: Polnische Wirtschast. Ansang 8 Uhr. Schillcr-Tkeater v. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. ZIbendS: Robert und Bertram. Montag: Wallensteins Tod. Dienstag: Der Dumm- kops. Mittwoch: Prinz Friedrich von Homburg. Donnerstag: Die Fee Caprice. Freitag: Sodoms Ende. Sonnabend: Die Kreuzelschreiber. Sonniagnachmittag 3 Ubr: Die Ehre. Abends: Prinz Friedrich von Hom- bürg. Montag: Sodoms Ende. Anfang 8 Uhr. Tctnllrr- Theater<5harlotteuburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends: Die Macht der Finsternis. Montag: Die Fee Caprice. Dienstag: Der Bund der Jugend. Mittwoch: Das Urbild des Tartüff. Donnerstag: Der Bund der Jugend. Freitag: Das Urbild des Tartüff. Sonnabend: Der Bund der Jugend. Sonntagnachnüttag 3 Uhr: Egmont. Abends: Die Fee Caprice. Montag: Der Dummkopf. Ansang 8 Uhr. Friedrich-Wilheliustüdrisches Schausvielhaus, sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Räuber. Abends: Hosgunst. Montag: Die versiegelte Venus. Dienstag: Hosgunst. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Die Hermannschlacht. Abends: Hofgunst. Donnerstag: Die Hermannschlacht. Freitag: Hofgunst. Sonnabendnachnuttag 3 Uhr: Die Hermannsschlacht. Abends: yosgunst. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Hosgunst. Ansang 8 Ubr. Neues Operetten- Theater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Corneville. Abends: Der Gras von Luxemburg. Täg- lich: Der Gras von Luxemburg. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Corneville. Abends und Montag: Der Gras von Luxemburg. Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/« Uhr: Die geschiedene Frau. Abends: Das Puppenmädel. Montag und Dienstag: Das Puppen- mädel. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Rotkäppchen. Abends: Das Puppen- mädel. Donnerstag und Freitag: Das Puppcnmädel. Sonnabcndnach- mitlag 3 Uhr: Rotkäppchen. Abends: Das Puppenmädel. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Die geschiedene Frau. Abends: Das Puppenmädel. Montag: Das Puppenmädel. Ansang 8 Uhr. Trianon- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Frl. Josette— mein: Frau Abends: Der heilige Hain. Von Montag ab allabendlich: Der heilige Hain. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. Abends und Montag: Der heilige Hain. Ansang 8 Uhr. Residenz-Theater. Täglich: Der Unlcrpräsekt. Ansang 8 Ubr. Berliner Bolls-Oper. Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Martha. Abends: Die DollarPrinzejsin. Montag: Don Juan." Dienstag: Zar und Zimmermann. Mittwoch: Die Dollarprinzessin. Donnerstag: Martha. Freilag: Der Freischütz. Sonnabend: Robert der Teusel.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag: Robert der Teufel. Montag: Der Freischütz. Ansang 81/, Uhr. Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Deborah. Abends: Berlin geht zu Bett. Montag: Hasen, anns Töchter. Dienstag: Preziosa. Mittwoch und Donnerstag: Der Registrator ausReisen. Freitag: MudickeS Reise nach Indien. Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Zwerg Nase. Abends: Der Registrator aus Reffen. Sonntagnachnüttag 3 Uhr: Preziosa. Abends: Mudickes Reise nach Indien. Montag: Hamlet. Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. Sonniagnachmittag 3 Uhr zum ernenmal: Der Herr Senator. Abends: Der Feldherrnhügel. Allabendlich: Der Feldherrnhugel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Leuwantsmündel. Abends und Montag: Der Feldherrnhügel. Anfang 8 Uhr. Metropol- Theater. Allabendlich: Hurrat— Wir lebe»«ochl Ansang 8 Uhr. Herrnfeld-Theater. Täglich: Eine verlorene Nacht. Der Derbysteger. Ansang 8 Uhr. Casiuo-Theater. Sonntagnachmittäg 3fl, Uhr: Der Hochmutsteusel. Allabendlich 8 Uhr: Julie Wippchen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Weih- nuchten. Rose-Tbeater. Sonniagnachmittag 3 Uhr: Die Millioncnerbitl. All- abendlich 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Folios lsapriee. Allabendlich bis aus weiteres: Der Feldwebelhllgel. Anfang 8'/, Uhr. Zlvollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Sonn« tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Passage- Tdearer. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten Mabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichshalle«, Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang 3 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich: Bravo! Da capo l Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Sanssouci. Allabendlich: Ach, die Kerls. Spezialitäten. Ansang 8'/« Uhr. Carl-Haverland-Tbeatcr. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Urania- Theater. Taube, ntr. 48/49. Sonntag: Der Bierwaldnätter See und der Gotthard. Montag: Konstantiiiopel'und das Goldene Hont. Dienstag und Mittwoch: Der Vierwaldstätter See und der Gotthard. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Städte und Länder der Kronprinzen- reise. Sonntag: Vierwaldstädter See und Gotthard. Montag: Unbestimmt. Ansang 3 Uhr. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Leekster Wahlkreis! Tonntag, den Ii. Dezember ISIV, abends K'/z Uhr. im Prater-Theater, Kastanien-Allee 7—9: Oeffentiicfye poliMche Versammlung für tfiänner und Frauen. Vortrag des Landtagsabgeordneten Heinrich Ströbel. Nach der Versammlung: 3e3Sc&IVS8HGHSGSR1a Tanz 30 Pf. 2ä\in* Der Elnbcrufer. Paul Dobrohlaw, Ichliemannstr. 39. Verwaltung Berlin Montag, den 12. Dezember, abends S'/z Uhr(gleich« Feierabend): MgUeäer Vsrssmmwngvn. TageS-Ordnnng: 1. Bericht van der Generalversammlung. 2. Verbandsangelegenheiten. jM- B c r s a m m l n» g S l o k a l e t Tischler. Südwesten S Habels Brauerei, Bcrgmanustr. S— 7. Süden» bei Grasshoff, Admiralstr. 18c. Osten I: bei Merkows«, Attdreasstr. 26. Nordosten: bei Boeker, Weberstr. 17. Bautischler, Bez» 3(Korden n. nördliche Vororte): bei Gliesche, Kopcnhagener Str. 71. Polierer, Osten: im Ostkasiit», Frankfurter Allee 100. 1. Punli der Tagesordnung: Vortrag dcS Kollegen N i g b u r: „Worin besteht die Macht der Arbeiter". Polierer, morden: im Gefcllschaftshaus» Swine- uiiinder Straffe IS. Nlsschönenerheften. Osten, Nordosten und östliche Vororte: Oft-Kasi»o, Frankfurter Allee 100. Südosten und Rixdort: im Reichen berger Hof, Reichenberger Straffe 117. Norden: bei Obiglo, Schwedter Straffe»z. 31/16 Südwesten: bei Saff. Horustr. s. SchÖneherK: m Kuschke. Meininger Straffe 8. Deutsctier Kürschner- Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: NO. 43 Barnimstr. 21. Tel.: Amt VII 6733. Donnerstag, den lo. Dezember, abends 8 Uhr: AußcriirdeiiMc Griirriiliitrsliiiiiiiliilig in den»Musikersälen�, Kaiser-Wilhelm-Str. 18d. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Beginn FrledUlnder:„Dir Stellung der Frau in der heittigeu Gesellschaft". S. Distussion. 3. Anstellung eines zweite» Kollegen und Wahl desselben. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen erwarten wir eine zahlreiche Beteiligung. 102/20 Die Ortsverwaltung. Möbel, Spiegel Kastanien-Allee ii. Polsterwaren JUIIUS JUtUISc� Nr. 40= Kompl. Wohnungseinriclitungen zu anerkannt soliden Preisen. ---------------- Tellzahlnng gestattet.===== Nerkiuigte Maurergesellen Kranken- nnd Sterdekasse \\\ Charlattenbnrg. Sonntag, den 18. Dezember 1010 vormittags lll Uhr im Kassenlolal, Spreestr. 17: Leoeral-Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes und Ausschusses. 3. Ver fchicdenes. 2S0lb Der Borstand. Orts-Krankenkafse der Tabakfabrikardeiter zu Berlin. Einladung zur 297/16 Austerordentlichen Genrrat-Nersammlung am SO. Dezember, abends S1/, Uhr, nach Weinstr. 11(früher Feindt). Tagesordnung: 1. Protest gegen die in der Ordent- liche» Gcncral-Versammlung vom 28. November d. I. vollzogene Wahl von 2 Vorstandsmiigliedcrii. 2. Beschwerde über die Geschäfts- sührung des jetzigen Vorstandes. Der Borstnud. |' Obst- und Stidfrüchte ][ zu den billigsten Preisen empfiehlt! ,, Franz Albrccht Xacht.,! ,,» Forsterstr. 17. Pelzwaren jeder Art. GroBes Lager neuetter Fassons. 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Dezember und Freitag, den 16. Dezember finden in den unten angeführten Zahlstellen und Bezirken gemeinsame Bersammlungen der Mitglieder des ZenlraloerbandcS der Maurer und des ZentralvecbandeS der baugewerblichen Hilfsarbeiter statt. Alle tn den in Frage kommenden Bezirken wohnenden Mitglieder beider Organisattonen werden hierzu dringend eingeladen. Sonntag, den 11. Dezember, vormittags 1« Uhr: sttorden I u. II bei Obiglo, Schwedter Straße 23/24. Lllllzvesten bei Habel. Bergmannstr. 5/7. Montag, den IS. Dezember, abends 8 Uhr: Oranienburger Vorstadt in den„Borussiasiilen", Ackerstr. 6/7. Lcböneberg in den„Neuen RathauSsälen". Meininger Straße 8. Dienstag, den 1». Dezember, abends 8 Uhr: liixdork bei Wolf, Kirchhofstr. 41. Uedding bei Raabe, Kolberger Straße 23. Süden im„Märkischen Hof", Admiralstr. 18(3. 139/15* Osten I bei Litfin, Memeler Straße 37. Donnerstag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr: Moabit in der Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 23. Wilmersdorf bei Rietfche, Gasteiner- Ecke Holsteinische Straße. Freitag, den 1«. Dezember, abends 8 Uhr: Westen bei Wremers, Bülowstr. 58. Vollzähliges Erscheinen erwarten Die Obleute. i Ii l„ W»tfa vis-ä,-vis Strauß» berger Platz. Reparaturen und Aenderungen usw. Nach beendetet Sngros• Saison Einzelverkauf zu Engros- Preisen. R. Michaelis, Tadellov IM. A wöchentliche Teilzahlung liefere elegante HerreoModen Fertig und nach Mass Garantie für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung S. Boltnch Herren- Schneiderei Frankfurter Allee 75' Eingona Tllslterstraise. S. Kaliski SpeziatgeschSft(Dpi Nähmaschinen, Kintfer- wagen, Mefallbettsteilan. (auenlzlen-ttratsa 5. Belle- Alliance- Strasse 4. Chaussee-Slr. 80 Brunnen- Strasse 173 u.82. Fraeklurlor Mlee124. Oranien-Str 2a. Beussei-Straase 18. Charlottenburg, Scharren-Str 2. Winncrsdoifer Stiassa 131, Tegel, Berliner Straiaa 18. 'S � SchnellnSher - i|ahr. Garantlt. Singer A 55.00 UntemaM gratis. Slnger-B. 67.50 Singer Prlina Teraeokhar 94.50 Nobbin ver- aeokb. 145.00 FUr ErwaDtis. Kinder Betttedeni Matratzen M Kaslenwaseu mit Gummi- rädern 85.00 KiUilMlIM FesteKasBapr.,aucb bei 2 Katen. Für Nfthmaeehinon mooatllohe Raionsablunx geaUtlat, / Theater und Vergnügungen DOD m -- □□□ □DO (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, denll. Dezember, nachmittags S Uhr: Neue» SchnuIpiclbauS. S. Abteilung lGruppc tS— 22): Monna Vanna. Thalia-Theater. 8.J9. Abteil.(Gruppe 36—39): Kamps. tzerrnseld- Theatsr 11. Abteilung (Gruppe 47—49): Der Herr Teualar. Residenz-Theaterv 9.— 10. Abteilung (Gruppe 40-41): Di« 300 Tage. M ontag, den 12. Dezember, abend» 8 Uhr: Neue» SchauiPielhauS. IG. III N b en d» adteilung: Wann kehrst Du wieder. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den Ii. Dezember, nachm. 2'/, Uhr: Deutsche» Theater: Die Räuber. Rammcrspiele: Wawän. Nachm. 3 Uhr: Neues Theater: Tarlüsf.— Die Geschwister. Neues Operetten- Theater: Die Glocken von Corueville. Kleines Theater: Joachim von Brandt. Schiller-Tbcatcr 0.: Die Ehre Schiller- Theater Egi Charlottenburg: rgmont. Metropol-Theater: Pariser Leben. Neues VolkS-Theatcr: Ueber unsere «rast. Abends 8'/, Uhr: Neue» Volks-Theater: Der G'wissenS- wurm. Montag. Millwoch, irret- tag: USbrand. Dienstag, Don- nerStag, Sonnabend: DerG'wissenS- wurm. Montag(BolkS-Oper): Don Juan. Sonntag(11. 12.), abends 8 Uhr, kkfll. Hochschule für Musik: Beethoven- scier. l�essinx-Iliester. S Uhr: Tantriö d. Narr. 8 Uhr: Slnatol. Montag 8 Uhr Jbsenzyklu», S. Vor- slellung: Baumeister Solneh. Modernes Theater (frOher Hedbellheater). Abends 8 Uhr: _ Doppel mcnMch._ Berliner Theater. Abends 8 Uhr: l>er Talisman. Nachm. 3 Uhr: Einer von unger« leut. Neues Tiieater. räglich: Iii>!.It!i.l.-f». Ansang 8 Uhr. IKeater des Westens. 8 Uhr: Das PappenmHdcl. Mittw. u. Sonnab. 4 Uhr: Rolkäppchen. Sonnt. 3'/, 11.: DI« geschienene Frau. Berliner Volksoper Nachm. 3'lf Uhr: Martha. 91/, Uhr: Die Dollarprinzessin. Residenz-Theater. Direltton: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Unterprüfekt. Schwank in 3 Akten v. Leon Gandillot. Morgen und solgende Tage: Der Unterprüfekt. L-uisen-Theater. Nachmittag« 3 Uhr: D« 1> o r a 1». Abends 8 Uhr; Berlin geht zu Bett. Posse mit Gesang u. Tanz von Einst Ziilterseld. Musik von Leonard. Montag: HasemannS Töchter. Dienstag: Preztola. Mittwoch und Donnerstag: Regi- strator aus Reisen. Freitag Premiere: Mudickes Reise»ach Indien.�__ Urania. Wiesen schaftlich es Theater Taubonstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Tlcrwaldstütter See and der Clotthard. Montag abend 8 Uhr: Erwin v. Paska: Konstantloopol and das Goldene Horn. OSE-THEATE Groge Frautiurlei Str. 132. Nachm 3 Uhr halbe Preise. Die MilliotltUkrbiu. LebenSb. i. 3 Akt. v. Schähler-Peraftui. Slbend» 8 Uhr: Der Kaiserjäger. Komödie in 3 Alien von Brennert und Ostwald. Morgen und solgende Tage: Der «aiserjüger.___ �riedricti-Wilhelinstädtisciies Schauspielhaus. Ponntag, 11, Dezember, abends 8 Uhr: llofgnnHt. Nachmittag 3 Uhr: Die Rüubrr. Montag: Die oerftegelte Jungjrau Dienstag: Hosgunst. Un»�»p»slkanss Abends 8 Uhr: Der D-cidtiorriiliitirel. Nachm. 3 Uhr zum erstenmal: Der H-m Senator.__ Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der heilige Hain. Kalser-Panornma. 4. Reise am schönen Rhein. Besuch v. Berchtesgaden. Talzbergivcrk-Äönigscc?c. Eine Reise 20 Ps.. Kind nur>0 Ps Slbonnem. 1 M. Taus. Abonnenten. 7� öliitbnor- iOtzow- Saal Strale. Heute Sonntag, abds 7li, Uhr: Konzert dos Blülitoer- Orchesters. Dirigent: Kapellmeister Br. Weyersberg. Solisten; Berren*(Cello), Möbus(Piöte). Entree 75 Pf. Retropol-' Nachmittags Theater. 3 Uhr: Pariser Lebe«. Zlbends 3 Uhr: Rauchen gestattet. Hurra! Wir leben noch! Grohe AuSstatlungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund Musik v. V. Holländer. I» Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Passage-Panoptikuni. Der bearnalslscbe B Kiese linssore u ist 110 nun g-rdßer als Machnow lebend sn sehen! Ohpe Extra-Kntre Passage-Theater. 2 VoFStellsüigen. NachmlttaD« 3—7 Uhr klein« Preise. Abends 8 Uhr; Hedi Herdina. Norman French. Und das Folies Caprice. r Schnitzel Komiker Solo-Teil: Der Dorlmusikant. Morgen und solgende Tage: Der Ftldlvthrlhügel Bfeaes Prog-rfimm! Liane d'Eve Exoentriquo frangoise in ihrom Transformationsait: umrahmt von einer Auslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. Hänchen gestattet! QSJ- Heute:"Mg 2 Große ¥orstel!iißp 2 Das' vollständig neue Sensations- Programm Halbs PreiSB. �oUschuhöa� Kurtlirstendamm 151 Heute geöffnet! 