Ur. Ä9Ä. übsnnementt-keSIngungen: LbonncniciitS- Preis prmimneranda! Bierteljährl. 3£0 Mk., monall. 1,10 Mk., wöchentlich 28 Pfg, frei ms Haus. Einzelne iKununcr S Pfg, Sonntags- Hümmer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonneniciit: 1,1V Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonncinents Iiebmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 27. Iaheg. Crldscint täglitt auCcr lilontags. Berliner Volksblntt. Sie Iniertionz-Sebühi' de trägt für die sechsgespaltenc Kololiel» xcile oder deren Raum 6V Psg,, für politische und gewcrlschaftliche Vereins« »md BersammIungS-Anzeigen 80 Psg, „Ateine?Znr-igen". das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellcil-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jede? weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse!« bis ö> Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm« Adresse: „ZttizlltemoltkZt Bcriiirt Zentralorgan der rozialdcmokratSfcben Partei Doitfchlands. Redahtton: SM. SS, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1083. Cin armer Schacher. Es geht reißend bergab mit dem Ansehen der Reichs- regierung. Ihre Vertreter selbst sind es, die mit hilslosen Brenisversuchen den Karren nur noch rascher ins Rollen bringen. �So leichtfertig im Heraufbeschwören einer ge- spannten Situation hat sich selbst der leichtherzige Bülow nicht gezeigt wie Bethmann Hollweg, ulid um ein Gegenstück für die Unbehilflichkeit des amtierenden Reichskanzlers in dieser Situation aufzutreiben, muß man schon lauge in den Parla- mentsannalen zurückstöbern. Daß diese bureaukratische Ver- legenheitsfigur cm Staatsmann ebensowenig ist wie cin -Philosoph, darüber sind sich nicht nur die Sozialdemokraten einig. Aber, daß er auch noch nicht einmal cin erträgliches Durchschnittsmaß eines parlamentarischen Debatters erreicht, das muß heute selbst seinen Freunden klar geworden sein. Nach einer kurzen kolonialpolitischen Ausführung des Staatssekretärs v. L i n d e g u i st wurde gestern die Debatte im Reichstag durch den konservativen Abgeordneten„Gans Edler zu Putlitz" weitergeführt. Er suchte in einem, selbst für junkerliche Redner ungewöhnlich dürftigen Ge- stamme! die Haltung seiner Partei zu rechtfertigen und machte auch einige schwächliche Versuche, sich an der Sozialdemokratie zu reiben, womit er indes nicht einmal bei seinen Fraktions- genossen einen Eindruck erzielte. Dann erörterte Genosse David in einer nahezu drei- stündigen, fesselnden Rede die gesamten zur Erörterung ge- brachten Fragen. Ten Hauptbestandteil seiner Ausführungen bildete aber die Auseinandersetzung mit dem Reichskanzler, die sich zu einer scharfen Anklage wegen seines voreiligen Urteils über die in Moabit zur Verhandlung stehenden Prozeßfragen erhob. Hatte doch der erste Beamte des Reichs und von Preußen sich am Sonnabend beikommen lassen, zu erklären, die Polizei habe in Moabit nur ihre Pflicht getan, und die Sozialdemokratie trage die Mitschuld an den „Exzessen". Wie David zunächst durch eine Verlesung einiger Stellen aus den Polizeiberichten nachaues, haben einwandfreie Zeugen bekundet, daß verschiedene Polizeibeamte sich brutale Miß- Handlungen wehrloser Leute haben zuschulden komnien lassen. David warf dann die Frage auf, was man von einem Staats- beaniten in so hoher Stellung zu halten habe, der entweder ohne hinreichende Kenntnis der Dinge oder, was noch schlimmer sein würde, der trotzsei nerKennt- u i s ein solches Urteil über die Schuldlosigkeit der Polizei- beamten, während der Prozeß noch im Gange sei, zu fällen vermöge. Der Behauptung des Kanzlers, daß es unsinnig sei, von der Mitwirkung von Lockspitzeln bei der Anfachung der Exzesse zu sprechen, hielt er die Tatsache entgegen, daß schon bei früheren Prozessen durch Zeugen nachgewiesen sei, daß Lockspitzel die Menge aufzureizen versucht hätten und daß es zu deren völliger Uebcrführung nur deshalb nicht gekommen sei, weil der Polizeipräsident regelmäßig den beschuldigten Polizeibeamten die Aus- sage verboten hätte. Nichts natürlicher, als daß daraus stets auf die Mitwirkung von Lockspitzeln bei Straßen- Unruhen geschlossen wird. Ebenso räumte David mit der Reichskanzlerschen Behaup« tung auf, daß die Sozialdemokratie die Mit- schuld an den Exzessen in Moabit trage. Er ver- laugte Beweise und betonte seinerseits nachdrücklich die unbestreitbare Tatsache, daß überall dort, wo große und kräf- tige Organisationen der Arbeiter bestehen, die wilden Streiks abnehmen und auch die Streiks der organisierten Arbeiter weit geringer von Exzessen begleitet sind. Besonders hebe sich aber Deutschland, wo nicht nur wohlorgauisierte Gewerk- schaften, sondern eine große und leistungsfähige Sozial- demokratie die Arbeiter geschult habe, vorteilhaft hervor durch den ruhigen Verlauf seiner wirtschaftlichen Arbeitcrkämpfe. David hatte noch der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Reichskanzler seine Behauptungen zurücknehmen werde. Herr v. Bethmann hatte während der gegen ihn erhobenen Anklagen in sichtlicher Erregung mit dem Staatssekretär des Reichsjlistizamts sowie mit dem Chef der Reichskanzlei kon- seriert. Man hätte um so mehr eingehendere Darlegungen von ihm erwarten dürfen, da David auch sonst seine Politik kritisch zergliedert hatte. Aber auch jetzt versuchte der sogenannte leitende Staatsmann sich mit einigen kurzen oberflächlichen Rede- Wendungen aus der Affäre zu ziehen. Erging nur auf die Moabiter Affäre ein. Sein Auftreten am Sonnabend suchte er auch jetzt wieder durch das Vorgehen Scheidemanns zu rechtfertigen, trotzdem David nachgewiesen hatte, daß Scheidemann nur auf die vorhergegangeneu Anzapfungen der Herren v. Dirkscu und V. Ganip geantwortet hatte. Trotzdem er auch jetzt wieder das Recht für sich in Anspruch nahm, über das Verhalten der Polizei in Moabit ein Urteil zu fällen, tvagte er doch nicht, seine frühere Behauptung in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Am Sonnabend sagte er, die Polizei habe nur ihre Pflicht getan: durch die Proteste in den Zeitungen, im Gerichtssaal und jetzt im Meichstag selbst in die Enge gedrängt, fügte er hinzu— wenn auch einzelne Ausschreitungen von£ Alizeibeamten vorgekommen seien. Auch mit dieser Einschränkimg ist der Kanzler noch immer nicht berechsigt, jenes allgemeine Urteil Mitttvoch, den 14. Dezember 1910.! Expedition: SM. 68, Lindcnstrasse 69« Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. zu fällen, am wenigsten während des Verlaufs des Prozesses. Dadurch, daß er lebhaft seine Absicht bestritt, irgendwie auf die Urteilsfällung in Moabit einwirken zu wollen, schafft er doch die Tatsache nicht aus der Welt, daß eine derartige ! Erklärung durch den höchsten Beamten auf alle ihm unter- ' geordneten Beamten eine Einwirkung ausüben kann und daß ! deshalb von allen Leuten von Rechtsgefühl solche einwirkungs- fähigen Aeußerungen eines leitenden Staatsmanns während eines schwebenden Verfahrens auch auf das schärfste verurteilt werden. Als der Reichskanzler dann aber auch ohne irgend welche Einschränkung wie ohne die Beibringung irgend eines Be- weises seine Beschuldigung gegen die Sozialdemokratie mit den Worten aufrecht erhielt: Ihre Mitschuld steht fest! entfesselte er einen Sturm von entrüsteten Protesten bei den Sozialdemokraten, denen die Rechte mit lärmenden Bravorufen entgegenzuwirken suchte, so daß geraume Zeit ein riesiger Lärm das Haus durchtobte, bis der glockenschwingende Vizepräsident Schultz sich so weit verständlich machen konnte, um drei Ordnungsrufe zu erteilen. Wenn Herr v. Bethmann Hollweg glaubt, seinen poli- tischen Ruf dadurch heben zu können, daß er mit dem Eigen- sinn eines gescholtenen Kindes beweislose Verdächtigungen einfach wiederholt, so schätzt er das Volk doch offenbar nach dem intellektuellen und moralischen Niveau der Junker- käste ein. Zunächst attestierte ihm im Reichstag selbst der frei- sinnige Abgeordnete Schräder, wie schleckt er abgeschnitten hat. Bei den allgemeinen NeichStagswahlcn wird ja das Volk auch über Herrn v. Bethmanu Hollweg sein Urteil fällen. über seine allgemeine Politik sowohl wie über sein Eingreifen in den Moabiter Prozeß. Und heute schon kann man sicher sagen, daß dieses Urteil lauten wird: Gewogen, ge- wogen und zu leicht befunden! H „lauen Sie die Kerle in die Schnauze... ES ist das Wort eines Polizeileutnants. das in der Dienstags- Sitzung des M 0 a b i t e r Prozesses bekundet wurde. Ein Befehl, der in den Tagen der Moabiicr Ereignisse an die Schutzmannschaft erging. Nicht der einzige dieser Art. In derselben Sitzung wurde die Aeußerung eines anderen Polizeioffizicrs be- zeugt:„Hauen Sie feste drauf los und schießen Sic, die Halunken werden wir schon kriegen I" Es wäre natürlich ungerecht, sich über diese Ausdrücke pharisäisch zu entrüsten, aber für die vorbildliche Ruhe, die Herr Major Mein und andere Zeugen an den Polizeibeamten gerühmt haben, sprechen sie gewiß nicht. Wenn schon Polizeioffiziere sich zu solchen Ausdrücken der Erregung hinreißen ließen, wie mag eS dann erst bei den Schutz- leuten ausgesehen haben und wie müssen solche Aufmunterungen aus dem Mund der Borgefctzten auf sie gewirkt haben. Wie wenig sie dessen bedurften, das wissen wir aus den bisherigen Verhandlungen. das zeigte auch diese wieder. Glied'auf Glied fügte sie an die lange Kette der Anklagen, die wider die Polizei erhoben wurden. Zeugen aus allen Klassen und Ständen, Zeugen jeglicher Parteirichtung und Gesinnung sind in dieser Beziehung eines Sinnes. Am Montag der begeisterte Monarchist, Rechtsanwalt Ballicn, der seiner tiefen Empörung über die Ansschreitungen der Polizei Ausdruck gab, am Dienstag der Schreibwarenhändler Hüart, der in minder starken Tönen innerer Bewegung seine Entrüstung kundgab, der bittere Klage erhob, daß die Greuel, die er sehen mußte, seinen christlichen Glanben in den Grundfesten erschüttern mußten. Das sind andere Zeuge» als die Jagowschen Freiwilligen, die die Polizei für engelrein halten, weil sie zufällig mit den Polizeisäbeln nicht in Berührung gekommen sind, weil sie merkwürdigerweise immer dann nichts gesehen haben, wenn die Schutzleute ihre„Tapferkeit" und„Korrektheit" an wehrlose einzelne Menschen ausließen, wenn sie auf am Boden Liegende einHieben und einstachen, wenn sie aus purer Lust an der Brutalität in menschen- leerer Straße selbst Frauen mit dem Säbel anfielen. Ucbrigens müssen diese Jagowschen Zeugen im Kreuz- verhör doch bisweilen Tatsachen angeben, die der Polizei nicht sehr angenehm sind. So der Journalist Steinberg, der mit den Beamten der Polizei auf sehr vertrautem Fuße steht und die Ge- schehnisse durchaus mit ihren Augen anficht. Nach längerem Be- sinnen mußte er zugeben, daß ein Kriminalschutzmann, der sich in Arbeiterkleidung gesteckt hatte, von seinen uniformierten Kollegen böse verhauen worden ist. Wenn es so den eigenen Gliedern der Polizei ergehen kann, was hat sich dann der Bürger zu beklagen! Ein Polizeileutnant versicherte drei Moabitcr Bürgern, die ihn um Passierscheine au- gingen, daß er selbst auch Prügel bekommen könnte, wenn er sich in Zivil in die Menschenmenge im Gebiet der Unruhen begeben würde. Wegbleiben von solchem Ort, das sei das einzige Schutzmittel. Ein wohlfeiler Rat für die Bewohner von Moabit, die sich doch nicht immer in ihren Wohnungen versteckt halten konnten. Als die drei dem Herrn Leutnant beuicrklen, daß sie doch nicht sofort umziehen könnten, daß sie aber doch bisweilen die Straße passieren müßten, da wußte der Herr Leutnant auch nicht weiter. Ein Achselzucken war die verlegene Antwort. Recht unangenehm war die Sitzung für Herrn Leutnant Folte. Zeuge nach Zeuge trat auf und erklärte, genau gesehen zu haben, wie der Herr einen am Boden Liegenden mit dem Säbel schlug, wie er mit der Waffe nach dem unter einen Wagen Geflüchteten stach. Die Versuche, durch Polizeizeugen die Unrichtigkeit dieser Aussagen zu erweisen, mißlangen— die Mitteilungen der Zeugen zeigten höchstens, daß sie den Borgang nicht vollständig beobachtet hatten oder daß sie einen anderen, zweiten Fall meinten. ES war bemerkenswert, daß Herr Folte, der das Hcrnmstockern nnt dem Säbel unter dem Wagen entschieden bestreitet, nachträglich daS Be- dürfnis empfand, eine Erklärung dafür zu geben, wie die vielen Zeugen, die ihn belasteten, zu solchen Auffassungen seiner Bewegungen am Wagen gekommen sein könnten. Daß sich aber so viele Zeugen allesamt in gleicher Weise bei ihren Beobachtungen getäuscht haben könnten, fällt schwer zu glauben. Fast könnte man allerdings aus der Tatsache, daß das Gerlcht auf eine solche Demonstration dcS Leutnants keinen Wert zu legen erklärte, schließen, es sei geneigt, die ihn belastenden Be« klmdungen als durch seine und der anderen Polizeizeugen Aussage» widerlegt anzusehen. Zumal das Gericht dem Herrn Leutnant in einem anderen Falle cin Glaubivürdigkeitsattest ausgestellt hat. Ob die vom Verteidiger Dr. Rosenfeld enthüllte Tatsache, daß Herr Folte sich mit einem seiner Vorgesetzten darüber beraten hat, ehe er sein Zeugnis durch die Bekundung eines die Polizei bclastcudei» Umstandes ergänzte. so zu bewerten ist, darüber dürften viele Leute ganz anderer Ansicht sein, als die Kammer Lieber. Line iozialiitilche Briedens« demonitration. London, 11. Dezember 1910.(Eig. Ber.) Gestern fand in der Albert Hall in London eine große sozialistische Friedensdemonstration statt, die von der llu- abhängigen Arbeiterpartei arrangiert worden war. An der Kundgebung nahmen zwischen 8000 und 10 000 Menschen teil. Aus verschiedenen'Ländern hatten die sozialistischen Parteien Delegierte entsandt. Band er Velde vertrat Belgien, I a u r ö s Frankreich, M 0 l k e n b u h r Denlschlaiid und Professor Mills Amerika. Für England sprachen Kcir Hardic, MacDonald, Lansburp und Anderson. Keir Hardie führte den Vorsitz. Anderson schlug hierauf- die Annahme einer Resolution vor. die folgenden Wortlaut hatte: „Diese Massenversammlung heißt die vier hervorragenden Vertreter der internationalen sozialistischen Bewegung, di« zu uns reden werden, willkommen und begrüßt ihre Anwesenheit als ein weiteres Zeichen der wachsenden Solidarität der Arbeiter» beweaung. Diese Versammlung erklärt ferner, daß es zwischen den Demokratien Europas keinen Grund zum Kriege gibt und keinen geben kann. Sic protestiert nachdrücklich gegen die beständige Vermehrung der Rüstungen und gegen die Versuche, die gemacht werden, um Streit zwischen den Nationen zu erzeugen. Die internationale Arbeiterbewegung verwirft den Militarismus in allen seinen Formen, da er dem Fortschritt der Menschheit femd- lich ist. Schließlich fordert diese Versammlung die Arbeiter aller Länder auf, sich unter der sozialistischen Flagge zu ver- einigen und damit den wirtschaftliche» Frieden und die inter- nationale Eintracht herzustellen." Als erster sprach L a n s b u r y, der mit großem Enthu« siasmus begrüßt wurde. Er wandte sich besonders an die bürgerlichen Friedensfreunde, deren Agitation er für ohn- mächtig erklärte, und forderte sie auf, in die Reihen der internationalen Sozialdemokratie zu treten, deren Wirken allein zum Frieden führen könne. Er wies auf die starken Befürworter hin, die der Krieg in den Geschäftspatrioteu habe, und forderte vor allen Dingen eine wirksameKon» trolle der Volksvertretung über dje ans- wärtige Politik. Er schäme sich als Engländer, daß sein Vaterland mit zwei der despotischsten Staaten der Welt, Rußland und Japan, die die Sozialisten aufs grau- samste verfolgten, Freundschaftsbündnisse habe. Solange das verruchte kapitalistische Systeni bestehe, unter dem jederniann um ein Stückchen Brot kämpfen müsse, könne von einem Frieden nicht die Rede sein. Vandervelde spricht im Namen der belgischen Ar- bcitcrpartei: Belgien kommt zwar als Friedensstörer nicht in Betracht, aber es habe sich durch die Greuel, die der König Leopold im Kongostaat verübt habe, eine Schuld aufgeladen, und das belgische Volk sei jetzt bemüht, das Unrecht, das dem Volke des Kongo- staats zugefügt worden sei, wieder gut zu machen. Er spendet der englischen Demokratie, die den Buren die Freiheit wieder- gegeben habe, hohes Lob. Der triumphierende Marsch der Ge- rechtigkeit sei nicht aufzuhalten. Leute, die während des süd- afrikanischen Krieges von den Chauvinisten»nßhandelt wurden, ständen jebt an der Spitze der Regierung(Lloyd George), und General Botha sei der Premierminister des vereinigten Süd- afrika. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es der englischen De- mokratie gelingen wird, den wahnsinnigen Rüstungsbestrebungen Einhalt zu gebieten. Ihm folgte Ramsay MacDonald: Die Völker hätten keinen Grund, sich einander zu befehden. Die Prosperität der einen Nation bedeute die Prosperität der anderen. Deutschland habe durch die Bcsiegung Englands ebenso- wenig zu gewinnen, wie England durch die Niederwerfung Deutschlands zu gewinnen habe. Nun kam Jaurös. die Stiinme Frankreichs, wie ihn Keir Hardie bezeichnete, zum Wort: Den Sozialisten werde vorgeworfen, daß sie den Klassen- kämpf predigten und daher keine Freunde des Friedens sein könnten. D-ZK ProhetgriZj fei jchoK m Feind des Krieges, ein ftelnb ZodeS Blutvergießens, Der Sozialismus erstrebe die De- freiung des Volkes durch die Organisation und das Wachstum der Demokratie. Das Proletariat strebe danach, die Gesellschaft zu revolutionieren, ohne Blut zu verziehen. Es trachte nicht nach einer Revolution, wie es alle bürgerlichen Revolutionen ge- tvescn seien, die sich, mit Blut besudelt hätten. Die Herrschenden glaubten heute, der unvermeidlichen Uingcstaltung der Gesell- schaft durch einen Krieg vorbeugen zu können. Er warne sie aber vor einem solchen Trngschlust. Die Geschichte beweise, dah die Kriege in Zeiten der revolutionären Gärung nur dazu ge- führt hätten, dah sich daS gärende neue Leben der Nation mit Gewalt Platz gemacht habe. Kriege könnten heute überdies zu nichts führen. Früher, als der Reichtum im Boden steckte, konnte sich eine Nation durch Raub bereichern. Heute, da der Reichtum in der Industrie zu suchen sei, profitiert ein Volt nichts dadurch. dah eö ein Absatzgebiet zerstöre. Die Kapitalisten schreien nach neuen Märkten und sehen in der Notwendigkeit der Expansion die Unentbehrlichkeit der Kriege. Aber es herrsche keine Not- wcndigkeit,, neue Absatzgebiete zu finden. Im Innern des Landes harrten die dankbarsten Märkte. Man möge den Markt vertiefen, man möge dem Volke nur die Gelegenheit geben, mebr zu konsumieren. Das französische Volk habe den Gedanken an ein Weltreich aufgegeben. Frankreich strebe nur noch danach, die Herrschaft der Freiheit und der Gerechtigkeit zu verwirS- lichen. Die Nationen, die sich im Rüsten zu überbieten strebten, glichen Menschen, die ihr Eigentum durch die Zahlung von Ver- sicherungSprämien zu schützen suchten, deren Gesamthöhe den Wert des Versicherungsobjekts weit überstiegen, und die am Ende umherliefen, um das versicherte Eigentum in Brand zu stecken. Molkenbuhr wurde von dem Vorsitzenden als ein -„deutscher Eindringling" angekündigt, vor dem sich etwa an- wesende ängstliche Seelen schleunigst aus dem Saal flüchten sollten. Molkenbuhr führte aus: Beim Erscheinen eines Deutschen in einer ausländischen Friedensversammlung möge wohl mancher denken: der sollte zu Hause predigen. Er könne aber die Anwesenden versichern, dah die deutsche Sozialdemokratie ihre Friedensliebe nicht allein auf internationalen Zusammenkünften bekunde. Nicht nur die Par- lamentsvertreter, sondern die ganze deutsche Sozialdemokratie, '!ZL Millionen Wähler, deren Zahl im nächsten Jahre wohl auf über< Millionen angewachsen sein würde,« bewiesen sich bei jeder Gelegenheit al? Feinde jedes Militarismus und als ein sicheres Bollwerk des Friedens. Und mit dem Wachsen der deutschen Sozialdemokratie nehme auch die Zahl der wahren Freunde deS Friedens zu. Die Idee des Vülkerfricdens sei alt. Im grauen Altertum sei sie von den Rcligionsstiftern gepredigt worden, doch stets zu tauben Ohvc'.r. In de» Anfängen der menschlichen Ge- schichte sei der Krieg ein Kampf um die Futterplätze gewesen, ein Kampf ums Dasein. Dann seien Kriege geführt worden zur Verbreitung der Religion, der christlichen Nächstenliebe und für dynastische Interessen. Heutzutage trachte die Bourgeoisie danach, sich neue Absatzgebiete zu verschaffen. Aber man möge doch nur in die Mitte des Volkes gehen;, dort werde man ganz neue Absatzgebiete finden. Es sei Bismarck gewesen, der mit seiner Blut- und Eisenpolitik die Aera der wahnsinnigen Rüstungen eingeleitet habe. Als Bismarck den Ausspruch getan habe: ,.Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt", da hätte man glauben sollen, dah eö nicht nötig gewesen sei, weiter zu rüsten, denn man habe ja nichts auf der Welt zu befürchten ge- habt. Jedoch nun habe man mit den Flottenrüstungen ange- fangen. England sei jetzt als der Feind hingestellt worden, der danach trachte, Deutschland zu überfallen. Die Leute, die diese Ansicht verbreiteten, seien die grohen Panzerplattenfabrikanten, die von den dem Volke auferlegten Rüstungslasten profitierten. Die Rüstungen, wie sie gegenwartig betrieben würden, mühten notwendigerweise zum Staatsbankerott führen. In Deutschland areife man schon Gelder an, die für andere Zwecke bestimmt seien. Die herrschende Klasse Deutschlands spreche stets von zwei Feinden: einem äußeren und einem inneren. Die realste Grundlage der Rüstungen in Deutschland sei der sogenannte innere Feind, das Volk, das nach Freiheit und Gerechtigkeit strebe. Das deutsche Volk sei es müde, sich von Panzerplatten- Patrioten und ihrem Trotz ausbeuten zu lassen. Es wünsche die Früchte seines Fleihcs nicht als Brennholz des Krieges her- zugeben, sondern als Bauholz des Friedens zu verwenden. Als letzter sprach der amerikanische Sozialist Professor Mills. Mills ist einer der bedeutendsten Redner Amerikas. Der Vertreter Nordamerikas wies darauf hin, dah in Amerika Millionen Deutsche, Engländer, Franzosen und andere Europäer in friedlicher Eintracht nebeneinander ivohnen. Er fragte, weshalb ein solches friedliches Zusammenleben in der alten Heimat nicht möglich sein sollte. Er komme als der Ver- treter des arbeitenden Amerika, der Arbeiterschaft, deren Vor- fahren der Unterdrückung und Not zu entrinnen suchten und in ihrer neuen Heimat dasselbe Elend wiederfanddir. Der Kapitalismus untergrabe seine eigene Existenz, indem er die Kaufkraft des Volkes schwäche. Nur der Sozialismus könne das Problem de? Absatzes und damit das Fricdensproblem lösen. Er fordert alle Anwesenden auf, sich der einzigen wirklichen Friedensbewegung, dem internationalen Sozialismus, anzu- schlietzen. Die imposante Versammlung lohnte die Redner mit stürmischem Beifall._ vemliiio» der Regierung Rienerch. Aus Wien wird unS vom 12. Dezember geschrieben: Die Regierung Bienerth hat ihre Denüssion gegeben und der Kaiser hat sie angenommen: das ist daS große„Ereignis" deS Tages. Zwar tvird man die Talente dieses Kabinetts nicht sofort loS werden(denn es ist mit der provisorischen Fortführung der Geschäfte betraut worden) aber nach Neujahr, Ivo die dringenden Staatsnotwendigkeiten, an denen das Haus jetzt würgt, erledigt sein werden, wird die Regierung Bienerth gehen und wird eine neue Regierung kommen. Wer diese sein wird? Vielleicht die Bienerthsche Stummer drei, denn an Poli- tikern, die den WuchS zu einem Ministerpräsidenten haben, ist Oesterreich arm und Herr v. Bienerth steht sortdauernd in hoher Gunst. Aber daS hebt die Tatsache nicht auf. daß es mit der Bienerthschen RegierungsweiSheit zu Ende ge- kommen ist. Die Dinge ändern sich in Oesterreich sehr rasch. Vor zehn Tagen hielt Herr v. Bienerth im Slbgeoidnetenhausc noch eine Rede, in der er die Festigkeit seines Ministeriums rühmte, das gegen alle Stürme gefeit sei. In feierlicher Vereinbarung wurde dann das Arbeitsprogramni sür diese Tagung festgestellt und die Fortsetzung der AuSglcichsverhaudlunaen zwischen Deutschen und Tschechen, die in Prag durch drei Monate ohne jedes rechte Ergebnis geführt worden waren, sollten eine Stärkung der Regierungsmehrheit und damit für die Regierung Bienerth ein dritte glorreiche, EntWickelung vorbereiten. Bon diesen ministeriellen Hoffnungen hat sich nicht eine erfüllt. Die deutsch-tschechischen Verhandlungen sind so gut wie ge- scheitert, und die Majorität der Regierung ist zersplittert, bevor sie sich noch bewährt hat. Der Vorstoß kommt diesmal von den Polen, die neben den Deutschbürgerlichen, den freiheitlichen und den klerikalen, den Kern des Bienerthschen Rcgierungsblockes bilden. Sie haben den Ministerpräsidenten wissen lassen, daß sie. angesichts der Stellung der Re- gieruNg in der Wusserstraßenfragc. keine Bürgschaft über- nehmen können, daß die Mitglieder des PolenklnbS bei den Abstimmungen für die Regierung in genügender Zahl anwesend sein werden: waS bei der zahlenmäßigen Dürftigkeit der Regierungskoalition nicht weniger als die Ankündigung ist, daß der Polenklub der Regierung, in der er durch zwei Mitglieder vertreten ist, die weitere Unterstützung weigere. Damit ist aber der Regierungsblock gesprengt, die Mehrheit der Regierung, die überhaupt mehr in der Theorie besteht, in der Praxis aber schon oft versagt hat, vernichtet. Bienerth hat darauf verzichtet, die Krise, obwohl es nicht unmöglich gewesen wäre, zu verschleppen, vielmehr hat er sie in seiner Aufrichtigkeit, die bei ihm mehr ein Verstandesfehler denn ein moralischer Vorzug ist, eher forciert und da die Polen weder einschwenken können noch wollen,— schon deshalb nicht wollen, weil der Minister, den sie am meisten hassen, der polnische Finanzminister Bilinski ist, den sie unter allen Umständen beseitigen möchten— so steht Herr v. Bienerth plötzlich ohne Mehrheit da. Daraus ergibt sich die Demission der Gcsamtregierung als zwingender und un- vermeidlicher Schluß. Nun kann der Polenklub die.Regierung leichter stürzen, als den Bau der Kanäle durchsetzen. Es handelt sich um die im Jahre 1901 beschlossenen Kanäle, die eigentlich schon längst im Bau, beinahe fertig sein sollten, die aber heute nur ebenso auf dem Papier stehen, als vor neun Jahren. Es hat sich nämlich bei näherer Prüfung der damals in einer politi- schen Improvisation beschlossenen Projekte gezeigt, daß die Geschichte mehr als doppelt so viel kosten würde, als sie ver- anschlagt war, und daß ihre Rentabilität auch nur im ökonomischen Sinne, von dem ftnanziellen ganz zu schweigen. mehr als ungewiß ist. Trotzdem begreift man, daß die Polen auf die Wasserstraßen, soweit sie Galizien betreffen, nicht verzichten wollen, denn sür daS übcrbevölkerte Land, dessen Landwirtschaft so rückständig ist, ist die Industrialisierung eine wahre Lebensfrage und nur von ihr kann die Eindämmung des unsäglichen Pauperismus. der heute nur durch die Auswanderung gemildert wird, er- wartet werden. Bor der Schwierigkeit dieser Kanäle, zu deren Bau sie ein gültiges Gesetz verpflichtet, die sie aber aus dem einfachen Grunde nicht bauen kann, weil ihr dazu die Mittel fehlen, steht die Regierung schon seit dem Frühjahr; sie hat bisher gehofft. die fordernden Polen damir zil beschwichtigen, daß sie Galizien für den Entfall der Kanalbauten durch andere Zuwendungen entschädigen werde. Offenbar glaubt der Polenklub unter einer günstigen politischen Konstellation die Kanalbauten doch noch durchsetzen zu können; und auch wenn diese Hoffnung trügerisch ist, so können die Parteien im Zeitalter des allgemeinen Wahlrechts in solchen Lebensfragen nicht so rasch umfallen, als es sich der Herr v. Bienerth, der mit Wählern sein Lebtag nichts zu tun gehabt hat, offenbar vorstellt. Der 5tonssikt in der Majorität mußte zur Demission führen. Natürlich hat die Demission nebst der besonderen auch ihre allgemeine Ursache, und die ist keine andere, als daß die Lebenskraft dieser Regierung, der nichts mehr gelingen will. erschöpft ist. Sie ist, von Bienerth, der ja auch kein besonderes Kirchenlicht ist, ganz abgesehen, mit so viel mißliebigen, inferioren und verachteten Menschen belastet, daß sie allmählich um alles Ansehen gekommen ist. Ihren Nekrolog wird man allerdings erst schreiben können, bis sie tatsächlich in die Versenkung ge- snnken sein wird. Aber daß man an ihr nichts verlieren wird, was des ErHaltens wert wäre, geben nun auch ihre Be- wunderer zu. Es ist eine Regierung der Nullen, der nicht einmal der Einser als Zahl vorgesetzt ist. Eine Erklärung Bienerths. Wien, 13. Dezember. Zu Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses machte der Mini st erpräsident von der Demission des Kabinetts Mitteilung. Der Kaiser habe die De- Mission angenommen. Der Ministerpräsident forderte das HauS auf, das Budgetprovisorium, den Handelsvertrag mit Serbien, die Verlängerung der provisorischen Geschäftsordnung und die Wahlen zu den Delegationen schnellstens zu erledigen. Die Regierung werde die Arbeiten des Hauses in loyalster Weise fördern.