Kr. BOt RbonntmtiitS'Btdingonsefti Abonnements- Preis prönumerandat «ierteljShii 3#0 3Ht, mono«. 1,10 Mü. wöchentlich 28 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- ttunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Poft- itbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft, ZeitungS- PreiSIistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland I Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, — änien, Schweden und die Schweis, 97* Alchen vlcheliit IZgllch iniLer MolilM. z?* Verlinev Volksblcltt. Die!nkrtiens»GeWH>r kÄrägt für die fcchszefpaltene Kololtel- zelle oder deren Raum 60 Pfg. für polllifche und gewerlfchaftliche BcrcwS- und PerfammlunxS-Anzeigen M Pfg. „lilcine Anreizen", das erste isett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedcS weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen da? erste Wort 10 Pfg., jed-S weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition «hgegebcn werden. Die Expedition, ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse! „SsÄsIltemsitM Bermv", Zcntralorgan der roziakUmokratifchcn parte» Deutfcblande. Expedition: 8Al. 68, Lindenstraoae 69» Fernsprechcr: Amt IV. Nr. 1.984» Me Holle von liiielttchin. Nach zehntägiger Verhandlung ist im Prozeß gegen den Pastor Breithaupt und Genossen gestern das Urteil gefällt. Es ist ein außerordentlich mildes. Auf noch weniger Strafe, als der Staatsanwalt gegen den Verivüster des Gemüts, der geistigen, körperlichen und seelischen Anlagen der ihm anvertrauten Kinder beantragte, ist erkannt. Aus nur acht Monate Gefängnis und 990 Mark Geldstrafe lautete das Urteil gegen Breithaupt. Offenbar hat ein harter Kampf während der Beratung, die fast sieben Stunden dauerte, statt- gefunden. Die Urteilsgründe stellen fünf Fälle brutalster Mißhandlung und 27 Fälle von Anstiftungen zu solchen Roheiten gegenüber wehrlosen Kindern fest. Alles, was der „Vorwärts" am 23. Juli 1909 und später über die zum Himmel schreienden, an Kindern in Mieltschin verübten Greuel veröffentlicht hat, ist vollinhaltlich durch die Verhandlung und im Urteil bestätigt. Zugunsten des Hauptangeklagten sprach das Gericht Umstände an, die unseres Erachtens richtiger als straferschwerend ins Gewicht fallen mußten. So ins- besondere die völlige Unfähigkeit des Angeklagten zur Leitung einer Erziehungsanstalt sowie seine maßlose Selbstüberhebung. Würde das Gericht auch einem zur Führung eines Automobils Unfähigen, der ein Unglück anrichtet, den Mangel an Fähigkeit strafmildernd anrechnen? Doch sei dem wie ihm wolle: auch bei Annahme aller möglichen mildernden Umstände wäre eine Strafe von je zwei Jahren für jeden Fall der erwiesenen Roheiten, die die schlimmsten Gemeinheiten eines Zuhälters weit in den Schatten stellen, nichts weniger als streng ge- Wesen. Handelte es sich doch um wehrlose, fürsorgebedürftige Kinder. Auch die Tatsache, daß der Pastor Matthies die Leitung der Anstalt einem so völlig Unfähigen anvertraute, daß er und nicht minder der Berliner Magistratsdezernent ihrer Auf- iichtspflicht in völlig ungenügender Weise nachkamen, mindert die Schwere der vorgekommenen Bestialitäten durchaus nicht. Dem Rechtsgefühl hätte es entsprochen, wenn diese Herren nicht als Zeugen vernommen, sondern als Mitverantwortliche angeklagt worden wären. Auffälligcrweise hat das aber die Staatsanwaltschaft nicht für richtig gehalten, vielmehr auch die beiden freigesprochenen Aufseher, die wohl die wichtigsten Zeugen gegen Breithaupt gewesen wären, auf die Anklage- dank gebracht. Mag sein, daß Pastor Matthies und Magistratsrat Voigt nach Lage der Gesetzgebung straf rechtlich nicht zur Verant- Wartung gezogen werden konnten: die moralische Mit- schuld für die in der Hölle von Mieltschin begangenen Greuel trifft sie. Waren sie eS doch, die die arnien Kinder auch dann noch dem Prügelpastor anvertrauten, als die Unter- suchungen durch Regierung und Magistralskoinmission Schänd- lichkeiten jchlimnister Art festgestellt hatten. Welch' unendliche Mühe hat es gekostet, bis es dem„Vorwärts" gelang, bürger- liche Blätter und den magistratsoffiziösen Berichterstatter, die Vertuschung auf Vertuschung mit den üblichen Ausfällen gegen den„Vorwärts" in die Welt setzten, zur Anerkennung wenigstens der halben Wahrheit zu zwingen! In frischer Erinnerung sind unseren Lesern die Kämpfe, die dann im Stadtparlament geführt wurden und schließlich zur Rück- berufung des Teils der Zöglinge aus Mieltschin führten, die dem so dringend der Fürsorge bedürftigen Pastor noch nicht enttaufen waren. Im Juli 1909 wurden die schamlosen Scheußlichkeiten, die an wehrlosen Fürsorgekindern in Mieltschin verübt wurden, enthüllt und erst nach IV2 Jahren hat die gerichtliche Ver- Handlung stattgefunden. Als der Reichskanzler neulich für Beschleunigung deö Gerichtsverfahrens einttat, hatte er wohl diesen Fall so wenig wie den immer noch unerledigten Eulenburg- Prozeß im Auge. Hohe Strafen fordern die Rcakrionäre aber nicht für Fälle dieser Art, für Verbrechen an den Kindern der Armen, sondern für politische Vergehen oder zu Straftaten konstruierte Handlungen anständiger Leute gegen Reiche oder Vermögende. Wie ein Hohn auf eine gesunde, sittliche Rechtsprechung klingt es, daß fast zu derselben Zeit, wo für die Roheitsdelikte des Pastors Vreithaupt auf acht Monate erkannt ist, der Gutsbesitzer Becker zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde, weil er in zwei mindestens zur vermeint- lichen Wahrnehmung seiner berechtigten Interessen geschriebenen Beschwerden einen leibhafttgen, adligen und konservativen Landrat wörtlich beleidigt haben sollte. Und welche Strafen hätte wohl der Staatsanivalt gegen den„Vorwärts" be- antragt. wenn er nicht jedes Tipfelchen über dem i in einem Beleidigungsprozeß, der für Pastor Breithaupt wegen unserer Enthüllungen angestrengt wäre, hätte beweisen können? In dem Mieltschiner Fall interessiert uns jedoch nicht in erster Reihe die juristische Seite. Ob der Pastor Breithaupt 8 Monate oder 10 Jahre zu verbüßen hat. ist uns im Grunde gleichgültig, wenn wir nicht befürchten müßten,' daß die nie- drige Strafe ähnliche Brutalitäten in Fürsorgeanstalten ge- radezu begünstigte. Leider ist die Mieltschinm Scheußlichkeit nicht allein dastehend, vielmehr typisch für die Mängel unseres Fürsorgesystems. Man rufe sich in Erinnerung, was dort geschehen ist. Sozialwidrige Verhältnisse oder mangelhafte Anlagen machen Kinder einer besonderen Fürsorge bedürftig. Sie werden, teilweise leider auf Antrag der eigenen Eltern, einer Fürsorgeanstalt übenpiesep. Kie Gerichtsbeschlüsse ent. behren jedes genaueren Eingehens in die Eigenart des Kindes. Formularmäßig, schematisch sprechen sie in wenigen Sätzen, in Anlehnung an die gesetzlichen Vorschriften, die Not- wendigkeit einer besonderen Fürsorge aus. Und wie wird die ausgeübt? Die armen Wesen werden von der Lichtenberger Anstalt aus gefesselt nach Mieltschin gebracht. Dort ivird ihnen kein Unterricht erteilt. Er war, wie Pastor Matthies sagte, erst geplant. Ebenso fehlte es an ärztlicher Aufsicht— auch diese lvar erst„g e p l a n t". Ter Kreisarzt kam ab und zu, revidierte, fand nichts Auffälliges, instruierte — das ist besonders charakteristisch— den Inspektor, wie er Wunden zu behandeln habe, verordnete einem bis aufs Blut gepeinigten Kinde, das keine Nahrung erhalten hatte,„wegen Magenüberfüllung" Diät und dann Arrest. Eine Bibliothek war nicht vorhanden, ebensowenig ein Lehrer. Das gewöhn- liche Menschenkind meint vielleicht, aber ein Lehrer, ein er- fahrener Pädagoge, ist doch die Hauptsache für eine Fürsorge- onstalt. Die Aufsichtsbehörde, Pastor Matthies und der Ber- liner Magistrat, scheinen anderer Ansicht gewesen zu sein, vor allem auch Pastor Breithaupt. Dieser Pastor, selbst Sohn eines Pastors, hält das für unnütz. Er versorgte die Kinder mit Andachtsübungen und mit Predigten am Sonntag. Und außerdem mit Prügel. Aus den nichtigsten Anlässen wird das„Jüchtigungs- recht" ausgeübt, wie der Pastor die grausamen, feigen, fn distischen, von ihm selbst exekutierten oder angeordneten Miß. Handlungen nennt. Backpfeifen, Ohrfeigen, Faustschlöge gegen den Kopf sind die Präludien für die grauenhaftesten Auspeitschungen, denen als Anschauungsunterricht beizuwohnen auch die nicht Geosißhandelten gezwungen werden. Zöglinge weinen und bekommen konvulsivische Zuckungen beim Zuschauen der brutalen Prozedur. Sie ent schließen sich, dieser Hölle zu entfliehen. Plaudern es einem Mitzögling aus. Dem Pastor wird's gemeldet. Er hat seine Vigilanten, die ihm jedes Vorkommnis bei Vermeidung des Empfangs von Prügel überbringen. Sowie eine Mitteilung kommt, flugs wird, ohne den Zögling zu hören, Prügel an- geordnet: 50, 75, 109, ja 290 Hiebe. Ausgeführt von Hoch. würden Pastor selbst und seinen von ihm ansgelesenen„Ge- Hilfen". Als Prügelinstrument wird ein kräftiger Weichsel- stock, eine starke Peitsche und eine doppelt zusammengedrehte Klopfpeitsche angewendet. Die Gepeinigten müssen zählen. Verzählen sie sich, so fängt's noch mal von vorn an: so erhielt ein Zögling statt 75 149 Prügel, weil er statt beim 74. Schlag 75 geheult hotte. Zu dem Pastor besonders gefälligen Roheiten ließ er die„Schwester" Olga zum Zuschauen bitten. So sah diese mitleidslos ausschauende Dame zu, als ein neues Marterinstrument an dem Zögling Winkler erprobt und nach ihm getauft wurde. Einmal lud der Pastor auch den Wirt- schaftsinspektor Bartsch ein, da es einen besonderen„Spaß" gebe. Dieser Spaß bestand in der wohl unübertroffenen Roheit, die je gegen ein Fürsorgekind verübt ist. Der junge Mann erhielt erst Faustschläge gegen den Kopf, dann wurde er an einen Baum gebunden, erst mit dem Rücken gegen den Baumstamm. Dann regnete es Hiebe gegen den Kopf, die Brust und wo es gerade hintraf. Dann wurde das Kind um- gedreht. Nun regnete es über den Rücken, gerade wo's hin. trafen. Der Gepeinigte wird ohnmächtig. Da wird ihm Wasser übergegossen, und dann geht es von neuem los. Den Schluß machten 59 Schläge über einen Schemel. Insgesamt 290 Schläge hintereinander waren dem Zögling zudiktiert. Und Schwester Olga sah zu. Diesen wüsten Orgien wollüstiger Quälsucht— auch Fuß- bastonaden gabs— folgte die E i n s p e r r u n g im Keller oder im Arrestloch. Mit einer Kette Hände und Füße zu- sammengebunden, so daß einem armen Gequälten das trockene Brot, das er bekam, durch andere Zöglinge zugestopft werden mußte. Der Pastor bildete dann eine Strafkolonne. Die hierhin Versetzten hatten auch bei der Arbeit Fesseln zü tragen, durf- ten weder beim Essen noch beim Arbeiten sich setzen— sonst gabs 50 Hiebe. Diese abscheulichen, unmenschlichen Roheiten hatten in einem Falle zur Folge, daß ein Zögling als Zeuge entsetzt ausrief: nach dem, was ich in Mieltschin er- lebt habe, kann ich nicht mehr an Gott glauben! Das ist ein Erfolg, dessen ein Pastor sich selten rühmen kann. War auch das für den Staatsanwalt ein Strasmilderungsgrund? Die seelischen, geistigen und moralischen Folgen dieser Prllgelpädagogik können nie getilgt werden. Sie sind leider beim Strafausmaß nicht in Rücksicht gezogen. Und weshalb wurde geprügelt? Ein Junge aß bei der Arbeit eine Stulle. Furchtbares Verbrechen! 75 Prügel, die wegen Falschzählung auf 149 gesteigert wurden, war die kannibalische Sühne. Einem Zögling ging infolge der Miß- Handlung der Kot ab— 50 Hiebe! Ein anderer mußte im Arrestlokal urinieren— 50 Hiebe! Einer sprach bei der Arbeit— 50 Hiebe! Ein anderer setzte sich beim Kartoffel- schälen— 50 Hiebe! Zwei Jungen entwendeten je ein ver- legtes Hühnerei: je 100 Hiebe usw. Flucht. Fluchtverdacht. Entwendung. Verdacht der Entwendung— für alles gab es Prügel und immer wieder Prügel. Einer der Gepeinigten erhielt nach seiner Ansicht während seines kurzen Aufenthalts in Mieltschin insgesamt 889 Hiebe! Welcher Abgrund mora- lischen Morastes, vertierter Selbstgefälligkeit und ekelhafter Heuchelei muß in einem Pastor stecken, der dergleichen verübt) Keine Spur von Erziehung in Mieltschin. � schlechter behandelt wie wilde Tiere. Eine schlimmer wie Sibirien und Die Kinder Hölle, weit das Zuchthans des unkultivier- testen Landes. Und das nannte sich„Fürsorgeanstalt". Das bestand trotz Revision seitens der Aufsichtsbehörden und des � Berliner Magistrats, bis der„Vorwärts" eingriff. Wie viele der bedauernswerten Zöglinge mögen dauernden körper- lichen und geistigen Schaden davongetragen haben! Eine solche Fürsorge ist eine Erziehung, ein Zwang zu �Verbrechen. Und do ch i st es nichts w e i t e r a l s �die naturgemäße Folge unseres preußischen, jvon Grund aus verkehrten Fürsorge sy st e ms. Dies System selbst ist, wie wir wiederholt dargelegt haben, eine der schwersten Versündigungen an dem Recht des Kindes. Die einzig richtige Folgerung aus der Verhand- lung über den Mieltschiner Höllenpsuhl muß sein: Reform des Fürsorgesystems an Haupt und Gliedern. Wird sie vom Junkerparlament und seinen Instrumenten gezogen werden? Kann sie denn von denen gezogen werden, denen auch das Fürsorgesystem nur zur Unterdrückung der arbeitenden Bevölkerung und der Unterbringung verkommener bürger- sicher Existenzen vom Schlage eines Pastor Breithaupt dienen soll? Auch auf diesem Gebiete muß, wer das Recht des Kindes auf Erziehung gewahrt wissen und gegen die empörendste Heuchelei kämpfen will, Beseitigung des Drei- klafsenparlaments und Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen Wahlrechts in Preußen fordern. Orden und Verdienste. Die Freitagsitzung des Moabiter Prozesse? wurde In der Hauptsache durch die Erörterung zweier Fälle ausgefüllt, in deren Mittelpunkt zwei Polizeiosfiziere stehen, die Leutnants Folte und Hecke II. Daß die beiden Herren dabei gut abgeschnitten hätten. werden ihre besten Freunde nicht behaupten können. Selbst wenn man ihnen den mildernden Ilmstand der Erregung, in die sie ihre Tätigkeit an jenem Montagabend versetzt bat, anrechnet, bleibt an Handlungen und Unterlassungen ein sehr erheb- sicher Rest, der durch nichts zu entschuldigen ist. Unter den Augen der Herren haben die ihnen unterstellten Schutz- leute grobe Ausschreitungen begangen, ohne irgendwie rektifiziert zu werden; blindlings, wahllos ist drauflos gehauen worden, summa» rische Lynchjustiz ist von den Polizeibeamlen an den Gästen des Krögerichen Lokals geübt worden, und alles das geschah, ohne daß einer der Herren eingriff. Herr Leutnant Folte ist durch eine ganze Reihe von Zeugen beschuldigt, einen am Boden Liegenden geschlagen und getreten und nach dem schließlich unter einen Wagen Geflüchteten gestochen oder doch versucht zu haben, ihn mit dem Säbel aus seinem Zufluchtsort zu verjagen. Und zu diesen schwer belastenden Momenten kommt hinzu der schreiende, unüberbrückbare Gegensatz zwischen den Aussagen der vielen Zivilzeugen und des be- schuldigten Polizeileutnants. Am Abend desselben TageS aber, da die genannten Polizei- offiziere den Mittelpunkt der Gerichtsverhandlung bildeten, da ihre Tätigkeit durch die Bekundungen einer ganzen Reihe einwands- freier Zeugen eine außerordentlich scharfe Kritik erfuhr, bringt die bürgerliche Presse die folgende halbamtliche Meldung: Der königliche Krön enorden dritter Klasse ist verliehen worden den Polizeihauptmännern Paul Hetschko, Paul Kubon und Albert Stengcr, der königliche Kronenorden vierterKlasse den Polizeileutnants Julius Folte. Gustav Wienholtz, Konrad Göze, Albert Sommer. Hermann Kühme Emanuel Secger, Erich Kirchner, Otto Kulke. Friedrich Heck Richard Rauschke, Willi Maurer. Gustav Wolter, dem Krimiiial- kommissar Dr. Richard Ossig in Berlin und dem Polizeileutnant Fritz Wallher in Charlottenburg, das Kreuz des All- gemeinen Ehrenzeichens haben je ein Polizeiwacht- mcister, ein Schutzmann und ein Kriniinolwachtmeister erhalten; das Allgemeine Ehrenzeichen vier Polizeiwachtmeister, 44 Schutz- männer, neun Kriminalwachtmeisier und 18 Kriminalschutzmänncr- die Rote Adler-Medaille ein Polizeiwachtmeister, 13 Schutzmänner,' zwei Kriminalwachtmeister, sechs Kriminalschutzinänuer und ein Polizeiwachtmeister in Charloltenburg; die Kroiienvrdcn-Mcdaille ein Polizeiwachtmeister, zwei Kriminalwachtmeistcr, vier Kriminal- schutzmänner und neun Schutzmänner aus Charloltenburg. Daß diese Orden und Medaillen als Zeichen der Anerkennung für die bei den Moabitcr ttnruhen geleistete Tätigkeit der De- koriertcn verliehen werden, liegt auf der Hand. Und daß diese Auszeichnungen einen Versuch des Polizeipräsidiums beziehungs- weise der Regierung darstellen, die öffentliche Meinung zugunsten der Polizei zu beeinflussen, einen Versuch, die für die Polizei höchst ungünstigen Feststellungen de? Moabiter ProzeffeS zu der- dunkeln, das haben wir schon gesagt, als die erste Andeutung von dem Kommen dieser Knopfloch- und Männerbrustzierden laut wurde. Da die Rick-ter auch nur Menschen sind, die sich beim besten Willen den Einwirkungen ihrer Umgebung nicht ganz zu entziehen vermögen, da auf Ordensdekorationen gerade in den Kreisen, denen unsere Richter nach Erziehung und Lebensstellung anzugehören pflegen, Wert gelegt wird, so ist auch eine Einwirkung dieser Beeinflussung auf das Urteil des Gerichts zu befürchten, mag Herr Lieber auch noch so oft beteuern, daß alles, was außerhalb des Gerichtssaales vorgeht, für den Spruch der Richter nicht in Betracht kommen darf. Der gute Wille in allen Ehren— er kann nun einmal nicht verhindern, daß die Tatsache der besonderen Auszeichnung der Polizeibeamteir durcki die höchste Stelle im Staate Eindruck macht auch auf die Psycho des Richters. Schon im Interesse des Ansehen? der Justiz— von dem der Regierung gar nicht zu reden— hätte deshalb die Ordens- Verleihung zum mindeste» nicht in diesem kritischen Moment, nicht bot Beendigung dieses Prozesses stattfinden dürfen. Daß fle sachlich unverechtlgt ist, brauchen wir hier nicht weiter auszuführen, jeder der den Prozeß verfolgt hat, weiß, daß der preußischen Monarchie in Moabit von der Polizei ein sehr schlechter Dienst geleistet worden ist. Deshalb ist auch so gut wie sicher, daß die Dekorierung in der weiteren Oeffentlichkeit nicht den gewünschten Eindruck, sondern vielmehr das Gegenteil davon erzielen wird. Zumal die blutige Ironie des Zufalls dafür gesorgt hat, daß die Bekanntgabe der Namen der dekorierten Polizeioffiziere gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Berichts über die Prozeßsitzung erfolgt, die zwei dieser dekorierten Herren als passive und aktive Teilnehmer bei Aktionen zeigt, die über den Rahmen berechtigter Repressiv- , naßregeln weit, weit hinausgehen, die man geradezu als Exzesse bezeichnen muh, bei denen die Bürger ihre Knochen zu Markte tragen muhten. Die Polizei trägt den Säbel zur Wahrung der Ordnung und Sicherheit gegen Angriffe, zur Brechung von Widerstand gegen ihre berechtigten Anordnungen. Sie hat ihn nicht verliehen bekommen, um Strafgewalt auszuüben, sie hat in alle Wege nicht das Recht, sich mit dem Säbel für Beschimpfungen und Angriffe zu rächen, sie darf ihn nicht als Mittel zur Befriedigung ihrer Wut benutzen. Danach sind die Handlungen zu beurteilen, die den, Leutnant Folte von bald zwanzig unbeteiligten Zeugen zur Last gelegt werden. Das Einhauen auf einen am Boden Liegenden, das Stechen oder Schlagen nach einem nnter einen Wagen Geflüchteten— der boshafte Zufall will, daß der Mann ein„Gelber" ist— das Einschlagen auf einen Menschen. der mit seinem Kinderwagen in einen Hausflur flüchtet, daS olle« ist keine berechtigte Amtshandlung, das ist ganz etwas anderes! Und dann die Vorgänge bei der Räumung des Krögerschen und deS Lanze- ratschen Lokals, wo die Gäste, die den Raum gemäß dem Befehle der Polizei verließen, Spießruten laufen mußten zwischen den Säbeln der reihenweise aufgestellten Polizisten— ein wahrhaft empörendes Bild. Der Berichterstatter Steiuberg, der sein Fühlen und Denken mit vielem Erfolg den polizeilichen Nnschamingen völlig angepaßt hat, meint freilich gemütsruhig, daß jeder, der im Lokale war, schuldig gewesen sein müsse. Als Beweis präsentiert er— seine Annahine. Aber selbst wenn er recht gehabt hätte— nie und nimmer wäre die Polizei berechtigt gewesen, die in ihrer Gewalt befindlichen Uebeltäter grausam zu verhauen, sie durfte sie nur fcstiiehmrn, sie hat nicht das Recht der körperlichen Züchtigung — selbst nicht gegenüber den schlimmsten Verbrechern. Sehr zu denken gibt der krasse Widerspruch zwischen den Aus- sagen der beschuldigten Polizeioffiziere und der großen Zahl der Zivilzeuge», die durch die Bank absolut cinwandsfrei sind. ES befinden sich viele darunter, die derArdeiterbcwegung ganz fernstehen, die selbst in den Augen der Polizei über jeden Verdacht erhaben sein müssen, daß sie etwa die Vorgänge zuungunsten der Polizei entstellten. Und nicht minder auffällig ist die schon bei der ersten Erörterung des Falles Lanzerat und in dieser Sitzung wieder bei der Verhandlung des Vorganges am Brotwagen zu verzeichnende Tatsache, daß die Aussagen der Schutzleute bestimmter und kategorischer sind als die der Polizeioffiziere, so daß sie mit denen dieser Herren bisweilen in argen Widerspruch geraten. Als der Verteidiger Heine ein Stück der Aussage des Leutnants Folte dem Schutzmann Meier vorhielt, erklärte dieser forsch:»Das kann der Leuhnant gar nicht erzählt haben I" Basta 1 Je niedriger die Charge, desto bestimmter die Aussage. Polizei- offtziere haben ihre Bekundungen vervollständigt, ergänzt— um nicht zu sägen berichtigt. Schlitzleute haben das bisher nicht. Seit einer von ihnen einmal daS Zeugnis verweigert hat, bleiben sie fest bei dem, was sie zuerst aussagen. Ztvei Fälle— eines SitzungStageS— auf der einen und eine Fülle von Orden auf der anderen Seite. Das schwerere Gewicht ist nicht auf der letzteren Seite! Lege» neue! vettsiinngsunrecht. Aus Elsaß-Lothringen wirb uns geschrieben: Das schon nicht mehr zweifelhaste Geschenk, welches daS Deutsche Reich des schwaizblnucn Blocks zu Weihnachten 1910 de» im Jahr« 1871 wiedergewonnenen deutschen Stammesbrüdern in Elsaß und Lothringen durch den vom Bundesrat angenommenen Ver- fassungs- und Wahlrechtsentivurf dargebracht hat. wird von der reichsländischen Presse fast«instimmig abgelehnt. Selbst die tegiernngs- frömmsten liberalen Blätter müssen zugeben, daß die Borlage erst noch erhebliche Verbesserungen erfahren muß. um für das elsatz- lothringische Volk annehmbar zu sein. Dasselbe Eingeständnis findet man in den verschiedensten Tonarten in der elsaß-lothringischen ZentrumSprcffe. WaS die reichsländische Sozialdemokratie betrifft, so beschränkt sie sich nicht auf die Kritik und die Proteste in der Presse j sie bat bereits an die Masse deS Volke? appelliert, um sie einzuladen, durch Versammlungen und Straßen- Umzüge ihren Willen laut und entschieden knndzutun. In einer am Montagabend in Mülhausen i. E. stattgefundeiien Sitzung der Vorstände der Partei und Gewerkschaften des Wahlkreises wurde beschlossen, auf Montag, den 8. Januar, zwei Tage vor dein Wiederzusammeutritt des Reichstages, der mit der Vorlage alsbald befaßt werden dürste, nach vorgängigen Getverk- schaftsversammlungen in den verschiedenen Stadtvierteln und Bor- orten eine Masieiiprotestversammlung in der neuen städtischen Markt- Halle, die noch leersteht, und 10—12 000 Personen saßt, abzuhalten und im Anschluß daran einen DemonstrationSzng durch verschiedene Straßen der Stadt zu veranstalten. Die Genehmigung des Bürger- meistsrS zur Benutzung der Halle ist erteilt; die Verweigerung der PolizeierlaubniZ zur Veranstaltung eines geschlossenen Straßen- UN,ZUgeS könnte nach dem geordneten Verlans der polizeilich genehmigten Straßenkundgebnng bei der Wahlrechtßdemon- stratio» vom Januar dieses Jahres auch vor den, ängstlichsten Gemüts nicht mehr begründet werden,.— sie wäre überdies eins ganz nutzlose Provokation, nachdem die Arbeiterschaft bewiesen hat, daß sie ihr Recht auf die Straße auch gegen die Polizei zur Geltung zu bringen versteht. Die Kuildgebung richtet sich gegen die Umwandlung deö Reichs- lande? in eine Hohenzollernsche Krondomäne, wie sie in der vor- geschlagenen Verstärkung der Position des Kaisers als Landesherr liegt, gegen die Einsetzung einer Zweiten oder Notabclnkammer. die bei dem vorgesehenen Ernennungsmodus ein Werkzeug in der Hand des Kaisers ist und dem Lande eine PairS-Jnstitution brächte, welche ihm bis jetzt völlig unbekannt war und gipfelte in der Forderung der völligen Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den übrigen Bundesstaaten auf der Grundlage de? allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Stimmrechts mit Verhältniswahl(Einkammer- systeni) bei republikanischer Staatsform.