s*. 30*. BbonnemenfS'IMngiingci»: BSonnemcnlä> Preis pränumerando i Licrtcljöhrl.?,JSO SKf., monatl. 1,10 Mk> wöchentllch 2» Psg. frei inS HauS. Einzelne Runimer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pjg. Post- klbonnement: 1.70 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- PrelSliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS tibrige Ausland Z Mark pro Monat. PostaboniiemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 87. Jahrs. CriAtint tiigllch»itökk montagt. Verlinev Volksblerkk. Die TntertlonS'GeMUr kelrägt für die fechSgespallene Kolonek- geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und VcrsammlungS-Anzcigcn SO Pfg. „Klefnc Kn-«lg-n". das erste(fett- gedruckte)«ort 20 Pfg., jedes«eitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen daS erste Wort 10 Pfg., jedes westere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abendS geöfsnet. Zelegrmnm- Adresse: „Sezialitkmolirat Seklla". Zentralorgan der foztaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Redahtiom SW. 68, Lfndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, de« 25. Dezember 1010. Expedition: 8M. 68, Lindcnatraese 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. friede auf Crdeu! So sicher es ist. zu Weihnachten gerade in den Blättern den religiös fchlvülstigsten Artikeln zu begegnen, in denen das ganze Jahr über der gehässigste, brutalste Kampf gegen die um ihr Menschenrecht ringende Volksmasse geführt wird, so sicher ist es auch, in diesen nämlichen Blättern nach dem Feste den widerwärtigsten Denunziationen der angeblichen Religions feindschaft zu begegnen, deren sich die sozialdemokatische Presse in ihren Festbetrachtungen schuldig gemacht habe. Daß die sozialdemokratische Presse das dogmatische Christentum ablehnt, ist richtig. Das ist aber ganz und gar nichts Unerhörtes, hält sie es damit doch nicht anders, als ein sehr erheblicher Teil der protestantischen Theologie und Geist lichkeit selbst, der die christliche Mythologie und Dogmatik gleichfalls verwirft und nur den sogen, ethischen Kern des Christen tunis gelten läßt. Diesen ethischen Gehalt des Christentums hält die Sozialdemokratie sogar noch viel höher, als das die liberale oder auch die orthodoxe Theologie nur tun kann, bildet doch die aus dem Gedanken der Brüderlichkeit deS gesamten Menschengeschlechts entspringende Nächstenliebe das innerste Wesen der sittlichen Weltanschauung der Sozialdemokratie. Wenn die Sozialdemokratie gleichwohl eine tiefe Kluft von allen Theologen trennt, so deshalb,, weil die Sozial- demokratie die Lehre von der Brüderlichkeit aller Menschen nicht als ewig unerreichbares Ideal betrachtet, dem nur durch salbung�reiche Phrasen zu huldigen ist, sondern als ein Ziel des gesellschaftlichen Lebens, an dessen Verwirklichung die Menschheit alle Kräfte zu setzen hat. Und gerade deshalb, weil die Kirche in ihren verschiedenen Formen, weil- die Geistlichkeit aller Konfessionen in den zwei Jahrtausenden vor „christlichen" Zeitrechnung niemals den rechten sittlichen Ernst bewiesen hat, dem ethischen Ideal des Christentums zum Siege zu verhelfen, weil sie sich tni Gegenteil stets nur zu bereitwillig mit poliftschen und sozialen Einrichtungen abgefunden hat, die den Grundsätzen der christlichen Nächsten- liebe geradezu ins Gesicht schlagen, fordert die Sozialdemo- kratie die völlige Trennung von Staat und Kirche, die Er- klärung der Religion zur Privatsache. Und gerade diejenigen Geistlichen, denen die Verwirklichung der sittlichen Gebote des Christentums am meisten am Herzen liegt, haben ja diese sozialdemokratische Forderung durchaus gebilligt. Gerade das Weihnachtsfest mit seiner„frohen Botschaft", die„Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgefällen" kündete, zwingt ja jedem ehrlichen Menschen und redlichen Christen, der mehr ist als ein salbadernder Wortckrist, die Frage auf: Was ist von jenem Weihnachtsevangelium, das vor nunmehr schon fast zwei Jahrtausenden der leidenden Menschheit gekündet wurde, zur befreienden, Menschheit- erlösenden Tat geworden? Die traurige Tatsache unserer kapitalistischen Barbarei, unserer alle Kulturarbeit erstickenden Waffenrüstungen gibt die beschämende Antwort! Und man wage unS nur ja nicht mit der unehrlichen Aus- rede zu kommen. daß die Schwäche der mensch- lichen Natur und die bedauerliche Tatsache deS nun einmal unausrottbaren internationalen Mißtrauens für die empörende soziale Ungerechtigkeit und die ungeheuer- lichen Kriegsrllstungen die Verantwortung trügen. Hat etwa nicht ein hoher kirchlicher Würdenträger in Deutschland erst unlängst das Wort gesprochen:„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben"? l Hat nicht erst vor wenigen Wochen ein angesehenes kirchliches Blatt, die„Evangelisch-lutherische Kirchenzeitung" erklärt, die Unruhen in Moabit seien nur die Folgen des allzu langen Friedens, eS sei deshalb notwendig, daß die überreich aufgespeicherte Tatenlust des Volkes durch einen Krieg in ein unschädliches Bett abgeleitet werde?! Und hat nicht vor wenigen Tagen erst der bekannte Südwesta�cikaner, General- leutnant v. Daimling, von der„Gefahr deS Weltfriedens" gesprochen, die„Friedensidee" eine„entnervende" Idee ge- nannt, gegen die„anzukämpfen sei"? l Und hat die Kirche, haben die Vertreter des offiziellen Christentums gegen all diese Kundgebungen, die ein Hohn sind auf den Ge- danken deS Christentums, mit dem gebotenen Nachdruck Protest erhoben?! Die Ideale deS Christentums werden nicht vertreten von der Kirche, dem offiziellen Christentum, sondern von der Sozial- demokratie, die von der Geistlichkeit, die zur Dienerin der kapitalistischen Gewalten geworden ist, bekämpft und verlästert wird. Außer in der Sozialdemokratie lebt der lebendige Ge- danke des Christentums nur noch in einsamen Geistern, in tiefen, sittlich hochstehenden Denkern fort. So wurde erst vor kurzem einer dieser edlen Geister, der große Dichter und Sozialphilosoph Leo Tolstoi, zu Grabe getragen, der be» zeichnenderweise im Banne der Kirche stand. Die grimmige Feindschaft der russischen Staatskirche erklärt sich nur zu sehr, wenn wir hören, wie Tolstoi über die moderne Kirche, das heutige offizielle Christentum geurtetlt hat. In seiner Schrift „Mutz es denn so sein" heißt es: „Die herrschenden Klassen machten mit dem Christentum dasselbe, was die Aerzte mit den Infektionskrankheiten Um. Sie schufen eine Kultur unschädlichen Christentums, dessen Ein- inipfmig nicht mehr schädlich ist. Diese? kirchliche Christentum ist derartig, daß es entweder vernünftige Menschen abstößt, weil eS ihnen unsinnig erscheint— oder aber, wo eS angenommen wird. die Adepten soweit dem wahren Christentum ent- fremdet, daß sie seine wahre Bedeutung nicht mehr erkennen und sich sogar zu seinem wahren Wert feindlich stellen. Dieses im Laufe von Iahrbundeiten von den herrschen- den Klassen ans dem Gefühl der Selbsterhaltnng aus- gearbeitete unschädliche Christentum bildet eben jene Lehre, im Namen derer die Menschen nicht nur für sich und andere schädliche, sondern auch direkt unsittliche und gewissenlose Handlungen be- gehen, von denen die schwerwiegendste die Bereitwilligkeit zum Morden ist. Die Schädlichkeit dieses falschen Christentums besteht hauptsächlich darin, daß eS nichts vorschreibt und nichts verbietet. Der kirchliche Glaube stellt keine Regeln auf außer der wörtlichen Anerkennung der Dogmen, ftosten, Gebete(für die reichen Leute gibt es aber auch hier Auswege), sondern erlaubt alles, sogar daS, w a S den t i e f st e n Forderungen der Sittlichkeit widerspricht. Nach dieser kirch- lichen Lehre ist alles erlaubt. Die Sklaverei ist er- laubt(in Europa und Amerika beschützte die Kirche die Sklaverei). Vermögen durch die Arbeit der unterdrückten Brüder zu erwerben, ist erlaubt. Reich zu sein unter Lazarussen, die unter den Tischen der Schwelgenden herumlriechen, ist nicht nur erlaubt, sondern sogar gut und löblich, wenn man dabei ein Tausendstel für die Kirchen und Krankenhäuser spendet. Die Kirche gibt den Segen dazu, daß man die Reichtümer den Armen durch Zwang vorenthält, daß man sie ins Gefängnis wirst, mit Ketten fesselt, an Schubkarren einspannt und sie hinrichtet... Vor allem ist eS erlaubt und lobenswert, im Kriege auf Kommando zu töten. Dies alles wird nicht nur von der Kirche erlaubt, sondern sogar befohlen." Und über die Stellung der Kirche zum legalen Massen- mord, dem Krieg, speziell sagt Tolstoi, dieser wahre Christ, in seiner Schrift„Christliche Gesinnung und Patriotismus": „Man wird dann die Glocken läuten, die Männer mit den langen Haaren(Popen) werden sich in goldgestickte Gewänder kleiden und für den Mord beten. Alsdann beginnt wieder die alte, längst bekannte Geschichte. Exaltierte Menschen verbreiten, unter dem Vorwand deS Patriotismus, in den Zeitungen Haß und Mordlust und freuen sich, doppelten Lohn dafür zu ernten. Die Besitzer von Werkstätten, Kaufleute, Lieferanten von Militär- bedarf fangen an, sich zu regen, denn sie alle erwarten doppelte Profite... Ferner steht man, wie sich die militärischen An- führer regen, denn sie bekommen doppelten Gehalt und doppelte Rationen und hoffen, als Belohnung für die verübten Mordtaten verschiedenen Tand, Bänder, Kreuze, Treffen, Sterne zu er- halten... Und nun wird man Hunderltausenden von treuherzigen, guten Menschen ihrer friedlichen Arbeit entreißen, sie ihren Weibern, Müttern und Kindern entführen und mit Mordwerlzeugen be- waffnet vorüberziehen sehen; die Verzweiflung in ihrem Herzen ersticken sie durch Singen, durch Schwelgcreien und durch Alkohol. Sie marschieren, müffen Kälte und Hunger erleiden. Krankheiten bemächtigen sich ihrer und töten sie. Die lleber- lebenden kommen endlich an einen Ort, wo man sie tausendweise hinschlachtet und wo auch sie Tausende von Menschen, die sie nie gesehen haben und die ihnen nie etwas zuleide getan haben können, töten werden. Die Folge davon ist, daß die Menschen wieder gefühllos, wütend und den wilden Tieren ähnlich werden; die Liebe hat sich während des Kriegs verringert, und die bereits begonnene Christianisierung der Völker wird aber- mal? auf Jahrzehnte, auf Jahrhunderte verzögert." So urteilt ein wahrer Christ, ein Mann, der in den letzten Wochen von allem, waS in der gesamten Kulturwelt wahrhaften Anspruch auf Bildung und Gesittung erheben kann, als einer der größten und edelsten Geister des letzten Jahr- Hunderts gepriesen worden ist! Ein Mann, der auf den Höhen der Gesellschaft wandelte und die Menschensecle schilderte wie kaum ein Zweiter, ein Mann, der den Krieg im Donner der Schlachten und unter den Greueln der Schlachtfelder persönlich miterlebte, und dessen realistisch- ergreifende Kriegsschilderungen anerkanntermaßen ihresgleichen suchen! Und dieser Mann, gleich groß als Dichter wie als Menschenfreund, als Denker wie als Bekenner unverfälschten Christentums, starb in der Acht der herrschenden Gesellschaft, dem Bann der Kirche. Nicht trotzdem, sondern weil er ein wahrhast großer und edler Mensch, ein wahrer Christ wart Mögen Kirche und Geistlichkeit gemeinsam mit den Macht« habern der herrschenden Klassen die Sozialdemokratie schmähen und verfolgen— der Gedanke des Sozialismus und der Humanität wird dennoch die Welt erobern i Veihnschttvertsgultg. Eine Weihnachtöbescherung wurde am Sonnabend den am Moabit et Prozeß Beteiligten von der Kammer Lieber zuteil. — die Verhandlung dauerte mir bis 11 Uhr. Den Angcllagten kam diese Maßregel allerdings nicht zugute. Die auf freiem Fuß Be- findlichen sind meist bei den Sitzungen nicht anweiend, da sie nur bei der Verhandlung ihres besonderen Falles zu erscheinen brauchen. Den sieben aber, die noch in Haft sind, ist der Aufenthalt im Ge- richtssaal möglicherweise noch angenehmer, als der in der Ge- fängniszelle. Die kurze Verhandlung bestand in der Hauptsache in der Fort- setzung der Beweisaufnahme über die Räumung des Lanzerat- scheu Lokals. Die lange Reihe der Gäste jener Wirtschaft, die den Vorgang miterlebt und am eigenen Leibe schmerzhaft ge« spürt haben, wurde durch drei neue Zeugen verlängert. Ihre Dar- stellungen decken sich in allen Hauptpunkten durchaus mit den An- gaben der früher Vernommenen. Keiner von ihnen hat eine Ans- forderung des Leutnants an den Wirt oder an die Gäste ver- nonimen, alle stimmen darin übcrein, daß die Schutzleute sofort beim Eiudringen zugeschlagen haben und nicht erst nach einem Befehl deS Leutnants, daß keine Beschimpfung noch Bedrohung der Polizeibeamten staltgefunden hat, am allerwenigsten ein tätlicher Widerstand, daß das Lokal nur schwach besetzt war, daß sich vor den Schutzleuten keine Flücht- linge in? Lokal gedrängt haben. In allen diesen Punkten sagen die Polizeizeugen direkt das Gegenteil. Am bestimmtesten die Schutzleute, während der Polizeilentnant Heck seine ursprüngliche Darstellung in einer früheren Sitzung belanntlich abänderte. In jener Sitzung erlebte man daS bezeichnende Schauspiel, daß die Aussage des SchiltzmanuS Walter fast wörtlich mit der ersten Aussage des LemnantS Heck übereinstimmte, daß sie aber zu der abgeänderten Aussage des Herrn in schroffen Widerspruch trat. Der Zeuge Walter blieb trotz aller Vorhaltungen bei seiner Bekundung, die zu der seines Vorgesetzten, die ihm allerdings nicht bekannt war, durchaus nicht passen will. Der Schutzmann Kaczmarek, der einen Tag später vernommen wurde, gab dieselbe Darstellung wie sein Kollege Walter, der Schutzmann Six aber, der in dieser Sitzung Verna», men wurde, ließ von vornherein den strittigen Punkt offen, der die Differenz zwischen der Aussage des Leutnants und des Schutzmanns Walter bildet,— ob nämlich der Leutnant fich an eine bestimmte Person, die er für den Wirt hielt, mit der Aufforderung zur Räumung gewendet, oder ob er nur ganz im allgemeinen gerufen habe: Wer hier der Wirt ist usw.