Mr. SS8. FbflnrxmcntS'Bedfnsungeht ■Boimementä-®tei5 pränumerando J Sierleljährl. 3L0 Sffit, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 2» Psg, frei ins HauS. Einzelne Nununcr B Psg. Sonntags- nummet mit illuftrierier Sonnlaas- BeUage»Die Reue Welt" 10 Pfq. Pofi- Vbonnemcnl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Preisiisle. Ullier Kreuzband für Deutschland und Leperreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 37. Idpd* Crfdittot tlsiit» außer ßlontagt. Veeltnev Volksblntt. Die TnMIm-Gcbfllir belrägt für die sechsgespaltene Kolossel- xeile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschasiliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnzeigen", das erste(feit- pcdruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schills- oo die Leitung der Partei- organisation in sogenannten„revisioiiistiichen Händen" liegt, die bürgerlichen Stimmen ziemlich stark zunähme», während die Sozial- demokratie einen einzigen Wähler hinzugewann. DaS.Neckar-Echo" ichrieb:„Es zeigt sich also hierbei wieder, daß nicht der rcklamehafte Tamtam den Fortschritt der Bewegung verbürgt, sondern daß zähes, solides und sachliches Arbeiten dazu unbedingt erforderlich ist.. Der Fortschritt deS Sozialismus in Indien. Von all den westlichen Ideen, die jetzt in Indien eindringen— schreibt E. Rose im„Chicago Daily Sozialist"— Hot keine raschere Fortschritte geinocht als die des Sozialismus. Das erwachte Indien hat in seinem Kampfe für Freiheit von England die sozialistischen Grundsätze als seine Ledensvhiloiophle willkommen geheißen. Tat- sächlich ist die bureaukratischc Regierung von Indien so erschreckt durch die Tätigkeit der Sozialisten, daß sie einen Preis auf den Kopf ihres Führers PanditSyamji KriShna Varma ausgesetzt hat. Dieser lebt jetzt in Paris und leitet von dort aus die Bewegung in Indien. Er gibt die Monatsschrift „Jndian Socialist" heraus. Die Zeitschrift ist in Indien von der Post- besörderung ausgeschlossen, aber sie hat eino weite Verbreitung unter den indischen Stüde», tech die jetzt in England, Amerila und Japan studieren. Genosse Krishna Varma hat das„Jndian-Haus" in Eng- land gegründet zur Verbreitung sozialistischer Ideen unter den dort lebenden Indien». Wenn diese, erfüllt von sozialistischen Ideen, nach Hause zurückkehren, machen, sie den englischen Herren daS Leben schwer. Die Anhänger des Sozialismus führen in Indien den Namen„N a t i o n a lp a r t e i". Sie verlangen gleiches Recht für alle, ob sie weiß seien oder braun. Sie fordern, daß das englische Volk auf die Ausbeutung Indiens verzichte und die« dein indischen Volk überlaste. Sie haben ein beflimmtes, klargezeichnetes Prograimn. Sie schaffen Organisationen in jedem Gewerbe. Sie errichten freie Abendschulen für die Arbeiter und bemühen sich auf jede Weise, die Lebenshaltung der Armen zu heben. Vor kurzem traten die Arbeiter der Regierungsdruckerei in Kalkutta in Streik. Sie legten den ganzen Betrieb still, bis sie Lohnerhöhung und verkürzte Arbeitszeit erreicht hatten. Nus Industrie und Kandel. Steigerung der Grundrente. Teilweise durch die systematische Verteuerung der Terrains für Bauzwecke, andererseits als Folge der künstlichen Verteuerung der Lebensmittel durch die agrarische Schutzzoll- und Grenzsperrpolitik, ist da« in Grund und Boden investierte Kapital in den letzten Jahren stark gewachsen. Besonders auffällig ist die Zunahme der Hypotheken- summe auf dem Lande, sie ist ein Beweis dafür, daß die durch die letzten Zollerhöhungcn gemilderte„Not der Landwirtschaft" schon wieder kapitalisiert ist, so daß die eigentlichen Produzenten keinen Vor- teil davon haben, sie müssen die Mehreinnahmen in Form von höheren Zinsen und Pachien an den Grundrentner abführen. So bleibt die„Not" unter dem herrschenden System ein unausrottbares Uebel, das erst durch den Sozialismus ausgemerzt werden wird. In der Zeit vom 1. April 1999 bis zum 31. März 1919 ist im Königreich Preußen in den städtischen Bezirken, wozu auch Bade- und Fabrikorte sowie Vorortgememden mit städtischem Wesen ge- rechnet werden, nach den vorläufigen Ergebnissen der Jahresübcrschuß der Hhpothckeneintragungen über die-Löschungen gegen die beiden Vorjahre recht beträchtlich gestiegen(gegen 1908 mn 19,8 Proz.; gegen die hohen Beträge der Jahre 1994 bis 1996 bleibt er jedoch noch zurück. In den ländlichen Bezirke» hingegen haben die buch« »näßigen Mehreintragungen seit 1994 ununterbrochen zugenomineu (gegen daS Vorjahr mir 13,7, gegen 1994 sogar um 68,1 Prozent.) Für die letzten sechs Jahre ergeben sich folgende Zahlen. ES betrugen: tjjekarischei« Mehrbelastung als der wichtigsten Ziffer für die Bcur- teilung der Gcundbuchverschuldung weist schon darauf hin. daß im Verlause der letzten Jahre die Hypolhekenbewegung in den städtischen Bezirken von anderen Bedingungen als in den ländlichen abhängig war. Währeird auf dem platten Lande die Grundstücke„infolge der gestiegenen Rentabilität der Landimrtschast und des dadurch wachsenden BodenwerteS in immer stärkerem Maße beliehen wllrden", so sagt die amtliche„Statistische Korrespondenz", machte sich bei den städtischen Bezirke» in den beiden letzten Vorjahren die mit Geld« tnappheit und Zurückhaltung des Kapitals bei Beleihnng städtischer Gruitdstücke verbundene ungünstige WirtschaftSkonjuuktur bemerkbar, welche stellenweis« ein vollständiges Ruhen der Bautätigkeit zur Folge hatte. Für den gesamten Staat betrugen die Mehr- eintragungen der Städte 1998 nur das 2,18-, 1999 bereits das S,29fache derjenigen des platten Landes. Das Kapital hat sich mit- hin zurzeit wieder etwa» mehr dein städtische» Grund und Boden zugewandt. Iva? in erhöhter Bautätigkeit, Anlage oder Ausbau in- dustrieller Werke»nd dergleichen zum Ausdruck gekoininen ist. Nach der Schlußlibersicht weisen unter den Stadtgebieten wie in den Vorjahren die größte Mehrverichuldung auf der Negierungbezirl Potsdam mit den großen Berliner Vororten, der Stadlkreis Berlin und der Regierungsbezirk Düsseldorf: in den übrigen Bezirken blieben die städtischen Mehreintragungen iiiiter 199 Millionen Mark. Auf dem Lande findet man den größten Jahresüberschuß in den Ne- gierungLbezirken Schleswig und Potsdam.- Viehhaltung iu Teutschland und Amerika. Angesichts der in Deutschland herrschende» Fleischnot ist eS von Jittcresie, auf den großen Unterschied in der Viehhaltung Deutsch- lands und Ainerikas hinzuweisen. Bei der früher oder später doch »uivermeidlichen Oeffnung der deutschen Grenzen lommt nämlich als leistungsfähiger Lieferant ausländischen Fleisches vorwiegend Nord- amerika in Frage. Der agransibe Einwurf, daß die deutsche Landwirtschaft genug Vieh für den deutschen Markt produzieren könne, ist ht,»fällig, ebenso der Einwand, daß daS ausländische Fleisch, speziell das omeri- konische, schlecht, krank oder verseucht sei. Wir brauchen nur Tat« fache» f e st z u st e l l e n, nur die Art der Viehhaltung in beiden L ä n d e r n zu betrachten, um zu erkennen. lo a r u m das deutsche Rindvieh ungewöhnlich stark tuberkulös ist, tvaruin unter dem deutschen Vieh die Maul- und Klauenseuche grassiert, während Krankheiten unter dem amerikanischen Vieh nur in geringem Um- fange vorko»ninen. DaS deutsche Rindvieh wird vielfach in Ställen aufgezogen. Selbst in Gegenden mit Weideivirtschaf», wie Holstein und anderen Küstenprovinzen, steht das Bieh 4—5 Monate jährlich im Stalle. Meist sind die Ställe niedrige, dumpf« Räume»nit ungenügender, oft gar keiner Ventilation. S« schlecht wie die Luft ist auch die Lichtzufuhr. Durch kleine, nahe an der Decke angebrachte Fenster können nur spärliche Licht- und Sonnenstrahlen ihren Weg finden. An warmen Sommertagen herrsch» in den Ställen eine furchtbare Hitze, und i»n Winter, wenn Fenster und Türen dicht ver- ichlosien gehalten werden, sind die Wände und Türen und Feilster glitschig feucht von den Haut- und LungenailSscheidungen der Tiere. DaS Vieh hat keine Bewegung und keine sauerstoffreiche Luft. Je geringer aber die Bcivegung, je aeringer dt« Sauerstoffzufuhr zun, Körper, desto geringer der Stotstvechsel und uin so stärker die Neigung zu Krankheiten. Die Reinigung der Ställe und des Viehes läßt viel zu lvijiischcii übrig. Der Dünger wird vielfach tage- oder gar wochenlang»tcht aus dem Staue geschafft. Die Tiere strotzen vor Dreck. Bauch und Füße und Schenkel find mit einer sinacrdicken Mistschicht überzogen. Bei den Kühen, die als Milchgeber besonder» peinlich sauber gehalten werde» mühten, sind Euter und Strickel wahre Bazillenherde. Daß diese Ställe die vorzüglichsten Brutstätten für Tuberkulose sein müssen, kann jeder Denkende einsehen. Nock schlechter, noch ungesünder sind die Schweineställe. Daß die Schlvcine daher ebenso wie daS Rindvieh mit Krankheiten behaftet sein müssen,»st ohne loeitereS einzusehen. Sehr zutreffend nannte einmal Dr. Falk, Professor am landlvirt- schasilichcn Institut der Universität Leipzig, ein cnergischer Vorkämpfer für Weidetvirtlchaft. die deutschen Vieliställe Vichkecker! Aber nicht nur Männer der Wissenschaft, sondern auch einsichtige Gutsbesitzer haben aus das gekennzeichnete Uebel hingewiesen. Wir »vollen serner konstalieren. daß auch da und dort große und luftige Ställe gebaut worden smd, daS Vieh reinlich gehalten und soviel als möglich auf die Weide gebracht wird. Aber das sind nur Aus» nahmen, die an dem Elend der deutschen Vichziicht nichts ändern. Viel natürlicher liegen die Aufznchtverbältnisie in Amerika. Die extensive Wirtschaft, welche sich früher oder später zum Fluche des mnenkamschei» AckerbäUeS auswachsen kann,«it ein Segen für die Viehzucht. Schweine sowohl wie Rinder werden iin Freien geboren und im Freien gehalten bis zur Schlachtreife. Da» Vieh liegt draußen bei jeden» Wind und Wetter, Sonlmer und Winter. Wind und Regen halte» es sauber. Bewegung und der ständige Aufenthalt»n remer Luft schaffen einen rege» Stoffivechsell Und da daS Klima in Nordamerika ein ausgesprochenes Kontinental- klima ist, tropische Hitze im Sommer, Schneestürme und bittere Kälte im Winter teilweise bis in die Südstaaten hinunter, s o i st und muß die Folge sein, daß daS an, erikanische Vieh ein autz ero r d e n t lich kr ä ftig e S, abgehärtetes und gesundes ist. Befindet sich unter der Herde ein krankes Stück Vieh, so erliegt es sehr bald den Unbilden der Witterung. Wenn nun, ganz unabhängig hiervon, Schweinereien in den große» Schlachlhäuiern vorkommen, welche daS Fleisch für den Ueberseetransporl vorbereiten, so ändert daS nichts an den ge- schilderten Verhältnisic»». ES ist Pflicht der deutschen Re- a i e r u n g, vor Oeffnung der Häfen für amerikanisches Fleisch bei ihrer Kollegin in Waihjngton auf eine strenge Kontrolle der Packhäuser zu dringen. Z»vcifelSohiie haben sich feit der Veröffentlichung von Sinclairs Buch„Der Sumpf" auch hier die Verhältnisse gebessert. Aber der Fleischtrust ist ein kapitalistisches Unternehmen, brutal und gewissenlos»vie der Kapitalismus. Man muß also dem Fleischlrust unausgesetzt auf die Finger sehen. Eine strenge Konttolle m den Einfuhrhäfen kann die Einsuhr minder wertig gewordenen Fleisches fast unmöglich machen. GeweHtfcbaftUcbe� Gelbe Rirfcbe. Von Streikbruch zu Streikbruch schreiten die den Hirschen angeschlossenen Bundesbrauergesellen. Bei dem jetzigen Kampf der Branerciarbeiter mit der Brauerei Hammer in Planen um das Koalitionsrecht hat der Bund deutscher Brauergesellen wieder Streikbrecher geliefert. Und zwar ist dies geschehen durch den Vorsitzenden des Bundes S i e g e r t- Leipzig. Er kann sich nicht damit ausreden, daß er von dem Kamps nickt gewnsit habe, denn er war nach Ausbruch des Kampfes selbst in Plauen gewesen. Aber er hat schon lange Sehnsucht nach einem Bundesverein in Plauen gehabt; da er auf loyalem Wege keinen ins Leben rufen konnte, benutzte er den jetzigen Kampf, um mit Hilfe der Streikbrecher zu einem Verein zu kommen. So wirkt die gewerkschaftliche Erziehungsarbeit der Hirsche auf den gelben, vaterländischen Brauergcsellenbund, der sie sich unterziehen ivollten; der Gesellenbund bleibt, wie er ist. Die Hirsche aber sind damit zufrieden, denn nur durch Streik- bruch können sie ihre Reihen, wenn auch nur vorübergehend, stärken. Und das ist die Hauptsache für die mitgliederarmen Gewerkvereinc, sonst hätten sie den gelben Brauergesellenbund nicht so umworben, um dort unterschlüpfen zu können. Berlin und Umgegend. Die Bereinbarnngen der Einrichter an Schrauben- automaten und Handbänken, die im Juni dieses Jahres zustande gekommen sind, werden in mehreren Betrieben nicht innegehalten. Die Einrichter hielten am Sonntag in den Arminhallen eine Versammlung ab, in der diese Tatsache eingehend besprochen, und über Matznahmen beraten wurde, den Vereinbarungen allgemein Geltung zu verschaffen. Nach dem, was teils vom Branchenvertreter Teivitz, teils in der sehr regen Diskusston ausgeführt wurde, versuchen die betreffenden Unlernehnier in verschiedener Weise den Vertrag zu durchbrechen und die Löhne herabzudrücken. Unter anderem ist man auch bemüht, immer neue Arbeitskräfte anzulernen, und zwar zu Bedingungen, die den Vereinbarungen zuwiderlaufen, die in dieser Hinsicht be- sagen, datz in den ersten acht Wochen zur Ausbildung als Auto- mateneinrichter nach freier Vereinbarung gezahlt werden kann, datz jedoch dann mindestens öl) Pf., nach zlvölf Wochen mindestens 65 Pf. Stundenlohn gezahlt werden müssen und darauf der eigentliche Mindestlohn von 76 Pf. matzgebend ist. In der Versammlung wurde nun ein Ausbildnngsvertrag der Firma G. A. Stelzner ver- lesen, in dem die Ausbildungszeit auf l1/« Jahr, also 13 Monate, festgesetzt ist und der zu zahlende Lohn für den ersten Nlonat auf 40 Pf. bemessen ist, für die folgenden 6 Monate auf 42% Pf. und für die letzten 6 Monate auf 45 Pf., abzüglich der Kassenbeiträge, woran sich noch zu grötzerer Sicherung des Unternehmers der Passus schlietzt, datz die Firma in Krankheitsfällen auch dann nicht für die Verpflegung und Heilung zu sorgen hat, wenn die Kranken- taste dies nicht mehr tut. Dieser Vertrag, der ja mit den Verein- barungen in starkem Widerspruch steht, würde wohl kaum, wenn es zu einer Klage käme, vorn Gewerbegericht anerkannt werden, er ist aber charakteristisch für die Art, wie die Unternehmer neue Ar- beitSIräfte heranzubilden suchen. Ein anderes Mittel, das in meh- reren Betrieben angclvandt wird, um die Löhne im Verhältnis zur Arbeitsleistung herabzudrücken, ist, datz man dem Einrichter zu- mutet, immer mehr Maschinen auf einmal zu bedienen, und das ge- schieht in solchem Matze, datz es die normale Arbeitsfähigkeit über- steigt und die Arbeiter weit über Gebühr angestrengt werden. Wenn dabei auch vorerst ein höherer Lohn verdient wird, so sind die Arbci- ter doch ohne Zweifel schliehlich die Geschädigten. Es wurden auch verschiedene Firmen genannt, die durchaus geübten Einrichtern einen geringeren Lohn bieten als den vereinbarten oder sonstwie de» Tarif zu umgehen suchen. Es wurde schlietzlich folgende Reso- tution einstimmig angenommen: „Die Versammlung nimmt mit Bedauern Kenntnis davon, datz ans Grund der vorangegangenen Bewegung sich die Verhält- niste statt sich zu verbessern, verschlechtert haben infolge der Matz- nahmen der Unternehmer. Die Versammelten geloben nunmehr 1. nicht unter 70 resp. 65 Pf. Mindestverdienst zu arbeiten; 2. die Zahl der zu bedienenden Maschinen nicht zu erhöhen, 3. unter keinen Umständen Verträge mit den Unternehmern einzugehen; 4. vom 1. Januar ab, wenn die Vereinbarungen aller in der Branche beschäftigten Schraubendreher und Schraubendrehcrinncn in Kraft treten, mit aller Energie dafür zu sorgen, datz das, was festgelegt ist, auch innegehalten wird und 5. da die vergan- gene Schraubendreherbewegung gezeigt hat, datz noch eine Anzahl unorganisierter und mit ihren sonstigen OrganisationsverHlt- nisten im Rückstände befindlicher Kollegen vorhanden ist, nicht eher zu ruhen, als auch der letzte Kollege und die letzte Kollegin vollbe- rechtigtes Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist." Als Branchenvertreter wurde Dewitz einstimmig wiedergewählt. Deutfdies Reich. Deutscher Heimarbeitertag. Der AktionLausschutz versendet folgende Einladung: Das HauSarbcitSgesetz steht vor der Entscheidung. Der Bericht der Reichstagskommission liegt vor. Die zweite Lesung im Reichs- tag wird bald nach Wiederbeginn der Sitzungen stattfinden. Was in ihr beschlosten wird, wird voraussichtlich in der dritten Beratung bestätigt werden. Dann hat der Bundesrat das letzte Wort. Ist das Gesetz aber zustande gekommen, so ist sicher damit die Regelung der Hausindustrie auf lange Zeit hinaus abgeschlossen. ffis gilt daher, in letzter Stunde die Wünsche und Forderungen, die die Heimarbeiter und ihre Freunde an die Gesetzgebung haben, noch einmal zum offenen Ausdruck zu bringen. Der Heimarbeiterkongretz von 1904 und die deutsche Heimarbeit- Ausstellung von 1906 haben den Anstotz zu dein HauSarbeitSgcsey gegeben, das Ende 1907 dem Reichstag vorgelegt worden ist und somit volle drei Jahre bis zur Entscheidung gebraucht hat. Die Regelung der Hausarbeit nach den Beschlüssen der Reichstags- kommission erscheint in wichtigen Punkten unzulänglich; daher sind wir der Ueberzeugung, datz im Rahmen dieses Gesetzes noch manche Verbesserungen Platz greifen müssen, soll wirk- sam den schwereren Notständen der Heimarbeiter gesteuert werden. Um solche Verbesserungen vorzuschlagen und an Reichs- tag und Bundesrat zu bringen, laden wir Vertreter der Heim- arbeiler aller BerufSzweige und Freunde der Heimarbeiter aus den bürgerlichen Ständen, die bisher schon zu gemeinsamer Arbeit wiederholt vereint waren, zu einer Kundgebung ein. Mit Ver- meidung aller politischen Tendenzen, ohne Unterschied der gewerk- schaftlichen Richtungen, ist der Zweck dieser Kundgebung einzig und allein, die Wünsche und Forderungen der Heimarbeiter noch einmal zusammenzufassen und öffentlich auszusprechen. Der Heimarbeitertag wird stattfinden am 12. Januar 1911, von 9 Uhr vormittags an, in den Räumen von Kellers Neue Philharmonie. Berlin» Köpe- Nicker Strohe 96/97. Das Hauplreferat hat Professor Dr. Wilbrandt-Tübingen übernommen. Anmeldungen zu diesem Kongretz nimmt entgegen das Bureau für Sozialpolitik, Berlin W. 30, Nollendorfstr. 