Pr. 800. Rbonntmenfe'Btdlngnnsrm Abonnements- Preis pränumerando: Lierieljährl. 330 Mk, monoti. 1,10 Mi,. toöchentkch 28 Pfg. frei in 5 Haus. Einzelne Nu nun er S Psg, Sonntags- iiunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nebmen au: Belgien, Dänemark, ,r»3and. Italien, Luxemburg. Portugal. Zitlmänien, Schweden und die Schweiz. 97. ZahVI» MittM a«Nch auBcr MoMg». Vevlinev Volksbl�kt. Mr snsnÄons-LedW' »rsrilgt für die fechsgespallene«okone!» zelle oder deren Raum w Psg., für politische und gewerkschaftlich« Vereins- und VersamniIungS-Snzclgen 3» Psg. „Kleine ZIn-eigen", das erste sfett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort s Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Zllhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozlaldcmsiirat(krliirt Zentralorgan der Ibzialdemokratirchen Partei Deutfcblands. Rcdahtion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 23. Dezember 1010. Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Der Kampf Zwilchen Liberalen und Konservativen in Oftpreußen. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Ostpreußen war in den letzten Jahrzehnten die unbestrittene Tomäne der konservativen und des Bundes der Landwirte, nur in Königsberg und einzelnen wenigen größeren Provinzstädten hatten die Liberalen, Nutionalliberalen wie Volksparteiler, die hier auf Grund eines für die Provinz abgeschlossenen Abkommens gemeinsam operierten, einige Bedeutung. Fast das ganze flache Land und die kleinen Städte standen unter dem Banne der Konservativen, die mit allen ihnen zu Ge- böte stehenden politischen.und wirtschaftlichen Machtmitteln dieses Gebiet beherrschten. Lediglich der Sozialdemokratie war es bisher gelungen, ihnen auf dem Lande etwas Abbruch zu tun, die Liberalen hatten längst jeden ernstlichen Versuch, die Konservativen zu verdrängen, aufgegeben. Die Eroberung von Memel-Hepdekrug durch den Nationalliberalen Schwabach beweist nichts; denn dieser Kreis war nach dem Tode Moltkes niemals sicherer Besitz der Konservativen und zudem durch feine wirtschaftliche Struktur und die Eigenart seiner Be- wohner für die klingende Propagandamethode des Millionärs Schwabach wie geschaffen. Dieser Zustand hat sich mit einem Schlage geändert. Die Haltung der Konservativen bei der Finanzreforni, der Sturz Biilows und ihr Zusammengehen mit dem Zentrum hat auch in Ostpreußen bis weit in die konservativen Kreise hinein eine Verstimmung ausgelöst, die die Liberalen Morgenluft wittern ließ. Tie Nationalliberalen nutzten die Situation schnell aus, einigten sich mit den Volksparteilern über die diesen zur Bearbeitung zu überlassenden Wahlkreise und gingen den Konservativen energisch zu Leibe. In allen Städten und zahlreichen größeren Ortschaften hielten sie Ver- faimukungen ab und gründeten nationalliberalc, patriotische, mittelpartciliche, nationale und sonstige Wahlvereina, die nunmehr Samnielbecken für alle mit der Haltung der Kon° servativen unzufriedenen bürgerlichen Elemente wurden. Ganz offen erklärte ein nationalliberaler Redner im Dezember v. I. in Jnsterburg in einer dortigen Versammlung, nachdem er die durch die Konservativen geschaffene politische Situation geschildert hatte: „In eineni solchen Augenblick erscheint es geradezu als eine uational-politische Pflicht, auch in unserem Wahlkreis eine feste Organisation des nationalliberalen Wahlvereins zu schaffen. Um ihn werden sich dann scharen: erstens selbstverständlich die Männer, die in ihrer politischen Ueber- zeugung immer nationalliberal gewesen sind und oft den Mangel einer Organisation schmerzlich empfunden haben. In dem nationalliberalen Wahlverein werden zweitens alle diejenigen eine ihrer politischen Auffassung am nächsten kommende Sammelstelle erblicken, die bisher vielleicht mit der konservativen Partei mitgelaufen sind, nun aber es für unmöglich halten, für deren Programm noch niit dem Wahl- zettel einzutreten." Bezeichnend ist, daß es vorwiegend Beamte, wie Richter, Staatsanwälte, Oberlehrer und ähnliche sind, die die Fahne der Rebellion erhoben und die Gründung und Leitung dieser antikonservativen Organisationen in die.Hand genommen haben. Freilich, zu verwunder« ist das nicht, denn gerade! diese Kreise baben sich längst nur mit stummem Ingrimm der agrarkonservativen Gewaltherrschaft gefügt-, sie waren? längst, wie es in der Absage der Elbinger Konservativen an Herrn v. Oldenburg heißt, init dein rücksichtslos eigen- nützigcn, demagogischen Vorgehen des Bundes der Landwirte nicht einverstanden. Dazu kommt, daß die Junker sie wohl benutzten, im übrigen aber sie nicht viel höher be- werteten, als ihren Jnstmann, der für sie arbeiten darf, aber nichts zu sagen hat. i Auch die Geschäftsleute, die Handwerker und sonstige An- gehörige des Mittelstandes, die durch de» brutalen Terror, den der Bund der Landwirte hier im Osten ausübt, seit Jähren zu Parteigängern der Konservativen gepreßt waren, atmeten auf, strömten in großer Zahl zu den liberalen Ver- sammlungen und stimmten jubelnd den gegen die Konserva- tiven gerichteten Reden zu. Die Mutigsten schlössen sich auch den sogenannten mittelparteilichen nationalen Wahlvereinen an. Die Bauern, bei denen ein instinktiver Haß gegen die Junker traditionell ist, wurden durch den unter � nationalliberalem Einfluß stehenden Bauernbund gegen die Konser-. vativen nicht ohne Erfolg mobil gemacht. Denn diese neue j Organisation bot ihnen auf wirtsckjaftlichem Gebiete das gleiche, wie der Bund der Landwirte, und sie brauchten sich fürdcrhi» nicht mehr die junkerliche Bevormundung gefallen lassen. Mit großem Eifer betonten die liberalen Partei- sekretäre, deren jetzt bereits mehrere in der Provinz angestellt sind, die schutzzöllnerische Gesinnung der Liberalen. Ihr Eßnieralsekrctär wies in einer der Abwehr konservativer An- griffe dienenden öffentlichen Erklärung im März d. I. darauf hin, daß der Bauernbund und die Liberalen an der Schutz- Zollpolitik festhieltcu,„aber nicht an der Caprivi- schen, sondern an der alten Aismarckschen, die 1902 wieder zu Ehren gekommen s e i". Die Konservativen versuchten anfangs, dieser rührigen liberalen Propaganda gegenüber cine gewisse Wursligkcit an 1 den Tag zu legen. Herr p. Oldenburg redete von den koddrigen, konfusen Liberalen. Doch erkannten sie bald dew Ernst . der Situation und machten die bündlerischen Wanderredner mobil. Die Oede in derm Versammlungen belehrte sie indes, daß ihre Machtposition in der Provinz ernstlich bedroht ivar. Wie schlimm es um sie bereits stand, wurden sie erst gewahr, als bei der Nachwahl ihnen die Liberalen den bombensicheren Wahlkreis Lyck-Oletzko-Johannisburg im ersten Wahlgange abnahmen. Nunmehr wurde der ganze konservative Parteiapparat in Bewegung gesetzt. Der Landrat trat in Aktion. Im Sommer d. I. tagte in Allenstcin der Landratstag, und zu- fällig auch am selben Ort, zur selben Zeit und im selben Lokal eine Besprechung der konservativen Vertrauensmänner der Provinz. In geistige Unkosten scheinen die Herren sich dort nicht gestürzt zu haben, denn die ganze Abwehraktion, die danach einsetzte, bewegte sich in'dem alten Gleise landrätlicher Wahlmache. Man versuchte, vor den Liberalen gruselig zu machen dadurch, daß man sie als Verbündete der Sozialdcmo- kratie hinstellte und die nationalliberale„Königsberger All- gemeine Zeitung", ein in widerlichem Byzantinismus machen- des Scharfmackjerorgan schlimmster Art, als sozialdemo- kratisches Blatt gezeichnet. Landrat und Gendarm versuchen. bei Gastwirten und Hoteliers auf dem Lande und in den kleinen Städten die Ersetzung dieses Blattes durch die agrar- � konservative„Ostpreußische Zeitung" herbeizuführen. Den I wirtsckvstlich und politisch Abhängigen, die gewagt haben, sich � den Liberalen zuzuwenden, läßt inan die Uebermacht, die die Agrarkonservativen nun einmal in allen öffentlichen Körper- schalten der Provinz haben, rücksichtslos fühlen. Indes scheinen die Herren ein rechtes Vertrauen zu der ! Wirksamkeit dieser alten Mittel selbst nicht mehr zu haben, ! und sie sollen nach den in die Presse gelangten Nachrichten auch dazu übergegangen sein, die Zugkraft ihrer Kandidaten für die nächste Wahl einer ernstlick>en Prüfung zu unterziehen. Einige jeweilige Abgeordnete sollen da schlecht standgehalten ! haben. Sie werden wahrscheinlich durch zugkräftigere Kandi- dateu ersetzt werden. Selbst die konservative S p i r i t u s l e u ch t e K r e t h will man i n S t a l l u- pönen-Darkehmen durch einen Landrat er- setzen. Nun, der Wahlausfall in Labiau-Wehlau hat bewiesen, daß ihre rührige Abivehrtätigkeit den Konservativen bisher wenig genutzt hat, jedenfalls das siegreiche Vordringen der Liberalen nicht hat aushalten können. Gleichivohl hat diese Wahl aber auch gezeigt, daß die Bäume der Liberalen nicht i in den Himmel wachsen, und daß es eine Illusion ist, an- zunehmen, die ostpreußischen Wahlkreise ließen sich den Kon« � servativen im Sturm abjagen, ein Gedanke, der sich nach dem � Erfolg in Lyck-Oletzko in vielen liberalen Köpfen festgesetzt ! hatte. Es ist auch eine arge Selbsttäuschung, wenn die Libe- � ralen sich einreden, in den eroberten ostpreußischen Kreisen � habe der Liberalismus gesiegt, und diese Siege seien ein Be- weis für das Vordringen der liberalen Ideen in Ostpreußen. Nichts irriger wie das. Die Wähler, die in Lyck-Oletzko wie in Labiau-Wehlau den liberalen Kandidaten wählten, haben in ihrer überlviegenden Mehrzahl ioohl kaum eine Ahnung davon, ivas Liberalismus bedeutet. Nicht aus liberaler Ueber- zeugung oder aus Sympathie für die Liberalen gaben sie diesen ihre Stimme, sondern hauptsächlich aus Abneigung und Haß gegen die Konservativen. Diesen, deren Hochmut und brutale Unterdrückung sie seit Jahren schwer empfinden, über deren schamloses Verhalten bei d»r Finanzreform sie empört waren, wollten sie eine Niederlage bereiten, deshalb wählten sie, soweit die sozialistische Aufklärung bei ihnen noch nicht Boden gefaßt hatte, liberal. Derartige aus augenblicklichen Stimmungen und Ver- stimmungen geborenen Erfolge pflegen nickst von langer Dauer zu lein, und es erscheint sehr zweifelhaft, ob die all- genieinen Wahlen im nächsten Jahre das halten werden, was die seitherigen Nachwahlen versprechen. Jedenfalls haben die Liberalen im nächsten Jahre unter ungemein ungünstigeren Verhältnissen gegen die Konservativen zu kämpfen als bei den erwähnten Nachwahlen. Ihnen dürften nicht entfernt die pekuniären Mittel und die große Zahl von Agitationskräften für die einzelnen Kreise zur Verfügung stehen, wie sie sie bei den Nachwahlen zur Verfügung hatten. Hingegen wird für die Konservativen in allen Kreisen der behördliche Apparat mit der gleichen Intensität funktionieren wie bei den Nach- wählen, und die Großgrundbesitzer werden ihre Wirtschaft- liche Uebermacht mit derselben Rücksichtslosigkeit den ab- hängigen Wählern fühlen lassen, wie bisher, eher noch etwas ärger. Daß bei einem so heißen Ringen zweier so reich mit Geld und politischen und wirtschaftlichen Machtmitteln ausgestatte- ten Parteien um die Gunst der überwiegend politisch sehr rück- ständigen und wirtschaftlich abhängigen Wähler die Sozial- demokratie, die weder über die Geldmittel verfügt, noch frei und ungehindert agitieren kann, vorübergehend etwas ins Hintertreffen gerät, darf nickst wundernehmen. Sie verliert vorerst die Wähler, die, ohne innerlich zu ihr. zu gehören, bisher ihrer Empörung über die Politik der Konservativen in Ermangelung eines ernsthaften liberalen Kandidaten durch Abgabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels Ausdruck gegeben hatten. Wie der Ausgang der Wahl in Labiau- Wehlau zeigt, waren dort diese Mitläufer bereits bei den Hottentottenwahlen abgefallen und zu de« damaligen Block- brüdern der Liberalen, den Konservativen, abgeschwenkt. Ter damals festgebliebene Stamm sozialdemokratischer Wähler hat auch bei der heurigen Wahl treu zur Partei gehalten, und das, obwohl durch eine geradezu amerikanische W' h'.mache der Liberalen der Wahlkreis aufgewühlt wurde, wie nie zuvor, j und die Konservativen in der unerhörtesten Weise ihre Macht- � mittel zur Anwendung brachten. Ja, es wurden sogar noch einige hundert sozialdemokratische Stimmen zugewonnen. Daß auf diese Wähler die Partei rechnen kann, beweist auch die be- wundernswürdige Disziplin, die sie bei der Stichwahl be- wiesen. Dieses Ergebnis bietet uns die Gewähr, daß unter nor- malen Verhältnissen die Sozialdemokratie auch in Ostpreußen ihren unaufhaltsamen Vormarsch fortsetzen wird. Kein Zweifel, das Vorgehen der Liberalen in Ostpreußen ist insofern zu begrüßen, als es dazu beiträgt, den Bann der Konservativen, der wie ein Alp auf das politische und Wirt- schaftliche Leben der Provinz lastet, zu brechen, politische Neu- gestaltuugen zu schaffen und das politische Leben reger zu gestalten. Dadurch dürste auch für die sozialdemokratische Saat der spröde Boden empfänglicher werden. Denn das sollten die Liberalen sich nickst verhehlen: der endgültige Eutscheidungs- kämpf wird ebenso wie im Westen zwischen Zentrum und Sozialdemokratie, auch im Osten zwischen Sozialdemo- k r a t e n und Konservativen ausgefochten werden. tzimSert liiiQI)andlungen in Xh Stunden. „Mindestens hundert solcher Fälle Hobe ich in dieser Zeit von 9 bis 11 oder'/„12 Uhr beobachtet," erklärte in der Donnerstag- sitzung des M 0 a b i t e r Prozesses der Zeuge Briese, nachdem er anschaulich geschildert halte, wie fast jeder Passant, der an dem beireffenden Tage zu jener Zeit an dem,. SchutzmaniiSaufgebot an der Ecke der Beusielstratze und Huttenstroße vorbeikam, in der brutalsten Weise ohne jeden Grund verprügelt wurde. Hundert Fälle in 1— l'/s Stunden l Wo bleibt da die BerlegenheitsanSrede von den„einzelnen Fällen". Dabei ist dit Angabe des Zeugen Briese nur eine unter vielen. Ein qnderer Zeuge hat in kurzer Frist mehr als dreißig derartige Mißhandlungen gesehen. Es ist für alle diese Akte charakteristisch, daß sie zu einer Zeit geschahen. da Menscheuansammlungen absolut nicht vorhanden waren, wo von einer Bedrängung der Schutzleute in keiner Weise die Rede war. Es ist also auch nicht einmal als milderndes Moment geltend zu machen, daß die Polizeibeamten durch kurz vorher ausgeführte Attacken, durch Herausforderungen, durch zusammengerottete Menschen- masseu gereizt worden seien. Sondern eS liegt hier so klar wie nur möglich zutage, daß lediglich die Lust an der Gewalttat und Roheit sie zu ihren Handlungen gebracht hat, daß die Schutzleute sich ge- wissermaßen für ihren schweren, langen Dienst schadlos hielten durch wahllose Verprügclung friedlicher Passanten, daß fie eine grimmige Befriedigung dabei empfanden, die Bürger ea oanaills behandeln zu können. Charakteristisch für die Stimmung der Schutzleute ist ein Ncbenumstand, den der Zeuge Briese beobachtet hat. Er sagte aus, daß verschiedene der Passanten bei der Verprügelung ihren Hut verloren. Ihre Ruie:„Mein Hut I mein Hut!" wurden von den Schutzleuten mit der höhnischen Aufforderung beantwortet, doch den Hut zu holen, und wenn sich einer dadurch verleiten ließ, noch einmal zu diesem Zwecke umzukehren, so erhielt er aufs neue Schläge. Wie geschlagen worden ist, das geht mit grauser Deutlichkeit aus der Tatsache hervor, daß der Zeuge Webener das Klatschen der Hiebe drei Stock hoch so deutlich vernahm, daß er erregt auö dem Bett sprang. Und vor den Tisch des Gerichts trat in dieser Sitzung Zeuge um Zeuge, der viele Wochen im Kranlenhause oder in ärztlicher Behandlung zubringen mußte, der lange Zeit arbeitsunfähig war in» folge fürchterlicher Säbelhiebe, die ihm die„Sicherheits"beamteii beibrachten. Und das Charakieristische ist wieder, daß keiner dieser Verletzten seine Wunden in einer von den Schutzleuten attackierten Menschenmenge erhalten hat. ES handelt sich allemal um Leute, die fern von Zusammenrottungen waren. die der von den Schutzleuten getriebenen Menschcnmasie weit voraus» eilten und von entgegenkommenden Polizeibeamtcn geschlagen wurden, oder die sich in von solche» größeren Ansammlungen gänz» lich freien Straßen bewegten. Sie wurden gehauen, weil es den betreffenden Beamten gefiel, zu hauen— ein anderer Grund ist nicht ersichtlich. Und daß manche Vorgesetzten bei solcher Säbelei mit dabei waren, das haben auch in dieser Sitzung wieder ver» schicdene Aussagen ergeben. An der Spitze der Schutzleute, die in den Hof der Tnrbineiifabrik der A. E.-G. eindrangen und dort ohne weiteres, ohne sich erst im geringsten zu vergewissern, losschlugen. den Inspektor auf ein Haar verhauen hätten und einen jungen Menschen zu Boden säbelten, war ein Leutnant. Und bei der Räumung eines Lokals in der Wiclefstraße war's Leutnant, der das Komniando zrnn Verprügeln der Leute gab, die die Wirtschaft gemäß dem Gebot der Polizei verließen. Bei den massenhaften Verprttgeluiigcn, den mehr als dreißig Fällen, die der Zeuge Webener gesehen hat. war ein Polizeileutnant in der Nähe; es wäre mehr als merkwürdig, wenn der Herr nicht den einen oder den anderen dieser Fälle gesehen hätte. Ein Eingreifen von seiner Seite aber ist absolut nicht zu bemerke» gewesen. Ein Leutnant war dabei, als der Schauspieler Neumann geschlagen wurde. Empörende Einzelheiten sind in dieser Sitzung wieder zur Sprache gekommen— die niederträchtigste aller Roheiten, das Ein» hauen mehrerer Schutzleute auf einen bereits hilflos am Boden Liegenden ist auch keine vereinzelte Erscheinung, ist auch keine Aus- nähme mehr. Und die Schlagenden haben sich mehrfach:'cht gescheut, Leute, die die Verlmmdeten aufrichten und ihnen forthelfen wollten, mit Drohungen davonzujagen. Unübersehbar schwillt da-Z Material gegen die Polizei an. Immer jämmerlicher aber werden die Angaben der Polizeizeugcn. Die Donnerstag-Titzung war geradezu ein Aufmarsch von Jagow« . Freiioilligen. die nichts weiter oder doch meist nicht viel mehr zu bekunden hatten, als daS eine:„Ich habe nichts gesehen 1* Die darüber hinaus noch etwas zu sagen hatten, waren die Aus« nahmen. Aver auch sie vermochten nichts Bedeutsames zu be» künden— mit welchen Augen manche dieser Leute die Vorgänge angesehen haben, verriet die Hartnäckigkeit, mit der der Zeuge Dr. Silbemct den Ausdruck„Durchbrechen der SchntzmannSkeile" anwendete. Er war ihm so sehr in Fleisch und Blut über- gegangen, dah er schließlich gar zwei Kinder, die durch- gelnssen wurden. die Kette durchbrechen ließ. Für seine absonderliche Vermutung, daß Radfahrer, die er in den Menschmuneugeu gesehen. Rädelssührer gewesen seien, hatte der Herr nur die eine durstige Tatsache anzuführen, daß diese Liad- fahrer von der Menge durchgelassen worden seien. Kühne Logik I Der letzte der von der Staatsanwaltichast geladenen Zeugen hat in dankenswerter Weise"die Behauptungen der Verteidigung bestätigt, daß die Ausschreitungen deö ersten Tages ausschließlich vom Jan- Hagel bcgüiigcn wurden. Unter Umständen erweist sich so auch ein- mal einer von JagowS Leuten als ein Zeuge von Belang. Aber die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben dam» meist keinen Grund, von der Aussage befriedigt zu sein. Rsubdsu and yiehverieachaag. k- Der badische Minister des Innern, F r e i h e r r v. B o d- man, hat es schon durch seine bekannte Aeußerung, daß die Sozialdemokratie eine großartige Bewegung sei, gründlich mit den konservativen und ultramontanen Agrariern»er- dorben, seine neuesten Ausführungen in der badischen Land- wirtschaftSkannner über die Verseuchung des süddeutschen Viehs durch das iiorddeutsche werden aber die Entrüstung der Agrarier zur hellodcrnden Flamnie ausstacheln, so daß wir uns in nächster Zeit auf die possierlichsteil Ergüsse der konservativen Ägrarierseele gefaßt machen können. In der vorgestrigen Sitzung der badischen Landwirt- schastskammer, die unter dem Vorsitz des Prinzen Löwen- stein stattfand tdesselbcn, aus dessen Stallungen mehrfach seuchenkrankes Vieh nach Heidelberg geliefert worden ist). kaut nämlich die Anfrage zur Verhandlung, weshalb die badische Regierung von der Reichsregierung die Berechtigung zur Einfuhr von franzö- s i f ch e in Vieh in Baden erwirkt habe. Der ge- schaftsführende Direktor der Kammer begründete eine Eni- schließung der Kammer, wonach nach der derzeitigen Markt- läge kein Bedürfnis für die Einfuhr französischen Viehs vor» banden sei und die Landwirtschastskammer in der Fortdauer der Einfuhr eine bedenkliche Schädigung der EntWickelung der einheimischen Vieherzeugung erblicke. Der Minister des Innern, Freiherr v. Bodman, wies, wie die„Kölnische Zeitung" berichtet, in seiner ausfiihrlichen Erwiderung darauf hm, daß nach dem Wortlaut des Reickisgesetzes kein Anlaß mehr vorgelegxn habe, die bis- herige Sperre gegen Frankreich aufrechtzuerhalten, nachdein dort schon seit W* Jahr e n die Maul- und Klauenseuche vö-bkig erloschen sei. Ein Vorstoß gegen die einheimischen Interessen der badischen Landwirt» schaft könne in der Zulassung französischen Viehs in die "ibckdtscht'w Schlachthöfe sticht erblickt werden, da feststehe, daß die badische Vieh-pW in erster Linie mehr auf G e- w i n ii u n g hochwe rtigen Zuchtviehs als von Schlachtvieh gerichtet sei. Wie ferner aus dem auffälligen Rückgang des Viehstands in Bayern, Württemberg und auch in Boden hervorgehe, habe die einheimische Landwirtschaft Badens Raubbau in ihrer Vieh- zucht getrieben, das heißt mehr Zuchtvieh auf die Schlachtbank geführt, als den Interessen der Zucht entsprochen hätte. Süd- deutschland sei gar nicht in der Lage, den Bedarf feine rBevölkerunganSchlachtviehzudccken. Der Bezug von Schlachtvieh aus Norddeutschland fei � aber bedenklich, weil dort fast niemals die Maul- und Klauenseuche erlösche und immer wieder vom Norden nach Süddeutschland verschleppt würde. Gerade vom Standpunkt der Landwirt- schaft aus sei die Zulassung französischen Viehs berechtigt und notwendig gewesen. Ter Minister des Innern erklärte mit aller Bestimmtheit für ausgeschlossen, eine bindende Er- klärung darüber abzugeben, daß in nächster Zeit die Einfuhr wieder gesperrt würde, solange Frankreich von der Maul- und Klauenseuche frei sei. Alle Belehrungen des Ministers waren jedoch vergeblich: bei der Abstinimung wurde die Entschließung der Landwirt- schastskammer nahezu einstimmig angenommen. Berechtigt sind die Ausführungen des Freiherrn v. Bod- man zweifellos, denn wie in Bayern ist auch in Baden das Ergebnis der außerordentlichen Viehzählung vom 1. Dezember dieses Jahres recht mager. Nach anitlicher Mitteilung nimmt der Rindviehstand Badens in den letzten Jahren sortdauernd ab. Gegenüber dem Vorjahr beträgt der Rückgang an Rindern KtX)0, gegenüber der Zählung vor drei Jahren stt 000. Der Schiveinebestand hat im letzten Jahr etwas zu- genommen, bleibt aber immer noch hinter der Zählung von 1307 um rund da 000 Stück zurück. Doch mag Herr v. Bod- man auch noch so reckt haben: seine Ausführung über die Verseuchung des norddeutschen Schlachtviehs wird ihm das preußische Junkertum nie verzeihen. politilcbe deberliedt. Berlin, den 21. Dezember 1910. Ein Spionage-Prozeß. Am Mittwoch und DonnerSrag wurde vor dem Reichsgericht in Leipzig«ine Spionageoffäre gegen zwei englische Offiziere verhandelt, die von einer Reihe von deutschen Seebefestigungen Photographien cmigenvmmen und auch sonst sorgsam gehütete militärische Eebeim« nisse zu erkunden versucht hatten. Da daö Beweismaterial offen- sichtlich vorlag und die beiden Spione auch gar keinen Versuch machten, zu leugnen, sondern sowohl ihre Spionage als auch die Slrafwürdigkeit ihres Borgehens ohne weiteres zugaben, rollte sich die Verhandlung glatt ab. Arn zweiten Verhandlungstag fanden bereits die Plnidoyers statt und an demselben Tage noch wurde da« Urteil gefällt, daö auf je vier Jahre Festung lautete. AIS strafmildernd hatte daS Reichsgericht eS angesehen, daß die beiden Offiziere im Dienste ihres Vaterlandes, also nicht ehr- I o Ö gebändelt hätten. Andererseits wurde jedoch die„große Gefährlichkeit der Handlungsweise" der Angeklagten berücksichtigt und„der große Schaden, der hätte entstehen können oder vielleicht schon entstanden ist". Daß England wie alle Militürstaatcn, wie auch Deutschland, Spionage treibt, ist allbekannt und selbstverständlich. Insoweit be- ansprucht der Prozeß keinerlei Bedeutung. Er könnte sie nur dadurch gewinnen, daß unsere Chauvimsten anS der— wie gesagt, ganz selbstverständlichen— Talsache, daß England die deutschen See- befcstignngen auszukundschaften suchte, die kübne Folgerung ziehen sollte», daß England an einen Angriffskrieg gegen Deutschland denke. Schon hat ja die Presse dem Reichs- anwalt eine solche Aeußerung unterstellt, die von diesem aller- dings dementiert worden ist. Eine solche Folgerung wäre.auch ebenso töricht w i e gewissenlos. Beweist doch die englische Spionage nicht mehr, als daß das militärische England gegenüber Deutschland ebenso aus der Hut ist, wie das militärische Teutschland England gegenüber, und deshalb alles in Erfahrimg zu bringen sucht, was ihm für den Kriegsfall nützen könnte. Aber zu einer anderen Bemerkung veranlaßt uns eine Wendung deS Reichsanwalts. In seinein Plaidoyer hob er auch anerkennend bervor, daß die beiden englischen Spione keinen Versuch gemacht haben, irgendeinen Deutschen für ihre Zwecke zu gewinnen. In der Tat, hier handelten die englischen Offiziere— ob nur aus Vor- ficht, bleibe dahingestellt— anständiger als seinerzeit ein deutscher Beamter. War es doch ein preußischer Polizei- kommissar, Herr Schöne, der einem ausgewiesenen russischen Kaufmann die Zurücknahme des Ausweisungsbefehls versprach, wenn er unter einem ihm von der Polizei ausgestellten gefälschten Passe nach Rußland zurückkehre und dort Spionendienste für Deutschland leiste. Die Affäre des Herrn Schöne ist ja im„Vorwärts" wiederholt eingehend behandelt worden; es ist aber gut, an sie zu erinnern, um unseren Chauvinisten, die etwa wieder ein wenig in England- hetze zu machen gedächten, von vornherein den Mund zu stopfen I Patriotenfrenden. Die„RheinischWestsälische Zeitung", das Blatt der Zechen- und Hüttenmagnaten, macht sich in einem satirischen Artikel über die kuriosen telegraphischen Berichte lustig, die der Vertreter des offiziösen Wolffschen Telegraphenbureaus und einige andere gleich. gestimmte Korrespondenten tagtäglich über die„Kronprinzenreise" in die Welt hinaussenden. Spöttisch meint das Blatt: „So geht es nun seit Anbeginn der Kronprinzenreise: „Seine Kaiserliche Hoheit der deutsche Krön- prinz hat heute vormittag an Bord Golf ge- spiel t", hat uns das halbamtliche Nachrichtenbureau mehrmals berichtet. Natürlich ist dieses wichtige Ereignis auch auf der Platte festgehalten worden, und wird den andächtigen deutschen Lesern der verschiedenen illustrierten Blätter zum Frühstück ser- viert. Oder:„Die hohen Herrschaften beteiligten sich in ungezwungener Weise an den Gesell- schaftsspielen an Bord". Dann sehen wir den Kaiser- sprossen die Kegelkugel über das SchifsSverdeck rollen, während alle Mitreisenden andächtig zuschauen und ein vernünftiger Ma- trose sich über diese Zuschauer lustig macht. Nun ist gegen einen solchen Zeitvertreib an Bord wirklich nichts einzuwenden.