— Er erklärte, ohne danach besonders befragt zu sein, er wisse nicht, ob der Leutnant die Aufforderung an eine bestimmte Person gerichtet habe oder nicht. Sonst stimmte die Darstellung, die der Zeuge gab, sehr genau mit der seiner Kollegen. Nur daß er auf die Fragen des Vorsitzenden einzelne Momente noch besonders drastisch unterstrich. So erklärte er, das Lokal sei so gedrängt voll gewesen, daß kein Apfel zur Erde fallen konnte, weil vor den ein- dringenden Schutzleuten eine große Menge in da? Lokal geflüchtet sei— ein Vorgang, von dem keiner der Gäste etwas gesehen hat. So stehen fich die Aussagen der Gäste und der Schutzleute diametral gegenüber, die Widersprüche sind so schroff, so schneidend, daß eine Lösung, eine Ausgleichung unmöglich ist. Und eine Erklärung...? Soviel steht jedenfalls fest, im Lanzeraischen Lokal ist in wilder Weise zugeschlagen worden. Die Maßregel soll nötig ge- wesen sein, weil aus dem Lokal geworfen w.orden sei. DaS wird vom Wirt und den Güsten energisch bestritten. Nehmen wir aber einmal an, daß die Polizei durch Würfe, die etwa von Leuten vor dem Lokal herrührten, irregeführt sei und sich also zur Räumung der Wirtschaft berechtigt glaubte. Dann steht fest, daß diese Maß- nähme in einer Weise ausgeführt worden ist, die sie zu einer wüsten Ausschreitung stempelt. ES steht fest, daß ohne weiteres auf Gäste, die von den Schutzleuten erwischt wurden, ein- gehauen ward; eS steht fest, daß die ans dem Lokal hinauS- geprügelten Leute draußen auf der Straße Spießruten laufen mußten zwischen den Säbeln der Schutzleute. Und diese durch nichts gerecht- fertigte Brutalisierung ruhiger Bürger geschah unter den Augen zweier Polizeiosfiziere, die zum Dank für die Verdienste, die sie sich bei den Moabiter Vorgängen erworben, soeben die Brust mit dem Kronenorden vierter Güte verziert erhallen haben. Ungellärte, unüberbrückbare Widersprüche zwischen den Aussagen der Bürger und der Polizeibeamten, fliehende Bürger Spießruten laufend zivischcn den Plempen von.Schutz''leuten, das sind die Eindrücke. mit denen die Verhandlung des Riesenprozesses am Vorabend deS Festes der Liebe und des Friedens schloß. klliZtkmiker und Sozialdemoliratie. Man schreibt unS: In verstärktem Grade werden feit geraumer Zeit die Blicke ge- wohnlicher„Untcrianen" auf die akademische Welt hingelenkt. Ereignisse ernster und mehr noch heiterer Art haben dazu Anlaß gegeben. Man denke bloß an den ergötzlichen Berliner Profcfforenstreit oder an die Vorgänge in den Versammlungen in Leipzig und, im Anschluß daran, in Berlin. Es scheint, als rege sich ein anderer Geist, im bösen Sinne bei der Dozentenschast— dafür zeugen außer dem erwähnten noch manche anderen Fälle ans der jüngsten Vergangen- heit— im guten bei der Studentenschaft: Sie scheint anzufangen. an den soziale» und politischen Fragen ein regere» Interesse zu Ardkiltt, Gtmlsm! ».ÄiStÄ™ WM Munt Kmittmii! nehmen. ES sind denn auch in letzterer Zeit Versuche unter- nomnren worden, auf diesem noch weuig bearbeiteten Boden zu säen und zu ernten. Mit Aussicht aus Erfolg? Zur Beantwortung dieser Frage empfiehlt es sich, einmal eine kritische Sichtung des deutscheu StndententumS vorzu- nehmen. Dabei wird ohne weiteres verständlich, das; man die aus schtießlichen Alkoholiker— Typus Borussiae-Bonn— d. h. das feudale Korpsstudenlentuin überhaupt, völlig autzer acht lassen darf. Da sie jedoch als tunftige Negierungspräsidenten und anderweitige Vorgesetzte ein gewisses Interesse beanspruchen, seien sie durch die frühzeitig auftretende Lustglatze oberhalb des imaginären Gehirns kurz, aber genügend charakterisiert. Doch auch die übrigen, mehr bürgerlichen Korporationsstudenten, die gleichfalls zum weitaus grögten Teil nur als Konsumenten von Weingeist und allenfalls Ehrtich-Hata 606 von Wichtigkeit find, dürfen wir, ohne uns einer grobe» Unterlassungssünde schuldig zu machen, stillschweigend über- gehen. Diesen Leuten gegenüber war eZ sicherlich berechtigt, dag ein — auch von Gegnern—- als Kenner der Verhältnisse angesehener Parteigenosse ihnen zurief:„Bleiben Sie nur in Ihrer Versumpfung stecke», es geschieht der Welt kein Schade damit". In diesem zum mindesten nicht unbeträchtlichen Teil der gesamten Studenten- schaft ist lvahrhastig nichts von jenem frischen, idealen Zuge, der nach der oft und gerne ausgesprochenen Ueberzeugung begeisterter Fachleute durch Deutschlands akademische Jugend hindurchwehen soll, zu spüren. Immer mehr nimmt zahlenmästig da» Brotstudententum zu, das sich meist aus de» wirtschaftlich am schlechtesten gestillten Schichten de» Kleinbürgertums, vor allem des BeamtentirmS rekrutiert. Da für diese niiglückssligen Existenzen lediglich das Bestehen ihres Examens und die Erlangung einer festen Anstellung, womöglich mit Pensionsberechtigung, erstrebenswert, weil nötig, ist, kommen sie als Mitkämpfer in der proletarischen Bewegung ebenfalls nicht in Be- tracht. DaS gleiche gilt natürlich von denen, die etwa aus Neigung und Liebe zu ihrer Fachwissenschaft allem anderen weltfremd gegen- überstehen. Doch diese Gattung kommt, wenn überhaupt, so doch wohl nur noch spärlich vor, der Kapitalismus hat längst den Wissens« durstigen Musenjünger zum bezahlten, und zwar knickerig bezahlten Lohnarbeiter degradiert. Tie beiden einzigen größeren Gruppen, in denen Überhaupt Leben pul'iert, sind die Frcistudentenschaft und der sogenannte Frei- bmid. Dieser letztere aber gibt in seinem Programm als Zweck die Ausbreitung liberaler, d. h. freisinniger Ideen an. seine Mitglieder sind also bereits auf eine bestimmte Richtung vereidigt. Als einziges Arbeitsfeld bliebe noch die Freie Studentenschaft, die ja angeblich politisch neutral ist. WaS es aber mit dieser politischen Neutralität auf sich hat, daS beweist ihr offizielles Eintreten für den.nationalen" Kandidaten in Leipzig bei den Wahlen im Januar 1S07 gegen die Sozialdemokratie. Nun, vielleicht ist das ja anders geworden feit- her, wie die Anküildigung von Vorträgen sozialdemokratischer Poli- tiker zu zeigen scheint. Aber in solchen Fällen sorgt gewöhnlich eine gütige Vorsehung durch einen rechtzeitigen Senatsbeschluß dafür, daß die jugendlichen Gemüter vor sozialistischer Durch» feuchung bewahrt werden. Gelingt eS aber wirklich einmal einem Genossen, alle behördlichen Präventivmaßregeln zu überwinden, dann erhält der hochverehrte Herr Vortragende den obligaten Bei- fall, wie er nicht minder geräuschvoll Herrn v. Heydebrand und anderen geschickten Rednern zu teil wird. Aber damit hat es dann auch sein Bewenden, positive Erfolge werden wohl kaum erzielt. Und das ist auch gar nicht berwünderlich: Erziehung durch Eltern und Schule haben in 99 von IVO Fällen das Ihre getan, um dem jungen, suchenden Mensche» daS Auffinden der angemessenen Welt- anschammg zu erleichtern! und das ist nicht die unsere. Und daran werden auch die weitberühmten.Studentischen Unterrichtskurse", dieses Angstprodukt erwachten schlechten Gewissens In der Bourgeoisie, die doch laut Prospest so unendlich viel zum sozialen Verständnis und somit zur Milderung der ftlassengegeusätze beitragen sollen, , nichts ändern. Wie sollte auch bei einem einmaligen zweistündigen .Unterricht" pro Woche für den betreffenden Studenten Gelegenheit sein, für die Nöte und Sorgen seiner proletarischen Hörer Ver» ständlfiZ zu gewinnen. Es Ist in der deutschen Studentenschaft kein Feld für unsere Tätigkeit und eZ liegt auch gar kein Anlast für unS vor, uns mit ihr besonders zu befassen. Es gibt doch wahrhaftig im Proletariat noch genug zu Um, und das Proletariat hat einen ganz anderen Anspruch auf Aufklärung und Wissen alS dies« Herren, die doch alle erdenklichen Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung habe». Wenn neulich iit der Berliner Akademikervetsanunlung mit scherz- hafter Gespreiztheit und unendlicher moralischer Hochachtung der eigenen Persönlichkeit versichert wurde, dast sozialdemokratische Ideen keinen Eingang in der Studentenschaft finden würden, so liegt das an anderen Gründen, als die Herren Referenten meinten l ver llebergsng der Sozialisten zur Opposition. Nom, den 20. Dezember.(Eig. Ber.) Im April dieses JahreS hat das Ministerium Luzzalti der sozialistischen Fraktion feierlich versprochen, noch in diesem Herbste einen Gesetzentwurf für die Er« Weiterung deS Wahlrechts vorzulegen. An dieses Versprechen, daS die Sozialisten bewog, für das Ministerium zu stimmen, hat sich Luzzatti wiederhoit erinnern lassen müsse». In diesen Tagen sollte nun endlich die Wahlreform vorgelegt werden, aber mit Rücksicht auf den reaktionären Siumdcc Mehrheit hat das Ministerium als Gegengewicht gegen die Erweiterung des Wahlrechts auf alle, die lesen itud schreiben können(was eine Vermehrung von rinrd zwei Millionen Wählern bedeutet), das obligatorische Votum binzu- gefügt. Stach belgischem Muster soll jeder Bürger die Pflicht haben, sein Wahlrecht auszuüben. Die sozialistische Fraktion sah hierin eine reaktionäre Bestimmung, die einerseits der Erweiterung des Wahlrechts ihren Wert nimmt, andererseits wegen der praktischen Schwierigkeiten, die ihrer Durchführung entgegenstehen, du» Gelingen der ganzen Wahlreform ernst- lich in Zweifel stellt. Die Fraktion nahm daher eine TageS- ordnung Turati an, die der Regierung vorwirft, ihr Ver- sprechen nicht eingelöst zu haben und deshalb den Ueocrgang zur Opposition beschließt. Diese Tagesordnung wurde ein- stimmig angenommen: nur der Satz, der das obligatorische Votum als einen Angriff auf die Gewissensfreiheit der Bürger und als seinem Wesen nach unlibcral gnalisiziert, wurde von den Genossen Rondaui, Graziadei, Donoini, Mnsatti und Marangoni mit verschiedener Begründung abgelehnt. In der heutigen Sitzung gab Turati deinnach die Er» Wr�ng ab, daß seine Froktisn zur Opposition überginge und gleich bei der Bewilligung des Budgetprovisoriums gegen das Kabinett stimmen würde. Der„Avanti" kommentiert diese entscheidende Wendung in der parlamentarischen Politik der italienischen Partei, indem er sagt:„Jetzt ist die Situation geklärt. Die Rc- gierung hat de» Konservativen ein entscheidendes Zugeständnis gemacht, indem sie das obligatorische Stimmrecht annahm. Im Grunde kann niemand genau die praktischen Wirkungen des obligatorischen Votums abschätzen. Die Konservativen glaitben, daß es die Gleichgültigen an die Urnen treiben werde, die nach ihrer Ansicht alle konservativ sind. Von den Sozialisten glauben viele, daß die Folgen der Stimmpflicht auch deni Proletariat zugute kommen können. Wir unserer- seits meinen, daß das obligatorische Votum— es möge nun unserer Partei nützen oder schaden— objektiv antitiberal, antidemokratisch, ein Anschlag auf die Gewissensfreiheit, ein polizeibureaukratischcs Ungeheuer ist. Aber es liegt aus der Hand, daß es sich hier nicht darum handelt, die Bedeutung des obligatorischen Stimmrechts abzuschätzen. Die K o n s e r- V a t i v en haben es der Regierung aufgezwungen, unt dadurch eine demokratische Eroberung aufzuheben, und die Regierung hat mit dieser selben Absicht nachgegeben. Wenn die Sozialisten theoretisch das obligatorische Votum billigten, so würden die Konservativen sofort neue Haider« nisse finden, andere Forderungen aufstellen, die die Regierung wieder annehmen würde, weil die Konservativen kein an- dercs Ziel haben, als die Regierung zu verleiten, wort- brüchig zu werden...." Unser Parteiblatt weist weiter daraus hin, daß die Fraktion einstimmig den politischen Ver- rat der Regierung angenagelt hat, ohne hierin ein Urteil über das obligatorische Stimmrecht einzuschließen, lediglich aus der Ueberzeugung heraus, daß es der Liegiernng um eine reaktionäre Maßnahme und um ein Vereiteln der Reform zu tun war. Aus derselben Situation heraus, die die Sozia- listcit zum Uebergang zur Opposition zwingt, werde sich aber diese Opposition nicht nur gegen die Regierung, sondern auch gegen die Kammer wenden, die so bereitwillig im Ver- sprechen war und so widerwillig im Halten. Der„Avanti" schließt damit, daß die sozialistischen Abgeordneten nunmehr in der Kammer nur noch daS Wort nehmen würden, um von den Massen gehört zu werden und im Lande eine Agitation für das Wahlrecht wach zu halten und zu verschärfen. Hiermit hat nun das dritte ministerielle Experiment unserer Partei ein Ende gefunden. Das erstemal, als unsere Fraktion für das Kabinett Zanardelli-Giolitti gestimmt hatte, erfolgte der Uebergang zur Opposition unter dem Druck der Unzufriedenheit der Massen, ohne eine äußeren Anlaß von Bedeutung, auS Selbstbesinnung, vielleicht aus Ekel. Das zweitemal, unter deni ersten Ministerium Sonnino, hatten die Sozialisten ihre Unterstützung nur verheißen, ohne Gelegenheit zu haben, für Sonnino zu stimmen, der überhaupt kein politisches Votum zu fordern wagte. Damals erfolgte der Uebergang zur Opposition, weil nach einer Proletarier- metzelet die