Wr. 296. RbonnementS'ßfdlngungen: SJorniementS> Preis pränumnando! «ierteljährl. Sga SRI, monatL 1,10 Ml. wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Kunnner S Pfg. Sonntags» nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10«pfg. Post. tibonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Rrislan!» 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien. Lureniburg, Portugal. Ruillänien. Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. ftWnl täglich außer montags, Verlinev VolksblAkt. Die Tnlertions'Geböfir kclrägt für die sechsgcspallene Kolonel. zelle oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwcrlschaftlichc Vereins- und Vcrsanimlungs-Liuzcigcii M Psg. „Meine ZZnieigen", das erste fseii- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jcdcs weitere Wort 5 Psg. Warle über 15 Buchstaben zählen siir zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Nhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditid» ist vis 7 Uhr abends geöffnet Telegranim- Ndresse! uSozialiUinoßrat nalin**. Zcntralorgan der fozialdemokratf leben Partei Deutfcblaiids. Redaktion; SM. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. IV83. Expedition: SM. 68, Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS84. Riistct zum Kaiiipft! Der am deutschen Volke dom schwarzblauen Block der- übte große Steuerraubzug hat den Volksmassen die Augen geöffnet. Die letzten Nachwahlen zum deutschen Reichstage haben zu einer vernichtenden Niederlage der Junkersippe geführt. Die Wähler haben die Stockschläge auf den Magen beantwortet mit dem Hinauswurf der an der Verteuerung der Lebenshaltung interessierten Junker und Junkergenossen. In dieser Situation glaubt die deutsche Neichsregierung, an ihrer Spitze der blauschwatze Reichskanzler v. Bethmann H 0 l l w e g, nicht tatenlos beiseite stehen zu können. Um dem immer stärkeren Ansturm der roten Flut einen Damm entgegenzusetzen, um der verräterische» Sippe der Ritter und Heiligen, die sich fälschlicherweise Patrioten nennen, die heiß ersehnte Wahlparole für die kommenden Wahlen zu bieten, setzten die Sachwalter der Reaktion ihr letztes bißchen Reputation aufs Spiel. Es wurde mit heißem Bemühen versucht, die Moabiter Vorgänge politisch auszuschlachten, das indifferente Bürgertum mit dem roten Schrecken zu ängstigen, um so eine zugkräftige Wahl- Parole zustande zu bringen. Aber dank der Wachsamkeit der Sozialdemokratie und der unsäglichen Unfähigkeit unserer Staatserhaltenden ist das lichtscheue Treiben kläglich mißlungen. Seit Wochen sitzt tagtäglich in Moabit die Polizei auf der Zlnklagebank. Bergehoch häuft sich das Material über brutale und sinn- lose Mißhandlungen Schuldloser durch uniformierte und nicht- uniformierte Beamte. Schäuniend vor Wut über die miß- glückte Spekulation versucht es die Heydebrand-Sippe mit neuen Maßnahmen zur Knebelung der erwachenden Volks- masscn und gehorsam nimmt ihr Instrument, der Reichs- kanzler ihre Befehle entgegen. Während der Etatsdebatten hat der Mann der gottgewollten Abhängigkeiten seine Karten auf- gedeckt. Trotz des Ausspruchs des italienischen Staatsmannes Cavour sind Ausnahmegesetze der schlimmste« Art gegen die Arbeiterbewegung geplant. An Stelle eines ge- ordneten Gerichtsverfahrens soll das Standrecht für politische Vergehen treten. Rückwärtsrevidierung der Strafprozeßordnung, Verschärfung des Strafgesetzbuches» Berschandelung der Reichsverftcherungsordnnng sind der übel duftende Strauß, den der fünfte Reichskanzler den deutschen Arbeitern zum Weihnachtsfeste darbietet. Der Kampf gegen die unaufhaltsam aufstrebende Arbeiterbewegung soll den Junkern und Pfaffen als Parole für den kommenden Wahlkampf dienen. Arbeiter, sorgt dafür, daß Euch der Kampf gerüstet findet! Die Vorgänge der letzten Woche haben klar erwiesen, daß einzig die sozialdemokratische Presse wirklich die Interessen der Arbeiter wahrt. Wohl zeigt das andauernde Steigen der Abonnentenzahl der sozialdemo- kratifchen Blätter, daß diese Erkenntnis in immer weitere Kreise dringt. Die über 130000 Abonnenten unseres Blattes sind ein beredtes Zeugnis für die Tatsache, daß der„Vorwärts" furchtlos die andrängende Reaktton bekämpft, daß er unent- wegt für die Lcbensinteressen der ausgebeuteten proletarischen Massen eintritt. Die sozialdemokratische Presse ist die wuchtigste Waffe gegen alle Knebelungsversuche der Arbeiterschaft! Pflicht eines jeden gewerkschaftlich oder polittsch organi- sierten Arbeiters ist es daher, diese ihm zur Verfügung stehende Waffe zu schärfen. Jeder sozialdemokratische Wähler muß auch Leser eines sozialdemokratischen Blattes fein. Nur so ist es uns möglich, in sicherer Zuversicht der kommenden Abrechnung mit den reaktionären Mächten ent- gegenzusehen i Und wenn die Welt voll Teufel war Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr) SS muß UNS doch gelingen! Die Verfassungsrcform für Lisaö-Lothringen. Endlich, vier Jahrzehnte nach Einverleibung Elsaß- Lothringens, wird E'lsaß-Lothringen eine Verfassung erhalten. Bisher war es neben Mecklenburg und selbstverständlich Preußen der einzige Landesteil, der keinerlei Körperschaft bc- saß, die den Namen einer Volksvertretung verdient hätte. Denn der famose Landesausschuß, der bisher„über das Wohl des Landes zu beraten" hatte, bestand aus 58 Mitgliedern, die nicht von den Wählern selbst, sondern von verschiedenen Körperschaften(Bezirkstagen, Gemeinderäten) gewählt wurden. die selbst erst auf Grund rückständiger Klassenwahlsysteme zu- stände gekommen waren. An die Stelle dieses Landesausschusses von 58 Mit- gliedern, dessen Beschlüsse der Genehmigung des Bundesrates bedurften, soll jetzt nach berüchtigten Mustern ein Zwei- kammersystem treten. Eine Erste Kanimcr von 86 Mit- gliedern, deren eine Hälfte dirett vom Kaiser auf Vorschlag des Bundesrates ernannt werden soll, während die übrige Hälfte ebenfalls vom Kaiser abhängig ist. Sie soll bestehen aus den Bischöfen zu Straßburg und Metz, den Präsidenten des Oberkonsistoriums der Kirche Augsburgischer Ltonfession und des Synodalvorstandes der Reformierten Kirche, dem Präsident des Oberlandesgerichts, einem ordentlichen Professor der Universität Straßburg, einem Vertreter der Israelitischen Konsistorien, einem Vertreter der vier großen Städte Straßburg, Metz, Kolmar und Mülhausen, den die Gemeinderäte dieser Städte aus ihrer Mitte wählen, drei Vertretern der Handelskammern zu Straßburg und Metz. sowie zu Kolmar und Mülhausen, drei vom Landwirtschafts rat und einem von der Handwerkskammer zu Straßburg go wählten Vertreter. Das ist die Erste Kammer, die einen Vergleich mit dem preußischen Herrenhaus wirklich nicht zu scheuen hat. Die Zweite Kammer soll aus 60 Abgeordneten bestehen, die auf Grund des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts von den 25 Jahre alten männlichen Ncichsangehörigen gewählt werden, die entweder drei Jahre in dem Wahlkreise wohnen oder bei einjährigem Wohnsitz entweder ein Grundstück besitzen oder ein stehendes Gewerbe oder eine Landwirtschaft selbständig betreiben. Das Wahlrecht ist kein gleiches, sondern ein nach dem Alter abgestuftes Pluralwahlrccht. Wahlberechtigten im Alter von mindestens 35 Jahren stehen zwei, im Älter von 45 Jahren drei Stimmen zu. Das ist die Verfassungsrcform, die jetzt den Elsaß- Lothringern im Vertrauen auf ferneres Wohlverhalten be- schert werden soll. Schon einmal ja fand das Wohlverhalten der Reichslande eine Belohnung durch Aufhebung des Diktatur- Paragraphen. Als es sich nämlich seinerzeit darum handelte, den Landesausschuß zur Bewilligung von anderthalb Millionen für den Ausbau der Hohkönigsburg, eines Privatbesitzes des Kaisers, zu bewegen, ließ man durchblicken, daß durch eine Willfährigkeit in dieser Beziehung die Beseitigung des Diktatur- Paragraphen zu erreichen sei. Als dann über Jahr und Tag durch kaiserlichen Erlaß in der Tat die Aufhebung des Dittaturparagraphen angekündigt wurde. war dieser Erlaß von der Hohkönigsburg dattert. Die diplomattschen Zwischen- träger hatten es damals also ähnlich so gemacht, wie erst tn diesem Jahre bei der Bewilligung der Erhöhung der kaiser- lichen Zivilliste um 3'/s Millionen Mark. Wenigstens munkelt man allerhand davon, daß die preußische Polenfraktton Haupt- sächlich deshalb für diese Erhöhung eingetreten sei. weil ihr von angeblich wohlunterrichteter Seite eine Anerkennung ihres Wohlverhaltens in Gestalt einer Abschwächung der polnischen Antt-Kaninchen-Politik in Aussicht gestellt worden sei! Bemerkenswert ist, daß Elsaß- Lothringen auch künftig kein selbständiger Bundesstaat sein. sondern„Rcichsland" bleiben soll. Das bedeutet aber nichts anderes, als daß der Kaiser auch fernerhin als erblicher Vertreter des Reichs die Staatsgewalt ausüben wird. Daher soll auch die Statt- halterschaft mit allen ihren bisherigen Befugnissen unverändert bleiben. Elsaß-Lothringen wird demgemäß auch keine Ver- tretung im Bundesrat besitzen. Solange Elsaß-Lothringen Reichsland bleibt, bedeutete ja auch die Vertretung im Bundes- rat. die nach der Instruktion des Kaisers zu stimmen hätte, nichts als eine Vermehrung der preußischen Stimmen. Diesem Uebelstand wäre aber sehr einfach dadurch abzuhelfen gewesen, daß man Elsaß-Lothringen wirklich die Vollberechtigung eines deutschen Bundesstaates verliehen hätte, die ihm unbedingt zukommt und deren Vorenthaltting durch nichts zu recht- fertigen ist. So bleibt denn an der ganzen Vcrfassungsreform nichts, als das, am preußischen Wahlunrccht gemessen, relativ fort- schrittliche Wahlrecht für die Zweite Kammer, wobei allerdings nicht vergessen werden darf, daß der halbwegs demokratischen Zweiten Kammer das hemmende Bleigewicht der Ersten Kammer angehäugt worden ist. Aber auch das Wahlrecht für die Zweite Kammer enthält die häßlichsten und ungerechtesten Benachteiligungen der Arbeiterklasse. Während selbst für das preußische Junkerparlament die Wahlberechtigung an ein Alter von nur 24 Jahren gebunden ist, soll in Elsaß-Lothringen erst das Alter von 25 Jahren das aktive Wahlrecht verleihen. Eine bewußte schwere Schädigung der Arbeiter ist ferner die Be- dingung einer dreijährigen Ansässigkeit im Wahlkreis. Diese Bestimmung ist direkt gegen die Arbeiterschaft gerichtet, denn die Besitzer eines Grundstückes und die Selbständigen in Gewerbe und Landwirtschaft sind auch dann wahlberechtigt, wenn sie nur ein Jahr im Wahlkreise wohnen! Man wollte eben das Wahlrecht der Arbeiter möglichst beschränken, dagegen das Gewicht der übrigen Bevölkerungsklassen um so schwerer hervortreten lassen. Zu diesem Zwecke hat man auch vor allen Dingen das Mehrstimmenwahlrecht für das höhere Alter geschaffen. Man weiß ja ganz genau aus der Statistik, daß das Proletariat im Durchschnitt infolge seiner schlechteren Lebenshaltung ein erheblich geringeres Alter erreicht, als die Bourgeoisie, daher in den höhereu Altersklassen prozentual immer schwächer vertreten ist. Gerade deshalb aber verlieh man das doppelte und dreifache Wahlrecht an diese Altersklassen! Man bestraft also durch das Alterswahlrecht die Arbeiterklasse noch besonders dafür, daß der Grad ihrer Ausbeutung durch die besitzende Klasse ein derartiger ist, daß er die Lebensdauer des Proletariats verkürzt! Eine Be- schränkung des Wahlrechts der Arbeiterklasse also, die ebenso unsittlich ist, wie sie erbitternd und aufreizend wirken muß 1 Angesichts dieser Tatsachen wirkt eS geradezu lächerlich, wenn die reaktionäre Presse von der Verfassungsreforin ein io großes Aufheben macht und ein Blatt sogar ausruft: jetzt solle man ihm doch den Menschen zeigen, der den Reichs- kanzler noch einen Rückschrittlcr zu nennen wage. Die elsaß- lothringische Presse selbst ist denn auch weit weniger enthusiasmiert. Selbst die uationalliberale„Straßburgcr Post" mißbilligt cutschieden die schikanöse Bestimmung, daß proletarische Wühler seit drei Jahren im Wahlkreis wohnhaft sein müssen, um wählen zu können. Ein entsprechend langer Aufenthalt im RcichSlande selbst hätte auch vollkommen ge- nügt. Hier habe aber wohl die Furcht vor der Sozialdemo- kratie eine üble Wirkung ausgeübt. Die demokratische„Straßburgcr Mrgerztg." erklärt, daß der Entwurf die oft wiederholten Forderungen Elsaß-Loth- ringens nur zu einem, ganz geringen Teil erfüllt. Sic be- dauert lebhaft, daß das&ind auch ferner„Rcichsland" bleiben solle. Sie verurteilt aufs schärfste die Altersstimmen und die Bedingung des dreijährigen Wohnsitzes im Wahlkreis. Sie lehnt die Zusammensetzung der Ersten Kammer auf Grund eines durchaus reaktionären Prinzips mit aller Entschiedenheit ab. Das Volk betrachte diese Verfassungsreform als gänzlich ungenügend. Elsaß-Lothringen fühle sich aufs neue in seinen Bestrebungen, ein gleichberechtigtes Glied des Deutschen Reiches zu werden, zurückgestoßen.— Nach schärfer äußert sich begreiflicherweise unser Partciblatt, die„Freie Presse". Der Bundesrat habe gesprocbcn. Das Volk werde die ent- sprechende Antwort geben. Möge sich der Reichstag danach richten, möge er dem elsaß-lothringischen Volke endlich zu seinem Rechte verhelfen. Trotz alledem: Wenn selbst Elsaß-Lothringen das all- gemeine, direkte und geheime Wahlrecht nach dem Beschluß des Bundesrats zugedacht ist, ein Wahlrecht, das trotz der gebrandmarkten Chikanen gegenüber den Arbeiterwählern immerhin noch wesentlich besser ist, als etwa das sächsische Wahlrecht— wie glaubt man es dann verantworten zu können, die unerhörte Dreiklassenschmach in Preußen auch nur noch eine Stunde länger aufrecht erhalten zu können! Wie konnte es angesichts des für Elsaß-Lothringen vorgesehenen Wahlrechts die preußische Regierung im Anfang dieses Jahres überhaupt noch wagen, dem Landtag eine so reaktionäre Wahl- rechtsnnßgeburt vorzulegen, wie sie das das Bcthmayn Hollwegsche Jammerprodukt darstellt! Was ganz Süd- deutschlnnd, was jetzt auch Elsaß-Lothringen recht ist, sollte das nicht auch-dem preußischen Volke billig sein?! Die„Deutsche Tagesztg." verkündete letzter Tage wieder, daß dem preußischen Landtag keine neue Wahlrcchtsvorlage zugehen werde. Wir können das kaum glauben, denn es wäre in der Tat eine ungeheuerliche Brüskierung der preußischen Volksmassen, wenn man ihnen das Ertragen des abscheulichen Geldsackwahlrechts noch länger zumuten ivollte, während die Reichsregierung im jüngsten Landesteil zwar nicht das völlig gleiche, aber doch das allgemeine, direkte und geheime Wahl- recht einführt! Mit der Frage der elsaß-lothringischen VerfassimgSreforin wird zugleich die Frage des preußischen Wahlrechts aufgerollt. Der stürmische Ruf:„Her mit dem unverkürzten gleichen Wahlrecht!" wird nicht nur für Elsaß-Lothringen, er wird auch für und in Preußen erschallen und durch die Resonanz der Volksmassen orkanartig anschwellen I Stsrlter Glaube und lchumche Crlnnening. In die interessante Beweisaufnahnie über die Räumung de? Lanzeratschen Lokals(nicht Landserat, wie eS gestern hieß), die in der Sonnabeudsitzmig de? Moabiter Prozesses fortgesetzt wurde, platzte eine Ränbcrgeschichte schwersten Kalibers. Eine Ge- schichte siir Leute gläubigen Gemüts, deren eS, ime.iitan mit Erstaunen sieht, in der Metropole der Intelligenz• immer noch eine erkleckliche Anzahl gibt. Man kann allerdings nicht sagen, daß diese Gläubigkeit weiter geht, als die Polizei erlaubt, sintemal sie gerade innerhalb der Polizei weit verbreitet ist und von ihr sogar auf die übergeordnete Behörde, die StaatSantvaltschaft, übertragen ist. Und daß sich so stader Glaube in der heiligen Hermandad findet, dem der stürlsie Tabak nicht zu schwer ist, diese Tatsache verliert einiges von ihrer Ver- Wunderlichkeit, wenn man bedenkt, daß sothane Näubergeschichte die Spur eines FädchenS aufdeckt, das von der Revolution in Moabit nach der Redaktion des„Vorwärts" führt und zugleich die Spur eines FädchenS. an dem die geheime Leitung der Revolution ihre Truppen hat tanzen lassen. Solch köstliches Material kann man doch nicht umkommen lassen. Ernsten Angesichts verkündet Herr LeuNiant Folte, daß alles«ingetroffen ist, was der gefährliche Verschwörer, der nach der Art solcher Leute seine Geheimnisie vor dein ihm fremden Böttchermeister schleunigst auspackt, in seiner EntWickelung des Schlachtplans der 40 Aufrechten vorausgesagt hat. Daß dieser Führer echt, das geht für Herrn Folte aus der gravierenden Tat- fache hervor, daß der geheimnisvolle Mann, der, wenn er nicht gerade Revolunon macht, den nüchternen Beruf eines Maurerpoliers ausübt, an den„VortvärtS" telephoniert hat. Was er telephoniert hat, weiß zwar keiner, aber was kann er anders telephoniert haben, als den Schlachlplan der Vierzig. Verschwörer Pflegen doch mit Leidenschaft jede Gelegenheit zu benutzen, die die Geheimhaltung ihrer Pläne gefährden kann, und wenn sie Mitverschworenen über den Stand der Dinge Mitteilung machen, so tun sie das prinzipiell nie im verschwiegenen Kämmerlein unter vier Augen, sondern ver- trauen ihre Worte lieber dem Telephon an, wo doch die Chance besteht, daß ihr Gespräch belauscht wird. Außer diesen schwerwiegenden Gründen hat Herr Folte aber noch einen geradezu durchschlagenden für die Echtheit des NevolutionsfnhrerS: er hat sich über die Redaktionsgepflogenheitcu des revolutionären Zentralorgans sehr gut informiert gezeigt— er hat erklärt, daß der„Vorwärts" nur bis 1l Uhr abends Berichte annimmt. Darum also glaubtS Herr Folte, Leutnant in der königlich preußischen Polizei. Herr Bötlchermeister Drekolt glaubt's auch, aber der Herr ist ja auch nicht verpflichtet, sich mit Logik und anderen Wissenschaften abzuplagen, von denen ein königlich preußischer Polizeileutnant immerhin irgend einen Hauch verspürt haben sollte. Herr Folte glaubt, und sein Glaube ist so stark, daß er zwar nicht Berge, aber doch Worte versetzt. Die gemütliche Wendung, dieHerr Zimmenneister Otto gebraucht haben soll.„Er ist dasselbe, was wir sind!" verwandelt sich in Herrn FolteS Munde in den düstcr-verschwörerischen Ausspruch:„Er ist auch einer von der Partei!" Ferr Folte ist so fest von der Ver schwörung der Vierzig und ihrem Zusammenhang mit Plänen der Sozialdemokratie überzeugt, daß sich in seiner Erinnerung die Worte von selbst so umstellen, wie sie am besten in die Vcrschwörergeschichte passen. Vor solcher Stärke deS Glaubens, die spielend die Hindernisse der größten UnWahrscheinlichkeiten nimmt, muß die nörgelnde Kritik die Feder senken. Hier bleibt nur stummes Staunen über die Leistungsfähigkeit des menschlichen Geistes! lind es wäre genrütsroh, wenn man diesem starken mutigen Glauben mit nüchternen Feststellungen kommen wollte, wie die, daß der„Vorwärts" auch nach 11 Uhr noch Berichte nimmt— trdtz aller Journalisten, die Herrn Folte dos Gegenteil versichern—, und daß kein Schlachtplan der vierzig Aufrechten je durch die Telephoustrippe ans Ohr eines„Vorwärts"- Redakteurs oder -Angestellten gedrungen ist. Bielleicht ist die Verteidi- gnng, der ja nicht» heilig ist, imstande, über diese Themata noch Beweis anzubieten und die Redakteure, Sekretäre und Boten des„Vorwärts" im Gerichtssaale aufmarschieren zu lassen. Wir wollen von solchem Beginnen lassen— wir ehren den starken Glauben, dem bei den dümmsten Räubergeschichten nicht der Gedanke kommt, ob der Erzähler ein loser Spaßvogel ist, der am Gruselig- machen biederer Bürger sein Vergnügen findet, oder ein schwadro- nierender Renommist oder— ein Spitzel! *.' So stark der Glaube des Herrn PolizeileutnantS Folte ist, so schwach ist sein Erinnerungsvermögen— wenigstens für gewisse Dinge. Ob im Lanzeratschen Lokal von den Schutzleuten geschlagen worden ist, dessen kann sich Herr Folte absolut nicht mehr entsinnen. Jede Erinnerung daran ist wie mit dem Schwann'., von der Tafel seines GedächtniffeS gelöscht, selbst des Schutzmanns, der direkt neben ihn, stand und sein Schlachtschwcrt auf die Köpfe der vorbei- passierenden Gäste niedersausen ließ, erinnert sich der Herr Leutnant nicht mehr. Eine merkwürdige Erscheinung, zumal der Herr Leutnant sich sonst, wie andere Fälle zeigen, sehr gut der Einzel- heilen noch entsinnen kann. Aber solch' partieller Gedächtnisschwund kommt vor. Sein Kollege Heck verfügt nicht darüber. Er erinnert sich, daß «r sah. wie die Gäste einer nach dem andern mit dem Säbel ver- prügelt wurden, er hat selbst gesehen, daß sie Spießruten laufen mußten. Seine Aussage nähert sich immer mehr der der Zivilzeugen, nur in dem eine» Punkt weicht sie noch davon ab, daß Herr Heck wiederholt zur Räumung des Lokals aufgefordert haben will, ehe das „offizielle" Schlagen begann. Interessant ist die Feststellung, daß das Spießrutenlaufen der Gäste unter den Augen des Leutnants stattfand. Aber eS wäre falsch zu glauben, daß der Herr Leutnant solcde rohe Behandlung billigt— er fand bloß nicht die Zeit, es zu verbieten. ES ging ihm gerade so wie dem Kriminalschutzinann Scheuzel, der seinen Häftling erst aus den Händen der prügelnden Arbeirswilligen befreien konnte, als er schon aus mehreren Wunden blutete— weil die verteufelten Arbeitswilligen dem Herrn zu schnell und behend waren. Herr Schutzmann Walter fand in dieser Sitzung einen Eides- Helfer in seinen, Kollegen Katzinarek, der genau dieselbe Schilderung von der Räumung gab, wie das tags zuvor Walter tat, er Hai auch den tätlichen Widerstand im Lokal bemerkt, den merkwürdigerweise keiner der Zivilpersonen gesehen hat. auch der sehr polizeifromme Böttcher- meister Drekolt nicht. Diesen Widerspruch aufzuklären, ist in der Verhandlung nicht gelungen, ebensowenig, wie die Widersprüche der SchutzmanuSaussagen zu dem Zeugnis des Leutnants Heck. 9• • Der sehr interessanten Beweisaufnahme über die Räumung des Lokals Lanzerat folgie wieder daS übliche Bitd: Zeugen der Ver- teidigung, die über empörende Mißhandlungen friedlicher Passanten detaillierte Angaben machen und Zeugen der Staatsanwaltschaft oder bester des Polizeipräsidiums, die davon nichts gesehen haben, aber umso umständlicher allgemeine Beobachtungen auskramen, die dem, was über die Vorgänge in Moabit bekannt ist, nichts Neues hinzufügen. Einer dieser Jagow-Freiwilligeu, ein löjähriger Glaserlehrling. sollte freilich nach der Meinung der Staatsanwaltschaft eine wertvolle Bekundung darüber machen, daß das Publikum fälschlicherweise in gewöhnlichen Sterblichen Kriminalschutzleute ge- sehen habe. Aber der vermeintlich kostbare Fund erwies sich als elendes Talmi, mit dem nichts anzufangen ist. Dafür brachte die Verteidigung wieder einen Zeugen, der einen Kriminalschutz- mann als Bluthund-Rufer beobachtet hatte. Die Chancen der Staatsanwaltschaft, die unbequeme Aussage des Schneidermeisters Oslath zu erschüttern, sind also schlechter statt besser geworden. Herr Staatsanwalt Steinbrecht möchte die unbequeme Sache in den kommende» Prozeß gegen den„Vorwärts" abschieben. Verteidiger Dr. Rosenfeld dagegen forderte die nochmalige Ladung des Zeugen Oslath. Nicht minder unangenehm war der Staatsanwaltschaft der er- Wüte KinweiZ ia Verteidigung auf den blamablen Fall Wehde- mann. Der Antrag Dr. Rosenfelds, aus den Akten festzustellen, ob eine Anklage gegen einen Postbeamten wegen seiner Beamten- qualität eingestellt worden sei, wurde von Th. Liebknecht dahin erweitert, alle Akten über die rund 200 eingestellten Verfahren einzufordern, um festzustellen, ob die Staatsanwaltschaft die An- klage vornehmlich gegen organisierte Arbeiter aufrecht erhalten habe, um den Anschein starker Beteiligung Organisierter an den Unruhen zu erwecken, und schließlich von Rechtsanw. Cohn noch durch den Unterantrag ergänzt, dazu den Polizeipräsidenten und den Kriminalkommissar Kuhn zu laden. Erregt protestierte Herr Steinbrecht gegen die Behauptungen der Verteidiger. Aber den Fall Weydeinann, das Angebot der Zurückziehung des Strafantrags gegen 2ö M. bar kann er nicht ungeschehen machen. Herrn Lieber mißfielen die Anträge der Verteidiger außerordentlich. Er hielt es für nötig, sofort ablehnenden Gerichtsbeschlutz zu fassen uno in sehr ungnädiger Stimmung hob er sodann die Sitzung auf. Es soll also nicht festgestellt werden, ob die Behauptungen der Verteidiger zutreffen oder nicht. Und man sollte doch meinen, datz die Staatsanwaltschaft an solcher Feststellung ein großes Interesse haben müßte. Oder ist das Gegenteil der Fall?. 3er Uerzweiflungskarnpf der politischen Gefangenen. „Jeden Augenblick— so schrieb die Insassin eines großen sibirischen Gefängnisses im vorige» Jahre an ihre Freunde fürchten wir, daß irgendeine Szene der Massenprügelei und der Massengrailsamkeiten ausbrechen wird: wir haben immer Gift in Bereitschaft!" Die Statistik der Selbstmorde unter den politischen Gefangenen in Rußland bestätigt die Nichtigkeit dieser Behauptung. Nach jeder Massenexekution endeten gewöhnlich einer oder mehrere der Gefangenen durch Selbstmord. So geschah es in Schlüssel� bürg, in Smolensk, in Alexandrowsk, in Astrachan, in Orel — in allen jenen verfluchten Marterhöllen, die das Regime des blutigen Nikolaus im ganzen Reiche errichtet. Aber bis her war diese Erscheinung noch nie so massenhaft hervor getreten, noch nie war die Infamie und Brutalität der Zareir scherzen so grenzenlos, wie in der letzten Zeit. Gestützt auf die „Autorität" der dritten Duma, wagte es die russische Regierung zum ersten Male, die Gefängnisgrcuel vor der öffentlichen Meinung der Kulturwelt uneingeschränkt abzuleugnen und sich als das Opfer der„Verleumdung" seitens ihrer poli- tischen Gegner hinzustellen. Nachdem der Zar wieder in Europa salonfähig geworden, legte sich seine Regierung nicht inehr den geringsten Zwang auf. In ihren Kommuniguäs log sie das Blaue vom Himmel herunter und stellte die russi- scheu Gefängnisse als Musteranstaltcn dar, in welchen fast paradiesische Zustände herrschten. Inzwischen walteten aber die Gefängnisbüttel ihres Amtes und verschärften das Ge- fängnisregime dermaßen, daß an Stelle der vereinzelten Tra- gödien in den Kerkern Masse ntragödien, Massen- Proteste traten, die endlich die öffentliche Meinung auf- rüttelten und selbst die Regierung zwangen, in ihrem offiziellen Bericht die entsetzlichen Greuel einzugestehen. Das famose Dokument, das die russische Regierung zur Rechtfertigung der Massakrcs in den Gefängnissen zu W o l o g d a und S e r e n t u i veröffentlicht hat, konstatiert nicht nur die furcht- baren körperlichen Mißhandlungen der politischen Gefangenen und die hiernach stattgefundencn Selbstmorde. Es erweist sich auch bei näherer Betrachtung als ein frecher Schwindel, dazu bestimnit, die öffentliche Meinung Europas i r r e z u führen. Das Kommunique erzählt das Schauermärchen, die revolutionären Organisationen hätten große Geldsummen gesammelt, welche— wie die Regierung durch ihre Asews erfahren haben will— für eine Massenflucht der politischen Gefangenen aus Serentui(Ssasonows, der Spiridonowa u. a.) bestimmt waren. Der erste Schritt zur Verwirklichung dieses Planes war die Absendung eines „großen Quantums Thiocol, offenbar zur Vergiftung der Aufseher und der Wache". Nun ist aber Thiocol, wie auch aus den russischen pharmazeutischen Handbücher» erficht- (ich