— In der am Dienstag abgehaltenen, außergewöhnlich stark besuchten Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins, in welcher der ReichStagSabgeordnete Genosse Emmet die VerfassimgS- und WahlrechtSvorlage einer ein- gehenden Kritik unterwarf und zu dein Schlüsse kam, daß die vorgeschlagenen Verschlechterungen des bestehenden ZnstandeS die Verbesserungen mehr als aufwiegen, wurden diese Beschlüsse ein- stzmnng gutgeheißen und weiter beschloffen, den LandeSvorstand zu ersuchen, ähnliche Maffenkundgebungen für denselben Tag auch in den andern Hauptzentren des Landes vorzubereiten. Ter Landes- vorstand wird zu diesem Antrag noch in dieser Woche Stellung nehmen— wie man voraussetzen darf— zustimmend. lieber die Notwendigkeit der Ablehnung der Vorlage in dieser Form können in der Arbeilerklaffe um so weniger Zweifel vorhanden sein, als selbst das Wahlrecht zur Zweiten Kammer, deren gesetzgeberische Tätigkeit sowohl durch die Erste Kannner wie durch den Kaiser jederzeit annulliert tverden kann, in empörendster Weise einseitig gerade gegen die Arbeiterschaft zugeschnitten ist. Das Mehistimmenrecht für das Alter benach- teiligt einseitig die Arbeiterklasse, deren Angehörige bei den be- stehenden Arbeits-, Lohn- und LebenSmittelverbältnissen kurzlebiger sind als die Angehörigen der besitzenden Klaffen: und die lieber- »ahme der weiteren Bestimmung des bestehenden KlasieuwahlrechtS bei den Gemeinderatswahlen, wonach der Hausbesitzer, Beanite usw. ein Jahr, der besitzlose Lohnarbeiter aber drei Jahre in der Ge- meinde oder im Wahlbezirk wohnen mutz, um wahlberechtigt zu sei», entrechtet die fluktuierende Arbeiterbevölkerung im Lande völlig, sie schädigt die politische Vertretung der Arbeiterklaffe, die Sozialdemokratie, um Tausende und Abertausende von Stimmen. derart, daß eine ganze Anzahl von Wahlkreisen, welche beim Reichstagswahlrecht der Partei zufallen würden, der klerikalen Reaktion gekichert bleiben. Die Kleinheit der Wahlkreise— es soll auf 30 000 Einwohner ein Abgeordneter entfallen— verstärkt die Wirkung der Bestimmung und macht sie ganz unabsehbar. Der Appell an die Maffe der in solcher Weise mit der schamlosesten Entrechtung Bedrohten tut aber um so mehr not, als die Zentrumspresse au? der Geneigtheit der Pfaffenpartei, dieses ungeheuerliche Klassenunrecht zu akzeptieren, jetzt schon gar kein Hehl mehr macht. Schreibt doch die„Kölnische Bolkszeitung" in einer an leitender Stelle ihrer Nr. lOSö svom 19. Dezember 1910) erschienenen Zuschrift aus dem Elsaß über die Verfaffungsreform, nach einer abfälligen Besprechung der Bestimmungen betreffend die Ucbertragung aller landesherrlichen Rechte auf de» Kaiser wörtlich: „Dagegen wird»tan die Wahlreform für die Zweite Kammer dankbar als einen großen Fortschritt bezeichnen müssen, besonder« wenn man an das preußische Wahlrecht denkt. Wenn es auch nicht vollständig den Fordermigcu der Zentrumspartei entspricht, so ist doch anzuerkennen, daß es im wesentlichen demokratisch a u f g e b a u t i st." Schönen Dankl Und am Schluffe des Artikels heißt eS:„Wir hoffen, daß die Zentrumsfraktion dieser Auf- fassung deS elsaß-lothringischen Zentrums Rech- n u n g trage»» wird." Die Gefahr ist i'onach groß, daß die Zentrumsfraktion deS beut- schen Reichstages im Bunde mit de» Junkern diesem skandalösen Machwerk von einem Wahlrecht für die sogenannte Volkskammer in Elsaß-Lothringen zur Annahme verhilft. Da heißt cS, beizeiten von dem Scheusal abrücken I Die Parteien, die die Verantwortung dafür vor dem Volke übernehme» wollen, niögen es tun— die Sozial- demokratie gehört nicht zu ihnen. Sie wird dies durch die eingeleiteten Massendemonstrationen mit aller Unzweideusigkeit dartnn. Än neues Kuhmesblutt des Herrn v. jagow. � Der Berliner Polizeipräsident hat den Lorbeerkranz, den er sich bei der Moabiter Affäre erworben, um ein neues Ruhmesblatt bereichert. Man hätte meinen sollen, daß ihm das blamable Abenteuer mit den von seinen Mannen ver- hauenen englischen und amerikanischen Journalisten fiirder- hin Vorsicht zur Pflicht gemacht hätte. Aber nein, der Berliner Polizeigewaltige beeilte sich, seinen ersten Ruhmestaten durch die Aliswetsting eines französischen LehrerS eine neue glorreiche Tat folgen zu lassen. Der französische Lehrer Dr. jur. H a l b w a ch s erbielt von ihm den Ausweisungsbefehl, weil er sich erlaubt halte, über Herrn v. Bcthmartn Hollwegs Scharfmacherrede zur Moobtt-Affäre in der„H u m a n i t s" einige zutreffende Bemertungen zu veröffentliclM! Was Herr Dr. HalbwachS in dem Organ deS Genossen Jcmrds über den ebenso ungeschickten wie unerhörten Versuch, die öffentliche Meinung über den du-rch die Prozehvcrhand- lungen offenbarlen wahren Charakter der Moabiter Porgänge zu täuschen und als oberster Beamter in ein schwebendes Ber- fahren einzugreifen, gesagt hat, ist, wie wir uns aus der „HumanitO" überzeugt haben, mindestens ebenso deutlich und scharf auch in zahllosen deutschen Blättern gesagt worden, und keineswegs nur iu sozialdemokratischen! Trotzdem erbielt Herr Halbwachs für seine vermessene Tat, ein französisches Blatt über das wahre Wesen des deutschen Reichskanzlers und des Herrn v. Jagow zu uuterrichten, sofort den Ausweisungsbefehl I Sdoch vor Neujahr hat er als „lästiger Ausländer" den preußischen Staub von seinen Pan- löffeln zu schütteln! Man male es sich nur einnial aus, wohin cS führen sollte, wenn die westkalinückischen AuSweisungspraktiken Preußens zu i n t e r u a t i o n a l c r Hebung gelangen würden. Kein ausländischer Korrespondent wäre dann mehr in der Lage, über die politischen Handlungen einvr Regierung ein seiner Heberzeugung entsprechendes Hrteil zu fällen. Wer an der jeweiligen Regierung entschiedene Kritik übte, verfiele der sofortigen Ausweisung! Die ausländischen Korrespondenten der großen Blätter würden also zu Speichelleckern der be- treffenden Regierungen degradiert. Die Preßfreiheit würde einfach aufgehoben! Ein ebenso korrupter wie lächerlicher Zustand würde für die internationale Presse gesichaffen! Der �.agowsche Polizeisabel amputierte dann einfach ein unent- behrliches Stück traditioneller europäischer Zivilisation! Um die Sache aber noch kleinlicher, polizeilicher, grotesker zu machen, handelt es sich bei der Ausweisung des Dr. H a l b w a ch s nicht einmal um einen Journal! st en von Beruf, einen gewerbsmäßigen„Nörgler", sondern um einen W i s s e u s ch a f t l e r, der an der Berliner Hniversität harmlos ökonomischen und statistischen Studien oblag und der nur gelegentlich, durch die Hngeheuerlichkeit des Jalles Bcthmann Hollweg-Jogow ange- regt, seiner Meinung in einem französischen Blatte Ausdruck verlieh. Slbcr einerlei: weil der Mann nicht in Ehrfurcht er. schauernd die große Jagowsche Polizeistrategie und Betbmann Hollwegsche Staatsweisheit anstaunte, sondern zn kritisieren wagte, wo sich sein innerstes Gefiihl empörte, wurde er aus- gewiesen. Preußische Gastlichkeit, Bethmann Hollweg scher Philosophengeist! Denn wir können es uns kaum vorstellen, daß Herr v. Jagow völlig eigenmächtig vorgegangen sei und nicht auch höhere Stellen von seinem schneidigen Attentat gegen internationale Gastfreiheit und politische Toleranz in Kenntnis gesetzt haben sollte. Doch darüber wird ja wohl im Parlament Genaueres zu erfahren sein? Kein Wunder, daß Jaurös in der„Humanitö" herbe Kritik an dem Jagowsche.n Verfahren übt, Er schreibt: '„Die Berichte von Halbwachs enthielten keine Heftig ketten, sondern nur eine sachliche Darstellung und über- schritten das Recht der freien Preßtritik an den Ereignissen und des Menschen nicht. Es mag sein, daß die einfache Tarstellung der Tatsachen der Berliner Polizei unangenehm ist, wie ihr der Einspruch der englischen und ameri- konischen Zeitungskorrespondenten, die so grausam mißhandelt wurden, unangenehm war. Aber durch die Ausweisung fremder Zeitungsvertretcr ändert man die Wirklichkeit der Tatsachen nicht. Em derartiges Verfahren erscheint immer als kleinlich und schikanierend und legt die Auffassung nabe, daß die- jenigcn, die es anwenden, durch den einfachen Ausdruck der Wahrheit geärger tZind. Wir gehören nicht zu jenen, die Unstimmigkeiten und Mißverständnisse zwischen Frank- reich und Deutschland zu verschärfen suchen, und wir denken ebensowenig daran, das deutsche Volk für eine engherzige und unhöfliche Handlung verantwortlich zu machen, wie es gerecht wäre, dem republikanischen Volke Frant!- reichs alle Missetaten der französischen Polizei zur Last zu legen. Die Wahrheit ist, daß der europäische Rückschritt überall plump und brutal ist und daß Vorfälle dieser Art eine A u f so r d e r u n g an die Proletarier und Demokraten aller Länder in sich schließen, sich täglich mehr einander anzunähern und sich zu einigen, um in Europa durch gemeinsames Handeln eine verständigere und cr-'.re Gesittung vorwalten zu lassen." In der Tat, alle deutschen Kreise, denen das Ansehen Teutschlands in der gesitteten Welt noch etwas gilt, haben die Pflicht, ihrer Meinung über das neueste Heldenstückchen preu- ßischen Polizcigeistes mit aller gebotenen Rücksichtslosigkeit Ausdruck zu geben!_ politilcbe öeberfkbt. Berlin, den 23. Dezember 1910. Sozialdemokratie, Bund der Landwirte und Hausabund. Zwischen dem Präsidenten des Hansabundes, den» Geh. Jüstizrat Dr. R i e ß e r, und dem Chefredakteur der„Kreuz- zeitung", dem Ministerialdirektor a. D. Dr. I. Hermes, spielte sich in den letzten Tagen ein heiteres Jutennezzo ab, das allem Anschein nach zwar noch nicht beendet ist, das wir aber doch unseren Lesern nicht länger vorenthalten wollen. Herr Dr. R i e ß c r, der schon bisher in der Leitung des Hansabundcs sich allerlei seltsame Extrasprünge geleistet hat, fühlte am 13. dieses Monats plötzlich— aus welchen Motiven heraus, ist nicht recht ersichtlich— das unwiderstehliche Be- dürfnis, um die Gunst der Agrarkonservativen zu werben. Er setzte sich also hin und schrieb einen Schreibcbrief an den Chefredakteur der„Kreuzzeitung", in dem er seine bisherige Stellungnahme zum Bund der Landwirte zu rechtfertigen suchte. Er erklärte, daß er das immobile und mobile Kapital für gleichberechtigt ansähe und einen einseitigen Industriestaat für ebenso bedauerlich halte, wie einen einseitigen Agrar- staat. Zum Schluß appellierte er an das Gerechtigkeitsgefühl der ,, Kreuzzeitung" indem er biedermännisch versicherte, er glaube,„daß eS möglich sein sollte, auch dem politischen Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und ihm nicht zuzutrauen, etwas seiner ganzen Ueberzeugung so direkt Eni- gegenstehendes gesagt zu haben". Wer die Redaktion der„Krcuzzeitung" kennt, kann sich vorstellen, welches überlegene Schmunzeln dieser naive Recht- fertigungsversuch hervorgerufen haben muß. Man faßte sofort die Situation richtig auf und behandelte Herrn Dr. Rießer als jemanden, der um gut Wetter bittet. Herr Dr. Hermes schrieb also nach wohlwciser Heberlegung mit seinen Kollegen eine lange höfliche Antwort an den„ver- ehrten Herrn Geheimrat", in der er sich aufs hohe Pferd setzte, indem er überlegen ausführte, nicht die materiellen Güter, weder die mobilen, noch die immobilen, gäben den Ausschlag im Völkerkampfc, sondern die geistigen Güter(die selbstver- ständlich durch die Agrarier repräsentiert werden). Dann folgte nach einigen Redensarten über die Notwendigkeit einer Sicherstellung der inländischen Lebensmittelversorgung im Kriegsfälle und der Versicherung, daß auch die Konservativen gerne mehr Männer aus den Reihen von Handel, Gewerbe und Industrie in den Parlamenten sehen würden, die für den Hansabund heikle Frage, wie er sich bei den nächsten Wahlen zu der Sozialdemokratie stellen wolle. Zugleich druckte die„Kreuzzeitung" beide Briefe ab. Hatte Herr Dr. Rießer etwas weniger Selbstbewußtsein und etwas mehr Verständnis für die Fragen der politischen Taktik, er hätte schon aus dieser Veröffentlichung der„Kreuzzeitung" sehen müssen, daß er nicht sonderlich geschickt operiert hatte. Er hätte also versuchen müssen, das Geplänkel auf ein anderes ihm günstigeres Operationsfeld zu übertragen: statt dessen aber ging er in die Falle und sandte an die„Kreuzzeltung" einen Brief, in welchem er seine Versicherung, der Hansabund sei„l a n d w i r t s ch a f t S s r c u ii d l i ch", noch verstärkte und seine Anklagen auf den Bund der Landwirte einschränkte, um schließlich folgendes schöne Geständnis abzulegen: „Völlig unrichtig ist e», daß der Hansabund die offene Be- kämpsung der Sozialdemokratio ablehne. Wir sind im Gegenteil davon durchdrungen und haben dem auch in unsren„M ittetlungc u" v o in 1. Septem» ber und 24. November d. I. klaren und bündigen Ausdruck verliehen, daß die energische Belämpsung einer Partei, welche die Grundlagen unserer heutigen Staats« und Wirtschaftsordnung negiert und zerstören will, die unab» weisliche Pflicht eines jeden, also auch einer jyden Vereinigung ist. Aber Sie müssen es uns schon verzeihen, wenn wir im Interesse einer gesunden Entwicketung unseres Staats nach innen wie nach außen neben jenem Kampf auch den Kampf gegen die von der Leitung des Bundes der Landwirte vertretene agrar. demagogische Richtung(nicht gegen die Landwirtschaft) für unerläßlich haltcm." Vielleicht hat Herr Dr. Rießcr geglaubt, durch diesen seinen zweiten Brief die„Kreuzzeitung" zu irgendeiner Aeußerung veranlassen zu können, die die Politik des Bun- des der Landwirte mißbilligt. Natürlich ließ sich die Nedak- tion dazu nicht provozieren. Sie erklärte kurzweg, die kon- servative Partei sei mit dem Bunde der Landwirte nicht identisch, nur deckten sich die Kreise, die zum Bunde der Landwirte gehören, zum großen Teil mit den Kreisen, die konser- vativ wählten, und daher stimmten die blind- l e r is ch e n Richtlinien mit den Grundsätzen der konservativen Partei überein. Das ist eine Abfertigung, deren versteckten Hohn Wohl auch Herr Dr. Rießer empfinden wird, wenn nicht, dann gibt ihm der folgende saftige Kommentar Aufschluß, den die „Deutsche Tageszeitung" den Worten der„Kreuzzeitung" hinzufügt: „Dem Herrn Hansabundspräiidentcn aber können wir nur sagen: Wenn Geheimrat Rießer trotz seiner höchst persönlichen Begünstigung der Sozialdemokratie bei der Stichwahl in Usedom- Wollin und trotz seines Briefwechsels mit dem Freiherrn v. Pach- mann behauptet, der Hansabund bekämpfe—„energisch I"— die Sozialdemokratie, so gehört zu einer solchen Behauptung — Mut. Wenn er aber gar trotz der berschiedenen Aeutzerungen prominenter Hansabundsführer zum landwirtschaftlichon Schutz- zoll, trotz der engen Verbindung dcS Bundes mit Parteien, deren Programm die„Abtragung" der Landwirtschaftszölle fordert; und" wenn er endlich trotz des gegen die Gesamtheit der Land- Wirte gerichteten Ei nschlcichungs- Zirkulars 53— das sich namentlich für die„aufrichtigen" Freunde der Landwirtschaft so wunderbar eignet I— bei der Behauptung bleibt, der Hansabund sei ein Freund der Landwirtschaft: dann gohört dazu nicht mehr nur Mut, sondern auch schon ein ganz hübsches Stück— Stirn!" Uns interessiert vor allein das osfcne Eiitgcständnis des 'Herrn Niesier, daß der Hansabund in erster Linie die Bekämpfung der Sozialdemo- kratie als seine Pflicht betrachtet und erst neben diesein Kampf auch die Bekänipsung der agrar-dema- gogischcn Richtung. Wir haben uns zwar nie über den Charakter des Hansabundcs getäuscht und wiederholt betont, daß seiner ganzen Zusammensetzung nach der Hansabund oder wenigstens der weitaus größte Teil der Mitgliedschaft der größte Feind der Sozialdemokratie sei und nur aus gewissen taktischen Gründen diese Feindschaft etwas zurücktreten lasse: aber immerhin ist es ganz nützlich, wenn der Präsident unsere Auffassung in einem öffentlichen Schreiben offiziell be- stätigt. Will schon bei der nächsten RcichstagSwahl der Hansabund offen den Kampf nach zwei Fronten führen, gegen Sozialdemokratie und Bund der Landwirte— nun gut, er wird sehen, wie er dabei fährt. Dieser Kampf nach zwei Fronten wird den Hansabund, da sich aus ihm die verwickeltsten Fragen und Streitfälle ergeben müssen, in eine derartige innere Verwickelung stürzen, daß das ganze lose Gefüge des HansabundeS in die Brüche gehen kann. Bisher hat die Leitung des Hansabniides sich der des Bundes der Landwirte keineswegs als ebenbürtig erwiesen. Sie hat sich auf das Geldsammeln beschränkt, aber nichts getan, um die verschiedenen Interessengegensätze im Hansabund, die Gegen- sätze zwischen Grossisten und Dctaillisten, Schwereisenindustrie und Fertigindustrie, Bankfinanz und Handwerk, möglichst zurückzudrängen und eine einheitliche feste Organisation zu schaffen. Wenn die Herren an der Spitze sich trotz dieser Mangelhaftigkeit ihrer bisherigen Leistungen nun auch noch einbilden, sie seien große Strategen, die bei der nächsten Reichstagswahl den Kampf beliebig nach mehreren Fronten zu führen vermöchten— dann werden sie recht schnell bittere Erfahrungen sammeln.__ Eine grohe StaatSaktion. Von dem Dekret der republikanischen Negierung Portugals, das die Ausweisung der gemeinscbädlichen geistlichen Orden vcr- fügt, sind auch einige deutsche Missionare sJesuilen und Mter vom Heiligen Geist) betroffen worden� Die ZentrumZprssse ist darüber in die bekannte sittliche Entrüstung gefallen. Sie forderte strenge Maßregeln gegen Portugal. Am ltobsken hätte sie gesehen, das Deutsche Reich hätte sofort mit einer Kriegserklärung geantwortet. Dazu oermochte sich nun zwar die Reichsregtcrung nicht zü verstehen, wobl aber hat dieier Tage, wie die„Mil.-pol. Korrcsp." meldet. Herr v. Kiderlen-Waeckiier durch den deutschen Gesandten in Lissabon der provisorischen Regierung der Republik eine ener- g i s ch e Note überreichen lassen, toorin gegen die zum I. Januar Illll angekündigte Ausweisung der deutschen Missionare auS den portugiesischen Kolonien Einspruch erhoben wird. Gleichzeitig mit Deutschland hat Graf Aehrenthal eine ähnliche Verwahrung für Oesterreich-Ungarn an Portugal gerichtet. Prozestverschleppung und Justizreform. Eine Anzahl bekannter Juristen hat, wie dem„Berliner Lokal- Anzeiger" aus Essen telegraphiert wird, einen Aufruf erlassen, in dem «S heißt: „Der Verschleppung der Prozesse wird man zuverlässig durch eine im Einvernehmen mit den Anwälten erfolgende geschickte Prozeßleitung und eher durch die Gewährung der Möglichteit, auf BerlagungSvorschriften zu verzichten, als durch Vermehrung dieser Vorschriften abhelfen. Wenn Industrie, Handel und Landwirt- schaft dies« Forderung noch nicht ausdrücklich ausftestellt haben, so haben sie � sich doch in dem Verlangen nach Sondergerichten und Einigungsämtern stillschweigend seit Jahren erhoben. Im übrigen ist eS nur die praktische Art, wie die Sachen behandelt werden. durch welche die Soudergerichte sich von de» ordentlichen Gerichte» abheben. Die Juristen sollten keine abgeschlossene Kaste bilden- Daher sollte die Justizreform nicht als eine spezifisch juristische Frage angesehen werden. Die Unterzeichneten haben sich zu- sammengemnden, NM zunächst die össentliche Meinung aufzuklären und damit die Notwendigkeit der Meihodenreform zum Bewußtsein zu bringen. Alle gleichgesiunten Persönlichkeiten werden auf- gefordert, sich diesen Bestrebungen anzuschließen." Auf die Reichs-Justizvcrwaltung wird diese Kundgebung wenig Eindruck machen, hat man doch stets in die Kommisfionen, denen die Vorbereitung der großen Justizrcformen übertragen war, nur solche Juristen berufen, deren politische Gesinnung der Regierung über jeden Zweifel erhaben schien. Reform deS Gesetzes über Erlverb und Verlust der Staatsangehörigkeit. Seit langer Zeit sind die Vorarbeiten für eine Reform dcS Gesetzes über Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit im Gange. Durch die Reform sollten hauptsächlich die im Ausland befindlichen Deutschen vor dem Verlust der Staatsangehörigkeit geschützt und ein Wiedererwerb erleichtert werden. Gegenwärtig verliert ein Auslandsdeutscher seine Staatsangehörigkeit, wenn er länger als 1l> Jahre keine Eintragungen in eine der deutschen Konsulatsmatrikeln bewirkt hat. Nach dem neuen Gesehe sollen diese Eintragungen in Zukunft fortfallen und ein Auslands- deutscher seine Staatsangehörigkeit ohne seinen Willen überhaupt nicht mehr verlieren. Die Wiedererwcrbung der deutschen Staats- angehörigkeit von ehemaligen Deutschen, die sich nach ihrer Aus- Wanderung aus der deutschen Heimat im Auslände hatten naturalisieren lassen, machte bisher insofern Schwierigkeiten, als die männlichen Nachkommen früherer Deutscher, die einer anderen Nationalität beigetreten waren, und welche die deutsche Staats- angehörigkeit wieder zurückerwerben wollten, ihrer militärischen Dienstpflicht genügen muhten. Jetzt soll bestimmt werden daß diese Nachkommen Ihre militärische Dienstpflicht nur abzuleisten haben, wenn sie beim Wiedererwerb der deutschen Staatsangehörig- keit das 2». Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Für die übrigen Ausländsdeutschen besteht die Verpflichtung, sich den Bestimmungen über die Ableistung der militärischen Dienstpflicht zu unter- werfen, nur, wenn sie vor dem 20. LebenSjah.. ins Ausland ge- «angen find und die deutsche Staatsangehörigkeit für die Zukunft nicht verlieren wollen. Da die Ableistung der Dienstpflicht für küe Ausländsdeutschen in den meisten Fällen mit größeren Echwierigkettm verknüpft ist, sp bestimmt der Entwurf, daß alle Härten vermieden werden sollen. Für alle Deutschen, die dauernd Aufenthalt im Auslände genommen haben, oder die wenigstens für viele Jahre im Auslände zu bleiben gedenken, wird bestimmt, daß sie die ärztlichen Untersuchungen auf Tauglichkeit ohne größere Mühe bewerkstelligen lassen können. Sollten Zweifel an der Richtigkeit der ärztlichen Untersuchung bestehen, so würde der Auslandsdeutsche nur verpflichtet sein, sich am Orte eines deutschen Konsulats nochmals untersuchen zu lassen. Eine Stellung zur ärztlichen Untersuchung in der Heimat fällt fort. Für die militärtauglichen Auslandsdeutschen soll nur der ein- m a l i g e gesetzliche Militärdienst eintreten, während alle in der Heimat üblichen Reserve- und Landwehrübungen für sie in Fortfall kommen, solange sie sich im Auslande befinden. Die Ableistung der Dienstpflicht soll, wenn irgend möglich, in den deutschen Kolonien erfolgen, soweit diese eine weiße Schutz- truppe haben. Für die Auslandsdeutschen in Ostasien käme also Kiaut schon, für die Ausländsdeutschen in Südafrika und in Südamerika Deutsch-Südwestafrika in Betracht. Der Transport der militärpflichtigen Auslandsdeutschen zur Ab- lcistung ihrer Dienstpflicht in den Kolonien oder in der Heimgt soll auf Kosten des Reiches erfolgen. Die Aushebung zum Militärdienst wird auf wesentlich anderen Grundlagen beruhen als in der Heimat, vor allem soll auch eine Befreiung vom Militärdienst eintreten, wenn Wirtschaft- l i ch e Maßnahmen dies unbedingt notwendig erscheinen lassen. Ist z. B. ein Auslandsdeutscher Besitzer einer Farm in Süd- amerika und seine Anwesenheit auf der Farm unbedingt" not- wendig, oder würde der Zwang, ihn zum Militärdienst heran- zuziehen, seine wirtschaftliche Existenz auf das ernsteste gefährden, so würde dieser Grund hinreichend sein, ihn vom Militärdienst zu befreien. Für den Mobilmachungsfall will man ferner im all- gemeinen auf die Einziehung zur Fahne für die Auslandsdeutschen, sofern sie sich im Auslande befinden, verzichten; doch ist natürlich jeder Ausländsdeutsche, der sich im Falle einer Mobilmachung in der Heimat befindet, verpflichtet, sich der Fahne zu stellen. Das gleiche gilt für alle Auslandsdeutschen, die sich im Falle einer Mobilmachung in einer deutschen Kolonie befinden. Die Gemeinden Zchlendorf und Teltow sind bei dem Reichstage vorstellig geivorden wegen Aenderung des Geltungsbereiches der O r t s t a x e n im p o st a l i s ch e» V e r k e h r. Die Petitionskommission hat sich mit diesen und einer Anzahl aus der Umgebung Dresdens und Leipzigs eingegangenen Gesuchen ähn- licher Art für den Nachbarartsverlehr belaßt und zur Information einige Kommissar« der ReichSpost hinzugezogen. Was die Forderungen der an der Peripherie Großberlins ge- legeuen, in der Anschlußentwickeluiig befindlichen Siedelungen be- trifft, hat sich ergeben, daß die Wünsche einer Verbilligung der Taren durch Einbezug der Distrikte in den Ortsverkehr nicht im- berechtigt find; dagegen stehen ihrer Erfüllung die gesetzlichen Voraussetzungen entgegen. DaS Gesetz fordert nämlich, daß für die Einführiliig der ermäßigten Taxen die betreffenden Orte nicht durch große, unbebaute Flächen getrennt sind und auch wirtschaftlich in gegenseitiger Bezieluuig stehen. Im Einverständnis mit den postalischen Sachverständigen hat die Kommission dir sämtlichen Petitionen für eine künftige gesetzliche Neuregelung dem Reichskanzler als Material zu überweisen beschlossen. Slnch Einer der„Edelsten nnd Besten." Wegen schwerer Verbrechen fyxtlt sich gestern ein Offizier vor dem Kriegsgericht der Königlichen Kommandantur zu verant-- Worten. Der Angeklagte ist der Leutnant Freiherr v. Jumpenbcrg vom 11. Dragoner-Rcgiment. Gegenwärtig ist er Mch Berlin ab- kommandiert, um die Militärtcchnische Akademie zu absolvieren. Sittlichkeltsberbrechen sowie Betrüg werden ihm zur Last gelegt. Vor einiger Zeit suchte der Angeklagte ans Krantheitsrücksichtcn das Part-Sanatorium in Pankow auf. Während seiner Anwesen- heit ivurdc eines Nachts ein anfangs rätselhafter Ucbcrfall verübt, der dann eine überrasckcnde Aufklärung finden sollte. In der Dunkelheit drang eine Mannsperson in das Schlafziinmcr einer Schwester ein. Der Fremde fiel über die im Schlaf Liegende her und als die Bedrohte erwachte und die Gefahr, in der sie schwebte, erkannte, setzte sie sich mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften zur Wehr. Der Attentäter erhielt bei dem Ringen, das sich nun zwischen ihm und seinem Opfer entwickelte, Kmtzwunden im Gesicht. Er entkam jedoch unerkannt aus dem Zimmer, lieber die Person des TäterS war man anfangs völlig im Zweifel. Da wiederholte sich aber in einer der nächsten Nächte der Ueberfall. Diesmal rief die Schwester laut um Hilfe, und nun konnte der Täter festgestellt werden. Zur allgemeinen UcberraschuNg war«S der Angeklagte, v. I. hatte sein Zimmer unmittelbar neben dem Schlafraum der Schwestcr liegen. Die Verwaltung des Sana- toriums übergab die Sache der Militärbehörde und die weitere Untersuchung führte dann zur Verhaftung des Offizier?. Es stellten sick noch weitere Straftaten heraus, unter anderem eine Betrugsaffäre, in der ein anderer Offizier bereits zu Gefängnis verurteilt worden ist. Zu der gestrigen Vsrhandluna wurde Frei- Herr v. I. durch einen Oberleutnant vorgefiihrt. Er wollte de» Verbandlungssaal mit dem Helm auf dem Kopfe betreten, doch wurde ihm dies nicht gestattet. Es waren eine ganze Reihe von Zeugen geladen, unter denen sich auch eine frühere Bardame befindet, die in dem Prozeß eine Rolle spielt. Ferner waren drei medizinische Sachverständia« er» schienen. Vor Eintritt in die eigentliche Verhandlung erklärte der Verhandlungsleiter, Kriegsgcrichtsrat Dr. Welt, daß dem An- geklagten gesetzmäßig ein Offizialverteidiger gestellt worden sei, da Verbrechen vorliegen. Außerdem hatte der Angeklagte selbst noch einen Wahlverteidiger zur Verfügung. Noch vor Verlesung der Personalien beantragte der Vertreter der Anklage, die Ocffent- lichkeit auszuschließen. Das Gericht gab dem Antrage auch statt. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit schloß es für die ganze Dauer der Verhandlung die Oeffentlichkeit aus. Das Gericht hielt den Leutnant im Sinne der Anklage für überführt und fällte folgenden Urteilsspruch: Der Angeklagte wird wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit zu sieben Mo- naten Gefängnis verurteilt. Auch wird auf Dienstentlassung erkannt. Die Urteilsbegründung fand gleichfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die Betrugsaffärc wird später abgeurteilt. Oesterreick. Der Herrcnhäuslcr Rache. Wie schon telegraphisch gemeldet, hat das Herrenhaus das Gesetz über den Beitritt zur Internationalen Konvention betr. das V e r- bot der Nachtarbeit der Frauen nicht votiert, weil das Abgeordnetenhaus da§ Schutzalter von 13 auf 16 Jahre herabgesetzt und auch sonst Verbcsserungen vorgenommen bat. Die„Arbeiter- zeitung" hat diese herrenhäuslcrische Sozialpolitik in einem Leit- artikel„Schande über das Herrenhaus!" gezücktigt. Da, um 2 Uhr nachmittags, wo jeder interessierte Mensch die„Arbeiterzeitung" längst gelesen hat, ordnete die Staatsanwaltschaft ihre Konfiskation an, was nur aus einen Wunsch aus dem Hcrrenhansc zurückgeführt werden kann. Das wird aber die Ächtung vor dem Oberhaus kaum vergrößern. Es ist jetzt keine gute Zeit für Oberhäuser. Portugal. Die neue Verfassung. Lissabon, 23. Dezember. lW. T. B.) Die Regierung hat in große» Zügen den Entwurf zu einem neuen Verfassungsgesetz aus- gearbeitet, den sie der Kammer vorlegen wird. Die Äbsicht, dem Präsidenten eine größeres Maß von Bollmachten zu geben scheint aufgegeben zu sein. Die Republik wird parlamentariichen Charak- ter tragen und die Regierung wird das Gleichgewicht zwischen Lc- gislative und Exekutive zur Grundlage haben. Der Präsident wird von der gesetzgebenden Körperschaft auf fünf Jahre gewählt und seine Machtbefugnisse können nicht sofort wieder erneuert werden. Es wird nur eine gesetzgebende Versammlung geben, die auf d r e i Jahre gewählt wird. Der Kriegs-, Finanz- und Marinen, i= nister sowie der Minister der öffentlichen Arbeiten werden als außerhalb der Politik stehend betrachtet und werden deshalb unabsetzbar sein. Rußland. Studentenunrnhen. Tie Protestbewegung der Studenten gegen die an den politi- schen Gefangenen in den sibirischen Gefängnissen verübten Greuel geht unaufhaltsam weiicr. Sie hat sich von Petersburg auch auf die übrigen Hochschulen, namentlich die in Odessa, ausgedehnt. Wie auS Petersburg berichtet wird, hat der Stadthauptmanu strenge Maßregeln und Strafen gegen alle angeordnet, die zum Studenten- oder Arbeiterstreik„aufwiegeln",„falsche Nachrichten" verbreiten oder sonst die Bevölkerung gegen die Autorität der Obrigkeit aufreizen. Die„Akademiker", eine kleine reaktionäre Minderheit der Etudenteiffchast, hat gegen die revolutionären Kundgebungen protestiert. Aber die Studeutenschafi in ihrer Masse verharrt bei ihrer Haltung. Ucberall werden Widerstands- komitees gebildet. Wie dem„Pcuple" derichtct wird, haben 3000 Studierende der F r a u c n- Universität einen Rcvolutions- marsch gesungen. Auch in Odessa fand eine Kundgebung statt. Der bleierne Schlaf, der seit dem Niedergang der großen Ncvolutionsbewegung auf der russischen Studentenschaft, soweit sie nicht in Zerstreuungen und AuLsck'weifungen sich über den Zusammenbruch ihrer Ideale zu trösten suchte, gelastet hat, ist also gebrochen. Die russische Frei- heitsbewegung marschiert wieder! Der Zar als Haupt der Verbrecherbande. Genosse B u r tz e f f hat in Paris eine Schrift veröffentlicht, in der er das wahre Bild des Nikolaus zu geben sucht. In der Vorrede spricht sich über die Rolle� die der Zar als Ehcf der Real- tionSbelvegung— er ist bekanntlich Ehrenmitglied des aus Poli- zeispitzeln und Janhagel rekrutierten Verbandes cchtrussischen Volkes— Genosse Ja u res zusammenfassend� wie folgt aus: „Burtzcff hat den russischen Revolutionären geholfen, den furchtbaren Abgrund, in den die Lockspitzel sie zu ziehen suchten, kennen zu lernen und zu meiden. Er leistet der russischen Freiheit einen neuen Dienst, indem er die Aufmerksamkeit aller Länder auf die persönliche Tätigkeit und Verantwortlichkeit des Zaren lenkt. Nach den Urkunden, die B. selbst in der Hand gehabt hat, ist der Zar nicht das schwmche Spielzeug einer lecken Burenukratie. Er ist vielmehr in Wahrheit ihr Haupt. Er kennt ihre Untaten. Er ordnet sie an. Alle Schritte der verbrecherischen Polizei, die die Welt in Aufregung versetzt haben, sind von ihm gekannt und ge- billigt. Er ist nicht, wie man sich gerne einredet, isoliert und durch eine Wolke von der Welt getrennt. Er liest, weiß und sieht. Darum muß die Welt über seine Tätigkeit unterrichtet werden. Die den- kende Menschheit mutz die Verantwortlichkeit, die auf ihm lastet, ihm auch zuschieben. Das ist eine Macht, die auf dw Dauer durch ihr« ständige Wirksamkeit die anmaßendsten Geivalthaber erschüt- tern und verwirren kann."_ Huö der parte!« Ein Jubiläm» der belgische» Griwfft». Ans Anlaß deS2öjährigen Bestandes der sozial« demokratischen P a r t e-i Belgiens fand dieser Tage im Festsaal de» Brüsseler Volkshauses eine Feier statt, an der die großen GesangS- und Orchestcrorgaiiisalioiien der Partei in glänz- voller Weise mitwirkten. Die Festrede hielt V a n d e r v c l d e, der rückblickend die Eiltwickclang der Partei bis zu ihren Gegenwarts- kämpfen schilderte. Die in eine Betrachtung des WellkainpfeS de? Proletariats aiiskliogsnde Rede fand in dem gedrängt vollen Saal jubelndes Echo. Neben den Darbietungen tlasflscher Musik wecklen besonders die Kainpfgeslinge mit ihren nlifftiikinenden Frcihcilsmelodien begeisterte Stiiimiung. Di« gespaltene?!ationalratssraktion Das Züricher„Volksrecht" weist darauf hin, daß die kleine sozialdemokratisch« Fraktion des scknveizerischcn Nationalrats, trotz- dem sie nur 7 Mitglieder zählt, in wichtigen Fragen geteilt ge- stimmt hat. Tie Forderungen von 5)4 Millionen Frank für Erweiterung der Befestigungsanlagen wurde von 6 Ge- nossen abgelehnt, während Genosse H. Scherrcr. Laudanimann von St. Gallen, sich der Äbstimmung enthielt. Und in der Frage des K u n st w c>» v c r b o t L, einer agrarischen Maßregel, die für den freien Verkehr den Kunstwein verbietet, ihn jedoch für den Haushalt der Landwirte und den Verbrauch ihrer Arbeiter zuläßt, stimmte Schorrer mit drei anderen, darunter Greulich(der sich schon 1ö02 als Anhänger der Viehzölle bekannt hat) mit Ja, wäh- rend nur S tu d er- Wtuterthur und der Tessiner F e rri ab- lehnten. „Auch für Nationalrätc gilt der Satz: Selbständig denken, g«i- meinsam handeln l Wenn man sich nicht zu einer der Arbeiterschaft verstandlicheren Taktik wird aufschwingen können, darf man sich auch nicht wundern, wenn die Gleichgültigkeit gegenüber einem unserer wichtigsten Kampfplätze neue Nahrung erhält", sagt dazu zutreffend unser Züricher Partciblatt. Vartciliteratur. Politische Satire. Der Bildungsausschuß unserer rheinischen und westfälischen Genossen hat in, KomiujssionSverlag von A. Gerisch, Dort- m u n d, unter dem Titel: Abrechnung. Politische Vers- sußtritt« von Rudolf Franz, eine kleine Schrift heraus- gegeben, die des allgemeinen Interesses sicher fein dürfte. Die kleinen satirischen Gedicht« dcS Genossen Franz, die zuerst meist im„Vorwärts", der Dortmunder„Arbeiter-Zeitung" und der „Brenner Vürgerzeitung" abgsdruckt wurden, haben bei ihrem Er- scheinen einen so allgemeinen und ungeteilten Beifall gefunden, daß der Wunsch zahlreicher Leser dieser Parteiblätter nnd alle der anderen Parteiblätter, die die Gedichte später nachdruckten, vollauf begreiflich erscheint, eine sachgemäße Auswahl dieser Gedichte auch gesammelt, zu einem kleinem Aändchen vereinigt, zu besitzen. Reben diesem Wunsche der Genossen wurde der Bildungsausschuß aber auch vor allem zur Herausgabe der Sammlung durch die Beobach- hing bestimmt, daß es bei festlichen Veranstaltungen der Arbeiterschaft an geeignetem Vortragsmaterial auf dem Gebiete politisch« sozialer Satire bisher fast völlig fehlt. Immer wieder wagen sich daher in Ermangelung von Besserem die vulgärsten Komikerspäße des plattesten bürgerlichen Tinge!! Tangelisnins in unsere Ar- bcitcrseste hinein! Und da Ivird nun ohne Zweifel das vorliegende Heftchcn eine im Laufe der Zeit sehr fühlbar gewordene Lücke aus- füllen— um diese oft mißbrauchte Wendung auch hier zu wählen, wo sie ausnahmsweise einmal keine leere Redensart ist. Die Ge- dichte sind zugleich schlagkräftig und künstlerisch einwandSfrei, nnd erfüllen so durchaus die Anforderungen, die man für den genannten Zweck zu stellen bat. Der billige Preis— das 48 Seiten starke gut ausgestattete .Heftchen kostet 30 Pfennig— wird den satirischen Gedichten des Genossen Franz die verdiente werte Verbreitung sichern. poUzcilitht*, Otrlchtltchcs ulw. Boykottvergehe». _ Genosse Fleißner von der„Dresdener Volkszeitung" hatte zwei Strafverfiigungen von SV und Ivo M. erhalten, weil er in zwei Notizen zum Bohkott der Lagerkellerbrauerei in Dresden und zum Nichtbesuch einiger Lokale, die der Arbeiterschaft nicht zur Versügung stehen, aufgefordert haben soll. Irr bcantragke richterliche Entscheidung und bestritt, gestützt auf das bckaniite Reichs« gerichtsinteil, die Gilltigkeit der angezogenen Polizeiverordnung. Das Gericht kam aber zur Verurteilung. ES blieb bei den inden Straf- befehlen ausgeworfenen Strafen. 6e werh PchaftUcbc**« Me Ontcrnehmer Verträge respektieren. An der allgemeinen Aussverruna im Baugewerbe in die Taktik, die den Maßnahmen der Unternehmer gegenüber einzu- schlagen seien. Die daran von der bürgerlichen Presse geknüpften Schlußfolgerungen sind hinfällig. Der Kampf gehl weiter. Ob und wieweit nach Weibnachten eine Aeuderung eintritt, ist noch nicht zu sagen. Bei den Unternehmer» scheint trotz aller zur Schau ge- Schukunterricht laut gesetzlicher Vorschrift außerhalb der ortt« üblichen BerufssArbeits-Zzeit anzusetzen ist.' Also will und befehl' ich! Wie würden die Patrioten und die Negierungsmänner über Frechheit toben, wenn Arbeiter es für gut besänden. in solcher Form ihre„Wünsche' zu— diktieren! Die erste geprüfte Flcischermeistcrrn. Im Schlachthofe zu Straubing hat sich unlängst Frau Branereibesitzer Lültich von Ergoldsbach der Meisterprü'ung im Fleischergewerbe unterzogen. Sie lötete mit Sicherheit und Gewandtheit eiilen Ochsen und schlachtete handwerksgcrccht ein Schwein und ein Kalb; auch die theoretische Prüfung bestand sie mir gut._ Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge in der Schweiz. Die Schweizerische gemeiinüitzige Gesellschaft hat Erhebinigcn gemacht über den Stand der Wöchnerinnen- und Sänglingefürsorge in der Schweiz, deren Resultate zeigen, daß auch auf diesem Gebiete sozialer Füriorge fortschrittliche Bemühungen am Werke sind. Der Artikel 1ö des Bundesgesctzes betreffend die Arbeit der Schivangcren und Wöchnerinnen in den Fabriken enthält die Be- stimmung, daß die Wöchnerinnen vor und nach ihrer Niederkunft, im ganzen während acht Wochen, nicht in Gewerben beschäftigt werden dürfen, die diesen Gesetzen unteistellt sind. Ihr Wieder- eintritt ist an den Nachweis geknüpft, daß seit ihrer Niederkunft mindestens sechs Wochen verflossen sind. Die Kantone St. Gallen und Baselstadt haben diese Geietzesbestimmung dahin erweitert, daß es hochschwangeren Personen jederzeit gestaltet sei, auf bloße An« Meldung hin von der Arbeit weg zu bleiben. St. Gallen verbietet auch in seinem Arbeilerinnenschutzgesetz die Erteilung von Ueberzeit« bewilligung a» Schwangere. Eine sehr erfreuliche Talsache ist, daß der Ständerat im Gesetz, betreffend die Kranken- und llnsallversicherung, den Wöchnerinnen- artikel ohne Widerspruch angenommen hat. Dieser bestimmt, daß die Kassen auch das Wochenbett als versicherte Krankheit an- zuerkennen haben. Die Kasse hat der Wöchnerin die für Krank- Heilsfälle vorgesehenen Leistungen während mindestens sechs Wochen zu gewähren. Als eine große Wohltat erweisen sich die Frauenkliniken, die meist den Kantonsspitälcrn angegliedert sind und die besonderen Entbindungsanstalien zur Aufnahme von Wöchnerinnen. In der geburtshilflichen Abteilung dieser Anstalten werden arme ledige, verheiratete und verwitwete Schnmngere meist gratis aufgenommen. In den Kantonen Zürich und Bern bestehen jetzt Sektionen des im Jahre 1£K)3 gegründeten schweizerischen Vereins sür Frauen-, Mutter« und Kinderschutz. Als kulturhistorischer Beilrag sei bemerkt, daß der Kanton Schwyz, wo in den meisten Kranken- und Armenhäusern Krankenschivestern augestellt sind, die Statuten diesen verbieten, Wöchnerinnen zu pflegen. Aus dem Gebiete der SäuglingSsürsorge wird die Gründung von Stillstuben in den Fabriken gefordert und die Verabfolgung von Stillprämien. Zürich besitzt eine stattliche Anstalt sür erlrankte Neugeborene in Verbindung mit der Frauenklinik. Sie trat lV03 in Tätigkeit. Dieses Säuglingsheim enthält zwölf Betten. Die sich gerne von Bett zu Bett verbreitenden Krankheiten werden dadurch zu verhüten versucht, daß man die innere Einrichtung der Zimmer entsprechend anordnet. Jedes Kind erhält sämtliche Gebrauchs« gegenstände in einer vollständigen Garnitur. Zur Pflege von Früh» geburten ist ein Brutapparat vorhanden. In St. Gallen besteht ein Kinderheim für Säuglinge und kleine Kinder. Freiburg und Lausanne besitzen ebenfalls Säuglingsheime. Von großem Segen sind die Krippen, wo die Kinder tagsüber ausgenommen werden. Es existieren deren öS in der Schweiz,»eben den 29 Asili b'Jnfanjia im Kanton Tessin. Endlich sucht da? eidgenössische LcbenSmittelgcsetz durch wichtige Bestimmungen über die Milch dem Unfug auf diesem Gebiete zu steuern, um den Säuglingen eine gcinnde Milch zu sichern, während gemeinnützige Vereine und Gesellschaften für»lassenhofte Verbreitung guter aufklärender Schriften in dieser Hinsicht sorgen. Was Mntter verdient. Die amerikanische„Brauer- Zeitung� veröffentlicht folgende Unterhaltung:„Mutter steht zuerst auf,' sagte der junge Lausbursche.„Sie macht Feuer und beieilet mein Früh« stück, so daß ich früh hier sein kann. Dann weckt sie Vater, gibt ihm sein Frühstück und schickt ihn weg. Nachher bekommt sie und das Kleine ihr Frühstück.'—„Was verdient ihr?'—„Ich verdiene drei Dollar die Woche, Vater drei Dollar den Tag.'—„Und waS verdient Mntter?'—„Mutter sagte er erstaunt.„Wieso? Sie arbeitet doch für niemand.'—„Oh, ich dachte» sie arbeite jeden Morgen für die ganze Familie."—„Oh, das ist für unS—— ab« damit wird doch kein Geld verdient.' L,ctzU ffacbrsdrtan. Aus der französisckken Deptitiertenkammer. Paris, 23. Dezember.(23. T. 23.) In der heutigen Sitzung der Deputiertenkammcr drang bei der Weitcrberatung der Interpellationen über die Ereignisse in Wadai Admiral Bieraime auf eine entschicdcncre Kolonialpolitik. Kolonial» minister Morel erwiderte, der Kampf von D r i j e l e sei ein ruhmreicher Sieg gewesen, wenn er auch mehreren tapferen Sol- baten das Leben gekostet habe.(!!) Er sei keine Ueber« r a s ch u n g gewesen, sondern eine Episode in der 23ekämpfung von Räubern. Der Gouverneur habe den Obcrstleuwant Moll er- mächtigt, gegen Massalit eine Strafexpedition zu unter» nehmen unter der Bedingung, sich nicht im Lande festzusetzen. Augagneur sprach die Ansicht aus, man sei nach Wadai ge« zogen, nicht nach einein festen Plan, sondern, indem man sich immer weiter in die Sache habe hineinziehen lasten. Er wünschte eine vom Parlament vorgeschriebene, feste Kolonialpolitik. Kolonialminister Morel setzte dann auseinander, Frankreich habe zurzeit im Tschadseegebiet zwei Bataillone in Stärke von 1600 Mann. Der neuerncmntc Oberbefehlshaber Oberst Lar» geau brauche drei Bataillone, damit er zu seiner Verfügung 600 Mann behalte. Oberstleutnant Moll habe bei Drijele nur 300 Mann gehabt. Der Minister sprach die Hoffnung aus, daß die Kammer seine Entscheidungen billigen werde. Die Weiterberatung wurde auf morgen vertagt. Der Senat hat den von der Deputiertenkammer«n» genommenen Gesetzentwürfen betreffend Herstellung und Berkauf automatischer Feuerzeuge sowie Verzollung eingeführter Feuerzeuge ebenfalls zugestimmt. Zum Wiener Franenmord. Wien, 23. Dezember.(Preß-Telegraph.) Tic verhaftete Blusennäherin Marie Bartonek sowie ihr Geliebter, der Arbeiter T ch c r n y haben gcstalidcn, gemeinsam die vierzigjährige Luise Weiß ermordet zu haben. Die Bartonek erdrosselte das Opfer, worauf Tcherny die Leiche zerstückelte. Die geraubten Wertgegenstände wurden in einer Leihanstalt versetzt, wo sie bereits beschlagnahmt sind. Schwere Fenersbrunst. Neto Orleans, 23. Dezember.(W. T. B.) Eine Feuers« brunst in dem Geschäftsviertel der Stadt hat einen bedeuten» den Schaden angerichtet Man besürchtek, datz drei Menschen umgekommen sind. Agni Singer sc Co� Berlin LW, Hierzu 3 Beilagen».Unterhaltung»»», diesem Jahre waren auch die Unternehmer in Kiel beteiligt. Wie allgemein bekannt, waren die Unternehmer im ganzen Reiche nach der Aussperrung dem Schiedsspruch der unpar- teiischen Richter in Dresden entsprechend verpflichtet, sür die vorgesehene Vertragsdaner bis zum Jahre 1913 allen Ar- beitern pro Stunde 5 Pf. Lohnzulage zu gewähren. In Kiel weigerten sich die Unternehmer, diese Lohnzulage für einen Teil der Bauhilfsarbeiter eintreten zu lassen. Aus diesem Grunde sollte zwischen einigen Mitgliedern der Ver- bandsleitung der Arbeiterorganisationen und Vertretern des Arbeitgeberverbandes unter dem unparteiischen Vorsitz des Gewerbegerickitsvorsitzenden in Kiel verhandelt werden. Im Verlaufe der Verhandlung äußerte sich der Vorsitzende, daß die in Frage stehenden Arbeiter nach seiner noch ausstehenden Entscheidung keine Lohnzulage erhalten würden. Durch diese Aeusiernng sahen sich die Arbeitervertreter veranlaßt, die Fortsetzung der Verhandlung abzubrechen. Die Unternehmer bezichtigen jetzt die Vorstände der Arbeiterorganisationen, böswillig die Verhandlungen hintertrieben zu haben, wodurch es den Kieler Unternehmern freistünde, unabhängig von den Bestimmungen des Vertragsabschlusses im Baugewerbe die Arbeiter zu zwingen, auf die Bedingungen der Unternehmer einzugehen. Kürzlich hat der Unternehmervertreter, Zimmer- meister Frauen, nun den Vorsitzenden der Bauarbeiter um eine Unterredung gebeten, wobei er dem Arbeitervertreter bekanntgab, daß die Unternehmer eine Arbeitsordnung aus- gearbeitet hätten; diese bedeutet eine Verschlechterung gegen- über den Bestimmungen des Vertragsabschlusses, wie er im Baugewerbe besteht. Diese Arbeitsordnung soll ab 15. Ja- nuar 1911 in Kraft treten. Die Arbeiter aber— so kalkulierte Herr Frauen— würden sich diese dem Vertrage wider- sprechende Arbeitsordnung nicht gefallen lassen und mit einer Arbeitsniederlegung antworten. Bei diesem im Winter von den Unternehmern heraufbeschworenen Streik würden denn die Unternehmer schon die Arbeiter mürbe bekommen. Der Herr dürste sich dabei verkalkulieren. Immerhin ist die ganze Handlungsweise bezeichnend für die Auffassung der Unternehmer über die Beachtung abgeschlossener Tarif- Verträge._ Berlin und Clmgegend« Das Berliner Arbeiter-Sekretariat Im Gewerkschastshause hält am WeihnachtS-Heiligabend und am dritten Festtag keine Sprechstunde ab. Eine vorsichtige„Berichtigung". Herr Jakob Minier, Gewerkichaftssekreiär, Berlin 0. 17, Rüdersdorfer Straße 60, sendet uns folgende Zuschrift: Die im„Vorwärts' Nr. 297, vom 20. 12. d. Jahres, auf- gestellte Behauptung:„Inzwischen waren auch die„Aasgeier deS Scklachtseldes", die Hirsche und Christen, aus dem Plane er- schiene». Die Vertreter derselben gingen bei Freese ein und aus, um das Feld für ihre Verrälertaktik zu sondieren', ist, soweit die christlichen Organisationen der Metall- und Holzarbeiter in Frage kommen, unrichtig. I. A.: Jakob Mutter, Gewerkschaftssekretär, Berlin O. 17. Neben den Holz- und Metallarbeitern kommen die Transport- und Fabrikarbeiter, und neben der von Herrn Minter vertretenen Richtung auch die„christlich-nationalen" Arbeiter in Betracht. So- wohl diese wie auch die christlichen Verbände werden ebenso wie die Htrsch-Dunckerschen von der Maßregelung durch Herrn Freese ausdrücklich ausgeschlossen. Herr Minter ist vorsichtig genug, auf eine allgemeine Wendung für eine beschränkte Gruppe zu berichtigen. Eine„Straf"-Entlassung bei Garbaty. Eine Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin des Deut- fchen Tabakarbeiterverbandes, welche am Freitag in den Musiker« sälcn in der Kaiser-Wilhelmstraße stattfand, beschäftigte fich Haupt- sächlich mit den Zuständen bei der Zigarettenfabrik Garbaty. Uebereinstimmenid wurde von mehreren Rednern über die BeHand- lung der Arbeiter in dieser Fabrik und über das Denunziantentum, das dort systematisch gezüchtet wird, geklagt. Unter anderem wurde folgender Vorfall mitgeteilt: Irgendein dummer Junge riß im Klosett ein Plakat ab und schrieb beleidigende Aeutzerungen gegen den Geschäftsführer an die Klosettwand. Der Herr Ge« schäftsführer Junge fand es nun nicht unter seiner Würde, auf oiesen dummen Jungenstreich zu reagieren und leitete ein Hochnot- peinliches Verfahren ein, um unter Hunderten von Arbeitern den Schuldigen herauszufinden. Es wurden eine Anzahl Personen einzeln vernommen, jeder mußte eine Schriftprobe machen. Dann wurde ihnen auf den Kops zugesagt, s i e wären es gewesen. Wenn das keinen Eindruck machte, kam man mit dem 2Z«rsprechen der dauernden Beschäftigung, wenn der Täter namhaft gemacht würde. Der letzte der also vorgenommenen Arbeiter wurde auf der Stelle entlassen. Außerdem wurde ihm mit der Ausweisung gedroht. Als die Fabrikkommijston sich an den Geschäftsführer mit dem Er. suchen wandte, ihr zu gestatten, die Schriftprobe des betreffenden Kollegen mit der Schrift in dem nun verschlossenen Klosett zu vergleichen und nachzuprüfen, wies dieser die Kommission schroff zu- rück. Warum gab Herr Jung« der Kommission, die ihm sagte, daß sie diesen dummen.Jungenstreich ganz entschieden verurteile, nicht die Möglichkeit zum Schristenvergleich? Das ganze Verfahren konnte bei der großen Anzahl von Arbeitern natürlich zu keinem Ziele führen. Aber Strafe mutz sein bei Garbaty, und wenn man den wirklich Schuldigen nicht fand, so traf das Verdikt wenigstens wieder ein unbequemes Verbandsmitglied. Es liegt System in diesen Entlassungen und in diesem bei jeder Pastenden Gelegenheit wiederholten Hinweis auf drohende Ausweisung.