Regierung es ablehnte, einen Dringstchkeits- antzrag zur Diskussion des Gesetzentwurfs Turati gegen die Exzesse der Truppen anzunehmen. Gleichzeitig erfolgte da- prals dia Denüssion unserer Parteifraktion. Der heutige Uebergang zur Opposition entspringt der Erkenntnis, daß von der heutigen Kammer keinerlei ernste Reformarbeit zu erwarten ist. Lange genug hat es gedauert, bis die Frak- tion zu dieser Erkenntnis kam. an- alö be- auf . politifebe OcberRcht. Berlin, den 24. Dezember 1910. «Das Ende der dringendsten Forderung des Staats- Wohls". Borgebens haben in dem zu Ende gehenden Jahr die Hakatisten, Alldeutschen und polenfeindlichen Rationalistcy darauf gerechnet, daß endlich aus Grund deö am 3. März 1908 von Preußens Dreiklasseuparlament angenommenen anti- polnischen ExproprlationsgcsetzeS die preußische Regierung zu Enteignungen deS Polnischen Großgrundbesitzes in der sogenannten Ostmark greifen werde. Und nach dem gewaltigen patriotischen Geklapper, mit dem daS Gesetz angenommen worden ist, waren, wie man zugeben muß, die Hakatisten und ihr Anhang zu solchen Er» Wartungen berechtigt; denn nach der Vorsicherung der Re- giorung tvar schon vor zwei Jahren das betreffende Expro- priationsgesetz die», d r i n g e n d st o Forderung d e S S t a a t s w o h l s ein Gesetz, dessen Ablehnung, wie pathetisch vom RegierungStisch verkündet wurde, das preußische Vaterland in die schiversten Gefahren stürzen würde. Ein Gesetz, daS mit solchem pathetischen Riesen- Tamtam genommen und von der Regierung immer wieder das heiligste Gebot der StaatSraison zeichnet wurde. läßt man sonst nicht nur dem Papier stehen. Doch WaS soll die preußische Regierung. die doch nur lediglich der Verwaltung"- ansschuß einer bestimmten Kaste ist, machen. Sic darf cS in der traurigen Lage zwischen Hangen und Bangen, in der sie sich zurzeit befinder, nicht tvagcn, durch die Ausführung deS blamablen Gesetzes eS mit dem polenfreundlichen Block- gefährten dieser Kaste, niit dem Zentrum zu verderben; und selbst au* die wenigen Polen nmß sie, da sie diese für die in AuSsicht stehenden HeercS- und Finanzreformpläne gebraucht, Rücksicht nehmen. Dazu kommt, daß sie bei ihrer PolenvcrdrängungSpolitik im konservativen altpreußischcn Grundbesitz selbst auf mannigfachen Wider- stand stößt; denn die Herren Großgrundbesitzer fürchten i.icht nur, daß durch die gewaltsame Enteignung des polnischen Grundbesitzes die durch die Zollpolitik und die bisherige kuriose AnsiedelungSpolitik hochgetriebenen Güterpreise wieder sinken könnten: sie wollen auch von der Ansiedelung größerer deutscher Bauerngemeinden deshalb nichts wissen, weil sie be- fürchten, daß diese Gemeinden einen gewissen Einfluß auf die Kreistage, KrciSansschüsse, Bezirksausschüsse erlangen und da- durch das politische Uedergewicht deS Großgrundbesitzes im Osten, auf dem zu einem wesentlichen Teil zugleich die herrschende Macht der Konservativen in Preußen beruht, gc- schlvächt werden könnte. Die Folge ist. daß das dringendste„Gebot der StaatSraison" heute, fast zwei Jahre nach seiner An- nähme, noch immer nicht zur Ausführung gelangt ist— und es wird vorläufig auch nicht zur Ausführung gelangen. Wie der darüber tief betrübten„Rheinisch- Wests. Zeitung" aus Berlin gemeldet wird, kann das Polen- enteigiinngsgesetz als völlig gescheitert gelte». Das Blatt berichtet: Nachdem es den Polen trotz der Tätigkeit der AnstedelungZ- kommission gelungen ist, bis heute ihren Besitz gegenüber dem deutschen um rund 85 Hektar zu vermehren, dränge sich, wie man uns heute sagte, mit Recht die Frage auf, ob die durch die Novelle vom 20. März 1903 gewährte EnteignungSbefugniS da" Deutsch- tum in den Provinzen Posen und Westpreußem im Kampfe um den Boden überhaupt noch wirksam unter st ützen könne. Daß für eine weitergehende Enteignung die Zustimmung des Landtages nachgesucht werden könnte, ist bei dem Widerstande, der dem dahingehenden Borschlage im Jahre 1903 begegnete, kaum und auch deshalb nicht zu erwarten, weil bei dem weiteren Vorgehen auf diesem Gebiete auch grund- sätzliche Bedenlen nicht außer Acht bleiben können.... Aber gegenüber dem Drängen auf möglichst umgehende An- Wendung des Eiiieigiiuugögesetzes sei nicht allein darauf hinzu- weisen, daß der Laudvorrat der AnsiedlungSkommission, wenn auch nur beschränkt, nach den letzhin gemachten Ankäufen doch noch ans- reichen werde, uin für die nächste Zeit eine Stockung in der Be- siedelnngstätigkeit zu verhindern. ES dürfe auch nicht außer acht gelassen werden, daß die Enteignung nach den Absichten deZ Gesetzgebers in möglichst schonender und unnötige Härten vermeidender Weise zur Ausführung gebracht werden sollte. DaS werde eine gewissenhafte Prüfung deS einzelnen Falles umsomehr bedingen, als durch die Enteignung vorzugsioeise Grundbesitzer betroffen würden, die keineswegs im Vordergrund einer deutschfeindlichen, die Sicherheit der Ostmark bedrohenden Bewegung gestanden haben." Der Sinn deS langen Geredes ist: die preußische Regierung scheut sich, das EnteignnngSgesctz anzuwenden. Dagegen haben wir nichts einzuwenden, denn wir haben von vornherein dieses Gesetz für eine widerliche Mißgeburt ge- halten; aber für die Tatsache, wie man in Preußen Gesetze fabriziert und ivie demütig sich d a S Bethmann- f ch e Regime den Wünschen der Junker unter- ordnet, ist deshalb der ganze Vorgang nicht minder charakteristisch._ Die Angst«m die Zollprofite. Wo sich immer deutlicher zeigt, ist eS vor allem die Furcht vor einer Aenderung deS heutigen Schutzzollsystems, die unsere Agrarier zu der Heraufbeschwörnng des RovolutionSgespenste» bewegt. Sie rechnen damit, daß, wenn die Sozialdemolratie mit den Links- liberalen eine Mehrheit im nächsten Reichstage erlangt, verschiedene der heute geltenden wucherischen Lebensmittelzölle fallen und dadurch die Preise für einzelne landwirtschaftliche Produkte sinken werden. Mit einer solchen Verminderung ihrer Profite find sie aber durchaus nicht einverstanden; sie verlangen nicht nur strenge Aufrechterhnltung der jetzigen hohen Biehzölle und der Grenzsperre gegen die Einfuhr von billigem ausländischen Fleiscki, sondern nebenbei auch noch, wie vor einigen Tagen Freiherr v. Wangenheim auf der Provinziolversamm- kr g des Bundes der Landwirie in Königsberg verkündete, ein« Er- h�yung des Miiii»ialzolleS für Brotgetreide. Deutlich geht die Furcht vor einer Herabsetzung der hohen Lebensmittelzölle au« einen,»Drohende Gefährdung unserer Schutz- zölle" überschriebeneu Artikel der Korrespondenz des Bundes der Land- Wirte hervor, der zurzeit dir Runde durch die konservative Presse macht. Unter Hiniveis darauf, daß die Hauptaufgabe des nächsten Reichstag? in der Erneuerung oes Zolltarifs bestehen wird, sucht der Artikel darzutun, daß, wenn die Sozialdemokratie und die Fort- schrittliche Bvlkspariei eine größere Anzahl Reichstagssitze gewinnen sollten, die jetzigen Fleisch- und Getrridezölle aufs äußerste gc- sährdct seien. Deshalb müßten bei der Wahl alle rechtsstehenden Parteien zusammenhalten; vornehmlich dürften die National- liberalen, die doch für den»Schutz der nationalen Arbeit" ein- träten, in keinem Fall einen Fortschrittler unterstützen. Wörtlich heißt es in dem Artikel: Immerhin müßte schon die ausgesprochene Absicht deö Fort« schrittler, eine Herabsetzung der Agratzökle durchzusetzen, ein Bündnis mit ihnen für jede Partei unmöglich machen, der eS heiliger Ernst mit nnbcichränkter Autrcchterhaltung dieser Zölle ist. Wir sehen, daß Unsere Gelreidepreise schon jetzt, unter der Herrschaft der nach linksliberal- demokratischer Auffassung »exorbitant hohen" Schutzzölle eine so stark rückläufige Bewegung angetreten haben, daß bereits eine Rückkehr zu dem früheren Coptivitatif, angesichts der ständig gestiegenen Arbeitslöhne, sozial- politischen Lasten und sonstiger ProduklionSlostsn wieder zu einer Katastrophe für unsere deutsche Landwirtschast führen würde. DaS Müßten wirklich agrarfreundliche Nationalliberale so gut er- kennen, wie wir. Sic aber schließen fast überall Bündnisse mit der weiteren Linken und bequemen sich deren Forderungen»nd Wünschen ohne Rücksicht selbst auf die damit begünstigte Sozial- dernokratie an, um gemeinsam gegen die zuverlässig schütz- zöllnerischen Parteien einen erbitterten Kampf durchführen zu können. ES ist recht schön von den Agrariern. daß eS ihnen bei allen ihrem patriotischen Getue lediglich darauf ankommt, nicht nur den jetzigen Zollwucher aufrecht zu erhalten, sondern durch weitere Zoll» steigerungen noch profitabler fiir ihre weiten Taschen zu gestalten. lkm so mehr ergibt sich für uns bei der nächsten ReichSIagswahl die Kampfparole: Nieder mit dem Zollwucher und den Wucherern i Graf?sranz Ballestrem. Aus Schlesien, Schloß Plawniowitz, kommt die Meldung, daß dort gestern abend Gras Franz Ballestrem, der frühere Reichstags- Präsident an Alters-«nd Herzschwäche gestorben ist. Graf Ballestrem war der Typus des icttholifchen strenggläubigen Aristokraten. Am S. September 1834 zu Schloß Plawniowitz ktt Oberschlesten geboren, erhielt er«ine streng katholische Erziehung. Er besuchte zunächst einige geistliche Anstalten und studierte darauf von 1353—55 in Lüttich. Dan» wurde er Kavallerieoffizier und machte die Kriege von 1866 und 1870/71 mit. Infolge eines Sturzes invalide gc- worden» schied er aus der Armee aus und ließ sich in den Reichstag wählen, wo er sich der ZentrumSpartci anschloß. 1890 wurde er zum erste» Vizeprnsidrnien deS ReichStagS und 1894 zun, Mitglied deS preußischen AbgcordnrkenhaustS gewählt. Bei der Abstimmung über die MilitSrvorlage stimmte er, im Gegensatz zur Zentrmns- Partei, für dieselbe und ließ sich dcShalb nach Auflösung des Reichs- tagS nicht wieder als Kandidaten ausstellen, blieb aber Mit- glied des Abgeordnetenhauses. 1398 erfolgte feine Wiederwahl in den Reichstag, zu dessen Präsident er am 7. Dezember desselben JahreS berufen wurde. AlS im Dezember 1900 der Reichstag auf- gelöst wurde, ließ er sich nicht wieder aufstelle», sondern zog sich ins Privatleben zurück. Als ReichStagSpräsident fühlte sich Graf Ballestrem vor allem als preußischer Aristokrat und Offizier. Er liebte eS, bei feierlichen «nISssen in seiner OSerflen-Uniform zu erscheinen. besonders wenn er den Reichstag beim Kaiser zu repräsentieren hatte. Bekannt ist, dast dieser Präsident der souveränen Volksvertretung einst in einein Schreiben an den Kaiser die Formel gebrauchte:.In Ehrfurcht ersterbe ich." Doch zeigte sich Graf Ballestrem in der Leitung der ReichstagSgeschäfte oft recht gewandt und wußte den Reichstag durch seinen schlagfertigen Witz über manche gespannte Situation hinwegzuhelfen. Auch läßt sich ihm ein gelvisseS RechtSgefiihl und Energie in der Wahrung der Rechte des vtetchötageS nicht absprechen. Der ReichStagSpräsident Graf S ch w e r i n- L ö w i tz hat an die Gräfin Ballestrem folgendes Beileidstelegramm gesandt: .Tief erschüttert durch die soeben erhaltene Nachricht von dem Heimgang Sr. Exellenz, Jhreö von mir so hochverehrten Herrn Gemahls, sende ich Eurer Exellenz, zugleich im Namen des Deutschen Reichstages, den Ausdruck allerherzlichster Anteilnahme. Mit dem gesamten deutschen Volk wird der Deutsche Reichstag seinem langjährigen allverehrten und hochverdienten Präsidenten in unvergänglicher Dankbarkeit ein treues und ehrenvolles An- denken bewahren." Die deutsche sozialdemokratische Parteiprcsse hatte am Schluß des Rechnungsjahres löl» im ganzen 1 160 016 Abonnenten, die sich auf 78 Blätter verteilten.(Die Gewerkschafts- presse bleibt hier außer Betracht.) Da nach dem offiziellen Bericht vom Jahre 1904 die damalige Abonnentenziffer 099 880 betrug, so haben die politischen Blätter der Partei binnen sechs Jahren ihre Leserzahl verdoppelt. Das ist ein guter Erfolg, der um so hoher zu bewerten ist, als er zeigt, daß die politische Presse der Sozialdemokratie auch im Verhältnis zur Anhängerschaft der Partei eine intensive Verbreitung gefunden hat. DaS mag als eine ganz natürliche EntWickelung erscheinen, ist aber doch nicht so selbstverständlich, wie es aussieht; denn es machte sich in dieser Hinsicht Jahrzehnte hindurch eine beachtenswerte Gesetzmäßigkeit geltend. Die ersten authentischen Mitteilungen über die Auflage der sozialdemokratischen Presie stammen aus den Jahren 1376 und 1877. Auf dem Kongreß zu Gotha 1876 teilte Auer mit, daß die 23 politischen Parteiorgane und daS Unterhaltungsblatt„Die Neue Welt" zusammen 100 000 Abonnenten zählten; ein Jahr darauf, im Mai 1877, hatte die Partciprcsie, die auf 41 Zeitungen angewachsen war, nach der offiziellen Meldung, die dem Kongreß erstattet wurde, ohne„Die Neue Welt" über 100 060 Abonnenten. Da bei den NeichstagSwahlen im Januar desselben Jahres 493 000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, so kamen un- gefähr auf 5 Wähler ein Abonnent. Dies Verhältnis änderte sich auch später nicht wesentlich. Die Zeit des Ausnahmezustandes läßt zwar keine Vergleiche zu, aber nach dem Fall des Sozialisten- gesetzes konnte Bebel im Oktober 1890 auf dem Parteitag zu Halle verkünden, daß die 60 politischen Blätter, die damals erschienen, 254100 Abonnenten hatten. Da bei den NeichstagSwahlen, die im Februar 1800 stattfanden. 