29/30. Eine möglichst zahlreiche Beteiligung der Heimarbeiter wird der Sache dienen. Ergeht von dem Kongretz eine einmütige und starke Botschaft der Heimarbeiter in Stadt und Land an den Reichstag und den Bundesrat, so werden ihre Wünsche, das hoffen wir be» stimmt, ihren Eindruck nicht verfehlen und das HauLarbeitSgefetz so Vwvtfp. Sifcokt.j Richard LorG Berlin. Lnsergteotkil Deisnt&t gestalten helfen, wie eS den Bedürfnisten und Nöten der Heim» arbeiter entspricht. Der Aktionsausschuß. Professor Dr. E. Fran cke. Margarete B e h m, Ingenieur E. Bernhard, Joh. G i e S- b e r t s, M. d. R., C. G o l d s ch m i d t, K r ü g e r, Joh. Sassen- dach, Robert Schmidt, M. d. R., Dr. phil. Gertrud B ä u m e r, Frau Minna C a u e r, Gertrud Dhhrenfurth, Margarete Friedenthal, Gustav H a r t m a n n, Professor Dr. Heinrich H e r k n e r, Frau Geheimrat Dr. H o p m a n n, Karl Hübsch, Paula M u e l l e r, Frau Luise Rosengart, Gustav S a b a t h, M. C. Schiffer, M. d. R., Anna Schmidt, Professor Dr. Werner Sombart, Professor Dr. Robert Wilbrandt, Leopold Winter, Privatdozent Dr. Waldemar Zimmermann. Zum Streik in der EdelmetaMudustrie zu Pforzheim. Am 16. Dezember gingen dem Metallarbeilerverband und wohl auch den andern in dem Schreiben der Regierung genannten Organisationen folgende Zuschriften zu: GrotzherzoglicheS Bezirksamt Pforzheim. Wir übersenden anliegende Abschrift des Erlastes Gr. Ministe- riums des Innern vom 16. d. Mts. Nr. 57 173 nebst 2 Anlage» mit dem Ersuchen, uns Ihre Entscheidung baldigst zu übermitteln. Keim. Karlsruhe, den IS. Dezember 1910. Die Lohnbewegung in der Pforzheimer Edelnietalliiidustrie betreffend. Der Arbeilgeberverband für Pforzheim und Umgebung hat zwar mit dem an das dortige Bezirlsamt gerichteten Schreiben vom 3. d. M. den Zeitpunkt und die Vorbedingungen für Ver- Handlungen mit den Vertretern der Arbeiter noch nicht als gegeben erachtet. Da inzwischen wieder eine Woche abgelaufen ist, erachten wir es für unsere Pflicht, angesichts der schweren Wirtschaft- lichen Schädigungen, welche iminer weitere Kreise der dortigen erwerbstätigen Bevölkerung bei einem längeren Stillstand der Geschäfte bedrohen und im Hinblick auf die grohen Verluste des Mittelstandes durch die Ausfälle beim Weihnachisgeschäft, welche um so empfindlicher sein werden, als erfahrungsgemätz am Schluß des Jahres vielfach Verbindlichkeiten aus Wechseln usw. zu erfüllen sind, nochmals den Versuch zu machen, ob nicht eine Ver- ftäiidigung zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern, wenn möglich noch vor den Festtagen, herbeigeführt werden könnte. Als Grund- läge kür die Verhandlungen konnten vielleicht die in der Anlage bezeichneten Punkte in Frage kommen. Wir sind bereit, durch einen Beauftragten des Ministeriums mit den Lertrerern der Arbeitgeber und Arbeiluehmer hierüber in eine unverbindliche Aussprache einzutreten, wobei in Aussicht ge- nvmmen werden könnte, datz eine von den Beteiligten zu be- rufende Kommission von Unparteiischen die Punkte, über welche schlietzlich keine Verständigung zu erzielen ist, durch einen die Be- teiligten bindenden Schiedsspruch zu erledigen fmtte. Hiervon ist dem Arbeitgcberverbande für Pforzheim und Um- gebung, ferner den dortigen Vertretern des Deutschen Metall- arbeiierverbandeS, der Htrsch-Dunckersthen Gewerkvereine(Ver- bandssekretär Herdecker und Mitglied der Ortsverwaltung Kettenmacher B i e h I e r in Pforzheim) und der christliche» Arbeiterorganisation, sowie den etwa inzwischen vom Arbeitgeber- ' verband dorthin benannten Vertretern der Nichtorganisierten Arbeiter unter Mitteilung von je zwei Abdrucken der Anlage Kenntnis zu geben und ihre Erklärung baldigst hierher vorzulegen. gez. Bodman». Die Bezirksleitung des Metallarbeiterverbandes hat darauf dem Regierungsrat Keim mitgeteilt, datz. wenn die beteiligten Arbeiterkategorien zu den Vorschlägen Stellung genommen haben, sie dem Bezirksamt weitere Mitteilung werden zugehen lassen. Ausland. Sieg der englischen Werftarbeiter. Aus London wird uns geschrieben: Die Aussperrung der Kesselschmiede in den nordeng- lischen und schottischen Werften ist, wie schon telegraphisch ge- meldet, zu Ende. Durch eine Urabstimmung der Mitglieder der Ge- werkschaft der Kesselschmiede ist das zwischen den Vertretern der Arbeiter und des Unternehmerverbandes vereinbarte neue Ueber- einkommen mit 13 715 gegen 1200 Stimmen angenommen worden, und die Arbeit hat bereits auch in allen betroffenen Schiffswersten begonnen. Der Kampf war einer der hartnäckigsten und bedeutsamsten, die in England überhaupt ausgefochtcn worden sind, und er hat mit einem schmählichen Rückzug der übermütigen Unternehmer und einem erhebenden Siege der Arbeiter geendet. Den Anlatz zur Aus- sperrung, die nun volle 15 Wockien gedauert hat, gaben bekanntlich zwei geringfügige Streiks von Kesselschmieden, wobei diese gewisse Bestimmungen des im Jahre 190? zwischen dem Unternehmerver- bände und den verschiedenen Werftorganisationen abgeschloffenen Einigungsverfahrens unbeachtet ließen. Der Unternehmerverband wollte sich nicht mit der Unterwerfung der Sreikcnden zufrieden geben, sondern forderte von der Gewerkschaft Garantien dafür, datz solche regelwidrigen partiellen Streits in Zukunft nicht wieder vor- kommen werden und verhängte zur Erzwingung dieser Forderung die Generalaussperrung gegen alle Mitglieder der Gewerkschaft der Kesselschmiede. Nachdem die Aussperrung bereits sieben Wochen im Gange war, einigten sich die Führer der Arbeiter mit den Unter- nehmern in der Tat auf einen Vertrag, wonach regelwidrig strei- kende Gewerkschaftsmitglieder den Vorschriften des Vertrags gemäß gematzregelt, mit Geldstrafen belegt, in Wiederholungsfällen sogar aus der Organisation ausgeschlossen werden sollen. Eine Urab- stimmung der Kesselschmiede verwarf jedoch diese Bedingungen und der Kampf nahm seinen Fortgang. Noch viel entschiedener wurden diese iBedingungen von den Arbeitern abgelehnt, als sie einige Wochen später einer erneuerten Urabstimmung unterbreitet wurden. Die unbeugsame Entschlossenheit der Arbeiter, eher die schlimm- sten Entbehrungen zu erdulden, als ihre Organisation zum Werk- zeug der Kapitalisten herabzuwürdigen, hat ihre Wirkung aus die Unternehmer nicht verfehlt- Als sie sahen, datz die Hungerpeitsche nicht den erhofften Eindruck machte, verstanden sie es graziös vom hohen Rotz herabzusteigen. Es wurde jetzt ein neues Ueberein- kommen zwischen ihnen und den Vertretern der Arbeiter vereinbart, wonach sich beide Organisationen, sowohl Gewerkschaft wie der Unternehmerverband einfach verpflichten, gegen ihre regelwidrig streikende bezw. aussperrende Mitglieder den Regeln der eigenen Organisation gemäß vorzugehen; nur ein gemeinsamer Ausschutz wird eingesetzt, um über die Durch- führung der betreffenden Regeln zu wachen. Ferner wird eine Maschinerie für die schnelle Beilegung von Streitigkeiten lokaler Natur vorgesehen. Diese neue Vereinbarung ist nun durch eine Urabstimmung der Kesselschmiede mit der oben angegebenen über- wältigenden Mehrheit angenommen worden. Der Sieg der Arbeiter ist ein vollständiger. Die freche An- matzung des Scharfmacherverbandes, sich in die inneren Angelegen- heiten der Arbeiterorganisation hineinmischen zu wollen, ist end- gültig zurückgewiesen worden. Auch ihr Anspruch, als Hüter der Disziplin in der Gewerkschaft auftreten zu wollen, hat die verdiente Zurückweisung erfahren. Gewerkschaft und Unternehmerverband werden auf völlig gleichen Fuß gestellt, und der alten Klage der Arbeiter über die Verschleppung des Einigungsverfahrens in Streit- fällen lokaler Natur— die Hauptursache der bisherigen partiellen Streiks— wird Rechnung �getragen. Datz dennoch 1290 Kessel- schmiede gegen dieses Uebereinkommen stimmten, zeigt nur, datz sie Bedenken tragen, überhaupt auf eine gegenseitige Disziplinver- pslichtung mit den Unternehmern einzugehen. Der Sieg der Arbeiter ist, abgesehen von ihrem bewunderns- werten Kampsesmut, hauptsächlich auf den Umstand zurückzuführen, datz sich im Schiffsbau eine Hochkonjunktur vorbereitet und die xI, Blicke, Berlin. Druck u, Verl« svorsör» Buchdr. u- Verlaaeanttalt Unternehmer sich nicht länger den Profit entgehen lassen woiweft. Es ist auch möglich, daß die englische Admiralität den Unter» nehmern angedeutet hat, datz sie nicht unbeschränkte Zeit auf die Fertigstellung der bestellten Kriegsschiffe warten könne. An der Clyde allein warten etwa 20 SÄlachtschiffe. Kreuzer und Handelsschiffe mit zusammen 200 000 Tonnengehalit auf Fertig- stellung. Ja. infolgedessen ist schon neuer Konfliktstoff vorhanden, denn die Unternehmer tvollen das Versäumte durch ausgedehnte Ueberarbeit nachholen lassen, während die Arbeiter entschlossen sind, sich nicht ungebührlich antreiben zu lassen. Ter so zum siegreichen Ende geführte Kampf hat den Arbeitern gewaltige Lasten auferlegt. Unmittelbar am Kampfe beteiligt waren 15 000 Kesselschmiede, von denen jeder wöchentlich 10 Mark Streikunterstützung erhielt; hier- von bezahlte die Gewerkschaft der Kesselschmiede 5 Mark.und der allgemeine Gewerkschaftsverband die übrigen 5. Die Gesamt- auslage der beiden Organisationen während der 15 Wochen des Kampfes betrug also 2% Millionen Mark. Außer den Kessel- schmieden loar aber eine noch weit größere Zahl von Hilss- und sonstigen Werftarbeitern in Mitleidenschaft gezogen, die überhaupt keine regelmäßige Unterstützung erhielten. Letzte ffochriehten« Das Verbot der Nachtarbeit für Frauen. Wien, 20. Dezember.(W. T. B.) Das Herrenhaus hat das dreimonatige Budgctprovisorinm angenommen. Die vom Ab- geordnetcnhause bereits angenommene Vorlage betreffend da? Verbot der Nachtarbeit für Frauen in industriellen Betrieben wurde zur neuerlichen Beratung an den Ausschuß zurückverwiesen. Im Laufe der Debatte waren die Schwierigkeiten das Gesetz am 1. Januar 1911 in Kraft treten zu lassen, sowie materielle Bedenken hervorgehoben worden. Die Wiedereinstellung der entlassenen Ensenbahner. Paris, 20. Dezember.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung beschäftigte sich die Kammer mit einem Antrag des Deputierten F o u r n i e r(unabhängiger Sozialist) betreffend die Wiederan- stellung der entlassenen Eisenbahner. Im Namen der Kommission für öffentliche Arbeite» erklärte Pechadre, datz die Kommission, ungeachtet ihres Wunsches, de» Eisenbahnern ihre Sympathie zu bezeigen, mit 16 gegen 9 Stimmen den Beschluß gefaßt Habs, datz die FragederWiederein stellung eine Frage der Regierungs- Politik sei und sich den Kompetenzen der Kommission entziehe. Was aber meine persönliche Ansicht betrifft, bin ich erstaunt, datz die Regierung sich nicht für verpflichtet ge- halten hat, BeruhignngSmastrcgeln zu ergreifen. Brousfe begründete unter großer Unruhe des Hauses einen Antrag, die Diskussion auszusetzen, bis der Dienst auf den Eisenbahnen wieder normal geworden sei. Die sozialistische Linke protestierte hiergegen. C o l l y(Geeinigter Sozialist) erklärte, der normale Zu st and werde nicht wieder eintreten, so lange nicht die entlassenen Angestellten, die die besten Beamten seien, wiedereingestellt sein würden. Der Antrag Brousfe wurde mit 454 gegen 78 Stimmen abgelehnt. Ceccaldi forderte von der Regierung, datz alle Eisenbahner wieder eingestellt würden, die nicht an der Sabotage oder an Ge- walttätigkeiten teilgenommen hätten. Berteaux schilderte die traurige Lage der entlassenen Eisenbahner. Er warf dem Mi- »ist erPräsidenten vor. sich nicht, wie es seine Pflicht gewesen wäre, bei den Gesellschaften verwendet zu haben, um Konzessionen zu erlangen, die den Ausstand verhindert hätten. B r i a n d habe auch das Schreiben der Vereinigung der Heizer und Lokomotivführer unbeantwortet gelassen.(Beifall ans der äußersten Linken.) Berteaux forderte die Regierung auf, Ruhe zu schaffen, indem sie für Wiederanstellung der Eisenbahner Sorge trage, die keine schwere Schuld auf sich geladen hätten. Ministerpräsident Briand erklärte, auf den StaatSbahnen werde keine Eni- lassung aufrechterhalten werden, die nur wegen Teil- nähme am Streik ausgesprochen worden fei. Die Eisenbahngesell- schaften hätten versprochen, ebenso vorzugehen. Von einer allgc- meinen Amnestie könne aber nicht die Rede sein, da man sonst Ge- fahr liefe, die Disziplin nachteilig zu beeinflussen.(!!) Die Gesellschaften könnten deswegen von der Regierung Rechen- schaft fordern, wenn sie sie zur Wiederanstellung aller Beamten nötigte. Die TranLportverzögerungen lägen nicht am allgemeinen bösen Willen, sondern am Streik, an der Ernte und den Ueber- schwemmungen. Die Regierung wolle einen ausgedehnten sozialen Fortschritt. Um ihn zu erreichen, müsse sie Ordnung haben. Die Republikaner mögen sagen, ob sie gleichfalls Ordnung wünschen. Nur unter dieser Bedingung werde er im Amte bleiben.(Beifall auf vielen Bänken.) I a u r e s erklärte, der Wiederanstellung der Eisenbahner an den Staatsbahnen stehe nichts im Wege. Wenn der Staat ein Bei- spiel gebe, dann würden die anderen Gesellschaften folgen. Die Di- rektion der Nordbahngesellschaft sei in zwei Gruppen geteilt, eine katholische und eine jüdische, an der Spitze der jüdisck�n stehe Rothschild. Die Katholiken sollten sich mit dem Geiste sozialer Liebe erfüllen, der im Evangelium gepredigt werde, und was die Juden anlange, so könne man nicht verstehen, datz die großen Bankiers, die das Brot für 500 Eisenbahnerfamilien in ihren Händen hielten, sich nicht daran erinnerten, datz, wenn daS Proletariat sich nicht vor zwölf Jahren der wilden Niedrigkeit des Antisemitismus widersetzt hätte, die großen Juden wie Strohhalme im Sturm weg; gerissen worden wären.(Lebh. Beif. auf der äußersten Linken und einem Teil der Linken.) Nicht für sie, sondern für Gerechtigkeit und Recht haben wir uns damals geschlagen, und die Eisenbahner fordern jetzt auch Gerechtigkeit. I au res forderte Wiedcrein- stellung aller Eisenbahner ohne Einschränkung. Briand nahm sodann eine Tagesordnung Radier an, die von den Erklärungen der Regierung Akt nimmt und ihr das Vertrauen ausspricht, daß sie beabsichtige, bei den Staatsbahnen eine Revision der Kündigungen mit Wohlwollen und Menschlichkeit vorzunehmen und in diesem Sinne auch bei den Eisenbahngesell- schaften vorgehen wolle. Darauf stellte Briand die Vertrauens- frage. Die Priorität der Tagesordnung Radier wurde mit 383 gegen 143 Stimmen angenommen. Der Teil der Tagesordnung Radier, der von den Regierungserklärungen Akt nimmt, wurde schlietzlich mit 425 gegen 80 Stimmen, der Teil, der der Regierung das Vertrauen ausspricht, mit 354 gegen 106 Stimmen, die gesamte Tagesordnung mit 405 gegen 90 Stimmen angenommen. Pistolen für die Arbeitswilligen. München, 20. Dezember. Wie die„Münchener Post" meldet, haben die streikenden Bergarbeiter in Hausham heute früh die Leibwache des Bergwerksdirektors Janota abge» fangen. Einer der Leute war mit einem geschlissenen Säbel und einer Pistole bewaffnet; er hat seine Waffen an den Streikposten abgeliefert und ist nun zu den Streikenden über. getreten. Ter Direkt o r hat für die Arbeitswilligen eine Anzahl Pistolen beschafft. Sonst herrscht in Hausham und in Penzberg Ruhe._ Kg»! Singer � Co» Verl in 2 W. Hierzu i Beilagen u.Unteehaliungsbl. it.298. N.Ich«.\ Keilllßt ilts Jjirrtrtf Derlllltt PolliöMntt. Die Völle von WeMchin. Achter Tag. In der Zeugenvernehmung zum Fall Mauthe wird gestern zu- nächst der ehemalige Zögling Mauthe selber gehört. Auch ihm hat es in Mieltschin„ganz gut gefallen"— bis auf die Schlüge. Er selber wurde zunächst nicht geprügelt, aber schon damals ertrug er es schwer, bast er den Auspeitschungen der Kameraden zusehen mußte. Schließlich wollte er ausrücken, weil er diese Behandlung nicht mehr mit ansehen konnte. Zögling Härtel wußte darum, doch hatte Mauthe ihm nicht gesagt, daß er Meister Riemschneiders Geld und Revolver mitnehmen wolle. Das sei auch gar nicht seine Ab- ficht gewesen, versichert er. Als der Fluchtplan dekannt wurde, ver- fügte Pastor Breithaupt gegen ihn jene Abstrafnng, bei der Mauthe an einen Baum'gebunden wurde. Der Herr Pastor befahl: „Zweihundert! Die ersten fünfzig schlage ich s" Als Mauthe erschrocken zurückwich, rief der Pastor:„Er weigert sich? An diesen Baum binden Sie ihn!" Mit dem Rücken gegen den Baum wurde er angebunden, wobei ihm die Hände aus dem Rücken gefesselt waren, und nun fielen die Schläge von des Pastors Peitsche ihm auf Brust und Gesicht, so daß er an der Stirn blutete. Schwester Olga stand dabei und riet ihn umzudrehen. Das geschah, und von neuem sausten Peitschenhiebe auf seinen Körper, jetzt auf Rücken und Gesäß. Ueber den weiteren Verlauf der Exekution macht M. nnsichere Angaben. Er meint, er habe aus der sich lockernden Fessel sich losgemacht und sei davongelaufen. Da habe der Pastor gerufen:„Schlagen Sie so lange, wie Sie können!" Mit Pätstf« und Gummiknüppel sei M. von drei oder vier Mann bearbeitet worden. Schließlich habe Riemschneider, dem die Tränen in den Augen standen, ihn aufge- hoben mit den tröstenden Worten:„Na, nun sei stille!" Aufs neue angebunden sei er unter den erneuten Schlägen zusammengesunken, so daß ihm Wasser über den Kopf gegossen wurde. Den Schluß der Exekution bildete eine nochmalige Auspeitschung auf dem Schemel, wobei er auch Schläge auf die Fußsohlen bekommen habe, nachdem der Pastor ausdrücklich„Auf die Fußsohlen!" kommandiert hatte. Zeug« Mauthe sagt: Am Körpch fühlte ich jetzt nichts mehr, nur wenn Schläge auf den Kopf sielen, brummte es. Der Einzel- heilen kann er sich nicht mehr sicher erinnern; er erklärt: Ich war nicht niehr richtig bei Berstand.— Vors.: Nach dem Besuch der städtischen Untersnchungskommission setzten Sie ein Schriftstück auf, das viele übertriebene Darstellungen enthielt.— Zeuge: Das habe ich schon vor dem Untersuchungsrichter zugegeben; ich stand damals unter dem Gefühl des Hasses.— Vors.: Aber heute nicht mehr?— Zeuge: Nein. Zum Arrest im Keller sei er mit der großen Kette krumm geschlossen worden, erst später habe Riemschneider ihm heim- lich die Kette länger geschlossen, so daß M. nun stehen konnte. Meh- rere Näckte habe er ohne Decke liegen müssen, als Nahrung habe er nur Wasser und Brot bekommen und auch nach seiner Ucberweisung in die Strafkolonnc sei er noch längere Zeit hiermit ernährt worden. Von den scheuernden Fußketten habe er wunde Stellen gehabt. Breithnupt bestreitet die Schläge auf die Sohlen, die Entziehung der Decke und die Kruiumjchließung. Seine Erklärung:„Ich kann nur behaupten, daß M. ein ganz durchtriebener Schauspieler ist," wird aus dem Zuhörcrraum mit Heiterkeit beantwortet. Auch Engels erklärt Mauthes Darstellung für unrichtig, im besonderen dessen Angabe, daß Engels ihm, als er auf der Erde lag, den Fuß auf die Brust gesetzt habe, und daß Engels am andern Tage zu Wrobel gesagt habe, bei einer Wiederholung solcher Vorkommnisse solle er „den Hund niederschießen". Wrobel erklärt Mauthes Angaben für„im wesentliche» wohl richtig", im besonderen bestätigt er, daß Breithaupt dem weglaufen- den Mauthe nachstürmte und ihm„verschiedene Hiebe über den Kopf" gab. Der Vertreter der Staatsanwaltschast Assessor Simon bean- tragt, Mauthes Glaubwürdigkeit zu prüfen. Aus den Akten ergebe sich, daß M. während seines früheren Aufenthalts in einer anderen Anstalt einen schlechten Einfluß auf jüngere Zöglinge ausgeübt habe. In der Anstalt Lichtenberg, in die er von dort aus gelangte, hat er nach den Bekundungen des hierzu vernommenen Inspektors Buth sich intelligent und anstellig gezeigt, aber das ihm geschenkte Vertraue» mißbraucht. Einem Aufseher habe er Revolver und Sparbuch entwendet, und mit einem gefälschten Passierschein habe er den Anstaltspförtncr getäuscht, so daß er ungehindert entfliehen Liemes feuilleton. Farbige Photographie» aus der Mark. In der Urania führte Herr G o e r k e unter dem Titel„Märkische Landschafts- und Gartenpoesie" eine Reihe von photographischen Ausnahmen vor, die „in natürlichen Farben" nach dem Luiniöreichen Auiochromverfahren hergestellt waren. Seit den ersten Anfängen der Lichtbildknnst hat es allen Fachleuten als Endziel vorgeschwebt, ans mechanischem Wege ein Bild der farbigen sichtbaren Welt wiedergeben zu können. Auf der Milchglasscheibe der Kamera sieht man unter dein Schutz des dunklen Tuches jenes Idealbild einer verkleinerten, bewegten, lichtdurchfluteten, farbigen Welt. Es ist entzückend und gleicht aufs Haar dem Bildchen, das sich im Hintergrunde ünseres Auges auf der dunkeltapezierten Netzhaut spiegelt. Aber wie diese flüchtigste aller Erscheinungen festhalten? Gelänge es. sie nicht nur zu fixieren, sondern auch, sie so massenhaft und billig zu vervielfältigen wie das Schwarzweißbild, so würde das eine der stärksten Umwälzungen in der Technik und»m Kulturleben bedeuten. Man denke nur au die Illustration. Jeder Arbeiter könnte die Meisterwerke der Malerei in naturgetreuer Kopie an seiner Wand hängen haben. Nun, soweit sind wir indessen noch ganz und gar nicht. Das Lumierscöe Berfahren liefert ein einziges Bild auf der Aufnahmeglasplatie, das höchst empfindlich und so dicht ist, daß eS von einer besonders starken Lichtquelle auf den Wandschirm geworfen werden muß, wo man es für einige Augenblicke betrachten inag,>oenn es nicht bei längerer Projeklionsdauer von der enormen Hitze der Lichtquelle ruiniert werden soll. Die Aufnahmeplatte ent- hätt eine Filterschicht, bestehend aus nebeneinander gebetteten rot- orange, grün und blauviolett gefärbten Stärkekörnchen. Danach gelangt das Licht erst in die für alle Farben empfindliche Aufnahme- schickt. Es lassen also z. B. nur die grünen Körner das grüne Licht durch, das von den grünen Stellen des aufzunehmenden Objekts ausgeht. Durch erneute Belichtung werden später die Filterkörner, die nicht wirken sollen, durch Umkehrung mit Silberkörnern zugedeckt. Es entsteht dann Rot durch Zudecknng von Grün und Blau, Grün durch Zudecknng von Rot und Blau usw. Dies klingt kompliziert, ist es aber nicht mehr als ganz landläufige Dinge wie Stereotypie oder Autotypie. Die Bilder, die in der Urania gezeigt wurden, waren zunächst gärtnerischer Natur. Besonders aus den Laubenkolonien sah man stimmungsvolle Farbenkompositionen, die beredteste Schilderung dieses Glückes im Winkel, die sich denken läßt. Dann Aufnahmen aus dem näheren und entfernteren Berliner Aus- flugsgebiet. Dazu Außen- und Innenarchitekturen. Interieurs aus rotem Backstein und mit bunten Glasfenstern machten sich aus- nehmend schön. Für bildende Vorträge aller