11 bis 2 und bis 12 Konzert 12 bis 2 und 3® bis 12 Hcliiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Sonntag, nackm. 3 Uhr: Die Ehr«. Drama in S Akten v. H. Sudermann. Ende S'/, Uhr. Sonntag, abends 8 U b r: Robert nnd Dertram. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Raeder. Ende 10'/, Uhr. Montag, abends 8 Uhr: WaÜenstelns Tod. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Duuimkopf. -Theater. Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Exinont. Ein Trauerspiel in füns Anfzügen von Goethe. Ende 3 Uhr. Sonntag, abendS 8 Uhr: DI« Hncht der Piiisternls. Schauspiel in 5 Akten von Leo N. Tolstoi. Ucbersctzt von R. Löwenseid. Ende 10»/, Uhr. Montag, abend« 8 Uhr: Dl« Pv« Caprice. Dienstag, abtno» 8 Uhr: Der Band der Jagend. Castans Panoptikum FnÄc.hjrie.,l.65 Größtes Schau-Etablissement Berlins. Cfroßes Ktinstler-Konzert und Speslalltltten-Vorstellaiig. TiigHch geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. Ausstellungshallen am Zoo Theater- Ausstellung Geöffnet 10 bis 8 Uhr Konzert: ElnUdshofer Eintritt 1,00 Harle, Kinder 50 Pfennig. Sonntag: 50 Pfennig. Portal IV Marionetten« Theater Münchener Kfinstler Nachm. 5 Uhr; Uastlen und llastleune Komische Oper von W. A. Mozart. Nachm. 6 Uhr: La serva padrona. Abends 8'/, Uhr: HOnlg Vlolon nnd Prinzessin Klarinette. Hierauf: Das Httdchcn von Elizundo. Komische Oper von J. Odenbach. Billetts a I, 2, 3 n. 4 Mark bcrecbtlgen auch zum Besocb der Theater- Aasstellong. 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Wem gehört das Kind? Humoristisch. 7. Der ßohn des Gendarmen. Drama. Farben-KinematOgr. 8. Tontolini lernt Xrompeto blasen. 9. Nur Du...... Walzorlied, Tonbild. Preise der Pllltse: «. Parkett SO ff.». Parkett SO Pf. Im 1. Rang: Sclteuloge 75 Pf., Mittelloge 1 M. 1 Anfang:——— Wochentags 6 Ehr abends. Sonntag 8 Uhr nachm. Sonntag, den 11. Dezember: 2 GroSe IMIluop 2 Nachm. 3'/, Uhr u. abend« 7'l, Uhr. Nachmittags bat jeder Erwaäiiene 1»lind unter zehn Jabre» frei aus allen Plätzen auszer Galerie, jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise. In beiden Borstclluugcn Peiclilisltixes Programm. Neul Maud Elton mit ihrer Hiiiideiiicnte. Neu! Srlbini-Druppe, S Pers., Siadtahrer und Rollschnhläufer. sowie die übrige» Zlttrakiionen. Der grolle Oonp ft'l, Ulir. der v, Uhr. Sehmuggier Nomantilche Pantomime in 4?lkt. Casino-Theater Lobringer Strafte 37. Täglich 8 Ubi. Das Original Berliner Bolksstück Jnlie Wippchen. Urberliner Humor I Urberliner Typen I Im Stdi der ehem. Wallner-Bnhüe. Vorher erftk!.ssiger bunter Teil. Sonnt. 3'/, Uhr: Oer Hochmutsteufel. Neuer Spielplan Beginn 3 Uhr. LIGHTSPIELE Mozart-Saal. II Hauptrolle: leset Giampietro. Burgtlieater- Festsäle und Kinematograpb vorm. Groterjan. Jnbab.: Rud. Herz, Zchönhausci Allee 129. tri. 3, 9353. Eebcnde Photographien. Einlrl» 30 u. 40 Ps., Kinder die Hülste. Ans.7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskartoo. nur wochcnt. gültig, 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechs. Programm- Dergröhte Schlager der Theuter Saison 19lö. Lineverlokeneiischt Ein lustiger Trauerfall In zwei Alten von flittoii und Donat Hcrrnseld. Vorher: Der Dcrby-Sieger. Vorvertaus 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. keicÄilen-Theaiei'. Stettiner Sdnger. Weihnachts• Programm! „Bei Vuter'n" WelhnachtSbild v.Meysri. Ansang wochenwgS H Uhr Sonntags 7 Uhr. Alt-Uoahlt 47/48. Sonntag, den 11. Dezember: Schwank in 3 Auszügen von Branden THvinaS. Kassenervfsnuiig 6>/„ Ans. 7'/- Uhr. Nach der Vorstellung: MI" Tanz. Hochbahnstation Kottbuscr Tor. 7 Uhr: DSK- Koneert. 8 Uhr: Epczialitiiteu. »'I. Uhr: V. VmIcSki mit Gelang und Tanz vvn W. Gerick». Zirkus busek 2 2 ?? Sonntag, den 11. Dezember: Große außerordentliche '" u Nachmittags S'/i Uhr und abends 7'/, Uhr. Nachmittags 3'/, Uhr zahlen Kinder nnter IV Jahren auf allen SihPlSüen halbe Preise. (Galerie volle Preise.) In beiden Borstellunge«: Vonozä»" in voller Nufführnng. In beiden Borstellnugen: Iks 14 Fezzanl Herr Direktor Pierre Atthoff, Frau Direktor Adele Althoff mit ihren berühmten Freiheit«* dreffuren. Die berübmle Reiter* samiiie Fredlani. Die komischen ZladsahrkünsUer Gebr. Ramsel. Vorsühren und Reiten der best dressierten Schul-, FreiheitS- u Springpscrde. Sä mtl. ClownS mit neuen Witzen und Spähen. Köiiigsiadt-Kasino. Holzniarttilr. 72, Ecke Aleyanveritrabe, Täglich: Franzi Sohanskl. Neu I Getch«. Gau. Uaz Neeaiee. Albert Nicolaus. Gösch«. Sundermann. Mstr. Maximilian, musitoL Clown. Moll* Verch usw. Enter der blühenden l inde Bivgroph-Vorsührungen. Ansang 8 Uhr. Sonntags 6'!, Uhr Karl Haveriand- Ansang Thasfoii Kommandanten» LÖJ. 7'/,U. lucalcr. sttafte 77,79. praz Tie ivunderbaren neuen lleiemver'bpöZiaiiiäleii. urlomis' Sachse. Hz»!- Poblmann, Bosporus am MorUzplatz. gente: Aas phiinninrnnit Derrmber-Progrnmm. Ansang 6 Uhr. Kassenöffnung 4 Uhr. Von tl— 2 Uhr: Tanz. Wallialla-Tlieater. �Rosenth.Tor.) WeinbergSw. 20 1 Anfang 8-/.«Hr. vezornber* Allerneueste« I jUravo!— Da Capukl �HneAllerweltS-Revue in SBildl «vT» Szene gesetzt v. Dir. I. Klein.j ss oerb.m. neuen Couplets, Ein* lagen u Seniglionen U. liiealer lies«Mings MQIiiirttr. 182/183— Sellerstr. 35. Täglich vor anSvei laustem Hause: /kkUNillnÄS Drama In zwei Alten von Urban Gad. Außerdem da» neue grotzarltg« Programm._ V«Igt-Theater Eesuuobrunnen, Badslratze 68. Sonntag. 11. Dezbr., nachm. 3 Uhr» Die Bluthochzeit. ''eS Gemälde In 2 Abtellg. und 6 Akten von Friedrich Avami. AbendS 7 Uhr: Hans Sachs. Schauspiel in 4 Auszügen v. Johann Ludwig Deinhardstein. Die Theaterkasse ist von IG Uhr vormittags ab geöffnet._ Thtatrr Sonntag, den 11. Dez.: ntt: Das Preise der 811.: D Preise der Montag: „Eroß-Ktriju". iudlmz Theater4' Recht der Mutter Plätze: 20. 30, 60 Ps. ie Räuber. 30. 60. 76, 100 Pf. Die Räuber. KI. Pr. Rixdorf. Hermaiinstr. 20. Sonntag, den 11. Dezember 1910: Der Hund von Aaskrrvtlle. Detektivkvmödie in 6 Akten v. A. Sachse. Montag, den 12. Dezember 1910: Der Hüttenbesttzer. Schauspiel in 6 Akten nach Ohnet, bearbeiiet von Rick. Ansang Sonntag 7, Montag 8'/, Uhr. NIBIes Fest-Säla Dennewitzstraße 13« Jeden Donnerstag, Tonuabend und Tonnta&i Großer Ball« 2157b* c. maie. Für den Inbnlt der Jnlrrate übernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. 99 Gesangvereine Neu Erwacht" u.„Sorgenfrei" M. d. D.A.-S.-B. M d. D. A.-S.-B. Chormeister: Herr Heinz Blei). Sonntag, den 18. Hcscmber 1010 in der Brauerei Friedrichshain, vorm. Lipps (Am Friedrichshain) Wiederholung der am BuBtag ausverkauften EFingal- Aufführung.= Mitwirkende: Berliner Sinfonie-Orchester f-16 Musiker, Leitung' Kapellmeister Maxim. Fischer). Sopran: Konzert- sfingerin Frau Marg. Böhmo-Heldenreich. Bariton: Konzortsänger Herr Gustav Franz. Harfe: Kgl. Kammervirtuos Herr Eduard Saal. Orgel; Herr Dr. A. Böhme. Billette a 1 M. sind vorher in den Zigarren- handlnngon von Horsoh, Engelufer 15, 6 Schulz, Adxninralstr. 40a(am Kottbuaer PUtz), Beyer, Veteranenstr. 13 und bei den Mitgliedern erhältlich. Abendkasse a Billett 7, SS M. Kasseoeröffnung 6llbr. Anfang d. Konzerts 7 Uhr. Kinder unter 10 Jahren haben keinen Zutritt. Textbllcher an der Kaste gratis.* Nach dem Konzert: Tanz« A med. Karl Reinhardts spezlal-arztllehe Institute fflr Geschleehtskrankheiten Bant-, Harnleiden, Schwäche ' Neantosträllell'""" Polsdantsi Slrale 117 JtfyfffTSfSSÄ*.?; Vollkommenste» kombiniertes Heilverfahren bei frischen and veralteten Fällen. 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Im Laufe der Debatte brachte jedoch die sozialdemokratische Fraktion den Antrag ein, den Magistrat um eine Vorlage behufs Durchbruchs der Votzstratze nach der Viktoriastratze zu ersuchen; dieser Antrag wurde aber, wie bekannt, abgelehnt. Damit scheinen die Beratungen völlig ergebnislos verlaufen zu sein. Und doch haben selten im roten Hause zu Berlin Verhandlungen von weit- tragenderer Bedeutung stattgefunden. Man mag ohne weiteres zltgeben, datz Berlin gerade auf dem Gebiet des Verkehrswesens unter den denkbar schwierigsten Ver- Hältnissen sich zu betätigen hat. Tic Misere von Grotz-Berlin und das Klcinbahngesctz, diese wichtigsten Hemmnisse, sind ja eigens zu dem Zweck geschaffen worden, Berlin niederzuhalten und in seiner Bewegungsfreiheit einzuengen. Auf Schritt und Tritt sieht sich die Verkehrsdeputation in all ihren Bestrebungen vor Viesen künstlich errichteten Schranken. Das gänzlich illoyale Ver- halten der Grossen Straßenbahn-Gesellschaft, sowie die ständige Begünstigung privater Erwerbsgescllschaften durch die staatlichen Aufsichtslnstanzen tragen nicht dazu bei, das Uebersteigen oder die Wegräumung solcher Schranken bequemer und leichter zu machen. Ohne zu übertreiben, kann man daher behaupten, datz keiner Stadtgemeinde auf irgend einem Verwaltungszweigc so viele Schwierigkeiten entgegengestellt werden, wie Berlin auf dem Gebiete des Verkehrswesens. Statt aber nun doppelte Energie daranzusetzen, all dieser Schwierigkeiten Herr zu werden, sich Beachtung und Berücksichtigung zu erzwingen durch eine gross- zügige, von der Zustimmung der öffentlichen Meinung getragenen Verkehrspolitik, finden wir unentschlossenes Hin- und Her- schwanken, Zagen und Zaudern und fast völliges Verkennen des Grundsatzes, datz die Verkehrspolitik am letzten Ende auch der Interessen des engeren Weichbildes am besten dient, die nicht nur ängstlich die Verhältnisse Berlins berücksichtigt, sondern im gleichen Matze auch Grotz-Berliner Verkehrsbedürfnisse umspannt. Aufgepeitscht durch das rücksichtslose, lediglich ihre materiellen Erwerbsintercssen fördernde Vorgehen der Stratzenbahn-Gescll- schaft beschloh die Stadtverordnetenversammlung IlMX) mit geradezu überwältigender Majorität, in Zukunft Bau und Betrieb von Niveau-Bahnen nur noch in eigener Regie zu führen. Aber statt nun fest auf diesen Boden zu treten, entschlossen in dieser Richtung weiterzuarbeiten, und fach- und sinngcmätz die Konsequenzen dieses Beschlusses auch für den Bau und Betrieb der so überaus notwendigen Schnellbahnen zu ziehen, hat man im verflossenen Jahrzehnt kein Projekt beraten und beschlossen, bei dem nicht in jedem Stadium der Verhadlung versucht wurde, den Beschlutz von 1900 autzer Kraft zu setzen. Dabei ist der erste kleine Versuch, den die Stadt mit ihren eigenen Niveau-Bahnen im Norden ge- macht hat, über jedes Erwarten geglückt— ein Erfolg, der freilich durchaus nicht allseitig ungetrübte Faeude bervoogerufen hat. würden doch gewisse Kreise ungünstige Ergebnisse bei diesem Ver- such gut für ihre unterminierende Tätigkeit haben gebrauchen können. Wie bei den Niveau-Bahnen, so bei den Schnellbahnen. Nahezu zehn Jahre ist das Projekt einer eigenen städtischen Schnellbahn Nord-Süd, Seestratze— Belle-Allicmceplatz, von den städtischen Behörden beraten worden. Am 2. Dezember wurde es endgültig angenomknen, nicht ohne datz noch im letzten Augen- blick wieder der Versuch gemacht wurde, wenigstens den Betrieb für eine Erwerbsgesellschaft zu retten. Ist es— bisher wenigstens— gelungen, solchen Rückschritt bei dieser Linie zu ver- hindern, so liegen die Dinge mit Ausnahme des städtischen Pro- jektes Moabit— Rixdorf bei allen anderen schwebenden Schnellbahn-Projekten erheblich ungünstiger. Man verhandelt über dieses Projekt mit dieser, über jenes mit einer anderen Gesellschaft. Die Warnungen der Sozialdemo- kratie, doch aus der für Berlin wahrlich teueren Schule der Er- fahrung zu lernen, werben in den Wind geschlagen und für die Berliner Stadtverwaltung hat das alte Sprichwort keine Geltung: Von aller Kunst zu jeder Frist, Erfahrung die grötzte Meisterin ist. Mit der Geschicklichkeit, die man unseren grossen Erwerbs- gesellschaften rückhaltlos zusprechen mutz, hat es z. B. die Hoch- und Untergrundbahn verstanden, ihre Ausdehnungsprojekte nach Westen(Schöneberg, Wilmersdorf, Eharlottenburg, Westend), nach Norden(Pankow), nach Osten(Friedrichsberg, Lichtenberg, Fried- richsfelde) so zu führen, datz sie das riesige in Betracht kommende Vcrkehrsgebiet später vollkommen beherrschen würde. In den Vorbesprechungen ist wiederholt zum Ausdruck gekommen, die Hoch- bahngescllschaft sei eine loyale Gesellschaft; mit ihr könne man ruhig paktieren. Gewiss, es soll nicht bestritten werden, datz die Gesellschaft sich bisher an den mit ihr geschlossenen Vertrag gc- halten hat. Das nicht zu tun, hatte sie, solang ihr Verkehrs- gebiet zum übcrarotzen Teil im Berliner Weichbild mit nur einer Abzweigung nach Eharlottenburg lag, weder Veranlassung noch Möglichkeit. Sollte aber die Stadt wirklich kurzsichtig genug sein, die vorgeschlagenen Erweiterungen zu konzessionieren, so wird das Verhalten der Gesellschaft sich ändern, gleichviel, wer die leitenden Männer an der Spitze sind. Die Hoch- und Untergrundbahn ist eben eine Erwcrbsgesellschaft, �die naturgemätz allen öffentlichen Interessen ihre Erwerbsintercgcn voranstellt und bestrebt sein wird, sich von lästigen, ihren Verdienst einengenden Vertrags- bestimmungen zu befreien. Das Kleinbahngesetz gibt dazu leider die Möglichkeiten. Im Gebiete des Kleinbahngesctzes brauchen Verträge vom Unternehmer nicht gehalten zu werden, wenn nur der Unternehmer sich der Gunst der Äufsichtsinstanzen erfreut und solange die Behörden und der Unternehmer einig sind, bleiben unter der Herrschaft dieses Gesetzes die sogenannten Wegeunter. haltungspflichtigcn, d. h. die Kommunen, nahezu vollkommen aus- geschaltet. Durchaus mit Recht hat daher der Oberbürgermeister die grosse Rede, die er am ersten Tage der Beratung hielt, mit folgen- den Worten geschlossen: „Die Frage ist. ob Betriebe, die der Oeffentlichkeit dienen sollen, besser überlassen werden den privaten Erwerbsgescll- schaften oder ob sie besser übernommen werden in eigene Regie. Als die Versammlung die Verkehrsdeputation einsetzte und gleichzeitig beschlotz, datz neue Bahnunternchmungen nur von der Stadgemeinde angelegt und betrieben werden sollten, da nahm ich an, datz diese Frage nun für Berlin entschieden sei. Darin habe ich mich schwer getäuscht....... Ich babe die Ueberzcugung, wenn Sie eine für Berlin gedeihliche Verkehrs» Politik treiben wollen, so mutz man sich nach der einen oder anderen Seite entscheiden. Sie werden in allernächster Zeit die