(Leb- hafter Beifall bei den Christlich-Sozialen.) Der Polenklub hat einstimmig beschloffen, für daS dreimonatige Budgetprovisorium und die Verlängerung der provisorischen Geschäftsordnung» reform geschlossen zu stimmen. Sie Wahlen in England. London, 18. Dezember. Nach den letzten Meldungen haben die Regierungsparteien gegenüber den Konservativen einen Gewinn von zwei Mandaten zu verzeichnen. Bisher sind gewählt 198Liberale, 240Uiiionisten, 36 Vertreter der Arbeiterpartei, 59 Anhänger Redmonds und 8 AnhängerO'Briens. Die politische Situation hat seit den vorigen Wahlen keine Ver- änderung erfahren. Dies hat sichtlich in beiden Lagern Ent- täuschung hervorgerufen. Man hält es für wahrscheinlich, daß eine n c u e K o n f c r e n z der Führer der beiden Parteien noch vor Eröffnung des neuen Parlaments zusammentreten wird, um über eine konstitutionelle Reform zu beraten. Wie es scheint, sind die Unionisten jetzt auch bereit, inbezug ans die Reform des Oberhauses Z u g e st ä n d n i s s e zu machen, dtc sie vor 6 Wochen noch nicht bewilligt haben würden. Erklärungen dcr Parteiführer. London, 12. Dezember. Lloyd George führte heute in einer Rede aus, nie würde eine Homerule-Gesetz vor- geschlagen werden, daS dem irischen Parlament auch nur die geringste Macht über die Religion geben würde. Das Homerule-Gesetz würde eine Bestimmung enthalten, nach der die gesetzliche Festsetzung irgendeiner Religion verboten sei; daS beziehe sich auf die katholische wie auf die protestantische Religion. Ll S q u i t h hielt in Burh St. Edmonds eine Rede, in der er sagte, wie auch die Mehrheit de? neuen Unterhauses zusammen- gesetzt sein würde, eine Tarifreform würde autzerhalb seiner Macht liegen. Nichts habe mehr Anspruch darauf, ein Referendum genannt zu werden, als die gegenwärtige Wahl, und eine einfachere, reinlichere und klarere Lösung der Tarif- frage würde dem Lande nie vorgelegt werden. Churchill sagte in einer Rede, daö Ergebnis dcr Wahlen sei nicht nur ein entschiedener Sieg dcr Liberalen, sondern es habe Asquith eine außerordentliche Macht verschafft. Die Partei werde im Kampfe nicht nachlassen, bis die Abschaffung des Vetorechts der Lords erreicht sei. Mit der bevor- stehenden Krönung sollte nun auch eine Zeit der Ein- t rächt und des gegenseitigen Wohlwollens für alle Parteien kommen. B a l f o u r führte in einer Rede in Dartford aus, die Drohung der Radikalen, durch eine Parlamentsbill die Frage de» Einkammersystems lösen zu wollen, sei lediglich Prahlerei-, die Unionisten würden sich xineM fc vn- sinnigen Plane nicht fügen. politische(leberNcdt. Berlin, den 13. Dezember 1910. Keine preußische Wahlreform! Die„Deutsche Tageszeitung" erklärt, mitteilen zu können, daß die Meldung eines auswärtigen Blattes, wo- nach die nächste Sitzung des preußischen Staatsministeriums sich mit der Frage der Wiederaufnahme der Wahlrechtsreform befassen werde, nichts als eine Vermutung sei, die völlig in der Luft schwebe. Sicher sei, daß der n ä ch st e Landtag sich mit keiner Wahlrechtsvorlage be- fassen werde. Natürlich, auch hier schreiben die Hevdebrand und Hert- ling der preußischen Regierung ihre Gesetze vor! Da das ganze Bestreben des schwarz-blauen Blocks im preußischeii Abgcordnetenhanse darauf gerichtet war. keine oder doch höchstens die iriederträchtzige Karikatur einer Wahlreform zustande kommen zu lassen, versteht man es, wenn der Block zur Vereitelung der Wahlreform jetzt dafür sorgt, daß an dem schändlichen Wablunrecht in Preußen fürs erste überhaupt nicht gerüttelt wird. Eine Ursache mehr, dem blau-schwarzcn Block der Reaktion auf allen Gebieten bei den nächsten Reichs- tagswahlcn eine vernichtende Niederlage beizubringen!. Wahlvorbereitungen? Nach einer Meldung bürgerlicher Blätter ist den Arbeitern der Stnatsbahnen eine Lohnerhöhung von 20 Pf. für den Tag mit Rück- Wirkung vom 1. Dezember bewilligt worden. Für Preußen macht die Lohnerhöhung eine Summe von 12,6 Millionen Mark aus. Die Lohnzahlungsstellen sollen bereits angewiesen sein, die Beträge vor Weihnachten auszuzahlen. Tie Ungeheuerlichkeit der agrarischen Wahlkreis- einteilung. Die Ergebnisse der Volkszählung lassen die Un- gehcuerlichkeiten der agrarischen Wahltreiseinteilung noch viel krasser hervortreten, als das ohnehin der Fall war. Am 1. De- zember 1910 wurden beispielsweise in Groh-Berlin 7 712 661 Einwohner gezählt, während am 1. Dezember 1905 nur 3 206 678 Einwohner vorhanden waren. Die Bevölkerungsziffer Groß- Berlins, daS in acht Wahlkreise zerfällt, ist also u m m e h r» l S eine halbe Million angewachsen. In den vom Agraria:- tum und der konservativen Bureaulratie beherrschten Osten des Landes ist aber im Durchschnitt eine halbe Million Einwohner be- rcchtigt, ein halbes Dutzend Abgeordneter in den Reichstag zu ent- senden. Der durch den Freiherrn von Gamp vertretene Wahlkreis Deutsch-Krone beispielsweise zählte 1905 nur 63 442 Ein- wohncr! Die halbe Million Bevölkerungszuwachs Groh-Berlins aber soll auch künftig ohne Vertretung bleiben! Dabei besah schon jetzt die Mehrzahl der Groh-Bcrliner Wahlkreise eine Be- Völkerungsziffer aus der pro Wahlkreis sechs, zehn, ja fünfzehn ländliche Wahlkreise hätten gemacht werden können! So zählte bei der letzten Wahl der sechste Wahlkreis 786 873 Einwohner, dcr vierte Wahlkreis 527 454 Einwohner, der Wahlkreis Nicder-Barnim 434 259 Einwohner und dcr Wahlkreis Teltow-Bceskow 950 289 Einwohner. Da nun gerade 6iesc Riescnwahlkreise den gesamten Bevölkerungszuwachs von einer halben Million in sich ausge- nommcn haben, besteht die ungeheuerliche Tatsache, dah eine ganz überwiegend städtische Bevölkerung von 3 200 000 Personen bei den nächsten Reichstags Wahlen nur vier Abgeordnete entsenden dürfen, während die Provinzen Ost- und West- preuhen mit 3 600 000 Einwohnern nicht weniger als 30 Abge- ordnete in den Reichstag entsenden! Dabei ergeht es allen grohilldustriellen Wahlkreisen ähnlich so wie Groh-Berlin. Die agrarische Wahlkreiseinteilung macht gerade den Teil der Bevölkerung, der durch seiner Hände Arbeit weitaus den größten Teil aller Werte schafft, so gut wie rechtlos! Ein Schwindcldcmcnti der Flottentreiber. Konservative Blätter teilen aus einer Rede, die der Vor- sitzende des Flottenvereins, Großadmiral v. K ö st e r. am Montag in Dresden gehalten hat, eine Stelle mit, die sie als Deinentieri'ng der Ansicht angesehen wissen möchten, daß Herr v. Kchter vor einigen Wochen eine Durchbrechung des Flottenp rogra m ms gefordert habe. Herr von Köster hat nach diesen konservativen Meldungen nämlich er- klärt, daß das Präsidium des Flottcnvereins nach wie vor aitf dem Standpunkt stehe, daß das F l o t t e n g e s e tz durch- zuführen sei. aber zurzeit und in absehbarer FernekeinGrundvorliegc.überden Rahmen desselben hinauszugehen. Das klingt also, als fordere das Präsidium des Flotten- Vereins keine Aenderung des Bauprogramms des Flotten- gesetzes. In Wirklichkeit ist das aber dennoch der Fall! Darüber ließ Herr v. Köster selbst in Dresden auch gar keinen Zweifel. Wiederholte er doch dort die sckwn vor zwei Jahren vom Flottenverein programmatisch vertretene Forde- rung, daß vom Jahre 1312 ab jährlich drei große Schlacht- schiffe gebaut werden möchten, während nach dem Bau- Programm des Flottengesctzes vom Jahre 1912 ab jährlich nur zwei Schlachtschiffe auf Stapel zu legen sind! Ter Widerspruch in der Rede des Herrn v. Köster löst sich in sehr einfacher Weise dadurch, daß dieser Vorsitzende des Flotten- Vereins die von ihm geforderte Beschleunigung der Flotten- bauten allen Tatsachen, aller Logik und aller politischen Ehr- lichkeit zuwider für keine Tnrchbrechung des Flettengesehes erklärt! Wir hielten es für notwendig, diesen dreisten Täuschungsversiich hiermit festzunageln! Ein Urteil über Moabit. Di« Berliner„V o l k s- Z e i t u n y" widmet den Mocibiter Ergebnissen unter dem Titel:„Die Polizei aus der Anklagebank" einen Artikel, aus dem wir folgendes wiedergeben: „Es sind im Lause dieses Prozesses von vielen völlig einwandfreien Zeugen haarsträubende Uebergriffe der Polizeiorganc eidlich bekundet worden; auch Polizeioffiziere sind dabei schwer belastet worden, deren Amt es gewesen wäre, den Mißbrauch der Amtsgewalt und Roheiten aller Art bei ihren unter- »ebenen zu verhindern. Aber gestern wurde durch den Zeugen Rechtsanwalt Dr. Ballien dem Gebäude der Anklagen gegen die beteiligten Polizeiorganc die Krone aufgesetzt. Auch die Aussagen anderer Zeugen von gestern vervollständigten die empörend lange Reihe dcr Roheitsdelikte, die in den Aufruhrtagen von zahlreichen Schutzleuten ohne Not begangen worden sind. Man muh nach alledem, was in dieser Beziehung von anständigen Zeugen gesehen und beeidigt worden ist, sagen: WieauchdasUrteilgcgcn di« Angeklagten lauten mag, und waS ihnen auch an kleineren und mittleren Versündigungen gegen das Strafgesetzbuch nachgewiesen werden mag: die Gesamtheit ihrer Frevel reicht nicht heran an die Gesamtheit dcr«rutalitliten, die einer grasten Zahl von Polizeibcamtcn in Uniform und Zivil durch zahlreiche Zeugen uachgcwicscn worden sind! Daß von allen diesen Brutalitäten und Uebergriffen, die von Dutzenden dcr ehrenwertesten uns objektivsten Zeugen beschworen ixprdep sind, kein Polizeioffizier, kein Schutzmann, kein„Ge Ijctmer* eWaZ ß cf cfi e n hat, daß dem Polizeipräsidenten voti ' keiner dieser Heldentaten eine Meldung gemacht worden ist, daß den sämtlichen Polizeimannschaften, idie in Mvabit tätig waren, wiederholt ohne jeden Unterschied die wärmste Anerkennung der Oberen für ihr„maß- und taktvolles Verhalten" gezollt worden ist, daß auch der Reichskanzler in eigener Person in diese einschränkungslose Verhimmelung eingestimmt hat— das ist gegenüber der Unsumme erwiesener Uebergriffe und Roheiten das Interessanteste und zugleich das Traurigste an der ganzen Gc- , schichte.... Wenn aber der Ministerpräsident nicht aus eigener Anschau- ung die Vorgänge kennt; wenn er, wie es nach seiner Rede scheinen muß, nicht einmal die P r y z e ß b c r i cht e gelesen hat, dann gibt es keinen Ausdruck, um seinen Eingriff in das schwebende Verfahren im Sinne der Staatsanwaltschaft feiner vollen Bedeutung nach zu kennzeichnen. Und der Erfolg? Reingewaschen wird die Polizei durch die Reichskanzlerrede nun und nimmer. Im Gegenteil: Die Schlappe, die der Reichskanzler sich und der Polizei durch diese Rede geholt hat. ist vicrundzwanzig Stunden spätes ins Riesen- große gewachsen, nachdem in Moabit das furchtbare Sündenregister der Polizei durch die gestrigen Aussagen der Zeugen Röttger, Dr. Ballien und Senf um einige der brutalsten, ja ekelhaftesten Nummern vervollständigt worden ist. Werden die„Spitzen" auch jetzt noch in Lobeshhmnen auf die Polizei ausbrechen? Uird wenn dies jetzt aufhören sollte, weil man schließlich den Tatsachen nicht einfach dauernd ins Gesicht schlagen kann: Welche Schritte hat das Polizeipräsidium, welche Schritte hat die Staatsanwalt- schaft bisher unternommen, um die schuldigen Polizeibeamten mit besserem Erfolge als in Breslau zu ermitteln und sie der ge- bührcnden strengen Bestrafung zu überantworten? Was ist hier geschehen und was wird noch geschehen, um den letzten, aber notwendig st en Moabiter Prozeß mit dem nötigen Ernst vor- zubereiten, den Prozeß gegen die schuldigen Polizeiorgane, nach dem das schwer verletzte Rechtsbewußtsein des Polles, die schwer der- letzte Rechts- und Staatsordnung schreit." Sachsen als Hüter der ReaMon. In der„Kölnischen Zeitung" war von einem Vorstoß der sächsischen Regierung gegen das geplante Wahlrecht für Elsaß- Lothringen im Ausschuß des Bundesrats berichtet worden. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" haben bei dem sächsischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten wegen dieser Meldung angefragt und dort die Antwort erhalten, daß die sächsische Regierung es zunächst ablehnt, auf den sachlichen Inhalt der Mitteilung der „Köln. Ztg." einzugehen, weil sie auf die bisher stets beobachtete Vertraulichkeit der Beratungen in den AuSschilssen des Bundesrates Rücksicht zu nehmen hat. Soweit jedoch die Mitteilungen über den materiellen Inhalt der Verhandlungen zutreffen sollten, be- trachte man sie in Dresden als eine grobe Indiskretion. Im übrigen besitzt Sachsen in er st erLinie dasRecht, Ab- änderungöanträge zu stellen, denn es hätte das Referat in der vorliegenden Frage. Bon einer Verzögerung könne keine Rede sein, da die Einbringung der Anträge so beschleunigt worden sei, daß der in Aussicht genommene BeratungStcrmin eingehalten werden komite. Aus dieser Auskunft von zuständiger Seite geht hervor, daß Sachsen in der Tat Abänderungsanträge stellte. Daß diese aber auf eine Verschlechterung hinauslaufen, dafür bürgt der reaktionäre Geist der sächsischen Regierung, das famose sächsische Pluralwahlrecht, daS Dreiviertel der Wählerschaft rechtlos macht. Vielseitig. ES ist geradezu erstaunlich, wie weit daS Auge des Kaisers reicht und mit welcher Fürsorglichkeit er sich selbst um die kleinsten Dinge im Deuischen Reiche kümmert, immer bereit einzugreifen, wenn eS das Wohl deS Volkes erfordert.' So hat er zum Beispiel, wie ge- meldet wird, jetzt eine Kabinettsorder erlassen, weil er mehrfach be- obachtet hat, daß Offiziere im Ballsaal geraucht haben. Der Kaiser erblickt nämlich darin eine mangelnde Rücksichtnahme auf die Damen und erwartet, daß das Rauchen künftig unterbleibt. Labiau-Wchla«. Endgültiges amtliches Wahlresultat. Bei der ReichstagSersatz wähl im Bezirk Lobiau-Wehlau sKönigsberg 2) wurden im ganzen abgegeben 17er Stadt Bretten und im benachbarten Dorf« Stein abhielten. In der Parteiprcsse verleiht man dem Erstaunen darüber Ausdruck, daß nach mehrjähriger Pause die sozialdemokratischen Versammlungen Wieoer überwacht werden. Das geschieht wohl ohne das Einver- ständms des Ministers von Bodman, der doch nicht so plötzlich die„große Kulturbewegung" wieder mit der Polizei zurückhalten will?!_ Erklärung. In der ReichStagSsitzung vom 7. Dezember d. I. sagte der Herr Staatssekretär Delbrück gegen die Zulassung der Arbeiter- kekretäre als Arbeitskammcrbeijitzer laut Stenogramm: „Wenn nun derselbe Arbeitersekretär, der diese Forderungen draußen in seiner Revierkonsercnz formuliert hat, und der sie hier im Reichstag vertreten hat, in der Arbcitskamnier sitzt und gewissermaßen berufen ist, über seine eigenen Anträge, über seine eigenen Formulierungen und Forderungen eine Entschei- dung zu treffen, so ist das unzweckmäßig; und selbst wenn er im Laufe der Verhandlungen geneigt sein sollte, sich davon zu überzeugen, daß er in seinen Forderungen etwas zu weit ge- gangen ist, daß er sich in einem Punkte geirrt hat— das kann ja jedem einmal passieren—. so wird es für ihn nicht immer ganz leicht sein, das offen einzugestehen. Mir i st doch manch m a l Ecsagt: Ja. Sie haben ganz recht; aber unsere eule draußen im Lande!(Abgeordneter Hue: Wer hat das gejagt? Die preußischen Landräte?). � Herr Hue, ich brauche keine Namen zu nenne»; denn Steglau ben es mir auch so!(Große Heiterkeit.— Abgeordneter Hue: Von hier ist es aber keiner gewesen!) Ich habe nicht nach einer bestimmten Seite des Hauses, sondern geradeaus gesprochen.(Erneute Heiterkeit.) Meine Herren, dieses Beispiel zeigt sehr klar, in wie schwierige Lagen ein Arbeitersekretär kommen kann, wenn er in Fällen, wie den eben von mir erörterten, über seine eigenen Vor- schlüge und Wünsche in einer Sitzung der Arbeitslammer zu befinden und mit zu beraten hat. Nun werden Sie sagen: Ja, das mag sein, solche Falle sind denkbar; aber immerhin geht auf diese Weise der wertvolle Rat der Arbeitersekretäre den Arbeits- kammern, den Behörden und ihren Verhandlungen verloren! Mit Nichten, meine Herren! Wenn ich die Wünsche der Arbeiter- sekretäre zu hören die Absicht und das Bedürfnis habe, dann brauche ich keine Arbcitskammern einzurichten.(Sehr richtig! rechts.) Ich habe die Freude, die Herren zu einem großen Teil hier zu sehen(Heiterkeit); ich habe die Freude, sie auch gelegent- lich zu mir kommen zu sehen." Herr Delbrück versicherte also, ihm sei„manchmal" von Arbeitervertretern— eine andere Erklärung läßt der Zusammen- hang nicht zu— die Richtigkeit seiner Auffassung zwar bestätigt worden, aber die betr. Personen hätten dies nicht öffentlich zu- geben wollen, weil sie mit ihren Leuten„draußen im Lande" nicht in Konflikt kommen möchten. Mit anderen Worten: Die fraglichen Arbeitervertreter haben in Unterredungen mit Herrn Delbrück gelegentlich zugegeben, was sie„draußen im Lande" bestreiten. Daß Herr Delbrück ein solches Doppelspiel beobachten konnte, bezweifele ich nicht. Aber was für Arbeitervertreter oder Arbeitersekretäre hat er so kennen gelernt? Einer nietner Fraktionskollegen teilt mir mit, daß ihm der Zentrum sabgeördnete und Arbeitcrsekretär Becker-Arnsberg ziemlich deutlich zu verstehen gab, Herr Delbrück habe m i ch oder auch mich gemeint! Also wäre ich einer von den„Arbeitervertretern", die im traulichen Gespräch mit Herrn Delbrück zugegeben haben, unsinnige oder auch nur schwer durch- führbare Forderungen„draußen im Lande" zu vertreten. Da ich aus vieljähriger Erfahrung weiß, wessen sich unsereins von Herrn Becker und seinesgleichen zu versehen hat, so erkläre ich klipp und klar: JchwarniebeiHerrnDclbrück! Ich habe nie mit Regierungsvertretern trauliche Zwiesprache über irgendwelche sozialpolitischen oderparteipolitischenFragengepflogenl Ein ein- ziges Mal folgten mein Freund Sachse und ich einer Einladung des jetzigen Reichskanzlers, Herrn v. Bethmann Hollweg, zu einer Aussprache über das„Schwarze-Listen-System" in der Bergbau- und Hüttenindustrie; mit unS nahmen die Herren Gics- berts und Behrens an der Konferenz teil. Daß wir dabei genau dieselbe Stellung wie zu der Sache in der öffentlichen Reichstags- Verhandlung eingenommen haben, dafür ist Herr v. Bethmann Holl- weg Zeuge. Ich sehe übrigens keinen Grund, warum ich einer Einladung eines Regierungsvertreters zu einer Aussprache über aktuelle sozialpolitische Fragen nicht folgen sollte; wir verlangen vielmehr von den Herren, daß sie sich nicht nur durch Vertreter der Industriellen informieren lassen. Als eine schwere Schädigung der Arbeiterinter» essen mutz ich aber das Verhalten der..Arbeitervertreter" bezeich- neu, deren Doppelspiel Herr Delbrück enthüllte. Daß der Herr Staatssekretär weder mich noch einen meiner FraktionS- kollegen bei sich gesehen, er demnach keinen sozialdemokra- tischen Abgeordneten gemeint hat. das wird, davon bin ich überzeugt. Herr Delbrück gern bestätigen. Otto Hue. Der Zentralverband dentscher Industrieller ersucht uns um Aufnahme folgender Berichtigung: Die in Nr. 290 Ihrer Zeitung vom 11. d. MtS. besprochene „Bueckspende" ist nicht, wie Jbr Artikel unterstellt, als Ehrengabe für den Herrn Generalsekretär H. A. Bueck bestimmt, sondern, wie ich bei der Bekanntgabe ausdrücklich hervorgehoben habe, für die gedeihliche Fortführung der Arbeiten und den Ausbau der Ein- richtnngen, also für dauernde Zwecke des Zentralverbandes deutscher Industrieller in den Kreisen der deutschen Industrie ge- sammelt worden. Der Vorsitzende deS Zentralverbandes beutscher Industrieller zur Förderung und Wahrung nationaler Arbeit Rötger, Landrat a. D. frankveick. Eine miserable Steuer. Paris, 13. Dezember. Die Regierung beabsichtigt einen Gesetz- cntwurf zur Regelung der Herstellung und des Verkaufs k ü n st- licher Feuerzeuge und ähnlicher Apparate einzubringen. Diese sollen mit mindestens 2V6 Frank das Stück b c st e u e r t werden. Italien. Bestrafte Polizisten. Rom, 10. Dezember.(Eig. Ber.) Zwei Polizcibeamte, die am Tage der Arbeiter metzelet von Bari den Ordnungsdienst leiteten, sind auf Grund einer Erhebung des Oberinspektors der Polizei strafweise versetzt worden. Auch der Polizeidireltor von Bari, der nach dem Bluttage zur Disposition gestellt wurde, ist zur Strase nach Eagliari(Sardinien) versetzt worden. Ob sich die Bevölkerung von Eagliari freut, ihre Stadt als Strafkolonie für umüchtige Polizisten betrachtet zu sehen, ist freilich eine andere Frage. LrafUieu. Die Meuterer. Paris, 13. Dezember.(W. T. B.) Nach einem bei der hiesigen brasilianischen Gesandtschaft eingegangenen Telegramm aus R i o de Janeiro vom 12. Dezember sind heute 119 Mann der Be- sahung des Panzerkreuzers„Sao Paulo", die am 22. November gemeutert hatten und dann begnadigt, aber vom Marinedicnst ausgeschlossen worden waren, nach dem Fort Villegagnon überführt »orden. Alle anderen Meuterer vom selben Tage werden aus den Geschwaderlisten der- Flotte gestrichen werden. Die Mannschaft des Seebataillous, die vorgestern gemeutert hatte, wird vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Huö der Partei. tluscre Toten. Der Parteisekretär für den Bezirk OestlicheS West- falen und lippische Fürstentümer(Sitz Bielefeld) Genosse Heinrich Klingen Hägen ist am Sonntag, lt. Dezember, nachmittags 8 Uhr, nach kurzem Krankenlager gestorben. Genosse Klingenhagen war seit frühester Jugend für die Partei tätig und ist ihr btS wenige tage vor seinem Tode ein treuer Agitator geblieben. Er war seit Her Errichtung des Bezirksselretariatö im Januar 1907 mit dein Posten betraut. Von Beruf Tabalarbciter. hatte er namentlich in den letzten Jahren mit einem Ajthmaleiden zu kämpfen, dem er nun erlegen ist.__ Befremdende Kampsmcthodcn. Aus Krakau ist uns, wie wohl anderen Partciredattionen und namhaften Genossen eine Mitteilung zugegangen, worin vor dem in Warschau erscheinenden legalen Arbeiterblatt„Mlot*(Der Hammer) gewarnt wird. Die Genossen Bebel, Jaures und andere, die an dos Blatt Sympathiekundgebungen geschickt haben, seien das Opfer einer Irreführung geworden, denn das genannte War- schauer Wochenblatt sei„etn konterrevolutionäres B l a t t", dessen Unterstützung einer Schädigung der polmsckicu Parteibewegung gleichkomme. Demgegenüber sei nun festgestellt, daß die Krakauer Einsender sich im Irrtum befinden. Solche Mäimer, wie Genosse Bebel oder Jaures sind sicher über den, politischen Charakter eines Blattes, dem sie ihre Sympathie aus- sprechen und über Personen, die an ihm mitarbeiten, ganz genau informiert. Ein Blatt, an dem Karski, Rosa Luxemburg, der Abgeordnete der Petersburger Arbeiter in der zweiten Duma Alekstnsfi, Rappoport, Oda Olberg ständige Mit- arbeiter sind, als„konterrevolutionär" zu deminzicren, ist denn auch ein so grotesker Einsall, daß selbst der grüßte Un- Wille über das Bestehen und Gedeihen dcL Warschauer Marxisten- blattes so plumpe Kampfmittel nicht zu entschuldigen vermag. Sollte mit der Bezeichnung„konterrevolutionär" etwa angedeutet werden, daß das Warschauer Blatt unter anderem nationalistische Seitensprünge sowie terroristische Abenteuer verurteilt, so stehen ja die meisten Sozialdemokraten in allen Ländern, namentlich aber die deutsche Sozialdemokratie auf dem gleichen Standpunkt. Ueber den politischen Charakter des besprochenen Blattes in Warschau sprechen übrigens am deutlichsten seine Lebensschicksale. Von April bis Ende Juli erschien das Wochenblatt„Tribun a". seit Anfang August erscheint das Wochenblatt„Mio t". Ihre Schicksale waren nun nach den von uns eingeholten Informationen folgende: Die..Trvbuna": Nr. 12— konfisziert und ein Preßprozetz an- gehängt, Nr. 14— 200 Rubel Geldstrafe, Nr. 1b— konfisziert und ein zweiter Preßprozeß angehängt, Nr. 10— 200 Rubel Geldstrafe. Nr. 17— konfisziert und ein dritter Preßprozeß angehängt, bei Nr. 18 wurde die Zeitschrift verboten. Der„MIot": Nr. 3— 100 Rubel Geldstrafe. Nr. 7— kon- fisziert, Nr. 10— 100 Rubel Geldstrafe. Nr. 1b— 200 Rubel Geld- strafe, Nr. 10— konfisziert, Haussuchung in der Redaktion und Verhaftung des Redakteurs, Nr. 17— konfisziert und ein Preß- Prozeß wegen eines ganzen Knäuels von„Verbrechen". Die beiden Arbeitcrblätter, die auseinander folgten, haben also in 3b Wochen fünftnal Geldstrafe» von über 1700 Mark, 0 Konfiskationen, 4 Prcßprozesse und ein Verbot des ersten Wochenblattes erlebt, während der Redakteur des zweiten gegenwärtig hinter Schloß und Riegel sitzt. So sieht das„konterrevoliitionäre" Blatt aus. Freilich stehen jetzt Preßverfolgungen in Rußland auf der Tagesordnung und die Herrlichkeiten des Kurses der dritten Duma treiben ja auch so heitere Blüten, daß selbst reaktionäre Blätter Geldstrafen kriege». Llber daß die Verfolgungen auf ein Wochenblatt so hageldicht fallen, namentlich aber Prozesse, daß ein Wochenblatt nach drei Monaten verboten wird oder daß ein Redakteur gar ins Gefängnis geworfen wird, ohne die fakultative Umivandlnna der Hast in Geldstrafe, das ist beispiellos bis jetzt in Russisch-Polen. Ein Arbeiterblatt, daß die proletarischeii Interessen und den Marxismus in so schwerem opferreichem Kampfe verteidigt und zur Zielscheibe einer haßerfüllten Kampagne der gesamten bürgerlichen Presse in Polen geworden ist, verdient wirklich nicht, hintenherum im Ausland als ein„konterrevolutionäres" Blatt denunziert zu werden._ Hus Industrie und Ftandel. Die geplünderten Industriellen. Die Papierinhaber lassen durch ihre Preßorgane noch fortgesetzt Klagelieder über die Belastung der Industrie anstimmen. Und die hochbezahlten Angestellten der Divideirdenschlucker müssen bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiteit die Sozialversicherung als unerschwingliche Last für die armen Aktionäre in Grund und Boden verdonnern. Und dann tverde» allerhand Berechnungen auf» gestellt über die Wirkungen der Arbciterversicherung und der Steuergesetzgebung. Daß alle diese Abgaben zu den Produktions- kosten geyörcn und als solche bei den Pretskallulationcit auch eingestellt lvcrden, das unterschlägt man, und sucht den Anschein zu erwecken, als ob die Beiträge zur Kranken-, Unfall- und In»- validitätsversicherung aus der Tasche der Aktionäre bezahlt würde». Nach solcher Methode kann man auch unterstellen, die Löhn« seien ein Geschenk der nichts leistenden, sondern nur schmarotzendcn Dividendeneinheimser an die Gütererzeuger, die ja in Wirklichkeit die Werte schaffen, die zu einem großen Teile in die Taschen der Nichtstuer fließen. Doch mit dem Unsinn der Nationalölonomen vom Schlage derer, die in der Unternehmerpvesse die gekennzeichnete Wissenschaft verzapfen, wollen ivir uns nicht weiter be- schäftigen, dafür einmal wieder ziffernmäßig nachweisen, daß gerade die Schiveißeiseniildustrie, die bei der Scharfmacherei gegen die Sozialpolitik die erste Geige spielt, sich des besten Wohlde siudeus ersteut. Zwar hat auch sie unter den Wirkungen der Krise ge- litten, aber sicher nicht so viel als die Arbeiter, denen die Zoll- und Steuerpolitik der Ritter und Heiligen die kleinen Bissen Brot noch verkleinerte und die Fleischuahrung Violsach ganz unmöglich machte. Die nachfolgende Zusammenstellung enthält die Rohgewinne der genannteit Gesellschaften nach dem Geschäftsbericht für das Jahr 1909/10 und die Zahl der beschäftigten Personen nach den Werköangabe» im Jalstbuch für den Oberbcrgamtsbezirk Dort- muiid. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1908/09 und decken sich so ziemlich mit den Belegschaftsstärken für das letzte Jahr. Aitienk. Robgew. Div. Zahl der Mill. M. M. Proz. Arbeiter Phönix...... 100 30145 934 15 83 127 Gute Hoff. Hütte.. 30 12 131 969 20 22 304 Bochumer Berein.. 30 5 420 516 12 11 09S Union...... 42 5 222 482 5 11884 Husch...... 10,8 8011 695 18 9293 Rh. Stahl..... 40,0 5 652 629 7 5 285 Hasper E..St.-W... 10,0 1 948 694 8 1 653 Das Hungerjahr 1909/10 hat demnach ganz respektable Divi» denden gebracht, trotz der angeblich unerhörten und ruinös wirken- den Belastung durch die Sozialversicherung. Die Dividende», sie machen für die 8 Gesellschaften über 23 Millionen Mark aus, konnten abgestoßen werden, nach Deckung' aller Unkosten und bei reichlichen Rückstellungen und sehr hohen Abschreibungen. Ter Rohgewinn macht nicht weniger als 25,5 Prozent des nominellen Aktienkapitals aus. Rechnet man mit rund 100 000 Arbeitern, anstatt der nach obiger Tabelle sich ergebenden 94 591, dann entfällt auf den Kopf immer noch eine Dividende von rund 329 M. und ein Rohgewinn von 085 M- Und da sollen die paar Pfennige Bei- träge für die Sozialversicherung die Industrie ruinieren. Die Mache der Scharfmacher ist wirklich zu plump und sie beweist, daß mau für die inszenierte Hetze gegen die Arbeiterbewegung irgend welche stichhaltigen Gründe nicht angeben kann, da man nicht eingestehen will, daß zügellose Herr- und Proftisucht der treibende Faktor ist._ Siemens u. Halste. Nach dem Geschäftsbericht erzielte die Gesellschaft im letzten Jahre einen Geivinn in Höhe von 12 887 711 Mark(12 797 563 M.). Aus dem Reingewinn von 11504 258 M. (11429 009 M.) werden wieder 12 Proz. Dividende zur Verteilung vorgeschlagen.