Art wird daS Auto- chromverfahren bald unentbehrlich werden. Ein Bild aus einem Eifeldorf. In den letzten Jahrzehnten weist das flache Land eine größere Sterblichkeit auf als die Städte. In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts starben in Deutsch- konnte. Nach seiner freiwilligen Rückkehr habe er einen Selbst- Mordversuch gemacht, wofür er, da es sich um ein bloßes Manöver gehandelt habe, gezüchtigt worden sei. Daß er andere ungünstig beeinflußte, hat Buth nicht bemerkt; eher habe er selber sich von den Taugenichtsen beeinflussen lassen, zu denen er sich gehalten habe. Das bestätigt auch Lehrer Hentschel, der den Mauthe als einen eigentlich nicht unsympathischen, aber energielosen Menschen charak- terisiert. Jenen Vertrauensbruch habe M. begangen, weil er da- mals in eine Lehrstelle wollte,>vas ihm bis dahin versagt worden sei. Als er dann mit dem gefälschten Passierschein entflohen war, habe man Liebesbriefe an einen anderen Zögling gefunden, so daß er in den Verdacht der Perversität kam. Bei seiner schließlichen Ucberweisung nach Mieltschin sei ein Aktenstück mit überwiesen worden, in dem Buth über ihn urteilte:«Er lügt, stiehlt, betrügt und bedarf einer sehr strengen Zucht." Der Arzt Dr. Steinbruck, der Mauthe später in der Anstalt Warsow untersucht hat, äußert sich über das Ergebnis. Im Sep- tembcr 1909 fand er, daß möglicherweise noch eine kleine nervöse Erregung infolge der Züchtigungen zurückgeblieben war. Spuren auf dem Körper fand er noch im November. Die Angaben Mauthes über die au ihm vollzogene Exekution werden ergänzt durch den Maurer Pieczhnski, der sie beobachtet hat, weil er damals in der Anstalt bei den Bauarbeiten beschäftigt war. Er schildert wie M. auf der Erde lag und der Pastor auf ihn cinhieb. Später sah er, von einer anderen Stelle aus, wie M. an den Baum gebunden war und von Breithaupt und Engels zahl. reiche Peitschenhiebe über den ganzen Körper und anscheinend auch über den Kopf erhielt. Zeuge hat sich zeitweise abwenden müssen, weil er den Anblick nicht aushalten konnte und selber ohnmächtig zu werden glaubte. Er schildert die entsetzliche Prozedur in den schon bekannten Einzelheiten, das Zusammensinken des Jungen, die Bcgietzung mit Wasser, die erneute Auspeitschung. Auch den Schluß hat er mitangesehen, die Exekution auf dem Schemel. Hierbei hat er noch 8ö Hiebe gezählt, dann hörte er auf zu zählen und wandte sich weg, weil er es nicht weiter ertragen konnte. Lehrer Wendler kennt den Fall Mauthe nicht aus eigener Be- obachtung, sondern aus Mitteilungen von Augenzeugen. Wrobel habe ihm von 299 Hieben erzählt und den Ohnmachtsanfall, die Begietzung, die erneute Auspeitschung geschildert. Auch Gutsver- Walter Bartsch, der als Angestellter der Anisiedlungskommission bei der Auftellung des ehemals polnischen Gutes Mieltschin tätig war, habe ähnliches berichtet. Breithaupt soll vor Beginn der Züchtigung diesen»Bartsch herbeigerufen haben mit den Worten, er möge ein Gewehr mitbringen. es werde einen Spaß geben, ein Zögling werde ausreißen und wieder eingefangen werden. Gutsverwalter Bartsch selber bekundet, er habe nur einzelne Züchtigungen mitangesehen, da seien 69— 99 Hiebe ausgeteilt worden, und er habe das für„wohl etwas zu viel", für„etwas roh" gehalten. Im besonderen habe Mauthes Züchtigung, die er in derselben Weise wie die anderen Zeugen darstellt, geradezu Abscheu bei ihm geweckt, so daß er nicht länger zusehen konnte und sich ent- fernte. Brcithaupt habe, als schon mit Schlagen begonnen worden war, angeordnet: 299. Es sei jedoch nicht gezählt, sondern drauf- losgeschlagen worden. Zeuge erklärt, ihn habe man dazugerufen, doch habe er die Flinte nur mitgenommen, weil er sie zufällig jn der Hand hatte. Er weiß nichts davon, daß Grund vorhanden ge- Wesen sei. vor Mauthe besondere Angst zu haben. M. habe doch sogar das besondere Vertrauen seines Aufsehers(Riemschneider) genossen. Auch Zögling Fisahn sah Mauthes Mißhandlung. Er war vom Pastor beauftragt, worden, des Pastors Stock und die Schwester Olga zu holen, und auch den Strick zum Anbinden mußte er herbei- schaffen. Als er den Stock brachte, war Schwester Olga schon selber gekommen. Breithaupt gab dem Mauthe zuerst mehrere Fausthiebe ins Gesicht.— Vors.: Sie sind der erste, der auch das bekundet.— Zeuge: Ja, mit mir hat er es auch mal so gemacht.—- Dann ord- nete der Pastor an: 299 Hiebe! Nach vollzogener Auspeitschung, die Fisahn wie die anderen Zeugen schildert, wurde Mauthe zum Arrest abgeführt. Wegen der großen Kette, mit der er geschlossen war,„konnte er nicht gerade gehen". Daß er im Arrest mehrere Nächte ohne Decke blieb, bestätigt Fisahn. Ein gegen Belastungszeugen mißtrauischer Staatsanwalt. Nach der Vernehmung dieses drittten Augenzeugen bemerkt Juftizrat Wronker: Ich glaube, wir Verteidiger haben kein Interesse an weiterer Beweisaufnahme zum Fall Mauthe.— Vors.: Ich selber halte sie ja auch für überflüssig. Aber es könnte sich eine Ver- schiedenheit der Auffassung zwischen den Verteidigern und der Staatsanwaltschaft ergeben.— StaatsaiWalt Reiner: Auch ich verzichte- Die Angeklagten stellen ja alles so dar, daß es ihnen günstig ist während die Berletzten übertreiben. Im allgemeinen steht die Staatsanwaltschaft gerade diesen Junge» ziemlich miß- iranisch gegenüber. Das Gericht beschließt, von weiterer Beweiserhebung zum Fall Mauthe Abstand zu nehmen. Der Vorsitzende betont, daß dafür nicht die von der Staatsanwaltschaft geltend gemachten Erwägungen maßgebend gewesen sind. Als letzter der zur Anklage stehenden Fälle wird'der Fall Ruppcrt verhandelt. Hier werden die als Nebenkläger beteiligten Eltern des Zöglings Ruppert durch Rechtsanwalt Dr. Kurt Noscnfcld ver» treten. Ruppert, der als Fünfzehnjähriger in Fürsorgeerziehung gekommen und sehr bald nach Mieltschin überwiesen worden war, ist dort innerhalb weniger Tage mehrere Male ausgepeitscht worden. Als man bei ihm eine zweite Hose fand, wurden Flucht- absichtcn vermutet, und aus Furcht vor Schlägen machte Ruppcrt dann wirklich einen Fluchtversuch. Er nahm den Bauarbeitern Brot, Butter, Wurst weg, um Proviant zu haben, und versteckte sich dann einstweilen auf dem Boden des Hauses, das den Arbeitern als Nachtquartier angewiesen war. Man entdeckte ihn, und nu» soll Engels ihm noch in derselben Nacht 39— 59 Peitschenhiebe gegeben haben. Am andern Morgen verabreichte Breithaupt ihm, wie die Anklage behauptet, weitere 59 Peitschenhiebe. Dann forderte er von ihm ein Messer, das den Arbeitern abhanden ge- kommen war, und schlug auf ihn ein, weil er„stritt". Schließlich bearbeitete auch Eirgels den Jungen an demselben Tage nochmals mit der Peitsche. Brcithaupt will von geistigen Defekten, die dem Ruppert nach- gesagt werden,„nichts gewußt" haben. Wenn es in den Akten stand, so hat er es, sagt er,„jedenfalls nicht gelesen". Aufgefallen ist ihm nur, daß Ruppcrt sich fürchtete, wenn andere geschlagen wurden. Ruppert habe sich im übrigen allerlei Unredlichkeiten zu- schulden kommen lassen und die entwendeten Gegenstände meist im Bett versteckt.— Bors.: Was waren denn das für Gegenstände? — Angell. Breithaupt: Meist Eßwaren.— Vors.: Na ja.— Angekl.: Aber auch anderes ließ er verschwinden und versteckte es.— Vors.: Wie äußerte sich seine Furcht bei den Züchtigungen anderer?— Angekl.: Er weinte.— Vors.: Früher haben Sie gesagt: Er stellte sich, wie wenn er in Krämpfe fiel. Ein andermal haben Sie an- gegeben: Er rang die Hände und weinte. Da konnten Sie also annehmen, daß es dem Jungen herzlich nahe ging.— Angekl. behauptet, daß er dem Ruppert am Morgen nach seinem Fluchtver- such nicht 59, sondern„nur 25" Hiebe gegeben habe. Bei den Er- Mittelungen nach dem Messer habe er ihn noch mehrfach mit der Peitsche geschlagen; dass Ruppert schon am Abend vorher von Engels geschlagen worden war, habe er nicht gewußt.— Vors.: Ist es richtig, daß Sie, als er schrie, ihm den Mund verstopften?— An- geklagter: Nein.— Vors.: Es soll ihm ein Stiefel in den Mund gesteckt worden sein.— Angekl.: Nein.— Engel? gibt zu, am Abend 25— 39 Hiebe verabreicht zu haben. Am andern Morgen sah er die nochmaligen Bestrafungen durch den Pastor mit an. Ueber das Verhör wegen des Messers sagt er: Wenn Ruppert dann log, dann schlug der Pastor immer wieder ein paarmal zu.— Als das Messer nicht gefunden wurde, mußte Engels nochmals schlagen, er sagt: mit 29— 25 Hieben. Daß er schon ge» straft hatte, habe er dem Pastor gesagt. Ein paar Tage nachher wurde bei Ruppert wieder eine zweite Hose gefunden. Wieder galt er als sluchtverdächtig, und nun gab's 59 Hiebe, in die Engels und Wrobel sich teilten. Mit gefesselten Händen sperrte man ihn am 2. Juni in den dunklen Keller, aber entkam und rettete sich nach Berlin, wo er nach einigen Tagen eintraf und sich seinen entsetzten Eltern zeigte. Untersucht wurde er von Aerzten in der Königlichen Poli- klinik, von Dr. Bernstein und nach einigen Wochen auch von einem Arzt der Waisenvcrwaltung, der er inzwischen zugeführt worden war. Brcithaupt hält für„ausgeschlossen", daß die dabei festge- stellten Wunden und Starben aus Mieltschin herrührten. Ueber die Persönlichkeit Ruppert? kommt es zu längeren Er» örterungen. Dem Angeklagten hält Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld als Ver- treter des Nebenklägers vor. dasi Frau Ruppert selber ihm nach Mieltschin geschrieben hat, ihr Sohn sei geistig schwach und bedürfe der Schonung.' Breithaupt behauptet, da sei der Junge schon ent- flohen gewesen. Jn Lichtenberg hat Ruppert auf Inspektor Buth den Eindruck eines ruhigen stillen Jungen gemacht, gegen dessen Glaubwürdigkeit land von 1999 Einwohnern in der Stadt 23, auf dem Lande 23,9. in den neunziger Jahren war die Sterblichkeit ungefähr gleich(220/po). Heute ist die Sterblichkeit in den Städten geringer. Jn der Provinz Ostpreußen betrug 1997 die Sterblichkeit 21,2, für den Stadtkreis Berlin nur 16,4. Insbesondere ist die Sterblichkeit an Tuberkulose in der Stadt jetzt geringer als auf dem Lande. Jn einem Vorirag, den Dr. Liebetrau, Kreisarzt in Reckling- hausen, gehalten hat und den jetzt die Zeitschrift„Soziale Medizin und Hygiene" veröffentlicht, werden die traurigen hygienischen Ver- hältnisse, insbesondere das ländliche Wohnungselend, für diese Er- icheinung verantwortlich gemacht. Die Wohnungen sind vielfach feucht. Jn einem Wohnraum wird zugleich gewaschen und gekocht.„Im über- heizten Raum hocken die zahlreichen Kinder und kriechen auf dem schmutzigen, oft nur aus Lehm bestehenden Fußboden herum und atmen viele Stunden de§ Tages eine völlig verdorbene Luft ein, die bei jedem nicht daran Gewöhnten Uebelkeit erzeugt." Oft sind die Fenster zerbrochen, durch Pappdeckel oder Holz ersetzt.»Im engen Zimmerchen schläft die ganze Familie, in einem Bett mehrere Per- sonen zusamnien, auf altem, faulendem Strohsack. Bielfach findet man »och die dunklen, mit stagnierender stickiger Luft erfüllten Alkoven." Jn solchen Wohnungsverhältnissen schwindet natürlich auch der Sinn für Sauberkeit. Der Arzt bedauert, daß eS in Preußen„durch das Widerstreben einzelner agrarischer Jnteressenpolitiker" immer noch nicht zu einem WohnungSgesetz gekommen sei. Und dann zeichnet er dieses Bild aus seiner Praxis: Ich komme in einem Eifeldorf in ein kleines baufälliges Haus, wo ein Typhusfall vorgekommen ist. Durch die niedrige Tür betrete ich das kleine, mangelhaft belichtete Wohnzimmer, zugleich als Küche dienend, erfüllt mit schlechter Lust., Acht Kinder befinden sich mit der Mutter darin. Diese schält Kartoffeln und hat dabei ihr schmutziges, jüngstes Kind auf dem Schöße; als ich komme, setzt sie eö aus den Boden, wäscht sich in dem die geschälten Kartoffeln ent- haltenden Eimer die Hände, um sie dann an einem schwarzen läng- lichen Gebilde abzutrocknen, das selbst die kühnste Phantasie nicht als ehemals weißes Handtuch anzusprechen vermag. Währenddessen bereitet ein dreizehnjähriges Mädchen das leckere Mahl, bestehend aus Mehl und Wasser. Mit demselben schwarzen Lappen, an dem sich die Mutter soeben die Hände getrocknet, wischt sie eine Pfanne aus. entnimmt mit schmutzigen Fingen: einem Topfe Fett, das von früherer gleich sachgemäßer Behandlung fein Weiß auch in Schwarz verwandelt hat, und streicht damit den Tiegel aus, um nunmehr Eierkuchen(ohne Eier!) zu backen, die dann auf dem schmierigen Tische, an dem die übrigen Kinder eben noch gespielt hatten, auf- getragen werden.__ Notizen. — Das Ausstellungs-Theater soll dem stellungs- losen Personal zum Weiterbetrieb auf eigene Rechnung überlassen werden, wofür dieses eine Nolkonzession nachsuchen wird. Das Lust- spielhauS überläßt dem Unternehmen einige seiner erfolgreichsten Stücke und die dazu erforderlichen Dekorationen, Möbel usw. — Ein Band unveröffentlichter Gedichte Von Garibaldi. Ein interessantes literarisches Dokument ist soeben in Bologna erschienen: ein Band bisher unbekannter Gedichte von Garibaldi. Unter den Dichtungen, mit denen sich Garibaldi auf der Insel Caprera die Tage der Muße kürzte und die zum größten Teil aus den sechziger Jahren stammen, beansprucht eine längere auto» biographische Dichtung besonders das Interesse. Hier schildert Garibaldi in poetischer Form sein abenteuerrciches Leben und die Zeit der italienischen Kämpfe. Das Gedicht enthält leiden- schaftlich� Angriffe gegen die Männer, die Garibaldi damals noch als seine Feinde und als Feinde Italiens ansah, gegen Napoleon III. und den Papst, gegen Viktor Emanuel und Cavour. — Angelo Neu mann, der Direktor des Deutschen Landes« theaters in Prag, ist dort im Alter von 72 Jahren gestorben. Noch vor einigen Monaten war sein Name in Berlin als Reklame- ickild für die inzwischen aufgegebene Spekulation einer„Großen Oper" ausgehängt worden. Und Angelo Neumann hatte einen Namen als routinierter Opentunternehiner und Organisator, wenn es auch eine bloße Parade war, den über 79 Jährigen an die Spitze eines neuen Unternehmens stellen zu wollen. Ursprünglich als Sänger an einer Reihe von Bühnen tätig, besonders am Wiener Hosoperntheater, gab er mit 37 Jahren infolge eines Herzleidens diese Karriere auf und berätigte sich als Regisseur und Leiter der Oper(unter Förster) in Leipzig. Er verstand eS, Wagner«xs Publikum zu lanciexen, was damals noch eine Tat war. 1889 brachte er die erste Gesamtaufsiihrung des„Nibelungenringes"(außerhalb Bayreuth) heraus. Hiermit feierte er dann auch in dem musikalisch absolut rückständigen Berlin im Viktoriatheater Triumphe. Weitere Erfolge führten zur Gründung eines Wagner- TheaterS, mit dem er Deutschland und die Nachbarländer bereiste. Nach einem Intermezzo in Bremen übcrnahin er 1885 das Prager Landeßtheater. Von Prag aus hat er dann noch öfter Gastspiele veranstaltet. Bei solchen Gelegenheiten konnte er den Berlinern(im Lesstng-Theater) zuerst die„Cavalleria" und Cornelius' musikalisch weit bedeutendere Oper„Der Barbier von Bagdad" vor- führen, was ja Berlin gerade nicht zum Ruhme gereicht. Ein geschäftstüchtiger Unternehmer, der nicht leicht vor etwas zurück- schreckte, hat Angelo Neumann um die Popularisierung des größten MusitgenieS seiner Zeit, Wagners, zweifellos seine Verdienste. — Eine Erfindung zur Sicherung des Eisen- bahnbetriebes wurde nach den„TimeS" in der Nähe von S i d n e h(Australien) erprobt. Der neue Apparat zeigt automatisch an, wenn sich ein Eisenbahnzug auf ein von einem anderen Zuge besetztes Glers begibt. Eine Lokomotive war mit einem derartigen Apparat ausgestattet und als sie in die von einem anderen Zuge besetzte Linie eintrat, mit dem sie wenige 199 Meter später zu- samiuengefahren wäre, gab der Apparat automalisch dem Lokomotiv- führer ein Zeichen und ebenso wurden auch die Bremsen automatisch betätigt. er«WS sagen könne. Lehrer Hentsrfjcl hebt herbor, daß R. in der Gcmcindeschule nur vie Nebenilassen besucht hat, und eine geringe Intelligenz hat, daß aber über seine Glaubwürdigkeit Nachteiliges nicht bekannt ist. Ziveifelhaft sei, ob er die Bedeutung des Eides voll zu erfassen vermöge. Der Arbeiter Rnppert hat einst selber in die Fürsorgeerziehung seines Jungen gewilligt, weil er glaubte, daß durch sie der von anderen Jungen Verführte gebessert werden könne. Er sollte, sagt er, von der Straße weg und sollte was lernen. Als er wiederkam. «war er abgerissen in der Kleidung und am ganzen Körper voller Wunden, in die man den Finger hineinlegen konnte. Er erklärte, zurück geht er nicht, lieber nehme er sich das Leben. Die Waisen- Verwaltung ließ ihn bei den Etlern und er hat sich seitdem ordent- lich geführt. Es zeigten sich aber bei ihm Spuren von Verfolgungs- Wahn: wenn er abends von der Arbeit heimkam, war er vollständig matt und abgespannt und erzählte entsetzt, auf der Straße habe er Pastor Breithaupt gesehen. Roch jetzt schreit er oft nachts im Schlaf »md springt ans. Frau Ruppert bestätigt diese Angabe» ihres Gatten. Sie erklärt, noch vor der Flucht habe sie dem Pastor geschrieben, daß der Zeuge geistig schwach sei und in eine Anstalt für Schwachbcfähigte gehört. Sie schildert, wie ihr der Junge nach Berlin zurückkehrte, zerhauen und bedeckt mit Striemen und Schorfen und eiternden Wnnden. Zunächst wurde er außerhalb Berlins untergebracht. dann kehrte er nach Berlin zurück, und nun führte die Mutter ihn zur Waisenverioaltung, um nicht— wie sie vor Gericht sagt— sich strafbar zu machen. Äuch sie berichtet über die Angstzustände, an denen er noch leidet, über die Furcht vor dem Pastor, die ihn immer noch überkommt, und erzählt auch von einem Selbstmordversuch, den er einmal in seiner Angst gemacht habe. Hiernach wird Zögling Ruppert selber vernommen, zunächst unter Aussetzung der Vereidigung. Der Vorsitzende fragt ihn: Wie ging's Ihnen denn in Mieltschin?— Zeuge: Schlecht.— Vors.: Wieso?— Zeuge: Wir kamen vom Bahnhof, da hat der Pastor schon gedroht.— Vors.: Gedroht?— Zeuge(beginnt zu weinen): Er hat uns so häßliche Wörter gegeben.— Bors.: Kriegte» Sie da schon Angst?— Zeuge: Wir hatten ja schon davon erfahren.— Zeuge gibt dann an, wie die Angst ihn gepackt hat. wenn er sehen mußte, daß andere Hiebe bekamen. Einmal habe ihm. als er dabei weinte, der Pastor gesagt, wenn er nicht still sei, bekomme er auch noch was. Später habe Ruppert sich umgedreht, um es nicht zu sehen.— Zu der Geschichte mit der zweite» Hose sagt Ruppert, das sei doch seine eigene Hast gewesen, er babe nur verhindern wollen, daß sie wegkomme; weglauseu habe er nicht wollen. Der Borsitzende stellt fest, daß Ruppert vor dem Untersuchungs- richter angegeben hat, eö sei überhaupt seine Gewohnheit, zwei Paar Hosen zu tragen. Tatsächlich sei auch an jenem Tajje vom Untersuchungsrichter eine zweite Hose auf Rupperts Lech vorgefunden worden. Frau Ruppert bestätigt, daß er noch jetzt von dieser Gewohnheit nicht lassen mag. In Mieltschin aber hatte man daraus einen.Fluchtverdacht" hergeleitet. Die Furcht vor Schlägen war's, die ihn wirklich zu einem Fluchtversuch trieb. Die sich immer wiederholenden Auspettschungen, die er danach zu erdulden hatte, schildert Ruppert in weinerlichem Ton. Ich sollte, sagt er. das Messer suchen. Ueberall wo ich suchte. haben sie mich geschlagen.— Vors.: Sie haben schließlich gesagt. daß Sie es genommen hätten. Warum sagten Sie das, wenn es nicht wahr war?— Zeuge: Bloß damit ich den Augenblick mal ausruhen konnte. damit ich nicht immerzu die Schläge kriegte. (Bewegung im Zuhörererraumj— Ruppert schildert auch die Abstrafung. die ihm einige Tage später widerfuhr, weil man wieder eine zweite Hose bei ihm gefunden hatte. Aus dem Keller entkam er. Er verbarg sich dann zunächst in einem Korn- selb, streifte die Handfesseln ab, wartete bis zur Dunkel- heit und machte sich dann auf den Weg nach Berlin. Einmal floh er vor einem Radfahrer, den er für einen Verfolger hielt. Dadurch machte er ihn erst auf sich aufmerksam. und es gab nun eine wilde Jagd mehrerer Arbeiter hinter ihm her. die ihn bald cinhvlten.— Vors.: Gab's dabei auch Hiede?— Zeuge: Nein, die waren so gutmütig, die gaben mir zu essen. Dann gaben sie mir Geld. Dann wurde ich zu einem Gut gebracht, da bekam ich Kleidung und zu essen.— Vors.: Haben Sie wirklich keine Schläge be- kommen?— Zeuge: Nein, nicht ein bißchen. Ich hatte doch gesagt, ich bin bon einem Bauern ausgerückt, damit sie— hier beginnt Ruppert wieder zu weinen— mich nicht wieder zurückbringen sollte».