Frage mit Ja oder Nein beantworten müssen, und ich möchte Sie bitten, datz Sie sich dann der heutigen Erörterungen er- innern." Der Oberbürgermeister Kirschner ist kein Politiker und will cL auch wohl nicht sein, trotzdem die Stellung des Obcrbürgcr- meisters von Berlin in eminentem Sinne eine politische ist. So nur kann man es erklären, datz er, entgegen dem sozialdemo- kratischen Redner, seiner Frage nicht auf den Grund gegangen ist. Hätte er das getan, so hätte er auch vor aller Oeffentlichkeit erklären müssen, datz auf der Grundlage des Drei» klaffen Wahlrechts und des Hausbesitzer-Privi. lcgs keine Stadtverwaltung aufgebaut werden kann, die unter allen Umständen öffentliche Interessen vertritt und solche öffentliche Jn- tcressen, seli eS selb st unter zeitweiligen Opfern, gegen die Interessen privater Erwerbs- gesellschaften mit Nachdruck verficht. Drciklassenwahlrecht und HauSbesitzer-Privileg wirken eben genau nach der entgegengesetzten Seite, setzt sich doch die erste Wählerklasse überwiegend aus den: Kreis der Geldaristokratie zusamnien, die alle gewinnbringenden städtischen Betriebe als ihr von Rechtswegen zustehende Ausbeutungsgebiete betrachtet. Ob die gewählten Vertreter dieser Klasse direkt an den in Betracht kommenden Gesellschaften als Mitglieder des Aufsichtsrats oder als Aktionäre beteiligt sind oder nicht, ist völlig belanglos. Nicht nur kann der Einzelne, von verschwindenden Ausnahmen abge- sehen, sich nicht frei machen von den Grundauffassungen seiner Klasse, sondern die grossen Geldinstitute sind überdies mit den grossen Industriellen und diese wieder untereinander so verquickt und wechselseitig verbunden, datz, was dem Einen frommt, gleich- zeitig auch dem Andern mittelbar oder unmittelbar von Nutzen ist. j Gleich schädlich wie für die Stadtverordnetenversammlung wirkt das Dreiklassenwahlrecht auch auf die Zusammensetzung des Magistrats ein, da ja die Stadtverordneten die Magistratsmit- glicder wählen. Die schmale, künstlich zu bestimmten Zwecken eingeengte Basis, welche das DreiklasseMvahlrecht für die Stadt- verordnetenversammlung hergibt, wird naturgemätz für den Ober- bau des Magistrats noch einschränkender, da die Stadtverordneten in ihrer Majorität nur Leute in den Magistrat wählen, auf die sie glauben sich unbedingt verlassen zu können. Die Grund- anschauungen und das Niveau der Stadtverordnetenversainm- lu ngen bedingen also die Auffassungen Und das Niveau der Magistrate und jede Sadtvcrordnctenvcrsammlung hat den Ma- gistrat, den sie verdient. Ist es daher nicht weiter verwunderlich, datz dieselben Schwankungen und rückständigen Anschauungen, die bei der Berliner Stadtverordnetenversaminlung in allen Ver- kehrsfragen herrschen, sich verschärft auch im Magistrat zu Berlin finden, so hätte man es nach allem Voraufgegangenen kaum für möglich halten sollen, datz jetzt Magistratsposten sogar direkt aus den Kreisen der Hochfinanz besetzt werden! Bei dieser Lage der Dinge kam den Freunden eigener städti- scher Regie die vor einigen Tagen erfolgte Mitteilung von der mit äutzcrster Beschleunigung betriebenen Bildung eines Zwangs- Verbandes der Gemeinden Grotz-Berlins, der Regelung insbesondere der Verkehrsfragen, viel weniger peinlich und betrübend, als dies unter anderen Verhältnissen hätte der Fall sein müssen. Denn was ein solcher von der preußischen Regierung geplanter und vom Abgeordnetenhause beschlossener Zwangsverband Berlin bescheren wird, kann man sich leicht sagen, auch ohne datz die Einzelheiten bisher bekannt geworden sind. Jetzt wurde uns klar, worauf der Oberbürgermeister in seinem Schlntzwort angespielt hatte. Zu oft wiederholten Malen sind Berliner Verkehrsfragen im roten Haus in fast leidenschaftlicher Weise behandelt worden, doch ist man niemals zu frischen tatkräftigen Entschlüssen gekommen. Man ließ es geschehen, datz übermütige und übermächtige Gesellschaften die Stadt mehr und mehr in ihrer Bewegungs- freiheit einengten. Kommt es in Bälde zu der vom Ober- bürgermeisler angekündigten neuen Beratung, so lvird das aller Voraussicht nach die letzte Verkehrsdcbattc im Rathaus von Berlin sein. Unter staatlichem Zwang und unter Iveit ungünstigeren Bedingungen wird man dann Dinge sehen müssen, die man unter- lassen hat, so lange man noch Herr der eignen Entschließung war. Tie Verkehrsdeputation von Berlin wird zu gleicher Zeit ihr zwar arbeitsreiches, aber frcud- und ruhmloses Dasein beenden und auf ihr letztes Aktenfascikel mag ein Spötter die Worte setzen: Was unerreichbar ist, das rührt uns nicht; Doch was erreichbar, sei uns goldene Pflicht! cyCXCXVaTüer am 8. d. Miö. im Ilster von Sä Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Montag, den 12. o. MtS., nach- mittags 2'/z Uhr, von der Leichen. Halle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichsfelde au» statt. 53/Z Die BozirkSverivnltuug. Verband der 8chne!der und Schneiderinnen. Todes- Anzeige Mitgliedern Den bekannt, geben dag der Kollege wir Aug. Kammholz am 8. Dezember im?llt«r von 37 Jahren verstorlen ist Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Montag, den 12. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- balle des Rudols» Virchow- Krankenhauses, Shlter Strasie, aus statt. 164/5 Die Ortsverwaltung. ilrrbmib der Mnler, Lnckikrer, Anstrkilhtrnslv. Filiale Vcrlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi der Kollege Lax. am 8. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: ' Die Beerdigung findet morgen Montag, den 12. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. aus dem Eminaus- Kirchhos in Rixdorf, Hermann- strafe c, statt. 130/6 Die Ortsverwaltung. Aüpeiiie Kranket!- u. Sterbe- Kasse der rteutsehen Drechsler und deren BeruSsgenossen. (E. H. 80. Hamburg.) ÄcrwaltmigSstelle Berlin 0. ftisokruL. Am 4. Dezember verstarb unser Mitglied Faul Werft. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung fand am Mittwoch, den 7. Dezember, statt. 294/16 Die Ortsverwaltung. �ntralverkänd der Zivieriilsmusiker Deutschlands. Unseren Mitgliedern die traurige Mitteilung, dafe unser Mitglied Paul Ulrich verstorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung sindet am Montag, de» 12. Dezember, nach- nitttags 2»/4 Uhr. von der Leichen. halle deS Elisabeth- Friedhoses. Prinzenallee, aus statt. 21gZb Um rege Beteiligung ersucht Idee Vorstand. invaliden-ünterstiitziiiskässe d.Steindruekeru.iitbopphen. Die Beerdigung deS am 8. Dezember verstorbenen Stein- drnckers Ädolf Hamann sindet stall am Montag, den 12. Drzembcr, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Kcthscmane- Kirchhojcs, Nordend, aus. 21SSb DaS Komitee. Zentral-K/anken- und Sterbe- Kasse dk" Tischler(E. 1 3) Zahlstelle Lichtenberg. Den Mstg.'irdern zur Nachricht, dasi unser xllitglied, der Möbel» Polierer Kari ßüartin am 8. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung sindel am Mon- tag, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des «Lemeindesriedboses i» RiUMnelS« bürg(Lückstrafee) ans statt. 184/11 Die ortsverwaltung. Leulseher Holiarhettef-Verdanl! Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unser Kollege, der Polterer Karl Klartin am 8. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag. den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des RummelSburger Gemeinde- FriehoscS in der Lückstrafee auS statt. 94/15 vis Ortsverwaltung. Zentral-Verein der Biidiiauer Deutschlands. Verwaltung Berlin. Am Dienstag, den 6. Dezember, verstarb im Krankenhaus am Urban unser langjähriges Mit- glied, der Holzbildhauer Alexandm' Ciocaueli im Alter von 40 Jahren. Die Beerdigung sindet am Montag, den 12. Dezember, vormittags 10 Uhr, aus dem jüdischen Friedhose in Welfecnsee statt. 20/18 Ilm Beteiligung ersucht Der Vorstand. Unserem am 5. d. MtS. heim- j gegangenen Mitgliede Rudolf Uetz widmen wir an dieser Stelle einen ehrenden Nachruf. Als einer der Begründer und lang- jähriger Kassierer unseres Per- bände» war er steis ein tätiges und pslichicifriges Mitglied. Sein Wirten und Wollen wird uns uuvergefelich bleiben. 2lg5b Dirigenten-Verband für Berlin und Umgegend. Am 8. Dezember verstarb unser angjähriger Freund, der srühere öchrijisetzer Karl Weichler | im Alter von 47 Jahren. Wir werden demselben ein | ehrendes Andenken bewahren. Die Uebersührung der Leiche I nach Jena zur Einäscherung findet am Montag, den 12. Dezember, abends 6 Ubr, von den, Augusta- Hospital, Scharnhorststrafe'e 3, I nach cem Anhalter Bahnhos statt. Puhlmann. Brohm. Hauptmann. Am 9. Dezember verstarb Plötz- lich am Gehirnschlag meine liebe Frau, unsere gute Muter und Grofemulter frau Louise Wettermann geb. Schirrmeister im Aller von 62 Jahren. Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinlerbliebenen Gustav Wettermann Nannynstr. 88. Die Beerdigung findet Dlens- tag, den 13. Dezember, nachm. 3 Uhr. vom Tbomas-Kirchhos in Rixdors aus statt. L20Sb wwxy v ww wwvxrv wWww | 5 Proz. Rabatt• beiVorzeig. dieses Inserats Für Damen§ Aus meinem O Engroa- Lager. Einzel-Verkauf nur v. 12— 8 Uhr Diese enorm billigon Preise haben bis Sonntag den 18. Dezember Oeltungl Schwarze Jacketts u. 1 frauen-Käfitel ptt�a( Eskimo u. 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Für die vielen Beweise hevzficher Teilnnhme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Be- teiligten, insbesondere dem Herrn Philipp Masserer und Sohn, soloie den itollegcn der Firma und dem Gesangverein meinen herziichstcnDank. Wro.Hlkil'sSröllnejlsmm. Nachruf! Am Mittwoch, den 7. Dezember, verstarb plötzlich am Herzschlag unser langjähriger sangeSvruder Hermann Lange. Ehre seinem Andenken l Gesangverein Kaiserscher Männerchor. Dr.Simme! Spezial-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄPSL 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Die Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. Sc}} aper, BERLIN— Preis 1 Mark. W 7 tea Tausend. Q Verlag MaxRichtBr�ÄTviw". + hygienische 4. ItedarlMiirtikel-Vonheiteu Neueste illustr. Preisliste gratis. VprsundhaiiH Kcrh. Kerlin 514, Dichterfeliler Str. SS. Sonntag bis 8 Uhr ab. geSffnet. _ Fahrgeld ersetzt. jB. üc�snann » parterre, Gruner Weg 48\ i(an der Koppens tj-aße), i ! 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Nr. 290. 27. Jahrgang. 5. Kkiltze Ks„Öurimtlö" Strlititt Polblilalt. Saiintftg, 11. DeztOtk 1910. Hus der partei* Konferenz des Jüdischen Arbciterbnndes in Nnßland. Vor kurzem fand die achte Konferenz des Jüdischen Arbeiter- bundes(bekanntlich eines autonomen Teiles der Sozialdeniokrati- schen Arbeiterpartei Rußlands) statt, die von den Delegierten von zehn Organisationen beschickt Mar. Die 5lonfercnz konstatierte, daß sich in letzter Zeit in der ökonomischen Lage des Landes ein Umschwung bemerkbar macht, der bereits zum Ausdruck gelangt sei in einer ganzen Reihe zum Teil spontaner, zum Teil organisierter Streiks und dem Bestreben der Arbeiter, die in Verfall geratenen gewerkschaftlichen Organisationen wieder aufzurichten. Zugleich mache sich in den Massen ein bemerkbarer Zufluß zu den kulturellen Vereinen und bei den vorgeschritteneren und aktiveren Arbeitern ein verstärktes Interesse für die sozialdemokratische Partei bc- merkbar. Es sei in diesem Moment besonders wichtig, die Idee der Einheit aller Formen des proletarischen Kampfes, die Idee des sozialdemokratischen Klassenkampfes in den Massen einzupflanzen. Zu den in der Gesamrpartei zur Diskussion stehenden Organi- sationssraqen nahm die Konferenz in folgender Weise Stellung: Wo die Möglichkeit vorhanden ist, müssen legale Gewerkschaften gegründet werden; solange diese aber nicht vorhanden sind, oder wo die Gründung von legalen Gewerkschaften unmöglich ist, sollen möglichst umfassende illegale Verbände gegründet werden; die Partei mutz in enge Fühlung zu den Gewerkschaften zu treten suchen, ohne indes hierbei die Einheit der GeWerk- schaftsbewegung aus dem Auge zu verlieren. Ebenso sollen von den örtlichen Organisationen auch andere legale Ar- beitervereinigungen(Klubs, Bildungsgesellschaften, literarische Vereine) ins Leben gerufen werden. Daneben müssen aber auch illegale Propagandazirkel gegründet werden, in denen die vor- geschrittensten Arbeiter ihre Kenntnisse vertiefen und die Arbeiter- fügend ihre sozialistische Schulung erhalten könne. Weiter beschäftigte sich die Konferenz noch mit den speziellen Bedürfnissen des jüdischen Proletariats. Dazu fanden mehrere Resolutionen Annahme, die darauf hinzielen, die kulturelle Lage der jüdischen Proletarier zu heben. SoziulcQ* Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte hatte die Vorstände und Verwaltungs- beamten der Kassen zu einer Versammlung eingeladen, die am Freitagabend im Gewerkichaftshanse stattfand. Herr O. Skaller hielt einen Vortrag über die„Errichtung eines hydrothera- peu tischen, Heißluft- und medico- mechanischen Instituts durch die Zentralkonimissio n." Die Frage ist seit einiger Zeit Gegenstand eifriger Beratung und genauer Prüfung in der Kommission gelvesen, die sich dann in zustimmender Weise entschied und der Versammlung entsprechende Vorschläge inachte. Zunächst handelte es sich um die prinzipielle Zu- st i m m u n g der Vorstände und Berwaltungsbeamten der Kassen, die nach kurzer Diskussion gegen sünf Stimmen erteilt wurde.— In der Versammlung waren vertreten: 43 Berliner Ortskrankenkassen 4» Betriebskrankenkassen 24 Vororts-Orts krankenlassen 3„ Betriebskrankenkassen 4 Jnnnngskrankenkassen 21 Freie Hilfskassen Zusammen SS Krankenkassen Die Versammlung hörte dann einen Vortrag von S. Riedel über«die Zentralisierung der Krankenkontrolle bei den der Zentralkomniission angeschlossenen Krankenkassen". Die Notwendigkeit einer Zentralisierung ist längst offenbar geworden und an die Zentralkommission sind von verschiedenen Kassen dahinzielende Anträge gestellt worden. Der Redner betonte, daß außer dem finanziellen Nutzen ein sehr wünschenswerter großer Vorteil durch die Zentralisierung der Kontrolle zu erreichen sein werde, daß nämlich mir gut durchgebildete. tüchtige Beamte die Kontrolle von Kranken übernehmen.