„Reisender Leut' Gemüt und Sinn, gleich wie ihr Leib schwebt her und hin." Aber man sollte doch diese Dinge als Selbstverständlichkeiten hinnehmen und nicht jede Handbewegung des Kronprinzen und der Kronprinzessin auf- notieren, telegraphieren, photographieren und kinemato» graphiercn; denn auch das letztere geschieht, und zwar amtlich, wie auch ein federgewandter Herr den Kronprinzen begleitet, um dem deutschen Volke ein Prachtwerk über die Reise des künftigen Kaisers zu schenken. Nur wünschen wir diesem Prachtwerk einen inehr sachlichen Inhalt, als ihn die bisherigen halbamtlichen Drahtberichte enthielten. Wann der Kronprinz an Bord oder auf dem Lande Golf spielt und ob er gut oder schlecht spielt, wann er kegelt, wie er wettkutschiert und ob er Antilopen öder etwas anderes schießt, das interessiert das deutsche Volk nicht oder sollte es wenigstens nicht sonderlich interessieren. Aber leider gibt cS ja auch sehr viele solche, die die Seligkeit ob ihrer Geistesarmut verdient haben und sich mit dem im„S i m- p l i z i s s i m u s" jüngst abgebildeten Herrn Otto Krätzschmann, Fabrikanten aus Zittau, glücklich preisen würden, die aller- hoch st e seekrankheitliche Bescherung im Zy- linder als Andenken von der Kronprinzenreise ihrem Töchterchen mit nach Hause bringen zu könne n." Wir verstehen nicht, warum sich das Blatt der Zechenbesitzer so aufregt. Es ist doch ganz selbstverständlich, daß jemand, der tag- lich aus dem Sckierlscheu„Lokalanzeiger" oder dem..Reichsboten" seine politische Bildung bezieht und daneben vielleicht noch seine literarischen Bedürfnisse in der„Woche" befriedigt, schließlich nicht nur im Golfspiel des Kronprinzenpaares, sondern sogar in dessen „seekrarifheitlicher Bescherung" oder in dessen Stuhlgang Ereig- nisse von weltgeschichtlicher Bedeutung erblickt und sich an der Schilderung dieser großen Momente durch Wort und Bild Vater» ländisch begeistert._ Zum Kampf gegen den„inneren" Feind. Wie die„Ostsee- Zeitung" erfährt, hat das Kriegs- mtmstcrium an sämtliche Armeekorps eine Verfügung erlassen, die sich mit der Revision der„Aufnlhr-Akte" befaßt. Das Vorhandensein dieser„Aufruhr-Akte" wurde auf dem Parteitag in Magdeburg festgestellt dadurch, daß der Korpsbefehl des Generals v. Bissing der Oeffentlichkeit übergeben wurde. Die Aufforderung des Kriegsministeriums läßt erkennen, daß es sich dabei keineswegs um eine Privatleistung des Generals v. Bissing gehandelt haben kann, sondern um eine ganz generelle vom KriegSmiuisterium ausgegange Anweisung. Vielleicht geht man auch nicht fehl in der Annahme, daß die Vorgänge in Moabit von bestimmendem Einfluß für den neuen Entschluß des Kriegsministeriums gewesen sind. Die scharfmacherische Presse hat ja Wochen hindurch darauf hin- gewiesen, daß in solchen Fällen ohne weiteres Militär requi- riert werden müsse. Der Kriegsniinister will nun wahrschein- lich dem Wunsche der Scharfmacher Rechnung tragen. Bei der Beratung des Militäretats im Reichstag wird dem Kriegs- minister natürlich Gelegenheit geboten werden, über seine Vor- bereitungen zum Straßenkampf nähere Auskunft zu geben. Das rttterschaftliche Schulwesen Mecklenburgs. Die Mißstände im ritterschaftlichen Schulwesen des Obotriten« landeS haben sich dermaßen zugespitzt, daß selbst die mecklenburgische Regierung Reformen für dringend nötig hält. Nach der Vcr- ordnung vom 21. Juli 1821 erstreckt sich der Unterricht auf Religion. Schreiben und Rechnen; das Lesen wird nicht erwähnt, sondern findet sich erst in der ErggnzungS« Verordnung vom 8. April 1879. Die Regierung fordert jetzt samt- liche in den Volksschulen sonst gebräuchlichen llntcrrichtsgegenstände. obwohl sie nicht verkennt, daß die Ritter den Realien wahrscheinlich Widerspruch entgegensetzen werden, ebenso dem Turnen und den weiblichen Handarbeiten.— Die für den Sommer vorgeschriebene wöchentliche Stundenzahl ist unzureichend. Es gibt noch ritterschaflliche Schulen mit 12 Wochen stunden im Sommer,„was," wie das Reskript der Regierung mit gutem Humor sagt,„um so befremdlicher ist, als viele Schulpatrone Klage darüber führen, daß die Lehrer von Ostern bis Michaelis zu viel freie Zeit haben." Die Stundenzahl soll nach der Forderung der Regierung auf 22 im Sommer und 28 im Winter erhöht und der Lehrplan der Tominialschuken zugrande gelegt werden.— Es fehlt den ritterschaftlichen Schulen an den nötigen Lehrmitteln. Von 1S3 rilterichaftlichen Schulen, so berichtet daS RegierungSreskript, die in den letzten 10 Jahren von den Landes- superindenten und Schnlräten revidiert wurden, waren nur 84 mit Lehrinitteln noldürflig versehen; in 2t Schulen war nur eine Wandtafel, in 12 Sckmlcn nur 1 Wandtafel und 1 Land- karte, in 10 Schulen nur 1 Wandtafel und 2 Landkarte», in 3 Schulen hatte der Lehrer die Landkarten angeschafft, in einer der Pastor. Die Regiermig fordert jetzt, daß sämtliche erforderlichen Lehrmittel von der OrtSobrigkcit zu beschaffen sind. Ebenso find die Von'chnften über die Schnlversäumnisse durch- a»S verbesserungsbedürftig. Die Bestimmungen über die Schul- aufsichl bedürfen einer wesentlichen Ergänznng. weil e§ an einer klaren Abgrenzung der Rechte und Pflichten der«chulpatrone einerseits und der Geistlichen als Sckmliiispekloren andererseits bisher gänzlich fehlt. Auch eine Gehaltserhöhnng für die ritteriwaitlichen Lehrer ist dem Landtag vorgelegt: Erhöhung des Grundgehalts von 1000 auf 1200 M. und Zulagen von 100, 200. 3S0. 500, 600, 700, 800 M. nach 3, 6, 10, 14, iL, 22, 24 Jahren. Eine Erhöhung der Pensions- flitze zu beantragen, behält sich die Regierung vor. Die Forderungen und Wünsche der Regierung mögen recht gut gemeint sein, aber eS ist keine Aussicht vorbanden, daß der ständische Landtag sie berücksichtigt. Wenn auch die Landschaft(&. h. die Bürgermeister) vielleicht zu einem Teil für die Vorlage eintritt, so wird doch die Ritterschaft sie sicher ablehnen. Sie erklärte bereits im Landtage, daß sie eine wesentliche Aenderung des SchukplaneS nicht für nötig halte. Die Bestimmungen von 1821 und 1879 genügten für die Arbeiterbevölkerimg der Landgebiete. Die Junker haben deshalb aus dem Entwurf die Vorschriften über den obligatorischen Unterricht im Zeichnen, Turnen und weiblichen Hand- arbeiten einfach gestrichen, desgleichen eine Reihe der im Entwurf festgesetzten L e h r m i t t e l. Es genügen, meinen sie, eine Wand- laset, vier Landkarten und ein Globus. Die Schulstuudenzahl von 22 pro Woche für den Sommer hat der Junkerlandtag aus 12—18 herabgesetzt,„weil sonst die Ver- Wendung von Kindern bei Erntearbeiten außer- in den Ferien fast ganz ausgeschlossen werde"! Auch das Aufsichtsrecht der Geist- lichen hat die Ritterschaft gestrichen und es der.Ortsobrigkeit"— das find die Gutsherren selbst— ausgeliefert! Trotzdem behaupten bekanntlich die Junker, daß sie auch ein „warmes Herz" für die Volksschule hätten. Ultvamontaue Heuchelei. Die Zentrumspresse liebt es. um�die Massen für die kirchlich bevormundete konfessionelle Schule zu�gewinnen, alle Mißstände in Ländern, wo die Verweltlichung der Schule durchgeführt, auf daS Konto der religionslosen Jugenderziehung zu setzen. Namentlich muß zu diesem Zwecke Frankreich herhalten, wo so leicht nichts geschieht, mag es sich um eineil Regierungsskandal oder eine Apachengeschichte handeln, was nicht von der Zentrumspresse zu Artikeln mit der Ueberschrift:„Die Früchte der religions- losen Schule" ausgeschlachtet wird. In einem dieser Artikel, der vor einigen Tagen durch die ultramontane Presse lief, hieß es: „Vor einigen Wochen hat das französische KricgSministerium eine Statistik über die militärischen Truppenaushebungen des JahreS 1909 herausgegeben. Taraus ergibt sich, daß unter den 200 000 Stellungspflichtigen 15 000 Analphabeten waren, das heißt junge Leute von 21 Jahren, die weder lesen noch schreiben können. Das sind also Leute, die unter der Geltung der Gesetze über den allgemeinen obligatorischen und religionslosen Unterricht geboren und ausgetvachscn sind. ..... Erst vor kurzem hat man in Paris unter Aufbietung des ganzen offiziellen Apparats und unter der Anteilnahme der ganzen kirchensetndlichen Meute dem Vater der religionsfeindlichen Schnlgesetze in Frankreich, Jules Ferry, ein Denkmal enthüllt und mft hochtönenden Reden dieses Verdienst um die Nation gepriesen. Keiner aber hat das Ergebnis jener Gesetze, die nach den offiziellen Ansprachen aus Frankreich ein Land der Freiheit und des Fortschritt» gemacht haben sollen, verkündet: daS Ergebnis der Statistik des Kriegsministeriums für 1909: 15 0 0 0 An» alphabcten unter 200 000 Rekruten. Ein schöner Er» folg für die dreißigjährige antiklerikale B i l d u n g s a r b e i tl" Natürlich hat die Anzahl der Analphabeten nichts mit der religionslosen Schule zu tun. Aber was verschlägt dem Zentrum ein Schwindel, wenn nur der löbliche Zweck: die Herabwürdigung der weltlichen Schule, erreicht wird. Wo die wirklichen Gründe für die zahlreichen Analphabeten in Frankreich liegen, hat jüngst die „Kölnische Zeitung" aufgedeckt. Daraus ergibt sich, daß es die Klerikalen sind, die die allgemeine Schulpflicht in Frankreich nicht zur Durchführung kommen lassen. Nach dem Gesetz wird in jeder Gemeinde ein Schul» vorstand gebildet. Diese Behörde hat unter anderem die Aufgabe, über die Gesuche inn Befreiung vom Schulbesuch zu entscheiden und Verstöße gegen die Schulpflicht zur Kenntnis zu nehmen. Wenn nach einer von ihr ausgesprochenen Warnung ein Hausvater sich weigert, seine Kinder zur Schule zu schicken, wird er vor den Friedensrichter geladen und zu den vom Gesetz vorgesehenen' Strafen verurteilt. ES ergab sich nun. daß in den Gemeinden, wo die Klerikalen und Royalisten Sie Mehrheit haben, sie auch den Schulvorstand aus ihren Anhängern bilden; auf Betreiben der rcyalistischcn Ausschüsse genehmigt der Schulvorstand sämtliche Befreiungsgesuche und gibt keiner Klage wegen Schulversäumnissen Folge. Es ist festgestellt worden, daß aus solchen Gemeinden niemals ein Ver- säumnisfall bor den Richter kommt; das Gesetz ist so gut wie nicht vorhanden. Besteuerung der Zündlvarenersatzmittel. Im Reichsschatzamt hat am Donnerstag eine Konferenz statt- gefunden, zu der Vertreter jener Industriezweige geladen ivaren, die sich mit der Herstellung von Zündwarenersatzmitteln befaßt. Veranlaßt wurde die Konferenz durch das Verlangen der Ziindwaren- sabrikanten, die Erlatzmittel nach französischem Muster mit hohen Steuern zu belegen. Früher hat sich der Schatzsekrctär Wernntth in ablehnendem Sinne ansgesprachen; es gwinnl jetzt aber fast den Anschein, als ob er seine Ansicht einer Revision unierzogen hätte, denn sonst wäre eS nicht verständlich, daß er die Vertreter dieser Industrie zu einer Konferenz nach Berlin berufen hat. Behütung der Studenteuschaft vor sozialdemokratischem Gift. Die Denunziation deS Leipziger ReichSverbändlerö Dr. Henrici und des von ihm zusammengetrommelten reichsverbändlerischen Landsturms hat gefruchtet. DaS sächsische Kultusministerium hat auf die Beschwerde deS Henrici und 23 Leipziger Bürger in einem längeren Schreiben an deir akademischen Senat der Leipziger Universität geantwortet. In der Antwort wird erklärt, da» Ministe- rium bedauere den Vorfall aufs lebhafteste. Räch den amtlichen Feststellungen werde dahin erkannt, daß daS So i se r h o ch de» Dr. Henrici zwar unangebracht und daher geschästSordnungS- mäßig eine Rüge zulässig war, andererseits aber sei das Hinan S- weifen des Dr. Henrici au» dem Saale nicht als notwendig anzusehen. Das Kultusministerium spricht am Schluß seiner Antwort die Erwartung aus. daß die UniversitStSbehörden künftig von der Zulassung von Nichtstudenten zu dergleichen Versammlungen sowie von der Zulassung von Rednern der sozialdemo- kratischen Partei, deren Ziel der monarchisch vaterländischen Gesinnung der Studentenschaft widerspreche, zur Vermeidung ähn- licher unliebsamer Vorkommnisse aus eigener Entschließung a b- sehen werden._ Die armen Reichen. Der„Jugendbund für entschiedenes Christentum" erläßt durch seinen Generalselretär, den Pastor B l e ch e r. einen blechernen Ausruf an die entschiedenen Christen kreuzzeitungSkirchlicher Richtung. in welchem er unter dem üblichen Hinweis auf die Vorgänge in Moabit und am Wedding gegen die sogenannte„sozialdemokratische Jugendorganisation" donnert und— das ist, wie bei allen der- artigen Appellationen an das„christliche Gemüt", der eigentliche Zweck des ganzen frommen Gesalbaders— zum Spenden von Almosen für die gefähr ie'e christliche Jugend auffordert. In dem Achimen WeihnachtSappell heißt es: „Unberechenbar ist der Schaden, der durch solche Agitation an den jugentlichen Seelen angerichtet wird. Ihre widerchristlichc Tendenz m d ihr schnelles Wachstum fRotabene seit drei Jahren 1) inacht diese Bewegung zu einer offenen Gefahr für unser Volks- leben. Die-er drohenden Gefahr muß mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegen gearbeitet werden, und zwar»»fort. Die sozialdemokratischen freien Gewerkschaften haben 12 600 M. und die sozial- demokratische Partei 10 000 M. 300 Vereinen durch die Zentralstelle in Berlin zukommen lasten. Ahnungslos werden die jungen Leute unter allerlei Borwände in diese Organisationen eingeführt. Es gilt den Kampf um die Jugend klar und entschlossen auszunehtnen. Jugendheime sind eine Forderung der Zeil, die mit allein Nach- druck geltend zn machen ist. Leider stehen uns dazu keine Mittel zur Verfügung neben- unserer anderen um- fangreichen Arbeit, die im letzten Jahre 14 815 M. erforderte, Sanz abgesehen von unserer Missionsarbeit auf den deutschen iarolinen. Wir haben u. a. ein Jugendheim in Verlin, Blumen- straßr 80/81, das wir gern weiter ausdehnen möchten, wenn wir nur das nötige Geld hätten. Wir sind auch nicht im- stände, die Miete von 1750 M., dazu den Betrag für'die Einrichtung der benachbarten Wohnung aufbringen zu können. Da sind wir gezwungen, an Ew. Hochwohlgeboren Vertrauens- voll uns hierdurch zu wenden. Sie selbst sind wohl mit anderen Arbeiten in Anspruch genommen, werden eS aber im Interesse unseres gefährdeten Volkes gütigst gestatten, daß wir Ihnen hierdnlch diese Angelegenheit vortragen dürfe». Wir geben uns der Hoffnung hin, daß eS Ihnen eine wirkliche Freude ist, Ihr Jntercste an unserer wichtigen Arbeit durch finanzielle Hilfe gütigst zu gewähren." Die reaktionären Freunde des Jugendbundes für entschiedenes Christentum gehören zu der reichsten Schicht der deutschen Bevölke- rung; aber trotz ihrer christlichen Entschiedenheit scheinen sie jenen Teil der christlichen Lehre, der vom Geben handelt, sehr gering zu schätzen; denn sonst könnte eS Herrn Blcchcr und seinen Gönnern doch nicht so schwer fallen, 1750 M. zusammenzufechten. Wenn die angebettelten entschiedenen Christen zu Weihnachten und Neujahr eine halbe Flasche Champagner weniger trinken wollten, wären die 1750 M. sofort beisammen; aber soweit reicht anscheinend ihre christliche Entschiedenheit nicht._ Zwei Urteile der Militärjustiz! WiL'Äiohestsdelikte und Disziplinarvergehen von der Adilttär- justiz beurteilt werden, zeigen folgende zlv ei Falle, aus denen sich ergibt, �paß Vergehen gegen die heilige Disztplin mit exorbitant churtetr' Strafen belegt werden, während Rohlinge mit sehr ge- linden Strafen davonkommen. Erster Fall: Der Unteroffizier Purschke vom Artill.- Vtcgimcnt Nr. 12 war cineö Sonntags spät abends auf dem Wege nach ddlil Quartier mit einem anderen Unteroffijier in Diffe- renzen geraten. Eö kam zu einem Handgemenge, m dessen Verlaufe P. mit feinem Säbel dem Kameraden mehrere heftige Schläge über den Kopf versetzte. Der Verletzte brach ohnmächtig zusammen und blieb einige Zeit ve- tmißtlop liegen. Er hatte zwei lange llafsende Wunden am Kopf, die genäht werden mußten. Es wurde eine längere ärztliche Be- hmrdlung nötig. Der Verletzte hatte aber seit der Mißhandlung fortgesetzt unter heftigen Kopfschmerzen und Schwindelansällen zu leiden. Die Aerzte erklärten den Patienten für d i c n st u n- lächig und �sprachen sich dahin aus. daß die Folge der Ver- letzung Neurast he nie sein werde. Das Kriegs- geeicht sühnte diese unglaubliche Roheit mit 2 Monate Gc- f ä n g n i s. Gegen das Urteil legten sowohl der Angeklagte als auch der Gerichtsherr Berufung ein. Erstcrem war die Strafe roch zu hoch, letzterer erstrebte mit Rücksicht auf die grenzenlose Roheit eine härtere Strafe. Das Obcrkriegsgericht in Dresden bestätigte aber das erstinstanzliche Urteil. Das Gegenstück. Eines Morgens war der Ulan L u d e W i g vom 17. Ulancn-Negiment etwas später zum Dienst gekommen, weil er es infolge einer vorangegangenen Trunkenheit verschlafen hatte. In der Eile überhörte er einen Zuruf des Unteroffiziers. Als er darauf im Stalle zur Rede gestellt wurde, erwidert« er, er habe jetzt keine Zeit, da er seine Pferde putzen müsse. Er murmelte vor sich hin und soll auch trotz Verbots in„aufsässiger Weise" weitergemurmelt haben. Für diese Lappalie warf das Kriegsgericht 3 Monate Gefängnis aus. indem cS Ungehorsam, Beharren im Ungehorsam und ausdrückliche Gehorsmnsver- Weigerung annahm. Auch die Berufung deö sofort in Hast genommenen Angeklagten wurde vom OberkrteaSgericht ver- worfen und die Strafe als eine«durchaus onae» m e s f e n e" bezeichnet. frankmcb. Da» Gesetz zur Knebelung der Eiseubahuer. Paris, 22. Dezember. Die Regierung brachte heute den Gesetz- entwarf zu« Unterdrückung der Sabotage ein. Nach diesem Entwurf werden die Rechte der Syndikate nicht angetastet, dagegen werden die geistigen Urhebers?!) und die direkten Anstifter mit Strafe bedrobt. Der Sabotage gleichgestellt wird es, wenn Angestellte der Eiscntah» ihren Dienst verlassen.(!) Schließlich wird der Gang des schiedsgerichtlichen Verfahrens festgelegt zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten mit Gruppen von Eisenbahuaiigestellten. Die Begründung des Gesetzentwurf« weist auf die Notwendig- keit eines schiedsgerichtlichen Verfahrens hin, bezeichnet den Ausstand von Angestellte» öffentlicher Dienstbetriebe als unerlaubt mit Rücksicht auf die bevorzugte Stellung der Angestellten dieser Dicnstzwcige; wenn diese in den Ausstand träten, so maßten sie sich ein Verfügungsrecht über die öffentlichen Betriebsmitte! an. Da die Arbeitgeber des öffenllichen Dienstes ihre Angestellten nicht aussperren könnten, sei es logisch, diese zu hindern, sich des ttusstandes al» Kampfmittel zu bediene».(!) Der Gesetzentwurf verbietet ferner. Borbereitungen zu Ausständen in öffentlichen Dienstbctrieben zu treffen. Mit diesem Äiicbelgesetz gegen die Eisenbahnangestellten stellt stch Herr Briand würdig an die Seite preußischer Ministerl ItsHen. Ein Sozialist in Stichwahl. Ron«, 20. Dezember.(Eig. Ber.) Bei der Ersatzwahl vom vorigen Sonntag im Wahlkreise Boltri erhielt der sozialistisch« Kandidat Giovanni Lerda lllSö Stimme»!, ber ministerielle Kandidat T a s s a r a. der in seinen Eisenwerken in dem Wahlkreise über 2500 Arbeiter beschäftigt, 3019 und der Klerikale 1207. Gen. Lerda kommt daher in Stichwahl mit dem Mänistcriellen. Der Wahlkampf war beispiellos erbittert: es haben 85 Proz. der Wahl- berechtigten gestimmt. Von feiten des ministeriellen Kandidaten wurde eine Wahlkorruption und Einschüchterung der Wähler durch- geführt, wie sie sonst in Norditalicn unbekannt ist. Vor den Wahl- lokalen schrieben die Beamten der Eisenwerke den Namen jedes Arbeiters aus, der zur Wahl kam, dies, um den Eindruck zu er- wecken, als sei eine Kontrolle über die Abstimmung möglich. Tic Regierung war so sicher, ihren Kandidaten im ersten Wahlgang durchzubringen, daß sie als Stichwahltag den 1. Weihnachtstag angesetzt hat. Am 25. Dezember wird nun der entscheidende Kampf stattfinden, wobei voraussichtlich die Klerikalen geschlossen für den Ministeriellen stimmen werden. Ehe die Sozialisten n diesem Wahl- kreis agitiert haben, pflegte der Abgeordnete mit 1500 Stimmen gewählt zu werden. Es handelt sich um den am meisten industriellen Wahlkreis in ganz Italien. RifiZtaitd. Polizei gegen eine Studentenvcrsammlung. Ueber eine Polizciattacke auf eine Studcntenversammlung gibt das Wolffsche Telcgraphenburcau, offensichtlich auf Grund russischer Polizeiinforinationen, folgende Darstellung: Odessa, 22. Dezember. An der heutigen Studentenver- s a m m l u n g in der Universität nahmen etwa 270 Studenten teil, darunter 15 sogenannte Akademisten, die Gegner jeder Einmischung Studierender in die Politik sind. Diese wurden mit Lärm empfan- gen, wobei ein Schuß in die Luft abgegeben wurde. Da die von dem Prorektor an die Versammlung gerichtete Aufforderung aus- einanderzugehen. nicht befolgt wurde, rief man den Polizeiches herbei, der, von einem Hagel von Schüssen empfangen, der Polizei den Befehl zum Feuern gab. Die Studenten stellten hierauf daS Schießen ein. Ein Student ist tödlich verwundet, zwei andere sind leicht verletzt. Ferner sind verwundet ein Universitätsdiener und sieben Polizeibeamte, 235 Studenten wurden verhaftet. EhmriKs. Fortschritte der mexikanischen Insurgenten. Nach einer Meldung der..Frankfurter Zeitung" aus New Jork hat der Chef des mexikanischen Generalstabs erklärt, die Insurgenten hätten bei Malpasogesiegt; die Regierung S- t r u p p e n hätten unter Zurücklassung von 19 Toten und 25 Ver- wundeten die Flucht ergriffen. Em der Partei. ReichStagSkandidatur. In einer Konferenz der Vertrauensleute des Wahlkreises Borkcn-Recklinghauscn Ivurde an Stelle des von der Kern- didatur zurückgetretenen Genossen P o I o r n h der Genosse I o n s ch e k als Reichstagskandidat aufgestellt. Genosse Janschck bekleidet zurzeit den Posten eineS Llrbeitersckrvtärs in Gladbeck. polireillesiea, OeHcbtlkebc» ukw. Nutzlose Arbeit des Staatsanwalts. Am 4.?lugust d. I. sprach der Arbeitcrsekretär Weber- Königsberg in einer öffentlichen Volksversammlung in Elbing über die Krankenkaffennvvclle. Durch seine Ausführungen sollte er die Regierung und die preußische Polizei beleidigt haben. In der Verhandlung vor der Elbinger Strafkammer beantragte der Staatsanwalt d rci M o no t e G c f ä irg g.i s. Aa« Gericht schloß sich den Ausführungen de» Genossen H a a s e- Königsberg an und sprach Weber frei. -------------—»■■... v..-w.—.—- V, j t> f** Di« Kirch« ist keine Berdummungsanstalt. Zum zweiten Male stand am Mittwoch der Expedient Genosse Max S a l i n g vor der Görlitzer Strafkammer unter der Anklage, die christliche Kirche in einem Vortrage, den er im Laubaner Ge- werkschastShause hielt, durch die Anwendung des Wortes„Ver- duminungsanstalten" beschimpft zu haben. In der ersten Verhand- lung erkannte die Strafkammer auf Freisprechung mit der Begründung, das Gericht habe nicht oie Ueöerzeugung gewinnen können, daß eine Beschimpfung der christlichen Kirche vorgelegen habe. Auf die von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision hob das Reichsgericht das Urteil auf und wies die Sache an das Land- gericht Görlitz zurück. In der Verhandlung am Mittwoch ver- urteilte die Strafkammer den Angeklagten zu drei Tagen G e- f ä n g n i s. Zur Begründung führte der Vorsitzende ans. daß nach der Entscheidung des Reichsgerichts ein« Verurteilung erfolgen mußte, weil durch den Ausdruck„Verdummungsanstaltcn" der Ein- druck erweckt werden konnte, daß von den Kirchen systematisch Berdum mung betrieben wurde. Der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt. Soziales. DeS preußischen Handelsministers Gesetzwidrigkeiten will selbst Sachsen nicht mitmacheu. Im Noveinbcr vergangenen Jahres teilten wir mit, daß der neue preußische Handelsniinister von Sydow in einem Ministerialentscheid den Erlaß seines Vorgängers Möller auf- hob, der dem Gesetz entsprechend den korporativen Bei- tritt einer Innung zu Arbeitgeberve rbän d e n für gesetzwidrig erklärte. Das sächsische Ministerium hat es dieser Tage abgelehnt, tu gleicher Weise zu Gesetzesverletzungen die Hand zu bieten. Der Sächsische Jnnungsverband hatte einem Beschlüsse deS am 11. Juli in. Meißen abgehaltenen Verbandstages ge- mäß die Regierung ersucht, einen Erlaß herbeiznführen, der den Innungen den Beitritt zu Arbeitgeber-Schutzverbänden gestattet, nachdem der preußische Minister für Handel und Gewerbe am 27. Oktober 1909 genehmigt hatte, daß in Zu- fünft auch den Innungen der Beitritt zu den Arbeitgeber- verbänden gestattet sei.— Der ablehnende Bescheid des Ministeriums des Innern lautet:„Die Voraussetzungen, von denen der Jnnungsverband ausgeht, sind irrige. Allerdings ist für das Gebiet deS Königreichs Preußen durch einen Erlaß des dortigen Ministers für Handel und Gewerbe vom 27. Oktober 1909 genehmigt worden, daß in Zukunft auch den Innungen der Beitritt zu den Arbeitgeber- verbänden gestattet werde, und dadurch der entgegen- st e h e n d e Erlaß vom 20. Januar 1903 abgeändert worden. Allein eine dem letzteren entsprechende Anmeldung ist für daS Gebiet des Königreichs Sachsen überhaupt niemals ergangen. Das Ministerium'deS Innern hat lediglich in einer an die Gewerbekammer Zittau— nicht ober an die JnnungSaufsichtöbehörden— gerichteten Verordnung vom 24. Februar 1905 Anlaß gehabt, einige für die Entscheidung der Frage erhebliche Gesichtspunkte zu erörtern. ES hat zwar bei dieser Gelegenheit auf gewisse Bedenken hingewiesen, die in Hinblick auf§ 81a Ziffer 2 der Gewerbeordnung gegen die unterschiedslose Zulassung des Beitritts von In- nungen zu Arbeitgcbcrverbänden bestehen, namentlich dann, wenn sich deren Aufgabe wesentlich in der Zurückdrängung von Arbeiterforderungen durch unmittelbare Kampfmaßregeln erschöpft, zugleich aber anerkannt, daß diese hinderliche Voraussetzung nicht schlechthin vorliege und im Vordergrund stehe, und deshalb den Standpunkt vertreten, daß bei Erhebung von Anständen die Entscheidung den Jnnungsaufsichtsbehörden von Fall zu Fall vorbehalten bleiben müsse. Das letztere Ver- fahren aber hat auch ohne besondere Anweisung einzutreten. Das Ministerium des Innern erkennt aber in Ueberein- stimmung mit dem im Erlaß des preußischen Handels- Ministeriums vom 27. Oktober 1909 vertretenen Standpunkt gern an, daß ein großer Teil der Arbeitgeberverbände mehr und mehr feine weseiiiliche Aufgabe darin erblickt, in gemein- schaftlichcr Arbeit mit den Organisationen der Arbeitnehmer dazu beizutragen, daß auf dauerhafter und ge- rechter Grundlage ein friedliches Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehinern ermöglicht werde." Hiernach bleibt in Sachsen alles beim alten, d. h. gegeü eine unterschiedslose Zulassung des B e i t r i t t s der Innungen zu den Arbcitgcberverbänden bestehen gewisse Bs- denken und bei Erhebung von Anständen bleibt den Jmmngs- aussichtsbehörden die Entscheidung von Fall zu Fall vor- behalten. Beide Ministerien, das preußische nur schroffer wie das sächsische, verschließen vor der klaren Tatsache die Augen, daß die Arbeitgeberverbände Kampforganisationen gegen die Arbeiter sind, und wollen es zulassen, daß Beiträge der Arbeiter für diese gegen die Arbeiter gerichteten Organisationen verwendet werden. Das sächsische Ministerium vertritt diesen Standpunkt verhüllt, das preußische unverhüllt als Ministerium im Dienste der Unternehmer des Klassenstaates. Zahl der Arrzte. In der soeben ausgegebenen Rummer der„Deutschen medi- ziuischen Wochenschrift" veröffentlicht der bekannte Medizinalstatistiler SanitälSrat Dr. Friedrich Prinzing in Ulm auf Grund des von Prof. Dr. I. Schwalbe herausgegebenen„Reichsmedizinalkalenders für Deutschland auf das Jahr 19 ll"(Leipzig. G- Thieme, 1910, ab« geschlosien am 1. November 1910) auch in diesem Jahre eine Ueber» ficht über die statistischen Verhältnisse der Aerzte Deutschlands im Jahre 1910. Die Zahl der Aerzte in Deutschland beträgt danach im Jahre 1910 32 449. Nach dem Statistischen Jahrbuch für das Derusche Reich für 1910 war die Einwohnerzahl Deutschlands in der Mitte des Jahres 1910 etwa 64 775 000, somit kommen auf 10 000 Einwohner 5,01 Aerzte. Ihre Zahl hat gegen das Borjahr um 480 zu- genommen. Während in den letzten Jahren die Zahl der Aerzte um ein geringes stch weniger raich als die Bevölkerung vermehrte, übertrifft dieses Jahr die Zunahme der Aerzte diejenige der Be- völkerung: Bei der auf 1. Mai 1909 vom ReichZgefundheiiSamt vorgenommenen Ermittelung des Heilpersonals im Deutschen Reiche wurden nur 30 558 Aerzte gezählt. Nimmt man das Mittel ans den nach dam Rctchsmedizinalkaletzder für November 1908 und No- vember 1909 berechneten Zahlen, so erhält man 81 804 Aerzte, die am L Mai.1909.etwA hätten vorhanden sein sollen. Die Gründe, äüs denen die Zakffnng vom 1. Mai>909 unvollständig m'Assel und 1240 Aerzte zu wenig ermittelte, sind nicht zu ersehen: die Zahlen sind in allen Bundesstaaten, mit Ausnahme von Posen, Hessen- Nassau, Hohcnzollern und Sachsen-Meiningen geringer. Daß die Zahlen im Reichsinedizinalkalender die richtigen sind, geht daraus hervor, daß bei der BcrufSzählung am 12. Juni 1907 31 898 Aerzte (darunter 1940 Militär- und Morineärzte und 195 weibliche Aerzte) gezählt wurden. Dabei sind auch alle vorübergehend(in Badeorte», an Hochschulen) in Deutschland sich aufhaltenden ausländischen Aerzte eingerechnet. Künftighin ist von Jahr zu Jahr wieder ein Ansteigen der VerhältniSzifsern der Aerzte zu erwarten, da die Zahl der Medizin- studierenden sich überaus rasch gesteigert hat. Sie war Dabei sind die ReichSanSländer einbezogen; ihre Zahl hat sich ebenfalls erhöht; denn während sie in den früheren Jahren meist um 1900 fchwanttc, war sie im Sommer 1909 1091, im Winter 1909/10 1491 und im Sommer 1910 1499. Die Studierenden der Kaiser WilhelmZ-Akademie, deren Zahl etwa 350 beträgt, sind in den obigen Ziffern nicht eingerechnet. Während man im Vorjahre überall in Nordostdeutschland eine Abnahme der Aerzte' nachweise» konnte, zeigt sich dort dieses Jahr mit Ausnahme von Pommern eine kleine Zunahme; die Abnahme in Berlin(ohne Vororte 2071 gegen 2143 im Vorjahre) beruht nur auf den, HinauSrücken der Aerzte in die Vororte, nicht auf cinein tatsächlichen Rückgang, wie sich auS den für Groß-Berlin berechneten Zahlen ergeben wird. DaS westliche Preußen hat durchweg eine Zunahme. Dasselbe gilt für die übrigen Staaten NorddeutschlandS, von denen nur die beiden Mecklenburg, da§ Königreich erachien und Anhalt eine geringe Abnahme haben. In den süddeutschen Staaten ist die Aerztczahl überall größer geworden, mit Ausnahme von Elsaß-Lothringcn und Hohenzollern. Im Bericht für 1909(diese Wochenschrist 1909, Nr. öl) ist an- geführt, daß die Zunahme der Aerzte fast allein auf die Großstädte falle, daß diese aber doch an Anziehungskraft gegen früher eingebüßt habeff. Dasselbe ergibt sich auch aus der diesjährigen Statistik. Von den 480 Aerzte», um welche die Aerztczahl in Deutschland zu- genommen hat, kamen 329 auf die Großstädte(»ach dem Stand von 1905) und 1Y1 auf daS übrige Deutschland. D i e Z a h l der A e r z t i n n e n ist erheblich gestiegen: wäh- rend 1903 55 und 1999 69 verzeichnet waren, sind eS jetzt 102 Aerztimren; davon kommen auf Berlin 32(1909 21). München 6(wie im Vorjahre), Frankfurt a, M. 6(1909 5). Dresden 6 i l) und Hamburg 4(wie im Borjahre) In 10 Städten sind 2 Aerztinnen aufgeführt, rn 28 Gemeinden je eure. Die Zahl der weiblichen Mediziustlldierenden hat in Deutschland sehr zugenommen; sie war im Winter 190g— 1Y10 871 und im Sommer 1010 512; darunier sind dt« Ausländerinnen einbegriffen. Die Zahl der Spezialärzto ist in Deutschland, besonders in den Großstädten, beträchtlich. Im Jahre 1906 war die Zahl der Aerzte, die Nach dem„ReichS-Medizinalkalender" ein Spezialsach für sich in An'prrich nehmen. 