1 427 000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden, so kamen 5,6 Wähler auf einen Abonnenten. Vierzehn Jahre später hatte die auf 72 Blätter an- gewachsene Partcipresse, wie schon erwähnt, 599 880 Abonnenten. Legt man dieser Zahl die Zahl von 3010 777 Wählern zugrunde, die bei den Reichstagswahlen von 1903 sozialdemokratisch stimmten, so entfallen wiederum, wie im Jahre 1877 bereits, K Wähler auf einen Abonnenten der Parteipresse. Da seit den� letzten NeichstagSwahlen an vier Jahre verflossen sind, und erst im Jahre 1911 wieder Wahlen stattfinden, so lassen sich für die Gegenwart nicht gut Vergleichszahlen anführen. Aber an- genommen, daß zurzeit selbst 4 Millionen sozialdemokraiischc Wähler im Reichs vorhanden find, so hätte sich jetzt das Verhältnis der Wähler zu den Abonnenten auf 4 zu 1 verändert. DaS ist ein ganz beträchtlicher Erfolg, der nicht zum wenigsten den großen redaktionellen und technischen Verbesserungen der Parteipresse zu- geschrieben werden muß und der gewiß die organisierte Arbeiter- schaft anspornen wird, energisch in ihrer Agitationstätigkeit für ihre Presse fortzufahren. Die Bremer PolizcikrawaNe. Die Voruntersuchung ist setzt im wesentlichen abgeschlossen. Die Anklageschrift ist den Beschuldigten zugegangen. Beschuldigt sind 17 Personen, von denen zwölf nn Alier von fünfzehn bi« achtzehn Jahren stehen. Die Anklagen lauten ans Beleidigung der Beamten, Beschädigung von Gegenstäudin, die zum öffentlichen Nutzen dienen. Landfriedensbruch und Aufruhr. Bier der jugendlichen„Misse- täter" befinden sich seit über zwei Monaten in Untersuchungshaft. Oelterrdch. Die Folgen eines HerrrnhauSbefchlusses. In anerkennenswerter Weife wird das arbeitende Volk von den Behörden auf die Bedeutung des arbeiterfeindlichen Treibens der Herrenhäusler gegen das Verbot der Nachtarbeit der Frauen in den Fabriken aufmerksam gemacht. Die Wiener Staatsanwalt- schaft, die fett Jahr und Tag die gemeinsten Verleumdungen gegen das Abgeordnetenhaus in der deutschnationalcn Reptilienprcssc duldet, hat die„Arbeiterzeitung" wegen ihrer Kennzeichnung diese? HerrenhäuslerstreichS konfisziert. Am Tage darauf, am Donnerstag, konfiszierte man sie abermals wegen der Be- fprechuiijj der Konfiskation vom Vortage und einigen weiteren dazugehörigen Bemerkungen über daS Herrenhaus. Auch die tschechischen Parteiblätter in Brünn und Prag verfielen den offenbar von Wien„belehrten" Staatsanwälten. Die„Arbeiter» zcitung" kündigt bereits an, daß sich unsere Genossen diesmal nicht mit der üblichen Immunisierung deS konfiszierten Artikels durch eine Interpellation begnügen werden, sondern daß über diese Sistierung der Prcßfreihcit im Parlament gesprochen werden wird. Dabei wird auch etwa? für die Sozialpolitik des Herrenhauses, der Regierung— und wenn nötig, der Parteien des Abge- ordnetenhauscs abfallen. Lelgien. Sabotage eines Arbciterschuhgesetzcs. Unser Brüsseler Korrespondent meldet: Der belgische Grubenkapitalismus zittert um das Privileg seiner schrankenlosen Ausbeutung. Vom 1. Januar 1311 tritt das Bergarbeiter gesetz über den Neun stundentag in Kraft und schon sind die Herren am Werke, mit der Anrufung und Ausnutzung der im Gesetz vorgesehenen„Ausnahmen" den Bissen sozialpolitischen Fortschritt zu verkleinern oder ganz weg- -zuschnappen. Urberflüssig zu sagen, daß sie an der klerikalen Regierung einen willigen Helfer finden. Die Grubenbarone haben ihre Eingaben— gleich 89 an der Zahl— an den Industrie- und ArbeitSrat gemacht, dessen Vorsitzender der Präsident der Kammer ist und dessen Mehrheit natürlich Kapitalistcnvertreter sind. Inder Kammer brachten V a n d e r v e l d e und die sozio- listischen Dergarbcitervcrtretcc die Sache zur Sprache. Die Grubenbarone haben nämlich ein Jahr, das ihnen als UebergangS- frist eingeräumt war, müßig verstreichen lassen, ohne die notwcn- digen technischen Maßnahmen für die Wirksammachung deS Neun- stundengcsetzes vorzubereiten. Zudem haben sie ihre Eingaben an den Jndustrierat um Aufhebung der neuen gesetzlichen Bestim- mungen bis zum Jahre 1314 im letzten Augenblick gemacht, so daß eine ernstere Prüfung unmöglich wurde. Der von Vandcrvclde und den Bergarbeitervertretern eingebrachte Antrag bezweckte, mit Rücksicht auf die letztere Tatsache, daS Ansuchen der Gruvenunternehmer abzulehnen. Der Arbeits- minister Hubert verschanzte sich hinter allerlei Ausreden, daß noch nichts entschieden, die Sache noch nicht spruchreif sei usw. Aber nichts ist ausgemachter, als daß der klerikale Minister die Grubenbarone so wenig rauh anfassen wird wie der Jndustrierat und daß die Regierung der von den Unternehmern begehrten Sabotage an dem Neunstundengcsetz, um ein zeitgemäßes Wort an- zuwenden, keine Schwierigkeiten machen wird. So wurde denn auch der Antrag der Regierung— Ablehnung des Vanderveldc- schen— mit 81 gegen 57 Stimmen angenommen. Womit die„Sozialpolitik" auf der Rechten und auf der Linken wieder einmal triumphierte.... Rußtatid. Zensur und Druckereien iu Finnland. Die obere Zensurbehörde— eine verfassungswidrige Jnstitu- tivn der russischen Reaktion— erhebt Klage gegen 140 Drucke- r c i c n wegen Außerachtlassung einer verfassungswidrigen Vor- fchrift dieser Zensurbehörde betreffend Einsendung von Beleg. cxemplarcn aller Druckerzeugnisse an diese UcberwachungSanstalt. Kulgamti. Eine große Arbeiterkundgebung. Sofia, 20. Dezember.(Etg. Bcr.) Bei der großen De- monstration, über die wir schon kurz berichtet, hielt Genosse S a k a s s o r eine Ansprache an die Versammelten, Angehörige aller Berufe. Nach der Rede begaben sich 28 Arbeiterdelegierte inS Parlament, um dem Mnisterpräsidentcn und Präsidenten der Kammer ein mit 16 000 Unterschriften bedecktes Schriftstück zu überreichen, in dem Protest gegen die Vernachlässigung der sozialen Gesetzgebung erhoben wurde. Htos der parte!* Die Bestattung deS Genossen Fritz Steinfatt, des.Landvogt", wie er von seinen alten Mitkämpen aus sozialisten- gesetzlicher Zeit genannt würde, fand am Freitag im Krematorium zu Hamburg-Ohlsdorf statt. Sie alle hatten sich eingefunden, die mit ihm im Heroenzeitalter der Sozialdemokratie im sogenannten nördlichen Belagerungsgebiet in erster Reihe gestanden und ihre Haut zu Markte getragen haben, im Dienste deS Proletariats er- graute Kämpen, die so oft unter Führung ihres„Landvogts" der Polizei ein Schnippchen schlugen, wenn es galt, die„auf Grund deS Sozialistengesetzes" verbotene geistige Kost auf dem Seewege oder sonstwie ins„Belagerungsgebiet" ein- zuschmuggeln und unter der arbeitenden Bevölkerung zu verbreiten. Ein Sohn des arbeitenden Volkes, hat unser„Landvogt" ein Wechsel- reiches Leben geführt; er war zunächst Gärtner, dann Kranken- Wärter, Aufseher bei einer Hamburger Staatsbehörde, Gastwirt, Stukkateur, nach seiner Ausweisung Zigarrenmacher und dann Jour- nalist. Er war einer von den Unbeugsamen, der überall den Kampf umS Dasein wie mit den behördlichen Gewalten mit gleicher Energie führte. In den beiden letzten Jahrzehnten war er namentlich im 6. schleswig« holsteinischen ReichstagSwahlkreise(Ottensen- Pinne- berg) agitatorisch und organisatorisch tätig, er rief auf noch wenig beackertem Boden Organisationen ins Leben, die in wenigen Jahren zu hoher Blüte gelangten. In der Kapelle hielt Genosse Frohme dem wackeren Kämpen einen tief- empfundenen Nackiruf, die jüngeren Genossen auffordernd, dem Ver- storbenen nachzueifern, in seinem Geiste zu wirken, auch wenn mal wieder ein schärferer Wind wehen sollte. Die Verwirklichung der welterlösenden Idee deS SozaliSmuS erfordere ganze Männer, deren «iner unser„Fritz" war. Dann senkte sich langsam unter Harmonium- spiel der reichbckränzte Sarg in die Gluten. Gozialbcmokratische Kolonialschwllrmer. Was in einer sozialdemokratischen Zeitung alles möglich ist, lehrt uns unser Mannheimer Parteiblatt. In der Freitag- nummer der„Volksstimme" lesen wir folgenden Erguß: „Der zweite Lichtbildervortrag des Herrn Amtsrichter Dr. Kornmayer über unsere Schutzgebiete in der Südsee war wieder außerordentlich gut besucht, ein erfreuliches Zeichen für das große Interesse unserer Be- völkerung an den Kolonien. Der Verein für Volksbildung und die Abteilung der Deutschen Ko l o nia l g e s e l l scha ft können auf einen bollen Erfolg zurückblicken; keiner der zehn Vorträge lvar von weniger, als 1000 Personen besucht. Alle Redner haben es aber auch mei st erhaft verstanden, ans der Fülle ihrer Bcobachtun- gen und Erlebnisse das Eharakteristischsto und Interessanteste herauszugreifen und in populär-wissenschaftlichsr Weife vorzu- tragen, wodurch der immer stärker werdende Besuch erklärlich wirb. Jedenfalls haben die genannten Vereinigungen durch Veranstaltung dieseS Zyklus unserer Bevölkerung e i n c n w e r t- vollen Dienst erwiesen und besonders die Herren Redner den herzlichsten Dank verdient, was der stürmische Beifall jedesmal bewies." Es folgt nun eine Inhaltsangabe der Ausführungen des Dr. K o r n m a y e r, für dessen tiefgründig« ethnologische Studien nur ein Satz als Beweis dienen mag. lieber die Eingeborenen heißt es in her Notiz:„Abergläubisch sind sie überhaupt furchtbar; die einen glauben an böse, die andern nur an gute Geister; an einen Gott alle miteinander nicht". Scheußliche Kerle l Zum Schluß der Notiz heißt es dann mit poetischem Schwung: „Leüder haben wir nur zwei Inseln dieser Grupp�; die meisten hat Amerika. Mit einem hoffnungsvollen Ausblick über die dereinstig« sichere Ren- tabilität dieser Südsee-Besitzungen, deren HauptauSfuhr jetzt in Kokosnüssen und Kakao besteht, schloß die hochinteressante Vor- tragSreihc wirkungsvoll ab. Nochmals herzlichen Dank allen Mitwirkenden l" Der Mannheimer Volksstimme" unser aufrichtiges Beileid! Aus der Partei auSgrschlosseu. Wegen fortgesetzter Slänkerei innerhalb der Partei wurde der Friseur Rebele in Augsburg auf Antrag des dortigen sozial« demokratischen Verein» durch den Ganvorstand der sozialdemo- krntischen Partei SüdbahernS ausgeschlossen� Rebele hat im Verein mit dem nach Südamerika ausgewanderten Werkmeister Greifen- berg den Parleifriedcn in Augsburg seit Jahren in unvcrantwort- lichster Weise gestört und insbesondere den LandtagSabgeordnetrn Genossen Rollwagen in der gehässigsten Weise bekämpft und verleumdet. � Vor Gericht gestellt, konnte er auch nicht de» Schatten eines Beweises für dis von ihm aufgestellten Behauptungen er- bringen._ pollzerHchco, Gcnchtllchce ub». DaS Muster eines Staatsanwalts. Das Landgericht Stendal verurteilte als Beruflingsinsianz den Genossen Haupt» Magdeburg z» einer Geldstrafe von 500 M. wegen Beleidigung des Rittergutsbesitzers Rrick in Gr.-Wudicke (Kreis Jerichow). Haupt hatte in einer BcrsainmlungSrede Kritik daran geübt, daß der RitiergutSbesitzer angeblich Ve, Strafe der Entlassung seinen Leuten den Besuch der Versammlung verboten batte. Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis beantragt. In seinem Plaidoyer führte er u. a. aus: ES wundere ihn sehr, daß der Angeklagte daS angebliche Vorgehen des Ritter« gntSbejitzer» als TerroriSmuS bezeichnet habe. Selbst wenn man annehme, was aber nicht der Fall fei, daß da» Verbot ergangen wäre, so sei d it sei Terrorismus e in Kinderspiel gegen den Terrorismus, den des Angeklagten Partei erwiesenermaßen auSübel Der Verteidiger, Rechtsanwalt Heine» Berlin, wies diese bcweislose Behauptung mit energischen Worten zurück. Von dem zum Himmel schreienden TerroriSmuS, den die Agrarier alle Tage ausüben, scheint die Stendaler Staatsanwaltschast offenbar noch nichts gehört zu habem_ Soziales* Tie Herrschaft deS Junkertums in der Fcldardcitcrgeutraft. Diese rein agrarische Gründung, die dem Zweck dient, den„nationalen" Junkern billige und willige ausländisckie Arbeitssklaven zuzutreiben, war zunächst rein privater Natur. Das preußische Ministerium des Innern hat aber bekanntlich, unter Verletzung bestehender internationaler Verträge, die ZwangslcgitimationSkartcn für ausländische Arbeitskräfte eingeführt. Die von den Arbeitern für diese Karten beige- triebenen Beträge fließen in die Kasse der Feldarbcitcr» zentrale. Lösen die Arbeiter die Legitimationskärtcn nicht, so werden sie in unseren Junkcrstaat nicht hineingelassen oder sie werden durch die Polizei wieder ausgewiesen. Die Ministerialverordnung garantiert also der agrarischen Ver- mittelungsstelle eine Einnahme, die von den Aermsten der Armen abgepreßt wird. Auch ausländische Industriearbeiter werden zu dem Veitrag an das Junkertum gezwungen. Nicht genug dainit: Auch die Gebühr, die die Zentrale von den Agrariern bei der Ueberweisung von Arbeitskräften erhebt, wird dann wiederum nach den üblichen, von der Feldarbcitcr- zentrale und Landwirtschaftskammern entworfenen, den Arbeitern aufgenötigten Verträgen in vielen Fällen von deren kärglichen Lohn in Abzug gebracht. Dieser moderne Sklovenmarkt wird also lediglich aus abgenötigten Geldern der ärmsten und gedrücktesten ausländischen Arbeiterschichtcn unterhalten. Aus den Legitimationskarten allein hat die Feldarbeiterzentrale eine jährliche Einnahme von 2 Mil- lionen Mark. Der Verbrauch dieser Gelder erfolgt nmi ganz sinngemäß. Uns sind eine Anzahl von Fällen der Unterschlagung oder Vestechuug bekannt gegeben. Ein Teil der Fälle ist leitenden Stellen mitgeteilt worden, ohne daß gegen die Schuldigen etwas veranlaßt ist. Sittliche Verfehlungen und Unter- schlagungen sind keine Hindernisse für das Aufrücken oder das Verbleiben in verantwortlichen Stellungen der Feld- arbeiterzentrale, selbst