— Aus einen Antrag aus der Versammlung wurde die Angelegenheit den einzelnen Vorständen überwiesen, um dazu erst Stellung zu nehmen._ An Arbeitspapieren besteht kein Zurückbehaltungsrecht. Kürzlich klagte der Hotelportier G. beim Gewerbegericht gegen den Hotelier Handtke. Dem Kläger sind beim Austritt aus der Beschäftigung am 3. November die Arbeitspapiere absichtlich vom Beklagten zurückbehalten worden. Ohne die Papiere habe er keine Beschäftigung als Hotelportier wieder erhalten können. Er for- derte deshalb eine Entschädigung für entgangenen Arbeitsverdienst bis zum 29. November, an dem ihm der Beklagte die Papiere end- lich behändigte. Der Beklagte wurde zur Zahlung einer Entschädi- gung verurteilt. In den Gründen betonte das Gericht, daß es ge- richtsnotorisch sei, daß ein Hotclportier ohne Zeugnisse ändere Stel- lung nicht finden kann. Da ein Zurückbehaltungsrecht an den Papieren für den Arbeitgeber nicht besteht, so ist der Beklagte zum Ersatz des dem Kläger durch die Znrückbehaltung entstandenen Schadens, den dieser in angemessener Höhe forderte, verpflichtet. Betätigtes Mitleid als Entlassungsursache. Von dem Gastwirt Kunkel forderte der Zapfer O. auf dem Klagewege wegen fristloser Entlaffi�ig eine Entschädigung von 28 Mk. und Acnderung des ihm erteilten Arbeitszeugnisses. Wie die Verhandlung ergab, hat der Kläger einem hungernden Bettler, der in das Lokal des Beklagten kam, eine Kommitzbrotstulle aus den Warenbeständen des letzteren verabreicht. Deshalb wurde der Kläger plötzlich entlassen und im Arbeitszeugnis wurde vom Aus- steller der Entlassungsgrund vermerkt mit den Worten:„Er hat meine Waren verschenkt." Das Gericht unter Vorsitz des Magistratöassessors Dr. Seckt vertrat die Ansicht, daß die Weggäbe der dem Kläger nicht ge- hörenden Stulle zwar eine ungehörige Handlung sei, sie ist aber nicht aus Niedertracht oder diebischer Absicht geschehen, sondern aus Mitleid. Deshalb eben rechtfertige sie die sofortige Entlassung nicht. Dagegen steht es dem Beklagten zu, den Grund der Entlassung wie geschehen im Zeugnis zu vermerken. Das Gericht empfahl dem Beklagten, die geforderte Entschädigungssumme anzuerkennen; dem Kläger riet es, seinen Anspruch auf Zeugnisänderung fallen zu lassem Die Parteien befolgten den erhaltenen Rat und schlössen einen dahingehenden Vergleich. Ungültige Polizeivorschrift über den Begriff der öffentlichen Tanz- lustbarkeit. Die Zahlstelle Jdstedt des Deutschen MetallarbciterverbandeS hielt am 1. Mai im Lokal des Gastwirts Krause ein Tanzvergnügen ab, zu dem außer den Mitgliedern nur noch 39 gute Freunde und Bekannte Zutritt hatten, die vorher festgestellt worden waren und persönlich eingeladen wurden. Der Feilenhauer Busse übte am Eingang eine scharfe Kontrolle aus, daß niemand anders Zutritt erhielt.. Busse und der Gastwirt wurden angeklagt wegen Veran- staltung einer genehmigungspflichtigen, aber nicht genehmigten Tanzlnstbarkcit. Sie sollten den§ 2 der Verordnung des Regie- rungspräsidenten zu Merseburg vom 4. September 1897 übertreten haben. Die Verordnung macht die Abhaltung öffentlicher Tanz- lustbarkeiten von einer polizeilichen Genehmigung abhängig und destimmt dann im§ 2 u. a.:„Als öffentlich gelten insbesondere auch Tanzlustbarkeiten, welche von Gesellschaften(Vereinen) ver- anstaltct werden, die ausschließlich oder hauptsächlich zu dem Zweck, tanzlustbarkeiten zu veraustej�en, zusammengetreten sind."— Das Schöffengericht zu Saugerhauseu verurteilte beide Angeklagte, indem es den Fall des Z 2 annahm.— Busse allein legte Berufung ein. Das Landgericht in Nordhausen verwarf die Berufung, indem es sich ebenfalls auf§ 2 stützte. Busse legte Revision ein, die durch Rechtsanwalt Landsberger- Magdeburg vor dem Kammergericht in Berlin ani Donnerstag ver- treten wurde. Der Anwalt machte zunächst geltend, daß die Zahl- stelle der Gewerkschaft kein Verein sei, der zur Veranstaltung von Tanzlustbarkeiten zusammengetreten sei. Der Z 2 könne schon deshalb nicht zur Anwendung kommen. Im übrigen sei aber die fragliche Bestimmung des§ 2 ungültig, weil sie für den Begriff der Oesfentlichkeit mehr erfordere, als das Gesetz. Wenn aber § 2 nicht zur Anwendung komme, dann müsse gleich Freisprechung erfolgen, denn zweifellos sei die Tanzgesellschaft hier eine geschlossene gewesen, die keiner Genehmigung bedurft habe. Das Kammergericht hob das Urteil des Landgerichts Nord- Hausen auf und sprach den Angeklagten frei. Begründend wurde ausgeführt: Das auf§ 2 sich stützende Urteil sei fehlsam, denn der Z 2 sei ungültig. Die Verordnung dürfe allerdings öffentliche Tanz- lustbarkeiten von einer Genehmigung abhängig machen. Der hier zur Anwendung gekommene§ 2 aber stelle eine Art von Definition darüber aus, wann eine öffentliche Tanzlustbarkeit vorliege, indem er als öffentlich bezeichne Tanzlustbarkeiten gewisser Gesellschaften (Vereine). Die Polizei habe jedoch nicht das Recht, den Begriff der Oesfentlichkeit durch eine solche Definition zu erweitern. Deshalb sei die Bestimmung ungültig. Tie angezogene Polizeiverordnung könne nur Anwendung finden, wenn es sich tatsächlich um ein öffent- liches Tanzvergnügen im Rechtssinne handle. Eine solche liege dann vor, wenn die Teilnehmer keinen nach Zahl, Art und Jndi- vidualität in sich abgeschlossenen Pcrsonenkreis bildeten. Nach den Feststellungen des Landgerichts sei das hier aber nicht anzunehmen. Vielmehr handle es sich um eine geschlossene Gesellschaft. Darum könne gleich auf Freisprechung erkannt werden. /■Iiis der frauenbewegung* Generalversammlung des Preußischen Landesvereins für Frauenstimmrecht. Mit einem stimmungsvollen Stimmrechtstee setzte die Stimmungsmache für die Berliner Frauenstimmrechtlerinnen ein. Eine dänische Ministergattin hatte man sich verschrieben, die die preußischen Stimmrechtsdamen über die spezifisch dänischen Frauenangelegenheiten, in Sonderheit auf politischem Gebiet instruieren sollte. Wie wir hören, soll sich chie Dänin in tress- licher Weise dieser Arbeit unterzogen haben. Aus dem borge- schritteneren Dänemark gibt es ja immerhin manches Interessante mitzuteilen, siehe die laufenden Berichte über internationale politische Frauenangelegenheiten, wie sie der„Vorwärts" jahraus, jahrein in seiner Rubrik„Frauenbewegung" bringt. Aber erstens ist der„Vorwärts" nicht das Leib- und Magenblatt der preußi- schen Irauenstimmrechtlerinncn(sie wollen fortan ein eigenes preußisches Franenstimmrechtsblatt herausgeben) und zweitens ist ein von einer Kommission gegebener Gesamtüberblick doch sicher nicht zu verachten. Er soll zwar mancher der anwesenden Damen ein tvenig lange gedauert und etwas langweilig vorgekommen sein, aber das macht Iveiter nichts, da zum Schluß mit allgeineiner Freude die Anwerbung von zirka hundert neuen Mitgliedern, neugebackenen Frauenstimmrechtsdamen, als Resultat des Frauen- stiminrechtstecs verkündet werden konnte. Also ein Erfolg, ein klingender Erfolg, der sicher zu weiteren Frauenstimmrcchtstees, Frauenstimmrechtskafsces, Frauenstinimrcchtsdincrs, Frauen- stimmrechtsgesellschaften usw. führen bürste! Seh ein jeder, Ivo er bleibe, seh ein jeder, wie ers treibe. Wir Sozialdemokraten sind die letzten, die solchen friedlichen Veranstaltungen hindernd in den Wexz treten würden. Der Verband, resp. Landes- verein für Frauenstimmrecht sucht eben alle politischen Frauen mobil zu machen. Ob die neuangeworbcuen hundert Mitglieder Schwarzblaucblockstützen oder einen Vorstoß weiblicher Zentrums- träfte darstellen, das ruhet in der Zeiten Schöße, das wird die Zukunft des Deutschen Frauenstimmrcchtsverbandes offenbaren. Weit klarer zeigt sich dieses Bild heute schon beim„Bund de u t° scher F ra u e n v e r e i n e" mit seinen mehr als 299 999 Mit- gliedern, der auch die Forderung des Frauenstiuimrechts auf seiner Fahne stehen hat. In, ihm ist heute schon die kleine radikale Gruppe derartig auf den Aussterbeetat angelangt, daß die letzten krampfhaften Zuckungen, die der Preußische Landesverein in seiner Arbeitssitzung am Montag dagegen unternahm, wohl kaum posi- tiven Nutzen schaffen dürften und auch keinen ideellen. Er beschloß nämlich, um dem vollkommenen'Erdrücktwerden zu entrinnen(oder wie er das auslegt, um diese große, zuni größten Teil noch un- politische Masse von Frauen für die radikale Seite zu gowinneu) den Bund, statt ihm wie bisher nur mit den wenigen radikalen Verbänden anzugehören, alle seine einzelnen Ortsgruppen, an die zwanzig Stück, mit fliegenden Fahnen und lustigem wpiel zuzu- führen, um dadurch das Stinimenmaterial zu Gunsten der Radikalen umzugestalten, die durch den erfolgten Massenbeitritt der katholischen Frauen bedeutend ins Hintertreffen geraten. Dem Bund können nämlich laut Statut ebensowohl Verbände, wie auch Vereine und Vereinchen angehören. Der Preußische Landesverein möchte also k ü n st l i ch den Sauerteig in diesem Riesenteig ver- mehren. Es schreckt ihn nicht und hält ihn nicht zurück, wenn Paula Müller auch, die monarchisch-fühlende Seele, die Führerin der dunklen Elemente, mit einem leisen Winke ihrer Hand neue fünfzig und nochmal fünfzig kirchlich gesonnene Ortsgruppen oder Vereinchcn in die Wagschale zu werfen weiß. Ja, ja, der preußi- sche Landesvcrcin blinzelt nach rechts, von dort herab soll seine Hilfe kommen! Und die Gefährdung seiner Position im Bund muß wirklich schlimm sein, wenn man sieht, wie sich die einst erbittertsten Feindinnen, die Cauer und die Stritt, hier Arm in A r m auf gleichem Kampfplatz stellen. Der diametral dagegen- stehende Antrag einer schlesischen Ortsgruppe, mit den sozialdcmo- kratischcn Frauen überall Fühlung zu suchen, ging in dieser Fassung nicht durch, führte aber zu einer amüsanten sozialistischen Debatte. Die Brcslauer Frauen berichteten von guten Erfolgen, die sie mit den sozialistischen Frauen vereint er- rungen und von allen Seiten scholl plötzlich ein Loblied auf den Genossen Redakteur Löbe durch die bewegten Lüfte. Ja, es hieß, diese sozialistischen Männer, damit ließe sichs wohl kramen, aber die führenden sozialistischen Frauen, wie vom Schlage Zetkin, davor möge uns...... Hoffentlich haben ihr und Genossen Löbe ein wenig die Ohren geklungen. Das aber war der ge- gebene Augenblick, die liberale Frau Lischnewska auf den Plan zu rufen. Ihre sattsam beleuchteten schmetternden Fanfaren gegen die deutsche Sozialdemokratie, akkompagniert von den Worten eines Migliedes der Berliner Ortsgruppe für Frauen- stimmrecht, man müsse den sozialistischen Elementen auch nicht zu sehr entgegenkommen(Männerstolz vor Fürstenthronen!) schlugen dem Faß den Boden aus und perr Dr. Brcitscheid, sowie auch Herr von Gerlach machten dem plötzlich ausgebrochenen fraucnrechtlerischen Tohuwabohu ein Ende. Man einigte sich da- bin, den Umständen nach mit dieser oder jener politischen Gruppe in Zukunft zusammengehen zu wollen. Den Hauptkampfpunkt aber brachte der Antrag, das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht vom Programm des Preußi- schen Landesvereins zu streichen, und dagegen, wie die Suffra- getteS, das jeweilige Landeswahlrecht der Männer auch für die Frauen zu verlangen. Es würde zu weit führen, diese an drei Stunden währende Debatte eingehend zu besprechen. Tatsache ist, daß sich von den zirka 48 Stimmen des Preußischen Landesvereins ein Sechstel gegen die Beibehaltung des ominösen Paragraphen erklärten respektive sich ihrer Stimme enthielten. Und wenn Herr Dr. Brcitscheid nicht noch sein allcrgröbstes Geschoß aufgefahren, dann debattierten die Damen wahrscheinlich heute noch diese schwer- wiegende Frage. So aber schwieg die Minorität indigniert. In einer öffentlichen Abcndversammlung, die die Tagung be- schloß, sprach Dr. Hans Dorn-Münchcn über:„Die Frau im Wirt- schaftsieben". Neues Material brachte er nicht, abgesehen von einer Zahl, die er als sein e i g e n st e s E i g e n t u m reklamierte, nämlich daß schon heute zirka 2S Proz. der Ehefrauen zwischen dem 29. bis 39. Lebensjahre im Erwerbsleben stehen. Außer Dr. Dorn sprach noch der Reichstagsabgeordncte 'Dr. Heinz Potthofs, der die Frauen zur politischen Betätigung aufforderte._ Schub den wirtschaftlich abhängigen Frauen. Zwei Affären, die damit endeten, daß Theaterleitern die Kon« zession entzogen wurde, weil sie ihre Macht als Arbeitgeber benutzt haben sollen, um von weiblichen Bühnenangehörigen Liebenswürdig- ketten zu erlangen, haben kürzlich in der Presse lebhaste Dis- kussionen ausgelöst; auch sehr viel moralische Entrüstung über Machtmißbrauch. Fast konnte man glauben, es handle sich da um Ausnahmesünden, denn sonst vernimmt man über das Thema selten etwas. Und doch sind die weiblichen Arbeitskräfte, besonders in den Kontoren, den Attacken Vorgesetzter oft in ebenso schlimmer Weise ausgesetzt, als die Schauspielerinnen von ihren Chefs. Die Arbeiter- presse und besonders die„Gleichh stt" bringen alljährlich eine Fülle von Beispielen, wo abhängige Frauen ung Mädchen den Lüsten gewissenloser Arbeitgeber oder Vorgesetzter zum Opfer fallen. In manchen Bezirken, wo die Jndustrieherren allmächtig sind und das gesamte öffentlicke Leben beherrschen, sind diese Zustände an der Tagesordnung. Nur in den seltensten Fällen ereilt einen solchen Vetriebspascha das Geschick. Hunger tut weh, und die Angst um die Existenz, die Sorge um die Angehörigen, lassen die Betroffenen schweigen. So geben viele zu ihrer Arbeitskraft auch noch ihre Frauenehre hin, um für den kümmerlichen Jaminerlohn ja nur weiter fronden zu dürfen! Erst wenn ihre Jugend verblüht ist und der abgerackerte Leib der Reize entbehrt, haben sie Ruhe vor ihren Peinigern. Wehe aber derjenigen Arbeiterin oder Angestell- ten, die dergleichen Zumutungen Widerstand entgegensetzt. Ihre Tage im Betriebe sind gezählt und Hilfe findet sie, wo es sich um Vorgesetzte handelt, in der Regel selbst beim Arbeitgeber nicht. Das beste Mittel für die Töchter des Volkes, sich der Angriffe auf ihre Gcschleckstsehre zu eir wehren, das ist der Anschluß an die gewerk- schaftliche und politische Organisation, deren Eingreifen fürchten die Paschas doch noch am meisten. In der Organisation findet die gehetzte Arbeiterin und Angestellte wirksamsten Schutz und energische Unterstützung. Auch ist die gewerkschaftlich und politisch geschulte Frau bald auf Grund ihrer Intelligenz und Erfahrung besähigt, alle zärtlichen Regungen ihrer„Brotgeber" gründlich abzuwehren. Darum muß jede Arbeiterin, jede Angestellte sich gewerkschaftlich und politisch organisieren, die Arbeiterpresse und die„Gleichheit" lesen. Das ist der beste Schutz gegen jegliche Ausbeutung und Ver- gcwaltigung._ Die Alisbeutnng der weiblichen Arbeitskraft. Eines der schreiendsten Mißstände unseres Wirtschaftslebens ist das Elend der Frauenarbeit. Die Frau, die darauf angewiesen ist, den unter den jetzigen Teucrungsverhältuiffcn immer weniger zureichenden Lohn des Mannes aus die Höhe zu bringen, damit er eben schlecht und recht hinlangt, alle hungrigen Mäuler, die um den Tisch herumsitzen, zu stillen, hat es in vielen Fällen schlechter als ein Stück Vieh. Für dieses wird in jeder Beziehung gesorgt. Ein Tier ist für den Unternehmer ein wertvolles Objekt, zumal dann, wenn er es nicht bloß zu seinem Vergnügen, sondern zu seiner wirtschaftlichen Ausbeutung besitzt. Darum muß es tu Krankheitsfällen sehr geschont werden, der Tierarzt wird gerufen, usw. Und ist es trächtig, steht es lange bor der schweren Stunde im Stalle und auch nach dem Wurf wird bestens für seine Wohl- fahrt, für gute Behandlung gesorgt. Wer verbürgt dies der arbei- tcnden Frau?! Sie muß sich schinden und quälen, sich abrackern für einen ihrer Arbeitsleistung bei weitem nicht gerecht werdenden Lohn. Sie darf gar nicht krank werden, will sie die Existenz der Familie bei den bis ins Ungemesscne emporschnellenden Preisen nicht aufs Spiel setzen; denn mit den paar Groschen Krankengeld ist nicht viel anzufangen. Steht sie im Begriff, einem Erdenbürger das Leben zu geben, gewährt ihr das Krankcnvcrsicherungsgcsctz ganze 14 Tage Schonfrist! Es ist ein Leben zum Verzweifeln! Dabei wird die Konkurrenz auch im weiblichen Lager immer größer. So sehen wir ein verblüffendes Anwachsen der weiblichen Arbeitskräfte. So stieg in den Jahren von 18öö— 1997 der Anteil der Frauenarbeit in der Industrie der Leuchtstoffe von 29 auf 75 Proz., in der Papierindustrie von 57 aus 68, in der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel von 44 auf 62, in der chemischen Industrie von 68 auf 86, in der Textilindustrie von 46 auf 59 Proz. Die Nachfrage nach allen Kategorien von Arbeiterinnen ist, wie man sieht, groß, aber das Angebot übersteigt trotz allem die Nach- frage und drückt so noch mehr auf die an sich schon miserable Be- zahlung. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse auf den Gebieten der Landwirtschaft und des Handels. Ileb�kall eine kolossale Zunahme der weiblichen Arbeitskräfte und durch das große Angebot eine für den einzelnen wie für die Gesamtheit höchst mißliche Lohn- drückcrei, bei der die Unternehmer natürlich noch fetter werden als bisher. Was gefordert werden muß. ist die Anerkennung des Grundsatzes: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dazu bedarf es guter Organisationen, die bei den Arbeiterinnen leider immer noch nicht das genügende Verständnis finden.— In Australien wirken der schrankenlosen Ausbeutung der Frau Lohnkommissionen für Frauenarbeit entgegen. Deren Vorbedingung war das Stimm- recht der Frauen, das ihnen erlaubte, sich mit Nachdruck für diese Einrichtung ins Zeug zu legen. Hätten wir in Prcußcn-Dcutsch- land ein Frauenwahlrecht, dann wäre auch bei uns wohl schon mancherlei Fraucnelcnd gebessert worden. Dort hat sich das polt- tische Gewicht der Frau bewiesen; hier in einem der ersten„Kultur- länder"— Deutschland in der Welt voran!— denkt man noch gar nicht einmal daran, den Frauen selbst die kümmerlichsten politischen Rechte einzuräumen. Wohl aber hat man in England schon die Initiative ergriffen, nach dem australischen Muster zu verfahren. Ein entsprechender Gesetzentwurf, der in erster Linie die Heim- arbeit aufs Haupt treffen will, ist bereits eingebracht. Natürlich wird auch hier erst ein durchgreifender Erfolg zu erwarten sein. wenn sich das Frauenstimmrecht in England zur Geltung durch- gerungen hat. Faßt man demgegenüber die Verhältnisse in Deutsch- land ins Auge, wo man immer noch mit schönen Phrasen und ein bißchen Wohltätigkeitsheftpflaster die schaurigen Wunden unseres sozialen Elends zu verkleistern sucht, dann bekommt man erst einen rechten Begriff von der Rückständigkett im Junkerstaat Preußen» Deutschland., Persannnlungen— Veranstaltmigen. Zentralverband der HanSangestetlten. Sonntag, den 11. Dezember, in„Dräsels Festsälen", Neue Friedrichstr. 85. Vortrag von Frl. Ottilie Baader über„Weihnachtsg-cschenke für Dienstboten." Freie Aussprache. Nachdem: Gemütliches Beisammensein. Saalöffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Lefeabende. Lankwitz. Montag, den 12. Dezember, 8 Uhr, im Restaurant Schulz, Mühlcnstraße. Referentin: Gen. Bohm-Schuch:„Kinder- erziehung mit Bezug auf Schule und Religion". 2ii-r«t!«ac#wC«>.-«o�»i,'S»?'?«-I- Lrünfel� Miknsekt8-M8eke l�Stsll-öStistSÜs I>> soo, oder welfl Uckiert, mit P»ten{- Sprungfedw-Mitrjtze, Größe 80X190. 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"Cbcatcn Berliner Theater:„ D eZr Talisman", Dramatisches Märchen von Ludwig Fulda. In seiner witzigen Pointe ist tuldas„Talisman" jetzt so aktuell, wie zur Enlstehungszeit des lückcs. Das aus lauter Lufl gewobene Gewand des mystischen GotlesgnadentumS— dies Nichts,' das nach Befehl des Märchen- königS dennoch ein Etwas, das Herrlichste von allem sein soll, von dem nur das Auge der Schlechten und Dummen, der Nörgler nichts zu schauen vermag— ward ja, den Gulgesimiteu zur Erbauung erst neulich wieder mil Pomp vorgeführt. Nur. datz sich in der hohen Festversammlung begreiflicherweise keine Rita fand, die sich zu sagen traute, sie sähe statt des Faubermantels blotz Hemd und Unterhosen, in die ja auch ganz gemeine Erdenbürger ihre Glieder hüllen. Dieser dritte Akt, in dem der Prinz vom stolzen Gcpräng der Höflings- schaar umgeben, begeistert angejubelt von treuen Unter- tancn, majestätisch im Hemd einherstolziert, bis Ritas naive Einfalt die Herrlichkeit so unliebsam zerstört, schlägt auch noch heute durch. Das drum und dran der anderen Akte wirkt etwas fadenscheinig und ist obendrein durch eine spielerisch ver- weilende Reimiprache über Gebühr gereckt. Durch energische Streichungen könnte die Aufführung, die übrigens vom Publikuni lehaft applaudiert wurde, nur gewinnen. Herr C l e w i n g, der bisher nur in modernen Stücken Proben seines großen, merkwürdig vielseitigen Talents gegeben, war auch als jugendlicher, von grotesk-phantastischem Größenwahn getragener Märchenfürst vortrefflich. Lindners Omar erfreute durch Wohl- laut und Kraft der Stimme. Meinhard spielte den allen, räsonnierenden Korbflechter mit gemütlicher Komik. Fräulein Käthe Ehren hatte, wozu der Text ja allerdings sehr leicht verleitel, zu- Viel Zucker in ihre Edrita getan. ckt. Humor und Satire. H o f j a g d. Bethmann, Deutschlands Theobald, Mit den Allerhöchsten knallt. Hirsche, Rehe, Hasen. Füchs' Murkst er mit der Kugelbüchs. Durst er resüfleren? dkou! Majestät befahlen. Boal Reichstag freilich schimpft und grollt: Warum fehlt der Theobold? Weshalb schwänzt er den Etat, Unser langer Reichspapa? Böcke schießen kann er doch, Hömsc mal, im Reichstag ooch l Ernstchen. £Iiis aller Melt. Me es clie I�uttentr�ger treiben. Der bayerische Episkopat warnte vor kurzem in einem Erlaffe vor den„Ausschreitungen einer Presse, welche offen die Lehre unserer heiligen katholischen Kirche bekämpft und die guten Sitten ver- letzt". Solche Preßcrzeugnisse zu lesen sei eine Sünde gegen den Glauben und gegen die Gebote des Herrn. In der Kirche zu Wind- heim in Oberfranken gab der Kaplan Kohlbauer diesen Erlaß von der Kanzel herab bekannt und knüpfte daran unter anderem die Bemerkung: „Zu denjenigen Zeitungen, die gegen den Glauben und gegen die guten Sitten verstoßen, gehören vor allem die„ F r ä n k. Volkstribüne" und das„Bayerische Wochenblatt". Wer diese Blätter weiter liest, kann bei der Beichte nicht mehr absolviert werden." Auch der Kooperator K o I b e ck aus Mamming in Niederbayern sagte in einer Predigt:„Wer eine sozialdemokratische Zeitung liest, der verdammt sich und seine Familie, und wer sich dieser Partei anschließt, der kann in der Beichte nicht absolviert werden." Es scheint verdammt wackelig um den ZentrumSturm zu stehen, daß die Pfaffen mit so gewaltsamen Mitteln dem Andrängen der roten Flut einen Damm entgegensetzen müssen. Daß das terroristische Vorgehen der Geschorenen seine Wirkung verfehlt, dafür wird die Sozialdemokratie auch in der Zukunft sorgen. Grnbcnkatastrophe in Nordamerika. Eine schlvcre Grubenexplosion meldet der Telegraph auS Kanada. In den W c st k a n a d i s ch e n Kahlenberg. tve r k e n bei E a lg a r y sind durch eine Explosion 40 Berg- leute verschüttet worden. Bis Mitternacht gelang es den Rettungsmannschaften, von den Verschütteten 20 zu bergen: sieben von ihnen sind tot, die übrigen schwer verletzt. Tie Rettuirgsarbeiten werden fieberhaft fort- gesetzt, doch besteht wenig Hoffnung, daß die noch Verschütteten am Leben sind, lieber die Ursachen der Explosion liegen Mit- teilungen nicht vor._ Um eine Kuh. Zu schweren Zusammenstößen zwiicken Mohammedanern und Hindus ist es in der vorderindischcn Hafenstadt Kalkutta gekommen. Die Ursache der Kämpfe liegt in den religiösen An- schauungen der Hindus, denen die Kuh als ein heiliges Tier gilt. das nicht geschlachtet werden darf. Am Freitag stürmte eine Anzahl fanatischer Hindus den Laden eines Fleischers, um eine Kuh zu „retten". Das war daS Signal zu einem Zujammenstoß zwischen den Mohammedanern und Hindus, bei dem es gegen Ibv Verwundete und zwei Tote gab. Die Unruhen dauerten während der Nacht fort. Zu ihrer Unterdrückung wurden nach dem Stadtviertel M a r v a r i, das der Schauplatz der Vorgänge ist, gestern morgen zwei Kompagnien Infanterie mit Maschinengewehren und eine Schwadron Ka« v a l l e r i e kommandiert. DaS Eintreffen der Truppen machte keinen Eindruck auf die Menge, die den Kordon zu durchbrechen suchte. Hierauf griff die Polizei an und trieb die Menge, nachdem sie kurz Widerstand geleistet hatte, auseinander. V i e r u n d- zwanzig Personen wurden verletzt. Die Ordnung ist zwar wiederhergestellt, aber die Mohammedaner fahren fort, sich in großen Massen zusammenzurotten. Sturm im Kanal. Seit mehreren Tagen herrscht auf der Nordsee und im Kanal ein heftiger Sturm, dem eine Anzahl Schiffe zum Opfer gefallen sind. Gestern morgen wurde bekannt, daß der große Dampfer„St. Leonhard" aus Liverpool auf hoher See plötzlich v e r s ch w u n d e n sei: ein Teil der Besatzung wurde durch den Dampfer„Lazie" gerettet und in St. Michael in Irland ausgeschifft. Der ftanzösische Segler„Loano" ist gestern Morgen während des heftigen Sturmes an der Küste von Rholilly in der Nähe von Swansea gestrandet. Ein Fischerboot wurde gegen die Küste von Berwicksbire geworfen, zioei Mann der Besaßung ertranken. Kleine Notizen. Schweres Unglück im Stahlwerk. Auf dem Bochumer Stahlwerk .Stahlhausen" des Bochumcr Vereins brach gestern nachmittag beim Gießen die Stange einer Gießpfanne, infolge« deffen ergoß sich der flüssige Stahl über die Köiper der Arbeiter. Drei wurden auf der Stelle getötet, der vierte ist seinen Verletzungen im Krankcnhause erlegen. Bon der Volkszählung. Eine sehr starke Zunahme der Ein- Wohnerzahl während der letzten fünf Jahre hat Essen a. R h. zu verzeickmen. Die Zahl der gezählten Personen stieg von 231 363 m 1935 ans 293 lXX) bei der jetzigen Zählung. Die Einwohnerzahl von Don zig stieg von 159 619 aus 169 396. Vermißter Dampfer. In großer Besorgnis sind die interesflerten Kreise um das Schicksal des amerikanischen Dampfers„Artadia". Der Dampfer ist am 11. Ottober mit 4 Pasiagicreu und 37 Mann Besatzung von Porloriko nach New Jorl in See gegangen und seit dieser Zeit spurlos verschwunden. --- t Allgemeine Familientterbekaffe. Heut« Sonntag von Z—ll Uhr Zahltag Andreasstraße 123 bei Wernicke.. eingegangene Druckfchnften. Geschichte der Kunst in Norditalien. Von Eorrado Ricci. Deutsch von Dr. L. Pollak. Geb. 6 M.— Verlag I. Holtmann, Stuttgart. Die neue Generation. 11. Heft. Herausgegeben von Dr. Helene Stöcker. 50 Pf.— Ccltcvfcld it.»«» der LandcSanstall sür Gewässerkunde, mllgeleilt vom Berliner Wclterbareau. is+ bedeutet Wuchs.— ÄaO.—') Unterpeael.—•) EiSstand.— *) Oberhalb der Angerappbrücke Eisstand.—») EiStreibe». r Unter dem Christbaum dürfen Schuhe und Stiefel für unsere Lieben nicht fehlen! 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BerlagZnichalt Kaul Bing« k KA. Berlin SHL «t» I »m 7. DtÜM de» Imiills" Knlim WsM lkitwoch, de» n. Dezember, Zahlabend in den Bezbieo GroMrllns. Partei- Angelegenheiten. Organisationsarbelt. Wie seit mehr als zwei Jahren für die Druckereihilfsarbeiter in den Nachibelrieben der Zeitungsdrnckereien ein Zablmorgen von Mitgliedern des zweiten Kreises fFriedrichstadt) eingerichtet worden ist. der sich prächlig entwickelt hol, so wurde vor Jahresfrist auch für diejenigen parteigenössischen Buckdrucker, deren Arbeitszeit in die späteren Abend- bczw. ersten Nachtstunden fällt, eine Zahlnacht eingerichtet, um den betreffenden Genossen, die wegen ihrer zeitlich ungünstig liegenden Beschäftigungsweise die Zahlabende der Partei nicht besuchen können, Gelegenheit zu geben, am Parteileben teil- zunehmen. Die Zahlnacht im November war der Abichluh des ersten Jahres dieser Einrichtung, von der einer der anwesenden Ge- nassen in einem Rückblick auf das abgelaufene Jahr mit Recht sagte, daß es bei ihrer Verwirklichung eine zweifach schwere Aufgabe gu lösen galt:.Zu dem Jndifferentismus, der auch hier, wie rn allen Kreisen der Arbeiterschaft überwunden werden mutz, tritt der mitunter sehr differierende Arbeitsichluh in den einzelnen Be- trieben und Abteilungen, der ein Zusammenfassen aller Interessenten zu einer bestimmten Stunde zur Unmöglichkeit macht." Trotz all' dieser Schwierigkeiten hat sich ein fester Stamni regelmäßiger Zahl- nachlbesucher gebildet und steht zu hoffen, daß ihre Zahl ständig wächst, wenn eS gelingt, die vielen bisher noch Indifferenten zu ge- Winnen und die infolge mangelnder Information bisher noch Fern- gebliebenen heranzuziehen. Die nächste Zahlnacht findet am kommenden Mittwoch, den 14. d. M.. bei Jul. Meyer, Oranien- stratze 103, statt._ Friedenau. Am Mittwoch, den 14. d. M.. abends 8'/z Uhr, bei Meckelke, Handjerystr. 60/61: Gemeinsamer Zahlabend. Die Mitgliederversammlung fällt in diesein Monat aus. Der Vorstand. Gteglitz-Friedenau. Nächsten Sonntag, den 18. Dezember: Besuch der ständigen Ausstellung für Arbeiier-Wohlfahrt. Führung um 2 Uhr. Treffpunkt für Steglitz: Rotbaus, für Friedenau: Kaiser-Allee. Ecke Rönnebergstratze, um S/41 Uhr. Zehlendorf sWannseebabn). Die Bücher- und Bilderausstellung findet heut« nicht statt. Mittwoch, den 14.. abends: Zahlabend in allen Bezirken. Der 4. Bezirk tagt von jetzt ab bei Schwarz. Alfen- stratze. Der Vorstand. Mariendorf. Am Mittwoch fällt der Zahlabend in den einzelnen Bezirken aus. Dafür findet bei Preutz, Kurfürstenstratze, eilt g e- meinschaftlicher Zahlabend statt. Genosse E. Unger spricht über:„Bringt das Weihnachtsfest dem Proletariat Frieden auf Erden?" Der Vorstand. FrirdrlchShageu. Wir machen nochmals auf den heute nach- mittag 2 Uhr bei Lerche. Friedrichstr. 