ist, ein giftfreies Mittel, das bei der Behandlung von Lungenschwindsucht benutzt wird! Daß dieses Medikament in einem„großen Quantum" an die Gefangenen geschickt wurde, erklärt sich durch den ungeheuren Prozentsatz der Lungenschwindfüchtigen unter den Gefangenen, zu deren Heilung die Administration nicht das geringste unternimmt. ES bedarf der ganzen bodenlosen Gewissenlosigkeit und Frech- heit der russischen Regierungsbanditen. um diese Tatsache zur Rechtfertigung der körperlichen Züchtigungen anzuführen, die aus ganz anderen Gründen verhängt worden waren. Die Duma hat es natürlich nicht für nötig befunden, die sozialdemokratische Interpellation anzunehmen, indem sie durch die(mit 121 gegen III Stimmen erfolgte) Ablehnung des Dringlichkeitsantrages die Frage in der Kommission begrub. Deutlicher aber noch als durch diese schmachvolle Ab- stimmnng zeigte diese barbarische Kammer ihren wahren Charakter durch die Reden ihrer„Führer", des Pogromisten- Häuptlings Markow und des Oktobristen Lutz. Ter erster?, der schon im vorigen Jahre die K a st r i e r u n g der poli- tischen Gefangensir verlangt hatte, sagte:„Was sich in den Gefängnissen von Wologda und Serentui abgespielt hat, ver- letzt kein Gesetz.... Es haben sich dort glücklicherweise echte Bürger und Menschen, tüchtige Gesetzesvollstreckcr gefunden, die eine gehörige Anzahl von Halunken durchgepeitscht haben. Das ist zwar für diejenigen unangenehm, die bald ins Katorgagefängnis kommen iverdcn, es ist aber kein Material für eine Interpellation." Ueber die Massenselbstmorde äußerte sich dieser Vertreter der russischen Junkerkaste folgen- dermaßen:„Je schneller diese Leute ihre Rechnung mit dem Leben abschließen, desto besser wird es sein: man hätte sie schon früher hängen müssen, aber man hat es irrtümlicher- weise unterlassen." Ter Form nach weniger roh, aber im Grunde noch barbarischer, war die Rede des Vertreters der „führenden" Partei, des Oktobristen Lutz. Erstens, so führt er aus, sehe er keinen Grund für die Dringlichkeit. Ferner feien die Körperstrafen bei den Katorgagefangenen gesetzlich erlaubt. Und was endlich die in der Interpellation mit- geteilten Tatsachen betreffe, so müsse man sie. wie alle sozial- demokratischen Interpellationen, mit der größten Vorsicht auf- nehmen I Selten haben die parlamentarischen Handlanger Stoly- Pius ihre Mitschuld an den Regierungsgreneln, ihre mora- lische Verlvorfenheit und Barbarei so offen bekundet, wie bei dieser Debatte. Aber auch das hat sein Gutes. Je deutlicher die wahre Natur der heutigen Herrscher Rußlands hervortritt, je mehr sich die elende Herrenduma mit den Henkern solidari- sicrt, desto höher wird der Zorn des Volkes über ihre Köpfe emporschlage», desto gründlicher wird dik große Reinigung sein, wenn die Stunde schlägt,> Studentenkmidgebungen. Petersburg, 10. Dezember. Eine von Studierenden des hiesigen Polytechnikums abgehaltene Versammlung sollte von der Polizei aufgelöst werden. Da die Studierenden der Auf- forderung der Schutzleute, auseinanderzugeheu, nicht Folge leisteten, wurden sie von de» Polizisten einzeln aus dem Saale hinausgeführt. — In Moskau wurde eine Studeutenverfamnilung, auf der revolutionäre Lieder gesungen worden waren, von der Polizei zerstreut. Die Reichsduma verhandelte heute iiber einen Dringlich- keitsanlrag für eine Interpellation über die Studenten- unruhen und über das Verbot für die Zeitungen, Meldungen über diese Unruhen zu veröffentlichen. Der Dringlich- kcitsantrag wurde nach erregten Debatten abgelehnt. politifcbc CTcbcrlicbt. Berlin, den 17. Dezember 1910. Angeblicher Wahlschacher. Von einem angeblichen Wablschachergefchäft zwischen dem Genossen Dr. Lindemann und dem bündlerischcn Reichstags- abgeordneten Vogt(Gochsen), dessen Zuschrift an den Genossen Hildenbrand jüngst die„Schwöb. Tagwacht" veröffentlichte, weiß der Stuttgarter„Beobachter" zu erzählen. Er schreibt: Dr. Lindemann, der sozialdemokratische Kandidat für Göppingen, schrieb von Degerloch aus einen Brief an Vogt, in dem er ihm— seiner(Vogts) Anregung ge- maß— Wahlhilfe in Neckarsri Im zusagte gegen die Zusicherung, daß in Göppingen die bünd- lerische Kandidatur Lemppenau nicht zurück- gezogen würde, tvodurch natürlich Dr. Lindemann sicherer zu siegen hoffe, da die bürgerlichen Parteien auch in der entscheidenden zweiten Wahl gespalten geblieben wären. Diesen Brief Dr. Liiidemanns schickte Herr Vogt seinerzeit an die Vertrauensmänner der Sozialdemokratie im Bezirk Neckarsulm zur Einsichtnahme, mit der angefügten Bitte, ihn bei der Wahlarbeit kräftig zu unterstützen. Durch eine Namens- Verwechselung kam dieser Brief auch in die Hand eines Volks- parteilichen Bertrauensmaiines. Der Sozialdemokratie, Wieden Bündlern des Bezirks Neckarsulm ist diese Tatsache wohl- bekannt, denn sie wurde ihnen, uameiillich den Bündlern, die sich bei den nachfolgenden ReichStagSwahlen über die Stichwahlparolen Naumanns für die Sozialdemokratie so aushielen, öfters öffentlich zu Gemüte geführt. Wohl- weislich schwiegen unsere Sozialdemokraten über diesen Brief ibres Führers Dr. Lindemann und auch dieser hatte offensichtlich keine Neigung zu dem Bekenntnis, daß er selbst schon vor dem Briefe Vogts an den Genossen Hildebrand mit dem bündlerische» Kandidaten daS Wahlgeschäft abgeschlossen Jhatte. Der Brief Vogts belastet nur diesen, deshalb wurde er veröffent- licht; der Brie> Lindeinanns hätte auch die Sozialdemokratie, wo- möglich ebenso stark, belastet und darum wurde er totgeschwiegen. Das ist sozialdemokratische Mora l." Unser Stuttgarter Parteiorgan, die„Schwäbische Tagwacht", erwidert darauf:> Fangen wir gleich bei der sozialdemokratischen Moral an, Wir haben uns nie darüber entrüstet, daß ein uns sonst feindlich gegenüberstehender Politiker mit mehr oder minder geschickten Mitteln um unsere Unterstützung nachsucht. Unsere mit der Ver- üffentlichnng des Vogtbriefs verfolgte Absicht war klar: Wir wollten die Heuchelei der Reichspost und ihrer Freunde bloßstellen, die jede, auch nur theoretisch erörterte Verbindung mit der Sozialdemokratie dem Hochverrat am Vaterland gleich- achten. Wie unsere Moral ins Gedränge kommen sollte, wenn die Schilderung des„Beobachters" glaubhafter wäre als sie ist, ist uns unerfindlich. Ter ganze Aufbau der Erzählung deutet aber auf ihre UnWahrscheinlichkeit hin. Genosse Dr. Lindemann, der damals noch ReichstagSabgeordneter des 10. Wahlkreises war. befand sich zwischen Haupt- und Stichwahl bis zur Reichstags- auflösung in Berlin. Von Degerloch aus könnten also die sozial- demokratischen Truppen in Lleckarsulm schon nicht kommandiert worden sein. Warum veröffentlicht der„Beob» achter" dasgeheimnisvolleDegerlocher Schrift- stück nicht? Warum haben die Herren Vogt und..Körner von, diesem Briefe keinen Gebrauch gemacht, für die er in ihren Ver- teidigungsnöten doch wenigstens ein Strohhalm gewesen wäre, an den sie sich klammern konnten? In Berlin ist allerdings Vogt an Lindemann ebenso wie an Hildebrand mit dem Ersuchen um Wahlhilfe herangetreten. Irgendwelche Zusicherungew wurden dabei aber nicht ge in acht. � Genosse Dr. Lindemann erinnert sich nicht, daß in dieser Sache überhaupt ein Brief- Wechsel stattgefunden hat. Offenbar ist der Beobachter das Opfer einer Mystifikation geworden. So leicht, wie die„Schwöb. Tagwacht", nehmen wir einen der- artigen von einem unserer Abgeordneten mit einem reaktionären gegnerischen Abgeordneten hinter den Kulissen betriebenen Wahl- chacher nicht; aber zunächst hat jedenfalls der Stuttgarter„Beob- achter" die Verpflichtung, seine Anschuldigung zu begründen, d. h. den Wortlaut des Brieses LindcmaunS an Vogt vorzulegen. Bloßes Hörensagen ist kein Beweis. Eine gar wundersame Komödie. Im Marinehaus in Berlin tagte gestern eine von Reichs- verbändlcrn, antisemitischen und konservativen Reichstagsabgeordneten einberufene Studentenversammlung, um dem aus einer Versamm- lung der Freistudentenscbaft in Leipzig wegen taktlosen Gebarens hinausgewiesenen ehemaligen Haiidelshochschullehrer Dr. Ernst Henriei eine eklatante Genugtuung zu verschaffen. Nm sich für ihre Protest- und Radauzwecke die geeignete Zuhörerschaft zu sichern, wurde von den Einberufern an den Saaltüren strenge Kontrolle geübt und nur solche Personen zugelassen, die vom Rcichsverband eingeladen waren oder sich. als Studenten. legitimierte«. Nachdem der bekannte antisemitisch-konservative Rechtsanwalt Ulrich die Versammlung unter Beifallgebrüll der Antisemiten mit einigen einleitenden Worten eröffnet hatte, hielt der in Leipzig hin- ausgewiesene Dr. H.mriei sei» großes Referat. Mit unfreiwilliger Komik schilderte er in tendenziöser Weise, welche Schmach ihm in Leipzig widerfahren sei. Er habe erst gar nicht in der Leipziger Versammlung reden wollen, aber als Bernstein siir die Republik gesprochen habe, da hätte sein patriotisches deutsches Herz so gebebt, daß er habe sprechen müssen. „Als ich", so erklärte Herr Dr. Henriei,„von der unver» gleichlichen Sozialpolitik sprach, die Kaiser Wilhelm und Bismarck geschaffen haben, wurde ich ausgelacht.(Tosender Lärm und Pfuirufe; Proteste und Zischen.) Man rief mir sogar zu: Ob ich auch schon Arbeit geleistet habe? Meine Herren Kommilitoneii I Ich habe in Afrika gearbeitet. Dort habe» mir die Schwarzen den Schädel eingeschlagen, auch einige Kugeln habeich bekommen und mit dem Busch- mesier habe ich mich durcharbeiten muffen. Als ich diese Leistungen in Leipzig erwähnte, wurde ich einfach ausgelacht.(Stürmische Pfui- rufe der Mehrheit; die Minderheit bricht in schallendes Gelächter aus.) Als ich an meinen Platz zurückkehrte, wurde ich mit zahllosen Zurufen traktiert, einen davon, der in polnischer Sprache gehalten war, verstand ich, denn er enthielt die bekannte Einladung ä In Götz von Berlichingen. Da faßte ich alles, wa» ich in diesem Moment fühlte und dachte indenRufzusammen: Seine Naje st ätderKaiser lebehoch!(Ungeheurer Lei- fall, bestehend in Händeklatschen und Bradorufen. Gelächter und Zischen.) Hierauf wurde ich aus dem Saal gewiesen.(Fürchterlicher Radau.)" AIS darauf nach einem kurzen Protest eines Studenten die Ab- gesandten der Freien Studentenschaft Leipzigs zur Berichtigung der Henricischen Ausführungen das Wort verlangten, kam es zu einem wüsten Radau. Den Leipzigern wurde jede Richtigstellung ver« weigert. Worauf ein großer Teil der Studenten mit den Leipziger Delegierten den Saal verließ, während die zurückbleib«, den anti- semitischen und konservativen Studenten wild durcheinander„Heil Dir im Siegerkranz",„Die Wacht am Rhein",„Vauckeamus ixitur" und„Deutschland, Deutschland über alles- sangen. Schlikszlich kam doch noch, wenn auch fortwährend durch Gebrüll unterbrochen, einer der Leipziger Abgesandten, ein Dr. Roth, zu Worte. Er erklärte, er sei von, Leipziger Rettor, Geheimrat Lamprecht, zu seiner Rede autorisiert. Die akademische Behörde habe auf Veranlassung des Kultusministeriums ein Ermittelungsverfahren gegen den Vorsitzenden der Freien Studentenschaft eingeleitet, aber keinen Anlaß zum Ein- schreiten gefunden.(Stürmische Zurufe: Ihr habt die Behörde irregeführt und angelogen.) Dr. Roth berief sich auch auf das Zeugnis der Herren Professor Kötzschke und Dr. Köhler, die ihm brieflich bescheinigten, daß das Austreten Henricis kein angemessenes war. Henrici sei auch nicht wegen des KaiserhochS aus dem Saal gewiesen worden, sondern wegen der Störung, die er mit seinem, in jener Situation taktlosen Hoch verursacht habe.(Bei diesen Worten setzte wieder ein Höllenlärm ein.) Darauf hielt Herr Dr. Henrici seine höchst kurlose patriotische Schlußrede. Mit höchstem Pathos erzählte er von seinen großen Taten. So sei z. B. von ihm die Astoriakuppel in New Dork ent- worfen worden, das müsse ihm, den man einen„ehrwürdigen- Herrn genannt habe, seine noch junge Frau bestätigen. Wörtlich schrie er in den Saal hinein:„Meine liebe Frau, bestätigt mir und diesen Herren, daß ich die Astoriakuppel entworfen habe-. Als dieses Komödienspiel von einem Teil der Teilnehmer der Versaminlung mit schallendem Gelächter aufgenommen wurde, raste» die„Ratio- nalen- förmlich und brüllten. lvie Besessene:„Raus! SiauS!- usw. Schließlich in vorgerückter Nachtstunde wurde folgende Resolution angenommen: „Die im Hohenzollernsaal des Marinehauses zu Berlin am Freitag, den 16. Dezember 1910, versammelten 1000 national gesinnten Akademiker weisen das Verhallen der Leipziger Frei- studenten gegen Herrn Dr. Henrici zurück. Im Gegensatze dazu stellt sich die Akademikcrversammlung aus den Boden einer nationalen, insbesondere monarchistischen Staatsaussassung. Auch wendet sie sich mit Entschiedenheit gegen jeden Versuch, sozialdemo- kratischen Gedanken in der Berliner Studentenschaft einen weiteren Wirkungskreis zu verschaffen.�__ Ter Dnellprofessor. Wie eine Korrespondenz mitteilt, wird die Duellford'erung des Herrn Professor Bernhard an Professor Gering die Gerichte beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft hat sich mit der Ange- legenheit befaßt und dürfte wegen HeraussordcrnS zun, Zweikampf mit tödlichen Wasfen das Verfahren gegen beide Professoren und ihre Kartellträger eröffnen. Eine vom preußischen Kultus- minister über diesen Fall geleitete amtliche Unter- L u ch u n g steht vor dem Abschluß. Wegen Beleidigung der dentschen Veteranen von 1870/71, die diesen Sommer die Schlachtfelder in Elsaß-Lothringen besucht haben, wurde am Freitag, wie wir bereits gestern unter„Letzte Nachrichten- meldeten, der Redakteur und Herausgeber der humo- ristisch-satirischen Wochenschrift. D u r'S Elsaß- in Mülhausen i. Elf., der Karikaturenzeichner Henri Zivlin, von der Straf- kammer am Erscheinungsorte des Blattes zu zwei Monaten Gefängnis und den üblichen Nebenstrafen verurteilt. Der Verfasser des inkriminierten Artikels, Buchhalter Weber in Straßburg, der von Zivlin nach eingeholter Ermächti- gung Webers dem Gericht namhaft gemacht worden, war in dem Glauben, das Strafverfahren gegen ihn(Zivlin) würde dann eingestellt werden, bekam 200 M. Geldstrafe zuerkannt. Der Artikel, der in Nr. 69 des„Dur's Elsaß" vom 20. August d. I. erschien, spottete über die„Heldentaten" der deutschen Krieger von 1870, die„10 gegen 1" gefochten hätten und die jetzt als Veteranen bei der vierzigjährigen Wiederkehr der Schlachttage„zu ermäßigter Fracht' über den Rhein gerollt kämen, um den Schauplatz ihrer „ersten und letzten Lorberen" wieder in„Augenschein(und Gurgel- schein)" zu nehmen u. dergl. m. Gegen den Artikel war von dem kommandierenden General de« 14. Armeekorps, Frhrn. v. Huene, von Oberstleutnant Freiherrn v. VillierS in Freiberg i. B. als Veteran von 1870 und von einer großen Anzahl anderer Veteranen Straf- ontrag gestellt worden.(Die Verlesung der Strafanträge nahm fast eine Viertelstunde in Anspruch.) Der Artikel wurde von den Vcr- teidigern ohne Widerspruch der beiden Angeklagten als geschmacklos und witzlos preisgegeben, und Zivlin erklärte, es sei ihm aus Un- achtsamkeit nach nur oberflächlicher Lektüre in Satz ge- geben worden. Dennoch beantragte der Vertreter der An- klagebehörde. Erster Staatsanwalt Wilßer, mit Berufung auf die deutschfeindliche Tendenz des Blattes eine Gefängnisstrafe von vier Monaten gegen Zivlin und dessen sofortige Verhaftung, wovon das Gericht jedoch unter Verurteilung zu zwei Monaten Abstand nahm. Ueber den Rahmen des Prozesses hinaus ist von Interesse die Erklärung des Staatsanwalts bei Begründung des Antrages auf sofortige Ver- Haftung. daß die Kaution für das n a t o n a l i st i s ch e Blatt von dem Großindustriellen C u l l m a n n gestellt ist, der als — bürgerlicher Sammelkandidat gegen die Sozialdemokratie im Wahlkreise Mülhausen für die bevorstehenden ReichStagswahl genannt worden ist. Wieder nichts! Bürgerliche Blätter wußten dieser Tage zu melden, an einem tmS Frankreicd eingeführten Ochsen sei auf dem Münchener Schlacht- Hof die Klauenseuciie konstatiert worden. Sofort forderte die„Dtsch- Tagesztg." ein strikkeS Verbot der Vieheinfuhr aus Frankreich. Die Agrarier möge» sich schon gefreut haben darüber, daß nun die Mög- lichkeit geboten sei. die Fleischpreise noch weiter in die Höhe treiben zu können. Diese Freude ist zu Wasser geworden, denn wie die „Münchener Post" mitteilt, hat die dortige Schlachthofdirektion bekannt gegeben: „Gegenüber verschiedenen Blättermeldungen über den Aus- bruch der Maul- und Klauenseuche bei französischem Schlachtvieh im hiesigen Schluchthofe wird amllich festgestellt, daß vor kurzem ein Ochse französischer Herkunst an dieser Seuche in sehr geringem Grade frisch erlrankle. Das betreffende Tier war'bereits sieben Tage vor seiner Erkrankung über die Grenze gelangt und schon vier Tage im Schlachlhofe aufgestellt, so daß die Ansteckung ganz zweifellos im hiesigen Schlachthofe durch Zwischenträger erfolgt ist, nachdem ivenige Tage vorher die Seuche neuerdings ausgebrochen war.'DicL wird noch weiter dadurch bestätigt, daß sämtliche übrigen auS Frankreich eingeführten Rinder gesund ge- blieben find." Also nicht der französische Ochse hat die deutschen Rinder, sondern verseuchtes deutsches Vieh bat den französii'chcn Ochsen an- gesteckt. Ja, das deutsche Rindvieh ist gefährlich, besonders gewisse Exemplare, die im Bund der Landwirte gehegt und gepflegt werden. Folge« der Lebensmittelverteuerung. i Die außerordentlich hohen Fleischpreise müssen notwendiger! Weise zu einer erheblichen Verschlechterung der Lebenshaltung des! arbeitenden Volkes führen. Dies zeigt sich in erschreckender Deut- lichkeit an dem regelmäßigen Bericht über die Frequenz des Schlacht- und Viehhofes in A u g s b urg. Nach diesem hat der Konsum an Pferdefleisch in den letzten Monaten bedeutend zuge- nommen. So sin» im Monat August nur 19 Pferde geschlachtet worden, im Septem&r 23, im Ottober 40, im November 44 und in der Zeit vom 1. bis 9. Dezember allein 37 Stück, Der Verbrauch an Pferdefleisch wäre noch viel höher, wenn nicht M a n g e l a n Schlacht pferden vorhanden wäre. Dabei ist infolge der milden Witterung noch verhältnismäßig geringe Arbeitslosigkeit zu verzeichnen._ Ter Kaiser als Theologe. Der in Altötiing erscheinende Altöttinger„Liebfrauenbote", ein Sonntags erscheinendes Blatt, bringt eine Mitteilung, die der Bcncdiktinerabt von B e u> o n, der in Allötting zu Besuch war, übe' eine Unterredung mit dem deutschen Kaiser ge- macht hat. Dieser habe ihm erzählt, wie er einst einem frei- deukerischen protestantischen Theologen einen Gottesbeweis gel liefert habe. Fast eine Stunde habe der Kaiser dem Professor zu- gehört, der sich plagte, zu beweisen, daß Christus nicht Gott gewesen sei. Als er geendet, fragte ihn der Kaiser:„Herr Professor haben Sie schon einmal zu Ihren Schülern gesagt:„Ich bin der Wein- stock, und ihr seid die Reben?"„Nein, Majestät!"„Glauben Sie, daß vor Ihnen schon ein Professor so gesagt hat?"„Nein Majestät I"„Werden künftig die Professoren ihre Schüler so anreden?" „Sicherlich nicht 1"„Gut. Herr Professor!" habe der Kaiser ge- schloffen.„Weil also kein Lehrer so sprechen kann und sprechen wird, wie Christus gesprochen hat. darum glaube ich, daß Christus nicht bloß Mensch, sondern auch wahrer Gott ist!"— Das Beispiel vom Weinstock und den Reben hat der Kaiser schon einmal angewandt; er trug es in seinem vollen Wortlaut in die Bibel ein, die in der protestantischen Garnisonkirche in Straßburg ausliegt. Der Bibeltext lautet:„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun." Nexhäuser als demokratischer Redakteur. Der frühere Redakteur des Verbandsorgans der Buchdrucker Ludwig Rerhäuser beabsichtigt, in die Redaktion der demokratischen „Konstanzer Abendzeitung" einzutreten. Die Verbandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Rexhäuser ging von Leipzig bekanntlich nach St. Gallen und trat dort in den Verlag der Schweizerischen typo- graphischen Zeitschrift ein._ Frcisinnig-nationalliberales Wahlabkommen. Der engere Ausschuß der nationalliberalen Partei Badens hat, wie die„Bad. Laiidcsztg." mitteilt, dem Abschluß eines Wahl abkommcns mit der Fortschrittlickien Volkspartei für die nächsten Reichstagswahlen grundsätzlich zugestimmt und nach Anhörung der in Betracht kommenden Parteiorganisationen die Parteileitung be- austragt, die Verhandlungen mit der Fortschrittlichen VvlkSpartei zu Ende zu führen._ Zum Weihnachtsfeste abgeschoben. In Landeshut i. Schlei, mußten alle tschechischen Industrie- arbeiler ihren Wvhnsitz ausgeben und wieder über die Grenze gehen, soweit sie sich dort erst»ach dem 1. Januar 1909 niederließe». Die meisten stehen ganz niiltellos da. Besonders hart loerden eine Anzahl Seidenweber getroffen. Monatelang ist in der Seidenweberei wegen schlechten Geschäftsganges so wenig verdient worden, daß Schulden gemacht werden mußten, um nur notdürftig leben zu können. Jetzt jagt w"' sie fort, die bisher gut genug waren, für die Fabrik- besitzet Aichtümer zu schaffen. Sie können aber am 1. Februar wiederkommen: um am 20. Dezember 1911 wieder hinausgejagt zu werden._ Cnglanck. Der Stand der Wahlen. London, 17. Dezember. Die Wahlen gehen ihrem Ende zu. Bisher sind gewählt 267 Liberale. 276 Unionisten, 43 Vertreter der Arbeiterpartei, 72 Anhänger Redmonds und 9 Anhänger O'Briens. Die Liberalen gewannen 23, die Unionisten 27 und die Arbeiterpartei gewann 4 Sitze. Die Arbeiterpartei hat aber ihre Mandatszahl gegenüber ihrem früheren Besitzstand um drei vermehrt. Es sind bloß mehr 9 Mandate zu besetzen. Gegen das Wettrüsten. London, 17. Dezember. Die liberalen„Daily News" schreiben über die englisch-deutichen Beziehungen:„UnionismuS und Liberalismus sind zwei verschiedene Regierungs- Methoden, die auch ein ganz verschiedenes Verhalten einer Re- gierung notwendig machen, sowohl in den auswärtigen wie inneren Angelegenheiten des Landes. Die erste Pflicht einer liberalen aus- wartigcn Politik ist. die Ententen mit Rußland und Frankreich zu einem internationalen Instrument zu machen, aber rncht zu einem Instrument des internationalen Antagonismus. Wir müssen eine Entente Cordialc mit zwei anderen Ländern einzugehen suchen, nämlich mit den Vereinigten Staaten und Deutsch- land. Wir würden das letztere Land schon gewonnen haben, wenn wir das scheinbare Gegengewicht der Tripleententc gegenüber der Triplealliance aufgehoben hätten. Die Rede des Herrn v. B e t h- mann Hollweg kündigt die Eröffnung einer neuen Aera in den euglisch-deutschen Beziehungen an. Eine Entente mit Deutschland müßte die Entente mit Rußland und Frankreich ver- vollständigen und wird, ob mit oder ohne eine bestimmte Formel, es dahin bringen, der Rivalität in den R ü st u n g e n, die zwi- schen diesen Ländern und Deutschland besteht, endlich ein Ende zu machen,".. Dänemark. Das Urteil gegen Alberti. Kopenhagen, 17. Dezember. Das hiesige Kriminalgericht verurteilte heute den früheren Justizminister Alberti wegen Betrügereien im Gesamtbetrage von zirka 15 Millionen Kronen zu acht Jahren Zuchthaus. Außerdem werden ihm die Kosten für den Verteidiger und den Ankläger im Be- Irage von je 1500 Kronen auferlegt. Dolland. Miuisterkrise. Haag, 17. Dezember. Die Kammer beriet heute über das Heeresbudget. Der Kriegöminister erklärte die Tagesordnung des orthodoxen Protestanten Duyinaer van Twist, nach der die Auf- besserung der Offiziersgehälter bis nach der Vermehrung ihrer Pension v er sch ob en werden soll, für u n a n n e h m b a r. Nach bewegter Debatte wurde der Antrag mit 36 gegen 31 Stimmen irotzdem angenommen. Der Kriegsminister hat sich infolge des Beschlusses entschlossen, von seinem Posten zurückzutreten. Elmeinka. Die Zollrevision. Washington, 17. Dezember. Champ Clark, der voraussichtliche Sprecher im neugewählten Kongreß, hat eine Versammlung der demokratischen Mitglieder des Kongresses einbernfen, um über die T a r i f r e v i si o'n zu beraten. Er erklärte, er persönlich sei für Revision des Tarifs durch Zusatzartikel, anstatt durch einen gänz- lich neuen Gesetzentwurf. Welcher Weg übrigens immer ein- geschlagen werde, eS dürfe dies nur geschehen nach eingehender Prüfung durch das Komitee für Mittel und Wege. Kanada. Die Handelspolitik. Ottawa, 17. Dezember. Die Vereinigung der Farmer hat dem Premicnninister Laurier eine Resolution unterbreitet, i» welcher eine Tarlsrevision auf der Grundlage der Reziprozität mit den Vereinigten Staaten verlangt wird. Laurier erwiderte, in bezug auf die Reziprozitätsverhandlungen sei noch kein Abschluß erzielt, und während der Verhandlungen sei eine Aenderung des Tarifs nicht ratsam. Er sei für einen freien Austausch aller Naturprodukte und Lebensmittel; ein freier Austausch von Jndustrieartikeln aber sei schwer zu erreichen. Em Induftm und Rande!» Vrotpreise. Wenn man das Toben der Junker gegen die Arbeiter ver- nimmt, sollte man wirklich bald glauben, das Volk habe gar keine Ursache, sich gegen die herrschende Wirtschaftspolitik aufzuregen. Die Statistik beweist aber das Gegenteil. Zwar sind in den letzten Monaten die Preise wieder gesunken, daß aber auch jetzt noch die Brotpreise, neben den unerschwinglichen Fleischpreisen, ein Notstands» Niveau behauptet haben, ergeben die Ermittelungen des Slatistischen Amtes der Stadt Berlin. Nach den Ergebnissen der im Ostobcr und Anfang November vorgenommenen Stichproben kostete nämlich ein Kilogramm Brot: 1903 1910 äJfcnmae fingen l.)03 •Pl-nmge mehr in Proz. von Roggen.. i. 23,73 26,72 12,6 von Weizen.... 41,63 52,93 27,1 In solch scharfer Weise ist dem Volke das wichtigste NabrungS- mittel verleidet worden, und zwar in einer Zeit der besten Ernten, die Deutschland je zu verzeichnen hatte. Diese Trübnng bekommt ihre furchtbare Bedeutung erst unter Berücksichligung der unerhörten Fleischpreise, die für Tausende Proletarier den Fleischgenuß satt vollständig ausschließen. Und nun schicken sich Regierung, Scharf- macher, Junker und Ultramontane an, das Volk, das gegen Polizei- brutalitäten protestiert, mit Knebelgesetzen den Mund zu verschließen und eS in seiner Wehrfähigkeit gegen die schamlose Ausplünderung einzuengen._ Preußen als Bergherr. Durch die bor einigen Jahren angenommene Novelle zum preußischen Berggesetz war die Mulungsfreiheit für Steinkohlen auf einige Jahre gesperrt worden, bis der preußische BergfiskuS sich 260 Maximatfeldcr hatte verleihen lassen. Das ist nun kurz vor Ablauf der Frist geschehen. Neulich verlautete bereits, daß ihm das Feld Geldern verliehen sei. Jetzt wird nun noch bekannt gegeben, daß auch auf der rechten Seite des Rheins sich der Fiskus etwa 450 Millionen Quadratmeter gesichert hat. Insgesamt stellen die neu verliehenen Felder einen Komplex von zirka 240 Feldern dar. Der Fiskus ist jetzt in Rhein» land-Westsalcn der mächtigste Besitzer von Kohlenfclder», die freilich erst noch aufgeschlossen werden müssen. Doch hat bereits der Bau der bisherigen Schachtanlagen eine Umwälzung in den Syndikats- Verhältnissen gebracht. Die Förderung der fiskalischen Zechen, die in stetigem Steigen begriffen ist, macht schon heute dem Kohlen- syndikat große Sorge. Die Bedrängnis des Kartells ist so groß, choß man sogar dem FiskuS de» früher so hartnäckig verweigerleu Eintritt in das Syndikat angeboten hat, außerdem ihm aber auch noch die restlichen Aklicn der Hiberma ausliefern will. Jedenfalls wird in Zukunft der preußische FiLkuS im rheinisch-westfälischeu Kohlenrevier einen ebenso respektablen Faktor bilden, wie es bereits jetzt in Schlesien und an der Saar der Fall ist. Die Herren Kohlen- barone sind nicht mehr unter sich, sondern müssen sich unter Um- ständen auch die Einmischimg des Parlamentes in ihre Preis- und Arbeiterpolink gefallen lassen.