Nr. 299. RbonncmentS'ßedingungen: IlionnementS- Preis pränumerando: Bicrlelmhrl. 3�0 SD!f, montUI. 1.10 OT, WSchenINch 2» Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. »ummcr mit illuflrierter Sonntags- Beitage»Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Sibonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunoS- PreiSIifte. Unter Kreuzbond für Teutichland und Oeflerreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Austand 8 Marl pro Monat. Postabonnements nepmen an: Belgien, Dänemarl, Liollond, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crfdfdnt»glich außer tnontaa«. Verlinev Volksblellk. 37. Jahrg. Die TnicrtionS'Gcbdijf tchägt für die sechsgefpaltene Koloiiel- zcile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaslliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigcn 30 Pfg. „Uilewe ZZnreigen", das erste sfell- gcdruille) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen da- erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Berlin" Zcntralorgan der lozialdemohratifchen parte» Deutfchlands. Redaktion: 831. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3. Donnerstag, den 22. Dezember 1910. Expedition: 831. 68, Lindcnetraase 69» CHm** IV c»f lOttJ.. Die Arbeiterpartei und die Aahien. Aus London wird uns geschrieben: Die Arbeiterpartei wird um drei Vertreter gestärkt mit 43 Mann in das neue Parlament einziehen. Von den Kau- didaten, die unter dem Namen Sozialist oder Sozialdemokrat in den Kamps zogen, ist kein einziger gewählt worden. Auch ist es keinem einzigen Kandidaten der Arbeiterpartei, der einen sogenannten dreieckigen Kamps zu bestehen hatte, d. h., der sowohl einem konservativen wie liberalen Kandidaten gegen- überstand, gelungen, den Sieg davonzutragen. Der Wahlkampf hat wieder einmal klar bewiesen, daß ein Arbeiterkandidat, dem die Liberalen keine Hilfe angedeihen lassen, wenig Aussicht aus Erfolg hat. Nur in einem Wahl- kreise(Wcst-Fifechire, Schottland) siegte der Kandidat der Arbeiterpartei A d a m s 0 n über den Liberalen. In allen übrigen Wahlkreisen, wo ein Arbeiterparteiler gewählt wurde, gewann dieser entweder mit Hilfe der liberalen Stimmen oder sin den Wahlkreisen, die zwei Vertreter ins Parlament ent- senden) als zweiter neben dem Liberalen. Es ist also un- gewiß, ob die Arbeiterpartei imstande sein würde, eine größere Anzahl Vertrete�aus eigener Kraft in die Volksvertretung zu schicken. Von den 25 Arbeiterparteilern, die im Anfang des Jahres einen dreieckigen Wahlkampf zu bestehen hatten, ge- wann auch nicht einer; nicht besser ist es dieses Mal, wie schon erwähnt, den acht Kandidaten ergangen. die unter gleichen Verhältnissen zu kämpfen hatten. Das sind wichtige Punkte, die man im Auge behalten muß. Mag nun die Wahlpolitik der britischen Arbeiterpartei in Anbetracht der eigentümlichen Verhältnisse des Landes richtig oder unrichtig sein, jedenfalls steht fest, daß eine Partei, die in großem Maße von Stimmungen der liberalen Wähler abhängt, nicht die gleiche Selbständigkeit beanspruchen kann wie die proletarischen Parteien anderer Länder, die übrigens auch noch ein festes Programm von allen bürgerlichen Parteien trennt. Das erste auffällige Erscheinen der Arbeiterpartei im Unterhause erweckte bekanntlich in erstaunlicher Weise das sozialpolitische Gewissen der Liberalen. Denn die englische liberale Partei ist ihrer Zusammensetzung nach nicht klein- bürgerlich, wie man auf dem Kontinent häufig an- nimmt: die gewaltige Mehrheit ihrer Wähler gehört vielmehr der Arbeiterschaft, und zwar der besser gestellten Arbeiterschaft an, der Klasse, an die die Arbeiterpartei zunächst appelliert. Einige Liberale glaubten in dieser Schwenkung nach links ein Zeichen der Wiedergeburt des Liberalismus zu erblicken. Andere aber waren sehr erbost über den sozialpolitischen Wolf, der in die liberale Schafhürde ein- zufallen drohte. So hielt noch vor drei Jahren der jetzige Haupteinpeitscher der liberalen Partei eine wütende Rede gegen den Sozialismus. Die klügeren Führer der Liberalen gewannen jedoch bald die Oberhand. Den Strom, den man nicht aufhalten konnte, vermochte man einzudämmen. Man untergrub im geheimen die finanzielle Grundlage der Arbeiter- Partei und enthielt sich jedes offenen Angriffs. Heute sind wir so weit, daß kein führender Vertreter des Liberalismus ein sozialistisches Mitglied der Arbeiterpartei, geschweige denn einen sonstigen Arbeiterparteiler angreift. Einige liberale Blätter rechnen die Arbeiterpartei einfach als Teil der liberalen Partei und betrachten sie als eine liberale Abart, als einen Partei- flügel, der etwas weiter gehen will als das Gros der Armee; Keir Hardie und andere, die den liberalen Kapitalismus nicht minder als den konservativen bekämpfen wollen, sind in ihren Augen nur die entant« terribles der Bewegung. Gegen eine derartige hinterlistige Freundschaft ist der Kampf natür- lich ungeheuer schwer. Ueber ein Viertel der Arbeiterparteiler sind in sogenmmten „doublo momber coostitusnoies"(Wahlkreisen mit doppelter Vertretung) gewählt. Der Arbeiterkandidat kandidiert dort mit einem Liberalen gegen ein oder zwei Konservative. Die Wähler des liberalen Kandidaten stimmen auch für den Kandi- daten der Arbeiterpartei und umgekehrt. Sie stimmen, wie bei dieser Wahl, einmal für einen Kandidaten, der die Abschaffung des Oberhauses fordert, und ein andermal für einen Kandidaten, dem es nicht im Traume einfällt, die Zweite Kammer abzuschaffen, der dort für seine Partei nur ein Plätzchen an der Sonne erstrebt. Die Gegensätze zwischen Arbeiterpartei und Liberalis- mus können in diesen Wahlkreisen schwerlich zum Durchbruch kommen. Gewöhnlich herrscht daher in den Wahlkreisen mit doppelter Vertretung holde Eintracht zwischen den Liberalen und der Arbeiterpartei. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. So hat es sich K e i r H a r d i e, der mit einem Liberalen einen derartigen Wahlkreis vertritt, nicht nehmen lassen, der liberalen Regierung tüchtig das Fell zu waschen. Von seinem Wahlkreis(Merthyr Thdvil) kann man sagen, daß dort der Arbeiterparteiler den Liberalen, der sich merkwürdig weit nach links entwickelt hat, am Zanme hat. Im allgemeinen aber muß man feststellen, daß dieses Zusammengehen des Arbciterparteilers mit dem Liberalen der EntWickelung der Arbeiterpartei zu völliger Selbständigkeit keineswegs fördcr- lich ist. Die Lösung des Problems, die Arbeiterschaft Groß- britanniens zu einer großen sozialistischen Partei zusammen- zuschmieden, wird bedingt von der Lösung der Aufgabe, das organisierte Proletariat der liberalen Partei abspenstig zu machen. Mit welcher Zähigkeit der englische Arbeiter am Liberalismus festhält, davon können sich nur wenige ein richtiges Bild machen. Selbst in den Reihen der Sozial- demokratie finden sich noch Leute, die daran glauben, daß die Liberalen ernstlich daran denken, ihre so reichlichen Versprechungen einzulösen. Immer und immer wieder haben es die Liberalen verstanden, die Arbeiterschaft zu ködern und die Schuld an ihren Unterlassungs- fänden den Lords oder jemand anderem aufzubürden. Man sollte meinen, daß eine Partei, die noch heute ihre Cobden und Bright, also Personen, die sich der konservativen Arbeiterschutzgesetzgebung grimmig widersetzten, als Heroen feiert, wenig Anziehungskraft auf die Geniüter der Arbeiter ausüben könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Die große Masse der englischen Arbeiter ist willens, im liberalen Orchester die Musik zu machen, während die Schokoladen- und Jam- fabrikanten, die Reeder und Baumwollspinner, kurzum alle Kapitalisten, die an dem Bestehen des Freihandelssystems ein Interesse haben, den Taktstock schwingen. Die liberale Grund- stimmung der Arbeitermassen kommt recht deutlich in den so- genannten dreieckigen Wahlkämpfen zum Ausdruck, wo ein Liberaler, ein Konservativer und ein unabhängiger klaffen- bewußter Arbeiter um ein Mandat ringen. Die Liberalen lassen dann nichts unversucht, um die etwa noch schwankenden Arbeiter von der Aussichtslosigkeit der Wahl des Arbeitcrvertreters zu überzeugen, und das Resultat ist in acht Fällen von zehn, daß der Liberale geivählt wird. Als gutes Beispiel kann der Wahlkreis Mid-Lauark angeführt werden. Bon den 18(XX) stimmberechtigten gehören dort 14(XX) der Arbeiterklasse an. Schon dreimal hat sich der als ausgesprochener Sozialist und tüchtiger Gewerkschaftsführer bekannte Vizepräsident der Berg- arbciterfödcration Robert Smillie um das Mandat in einem dreieckigen Wahlkampf beworben. Stets ist er von einem Liberalen, dessen Ruf als Freund der Arbeiteiterklasse keinesivcigs zutrifft, besiegt worden. Genau so ist es den sozialistischen Bergarbeiterführern in Wales, Stanton und Hartshorn ergangen. Die liberalen Bergarbeiterführer hingegen, die nur der Form nach der Arbeiterpartei angehören, sonst aber innerlich und äußerlich zur liberalen Partei zählen, werden mit ungeheuren Mehrheiten geivählt. Allerdings stellt diesen die liberale Partei auch keinen Gegenkandidaten gegen- über. Dafür macht sie ihnen aber die Hölle durch beständiges Drohen mit einem Gegenkandidaten so heiß, daß diese Ar- beitervertreter wenig Lust verspüren, im gegebenen Falle gegen die liberale Regierung Front zu machen. Was den Liberalen in erster Linie ihre Macht über die Gemüter der Arbeiter verschafft, ist ihre Presse und das Fehlen einer Arbeiterpresse. Die kühle Ver- standespolitik, die dem Bürgertum von der„Wcstminster Gazette" und ähnlichen Blättern auseinandergesetzt wird, erscheint in den volkstümlichen linksliberalen Presse in strahlendem, demo- kratischen Gewände. Mit den Worten nimmt man es nicht sehr genau, und sollte die Masse der Arbeiter durch die Lektion zur irrigen Ueberzeugung gelangen, daß die Liberalen beabsichtigten, das verhaßte Haus der Lords abzuschaffen, um so besser I Hat man einen liberalen Minister bei einem Verrat ertappt, flugs lenkt man die Aufmerksamkeit der Ar- beiter auf einen anderen interessanten Gegenstand. Das tägliche geistige Brot der britischen Arbeiters ist liberales Brot oder auch konservatives Brot. Man braucht sich schließlich nicht zu wundern, wenn der in der bürgerlichen Gedanken- weit erzogene Arbeiter am Wahltage auch bürgerlich wählt. Auch versuchen die Liberalen mit allen Mitteln, das Aufkommen einer rivalisierenden Arbeiterpresse zu verhindern. Mit größter Bereitivilligkeit stellen die liberelen Blätter Arbeiterführern ihre Spalten zur Verfügung; eine Reihe Gewerkschaftsführer sind meines Wissens ständige Mitarbeiter von liberalen Blättern. Die Frage der Gründung einer selbständigen Tagespresse, die den Erfahrungen gemäß nur einen ausgesprochenen sozia- listischen Charakter haben könnte, drängt immer heftiger nach Lösung. Vielleicht wird uns das kommende Jahr eine sozia- listische Tageszeitung bescheren. Ohne dieses Erziehungsmittel ivird es wohl schiverlich gelingen, die Arbeitermassen Groß- britanniens zum Klassenbeivußtsein und damit zur politischen Klarheit und Selbständigkeit zu bringen. Der ratende IRoloch. Bei den bekannten Qualitäten der NeichstagSmajorität ist eS selbstverständlich, daß die neue Militärvorloge mit Hurra angenommen wird. Es ist also jetzt schon sicher, daß die aktive dentslbe Armee am 1. April 1915 eine Präsenzstärke von 515 321 Gemeinen und Gefreiten aufweisen wird. Sie wird dann bestehen aus 634 Bataillonen Infanterie, 510 Eskadrons Kavallerie. 691 Batterien Artillerie, 48 Bataillonen Fußartillerie. 29 Bataillonen Pioniere, 23 Bataillonen Train, 17 Bataillonen VerkehStruppen. Ein kurzer Rückblick ist hier sehr angebracht. Das ReichSgesetz, das die Präsenzstärke des deutschen Heeres zum erstenmal regelte, war das Reichsmilitärgesetz vom 2. Mai 1874. Es setzte für die Zeit vom 1. Januar 1875 bis 31. Dezember 1831 die Präsenzstärke des Heeres auf 491 659 Mann fest. An Truppen- ableilungen wurden vorgesehen: 469 Bataillone Infanterie, 465 EskadronS Kavallerie, 366 Batterien Fcldartillcrie, 29 Bataillone Fußartillerie, je 18 Bataillone Pioniere und Train. Am t. April 1915 wird die Sache nun wie folgt stehen: Inner« haV 40 Jahren wurde die Präsenzstärke um 113 662 Mann vermehrt. Somit kommt durchschnittlich auf jedes Jahr eine Erhöhung von 2841 Mann. Neu errichtet wurden in diesen 46 Jahren allein für die aktive Armee 165 Bataillone Infanterie, 45 Eskadrons, 292 Batterien, 19 Fußartillericbataillone, 5 Train- bataillone und 17 Vcrkehrsdataillone. Die Vermehrung an Bataillonen beträgt somit im ganzen 217. Dazu kommen noch die erwähnten 292 Batterien und 45 Eskadrons. Und das allein bei der aktiven Armee I Da die Kosten für die Raserei de» Molochs in erster Linie dem Proletariat aufgebürdet wurden, ist es nicht wunderlich, daß im Deutschen Reiche, das immer mit seiner sozialen Fürsorge protzt, der Arme keinen Bissen zum Munde führen kann, an dem nicht der Moloch heimlich mitfrißt, daß dieses Ungeheuer Brot, Fleisch, Bier, Kaffee, Tee, Tabak, ja selbst daS Licht und die Zündhölzer verteuert, Die Besitzenden aber haben den Daumen- auf den Beutel gehalten, als sie eine relativ kleine Summe von ihren mühelos erworbenen Erbschaften ablassen sollten, die nämlichen Besitzenden, denen die Armee haufenweise Geld in der Form von Stellen und Lieferungen in die Tasche steckt. Und weil sie jetzt Angst haben vor der Ab- rechnung bei den Wahlen, putzen sie den alten Wauwau„Revolution" neu auf._ Der Aufputz der IPolitilt. Die„Hamburger Nachrichten", die früher, als sie noch an- nahmen, Herr v. Bethmann Hollweg könnte sich einfalle» laffen, gemäßigt liberale Bahnen einzuschlagen, den kuriosen ProtagoraS von Hohenfinow, der in seiner eigenen Unzulänglichkeit das Maß aller Dinge findet, oft äußerst scharf kritisierten, haben neuerdings, nämlich seit der Kanzler in seiner Etatsrede Strasbestimmungcti gegen den„Umsturz" ankündigte, ihre Ansichten über die staats- männische Befähigung des Herrn V. Bethmann wesentlich geändert. Der„philosophische" Kanzler gilt heute dem Blatt der Hamburger Importeure als ein recht gewandter Staatsmann, dem „Tüchtigkeit, Gediegenheit und tiefcindringende Kenntnisse" nicht ab- gesprochen werden könnten— nur einen Fehler hätte Herr v. Beth- mann Hollweg: er wäre zu schlicht und einfach, d. h. er verstüude zu wenig von � dem„blendenden Aufputz" der Politik. Der fünfte Reichskanzler müsse lernen, mehr zu„klappern", Schlagworte zu er- finden, zu schauspielern und„suggestiv" zu wirken, mit anderen Worten kräftig Schaum zu schlagen. Wörtlich heißt eS in dem Artikel: Ein Staatsmann hat nicht nur mit sachlich urteilenden, kühl überlegenden Beurteilern zu rechnen. Die Phrase, das Schlag- wort hat einen größeren Herrschaftsbereich als je. Auf die Ursachen wollen wir hier nicht eingehen, nur einige davon andeuten: die zunehmende Demokratisierung aller sozialen Verhältnisse, die durch die Hetzjagd im EriverbSleben begünstigte Oberflächlichkeit, die zunehtnende Spezialisierung des Wissens, das Ueber- handnehmen einer Halbbildung imd des erfahrungsgemäß immer damit verbundenen Bildungsdünkels. Was soll ein führender Staatsmann tun, um gegen solche Einflüsse in der öffentlichen Mei- nung ein Gegengewicht zu schaffen? Soll er sich in den reinen Liether der Sachlichkeit zurückziehen, mit der Wirkung, daß gegen die Uebelstände tatsächlich nichts geschieht und ihn nur die in politischen Dingen wirklich Erprobten und Gebildeten verstehen? Oder soll er nicht vielmehr versuchen, die gesunden Instinkte wachzurufen, die in allen Kreisen und Schichten des Volkes schlummern?... Der moderne Staatsmann muß ein Kenner der Volksseele sein, und das nicht nur theoretisch; er muß sie auch zu wecken ver- stehen. Fürst Bismarck war trotz strengster Sachlichkeit in dieser Kunst der unerreichte Mei st er. und auch Fürst Bülow hat sie ausgezeichnet verstanden. Sie besteht in einer suggestiven Kraft, die von dem Staatsmanne ausgeht und, ohne daß die kalte Klarheit des politischen Denkens und Wollens darunter leidet, doch gewisse Saiten in dem Gemüt und der Phantasie des Volkes anklingen läßt. Mag man das nun„Aufputz" scbelten oder anders nennen, eS ist nun einmal notwendig.... Wie in mancher scheinbar banalen Weisheit von der Gasse liegt eine nicht zu unterschätzende Wahrheit auch in der allen Redensart, daß„Klappern zum Hand- werk gehört", auch zum Handwerk des Staats- mannes. Wir haben zeitweise nach außen etwas zuviel ge- klappert, und nicht immer an der richtigen Stelle. Aber im Innern könnte jetzt etwas mehr wahrhaftig nicht schaden. Es könnte scheinen, als wollten die„Hamb. Nachr." den Philo- sophen von Hohenfinow verspotten; aber das Blatt meinte es tat« sächlich ernst. Es befürwortet in seiner Geringschätzung und Ver- achtung der„Halbbildung" des breiten bürgerlichen Mittelstandes wirklich eine dekorative Politik der Suggestion, des Phrascnschwalls und der Aufpeitschung der sogenannten gesunden Instinkte— natürlich des„nationalen" reaktionären Phrascnschwalls, wie eS ihn täglich selbst in heißem Bemühen cn gros fabriziert. In einem Dunstiiebel hypernationaler Phrasen soll das klare Bewußtsein erstickt werden— um so besser läßt sich die egoistische� Profitpolitik der Großagrarier und der Kapitalmagnaten durchführen. Die Siterreichische kegierungskriie. Aus Wien wird uns geschrieben: Das Parlament hat die nötigen Provisorien beschlossen— zu den üblichen ist diesmal noch eim sechswöchiges in der Banksache gekommen— und ist in die Ferien gegangen; wenn es wieder kommt, wird es das neue Kabinett vorfinden. Der Rückgang des österreichischen Parlamentarismus drückt sich darin drastisch aus: das Parlament ivird entfernt, wenn die Bildung der neuen Regierung vor sich gehen soll. Dabei wäre es nicht einmal richtig, daß an dieser Reduzierung des Parlaments etwa die Krone die Schuld trüge oder daß es ihre Absicht wäre, daß der Wille des Parla. mentS bei bor Aussucho beS neuen Ministeriums aus- geschaltet werde. Im Gegenteil, die Krone würde gegen eine parlamentarische Regierung keinen Einspruch erheben, Dielleicht sie den unsruchtbaren Beamtenministerien vorziehen, schon deshalb, weil sie an das parlamentarische Regime, und zwar der strengsten Observanz, in Ungarn ohnedies gewohnt ist. Aber auch darum, weil sich der Halbabsolutismus