— Welche Nervenfolter mutz es seiu, unter solchen Umständen sein karges Brot bei der Firma zu verdienen. Zwingend« Notwendigkeit müßte es aber für jeden Kollegen sein, nun erst recht für den Verband zu arbeiten, damit endlich auch bei Garbaty Menschen, auch wenn es Arbeiter sind, so behandelt werden, wie es sich gebührt I Oeutfesies Reich. Die„Wirtschaftliche Rundschau" im„Correspondenzblatt der Generalkommission" wird vom Januar ab an Stelle Richard Ca l w e rS wieder Max Schippe! bearbeiten. Statt Lohnerhöhung— Lohnkürzungen. Nach der Ablehnung der Vergarbeiterforderungen kürzen die Bergherren jetzt sogar noch die Gedinge der Schichtlöhne. Auf Zeche Preußen I wurde in den letzten Tatzen vielen Bergarbeitern der Lohn um 30— öv Pf. pro Schicht gekürzt. Auch auf Zeche Glückauf- Segen und einigen anderen Zechen wurden in den letzten Tagen Lohndrückereien gemeldet. Die Unternehmer bekümmern sich den Teufel um die gedrückte Lage und die erregte Stimmung der Bergleute._ Aum Kampf in der Pforzheimer Edelmctalliitdustrie. Entgegen den Meldungen bürgerlicher Blätter, die von einer baldigen Beendigung dvs Kämpfes etwas wissen wollen, können wir mitteilen, daß die Situation nicht verändert ist. Eine Abstimmung, die unter der Arbeiterschaft stattfand, diente der Klarstellung über rragenen ciimaaigieoiglett ziemcicye«ilmmung zur eine«eenoigung des Kampfes vorhanden sein._ Erfolgreicher Malzereiarbcitcrstreik. Nach eintägiger Dauer ist der Streik der Mälzcreiarbeiter in F r a n k e n t h a l jPsalz) mit Erfolg beendet. Die Zilgesiändiiisse, die im Tarifvertrag niedergelegt sind, wurden von den Streikenden einstimmig angenommen und am 20, Dezember geschlossen die Arbeit aufgenonnnen._ Hust and. Im Lütticher Kohlenbecken ist ein BergarbeiteranSstand ans- gebrochen. Es streiten außer S00 Mann der Grube von Tilcur mehrere Hundert Mann in St, Nikolaus auf der Grube Corbeanx. Außerdem streiken in Flcmalle 200 Bergarbeiter, desgleichen 250 aus der Grube Bounefin, Eine weitere Ausdehnung der Ausstands- bewegung wird befürchtet._ Ein blutiges Klasienurteil. Der Syndikatssekretär Durand war vom Schwurgericht in Ronen zum Tode verurteilt. Er sollte angeblich zur Ermordung des Streikbrechers Dongs aufgefordert haben. Durand hatte gegen das Blutnrteil Berufung eingelegt. Selbst die Witwe des Ermordeten hat sich gegen dieses Urteil ausgesprochen und öffentlich dagegen protestiert, daß jemand, der keinerlei Gewalt gegen ihre» Mann verübt habe, zum Tode verurteilt worden ist. Der Kassatious- hos hat aber jetzt das Bluturteil bestätigt!. Ein allgemeiner Lohnkampf der Strasienbahnangestellten in Kristiania scheint jetzt unvermeidlich. Es haben zwar in den letzten 2Nochen wiederholt Verhandlungen stattgefunden, aber eine Einigung ist nicht erzielt worden. Die Gesellschaften sind schließlich mit einem Angebot gekommen, wonach die Angestellten vom Jahre 1914 ab Lohnerhöhungen von 20 und 25 Kronen pro Jahr erhalten sollten, wofür obendrein noch e ine kleine Verlängerung der Arbeitszeit und Einschränkung der Freizeit in Aussicht gestellt wurde. Die Angestellten haben dieses Angebot selbstverständlich abgelehnt. Sie sind zwar noch zu weiteren Verhandlungen bereit, aber da sie bereits sämtlich von den Gesellschaften ihre Kündigung erhalten haben, sind sie zum 1. Januar auf die allgemeine Aus- sperrung vorbereitet._ Die französischen Gewerkschaften im Jahre 1909. Die Gesamtzahl der französischen Unternehmer- und Arbeiterorganisationen, über die das französische Arbeitsamt berichtet, stieg im Jahre 1909 von 14 474 Gewerkickiaslen und 2117 629 Mitgliedern auf 14 842 Gewerkschaften mit 2 196 940 Mitgliedern, darunter 4948 Gewerkschaften mit 813 038 landwirtschaftlichen Arbeitern und Besitzern— die„landwirtschaftlichen' Syndikate sind meist gemischte Organisationen. Das Organisationsverhältnis ist durchweg bei den Unternehmern am besten, ei» Beweis, wie sie in kurzer Zeit vom organisierten deutschen Scharfmachertum zu lernen verstanden haben, wie aus folgender Aufstellung ersichtlich(die landwirtschaftlichen .gemischten' Syndikate find in der Ausstellung nicht enthalten): Mitgliederzahl Ende 1909 Unternehmer-Organisation Arbeiter-Organisafton Prozentsatz Prozentsatz Jndustriegruppe Insgesamt der Insgesamt der Organisierten Organisierten Proz. Proz. Land- und Forst« Wirtschaft...»7016 1,35 66 143 1.89 Bergbau.... 262 67,36 67 867 37,43 Steine und Erden 232 3,30 14 693 24,26 Lebensmittel.. 144 962 28.33 49 847 8,16 Ehem. Industrie. 4 972 82,62 39 604 34,80 Papier.... 7 957 81,66 26 305 20,59 Leder und Häute. 3 316 7,87 25 937 17.30 Textilindustrie., 6 883 7,43 78 664 13,13 Bekleidung... 8 466 4,77 26 585 6,04 Holzindustrie.. 6 092 6,38 37 739 16,97 Metallindustrie.. 13 717 17,83 91 729 16,33 Töpferei usw... 2 260 16.01 19 984 13,31 Baugewerbe.. 23 666 16,64 102 260 19,18 Trauspor' u.Hande! 46 766 32,67 298 711 26,79 Häusliche Dienste. 10 209 30,63 16 146 1.68 Freie Berufe,. 43 293 37,36 26 222 16,09 Insgesamt 368 547... 977 350... Hierdon gehören etwa 400 000 der Confvdöration Gönorale du Travail, der französischen gewerkschaftlichen LandeSzenttale, an. Die Zahl der Arbeitsbörsen stieg im Jahre 1909 von 143 mit 2598 Gewerkschaften und 455 790 Mitgliedern auf 145 mit 2506 an« geschlossenen Gewerkschaften und 520 662 Mitgliedern. Die Zahl der angeschlossenen Gewerkschaften sank um 92, während sich die Mit- gliederzahl um 64 872 vermehrte. Das scheint aus eine Konzentration der kleinen Gruppen hinzudeuten und deren bedürfen die fran- zösischen Gewerkschaften zurzeit wohl am nötigsten. Soziales. Wohnungsbau durch die Stadt Zürich. Mik 13187 gegen 4 857 Stimmen wurde in der Volksabstim- mung vom 18. Dezember die Bewilligung von 5 260 000 Franken zur Errichtung von 228 Wohnungen in 73 Häusern auf städtischem Gelände bewilligst. Mit der Ausführung dieses Bauplans wird die Stadt etwa 800 Wohnungen im Besitz haben. 1908 waren es, außer einer größeren Zahl Dienstwohnungen 265. In diesem Jahre kamen 225 hinzu, die 1907 nach hartem Kampf mit 18 032 gegen 7 590 Stimmen bewilligt worden waren. Diesmal war der Kämpf nur gering, da nur die reaktionärste Richtung des Gewerbevcreins, dem die Wohnungswuchercr gutenteils angehören, sich dem städti- schen Unternehmen widersetzte. Die Vorlage erhielt in allen, selbst den gutbürgerlichen Kreisen die Mehrheit, die im proletarischen dritten 4500 Stimmen betrug. Bereits ist ein noch weit größeres Unternehmen: die Errichtung von etwa 700 Wohnungen nach den Grundsätzen der Gartenstadtbewegung, ins Auge gefaßt. )Zus der frauenbnvegung. Gegen Arbeiterinnenschutz. Noch um eine Nuance schärfer im Ton als der Bund der In- dustriellen, offerierte vor einiger Zeit eine Delegiertenversammlung des ZentralverbandeS, in dem die Montanindustriellen vereinigt sind, der Regierung ihre Befehle in der Frage der Gewerbeordnung und Reichsversichernng. In einem von den Herren votierten Beschluß heißt es u. a.: „Wiederholten und dringenden Einspruch muß der Zentralverband gegen die in der neuen Novelle beibehaltene Be- stimmung Über die Ausdehnung des FortbildungsschulzwangeS auf weibliche Arbeiter bis zu 18 Jahren erheben.... ES muß m i t Entschiedenheit verlangt werden, daß, falls ungeachtet der begründeten Einwände der Industrie die bestehenden Be- stimmmigen eine Abänderung erfahren sollen, die Höchstgrenze für den Fortbildungsschulzwang der Arbeiterinnen nicht über das 16. Lebensjahr hinaus gelegt wird, und daß deS weiteren der HttaniVj SfckBii.; BiSard Lsrtjh Berlig. Jnjergtenteil verantw-! rtz. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Perlqg»äUft.aU lt. 301. 27. Jahrgang. I KtilM Ks Jotiüiitls" finiiiitt Jlollisliliilt, Zonnabeud, 24. Aezember 1910. Die Moabiter Vorgänge vor Sericht. Zweiunddreißigster Tag. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung wurden zwei Zeuginnen der- nomnien, Frau K ö r st l i n g und Frau Wagner, welche folgende» Vorgang schildern: Die beiden Frauen fasten am Abend des 28. Sep- temöer in der Hunenstraste am Kanal. Gegen 10 Udr sahen sie, dast acht bis zehn Schutzleute angestürmt kamen. Die beiden Frauen sprangen ängstlich auf und wollten ins Haus, wo sie ivohnen. Frau Körstling, die von einem Schutzmann verfolgt wurde, flüchtete sich in ein Neben- haus. Frau Wagner erreichte ihr Wohnhaus. Als sie drin war, hielt ein Mann von innen die Tür zu. Drausten rief ein Schutzmann: „Tür auf,»der wir schlagen die Scheiben ein. Der Mann liest die Tür los. der Schutzmann verfolgte ihn bis auf die Treppe. Als der Schutzmann zurückkam, lief er mit erhobenem Säbel aus die in, Hofe stehende Frau Wagner zu und schrie sie an:„Für Ench Bagage ist »S Zeit zu Bett zu gehen." Kaufmann Heise, ein Zeuge der Staatsanwaltschaft hat nichts gesehen. Eisendreher Löckner hat von seinem Balkon in der Beusiclstraste folgendes gesehen: Am 28. September abends war die Straste leer von Menschen, nur Schutzleute standen an allen Ecken. Wenn sich irgendwo zwei Passanten zusammen blicken licsten, wurden sie von Schutzleuten aufgefordert, zu laufen. Wenn sie nickt schnell liefen, wurden sie geschlagen, sowohl von uniformierten Schutzleuten mit dem Säbel, als auch von Kriminalbeamte» mit Gegenständen, die diese aus den Taschen holten. Ein junger Mann ging ganz allein und ganz ruhig die Straste entlang. Ein hinter ihm her kommender Kriminalbeamter zog etwas aus der Tasche und schlug damit de» jungen Mann über den Kopf. Der junge Mann sah sich verdutzt um. Da belam er noch einen Schlag. Er rannte weiter, da war die Straste durch Schutzleute gesperrt. Die trieben den Mann mit dem Säbel zurück. Er rannte nach der anderen Seile. Da wurde er ebenfalls mit dem Säbel zurückgejagt. Der junge Mann rannte wieder nach einer anderen Ecke. Auch da standen Schutzleute. Die fielen über ihn her und schlugen ihn mit Säbeln, dast er zu Boden stürzte. Das alles geschah in Gegenwart von zwei Polizriofsizieren. Als der junge Mann nieder- geschlagen wurde, schrie eine Frau, die an einem Fenster stand, vor Entsetzen auf. Da rief einer der Offiziere nach oben:„Fenster zu oder ich schieße I" Am 29. sah der Zeuge an einer Srrastenbahn- Haltestelle zwei gut gekleidete Herren stehen. In nächster Nähe stand eine Anzahl von Schutzleuten. Einer derselben wies auf die beiden Herren an der Haltestelle und sagte zu einem anderen Schutzmann: „Jetzt werde ich die beiden mal auseinander treiben". Dann ging der Schutzmann zu den beiden Herren und sagte:„Weiter gehr» l" Die Herren bemerkten höflich, sie wollten mit Linie 17 fahren. Nochmal rief der Schutzmann:.Weiter gehen" und stieß dabei die Herren, dast ihre Zqlinderhüte zu Boden fielen. Kanzleiinlpektor Meier ist auf dem Wege zum und vom Bureau, morgens und nachmittags um 4 Uhr unbehelligt durch die Polizeiketten gekommen. Abends war er zu Hause und hat von dem Augenblick an, wo die Polizei kommandierte:„Fenster zu oder wir schiesten", nicht mehr zum Fenster hinausgesehen. Der Zeuge kann deshalb nichts mehr von Bedeutung angeben. Unter anderem sagt er. dast an der Reformationskirche während des Tumults ein Hornsignal ertönte. Näher hierüber befragt, meint der Zeuge, es werde wohl eine Kindcrtrompcte sein, die er hörte. Frau R o l l i n hat unter anderein gesehen, dast zu Zeiten, wo keine Ansammlungen herrschten, Leute, die nicht so schnell liefen, wie es die Polizei verlangte, von Schutzleuten mit dem Säbel und von Kriminalbeamten mit Stöcken geschlagen wurden. Bäcker Benicke wurde durch eine SchutzmannSkette hindurch- gelassen, nachdem er gesagt hatte, dast er zur Arbeit gehe. Kaum war er ein Stückck.n weiter gegangen, da bekam er von einem Schutzmann von hinten einen Faustschlag ins Genick. Ferner sah der Zeuge, dast ein Mann von einem Schutzmann ge- schlagen wurde. Ein hinzukommender Herr sagte:„Die Hälfte wäre auch genug." Da liest der Schutzmann den Mann, den er geschlagen hatte, los und schlug den Herrn.— Ein anderer Mann, der bereits Kleines feuilleton. KänigSberger Sittlichkeit. Das Königsberger Polizeipräsidium hatte die Aufführung von Wedekinds Kindertragödie„Frühlings Er- wachen" verboten. Besondere Rücksicht auf die akademische Jugend hatte dabei obgewaltet. Die Kenntnis der Statistik über die unter den Studierenden verbreiteten Geschlechtskrankheiten und einige Einsicht in den künstlerisch-ernsten Charakter des Dramas hätte zweifellos daS Verbot und seine Motivierung hintangehalten. Jndesien... Die gegen das Verbot eingereichte Beschwerde wurde vom Regierungspräsidenten wie folgt beschiede»:„Die Kinder- tragödie„Frühlings Erwachen", welche im hiesigen Stadttheater nach dem Wortlaut des anliegenden Bühnenmanuskripts ohne wesentliche Streichungen aufgeführt worden ist, stellt ver- schiedene unsittliche Handlungen dar und erörtert sie in einer Weise, welche geeignet ist. die Sittlichkeit zu gefährden. Abgesehen von einer Reihe das Schamgefühl schwer verletzender Redewendungen wirken besonders die dritte Szene des zweiten Aktes und die vierte Szene des dritten Aktes anstöstig. Ueber Begebnisse, wie die dort geschilderten, pflegen die Gerichte unter Ausschluß der Oeffenllichkcit wegen Gefährdung der Sittlichkeit zu verhandeln. Um so weniger darf die Polizeibehörde solche Darstellungen in der breiten Oeffentlichkeit einer jedermann zugänglichen Schaubübne zulassen. Wenn„Frühlings Erwachen" auch in einer grösteren Anzahl von preustischen Städten auf- geführt worden ist. so lassen sich daraus keine Folgerunge» für das notwendige Verhalten der Polizeibehörde anderer Städte ziehen. Denn einmal folgt daraus, dast eine polizeilich unzulässige Handlung ohne Eingreifen einer Behörde begangen worden ist, nicht, dast sie auch von anderen Behörden geduldet werden must. Dann aber rst nicht zu übersehen, dast„Früblings Erwachen" in den meisten anderen Städten mit sehr erhebliche» Streichungen bezw. vor einem beschränkten Personenkreise aufgeführt worden ist. Beides ist hier nicht geschehen. Nach alledem war daS Verbot des hiesigen Polizei- Präsidenten als begründet anzusehen." Belustigend ist es es. dast„die polizeilich unzulässige Handlung" einer Aufführung von„Frühlings Erwachen" sogar im biederen Tilstt vor sich geht, und weiter, dast in Königsberg weit mehr gestrichen wurde als anderswo. Indessen... Damit zukünftig die Theater vor den Gerichten nichts mehr voraushaben, dürste es sich nach der neuen Königsberger Logik empfehle», auch in die Theateranfführungen den teilweisen AuSschlust der Oeffentlichkeit einzuführe» sden gänzliche» haben wrr ja schon). Auch könnte man dabei individualisiere». indem je nach Bedarf Kinder, Studenten, Frauen oder Sozialdemo- traten auf ein paar Szenen das Lokal zu verlassen hätten. Die Verbreitung deß JSlam auf der Erbe. Soeben veröffent- lichen die türkischen Zeitungen eine Statistik der mohammedanischen Bevölkerung der Erde. Ohne Zweifel läßt eine solche Statistik in- folge der Schwierigkeit der Feststellungen manche Ungenauigkeiten zu, doch ist das Resultat im großen ganzen wohl richtig. Demnach gibt eS im Ottomanischen Reich ungefähr 27 Millionen Mohamme» baner, von denen drei Millionen auf Europa und 24 Millionen auf am Boden lag, wurde immer noch von Kriminalbeamten geschlagen. Der Misthandelte rief: „Hilfe, Schutzmann." Da kam ein nniformierter Schutzmann hinzu. Mit den Worten: „Du hast noch lange nicht genug" schlug er den am Boden Liegenden mit dem Säbel. Kandidat Mäh begleitete eine ältere Dame, kam dabei in eine von der Polizei zurückgetriebene johlende und lärmende Menschenmenge und dabei dichr an die Schntzinannskelte. Er stellte dem Polizeioffizier vor. dast die Dame nicht schnell laufen konnte. Der Offizier nahm darauf Rücksicht und sagte die Dame solle so schnell laufen wie sie könne. Ein Gelber„gcpötcrt". Hierauf werden mehrere Zeugen zu dem schon früher erörterten Falle vernommen, wo ein von Schutzleuten mißhandelter Mann sich unrer einem Wagen verkroch. Dieser Mann ist der Arbeite rBuske. Er sagt als Zeuge aus, dast er durch die Sickingcustraste kam, als gerade eine Attacke gemacht wurde. Er wurde umgestoßen, von Schutzleuten mit dem Säbel geschlagen und kroch dann untcr cincn Brotwagen. Da wurde mit Säbeln nach ihm„gepölert", wie der Zeuge sagt, um ihn uuter dem Wagen her- vorzubringen. Der Zeuge hat vor Angst die Augen geschlossen und deSbalb nichl alles gesehen, was in der Zeit geschah, als er unter dem Wagen lag. Durch die Prügel, die der Zeuge bekomnren hat, ehe er unter den Wagen kroch, ist er auf dem Rücken verwundet worden. Zwei Löcher im Hut des Zeugen lassen auf Schläge gegen den Kopf schliesten, von denen er aber nichts weist. Ans Ber- anlassung des Vorsitzenden wird dem Zeugen ein Polizeileutnants- degen in die Hand gegeben, mit dem er vormachen soll, wie nach ihn»„gepötert" wurde. Der Zeuge macht mit der Waffe mästige Bewegungen zwischen den Beinen eines Tisches.— Auf eine Frage des Rechtsanwalts Heinemann antwortet der Zeuge, daß er Mitglied eines gclbcn Wcrkvcreins ist. Journalist Steinberg, der auch bei dem hier in Rede stehenden Vorgange zugegen war, erkennt in Busle nicht den Mann, der unter dem Wagen lag. Er erinnert sich auch nicht, ob es zur fraglichen Zeil so hell war, dast man die Person genau erkennen konnte. Frau Marigraf hat gesehen, dast BuSke von mehreren Schutzleuten und einem Leutnant ohne Veranlasiung niedergeschlagen wurde und dann unter den Wagen kroch. Da haben dann 3 bis 4 Schutzleute und der Leutnant nach dem Manne mit den Säbeln „gestökcrt". Dabei hörte die Zeugin, dast von den Beamten gerufen ivnrde:„Du Aas, willst du raus, willst du raus". Auch diese Zeugin demonstriert mit dem Degen in der Hand, wie„ge- slökert" wurde.— Im übrigen hat sie noch folgende Wahrnehmungen gemacht: Bei der Attacke, die der Stökeraffäre vorherging, flüchteten Leute, die vor einem Hanse standen, in den Flur. Ein Mann, der im Hause wohnte, kam gerade mit einem Kinderwagen und konnte nicht gleich ins Haus lammen, weil ihn die Flüchtenden zurück- drängten. Der Mann bekam von dem Polizcileutnant cincn Säbel- hieb über dir Hand, welche stark blutete.— Ein junger Mann ging ruhig und anständig des Weges. Em Schutzmann herrschte ihn an: „Können Sie sticht schncller laufen?" Der junge Mann sah sich um. daraus wurde er ohne weiteres von dem Schutzmann mit dem Säbel geschlagen. Der Mann fiel hin. Dann kam der Leutnant und stieß drn am Boden Liegenden mehrmals mit dem Fuß. Nun schlugen auch mehrere Schutzleute mit Säbel» auf den Mann ein. Als die Attacke vorbei war, brachten mehrere Leute einen Mann in den Hausflur. Der Mann war fast ohn- mächtig und tonnte sich kaum auf den Beinen halten. Man lehnte ihn an die Wand und untersuchte ihn. Da stellte sich heraus, dast der Mann furchtbar zugerichtet war. Die eine Seite war ganz blutig und zerschlagen. Des PolizeiberichlerstatterS Gedächtnis. Journalist Steinberg tritt vor und sagt, jetzt glaube er den Zeugen Buske wiederzuerkennen, zwar nicht als den, der unter den Brotwagen vor dem Hause Sickingenstr. 7ö kroch, aber als einen, der an einem ähnlichen Vorgange beteiligt war, der sich zu einer anderen Zeit an einem Rollwagen abspielte, welcher an der Ecke der Beusselstratze stand, doch wisse er nicht, ob Buske unter den Rollwagen gekrochen oder von Schutzleuten um den Rollwagen herumgejagt wurde. Jetzt gibt Steinberg auch an, er erinnere sich, die asiatischen Provinzen entfallen. In Bosnien und der Herze« gowina sind nahezu 600 000 Muselmänner zu verzeichnen, zu denen noch etwa 100 000 in den anderen kleinen Donaustaaten kommen. Das Russische Reich zählt eine beträchtliche Anzahl von Mohamme- danern, 14 Millionen in seinen europäischen und 10 Millionen in den asiatischen Provinzen, also 24 Millionen auf 130 Millionen Gesamtbevölkerung. Das gesamte indische Kolonialreich Englands weist eine Bevölkerung von 260 Millionen Einwohnern auf; von diesen sind 60 Millionen Muselmänner. China mit seinen 400 Millionen Einwohnern hat ein mohammedanisches Kontingent von 40 Millionen zu verzeichnen. Afghanistan, Arabien, Persien und die übrigen unabhängigen Staaten Asiens weisen insgesamt etwa 30 Millionen Mohammedaner auf. Die holländischen Kolonien Java und deren Nachbarinseln sind fast gänzlich islamitisch; man schätzt dort die Zahl der Bekenner des Koran, alle Selten in- begriffen, auf 26 Millionen. Die Vereinigten Staaten beHerr- bergen fast eine halbe Million Muselmänner auf den den Spaniern entrissenen Philippinen. Das übrige Ozeanien zählt deren nur wenige. Um so mehr ist der Islam über Afrika verbreitet, dessen ganzer Norden und dessen Mitte mohammedanisch« Bevölkerung auf- weisen. Durch teils friedliches, teils kriegerisches Werben der- mehren die Jünger des Propheten die Zahl ihrer Anhänger von Tag zu Tag, als Verbreiter einer Zivilisation und Religion, die der der Neger weit überlegen und die dennoch leicht faßlich ist. Man schätzt die Zahl der Afrikaner, die sich zum Islam bekennen, auf 66— 70 Millionen. Die Ciesamtzahl aller Mohammedaner der Erde beträgt demnach augenblicklich nahezu 270 Millionen, ungrsähr ein Sechstel der Menschheit. Ihre Zahl nimmt rasch und stetig zu, teils durch Bekehrung, teils durch Geburtenzunahme. Musik. Die Komische Oper hat uns— am Donnerstag wieder einmal eine wirkliche Neuheit beschert: Waldemar W e n d- l a n d S komische Oper„Das vergessene Ich". Daß der äußere Erfolg groß lvar, tut wenig zur Sache; dast er mindestens durch die fröbliche und charakteristische Stimmung, die über Text, Musik und Aufführung liegt, gerechtfertigt war, ist wichtiger. Die Dichtung von Richard Schott greift ans Typen der italienischen Komödie zurück und versetzt sie in die Zeit vor hundert Jahren, als das alte kleine Herzogtum Berg als fron- zösisches Grostherzogtum eine Art von letzter Blüte fand. Der ge- prellte Alte ist hier ein Bildschnitzer, ein grauenhaft vergeßlicher Menich. Dast er eine Einladung junger Künstler vergessen hat, be- nutzen sie zu einer faschingsulkigen Rache. Sie reden ihm ein, er sei der Komponist Friedrich Schniitz und bringen ihn in dessen HauS.(Schmitz ist verreist.) Erst ist ihm das um so gräßlicher, als er Musik nun einmal nicht ausstehen kann. Aber er freut sich, in seiner jetzigen Lage ein reizendes Nichtchen imd Mündel zu haben. Joscfine freut sich nun samt ihrer Muhme Lisctte hinwieder an ihrem Liebsten, einem jungen Baumeister, dem aber der wirkliche Onkel nicht hold ist; und austerdem freuen sich die beiden Mädchen noch, den Bruder Ludwig Schmitz mit einem Rendezvous zu prellen. Der falsche Onkel hat nahezu sein Ich vergessen, macht sich aber dast es bei dem Vorgange am Brotwagen trübe und ziemlich dunkel war. R e ch t s a n w. Cohn stellt durch Fragen an Steinberg fest, dast er die Geschichte mit dem Rollwagen bei seiner früheren Ver- nehmung nicht erwähnt hat.— Auf eine Frage des Rechtsanw. Heine gibt Steinbcrg die Möglichkeit zu, daß sich die beiden Wagen- geschichten in seiner Erinnerung verschoben haben. F r a u M a r k g r a f g>bt noch an, dast der Mann unter dem Brotwagen zweimal„gestökert" wurde. Erst von drei bis vier Schutzlenten mit dem Leutnant, und als diese weggingen, kam noch ein Schutzmann nach, der nicht so schnell laufen konnte wie die anderen. Der„stökerte" nochmal nach dem Manne und sagte:„Du Aas, willst Du raus l" Zeuge Trebel ist der Mann, der mit seiner Frau und einem Kinde in: Kinderwagen ins Hans wollte und dabei von dem Polizei- lculnant mit dem Säbel über die Hand geschlagen wurde. Nach dem Manne unter dem Wagen— sagt dieser Zeuge— wurde gestochen. Auch dieser Zeuge must das demonstrieren. Er führt mit dem Polizeidegen einen energischen Stoß unter den Tisch aus. Die Erinnerung dcS Leutnants bleibt schwach. Polizeileutnant Folte bleibt bei den Angaben, die er schon bei der ersten Erörterung dieses Vorganges gemacht hatte. Frau Markgraf teilt noch folgenden Vorgang mit: Am 24. iah sie vom Fenster aus, daß thr Mann von der Arbeit nach Hause kam und beim Ueberschreiten des StrastendammeS von dem Polizcileutnant von hinten am Kragen gepackt wurde, als wenn er nach der Wache gebracht werden sollte. Die Frau rief dem Leutnant zu:„Das ist mein Mann, der hat doch nichts getan." Da lies der Leutnant den Mann los und sagte:„Na, dann behalten Sie Ihren Mann." Es werde» noch sechs Zeuge» und Zeuginnen vernommen, die alle mit voller Vestimnitheit sagen, dast nicht nur Schutzleute, sondern auch ein Leutnant nach dem Manne unter dem Wagen „stökcrtcn", wie einige Zeugen sich ausdrückten, oder„stachen", wie andere Zeugen sagen. Die Schutzleute koNUten nicht ordentlich heran an den Mann, aber der Leutnant konnte besser heran, weil iein Säbel länger ist, sagt ein Zeuge.— Reimann, Sekretär bei der Charlottenburger Polizei, der den Vorgang von seiner Wohnung aus beobachtet hat, sagt, seiner Meinung sei es ein Wachtmeister von kräftiger Gestalt gewesen, der unter dem Wagen slölerte.— S ch u tz in a n n M e i e r ist der Beamte, der wegen seiner Körperfülle nicht so schnell laufen konnte wie die anderen Schutzleute und deshalb bei der Attacke zurückblieb. Er ist— wie er angibt— im Vocbeilaufen an den Wagen getreten, um den darunter liegenden Mann hervorzuholen, weil ihm gesagt wurde, der Mann habe„Bluthunde" gerufen. Er, der Zeuge, habe sich nur gebückt und unter de» Wagen gesehen, habe aber nicht mit dem Säbel gestochen oder gestökert. Auf Verlangen des Leutnants Folte habe er von dem Manne abgelassen und sei den anderen Schutzleuten nachgelaufen. Widerspruch zwischen Zeugenaussagen. Rechtsanwalt Heine hält dem Zeugen vor, daß Leutnant Folte bei einer früheren Vernehmung sagte, dieser Zeuge(Schutz- mann Meier) habe mit dem Säbel unter dem Wagen gestochert und sei vom Leutnant Folte zurückgerissen worden.— Schutzmann Meier antwortet mit großer Bestimmtheit: Das kann der Leut» nant nicht gesagt haben. Es ist völlig ausgeschlossen, dast ich mit dem Säbel unter dem Wagen gestochert habe. Der Herr Leutnant lvar ja immer bei mir. Die ganze Sache spielte sich ganz schnell im Vorübergehen ab.— Rechtsanwalt Heine: Also Sie erklären es sür ausgeschlossen, dast Sie mit dem Säbel unter dem Wagen gestochert haben. Herr Leutnant Folte hat es aber gesagt.— Nach der Angabe einer Zeugin soll der Leutnant, der unter dem Wagen stocherte, eine Mütze gelragen haben. Polizeileutnant Folte erklärte darauf ganz bestimmt, er habe den Helm gelragen mit herabgelassenen Schuppeiikelten.— Nachdem noch mehrere Zeuginnen gesagt hatten, der Leutnant habe eine Mütze aufgehabt, erklärt Leutnant Folte, nach diesen Zeugenaussagen gebe er die Möglichkeit, eine Mütze ge- tragen zu haben, zu.