6259(--- 20.2 Proz. aller Aerzte), im Jahre 1910 ist diese Zahl 7272(--- 22,4 Proz.). Von den deutschen Spezialärzten find die meisten Gynäkologen, hauptsächlich in den Großstädten, �an zweiter Stelle kommen die Augenärzte, die in den kleinen Städten übrigens noch zahlreicher sind als jene, a» dritter die Ohren-, Nasen- und Kchlkopfärzte. Sehr zahlreich sind anf dem Lande und in kleinen Städten die Psychiater, da die Jrrenonstalten selten in Großstädten liegen. Den größten Prozentsatz an Spezialärzten hat, wie in früheren Jahren, Dresden(44,2 Proz!), über 40 Proz. haben ferner Stuttgart. Leipzig. Frankfurt a. M.. Plauen und Nürnberg, Groß-Berlin zählt 82,8 Proz. Spezialärzt«. GewerkrcbaftUcbefi* Das Zcntralfcbtedsgcncbt im Baugewerbe. Dcr Vertrag für das Baugewerbe sieht drei Instanzen vor: eine Schlichtlnigskommission. ein örtliches Schiedsgericht und ein Zentralschiedsgericht. Zum Zentralschiedsgericht wählen der Arbeitgeberbund drei und die vier Zentral- organisationen der Arbeiter vier Vertreter. Außerdem sollen die beteiligten Zeutralorganisationen drei Unparteiische be- zeichnen; einigen sie sich hierbei nicht, so werden die Un- parteiischen vom Neichsamt des Innern ernannt.— Im August ist versucht worden, die Unparteiischen zu bezeichnen; die Parteien einigten sich aber nur auf die Person des Ge- Heimen Regierungsrats Dr. Wiedfeld und mußte denizufolge das Reichsamt des Innern ersucht werden, die fehlenden Un- parteiischen zu ernennen. Die Ernennung ist nun endlich erfolgt. Der Staats- sekretär des Innern hat an die Beteiligten folgendes Schreiben gerichtet: Auf die gemeinschaftliche Eingabe der am Vertragsschlusse im deutsche» Baugewerbe beteiligten fünf Zentralorganiiatiouen er- nenne ich Herrn lönigl. Oberregierungsrat Max Mahr- München und Herrn Magistratsrat Paul W ö l b l i n g- V e r l i n zu Unparteiischen für das im Hauptvertrag vorgesehene l'.entralschiedsgericht. Herrn Geh. RegierungSrat Dr. Wiedfeld habe ich auf jederzeitige» Widerruf und in Erwartung, daß seine Tätigkeit hierdurch nicht so stark in Anspruch genommen wird, die erbetene Genehmigung erteilt, in gleicher Eigenschaft im Zentral- schiedsgericht mitzuwirken. Serlin und Umgegend. Das Berliner Arbeiter-Sekretariat im GetverkschaftShause hält am Weihnachts-Heiligabend und am 3. Festtag keine Sprechstunde ab. Der gehetzte Hirsch. Ein„Gewerkvrreins"-Märchen. ..Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein." Unter dieser Devise erzählte„Der Gewerlverein". Nr. 102, vom 21. Dezember, die angebliche Leidensgeschichte eines von Mitgliedern des Deutschen Metallarbeiterverbandes verfolgten „Hirsches" in der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft: Voltastraße. Man habe ihn bedrängt und belästigt, sein freies Wahlrecht zum Arbeiterausschuß bedroht und ihn schließlich so mißhandelt, daß er nach dem Ärankenhaus geschafft werden mußte und nun seit etwa acht Tagen arbeitsunfähig ist.„Der Gewerkverein" ist entsetzt über solche Roheit und Intoleranz und kann sich nicht genug tun in Entrüstung. Nach den Erkundigungen, die wir über diesen Fall einzogen, stellt sich die Sache wesentlich anders dar. Was die Bedrohung des freien Wahlrechts zum Arbeiterausschuß anbetrifft, so ist nur richtig, daß der Gewerkvereinler gefragt worden ist, welche Nummer (der Liste) er wähle. Diese Frage ging unter den Arbeitern hin und her, ohne daß Gewicht darauf gelegt wurde, eine Antwort zu erhalten. Diese Frage ist mehr als Spatz aufzufassen, wenn man hört, daß in dem Werk Voltastraße die Freien Gewerkschaften 83 Mitglieder in den Arbeiterausschuß wählten und die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinler nur 3. Vor einem Jahre zählten die letzteren noch 12 Mitglieder. Die Stimmenzahlen waren bei der letzten Wahl wie folgt: Auf die Liste der Freien Gewerkschaften fielen 6561, auf die Liste der Hirsch-Dunckerschen 349 Stimmen. Und in dem Werk Ackerstraße erzielten die Freien Gewerkschaften 4762 Stimmen, während die Hirsch-Dunckerschen überhaupt keine Stimmen erhielten. Daraus erklärt sich dann leicht der Aerger „tUtd.die! Empfindlichkeit, wenn ein Mitglied der Hirsch-Dunckerschen gefragt Wird, welche Liste er wähle. Was nun aber die Mißhandlung anbetrifst, die der„Gewirk, verein" in unmittelbare' Verbindung mit den Wahlen zum Ar- beiterausschutz bringt, so liegt erstens eine große Uebertreibung einer gewöhnlichen Schlägerei zwischen zwei Personen vor, und dann hat diese Prügelei mit den Wahlen und mit der Zugehörigkeit des Geprügelten zu den Hirsch-Dunckerschen überhaupt nichts zu tun. Der Arbeiter R., ein Mitglied des Deutschen Metall- arbeiterverbandes und seit 1898 in der Fabrik beschäftigt, wurde von dem Gewerkvereinler, der in einer anderen Abteilung ar- bcitet, bei dem Meister denunziert, daß er„so lange herumgestanden und nicht gearbeitet" habe. Darüber stellte R. den„Kollegen" auf der Straße zur Rede, erhielt aber eine gemeine Beschimpfung als Antwort und ließ sich da- durch verleiten, dem anderen eine Ohrfeige zu versetzen, so daß diesem die Lippen bluteten. Dem Verletzten wurde später ein Pflaster aufgeklebt und er meldete sich krank. Der Arbeiter R. aber wurde entlassen. Der Arbeiterausschuß sah den Vorfall als eine Privatsache an, und auch der Direktor des Werkes, der den Arbeiter R. zu sich beschied, überzeugte sich bald, daß wahrscheinlich viel Lärm um nichts gemacht worden sei, und versprach die Frage der Wieder- einstellung von R. zu erwägen. Mit dem„Terrorismus der Genossen", den der„Gewerkverein" entdeckt zu haben glaubt, ist es wieder mal nichts Dagegen macht ein solches Geschrei, wie der..Gewerkverein" am Schlüsse seines Artikels selbst hervorhebt, Stimmung für eine Zuchthausvorlage gegen, die Arbeiter. Aber das küminert den„Gewerkverein" herzlich wenig, um seine eigenen Worte zu gebrauchen. Die Vereinbarungen in der Schranbenindnstrie Berlins die am 19. November d. I. zustande kamen, sollen bekanntlich am 1. Januar 1911 volle Geltung erhalten. Die Schraubenfabrikanten sind damals nur sehr widerstrebend auf die Abmachungen einge- gangen, und die Arbeiter müssen jetzt darauf gefaßt sein, daß die endliche Durchführung nicht so glatt von statten geht, wie es zu lvünschen wäre. Aus diesem Grunde fand am Mittwoch bei Grau- mann in der Naunynstraße eine Versammlung aller in der Schraubenbranchc beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt, die den großen Saal samt den: Vorraum bis auf den letzten Stehplatz füllte.„Was erwarten wir am 1. Januar 1911 v o'n unseren Arbeitgebern" lautete die Tages- ordnung. Der Branchenvertreter Fellenberg gab zunächst eine tlebersicht über den Verlauf der Lohnbewegung, die nach kurzem Streik und recht schwierigen Verhandlungen zu einem ziemlich bescheidenen Ergebnis führte, wie wir es seinerzeit in Nr. 272 des„Vorwärts" initteilten. Der Redner erläuterte die einzelnen Bestimmungen, die im wesentlichen besagen, daß in der Regel Akkord gearbeitet wird, daß jedoch, wo in Lohn gearbeitet wird, dieser nicht unter 69 Pf. die Stunde betragen darf; für ungeübte Arbeiter, die die ersten vier Wochen nach freier Vereinbarung cnt- lohnt werden können, nicht unter 45 Pf., für Arbeiterinnen nicht unter 37% Pf. und für Werkzeugmacher nicht unter 69 Pf.', daß die Akkordpreise nach Bedarf vom 1. Januar ab so erhöht werden sollen, daß sich der Stundenverdienst um 1'A Proz. hebt und daß Fabrikationsüberstunden mit 25 Proz. bezahlt werden. Schließlich heißt es noch, daß die bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse wicht verschlechtert toerden dürfen.— Tie Arbeiter und Arbeite- rinnen waren von diesen Abmachungen von vornherein sehr wenig befriedigt und gingen nur darauf ein, um einen langwierigen Kampf zu vermeiden. Daß damals in der Versammlung 793 Stimmen für die Vereinbarungen, aber 474 Stimmen dagegen abgegeben wurden, nach heftigen Debatten, zeugt dafür» wie wenig ,nan im Grunde genommen von dem Ergebnis des Kampfes erbaut war. Es komnit nun jedoch vor allem darauf an, mit aller Macht dafür zu sorgen, daß das Wenige, was errungen worden ist, wenigstens auch in vollem Umfange durchgeführt wird. Manches deutet darauf hin, daß dieses Ziel nicht ohne neue Kämpfe erreicht werden kann. In einzelnen Betrieben kommt es vor, daß dcr Unternehmer jetzt schon Abzüge zu machen sucht, um im voraus derantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; die bevorstehende Lohnerhöhung auszugleichen. Tai kann natür- lich unter k. en Umständen geduldet werden. Die Arbeiterschaft der Schraubenbranche wird sich das Wenige, was erreicht worden ist, weder auf diese noch auf andere Weise nehmen lassen. Der Redner forderte die Anwesenden auf, überall, wo die Berein- barungen nicht befolgt und nicht ausgehängt werden zum 1. Ja- nuar, sofort beim Unternehmer vorstellig zu werden, und wenn das keinen Erfolg hat, der Kommission unnüttelbar darauf Mit- teilung zu machen. Uebrigens hat auch der Vorsitzende der Arbeit- geber bei den Verhandlungen erklärt, daß die� Vertreter der Ar- beiter sich, wenn zum 1. Januar irgendwo Schwierigkeiten ent- stehen, sofort an die Kommission der Arbeitgeber wenden sollten, die dafür sorgen werde, daß den Vereinbarungen Geltung ver- schafft wird. Davon werden die Vertreter der Arbeiter natürlich auch überall, wo eS sich als notwendig erweist, Gebrauch machen. In der regen Diskussion, die dem Referat folgte, zeigte es sich, daß die Schraubenarbeiter und-Arbeiterinnen fest ent- schlössen sind, mit aller Energie für die strikte Durchführung der Vereinbarungen zu sorgen. Wie die am Sonntag abgehaltene Versammlung der Einrichter an Schraubenautomaten und Einzel- bänken bewiesen hat, werden sie in ihrem Bestreben auch von den Arbeitern dieser Spezialbranche tatkräftig unterstützt werden. OeuttcKes Reith. Uttternehmerterrorisnms. Im Mai d. I. brach in Magdeburg ein Bäckerstreik aus. Vom Verband der Bäcker wurde allen Bäckermeistern,>die die Forde- rungen der Streikenden bewilligten, ein sogenanntes BewilligungL- Plakat ausgehändigt, das zum Aushang in den Geschäftslokalen oder Schaufenstern bestimmt war. um die Kundschaft zu orientieren, ob es sich um einen geregelten Betrieb handele oder nicht. Die Bäcker- zwangsinnung verbot daraufhin durch einstimmigen Beschluß ihren Mitgliedern bei einer Ordnungsstrafe von 29 M. für jeden Einzelfall dezw. für jeden einzelnen Tag. diese Plakate auszuhängen oder sie an Händler abzugeben. Die Bäckermeister, die sich nicht daran kehrten, erhielten nun fortgesetzt eingeschriebene Briefe, in denen sie unter Androhung der zwangsweisen Beitreibung zur Zahlung der soundsoviel mal 29 M. aufgefordert wurden. In Einzelfällen wurde die Strafe auch bezahlt. Bei verschiedenen Bäckermeistern wurde zur Pfändung geschritten. Schließlich beschwerte sich ein JnnungSmitglied bei dem Ma- gistrat der Stadt Magdeburg als der Aufsichtsbehörde über das Bor- gehen der Jnnungsleitung. Und der Magistrat entschied, daß sowohl der Generalversammlungsbeschluß als auch die auf Grund dieses Beschlusses festgesetzten Ordnungsstrafen ungültig seien. Der Regierungspräsident hob diese Entscheidung jedoch wieder auf, und als ein anderer Bäckermeister eine zweite Beschwerde dem Magistrat unterbreitete, bekannte sich dieser zu der Auffassung des Regierungs- Präsidenten. Jetzt geht die Zwangsinnung nun gegen die Mitglieder vor, die eine..Strafe" seinerzeit verwirkt haben. Und zwar fordert sie die Bezahlung der Strafen, die in Einzelfällen bis zu 499 M. betragen, innerhalb drei Tagen, andernfalls Zwangsvollstreckung erfolgen werde Ein an den Magistrat gerichtetes Ersuchen, die Zwangsvoll- streckung aufzuschieben, da der Minister noch in der Sache zu ent- scheiden habe, ist abgelehnt worden, so daß die betroffenen Bäcker- meister das zweifelhafte Vergnügen haben, zum Weihnachtsfest die allezeit geldbedürftige Jnnungskasse füllen zu helfen, wenn— sie durch die horrenden Strafen nicht geradezu zum Ruin getrieben werden. Ein christlicher Briefschwiudel entlarvt. Während des Änappschafiswahlkampfes im Ruhrgebiet ver- öffentlichte der„Bergknappe" neben dem Heinrichbrief auch einen Brief, der den Stempel der Zahlstelle Stoppenberg des Bergarbeiter. Verbandes trug und behauptete, derselbe sei ihm vom Zahlstellen- vorstand des Bergarbeiterverbandes von Stoppenberg zugegangen und bilde einen schlagenden Beweis für das Zusammengehcn des Pergarbeiterverbandes mit den Zechen. In diesem Briefe wurde gesagt, daß der Verband ein Zechenverband sei, weil ein in der Lampenbude der Zeche Zollverein Schacht VI beschäftigtes Mitglied des Bergarbeiterverbandes als Kandidat für die Aeltestenwahl auf- gestellt war. Die Berbandsleiwng konnte damals sofort nachweisen, daß es sich um eine Fälschung handelte, da der benutzte Stempel einige Zeit früher abhanden gekommen tvar. Trotzdem wurde der Brief nach wie vor vom Gewerkverein weiter gegen den Ver- band ausgeschlachtet. Die Ortsverwaltung des Ver- bandes in Stoppenberg hatte einen gewissen L a u r a t h in Verdacht, den Stempel gestohlen und den Brief geschrieben zu haben, und erstattete gegen denselben Strafantrag. Dieser Verdacht hat sich bestätigt. Am 19. Dezember hat Laurath vor dem Unter- suchungsrichter in Essen eingestanden, den Stempel ge- stöhlen und den Brief geschrieben zu haben. Daß er feine Tat aus eigenem Antrieb ausgeführt hat, ist wohl kaum anzu- nehmen. Vielleicht kommt auch noch anö Tageslicht, wer ihn dazu veranlaßt hat. So wird ein christlicher Schwindel nach dem andern entlarvt, scharenweise kehren die Mitglieder dem Gewerkverein den Rücken. In den letzten Rionaten sind rund 1999 Mitglieder des Ge Werkvereins zum Verband übergetreten. Mo- natelang hat der Gewerkverein keine Abrechnung veröffentlicht, um sein«„erfreulichen Fortschritte" zu verheimlichen. Nach seiner für Oktober endlich wieder veröffentlichten Abrechnung hatte er eine Einnahme von 87 343 Mk.; der Verband hatte eine Einnahme von 291 949 Mk. Die Einnahme des Verbandes für Oktober überstieg danach die des Gewerkvereins um 114 597 Mk. oder 131,2 Prozent. Alles das zeigt, daß es auch in den Köpfen der christlichen Berg- arbeiter immer mehr zu dämmern beginnt. Daß es vollends Licht tvird, dafür sorgt schon der„Bergknappe" durch seine grobe Unwahr- haftigkeit und die unvergleichliche Taktik der M�Gladbacher Christengenerälc. Achtung! Bergarbeiterstreik! In Hausham und Penzberg(Oberbayern) tobt ein Berg- arbeirerstreik. Den Streikenden ivird gedroht, daß sie nicht wieder eingestellt werden. Um die Drohung ernsthaft erscheinen zu lassen, werden Arbeitswillige gesucht. Arbeiter, Klasscngenosse» I Laßt Euch nicht von gewissenlosen Agenten oder Zeitungsiuseraten verlocken, nack Oberbayem zu gehen. Meidet das Streikrrvier, brecht die brüderliche Solidarität nicht, welche die Pcnzberger Bergarbeiter bekunden, indeni sie zur Unter- stützung der Haushamer Bergarbeiter in den Streik getreten sind. Hock, die Einigkeit, hoch die brüderliche Solidarität der Berg- arbeiter! Der Vorstand deS Verbandes dsr Bergarbeiter Deutschlands. BlusUnd. Gcueralansspcrrung der Lithographen, Tteindrucker und deren Hilfspersonal in Böhmen. Seit 19. Dezember sind in Böhmen mit Ausnahme von einigen kleinen Firmen die Lithographen, Steindrucker und das Hilfspersonal ausgesperrt. Der Grund ist folgender: Der Oester- reichifche Senefelder-Bund(die Zcntralorganisation der Litho- graphen, Steindrucker, Ehemigraphen, Reiouscheure, Licht- und Kupfcrdrucker und deren Hilfspersonal) hatte für seine Mitglieder in Böhmen dem Verein der Steindruckereibesitzer, der alle deutschen sowie tschechischen Druckereibesitzer umfaßt, eine neue Tarifvorlage eingereicht. Der alte Tarif ist inzwischen am 1. De- zembcr abgelaufen. Gefordert wird für Lithographen die acht- und für das übrige Personal die 3%stündige tägliche Arbeitszeit, außerdem eine Erhöhung der Mindeftlöhue, Ferien, Bezahlung eines Zuschlages bei Ueberstundeu usw.—_ Uh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdr. u. L erlagsanstaü Die tschechischen Lithographen, Steindrucker usw., die In einer separatistischen Organisation„Lithograsicka Beseda" vereinigt sind, reichten gleichfalls ihre Forderungen ein.— Die Stein- druckereibesitzer nahmen in einer Versammlung Stellung zu dem eingereichten Tarifentwurf und beschlossen, diesen als unannehm- bar abzulehnen. Sic verpflichteten sich gleichzeitig, nicht einzeln zu verhandeln und haben als Sicherstcllung per einem qualifizierten Gehilfen 599 Kronen in einem Sichtwechsel dem Verein der Steindruckereibesitzer in Böhmen, Mähren und Schlesien hinterlegt. Hierauf reichten die Mitglieder der separatistischen Organi- sation allen tschechischen Druckereien ihre Kündigungen ein uick, find am 26. November in den Streik getreten. Eine am 28. No- vember stattgefundene Verhandlung wurde ergebnislos abgebrochen, da die Unternehmer erklärten, daß sie an die Beschlüsse der Voll- Versammlung gebunden seien und keinerlei Zugeständnisse machen könnten. Weil die tschechischen Druckereibesitzer auf die Solidarität der deutschen Druckereibesitzer beharrren, wurde fämt- lichen Mitgliedern des Oesterreichischen Senefelderbundes gekündigt, so daß ab 19. Dezember die Aussperrung eine allgemeine ist. Weitere Verhandlungen haben inzwischen zu keiner Einigung ge- führt. Die Unternehmer bieten die 8�stündige Arbeitszeit unter gänzlichem Fortfall einer Frühstück- und Besperpause, sie lehnen jede Lohnerhöhung ab und haben sogar eine Herabsetzung der Mindestlöhne ins Auge gefaßt usw.— Die Arbeiterschaft steht dem Unternehmertum geschlossen gegenüber und da der Oester- reichische Senefelder-Bund über größere Geldmittel verfügt, wobei ihm als weitere-Hilfsquelle die Unterstützung des Internationalen Bundes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe zugesichert ist, so dürfte sich der Kampf lange hinziehen, wenn eS nicht gelingt, durch Verhandlungen denselben zum beiderseitigen befriedigenden Abschluß zu bringen. Versammlungen. Deutscher Holzarbeiterverband. Die Verwaltungsstelle Berlin hielt am Montag eine Generalversammlung ab, die den großen Saal des Gcwerfschaftshauses bis auf den letzten Platz füllte. Sie beschäftigte sich zunächst mit der Wahl zweier Bureauarbeiter, deren Anstellung von der vorigen Generalversammlung beschlossen worden ist. Es wurde dort ebenfalls beschlossen, die Stellen im „Vorwärts" und in der„Holzarbeiter-Zeitung" auszuschreiben, sowie eine Prüfungskommission von 13 Mitgliedern— 7 aus der Generalversammlung gewählten und 6 Vertretern der Ortsver- waltung— eingesetzt, um eine Auswahl aus den Bewerbungen zu treffen. Das ist inzwischen geschehen. Wenzel gab nun im Auftrage der Prüfungskommission Bericht über ihre Tätigkeit. Es sind 77 Bewerbungsschreiben eingegangen. Die Kommission schlug der Generalversammlung fünf Kandidaten zur Auswahl vor. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit einigen Anträgen. Die vorig« Generalversammlung hatte bereits beschlossen, den Arbeitslosen nach der Aussteuerung eine weitere Woche Unter- stützung zu gewähren, und der'Verwaltung anheimgegeben, z» er» wägen, ob diese Vergünstigung aus zwei Wochen auszudehnen ist: Wie der Bevollmächtigte Glocke mitteilte, ist die Verwaltung dementsprechend zu dem Vorschlag gekommen, außer der bereits beschlossenen noch eine volle Woche Arbeitslosenunterstützung zu gewähren, also im ganzen zwei Wochen über die Aussteuerung hinaus, und zwar bis zum 1. Februar 1911. Bis dahin wird über eine weitere Regelung der Unterstützungssraye, mit der sich zur- zeit eine Kommission befaßt, entschieden werden.— Der Vorschlag dcr Verwaltung wurde von der Generalversammlung einstimmig angenommen. Aus der Wahl und der notwendig gewordenen Stichwahl d« Bureauarbeiter gingen als gewählt hervor: Julius Hilde» brand und Paul Thomalske. Ferner wurde auf Vor- schlag von Langhammcr einstimmig folgende Resolution an» genommen: „Die un Gewerks chqitshaui e tagende Generalversammlung ' Tes Holzarbeiterberb'anves, Zahlstelle Berlin, schließt sich dem Protest der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands gegen das Klassenjustizurteil in Frankreich, laut welchen der Gewerkschaftssekretär Durand unschuldig zum Tode verurteilt wurde, im vollen Umfange an. Die Versammelten sind weiter der Meinung, daß durch dies Urteil, falls es bestehen bleibt, ein Justizverbrechen degangen wird." Hetzte ftacbrichten. Sozialdemokratische Massenproteste in Bulgarie». Sofia, 22. Dezember.(Privattelegramm des„Nor» wärts".) Heute veranstaltete die sozialdemokratische Arbeiter» Partei iin ganzen Lande Protestationsversammlungen und Demonstrationen gegen die Gefamtvolitik der Regierung, gegen die Teuerung und für Arbcitcrschutzgesetze, die überaus imposant verliefen. Eine nach Tausenden zählende Arbciterdcmonstration fand in Sofia vor der Kammer statt. Am Protestationsmeeting beteiligten sich über 3l1000 Arbeiter._ Mangelhafte Bcrkchrsmittel in Frankreich. Paris, 22. Dezember.(W. T. B.) Im Senat erklärte in Be- antwortung verschiedener Anfragen über den mangelhasten Betrieb auf den Staatsbahnen der Minister der öffentlichen Ar» betten, die Anhäufung von Gütern sowie die übermäßig« In» anspruchnahmc des Personals und des Materials feien auf den schlechten Zustand zurückzuführen, in dem die frühere Gesellschaft da» Staatseisenbahnnetz gelassen habe, auf die Ueberschwemmungen, durch die die Beförderung von Gütern auf dem Wasserwege ge» hindert werde, und endlich darauf, daß die gegenwärtig in Betrieb befindlichen Linien nicht genügten. Die Wciterberatung wurde auf morgen vertagt. Die Brandkatastrophe in Chicago. Nach neueren Meldungen aus Chicago sind bei dem Riescnbrande bei der F l e i s ch w a r e n f i r m a Morris u. C o in p. mindestens Feuerwehrmänner ums Leben ge- kommen. Das Feiler war nachmittags noch nicht gelöscht. Zeitweilig war das ganze Schlachthausgebiet bedroht. Das Dach fiel auf zwei Kompagnien der Feuerwehr; die unter den Trümmern Begrabenen wurden buchstäblich zu Tode ge- röstet. Der Sachschaden wird jetzt auf anderthalb Mil- l i o n e n D o l ta r s geschätzt. � Chicago, 22. Dezember.(W. T. B.) Zu dem Brande wird ft» einzelnen noch gemeldet: das Feuer brach infolge einer Explosion aus und verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit. Die Feuerwehrleute standen unter einem Metalldachc am Ostende des Lagerhauses. Sic ahnten nichts von der Gefahr, in der sie schwebten, bis dieses Dach plötzlich zusammenstürzte und den Führer der Wehr und mehr als zwanzig Leute unter sich begrub. Das Jeuer breitete sich trotz heldenmütiger Anstrengungen der Feuerwehr und der im Lager beschäftigten Leute, die gerade zur Arbeit kamen, immer weiter aus. Die Löschversuche wurden durch den Mangel an Wasser aufs äußerste erschwert. Man glaubt, daß einige von den Leuten, denen durch das Feuer der Ausgang abgeschnitten ist, noch am Leben sind, doch ist unter den obwaltenden Umständen vorläufig an keine Rettung der Eingeschlossenen zu denken. Chicago, 22. Dezember.(W. T. B.) Spät nachmittags war das Feuer bei der Fleischware nfirma Morris u. Comp. soweit eingedämmt, daß das bedrohte Viertel außer Gefahr schien. ßaul Singer& Co„ Berlin SW7 Hierzu 3 Lcilagea ll.lluterbaltuugSbl. 