__ Die österreichische Großcinkaufsgescllschaft als Fleischimporteure. Die GroßeinkausSgesellschast der österreichischen Konsumvereine hat von der Regierung unter gewissen Bedingungen die Erlaubnis erhalten, im Januar 1911 660 Tonnen argentinisches Fleisch einzuführen. Auch die Wiener Stadtverwaltung hatte sich später mit dem gleichen Ersuchen an das Handelsministerium gewandt, war aber abs-blägig beschieden worden, da eine zweite Bewilligung für Januar die mit der Austro-Americana-Gesellschast getroffenen Ab- niachungeir nicht gestatteten. Die GroßeinkausSgesellschast beschloß, da das ihr bewilligte Eigenquantmn ihren Eigenbedarf übersteigt, 150«Tonnen davon der Wiener Großschlächterei mit einem halben Prozent Nutzen zu überlassen. Als nun die Gesellschaft erfuhr, daß auch die Gemeinde Wien die ernste Absicht hatte, die Bevölkerung mit billigem Fleisch zu versorgen, die Erlangimg der Erlaubnis hierzu aber auf Schwierigkeiten stieß, erklätie sie sich sofort bereit, auf jencö Geschäft zu verzichten und der Gemeinde volle 400 Tonnen zum Selbstkostenpreis zu überlassen resp. der Stadt die Gesamteinfuhrbewilliguna abzutreten mit der Bedingung, daß ihp davon 250 Tonnen zu den gleichen Bedingungen überlassen würden. Die Stadt Wien Hai dieses Anerbieten natürlich gern akzeptiert, und so wird durch dieses uneigennützige Borgehen der österreichischen Konsumvereine nun auch die Gesamibevölkerung von Wien in den Genuß des billigen argentinischen Fleisches kommen. Eine Subventiousklausel. Die 1860 gegründete Oesterreichische Donau-DampfschiffahrtS- Gesellschast erhielt 1892 eine Slaatssubvention von 500 000 Kronen und ebensoviel Vorschuß. Diese Unterstützung sollte bis 1900 ge- zahlt werde», um die nötigen Anschaffungen zu sichern. Durch einen der bekannten Verfassungsbrüche mittels des Z 14 bewilligte sich die Regierung die Weiterzahlung der Subvention aus ein Jahr. Und seil 1902 zahlen die Regierungen die Subventionen ohne jede gesetzliche Grundlage weiter, ja sie haben sie sogar beträchtlich erhöht— aus 1200 000 Kronen nicht rückzahlbare Subvention, die seit 1907 gezahlt wird. Nun ist den. Reichsrar der neue Vor- trag des Staates mit der Oe. D. D. G. zugegangen— danach soll die Unterstützung durch 25 Jahre, aus 1'/, Millionen Kronen erhöbt, festgelegt werden. Die einzige Gegen- leistung der Gesellschaft ist die Einführung einer Eilfabrt Linz— Wien, alle anderen Konzessionen sind Anerkennungen selbstverständlicher Grundsäve. wie Unterordnung unter strategische Rücksichten(gegen vorher sestges-tzte Entschädigung), Regierungsgenehmigung für Obli» galionenauSgabe usw. Die Gesellschaft darf fortan in ihrer T a r i s- freiheit von der Regierung„nicht genieret werden" usw. Dabei könnte die Regierung sehr wohl einen Druck ans die Gesellsckmst ausüben, da sie die Aktien der Süddeuislben DampsschiffahrtSgesellschaft besitzt. Aber— und hier liegt der Prügel beim Hunde— der!. k. Settionschef a. D. Monka ist Präsident der Gesellschaft, der k. k. chrfftlichsoziale Ackeibanminister a. D. Dr. Ebcnhoch sitzt iin Ver- waltungsrat der Gesellschaft, mit der der christlichsozial« Handels, minister Dr. Weißkirchner Verträge schließt. Die erste Tat dieses so ergänzten VerwaltungSratss war—- die Verdoppelung der Tantiemen! Uebrigcns hat die Regierung Vienerth auch sonst ähnliche Dinge getrieben. Offenbar der Gleichberechtigung halber. Der Austro- Amerikaner hat sie voriges Jahr ohne jede gesetzliche Ermächtigung L'/z Millionen Kronen ausgezahlt. Vielleicht registriert man dieje Taten auch aus das Altivkonto dcS Deutschtums? J GewerkrcbaftUcbe� Cm Klarrenjuftiz-Ürteil in frankrcicb. Am 25. November verurteilte das Schwurgericht zu Nauen in Frankreich den Sekretär der Gewerkschaft der 5?ohlenvcrlader, Durand, zum Tode, sowie einen Mitange- klagten zu 15- und zwei andere zu 8 jähriger Zwangsarbeit. Die Angeklagten wurden der„Ermordung" eines Streik- brechers gelegentlich eines Quaiarbeiterausstandcs in Havre bezichtigt. Bei diesem Streik fungierte ein Mann namens Dongä als Arbeitswilliger. In einer Versammlung soll Durand über einen Antrag, durch welchen Dongä„zum Tode verurteilt" wurde, abstimmen lassen haben, worauf der An- . trag einstimmig angenommen worden sei. Kurz danach wurde Dongs, in betrunkenem Zustande, von gleichfalls be- trunkenen Streikenden, die aber an jener Versammlung gar nicht beteiligt waren, in einen Exzeß vciwickelt, bei dem er ums Leben kam. Das war anfangs September, vier Wochen vor dem Generalstreik der Eisenbahner, in dessen Verlauf der franzö- fische Ministerpräsident Briand an alle Richter und Ma- gistratspersonen ein Rundschreiben richtete, in dem das strengste Einschreiten gegen alle Gewerkschaftsleiter verlangt wurde, die zur Sabotage oder sonstigen Gewalttaten aus- forderten. Das ließen sich die Richter von Rouen nicht zwei- mal sagen. Zwar ergab die gerichtliche Klarstellung des Tat- bestandes keinerlei Beweis dafür, daß ein Beschluß gefaßt sei, Dongs zu töten. Nur behauptete ein Zeuge. Durand habe erklärt, nian werde sich des Dongs zu entledigen wissen. Durand bestritt diese Aeußerung und nannte 75 Zeugen, die das Gegenteil beweisen würden. Er hatte aber kein Geld, diese- Zeugen von Havre nach Rouen selbst zu laden. Zahl- reiche Zeugen, darunter ein Arzt, erklärten. Durand selbst sei Abstinent und habe in jener Versammlung sehr maßvoll gesprochen. Tie Geschworenen sprachen ihn der Tat schuldig, waren aber selbst erstaunt darüber, daß ihr Spruch zu einem Todesurteil des Richters führte. Dieses ungeheuerliche Urteil gegen einen Gewerkschafts- leiter hat in französischen Gewerkschaftskreisen große Er- regung hervorgerufen. Allenthalben finden öffentliche Protest- Versammlungen statt, in denen für den Fall, daß das Urteil nicht aufgehoben werde, der Generalstreik angekündigt wird. Die Witwe des Getöteten hat an den Verteidiger des zum Tode Verurteilten ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: „Nach Beendigung der Assisenverhandlung fühle ich mich gedrängt, mich denen anzuschließen, die gegen das Urteil pro- testieren. Ich habe während der Verhandlung mich als Privat- beteiligte darauf beschränkt, das Recht meiner Kinder, der Opfer des an meinem unglücklichen tviann begangenen Totschlages, zu verteidigen und es mir versagt, auch nur die geringste Beschuldi- gung gegen jemanden zu erheben. Aber ich möchte keinen Anteil an der Verurteilung Durands zum Tode haben, die um so unbe- grrislichcr ist, als er wohl gleich anderen, die straslos geblieben sind, unbedachte Worte geäußert, aber doch nicht selbst Gewalt geübt hat. Ich bin selbst Arbeiterin und wünsche das Gnaden- gesuch für Durand zu unterzeichnen. Es wäre mir ein Trost in meinem Unglück, zu hoffen, daß alle Welt verstehen wird, daß ich, indem ich für meine Töchtcrchen vor Gericht pflichtgemäß Ersahansprüche stellte, doch auch die Pflicht empfand, nicht zn per- gesscn, das? ich selbst der Welt der Arbeiter angehöre, die so müh- selig um ein Stückchen Brot mehr und um etwas harte Behand- lung weniger ringen." Diese einfache Arbeiterin beschämt die gesamte bürger- liche Presse Frankreichs, die auf das eifrigste bemüht ist, den bedauerlichen Totschlag nach allen Regeln der Kunst politisch gegen die Arbeiterklasse auszuschlachten. Aber die französische Arbeiterschaft steht nicht allein mit ihrem Protest. Tie deutschen Gewerkschaften schließen sich ihr an in der Verurteilung des ungeheuerlichen Justiz- Verbrechens. Wir verurteilen nicht minder scharf wie unsere französischen Genossen die unglückselige Tat, die der Sache des Proletariats niemals Vorteil, sondern nur Unheil bringen kann. Aber tausendmal schlimmer als diese unsinnige Tat ist das Verbrechen, kaltblütig von Rechts wegen einen Un- schuldigen zum Mörder zu stempeln, weil er Leiter des Streiks war, während dessen der Totschlag sich ereignete. Das fordert den Protest jedes rechtlich denken Menschen heraus. Tie deutschen Gewerkschaften wissen sich um so mehr einig mit den Gefühlen ihrer französischen Genossen, als auch in Deutschland vor 11 Jahren der Versuch gemacstl wurde, die Gewerkschaftsleiter für alle Gesehesübertretungen, die im Verlauf eines Streiks vorkämen, strafrechtlich haftbar zu machen, und die damals erfolglos gebliebenen Anstrenguklgen jetzt nach den Vorgängen in Moabit mit verstärktem Eifer wieder ausgenommen werden. Die Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands hat deshalb an die Confäderation Gsnerale du Travail in Frankreich ein öffentliches Schreiben gerichtet, das der französischen Arbeiterschaft zu ihrer Protest- bewcgung gegen das Urteil von Rouen die volle Stimpathie der deutschen Gewerkschaften übermittelt. Das Schreiben lautet: „Die G. d. G. D. hat aus der Arbeiterpresse Frankreichs und auö de», Berichte der C.&. d. T. Kenntnis genommen von dem Urteil der Jury des Seinedepartements gegen den Genossen Du- rand, das in bisher noch nicht erreichter Weise die Klassenjustiz zum Ausdruck bringt. Sie hat auch Kenntnis genommen von dem Protest der organisierten Arbeiterschaft Frankreichs gegen dies unerhörte Urteil. Sie schließt sich im Namen der von ihr vertretenen organi- sierten Arbeiterschaft Deutschlands aus vollem Herzen und in vollster Ueberzeugung diescin Proteste an. Sie kann dies um so mehr tun, als auch in Deutschland mehr als bisher der Versuch gemacht wird, die Leiter der Gewerkschaften für einzelne bei Streiks zu verzeichnende verurteilungöwürdige Vorkommnisse verantwortlich zu machen. Frankreich galt bis zu dem Tage des Urteils von Rouen als daS Land, in welchem die Richter nach der erwiesenen Straftat des Angeklagten und nicht im Interesse der Unternehmer, welche die Arbeiter zum Streik zwangen, urteilten. Wird das Urteil von Rouen aufrechterhalten, so wird dieses Renommee Frankreichs nicht nur verloren sein, son- der» in alle» anderen Ländern wird man bei der Begründung von Zwangsmaßregeln gegen Streikende und gegen die Gewerkschaften auf das Beispiel verweisen, das die Richter im republikanischen Frankreich gegeben haben. Deswegen muß und wird auch die Arbeiterschaft Deutschlands Protest dagegen erheben, daß die Richter sich vollständig in den Dienst des Unternehmertnms stellen und durch Urteile, wie das von Rouen, die Arbeiter zu verhindern suchen, durch Einstellung der Arbeit höheren Lohn und kürzere Arbeitszeit zu erkämpfen nnd sich einen größeren Anteil an dem Ertrage der von ihnen geleisteten Arbeit zu sichern. Die Arbeiter Deutschlands werden sich in ihrer Presse und in Versammlungen diesem Proteste anschließen, den>oir in vollem Einverständnis mit den uns angeschlossenen Organisationen erheben. Wir versichern die Gewerkschaften Frankreichs unserer voll- sten Shmpathie und sind überzeugt, daß sie die gegenwärtige Reaktionsperiode nicht nur Überdauer» werden, sondern, nach Ctiontffi. Ntdakt.z Richard Barth, Berlin. Lnjeratenteil verantw.z ihrer Neberwinbung, der Arbeiterklaffe im wirtschaftlichen und' politischen Kampfe den vollen Sieg erringen helfen. Mit brüderlichen Grüßen Die Generalkommission der Gewerkschaften Teutschlands." Lerlln uncl Qmgegenck. Ein deutscher Heimarbeitertag wird am 12. Januar 1V11 in Berlin stattfinden in der Neuen Philharmonie, Kvpenicker Str. 96/97. Die Heimarbeiter und ihre Freunde wollen bei dieser Tagung in letzter Stunde, ehe im Reichs- tag über das Hausarbeitsgcsetz Beschluß gefaßt wird, in einer ein- drucksvollen Kundgebung noch einmal die Forderungen erneuern, die durch das Hausarbeitsgesetz erfüllt werden müssen, wenn den schweren Mißständen der Heimarbeit gesteuert werden soll. Zu dieser Kundgebung werden sich Heimarbeiter aus allen Berufen und aus allen Teilen Deutschlands und Freunde der Heimarbeiter aus den bürgkrlichen Ständen vereinen, bei Vermeidung aller politischen Tendenzen und ohne Unterschied der gewerkschaftlichen Richtungen. Die Tagung wird vorbereitet durch einen Aktionsausschuß, an besten Spitze Profestor Dr. Ernst Francke- Berlin steht und dem ferner angehören Fräulein Margarethe Lehm und die Herren Ingenieur Bernhard, GiesbertS, M. d. R., Gold- schmidt, Krüger, Sassenbach, Robert Schmidt, M. d. R- Das Hauptreferat hat Profestor Dr. Robert H i l b r a n d t- Tübingen übernommen. Die Geschäftsstelle ist das Bureau für Sozialpolitik, Berlin, Nollendorfplatz 29/30. Regelung der Arbeitszeit in den Berliner Rcchtsanwaltsbureaus. Die vom Verband der Bureauangestellten(Sitz Berlin, Linien- straße 8) eingeleitete Bewegung der Berliner Anwaltsangestellten hat zu einem vorläufigen Erfolge des Verbandes geführt. Der Berliner Anwaltsverein, mit dessen Vertreter der Verband vor einiger Zeit über die Grundlage einer generellen Regelung der- handelt hatte, hat jetzt zur Regelung der Arbeitszeit in sämtlichen Berliner Anwaltsbureaus folgende Grundsätze aufgestellt: 1. Die Arbeitszeit wird auf höchstens 8'/z Stunden festgesetzt. 2. Ueberstunden sind tunlichst zu vermeiden und, soweit un- vermeidbar. besonders zu vergüten. 3. Die Bureaus sollen tunlichst um 7 Uhr abends geschlossen werden. Der Anwaltsverein war zu bindenden Abmachungen nicht zu bewegen: auch sind die Forderungen des Verbandes nur zum Teil erfüllt und vor allem sind die aufgestellten Grundsätze durch das Wort„tunlichst" stark verwässert. Wenn die Angestellten auf strikte Jnnehallung dieser Grundsätze dringen, wird � eine wesentliche Arbeitszeitverkürzung erreicht werden. An das rcchtsuchende Publikum, insbesondere die Arbeiterschaft ricknen wir den Appell, die kultur- fördernden Bestrebungen auf Verkürzung der Arbeitszeit in den An- wallsbureaus dadurch zu unterstützen, daß die Sprechstunden der Anwälte möglichst frühzeitig, nicht erst um 3 Uhr oder gar 7 Uhr abends aufgesucht werden. Wenn das Publikum diese Rücksicht auf die Angestellten übt, wird auch die jetzt meist zehn- und zwölfstündige Arbeitszeit verkürzt werden. Deutftheo Reich. Ausstand der Werkzeugschlosser. Bor etwa einer Woche wurde gemeldet, daß die Werkzeug- schlosser in Lüdenscheid beabsichtigen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Inzwischen hat der Arbeilgeberverein eine Versammlung abgehalten, in der beschlossen wurde, die Verhandlungen mit dem Deutschen Melallarbeiterverband abzulehnen und es jedem Arbeit- geber zu überlassen, in seinem Betriebe mit den Arbeitnehmern zu verhandeln Die erste Folge dieser Absage war, daß in einer An- zahl von Fabriken die Werkzeugschloster gekündigt haben. Ein merkwürdiger Aussperrungsgrund. In Rötha bei Leipzig, einem Hauptorte der Rauchwaren- brauche, haben die Uiiieruehmer etwa 530 Kürschner und Hckfs- arbeiter mit der Aussperrung bedroht, falls nicht bis zum 19. De- zember, nachiniltags b Uhr, die Ausschließung dreier Kürschner auS dem Kürschnerverband rückgängig gemacht worden sei. Die drei Mitglieder sind wegen Schädigung der Verbandsinteressen ausgeschlossen worden. Die Kürschner denken natürlich nicht daran, zu kuschen, so daß am 19. Dezember ein halbes Tausend Kürichnereiarbeiler auf der Straße stehen werden.— In Rötha stehen auch 70 Kürschner in Kündigung, weil drei Kollegen wegen der Weigerung entlasten wurden, den den Unternehmern zustehenden Teil der Kranken- und Jnoalidenverstche- rungSbeiträge zu zahlen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Zum Bergarbeiterftreik in Hausham. Die Streikenden lehnten einen erneuten Einigungsvorschlag ab, der besagt, daß ob 1. April aus eine Lohnaufbesserung nach Recht und Billigkeit eingegangen werden soll, soweit es in der Macht des Generaldirektors liegt. Aus der Zeche fand am Freitag eine Ver- sammlung der Ardettswilligen statt, an der der christliche Selrelär H i n t e r s e e r teilnahm. Sonst ist die Situation unverändert. Huslanck. Nachwehen vom Eiscnbahnerstreik. Ueber die auf den französischen Nordbahnlinten seit dem Visen- bahnerausstand bestehende Lage wird berichret, der Gütertransport erleide außerordentliche Verzögerungen. Die Zahl der im Rück- stände befiudlichen FrachlwaggonS werde auf 29 000 geschätzt: außerdem seien gegenwärtig 2300 Waggons infolge bösen Willens der Eisenbahner nach falschen Stationen abgelassen, ihr richtiger Bestimmungsort sei vorläufig nicht festzustellen. Die in- duslriellen und Bergwerksgesellschasten von Nordfrankreich könnten' trotz des dringendsten Ersuchens kaum ein Zehntel der von ihnen geforderten Waggons erhallen. Die Vorräte m den Kohlenbergwerken der Norddeparrements seien so sehr angewachsen, daß bereits die Möglichteil ins Auge gefaßt worden sei, die Berg- leure ein oder zwei Tage wöchentlich feiern zu lasten. Ein hoher Bahnbeamter erklärte einem Berichterstatter, eine weitere Ver- schlimmerung würde geradezu einen gefährliche» Zustand herbeiführen. Wenn die Eisenbahner nichr bald ihre Pflicht täten, müßten andere Maßnahmen getroffen werden. Der amerikanische Gewerkschaftskongreß. Die Gäste des Kongrestes aus England und Kanada wurden, wie üblich, reich beschenkt.— Die seit dem Denwer-Kongreste be- stehende Fortbildungsschulkommission unterbreitet einen längeren Bericht, in der der gewerbliche Fortbildungsschulunterricht ge- fordert wird. Die Kommission, die zu diesem Zwecke große Er- Hebungen angestellt und sich mit Parlamentariern in Verbindung gesetzt hat, wird ihre Arbeiten fortsetzen.— Nach Erledigung einer Anzahl Grenzstreitigkeiten und nachdem ein Delegierter aus Wiunipeg(Kanada) den Versuch der russischen Regierung, einen dort auf ihre Veranlassung verhafteten Flüchtling und Mitglied der ersten Duma, Sarva Federenko, ausgeliefert zu er- halten, geschildert hatte, wurde die von den kanadischen Gewerk- schaften in Szene gesetzte Gegenaktion unter großem Beifall ein- stimmig gutgeheißen. Der neunte Kongreßtag wurde völlig mit der Erledigung von Grenzstreitigkeiten ausgefüllt.— Die Frage des Anschlusses der Western Federation os'Miners(Bergarbeiter), die dann aber den Einschluß aller im Bergbau Beschäftigten verlangen, so wie dies schon den bisher angeschlossenen United Mine Workers ge- währt war, beschäftigte den Kongreß sehr eingehend am zehnten Perhandlungstage, doch mußte sie schließlich erneut auf den näch- sten Tag vertagt werden. [ Ein Anlrag'der Nefo Iorkcr Gewerkschaften, eine AgilakioN einzuleiten zur Abänderung der Konstitution der Vereinigten Staaten in der Weise, daß die Rechte der Arbeiterklasse gewähr- leistet und alle möglichen Einhaltsbefehle unmöglich gemacht werden, und der u. a. mit dem„zunehmenden Klassenkampfe zwischen Kapital und Arbeit" begründet war, wurde glatt abge- lehnt, doch soll die sogenannte„Wilson-Bill", die sich gegen die Uebergrifse der Gerichte wendet und die Errichtung eines Arbeits- Ministeriums vorsieht, propagiert werden. Angenommen wurde auch ein Antrag, der sich gegen die Konkurrenz und Schleuder- preise der' Gefängnisaröeit wendet, sowie ein anderer, der zur finanziellen Unterstützung der streikenden Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen in Chicago auffordert. Die Shmpathie und Unter- stützung des Kongrestes wurde in gleicher Weise den streikenden 7000 Tabakarbeitern in Tampa(Florida) ausgesprochen, wo eine Art freiwilliger und bewaffneter Bürgerwehr im Einverständnis mit den Behörden ein Schreckensregiment führt, die Arbeiterführer sämtlich gesangen hält, ihre Bureaus mit Gewalt geschlosten hat usw., so daß die Organisationstätigkeit völlig unterbrochen war. Als völlig zwecklos wurde es bezeichnet, den Rechtsweg dagegen zn beschreiten, denn die Unternehmer würden jeden tüchtigen Anwalt, an den die Arbeiter sich wenden könnten, sofort bestechen. Einem Antrage des Musikerverbandcs wurde zugestimmt, der sich gegen die Zulassung im Auslände angeworbener Musiker wendet, die bisher von den Einwanderungsgesetzen unbehelligt ge- blieben sind. Um die Gewerkschaften innerhalb der einzelnen In- dustrien näher zusammenzubringen, soll eine besondere Kom- Mission dem nächsten Kongreß Vorschläge auf Schaffung weiterer Jndustriedepartements machen. Besondere Genugtuung wurde über die Fortschritte der Bewegung für das Einwanderungsverbot der gelben Rasten zum Ausdruck gebracht. Ebenso wurde die Er- klärung im Berichte Gompers, die Gewerkschaften müßten wohl Prinzipien, nicht aber bestimmten Parteien folgen, gutgeheißen. Sein Berickü über die gute Wirkung des Anschlustes an das inter- nationale Gewerkschaftssekretariat wurde mit Befriedigung auf- genommen und beschlosten, zur nächsten internationalen Konferenz in Budapest einen Delegierten zu entsenden mit dem Auftrage, die in Paris(1909) vorgelegten Anträge auf Schaffung eines Ar- beitsbundes der Welt und auf Fernhaltung des Zuzuges in Länder, in denen Arbeiter im Streik stehen, erneut zu vertreten. Die Gcwerkschaftsmarke, die in manchen Gegenden arg miß- braucht wird, in anderen wiederum keinerlei Bedeutung erlangen konnte, beschäftigte den Kongreß am elften Vcrhandlungstage. Um die Herkunft der gezeichneten Waren nachprüfen zu können, soll die Marke ulöglichjt aus Stoff gedruckt sein und die SektionS- nummer in roter Farbe enthalten, doch lehnte man den Antrag, eine einheitliche Schutzmarke einzuführen, ab, weil gut eingeführte Marken dadurch an Wert verlieren würden. Nach Erledigung von Statutenänderungen wurde die Anschlußsrage der Bergarbeiter des Westens erneut aufgenommen. Vizepräsident O'Counell ver- trat den Standpunkt, daß die Rechte der Maschinisten und anderer Gewerkschaften entgegen den Statuten des Bundes benachteiligt würden, wenn die in Bergwerken ständig beschäftigten Arbeiter aller Kategorien der Bergarbeiterorganisation zugesprochen würden. Präsident Gompers entschied in gegenteiligem Sinne, und dieser Auffassung trat auch der Kongreß bei. Mit 7792 gegen 7107 Stimmen bei 529 Stimmenthaltungen wurde schließlich beschlossen, die Angelegenheit dem Zentralvorstande zur gütlichen Regelung zu überlassen. Damit sind die Bergarbeiter nominell dem Bunde angeschlosten. Einstimmig beschloß man darauf eine Protest- resolution gegen die durch die Presse verbreitete falsche Notiz, daß Gompers sich gegen die Organisation der Zieger gewandt habe. In der Resolution wird erklärt, daß der Gewertschnftsbund sich nach wie vor bemühen wird, alle Arbeiter ohne Rücksicht auf Rasse, Farbe, Zkationalität, religiöse oder politische Anschauung ztj organisieren. Die Vorstandswahlen ergaben einstimmige Wiederwahl Gompers' zum Präsidenten, wie auch der übrigen Funktionäre. Zur internationalen Konferenz in Budapest wurde der Erste Vizepräsident, I. D u n c a n, gewählt. Der nächstjährige Kongreß des Gewerkschaftsbundcs tpird in Atlanta stattfinden. kommunales. Tie vergewaltigte Minderheit. Gegen das Verhalten des Stadtverordneten Cassel, der in der letzten Stadtverordnetenversammlung gegen eine Wiederholung der höchst zweifelhaft gebliebenen Abstimmung protestiert hatte, hatte mit Recht u. a. die„Berliner Volkszeitung" geltend gemacht, eine derartige Vergewaltigung habe bösbs Blut machen müssen. Bei zweifelhaft erscheinenden Abstimmungen schreite der Präsident stets zur Gegenprobe. Auch im Reichstag habe Graf Stolberg noch im vergangenen Jahre auf Antrag der Fortschritt- lichen Volkspartei sogar eine klare Abstimmung wiederholen lassen. Diesen berechtigten Feststellungen gegenüber verbreitet eine magistratsoffiziöse Korrespondenz zur Rechtfertigung TastelS. auch der Genosse Singer habe aus ganz gleichem Anlaß Einspruch gegen eine nochmalige Abstimmung erhoben. Dieser Entschuldi- gungsversuch haut bös daneben: niemals ist von Singer bei zweifelhaften Abstimmungen gegen eine Gegenprobe protestiert. Cassel aber hat, wiewohl der Vorsteher selbst zugab, daß das Re» sultat der Abstimmung zweifelhaft sei— es sollten 2 Stimmen Mehrheit sein— und zur Wiederholung oder zur Gegenprobe bereit war, gegen eine Wiederholung einer Abstimmung, ins» besondere auch gegen eine Gegenprobe protestiert. Und sodann hat, durch Cassels völlig verkehrte und zum mindesten illoyale AuS- legung der Geschäftsordnung verführt, der Vorsteher Michelet den bekannten klaren, beispiellosen Bruch der Geschäftsordnung be- gangen, durch den die angebliche Minderheit und tatsächliche Mehrheit vergewaltigt wurde. Die„liberalen" Herren Cassel und Michelet rütteln vergebens an der Feststellung ihrer illoyalen Handlungsweise. Der Stadtverordnetenversammlung wäre die durch ihren Vorsteher ihr zugefügte Schande erspart geblieben, wenn nicht entgegen dem StärkeverhältniS der sozialdemokratischen Fraktion dieser eine Vertretung im Bureau der Stadtverordneten- Versammlung durch die.Liberalen" abgeschnitten wäre. Hetzte JVachrkhten, Das Unwetter im Kanal. London, 17. Dezember.(B. H.) Der Sturm im Kanal dauert mit großer Heftigkeit an; der Wind wehte mit einer Stärke von 129 Kilometer pro Stunde. Kein Schiff konnte die Häfen am Kanal verlassen. In Swingate TownS, nahe von Dover, hat der Sturm den Schuppen, der den Zweidecker des englischen Aviatikcrs Gros- well barg, vollkommen zerstört und auch den Apparat vollkommen unbrauchbar gemach». «t London, 17. Dezember.(B. H.) In Whitehavcn hat sich infolge der fortgesetzten Regengüsse ein Erdsturz ereignet. Eine hohe Mauer, die zwei Kohlengrubenbezirke voneinander trennte, ist einge- stürzt und hat zwei Personen unter ihren Trümmern begraben. Ebenso sind zwei Bcrgarbeiterhäuser eingestürzt, die Bewohner unter sich begrabend. Sämtliche verschütteten Personen konnten aber geborgen werden. Von der.Cholera. Konstantinopel, 17. Dezember.(W. T. B.) In den letzten 24 Stunden sind 36 Personen an Cholera erkrankt und 11 ge- starben. Ttz.Gl»«r, Berlin. Druck u. Verla»: Vorwärt» Buchdr. u. Verlagsanstgll Paul Singer& Co., Berliy S W. Hierzu 7 Beilagen u.ynterhaltungsbi» Kr. 296. 27. Jahrgang. 1. Mngt ilrs Jonnätfü" Kkliim Jloltelilfllt. Sonntag, 18. Dezember 1910. Die tRoabiter Vorgänge vor Serlcht. Achtundzwanz>?gster Tag. Nach Eröffnung der Sitzung wurde die Beweisaufnahme über die Vorgänge bei der polizeilichen Ausräumung des Lokals von Lanzerat (im gestrigen Bericht irrtümlich Landsrat geschrieben) fortgesetzt. Schutzmann Kaczmarek stellt den Vorgang ebenso dar, wie die anderen Polizeibeamten: Nachdem aus dem Lokal geworfen worden sei, sei Leutnant Heck mit den Schutzleuten hineingegangen, er habe erst mit dem Wirt gesprochen, und als dieser sich weigerte, die (Ääste hinauszuweisen, habe Leutnant Heck die dreimalige Auf- forderung erlassen, diese fei von den Gästen mit Schreien, Schimpfen und Werfen beantwortet, dann sei das Lokal unter Waffengebrauch geräumt worden. Böttchermeister Drekolt hat am fraglichen Abend das Lokal besucht. Er ist als ein dem Wirt persönlich bekannter Gast von diesem hineingelassen worden. 