— Polizeileutnant Heck II sagt hierauf, er erinnere sich bestimmt, daß Leutnant Folte zur fraglichen Zeit den Helm getragen habe. Ueber die Ausräumung des Krügerschen LokalS in der Sickingcnstraste, die fast zu derselben Zeit stattfand, als der Mann unter dem Wagen hervorgestökert wurde, machen mehrere zur Enlschädigung den Spaß, die jungen Leute zusammenzubringen. Schließlich bringt ihm ein grostberzoglicher Kannnerherr ob seiner angeblichen neuen Komposition fürstliche Gnade. Dann kehrt un- vermutet der wirkliche Komponist heim und findet sich nach einiger Entrüstung in de» allseits glücklichen Ausgang hinein. Also eine geschickt gemachte Komödie des Durcheinander, mit einer Spur von Eigenart an seelischer Charakteristik. Die Musik des jungen Tondichters bat jedenfalls das Verdienst, sich getreulich dem Text anzuschmiegen. Sie vermeidet die große Linie in der Schaffung von Themen; sie setzt ein charalteristisches Stückchen ans andere. Sie versteht es gut, für die burlesk komischen Bedürfnisse anders zu gestalten als für das ernst und heiter Lyrische: dort benützt sie mo- dcrneS Raffinement, hier die Schlichtheit der vom Rokoko zum Bieder» meier führenden Musik, dort kleckst sie virtuos musikalische Malerei, hier versteht sie, auch melodiös zu werden. Und sie vermag musikalische Komik nicht bloß durch die Klangfarben der Instrumente zu erreichen, sondern auch durch die Tonfolgen selbst. Und getreulich schmiegte sich dem Texte wie der Musik die Darstellung an. Was wir an Künsten und Künsteleien des nun bald scheidenden Opernunternehmens in mehreren fruchtbaren Jahren leimen gelernt haben, das kam wieder in charakteristischem Ulk und forcierter Zappeligkeit zur Geltung— eigenartig und einheitlich. Dazu hatte die Leitung auch gerade Glück, namentlich mit den männlichen Sängerstimmen. Der Held des Stückes und des Abends war Ludwig Mantler, der wahrhaft prächtige Bassist und packende Komiker mit tollem Ulk und frohem Gemüt.— Der Textdichter mag sich manches in der Auf- führung anders gedacht haben; den Kammerherr» wollte er„nicht etwa im Simplicisfiniusstil gespielt werden" lassen; aber das half nichts, wenn schon das Ganze samt der täppischen Bürgerwache von anno 1810 auch alle Grade vom Simplen bis zum Simpelsten durch- lief._ et. Notizen. --»Gustav Wustmann ist am Donnerstag im 67. Lebens- jähre in Leipzig gestorben, wo er als Stadibibliothekar und Archivar lange tätig war. Um dieser Tätigkeit willen, die mancherlei kulturhistorische Beiträge zur Geschichte Leipzigs eintrug, würde seiner hier freilich nicht gedacht werden. Eher schon wäre er hier als Redakteur der konservativen„Grenzboten" zu nennen, die er mit Freimut und unleugbar geschickt leitete. Unter allem schreibenden Volk bekannt geworden ist er aber als Ver- fasser(mit einem gewissen Recht kömrte man auch sagen: als Vater) von„Allerhand Sprachdummheiten". In dieser „deutschen Grainmatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen" hat er all' die Verunstaltrnigen und Vergewaltigungen leidenschaftlich bekämpft, die sich unsere Muttersprache von den ver- schiedensten Seiten her gefallen lassen muß. Gewist hat er' über- trieben und des öfteren geschulmeistert. Aber als Wecker ver- »linderten Sprachgesühls und Anfporner trägen Sprachgcwijsens hat er gar viel genützt. Die Zeitnngsleute, die so viel Sprachsünden auf dem Gewissen haben(beinahe so viele wie die Kaufleute und... Juristen) sind ihm zu Dank verpflichtet, und sogar Parlamentarier dürften ihn niit Nutzen lesen. Zeugen folgende Angaben: Obgleich e-Z im Lolal ruhig war, stürmte der Leutnant und mehrere Schutzleute hinein. Die Gäste wurden von den Schutzleuten hinauSgehaurn und von anderen Schutzleuten, die vor dem Lokal standen, nochmals verprügelt.— Als Ursache der Räumung des Lokals gibt Polizeileutnant Folte an, Journalist Steinberg habe ihn» gesagt, aus dem Lokal sei auf die Schntziente geworfen worden, alZ sie bei der Attacke dort vorüberkamen. Daraufhin habe er, Leutnant Folte, das Lokal räumen lassen.— Jo urnali st Steinberg sagt zu diesem Fall: Von den Gästen, die im Krugerichen Lokal waren, sei eine Fensterscheibe zertriiminert worden. Daö geöffnete Fenster sei völlig angefüllt gewesen mit Leuten, die über- und neben- einander zum Fenster hinaussahen. AuS dem Fenster und aus der Tür sei ein Hagel von Flaschen, Gläsern, Steinen, Töpfen, Tellern und anderem Geschirr aus die Schutzleute geworfen worden. Der Wirt habe sich vergebens bemüht, da? zu hindern. Herr Steinberg machte den Polizeileutant Folte Mitteilung und dieser liest das Lokal räumen. Die Gäste wurden— wie Herr Steinberg sagt— aus dem Lokal hinausgeprügelt und auch vor dem Lokal verprügelt, von den Schutzleuten natürlich. Die Gäste haben alle— nach SteinbcrgS Angabe— tüchtig Prügel bekommen. Einer von den Hinausgeprügelten warf— Ivie Steinberg angibt, einen Stein nach den Schutzleuten. Steinberg ergriff den Mann und wollte ihn den Polizei überliefern. Aber der Mann entkam, und Steinberg behielt nur dessen Mütze in der Hand. Auf Stcinbergs Veranlassung suchten Schutzleute den Mann in einem Hause, in das er sich nach Steinberg? Meinung geflüchtet hatte. Der Mann wurde aber nicht gefunden. Leweisanträge. Rechtsanwalt Heinemann beantragt die Ladung des RestaurateurS Krüzcr, durch dessen Zeugnis nachgewiesen werden soll, dast Steinbergs Angaben furchtbar übertrieben, also größtenteils Un- wahr sind. Ferner beantragt der Verteidiger die Ladung des Reftanratcurs Wagner, eine-? früheren Kriminalschutzmanns', aus dessen Lokal die Gäste ebenfalls ohne jede Veranlassung von Schutz- leuten hinausgcpriigelt wurden. Die beiden folgenden Zeugen machen wieder Angaben über die allgemeine Situation. Zeuge B u ch w a l d hatte am Abend des 27. in der Reformations- kirche zu tun. Er hörte, dast brausten gelärmt ivurde. Ein junger Mann rist die Tür des KonfirmandensaaleS auf und rief hinein: „Sanstall". Kaufmann Dittmar kain zufällig nach dem ArminiuS- platz als eine Menschenmenge Vertrieben wurde von Schutzleuten, die von allen Seilen kamen. Der Zeuge tonnte nicht schnell laufen und bekam deshalb Säbelhiebe über den Arm und den Kopf. Infolge- dessen loar der Zeuge acht Tage arbeitsunfähig. Er ist ans Anlast dieses Vorganges auf dem Polizeipräsidium vernommen worden. Der vcruehmendc Beamte sagte zu dem Zeugen, er könne fich auf sechs Jahr« Zuchthaus gefaßt machen! Zur Ausräumung des Lokals von Lanzerat sagt Gießerni ei st erSalbach: Ich war erst wenige Minuten im Lokal. Alles war darin ruhig. Da stürmten vier SchuUlrute mit geschwungenen Säbeln herein und riefen:„Hunde verfluchte, wollt Ihr raus!" Sofort fingen sie auch an, auf die Gäste los- zuschlage». Ich hatte mein Glas Bier gerade in der Hand da packle mich ein Schutzmann und warf inicki hinaus. Draußen standen andere'Schutzleute, von denen kriegte ich fürchterliche Keile. Dabei hatte ich mein Glas Bier immer noch in der Hand.(Heiterkeit.) Ja, meine Herren, Sie lachen. Aber es ist wirklich so. Ich sagte zu den Schutzleuten, die mich immerzu schlugen:„Lassen Sie mich doch nial in Ruhe, dast ich Luft kriege." Als ich nach Hause kam und meine Frau meinen Körper untersuchte, sagte fie, das sind ja furchtbare Wunden, das Fleisch ist ja von den Knochen los.— Rechtsanwalt Cohn hält dem Zeugen vor, dast Polizeilentnant Heck früher sagte, er, der Polizeilentnant, habe erst den Wirt ersucht, das Lokal zu räumen, der Wirt habe sich geweigert, dann habe der Leutnant die Gäste dreimal ans- gefordert, das Lokal zu verlassen, darauf hätten die Gäste die Beamten beschimpft und sie mit Gläsern und einem Stuhl geworfen und darauf habe die Polizei das Lokal mit dem Säbel geräumt.— Zeuge Salbach hört diese Darstellung erstaunt mit an und erklärt darauf mit großer Bestimmtheit: Das ist nicht wahr. Bier Schutzleute käme» mit Hurra hrrei»»nd schlüge» auf dir Gäste los. Von diesen konnte keiner hinaus,. deshalb mußten sie nach hinten laufen. Nach den vier Schutzleuten kam der Leutnant. Der hat nicht mit dem Wirt verhandelt, er hat auch nicht die Gäste aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Wen» er das getan hätte, dann wäre ich der erste gewesen, der sofort hinausgegangen wäre. Denn wenn die Polizei etwas anordnet, werde ich mich doch nicht widersetzen. Nach dem Leutnant kamen noch zwei Schutzleute. Der eine schlug auf einen Gast ein, der andere schmist mich hinaus Ich bin als erster hinausgeflogen und habe draußen erst meine Wichse gekriegt. Damit schloß die Sitzung. Heute soll nur eine kurze Sitzung abgehalten werden, die um 0>/z llhr beginnt. Zur Lsge der Kleinbauern und Candarbelter. kV, Nichtbeachtung der Unfallvcrhütungßvorschriften. Prämien für Lodderei. Ursachen der Unfälle. Gelegentlich der Bctriebsrevisionen iverdcn häufig die Unfall- Verhütungsvorschriften in zerfetztem oder unleserlichem Zustande angetroffen, weil sie vielfach an ungeeigneten und gegen Wind und Wetter ungeschützten Stellen angebracht sind." ..Rudolstadt" klagt: „Bezüglich der Ausführung der NnfallverhUtuitgsvorfchriften hat eilte Nachrevision der im Jahre IM? zum ersten Male revidierten Betriebe und die erstmalige Kontrolle in verschiedenen Ort- schaften stattgefunden. Leider ist auch jetzt wieder gefunden Ivor- den, daß die linfallverhütungsvorschriftc», insbesondere hinsichtlich der landwirtschaftlichen Maschinen, vielfach nicht beachtet werden, ja einem großen Teil der Landwirte, vor allem den Inhabern kleinerer Betriebe, nicht einmal bekannt zu sei» scheinen. Zu seinem Bedauern wird sich der GenosscNschaftsvorstand genötigt sehen, von der ihm durch das Gesetz eingeräumten Strafbefugnis Gebrauch zu machen." Ueber die Haftpflicht des Unternehmers erfahren wir auch sehr interessante Sachen: So meint der Bericht der„Provinz Sachsen": „Die Unfallverhütungsvorschriften sind, wie die örtlichen Be- triebsrevisionen ergeben haben, trotzdem deren Bekanntgabe wiederholt erfolgt ist, noch einer große» Zahl Betriebsunternrhmer völlig unbekannt, während andere, welche die Vorschriften kennen, diese» gleichgültig gegenüberstehen und sich zur Anbringung der Schutzvorrichtungen erst dann bequemen, wenn sie gelegentlich der örtlichen Besichtigung hierzu besonders aufgefordert werden. Wiederholt ist es bei den örtlichen Revisionen vorgekommen, daß die Schutzborrichtungeu für die Häckselmaschine zwar vorhanden, aber nicht angebracht ivaren. Auf diese Nachlässigkeit aufmerksam gewacht und darauf hingewiesen, daß sie für ellvaige Schäden hast- bar seien, auch wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft werden können, erklärten die Betriebönnternehmer in der Siegel, daß sie in der Haftpflichtversichernug seien und diese alles bezahle. Daß fie auch bestraft werden können, ist ihnen gewöhnlich etwas neues. -ivornn sie nicht recht glauben wollen. Es wird daher auch in Zu- kunft die örtliche BetriebSrevision der einzige Weg sein, welcher zur Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften führt." EigeNtiinilich ist es aber dann, daß die Berufsgenosscnschaktcn selbst eigene Haftpstickitvcrücherungcn errichte» und wie im Sonoer- Vericht von„Reust j. L." darüber folgendes schreiben: „Besonders wird versucht, mit der satzungsgemäßen Bestim» münz gegen unsere Anstalt einzunehmen, daß bei Ersatzleistungen nach dem UnfallversicherungSgesetz, also insbesondere bei Ber- fehlungen gegen die Unfallverhütungsvorschriften wir nur zwei Drittel der schuldigen Ersatzleistungen übernehmen können. Es wird aber dabei verschwiegen, daß der zum Ersatz herangezogene Betriebsunternehmer sich an die Telegiertenversammlung wenden kann und daß diese berechtigt ist, ganz oder teilweise auf den Er- sah zu verzichte». Das hat fie seither in umfangreicher Weise gr- tan, derart, daß sie fast immer den grüßten Teil ihrer Ansprüche aufgab. Es ist sicher zu erwarten, daß die Delegiertenversamm- lung gegen ihre bei der Haftpflichtversicherungsanstalt der Berufs. genoffeiischaft versicherten Betriebsunternehmer wohlwollend ver- fahren wird." Diese Prämierung der Lodderei ist doch stark und kennzeichnet den Ernst der Berussgenosscnschaften, Unfälle zu verhüten! Auch der Bericht„Großherzogtum Hessen" rührt die Werbe- trommei für ihre eigene Haftpflichtversicherung, deren Mitglieder- zahl auf über 8000 gestiegen sei. Trotzdem die Junker die Haft- Pflicht wesentlich verschlechtert haben, bringt es dieser Bericht fertig, folgendes zu schreiben: „Die immer mehr zutage tretende Neigung, bei jedem nur er- denklichen Unfall einen Haftpflichtigen zu suchen, die immer stärkere Verbreitung sozialpolitischer Ideen, durch welche die Er- Hebung von Haftpflichtansprüchcn begünstigt wird, die Neigung der Rechtsprechung, im ZwcisrISsallr zugunsten des Wirtschaftlich Schwächeren zu entscheiden, die dem Ünbemittelten sich bietende Gelegenheit, Entschädigungsansprüche, auch wenn sie noch so un- begründet sind, ohne jedes Risiko im Annenrrcht geltend zu machen und endlich die Gefahr, für einen Schaden verantwortlich zu wer- den, der in seiner Höhe geeignet ist, auch einen wirtschaftlich Besser- situiertcn zu ruinieorn, lassen es dringend geboten erscheinen, sich gegen die aus der Haftpflicht ergebenden Gefahren, die er- fahrungSgemäß viel höher einzuschätzen sind, wie die aus clemcn- taren Ereignissen wie Feuer, Wasser, Hagel usw. erwachsende Ge- fahr, gegen die heutzutage jeder verständige Landwirt versichert ist, durch Versicherung gleichfalls Schutz zu suchen." Nach dieser Aufschneiderei erfahren wir auch, daß solche Ver- sichenintjen ausgezeichnete Geschäfte machen. Bei 35 000 M. JahreSeinnahmen wurden nur 2287 M. an Entschädigungen auS- gezahlt II Und die Art der Erledigung der angemeldeten Fälle? Ter Bericht führt aus: „Die ongcmeldeten Entschädigungsansprüche haben sich auch im 2. Geschäftsjahr in mäßigen Grenzen gehalten. Angemeldet wurden 86 Schadensfälle. Hiervon wurden 37 ohne weiteres ent- schädigt; in 36 Fällen wurde dir Ersaypflicht abgelehnt, weil eine Haftpflicht des Versicherten nicht gegeben war und 7 Fälle wurden, weil es sich um Betriebsunfälle handelte, der Berufsgenossenschaft zur Entschädigung überwiesen." Die Zahl der Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften ist nach den Berichten ganz enorm gestiegen! Einzelne Berichte geben sich auch die Mühe, die„Ursachen der Unfälle" zu ermitteln. Voll tiefer Weisheit spricht der der„Pro- Ving Sachsen" von„Ungeschicklichkeit. Nichtbcuchiuug der Vor- schristen usw.", obschon die Zahl der vorgefundenen Mängel ganz enorm groß ist. Anderer Anficht ist wieder der Aufsichtsbeamte für„Anhalt", welcher folgendes schreibt: „Es soll mit diesen Bemerkungen nicht etwa der Eindruck er- weckt werden, als wäre der Anbringung von Schutzvorrichtungen nicht das Wort zu reden, sondern es soll damit nur gesagt sein, daß dadurch im landwirtschaftlichen Betriebe keine nennenswerte Verringerung der Unfälle herbeigeführt werden kann, und daß wir immer mit der gleichen Anzahl zu rechnen haben werden. Nach meinem Dafürhalten wird eine Belehrung der Bersicherten von feiten der Arbeitgeber und Betriebsleiter und vor allem eine möglichst ausgedehnte Bekämpfung des Alkohols viel mehr ver- ringernd auf die Anzahl der Unfälle einwirken als die Schutzvor- richtungen." „Niederbayern" meint: „Ein großer Teil der Unfälle ist, abgesehen von der Nicht- beachtung ver UnfallverhiitungSvorschtiften, auf die höchst be« klagenswerte Lässigkeit der Unternehmer und Arbeiter, auf die infolge der herrschenden Dienstbotennot allzu große Verwendung von jungen und ungeübten Arbeitern zurückzuführen; dagegen konnten Unfälle infolge Alkoholmißbrauch nicht festgestellt werden." Der Beamte für„Oberbayern" knurrt: „Der Leichtsinn und die Unachtsamkeit sowie die Verkennung der Gefahren seitens der Dienstboten wird durch die ständige Be- schäftigung an den Maschinen immer größer uno eS muß voraus- sichtlich auch für die Folge mit einer weiteren Zunahme der hier« durch verursachten Unfälle gerechnet Iverden, solange in solchen Fällen nicht eine wirksamere Bestrafung erfolgen kann, wie bisher." Verschiedene Berufsgenossenschaften berichten über betrügerische Versuche, die Rente zu erschleichen, obgleich gor kein Betriebsunfall vorlag.„Baden" lamentiert: „Die im», er noch wachsenden Lasten, welche daS landwirtschaft- liche Unfnllversicherungsgesetz den Betriebsunternehmern auferlegt, sind wohl dir Ursache, daß so manche bei u»S versicherte Unter- nehmer Entschädigung für Unfälle verlangen, die mit dem Betrieb der Land- oder Forstwirtschaft i» gar keinem Zusammenhang stehen, oder aber eine Rente für Verletzungen beanspruchen, die keine oder keine nennenswerte Minderung der EriverbS- und Ar» beitsfähigkeit verursacht haben, um von denjenigen ganz zu schweigen, die geradezu in betrügerischer Weiss sich eine Rente zu verschaffe» suchen. Alle diese Personen haben eben das vrrwrrf- liche Bestreben, sich für die von ihnen für die Unfallversicherung zu entrichtenden Beiträge wenigstens einigermaßen schadlos zu halten, ohne daran zu denken, däß sie hierdurch mitwirken, die Ver- sicher», igSbeiträge immer mehr in die Höhe zu treiben. Die Hoff« nung darf deshalb wobl ausgesprochen werden, daß wir uns in dieser Beziehung in Zukunft weniger zu beklagen haben." Eine schwarze Liste aller Rentenempfänger veröffentlicht wieder der Bericht„Reuß j. L.". Name, Alter, Wohnort sowie die Höhe der Rente in Prozenten und auf Heller und Pfennig aus- gerechnet, füllen ganze tu Seiten des armseligen Berichtes. Im „Königreich Sachsen" macht man die Gemeindemitgliedcr gegen die armen Krüppel mobil uns erklärt: „Durch den ständigen Verkehr mit de» Rentnern und durch Beobachtung der Verletzten wird es ilmen nicht schwer fallen» fest- zustrUcn, z» welche» Arbeiten diese fähig sind und ob die auSgrß worfenen Renten dem Maße ber vom Unfall herrührenden Er- werbsrinbuße entspreche». Nur sei wiederholt darauf hingewiesen, daß Gründe, wie z. B. besiere Bermögensverhältnisse, Aufgabe der Beschäftigung zufolge Gutsvrrkaufs usw., hierbei nicht in Rücksicht gezogen t Verden dürfen, da ein« Rente rechtlich jeder versicherten Person zusteht, die durch einen erlittenen Betriebsunfall in nennenswertem Grade in der Erwerbsfähigkeit beschränkt ist." To2iales. Ei» hartes Konkurrenzklanselnrtell. Die UnHaltbarkeit der trotz aller„Erhebungen" und„Erwä- gungen" leider noch immer geltenden Gesetzesbestimmungen über die Konkurrenzverbote wird durch eine Eiuscheidung des Berliner Kaufmannsgerichts wieder einmal grell beleuchtet. Als Klägerin trat die Feldbahnfabrik von Orenstein n. Koppel gegen den Buch- haltet: Hermann H. auf und verlangte, daß dieser seine Tätigkeit bei einer Konkurrenzfirma sofort einstelle. H., der bei der kläge- rischcn Firma gelernt hatte, war bei Beendigung der Lehrzeit so unvorsichtig gewesen, eine Konkurrenzklausel zu unterzeichnen, nach der er sich verpflichtete, ein Jahr nach Austritt in keinem Kon- lurrenzunternehmen Teutschlands, Oesterreichs und Ungarns Stellung zu Nehmen. Auf diese Pertragsbestiiuiilung gestützt, klagt die Gesellschaft gegen ihren früheren Buchlzalter. der jetzt in Hau- nover Stellung gefunden hat, auf Unterlassung. Das reiche Aktien- unternehmen scheut sich nicht, einen knapp besoldeten Gehilfen, der der Gesellschaft vom Range ber Klägerin sicherlich weder Kon- kürrenz zu machen beabsichtigt, noch dazu überhaupt in der Lage ist, seine Existenz rauben zu wollen. Und-» was das Traurigste a s s e r st o f f. wodurch das Kesselhaus einstürzte. Die im Hause beschäftigten zahlreichen Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Bisher sind drei Tote und zwanzig Schwerverwundete geborgen worden. Trunkenheit— kein Milderungsgrund. In Preuhen Witzblätter zu redigieren, ist sicher kein besonderes Vergnügen. Denn die Herrschenden verstehen keinen Späh. Trotz- dem hätte der Redakteur des„N l k s", der Beilage des„Bcrl. Tagebl.", der sich durch den Strafantrag von Mitgliedern deS Bonner Landgerichts wegen einiger Auslassungen über die Verhandlung gegen die Bonner Borusscn in seiner Freiheit bedroht glaubte, seine Revokation, in der er alles zurücknimmt, etwas mannhafter abfassen können. Was uns aber noch mehr wundert, ist seine Erklärung, er habe sich davon überzeugt, dah die Richter.in keiner Weise die Kochs- studenten bevorzugt oder deren Trunkenheit als Milder ungS- grund haben gelten lasten". Trunkenheit sollte immer ein Milderungsgrund sein, wenigstens für Witzblattredakteure. Ein vermistter Aviatiker. Der Engländer G r a c e, der am Donnerstag von der englischen Küste aus den Kanal überflogen und am Nachmittag den Rückflug nach England angetreten hatte, ist spurlos verschwunden. Die Suche mit einem Torpedoboot und mehreren Schleppdampfern'ist bis jetzt völlig ergebnislos gewesen. Man will am DonnerStagnachmtttag einen Aeroplan bei Ramsgate über dem Meere gesichtet haben. Trifft diese Meldung zu. so hätte sich Grace beim Nebel ostwärts verflogen, so dah die Gefahr vorliegt, dah der Flieger, der übrigens mit einer 5lörkweste ausgerüstet war, in die Nordsee gestürzt ist. Nochmals„Frischer Mohr". Die Firma A l r o n a e r Margarinewerke Mohr u. To. in Altona-Ottensen scheint sich unsere neuliche Mitteilimg, daß nach richterlichen Entscheiden Berichtigungen nicht wahr zu sein brauchen, zu nutze machen zu wollen. Am 2>. d. M. brachten wir aus Hamburg eine telcgraphische Meldung, daß die amtliche Untersuchung ergeben habe, dah die Margarine giftige Substanzen enthalte. Flugs setzt sich die Mohrsche Berichtigungs- Maschine in Bewegung und fabriziert folgende Berichtigung: Unter Bezugnahme auf§ 11 des Reichspreßgesetzes bitten wir Sie um Ausnahme nachfolgender Berichtigung: Am 21. Dezember bringen Sie die Miticilung, daß die amtliche Untersuchung ergeben hat, daß in unseren 3 Marken Mar- gartne„Bocka",„Luisa" und„Frischer Mohr" das Pflanzengift Eärdamom gefunden sei. Diese Mitteilung ist unwahr, es existieren überhaupt keine Pflauzeugifte Cardamoni und ist auch in unserer Margarine kein Pflanzengift gefunden worden. Ihre weiteren Mitteilungen sind daher natürlich auch un- richtig. Hochachtend Altonaer Margarine-Werke Mohr u. Co.. G. m. b. H. I. H. M o h r. Trotz aller Berichtigungen, mit denen die Firma Mohr u. Co. die gesamte Presse überschivemnit, ist doch die Tatsache nicht ans der Welt zu schaffen, daß nach dem Genuß von Margarine der ge- nannten Firma in allen Teilen Deutschlands Per- fönen unter Vergiftungserscheinungen heftig erkrankten._ Die Cholera auf Madeira. Die Cholera, die sich seit längerer Zeit auf der an der Nordwest- küste Afrikas gelegenen portugiesischen Insel Madeira ein- genistet hat, loütet dort in fürchterlicher Weise. Bisher sind auf der Insel 804 Cholerafälle vorgekommen, von denen 255 tödlich verliefen. Die Schulen, die Theater, sowie alle öffent- lichen Anstalten sind geschlossen. In der Sladt Hachieo hal sich die Bevölkerung gegen die Behörden erhoben; sie verlangt, daß Medikamente und ärztliche Behandlung unentgeltlich ge- währt werden sollen. Die Apotheke wurde i» Brand gesteckt und die Gefangenen aus den Gefängnissen befreit. Militär mußte mit Waffengewalt intervenieren, um die Ordnung wieder her- zustellen._ Kleine Notizen. Das neuentflammte Wunder bei Neuengamme. Die Hoffnung, daß die Erdgasquelle sich zu technischen Zwecken eindämmen lasse, hat sich vorerst als trügerisch erwiesen. Die Quelle brennt jetzt wieder wie früher mit weithin hörbarem Geräusch. Der Druck hatte sich so gesteigert, daß das Manometer platzte, worauf das ausströmende Gas wieder entzündet wurde. Ein schwerer Unfall hat sich auf dem Gelände der Allgemeinen Elektrizitälsgesellschaft in Hennigsdorf ereignet. Von einer Feldbahn sprang die Lokomotive au? dem Gleise und stürzte eine Böschung hinab. Der Maschinensllhrer und ein Arbeiter wurden bei dem Unglück schwer verletzt. Das Bcrdi-Thcalcr abgelirannt. Am Donnerstagabend kam in dem Mailänder Berdi-Theatcr, einem der größten Schauspiel- Häuser Italiens, ein gewaltiges Feuer aus, das in kurzer Zeit den Bau einäscherte. Menschen sind bei dem Brande nicht zu Schaden gekommen. Zujizusamnirnstoß. Anf dem Vahnhofe der französischen Ortschaft St. F o n S stieß infolge dichten Nebels ein Personenzug mit einem Güterzuge zusainmen. Durch den Zusammen- prall wurden 20 Reisende verwundet. rvasicritaiiva-Stnchrlckiteu der LandcSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wette, bureau. Wasserstand M e m e l. TUN» B r e g el. Jiitterbmg Weichsel. Tboru Oder. Rattbor , Krassen , FranNurt Warthe, Slbrimm , Lanbsberg Netze, Bordaium Elbe, Leitmerttz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, SvanvauK , Rathenow-) Spree, Svremberg'j ,'Zeestow Wefer, Münden , Minden Rhein, Maxi inUianSau , Kaub , Köln Neckar. Heilbrom Mai». Wertheim Mosel. Trier am 22.12 Olli 170 98 122 160 181 48 112 506 379 455 142 seit 21.12. orn1) +15 0 —2 +42 ±i —18 +15 +10 -13 «)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—») Unlerveael. Vorwartsleser! Aufgepaßt! Prinzen-Pfaudteifte. Prtnzeu- ftrafte 3 t. 1 Treppe(kein Laden). 