— In seiner weiteren Vernehmung wird Zeuge unler anderem gefragt, warum er nach geglückter Flucht da, wo seine Eltern ihn zunächst auf dem Lande in Arbeit brachten, nicht auSgehalten habe. Zeuge antwortet: Weil immer der Pastor hinterher war und auf mich schimpfte, da bin ich dann losgegangen. Nachdem Ruppert nachträglich vereidigt worden ist, werden noch ein paar andere Zöglinge vernommen. Unter anderen bekundet Karnal, daß Pastor Jahn so lange geschlagen, bis Ruppert sagte, er habe daS Messer. Maurerpolier W i t t i g hat in jener Nacht den Ruppert zu Engels geführt. Er sah dann nur noch, wie Engels die Peitsche nahm; da wollte er nicht dabei sein und ging. Am andern Morgen war Willig bei der Suche nach dem Messer zugegen. In der Angst sagte Ruppert, er wolle es zeigen, und als er das nicht konnte, gab der Pastor ihm etwa bv Hiebe vou oben herab, auch auf Brust. Arme und Hals.— Staatsanwalt Neiner: Womit schlug er?— Zeuge: Mit ber Peitsche?— Staatsanwalt Reiner: Wie kam es, daß Breit- Haupt immer eine Peitsche bei sich trug?— Breithaupt: Auch der Hunde wegen.— Zeuge hebt hervor, sogleich nachher sei Ruppert noch einmal von Engels geprügelt worden.— Rechtsanwalt Dr. Nosenfeld: Wieviel Zeit war da verstrichen?— Zeuge: Eine halbe Stunde. Vernommen wird dann Dr. Dönitz, der in der Königlichen Poliklinik Ruppert zuerst am 7. Juni untersucht hat. Gefunden hat er damals alte Wunden in der Gesähgcgend, Striemen auf dem Rücken und Hautabschürfungen an den Armen, grüne Flecke an den Schenkeln usw. Beide Gesäßbacken seien ganz hart geschwollen gewesen. Lebensgefährlich sei die Züchtigung nicht gewesen, aber außerordentlich schwer und roh. Dr. Bernstein, der Ruppert noch an demselben Tage gleichfalls untersuchte, nach dem der Junge auch ihm zugeführt worden war, war cntsebt über seinen Zustand. Er schildert den Befund ähnlich und hebt hervor, daß er sofort am nächsten Tage der Waisendepu- tation Mitteilung machte. Medizinalrat Dr. Hoffmann hält in den Fällen Ruppert und auch Mauthe die Schläge wegen ihrer großen Zahl für geeignet. das Leben zu gefährden. Besonders unter Peitschenhieben platze leicht die Haut, wie er es in Zuchthäusern gesehen habe. Es folgt dann noch«in Gutachte» des Barons vou Lepel, der als Sachverständiger für Pädagogik zugezogen worden ist, weil er im Fürsorgewesen der Bodelschwinghschcn Anstalt Bethel tätig ist. Er bekundet, daß es dort nicht erlaubt sei, über 10 Hiebe zu geben. und auch das tue man nur im äußersten Notfall. Dem Pastor Breithanpt habe jede Qualisikation für seinen Posten gefehlt, da er die Fürsorgeerziehung nie kennen gelernt habe. Aus einer ge- wissen Forsche heraus habe er sich dazu befähigt geglaubt, aber es gehöre dazu nicht nur Entschiedenheit, sondern auch Besonnenheit. Engels habe in Bethel sich als im allgemeinen tüchtig, aber waukel- mütig gezeigt, darum habe man ihn nicht behalten, soildern nach HoffnungStal gehen lassen. Auch die übrigen Aufseher in Miel- tschin seien ganz ungeeignet gewesen. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld stellt durch Befragung des Sachverständigen noch fest, daß dieser nur in einem oder zweien der hier vor Gericht verhandelten Fälle eine körperliche Züchtigung für zulässig gehalten hätte, daß er dieses Drauflosschlagen mit der Peitsche überhaupt verwirft und eS für besonders unrecht hält, die Jungen selber zählen zu lassen.— Niechtsanivalt Dr. Nosenfeld: Und wie denken Sie darüber, daß, wenn sie sich verzählt hatten, von vorn angefangen wurde?— Sachverständiger von Lepel(den Kopf schüttelnd): Dafür habe ich keine Worte! Hiermit schließt die Beweisaufnahme. Heute um 10 Uhr be- Sinmil big Plädoyers. Huö der frauenbewegung. „Wcihuachten im Zeichen der Lebensmittel- und WohnnngS- teuernog". So kantete die Tagesordnung einer Frauenversammlung, die kürzlich in Wien stattgefunden hat. Sie erfüllte alle gehegten Er- Wartungen. Sie war nach der.Volkshalle" de? Rathauses ein- berufen worden und tagte in den Räumen, in denen vor Jahren die christliche Frauenbewegung Wiens ihre Triumphe feierte und wo die Wiener Arbeiterschaft schon so manche Schlacht geschlagen hat. Es war das erstemal, daß eine sozialdemokratische Frauenversammlung in diesen Räumen tagte, der Volks- Bürgermeister Lueger hatte sie unseren Genossinnen der- weigert, als sie vor zwei Jahren über die Lebensmiltelteuerung dort sprechen wollten. Und nun endlich sollten sie dort reden dürfen, wo sonst Prinz Lichten st ein, Prälaten und Pröpste zu den christlichen Frauen zu reden pflegen. Schon nach 6 Uhr begann ouS den Bezirken die Wanderung der Frauen in das im ersten Wiener Bezirk gelegene Rathaus. Fabrikarbeiterinnen, Kontoristinnen, Heim- arbeiterinnen und proletarische Hausfrauen im Kopftuch standen Kopf an Kops, als die Versammlung eröffnet wurde, alle unter dem Ein- druck einer bedeutungsvollen Kungebung. Die Ausführungen der Referentin und der Abgeordneten W i n a r s k h und G l ö ck l wurden von Stürmen der Entrüstung und Empörung begleitet. Die Haltung der Christlichsozialen, die nur eine beschränkte Ouantttät argentinischen Fleisches und nur bis Ende 1011 zulassen wollten; weiter die Beichlußfaffung der christlickiozialen Landlagsmajorität von Niederösterreich anläßlich der Einführung einer neuen Hoch- quellenleitung, einen Wasserheller einzuführen, das heißt auf jede Krone Miete eine Steuer von einem Heller einzuheben, waS von den Hauseigentümern besonders der Proletarierbezirke zu un- erhörten Steigerungen der Mietpreise ausgenutzt wurde; weiter die Obdachlosigkeit, die in Wien jeden Winter vorhanden ist und auch in diesem Jahre schon von sich reden gemacht hat. Erwachsene, Männer und Frauen. aber auch Kinder übernachten in den W ä r m e st u b e n, weil sie kein schützendes Dach haben. Die Gemeinde Wien aber feiert Feste. Zur selben Zeit, als sie eine so gemeinnützige Angelegenheit wie die Hochquellenleitung zur Verhängung einer neuen Steuer benutzte, gab die Stadtverttetung zur Feier dieses Ereignisses ein Bankett zu 1200 Gedecken— auf Kosten der Allgemeinheit. LebenSmittelteuerung. Wohnungsnot. Obdachlosigkeit und die Festlichkesten der Stadtoäter, das war das Thema, das in der Frauenversammlung besprochen wurde. Als die Versammlung geschloffen war, da machten die Frauen am Platz vor dem Rathause halt und streckten drohend die Arme zu den beleuchteten Fenstern hinauf. Hielt doch der Gemeinderat eben Sitzung, um über das Budget für 1911 zu beraten.' Auch vor dem Parlament machte der Zug der Frauen halt und Entrüstungsrufe schallten hinauf zu den volksseindlichen Abgeordneten. Die Polizei war in großer Zahl erschienen, um diesen.Tempel der Weisheit" zu schützen. Vor der Hofburg trat die Polizei den Frauen entgegen und drängte sie auf eine andere Seite. Die Frauen sind noch in Oesterreich politisch rechtlos, aber kein Zweifel, die Not vermittelt ihnen politische Erkenntnis und sie be- ginnen einzusehen, daß Politik und Wirtschaftsleben eng verbunden find und daß der Kampf um politische Rechte auch Kamps um mehr Nahrung bedeutet. Das.Fest der Liebe" wurde den Proletaricrinnen gezeigt, wie eS in der heutigen Gesellschaft in Wahrheit aussieht und der.Friede auf Erden" wurde gezeigt, wie er sich, entkleidet aller heuchlerischen MaSke, wirklich darstellt._ AuSbcutcrheuchclei. Die Arbeiterbewegung als treibender sozialpolitischer Faktor hat in zäher Arbeit der kapitalistischen Willtürherrschaft einen starken Stoß versetzt. Keine Bestimmung zum Schutze der Arbeiter existiert, zu der sie nicht den Anstoß gegeben hätte, was u. a. auch der Ge waltmensch Bismarck aiierkeimen mußte. Aber nur unter den wütenden Protesten der Scharfmacher, die sich gegen die.übertriebene Humanitätsduselei" und gegen die.unberechtigten Eingriffe" in die HerrschastSsphäre des Arbeitgebers wendeten, kam die Arbeiterschaft Schritt für Schritt vorwärts. Besonders hatten den Gefühls menschen die Bestimmungen betreffs Einschränkung und Kontrolle der Frauen» und Kinderarbeit eS angetan. Dieselben Herren, die jederzeit im Brustton tiefster sittltcher Entrüstung behaupten, die Sozialdemokratie wolle das Familienieben vergiften und zerstören, hatten gegen die grauenhafte Ausbentung der Mütter und Kinder nichts einzuwenden: sie bekämpften jede Ein- schränkung der Ausbeutung im Interesse der— Sittlichkeit! So schrieb der Zentralverband der Industriellen, in den achtziger Jahren in einer Eingabe an den Reichstag:.ES erscheint doch vernünftiger, die Kinder(der Armen) angeniessene Arbeiten verrichten und ver- dienen zu laffen, als sie dem Müßiggange und der Verwilderung preiszugeben. Ein Gesetz, welches die Arbeit der Kinder im schul« Pflichtigen Atter ganz verbietet, würde Sorge und Not vieler Arbeiterfamilien verlängern und die Lebenshaltung verschlechtern. Unter diesen Verhältnisten würden auch die geschützten Kinder leiden, in ihrer körperlichen Entwickelung mehr als durch die Fabrikarbeit."...— Also, weil die Arbeiter Hunger� löhne erhalten, die nicht ausreichen, um die Familie auch nur notdürftig erhalten zu können, müssen die Kleinsten im zartesten Alter dem gefräßigen Moloch auch noch schutzlos aus geliefert werden. Scharfmacherlogik l Bezüglich der Frauenarbeit hieß es in der Eingabe:.Die Bestimmung, daß Arbeiterinnen, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, in Fabriken nicht länger als zehn Stunden täglich beschäftigt werden dürfen, ist unannehmbar. Hierin ist eine Förderung des unerlaubten Zusammenlebens, also der Un- sittlichleit zu erblicken". Vielmehr aber noch fürchtete bei verkürzter Arbeitszeit für die Sittlichkeit der Arbeiterinnen die Lüdenscheider Handelskammer, indem sie ertlärte, schließe man Sonnabends für die Frauen und Kinder die die Männer nicht länger abriken um ö Uhr, so werde man auch alten können; Frauen und Kinder würden sich dann zum Schaden ihrer Moral auf den Straßen herumtreiben, für die Männer jedoch werde der Gang ins Wirtshaus daS Gewöhnliche sein". Und der kürzlich gegangene Generalgewalnge Bueck vom Scharftnacherverband gab seinen Anschauungen über die Sittlichkeit der Arbeiterfrauen und -jugend wie folgt Ausdruck;.Die Arbeiterjugend wird durch den erweiterten Schutz sittlich vergiftet. Die Pausen wirken für die jugendlichen Arbeiter demoralisierend.' Und weiter: .Für die Arbeiterinnen trägt der ftühere Schluß am Sonnabend nachmittag durchaus nicht zur Sittlichkeit bei." Diese Proben von Unternehmersiirsorge sprechen für sich. Wenn wirklich die Sittlichkeit von der Zahl der Arbeitsstunden reguliert würde, dann müßte es in den.oberen" Klaffen ja unheimlich a»S- schauen, dann wäre eS angebracht daß die Herren Sittenwächter, die so sehr um die sittliche Qualität der Arbeiterinnen bangen. diese Sorge aus ihre eigenen Frauen und Töchter übertragen, die ja in der Regel ihr ganzes Leben im süßen Mchtstun verbringen. )Hiis aller Alelt. Die Explosionskatastrophe in New D�rk. Nach den heute vorliegenden Skachrichten über das schwere Un- glück in der Kraftstation der New gort Zentralbahn entstand die Katastrophe dadurch, daß ein au? sechs Wagen be- stehender Zug mit voller Kraft gegen einen Prellbock fuhr, wodurch die AzethlengaSanlage des Zuges zerstört wurde. Die sich ent- wickelnden Gase wurden dann durch einen Kurzschluß zur Ex- plosion gebracht. Die Zahl der bei der Explosion getöteten Personen beträgt 14. während die Zahl der Verletzten über 200 beträgt. In fast allen Straßen der Umgebung wurden große Verwüstungen angerichtet; so wurden gegen SOoo Fensterscheiben eingedrückt. Viele Passauten wurden zu Boden geschleudert und zahlreiche Fuhrwerke um« geworfen. Der durch die Explosion angerichtete Schaden wird auf zwei Millionen Mark geschätzt. Der Mann mit der Maske. Wie wir gestern meldeten, hatte in D r e S d e n ein maskierter Räuder einen verwegenen Anschlag versucht, indem er die Scheibe eines Juweliergeschäftes zertrümmerte und für 36 000 M Juwelen raubte. Auf der Flucht hatte sich dann der Einbrecher erschossen. In der Person des Räubers wurde, wie uns ein Telegramm meldet, der Dresdener Referendar Dr. Friedrich Paul festgestellt, der seit einiger Zeit am Dresdener Amtsgericht beschäftigt ist. Paul ist der Sohn eines Dresdener General- majors._ „Frischer Mohr". Die amtliche Untersuchung der Produkte der Altonaer Margarinewerke Mohr u. Co., G. m. b. H., hat ergeben. daß die drei Marken Bocka, L u i s a und Frischer Mohr Kardamom enthalten. Die Wirkung dieses GifteS ist um so schärfer, je älter das Produkt ist. Die angestellten Ver- suche an Tieren haben ergeben, daß die Tiere nach Verabreichung von Bocka nur leicht erkrankten, während sie nach dem Genüsse der beiden anderen Marken eingingen. Von den Marken LnHa und Frischer Mohr wurden täglich etwa 6000 bis 8000 Pakete verschickt, die bereits vor längerer Zeit an- gefertigt waren und daher eine stark giftige Wirkung hatten. » Von der Firma Altonaer Margarine-Werke Mohr u. Co. in Altona-Ottenfen geht uns über die Mar- garinevergiftungen unter Berufung auf g 11 deS Preß- gesetzeS folgende.Berichtigung' zu: Am 13. Dezember er. veröffentlichten Sie in Ihrem geschätzten Blatte eine Mitteilung, nach weicher infolge des Genusses unserer Margarine, Marke Bocka, in Elberfeld Erkrankungen erfolgt seien. Nach den von unS getroffenen Feststellungen ist diese Mitteilung unwahr. Der Genuß unserer Margarine ist so wenig in Eiber- seid, wie in irgendeinem anderen Orte, bisher als Ursache für irgendwelche Erkrankungen amtlich oder sonst zuverlässig festgestellt worden. Soweit die Meldungen über Erkrankungen nicht direft erfunden find, beruht die Behauptung, daß sie in dem vorauf- gegangenen Genuß unserer Margarine ihre Ursache haben, auf einer reinen Bermutung, die auch noch nicht in einem einzigen Falle zu einer amtlichen sicheren Feststellung geführt hat. HowachtungSvoll Altonaer Margarine- Werke Mohr u. Co., G. m. b. H. I. M. Mohr. DaS Urteil über die.Berichtigung' überlassen wir unseren Lesern. UeberdieS haben das Oberlandesgericht Breslau, die Amtsgerichte Darmstadt, Heiligen st adt u. a. entschieden: .Berichtigungen brauchen nicht wahr zu sein; die Richtig- keit ihrer tatsächlichen Angaben ist nicht zu prüfen'. Ein frommer Kinderschänder. Einer Interpellation des sozialdemokratischen Abgeordneten T u l l e r im österreichischen Abgeordnetenhause ist zu entnehmen, daß die Staatsanwaltschaft L e o b e n die aus Anzeigen hin eröffnete Untersuchung gegen einen.tiefteligiösen" Kinderschänder Engel» Hardt in Gröbming(Obersteiermark) alsbald eingestellt hat. Engelhardt verllagtc eine Frau, die ihn öffentlich beschuldigt hatte, an ihren Kindern Sittlichkeitsverbrecheu begangen zu haben; die Frau wurde in beiden Instanzen freigesprochen, weil sie den Wahrheitsbeweis erbracht hatte. Trotzdem schritt die Staatsanwaltschaft nicht ein. Scheint auch eine objektivste Behörde der Welt zu sein!_ Kleine Notizen. Folgenschwerer Bootsunfall. Auf der Isar bei Fr ei sing stieß ein mit neun Arbeitern besetztes Boot mit einem Bagger zusammen, wodurch das Boot zum Kentern gebracht wurde. Von den Insassen find drei ertrunken. In den Flammen umgekommen. Bei dem Brande eines Hauses in Uhsmannödorf in Schlesien ist der Besitzer mit zwei Kindern in den Flammen umgekommen. Seine Frau konnte gerettet werden. Das Feuer ist vennutlich durch Kinder, die mit Streichhölzern spielten, eutstaiiden. UugeKrucr Tclegraphcilbcamter. Der Obertelegraphenassistent HuttanuS aus Bonn hat nach Unterschlagung von etwa 10 000 Mark zum Schaden seiner Behörde die Flucht er- griffen. Die Cholera in Konstantinopel. In den letzten 24 Stunden sind in Koustantlnopel 17 Todesfälle und 39 Erkranlungen an Cholera zu verzeichnen. Ucbcr daS Erdbeben in San Salvador liegen mehrere sich wiedersprechende Meldungen vor. Während der Londoner Generalkonful für San Salvador die gestrige Erdbebenmeldung für vollkommen unrichtig erklärt, meldet die amerikanische Zeitung.Sun", daß infolge des Erdbebens 5 00 Menschen um- gekommen seien. Mehrere kleinere Inseln an der Küste San Salvadors sollen während des Erdbebens in das Meer der- funken sein. Elf Lokomotiven verbrannt. In Busuluk(Gonvernement Samara) ist das Eisenbahndepot mit elf Lokomotiven abgebrannt. Der Schaden beträgt eine halbe Million Rubel. Der Bahnverkehr ist eingestellt. Gesunkener Dampfer. Nach einem Telegramm de» Kapitäns des Dampfers„ C e dr i c' ist das mit einer Ladung Kohlen auf der Fahrt von gesunken. Zwölf sind ertrunken. Hüll nach Gefle in Schweden befindliche Schiff Mann der sechzehn Mann starken Besatzung eingegangene Vruckfckriften. (WeibnachtSbuch). Sewsiverlag. Bei Monats. riln W. 57. Meouniltgcrs Deutscher Buch, und Steindrueker schrist. Herausgeber: E Morgenstern. 2 M. Eid oder Meiueid. Von Dr. Th. Engerl. 60 Verlag in Wiirzburg. Aus Natur und GcifteSwelt. Bd. 17: Das Licht und die Farben. Don Dr. L. Graetz.— Bd.«4: Pompcij. Von F. v. Dahn.— Bd. 170: Mathematische Spiele. Bon W. AhrenS.— Bd. SSV: Das«uuft. werk Richard Wagners. Von 9. Issel- Sinzelbd. 1 M., geb. 1,25 A. B- G. Teubner, Leipzig.____ Brkfhaften der RedakHon, I»t« lurtttttch, euetitrtuub« dudei,"*.«#.»«? vier Dredven— Aadrstubl—. w»a>»>»«ai,n<«>»o» 4>l, dt» 7'J, Ilde ad««»»' Sanliabends von 4>/, bt» 0 UDt»achmitiaa« Natt Jeder siir den«rict- tasten bestimm, cu«utra»? ist->u«»chstad» und«tu« AabI als wiert' r.Meu bemihlfK». vri.m-tie«e'woel wird»ich, ertrtlt.«ilta» seagrn nrnne man in der Svrribkwndc vor. W. P. lim. 1.— 4. Erkundigen Sie sich bei dem Reiitbureau der Hamburg. Amerika.Linic, Unter de» Linde»«•— ÜH.C.*5. Die V-reinbarunz bebavf du ihrer Wirkiamkeit der Zustimmung de» Vormundichai>«ocr,ch>s. —«. R. IS. 1. Schlesien hat niedrere Regierunasbezirle; jedem dieser steht ein Regicrungsprästdent vor. Der Lberpräsident, den Ste� wobt meinen, domiziliert in Breslau. 2. Ja.— F. K. Ztorkow. 1- Staats» anwoltschast. Geben Sic aber nur Tatsachen an, die stch beweisen lassen. 2. Magistrat. 3. Kein Belricbsunsall. 4. Rein.- W. IVO. Der Vater die Hülste und, wenn die Mutter verstorben ist, die Geschwister die ander« ' älst«.— Ingenieur. TiPlomingeniour. 1. Ohne weiteres ist der iplomingcnieur dem Ingenieur nicht sozial und wtrtschasllich höher ge« tellt. DaS kommt ganz aus die Stellung a», die er im Betriebe ein. nimmt. 2. Ingenieur kann man ohne höhere Schulbildung werden insotg« Besuchs technischer Schulen. Selbststudium usw. Der Titel Dixlomingeureur wird uur auf der Techuischm Hochschule erworben»ach Ablegung von Die alten Stiller sehen Geschäfte befinden sich nur: Zentrale und Versand: Jerusalemer Strasse 38-39 Potsdamer Strasse 2 König-Strasse 25-26 Tauentzienstrasse 19a Schöneberg, Hauptstr. 146 Friedrich- Strasse 75 Rixdorf, Bergstrasse 25-26 Tauentzienstr. 7b: M. 1250 Spezial- Verkauf Februar 1911: Rosenthaler Str. 5 Qegrimdsf 16 6 7 Der reichillustrierte Hauptkatalog wird kostenlos zugesandt Kousuin-Kereiu für Chart ottenburg und Eingetragene Genossenschait mit beschräiUter Hastpflicht z« Charlottenbnrg. aktl»» Bilanz«»m t. Juli 19l)S bis 3V. Juni 1S1V. M. An Warmtonto.... 28 73S.S7 „. Bäckerei. 2 415,05 . Kassakonto.... 6 253,11 „ Debitorenkonto... 2 017,48 „ Jnventarkonto... 16 161,40 . Maschinen konto... 1 342,30 „ Gespannkomo... 2 086,58 , G,.E,.G.-AntiU... 1 000,- . G,.E..G..Guthaben. 1676,55 , G.-T.-G.-Sparlasie. 508,10 , Berliner Bau- und Sparverein... 152,10 , Kautionenkonto... 410,— , Faslagenkonto... 485,91 M, iä 348,25 ivkitglicderbewegnng. M. Per GesebästSantetl« der Mitglieder.... 25 166,41 , Reservcsondskonto., 4 667,52 , Di«posttionSfond»kto.. 324.50 , ErweiterungSsondskto. 533,34 , Personalunter- itützungssondSkonto. 854,49 , RuckvergiitungS- rescrvesondskonto. 466,51 , ProdukttonSsondSkto.. 694,84 , Darlehnskonto... 15 841,16 „ Kreditoren konto,. 9 676,62 . Zinsenkonto.... 480,— , Mitglied errabattlonto. 8 927,52 Seivinnkonto... 5 52434 M. 73 248,25 Ausgetreten und ausgeschlossen............. 287 Bleibt MUgltederbestand............... 1861 T>aS Geschäftsguthabcn betrug am 1. Juli 1909......... 22 779,68 M. Eingczablt im Lause deS JahreS...... 581,15 M. Ueberschrieben............. 4 076,23 M, 4 657,38 M. 27 437,06 M. Ausgezahlt sind........... 2 280,85 M. Bestand am 30. Juni 1910........ 25 156,41 M. Tic Haftsumme betrug am 1. Juli 1909..... 56 940,— M. Hinzu durch Eintritt..... 250X80 7 500,— M. 7 500,— M. Abzüglich durch Ausscheide».... 237X30 idie Hastsumme beträgt demnach am 30, J„ni 1910--- Charlottenburg, den 20. August 1910. ve? VorataiKi. Sl.