112, stattfindenden humoristischen Lichtbildervortrag aufmerksam. Ein- tritt für Kinder 10 Pf., für Erwachsene 20 Pf. Nowawes. Mittwoch, 14. Dezember, abend« 8V2 Uhr, im Schmidtschen Lokal sJ. H. Wolfgramm), Wilhelmstr. 41—43: Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht der Kinderschutzkominission. 3. Bericht von der Verbands- Versammlung Grotz-BerlinS. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Nieder-Schöneweidr. Am Mittwoch, den 14. Dezember, abends 8'/-, Ubr: gemeinsamer Zahlabend beim Genossen Stahlbcrg, Berliner Str. 123. Vortrag über:„Die Bestrebungen des Arbeiter- Gesangvereins". Referent: Genosse Kupfer. Der Vorstand. Tegel-Borfigwaldr. Heute Sonntag, den 11. Dezember, nach- »ittags 2 Uhr. findet im Lokal Trapps Festsäle, Bahnhofstr. 1, eine Theatervorstellung statt. Zur Aufführung gelangen die Märchen „Dornröschen" sowie der„Froschprinz und die Rockenfee". Die Mit- glieder werden ersucht, mit ihren Kindern zw erscheinen. Eintritt 10 Pf.. Die Bezirksleitungen. Pankow. Der gemeinschaftliche Zahlabend findet für die Süd- abteilung bei Rösler, Kaiser-Friedrich-Str. 12, statt. Vortrag des Gen Max Schütte über„Fritz Reuter". Für die Nordabteilung ist der Zahlabend bei Roczicki, Kreuz- stratze 6/4. Des weiteren steht die neue Bezirkseinteilung auf der Tages- ordnung. Die Bezirksleitung. Schänwalde, Bez. Pankow. Heute nachmittag 4'/z Uhr bei Schulz: Volksversammlung. Vortrag der Genossin Schulte- Rixdorf:„Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen". Diskussion. Genossen agitiert für guten Besuch dieser Versamnilung. Die Agilalionskommissio». Brnchmühle. Am heutigen Sonntag, den 11. Dezember, abends 7'/, Uhr, im Lokal des Genossen Kutzner, Roonstratze: Zahlabend. berliner JVacbricbten* Weihnachts-Ausstellnngcn. 35er jetzt die Straßen Berlins durchwandert und die AuSiagen in den Schaufenstern betrachtet, wird Vieles und Schönes finden, das zum Kaufe anregt. In keiner Jahres- zeit wird so viel Sorgfalt auf die Ausstattung der Läden der- n>'--det als in den Wochen vor Weihnachten. In dieser Zeit ist die Kauflust reger wie sonst, und die Geschäftsleute, große und kleine, müssen diesen Umstand nach Möglichkeit wahr- nehmen. Viele Firmen veranstalten wahre Ausstellungen. Und was wird nicht alles ausgestellt? Ta sind die großen Modewarenhäuser, die auf die Kund- schaft ir't dem großen Portemonnaie rechnen. Die elegantesten Sinsfe, Damenkleider und Tanienhüte der neuesten Mode, kostbare Pelze werden in den schönsten Exemplaren zum Kauf angeboten. Gold- und Juwelengeschäfte haben die modernsten Schmuckgegenstände ausgelegt: Wäschefirmen offerieren ihre Wäschefabrikate von der einfachsten bis zur kostbarsten Quali- tät, wobei bestimmte Firmen noch Präsente verabfolgen, die die Herstellung des Leinens veransckiaulicklen. Es gibt wenige Gegenstände, die nicht zur Ausstellung geeignet befunden werden. Die größte Zahl der Aus- stellungen bezieht sich zweifellos auf die Kinderwelt. Neben Puppenausstellungen sind es vor allem die Spielwaren- a u s st e l l u n g e n. die am häufigsten anzutreffen sind. Auf diesem Gebiete ist ein richtiger Wettkampf entbrannt. Kleine, mittlere und große Geschäfte konkurrieren mllein- ander, das Neueste und Schönste preiswert anzubieten. Organisierte Heimarbeiter aus Thüringen haben auch in diesein Jahre im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, eine Ausstellung und einen Verkauf von Sonneberger Spielwaren und Ehristbaumschmuck arrangiert, und einige Genossinnen und Genossen haben den Verkauf unter.Ausschaltung des Zwischenhandels übernommen..=* Besonders tvichtig für unsere Jugend sind die Aus- stellungen von I u g e n d s ch r i f t e n. Bücher können auf die geistige Entwickelung eines Kindes einen großen Einfluß ausüben. Deshalb muß bei Einkäufen darauf gesehen werden, nur gute Bücher zu kaufen. Die Handhabe hierzu bietet vor allem die Jugendschriftenausstellung im Gewerkschaftshause. In dieser Ausstellung gelangen alle Bücher zum Angebot. die im großen Verzeichnis des Bildungsausschusses angeführt sind. Die Jugendschriftenausstellung befindet sich im Saal Hl. In dem neben der Jugendschriftenausstellung gelegenen Saal II hat die Buchhandlung Vorwärts eine Ver- kaufsstelle eingerichtet, wo die Bücher gleich mitgenommen werden können. Auch eine Wandschmuckaus st ellung ist in dem bisherigen Ausstellungsräume(Eingang B, Erdgeschoß, neben dem Bureau des Holzarbeiterverbandes) untergebracht. Sie umfaßt Bilder aus den Verlagen Callway,„Stein", Teubner, Voigtländer und Vorwärts. Die Ausstellungen sind von Sonntag, den 11., bis Sonn- tag, den 18. Dezember, täglich von 3— 9 Uhr geöffnet, der Verkaufsraum mit Rücksicht auf die gesetzlichen Bestimmungen mir von 3— 8 Uhr. Der Zutritt zu den Ausstellungen ist für jedermann frei. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. Es wird dringend gebeten, in den Ausstellungsräumen nicht zu rauchen und sie auch nicht mit brennenden Zigarren zu betreten. Ferner wird gebeten, die Bücher nach erfolgter Durchsicht wieder auf ihren Platz zu stellen. Um der arbeitenden Bevölkerung im Norden Rechnung zu tragen, hat die Buchhandlung„Vorwärts" im Kösliner Hof, Köslincr Straße 8, eine Bücherausstellung eröffnet. Zur Ausstellung gelangen: Bilderbücher und Jugendschriften sowie auch gute Bücher und Bilder, die sich zu Geschenken für Er- Wachsens eigenen. Die Ausstellung ist vom 16. Dezember ab bis Weihnachten täglich von 5 bis 9 Uhr nachmittags, Sonntags von 2 bis 8 Uhr nachmittags geöffnet. Hoffen wir, daß die Ausstellungen von dem gewünschten Erfolge begleitet sein werden. In der Kolonne. Sie stehen den ganzen Tag: in den braunen, rissigen Händen das Arbeitsgerät, den Hut tief in die Stirn gezogen, den Kragen des dünnen, zugeknöpften Rockes hochgeschlagen. In den müden, stumpf blickenden Augen glimmert es wie er- loschenes Träumen. Manchmal bewegt sich ein bartumbuschtes Lippenpaar wie zu einem lautlosen Murmeln. So arbeitet jeder vor sich hin. Stunde um Stunde. Mit einer gewissen emsigen Hartnäckigkeit klirren die Spaten, rascheln die Besen. Denn der Aufseher fackelt nicht lange— selbst mit dem Alter dieser welken Leute nicht. Sein strohblonder Schnurrbart leuchtet bald hier, bald dort auf. Und seine blauen Augen können bei der kleinsten Unzufriedenheit gar böse blitzen. Tagtäglich sehe ich sie. In einer der breiten, bäum-- vepflanzten Straßen, die nach dem hohen Norden hinaus- führen, haben sie zu tun. Das Automatische ihrer Be- wcgungen, das so treffend zu der stumpfen Hofstmngslosigkeit ihrer Gesichter paßt, machte mich zuerst auf sie aufmerksam. Und nun, da die Tage kürzer und kürzer werden und Wind und Wetter immer unpäßlicher über das Pflaster jagen, erwecken die nie Feiernden ständig mehr meine Anteilnahme. Ein Alter hat sich mir ganz besonders eingeprägt. Seme eckig-knvchige Art und seine tiefliegenden, grauüberbuschten Flackeraugen charakterisieren) ihn ganz besonders vor den Kameraden seiner Kolonne. Er hält sich am liebsten allein. Von den Wortkargen ist er der Wortkargste. Für den Spaten reicht seine Kraft nicht mehr recht aus. Sie haben ihm einen Besen in die Hand gesteckt: ein wirres Rutenbündel an langem Stiele. Mit dem wühlt er im welken Laub, wenn er die spär- lichen Reste, die der Dezemberwind zusammengewirbelt hat, zu hohem Haufen, auftürmt. Es ist, als ob dann eine böse Gier in dem hageren Alten steckte. Seine langen Arme fliegen hin und her. Seine Beine, mit den leicht gebeugten Knien des Alters, stampfen, als wollten sie etwas zertreten.... Vielleicht ist der Alte einer von denen, die einst bessere Tage gesehen. Vielleicht war auch er einst ein Herrscher im kleinen gewesen. Seine Bewegungen deuten manchmal auf das Herrische eines friilwren Befehlers hin. Nun hat ihn das Leben hierher gewirbelt— in die Kolonne. Der kurze Dezenwertag will versinken. Ziegelrot glühen ein paar Riesenstriche über dem westlichen Horizont. Schon klettert die Dämmerung die grauen, rußigen Wände der Mietskasernen empor. Fahle Schleier überwölken das- ver- blassende Gelb des müden Tages. Von Norden her faucht ein Wind in kurzen, kalten Stößen. In der Kolonne hüsteln ein paar: heisere, trockene Töne, wie sie aus alten Kehlen dringen. Nur den Alten ficht der Sturm nicht an. Er hat ihm den Rücken zugekehrt. Auf seinen Besen gestützt, blickt er mit seinen fast erlosl)enen Augen die Straße hinunter. Schwarz ist seine hagere Figur gegen den bleifarbenen Himmel gestellt. Augenbrauen und Schnurrbart leuchten wie Schnee aus dem Dunkel seiner Silhouette, die abseits steht von den anderen SilhouettenbUdern der Kolonne.... Der Verkehr auf de» städtischen Straßenbahnen Virchow-Kranken- Haus— Warschauer Brücke und Steitiuer Bahnhof— Warschauer Brücke Hat sich ständig gesteigert; im Verlauf von etwa zwei Jahren ist er auf das Doppelte gestiegen. Der Wagenpark hat in dieser Zeit nur eine geringe Vergrößerung erfahren. Dem Verkehrsbedürsuis ann in den Zeiten des Haupiverkrhrsandrange? auf die Dauer nicht mehr genügt werden. Die Betriebsleitung der städtischen Straßenbahn hält zur Aufrechterhaltung deS Betriebes deshalb eine Vermehrung der Wagen um 13 Motor- und 12 Anhängewagen für erforderlich. Außerdem wird beabsichtigt, um bei Entgleisungen und schweren Be- schädigungen der Wagen schnell in Tätigkeit treten zu können, ein Automobil als sogenanntes Rettungswesen zu beschaffen, das mit den erforderlichen Geräten als Hebebäumen, Auslausschienen. Leitern usw. ausgerüstet ist. Die gesamten Anschaffungskosten für die Vergrötze- rung des Wagenbezirks werden aus 364 000 M. veranschlagt. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Stadt- verordneten eine entsprechende Vorlage zu machen. Nnanwendbarkeit der Berliner Hunbesteuemdnung von 1908. Der Buchbindermeister Morbach wollte einen Hund von der Steuer befreit haben, den er in der Werkstatt zur Bewachung von Lager- beständen usw. brauchte. Der Magistrat verwarf jedoch den Ein- spruch und der Bezirksausschuß wies die Befreiungsklage eben- falls ab. Das Oberverwaltungsgericht verwarf jetzt die noch vom Kläger eingelegte Revision mit folgender Begründung: Die Steuerordnung von 1008 enthalte eine Reihe bS» Abweichungen gegenüber dem bisherigen Steuerrecht, nämlich gegenüber der Steuerordnung vom 19 Januar 1893. Und zwar seien es Ab- weichungen, welche Aenderungen in den Grundsätzen darstellte». So war früher steuerpflichtig das Halten eines Hundes im Alter von mindestens drei Monaten, jetzt im Alter von mindestens zwei Monaten. Auch seien die Befreiungsvorschriften gegen früher wesentlich geändert worden. Unter diesen Umständen genügte es nicht, daß die Steuerordnung die Genehmigung der höheren Ver- waltungsbehörde erhielt, sondern die Genehmigung bedurfte noch der Zustimmung des Ressortministers. Diese Zustimmung des Ministers sei aber nicht erfolgt. Aus diesem Grunde sei die Ber» liner Hundesteuerordnung von 1998 noch garnicht in Geltung. Sie sei darum als noch nicht in Kraft getreten anzusehen. Deshalb fei noch die frühere Steuerordnung vom 1. Januar 1895 in Kraft geblieben. Nach dieser könne aber dem Kl�zer die Befreiung nicht zugestanden werden. Bewachungshunde seien danach nur steuerfrei, wenn sie tagsüber an der Kette liegen oder im Hundezwinger gehalten werden. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Im Berliner Lehrervercin gelangte am letzten Freitag folgend« Resolution zur Annahme: Der Berliner Lehrerverein wünscht die Begründung eines Reichs-Schulmufeums in der Reichsyauptstadt und empfiehlt, die„Deutsche Schulausstellung in Brüssel" als Grund- stock dafür zu benutzen. Daran schloß sich eine Debatte über das Thema:„Schule und Bodcnfrag e". Einhellig wurden die argen Sünden der Stadt Berlin auf diesem Gebiete gegeißelt und eine vernünftige und großzügige Bodenpolitik im Interesse der Volksschüler als er- forderlich bezeichnet. Hausbesitzerprivileg und kommunales Wahl- recht erfuhren als letzte Ursachen der Schäden die gebührende Kennzeichnung. Zur Fortschaffung von Requisiten aus dem Königl. Schau» spiclhause wurden dieser Tage Soldaten verwendet. Dieselbe Be- obachtung wurde im November im Opernhause gemacht. Was hat diese Tätigkeit mit dem Dienste zu tun? Sollte die General- intendantur unter den vielen stellungslosen Steuernzahlern nicht genügende Kräfte für die Arbeit finden? Der„Zentralvcrein für Arbeitsnachweis", Abteilung für weib- liche Personen, macht darauf aufmerksam, daß sein Bureau zur Vermittelung von Allshilfspersonal Reinmachefrauen, Waschfrauen, Plätterinnen, Auftvärterinnen, Aushilfmädchen, Ausbesserinncn für das Winterhalbjahr erst um 8 Uhr geöffnet wird. Bestellungen müssen deshalb einen Tag vor dem gewünschten Arbeitsantritt ein- gehen. Telephonamt 3, 3793. Postkartcnadresse C. 54, Rückerstraße 9 ptr. Eine neue Feuerwache soll auf dem Gesundbrunnen in der Stockholmer Straße errichtet werden. Die Kosten sind auf 472 000 Mark veranschlagt. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich, wie uns erst jetzt berichtet wird, dieser Tage auf dem Hofe deS Grundstücks der A. E. G. in der Voltastraße. Dort wird von der Attieugesellschaft für Bauausführungen. Genthiner Straße 3, ein Tmmelbau ausgeführt, bei dein auch der Arbeiter Dolginer, Jasmunder Straße 1. beschäfligt war. Dieser Arbeiter wollte am Montag einen Mauer- block mit einem eisernen Keil und Hammer zerkleinern. Dabei kam der schlvere Block ins Rutschen und quetschte den Arbeiter gegen einen andern dort liegenden Block dernraßen, daß dem Unglücklichen der linke Fuß gebrochen und zersplittert wurde, auch innere Ver- letzungen trug der Arbeiter davon. Um den Aermsten zu besreien, mußte der Block mit Piken und Schaufeln etwas angehoben werden. Am Dienstag ist D. im Krankenhause gestorben. Eine Franrnleiche wurde gestern bor dem Hause Kottsiuser Ufer 38 aus dem Kanal gezogen. Die Tote ist als die 10 Jahre alte Näherin Frieda Lehfeld aus der Sanderstraße in Rixdorf fest- gestellt worden. Weil die Leiche Verletzungen aufwies und die Kleider zerfetzt waren, entstand das Gerücht, daß ein Verbrechen verübt worden fei. Die Verletzungen rühren aber von Dampfer- schrauben und Bootshaken her. Ein Zusammenstoß zweier Schleppzllge auf dem Wasser hat gestern nachmittag in Stralau zu einem schweren Unglück geführt. Der Zusammenstoß erfolgte gegenüber dem Bootshaus des Ruder- Vereins Hellas und hatte zur Folge, daß zwei schwere Lastkähne zum Sinken gebracht wurden. In der Kaiüte des einen Kahnes sollen sich Vater und Kind befunden und beide sollen den Tod ge» fundcn haben. DaS große forstfiskalische Gelände zwischen Johannisthal, Rudow und Adlershof beabsichtigt eine bekannte Aktien-(Jndustrie)®esellschaft vom Fiskus zu erwerben. Der Fiskus verlangt 21 Millionen Mark bei einer Anzahlung von 1 Million Mark. Das Restkaufgeld von 20 Millionen Marl soll zehn Jahre zinSloS stehen bleiben und dann mit 3>/z Proz. Zinsen per Jahr nach und nach amortisiert und ab- gezahlt werden. Der Preis für den Morgen soll 11 230 M. betragen, also schon recht beträchtlich sein. Auf dem Anhalter Bahnhof Selbstmord' verübt. Weil er in Berlin schlechte Auskunft über seinen Gesundheitszustand erhielt, hat der 30 Jahre alte Schuhmachermeister Alfred Richter aus Dresden Hand an sich gelegt. N. war gestern vormittag nach Berlin gekommen, um hier wegen eines Magenleidens einen bekann- ten Spezialisten zu Rate zu ziehen. Die Auskunft, die er über seinen Zustgnd erhielt, war aber eine sehr ungünstige und dadurch war R. so niedergeschlagen, daß er nickst mehr nach Dresden zurückkehren mochte. Er erhängte sich vielmehr gestern nachmittag auf der Toilette des Anhalter Bahnhofes. AuS Erstickungsgefahr wurde in der letzten Nacht von der Feuer- wehr ein Kranler in der Straßmannstr. 44 gerettet. Die Wehr wurde um Hilfe ersucht und entsandte Samariter, die schnell zur Stelle waren. Durck Einflößen von Sauerstoff kam der Kranke schließlich wieder zu sich. Diese Hilfeleistungen haben in den letzten Monaten zugenommen und scheinen bei der Bevölkerung und der Aerzteschaft sich einzubürgern. In Lebensgefahr schwebten am Sonnabend nachmittag der Dekorateur Albert Gladis mit feinem Lehrling. Sie betraten um 3 Uhr den Keller des Hauses Kurfürstendamm 203. Dort lagerten Polstermaterialien, Werg. Seegras usw. und andere leicht brenn- bare Stoffe, wie Jute. Da es fast schon dunkel war, mußte der Lehrling mit einer Petroleumlampe leuchten. Hierbei kam er einem Ballen Werg und Hede zu nahe. Im Nu stand der ganze Keller in Flammen. Nur mit knapper Not konnten sich beide Per- sonen in Sicherheit bringen. Als die Charlottenburger Feuerwehr aus der Rankcstraße erschien, stand der Keller schon total in Flammen. Alle Kellcreingänge waren verqualmt. Der Vrand- inspektor ließ sofort Sappeure bis zum Brandherd vordringen und mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben. Dadurch gelang es, eine weiters Ausdehnung zu verhüte«, Deffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SO., Adalbertstr. 41. Geöffnet werktäglich von— 10 llhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 3—1 und 3— S Uhr. In den Lesesälen liegen z. B. 5V3 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Die Gesangvereine»Reu Erwacht" und„Sorgenfrei"(M. d. A.-T.-B.j halten am Sonntag, den 18. Dezember 1310, im Konzert- saale der Brauerei Friedrichshain unter Leitung ihres Chor- mcisters, Herrn Heinz Bleil, ein Wicderholungskonzert ihres am Buhtag ausverkauften Konzertes ab. Vorort- Nacbnchtem Rlxdorf. Die Ausdehnung des Marktes Kranoldplatz auf die angren» zende Bendastraße ist, wie in der Sitzung der Verkehrsdeputation mitgeteilt wurde, von der Polizei genehmigt worden. Mit der Festsetzung der vorgeschlagenen Markttage für den städtischen Pferdemarkt in den Lchsenwiesen erklärte sich die Deputatton ein- verstanden. Die Eröffnung des Pferdemarktes soll Anfang März erfolgen. Das Standgeld wird auf SO Pf. für ein Pferd und 25 Pf. für einen Wagen festgesetzt.— Die Eröffnung des W o ch e n- Marktes auf dem Herrfurthplatz wird für den 1. März 1311 in Aussicht genommen.— Die Deputation beschloh weiter, den städtischen Körperschaften die Erteilung der Genehmigung zur Aufstellung von Fernsprechautomaten an den Droschenhaltestellen zu empfehlen.— Des weiteren nahm die Deputation von dem Stande der Schnellbahnangelegenheit Kenntnis und unterzog diHe ..iuer eingehenden Besprechung. Auf Wunsch der Deputation über- nahm eS der Vorsitzende, eine Denkschrift über den bisherigen Gang der Verhandlungen auszuarbeiten. Wilmersdorf. Die Arbeitsordnung der städtischen Arbeiter bildete das Ver- Handlungsthema, welches in einer am Freitagabend stattgefundenen Versammlung behandelt wurde. Bereits schon am 23. September hatten die städtischen Arbeiter sich mit dieser Materie besaht und beschlossen, eine Eingabe zwecks Abänderung der Arbeitsordnung dem Magistrat zu unterbreiten. Hierauf erfolgte lange keine Ant- wort. Erst Mitte November bequemte sich der Magistrat zu einer Aeuherung über die Wünsche der Arbeiter. Der zuständigen Or- ganisation der städtischen Arbeiter, dem Verband der Gemeinde- und StaatSavberter ging zu dieser Zeit das nachfolgende Schreiben zu:„Wir haben beschlossen, über eine Neuberatung der Arbeiter» ordnung und der Ordnung für den Arbeiteraussckmh erst zu ent- scheiden, nachdem die Arbeiterausschüsse zu den Ordnungen und den bisher bekannt gewordenen Abänderungswünschen Stellung ge- nonnnen haben. Das uns eingesandte Material, für das wir bestens danken, wird dann gegebenenfalls Verwendung finden können. Der Magistrat." Daraufhin sahen sich nunmehr die Arbeiter veranlaht, neuer- dings noch einmal Stellung zur Neuberatung der Arbeitsordnung als auch zu den Satzungen für den Arbeiterausschuh zu nehmen, die dann in der Versammlung die Zustimmung aller Beschäftigten fanden. Die wesentlichsten Forderungen sind folgende: Die ärzt- liche Untersuchung vor Eintritt in städtisckjen Dienst soll von der städtischen Verwaltung bezahlt werden. In allen Betrieben ist die gleick�e Arbeitszeit hinsichtlich der Tagesstunden in Anwendung zu bringen. Alle an Sonn- und Festtagen geleistete Arbeit ist, auch wenn dieselbe dienstmähig festgelegt, in den ersten drei Stunden mit 100 Proz., darüber hinaus mit 50 Proz. Aufschlag zu bezahlen. Die Zahlung der Differenz zwischen Lohn- und Krankengeld soll bis zu 1 Jahr auf 6 Wochen, von 1—2 Jahren auf 12 Wochen, bei länger als Ljähriger Dienstzeit auf 20 Wochen gewährt werden. Hinsichtlich des Sommerurlaubs wird beantragt, einen solchen nach einjähriger Dienstzeit auf drei Tage, nach dreijähriger auf 7 Tage und nach öjähriger auf 14 Tage festzusetzen. Die in die Urlaubs- zeit fallenden Sonn- und Feiertage dürfen nicht dem Urlaub zu. gerechnet werden. Um das Arbeitsverhältnis stabiler zu gestalten, beantragen die Arbeiter, die Kündigungsfrist in den ersten sechs Monaten beiderseits täglich, später jedoch auf 14tägliche auSzu- dehnen. Die Immunität der Avberterausschuhmitglieder soll dadurch angestrebt werden, dah die Entlastung dieser Arbeiter nur durch den Magistrat resp. Stadtverordneten erfolgen darf. Ebenso verlangen die Arbeiter, daß ihnen aus alle i» der Arbeitsordnung enthaltenen Vergünstigungen ein Rechtsanspruch zugestanden wird. Neben einzelnen noch sonstigen Abänderungen wird gleichzeitig eine gänzliche Reorganisation des Statuts für den ArbeiterauSschuh verlangt, �n einem einleitenden Referat behandelte der Gewerk- schaftsiekretär Oskar Riedel alle diese Fragen, die auch aus- nahmslos die Zustimmung der Anwesenden fanden. Einige vom, Vertreter der Hirsch-Dunckerschen Gewcrkvereine verlangten Ab- ärrderungen wurden der Undurchführbarkeit wegen abgelehnt. Durch diese Beschlüsse ist somit den Arbeiterausschüssen der rechte Weg gezeigt, den sie bei ihren Beratungen hinsichtlich der ArbeitSord- nung einzuschlagen haben. Der Geist der Versammlung zeugte davon, dah auch die städtischen Arbeiter sich einig sind, mit ihren Bestrebungen die dringend notwendige Verbesserung ihres Arbeits- verhältniste» durchzusetzen. Hoffentlich wird der Magistrat aus diesem einmütigen Vorgehen die gleiche Schlußfolgerung ziehen und der städtischen Arbeiterschaft einen den gegenwärtigen Ver- Hältnissen entsprechenden Arbeitsvertrag behändigen. Adlershof. Die Konsumgenossenschaft von Ablershof und Umgegend hat auch in dem abgelaufenen Geschäftsjahr eine gute Entwickelung genomiuen. Der Umsatz betrug 545 019 M. gegen 473 320 M. im Vorjahre, so dah 71 098 M. Mehrumsatz erzielt wurde. An Ge- schäftsanteilen wurden 3047 und an Spargeldern 20105 M.ein- gezahlt. Von letzteren Einzahlungen wurden im Laufe deS Jahres 10 132 M. wieder abgehoben, so dah der Genossenschaft mit den früheren Einzahlungen.28 880 M. Spargelder verbleiben. Nach- dem der in AdlerShof befindliche architektonisch schöne Neubau im Geschäftsjahre bezugSfähig wurde, ist auch das Interesse für die zur Ausgabe gelangenden Hausanteile stark gestiegen, so dah die Generalversammlung die.Herausgabe einer zweiten Serie in Hohe von 20 000 M. Hausanteilen beschlotz. Das Grundstück mit Ge- bäude, welches einen Buchwert von 170 073 M. besitzt, ist nur mit einer ersten Hypothek in Höhe von 107 000 M. belastet.-Dem Zu- wach? von 313 Mitgliedern steht auch ein Abgang von 270 Vitt- gliedern gegenüber, so dah in diesem Jahre nur ein geringer Mit- gliedcrzuwachs verbleibt. In diesem Abgang kommt der Einfluh der überstandenen Krise scharf zum Ausdruck. Es steht zu er- warten, dah die Ilastenbewuhte Arbeiterschaft die Genossenschaft in jeder Weise stärken und dieselbe dadurch zu einer immer leistungs- fähigeren Konsumentenorganisation ausgestalten wird. Um den noch fernstehenden Kreisen die Vorteile der GenostenschaftSbewegung deutlicher vor Augen zu führen, beabsichtigt die Genossenschaft in allen Orten, wo sie Verkaufsstellen unterhält, Lichtbildervorträge stattfinden zu lassen, wie sie in Berlin mit großem Erfolge statt- fanden. Diensdorf am Scharmützelsee. Die hiesige»«illenbesther sollen am letzten Sonntag plötzlich in ihrer Ruhe gestört worden sein und, wie verlautet, drohen sie deshalb aus dem Orte zu wandern. ZBarum? Es fand hier an diesem Tage die erste sozialdemokratische Versammlung im Gast. Hof von LuciuS statt, die einen geradezu glänzenden Verlauf nahm, die aber auch zeigte, wie notwendig es gerade auf dem flachen Lande ist, die ländliche Bevölkerung über die Stellung der Sozial- dcmokratie zu allen politischen und wirtschaftlichen Fragen auf- zuklären. Schon bald nach 2 Uhr rückten in großer Zahl die Arbeiter und Bauern an, darunter viele Frauenz kurz vor S Uhr traf der Rittergutsbesitzer v. Ost Wald in Begleitung von einem halben Dutzend Großbauern in der Versammlung ein. Zu Beginn der Versammlung waren wohl zirka 300 Besucher anwesend. Das Referat hatte der Abgeordnete des Kreises Genosse Fritz Zu- b e i l übernommen. Der Redner entledigte sich seiner Aufgabe in zirka zweistündigem Vortrage. Scharf ging derselbe mit den Brot- Wucherern und Liebcsgabenempfängern ins Gericht, zeigte wie die Konservativen im Verein mit dem Zentrum die Lasten auf die Schultern der Unbemittelten abwälzen, und wie die Konservativen an der Arbeit sind, aus Angst vor dem Volksgericht bei den nächsten Reichstagswahlen, die Regierung scharf zu machen entweder für ein Ausnahmegesetz oder ein ZuchthauSgesetz gegen die Sozial- demokratie, um dann wieder ungestört die Arbeiter mißbrauchen zu können. Unter reichem Beifall beendete der Redner seinen Vor- trag. In der Diskossion meldete sich der Rittergutsbesitzer v. Ost- Wald zum Wort, er versuchte, den Moabiter Krawall in der be- kannten Manier der Sozialdemokratie an die Rockschöße zu hängen, sonst würden der„Vorwärts" sowohl als auch die Verteidiger sich der Angeklagten nicht so warm annehmen. Wer nicht so wolle wie die Organisierten, so betonte der Redner, der erhalte etwas mit dem Gummiknüppel. Es sei ferner zu begrüßen, daß der Kaiser nur seinem lieben Herrgott verantwortlich sei, die steigenden Aus- gaben für Heer und Flotte seien notwendig, auch erhalten die Steuerzahler den größten Teil in anderer Gestalt wieder zurück. Die Soldatenmißhandlungen seien auf ein Minimum beschränkt, seien auch nicht ganz abzuschaffen und beruhen meistenteils auf der Verhetzung der Sozialdemokratie. Die Fleischteuerung sei nur von der Sozialdemokratie künstlich erzeugt und aufgebauscht. eS sei auch nicht wahr, daß die Grenzen hermetisch abgeschlossen sind, denn es kämen jede Woche 80 000 Scftfveine aus Rußland. Ucber- dies braucht man keine Einfuhr, die deutsche Landwirtschaft sei kräftig genug, die Bevölkerung zu ernähren. Dem Kaiser und den Konservativen hätten die Arbeiter die soziale Gesetzgebung zu danken. Unter heftigem Widerspruch der Versammelten beendete der Redner seine Ausführungen. Genosse Z u b e i l schickte den Herrn RittergutSbesitzerinscharfenWortenuntergroßemBeifall heim. Zum Schluß der Versammlung kam es zwischen dem Herrn v. Ostwald und einem Schmiedemeister noch zu heftigen persönlichen Ausein- andersetzungen, die den überwachenden Gendarmen veranlaßten, den Herrn Rittergutsbesitzer v. Ostwald durch die Auflösung der Versammlung zu Hilfe zu kommen. Zubeil mutzte versprechen, spätestens im Februar nächsten Jahres wieder zu kommen. Die nächste Reichstagswahl wird zeigen, daß auch hier der Sozialismus Wurzel geschlagen hat. Weihensee. Neber das Aiigvste-Biktoria-Krankciihaus werden Beschwerden darüber laut, dah die Hinterbliebene» Verstorbener durch einen Sarg- licseranten eher Kenntnis von dem Ableben eines Angehörigen er- halten, wie von der Verwaltung des Krankenhauses selbst. So wird über folgenden Fall Mitteilung gemacht. Am Sonntag vor 14 Tagen verstarb im hiesigen Krankenhause ein Genosse. Die Frau desselben erstattete ihm des Nachmittags noch einen Besuch. Am folgenden Montag wurde sie plötzlich durch den Boten eines hiestaen Sarglieferonten in Schrecken versetzt, der ihr eine Offerte überreichte. Da der Bote ahnte, daß eine Benachrichtigung über den Tod ihres Mannes der Frau noch nicht zugegangen war. machie er sogleich Kehrt und kam»ach kurzer Zeit mrt einer schriftlichen Benachrichtigung vom Krankenhause zurück. Die Witwe wies das aufdringende An- erbieten de« Sarglieferanten ab. Ein biesiges Blatt nahm von den, Vorfall Notiz, woraus die KrankenhauSverwoltung eS so darstellle, als habe der Sarglieferant die Adresse des Verstorbenen nur da- durch erfahren