1. m 21 mm i Keilllge des Lomarts" Ktlliller VolksklM. � �«. Die IfloaMter Vorgänge vor Geriebt. Einunddreißigstrr Tag. In der gestrigen Sitzung wurden wieder eine Reihe von Zeugen über die allgemeine Situation vernommen. Der Zeuge Fritsch hat an den Abenden des 27. und 28. September von seiner Wohnung in der Gotzkowskystraste aus Beobachtungen gemacht. Nach seiner Angabe kamen Schutzleute so- wohl von Charlottenburger wie von Berliner Seite imd vertrieben die Leute, die vor den Haustüren standen. Wer nicht ins Haus hineinkam, der befaird sich in einem Kessel zwischen zwei SchutzmannSketten. Ein Mann, der in diese Lage gekommen war und sich an die Hauswand drückte, wurde von einem Schutzmann mit dem Säbel niedergeschlagen. Auch als er am Boden lag. wurde er noch weiter geschlagen. Am 28. geriet ein Mann mit einer Frau in den.Kessel". Ein Entweichen war nicht möglich. Die Frau wurde zu Bode» gc- schlagen. Dabei rief der Schutzmann, der sie schlug:„Alte Sau, Dir werde ich helfen AIS der Mann seiner Frau zu Hilfe kommen wollte, bekam er auch.Senge", wie der Zeuge sagte. Einmal wurde .Bluthunde" gerufen. Da schoß ei» Schutzmann nach der Richtung, aus der der Ruf kam. Dr. S i l b e r s i e k ist Arzt im Kraukcnhause Moabit. Er hat vom Balkon des Krankenhauses die Borgänge in der Turmstraße beobachtet, anscheinend am 28. Der Zcn'gc sagt, von der Strom- straße her kam eine johlende Menge. Die Schutzleute gingen in einer Linie vor. Die Menge wich zurück. Einzelne wollten die Polizeilinie .durchbrechen", sie wurden deshalb von den Schutzleuten geschlagen. Auch zwei Mädchen von etwa 1s Jahren versuchten nach Angabe des Zeugen die Schutzmannskette zu„durchbrechen". Als Rechts- anwalt R o s e n f e l d fragt, wie die Dnrchbrechungsversuche gemacht wurden, stellt sich heraus, daß die Leute nur versuchten, zwischen den Schutzleuten hindurchzugehen. Der Zeuge hat aus der Strasse auch Radfahrer gesehen und nimmt an, dah es Rndelsführer waren. Tatsachen, weche diese Annahme begründen, kann er nicht an- geben. Schauspieler Neumann kam in der Nacht zum 28. Sep- tcmbcr, als er aus einer Gesellschaft nach Hause ging, in die Rostocker Strasse. ES war dunkel. Wo ich hintrat— sagt der Zeuge— trat ich auf Scherben. Mitten in der Strasse brannte ein Feuer. Bor dem Feuer hörte ich Stimmengewirr und Säbel- rasseln. Ich machte sofort Kehrt, um mich zu entfernen. In demselben Augenblick sah ich vor mir einen Polizeileutnant mit ctioa 10 Schutzleuten. Plötzlich war es hell um mich herum, die Schutzleute hatten die Säbel gezogen. Einer packte mich an der Scbultcr. Der Leutnant fragte mich, was ich weggeworfen habe. Ich hatte nichts weggeworfen und sagte das dem Leutnant. Der sagte zu den Schutzleuten:»Lassen Sie ihn laufen. Trotzdem schlug mich rm Schutzmann mit den, Säbel zweimal über den Rücke». Das muß auch der Leutnant, der dicht dabei stand, gesehen haben. Er hat eS aber nicht verhindert. Unter dem offenen Paletot trug ich Frack und weiße Weste. Da es hell war. konnten also die Beamten sehen, daß ich nicht zu den Leuten gehörte, die Radau machten. Die Zeugen Ziem und Bausch haben nicht gesehen, dass die Polizei schroff gegen daS Publikum vorging und sind auch selbst nicht belästigt worden. Frau Fröhlich hat sich, weil daS HauS um 8 Uhr ge- schloffen werden sollte, mit dem Hausschlüssel vor die Tür gestellt, um ihren Sohn zu erwarten, der um S Uhr aus einem Unterrichts- kursuS nach Hause kommen musste. Eine Schutzmanuspatroiiille kam vorüber. Einer von den Schutzleuten verlangte, die Zeugin solle ins HauS gehen. Sie sagte, sie erwarte ihren Sohn. Da zog der Schutzmau» den Säbel und rief:„Gehen Sie hinein. Wenn Sir wieder rauskommen, schlage ich Sie nieder wie einen Hund." Die Zeugin ging ins Haus, der Schutzmann lief ihr mit erhobenem Säbel nach bis auf den Hos. Der löj ä h r i g e Z e u g e Katsch o re! sah am 23. abend? gegen 8 Uhr, nachdem eine Schutzmannskette eine Menschenmenge vertrieben hatte, einen einzelnen Mann, der ohne Veranlassung vo» einem Schutzmann zwei Ohrfeigen bekam. Dabei rief der Schutz- mann:„Willst du Hund laufen". Der Mann lief nnb bekam noch Fußtritte von hinten. Als der Zeuge weiter ging, kam hinter ihm eine von Schutzleuten verfolgte Menge. Diese samt den Berfolgern waren schon an ihm vorbei. Da kamen noch andere Schutzleute hinterher. Bon diesen erhielt der Zeuge drei Säbelhiebe über den Kleines Feuilleton. Fünfzig Jahre europäische Eisenbahnen. Vor VO Jahren, als Europa eine Einwohnerzahl von rund 280 Millionen be- sah, verfügte es in seinem ganzen grossen Gebiet über lumpige 52 OOO Kilometer Eisenbahn, eure Gesamistrecke, die den Leuten von dazumal schon recht ansehnlich erschienen sein mag. heute aber er- heblich hinter dem zurückbleibt, was Deutschland allein besitzt. In dem nächsten Vierteljahrbundert stieg die Einwohnerzahl Europas um nicht ganz 50 Millionen, während sich die Länge der Eisenbahnlinien auf mehr als das Dreifache vergrösserte, nämlich auf rund ISO 000 Kilometer. Im letzten Vierteljahr- hundert schwoll dann die Einwohnerzahl auf rund 440 Millionen an. die Länge der Eisenbahnen auf 320 000 Kilometer, während, demnach vor 50 Fahren 1 Kilometer Schienenstrecke auf 5400 Einwohne� fiel, kommt jetzt ein Kilometer auf etwa 1400 Ein- wohner. Die stärkste Entwickclung deS Eisenbahnnetzes im Vergleich zur Dichte der Bevölkerung besitzt Schiocden mit 1 Kilometer aus 401 Einwohner, die geringste Serbien mit 1 Kilometer auf 4557 Einwohner. Im ganzen ist das Wachstum der Eisenbahnen im letzten Bicrteljahrhnndert noch stärker gewesen als in dem vorauf- gegangenen. Das Gesamlkapital, das in Eisenbahnen angelegt ist, dürste mit 100 Milliarden annähernd richtig abgeschätzt sein. Die grösste Schieuenlänge von allen europäischen Ländern hat das Deutsche Reich auszuweisen mit rund SO 000 Kilometer. Nur das getvaltige Russ- land kommt dieser Zahl fast gleich. Dann folgt Frankreich mit rund 50000 Kilometer, Oesterreich-Ungarn mit 42 000 und England mit 88 000. Alle anderen Länder stehen weit zurück, zum Beispiel Italien mit 17 000 und Spanien mit 15 000. DaS stärkste Wachstum der Eisenbahnen ist in Russland geschehen, das vor 50 Jahren in dieser Hinsicht erst an achter Stelle unter den europäischen Staaten stand, fetzt beinahe an die erste Stelle gerückt ist. Immerhin bedeutet sein Kutiger Stand im Vergleich zu seiuer Grösse noch keine besonders glänzende Entwickelung. DaS elektrische Auge. Nach Meldungen aus Petersburg hat Professor Rösing vom dortigen Technologischen Institut einen Apparat erfunden, den er das.elektrische Auge" nennt. Nach seiner Beschreibung muss es eines der wunderbarsten Instrumente sein, die jemals von Menschen erdacht worden sind, denn eS soll die Möglichkeit geben, alle Gegenstände wahrzunehmen, die sich in einem gewissen Umkreise befinden. gleichviel welche Hindernisse dem eigentlichen Auge dabei begegnen würden. Beispielsweise wird numnebr ein Fabrikdirektor von seinem Kontor aus durch das„elektrische Auge" den ganzen Betrieb und jeden einzelnen Angestellten seines Etablissements verfolgen können. Ks soll sogar möglich sein, mit diesem Wundermittel von einem Arm und den Rücken. Er brach bewußtlos zusammen. Die Schutz- leute gingen weiter. Als der Zeuge erwachte, nahm sich ein Strassen- Passant seiner an. Der Zeuge hat drei Wochen im 5trankc»hn»sc gelegen und ist dann noch vier Wochen zu Hause ärztlich behandelt worden. Er war also sieben Wochen arbeitsunfähig infolge der erhaltenen Säbelhiebe. Ein Freund des Zeuge», der gleichzeitig mit ihm misshandelt wurde, hat vier Wochen im Kranken- hause gelegen. Frau Wolf, die Gattin eines Sekretärs bei der StaatSanio altschaft, gibt an. gesehen zu haben, dass die Schutzleute sehr ruhig vorgingen gegen die Menge, welche johlte, schimpfte und schrie. Wer nach erfolgter Anfforderung weilerging, dem sei nichts geschehen. Nur die Leute, welche widersprachen, seien geschlagen worden. Klempner Lindemann macht folgende Angaben: In der Gotzkowskhstrasse hatten die Schutzleute die Strasse geräumt. Als sie von der Brücke zurückkamen, gingen zwei einzelne Paare, die von dem, was vorhergegangen war. nichts gesehen hatten, weil sie eben nni die Ecke kamen, über die Strasse. Die Schutzleute stürzte» sich auf die beiden Paare. DaS eine konnte sich retten, das andere wurde mit Säbeln geschlagen. Die Frau bekam soviel Hiebe, dass sie zusammeubrach und sich trotz der Unterstützung durch ihren Mann nicht erheben konnte. Der Manu brachte die Frau dann in einer Droschke fort. I» einer anderen Zeit war der Zeuge in einem Lokal in der Wiclcfstraße. Im Lokal wäre» 13 bis 20 Gäste, alles Bekannte des Wirtes. Es ging vollkommen ruhig her. Da kamen plötzlich sechs Schutzleute herein, stellten sich mit dem Rücken an die Wand, schlugen mit den blanken Säbel» auf den Tisch und riefen:„Wollt Ihr raus, Ihr Schweinehunde". Die Gäste liefen ohne Widerstand hinaus. Die erste» kamen unbehelligt davon. Die nachfolgenden bekamen alle Hiebe mit dem Säbel. Vor der Tür stand ein Polizeileutuant und rief:„Haut zu!" Der Leutnant selbst führte eine» wuchtigen Säbelhieb anS, der aber nur das Strassenpflaster traf. Zeuge Graf hat keine Ausschreitungen der Polizei gesehen und ist selber nicht belästigt worden. Arbeiter Webner hat von seiner Wohnung aus gesehe», dass Schutzleute auf der Strasse standen und jeden, der vorbeikam, schlüge». Die Hiebe waren so wuchtig, dass der Zeuge das Klatschen der Schläge in seiner drei Treppen hoch liegenden Wohnung hörte. Er bat wenigstens 30 Personen gesehen, die bei dieser Gelegenheit von Krimiualschutzlcuten verhauen wurden. Durch das Geräusch der Schläge wurden die Hausbewohner an die Fenster gelockt. Da riefen die Schutzleute:„Fenster zu oder wir schießen." Als der Zeuge schon im Bett lag, hörte er wieder, dass auf der Strasse geschlagen wurde. Er ging ans Fenster und sah einen Mann am Boden liegen, der von Kriminalbcamlcn furchtbar geschlagen wurde. Als sie von ihm abliehen, kamen zwei Herren, die sich dem am Boden Liegenden näherten, anscheinend nm ihm zu helfen. Die Kriminalbeamten trieben die Herren fort. Der Misshandelte blieb liegen und wälzte sich vor Schmerzen am Boden und jammerte. Schliesslich kamen zwei uniformierte Schutzleute, Hobe» de» Mann oufundtrugen ihn fort. Dassdie Leute, welche so furchtbar auf die Stratzenpassanten einschlugen, Kriminalbeamte gewesen sind, schliesst der Zeuge daraus, dass in ihrer Nähe 15—20 uniformierte Schutzleute standen, ohne die Schlägerei zu hindern. Gerichtsassistent Hesse: Die Menschenmenge auf der Strasse johlte, schimpfte auf die Schutzleute und warf nach ihnen, trotzdem gingen die Schutzleute nicht gegen die Menge vor. Die Menge sang nach Angabe des Zeugen ein Lied, welches er für die Arbeitermarfeillaise hielt. Einer blieS auf einer Kindertrompete, um— nach Ansicht des Zeugen— die SchutzinannSpferde scheu zu machen. Assessor Grau hat die Bekanntschaft eines Mädchens ge- macht, es nach Hause begleitet und ist auf dem Rückwege in der ihm unbekannten Stadtgegend in das Gebiet der Moabiter Unruhen geraten. Als er das mcrlte, wollte er sich schleunigst aus der gc- sährdeten Gegend entfernen. Ueberall, wohin er kam, waren die Strassen abgesperrt. An einer Postenkette ersuchte er um Durchlass. Der wurde ihm gewährt. Der Wachtmeister sagte zu ihm, ivenn er ruhig seines Weges gehe, könne ihm nichts passieren. Der Zeuge befolgte den Rat. Als er ein Stück ge» gangen war, löste sich von einer mitten in der Strasse stehenden Gruppe von Schutzleuten ein Wachtmeister lok und ging mit erhobenem Säbel schlagbereit auf den Zeugen los. Ich blieb— sagt der Zeuge— stehen und sah de» Wachtmeister ganz überrascht an. Hätte ich mich umgedreht, so wäre ich sicher geschlagen worden. Ich legitimierte mich. Da wurde der Wachtmeister höflicher und lieh mich unbehelligt gehen. Als der Zeuge weiterging, sah er, wie ein alter Mann von einem Schutzmau« oder Kriminalbcamtcn— der Schiff aus den Boden des Weltmeeres zu sehen, so dass man unter anderem alle gesunkenen Schiffe würde wahrnehmen können. Die Feder sträubt ffch dagegen, die Aussichten auszumalen, welche diese Erfindung eröffnet— wenn sie sich bewährt. Ein Musein» für Luftschiffahrt in Paris. In den Räumen deS Museums-Cariiavalet wird zu Beginn des kommenden JabreS, vor- auSsichtlich bereits Mitte Januar, eine neue Abteilung eröffnet, an deren Zusammenstellung bereits eifrig gearbeitet wird. Hier sollen alle hifforischeil Dolumeute, die sich auf die Luftschiffahrt beziehen, so vollständig als möglich vereint werden und so einen Uebcrblick geben über die Bestrebungen der Menschheit, das Reich der Lüfte zu erobern. Unter den Schätzen, die zusammengebracht sind, erregt ein englischer Druck besonderes Aufsehen; er stammt etwa aus der Zeit 1870 und trägt die einfache Inschrift„Ariel". DaS interessante Blatt stellt die erste Luftreise dar und gibt dabei in allgemeinem Umrisse die vollkommene Nachbildung eines modernen Eindeckers, wie ihn Latham heute benutzt. Das Alter der Darstellung ist zweifelsfrei festgestellt, wenn auch Genaueres über die Herkunft diese« merkwürdigen Druckes noch nicht bekannt ist. Auf alle Fälle hat der Künstler bereits vor 40 Jahren nicht nur die Flugmaschinen vorausgeahnt, sondern eine ziemlich genaue Vorstellung der heute gebräuchlichen Apparate gehabt. Humor und Satire. Theater aus st ellnitg im Jahre 2000. Nr. 107 Lcbensgrosses Oelbild der Sekretärin des LustspielhauseS, die das nicht mehr mit ansehen konnte. Nr. 209 Selbstbiographie de« schwindsüchtigen Schweizer Schrift- stellerS Florian Endli in der Handschrift Ferdinand Bonns. Nr. 692 Rarität. Porträt der einzigen christlichen Darstellerin, die jemals im vergangenen Jahrhundert die Jungfrau von Orleans gespielt hat. Nr. 712 Schreckenökammer: Reinhardts fünfte Garnitur für Berlin während der Sommergostspiele. Nr. 785 DaS sanSgestopste) Pferd(Schimmel), auf dem Rienzi ein- zog(41 mal), Gessler erschossen wurde(25 mal). Brunbilde nach Walhall zog(122 mal), der Grosse Kursürst sein Volk segnete(7 mal), der Pferdewärter MatheS Obeiner von der Firma Gebrüder Beermann spazieren ritt(unzählige Male). Skr. S21 Schrcibübnngen aus der Seknndanerzeit deS Schauspielers Vogt. Nr. 1013 Das ineistgepriifte Bett Berlins, das HimniclSbett des Residenz-Theaters. Nr. 1107 Eine Hand voll(beglaubigten) Sandes anS der Manege, in der„König OedipnS" gespielt wurde. Nr. 1340 Der von Alfred Holzbock bei der Einweihung deS neuen Opernhauses benutzte Parkettsesjel(restauriert). („Lustige Blätter".) Zeuge konnte daS wegen seiner Erregung und der herrschende» Dunkelheit nicht sehen— von hinten geschlagen wurde. Eigentümer P o t t k e weiss nichts weiter, als dass ein Mann einen Jungen hochhob»nd dieser eine Laterne ausdrehte. Z e» g e B r i e s e hat von seiner Wohnung ans das Treiben der Polizei an der Ecke bei Preuss beobachtet. An einem Abend von 9 bis 11 oder 1lsi2 Uhr seien wenigstens 100 Menschen vor seinen Augen von Polizribcamten geschlagen worden. Der Zeuge teilt eine Reihe von Einzelfällen mit. Ein Man», der bereits uicdcrgcschlagcn war, raffte sich auf, wurde von den Schutzleuten verfolgt und nochmnl geschlagen.— Ein Herr, der sich neben einen Schutzmann stelle» wollte und sich durchaus ruhig verhielt, wurde von eincin Kriminalbeamten mit einem Gegenstand. den der Beamte aus der Tasche holte, geschlagen. Zwei Männer, die ruhig aus einer Bedürfnisanstalt heraus- traten, ninrdrn von Schutzlentcn geschlagen. Ein junger Manu wurde immer über den Kopf geschlagen. Er rief: „Mein Kopf, mein Kopf! Schlagen Sie mich nicht» ich will ja bloß nach der Elektrischen!" An der Haltestelle der Strassenbahn wurde jeder geschlagen, der sich nach der Aufforderung nicht sofort entfernte. An der Ecke bei Preuss wurde jeder, der vorbeikam, von den dort postierten Schutzleuten geschlagen. — Ein Mann, der bereits am Boden lag, wurde von einem Schutz- mann, der sich aus einer Kette loslöste, mit Füßen getreten. — Manche die beim Vorbeigehen an der Postenkette geschlagen wurden, verloren dabei� den Hut. Wenn sie riefen:„Mein Hut, mein Hut," sagte ein Schutzmann:„Holen Sie sich doch Ihren Hut." Dann kamen die Betreffenden zurück. Sobald sie sich nach dem Hut bückten, bekamen sie Prügel. In allen Fällen— sagt der Zeuge— war ein Polizeiosfizicr zugegen, der die Mißhandlungen gcsrhr» haben muß, aber nicht dagegen einschritt. Z o l l a s s i st e n t Krause sagt unter anderem: Die Menge habe gejohlt,„Bllithnnde" gerufen, auch ein Schuh iei gefallen, doch weiss der Zeuge nicht, ob von einem Schutzmann oder aus der Menge geschossen ivurdc. Als die Menge vertrieben wurde, habe auch eine Frau eincn Säbelhieb bekommen. Götz, Inspektor in der Turbine nfabrik, macht folgende Angaben: Am 23. abends ivurde in der Hnttenstratze der Feuermelder böswilligerweise in Tätigkeit gesetzt. Als die Feuer- wehr erschien, wurde sie von der Menge, die meist ans Janhagel bestand, mit Johlen und Steinwürsen eiupfangen. Es ivar ei» furchtbarer Radau, den die BengelS machten.— Die Arbciler der Turbincnfnbrik, die zur Nachtschicht kamen, beklagte» sich, daß sie von der Polizei geschlagen worden feie». Mehrere von diesen Arbeitern kamen mit Wunden und blutenden Köpfen. Vor dem Fabriklor standen Frauen, die ihre Männer beim Schichtwechsel abholen wollten. Weil es auf der Strasse gefährlich war, liess der Zeuge die Franc» auf de» Hof. Jetzt stürmten ein Polizcileutnant und mehrere Schutzleute mit blanken Säbeln in großer Erregung in den Hof. Ein junger Mann, der mit seiner Mutter und anderen Frauen eben herausgekommen war, wurde niedergeschlagen. Eine erhebliche Kopfverletzung war die Folge der Säbelhiebe. Der Zeuge weiss bestimmt, dass aus dem Hofe der Tnrbinenfabrik nicht geworfen wurde, denn er hat dafür gesorgt, dass es nicht geschehen konnte. Also hatten die Beamten gar keine Veranlassung, in den Hof einzudringen. Die Bengels auf der Strasse haben allerdings geworfen, aber die Beamten haben auch furchtbar geschlagen. Der Zeuge sah auf der Strasse einen am Boden liegenden Man», der von zwei Kriminalbeamten sürchterlich geschlagen wurde. Nach den Vorgängen am 28. hat die Turbinenfabrik ihren Arbeitern LegitimatiouSkartcn ausgestellt, in der Erwartung, gegen Vor» zeignng der Karten winden die Arbeiter unbehelligt zur Fabrik kommen können. Aber die Karten sind nicht immer berücksichtigt worden. Trotz der Karte» wurden Arbeiter auf dem Wege zur Nachtschicht mißhandelt. Zu einer anderen Zeit stand der Zeuge vor dem Fabriklor. Einige Schutzleute mit Pistole» in den Händen kamen vorbei. Ei» Wachtmeister hielt dem Zeugen die Pistvle vor die Brust und drohte zu schießen, wenn er nicht hinausginge. Die Strasse war zu dieser Zeit völlig ruhig. MagistratSkanzlist Sibolz meint, die Schutzleute hätten sich der lärn, enden Menge gegenüber ruhig verhalten. Notizen. — Theaterchronik. In, Marionetten-Theater m den Ausstellungshallen findet am 24. keine Vorstellung statt, da- gegen wird am 1., 2, und 3. Weihnachtsfciertag um 4 Uhr das Märcheufpiel„Die Zaubergeige", um C Uhr„Das Mädchen von Elizonda" und abends 8V4 Uhr„Die Zaubergcige" gespielt. An den folgenden Tagen werden NachiuiitagSvorstellungen für Kinder zu er- »lässigtcn Preisen gegeben.— Die im Friedrich-Wilhelm» städtischen Schau spielhanse für Freitag angesetzte Vor- stellung vdn„Chrono von Bergerac" muss auf Sonntag verschoben werden. Es geht dafür„Hofgunst" in Szene. — Ferdinand Bonn wird im Deutschen Theater den Schneider Zwirn in„LnmpacivagabnnduS" und im.Kaufmann von Venedig" den Shylock darstellen. — Die feiige Flora des Herrn Bode dürfte nach eng- lifchen Berichten bald die Gerichte beschäftigen. Da Herr Bode die wahrhaft göttliche Unbefangenheit hat(was alle menschlichen Vor- stellungcn übersteigt, nannten die Alten bekanntlich göttlich),„Leo- nardos" Flora als Titelbild im Katalog des Kaiser-Friedrich-MuseumS triumphierend erscheinen zn lassen, ivollen die Engländer jetzt ernst- hafl gegen ihn vorgehen. Lucas' Erben werden voraussichtlich auf dem Klagewege Herrn Bode verbieten lassen, Reproduktionen der Florabüste herauszugeben, da nach deni Urheberrecht LucaS' Arbeiten— er starb 1883— noch drei Jahre geschützt sind. — Wenn Millionäre in Kunst machen... Die Gemäldegalerie des Louvre in Paris hat von dem Millionärprotz Chauchard eine Sannnlung von Gemälden geerbt. Darunter auch M i l l e t S von tiefer Raturpoesie und schlichter Wahrheit erfülltes Bild„Angelus". Wie sich aber jetzt herausstellt, macht das Bild einen höchst betrübenden Eindruck. Der grosse.Mäcen" hat es näin- lich von irgend einem billigen Pfuscher„restaurieren" lassen. Diese AuSbessernng gelang so gründlich, dass von Millet kaum etwas übrig blieb. — DaS Mikrophon als Wassersucher. In jedem Telephon ist ein Apparat enthalten, der den Schall verstärken muss. damit man ihn deutlich hört: das Mikrophon. Ein Ingenieur Dienert hat nun dieses Mikrophon so empfindlich gemacht, oass man mit seiner Hilfe Geräusche vernehmen kann, die in grosser Tiefe in der Erde vor sich gehe». Bei Paris wurden Versuche gemacht, um unterirdische Wasserläufe mit dem Apparat zn entdecken. Fliessendes Wasser soll im Apparat ein Geräusch hervorbringen, das dem Sausen des Windes im Walde ähnlich klingt; Tropfenfall in unter- irdischen Hohlräumen gibt ein Geräusch wie dumpfer Glockenschlag. Bei den erwähnten Versuchen wurden in einem wasserarmen Seitental der Marne mehrere Wasserläufe in einer Tiefe von 15 Meter festgestellt, von deren Vorhandensein mit unbewaffnetem Ohr nichts wahrgenommen werden konntx. Restaurateur Sturz Bclam, als et ruhig durch eine Schutzmaimslette gehen wollte,' von einem Polizeileutnant einen Stoß vor die Brust. Dabei rief der Leutnant:„Zurück, Lump!" Als der Zeuge weiter ging, sah er, dag zwei Damen von einem Schutzmann geschlagen wurden. Die Damen rannten auf die andere Seite der Strahe und stellten sich in ihrer Angst mit dem Rucken an die Wand. Auch dam» wurden sie nochmals gottsjämmerlich geschlagen. Kriminalbeamte schlugen ebensall-s auf die Damen loS. Es war nicht mitanzusehen sagt der Zeuge. Am 28. abeudS gegen 7 Uhr machte der Zeuge eine Besorgung auf der Post. Als er zurückkam, hörte er plötzlich ein Geräusch hinter sich. Er drehte sich um. hinter ihm stand ein reitender Schutzmann und dessen Pferd trat dem Zeugen ans die Hacken. Der Reiter rief: „Willst Du laufen, Strolch, hast wohl lange keine Wichse gekriegt?" Der Zeuge sagte daraus:„Herr Wachtmeister, was wollen Sie von mir?" Da zog der Schutzmann den Säbel und führte einen wuchtigen Hieb nach dem Zeugen, der sich aber durch eine rasche Wendung schützte und davon lief. Frau Schiller, die Frgu deS Küsters der Reform atiouökirche kann nichts weiter angeben, als daß sie Radau auf der Strafze und das Klirren von eingeworfenen Scheiben hörte. Porzellanhändler Pröschle geriet bei einem Geschäfts- gange in eine Gruppe von etwa 20 Mensche», die von Schutzleuten verfolgt wurden. Er stellte sich an die Wand, in der Hoffnung, die Jagd werde an ihm vorübergehen, ohne daß er Schaden leide. Aber darin hatte er sich geirrt."Er bekam von den Schutzleuten wenigstens 10 Säbelhiebe und ist infolgedessen acht Tage krank gewesen. Als der Zeuge, nach- dem er die Priigel belommen hatte, vor seinem Lade» stand, ver- langte ein Schutzmann, er solle hineingehen. Der Zeuge zeigte seine blutenden Hände und sagte:„Ich habe schon Prügel bekommen, was wollen Sie denn noch?" Da sagte der Schutzmann:„Wenn Sie nicht gleich hineingehen, kriegen Sie noch mehr." K o ch, ein Zeuge der Staatsanwallschaft, hat soviel wie nichts gesehen. Maurer Augstein geriet auf dem Wege nach Hause an eine Gruppe von Schutzleuten.„Was haben Sie hier zu suchen?" herrschte man ihn an. Während ihn ein Polizeileutnant festhielt, schlug ih» ei» Schutzmann mit dem Säbel auf de» Kopf. Ein Freund des Zeugen, der dabei war, hat noch mehr bekommen. Sientier Franz weiß nur, daß in der Wittstockcr Straße die Fenerivehr böswillig alarmiert und eine Litfaßsäule angesteckt wurde. Oberkellner Doneich kam nacht? aus dem Geschäft und sah, daß Leute, die aus der Straßenbahn stiegen, von Schutz- leuten ohne weiteres geschlagen wurden.— Ein Mann lies über die Straße, ein Schutzmann verfolgte ihn und schlug von hinten mit dem Säbel auf ihn ein. Der Zeuge wandte sich an den Schutzmann mit sden Worten:„Wie können Sie de» Mann so schlagen?" Da bekam der Zeuge selbst Prügel. Die Säbelhiebe Hagelten nur so auf ihn nieder. Er wurde hauptsächlich am Arm verletzt und war infolgedessen drei Wochen arbeitsuiisähig. Eigentümer Äotlschlag sagt, die Menge, welche am 2ll. nnd 27. in der Willstocker Straße Radau machte, bestand größten- teils ans Janhagel. Die Bengels ivarfen Laterne» ein und machten furchtbaren Lärm. Wenn die Polizei schon früher gegen diese Elemente schärfer vorgegangen wäre, dann hätten wir den ganze» Skandal isicht bekommen. Daß ans Fenstern geworfen wurde, hat der Zestge'nicht gesehen.' Damit endet die Sitzung. Heute um ö'/z Uhr wird die Ter- �Mö�ttg-s-tzt. I,U>............... Slsdtvcrordnctcn■Versammlung 3 7. Sitzung vom Donnerstag, den 22. Dezember, nachmittags b Uhr. Vorsteher Michclct eröffnet die Sitzung wach 5Vi Uhr mit der Mitteilung von der Bestätigung der wiedergewählten, sowie der ncugewählten Stadträte Runge, Dr. Prcuß und Panofsky. Vor der Tagesordnung gibt Oberbürgermeister Kirschner folgende Erklärung ab: Mir ist mitgeteilt worden, daß meine vor acht Tagen getane Aeußerung betr. Herrn Stadtrat Münsterberg an verschiedenen Stellen so aus- gefaßt worden ist, als hätte ich behauptet, er habe wider b e s s e- res Wissen versichert, daß Ausgaben aus 1L0V aus Mitteln für 191(1 nickt geleistet worden sind. Eine solche Erklärung habe ich nicht- abgegeben. Soviel ich mich erinnere, wurde in der Dis- kussion auch hervorgehoben, daß selbstverständlich Herr Münster- berg in gutem Glauben gehandelt hat. Ich will nicht unterlassen, ausdrücklich zu erklären, daß ich keinen Augenblick bei der ganzen Persönlichkeit des Herrn gezweifelt habe, daß er in gutem Glanben war und ich kann heute hinzufügen, daß ich mich in der Zwischen- zeit aus den Akten überzeugt l)abe, daß er alles getan hat, um das zu verhindern, und dag er nur darin fehlgegangen ist, daß er voraussetzte, seine Anordnungen seien genau befolgt worden, und daß er nur verabsäumt hat, sich davon zu überzeugen. Beifall.) Mit der Verlegung des Luisenstädtifchen Gymnasiums nach dem SchSnhansertorviertel hat sich der eingesetzte Ausschuß einverstanden erklärt. Die Verlegung toll unverkürzt— ein Antrag auf Fortfall.der Vorschule wurde abgelehnt— vom 1, April 1911 ab allmählich und klassenweise durch Abbau an der alten und vor- läufigen gleichzeitigen Aufbau an der neuen Stelle im Schulhause Chorinerstraße 74 erfolgen. Als Bauplatz für das neu zu errick>- Sende definitive Schulgebändc sind die Parzellen IS— 19 des städtischen Geländes an der Kopenhagener Straße in Aussicht genommen. Der Antrag ausjjortfall der Vorschule ist von den Stadtvv. Dr. A r o n s u. Gen.(Soz.) wieder eingebracht. Stadiv. Dr. Aronö: Vor einigen Jahren schon hatten wir bei der Etatsberatung die Fvage der Vorschule allgemein zur Entschei- duna gestellt, in der Debatte wurde damals besonders darauf hin- gewiesen, daß ein selbständiges Vorgehen der Kommune auf diesem Gebiete angezeigt sei. Hier bietet sich eine Gelegenheit dazu. Der Einnxmd, daß es sich nur um die Verlegung einer Anstalt handle. trifft iiisoweit nicht zu, als die Schule in einem weit entfernten Stadtteil wieder errichtet werden soll und für diesen etwas un- zweifelhaft Neues bedeutet. TaS berühmteste Berliner Gym- nafium, das Graue Kloster, besteht ohne Vorschule. Bei der Beratung unseres vorerwähnten Antrages hob gerade der Kollege Mommsen hervor, daß die Vorschulen vielfach die der Schule zngeführten Kinder in andere Bahnen leite», als von den Eltern beabsichtigt war, und diese Bedenken des Kollegen Mommsen treffen ganz besonders auf die zu verlegende Schule zu. Bleibt die Vor- schule während der Verlegung bestehen, so fehlt schließlich nach drei Jahren den Schülern der Vorschule die Anstalt selbst, die inzwischen abgebaut und weit weg verlegt ist. Gerade die Art der Verlegring, wie sie beabsichtigt ist, zeigt, daß ein organischer Zusammenhang zwischen Vorschule und Gymnasium gar nicht besteht. Stadtv, Dr. Tropfke fA. L.) tritt für die Beibehaltung der V o r s ch u l e e in. Stadtschulrat Dr. Michaelis: Es Händelt sich ja nur um die Verlegung einer Anstalt, um eineii vorhandenen Besitzstand. In der ganzen äußeren nordöstlichen Königstodt ist keine Vorschule vor- Händen. Die Frequenz der Vorschulen hält sich auf durchaus kon- stanter Höhe. Der Antrag Arons wird abgelehnt, der AuSschußan- trag angenpmmcu., Auf Grund deS 8 lOob Abf. 2 der GelwrBeordnimg hat der Magistrat, nachdem einer Anregung des Ausschusses des Berliner Kaufinannsgerichts für Gutachten und Anträge entsprechend durch die Gewerbedcpntation eine umfassende Umfrage bei den beteiligten Geschäftsleuten veranstaltet worden war. den Entwurf eines Orts- statutS vorgelegt, durch das eine Einschränkung der Sonntagsarbeit in offenen Verkaufsstellen dergestalt vorgesehen wird, daß Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter nur noch vormittags von 7— 10 Uhr beschäftigt werden dürfen.'Eine Ausnahme soll nur für den Handel mit Nahrungs- und Genuhmitteln und für den Blumcnhanoel gemacht werden. Bon verschiedenen Seiten ist Ausschußberatung bean- tragt. Stadtv. Galiand(A. L.): Die Vorlage bezweckt nicht, dem Klein- Handel neue Wege zu weisen, sondern sie will lediglich das, was sich organisch auf diesem Gebiete in den letzten 10— 15 Jahren entwickelt hat, kodifizieren. Was an der Vorlage zu bessern ist, wird zweckmäßig in einem A u s s ch u tz vorberatcn. Es wird sich fragen, ob nicht gerade auch die Interessen der Arbeiterschaft be- einträchiigt werden, wenn man mit den beabsichtigten Ausnahmen die Zeit von 12— 2 Uhr mittags nicht mehr freigibt. Stadtv. Kollokowsky ffoz.-sortschr.): Ich nehme denn doch einen erheblich radikaleren Standpunkt ein. Aehnliche Einwände wurden 1903/01 erhoben, als wir den Verkehr im Großbetriebe auf die Sonntagvormittagsstunden beschränkten. Die Angestellten der Detailgeschäfte sind viel übler dran als die des Großgewerbes; sie bedürfen auch größerer Rücksichtnahme. Die Zahl der Petenten, die sich dafür aussprechen, ist stetig ge- wachsen. Am liebsten wäre mir. man könnte sofort den allgemei- ne» Oleschllftsschluß verfügen.(Unruhe.) Die Vorstellungen der Detaillisten sind von einseitigem Interesse diktiert; der Arbeiter- stand ist der allerletzte, der sich der Verkürzung der Sonntagsarbeit entgegenstellen würoe. Der kleine Geschäftsmann und Gewerbe- treibende haben auch ein Anrecht auf einen freien Sonntag. Stadtv. Frick(N. L.): Ein beträchtlicher Teil der Kleinkauflcute hat sich bei der Enqueie für den bisherigen Zufwnd ausgesprochen. Für die Angestellten haben wir ein ebenso warmes Herz wie der Vorredner, aber Sorge tragen wir um die kleinen Geschäftsleute. die ohne Gehilfen arbeiten; diese werden dann durch die Kon- kurrcnz der großen Warenhäuser rettungslos erdrückt werden. Siadtv. Hintze(Soz.): Für die Kollegen Galland und Frick muß jetzt der Slrbeiter als Popanz dienen, um Ihnen die Vorlage so unschmackhaft wie möglich zu machen.(Unruhe.) Wenn es sich um Lohnaufbesserungen handelt, denken Sie an die Arbeiter nicht. (Große Unruhe.) Ich kenne die Arbeiterverhältnisse mindestens so genau wie jeder einzelne von Ihnen; ich habe in einem Kolonial- Warengeschäft konditioniert und 25—30 Jahre in der Branche ge- reist, ich treiß, daß eine große Anzahl der Kleingewerbe- treibenden sick sehr freut, daß ihnen das bißchen Sonntags- ruhe, wie es die Vorlage will, gegebe» werden soll, auch die, die ohne Gehilsen sind, wo Mann und Frau allein arbeiten. Wenn jetzt um 2 Uhr die Läden geschlossen lverden, dann wird es 3 oder 4 Uhr, ehe der Mann mit der Familie seinen Gang ins Freie machen kann. Der Hauptverkehr spielt sich nicht in den Stunden von 12— 2 Uhr, sondern vormittags von 8—10 Uhr ab. Auch in der Nahrungsmittelbranche haben ja 38 Proz. für die Schließung vo» 19 Uhr ab gestimmt, 4 Proz. sogar für die völlige Schließung am Sonntag. Nach welcher Richtung in der Vorlage auch die Wünsche der Angestellten Berücksichtigung gefun- den haben sollen, ist nicht erkennbar. Nur als Uebergangsstadium akzeptieren wir die Ausnahme für die Nahrungs- und Genuß- mittclbranche; der Handelsstand dieser Branchen ist in den Kommunen, Ivo die völlige Sonntagsruhe eingeführt ist, nicht zugrunde gegangen. Der Lohnzahltag, der dem Kollegen Galland Schwierigkeiten macht, kann ja auf einen anderen Tag verlegt werden. 