— Die SicinenS-Tchuckert-Werke erhöhten ihren Reingewinn von 10 207 876 M. aus 10 602 481 Mi. Im Geschäfts- bcricht wurde betont, daß man bei der Bilanzaufstellung vorsichtiger- weise die Werte sehr niedrig eingestellt habe. Trotzdem kann man 12 Proz. verteilen, da rede noch jemand von ungünstigen Verhält» Nissen, wenn ihn das Schicksal zum-- Aktionär gemacht hat GewerftfcbaftUche�. Sind die f orderungen der Bergleute erfüllbar? Augenscheinlich ausgehend von der Geschäftsstelle des Zechenverbandes machen Zeitungsartikel die Runde, die den Nachweis der Unerfüllbarkeit der von den Bergarbeiter- verbänden eingereichten Forderungen führen wollen. Gleich- zeitig wird von dem sattsam bekannten klerikalen Gewerk- Vereinssekretär Jmbusch im„Tag" erneut das bereits von der Zentrumsgewerkvereinspresse kolportierte Märchen aufgetischt, der„sozialdeniokratische Verband" beabsichtige durch einen Bergarbeiterstreik die Aussichten der Sozialdemokratie für die nächsten Reichstagswahlen zu verbessern. Diese Lügen- beutelet ist einfach ein Abklatsch der sinngemäß gleich- artigen Anschuldigungen, die von den Vertretern der Gruben- besitzer früher konstant gegen die ultramontanen Bergarbeiter- agitatoren erhoben wurden. Das Organ des Bergarbeiter- Verbandes stellt überdies in seiner neuesten Nummer fest, daß niemand anderes als der Generalsekretär Effert vom Gewerk- verein christlicher Bergleute voriges Jahr den Plan entwickelt hat, einen lähmenden Scklag gegen die„gesamte Industrie" zu führen, wenn die Zechenbesitzer nicht nachgäben und diesen Schlag in einer Zeit zu führen,„in der die politischen Wogen hochgingen". Also ist der Generalsekretär des„christlichen Ge- Werkvereins" der Vater des Gedankens, einen großen Berg- arbeiterstreik zu politischen WaHlziveckeii zu benutzen. Diese Feststellung ist außerordentlich wertvoll. Die„Bergarbeiterzeitung" nennt die Wahlstreikidee des Gewerkvereinsjührers„unsinnig":„Wir lehnen sie ab l" Auch wir können uns keinen unterrichteten Sozialdemokraten vor- stellen, der der Meinung ist, die Wahlaussichten unserer Partei könnten durch einen Streik der Bergleute verbessert werden. Unsere Partei lehnt es überhaupt ab, wirtschaftliche Kämpfe mit parteipolitischen Aktionen zu verknüpfen. Die Ideen des christlichen Gewerkvereinsführers sind am nächsten verwandt mit den anarcho-syndikalistischen Generalstreikphantasien! Zudem wirft das offizielle Organ der weitaus stärksten Knappenorganisation, die„Bergarbciterzeitung", die Frage auf: Wo steht denn geschrieben, daß jede Lohnbewegung zu einem Streik führen muß?, und gibt die Antwort, es müsse vielmehr auf den Weg zum Abschluß von Tarifverträgen hin- gedrängt werden. Diesen Weg zunächst erschwert zu haben, das ist unstreitig die Schuld der Gewerkvereinsführer, die unter dem Einfluß reaktionärer politischer Kreise sich wieder mal weigern, mit den anderen Verbänden gemeinsame Sache zu machen. Die Beweisführung der Zechenpresse gegen die Lohn- forderung der Bergarbeiter stützt sich auf einige heraus- gegriffene Ueberschußziffern von Ruhrgruben. Es muß aber demgegenüber betont werden, daß die Arbeiter wesentlich nur zurückfordern, was ihnen infolge starker Lohnabzüge genommen worden ist. Daß die Bergleute seit 1907 über 120 Millionen Mark Lohnverluste erlitten haben, wird in der Zechenpresse wohl- weislich verschwiegen. Die anülichen Lohnziffern ergeben riesigen Lohnverlust der Bergarbeiter. Daß infolgedessen in vielen Familien eine große Armut eingekehrt ist, führt selbst der„christliche" Gewerkverein in seiner separaten Eingabe an den Zechenverband an. Er„wünscht" eine Lohnaufbesserung bis zum Stande von 1907. Betrachtet man daraufhin die Löhne der eigentlichen Berg- leute(Lohnklasse A— etwa 50 Proz. der Gesamtheit), so er- gibt sich, daß sie durchschnittlich pro Schicht erhielten im Ruhrgebict: 4. Quartal 1907 1. Quartal 1910 2. Quartal 1910 6,14 M. 5,29 M. 5,33 M. Obgleich der Lohn im 2. Quartal dieses Jahres gegen das Vorvierteljahr um 4 Pf. stieg, betrug der Lohnverlust gegen 1907 dann noch immer zwischen 13 und 14 Proz.! Da- nach würde die Gewährung einer löprozentigen Lohnzulage das Einkommen der eigentlichen Bergleute nur erst gut 1 Proz. gegen 1907 verbessern. Ein Ausgleich für die in- zwischen eingetretenen starken Preissteigerungen der Lebens- mittel wäre dann noch immer nicht geschaffen. Da aber gerade die Verbände der Grubenbesitzer energisch für die Beibehaltung der jetzigen Zollpolitik eintreten, so haben sie doch auch die Verpflichtung, ihre Arbeiter gegen die Folgen der nahrungsverteuernden Politik sicher zu stellen. Mehr fordern die"Bergarbeiter nicht und das müssen sie fordern im Interesse ihrer Selbsterhaltung. Die gegen die Arbeiterforderungen angeführten paar Ueberschußziffern sind nicht beweiskräftig. Wenn man von den Rohüberschüssen zunächst riesige Summen für Neubauten, Neuerwerbungen, Rückstellungen und Gratifikationen der ver- schiedensten Art verbraucht, dann kann man es trotz höherer Neberschüsse leicht einrichten, daß ein geringerer„Reinüber- schuß" verteilt wird. Die Rechenschaftsberichte diverser Zechen- und Hüttengesellschaften sind so undurchsichtig auf- gestellt, daß sich auch Aktionäre beziehungsweise Gewerke in den Generalversammlungen darüber beklagt haben. Darum muß man sich eher an die Notierungen der Kohlenpreise halten, obgleich auch diese den schließlichen Verkaufspreis nicht erkennen lassen— wenn man ein Gesamturteil über die Ge- schäftslage der Werke gewinnen will. Nach einer Abhandlung Dr. Gliers im Zechenverbandsorgan„Glückauf"(Nummer vom 5. 11. 1910) stellte sich der durchschnittliche Tonnenpreis Oberschl. Fette Fette Gaskohle Ruhrkohle Förderkohle (Breslau)(Dortmund)(Saar) 1380/4. i i, 6,2 M. 4.5 M. 6.0 M. 1905/9.... 12,5. 10,3„ 11,9. Das sind Preiserhöhungen bis fast 150 Proz.(Ruhr- gebiet). Gewiß sind die Löhne und die sonstigen Selbstkosten gestiegen: kein vernünftiger Mensch wird heute noch so niedrige Kohlenpreise wie die vor 15 oder gar 30 Jahren verlangen. Aber auch die Hochkonjunkturpreise von 1900/01 sind heute zum Teil noch überschritten, insbesondere im Kleinhandel, dem bekanntlich die Preise syndikatsseitig vor- geschrieben sind. Die Richtpreise des rheinisch- westfälischen Kohlensyndikats für 1910/11 waren so hoch, daß des- wegen vornehmlich der Ko'hlenabsatz sehr erschwert worden ist. Sie waren diesjährig trotz starker Lohn- reduktionen noch fast ebenso hoch, wie zur Zeit des höchsten Lohnstandes und sind für 1911/12 nur teilweise durchschnittlich uni 25 Pf. pro Tonne herabgesetzt, was aber für den mittleren und kleinen Kohlenhandel keine Bedeutung hat. Die Kon- sunlenten werden die hohen Preise weiter zahlen müssen trotz herabgesetzter Richtpreise. Auch das berechtigt die Bergleute. mindestens die Erhöhung ihres Einkommens auf den 1907 innegehabten Stand zu fordern. Ein viel besseres Material zur Beurteilung der Finanz- Wirtschaft unseres Kohlenbergbaues als ein paar Ueberschuß- Kxrantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantwsz' ziffern diverser Zechen bietet eine von dem Statistiker des Bergbaulichen Vereins Essen, Herrn Dr. Jüngst, im„Glückauf" vom 27. August d. I. veröffentlichte Untersuchung über die Rentabilität der Ruhrzechen. Ihre Besitzer hören nicht auf zu klagen über„steigende, unerträgliche Lasten", die angeblich die Industrie zu Boden drücken. Nach der von Dr. Jüngst aufgemachten Rechnung ist aber seit 40 Jahren die durch- schnittliche Rentabilität des Ruhrbergbaues niemals höher gewesen, als nach dem Inkrafttreten der neuzeitlichen Sozial- gesetzgebung, abgesehen von Ausnahmejahren, die wir noch betrachten werden. Der Jüngstschen Berechnung unterlagen 74,36(1873) bis 84,65 Proz.(1889) der Gesamtfördcrung des Ruhrbeckens. Er zählte die ausgezahlte Dividende bezw. Ausbeute zu- sammen, brachte die geleistete Zubuße in Abzug und kam zu dem Resultat, daß pro Tonne Förderung als Reingewinn verteilt wurden: 1873/90... 0,73 W. 1875/90... 0,60„ Die Senkung rührt her aus der in der Gründerzeit vor- genommenen Verhinderung einer gesunden Jndustrieentwicke- lung. 1873 betrug der pro Tonne ausgezahlte Reingewinn 3,88 M., 1874 2,68 M., 1875 nur noch 0,92 M.l Er sank bis zu 0.28 M. im Elendsjahr 1878. Dafür ist die tolle Gründerwirtschaft verantwortlich, der auch die heute noch be- stehende ungesunde Ueberkapitalisierung mancher Werke zu danken ist. In der Periode 1891/1900 schwankte der Tonnengewinn zwischen 0,49 bis 1,83 M., von 1901 bis 1909 nur zwischen 0,99 bis 1,35 M. Während in den 18 Jahren 1873 bis 90 nur dreimal der Tonnengewinn über 1 M. hinausging, gab es in den folgenden 19 Geschäftsjahren 12 mit einem Tonnengelvinn von über 1 M I Seit 1898 hat nur das Jahr 1909 einen Tonnen- gewinn von weniger als 1 M.. nämlich 0,99 M. Die er- hebliche Zunahme der Ueberschüsse gerade seit Inkrafttreten der wichtigsten Sozialgesetze springt förmlich in die Augen. Während der verteilte Tonnengewinn 1875/90 rund 60 Pf. betrug, ist er seit 1898/1909 über eine Mark hinausgegangen! Da sich die Förderung mittlerweile mehr als verdoppelt hat, so kam auch das in einer riesigen Erhöhung der insgesamt verteilten Gelvinnsumme zum Ausdruck. Von einer„erdrückenden Belastung" des Bergbaues kann also schlechterdings nicht die Rede sein, zumal wenn man bc- denkt, daß vor Verteilung des genannten Reingewinns gleich- falls Riesensummen zur Erweiterung und Verbesserung der Anlagen ausgegeben wurden. Manche Werke haben außerdem noch reichgespickte Reservefonds zurückgestellt— während die Masse der Arbeiter auch in den besten Lohnjahren dank der Verteuerung der Lebenshaltung sich keinen Reservefonds auf- speichern konnte. Da nun das laufende Jahr durchweg bessere Erträge liefert als das durchaus nicht magere Jahr 1909, so es doch nur zu begreiflich, daß nunmehr die Arbeiter ver- langen, auch berücksichtigt zu werden. Weite Schichten der Bevölkerung sind an der berg- männischen Lohnbewegung direkt interessiert. Gesetzt der Fall, es käme wieder zu einer namhaften Stockung der Kohlenförderung, wer müßte die Kosten schließlich tragen? Alle Kohlenkonsumenten! Die Jüngstsche Statistik beweist sonnenklar, daß die Zechenbesitzer es vorzüglich verstehen, den Konsumenten nichr als die Kriegskosten eines Kampfes zwischen Arbeit und Kapital im Bergbau aufzuhalsen. 1888 betrug der Tonnengcwinn 0,46 M. Im Streikjahr(I) 1889 schnellte er auf 0,83 und 1890 sogar auf 2,04 M. hinauf! 1899 ver- teilten die Ruhrzechen 1,10 M. pro Tonne Gewinn, 1900 aber, als der Generalstreik der Kohlengräber in Oesterreich tobte, 1,34 und im Jahre darauf 1,35 M., obgleich oder weil die Arbeiterlöhne herabgcdrückt wurden. 1904 betrug der Tonnengewinn 1,17 M.. im Streikjahr(I) 1905 gleich 1,13 und 1906 sogar 1,29 M. I Die Zechenbesitzer haben also in den Streikjahren und noch mehr in dem Jahre darauf höhere Gewinne verteilen können! Diese außerordentlich ivichtige Tatsache sollte die Oeffentlichkeit nur ja nicht über- sehen. Eben weil die Zechenbesitzcr ausweislich ihrer Geschäfts- berichte von einem Streikschaden nicht betroffen worden sind, vielmehr in und nach einem Streikjahr ihre Ueberschüsse auf Kosten der Konsumenten erhöhen konnten, deshalb hat die breite Masse des kohlenkonsumierenden Volkes, deshalb hat auch die Staatsregierung die Pflicht, sich auf die Seite der um die Zurückgabe der Lohnabzüge ersuchenden Bergarbeiter zu stellen. Weshalb sollten sich die Zechenbesitzer nicht in Verhandlungen mit den Arbeitervertretern einlassen können, nachdem dieser Weg zur gütlichen Ordnung der Arbeits- Verhältnisse noch unlängst von den Bauuntemehmervcrbändcn und den Metallindustriellen beschritten worden ist? Serlin unck Omgcgcnd. An die organisierte Arbeiterschaft! Die unterzeichnete Branchenleitung bringt der Arbeiterschaft sowie auch den Gastwirten Berlins hiermit zur Kenntnis, daß sie für die im Deutschen Transportarbeiterverbande organisierten Kutscher und Mitfahrer aus den Mineralwasser- und Essigfabriken sowie Großdestillationen, Wein- und Bierversandgeschäften eine graue Legitimationskarte herausgegeben hat. Die Ein- führung dieser Karte ist deshalb erfolgt, weil noch immer ein Teil dieser Kutscher der gewerkschaftlichen und politischen Organisation fernsteht. Wir ersuchen alle Gewerkschafts- und Parteigenoffen, falls sie mit diesen Kutschern in geschäftliche Berührung kommen, dieselben nach der Legitimationskarte zu befragen, eventuell sie auf ihre Organisationspflicht hinzuweisen. Die Karte trägt die Aufschrift des Verbandes sowie den Namen nebst Mitgliedsnummer des Inhabers. Ebenso muß dieselbe für den laufenden Monat ordnungsmäßig abgestempelt sein. Die Kollegen des Deutschen Transportarbciterverbandes werden hiermit aufgefordert, am kommenden Zahlabend der Partei die Genossinnen und Genossen von der Einführung der Legitimationskarte noch be- sonders in Kenntnis zu setzen, damit einer Verbreitung unserer Organisation nach dieser Richtung hin die Bahn frei gemacht werde. Hoch die Solidarität! Mit Parteigruß Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Grotz-Berlin. Die Branchenlcitung der Kellrrarbeiter und Kutscher. veutkcbes Reich, Der Streik in der Holzwarenfabrik von Schütze in Finsterwaldc ist nach achtwöchiger Dauer für die Arbeiter erfolgreich beendet worden.— Dieser Abschluß ist darum besonders erwähnenswert, weil der Kampf mit ganz besonderer Erbitterung geführt wurde und Fabrikant wie Arbeitswillige Unerhörtes an Provokationen der Streikenden leisteten. Eine größere Anzahl Streikender, die sich durch die Revolver und Schlagringe der„nützlichen Elemente" be- droht sahen und diese abwehrten, sitzen schon seit längerer Zeit in Untersuchungshaft: es solT ihnen der Prozeß wegen Landfriedens- bruch gemacht werden. Der Erfolg der Lohnbewegung ist ein voll- ständiger. Die Arbeitszeit wird sofort auf 57 und während der Per- tragsperiode auf 54 Stunden verkürzt. Außer dem Ausgleich für Verkürzung der Arbeitszeit werden alle Stundenlöhne um 5 Pf., Uh, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. verlagkanstall! I verteilt auf die vierjährige Vcrtragsperiode aufgebessert. Heber« stunden werden mit 10 Pf. Aufschlag bezahlt. Akkordarbeiter, bei Lohnarbeit beschäftigt, erhalten den erzielten Durchschnittsverdienst des letzten Vierteljahres als Lohn bezahlt. Der Mindestlohn für Maschinenarbeiter beträgt 37, für Hilfsarbeiter 30 Pf. pro Stunde. Die Lohnbewegung der Breslaucr Uniformmaßschneider endete mit dem Abschluß eines dreiklassigen Tarifs, der bis 31. März 1914 Gültigkeit hat. Durchweg erfolgt eine Aufbesserung der Löhne um 10 bis 20 Proz. Beteiligt an der Bewegung waren der Zentralverband der Schneider und der christliche Schneider- verband, die gemeinsam vorgingen. Gasarbeiterstreik in Zwickau. Die Arbeiter des Jnnenbctriebes der Zwickauer Gasanstalt haben die Arbeit eingestellt. Veranlassung hierzu gab die Ablehnung der hauptsächlichsten Forderungen der Arbeiter, besonders der Wicdereinstellung der gemaßregelten Lohnkommission, der Ab- schaffung der 18stündigen Wechsclschicht, bessere Behandlung durch die Vorgesetzten sowie Aufbesserung der Grundlöhne. Die Gas- Werksdirektion aber war nach dem Grundsatz„Teile und herrsche" verfahren und hatte nur einzelnen älteren Arbeitern Zulagen ge- währt, die Mindestlohnsätzc aber für Hofarbeiter auf 33 Pf. und für Feuerhausarbeiter auf 39 Pf. belassen.— Vom Magistrat zum Arbeitswilligendienst abkommandierte Bauamtsarbeiter sowie eine Anzahl Bauarbeiter, die private Unternehmer nach dem Gaswerk geschickt hatten, haben sich zu Streikbrecherdiensten nicht hergegeben, sondern sich mit den Streikenden solidarisch erklärt. Bei den Ver- Handlungen hat der Gasdirektor die gezahlten Grundlöhne aus- drücklich für ausreichend bezeichnet und betont, daß von Nachgeben keine Rede sein könne. Der Streik dauert daher unverändert fort und steht zu erwarten, daß, wenn wie bisher Arbeitswillige sich nicht zum Dienst melden, die Gaswerksdirektion Zugeständnisse machen muß._ Die lieben„Arbeitswilligen". In der Rastatter Waggonfabrik streiken seit einigen Wochen die Metallarbeiter. Die Strcikbrecheragenturfirma Witwe Müller in Hamburg hat nach dorthin eine Kollektion Arbeitswilliger ge- liefert. Als ein Meister der Finna von einem dieser Helden Arbeit verlangte, bekam er zur Antwort:„Wir sind nicht zum Arbeiten gekommen, wir wollen bloß Geld, wir wollen bloß den Streik brechen!" Genau nach dem Rezept des Hintze. HusUnd. Der österreichische Gicstereiarbcitcr-Vcrband hatte sich in seiner soeben abgehaltenen Generalversammlung, die zugleich seinen 20jährigen Bestand bezeichnete, wieder mit der Frage des Ucbertrittes zum Metallarbciterverband zu beschäftigen. Der Gießereivcrband hat 8342 Mitglieder, er hat durch die Krise seit 1998 fast 2909 Mitglieder eingebüßt, waren doch ganze Ortsgruppe» arbeitslos! 1997, 1998 und 1999 wurden für Arbeitslosenunter- stützung 29 099, 44 999 und 69 999 Kronen ausbezahlt. 1919 aber hat den Verlust schon wieder ziemlich wettgemacht. Die separati- stische Bewegung hat dem Verband nicht geschadet, lieber die Ver- schmelzung referierte Genosse W a s n c r, der Redakteur des Gießerteiles des Metallarbeiterfachblattes. Er verwies insbeson- dere auf den lückenlosen Ausbau der Untcrnchmerorganisation in der Metallindustrie.(Nebenbei bemerkt: in Budweis, einer der Hauptstätten des nationalen Bourgeoiskampfes, haben sich letzthin die Unternehmer, Deutsche und Tschechen, feierlich verbrüdert...) W a s n e r verwies auf die unerläßliche Notwendigkeit einer Bei- tragserhohung bis zu 33 Proz. Auch der tschechische Referent K r e st a trat überzeugend für die Verschmelzung ein. Verschiedene Delegierte aus tschechischen Gegenden aber warnten bei aller An- erkennung der Notwendigkeit doch vor der Verschmelzung, denn sie könnte den Gegnern der Zentralorganisation neuen Agitationsstoff geben Erst müsse mindestens eine sehr gründliche Aufklärung er- folgen. Und tatsächlich wagte man nicht, aus Furcht vor der Ausnützung alter Branchenvorurtcile durch die separatistischen „Sozialisten", das einmütig für notwendig Erklärte zu tun. Man ging auseinander, ohne die Verschmelzung beschlossen zu haben, man trennte sich in der Hoffnung, daß in abermals zwei Jahren— schon 1908 erteilte der Verbandstag dem Vorstand den Auftrag, die Verschmelzung vorzubereiten— der Wahn gewichen sein wird: der tschechische Separatismus, der jeden Separatismus auf Kosten der Arbeiter förderte. Und das mutzte in einer Zeit geschehen, wo die Zersplitterung den Lohnkampf der Lithographen ungünstig bcein- flutzt, wo die langsam wieder einsetzende Besserung der Wirtschafts- läge die Arbeiter in den Stand setzen sollte, die Arbeits- und Lohn- hedingungen dem agrarischen und Wohnungswucher entsprechend abzuändern! Wie lange noch? I*ctztc ffachrlcbtoi. Mangelhafte Transportmittel in Frankreich. Paris, 13. Dezember.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Senats tadelte Jenouvrier den mangelhaften Betrieb der Staatseisenbahnen, der durch die Nnverantwortlichkeit der Ber- waltung hervorgerufen worden sei. Auf den Kais von Havre blieben zweihunderttauscnd Ballen Baumwolle liegen. Die Schiffahrts- gesellschaften ließen ihre Schiffe diesen Hasen gar nicht mehr an- laufen, weil sie dort ihre Ladung nicht los würden. Hamburg, Bremen und Antwerpen zögen aus dieser Lage Nutzen. In Rouen verfaulten Tausende von Tonnen Getreide, weil es an Transportmitteln fehle. M e l i n e schloß sich den Ausführungen Jenouvriers an. Der Bedarf Ostfrankreichs an Baumwolle gehe jetzt über Bremen. Die Entrechtung Finnlands. Petersburg, 13. Dezember.i. H». eringen, v. Tirpitz, Kraetke, v. Linde- qu'st, Äld�rlen-Wächter. Mermuth. Zur Feier der 100. Sitzung ist der Platz des Präsidenten mit einem Blumenstrautz geschmückt. Die erste Lesung des Etats wird fortgesetzt. Staatssekretär v. Lmdequist betont gegenüber dem Abg. Erz- berger, daß er immer eine deutschnationale Kolonialpolitik getrieben habe und treiben werde. Das werde ihn aber nicht abhalten, die Ausländer in den deutschen Kolonien sreundlich zu behandeln. Abg. Gans Edler Graf zu Putlitz sk.): Die Prophezeiungen, daß durch die Finanzreform die Industrie in ihrer Entlvickelung geschädigt werden würde, haben sich nicht bewahrheitet. Die so- genannte„Harnilosigkeit" der Sozialdemokraten geht deutlich hervor aus der Rede des Herrn Wendel in Frankfurt, die hier auch erwähnt ist. Da wird darüber geklagt, daß wir keine richtige bürgerliche Revolution gehabt hoben und das Wesen der Revolution wird so erklärt:«den Junkern den Kopf ab". Die Sozial- demokraten setzen alle Großtaten unserer Ge- schichte und unserer Monarchen herab; ebenso ist es in dem Verhältnis mit den Unternehmern. Sieließlich fast ganz aufgeben. Mit gelähmten Gliedern liegt er im Bett und ist fast ganz blind:„Du hast keinen Begriff davon, wieviel ich gelitten und noch leide; beständig Krämpfe und Zusammen- ziehungen, besonders der Beine und des Rückgrats, zusammen- gekrümmt liege ich auf einer Seite im Bette, ohne mich bewegen zu können, und nur alle 24 Stunden werde ich auf-inige Minuten wie ein Kind auf den Sessel gesetzt, während man mir das Bett macht; um die Schmerze» zu betäuben, nehme ich beständig Zu- flucht zum Opium, auch mein Kopf ist daher sehr dumpfig." „Meine Lähmung ergreift auch den Oberteil des Körpers," klagt er in einem anderen Briefe aus dem Jahre 1850,„und die Krämpfe der Kinnbacken und des ganzen Gesichts bekümmern und ermüden mich außerordentlich. Ich leide wie ein Hund und habe doch das Leben zähe wie eine Katze." Schon seit zwei Jahren ist er nicht mehr ins Freie gekommen, sondern liegt auf seiner Ma- tratze in dem trüben Häusermeer der Rue d'Amsterdam, wo über ihm Klavier gespielt wird und unter ihm Teppiche geklopft werden. Erst 1854 zog er nach den Champs Elysees, wo er auf dem Balkon ruhend ins duftige Grün sehen konnte. Leider durfte er aber auch hier nur ein einzigesmal die entzückende Aussicht genießen: selbst den Besuch des Balkons gestattete ihm sein Leiden nicht mehr. Neben den körperlichen Leiden spielen literarische und finanzielle Miseren die Hauptrolle in den Briefen des Dichters. In ihm lebt noch der alte Zorn und die alte Schärfe; mit um so mehr ingrimmigerer Bitterkeit empfindet er seinen hilflosen Zustand.„Hätte ich nur meine Beine!" ruft er des öfteren aus.„Ich sterbe an den Prügeln, die ich nicht austeilen kann." Rusfische Preßfrciheit. Ueber die Lage der russischen Provinz- presse weiß die„Rjetsch" allerlei Erbauliches zu berichten. Tolstois (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß, sagte er, müssen auch wir, so lange die anderen Mächte rüsten, unsere Weltstellung um jeden Preis verteidigen, aber erst die Rüstungseinscbränkung auf Grund internationaler Verständigung kann uns Sicherheit geben, weil sie sowohl uns wie den fremden Staaten die Macht nimmt, Unrecht zu tun." Es wäre wirklich zu wünschen, daß einmal eine solche Erklärung auch von der deutschen Regierung ab- gegeben würde. Die Erklärung, die uns der Reichskanzler gegeben hat über unverbindliche Besprechungen mit England, klang ja, wie ich zugeben will, etwas besser als das, was wir aus dem Munde des Fürsten Bülow zu hören gewohnt waren, aber sie ge- nügte nicht. Deutschland lädt eine Schuld auf sich vor der ganze» zivilisierten Menschheit, wenn es mchr in die dargebotene Hand ein- schlägt und den ernsthasten Versuch macht, sich zu verständigen. (Sehr wahr! bei den Sozialdem.)— Herr Erzberger war gestern außerordentlich stolz aus die Finanzreform und er hat der Sozial- demokratie vorgeworfen, sie sei in ihrem Steuerprogramm inlon- scquenl und unklar. Er hat da auf die Erbschastssteuer verwiesen. Ich verstehe sehr wohl seinen Wunsch, daß auch wir auf dem Süiiderstüblchen sitzen möchten als Veramwortliche für die Ab- lehnung der Erbschaftssteuer. Das ist aber nicht möglich. Wenn Herr Erzberger absolut nicht herauskriegen kann, wie wir zur Erbschaftssteuer stehen, so erinnere ich ihn daran, daß die Sozial- demokraten 1906 für die Einführung der Erbschaftssteuer ge- stimmt haben und daß wir auch bei der letzten Vorlage für diese Steuer in zweiter Lesung gestimmt haben, während Herr Erzberger gegen alles stimmte und nicht ein- mal die Ueberschrift bewilligte, so daß es zu keiner dritten Lesung gekonimen ist. Ja, Herr Erzberger. dann hätten Sie doch wenigstens für die Ueberschrift stimmen können(Heiterkeit), dann wäre die schwierige dunkle Frage, was die Sozialdemokratie in dritter Lesung getan hätte, klipp und klar beantwortet.(Heiterkeit.) Herr Erzberger hat uns gefragt: Was wollen Sie denn für eine Steuer? Nun, wir haben eine Skala zur Erbschaftssteuer eingebracht, das weiß doch Herr Erzberger, der ja alles weiß, was im Reichstage vorgegangen ist.(Heilerkeit.) Unsere Skgla hätte er- kleckliche Summen eingebracht, warum haben Sie nicht dafür ge- stimmt? Und wir haben Ihnen auch noch andere Steuervorschläge gebracht, wir haben die RcichsvcrmögenS- und RcichSeinkommensteuer beantragt.(Zuruf im Zentrum.) Gewiß, Sie wollen sie nicht, aber dann können Sie nicht behaupten, daß wir Ihnen nicht gesagt hätten, wo wir die Einnahmen des Reiches herbekommen wollen. Ich ver- stehe ja, daß Sie das Bedürfnis fühlen, sich vor dem deutschen Volke zu recktfertigenfür die Lasten, die Sie ihm auferlegt haben, denn all' Ihr Stolz und Ihre Freude ist nicht echt. Sie haben ein ungeheures Bedürfnis sich reiiizmvnschen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das�st auch sehr erklär- lich, denn, ob das Werk, was Sie geschaffen haben, gut oder schlecht war, darüber zu urteilen, ist Sache der breiten Schichten des Volkes, die die Suppe, die Sie ihnen ein- gebrockt haben, ausessen müssen, und die werden Ihnen sagen, wie ihnen die Suppe schmeckt. Bei jeder Nachwahl haben sie es Ihnen schon gesagt. Draußen wird das Urteil über Ihr Werk ge- fällt und da fühlen Sie das Bedürfnis, sich zu elttschuldigen. Aber das wird Ihnen nicht gelingen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Das deutsche Volk fühlt am eigenen Fleische, was Sic für Gesetze gemacht haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger bat sich in einem merkwürdigen logischen Widerspruch bewegt. Er hat zunächst bewiesen, daß die Fiuanzreform sozial wirke, und dann hat er bewiesen, daß das Kapital keinen Schaden von dieser Steuer habe, daß die Kapitalisten die Steuer abwälzen. Ja, diese beiden Beweise� fressen sich aber gegenseitig auf.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn das letztere richtig ist, und diese Anschauung teile ich auch, wir wissen ja, daß z. B. die Brauereien infolge der Monopolisierung die Steuer abwälzen, wo bleibt dann die soziale Wirkung dieser Steuergesetzgebung.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ihre Wirkung ist vielmehr gemein- schädigend. Sie ruiniert die Gesundheit des Volkes, indem sie die Lebenshaltung der Aermsten noch mehr belastet als bisher, und daraus entsteht die wachsende Entrüstung im Lande.(Zustimmung links.) Der Reichskanzler hat dann gemeint, das Streben der Reichs- regierung für das Volk werde nicht erlahmen und das Volk werde die Reichsversicherungsordnung als ein großes Geschenk von dem jetzt noch lebenden Reichstag bekommen. Aber gerade die Bor- gänge in der Reichsversicherungsordmiugskommiision hatten klar bewiesen, daß wir in der Sozialreform nicht weiter Tod hat, wie alle bedeutenderen Vorgänge im russischen Leben, für die Provinzpresse eine Reihe von Strafen nach sich gezogen; diese Strafen haben so mancher Zeitung den letzten Stoß versetzt.„Es kam zu einem akuten Anfall im chronischen Verlauf der Krankheit," schreibt das zitierte Blatt,„einer Krankheit, die dazu berufen er- scheint, die unabhängige russische Provinzpresse zu vernichten und die Reptilienblätter erstehen zu lassen, die keine Leser besitzen und auf irgendeine geheimnisvolle Weise existieren. Obgleich jeder Administrator gegen die Provinzpresse in anderer Weise vorgeht, fühlt man einen bestimmten Plan heraus. Wenn man von drei oder vier größeren Städten absieht, kann man sagen, daß die unab- hängige russische Provinzpresse systematisch vernichtet und„mit Gc- fühl" ruiniert wird. Das alles geschieht unter der Maske der Preßfreiheit. Die Lage der Provinzpresse ist unter Stolypin hun- dertmal schlimmer geworden, als unter Plehwe mit seiner Präven- tivzensur. Damals durfte ein Provinzblatt nichts gegen einen Gorodowoi sagen; die Unterschrift eines Zensors bewahrte es aber in allen allgemeinen Fragen vor Strafe. Jetzt darf man einem Gorodowoi auch nichts Schlechtes nachsagen, aber es ist jetzt viel ärger geworden. Wenn unter Plehwe ein Blatt sich verging, wurde es einfach unterdrückt. Jetzt hat man das System der hohen Geldstrafen eingeführt, die ebensogut für irgendeine kleine Lokal- notiz wie für die Berührung wichtiger Fragen der hohen Politik verhängt werden können. Dabei kann einem kein Mensch sagen, was erlaubt und was verboten ist. Jeder Gouverneur und jeder Polizeimensch hat da seinen besonderen Standpunkt, und es läßt sich, genau genommen, jede Zeitung für jeden beliebigen Artikel bestrafen, denn es wird immer jemand geben, dem ein bestimmter Artikel nicht gefällt. Mehrere Polizeimeister haben den Provinz- blättern kurzerhand den Abdruck aller Aufsehen erregenden Nach- richten verboten, so daß die Blätter nicht mehr wissen, was sie ihren Lesern eigentlich erzählen sollen.. Antoinc,„der Heiler". Eine mit 160 000 Unterschriften ver- sehene Petition ist der Brüsseler Deputiertenkammer überreicht worden, in der der Antrag gestellt wird, die„Antoine-Berehrung"; für gesetzmäßig zu erklären. Welches Schicksal nun auch dieser Petition beschiedcn sein mag, so ist sie doch ein betrübsames Zeichen für die religiöse Bewegung, die sich um einen merk- würdigen Heiligen, Antoine„den Heiler", in Belgien gebildet hat. Antoine, ein einfacher Bergwerksarbeiter, geriet in die Kreise des Spiritismus, wurde ein ausgezeichnetes Medium und behauptet nun, den Besuch von Geistern zu empfangen. Diese Geister haben ihm dann eine neue Religion übermittelt und die Gabe des Heilens zuteil werden lassen. Nachdem er eine große Anhänger- zahl um sich gesammelt hatte, erbaute er vor zwei Jahren eine Kirche in Jeuncppe, für die in einer Woche 80 000 M. aufgc- bracht waren. Hier hat Antoine das Zentrum seiner Wirksamkeit! aufgeschlagen und lebt hier mit seiner Anhängerschar, die immer mehr anwächst. Der„Heiler" nimmt kein Geld für seine Dienste, die er den Kranken erweist, und ist heute noch so arm wie damals, I kommen, weil wir kein Geld haben. WaS da heraus- kommt für die Witwen und Waisen, für die Kranken, daS ist geradezu beschämend für das Deutsche Reich. (Zuruf rechts: Und wie ist es in anderen Ländern?) Ich habe hier nur zurückgewiesen, daß man dem deutschen Volke hier ein großes Geschenk als Aeguivalent anpreist für die ungeheure Steuer- last, die man ihm aufgebürdet hat. Der Reichskanzler hoffe, daß das Gesetz zustande kommt. Dann soll er doch die Herren von der Regierung ernstlich ins Gebet nehmen, denn die haben sich ja ge- weigert, die Beschlüsse der zweiten Lesung der Kommission an- zunehmen. Wenn auch dieses Schifflein an der sozialen Ein- fichtst osigkeit der deutschen leitenden Kreise zerschellt, so lvird das deutsche Volk wissen, woran es ist. Der Kanzler hat dann das alte Lied gesungen, wir seien nur negierend und leisten keine positive Arbeit. Er tut so, als ob er glaube, die Sozialdemokratie habe bei allen sozialen Gesetzen nein gesagt. Dabei war er zuvor Staatssekretär des Innern und hat selbst in einer Reihe von Kommissionen gearbeitet. Er muß also wissen, daß es kein Gesetz von sozialer Bedeutung gibt, bei dein die Sozialdemokratie nicht mitgearbeitet und ständig Verbesserungen beantragt hat. Auch bei der R e i ch s v e r s i ch e r u n g s» Ordnung hat die sozialdemokratische Partei die meisten Anträge gestellt, von denen viele auch angenommen sind, die er also nn- möglich als unausführbar und phantastisch bezeichnen darf. Beim A r b e i t s k a m m e r g e s e tz hat der Staatssekretär Delbrück uns das Zeugnis ausgestellt, daß wir durchaus fruchtbare positive anerkennenswerte Arbeit leisten.