dann nicht, wenn leitenden Personen unter Angebot von Beweisen Ken-ntnis davon gegeben ist. Günstlings- und Schmarotzerwirtschaft ist an der TugeSord« nung. Die Berliner Geschäftsstelle beschäftigt etwa 200 An- gestellte. Die Bezahlung und Behandlung eines großen Teils derselben, unter denen sich ehemalige Offiziere und Angehörige des hochfcudalcn Adels befinden, spottet scdcr Beschreibung. Gereifte Herren, die durch die vorteilhaftesten! Versprechungen zum Teil aus dein. Ausland, zum Teil aus gefestigten Stellungen herausgeholt worden sind, niiissen sich monate-, ja jahrelang mit Tagesdiäten von 3 bis 4 M. begnügen und haben Aussicht, jeden Tag aufs Pflaster zu fliegen. Akkordarbeit wird so miserabel bezahlt, daß ge- wandte Arbeiter zwölf und mehr Stunden täglich arbeiten müssen, um einen zur Fristung des Daseins nötigen Ver- dienst zu erlangen. Von den etwa 200 Berliner Aligestelltcil sind gegen 80 zum 1. Januar gekündigt. Darunter sind nach Ansicht der Angestellten olle diejenigen, die gegen die Herr« schcnde Mißwirtschaft Front gemacht haben. Die enge Verbindung der �cldarbeiterzentrale mit dein Ministeriuni des Innern ergibt auch die Fassung des formularmäßigen Mahnschreibens, das von der Feldarveiter- zentrale an ihre Mitglieder versandt wird. In diesem wird zum Ausdruck gebracht, daß die Zentrale dem Ministerium verantwortlich ist. Vom Berliner Polizeipräsidium ist ein Polizeirat in eine leitende Stellung bei der Zentrale be- urlaubt. Das Ministerium wie auch das Berliner Polizeiprä- sidium hätten daher allen Anlaß, sich um die angedeuteten Vru-Hältnisse zu kümmern, dies um so mehr, als das Polizei» Präsidium nicht mehr gang uninformiert sein soll. Oder wollen diese Instanzen warten, bis wir mit ins einzelne gehendem Material aufwarten? Auch dem NcichSverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratie empfehlen wir, sich der Sack>e anzunehmen. Er würde sich ei» Verdienst erwerben durch Aufdeckung von tat- sächlichen Mißständen in einer unter der Herr'�aft des Junkertums stehenden Institution. Jedenfalls würde er bei dieser einen Institution weit mehr wirkliche Mißstände feststellen können, als sie bei allen Ortskrankeickassen zu- saminouigeiwnimen selbst nach der neuesten Sudelschrift des Reichsvcrbandes bestehen oder bestanden haben sollen. Schabenetsaicansprüche gegen die Provinz bei Glatteis. Der Bureaugehilfe A. in Sulzbach machte gegen den Pro« vinzialverband der Rheinprovinz Ansprüche aus einem Unfall gel- tend, den er in der Nacht vom 27. zum 28. Januar 190? auf dem Rückwege von Dudweiler nach Snlzbach auf der Provinztatstraße erlitte» hat. Er ist daselbst auf einer Etsslciche ausgeglitten, die sich auf dem Bankette der Straße in einer für den Abfluß der Tage« Wässer bestimmten Vertiefung gebildet hatte. Für die aus dem Unfall resultierenden Verletzungen der rechten Brusthälft«, Quetschungen der Wirbelsäule mit Beschädigung des Rückenmarks sucht ,B. den Pcovinzialverband der Rheinprovinz im Klagewegc haftpflichtig zu machen. Da» Landgericht und Obrrlandcdgerlcht Köln haben den Kläger abgewiesen. Da» ObsrlandcSgcricht erklärt zunächst, daß die im Bankett befindlichen Senkungen für den Wasserabfluß kein« mangelhafte Anlage �darstellen. Die Streu- Pflicht der Rheinprovinz verneint cS unter Hinweis auf die Ueber, tvagung der Unterhaltungspflicht der fraglichen Wcgestrecke von der Proding auf die Gemeinde Dudweiler. DaS Reichsgericht hat daS Urteil deS OberlandeSgerichtS Köln anfgchobcn und die Sacke zur Prüfung über die Höhe des Ver- schul den s des beklagten Verbandes an das Oberlandcsgericht zu- rückverlviesen. Di« Entscheidungsgründe legen dar:„Allerdings hat der Vorderrichter den ersten Vorwurf, den der Kläger dcyi ,Ac- klagten macht, daß schon die Anlage des Banketts der Provinzial- straße wegen der den Verkehr gefährdenden, dem Abflüsse des WasserS dieneirden Senkungen feylerhaft sei, ohne RechtSvcrstoß zurückgewiesen, indem«r auf Grund der VeweiSaufnahme feststellt, daß die Senkung an der Unfallstelle nicht so erheblich k-" daß man sie ckis gefährlich erachten könnte. Tatbestandswidrig ist aber die Annahm« des Berufungsgerichts, auf Grund deren dieses eine UnterhaltunaS- und Streupflicht dcS Beklagten hinsichtlich der hier fraglichen Wegestrecke verneint, daß nmulich nach dein orstinstanz- lichen Vorbringen beider Parteien die Pflicht zur Unterhaltung desjenigen Teiles der Provinzialstraße, auf dem sich der Unfall er. eignet hat, von der Provinz auf die Gemeinde Dudiveiler gemäß § 18 Absatz 3 des DotationSgcsctzcS vom S. Juli 1S75 übertragen sei. Nach dem erstinstanzlichen Tatbestand ist dies von keiner Partei behauptet worden. Nicht der Beklagte, sondern der Kläger hat sich auf den zwischen der Provinz und den Gemeinde gemäß tz 18 Ab» atz 3 geschlossenen Vertrag berufen und dargelegt, daß auS der lebertragung der Unterhaltung einer anderen Wcgestrecke von der Provinz auf die Gemeinde die Anerkennung der Reinigungöpflickst der Provinz hinsichtlich der hier fraglichen Wegefirecke zu folgern sei. Der Beklagte hat darauf nur erwidert, durch diesen Vertrag werde die Reinigungspflicht der Gemeinde nicht berührt, er hat also nur den von dem Kläger aus dem Vertrage gezogenen Schluß bekämpft. OcwerfefcbaftUcbc�' 6!nc Lobtibewcqung der Meiknad?tgmZmidr! Farbkästchen— wer kennt sie nicht, wer hat seinem Jungen bamit zu Weihnachten noch keine Freude gemacht, damit der Lieme Knirps an den Möbeln, Türen und Fenstern senre „Talente" erproben konnte? Wenn auch Mutter nicht immer ihre Freude an dem Schaffenseifer der Kleinen hat, so schlägt unser Herz doch höher ob der Freude, welche das Farbkästchen bei denselben auslöst, selbst solche der billigsten Qualität, die schon fiir 10 Pf. zu kaufen sind. Diese sind es vornehmlich, die in der Thüringer Heim industrie bei der erbännlichsten Entlohnung hergestellt wer den. Thüringen, eines der schönsten Fleckchen Erde unseres Vaterlandes, birgt viel Elend. Der Holzreichtum des Thüringer Waldes hat das Entstehen einer großen Holz� industrie begünstigt und es zu einem Eldorado für die Verleger und Händler gemacht, welche die genügsame Bevölkerung nach allen Regeln ausbeuten. Vornehmlich sind es Spielwaren, die hier hergestellt werden, daneben aber auch alle anderen Holzwaren, deren Herstellung heute aber schon zum großen Teil in Fabriken vor sich geht. Die Spiel- Warenindustrie ist noch fast in vollem Umfange Hausindustrie. Im Laufe der Zeit hat sich eine gewisse„Spezialfabrikation" herausgebildet, und so werden zum Beispiel in den Mei- ningenschen Ortschaften Steinach und Neuenbau fast aus- schließlich Farbkästen hergestellt. Neuenbau, ein Dorf von 800 Einwohnern, macht mit seinen niedrigen, mit Schiefer gedeckten Hütten einen düsteren Eindruck. Jedes Häuschen wird von zwei bis drei Familien bewohnt, die alle in der Hausindustrie tätig sind, und Groß und Klein muß bei der Herstellung von Farbkästen helfen. Hier hat sich vor kurzem eine erfolgreiche Lohnbewegung abgespielt. Der Schnitzer, wie sich der Kastenmacher nennt, ist „selbständig". Holz und Zutaten muß er selbst kaufen. Der hauptsächlich in Frage kommende Holzhändler ist der Mei- ningcnsche Staat, welcher seine Holzauktionen dem Bedürfnis der Hausindustrie angepaßt hat und es trefflich verstcht, möglichst hohe Preise aus den Holzbeständen herauszuschlagen. Wird die festgesetzte„Tare" nicht erreicht, so wird das Los uicht losgeschlagen. In der Regel ist es aber so, daß diese auf den Auktionen, zu welchen gewöhnlich mehrere Dörfer zu- sammenkommen, weit überboten wird. Gutes Schnitzholz wird immer teurer; der arme Heimarbeiter muß aber jeden Preis— und zwar in bar— zahlen, weil es sein Brot bedeutet. In einigen Orten find Einkaufsgenossenschaften ge- bildet, welche Kaution stellen und schon vor der üblichen Auktion bestimmte Quantitäten zu einem später noch näher zu bezeichnenden Preise>— der dem Auktionspreis nahe- kommt— erhalten und unter ihre Mitglieder verteilen. Das Holz zu den Kästen wird in den nötigen Dickten gespalten, oder wie der technische Ausdruck lautet,„gestoßen", und zwar durch eine Art Hobel, die auf jeder Seite mit zwei Handgriffen versehen und an denen vorn Stricke zum Ziehen angebracht sind, damit die Kraft einer größeren Anzahl Per- fönen venvendet werden kann. Vorher jedoch muß das Holz zu den brauchbaren Längen verschnittein und mit der Art ge� spalten werden, hauptsächlich, um die Struktur desselben be urteilen zu können. Auch das kleinste Aestchen würde das Holz zum„Stoßen" unbrauchbar machen, da der„Span" nicht tadellos„abkommt". Das Stoßen ist eine schwere Arbeit: in der Stunde gelingt es bei außerordentlicher An- strengung bis zu 600„Späne" in der Länge der Kästen ab- zustoßen. Die notwendigen Seitenstäbchm werden auf der Kreissäge mit Fußbetrieb im Zeitlohn geschnitten. Neuerdings hat der Dorfschulze einen Motor angelegt und läßt sich den Gebrauch desselben nach Stunden bezahlen. Auch die Nuten, in denen der Deckel läuft, werden mit der Kreissäge hinein gearbeitet. Wenn das notwendige Holz so weit vorgearbeitet ist, das heißt wenn auch die Gehrungen angeschnitten sind, geht es an das Verleimen der Kästen. Der Raum muß zu diesem Zweck stark geheizt sein, sonst würde der Leim zu schnell erkalten und seine Bindekraft verlieren. In der Regel arbeiten dann fünf bis sieben Personen, Mann. Frau und Kinder sowie auch die Eltern der Frau oder des Mannes in dem Räume mit, der gleichzeitig Wohn- und nicht selten auch SchUckraum für dieselben bildet. Eine schwere Luft. Geruch von frischem Holz, Leim und Farbe lagert auf allen Menschen und Gegenständen. Und im dieser Luft muß bis spät in die Nacht von allen fleißig gearbeitet werden, um das Leben kümmerlich zu fristen und nach notdürftiger Lüftung — in manchen Fällen unterbleibt auch dieses noch— den ab- gerackerten Körper einige Stunden auf dem dürftigen Lager auszuruhen. Früh— im Winter lange vor der Dämmerung — ist es mit der Ruhe vorbei, wenn das nötige Pensum fertiggestellt werden soll. Der Lohn für die Arbeit ist. wie sich denken läßt, äußerst niedrig, für unsere Begriffe sogar lächerlich gering. Der Preis für Kästen, meist fiir acht Farben, 16,7 Zentimeter lang. 7 Zentimter breit, beträgt für das Gros 1,73 M. Ein anderer. 23,6 Zentimeter lang, 13 Zentimeter breit, pro Gros 6,50 M. Der Verdienst eines Schnitzers unter Mitarbeit der Familie beträgt bei voller Beschäftigung pro Woche 8 bis 12 M. Würden die Arbeiter nicht nebenbei noch etwas Landwirtschaft betreiben, wäre es ihnen trotz der größten Entbehrungen nicht möglich, den Lebensunterhalt zu erwerben. Die fertigen Kästen werden mit Fuhrwerk oder Trag- korb nach Sonneberg, Koburg oder Judenbach zum Händler gebracht. Bisher waren es deren sÄs, die einen schwung haften Handel mit den Kästen trieben, die von hier in die großen Spielwarenzentralen versendet werden. Reiche Leute sind diese Händler im Laufe der Jahre geworden und dabei „ohne Herz", wie die Kästenmacher sogen. Immer wieder suchen sie die Preise herabzudrücken und den armen Schnitzer noch mehr auszubeuten. Besonders in dem„Hungerviertel- jähr"— den Monaten nach Weihnachten— bieten sie den Schnitzern Preise, die noch bis zur Hälfte unter die oben ge- nannten herabgehen. Der Absatz stockt in dieser Zeit, und oft passiert es, daß die Händler tränenden Auges gebettelt wer den, eine Traglast Kästen um jeden Preis abzunehmen, weil daheim auch trockenes Brot fehlt. Schon vor einer Reihe von Jahren war es gelungen, die Schnitzer in Neuenbau zu orga- nisieren; es war auch möglich, eine erhebliche Lohnaufbesse- rnng mit Hilfe der Organisation zu erzielen, doch das „Hungervierteljahr" machte alles wieder zunichte. Es wurde ein niedrigerer Preis, wie der vereinbarte, angeboten und— die Schnitzer arbeiteten dafür. Die Organisation wurde ver- nichtet und konnte lange Zeit keinen rechter, Fuß wieder fassen. Einige Arbeiter blieben derselben jedoch treu und pro- pagierten den Organisationsgedanken immer wieder; heute sind fast alle Kästenmachen in Neuenbau Mitglieder des Holz- arbeiterverbandes. Mit Hilfe des Verbandes ist es nun vor einigen Wochen gelungen, eine erfolgreiche Lohnbewegung durchzuführen, die den Arbeitern einen zehnprozentigen Lokw- aufschlag brachte. Die Händler sträubten sich mft aller Ent- schiedenheit, dem Verlangen der Arbeiter Rechnung zu tragen; aber mit einer Einmütigkeit, die Bewunderung erregte, standen die Neuenbauer Arbeiter zusammen und mußten darum die Händler nachgeben. Mögen die Neuenbauer Arbeiter Obacht geben, daß sie nicht wieder in die frühere Gleichgültigkeit ver- fallen; die Händler würden sich bitter rächen. Die Arbeiter haben dies bei einer früheren Gelegenheit erfahren und wissen deshalb, was ihnen die Organisation nützen kann. Es ist darum anzunehmen, daß sie nicht wieder fahnenflüchtig wer- den. In Steinach und dm anderen Orten, auch bei den Stäbchenschnitzern, wird gegenwärtig eine eifrige Agitation getrieben, die auch erhebliche Erfolge aufweist, so daß zu hoffen ist, daß durch die Organisation das Heimarbeiterelend ein wenig gemildert wird. Berlin und Qn, Fegend. Die Potsdamer Bauunternehmer hatten das Eimgungsamt d:S Gewerbegerichtes angerufen, weil sie sich dem Dresdener Schieds- spruch gelegentlich der diesjährigen Bauarbeiterausfperrung nicht fügen wollen. Sie gehen von der Ansicht aus. nicht unter den Spruch zu fallen, weil sie an der Aussperrung nicht beteiligt ge- wesen seien. Auch halten sie die Lohnerhöhung für die Potsdamer Verhältnisse zu hoch und geben an, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Am Donnerstag trat das Einigungsamt unter dem Vorsitz des Stadtrats Jä nicke zusammen. Als Unparteiische fungierten von den Arbeitgebern vorgeschlagen Regierungsrat Schmidt und Zimmerermeister Schmidt, auf Arbeitervorschlag Schriftsetzer Hörig und Töpfer Rogge. Dem Gericht lag die Frage vor, ob die Potsdamer Unternehmer als unter den Dresdener Schiedsspruch fallend zu betrachten seien und demnach sich auch den Entscheidungen desselben zu fügen hätten. Das Gericht bejahte diese Frage. Da der Vertreter der Unternehmer vorher erklärt hatte, daß sie lieber aus dem Arbeitgebcrverband austreten und ohne Tarif arbeiten würden, als sich dem Dresdener Schiedsspruch zu fügen, ersuchte das Gerich! die Parteien, sich zu einigen, indem jeder etwas nachlasse. Es soll dann eventuell noch eine Sitzung statt» finden. Sollte ein Teil zu einer Einigung nicht bereit sein, so gilt der Dresdener Schiedsspruch als zu Recht bestehend.