der Be- amtenrcgierungen auf die Dauer als zur zulänglichen Führung der Staatsgeschäfte untauglich erweist. Wenn man das Haus des allgemeinen Wahlrechts nicht fragen>vird, wer in Oester- reich regieren soll, so eigentlich nur deshalb, weil es die Ant- wort schuldig bleiben müßte. Es fehlt nämlich an einer Majorität, denn die bisherige, die ja ihr ganzes Leben lang recht prekär lvar, ist infolge der polnischen Revolte aktionsunfähig ge- worden. Eine Majorität, wie sie anderswo besteht und ent- steht— übrigens überall, wie auch das englische Exempel beweist, unter sehr erschwerten Verhältnissen— kann Oester- reich, der Staat mit acht Nationen, von denen keiner für sich. geschweige denn in einer Partei die Mehrheit hätte, nicht hervorbringen. Man ist hier also vorweg an eine parlamentarische Koalition angewiesen, auf daS Zusammengehen der bürgerlichen Parteien der drei größten Nationen, der Deutschen, der Tschechen und der Polen. Das ivar die„mittlere Linie" deS Systems Beck, eine Koalition, die zwar jede politische und soziale UebcrzeugungStreue ausschloß, die aber trotzdem der Sachlage nach die einzig mögliche war. Zwar müssen die Koalierten vorweg alles zurückstellen, was sie unterscheidet und trennt, sie können sich im Grunde nur darauf einigen, was sie denl Staate konzedieren wollen. Die Plattform sind also immer nur die bekannten Staatsnotwendigkeiten und das Entgelt, das die Regierung dafür leistet, ist nur eine gewisse'Berücksichtigung innerhalb der Ver- waltung, allerlei fragwürdige Konzessionen für einflußreiche Wähler. So war es unter Beck und seine Koalition ging nur daran zugrunde, weil das Tempo, das die Tschechen in der Erlangung der nattonalen Errungenschaften tn der Verwaltung einschlagen wollten. den Deutschen gar zu stürmisch erschien. Das System B i e n e r t h ist nnn, staatlich betrachtet, der Versuch nicht gerade gegen, aber doch ohne die Tschechen(und ohne die ihnen alliierten Südslawen) zu regieren. Die Btenerthschc Regierungspartei bestand be- kanntltch ans den Deutsch'bürgerltchen aller Grade und Bekenntnisse und den bürgerlichen Polen, zu denen als letzte Hilfstruppen, dte gerade die zahlenmäßige Mehrheit ergaben, die Italiener stießen(zu den den wunderlichen Wider- sprächen Oesterreichs gehört cS nämlich auch, daß die italienische Bevölkerung, die sich innerlich in einem ständigen Kampfe gegen den österreichischen Staat befindet, im Parlamente Ver- tretcr hat, die die bravsten Patrioten sind). Es wird nun immer deutlicher, daß dieses System keinen Bestand hat und weiter nicht aufrecht zu erhalten sein wird. Erstens halten es die Tschechen selber nicht aus; das harte„Brot der Oppofitton" behagt ihnen nicht und die Wildheit, die sie seit zwei Jahren zur Schau tragen, verbirgt nur mühsam den Wunsch, endlich wieder an die Krippe zu kommen. Auch den Polen paßt daS „deutsche" System nicht recht in ihre Neigungen, die sie, allen opportunistischen Erwägungen zum Trotz, doch immer wieder zu den stamniverwandten Slawen drängen. Den Deutschen sitzt die Schwärmerei für„ihren" Bienerth freilich tief im Blut, aber das System Bienerth ist schon deshalb nicht haltbar. weil seine Majorität gar zu dürftig ist und aus ihrer Schwäche heraus immerzu Kämpfe hervorruft, die ein ruhiges und normales Arbeiten nicht aufkommen lassen. Tatsächlich ist die Be« unruhigung der letzten zwei Jahre, jener Kleinkrieg der slawischen Opposition, der sich in immer neuen Ein- und Aus- fällen äußerte und der dem Parlament einen so krankhaften Charakter aufprägt, zumeist die Wirkung der Schwäche der Re- gierungsmehrheit. Das geben nun auch die zu. die die Exklu- sivität der Bienerthschen Majorität am hefttgsten verfochten haben und die Wahrheit über die Demission ist, daß man eine neue Mehrheit sucht, die freilich nur die alte und bekannte Koalition sein wird. Dazu tväre freilich notwendig, daß zwischen Deutschen und Tschechen, die sich in Böhmen in einem förmlichen 5krtcgs- zustand gegenüberstehen, ein Kompromiß zustande kommt, daS dem armen böhmischen Landtag— er ist wie bekannt, schon drei Jahre alt und hat es nicht einmal noch zur Kon- stituicrung gebracht die Arbeitsfähigkeit verschafft. Zu diesem Zwecke sollen die Verständigungkonferenzen, die im Herbst ohne jedes sachliche Ergebnis geblieben sind, nach Weihnachten in Prag wieder aufgenonnnen werden. Was für ihr Gelingen wirkt, ist die schreckliche Finanznot des Landes, mit dem es so weit gekommen ist, daß es jeden Tag fraglicher wird, ob er die Beamtengehälter werde weiter zahlen können; was ihr Gelingen erschwert, ist die innere llnfreiheit der Parteien, die heute die Knechte ihrer Schlag- warte geworden sind und der Freiheit entbehren, nach ihrer Einsicht zu handeln, die sie zu einer Verständigung gebieterisch auffordern müßte. Von dem Ergebnis oder auch von der bloßen Aussicht dieser Konferenzen wird nun Art und Wesen der neuen Regierung abhängen. Lassen die Kon- ferenzen ein Resultat erhoffen, so wird das neue Ministerium mehr parlamentarisch. bleibt dieses aus, so wird es mehr bureaukatisch sein. Aber so ein- seitig„deutsch", nämlich daß ihm die tschechischen Minister ganz fehlen, wie es das derzeitige Kabinett Bienerth ist, wird das neue Kabinett Bienerth— die fünfte Variatton seiner Gattung— nicht sein. Denn daß der kommende Mann wieder der unvergängliche Bienerth sein werde, in den ttotz seiner Unbettächtlichkeit— oder vielleicht wegen dieser— die ganze Welt verliebt ist, scheint leider nicht zlveifelhaft zu sein. ES ist jetzt überhaupt eine gute Zeit für„schlichte" Menschen und je unbeträchtlicher ein Mann ist. desto gewisser kann er in der österreichischen Politik zu dem Range eines Charakters avancieren. Die Sozialdemokratte, die der Ministerstürzerei und -Macherci mit ruhiger Ironie zuschauen kann, hat natürlich keinen Grund, die Entstehung einer gesamtbürgerlichen Koalition zu erschweren. Unsere Gegner sollen nur regieren— tvenigstens wird das Volk dann ein klares Urteil über die Früchte ihrer Herrschaft fällen können. politische(leberkiedt. Berlin, den 21. Dezember 1910. Tie sächsischen Industriellen gegen die Fleischnot. Die zunehmende Steigerung der Fleischpreise in Sachsen hat den Gesamtvorstand des Verbandes sächsischer Industrieller veranlaßt, folgende Eingabe an die sächsische Regierung zu richten: „Anläßlich der gegenwärtigen Fleischteuerung hat der Gesamt- vorstand des Verbandes sächsischer Industrieller sich in seiner Sitzung am 16. Dezember d. I. mit der Frage der Ergreifung von Maßnahmen gegen diese anhaltende Teuerung befaßt. Der Ge- samivorstand war einstimmig der Meinung, daß bei Aufrecht- erhaltung aller veterinärpolizeilichen Maßregeln gegen die Ein- fiihrung und Verbreitung von Seuchen unter dem deutschen Viehbestand doch diejenigen Erleichterungen bezüglich der Einfuhr ausländischen Viehes getroffen worden sollten, die eine wohlfeilere Versorgung deS deutschen Volkes ermöglichen. Sollte eine Oeffnung der Grenzen jedoch unmöglich erscheinen, so spricht der Verband die Bitte aus, für die Gestattung der Zu- fuhr gefrorenen Fleische? aus Argentien unter gleichzeitiger Milderung der Einfuhrbedingimgen und zeitweiliger Herabsetzung der Einfuhrzölle eintreten zu wollen. Eine dies« bezügliche erfolgreiche Initiative der sächsische n Re- gierung bei der deutschen NeichSregierung würde in allen Kreisen mit großer Genugtuung begrüßt werden, in- sonderheit von der sächsischen Arbeiterschaft und vielen minder be- miltelten Volksschichten, die unter der gegenwärtigen Steigerung aller Lebensmittelpreise schwer zu leiden haben." Diese Eingabe verdient um so mehr beachtet zu werden, als gerade die sächsischen Nationalliberalen für die Erhöhung der Agrarzölle begeistert eingetreten sind. Mittlerweile haben aber die nationalliberalen Industriellen Sachsens doch ein Haar in der Suppe gesunden, denn infolge der hohen Zölle ist ein Teil der sächsischen Industrie zur Abwanderung nach Böhmen gedrängt worden. Andererseits wird die Arbeiter- schaft Sachsens, die unter der Fleischteuerung schwer zu leiden hat. dazu getrieben, Lohnforderungen zu stellen. Damit werden aber die Industriellen dort getroffen, wo sie am empfindlichsten sind— am Geldbeutel. Deshalb der Eifer, mit den, sie plötzlich kür Beseittgung des unleugbar vor- handenen Notstandes eintreten. Bei der Abhängigkeit der sächsischen Negierung von den Konservativen ist freilich auf einem Erfolg kaum zu rechnen. Winkelziige. Die s K ch s i s ch e R e g i e r u n a hat durch ihren Gesandten in Verliii bei der NeichSregierung um Genehmigung der Ein- fuhr französische U Viehes für die Schlachthöfe tn Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Zwickau nachgesucht. Durch die Einfuhr französischen Viehes kann auch der Fleisch- not in Sachsen nicht gesteuert werden. Wie schon die Erfahrungen in Hof gezeigt haben, wird das Vieh aus Frankreich durch die Fracht 10 verteuert, daß ein Herabdrücken der Fleischpreise durch diese Einfuhr auöaeschlosseii ist. Für Sachsen kommt in erster Linie die Einfuhr aus Oesterreich und die Zufuhr gefrorenen Fleisches aus Argeuttnien in Betracht, davon aber will die agrarkonscrvative sächsische Regierung gerade nicbtS wissen. Denn Maßnahmen, die der Fleischnot wirklich abhelfen, könnte ja den agrarischen Extraprofit verkürzen...... Das„judische" Weihnachtsfest. Die antisemitische„Staatsbürger-Zeitung" hat eine Entdeckung gemacht. Sie hat herausgefunden, daß die christlichen Feste läng st zu jüdischen Festen geworden sind: eine schmerzliche Entdeckung für dir Blätter vom Schlage deS„Reichs- boten", der„Kreuz-Ztg.", der„Beil. Tagesztg." usw.; denn wenn die„Staatsbürger-Ztg." recht hat, können sie am nächsten Sonn- abend und Sonntag die auf Vorrat gearbeiteten schönen Artikel über den echt„christlich-germanischen Charakter" des WeihnachtSfestes un- möglich zum Abdruck bringen. Der Grund, den die„StaatSbürger-Zeitung" für die Berjudung der christlichen Feste, besonders deS Weihnachtsfestes, anführt. ist allerdings ein höchst merkwürdiger: die christlichen Feste haben nämlich nach ihrer Ansicht deshalb ihren christlichen Charakter ver- loren, weil heutzutage die meisten Festgeschenk« bei Juden gekauft werden. Schmerzlich bewegt klagt das antisemitisch- konservative Blatt: „O, wie wunderschön ist die Weihnachtszeit! Und o wie Herr- lich lebt sich'S doch im neuen gelobten Lande Deutschland, wo wahrlich Milch uno Honig fließt und wo deS Staates Gewalten so schön aufpassen, daß niemandem, der daS Kainszeichen trägt, irgend ein Schaden noch geschehe! Und:„pergm'igte Feiertage" und ein„gesunde?— zu gesundes!— Neujahr" rufen sie stch zu aii den christlichen Festen. die längst schon jüdische geworden sind, weil für den christlichen Deutschen ihr vormallger Segen sich längst in Kummer und Not und Sorgen verwandelt hat I" Doch eine Rettung gibt eS aus dieser Berjudung: der christ- liche Mittelstand muß mehr als bisher inserieren, und zwar in der antisemitischen Presse: „Das eine aber geben wir immer erneut zu bedenken: Solange der gewerbliche Mittelstand nicht die Presie unter- stützt, die für ihn eintritt, solange er sein Geld für Inserate und Abonnements der WarcnhauSpresse iveawirft, solange er glaubt, mit„unparteiischem" Lese- stoff sein bißchen geistige« Bedürfnis zu befriedigen, solange wird er zu nichts kommen. Erft wenn er sich aufmacht aus seinem „Fortschritts" lraum und seinen Feinden, vor allem der liberalem und unparteiischen Presse, den Laufpaß gibt, erst wenn er sich aufrafft zu selbständigem Denken und nicht mehr nachbetet, was ihm.Morgenpost" und„Tageblatt" vorlügen, erst wenn er sich denjenigen anschließt, die in Wort und Schrift den Kampf für die ehrliche deutsche Arbeit auf sich genommen haben, erst dann wird« anders werden, weil dann der Masse der WamihaiiSgeldeS die Masse deS deutschen Volkswillens gegenübersteht und weil dann auf die Dauer auch die großkapitalfürchtigste Regierung diesem Willen nicht wird widerstehen können." Wer also will, daß daS WeihnachtSfest wieder zu einem christlich- germanischen Fest wird, muß in der„StaatSbürger-Zeitung" inserieren._ Maschinengeschiitze! Man schreibt uns: Gleich dem Maschinengewehr sind vor einigen Jahren auch Ge- schütze gebaut worden, bei denen die Patronen, aus einem Band aufgereiht, selbsttätig durch den Rückstoß de? vorhergehenden Schusses in die Kammer befördert und abgeschossen wurdet,. Diese bei der Marine eingeführten Geschütze haben sich hin- sichtlich des Mechauisnius gut bewährt, hatle» aber sehr unter der durch die rasche Schußsolge auftretenden Hitze zu leiden und konnten nicht kühl erhalten werden. Diesem llcbelstand hat man durch Abkühlung des RohreS mittels Wassers zu begegnen gesucht. Bei den festen Rohren, alio Geschützen mit unveränderlichen, Standpunkt, lvar diese Kühlvor« richtung ohne besondere Schwierigkeiten anzubringen und hat sich aus dem Versuchsfeld derart bewährt, daß ohne weiteres eine Ver- dreifachung der Schußzahl eintreten kann, ohne daß eine nennenS- werte Erhitzung eintritt. Größere Schwierigkeiten bereitete die Anbringung der Kühl- Vorrichtung bei den Feldgeschützen, jedoch auch diese findet ihre Lösung darin, daß der Rückstoß deS hydraulisch gebremsten Rohres teilweise dazu verwendet wird, das Kühlwasser in eine ruck- weise Zirkulation zu versetzen, derart, daß bei jedem Schusse eine aewiffe Quantität tühlcS Wasser zwischen Rohr und Kühlmantel gepreßt wird, und zwar nach dem Gegenstrom- Prinzip, da° kalte Waffer tritt vorn bei der Mündung ein, während jedesmal die gleiche Qualität hinten austritt und in ein mit Nipper und Lufidurchlasfen versehenes Sammelbecken fließt. Die Gewichts- zunähme des Rohres und der Lakette beträgt kaum 12 Proz. Es liegt allerdings die Gefahr der Munitionsverschwendung sehr nahe, deshalb kann das neue Geschütz auch alS Einzellader verwendet werden, und nur in kritischen Momenten dürste die'automatische Schußfolge eintreten. Ob die Wirkungen dieser neuen Verbesserung der Mordtechnik nicht auch bald im M i l i t ä r e t a t in Erscheinung treten werden? I Marinistische Experimente. Man söbreibt„nS: Einer Zeitungsnotiz aus London zufolge, die gleichsam die Bestätigung jener vor einiger Zeit an dieser Stelle ausgesprochenen Meldung ist, werden dort umfassende Versuche mit einem neuen Rohöl motor von großer Stärke für maritime Zwecke angestellt. Die gleichen Versuche werden auch in Deutschland eifrigst betrieben und sind einem günstigel, Abschluß nahe. Es handelt sich darum, die schwere und im Verhältnis zu dem Explosionsmotor wenig wirtschaftlich arbeitende Dampfmaschine durch die erster« zu ersetze». Daß, entgegen allen ableugnenden Meldungen, die feste Absicht bei de» tonangebenden seefahrenden Nationen besteht, eine rationellere Kraftmaschine sur den Schiffs- betrieb zu konstruieren, ergibt sich schon daraus, daß in Eng- land von der Handelsmarine und auch von der Kriegsmarine Versuch-sschiffc mit dem neuen Motor ausgerüstet wurden. Der einzige Nachteil, der dicker Maschinengattung noch anhaftet, liegt in der timständlicheii Art der llmsteueriing. Die Nnterseeboote aller Marinen besitzen diese Maschinen, und gerade die deutschen Kon- struktcure haben eS verstanden, für dies« Fahrzeuge fast ideale Motor« zu liefer,!._ Der Sprung von einigen Hundert Pferdekräften zu eine Leistung von vielen Tausenden bietet wohl Schwierigkeitelt, aber kei Hindernis. Für die Kriegsmarine sind die neuen Motore schon oiiS dem Grunde sehr geeignet, weil einesteils die große Kcsselanlage in Fortfall kommt, außerdem der Motor bedeutend weniger Platz ein- nimmt, als eine Danipfmaschine gleicher Leistung, und der Betriebs- stoff. das Rohöl, für den gleichen Aktionsradius des Fahrzeuges nur einen Bruchteil des Gewichtes der Kohle hat und auch bedeutend weniger Raum beansprucht. Die Hauptsache dabei ist aber die iinmerwährende sofortige Fahrlbereitschast, weil daS zeitraubende Anheizen der Kessel wegfällt. Massendemonstraftonen gegen die elsast-lothringische Verfassung�porlage. Unsere Genossen in Elsaß-Lothringcn greifen zum Kampf gegen die geplante Lerfassungsvorlage, die bestimmt ist, Elsaß- Lothringen zu einer hohcnzollernschen Krondomäne umzu- gestalten. Der sogialdentokratische Kreisverein Mülhausens hat auf den 8. Januar eine Massendemonstration gegen die Verfassungsvorlagc angesagt, die mit einer großen Straßen- kundgebung verbunden werden soll. Der Äreisvercin hat die liberale und demokratische Partei Mülhausens zur Teilnahme eingeladen. Die Zentrumspartei ist nicht eingeladen worden. ?!ochmnls angeblicher Wahlschacher. In der letzten SonntagSnummer berichteten wir, daß der Stutt- garter„Beobachter" de» Abgeordneten Genossen Dr. Li»bemann beschuldigt hätte, mit dem bündlerischen Reichstagsabgeordneten Bogt(Gochsen) ein Wahlschachergeschäft abgeschlossen zu haben. Wir forderten den Stuttgarter„Beobachter" auf, zum Beweise seiner Beschuldigung, den Wortlaut des angeblichen Briefes Lindemauns an Bogt mitzuteilen, den« bloßes Hörensagen sei kein Beweis. Der „Beobachter" ist dieser Aufforderung nicht nur nicht nachgekommen, sondern er spricht in einer neuen Notiz auch nur noch von einem Brief Vogts an Lindemann, nicht mehr von einem Brief Lindemanns an Vogt, gibt also selbst zu, daß ein solcher Brief nicht existiert. Zugleich veröffentlicht die„Schwäb. Tagwacht" einen Brief des Genossen Lindeniann, in dem er energisch jeden Briefwechsel mit Bogt und jeden Wahlschacher bestreitet. Der Brief lautet: Degerloch, 19. Dezember 1910. Sehr geehrte Redaktion I DaS Dementi der„Veol>achter"lichen Erzählung über den an- geblich von mir an Herrn Vogt geschriebenen, ein Wahlablommen mit ihm abschließenden Brief hat wenigstens eine Wirkmig gehabt: der„Beobachter" dementiert sich jetzt selbst. Der Brief Lindemanns hat sich in einen Brief Vogts verwandelt. Am Samstag schrieb der„Beobachter" von einem„Aogtsche» Brief", der„infolge einer Namensverivechselnng mit einem sozialdemokratischen VerirauenS- mann gleichen Namens" einem Volksparteiler„eingehändigt worden ivar". In seiner ersten Notiz hieß es:„Dr. Lindemann. der sozialdemokratische Kandidat für Göppingen, schrieb von Degerloch aus einen Brief an Vogt, in dem er ihm— seiner (VogtS) Anregung gemäß � Wahlhilfe