«Sinter.. A. Busse. 64 440,— M, 8 610,— M, 65 830,— M. das sfefs und überall mit 7reuden begrüßt wird, das in gefälliger yJJeise hundertmal an den edlen (jeber erinnert und stets reinen Genuß gewährt, ist ein Station echter IC a/em vÄ leilczim CigzuTetten Billiger Pelzwaren- Verkauf! Stolas� Muffen, Herrenpelze, Pelzmützen, Kragen finH»nenu, Mm im einzelnen bis Weihnachten! Pelzwarenfabrik, Neue KönigstraSe 71 1. Hof rechts, Fabrikgebünde I. Etage. Man achte genau aul die Hausnummer! Sonntags geöHnet Sonntag, den 18. Dezember, bis 8 Uhr! Das beste WültlDHChtS-GSSIillBIlk Gebrauchsgegaiistaiiti. Stoffe für Anzüge, Paletots, Hosen..... 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Die Artikel von Woldt in den Nummern 36, 37, 39, 40, 41, 42 der.Metall- arbeiterzeitung" insormieren näher.— F. B. 8V. 1. Ja. wenn dadurch der sänste Teil Ihres JahreseiiikommenS eingebüßt ist. 2. Vorsitzenden der BenmIagungSkommisfion.— A. S. 21. Gesuch ans Polizeipräsidium. Das empfiehlt sich jedoch nur bet einem Alter von noch nicht 27 Jahren. — Rixdorf üb«. Ihre Angaben sind nicht ausreichend. Kommen Sie in die Sprechstunde.— O. H. 50. Ja. Sie haben aber ein Rück- fordemngZrecht an Ihren Nachfolger.— W. K. Z. Die Merkblätter er» halten nur die Lehrer und Lehrerinnen.— H. F. 25..Weihe Chrp. santhcmum Herzlichkeit, was könnte ich Dir an süßeren Blumen senden für diese Meinungsireue, und ich bin treu.»— W. 1010. Nein. Hodiedle Kanarienvögel! versende unter Garantie für Wert u. leb. Ank. zum Preise von 8-25 M. Weibchen 3 M. Preis!, frei. Chctat. Sondermmin, Neuendorf bei Teistungen(Harz). Aeltcste u. grötzte Züchterci d. 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B. Simon, Gesundheitspflege des WeibeS.... 3. Lnx, Etienne Cabet und der Jkarischc Kommunismus 0. Flecbanov, N. G. Tschernischewsky. Brosch. 2,50 M.s geb. Fr. Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft.............. Josef Dietzgen, Das Akquisit der Philosophie und Briefe über Logik........... C. Hugo, Die englische Gewerkschaftsbewegung... Geb. Karl Marx, Revolution und Konterrevolution in Deutschland............. Geb. A. Dodel, Aus Leben und Wissenschaft, I. Serie, 3 Teile. a. Leben und Tod. Illustriert....... Geb. b. Kleinere Aufs ätze und Borträge..... Geb. o. Moses oder Darwin?......... Geb. C. Hugo, Städtcvcrwaltung und Munizipal-Sozialis mus in England........... Q. Moch, Die Armee der Demokratie. Brosch. 1,— M.; geb. Karl Marx, Die Kritik der politischen Dekonomie.. Geb. Josepb Dietzgen, Das Wesen der menschliche» Kopfarbeit Geb. Josepb Dietzgen. Kleine philosophische Schriften.. Leo Dentscb, Sechzehn Jahre in Sibirien.... Karl Marx, Theorien über den Mehrwert. I. Band. II. Band 1. Teil......... 2. Teil......... m. Band(Schluh)........ Karl Kantsky, Ethik und materialistische GeschichtS- auffassung.............. M. Hillqnit, Geschichte des Sozialismus in den Ber- einigten Staaten. Broschiert 2,50 M.; geb. Fasbitnov, Die Lage der arbeitenden Klasse in Rußland. Geb. Leo Dentscb, Biermal entflohen. Broschiert 1,50 M.; geb. Peter Madlow, Die Agrarfrage in Rußland. Brosch. 2.50 M.; geb. Faul Louis, Geschichte des Sozialismus in Frankreich. Broschiert 2,50 M.; geb. Ednard Bernstein, Sozialismus und Demotratte in der englischen Revolution. Broschiert 3,50 M.; geb. Karl Kautsky, Der Ursprung des Christentums... Geb. 3. 3. Boudin, Das theoretische System von Karl Marx. Geb. Karl Kautsky, Vorläufer des neueren Sozialismus. 2 Bände........... a Band Geb. pb. Buonarroti, Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit............... Karl Kautsky, Vermehrung und Eutmickclung in Natur und Gesellschaft. Broschiert 1,50 M.; geb. Geb. Geb. 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So- fort bekam er mit dem Säbel zwei Schläge über den Arm und einen Schlag über den Kopf, der so wuchtig war, daß der Hut durchschlagen wurde und der Zeuge vierzehn Tage Kopfschmerzen hatte. Nachdem der Zeuge seine Prügel bekommen harte, ging der Schutzmann zu den anderen zurück. Gleich darauf ertönte ein Hupensignal und die SchutzmairnStruppe setzte sich in Bewegung. Am Mittwochabend kamen vier Schutzleute aus den Hos, hielten die Karabiner hoch und drohten nach den Fenstern zu schießen. Fräulein Welzow, auch eine Bewohnerin der Rostocker Straße, bekundet in Ilebereiiistimnmng mit früher vernommenen Zeugen, daß sich kein Schutzmann sehen ließ, als die Laternen von jungen Leuten ausgelöscht wurden. Als eine Stunde später Schutzleute kamen, wurden sie mit Johlen und Steinwürfen rmpsangen. Ueber den vielbesprochenen Scheiterhaufen in der Rostocker Straße sagt die Zeugin: Die Leute hatten einen Photo- graphen-Schaukasten zertrümmert und mit den Trümmern Feuer augemacht. Das Feiier wurde noch durch Papier vergrößert, es brannte aber nicht höher als ein Stuhksitz. Nur einmal schlug die Flamme so hoch wie ein Tisch. Um das Feuer herum tanzten männ- licke und weibliche Personen und sangen dazu:„Das ist Jagows wilde verwegene Jagd". Dies Treiben währte ungestört etwa eine halbe Stunde, dann erst kam die Feuerwehr und die Polizei.— Rechtsanwalt Heine macht darauf aufmerksam, daß die an den Ausgängen der Rostocker Straße stehenden Polizeikommandos das Feuer sehen mußten.— Polizeileutnant Götze bemerkt dazu: Die Schutzleute hatten den Auftrag, nicht eher in die Rostocker Straße hineinzugehen, als bis die Feuerwehr käme. Es schien der Polizei, als ob sie durch das Feuer in die Straße hineingelockt und angegriffen werden sollte. Kernmacher W e st p h a l hat gesehen, daß Schutzleute aus einem Lokal die Gäste Hinanstrieben und jeden, den sie kriegen konnten, verprügelten und dabei schimpfte». Bei einer anderen Gc- legenheit wurden Menschen von Schutzleuten fortgetrieben und zwar in der Richtung aus eine andere Truppe von Schutzleuten, die jeden, der an ihnen vorbei kam, schlugen. Eine Frau wurde von einem Schutzmann umgestoßen und als sie am Boden lag, mit dem Säbel geschlagen.— Ein Arbeiter mit einer Kaffeekanne wurde von einem Schutzmann gefragt, wo er hin wolle.„Ich gehe zur Nachtschicht" sagte der Arbeiter. Darauf entgegnete der Schutzmann:„Was, Nachtschicht?" Ein anderer Schutzmann rief seinem Kollegen zu:„Sprechen Sie doch nicht erst mit ihn«, hauen Sie ihm in die Fresse!" Dr. Kilper hat von seiner Wohnuiig in der Waldstraße aus nichts gesehen, was die Polizei belasten könnte.— Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er nichts gesehen habe von Ausschreitungen von Schutzleuten, wie sie doch von anderen Zeugen bekundet seien.— Als der Zeuge die Frage verneint, sagt der Vorsitzende: Dann wird in der Gegend, wo Sie wohnen, nichts los gewesen sein. Handlungsgehilfe Kaczmarek hörte, als er eben an einer Haltestelle ans der Straßenbahn gestiegen war, hinter sich das Geräusch klatschender Schläge. Als er sich umdrehte, sah er. daß ein Mann von einem Kriminalbeamten mit einem Stock oder Gummiknüppel geschlagen wurde. Jetzt stürzte sich auch auf.den Zeugen ein Kriminalbeamter, schlug ihm mehrmals über den Kopf rief ihm zu:„Was sind Sie so neugierig?" Jetzt kam noch ein uniformierter Schutzmann mit blankem Säbel auf den Zeugen los. Dieser rettete sich dadurch, daß er in denselben Wagen, aus dem er eben aus- gestiegen war. flüchtete. Bei einer anderen Gelegenheit sab der Zeuge, daß ein junger Mann von Schutzleuten, die in einer Reihe standen, geschlagen wurde. Hausdiener Haberland hat gesehen, daß Laternen aus- gedreht und Steine geworfen wurden, ohne daß Schutzleute, die in der Nähe waren, dagegen einschritten. In einem Schanklokal in der Berlichingenstraße haben Gäste, die der Zeuge für Arbeiter hielt, ihn gefragt, ob er einer von den Streikenden sei. Die Leute schimpften auf den Zeugen und auf die Polizei. Sie sagten:»Die Hunde können gar nicht genug kriegen." Zigarrenhändler Mischke hat von seinem Laden an der Ecke der Beusiel- und Wiclefstraße folgendes beobachtet: Kurz nachdem einige Scheiben an der Reforinationskirche eingeworfen waren, gingen von der Kirche her durch die Wiclefstraße 80—100 Menschen. Lärm machten sie nicht. Es sollen dieselben Leute ge- Wesen sein, welche die Kirchenscheiben einwarfen. Als die Menge vorüber war, blieb ein junger Mann zurück. Der lvarf eine Laterne entzwei, dann eine Fensterscheibe und die Schaufenster- scheiden des Zeugen und seines Nachbars. Polizei war bei dieser Gelegenheit nicht zu sehen.— Zu einer anderen Zeit sah der Zeuge aus der Straße einen jungen Mann, der einem anderen er- zählle, daß er vorher bei der polizeilichen Ausräumung eines Lokals zugegen war. Als der junge Mann im Laufe seiner Erzählung sagte:„Da zog einer die Plempe", ging eine Gruppe von sechs Kriminalbeamten vorüber. Einer von ihnen schlug den jungen Mann mit einem Stock oder Gummischlauch über den Kopf. Dann fielen auch die anderen Beamte» über den Mann her und schlugen ailf ihn ein, daß er zu Boden fiel. Erst»ach zehn Minuten konnte sich der jung« Mann mühsam erheben. Bei ciuer anderen Gelegenheit trugen vier Männer, darunter ein Samariter mit der Roten-Kreuz-Binde, einen Verwundeten, der ganz steif war. Als sie an einer Gruppe von Schutzleuten vorbeikamen, bei denen auch ein Polizeioffizier stand, gingen einige Schutzleute au den Ver- wundeten heran, sahen ihn an und brachen in lautes Hohngelächter aus. Hieraus wurde aus den Fenstern„Psui" und„Bluthunde" gerufen. Nun stürzten sich die Schutzleute aus die Krankenträger, die einzigen Menschen, die auf der Straße waren. Die Träger ließen den Verwundeten fallen und flohen.— Ein andermal wurden Attacken geritten, in der Beusielstraße, als nur der gewöhnliche Straßenverkehr herrschte. Die Leute flüchteten in die Häuser, wo sie nicht hineiugehörten und kamen also bald wieder heraus. Auf der Straße hatten sich Schutzleute läng? der Bord- schwelle aufgestellt. Sie schlugen jeden, der vorbeikam mit dem Säbel. Der Zeuge erzählt noch mehrere Einzelfälle, wo Leute ohne Ver- onlasiung Säbelhiebe bekamen. Frau Kählert, deren Mann Schutzmann ist, be- kündet: die Menge welche sich auf der Straße ansammelte, sang Lieder, welche die Zeugen schon bei den Wahliechtsdemonstrationeu gehört haben will. Diese Leute zogen die Beusielstraße entlang. Aus einer andere» Richtung kam eine andere Menge, die johlend und lärmend das Schaufenster von Preuß einwarf. Als dann später die Schutzleute kamen, wurde gerufen:„Verbrecher",„Räuber". „Haut die Bipnen". Ein Mann holte etwas aus der Tasche und warf nach den Schutzleuten. AuS einem Hause flog� etwas Dunkles'■ und fiel mit dumpfem Aufschlag zu Bode». Zu einer anderen Zeit wurde anS dem Hause Huttenstr. 2 eine Flasche geworfen. Da des ein Schutzmann:„Runter vom Balkon" und schoß hinauf.— Eine Frau hielt sich über die Schutzleute auf und sagte:„Für die verdammte Baude müssen wir Steuern bezahlen."— Ein Mann wurde von einem Polizeileutnant gestoßen, daß er hinfiel. Der Mann verlor. dabei den Hut und verlangte, daß ihm ein Schutzmann den Hut' aufheben sollte. Da das nicht geschah, ging der Mann und ließ den Hut liegen.— Erster Staatsauw alt: Also die Leute, die das Arbeiterlied saugen, haben die Schaufenster bei Preuß etil- geschlagen?— Zeugin: Nein, das war eine ganz andere Menge.— Erster Staatsauw alt: So, also das waren andere Leute. Sagten die Leute nicht, warum sie die Schaufenster einschlugen? Wurde nicht gerufen:„Auf zu Preuß!" und gingen die Leute darauf- hin zu Preuß?— Zeugin: Nein, die Leute gingen deshalb hin, weil au der Ecke bei Preuß der größte Tumult toar. Hausdiener Hagen hat gesehen, daß„junge Bengelö", welche johlten und pfiffen, Laternen' zertrümmerten. Dann gingen die Schutzleute vor gegen das Publikuin, welches auf dem Bürger- steig ging und sich in keiner Weise an dem Unfug beteiligte.— Bei einer anderen Attacke wurde ein einzelner Mann, der zurückgeblieben war. von Schutzleuten größlich verhauen. Als er schon am Boden lag, kam ein Schiitziuanii nach dem anderen heran und schlug den Man» mit dem Säbel. Der Mißhandelte wurde in ein Haus gelragen und später mit einem Krankenwagen fortgeschafft.— Als der Zeuge spät abends an einigen Schutzleuten vorüberging, sagte einer von ihnen: „Det Aas könnte ooch schon lange in die Seeche liegen." Ein Angetrunkener kam vorüber und sang vor sich hin. Da sagte ein Schutzmann:„Det Luder hat woll lange kerne Backzähne jcschissen." Schmicdemcister Wagner bat gesehen, daß junge Burschen Laternen auslöschten und die in der Nähe stehenden Schutzleute nicht dagegen einschritten. Ferner sah der Zeuge einen ältere» Mann mit blutendem Gesicht und zerrissener Kleidung, der jedenfalls geschlagen war. Ein Mann, der sich seiner Abführung durch zwei Kriminalbeamte zu er- wehren suchte, wurde von dieien geschlagen und von einem hinler ihm gehenden uniformierte» Schutzmann von hinten gcstukt.— Ein großer Mann schimpfte laut„Schufte",„Bluthunde". Uniformierte Schutzleute, welche ganz in der Nähe standen, ließen den Mann un- behelligt. Hierauf wurden mehrere Zeugen vernommen zu einem Vorfall, der sich am 20. September nahe beim Spandaucr Bock zugetragen hat. Zwei Kohlenwagen der Firma Karstadt folgten mehrere Perionen. An dem einen Wagen wurde die Schütze hoch- gezogen, so daß Kohlen herausfielen. Ob die Täter Strcilende waren, können die Kutscher und Mitfahrer der beiden Wagen nicht sagen. S ch u tz in a n n M e w s. der die Kohlenwagen begleitete, sagt: die Leute, welche die Schütze hochgezogen hatten, ergriffen die Flucht. In einem vorüberfahreudeu Automobil, dessen Führer sich erbot, den Schutzmann aufzunehmen, nahm dieser die Verfolgung aus. Wie der Schutzmann sagt, gab einer der Verfolgten aus einer Entfernung von einigen zwanzig Metern einen scharfen Revolverschuß aus ihn ab, der aber nicht traf. Die Verfolgten schlugen ein böhnisches Gelächter an. Sie entkamen dadurch, daß sie über das Feld liefen, wohin ihnen das Auto nicht folgen konnte. Ueber den Rcvvlverschuß näher beftagt, sagt der Zeuge, die Waffe habe er nichk gesehen, aber er habe den Knall und das Pfeife» einer Kugel gehört. Die folgenden Zeugm werden wieder über die(Borgänge in Moabit) gehört. Jendritzki stand abends vor der Tür des Hmises, in dem er die Portierstelle hat. Da kam ein Kriminalbeamter und rief ihm zu:„Du Rotzmichel, was stehst Du da, mach daß Du hineinkommst, sonst kriegst Du Prügel." Der Zeuge wandte ein, er habe ja hier die Portierstelle und könne doch vor der Tür stehen. Daraus ent- gegnete der Schutzmann:„Dir werden wir gleich bei Portierstelle. Mach, daß Du reinkommst." Darauf ging der Zeuge ins Haus. Schutzmann M e w s glaubt in dem Zeugen Jendritzki, den er vom Gerüstbauerstreik bei Ältmann kennt, einen der Täter bei der Kohlenwagenaffäre zu erkennen.— Jendritzki bemerkt dazu. daß er Gerüstbauer sei und den Streik bei Allmann im vergangenen Frühjahr mitmachte, bei den Kohlenwagen am Spandauer Bock aber nicht zugegen war.— Schutzmann Mews, der anfangs mit ziemlicher Sicherheit den Zeugen als Täter bei den Kohlen- wagen bezeichnete, wird immer unsicherer und sagt schließlich:„Be- Haupte» kann ich nicht, daß er dabei war. Freitag. Beamter bei der st ädti scheu Straßen- Vereinigung, gibt hauptsächlich an, daß er keine Belästigungen des Publikums durch die Polizei gesehen hat. Daß Jungcns, un- gehindert durch die Polizei, Laternen ausmachten, hat auch dieser Zeuge gesehen. Ferner hat er bemerkt, daß ein alleingehender Manu von einem Sebutzmann einen Stoß bekam, und als er sich umdrehte, nochmal gestoßen wurde. Klempner Schwand sah an der Ecke bei Preuß, daß ein junger Mann von Schutzleuten gestoßen wurde. Der Mann ging zu einem Leutnant, um sich zu beschweren. Der Leutnant hörte gar nicht, darauf und wies den Mann energisch fort. Ueber einen anderen Vorfall sagt der Zeuge: Die Straße wurde geräumt, dabei bekam ein junger Mann von mehreren Schutzleute» Säbelhiebe. An einer Hauswand blieben zwei Männer stehen. Ein Polizeileutnant deutete aus sie und sagte zu den Schutzleuten:„Da stehen noch zwei, die müssen auch was abkriegen." Kaufmann Bold, ein Zeuge der Staatsanwaltschaft, be- ginnt mit den Worten: Ich möchte meiner Aussage etwas voraus- schicken, was auch zur Sache gehört. Ich bin der Meinung, daß die Polizei nicht ganz frei von Schuld ist.— Der Vorsitzende unterbricht den Zeugen mit der Bemerkung: Das wollen wir nicht von Ihnen hören, sondern nur, was Sie gesehen haben.— Der Zeuge erzählt nun: Die BcnsselMiße war schwarz von Menschen, Männern und Frauen. Sie johlten, als hätte man alle Teufel der Welt losgelassen. Schutzleute mit erhobenen Säbeln trieben die Menge in das sozialdemokratische Versammlungs- und Vergnügungslokal an der Ecke der Wiclefstraße. In dem Augenblick, als die Schutzleute den Hausflur betreten hatten, verlöschten die elektrischen Bogenlampen vor der Tür des Lokals. Da sagte ich zu meiner Frau: Da sieht man, wie diese Leute zusammenhalten und daß einer den andern deckt.— Die Polizei ging richtig vor und hat nicht die Leute belästigt, wie es hier geichildert worden ist. Zeuge Senftleben hat gesehen, wie zwei Schutzleute auf «inen Mann, der nichts Strafbares getan hatte, mit den Säbel» losschlugen.— Ein Mann, der neben einem Schutzmann stand, als wenn er mit ihm sprach, wurde, als er sich umdrehte, von dem Schutzmann hinterrücks geschlagen, daß er hinstürzte. Der Schutz- mann ging zu seinen in der Nähe stehenden Kameraden, ohne sich um den Niedergeschlagenen zu kümmern. Geschäftsführer Blume sagt. die Polizei habe sich ruhig und geduldig verhalten, selbst einer Menschenmenge gegen- über, aus der Steine nach den Schutzleuten geworfen wurden. Damit schließt die Sitzung. Heute wird keine Sitzung ab- gehalten. Die Verhandlung wird am Donnerstag 9Va Uhr fortgesetzt. Sozialem Zur PensionsversicherungSfrage der Prlvatangestrlltcn. Eine Invaliden-, Alters- und Hintcrbliebcnenfürsorge hat der „Verband der Burcauangestellten Deutichlands"(Sitz Berlin) für die Bureauangestcllten aller Bremchen(Rechtsanwalts-, Bersiche- rungs-, Berufsgenosseuschafts-, Krankenkasseimugestellten u. a.) auf dem Wege freier Selbsthilfe verwirklicht. Der zu solchen Unter- stützungszwecken seit t. Oktober 1008 bestehenden Unterstützungs- lasse kann jeder Berufsangehörige, der Mitglied des Verbandes ist oder wird, vor Vollendung des 50. Lebensjahres beitreten. Jedes Mitglied kann ein bis fünf Untcrstützungsanteile erwerben. Der monatliche Beitrag pro Anteil beträgt MO M. und für Mitglieder über 40 Jahre 1.50 M. An Unterstützungen werden für jeden Anteil gewährt: bei Jnvatidftät nach 5 Beitragsjahrcn 150 M. jährlich, steigend bis 250 M., Altersunterstützung nach 20 Jahren ig gleichez Höhe; öje UyteMtzgngen jux Wljwes betxagen 50 Proz., für eine Halbwaise 16 Proz. und für Vollwaise 25 Proz. der Jnvalidenunterstützung. Das System der Nuteilversicherung weist wegen seiner Beweglichkeit und wegen seiner Anpassungs- fähigkeit an die finanziellen Verhältnisse und an das VersicherunxS- bedürfnis jedes Interessenten viele Vorzüge auf. Diese Unter- stützungSeinrichtung hat denn auch in allen Kreisen der Bureau- angestellten freudigen Anklang gefunden, haben doch in der kurzen Zeit ihres Bestehens 1800 Berufsangehörige 4300 Unterstützungs- anteile aufgenommen, so daß bereits jetzt die Kasse ein Vermögen von 130 000 M. besitzt._ Die sozialen Bestimmungen der Gewerbeordnung müssen den Arbeitgebern etwas fühlbar gemacht werden. Nach% 139c der Gewerbeordnung muß den Gehilfen, Lehr» lingcn und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen innerhalb der Arbeitszeit eine angemessene M i i t a g s p a u s e gewährt werden. Diese Bestimmung sollte der Bäcker Richter übertreten haben, der verschiedene Filialen besitzt. Eine dieser Filialen wird von einem Fräulein verioaltct, mit der die Vereinbarung getroffen ist, daß sie einen gewissen Prozentsatz des Umsatzes als Entgelt für ihre Tätigkeit als Verkäuferin erhält. Eine Mittagspirusc gab es nicht für sie. Wenn Kunden kamen, mußte sie diese bedienen. Zwischen- durch konnte sie ihr Essen zu sich nehmen. Das Landgericht vor- urteilte den Angeklagten Richter wegen Uebertretung des§ 139e der Gewerbeordnung zu einer Geldstrafe von 300 M. Unter einer angemessenen Mittagspause sei eine richtige Pause zu verstchenv in der sich der oder die Zlngestellte, wenn sie im Geschäft bleiben, ihr Mittag Herrichten und in Ruhe, ohne auf Kunden achten zu brauchen, verzehren können. Verfehlt sei