— Die Maurer und Bauhilfsarbeiter werden in der nächsten Woche eine außer- ordentliche Versammlung wegen dieser Angelegenheit abhalten. DeutseKes Reich. Zum Mäkzereiarbeiterst.cik in Langensalza. In einem der bestreikten Betriebe, in der Thüringer Malz- fabrik, ist der Kampf mit Erfolg für die Arbeiter beendet worden. Es kam ein Tarifvertrag zustande, der an Verbesserungen eine Bezahlung der Sonntagsarbcit und Erhöhung der Ueberstunden- sätzc brachte. Sämtliche 33 Streikende werden wieder eingestellt, Dagegen beharrt die Malzfabrik Ziegelhof auf ihren ableh- nenden Standpunkt; sie verlangt sogar den Austritt der Arbeiter aus dem Verbände. Bürgerliche Zeitungen berichten von einer Beendigung des Streiks; das ist unrichtig. Zuzug ist auch weiter- hin strengstens fernzuhalten._ Die Aussperrung der Kürschner in Rötha bei Leipzig vollzogen. Die Rauchwarenfabriken Röthas haben ihre Drohung, die Kürschner auszusperren, wenn sie einige ausgeschlossene Mitglieder des Verbandes nicht wieder aufnehmen, nunmehr wahr gemacht. 2b0 Mann sind am Vorabend des sogenannten Festes der Liebe auf die Straße geworfen worden, eine annähernd gleich große Zahl wird noch folgen. Damit wären dreiviertel der rund 3000 Einwohner zählenden Bevölkerung Röthas zu Weihnachten brotlos. Den Antrag auf Aussperrung stellte bezeichnenderweis« der im Kirchenvorstand sitzende Obermeister H e i n i ck e. Die Unternehmer schicken nach allen Orten Deutschlands schwarze L sten mit den Namen der Ausgesperrten. Ein« Firma fabriziert in ihrem Kontor AuStrittserklärungen, die sie den Hilfsarbeitern und-Ar- beitcrinnrn vorlegt. Wer diese Erklärungen nicht unterschreibt, wird ebenfalls entlassen. Auch die sächsische Gendarmerie ist schon auf dem Posten; sie zieht Erkundigungen ein, wer in der Vcrfamm- lung der Kürschner, die sich mit der eventuellen Wiederaufnahme der Ausgeschlossenen beschäftigte, gesprochen habe. Auf de» badischcn Eisenbahnen. Man schreibt uns: Dem Unternehmertum dient die badische Regierung nicht nur mit Gendarmen, sondern auch mit dem Eisenbahnbetrieb. Als die Arbeitseinstellung in Pforzheim begann, war die Ge- neraldirektion der badischen Staatsbahnen sofort bei der Hand, den Arbeitern die Benützung der Wochenkarten zu untersagen. Damit sollte der löbliche Zweck verfolgt werden, die vielen Tausende außerhalb Pforzheims wohnenden Arbeiter einzuschüchtern und ihnen die Abholung der Streikunterstützung an der Kasse des Metallarbeiterverbandcs zu erschweren. Bei dem Streik der R a st a t t e r Waggonfabrikarbeiter hilft die Eisenbahn- behörde den Fabrikanten, den Bezug der Streik b-recher auS der Nähe und Ferne am Bahnhof Rastatt recht bequem zu machen. Den Streikenden ist bahnpolizeilich das Betreten der Bahnsteige verboten, auch wenn die Arbeiter eine Bahnsteig- karte kaufen; sie werden mit Verhaftung bedroht. Die bewaffnete Macht hilft dagegen dem Ingenieur der Fabrik, der sein Automobil zum Empfang der Arbeitswilligen am Bahnhof bereithält, die ankommenden Fabriksklaven an die Verladestelle zu bringen— mitten in einer Schutzmannskette. Das Ersuchen, den ahnungS- losen Transportierten nur die Tatsache einer ausgebrochenen Lohn- bewegung mitteilen zu dürfen, wird von den Beschützern deS gleichen Bürgerrechts barsch abgelehnt. Es sind die Bemerkungen der Polizei manchmal geeignet, die Arbeiter zu reizen. Unser Karlsruher Parteiorgan spricht davon, daß auf dem badischen Bahnhof jetzt»preußisches Recht herrscht". Damit ist bestätigt, daß der Unterschied zwischen Nord und Süd verschwindet, sobald der wahre Charakter des Kapitalisten- staateS gegen die nach besserer Existenz ringende Arbeiterschaft in die Erscheinung tritt. Die Vorgänge der letzten Wochen in Rastatt und Pforzheim haben den Arbeitern die Augen geöffnet. Der Bergarbeiterstreik in Hausham und Penzberg ist am 24. Dezember mit teilweisem Erfolg für die Bergarbeiter beendet, worden. Einige Arbeiterkategorien erhalten ab 1. Februar, andere bei besserer Konjunktur Lohnausbesserung. Der Generaldirektor unv der Oberbergrat erklärten, ihr Möglichstes in der Lohn frage tun zu wollen. Sämtliche Streikende werden am 27. Dezember wieder anfahren. Kuskand. Buchdruckerftreik in Finnland. Für den 1. Januar 1911 steht in Finnland ein ollgemeiner Ausstand der Buchdruckarbeiter bevor. Der Tarif ist seinerzeit beiderseits gekündigst worden, die Unterhandlungen haben zu keiner Einigung geführt, nun haben die Arbeiter den Ausstand beschlossen. — Gestützt auf ihre damals schon gut entwickelte Organisation ver- mochten die Buchdruckarbeiter einen ziemlich günstigen Vertrag ab- zuschließen. In den letzten Jahren haben sie noch energischer am Ausbau ihrer Organisation gearbeitet, und nun stellen sie den Antrag, daß die Unternehmer nur noch Organisierte einzustellen hätten. Außerdem zielen die Arbeiter auf die möglichste Beseitigung der Nachtarbeit hin. Die Lehrlingsfrage ist ein wichtiger Punkt der Verhandlungen. Inzwischen haben sich die finnischen Unternehmer auf c«? Gebieten gegen die Arbeiterschaft organisiert, so auch die Buch- drucker. Wie in anderen Branchen, sind die Unternehmer auch hier bestrebt, die Errungenschaften der Arbeiter zu hintertreiben. In erster Linie wollen sie die Macht der Organisation brechen und eine Streikbrechertruppe ins Leben rufen. Natürlich wollen sie sich auch in der Lehrlingsfrage nicht hineinreden lassen, und gegen die Nacht« arbeit führen sie die Existenz der Morgcnblätter an. Um den Arbeitern Widerstand zu leisten, haben sie starke Kassen zur Seite. Außerdem haben sie unter der Hand— ohne Wissen der Arbeiter— Setzerschulcn errichtet. Bureauangestellte, Studenten, Maschinen. schreiberinnen und andere bürgerliche Elemente haben im Hand» und Maschinensetzen Unterricht erhalten, damit die bürgerlichen Zeitungen erscheinen können, wenn auch in Miniaturausgabe. Es wird ein bitterer Kampf werden. Die Lage der Arbeiter ist hoff- nungSvoll: sie sind gut organisiert, ihre Kassen sind nicht leer, und sie haben die Sympathien der Arbeiterschaft auf ihrer Seite. Zu- letzt spricht auch zu ihren Gunsten die Tatsache, daß die Arbeiter» schaft in allen Städten eigene Druckereien besitzt. Es darf als natürlich angenommen werden, daß diese Drnckereien über die Forderungen der Arbeiter sich einigen und daß hier die Arbeit nicht unterbrochen zu werden braucht. Alle Arbeiterzeitungen sind bereits Abendblätter, so daß dieser Verhandlungspunkt hier in Wegfall kommt.— Sehr gut gerüstet sind aber auch die Unter- nehmer— wenn sie nur nicht die Hände der Arbeiter hrauchten. Die Hilfe der streikbrecherischcn Elemente der bürgerlichen Welt wird hoffentlich nicht hinreichen, um den Druckereibetrieb auf- recht zu erhalten.___ Die Internationale der Steindrucker und Lithographen. Die in Spanien beschäftigten Lithographen und Steindrucker waren bisher lokalistisch organisiert. Auf einem vor kurzem statt- gefundenen Kongreß, auf dem die Ortsvereine von Barcelona, Ledida, Madrid, Murcia. Sabodell. Saragossa, Valencia und Vigo mit 648 Mitgliedern vertreten waren, wurde beschlossen, die Ortsvereine zu einem Zentralverband zu ver- einigen, dem„Spanischen Lithographenbund". Als Vorbild zu ihren Statuten dienten ihnen mit wenigen Aenderungen die der französischen Lithographenorganisation, dessen Sekretär anwesend war. zugleich als beauftragter Vertreter des internationalen Bundes der Lithographen, Steindruckcr und verwandten Berufe. Der neue Zentralverband, der nur Lithographen und Steindrucker als Mit- glieder aufnimmt, will unter anderem den Mitgliedern nach einer Woche eine Streikunterstützung von 2,S0 Francs täglich gewähren. Der spanische Lithographenbund beginnt seine Funktionen am 1. Januar 1911; auch wurde auf dem Kongreß der sofortige An- schluß des Verbandes an den internationalen Buick» beschlossen, dessen Sekretariat seinen Sitz in Berlin hat. Diesem sind fast alle Landesverbände angeschlossen. Kein Eiseiibahncrstrcik in Amerika? Am Freitag abend ist es, wie aus Chicago telegraphiert wird, zu einem Kompromißvorschlag bezüglich der Forderung der Lokomotivführer der westlichen Bahnen gekommen. Infolgedessen ist der Befehl zum Beginn der Arbeitseinstellung seitens der Ver- treter der Lokomotivführer aufgehoben worden. Ter Vergleich sieht von beiden Seiten Zugeständnisse vor. ketzte l�achncbtcn. Die Ereignisse in Wadai in der Dcputiertcnkammer. Paris, 24. Dezember.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Deputiertenkammer wurde nach Erledigung des Budgets des Ackerbauministeriums die Beratung der Interpellation über die Er- eifliiisse in Wadai fortgesetzt. Lucien Hubert erklärte, er sei nicht für neue Eroberungen, er sei aber entschieden dagegen, daß die bisher befolgte Politik aufgegeben werde. Etienne gab der Meinung Ausdruck, daß Wadai der Mühe lohne, bewirtschaftet zu werden. Die Erkunbungszüge, ive zum Tode FiegenschuhS und MollS führten, feien notwendig gewesen. Das Parlament möge den Kolonien, die zur Größe Frankreichs beitrugen, Wohl, wollen erzeigen. C h a i l l e y forderte die Regierung auf, zu erklären, daß Frankreich das Recht zur Besetzung WadaiS habe und Wadai nicht aufgeben werde. Kolonialminister Morel erklärte, Wadai, aus das Frankreich Rechte habe, werde nicht aufgegeben werden. Die Regierung werde sich aber darauf beschränken, für die Sicher- heit der französischen Besitzungen in Zentralafrika zu sorgen und diese- Besitzungen nutzbar zu machen. Das Haus nahm hierauf ein« von Etienne und Messimy eingebrachte Tagesordnung an, die nochmals daS tapfere Verhalten der Truppen in Wadai anerkennt, von den for» melken und bestimmten Erklärungen der Regierung Alt nimmt und der Regierung daS Vertrauen ausspricht. B r i an d verlas hierauf das Dekret, durch welches die Tagung des Parlaments ge- schloffen wird. Der Senat setzte die Weiterberatung der Jnterpeklatiin über die Staatsbahn fort. Der Minister der öffentlichen Arbeiten P u e ch betonte gegenüber mehreren Vorrednern die Notwendigkeit, die StaatSbahn finanziell selbständig zu machen und neben den Schienenwegen auch Wasserwege zu deren Ergänzung zu schaffen. Der Minister schloß mit dem Hinweis darauf, daß man den allge- meinen Wohlstand und die Produktionsmittel heben müsse. Die Tagesordnung, welche der Regierung das Vertrauen ans- spricht, wurde darauf angenommen. Zum Justizmord in Ronen. La Rochelle, 24. Dezember.(W. T. B.) Unter der Anschuldi- gung, den Führer einer Arbeitswilligen-Kolonne Dinge gelegentlich deS KaiarbeiterauSstandeS in Havre vorsätzlich getötet zu haben, ist heute der Kaiarbeitev Guilloest verhaftet worden. ES han- delt sich um den Fall, wegen dessen das Todesurteil gegen den Ehn- dikatssekretär Durand ergangen ist. • Der Deputierte Paul Meunier hat dem Präsidenten FalliereS ein von etwa 100 Deputierten unterzeichnetes Gnadengesuch für den zum Tode verurteilten Syndikatssekretäv D u r a n d überreicht. Ein BerschworungSpkozkß. Bombay, 24. Dezember.(Meldung des Reukerschen BureauS.) In dem sogenannten Rasik-BerschwörungSprozeß, der am IS. Sep> tember dieses Jahres begonnen hat, ist das Urteil gefällt worden. Acht Angeklagte wurden freigesprochen, 26 andere zu Ge- fängnisstrafen von verschiedener Dauer, Savarkar zur Depor- tation auf Lebenszeit unirzur Einziehung seines Vermögens ver- urteilt. Die Frage der Auslieferung Savarkars zwischen Frank- reich und England schwebt augenblicklich vor dem Schiedsgericht im Haag. S-_ Zahlungsschwierigkeiten. Charlotte(Nordkarolina), 24. Dezember.(W. T. SB.) Die großen Baumwollspinnereien Randelman Manufacturing Company undNaomifalls Manufacturing Company haben infolge des Da. niederliegenS des Handels mit Baumwollerzeugnissen ihre Zahlun- gen eingestellt. Die Passiva belaufen sich auf 89V 999 Dollar. pv,----------------- x-- � � f-----"-----------'--''_— 1-V--'-- «erantw. Redakt.: Richard Barttz, Berlin. Inseratenteil verantw.t»tz. Glocke, Berlin. Druck n.Vecla«:Bor«ärt«Buchdr.o.verIag»auMl P aul Singer&£ c., Berlin 2 W.- LierzutBeiloie«. � Hr. 302. 27. Jahrgang. 1.{Icitat te Lmiirls" ßerliim Jollisliliill. Zonntltg. 