in Neckars»!», zusagte..." Man sieht hieraus schon, waS von der ganzen Räubergeschichte des „Beobachter" zu halten ist. Der„Beobachter" scheint die Erklärung in der„Tagwacht" nicht richtig verstanden zu haben. Ich will seinem Verständnis etwa« nachhelfen, indem ich feststelle: Weder hat Herr Vogt an mich, noch rch an ihn je einen Brief geschrieben, in dem er mir oder ich ihm Wahl» Hilfe zusagte. Warum veröffentlicht übrige»?, um die Frage der„Tagwacht" zu wiederholen, der„Beobachter" de» Brief nicht, mag er nun von Bogt oder von mir geschrieben sein? Mit freundlichem Gruß Ihr H. Lindemann. Der Stuttgarter„Beobachter" hat sich demnach leicht- fertig zum Kolporteur eines albernen nationalliberalen Klatsches genracht._ Die Leipziger Freie Studentenschaft und die Reichs- verbändler. Die sächsische Staatsregierung hat in der Angelegenheit des ReichSverbändlerS Dr. Henrici ihre Entscheidung gefällt. Die Freie Studentenschaft in Leipzig wird nicht gemaßregelt, weil die Re- gierung auf dem Standpunkt steht, daß das politische Hoch, das der Reichsverbäiidler Dr. Henrici ausbrachte, anläßlich einer Vorlesung deS Genossen Bernstein, völlig unangebracht gewesen sei. Doch damit ist die Sache noch nicht erledigt. Eine Anzahl Leipziger Bürger, vermutlich auch treue Parteigänger des Reichsverbande«, hat sich mit einer Eingabe an den König gewandt, der diese Ein- gäbe an daS Ministerium weitergegeben hat. Wahlbündnisse. Nach dem Wahlabkommen der liberalen Parteien der Provinz Brandenburg werden zur Vermeidung von Doppelkandidaturen in folgenden Wahlkreisen nationalliberale Kandidaten aufgestellt: Frankfurt a. O.»LebuS, Guben« Lübbe», Sora»-Forst, Landsberg (Warthej-Soldin, Kalan-Luckau und ArnSwalde-Friedeberg. Die anderen Kreise bleiben dem Fortschritt für die Besetzung der Kandidatur überlasten. In Hannover ist der Versuch, zu einem fortschrittlich- nationalliberalen Bündnis zu kommen, gescheitert. Ans Göltingen wird berichtet, daß die am Dienstag gepflogenen Berhandlungeu der Provinzialvorstände der nationalliberalen und der forrschrittlichen Volkspartei der Provinz Hannover über, gemeinsames Vorgehen bei der nächsten Reichstagswahl resultatlos abgebrochen wurden, weil der Borstand der Nationalliberalen erklärte, daß sie abgesehen vo» den im fortschrittlichen Besitz befindlichen Wahlkreise Emden keinerlei Konzessionen machen könnten. Auch für die Provinz Pommern erstehen einem liberalen Abkommen gröbere Schwierigkeiten. Die Nationallibcralen in Greifswald'Grimmen baben beschlossen, wieder mit etiler eigenen Kandidatur bei den nächsten ReichStagSwahlen vorzugehen. Das „Berliner Tageblatt" bemerkt dazu: „Sollten Sie bei diesem Beschluß bleiben, so wäre eine Einigung mit der Forlschnttlicken Bolkspartei über die ganze Provinz Pommern Wohl unmöglich." Gegen die Wohnungsnot. Wie die„Müiichener Post" meldet, hat die MngistratSkommission in München heute beschlossen, die städtischen Kollegien zu ersuchen, abermals 5 Millionen Mark zur Linderung der Wohnungsnot auf- zunehinen._ Ter Segen der Wohlfahrtseinrichtungen in den Reichs- betriebe». Im vorigen Sommer wurden auf der ReichSwerst in Kiel verschiedene alte Arbeiter entlassen, die der Verwaltung nicht mehr leistungsfähig genug waren. Unter den Entlassenen befand sich auch ein 69 Jahre alter Arbeiter, der mehr als 30 Jahre aus der Werft tätig war. Der Arbeitsveteran bezieht jetzt eine Invalidenrente. Die Invalidenrente ist aber bekanntlich sehr knapp, so knapp, daß sie zum Leben nicht ausreicht. Der Arbeiter erinnerte sich nun, daß es eine MarinearbeitenmterstützungSkasfe gibt: auS der bedürftige Ar- beiter der ReichSwerst unterstützt werden. Er glaubte bei seinen mehr als SO Dienstjahren auf der Werft wohl berücksichtigt zu werden. Er sollte sich auch nicht täuschen. DaS Arbeiteramt der Werft sandte ihm folgendes Schriftstück zu: „Seine Exzellenz der Herr Staatssekretär des RcichSmarine- amtes hat Ihnen infolge Ihres Gesuchs aus der Marinearbeiter- unlerstützungskasie eine laufende Jnvalidenunterstützung von 0,55 M. monatlich vom t. Juli 1910 bis Ende 1918 bewilligt. Die Zahlung erfolgt monatlich im voraus durch die Kassen- Verwaltung der Werft. Die bereits für die Monate Juli bis ein- schließlich Dezember 1910 fällig gewesenen Beträge können sofort abgeholt werden. Zwei Anlagen JhreS Gesuchs folgen anbei zurück. Kaiserliche Werft, Arbeiteramt. v. Finkh. Der Arbeiter hat beim Lesen dieses Schreibens Tränen der Rührung geweint über die Arbeiterfürsorge auf der kaiserlichen Werft. Sein Patriotismus ist durch diese Fürsorge aufs höchste entflammt worden. Er glaubt, daß er von den 1*/, Pfennigen, die ihm für den Tag bewilligt worden sind, Pf. täglich erübrigen kann. Den so ersparten Betrag will er dem Flottenvereiir als Veitrag für die Propaganda zum schnelleren Ausbau der Kriegsflotte zur Verfügung stellen._ Eine Erhöhung der Beamtengehälter um insgesamt 400000 M. beschloß die Lübecker Bürgerschaft in mehrere» Sitzungen. Begründet wurde die Vorlage mit den g e-> steigerten Preisen aller Lebensbedürfnisse. Be- merkenswert ist die Tatsache, daß gerade die unteren Beamten» g r Uppen, die von der Teuerung am meiste» betroffen werden. gar tetne oder nur geringfügige Zulagen erhalten haben, während das Gehalt der gutbezahltei» hohen Beamten um 500 bis 1500 M. jährlich erhöhl wurde. Von sozialdemokratischer Seite wurde dies Verfahren, das den Großen mit Scheffeln u» d d e ii K l e i n e» mit Teelöffeln die Zulagen zumißt, scharf kntistrrt. Unsere Genossen stellten eine Reihe von Ab- äudcrung-anträgen zugunsten der schwer benachieiligten unteren Beamten, doch fanden dieselben keine Annahme bei der Mehrheit der Bngerschaft. Sogar Liberale und in der Bürgerschaft fitzende höhere Äeaiiite, die für sich viel größere Zulagen forderten, stimmten dagegen. Van sozialdemokratischer Seite wurde auch beantragt, den staatlichen und städtischen Arbeitern Lohnerhöhungen zu gewähren. Hierüber soll in einer i'päieren Sitzung entschieden werden. Die Aufbringung der Mittel für die Erhöhung der Beamtengehälter soll durch eine Gewerbe-, Warenhaus- und Konsum- vereinSerdrolseluiigösteiicr erfolgen. Man gedenkt also, die arbeitenden Schichten der Bevöilerung zugunsten der Beamten zu belasten. Dagegen wird die Sozialdemokratie sich natürlich mit aller Entschiedenheit wenden._ Der Sozialismus im türkischen Parlament. lieber das Auftreten dreier Sozialisten im türkischen Parka- mcnt schreibt Genosse Parvus aus Konstantinopel: D. V la ch o w, Delegierter aus Salonik, hat eine eigen- artige, vber durchaus konsequente Entwickelung durchgemacht. Glühender bulgarischer Nationalist, Mitglied des Zentralkomitees der Geheimorganisationen während der aufständischen Bewegung unter dem alten Regime, hat er sich geistig bis zu den Ideen des internationalen Sozialismus durchgerungen. Er wurde diesen Weg durch rücksichtslose Wahrnehmung der Interessen der arbeitenden Massen und die Bekanntschaft mit der Literatur des wissenschaftlichen Sozialismus geführt, die ihn den wirtschaftlichen Charakter der mazedonischen Frage und ihren Zusammenhang mit der kapitalistischen Wirtschaftsweise zu begreifen gelehrt hat. Unser Genosse behandelte zunächst die gleichen Fragen, wie schon tagelang vor ihm andere Redner, aber auf einmal, de- leuchtet vom sozialistischen Gesichtspunkt, gewannen sie ein anderes Aussehen. Während bis dahin die Kämpfe in Mazedonien als Nationalitätenkämpfe hingestellt wurden, erschien nunmehr erst auf der politischen Schaubühne der mazedonische Bauer, auf dessen Rücken sich die ganze Balgerei abspielt. Dieser Bauer wird bald von der Regierung drangsaliert, bald von den Banden gequält, von beiden Seiten tritt man ihm mit Gewalt und Brutalität entgegen, dem einen mutz er Steuern, dem anderen Kon- tribution zahlen; so wird er von einer Seite zur anderen ge- worfen; zeigt sich beiden unterwürfig und ist beider längst über- drüssig: leidet doppelt unter beiden, während das Grundübel seines Elend«— datz das Land, das er beackert, nicht ihm ge- hört— unberührt bleibt. Dann aber brachte Genosse D. V l a ch o w Dinge zur Sprache, die dem türkischen Parlament ganz neu waren, nämlich die Arbeiterverhältnisse. Während noch vor wenigen Monaten der Grotzwesir behauptete, datz eS in der Türkei kein Proletariat im europäischen Sinne gibt, wies Genosse D. V l a ch o w zahlenmätzig nach, datz in der Türkei bereits eine bedeutende Zahl Fabrikarbeiter vorhanden sind und deckte ihre elende Lage auf. Die Rede schlotz mit einer Kritik der willkürlichen Handhabung des Vereinsgesetzes gegenüber den Arbeiterorganisationen und der Einmischung der Behörden in den Streik der Hamale. D. Vlachow folgte der Vertreter der armenischen re- volutionärcn sozialistischen Partei Taschnakgutün, der Delegierte V o r t k e s. Dieser erörterte mit viel Sachverständnis die Agrar- Verhältnisse Armeniens, wobei eS sich zeigte, datz sowohl der armenische wie der kurdische Bauer unter der Herrschaft der Grundherren leiden. Der Sozialismus deckte auch hier, an Stelle des Nationalitätenhaders, die Gemeinsamkeit der Jnter- essen der arbeitenden Klassen auf, und der Vertreter der armeni- schcn Nation wurde zum begeisterten Befürworter der Jnter- essen des kurdischen Volkes. In der Arbeiterfrage schloß sich Portkes den Ausführungen deS Genossen D. Vlachow an. Am gleiten Tage sprach auch noch als dritter Sozialist der Vertreter der zweiten armenischen Fraktion, der Fl: n tschak ist en. Es war das ein großer Tag des Sozialismus im türkischen Parlament. Schweiz. Eine WahlrechtSdebatte im Züricher KantonSrat. Die Vermehrung der Bevölkerung nach der neuesten Volks- zäblung macht auch im Kanlon Zürich eine Abänderung der parla- mentarischcn VertreiungSverhällnisse notwendig. Im Kanton Zürich besteht der von den Agrariern unter gefälliger Mitwirkung der Sleaktionäre in den Städten geschaffene vernunftwidrige Zustand, daß die Ausländer bei der Gestaltung der parlamentarischen Vertretungsverhälmisse gar nicht mitgezählt, sondern nur als Luft behandelt werden, trotzdem sie die gleichen Steuern be- zahlen und die Gesetze ebenso beachten müssen, wie die ihnen io unendlich überlegenen und unvergleichlichen Schweizerbürger. Bisher wurde auf je 1500 schweizerische Einwohner ein Vertreter in den Kantonsrat gewählt und diese Zahl ist nun auf 2000 erhöht worden, so daß die Mitgliederzahl des Kantonsrates von 243 auf ev. 220 herabgemindert wird. Ein Antrag auf Festsetzung einer fixen Zahl der Mitglieder des Kantons- rates und zwar auf 200 und entsprechende Einteilung der Wahlkreise wurde abgelehnt. Die neue VerfassimgSbestimmung, bei unverschuldeter Ver- armiing die Arnienunterstützung nicht zum Anlaß deS Entzuges deS Wahlrechts zu nehmen, erzeugte eine lebhafte, von kapitalistisch- agrarischen Arbeiterfeinden entfesselte Debatte. Ein Fabrikant Tucker beantragte den Entzug des Stimmrechts auch bei Nicht- bezahlung der Steuer, worauf der Demokrat Dr. Wellstein beantragte, auch den reichen Steuerdefraudanten das Wahlrecht zu entziehen. Unser Genosse Manz stellte fest, daß die Agrarier aus der Staatskasse mehr an Liebesgaben als Subventionen beziehen, als sie insgesamt Steuern be- zahlen, und daß im Durchschnitt jeder Bauer eine jährliche Staats- Unterstützung von 40 Fr. erhält. Sie erhalten viel mehr, als für das gesamte Armenwesen ausgegeben wird und konsequenterweise müßte man auch ihnen das Wahlrecht entziehen. DaS Ergebnis der Debatte war die Annahme des Antrages der Regierung, dem ohne Selbstverschulden armengenösstg gewordenen Bürger das Wahlrecht nicht zu entziehen. Alle anderen Aniräge wurden abgelehnt. Der freche Vorstoß der arbeiterfeindlichen Reaktionär« blieb ohne Erfolg. frankreick. Neue Kämpfe im Wadaigebiet. Dem„Petit Parisien" wird aus London gerüchtweise gemeldet, im Wadaigebiet habe abermals ein Gefecht zwischen französischen Truppen und Eingeborenen stattgefunden; der Kämpf sei langwierig und b l u t i g gewesen. Der anstelle de« am 9. November gefallenen Oberleumants Moll mit dem Befehl über dle Truppen in Zentralafrika betraute Oberst Largeau erklärte einem Berichterstatter, er werde außer zwölf Kompagnien Senegalschlitzen noch die notwendige Reiterei und Ariillerie zur Ver- fügnng haben. Er werde die bereits eroberten Posten halten und in der Defensive bleiben.__ Hub der Partei. Ecmeindcwahlerfolge. Aus dem Gothaisch en ist nochmals ein schöner Erfolg zu melden. In der Gemeinde Cabarz wurde ein Sozialdemokrat neugewählt, desgleichen in der Stadt W a l t e r S h a u s e n, wo 90 Prozent der Wähler an der IKne ersckiienen. Zu dem neu ge- wonnenen Mandat kommt hier noch der Sieg der zwei alten Sitze, und sind nun von zwölf Vertretern sieben Sozial- d e ni o k r a t e n. Die Biirgerrcchtsgebühren sind in W. vor einigen Jahren aus Furcht vor unserer Partei auf 200 Mark erhöht worden, der höchst« Satz im ganzen Herzogtum. In Gräfenroda wurden alle fünf Mandate von unseren Genossen gewonnen; unsere Liste erhielt 140— 159, die der Gegner 39—66 Stinimen. Auch in Arlesberg ging unsere Liste glatt durch. In Tambach gewannen wir ebenfalls, und zwar alle drei Mandate. Ferner je drei in Hohenkirchen und in Schwabhausen. Das sind 21 sozialdemokratische Gemeinde- veriretersiege in der Zeit von drei Tagen. Während der letzten Wochen haben wir 58 Mandate erhalten. Auch in Sachse n erzielten wir in den letzten Tagen mehrere Erfolge bei den Gcmeiiidcwahleu. In B u k a r e st wurden zwei Genossen mit je 234 Stimmen gegen 160 Stimmen gewählt. In Oberpe st erwitz wurden gleichfalls zwei Genossen ge- wählt. Bei den Gciiiemdcwahlen in Grohburgk siegten unsere Genossen in de: 3. Abteilung mit 143 vdn 238 abgegebenen Stinunen. poli�eilicbtd,©crlchtUdiea ukw. '!Jm Kampfe gegen kommunale Korruption. Das„Bochumer Bolksblatt" führt« seinerzeit in 31 Artikeln einen harten Kamps gegen konimunale Mißstände in der Gemeinde Bommern(Kreis Hagen). Dort handelte es sich um die Wasser- Versorgung der Gemeinde; in die hierfür bestiiniiite Kommission wurden geschickt der Amtmann, dessen Schwiegervater, der Gemeinde- Vertreter der ersten Klasse ist und die Berufe: Rittergutsbesitzer, Ziegeleibcfitzer, Maschiiienfabrikaiit und Tiefvauunternehiner in seiner Person vereinigt, und der Gemeindevorsteber. Die Wahl eineS sozial- demokratischen Mitgliedes wurde mit der Stimme deS AiiitniaimS abgelehnt. DiesozusainmeiigesetzieKoinmiision schloß Nim mit demGelsen- kircheuer Wasseriverk. dem der Schwiegervater de« AmtniaimS als Aktionär angehört, einen Lieferinigsvertrag ad. Außerdem bewarb sich der Schwiegervater des Amtmanns um die R o h r n e tz- arbeiten im Beirage von 80 000 M. Gegen diese Kollision der Jnleresien hatten unsere drei Vertreterber dritten Klasse beim Land- rat und dem Amtmann protestiert, aber kein Recht bekommen. Es wurden nun im.Volksblatt" die Artikel veröffentlicht, die Beleidigungsklagen der Kommissionsmitglieder zur Folge hatten. Als Zeugen im Prozeß äußerten der Landrat und die KommisfionS- Mitglieder die Ansicht, dag erst dann eine Jnteressenkollision vor- gelegen haben würde, wenn daS Kommissioiiömitglied dem Aus- sichtsrat deS Gelsenkirchener Wasserwerks angehörte. Auch wurde nichts darin gefunden, daß sich das einflußreichste Kommissiousniitglied um die Arbeiten bewarb, die es selb st mit zu vergeben hatte. Der Oberbürgermeister der Stadt Witten und der Wasserwerks- direktor dortselbst hatten in einer öffentlichen Sitzung der Stadt- verordneten erklärt, baß die Bommersche Wasserkommission sie ab- sichtlich im unklaren gelassen, um statt mit dem Wittener mit dem Gelsenkirchener Werk abschließen zu können. ES wurde auch festgestellt, daß vier Gemeindevertreter dem Vertrage mit dem Gelsenkirchener Werk nicht zugestimmt haben würden, wenn ihnen das ebenso günstige Angebot der Stadt Witten nicht vor- enthalten worden wäre. In anderen Artikeln waren der Gemeindevorsteher und der Rittergutsbesitzer de« Wasserdiebstahls bezichtigt, da sie der Gemeindeleitung Wasser ohne Wassermesser entnahmen. Der Gemeindevorsteher bekundete, daß da? nicht mit feinem Wissen ge- scheheu und der Rittergutsbesitzer will die Erlaubnis der Wasser- komniissto» gehabt haben, was diese KommisstonSinitgliedrr auch be- cidete». Die Behauptung in der Wittener Stadtverordnetensitzung wurde bewiesen und vom Aintnian» zugegeben. Da die beschuldigten Nebenkläger als Zeugen den Dar-stellungen im„Voltsblatt" cutgegeiilraten und die Artikel außerdem mehrere säch- liche Unrichtigkeiten enthielten, so hielt das Gericht eine schwere Beleidigung für gegeben und verurteilte die Redakteure Genossen Steintamp und Pierenkämper zu 750 Mark und 300 Mark und den Mitangeklagten Möbelhändlcr und Wirt Maise in Bommern zu 500 Mark Geldstrafe. Noch ein Preßsüudcr. Wegen angeblicher Beleidigung eines Försters hatte sich vor der Strafkammer in Dessau der Genosse Linncweber als Verantwortlicher de«„VolksblattS für Anhalt' zu berantworicn, Die Verhandlung, die mit der Verurteilung unseres Genossen zu 200 Mark Geldstrafe endete, war eine moralische Ver- urteilung deS Klägers, über den unter ihrem Eide mehrere Zeugen Auslagen machten, die den Förster in seiner amtlichen Tätigkeit schwer belasten. Soziales« Voreilige SchiedSgerichtsvorsitzenbe. Sind Unfallrenten für länger als fünf Jahre festgesetzt, so kann eine Berufsgenossenschaft den Antrag auf Herabsetzung der Rente nur an das Schiedsgericht stellen. Das Schiedsgericht bat dann den Verletzten aufzufordern, sich innerhalb einer vestimmtcn Frist— gewöhnlich z'-ei Wochen— zur Sache zu äußern. Auffällig ist an sich schon die Eile, mit welcher manche Schiedsgerichts- Vorsitzende solche Anträge betreiben, während der Verletzte oft monatelang auf einen Termin warten mutz. Der Gesetzgeber hat außerdem dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts das Recht ein- geräumt, schon durch eine einstlveilige Verfügung die Renten zu kürzen. Von diesem Recht machen auch sehr viele Vorsitzende Ge- brauch. Die für die Verletzten daraus entstehenden Härten sollen aber dadurch gemildert werden, datz nach den Motiven zum Unfall- versichcrungsgesetz vorsichtig verfahren werden soll. Wie aber in der Praxis manchmal solche Fälle behandelt werden, zeigt uns nachstehende Schilderung: Der Maurer G. zu Heldcnbergen in Hessen hatte im Jahre 1891 eine schwere Futzverletzuna erlitten und bezog zuletzt noch eine Teilrcnte von 20 Proz. Im Monat August d. I. wurde er nun zum gefürchteten Vertrauensarzt der Berufsgcnossenschaft geladen, welcher ein Gutachten der Berufsgenossenschaft abzugeben hatte. Einige Wochen später kam nun prompt der Bescheid, datz die Rente auf 10 Proz. crmähigt worden sei, weil inzwischen sicher„Gcwöh- nung an den Zustand eingetreten sei". Sehr verdächtig war aber der Zusatz, datz wohl..nock dem Gutachten des Herrn Dr. E. seit dem Jahre 1891 an dem Fuße sich nichts geändert habe. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung zu Wiesbaden stellte einige Tage später den 2. Rentenbescheid dem Verletzten mit der Auf- fordcrung zu, sich innerhalb einer Frist von zwei Wochen zur Sache zu äußern. Der Antrag der Berufsgenossenschaft datierte vom 18. August d. I. und die Zuschrift des Schiedsgerichts schon vom 28. August. Doch damit nicht genug. Der Vorsitzende des SchiedS- gerichtS eröffnete dem Verletzten zugleich, daß..angeordnet sei, daß die Zahlung der Rente mit Ablauf deS MonatS August vorläufig auf 10 Proz. zu mindern ist". � Man war deshalb auf den Inhalt des Gutachtens deS Ver- traucnsorztes der Berufsgenossenichast sehr gespannt, welches ja dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts als Unterlage für seine eilige Verfügung dienen mußte, diese stützen sollte. Der Verletzte erhob durch daS Arbeitersekretariat zu Frankfurt a. M. Einspruch gegen die Herabsetzung der Rente und beantragte eine Abschrift des Gut- achtens des Vertrauensarztes auszufertigen. Als aber endlich die Abschrift des Gutachtens angekommen war, konnte der Verletzte ersehen, daß der Vertrauensarzt— das Gegenteil erklärt halle. Der gefürchtete Gutachter schrieb nämlich wörtlich: „Es ist also in der langen Zeit Besserung nicht eingetreten und bei dem 61jährigen Manne auch für die Zukunft ausgeschlossen." Wie kam nun der Vorsitzende des Schiedsgerichts zu diesem unerklärlichen Beschlutz? Renten sollen doch nur dann herabgesetzt werden können, wenn in dem Zustande des Verletzten eine„wesent- liche Besserung" eingetreten ist. Diese Besserung hatte aber der VertmueuSarzt der Berufsgenossenschaft entschieden bestritten und auch für die Zukunft für ausgeschlossen erklärt. Datz trotzdem die Berufsgenossenschaft den Versuch gemacht hatte, die Rente herab- zusetzen, nimmt uns bei dem heute herrschenden Gebaren der meisten Berufsgenossenschaften nicht mehr wunder. Man versucht eben ans dieser Seite alles und spekuliert vielfach auf die Unlvisicu- heit der Verletzten. Doch der Vorsitzende deS Schiedsgerichts hatte die Pflicht, sich erst das Gutachten dar Berufsgenossenschaft, auf welches ja diese einzig und allein ihre» Antrag stützen konnte, näher anzusehen. Wäre dies geschehen, so tönnte doch unmöglich ein solcher Beschlutz ergangen sein. 'Erst am 12. Oktober d. I. konnte sich das Schiedsgericht mit der Sache selbst befassen und mutzte durch Urteil die Verfügung ihres eigenrn Vorsipcudeii wieder anflicbcn. In der Begründung wird ausdrücklich auf das Gutachten de« Vertrauensarztes der Berufsgenossenschaft hingowiesen, ivclchcs jede Besserung bestreitet und auch von einer Geloöhnung an den Zu- stand könne keine Sttede sein. Wörtlich heißt es dann weiter: „Mangels der gesetzlichen VovauSsetzungen bezw. des Nachweises einer Besserung mußte der Antrag der Berufsgenossenschaft zurück- gewiesen werden, um so mehr als auch der Arbeitgeber den Kläger nicht als vollleistungssähigen Arbeiter bewertet. Die einstweilige Verfügung vom 26. August d. I. unterlag der Aufhebung." Wenn nun der Verletzte keine Hilfe gefunden, sondern sich ans den Vorsitzenden verlassen hätte, dann hätte er heule nur eine Rente von 10 Proz., die ihm vielleicht auch in einigen Jahren ganz ent- zogen worden wäre. Deshalb Vorsicht gegenüber Anträgen der Berufsgenossen« schasten und Beschlüssen von Borsitzenden der Schiedsgerichte! Hub Industrie und Kandel. Deutscher Anszenhundel. Nach dem vom Kaiserlichen Statistischen Anite herausgegebenen Novemberbefte der Monatlichen Nachweise über den auswärtigen Handel Deutschlands wurden im November d. I. im Spezialhandel ohne Gold, Silber und Wertpapiere 1. eingeführt 5 145 739 Tonnen und 3282 Stück, worunter 8174 Pferde. 2. ausgeführt 4 820914 Tonnen und 853 Stück, worunter 808 Pferde.' In den Monaten Januar bis November dieses Jahres erreichte die Einfuhr 58 146 994 Tonnen und 143 184 Stück, worunter 142 367 Pferde, gegen 57 365 105 Tonnen und 117 034 Stück, worunter 116 354 Pferde, im gleichen Abschnitte des Vorjahres. Achtzehn von neunzehn Tarisabschnitlen sind an dieser Zunahme der Einfuhr be- leiligt, besonders landwirtschafiliche Erzeugnisse, mineralische und sosiile Rohstoffe, Mineralöle— diese trotz Abnahme der Brennstoff- zufuhr um 1,7 Millionen Tonnen— chemische Erzeugnisse, Stein- waren, unedle Metalle und Waren daraus, worunter namentlich Eisen. Die gleichzeitige Ausfuhr belies sich ans 48 599787 Tonnen und 6981 Stück, worunter 6266 Pferde, gegen 43 809 706 Tonncii und 6832 Stück, worunier 6309 Pferde, im Vorjahre. Auch in der AuS> fuhr zeigen bis auf einen alle Tariiabschnitte eine Steigerimg, be- sonders landwirtschaftliche Erzeugnisse, mineralische und fossile Roh» stoffe, chemische Erzeugnisse, Spinnstoffe und Waren daraus. Papier, Tonwaren, unedle Metalle und Waren daraus, namentlich Eisen, serner Maschinen, elckirotechnische Erzeugnisse, Fahrzeuge. Der Werl der Warencinsiihr betrug im November d. I. 735. in den Monaten Januar biö November d. I. 7731 Millionen gegen 7730,2 Millionen Mark im Borjahre, der Wert der Warenanssuhr im November 649,3, in den Monaten Januar bis November d. I. 6744 gegen 5921.4 Millionen Mark im Vorjahre. Gold und Silber hatten einen Eiiisiihrwert von 14,6 Milkionen Marl im November und von d10,3 und 297,2 Millionen Mark in den 11 Monaten Januar bis November dieses und de« Vorjahres, ferner einen Ausfuhrwert von 4,1 und 229,1 gegen 256,9 Millionen Mark. 63 Millionen Mark Forderungen. In der Gläiiblgervcrsammlimg der Niederdeutschen Bank wurde vom Konkursverwalter mitgeteilt. datz die Aktiven sich insgesamt auf etwaö über 5 Millionen Mark belaufen. Die Passiven betragen dagegen 63 Millionen Mark. GewcrkfcbaftUchee« ßandet mit Arbeitern. Die Großbuchbinderei und Gcschäftsbiicheranstalt G. C. König u. Ebhardt in Hannover, deren Buchbinder vor einiger Zeit streikten, wandte sich damals an ihre zahlreichen Ver- treter, unter denen sich auch manche Verleger von Lokal- und Provinzblättern besinden, um mit deren Hilfe sich ein arbeits- williges Personal zu beschaffen. Die Vertreter sollten Buch- binder„für auswärts" suchen und Reflektanten an die hannoversche Firma verweisen. Die Vertreter erhielten später folgende mit der Schreibmaschine hergestellte Drucksache: „Hannover, den 23. 11. ISIS. An unsere Herren Vertreter! Wir können Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß unsere Buchbinder heute die Arbeit wieder aufgenommen haben. Für Ihre freundlichen Bemühungen, uns Buchmder zu beschaffen, sagen wir Ihnen hiermit unseren verbindlichsten Dank und bitten Sie um Aufgabe der gehabten Auslagen. Achtungsvoll G. C. König u. Ebhardt.� Wie man sieht, müssen sogar Agenten und Vertreter als Streikbrecherlicferanten fungieren und das empört sich über gewerkschaftlichen Teror I Berlin und Umgegend, Achtung, Friseurgehilfcn! Für Verbandsmitglieder gesperrt: F r e n z e l. Schwedter Str. 223; G ra n s e e, Rixdorf, Hermann« straffe 01; Raleizack, Reinickendorf, Eichbornstr. 40. Am zweiten Feiertag findet die übliche Kontrolle von 10—11 Uhr Linien- straffe 73 statt. Verband der Friseurgehilfen. Zweigverein Berlin. Dcutfcbes Reich. Die Arbeiter der Malzfabrik Schmidt u. Sohn in Nordhausen haben die Arbeit niedergelegt. Die Ursache ist, daff die Firma zwei Arbeiter maßregelte. nachdem ihr vom Brauerei- und Mühlen- arbeilerverbande Tarifforderungen zugestellt worden waren. Ferner haben die Arbeiter in drei Malzfabriken in Franken- t h a l/ Unserem Genossen% * Adermann nebst Gemahlin l «.... L/ zur Siwerbochzeit m die herzlichste» Glückwünsche l r» 0«.. Bezirk 7«3 d. Deutscher Buchbinder- Verband, j (Zahlstelle Berlin.) Am 19. Dezember verstarb vlöhlich unser Mitglied, der Buch- | binder Richard Kleuß Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindet am 22. Dezember nachmittags 3 Uhr von der Halle der Friedens- Gemeinde iit Nordend auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 26/13 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Emil Fröhlich am 19. Dezember gestorben ist. Ehre feinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 82. Dezember, uachmiltags 2 Uhr, vom Augnsla- Hospital, Schamhorstslraste. aus nach dem Nazareth- Kirchhos in Rcinickendorj- Weit, Kögelstrabe, statt. 96/4 Die vrtSverwaltung. lenMranh enhasse der Tapezierer Filiale Berlin I. Aachrnf. Bei unser Mitglici Robert Lauterbach im Alter von 73 Jahren, Ehre feinem Andenken! 177/14 Die Orteverwaltung. Am 17. Dezember starb plötzlich —"":b Am 26. Dezember verstarb nach lange», Ichlvcren Leiden unsere liebe Mutier, Frau Witwe Auguste Draeger geb. Liengchner im Alter von 72 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen Albert Draeger. Die Beerdigung findet am Freitag, de» 33. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Fried hoss in Friedrichsselbc auS statt, 2322L Sage hternrit allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Sommerscld, für die zahlreiche Beteiligung und Kranz- spende» bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Muster meinen wärmsten Dank, 2318b F. Teichficher ÄV Achtung! Hiiandau! Bekanntmachung. Durch gemeinsame» Beschluh der Allgemeinen Oriskrankenkasse, der Ortskrankenkasse der Handwerker und der Ortskraiitenkasse der Tischler zu Spandau vom 7. November cr, im Einverständnis mit der AusfichtS- bepörde sind gemäß§ 19 des Kranken» Versicherungsgesetzes alle tn einem Geiverbebctrieb gegen Gehalt oder Lohn beschüsligte» Leute vom 1. Ja- nuar 1911 nur in einer Kasse zu verfickern. Welche Kasse für de» einzelnen Betrieb in Frage kommt, wird den Herren Arbeltgebern durch Postkarte noch besonders bekannt ge- geben. Einsprüche dagegen find bei der höheren Berwallungsbehörde ein- zulegen. 298/2 Allgemeine Ortstrankenkasse. R, Appoldt, Vorsitzender. Ortskrankenkasse der Handwerker. A, Lu« ewig, Vorsitzender. Ortskrankenkasse der»tfchle». C. Marzilger, Vorsitzender. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme beim Tode meines lieben Mannes, unseres guten BaterS. spreche ich im Name» der Hinterbliebenen meitirn herzlichsten Dank aus. Frleqflvike Krause, geb. Hrruke. Seltenes Angebot! DV ISprechmaachinen von tadelloser Wiedergabe und Klmig» sülle. Fabrikation, kein Lade». k.»eiiliiilt.«SÄ... IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. JKaatergMItig In Konstrnktlon and Ansführnng, gleich vorzüglich für Hansgebraach n. Industrie. Singer Co. Nahmaschinen Act. 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Früchte-Melange Birnen weiss Oder rot.. ll, Dose'/i Dose 39, 68 pf. 48. 88 pf 58, 1.05 #... 38, 65 pf. Lclien Am ffdia; und Sonnabend gel-. 5chup.(Cii-Karpten U y Essäpfel.................... 5 Pfand 70 pf. Weintrauben................. Pfand 35pt Traubenrosinen............ Pfand 65pf Schalmandeln.............. Pfand 85� Feigen......................... Ki-t« 28pf. Datteln....................... Karton 43 pf. Apfelsinen........ Datzcnd 23, 35pf. Citronen..................... Dataend 35p«. Liköre- Weine Älpenkräuter............... Flasche 98pt Stonsdorfer............... riascue 98 pt Halb u. Halb................. nasche 1,05 Tafel-Kümmel........... Fiaeoh« 1,05 Rum(Verschnitt) Flasche 1,10,1.25 Kognak(Verschnitt) Flasche 1,10,1.25 Punsch-Extrakte ÄsArj;?i.rBuÄrn und Rotwein Oft<1 CR Flasche ÖL? Pf.'/i Flasche 1.99 Obermoseler.............«/.Flasche 70p Moseiblümchen........«/.Fiaach« 78pf. Herxheimer..............«/, Flasche 95� St. Emilion...............«,. 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Berlin SW« Ar. 299. 27. Jahrgang. 2. MW im Jotitiirto" Knlim illollislilntl. Soitnetstiij, 22. Dezmbn 1910. Bergwerlishataftroplie in Cngland. 350 Arbeiter in Lebensgefahr. Ein schweres Grubenunglück hat sich gestern auf der Prätoria-Grube der H i l t o n-K ohlenbergwe r ks ges eil- schaft in Bolton in der englischen Grafschaft Lancester zugetragen. In einem Schacht kam es aus bisher unbekannten Ursachen zu einer Explosion, die die Grube in Brand setzte. Da durch die Explosion die Fahrstühle in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die in der Grube arbeitende Belegschaft in einer Stärke von etwa 350 Mann von der Außenwelt abgeschnitten. Trotzdem das Feuer fortwütete, wurden sofort umfangreiche Rettungsversuche organisiert. Die Bergungsarbeiten werden durch den aus dem Schacht aufsteigenden Qualm sehr ge- hindert. Bis 8 Uhr abends wurden acht Mann der B ele g sch a ft le b end und fünf als Leichen ge° borgen. Bei dem Versuche, sich ohne Rauchschutzapparat an den Rettungsarbeiten zu beteiligen, ist ein Unterdirektor des Bergwerks erstickt. Nach einem um 9 Uhr abends eingelaufenen Tele- gramm aus Bolton wurde von Mitgliedern der Rettungsabtcilung die Ansicht ausgesprochen, daß so gut wie keine Hoffnung vorhanden sei, die ein geschlossenen Bergleute zu retten. Der immer noch fort dauernde Brand in der Grube macht es den Rettungs Mannschaften zurzeit unmöglich, in die Grube ein- zudringen. Ueber die Katastrophe berichten Spezialtelegramme des„Pretz-Telegraph" noch folgende Einzelheiten: Manchester, 21. Dezember. Die über den beiden Hauptein- gängen der Grube befindlichen Gebäude wurden zerstört, so daß die Schächte verschüttet und durch die Förderstühle verstopft sind. Die Ventilation wird hier vollkommen ver- h i n d e rt. Sofort nach dem Bekanntwerden des Unglücks setzte eine aus- gedehnte Hilfstätigkeit ein. Da man jedoch merkte, daß die Schächte in Flammen stehen, konnte nur mit äußerslee Vodicht vorgegangen werden. In einer Nebeneinfagrt wurden Tiere in die Grube hinabgelassen. Als man sie wieder lebend heraufziehkn konnte, stiegen sofort Rettungsmannschafte» hin- ab. Sie stießen zuerst auf die Leiche eines Knappen, die voll- kommen verkohlt war. Manchester, 21. Dezember. Bis abends 10 Uhr waren zwölf Lebende und 15 Tote aus der Prätoria-Grube geborgen. Nach den Berichten der Geretteten müssen noch weitere Lebende unter Tag sein. Das Feuer scheint nicht alle Schächte er- griffen zu haben. Die Rettungsarbeit wird daher mit fieberhafter Geschwindigkeit fortgesetzt. Der durch die Katastrophe verursachte Materialschaden ist ge wältig, da der Betrieb auf der Grube längere Zeit ruhen muß, bis das Feuer erstickt ist. Zm Lage der Kleinbauern und Landarbeiter. Iii. Mißachtung der Unfallvcrhütungsvorschriften; Aus- beutung von Kindern. Ungeheuer groß ist nach den meisten Berichten die Zahl der vorgefundenen Mängel und Berstöste gegen die Unfallverhiitnngs- Vorschriften. So fanden die Aufsichtsbeamten von„Schwaben und Neuburg" in 6202 kontrollierten Betrieben insgesamt 48 869 Mängel— 7,9 Proz. Betriebe! In der„Pfalz" wurden 1772 Be- triebe besichtigt und dabei 13 469 Mängel festgestellt!„Ober- franken" berichtet von 16 122 Verfehlungen gegen die Unfallver- hütungsvorschriften in 2635 revidierten Betrieben. Der Aufsichts- beamte für„Untersranken" entdeckte in 2975 Betrieben insgesamt 19 694 Mängel. Der Bericht für„Oberpfalz" erwähnt, daß in 1447 revidierten Betrieben 8463 Mängel vorgefunden wurden. Stärker war die Kontrolle der Betriebe in„Mittelfranken". Es wurden dort 3969 Betriebe revidiert und dabei 31 821 Mängel be- anstandet. Der Bericht für„Meiningen" erwähnt: „Auch im Berichtsjahre wurde gelegentlich der Betriebsrevisio- nen von vielen Landwirten lebhafte Klage darüber geführt, daß die zurzeit geltenden Unfallverhü.tungsvorschriften viel zu allgemein gefaßt und schwer verständlich sowie schwer durchzuführen seien." Einzelne Aufsichtsbeamte führen auch aus, daß sie ihre Be- kriebsrevisionen vorher erst anmelden, also gar nicht unerwartet erscheinen. In„Niederbayern" werden die Revisionen„einige Tage vorher dem Bürgertneister angesagt" usw. Unser bureaukratisches Polizeiwesen kennzeichnet auch der Bericht„Brandenburg" wie folgt: „Die Unfallverhütungsvorschriften sind zwar inhaltlich nach Möglichkeit den Polizeiverordnungen betreffend die Einrichtung und den Gebrauch landwirtschaftlicher Maschinen, die nicht im Fahren arbeiten, angepaßt worden, aber ei« völlige Uebcrein- stimmung war, zumal da die maßgebenden Pntizcivorschriftcn für die beiden Regierungsbezirke in mancher Hinsicht voneinander ab- weichen, nicht zu erreichen." In„Oberbayern" wurden in 1333 Betrieben allein 9915 Mängel gefunden. Der Bericht für„Schlesien" führt an: „Von den 4185 revidierten Betrieben wurden 4165 Be- triebe— 99,52 Proz. beanstandet: ohne Mängel waren nur 29 Betriebe— 0,48 Proz. Die Zahl der beanstandeten Maschinen und Betriebseinrichtungen beträgt insgesamt 26 989: mithin fanden sich im Durchschnitt 6,26 Mängel in jedem beanstandeten Betriebe. Im einzelnen richteten sich die Verstöße gegen folgende Teile der Unfallverhütungsvorschriften: Teil I(Maschinen) in 19 519 Fällen. Teil II(Nebenbetriebe) in 429 Fällen, Teil III �(Hauptbetriebe) in 15 159 Fällen." Im Bezirk„Lothringen" fand der Aufsichtsbeamte in 239 Orten mit 2699 Betrieben allein 8632 Verfehlungen! Der Bericht für„Königreich Sachsen" führt in zwei Tabellen eine Berechnung aus,„welch erheblicher Betrag für Betriebsunfälle bisher gezahlt worden ist, die hätten vermieden werden können, wenn den Unfallverhütungsvorschriftcn in gehöriger Weise nach- gegangen worden wäre". Die Berechnung erstreckt sich auf Unfälle vom Jahre 1899 ab und gibt an, daß 392 Unfälle seit dieser Zeit mit 199 779 M. ent- schädigt werden mußten, die auf„Nichtbeachtung der Verhütungs- vorsckriften seitens der Versicherten zurückzuführen sind". Wesent- lich höher ist der Prozentsatz der Unternehmer» und zwar 1543 Fälle mit 693 191 M. Der Aufsichtsbeamte empfiehlt strengere Bestrafung der Unternehmer, indem er ausführt: „Die Erfahrung hat