können, dah er am Montagmorge» mit der Auf- bahruug eines anderen Verstorbenen zu tun hatte und bei der Gelegenheit im Leichenraum sich die Adreffe des Verstorbenen ab- geschrieben habe. Die KrankenhauSleitung bemerkt, dah eS seit Jahren allen Angestelllen des Krankenhauses strengstens verboten sei, mit irgend welchen Lieferanten in private Beziehungen zu treten, trotzdem aber gingen noch Beschwerden und Eingaben ein über Bevorzugung einzelner Sarglieferanten. Weiter wird bemerkt, dah die Leitung alle Benachrichtigungen an Angehörige durch eigene Boten ausführen lasse. Wie ist«S denn da aber möglich, dah der Bote drsSarglieferantendie Benachrichtigung des Kranken« bauieS von dem Ableben überreichen konnte. Zu ihrer Eiitschuldiming führt die KrankenhauSleitung weiter an. dah am Montag früh be« Beginn deS BlireaudiensteS eine benachbart« Familie in Rücksicht auf die Schnelligkeit mit der Bitte um Weitergabe der TodcS« meldung an die Angehörigen telepbonisch benachrichtigt worden fei. Letztere« ist jedoch nickt geschehen. Wenn sich aiiherdcm die Kranken- hauSleitung damit entschuldigt, dah sie mir Rücksicht auf den für die Frau eingetretenen schmerzt, chen Todesfall die Benachrichtigung am Sonntagabend unterlassen habe, so ist da« zu verstehen, aber dann war e« unbedingte Pflicht, dafür zu sorgen, dah die Benachrichtigung am Montag früh in schonender und nicht in so auffälliger geschäft- licher Weise durch einen Sarglieferanten geschah. Nieder-Schönhausen. Die letzte Gemeindevertrctersitzung beschäftigte sich mit der zum 1. April 1912 nötigen Errichtung eines Gebäudes für die höhere Mädchenschule. Bürgermeister Abraham unterbreitete der Vertretung ein Projekt, wonach daS in der Lindenstraße gelegene Grundstück der Klauckcstistung zunächst auf 5 Jahre zum Preise von 1000 M. pro Jahr gepachtet werden soll; nach Ablauf dieser Frist soll dann das Grundstück käuflich erworben werden, jedoch nach einer letztwilligen Verfügung des Erblassers nicht unter 100 000 M. Auf dem Hinteren Teil des Grundstücks soll die Schule nebst Turnhalle sowie den erforderlichen Nebenräumen erbaut werden, so daß vorn noch ein größeres Wohnhaus aufgeführt werden kann. Die Baukosten würden 275 000 bis 800 000 M. betragen. Die aus diesem Projekt entspringenden Borteile wurden ztoar nicht verkannt, jedoch hielten eS sämtliche Diskussionsredner nicht für angebracht, auf einem Pachtgrundstück ein so teures Gebäude zu erbauen, wenn nicht vorher ein bestimmter Kaufpreis festgesetzt werde; sei eS doch möglich, daß nach 5 Jahren daS Kuratorium der Klauckestistung einen höheren Kaufpreis wie 100 000 M. fordern könne. Diese Bedenken zerstreute der Bürger- meister. indenl er erklärte, daß vom juristischen Standpunkt aus das Testament in bezug auf. die Einsetzung deS Kuratoriums nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspreche. Dem Regierungspräsidenten habe er diese Angelegenheit vorgetragen, derselbe vertrete denselben Standpunkt. DaS Kuratorium könne keinen höheren Kaufpreis festsetzen, sondern müsse sich dem Machtspruch der Ge- meindevcrtretung beugen. Nach langer Debatte wurde beschlossen, den Platz für ein Schulgebäude öffentlich auszuschreiben und da- neben die Verhandlung mit der Klauckcstiftung weiter zu de. treiben. Genosse Breit mann regte bc» dieser Gelegenheit noch an. daß begabten Kindern unbemittelter Eltern Freistellen an der böhcren Mädchenschule gewährt werden, was auch zugesagt wurde. Gcmeindevertreter A. Kuhlmann interpellierte den Bürger. meiiter, aus welchen Gründen zwei Schülerinnen der höheren Mädchenschule von der Anstalt verwiesen worden seien. Der Bürgermelster betonte, eS seien tatsächlich zwei Mädchen, weil sie angeblich geistig minderwertig seien und dem Unterricht nicht folgen konnten, von einer Lehererin ohne Wissen des Leiters der Anstalt zum Verlassen der Schule aufgefordert worden. Der bc- treffenden Lehrerin fei nun mitgeteilt worden, daß sie zu einer derartigen Maßnahmen nicht berechtigt fei. Die Vertretung gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden; eS soll in der nächsten Sitzung ein genauer Bericht gegeben werden. Nach Erledigung einer Anzahl für die Oeffentlicksteit weniger wichtigen Punkte wurde in der nichtöffentlichen Sitzung über die Bewilligung einer Ehrengabe an hier wohnhafte Kriegsteilnehmer beraten. Pankow. Der Agitation für die Konsningtiiossenschaft diente eine znm Dienstag bei Roczycki abgebaltcne Versaniiiilnng. Der Referent, Genosse Güttler, besprach die Eiilslebimg»nd das Wesen der Konsum- bewegnna und ihre Bedeutung für die arbeitende Bevölkerung. Der Vortrag fand reichen Beifall. Ii, der Diskussion wurde allseitig die Errichiung einer Verkaufsstelle verlangt. Der Referent erklärte, dah, wenn 300 Mitglieder vorhanden seien, sofort mit der Errichtung einer solchen tzegonne» werde. Es wurde dann eine Kommission geivählt, welche die Agitation zur Verwirklichung deS gesteckten Zieles in die Wege leiten soll. Iii der Versammlung erklärten 44 Genossen sofort ihren Beitritt. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Mit dem Verkauf de? bei Stadt gehörigen Gutes Gartenfelde, zu Haselhorst belegen, an die Siemcns-Schuckert-Wcrke hatte sich die Versammlung am Freitag zu beschäftigen. Die Stadt hat dies Gut vor etwa zwei Jahren für 2 300 000 M. von dem Kaufmann Bernhard Eisner erworben und will nun dasselbe an die Sicmens-Schuckert-Werke für 2 600 000 M. wieder verkaufen. Der Verdienst, den die Stadt irr Höhe von 300 000 M. an diesem Geschäft hätte, kommt aber nicht groh in Frage, wenn man berücksichtigt, welche vertragliche Ver- pflichtungen der Stadt auferlegt werden. Tie Firma will auf dem zu erwerbenden Gelände eine Reihe industrieller Anlagen und Wohnhäuser zur Unterbringung des Betriebspersonals errichten. die Stadt hätte nack» dem vorliegenden Vertragsentwurf dafür Sorge zu tragen, dah längstens bis zum 1. Juni 11/11 alle die» jenigen kommunalen Einrichtungen geschaffen werden, welche für die beabsichtigte Verwertung des Kaufgrundstücks Voraussetzung sind, nämlich die Wasserversorgung, die ötasversorgung, die Ent- Wässerung, den Ausbau der Strahenbahn sowie eine Verlängerung derselben. Zu diesen Einrichtungen wird der erzielte Gewinn von 300 000 M. auch nicht im entferntesten ausreichen. Sachverständige schätzen diese iZlusgaben auf zirka 155 Millionen Mark. Nun könnte eingewendet werden, dah ja die Stadt auch gleich einen Abnehmer für Gas- und Wasser hat und auch eine weitere erhöhte Steuez> zahlung von diesem zu erwarten ist. Tie Geschichte wird für die Stadt auch nicht allzu rentabel werden, wenn berücksichtigt wird, daß vertraglich der Firma das Gas und Wasser um 20 Prozent billiger abgegeben werden soll, als anderen Abnehmern. Auher- dem ist aber noch in Betracht zu ziehen, dah das Gelände, wenn einmal der Grohschiffahrtswcg dort eröffnet wird, für die Stadt eine grohe Goldgrube werden kann. Zu dieser Vorlage wurde nur die Generaldebatte in öffentlicher Sitzung verhandelt. Merkwürdig und besonders auffällig wurde beobachtet, dah diejenigen Stadtver- ordneten, welche gewissermaßen Sachverständige sind, wie zum Bei- spiel Maurermeister Makowka, Maurermeister Hülsebeck, Maurer- meister Diedrich, die sonst bei solchen Grundstucksverkäufen das große Wort führen, sich gar nicht an die Debatte beteiligten. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß die Forderung der Sozialdomo- kraten, städtisches Gelände so wenig wie möglich zu verkaufen, voll- ständig berechtigt ist. In der geheimen Sitzung wurde der Vertrag mit einigen Aenderungen angenommen. Vollkommen erschöpft wurde vorgestern abend ein junger Wanderbursch, auf dem nassen Erdboden beim Stabholzgarten lie- gend, von vorübergehenden Personen aufgefunden. Die Polizei brachte den jungen Menschen, der sicher schon lange Zeit an Unter- ernährung gelitten, in Gewahrsam, wo er Nahrung erhielt. PotSdam. Ter fingierte Raublllierfall. Der Potsdamer Kriminalpolizei ist eS gelungen, den llebcrfall auf die Aufwärterin Bogatzki, die vor» gestern nachmittag, wie berichtet, in der Wohnung der Fran Dr. Graes in der Charlottenstr. 102 gefesselt und geknebelt aufgefunden wurde» aufzuklären. Kriminalkommissar Steinhauer hielt den ganzen Vor- mittag über im Präsidium Vernehmungen ab und erreichte endlich ein Geständnis der Frau Bogatzki. Die Überfallene Frau ist eine geborene PotSdamerin und erst seit kurzer Zeit verheiratet. Ihr Mann, der Kutscher ist, verbüßt zurzeit eine Gefängnisstrafe. Die angeblich Uebcrfallene gestand, dah die Tat auf gemeiiname Verabredung mit ihr von ihrem Schwager, einen früheren Fürsorge- zögling begangen worden ist, der einige Zeit bei ihr wohnte, jetzt aber sich in Charlottenburg als Fensterputzer aufhalten soll. Die geraubte Kassette enthielt nur 100 Mark. Juflendveranstaltnngen. Steglis und Umgegend. Heute Sonntag, den 11. /d.M., Nachmittag» 4 llhr, bei Heizmnnn, Flora- Ecke Dflnthcrstrajje: Versammlung. Vortrag des Herrn U l m über:.Jiigeiioschntz'. Freie Ingeiidoraanisation Tempclhof-Mariendorf. Heute, nach- mittags 2'/i Uhr. im Jugendheim, Mariendorf, Chausseeitr. 323: Verein«- Versammlung. Herr Zeuner spiicht über:.Die Entwickelung der moderneu Arbeiterbewegung." Gäste willkommen. Jugendschristen-Ansstellungen jiliden heute, am Sonntag, den 11. Dezember, in nachstehenden Orten wie folgt statt: Chariottenvurg. Im VolkshauS, Rosinenstr. 3. nachmittags von 3—8 Uhr und wochentags von 5—10 Uhr. Rixdors. In Hoppcs Feiisälen, Hermannstr. 43/50, von heute, Sonntag, den 11. Dezember, ab täglich von 4— 9 Uhr abends. Neben der Ausstellung findet ein Verkauf(Genosse Spediteur Heinrich) in der für Ladengeschäfte polizeilich vorgeschriebenen Verkaufs- zeit statt. Schvnebers. Im Tunnel Grosser, Meiningerstr. 8. Besichti- gungszeit ist von nachmittags 5 Uhr ab und an den Werktagen am 17., 20., 21. und 22. von 6 Uhr ab. WilmerSdorf-Halensec-Schmargendorf. Die Ausstellung ist in der Vorwärtsspedition WilhclmSaue 26. Steglitz-Fnedenau. Die Ausstellung findet am heutigen Sonntag, den 11. bis Donnerstag, den 15. Dezember, im Laden, Schloß- strahe-Ecke HubertuSstrahe, statt. Sie ist geöffnet heute von 4 bis 9 Uhr nachmittags und wochentags von 6— 9 Uhr abends. Tempelhos. In der Spedition, Restaurant Albert Thiel, Bcr- liner Strahe 41/42. Besichtigung zu jeder Tageszeit. AdlerShof. Von heute. Sonntag, ab bis 18. Dezember im „Jugendheim", Bismarckstrahc 11. Besuchszeit Sonntags von b bis 8 Uhr nachmittags und wochentags bis 10 Uhr abends. Jriedrichsbngcn. Im kleinen Saal von Lerche, Friedrichstr. 112 (Rundteil), nachmittags von 2— 8 Uhr, am Soiintag, den 13. De- zcmber, von 9—3 Uhr und am Montag, den 19. Dezember, von 6— 9 Uhr abends. Wrihensee. Im Lokale des Genossen Peuckcrt, König- chaussee 88. Alles Nähere ist aus den im„Vorwärts" beiliegenden Prospekten ersichtlich. Pankow. In der Parteispedition, Mühlenstr. 30. Tegrl-Vorsiawalde. Von heute, Sonntag, den 11. vi? einschl. Sonntag, den 18. Dezember im„Jugendheim", Schliepcrstr. 30. Ge- öffnet ist die Ausstellung Sonntags von 3— 8 Uhr abends, wochentags von 7— 10 Uhr abends. Spandau. Im Restaurant Volksheim, Havclstrahe 20, oberer Saal. Besichtigungszeit fft an den Wochentagen von abends 5— 9 Uhr und Sonntags von mittags IL— 9 Uhr abends. Der Verkauf der Bücher findet in der polizeilich vorgeschriebenen Verkaufszeit statt.__ Gingegangene DrucUrchriften. Wie man kein Geld vermehrt. Von P. Eh. Marten». 1.80 M. Der goldene Boden deSHandwerkS nnd der lirntigr Hnndelostnn�- Von Dr. Will). Stefan 1,80 M.. geb. 2,40 M.— Englands ircind. D-r Herr der Lust. Von 5. Gerhard Sceliacr. 3 M., tu Lriginalband 4,50 M- Wesldcutlche Veilagsgefellschalt, Wiesbaden 35. Aus der Provence. Von Th. Birk, Deutsche Bücherei. Bd. 112/113. 1 M.. geb. 1.40 M. O. Koobs, Berlin W. 57. ßrUfhaften der Redaktion. «U IntlfHfAt«»«Ififtnn»» ftttbel LiodenNrahe Nr. 00, dorn Met Tredve«— A-drstslil—.«oortientönOdi bon 4>/, bt» VI,»dr ab«»»», «onnabeud» bo» i'h bis 6 Nhr nachmittags ttat«. Jeder für de» Brief- kästen bestimmten«ufrag? ist«in Buchstabe und eine Zadl al» Viert- »eichen beizufügen. Briefliche Butwor, wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage mau in der Lvrech stunde bar. A. H. 1878. Die Entlcheidulig der Berufungskommission Ist endgültig. Eie können nur von dem Unternehmer Ersatz fordern, wenn Ihnen der Nachweis gelingt, dag seine AuSkunst falsch war.— 27-». Ja, wenn das Schriststück von beiden Vertragsparteien unterschrieben wird.— H. L. 2«. Kranlsurler Allee 181.— Berliner Marztnge. Geben Sie der Buch- Handlung.Vorwärts' die Adresse des Verlegers und die schlenden Fort- setzungen an. Die Buchhandlung wird veriuchen, Ersatz zu beschassen.— H. L. W«. Ja. wenn es sich um Ihr Geld handelt.— Ernst. Kommen Sie in die Sprechstunde. Auf Grund Ihrer Fragestellung Iaht sich eine sachgemäße Auskunst nicht geben.— R. P. R. 1V 1. Aus Bermittelung von Stellen können wir uns nicht einlassen.— Max B. 199. Nein. — W. K. 28. 1. Nein. 2. Ja. Ihre Familie hat Anspruch aus Unter» stützung an die LandcSversicherungsanstalt in Höhe der Hülste des nach dem Statut der Ortskrankenkasse zu zahlenden jlrankengeldes. Dicie Unter. stützung kann in Fällen, wie hier vorliegend, erhöht werden. 3. Ja. 4. Ab- Meldung ist zweckmäßig.— A. B. Eine durch Gesetz bestimmte Arbeits- zeit gibt es für derarltge Betriebe nicht. Andauernde übermäßige Arbeits- zeit ist nicht gestattet.— W.<£. 100. 1. Das Gesetz bestimmt keine Frist. Erinnern Sie beim Amtsgericht an Erledigung. 2. Ja.— M. R. 103. Nach io langer Zeit erscheint ein Anspruch aus Wandelung oder Minderung des Kausprelses nicht mehr durchführbar.— M. F. 25». 1. und 2. Ja. — Tour 87. lieber Fragen, die Erlangung von Stellen bctressend, können wir nicht Auskunst erteilen. Bielleicht erfahren Sie aus Ansrage von Ihrer gewerkschasilichen Organisation etwas Zweckdienliches.— M. M. 23. Die Forderung de» Zahnarztes ist begründet.— F. G. 1001. Ka-l-r». — P. 42. Nein.— R. von diesem An- erbieten recht zahlreichen Gebrauch zu machen. Herrmann Schiesinacr, Turmslrahe 33, Reinickendorfer- ftraße 48._ 1757K' Leihhaus Woritzplatz 58». 1. Slage Dstorttfplalf53a im Leihhaus. Von letzten Auktionen zurückgebliebene Warenbestände, als: großer Posten von Kavalieren getrogene Jackettanzllge, Rockanzüge, Paletots, größten teils aus Seide gearbeitet, 9—18 Mark. 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