auch, so führte das Landgericht weiter aus, der Einwand des Angeklagten, daß das Fräulein keine Gehilfin im Sinne des§ 139c gewesen sei, sondern Filialleiterin, tckeil sie kein Gehalt, sondern Provision erhielt. Sie habe die Waren verbaust und sei als Gehilfin anzusehen. Ganz gleichgültig sei dabei, daß sie das Geld nicht direkt, sondern in Form von Provision erhielt. Der Angeklagte legte Revision ein, rügte Verkennung des Be- griffs„Gehilfe" und beschwerte sich über die Höhe der Strafe, die er unglaublich hoch fand. Das Kamniergericht verwarf dieser Tage die Revision mit folgender Begründung: Die Vorentscheidung sei nicht rechtsirrig, insbesondere sei der Begriff Gehilfe nicht verkannt. Wenn sich der Ilngeklagte in der Auffassung des Begriffs geirrt habe, dann sei das ein Irrtum aus dem Gebiete des Strasrechts, der ihn von Strafe nicht befreien könne. Was nun die Rüge der hohen Strafe angehe, die in der Revisionsinstanz abwegig sei, da sich die Strafe in den Grenzen des Zulässigen halte, so sei darauf zu verweisen, daß die Uebertretung des§ 139c mit Geldstrafe bis zu 2000 Tt bedroht sei. Wozu habe der Gesetzgeber wohl die hohe Strafe vorgesehen? Etwa deshalb, damit der Richter auf den üblichen Satz von 5 oder 10 M. erkenne? Nein I Wenn die Strafkammer hier auf 200 M. erkannt habe, so könne man nur sagen: es sei ein Segen, wenn die sozialen Bestimmungen der Gewerbeordnung den Widerspenstigen etwas fühlbar gemacht werden. Gerichts-Leitung. Tanzlustbarkeit an Festtagen. Die bekannte Verfrommungs-Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg vom 4. Juli 1898 bestimmt im§ 11 unter Ziffer 3:„Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten dürfen in Gastwirtschaften und sonstigen Vergnügungslokalen, auch wenn sie in geschlossenen Gesellschaften stattfinden, an Sonn- imd Festtagen nicht vor 3 Uhr nachmittags stattfinden." Und durch eine andere Bestimmung sind sie an den ersten Feiertagen der drei großen Feste gänzlich verboten. Jene Vorschrift des§ 11 Ziffer 3 sollte der Gast- wirt Börsch in Mllhlcnbeck dadurch übertreten haben, daß er in seinem Lokal den Theaterverein„Humor", der am ersten Pfingst- tag sein Stiftungsfest bei ihm abhielt, nach 12 Uhr nachts bis 5 Uhr früh, also in den ersten Stunden des zweiten Feiertages tanzen ließ. Die Musik war auf der Straße zu hören. Das Landgericht III verurteilte B. und das Kammergericht, vor dem Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht den Angeklagten vertrat, verwarf dieser Tage die Revision mit folgender Begründung: Die Verordnung sei rechts- gültig und richtig angewendet worden. Das Tanzvergnügen habe an einem Festtage, dem zweiten Feiertage, in der Frühe, also vor 3 Uhr nachmittags begonnen. Aber selbst wenn man die ersten Morgenstunden noch zum ersten Feiertage rechneu wollte, wäre B. doch strafbar, da ja am ersten Festtage erst recht nicht getanzt werden dürfe. Das subjektive Verschulden sei auch richtig festge- stellt, da der Amtsvorsteher dem Wirt gesagt habe, es dürfe nicht getanzt werden. Ob im gegebenen Einzelfalle eine Störung der äußeren Heilighaltung des Festtages wirklich eintrat, sei gegenüber der gültigen Vorschrift der Verordnung unerheblich. Ein Lehrer wegen SittlichkeitSvcrbrechen verurteilt. Der Gartcnbaulehrer Heinrich Siemann in Köstritz(Reuß j. L.) wurde von der Strafkammer in Gera zu 3 Jahren Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt, weil er sich in den letzten 4 Jahren an Kindern unter 14 Jahren unzüchtig vergangen und weil er zwei Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren verführt hat. Ein Justiz-Kuriosum. Ueber das Lokal des Gastwirts Dänecke in Augsdorf im Maus- feldischen war vom Bergarbeiterverbande der Boykott.verhängt worden, da dieses Lokal der Arbeiterschaft wieder entzogen worden war. In der Boykottverhängung erblickte die Amtsanwaltschaft zu Eisleben„groben Unfug", ferner aber auch darin, daß die zum Boykott auffordernden Flugblätter mit den Worten„Die Orts- Verwaltung" unterschrieben waren. Dadurch, so deduzierte der Amtsanwalt, habe sollen die Meinung bei den Augsdorfern her- vorgerufen werden, daß ihr Ortsvorsteher sie zum Boykott auf- fordere; dadurch hätten die Ortsbewohner in einen Zustand der Erregung geraten können, der für den öffentlichen Frieden von Augsdorf eine Gefahr bedeutet hätte! Das Amtsgericht Eislebe» lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens ab» wogegen die Straf- kammer in Halle sie auf Beschwerde beschloß. Das Schöffengericht Eisleben erkannte am 1. Oktober auf Freisprechung. Hiergegen legte die Hallesche Staatsanwaltschaft Berufung ein. Zur Berufungsverhandlung erschien jetzt der aus Königsberg bekannte Erste Staatsauwalt Geheimrat Schütze in eigener Person. Er mutzte jedoch zugeben, daß angesichts des Wortlautes des Boy- kottflugblattes nicht die Möglichkeit der Annahme bestehe, das Flug- blatt könne vom Amtsborstcher herrühren. Im Boykott liege jedoch. meinte er. stets grober Unfug. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Ge- nasse Landsberg-Magdeburg, führte aus. daß, wenn wirklich äugst- liche Gemüter im Boykott des Lokals eine Beunruhigung ihrer eigenen werten Person erblickten, das nicht aus den Boykott, sondern aus einen ganz überflüssigen Tenkprozeß zurückzuführen sei. Also sei die„Beunruhigung" nur sehr mittelbar, während der Grobe- Unfug-Paragraph eine unmittctbare Beunruhigung der öffentlichen Ordnung verlange. Die Strafkammer schloß sich dem an und ver- warf die Berufung. Den weitergehenden Antrag des Verteidigers. die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen, lehnte die Kammer jedoch ab, da der Angeklagte genügend Erfahrung besitze, um erkennen zu können, daß er sich des groben Unsugs nicht schuldig gemacht habe und infolgedessen keinen Verteidiger brauche! Diese Begründung ist höchst fatal für alle die hoefiweisen Juristen, die zur Eröffnung und Fortsetzung dieses Strafverfahrens beigetragen Hüven. Dem armen Teufel von Bergmann wird darin mehr juristische Einsicht und Erfahrung zugetraut, als den Ersten und anderen Staatsanwälten, den Hnlleschcn Richtern und dem Eislebener Arntsanwalt. Das ist sehr schmeichelhaft für de» Ag- Lellagfeo. tcher guckj fehl teuer,• Mittwoch, den 31. Dezember- Ansang V'/c UHr. Köntgl. Opernhaus. Das Rhein- gold. Köuigl. ZchausPiclhanS. Der Siörenlrled Sl-�-S könial. Opern-Theater. (Aeichlosscu. Deutsches. Hör und Diener. K a m ni« r s v i e l e. Slglavaine und Telyseitc.(Ansang 3 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Uerliner. 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Leon Gandillot. Morgen und solgende Tag»: Der Uuterpräsekt htelMeh-MhöluistalHisehss Schauspielhaus. Mittwoch, b. 21. Dez., abend« 8 Uhr: Hofo;iiii8t. Donnerstag: Hosgunst. Freitag zum 1. Male: Cyrano von Bergcrac.______ Lusispi«lliau8« Abends 8 Uhr: Der FeldherrnhLgel. Berliner Volksoper Nachmittaa« S'/a Uhr: Der Kampf um Schneewittchen. Abends 1lt9 Uhr- Der Droubadovr. Bosporus am Horltzplat«. Das Variete-Konsum-Syatem nur an Woctaentacen gültig. Entree frei. Sie lösen nur ein Programm pro Person 20 Pf., danut haben Sie 1 Ola« Bier bezahlt. 8 tlhr; Da« Ben© MMsM-W. Hchiller-Tiieater. Schlller-Theafor 0.(Wallner-Theai). Mittwoch, abends 8 Uhr: Die ree Caprlce. Lustspiel in 3 Akten v. D. Blumenthal. Ende lO'/. Uhr. Donnerstag, abends e Uhr- Prior rriedricli von liombnrg. Freitag, abend« 3 Uhr:' Der Dnniin 1« opf. flranfa. Wissenschaftliches Theater TanbenstraDe 48/49. Abends 8 Uhr: Pirelttor Pranü Qoerke: MHrklsrhe I.nmlaohHfts- n ml 4>artcn-P«c«lc. Hörsaal 8 Ulir; Dr. E. 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Wilmersdorf er Str. 48 (a, d. Bismarck-Str. EGOOOOGGOOOGGOGOGSGGOGTSOOOSOO Ptraatwortliz» Mdalteur KiAart» Bartk Bttli«. Mr �»Inseratenteil verantw� Th. SU«?«, Kerlin, Krück u. Verlag: Borwärt« Duchoruckerc, u. Berlageanslalt Baal giua«& ko., Kerl» SWT it. 298. 27. ZahtgMg. 3. ßcilugt des Jmiitts" Sttlintt WMM. Mittwoch. 21. DtMdn!9W. Partei- Hnofclegcnbeitcn» Sechster Wahlkreis. Billetts zur Urania-Vor- stellung am Montag, den 26. Dezember(zweiter Weihnachtsfeiertag) sind noch zu haben im Wahlvercinsbureau, Neue Hoch st r. 23. Die nickwerkauften Billetts zu den Unterhaltungsabenden am Sonntag, den 25. Dezember(erster Weihnachtsfeiertag), sind bis Freitag, den 23. Dezember zurück zu liefern. Von da ab sind Billetts nur zu haben für den Berliner Prater bei Mars, Lychener Str. 123, Dobrohlaw, Schliemannstr. 39, Hönisch, Wichertstr. 3; für Ballschmieders Etablissement bei t offmann, Swinemünder Str. 47, Bahr, Badstr. 44, v. Knappe, rünthalerstr. 6; für die Pharussäle bei Rietz. Fehmarn- stratze 8. Glawe, Liebenwalder Str. 44, Melzer, Wicsenstr. 29. Doye, Müllerstr. 38; für Moabiter Gesellschaftshaus bei Richter, Wiclefstr. 23, und Fröhlich, Wittstocker Str. 23. Friedenau. Am I. Weihnachtsfeiertag. nachmittags 5 Uhr, veranstaltet der Wahlverein im Lokale„Rheinschlost", Rheinstr. 60, eine Weihnachtsfeier bestehend aus Konzert, satirischen Vorträgen und Aufführungen der Freien Turnerschast Friedenau. Um 7 Uhr: Be- scherung für Kinder. Billetts a 25 Pf. sind bei den Bezirkssührern zu haben. Der Vorstand. Franz.-Buchholz. Am Sonntag, den 25. Dezember(1. Feiertag), abends 7 Uhr, bei Kähne, Berliner Str. 39, humoristischer Lichtbildervortrag:„Die fromme Helene." Anschließend gemütliches Beisammensein. Programme a 25 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben._ Berliner JVadmebten. Weihnachtsgeschenke. DaS Weihnachtsgeschenk ist aus der Gefühlssache längst eine Modesache geworden, bei der der ursprüngliche Sinn, die Beziehung auf den uns von der allzeit schlauen Kirche auf- genötigten Christusglauben, fast völlig im Hintergrunde ver- schwindet. Wohl beschenkt man noch die Kinderwelt, um in Kinderherzen, die von unserer Zeitströmung noch nicht an- gekränkelt sind, ehrliche Freude zu erzeugen, daneben vielleicht auch den eigenen lieben Egoismus ein wenig zu kitzeln. Was sich gegenseitig die Grofzen schenken und wie sie es sich schenken, ist heute mehr denn je zur Gefühlsheuchelei geworden, zum Austausch familiärer und geschäftlicher Veo bindlichkeiten mit dem deutlichen Text: ich schenke, um wieder beschenkt zu werden. So hat die weihnachtliche Geschenksitte in den letzten Jahr- zehnten geradezu ungeheuerliche Dimensionen angenommen Sie ist, was nach mehreren Richtungen hin sein Ersprießliches hat, zum Wettbewerb der Kräfte geworden und aus dem schlamniigen Fahrwasser der Kirche in das freie industrielle Gebiet hinübergesteuert. Millionen leben jahraus jahrein von der Weihnachtsindustrie oder werden doch von ihr im Erwerb nicht gering beeinflußt. Nicht der Kirche danken wir das, der von der biederfrommen Jesusmär ein Stück nach dem anderen zerpflückt wird, sondern dem Schaffensdrang der von dem unerträglichen Kirchenjoch sich freimachenden Mensch heit. Der Fortschritt, der in dieser Beiseiteschiebung der Kirche liegt. darf uns indes über die gesteigerten Geschenkunsitten nicht hinwegsehen lassen. Die Hand des armen, genügsamen Kindes ist ja immer noch leicht genug zu füllen. Ein Hampelmann, ein Bilderbuch, ein mechanisches Groschenspielzeug weckt die meiste, natürlichste Freude, hält sie wochenlang wach. Da oben aber auf der moralisch versumpften Höhe des Lebens, wo die Glückgeborenen fast schon in der Wiege gedrillt werden, die Armut als etwas Verächtliches zu betrachten, kann die echte, rechte KindeSfreude kaum mehr gedeihen. Der verzogene Bengel aus Berlin WW. zieht ein schiefes Maul, weil die ihm für einen Bläuling aufgebaute Flugmaschine eine schon wieder veraltete Konstruktion zeigt, und Fifi, der unausstehliche Typus des Kurfürstendamm backfisch. ist empört, daß man aus Sittlichkeits gründen— lächerlich l— den brennend gewünschten neuesten Schmutzroman nicht unter den Weihnachts- bäum gelegt hat. Was soll Fifi denn mit dem elettrisch er- leuchteten Puppenhaus, das bare dreihundert Meter gekostet hat? Einfach Quatsch I Sie ist zwölf Jahre alt und doch kein Baby mehr, das mit Puppen spielt. Und mit fünfzehn Jahren wird sie moralisch abgebrüht sein. Kann denn das Kindesleben sich anders gestalten, wo es im Sumpfe gleichgearteter Erwachsener wuchert? Man redet immer den alten Blödsinn von der Begehrlichkeit der Armut und vergißt, daß nichts begehrlicher ist als die Garde des Reichtums. Wer um die jetzige Zeit die großartigen Weihnachts- auslagen der Weltstadtgeschäfte betrachtet, fragt sich oft ver- wundert, ob es denn Menschen gibt, die wirklich solchen Luxus kaufen. Jawohl, er wird gekauft, wird massenhaft gekauft von denen, die das Geld auf Kosten der Darbenden spielend leicht verdienen und es deshalb nicht achten. Doch nicht ohne Be- rechnung wird der Luxus gekauft. Bei dem einen ist's Protzentum, das sich im Danke des Beschenkten sonnen will, beim ander« jene Leidenschaft, die für Geld und Gut rohes Menschenfleisch einhandelt, und der dritte opfert für ein Geschenk Tausende, um auf diesem Umwege ein Geschäft zu machen, das das Zehnfache wieder einbringt. Weihnachtsheuchelei, wohin man da oben sieht und— spuckt. Selbst noch in den Kreisen, die mit den blauen und braunen Lappen nicht so um sich werfen können, ist das Geschenkgeben zu Weihnachten in eine schließ- lich zwecklose Geschenkrevanche mit immer höheren gegen» seitigen Anforderungen ausgeartet. Was nutzt es, daß man sich zuschwört, nun endlich mit der Schenkerei aufzuhören. Im nächsten Jahre steht man wieder unter dem strahlenden Lichter- bäum, singt mit verschwommenen Augen senttmentale Weih- nachtslieder und schenkt doch wieder von neuem. Die BücheranSstellung im Kösliner Hof ist gestern abend geschlossen worden. Wer seine Weihnachtsbücher noch nicht einge- kauft hat, kann dieselben von der Buchhandlung Vorwärts, L i n d e n st r. 69, beziehen.____ UebergangSfahrscheine. Die Direktion der Gesellschaft für Hoch- und Untergrundbahnen hat bei der Verkehrsdeputation angeregt, daß ebenso wie bisher schon für den Uebergang von der Hoch- und Untergrundbahn auf die städtische Straßenbahn Warschauer Brücke-Zentval-Viehhof und umgekehrt, auch für den Uebergang von der Schöneberger Unter- grundbahn auf die Hoch- und Untergrundbahn und weiter die städtische Straßenbahn UebergangSfahrscheine ausgegeben werden. Kis Berkehrsdeputatipn hat sich damit einverstanden erklärt. t, Zurückstellung vom Militärdienst. Die verstärkten Ersatzkommissionen werden zur Entscheidung über Gesuche um zeilweise Zurückstellung bei notwendigen Ver- stärkungen oder Mobilmachungen bezw. bei Bildung von Ersatz- truppenteilen Mitte April 1911 ihre nächste Sitzung halten. Diejenigen in Berlin wohnenden Mannschaften der Reserve, Landwehr. Seewehr, Ersatzreserve und Marineersatzreserve, welche auf Zurückstellung Anspruch machen, werden aufgefordert, ihre Gesuche unter Angabe ihrer Militärverhältnisse und der Nummern, unter denen sie in den Listen der Königlichen Bezirkskommandos I— IV Berlin geführt werden, im Laufe des Monats Januar 1911 beim Militärbureau des hiesigen Magistrats einzubringen. Ebenso werden die auf Zurückstellung Anspruch machenden und sich hier aufhaltenden ausgebildeten Landsturmpflichtigen des IL Aufgebots aufgefordert, ihre Gesuche unter Angabe ihrer bis- herigen Militärverhältnisse in der angegebenen Zeit bei dem be- zeichneten Bureau einzureichen. Die bereits früher berücksichtigten Mannschaften haben ihre An- träge aus weitere Zurückstellung im Bedarfsfalle zu erneuern; die nach dem 31. Januar 1911 eingehenden Gesuche können nicht berück- sichtigt werden._ BeterancnloS. Mit den KttegSdenkmünzen auf der Brust in den Tod gegangen ist der 69 Jahre alte Rentenempfänger Gohlke aus der Siemensstraße 16. Er wurde in der Jungfernheide, aus einer Schußwunde blutend, aufgefunden und nach dem Virchow- Ärankenhause gebracht, wo er am Tage nach der Einlieferung starb. Gohlke bezog eine kleine Unfallrente und hatte wieder einmal die Aufforderung bekommen, sich vom Arzt untersuchen zu lasten. Er befürchtete wohl, daß ihm die ohnehin kärgliche Rente noch mehr gekürzt würde und wurde schwermütig. In diesem Zustande griff der alte Mann, der die Feldzüge 1870/71 mitgemacht hatte, zum Revolver. Aus dem Znge gestürzt. Der in Berlin wohnende Inhaber der Gold- und Politurleistenfabrik F. Vaake«ruf dem Dom in Brandenburg, Herr Emil Vaake, kehrte von einein Besuche seiner Fabrik nach Berlin zurück. In der Nähe der Station Wildpark stürzte er aus dem fahrenden Zuge und wurde von einem aus ent- gegengesetzter Richtung kommenden Güterzuge überfahren, der ihm den Kopf vom Rumpfe trennte. Die Leiche wurde später am Bahn- dämm liegend aufgefunden. Es wird angenommen, daß der Ver- unglückte das Klosett aufsuchen wollte, dabei versehentlich die Wagentür öffnete und hinausstürzte. Die amtliche Untersuchung hat, dem„Vrandenbg. Anz." zufolge, bisher folgendes ergeben: Herr Vaake ist noch mit einem anderen Herrn, einem Eisenbahnassi- stenten, zusammen im Abteil gewesen. Unterwegs erwachte dieser durch ein Kältegefühl und sah, daß die Tür geöffnet, Herr Vaake aber nicht mehr im Abteil war. In Berlin machte der Assistent dann Meldung davon, und bei den sofort unternommenen Nachfor- schungen wurde Vaake dann bei Wildpark als Leiche gefunden. Ein falscher Revisor trieb seit September dieses Jahres in mehreren Stadtvierteln fein Unwesen, bis er jetzt als ein früherer Elektrotechniker und Monteur Walter Dürre entlarvt und fest- genommen wurde. Dürre arbeitete früher bei verschiedenen hiesigen Firmen und hatte dabei Gelegenheit, in viele Häuser und Wohnungen zu kommen. Seit September benutzte er nun seine Kenntmsse, überall zu stehlen. Er legte sich ein RevisionSbuch an, ging dann mit einer Aktentasche. die Arbeitswerkzeug enthielt, unter dem Arm zu den bezeichneten Wohnungsinhabern und stellte sich als„Revisor der A. E. G." vor, der beauftragt sei, die Hausleitung nachzusehen. Ueberall hatte er etwas auszusetzen und auszubessern. Sobald man ihn dann nicht beobachtete, be- nutzte er die Gelegenheit, alle Wertsachen, die ihm zur Hand lagen, einzustecken und damit zu verschwinden. Die Diebstähle häuften sich bald, aber trotz eiftiger Fahndungen wollte es nicht gelingen, den Täter zu fasten. Durch Umfragen gelang eS endlich, eine genaue Personenbeschreibung zu bekommen, und dann auch zu ermitteln, wo der so beschnebene Mann gearbeitet hatte. Besonders erkannte man ihn daran, daß er eine OperationSnarbe an einem Ohr hatte und stets einen gelben Gummimantel trug. Gestern Wasen Kriminalbeamte den falschen Revisor in einer Gastwirtschaft, wo er gerade beim Frühstück saß, und nahmen ihn fest. Der Verhaftete bestritt erst, wurde aber durch sein eigenes RevisionSbuch überführt. In diesem hatte er sich nämlich überall bescheinigen lasten, daß er dagewesen sei. Diese Maßregel, durch die er die Leute sichergemacht hatte, verriet ihn jetzt. Als man ihm das Buch und die Eintragungen vorhielt, legte er ein Geständnis ab. Er gibt zu, besonders im Hansaviertel bis nach Charlottenburg hin täglich Diebstähle ausgeführt zu haben, weiß aber selbst nicht mehr. waS alles und wieviel er gestohlen hat Die Erkrankungen infolge Genusses von Margarine sind nach einer von unS dieser Tage beröffeittlichten Bekanntmachung deS Polizeipräsidenten auf die Margannemarken„Frischer Mohr und Luisa" zurückzuführen. Die Firma Mohr u. Co. erklärt diese Mit- teilung des Polizeipräsidenten nach der von ihr getroffenen Fest- stellung für unwahr. Verzweiflung über ei» unheilbares Leiben hat den 64 Jahre alten Zigarrenmacher Daniel Schallert aus der Schinidstraße 11 in den Tod getrieben. Der Mann litt fett zwei Jahren an Asthma, war seit dreiviertel Jahr arbeitsunfähig und hatte jetzt unter dem Einfluß der Witterung starke Schmerzen. Gestern morgen hörte ihn seine Frau, die im NebenzimmersiHief, schwer röcheln und fand ihn in seinem Blute schwimmen. Der Unglückliche hatte sich mit einem Rasiermesser den Hals durchgeschnitten. Einer Nachbarin schlug er das Tuch, das sie ihm um den Hals legen wollte, um das Blut zu stillen, aus der Hand. Bald darauf starb er unter den Händen eines Arztes. Ans der Spree gelandet wurde gestern vorimttag vor dem Haufe Schiffbauerdamm 15 die L-iche eines Mannes, dessen Per» sönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Der Ertrunkene mag etwa 30 bis 40 Jahre alt gewesen sein und trug Arbeiterklet- dung und schwarze Lederschuhe. Spuren äußerer Verletzungen wurden an der Leiche nicht gefunden. Der Unbekannte ist wahr- scheinlich jener Mann, der am vergangenen Mittwoch vor dem Nebengrundstück Nr. 14 in das Wasser sprang und ertrank, obwohl einige Schiffer gleich versuchten, ihn zu retten. Den Rettern blieb nur die dunkelgraue Lodenpelerine des Ertrinkenden in den Händen. Eine Tischlerei in Flammen. Gestern früh gegen 2 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Warschauer Straße 78 gerufen, wo eine Tischlerei in Flammen stand. Es brannten Holzvorräte, Späne, die Zwischendecke, der Fußboden des Erdgeschosses und der Fußboden im ersten Stock. Um eine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhüten, griff die Wehr sofort mit zwei Schlauchlciwn- gen ein. Nach einstündiger Löschtätigkeit-war jede Gefahr beseitigt. Ein zweiter größerer Brand beschäftigte die Webr in der M ü h le n- ftraße 72. Hier hätten Fässer in einem Schuppen Feuer ge- fangen.' Bei Ankunft der Löschzüge brannte auch schon das Dach des Schuppens und die Schaldecke und die Balkenlage eines ein- stöckigen Gebäudes. Die Ablöschung der Flammen nahm lange Zeit in Anspruch. In der Schi ck le r st ra he b hatte sich Ter- pentin, Spiritus und Salpetersäure entzündet. Vorort- j�admchteit. Die Arbeitslosenversicherung in Schöneberg. Die am Montag stattgefundene Sitzung der Stadtverordneten,________................ beschäftigte sich nochmals mit hex bereits vor 14 Togen beratene» I frgge in weite Ferne gerückt sei. Bürgermeister Arbeitslosen-Versicherungsvorlage. Der zur nochmaligen Durch- beratung der Vorlage eingefetzte Ausschuß erstattete zunächst Bericht und teilte mit, daß zum Teil wesentliche Veränderungen und Verbesserungen aufgenommen worden sind. Der Passus über die Karenzzeit lautet nun:„Auf die einjährige Frist ist diejenige Zeit anzurechnen, die unmittelbar vorher in einer anderen Ge- meinde Grotz-BerlinS ohne Unterbrechung zugebracht worden ist, falls diese Gemeinde in gleichartiger Weise Beihilfe zur Arbeits- losenversicherung gewährt und auch in gleicher Weise die Wohnzeit in anderen Gemeinden anrechnet." Im§ 3 wird gestrichen:„So- bald sich ergibt, daß der festgesetzte Betrag nicht ausreichen wird, tritt eine verhältnismäßige Kürzung des Zuschusses ein." Der erste Absatz im§ 4 wird geändert:„Der Zuschuß wird nur ge- währt, wenn die Arbeitslosigkeit unverschuldet entstanden ist. Er wird nicht gewährt, wenn die Arbeitslosigkeit durch Ausstände, Aussperrungen oder deren Folgen verursacht ist usw." Ebenfalls heißt eS im 8 5 statt„paffende Arbeit" nunmehr:„Arbeit, die dieser für passend anerkennt." Absatz 2 und 3 werden gestrichen und durch den Wortlaut ersetzt:„Eine Verpflichtung zur An«- nähme nachgewiesener Arbeit besteht nicht, wenn die Arbeit durch Ausstand oder Aussperrung frei geworden ist." Ebenso heißt es im§ 6, der von der Buchführung der Gewerkschaften spricht:„Die Einsicht in ihre Buchführung soweit zu gestatten, als es notwendig ist, um zu ermitteln, ob die Bestimmungen dieser Ordnung ein- gehalten sind." Im ß 8 wird verlangt, daß der Arbeitslose sich täglich auf dem städtischen Arbeitsnachweis mindestens einmal vorzustellen hat. Ferner wurde angenommen:„1. Die Stadt- verordnetenversammlung ersucht den Magistrat um eine Vorlage darüber, wie denjenigen Arbeitslosen, auf die die Ordnung der Stadtgemeinde Schöneberg über die Förderung der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit nicht Anwendung findet, eine Unterstützung gewährt werden kann. 2. Der Magistrat wird ersucht, zu den Sitzungen der Deputation für Nofftandsarbeiten und Arbeitslosen- Versicherung je einen Vertreter der Arbeiter im Kuratorium des Berliner Arbeitsnachweises, der Berliner Gewerkschaftskommission und des Gewerkvereins als Sachverständige mit beratender Stimme hinzuziehen." Genosse Bernstein sprach seine Genugtuung darüber aus, daß die Liberalen sich ebenfalls auf den Standpunkt der Magistrats- Vorlage gestellt haben. Daß die Versicherung nicht allgemein be- friedigt, sei verständlich, da nur ein Ort in Frage komme, aber eS müsse dafür gesorgt werden, daß die Versicherung auch in den anderen Gemeinden eingeführt werde, sonst sei es nur Stückarbeit. Die Unterstützung an die Sparer bringe große Bedenken mit sich. Die Vereinigung in Berufe sei eine Notwendigkeit für die Arbeiter geworden. Zeige es sich doch, daß überall da, wo Gewerkschaften bestehen, Streiks in bester Ordnung geführt werden und die so- genannten wilden Streiks völlig beseitigt sind. Die Unterstützung an die Sparer müsse beseitigt werden, damit dieselben sich eben- falls organisieren. Es wird daher beantragt, im§ 10 zu setzen hinter„können":„sofern für ihren Beruf keine Berufsvereinigung besteht, die Arbeitslosen» Unterstützung zahlt". Die Mehrheit der Versammlung sowie die Magistratsvertreter konnten sich mit diesem Vorschlag nicht befreunden; sie empfahlen diesen Antrag sowie eine Petition an das Reich, in der um die Genehmigung zum Erlaß eines Ortsstatuts zwecks Einführung einer obligatorischen Ar- beitslosenvcrsicherung für das Baugewerbe in Schöneberg ersucht wird. Eine Anregung des Genossen Molkenbuhr, auch die weiblichen Arbeiterinnen in die Unter« stützung einzubeziehen, wurde dem Magistrat zur Erwägung über- wiesen. Nunmehr wurde die Vorlage einstimmig angenommen. Die Ordnung tritt sofort in Kraft. Somit ist Schöneberg die erste Gemeinde in Grotz-Berlin, die in Anlehnung an das Genter und Straßburger System eine Arbeitslosenversicherung ein- geführt hat. »* Infolge der Nichtbestä�igung des Grafen von M a t u s ch k a in die Stadtschuldeputation hatten die Liberalen folgenden Antrag eingebracht: Der Magistrat wird ersucht, in einer Petition an beide Häuser des Landtags die gesetzliche Normierung des staatlichen Bestätigungsrechts zu fordern, mit der Maßgabe, daß die Bestäti- gung nur aus gesetzlich bestimmten Gründen und unter Angabe der Gründe versagt werden darf, und daß die Verfagung der Bestätigung im Verwaltungsstreitverfahren auf ihre Berechti- gung nachgeprüft werden kann. Stadtv. Starke(lib.) begründete eingehend den Antrag. Durch die Wiederwahl Matuschkas müsse der Regierung gezeigt werden, wie die Vertreter über die Selbstverwaltung denken. Die sozialdemokratische Fraktion unterbreitet der Versamm- lung folgenden Antrag: Der Magistrat wird ersucht, in einer Petition an beide Häuser des Landtags die gesetzliche Sicherstellung des Selbstver- «altungsrechts der Gemeinden in der Wahl ihrer Beamten und der Zusammensetzung ihrer Ausschüsse, Deputationen und Kom- mcsfianen zu fordern, mit der Maßgabe, daß den staatlichen Aufsichtsbehörden ein Einspruchsrecht nur in bezug auf die Wahl von Personen zusteht, denen nach ihrer Meinung die allgemein bürgerlichen Bedingungen selbständiger Verfügung abgehen, und daß diese Einwände im Verwaltungsstreitverfahren geltend zu machen sind. Genosse Bernstein hält eS für erfreulich, daß Matufchka nicht bestätigt ist, da die Liberalen sich sonst nicht soweit auf- gerafft hätten, einen derartigen Antrag einzubringen. Das Be- stätigungsrecht sei weiter nichts als ein Ausnahmegesetz, gerichtet gegen einzelne Personen und Parteien. Dieses Gesetz sei nur zur Unterdrückung der Willens- und Bewegungsfreiheit vorhanden. Die Regierung habe nicht zu bestätigen, sondern höchstens Einspruch zu erheben mit Angabe der Gründe. Der sozialdemokratische An- trag sei weitgehender und konsequenter, weshalb demselben zu- gestimmt werden sollte. Die bürgerlichen Vertreter besaßen jedoch nicht den Mut, für diesen Antrag zu stimmen; derselbe wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Der liberale Antrag gelangte alsdann einstimmig zur Annahme. Genosse D ä u m i g empfahl hierauf eine Nachbewilligung von 41000 M.. die die Armenverwaltung an das Krankenhaus für höhere Verpflegungssätze zu zahlen habe. Die Summe wurde bewilligt. Aus Anlaß der Neuvermessungsarbeiten im Südgelände rügte Genosse Küter das langsame Arbeiten deS Magistrats, der es zu verzögern scheine, damit das Gelände nicht rechtzeitig erschlossen werden könne. Den vorgebrachten Beschwerden soll abgeholfen werden. Aus den weiteren Verhandlungen ist zu erwähnen, daß die Liberalen beantragt hatten, die Verfügung, die das Wohnen der Schöneberger städtischen Beamten und Lehrer, sotoeit es Friedenau betraf, wieder aufzuheben. G o t t s ch a l k(lib.) betonte, daß, seitdem Friedenau ein neues Oberhaupt habe, die Eingemeindungs- la n ken- stein tncinlc, es liege keine besondere Veranlassung bor, der Ge- meinde Friedenau eine Ausnahmestellung zu gewähren. Auch würde jeder Antrag eines Beamten sorgfältig geprüft, bevor die Genehmigung erteilt wird. Jedenfalls sei der Magistrat nicht abgeneigt, eine Regelung mit den Gemeinden Grotz-Berlins herbei- zuführen. Nunmehr folgte der Bericht über Anstellung von zwei Schul- ärzten im Hauptamt. Einstimmig wurde beschlossen: Zum 1. April 1911 werden an Stelle der jetzt nebenamtlich beschäftigten sieben Schulärzte zwei Schulärzte im Hauptamte als höhere Be- amte, denen die Ausübung der Privatpraxis nicht gestattet ist, auf sechs Jahre mit einem Gehalt von 6009 M. angestellt. Den gegenwärtigen Schulärzten und Assistenten der Tuberkulose- und Säuglingsfürsorgestelle ist zu kündigen. Die Stellen sind öffent- lich auszuschreiben. Da der Provinzialschulrai die Ortszulagen für Rektoren, Lehrer, wissenschaftliche und technische Lehrerinnen in der von den städtischen Körperschaften beschlossenen Höhe genehmigt hat, kommt der Betrag, der sich auf 99 175 M. beläuft, schon jetzt zur Auszahlung. Ausgenommen sind die Rektoren und Zeichen- lehrerinnen, über deren Amtszulage noch nichts bekannt ist.— Bei der Position„Steuerrückzahlungen" wünschte Jatzow(Lib. Vereinig.), datz die Beträge für die H u n d e st e u e r erhöht werden mögen. Dieser Antrag wurde dem Etatsausschutz überwiesen.— Genehmigt wurden 500 M. für die innere Einrichtung eines Unterkunstsraumes für die Arbeiter der Stratzenreinigung im neuen Pumpwerk. Die Vorlage: Errichtung von Lehrstellen an den höheren Lehranstalten, wurde einem Ausschutz überwiesen, dem die Genossen Küter und Molkenbuhr angehören. Beschlossen wurde, daß von den drei Bürgerdeputierten für das höhere Schulwesen einer ein Direktor sein mutz, für die anderen beiden Stellen besteht eine Einschränkung nicht.— Der äffend lichen folgte eine geheime Sitzung. Au» ersten Feiertag veranstaltet der Schöneberger Männerchor (M. d. A.-S-B.) in den Neuen Rathaussälen, Meimngerstr. 8, ein Konzert nebst Gesang und Theater-Aufführungen. Billetts zum Preise von 30 Pf. sind bei den Mitgliedern sowie an der Kasse zu haben. Anfang abends ö Uhr. Am zweiten Feiertag findet der Zweite Volks U n t e r b a l t u n g s a b e n d in der Aula der Hohenzollern-Schule. Belziger- Ecke Eisenacher Strasse statt. Ihre Mitwirkung haben zu- gesagt: Herr Kommervirtuos Fn Espenhahn(Cello), Herr Rudolf Christiaus(Deklamation), Konzerlsängerin Frl. Charlotte Wolter und Herr Kampf(Harmonium). Anfang abends 6 Uhr. Eintriitskarten o 80 Pf. sind in der Spedition Martin-Luther-Str. 51 zu haben. Am dritten Feiertag, abends 7 Uhr, in deu Neuen RathauS sälen: Theateraufführnng„Der Aberglaube", dargestellt von Kindern. Eintritt 80 Pf. Billetts sind in der Spedition und bei den Bezirkssührern zu haben. Wilmersdorf-Halensee. Tcrrorismus und Sozialistenfurcht. Der Aerger über die Wahl zweier Sozialdemokraten ins Wilmersdorfer Stadtparlament hat die Reaktionäre anscheinend ver- leitet, eS einmal mit dem Schreckensregiment zu verfuchen. In ihrer hauptsächlichsten Organisation, dem Bezirksverein Alter Ort, sind nämlich dem„Wilm. Tageblatt" zufolge diejenigen Geschäfts- leute der Reihe nach mit Namen und Adresse verlesen worden, die bei den Stadtvecordnetenwahlen sozialdemo- k r a t i s ch gestimmt haben. Zu welchem Zweck dies geschehen ist, leuchtet ein. Bis vor wenigen Jahren terra- risierten die bürgerlichen Vereine die Saalbesitzer am Ort, damit sie der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften ihre Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stellen: nachdem dies nicht mehr geht, scheint man sich andere Objekte als Opfer erkoren zu haben. Und das erkühnt sich, über sozialdemokratischen Terror zu schelten I Aber noch andere Mahnahmen hat die Wahl der beiden Sozial- demokraten im Gefolge gehabt. Alles, was treu zur Reaktion hält, hat sich nämlich jetzt zu einer besonderen Stadtverordnetenfraktion, der„Freien bürgerlichen Vereinigung" zusammengetan. Bon den 48 Mitgliedern, die die Stadtverordnetenversammlung zählt, haben fich etliche dreissig der Fraktion angeschlossen, so dass in ihr die kompakte Mehrheit beisammen ist. Und dass die Herren nicht übel Lust haben, so rücksichtslos wie möglich von dieser Mehrheil Gebrauch zu machen, zeigt eine recht unvorsichtige Zuschrift, die der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Dr. Heinitz, der Direktor des MossestiftS, an die„Wilmersdorfer Zeitung" gesandt hat. Es ist darin die Rede davon, dass man„unfruchtbare Er- örterungen nichtstädlischer Angelegenheiten" und überhaupt alle Politik auS den Erörterungen der Stadtverordnetenversammlung unbedingt ausschalten und dass man ferner alle die An- schauungen auf kommunalem Gebiete aufrecht erhalten wolle. deren bewusste Besolgung im letzten Jahrzehnt den Auischwung der Gemeinde herbeigeführt" habe. In den„unpolitisch" genannten Bezirksverein(en. deren einer soeben die Rache für sozial- demokratische Stimmabgabe proklamiert hat, erblickt die neue Fraltion nach Herrn Dr. Heinitz aber gerade den Stützpunkt ihrer Be- strebungen. Nun sind die Verdienste der Stadtverordnetenversammlung um den Aufschwung von Wilmersdorf nicht über Gebühr hoch an- zuschlagen. Der starke Zuzug wohlhabender Personen ist Dank der Lage des Ortes eingetreten, und es hätte schon ganz beträchrliche Mühe gekostet, diesen Glückszufall durch törichte Massnahmen im Ratyause von sich abzuwenden. Sieht man näher hin, so ergibt sich, dass der Zweck der FraktionS- bildung in der Fortsetzung der in Wilmersdorf bisher beliebten Feindschaft gegen sozialpolitische Massnahmen und in der weiteren Niederhaltung der Arbeiterschaft, also in ganz ausser- ordentlich politischen Massnahmen besteht. Der stellvertretende Stadtverordneten-Vorsteher ist offenherzig genug, zu bekennen, dass„gemäss der Geschäftsordnung" Mittel zu der bisher gewohnten Abwickelung der Geschäfte gefunden werden sollen und dass der Eintritt der Sozialdemokratie/ der das schmeichelhafte Zeugnis gegeben wird, zielbewusst und b e- geistert zu sein, die Rückschrittler veranlasst, es auf Gewalt ankommen zu lassen. Die Sozialdemokratie wird vor diesem Kriegszustand nicht zurückschrecken._ Friedenau. Aus der Geineinbevertrrtnng. Zunächst stand ein Antrag der- schiedener Vereine zur Beratung, wonach die Erhöhung der Zahl der Gemeindevertreter von 18 auf die gesetzlich zulässige Höchst- zahl von 24 verlangt wird. Der Gemeindevorstand nahm den An- trag insofern auf, als er beantragte, die Erhöhung am 1. April 1912 eintreten zu lassen. Dagegen wandte sich ein Antrag unseres Genossen Richter, der die Erhöhung schon für April des nächsten Jahres vorsieht und ausserdem die Anstellung eines besoldeten Schöffen verlangt. Begründend führte unser Genosse aus, daß der Ge- meindevorstand nach dem Resultat der letzten Volkszählung un- bedingt verpflichtet gewesen wäre, die sofortige Erhöhung zu be- antragen. Im Jahre 1903 habe man die Zahl der Gemeinde- Vertreter auf 18 festgesetzt; die Einwohnerzahl hat sich seitdem verdoppelt. Auch mache sich die Anstellung eines besoldeten Schössen sofort notwendig, da die zurzeit stets wechselnden juristi» schen Hilfskräfte unmöglich so das Interesse der Gemeinde zu Wabren imstande sind, wie dies bei einem angestellten Schöffen der. Fall sei. Bemerkenswert ist, datz von den bürgerlichen Herren, trotzdem verschiedene Mitglieder der antragstellenden Vereine sind und sich in den Vereinsversammlungen auch für sofortige Er- höhung ausgesprochen haben, sich jetzt keiner zum Wort meldete. Ausser unserem Genossen ägsserte sich überhaupt niemand zu der Angelegenheit. Bei der Abstimmung gelangte denn auch der An- � trag des Gemeindeborstandes zur Annahme, Für den Antrag Richter stimmten außer unseren beiden Genossen die Bürgerlichen Schulz, Schölzel und Uhlenbrok. Die Desinfektion der Wohnungen soll vom 1. April 1911 an allgemein bei ansteckenden Krank- heiten usw. aus Kosten der Gemeinde ausgeführt werden. Zur Anlage von Rasenstreifen um die Kirche am Friedrich-Wilhelm- Platz wurden 980 M. verlangt mit der Begründung, datz die Kirche gegen Verunreinigung von außen geschützt werden müsse. Genosse Richter erklärte sich gegen die Bewilligung, da die Kirche, wie zeder Privatmann, die Kosten für Matzregeln zum Schutze seines Grundstücks selbst bezahlen könne. Den Unterhalt könne die Gemeinde, da es sich um einen Teil des Parkes handle, über- nehmen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. Der Magistrat der Stadt Schöneberg hat den Be- amten und Lehrern der Stadt das Wohnen außerhalb Schönebergs untersagt und er hat auch dahingehend auf den Gemeindevorstand von Friedenau einzuwirken gesucht. Es wurde beschlossen, von einer derartig rückständigen Maßnahme abzusehen. Die Arbeits- zeit der Gemeindegärtner und Hilfsarbeiter beträgt 9 Stunden bei einem Stundenlohn von 40— 50 Pf.; einige Gärtner werden mit 00 Pf. pro Stunde bezahlt. Nun hat der Gärtnereiausschutz infolge der kurzen Tage die Arbeitszeit auf 754 Stunden täglich herabgesetzt und natürlich auch den Lohn entsprechend gekürzt, so datz die Arbeiter mit 18 bis 20 M. pro Woche nach Hause gehen mutzten. Da bei der jetzigen Zusammensetzung der Gemeinde- Vertretung an eine Herabsetzung der Arbeitszeit bei Fortzahlung des alten Lohnsatzes als Wochenlohn doch nicht gedacht werden kann, befürworteten unsere Genossen den Antrag des Gemeinde- Vorstandes, welcher verlangt, datz die Arbeiter auch im Winter voll beschäftigt werden. Eine längere Diskussion entspann sich über die Anlage und Inbetriebnahme des neuen Gemeindefried- Hofes in Gütergotz. Die Angelegenheit wurde schließlich noch auf ein Jahr vertagt. Ein Antrag der Freien Turnerschaft Friedenau auf. Ueberlassung einer Turnhalle an zwei Abenden der Woche, wurde vom Schulkuratorium abgelehnt. Stralau. Die letzte Gemeinbevertretersitzung beschäftigte sich abermals mit der Festsetzung des Fremdenschulgeldes. Da in der Hauptsache Kinder in Frage kommen, deren Eltern(Tschechen) in der Jute- spinnerei beschäftigt sind, hatte der Gemeindevorstand, einer An- regung der Vertretersitzung folgend, Verhandlungen mit der Leitung oben genannter Firma gepflogen, dahingehend, datz diese zu den Kosten beitrage. Die Firma hat sich dazu bereit erklärt. An Schulgeld sollen erhoben werden: für nichteinheimische Kinder 5,00 M., für Schifferkinder 4,00 M. pro Monat. Für letztere ist, sofern die Kinder nur einige Wochen die Schule besuchen, wöchentlich 1,00 M. zu zahlen. Unser Vertreter betonte, daß der Satz von 5,00 M. zu hoch sei; es komme darauf an, wie ein der- artiger Beschlutz in der Praxis wirke; Arbeiter mit 13 bis 20 M. Wochenverdienst seien eben nicht in der Lage, das Schulgeld zu zahlen. Die Folge würde die Verdrängung der fremden Arbeiter aus dem Orte sein. Weiter forderte der Redner, das Schulgeld nur bis zu dem Zeitpunkt zu erheben, wo die in Frage kommenden Eltern rechtmäßig zur Steuer veranlagt und herangezogen werden. Beschlossen wurde mit 9 gegen 1 Stimme, die vom Gemeinde- vorstand vorgeschlagenen Satze fortlaufend zu erheben. Allem An- schein nach rechnen Gemeindevorstand und bürgerliche Vertreter so. datz infolge dieses Beschlusses die Arbeiter den Ort verlassen und dadurch die Errichtung der geplanten Sonderklasse für fremd- sprachige Kinder überflüssig werde; machte doch der Vorsteher die überraschende Mitteilung, der jetzige Zustand(gemeinschaftlicher Unterricht) solle einstweilen bestehen bleiben. Hiergegen wandte sich unser Vertreter ganz entschieden. Er forderte die Errichtung der Sonderklasse. Damit soll jedoch so lange gewartet werden, bis der Schulvorstand einen solchen Antrag stellt. Ferner wurde, einem früheren Antrage unseres Vertreters gemäß, beschlossen, auf dem Wiesengrundstuck an der Rohrfeldstratze einen öffentlichen Spielplatz zu errichten. Alt-Glienicke. In der letzten Gemeindevertreterfitznng