gelehrt, daß Unternehmer, die mit gering- fügigen Strafen belegt wurden, der Beseitigung der gerügten Uebelstände, trot? der Bestrafung, weniger nachkamen als die- jenigen, über welche höhere Strafen verhängt worden waren, und e? wird deshalb der Vorstand genötigt sein, in Zukunft die er- gehenden Ordnungsstrafen in fühlbarerer Weise wie bisher zu bemessen, um so mehr, als es sich bei den meisten verhängten Strafen um bei Nachrevisionen gefundene mangelhafte Betriebs- einrichtungen handelt, wenn sich die Erwartung, daß die Berufs- genossen die Notwendigkeit der Durchführung der Unfallverhütungs- Vorschriften einsehen und den geltenden Vorschriften auch nach- kommen, nicht verwirklichen sollte." Ueber die Verwendung von Kindern und jugendlichen Zlrbeitern auch an gefährlichen Maschinen in der Landwirtschaft berichtet „Unterfranken": „Von einem Mitglieder der Genosscnschaftsversammlung, Dekan Zeitler von Burgsinn, wurde, unter Bezugnahme auf den statistisch nachweisbaren überaus hohen Prozentsatz von noch im Kindesalter stehenden Personen, die durch rücksichtslose Bcr- Wendung namentlich bei Bedienung von Maschinen jährlich an Leben und Gesundheit zu Schaden kommen, als dringend ver- anlaßt bezeichnet, nicht nur die bestehenden einschlägigen Unfall- Verhütungsvorschriften ohne jeden Rückhalt und unter An- Wendung von Strafen zur Durchführung zu bringen, sondern auch die zu niedrige Altersgrenze von 12 Jahren entsprechend höher, bis zu 16 Jahren, zu normieren." Ebenso berichtet der Aufsichtsbeamte des Bezirks„Ober- franken": Die Beschäftigung jugendlicher oder weiblicher Arbeiter an gefährlichen Maschinen oder mit besonders gefahrbringenden Ar- beiten wurde auch im Berichtsjahre wiederholt beobachtet. Leider wurde nach§ 29 der Unfallverhütungsvorschriften, wonach Kinder unter 12 Jahren unmittelbar an Maschinen nicht beschäftigt werden dürfen, mehrfach außer acht gelassen. Auf diese Weise erlitten einige Kinder recht bedauerliche Unfälle an Maschinen, die noch dazu nicht mit den vorgeschriebenen Sicherheitsvorrichtungen ausgerüstet waren." Auch der technische Aufsichtsbeamte dieser Berufsgenossen- schaft erklärt in seinem Sonderbericht: „Auch in diesem Jahre sind oft Kinder an Arbeitsstellen, deren Gefährlichkeit sie nicht gewachsen sind, beschäftigt und verletzt worden." Dafür ein Beispiel: „An einer mittels eines l2pferdigen Benzinmotors betriebenen Futterschneidemaschine ereignote sich im Berichtsjahre ein schwerer Unfall. Ein 14jähriger Junge wurde zum Einlegen an genannter Maschine verwendet. Da der auf der Futterlade von der Fabrik angebrachte Walzeneinziehschutz angeblich beim Einlegen„hinder- lich" war, so wurde dieser schon vor dem Unfall von dem Betriebs- Unternehmer wieder entfernt. Als nun der junge Bursche ein- legte, kam er mit den Fingern der rechten Hand den Einzieh- walzen zu nahe; diese erfaßten die Hand und im Nu wurde letztere in Stücken von 19 Millimeter bis weit übers Handgelenk von den Messern abgeschnitten. Wohl war eine AuSrückvorrichtung vorhaniden, aber das Ganze geschah so blitzschnell, daß der be- dauernswertc Junge die Vorrichtung nicht mehr erfassen konnte." Im Bericht für„Niederbayern" lesen wir: „Jugendliche und weibliche Arbeiter mit losen Kleidern wurden nicht selten an gefährlichen Maschinen oder mit besonders gefahr- bringenden Arbeiten beschäftigt. Weibliche Personen sind öfters von nicht überdeckten Transmissionswellen an den Kleidern erp faßt worden." „Unter-Elsaß" erklärt ebenfalls: „Vielfach werden jugendliche und weibliche Arbeiter an Häcksel- Maschinen, an Rübenschneidemaschinen, zum Treiben des Zugviehs an Göpeln verwend/t oder an Dreschmaschinen beschäftigt. Unfälle, die sich hierbei ereigneten, mußten von der Genossenschaft ent- schädigt werden." Die Berufsgenossenschaft für„Meiningen" schreibt kaltblütig: „Unter der statistisch nachgewiesenen großen Zahl von Unfällen in der Landwirtschaft sind viele lediglich durch Leichtsinn oder un- vernünftiges Verhalten der Verletzten verschuldet worden, während ein anderer beträchtlicher Teil derselben durch die gefährliche Be- schaffenheit einzelner Maschinenteile herbeigeführt worden ist. Die Unfälle an Futterschneidemaschinen, Göpeln und Transmissionen sind meist schwerer Natur gewesen und haben die Gewährung hoher Dauerrenten zur Folge gehabt. Auch betrafen gerade die nicht entschädigten Unfälle leider mehrfach Kinder im?llter von 6 bis 8 Jahren, die hierbei ganze Gliedmaßen eingebüßt haben und da- durch für ihre ganze Lebenszeit zu Krüppeln geworden sowie durch Vcrsagung der Rente, die in diesen Fällen leider erfolgen mußte, in späteren Jahren leicht' der Not ausgesetzt sind." Auch der Aufsichtsbeamte für„Oberbayern" bemerkt: „Bezüglich der Verwendung von Kindern an Maschinen und zu sonstigen gefährlichen Arbeiten war eine Besserung leider nicht wahrzunehmen. Auch im Berichtsjahre wurden aus Mangel an anderen geeigneten Zlrbeitskräftcn wiederholt Kinder im jugend- lichsten Alter(bis herab zu 6 und 5 Jahren) bei der Leitung der Zugtiere am Göpel angetroffen. Die betreffenden Unternehmer wurden jeweils auf ihre moralische Verantwortung und auf die Strafbarkeit einer solchen Verwendung von Kindern mit größten Nachdruck hingewiesen."_ Hus Induftm und Handel. Ironie des Schicksals. Eine treffliche Ergänzung und Illustration unseres gestrigen Artikels„Viehhaltung in Deutschland und Amerika" liefert die folgende Meldung: Wien, 21. Dezember. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Ackerbauministeriums betreffend Verbot der Einfuhr von Rindvieh sowie von Klanentieren zu Zucht- und Nutzzwecken nach Oesterreich wegen der im Deutschen Reich Herr- schenden Lnngenseuche und Maul- und Klauenseuche. Die Oesterreicher handeln mit ihrem Verbot genau so logisch wie die deutschen Junker mit der Grenzsperre gegen Oesterreich. Man will sich die nationalen Seuchen nicht verderben lassen; aus Vaterlandsliebe soll das Volk nur patriotische Krankheitserreger ver zehren— und teuer bezahlen. Die Rentabilität der Maschinenfabriken. Nahezu sämtliche Maschinenfabriken, die in der Form von Aktien� gesellschaften bestehen, haben nunmehr ihre Betriebsergebnisse über das letzte Geschäftsjahr veröffentlicht. Für einen Vergleich der ewinnergebnisse mit den vorjährigen kommen 394 G e- sellschaften in Betracht, die ein gesamtes nominelles Aktien- kapital von 623,91 Millionen Mark im Jahre 1998/99 und 659,41 Millionen Mark im Jahre 1999/19 repräsentieren. Von diesen 394 Aktiengesellschaften arbeiteten im Jahre 1998/99 262 mit 571,43 Millionen Mark Kapital gewinnbringend, 42 mit 52,48 Millionen Mark Kapital weisen Verluste auf. Im Jahre 1999/19 waren es nur 242 Gesellschaften mit 566,68 Millionen Mark Kapital, die einen Gewinn erzielten, während 62, oder 29 mehr als im Vorjahre, bei einem Aktienkapital von 83,73 Millionen Mark mit Verlust ab- schlössen. Nichtsdestoweniger aber ist der Gewinn kräftig ge- stiegen, denn er stellte sich bei den mit Gewinn arbeitenden Ge- sellschaften insgesamt auf 8l.Zü Millionen Mark gegen 73,24 Millionen Mark im Jahre zuvor. Der Verlust ging von 19,47 auf 14,21 Millionen Mark hinauf. Berechnen wir den U e b e r s ch u ß der eingewinnsumme über die Verlustsumme, so ergibt sich dieses Bild. Der Ueberschuß betrug: in 1999 Mark in Proz. d. Nominalkapitals 1998/99... 62 768 19,06 1909/19... 67 149 10,32 Trotz der Zunahme der Verluste konnte demnach der Gewinn- Überschuß erhöht werden. Daß das keineswegs auf Kosten der Ab- schreibungen ging, erhellt daraus, daß die Abschreibungen, die sich für 239 Gesellschaften mit einem Aktienkapital von 611,13 resp. 637,23 Millionen Mark in den Jahren 1998/99 und 1999/19 ermitteln ließen, von 45,25 auf 48,16 Millionen Mark erhöht wurden. Von den berichtenden Gesellschaften kommen 287 für einen Vergleich dek Dividendenergebnisse in Betracht. Bei den übrigen werden entweder die Dividenden nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht hinreichend bekannt gegeben. Die 287 Maschinenfabriken hatten im Jahre 1998/99 ein Aktienkapital von 692,34, im Jahre 1909/19 ein solches von 626,16 Millionen Mark. Sie verteilten für das Jahr 1998 resp. 1998/09 insgesamt 43,52, für das Jahr 1909 resp. 1999/19 insgesamt 47,09 Millionen Mark Dividende. Die durch- schniltliche Verzinsung des nominellen Aktienkapitals ist danach von 7,2 Proz. im Jahre 1998/99 auf 7,5 Proz. im Jahre 1999/19 hinauf- gegangen._ Bierproduktion und Bicrbesteuernng. Nach der im 4. Hefte der Vwrtcljahrsheste zur Statistik des Deutschen Reiches, Jahrgang 1919, veröffentlichten Statistik der Bierbrauerei und Bierbesteuernng wurden während deS Rechnungs- jahreö 1909 im Gebiete der norddeutschen Brausteuei Gemeinschaft 38,36 Millionen Hektoliter Bier erzeugt gegen 40,19 Millionen Hekto- liter im Jahre 1998. Von der Mindererzeugung(1,83 Millionen Hektoliter) entfallen 1,74 Millionen Hektoliter auf untergäriges und 9,99 Millionen Hektoliter auf obergäriges Bier. Hierbei ist zu beachten, daß durch das neue Brausteuergesctz vom 15. Juli 1999 die Slaffetsteuersntze der Vraufteuer mit Wirkung vom 1. August 1999 ab erhöht worden sind, und daß die Menge des ge- wonnenen Bieres nicht mehr als„Bicrzugsbier", sondern als„ver- kaufsfertiges" Bier in der Bierstatistik nachgewiesen wird. Für 1998 und die früheren Jahre ist die Biermcnge auf verkaufsfertiges Bier umgerechnet worden(§ 98 Abs. 2 der Brausteuer-Ausführungs- bestilnmuiigen). Ferner wird darauf hingewiesen, daß das Groß« Herzogtum Luxemburg mit dem 1. August 1999 aus der norddeutschen Brau)teiiergeuieinschaft ausgeschieden ist. An Malz wurden in den Bierbrauereien(Uebersicht II) ins- gesamt 6 733 752 Doppelzentner gegen 7 481 555 Doppelzentner im Vorjahre, also 747 893 Doppelzentner weniger verbraut. Auf ein Hektoliter Bier aller Sorten wurden durchschiiitttich verwendet 17,57 Kilogramm gegen 18,62 Kilogramm im Jahre 1908. Dagegen stieg der Verbrauch an Zuckerstoffen auf 139 546 Doppelzentner von 117 343 Doppelzentner im Vorjahre, also um 13 293 Doppelzentner (11,3 Proz.). Die Einnahme an Bransteuer betrug nach Abzug der Steuer- Vergütungen für ausgeführtes Bier 87,1 Millionen Mark(1998: 52,2 Millionen Mark). An Uebergangsabgabe vom Biere wurden 7.5 Millionen Mark, an Zoll 3,8 Millionen Mark erhoben, so daß sich als Gesamtertrag der Bierabgaben 98,4 Millionen Mark, d. i. 1,93 M. auf den Kops der Bevölkerung, ergeben(1998: 61,9 Millionen Mark — 1,21 M. auf den Kopf). Der Bierverbrauch betrug, auf den Kopf der Bevölkerimg unter Berücksichtigung der Ein- u!id Ausfuhr berechnet: im Brousteuer- gebiet 79,9 Liter<1998: 84,9 Liter), in Bayern 239,1 Liter(1998: 235,9 Liter), in Württemberg 146,3 Liter(1908: 153,8 Liter), in Baden 145,9 Liter(1998: 149,8 Liter), in Elsaß-Lothringen 87,6 Liter (1998: 98,2 Liter) und im deutschen Zollgebiet 199,2 Liter(1993: 195,2 Liter). Bei Bayern und Baden gelten die Angaben für das Kalender» jähr, bei den übrigen Steuergebieten für das Rechnungsjahr. Bergan. Die Oberschlesische Eisenindustrie-Aktiengesellschast für Bergbau und Hüttenbetrreb erzielte in den ersten drei Onartalen des laufenden JahreS einen Gewinn von 1 247 982,88 M.: der Gewinn des ganzen vorigen Jahres bezifferte sich auf 1215 628,91 Mark. Die Bielefelder Maschinenfabrik von Dürrkopp verteilt für daS letzte Jahr bei erhöhten Abschreibungen 28 Proz, Dividende gegen 23 Proz. im Vorjahre. Beredte Zahlen. In einem Aufsatz der„Köln, Ztg."(„Wirt- schaflliche Streifzüge in Hannover") wird in behäbiger Breite die Entwickelung und wirtjchaslliche Bedeutung des hannöverschen „Dividendenungeheuers", der Continental-Caoutchouc- und Gutta- percha-Compagnie, geschildert. Die Gesellschaft hat während einer Reihe von Jahren 39, 49, ja 55 Proz. Dividende abgeworfen und daneben noch rund S'/a Millionen verschiedener Rücklagen ange- sammelt.„Bei dieser günstigen Emwickelung", heißt es weiter, „konnten auch umfassende Maßnahmen zur Besserung der wirtschaftlichen Lage derzahlreichenArbeiter- schaft getroffen werden. So erhalten die Arbeiter, die zehn Jahren bei der Gesellschaft tätig sind, entweder eine Lebens- Versicherungspolice von 1599 M. oder, falls sie keine Aufnahme in der Versicherung finden können, eine Einlage von 59 M. in ein Sparkassenbuch. Die Prämien der Lebensversicherung bezahlt die Firma und den in die Versicherung nicht aufgenommenen Arbeitern zahlt sie jedes Jahr 59 M. in ihr Sparkassenbuch. Nahezu 599 Ar- beiter befinden sich heute im Besitze der Police oder des Sparkaffen- buches. Die Beamten erhalten bei zehnjähriger Tätigkeit eine Police über 5999 M., die ebenso wie diejenige der Arbeiter sofort in den Besitz der Angestellten übergeht. Bei 25 jähriger Tätigkeit erhalten die Arbeiter einmalig 399 M., die Vorarbeiter und Meister 499 M. Autzerdem wird ihnen von da ab eine jährliche persönliche Zulage von 199 M. zu ihrem Lohn gezahlt. Gelegentlich der ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft erhalten die Arbeiter, die ein Jahr bei ihr tätig sind, 49 M. und die Arbeiterinnen 29 M. ausbezahlt. Arbeiter, die schon länger tätig sind, erhalten ent- sprechend mehr." Bei näherem Zusehen schrumpfen die„umfassenden Maßnahmen zur Besserung der wirtschaftlichen Lage der zahlreichen Arbeiterschaft" nicht nur zu einer kaum nennenswerten Bagatelle herab, sondern lassen auch einen tiefen Blick tun in die erschreckenden Arbeitsverhältnisse in diesem Riesemmternehmen, das im Juni dieses Jahres 7159 Personen beschäftigte. Von der großen Schar sind nicht einmal 599 zehn Jahre lang in dem Unternehmen tätig, trotz Police, Sparkasse und der bei 25jähnger Tätigkeit wirkenden einmaligen und dauernden persönlichen Zulage I Noch greller traten die Arbeitsverhältnisse in die Erscheinung, wenn man sich vergegen- wärligt, daß einschließlich der Zuwendungen gelegentlich der ordent- lichen Hauptversammlungen im letzten Geschäftsjahr insgesamt rund 159 999 M. ausgezahlt worden. Diese Ziffer läßt gar keinen Zweifel darüber, daß alljährlich Tausende von Ar- bcftern, ohne die Zuwendung abzuwarten, dem Unter- nebmerparadics wieder den Rücken lehren. Und welch' ein bescheidenes Sümmchen sind nicht die 159 999 M. im Verhältnis zu den Millionen der alljährlich nusgesckmtteten Dividenden I Doch Ehre, dem Ehre gebührt I Die Gesellschaft hat auch noch ein übriges getan, Sie besitzt eine in Hannover gelegene Kolonie Wohnhäuser, wo ältere Arbeiter und Meister für billiges Geld gesunde und lustige Wohnungen haben können. Jeder Mieter besitzt einen Garten, außerdem stehen Bibliothek, Lesezimmer und Spielzimmer zur Ver- fügung, die jungen Mädchen erhalten in der Kolonie Nähunlmicht, die Knaben Turnstunden. In der Fabrik ist seit Jahresfrist ein Schnapsverbot eingeführt, dafür werden Kaffee und Milch unentgelt- lich an die Arbeiterschaft verabfolgt. In den letzten fünf Jahren hat die Gesellschaft an freiwilligen Answendungen für WohlsahrtS- zivecke 1496 983 M. gezahlt,— Und dennoch die gewaltige Arbeiter- flucht! Die umfassenden Maßnahmen zum Wohle der Arbeiterschaft sind lein Produkt der Regung eines arbeiterfreundlichen Herzens— es sind gleißende Ketten, mit denen man die Arbeiter an den Be- trieb zu fesseln, der Maffenarbeiterflucht vorzubeugen versucht, und zwar ohne daß die Dividenden eine Einbuße erleide». Theater und Vergnügungen Donnerstag, 22. Dezember: Anfang �1|, Uhr. jtBnigl. Opernhans. Die Wallüre. (Ansang 7 Ubr.) Königl. Schauspielhaus. Götz von Derlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Neues königl. Opern-Theacer. Keschlosse». Deutsche». Hamlet. Kammeripiele. Der der- wnndete Bogel.(Ansang 8 Ubr.) Aomi'che Oper. DaS vergessene Ich. Ansang 8 Uhr. Berliner. Der scharse Junler. Lesstug. Anatol. Sieue» Schauspielhaus. Derger- riffene. Westen. Das Puppenmädel. Kleines. Verflixten Frauenzimmer. l. Klasse. Neues. Der G. m. b. H.-Tenor. Trianon. Der heilige Hain. Residenz. Der Unlerpräselt. Tha-.ia. Polnische Wirischast. O�itller t>>v.»u»e' r derlei) Prinz Friedrich von Homburg. Gch> u. lkliariottcnburg. Die Macht der Finsternis. Friedrich° WilhelmstädtischeS. Hosgunst. Kmee Operette». Keschlosien. SuftspielhauS. Der Feldherrn- Hügel. Luiien. Preciosa. Modernes. Der Doppelmensch. (Ansang 8'/, Ubr.) Roie. Der Kaiserjäger. Herrnfeld. Eine verloren« Nacht. Der Derbysieger. «olksoper. Undine. fllnsang 8',, Uhr.) Folie» Saprice. Der Feldwebel- Hügel.(Ansang 8'/. Uhr.) Metriivot. Hurra— Wir leben »och I Kasino. Julie Wippchen. Slp>»v. Zpeztaiitäten. Voigt. Die Barbaren. z>»»»ae. Spezialitäten. RrichsliaNen. Steitiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo l Dacapo l(An- sang L'i. Uhr.) Karl Havelland. Spezialitäten. Urania. Daubenstrafte s8/49. Abends 8 Uhr: Von San Nemo nach Florenz. Hörsaal« Uhr: Dr. S. Gehlhoff: Mechanik. Sternwarte. Jnvaiidenstr. S7—«2. Lessing-THeater. Donnerstag, Freitag 8 Uhr: Anatol. Sonnabend: Geichlossen. Die Kasse ist von 10—1 Uhr geöffnet. Berliner Theater. veute: Der scharte Mer.« Uhr. Morgen: Der Dalisman._ Neues Theater. Täglich: Der G. m. b. H.-Tenor. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. D«s Puppcnniiltlel. Freitag nachi». 4 Uhr: Botkäppehen. Modernes Theater (frilhor HebbeltHeator). Abends 8 Uhr: Poppelmenuch.__ Residenz-Theater. Dirrttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Ueeterpräfekt. Schwonl in S Akten v. Leon Gandillot. Morgen und folgende Tage: Der Nuterpräfett._ Friedrich-Wilhelmstddtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 22. Dez., abends 8 Uhr: Hof&ntist. Freitag zum 1. Male: Chrono von Bergerae. Sonnabend: Geschloffen. Lusfopieihaus, Abend? 8 Uhr: Der Feldherruljügel. berliner Volksoper Btlle-Allianceltrah« 7/8.-'IJä Uhr- Undine. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Preztosa. Freitag zu«rniäfligten Preise«: Gold- Härchen» Himmelfahrt. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag 3 Ubr: Hamlet. 8 Uhr: Mudicke« Reis- nach Indien. Moiuag 8 Uhr: Prcziosa. 3 Uhr: MlidickeS Reise nach Indien. Wissenschaftliches Theater- Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr; Hörsaal 6 Uhr: Dr. G. Gehlhofi: Mechanlb. Kaiser-Panorama. Neu 1 II. Besuch v. Florenz. Letzte Woche: Reise am Rhein von Mainz bis Köln. Tausende Familien schenken zu Weib- nachten Abonnements. 