20— 30 Gäste waren in dem Lokal. Der Zeuge sagt: Eben hatte ich nach meinem Eintritt ein Glas Bier bekommen und war im Begriff zu trinken, d a stürmten die Schutzleute mit blankem Säbel herein. I ch st e l l t e m e i n B i e r h i n. Da bekam ich auch schon einen Schlag über den Rücken. Ich lief nach hinten, die Schutzleute trieben mich zurück nach vorn. Hier standen die Schutz- leute in einer Reihe und jeder, der vorbeikam, wurde mit dem Säbel geschlagen. Nachdem ich meine Prügel bekommen hatte, ging ich zu dem im Lokal anwesenden Polizeileutnant Folte und bat ihn um Schutz. Der Herr Leutnant sagte zu mir:„Ach, Sie sind ja der Küfermeister aus der Waldstraße." Den Schutzleuten gab er die Weisung:„Dann lassen Sie den Herrn in Ruhe." Als ich sah, daß Herr Otto aucii�von den Schutzleuten geschlagen wurde, bat ich auch für diesen um Schutz beim Leutnant Folte. Herr Folte fragte mich, ob ich den Herrn kenne. Ich antwortete, es ist Zimermcistcr Otto. Da sagte Leutnant Folte zu den Schutzleuten: „Dann lassen Sie den Herrn auch in Ruhe." Als ich nach Hause kam, besah meine Frau meinen Rücken. Sie sagte, er sei ganz mit gelben und grünen Flecken bedeckt. So bin ich geschlagen worden. — Auf eine Frage des Rechtsanwalt Heine antwortet der Zeuge: In dem Lokal waren nur bürgerliche Leute, keine von der anderen Klasse. Eine Schaucrmär. Als Antwort auf eine Frage des Staatsanwalts er- zählt der Zeuge folgendes: Am Tage nach der Ausräumung ging er wieder in das Lanzeratsche Lokal. Er setzte sich neben den dort anwesenden Zimincrmeister Otto, der mit zwei Herren im Gespräch begriffen war. Als Drekolt an den Tisch trat, fragte einer der Unbekannten Herrn Otto, ob er den Herangekommenen kenne. Otto antwortete dem Manne:„Du kannst ruhig reden, der ist das- selbe, was wir sind." Nun erzählte der fremde Mann in Gegenwart Drekolts: Wir sind 40 Mann; wir haben heut Urlaub genommen und werden heut abend die Polizei auf einen Haufen locken. Dann gibt es noch einen ganz anderen Krawall wie bisher. Der fremde Mann hat auch an den„Vorwärts" telephoniert. Herr Otto sagte, der Mann sei ein Maurerpolier. Was der Mann er- zählt hat— so sagt der Zeuge Drekolt— das ist an demselben Abend in der Rostocker Straße eingetroffen. Auf einen Pfiff ist die ganze Straße dunkel geworden. Das war vorbereitet. Ferner sagt der Zeuge Drekolt: Am anderen Tage ging ich zum Polizei- leutnant Folte. Zuerst bedankte ich mich für die Prügel, die ich im Lokal von den Schutzleuten bekommen habe. Der Herr Leutnant sagte, es tut ihm leid, daß ich unschuldig dazwischen ge- kommen bin, aber wenn einmal eingehauen wird, dann kann die Polizei keinen Unterschied machen. Haupt- sächlich war ich zum Herrn Leutnant gegangen, um ihm mitzuteilen, was ich von dem fremden Mann gehört hatte. Der Herr Leutnant sagte, ich solle mal sehen, oh ich nicht erfahren könnte, wer der Mann-ist. Dann ging ich zum Oeäipus im Zlrkua. Ich glaube, wir haben Veranlassung, noch einmal gemütlich über den letzten und glänzenden Erfolg Max Reinhardts zu plaudern. Wenn wir auch vielleicht nicht viel dadurch lernen können, so wird doch manches dadurch vollkommen bestätigt. Zunächst springt bei diesem Triumph des Berliner Snobismus ins Auge, wie wenig wirkliche Ehrerbietung die Bourgeoisie für die Werte der klassischen Dichter hegt. Denn diese Dar- stellung, so bemerkenswert sie auch als Kundgebung eines begabten Regisseurs sein mag, ist im Grunde genommen doch nichts anderes, als ein an dem Dichter Sophokles, an den, alten, edlen und ge- strengen Dichter borgenommener Mord. Nicht, weil das Stück im Zirkus Schumann, wo sonst die Peitsche zu knallen pflegt, Akrobaten ihr Leben riskieren und die Leere der Zeit Orgien feiert, aufge- führt wird. Im Gegenteil, es würde angenehm und unterhaltend fein, wenn Direktor Schumann mit liebenswürdiger Erwiderung dieser Höflichkeit einige Galavorstellungen im„Deutschen Theater" oder dem„Königlichen Schauspielhause" geben ließe. Nicht weil ein Dichter etwas von seinen Federn oder seiner Reputation im Zirkus lassen könnte, sondern uni das Bezeichnende der Tatsache, daß ohne weiteren bcoeuwngsvollen Widerstand der bürgerlichen Presse eine Darstellung beweihräuchert oder akzeptiert wird, die eine dichterische Arbeit pietätlos in Fetzen zerrt, aus ihrem Zusammen- hang reißt, auf den Kopf stellt, der malerischen... Massen- Wirkungen wegen. Es ist nicht der Dichter Sophokles, nicht das schön gesprochene lyrische Wort des Chorführers, nicht das Drama in seinem ursprünglich strengen Stil, deshalb nicht der„unstcrb- liche Kern", der den Zirkus so viele Abende ausverkauft sein läßt, sondern es sind die Massenwirkungen, die viele Hunderte halb- nackter Knaben und Männer, die Dekorationen und Lichtefsckte, die das Berlin, das Gesprächsthemen für seine Jours und Abend- essen nötig hat. das Berlin, das sich mitreißen laßt, in Bewegung bringt. Wenn die Bäume der Bellevuestraße bedroht werden, weint Berlin W. blutige Tränen, wenn der moderne Zahn der Zeit sein plombiertes Gebiß an den„Kolonaden" delektieren will, bricht unter dem Strich eine Revolut-on aus, wenn eine alte ehrwürdige Ruine durch einen stümpernden Regierungsbaumeister„restauriert" wird, kommen wohl noch einige Proteste. Aber Oedipus mit Zwiebeln gebraten wie ein Wiener Rostbraten, Oedipus gepfeffert und gewürzt»me ein Goulasch, Oedipus ertränkt in der Sensation der Massenwirkungen des Herrn Reinhardt, der als vortrefflicher Koch alte Dichter backt, brät, am Spieß rostet, schmort, räuchert oder spickt, je nachdem er damit bei der Bourgeoisie eine Sensation bewirken kann, Oedipus zu einem naturalistischen Bankett er- hoben, findet nicht einen einzigen Beschützer. Die gesamten bürger- lichen Kritiker, die den sich ctoig regenden Max Reinhardt unend- lich viel interessanter finden, als solch einen toten Dichter, würden Zetermordio schreien, wenn man die Venus von Milo mit einem Paar künstlicher Arme ausstattete oder inmstten der Ruinen des alten Pompeji einen Zeitungskiosk und eine Kirmesbude mit Brat- Würstchen, Brätzeln, angebrannten Kartoffelpuffern, mit der beut- sehen Flagge auf der Budcnspitze aufstellte, aber diese Kritiker schweigen aus Schlaffheit. Ehrfurcht oder Rührung, wenn Sophokles durch den nicht genug zu preisenden Zeitgenossen Max Reinhardt nach letzter Berliner Mode„restauriert" wird. Und sie schweigen mit vollem Recht. Zimmermcister Otto, und um von ihm den Namen des Mannes zu erfahren, sagte ich, der Mann habe bei mir ein Waschfaß bestellt, er habe es aber nicht abgeholt, ich möchte deshalb seine Adresse wissen. Herr Otto sagte, der Mann heiße Huth oder Buth oder so ungefähr und wohne in der Erasmusstraße. In dem angegebenen Hause war der Mann aber nicht zu finden.— Rechtsanwalt Heine: Glauben Sie denn, daß jemand, der ernsthaft solche schwarzen Pläne hegt, wie dieser Mann, zu unhekannten Leuten im Wirtshause davon sprechen wird? Zeuge: Es ist doch ein- getroffen, daß die Polizei in der Rostockerstraße auf einen Haufen gelockt ist, und dann wurde von oben runter geschmissen. Auf eine Frage vom Verteidigertisch sagt der Zeuge, als er sich beim Polizei- leutnant Folte„für die Prügel bedankte", sagte dieser, das Lokal von Lanzerat sei geräumt worden, weil aus dem Lokal geworfen sein solle. Daß die Gäste im Lokal auf die Schutzleute, während diese im Lokal waren, geworfen haben, davon hat Polizeileutnant Folte dem Zeugen nichts gesagt. Polizeileutnant Folte wird über die Angaben des Zeugen Drekolt befragt. Nach Angabe des Herrn Folte soll Drekolt zu ihm gesagt haben, Otto habe den unbekannten Mann als„einen von der Partei" bezeichnet, der Mann habe gesagt, sie würden am Abend nach der Rostocker Straße gehen, auch Rohrleger seien dahin beordert, um das Gas abzuschneiden. Das— sagt Herr Folte— sei ja alles in der Rostocker Straße eingetroffen. Von den Mitteilungen des Herrn Drekolt hat Polizeileutnant Folte dem Major Klein Meldung erstattet, infolgedessen ist der Krimi- nalkommissar v. Behr mit Ermittelungen beauftragt worden. Daraufhin hat dann Drekolt vom Polizeileutnant Folte den Auf- trag bekommen, den Unbekannten zu ermitteln, was aber nicht gelang. Polizeileutnant Folte hebt noch hervor, daß der Unbe- kannte an die Redaktion des„Vorwärts" telcphonierte und die Antwort erhielt, daß Berichte nur bis 11 Uhr aufgenommen werden. Ein Journalist, mit dem Polizeileutnant Folte sprach, hahe ihm bestätigt, es sei richtig, daß der„Vorwärts" nur bis 11 Uhr Be- richte aufnehme.*) Was sah der Leutnant nicht? Polizeileutnant Folte wird von den Verteidigern eingehend befragt über die Vorgänge bei der Ausräumung des Lanzeratschcn Lokals. Er sagt unter anderem, er sah, daß Leute mit einem Schwung aus dem Lokal hinausbefördert wurden. Dann erst ging er hinein. Daß in seiner Gegenwart im Lokal die Schutzleute schlugen, hat er nicht gesehen.— Zeuge Drekolt bemerkt: Das muß Herr Folte gesehen haben, daß ich im Lokal mit dem Säbel geschlagen wurde. An der Tür standen die Schutzleute mit er- hobenen Säbeln und schlugen jeden, der hinausging. Der Schutz- mann, der am meisten schlug, stand dicht neben dem Leutnant Folte. — Rechtsanwalt R o s e n f e l d: Herr Leutnant, haben Sie nichts davon gesehen?— Polizeileutnant Folte: Ich kann nur sagen, ich kann mich nicht entsinnen, ob geschlagen wurde oder nicht.— Rechtsanwalt R o s e n f e l d: Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie einen so bedeutsamen Vorgang übersehen haben sollten.— Polizei- leutnant Folte: Es war ja ein derartiger Tumult, daß ich mich nicht auf alle« besinnen kann. Ich will weder bestreiten noch zu- geben, daß geschlagen wurde.— Zeuge Drekolt zeigt, wie der Schutzmann, der dicht neben Leutnant Folte stand, mit dem Säbel *) Der'Redaktion des„Vorwärts" ist niemals etwas ähnliches wie das Schauermärchen, von dem der„Unbekannte" erzählt hat, mündlich, schriftlich oder telephonisch mitgeteilt. Ebenso ist un wahr, daß dem Unbekannten mitgeteilt sein kann, es würden Be- richte nur bis 11 Uhr aufgenommen. Auch die Behauptung des ungenannten Journalisten, im„Vorwärts" würden Berichte nur bis 11 Uhr aufgenommen, entbehrt der Wahrheit. Weshalb übri gens hat die Polizei, wenn ihr in allen ihren Organen die Person des Erzählers unbekannt war, keine Recherchen durch Nachfrage im„Vorwärts" angestellt? Das ist kaum für einen anderen Fall als den erklärlich, in dem der große Unbekannte ein sehr guter Bekannter in der Polizei war. Die Vernehmung sämtlicher Ange- stellten des„Vorwärts", die mit der Bedienung des Telephons zu tun haben, würde eklatant beweisen, daß der große Unbekannte geschwindelt hat. Was kann der Zweck seines Schwindels ge- wesen sein? Es ist eins der bekanntesten Zeichen des Unterganges der Bourgeoisie, der kapitalistischen Gesellschaft, daß die innige und aufrichtige Hochachtung, der Respekt vor der eigenen Vergangenheit entweder nicht besteht, oder mit Füßen getreten wird, oder aus Motiven, die keine schärfere Untersuchung vertragen können, zu einem wurmstichigen und verdächtigen Enthusiasmus ausgeblasen wird. Hat die auf anarchistischer ProduktionSlveise beruhende kapi- talistische Gesellschaft, worin das Produkt iiber den Produzenten tyrannisch vorherrscht, eine eigene Aesthctik, ein eigenes Ideal? Basiert sie auf einer der großen Weltanschguungen, die in der Ver- gangenheit große Kunst in Wechselwirkung mit der gesellschaftlichen Blüteperiode hervorgebracht? Sind es die bürgerlichen Dichter, wovon unsere Zeit noch königliche Taten erwartet? Werden nicht alltäglich auf der ganzen Welt Tausende und aber Tausende junger Dichter, Maler, Bildhauer, Musiker, Schauspieler, Baumeister usw. durch die klotzigen Füße des kapitalistischen Riesen zer- treten und verstümmelt? Wie kann wahrhaftige Hochachtung vor Vergangenem existieren, wenn keine Liebe und Begeisterung für die Kunst von heute, die sich mehr und mehr der Industrie anpaßt, möglich ist?... So unweigerlich die kapitalistische Produktion den Zusammen- hang zwischen" Arbeit und Eigentum zerreißt, die Produktions- mittel und Produkte der parasitischen Menschheit angehören und die Künstler notwendig zu dem Proletariat hingetrieben werden. ebenso unweigerlich erscheint das Gesetz, daß dieses Proletariat, das„alles bedroht", die schönen Ruinen der Vergangenheit vor weiteren Vergewaltigungen und Erniedrigungen zu bewachen haben wird. Die Aufführung des Oedipus, der Erfolg dieser Darstellung — woran nur noch gefehlt hat, daß der König auf einem wohl- dressierten Pferd auftritt— ist ein Zeichen der Zeit, die den Geist des Dichters für dreißig Silberlinge verschachert, die sich für Verse interessiert, wenn es auch etwas Hübsches dabei zu„sehen" gibt, die bei sechshundert halbnackten Statisten und Studenten auch den klassischen alten Sophokles mit in den Kauf nimmt, die auf „Massenwirkung" versessen ist, allerdings wenn sie auf der Bühne und nicht auf den Straßen zur Geltung kommt. » Es ist noch etwas sehr Eigentümliches, was durch diese Zirkus- aufführung bestätigt wird. In einem meiner früheren Aufsätze schrieb ich unter anderem(am 14. August d. I.): „Stellen wir uns doch einmal eine Aufführung vor wie bei den alten Griechen, in freier Luft, ein Volk, das voller Spannung lauschte, weil der Dichter jener Tage alles das besang, was der Menge groß oder heilig oder erhaben schien. Und daneben ver- gegenwärtige man sich das moderne Theaterfabrikgebäude mit seinen teuren Plätzen unten und seinen schlechten Plätzen oben. Unten für die Bourgeoisie behagliche Sessel— oben für den Plebs hölzerne Bänke, Kronleuchter, die einen Teil der Aussicht ver- hüllen, Dunst und Gestank.... Schon allein der Bau und die Einrichtung eines modernen Theaters sind verfehlt. Man legt mit Riesenlapitalien Rennbahnen an, man baut eine Rennbahn im Grunewald, eine in Hoppegarten usw.— das rentiert sich—, man bringt es ans leicht begreiflichen Gründen nicht zu einem schönen Gemeinschaftsgebäude, worin die Kunst der Kunst wegen gepflegt wird. Die Bourgeoisie ist Diktator in den Theatern. Von ihr leben die Theater. Sie hat alle Künstler zu Lohndienern gemacht. Sie fühlt sich in Luxustempel» zu Hause; sie pfeift auf ein archi- tektonisch schönes Ganzes, worin auch der Proletarier sich wohl- fühlt, Folgen und Ursachen sind miteinander verkettet. Nicht nur immer auf die Köpfe der Vorbeikommenden schlug.— Polizeileutnant Folte: Ich entsinne mich dessen nicht.— Rechtsanwalt Rosenfeld: Wie kommt es, daß Sie sich dessen nicht mehr ent- sinnen? Machte denn das auf Sie gar keinen Eindruck?— Polizeileutnant Folte: Es ist ja in jenen Tagen so vieles passiert, ich habe so vieles gesehen, da kann ich mich doch nicht auf alles besinnen.— Rechtsanwalt Rosenfcld: Sind denn derartige Vorgänge so oft vorgekommen, daß in Ihrer Erinnerung ein Bild durch das andere verwischt wird?— Polizeileutnant Folte: Ich bitte, doch nicht nach meinem Seelenleben zu forschen.-- Rechts- anwalt Heine: Das ist lediglich eine Tatfrage. Also: Sind solche Fälle öfter vorgekommen?— Polizeileutnant F ock t e: Wie ich schon sagte, ich kann mich dessen nicht entsinnen.— Rechtsanwalt Heine: Aber sonst hat der Herr Zeuge ein gutes Gedächtnis? � Polizeileutnant Folte(sehr bestimmt): Jawohl.— Polizeileutnant Heck II wird vom Rechtsanwalt Rosenfeld gefragt, was er zu den Angaben des Zeugen Drekolt zu sagen habe. Er erwidert: „Selbstverständlich wurde eingchauen. um die Leute aus dem Lokal zu treiben."— Rechtsanwalt Rosen» f e ld: Warum wurden denn aber die Leute geschlagen, die von hinten kamen und hinausgehen, also Jhrcsi Befehl erfüllen wollten? — Polizeileutnant Heck: Die hatten uns doch beleidigt.~ Rechtsanwalt Rosenfeld: Also Sic haben sich auf der Stelle gerächt. Polizeileutnant Heck: Selbstverständlich» was sollten wir denn sonst machen.— Rechtsanwalt Heine: Entweder die Leute, die von hinten kamen, hatten etwas Straf- bares getan, dann konnten Sie sie festnehmen, oder sie hatten nichts getan, dann mußten Sie sie laufen lassen. Warum haben Sie geschlagen?— Polizeileutnant Heck: Es war der allgemeine Befehl zum Einhauen gegeben, weil uns Widerstand geleistet wurde.— Rechtsanwalt Heine: Nennen Sie das Widerstand, wenn die Leute fliehen? Auf weitere Fragen gibt Polizeileutnant Heck zu, es sei''üglich, daß»or�Hun Eintritt ins Lokal schon ohne Befehl geschlagen wurde, vswen die Schutzleute sich im Lokal in einer Reihe auf- stellten,'(�../chabe sich von selbst ergeben. Zeuge Otto wird nach der Person des unbekannten Mannes gefragt. Er sagt, er kenne ihn nicht weiter, er habe bor acht Jahren in seiner Nachbarschaft gewohnt. Was der Mann erzählte, davon wisse er nichts mehr.— E r st e r Staatsanwalt: Haben Sie gesagt, der Mann gehört zu unserer Partei?— Zeuge: Ich bin ja gar keiner von der Partei; ich habe der Partei noch nie angehört.— Erster Staatsanwalt: Haben Sie es gesagt?— Zeuge: Davon weiß ich nichts; ich„war ja durch die Schläge, die ich am Abend vorher bekommen hatte, sehr aufgeregt.— Rechtsanwalt Heinemann: Das Wort„Partei" kann doch so gemeint sein: Es ist auch einer von denen; die sich über die Polizei ärgern.— Zeuge Drekolt: Von Partei ist gar nicht gejprochen. Herr Otto sagte, der Mann ist dasselbe, was wir sind.— Rechtsanwalt Heine: So hat es der Zeuge auch von Anfang an gesagt. Das Wort„Partei" ist erst vom Polizei- leutnant Folte hineingebracht worden. Zeuge S t e i n m a n u hat ebenfalls bei der Ausräumung des Lokals drei Säbelhiebe bekommen. Er hat sich nachher bei einem Polizeileutnant darüber beschwert. Der Leutnant sagte, es -tut mir leid, aber nun gehen Sie. M a g i st r a t s s e k r e t ä r Scholz hat an drei Tagen von seiner Wohnung aus Beobachtungen gemacht. Seiner Meinung nach hat sich die Polizei der aufgeregten Menge gegenüber stets ein- wandsfrei benommen. Einmal, als die Menschenmenge durch Schutzleute vertrieben wurde, habe sich ein junger Mann umgc- dreht, den Arm nach hinten ausgestreckt und nach Meinung des Zeugen einen Schuß abgegeben. Wenigstens hat der Zeuge einen Knall gehört. Ob es ein Schuß war oder ein Feuer» werkskärper, kann er nicht sagen. Dieser junge Mann gehörte nach Meinung des Zeugen zu dem Gesindel, welches sich daß das Proletariat, das entwickelter und kritischer angelegt ist, als die Damen und Herren unten, nicht nur, daß dieses Proletariat in den Theatern mit dem Gestank von unten regaliert wird, auch die Stücke, die zur Aufführung gelangen, sind die Stücke, die die Bourgeoisie und in ihrem Namen die Zensur duldet.... Von Leuten mit schlecht gefüllten Börsen kann keine Theatcrfabrik be- stehen." Ich lege Nachdruck darauf, daß in Berkin Wohl Theater für die bezahlende Bourgeoisie, wohl sehr teuve Bonbonnieren für de- kadente Kunst und„ästhetische" Versuche gebaut werden, daß aber wirkliche Gebäude für große Mengen fehlen. Und nun plötzlich macht man die„'Entdeckung", daß die Aufführungen im Zirkus die„Lösung" einer wirtschaftlichen Theaterfrage bedeuten! Der Theaterdirektor, der bis heute ausschließlich mit Parkett, Logen und erstem Rang zu rechnen hatte, der sich kriechend vor den Damen und Herren im Smoking und Abendtoilette verneigte und höchstens für eine Volksbühne die Hand hochhielt, die ihm mit Nachmittags- Vorstellungen die Garantie für einen Extraverdienst bot— der Direktor fällt vor Erstaunen in seinem Sessel hintenüber, weil die„billigen Plätze" schon so viele Einnahmen bieten, daß die teuren... beinahe ganz fehlen dürften! Erschien cS bis heute als ein Axiom, daß jedes Stück, wenn das„bessere Publikum" ausblieb,„tot" war, diese Vorstellungen können dank der enormen Estinahme(man spricht von 18 000 M.) noch oft loiederholt werden, wenn auch das„Volk" Interesse zeigt. Das ist für das Berliner Theaterleben etwas ganz„Neues". Und in diesem Sinn ist die Oedipus-Auffiihrung auch für uns ein kleiner Fingerzeig. Erst wenn viele der ausgedehnten Gebäude, worin jetzt Tausende essen und trinken, oder schlittschuhlaufen, oder sich die„wunderbaren" Kunstleistungen von Pferden und„Neben- menschen" ansehen, für schlichte Theaterbesucher zur Verfügung ständen, könnte das sogenannte Bühiienlcbcn efuf etwas ge- sunderer und normalerer Grundlage in Berlin aufblühen. Die Theater warten aus dix Massen. Und die Massen auf die Theater...... Heinz Sperber. Notizen. — M. Wilhelm M e h e r, der populärwissenschaftliche Schrift« sieller und ehemalige Leiter der Berliner Urania, ist im b8. Lebens» jähre in Meran gestorben. Meyer war von unken rauf; er war nicht die ausgetretenen Pfade der gelehrten Bildung gewandert. Erst Glaserlehrling bei seinem Vater in Braunschiveig, dann im Buttcrhaiidel tätig— war er aus sich selber zu mathematischen und astronomischen otudien gelangt. Als Glücksumstünde es erlaubteir, setzte er seine Studien auf der Göttinger Sternwarte und dann in Zürich fort. Er brachte es bis zum Doktor und wurde dann Assistent an der Genfer Sternwarte. Durch irgend einen Kollegen mit besseren Verbindungen aus der Karriere gedrängt, begann er in Wien und dann in Berlin die astronomische Tagesschriststellerei. Als Voraussetzung wahrhaft populärer Wirkung erkannte er die Nützlichkeit eines„Wissenschaft» lichen Theaters". Es traf sich, daß die von Prof. Wilhelm Förster, dem volksfreundlichen Forscher, begründete Urania(1388) Meyer einen Wirkungskreis schuf, aus dem er 1897 infolge großenteils selbst versckmldeter MißHelligkeiten ausschied. Meyer war von da ab wieder als Reiseschriflsteller und Popularisator tätig und seine zahl- reichen fesselnd geschriebenen, gelegentlich auch oberflächlichen Schriften haben in weiten Kreisen Ansklärung und Wissen um „Himmel und Erde" verbreitet. frt Set JuNgfcricheiSe unS am Kanal herumzutreivM pflegk. Von diesen Leuten werde die Gegend zu allen Zeiten auch jetzt noch unsicher gemacht. Auf Vernehmung der Frau G ä r t» er wird von der Ver- teidigung verzichtet, weil der Mann der Zeugin ein Ausländer ist und sie sich vor der Rache fürchtet. Mitzhanblungen. Schlosser Fiedler hat folgende AeoSichiungeu genmchr Eine Schutzmannskette vertrieb die Leute, welche in der Erasmus- strcche vor den Haustüren stauben. Die Leute verhielten sich ruhig. Aujjer ihnen war auch kein Publicum auf der Strasse. Ein Manu kam ganz allein des WegeS. Als er die SchutzmairuSkette sah, ver- steckte er sich hinter einem Gerüst. Da kamen zwei Kriminalbeamte nnd schlugen den Mann mit Stöcken. Nun kamen»»<< zwei nni- formierte Schutzleute hinzu und schlugen mit dem Säbel auf den Mann ein. Schliesslich kam auch noch ein Poll-eileuinant hinzu und versetzte dem Mann auch noch einige Säbelhiebe. Leute, welche dies vom Balkon aus mit ansahen, wiesen t Ed ist nicht genug, daß die Kriminalbeamte!» und die Schutzleute schlagen, jetzt schlägt sogar ein Leutnant. Run verlangten die«chutzleute, daß die Leute vorn Balkon gehen und drohten, sie wttrden sonst schieben. Der Leutnant sagte: Wenn die Leute nicht vom Ballo'- gehen, dann würde er ihre Wohnung räumen lassen. Ferner gibt der Zeuge an: Ein Leutnant, der eine Schutzmannskette führte, komman- dierte: Säbel raus! Die Schutzleute zo�-n blank, riefen: Hurra, Hurra! nnd jagte» hinter den cin.zclilen Mer'ch«n her, die ans der Strahe waren. Zwei Leute wurb.n dabei mit dem Säbek nieder- geschlagen. In einem an*?«!! Falke hat der Zeuge gesehen, daß ein einzelner Mann, der ruhig die Strasse entlang ging, von einem Schutzmann mit dem Säbel geschlagen wuri Dabei rief der Schutzmann: Willst Du machen, dass Tu nach Hause kommst! Der 17jährige Glaser lehrling Renzeh ausen hat sich aus den Ausruf des Polizeipräsidenten als Zeuge g«° meldet. Der Ze:ge hat sich mehrfach in nächster Nähe der� Schutz- Iciile aufgehalten und ist ririk ehelligt in Begleitung seines 12jährigen Bruders h'nter SchutzmannSketten� hergegangen, welche Menschenansammlungen vertrieben. Er sagt, die Menge habe ge- schrien', die Schutzleute beschimpft, aber daß die Schutzleute ge- schlagen haben, hat er nicht gesehen. Einmal in der Rostocker Strasse sah er, daß Schutzleute über die Köpfe der Menge schössen. Die Leute sr-n von den Sckmtzleulen"ertrieben worden, seien aber immer wiedergekommen, halten geschrien, geschimpst und auch ge- warfen, auch Laternen seien«nlzlvei gewo/sen worde''..Weiter erzählt der Zeuge, sein ileiner Bruder wollte in ,. S-'Vosiockcr Strasse ein Ei sei, stuck aufheben. Da kam ein Strolch.Eu sagte: Laß das liegen, das brauchen wir heute abend. An der Ecke der Wittstocker Strasse standen ein paar Kerle, die hatten die Taschen dick voll Steine und sagten, wenn jetzt ein Schutzmann vorbeikommt, kriegt er ein Ding in die Fresse und wir machen uns dünne. Stellmacher Keller sagt u. a.: An der Eckender Tiinn» und Bcusselstrahe wollte ein Mann ruhig an den Schutzleuten vorübergehen. Ein Polizeiosfizier stieß de» Mann mit dem Knie ins Kreuz. Der Mann siel zu Boden, stand wieder auf und sah sich um.» Nun gingen einige Schutzleute aus ihn zu und er inachte, dass er weiterkam. Auf der Gotzkowsktiorücke trieben die Schutz- leute ohne Veranlassung die wenigen Passanten zurück und schlugen init den» Säbel auf sie ein. Dabei erhielt eine Frau einen so kräftigen Säbelhieb in die Seite, dass sie lmit weinte. Auch ein Munn wurde bei dieser Gelegenheit geschlagen. Lehrer und Organist Siebcrt hat teils von seiner Wohnung, teils als Strasscnpassant die Vorgänge auf der Strasse an inehreren Dogen beobachtet. Er ist der Meinung, dass der Polizei kein Borivurf gemacht werden könne. Sie habe sich der auf- geregten, schimpfenden und schreienden Menge gegenüber ruhig und sachgemäss verhalten. Am 24. September habe die Menge versucht, einen Arrestanten aus der Gewalt von drei Schutzleuten zu be- freien. Die Schutzleute hätten de» Mann laufen lassen und die Wenge sei darauf in ein BeifallSgeheul ausgebrochen. Am Abend des 29. ist der Zeuge auf dem Nachhausewege in eine lärmende Menge geraten. Junge Leute zertrümmerten die Laternen, die Wiclefstrahe war infolgedessen ganz dunkel, aber kein Schutzmann loar in der Nähe. Als später cvchutzleute kamen, verzog sich die Menge. Ein einzelner junger Mann, welcher der Aufforderung eines Schutzmannes, weiterzugehen, nicht Folge leistete, wurde mit dem flachen Säbel geschlagen. Der Mann wandte sich mit der Faust gegen den Schutzmann, der Schutzmann wehrte sich mit Faustschlägen und der Mann fiel daraus hin wie leblos. Nun wurde von allen Fenstern auf die Schutzleule geschimpft. Man rief auch: Tragt ihn poch zu dem Pfaffe» I Schliesslich stand der am Boden Liegende wieder auf und wurde fortgebracht. Am 27., sagt der Zeuge, wurde an der NeformationSkirche die Menge von den Schutzleuten vertrieben. Als die Leute dann wieder zurück- kamen, gab es blutige Köpfe. Ebenso war c? am folgenden Tage. Auch vom Balkon sei geworfen worden und daraus hätten die Schutzleute verlangt, dass die Leute vom Balkon geben. DaS scharfe Vorgehen der Schutzleute am Dienstag und Mittwoch habe zur Folge gehabt, dass es an den näckssten Tagen verhältnismässig ruhig war. Ein Geichäftsmann, der auf Arbeiterkundschaft angewiesen sei, habe seine Töchter dahin instruiert, dass sie nichts sagen sollten, wenn sie von Kriminalbeamten gefragt werden. Diesen Rat des Vaters hätten die Töchter auch befolgt. Auf Be- Befragen des Vorsitzenden gibt der Zeuge an, er habe nicht ge- sehen, dass einzelne Personen geschlagen wurden. Nur wenn sich verdächtige Leute ansammelten, sei es vorgekommen, dass sie von den Schutzleuten mit dem Säbel geschlagen wurden. Wäscherin Frau Kunze la»i am 28. um 7 Uhr mit ihren Kindern von der Arbeit. Als sie die Sickingenstrasse passierte, waren viele Schutzleute und auch viel Publikum da. Es hiess, die Feuerwehr kommt. Da zogen die Schutzleute blank und hieben aus die Menschen ein. Auch die Kinder der Zeugin bekamen Hiebe und stürzten zu Boden. Als die Attacke vorüber war, nahm sich die Zeugin ihrer Kinder an, suchte ihre Hüte vom Erdboden auf und ging nach Hause. Dann ging sie wieder auf die Strasse, um Einkäufe zu machen. Sie fragte einen Polizeileutnant, ob sie ungehindert weitergehen könne. Der Leutnant sagte: Ja, gehen Sie»ur! Als die Zeugin einige Schritte gegangen war, kam ein Schutzmann hinter»hr nnd rief ihr zu: „Hure, mach baß Du tvegkommst!'' Gleichzeitig bekam die Frau einen Säbelhieb. Bei dieser Gelegenheit sah die Zeugin noch, daß ein etlva sechzehn- jähriger junger Manu, der ruhig seines Weges ging, ohne Ver- anlassung von Kriminalbeamten geschlagen wurde, die sich hinter einem Gerüst versteckt hatten. Diese Kriminalbeamten schlugen mit ihren Stöcken jeden, der vorbeikam und etwas sagte. Ein junger Mann, der vorbeikam, der weder etwas gesagt noch getan hatte, bekam von einem Kriminalbeamten eine Ohrfeige. Später stand die Zeugin vor der Haustür, um ihren Mann zu erwarten. Bei ihr standen noch einige andere Hausbewohner. Als sich Schutz- leute näherten, gingen die Bewohner alle ins HauS und schloffen die Tür und zogen sich in den Hintergrund des Hausflurs zurück. Da schlug ein Schutzmann die Tsirscheibe ein. Schlosser Unverzagt gibt an, dass er am 26. September gegen Abend, als Schutzleute gegen das Publikum in der Sickingenstrasse vorgingen, in das Lokal von Lanzerat hinein- getrieben wurde. Als er drin war, habe draußen ein Schutzmann gerufen:„Wer rauskommt, wird niedergeschlagen!" Gleich ldarauf kamen die Schutzleute herein und trieben die Gäste hinaus. Mich packte ein Schutzmann am Halse und würgte mich. Aber damit nicht genug, ich bekam auch noch einen Fußtritt, und der war sehr wuchtig, denn die Schutzleute tragen bekanntlich keine Wallschuhe.