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Als er von den Arbeiter- s e k r e t ä r e n sprach, sagte er: Sie alle kennen die Tätigkeit der Arbeitersekretäre aus den Parlamenten, insbesondere aus den Kam- Missionen dieses Hauses. Wir alle wissen, daß sie mit ihrer Sach- künde angenehme und ehrenvolle Mitarbeiter sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Mag Herr Delbrück sich mit Herrn v. Berhinann Hollweg auseinandersetzen. Wir freilich haben es nicht nötig, uns erst auf Herrn Delbrück zu berufen. Unsere Wählerschaft weiß, was nnsere positive Mitarbeit wert ist, und drückt uns ein von Wahl zu Wahl wachsendes Vertrauen aus.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.), Der Reichskanzler erklärte, er wolle mitwirken, die Machtposition der Sozialdemokratie in den Krankenkassen zu beseitigen. Das haben die Scharfmacher seit Jahren verlangt. Jetzt ist die Regierung glücklich soweit, den Scharfmachern dies auf den Weihnachtstisch zu legen. Aber Sie werden die Verdienste der Sozialdemokratie um die Sozialpolitik und die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft mit allen Ihren Reden nicht aus der Welt bringen. Sie sind eingeschrieben als ein Ruhmesblatt in der Geschichte des deutschen Volkes. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler kann da nicht mit uns in Konkurrenz treten. Seine sozialen Taten wiegen federleicht gegen die Zentner, die wir in die Wagschale zu legen haben. Er will an den bewährten Grundsätzen unserer Wirt- schaflspolitik festhalten, d. h. an dem agrarischen Hochschutzzollsystem. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Er meint, er ist im Ein- Verständnis dabei mit der Mehrheit des Reichstages. Aber die Mehrheit des Reichstages repräsentiert nicht die Mehr- heit des Volkes, und ein Staatsmann sollte Gewicht darauf legen, mit der Mehrheit des Volkes in Uebereinstiiniining zu sein. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Wahl in Labinu-Wehlau ist die schärfste Kritik des schwarzblauen Blockes. Der Vorredner nahm die Sache ja aus die leichte Schulter und meint, die Wahlen sind mit Geld gemacht. Einen gewissen Druck kann man mit Geld ja ausüben. Aber er läßt sich nicht vergleichen mit dem Druck, den die Konservativen, unter st ützt von ihren La ndratS- ämtern und sonstigen Aemtern, auf ihre Wähler ausüben. Wenn trotzdem diesmal der konservative Kandidat unterlegen ist, dann sollten Sie nachzudenken beginnen. Sie sind ja fromme Leute, und ein Sprichwort sagt: Volkes Stimme ist Gottes Stimme. Der Vorredner sagte, die Sozialdemokratie führe den Wablkampf mit den schärfsten Mitteln. Nun, ich erlaube mir, Ihnen Einsicht in ein k o n s e r v a t i v e s Flugblatt zu geben, um die edle Kainpsesweise der Edelsten der Nation zu charakterisieren. In diesem offiziellen Flugblatt wird gefragt, wo das Geld zu den Wahlen her- kommt. Es heißt dann:„Nun, das nimmt die Soziildcmokratie den Arbeitern ab. Sie nimmt höhere Steuern als der Staat. Hier ist sie noch machtlos. Würde sie Macht gewinnen, so müßte jeder als er seine neue Religion stiftete. Seine Lehre ist ziemlich dunkel. Er glaubt, daß Güte die ganze Welt regieren müßte und daß der Magnetismus des menschlichen Körpers gute und böse Einflüsse ausstrahle, die verschieden stark sind. Die magnetische Kraft einer starken Persönlichkeit soll nun den widerstrebenden Magnetismus der anderen überwältigen können. Darauf sind die Gottesdienste bei Antoine gestellt. Die Versammlung konzentriert ihre Gedanken, und das von ihr ausströmende Fludium wirkt auf Antoine, der, wenn die guten Einflüsse vorherrschen, von den Geistern befallen wird und in ihrem Namen predigt. yiotizen. T h e a t e r ch r o n i k.„Cyrano von Bcrgerac", die seit über 10 Jahren in Berlin nicht gegebene romantische Komödie von R o st a n d, geht als nächste Neueinstudierung im Friedrich- Wilhelmstädtischen-Schaustftelhaustz in Szene. — Beethoven auf der Eisbahn. Es handelt sich hier nicht um die bedeutsame Frage, ob Beethoven Schlittschuh gelaufen hat oder ob er etwa„die unsterbliche Geliebte" auf der Eisbahn kennen lernte, oder welchen Einfluß der Eissport auf sein Schaffen hatte. Nein, diese Fragen sind ebenso viele noch nicht gelöste Doktor- aufgaben. Hier aber wollen wir nur den Gradmesser erreichter Kultur an ein musikalisches Ereignis anlegen, das am Sonntag auf einer Berliner Eisbahn vor sich ging. Bisher konnte man in Berlin Beethoven auch bereits mit Lendenbraten, Echtem und auch mit Eis serviert genießen. Aber auf Eis noch nicht! Ein neuer musikal.>cher Rekord und Kulturhöhepunkt wurde geschaffen, als die königliche Kapelle xmit Richard Strauß an der Spitze inmitten der Eisbahn Beethovens 9. Symphonie aufführte. Für des Leibes Notdurft, für Kälte und akrobatischen Ulk(verschiedene Mitwirkende rutschten aus) sorgte der Sportpalast, für den Rest die königliche Kapelle. Die Konkurrenz wird nicht rasten, bis dies neue Musik- Prinzip bald weiter ausgebaut wird. Mozart im Schwimmbad(mit Weingartner an der Leine), Verdis Requiem in der Markthalle, die Matthäuspassion als Einlage des Mctropolballes sind die nächsten Staffeln. Berlin in der Musikkultur immer vorneweg, und für die Reklame ist uns keine Kunst zu schade— heißt die Geschäftsparole. — H a t der Nobelpreis Nutzen gestiftet? Dieser Tage wurde der Nobelpreis wieder einmal(und. zwar zum zehnten Mal) verurteilt. Für die Oeffentlichkeit hat die Verteilung kein Jnter- esse, und diesmal erst recht nicht, weil die Preisträger— außer Paul Heyse— nur den Fachmännern bekannt sind. Eine seywedische Zeitung hat bei diesem Anlaß endlich einmal die Rundfrage auf- geworfen, ob denn der Nobelpreis in Medizin und Naturwissen- schaften(in der Literatur hat sie offenbar desgleichen gar nicht er- wartet) von Nutzen gewesen sei. Leider sind nur bisherige Preis- träger gefragt worden, und die waren begreiflicherweise der Mei- nung, daß die Preise anregend gewirkt hätten. Sie setzten aber quch hinzu, daß diese Wirkung um so deutlicher werde, je mehr jüngere Forscher Preise bekämen,- an sie steuern und zwar nimmt sie von jedem mehrere Mark monat- lidj." �Schallende Heilerkeit.) Ztun weiter, nodlssss odligs:.von diesem Gelde leben die Parteisekretäre und Agitatoren, und wahrscheinlich ganz angenehm". DnS entblödet sich nicht, Männer unS entgegenzuwerfen, deren ganze Politik im Zeichen des großen Portemonn aieS steht, deren ganze Politik darauf gerichtet ist, die Reichen noch reicher, die Armen noch ärmer zu machen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das sind die Freunde des Herrn Abg. Gans E d l e r z u P u t l i tz, und die Herren klagen über Roheit, Lügen, kulturwidriges Agitieren der Sozialdemokratie.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Hier ist noch ein konservatives Flugblatt, das durch seinen ganzen Stil geradezu ein Blitzlicht auf die sozialen Berhältuisse in jenem Kreise wirft. Da heißt es:.Wer sorgt und müht sich ab, um Euch und Euren Familien das notwendige Stück Brot zu verdienen?— Euer Herr!(Schallende Heiterkeit.) Wer kleistert für Euch, daß Ihr im Alter etwas habt? Nicht der Herr Wagner und nicht der Herr Linde aus Königsberg, sondern tirarr Herr!"(Erneute Heiterkeit.) Und zuni Schluß heißt es:.Eures Herrn Brot ist Euer Brot I" (Erneute stünnische Heiterkeit.) DaS ist ein Flugblatt, mit welchem die Konservativen glauben, Tausende von Wählern zu gewinnen. Spricht daraus nicht der Geist des Feudalismus in nacktester Form zu uns l Haben wir nicht ein Stück Mittelalter vor unseren Augen, wo es heißt: Wir sind die Herren, Ihr seid die Knechte. Wenn dann ein sozialdemokratischer Agitator den Arbeitern sagt, sie sollen vergleichen, was sie durch ihre Arbeit gewinnen, mit dem Leben der Herren, und was für ein ungerechtes System es ist, in welchem sie als Knechte behandelt werden, so werden Sie begreifen, daß diese Leute nicht wieder für Sie zu gewinnen sind. Der Ausfall der Wahl in Labiau-Wehlau wie überhaupt die Nachwahlen sind überaus wert- volle Zeichen der Zeit. Sie künden an den Znsammenbrnch drs Fundaments, auf dem Ihre Macht in Preußen beruht. Sie zeigen, daß die Massen sich der Beeinflussung durch den Terror entziehen. Einzelne wagen ja nicht, gegen den Stachel zu löten: wenn sie aber sehen, daß Massen gegen ihre Herren marschieren. dann schließe» sich Massen an. Wenn dwse Massen aufwachen und zum Bewußtsein kommen, dann können Sie(nach rechts) einpacken. Ohne diese unaufgeklärten Massen sind Sie nichts. Denn mit Ihrer Intelligenz und Leistungsfähigkeit werden Sie in Preußen-Deutschland keinen Einfluß erlangen.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr v. B e t h m a n n H o l l w e g spricht jedesmal, wenn eine Kundgebung gegen ihn erfolgt, in verächtlichem Ton von der M a s s e. Wenn er sich dagegen auf etwas zu seinen Gunsten bezieht, dann spricht er von der Nation.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Welches Recht hat der Reichskanzler, im Namen der Nation zu sprechen? Die Nation hat ihn nicht an seine Stelle gesetzt, sondern die Person, die er als seinen Herrn bezeichnet. Niemand aber kann zween Herren dienen. Ist es richtig, daß er die Befehle semeS Herrn anerkennt, so kann er sich nicht als Mandatar der Ration hinstellen. Wenn ein englischer Ministerpräsident im Namen der Nation spricht, so hat er ein Recht dazu, denn die Nation hat ihn mit ihrer Mehrheit ein Mandat dazu gegeben, aber Bureaukraten, die von der Gnade oder Ungnade eines Herrn an ihren Platz und wieder wegkommen, haben das Recht nicht. Der Reichstag in seiner Gesamtheit kann im Namen des deutschen Polles sprechen. Die Regierung hat dem Parlament zu dienen, weil daS Parlament in sich die Mandate der Nation vereinigt. Meint die Regierung, daß die Mehrheit des Parlaments nicht mehr die Mehrheit des Volkes darstellt, dann hat sie daS Recht und die Pflicht, das Parlament nach Hause zu schicken und dieNation von neuem zu befragen. Die Masse, das Volk m seiner Gesamtheit kann natürlich nicht selbst die Exekutive sein. Die Masse ist selbstverständlich genötigt, sich repräsentieren zu lassen. Dadurch erscheint eine Auslese von Intelligenz als Mandatare der Masse im Parlament. Daß der Reichskanzler über den Parteien steht, glaubt vielleicht außer ihm gewiß kein Mensch. Seine Taten und seine Reden zeigen, daß er ein Gefangencr des schwarzblanen Blocks ist, der Ritter und Heiligen. (Zustimmung links. Lochen rechts und in der Mitte.) Es muß ja den Konservativen wehe tun, es ist ihnen immer noch etwas genant, Verbündete des Zentrums zu sein, und ebenso dem Reichskanzler, aber(zum Zentrum) das müssen Sie ihm austreiben.(Große Heilerkeit.) Was er ist, soll er auch scheinen, und wenn Herr Erzberger gestern gesagt hat, daß mau in der Politik auch feste Preise haben muß: Sie vom Zentrum haben doch auch feste Preise und haben gewiß auch schon Ihren Preis kuraut beim Reichskanzler abgegeben. (Heiterkeit und Sehr gut I links.) Wir können Sie nicht schonen, denn S t e ziehen die Religion in den politischen Kampf hinein. (Lebhafte Justin, mung links.) Wir könnten Ihnen mit Bergen von Material beweisen, wie Geistliche von der Kanzel herab, im B e i ch t st u h l agitieren.(Widerspruch im Zentruni.) In meinem Wahlkreise hat man auf diese Weise Abonnenten für katholische Blätter geworben. Sehr amüsant ist die in den Zentrums« blättern geführte Diskussion, ob das Zentrum eine konfessionelle Partei sei. Natürlich ist davon gar keine Rede.(Heiterkeit links.) Deshalb hat wohl auch Graf Oppersdorfs vor wenigen Tagen eine Broschüre geschrieben, worin der Aufnahme des Prof. Spahn in die Zentrumsfraklion damit widersprochen war, iveil Spahn Bestrebungen unterstütze, die darauf abzielen, das Zentrum zu entklerikalisiereir. Wenn man keine konfessionelle Partei ist, wie kann man denn da ent- klerikalisiert werden?(Große Heiterkeit links.) Sie haben wohl auch in dem PreiSkuraut, den Sie dem Reichskanzler Vorgelegt haben, die Aufhebung des Jesuitengesetzes, wofür Sie wahrscheinlich eine Gegenleistung bieten wollen. Sie wissen, daß ivir zu jeder Zeit mit Ihnen gegen Ausnahmegesetze für die Katholiken gekämpft haben. Man sollte daher erwarte», daß auch Sic jedes Ausnahmegesetz gegen eine politische Partei. gegen die Sozialdemokratie ablehnen. Nun weiß man ja. daß Sie beim Sozialistengesetz durch Abkommnndicriingen für seine Verlängerung gesorgt haben. Nun erscheinen wieder Aus- nahmegesetze am Horizont, aber in der langen Rede, in der Herr Erzberger gestern über so vieles gesprochen hat, hat er kern Wort über die Stellungnahme des Zentrums zu den Ankündigungen des Herrn Bethmann Hollweg über Verschärfungen des �traf- gesetzeS gesprochen.(Hört! hört I links.)...,-, Das Zentrum ist der ausschlaggebende Faktor m diesem Hause. Sollte es so sein, daß Sie bei dieser Sache ein Handelsgeschäft machen wollten: Jesuitengesctz weg, dafür sind wir bereit, die dortigen Wünsche zu erfüllen— so würde das auch dazu beitragen, den letzten freiheitlichen Schimmer, den Sie vielleicht noch bei Leuten haben, die den reaktionären Kern Ihrer Partei nicht kennen. Ihnen zu nehmen.(Lebhaste Zustimmung links.) Herr Erzberger hat erklärt, es sei durchaus unwahr, daß die Zentrmnspartei oder der ihr entsprechende Teil der Kirche irgendwie die Gewissens-, Geistes» und Forschungsfreiheit einschränke. Nun. Herr Erzberger hat ja hier dein Kriegsminister die Borteile der geistlichen Exerzitien für Rekruten vorgeführt. (Abg. Erzberger: Das geht Sie gar nicht« an. Große Unruhe links.) Wenn Sie das vortragen, geht das mich an und daS ganze Haus.(Sehr wahr! links.) Erst sagen Sie, es sind inner- katholische Angelegenheiten.(Zuruf links.) Wenn es Ihnen paßt. Dann tragen Sie es dem Kriegsminister vor. Und schließlich sagen Sie anderen Parteien, das geht Sie doch gar nichts an. Nach einer Mitteilung der deutsch-evangelischen Korrespondenz schreibt eine in Koblenz erscheinende, sich selbst als katholisch- politisch be- zeichnende Zeitschrift.(Zurufe auS dem Zentrum.) DaS ist Ihnen nicht augenehm, aber ich kann es Ihnen nicht ersparen.(Große Heiterkeit.)„In katholischen Kreisen wird häufig Stimmung und Propaganda für Exerzitien aller Art ge- macht, für Väter, Mütter, Söhne und Töchter, Gastwirte und Handwerker usw., nur von einer Art Exerzitien wird nicht gesprochen, die sehr, sehr notwendig wäre, nämlich von Exerzitien für Abgeordnete. (Große Heiterkeit links. Zahlreiche Rufe: Erzberger, Erz« berger, Exerzitien für Bescheidenheit, Herr Erzberger 1) Damit ihnen die Moralgrundsätze, nach denen sie im Parlament zu handeln haben, klargestellt werden, und Exerzitien für Beamte, in denen diese daraufhin- gewiesen werden, daß sie unter keinen Umständen ungerechte Gesetze durchführen dürfen.(Hört! hörtl linls.) Durch diese Art von Exerzitien käme auch sofort der enge Zusammenhang zwischen Politik und Moral ans Licht, und man würde leicht erkennen, daß die Politik katholischer Abgeordneter im Einklang st e h e n m u ß mit d e r k a t h o l i s ch e n W e l t a n s ch a u u ir g." Weiter heißt es darin, daß diese Volksvertreter auch die Pflicht haben, für die Rückgabe der der Kirche einmal weggenommenen Güter einzutreten. Und dieses Blatt bringt weiter folgendes Zitat über die Bedeutung der Exerzitien aus dem Statut des Ordens Jesu, Rom 1870:„Unter gänzlicher Beseitigung des eigenen Urteils muß der Geist stets bereitgehalten werden, die katholischen Kirchenlehren zu befolgen. Wenn unserem Auge etwas weiß erscheint, was die Kirche als schwarz definiert hat, ist daS gleichfalls als schwarz zu erklären." (Stürmische Heiterkeit links.) Nach solchen Kostproben für ihren Geist begreife ich, daß sich Herr Bethmann Hollweg geniert, vor dem ganzen Reiche als Zentrumskanzlcr dazustehen. Jetzt, wo er zum Doktor der Philosophie ernannt ist, kann doch niemand daran zweifeln, daß er ein Philosoph ist.(Große Heiterkeit.) In seinem Dankschreiben an die Universität Berlin hat er erklärt, daß er sich sehr geehrt fühle und in diesem Sinne eintreten werde(Heiterkeit) für eine starke, stolze, freie Kultur. (Hört! hörtl links.) Nun soll der Mann mit der Fahne, auf der eine stolze, starke, freie Kultur prangt, geschmückt mit dem philo- sophischen Doktorhut vor der Zentrumsfraltion herziehen.(Erneute Heiterkeit.) Um vor oller Welt zu beweisen, daß er nicht abhängig von Hehdebrand, Oldenburg und deren Freunden ist, hat der Kanzler hier neulich energisch dem Hehdebrand eine Absage er- teilt. Man war ja im erste» Moment erst erstaunt, aber nachher rasch wieder geheilt. Ich persönlich bin fest überzeugt, daß der Wortlaut dieser Absage vorher zwischen Heydebraud und dem Reichskanzler vereinbart war(Schallende Heiterkeit links. Bewegung) und ich schließe das daraus, daß die von dem Reichskanzler nachher gebrauchten Wendungen fast identisw sind mit den Erklärungen des Herrn von Heydebrand auf dem konservativen �Parteitag für Pommern zu Stettin wenige Tage vorher abgegeben hat.(Hört I hört! links.) Die Ab- sage war notwendig. Man muß doch daS Gesicht wahren, insbesondere dann, wenn man etwas macben will, was man nur schwer vor dem Volke verantworten könnte. Herr v. Heydebrand hat in Stettin gesagt, wir wollen leine Ausnahmegesetze. Was wir wollen, sind nur Lerschärfungen des gemeinen Rechts. Und Herr v. Bethmann Hollweg sagt: Ich schlage Ihnen keine Ausnahmegesetze vor, was die Regierung ins Auge gefaßt hat, sind nur Berschärsuilgrn deS gemeinen Recht«.(Stürm. Hört 1 hört 1 links.) Das ist eine verblüffende Geistesgemeinschaft. Ich habe mich wirklich gewundert, daß sich die Liberalen täuschen lassen. Man sagt, wir wollen keine Ausnahmegesetze und fährt fort, indem man diese Ausnahmegesetze ankündigt. Kein Mensch mit gesundem Verstände kann in den angekündigten Verschärfungen des gemeinen Rechts etwas anderes als Ausnahmegesetze sehen. Und ich schätze auch die Intelligenz deS Reichskanzlers so hoch ein, daß auch er das begreift. Er verlangt Verschärfungen des Strafgesetzes für Auf- wiegelung und für Verherrlichung begangener Verbrechen. Wer glaubt, daß solche Strafbestimmungen jemals gegen Freunde der Regierung angewendet werden wurden? Aller Welt ist klar, daß diese Herren fortwährend aufwiegeln. Haben Sie nicht in der.Kreuzzeitung", im„Reichsboten� zum Staatsstreich aufgewiegelt, zum Verfoffungsbruch? Ist das keine Aufwiegelung zum Verbrechen und verherrlicht man dabei nicht vergangene Slaatsreiche? Meinen Sie, daß die Strafgesetzverschärfunge» gegen diese Vergehen gemeint sind?(Lochen links.) Nur wer daS glaubt, kann der Meinung sein, daß das keine Ausnahmegesetze gegen die politische Opposition und namentlich die Sozialdemokratie sein sollen. Ist nicht von dieser Stelle aus die Verletzung des Duellparagraphen, also ein Vergehen oder gar Verbrecken zum mindesten nicht verurteilt sondeni toleriert worden?(Znruf bei den Sozialdemokraten: Für notwendig erklärt.) Will man auch die Hochschullehrer treffe», die sich vor aller Welt mit der Pistole bedrohen. Nein es soll zweierlei Recht geschaffen werden. Wir haben hier oftmals Fälle von Klassenjustiz vorgeführt. Aber wir haben hier erklärt, daß die Richter sich dessen nicht bewußt sind, sondern daß sie den Dingen fremd sind, und aus einem Milieu stammen, wo sie die Dinge, über die sie zu urteilen baden, verzerrt sehen. Wir haben das psychologisch erklärt. Aber waS Sie hier schaffen wollen, ist Sanktionierung der Klassenjustiz. Sie wollen die Justiz zu einer Dirne der jeweiligen politischen Macht herabwürdigen. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Weiter verlangt der Reichskanzler Sckutz der persönlichen Freiheit und Selbstbestimmung, d. h. auf deutsch ein Arbeitswilligcngesetz, ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter, die im Kampfe um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen und gegen Verschlechterung ihrer Arbeitslöhne sich des Mittels der gegenseitigen Verständigung, des StreilpostenstehenS usw. bedienen.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Ein nationalliberales Blatt, die.Münchener Neuesten Nachrichten" vom vorigen Donnerstag, weist mit Recht daraus hin, daß nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Angehörigen jeder anderen Gesellschaftsklasse sich der Mittel de« Boykotts usw. bedienen. Die« Blatt weist auch daraus hin, daß unter den Arbeitswilligen mehr und mehr h ö ch st u n- erfreuliche Elemente hervortreten, die in normalen Zeiten keine Arbeit finden, weil sie wenig leisten oder aber von Ort zu Ort ziehen, weil sie sittlich bemakelt sind. AuS diesen Menschen rekrutieren hauptsächlich gewisse Agenturen ihre Kolonnen von Arbeitswilligen, die sie, natürlich gegen hohe Bezahlung, überall hin- schicken, wo ein Streik ausgebrochen ist. Meist ist der Arbeitgeber froh, sie nachher mit guterManier wieder loszuwerden, denn ihm liegt weniger an der Arbeit, als an gewerbsmäßigem Streikbruch. Sie sind mit Knüppeln ausgerüstet und im Moabiter Prozeß hat sich auch wieder gezeigt, daß diese Arbeitswilligen mindestens ebenso gehauen haben, wie die Streikenden und zwar nicht nur in der Verteidigung, sondern auch im Angriff. Bezeichnend ist auch die Tatsache, daß alle wirklich großen Arbeitökämpfe in Deutschland sich in vollster Ruhe und Ordnung abspielen. Angesichts dieser Tatsachen will der Reichskanzler ent- sprechend den Einbläsereien der Scharfmacher mit einem neuen Arbeitswilligen- Gesetz, einer neuen Zuchthaus- vorläge kommen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Lex H i n tz e I) Dafür,. daß bei großen Arbeitskämpfen die Sache meist ruhig abläuft, haben wir auch daS Zeugnis des G r a f e n P o f a d o w S k y, der am 1. Februar ISOS gelegentlich des großen BergarbeiteraiisstandeS in Westfalen, als in der scharf- macherischen Presse auch die Arbeiter wieder bezichtigt wurden, zu Ungesetzlichkeiten gegriffen zu haben, erklärte: Ich kann nicht umhin, den Arbeitern dort das Anerkenntnis zu erteilen, daß dieser Streik bisher in aller Ruhe und Gesetzmäßigkeit verlausen ist. Ich habe aus dem Munde des Herrn preußischen Handelsministers selbst ge- hört, daß die Behauptung, es hätte ein Ausschreiten gegen Arbeits- willige stattgefunden, entweder vollkommen aus der Luft gegriffen ist, oder daß es sich nur um ganz gewöhnliche Vor- gänge handelt, die beim Zusammensein großer Arbeilermassen fast täglich vorkommen, und die nun von einer gewissen Presse aus- gebauscht sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber Herr B u e ck und seine Freunde, Herr G a m p, die Vertreter der Schwer- industrie, haben vor wenigen Tagen im Hotel Adlon eine Resolution gefaßt, worin sie die Regierung zu den schärfsten Maßnahmen zum Schutze der Arbeitswilligen auffordern, und der Reichskanzler ist der Gefangene dieser Herrschafte«. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler bedenkt wohl auch gar nicht, daß ein solches Gesetz nicht nur die freien Gewerkschaften treffen würde, sondern ebenso die Christlichen und Hirsch-Dunckerschen. Das wird zur Ausklärung dieser Leute beitragen und sie von der Notwendigkeit überzeugen, daß die Arbeiter auch politische Macht bekonimen. Wenn Sie behaupten, es wäre kein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter ge- plant, so frage ich Sie: Wollen Sie auch diejenigen Arbeits- willigen schützen, die von Arbeitgebern zu Tausenden ausgesperrtwerden?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wollen Sie auch die Leute schützen, die aus die schwarzen Listen gesetzt werden? Wollen Sie etwa auch den JunkerterroriS» m ii s dadurch treffen? Das glaube ich kaum. Herr v. H e y d e- b r a n d hat in Stettin gesagt, man müsse sich schützen gegen den sozialdemokratischen Terrorismus, der die freie Meinungsäußerung auch bei den Wahlen unterdrücke.(Heiterkeit bei den Sozialdemo- kraten.) Das sagt ausgerechnet ein Führer der konservativen Partei. Da ist mir ein vertrauliches Rundschreiben des Vorsitzenden des konservativen Wahlvereins im Wahlkreise deS Herrn v. Heydebrand in die Hand ge- fallen, in dem vor allem empfohlen wird, den„BrcS- lauer Generalanzeiger" zu boykottieren,(Hört! hörtl links) und worin weiter die Bitte ausgesprochen wird, daß alle Gasthäuser, in denen sozialdemokratische Bersamm- lungen stattfinden, unter keinen Umständen mehr besucht werden. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Der Vorsitzende des kon- servativen Wahlvereins bittet, ihm auch die Namen solcher Ga st Häuser mitzuteilen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Also wenn Herr v. Heydebrand die Insassen seines eigenen Wahl- kreiseS schützen wollte vor TerroriSmus, vor wirtschaftlicher Be- drückung, wenn er ihre freie politische Gesinnung sicher stellen will. dann sollte er doch einmal mit dem Vorsitzenden dieses konservativen WahlvereinS ein ernstes Wort reden.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Und weshalb wehren sich denn die Konservativen so sehr dagegen, daß in Preußen die öffentliche Wahl beseitigt wird, damit es ihnen ermöglicht wird, jeden, der sich in Prenßen miß- liebig gegen sie macht, der gegen sie stimmt, wirtschaftlich und gesell- fchaftlich zu boykottieren. (Sehr'wahr I bei den Sozialdemokraten.) Sie sind ausPrinzip Terroristen, und da beschweren Sie sich über die Sozial- demokratie. Wenn Sie glauben, daß von der Sozialdemokratie TerrorismuZ ausgeübt werde, so sichern Sie doch daS Wahlgeheimnis in Preußen und im Reiche.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dieselbe Aufforderung möchte ich auch an das Zentrum richten, die Herren können ja jetzt Forde- rungen stellen, feste Preise.(Heiterkeit.) Ich erinnere Sie an Jb» Dann hat der Kanzler gemeint, er muß Aufklärung geben über das, was die Sozialdemolratie will. Herr Kanzler, da stehen Sie sehr spät auf.(Heiterkeit.) Das ist seit 40 Jahren immer und imnier wieder geschehen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) In der Z u k u n f t S st a a t s d e b n t t e gaben die Herren Stöcker, Bachem. Richter solche Aufklärung, und wir haben die Protokolle über die Verhandlungen damals zu- sammengefaßt und in Hunderttausenden Exemplaren zum Preise von 10 Pf. herausgegeben. So sehr haben wir die Ausklärung zu fürchten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann kam Fürst Bülow und klärte auch das Volk auf. Er hat alles gesagt, was Sie gesagt haben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten; Aber viel besser. Heiterkeit.) Gewiß, er wußte es besser zu inszeniere», er ivußle besser für den Chorus zu sorgen. Wähler haben wir auch bei der letzten Wahl nichl verloren. Uiid nun kommt der Reichskanzler v. Bethmann H o l l w e g und sagt, jetzt will ich einmal aufklären, und das Gorgonenhaupt der Sozialdemokratie aufzeigen. Daß die Sozialdemokratie einen gewaltsamen Unisturz nicht herbeiführen will, ist von hervor- ragenden Führern immer betont. Es ist hier die Wendel- Broschüre angeführt worden, und im Anschluß an sie will nian liiiscre Taktik als eine Kopfabhack-Taklik hinstellen. Diese Taktik baben gerade Ihre Vorgänger befolgt. Daß Ihre Vor- gänger 1789 die 30 000 Aristokratenköpfe abgeschlagen baden, konnte, wie Bebel ausführte, nur geschehen, weil seiner Bildungsstufe ent- sprechend das Bürgertum glaubte, wenn es de» Personen die Köpfe abschlüge, müßten die Dinge sich ändern. Hätte man sozial um- gestaltende Maßregeln nicht ergriffen, so wäre die Revolution nicht zum Siege gelangt, auch wenn 300 000 Köpfe abgeschlagen wären. Umgekehrt aber wären die Dinge auch gekommen, ivenn sie auch nicht einen einzigen Kopf abgeschlagen hätten. Das ist eben der Unterschied zwischen uns und Ihren Borsabren. Wir wissen, daß der Schlv erpunkt nicht in den Personen, sondern in den Dingen liegt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wollen Sie wissen, Ivo die Leute mit der Kopfabmethode sitzen, so verweise ich Sie auf den Nachruf, den das Siöckerfche„Volk" seinerzeit dem Freiherrn v. Ha mm erst ein widmete. Und vor wenigen Wochen, am 2. November, erinnerte ein Major a. D. in der„Kreuz-Zeitung" rühmend daran, daß Luther dem Umsturz gegenüber die Parole ausgab, jetzt hauen, jetzt stechen. Auch Herr v. O l d e n- bürg sagte in Hallo vor den Studenten, wenn der gordische Knoten fertig ist, wird ein Alexander ihn durchhauen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Und weiter sprach er davon, daß es zu in Klappen kommen und Blut fließen müsse. An diese Adreffe also. Herr Kanzler, wenden Sie sich mit Ihren Mahnungen. Wir haben die Taktik der Gewalt stets abgelehnt. Wir haben den in der Gewalt Sitzenden jederzeit den gangbaren Weg gezeigt. Wir haben stets erklärt, wir wollen Reformen, und werden den Versuch machen, auf dem Wege der organischen Gesetzgebung unser Ziel zu erringen. Und wir baben auch im Laufe der Jahre Ihnen eine ganze Reihe von GesetzcSvorschlägen unter- breitet. Ihre Kopfablheorie wird uns keinen Abbruch tun. Kann denn in Deutschland die Republik nicht auch aus gesetzlichem Wege eingeführt werden? Die Bedingung der Znstimmnng der beteiligten Instanzen schließt das nicht aus.