wurde nach einem ein- gehenden Referate der Herren Rektoren Scheer und Goltze über die zu hohe Frequenz in den einzelnen Klassen, die Anstellung einerneuen Lehrkraft zum 1. April 1911 beschlossen. Ferner besckloh die Ver- tretung. die Umsatzsteuer beizubebalten sowie die Einfübrung einer Wertzuwachssteuer nach dem Muster von Treptow. Der Einspruch des Landwirtschaftlichen Vereins wegen Milbenutzung der Sand- und Lehmgruben wurde abgelehnt. Der Hergabe einer Weihnachts- Unterstützung für OrtSarme in Höhe von 250 M. wurde zugestimmt. Unter Verschiedenem gab der Vorsteber bekannt, dass die Wochen- karten der elektrischen Bahn jetzt jeden Wochentag entnommen werden können. Zum Schluß beleuchtete Genosse Ritze noch die Zustände in der hiesigen freiwilligen Feuerwehr. Weiftensee. Zu stürmischen AilScinandersetzungcn kam eS am Montag in der Gemeindevertretung bei Besprechung über die Anschaffung einer Feld bahn für das Rieselgut Birkholz. Nachdem die Vertretung hierfür ca. 8000 M. bewilligt und zugleich beschlossen hatte, mehrere Finnen zur Abgabe von Offerten aufzufordern, glaubte man. dass die Sache erledig! sei. In der kleinen Pause vor Eintritt in die geheime Sitzung wurde jedoch bekannt, dass die soeben bewilligte Feldbahn bereits seit geraumer Zeit schon in Birkholz in Tätigkeit ist. Ein Sturm der Entrüstung erhob fich, als sich die erst ausgesprochene Vermutung bestätigte. Herr Schöffe Severin hatte also wiederum über die Köpfe der Rieselfeld-Kommission als auch der Gemeindevertretung Gelder verwendet, die erst bewilligt werden mußten. Den gleichen Vorwurf mutzte er fich in der vergangenen Sitzung gefallen lassen, bei der Bewilligung von Mitteln zum Bau eines Gewächshauses auf dem Friedhofe. Zu einer Verteidigung führte er an, dass er das Interesse der Gemeinde wahrzunehmen glaubte, wenn er die unbedingt notwendige Feldbahn angeschafft habe, da die Bespannung in Birkholz uicht ausreiche, um die erzeugten Produkte frostfrei unterzubringen. Damit gab sich aber die Gmneindevertretung nicht zufrieden; es wurde ein Antrag eingebracht. Herrn Severin sein Dezernat abzunehmen. In Ab- Wesenheit des Schöffen wurde dann der Antrag mit 16 gegen 10 Stimmen angenommen. Oranienburg. Einen qualvollen Tod hat das dreijährige Töchterchen deS Kauf- manns Fitzner aus der Waldstrasse erlitten. Während der Abwesen« beit der Mutter machte sich die Kleine über ein Gefäß mit kochendem Waffer her. Der Kessel entglitt dabei ihren Händen und die siedende Flüssigkeit ergoß sich über das Kind, so datz eS schwere Brandwunden erlitt. Trotz sofortiger Anwendung von Gegenmitteln starb das Mädchen. NowaweS. Die SchulgesundheitSpflege ist in unserem Orte, wie aus dem Bericht der Schulärzte für das VerivaltungSjahr 1909/10 hervorgeht, noch recht mangelhast. Die Tätigkeit der Schulärzte Hecht und Crohn beschränkt sich auf die Besichtigung der neu aufgenommenen Kinder, Untersuchung der eingeschulten Mnder, Begutachtung und Beobachtung der Hilfsschüler, Besichtigung der Schulräume, Begut- achtung der Kinder, die ihnen von den Schulleitern zugeschickt werden, und Besuch von Schulkindern, die verdächtig sind, ohne Grund aus der Schule zu fehlen. Der Bericht des Herrn Dr. Hecht, dem die Gemeindeschulen 1 und 2 unterstellt sind, bekundet, dass bei der Schulanmeldung von 116 Mädchen 6, von 103 Knaben 7 zurückgestellt werden»nutzten und ein Knabe der Hilfsschule über- wiesen wurde. Die Untersuchung der Kinder der 7. Klasse auf Seh- und Hörvermögen ergab bei verschiedenen Schülern und Schülerinnen wesentliche Herabsetzung desselben, Ostern 1910 ' mutzte eine dritte Hilfsschulklasse eingerichtet werden. Die Ursache� der schwachen Begabung der in diese aufgenommenen Kinder waren in 4 Fällen schwere Augen- oder Ohvenletden oder beides, in 2 Fällen Stottern, in 1 Fall schwere englische Krankheit, in 2 Fällen Geisteskrankheit bezw. Epilepsie der Mitter, in 1 Fall Trunksucht des Vaters, in 4 Fällen schwache Begabung.(Zweimal befanden sich bereits Geschwister in der Hilfsschule.)— Herr Dr. Crohn, dem die Gemeindeschulen 3 und 4 unterstellt sind, teilt mit, datz vom ihm bei 230 zur Schule angemeldeten Kindern 29 zurückgestellt wurden. Bei den neuaufgenommenen Kindern hat die Seh- und Hörprüfung günstige Resultate ergeben. Für die Hilfsschule wurden 15 Kinder untersucht, die sich sämtlich als bildungsfähig erwiesen. Der Be- richterstatter erklärt, datz die Ursachen der Minderbegabung der Hilfsschüler in vielen Fällen in erblicher Belastung durch psycho- pathische Eltern liegen; auch der Alloholismus der Ellern bilde ein wichtiges Moment. Eine weitere Feststellung habe ergeben, datz von unseren Hilfsschulkindern der überw egende Teil in der ersten Lcbensperiode anstatt Muttermilch künstliche und unzweckmäßige Nahrung erhalten habe. Dies führe zur Rachitis, die mit der Ent- Wickelung des Schwachsinnes vielfach im Zusammenhang stehe. Datz letzteres der Fall, gehe aus den häufigen rachitischen Skelett- und Schädelveränderungen unserer Hilfsschüler hervor; die letzte Ursache der geistigen Minderwertigkeit sei in dem Milieu zu finden, in dem der grötzte Teil der Kinder aufwächst. Herr Dr. Crohn bewnt, datz mit der Feststellung der Ursache deS Schwachsinns und der Krankheiten dem Kinde nicht geholfen sei; eS müsse auch ärztlich behandelt werden. Die Gleichgültigkeit der Eltern, die über Körperpflege und Krankheit nicht die geringsten Vorkenntnisse besitzen und teilweise trotz aller Mahnungen nicht die einfachsten schriften über Sauberkeit befolgen, sei eine bedauerliche. Nottoenvtg seien ferner Matzne"-en zur Kräftigung der Körperbeschaffenh-�, die Einrichtung �n Schulbädern für die Hilfsschulkinder und die Entsendul" xr letzteren in Seebäder und ins Gebirge, zu welchein Zwecke die private und öffentliche Wohltätigkeit ihre Unterstützung leihen mögen.— Wenn wir auch in den Appell an die private Wohltätigkeit nicht einstimmen können, da diese neben anderen unerfreulichen Nebenerscheinungen eine unwürdige Abhängigkeit der Eltern und Kinder von den Wohltätern im Gefolge hat, wollen wir doch anerkennen, datz der Bericht wertvolle Fingerzeige gibt. wo der Hebel anzusetzen ist, um die Schulgesundheitspstege weiter auszubauen und in vernunftgeinätze Bahnen zu senken. Die nächste Etatberatung bietet eine geeignete Gelegenheit, dies« Frage einer eingehenden Erörterung zu unterziehen und Beschlüsse zu fassen, die den Forderungen der ärztlichen Wissenschaft gerecht werden. ES wäve dringend zu wünschen, datz die Gemeinde- Vertretung in weitgehendster Weise ihre Bereitwilligkeit hierzu zu erkennen gibt. Potsdam. Aus der Stadtverordnetenfitzung. DaS öffentliche Anschlag» Wesen, das meistbietend ausgeschrieben werden soll, macht den Stadtvätern Kopfschmerzen. Der bisherige Inhaber des Anschlag- Wesens hat ein Bittgesuch an den Magistrat und die Stadtverord- neten eingereicht, ihm daS Anschlagwesen weiter zu belassen. ES sei ihm nicht möglich, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, da er sicher überboten würde; das Geschäft werfe jedoch eine hohe Pachtsumme nicht ab. Vom Magistrat wurde darauf hingewiesen, datz recht ansehnliche Angebote von außerhalb gemacht seien und die Stadt eine solch« Einnahmequelle ohne Rücksicht auf irgendeine Person ausnutzen müsse. Schließlich wurde dieser Punkt in die geheime Sitzung verlegt.— Der Frauenverein hatte an den Magi, strat eine Eingabe betr. Einführung eines Krankenhausabonne- ments zweiter Klasse für alleinstehende Damen gerichtet. Die Gin- gäbe soll nach der Gesetzwerdung der Reichsversicherungsordnung eventuell berücksichtigt wenden.— 1000 M. wurden zur Bepflanzung der Alten und Neuen Luisenstratze mit Bäumen bewilligt. Eben» falls zur BePflanzung mit Ebereschen werden 650 M. für die SigiS- mundstratz« bewilligt. Dieselbe Vorlage war im Vorjahre abgelehnt worden.— Eine Straße von der Alten Luisenstratze bis zur Havel wollen die Herren Peters und Bürki anlegen. Der Stadt erwachsen hierdurch auch bei der Uebernahme keinerlei Kosten. Die Vorlage fand Annahme.— Wie alljährlich soll auch im kommenden Jahre der Geburtstag des Kaisers in standesgemäßer Weise gefeiert werden, wofür die Steuerzahler 100 M. aufbringen müssen. Bei einer Benzinexplosion im kaiserlichen Marstall hinter dem Neuen Palais wurden gestern nachmittag der Kutscher Hermann Boll und der Vorreiter Franz Bischoff erheblich verletzt. Boll und Bischoff waren in der Putzkammer des MarstallgebäudeS mit dem Reinigen von Kleidungs- und Uniformstücken beschäftigt, als sich die ausströmenden Gase des zum Waschen benützten Benzins an dem Ofen, der nicht ganz dicht geschloffen gewesen sein soll, ent- zündeten. Die Explosion war von einem starken Knall begleitet. B. und D. erlitten Brandwunden im Gesicht, an den Händen und den Armen und wurden im Wagen nach dem St.-Josephs-Kranken« Hause transportiert._ Slrdeitcr. Wandervereln„Berlin". Heute Mittwoch bei«Shltsch. Skalitzer Str. 22: Versammlung. Singegangene Druchrdmften. »Dokumente der Schande, Beweise sllr den Verrat der deutsch- nationalen Arbeiterpartei. Zusamminaestellt von Dr. JuliuS Deuts ch." Preis l2 Heller. Verlag: Wiener Volksbuchhandlung Jgna* Brand u. Co., Wien VI/I, Gumpendorser Str. 18. «SitternngSNderii-d» vom 20. Dezember 1910. morgen» 8 avr. Swtnemb, Hamburg Verlw KranlI.a« 7SS NW München jlSSEW SZ 1 Stttn 58 SO| 3 Regen 7S3WNW 7 bedeckt 758 W Wien 5 bedeckt 5 wolkig «bedeckt 767 WSW 4 Regen »ck ck» s". 1? «t-ttonev Havarando 75951 Petersburg 755 Still Sctlly 'U erbten «alt» 767 SA 763® 772 SSW I■ Wetterprognose für Mittwoch, den 21. Dezember 1910. Zunächst ausklarend, etwas kühler bei ziemlich lebhasten südwestlichen Winden; später neue Erwärmung, Trübung und leichte Regensälle. Berliner Wetterburea«. Wasserstau ns-Noivrtaitea der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. valserstimd M e m e l. Tllstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor » Kroffen , Frantiutt Warthe. Sckrimm , Landsberg Netz«, voroamm Elbe, Lettmerrtz , Dresden r varby , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel. Svandauft , Ratben ow') Spree, Svrembergft , veestow Weser, Münden , Rinden Rhein, MaximilianSau , Kaub Käln Neckar, Hellbron» Main, Wertheim Mosel, Trier am lett 19.12.jt8.t2. Oin om M 158 SS 124 118 176 15 64 514 270 375 187 250 822 +18 +9 0 0 +2 —9 .+6 +79 + 19 +32 —8 +15 +12 ')+ bedeutet Such»,- Fall.—•) Unterpegel.—•) Schollen. treffen. Credit-Haus Bellealliaiice" Bell«ftlllanee-Str. 100, I. Etafe. Waren m Möbel kulant. Beding' berliner Credit-Haus ' Kommandantenatr. 67."SC Mil-Eaus Uit Turmstraße S5, Ecke Waldstr. gewShrt Jedem b. spielend leichter An- u. Abzahlung mshrjährlgen Kredit auf Waren und Möbel. LtteterlÄS Auf Abzahlung gibt Wllh. Neumann. Pappelailee 8S Waren, Möbel, Garderobe. Walter, Carl,&rlsr £ Alkoholfreie Betränke� SinalcojBilzbrgase) Qen.-Vertret. 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Bad Ostend»k8.«- Ost-Bad, Pallisadenstr. 76. Bad Pankow, VVoIIankstr. 26. Passage- Bad ÄU,Ä' Prinzen-Bad, Prinzenstr. 43. Reform-Bad, Wiener Str. 65. Rcformbad Weißensee, Lehderatr. 104. Bßüier-Eafl Russ-rSm. Bad, Stephans tr. 40. Schiller-Bad sSÄ«. Schönhauser Bad, febonh. Allee 28. fiilffisin-B311■>•■■■•■ 1 8 et Sa I a Schleslsche Str. 31. Viktoria- Bad, RaBmelsb.Fr.-Albertstr.S. WUheImsbad,Seh8teei>tr. 181. 2782. f Bandapun, Gumtnlw. J it. Bauke,.Stralauer Str. 66. Lange, A. E., Bninnenatr. 167. Meyer, P., Ri., Berlineratr. 49—60. Pelzmaun, D., Neue Königstr. 30. Wende, Ä.,TÄ341 Max SchBnteld, O. Müggelstr. 3. 1 BcerdlB�-flnät!' SaramT� Berndt,W..FlUoieritr.7.Eckellenelit A. Butti, Zorndorfer Str. 23. MaiFUtllS FrankfurterlAllee 170 Galster, M-, Badstr. 62 63. Georg Heroldt.Oderbergerstr.SI, Htekel, Fr., Gr. Hamburgerst. 37 Koch, Entll.W eiüensee, König- Ch 78. E. Lüttober, Prlowut. 24, IV, 10830, Misch, 0. 17, Münehebergerstr. t. Moldt, Frltz, Rixd., Eeuterplatz. Gust. 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Hessen". Vcr- schiedene Berichte gä>en gar keine vergleichende Zahlen! Auffällig hoch ist die Zahl der entschädigten Unfälle im Verhältnis zur Zahl der gemeldeten Fälle. Ueber 50 Proz. der gemeldeten Ur�älle mußten bei vielen Bcrufsgcnossenschaften entschädigt werden, wäh- reno die gewerblichen"Berufsgenossenschaften meist nur bei 25 Proz. der gemeldeten Fälle die Rente zahlen.„Humanität" ist hier sicher nicht die Ursache, sondern die Schwere der Fälle an»ich und der Mangel eines geeigneten Heilverfahrens, welches akter die gewerblichen Berufsgcnossenschaften durch die Krankenkassan kostenlos genießen. Nun sind aber auch die landwirtschaftliche» Berufsgenossenschaften gesetzlich berechtigt, die Kosten des Heilver- fahrens schon vor Ablauf der ersten 13 Wochen des Unfalles zu ubernehmen und der Bericht„Hessen-Nassau" weist auf das Fehlen der Krankenversicherung für die Kleinbauern und Landwirte hin. Einleitend führt dieser Bericht u. a. an: „Tic Uebcrnahme des intensiven Heilverfahrens innerhalb der ersten 13 Wochen liegt gleichmäßig im Interesse der Berufs- aenossenschaft und der Versicherten und ist mit allen zur Ver- fügung stehenden Mitteln auch gegen etwaige Widerstände durch. zusetzen." Trotzdem hat diese Berufsgenossenschaft nur in 93 Fällen das Heilverfahren übernommen und 6398 M. hierfür verausgabt. .Unterfranken" berichtet:„Vor Ablauf der Wartezeit wurde ge- mätz Z 76c des Krankenversicherungsgcsetzes in keinem Falle(Vor- jähr in 2 Fällen) das Heilverfahren übernommen."«Ober- franken" renommiert sogar, daß dieser Frage«wiederum beson- vereS Augenmerk zugewendet" worden sei und hat für 19 Fälle ganze 1996 M. verausgabt. »Reutz jüngere Linie" hat den Mut zu schreiben: „Von dem Rechte, das Heilverfahren während der Karenzzeit Nach 8 76c des Krankenversicherungsgesetzes zu übernehmen, konnte nicht Gebrauch gemacht werden, da den Verletzten hinreichende Für- sorge zuteil wurde. Dagegen wurde einem Betriebsunternehmer und einer Ehefrau zu den vor Ablauf der 14. Woche� entstandenen Keilkosten ein Betrag von zusammen 66,79 M. gewährt." „Baden" habe bei 7921 gemeldeten Unfällen ganze 28 M. für diese Zwecke übrig;„Hamburg" die stolze Summe von 49 M.; „Oberbahern" hatte auch nur in 5 Fällen das Heilverfahren über- nommen und erklärt:„Der Erfolg war im allgemeinen ein guter!" «Mittelfranken" schämt sich nicht zu schreiben: „In einem Falle wurde das Heilverfahren schon während der Wartezeit übernommen und ein günstiger Heilerfolg erzielt. Die hierauf erwachsenen Kosten betragen 42 M. Unter großem Wortschwall erwähnt der Bericht für„Nieder- bayern", daß ganze 5 Fälle übernommen wurden und hierfür 692 Mark verausgabt worden seien. „Mecklenburg-Schwertn" entschuldigt sich sogar noch bei seinen Rittern, daß in 7 Fällen die Kosten des Heilverfahrens getragen wurden wie folgt: „Aufwendungen auch für solche Fälle lassen sich nicht vermeiden, wenn man nicht, um der vorherigen Feststellung der Entschädigungspflichtigkeit des Unfalles willen, die bei der oft großen Schwerfälligkeit des Untersuchungsverfahrens sich meist in die Länge ziehen wird, den richtigen Zeitpunkt zum Eingreifen mit einem den Umständen besonders angemessenen Heilverfahren ver- säumen will." „Oldenburg" war auch sehr�sparsam und verausgabte hierfür 69,89 M., dagegen hatte wieder„Schaumburg-Lippe" keinen Pfennig dafür übrig!„Ostpreußen" geht etwas weiter und führt hierzu aus: „Die Berufsgenossenschaft tritt innerhalb der ersten 13 Wochen nur ergänzend ein, indem sie die Kosten der Heilbehandlung für mittellose Betriebsunternehmer und Betriebsbeamte übernimmt und für landwirtschaftliche Arbeiter dann sorgt, wenn dieselben in auswärtige Krankenhäuser überführt werben müssen. In dieser Weise sind im Berichtsjahre Kosten der Heilbehandlung in L76 Fällen übernommen." Die Berufsgenossenschast«Königreich Sachsen" hatte bei 7189 Unfällen ganze 6 Fälle in Vorbehandlung übernommen und 668 M. hierfür verausgabt. Von den 4 landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schärften Württembergs haben 2 Berufsgenossenschaften, und zwar der„Jagstkreis" und«Donaukreis" keinen Pfennig für das Heil- verfahren innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls verausgabt. Nur der„Neckarkreis" verausgabte hierfür die Summe von 1466 Mark, der„Schwarzwaldkreis" 177 M. Der Bericht für„Posen" klagt: «In dieser Hinsicht ist zunächst aber nur wenig erreicht worden, da die Unfallanzeigen häufig zu spät eintreffen, d. h. erst 1, 2, 3 Wochen nach dem Unfall. Bei Augenverletzungen, die schon länger als 8 Tage alt sind, kann auch die beste spezialistische Behandlung einen sicheren Erfolg nicht mehr gewährleisten. Knochenbrüche, die älter als 2—3 Wochen sind, können dur Krankenhausbehandlung in ibrer Heilung nicht mehr wesentli« beeinflußt werden. Hier ist dann nur noch durch eine energische mediko-mechanische Nachbehandlung fördernd einzuwirken. Aber auch diese Behandlung darf nicht zu spät einsetzen, wenn sie erfolg- reich und nicht zu langwierig sein soll." „Schwaben-Neuburg" hatte ganze 5 Fälle in der Wartezeit übernommen. Im Bericht„Oberfranken" finden wir noch folgende treffende Bemerkung: „Sehr häufig bestand wieder Veranlassung, auf Grund der eingekommenen Unfallanzeigen dahin zu wirken, daß wegen Unfall- Verletzungen ein Arzt beigezogen werde. Durch Vernachlässigung des Heilverfahrens innerhalb der Wartezeit wird nicht nur die Berufsgenossenschaft geschädigt, welche gewöhnlich eine höhere Rente zu zahlen hat, sondern auch der Verletzte selbst. Die Unsallrcnte ist kein voller Ersatz für entgangene Arbeitsfähigkeit— beträgt doch die Vollrente nur zwei Drittel des Jahrcsarbeitsverdienstes. Außer- dem wird es dem durch Unfall geschädigten landwirtschaftlichen Ar- beiter oft nicht leicht, die noch vorhandene Arbeitskraft zweckent- sprechend auszunützen. Es ist darum tief zu beklagen, wenn aus Gleichgültigkeit oder unangebrachter Sparsamkeit kein Arzt bei- gezogen sondern zugewartet wird, bis die Entschädigungspflicht der Berufsgenossenschaft beginnt und nicht mehr viel zu retten ist." Gegen die Gewährung von Renten an Kinder spricht sich der Bericht für«Mecklenburg-Schwerin" wie folgt aus: „Es ist erwünscht, im Gesetz(bei§ 1992 Ziffer 1 Rcichsver- sicherungsordnung) auszusprechen, daß Kinder unter 7 Jahren überhaupt nicht als Arbeiter im Sinne der Unfallversicherung an- zusehen sind. Erleiden Kinder, die das 7. Lebensjahr vollendet haben, einen Betriebsunfall, so ist dieser Entschädigungsanspruch nur dem Grunde nach festzustellen. Die Rentenzahlung muß jedoch bis zum vollendeten 14. Lebensjahr ausgesetzt bleiben. Erst als- dann ist nach dem Maße der von dem Unfall herrührenden Er- werbssähigkeitsbeschränkung die Rente festzusetzen oder endgültig zu versagen. Ist das nicht zu erreichen, so ist wenigstens eine verschiedene ?lbstufung des Jahrcsarbeitsverdienstes und damit der Unsallrentc für jugendliche Verletzte bis zum vollendeten 14. und bis zum voll- endeten 16. Lebensjahre in das Gesetz aufzunehmen." Doch damit nicht genug! Auch wünschen die braven Mecklen- burger, daß ein Unfall, welcher„durch bewußt verbotswidriges Handeln herbeigeführt" worden sei, nicht entschädigt werden sollte! „Dem bewußt verbotswidrigen Handeln soll es gleich stehen, wenn der Verletzte das Bestehen des Verbotes hätte kennen müssen". Amtlicher Marktbericht der jtädtilchen Marktballen.Dtrektwn über den Grohbandel in den Zenwal-Marktballen. iviarkilage: Fleisch: Zusuhr genügend, Geschäst sehr ruhig. Preise unverändert. Wild: Zu- sudr genügend, Geschäst etwas lebhafter, Preise fast unverändert. s l ü g e l: Zusuhr genügend. Geschäst etwas belebter, Preise anziehend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft etwas belebter, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst rubig, Preise unverändert. Ge- müse, Obü und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst flau, Preise fast unverändert. wtvnnu«« W eihtiachts-Tage Billige Angebote für Fest- Geschenke! «o. 1 Herren-Anzüge 97_**>• 9 Schlafröcke**********"f 9 cA Effekten, in grau, braun, oKve... Mk.•• mit verschied ene« Besitzen,,,. Mk. X No.10 Schlafröcke kern io«rVeloanftoff 91 mit ngewebtem Fnttor...... Mk. Äf X» N0.11 MorgenjoppenflW»«rVeioim."1 9 ttoff mit Tochbesaji Mk. X Jmf* N0.12 Morgenjoppen prta««veioor-"1 Q ttoff.»it Venchnfinmga».,,,, Mk. 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