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Einige Mißverständnisse, die ja schon von der Staatsanwaltschaft aufgeklärt ivorden sind, will ich noch betonen. Ich bin nicht„Pastor", ich habe mich mit Absicht nicht ordinieren lassen, als ich nach Mieltschin ging. Ich wußte: wenn du ordiniert bist, wirst du sehr in den Dranst der Landeskirche hineingezogen; du mußt aber deine ganze Kraft in den Dienst der Anstalt stellen. Hiermit verzichtete ich auf eine Lebensstellung mit Pension, das ist gewiß ein großes Opfer, das ich da gebracht habe. Sodann habe ich stets großen Wert darauf gelegt, festzustellen, daß unsere Anstalt in Mieltschin nicht mit Bodelschwingys Tätigkeit zusammen- hing. Es sind Leute an mich herangetreten:„Sagen Sie doch, daß Sie bei Bodelschwingh gelernt haben, dann fällt alles auf das System." Aber ich habe das mit Entrüstung zurückgewiesen. Die besten Absichten haben mich in Mieltschin geleitest, und auch mancher von denen, die mit mir auf der Anflagebank sitzen, hat seine Schuldigkeit getan, soweit es in seinen Kräften stand. Als der Sturm losbrach; stand ich bereits in Unterhandlung, tüchtige Erzieher zu gewinnen. Ich habe die feste UeberAeug"ng. daß wir mit dem Augenblick, wo wir in geordnete Verhaltnisse gekommen wären, auch zu einer anderen Praxis gelangt wären. Ich habe übrigens mehrmals iwch auch die Polizei und die Staatsgewalt gebeten, mir in der Lage zu helfen, in der ich mich gegenüber den Fürsorgezöglingen befand. Aber der Mieltschiner Wachtmeister war beurlaubt und der nächste Polizeibeamte in Wreschen wohnt« 10 bis 12 Kilometer ab. Das war für mich ein« fürchterliche Aufgabe, mit den Zöglingcjn fertig zu werden. Ich glaubte, meine aller- dingS äußerst harte Pflicht zu tun, unter deren Erfüllung ich furchtbar gelitten habe. Heute, wo die Sache hinter mir liegt, sehe ich sie ganz anders als damals an. Ich bedaure es, wenn ich der Sache der Fürsorgeerziehung unersetzlichen Schaden zugefügt habe, wie der Staatsanwalt gesagt hat. Ich bitte aber, das harte Urtöil des Staatsauwalts dadurch abzuschwächen, daß Sie die Ver- Hältnisse und wenigstens meinen guten Wille«, an dem Sie doch Nicht zweifeln werden, berücksichtigen. Hierauf zieht das Gericht sich zur Bcrawng zurück. Sie dauert Stunden, so daß erst gegen ss-o Uhr abends das Urteil gesprochen wird. Verurteilt wird: Breithaupt wegen gefähelicher Körperverletzung in 5 Fällen, davon in 1 Fall in Jdealkonkurrcnz mit Freiheitsberaubung, ferner wegen Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung in 27 Fällen und Freiheitsberaubung in 1 Fall zu 8 Monaten; Gefängnis und 990 Mark Geldstrafe(oder für je 15 M. noch I Tag Gefängnis). Verurteilt werden ferner wegen gefährlicher Körperverletzung: Engels für 31 Fälle zu 3 Monaten Gefängnis und 460 M. Geldstrafe(oder für je 10 M. noch 1 Tag Gefängnis); Wrobel für 0 Fälle zu 1 Monat Gefängnis und 130 M. Geldstrafe(oder für je lO M. noch 1 Tag Gefängnis); Wendland für 2 Fälle zu 1 Monat Gefängnis; Schüler für 1 Fall zu 30 M. Geldstrafe(oder für je 5 M. % Tag Gefängnis); Lang für 1 Fall zu 3V M. Geldstrafe(oder für je 6 M. I Tag Gefängnis); Riemschncider für 2 Fälle je 50 M. Geldstrafe(oder für je > M. 1 Tag Gefängnis). Freigesprochen werden BrosinSky und Habedank Die Kosten des Verfahrens werden den Verurteilten auf erlegt; in die Kosten der Nebenklage teilen sich Breithaupt, Engels, Wrobel. Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende in Dar legungen von ziemlich einstündiger Dauer etwa folgendes aus: In objektiver Hinsicht ist durch die Beweisaufnahme fest gestellt, daß Breithaupt als Vorsteher der Anstalt Mieltschin in einer Reihe von Fällen ihm untergebene Zöglinge mit zwei Reit peitschen, einer Klopfpeitsche und einem Stock geschlagen hat, und daß mehrere dieser Zöglinge nach den Züchtigungen in Ketten ge- legt worden sind. Breithaupt hat diese Bestrafungen in einzelnen Fällen selber besorgt, in einer größeren Anzahl von Fällen hat er die Mitangeklagten dazu durch die ihnen gegebenen Befehle ver- anlaßt. Brcithnupt macht geltend, daß er sich dar Widerrechtlichkeit nicht bewußt gewesen sei und in Ausübung seines Züchtigungs rechtes so gehandelt habe, wie er in Rücksicht auf die gegebenen Verhältnisse habe handeln müssen. Die übrigen Angeklagten sagen, daß sie die Rechtsgültigkeit der Anordnungen nicht be- zweifelt, aber doch gegen die Ausführung zuweilen Bedenken ge- habt haben. Sie haben indes geglaubt, sich den Anordnungen ihres Meisters fügen zu sollen. In allen Fällen ist das eine sicher: Breithaupt hat nur züchtigen wolle», wenn er ein Züchtigungsrecht ausüben wollte, d. h. wenn Fälle gegeben waren, die nach seiner Meinung eine Züchtigung rechtfertigten. Als Anstaltsvorsteher hatte er auch das Züchtigungsrccht; denn wer erziehen soll, mutz das Züchtigungs recht haben. Den Fürsorgezöglingen gegenüber hatte es die städtische Verwaltung, und mit ihrem Wissen und Willen ging es auf Breithaupt über. Dabei sollte die Lichtenberger Disziplin- ordnung auch in Mieltschin sinngemäß Anwendung finden. Breit Haupt sagt, er habe sie nicht gekannt, und es sei nicht seine Schuld gewesen, daß sie ihm nicht bekannt wurde. Jedenfalls war er über sie nicht informiert, darum muß von diesem Punkt ab- gesehen werden. Sein Verhalten im Gebrauch des Züchtigungsrechtes ist dann nur von dem allgemeinen Gesichtspunkt aus zu beurteilen, ob er dasjenige Maß innegehalten hat, von dem man sagen kann, daß es noch eine Ausübung des Züchtigungsrechtes ist. Da hat nun das Reichsgericht wiederholt gesagt, daß das Züchtigungsrecht begrenzt wird durch die Schranken, die ihm das Sittengesctz setzt. Die allge- meine gesunde Sittenanschauung ist es, die hier bestimmt, was zu lässig ist und was nicht. Die Frage, ob Breithaupt und seine Ge- Hilfen diese Schranken gewahrt Habens muß entschieden verneint werden. Selbst in den mildesten Fällen, wo nur mit der Reit- peitsche gezüchtigt wurde, sind sie überschritten worden. Reitpeib scheu mögen für Pferde und Hunde geeignet sein, für Menschen aber sind sie nicht bestimmt. Dieses Gefühl mußte Breithaupt haben und ebenso seine Gehilfen. Sie haben aber nicht nur objektiv, sondern auch bewußt die Schranken des Sittengesetzes überschritten. Gegenüber den schlimmeren Fällen, wo die Klopfpeitsche und der Handstock benutzt wurden, mußte selbst der Blödeste sich sagen, daß solche Züchtigungsmittel unzulässig sind. Weder objektiv noch subjektiv sind die Grenzen des Züchti- gungsrechts innegehalten worden, vielmehr liegt vorsätzliche Körper- Verletzung im Sinne des 8 223 vor. Es ist auch der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung gegeben. Die benutzten Werkzeuge sind gefährliche: Reitpeitsche, Klopfpeitsche, Handstock sind nicht auf eine Stufe zu stellen mit dem Rohrstock des Lehrers. In einigen Fällen ist Brcithaupt selbständiger Täter, in anderen Fällen sind Töter die Gehilsen, denen gegenüber er Slnstifter war, die ober selber sich der Widerrcchtlichkeit ihres Tuns betvußt waren. Auch der strafbaren Freiheitsberaubung hat Breithaupt in mehreren Fällen sich schuldig gemacht. Nicht durch die den Züchti- gungen sich anschließenden Einsperrungen an sich, sondern durch die Art und Weise dieser Einsperrungen, die gegen das Sittengesetz verstieß und widerrechtlich war, ist der Tatbestand der strafbaren Freiheitsberaubung gegeben. Im wesentlichen sind die Aussagen der als Zeugen vernommenen Fürsorgezöglinge als glaubwürdig erachtet worden. Ihre Angaben waren zuverlässig, abgesehen von kleinen Abweichungen. Die Inn- gen waren offensichtlich bemüht, die Wahrheit zu sagen. Das wcrr maßgebend für das Gericht, so sehr es sich im übrigen bewußt war, daß auch dann immer noch Borsicht gegenüber Fürsorgezöglingen geboten ist. Die Angeklagten selber haben mehrfach da, wo sie den Hergang milder darstellten, auf Vorhalten zugegeben, die Aussagen der Jungen würden wohl richtig sein. Sie sind auch bestätigt worden durch andere Jungen, die mit den übrigen Zeugen nicht in Berührung gekommen und nicht von ihnen beeinflußt sein konnten. Di« Urteilsbegründung erörtert dann die einzelnen Straftaten. Im Fall Winkler wird als erwiesen angesehen, daß Winkler von Engels auch Hiebe auf die Fußsohlen erhalten hat. Das Gericht hat sich aber nicht auf den Standpunkt gestellt, daß sie von vorn- herein als Straftnitiel beabsichtigt gewesen seien. Erst wenn die Zöglinge nicht ruhig lagen, kam dem Brcithaupt der Gedanke: Na, wenn Tu sie nicht aufs Gesäß haben willst, dann sollst Du sie auf die Fußsohlen bekommen!" Ausgeschlossen erscheint dem Gericht, daß nur Widerstand gebrochen werden sollte. Den Fall Mauthe bezeichnet die Urteilsbegründung als so brutal, daß man ihn nicht für möglich halten sollte, wenn er nicht durch die Erregung Breit- Haupts zu erklären sei. Hier, wo man wahllos auf den Jungen eingehauen habe, handle es sich zweifellos um eine das Leben ge- fährdende Körperverletzung. Auch der Fall Ruppert liege sehr schwer. Ruppert sei ein in der Tat erbarmungswürdiger Junge, der auf Wunsch seiner Eltern in Fürsorgeerziehung gekommen sei, obwohl eigentlich nicht viel gegen ihn vorlag. Er sei dann dem Breithanpt in die Finger geraten, der ihn als schwächlichen Jungen erkannt haben müsse. Er habe ja selber gesehen, wie furchtbar die Seelenqualen des Jungen waren, wenn er den Züchtigungen anderer zuschauen mußte. Diesem schonungsbedürftigen Jungen seien von Engels und Breithaupt in der Zeit vom Abend bis zum andern Vormittag wohl über 100 Peitschenhiebe verabreicht worden. Zum Strafmatz führt die Urteilsbegründung aus, daß eine ganze Reihe von Momenten zugunsten Breithaupts und seiner Ge- Hilfen zu berücksichtigen sind. Breithanpt hat subjeftiv immer nur geschlagen, wenn er Grund dazu zu haben glaubte. Er schlug, um zu züchtigen, nicht wie ein Pciniger, der quälen will. Auch hat er sonst Liebe zu seinen Zöglingen gezeigt, das haben selbst die Ge- züchtigten empfunden. Breithaupt ist herzkrank, darum eignete er sich nicht zum Erzieher, miirdestens.nicht für Fürsorgezöglinge. Er war in unfertige Bcrhältnisse hineingekommen, denen er nicht ge- wachsen war. Er allein sollte und wollte alles leiten, ohne erfahrene Ratgeber, wie Bnth oder Hcntschet. Im Fürsvrgcerziehungswesen hatte er selber nicht die geringste Bvrbildinig, weder theoretische noch praktische. Gerade im Fürsorgeerziehungswesen ist nicht in erster Linie der(Geistliche, sondern der Pädagoge als geeignet au- zusehen, er aber hatte von Pädagogik nicht die geringste Ahnung. Llls mildernd ist für ihn auch zu berücksichtigen, daß ihm aus Lich- tenberg, wenn auch nicht absichtlich, so doch tatsächlich viele recht schwer zu behandelnde Jungen überwiesen wurden, die teils zu Fluchtversuchen neigten, teils unverschämte Burschen waren. Andererseits fällt gegen ihn erschwerend ins Gewicht sein Eigensinn und sein maßloses Selbstbewußtsein, die ihn verleiteten, trotz der von ihm erkannten Schtvierigkeiten alles selber machen zu wollen, statt den Rat erfahrener Leute einzuholen. Schlimmer noch ist zu bewerten, daß seine Straftaten einen gewissen Zug von Roh- hcit in seinem Eharakter erkennen lassen, besonders in den Fällen Mguthc. die kwi nicht als ArgMis cinti.«wmeiüalien Aufwallung, sondern nur als?lusfluß einer rohen Gesinnung ansehen kann. Em erschwerender Umstand ist ferner der, daß er es eigent- lich stets vermied, den Beschuldigten erst mal regelrecht zu ver- hören. Auf Zuträgereien hin glaubte er skrupellos.und maßlos züchtigen zu sollen. Endlich müssen auch die Folgen berücksichtigt werden, die zweifellos erhebliche Körherbeschädigung der Jungen und ihre Seelenpcin. Und welchen unendlichen Schaden hat— so sagt zum Schluß die Urteilsbegründung— Breithaupt durch sein in keiner Weise entschuldbares Verhalten dem ganzen Fürsorge- erziehnngswescn zugefügt! Alle Mühen guter edler Menschen hat er zunichte gemacht. Brcithaupt mußte sich sagen, wie sehr das schaden würde. Er hat auch die anderen Angeklagten mit hinein- gezogen, die durch seine Schuld Schlimmes durchgemacht haben. Selbst von Engels mutz man annehmen, daß er unter seinem Ein« fluß gehandelt hat. Das Gericht hat unter Berücksichtigung der mildernden wie der erschwerenden Umstände unterschieden, wo eine besondere Roheit vorlag und wo nicht. Es hat sogar für eine Reihe von Fällen nicht auf Freiheitstrafen, sondern nur auf Geldstrafen erkannt. Eine besondere Roheit ist angenommen worden unter anderem in den Fällen Winkler, Wulff und Bünger-PiaSkowski und vor allem in den Fällen Mauthe und Ruppert. FretrcllgiSsc Gemeinde. Sonntag, den 25. Dezember, vormittag? 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straße 6: Herr Walter Trojan: Fcstvortrag. Damen liilid Herren als Gäste sehr willkommen. Am zweiten Feiertage kein Vortrag._ Bmffeaften der Redahtion. $te inclftllifit evreifeftmiOe Nudel i! in d en ftr a sie Nr.«S. dorn vier Trevve»— JJnvrstiiKl—, nioiveiiliigliiv vonlh, biS?>/zUdr avenvS, Eo»nabe»d>' vo» 4'/- vi? V Uhr nachmitiags ftott. stcder für dc» Brick- kästen bestimmten iluiraa- ist-in«nchstave und eine ZirlU als ÄUerk» «cirtirn belrnrüiie». briefliche Siniwuri wird nicht erteil». Eilige .rragen trnge man in der Evrechttunve vor. Die juristische Sprechstunde fällt heute ans. Heinrich. Ihre Frage läßt sich nur an der Hand des Kassenstatuts beantworten.— Eilt 800. Ja. Der Reichsstcmpel kann aber erlassen werden.— E. Br. 999. Nur dann, wenn im Statut vorgesehen.— P. I«0. Unseres Grachten« nicht.— E. 300. Das ist unzulässig. GS besteht nur Anspruch an eine Ortskraiilenkasse.— F. K. 1889. Die deutsche Staatszuaehöriglci! hat Ihr Vater verloren, wenn er sich nicht in die Matrikel des Konsulats hat eintragen lassen. Sic können Ihre Nalura- lisaiion beantragen, werden aber sür den Fall der Naturalisierung Militär- pflichtig.— A. E. 22. 1. Amtsgericht Berlin-Mitte. Neue Friedrich- straßc 12/18. 2. Ja, am zweckmäßigsten auf der Aumeldestube. Es muß aber ein Nachlaßverzeichnis beigebracht werden. Der Richter ordnet die Gidesleistung nur au, weun er begründete Zweifel hat. 3. und 4. Die Kosten sind unerheblich. Eines Rechtsanwalls können Sic sich bedienen. 5. Nein. 6. Größere Geschäfte, Banken. 7. Ja.—®l. 102. 1. Das Angegebene ist kein Scheidungsgrnnd. 2. Für die Kosten sind Sie hastbar. Gin Teil Ihres Lohnes unterliegt der Bcslblagnahme.— A. 734. Ja, jedoch nur sür das Kalender jähr 1910. Lautet die Veranlagung sür das Steuer jähr, so reklamieren Sie bezüglich der Veranlagung für das letzte Quartal.— E. Z. 41. Da« Zweckmäßigste ist eine Einigung. — O. D. 100. Es kann Wucher angenommen werden, wenn sich der Darlehnsnehmer in einer Notlage befunden bat.— Stendel 0. 1. Be- stimmte Personen empfehlen wir nicht. 2. Ja.— F. B. 100. Der Wirt kann bis längstens 3. Januar zum 1. April kündigen.— St. W. 15. 1. Bei Abwesenheit müssen sie den Schlüssel dem Wirt übergeben. 2. Ja. — Else 100. Wenden Sie sich an den Direktor der Baugewcrkschule, v. Strahlendors, Schillstr. 8. Prwatinstitutc empfehlen wir nicht.— I- Jtz. 19. Nicht bekannt.— D. O. 51. In Berlin ja, die jedoch nur an in Berlin Wohnende verleihen.— A. M. 8. Raterteilung, die Anlegung von Geld anlangend, müssen wir ablehnen.— R. S. 0. Ihr Schwager soll es mit einer neuen Reklamation versuchen. Der Auscnthalt in einem anderen Ort hindert nicht die Leistung von Unterstützungen.— H. I. 100. 1. Unseres Ernchiens nicht. Den Vertrag halten wir sür rechts- unwirlsam. 2. Ja. Amtsgericht Berlin, Tempcldos, HallescheS Ufer 26/27. —®., Pettenkoferstratze. 1. nnd 2. Klage gegen die Kasse. 3. Dann ist die Klage der Kasse zu erwarten.— X. 9), Z. Ja. Frb. II. l. Diejenigen, die den Zulritl ermöglichen. 2. Die Lüstling könne» Sic dritten Personen übertragen, auch können Sie den HauS» schlüssel bis zum Abiaus des Vertrages behalten. Ihre Handlungen dürfen aber nicht schikanöser Natur sein.— D. 100. Derartige Institute finde» Sie im Adreßbuch. Wir können uns aus derartige Empschlungen nicht einlassen. Es ist äußerste Borsicht angebracht.— 3, Z. 42. 1. n 2. Ja. 3. Die Kosten des EinzichungsversahrenS stnd ebensalls zu bezahle». 4. StundungSgesuch.— F. G. 81. 1. u. 2. Ja.— H. S. 103. 1. Sie personllch hasten nicht. 2. Nur das Mündel, sofern ei etwas besitzt. S. Nein. — R. T. 100. Sie bleiben bis 1. Oktober 1911 haftbar.— O. D. 7«. 1. Seit 3. März d. I. 2. Ja, bei der Expedition. 3..Ja.— H. S. 58. 1. Nein. 2. Darüber entscheidet der leitende Arzt. 3. Fiinszchn bis dreißig Mark.— M. S. 83. Anscheinend handelt eS sich nicht um-wen isäudungs» und Ucbcrwcisungsbelchluß, sondern um ein vorläufiges ..ahlungsverbot, das, wenn Innerhalb drei Wochen nach Zustellung ein gerichtlicher Psäu duugSbeschluß nicht gefolgt ist. seine Wirksamkeil verloren hat. Für diesen Fall ist die Klage begründet. Ist Ihnen aber ein PjandungSbcschluß zugestelli, so hat der Wirt keinen Anspruch. — L. S. 3. 1. Wenn die Jahres miete mehr als 360 M. ausmacht. Der Stempel beträgt: Bei mehr als 360 bis 400 M. Jahresmiete 50 Pf., bei mehr als 400 bis 500 M. Jahresmiete 1 M.. bei mehr als 500 bis 666'/, M. 2 M., bei höheren Mieten weitere Steigerungen. 2. Fragen Sie beim Berliner Wetterbureau, Jnvalidenstr. 42, an.— T. St. 500. Im all» gcmcnicn Sprachgebrauch eine Art Geisteskrankheit. Wörtlich übersetz»! Lähmung.— M. 10. Ja, anläßlich der Jubiläumsseier der Berliner Universität.— A. 3. 48. 1. und tz. Das Gesetz spricht von an» gemessener Zeit. Was als angemessen gilt, ist von Fall zu Fall zu beurteilen. 3. Wenn die Zulage zu einem bestimmten Termin versprochen ist- ja.- Blästng, Kautstratze. Wenn Ihnen kein Verschulden nach. gewiesen werden. kann: nein.— 03 St. Ihre Fragen sind im Bneskasten der Rr. 295 vom 17, Dezember(4. Vellage) beantwortet.— O. C. Rein Dwelk. Rixdorf. 1. bis 3. Nein.- Elise E.. Rlxdorf Nr. 135. Ein geictzilcheS Recht zum Getcenntlebe» besteht nur, wenn Sie sich eines Scheidungsgrundes schuldig gemacht haben. Den Ausenthaltsort dcS KindcS hat der Vormund zu bestimmen. Das Vormundschastsgericht kann aus Antrag andere Anordnungen treffen. 2. Nein. 3. Die Androhung nicht. Die Aussührung dürste in Verbindung mit anderen beweisbaren Tatsachen ausreichen.— Trevar Rdgnal 30. Ihre Angaben reichen zur Bcautworwng der Fragen nicht aus. Kommen Sie in die Sprechltunoe. — 3000 Hoffnung Ainrie. Sie haben Anspruch auf Herausgabe des Zablungsbefchls, falls dieser vollstreckbar ist. Sie können auch aus Heraus- gäbe llngen� Kosten trägt der im Prozeß Unterliegende.— Genosse P. 4. Berlin gewährt leine Arbeitsloseuunlcrstützurrg. Für den Fall der Be- dürstigkeit können Sie Armenunterstützung beanspruchen. Der Autrag ist beim Armenvorsteher Ihres Bezirks anzubringen. «mtlicher Marktberlckit der städiilchen Marttballen-DIrtkttoii über den Großhandel in den Zcntral-Martthallen. Ntartilage: FI ei ich: Zufuhr genügend, Gejchöst rege, Preise unverändert. Wild: Zufubr reichlich. Gcicbäjl lebliast, Preise wenig veränLcrl. Geilagel: Zujuhr iveit übe Bedars, Geiibäst rege, Preise zum Teil nachgebend. Fische: Zufuhr reichlich, Gcschäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft rubig, Presse unvcränocrt. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend. Geschäft lebhast, Preise wenig verändert._ «liieriingSuvertickii vom 23. Dezember 1»10, morgen« 8 Uvr. etatienen £ B ra a i-s ,8 5 «!-j ■? Mi »Q kZ« Ii& af H Setter Swmemde 764 WSW Hamburg 1 766 WSW Berlin!767SW Frantt.a M 771 SB München 773 SW Wien 772 NNW i 4 bedeckt 4 bedeckt 2 bedeckt 4 Nebel 2:oollenl 1 Nebel = 5. 1* W ö 4 5 4 0 —3 Ctotionen l-S ,c S = 2 SS Haparansa 745 NW Petersburg 755 S Sctllh 772 W cLberveen 754 SSW Parr« 773 SW ! i S Setter wn: r- 2 bedeckt—8 2 Schnee 5 halb bd.j 4 wolkig I Nebel BSetterprognote für Sonnabend, den 24. Dezember 1910. Mild und teilweise aufklarend, aber vorherrschend loolkig mit etwa? Regen und lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Wctterbnreau. 1 SoziaMeDiokratiscber Wabiverein Jdas g. Herl. Relcöstags- Wahlkreises. Tode« Anzeige. Am Dienstag, aen 21. Dezember oerstarb unser Genosse, der Gast- Wirt Kar! Hübner Ackerstr. 122. Ehre(dK«n stlnbcnfen! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Lazarus- Krankcnhausc aus nach dem (ilisabeth-Kirchhos, Prinzen-Allee, statt. Um rege Beieiligung ersucht vei» Vorstand. SozialdeoioRrstlsctier Wafilverein für de» Kttpeniekei* Viertel. Bezirk 208, Teil l. Den Mitgliedern zur Nachricht, dost unser Genosse, der Tischler Eugssn Opitzi Heckmann-Uscr 4 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet ani Dienstag, den 27. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Fried- ho!>s i» griedrichsielde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/3 Der Borstand. Sozialtakrat. Wimm Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah der Gcnosie, Gastwirt (Zustsv EJIume im Alter von 42 Jahren ver- starben ist. « Beiirkeverwaltung. SozIaldemokratlselierValilverelo Rixdorf. Am 22. Dezember verstarb plötzlich unser Milglied, der Töpser frit? Scheitner Lessingstr. 14.(19. Bez.) Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am 25. d.M., von der Leichenhalle des Jakobi- tirchhoses, Hermannstratze, aus statt. 23S/!0 Um reg» Betclligung ersucht Der Borstand. Zentral-Vertiaiid der Töpfer! Filiale Berlin. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, datz der Kollege Prilz Zeiieilnei' (Bezirk Rixdors) am Donnerstag. den'22. Dezember, plötzlich am Herzschlag verstorben ist. Fbre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Dezember (1. Feiertag), nachmittags 2 Uhr. von der Leichenhalle des neuen Jakobi-Kirchhoses in Rixdors, Herinannstrahe, aus statt. 194/5 Um rege Beieiligung ersucht D«r Vorstand. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme beim Tode meines lieben Mannes und guten Baters sprechen wir besonders den Kollegen der Firma Oakar Falbe und dem Deuischen lllieiallarbeiicrverband unseren herz- lichslen Dank auS. Ann» Heokmann geb. GInther _ und Sohn. Orts- Ltrankenkasse der Drechsler u. verw. Gewerbe zu Berlin. Montag, den i). Januar 1911, abends von 8>/, Uhr: Nslil» VerfamiDlungen im GewerkichaftShaiiS, Saal 7, Engelnfer IS. I. Versammlung sämtlicher groß- jähriger Miigliedcr der Kasse nach § 49 deS Statut« bebuss Wahl von 194 Bertretern derselben pro 1911. ll. Eine Versammlung sämilicher Ar- beiigcber der Kaste, weiche Beiträge für die Mitglieder aus eigenen Miiiein zahlen, findet am Montag, den 9. Januar 1911, abends ä1/, bis 9 Uhr. im GrwertschaftShaus, Saal L. Engelnfer 13. statt, be- huss Wahl von LS Vertretern der- leiben pro I91t. 2273b Für die Mitglieder legitimiert daS Kastenbuch, für Arbeitgeber die iehte Ouittung der Kaste über gezahlte Beiträge. Montag, den S. Januar 1911, abends 7ll,—S'U Uhr, findet in, Gewerkschaftshaus, Saal 1, Engelnfer 13. eine Dersmltulg fämtlidter groWhnger Mihtlieder der Kaste behuss Ausnellung von Kandidaten zur Bertreterwahl pro 1911 statt. Um recht zahlreiche» Erscheinen ersucht Dar Borstand. y. A.! Suatav Tledt, Hascnheid« 49. Fliesen- 3BI ( qeiJäft vergibt die AuSsührung seiner l Vcrlegerarbeite» an iüchtigen Fliesen- ''«—-"p 232".�' der Orts-Krankenkafse KlUldslhuhmlilhn «. verwandt. Gewerbe zu Berlin. Bekanntmachung. Den Kastenmiigliedern sowie den betreffenden Herren Arbeiigrbern bringen wir hlermii zur KenniniS, dag sich unser Kasjenlolal vom I.Ja- nuar 1911 298/3 Rncker-Straße 8, vor» 1 Treppe, befindet. Mit diesem Tage werden die Kasten- geschüsle Herrn Hermann Hinz daselbst als Rendant übertragen. Her Vorstand. I.A.: Brrthold Hollcrdarsch- ftellvertr. Borsitzender. Orts-Krankenkasse für 298/4 Rkiilickendsrs. Bekanntmachung. DaS von der Generalversammlung am 7. Dezember 1909 und 19. Ol- iaber 1910 deschlostene neue Kassen- staint ist von dem königlichen Bezirks- auSschub zu PolSdam unierm 25. No> vember 1910 mit Ausnahme des Z 43 genehmigt worden. Dasselbe tritt mit dem 1. Januar 19U in Kraft. Indem wir Vorstehendes zur gefl. Kenntnis bringen, bemerken wir noch. daß Truckexemplare der neuen Satzungen in einigen Tagen in Snipsang genommen werden können. Reinickendors, 25. Dezember>9i0. Der Vorstand der Orts-krankenkaise Reinickendorf. F. Bensch, Vorsitzender. M. Sehnlmeisier Hochbahn-Station Kottbuser Tor. leger.— Offerten �dtm SLKU« 80-, oresdenef Str. 4. Herbst» u. Winter» Ulster 27�%„ 54 m. Winter» Paletots 25m! 65 m 1 und 2 reihige Jackett-inzüge 24m! di» 68 m. Rock-u. Cehroek- Anzüge 88�-70«. Herren-Beinkleider. Phantasie-Westen Burschen- und Knaben- Kur eigene Konfektion faul Höf er, Berlin SQ., Cottbus er Damm 81/82, offeriert den seit Jahrzehnten rüiimlichft bekannten Ungewttter'5 Zisutsdsk _ an Wiedcrverkänfer zu SngroS-Preisen._ 4462 aube i u. Co., Potsdgmeritrage 3- 198/15 Sprechmaschinen Nähmaschinen Fahrräder Waschmaschinen Wringmaschinen in allen Preislagen Beba■ Platten a Strtclc S M. Fahrrad* Raas„Frisch aar Walter Wittig 4t Co. Brnnpenstr. 36 X Kottboser Stt 9. Istler Verwaltung Berlin. DaS Berhandsbnreau ist am Sonnabend, den 24. Dezember(Heiligabend) und am Sonnabend, de» St. Dezember(Silvester) nur bis 1 Uhr mittags geöffnet. Das Bureau ist geschloffen am: Stmunbettd, den 24. Dejentder, nachmittags. Montag, den 26. Dezember, den ganzen Tag. Dienstag, den 27. Dezember, den ganzen Tag. Sonnabend, den 3t. Dezember, nachmittags. Ärdeitskofe Mitglieder» deren Unterstützung am Sonnabend, den 24., Montag, den 26., und Dienstag, den 27. Dezember, fällig ist, geben Freitag, den ÄS. Dezember, Bücher und Arbeitslosenkarten im Arbeits-- Nachweis ab und bekommen die Unterstützung am Sonnabend-- vormittag ausgezahlt. Die Arbeitsnachweise sind am Montag, de« 26., und Dienstag, den 27. Dezember, geschlossen. Die Einkassiernng der Beiträge in den Zahlstellen erfolgt am 24. und 31. Dezember von 5 bis 7 Uhr abends. Achtung! Jugendliche Holzarbeiter! B« Montag, den 26. d. M.(2. Weihnachtsfeiertagl steht de» Jugendlichen und Lehrlingen das Jugendheim der Holzardeiter, GcwerkschastShauS, Engelufer 15, Eingang Nr. 14, Zimmer 4, parterre, von 3 bis 8 Uhr zur Verfügung. Tinsore Kollegen werden gebeten, die Jagend- Heben darauf aufmerksam zu machen. Die Kommtsstan. Bodenleger! Dienstag» den 27. Dezember 1010(dritter Feiertag), vormittags 16 Uhr: ürdve ngitsti«»«- Veriammliing im Gemerkschaftshause, Engelufer 14/1S, Saal L Tage«. Ordnung: Vortrag de« Kollegen Franz �chlemniinger. gor Alle im Berus tätigen Kollegen werden dringend ersucht an dieser Versammlung teilzunehmen. 