(Zuruf rechts: Das ist doch unglaublich!) Geben Sie nicht dem Kaüer und den Buiii'esiiirsten das Recht, die Verfassung auch in diesem Sinne zu ändern?(Heilerkeit links.) Wir haben i n D e u t s ch l a» d selbst Republiken, und niemandem ist verboten, sich zu dieser Staaisform zu bekennen und sie iür die besierc zu halten. Gerade während Herr Erzberger gestern hier sprach, erschien in dem Stutlgarler Zentrumsorgan„Deutsches Volksblatt" ein Artikel, worin bemerkt wird, d a ß m a n e i n s e h r guter Bürger des Deutschen Reiches und zugleich Republikaner sein kann(Gr. Heiterkeil links), wie das Beispiel der Hansastädte zeige. Ich kömile auch meinen Zitatensack öffnen und nachweisen, wie viele katholische Geistliche sich für die Republik ausgesprochen haben. Wo haben wir uns jemals, wie Erzberger behauptet, für den gewalttätigen Umsturz der Monarchie ausgesprochen? (Bewegung!. Verlegene? Schweigen im Zentrum. Erzberger ruft: Wie wollen Sie es denn erreichen!) Wenil Sie den Beweis nicht s erbringen können, dann seien Sie so ehrlich und nehmen Sie die Behauptung zurück.(Murren im Zentrum.) Der Reichskanzler meinte, eine Versöhnung fei nur möglich, wenn sich die Sozial- demokratie zur Monarchie bekenne.(Reichskanzler v. B e t h m a n n H o l l w e g: Ich habe nur Herrn Basscrmann zitiert.) Umgekehrt muß gefahren werden. Die Monarchie mutz sich nicht etwa zur Sozialdemokratie, Wohl aber zur sozialen Demo- kratie bekennen. Das ist die Voraussetzung.(Sehr gut I links. Lärm rechts.) Wie man das zu machen hat? Umgekehrt, wie die Monarchie es bisher gemacht hat.(Bewegung.) Die Monarchie hat sich bis jetzt bei allen sozialen Gesetzgebungen am stärksten beeinflussen lassen von den Mächten des Kapi- talismus. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft ist von jeher zurückgesetzt. Man bat die Sozialdemokratie mit Beschimpfungen überschüttet, die ich nicht wiederholen will. Aber um zu zeige», wie sich die Monarchie zu Angelegenheiten gestellt hat, die auch die nicht sozialistische Arbeiterschaft im Herzen bewegten, zitiere ich nur folgende Notiz des früheren Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe aus seinen Aufzeichnungen, die sich auf die Zeit bezieht, wo die preußischen Konservativen die Kanalvorlage bekämpften: „Mit der Kanalvorlage sieht es schlecht aus. Wir haben zwar etivaS erreicht. Aber das hindert nicht, daß das Kompromiß zwischen Zentrum und Nationallibcralen, wodurch das Zentrum bestimmt werden soll, für den Mittellandkanal ein- zutrcien. nachdem das Kommunalabgabengesetz erledigt ist, ins Wasser fällt. Der Kaiser will nun nicht auflösen, weil ihm mehr an dem Zuchthausgesetz als an den Kanülen liegt und zu dem Zuchthausgesetz braucht er die Konservativen im Reichstag. Ich würde vorziehen, wenn er auflöste. Wenn aber der Kaiser kein liberales Ministerium zusanimenstellt, dann hat die Auflösung keinen Zweck." Also der frühere Reichskanzler und per- sönliche Freund des Kaisers, Fürst Hohenlohe bezeugt, daß der Kaiser größeren Wert auf das Zilstaiidckommcn deS Zuchthaus- gesctzeS als der Kanalvorlage legt. (Stürmisches Hört! hört! links. Bewegung.) Wenn also die Monarchie wissen will, wa« zu tun ist, dann muß sie es n u r u in- gekehrt machen lvie seither, sie muß zur sozialen Demokratie kommen.(Zuruf rechts: Rezept Naumann.) Ein- mal mutz sie gründlich soziale Reformen treiben, nicht gegen die Sozialdemokratie, sondern mit ihr.(Verlegenes Lachen im Zentrum.) Gründliche Sozialpolitik kann man nur treiben, wenn man die Sozialdemokratie und ihre Massen hinter sich hat, die stark genug sind, um den Widerstand zu brechen, den Kapitalisten und Junkerdiener jeder gründlichen Sozialpolitik entgegensetzen. Graf Posadowsky ist darüber gestürzt, daß er Ihnen zu viel Sozialpolitik gemacht hat. Wenn der Reichskanzler glaubt, er könne gründliche Sozialpolitik gegen die Sozialdemokratie machen, dann irrt er sich, das ist Unsinn, denn die Widerstände des große n Geldsacks find so kräftig, daß kein Monarch ihnen trotzen k a n n. es sei denn, daß er sich stützen könnte auf die breiten Massen deS Volkes. Das haben wir öfter gesagt. In der Zukunftsstaalsdebatte hat Liebknecht erklärt, daß auf diese Weise es möglich sei, ohne schwere blutige Katastrophen und Schritt für Schritt eine friedliche Umgestaltung zu erreichen und am 4. April 1905 hat sich Bebel im Reichstage ähn- lich ausgesprochen. Die zweite Grundforderung hierfür ist die Demokratie, die politische Gleichberechtigung aller Staatsbürger in Gemeinde, Staat und Reich. Das parlamentarische Regime ist kein Zu- kunstsgebilde. Blicken Sie doch nur nach England! DaS ist auch die einzige Möglichkeit, der Monarchie das Leben zu verlängern, soweit cS zu verlängern ist.(Lachen rechts und in der Mitte.) Jawohl, das ist ist der einzige Weg, der Monarchie das Leben auch in Dentschland zu verlängern— als Minderheitsinonarchie, die nur getragen wird von einer Klasse, einer Minderheit, kann nicht von Dauer sein. Sie kann nur bestehen mit dem Vertrauen der großen Mehrheit. Wollen Sie die Monarchie erhalten, dann machen Sie es nicht so wie in Portugal. Dort ist die Sache zusammengebrochen, weil der portugiesische Oldenburg(Stürmische Heiterkeit), der Joao Franca, den gordischen Knoten durchhauen wollte. Die Monarchie mußte eS da büßen, daß sie sich gehüllt hatte in den Mantel der Ritter und in die Kulten der Mönche.(Sehr gut! links.) Das gibt ja auch der„Reichsbote" vom 18. November 1910 zu. Da sitzen die Mitschuldigen.(Der Redner weist auf das Zentrum. Stürmische Heiterkeit.) Wäre in Spanien das terroristische Regiment des Maura. des spanischen Oldenburg geblieben, wäre der König weiter das Werkzeug der Ritter und Heiligen geblieben, deS spanischen schwarzblauen Blocks, eS wäre ihm wahrscheinlich unter der Eiu- wirkung der Dinge im Nachbarstaate die Krone vom Kopfe gefallen. Spanien rettete sich, indem es das Bündnis mit den Rittern und Heiligen aufgab und einen fröhlichen Krieg ge'gen den Klerikalismus begann. Da haben Sir den Weg. Denken Sie einmal darüber nach: Wenn eS in Deutschland Republikaner gibt, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunimmt, so ist das weniger der Effekt der sozialdemokratischen Aufklärung, a l S der Politik die Sie in Preußen-Deutschland treiben.(Sehr richtig I links.) Sie schaffen Republikaner zu Tausenden und Abertausenden und Ihr Reichskanzler hilft Ihnen dabei, ohne daß er es weiß. Der konservative Redner bat sich darüber beschwert, daß preußische Angelegenheiten hier hereingezogen werben. Aber die Stellung Preußens im Reiche ist so, daß preußische Aiigelegenheilc» eben deutsche Angelegenbeiteu sind. Wen» Sie den Herrn von B e t h- mann Holl weg mitten durchschlage», dann füllt die eine Hälfte nach Preuße», die andere nach Deutschland.(Stürmische Heiterkeit. Ein Ruf: Lang genug ist er! ruft erneut schallende Heiterleit hervor.) Die Konservativen rechnen sich die Schule als Verdienst an. (Sehr richtig I bei den Konservativen.) Bauen Sie doch die Schulen nach unseren Anträgen im Landtage aus. Geben Sie auch den jugendlichen Arbeitern die Möglichkeit, sich besser unterrichten zu lasse». Aber Sie stimmen ja alle unsere Anträge mitleidslos nieder, und dann sind Sie so naiv sich hier als die Schulfreunde auszugeben. Wir beanspruchen allerdings, daß wir von jeher die Ver- bindung der Arbeiterbewegung mit der Wissenschaft, mit den Arbeitern deö Kopfes als notwendig zusammengehörig aufgefaßt haben seit Lassalle. Und wie hat der konservative Professor Hans Delbrück (Zuruf rechts: konservativ? Elbinger Konservatismus) anerkannt, daß'die Sozialdemokratie aus eigener Krait den Anschlag, den Sie in der Lex Heinze aus Wissenschaft und Kultur unternahmen(Ob I Oh!- Geschrei rechts und im Zentrum), zurückgeschlagen hat. Er sagt da, Kunst, Wissenschaft und Bildung haben sich in Deulschland nntcr die Fittiche der Sozialdemokratie flüchte» müssen. Jeder Ge- danke, der mit Scharfmacherei der Sozialdemo- kratie schaden will, muß schwinden. Wir sind so- weit, daß wir diese Partei gar nicht mehr ent- b e h r e n können.(Hört I hört l links.) Ich glaube zwar, daß das Wort Bebels, daß die Hohenzollcrn nicht belehrbar sind. sehr wahr ist. Und es scheint dies auch für die anderen Hoch- gestellten zu gellen. So muß eS eben beim Kriege bleiben. Denn wir haben die Pflicht, den Krieg zu führen, wenn man Sozialpolitik gegen dcir Willen der Mehrheit macht. Ja, wir wollen die Eroberung des preußischen Volkes, aber nicht mit Straßen- krawallen. mit blutigen Revolutionen und mit„Kopf ab". Wir wollen nicht wieder ein Regiment gegen die Mehrheit deS Volkes einrichten, das wir als ein aufgeklärtes Volk wünschen, nicht mit den Waffen kämpfen, die Sie gegen uns führen, mit Ausnahmegesetzen usw. Aber daß die jungen Leute. die später zum Militär einrücken, mit sozialdemokratischen Gedankengängen erfüllt werden, das sollen sie freilich, das werden sie und müssen sie, das können Sie aber nicht ver- hindern. Gegen unsere geistigen Waffen werde« Ihre Maschinen gewehre und AuZnnhmegesetze nichts miSrichten. An dem festen Glauben an unser gutes Stecht werden alle Ihre Macbinationen zu- schänden werden. Wenn Sie uns Gewaltmen'chen heiszen, so wird ein Blick in unsere Literatur die Leute aufklären, und jene Verse, die bei jedem Arbeitersest gesungen werden:„Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren, mit Flint und Säbel, kämpfen Mirl" Versuchen Sie es mit dem Regime der scharfen Waffen gegen Wahrheit und Recht, und Sie werden sehen, wer zu- letzt Oberhand behält. Bismarck war wohl aus anderem Holze geschnitzt als der gegenwärtige Reichs- kanzler. sSchallende Heiterkeit.) Bismarck versuchte es, die Sozialdemokratie mit Ausnahmegesetzen und durch die Staats- anwälte niederzuschlagen, zu einer Zeit, wo die Sozial- demokratie noch ein Zwerg lvar, und der Effekt war, das; nach zwölf Jabren Ausnahmegesetz die Sozial- demokratie die doppelte Wählerzahl hatte und rasch zur stärksten Partei wurde. Und nun meinen Sie, dag Ihr Alexander sSchallende Heiterkeit) jeyl das gegen �den Riesen Sozialdemokratie vermag, was Bismarck dem Zwerge Sozialdemo- kralie gegeniiber nicht gelang; daß der die vier ffliillioneii Wähler wieder zerreiben, vernichten und als politische Partei lahmlegen kann?! Wir kämpfen gegen diese Ausnahmegesetze.utzlcuten beobachtet und verfolgt wurden, angeblich, weil sie ruh. störenden Lärm verübten. Schließlich wurde ein Teil- nehmer verhaftet. Die Schutzleute sollen dabei blank gezogen und die jungen Leute in Schrecken versetzt haben. Aus die Beschwerde, die Meister Wieland erhob, kam als Antwort für jeden Sohn ein Strafmandat in der Höhe von 6 Mark wegen groben Unfugs. Auf die beantragte gerichtliche Entscheidung wurde die Angelegenheit von dem Schöffengericht in Rixdorf gestern verhandelt. Die B e j a st u n g s z e u g c. n, drei Schutzleute und ein Leutnant, konnten keinerlei Bela st ungs Material gegen die Brüder Wieland vorbringen. Durch die Beschwerde des Vaters hatte die Polizei erst erfahren, daß die beiden sich in der Gesell- schaft befanden, die Lärm verübt haben sollte. Das Gericht hob die St.rafverfügungen auf, lehnte aber den Antrag ab, die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen, da immerhin gewisse Verdachtsmomente vorhanden seien, daß die beiden jungen Leute gemeinsam mit den anderen ein Einschreiten der Polizei veranlaßt haben. tDtiierunqsui'eriiriii vom 13. Dezember morqens 8 Ilbr. Etattonen Settel StDmemde 759® SD damburg i756SäD sterür 759 S Jronfl.aBi 758 NO Älinchev 764© Wien 763 SO 3 bedeckt 4 bedeckt 1 bedeckt 1 Dunst 1 heiter 1 wollig äII E? wö ISit O r=ai» g «tattonen'nj S3 t ijL"5!s Sett« »zi B« Slwaranva 768 Still eterSburg 764 D Sctllv 735 WSW .'iberbeen>749 SSO Baris>754 S bedeckt—25 2 Schnee—3 V 7 ö 7 wolkig 3 wolkig 3 wölken! i i «Z>et»ervroa»ose int Mittwoch, den 14. Dezember ISHO. Mild und vielfach heiler, zcivveije nebelig bei ziemlich lebhaften füd« lichen Winden; keine wesentlichen Niederschläge. Berliner Wetterburea«. ?9niserstai>ns-?tackirtck>»>'n der Landesanstalt für Gcivässerklindc. mitgeteilt vom Berliner Walserltand M- m e l. Tiliit P r e g e l, Jnsterburg W e i ch j e l. Tboru Oder. Ratibor , Kronen , Frantiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg 'i 4- bcdemel Wuchs,— San.—') UMerveiel.—•) Eis stand.— *) Oberhalb der Angerapp-Brücke„isstand.—°) Eistrciben. OCfS-- W eihnachts-Tage Villige Angebote für Fest- Geschenke! Herren- Anzüge ufbu« Effekten, m grau, braun, olive... Mk. Herren-Anzüge ic-mmsan. und Cheviot. Enatz für Maß.. Mk. Herren-Ulster Futter, braun, grau» l- u. 11 reihig. Mk. Herren-Ulster EtVeÄ port. I- n. 11 reihig. Lederknöpfc. Mk. Herren-Hosen Dunkel 9«tr. Kammgarn-Arten. Sehr haltbar. Mk. Herren-Hosen mÄkc™ und Kraft44. Amtlich geprüft... Mk. 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Nouveaates von ML No. 23 Wäsche-Kragen Prima tfach."1 12 Formen. Aumahmepreii, 0 Stück Mk. A*' O No. 24 Englische Haar- Hüte O Neueste Formen. Partieuare.,. Mk. �.OD No. 19 Knaben-Anzüge*3,«,« in BIus.- n. Horfolk-Foss., f. 3-8 Jahre ML N0.20 Knaben-Pyjacks Durch«, wann gefüttert. Für 3-8 Ja&re ML No.21 Norfolk-Anzüge Fassons. Gestreift n. kariert Gr. 7, ML Knwfllten.OMeniElen.Mtenn.Hsnstiielten.lloienttfiger.Kilülenschanei'.liinilschuhe.PelziittiKelt». Wäsche, Hüte, werden in unseren» Geschäfts hause Große Frankfurter Straße 20 noch nicht geführt. BaenSohn ri Kleider-Werke Chausseestraße29-30 DD H Brückenstraße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 nD Schöneberg, Hauptstr. 10 Sonntag bis 8 Uhr abends geöffnet \_Der�Haupt'Kalaloq Nr.<1 and der Spezial-Pelz-Kaiqlog Nr. 40 kostenlos and por/o/r«aJ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Jnieratenteil verantw,: Th. Gl, ckr, Berlin. Druck u. Verlag:vorwärtz Buchdruckerei u. Verlogsanftalt Paul Singer& ße« Berlin SW, Hr. 292. 27. Jahrgang. 2. KkilM des Jotwörtf ßetlinet öallislilalt. Mittwoch. 14. Dezember 1910. Die ffloabiter Vorgänge 1 vor(iericht. Fünfundzwanzigster Tag. Die Erörterung des allgemeinen Teils der Anklage wird gestern fortgesetzt. Ten Fall der Mißhandlung eines Mannes mit einem Stelzfuß durch einen Polizeileuinant bestätigt die Zeugin Frau N o a, die in einer vorhergegangenen Sitzung gemachten Angaben ihres Mannes: Der Krüppel mit dem Stelzfuß lag am Boden, da kam ein Polizeileutnant und schlug auch mit dem Degen auf den Mann ein. Dieser kroch unter einen Wagen und der Polizeileutnant stach mit dem Degen unter den Wagen. Die Zeugin rief ihrem Manne zu:.Herr Gott, es sieht ja so aus, als wenn er den Mann noch sti�r."— Frau L o h s e hat den Vorgang von Anfang an beobachtet: Der Mann mit dem Holzbein wurde von Schutzleuten nieder- geschlagen. Tann kam oer Leutnant, schlug den am Boden liegenden Krüppel auch noch. Dieser kroch unter den Wagen, da stach der Leutnant mit dem Degen unter den Wagen.— Ter Zeuge Maurer Weckwerth stellt den Vorgang ebenso dar, nur weicht er insofern von den Vorzeugen ab, daß er sagt, der Leutnant schlug den Mann, als er auf dem Boden lag und als er unter den Wagen kroch. In diesem Augenblick wandte der Zeuge seine Aufmerksam- teit anderen Vorgängen zu. Er sah dann den Leutnant erst wieder, als dieser sich entfernte. Gleichzeitig sah er, daß ein Schutzmann unter den Wagen stach. Ueber das, was dem Niederschlagen des Krüppels vorherging, sagt der Zeuge: Die Schutzleute machten eine Zlttacke auf eine Menge von Schuljungens und halbwüchsigen Burschen, welche gepfiffen und gejohlt hatten.— Andere Zeugen geben an, daß sie bestimmt gesehen haben, wie der Leutnant unter den Wagen stach.— Journalist Steinberg, Heraus- geber einer Zeitungskorrespondenz, stellt den Vor- gang mit dem Krüppel genau so dar wie Polizeileutnant Folte: Ein Schutzmann wollte den Mann unter dem Wagen hervorholen und fuchtelte mit dem Säbel unter dem Wagen herum. Da kam Leutnant Folte und zog den Schutzmann zurück. Zu diesem Falle werden noch mehrere Zeugen, darunter auch einige Schutzleute, vernommen. Es ergibt sich ein gewisser Wider- spruch in den Aussagen, besonders dadurch, daß ein Schutzmann mit Bestimmtheit sagt, der Mann kroch„mit affenartiger Ge- schlvindigkeit" unter den Wagen, er kann also wohl kein Krüppel gewesen sein. Dieser Mann war es, den ein Schutzmann unter dem Wagen herausholen wollte, aber vom Polizeileutnant Folte aber zurückgehalten wurde. Diese Widersprüche in den Zeugen- aussagen lassen darauf schließen, daß es sich um zwei Fälle handelt, wo jemand vor dem Polizeisäbel unter einem Wagen Schutz suchte. lieber die polizeiliche Räumung beS Lokals vou Krüger, Sickingenstr. ll), geben mehrere Zeugen folgende Darstellung: Am L6. September abends waren etwa 8— 10 Gäste im Lokal. Es war drinnen so ruhig, als wenn niemand da wäre. Da stürmten etwa 10 Schutzleute mit blanken Säbeln in das Lokal und warfen die Gäste hinaus. Vor dem Lokal standen andere Schutzleute, welche die Hinausgeworfenen mit dem Säbel schlugen. Ein Mann, der von einem reitenden Schutzmann geschlagen wurde, schrie so laut auf, daß es straßenweit zu hören war. Von den Leuten, die durch die Schutzleute aus dem Lokal geworfen wurden, ist niemand verhaftet worden, obgleich etwa 60 Schutzleute in unmittelbarer Nähe waren. Die Zeugen schließen daraus, daß die Gäste des Lokals nichts Straf- bares getan haben.— Polizeileutnant Folte gibt im Gegensatz zu diesen Zeugen an: Aus dem Krügerschen und dem gegenüberliegenden Lokal wurde mit Gläsern auf die draußen stehenden Schutzleute geworfen. Deshalb wurde das Krügersche Lokal geräumt und die Schließung angeordnet. Das gegenüber- liegende Lokal wurde indessen durch den Wirt selbst geschlossen. Daß aus dem Lokal nach den Schutzleuten geworfen wurde, hat Polizeileutnant Folte nicht gesehen. Eine Zivilperson hat es ihm gesagt. Diese Zivilperson ist, wie sich später heraus- pellte, der Journalist Steinberg. Einen der zu diesem Fall vernommenen Zeugen fragt Rechts- anwalt Rosenfeld, ob es wahr sei, daß in der ersten Klasse der Gemeindeschule, welche die Tochter des Zeugen besucht, Aufsätze über die Moabiter Unruhen angefertigt und diejenigen Arbeiten zurückgewiesen wurden, in denen die Polizei belastet erschien. Der Vorsitzende lehnt die Frage ab, weil die Schulaufsätze nichts zu tun hätten mit den Handlungen der Angeklagten.— Rechtsanwalt Rosenfeld: Aber es dient zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Rektors Schröder, der hier vernommen wurde. Rechtsanwalt Heine: Und ist auch von Bedeutung dafür, wie die öffentliche Meinung beeinflußt wurde. Vorsitzender: Auch das geht uns nichts an. Einem Zeugen, der gesagt hatte, die von den Schutzleuten attackierten Gäste des Lokals seien unschuldig, legt der E r st e Staatsanwalt die Frage vor. ob der Zeuge wisse, was die Leute vor dem Eindringen der Polizei gemacht haben.— Ter Zeuge antwortet, es sei doch niemand festgenommen worden, also mußten doch alle unschuldig sein. Rechtsanwalt Heine weist darauf hin, daß eine Festnahme von etwa Schuldigen leicht mög- lich gewesen wäre, weil doch 60 Schuhleute zur Stelle waren. ilebngenS habe doch die Polizei kein ZüchtignngSrecht gegenüber Personen, unter denen sie den Verüber einer strafbaren Handlung vermute.— Hier greift der V o r s itz e n d e ein mit der im energi- schen Ton gesprochenen Bemerkung: Ich dulde jetzt nicht mehr, daß Ausführungen gemacht werden. Nur Fragen dürfen gestellt werden. — Rechtsanwalt Heine: Die Frage des Ersten Staats- anwalts machte meine Bemerkung notwendig.— Polizeileutnant Folte gibt noch an, von den Gästen des Krügerschen Lokals sei deshalb niemand festgenommen, weil derjenige, welcher warf, nicht ermittelt werden konnte. Rechtsanwalt R o s e n f e l d fragt den Polizeileutnant Folte, ob es richtig sei, daß er wegen einer von ihm gemachten Aussage nachträglich Bedenken bekam, deshalb mit einem seiner Vor- gesetzten sprach und nach dem Gespräch seine Zeugenaussage er- gänzte.— Polizeileutnant Folte: Ich habe meine Aussage in der Autogeschichte ergänzt, weil es mir erheblich schien.— Rechts- anwalt R o s e n f e l d: Haben Sie mit Ihrem Vorgesetzten dar» über gesprochen?— Polizeileutnant Folte: Was ich mit meinem Vorgesetzten gesprochen habe, das ist meine persönliche Angelegen- heit: darüber verweigere ich jede Auskunft.— Rechtsanwalt R o s e n f e l d: Die Beantwortung dieser Frage dient zur Prüfung der Glaubwürdigkeit des Zeugen Folte. Mir ist mit- geteilt worden, daß Polizeileutnant Folte zu seinem Vorgesetzten — es soll der Polizeioberst sein— gesagt hat. er fürchte einen Meineid geleistet zu haben, denn er habe in seiner Zeugenaussage etwas verschwiegen, was, wenn er es gesagt hätte, die Polizei belastet haben würde. Der Oberst soll Herrn Folte geraten haben, seine Aussage zu ergänzen, was er dann auch tat. Ich beantrage. beim Polizeipräsidenten die Genehmigung nachzusuchen, daß Polizeileutnant Folte meine Frage beantworten darf. DaS Gericht lehnt den Antrag ab mit der Begründung: Die Tatsache, welche die Verteidigung unter Beweis stellt, ist nicht ge- eignet, die Glaubwürdigkeit des Zeugen Folte zu erschüttern. sondern sie zu verstärken. Nachdem hierauf einige Zeugen zum Falle des mißhandelten Krüppels vernommen waren, beantragt Rechtsanwalt Rosen- seid, einen Mann, den er als Zeugen laden müsse, aus dem Zuhörerraum zu entfernen. Kiefer Rann ist her„ Kriminalschutzmann Paduck, der sich unter dem falschen Namen Kuhlmann im sozialdemokrati- schen Wahlverein hat aufnehmen lassen. Auf Anordnung des Vorsitzenden muß Paduck den Saal verlassen. Längere Zeit nimmt die Vernehmung des Journalisten Steinberg in Anspruch, der sich über seine Wahrnehmungen in Moabit aus- läßt. Diese beginnen bei dem mehrfach erwähnten Vorfall am 26. September, der sich nach dem von einen: arbeitswilligen Kutscher abgegebenen Revolverschutz ereignete. Nach der Angabc des Zeugen Steinberg ist der Begleitmann des Wagens von einem Steinwurf aus der Menge am Kopf getroffen worden und knickte infolgedessen auf seinem Sitz zusammen. Hierauf zog der Kutscher den Revolver und schoß in die Menge. Nun verlangte die Menge von der Polizei die Feststellung des jlutschers; dieselbe wurde verweigert. Dadurch wurde die Menge erregt und es folgte die Attacke und die Verfolgung der Löweschen Arbeiter auf den Fabrikhof. Was der Zeuge weiter über seine Wahrnehmungen sagt, deckt sich vollkommen mit den Angaben, die schon an den ersten Tagen des Prozesses von den Polizeioffizieren gemacht wurden und deshalb an dieser Stelle nicht wiederholt werden brauchen. Der Zeuge ergeht sich in auffallenden Ucbcrtreibungen. Hier nur ein Beispiel davon: Als er erfahren hatte, daß die Re- formationskirche demoliert war, ging ich hin, um mir das Schlachtfeld anzusehen.— Der Zeuge ist während der un- ruhigen Tage in Moabit gewesen, meist in unmittelbarer Nähe der Polizei, teils dicht hinter den Schutzmannsketten. Von un- berechtigtem Vorgehen der Beamten will er nichts bemerkt haben. Dagegen meint er, habe die Menge in jedem Falle durch Rufen, Schreien und Werfen Anlaß zum polizeilichen Einschreiten ge- geben. Am 27. September, abends 7 Uhr, will er in der Bcussel- straße eine Menschenmenge von etwa 3000 Personen gesehen haben. Von der Kirche bis zum Bahnhof sei alles schwarz von Menschen gewesen. Die Menge habe die Arbeitermarseillaise ge- sungen, ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausgebracht und gleich darauf sei ein Steinhagel gegen die Schutzleute erfolgt, die dann mit blanker Waffe die Menge vertrieben. Der Zeuge will auch bei anderen Gelegenheiten ein einheitliches Handeln der Menge bemerkt haben, er kann aber keine Tatsachen angeben, auf welche sich diese Zlnnahme stützt.— Rechtsanwalt Heine fragt den Zeugen, ob er die Berichte in die Presse gebracht hat, worin die Rede davon ist, daß die Kirche demoliert sei, die heiligen Geräte geschändet, der Altar zerstört und die Menge in die Kirche ein- gedrungen sei.— Ter Zeuge antwortet, er glaube nicht, daß diese Tarstellung von ihm herrühre.— Nachdem er seine Berichte durchgesehen hatte, scheint er die Frage verneint zu haben. Dem Zeugen wird der betreffende Zeitungsbericht vorgelegt und Rechts- anwalt Heine fragt, ob er den Verfasser des Berichts kenne.— Der Vorsitzende läßt diese Frage nicht zu.— Rechtsanwalt Heine fragt den Zeugen, ob er Nachrichten von der Polizei bekommen habe.— Der Zeuge gibt ausweichende Antworten.— Vorsitzender: Zwei Mitglieder des Gerichts beanstanden diese Frage.— Rechtsanwalr Heine beantragt einen Gerichts- bcschluß und führt zur Begründung des Antrages aus: Es ist wichtig, festzustellen, ob die Polizei durch Verbreitung bewußt unwahrer, alarmierender und aufregender Nachrichten die Auf- rcgung gesteigert und dadurch Nnruhen verursacht hat. Der Beschluß wird einstweilen ausgesetzt. In seiner tvciteren Vernehmung gibt der Zeuge Stein- berg an, er habe gesehen, daß vor Schanklokalcn das Mosaik- Pflaster stellenweise aufgerissen war und daß Steine davon in den Lokalen lagen.— Daß Kriminalbeamte sich unter das Publikum mischten und aufreizende Rufe ausstießen, hat der Zeuge, wie er angibt, nicht bemerkt, auch nicht, daß Kriminalbeamte Leute aus dem Publikum schlugen. Auf eine Frage des Rechtsanwalts Heine gibt der Zeuge zu, daß er sich sehr oft in Begleitung der Journalisten v. Reitzenstein und Moskowski befand. Rechts- anwalt Heine weist darauf hin, daß Herr v. Reitzenstein an- gegeben hat, er habe gesehen, daß Kriminalbeamte barbarisch aus das Publikum einschlugen. Auffallenderweise habe der Zeuge Stein- berg nichts davon gesehen.— Nach wiederholten Fragen gibt der Zepge schließlich an, daß einmal Kriminalbeamte auf das Publi- tum einschlugen, er fiigt aber hinzu, er vermute, die Ge- schlagenen würden wohl vorher Widerstand geleistet haben.— Auf weitere Fragen bekundet der Zeuge nach mehrfachen Versuchen des Ausweichens, daß er, der häufig auf dem Polizeipräsidium verkehrt, dort gehört hat, es sei ein Kriminalbeamter, der sich als Arbeiter verkleidet unter die Menge gemischt hatte, von seinen eigenen Kollegen verhauen worden. Das sei ein allgemeines Gespräch in den Kreisen der Polizeibeamten gewesen. Zeuge V o l I b r e ch t ging aus der Sitzung eines Mäßigkeits- Vereins nach Hause. Plötzlich kam ihm eine Kette von Schutzleuten entgegen. Als sie ihn erreichten, da bekam er— wie er sagt— Dresche. Er wandte sich nach der entgegengesetzten Seite. Da stieß er wieder auf eine Anzahl Schutzleute und bekam nochmals Dresche. Ein Entkommen war nicht möglich, da er sich zwischen zwei Schutzmannsketten befand. Die Folgen der Prügel waren eine Wunde am linken und eine Beule am rechten Arm. Kaufmann Hüart, der ein Geschäft in der Rostocker Straße hat, sagt unter anderem: In meinen Laden kamen öfter junge Leute und wollten Kanonenschläge kaufen. Als iH sagte, die habe ich nicht, meinten die Leute, ich wolle ihnen blog keine verkaufen. Ich antwortete ihnen, wenn ich Kanonenschläge hätte, so� würde ich in diesen Tagen doch keine verkaufen. Bald darauf hörte ich es auf der Straße mindestens 6 bis 8mal knallen. Ich weiß ganz bestimmt, daß das Kanonenschläge waren, denn ich kenne ihren Knall und kann ihn von dem Knall einer Schußwaffe sehr genau unterscheiden. Ich sagte gleich zu meiner Frau: Jetzt baben diese Bengels doch irgendwo Kanonenschläge bekommen.— Ferner teilt der Zeug« eine Beobachtung mit: Ein betrunkener alter Mann hielt sich an einen Laternenpfahl fest. Futzschutzleute gingen vorbei und ließen ihn unbehelligt. Dann kamen reitende Schutzleute, die hieben mit Säbeln auf den Mann ein und als er schon am Boden lag, wurde er inimcr noch geschlagen.— Später, die Straße war fast menschenleer, kam ein Polizeileutnant. Dieser sagte zu einem Schutzmann, der ihm anscheinend eine Meldung erstattete:„Hauen Sie die Kerls in die Fresse, daß sie stürzen."— Eines Abends sah der Zeuge eine Menschenmenge auf der Straße. Vorn standen junge Bengels— wie der Zeuge sagt— und pfiffen. Sie rissen aus, wenn die Schutzleute vorgingen, und waren nicht zu kriegen. Manchmal haben ja die Kriminal- bcamten einen gekriegt und verhauen. Aber die Schutzleute schlugen jeden, der ihnen vor die Hand kam. Ans der Straße war es für die Paffanten so gefährlich, daß>der Zeuge, wenn er nach Geschäftsschluß nach Hause ging, stets im bloßen Kops ging, um sich den Polizeibeamten gegenüber als Bewohner� eines Nachbarhauses zu kennzeichnen und sich so vor Prügel zu schützen. Einmal sah der Zeuge zwei Schutzleute mit umgehängten Karabinern über die Straße gehen. Der eine brüllte mit lauter Stimme, daß sozusagen die Fenster klirrten:„Saubande, Schweinebande, Räuberbande." — Ter Zeuge schließt seine Aussage mit den Worten: Bei aller Hochachtung, die ich bisher vor der Polizei hatte, muß ich bedauern, sie nicht schützen zu können. Ja, selbst die Grundlagen meines christlichen Glaubens sind mir durch das Verhalten der Polizei in Moabit erschüttert wxrden. Polizeileuinant Folte tritt vor und bittet, ihm zu gestatten, die Szene vorzuführen, wie er den Schutzmann von dem Wagen, unter dem sich der mißhandelte Krüppel verkrochen hatte, zurückgerissen habe.