— Vorsitzender: Solche Bemerkungen können Sie unterlassen.— Weiter sagt der Zeuge: Ich lief nun Schleunigst fort, sonst hätte ich noch mehr bekommen. Auf der fefcwfce ich ohnmächtig. jy| ich g>iej>er zu Wir gekommen war, ging ich nach der Polizeiwache in der Waldstrasse und be- schwerte mich dort bei dem Polizeikeutnant. Der sagte aber zu mir: „Tns schadet Ihnen gar nichts. Wenn Sie noch mal dahingehen, wo Radau ist, dann kann es Ihnen noch schlimmer gehen." Bei emerc anderen Gelegenheit hat der Zeuge gesehen, dass an der Ecke der Turm- und Oldenburger Strasse ein Manu, der ganz allein debertam, von Schutzleuten niedergeschlagen und,«l? er am Boden lag, noch getreten wurde. Hier hat der Zeuge auch einen Mann in Zivil gesehen, der sich inmitten des angesammelten Publikums befand und Bluthunde rief. Wenn die Menge dann von Schutzleuten vertrieben wurde, stellte sich dieser Mann ans HauS, erhob den Arm und die Schutzleute ließen ihn unbehelligt. Daraus schliesst der Zeuge, daß es sich um einen 51riminalbeamten handelte. An der Ecke der Turm- und Beuffelstrasse sah der Zeuge einen Taubstummen, der Zeichen mit der Hand machte. Ein Kriminalbeamter erhob drohen den Stock und rief dem Taub- stummen zu:„Verfluchter Lausejunge, mach, daß T« wegkommst!" — Infolge einer Bemerkung der Vorsitzenden macht Rechtsanwalt Ros en fe ld darauf ausmerksam, dass die Angabe dieses Zeugen betreffs des Kriminalbeamten, der Bluthunde rief usw., mit den Beobcuhtungen des Zeugen Oslath genau übereinstimmt. Obertelegraphenassistent Eifert schildert das Verhalten der Poiizei als tadellos und einwandfrei und sagt unter anderem: Als Arbeiter das Strassenpflaster ausbesserten, welches verher aufgerissen war. habe ein Mann zu den Arbeitern gesagt: Willem, man n:ch so feste, heute abend brauchen wir det wieder.— Rechtsanwalt Rosenfeld fragt den Zeugen, ob er wisse, dass ein Oberpostassistent» der Blnthnnde rief, sistiert, aber nicht angeklagt wurde. WeShalb sind Sistierte nicht angeklagt? Im Anschluss hieran beantragt RechtsanwaltLieb- knecht, die Akten einzufordern über alle Fälle, wo Leute wegen flrafbcrer Handlungen sistiert, aber kein Verfahren gegen sie eingeleitet wurde. Die Staatsanwaltschaft habe ja darauf hin- gewiesen, dass ihr über 266 Straftaten angezeigt worden seien, dass sie aber nur die verhältnismässig wenigen Anfälle gegen die An- geklagten vor Gericht gebracht habe. Auch der Fall W e i d e m a n n sei ja bekannt. Die Verteidigung sei der Meinung, dass die Staats- anwaltschaft aus anderen als �objektiven Gründen diese Auswahl getroffen habe. Die Staatsanwaltschaft habe augenscheinlich den Anschein erwecken tvollen, als ob nur organisierte Arbeiter Straf- taten begany-en haben.— Erster Staatsanwalt: Die Leute, die vernommen wurden, waren alle verwundet. Wir haben in den Fällen, wo kein Strafverfahren eingeleitet wurde, nicht ge- fragt, welchem Stande die Leute angehöreu und ob sie organisiert sind. Es waren alles Verwundete, bei denen das Verfahren ein- gestellt worden ist.— Rechtsanwalt Cohn: Ich erweitere den� Antrag des Kollegen Liebknecht dahin, dass der Polizei- Präsident und der Kriminalkommissar Kuhn darüber vernommen werden, dass in zahlreichen Fällen Personen deshalb nicht der Staatsanwaltschaft übergeben wurden, weil sich herausgestellt hat, daß sie zwar strafbare Hand- l u n g e n begangen haben, dass sie aber Beamte sind. Gleich- zeitig beantrage ich, vom Landgericht I, sowie von den Amts- gerichten Berlin-Mitte und Cbarlottenburg die Akte» einzu- fordern über alle Strafverfahren, die aus Anlaß der Moabiter Vorgänge anbängig gemacht worden sind. Dadurch soll bewiesen werden, daß die Auswahl der Angeklagten nicht nach objektiven Gesichtspunkten, sondern nach der Stellung der betreffenden Per- sonen erfolgt ist.— Rechtsanwalt Rosenfeld: Der Fall des Angeklagten Weidemann beweist doch, dass das Verfahren gegen ihn nur. weil er der Sohn eines Kriminalbeamten ist, eingestellt werden sollte, wenn er 25 M. an die Kasse der Scbutzmannschaft zahlt. Bei dem Oberpostassistcnten scheint es ebenso zu liegen. Dieser ist unmittelbar, nachdem er Bluthunde gerufen hatte, sistiert wvrden Als sich herausgestellt hatte, dass er Oberpostassistent ist, wurde er freigelassen.— Rechtsanwalt Cohn: Daß die Staatsanwaltschaft nicht objektiv zu Werke gegangen ist, das werden die Akten im Falle Weidemann ergeben. Aus den Akten ist zu er- sehen, dass die Anregung, den Strafantrag gegen Weidemann zurück- zunehmen, wenn er 25 M. an die Schutzmannskasse zahlt, von der Staatsanwaltschaft ausgegangen ist.— Erster Staatsanwalt: Die Anregung, den Strafantrag gegen Weidemann zurückzunehmen, ist lediglich deshalb erfolgt, weil er seinen eigenen Vater beschimpft hat. Wir haben diesen Fall dem Polizeipräsidenten unterbreitet und ihm anheimgestcllt, zu ertrügen, ob eS nicht an- gebracht ist, von einem Strafverfahren Abstand zu nehmen, wenn Weidemann sich bereit erklärt, eine Busse zu erlegen. Von einer bestimmten Summe ist dabei keine Rede gewesen.— Rechts- anwaltCobn: Es ist dabei die Rede von einer Zuwendung an die Kasse der Schuhmannschaft, ohne Nennung einer Summe. DaS Gericht zieht sich zurück, um über die soeben gestellten An- träge der Verteidiger zu beraten. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende den Beschluß: Sämtliche Anträge werden abgelehnt, weil sie mit dem gegen die Angeklagten schwebenden Verfahren in gar keiner Beziehung stehen und für die Entschließung des Ge- richts von gar keiner Bedeutung sind. Damit schließt die Sitzung. Am Montag 9% Uhr werden die Verhandlungen fortgesetzt. vie Hölle von Mieltlchin. Gestern wurde zunächst in der Erörterung des. Falles Winkler fortgefahren. Zeuge Ehrlich, der in Mieltschin mit Winkler und Karnal einen Fluchtversuch gemacht hat, schildert den Vorfall, der bei ihrer Wiedereinliefcrung sich ereignete. Auf dem Wege vom Bahnhof zur Anstalt sei Brcithaupt ihnen entgegengekommen und habe so- fort mit seinem Spazierstock eingehauen, besonders auf Winkler, obwohl der sich bei dieser Gelegenheit keineswegs frech benommen habe. Zeuge bekundet weiter, Winkler habe einmal, weil er beim KartoffelschLlen sich gesetzt hatte, von Engels über 56 Hiebe mit der Klopfveitsche erhalten, die damals noch länger gewesen sei. Vor dem Untersuchungsrichter hat Ehrlich noch angegeben, dass Winkler 56 Hiebe wegen Sprechens und 66 Hiebe wegen Brotdiebstahls be- kommen habe. Er hält auch diese Angaben aufrecht. Zeuge Karnal macht über den Empfang nach der Wieder- crgreifung dieselben Bekundungen. Winkler habe gelacht, als er den Pastor kommen sah, aber keine freche Acußcrung getan, und dennoch habe der Pastor auf ihn eingrliauen. Im Arrest sah Zeuge den Winklev, wie er mit der großen Kette angeschlossen war. W. habe weder sich setzen noch sich legen können, schliesst Karnal aus Beobachtungen, die er mal bei dem in gleicher Weise angeschlossenen Zögling Preuße gemacht hat.— Verteidiger Rechtsanwalt Hirsch- seid: Fanden Sie es nicht in Mieltschin immer noch besser, als in Ihrem jetzigen Aufenthalt?— Zeuge: Ja, besser war'S da, bis auf die Prügel. Ich bin jetzt in der Anstalt Skicklingen. Da kriegen sie auch Keile, aber nur, wenn sie nicht arbeiten wollen. Der Zögling Pckel hat gesehen, wie Winkler noch bei seiner Entlassung aus dem Arrest ein blaneS Ange hatte. Bei einer Be- strafung habe Winkler um Innehalten gebeten, Breithaupt aber habe gesagt:„Ach waS, immer weiter!" Auch Pekel hat vor dem Untersuchungsrichter noch manches mitgekbilt, was ihm jetzt nicht mehr so erinnerlich ist, aber auf Vorhalten von ihm bestätigt wird. — Vors.: Aus den Sch'ägen machte Minkler sich wohl nicht viel? — Zeuge: Er biß die Zähne zusammen und krümmte sich dann immer noch ein bisschen.— Pckel bestätigt, in Mieltschin sei eS „sonst ganz gut" gewesen, bis auf die Schläge. Er selber ist als Erster geschlagen worden, und die gebrauchte Peitsche wurde nach ihm„Pckel" genannt. Wiiikler schildert noch eine Züchtigung, die im Arrest an ihm vollzogen wurde, während ihm die Hände gefesselt waren. Ter Herr Pastor habe mit einem Stock ihn ins Gesicht und über die Hände geschlagen, so dass Winkler laut aufschrie. Breithaupt erklärt daS für unwahr. Zögling Keilich klagt, ihm habe es in Mieltschin nicht gefallen, wieder nur wegen der Prügel. Auch er sei gezüchtigt worden, einmal mit 25 Peitschenhieben wegen Sprechens bei der Arbeit, nnd dann:„Man mnßte da? immer mit ansehen!" Bestrafungen Winklers sah er mehrfach mit an und bei einer mußte er ihn halten. Ein Zögling hatte dem Winkler Brot geschenkt, dafür bekamen sie beide ihre Hiebe, der. der's ihm geschenkt hatte, und Winkler, der's gegessen hatte. Für ein anderes Stück Brot, das Wintler sich einmal angeeignet hat. gab es 75 Peitschenhiebe. Als Winkler mit einer neuen, vom Ausseher Lostander gefertigten Peitsche gezüchtet wurde, kamen Pastor Breithaupt und Schwester Olga und„sahen sich das an". Vors.: Da wurde wohl die neue Peitsche eingeweiht?— Zeuge: Ja. Es war eine zusammengeflochtene Klopfpeitsche. Winkler schrie.— Angeklagter Schüler: Sie sagten mir mal, in Mieltschin gefalle es Ihnen Jchcm deshalb besser, weil hier die Beamten mehr Autorität hätten, in Lichtenberg aber seien die Aufseher eigentlich gar keine Aufseher.— Zeuge: Das bestreite ich.— Staatsanwalt Reiner erklärt, die Frage nach den Schläge« auf die Fußsohlen sei ihm besonders wichtig. Keilich hat solche im Fall Winkler nicht beobachtet. Wrobel sagt, wenn so etwas vorgekommen sei. so sei es„gewissermaßen nur wegen Etrampelns" geschehen.— Vors.: Gel. ssermassen nur wegen Strampelns? Soll daS heißen, dass Sie dachten: Nun, wenn er es nicht anders haben will, dann kriegt er es auf die Fusssohlen?— Wrobel: Jawohl.— Wrobel hat im Oktober 1909 Anzeige gegen Breithaupt eingereicht und darin auch von Schlägen aus die Fußsohlen gesprochen. Im Dezember hat er dann vor dem Untersuchungsrichter erklärt, das habe er our im Aerger angegeben. Zögling Krüger bekundet, dass mehrfach auf die Fußsohlen geschlagen worden sei. Das habe nicht nur Winkler, sondern auch Schwarzenberg erdulden müssen. Schlvarzenberg habe nicht die Füße gehoben, dennoch habe der Herr Pastor besohlen:«Nun auf die Fusssohlen!" Winkler sei einmal in der Scheune gepeitscht worden, wobei er sich über die Krippe legen mußte. Zeuge gibt an. auch ihn selber habe der Pastor wegen unbegründeten Flucht- Verdachts schlagen lassen, und zwar durch BrosinSktz. Dieser be- streitet das und hebt hervor, dass er hier von Anfang an erklärt habe, nie geschlagen zu haben.— Vors.: Dieser Fall steht gar nicht zur Anklage. Für Sie handelt eS sich wohl nur um Ihre Ehre?— Brosinsky: Jawohl.— Zeuge Krüger gibt weiter an, bei einer Züchtigung habe Winkler unaufgefordert zu zählen begonnen, da habe Engels gerufen:„Mund halten! Dich schlage ich, so lange ich den Arm rühren kann!— Ueber das Sitzvcrbot sagt Brcithaupt, das sei keine besondere Strafe gewesen, sondern habe eben zur Strafkolonne gehört.— Vors.: Wie dachten Sie sich denn das. nun, wenn ein Zeuge bei der Arbeit nicht sitzen durfte und auch beim Essen nicht sitzen durfte. Welches Bild machten Sie sich denn, wie einem solchen Jungen zumute sein mußte?— Breithaupt: Es wurde mit dieser An- ordnung in Wirklichkeit gar nicht so scharf genommen.— Engels: DaS war nur angeordnet worden, um das Ausreißen zu ver» hindern. Tie Jungen sollten ordentlich müde sein. Daß auch Winkler einmal Schläge aus die Fußsohle« bekam, bestätigt Zögling Mertens. Er hat den Eindruck gehabt, dass Winkler. wenn er etwa die Füge hob, sie nur deshalb hob, weil die Schläge auf das Gesäß ihm zu weh taten. Zögling Bollbrrcht sah, dass Winklcr wegen verbotenen Spreche«? mehr als 36 Peitschenhiebe auf die Fußsohlen bekam. Zögling Schwarzenberg hat derartiges nicht bemerkt. Er be- kündet aber, dass Winklcr wegen jeder Kleinigkeit gefckjlagen wurde, z. B. einmal wegen eines Stückes Brot.— Vors.: Wie wirkte daS auf ihn?— Zeuge: Er hat schön gebettelt. Der ehemalige Zögling Piaskowski, der jetzt bereits beim Mili- tär steht und in Uniform erscheint, gibt an: In der geflochtenen Klopfpeitsche solle noch ein Stahldraht gewesen sein, das habe man wenigstens vermutet. Diese Peitsche, mit der zuerst Winkler ge- schlagen wurde, sei von Breithaupt„Winkler" getaust worden. Ein Arbeiter Janowitz, der in der Anstalt beschäftigt war, berichtet über den Empfang, den Mnkler, Karnal und Ehrlich bei ihrer Rückkehr von der Flucht von Breithaupt bereitet erhielten. Er sah, daß der Pastor den Winkler mehreremale»o« hiute« mit dem Stock schlug und ihn auch auf den Kopf traf. Kreisarzt Dr. Bochnke aus Witkowo, der in Mieltschin d«n Pastor Breithaupt persönlich näher getreten ist, wird als Zeuge und zugleich als Sachverständiger vernommen. Er hat von Breit- Haupt„im allgemeinen einen durchaus günstigen Eindruck gehabt"? Schon vor der Aufdeckung der Mieltschiner Zustände hat er mit Breithaupt über seine Erziehungsmethode gesprochen und dabei die Prügelstrafe als System verworfen. Breithaupt hat sich aber auf seine„Erfahrung" berufen und erklärt, ohne Prügel gehe es nicht.— Vors.: Er hatte ja nicht dir Spur von einer Ahnung, wie eS in FürsorgeerziehungSanstalten zugeht.— Breithaupt: Ich habe mich nicht so gegeben, wie wenn ich der Erfahrene wäre.— SllS der Vorsitzende ihm vorhält, daß gerade Dr. Boehnke al» Arzt schon seit langem ein grosse« Interesse für die Fürsorgeerziehung gehabt habe, erklärt Breithaupt mit erhobener Stimme: Ich bin fest überzeugt, wenn ich heute noch in der Anstalt wäre, käme ich ohne Prügel auS. Ich habe nichts von dem zurückzunehmen, was ich getan habe.— Vors.: Ob Sie etwas zurückzunehmen haben, das behalten Sie lieber für sich. Dr. Boehnke bekundet weiter, er habe Breithaupt militärisch kurz und sehr selbstbewußt gefunden. Auch habe Br. sich wohl manchmal von seinem Temperament hinreißen lassen. Nach den Zeitungsartikeln habe er sich sehr deprimiert gezeigt. Dr. Boehnke, der bei Bedarf als Anstaltsarzt benutzt wurde, hat verschiedene Zöglinge in der Anstalt untersucht, hat aber an ihnen keine erheb- lichcn Spuren von Prügeln gefunden.— Ein Beisitzer fragt: Suchten Sie sich denn die Zöglinge selber aus?— Dr. Boehnke: Stein, Breithaupt gab sie mir, doch sagte mir keiner etwas über Mißhandlungen.— Bei Winkl« hat Boehnke allerdings eine ganze Reihe von Prügelspuren gefunden, als er ihn nach den Veröffent- lichungen untersuchte. Er stellte bei ihm auch eine— Magenübrr» ladung fest, so daß er ihm strenge Diät verordnete. Zu dieser Magenüberladung bemerkt der- Vorsitzende: Er ist ja lange auf Wasser und Brot gesetzt gewesen, doch hat er sich auch heimlich andere Nahrung verschafft, da wag er wohl auS Hunger etwas viel gegessen haben.— Zu der Frage, ob die gebrauchten Peitschen gefährliche Werkzeuge im Sinne de» Gesetzes sind, erklärt Dr. Boehnke als Sachverständiger: Erhebliche Verletzungen sind möglich, eS kommt aber auf die Zahl der Schlage und auf ihre Art an. Ueber die Zahl habe ich nicht mit Pastor Breithaupt ge» sprachen. WaS ich in den Zeitungen darüber gelesen habe, hielt rch für Ucbertreibung.— Zur Sprache kommt noch, daß auch Dr. Boehnke einmal dem Winkler einen Arrest verordnet hat. Er habe das für nötig gehalten, weil Winkler nach seiner„Magen» Überladung" sich den ärztlichen Vorschriften nicht gefügt habe.— Magistratsrat Dr. Voigt hat als Mitglied der UntcrsuchungZ» koimnission der Stadt Berlin bei seinem Aufenthalt in Micltschin gefunden, dass„Winklcr sich mißhandelter stellte, als eS der Fall war". Winkler habe überhaupt den schlechtesten Eindruck auf ihn gemacht; daher habe er ihm nicht geglaubt. Sachverständiger Dr. Bernstein hält Winklcr für einen Psycho- pathen, der sich wohl einige Uebertreibungen zuschulden kommen lasse. Psychopathen seien cndeS milde zu behandeln, während in Mieltschin gegenüber Winkler v»» Milde keine Rehe gewesen sei. An Winkler'habe er»■w««3 für Kinder, zum Schnüren, breite Form ds.arV dSt.S'w für Herren, mit oder ohne Lackkappe, in m od. Form. für Damen, mit Ahsatzfleck, Filzfutter... 1»95 Grösse 21-24 25-26 27-30 31-35 Heute Sonntag von 12 bis 8 Uhr geöffnet! Garantiert Handarbeit mit M. ohne M. 3 Pf. S'ja Pf. 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Hinsichtlich der Unzulässigkcit und Strafbarleit der Anwesenheit Jugendlicher in den Versammlungen des Vereins wird auf§ 1? in Verbindung mit§ 18« a. a. O. Bezug genommem gez. Jagow. Bei seinem Vorgehen gegen den Jugendausschutz geht Herr v. Jagow von durchaus irrigen Voraussetzungen aus. Weder ist der Jugendausschutz ein Verein im Sinne des§ 3 des Reichs- Vereinsgesetzes, noch nehmen an den Sitzungen des Jugendaus- schusses junge Leute unter 18 Jahren teil. Ueberdies triff der Z 3 des Reichsvereinsgesetzes Vereine, die Einwirkung auf poli» tische Angelegenheiten bezwecken. Herr v. Jagow zeigt mit seiner Definition des Paragraphen das Bestreben, das im Re- gierungsentwurf des Gesetzes enthaltene, aber durch überein- stimmende Beschlüsse der Kommission daraus entfernte Verlangen, datz unter den Paragraphen alle Vereine fallen sollen, die Ein- Wirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, wiederher- zustellen. Ob der Polizeipräsident mit dieser gesetzwidrigen Kon- struktion Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Sericbts- Leitung. Wegen SchulversSumnis seiner Tochter hatte der Metallarbeiter Röbel in Nixdorf ein Strafmandat von 1 M. erhalten, obwohl das Kind seiner Meinung nach hinreichend entschuldigt worden war. Er glaubte, die Verhängung der Strafe sei darauf zurückzuführen, datz die Lehrerin, Fräulein Schulz, an der 20. Gemeindeschule ihm nicht gut gesinnt sei, weil er sich seiner- zeit darüber beschwert hatte, datz sie während der Frühstückspause ihrer Klasse von vier Schülerinnen eine Art Religionsunterricht erteilen lätzt. Fräulein Schulz soll auch sonst übereifrig bemüht sein, sich neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin um die Interessen der herrschenden Klassen verdient zu machen, so datz sie z. B. bei grötzeren Streiks oder Aussperrungen die Kinder in der Klasse aufstehen lätzt, deren Väter„nicht arbeiten wollen"! Röbbel be- antragte gerichtliche Entscheidung. Die Verhandlung fand gestern vor dem Schöffengericht in Rixdorf unter Vorsitz des Amtsrichters Dr. Gerber statt. Als Zeugin sagte Frau Röbbel in Ueberein- stimmung mit ihrem Manne aus, datz die Tochter eines kranken Futzes wegen an den betreffenden drei Tagen nicht zur Schule kommen konnte und datz sie deswegen durch ihre dieselbe Schule besuchende jüngere Tochter um Entschuldigung hatte nachsuchen lassen. Sie glaubte, datz die mündliche Entschuldigung um so mehr ausreichend sei, als die Lehrerin selbst zwei Tage vorher zu dem Kinde gesagt hatte:„Bleibe doch einmal zu Hause und bade Deinen Futz, damit er gesund wird". Fräulein Schulz gab als Zeugin zu, derartiges zum Kinde gesagt zu haben, meinte auch, daß sie einen höflichen Brief zur Entschuldigung erhalten habe. Da sie 65 Kinder in der Klasse habe, könne das wohl ein Irrtum sein, aber die Eni- schuldigung, ob schriftlich oder mündlich, habe nur für einen Tag gegolten.— Die Zeugin erinnerte sich offenbar nicht mehr daran, datz, als die kleine Röbbel zu ihr kam, um die Schwester zu ent- schuldigen, sie eine Schulkameradin mitgebracht hatte, und datz dann diese kleine Mitläuferin von Fräulein Schulz mit einer kräftigen Ohrfeige aus dem Zimmer gewiesen wurde, was aller- dingS ebenso wie die oben erwähnten Gepflogenheiten der Lehrerin in der Verhandlung nicht zur Sprache kam. da dem Angeklagten verwehrt wurde, seine Verteidigung soweit auszudehnen.— Die Tochter hat der Schulentlassungsfeier der Freireligiösen Gemeinde beigewohnt; sie ist dorthin gefahren, wie ihre Mutter erklärte.— Der«mtsanwalt Rvse folgerte hieraus, dann hätte sie auch zur Schule fahren können! Das Urteil des Gerichts lautete auf Frei- sprechung, da die Schulversäumnis hinreichend entschuldigt worden war und auch das EntlaffungszeugniS Zeugnis davon ablegte, datz daS Kind während der ganzen Schuljahre die Schule regelmäßig besuch« hatte. Die Gepflogenheiten der Lehrerin, die Kinder in der geschil- derten Art über ihre Eltern auszufragen und was sonst aus dem Bericht über ihr Verhalten hervorgeht, sprechen nicht für eine be- sonders hervorragende pädagogische Begabung der Lehrerin. Wie leicht Mio ins Irrenhaus praktiziert werden kann. Der Urheber der Jnternierung des Dr. Ehrenfried, Rechtsanwalt, stand gestern in der Person des Rechtsanwalts Dr. Brat als Angeklagter vor dem Schöffengericht in Charlottenburg. Diese Affäre, welche durch ihre prinzipielle Bedeutung für die persön- liche Sicherheit des Einzelnen die Oeffentlichkeit»nteressiert, hat bekanntlich wiederholt die Presse und die Gerichte beschäftigt. Die Verhandlungen vor Eintritt in die Beweisaufnahme ergaben fol- gende Grundlage der Klage. Am K. März 1908 begab sich Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried, der nach seiner Flucht aus der Privat- irrenanstalt Berolinum, die Hilfe der Presse angerufen hatte und deshalb noch schärfer verfolgt wurde, auf den Rat einer dem Ange- klagten nahestehenden Person nach dessen Wohnung. Er beabsich- tigte eine Aussöhnung mit seinen Verwandten, um seine Existenz, die durch die bisherigen Verfolgungen fast vernichtet war, wieder aufzurichten. Der Angeklagte, der von dem Erscheinen des Dr. Ehrenfried von der ihm nahestehenden Seite benachrichtigt worden war, gab seinem Dienstmädchen den Auftrag, nicht zu öffnen. Als ihm nicht geöffnet, von der Portierfrau aber die Anwesenheit der Bratschen Eheleute mitgeteilt wurde, lietz der Privatkläger durch den Portier dem Angeklagten und seiner Schwester, welche die Frau des Angeklagten ist, einen autzerordentlich versöhnlich gehal- tenen Brief übermitteln, durch welchen er um Einstellung der Feindseligkeiten dringend bat. Der Angeklagte las den Brief und erklärte darauf nach Inhalt des gerichtlichen Eröffnungsbeschlusses zu dem Portier folgendes:„Der Halunke hat es nicht haben willen» datz ich meine Frau heirate, der Kerl ist gemeingefährlich geisteskrank. Sie werden es nicht umsonst tun, wenn Sie ihn unten so lange festhalten, bis dir Polizei kommt, Sie bekommen 20 M. von mir dafür." Inzwischen rief der Angeklagte telephonisch die Polizei herbei und erklärte den bei ihm erscheinenden Kriminal- bcamten Walter und Uber, der Privatkläger sei gemeingefährlich geisteskrank und bedrohe ihn, er verlangte dessen sofortige Verhaf- ckung. Dabei verschwieg der Angeklagte den Polizeibeamtcn den Inhalt des kurz vorher ihm übergsbcnen versöhnlich gehaltenen Briefes. Auf Grund der Angaben des Angeklagten bewirkten die beiden Beamten die Verhaftung des PrivatklägcrS und transpor- tiertr» ihn nach der Privatirrenanstalt Lankwitz. Erst am 20. Mai 1908 glückte ihm gelegentlich seines Transportes nach einer aus- ländischen Privatirrenanstalt die Flucht. Die jetzige Privatklage wird darauf gestützt, datz der Angeklagte am 8. März 1908 den Privatkläger durch die vorbezeichneten unwahren Angaben beleidigt hat. In der gestrigen Verhandlung erhob der Angeklagte gegen den Privatkläger Widerklage. Das Gericht wies die Widerklage zurück und vertagte die Verhandlung über die Privatklage. Es soll eine Erklärung der zuständigen Staatsanwaltschaft eingeholt werden, ob sie auch in dem gegen den Angeklagten wegen Freiheitsberau- bung anhängigen Verfahren die Verfolgung wegen der Beleidi- gung im öfsentlichen Interesse übernehmen will. Spandauer Nichter. Der Arbeiter Hermann Kuno stand gestern vor dem Spandauer Schöffengericht unter der Anklage, er sei am 19. Juli d. I.. abends, mit noch einem Arbeiter, der nicht ermittelt werden konnte, dem Arbeiter Josef Schindler, als dieser von der Arbeit kam, nach- gelausen, habe ihn an der Feldstratze, Ecke Neuendorfer Strasse, überfallen und mit einem Stock mißhandelt. Dabei soll er denselben durch Drohungen zu bestimmen versucht haben, seine Arbeit nieder- zulegen und mitzustreikcn. Der Angeklagte bestreitet die Beschul- digung und gibt an, daß er mit Schindler gar nicht in Berührung gekommen sei. Er sei an diesem Abend zur Versammlung nach der Bismarckstratze gegangen und an den Ort des Ueberfalls gar nicht gekommen. Der Zeuge Josef Schindler, der Verletzte, ist am 18. Juli d. I. bei Thomas in Arbeit getreten. Er sei kurz vorher von Berlin gekommen und habe nicht gewuht, datz hier gestreikt wird. Als er am 19. Juli d. I. abends die Arbeitsstelle verließ, will er von zwei Männern verfolgt worden sein, die ihm dann an der Ecke Feld- und Neuendorfer Straße überfielen und ihn schlugen; mit einem Stock ist er nicht geschlagen worden. Wer ihn geschlagen habe, könne er nicht sage», da es finster war. Als er am nächsten Tage dem Vertreter der Firma das ungefähre Aeutzere des Schlä- gers schilderte, habe dieser ihm gesagt, das sei dann Kuno gewesen. Ueber Drohungen und Aufforderungen, die bei dem Ueberfall an ihn gerichtet worden sind, kann der Zeuge nichts bekunden. Der Vorsitzende will nun dem Zeugen den Wortlaut der Aeutzerungen, die der Angeklagte gesagt haben soll, vorhalten, damit er sich dar- auf besinne, mutz aber feststellen, datz die Akten nur aus Ab- schriften bestehen und keine ordnungsgemätze Verhandlung über Vorvernehmung enthalten. Es ist ihm daher nicht möglich, Vor- bekundungen des Zeugen diesem zur Unterstützung vorzuhalten. Der Verteidiger führt noch an, datz der Zeuge auf das Polizei- bureau bestellt worden war. Dort war er befragt worden, ob er einen Stcafantrag stellen wolle; das habe er abgelehnt. Der Zeuge bestätigt dies. Der Amtsanwalt beantragte kurz die Freisprechung. Das Gericht erkannte demgrmätz; hatte aber den Vorsitzenden be- austragt zu erklären, datz das Gericht die positive Ueberzeugung habe, datz auf den Zeugen eingewirkt worden sei, und datz dieser die Unwahrheit gesagt habe. Eine solche beleidigende Beschuldigung auf blotze Vermutung hin ist um so auffälliger, als dasselbe Gericht kurz vorher einen Mann zu 150 M. Geldstrafe verurteilte, weil er eine Frau durch den Vorwurf des Meineids beleidigt hatte. Aber das Spandauer Gericht hält sich für unbefangen. Die Mocken-Spielplan der ßerluier Cheater. Königl. Opernbaus. Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Fidelio. Ansang 7'/. Uhr. Dienstag- Sinionie-Konzert. Mittwoch: Das Rhcingold. Donnerstag: Die Watnire. Ansang 7 Uhr. Freitag: Der Barbier von Sevilla. Sonnabend: Geschlossen Sonntag: Der Prophet. Montag: Mignon. NeueS könlgl. Opern-Dbeater. Sonntag, 18. Dezember, nachmittags: Torguato Tasso. Abends: Othello. Ansang 7H. Uhr. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Slörensried. Montag: Der Fnmitientag. Dienstag: Die Raben steinerin. Mittwoch: Der Stören- sried. Donnerstag: Götz von Berlichingcn. Ansang 7 Uhr. Freitag: Der Störcnsried. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wallen- stctiis Lager. Die Piccolomim Abends: Der Kramp us. Montag: Der Störcnsried. Ansang 71/, Uhr Deutsches Theater. Sonntag: Othello. Montag: Ein Sommer- nachlstranm. Dienstag: Othcll«. Mittwoch: Sumurün. Donnerstag: Eamlel. FreUag: Othello. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag und Montag: thello. Ansang 7'/, Uhr. Deutsches Theater(K a m m er f p i e l e). Sonntag: Di« Komodie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Montag: GawSn. Dienstag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Mittwoch i Aglaoaine und Selysette. Donnerstag i Der verwundete Vogel. Freitag: Die Komödie der Irrungen Die Heirat widcr Willen. Sonnabend: Geschlossen. Sonn- tag und Montag: Die Komödie der Irrungen. Der Arzt wider Willen. Ansang 8 Uhr. Lessing- Theater. Sonntaa: Anatat. Montag: Heddo Gabler. Dienstag:«naloi. Mittwoch: Kiew Spots. Donner«»« und Freitag: Anatol Sonnabend: Geschlossen. Somitag und Montag: Anatol. An- sang 8 Uhr. Kleines Theater. Soemtagnachmittag 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Ab-ndS: Erster Klasse. Die»erflixten Frauenzimmer. Varietö. Montag bis Freitag: Erstci»lasse. Dt« verfitxlen Frauenzimmer. Varietö. Sonn- abend: Geschlossen. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Joachim d. Brandt. Abends und Montag: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Bartels. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sonntag, Montag und Dienstag: Der Zerrissene. Miltwochnachuitttag 3 Uhr: Frau Holle. Slb-ndS und Donners- tag; Der Zerrissene. Freitag: Die freien des Herrn von Bredow. Sonn- abendnachmitlag 3 Uhr: Frau Holle. Abends: Geschlossen. Sonntag. nachmittag 3 Uhr: Alt-fretdelberg. AbendS und Montag: Di« Hosen deS Herrn von Bredow. Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Penfion Schöller. Abends- Der Talisman. Montag: Der scharse Junker. Dienstag: Der Talisman. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Macbeth. Abend«: Taisun. Donnerstag: Der scharse Junker. Freitag: Der Talisman. Somrabcnd: Geschlossen Sonntagnachmittag 3 Uhr: Taisun. Abends: Der Talisman. Montag: Der scharse Junter. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Täglich: Der G. m. b. H.> Tenor. Sonnabend: Geschlossen. Ansang 8 Uhr._ Modernes«Hebbe!-» Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Allabendlich: Der Doppelmensch. Ansang 8 Uhr. Komtichr Oper. Eoimlagnachmtttag 3 Uhr: Hossmanns Erzählungen. AbendS: ToSca. Montag: Tiefland. DtenStag: Die Bohöme. Mittwoch: tossmann» Erzählungen. Donnerstag: Da« vergessene Ich. Freilag: oSca. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zigeuner- liebe. Abends: Die Boheme. Montag: Das vergessene Ich. Ans. 8 Uhr. Russlclluvgstbeatcr am Zoo. Täglich abendS 8 Uhr: Der Fremde. Tdalia-Tyratcr. Sonntag, Montag und Dienstag: Polnische Wirt- schast. Mittwochnachm. 3 Uhr: Hänsel u. Grete!. Abend« und Donnerstag: Polnische Wirvchaft. Frcttagnachmlttag 3 Uhr: Aschenbrödel. Abends: Polinjche Wirtschaft. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Eine lustige Doppelehe. Abend» und Montag: Polnisch« Wirtschast. Ansang 8 Uhr. Sckitller-Tbeater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abend»: Prwz Friedrich von Homburg. Montag: Sodoms End«. Dienstag: Prinz Friedrich von Homburg. Mittwoch: Die Fee Caprice. Donnerstag: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: Der Dummkopf. Sonnabend: Geschlossen. Sonmagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der Dummkops. Montag: Prinz Friedrich von Homburg. Ansang 8 Uhr. Schiller. Theater(eharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends: Di« Macht der Finsternis. Montag: Der Dummkovs. Dienstag: Die Fee Caprice. Mittwoch: Husarenfieber. Donnerstag: Die Macht der Finsternis Freitag: Husarenfieber. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zapsenstreich. Abends: DaS Kätchen von tzeilbronn. Montag: Das Urbild des Tartüss. Ansang 3 Uhr. Friedrich-Wtlhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Faust. Abends: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Hosgunft. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch und Donnerstag: Hosgunft. Freitag: Cyrano von Bergerac. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungsrnn von Orleans. AbendS: Cyrano von Bergerac. Montag: Hosgunft. Anfang 8 Uhr. Neues Operetten> Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Die Glocken von Corncville. Abends: Der Gras von Luxemburg Montag bis Donnerstag: Der Gras von Luxemburg. Freitag: Die schone Risettc. i Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Die Glocken von Corncville. Abends; Die schöne Risctte. Montagnachmittag 3 Uhr: Glocken von Corncville. AbendS: Die schöne Risctte. Ausaug 8 Uhr. Theater des Westens. Sonntagnachinltlag Uhr: Die geschieden« Frau. Abends: DaS Puppenmädel. Montag und Dienstag: Das Puppen- mädcl. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Rotläppchcn. Abends und Donners« tag: Das Puppenmädel. Freilagnachmittag 3 Uhr: Notläppchen. Abends: Das Puppemnädel. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die geschiedene Frau. Abends: Das Puppenmädel. Montag: Das Puppe'.unädcl. Ansang 8 Uhr. Triauvu-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der feiige Toupincl. Abends: Der heilige Hain. Von Montag bis Freitag: Der heilige Hain. Sonnabend: Geschlossen. Sonnrag und Montag: Der heilige Hain. Ansang 8 Uhr. Residenz-Theater. Sonntag bis Dienstag: Der Unterpräsekt. Mitt- woch: Die Kamcliendame.� Donnerstag und Freitag: Der Uoterpräsekt. Sonabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelte. AbendS und Montag: Der Untcrpräiclt. Ansang 8 Uhr. Berliner BolkS-OPer. Sonntagnachmittag 3'/.j Uhr: Der Freischütz. Abends: Die Dollarprinzeijin. Montag und Dienstag: Die Dollarprinzcssin. Riitlwochnachmitlbg a1/., Uhr: Der Kamps um Schneewittchen. AbendS: Der Troubadour. Donnerstag: Und ine. Freitag: Zar und Zimmermann. Sonnabend: Gcschtossen. Sonntagnachmittag S'/.j Uhr; Zar und Zimmermann. Abends: Robert der Teusel. Rtontaguachmittag 31/, Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Dollarprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Luisen> Theater. Sounlagnachmitrag 3 Ubr: Preziosa. AbendS: Mudickcs Reise nach Indien. Montag: Hamlet. Dienstag: Mudickes Reise nach Indien. Mittwochnachmittag a Uhr: Goldbärchens frinnnclsahrt. Abends: Deborah. Donncrslag: Wilhelm Tell. Freilag: Goldhärchens Himmeljahrt. Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmiltag 3 Ubr: Hamlet, Abends und Montag: Mudickes Reise nach Indien. Ansang 8 Uhr. Luftspielbaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Lcutnantsinllndel AbendS: Der Feldherrnhügel. Allabendlich: Der Feldherrnhügel. Sonntag- nachmittag 3 Ubr: Der Herr Senator. Abends und Montag: Der Feld- herrnhügel. Ansang 8 Uhr. Merropol- Thealer. Allabendlich: Hurra t-— Wir leben noch! Ansang 8 Ubr. Herrnseld-Theater. Täglich: Eine verlorene Nacht. Der Dcrbysieger. Ansang 8 Uhr. En sin o- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Weihnachten. Allabendlich 8 Uhr: Julie Wipvchen. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Hag und Liebe. Abends: Julie Wippchen. Rose-Tbeater. Sonniagnachmitlag 3 Uhr: Im Zaubcrlande Rübe- zablS. AbendS: Der Müller und sein Kind. Montag: Die Millionenerbi». Dienstag und Donnerstag: Der Kaiserjäger. Mittwoch und Freitag: Der Müller und sein Kind. Sonnabend: Geschlossen. Sonnrag: Der Müller und sein Kind. Montag: Der Kaiserjäger. Ansang 8 Uhr. Folics Eaprice. Allabendlich bis aus weiteres: Der Fcldwebelhügel. Ansang 8'/, Uhr. Apolto-Tbcater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Sonn- tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitaten. Passage- Tbcarer. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Speziaiitälcn. Ansang 8 Uhr. Wintergarren. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Reichshallen- Theater. Täglich: Stcttiner Sänger. Ansang 8 Uhr, Soninags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich: Bravo! Da capo I Spezialitäten. Ansang 81/, Uhr. Sanssvuci. Allabendlich: Ach, die KerlS. Spezialitäten. Ansang 8>/, Uhr. Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Urania- Tbcarer. Taubenstr. 48/49. Sonntag: Der Bierwaldnätter See und der Gotthard. Montag: Märkische Landschasts. und Gartenvoesic. Dienstag: Der Bierwaldstätter See und der Gotthard. Mittwoch: Mär- kische Landschasts- und J8artenpocsie. Donnerstag und Freitag: Von San Remo nach Florenz. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Von San Rem« nach Florenz. Montag: Unbestimmt. Ansang 8 Uhr. Sternwarte. Lnvalidenstr. 57—62. Hus aller Melt. Ein Kompliment für die sozialdemokratische Presse findet man in Nr. 203 der„Essener Volkszeitung", deren Leitartikel sich mit unsittlichen Anzeigen beschäftigt und vor dieser Giftpflanz« im bürgerlichen Blätterwald warnt. Man liest dort u. a.: .... Wir fügen hinzu, datz eS, abgesehen von den auf Klatsch und Sensation berechneten Montagsblättern, lediglich liberale Zeitungen sind, die solche Anzeigen aufnehmen. In diesen Blättern wimmelt eS einerseits von„Knltur'-Phrafen und Verherrlichungen der liberalen.Weltanschauung und höheren Moral", andererseits von Anklagen gegen die mindere Tugend Andersdenkender, namentlich aber von meist erfundenen Skandal- geschichlen über katholische Priester und Klöster usw. Im redaktionellen Teile spielen diese Blätter den Hüter der Sittlichkeit(aber nur gegenüber Anhängern anderer Parteien und gläubigen Christen), im Anzeigenteile aber machen fie G e l d g e s ch ä f t e mit Kupplerdiensten für Massensen. Man mag den Sozialdemokraten noch so viele« nachsagen können, von ihrer Presse aber mutz man gestehen, datz ste sich im allgemeinen unsittliche» Anzeige» fernzuhalten weiß. Einzig und allein die liberale Presse nimmt hier skrupellos das Geld von jedermann." Die.Essener Volkszeitung" sagt hier zwar etwa« bekanntes, aber es ist doch immerhin«in beachtenswertes Geständnis,— datz man die sozialdemokratische Presse vielfach ganz mit Unrecht be» kämpft. Ihr Anzeigenteil ist einwandfrei— und im redaktionellen Teil kämpft sie für VolkSaufklärung, für Wahrheit. Freihett und Recht. Angeblich kämpft zwar die ZenttumSpresse auch für diese Ideale, in Wtrllichlcit aber betreibt sie etwas andere»— schmäh- lichen BolkSverrat, Brotwucher und Bolls- verdummung._ Kleine Notizen. In Seenot. Aus Brest wird gemeldet: Infolge des Sturmes herrscht großer Seegang. Vom Dampfer.Tildman-Castle" wird mittels eine» drahtlosen Telegramms berichtet, datz der Darnpfer.Thornabe" sich 50 Meilen oberhalb der Insel Ouesiant in Seenot befindet. Das Schiff ist vom Sturm stark beschädigt worden. Alle verfügbaren Rettungsboote sind abgegangen. Der Dampfer.Tildman-Castle" verblieb vier Stunden in der Nähe des .Thornabe", welcher mit Volldampf nach südöstlicher Richtung fährt, um möglichst schnell einen Hafen anlaufen zu können. Die Cholerafälle in Madeira beziffern sich auf täglich 200. DaS Volk protestiert gegen die Mahnahmen der Regierung und werden infolgedessen ernste Zissaminenstötze zwischen dem Volk und dem Militär befürchtet. Der Norden der Insel sei cholerafrei. Nur in Do» LoboS, wo die Epidemie fortschreitet, dauert die Erregung an. Gestern ging ein Kreuzer mit besonderen Vollmachten und grotzen Desinfektionsmitteln ab. Durch Kohlengase erstickt. In L u d o r f bei Schwerin find 3 Arbeiter durch Kohlengase erstickt, ein vierter ist schwer erkranlt. Mord widcr Mord. Der Arbeiter B a s n e r, der am 9. De- zember v. I. den Wochcnlöhner Kröger auf dem Gute Knopp er- mordete und beraubte, ist heute früh im Hofe des Kieler Gerichts- gefängnisses hingerichtet worden. Bon Einbrechern erschossen. Bei dem Versuch, in einem Juwelier- laden in Houndsditsch(England) Einbrecher zu verhaften. wurden fünf Polizeibeamte durch Schüsse verwundet. Zwei von ihnen erlagen bald darauf ihren Verletzungen. Die Einbrecher ent- kamen._ Sozialdemokratischer Zentralwahlverei« für de» Reichstags« Wahlkreis Zlrnswalde- Friedebcrg, Ortsvcrein Berlin. Heute Sonnlag, nachmittags 3 Ubr, bei Paul T h i m m, Tilsiter Strasse 79: Mitgliederversammlung. Gäste willlomme». Rebe» sehe Kranken- und Stcrbekasie Nr. 5, gegründet 1795. Heute von 2 bis 7 Uhr Zahl- und Ausnahmctag bei Römer, Elisabeihkirch« strasse lt. (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, den l8. Dezember, nachmittags S Uhr: Lcsswg-Theater. 12. Abteil.(Gruppe 51—54). Das Konzert. NeueZ Schanspiclhaus. 6. Abteilung (Gruppe'23—29): Monna Banna. Thalia. Theater. l./L. Abteil,(l-ö. Gruppe: Die schöne Helena. Herrnseld-Theatcr. 10/11. Abteilung (Gruppc43— 45): DerHcrr Scnnlvr, Residenz-Theater. 4. Abteil.(Gruppe 15— 16): Die 300 Tage. Moniag, den 19. Dezember, abends K Uhr: Neues Schauspielhaus. 14.1. Abend- abtciiung: Genovefa. Nene Freie Volksbühne. Sonntag, de» 18. Dezember, nachm. 2°/, Uhr: Deutsches Theater: Die Räuber. Kammerspiele: Gaw&n. Nachm. 8 Uhr: Neues Theater: Tartüfs.— Die Geschwister. Neues Operetten- Theater: Die Glocken von Corneville. Kleines Theater: Joachim von Brandt. Schiller-Theater O.: Die Ehre. Echiller» Theater Charlotlenburg: Eginont. Mctropoi-Thcater: Pariser Leben. Neues VoltS-Theater: lieber unsere Kraft. »lbendS S'/a Uhr: Neues Volks-Theater: Der G'wlssens- wurui. Rlontag, Dienstag, Don- nerstag, Freitag: Der G'wistcnS- wurm. Mittwoch: Usbrand. Ttontag(VolkS-Oper): Der Trouba- dour. l.essin�-l'liester. Sonntag 3 Uhr: Sluatol. Moniag ö Uhr: Jbsen-ZjykiuS, zehnte Vorstellung: Hedda Gabler. berliner'skeater. S°ute: Der Talisman.»Uhr Nachm. 3 Ubr: Pension Schüller. km Theater. Süßlich: Iii(Iii IM Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. 8 Uhr: Daa Puppeumlidel. Mittto. u. Sonnab. 4 Uhr: üoticlipiieken. Sonnt. 3'/« II: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (irflher Hebbeitheatsr). Abends 8 Uhr: _ OoppelincnHcta._ Berliner Volksoper Nachm. SV. Uhr: Der Freischütz. Abends>/,9 Ubr: Die Dullarpi-lnzctiisln. Residenz-Ihealer. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank in 3 Akten o. Leon Gandillot. Morgen und folgende Tage: Der Nnterpriifekt. Friedricti-WiiheMdtiscIies Schauspielhaus. Sonntag, d, 18. Dez., abends 8 Uhr: Die Iaugfraa von Orleans. Nachmittags 3 Uhr: Fanft. Montag: Hosgunst. Dienstag: Die Räuber._ Luisen- Theater. «bendS 8 Uhr: Mndllkes Reist nach Indien. Großes romantisch-phantastischeS AuS- stattungSstück mit Gesang und große Ballettcinlagen in 11 Bildern Frederic Ernst Michclls. Musik A, Lesevere. Nachm. 2 Uhr: JPl-eal«»». Montag: Neueinstudierung: Hamlet. DienS:.: MudickeS Reise nach Indien. Mittwoch 4 Ubr: Große Klndervor- stellung: GoldbärchenS Himmel- sabrt. 8 Uhr: Debvrah. von von ose-ine/ne I Große Frauksurlcr Str.>32. i Nachu:. 8 Uhr, kleine Preise: tm Zanbci-Iande DUbezahli«. Abends S Ubr: Der HTttllor und«oin Kind. PolkSdrama in 6 Allen von Raupach. Montag: Die Millionenerbin. Lus'tKpiSMsu». 3 Uhr: Da» Leutnautdiuündel. Ab-ndS 8 Uhr: Dei- Feldhermbügel. Heute: Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Sonntag abend 8 Uhr: Der Vicptvaldstllttep See nr.d der biotthurd. Montag abend 8 Ubr: Direktor Franz Goerko: Märkische Landschafts- und Garfan-Poasie.� Kaiaer-Panoraana. Neu! II. Besuch v. Florenz. Letzte Woche: Reiseam Rhein von Mainz bis Köln. Tausende Familien schenken zu Weih- nachten Abonnements. 8 Reisen 1 M. I 2 Große Vorstellungen 2 des glänzenden Sensadons-Prograimas. Halbe Preise. -{TTy 'fllüthner- Lützow- Saal Stiaüe. Heute Sonntag, abds V;.2 Uhr: Wagner-Abend.3ieger. Ans. 8 Uhr. für die drei Weih- iiachlSsciertage it tilvestervorstellg/ sind schonzu haben Borger: uer veru>.s WM �önigslaßt-Kasino. Holzmarktsir. 72, Ecke ülicxandcrstraß«. Täglich: I.Venn die goid'ne Weihnacht naht! Festspiel mit Gesang, sowie Extra-Speziali» täten: tan lludclti, Diaboloipieler. Los two elairor.a, Ghmnaillkcr uiw. Ansang 8 Uhr. Sonntags k'/, Uhr. _ Feiertags ö'/a Uhr._ Alt-noablt 47/48. Sonntag, ben 18. Dezember: Friede mf Erde« WeihnachiSkomödle mit Gesang in 3 Auszügen von Hugo Schulz. Kasseneröfsn. 0'/, Uhr. Ans. VI, Uhr. Nach der Borstellung: Tanz."MD SclillSer- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Sonntag, nachm. 3 Uhr: vis Ehr«. Sonntag, abends 8 Uhr: Priiu Friedrich von Homburg. Montag, abends 8 Ubr: 8«moi»i!> Ende. Dienstag, a t> e n i> s 8 U h r: prlns Friedrieli von Homburg. VltSttter. Sohllier-Thoator eharl»«eabur>. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Eginont. Sonntag, abend» 8 Ubr: Die ülacht der Elnsterals. Montag, abends 8 Uhr: Der Dauimkopf. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Eee Capriee. Castans Panoptikuni �ÄÄ.!,65 1. naie:„Im Wunileplaiid". Gr'1,e,,uasiön,scbe Crroßejs Künstler-Konzert « und Spcsialitütcn-VorsteUnag. Täglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. CLOU'* BEREI.VEK KO\ZEItTHACai Mauerstr. 82 Zimmsretr. 90-91 !!! Heute III 12—2 Uhr: Konzert- Ufa tinee bei freiem Bintritt. Außerdem 2 große Konzerte! Anfang 4 Uhr.— Ab 7 Uhr Gastspiel von Johann Strauß. triaesa Sport- fatast Potsdamer Strajle 70-72a Größter EispaEast der WeSi Beleuchtet durch 500 000 Normalkerzen Fserie„Am Nordpol" □ 200 Eislauf-KOnsfler Zwei ntlitar- nnd Zivil■ Kapellen KcKtanraut filp OOOO Ecrisonen Entroe iM. Unterricht im Elllauf vonlt— lUhr. Venn Kentert Sonntag 4 Ehr: NachmiltagsoVorstellung Jeden Mon.ag, 9 Uhr abends: GroOes Instrumental- und Vokal-Konzert, ohne Entree-Anfsohlsg. Bontag. den 19. 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Der Reichskanzler für die Plünderpolitik.— Herr von Rheinbaben als Verteidiger der Eiscnzöllc.— Tie(Eisenindustrie in den 7üet Jahren.— Tie agrarische Wirtschaftspolitik. Unter jubelndem Beifall aller Liebesgabenpolitiker bekannte sich der Reichskanzler am 10. Dezember im Wallotbau als Verteidiger der Hochschutzzoll- und der indirekten Steuerpolitik. Ja, Herr von Bethv'ann pries das agrarische Svstem als die Grundlage der wirtschaftlichen Entwickelung Deutschlands. Weil das Volk nicht verhungert ist, so schlußfolgert der erste Rcichsbcamte, muß unsere Wirtschaftspolitik doch trefflich und gut sein. Nach solcher Logik könnte das Instrument der Junker auch sagen: Die Zollerhöhungen und das Etnfuhrscheinsystem sind der unübertrefflichste Kunst- dünger, denn seitdem die neuen Handelsverträge ihre wohltätig: Wirkung«rusüben, haben wir in Deutschland gute, ja glänzende Ernten!— Gewiß, unsere Wirtschaftspolitik könnte noch schlechter 'sein, sie wäre es, wenn z. B. anstatt der Zölle von 50 und 55 M. auf Brotgetreide nach den agrarischen Anträgen die Zölle auf 75 M. festgesetzt und dazu die übrigen bündlerischen Zollwünsche erfüllt worden wären. Aber es gehört schon die gottgegebene Ab- hängigkeit von Junkers Gnaden oder eine undurchdringliche agrarische Scheuklappe oder pfäffische Demagogie dazu, die unheilvolle Wirkung der Wirtschaftspolitik nach den Rezepten der Hahn, Bueck und Spahn zu verkennen. Die Tatsache der fast ununterbrochenen industriellen Entwickelung Deutschlands, die ständige Reichstums- Häufung bei den Besitzenden genügt nicht zur Begutachtung der jeweiligen Wirtschaftspolitik. Denn ivir erlebten in dem 30jährigcn Zeitraum des gctvaltigsten gewerblichen Aufschwunges verschiedene Wirtschaftssysteme, speziell soweit die Brotgetreidezölle in Betracht kommen. Während der Zollfreiheit in den 70er Jahren gab es eine Hoch. konjunktur und einen Gewirmsegen wie noch nie, aber auch eine tiefgehende verwüstende Krise. Neben dem Getreidezoll von 10 M. brachte das Fahr 1879 auch den Roheisenzoll von 10 M. Diesem sollen wir, wie der verswstene Minister, Herr von Rheinbaben, kürzlich bei einem Festessen der Industriellen erzählte, die Rettung der deutschen Industrie zu verdanken haben.— Nachgerade weiß nun aber jeder mit den Verhältnissen einigermaßen Vertraute, daß der Schutzzoll auf Rohmaterial und Halbzeug die Entwickelung der Berarbeitungsindustrie ganz bedeutend gehemmt hat und noch fortgesetzt hemmt, daß dieser Zoll die Konkurrenz der ausländischen Industrie der Fertigerzeugnisse auf Kosten der deutschen Unter- nehmen ganz außergewöhnlich stärkt. Angeblich soll es ein natio- nales Unglück gewesen sein, daß Mitte der VOer Jahre infolge des Mangels eines Schutzzolls die englischen Hochofenwerke Deutsch- land mit unglaublich villigem Roheisen überschwemmten. Das ist einfach Unsinn! Tatsächlich ist in der zweiten Hälfte der 70er Fahre die inländische Produktion gestiegen, während die Einsuhr zurückging und die Ausfuhr gewaltig anschtooll. Trotz des für die deutschen Unternehmen angeblich so ruinös billigen englischen Roh. eisens hatte die Verarbeitungsindustrie wegen der umfassenden Weltkrise keine Beschäftigung und sie würde noch mehr darnieder» gelegen haben, ihre Konkurrenz wäre noch nachhaltiger unterbunden gewesen, hätte die Zollfteiheit für Roheisen ihr kein billiges Roh- Material gesichert. Was ein Unglück, die Ursache der gewaltigen Krise nach der tollen Gründerzeit gewesen sein soll, war in Wirk- lichkeit ein Segen, ein Krisenmilderer. Der Allgemeinheit diente das Fehlen des Schutzzolles zum Vorteil, nur die Hochofenwerke empfanden eS unbequem und nur zu ihrem Nutzen wurde das Volk mit dem Schutzzoll beglückt. Es war ein Geschenk der Agrarier an die Großindustriellen für die Gegengabe eines Schutzzolles auf Brotgetreide. Bei der Verteidigung des widerrechtlich als„Schutz der natio- nalcn Arbeit" deklarierten Eisenzolles wird man, um die Oeffent- lichkeit irrezuführen, sicherlich noch öfter auf die Verhältnisse in den 70er Jahren hinweisen. Aus diesem Grunde machen wir die nachfolgende Ausstellung nach den Veröffentlichungen des Vereins deutscher Eisenindustrieller; sie ist der beste, der einwandfreieste Beweis für die Richtigkeit unserer Behauptung. Es betrug nämlich: 1871— 74 To. 1924 729 159 891 599 551 . 2 322 688 1876—80 2 237 403 368 801 426 048 1 671 088 Deutschlands Roheisenprodultion. Die Ausfuhr an Roheisen...... Die Einfuhr an Roheisen...... Einheimischer Verbrauch überhaupt.. Einheimischer Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung......... Kg. 67,8 88,3 Eigene Produktion pro Kopf der Be- völkerung........... 46,7 51,2 Unter der Wucht der Krise smik in der zweiten Periode der Jnlandsverbrauch ganz enorm, trotzdem konnte die Produktion noch gesteigert werden, aber das geschah auf Kosten der Einfuhr, die ganz bedeutend zurückgedrängt wurde, während die Ausfuhr sprunghaft zunahm. So sieht im Lichte der Tatsachen die Ueber- schwemmung Deutschlands mit fremdem Roheisen in der zweiten Hälfte der 70er Jahre aus. Die einheimische Produktion war um 566 315 Tonnen(fast 40 Proz.) größer als der Jnlandsverbrauch. Die damalige Krise ist natürlich auch an der Eisenindustrie nicht spurlos vorübergegangen. Aber den übrigen Industrien er- ging es durchaus nicht besser. Nach Wagon—„Die finanzielle Entwickelung deutscher.Aktiengesellschaften von 1870 bis 1900"— wurden auf das gesamte in der betreffenden Industrie investierte Kapital, soweit es sich um börsenfähige Papiere handelte, folgende Dividenden gezahlt: Aktienkapital Zahl der in Million Gesell- Mark schaften 133.25 22 117,73 19 140,30 13 294,81 39 12,31 10 8,81 6 129,92 43 102,49 36 23,13 10 7 Gewerbe Kohlenbergbau. Eisenindustrie.. Metallindustrie. Dividende Prozent Maschinenindustrie. Chemische Industrie Tuchindustrie... Spinnereien... Papierindustrie.. Holzindustrie... 1872 1878 1872 1878 1872 1873 1872 1877 1872 1376 1872 1878 1872 1878 1872 1877 1872 1878 14,73 11,85 3,32 10,44 26,58 11,10 6,60 13,30 8,25 6 4 5 8 7 4 6 2 die 13,93 1,76 12,28 1,97 10,70 0,96 7,86 0,62 7,02 0,53 5,50 0,00 7,77 1,78 8,94 1.74 9,90 1,27 Folgen des In diesen Gegenüberstellungen zeigen sich.