95/7 Klavierarbeiter! Dienstag, de» 27. Dezember(dritter Feiertag): Groszes Weihnachtsvergnügen in sämtlichen Sälen des GewerkschaftshanseS. Die Kommlsfia». Massa Schneiderei tflr elegante tierren-Nodei) Fertig n. nach Mass. Garantie für tadello.ea Sit, u beste Verarbeilg. Auf Teilxahluna Wochenrate 1 H. an. J. Kurzberg .. dir.»'»» il, Heeks ob. MvkULUil.on.Lfct. .40. fy 6fen-KredH" Einheitspreis för Damen und Herren............. MK. 1-2.50 Luxusausführung...... mk. 16.50 SALAMANDER Schuh?««, m. b. H-, Berlin Zentrale und Versandabteilung; W.8, Friedrichstrasse 182 Unsere Berliner Verkaufsstellen! W. Friedrich-Strosse 183 SV. Friedrich-Strosse 231 N. Friedrich-Stiasse 118/19 C Konig-Strasse 47 V. 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Prinzen-Bad, Prinzenatr. tl. Reform-Bad, Wiener Str. 61. Ref ormbad WciBenaee, Lekdantr. 1 04. fmiM Russ.-röm, Bad, Stephaustr. 40. Schiller-Bad Schönhauser Bad, üchbek. Allee 38. Qälxacc-s-Lad m an■ m wIICEsIm SchleaischeStr. 31. Viktoria- Bad ,BoB»tlil.Pr.-Allnnitr.8. Wllhelmsbad, StläusaalMSI. 2781 � Bandogow, Gutntnint. � R. Bauke, Stralauer Str. 86. Lansa, A. E., Brunnenatr. 187. Meyer, P., Ri., Berlineratr. 49— 89. Pelzmann, D., Neue Königstr. 30. Wende, A., �7�' Max Schönfeld, O. MüggeUtr. 9. Berndt,W., Pillaaerslr.T.EckeJIenielit A. Batti, ZdVndorfer Str. 33, Mäl fDtbS FrPaPnkfu"e�AIlee 170 G alster, M., Badatr. 62.83. Georg Heroldt.Oderbergerstr.M. Hiekel, Fr-, Gr. Hamburgerat. 37 Kodi,EniiI, WeiBensee, Ebaif Ck 76. E. Löttcher, PrloietiiL 34, IT, 10830, Hlach, 0. 17,Mßnchebergcr»tr.t. Meldt, Fritz, Rixd.,- Reuterplatz. Gast. Nobert, Potsdamerstr. 118a H. Petermeler, Strelitzerstr. 8. Peter-Schley, WUb.,»maneratl. 1 1. Rommeck, C., Ri., Herraannst 23. Fritz Settekorn. Elbingerstr. 21. R. Stark, Wielefatr. 20. QlUleuohir.Be�m��) Becker, Relnli.1�1� Beuster, Rixd., Ksu-Friedrlrint. 173. Runipl R Klxösrt V □ UIIACi, n. Kois.rriedr.-St.t9. Büttner, A., Dsnzigeratr. 96. EXelschnet, Kottbussardarom 69 Kronen-Grossmann Elsasser Str. 93 Leser des ,, Vorwärts" 6% Rabatt. llgDEri!ßrf.O.P..LÄ"dNord; MlitbaklicgiiierKri�l SchraiBmar.llMRiÄhiii Dnser Goldbier Ist nicht nur ein Erfriachungagetrink, sondern sneb ein Gesundbcltiblcr ersten Ranges. Berliner Bnlflas-Brauefei. Berlin 8 Lulsenbraueret WelSeasce, SerluiEn'Srllrrrffäl�TrWeTSBfer Brauerei„Stern" N.t, Chsnsseestr. 10, V,-1.8882. ü. 1). Moewes Habersteinweg 6,7. TeL I, 8360. c 'Bertifaklelduna J Bad Frankfurt, Or.Frkft.Btr. 186 Lieferant sRratl. Krankenkassen Bad Friedrlcbshalu,! anJsli.AlleeUS GflnzelsBadc-Ansfalt.Brmijeiialr. 130. Badeanstalt, Ilasenbeula 18. Helenn-Bnd, Culmstr.«0a. Hohenutaiifan-Batf diciiid toi Am NoUendorf-WtmorfcidpUtt. lAÖrsfui-EaiJ, Dirckseoatr. 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Der Magistrat wählte an Stelle des demnächst zurücktretenden Professors Dr. Hartmann zum dirigierenden Arzt der Abteilung für Ohren-, Nasen- und HalSlrankheiten am Virchow-K'rankenhause den Oberarzt der Ohrenklinik der Charit« Dr. HanS ClauS. UniversttStS-Statiftik. Nach der soeben veröffentlichten Uni versitätS-Statistit beträgt die Zahl der in diesem Semester an der Berliner Alma mater immalrikulierten Studierenden 9030, dar- unter 8880 Männer und 800 Frauen. Bon dieser Zahl entfallen auf die theologische Fakultät 404 männliche und 2 weibliche Hörer, auf die juristiiche Fakultät 24 l8 Männer und 11 Fvauen, auf die medizinische Fakultät 1705 Männer und 159 Frauen und auf die philosophische Fakultät 4353 Männer und 034 Frauen. Außerdem sind noch 0112 weitere Personen, und zwar 5721 Männer und 391 Frauen, die sich aus Studierenden anderer Berliner Hochschulen zusammensetzen resp. im Besitze von Hörerscheinen sind, zum Hören der Vorlesungen an der Berliner Universität berechtigt. Da- nach beträgt die Gesamtzahl aller Hörer der Universität 15 798. Im Vergleich zum Wintersemester 1909/1910 sind folgende Veränherun- gen zu verzeichnen: Die Gesamtzahl der immatrikulierten Studie- rcnden der Berliner Universität ist um 903 gestiegen, und zwar 690 Männer und 204 Frauen. Die Gesamtzahl der zum Hören berechtigten Personen beträgt jetzt 1764 mehr. Davon sind 1524 Studenten und 240�Dludentinnen. Seit der Zulassung der Frauen zum alademischen Studium vor fünf Semestern ist deren Zahl be- ständig gestiegen. Bor drei Semestern machten die weiblichen Stu- dierenden 7,3 Proz., im vorigen Semester schon 8,0 und in diesem Semester bereits 9,7 Proz. der Gesamtzahl aus. Taschendiebe auf den Weihnachtsmärkten. Die Spezialisten auf dem Gebiet des Taschcndiebstahls suchen jetzt eifrigst die Weih- nachtSmärkte heim. Sie nutzen das Gedränge dort dazu aus, um das laufende Publikum zu bestchlen. Der Polizei wurden bereits eine ganze Reihe von derartigen Diebereien gemeldet. Gestern abend konnte einer der Diebe auf dem Weihnachtsmarkt am Belle- Allianceplatz auf frischer Tat abgefaßt und verhaftet werden. Trotz- dem der Bursche dirett bei der Tat beobachtet wurde, leugnete er frech den Diebstahl ab. Tie Kassen und Bureaus des Magistrats, der Provinzialver- waltung, der Synode. Polizei und des Gerichts werden heute um l Uhr mittags geschlossen. Ein Opfer d«s WeihnachtStrubels wurde gestern abend der Mölfjährige Schüler Ernst Höpfner aus der Grünthalcr Straße. Der Knabe hatte in der Friedrichstraße mit Spielsachen gehandelt und er war so eifrig bei dem Geschäft, daß er gar nicht bemerkte, als am Rande des Bürgersteiges ein Automobil vorbeigefahren kam. Er wurde von der Seitenschaufel umgestoßen und überfahren. Der rechte Oberschenkel wurde dem Kinde gebrochen, so daß es nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Ueberfahren und getötet. Ein tödlicher Straßenbahnunfall er- eignete sich Donnerstag abend gegen 8 Uhr an der Westfälischen-, Ecke der Joachim- Friedrich-Straße. Als der sechsjährige Georg 9. Basse, Sohn des Vizeadmiral» z. D. B. Basse, Joachim-Friedrich- (Straße 4 wohnhaft, den Straßendamm überschreiten wollte, wurde er von dem Motorwage» 2330 der Linie 91(Richtung Görlitzer » Bahnhof) erfaßt und geriet unter den Vorderperron, mit 1 den Beinen unter den Schutzrahmen. Mittels mitgeführten Winden und mit Hilfe der von Straßenpassanten hinzu» gerufenen Feuerwehr wurde das Kind aus seiner entsetzlichen Lage befteit. Auf dem Wege zur Unfallstation am Zoologischen Garten verstarb der Kleine jedoch infolge Blutergusses inS Gehirn.— Ueberfahren und getötet wurde Donnerstag abend um 8 Ubr ein nnbelannter Mann vor dem Hause Warschauer Str. 50. Er geriet dort unter den Privatkrastwagen Nr. I. A. 5984 und wurde so schwer verletzt, daß er schon auf dem Wege nach der Hilfswache in der Warschauer Straße starb. Der Verunglückte, der dem Handwerker- stände anzugehören scheint, ist etwa 45 Jahre alt, mittelgroß und kräftig gebaut, hat schon etwas ergrautes Haar und einen dunklen Schnurrbart und trug einen dunklen Ueberzteher mit karriertem Futter, einen schwarzen Gehrock, eine dunkelgestreifte Weste und Hose und einen Spazierstock mit tzirschhornkrücke. Die Klnbcslriche am SttftSwcg. Ein Verbrechen liegt wahr- scheinlich einem Letchenfund, der an der Berlin-Pankower Grenz- gemarkung gemacht wurde, zugrunde. Ein Arbeiter fand am Rande deS Stiftsweges den Leichnam eines neugeborenen Knaben. Der tote Körper lag vollständig nackt auf dem Erdboden. Die Kriminal- Polizei, die sofort von dem Fund benachrichtigt wurde, ist der An- ficht, daß hier ein Verbrechen vorliegt. Die falsch gefahrene Witwe. Seit einiger Zeit brandschatzt eine Schwindlerin allerlei Personen in Berlin und den Vororten. Sie erzählt, sie sei eine Witwe namens Geppart oder so ähnlich und komme ans Schweden, ivo ihr Mann gestorben sei, um nach ihrer Heimat, der Provinz Sachsen, zurückzukehren. Sie sei jedoch falsch gefahren und aus Versehen nach Berlin gekommen. Dann bittet die Gaunerin den Betreffenden, da ihr Reisegeld ausgegangen, um etwas Geld. Häufig beruft sie sich auf Bekannte ihrer Opfer, die außerhalb wohnen. Auf dies« Weise ist es ihr gelungen, in fünf Fällen sich Beträge bis zu 20 Mark zu erschwindeln. Di« Gau- nerin ist ungefähr 20 Jahre alt, hat blaue Augen und dunkelblondes Haar und geht gut gekleidet. ES soll eine Anna Sommer aus EilS- leben im Kreise Neuheidensleben sein, die mehrfach von der Polizei wegen Betruges gesucht wird. Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich auf der Strecke Königs- Wusterhausen-Beeskow ereignet. AIS gegen Ä7 Uhr morgens ein Gespann des Kaufmanns Kempert aus Storkow, das Kolonial- waren. Petroleum, Mehl usw. nach den umliegenden Ortschaften bringen sollten, den Bahnübergang auf der Beeskower Chaussee zwischen den Stationen Storkow und Hubertushöhe passiert«, sauste in demselben Augenblick der Fcühzug von KönigS-Wusterhauscn heran. Erst im letzten Augenblick vermochte der Lokomotivführer das Fuhrwerk wahrzunehmen, dessen Kutscher anscheinend die vor- her rechtzeitig und vorschriftsmäßig gegebenen Warnungssignale überhört hatte. Obwohl der Beamte sofort die Gefahrbremse an- wandte, vermocht« er doch einen Zusammenstoß mit dem Gefährt nicht mehr zu verhindern, der mit solcher Heftigkeit erfolgte, daß Pferd und Wagen in weitem Bogen über den Chausseegraben gc- schleudert wurden. Der Lenker deS Fuhrwerks, der Knecht Degner, kam unter den Wagen zu liegen und erlitt schwere innere Ber- letzungen und einen Bruch des linken Armes. Das Pferd wurde ebenfalls schwer verwundet. Der Wagen selbst wurde total zer- trümmert und die werwolle Labung ist vernichtet. Der verun- glückte Kutscher wurde nach Storlow übergeführt, man hofft ihn am Leben erhalten zu können. Durch den Unfall hatte der Eisenbahn» zug einen längeren Aufenthalt. Eine Schwindlerbande ist von der Kriminalpolizei und dem Untersuchungsrichter beim Landgericht l hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Es handelt sich um einen Kaufmann Ollendorf und Genossen, die im August d. I. auf«inen gefälschten Hypo- thekenbrief über 125 000 M. ein Darleh» von 50 000 M. erschwindelten. Ollendorf ist jetzt in New Bork festgenommen worden. Er wird ausgeliefert und befindet sich schon auf der Reise nach Berlin. Die anderen Beteiligten sind ein Agent Fötchenhauer, die Kaufleute und Agenten Dallmer, Minstedt und Krüger und ein Graveur Dünkel. Alle diese sitzen bereits in Moabit in Untersuchungshaft. Für Wagenführer von Interesse ist folgend« Polizeiverordnung: Auf Grund der Z§ 6 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom tl. März 1850 sowie der KZ 143 und 144 des Gesetzes über die Allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustim-, mung des Gemeindevorstandes für den Stadtkreis Berlin folgen- des verordnet: Die Bestimmungen in den ZK 23 und 24(letztere in der Fassung der Polizeiverordnung vom>8. Juni 1903 der Straßen- ordnung vom 31. Dezember 1399 werden, wie folgt, abgeändert und als Z 28(der jetzt nicht vorhanden ist) wird eine neue Bestim- mung hinzugefügt. 1. K 23 erhalt folgende Fassung: Bon der Be- Nutzung durch Fuhrwerk sind ausgeschlossen alle Wege, welche ein öffentlicher Anschlag als Reitwege oder Fußwege oder als„Ge- sperrt" bezeichnet.— 2. Im§ 24 kommt die Nr. 1 in Wegfall.— 3. Hinter K 27 wird folgende Bestimmung als K 28 neu aufge- nommen: K 28. In allen Straßen mit zwei Fahrdämmen darf von Reitern, Fuhrwerken, Handwagen und sonstigen FortbewegungS- mittel» in jeder Richtung nur der zur Rechten gelegene Fahr- dämm benutzt werden. Befindet sich das Ziel der Fahrt auf dem zur Linken gelegenen Fahrdamm, so darf erst auf der nächsten hinter dem Zies gelegenen Durchfahrt(Querstraße) nach dem linken Fahrdamm eingebogen werden, so daß die Vorfahrt an dem Ziel in der vorgeschriebenen Fahrtrichtung erfolgt. Auch die dem- nächstige Abfahrt darf nur in dieser Fahrtrichtung erfolgen. Eni- sprechend dem Absatz 1 sind die beiden nördlichen Durchfahrten deS Brandenburger ToreS lediglich zur Fahrt nach Westen und die beiden südlichen Durchfahrten lediglich zur Fahrt nach Osten zu benutzen.— 4. Diese Verordnung trttt am 1. Januar 1911 in Kraft. Zu dem Gerücht von einem Lustmorde gab ein Leichenfund Ver- anlassung. der in dem benachbarten Zeuthen gemacht wurde. Ar- beiter entdeckten in dem dortigen sogenannten Plumpengraben neben dem Radestückschen Grundstück die Leiche eines etwa ISjähri- gen Mädchens. Es wurde sofort die Polizei benachrichtigt, die zu- nächst annahm, daß es sich um ein Verbrechen handeln könne. Die polizeillchen Ermittelungen ergaben jedoch, daß es sich um ein polnisches Dienstmädchen aus Eichwalde handelt, das sich in letzter Zeit dem Trünke ergeben hatte und aus diesem Grunde von der Herrschaft entlassen worden war. Das Mädchen trieb sich seit dieser Zeit in der Umgebung umher und wurde häufig sinnlos be- trunken auf der Straße aufgefunden. Wahrscheinlich ist es in be- trunkenem Zustande in den Graben gefallen und dabei ertrunken. Die Leiche ist bereits polizeilicherseits freigegeben worden. Die Ben»? als Erregerin öffentlichen Aergernisses. Ein krasser Fall von Nuditäten-Schnüffelei beschäftigte kürzlich den Potsdamer Bezirksausschuß. Ein Spandauer Hausbesitzer hatte an einem seiner Häuser am Äonnendamm in der Mitte der Fassade eine künstlerisch ausgeführte Nachbildung der Venus von Milo anbringen lassem Wenige Tage später erhielt er von der Spandauer Polizetverwal- tung die Aufforderung, die Figur unverzüglich zu entfernen, da sich mehrere Anwohner der Straße durch die Nacktheit der Frauen- gestalt beleidigt fühlten. Der Hausbesitzer erhob gegen diese Ver- fügung Einspruch im Vcrwaltuntzsstreitverfahren und die Angc- leacnheit kam dadurch vor den Bezirksausschuß in Potsdam, der die Abhaltung eines Lokaltermins anordnete. DaS Ergebnis der daran sich anschließenden Verhandlung war. daß der Bezirksausschuß die Polizeiverfügung billigte, Frau Venus mutz also ihren Platz an der Fassade verlassen, Um Unglücksfällen vorzubeugen wird vom Polizeipräsidenten unter tziniveiö auf die Bestimmung des K 30 Absatz 2 der Strom- und Schiffahrtspolizeiverordnung vom 15. Oktober 1899 in war- nende Erinnerung gebracht, daß das unbefugte Beitreten des Eises, sowie das unbefugte Schtittschrihlaufen auf den hiesigen Gewässern verboten ist. Die Polizei- und Stromaufsichtsbeamten sind angc- wiesen, auf die Beachtung dieser Bestimmung zu halten. Bon San Remo nach Florenz. So lautet der mit farbigen Lichtbildern und Waiidelpanorainen ausgestattete neue Vortrag, der am Donnerstagabend im wissenschaftlichen Theater der Urania, Tauben- straße, zur Erstaufführung gelangte. Wie vor einiger Zeit in dem Vortrage:„Frühlingstage an der Riviera", so werden auch hier die Besucher im Geiste an die Riviera geführt, nur mit dem Unterschiede, daß es diesmal nicht die französische, sondern die italienische Riviera ist, deren bestrickenden Reiz wir kennen zu lernen Gelegenheit haben. Genua ist der Ausgangspunkt der Reise. Wir lernen erst das alte Genua kennen, dessen lange Vergangenheit im Begriffe ist, sich mit der Gegenwart auszutauschen. Es ist hier wie überall: die alten kulturhistorischen Bauwerke müssen, dem Geiste der Zeit entsprechend, modernen Etablisseinrnts weichen. Großes Jntereffe erregte die Vorführung der nionumentaken Grab- denkmäler des vampo vunto. Der reiche Italiener übt einen Totenkult von berschwendendeist Luxus. Roch über daS Grab» hinaus dokumentiert sich, weit mehr wie bei uns, der Reichtum und die Armut des Grnuesers. Von hier geht es a» malerischen Bildern vorbei über Pegli nach Sa» Remo. Gegen kalte Rordströme völlig geschützt, bietet San Remo dem Kranken, Erholungsuchenden ein mildes gesundes Kliuia. Im Gegensatz zu Nizza, Monaeo, Monte Carlo und sonstige» Orten, an denen sich der internationale Reichtum ein Stelldichein gibt und wo daS Laster, aber auch deshalb die„Mode" grassiert, herrscht in San Remo Einfachheit und ftiedliches Leben. Von hier auS werden dem Besucher eine Reihe weltberühmter Ausflugsorte naturgetreu vor Augen geführt, unier ihnen das vom Erdbeben zerstörte Bussana und der von dem Dichter besungene Madoimagartest bei den Scheffel- Palmen. Im zweiten Teile des Vortrage? wird abermals Genua als Ausgangspunkt zu einer Reife nach Florenz genommen. Jetzt geht es die Riviera dt Levante entlang an nicht minder herrlichen Landschalten vorbei. Ueber Nervi. BogliaSco, Neceo, Rnta kommen wir»ach Rapallo, wo uns der Sarazenenturm, der Friedhos und die weltberühmte Spiyenklöppelei gezeigt tverden. Von hier werden wir über Michele dl Pagano und weitere Ortschaften nach Carrara, berühmt durch seine Marmorberge und seine Marmorindustrie, ge- führt. Ueber Pisa geht es dann wieder nach Florenz. Roch einmal tun wir vom Piazzale Michelangiolo einen Blick auf Florenz— ein wunderbares Panoranm. Bon Florenz selbst, seinen Bauwerken, seiner Umgebung usw. versprach der Vortragende Herr Oskar Wagner ein anderes Mal etwas zum Vortrag zu bringen. Dachstuhlbrand am Kottbuser Damm. Gestern früh gegen 4 Uhr wurde die Rixdorfer und die Berliner Feuerwehr nach dem Kott- buser Damm 00, Ecke Schinkestraße, gerufen, wo der Dachstuhl des Vorderhauses in Flammen stand. Da die Brandstelle auf Rir- dorfer Gebiet log, trat nur die Rixdorfer Wehr in Tätigkeit. Der Löschangriff erfolgte mit zwei Sckflanchleitungen. Durch unausgc- setztes Wassergeben konnte das Feuer bald zum Stehen gebracht werden. Um 7 Uhr rückten die Feuerwehrfahrzeuge wieder ab. Der Dachstuhl«st teilweise zerstört; über die Brandursache war nichts festzustellen.— Bei einem Wohnungsbrand in der Chodowieckistr. 37 schwebten gestern abend vier Kinder in ernster Lebensgefahr. Die Kinder hatten in Abwesenheit der Eltern mit Streichhölzern ge» spielt und dabei eine Kiste mit Holzwolle in Brand gesetzt. Da die Wohnung verschlossen war, mußte die Korridortür gewaltsam ge» öffnet werden, um die gefährdeten Kinder zu retten. Das Feuer konnte dann von der herbeigerufenen Feuerwehr bald gelöscht werden. Zrugengesuch. Personen, welche gesehen haben, wie am Montag nachmittag 4'/, Uhr ein kleiner Junge von einem mit Fässern be« laden«» Tpeditions wagen an der Ecke Frankfurter Allee und Mög» liner Straße überfahren wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Fritz Stermann. Jnsterburger Straße 4 II, abzugeben. - Vorort-l�admcbtein Wilmersdorf-Halensee. Die Entlassung zweier Feuerwehrleute, über die wir vor einigen Tagen in Kürze berichtet haben, stand am Mittwochabend in der Stadtverordnetenversammlung auf der Tagesordnung. Die beiden Gemaßregelten, K r ü g e r und Köhler mit Namen, hatten in einer an die Stadtvcrordnetenversainnilinig gerichtete» Petition um Prüfung ihrer EntlasiungSgrüiide und nni Veranlassung ihrer Wieder» einstellung ersucht. Die Stadtverordnelenversammlung und mit ihr der Magistrat machten sich die Erledigung der Sache sehr leicht. In wenigen Worten berichtete der Stadtverordnete G r u n d l> n g namens dt» P e t i t i o n L a u S s ch u s s e S, daß sich seit einiger Zeit Disziplin- lostgkeit und Unzufriedenheit in der Feuerwehr bemerkbar gemacht babe und daß besonders bei den Entlassenen sich diese unangenehmen Eigenschaften gezeigt hätten. Da Disziplin in der Feuerwehr herrschen müsse, habe der Ausschuß einstimmig beschlossen, Ueber- gang zur Tagesordnung zu empfehlen. Stadtv. Moll hielt dieser Anschauung entgegen, daß über die Notwendigkeit der Disziplin wohl bei niemand Zweifel beständen, daß aber diese Tugend nicht nur von Untergebenen, sondern auch von Vorgesetzten gefährdet werden könne. Die ganze an eine ge« wisse Willkür erinnernde Art der Behandlung, der die Feuerwehr- leute ausgesetzt seien, die weit über daS in den Nachbarstädten übliche Maß hinausgehende Dauer der Uebungen und der den Angestellten gegenüber beliebte Ton feien eine Quelle der Unzufriedenheit, die durch harte Maßregeln nicht verstopft werden könne. Nachdem der Redner dann im einzelne» geschildert hatte, daß ersichtliche Gründe zur Maßregelung nicht borlägen, sprach er die Vermutung auS, daß vielleicht die Zugehörigkeit zu einem wenn auch staatStreucn Verbände bei de» Entlassenen nicht gern gesehen worden sei. Die Entlassung treffe besonders den einen Jeuerwehrmann um so härter, als dieser sich im Dienste eine Ver» krüppelung der rechten Hand zugezogen habe. Schlimmer aller- dingö stehe eS um die erst neuerdings erfolgte Maßregelung eines dritten FeuerwehrmaiiiieS, der im Dienste einen Leistenbruch erlitten habe und völlig arbeitsunfähig sei. Zum Schluß seiner Ansfüh- rungen richtete der Redner an den PelinonSansschuß die Frage, auf Grund welchen Materials er den Uebergang zur Tagesordnung empfehle und ob er sich bei seinem Beschluß einzig aus die Aus- sagen der Vorgesetzten gestützt habe. Auch der Dezernent im Magistrat sei um Auskunft besonders darüber zu ersuchen, welche Gründe für die sofortige Suspensierung vom Dienst vorgelegen hätten und ob etwa bei der Bestrafung das Koalitiousrecht eine Rolle gespielt hätte. Stadtrat Schloch erwiderte recht unbeholfen in wenigen Worte», daß„Verhetzungen" unter den Feuerwehrleuten vorgekommen seien und daß es nicht angehe, Angestellte von der Art ver Ent- laffenen nach der Kündigung noch im Dienst zu verwenden. Stadtverordneter Edel billigte den Beschluß des Ausschusses, ersuchte jedoch den Magistrat, dem am Magistratslisch erschienenen Brandinipektor das Wort zur Verteidigung zu geben. Hiergegen wehrte sich Bürgermeister Peters mit Händen und Füßen. Wohin, so meinte er, soll cS führen, wenn jeder entlassene Arbeiter seinen Vorgesetzten zu einer öffentlichen Rechtfertigung ver- anlassen könnte. Man solle zu dem Magistrat das Vertrauen hegen, daß er auch in diesem Falle, in dem die Wahrnehmung deS KoalitionS» rechts übrigens keine Rolle spiele, das Rechte getan habe. Nachdem noch die Stadtverordneten Dr. W a l d s ch m ld t und V ü ch t e m a n n der Disziplin das Wort geredet hatten, wurde durck, Annahme eines SchluvantrageS dem Stadtverordneten Moll das Wort abgeiÄnitten und gegen die eine Stimme des Demokraten dem Antrage des Ausschusies gemäß Uebergang zur Tagesordnung beichlosien. Man kann nicht sagen, daß niit dieser Erledigung der An- gelegenheit der Sache des Magistrats und insbesondere der Disziplin sehr gedient wäre. Nach der Methode des KaiernenhofeS lasse» sich heutigen Tages auch städtische Angestellte nicht mehr be- handeln und daher wird die von den kounnunalen Körperschaften gutgeheißene Maßregelung das Uebel leider nur verschärfen und der unter den Feuerwehrleuten vorhandenen Mißstimmung weitere Nabrung geben. Ob dieser Zustand im Interesse der Stadt liegt. das möge die Einwahnerschafl unserer in lozialpolitischen Angelegen- heilen nach der Methode längstvergangener Jahrzehnte geleiteten Stadt entscheiden. Der bekannte Terraindirektor Haderland kam in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu beträchtlichen Ehlen. Nicht nur Berlin, sondern auch Wilmersdorf hat seine Scheunen- viertelfrage. Ter Gasteiner Straße gegenüber erhebt sich ein unheimliches Gcrürnpel fensterloser verfallener Häuser, daö dem ai'f seine Barnehinheit sehr eingebildeten Ort nicht eben zur Zierde gereicht. Der Abbruch dieser Ruinen scheitert an den hohen Forderungen der Besitzer. In einer Petition an die Stadtverordnetenversammlung hatten etliche Hauseigeutümer die Beseitigung des Scheuuenviertels gefordert, und der Stadtverordnete R a a s ch befürwortete die Petition mit dem für die Anwohner der Gegend sehr schmeichelhafteu Hinweis, daß die Hauswirte dort nur minderwertige Mieter bekämen. Stadtverordneter D r ö f e stellte hieraus die Frage, ob denn kein Haberland da sei, der die Grundstücke auflaufe, und der Bürgermeister Peters unterstrich diese Frage, indem er andeutete, daß man sich vielleicht mit .Gruiidstücksmanagcrn' einigen könne. Die Stadtverordneten- versannnlung beschloß die Einsetzung eines Ausschusses, der für die möglichste Beschleunigung der Auffindung eines Haberland sorgen soll. Rixdorf. Die Verpflichtung des Krankenhauspersonals zur Dienstleistung in der Pflicblfeue?wehr der Gemeinde Buckow soll nach einem Be- schluß des Magistrats durch Zahlung eines jährlichen Beitrages von S0 M. für die Jahre lSll. lSlll und ISlZ abgelöst werden.— Der Magistrat erklärt sich bereit, im Falle des Eintretens einer Epidemie Räume im städtischen Krankenhause zur Verfügung zu stellen und die in solchem Fall notwendigen Maßnahmen für Einrichtungen und Anschaffungen zu treffen.— Zwecks Erwirkung einer generellen Löschungsbewilllgung zur Beseitigung der auf den hiesigen Grund- stücken zugunsten des Militärfiskus haftenden Beschränkung sollen die Verhandlungen mit dem MilitärfiskuS fortgesetzt werden, mit dem Ziele, daß die Stadtgemeinde die Verbindlichkeit eingeht, den MilitärfiskuS wegen der aus der Benutzung der Schießstände sich er- gebenden Schadenersatzverpflichtungen schadlos zu halten. Stralau. Geldschrankeinbrecher suchten in der Nacht zum Freitag die GlaS- Hütte in Stralau, Alt-Stralau Nr. 46. heim. Sie knackten zwei eiserne Schränke, die im Komor im Erdgeschoß des Borderhauses stehen, und erbeuteten daraus S— 6000 Mark bares Geld. Die Ein- brecher sind wahrscheinlich zu Waffer gekommen und mit der Beute wieder abgefahren. Steglitz. Die gegen die Schmutz- und Schundliteratur gerichtete Be- kanntmachung der hiesigen Schuldeputation, worüber wir in der gestrigen Nummer bereits berichteten, lautet am Schluß wörtlich: „Es wird unsererseits den Kindern verboten werden muffen, in solchen Geschäften, welche sich unserer Bitte verschließen und sich weiter mit dem Vertrieb solcher Bücher befaffen, ihre Schulbedürfnisse einzukaufe n."