— Der Vorsitzende lehnt das ab mit der Bemerkung, daß eine solche Vorführung für das Gericht keine Bc- deutung habe.— Rechtsanwalt Heine: Vielleicht kann der Zeuge Grausch nochmal vortreten und dem Herrn Polizeileutnant ins Gesicht sagen, daß er, Grausch, gesehen hat, wie der Polizei- lcutnant den Mann geschlagen und unter dem Wagen nach ihm gcstoclicrt hat.— Vors.: Das hat ja der Zeuge schon gesagt. Schrift st eller Kagel kann nichts über Einzelvorgänge angeben. Seine allgemeinen Angaben gehen dahin, daß sich die Polizei, so weit er sehen konnte, sich nichts habe zuschulden kommen lassen. Wie die Polizei Eigentum demolierte. Hauseigentümer Zack gibt an. daß die Scheiben in der Tür seines Hauses in der Wittstocker Straße durch Schutzleute entzwei geschlagen wurden. Gesehen hat er, daß auch an einem gegenüberliegenden Hause ein vorübergehender Schutzmann mit dem Säbel eine Türscheibe einschlug, einige Schritte weiterging, umkehrte und auch die andere Scheibe zerschlug. Die Straße dient Polizcimißhandlungen. Eines Abends fand der Zeuge auf dem Flur seines Hauses einen jungen Mann, der auf Befragen angab, er sei Bäcker- geselle, arbeite bei einem in der Nähe wohnenden Bäcker» ineister und habe sich auf dem Wege nach der Arbeit in das Haus geflüchtet, weil er schon zweimal von Schutzleuten Keile gekriegt habe. Der Zeuge gab dem Manne den Rat, sich an«inen Polizei- leutnant zu wenden. Als der Mann an die Straßenecke kam, wo eine Reihe von Schutzleuten stand, wurde er wieder geschlagen.— In anderen Fällen hat der Zeuge gesehen, daß Straßciipassantcn von Schutzleuten mit dem Säbel geschlagen wurden, und, als sie flüchteten, von anderen Schutzleuten aufs neue Prügel bekamen. Polizeispitzel. Ein Mann in Zivil, der ruhig und von den Schutzleuten un« behelligt stehen blieb, nachdem diese eine Menschenmenge vertrieben hatten, holte einen Revolver aus der Tasche und schoß in eine Schanseiisterscheibe. In demselben Augenblick kamen uniformierte Schutzleute vorbei, kümmerten sich aber gar nicht um den Mann mit dem Revolver. Der Zeuge hat denselben Mann— er trug einen gelblichen Paletot— vorher in einer Gruppe von Kriminal- beamtcn gesehen, die mit Blendlaternen in der einen und Revolvern in der anderen Hand eine Haustür betrachteten.— Ein andermal hörte der Zeuge einen Polizeileutnant zu Schutzleuten sagen: „Hauen Sie feste drauflos und schießen Sie. Die Halunken werden wir schon kriegen." Publikum>var zu dieser Zeit nicht auf der Straße.— Als der Zeuge eines Abends von seinem Balkon aus an untenstehende Polizeibeamte die Frage richtete, wann er das Haus schließen müsse, erhielt er die Antwort:„Gehen Sie vom Balkon oder wir schießen."— Der Zeuge hat auch gesehen, daß der Rohrleger Senf von 3 bis 4 Schutzleuten mit Säbeln geschlagen wurde. Ein Mieter des Zeugen, der auf dem Wege von der Arbeit nach Haufe nicht durch die Absperrungslinien gelassen wurde, wollte sich einen polizeilichen Passierschein erwirken und ging deshalb in Begleitung des Zeugen nach dem Polizeibuveau. Der Polizeileutnant sagte: einen Passierschein könne er nicht geben, iver dahin gehe, wo Tumult sei, der müsse sich ge. fallen lassen, daß er seine Keile kriege. Wenn ich - habe der Leutnant gesagt— in Zivil dahin gehen würde, dann bekäme ich auch Keile.— Auf den Einwand, man müsse doch von der Arbeit nach Hause gehen, bemerkte der Leutnant, er könne keinen Passierschein geben. Damit schloß die Sitzung. Heute um W Uhr wird die Vcr- Handlung fortgesetzt._ Die Wie von IKieMchin. Zweiter Tag. Unter den für gestern geladenen Zeugen befinden sich auch einige Fürsorgezöglinge und solche, die es waren. Der Vorsitzende crmahnt sie in seiner eindringlichen, aber jedes Pathos vermei- denden Art, nur die reine Wahrheit zu sagen, nicht zu übertreiben. sich nicht von Gefühlen des Mißmutes, des AergerS, ja des Hasses hinreißen zu lassen, doch auch nichts zu beschönigen. In der Beweiserhebung wird fortgefahren mit der Verneh- mung des Zeugen Hcntschel, ersten Lehrers der Anstalt Lichtenberg. Er legt zwei Briefe BreithauptS vor, in denen er den Inspektor Buth um gelegentliche Uebersendung der für Lichtenberg geltenden Vorschriften gebeten hat. Ueber das Leben und Treiben in Lichten- berg bekundet Hcntschel unter anderem, daß dort ein regelmäßiger Unterricht von täglich zwei Stunden erteilt wird.— Vorsitzender: Als sie aber Mieltschin besuchten, war in dieser sogenannten Für- sorgeanstalt davon keine Rede. Breithaupt hatte keinen Lehrer zur Verfügung, es war gewissermaßen nur eine Arbeiterkolonie.— Zeuge: Damals war kein Lehrer dort angestellt, aber soviel ich mich entsinne, sagte mir Br., eö solle später ein Lehrer zugezogen werden. Die Verwahrlosung ist ja auch größtenteils auf mangelnde Er- kenntnis zurückzuführen, darum ist Unterricht nötig.— Ueber das Personal in Lichtenberg sagt Zeuge, es bestehe aus Meistern für Unterweisung im Handwerk, aus Lehrern für Unterricht und Er- ziehung, aus einigen besonderen Aufsehern zum Schutz der Anstalt. Die letzteren sind bewaffnet, aber Gummiknüppel gibt es in Lichten- berg nicht. Nur Leute mit tadelloser Führung werden angestellt, vorbestraft darf keiner sein.— Vors.(zu Breithaupt): Sie hatten also die Disziplinarvorschriften nicht, obwohl Sie wußten, daß Sie danach handeln mußten. Wonach handelten Sie denn nun?— Angekl.: Ich habe mir von verschiedenen anderen Anstalten HauS- ordnungen und Vorschriften geben lassen.— Vors.: Was für An- stalten waren denn das?— Angekl.: Hm, das waren keine Für- sorgranstalten.— Vors.: Da gab es aber wohl auch keine Hiebe. Zluf Veranlassung des Nebenklägers Rechtsanw. Dr. Rosenfeld äußert sich Zeuge Hentschel noch über die Notwendigkeit individueller Behandlung der Zöglinge, die schon deshalb ganz selbstverständlich sei, weil es sich oft um seelisch abnorme Personen handelt.— Rechtsanw. Dr. Rosenfcld: Würden Sie es für angemessen halten, Zöglinge zu fesseln?— Zeuge: Wir tun das nicht.— Rechtsanw. Dr. Rosenfeld: Wie steht es mit der Prügelstrafe in Lichtenberg? Darüber wird doch eine Statistik geführt? In 1907 sollen 7,9 Proz., in 1908 8,1 Proz. der Zöglinge geprügelt worden sein.— Zeuge: Das kann richtig sein. Im letzten Jahre wurden wohl nur drei Zöglinge geprügelt.�— Auf eine Frage des Verteidigers Rechtsanw. Dr. Hirschseld erklärt Zeuge es für möglich, daß die Lichtenberger Zöglinge auf dem Transport nach Mieltschin gefesselt waren. Ge- fesselt babe man sie wohl deswegen, weil die Zeugen sich ungern ans der Nähe von Berlin wegbringen lassen und daher Flucht zu fürchten war. Magisiratsrat Voigt und Inspektor Buth werden über einige Punkte noch einmal vernommen, unter anderem darüber, ob Breit- Haupt üver Vorleben und Charakter seiner Zöglinge hinreichend durch Ueberweisung von Slkten informiert wurde. Das war offen- bar nicht der Fall, aber Voigt konnte mitteilen, daß jetzt in diesem Punkte gewissenhaft verfahren werde. Pastor Matthies, Geschäftsführer der G. m. k>. H.„Fürsorge- stift Mieltschin", bekundet, wie er an Breithaupt geraten ist. Als er die Anstalt Mieltschin einrichten sollte, sah er sich zunächst andere Anstalten an, auch..Hoffnungstal", und dort lernte er Br. kennen. Dieser schien ihm geeignet zur Leitung der neuen Anstalt, und als Br. ihm später schrieb, er wünsche sich zu betätigen in einer Arbeit» dke so recht für eine ManneSkraft pas-t, wurde er aus den Bewerbern ausgewählt.— Vors.: Sprachen Sie mit ihm über das Wesen der Fürsorgeerziehung?— Zeuge: In Hoffnungstal sagte er mir, er habe sie in Bethel kennen gelernt.— Vors.: Ja, er war zweimal in Wietingsmoor gewesen!— Zeuge hat angenommen, Lr. sei seiner Aufgabe gewachsen, auch hat er die Anwerbung der Er- ziehungSgehilsen ihm überlassen. Unterricht der Zöglinge war— geplant? der Zusammenbruch führte dazu, dah schließlich überhaupt kein Lehrer angestellt wurde. Bezüglich der Disziplin und im besonderen der Züchtigungen hatte Br. oem Zeugen gesagt, er werde seine Erfahrungen aus dem Johannesstift zugrunde legen. Im Johannesstift sollen aber nur drei bis fünf Schläge gegeben werden. Daß für Mieltschin die Lichtenberger Borschriften gelten sollten, wußte Br., weil es ja in dem ihm bekanntgegebenen Vertrag mit Berlin stand. Um Erlangung der Vorschriften habe, bestätigt der Zeuge, Br. sich vergeblich bemüht. Auch Matthies hat sie nie zu sehen bekommen. In Mieltschin ist ihm über Br. nie eine Be- schwerde zu Ohren gekommen, nie hat er etwas von übermäßigen Züchtigungen gehört, bis der Artikel des„Vorwärts" erschien. Als er dann Br. darüber befragte, antwortete der:„Was geschehen ist, kann ich verantworten." Auch beantragte Br. selber gegen sich eine Disziplinaruntersuchung.— Vors.: Was war denn geschehen? Was gab er zu? öl) Hiebe? IM?— Zeuge: Die im„Vorwärts" angegebene Zahl der Schläge hielt ich von vornherein für Uebcr- trerbung.— Zeuge hat den Eindruck gehabt, als ob Br. nicht recht wußte, wie er zu der Verhängung solcher hoher Strafen gekommen war. Sonst sei Br. freundlich mit den Burschen umgegangen, das sei ihm, dem Zeugen, auf Befragen der Burschen bestätigt worden. — Vors.: Wie erklären Sie es sich dann, daß die vorgekommenen Dinge Ihnen verborgen blieben?— Zeuge: An der Stimmung der Burschen habe ich nie etwas bemerkt, vielleicht deshalb, weil sie die körperliche Strafe wohl nicht so schwer empfanden.— Daß Br. leicht erregt war, kann Zeuge nicht sagen, doch habe er allerdings Widerspruch nicht vertragen können. Ueber die Frage einer ärzt- lichen Aufsicht sagt er. eine solche sei für die Anstalt— geplant gewesen, aber vorerst habe er nur p rivatim mit Kreisarzt Dr. Boehnke(Witkowo) abgemacht, daß er sich um Mieltschin lümmern möchte, wenn es seine Zeit erlaubte. Pastor v. Bodelschwingh aus Bethel bei Bielefeld, ein Sohn des.alten Bodelschwingh", berichtet über BreithauptS Aufenthalt i» Lobethal, wo er die Stellung eines pflegenden Bruders gehabt habe und als„Vorarbeiter" tätig gewesen sei. Br. habe sich dort seiner Aufgabe, so hat der Vater des Zeugen erklärt, mit großem Eifer und mit vieler Hingabe gewidmet. Allerdings sei bei Br. damals eine gewisse Neigung zur Erregtheit und zur Unklarheit des Urteils zu bemerken gewesen. Große Menschenkenntnis habe er nicht ge- habt, wohl aber ein selbstbewußtes Auftreten, das den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprach. Br. wäre weder dem Vater des Zeugen noch ihm selber als der geeignete Mann für Mieltschin erschienen: beide hätten ihn nicht empfohlen, wenn sie gefragt worden wären. Aus Lobethal wurde Br. entlassen wegen eines Konfliktes mit der Polizei. Er war in Berlin, sagt Zeuge,„betrunken und verkehrshindernd aufgefunden und zur Polizei gebracht worden".— Staatsanwalt Neiner fragt, warum denn dann Br. so gute Zeugnisse aus Hoffnungstal usw. habe.— Zeuge: Die wurden von meinem Vater ausgestellt, aber vor jenem Vorfall.—, Nach Br.'s Entlassung haben übrigens die Gnaoentaler Kolonisten um seine Wiederanstellung gebeten. Ueber den Angeklagten Engels, den der Zeuge gleichfalls kennen gelernt hat, äußert er sich nicht ungünstig. Auch der Angeklagte Wendland ist ihm bekannt, er ist jetzt sogar wieder in Bethel, doch kann er kein bestimmtes Urteil über ihn abgeben. Auf eine Frage des Vorsitzenden nach der Prügelstrafe in Bethel erklärt Zeuge, sein Vater sei fälschlich als ein„großer Verfechter der Prügelstrafe" hingestellt worden. Das Gegenteil sei der Fall, doch habe er aller- dings gemeint, daß für einen Jungen ein Schlag manchmal besser als einsperren sei. Ansiedler Fletemeyer aus Mieltschin bekundet, auch in der Be- völkerung sei bekannt gewesen, daß Br. mit Peitschenhieben und Arrest die Jungen zu hart strafte. Von einer besonderen„Borein- genom»enheit" der Polen gegen Br. weiß er nichts, wenn es auch richtig sei, daß die Polen nicht gut auf die Deutschen zu sprechen sind. In der Voruntersuchung hat Zeuge gesagt, Br. sei ihm sehr heftig vorgekommen,„wie ein Barbar". Er gibt hierzu an, einmal habe er gesehen, wie Br. einen Jungen mit der Faust auf den Kopf schlug, da habe er, der Zeuge, gerufen:„Gnade! Gnade!" Br. aber habe geantwortet:„Ach was, Gnade!"(Das war im Septem- der, also zu einer Zeit, wo Breithaupt längst zur Besonnenheit hätte gekommen sein müssen.) Breithaupt bemerkt zu jenem Vor- fall, es handle sich um den Zögling Fisahn, den er damals wegen dummer Redensarten wohl mit der Faust geschlagen habe. Zu Fletemeyer habe er nur gesagt, er solle seine Nase nicht hinein- stecken. Auf eine Frage des Justizrats Wronker gibt Zeuge an, daß er die Jungen der Anstalt auch mal am Sonntag einen Aus- flug habe machen sehen. Auf eine Frage des Rechtsanwalts Jllich bekundet er. daß nach Aufdeckung der Mieltschiner Zustände er und andere Mieltschiner dem Breithauptschen Anstaltsgottesdienst fern- geblieben sind, doch sei das nicht auf Anstiften des Lehrers Wendler geschehen. Die von der Verteidigung geladenen Entlastungszeugen haben zumeist von Mißhandlungen nichts gesehen und nichts gehört. Oberförster Redlich, Mitglied des Aufsichtsrats der G. m. b. H. „Fürsorgestist Mieltschin", hatte wohl Gerüchte vernommen, ihnen aber nicht geglaubt, bis die Zeitungsmeldung kam. Nachher habe Br. ihm gesagt, er habe geglaubt, der Stadt Berlin einen Gefallen zu tun. wenn er ihre Zöglinge nicht entfliehen lasse und ihr Kosten erspare. Bauunternehmer Göldner war bei dem Bau der Anstalt tätig. Zöglinge haben ihm gesagt, es gefalle ihnen troy der Schläge in Mieltschin besser als in Lichtenberg. Breithaupt habe ihm geklagt, daß die Jungen so schwer zu behandeln seien, auch habe er gebeten, die Arbeiter möchten sich nicht hineinmengen. Maurerpolier Wittig habe, sagt Zeuge, sich über Mißhandlungen aufgeregt, doch der über- treibe sehr. Wittig und auch Lehrer Wendler seien dem Pastor feindlich gesinnt gewesen. Auch dem Pastor Voit, einem Mitglied des Aufsichtsrats der Anstalt Neu-Zedlitz, war nichts über Mißhandlungen in Mieltschin zu Ohren gekommen. Bei Besuchen hatte er den Eindruck, daß Breithaupt«nicht despotisch" war. Das Verhältnis zu den Zög- lingen war„nett" und einen redete Br. mal„Mein Junge!" an. Maurermeister Gerhard aus Gnefen, der Bauarbeiten für die Anstalt übernommen hatte, führt alles auf einen Racheakt deS Poliers Wittig zurück, über den Brcihaupt Klage geführt habe, sowie auf die Intrigen des mit Wittig verbündeten Lehrers Wcndlor. Der Vorsitzende sagt ihm, es seien ja tatsächlich vorgekom- mens Mißhandlungen festgestellt, z. B. 100 Peitschenhiebe für einen Einbruchsdiebstahl, aber Zeuge weiß davon nichts. Er hat„nur fürchterliches Geschrei allerdings manchmal gehört". Mit Breit- Haupt hat er, der Laie, merkwürdigerweise oft und eingehend über seine Erziehungsmethode gesprochen. Dabei hat Br. Strenge für nötig gehalten und gesagt:„Mit Prügeln habe ich i» einer früheren Anstalt sehr gute Erfolge gehabt."— Angekl. Breithaupt: Ich entsinne mich dessen nicht.— Vors.: In kritischen Fällen kommen Sie immer mit der Erwiderung:„Ich entsinne mich nicht."— Br. hat gegenüber dem Zeugen geklagt, Berlin schicke ihm den Aus- Wurf der Menschheit, sogar Halbidioten. Polizeikommissar Schnee(Witkowo) hat«nichts Ungehöriges erfahren". Die Jungen schildert er in echtestem Polizeistil als«zum großen Teil schlecht", es seien ja„meist sehr vorbestrafte Leute" gewesen.„Na. einige waren vorbestraft." korrigiert der Vor- sitzenoe. Von diesem Herrn Polizeikommissar hat Br. die„große Äctte" entliehen, Schnee glaubt:„zum Transport". Der Vor- sitzende meint:„Das müßte dann schon ein schwerer Mörder ge- Wesen sein." Anjjekl. VrosinSky fragt, ob Zeuge sich erinnert, daß er einmal den Zögling Schwarzenberg nach einer Abstrafung zu sehen bekam und diese picht für zu stark hielt Zeuge erinnert sich nicht. Regierungsbaumeister Drescher ist in Mieltschin überrascht ge- Wesen,„wie wenig zuchthausmäßig die Anstalt und die ganze Be- Handlung war".— Vors.: Gingen Sie davon aus, die Behandlung von Fürsorgezöglingen müsse zuchthausmäßig sein?— Zeuge: Das nicht. Aber körperliche Mißhandlungen sah ich nicht. Zeuge hat den Eindruck gehabt, daß Br. an seine Aufgabe mit großer Begeisterung heranging. Ingenieur Heinschke, der als Beauftragter der Deutschen Lagerhausgesellschaft in der Anstalt Mieltschin Bauarbeiten aus- führte, hat„die Jungen sehr vergnügt" gefunden. Polier Wittig und Monteur Fleischer seien dem Pastor feindlich gesinnt gewesen, letzterer habe ihm auch mal mit einem Verwandten in Berlin ge- droht, der„bei der Sozialdemokratie eine führende Stellung habe und dem er alles mitteilen werde." Der Vorsitzende mahnte:„Lassen wir die parteipolitischen Erörterungen aus dem Spiel." Die Erörterung der Einzelfälle beginnt mit dem Fall Aubers, an dem die Angeklagten Breithaupt und Engels beteiligt sind. Der Schneiderlehrling Anders hatte bei seiner Einlieferung am 4. Mai 1909 im Stiefel einen Brief für einen anderen Zögling mitgebracht und entfloh dann. Nach seiner Wiederergreifung ließ Breithaupt ihm durch Engels SO Peitschenhiebe geben. Einige Zeit später soll Anders zu einem bei dem Umbau der Anstalt beschäftigten Maurer gesagt haben:„Lassen Sie nur erst die kessen Jungens aus Berlin kommen, dann spielen wir die Herren und hauen den Meistern die Jacke voll." Die Frau des Aufsehers Wrobel, die es gehört zu haben meinte, hinterbrachte das dem Pastor, und der verordnete die üblichen Hiebe. Wieviel es waren, fragte der Vorsitzende.„Es werden wohl 50 gewesen sein," meinte Engels. Breithaupt mußle dem Gericht vormachen, wie er mit der Peitsche zugeschlagen habe. Er selber bemerkt dazu:„Mit aller Wucht, aber nicht mit voller Körperkraft." Der Vorsitzende stellte fest, daß Anders früher an Kniegelenktuberkulose gelitten hat und daher ein verkürztes Bein hat. Als erster Zeuge unter den geladenen Fürsorgezöglingen hinkte AuderS in den Saal. Der jetzt 19jähriae junge Mann, den der Vorsitzende nochmals eindringlich zur Wahrheit ermahnte, be- kündete, er sei sogleich in der ersten Nacht mit Zögling Graske aus Mieltschin entflohen, weil GraSke ihm gesagt habe:„Hier gibts Keile!" Schon in Gnesen babe er sich freiwillig auf der Polizei gestellt, und nach seiner Wiedereinlieferung in Mieltschin habe dann Breithaupt ihm durch Engels 50 Hiebe geben lassen. Wrobel habe ihm das Hemd höher ziehen müssen, Breithaupt habe die Uhr gehalten, Engels habe geschlagen und sich alle Mühe gegeben, tüchtig zu schlagen, und er selber habe die Schläge zählen müssen. ES habe sehr weh getan, sodaß es schien, einzelne Stellen seien wund ge- schlagen worden. Etwa 3 Wochen später sei Anders von einem polnischen Arbeiter gefragt worden, ob er„Keile gekriegt" habe. Da habe er erklärt, wenn erst andere Jungen kämen, die sich nicht schlagen ließen, werde es hier anders werden. Von„kessen Jungen", von„Herren spielen" und„den Meistern die Jacke voll hauen", wisse er nichts. Bald darauf habe Breithaupt, der wohl gelauscht haben müsse, ihn am Kragen gepackt und ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er habe ihn zum Herrenhaus geführt, vor dessen Tür Schwester Olga mit Gutsrnspektor Bartz stand, und im Hause ihm erst einen Hieb über den Kopf und dann mit der Peitsche oder dem Stock an 50 oder mehr Schläge übers Gesäß gegeben. Als Anders im August über die erduldeten Mißhandlungen vernommen wurde, sagte er dem Pastor Matthies nichts von dieser zweiten Ab- strafung. Vor Gericht erklärte er das damit, daß bei der Ver- nehmung Breithaupt zugegen gewesen sei. Erst später machte er in Lichtenberg genaue Angaben darüber, und vor Gericht berichtete er jetzt noch über eine dritte Mißhandlung, die er am selben Tage erlitten habe. Nach der Bestrafung sei er um die Frühstückszeit in den Kartoffelkeller gesperrt worden, in dem er ohne Nahrung bis zum Abend habe bleiben müssen. Abends sei er nach der Station gebracht worden, und nun habe Breithaupt ihn nochmals geschlagen, zunächst mit dem Weichselstock, dann mit der Reit- peitsche; 50 Hiebe oder mehr seien eS im ganzen gewesen.— Vors.: Warum haben Sie hiervon bisher nichts gesagt?— Zeuge: Ich wollte immer noch nicht so schlecht handeln. Ich wollte die Sache verheimlichen. Ich dachte ja nicht, daß ein so großer Prozeß daraus werden würde.— Breithaupt und Engels wissen von dieser Be- strafung nichts, aber Anders hält seine Angaben aufrecht. Im übrigen erklärt er. daß Breithaupt sonst immer gut zu ihm ge- wesen sei, nur gestrast habe er sehr streng. Er habe auch Ausflüge mit seinen Zöglingen unternommeil und dabei alles mitgemacht. Ueber seinen Beinschaden bekundet Zeuge, daß er ihn seit seinem 9. Jahre habe. Er sei durch„Kniewaffer" nach einem Sprung entstanden, und Zeuge habe deshalb 2 Jahre im Krankenhaus zu- bringen müssen. Dem Pastor Breithaupt habe er das sogleich am Tage seiner Einlieferung nach Mieltschin gesagt. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie oft er entflohen sei, antwortet AuderS, beim zweitenmal sei er nach Berlin gelangt. Doch habe dann ein Herr vom„Vorwärts", der zu seinen Eltern gekommen sei, ihn gesehen und ihm geraten, sich lieber wieder der Waisenverwaltung zu stellen, und das habe er getan. Auders befindet sich jetzt als Zögling in Birkholz. Zögling Rietz schildert eine Mißhandlung von Auders. bei der er, der Zeuge, 71 Hiebe gezählt habe. Das soll jener dritte Miß- Handlungsfall gewesen sein, der im übrigen nicht Gegenstand der Anklage ist. Auch Zögling Knopp scheint diesen Fall zu meinen; er schützt die Zahl der Schläge auf 50. Die„Schwester Olga", jetzt Frau Schräder, geb. Redwanz, die in Mieltschin dem Wirtschaftsbetrieb vorstand, kann sich an nichts mehr erinnern. Sie meint zunächst, nicht dabeigewesen zu sein, wenn geprügelt wurde. Erst auf Vorhalten fällt ihr ein, daß sie wenigstens zweimal dabei Ivar.?lber gekümmert habe sie sich um nichts, nur schreien habe sie die Jungen gehört. Gesehen habe sie weder, wie Anders durch Breithaupt ins Herrenhaus geführt wurde, noch einen anderen Fall, bei dem der Zögling Manthe an einen Baum gebunden und geschlagen worden sein soll. Ter Vorsitzende mahnte: Sie dürfen unter keinen Ilmständen mit der Wahrheit zurückhalten. Schonung gibt eS hier nicht. Haben Sie nun noch etwas mitzuteilen?— Zeugin: Die Zöglinge haben eine Sparbüchse mit Geld gestohlen; ich nehme wenigstens an, daß es Zöglinge waren.— Mehr fiel der Zeugin nicht ein. Dem Ver- leidiger Justizrat Friedman» bestätigte sie noch, daß Breithaupt selber bedauert habe, streng sein zu müssen. Vernommen wurde noch ein Maurer Jbrand, der in der An- stalt Mieltschin an den Umbauten gearbeitet hatte. Er hörte und sah schlagen, und auch andere erzählten ihm, daß dort viel und kräftig geschlagen werde. Von Polen sei gesagt worden, wenn das einer ihrer Leute wäre, so würden sie dagegen vorgehen. Einmal hat er gesehen, wie ein Junge vor einem Speicher sich sogleich über das Treppengeländer legen mußte und von Breithaupt 20 bis 25 Hiebe mit dem Haudstock bekam. Breithaupt bestätigte. das sei Ehrlich getvcsen, der sich an Drenske vergriffen hatte. Dafür habe er ihn auf frischer Tat gestraft; 20 bis 25 Hiebe, das könne stimmen. Heute um 9 Uhr wird die Beweiserhebung fortgesetzt. paflarnemarifckes. Ans der Budgetkommission. Die Budgetkomiiüsston erledigte am Dienstag den Gesetz- entwurf über die Reichs be st euerung in zweiter Lesung. Es wurden, wie da? bei der zweiten Lesung meist der Fall zu iei» pflegt, wichtige Beschlüsse der ersten Lesung geändert und damit die hinter den Kulissen zwischen dem schivarz-blanen Block und der Re- gierung getroffenen Abmachungen sanktioniert. So wurde die in der ersten Lesung hineingebrachte Bestimmung, wonach daö' Reich sein Einkommen ans Grundbesitz bei den Ge- meinden zu versteuern habe, gegen die Stimmen unserer Genossen und die der Freisinnigen wieder gestrichen. Der wichtige§ 6, der die Zuschüsse des Reichs für solche Gemeinden regelt, die durch Reichsbetriebe belastet werden, erhielt eine für die Gemeinden wesentlich schkechtepe Fassung. Während diese Gemeinden nach den Beschlüssen der ersten Lesung einen Zuschuß zu verlangen schon dann berechtigt sein sollten, wenn die in der Gemeinde wohnenden und in' den Rcichsbetrieben beschäftigten Arbeiter und sonstigen Angestellten nebst ihren Familienangehöngen 2 Proz. der Zivilbevölkerung ausmachen, sollen sie nach den Beschlüssen der 2. Lesung dieses Recht erst erlangen, wenn die Zahl der genannten Personen acht Prozent beträgt. Eine Ausnahme soll nur bei solchen Orten gemacht werden, die keine Garnisonen haben. Bei diesen bleibt es bei den zwei Prozent. Der sozialdemokratische Berniittelungsantrag. statt acht Prozent fünf Prozent zu sagen, wurde abgelehnt. Alle Anstrengungen unserer Genossen, für die durch die Reichsbetriebe manchmal sehr stark be- lasteten reichsländischen Gemeinden etwas niehr heraus» zuholen, scheiterten an der Mehrheit. Zentrum und Konservative, unterstützt von den Nationalliberalen, stimmten für alle NegierungS» wünsche und beseitigten ihre eigenen Anträge aus der ersten Lesung. Aus der Neichsversichcrungsordnungs-Kommissiov. Sitzung am 13. Dezember. Fast die ganze Sitzung war VerschlechterungS anträgt» gewidmet. Zunächst handelte es sich um die BersichcningSpflicht der Personen mit Hochschulbildung. Die Nationalliberalen hatten beantragt, daß die Personen mit Hochschulbildung auf ihren Antrag von der VersichernngS- pflicht in der Krankenversicherung befreit werden. Dabei ist zu be- rücksichtigen, daß versicherungspflichtig nur solche Betriebsbeamte, Werkmeister und andere Angestellte in einer ähnlich gehobenen Stellung sind, deren regelmäßiger JahreSarbeitsverdieiist 2000 M. an Entgelt nicht übersteigt. Mithin handelt es sich durchweg um Angestellte, die trotz ihrer Hochschulbildung mit einem ganz geringen Verdienst abgefunden werden. Deshalb erhoben die Sozialdemokraten entschieden Widerspruch gegen de» Antrag der Nationalliberalen, der dann auch nach längerer Debatte zurückgezogen wurde. Ein neuer Umfall des Zentrums. In der ersten Lesung hat die Kommission die Bestimmung ge« strichen, daß auch diejenigen Arbeiter auf ihren Antrag von der Ver» sicherungSpflicht befreit sein sollen, die bei ihrer Erkrankung an ihre Arbeitgeber einen Anspruch auf eine den Lelstungen der zuständige» Krankenkasse gleichwertige Unterslütznng haben, wenn die Arbeitgeber die volle Nnterstützung aus eigenen Mitteln decken und ihre LeiltungS- fähigkeit sicher ist. Bei der damaligen Beratung der Bestimmung wurde festgestellt, daß diese Ausnahme für die Industrie keine Bedeutung' habe, dagegen in der Landwirtschaft zur Umgehung der Krankenversicherung führen werde. Gerade, um dieS zu verhindern, wurde die Aus- nähme sowohl für die Industrie als auch für die Landwirtschaft gestrichen. Ganz besonders hatte sich das Zentrum durch Abg. T r l m b o r n dagegen erklärt, daß für die landwirt- schaitlichen Arbeiter auch in dieser Beziehung ein Aunahmerecht ge- schaffen werde. Heute erklärte Abg. Hitze, daß das Zentrum daS Ausnahmerecht doch annehmen werde: für die Industrie lehnte es mir den Sozialdemokraten und Fortschrittlern die Ausnahme- bestimmung ab, für die L a n d w t r t s ch a f t aber werde daS Zentrum sie mit den Konservativen und NationalUbcralen an» n e h m e n. Für Personen, deren regelmäßiges Gesamt« e i n l o m m e n 4000 M. übersteigt, erlischt die VersicherungSberech» tignng. So wurde von den Nationalliberolen, Zentrum, Konier» vativen und Forlschrittlern beschlossen. Damit werde, wie der Re- gierungsverlreter erklärt, ein dringender Wunsch der Aerzte erfüllt, die von diesen Personen ein höheres Honorar haben wollen, als sie von den Krankenkassen erlangen können. Nächste Sitzung Mittwoch._ Auö der Reichswcrtzllivachsstencrkommission. In der Dienstagsitzung wurden die 88 �2. 53, 54 nach den Be» schlüsten der zweiten Lesung angenommen.