25. Dezember 1910. Die Moabiter Vorgänge vor(iericht. Dreiiinddrclßigster Tag. In der gestrigen Sitzung wurde die Erörterung der Ansräunniiig des Lanzcratschcn Lokals fortgesetzt. Der bereits vernommene Zeuge Calbach antwortet auf eine Frage des N e ch l s a n w a l t s N o s e n f e l d. er habe sich lediglich deshalb als Zeuge gemeldet, weil er es für seine Pflicht halte, der Wahrheit Mr Anerkeimung zu verhelfen, nachdem er in der Zeitung die Aussagen der Polizeibeamten gelesen habe, die eine ganz falsche Darstellung der Sache geben. Auf weitere Fragen teilt der Zeuge noch folgende von ihm beobachteten Einzel- fälle mit. Am 27. September abends ging ein Herr in der Siemens- strafte ganz allein. Ein Schutzmann stieß ihn, daß sei» Hut herunter- fiel. Als sich der Mann nach dem Hut bückte, wurde er von dem Schutzmann geschlagen. An der Ecke stand eine Reihe Schutzleute mit erhobenen Säbeln. Ein Wachtmeister fuchtelte mit dem Säbel in der Luft und rief den Leuten zu:„Hunde verfluchte, wollt Ihr laufen!" An der ReformationSkirche rief ein Schutzmann dein Zeugen zu:„Hund, willst du laufe»" und schlug ihn mit dem Säbel über den Nucken. An einem anderen Tage lief eine Reihe von Schutzleute», in ihrer Mitte ein Leutnant, durch die mtiischciilcere EraSmnsstraße. Als ein Herr ans einer Hausi- tllr trat, lief ei» Schntzmaun auf ihn zu und stieß ihn ins Haus zurück mit den Worten:„Huiid, willst du rin!" Einzelne Leute, die auf dein Bürgersteige gingen, wurden von den Schutzleuten ge- knufft.— Infolge der Prügel, die der Zeuge bei der Affäre im Lokal von Lanzeral bekam, war seine Arbeitsfähigkeit 3—4 Wochen lang beschränkt. Z e u g e S a» e r hat bei der Ausräumung einen Schlag über die Hand, einen Schlag über de» Kopf und von den Schutzleuten auf der Straße zni» drittcuinal Prügel bckomincn. Zeuge Ranch sah am 26. September an der Ecke der Wiclef- und Bensieistraße. nachdem eine Attacke voriiber war, einen jungen Mann, der allein auf dem Bürgersteig ging. Der junge Mann wurde von einem Schutzinann gestoßen, daß er gegen die aufgestellte» Fahr- rädcr der Polizei fiel. Run stürzte» sich andere Schutzleute auf de» Mann und schlugen ihn nieder. Ans dem Publilnm ertönten Rufe der Entrüstung:„Pfui, unerhört". Der Niedergeschlagene lag auf den Sieinfließen. Da kam ein Schtttzmann heran, wies mit der Hand auf den Mißhandelten und sagte:„Da liegt der Hund". Nach längerer Zeit hoben zwei Schutzleute den Mann auf und brachten ihn in einer Droschke fort.— An einer Haltestelle der Straßenbahn stand ein Herr. Kurz vorher war eine Attacke gemacht worden. Jetzt war die Straße leer. Scbutzleute kamen vorbei. Einer von ihnen sckilng ohne Veranlassung auf den Herrn an der Haltestelle mit beiden Fäusten ein. Ter Herr zeigte eine Abonnementskarte der Straßenbahn vor und sagte, daß er fahren wolle.„Das gibt es nichtl" rief der Schlitzmann und stieß den Herrn, daß dessen Hut herunterfiel. Als sich der Herr nach dem Hut bückte, stieß ihn ein auderrr Schutzmann mir dem Knie in den Rücken.— An derselben Stelle wurde noch ein Mann von Schutzleuten mißhandelt und erst losgelassen, als Leute von einem vorübcrfahrenden Omnibus riefen: »Der Mann hat ja gar nichts getan!" Zeuge Perdon war auch in« Lokal von Lanzerat. Er sagt, er bekam erst von dem Leutnant Heck einen Säbelhieb vor den Kopf. Danach fiel er vom Stuhl und versuchte, auf allen Vieren kriechend, zur Tür zu kommen. Dabei wurde er von Schutzleuten geschlagen und als er draußen war. bekain er nochmals Prügel von den Schutz lcutcn. Der Zeuge hat 13 Säbelhiebe auf de« Rücken bekommen und war infolgedessen 2 Tage arbeitsunfähig. DeS Leutnants Gedächtnis. Auf mehrere Fragen des Rechtsanwalts Rosenfeld erklärt Polizeileutuant Heck, er könne sich nicht entsinnen, bei dieser Gelegenheit geschlagen zu haben. Da er in jenen Tagen öfter ge- schlagen habe, könne er sich unmöglich auf jede Einzelheit besinnen. Wenn einer vor den Kopf geschlagen sein sollte, so müsse man sich in die Situation hinein versetzen, wo doch nicht jeder Schlag genau abgemessen werden könne. In solcher Situation möge ja mancher Schlag an die unrechte Stelle gekoinmen sein.— Rechtsanwalt Rosenfeld: Das glaube ich auch, daß mancher Schlag unrechtmäßig gegeben wurde.— Vors.: Herr Verteidiger, ich habe schon so oft gesagt, daß solche Bemerkungen ins Plaidoyer gehören. An die Zeugen dürfen nur Fragen gestellt werden. Brunnenbaum ei st er Lemke schildert die Ausräumung des Lokals iin allgemeinen ebenso wie die anderen Gäste. Auch dieser Zeuge sagt, er habe.Dresche" gekriegt, aber.nicht zu knapp" und sei danach einen Tag arbeitsunfähig gewesen. Aleibnacbten im ImnKaisle. L Christabend, erst vier Uhr. aber es dämmert bereits stark. Der Festsaal der Anstalt ist hell erleuchtet, das glänzende Licht der Vogen- lampen strahlt und blitzt auf den silberweißen Gehängen der beiden Riesenchristbäilme. die die beiden langen Reihen von Tischen, auf denen die Geschenke aufgebaut sind, abschließen. Auf der einen Seile ist für die Frauen, auf der anderen für die Männer beschert. Der dekorativ veranlagte Oberpfleger hat aus jedem Weihnachtsstollen auf den Männerlifchen ein Fähnchen auf- gepflanzt, das den Namen des zu Beschenkenden trägt; auf der Frauenseite bat man sich dagegen mit je einem Zettel begnügt. Jeder Kranke erhält ein Geschenk, wen» irgendwie möglich nach seinem eigenen Wunsche. Außerdeni einen großen Weihnachtsstollen, ein Paket Pfefferkuchen und einen Teller Aepfel und Nüsse. Auch die Allerärnisten, die keinen Wunsch mehr äußern können oder wollen, erhallen, wenn es noch irgend einen Zweck hat, eine Extragabe. Denen, die bettlägerig sind, wird alle? ans Bett gebracht. Denn nicht alle Krauken können zur Bescherung zugelassen werden. Von der großen Belegungszahl ist nur ein Fünftel da. Abgesehen von den zur Zeit oder beständig Bettlägerigen muß der Arzt noch manche andere ausschließen, die Gefährlichen, Aufgeregten, viele.Kriminelle", alle, die fliich Verdächtig sind und noch andere niehr. Einen Ausschluß aus Strafgründen gibt es natürlich Nicht.--- Der Direktor tritt ein und begrüßt die Anstaltsärzte, den Pfarrer und die Beamten. Nun ivird es still..Stille Nacht, heilige Nacht" ertönt. Ein Cbor von Pflcgerinne» und Kranken singt, ein Anstaltsbeamter begleitet am Flügel. Es ist sehr feierlich. Niemand stört. Manche blicken wie verzaubert auf die flininiernden Lichter des Baunies. Eine Kranke neben mir weint leise.— Der Pfarrer hält eine kurze Ansprache. Darauf fordert der Direktor mit einigen freundlichen Worten die Kranken auf, sich an ihre Plätze zu begeben und ihre Sachen in Empfang zu nehmen. Da gibt es alles mögliche: Zigarren, wollene Westen, Vor- Hemden, ivarme Schuhe, Himbeersaft, bunte Kopftücher und anderes mehr. Eine Kranke, die offenbar ein gutes Bett sehr schätzt, hat sich ein großes Federkissen gewünscht und es samt den nötigen Bezügen Mich erhalten. Ihre Freude ist besonders groß. Viele treten auf den Direktor und die Aerzte zu. um sich zu bedanken und gute Feiertage zu wünschen. Die meisten packen bald ihre Sachen zusammen und ziehen ab. Der Saal ist wieder leer, die Lichter erlöschen.--- Es sind noch mehrere als Zeugen geladene Gäste des Lanze- ratschen Lokals zur Stelle. Rechtsanwalt Heine mann bemerkt, die Verteidigung halte diesen Fall für genügend klar- gestellt und könne auf weitere Zeugenvernehmung verzichten.— Der Erste Staatsanwalt sagt dazu: Es müsse doch Ge- rechtigkeit walten. Nachdem mehrere Zeugen der Verteidigung vernommen worden seien, müßte doch wenigstens noch ein Prügelzeuge der Staatsanwaltschaft gehört werden. Hierauf wird Schutzmann S i x vernommen. Seine An- gaben decken sich in allen Punkten mit der vor einigen Tagen ge- machten Aussage des Schutzmanns Walter und des Leutenants Heck. Unter anderem sagt der Zeuge: Vor der Räumung sei ein Teil der von den Schutzleuten auf der Straße zurückgetriebenen Menschenmenge in das Lokal geflüchtet. Das Lokal sei so voller Menschen gewesen, daß kein Apfel zur Erde habe fallen können. Zeuge Salbach tritt vor, zeigt auf den Schutzmann Six und sagt:„Das ist der Schutzinann, der mich rauSgehauen hat." Auf eine Frage des Rechtsanwalts Rosenfeld erklärt Salbach mit großer Bestimmtheit: WaS der Schutzmann ausgesagt hat, ist iinwahr! Hierauf wurde die Verhandlung abgebrochen und bis Mitt- woch 10 Uhr vertagt. Die MichuIÄ der Stadl Berlin an den Greueln von Kiellichln. Ter Prozeß gegen den Micltschincr„Fürsorgeerzieher" Prediger Breithaupt und seine Gehilfen, der in den letzten beiden Wochen in Berlin verhandelt würde, hat für den Haupt- angeklagten Vrcithaupt, der der scheußlichsten Mißhandlungen bezw. vielfacher Anstiftungen zu solchen überführt worden ist, mit einem überaus milden Urteil geendet. Als Milderungsgrund ist ihm alles nur irgend mögliche angerechnet worden, unter anderem auch das, daß das„Fürsorgestift" Mieltschin in völlig unfertigem Zustand eröffnet worden, daß der Vorsteher Breithaupt keine Ahnung von Pädaaogik hatte, daß seine durch ihn selber aus- gewählten GehiT.. von gleicher Unfähigkeit waren, daß die zur Aufsichtführung Berufenen ihn allein schalten und walten ließen und ähnliches mehr. Wenn das alles nach Meinung des Gerichts den Prediger Breithaupt entlasten soll, so fällt es mit um so stärkerer Wucht auf die Berliner Stadtverwaltung, die in ihrer Sorglosigkeit es zu diesen skandalösen Zuständen kommen ließ und darum mitschuldig ist an den Greueln von Mieltschin. Die Urteilsbegründung hat das kaum anzudeuten ge- wagt, weil der Prozeß leider hierüber nicht die genügende Auf- klärung gebracht hatte. Uns erscheint es nötig, daß die Tatsache der Mitschuld der Stadt Berlin, die schon im Juli 1909 nach der durch den„Vorwärts" erfolgten Aufdeckung der Mieltschiner Prügelwirtschaft scharf von uns betont wurde, jetzt nach der Be- endigung des Prozesses noch einmal festgestellt wird. Als im März 1908 der M a g i st r a t den S t a d h- verordneten seinen Plan eines Vertrages mit der erst zu schaffenden Anstalt Mieltschin bezw. mit dem hinter ihr stehenden „Evangelischen Verein für die Waiseupflege in der Ostmark" vor- legte, war es die sozialdemokratische Fraktion, die Bedenken hiergegen äußerte. Einer unserer Redner sHintze) warnte:„Ich möchte doch dafür plädieren, daß wir das Recht der Aufsicht uns nicht aus der Hand nehmen lassen und es nicht einem Verein übertragen." Ein anderer sozialdemokratischer Redner(Borgmann) führte aus:„Wir haben nach dem Gesetz Verpflichtungen zu erfüllen. Wir sollen das hier dritten Personen übertragen, und bevor wir nicht völlige Klarheit haben, können wir einen solchen Beschluß nicht fassen." Ein dritter Redner aus den Reihen unserer Genossen(Bernstein) wandte sich gegen die Bestimmung des Vertrages, daß die Vor- schrift für die Berliner Anstalt Lichtenberg mit ihrer Zulassung der Prügelstrafe auch für die neue Anstalt Mieltschin gelten sollte. Er sagte:„Wir werden jedenfalls die Lichtenberger Instruktion nicht ohne weiteres auf eine Privatanstalt übertragen dürfen.... Geistig Minderwertige zu prügeln, ihnen Moral mit dem Knüppel beizubringen, ist das allerverkchrteste, was ich mir denken kann." Stadtrat v. Friedberg, der damalige Vorsitzende der Waisen- deputation, suchte zu beschwichtigen, die Prügelstrafe sei nur als letztes Mittel gedacht und zur Kontrolle diene die Strafliste. Da erklärte ein vierter Redner der sozialdemokratischen Fraktion (Singer), daß eS„sehr bedenklich" ist, die dem Leiter der Anstalt II.» Draußen ist es jetzt kalt und finster. Ich suche die Abteilungen auf. Jede hat ihren eigenen kleineren Christbaum, der jetzt brennt. Ein altes Mütterchen, das schon lange nicht mehr laufen kann, liegt da in ihrem Bett und betrachtet mit glänzenden Augen eine Sparbüchse, die sie sich gewünscht hatte. Denn im vergangenen Jahre hatte ihr jemand einen„Böhm" geschenkt, und da muß sie nun anfangen zu sparen. Ich lege ihr zwei weitere„Böhm" hinein. Sie ist überglücklich und hascht nach meiner Hand, um sie zu küssen. Weiter I— Ein junges Mädchen fitzt gebeugt in ihrem Bett mit stierem Blick die Decke betrachtend. Ihre Geschenke läßt sie unbeachtet, sie antwortet auf keine Frage. So sitzt sie Tag und Nacht, stumm und hilfloser als ein Kind.— Viele fangen schon an, ihre Aepfel nufziiesse» und an ihrem Stollen zu kauen und hören nicht auf die Mahnung, daß eS heute abend ein besonders gutes Abendessen gäbe: Würstchen, Sauerkohl und Bier. Tie alten Kranken wissen das schon. Im Nebcnsaale spielt ein Musikwerk:„Ihr Kinderlein kommet". Jetzt schneit eS auch.-» Ich muß noch zu den Männern hin- über.