189l hatte ich Gelegenheit, in einer Deputation vor dem Handelsminister Berlepsch die Wünsche der Angestellten zu vertreten. Damals wurde ausdrücklich erklärt, die 5 Stunden Sonntagsarbeit seien lediglich als Ucbergang zur völligen Sonn- tagsruhe gedacht. Und was ist in den 20 Jahren seitdem geschehen? Endlich sollen wir diesen kleinen Schritt vorwärts machen, und da sehen die Herren Galland und Frick schon wieder den Ruin zahl- reicher Geschäftsleute voraus! Im Interesse der Gesundheit und der geistigen Entwickelung der Angestellten wie der Kleingewerbe- treibenden empfehlen wir Ihnen unfern Antrag:„Für die Klein- Handelsgeschäfte im allgemeinen völlige Soiintugsrnhe einzuführen und Ausnahmen für die Nahrungs-»nd Genußmittelbranche nur von 8— 10 Uhr vormittags zu gestatten." Stadtv. Bamberg(A. L.): Ich hätte die Ablehnung der Vorlage ohne Ausschuh am liebsten gesehen.(Hört! hört!) Die Zeit von 7 bis 10 Uhr vormittags kommt in der Tat, abgesehen von den Nahrungsmitteln, völliger Sonntagsruhe gleich; denn wer geht in diesen Stunden in die Geschäsle? Um 7 und 8 Uhr im Winter liegen Sie doch alle noch im Bett.(Große Heiterkeit) Die Geschäftsleute, die hier in Frage stehen, treten einmütig für den bisherigen Zustand ein. Wird diesen Geschäften der Vmntagnachmittag genommen so wird das Publikum einfach den großen Warenhäusern zugetrieben. Mit der Zeit von 7 bis 10 Uhr vormittags ist besonders den kleinen Geschäftsleuten nicht gedient.(Zuruf des Stadtv. Borgmann.)... Um 7 Uhr geht Ihre Frau auch noch nicht einkaufen, da liegt sie auch noch im Bett.(Stürmische Heiterkeit.) Stadtv. Goldschmidt(N. L.): Der Kollege Bamberg schließt wohl von sich auf andere, wenn er meint, die Leute in Berlin kauften nicht von 7 bis 10 vormittags ein, weil sie so lange schlafen. (Heiterkeit.) Die Arbeiter verlangen selbst durchaus nicht die Rücksicht, die man ihnen heute gewähren will. Es wiederholt sich hier nur, was anläßlich des Ilchtuhrladenschlusscs sich abspielte. Die Gewerbedeputation arbeitet seit vollen zwei Jahren an der Vorlage, die schon in sich ein Kompromiß darstellt. Die Rücksicht auf den kleinen Mittelstand, der durchaus geschützt werden soll, wird von diesem selbst gar nicht begehrt. Die Durchführung der ganzen Maßregel würde sehr erleichtert, wenn die Lohnzahlung von Sonnabend auf Freitag verlegt würde; die Stadt könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Der Hinweis aus die Lohn- aufbesserungen seitens des Kollegen Hintze war unangebracht, denn wir sind doch nicht bei den Löhnen von OlimS Zeiten stehen ge- blieben. Stadtrat Weigert: Die Vorlage ist tatsächlich ein Kompromiß und gefällt daher keiner der beiden Parteien. Wir wünschen damit zwischen den berechtigten Ansprüchen der Ladenbesitzer und der Angestellten zu vermitteln. Stadtv. Gronewaldt(A. 2.) stellt sich auf den Standpunkt der Kollegen Frick und Bamberg und bestreitet den Wert der Magistratsenquete. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.) plädiert für glatte Annahme der Vorlage ohne Ausschußberatung. Stadtv. Sonnenfelb(A. L.) tritt diesem Vorschlage e n t- gegen. Der Standpunkt Bambergs sei in der Fraktion ver> einzelt; man würde sich sofort mit der Sache abfinden, wenn um 11 Schluß gemacht würde. Stadtv. Hintze: Die abschlägige Antwort, die wir 1903 und 1906 von der Kirche bekommen haben, sollte uns doch gezeigt haben. daß wir bier kein Entgegenkommen zu erwarten haben. Einstimmig wird Ausschußberatung beschlossen. Die Hundesteuer will der Magistrat vom 1. April 1911 ab von 20 auf 80 M. jährlich erhöhen. Stadtv. Rettig(A. L.) spricht sich für die Erhöhung aus und beantragt Ausschußberatung. Die Hundeliebhaberei sei vielfach ausgeartet. Der Hund verursache durch seine Schmutzerei großes Aergernis. Mit den Schlagworten:„Hund des armen Mannes" und„Wächter des Hauses" werde ungemein viel Mißbrauch ge- trieben. Die Hundekrankheiten seien eine Gefahr auch für die Menschen. Wohin es mit dem Hundekultus schon gekommen sei, beweise eine vom„Vorwärts" loiedergegebene Todesanzeige. (Redner verliest sie unter Heiterkeit der Versammlung.) Das sei doch geradezu Humbug. Siadlö. Dr. Leby(A. L.) Serkritt als Wortführer einer kleinen Minderheit seiner Fraktion einen ablehnenden �Siandpnnkt min- bestens gegenüber jeder Erhöhung der Steuer. Seit 1908, wo eine neue Hundesteuerordnung beraten worden sei, habe sich irgend ein Bedürfnis für eine Aenderung nicht herausgestellt. Der Hund sei nicht für alle Einwohner in dem Maße eine Plage wie jür manchen Hauswirt. Auch solle man nicht über den„Hund des armen Mannes" spötteln; für viele alleinstehende Personen sei er der ein- zige Beschützer. Gegen die Besteuerung von Luxushunden habe er nichts; für jeden zweiten und ferneren Hund solle man ruhig den Satz von 30 M. überschreiten. Die Stenererhöhung bedeute eine ganz unsoziale Belastung der Allerärmsten. Stadtrat Ledermann: Den Zeitungsberichten nach hat das Oberverwaltungsgericht in einem Rechtsstreit angeblich ausge- sprachen, daß die gegenwärtige Hundesteuerordnung mangels er- teilter Zustimmung der beteiligten Minister ungültig sei. Noch liegen diese Erkenntnisse nicht vor. Auch wenn die Mitteilung den Tatsachen entsprechen sollte, ist eine Rechtsunsicherheit für die Stadt oder die Steuerpflichtigen nicht vorhanden; es bleibt dann eben die frühere Steuerordnung, die auch 20 M. vorsieht, bestehen. Tie Beanstandung kann sich nur auf nebensächliche Bestimmungen be- ziehen. In der Steuerdeputation ist mit einer gewissen vehemen.c.t Hurrastimmung eine weit höhere Heraufsetzung der Steuer ge- fordert worden als jetzt vorgeschlagen wird. Der Magistrat will eine Luxussteuer nicht einführen und hat darum eine höhere Be- steuerung zweiter und weiterer Hunde nicht vorgeschlagen. Stadtv. Hossmann(Soz.): Wir sind mit der Pflege deS öffent- lichen Wohls unserer Stadt glücklich auf den Hund gelangt.(Heiter- keit.) Der Erhöhung sollen nicht finanzielle, sondern anderweitige, hauptsächlich polizeiliche Erwägungen zugrunde liegen, die auf Verhinderung der Verschmutzungen hinzielen. Eine Verminderung der Zahl der Hunde durch die Steuererhöhung wird aber nur wenig in Betracht kommen und spätestens in einem Jahre wieder aus- geglichen sein. Und dann ist der finanzielle Erfolg doch ein ganz bedeutender. Unser Kämmerer wird 4 bis 500 000 M. gar nicht abweisen; er mag mit Fehlern behaftet sein wie er will, aber in dieser Beziehung ist er ein sehr einnehmendes Wesen. < Heiterkeit.) Wir müssen Ihnen den Schmerz bereiten, diese Er- böhung abzulehnen, und zwar, weil wir barin auch eine in- direkte Steuer sehen— nicht bloß deshalb eine indirekte, weil sie der Hund nicht zahlt, fondern sein Herr(Heiterkeit), sondern aus den Gründen, aus denen Stadtrat Tourbie sich 1908 dafür erklärt hat. Die Unbemittelten werden wieder einmal fast allein davon be- troffen; die Reichen kommen fast gar nicht in Betracht. Herr Ledermann hat das ja eben selbst ausgeführt. Wenn es heißt. man brauche sich keinen Hund zu halten, dann brauche man auch keine Steuer zu zahlen, so ist das dieselbe Argumentation, als wenn man sagt:„Rauche keine Zigarren, dann brauch jt du keine Tabaksteuer zu zahlen".(Heiterkeit und Zu- rufe.) Geht die Hundezahl erheblich zurück, so wird die Steuer- erqöhung lediglich ein Privileg der Reichen herbeiführen, und nun sollen auch die gewöbnlichsten Hunde keinen Pfennig weniger zahlen als die teuersten Rasse- und Luxushunde!(Zurufe.) Es gibt viele unverheiratete Einzelpersonen, die sich an den Hund halten, um ein lebendes Wesen um sich zu haben, die aber ganz ungeeignet wären zur Kindererziehung. Denen kann man nicht mit Herrn Rettig raten, statt der Hunde Waisenkinder zu sich zu nehmen. Dieser Rat steht also aus der gleichen Stufe wie die entsetzliche Aus- malnng der Krankheit des Hundewurms, die dem Hundebesitzer droht. Diese Krankheit tritt doch gerade dann auf, wenn sich die Besitzer mit den Hunden gar zu gemein machen: durch Küssen und Lecken, nicht durch das Halten der Hunde als solches. Wenn die Verschmutzung der Haupt- grund für die Vorlage ist. sollte man die Steuer doch ,.H u n d e. R a ch l a ß st o u e r" nennen, weil sie den Nochlaß der Hunde trifft(Große Heiberkeit), und eigenllich mühte dann die Besteuerung auch nach der Quantität eintreten(Stürmische Heiterkeit und Zurufe). Herr Kollege Rettig. meine Ausführungen sind stets der Gesellschaft angepaßt in der ich mich befinde.(Ev- neute Heiterkeit.) Die Steuer trifft keineswegs was sie treffe« soll. Eine Verringerung der Hun bezahl wird nicht eintreten. Im Jahre 1892 erhöhte man die Steuer von 9 auf 20 M., und die Hundezahl ging von 35 000 auf 27 000 zurück; sehr bald aber sind wir über die erstere Zahl wieder hinausgekommen. Die Erhöhung von 20 auf 30 M. wird«inen noch viel geringeren Effekt haben. Ei» großer Teil der Luxuöhunde wird bleiben, und wenn Sie 100 M. Steuern auflegen; diese Zahl wird sogar steigen, wenn das Hundehalten zu einem wirklichen Privileg der Reichen wird. Bei den weniger Bemittelten werden Sie auch nicht erreichen, daß sie den einmal liebgewonnenen Hund abschaffen— und das wollen Sie doch?—; ein großer Teil der Unbemittelten werden sich die 10 M. vom Munde absparen; sogar Kinder haben erklärt:„Der Hund wird nicht abgeschafft, lieber wollen wir nichts zu Weihnachten haben", und opfern die letzten Pfennige aus ihrer Sparbüchse, wenn der Hund zum Liebling der Familie geworden ist.(Zurufe.) Wenn Sie sich da nicht hineindenken können, liegt es jedenfalls nicht an mir. Die Hunde der minder Bemittelte» kommen sehr wenig auf die Straße, weil die Familien gar nicht die Zeit haben, sie auszuführen, aber sehen Sie sich doch an, welche Hunoe in Berlin W. auf der Straße sich herumtreiben. Die Verschmutzungen wird man durch die Steuer- erhohung nicht beseitigen; für den Betroffenen ist es gleich unan- genehm, ob er mit einem Hundenachlaß bei 20 oder 30 M. Steuer zu tun hat.(Heiterkeit.) Vor zwei Jahren suchte uns Herr Rettig mit dem von einem Hunde beschmutzten Weihnachtsbaum graulich zu machen. Herr Solmitz wies damals darauf hin. was für un- ästhetische Sachen die Hunde in-den Straßen verüben.(Heiter- keit.) Ja, das werden Sie mit 30 M. Steuer auch nicht verhindern. (Stürmische Heiterkeit). Die gar nicht abzustreitenden Verunreini- gung der Straßen tritt ganz besonders an Sonntagen hervor, zu- mal im Osten und Norden; das liegt an der ungeheuren Zahl von Ziehhunden, die in Berlin noch vorhanden sind, die wachen« tagS ihre Bedürfnisse auf den Fahrdämmen verrichten, am Sonn- tag aber, wenn sie ausgespannt sind, den Bürgersteig benutzen. Man sorge für eine entsprechende Verordnung, welche die Eigentümer unter schärfere Vorschriften stellt und sie event. für entstandenen Schaden an Parkanlagen usw. haftbar macht. Hier läßt sich Wandel schaffen ohne ein neues Privileg. Dreimal hat sie Versammlung die Hundesteuer abgelehnt, 1904, 1905 und 1908. Inzwischen ist nichts weiter geschehen, als daß Petitionen gekommen sind. Ausschußberatung wird ja schon deswegen notwendig, weil dos Oberverwaltungsgericht die Hundesteuer- ordnung von 1908 als noch nicht in Kraft getreten erklärt hat. Die augenblicklich große Zahl der leerstehenden Wohnungen ist eine Triebfeder für die Vorlage; die Hausbesitzer müssen die Kontrakt- bestimmungen betreffend das Halten von Haustieren lockerer lassen, um Mieter zu bekommen, und nun soll der Magistrat ihnen in anderer Weise zu Hilfe kommen.(Unruhe.) Solche Art, eineSteuerdurchzudrücken, hat nur Zweck, wenn Sie 100 Mark erheben. Eine Erhöhung der Steuer nach dein Einkommen»vollen Sie nicht; Sie wollen ausgesprochen die Unbemittelten treffen und eine halbe Million herausschlagen. Ick? hoffe, daß die Vorlage abgelehnt wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Ladewig(N. L.) ist mit dem Magistratsvertreter ein- verstanden und hofft, daß die Erhöhung angenommen werden wird. ebenso Stadtv. LandSberg(A. L.), der von der Erhöhung sich be- sonders einen finanziellen Erfolg verspricht. Stadtv. Lewy: Dann wäre sie allerdings der Gipfel der Un- gerechtigkeit. Wir haben für den Magistratsantrag keine wirk- liche Begründung, keine Statistik, nichts als alte, abgestandene Redensarten erhalten. Daß die Steuerdeputation überhaupt eine Sitzung abgehalten hat, wundert mich sehr; während der ganzen Zeit, daß ich ihr angehörte, war das nickt der Fall. Nachdem noch Stadtv. Löfrr(A. L.) gegen Hoffmann polemisiert hat, bemerkt Stadtv. Hoffmann: Die Hundesteuer ist bei uns noch nicht zur 33 r i n z i p i xns r a gs g e w o r d c iq«Erst heute hat Stadtrat Sedermann den Beweis gegeben, wie wir daS Rechte getroffen haben, wenn wir sie ablehnten, weil nur Unbemittelte getroffen werden. � Tie Vorlage geht an einen A u S s ch u tz. Das Grundstück Jnvalidenstraße 32. das zur späteren Straßen- Verbreiterung zwischen Stettiner Bahnhof und Chausieestratze ge- braucht wird, soll für 400 000 M. freihändig erworben werden. Stadtv. Körte fFr. Fr.) hat Bedenken gegen die Ankaufs- vedingungen und stellt Ausschutzberatung anHeim. Es wird demgemätz beschlossen. An der Stockholmer Straße, unweit der Chrlftianiastratze, soll ckuf städtischem Terrain eine neue Feuerwache gebaut werden. Ter Kostenüberschlag schlicht mit 472 000 M. ab. Die Vorlage geht auf Antrag Cremer(A. L.), der den Kosten- Punkt, den Baugrund und das Zuviel an Architektur beanstandet, an den Ausschuh, der die Entwürfe für die Schulbauten in der Duncker- und Antonstratze berät, nachdem Magistratsbaurat Map- dorfs die Bedenken des Antragstellers zu entkräften versucht hat. Von dem städtischen Gelände an der Gothenbnrger Straße soll ein Teilstück von L72S Quadratmeter zur Errichtung einer einfachen Gemeindeschnle verwendet werden. Die Verwaltung will die jetzt in Mretsräumen im Hause Koloniestr. 8 untergebrachte 56. Gcmeindeschule in das neue Gebäude verlegen. Die Versammlung stimmt ohne Debatte zu. Für die städtischen Straßenbahnlinien ist der Ankauf von 43 Motor- und 12 Anhängewagen sowie eines Autorettnngswagens geplant. Die Kosten für diese dringend notwendige Erweiterung des Wagenparks sind auf 364 000 Mark veranschlagt. Die Vorlage gelangt ohne Diskussion zur Annahme. Entsprechend den in der Versammlung bei der Debatte über das Rord-Südbahnprojekt geäußerten Wünschen hat der Magistrat jetzt eine Abänderung dergestalt vorgeschlagen, datz zwischen Wedding und Seestrahe statt einer, zwei Haltestelle angelegt werden sollen, die eine auf der Nordseite des Nordringbahn Hofes Wedding, dje zweite am L e o p o l d p l a tz. EZ dürften daraus zirka 300 000 M. Mehrkosten erwachsen. Auch diese Vorlage wird ohne Debatte genehmigt. Die Versammlung hat am 20. Januar d. I. zum Zwecke der Verbreiterung der Fricdrichstraße zwischen Reichstagsufer und Georgenstrahe auf 22 Meter eine Ab- anderung der Baufluchtlinie auf der Westseite beschlossen. Die Eisenbahnvcrlvaltung plant indes einen Erweiterungsbau des Bahnhofs Friedrichstrahe, wonach der westliche Stadtbahnpfeiler in seiner jetzigen Richtung um 13,66 Meter nach Norden verlängert werden und hier in stumpfem Winkel enden soll. Danach würde es für diese Strecke vor dem Bahnhofsanbau bei der bisherigen Strahenbreite von 10,85 Meter verbleiben. Der Magistrat sucht die Zustimmung der Versammlung zu der Abänderung des Januar- beschlusseS nach. Die Zustimmung wird ohne Debatte erteilt. Für den Anschluß der auf dem Terrain des ehemaligen 8»« tonischen Gartens zu errichte, idon Königskolonnade« an die benachbarten Häusergruppen hatte der Magistrat der Ver- sammlung eine Vorlage gemacht. Die Versammlung hatte daran namentlich das Fehlen genügender Unterlagen bemängelt und die Beschlußfassung vertagt. Jetzt zieht der Magistrat diese Vorlage zurück und bringt eine neue, nach der die Verbindung der Kolon- naden mit den Häusern an der Potsdamerstraße ebenso wie die Verbindung an der Parkseite durch ein geschmiedetes Eisengitter und durch Anlage von Terrassen am Parkcingang bewirkt werden soll. Die zur Terrassenanlage erforderlichen Flächen von zusammen lOÖÖ Quadratmeter sollen für den Preis von 100 Mk. pro-Quadrat, meter von der Skadt an die Real-, Kredit- und Jmmobilicnver- UveftuaysgcheUschaft verkauft werj�p._ Von der Parkvrrwaltung ist im Verein mit der Hochban-, Ties- bau- und KanalisationSvcrwaltung ein Entwurf zur Ausgestaltung des Geländes deS ehemaligen Botanischen Gartens aufgestellt worden. Die Kosten, abgesehen von der Beleuchtungs- anlage, belaufen sich auf 453 400 Mk. Die innere Parkanlage ist als eine reichlich mit.Spielflächen für die Jugend versehene park- artige Erholungsstätte projektiert. Stadtv. Cremer beantragt für beide Vorlagen Ausschuh b e r a t u n g. Die beiden Entwürfe liehen die notwendige Ein- hcitlichkeit vermissen.� Nach einer kurzen unwesentlichen Debatte wird Ausschuß- beratung beschlossen. Auf dem städtischen GaSbehältergrundstück an der Augs- burger Straße will der Magistrat der Berliner Eispalastaktien- gesellschaft zur Errichtung einer Eisfabrik ein Erbbaurecht auf 50 Jahre gegen Zahlung eines jährlichen Zinses von 12 000 M. für die ersten 5 Jahre und 16 500 M. für jedes folgende Jahr ver- leihen. Stadtv. Salinger(N. L.) beantragt, für die Vorlage einen Aus schuh einzusetzen, der die Erbbaurechtsfrage einmal gründ- lich erörtern solle. Es wird Ausschutzberatung beschlossen. Die Vorlage wegen Reuverpachtung des öffentlichen Anschlag- «esens wird von der Tagesordnung abgesetzt. Schluß MIO Uhr._ Huö Induftne und f>andel Der Hausbesitzer als Aktionär. Bei Erörterung der Frage des HauSbesitzerprivilegS in der Ge- meinde ist schon oft darauf hingewiesen worden, dqh die Voraus- fetzungen für das Ansnahmerecht der HauSpaschas wenigstens heute nicht mehr gegeben feien. Diese Jnteressentengruppe bilde nicht mehr der ruhende Punkt in der Erscheinungen Flucht des fluktuierenden. den Wohnsitz oft wechselnden Elements, das wegen des Mangels einer Gebundenheit an der Scholle kein besonderes Interesse für die Entwickelung ihres jeweiligen Wohnortes lege. Der HauSbesitz als Wurzel der Bodenstäudigkeit ist ja auch tatsächlich eine Ausnahme- «rscheinung, der An- und Veikauf von Häusern sowie daS Vermieten von Wohnungen ist ein Gewerbebetrieb geworden wie andere auch. In sehr vielen Fällen wohnt der Hausbesitzer auswärts, sein Interesse für den Ort. wo er Hausbesitzer ist, reduziert sich auf das Bestreben, wenig Steuern zu zahlen und hohe Gewinne aus seinem Besitz herailszuschinden. Dieses nackte, gewerbliche Interesse, für welche« da« Hausbesitzerprivileg benutzt wird, erweist sich immer mehr als schweres Hemmnis für die kommunale Entlvickelung. Ter Widersinn des Privilegs wird nun trefflich beleuchtet durch die Gründung einer Hausbesitzer-Aktiengesellfchast. DaS»B. T." berichtete darüber wie folgt: «Im Archiiektenhause fand am 17. d. Mts. eine Versammlung von Interessenten statt, die den Zusammenschluß von Hausbesitzern und Kapitalisten zu einer Grundstücksgesellschaft bezweckren. Von Hansbesitzer» waren hierzu für zirka 8 Millionen Mark Häuser angemeldet, von denen zirka 5 Millionen Mark mit einen, Brutto- mietsertrage von 353 OOO 3)1. zur Annahme in Vorschlag gebracht wurden. Die rechiiuiig-Zmähige Dividende dieser Grundstücke er« gab rund 9 Proz. Von de» Hausbesitzern waren rund 350 000 M. Beteiligimg in Aussicht gestellt, während von den Kapitalisten etwa 150 000 M. angemeldet waren. Die Frage, ob die Ver- einignng als Gesellschast mit beschränkter Haftung oder als Aktien- gesellschaft begründet werden solle, wurde für die Veschftlhsassung in einer zweiten Versammlung offen gelassen, für deren Vor- bereitung und Einberufung eine Kommission von vier Herren er- nannt wurde. Es wurde ausdrücklich betont, daß der Zweck der Gesellschaft nur der sei, gut gelegene rentable Grundstücke be- ziehungsweise Häuser zu erwerben, sie sorgfältig zu verwalten und allen Teilnehmern Gelegenheit zu geben, von den Ertrag- nisscn der Häuser Nutzen zu ziehen, ohne die Lasten und Mühen, die mit einer Hausverwaltung verbunden sind, zu tragen. Es soll also jedermann eine sicher fundierte KapitalSanlage dargeboten werden." Man kann also Aktionär-Hausbesitzer werden, wie man Anteils- eigner irgend eines anderen gewerblichen Unternehmens wird. Eine Dividende von 0 Proz. muh übrigens als ganz akzeptabel bezeichnet werde»; sie läßt darauf schließen, daß der Hausbesitz doch noch einen netten Batzen ablvirft. Die Verteidiger des Hausbesitzerprivilegs gebärden sich aber trotzdem nicht nur— nach berühmten Mustern— als notleidend, sie markieren auch gern den Ueberpatrioten, der sich i über die internationalen Arbeiterkongrcsse fürchterlich entrüstet. Trotzdem wollen die Herrschasten jetzt denselben Weg beschreiten. In der letzten Sitzung des ZentralverbndeS der Haus- und Grund- besitzervereine Deutschlands macht der Berbandsdireltoc Mitteilung von der aus Paris ergangenen Anregung, in Verbindung mit der Ausstellung des ZentralverbandeS im Jahre 1012 einen.inter- nationalen HauSbesitzerkongreß" abzuhalten. Mit den Vereinen in Oesterreich, der Schweiz, Dänemark, Schweden und Norwegen seien bereits Berbiudungen angeknüpft worden. Als Verhandlungsgegen- stände würden in erster Linie in Frage kommen die Mietsverlust- Versicherung und die Hhpothekenbeschaffung. In Betracht kommen würde auch das Heimstättenrecht und zwar in Rücksicht auf daS neue französische Gesetz vom 12. Juli 1009. Gegen die Abhaltung des Kongresses wurden keine Bedenken erhoben, so dah die Borarbeiten in Angriff genommen werden können. Kouzentration im Handel. Einer der wichtigsten Konzerne der amerikanischen Metallindustrie, die American Smeltmg u. Refining Co. will in Berlin ein Zentral« vcrkaufsbureau für Europa errichten. Zum Leiter dieses Bureaus und Generalagenten für Europa soll der bisherige Präsident der New Uorker Metallbörse, Kening, ernannt werden. Dieses Ueber- greifen der Hauptgesellschaft des sogenannten Guggenheimkonzerns nach Deutschland ist von besonderer Bedeutung. Ainerika möchte das Geschäft mit den großen deutschen Metallverbrauchern selbst in die Hand bekommen. Deshalb schickt es einen besonderen Agenten herüber. Die größten Verbraucher für Kupfer sind die deutschen Elektrizitätsgesellschaften. die ihren Bedarf in Deutschland nicht decken können und auf die Einfuhr von amerikanischern Elektrolytkupfer angewiesen sind. Als bedeutender Produzent von Kupfer in den Vereinigten Stachen besteht neben dem Guggenheimkonzern nur noch die Amalgamated Copper Co., die unter dem Einfluß RockekellerS steht, ursprünglich übernommen, Las Denkmal zu besorgen und die Mitglieder des Gesangvereins(Lithographen und Steindrucker) von der bevor- stehenden Enthüllung in Kenntnis zu setzen und um Gesang bei der Feier gebeten. Vorher hatte er den Bürgermeister von Pankow gefragt, ob einer Enthüllungsfeier auf dem Pankower Friedhofe etwas im Wege stände; der Bürgermeister hatte das verne'nt. An, Nachmittag des 5. Juli fand die Enthüllung deS Denkmals auf den, Pankower Friedhofe in Niederschönhausen statt. Nachdem ein dein Tage entsprechender Grabgesang verklungen war, legte Sekretär Pfeiffer einen Kranz nieder und übergab mit einer kurzen Ansprache den Hinterbliebenen das Denkmal, ein Grabgesang schloß die Feier. Kaum war das Lied gesungen, trat der Polizeisergeant Förster an Pfeiffer heran und machte diesen aufmerksam, dah die„Versamm- lung" nicht genehmigt sei. Er schrieb Pfeiffer als den vermeint- lichen Leiter der Versammlung auf. Es wurde auch gegen ihn Anklage erhoben. Das Pankower Schöffengericht sprach denselben seinerzeit frei» weil ihm nicht nachgewiesen werden konnte, dah er der„Einbcruscr der Versammlung" war. Nun wurde Genosse Brall als Sündenbock erkoren und gegen ihn Anklage erhoben. Im Termin am Mittwoch bestritt Brall, sich strafbar gemacht zu haben. Von einer„öffentlichen Versammlung" könne überhaupt keine Rede sein; er hätte nur die betreffenden engeren Freunde und Sangesbrüder des Verstorbenen eingeladen. Dah sich auch Leute, die auf dem Friedhof sich gerade befunden, in der Nähe aufgehalten hätten, hätte er nicht verhindern können. Polizeisergrant Förster wollte als Zeuge die Versammlung auch deshalb als öffentliche aufgefaßt wissen, weil ein paar Tage vorher durch ein Inserat im„Vorwärts" um rege Beteiligung bei der Feier gebeten wurde. Brall legte dar, dah er dem Inserat im „Vorwärts" vollständig fernstände. Der Amtsanwalt hielt den Angeklagten des Vergehens für überführt und beantragte die niedrigste Geldstrafe in Höhe von 3 Mark. Das Gericht kam zur Freisprechung des Angeklagten. Tatsächlich sei nachgewiesen, daß die Versammlung eine öffentliche sei. ES hätten nicht nur die Mitglieder des Vereins, sondern auch die Besucher des Kirchhofs und andere durch das Inserat des„Vorwärts" aufmerksam Gemachte der Feierlichkeit beigewohnt. Der Angeklagte könne sich auch nicht damit entschuldigen, dah er mündlich sich bei dem Bürgermeister die Genehmigung geholt habe, denn die Genehmigung hätte schriftlich erfolgen müssen; auch sei der Pankower Bürgermeister nicht befugt, für eine Versammlung auf Niederschönhaufer Gebiet die Erlaubnis zu erteilen. Dem Angeklagten ist aber nicht nachgewiesen, daß er das Inserat im„Vorwärts" erlassen habe, um Fremde als Besucher heranzuziehen. Auch im übrigen sei kein Nachweis dafür erbracht, dah er der Leiter der Versammlung gewesen sei. Der Anklage fehlte die Berechtigung auch deshalb, weil eine Versammlung im Sinne des Vereinsgesetzes überhaupt nicht vorlag. Würde die Polizeibehörde nur den zehnten Teil der Zeit, den sie zur Konstruktion solch unhaltbarer Anklagen sich und anderen nimmt, zur Aufspürung von Mördern und Erpressern und zur Verhütung wirklicher Verbrechen aufwenden, so würde die Rechts- sicherheit Groh-Berlins erheblichen Nutzen ziehen. Wucherer. Recht erbauliche Einblicke in die Geschäftspraktiken von Geld- Verleihern gewisser Sorte gestattete eine Verhandlung, mit welcher sich gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amts- gerichtsrats Brestel zu bschäftigen hatte. Wegen gemeinschaftlichen Betruges war der pensionierte Kalkulator Gustav B. und dessen Ehefrau Martha B. angeklagt. Die beiden Angeklagten wurden be- schuldigt, gewerbsmätzige Gcldverleiher und auch Leute, die sich nur hin und wieder in derartige Geschäfte einließen, durch die Vor- spicgelung, er sei noch Beamter, zur Hergabe von Darlehen ver- anlaßt zu haben.