§ 05 gibt dem Bundes- rat auf, die Ausführungen zum Gesetz zu erlassen und die nach diesen Gesetzen fälligen Abgaben auch über den Anteil deS Reiches hinaus aus Billigkeitsgründen zu erlassen und auch Rechtsvorgänge für steuerpflichtig zu erklären, die eS— ohne unter 88 1 bis 3 zu fallen— einem anderen ermöglichen, über das Grundstück wie der Eigentümer oder der Berechtigte zu verfügen. Durch diese Be« stimmungen sollten diejenigen getroffen werden, welche sich der Steucrpflicht entziehen. Von mehreren Mitgliedern wird audgesührt, daß man dem Bundesrat solche Rechte nicht einrnnmen dürfe. Nach langer Debatte wird der 8 05 mit einigen kleinen «enderimgen angenommen. Der§ 56 ist der schwierigste im ganzen Gesetz. Es liegen eine ganze Anzahl Anträge vor, die eine lange Debatte hervorrufen, bei der sich die großen MeinungS- Verschiedenheiten über das ganze Gesetz so recht zeigen. Angenommen wird ein von Konservativen und vom Zentrum ge» stellter Antrag, welcher eine vollständige Abänderung der zweite» Lesung bedeutet. Dann wird nach ein 8 54a ein» geschaltet: Bon den Grundstücken, welche der Abgabe nach 8 09 deS ReichsstempelgesctzeS vom 15. Juli 1909 unterliegen, wird anstatt der ZuwachSsteuer, nach den Vorschriften des 8 09, eine weitere Ab- gäbe von einem Drittel vom Hundert erhoben. Hierauf wird die Sitzung auf Mittwoch vertagt. Der Schade« der Kaisermanöver. Die Petition des Reichstages hatte sich anläßlich einer Eingabe von 40 Landwirten aus L a u d a(Baden) auch mit der Frage zu befassen, ob wegen der behaupteten ungenügenden Flurschaden- Vergütungen im Kaisermanöver 1009 eine Aenderung der gesetzlichen Vorschriften vorgenommen werden soll. Die prinzipielle Erledigung dieser Frage wurde dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen, über die Forderungen einer erhöhten Entschädigung der Petenten ging die Kommission zur Tagesordnung über. Beim Kaisermanöver des XL Armeekorps wurden von etwa 61 000 Geschädigten Ersatzforderungen gestellt Der Abg Zehnter teilte mit, daß allein auf badischem Gebiete 147 Geiiiarkungen mit meistens stark parzelliertein Besitz geschädigt wurden; etwa zehn Abschätziiiigskomniissiouen seien in Tätigkeit ge- treten. Bon einem genügenden Ersatz deS durch die Truppen den Bauern entwendeten Obstes und PferdefuitcrS sei keine Rede gewesen. Von sozialdemokratischer Seite wurde verlangt, daß ivenigsteiis solche intensiv bewirlschasceten Gegenden mit Manövern verschont werden._ Huö der Frauenbewegung. Die Arbeiterinnen»nd die Konsumvereine. In vielen Versammlungen ist schon über die Lebensmittel- teuerung gesprochen worden. Die Frauen haben aber nicht nur gegen die Teuerung demonstriert, sie schauen auch nach Abhilfe aus und kommen dahinter, daß sie in den Konsumvereinen ein Mittel haben, wenigstens in gewissem Sinne die Preisgestaltung zu beeinflussen. Das Interesse der Frauen«n dm Konsumvereinen könnte noch belebt werden, wenn den Verwaltungen auch Frauen zugeteilt würden. Man sage nicht, die Frauen haben keine GeschäftsicurUliis, sie verstehen den Warenverkehr nicht und was dergleichen Behenxp- tungen mehr find. Die Frauen müssen mit all den Waren wirk- schaftcn und wissen deshalb auch oft viel, besser als die Männer Qualitätsunterschiede festzustellen, überhaupt ein Werturteil über eine Ware zu gewinnen. Man denke doch daran, daß in den privaten Kaufmännsgeschäften die Frauen sehr oft die Seele von dem ganzen Unternehmen sind. Wenn die Frauen die Möglichkeit lmben, an der KonsumvereinSleitung teilzunehmen, so wächst natür, lich auch ihr Interesse an der Institution. Die Frauen sollten jedoch unter allm Umständen mehr OlK bisher für den Konsumverein agitieren. Deutscher Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Sememlame Versammlungen der Mitglieder des Zektralverdalldes der Maurer und des Zentralverbaudes der baugemerblichell Hilfsarbeiter. Donnerstag, den 13. Dezember, abends 8 Uhr: .�osdit in der Brauerei Pabenhofer, Turmstr. 25. Wilmersdorf bei Rietsche, Gasteiner- Ecke Holsteinische Straße. Freitag, den 1«. Dezember, abends 8 Uhr: Westen bei WiemerS, Bülowstr. 58. Alle In den in Frage kommenden Bezirken wohnenden Miiglieder beider Organisationen werden hierzu dringend eingeladen. 139/ iß* Vollzähliges Erscheinen erwarten_ Die Obleuto. IM lu Im Eni- Hl Will Deutsch auds.(Zahlstelle Berlin.) Bezirksuersammlungett: ISezirk; Die nächste Versammlung findet am Donnerstag» den 1. Itezli-k: Die nächste Versammlung findet am Donnerstag» IS. Dezember beim Kollegen Heyder. Ouitzowstr. 62, statt. 8. Kezii-k: Die nächste Versammlung findet am Donnerstag, 15. Dezember beim Kollegen Obtglo, Schwedter Straße 23.24, 3.»ezink: Die nächste Veriammlung findet am Freitag, IL. Dezember beim Kollegen Karl Rott, Strafimannstr. 29, Vortrag des Kollegen Weise. 4.»«zink: Die nächste Versammlung findet am Freitag, IL. Dezember beim Kollegen Wilbelm Müller, Ratibor Str. 18, statt. S. Bezirk; Die nächste Veriammlung findet am Donnerstag, den IS. Dezember beim Kollegen August Bercht. Ritterstr. 75, statt. O. Bezirk: Die nächste Versammlung findet am Freitag, den ZK. Dezember beim KollegeniStnniPe, Alte Jakobstc. 65, statt. Sämtliche Versammlungen sind_nachtniUags 5 Uhr. den statt. den statt. den 35/7 Dif�OrtMverwaltang. Nnbliiid dn Msltt.LickltM.Ailßttilhtt Mclchiorftr. 28, Part. rill»!« Berit». Tel.: Amt IV. 4787 Knchenmöbel-Brauche. Freitag, de» 16. Dezember, abends 8'/z Uhr, im„Englischen Garten", Alexa»derstr."S7o: BrandKii-Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2, vrancheuaitgelegenheiten. 130/7 Zahlreichen Besuch erwartet Bie Branelienlett«»»«. l!?'. LßmmS? Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 4 Vcrleih-Instltat: Frledriohst.llS/fia.Di'ahg. "Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1,50, Hose 1,00, Weste 50Ps, Theater und Vergnügungen und Mittwoch, 14. Dezember. Ansang VI, Uhr. «önigl. Opernhaus. FlgaroS Hochzeit. Königl. SchauspielhanS. Die Rabenttcinerin. Steurs tönigl. Opern-Dheater. Geschlossen. Deutsches. Hamlet. 'kammerspiel«. Der per- wnndete Vogel. Anfang» Uhr. Berliner. Taisun. Aachmittags 31/, Uhr: Macbeth. Lesstng. Anatol. Neues Schauspielhaus. Der Zerrissene. Nachmittags 3 Uhr: Frau Holle. Komische Over. Tiesland. Westen. Das Puppenmädel. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Kleines. Verflixten Frauenzimnicr. 1. Klaffe. Neues. Der G. m. b. H.-Tenor. Trianon. Der heilige Hain. Residenz. Der Unlerprasekt. Dhaiia. Polnische Wirischast. Nachmittags 4 Uhr: Hänsel Eretel. Schiller<>.«Wallne». Tdenirr) Prinz Friedrich von Homburg. Sch»' llkbartotti ndurg. Das Urbild des Tartüfi. Friedrich- WUhelmstiidtischeS. Hoigunft. Nachmittags S>/« Uhr: Hermann- schlacht. Neuro Operetten. Der Gras von Lureniburg. Lnstipielbaus. Der Fcldherrn- Hügel. Lniien. Regiftrator aus Reisen. ModerneS. Der Doppelmensch. .Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. BolkSoper. Die Dollarprwzcssin. /, Uhr.) Karl Haberland. Gbcziatitäleii. Urania. Daubenstrasie 4S/4V. Abends 8 Uhr: Pias Dr.Kammerer: Wtssenschaitlicher Verein. Hörsaal 8 Uhr: Dr. E. Börnstein: Temperaturmessung. Nachmittags 4 Uhr: Der Vier- watdstätter See und der Gotthard. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Der Vlerwaldst-iUter See and der Clotthard. Abends 8 Uhr: Prof. Dr. Kämmerer: Wissenschaftlicher Verein. Hörsaal 8 Uhr; Dr. B. B ä.r n» t e i n: Temperatur- Messung. K ai»er-Pa n oram a. 4. Reise am schönen Rhein. Besuch v. Berchtrsgiideu» Snlzbergwerk-Königscezc. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Aboimcm. 1 SR. Taus. Abonnenten. Berliner Volksoper Bcllc-Alliancestrahe 7/8.—'1,9 Uhr: Die Dollarprinzessin. Friedrich-Wilhelinstadtiscties Schauspielhaus. Mittwoch, 14. Dezember, abends 8 Uhr: llofsniisf;. Nachm. 3'/, Uhr: Die Hermann- fchlacht. Donnerstag: Die Hermannschlacht. Freitag: Hofgunst. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank in 3 Akten v. Leon Gandillot. Morgen und folgende Tage: Der iluterpräfekt. Luisen-Tliester. Abends 8 Uhr: Der Registrator auf Ktistn. Posse mit Gesang In 3 Akten von Adolf L'Arronge. DonnerSt.: Regiftrator auf Reisen. Freitag: Indien. OSE=ThEATE! Hctiiller-Tiieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeat). Mittwoch, abend» 8Udt! prlnr Priedrich von Homburg. Schauspiel hi 5 Akten v. tz. v. Kleist. Ende 10-/. Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: nie Mee Oaprloe. Freitag, abends 8 Uhr: Kodom» Ende. jmmmmmmmmrnmgmammmmmmm Schiller-Theater Charlonenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: I»as Erblid de« TartUfT. Lustspiel in 5 Auszügen v. K. Gutzkow. End- 10'/, Uhr. Donnerstag, abendS 8 Uhr: Der Bund der daxend« Freitag, abends 3 Uhr: Ble nacht der Flnsternla. Licht=Spiele Mozart-Maal. Nachmittags 4 Uhr: Schüler'Vorstellung. Abends Beginn 6 Uhr. Josef Olampietro. Hofjagd In Springe. „CLOU" bereiter ko/vkerthavs Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-81 Eintritt 5© Pf. !!! Heute III Wagner- Abend. Borg-en, Donner.tas: 1. Gastspiel von Johann Strauß. Mathäserbräu Vm Liter 30 Pf.& 2 Weinterrassen. Schwarzer Richard Arnhold. Adler Lichten- Frankf. Chaussee 5. WU- Jeden Mittwoch: DAL Gr. humor. Soiree der altrenomm. beliebten Leipziger Sanger ehem. Mitglieder der„Kuge-Zlmmermann leipziger Sänger" Herron Meusel, Acke, Sennhöfer, Held, Werner, Stephan und Robin. Modern. Dezent. I Vonnteiiaas: Stets tvechselndes Programm, f Tanzkrünzchen. Anfaiig S Ehr. VorziiKskarten haben<>iilti|;keit. Mittwoch, den 14. Dezember, abends Vi, Uhr: Neul Neu! Kelblnl Drapp«, 5 Pers., Radfahrer und Rollschuhläuscr. Maad Elton mit ihrer Hundemente. 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Um den Bezirksführern die Arbeit zu erleichtern, werden die Genossen und die Ge- nossinnen dringend ersucht, am heuttgen Zahlabend ihre Bei-' trs-ge zu entrichten._ An die Parteigevossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Anfang Januar erscheint wiederum eine neue Lokalliste. Wir eriuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Mittwoch, den 21. Dezember, an die nachverzeichneten Kominissionsmitglieder gelangen zu lassen: Für den L Wahlkreis an den Genossen Jakob Ege, C. 19, Roststraße 31. Für den II. Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder, L. 53, Bergmannstraße 9S, II.' Für den III. Wahlkreis an den Genossen Gustav Müller, 80. 36, Grünauer Straße 16, IV. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, 0. 34, Sttaßmannstraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Hahnisch, 0. 54, Augnststraße öl, Ouergeb. IV. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Wilhelm Dams, H. 4, Schlegelstlaße 9. Für Nieder-Barniin an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Blunienthalstraße 24. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf. Selchower Straße 15—16, IV. Für Potsoan,- Osthavelland an den Genossen Emil Schubert, Spandau, Kuritraße 2t. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal- liste durch die Borsibeuden der Kreise an den unterzeichneten Ob- mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit- teilungen in Lokalangelegenheiten für Groß-Berlin dem zu- ständigen Kommissionsmitgliede, für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner weisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfcrenzen der Lokalkreise so oft gefaßten Beschlutz hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet sind, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres Kreises einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor- gekommen sind oder nicht. Orte, au» denen kein Bericht kommt, werden in-der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 21. Dezember einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obniann der Kominission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Albert Hahnisch, 0. 54, Auguststraße 51. Zur Lokalliste. In Steglitz steht das Lokal„ParadicSgarten", Birkbuschstr. 7. zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung, dagegen sind die Lokale von Dahl und Schultheiß nach wie vor gesperrt. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Zahlnacht für Buch- drucker, Stereotypeure usw. am Mittwoch, den 14. Dezember er., abends 1lil2 Uhr, bei Jul. Meyer. Oranien« straße 193. Die Vertrauensleute. Fünft« Wahlkreis. Ein kombinierter Zahlabend der zweiten und dritten Abteilung findet heute im „Landsberger Kasino", Landsberger Straße 39, statt. Reichstagsabgeordneter Genosse Göhre, Pastor a. D-, wird einen Vortrag hallen. Eichwalde. Der heuttge Zahlabend findet im Lokal„Sanssouci" statt. Der Bczirksleiter. Erkner-Woltersdorf. Heute Wahlvereinsversammlung. Der Vorstand. Dabendorf b. Zossen. Ain Sonnabend, den 17. d. MtS., abends 8'/z Uhr, bei F. Wiese: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Be- richl von der VerbandSgeneralversammlung. Neuwahl eines Kassierers und Verschiedenes. Der Vorstand. Bezirk Bernau. Am Donnerstag, den 15. d. Mts., im Lokal deS Genossen Salzmann. BaSdorfer Straße: Kombinierter Zahl- abend. Tagesordnung I 1. Bericht von Groß-Berlin. 2. Ber.cht der Stadtverordnetenfraltion über ihre Tätigkeit. Die Bezirksleitung. Berliner j�aelmekten. Weihnachtsbäume. Vom Berliner Weihnachtsmarkt ist wieder ein Stück ab- gebröckelt. Die modernen Salomos vom Alexanderplatz haben es für gut befunden, den weihnachtlichen Straßen- Handel aberinals zu beschneiden und die bescheidenen Weih- nachtsmarktreste, die bisher noch rings um die Petrikirche, am Rosenthaler Tor und an einigen anderen Stellen etabliert waren, in die Versenkung zu befördern. Nur an die Weih- nachtsbäume hat sich polizeiliche Weisheit in dem Bestreben, die Straße dem Verkehr zu sichern, noch nicht herangemacht. So sehen wir denn diesmal wieder an Tausenden von Straßenecken, auf Plätzen und Promenadenwegen, die harz- duftenden Kinder des deutschen Waldes in ungezählten Exeinplaren aufgestapelt. Im Berliner Publikum und auch jn der Provinz spricht man seit Jahren schlechtweg vom „Tannenbaum". Wer in der Botanik einigermaßen be- schlagen ist, unterscheidet drei große Arten von Nadelhölzern, die als Weihnachtsbäume in Betracht kommen, nämlich die Fichte, die Tanne und die Kiefer. Die Fichten sind als Weihnachtsschmuck am beliebtesten und verbrcitctsten, weil ihre Zweige schon im jungen Alter dichte Nadeln tragen. Letztere sind meist vierkantig, nicht flach gescheitelt, pflegen. sich aber im warmen Zimmer nur höchstens zwei Wochen an den Zweigen zu halten. Die Zapfen stehen nicht aufrecht «mf den Zweigen, sondern hängen. Biel geeigneter als Weih- nachtsbaum ist die namentlich im Harz und Schwarzwald massenhaft wachsende Tanne, deren flache und gescheitelte Nadeln monatelang am abgeschnittenen Zweig haften bleiben. Bei ihr stehen die Zapfen stets aufrecht, und die Schuppen derselben fallen einzeln von der Spindel ab, während bei der Fichte der Zapfen als Ganzes sich löst. Ein völlig anderes Aussehen hat die als Weihnachtsbaum nur noch wenig per- wendete, in geringen Mengen aus den märkischen Waldungen entnommene Kiefer oder Föhre, die prächtig eben- mäßigen Wuchs zeigt, wsnn sie zu ihrer Entfaltung den nötigen Spielraum hat. Die Nadeln sind hellgrün, weit länger als bei Fichte und Tanne, oft bis zu 20 Zentimeter lang. Die Rinde blättert sich besonders bei älteren Exemplaren an den Hauptverzweigungcn leicht ab, ähnlich wie bei der Platane.„Silbertannen" gibt es in der botanischen Sprache überhaupt nicht. Was unter diesem Namen auf den Markt kommt, sind gewisse Sorten der eigent- lichen Tanne, die an der Unterseite der Nadeln weiße Streifen zeigen. Wohl aber kennt man S i l b e r f i ch t c n, die je- doch so teuer sind, daß sie gar nicht gehandelt werden. Ebenso sind die als„Rottanne n" verkauften Bäume weiter nichts als gewöhnliche Fichten mit besonders dunkler, ins Rötliche spielender Färbung. Neuerdings kommt in moderner Form auch die seuer- gefährliche Pyramide, vom Berliner„Perjamide" ge- nannt, wieder auf. Man verstand darunter vor fünfzig und mehr Jahren, als der Eisenbahnverkehr noch nicht wie heute die Möglichkeit bot, ungeheure Mengen von Nadelhölzern aus den Wäldern nach den Städten zu transportieren, ein aus Holz und buntem Papier gefertigtes Kunstwerk in Pyra- midengestalt. Das Holzgestell wurde mit grünem, gewachstem Seidenpapier umwickelt, obenauf kam ein knallgelber wächsencr Kanarienvogel, und was ihm im Glanz der Lichter beinahe so etwas wie Poesie verlieh, das war das an den Leuchtern und auf der Spitze angebrachte Knister- oder Rauschgold. Heute würden an dem metallischen Rauschen der goldenen Flitter kaum mehr unsere Kinder, die in den Schaufenstern viel Schöneres sehen. Gefallen finden. Weit beliebter sind, wenn auch der Natnrbaum noch so ziemlich die Alleinberrschaft hat, hängende Weihnachtskronen geworden, die wie ein wagerechtes Wagenrad oder eine Ernte- kröne mit Tannen- und Buchsbaumgrün, mit bunten Samt- und Seidenbändern geschmückt sowie mit Lichtern besteckt werden und den Vorteil der Beauemlichkeit baben. Aber den reizvollen Zauber unseres altväterischen, naturwüchsiaen Tannenbaumes, mag er auch noch so bescheiden geschmückt sein, wird diese nesie Weihnachtsmode niemals ersetzen. Ausstellung empfchlenswcrtcr Jugendschriftc» und Wandschinuck-AnSstcllung im Gcwcrkschastshaus. Der von Jahr zu Jcchr steigende Besuch dieser Ausstellungen zeigt, wie notwendig und zeitgemäß die Veranstaltungen sind. Als unser Genosse Dr. Leo Arons im Jahre lölll zum erstenmal die Bücherausstellung veranstaltete, ging er von der Voraus- setzung aus, daß es nicht genüge, allein eine Liste empfehlens- werter Bücher herauszugeben, daß man vielmehr den Kauf- lustigen Gelegenheit geben müsse, selbst in Ruhe und ohne irgendeinen Kaufzwang die Bücher durchzuprüfen. Bei dieser ersten Ausstellung und auch den folgenden wurde das vom Hamburger Jugendschriften-Ausschuß herausgegebene Ver- zeichnis zugrunde gelegt; als dann später der Bildungs-Aus- schuß sich ebenfalls mit der Jugendschriftenfrage beschäftigte und ein eigenes Verzeichnis herausgab, wurde dieses Ver- zeichnis gewählt und die darin angeführten Bücher ausgestellt. Die Ausstellung ist nunmehr so umfangreich, daß ein jeder etwas Passendes finden kann. Die Wandschmuck-Ausstellung konnte in diesem Jahre bedeutend ausgedehnt werden, da durch den zur Verfügung stehenden Ausstellungsraum die Möglichkeit bestand, mehr Bilder als früher unterzubringen. Die Trennung der beiden Ausstellungen bewährt sich auch in der Weise, daß die Be- sucher auf zwei Räume verteilt sind und dadurch das Ge- dränge etwas eingeschränkt wird. Immerhin ist es aber zu empfehlen, den Wochentag zu einem Besuche zu benutzen. Die Ausstellungen sind bis einschließlich nächsten Sonn- tag täglich von 3— 9 Uhr geöffnet, die im Saal II unter- gebrachte Verkaufsstelle von 3 bis 8 Uhr. Jedermann hat unentgeltlich Zutritt, Kinder jedoch nur in Begleitung von Erwachsenen. Ncber unhaltbare Verkehrsznstände auf dem Ringbahnhaf Webding, die namentlich in den Morgenstunden beim Verkehr der Arbeiterzüge hervortreten, wird bei uns von zahlreichen Seiten Beschwerde geführt. Hiernach entsteht hauptsächlich in der Zeit von 6(4 Uhr bis 6% Uhr morgens, wenn die vollgepfropften Arbeiter- züge schnell hintereinander einlaufen, an der Fahrkartenkontrolle ein lebensgefährliches Gedränge. Die Ankommenden müssen mit jeder Minute rechnen, um pünktlich auf der Arbeitsstätte zu sein, und suchen daher die Kontrolle so schnell als möglich hinter sich zu bringe». Das ist aber, wie übereinstimmend geklagt wird, nicht so einfach, da in dieser Hauptverkehrszeit für Arbeiter fast ebenso viele Fahrgäste von unten nach dem Bahnsteig hinaufströmen. Aon diesen Hinaufkommenden werde oft der ganze Treppenaufgang ein- genommen, so daß die ausgestiegenen Fahrgäste sich nur mit äußerster Mühe einen Weg bahnen können. Es soll bei diesem täglichen Gedränge schon vorgekommen sein, daß den Jahrgästen die Hüte heruntergerissen, die Schirme zerbrochen und die Holz- tabinen der Fahrkartenkontrolleure aus ihrer Stellung gerückt worden sind. Eine Zeitlang sei auf dem Bahnsteig ein Schutzmann postiert gewesen, doch habe derselbe gegen den Uebelstand so gut wie nichts ausrichten können. Dabei werde hier der Verkehr in den Morgenstunden immer größer, somit wachse auch die Gefahrmög- lichkeit, daß mal ein größeres Unheil angerichtet wird. Wir haben uns gestern durch persönliche Beobachtung überzeugt, daß die Klagen begründet sind. Der größte Ansturm auf die Fahr- kartenkontrolle findet statt bei der Ankunft der Vollringzüge, die die meisten Fahrgäste bringen. Der langgestreckte Ringbahnhof Wedding hat zwei Ein- und Ausgänge, den einen nach der Müller- straße, den anderen nach der Reinickendorfer Straße, An letzterer Stelle, über die der Arbeiterverkehr nach den Werkstätten der A. E. G. am Gartenplatz und in der Voltastraße flutet, tritt der Mißstand ganz besonders hervor. Die Bahnverwaltung scheint diesen Mißstand auch sehr wohl zu kennen, denn hier an der Reinickendorfer Straße hat man den Holzkabinen der Fahrkarten- kontrolleure von Metcrhöhe ab schwere eiserne Hauben aufgesetzt, die an dem Ausgang nach der Müllerstraße nicht vorhanden sind. Jeder der beiden Ein- und Ausgänge hat vier Durchlässe. Davon sind je zwei für ankommende, je weitere zwei für abfahrende Per- sonen bestimmt. Von 6 Uhr an waren alle acht Durchlässe geöffnet und ebenso viele Kontrolleure tätig. An der Reinickendorfer Straße wurden zu gleicher Zeit die vier Durchlässe in der Mitte durch zwei eiserne Ketten getrennt, um das Zusammenprallen ankommender und abfahrender Fahrgäste möglichst zu verhindern. Trotzdem ließ man fortgesetzt zahlreiche die Treppe hinaufkommende Fahrgäste, allerdings den weitaus geringeren Teil, durch alle vier Kontrollen passieren. Wir sind ja nun nicht so bureaukratisch veranlagt, um zu verlangen, daß stets eine genaue Scheidung befolgt wird. Es ist ganz praktisch, wenn sich das je nach den Umständen richtet. Aber zwischen 6(4 und 6?1 Uhr, wenn hier viele Tausende an» kommen und die Züge sich mit Abstand von 1 bis 3 Minuten folgen, sollte niemand durch den falschen Durchlaß nach oben gelassen werden, weil der Zusammenprall dann tatsächlich lebensgefährlich ist. Ferner müssen alsdann die vier, sich frei in den Angeln ve- wcgenden Türen zurückgelegt und fest eingehakt werden, damit die Menge freie Bahn hat. Von 6 bis 7 Uhr kommen hier nicht weniger als 25 Züge an, die durchweg überfüllt sind. Während der Zeit von 6(4 bis 6?� Uhr befanden sich in den meisten Abteilen 15 bis 18 Personen, darunter viele Frauen und Mädchen, während die mitgeführten Wagen zweiter Klasse natürlich völlig leer fahren. Jeder der von Westen ankommenden Züge bringt in der erwähnten halben Stunde mindestens 599 Aussteigende, mehrere Hundert ent- steigen oft gleichzeitig den aus anderer Richtung einlaufenden Zügen. Minutenlang befinden-sich bis zu 2999 Menschen auf dem Bahnsteig. Man soll uns nicht einwenden, daß ja an Sommer- sonntagen ein viel stärkerer Verkehr herrscht und auch kein größeres Unglück geschieht. Es ist etwas anderes, ob man zum Vergnügen oder zur Arbeit fährt. Der Schutzmann, der auch gestern auf dem Bahnsteig patrouillierte, ist vollständig überflüssig und für den Mißstand ganz bedeutungslos. Sind die lokalen Einrichtungen so, wie sie sein sollen, dann regiert die Arbeitermenge schon sich selbst zur Genüge. Der Hauptfehler liegt darin, daß hier, wie es solange auch beim Bahnbof Schönhauser Allee der Fall war und noch jetzt bei anderen Ringbahnhöfen zutrifft, keine für Ankommende und Abfahrende getrennte Treppen vorhanden sind. Angesichts des stetig wachsenden Verkehrs in den Frühstunden muß auch auf dem Bahn- Hof Wedding schleunig st ein besonderer Ausgang nur für die Ankommenden, zunächst nach der Reinickendorfer Straße hin, mit vier gleichzeitig zu benutzenden Durchlässen geschaffen werden. Wie das die Eisenbahnvcr- waltung bei der allerdings sehr verbauten Lage des Bahnhofs Wedding bewerkstelligt, soll vorläufig nicht unsere Sorge sein. Für die Verwertung deS Schcuuenvicrtcltcrritins ist der Stadt Berlin in den letzten Tagen eine Offerte gemacht worden, nach der dieses Terrain zu einem Preise von 8 Millionen M. im Erb- bau recht bebaut werden soll. Zu diesen» Zwecke ist die Bil- dung einer Aktiengesellschaft mit 2 Millionen M. Kapital vorge- sehen, welche das gesamte Terrain auf 69 Jahre in Erbpacht nehmen »oill gegen 2)4 Proz. Verzinsung gleich 299 999 M. pro Jahr. Die Stadt Berlin soll außer diesem Erbzins von 6 Proz. mit der Hälfte beteiligt bleiben, außerdem aber das Terrain init allen darauf zu errichtenden Baulichkeiten im Herstellungspreise von zirka 12 Millionen M. nach 69 Jahren schuld- und lastenfrei zurück- erhalten. Mit diesem Vorschlag ist eine einheitliche Bebauung des gesamten Geländes in großzügiger Weise, unter Berücksichti- gung aller»nodernen technischen Fortschritte für die gesamten Grundstücke vorgesehen. Die Stadt Frankfurt a. M. hat bereit? den Weg des Erbbaurechts beschritten. Der Stadt sind auch noch inehcere Angebote von einigen Bau» Unternehmern gemacht, die weit günstiger als die früheren Offerten lauten. Der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung beschloß deshalb gestern, die Beschlutzfassung über die den Stadtverordneten gemachte Borlage auszusetzen und die Sadtverordnetenversammlung zu ersuchen, ihn zu ermächtigen, auch etwaige andere Offerten, die der Magistrat ihin vorlegt, zu prüfen. Eine Weihnachtsüberraschung der Eisenbahn für das Publikum. Die Kgl. Eisenbahndirektion Berlin hat mit der bahnamtlichen Rollfuhrgesellschaft, Molkenmarkt 4, einen neuen Vertrag abgc- schlössen, der entscheidende Aenderungen enthält. Die wichtigste Aenderung betrifft das Abtragen der Güter: Der neue Vertrag verpflichtet die Gesellschaft zum Abtragen aller bahn- amtlich an- und abzurollenden Güter; und zwar müssen Sendungen bis 69 Kilogramin auf einen Frachtbrief von den Fuhrbegleitcrn unentgeltlich nach und von allen Stock- werken, den Kellern und Höfen abgetragen iverdcn. Für Sendun- gen über 59 Kilograinn» auf einen Frachtbrief ist ein Tarif auf- gestellt, der je nach dem Uinfange der Abtragungsleistung eine a»»- gemessen gestaffelte Abtragegcbühr vorsieht. Für Einzelstücke im Gewicht über 159 Kilograinn» hat»nit Rücksicht auf die große Ver- schiedcnheit der Verhältnisse ein Abtragctarif sich nicht aufstellen lassen; hier ist aber die Gesellschaft verpflichtet worden, in jedem Falle vor der Zurollung mit den Empfängern die Gebühr für die etwa gewü>»schte Abtragung zu vereinbaren. Durch diese Neue- rung ist es der Kgl. Eisenbahndireltion gelungen, die bisher be- stehende, eine Quelle von Unzuträglichkeitcn bildende Vereinbarung der Fuhrbegleiter»nit dem Publikuin für das Abtragen der schwc- reren Güter zu beseitigen. Die Abtragung der Güter ist nicht mehr in den freien Willen der Fuhrbegleiter gestellt, vielinehr sind diese verpflichtet, auch die schwereren Güter nach den a in t- lich se st gelegten Sätzen abzutragen. Bei Einzelstücken über 159 Kilogramin Gewicht ist das Publikuin dadurch gesichert, daß die Gesellschaft zu einer Vereinbarung des Entgelts für die Abtragung vor der Zurollung verpflichtet ist; es wird also auch hier eine Zwangslage des Publikums beseitigt. Die Kosten, die durch diese Neuerung der Bahnamtlichcn Rollfuhrgesellschaft auserlegt werden, sind auf die Rollgebühren im allgeineinen nicht ohne Einfluß geblieben. Die Eisenbahndirektion hat auch eine te»l>oeise Erhöhung dieser Gebühren eintreten lassen. Ausgeschlossen bleiben von der Erhöhung der Rollgebühren Sendungen gering wichtiger Natur, kleine Sendungen bis 29 Kilogramm auf einen Frachtbrief. Ei» Hitndtaschenrmib«, der in den letzten Tagen im Tiergarten einsain gebende Damen Handtaschen eiitriß»»nd dai»n eiligst das Weite suchte, wurde am Montag ergrissen und als ein 22 Jahre alter aus München gebürtiger Mechaniker Ludlvig Hnrtsch fest- gestellt. Mit Stichwunden am Halse wurde ain Montagabend die 22 Jahre alte Fabrikarbeilerin Gertrud Freier in dem Hausflur� eines Hauses in der Müllerstraße aufgefunden. Bald nachdem die Schwerverletzte ms Virchow-KrankeirhauS eingeliefert worden war, starb das Mädchen. Zlnfangs kam ihr Geliebter in einen schweren Verdacht,� es stellte sich aber bald beranS, daß das Mädchen sich selbst ein Kücheninesser in den Hals gestoßen batte, weil eZ mit ihrem Bräutigam nicht zu- zusammeuionunen sollte. Selbstmord, der in den Kreisen der Berliner Bauwelt großes Aufsehen erregen dürfte, verübte gestern nachmittag um S Uhr der Mitinhaber der Firma Lange, Jägerstr. 62o, der Kaufmann M. Ascher, Levetzowstr. 9, wohnhaft. A., der vor einiger Zeit seine Gattin durch den Tod verloren hatte, war in letzter Zeit in schlvierige, finanzielle Verhältnisse geraten und hatte schließlich sein Vermögen in Spekulationen verloren, zu welchen ihm der durch die Margolin-Affäre bekannt gewordene Makler Sch. geraten hatte. Vor zwei Wochen hatte Ascher bereits in seiner Privatwohnung den Versuch gemacht, sich mit Zyankali zu vergiften, doch konnte er noch rechtzeitig daran verhindert werden. Gestern nachmittag schickte er die in seinem Bureau in der Jägerstraße beschäftigte Schreib» niaschinistin unter einem Vorwand fort und erschoß sich dann. Als das junge Mädchen zurückkehrte, fand es den Chef als Leiche vor. Ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den Tod des Unglück- lichen feststellen. Der Bau der Uutergnrndbahn Spittrlmarkt-Alcxauderplatz- Schönhauser Allee ist inzwischen auch in der Kloster- und Dircksen- straße vorbereitet worden. Der duoch die letztere führende Not- auslaß der Kanalisation ist verlegt und an der Kreuzung der Grunerstraße unterdückert worden, so daß der Untergrundbahn- tunnel über ihn hinweggefühvt werden kann. Diese langwierigen Arbeiten lind jetzt soweit vorgeschritten, daß mit der Pflasterung begonnen werden konnte. Das Gebäude der königlichen Kunstschule in der Klosterstraße 75 muß bekanntlich(in einer Krümmung von 89 Meter Radius) unterfahren werden, da die Untergrundbahn unter den zwischen Kunstschule und Zollamt belegenen„Durchgang" nach der Neuen Friedrichstraße liegen soll. Die Bahntunnel wer- den mit ihren verstärkten Mauern nahezu zwei Drittel des Keller- geschosses in Anspruch nehmen. Zu dem BeHufe muß das Gebäude der Kunstschule in ähnlicher Weise wie das Eckhaus Markgrafen- Taubenstraße unterfangen werden, was hier weil ein- schneidendere Fundierungsarbeiten erfordert. In der Umfassungs- mauer der etwa 36 Meter langen Seitenfront sowie in die Haupt- tragewände des Gebäudes sind bereits mächtige Eisenträger ein- gezogen worden, welche das Gewicht des Baues aufzunehmen haben, bis die 6 Meter tiefer zu führenden Fundamente ausgeführt sein werden. Drei im Durchschnitt je drei Meter breite Parallel- mauern werden unter den nördlichen Gebäudeteil in diagonaler Richtung eingebaut und zwischen diesen wird dann je ein ein- gleisiger rund 5 Meter breiter Tunnel liegen, der wie die Bahn- anlagen unter dem Fürstenhof und Wertheim schallsicher abgedichtet werden soll. Die Tunnelsohle wird etwa 3 Meter unter dem Straßenniveau liegen. Bei dieser Tiefenlage muß natürlich mit dem Grundwasser gerechnet werden; bevor daher mit den Aus- schachtungsarbeiten begonnen werden kann, muß die Wasserhaltung installiert werden. Die Firma Siemens u. HalSke hat bereits vier kräftige Motoren in die Baugrube einbringen lassen, welche die Pumpen in Tätigkeit halten sollen. Vorgestern ist mit der Anlage des ersten Nohrbrunnens in der Klosterstraße begonnen worden. Die beiden Portierhäuschen zu beiden Seiten des Durchganges an der Neuen Friedrichstraße werden dem Tunnelbau zum Opfer fallen, das eine derselben ist bereits vom Erdboden verschwunden, das an der Seite des Nauchmuseums belegene wird bald folgen. Einen neuen Straßenbahnhof in Britz wird die Große Ber- liuer Straßenbahn am 15. Dezember d. I. in Betrieb nehmen. Der Bahnhof, der die Nummer XVll erhält, wird Wagen der Linien 7. 