8 Reisen 1 M. m iOSE=THEATE| 8 Uhr: 10 große Attraktionen 10 9 Uhr: Das Tagesgespräch Berlins: Der(xedankenleser Bellini. Grojje Franks iiilc: Str. IÄ2. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Dtt Kaisttjüger. Komödie in S Alien von Brenn ert _ und Ostwald._ JÄetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Grohe AuSstattungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr— Rauchen gestaltet. üaue d'Eve Exoentrique frantzaise in ihrem Tranpformationsakt: Müe. Denarbers Luftballonsfahrt über den Köpfen des Publikums, und eine Auslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. Ranchen{jesttattet! MM« Der grotto Sichlai;er; Eine verlorene Xacht. Oer Derby-Sieger. Ans. 8 Uhr. An den 3 Fkierlapc» abend» 8 Uhr: ElNe verlorene Xacht. Oer Derby-Sieger. Am 1. u 2. Feieriag nachm. 4 Uhr: Wenn zwei danselbc tan. Am 31. Dezember 1910 von 8 Ubr abends bis 4 Ubr früh: Gr. Silvester-Bvrstellung. Line verlorene Beeilt. Der Derby-Zieger. ssine Partie Kiabrias Gr. Kabarett Billetts für sämtliche Borsteüungen schon heule zu haben. Passage Wahrend der v. 18. Dezember Volkstage Jodermann ein Kind frei! Jedes Kind erhält 1 Geschei.k! Der bcarnaisischc W Riese l Duftorc D.jjfrößte Mensch, d. je gelebt, HO mm größer als Machnow. Alles ohne Extra-Entree! t-1 ▲ lt-noablt 47/18. Donnerstag, den 22. 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Oedipus _ und andere Zirkusscherze._ UM- Rente nener Wochen-8plelpIan."Mm NeneS Schauspielhaus Monna Tanna. Heber nnsere Kraft. Genoveva. Der Zerrissene. Thalia-Tbeater Operette Die schOne Helena. Refidenz-Tdeater Die SOO Tage. Herrnfeld-Tbeater Der Herr Senator. Nächste Serie: d. Reiches Pforten. »»»•••••##•••••••••••#•••••••••••••••••< jExcelsior Liclitspielliaus Hixdorf, Bergstn 151/152. Heute: l | Vollständig neues Programm. Tnfani Uhr. ng Wocfaentsss O Uhr. X X Sonntags 6 jfeden Sonnnhend: Programmwechsel. Sport- Palast Ewtrw>' w- Potsdamer Straße 70-72a Qpökisp Llspalas� dan WM Tom 25. Dezember bis 8. Januar: Feerie:„Weihnachten am Nordpol". Ständig 2 Künstlerkapellen. — Anfiergewöhnliche Licbteflekte.— 200 Eislaafkünstler.— Unterricht im Eislauf. Täglich von 11—1 Uhr vormittags; KONZERT, Jeden Sonnlag 4 Uhr: NachmlttagSaVorstellungf. Grolle Silvcftcr-f ckr unter Mitwirkung der\ Großen Rheinischen Karnevals• Gesellschaft Plätze M. 4,—. Reserviert M. 6,—. Donnerstag, d. 5. u. Freitag, d. 6. Januar 1911, abends: Zum Besten des Vaterländischen Frauenvereins Berlin Zwei Konzerte der Bonner Liedertafel (2. Preis auf dem Wettstreit in Frankfurt a. M.) 230 Sänger"&iälÄ4" Joseph Werth. Reservierter Platz 5 M., alle anderen 2 M. Vorverkauf bei: Leipziger Str. 37; Hofmusikalienhandlnng Bote& Book, Musikalienhandlung Stahl, Potsdamer Straße 39; A. Wertheim, Leipziger Straße; im Bureau des Vaterländischen Frauenvereins, Dessaner Str. 14 und an der Kasse dos Sport-Palastes, Potsdamer Str. 72— 72 a. BERIJhER KOXZERTHAUS Mauerstr. 82 Zimmeretr. 90-91 Eintritt 50 Pfennig. !!! Rente!t! Mrnalionaler jlbend! t,- Pfon-z vr FU/\ti Orchester 53 Künstler.; |Dir. rranz V. t>10n. Anfang 8Uhr. s Spezial- Ausschank: Hünchener MathKserbrän. Donnerstag, den 22. Dezember, abend» Tu Ubr: Austreten de« Dir. Alb Schumann. Neu, Maud Elton Neu, mit ihrer dress. Hnndemeute. Leihini-Iruppe, 5 Perionen. Radfahrer und Rollschuhläufer. Apachen zu Pferde, gerttten v. Frl. Oora Schumann u. 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Anfang 8 Uhr. Der heilige Hain. >teue Freie Volksbühne Die Knnat dem Volke! Extra-Vorstellungen]; Sonntag, den 25. December| Montag, den 20. Dezember nachmittags 3 Uhr im Schiller-Theater, Charlottenbg. Sodoms Ende Schauspiel von Sudennann. Billetts«ilr Mliglieder a 1 M., fOr Glitt • 1,25 M. Inkl. Zettel und Garderobe sind in der Gösch Sftsstelle des Vereins, Köpenicker Str. 08, und in den Zahlstellen Bobsien, KommandaiitenKtr. 62, Martienzen, Mcne Promenade I, Fischer, Vetecanenstr. 6, Becker, Clotzkowt-kyt-tr. 9, Martienzen, Pot«- damer Str. 40, zu haben. 150/5 im' Neuen Volks-Theater Ueber unsere Kraft I. Teil Schauspiel von BjOmson. Billetts a 1,30 R.(Ilr Mitglieder und Glitt» inkl. Zettel und Garderobe Bosporus am Moritzplalz. Das Variete-Konsura-Systeni nur an Wochentagen gültig. Entrea frei. Sie lösen nur ein Protramra pro Person 20 Pf, damit haben Sie I Gla» Bier bezahlt. 8 Uhr: Das neuaDozbr.-VarieWi-Progr. Von 11—1 Uhr: KOnitler. Konzsrt. Dir. Robort Krüger. An den beid. Weihnachtsfeiertag.: Nachmittags vorstellung. Anf. 3 Uhr. Walhalla-Theater. I Rosenth.Tor.) WeinbergSw.SD l Anfang 8st, Uhr. Dezember- Aliernvuesr»» I »i-avo!— Da Pap»! aEineAllerweltS-Revue in öBild.s Ln Szene gesetzt 0. Dir. I. Kicin.| ) verb. m. neuen Eouplet«, Ein- lagen n. Seniationc»». n. Mls-SA�s Schönhauser Allee 130, MilastraBe 3 Jeden Sonntag u. Donnerstag: D Großer BaSI.� Anfang 8 Uhr. Karl Blonew MMN-« Glauben Sie mir! Kredit Kredit Kredit Kredit Kredit ksufan Sl«■w«ertcilhaf- t<«un und»>n bllilcdai« d»> w®<»»-> Sin kulant und tchneil Btdlani nur dal linden Sl» Nn coh indnn dl» weltTbm» Autwanl bat Täglich Ullitär-Konzert. Oroße Rutschbahn. Restaurant und Cafö. Eintritt 50 Pi.» Gustav Meyer.( »www | Tel Vis 19878. Sportplatz Botanlacher Garten. I BMMVMWWK ffVMWWWMWWMVMMVM Iii Deatachlands. Kweigvereln Berlin n. UmgcgendL Sektion der Töpferträger! DosnerStag. den SS. Dezember er., abendS 8 Uhr» im Gewerkschaftshause, Engelufer IS, Saal 11: Mitglieder-versammlnng. Tagrs. Ordnung: vrrlchterstatwng der Verhandlungen vor dem LuSschusie der verlwer Kew-iklchaltSkommission. 80/19» Die Berhandlniigsflimmtsston. Veninltnng BerUn. Das Verbandsbureau ist am Tonuabead, de» 24, Dezember(Heiligabend) und am Soiinabend, den Sl. Dezember(Silvester)»vr bis 1 Uhr mittags geöffnet. Das Bureau ist geschloffen am: Sonvabeud, drv 34. Dezembtr» nachmittags. Moviag, den 36. Atzember» den ganzen Tag. Dienstag, den 27. Dezember, den ganzen Tag. Sonnabend, den Zt. Dezember, nachmittags. Arbeitslose Mitglieder, deren Unterstützung am Sonnabend» den S4., Montag, de« SO.» und Di«i.stag, den 27. Dezember, fällig ist. geben Freitag, den SS. Dezember» Bücher und Arbeitslosenkarten im Arbeitsnachweis ab und bekommen die Unterstützung am Sonnabend- Vormittag ausgezahlt. Die Arbeitsnachweise sind am Montag» den SO., und Dienstag, de« 27. Dezember, geschlossen. Die Einkassierung der Beiträge in den Zahlstetten erfolgt am 84. und Sl. 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Bewerbungen mit Angaben über die bisherige Tätigkeit sind mit der Auf- fchrifl„Bewerbung* 4 Tanuar 101 1 an Adolf ißenkep, Bielefeld, versehen bis zumO.-H. D�r Theaterverein„Dornröschen" veranstaltet am ersten Weihnachtsfeiertage in dem gesperrten Lokale von Seitz, Ecküpenstratze, einen Theaterabend. Da auch versucht wird, in Arbeiierkreisen Billetts umzusetzen, ersuchen wir, dieselben entschieden zurückzuweisen, da uns seit fahren das Lokal hartnäckig verweigert wird. Ferner teilen wir mit, dub in Tirfwcrder uns kein Lokal zur Verfügung steht._ Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Sonntag(1. Feiertag) in der Viktoria- Brauerei, Lützowstr. Winterfest: Konzert(Berliner Sinfonie-Orckester M. Fischer und Gesangverein„Liedertafel West") und Tanz. Billetts bei den Bezirksführern. Mahlsdorf(Ostbahn). Der Wahlvcrein hält seine WeihnachtS- frier am ersten Feiertage abends im Lokal des Herrn Linke, Gruner- strabe, ab.___ Berliner JMacbncbten. DaS Fräulein geht aus. Um die Dämmerung zieht sich das gnädige Fräulein zurück. Sie verläsit die Wohnzimmer, schließt sich in ihr Boudoir, ein Leines himmelblaues Nest, ein. dreht die gedämpfte elektrische Krone an und bleibt vorläufig verschwunden. Manchmal iinr hört man sie drinnen aus und abgehen. Schränke öffnen. Schubladen aufziehen, irgend etwas summen oder auch leise und gequält seufzen. Die Schritte drinnen werden schneller und schneller, das Seufzen lauter, Schranktüren fliegen zu und auf, das Fräulein läuft von einer Ecke in die andere, sucht nach diesen, und jenem, kehrt den Toilettentisch von oberst zu unterst— gerät außer sich— und beginnt im kritischsten Moment— echauffiert und nervös— zu schellen. Einmal— zweimal— dreimal l „Minna— a—al" Minna stürzt Hals über Kopf herbei und starrt sprung- bereit auf den hellen Türspalt, durch den sich ein nackter schlanker Arm befehlend hervorstreckt. Und es beginnt: Wäsche— Strümpfe— Untertaillen— Korsetts— das kurze, das lange, das Wiener, das Pariser, das gelbe, das weiße, das rote— „Minna— a— o l" Minna stürzt herbei. „Na. aber Minna, so rühren Sie sich doch ein bißchen I" Haarnadeln— Parfüm— Taschentücher— die Lack- schuhe den großen Kamm— Brennspiritus— Stiefel- knöpfer—„sind die Handschuhe gewaschen?"— die kleine runde Achatschnalle-- Und wieder Minna und abermals Minna und zum achten- mal Minna--- So geht das eine ganze Weile. Rauscht sie dann aber hervor, sich wiegend im neuesten Wiener Korsett, gleichsam daherwandelnd in einer Weißen duftigen Wolke, so ist sie sanft und gütig, strahlend und schön. wie eine junge erwachende Sonne. «Wie schön Du bist, Kind I" sagte die Geheimrätin in Mütterlichen: Stolz und küßt sie auf die Wange. „Ach," sagt sie nur.„ach, Mama.. Und seufzt... Dann aber— endlich— klappt die Tür. jemand eilt die Treppe hinab: da ist sie fort... Sie sitzt im Theater oder im Konzert, lässig hingelehnt über die Brüstung der Loge, sie rauscht über das Parkett einer alten verträumten Villa,— die Geheimrätin aber sitzt daheim im gelben Dämmer der Lampen, sinnt und lächelt... Wie schön sie ist...! Die Stunden gehen. Um 11 oder um 12 aber— je nachdem— blickt die Geheimrätin hinüber zur Uhr und drückt auf die elektrische Klingel. „Es ist Zeit, Minna...* Und Minna geht. Minna stolpert müde die Treppen hinab, Minna trabt durch die nächtlichen Straßen, heute hier- hin. morgen dorthin, Minna wartet am Portal des Theaters. in zugigen Durchgängen, Minna steht in der Einfahrt der Villen— fröstelnd in ihr Tuch gehüllt— und wartet und wartet... inmitten von Kutschern und großen, kostbaren, sorglich zugedeckten Pferden... Kommen gnädiges Fräulein nicht bald? Nein, gnädiges Fräulein soupieren. Die Zeit geht. „Kalt..." sagen die alten Kutscher und schlagen um sich mit den Armen.... Kommen gnädiges Fräulein denn noch nicht? Es ist bitterkalt.... Gnädiges Fräulein tanzen. Die Zeit geht. Die Pferde scharren.... Kommt sie dann aber— kommt sie dann, so ist sie sanft und gütig, strahlend und schön, wie eine junge er- wachende Sonne. „Minna-?" „Ja. gnädiges Fräulein.. Sie gehen. Das Fräulein voran, das Fräulein immer voram Minna frierend immer hinterher. Drei Schritt hinterher, im vor- schriebenen Abstand, wie ein großer wichtiger Herr mit seinem kleinen wachsamen Hündchen. Bisweilen nur blickt das Fräulein über die Schultern zurück, ob auch Minna noch da ist. O, gewiß, gewiß, sie ist ja eigenS da— eigens dazu da. das gnädige Fräulein zu schützen... Die Geheimrätin aber sitzt daheim, sinnt und lächelt.... „Bist Du es, Kind?" sagt sie zärtlich.„Aber— was hast Du denn?" „Nichts," sagt das Fräulein,„nichts... Du, übrigens. die Minna weint.. „So?" «Da hat sie einer attackiert— fortwährend... Irgend so ein Strolch... was weiß ich.. „Wann denn?" „Na, ich war noch im Theater.. „So", sagt die Geheimrätin beruhigt.„So. so.... Also Du hast nichts gesehen— nichts von all dem Häßlichen? Nein?— Na, Gott sei Dank!" Sie streichelt ihr sanft das Haar und ihr mütterlich-lteb- reiches Herz sieht aus jeder— aus der allerkleinsten Be- wegung. „Attackiert— hm, ja..." Nach einer Pause: „Na, sie soll sich aber nun nicht gar zu sehr haben.. Maulbeerplantagen in Berlin. Die Reichshauptstadt hat früher nicht nur Weinberge besessen, von denen heute außer den Namen einzelner Straßen nichts mehr vorhanden ist, sondern es bestanden hier auch ziemlich umfangreiche Maulbeer Plantagen, auf Grund deren versucht worden ist. die Seiden� raupenzucht in Berlin einzubürgern. Die erste derartige Am läge ist in den Jahren 1708 bis 1714 in der Auguststraße seine vielseitige Bildung bekannt Berlinischen Gymnasium, Johann diese Pflanzung an der Ecke Joachimstraße an, unmittelbar hier vorhandenen Armenkirchhof. nach ihm die Kleine August- während die Auguststraße Hospital entstanden. Der durch gewordene Rektor am Leonhard Frisch, legte der Auguststraße und hinter dem damals Eine Zeitlang hieß straße Frischens Gasse, straße, die Joachimstraße Haidereutergasse hieß. In der letzteren, dir derzeit noch am äußeren Stadtende lag, wohnte der mit der Aussicht über die Heideländereien beaufttagte städtische Beamte. Die Maulbeerplantage hat im Jahre 1806 noch bestanden. Weitere Anlagen befanden sich in der Nähe der Charit« und beim Jnvalidenhause. Auch in dem eigent lichen Weinland Berlins, in den Tempelhofer Bergen, haben sich Maulbeerplantagen befunden. Im Jahre 1718 wurde einer der dort befindlichen Weinberge an den Schweizer Steinert der kaust. In dem Rezeß hierüber heißt es:„Neinlich es verkauft die Chur Märkische Ambts Cammer obbemeldeten Weinberg, be- stehend aus zwölf Morgen Landes mit allen freyheyten und befugnisjen, welche der bißherige Arrendator gehabt, oder ge- nießcn sollte, nebst den Wohn Ochsen Hirthen Hause und Stalle, allen darin vorhandenen bäuhmen, außer denen Maul- beehrbäuhnien, welche die Societät der Wissenschaften mit allgdstr. Permission darin setzen lassen, und weßhalb kauffer sich mit derselben vergleichen muß." Ferner heißt es:„Desgleichen schaffet Er sich das Holtz zu denen Gehegen, Wenv Pfählen, item zum bau und brennen auf seine Kosten hinführo Selber an, und wenn die Societät der Wissenschaften den vor diesem Weinberge belegenen itzo mit Maulbehrbäuhmen be setzten Platz räuhmet, bezahlet Käuffer davor noch an Kauff pretio über obiges funffzig thaler und pro annuo canone 12 gr." Der Kaufpreis für das ganze Grundstück inkl. einer Wiese in Charlottenburg betrug 855 Taler; demnach muß also die mit 50 Taler bewertete Maulbeerplantage ebenfalls nicht ganz unbedeutend gewesen sein. Alle diese Plantagen sind längst verschwunden, desgleichen die Maulbeerbaumanlage, die im Schulgarten an der Bellevuestraße angepflanzt worden war. Schcunrnviertek. Dem Ausschuß zur Vorberatung der Vorlage über den Verkauf des Scheunenviertels lagen in der gestrigen Sitzung mehrere Angebote vor. die 1'/« Millionen Mark höher sind als das ursprüngliche Angebot. Die Beschlußsaffung wurde vor- läufig noch ausgesetzt._ Tempelhof gegen Berlin. Die Gemeinde Tempelhof ist auf die Stadt Berlin nicht gut zu sprechen, da« heiß» die Leute der Gemeinde, die den Ankauf des Tempelhofer Feldes im Interesse einer Terraingesellschast mit in die Wege geleitet haben. Weil nun die Stadt Berlin die Nord-Südbahn vorläufig am Belleallianceplatz enden lafien will, um freie Hand zu behalten, ob die Verlängerung nach Tempelhof oder nach Rixdorf erfolgen soll, ist Tempelhof bestrebt, auf andere Weise das neue Terrain dem Verkehr zu erschließen. ES wird berichtet, Tempekhof habe den Aufsichtsbehörden die Pläne einer Unterpflasterbahn„Berlin— Teinpelhof" mit dem Antrage eingereicht, ihr die Genehmigung zum Bau und Be- triebe einer Schnellbahn erteilen zu wollen, welche von der Weichbild- grenze parallel zur Tempelhofer Chaussee durch das jüngst vom MilitärfiSkuS angekaufte Gelände(Neu-Tempelbof) nach dem Ring- bahnhof gehen, durch das westliche, zum Teilj schon bebaute Gebiet der Gemeinde führen und einstweilen an der Mariendorfer Grenze endigen soll. Zugleich bitten die Tempelhofer die Aufsichtsbehörden, für den An- fchluß ihrer Bahn an die Berliner Nord-Süd-Linie Sorge tragen zu wollen. Die geplante Tempelhofer Schnellbahn soll etwa 3>/z Kilometer lang sein, und es würde dann zwischen Dreibundstraße und Belleallianceplatz nur noch eine Strecke von 1.6 Kilometer fehlen. um die Nord-Süd-Bahn, wie ursprünglich geplant, durch Tempelhof zu führen. Ob Tempelhof oder, bester gesagt, die hinter ihm stehenden Terrainspekulanten mit diesem neuen Plane viel Glück haben» steht dahin. Der Forstverkauf an der Görlitzer Der FiskuS hat wieder Forstgelände veräußert, daZ zwischen Johannisthal und der Görlitzer Bahn belegen ist. Käuferin ist eine Terrain-Aktiengesellschaft, die mit zwei Millionen Mark Kapital ins Handelsregister eingetragen ist. DaS Objqekt hat eine Größe von drei Millionen Quadratmeter und soll 2t Millionen Mark kosten.