— Der Angeklagte B. war bei dem Patentamt als Kalkulator angestellt gewesen. Infolge einer schiveren Er- krankung muhte er längere Zeit dem Dienst fernbleiben, so datz die Behörde zu seiner Zwangspensionierung schritt. Zu allein Unglück erkrankte auch noch sei�e Ehefrau,.so datz er in die bitterste Nöi gdrict. Wie festgestellt wurde, hat der Angeklagte innerhalb eines halben Jahres für Aerzte und Kurkosten die Summe von Jahren aber sehr an Bedeutung verlöre,» hat. Der Verkauf ihrer Produktion ist in der United Metal Selling Co. konzentriert. Denkt man an den Weg. auf dem es der Standard Oil Co. gelungen ist, ihr Petroleummonopol auch auf den deutschen Markt auszudehnen, auf dem die Fleischhäuser Armour und Swift durch ihre Hanlburger Niederlassimgen immer aufö neue versuchen, ihren Einfluß auf den deutschen Fleischmarkt und den Handel roher Häute auszudehnen. wie die Singer Co. den kleinen Händlern die Hände bindet, so kann man aiinehmen, dah die Absichten des Schmelzertrusts auch nach dieser Richtung hinziele»._ Zur Milderung der Fleischuot hat die Stadt Dortmund einen Fischverkauf organisiert. Wie der Oberbürgermeister in der letzten Stadtverordnetcnsitzung bekannt gab, Hot der Verkauf begonnen. Er findet bis auf weiteres an jedem Donnerstag und Freitag auf dem städtischen Viehhof statt. Die Einrichtung weiterer Verkaufstage bleibt einstweilen vorbehalten. Tie Oberaussicht und Leitung hat der Schlachthofdirektor übernommen. Er setzt die Preise fest, die an den Verkaussständen angeschrieben werden sollen. Die Fischlieferung erfolgt zunächst durch die Verteilung der hiesigen Filiale der Fischerei- gesellschaft Nordsee nach besonderen Abmachmigen. Dortmunder Spezialfischgeschäften wird es freigestellt, während der für den städtischen Fischverkauf qiigesetzten Verkaufszeit aus städtischen Plätzen ihre Waren feil zu halten. Platzmiete oder Standgeld soll allgemein nicht erhoben werden. Linoleum wird teurer. Die Deutschen Linolenmwerke beschloffen die Gründung eines Verbände». Das dicke Ende wird bald nach- !omn>en. Steigerung des KaliabsatzeS. Der Absatz im November ist um etwa 2,7 Millionen Mark höher gewesen, als im gleichen Monat des Vorjahres. Der Mehrabsatz in den ersten elf Monaten 1010 beträgt 4,3 Millionen Mark. Der gesamte Mehrabsatz der SyndikatSwerke im Jahre 1010 wird auf 7 bis 8 Millionen Mark angenommen. Wie schon früher bekannt gegeben, koinmen die auherslilidikatlicheii Verladungen hinzu, welche sich, zu Syndikatspreisen berechnet, auf rund 25 Millionen Mark belaufen. ©ericbtö- Zeitung. Mißglückte Stempelung der Pietät zur strafbaren Handlung. Zu Ehren des verstorbenen Gemeindevertreters Genossen Obier aus Pankow sollte auf dem Pankower Friedhof in Nieder- chönhausen am 5. Juli d. I. ein Denkmal enthüllt und den Hinter- ?Iiebenen übergeben werden. Genosse Brall, ein intimer Freund des Verstorbenen und verschiedener Gesangvereinsbrüder, hatte es auch als der Kupfettrufl schlechthin angesehen wurde, in den fetzten« 83100 Mark airsgegeben. Als er. nicht lychy aus noch cm»yzißte ließ er sich verleiten, sich mit Geldverleihern in Verbindung" Zu setzen, die sich durch Inserate anboten. Wie der Angeklagte vor Gericht behauptete, habe er an diese mehr als wucherische Zinsen zahlen müssen, um überhaupt Geld zu bekommen. Recht interessante Dinge stellten sich dann auch in der Beweisaufiiahme heraus, in welcher etwa 20 Geldvcrleiher vernommen wurden. So ergab es sich, dah ein Kinematographenbesiber Jägers einen Zinssatz von 1L0 Prozent berechnet hatte. Ein Kaufmann Masur„begnügte" sich mit 80 Prozent, ein Kaufmann Kühner mit 00 Prozent. Aehnlich hohe Zinsen wurden auch von den übrigen Zeugen be- rechnet, unter denen sich ein Ingenieur Langer, ein Friseur Rttckert, eine Frau Gröpo und ferner ein Eisenbahnwächter, Schuhmacher- meister und selbst ein Arbeiter befanden. Die Vernehmung dieser Zeugen erbrachte wiederholt recht tragikomische Momente. Sie behaupteten sämtlich, dah sie lediglich durch die falsche Angabe des' Angeklagten, er sei noch Beamter, sich zur Hergabe des Geldes hätten verleiten laffen. Nur einer von ihnen, ein einfacher Mäfchinist, fand den Mut, offen zu bekennen, datz ihn lediglich der große Ver- dienst gelockt habe, das Geschäft zu machen. Als der Angeklagte dann die eingegangenen hohen Verpflichtungen nicht einhalten konnte, begann der große Sturm der Gläubiger, bei welchem der Hauseigentümer Altmann, der Hauswirt des Angeklagten, am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wie dieser vor Gericht in sehr humoristischer Weise schildert, sei ihm von den Geldver- leihern, die immer einen förmlichen„Run" auf seine Wohnung veranstalteten und eine Auskunft haben wollten, bald die Klingel abgerissen worden, so daß er sich genötigt gesehen habe, an seiner Tür ein Schild anzubringen mit dem Inhalt: Auskunft über B. und Frau gebe ich nicht mehr.— Das Gericht lieh mit Rücksicht auf die ganze Sachlage Milde walten und erkannte gegen den Ehemann B. auf 50 Mark und gegen die Ehefrau auf LS Mark Geldstrafe wegen Betruges in drei Fällen. Wilterungsüberttch» vom SS. Dezember 1010, morgens& ihr. CtaUtam Ii 4. f, Swuiemd« Hambure Berlin Krantf.a München Wien 770© 768©D 7693 769 NO I773SS8 ! 774 Still Vetter g'halb bd. 3 wolkig 2dalbbd. 1 Dunst 1 wolkcnl , Nebel U2S f» wi 1 2 — 1 0 4 _ o E tittonen SS. s2 es Havaranda 761©O Petersburg 76811331® Scilly>768 NRW «berbeen 755®©® Bari! 760 Ö Better Oif, Ii? ü* 4 bebeckt|— 6 1 bedeckt-1 3 heiter 7 5 heiter I 7 1 wölken!—1 BSetterprognose für Freitag, den SS. Dezember 1010. Ein wenig wärmer be! zuncbmender Vewölkniig mit mäßigen südwest- lichen Winden; geringe Niederschläge. Berliner Wetterbureau. HöKen-vtuen....... von 3-60 m. Goldene Herren-Uhren B,£°S£1- 45-300 m. Damen-Uhren....... von 6,25 an. Goldene Damen-Uhren.. von 15-300 m. Moderne Freischwinger von 12,50-75 m. Emil Rothert, Utirmacfier und Juwelier, Gegründet 1888. frankfurter Allee 118 AndreaS'Straße 82. Wecker und Wanduhren 2-15 Bifderbroschen u. 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Hunderte von Witwen und Müttern, viele Hunderte Kinder sind ihres Ernährers beraubt worden, und nur gering ist die Hoffnung der verzweifelnd vor dem Grubeneingang Harrenden. Der in Bolton weilende Regierungsinspektor ist nach Prüfung der Sachlage zu der Uebcrzeugung gelangt, daß alle in der Kohlengrube befindlichen Arbeitee umgekommen sind. Der Schauplatz dei* Kataftrophe. Die Prätoria-Grube besteht aus dem Dard-Schacht und dem Arleh- Schacht, in denen gegen 800 Mann mit dem Graben und zu Tag Fördern von Steinkohlen beschäftigt sind. Beide Schächte stehen durch einen langen Gang in Vcr- bindung. Mittwoch morgen waren im Arley-Schacht 440, im Dard-Schacht 352 Bergleute und Förderknappen tätig, als 10 Minuten nach 8 Uhr eine aus der Aard-Grube emporschießende Stichflamme im Vereine mit einer gewaltigen Erschütterung eine Katastrophe ankündete. Die Explosion war so gewaltig, daß in Bolton die Häuser erzitterten und Fensterscheiben zerbrachen. Die Grubengebäude wurden zer- stört, die Maschinen blieben stehen und die Eingänge der Aard-Grube wurden verschüttet. Gleichzeitig versperrten herabfallende Gesteinsmasscn den Tunnel zwischen beiden Schächten. Für die 440 Mann der Arleh-Grube war dies die Rettung; die Explosion des Nachbarschachtes mit seinem Feuer konnte nicht über den Verbindungsgang hinaus, so daß die Arley-Leute, so schnell die Förderkörbe auf und ab fahren konnten, zu Tage gefördert wurden. Nur einer der zu- letzt Geretteten erlag den durch den Tunnel dringenden giftigen Gasen. Die 352 Mann der Dard- Grube dagegen waren von der Außen- weit vollkommen abgeschnitten. Jeder Rcttungsweg war ihnen versperrt. Wer nicht der Explosion und dem Feuer zum Opfer fiel, mußte den giftigen Gasen erliegen. Vle Rettungsaktion. London, 22. Dezember. sSpezialtelegramm des„Preß-Telegraph'.) Als fich die giftigen Gase aus der Arley-Grube verzogen hatten, nahm man von hier aus das Rettungswerk in Angriff. Doch bald wurde klar, daß man nurLeichenfindenkonnte. Ein Teil der Opfer ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Mit der ersten Rettungsmannschaft stieg«in alter Hauer namenS Turton hinab. Zwei seiner Sühne waren in der Dard-Grube tätig. Mit Todesverachtung drang er vor. um die. Seinen zu finden. Als die vorsichtig nacheilende Mannschaft wieder aus ihn stieß, war auch er eine Leiche; die Gase hatten ihn getötet. die alte Mutter der beiden Söhne ist jetzt allein. Um den Schacht- eingang drängten sich von den Mittagsstunden an Hunderte ängstlicher und schreiender Frauen mit Kindern an der Hand und Kleinen auf dem Arm, um auf Nach- richten aus der Unglücksgrube zu lauern. Als der Tod der Ein- geschloffenen zur Gewißheit wurde, spielten fich herzzerreißende Szenen der zu Witwen gewordenen Frauen und ihrer Kinder be- raubten Mütter ab. Die bisher ans Tageslicht gebrachten Leichen sind in einer Halle aufgebahrt, wo die Angehörigen der Verunglückten einzeln herangelassen werden, um sie zu rekognoszieren. Bolton, 22. Dezember. Die Nachforschungen in der Kohlen- grübe wurden die ganze Nacht hindurch fortgesetzt, aber man bemerkte kein Lebenszeichen. Die Rettungsmannschaften sahen etwa 150 Leiche». Die Grube ist mit Gasen angefüllt. Meiterc folgen der Explosion. London, 22. Dezember. sSpezialtelegramm des „Preß-Telegraph"'.) Durch die Explosion im Uard-Schacht sind die Gebäude der Prätoriagrube vollkommen zer stört Word," Maschinenhaus, Beamtenwohnungen, Vorratsschuppen und Fördertürme sind eingestürzt. Die hier tätigen Arbeiter und Beamte haben zum Teil nicht unerhebliche Verletzungen erlitten. Der zweite Direktor B u s h t 0 n, der im Bureau der Grube tätig war, wurde vom Luftdruck der aus dem Förderschacht dringenden Stichflamme vom Stuhl geschleudert. Das Gebäude stürzt« über ihm zusammen. Die Rettungsmannschaft konnte ihn nur als Leiche aus den Trümmern hervorholen. Reine Hoffnung. Bolton, 23. Dezember. Herr G i r a r d, einer der Mitinhaber der Gruben, erklärte, als er auS dem Schachte zurückkehrte, daß an- nähernd 300 Arbeiter zur Zeit der Katastrophe sich in der Grube befanden und daß wahrscheinlich alle umgekommen sind. Wir sind während der eingehenden Durchsuchung des Schachtes fortwährend aus Leichen gestoßen und alles was noch möglich ist, ist geschehen, um noch weitere Leichen an die Oberfläche zu bringen; Menschenleben zu retten, ist nicht mehr möglich. Eine schwere Hnhlage. Bolton, 32. Dezember. Eine allgemeine und sehr be- rechtigte Entrüstung rief unter den zur Rettung ihrer Kameraden herbeigeeilten Bergarbeiter die Tatsache hervor, daß die Rettungsgerätschafteu sich in sehr mangelhaftem Zustande befanden. So hatte die Direktion in unbegreif- licher Leichtfertigkeit versäumt. Rettungshelme, die für das Eindringen in verqualmte Schächte unerläßlich sind. in genügender Zahl vorrätig zu halten. Erst längere Zeit nach der Explosion trafen die Rettungs- apparate ein. Bezeichnend ist es auch, daß die Direktion die Grube stets für eine der feuersichersten Englands erklärte und daß man jetzt versucht, die Schuld auf die der- unglückten Arbeiter abzuwälzen, denen man fahrlässiges Hantieren mit dem Feuerzeug vorwirft. Partei- �ngelegenbeiten. Zur Lokalliste! In Lankwitz I.-v. hält der Turnverein„Turnerschaft" am ersten Weihnachtsfeiertag in Heyers Fesiiälen, Jnh. Gutiche, einen Unter- Haltungsabend ab. Da das Lokal für die organisierte Arbeiter- schaft gesperrt ist, bitten wir die angebotenen Billetts zurück- zuweilen. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß in Zchlendorf die Lokale„Lindenpark", Berliner Str. 1, und„Kaiserhof", PotS- damer Straße, nach wie vor gesperrt sind, und bitten, alle Ver- anstaltungen daselbst zu meiden. Mohlsdorf>.-3. Der Männergesangverein„Kon- kordia" hält am ersten Weihnachtsfeiertage in Mablsdorf-Süd im Lokale„Hubertus", Jnh. A. Engel, eine Weihnachtsfeier ab. Da auch hier versucht toird, unter organisierten Arbeitern Billetts umzu- setzen, bitten wir, dieselben zurückzuweisen, da das genannte Lokal zu keiner Parteiversammlung hergegeben wird. Wir ersuchen, streng die Lokalliste zu beachten. _ Die Lokalkomniission. Dritter Wahlkreis. An, 1. Weihnachtsfeiertag veranstaltet der Wahlverein in, Gewerkschastshaus, Engelufer 15, einen Kunstabend. Anfang des Konzerts 7 Uhr. Billetts a 50 Pf. sind noch bei den Bezirksführern zu haben. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Da nur erstklassige Künstler mitwirken, erwartet der Vor- stand eine recht rege Beteiligimg. Adlershof. Die Parteigenossen und Genossinnen, welche ihren Austritt aus der Landeskirche angemeldet haben, werden ersucht. sich am 27. Dezember(3. Weihnachtsseiertag). vormittags 8'/z Uhr, im Lokal des Herrn Feuerstein, BiSmarckstr. 28, pünktlich einzufinden. Legitimation und Vorladung sind mitzubringen. Die Kommisston. Groß- Besten und Umgegend. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Sonntag(1. Feiertag), nachmittags 3 Ubr, in Zeesen im Lokal Behrend statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Britz-Buckow. Die Bibliothek des Wahlvereins bleibt am Weihnachtsheiligabend und am Silvester geschlossen. Stächster Bücher- Wechsel am Sonnabend, den 7. Januar, im Restaurant von Otto Zilz, Werderstr. 29. Die Bibliothekkommission. Potsdam. Am 2. Weihnachtsseiertag veranstaltet der Wahlverein im Vikroriagarten, Alte Luiseustraße. ein WeihnachtSver- g n ü g e n, bestehend in Abendunterhaltung und Tanzkränzchen. Eintrittskarten vorher bei den Genossen Staab und Wald. Der Vorstand. Neue Mühle- Nicderlehme. Am 2. Weihnachtsfeiertag im Lokal von W. Thormann Weihnachtsvergnügen des W a h l v e r e i n S Niederlehme unter Mitwirkung des ArbeitergesangvcreinS sowie des Theatervereins„Fidelitas". Der Vorstand. LerUner I�acdricbten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die gestrige Sitzung begann mit einem Nachhall der er- regten Debatte, die in der Sitzung des vorigen Donnerstags um den Magistratsantrag auf Nachbcwilligung von Mitteln zur Entsendungkranker LkinderinHeil st ätten usw. entbrannt war. Vor Eintritt in die Tagesordnung erbat Oberbürgermeister Kirschner sich das Wort zu einer Erklärung, durch die er den Stadtrat Münsterberg, dessen eigenartige Führung der Armen- direktionsgeschäfte in jener Debatte zur Sprache gekommen war, zu entlasten versuchte. Herr Kirschner hatte am vorigen Donnerstag Mitteilung gemacht, dem Magistrat selber sei es zunächst verborgen geblieben, daß im Ressort des Herrn Münsterberg aus den für 1910 bewilligten Mitteln für Heil- stättenbehandlung die noch ungedeckten Mehrausgaben für 1909 gezahlt worden waren. Gestern erklärte er, hiermit habe er nicht sagen wollen, daß Münsterberg wider besseres Wissen gehandelt habe, als er den Magistrat falsch informierte. Viel- mehr habe er, der Oberbürgermeister, keinen Augenblick daran gezweifelt, daß Stadtrat Miinsterberg dabei in gutem Glauben gehandelt habe. Von Münsterberg sei, wie der Oberbürger- meister inzwischen aus den Akten ersehen habe, alles getan worden, die unzulässige Art der Deckung jener Mehrausgaben zu verhindern. Er habe es nur versäumt, sich zu vergewissern, ob seine Anordnungen auch befolgt wurden. Der Herr Ober- bürgermeister schien zu meinen, daß hiermit die Angelegen- heit aufgeklärt und erledigt sei.— Im Anschluß an die Ausschußberichterstattung über die Verlegung des Luisen st ädtischen Gym- n a s i u m s forderte die sozialdemokratische Fraktion, daß bei dieser Gelegenheit die Vorschule der Anstalt be- s e i t i g t werde. Genosse A r 0 n s hob hervor, daß die Verlegung aus der Luisenstadt nach der entfernten Schön- hauser Vorstadt gleichbedeutend ist mit der Gründung einer ganz neuen Anstalt. Neuen Anstalten aber solle ja, wie selbst von freisinniger Seite zugestanden worden sei, keine Vor- schule mehr beigegeben werden. Aus den Erklärungen des Frcisinnsredners Stadtv. T r 0 p f k e sowie des Stadtschul- rats Michaelis ergab sich, daß jenes Versprechen ihrer Meinung nach hier nicht gehalten zu werden braucht. Die Anstaltsverlegung wurde beschlossen unter Ablehnung des Antrags auf Vorschulbeseitigung. Ein hitziger Streit entbrannte um den Magistratsantrag auf Ausdehnung der Sonntagsruhe im Kleinhandel. Man sollte es kaum für möglich halten, daß um diese Forderung immer noch wieder gestritten wer- den muß. Stadtv. G a! l a n d und Stadtv. F r i ck, die Redner der„Alten Linken" und der„Neuen Linken", ent- hüllten ihr warmes Herz nicht nur für die kleinen Geschäfts- leute, die angeblich ohne das Sonntagsgeschäft zugrunde gehen müssen, sondern auch für die— Arbciterbevölkerung, die just am Sonntag einkaufen wolle. Die sozialdemokratische Fraktion beantragt eine noch weitergehende Ausdehnung der Sonntagsruhe, für die Nahrungsmittelgcschäfte Beschrän- kung der Geschäftszeit auf 8— 10 Uhr, für die übrigen Ge- schäfte völligen Schluß am Sonntag. Genosse H i n tz e, der diesen Antrag begründete, wurde von der freisinnigen Mehr- heit durch lärmende Zwischenrufe unterbrochen, als er ihr vorhielt, daß hier ihr Interesse für die Arbeitcrbevölkerung nur ein lächerlicher Vorwand ist. Für weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe werde nicht nur das Heer der Angestellten dankbar sein, sondern auch die große Mehrheit der Geschäfts- inhaber, denen schließlich doch auch mit einem Mehr an Sonn-! tagserholung gedient sei. Denselben Standpunkt nahm der) „Sozialfortschrittler" Stadtv. Kollokowsky und im � Weiteren Perlauf der Debatte der zur«Neuen Linken" ge- 1 hörende Stadtv. G 0 l d s ch m i d t ein. Herr Goldschmidt konnte es sich im übrigen nicht verkneifen, wieder mal die „Arbeitersreundlichkeit" des Freisinns zu rühmen, die Genosse Hintze lieblos angezweifelt hatte. Aus der Reihe der anderen Redner wollen wir nur noch den Stadtv. B a m- b e r g der Beachtung unserer Leser empfehlen. Das Zeug, das er zusammenschwatzte, fand jubelnden Beifall bei der Mehrheit. Aber sein Vorschlag, ohne Ausschußberatung glatt abzulehnen, wurde doch nicht befolgt. Ein Ausschuß wird die hundertmal erörterte Frage der Sonntagsruhe aufs neue erörtern. Ihm wurde der Antrag unserer Genossen mit über- wiesen. Einem Ausschuß wurde auch die Vorlage auf Erhöhung der Hundcstcuer überwiesen. Um das Für und Wider kam es zu einer lebhasten Aussprache, iil der es auch an heiterem Beiwerk nicht fehlte. Gegen die Erhöhung erklärte sich die sozialdemokratische Fraktion. Genosse H 0 f s m a n n, der die Gründe darlegte, tat das in einer so belustigenden Form, daß Freund und Feind ihr Vergnügen daran hatten. Hoffen wir, daß nicht den Hundebesitzern das Lachen vergeht, wenn die Vorlage aus dem Ausschuß zurückkommt und die Vcr- sammlung zu beschließen hat. Die juristische Sprechstunde am Sonnabend(Heilig- abend) fällt ans. Gnte Bilder machen eine illustrierte Zeitschrift interessant und lesenswert. Von diesem Standpunkt ausgehend hat sich auch der Verlag der„Neuen Welt" entschlossen, ab 1. Januar 1911 Sonderdrucke auf starkem,»veißem Papier herauszubringen, das der Plastik und Schärfe der Illustrationen wesentlich zugute kommen wird. Diese Sonderdrucke erscheinen als selbständige Blätter, durch die die übliche Gratisliescrung unserer Sonntagsbeilage in keiner Weise berührt wird. Es soll nur dadurch solchen Sammlern der„Neuen Welt", die sich die Jahrgänge einbinden lassen, fortan Gelegenheit ge- boten werden, sich für diesen Zweck Exemplare auf gutem Papier beschaffen zu können. Die Sonderdrucke, die pro Nummer für 5 Pf. abgegeben werden, sind bei den Spediteuren oder bei der Hauptexpedition des„Vorwärts"(Lindenstr. 09) zu bestellen. Bon den Heimstätte». In der«m 21. d. MtS. abgehaltenen Sitzung des Kuratoriums der städtischen Heiinstätten wurde unter anderein beschlossen, in chie städtische Heimstätte für brnstkranke Frauen zu Malchow bis auf weiteres auch Mädchen mit offener Tuberkulose vom 8. Lebensjahre ab anfzunehmen. Für Mädchen mit geschlossener Tuberkulose, schwächliche, erholuiigSbedürfiige und sogenannte tnberkulosebedrohtc Mädchen, und zwar schon vom schul- pfiichligen Alter ab. dient, wie bei dieser Gelegenheit wiederholt wird, bereits die Heimstätte zu Blankenburg, für Knaben die Heim- stätte zu HeinerSdorf. Warnung vor Jnferatenschwindlern und Borschustagente». Der Verein Berliner Grundstücks- und Hypothekenmakleiz E. V., Charlottenstraße 31, sendet uns eine längere Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: In letzter Zeit häufen sich die Klagen über unerhörte AuS- Nutzung des Publikums auf dem Grundstücks- und Geldmarkt. Die Jmmobilienmaklervereine, die um Abhilfe gebeten werden, sind natürlich nicht in der Lage, alle Unerfahrenen und Unvor- sichtigen zu schützen, ebensowenig können sie sich auf die strafrecht- liche Verfolgung der Jndustrieritter einlassen. Das einzige und vielleicht auch das wirksamste Mittel ist die Aufklärung durch die Presse, um auf diese Weise dem unlauteren Gebaren den Nährboden zu entziehen. Wie der Gimpelfang ganz allgemein betrieben wird, soll in Folgendem dargetan werden. Nicht nur auS Berlin, sondern aus allen Teilen des Reichs kommen Klagen, daß Verkaufslustige oder Darlehnssucher über- vorteilt sind, und zwar von Geschäftsleuten, beziehungsweise von Agenten derselben, deren Firmen sich dadurch besonders bemerkbar machen, daß sich die Inhaber eine Firmenbezeichnung zulegen, als ob ihr Geschäftsbetrieb ein weltumspannender sei. Bezcick?- uungen wie zum Beispiel„Internationale Gesellschaft",„Grund- stücksbörse",„Zentrale für Grundstücks- und Geschäftsverkäufe", „Darlehnsbank" und ähnlich lautende Firmen mit dem weiteren Zusatz„handelsgcrichtlich eingetragene Firma" oder„gesetzlich konzessioniert" sind an der Tagesordnung. Viele bezeichnen sich auch als„bekannteste und größte Firma" und behaupten unter emderem, täglich Abschlüsse zu machen und. was das charakte» ristischste ist, jeder hat Angst, mit ähnlich lautenden Firmen vcr- wechselt zu werden und warnt bor Vcrlvechselungen. Dieser derart geschilderten Firmen haben ihre Agenten über daS ganze Land verbreitet und wenden sich nun, teils durch diese, teils durch die Presse an das Publikum, welches Käufer stir Grundstücke jeder Art und Geschäfte sucht, Teilhaberschaften oder Hypotheken oder Realkredit braucht, mit der ausdrücklichen Bc- louung, daß sie nicht mit Permittelungsagenten zu vergleichen sind. Ist ein gutgläubiges Opfer gefunden, so wird ihm begreiflich gemacht, daß der einzig mögliche Erfolg das Inserieren in dem von der Firma herausgegebenen Offerten- b l a t t sei. Das Blatt werde unentgeltlich allen Interessenten zu- gesandt und liege in vielen öffentlichen Lokalen aus, auch erscheine das Gesuch solange, bis der Erfolg erzielt sei. Der Inserent käme auf diese Art schneller zum Ziele und spare die VcrmittelungS- Provision. Schließlich ioird dem Opfer ein Revers vorgelegt, der die Höhe der Kosten möglichst verklausuliert festlegt und in seiner vollen Tragweite gar nicht erkannt wird. Das Opfer kommt erst zur Besinnung, wenn es die Zahlungsaufforderung und bei einer eventuellen Weigerung die schnell folgende Klagezustellung erhält. 11ns sind Firmen bekannt, die ständig einen Rechtsanwalt mit der Einziehung der Forderungen beschäftigen. Das JnserationSorgan der Firma erscheint natürlich unter Ausschluß der Oeffentlichkcit. ES wird in einigen Hundert Exemplaren gedruckt und an Leute versendet, die als Interessenten nicht in Frage kommen, es sei denn, daß man die Winkelagentcu an anderen Plätzen als solche bezeichnet. Zum Beispiel ein Fall auS jüngster Zeit. In Braunschweig sucht eine Witlve Geld zur zweiten Stelle. Ein Jnseratcnagent beredet sie zur Unterschrift eines Reverses, wonach die Witwe eine bestimmte Summe zu zahlen hat. Nach der Zahlung hört sie von der Firma nichts mehn Schließlich melden sich bei ihr in kurzen Ztvischenraumen drei Agenten, und zwar aus Berlin, Magdeburg und Frankfurt a. M. Diese waren die sogenannten Interessenten, denen das Offerten- blatt zugegangen war. Die Höhe der Inserat ionLkostcn richtet sich einmal nach dem Objekt, ferner aber nach der Intelligenz des Opfers und des Agenten. Uns sind Fälle bekannt, in welchem für diesen Zweck bis 500 M. eingeklagt wurden. Hat die Firma nun kein eigenes Offertenblatt, so verpflichtet sie sich, in anderen Blättern zu inserieren; sie tut eS auch von Zeit zu Zeit, um den Nachweis zu führen, daß sie dauernd tätig war. ES soll zugegeben werden, daß eS auch Firmen gibt, welche diese gekennzeichnete und verwerfliche Geschäftspraxis nicht üben, da es aber schwer ist, den Hafer aus der Ueberfülle von Spreu zu sondern, und oft der Un. schuldige für den Schuldigen leiden muß, so kann trptzdem das PMikum inchk oft nnb cmbringlich genug gewarnt werben. Wer auf dem Wege der Publikation zum Ziele gelangen will, wende sich an bekannte Zeitungen und meide Winkeloffertenblättcr. Den zweiten und vielleicht noch schlimmeren Gimpelfang be- treiben die sogenannten Vorschußagenten. Tie Aufmachung(Fir- niierung) dieser Kategorie ist meist dieselbe wie die der Inseraten- schwindlcr. Tie einzige Tätigkeit dieser Gattung besteht darin, sich für ihre persönliche Mühewaltung als Beitrag zu ihren Spesen usw. einen ansebnlichcn Vorschuh zahlen zu lassen, der zwischen 20 bis 500 M. schwankt. Auch hier ist die Unerfahrenheit bei der Höhe des Vorschusses der einzige Maßstab. Tie Vorschüsse werden unter den verschiedenen Motivierungen erhoben. Bei Grundstücks- und Geschäftsveriäuscn gelten sie als Reise- und Be- sichtigungskostcn, Spesen für Inserate. Bei Darlehen kommen ge- wohnlich noch Tarkosten hinzu. Außer diesem Vorschuß wird dann nock, eine Provision für den Nachweis oder für die Vennittclung vereinbart und der Köder dadurch schmackhafter gemacht, daß der Borschuß mit der Provision verrechnet wird. Aber das schlimmste bei den zu unterschreibenden Auftragscheinen ist, daß die Provision auch dann zu zahlen ist, wenn der Auftraggeber das Objekt direkt oder indirekt anderweitig abschließt und der Auftrag unwider- ruflich ist. Vor diesen Vorschußagenten sei besonders gewarnt. Tie Agenten dieser Firma erhalten bis zur Hälfte der Vorschüsse für ihre Bemühungen und sind natürlich bemüht, recht hohe Vorschüsse zu erzielen und kümmern sich dann nicht weiter um ihre Opfer. Auf dein dritten Teutschen Maklcrtage in Frankfurt a. M. ist als Grundsatz für jeden anständigen Makler ausgesprochen, daß er sich Provision nur für den Abschluß des Geschäftes zahlen lassen darf, aber keinerlei Entschädigung oder Vorschuß für seine per- sönliche Tätigkeit bei Nichtzustandekommcn desselben. Ter organisierte Maklerstand hat mit sogenannten Vorschuß- agenten keinerlei Gemeinschaft und bekämpft diese Mißstände aufS heftigste._ Einen schwarze» Schellenbaumträger soll nun auch ein Berliner Garderegiment erhalten, nachdem das erste Garderegiment in Potsdam schon seit Jahren über einen solchen verfügt. Es handelt sich um die Einstellung eines Negers aus dem deutschen Schutz- gebiet. Die.Deutsche Tageszeitung" findet diese Absicht im hohen Grade bedenklich, und zwar deshalb, weil durch eine solche Ver- Wendung eines Schwarze» die Autorität der Weißen Rasse speziell in den Kolonien leiden könnte. Man könne gegen derartige Spielereien, die leider auch jetzt wieder die Unterstützung über die Verhältnisse in unseren Kolonien nicht genügend unterrichteter Militärs finden, nicht scharf genug Einspruch erheben, wenn Offiziere dem Kriegsministerium seine Zustimmung zu solchen Experimenten abzudrängen suchen, so ist das eben nur möglich, weil die be- trcsseiiden Herren einfach nicht wissen, was sie damit tun. Soweit es sich darum handelt, daß der Schwarze unter allen Umständen minderen Rechts als der Weiße sein soll, kann man der „Deutschen Tageszeitung" nicht znstiminen. Recht hat sie aber, wenn sie die Verwendung eines solchen Mannes in der näher be« zeichneten Slellung als eine Spielerei bezeichnet. Es gibt eben Leute, und sehr einflußreiche, die an der Tatsache, daß ein Schwarzer dem Regiment den Schellenbanm voranträgt, ihr Ver- gnüge» finde». Auch viele Kinder werden sich daran ergötzen. Ob es natürlich Aufgabe des Heeres ist, dem Vergnügen zu dienen, ist eine andere Sache. Ein Opernhaus in Charlottenburg errichtet zu sehen, ist das Bestreben eines Komitees, das, aus Angehörigen aller Partcirichtuugen gebildet, seit längerer Zeit am Werke ist, für diesen Gedanken Iveitere Anhänger und Förderer in Groß- berlin zu gewinnen. Es sind auch bereits einige Mitteilungen über dieses Projekt in der Oeffentlichkeit bekannt geworden. erster Linie handelt es sich um die Errichtung eines größeren Opernhauses, das bei guten, den Anforderungen der Großstädter entsprechenden Leistungen Plätze zu einem Verhältnis- mäßig annehmbaren Preis zur Verfügung stellt. Dabei hat man sich an das Abonnementsshstem der Schillertheater angelehnt und es ist beabsichtigt, auch für daS„Deutsche Opernhaus" — wie die neue Oper heißen soll—' Abonnements einzuführen. Diese Abonncmentspreise betragen für den ersten Rang 4.30 M., Orchestersitz 8,50 M., erstes Parkett 3,00 M.. zweites Parkett 2,50 M., zweiter Rang 2,00 und für den dritten Rang 1,00 M. pro Vorstellung. Leider schließen diese Preise die Arbeiterkreise noch immer von dem Besuch dieses Theaters aus. Es wird daher versucht werden müssen. SonntagZnachmittagsvorstellungen zu ermäßigteren Preisen zu veranstalten. Einen Einfluß darauf kann sich die Stadtverwaltung sichern, denn die Ausführung des Projekts ist in der Weise gedacht: Ans Grundlage der eingehenden Vorbestellungen auf Abonnements soll sich eine Be- triebsgemeinschaft gründen, welche ihrerseits an die Stadt Charlotten bürg den Antrag auf Hergabe eines Grundstückes und den Bau des Opernhauses stellt. Wenn die Stadt darauf eingeht, übernimmt die Betriebs- gemeinschaft, welcher das Theater von der Stadt zu ver- pachten ist, die Verzinsung. Die Stadt würde ferner an den einen bestimmten Prozentsatz übersteigenden Gewinnertrag teil- nehmen. Da das Unternehmen allseitig auf Sympathien stößt. zum Teil aus dem Grunde, weil es einem dringenden Bedürs- niS entgegenkommt, ist anzunehmen, daß es in der gedachten Weise zustande kommt. Als Ort, an dem das neue Opernhaus errichtet werden soll, ist ein in sehr günstiger Lage in einer großen Verkehrs- straße gelegenes Grundstück in Aussicht genommen. Der Zu- schauerrauni soll 2300 Plätze umfassen. Wir möchten nur noch einmal hervorheben, daß unS vor allem daran liegt, daß Garantien geschaffen werden, die auch den Angehörigen der minderbemittelten Kreise den Besuch dieses neuen Theaters ermöglichen. Anmeldung iibertragbarcr Krankheiten. Der Polizeipräsident erläßt folgende Bekanntmachung: Ich mache erneut darauf aufmerksam, daß gemäß§ 1 deS Gesetzes, betreffend die Bekänipfuna übertragbarer Krankheiten, vom 28. August 1305, jeder Todesfall an einer Übertrag- baren Krankheit, wenngleich die Erkrankung bereits angezeigt war, und außerdem jeder Todesfall an Lungen- und Kehl- kopftuberkulose der zuständigen Polizeibehörde lsür den Stadtkreis Berlin der Sanitätskommission) zu melden ist. Zu dem Morde an der Frau Hiffmann in der Blumenthalstr. 