21, 28, 29, 47, 48, 53, 55, 58 und 94, die bisher auf den Bahn- -Höfen Rixdorf, Moabit und Ackerstraße untergebracht waren, auf- nehmen. Er ist für 299 Wagen im ersten Ausbau eingerichtet, doch wird demnächst ein weiterer Ausbau für weitere 299 Wagen vor- genommen. Tie Zahl der Bediensteten, einschließlich der Hand- werker, die zum Bahnhof gehören, beträgt zunächst 659 Mann. Der Bahnhof liegt an der Gradenstraß« in nächster Nähe des Rat- Hauses Britz. Tot aufgefunden wurde gestern nachmittag die 68 Jahre alte Rentiere Margarete H o f f m a n n aus der Blumenthalstr. 1 in ihrer im vierten Stock belegenen Wohnung. Die Frau lebte für sich allein und litt oft an Verfolgungswahn. Gestern mittag wollte sie ein Neffe, der vorher schon zweimal vergeblich Einlaß begehrte, besuchen. Als ihnl jetzt ivieder nicht geöffnet wurde, ging er nach dem 63. Polizeirevier und holte einen Schutzmann. Man brach die Tür auf und fand Frau Hoffmann auf dem Gesicht in einer Blutlache in ihrem Bette liegend tot auf. Es ist noch nicht fest- gestellt, ob die Frau einen Blutsturz erlitten hat und dabei erstickt ist, oder ob ein Verbrechen vorliegt. Ein eigenartiger schwerer Unfall ereignete sich am gestrigen Dienstagnachmittag gegen 3 Uhr im Osten Berlins. Vor dem Hause Markgrafendamm 8 wurden einige Kühe abgeladen, die für die in dem Hause befindliche Molkerei von F. Kaiser bestimmt waren. Als der 23jährige Stallschweizer Hernmnn Schmidt, Mark- grafendamm 8 wohnhaft, eines der Tiere vom Wagen herabsühren wollte, scheute dieses plötzlich und stürmte die Straße entlang. Ehe sich Schmidt von dem Haltestrick, den er mehrmals fest um das Handgelenk geschlungen hatte, befreien konnte, raste das Tier durch die Schaufensterscheibe eines Eisenwarengeschäfts bis in den Laden hinein, indem es den Knecht neben sich Herbeischleiste. Während die Kuh bei dem„Einbruch" so gut wie gar nicht verwundet worden war, hatte der Stallschweizer schwere Verletzungen davongetragen. Die ganze linke Gesichtshälfte war vollständig aufge- rissen, die Pulsader des linken Armes durcligeschnitten und der Biceps des rechten Oderarmes stark lädiert. Der Unglückliche, der infolge des großen Blutverlustes das Bewußtsein verloren' hatte, wurde nach der Unfallstation Warschauer Straße und von dort nach Anlegung von Notverbänden nach einer nahe belegenen Privatklinik übergeführt. Arbciter-Bildungsschule. Der Unterricht in„Einführung des Sozialismus" fällt des Zahlabends wegen heute aus. Die letzte Unterrichtsstunde findet am Mittwoch, den 21. De- z e n, b e r, statt. Der Vorstand. Einem armen Dienstmädchen ist am Sonntag, den 11. Dezem- ber. abends �7 Uhr, in der Ritterstraße an der Alexandrinenstraße, eine schwarze Damenhandtache verloren gegangen, in der sich zwei Portemonnaies, ein leeres und eins ungefähr 7 M. enthaltend, ein Taschentuch ohne Zeichen, 2 Schlüssel und ein kleiner Spiegel be- fanden. Der Finder wird um Abgabe gebeten bei Döring, Rixdorf, Elbestr. 19/29, Hof 2 Treppen. Zeugen gesucht. Personen, welche am 1. Oktober d. I., mittags 12'/,, Uhr, die Straßenbahn Linie 45 benutzten, aus dem hinteren Perron gestanden und gesehen haben, wie an der Ecke Danziger Straße Schutzleute eine» Mann arretierten und mit zur Wache nahmen, werden höflichst ersucht, ihr- A>»-->ks, a9»»aeben an Serrn Köhler, Triftstr. 51. Arbeiter- Samariter- Bund, Kolonne Berlin. Morgen, Donners- tag, abends 9 Uhr: 3. Abteilung in Schöneberg, Vorbergstr. 9, und 4. Abteilung in Lichtenberg, Scharnweberstr. 69. Vortrag in beiden Abteilungen über:„Verbreniiungen und Ersrieruugeii". Am Sonntag, den 13. Dezember, vormittags 11 Uhr,»ni Hörsaale des Pathclo- gischen Museums der Charilb, Eingang Alexauder-Ufer: Vortrag de? Herrn Prosessor Dr. Kaiserling über:'„Bösartige Geschivülste, wie Krebs-Sarkome und andere" mit Demonstrationen an Präparaten. Vorort- ZVack rickten. Rirdorf. Die Stadtverirdnetennachwahl im 19. Kominunalwahlbezirk findet am morgigen Donner 8- tag von vormittags 19 Uhr bis abends 7 Uhr im Wahllokal von Lempc, Prinz-Handjerystraße 70, statt. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist der GewerkschaktSbeamte Franz Bytomsky. Fontanestraße 3 2. Soll die III. Abteilung dauernder Besitzstand der Sozialdemokratie bleiben, Hann ijj eS notwendig, oben genanntem Kandidaten zum Siege zu verhelfen, der ohne Rücksicht auf Privat- und Sondcrinteressen für da» Wohl der Allgemeinheit eintritt. Daher müssen alle Wahlberechtigten zur Wahl gehen und den Wahlrechtsräubern eine Niederlage be- reiten helfen. Tot aufgefunden wurde in der Nacht zum Dienstag eine un- bekannte Frau auf dem Flur des Hauses Bergstraße 58. Wahr- scheinlich ist sie einer Herzlähmung erlegen. Die Frau ist 35 bis 49 Jahre alt und 1,55 Meter groß, sie trug ein braunes Sammet- jackett, einen grünen Filzhut, ein schwarzes Kleid, einen schwarzen Gürtel mit gelbem Schloß, schwarze Strümpfe und Schnürschuhe. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Rnmmelsburg. Die Gemeindevertretung vollzog in ihrer letzten Sitzung die Gründung zweier Lehrerstellen an der katyoliichen Schule wie die Gründung einer Oberlehrer- und einer Gesanglehrerstclle am Real- gyinasium. Nach einer Erklärung des Bürgermeisters ist das Gyrn- »asium nunmehr ausgebant und es sollen weitere Lehrkräfte nicht mehr nötig sein. Gemeiudevertreter Oberlehrer Aigte am Gymnasium war aber gegenteiliger Ansicht: er ließ gleich Verlauren, daß er in nächster Zeit einen Antrug aus weitere Einstellung von Oberlehrern am Gymnasium einbringen werde. Der Hanpipunkt der Tages- Ordnung, Gründung eines Grundstiickserwerbsfoiids mutzte von der Tagesordnung abgesetzt werden— da Finanz- und Bauausschuß die Vorberatungen noch nicht erledigt hatten. In nichtöffentlicher Sitzung sollte hierauf der Ver- kauf von Baustellen vom KraiikenhauSgelände an der Prinz« Albertstratze vorgenommen werden— aus Antrag unserer Verireter wurde der Verkauf der Grundstücke aber in der öffentlichen Sitzung beraten. Unser Vertreter John wandte sich mit großer Entschieden- hcit gegen den Verkauf der betreffenden, dem neuen Krankenhanse an der Prinz-Alberlstraße vorliegenden Grundstücke zu Bebauungs- zwecken; er führte unter anderem auS. daß es in jeder Hinsicht unverantwortlich sein würde, einem Krankenhause, daö nur 88 Meter von der Straßengrenze entfernt liegt, ans diese 33 Meter noch hohe Wohnhäuser vorzubauen. Redner hält die Größe des ganzen Geländes schon für das jetzige neue Krankenhaus mit rund 59 Betten, welches aber auf 199 Veiten erweitert werden soll— für kaum ge- nügend groß— um auch nur einigermaßen den notwendigsten An- forderiingcn, die man in Beziehung auf Lust, Licht und Anlagen an ein zeitgemäßes Krankenhaus stellen muß— genügen zu können. Hinzu konlini noch, daß das Kranlenhaus bereits von zwei Seilen von der Eisenbahn eingeschlossen ist. Der Bürgermeister, welcher die Eiilweilduiigen unseres Genossen gegen den Verkauf der Grundstücke als stichhaltig zugab— meinte aber, daß die schlechten finanziellen Verhältnisse unserer Gemeinde notgedrungen den Verkauf der betroffene» Grundstücke erheische— auch sei seinerzeit beim Kauf des Krankenhausgeländes wegen des außer- ordentlich hohen Preises, den die Stadt Berlin uns hier- für abgeliommen hat— der Verkauf der Frontgrimdstücks bereits beabsichtigt gewesen. Nach längerem Hin und Wider wurde beschlossen, daß vor der Beschlußfassung über den Verkauf der be- treffenden Baustellen erst eine gemeinsame Besichtigung des Kranken- Hauses von der Gemeindevertretung stattzufinden hat. Weiter wurde man sich dahin einig, daß in der Jaiiuar-Sitzung der Gemeinde- Vertretung eine Aussprache über den geplanten Zwangszweckoerband für Groß-Berlin stattfindet. Da nach dem Ergebnis der diesjährigen Volkszählung gegen- über den Nnchweisungen des Meldeamts die Einwohnerzahl Rummelsburgs 2999 Seelen weniger beträgt, fragten unsere Genossen an, worauf diese verhältnismäßig große Differenz zurückzuiühren ist. Der Bürgermeister erklärte hierzu, daß am 1. Dezember 999 Arbeits- Häusler abwesend waren und daß in der ersten Zeit, als die könig- liche Polizei das Meldewejen übernahm, allem Anscheine nach nicht gleich alles geklappt hat. Nieder-Schönhansen. Der Amtsausschuß hatte sich in einer öffentlichen Sitzung mit der Neuregelung der Gehälter der Sekretäre, Bureauassistenten, des Amtswachmeisters und der Polizeisergeanten zu beschästigen. Nach der Neuregelung steigt das Gehalt des 1. Sekretärs stufen- weise von 3199 M. bis zum Höchstgehalt von 5999 M.; sonstige Sekretäre von 2499—4499 M.; Assistenten und Wachtmeister von 2199—3599 M.; Polizeisergeanten von 1759— 2450 M. Das Höchstgehalt wird nach einein Dienstalter von 21 Jahren erreicht. An Kleidcrgeld erhält der Wachtmeister 159 M. jährlich, die Polizei- sergeantcn 199 M. Somit haben nunmehr sämtliche Beamten und Angestellten der Gemeinde Nieder-Schönhausen eine Aufbesserung ihrer Gehälter erfahren. Der Gemeindevorstand fordert alle hiesigen Kriegsveteranen. die keinem Kriegerverein angehören und in dürftigen Verhältnissen leben, auf, sich schleunigst bei demselben zu melden, da den Vete- ranen eine einmalige Ehrengabe ausgehändigt werden soll. Papiere sind mitzubringen. Spandan. Eine Vermehrung der Polizeibeamten steht schon wieder in Aussicht. Der Vkagistrat hat, um sein Ziel so schnell wie möglich zu erreichen, etwas herausgesucht, waS die bürgerlichen Bezirks- vereine schon längere Zeit gewünscht haben, nämlich die Einrich- tung von Polizeirevieren in den einzelnen Stadtvierteln. Die Wrlhelmstadt hat bereits ihre Revierwache. Jetzt ist geplant, in der Neustadt gleich zwei Revierwachcn zu errichten. Dazu sind 19 neue Polizeibeamte erforderlich. Um die Sache etwas schmack- haftcr zu machen, sollen die Revierwachen mit einem Einwohner- Meldeamt verbunden werden. Unsere bürgerlichen Stadtverord- neten werden natürlich diese Einrichtung mit großer Freude be- grüßen und wenn es nachher gilt die Steuern dafür aufzubringen, dann werden sie es schon so deichseln, daß sie auf die Schultern abgewälzt werden, die schon genug zu tragen haben. Es soll nicht bestritten werden, daß die Einrichtung von Meldeämtern in den einzelnen Stadtvierteln eine große Bequemlichkeit für die Ein- tvohner bietet. Aber muß denn dies Meldeamt gerade von der Polizei verwaltet werden? Wenn man in jedem Stadtviertel einen Raum mietet und dort einen Zivilbeamten hineinsetzt, dann geht die Sache eben so gut. Für das Geld,»vas die übrigen geforderten Polizeibeamten kosten, könnte man an dem Meldeamt vielleicht noch eine Sanitätswache einrichten. Für diese Zwecke wären die Einwohner wohl alle bereit die Kosten zu übernehmen. Polizei- beamte hat Spandau schon gerade genügend, wenn man sie nur zu rein polizeilichen Zwecken verwenden wollte. Potsdam. Stadtverorbnetensitzung. Die Kosten der Pflasterung für 1911 betragen 159 999 M. Die Versammlung stimmte der Vorlage zu. Gleichzeitig wurde ein Pflasterungsplan für die nächsten Jahre mit einem Kostenpunkt von 969 999 M. vorgelegt.— Eine Zahn- k l i n i k für Schulkinder soll in der Gemeindeschule I V eingerichtet werden. Ein Teil der Kosten soll aus den Ueberschüssen der Spar- kasse entnommen werden.— Die Einführung der Müllstcuer hat eine Mehrarbeit für den städtischen Fuhrpark veranlaßt. Neben der Verlegung des Abladeplatzes nach Drewitz sind vorläufig Neu- nnschaffungen von 4619 M. notwendig. Stadtv. Winzler be- fürchtet, daß durch den weiten Weg die Kutscher unterwegs einen Schnaps nehmen werden und das Pferdematerial vernachlässigen. (Es wäre vernünftiger gewesen, der Stadtverordnete hätte sich ein- mal um die miserablen Löhne gekümmert.)— Für das städtische Krankenhaus werden die Verpflegungssätze für Kinder bis zum Alter von 19 Jahren mit ansteckenden Krankheiten von 1,75 M. auf 1,25 M. erniedrigt. Der frühere Antrag aus der Versamm- lung. die Kosten bis zu 14 Jahren von 1,75 M. auf die Hälfte herabzusetzen, fand nicht die Billigung des Magistrats.— Zum Bau einer Stadthallc von privater Seite ersuchte der Magistrat um die Zustimmung der Stadtverordneten zu der Erlaubnis, sofort die FundamenticrungSgräbcn auf der städtischen Freundschafts- insel auswerfen zu können. Die Vorlage war so mangelhaft, daß ein großer Teil der Stadtväter die Meinung vertrat, dieselbe ohne weiteres an den Magistrak zurückzugehen. Schließlich seßke MM eine Kommission ein. Die Zustimmung ist die Einleitung zu einem neuen Millionenprojekt. En Teil der Freundschaftsinsel ist städtisch. Um zu diesem Terrain zu gelangen, mutz aber erst Gelände abgetreten werden, das der Regierung�gehört. Diese ist nur für die Abtretung zu haben, wenn die Stadt eine neue Brücke zur Entlastung der Langenbrücke über die dort zwei- armige Havel baut, wozu sie allerdings ihren Zuschuß jn Aus- ficht stellt,_ Soziales. Der Krawattenfabrikant Adolf Stelnberg stand gestern schon wieder einmal vor dem Gewerbegcricht. Ein« Frau P., die, vom 9. bis 26. November in Steinbergs„Erster Berliner Krawattcnakademic" einen Lehrkursus zwecks Erlernung des Krawattennähens genommen hatte, forderte im Klagewege von der dem Steinberg und seiner Ehefrau gehörenden Krawatten- fabrik 19 Mark Schadenersatz. Die Ehefrau Steinbergs hatte ihr vor Eintritt in die Akademie zugesichert,'daß sie nach Be- endigung des Lehvkursus von dv Krawattensabrik mit Heimarbeit beschäftigt wird. Dieses Versprechen sei nicht gehalOn worden. Obendrein babe ihr noch Steinberg ein Lehrzeugnis gegeben, in dem ihre Kenntnisse und Leistungen als mangelhaft beurteilt werden. Sie habe infolgedessen auch keine, Arbeit in anderen Krawattenfabriken finden können. Sie habe sich genötigt gesehen noch in einer anderen Fabrik einen Lebrtursus zu nehmen, für den sie 10 Mark bezahlt habe. Diese 19 Mark forderte sie zurück, da die Lehre bei Steinbcrg infolge der ungenügenden Unterweisung und mangelhaften Ausbildung eine nutzlose gewesen sei. Steinberg, der die im Handelsregister unter der Firma„Offen« Handelsgesellschaft A. und'G. Steinberg. Krawattenfabrik" einige- tragene Beklagte vertrat, bestritt, daß die bklagte Firma zu ver» klagen sei. Denn die Klägerin habe mit ihr nichts zu tun gehabt, sondern nur mit der ihm allein gehörenden Krawattenakademie. Für letzrjre sei aber das Gewerbegericht nicht zustänig, da nach einer Entscheidung des Stadtausschusses vom Jahre 1997 die Kra- Wattenakademie ein bloßes Unterrichts- und Lehrinstitut sei.� Im übrigen sei auch der Anspruch der Klägerin materiell unbegründet, denn sie habe ibm schristich erklärt, daß sie mit dem genossenen Unterricht vollkommen zufrieden sei und anerkenne, daß er seine im Lehrvertrage übernommenen Verpflichtungen richtig erfüllt habe. Diclcs Schriftstück wurde dem Gericht vorgelegt. Das Gericht empfahl der Klägerin, mit dem Hinweis auf bereits frühec ergangene Entscheidungen, die Klage zurückzunehmen. Nach An- ficht des Gerichts ist es nicht angängig, daß, wenn etwas bereits schriftlich als richtig ans rannt ist. bald darauf widerrufen wird. Den Rat befolgte Klägerin. Wiederholt kann nur eindringlich davor gewarnt werden, Schriftstücke zu„nterschreiben, von denen man keine Abschrift er» halten und deren Inhalt man nicht zuvor mit sachverstiindige«» Bekannten durchgesprochen hat. )Ziis aller Olclt. Blutiges Drama im Gerichtssaale. In Riom, im französischen Departement Puy-de-Döme,«r» kundigte sich gestern, wie ein Telegramm ans Paris meldet. der Schuhmacher B o i l o n im Gcrichtsfaale bei dem Ober- st a a t s a n w a l t und dessen Vertretern, waS aus einer von ihm eingereichten Klage geworden sei. Als ihm die beiden Vertreter erwiderten, daß sein Prozeß aussichtslos sei, feuerte Boilon mehrere Revolverschüsse auf sie ab und verwundete beide schwer. Das Nntvetter in Spanien. Im UeberschwcmmimgSgebiet bei M a l a g a ist ein Wohnhaus eingestürzt. Eine ganze Fainilie wurde unter den Trümmern begraben. Drei Personen wurden als Leichen, zwei andere schwer verletzt geborgen. Die Stadt P a t o n i e s ist durch das Wasser vom Verkehr vollständig abgeschnitten. Alle Wohnungen sind teilweise überschwemnit, mehrere Häuser eingestürzt. Auf den Eisenbahnlinien ist großer Schaden an» gerichtet worden. Besonders in Malaga. Castelon und ColmenareS. Jn dieser letzteren Stadt steht der Bahnhof vollständig unter Wasser. Die Bahnbeamten und ihre Famitien mußten sich in Wagenabteile flüchten. Ganze Züge sind auf freiem Felde stehen geblieben._ Erfolgreicher Schülerstreik. Die Schüler der Oberklassen der Volksschule krt A u r i o l(Departement Rhünemündung) verließen vor einigen Tagen die Schule und zogen in geschlossener Reihe unter Voran- tragen einer roten Fahne zum Bürgermeisteramt, wo sie erklärten, daß sie streiken würden, falls ihr gegenwärtiger Schul- leiter nicht versetzt würde. Die Versetzung er- folgte gestern, die Schulkinder haben den Schulbesuch wieder aufgenommen. Kleine Notizen. Ein schweres Brandunglück trug sich in der letzten Nacht in Aachen zu. Aus bisher unbekannten Ursachen brannte das dortige Quirinusbad nieder. dabei kamen zwei Kellnerlehrlingc in den Flammen um, drei Per- s o n e n wurden durch Brandwunden verletzt. Bei der Einfahrt eines Schnitterzuges in den Bahnhof in Stettin entgleisten drei Wagen und legten sich auf die Seite. Dabei ist ein junges Mädchen tödlich verunglückt. zwei andere Passagiere erlitten schwere Knochen» b r ü ch e. Explosion in einer Pulverfabrik. Jn Reichen st ein in Schlesien trug sich in der Güttlerschen Pulverfabrik am Montagabend eine Explosion zu. wobei zwei Menschen ge- tötet wurden. Zwei ungetreue Berliner Bankbeamte verhaftet. Tie Polizei in L i l l e in Frankreich hat gestern abend die beiden Bant- beamten Richard Krause und Fritz Giese verhaftet, die vor kurzem bei der Deutschen Bank 73 599 Mark entwendet hatten. Sie begingen die Unklugheit, an ihre Frauen mit An- gäbe ihrer Adressen zu schreiben. Taraufhin erfolgte auf tele- graphische Anweisung die Verhaftung. Die Beiden hatten nur noch 575 Fr. bei sich. Jn die römisch-katholische Kathedrale de» Londoner Viertels Southwark drangen Diebe«in, die Kirchengeräte im Werte von 89 999 Mark erbeuteten. Dann kletterten sie über das Dach der Sakristei in die Wohnung des Bischofs. wo sie ebenfalls eine ganze Menge wertvoller Kirchengeräte ent» 'wendeten. Ausbreitung der Pest. Wie dem„Rjctsch" aus Wladi» wo stock gemeldet wird, breitet sich die Pest in der Mon» golei in bedrohlicher Weise aus. Ganze Nomaden- stamme sind von der Seuche ergrisfen. In panikartigem Schrecken flüchten die Bewohner nach allen Richtungen. ES wird dadurch die Weitcrvcrbreitung iu Sibirien unt� im Amurgebiet sehr gefördert. Amtitcher Wlarktbericht der ttädtüchen Marktball en-Dtrektton über den iArogbandel in den ZenNal-Marttballen. Äitarktlage: Fletsch: Zufuhr genügend, Keichäll schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, in Hasen reichlich. Gctchäst flau, Preise fast unverändert, che» 'lüget: Zujnhr genügend. Geschäft flau. Preise nachgebend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft schleppend, Preise wenig oerändert. Bult er und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsr achte: Zujuhr reichlich, Geschäst etwas lebhaster, großer Blumenkohl und prima Aepfel gesucht. Preise wenig verändert. Credit-Haus ,BelIealliaiiceH Belleallltnce-Str. 100, I. Etage. Waren n. 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Vorzeiger dieses fll» Rabatt. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Cta Berlin SW. |t. 292. 27. IahtMg. 4 KeilNe Ks ,|aritärtD" ßttlintt Nslksdlsk Mittwoch. 14. Dtztmlitt 19|0. Bnefhaften der Redaktion. au furtftltdu«»«Aftun». fwd-'_ 3; n 6 e n k»r a h. OTt 6», bot» biet Irebben— 5?«litftiibl—, tnoAeiKOflUA Bon 4'/,»>»?>/,»dt»»«»>>», Sonnabend» von 4'l, bi» 6 Hftt nachmittags fto«. Neder für den Vties- Inften bestimmten«uftoo- ist«n«uchstav» und e»ne ZavI als«tert- »eiche» de>»nii>«en.«rtciliche Auttuat, wir» nicht erteil«. Eilige 3rr«aen rrnae man in der LvrechAnnde vor L. LS. Vertragslösung ist nur aus güllichem Wege erreichbar.—®. t. Der ausgesprochene Wmilch ist nicht mastgebend. Welches Ehe- «»z....... recht in Frage l».tntnt, läßt sich er? beurteilen, i>eS Erblassers bekannt ist.— ff.®. 833. wen« der erste Ehewohnsitz 1. DaS ist abhängig davon. »u•reichem Zweck Sie al» Pfleger bestellt find. Liegt Ihnen nach der Be- stallung die Vermögensverwaltung ob, so können Sie AuSantwortnng des Geldes sordern. 2. Die Frage ist unverständlich.— Zander. Oranien- ftraste. Machen Sie solgenden Versuch! Die befleckten Stellen legen Sie so lange in Butlermilch, bis die Flecken verschwunden find und waschen dann in warmem Walser nach.— W. B. 6L. Derartige Sachen registrieren wir nicht.— Tempelhof 1888. 1. Ja. wenn derselbe ohne Gcsährdung seines und seiner Familie standesgemäßen Unterhalt unter Berlicksichtigung seiner sonstigen Ver-pslia, hingen dazu imstande ist. 2. Das ist zulässig. Die VerficherunaS p s l s ch t hört zum Beispiel bei HatidlungSgehilsen aus, wenn deren Einkommen 2000 Mark jährlich aberneigt. —«. B B.. Uslar. Die Frag« läßt sich nur an der Hand der dortigen Polizewerordnung beurteilen, die unS unbekannt ist.— H. R. KS. 1. Nein. 2. Wegen Gerichtskosten kann der l2S M. monatlich übersteigende Lohn gepsändet werden. 8. Vor Ablaus von ssins Jahren nicht, sosern nicht der Gläubiger dartut. daß neues Vermögen erworben ist.—«VS. Ff. 38. Wenn Sie mit dem Wirt auch keine mündlichen Abmachungen getrossen haben und der MietSzinS nach Monaten bemessen Ist. so können Sie allmonatlich bis zum>5. zum Ende des Monats kündigen. Der Wirt kann sich aber an den Vormieter hallen, sosen» dessen Vertrag noch läust. Sie würden dem Vormieter gegenüber aus einer etwaigen Abrede hasten.— Mübl. Lichtenberg. Unsere« ErachteuS nicht.—©.». �.00. Sie brauchen di« Ihnen verpsändeten Sachen erst nach Bezahlung Ihrer Forde, ung herausgeben. S��iillljeMfstKeliF-llilsei'ck Mieder-karriilTi. ----- Bezirk Stralau.------ Am Montag, den 12. d. Mts., verstarb unser langjähriges Mit- glied, der Genosse Julius Kienitz nach kurzem Krankenlager an Lungenentzündung. 239/10 Ehre seinem Andenke«. Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den IS. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle deS Stralauer Fried- böses, Tunnelstraße, aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Die Bezirksleitung. Am 12. Dezember, früh 8';, Uhr, stai b nach längerem Leiden mein lieber, guter Mann, der Lager- Halter 2237b KsH Maithes im 40. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Jlatthes nebst Kindern und Angehörigen. Die Beerdigung findet am DonnerSiag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Friede- nauer Friedhofes auS statt._ Sozialdemokratiseiisr Wahlverein Friedenau. Am 12. d. M. verstarb nach langem, schwerem Leiden im Alter von 40 Jahren, unser langjähriges Mitglied, der Lagerhalter Ksrl �sitkes. Ehr« feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 15. d. M., nachmittag« 3 Uhr, von der Leichen. Halle de« hiesigen Gemcwdesricd- Hose» aus statt. 204/S Eine recht rege BeteNIgung er- wartet Der Borstand. TodeS-Anzeige. Am 12. Dezember verschied I unser treuerMilarbeiter.derLager- s balter Genosse Km-l Matthes. Wir verlieren in ihm einen vflichtlrcuen Beamten, dessen An- denken wir in Ehren hasten werden. Die Beerdigung findet am DonneiStag. den IS. d. Mts., nach- mitlagS 3 Uhr, von der Leichen. balle deS Fricdenauer Kirchhofes aus statt. 107/20 Konsumgenossenschaft Berlin und Umgeg. E. G. IN. b. H. Verbanii der Lagerhalter u. Bezirk Berlin u. Umg. Am 12. Dezember verschied unser treuer Kollege, der Lager- haster Karl Mattkes. Wir verlieren in demselben einen braven und opferwilligen Kollegen und Genossen, dessen Andenken wir stets in Ehren halte» werden. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den lS. Dezember, nachmittags 3 Uhr von der Leichen- balle des Friedenauer KirchhoseS auS. statt. 294/18 Zahlreiche Beteiligung erwartet Die©rtSverwaltung. .22366 Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines innig. geliebten Mannas, des Metallarbeiters >VIII,«Im SobelatlM sage ich ollen Verwandte» und Be- kannten, besonders den Kollegen der Firma Grauert, dem Rauchkiilb Qualmbrüder, dein Sängerquartett, sowie dem Deutschen Metallarbeiter- Verband meinen innigtlen Dank. Ww. Henriette Sobelati» nebst Kindern Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- «ahme bei der Beerdigung meines Heben Mannes Usns Petzinna jagen wir allen Freunden und Be- kannten, lowie seinen Kollegen der . Drabig unseren innigsten 1 Kran Petzinna nebst Kindern. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale ClroB-Rerlln. Durch einen Unfall ist uns einer unserer Mitkämpfer, der Kollege Josepk Lcköbel vomCharwttcnburgerEI eltrlzitäts- Werk entrissen worden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet heute Mittwoch, nachmittag» 2ih Uhr. aus dem Luisen-Kirchhos, Fürsten- brunner Weg, statt. 294/19 3ie Orteverwaltung. TodoH-Anxi-lwe. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder und Schwager, der Tischler tiduard Nowack am 10. Dezember 1910 verstorben ist. Die Beerdigimg findet heute, Mittwoch, den 14. Dezember, aus dem Friedhos der alten Pauls. ttrlbe, Plötzensee, um 3 Uhr nach- mittags, von der Leichenhalle aus statt. nie trauernden Hinterbliebenen. Am 11. Dezember, abends 9% Uhr, verstarb nach kurzem. schwerem L-iden unsere innig» geliebte Mutter, Schiviegermutter, Großmutler und Tante Mathilde Meyer geb. Krumnau. im Alter von 59 Jahren. Um stilles Bctleid bitten die trauernden Kinder Laol Borck u. Frau geb. Meher. Otto Burloke u. Frau geb. Meyer Die Beerdigung findet Donners- tag. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de« Georgenkirch. hoie», LandsbergerAllee, aus statt. Heute morgen 2 Uhr entschlief sansl nach kurzem, schwerem Leiden mein seelensguter Mann, der KIcmpnermekster Paul Breska im 83. Lebensjabre. Die trauernde Witwe Ick» K>-e»Ira geb. Bogatsch, Eltern. Schwiegereltern und Geschwister. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den IS. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Ge. meinde-Fricdhose» am Marien- dorser Weg auS statt., 222Sb Am 12. Dezember verstarb nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere Herzens- gute Mutter, Tochter u. Schwester Fr«» Anna Jost geb. Hofmann im Mter von 33 Jahren. Um stille Teilnahme bittet Im Namen der Hinterbliebenen Bernhard Jo«t, Rixdors, Mainzer Str. S4. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den IS. Dezember. i.achmttlags S'/i Uhr, vom Jerusalemer Kirchhos. Hermannstraße. au» statt. 2234b T«de»-Ai>»eixe. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau und gute Mutter 2i8SL i�nna klentsckel geb. Kovow, am 12. Dezember verstorben ist. DieS zeigen tiesbetrübt an Brau« Hcntschcl nebst Tochter. Die veerbiaung findet am Frei- tag, den 16. o. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der ZionS-Gemeinde, Nordend, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter und Schwiegermutter Fr«» Pauline Lundkowski sagen wir allen Beteiligten, ins- besondere Herrn Küter und dem .Schöneberger Männerchor- unseren herzlichsten Dank Die trauernden Hinteriliebeneu. Oeutscber Transportarbeiter-Verband. Bezlrkeverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sührer S3/4 Hermann Lckulze am 10. d. Mts. im Atter von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 14. d. MS., noch. mittags 2 Uhr. von der Leichen- halle deS neue» Rixdorser Fried- hose« lWariendorser Weg) au« statt. Die Bezirksverwaltung. Gardinen- Fabrik: Gardinenhaut Bernhard Echivartz Wallstr. IS Biß zum it. Dezembee «ihält di» Kundschaft Wirtlchastsbüchet sür iSli mit nützlichem Inhalt. Leihhaus.Brunnen'. Betten, Stand mit zwei Kissen 10,—, gute Inlett», prima Füllimg. Brunnen- straße 118(Ecke Usedomstraße).• MWigdor SpeziaModeHQ moderne Hornknopfe. äSrK.M.6. Gelegenheit! '/«•eideno■chtvarse Damenregensehirrae mit Streifen-\\«W IC Bordüre 1. Leipziger StraBe 73, 2. KBnlgstraBe 26a, 3. Friedrichstrale 78, 4. Potsdamer StraBe 21a, 5. FrledrlehatraBe 237, 6. BrQokenstraBe tb, 7. Frledrlchetrafie 129, 8. OranlenstraBe 157, 9. Rosenthaler StraSe 58, 10. TauentzlenatraSe 18, 11. Savlgnyplatz 8—10. 12. Mariin-Luthar-StraBe 81, 13. Friedenau, Rhelastr. 13 M ß Swlnemfinder Str. 64 I. Etage #§8 J Ii UUJJ(Aufgang Kamlorstraße 87) Zlearren-, Zigaretten- and Tabakfabrlb and Grofi- handlunc. 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