— Zu diesem Waldverkauf wird dem„Berliner Tageblatt" geschrieben:„Der ForstfiSkuS hat wieder ein großes Stück Wald vor den Toren Berlins veräußert. Eine Gesellschaft ist die Käuferin. Sie wird dort ein..moderne? Stadt- viertel" mit hohen Wohngebäuden und Jndustriebezirken erstehen lassen. Dem Wald ist damit das Todesurteil gesprochen. Man will uns glauben machen,„daß durch diesen Verkauf die Vernichtung wertvollen Waldbestandes nicht herbeigeführt wird". Der Ton soll wohl auf wertvoll liegen, mit dem unausgesprochenen Ge- danken, daß alter und jüngerer Kiefernwald mit Unterholzbeständen im Gegensatz zu anderen Wäldern, nicht wertroll ist. Aber dieser nicht wertvolle Wald muß fallen. Dazu ist ja daS ganze Geschäft gemacht. Auf die Abgabe von Land für Straßen und Schmuckplätze wird hingewiesen— das ist aber gesetzliche Vorschrift, und die Unter- nchmer werden sich seufzend in die Hergabe der üblichen 30 Proz. Land für diese Zwecke gefügt haben. Was dabei an Freiflächen herauskommt, kann man an dem Straßen- und Häusergewirr von Berlin IV. W. sehen. Schmuckplätze werden besonders hervor- gehoben. Wir danken für solche, mit kümmerlichen Anlagen ver- sehenen Straßenerweiterungen. Sie ersetzen uns nicht die 3 Millionen Quadratmeter luftigen, freien Wald. Aber für die 3 Mil» lionen will man uns ja 20 Morgen, daS heißt 50000 Quadratmeter Park eintauschen. Wahrhaftig, HanS im Glück ist ein Stümper gegen uns Berliner. Und darüber soll man sich freuen, daß das Gelände inmitten der Königsheide und dem übrigen Grünau- Dahmer Forst liegt, die dauernd erhalten bleiben sollen. Es dürfte berechtigt sein, hinter diesem Satz ein großes Fragezeichen zu machen. Bedauerlich ist die Rolle, die die beteiligten Gemeinde- Verwaltungen dabei spielen. Statt den in ihrem Gebiet liegenden Wald zu erhallen, unterstützen sie aus Großmannssucht, um mög» lichst bald ein paar Tausend Einwohner mehr aus dem Reservorr Altberlin abschöpfen zu können, die„Erschließung" der Wältzer, Alles was in den letzten Jahren über die notwendige Erhaltung der Wälder gesagt worden ist. scheint in den Wind gesprochen zu sein. Die Orte an der Görlitzer Bahn besitzen einen Vorzug vor anderen, weniger begünstigten Berliner Vororten, die Lage in- mitten von Wäldern. Die Bebauung und damit die Vernichtung dieser Wälder zu fördern, ist eine Kurzsichtigkeit und Augenblicks- Politik, die man der Ueberlegung der Vorortspolitiker gar nicht zu- trauen dürfte!" Daß der Forstfiskus schon längst kein Verständnis mehr für die Förderung der gesundheitlichen Interessen der Be- dölkerung hat, ist bekannt und bedarf keines weiteren Nachweises. Diese fiskalische Politik bedeutet eine schwere Schädigung des Staates selbst._ Auf die Berliner Lebcwelt zugeschnitten ist die Einrichtung und Ausstattung eines neuen Vergnügungsetablissements, das dieser Tage eröffnet worden ist: der Metropolpalast in der Behrenstraße. „Der Metropolpalast in der Behrcnstraße— so wird berichtet— will seinen Zwecken dreifach dienen. Ein Konzertsaal im Erdgeschoß— der jedoch erst später eröffnet werden wird— ist für„populäre" Konzerte bestimmt; ein mit fürstlicher Pracht eingerichtetes Weinrestaurant, „Pavillon Mäscotte" genannt, dient zur behaglichen Ueberwin- dung der Strapazen, die etwa der Aufenthalt in dem Hauptstück des ganzen Unternehmens, im„Palais de Danse", verursacht haben mag. In diesem prunkvollen Barockraum, den man kaum noch Tanzsaal zu nennen wagt, wird sich bald ein glänzendes Bild Berliner Lebens abspielen, wenn sich in dem von einer Marmorbrüstung umgebenen Tanzparkett elegante Paare drehen oder einzelne„Tanzgrößen" ihre Künste sehen lassen. Wohin man blickt: Reichtum, Verschwendung, Prunk. Der Fuß ver- sinkt in weichen Teppichen, das Auge wird von Lichtfluten ge- blendet, die von einer elektrischen Sonne in der Kuppelwölbung ausgehen. Auch sonst ist mit der Beleuchtung nicht gespart. Wohin das Auge blickt, überall reizvolle Lichtwirkungen, grün, goldgelb, weiß und rot; hier strahlend hell, dort vornehm gedämpft, immer aber abwechselungsreich. Dazu Hunderte von Spiegeln, die glänzenden Marmorverkleidungen der Wände und Stützen, die jeden Lichtstrahl vielfach zurückwerfen! Um das Tanzparkett ist eine niedrige Terrasse angeordnet, die für die Zuschauer be- stimmt ist. Weich gepolsterte Sessel umstehen zierliche Tische, auf denen die gutgeschulte Dienerschar die üppigsten Gaumengenüsse darbieten wird. Denkt man sich das alles umtönt von einer schmeichelnden Ballmusik, so kann man den Stolz verstehen, der bei der Vorbesichtigung auf den Gesichtern der beiden Direktoren Schultz und Jentzsch lag. Auch die Nebenräume sind mit Sorgfalt und ohne Schonung deS Geldes ausgestattet. Einen verblüffenden Eindruck macht zum Beispiel die Kleiderablage, die einen blühenden Baumgarten vortäuscht, über den sich ein tiefblauer Nachthimmel mit leuchten- den Sternen hinzieht. Man darf sagen, daß eine Vergnüguugs- statte, die so mit allen Mitteln des heutigen Luxus alle Sinne befriedigen will, in Berlin und wohl auch sonstwo noch nicht besteht." Diese neue Einrichtung wird besonders den Bund der Land- Wirte interessieren, dessen Mitglieder anläßlich der alljährlichen Parade im ZirkuS Busch es sich nicht nehmen lassen werden, hier beim Sekt, zu 20 Mark die Flasche, die Rot der Landwirtschaft zu bannen. Einen Splelklub anfgehoben hat am Dienstagabend die Kriminal- Polizei. Im Hause Friedrichstraße 2h hatte sich ein„Klub Royal" niedergelassen und frönte dem Roulettespiel. Uin 1l Uhr abends begehrte die Kriminalpolizei in das nicht weit von der Besielstraße belegene Haus Einlaß. Ein Diener in Livree öffnete auf daS Slich- wort hin die Haustür. Zwanzig Kriiiiinalbeamte waren aufgeboten, alle Ausgänge zu besetzen und bei der Aufhebung Hilfe zu leisten. In einem Erkerzimmer saßen um eine Roulette etwa 30 Spieler, vier „Damen" bildeten den Chor der Zuschauer. 2000 M. Spielgelder wurden beschlagnahmt und die Spieler nach dem Polizei» evier in der Wilhelmstraße gebracht, wo ihre Personalien festgestellt wurden. Bei einer Durchsuchung der Wohnung wurde ein Konzept der Statuten gefunden, das ein Rechtsanwalt„vollständig korrekt" aus- gearbeitet hatte. Ein Bauunfall ereignete sich gestern morgen in der Kiautschou- straße. Der 22 Jahre alte Maurer Liudner, der dort im vierten Stock eines Neubaues auf freiem Felde arbeitete, trat fehl und stürzte in die Tiefe. Mit schweren inneren und äußeren Verletzungen wurde der Verunglückte mit einem Koppschen Wagen nach dem Virchow-Krankenbause gebracht. In der Fabrik verunglückt ist gestern morgen ein Arbeiter Wei- land, der bei Ludwig Löive in der Huttenstraße beschäfiigt war. Er erlitt Arm» und Beinbrüche und Verletzungen am Kopie und mußte mit eine», Koppschen Krankenwagen nach dem Krauleuhause Moabit gebracht werden. Sttaßcnbahminfälle. Gestern nachmittag ereignete sich an der Ecke der Jnvalidenitrabe und All-Moabit ein schwerer Unfalls Als der Grenadier Karl Paivlik vom 4. Garde-Regt. z. F. den Motor- wagen 1221 der Linie 16 während der Fahrt verließ, kam er auf dem schlüpfrigen Pflaster zu Fall und schlug so heftig zu Boden, daß er besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte, der einen Schädelbruch und schwere Gehiriierschülternng erlitten hatte, wurde nach dem Garnisonlazarett übergeführt.— Bei einem Zusammen- stoß zwischen dem Anhängewagen 23 der Linie dl., der an der Ecke der Sommer- und Dorothee»straße entgleiste und gegen den Motorwagen 2056 der Linie 0 fuhr, wurde der Kaufmann Paul Lückert, Charlottenburg, Kaiser-Friedrichstr. 83, durch Glassplitter an den Händen und dem Gesicht verletzt, so daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehinen mußte. An dem Anhangewagen wurde der Puffer verbogen und die Stirn- wandscheiben zertrünniiert. während an dem Motorwagen der Perron eingedrückt, und die Gitter beschädigt wurden. Der Ortstermin wegen des Lichtenrader Bombenanschlages rief gestern in dem Vororte unter der Einwohnerschaft einige Aufregung hervor. Schon in den letzten Tagen vernahm das Kriegsgericht mehrere Einwohner von Lichtenrade, u. a. auch den Albert Rade- meyer, der früher längere Zeit unter dein Verdachte stand, die Erpressungen und daS Altentat verübt zu haben. In dem Waldrestaurant war daS Billardzimmer zu einem GcrichtSsaal hergerichtet worden. Der untersuchungsfübrende Kriegsgcrichtsrat kam bereit? mit dem Zuge 10 Uhr 38 Minuten an, um die beiden beschuldigten Beamten eingehend zu vernehmen. Kriminalkonimissar Bonberg, aus dessen Ermittelungen sich das Vorgehen stützt, war erst zu\2XU Uhr geladen. Das Gerichtszimmer wurde geschlossen, weil eS sich nicht um eine öffentliche Sitzung, sondern um eine ge- Heime Voruntersuchung handelt. Zu heute sind 18 Zeugen geladen, darunter die beiden Schmiedelehrlinge aus der Verwandtschaft Rademeyers, die angeblich Beobachtungen über die Anfertigung der Hülse gemacht haben sollen. Der treue Hund. Der 75 Jahre alte frühere Tischlergeselle Julius Krause wohnte in der Borsigstr. 31a bei seinem Schwiegersohn, dem Musiker Propper, und schlief allein in der Küche. Bei ihn, wachte stets ein kleiner Spitzhund, den Krause groß gezogen hatte und der sehr an ihm hängt. In der vorletzten Nacht erlitt nun der alte Mann, als er von der Toilette zurückkehrte und wieder zu Bett gehen wollte. einen Schlaganfall, brach zusammen und schlug mit dem Kops auf einen hölzernen Kohlenkoste» auf. Mit zwei Verletzungen an der rechten Schläfe blieb er besinnungslos liegen. Der treue Hund lief nun in das Schlafzimmer PropperS und bellte so lange, bis das Ehepaar erwachte, ausstand und sich nach der Küche begab. Dort lag der GreiS jetzt tot auf dem Fußboden, mit dem Kops aus dem Kohlcnkasten. Weil der Arzt die Todesursache nicht mit Sicherheit feststellen konnte, so wurde die Leiche beschlagnahmt, Ei» geheimnisvoller Brillantendiebstahl ist Unter den Linden verübt worden. In einem Pensionat Unter den Linden 27 wurden einem trüberen Theaterdirektor B. auf unerklärliche Weise Schmuck» stücke im Werte von 2000 M., sowie ein Tausendniarkschein gestohlen. Die Wertsacken waren in einer Kassette eingeschlossen. Als der Be- sttzer abends die Kassette öffnen wollte, war sie erbrochen und die Schmuckstücke, unter denen sich ein goldener Saphirring mit Brillanten befindet, waren geraubt. Auf welche Weise der Dieb an die Kaffette heranzukommen vermochte, war bisher nicht zu er- Mitteln. Arbeitslosigkeit und Krankheit haben den 43 Jahre alten Droschken- kutscher Karl Krause vom Weidenweg 5 in den Tod getrieben. Der Mann war seit Jahren lungenkrank und infolge dessen schon länger erwerbsunfähig. Gestern morgen ging er von Hause weg unter dem Vorwande, daß er einen Arzt aussuchen wolle. Um 11 Uhr fand nian ihn am Lattenzaune des Memeler Parkes erhängt. Bon einem traurigen Geschick ist gestern nachmittag der Maurer Wilhelm Weiß. Kölhener Str. 13, betroffen worden. W. hatte auf orm Neubaugrundstück Kronenstr. öS gearbeitet. BIS er gestern die Treppe hinaufstieg, um Baumaterialien nach oben zu bringen, glitt er plötzlich aus, verlor doS Gleichgewicht und stürzte rücklings bis in de» Keller hinab. In befinnungslosem Zustand wurde er nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Der Verunglückte hatte einen scknveren Schädelbruch erlitten und sein Zustand gilt als völlig hoffnungslos. Verwundete Schaufcnpercinbrecher. In der Potsdamer Straße wurde von dreisten Dieben ein Schausenstereinbruch verübt, wobei sich die Täter erhebliche Verletzungen zuzogen. In dem Hause PotS- damer Str. 22 befindet sich ein Pelzgeschäft, auf dessen Schaufenster- auSlagen es Diebe abgesehen hatten. Trotz des verhältnismäßig starken Verkehrs, der nachts in jener Gegend herrscht, gelang es den Burschen, das Schaufenster auszuplündern. Durch Glasscherben er» litten die Verbrecher jedoch stark blutende Verletzungen. Große Blut- lachen am Tatort zeugten davon. Zur Beute fielen den Dieben Nerzmuffen, Hermelinfelle und Pelze von beträchtlichem Wert. Der Lrichenfund am Schlütersteg, über den gestern berichtet wurde, ist jetzt aufgeklärt. Der Ertrunkene ist ein 39 Jahre alter Pförtner Mathias aus der Burgstr. 3. Der Mann war früher herrscbaftlicher Kutscher und erlitt vor 7 Jahren einen Hufschlag gegen den Oberschenkel. Die Verletzung heilte nie ganz und schmerzte oft stark. Ende Oktober verschwand Mathias ür einem Anfall aus einer Gastwirtschaft, wahrscheinlich ist er damals gleich ins Waffer gegangen. Der Verband der Steinarbeiter Deutschlands bittet uns mitzuteilen: Gestohlen wurde gemeinsam mit einem Winterpaletot das Mitgliedsbuch Nr. 465 des Zentralverbandes der Steinarbeiter. Das- selbe ist ausgestellt auf den Namen Paul Karsch. Der Diebstahl passierte am Dienstagnachmittag auf dem Ladenausbau Molken- markt 12—13. Vor Mißbrauch des Buches wird gewarnt. Gegebenen Falles ist dasselbe anzuhalten und im Verbandsbureau, Engel- ufer IS, I, Zimmer 7a, abzuliefem. Vorort- IVadmcKten. Nixdorf. Für die Wahl der Beisitzer zum KaufmannSgericht ist als Wahltag für 1911 der 5. Februar 1911 bestimmt. Die Wahlen sollen in der Zeit zwischen 12 Uhr mittags und 2 Uhr nachmittags und zwar an zwei Wahlstellen erfolgen. Mutter und Kind überfahten. Vor dem Jakobikirchhof an der Hermannstraße wollte gestern nachmittag die Frau Margarete Zeinert auS der Emier Str. 79 niit ihrem sechs Jahre alten Sohne Willi an der Hand den Fahrdamm überschreiten. Beide wurden von einem sehr schnell fahrenden Kutschwagen des Fuhrherrn de Piernä gefaßt und zu Boden geworfen. Während die Mutter mit unbedeulenden Hautabschürfungen davonkam, erlitt der Knabe durch einen Huftritt eine so schwere Verletzung am Kopfe, daß er auf der Polizeiwache verbunden werden mußte. Durch ihre Kurzsichtigkeit kam gestern morgen eine 44 Jahre alte Frau Marie Korge aus der Kopsstraße 39 schwer zu Schaden. Als sie vor dem Hause Bergstraße 42 den Fabrdamm überschreiten wollte, übersah sie einen Düngerwagen und wurde umgestoßen. Die Räder gingen gingen ihr über die Füße, so daß beide ge- brachen wurden. Die Verunglückte mußte nach dem Krankenhause m Buckow gebracht werden. Mit dem EisenbahnfiskuS soll ein Vertrag abgeschloffen werden zwecks Herstellung von Unterführungen für den Rixdorfer Schiff» sahrtskanal und die nördliche Userstraßen, für zwei Tunnel zur Ver- Bindung des GasanstaUsgrundstücks mit dem östlich der Ringbahn gelegenen städiiichen Grundstück sowie für die Kaiser-Friedrich- Slraße auf der Grundlage des vorgelegten Entwurfs. Dem Entwurf zur platzartigen Erweiterung der Saalestraße am projektierten Ringbahnhos Kaiser-Friedrich-Straße hat der Magistrat grundsätzlich zugestimmt. Der Magistrat beschließt die Bereitstellung von 10000 M. aus der 84 Millioncnanleihe für die Bearbeitung deS Entwurfs zum Ausbau des RadialsystemS.Nordwest". Britz-Buckotv. Bei der Gcmcindeerfatzwahl in Buckow wurde nicht, wie irrtümlich mitgeteilt, unser Genosse Klein mit S2 gegen 27, sondern gegen 19 bürgerliche Stünmen gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug demnach, da in der dritten Klaffe 290 eingeschriebene Wahler vor- Händen sind, knapp 25 Proz. Das muß für unsere Genossen ein Anlaß sein, die politische Organisation zu stärken, um bei späteren Wahlen die indifferenten Wähler mehr wie dieS bisher möglich war, auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen. In der ersten Klaffe stimmten von 11 eingeschriebenen Wählern ganze drei Mann für den Kandidaten Köppen, worunter sich noch die Stinime des„Gewählten" befand. Oranienburg. Ein mysteriöser Leichenfund wurde vorgestern in der Nähe von Oranienburg gemacht. Bei einer Treibjagd im Forst entdeckte einer der Teilnehmer in dem Jagen 10 in der Nähe der Sachsenhausener Chaussee die Leiche eines Mannes, die bereits stark in Verwesung übergegangen war. Der Tote, der mindestens zirka 45—50 Jahre alt gewesen sein muß, gehört anscheinend den besseren Ständen än. Am Kopfe des Verstorbenen wurden an der rechten Schläfe zwei Schußwunden gefunden. In der Tasche der neben der Leiche liegenden Weste wurde ein Zahnstocher und ein goldener Kneifer gefunden; das Portemonnaie enthielt etwa 3 M. bares Geld. Die Leiche wurde von der Oranienburger Polizeibehörde beschlagnahmt, die sofort umfangreiche Recherchen nach der Persönlichkeit des Toten eingeleitet hat. Tpanvau. Wohnungsstatistik. Schon seit Jahren, namentlich ober in letzterer Zeit, wo in Spandau ein fühlbarer Mangel von Arbeiter- Wohnungen vorhanden, ist von den sozialdemokratischen Vertretern die Aufnahme einer durchgreifenden Wohnungsstatistik verlangt worden. Leider immer vergeblich. Jetzt endlich scheint der Magistrat sich jedoch eines besseren besonnen zu haben, denn vor einigen Wochen wurde durch Ausgeben von Listen an die HauS- eigentümer eine Ausnahme aller Wohnungen von 1— 3 Zimmern, tleichviel ob vermietet oder unvermietet, gemacht, wobei auch d«e stietspreise angegeben worden sind. Das Material ist dann von einer Bertrauensmänner-Kommission gesichtet und etwaige Un- richtigkeiten richtig gestellt worden. Man glaube aber gar nicht, daß der Magistrat dies lediglich aus Jntereffe für die Arbeiter» Bevölkerung getan hat. Kämen nur diese Interessen in Frage, dann hätte man es mit der Wohnungsstatistik auch noch nicht so eilig gehabt. Man befürchtete vielmehr, daß die Herren Haus- Besitzer geschädigt werden könnten und lediglich deren Jntereffe wurde bei der Aufnahme der Wohnungsstatistik verfolgt. Die Sache hatte folgende Bewandnis: Viele Arbeiter der Staats- Werkstätten haben sich der Charlottenburger Baugenoffenschaft an- geschlossen und man ging mit dem Gedanken um. Staat und Kom- mune zur billigen Hergabe von Grund und Boden für den Bau von Arbeiterwohnungen zu veranlassen. Sofort erhoben die Hausbesitzer ein großes Lamento, sie bestritten den Mangel an Arbeiterwohnungen und die unerschwinglichen Mietspreise und veranlatzten den Magistrat zur Aufnahme einer Statistik. Die Staatsarbeiter aber durch Erfahrungen gewitzigt, sprechen die Vermutung aus, daß die aufgenommene Statistik, zumal sie lediglich von Hauswirten gemacht, nicht den wirklichen Verhältniffen entspreche.' Namentlich tvurde behauptet, daß die kleinen und mittleren Wohnungen hier so teuer sind, daß sie von Arbeitern nicht bezahlt werden können, oder sie befinden sich in so schlechtem Zustand, daß sie zur menschlichen Wohnung nicht geeignet sind. Da auch die Staatsarbeiter dem Kricgsministerium ihre Wünsche und Forderungen nach billigen Arbeiterwohnungen vorgetragen und dieser nicht abgeneigt schien, darauf einzugchen, konnte der Magistrat die Sache nicht mit Stillschweigen übergehen. Es sollen nunmehr die Wohnungen durch eine Kommission in Augenschein genommen werden. Diese Kommission setzt sich aus 24 Personen zusammen, sie besteht aus Offizieren der Institute, Mitgliedern der Arbeiterausschüsse, Vertretern des Magistrats und der Bau- Polizei, sowie vom Magistrat ernannten Bürgerdeputierten. Die Kommission ist in vier Abteilungen geteilt, welche die Besichtigung in den vier Stadtteilen demnächst vornehmen wird und zwar auf Grund der eingegangenen Wohnungslisten. Es ist nicht zu be- streiten, daß hierdurch ein umfassendes Material zur Wohnungs- frage in Spandau gewonnen werden kann, wenn dies alles auch nur im Interesse der Hausbesitzer geschieht, und einen WohnungS- bau durch die Genossenschaft möglichst zu verhindern. Vielleicht trifft der Magistrat auch einmal solche umfangreiche Vorkehrungen, wenn es gilt zu ermitteln ob eine Arbeitsnot vorhanden ist. jfiigenclbewegiing. Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterjugend. DaS preußische LandratS-Parlament wird in seiner am 10. Januar 1911 beginnenden Session ein Gesetz zu verabschieden haben, das die„erzieherische Fürsorge für die schulentlassene I n g e n d" zum Gegenstande hat. Die in solchen Dingen stet» gut unterrichtete„Post" weiß darüber zu melden: „Wie wir zuverlässig erfahren, sind die Vorbereitungen für «ine solche Vorlage in vollem Gange und eS ist keineswegs ausgeschlossen. daß der Laudtag damit bereits in der bevorstehenden Tagung befaßt werden wird. Das wäre im höchsten Grade er- freulich, denn es gibt zurzeit kaum eine dringlichere Ausgabe, als die schulentlassene Jugend vor sozialdemokratischer Vergiftung zu behüten. Die Aufgabe erscheint sogar noch dringlicher als die Verstärkung des Schutzes der Arbeits- willigen. Es wird aber zur Erreichung des Zieles nickt genügen, die dazu erforderlichen pofiliven Einrichtungen zu treffen, sondern es wird auch dafür gesorgt werden müssen, daß die Sozialdemo- kratie nicht wirksame Gegenmaßregeln ergreifen kann, denn es unterliegt keinem Zweifel, daß dieie Parte« gegenüber von Maß- nahmen, welche eins ihrer wichtigsten Operationsfelder verschließen soll.ven äußersten Widerstand leisten und nichts unversucht lassen wird, um die staatlichen Maßnahmen nach Kräften unwirksam zumachen. Hand in Hand mit den zweckdienliche» Veranstaltungen werden daher durch die Gesetzgebung der Regierung die nötigen Voll- machten erleilt werden müssen, um solchen Gegenbestrebungen der Sozialdemokratie wirksam entgegentreten zu können." Also ein kleines Sozialistengesetz l An dem guten Willen der Junker und Heiligen, die mit dieser Aufgabe betraut werden sollen. ist natürlich nicht zu zweifeln. Aber wie in. soviel anderen Fällen wird sich auch hier das preußische Junkerparlament erweisen als ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Gerichts- Zeitung, Anklage wegen der Borgange am Wedding. Die aus Anlaß der Vorgänge am Wedding erhobene Anklage ist dieser Tage den Beschuldigten zugestellt. Es handelt sich um 18 Personen. Von diesen Hefinden sechs sich in Hast. Die Anklaaebeschuldignngen behaupten Vergehen gegen die §§ III, 113, 114, 113, 116, 123, 185 Strafgesetzbuchs(Auf- forderung zu strafbaren Handlungen, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Zusammenrottung, Auflauf, Landfriedcnsbruch und Beleidigung). Diese Vergehen sollen am 29. und 39. Oktober begangen sein. Nach der alphabetischen Reihen- folge der Namen der Angeschuldigten würde die Sache wider Brandt und Genossen zu rubrizieren sein. Sie ist jedoch Hartmann und Genossen rubriziert. Bleibt dies Rubrum be- stehen, so würde auch für diese Anklage die Lieber-Kammer zuständig sein._ Größere Unterschlagungen bei der Hut- und Pelzwarenfirma C. Israel u. Ca. in der Gipsstraße beschäftigten an zwei Tagen die erste Strafkammer des Landgerichts I. Es hatten nicht weniger als 15 Angeklagte sich wegen verschiedener Durchstechereien, die sie als Angestellte der Firma drangen haben und die sich durch eine Reihe von Jahren hindurchzogen. Als Hauptangeklagter erschien der ieft vielen Jahren bei der Firma angestellte Buchhalter Hugo Müller, dem sich die Manufakturistin Klara Ksinski, der Expedient Richard Grunaw, der Handlungsgehilse Georg Rumpf, eine Anzahl anderer Handlungsgehilfen und mehrere der Hehlerei verdächtigte Personen zugesellten. Müller hat sich in einer ganzen Anzahl von Fällen Schecks angeeignet, die von den Kunden der Firma Israel u. Co. zahlungshalber durch die Post eingesandt waren. Die Bc- gleitbriefe vernichtete er. Die Schecks verwendete er in der Weise, daß er bei den monatlichen Zahlungsregulierungen die Lieferanten der Firma nicht mit dem baren Gelde, welches ihm die Geschäfts- inhaber ausgehändigt hatten, sondern mit den unterschlagenen Schecks befriedigte. Die Angeklagte KsinSki soll ihm Beihilfe ge- leistet haben. Müller soll sich auf diese Weise im Laufe der Jahre etwa 11 999 Mark rechtswidrig zugeeignet haben. Bei den übrigen Angeklagten handelte es sich um widerrechtliche Aneignung von Clothstoffen, Pelzwaren aller Art usw., wobei ein ganzes System der Verschleierung der Veruntreuung in Anwendung kam. Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme verurteilte der Gerichtshof: den Angeklagten Hugo Müller zu 9 Monaten und 3 Tagen, die Angeklagte Ksinski zu 5 Monaten, Grunow zu 4 Monaten und 2 Wochen, Rumpf zu 5 Monaten, Flotow zu 6 Monaten usw. Die übrigen, zum Teil wegen Hehlerei angeklagten Personen wurden zu Gefängnisstrafen von 3 Wochen bis zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten Frankenstei» und Brummer wurden freigesprochen._._<_ amtltwer Marttbertcht der ftädtilchen Marktballen.Dtrektion über den Vroßbandel in den Zeowal-Marttballen Marktlage: Fl ei Ich: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufubr ge- nügend, Geichäst lebhast, Preise fast unverändert. Getlügel: Zusubr sehr reichlich, Geschäft lcbhasl, Preis« fast unverändert. Fische: Zufuhr reichlicher, Geschäft ziemlich reg«, Preise wenig oerändert. Butter und Käse: Geschäft rubig, Preis« unverändert. Gemüse, Obll und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig ver- ändert._ «»ttterungsüderücht vom 2t. Dezember 1»10. morgen« 8 Ilde. L. B? Swinrmde 771 W Hamburg i 770 SSO serlw 1771 Sffi Franks. a SR 770© Münch« 1773 SO Wien 771 NNW e Setter 2 bedeckt 3 halb bd. 1 bedeckt 1 Nebel 2 Hefter 3 bedeckt tack ci» 9" S? W» Ii S= B— 4? if Havaranda 76391 Petersburg 760 NW Sctlll, 761 WNW Setter f* «lberder» Pari« 2 bedeckt 4 Schnee 1 bedeckt 757 SSW 3 Hefter 763 SSO. 2 bedeckt -11 0 s 4 7 Wetterprognose kür DonnerStag, be» 22. Dezember lvlv. Ein wenig kühler, zeitweise aufklarend, vieisach neblig bei meist schwache» südliche» Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbsrea». WafterftandS'Stacbrtibte» + bedeutet. Such»,— Fall.—•) Uniervegel. ■■■■■■■•■■■■■■■■■■■■UMUSHUI » m s £ Konfektions-Haus Willibald Jordan Turmstraße 19 : Wohlfeile 5 Welhnachls- ■ Geschenke i • m n l 6 unerreicht hübsche u preiswerte Blusen Seiden- Bluse EUy k>». Mewaltne mit Seiden- Blenden, türkischen Gold- bördchen. Spachtel- und Tüll- Elns&tzen in 6 Farben Seiden-Bluse Carole Okkailtn: Prlnu Muultne mit viel. Säumchen, schwerer Seidenstickeiei. Dickstich mit Stahlperlen benäht in« 10 Farben M. 11)�° Apachen-Bluse Kiez» in prima Popeline mit Seiden- schleite. KnßpTr— J Paapoile in 4 Pai „ben-S? 585 Popeline-Bluse HU mit seidener Handstickerei, seht elegante Kimono-Form, U Stoß In 6 Farben ��75 Woll-Bluse Bianca Vonflglicb. WollstoH. Kimono- Fasson m. Blenden u. Soutache garniert in 10 Farben a vorrätig... jeut M. 4" Sclden-Bluse Dora !a Messaline mit Siumchen- und Pcilen-Stickcrel, Tüll- Einsätzen und Stulpen-m Qon in S Farben.•. M. 1 BummuMamn» Plüsch- Mantel| Paletots 5 Kostüme Abend- z mantel Kleider g Rocke Pelz- Stolas g HB Raumungs-■ Preisen! S ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■--------------------------------------------------------------------------------------------------- verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Bonvärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 299. 27. Jahrg. KcilU to Jotmätla"- AWM str Nßw, 5iii>� Ukjlc»� 22. Ntjtmber 19!0. Vorort- Z�ackrickten. Ehnrlottendurg. Wie steht es mit der kommunalen Arbeitslosenversicherung in Charlottenburg? Schon seit über ein Jahrzehnt fordern unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung die Verwendung städtischer Mittel zum Zweck der Arbeitslosenversicherung. Zuerst wurden die sozialdemokratischen Stadtverordneten ob dieser Forderungen von den Bürgerlichen ausgelacht. Das war zu der Zeit, wo die„Liberalen" noch nicht die Mehrheit besaßen. Als diese Zeit mit dem Beginn des Jahres 19V8 begann, da lachte man wohl nicht mehr über da- Verlangen der Arbeitervertreter, sondern man begann die Arbeitslosigkeit mit ihren furchtbaren Folgen für den Einzelnen abzuleugnen und als auch das nicht mehr gut möglich war, da versuchte man die Sache einer so gründlichen Prüfung zu unterziehen, daß, wenn auf diese Hilfe jemand hätte warteu müssen, der arme Mensch elendiglich verhungern mußte. So fragten am 4. Dezember 1907 unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung an, waS der Magistrat zu tun gedenkt, um der immer stärker werdenden Arbeitslosigkeit und ihren Folgen entgegen zu wirken. Der Magistrat antwortete fürs erste überhaupt nicht. Unsere Genossen stellten darum in der Sitzung vom 8. Januar 1998 einen dementsprechenden Antrag, der dann an einen elfgliedrigen Ausschuß verwiesen wurde. Die Mehrheit dieses Ausschusses war der Meinung, daß zurzeit— es war der Großstand der Krise— ein besonderer Notstand infolg« von Ar- beitSlosigkeit nicht vorliege. Im übrigen vertraue man ganz auf die erforderliche Einsicht der Magistrats, der gegebenen Falles schon das Nötige und Richtige tun werde. Die Mehrheit der Stadtversrdnetenversammlung schloß sich dieser Auffassung an und hielt damit die Angelegenheit für erledigt. Nicht so die sozial- demokratischen Stadtverordneten. Dieselben stellten vielmehr in der Sitzung am 17. Juni 1908 den Antrag auf Einsetzung einer gemischten Deputation, welche sich mit der weiteren Prüfung dieser Frage beschäftigen sollte. Diese Deputation wurde eingesetzt und nahm alSbald ihre Arbeiten auf. Wie gründlich diese Deputation die, wie verlautet, ihre Be- tatunaen zetzt beendet hat, arbeitete, läßt sich ahnen, wenn man lbedenkt, daß sie über zwei Jahre tätig war und über 25 Sitzungen abgehalten hat. WaS ist nun dabei herausgekommen? Nach dem Gehörten ist es nicht allzuviel. Zur Grundlage der Beratungen diente eine Denkschrift des ehemaligen Stadtrats Dr. Jastrow über Arbeitslosenversicherung und andere Matznahmen gegen die Arbeitslosigkeit. Als solche erkannte die Deputation an: Ständige A r b e i t S l o s e n zä hlu ng en und Notstands- arbeiten, das heißt die frühere oder spätere Vornahme von städtischen Arbeiten, die unter allen Umständen ausgeführt werden würden, die aber bei besonders guter Geschäftszeit auf einen späteren Zeitpunkt verlegt oder in Krisenzeiten früher ausgeführt werden sollen als es geplant war. Doch die Hauptfürsorge gegen die Arbeitslosigkeit erblickte die Deputation in der Arbeits- losenversicherung. Dieselbe würde sich nach den Vorschlägen der Deputation folgendermaßen gestalten: Unterstützung der Arbeits- »osenunter stutzung zahlenden Gewerkschaften und Vereinigungen durch die Stadt, in der Art des G e n t e r Systems. Ferner sollen auch Einzelsparer mit dem {tädtischen Zuschuß bedacht werden, wenn sie das Sparbuch, zu tem Zweck nur bei Arbeitslosigkeit Abhebungen davon zu machen, haben sperren lassen. Die Kontrolle über die so unterstützten Arbeitslosen steht dem städtischen Arbeitsnachweis zu; die Aufsicht einem aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichmäßig zusammen- gesetzten Ausschuß, dessen Vorsitzender der Vorsteher des städtischen Arbeitsnachweises ist.— Zu gleicher Zeit soll mit dieser Zuschuß- einrichtung ein« besondere städtische Arbeitslosenver- sicherungskasse für nicht organisierte Arbeiter in Kraft treten. Für diese Kasse übernimmt die Stadt die Garantie in Form der einmaligen Zahlung eines Gründungsfonds in Höhe von 29 909 M. und eines jährlichen Zuschusses von 3999 M. Außer- dem zahlt die Stadt aus ihrer Zuschußeinrichtung den Versicherten in dieser Kasse ebenfalls 59 Prozent Zuschuß zu ihren Arbeits- losenunterstützungen. Für die Zuschußkasse wird wahrscheinlich ein jährlicher Betrag von nur 19 999 M. ausgeworfen. Ob aber auch das noch der Fall sein wird, ist noch nicht voll- ständig sicher. Und noch unsicherer ist eine Berechnung darüber, wann diese Einrichtung eventuell in Funktion tritt. Jetzt gehen die Vorschläge der gemischten Deputation erst an den Magistrat. Nun heben dort die Beratungen an. Kommt etwas dabei zustande, dann muß sich die Stadtverordnetenversammlung damit beschäfti- gen. Weitere Ausschußberatungen werden die Folge sein. Da aber die gemischte Deputation bereits über zwei Jahre daran laborierte, darf man für den weiteren Gang der Beratungen nochmals zwei Jahre in Anrechnung bringen. Denn da es sich um keine Millionenprojekte handelt, sondern um ein« soziale Maßnahme, die viel billiger ist, werden die Beratungen, namentlich in der „liberalen" Stadtverordnetenversammlung außerordentlich gründ- liche sein. Die Gründlichkeit der Beratungen wichtiger Neueinrichtungen hat gewiß manches für sich. Aber seitdem die„Liberalen" in Charlottenburg herrschen, sind uns infolge unserer unglaublichen Gründlichkeit anderer Nachbargemeinden in vielen Sachen voran geeilt. So vor allen Dingen Schönebcrg beim Bau seiner Unter- grundbahn zum Nollendorfplatz und in diesen Tagen mit der Ar- 'beitSlosenversicherung. Nichtsdestoweniger bilden sich unsere„libe- ralen" Stadtgrößen ein, daß Charlotenburg an der Spitze in be- zug auf kommunale soziale Fürsorgetätigkcit marschiert. In der Tat kommen wir aber immer mehr in die Nähe des Krähwinkler Landsturms. Steglitz. Tolstoistraße. Zu Ehren des kürzlich verstorbenen russischen Dichters hat die bisherige Straße 9 des Bebauungsplanes, in dem nordwestlichen Teile von Steglitz, nahe der Grenze der Gemarkungen Dahlem und Wilmersdorf belegen, den Namen Tolstoi st ratze erhalten. Drei andere benachbarte Straßen erhielten die Namen Björnson st ratze. Ganghofer st ratze, Opitz st ratze. Damit ist dieser Ortsteil zu einem Dichterviertel geworden, denn auch das Andenken an Schiller, Uhland, Herder. Kleist, Arndt, Rückcrt ist durch Straßennamen geehrt worden. Daß alle diese Straßen von dem.Rastatter Platz' gewissermaßen.beherrscht' werden, ist ein eigenartiger Zufall. Gegen die Schmutz- und Schundliteratur. Die hiesige Schul- deputation veröffentlicht eine Bekanntmachung, in der sie auf die gefährlichen Wirkungen der Schundliteratur eindringlichst hinweist und ihre Absicht kundgibt, diesen gefährlichen Schädlingen unserer Jugend den Boden zu entziehen. Dies kann nur dann erreicht werden, wenn eS gelingt, die Schundliteratur aus den iSchaufenstern und Läden zu entfernen. Sie richtet zu dem Zwecke an alle in Betracht kommenden Geschäftsleute die dringende Bitte, Schriften der bezeichneten Art künftig nicht mehr auszulegen und feilzubieten und nur solche Jugendschristen zu führen, durch welche das geistige und sittliche Niveau unserer Jugend gehoben werden kann. Den Kindern wird von der Schuldeputation verboten werden, in solchen Geschäften, welche sich der obigen Bitte verschließen und sich weiter mit dem Vertrieb solcher Bücher befassen, ihre Schulbedürfnisse ein- zukaufen. Zehlendorf(Wannseebahn). In der hiesigen kommunalen Bierstcuerordnung war ein Paragraph enthalten, wonach für die Steuer der Einbringer sowie der Empfänger verantwortlich seien. Der Paragraph sollte die Ge- meinde vor Steuerverlust schützen. Ter Vorsitzende des Kreisaus- schusses hat diesen Satz beanstandet und erklärt, daß er auch die Genehmigung des Regierungspräsidenten nicht erhalten würde. Der Rat des Gcmeindevertreters Müller, auf diese unverbindliche Meinung eines Beamten nichts zu geben, sondern durch Beibehal- tung dieses Paragraphen die kleinen Empfänger nicht zugunsten der großen Brauereien zu belasten, die jetzt vielfach die Steuern tragen, wurde nicht befolgt. Kämpfen, besonders mit hohen Be- Hörden, geht man in Zehlendorf aus dem Wege. Gleichzeitig ist auch die Pflicht zur Haltung des Bicrlagerbuches aus der Bier- steuerordnung gestrichen worden.— Für den Betrieb der Kanalisa- tion werden 6519 M. nachbewilligt. Die Ucbcrschreitung ist cnt- standen, weil durch große Vermehrung der Hausanschlüsse auf der Pumpstation und zur Reinhaltung des Kabelnetzes ein größerer ?lufwand von Arbeitskräften, wie vorgesehen war, sich benötigte. Eine schon am 23. März in die Kommission zurückverwiesene Vor- läge zu einer Polizeiverordnung über die Anlegung von Vorgärten hatte diesmal das gleiche Schicksal. Besonders wurde bemängelt, daß durch den§ 6 den Gewerbetreibenden die Ausübung ihres Ge- wcrbebetriebes zur Unmöglichkeit gemacht wird. Di« Bedürfnis- anstatt an der Ecke Potsdamer und Alsenstraße soll nun endlich gebaut werden. Die im Etat ausgeworfene Summe von 4599 M. wird zu diesem Zweck um 1199 M. verstärkt. Weistensee. der Gemeindevertretung. Zur Renovierung des Schloß- restaurants, welches erneut auf zehn Jahre verpachtet ist, mutzten 19 135 M. bewilligt werden. Die Fluchtlinie der verlängerten Kniprodestratze ist so verändert worden, daß die Straße nunmehr am Ende des AuferstehungS-Friedhofes durchgeht. Anfänglich war die Fluchtlinie mitten durch den Friedhof gedacht, aber die Kirchen- gemeinde hat auf diesem Platze bereits Beerdigungen vorgenommen, lo daß die politische Gemeinde sich in einer Zwangslage befand. DaS Standgeld für den Wochenmarkt soll vom 1. April 1911 ab pro Quadratmeter anstatt 19, 29 Pf. betragen. Um den Geruchsbelästigungen aus den Schweinemästereien Einhalt zu tun, wurde eine neue'Polizeivcrordnung erlassen, deren wesent- licher Inhalt Vorschriften über die Wcgschaffung des Dunges ent- hält.— Der Etat der Sparkasse wurde genehmigt. Der Einlage- bestand beträgt zurzeit 3 383 725 M., der im Vorjahre erzielte Ueber- schütz von 33 999 M. fällt dem Reservefonds zu. Die von den Grund- besitzern gewünschte Reform des EinschätznngsverfahrcnS hat damit ihre Erledigung gefunden, daß die Einschätzungen in Zukunft von mindestens sechs Mitgliedern vorgenommen werden müssen, während früher schon drei Mitglieder hierzu genügten. Den Veteranen aus den Feldzügen von 1864, 1866 und 1879/71 wird ein Ehren- geschenk von 19 Mark gewährt, sobald dieselben zwei Jahre im Orte wohnen und bis zu 1959 Mark zur StaatSeinkommenstcuer veranlagt sind. Mit den Berliner Elektrizitätswerken wurde ein Abkonmien dahin getroffen, datz für die Durchlcgnng eines Kabels durch einige Straßen eine Summe von jährlich 1999 Mark gezahlt wird. Die Realschule soll vom 1. April 1912 ab zu einer Oberrealschule aus« gebaut werden. _■ mm////' Herren-BeKielduns Jetzt! Men-BehleWana s* Ulster 36.- 30.- 27.- 22.- 18 m. Paletot 42.- 36- 29.- 24.- 17�. Pelz-Paletot 65.- 50- 49.- 36.- 29 M. i Schlaf-Rocke 25- 22- 18. -12- 8 50 M. Westen 90 9— 7.- 5— 3.- 1 m. Beachten Sie meine 8 Schaufenster I Hoebste Leistung durch fefgene Fabrikat ioni Hosen 12- 10- 7- 5— 3m. Pelerinen 16- 14- 12- 9- 8m. Hausjoppen 18.- 15- 12.- 9- 7 m. Knaben-Anzüge 12- 10- 8- 6- 3m. Knaben-Paletots 14- II- 9- 7- 4m. Beachten Sie meine 8 Schaufenster! Höchste Leistung durch eigene Fabrikation! Gottlieb Weiss Zentral-HarkfltaUe Rixdorf, 3erg-5tr. 5. Fernsprecher: Amt Rixdorf 711 und 710. Znm Weilmachtefest! Scbonebarg, Haupt-Strasse 161 ii :| :| Wild u. Geflügel. Kaninchen! Kaninchen! 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