1 wird berichtet, daß verschiedene Verhaftungen stattgefunden haben. Am Mittwoch Abend erregte es in der Bulowstraße Aufsehen, als ei» dort mit Weihnachtsbäumen handelnder Mann sistiert wurde. Es handelte sich um den Sattler Mielke, der im Hause Blumenthal- straße 1 lvohnt und dessen Frau dort ein Grünkcamgeschäst betreibt. Die Kriminalpolizei nahm eine Durchsuchung der Wohnung vor, ohne etwas Belastendes zu finden. Sie kombiniert, daß die alte Frau sehr mißtrauisch und vorsichtig war, stets die Einaangstüren verriegelt und durch Sperrketten gesichert hatte und keinen Un- bekannten einließ. Der Täter kann also weder die Vorder- noch die Hintertür aufgekantelt haben. Frau Hoffmann muß ihn eingelassen haben, also muß er ihr bekannt sein. Als der Mörser die Wohnung der grau verließ, war die Haustür schon wieder ver- schlössen. Die Psörtnerfrau hatte sie nur so lange unverschlossen gehalten, als sie zu arbeiten hatte. Nur während dieser Zeit konnten Leute, die etwas liefern oder zu bestellen hatten, unge- hindert ein- und ausgehen. Daß der Täter sich eingeschlichen habe, kurz bevor die Frau mit der Treppcnreinigung fertig war, wird nicht angenommen. Zu der Zeit, als der Mörder die Wohnung verlassen haben muß, beobachtcie eine elfjährige Tochter der Pfört- nerfrau die Haustür. Sie entsinnt sich nicht, daß zu dieser Zeit ein Fremder hinausgegangen ist. Daß der Mörder vom Hofe aus über die Mauer nach der �-teinmetzsiraße entkommen sei, ist zwar mög- lich, aber gesehen hat ihn dort keiner. Und doch sind die Leute aus dem gegenüberliegenden Hanse auf das Rufen, Fragen und die Aufregung in dem Hause Blumenthalstraße 1 hin an die Hof- fenster gekommen und haben hinausgcblickt, bis die Leute in dem Hause Blumenthalstraße 1 zum Vorschein kamen und mitteilten. die„Alte" sei weggelaufen. Der Beschuldigte selbst bestreitet jede Teilnahme an dem Verbrechen und hat einen Alibibeweis angeboten. Wo er nun gerade am 7. Dezember in der kritischen Zeit gewesen ist. das weiß er augenblicklich selbst noch nicht genau. Auf das Phantasiegebilde des Handschuhwäschers Dilma scheint die Kriminalpolizei jetzt keinen Wert mehr zu legen. Nach einer späteren Meldung ist Mielke wieder aus der Hast entlassen worden. Es wäre doch zu wünschen, daß Verhaftungen nur vorgenommen werden, wenn schwerwiegende Gründe dafür vor- standen sind und nicht Personen, die unschuldig sind, öffentlich in schweren Verdacht gebracht werden. Zu den Kaufmanns-GcrichtSwahlen. Zu der im Februar statt- findenden Wahl von Beisitzern zum Kaiiftnannsgericht Berlin sind seitens der HandlungSgehUten sechs Liste» eingereicht, die vom Magistrat mit folgenden Nummern versehen sind: 1. Deutich- nationaler HandliuigSgehilfeu-Berbaiid. 2. Verband deutscher Hand- lungSgehilfeu zu Leipzig. 3. Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gebilfinnen Deutschlands. 4. Hamburger 18S8er. 5. Verein der denlschen Kaufleute. 6. Katholische KaufmannSvere'me Groß- BerlinS. Ter Ortstermin zu Lichtenrade, den das Kriegsgericht wegen der Bombengeschichte im Waldrestaurant abhielt, um die An- schuldigungen gegen die Gendarinerielvachtineister Schacht und Struck aulzuklären, ivurde gestern Donnerstag nachmittag beendet. An die Zengenvernehmung schloß sich eine Ortsbesichtigung an, die 3/4 Stunde» dauerte. Das Ergebnis der Verhandlunge» wird geheim gehalten, weil es sich nicht um öffentliche Sitzungen, sondern um Ermittelungen im Vorverfahren handelt. Schwerer Absturz Dorners. Auf dem Johannisthaler Flug- platz ereignete sich gestern nachmittag gegen ü2 Uhr ein Unfall, bei dem der Pilot Hermann Dorner und sein Passagier, Assessor Sticker, mit knapper Not dem Tode entkamen. Dorner wollte gestern vormittag einen neuen Eindecker einfahren und hatte schon mehrere Runden in geringer Höhe zurückgelegt. Kurz nach k Uhr nahm er Assessor Sticker an Bord und stieg schnell auf 60 bis 65 Meter Höh« empor. Plötzlich stockte der Motor und Dorner mußte, um die Herrschaft über die Maschine wiederzuerlangen, in einem Winkel von zirka 70 Grad niedergehen. Während dieses sturzähnlichen Abstieges setzte sich der Motor wieder in Bewegung und durch die erhöhte Fallgeschwindigkeit rissen etwa 20 Meter über dem Boden mehrere Spanndrähte, verwickelten sich in den Propeller und zogen die Tragflächen nach oben. Die Maschine stürzte nun senkrecht zu Boden, ihre beiden Insassen unter sich begrabend. Die auf dem Platz w-eilenden Flieger und Angestellten eilten den Verunglückten zu Hilfe und befreiten sie von den Trümmern des Eindeckers. Tor- ner hat zwei Verletzungen am Kopf erlitten, während Assessor «ticker über eine Quetschung am linken Bein klagte. Die beiden Flieger begaben sich nach Berlin, wo sie ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen. RlS„Direktor des Kaiserkellers" tritt ein Stellenschwindlcr auf, der schoii mehrere Mädchen und Frauen betrogen und auch bestoblen bat. Gestern stellte er sich einer Wilwe Lange in der Münchener Straße 51 zu Rixdorf vor, die durch die Zeitung eine Stellung ge- sucht hatte, nahm sie als Büfettdame für das Klubzimmer an. zog aber die Verhandlungen so lange hin. Vis er einen Augenblick allein war und Gelegenheit fand. auS einem Behälter acht Mark zu eiltwci'dcn. Fra» Lange merkte den Diebstahl erst, nachdem der „Herr Direktor" weggegangen war. Der Schioindler geht sehr fein gekleidet, u. a. trägt er einen Ueberzieher mit Seidenfutter, steht in Mitte der 30er Jahre, hat einen blonden Schnurrbart und am Kinn einen schivarzen Fleck und trägt einen Kneifer. Warnung vor einer Vottskrankenkasse. Ter RegierungS- Präsident zu Arnsberg macht bekannt, daß das Kollegium des Bezirksausschusses, Abteilung II zu Arnsberg, unterm 18. Oktober 1910 beschlossen hat, einen Nachtrag der am 15. Juli 1909 als ein- geschriebene HilfSkasse zugelassenen„Deutschen Kranken. unter stütz» n gskasse zu Werne, jetzt B o ch u m" (hiesiger Vertreter Kaufmann Otto Köppe, M ü l l e r st r a ß e 6 4) abzulehnen, da es nach dem bisherigen Geschäftsgebaren, dem Ergebnisse der erfolgten Kassenrevision sowie nach dem Inhalte deS vorgelegten Nachtrages und nach den mit solchen Hilfskassen gemachten Erfahrungen zu der Uebcrzeugung gelangt ist, daß die Äap'e die Förderung der Interessen ihrer Mit- glieder nicht ernstlich bezweckt, sondern mehr die Vorteile der Gründer der Kasse und deren Angestellten auf Gehalt, Provision usw. verfolgt. Nach dem Revisionsprotokoll der früheren Aufsichts- behörde zu Werne vom 9. August 1910 betrugen die Einnahmen der Kasse vom Tage der Gründung(1. Oktober 1909) bis zu diesem Tage 5425,79 M. Davon sind allein 4430,97 M. an Ver- waltungSkosten(2883,53 M. für persönliche und 1542,44 M. für sächliche Ausgaben) und nur 481,60 M. an Krankengeld, 13,50 M. für ärztliche Behandlung und 10,85 M. für Arzneien gezahlt worden. Hiernach entfallen auf die Verwaltungsausgaben 81,67 Prozent der Gesamteinahmen. Mithin werden die Beiträge der Mitglieder nur zu einem kleinen Teile zur Erfüllung deS Kassen. Zweckes verwendet. Der Regierungspräsident zu Arnsberg hält es für angezeigt, das Publikum auf die vorerwähnten Tatsachen hinzuweisen und vor dem Beitritt zu der genannten Kasse hier- durch zu waren. Grostfeuer auf dem Berliner städtischen Rieselgut Birkholz. Durch einen gewaltigen Feuerschein wurden am Mittwoch abend die Einwohner der südlichen Berliner Vororte in Aufregung versetzt. Es hieß, daß in der Lichtenrader Gegend eine ganze Ortschaft in Flammen stehe. In Wirklichkeit herrschte das Feuer auf dem Berliner Rieselgut Birkholz, daS etwa 2000 Morgen groß ist und zum Rieselgut Osdorf gehört. Es brannte eine mit rund 9000 Zentnern Heu angefüllte Scheune des Gutes. Die Scheune grenzt« direkt an den Gutshof an, so daß zuerst für die Wirtschafts» und Wohngebäude eine große Gefahr vorlag. Zum Glück stand aber der Wind günstig und trieb die hoch emporlodernden Flammen von dem Gehöft hinweg nach den Rieselfeldern zu. Da das Gut ziem- lich hoch liegt, wurde der Feuerschein weithin bemerkt, so daß aus allen umliegenden Ortschaften die freiwilligen Feuerlvehren zu Hilfe eilten. An eine Löschung des Feuers war aber nicht zu denken. Die etwa 50 Mkter lange und izh Stock hohe Scheune brannte vollstän- dig nieder. Nach Ansicht der Gutsleitung liegt Brandstiftung vor. Vorort- �ackncdten. Chnrlottendnrg. Die Charlottenburger Stadtverordnete» hielten am Mittwoch ihre letzte Sitzung in diesem Jahre ab. Nach Einführung der in den Ersatzwahlen des November gewählten Stadtverordneten, darunter unseres Genossen Richter, nahm die Versammlung Kenntnis von dem Bericht des Stadtbaurats Seeling über die im Anschluß an die Studienfahrt der Teutschen Gcstllschast für Gartenbaukunst im Jahre 1909 ausgeführte Studienreise nach London und Umgebung. Gtnosse Z i e t s ch hob die Bedeutung dieses Berichts für die Allgemeinheit hervor und regte die Drucklegung all, eine Anregung Ver sich samtliche übrigen Redner anschloffen. lieber die Vorlage betr. Erweiterungsbauten auf Gasanstalt lk referierte Stadtv. Dr. F r e n tz e l. Es handelt sich um um- fangreichc Erweiterungen der Gasöfen, der Ammoniakwäscher- und Teerscheideranlagen. Die Kosten hierfür sind aus 1 155 000 M. veranschlagt und sollen aus Anlcihemitteln entnommen werden. Die Vorlage wurde einem Ausschuß zur Vorberatung überwiesen. Einmütig stimmte die Versammlung— entsprechend dem Beschluß des Ausschusses— der Magistratsvorlage betr. die Schaffung der Stelle für einen besoldeten«tadtrat für Hygiene zu. Der besoldete Stadtrat muß die Approbation als Arzt und eine be- sondere Durchbildung in der Hygiene besitzen. Er darf private ärztliche Praxis nicht ausüben und öffentliche Nebenämter nur mit Genehmigung der städtischen Körperschaften übernehmen. Eine längere Debatte rief der Bericht des�Ausschuffes über die Magistratsmitteilung betr. die Schaffung von Sekretärstellen hervor. Es handelt sich hierbei um eine Angelegenheit, die die städtischen Körperschaften schon längere Zeit beschäftigt, ohne daß es zu einer Uebereinsiimmung zwischen Magistrat und Stadtverordneten ge- kommen ist. Auch jetzt ist die Uebereinstimmung noch nicht herbei- geführt, so daß es möglicherweise noch zu Weiterungen kommt. Weiter nahm die Versammlung die Magistratsvorlage betr. die Errichtung von 2 Häusern für Leichtkranke auf dem Kranken- Hausgrundstück in Westend, sowie einen Antrag der Liberalen Irak- tion betr. den Wohnungsgeldzuschuß der städtischen Oberlehrer an. Es handelt sich darum, daß der Magistrat bei der bevorstehenden Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusscs der städtischen Oberlehrer auch eine Neufestsetzung der pensionsfähigen Anrechnung vornehmen soll, die die bestehenden Härten beseitigt. Allseitige Zustimmung fand ein von unserem Genossen Will begründeter Zlntrag, der den Magistrat ersucht, sobald es die Witterungsverhältnisse gestatten, auf dem Lictzcnsce eine Eisbahn zu eröffnen und dieselbe den Einwohnern Charlottenburgs gegen ein Entgelt von höchstens 10 Pf. zur Verfügung zu stellen. Auch der Vertreter des Magistrats, Stadtrat Brcdtschneid er, stellte sich dem Antrage syinpathisch gegenüber, nur erhob er— ebenso wie der«tadtv. Dr.«tadt Hagen— Bedenken gegen den Ein- trittspreis von 10 Pf., der ihm zu niedrig erscheint. Der Antrag selbst wurde im Wortlaut einstimmig angenommen. Zum«chluß der Sitzung nahm die Versammlung die Mit- teilung des Vorstandes betr. die Kontrolle über die Ausführung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung entgegen. Bei dieser Gelegenheit rügte Genosse S ch a r r» b e r g es, daß die Angelegenheit betr. die Errichtung eines Waisen- und Erziehungs- Hauses noch immer nicht von der Stelle gekommen ist. Er betonie die Notwendigkeit der Errichtung eines solchen Hauses für Char- lottenburg und sprach die bestimmte Erwartung aus, daß der Magistrat den schon lange von der Stadtverordnetenversammlung gefaßten Beschlutz endlich zur Ausführung bringen werde.— Von den Liberalen wurden dem Magistrat Vorwürfe gemacht, daß er dem Beschlutz der Versammlung auf eine Verschlechterung der Werl- zuwachssteuerordnung noch nicht beigetreten ist. Genosse Dr. B o r ch a r d t erklärte, daß seine Freunde gegen das Vorgehen des Magistrats, der eine Revision erst dann vornehmen will, wenn die Frage der Reichswertzuwachssteuer durch den Reichstag zur Er- ledigung gebracht sein wird, nichts einzuwenden haben. Auch die Sozialdemokraten wünschten Aenderungen der WertzuwachSsteucr, allerdings in anderer Richtung wie die Liberalen.— Endlich kam es noch gelegentlich der Stellungnahme des Magistrats zu ver- schiedenen, die städtische Müllabfuhr betr. Beschlüssen zu lebhafle» Auseinandersetzungen. Eine Reihe von Stadtverordneten tadelten es, daß der Magistrat der Allgemeinen Müllverwertungsgesellschaft Vergünstigungen über den mit ihr abgeschlossenen Vertrag hinaus gewährt hat. Auch Genosse Gebert schloß sich dieser Kritik an, wies aber gleichzeitig darauf hin, daß die Mehrheit der Versamm- lung eigentlich gar kein Recht habe, sich zu beschweren, da sie selbst ja der Gesellschaft von Jahr zu Jahr mehr entgegengekommen fei- Das Ergebnis der Besprechung war die Ankündigung einer Revision der Polizeiverordnung über die städtische Müllabfuhr und der.Ec- bührenordnung..—----— � Die nächste Sitzung findet am 11. Januar 1911 statt. Eine Millionenerbschaft ist der Stadt Charlottenburg von einem Rentier vermacht worden, der dieser Tage ohne Hinterlassung von direkten Erben gestorben ist. Bei dem Vermächtnis, dessen Gesamt- wert auf gegen 4 Millionen Mark geschätzt wird, handelt eS sich in erster Linie um ein größeres wertvolles Grundstück am Kurfürsten- dämm. Dort befindet sich in einem geräumigen Park eine große Villa, die nach von bisher bekannt gewordenen Verfügungen des Erblassers von der Stadt als Museum verwendet werden soll. Zu dem der Stadt vermachten Nachlatz soll ferner eine größere Bilder- sammlung gehören. Weiter verlautet, daß aus dem Berkauf cincs Teiles der Grundstücke der Cta'tt die Mittel zur Errichtung eines Altersheims gegeben werden sollen. Rixdorf. Eine Rettungswache mit ärztlichem Wachtdienst ist vom Aerzte- verein des Berliner Rettungswesen im Äuftrage deS Rixdorfcr Magistrats am Donnerstag, den 22. Dezember d. I. in der Hermannstr. 163, Ecke Schierkestraße(Eingang Schierkestraße) er- richtet worden. Geöffnet ist die Wache von 19 Uhr abends bis 3 Uhr morgen». Die nächsten Veranstaltungen des BildnngSmiSschusseS sind: Am 25. Dezember<1. Feiertag) nachmittags 2'/, Uhr bei Hoppe: Lichtbildervortrag für Kinder„AuS der Kinderstube der Tiere". Eintritt 10 Pf. 25. Dezember, abends 7 Uhr, Familienabend bei Hoppe: Konzert, Theatervorstellung.Han« Huckebein". Schwant von Blumenthal und Kadelburg, Tanz. Einlaßkarten 40 Pf. 26. Dezember, nachmittags 2>/» Uhr, Theatervorstellung im Rix- dorfer Theater:«Mein Leopold", Volksstück von A. L'Arronge. Einlaß- karten 60 Pf. Billetts zu allen Veranstaltungen sind bei den unitioiiären und m der Spedition. Neckarstr. 2. solche für die indervorstellung auch vorn im Lokal bei Hoppe zu haben. Zum Lichtbildervortrag wird der Saal erst 3/4 Stunden vor Beginn geöffnet. Die Eltern werden gebeten, die Kinder nicht früher zu schicken. Die Bücherausstellung und der Vertauf von Büchern wird am Freitag, den 23. Dezember, abends 8 Uhr, geschloffen. Schöneberg. Au» Furcht vor der Operation hat das 44jährige Fräulein G.. Eisenacher Straße 71. eine» Selbstmordversuch unternommen. Seit mehreren Jahren war Fräulein G., die eine größere Wohnung besitzt und mehrere Zimmer an Pensionäre vermietet hat, von einem schweren innerlichen Leiden befallen, so daß die Aerzte ihr eine Operation dringend anrieten. Die Kranke äußerte mehrmals zu Bekaiiilten, daß sie lieber Selbstmord verübe, als sich operieren zu lassen. Am Montagabend begab sich Fräulein G. wie gewöhnlich zur Ruhe, erschien jedoch bis Doniierstagmorgen nicht wieder. Dieser Umstand fiel einem ihrer Mieter auf, der durch einen Schlosser die Schlafzimmertiir öffnen ließ. Die Kranke lag auf ihrem Bett und gab nur noch sehr schwache Lebenszeichen von sich. Ein hinzu- gerufener Arzt stellte fest, daß sich die G. mit einer Morphium- lösung vor zwei Tage» vergiftet hatte. Die Unglückliche wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Schöueberger Krankeuhause übergeführt._ WeihnachtSarrangementß in den Vororten. Nachstehend geben wir die Orte bekannt, in denen am ersten Weihnachtsfeiertag Kunstabende, Konzerte oder sonstige Arrangements getroffen sind. Schiineberg. Der Schöneberaer Männerchor(M. d. A.-iS.-B.) veranstaltet in den Neuen ZiathauSsülen. Meiningerstr. 3. ei» Konzert nebst Gesang und Theater-Aufführungen. Billetts zum Preis« von 30 Pf. sind bei den Mitgliedern sowie an der Kasse zu haben. Anfang abends 6 Uhr. Sncbenttit, Nachmittags 5«cht öeranstalt-t der SBa�Iüerctn im Lokale..Rheinschloß". Rheinstr. 60, eine W-ihnachStfeier be° flehend aus Konzert, satirischen Vorträgen und Aufführungen der Freien Turnerschaft Friedenau. Um 7 Uhr: Bescherung der Kinder. Billetts a 25 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Tteglin. Nachmittags 4 Uhr im Restaurant„Paradiest- garten": Weihnachtsfeier. Den Frauen ist Gelegenheit gegeben. Kaffee zu kochen. � Aehlcudorf(Wannsccbahn). Nachmittags 3 Uhr im Lokale von B. Schwarz, Nennbahn, Alsenstr. 56: Weihnachtsfeier, vcr- onftaltet von den Gewerkschaften und dem Wahlverein. Lankwitz. Ter Männerchor Lanlwih-Südende(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet'in Gemeinschaft mit der Freien Turnerschaft Lankwitz im Restaurant P. Ebel. Mühlenstraße, einen Konzertabend. An- fang pünktlich 6 Uhr. Es wirken mit: Berliner Sinfonie-Orchester von Maximilian Fischer. Frl. Walli Kussel mit Rezitationen. Billetts sind bei den Mitgliedern beider Vereine sowie beim Gast- Wirt Ebel zu haben. Abendkasse findet nicht statt. Lichtenberg. Der Bezirk Lichtenberg veranstaltet im Etablisse- nieut P. Schwarz, Möllendorfstr. L5-26, eine Weihnachtsfeier. Mitwirkende: Gesangverein..Lichtenberger Männerchor". Zither- klub..Zillerthal". Turiwerein„Lichtenberg" usw. Zur Aufführung gelangt„Weihnacht" von E. Preczang. Anfang 7 Uhr. Billetts 25 Pf. Dieselben sind bei sämtlichen Gruppen- und Bezirks- führern zu haben. Teinpclhof. Tie Weihnachtsfeier findet ini„Wilhelmsgarten". Berlinerstr. 0, statt. Das Programm lautet:„Weihnächte, l in Wort und Ton". Mitwirkende: Konzertsängcrin Heiiriette Fried- richs-Böhmer(Gesang), Schauspielerin Elsa Kühne(Rezitation), Genosse Fritz Tornow(Festrede), Musikdirektor Böhmer am Flügel. Saaleröffnung abends 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Ein- trittskarten inkl. Programm a 36 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Stralau. Ter Wählvercin veranstaltet(1. Weihnachstfeier- lag) in den„Markgrafensälcn", Markgrafendamm 34, einen Kunstabend. Mitwirkende: Frl. Anna Borchardt(Konzersängerin), Herr Fritz Lötzner(Lperntenor), Herr Martin Wighardt(Schau- spieleri, die Triovereinigung des Herrn Rich. Kursch(Klavier), Max Modern(Violine), Willi Tcckert(Violincello). Gesangverein „Vorwärts-Frohsinn"(Stralau). Künstlerische Leitung: Richard Kursch. Preis 56 Pf., Garderobe frei. Während der Vorführung bleiben die S a a l t ü r e n verschlossen. Rauchen vevboten. Saaleröffnung 5 Uhr. Anfang pünktlich 6 Uhr. Köpenick. Der Gesangverein„Männerchor Köpenick" ver- anstaltet abends 7 Uhr im Stadttheater ein Weihnachtskonzert. Tie Musik wird vom Berliner Elite-Orchester ausgeführt. Dabendorf b. Zossen. Eine Weihnachtsfeier verbunden mit Theateraufführung und Tanz findet abends 7 Uhr in Haakes Wald- und Seeschloß statt. Eintrittskarten 36 Pf. Neue Miihle-Niederlehme. Im Lokal von Thormann in Neue. Mühle: Weihnachtsvergnügen des Theatervereiiis Fidelitas. Franz.-Buchholz. Abends 7 Uhr bei Kähne, Berlinerstr. 36, humoristischer Lichtbildervortrag:„Die fromme Helene". An- schließend gemütliches Beisammensein. Programme a 25 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Bernau. Der Bildungsausschuß veranstaltet abends 8 Uhr eine künstlerische Weihnachtsfeier im großen Saale des Restaurants „Bellevue", Inhaber Franz Salzmann. Mitwirkende: Herr Fritz Richardt vom Deutschen Theater-Berlin, Herr Wilhelm Reimes, Berlin, das Pflugschc Orchester sowie der Arbeiiergesangverein „Freiheit". Programme a 36 Pf. find bei den Funktionären erhältlich. Rowawes. Der hiesige Bildungsausschuß veranstaltet im Lokal von Max Singer. Priesterstr. 31, einen volkstümlichen Kurrstabend. Zu demselben ist dos„Walkotte-Ouartett"--Berlln gewonnen. Beginn 6ZH Uhr abends. Karten im Vorverkauf a 50 Pf. sind in den bekannten Verkaufsstellen zu haben._ Hiia aller Melt. Riesenbrände in Amerika. Zwei schwere Brandkatastrophen, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen, werden fast gleichzeitig aus Amerika gemeldet. In Chicago brach in den Gebäuden der F l e i s ch>v a r e n- E n g r o s f i r m a Morris u. Co. ein Brand ans, der an den aufgespeicherten Fetten reiche Nahrung fand. Bon dem niederstürzenden Metall- dach eines Gebäudes wurden zwanzig Mann der F e n e r>v e h r erschlagen. Der zweite Brand kam in einer Lederfabrik in Philadelphia aus. Ein Teil der Lösch- und Nettnngs- Mannschaften wagte sich zu weit vor, als plötzlich eine Mauer des Gebäudes einstürzte und die Mann- schaftcn unter sich begrub. Die sofort vorgenommene Rettungsaktion konnte nur noch die Leichen der Unglücklichen bergen. Bisher wurden unter den Trümmern 2 3 Tote aufgefunden; es wird vermutet, daß dem Unglück noch mehr Menschen zum Opfer gefallen sind. Neue aviatische Rekords. Tabuteaus Rekordslug— 6 Stunden Dauer und 464,7 Kilometer Distanz— der bereits am 18. Dezember durch Henry F a r m a n hinsichtlich der Zeitdauer durch einen Flug von 8 Stunden 12 Minuten beträchtlich gedrückt worden war, ist nun auch in der Entfernung überboten worden. Der Bleriot-Flieger Legagneux führte nämlich am 21. Dezember einen 6-Stunden- flug aus, bei dem er 515,9 Kilometer zurücklegte. Auch der Rekord im Flug mit einem Passagier, den zuletzt Amergo mit 3 Stunden 26 Minuten hielt, ist am 21. Dezember durch den französischen Militärfliiger Leutnant C a m m e r m a n n überholt worden, der sich 4 Stunden 2 Minuten in der Luft hielt und dabei 232 Kilometer zurücklegte. Auch eine französische Danie, Fräulein Dutrieu, legte am 21. Dezember einen Flug von 2 Stunden 35 Minuten Dauer zurück und verbesserte damit erheblich den von ihr selbst aufgestellten Rekord für weibliche Flieger._ Ein Mord um das Weihnachtstrinkgeld. Wie unser römischer Korrespondent meldet, hat ein alter 5tellner in Rom seinen jüngeren Konkurrenten mit dem Messer erstochen, weil dieser die Hälfte der Weihnachtstrinkgelder be- anfpruchte. Der jüngere hatte den älteren darauf aufmerksam gemacht, daß er(der jüngere) schlechter bezahlt war und mehr arbeitete als fein Kollege; deshalb sei eS gerecht, daß sich beide die Weihnachtstriukgelder zu gleichen Teilen teilten. Darüber war der alte so ergrimmt, daß er mit dem Messer auf den anderen eindrang und ihm eine Schlagader verletzte. Der Tod erfolgte durch Verblutung. Der Totschläger hat sich den Behörden gestellt. Verlassen, verlassest... Der ehemalige nationale Renommierarbeiter, jetzige Makler Th. Lorentzen, Kiel, Verfasser mehrerer Sudelbroschiiren gegen die Sozialdemokratie, die von dem Unternehmertum und dem Reicks- verband gratis verteilt worden, hat Konkurs angemeldet. Die Schriften des Renegaten scheinen also den gewünschten kliiigendeu Erfolg nicht gehabt zu haben._ Kleine Notizen. Der Tod io der Schule. Auf eine sonderbare Weise ist in Saarbrücken ein Schulkind umS Leben gelommen. Als zu Be- ginn des Schulunterrichts eine Lehrerin die Tür des Klassenzinum � öffnete, wurde ein hinter der Tür stehendes Mädchen von der Tü klinke so unglücklich amKopfe getroffen, daß«» tot z Boden sank. Riesenfölschuiig brasilianischer Banknoten. In München wind: gestern ein junger Lithograph verhaftet, der für einen bisher noch uiibekamiten Schweizer Auftraggeber für 1296600 Mark brasilianische Banknoten gefälscht hat. Der Fälschung ist man gelegentlich einer Haussuchung in Zürich auf die Spur ge- kommen. ES wurden dabei zahlreiche gefälschte brasilianische Noten gefunden. Die Unterschlagungen des Obcrtelegrapheuassistcuten Huttanus aus Bonn, über dessen Flucht wir gestern berichtete», sind viel umfangreicher, als man erst annahm. Die bisher fest- gestellten Beträge belaufen sich auf mehr als 60 000 Mark und erstrecken sich auf mehrere Jahre. Brand eines Touristeiilieiuics. Das in Touristenkreisen sehr bekannte Tonnsteuheim auf dem A l t v a t e r im Sndetengebirge ist gestern morgen ein Raub der Flammen geworden. Bei dem Brande ist der Wirt in den Flammen umgekommen. Eingegangene Dnickrcbriftcn. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 12. Hest des 29. Jahrgangs erschienen. LluS dem Inhalt des HcsteS hebe» wir hervor: EIIas-Lothringe».— Lew Nikolajcwitsch Tolstoi als Philosoph und Moralist des Jenseits(1828 bis 1910). Von Ch. Rappoport(Paris). — VollSzählung— Städtebildungcn— Neuwähler. Von A. Kolb.— Kamps der Bndapester Arbeiter gegen den WohniingSwilcher. Von Eugen Varga.— Einiges über die englische Arbeiterpartei. Von Ramsah Macdonald. — Erwiderung von I. Költgen.— Arbeiterfchutz in Hütten- und Walz- werken. Von Wilhelm Häusgen.— DaS Hest lostet 25 Pj. Max Licbcrman». Kunstblätter nach seine» Werken in Mappe geh. 1 M. I. Scholz, Mainz. Dernbnrg und die Südwestafrikaner. Von P. Rohrbach. S M. ®. M-lnecke. Berlin W. 30, (khcschliostiiiigen und Trennungsfreiheit in Ungarn. Versaßt von Dr. E. Gero. 1 Kr. Selbstverlag, Budapest Vll. Mein Austritt n«s der Landeskirche. Von T.». Koppelow. 75 Ps. E. Frowein, Berlin W. Protokoll über die Verhandlungen der 14. Gencralversamm- lung des Deutschen Dabakarbeiter-Verbandes 4910. 2L2 Seiten. Schmaljeldt u. Co., Bremen. Amtticker Marktbericht der städlilchen Marktballen.Dlrektton über de» Großhandel in den ZenNal-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zustchr stark, Geschäft rege, Preise: Schweinefleisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Znsudr genügend.(Äescküst rege, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Fische: Zufuhr reichlich, Geschäft rege, Preise uiiverändert. Butter und Käse: Geschäft rubig. Prelle unverändert. Gemüse, O b it und Süds rächte: Zufuhr genügend, Geschäft bcsricdigend, Preise wenig verändert. Vsasserstands-Nnckrickten vasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Justerding Weichsel. Tborn Oder. Ratibvr , Krossen . Frankiutt Warthe. Sckrimm , Landsberg Netze, vordamm Elbe, Leinneritz , Dresden . Barbv , Magdeburg + bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpeael. tfonigitrAi wollen Sie Jumelen, Uhren, DnU- und Silbermaren billig und gut kauten, dann besichtigen Sie unsere grosse� Auslagen mit vielen Tausend Scbmnck- und Ziergeraten mit deutlich sichtbaren Preisen. Oder überzeugen Sie sich an unseren bedeutenden lAgetn, woselbst Ihnen jede gewünschte Auskunft bereitwilligst erteilt und jeder Gegenstand ohne jeden Kaufzwang gern gezeigt wird. Goldene Herren-Uhren von 45-500 Marls. Jeder Ohr wird ein enf die Daser tos 3 Jahren jraftcesUllier B&rgcobeio baigugebeo, wel- eher auf dl* Nummer der betreffenden übr lautet und die Untencbrift umerer Firma trifft mm* Belmonte& So. i. Leipziger Str. 97. imm w- 1»«ck. n» t imiMM«»s»«i««!. Zirka eine halbe Million fttahwinganggen macht das sogenannte Balancerädchen einer Taschenuhr in einem Tage. Jeder Punkt Im Umfang solchen Rades legt dabei im Tag Ober 23 Kilometer, im Jahr zirka acht Millionen Meter zurück. Wenn man sich diese kolossale I-eisfung eines so winzig kleinen Teiles einer Taschenuhr vergegenwärtigt, versteht mau erst, wie gut gearbeitet solch ein Werk sein muss, um diese Arbeit dauernd, mit steter Gleichmässigkeit leisten zu können. Man erkennt daran aber auch, dass es unmöglich ist, wirklich gute, dauerhafte Taschenuhren zu den Spottpreiseu zu lieiern, zu denen die Reklame sie anbietet. Wer lieh eine gute Uhr anschaffen will, die nicht nach wenigen Jahren den dreifachen Einkaufs* preis an Reparaturen verschlingt, der besichtige unser Uhrenlager, Wir haben durch den Vertrieb reeller Waten zu billigsten Preisen ein Weltgeschäft aufgebaut, und man kann sich darauf verlassen, dass die Ware von solcher Qualität und so hergestellt ist, dass sie in jeder Weise empiohlen werden kann. im Rparhtnnnl FBS,n a«» cek- tul liEullllliny! hanias Lelpslgsr Str. ss haben wir an. er«weite. Qesohkft nnab ceg-ea. Leipziger Strasse 97, an der Charlotte tu»raBe, rerleft Hing. 1 tkar Gold, 585/ luou Ooldener Ring, ge». geatamix, mit geaetal. gestern echtem Brillant in Flatioa-Fa.iang M. 1)1. nett, mit echtem Brillant U. DJ, Dange moderne Samea-Dbrkatte Nor Mark Patent-Anker-Remontolr- Kavoller-Stsill-Dhr Hodell 101 0, mit Ter. üb. item ZUTerblaM Mark 12 mit Sprang decket Merk 18. kostet nosere Im SQbergebäuie 600/1000 Eeirfustempel. (Pir Sellen tflesellie 30 im zur Probe, daher Risiko ausgeschlossen, und verpflichten uns, innerhalb SO Tage die Uhr anstandslos zurückzunehmen und den bezahlten Betrag ohne jeden Abzug zurückzuzahlen, wenn dieselbe nicht gefällt oder den gestellten Anforderungen nicht entspricht. Dieselbe ist ein Meislsrverk vollendeter Uhren- Fabrikation, hat hoebtein vergoldetes Schweizer SobsblousBVSrk mit RubingilgSB und Pstsat- MlgsritsUng durch die Krone. Ein so vorzüglicher Zsitmessir ist tili sinsn so biUi�en fttii aosb nicht efisrisrt letdea, reo M. 5.