— Man kann diesem energischen Vorstoß der Schuldeputation völlig sympathisch gegen- überstehen und muß doch bezweifeln, ob die Körperschaft ein Recht hat, ein ähnliches Verbot an die K i n d e r zu erlassen. Die Kinder kaufen doch im Auftrag der Eltern, und diesen kann die Schuldeputation schwerlich vorschreiben, wo sie kaufen oder nicht kaufen sollen. Daraus ergibt sich, daß der Kampf so lange erfolg. loS sein wird, als nicht die Eltern dafür gewonnen sind. Deshalb sollte man meinen, die Schuldeputation müsse jede Veranstaltung unterstützen, die dieses Ziel erstrebt. Das ist aber leider nicht der Fall. Als kürzlich unsere Gemeindevertreter den Antrag stellten, dem Arbeiterbildungsausschuß für seine Jugendschriften. Aus st ellung ein Zimmer im Rat- Hause auf einige Tage zu überlassen und eine kleine finanzielle Beihilfe zu leisten, da fand die Schuldeputation mitsamt ihrem Vorsitzenden Fabarius nicht den Mut, den Antrag auch nur mit einem Wort zu unterstützen. Nachdem einige bürgerliche Go- meindevertreter mit albernen Redensarten gegen die angebliche geforderte„Anschaffung von sozialistischen Büchern für die Ar- beiterkinder aus Gemeindemitteln" protestiert hatten, wurde unser Antrag mit allen gegen die Stimmen unserer beiden Genossen abgelehnt. Die Ausstellung fand trotzdem statt, weil die Arbeiterschaft den Kampf gegen die Schund- literatur so ernst nimt, daß auch die entstehenden Kosten nicht abschrecken können. Wir sind der Meinung, daß durch unsere Ausstellungen, die der Aufklärung dienen, der Sache mehr genützt wird als durch Boykottdrohungen, zu deren Ausführung der Schuldeputation die Macht fehlt. Nikolassee. Der letzten Gemrindevertretersitzung wurde mitgeteilt, daß vom t. Januar 1911 an die Gemeinde Nikolassee mit Gutsbezirk Düppel einen eigenen Slandesamtsbezirk bildet. Zum Standesbeamten wurde der Gemeindevorsteher Reinfch ernannt. Ein Bertrag, den die Gemeinde mit dem Gutspächter AsmuS vom Gut Düppel zwecks Abfuhr von Fäkalien nach dem Müllabladeplatz des Gutes Düppel abschließen wollte, hat die Zustimmung des Herrn AsmuS nicht ae- fluiden. Herr Asmus will ganz gern die hohe Gebühr nehmen, für die Abfuhr der Fäkalien soll aber die Gemeinde selbst sorgen. In- zwischen hat aber der Gemeindevorstand etwas voreilig der von Herrn A. gewünschten Aenderung im Bertrage zugestimmt und der Vertretung blieb nur vorbehalten, dem Genieindevorstand Indemnität zu bewilligen. Der Komps gegen die Mückeiiplage soll auf Kosten der Gemeinde fortgeführt werden unter Zuhilfenahme privater Zu- Wendungen für diesen Zweck. Die Ausfühnmg der in Frage kommenden Arbeiten wird der Heimställenatliengesellschast über- tragen. Warum man bei einem im Interesse der Gemeinde er- forderlichen Borgehen mit privaten Zuwendungen rechnet, ist un- erfindlich. Johannisthal. Am ersten Feiertag veranstaltet die Freie Turnerschast im Lokal Von Senftleben, Friedrichstr. 48, eine Weihnachtsfeier. Weiss ensee. KanalisationSzweckverband. Die Gemeinden Weißensee, Hohen- schönhausen und Heinersdorf bilde» vom t. April 1911 ab einen Kanalisationszweckveiband. In diesem Zweckverband soll jede Ge- meinde für die ersten 10 000 Einwohner zwei Stimmen haben, für weitere 10 000 bis 50000 Einwohner je eine Stimme; bei mehr als 60 000 Einwohner kommen auf je 25 000 nur eine Stimme. Mehr als die Hälfte der Stimmen darf eine Gemeinde im Zweckverband nicht haben. Die Anschlußleitungen bis zum Hauptrohr hat jede Gemeinde für sich auszuführen. Der Männerchor Weißensee veranstaltet am 2. Feiertag, mittags 12 Uhr. in der Gemeinde-Turnhalle eine Matinee. Da dieser Berein der einzige Arbeiterchor am Ort ist, der bei Partei- Veranstaltungen mitwirkt, so werden die Genossen um rege Unter- stützung des Vereins ersucht. Adlershof. Schöffenwahl. Bei der gestrigen Schöffenwahl wurden durch Stichwahl unsere Genossen Hildebrand und D e t r i ch mit sechs Stimmen gewählt. Füns Stimmen erhielt der liberale Kandidat Ingenieur Müller. Grünau. Die letzte Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm zunächst ein Referat deS Genossen Blume entgegen, in welchem sich derselbe über die allgemeine poliiiiche Lage sowie über die zukünstigen Kämpfe der Sozialdemokratie verbreitete. In der an das Referat ankuiipfenden lebhaften Diskussion kam allgemein die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß die Arbeiterklasse sich auf bedeutende Kämpfe gegen die immer dreister werdende Renklion gefaßt machen müffe. Unter Bereinsaugelegenbeiten teilte Genosse Scharfe mit. daß das Stiftungsfest einen' Ueberslbutz von 25 Mark ergeben habe. Am 14. Januar 1911 findet ein vom Bildungsausschuß Grünau, Bohus- dors und Eichwalde arrangierter Kunstabend statt. Pankow. Die Gemeindevertretersitzung am Dienstag beschäftigte sich mit einer von unseren Genossen beantragten und von der Finanz- kommission einstimmig befürworteten Verbesserung der Lohn v e r hä l t n i ss e der G« me i�» de a r be i t er im Krankheitsfalle. Bisher bezogen die Gemeindearbeiter Pankows im Krankheitsfall lediglich das ihnen zustehende Kranken- gcld, ein Zustand, der in einer ganzen Reihe von Berliner Vor- ortgemeinden sowie in Berlin selbst bereits eine, wenn auch sehr verschiedene Regelung zum bessern der beteiligten Arbeiter er- fahren hat. Die Finanzkommissioa schlug der Vertretung deshalb vor zu beschließen, daß in Zukunft den ständigen, d. h. dauernd nach dem Ordinarium in den Gemeindebetrieben be- schäftigten Arbeitern nach einjähriger Dienstzeit im Krcmkheits- falle auf die Dauer von 6 Wochen, bei mchrnialiger Erkrankung innerhalb eines JahreS jedoch zusammen nicht länger als 13 Wochen der volle Lohn unter Abzug deS ihnen zustehenden Krankengeldes weiter gezahlt wird. Der Anspruch auf den Fortbezug des vollen Lohnes soll fortfallen, wenn der Erkrankte sich den Anordnungen der Krankenkasse und eines Vertrauens- arztes nicht fügt, ferner bei eventueller Entlassung mit Beendi- gung des Arbeitsverhältnisses. In der ausgedehnten Debatte, in der namentlich vom Bürgermeister die laut gewordenen Be- fürchtungen über etwaige Simulation und leichtfertige Krank- Meldungen als unbegründet nachgewiesen und die Annahme des Vorschlages der Finanzkommifsion warm empfohlen wuroe, per- suchten unsere Genoffen noch, diese Bestimmungen auch auf die- jenigen Arbeiter auszudehnen, welche nach dem Extraordinarium in Gemeindebetrieben über ein Jahr tätig sind. Leider gelang es nicht, dies durchzudrücken. Der Vorschlag der Finanzkommission gelangte dann einstimmig zur Annahme. Dieser Beschluß kommt zurzeit 77 Arbeitern im Krankheitsfall zugute.— Die Eröffnung des hiesigen neuen Wasserwerkes im Laufe des kommenden Jahres macht die Schaffung der Stelle eines Betriebsingenieurs an dem. selben notwendig. Es wurde deshalb die Anstellung eines solchen mit einem Gehalt von 4800 M. durch Dienswertrag und ohne Pensionsberechtigung beschlossen.— Die vor kurzem beschlossene Vermehrung der Beamtenstellen erfordert eine teilweise Um- und Neugestaltung von Bureauräumen im Rathause; für dazu nötige Neuanschaffungen von Bureaumöbeln wurden 3600 M. aus dem Extraordinarium bewilligt.— Eine lebhafte Debatte entspann sich sodann bei der Beratung über Bewilligung der Kosten für einen Erweiterungsbau der alten höheren Mädchen- schule in Höhe von 180 000 M. In dieser Summe sind 50 000 Mark enthalten, welche ursprünglich zur Errichtung einer Turn- halle für die Schule in oer Görschstraße bewilligt waren, für diesen Zweck aber nicht verwandt wurden sind und nun hier Ver- Wendung finden sollen. Der Bürgermeister führte hierzu aus. daß, so unglaublich es klingen mag. infolge der rapiden Bevölke- rungszunahme Pankows die Riesenschule in der Görschstraße mit 1. Januar 1911 schon völlig besetzt und der Erweiterungsbau deS- halb eine zwingende Notwendigkeit sei. Für die Errichtung einer Turnhalle sollen später in einer besonderen Vorlage die Mittel gefordert werden. Die 180000 M. wurden bewilligt.— Zur Er- Weiterung des Kabelnetzes für das Elektrizitätswerk wurde die Summe von 33 000 M. gefordert. Hochbaumeister tmten begründet diese Forderung damit, daß die Umfrage wegen tromabnahme ein so überraschend güstiges Resultat«rgeben habe, daß eS ratsam ericheint, das Werk von vorherein so auszu» bauen, daß es den an dasselbe gestellten Anforderungen zu ent- sprechen vermag. In der sehr ausgedebnten Debatte wurde fest- gestellt, daß eine weitere Ausdehnung oer Werkanlage in abseh- barer Zeit eine zwingende Notwendigkeit sei, umsomehr, als all- feitig eine möglichst vollständige Durchführung der Versorgung Pankows mit elektrischem Strom im Interesse einer werbenden Anlage, als das Elektrizitätswerl gedacht sei. geboten erschien. Schließlich wurden die gegenwärtig geforderten 33 000 M. bewilligt und der Bürgermeister um Einbringung einer Borlage auf ent- sprechende Erweiterung der Anlage ersucht.— Ein Gesuch um eine Beihilfe für den Verein zum blauen Kreuz, der sich die Unterstützung und Förderung aus Trinkerheilstätten entlassener Personen sowie überhaupt die Bekämpfung der Trunksucht zur Aufgabe macht, veranlaßte einen bürgerlichen Vertreter gegen- über dem ablehnenden Standpunkt unserer Genossen zu dem Ein- geständnis, daß die Sozialdemokratie allerdings mit Erfolg der Schnapspest entgegenwirke, daß aber im Interesse der vielen von den Arbeiterorganisationen noch nicht Erfaßten die Bestrebungen des genannten Vereins zu unterstützen seien. Nachdem von unseren Genossen nochmals die Unmöglichkeit einer wirksamen Bekämpfung des Schnapsteufels durch derartige Vereine und dem. zufolge die Zwecklosigkeit"solcher Beihilfen nachgewiesen war, lehnte die Vertretung das Gesuch ab.— Hierauf folgte geheime Sitzung. Oranienburg. In der letzten Wahlvereinsversammlung vom Sonntag berichtete zunächst der Bezirksleiter Genosse E. Sämmann über die General- Versammlung Groß-BerlinS. Hieraus erstatteten die Gruppenführer Bericht über die Tätigkeit der Bezirke. Leider konnten dieselben nur von schlechtem Besuch der Zahladende wie auch von schlechter Be- teiligung an den Flugblattverbreitungen machen. Genosse Jacobsen vom Kreisvorstand geißelte auch diese Gleichgültigkeit der Genossen in treffender Weise. Aufgenommen wurden zwei Genoffen. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Der für die Klasse der Schwachbegabten rn Aussicht genommene Lehrer hat während der Ferien an einem Kursus für Hilfsschullehrer in Dalldorf teil- genommen und sind ihm hierdurch 42 M. Kosten entstaniden, um deren Erstattung er ersucht. Dieser Betrag, sowie die Summe von 285 M. zur Anschaffung eines dritten Kvankcntransportwagens, welcher im Krankenhaus« stationiert werden soll, werden bewilligt. — Der Magistrat ist mit der Provinzial-Chaussce-Verwaltung zwecks Uebernahme eine? Chausseestückes zwischen Turnplatz und Krankenhaus in Unterhandlungen getreten. Di« Verwaltung ist damit einverstanden und ist bereit, eine einmalige Abfindungs- summe von 5242 M. zu zahlen. Bei dieser Gelegenheit wird auf die schlechte Beschaffenheit der bisher von der Verwaltung übernom- menen Straßen hingewiesen. Sie wird darauf zurückgeführt, daß die Abfindungssummen im allgemeinen zu niedrig sind. Nachdem der Bürgermeister erklärt, daß von der Verwaltung nicht mehr herauszuschlagen ist, wird die Vorlage angenommen. Zugestimmt wird serner dem Angebot von 2160 M. für die erhöhten Unter- Haltungskosten der Schloßbrücke, welches der Fiskus der Stadt macht. Eine längere Diskussion rief die Erhöhung der Hundesteuer und die neue Hundcstcuerordnung hervor. Der Kämmerer erklärte, daß mit den Vorschlägen kein finanzieller Effekt erzielt werden solle, man wolle nur der Ueberhandnahme der Hunde am Ort steuern. Zurzeit seien nur 431 Hunde versteuert, es gäbe nach der bisherigen Ordnung auch kein Mittel eine Aenderung herbeizu- führen, die neue Steuerordnung sei mit einigen Aenderungen der .Berliner entnommen. Steuerfreiheit ist vorgesehen für Zieh- und Wachhunde und für körperlich hilfsbedürftige Personen, welche ein Einkommen bis zu 2100 M. haben. Die Steuer für den ersten Hund solle 20 M. beiragen, für jeden lveümn Hund 30 M.. und zwar gilt die Steuer für alle über zwei Monate alte Hunde. Hunde- Händler müssen zwei Hunde versteuern, die übrigen sind frei. Eine ganze Reihe von bürgerlichen Vertretern stimmt wohl für die Er« höhung von 10 auf 20 M., war aber nicht dafür zu haben, daß für den zweiten Hund eine höhere Steuer gezahlt werden solle. Von unserer Seite lehnt Gen. Schumann die Erhöhung der Steuer ab, wünscht aber eine schärfere Kontrolle, und zwar solle man dazu die Hausbesitzer heranziehen, indem man die Meldepflicht«inführt. Die neue Hundesteuerordnung und die Steuer von 20 M. für alle Hunde wird angenommen. Alle weiteren Anträge werden abge- lehnt. Debattelos wird das von den Personalen der Brauereien getrunkene B er für steuerfrei erklärt. Den Etat der gewerblichen Fortbildungsschule, Kämmereietat und den Schuletat ersucht Gen. Schumann von der Tagesordnung abzusetzen, da die Vertreter den Etat noch nicht in Händen haben. Kämmerer und Bürgermeister wenden sich dagegen. Der Etat der Fortbildungsschule schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 6820 M., mit einem Mehr von 90 M. gegen das Vorjahr. Der Kämmereietat schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit 481 300 M. Die gesamte Schuldenlast der Stadt beträgt 1 566 548 M., eine Viertelmillion mehr als im Vor- jähr«. Beim Schuletat, welcher abschließt mit einer Ei»- und Aus- gäbe von 107 900 M.. das sind 11 900 M. mehr als im Vorjahre, vermißt Gen. Schumann die Einstellung irgendeiner Sumnie für Lieferung freier Lehrmittel. Bei den außerordentlich niedrigen Löhnen, welche hier gezahlt werden, sei es eine unbedingte Pflicht, dafür zu sorgen, daß für d«sen Zweck auch Mittel vorhanden seien. Bürgermeister Beuthner erklärt, daß die Armendeputation für Lie- ferung freier Lehrmittel einen Fonds besitze und es sei selbstver- ständlich, daß die wirklichen Armen auch Lehrmittel geliefert er- hielten. Im übrigen seien die Verhältnisse der Arbeiter lange nicht mehr so schlimm als früher. Der Arbeiter steht sich heute besser wie die Untcrbcamten, wie sich aus der Steuerliste ergäbe. Demgegen- über verwies Gen. Schumann auf die enorme Steigerung sämtlicher Lebensmittel, sowie auf die Löhne, welche am hiesigen Orte gezahlt werden— 30 bis 35 Pf. pro Stunde. Die Vollziehungsbeamten gingen mit dem Mahnzettel umher, um die Gelder für Lieferung der Lehrmittel wieder«inzuziehen. Man gehe sogar foweit, wöchentliche Abzahlungsraten von 10 Pf. zu gestatten, und dann sage man, jede unnötige Härte würde vermieden. Schumann ver- langte, daß der Armendeputation die Sache aus der Hand ge- nommen und der Schuldeputation überwiesen werden Die Etats werden der Etatskommission überwiesen NowaweS. Nach dem Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten in unserem Orte für daS Jahr 1909/10 umiaßt das Gemeindegebiet 715 Hektar, 9 Ar, 26 Quadratmeter; die Absicht der Eingemeindung größerer forstfislalischer Parzellen im Osten deS Gemeindebezirks hat sich bisher nicht verwirklichen lasteli, da die AufsichiSbehörbeii derartigen Projekten prinzipiell nur nach erfolgter Beräutzerung größerer Geländeteile an Privatpersonen ihre Genehmigung erteilen wollen. Die Bevölkerung setzte sich ihrem Religionsbekenntnisse nach zu« sammen aus 21 602 Evangelischen, 1497 Kalholischen. 30 Baptisten, 76 Apostolischen, 57 Jllden, 101 Dissidenten. Die Slratzeiibeleuchtung erfolgt durch das hiesige Werk der Dessauer Continental-Gasgeselö schaft; die von dieser an die Gemeinde zu zahlende Abgabe von 1 Pf. pro Kubikmeter durch Gasuhren gemessenen Leuchtgases betrug 7912 M., gegen das Vorjqhr ein Minus von 230 M.. hervor- gerufen durch den gesteigerten Konsum an elektrischem Licht. SuS der Beteiligung der Gemeinde an dem Potsdamer Elektrizitätswerk erzielte dieielbe einen Ueberschuß von 9294 M. Auf der von PotS- dam und NowaweS gemeinschaftlich betriebenen Straßenbahnlinie wurden 1 322 805 Personen befördert, die Gemeinde erzielte hieraus einen Reinverdienst von 1776,50 M. Für die Volksschulen beliesen sich die Ausgaben auf 169 616 M.. denen 38 700 M. an Einnahme gegenüberstanden. Die einzelnen Klassen hatten eine Frequenz bis zu 64 Schülern. Das Realprogymnasinm mit Vorschule wurde von 218 Schülern besucht; zu Ostern 1909 bestanden mit Eröffnung der Untertertia 3 Vor- schul- und 4 Realgymnastalklassen: die höchste Frequenz hatte die Sexta mit 48, die niedrigste, die Untertertia, mit 10 Schülern. Der Zuschuß der Gemeinde zu dieser Anstalt beträft 21 557 M. Die höhere Mädchenschule, an der im Beginn des Berichtsjahres die vierte Klaffe eröffnet wurde, besuchten 167 Schülerinnen; die Auf» Wendungen der Gemeinde für diese Schule betrugen 17168 M. Die gewerbliche Fortbildungsschule zählte nach der Osteraufnabme 871 Schüler; die Ausgaben für die Anstalt beliesen sich auf 12 864 M.; hierzu leistete der Staat einen Beitrag von 7833 M.. der Krei« einen solchen von 300 M.. so daß die Gememde einen Zuschuß von 473t M. leiste» mußte. Wegen unentschuldigter SchulversäumntS mußte gegen acht Meister Strafautrag gestellt werden. Die Kosten der Armenverwaltung beliefen fich auf 41 731 M.. die Einnahmen auf 16 187 M. Der Fürsorge des WaisenraleS unterstanden 1365 Kinder. Ueber das OberlinhauS wird berichtet, daß die Poliklinik von 896 Personen besucht wurde.— Die Krippe halte eine Frequenz von 24, die Kleinkinderschule von 90 und die Strickschule von 120 Kindern.— Die Krüppelpflegeanstalten beherbergten am Schluß des Jahres 1909 204 Insassen, 129 Knaben und 75 Mädchen.— Das Taubstummen-Blindenheim zählte 20 Zöglinge, 10 Knaben und 10 Mädchen. Der Knabenhort, eine Einrichtung des ebangelifch-kirchlichen HIlfsvercins, hat den Zweck. Knaben, die tagsüber sonst ohne Aussicht sind, vor Verwahrlosung zu schützen, wird von der Gemeinde mit 500 M. jährlich untrritützt lind hatte einen Besuch von durchschnittlich 30 Knaben täglich. Der VermögensnochweiS der Gemeinde NowaweS verzeichnet ein Vermögen von 4 428 688 M.. während die Schulden 3 289 567 M. betragen.— Die Hauptkaffe schließt für das Rechnungsjahr 1909 ab mit einer Einnahme von 2 110 483 M. mid einer Ausgabe von 2101 1l2 M. Die Steuerlisten für direkte Steuern enthielten an Zenstten für Staats- und Gemeiiide-Einkommensteuer: Einkommen über 900 Mark 6551, unter 900 M. 2443. die an Eiukommensteuer einschließ» lich 33,53 Proz. Kreissteuer 251 932 M. aufbrachten. Potsdam. Sirben«nbesetzte Stadtverordneteu-Mandate. Durch die Ein« führung deS Stadtrais Krause ist das siebente Mandat erledigt. Nach dem Willen deS Magistrats und der Stadtverordneten-Mehrheit soll dieser Zustand noch ein ganzes Jahr bestehen bleiben. ES gibt wohl m ganz Deuischland keine Stadtvertretimg, die unter solchen Verhältnissen ihre Arbeiten erledigt. Dafür ist aber die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung ausgesprochen konservativ. Ob nicht die Aufsichtsbehörde die Sladtverwallung veranlassen wird, Ersatzwahlen vorzunehmen? Wenn diese nicht konservativ wäre, wäre es vielleicht schon geschehen! Jugendveranstaltuugen. Weitzensee. Eine Weihnachtsfeier; veranstaltet der Jugend. auSschutz am ersten Feiertage, nachrniilags 5 Uhr. im.Prälaten', Lehder. straße 122. Tegel und Borsigwalde� Die Freie Jugend oraanisatwn hält am Sonntag, den 25. Dezember 0- Feiertag), eine WeiynachlSseter ab, bc< stehend auS: Vortrag der Frau Kahler über!.Warum seiern wir Weih- nachten Rezitationen, Vcrlolung und geselligem Beisammensetn. JedcS Mitglied erhält ein Gelchenl. Die Feier findet tm Jugendheim statt und beginnt nachmittags 4 Uhr. Wir bitten die Arbeiterschaft, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter daraus hinzuweisen. Freie Jugendorganisation Treptow. Die Weihnachtsfeier am Sonntag in der Rennbahn am Bahnhos Treptow findet nicht, wie an- gegeben, um ö Uhr, sondern nm S ll h r statt. Eintrittskarten zum Preist von 25 Pj. find bei den Mtgltedrrn zu haben. Theater und Vergnügungen Heute abend bleiben sämtliche Tbeater geschlossen. Neues Schauspielhaus. Nachm. 2 Uhr: iHau Holle._ Lessing-Theater. Sonnabend: Geschlossen. Die Kasse ist von 10— 1 Uhr geöffnet Sonntag 8 Uhr: Ilnarol. Montag 3 Uhr: Die oersunk. Glocke. Montag 8 Uhr: Anatol._ Theater des Westens. Heute geschlossen. Sonntag und folgende Tage 8 Uhr: Va* Puppemnädel. Berliner Voiksoper Belle-Alliancestrahe 7/8. Geschlossen. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute geschlossen. Resitienz-Theater. Direltion: Richard Alexattder. Heute geichlossen. Sonntag, den 23. Dezember, 8 Uhr: Der Unterprüfett. Echwaul in 3 Akten v. Leon Gandillot. Sonntag, den 2ö./l2., nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Moinag, den 2ö./>2., nachm. 3 Uhr: Xodlosinv oklls«» BiZ 28. Dezember abends.: Der Ilnterpräfekt.'• Donnerstag, d. 29.; 12., zum 1. Male Familie Bolero._ Luisen-Theater. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag 3 Udr: Hamlet 8 Uhr MudickeS Reise nach Indien. Montag 3 Uhr: Preziosa. 8 Uhr" Mndickcs Reise nach Indien. Dienstag 3 Uhr: Wilhelm Tell. 8 Uhr: Berlin gebt zu Bett. 0SE=TI1EATE Kaiscr-Panoramn. Neu I II. Besuch v. Florenz. Letzte Woche: Reise am Nhri» von Mainz bis Köln. Taufende Familien schenken zu Weih- nachten Abonnements. 8 Reisen 1 M. II I er-T Ii eater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend geschlossen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zuptvnnti'clcli. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Käthchen von tlcilbronn. Montag,»ach m. 3 Uhr: Sockoiu« Puckv. Montag. adendS8 Udr: Ida» Drdllck de» TartiklT. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theal). Sonnabend geschlossen. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Duniniliopr. Montag, nachm. 3Uhr: Die Ehre. Montag, abends 8 Uhr: Drina Friedrieb von Homburg. Passage-Panopiikuin.j Während der Weihnachtsierien i v. 18. Dezember bis 1. Januar| Uolkstagc Jedermann ein Kind ft-ei! Jedes Kind erhält 1 Geschenk!| Der bearnaisisebe Riese Castan8 Panoptikum tä/ä Familientage(i Kind frei). yet Im Wanderlande. y»»: Große elektrische Feerie. Von 4 Uhr nachm. ab: Grolle Künstler-Vorstelluna und Konzert. ------------ Entree t M. Sport-Palast Potsdamer Strafe 70-72a Enlree 1 M. ? WWM'MMVMWW'MW! LICHTSPIELE Da»ore D. größte Mensch, d. je gelebt 1 10 mm größer als Machnow. MozartsSaal Nollendorl«Platz l I W LULU glUiJül ttxo icia viMivTT.«H:»m» W W J< H Alles ohne Extra-Entree!||| SS Heute geschlossen.= Grotze Krantsunei Str. 132. Heute geschlossen. Sonnlag nachm 3 Uhr: Die Iliiuher. Abends 8 Udr: Der BlOller und»ein Kind. Montag nachm. 3 Udr: Die millonenerhln. Abends 8 Uhr: Der KaiHcrJUecr. Dienstag nachm 3 Uhr: Schneewittchen und die 7 Zwerge. Abends 8 Uhr: Der Ultlllcr und»ein Kind. JWetropol- Theater. Heute geschlossen I Sonntag, den 25. Dezember 1910: Hurra? Wir leben noch! Grotze AnSstaltungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund Musik v. B Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr— Rauchen gestaltet NachmiiiagS 3 Uhr: Pariser Leben Heute geschlossen. Sonntag. 25., Montag, 20. d.M., je 2 große 2 Fest-Vorstellungen. Nachmittags 3'/, Uhr: mm- Halbe Preise. • Honte geschlossen. An beiden Weihnacbtstagen 2-- Torslellungen en|i II Nachmittags Anfang 8 Ubr. Kleine Preise:> für für/ Erwachs. Kind. 1 Terrase» 3,— Log.e 3,— Seit.-Terrasse 2,50 Park.-Fauteuil 2,50 Pauteuü 2.— Parterre 1,50 Reserv. Fiats 1,— Entree— ,75 Abends Anfang 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Liane d' EvcExentr. trangais Mlle. Oenarbers M Enftballunfalirt über d. Köpfen d. Publikums,»j sowie eine Auslose der anerk.:! Kunstkräfte dreier Weltteile.|| 2,- 2- 1, -75 —,50 -.40' MM» Heute geschlossen. An den 3 Feiertagen abends 8 Uhr: Der große Schlager: Eine verlorene Bracht. Oer Derby-Sieger. Am 1. u. 2. Feiertag nachm. 4 Uhr: BVeuu /.«ei duNetelbe tun. Sonnabend, de» 31. Dezember 1910, von 8 Ubr abends bis 4 Uhr früh: Grohe Silvester- Frier. Eine verlorene Nacht Derby-Sieger. Orlginat-Klabrias-Partie. 2 Uh, slüh: Silvester-Kabarett. Billetts für sämtliche Borslelluitgen schon heute zu haben._ Ait-noabit 47/48. Sonntag, den 25. Dezember 1910 (1. Feiertag): Friede ans Erden. WeihnachtSlomödie mit besang in 3 Auszügen von Hugo Schulz. Kassenerössn. 6';, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Montag, den 28. Dezember 1910 (2. Feiertag): Eine lustige Doppel-Ehe. Posse mit Gesang in 3 Ausz. v. Kraatz. Kaisenerössn. 6',, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Dienstag, den 27. Dezember 1910 (3. Feiertag): Grocher Klassiker-Abend: Kabale und Liebe. Trauerspiel in 6 Auszügen von Fr. von Schiller. Kassenerössn. 7 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Hochbahnstation Koltbuser Tor. Geschlossen wegen Vorbereitung zur WeihnachtS- Premiere Wie werde ich reich? Sonntag, den 25., Montag, 28. Dez., nachmittags 3 Uhr: Die Doltarpriiuessiu. Reicbshallen-Thealer. Heute keine Soiree. An allen 3 Feiertagen: 8!Lkt!nes ZSugss. Weihvachts- Programm I Ansang: 1. und 2. rs:? 3. Feiertag 7"/, Uhr. Am 2. Feiertag mittag» 12 Ubr: Große Weih nach Denefiz-natlnce. Elite< Novitäten- Programm. 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