>„ wirtschaftlichen Niederganges aus Anlaß einer der schlimmsten Weltkrisen. Die Eisenindustrie hat im Vergleich mit den übrigen Gewerben bei dem Rückschlag noch verhältnismäßig gut abge- schnitten. Trotzdem erhielt sie damals ein Zollgescheni, das für die Verarbeitungsindustrie eine schwere Last, ein Hemmschuh ihrer Entwickelung wurde. Daß sie sich trotzdem durchgesetzt hat, recht- fertigt die Liebesgabe an die Schivereisenindustrie nicht; ohne den Schutzzoll hätte die Verarbcitungsindustrie einen noch erheblicheren Aufschwung erlebt, und die Verhältnisse am Arbeitsmarkt würden eine viel günstigere Gestaltung erfahren haben. Wenn die Gummiknüppelhclden in Moabit auch kein Massen- grab gefüllt haben, so wird es trotzdeni doch wohl niemandem ein- fallen, ihre ausübende Tätigkeit als Heilgymnastik für ihre Ob- jekte zu empfehlen. Und wenn trotz Lebensmittelwucherpolitik noch keine direkten Hungersnöte entstanden sind, dann bleibt die agra- rischc Wirtschaftspolitik, die Unterernährung und Verschlechterung der Lebenshaltung der breiten Masse im Gefolge hat, doch eine, das Allgemeinwohl ganz empfindlich schädigende Einrichtung. Daß trotz der hemmenden Schutzzollpolitik, dank der Geschicklichkeit und Intelligenz der deutschen Arbeiterschaft, der rastlosen Tätigkeit deutscher Wissenschaftler und Techniker, der kühnen Pionierarbeit des deutschen Kaufmanns unsere Exportindustrie eine Weltmachts- stellung erlangte, das rechtfertigt nicht die Wucherpolitik, die dem verlotterten Junkertum eine Schmarotzcrexistenz auf Kosten der fleißigen produzierenden Bevölkerung garantiert. Darin liegt ja gerade das Aufreizende, daß trotz �der bewunderungswcrten gc- werblichen Entwickelung und trotz der glänzenden Ernten in Deutschland die agrarische Wirtschaftspolitik den einheimischen Konsum zurückgedrängt hat. Unter der Herrschaft der Eaprivifchcn Handelsverträge war der Verbrauch an Brotgetreide selbst während der Zeit wirtschaftlichen Rückganges nie so niedrig, als seit In- krafttreten der neuen Handelsverträge im Zeichen der industriellen Hochkonjunktur. Es wurden nach amtlicher Berechnung, unter Berücksichtigung der Ernten, der Ein- und Ausfuhr und der Aus». saat, pro Kopf der Bevölkerung verbraucht in Kilogramm: 1893/94 1896/97 1905/06 1906/07 1907/08 1903/09 Weizen.. 158,0 155,8 149,0 143,5 142,4 141,3 Roggen.. 83.2 90,3 99,8 94,4 90,7 83,6 zusammen. 241,2 246,1 248,8 237,9 233,1 224,9 Gewaltige Steigerung der industriellen Produktion, ein Wachs- tum in der Leistung aller Waren herstellenden Gewerbe, erhöhte Intensität in der Ausbeutung der Arbeitskraft, große Ernten und Rückgang des Konsums an Brotgetreide: Das ist der von Bethmann Hollweg gepriesene Segen der blau-schwarzen Zoll- und Steuer- Politik. D. «InsierttandS-Nachrtchtr» der Landes anstalt für Gewässerkunde, mitgetcllt vom Berliner Wetterbureau. ')+ bedeutet Wuchs,— ftall.—*) Unterpeget.—•) starker Eisgang.— 4) Schollentreiben.—') Eisfrei. Praktische Geschenke für Damen; Warm gefütterte Hausschuhe Pariser Luxus• Hausschuhe Elegante Absatz■ Pantöff eichen Praktische Geschenke für Herren: Warm gefütterte Hausschuhe S c h n a 1 1 e n- S t i e f e 1 ♦ Pantoffel Guter Weihnachtsbrauch ist es, stets auf den Weihnachtstisch Schuhe und Stiefel für unsere Lieben zu legen. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Bildhauer Otto LcKirmer Fruchtstr. 5/0 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle deS Andreas'Kii chhoses in WUHelmS- berg aus statt. _ Der Vorstaml. Tode«- Anzeige. Alle» Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, dafi mein lieber Mann, Bruder und Onkel, der Tischler Oruno HtifoHU Lraunsberger Straße 4 im 56. Lebensjahre nach langem schwerem Leiden sanst enlschlasen ist. Dies zeigt tiesbetrllbt an Hetene Hnizdtll geb. Grun. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 13. Dezember, nachmittags ä'/a Uhr, von der Leichen- Halle der FreircligiSsen Gemeinde, Pappelallee 15/17, au« statt. SozialdemokratisebJatilvereiii (Dr den Landsberger Aiertel. Bezirk 397. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Sruiio Knizdill, Braunsberger Str. 4, gestorben ist. Ehre seinem Andenken, Die Beerdigung findet heute nachmittags 2'/. Uhr, auf dem Freireligiösen Friedhos, Pappel« Allee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/19 Der Norltan» zozialdeinMizcliei' Wahiverelo de« 6. Berl. Reiebstags- Wahlkreises. Todee- Anzeige. Am 15. Dezember verstarb unser Genosse, der Maurer lMthm Drenske Kösliner Straße 24. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 19. Dezember, nach. mittags 2'/. Uhr, von der Leichen- Halle der Philivp-Apostcl- Gemein de nach dem städtischen Friedhos, Müllerstraße Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht De»- Vorstand. Zentralverhanilil.klaurerDeiitsclil. Zwelgveroln Berlin. Am 15. Dezember verstarb unser Mitglied Cdrtslfen Drenske (Bezirk Wedding). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Dezember, nach- mittags 2»/. Uhr. von der Halle des städtischen Friedhofs in der Müllerstraße, Ecke Seestr., aus statt Am 15. Dezember verstarb unser Mitglied Dm!! Vollmer (Bezirk Osten II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Halle des städtischen Friedhofs in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege Beteiltgutm ersucht 139/17 Der Borstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Bekannten, insbesondere dem Metallarbeiter- verband und der Firma ptennignort meium herzlichsten Dank. Frau BUll er. Wand der freien Gast- und Schankwirie Deutselllands. Zahlstelle Berlin. Den Mitglledeni zur Nachricht, daß unser Kollege Fritz Bergmann Fnvalldeiistraße 97. Bezirk 2. verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. d. M., nach- mittags g>/, Uhr, vom Moabiter Krankenhause, Eingang Birken- straße, aus aus dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 35/8 vis Orttverwaltung. VeM der Brimi- nd iWmrteiter r-ÄÄ Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 15, Dezember der Flaschen- Kellerarbeiter, Kollege Willielm Tobe Schultheiß-Brauerei, Abt, L nach schwerer Krankheit der- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt heute, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Dankes- Gemeinde in Reinickendorf, Blanke- straße 12 au«. Rege Beteiligung erwartet 44/3 Die OrtSvcrwaltung. kerliaiid der Falirikarlieiter BeutseblaDds Am Donnerstag, den 15. De- zember, ist unser Kollege Fritz verstorben. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. Dezember, nachmittag« 2 Ubr, von der Halle de» Friedhofes der Sank! Andreas- und MarknS-Gemetnde in Lichtenberg au» statt. 04/9 via(M»ven»ast[ing, Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschine»- arbeiter �lft-ed Günther am 15. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Dezember, nach Um rege Beteiligung ersucht 95/1 Die Ortsverwoltung, OeMsl Metallarbeiter-Verband Benvaltnng«stelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Otto Vogel am 15. Dezember an Lungen- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, van der Leichen« halle des Rlrdorser Gemeinde- .Kirchhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 131/5 Die dvetSverwaltung. Zenlralverbanil liip alle in der Bot- q. Filzindustrie besctiältigten Arbeiter und Arbeiterionen. Filiale Berlin. Unser Mitglied Heinrich Kutscha ist am 15. d. MtS. verstorben. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Pius- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt 70/12 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 13. d. M. ineine liebe Frau und unsere gute Mutter «Anns Kaiser geb. Keßler im Aller von 31 Jahren nach kurzem, schwerem Krankenlager verstorben ist. 2204b Dies zeigen tiefbetrübt an Heinrich Kaiser oedst Kindern. Die Beerdigung findet Sonn- tag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Tempelhojer Fried- Hose« auS statt. Am Donnerstag, den 15. De- zember, verstarb der frühere Ren- dant der Ortskranlenkasse der Bergolder Gustav Barthel im 82. Lebensjahre. Die Beerdigung findet statt am Montag, den 19. Dezember, nach- mittags 3'/� Ubr, von der Leichen> Halle deS st Thomas-KirchhoseS in Rixdors, Hennannstraße. 297/19 Der Borstand. Sozialdemokrat. Wablvereio Niederlehme und Umgegend. Am Freitag, früh 7'/, Uhr, verstarb nach kurzem Leiden infolge Herzschlag die Fran unseres Genossen Witbelm Kuhnert im 39 Lebensjahre, Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. d. M. nach. mittags 2'/» Uhr, vom Trauer- hause aus statt. Um rege Beteiligung bittet 204/0 Der Vorstand. Codeaanzelg*. Allen Verwandten und Bekann. ten hiermit die traurige Nachricht, daß unser» gute Mutter und Schwiegermutter, die Weber- metsterwitwe Friederike Danzmann am 16. d. Mts., vorm. 7'/, Uhr, nach kurzer, schwerer Krankheti saust entschlafen Ist. vi« trauernden Hinterbliebenen. Otto Danzmann und Frau. Paul Danzmann und Frau. Die Beerdigung findet Mon- tag, de» 19. Dezember, nachm. t>/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS in Fried- richSselde aus statt. Daaksagnag. Für die liebevolle Teimahme und reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres Sohnes, sprechen wir allen Freunden und Bekannten, sowie dem Kassenpersonal der Orts- kcankenkasse und dem Gewerksvcrein selbständiger Handwerlsmeister, ins- besondere dem Genossen Waldeck Manasse für seine wohltuenden Worte am Sarge des Entschlafenen unseren innigsten Dank ans. 2288b Die trauernde Witwe Ida Breöta. geb. Bogatsch. Aranz Bresta und Kran. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für dle reichen Blumenspenden bei der Bcerdtgunz meinet lieben, unvergeßlichen Mannes. unsere» treusorgenden Vaters, sagen allen Vereinen, Kollegen, Freunden und Bekannten unseren ausrichtigsten Dank. L2ozL Die tranernde Witwe Anna Matthes nebst Kindern and AngehSrIgen. Danksagnug. Für die rege Beteiligung und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Verwandten, Freunden und Be- kannten sowie den Kollegen der Firma Louis Schultz« zu Stralau, serner dem Gelangoereln.Vorwärts. Frohsinn" für den erhebenden Gesang am Grabe meinen ttesgesühltesten Dank. 2274b Frau Lnlse Kienitz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unierer lieben Mutter 2365b Frau Milde Meyer sagen wir allen Teilnehmern, auch den rteni de» Hauses Blumenstr. 27 unseren herttichsten Danl. Die tieftraucruden Kinder. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. 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Von den 48 vorhandenen landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schajten DeutsSlands waren nur 39 Geschäftsberichte für daS Jahr 1909 zu erlangen. Manche Genossenschaft braucht zwei volle Jahre, bis sie das„Material" zu einein armseligen Bericht ge- sammelt hat. Viele begnügen sich auch mit der Veröffentlichung einiger statistischer Tabellen, welche ja nur vom Reichsversicherungs- amt verlangt werden, und brauchen auch hierzu oft neun bis zehn Monate Zeit, diesen„Bericht" fertig zu stellen. Einige Berufs- genossenschaften haben sich bis heute noch nicht entschließen können, einen Geschäftsbericht überhaupt drucken zu lassen. Sie ver- weisen auf Anfrage einfach auf das„Ämtsblatt" des jireises, welches ja den„Bericht" veröffentlicht habe. Ganz jämmerliche Berichte verschickten wieder die Berufsgenossenschaftcn„Anhalt", „Lippe-Detmold",„Württemberg",„Reuß j. und ält. Linie", „Hamburg",„Oldenburg",„Schaumburg-Lippe",„Rudolstadt" usw. In französischer Sprache erscheint auch der Bericht für„Lothringen". Und trotzdem gewähren diese Berichte vielleicht wider Wille» einen gewissen Einblick in die Verhältnisse auf dem platten Lande, der Lage der Kleinbauern und Landarbeiter, deren„Flucht" man ja jetzt mit allen Mitteln aufzuhalten sucht. Alle Versuche, eine nur einigermaßen vergleichende Statistik zu gewinnen, müssen immer wieder scheitern, weil die Zahlen des Vorjahres in fast allen Berichten fehlen und nur auf die veralteten Betriebszählungen verwiesen wird. Sehr oft hat man auch vorsichtig auf„frühere" Zahlen vcaviescn, statt die Ziffern des Vorjahres zu nennen. So berichtet z. B.„Oberfranken": „Nach der Berufs- und Betriebszählung vom Jahre 1907 beträgt die Zahl der land- oder forstwirtschaftlichen Betriebe in Oberfranken rund 99 999(nach der Zählung von 1895: 79939) und die Zahl der in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Personen 249999(gegen 197 991 im Jahre 1395). Hiervon sind etwa 43 999 vorübergehend beschäftigt." „Hamburg" erwähnt, daß die Zahl der Betriebe gegen das Borjahr wieder um 1 abgenommen habe und bemerkt erläuternd: „Die Unternehmerverzeichnisse haben auch im Jckhre 1999 infolge der umfangreichen Landverkäufe an den Staat und an private Spekulationsgesellschaften vielfache Veränderungen er- fahren; sie erhalten jetzt 4335 Betriebe. Der Abgang betraf meistens die größeren und mittleren land- wirtschaftlichen Betriebe, während die Zahl der kleinen Geniiise- baubetriebe zugenommen hat. Auf Grund einer Entscheidung des Rcichsversicherungsamtes sind die mit der Unterhaltung und Pflege der an öffentlichen Straßen stehenden Bäume beschäftigten Arbeiter und Betriebs- beamten in die landwirtschaftliche Unfallversicherung auf- genommen." Rückschrittlich arbeitet die Berufsgenossenschaft„Ostpreußen". Im Bericht wird ausgeführt,„daß durch das am 1. Januar 1998 in Kraft getretene neue Statut die Grenze für die Versicherung?- Pflicht der Betriebsunternehmer und deren Ehefrauen von 2999 auf 1599 M. herabgesetzt ist, so daß an Betricbsunternehmer mit einem 1599 M. übersteigenden Einkommen im Berichtsjahr Unfall- entschädigungen nur in den Fallen gewährt worden sind, in denen es sich um einen vor dem 1. Januar 1998 vorgekommenen Unfall handelte." Im Bezirk„Gotha" ist die Zahl der landwirtschaftlichen Be° triebe laut Bericht von 21 694 auf 21 593 zurückgegangene »Baden" gibt uns wieder eine Aufstellung über die Größe der Betriebe, wie folgt: „In Anordnung des Z 3 Ziffer 7 des badischen Gesetzes vom 17. Juli 1992 hat die Genossenschaftsversammlung am 27. Juli 1998 bclchloffen, Betriebe, zu deren Bewirtschaftung im Jahres- durchschnitt nicht mehr als 1299 Arbeitstage männlicher Arbeiter erforderlich sind, in neun Klassen einzuteilen. Hiernach sind einzuschätzen: Betriebe von lxniger als 75 Tagen in Klaffe I.... 94 543 Betriebe 75- 159„„. II.... 42 692 159- 399„„. HI.... 43319 899- 450„.„ IV.... 39 944 469- 690,„. V.... 20 820 600— 760„„„ VI.... 12 845 760— 900„,, VH..,. 7845 990—1950„.„ VIII.... 5271 1060-1200... IX.... 3489 Größere nicht klassifizierte.... 6 662 Im ganzen.. 297 499 Betriebe mit 74 324 350 Arbeitstagen. Ilmtliiber Marktbertchr der städttsche» Mnrtlballcn.Direttion über den Grohbandel in den Zenwal-Marktballen, iVtarktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Gelchäsl still. Preise unverändert. W i l d: Zilfiibr ge» nügcnd, Geschäft lebhast. Prelle fast unverändert, ö> e j l ü g e l: Zufuhr genügend,(«cschäil ctwaS belebter, Preise fest, Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäft sehr still, Preise lvenig verändert, Butler und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. G e m ü! e, O b i> und S Ü d 1 r ächte: Zusuhr reichlich, Geschäft in Obst und Südfrüchten et'vaS lebhafter, sonst still, Preise fast unverändert. «ittmmgs,, verficht vom 17. Dezember 1!)10. morgen« 8 llbr, Setter «tatloncn tdeUer II* Weihnachts-Angebot für die 650 Seiten Text mit vielen Original-Illustrationen. Hocheleganter vielfarbiger :: Qanzleinen-Prachtband:: —— Lexikon-Format.—— Das Werk wird zu dem äußerst billigen Preise von nur aus allen Zonen zu Wasser und zu Lande« Abenteuerliche Erlebnisse, g-efahrvolle Szenen and hochinteressante Jagden auf wilde Tiere. Waghalsige Reisen im Laftballon. Erlebnisse auf Schlachtfeldern, In den Wüsten Afrikas, anter wilden Völkern usw. Mit Beiträgen von Sarath Kumar Chosch, Ascott R. Hope, E. von Llebert, Gustav von Moser, Jesco von Pultkamer, Freiherr von Schrenck, Fritz Reuter, Feder von Zobeltitz u. a. Für Jung und Alt gesammelt und herausgegeben von tSeorg Geliert. 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Bekanntmachung. Die achte Abänderung zum Statut der OrtS-Krankenkasse der Maschinen. bau-Arbciter und verwandten Gc- werbe zu Berlin, betreffend die Aendcrung der KZ 5, 12, 13, 18, 22, 26, 27 und 44 ist durch Beschluß deS Bezirksausschusses zu Berlin, gez. Wagner, am 15. November so ge- nehmigt worden, wie die außer- orvendiche Generalversammlung am 19. Sevicmber d. I. beschlossen hat, und Iriti diese Acnderung am Montag, den 19. Dezember 1910, In Kraft. Die aus Grund des§ 2 des Statuts der Kasse angehörenden Mitglieder erhalten die Abänderung von ibren Arbeltgebern, die aus Grund des§ 5 bezw. 9 Absatz I des Statuts der Kaste angehörenden Mitglieder im Kaffenlotal. 2321b Berlin, den 18. Dezember 1910. Her Vorstand. Fr. Schulvk. Hcibenhain. |W. Hermann Müller Berlin, Magazinstr. 14. ISunatm 6691 a 2.50 verzollt II. Länge Vollblatt, | ffelner Brand, schöne Mitlelsarben. In keinem linden! Eine seidene Bluse als Weihnachtsgeschenk wünscht sich wohl j edo Dame. 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An die Parteigenossen Berlins»nd der Provinz Brandenburg! i Anfang Januar erscheint wiederum eine neue Lokalliste. Wi. ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Mittwoch, den 21. Dezember, an die Adressen der am Mittwoch im„Vorwärts" veröffentlichten Kommissionsmitglieder gelangen zu lassen. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nickt weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu- schreiben. Alle nach dem 21. Dezember einlaufenden Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dies zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten Kommissions- Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". Es entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist, wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt sVergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: Albert Hahnisch, C. 54, Auguststratze 61. Die Förderung der Bildungsdestrebungen lassen sich die Vorstände der Wahlvereine immer lebhafter angelegen sein. Im ö. Wahlkreise wurde am Freitag ein Vortragszyklus be- endet, für den Herr Baege gewonnen worden war und in dem das Thema:„Vom Urtier zum Menschen" behandelt wurde. Die fünf Vortragsabende waren ständig gut besucht und das Interesse hielt bis zum letzten Vortrage an. Durchschnittlich beteiligten sich an jedem Abend 600 Teilnehmer, worunter sich viele Genossinnen befanden; ein Beweis, wie lebhaft in den Kreisen der Genossen der Bildungsdrang vorhanden ist._ Dritter Wahlkreis. Am Sonntag, 25. Dezember(1. Weih- nachtsfeiertag) findet im„Gcwerkschaftshaus" ein Kunstabend statt. Anfang 7 Uhr. Billetts a 50 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. WilmerSdorf-Halensee. Den Parteigenossen und»Genossinnen zur Kenntnisnahme, dah die Agitation für Verbreitung des„Vor- wärts", die Ende Dezember stattfinden sollte, auf später ver- schoben werden inutz. Der Feiertage wegen findet die nächste Monatsversammlung des Wachlvereins erst am Freitag, 30. Dezember, im.Gesellschaftshaus", Wilhelms- aue 112, statt. Der Vorstand. Steglitz-Friebenau. Heute nachmittag 2 Uhr: Führung durch die ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt. Treffpunkt Uhr für Steglitz am Rathaus, Friedenau: Rönnebergstrasie Ecke Kaiser-Allee. Die Besichtigung ist pnentgeltlich. Fahrt bis Zoologischen Garten. Der Bildungsausschuß. Stralau. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt in diesem Monat aus. Borsigwalde-Wittena«. Am Dienstag, den 20. Dezember, abends SVa Uhr, im Lokale von Richter, Borsigwalder Festsäle: Mit- gliederversammlung des Wahlvereins. Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Die Buchhandlung unserer Expedition sowie die Läden unserer Speditionen sind heute Sonntag von 1 Uhr ab ge- öffnet. Gegen die ErhShun« der Hundesteuer fanden gestern abend in der Viktoria-Brauerei und in den Germania-Prachtsälen zwei öffentliche Prote st Versammlungen statt, die von den kynologischen Vereinen Berlins einberufen waren. In der Viktoria- Brauerei traten Rechtsanwalt Walter Bahn und Generaldirektor W i l l n e r als Referenten auf, die sich entschieden gegen die Er- höhung der Steuer aussprachen. Nach den Referenten wurde in beiden Versammlungen folgende Prote st resolution ange- nommen: „Die Versammelten protestieren gegen die geplante Erhöhung der Hundesteuer, die gerade die weniger bemittelten Schichten der Bevölkerung in übermässigem Grade belasten würde und richten an die Stadtverordnetenversammlung die dringende Bitte, die Magistratsvorlage abzulehnen. Die Anwesenden sind der Ansicht, dah ein« Erhöhung der Hundesteuer weder geeignet ist, etwa bestehende Missstände zu be- seitigen, noch ein günstigeres Resultat zu erzielen, da in Berlin im Gegensatz zu den Vororten viel mehr gering Bemittelte als Hundebesitzer in Betracht kommen, denen schon daS Aufbringen der jetzigen hohen Steuer sauer wird. Die Versammelten hoffen, daß die Stadtverordnetenversamm- lung nicht zugeben wird, daß taufenden der einzige und treueste Freund und Beschützer durch eine harte und ungerechte Matzregel genommen wird."_ Bestätigte Stadträte. Die kürzlich zu unbesoldeten Stadträten gewähren Herren Stadtverordneten Fr. Unger, Runge, Professor Dr. Preuss und Bankier Panofsky, von der Firma Jacquier u. Securius find vom Oberpräsidenten bestätigt worden, so daß die Einführung der Herren nunmehr schon Anfang nächsten Jahres erfolgen kann. Gleichzeitig ist auch die Bestätigung eingegangen für die aus» scheidenden und wiedergewählten Stadträte. Die Eöthener Brücke wurde gestern vormittag 10 Uhr dem Ver- kehr übergeben. Selbstmord eine? Liebespaares. Bestem morgen gegen 9 Uhr wurden in der Nähe von Erkner zwischen dem Kurpark und dem Blockhaus 30 an der Fürstenwalder Landstraße die Leichen eine» Liebespaares gefunden. Neben den Toten lag eine fast völlig ge» leerte Flasche, in der sich, wie festgestellt wurde, eine scharfe Blau- säurelösung befand. Ein sofort hinzugerufener Arzt stellte fest, datz der Tod bereits am vorgestrigen Abend eingetreten sein müsse. In den Kleidem der beiden jungen Leute fand man Zettel, auf denen ihre Namen und Adressen angegeben find, sowie ein halbangefangener Brief. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um den 28jährigen Gürtler HanS Albrecht, Rixdorf, Pflügerftr. 55 und die 22jährige LieSbeth Voigt, Berlin, Wrangelstr. 95 wohnhast. Die beiden jungen Leute waren vorgestern nachmittag nach Erkner gekommen und hatten sich in dem Lokal von Lander längere Zeit aufgehalten. Dort hatten sie sich auch erkundigt, wohin sie einen Spaziergang untemehmen könnten, sie wollten einige Swnden recht ruhig und still verleben. Der Wirt bemerkte, dqtz A. eine große eingewickelte Flasche bei sich trug, doch fiel ihm das weiter nicht auf. Der Mord in der Blumenthalstraße. Freitag, abend hat ein Handschuhwäscher Dilma aus ver Eosanderstratze in Charlottenburg der Kriminalpolizei sehr wichtige Mitteilungen gemacht: Der aus Ungarn stammende Dilma lernte in Chrlottenburg cht» 22 Iaht» qltep, aus Fqlkevbexg gebürtigen Kutscher Otto Schulz kennen. Dieser äusserte eines Tages, von der Arbeit könne man nicht reich werden. Aber es gebe etwas anderes, was zu machen wäre. Von einem Freund, der Wäschekutscher sei, wisse er, dass in einem HauS in der Kurfürstenstrosse an der Ecke der Blumenthalstraße im vierten Stock eine Witive wohne, die kein Mädchen und keinen Anhang habe. Er habe in demselben Haus ein Verhältnis gehabt und wisse dort Bescheid. Sein Freund habe mit ihm(Sckmlz) die Sache machen wollen. Der Freund sei ihm aber zu schlaff, mit dem mache er es nicht, aber mit ihm, dem Handschuhmacher, wolle er herangehen. Es sei dabei leicht, etwas zu erben, und'die Sache lasse sich gut machen. Man könne leicht vom Boden in die Wohnung kommen. Dilma wollte von solchen Dingen nichts wissen urrd riet dem Sckmlz, lieber zu arbeiten. Er war ihm auch behilflich, sprach mit seinem Werkführer und ver- anlasste diesen, Schulz Arbeit zukommen zu lassen. Der Werk- sichrer sagte das auch zu. Schulz sollte eintreten, ließ sich aber nicht sehen. Das war im Oktober. Als der Ungar käld darauf den Schulz wieder einmal traf, schlug er ihm vor, ihm auf seinem Laubengelände die Kartoffeln und das Gemüse einzuernten, weil er selbst zu tun habe und nicht dazu komme. Er gab ihm auch den Schlüssel zur Laube. Als er dann einige Tage später einnial dort hinkam, sah er zu seinem Erstaunen, dass Schulz gar nichts gemacht hatte, die Laube jedoch zum Nächtigen benutzte. Er ließ ihn auch einstweilen geivähren. Später bat ihn Schulz eines Tages um Geld unter der Vorspiegelung, dass er nur vorübergehend etwas brauche und Arbeit bekommen werde. Dilma gab ihm jedoch kein Geld, sondern nur zu essen. Später sah er Schulz einmal auf einem Wäschewagen und benutzte diese Gelegenheit, ihm den Lauben- schlüssel abzunehmen. Als er einige Tage später wieder nach der Laube kam, sah er, dass Schlz dort immer noch nächtigte, indem er durch ein Fenster einstieg. Er wunderte sich darüber, weil er ja jetzt Arbeit hatte, erfuhr dann aber, dass diese nur acht Tage ge- dauert hatte. Dilma patzte die Benutzung seiner Laube nicht, und er nahm deshalb die Betten mit nach Hause. Dilma erzählte auch, dass Schulz«in Paar anständige, mausgraue Handschuhe besessen habe. Er hatte sie wiederholt selbst in der Hand gehalst und als Färber erkannt, dass sie früher anders gefärbt gewesen waren. Diese Beobachtungen veranlassten den Mann, zur Kriminalpolizei zu gehen. Aks ihm nun der bei der Toten gefundene Handschuh vorgelegt wurde, erklärt« er sofort, nachdem er ihn sich angesehen hatte, dass dieses ein Handschuh des Schulz sei. Er erkannte ihn an verschiedenen Merkmalen. Auch die Schnur, die in der Woh- rnrng der Ermordeten gefunden wurde, erkannte Dilma gleich wieder, obwohl es nur ein Stück von der ursprünglichen Bettsack- schnür war, die sich in seiner Laube befand. Er fand daran sogar etwas blaue Farbe, die in seiner ungarischen Färberei an den Strick gekommen war. Nach diesen wichtigen Mitteilungen setzte die Kriminalpolizei noch in der Nacht mit allen Kräften an, um Schulz ausfindig zu machen. Mit der Beschreibung des Verdächtigen versehen, durchstreiften zahllose Beamte die Viertel, in denen Schulz stach den Bekundungen Dilmas sich aufzuhalten pflegte. Unterdessen wurde auch Frau Dilma noch in der Nacht der Strick vorgelegt, und auch sie erkannte ihn gleich wieder, ohne daß ihr Mann hierbei zugegen war. Dazu kommt noch eine wichtige Feststellung. Der Revolver, aus den, zwei Schüsse abgefeuert worden sind, der erste vielleicht irgendwo zur Probe, enthielt an mehreren Stellen Heusamen. Dieser fand sich sowohl in dem geronnenen Blut, in den Rillen am Kopf der Sicherheitsstange, als auch unter der schlechten Holz- bekleidung des Griffes. Das deutet darauf hin, dass der Besitzer der Waffe unter Leuten zu suchen ist, die mit Futtermitteln zu tun haben. Es kommt hinzu, dass Schulz obdachlos war und vor- oussichtlich, nachdem er in der Laube Dilmas keine Schlafstelle mehr hatte, in Scheunen oder Ställen genächtigt hat, also auch so mit Heu in Berührung kam, ohne dass er arbeitete. Em Mann namens Schulz wurde im Laufe des Vormittags von der Kriminalpolizei ermittelt, und jetzt ergab sich, dass er der Mann nicht sein kann, den Dilma meint. Dieser 22 Jahre alte, aus Falkenberg gebürtige Otto Schulz ist ein ganz einwandsfreier Mann und nie Kutscher gewesen. Es mutz also der, mit dem der ungarische Handschuh- Wäscher zu tun gehabt hat und der nach den Bekundungen des Ungarn der Täterschaft bringend verdächtig erscheinen mutz, den Namen des Schulz mißbraucht haben. Dilma hat ihn jetzt genau beschrieben. Hiernach ist der der Tat dringend ver» dächtige Mensch etwa 22 Jahre alt und mittelgross, vielleicht 1,68 Meter hoch, er hat eine mtttlere Gestalt, blondes gescheiteltes Haar, einen kleinen, blonden, etwas nach oben gedrehten Schnurrbart, «in schmales, gebräuntes Gesicht, schwarze, mindestens tiefdunkle Augen und eine spitze, etwas lange Nase. Der Unbekannte hat eine schnelle Gangart und trug zuletzt einen blauen Jockettanzug. Er ist zuletzt als Kutscher auf einem Wäschelvagen gesehen worden. Bon einem Eifenbahnznge überfahren und getötet wurde gestern der 37jährige Rottenführer Joseph GroSnitzky aus der Emdener Strasse 26. G. war gegen 12 Uhr mittags an der Brücke in der Nähe des Bahnhofs Jungfernheide mit einer Anzahl Ar- beiter mit Reparaturen an dem Bahngleise beschäftigt und stand selbst eine Strecke abseits von den übrigen Leuten zwischen den Schienen. Dabei überhörte er infolge des bei den Arbeiten ver- ursachten starken Geräusches die Annäherung eines Güterzuges aus Spandau, wurde von der Maschine erfaßt und geriet unter die Räder der Lokomotive. Gronitzky erlitt eine Quetschung der Brust, Schädelbruch, sowie schwere Verletzungen der Beine. Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht, wo er unmittelbar nach seiner Einlieferung verstarb. Die übrigen Arbeiter konnten sich noch im letzten Augenblick in Sicherheit bringen. Zur Verhütung unnötiger Rückfrage«««» zweckloser Eingaben seitens der Kraftfahrzeug Besitzer und Führer bringt der Polizei- Präsident zur öffentlichen Kenntnis, daß der Finanzminister im Ein- Verständnis mit den Ministern der öffentlichen Arbeilen und des Innern unter dem 12. v. Mts. die Entscheidung getroffen hat, daß a) die auf Grund der neuen Vorschriften über den Berkehr mit Kraftfahrzeugen auszustellenden amtsärztlichen Zeugniffe über die B-fähigling zur Fübrung eines Kraftfahrzeuges, b) die Erlaubnis- befcheinigungen zum Krofifahrzeugführen(Führerscheine), zu denen auch die internationalen Fahrauslveise gehören, und o) die ZulassnngS- befcheinigungen für Kraftfahrzeuge, den Zeugnisstempel von 3 M. nach der Tarifftelle 77 des Stempelsteuergesetzes vom 30. Juui 1909 erfordern. Gleichzeitig macht der Polizeipräsident darauf aufmerksam, daß nach den maßgebenden Bestimmungen für die Erteilung von Zu- laffungsbescheinigungen für Kraftfahrzeuge und von Führerscheinen zum Kraftsahrzeugführen außer dein vorgenannten Stempel auch noch eine AuSsertigungsgebühr von je 1 M. und für die Ausfertigung der internationalen Fahrausweise noch eine Gebühr von je 3 M. zu entrichten ist. Eine WeihnachtSfreude für die Lehrer. Wie bekannt, hat der Provinzialrat die von den Gemeinden Schöneberg. Wilmersdorf und Charlottenburg beschlossenen Orts- und Amtszulagcn für die Rektoren und Lehrer der Gemeindeschulen genehmigt. Die Aus- zahlung der Zulagen konnte jedoch bisher nicht erfolgen, weil von der Regierung in Potsdam die hierzu erforderliche Benachrichtigung an die drei Städte noch nicht erfolgt war. Jnfolgedeffen herrschte in den beteiligten Lehrerkreiscn große Missstimmung. Gestern nachmittag ist nun endlich bei den Magistraten der drei Nachbarstädtc die erforderliche Bestätigung eingegangen, so daß also sofort mit der Auszahlung der fälligen Be- träge begonnen werden kann, wodurch den Lehrern eine recht will- kommen« WeihnachtSfreude bereitet wird.— Der Provinzialrat hat zwar die Ortszulagen für Lehrer bis zu jährlich 900 M. geitehmigt, die Genehmigung der Zulagen für die Lehrerinnen aber davon ab- ."3»* Zonntag, 18. DtMber 1910. hängig gemacht, daß die Zeichenlehrerinnen den anderen technischen Lehrerinnen gleichgestellt werden. Bekanntlich hat die Stadt Berlin für ihre Lehrpersonen die zu- lässige Grenze von 900 M. Notzulage leider nicht angenommen. so daß die Berliner Lehrer schlechter als die in den oben genannten Otlen angestellten Lehrer stehen. Achtung, falsches Geld! Eine außerordentliche Dreistigkeit legen die Falschmünzer an den Tag, über deren Treiben wir seit vielen Monaten des öfteren berichteten. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht in der Umgebung Berlins oder in den mittleren und kleinen Städten der Mark Falsifikate auftauchen. Aus Eberswalde kommt die Nachricht, datz in der dortigen Gegend nachgemachte Ein- Markstücke in großen Mengen in den"Verkehr gebracht worden sind. Diese Falschstücke zeichnen sich durch eine ausserordentlich sorg- fältige Ausführung aus und sind nur bei ganz genauer Prüfung als Fälschungen zu erkennen, so datz selbft bei dem Eberswaldcr Postamt mehrere der Nachahmungen in Zahlung genommen wor- den sind. Die Falsifikate fühlen sich ein klein wenig fettig an, unterscheiden sich aber in Gewicht und Klang fast gar nicht von den echten Münzen. Die falschen Einmarkstücke tragen die Jahreszahl 1887 und das Münzzeichen A. llebcrfahren und getötet. Amtlich werden folgende Meldungen verbreitet: Bei Ankunft deS Personenzuges 367 in Berlin, Potsdamer Bahnhof, gestern morgen 3 Uhr 13 Minuten wurde ein Reisender 2. Klasse vermißt, dessen Leiche sodann gegen 4 Uhr im Gleis Berlin— Magdeburg in Kilometer 31,57 zwischen den Bahnhöfen Wildpark und Werder aufgefunden wurde. Der Verunglückte, der nachträglich als der Fabrikbesitzer Baal«, wohnhaft Schöneberg, Pasiauer Straße 19, festgestellt wurde, ist auS noch nicht aufgeklärter Ursache aus dem Zuge heraus auf das Nebengleis gefallen, dort anscheinend besinnungslos liegen geblieben und von dem etwa 15 Minuten später in der Gegenrichtung verkehrenden Güterzug 7732 überfahren und getötet worden. Eine zweite Meldung lautet: Gestern, Sonnabend, den 17. d. M., vormittags 6 Uhr 45 Minuten geriet der Arbeiter Gustav Silz, Lichtenberg, Krou- prinzenstr. 26, wohnhaft, auf dem Bahnhof Oberspree beim vor- zeitigen Aussteigen auS dem Vorortzug 1337 am Bahnsteig unter den Zug. wobei er überfahren und getötet wurde. Der sofort her- beigerufene Bahnarzt Dr. Thomsen konnte nur noch den Tod fest» stellen._ Ein gemeiner Bursche hat wieder einmal arme Arbeitslose zum besten gehalten. Im Arbeitsmarkt der„Verl. Morgcnpost" vom 15. Dezember war folgendes Inserat enthalten: „Mehrere Arbeiter sucht zum Säckesortieren W. Wilcke, Seestraße 79, II Treppen. Meldungen bitte am 15., 7—9 abends." Auf Grund dieser Annonce fanden sich schon vor Vs? Uhr über 100 Arbeitslose ein, die sich bis 8 Uhr so vermehrten, datz schließlich zwei Polizeibeamten Aufstellung nahmen und die Stellungslosen zurückhielten. Es stellte sich heraus, daß irgend ein gemeines Subjekt einen niederträchtigen Streich ver» übt hatte. Wohl wohnt in dem genannten Hanse in der angegebenen Wohnung in der Tat ein Mann des Namens W. Dieser aber, der gestern Geburtstag hatte, ist zurzeit krank und hat selbst keinen Erwerb. Die genarrten Arbeitslosen, die zum Teil aus Rixdorf, Rummelsburg, Weißensee, Reinickendorf und entfernten Berliner Stadtteilen gekommen waren, mußten unberrichtcter Sache wieder nach Hause gehen. S Die Ausstellung empfehlenswerter Jugend schriften und die Wand- mnck-Aussiellung im Gewerkschaftshause sind heute zum tetztemnal von 3—9 Uhr geöffnet. Die im Saale II untergebrachte Verkaufs» stelle wird bereits um 8 Uhr geschlossen. Die Bücher- und Bilderausstcllung, die die Buchhandlung Vorwärts für die Bewohner des Nordens im KöSlinrr Hof, KSSlinrr Str. 8, errichtet hat, ist am heutigen Sonntag von 2 bis 8 Uhr geöffnet. An den folgenden Wochentagen täglich bis Weih« nachten von 5 bis 9 Uhr. Sonncbergcr Spielwaren, angefertigt von den organisierten Heimarbeitern des Meininger Oberlandes, sind in großer Auswahl im Gewerkschaftsbaus(Vestibül und Saal 6) zum Verlauf ausgestellt. Um die miserable Lage der ausgebeuteten Heimarbeiter etwas zu heben, findet der von Genossinnen und Genossen geleitete Verlaus hier statt. Da der Reinertrag den Arbeitern ausgehändigt ivird, trägt jeder, der auch nur eine Kleinigkeit kauft, zur Besserung der Heimarbeiterverhältnisse bei. Der Verkauf findet täglich von 3 bis 9 Uhr statt. Zcugeugesuche. Ein Kraftdroschkcnfübrer hat am Donnerstag früh>�6 Uhr eine Fuhre vom Bahnhofe Friedrichstraße nach der Eisenacker Straße in Schöneberg gemacht und hat dabei von seinem Verdeck einen braunen Karton nit Tamenkleidung und Hut verloren. Da er für diesen Verlust haftbar ist, wird der event. Finder um Abgabe an P. Sternsdorf, Drontheimerstr. 40, gebeten. Am 6. Dezember nachmittags 2 Uhr wurde in der Neuen Grün« siraße ein Rodfahrer von einein Lastfuhrwerk angefahren und erheb- lich verletzt. Zeugen des Vorfalls wollen ihre Adreffen an Herz, Soldiner Str. 76, abgeben. Arbeiter-Samaritcrblind— Kolonne Berlin. Heute vormittag 11 Uhr im Hörsaale des Pathologischen Museums, Eingang am Alexander-Ufer, Vorträg des Herrn Professor Dr. Kaiserling über bösartige Geschwülste, Krebs, Sarkome und andere.— Morgen, Montag abend 9 Uhr, 2. Abteilung Bruunenstr. 154, Vortrag über Verbrennungen und Erfrierungen mit praktischen Uebungen. Am Mittwoch 4. Abteilung in Rixdorf, Erkstr. 8: derselbe Vortrag. Vorort- JVacbricbtem Rixdorf. Rixdorfer BerkehrSvcrhöltnisse und Große Berliner. Wir erhalten von einem Abonnenten unseres Blattes folgende Zuschrift:„Daß die Große Berliner Straßenbahngesellschaft eher eine Erwerbs- als eine Vcrkehrsgesellsckaft ist, dürfte jeder Einwohner Nixdorfs des öfteren erlebt habe». Speziell in den frühen Morgenstunden, in denen der größte Teil der Rixdorfer Bevölkerung seiner Arbeitsstätte zueilt. müssen alle diejenigen, die die Arbeitsstätte nicht zu Fuß erreichen können, erst einen Kamps bestehen, um einen Platz in der.Ekektti» schen" zu ergattern. Hierbei geht es nicht immer sehr sanft zu; zu bewundern ist nur, daß noch nicht größere Unfälle passiert find. Schreiber dieses muß erst jeden Morgen von der Vereinsbrauerei bis zur Thomasstraße zurückfahren, um mit der„Eleltti- scheu" nach Berlin zu kommen. Waren die Zustände in letzter Zeit des öfteren unerträglich, so trösteten sich die Bewohner des oberen Ortsteil damit, daß in Britz ein größerer Bahnhof der„Großen Berliner" gebaut wurde, dadurch hoffte man eine schnellere Reihenfolge der Wagen zu erhalten. Seit einigen Tagen ist nun der Bahnhos dem Verkehr übergeben; wer jedoch geglaubt hatte, es würde jetzt bester werden, ist leider bitter getäuscht worden- Denn jetzt ist llkerhaupt kein Mitkommen mehr. Wehe demjenigen. der auf die Linie 28 oder 29 angewiesen ist. Diese Wagen fahren nicht nur seltener, sondern auch ohne Anhänger. Wie von Beamten erzählt wird, soll der Bahnhof sehr unpraktisch sein, weil zu wenig Ausfahrgleise vorhanden sind; dagegen ist der Bahnhof sehr lang und nur durch längeres Rangieren ist eS möglich niil bestimmten Wagen den Bahnhof zu verlassen. Wie lange soll das Pudlilum noch darunter leiden?" Borstehende Klagen treffen auch noch auf andere Linien zu. So ist z. B. ein Mitkommen mit Linie 94 des Morgens und Abends mit langem Warten verbunden. Da kommt es oft vor, daß die Wagen bereits von der zweiten und dritten Haltestelle der End- statio» aus über füllt sind, so daß an den nächstfolgenden Haltestellen an ein Mitkommen gar nicht zu denken ist. Und dabei handelt es sich hier um eine Linie, die die zu befahrenden Gleise neben den» Einleger Nr. t8 fast ollein benutzt. Es ist einfach ein Skandal, daß das Publikum durch die mehr als sonderbaren Praktiken einer Ber- kchrsgesellschaft so auf die Geduldsprobe gestellt wird. Zn dem Schullastcnstreit Nixdorf kontra Berlin teilt der hiesige Magistrat folgendes mit: Durch die Presse ging kürzlich eine Notiz, wonach der Nixdorser Magistrat die Schilllastenprozesse gegen Berlin verloren, aber trotzdem schon wieder Forderungen angemeldet habe. Diese Angabe entspricht nicht den Talsachen. Die Gemeinde Nixdors hat vielmehr den für das Jahr 1897 geltend gemachten Zuschuß- anspruch rechtskräftig durchgesetzt, wobei das Oberverwaltnngsgcricht den vom Bezirksausschuß zugesprochenen Betrag noch um 19 999 M. erhöht hatte. Eine Entscheidung auf die weiteren noch anhängigen Jahrgänge 1898 bis 1919 ist bisher noch nicht ergangen; daS Ber- fahren bezüglich dieser schwebt.vielinehr noch beim Bezirksausschuß Berlin. Wilmersdorf-Halensee. Die Stadtverordnetenversammkung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem Antrage des Stadtverordneten Dr. Heinitz, wonach möglichst in allen Stadtgegenden auf den öffent- l ichen Plätzen für kleine Kinder geeignete S p i e l g e l e g e n- h e i t e n zu schaffen sind und ferner möglichst bald ein Plan für die gärtnerische Ausgestaltung des Stadtparkgeländes aus- zustellen ist, der ebenfalls Plätze für die Schuljugend enthält. Nach- dem Stadtrat H e b e b r a n d die Zusage gegeben hatte, daß die Pläne für die Parkanlagen im Fenngelände der Parkdeputation baldigst zugehen werden, nahm die Versammlung den Antrag an. Um sich aber nicht allzusehr in Sozialpolitik zu übernehmen, stellte man sich in einem anderen Falle dem Fortschritt mit Macht entgegen. Der Deutsche Käuferbund hatte der Versammlang eine Petition zu gehen lassen, wonach sich dieselbe für völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe erklären sollte. Das war zu viel für die Stadtväter. Gegen die eine Stimme des Demokraten Moll, der die Berücksichtigung der Petition empfohlen hatte, erklärte sich die Versammlung dem Antrage des Petitionsausschusses gemäß für Uebergang zur Tages- o r d n u n g. Die Beratung über eine andere beachtenswerte Petition fand ein unfreiwilliges Ende. Ein Schüler des Fichtcgymnasiums hatte beim Schneeballen, wozu der Lehrer die Erlanbiiis gegeben hatte, durch einen Wurf eine Verletzung erlitten, deren Heilung dem Vater des Knaben 3979 M. Kurkosten verursachte. Auf ein Gesuch des Vaters hin wollte der Petitionsausschnß 1999 M. bewilligt wissen, wenn auch der Bater keinen rechtlichen Anspruch auf Entschädigung habe. Stadtkämmerer R o h d e erklärte sich mit Nachdruck gegen den Antrag. Als abgestimmt werden sollte, stellte sich heraus, daß die Versammlung beschlußunfähig war. Die Sitzung mußte daher geschlossen werden. Erwähnt sei noch, daß eine Magistratsvorlage, wonach die Bestimmungen über Bewilligung von Ruhegeld und Hinter- bliebenenversorgung für die städtischen Arbeiter usw. mit den für die städtischen Beamten geltenden Bestimmungen in Einklang gebracht werden sollen, von der Stadtverordnetenver- sammlung dem Ausschuß für die Beamtenstatute überwiesen wurden. Charlottenburg. Elternvercin für freie Erziehung. Auf vielseitigen Wunsch findet die Märchenaufführung:»Der Waldkinder Weihnachtstag." Miuchen- spiel mit Gesang, Tanz und Reigen. Ausgeführt von zirka 49 Kindern der Mitglieder am Mittwoch, den 23. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr. im großen Saale des Volkshanses. Rosinenstr. 3, nochmals statt. Eintrittspreise für Erwachsene 39 Pf., für Kinder 10 Pf. Billetts sind von Mittwoch, den 21. ab bei Gratz, Spree- ftraße»S, Hintze, Kaiser-Friedrich-Straße 72, Leupold. Krumme- straße 7, Leupold, Kirchstr. 28, Weißheit, Rosinenstr. 3(Stehbier- halle) und im Konsum, Wallstr. 23, zu haben. Adlershof. 51 Genossinnen und 33 Genosse» wurden in der letzten Wahl- Vereinsversammlung aufgenommen. Vor Eintritt in die Tages- Ordnung ehrten die Anwesenden das Andenken der verstorbenen Genossin Liegner in üblicher Weise. Hierauf sprach Genosse Horlitz unier allseitigem Beifall über Literatur, wobei Redner die Schund- litcratur einer eingehenden Kritik unterzog. Nachdem noch der Bericht der Kreisgeneralversammlung und das Resultat der letzten Agitation erstattet war, forderte der Vorsitzende Genosse Klodt die Versammelten auf. fleißig für die Partei weiterzuarbeiten. Nach der letzten Volkszählung beträgt die Einwohnerschaft 19 645; darunter 5 272 männliche und 5 373 weibliche Personen. Nach den letzten Volkszählungen wurden festgestellt: 1895 5556, 1999 8996 und 1995 9113 Einwohner. Demnach ist der größte Zuwachs für die Zeit 1895/1999 mit 2459 Personen festzustellen. Trebbin(Kreis Teltow). I» der letzten Stadtverorduetenfitzung wurde an Stelle des früheren Kämmerers Pafeivalt Madlon Jüttner mit 7 gegen 6 Stimmen, welch letzlere auf unseren Genossen Hiebsch cntpelen, zum Schiedönrann-Stellvertreter gewählt. Dem hiesigen Steno- graphen-Verei» wurde ein Zimnier in der alten Schule zur Abhaltung eines SchülerkuriuS zur Verfügung gestellt. Desgleichen erhält der Verein Frauenhilse doriselbft zwei Zimmer zur Abhaltung eines 5kochknrsuS. In den Steueransschuß der Grundwertsmier wurden gewählt die Stadtverordnelen Genosse Richter, Genosse Ritter, Haaie, Jüttner. Vnchner, Köppen. Sodann wurden 1899 M. zur Anschaffung eines Palenlsaugewagens bewilligt. Die Belriebsslener würde durch ihre Abschaffung die Gemeindesteuer um Iffz Proz. erhöhen; die Vorlage wurde deshalb vom Magistrat abgelehnt. Die Schulvorsteherin Frl. Raabe stellte erneut den Antrag, die Stadt möge ihr doch neben ihren von der Stadt zur Verfügung gestellten Schulräumen auch eine Privatwohnung im alten Schulbause vermieten, sollte hierüber keine Einigung erfolgen, so müsse sie ihre Schule �um 1. April eingehen lassen. Die Versammlung beschließt einstimmig, dem Frl. Raabe die Wohnung zum Pretse von 399 Mark zu vermieten, ivenn sie Reinigung und Heizung der Schulräume selbst übernimmt. Genosse Richter bedauerte noch, daß der Magistrat die Preise für die Benuvuug der Wannenbäder auf 59 Ps. und die Brausebäder auf 25 Pf. in der neuen Schule festgesetzt habe. Bei Einrichtung dieser Badegelegenheit sei gesagt worden, es soll eine Bolksbade- änstalt werden und da mühte eS doch durch ein geringes Entgelt jedem möglich gemacht werden, diese Einrichtung zu benutzen. Der Bürgermeister erklärte, daß diese Preisfestsetzung nur ein Versuch sei, später soll ein Tarif aufgestellt werden. Waidmannsluft. In der G-meindevertretersitzung teilte der Gemeindevorsteher mit, daß der Gewinnanteil für Gasverbrauch 1201,20 M. beträgt. Vom Schulrektor lag ein Antrag auf Hergäbe von Räumen für die Valksbibliothek und ein Heimatmuseum vor. Der Gemeinbevor- fteher empfahl, die Sache auf ein Jahr zu vertagen. Genosse Lufcher meinte, daß die Hergabe wegen der Volksbibliothek nicht so lang« hinausgeschoben werden dürfe; das Heimatmuseum halte auch er für wertvoll, jedoch müsse verlangt werden, daß den Gemeinde- Vertretern über solche Vorlagen schriftliche Berichte zugehen. Der Antrag auf ein Jahr Vertagung wurde angenommen. Bei Be- schlußfassung über den Ausbau der Rosenthalerslraße bemängelten unsere Genossen Luscher und Kestin die beschränkte Submission und wünschten öffentliche Ausschreibung um Ringbildungen dorzu- beugen. Genosse Luscher beantragte öffentlich« Ausschreibung für alle Fälle. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Ge- nossen und des Herrn Herbert abgelehnt. Spandau. Neue Erkrankungen, die durch den Genuß von Hamburger Margarine erzeugt find, werden vom gestrigen Tage gemeldet. Der Arbeiter Scvessier, Segefeldcrstr. 138, hatte für sich und die Familie seiner Schwägerin KasilewSki aus Hamburg ein 5 Psund-Paket frischer»Mohr-Margarine" kommen lassen und das Surrogat an mehrere befreundete Familien weitergegeben. Vorgestern abend erkrankte der Arbeiter Schessler sowie seine Frau und drei Kinder heftig nach dem Genuß der Margarine. Ferner sind zurzeit fünf Personen der Familie Pfundner. Staakener Str. Icr. schwer erkrankt. Es soll sestgestclll sein, daß die Krankbeitssälle von dem Genuß der Kunstbuiter herrühren. Die Spandauer Polizei beschlagnahmte sosort die noch vorhandene Margarine und schickte sie an das Nahrung«- mittel-Untersuchungsamt m Berlin. Nowawes. Die letzte Wahlvereinsversammlnng beschäftigte sicki zunächst mit der Kinderausbeutuna und ihrer Bekämpfung durch die Kinder- schutzkommissioni. Genossin Drescher, welche darüber berichtete, forderte die Genossen und Genossinnen auf, ihr tatkräftig zur Seit« zu stehen, da eine Person die Arbeit nicht bewältigen könne. Nach längerer Debatte wurde der Vorstand beanftragt, mit den Bezirksführern eine Kommission zu wählen, welche die vor»- kommenden Fälle von Kinderausbeutung untersuck�en soll.— In die Agitationskommission des Konsumvereins wurde Genosse Remin, in den Jugcndausschutz Genosse Messcrschmidt gewählt. Aufge- noinmen wurden 11 Genossen. Den Bericht von der General- Versammlung von Groß-Berlin gab Genosse Seidcnbcrg. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende, die vom 16.— 24. Dezember bei Schmidt stattfindende Bücher- und Wandschmuckausstellung recht rege zu besuchen._ Weihnachtsarrangements in den Bororten. Nachstehend geben wir die Orte bekannt, in denen am ersten Weihnachtsfeiertag Kunstabende, Konzerts oder sonstige Arrangements getroffen sind. Steglitz. Nachmittags 4 Uhr im Restaurant..Paradiesgarten': Weihnachtsfeier. Den Frauen ist Gelegenheit gegeben, Kaffee zu kochen. Die Kinder, die an den Aufführungen teilnehmen wollen, müssen am Dienstag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr, in dem- selben Lokal zur Probe erscheinen. Zehlendorf(Wannseebahn). Nachmittags 3 Uhr im Lokale von B. Schwarz, Rennbahn, Alsenstr. 56: Weihnachtsfeier, der- anstaltet von den Gewerkschaften und dem Wahlverein. Lankwitz. Der Männerchor Lankwitz-Südende(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet in Gemeinschaft mit der Freien Tv.rnerschaft Lankwitz "" m einen Konzertabcnd. AnBerliner Sinsonie-Orchester ssel mit Rezitation. Billetts find bei den Mitgliedern beider Vereine sowie beim Gastwirt Ebel zu haben. Abendkasse findet nicht statt. Lichtenberg. Der Bezirk Lichtenberg veranstaltet im Etablisse- ment P. Schwarz, Möllendorfstr. 25-26, eine Weihnachtsfeier. Mitwirkende: Gesangverein«Lichtenberger Männcrchor", Zither- klub„Zillerthal", Turnverein„Lichtenberg" usw. Zur Aufführung gelangt„Weihnacht" von E. Preczang. Anfang 7 Uhr. Billetts 25 Pf. Dieselben sind bei sämtlichen Gruppen- und Bezirks- führern zu haben. Stralau. Der Wahlverein veranstaltet(1. Weihnachtsfeiertag) in den„Markgrafensälen", Markgrafendamm 34, einen Kn»stabenh. Mitwirkende. Frl. Anna Borchhardt(Konzert- sängerin), Herr Fritz Lötzner(Operntenor). Herr Martin Wighardt (Schauspieler), die Triovereinlgung des Herrn Rich. Kursch (Klavier). Max Modern(Violine), Willi Deckert(Violincello), Ge- sangverein„Vorwärts-Frohsinn"(Stralau). Künstlerische Leitung: Richard Kursch. Preis 59 Pf., Garderobe frei. Während der Vor- führung bleiben die S a a l t ü r e n verschlossen. Rauchen verboten. Saalöffnung 5 Uhr. Anfang pünktlich 6 Uhr. Verna». Der Bildnngsausschuß veranstaltet abends 8 Uhr eine künstlerische Weihnachtsfeier im großen Saale des Restaurants „Bellevue", Inhaber Franz Salzmann. Mitwirkende: Herr Fritz Richardt vom Deutschen Theater-Berlin, Herr Wilhelm Reimes, Berlin; daS Pfliigsche Orchester sowie der Arbeitergesangverein „Freiheit". Der Eintrittspreis beträgt 39 Pf. im Vorverkauf und 49 Pf. an der Abendlasse. Kinder unter 19 Jahren haben keinen Zutritt._ Jugendschristen-Ausstellungen finden heute, am Sonntag, den 18. Dezember, in nachstehenden Orten wie folgt statt: Eharlottcnburg. Im VolkShauS. Rosinenstr. S. nachmittags von 3—8 Uhr und wochentags von 5— 10 Uhr. Rixdorf. Die Bücherausstellung ist am heutigen Sonntag von 2 Uhr ab in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49/59. geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Der Ber- kauf findet in der polizeilich vorgeschriebenen Zeit statt. Schiineberg. Im Tunnel Grosser, Meiningerstr. 8. Bestchti- gungszeit ist von nachmittags 5 Uhr ab und an den Werktagen am 29., 21. und 22. von 6 Uhr ab. Wilmersdorf-Halensee-Schmargendorf. Die Ausstellung ist in der Vorwärtsspedition Wilhelmsaue 26. Tempelhof. In der Spedition, Restaurant Albert Thiel, Ber- liner Straße 41/42. Besichtigung zu jeder Tageszeit. Adlershof. Im„Jugendheim', Bismarckstraße 11. Besuchs- zeit Sonniags von 5 bis 8 Uhr nachmittags und wochentags bis 19 Uhr abends. Friedrichshagen. Im kleinen Saal von Lerche, Friedrichstr. 112 (Rundtcil), am Sonntag, den 13. Dezember, von 9—8 Uhr, und am Montag, den 19. Dezember, von 6—9 Uhr abends. Weihenfec. Im Lokale des Genossen Peuckert, König- chaussee 38. Pankow. In der Parteispedition, Mühlenstr. 30. Tegel-Borsigwalde. Sonntag, den 18. Dezember, im..Jugend. heim", Schlieperstr. 39, von 3— 8 Uhr abends. Spandau. Im Restaurant Volksheim, Havelstraße 29, oberer Saal. Besichtigungszeit ist an den Wochentagen von abends 5— 9 Uhr und Sonntags von mittag? 12—9 Uhr abends. Der Verkauf der Bücher findet in der polizeilich vorgeschriebenen Berkaufszeit statt. NowaweS. Die Jugendschriften- und Wandschmuckausstevung des hiesigen Bildungsausschusses ist bis zum 23. Dezember im Lokale des Herrn Ernst Schmidt, Wilhelmstr. 41— 43(Kleiner Saal, Eingang Friedrichstr. 9), an Wochentagen abends von 5— 10 Uhr, am Sonntag von morgens 19 bis abends 19 Uhr geöffnet. ßnefkaften der Redaktion. tnrlftilAt Sfrfriifmntit ftnbet i'inbenft rufte Nr. 69, dorn vier Trcvvcn— Kakrftiibl—, wvc!>r»iäali>ft»o» 4'ii bi«?'/- llbt nbenbs, Tannabend» bon 4'/z Ms 6 Nh! nachmitiags flott, tteber nir den Briefkasten bestimmten-Zlnivaa- ist e,» Burtinabe»nv eine yabl als Vieri- jetrben t>e>»ufiifte». Briefliche{lnttuuri wird nicht erteilt. Eilige Nraae«, ernae man in der Tvrechkrnnbe bor. M. K. IL. 1. Ja, wenn die gcringsüaigen Kosten vermieden werden sollen. 2. Das ist zweiselbaft»nd vom Richter unter Beriick- fichtigung aller sonstigen Umstände zu entscheiden. 3. 100 bis 175 M— S. 60. 1. Ein solcher Vertrag unterliegt der Anfechtung. 2. Ein privalschristlichcr sormgerechtet Vertrag bat dieselbe Airkung 3. Für den Fall eines Jnterventionsprozesscs und aus Verlangen deS Gläubigers: ja. — B. 407. Wir raten, sich an die Zentrale für private Fürsorge, Unter den Linden 16, zu wenden.— E. Z- 6t. 1. Nein. 2. Zur Beänlworlnng dieser Frage reichen Ihre Angaben nicht ans.— M. u. K. 110. Die AuSwelsungspraxis ist w den verschiedenen Bundesstaaten verschieden.— 2. 7. 1. Stein, da 5(S Verkäufer durch den Wiederverkauf aiilcheinend einen Schaden nicht erlitten hat. 2. Ja. wenn ihn Dritter gutgläubig er, wirbt. Verlangen Sie Herausgabe. 3. In. iomeit im Sinne des(stesetzes entbehrlich— Klage 60. 1. Soweit ersichtlich, ja. 2. 19 bis>2 M— -Mz ZApIlinS-?iZGlWöl8 in allen frisch, u. veraltet zweifelhaft FSH durch wissenschastl. Untersuchung. sofort: desgl. Harn,(spez auf Wo- norrhoe-Fäden) u. Sputum-Anulyien. IZr Homeyer& Co.. Speztal-Laborat., Friedrichstr. 189, zw. Kronen» und Mobrenstratzel. I. 8724. Pees. Rückspr. diSkr. u lostcnl Gcössuet von 8—8 Sonniags von 12—1.* Die Harnleiden ihre Gefahren, Verhütung und Beseirlgunq von i>r. med.$ciiaper, BERLIN— Preis I Mark. 9 7 tes Tausend. B VcrlapftlaxRichterS�LÄV Haut- u. Harnleiden, Blasen- u.lVicreuleidcn, vorzeitige Schwäche!t bebandell ohne Quecksilber u. ohne Einspritzung mit nachweisbar bestem Erfolge Spezialarzt Dr. med. Geyer, Zchöneberg, Grunewalditr. 100, an, all. Bol. Wart. Sprechst. 9— 1 u. 6— 9, Sonntags nur bis 12 Uhr. SichmWjlrilsslN�''-'- Baugeschäste: TodessallShalbcr Holz- bearbeitungssabrik. 1 Stunde v. Berlin, 16 Masch., Krundstücksgr 7'/, Morg., s. d. Spottpr. o. 125 009 M. z oert.. Anz. v 16 000 M. 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