— bis U. 300,~% Lieber 1000 Stück gotat ind sinn gemi- p. Dameneta SB Bist anBergewSbnlleli billigen Preisen Plr Jede Ohr leisten wir 1 Itbrs Oiruds. ierdurch die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder, Onkel und Schwager, der Former Paul Stabenow am 20. Dezember, vormittags II*/, Uhr, plötzlich verstorben ist. vis trauernden Hinterbliebenen. Familie Wilh. Stabenow. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 24. Dezember, nach- mittags 3'/., Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Jakobi-Kirchhoses, Rixdorf, Hermaiinslraße, aus statt. SoziaMeinokratiseherWahlverein Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- Vicht, daß unser langjähriges Mit- glied, der Forrner Paul Ltabenow Jägerstr. 9,(19. Bez.) im Alter von 41 Jahren ver- starben ist. Ehre seinem Nnbenken! Die Beerdigung findet am Sonn abend, den 24. Dezember, nach mittags 3'/z Uhr, von der Leichen� halle des neuen Jakobikirchhoses, Hermannstrnße, aus statt. Der Borstand. Köpvmck. Sozialdemokrat. Wablverein. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Paul Pranke im Krankenhause zu Britz ver- storben ist. Elire seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Biitzer Kirch- hoses, Chausseestraße, aus statt. Itee Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- ilnzelgo. De» Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der SUberarbeiter Nisx Vilain am 20. d. Mts. an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Dezember, nachmittags 2>/, Uhr. von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoses, Miillerstraße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 131/10 Die Ortsverwaltung. Zeutral-Krankeii- und Sterbe- kasseideiitseben Wagenbauer Ortsverwaltung Bezirk 11. Am 20. Dezember verstarb nach langem Leiden der Arbeiter Wiilhvlm Block im 39. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke» i Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Dezember, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- Hause Stostiischestr. 29 aus»ach dein Friedhos der Gethsemane- Gemeinde in Nordend statt. 237/19 Die Ortsverivaltung. Am 20. d. Mts. verschied nach langem Leiden mein lieber Mann und guter Vater Fritz Schienner. DIcS zeigt tiesbetrübt an die trauernde Witwe Emilie Schienner nebst Tochter, Rixdors, Prinz-Handjerh-Str 19. Die Berdigung findet am 1. Weihnachtssciertag, nachmittags 3 Uhr, aus dem'Neuen Jakobi- Kirchhos, Hermannstraße, statt. iermit die traurige Mitteilung, daß mein Mann, unser guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Rudolph Qraske nach kurzem jchivcrcns Leiden ver- storben ist. Um stilles Beileid bitten Oie trauernden Hintei bliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Dezember. nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des neuen Nixdorser Kirch- hoses, am Mariendorser Weg, aus statt. Am Mittwoch, den 21. Dezbr., verstarb nach turzein, schweren Leiden mein lieber Mann, der Restauratenr 23S4b Karl Hübener. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 24. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, vom Lazarus- Krankenbausc aus nach dem Fried- hos der VersöhnungS- Gemeinde, Prinzen-Allee, statt. Berlin, Ackerstr. 122. Die trauernde Witwe. Am 21. d. Mts. verstarb nach langem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Dlna Pamp g°b. Niermann im Alter von 32 Jahren. Um stilles Beileid bitten Oie trauernden Hinterbliebenen: tttto Paiup nebst Kindern und sonstigen Verwandten. Die Beerdigung findet am ersten Weihnachts-Feiertag, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Ober- Schöneweider Fricdboses aus statt. Pamp Gesangversln Oher-Schöneweiderliedertalel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 21. d. Mts. die Frau unseres SangeSbruders O. Pamp, Frau Dina verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am erste» Feiertag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des hiesigen FricdhoseS aus statt. Um recht zahlreiches Erscheinen der Sänger ersucht 62/3 vor Vorstand. Zinnueiiiniiciitsfest iin MGeidiätten | auf iTeilzahlung J wöchentl. nur 1 M. (Herren- und Damen- [Uhren, Haue-Uhren. I Kequlateure. frei schwinger Ohrringe Broschen, Ketten, Ringe, ArmbSnder, Operngläser. ...■moplio e.Phonoeriphen, Zithern, Spleldoten, Harmonikas, Mandollnen, Gelsen, Chrlsthaum- Stander etc. teder Grammophon' Kiuler erhält Platten, Nadeln und einen hoshfelnen Platten'Vitium umsonst. MtHll! hochfeinen Pia Juhret König Warsetaaner Siraase 68 Relnlokendorter Str. 101 R o e b e ss- S t r a s a e 19 :t und Mitglied:: Lieferant Kfite.. Koiisumgenossenschast Berlin u. Umg Wancke, Hutmacher Brückensir. 6a, an der Jannowitzbrücke NWigdor Spezial-A\odcllQ moderne Hornknöpfe. ä Stk.M.6. Gelegenheil! ■/, seidene seh«arme Damenregenseiiirme mit Streifen- M TR Bordüre i"- 1. Leipziger StraBe 79, 2. Ksnigstrafie 26a, 3. FrledrichslraBe 78, 4. Potsdamer StraBe 218, 5. FriedrlchstraSe 237, 6. BrOckenstraBe 1 b, 7. FrledrichslraBe 128, 8. OranienstraBe 157, 9. Rosenthaler StraBe St, 10. TauentzienstraBe 10, 11. Savignyplatz 8—10, 12. Martln-Luther-Slrate 81, 13. 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Die meisten Berufsgcnosienschaftcn haben technische Aussichts- deamte, tvelche die Betriebe kontrollieren.„Provinz Sachsen" bemerkt hierzu: „Von Hinzuziehung der Bezirksgendarmeriewachtmeister zu den Revisionen und den Nachkontrollen wird jetzt abgesehen, da dieses Verfahren zu Unzuträglichkeiten geführt hat. Die erste Nach- iontrolle wird vielmehr von den: Auffichtsbeamten ausgeführt, welcher die Revision bewirkt hat, während zur Ausführung der Weiteren Nachkontrollen die Gciiieindeoorstcher und die Vertrauens- männer herangezogen werden sollen." Dagegen meldet uns»Reutz j. L.": „Behufs Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften ist an Stelle des Herrn Rechenberg, der wegen Fortzuges das Amt eines technischen Aufsichtsbeamten niedergelegt hat, Herr Bürgermeister Geipel-Lbcrkoskau mit der Revision der Betriebe beauftragt worden" Der Aufsichtsbeamte für„Anhalt", ein Herr Dr. Mucke, ist sehr bescheiden und erklärt:- „Von mehreren Seiten ist die Vorbildung der technischen Auf- sichtsbeamten in den landwirtschaftlichen Berussgenossenschaften erörtert worden. Nach meiner zehnjährigen praktischen Tätigkeit als Wirtschaftsboamter und einjähriger Beschäftigung als tech- nischer Aufsichtsbeamter, kann ich mich der Erkenntnis nicht ver- schließen, daß ein praktisch und theoretisch gebildeter Landwirt die geeignetste Persönlichkeit zur Vornahme der Revisionen in land- wirtschaftlichen Betrieben sein wird. Der praktisch und wissenschaftlich gebildete Landwirt wird stets einen weit besseren Ueberblick über den gesamten Betrieb ge- Winnen können als ein Laie und wird dementsprechend dem Bc- triebsunternehmcr in ganz anderer Weise entgegentreten können. ohne ihn mit teilweise unnötigen und unpraktischen Vorschriften zu belästigen."(!!> Der Bericht für„Ostpreußen" ist von der Kontrolltätigkeit der Gendarmen nur entzückt und meint: „Die Gendarmen sind für die Kontrolle ganz ausgezeichnet geeignet, wenn sie, was freilich erforderlich ist, durch Instruktion seitens einer geeigneten Persönlichkeit mit den UnfallverhütungS- Vorschriften bekannt gemacht werden. Eine technische Vorbildung ist zur Kontrolle der Unfallverhütungsvorschriftcn nicht erforder- lich. ES wäre auch wirklich schwer zu sagen, welche Art von Vor- bildung als die zweckmäßigste verlangt werden könnte. Nach den diesseitigen Erfahrungen genügt durchaus neben Kenntnis der Unfallverhütungsvorschriften genaue Bekanntschaft mit den land- wirtschaftlichen Verhältnissen und praktischer Sinn. Das sind aber Eigenschaften, die bei der großen Mehrzahl der Gendarmen in hohem Maße vorhanden sind." Die Berufsgenossenschaft„Schlesien" ist über die Verwendung von Gendarincn zur Betriebskontrolle anderer Ansicht als„Provinz Sachsen". Der Bericht bemerkt: „Zkeuerdings werden im Einverständnis mit den Herren Rc- gierungspräsidrnten und durch Vermittclung der Herren Land- rate die Gendarmen zur Durchführung der Unfallverhiitungs- Vorschriften herangezogen; es geschieht dies in der Weise, daß dieselben den technischen Auffichtsbeamten bei den erstmaligen Betriebsrevisionen begleiten, um sich über die hierbei zu bc- achtenden Punkte mit den dicsscitigen Beamten zu verständigen, damit sodann den Gendarmen die Nachrevision übertragen werden kann, welche hierdurch in wirksamerer Weise erfolgt, als wenn sie lediglich den Gemeindevorständcn überlassen bleibt. Bei dieser Gelegenheit können die Gendarmen zugleich eine weitreichende Kontrolle über die Durchführung der neuen Oberpräsidial- Verordnung vom 24. Juli 1909, betreffend die Verhütung von Unglücksfällen beim Gebrauch landwirtschaftlicher Maschinen und Triebwerke, ausüben, welche inhaltlich im wesentlichen mit den diesseitigen Unfallverhütungsvorschriften(Teil I) übereinstimmt. Soweit bereits Erfahrungen auf diesem Gebiete vorliegen, hat die neue Einrichtung sich gut bewährt." Jetzt wissen auch die Bauern in Schlesien, für was die Gendarmen eigentlich da sind! In„Ostpreußen" bestürmten sogar der Oberpräsident und die„Väter" Landräte die Regierung, die guten Gendarmen � wieder zur Kontrolle der Betriebe herzugeben. Der Bericht cnt- hält folgende kostbare«stelle darüber: „Die Revision der landwirtschaftlichen Betriebe auf Durch- führung der Unfallverhütungsvorschristen hat im Berichtsjahr nicht ganz in dem Maße gefördert werden können, wie bei Abfassung des vorjährigen Berichts angenommen war. Es ergab sich nämlich, daß bei den Herren Regierungspräsidenten Bedenken bestanden, ob die Heranziehung der Gendarmen zu diesen Revisionen zulässig und > mit deren sonstigen Dienstpflichten vereinbar sei. Zwei der Herren ' Regierungspräsidenten sahen sich infolge dieser Bedenken vcran- 1 laßt, die Heranziehung der Gendarmen zunächst zu untersagen. ! Nach eingehender Prüfung der Sachlage, und nachdem sich der Herr Oberpräsident und die Landräte für die Heranziehung der Gen- darmen ausgesprochen hatten, wurde diese sVerbot aber zurück� genommen." j Sehr„schlau" geht man auch in der Provinz„Posen" zu Werke: „Die Revisionen der technischen Aufsichtsbeamten geschehen nach vorher festgesetzten Reiscpläncn. Die betreffenden Ortöbehördcn werden hiervon schriftlich benachrichtigt, damit sie in der Lage sind, die Bctriebsunternehmer in Kenntnis zu setzen. Die Nachrcvisionen wurden ganz überwiegend durch die Polizeibehörden ausgeführt." Noch schlauer sind jedoch die Bauern: „Dagegen waren mehrmals die Räume, in denen sich die Maschinen befanden, verschlossen. Der Betriebsunternehmer, hieß es, sei verreist. Die Leute glaubten, auf diesem Wege der Revision auszuweichen." lind das Resultat der Revisionen? Der Bericht führt u. a. aus: „Im Berichtsjahre sind besichtigt worden: Landwirtschaftliche Kleinbetriebe 4291, darunter 1390 in Ordnung, Mittelbetriebe 5135, darunter 191 in Ordnung, Großbetriebe III, darunter 5 in Ordnung. Die Berufsgcnossenschaft für das„Großhcrzogtnm Hessen" hat gar keine technische Aufsichtsbeamten angestellt, sondern behilft sich mit der Kontrolle der Betriebe durch ihre Vertrauensmänner und — Polizeidicncr. Wir erfahren darüber nun folgendes: „Was die Kosten, welche im abgelaufenen Jahre anläßlich der stattgehabten Betriebsrevisionen erwachsen waren, angeht, so bc, ziffern sich diese auf den Gesamtbetrag von 0195,36 M. Sie setzen sich zusammen aus den Tagegeldern und Reisekosten der Herren Vertrauensmänner, den Vergütungen für die Polizcidicner und sonstige Bedienstete für Begleitung beim Rcbisionsgeschäft, Porto- ausgaben usw. Im Hinblick darauf, daß nunmehr die Revision in nahezu sämtlichen Gemeinden des Grotzherzogtums zur Durch- führung gelangt ist, sollen in der nächsten Zeit Betriebsrevisioncn nur vereinzelt abgehalten werden. Den Erlaß weiterer Unfall- vcrhütungsvorschriften der Genossenschaftsversammlung vorzu- schlagen, glaubt der Genossenschaftsvorstand vorerst nicht in An- regung bringen zu sollen.".- Von der Hilfe der Ortsbehörden zur Durchführung der lln» fallvcrhütungsvorschriften ist z. B.„Lothringen" nicht sehr erbaut. Der Bericht führt hierzu aus: „Sehr oft ist die mehr oder weniger große Passivität� der Bürgermeister und der Gemeindeschreiber der Berufsgcnossenschaft gegenüber ein Maßstab für den Stand der Unfallverhütung. Dort, wo die Erledigung einzelner Ersuchen der Berufsgcnossenschaft im Verfolg der Durchführung der Unfallverhütung erst unter ANtven» dung aller gesetzlichen Machtmittel und oft nach Verlauf von meh- rcren Jahren zu erreichen gewesen ist, sind in ganz typischer Weise die Betriebszustände der betreffenden Gemeinde von jeder Nachachtung der Vorschriften unberührt geblieben. Es gilt dort nur meist ein Mittel: sich der Mitwirkung der fraglichen Behörden möglichst entschlage», mit gründlicherem Eingreifen in direkte Bc- rührung mit den Betriebsinhabern treten und mit dem Bürger- meistcr als Mitglied den Anfang mache». In dieser Weise sind einzelne geradezu gewünschte Erfolge zu verzeichnen gewesen. Aber auch jetzt finden sich— wenn auch seltener— Gemeinden, die geschlossen die Beachtung der Vorschriften ablehne». Für sie empfiehlt sich ein maßvolles festes Vorgehen mit Bestrafungen nach stattgefundener Revision in Form von Stichproben." Auch in„Obcrbaycrn" werden die Bürgermeister mit der Nach- kontrolle der Betriebe betraut und noch bemerkt: „Besondere Wahrnehmungen über Gesundheitsschädigung in landwirtschaftlichen Betrieben konnten nicht gemacht lverden. Hus der frauenbewegunöf. Verfassungsreform und Frauenwahlrccht in Dänemark. Tie dänische Regierung hat dem Folkething den Entwurf zn einer Verfassungsreform vorgelegt, die unter andern» den Frauen sowie de» bislang ebenfalls vom Reichstagswahlrecht ausgeschlossenen Dienstleuten, die keinen eigenen Haushalt besitzen, das Wahlrecht sowohl zum Folkething wie zum Landsthing bringe» soll und ebenso die Wählbarkeit. Der Entwurf sieht ferner die Herabsetzung der Altersgrenze für das Wahlrecht vom 30. auf das 25. Lebensjahr vor sowie eine Verstärkung der Abgcordnetenzahl im Folkething bis aus 132 als Höchstzahl. Vorerst soll die Abgeordnelenzaht durch ein neues Wahlkrcisgesetz auf 129 gebracht wrtveit statt jetzt 114, was den bei der bestehenden Wahlkreiseinteilung stark benachteiligten Wahlkreisen von Kopenhagen und Umgegend sowie den größten Städten in Jütland zugute kommt. Ei» weiterer Gesetzentwurf der Regierung soll den außer Landes befindlichen Seeleuten die Wahl- beteiligung möglich machen, so daß sie ihren Stimmzettel durch die Post einsenden können. Die Vorschläge sind nicht neu. Ueber die VerfassuugSänderuilgen,- wie sie vorgeschlagen werden, haben sich die Konservativen und Liberalen schon in der vorigen Session geeinigt, und zwar um eine gründliche Versassungsreform, die vor allein neben dem Frauen- ivahlrecht die Abschaffung des Zweiklassenwahlrechts zum Landsthing enthalten müßte, zu verhüten. Dessenungeachtet wird sich die weitere Demokratisierung des dänischen Staatswesens auf die Dauer nicht hintertreiben lassen. Jedenfalls erhalten die Frauen Dänemarks, denen das Gemeindewahlrecht ja schon zusteht, in nicht allzu ferner Zeit auch das staatsbürgerliche Wahlrecht. Brnfkaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätte«. Diejenigen nnjercr Stbomientcii, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberwetsung von Frei» excmplarcn sosort ihre Adresse einsende», da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht gelicsert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. H Nfinr LEIPZIGER STRASSE Preise nur für Freitag und Sonnabend gültig Soweit Vorrat ALEXANDER-PLATZ Lebensmittel FRANKFURTER ALLEE Preise nur für Freitag und Sonnabend gültig Soweit Vorrat Frisches Fleisch Prima Bratgänse ... Pfund Nur Leipziger Strasse und Alexanderplatz Rindfleisch Schmorfleisch.............. Pfund 95 pr. Filet Im ganzen Pfund I10 ausgeschält. Pfund I50 Schaufelbraten............. 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(Ansang 8'/, Uhr.) Rose. Der Müller und sein Kind. Herrufeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. BolkSopcr. Zar und Zimmermann. (Anfaufl b'/, Uhr.) Foties Caprire. Der Feldwebel- Hügel.(A»sa»g 8-/. llhr.) Vtktr»»ot. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Julie Wippchen. Npalto. Svezialitätcn. Voigt. Geschlossen. g», Ii,, ige. Spc-, alitäten. ReichshaNe». Stettmer Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. GanSfoiiei. So wird's gemacht. Spezialitäten.(Ans. 8'/, Uhr.) Walhalla. Bravo! Dacapo I(An- saug 8'/, Uhr.) Karl Havcrland. Spezialitäten. Urania. Danbenstrahe 48/4S. Abends 8 Uhr: Von San Nemo nach Florenz. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—62. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/40. Abends 8 Uhr: Tod Süd Reiüo mli Florenz. Kaiucr-Pan orama. Neu! II. Besuch V.Florenz. Letzte Woche: Reise am Rhein von Mainz bis Köln. Tausendc Familien schenken zu Weib- Loormemems. 8 Reisen l M. nachten___ jKletropol- Theater. Hurra! Wir leben«och! Große AuSstattimgsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr— Rauchen gestaltet. l.essinx-Tliestei'. Freitag 8 Uhr: Anatol. Sonnabend: Geschlossen. Die Kasse ist von lO— 1 Uhr geöffnet. Sonntag 8 Uhr: Anatol. Montag 3 Uhr: D'.c versunk. Glocke. Montag 8 Uhr: Anatol. berliner Theater. Heute: D« TlZllSMllU.«Uhr. Sonnabend geschlossen. Neues Theater, Täglich: Der G. m. b. H.-Tenor. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Da» Pnppenmadel. Freitag nachm. 4 Uhr: Modernes Rotkäppchen. Theater (früher Hebbelthaater). Abend? 8 Uhr: Doppelinenacli. 8 Uhr: 10 grohe Attraktionen 10. 9 Uhr: Das Tagesgespräch Berlins: Der tiedankenlesop Bellini. Liane d'Eve Excentrique franpaise in ihrem Transformationsali t; MUe. Denarbers Luftballonsfahrt über den Köpfen dos Publikums, und eine Auslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. Kanchcn eentattet! AU-Moablt 47/48. Sonntag, den 25. Dezember 1910 (1. Feiertag): Friede auf Erden. Weihnachtskomödie mit Gesang in 3 Aufzüge» von Hugo Schulz. Kassenerösfn. 6'/, Uhr. Ans. 7'/. Uhr. Montag, den 26. Dezember 1910 (2. Feiertag): Eine lustige Soppel-Ehe. Posse mit Gesang i» 3 Ausz. v. firaotz. Kassenerösfn. 61/-. Uhr, Ans. 71/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Dienstag, den 27. Dezember 1910 (3. Feiertag): Grosser Ktassiker-Abend: Kabale und Liebe. Trauerspiel in 5 Auszügen von Fr. von Schiller. Kasseneröfln. 7 Uhr. Ansang 8'/. Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Residenz-Theater, Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank in 3 Akten v. Leon Gandillot. Morgen und folgende Tage: Der Unterpräfekt. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus, Freitag, den 23. Dez., abends 8 Uhr: Hofgunst. Romantische Komödie in 5 Ausz. v Cdmond Rostand, deutsch v. L. Ful! Sonnabend: Geschlossen. von da. UustispivIlHsn». Abend? 8 Uhr: Der Feldherrnhugel. berliner Volksoper Bclle-Allinncestraße 7/8.— llj) Uhr: Zar und Zimmemaiin. Luisen-- Theater. illbendS 8 Uhr: Zu ermäßigten Preisen: (Yoldhärchens Himmelfahrt. Oannabend: Geschlossen. Sonntag 3 Uli-: Hamlet. 8 Uhr: Mudickes Reise nach Indien. Montag 3 Uhr: Preztosa: 8 Uhr: Mudickes Reise nach Indien. DienSIag 3 Uhr: Wilhelm Tell. 8 Uhr: Berlin gebt zu Bett. Theater Der große Selilneer: Eine verio reue flacht. Oer Derby-Sieger. Ans. 8 Uhr. Sin den 3 Feiertagen abends 8 Uhr: Eine verlorene STacht. Oer Derby-Sieger. ■3(711 1. u; 2. Feiertag nachm. 4 Uhr: Vrenn zwei dasselbe tnn. Am 31. Dezember 1910 von 8 Uhr abends bis 4 Uhr früh: Gr. Äilvestcr-Vorftcllnnq. lline verlorene ttaobt. Der Derdy-Sieger. Eine Partie Kiabrias Gr. Kabarett. BiUcttS für sämtliche Borstellungen schon heute zu haben. sdeslei' des Veddlugs tziillerstr.>82. ISZ— Solleretr. 3S. Täglich vor ausverkaustem Hause: Abgründe Drama in zwei Akten von Urban Gab. Außerdem das neue großartige Programm. Große Frankjurlcr Str. 132. Ans. 8 Uhr. irnbe 11 Uhr. j LÜDer Miller und sein Kind. Passage-Panoplikum. j Während der Weihnachtsferien | v. 18. Dezember bis 1. Januar Volkstage Jedermann ein Kind ft*el! Jedes Kind erhält I Geschenk! Der bearnaisisebe M Riese£ Dateore D e-j-ößte Mensch, d. je gelebt, 110 mm größer als Machnow. Alles oklle Extra-Entree! �cliiller-Theatef. Schiller-Theater Charleltenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Husarcnflcber. Lustspiel in 4 AN. v. Gustav Kadclburg u. Richard Skowronnek. Ende 10>/z U. Sonnabend geschloffen. Sonntag, nachm. 3Uhr: l�apkenntrvlob. Sonnabend, abends 8 Uhr: Das Kätbchen von Hellbronn. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeal). Freitag, abends 8 Uhr: Der» Dnnimlt«p7. Lustspiel in 5 Sluszügen v. L. Fulda. Ende Wj.j Uhr. Sonnabend geschloffen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Dl« Ehre. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Dummkopf. Silvester-Ball in den LICHTSPIELEN Kozart-Saal— ZVoIlendorCpIatz. Komische Vorträge. Oedipus und andere Zirkusseherze. Heute zum letzten Male der dieswBchige Spielplan."VQ lExcelsior Lichtspielliaiisj ' Rlxdorf, Bergstr. 151/152. Hgy Heute: J ü Vollständig neues Programm.| J*-Snfane Wochentnas 6 Ehr. X X Sonntags O Chr.{ Jeden Sonnabend: Programmwechsel. Arbeiler-Bildungssehule. Dienstag, den 27. Dezember(3. Feiertag), abends 7 Uhr, im„Königstadt-Kasino", Hoizmarktstr. 72: Vortrag des Genossen>Valäeek-ZKanasse: „Vom Mauden zum Senken." Eintritt SO Pf., Garderobe frei. Nach dem Vortrage: 6/20* Qemütliches Beisammensein und Tanz. Brauerei FriedrieliNhain Am«önigstor.— Gröfiter Konzertsaal Berlins. 1., 2. und 3. Feiertag: iul öer Alm! Die fitliebsten tfeihnaebteii. Juhu! Herrlichste Alpcndekoration.— Der beliebtest« Festwirt Ledorsed Lkrsngrudsr m München| mit seiner Truppe(100 Mitwirkeude) mit den neuesten Aufführungen.\ Außerdem im Saal II: Novitäten-Fest-Konzerte» ausgeführt von Joliaim Siran Ii ans Wien mit seiner vollständigen Kapelle. Entere SO Pf. für beide Veranstaltungen(sämtliche Räume){ ohne jede Nachzahlung. Ansang: Ehrcngruber 4 Uhr, Johann Strauß'/zS Uhr. Trianon»Theater. Ansang 8 Uhr. � Der heilige Hain. IMi Montag, den 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag): Große Matinee in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. ErOfTnung 11 Chr.— Anfang IS Chr. Billett« t SO Pf. sind bei den Bezirktflihrern zu haben.[)er Vorstand. I Sazialdempkratlfcbcr QXahlwreln des 6. Berliner Reichstags- IBahlkreifes Sonntag, den 25. Dezember(erften Cdeibnacbtaf eiertag); lintcrbaltiinas-Abende prater-Cbeater Ka(t«nien-HIUc 7— 9 Pbarus-Säle Müllcr-StraOc 142 in folgenden HofeMen: ßaltrcbmieders Etablissement BadTtraOc ,6 JVIoabiter Gerellscbaftöbauö tOiclcf ftraße 24 unter Mitwirkung der nachfolgenden Rezitatoren, Solisten und Sängerinnen: Demiann Leonhardt, jMaxtmus Rytlhow, fr. HmaUc Birnbaum, fr.funny Larfen, Rudo Rubistow, fitinneb Maurer,€lfri«dc Glmdt, Srnftr Schulz- fOrftenbcrg, Berthold putch, Willi Sommer, Srntt Bimmel, Margherita Rotfi, Richard Kube, Hlfrtd CClcftcn, Eifa Hcstcrmann-Manstt, CiUy :: Jona», felix©utdeutfcb, 6mit Walhotte, Margarete Walkottc;; Hnfang 7 Uhr. ZfitlZ. eintritt 40 Pf.. Husfuhrltchc Programme am Eingang zu den Sälen. 231/2* Das Komitee. ♦ ♦ ♦♦ ♦♦ ♦♦ Zur Beachtung l Billetts zu der am 2. Feiertage(26. Dez.) stattfindenden llrania- Vorstellung sind bis Sonnabend mittag nocb zu baten im QXahlverefns- Bureau J�euc bochftraße 23. ♦♦ ♦♦ ♦ ♦ ♦ ♦ m □ Deutseher Holzarbeiter-Terband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, 27. Dezember(3. Feiertag). in|„Freyer8 FestsSlen", KoppcnstraBc sJO; Großes Aeihnachts-vergnügen. Mitwirkende: Neues Berliner Konzert-Ofchesler.::: Paul Jescheck-Ensemble. Kinematograph:u Kasperle-Theater. ErOfftanng Si Chr. Anfang 4 Chr. 95/6* Von 6 Uhr ab im TaMV Von 10 ühr ab Ds|l.,___,-______ kleinen Saale; I MllX« im großen Saale: B3il bei zwei Orchi-stern. Eintritt 50 Pf. Dan Komitee. NB. Billets sind im ZiffarrengoschSffc des Kollegen Schwemke, Schönleinstr. 34. Ecke Kottbuser Damm und im Kestaurant Welzer, Koppenstr. 65, schrägüber von Freyer, zu haben. Freitag, den 23. Dezember, 23. Dezeu abends?>/, Uhr: Zeldini-I nippe, 5 Personen, Radfahrer und Rollschuhläufer. Neul Afaud Elton N-UI mit ihrer dress. Hundemente. Der Kreisel-Globus, neueste Kreation des Direktors Albert Schumann, sowie die übrige» Attraktionen. 9'/, Uhr: Her grolle Coup der Schmuggler. Romant. Pantomime in 4 Akten. tat o Hochbahnstation Koitbuser Tor. Geschlossen wegen Vorbereitung zur WeihnachtS» Premiere Wie werde ich reich? Sonntag, den 25., Montag. 26. Dez., nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Reichshallen-Thealer. Heute keine Soiree. An allen 3 Feiertagen: Slettiner Sanger. Weihnächte- Programm! Anfang: 1. und 2. Feiertag 7 Uhr. 3. Feiertag 7V, Uhr. Am 2. Feiertag mittags 12 Uhr: Orofie Welhuactatsfent- Benefla-Hntlnee. Elite■ Novitäten- Progranu». vssina-Tkvstvg' Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Riesenersolg!— Berliner BolkSstückl Julie Wippchen. An allen Festtagen abendS: Julie Wippchen. An beiden Feiertagen nachm. 3'/, Uhr: Neu! Hast««b Liebe. Neu! Burgtlieater- Ecstsäle und Kinematograph vorm. Groterjan. Jnbad.: Rud. Merz, SchönhauserAller 120. Tel. 3. 9353. Ecbende Photographien. Einirilk 30 u. 40 Pf., Kinder dieHälste. Ans. 7 U., Sonni. 4 U. Voreugskarton. nur wochenl. gültig, 2» Pf. aus allen Plätzen, gtetd wechs. Programm. Berlins größte Silvesterfeier mit Ball- der Z vereinigten Etablissements Passage-Theater Lindencabaret Biereabaret Berlin im Wackeltopp Kinheitapreis 3 M. — Näheres siehe Plakate.— Zirkus Busch Freitag, ben 23. Dezember 1910, abends?'/, Uhr: Usls-Premiere der neuen grossen A»sstatttungS-Pantom>me (»ie llcrniannsschlacht) t). 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Dezember(Heiligabend) und am Sonnabend, den St. Dezember(Silvester)«nr bis 1 Uhr mittags geöffnet. Das Bureau ist geschloffen am: Sonnobend, den 24. Dezember, nachmittags. Moutag. deu 36. Dezember, den ganzen Tag. Dienstag, den 27. Dezember, den ganzen Tag. Sonnabend, den 31. Dezember, nachmittags. Atebeitstafe Mitglieder, deren Unterstützung am Sonnabend, den 24., Montag, den 26., und Dienstag. den 27. Dezember, fällig ist. geben Freitag, de« 23. Dezember, Bücher und Arbcitslosenkarten im Arbeits Nachweis ab und bekommen die Unterstützung am Sonnabend vormittag ausgezahlt. Die Zlrbeitslmchweise sind am Montag, den 26., und Dienstag, den 27. Dezember, geschlossen. Die Emkassierultg der Beiträge in den Zahlstellen erfolgt am 24. und 61. Dezember von S bis 7 Uhr abends. Achtung! Jugendliche Holzarbeiter! Am Montag, den 2«. d. M.<3. WeihnachlSfeiertag) steht den Jugendliche» und Lehrlingen das Jugendheim der Holzarbeiter, GewertschaftShanS, Engelufer 15, Eingang 13, Zimmer 4, parterre, von 3 bis 8 Uhr zur Berfitgung. Unsere Kollegen werden gebeten, die Jagend- liehen darauf annuerkaam zn machen. Die Kommission. Bodenleger! Dienstag, den 27. Dezember 1610(dritten Feiertag), vormittags 16 Uhr: LroOe stgilalions- verizmmlung im(Kewerkschaftshause, Engelufer 14/16» Saal i. Tages-Ordnnng: I. Vortrag des Kollegen Franz Schlemmtng. 2. Verschiedenes. M» Alle im Berus tätigen Kollegen werden dringend ersucht an dieser Verfammlung teilzunehmen. S5/ö Die Brauch entommiffio». Mass« Schneiderei fflr elegante Herren-Hoden Fertie n, nach Maaa. Garantie fUr tadellosen Silz u. beste Vorarbeltg. Auf TeSixahiung Wochenrate voo 1 Ma a*. J. Kurzberg BojeollialerSfrJü.H�cr Markt, I. Laden u. k Et. aren- Kredit it-H»"6' Weihnachts-Angebot! SpreohmaHchlneii! Riesenansi- wähl! Bevor Sie eine kaufen, fordern Sie Preisliste. 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