-- HI. In der Aufnahmswachabteilung ist großer Skandal. Ein Epi- leptiker, dessen Dämmerzustände gefürchtet sind, schreit: er habe keine Vcfper bekommen, trotzdem doch heute Heiliger Abend sei. Seinen Stollen, die Pfefferkuchen, die Aepfel und Nüsse wirft er dem Pfleger vor die Füße, daß der Teller zerkracht. Hierauf er- greift er einen Stubl und stößt ihn wild auf den Boden, dann geht er damit auf de» Pfleger los. Ein zweiter Kranker, der wegen Totschlag? ins Zuchtbaus gesperrt, dieses mit der Irrenanstalt vertauscht hat, kommt jetzt schimpfend und fluchend herbei. Warum man ihn nicht zur Christ- bescheruug zugelassen habe? Warum er überhaupt hier sei? Drohend konnut er näher. Dabei brüllt ein dritter Kranker in einem fort:„Ja. wir müssen zusammenhalten" und haut mit den Fäusten auf der Tischplatte. Und ein vierter, noch junger Mensch, der erst vor vier Wochen aus dem Zuchthause, wo er wegen Sittlichkeilsverbrechcns saß, hierher gekonunen ist. schaut läppisch lachend zu und murmelt:„so mußte es kommen, so mußte es kommen". Der Pfleger gerät in Bedrängnis. Die Kameraden sind im Ausspeiseraum beim Verteilen des Abendcssens, doch kommen sie gerade noch zurecht, die wütenden Kranken wegzudrängen. Dem Arzte wird Meldung erstattet. Der Epileptiker kommt inS Einzelzimmer, der ehemalige Zuchthäusler ins Bad. Lichtenberg eingeräumte Berechtigung„ohne weiteres auf einen anderen zu übertragen". In dem Ausschuß, dem der Vertragsentwurf überwiesen wurde, protestierten unsere Genossen aufs neue gegen den Leichtsinn, das Lichtenberger Prügelrecht ohne weiteres einer noch gar nicht vor- handenen An st alt und ihrem er st noch zu suchenden Leiter einzuräumen. Sie predigten tauben Ohren— und es kam dann, was kommen mußte. Den Warnern erschien mit Recht schon die Lichtenberger Prügelinstruktion, die in der Regel nur 10 Rohrstockhiebe und in schwersten Fällen höchsten 20 zuläßt, durchaus bedenklich und verwerflich. Als aber ein Jahr später die Anstalt Mieltschin eröffnet wurde und Prediger Breit- Haupt an ihre Spitze trat, ohne daß die Berliner Waisen- Verwaltung von diesem Menschen jemals irgend etwas zu sehen oder zu hören bekommen hatte, hielt der 50, 7S, 100 und mehr Hiebe für zulässig und diktierte gelegentlich sogar 200 zu. Er kannte, sagt er selber, die Lichtenberger Instruktion gar nicht, weil sie ihm trotz wiederholten Ersuchens nicht zugesandt worden war. In seiner bodenlosen Unfähigkeit und frevelhaften Leichtfertigkeit, die weder dem„Aufsichtsrat" des Für- sorgestifts Mieltschin noch dem mit der speziellen Aufsicht be- trauten Pastor Matthies aus dem benachbarten Neu-Zedlitz auf- fiel, glaubte er dann, mit Prügeln und Arrest, mit Ketten und Hungerkuren darauflos„erzjdhen" zu dürfen. Wie war es möglich, daß dieser„Verkünder des Gotteswortes" — ausdrücklich nannte ihn so vor Gericht einer der Verteidiger— sein entsetzliches Handwerk volle drei Monate hin- durch treiben durfte, ehe der„Vorwärts" ihm abwehrend in den Arm fiel? Inzwischen war ja die Anstalt Mieltschin von Berlin aus durch Beauftragte der Waisen- Verwaltung schon zweimal revidiert worden, aber wiel Inspektor B u t h kam unmittelbar nach Eröffnung der Anstalt und konnte da natürlich nicht sehen, wie es in ihr zuging. Vor Gericht sagte er, mit Breithaupt habe er nicht eingehend über Erziehungsfragen gesprochen, weil das„Mißverständnisse hätte hervorrufen können" und ihm„unter Umständen einen Rüffel von de» Waisen- Verwaltung eingebracht" hätte. Lehrer H e n t s ch e l begleitete am 18. Mai einen Zöglingstransport und hätte da wohl manches er- mittel» können, aber dieser Herr soll in Mieltschin mit dem Nach- mittagszug eingetroffen und am anderen Morgen mit dem Früh- zug wieder abgefahren sein. Vor Gericht kam das allerdings nicht zur Sprache. Da erfuhr man nur, daß die Anstalt auf Hcntschel einen„ausgezeichneten" Eindruck gemacht und kein Junge sich bei ihm über Prügel beklagt hatte. Gehauen wurde erwiesenermaßen schon damals in Mieltschin sehr forsch. Vom 18. Mai an ließ dann kein Besucher mehr sich in der Anstalt sehen, bis der„V o r w ä r t s" Ende Juli in sie hineinleuchtete und die Entsendung einer solchen Untersuchungskommission er- zwang. Grund zur Entsendung einer solchen hätte die Waisen- Verwaltung schon sehr viel früher gehabt. Schon am 8. Juni hatte sie durch einen sozialdemokratischen Stadtverordneten er- fahren, daß aus Mieltschin ein entsetzlich zerhauener Junge(Ruppert) sich nach Berlin gerettet hatte. Man fand, daß gegenüber den Angaben von Fürsorgezöglingen Vorsicht ge- boten sei, und Breithaupt durfte weiter hauen und hauen lassen. Am 2 8. Juni stellte der Junge selber sich der Waisenverwaltung Und wurde im Waisenhause durch einen Arzt untersucht, der an dem Körper noch die unverkennbaren Spuren der erduldeten Mißhandlungen fand. Aber diese Ver- suche, gegen die Mieltschiner Greuel die Hilfe der zunächst ver- pflichteten Behörde anzurufen, mißlangen, so daß dann im Juli der„Vorwärts" die Mitteilungen eines anderen nach Berlin geflüchteten Zöglings der Oeffcntlichkeit übergab. Und dann begann jenes schmachvolle Treiben, durch das die Schuld Breithaupts vertuscht werden sollte, um mit ihr auch die Schuld der Stadt vertuschen zu können. In Mieltschin hatte Breithaupt durch einen vertrauten Zögling die mißhandelten Jungen zu beeinflussen gesucht, so daß manche für ihn die Untersuchungskommission belogen. In Berlin wurde vom Rathaus aus durch die dem Stadtfreisinn dienende Presse die öffentliche Meinung dahin beeinflußt, daß die Zöglinge gegen Breithaupt gelogen hätten. Magistratsrat Voigt, der als Führer der Untersuchungskommission in Mieltschin gewesen war, hat sein damaliges Mißtrauen gegen die Zöglinge Breithaupts bis heute nicht aufgegeben. Noch bor Gericht, wo übrigens dieser Zeuge Soll man wegen zweier Lärmmacher den so notwendigen Schlaf der übrigen im Saale befindlichen Kranken stören lassen? Soll man Leben und Gesundheit seines Personals leichtsinnig aufs Spiel setzen?--------;--;----- Ich komme in eins der Landhäuser, wo die arbeitenden Kranken wohnen. Hier herrscht eitel Freude und Vergnügen. Einige probieren schon die Weihnachts-Zigarren. einige spielen Karten, einige inspizieren ihre Weihnachtspakete. Ein großer Kreis hat sich um jenen„Künstler" gebildet, der sich auf einer Akkord-Zither produziert. Gerade will ich mich wieder entfernen, da erwischt mich Scholtz IV, ein ehemaliger Mechanikus, der eS auch heute nicht lassen kann, sich an meine Seite zu drängen und folgende Ansprache an mich zu halten: „Ach. da sind Sie ja, Herr Müller! Wer Sie sind? Sie sind doch ein Mechaniker, so gut wie ich. Ich habe das ganze Gaswerk und die ganze Schweinerei da berechnet. Das wissen Sie ja alles. Und nun möchte ich ins Bürgerquartier. Oder Sie verschreiben mir einmal ein längeres gedeihliches Bad. Langsam folgt Amerika den Spuren unserer Kriegsflotte. Dies ist der Zweck und das Ziel und das liebe Wesen des Medizinal-Heilrufes..." Wir gehen. Das Schlietze» der Hanstür durch den Pfleger schneidet, wie immer, den Redefaden des Herrn Scholtz VI ab.-- Leider ist der„M-dizinal-Heilrus" auch dem Hern.' Scholtz noch nicht erklungen. Er wird es auch nicht.-- Dr. E. M. Kleines f euilleton» Theater. Neue? Schauspielhaus: Die Hosen beS Herrn von Bredow; Schauspiel von Korh Towska. Die alte Regel, daß ein guter Roman, für die Bühne ausgeschlach- tet, ein schlechtes Drama gibt, wird durch das fünfaktige grausam ausgereckte Opus Kory Towskas wieder einmal prompt bestätigt. Auch geschicktere Hände hätten da nichts ausrichten können. Was Willibald Alexis berühmten„Hosen des Herrn von Bredow" Farbe und Stimmung verleiht, der gemächliche Humor, das reiche ge- schichtliche Lokalkolorit, läßt sich nicht auf die Bretter transpor- tiercn. Der dicke ritterliche zeder Reinigung seiner erblich ange- stammten Lederbüchsen sich eigensinnig widersetzende Saufaus, der ffch a'üBetteft Sic ein Milüngeklagler bötöelommen fein mäg, erklärte er, er habe damals den Zöglingen vieles nicht geglaubt und stehe ihnen auch jetzt noch sehr mißtrauisch gegenüber. Jenen skandalösen Beschönigungs- und Vertuschungsversuchen wurde dann ein Ende gemacht, als in der Stadtverordneten- Versammlung die Sozialdemokraten den sofortigen und völligen Bruch mit der An st alt Mieltschin forderten. Stadtrat Münsterberg schien den Breithaupt womöglich noch halten zu wollen, aber es half nichts mehr. Nach langwierigen Autschußberatungen wurde der Bruch durchgesetzt. Die Aufdeckung der Mieltschiner Scheusäligkeiten hat den Schleier weggezogen von der fluchwürdigen Prügel- wir tschaft, mit der die Unfähigkeit. eines solchen„Gottcswort- �rrkünders" in geradezu verbrecherischer Leichtfertigkeit sich an Fürsorgezöglingen versuchen zu dürfen glaubte. Sie hat aber auch der mitschuldigen Berliner Stadtverwaltung eine Lehre gegeben, die ihr hoffentlich dauernd als Warnung dienen wird. ftir Lage der Kleinbauern und Landarbeiter. (Schluß.) VI, Rentenqnetscherei. Ueberaus schneidig sind die meisten Berufsgenossenschaften gegen— die Rentenempfänger vorgegangen. Diese Roheiten der Berichte lesen die Agrarier eben lieber, als die Maßnahmen zur VerbesseruiH des Unfallschutzes. Die Opfer sollen noch mehr leiden, nicht Unfälle verhütet werden. Die Berufsgenossenschaft„West- falen" brüstet sich, daß sie es fertiggebracht habe,„sämtliche Rentenempfänger zu den außerordentlichen Revisionen zuzuziehen". Gemindert wurden die Renten in 904 Fällen, gänzlich eingestellt in 2103 Fällen und erhöht in 1 Falle!? Erspart wurden dadurch auf einen Schlag 193 V3? M. an Renten und bemerkt der Bericht kalt- blütig hierzu: „Der durch die Revisionen verursachte Kostenaufwand von 17 215,02 M. fällt diesen Ergebnissen gegenüber nicht ins Gewicht." „Schwaben-Neuburg" meldet: „Im Berichtsjahr wurden 4743 Unfallverletzte, denen eine Dauerrente noch nicht zuerkannt ist, einer neuerlichen ärztlichen Untersuchung unterstellt; daraufhin wurden 1032 Renten gemindert und 1972 aufgehoben." Stolz sserichtet auch„Hessen-Rassau": „Zieht man in Betracht, daß bei dem ersten Revisionsverfahren eine Rentenminderung von 97 993 M. 20 Pf. und bei dem zweiten Revisionsverfahren eine solche von 166 993 M. 99 Pf. erzielt ist, so muß das bisherige Ergebnis der dritten Rentenrevision in den 36 Sektionen mit rund 136 999 M. wieder als ein überaus grosses bezeichnet werden. Dementsprechend hat auch der ProvinzialauS« schütz in Uebereinstimmung mit den Sektionsvorständen beschlossen, die Rentenrevistonen dauernd beizubehalten." „Oberfranken" gibt nur die Zahl der Nachuntersuchungen an: „Auf Grund von etwa 2889 Nachuntersuchungen von Renten- empfängern konnten 819 Renten gemindert und 579 Renten aufgehoben werden." Der Bericht„Unter-Elsaß" führt aus: „Hiernach sind in 48 Terminen 1926 Rentenempfänger unter» sucht worden. Auf Grund der Untersuchungen konnten 591 Renten eingestellt und 719 Renten gemindert werden. Die Verminderung an Jahresrentcn infolge der Kürzungen und Einstellungen beläuft sich auf 63 392,79 M." Dem Bericht für„Oberbayern" entnehmen wir: „Die Zahl der im Berichtsjahre kontrollierten Rentenempfänger betrögt insgesamt 5295. Hiervon wurde bei 1688 Verletzten die Rente gemindert und bei 1169 Verletzten die Rente aufgehoben." „Posen" berichtet: „Die Ergebnisse der im Berichtsjahre abgehaltenen Kontroll- Untersuchungen zeigt Anlage 14. Hiernach sind in 9 Sektionen 777 Rentenempfänger in 24 Terminen untersucht worden. In 165 Fällen hat die Kontrolluntersuchung zur Einstellung und in 297 Fällen zur Herabminderung der Renten geführt, es sind mithin im ganzen in 372 Fällen die Renten eingestellt oder gemindert worden." Obschon fast alle Berufsgenossenschaften in 79— 89 Proz. der Fälle am Schiedsgericht für Arbeiterversicherung, Landesversiche- rungSamt oder Reichsversichernngsamt Erfolge im Streitverfahrcn hatten, sind verschiedene noch gar nicht damit zufrieden. So brummt der Bericht der„Niederbayern": „Gleichwie in den Vorjahren zeigte sich, daß der größte Teil der Berufungen offenbar unbegründet und ein nicht geringer Teil derselben geradezu frivol war. Leider konnten in keinem Falle den Berufungsklägern die gerichtlichen Kosten gemäß Z 29 Abs. 3 der Schiedsgerichtsordnung auferlegt werden." Aevgerlich ist auch die Berufsgenossenschaft„Unter-Elsaß", daß man nicht dem„Gutachten" des Bauernbürgermeisters allein glaubt und die Denunziationsbriefe als nicht„vertraulich" behandelt. Sie schreibt: „Allerdings kommt rS öfter? vor, daß die Ansichten der Bei- trauensmänner und der Bürgermeister hinsichtlich der Höhe der einem Verletzten zustehenden Rente von der Ansicht des begut- achtenden Arztes recht wesentlich abweichen. Bei den Entscheidungen acht Tage braucht, um den vom Berliner Standetag heimgebrachten Mordsrausch auszuschlafen und während dieser Periode der Wehr- losigkeit von der waschlustigen resoluten Ehehälfte in punkto Hosen so schnöde hintergaugen wird, bringt es, losgelöst vom breiten Hintergrunde des Romans nur. zu matt banaler Possenkomik. Die abstoßenden Roheitszüge, so die Verprügelung des Knechts, mit der der Rittersmann sein Erwachen feiert, treten da noch peinlicher hervor. Vollends das ganze weitschichtige Drum und Dran der Handlung, in der dieser Halbidiot Passiv hineingezogen wird, ver- flüchtigt sich auf dem Theater zu fadenscheinigem historischen Anek- dotenkram mit patriotischen Lichtern illuminiert. Der Kurfürst Joachim, der einen brandenburger Granden, seinen Freund, als überwiesenen Raubritter gebührenderweise aufknüpfen ließ— waS der Anlaß war zu dem bekannten Junkerdrohvers: Jochimke, Jochimke hüte dt usw.—, geht aufgeputzt zum jugendlichen HeroS der Gerechtigkeit und unerbittlich strenger Pflichterfüllung durch das Drama und trägt dann stilgerecht am Ende die Prophezeiung künftiger Größe vor. Je weiter das Stück vorrückte, um so un- klarer in der Motivierung wurden die Situationen. Bei alledem blieb der gewohnte Premierenbeifall doch nicht aus. Herr C h r i st i a n s war als Kurfürst, kongenial dem Geist der Rolle, reichlich theatralisch. Herr S i e b e r t und Frau Ger- trud Arnold spielten die Bredowschen Eheleute mit derb zu- fassendem Naturalismus, der im Zuschnitt der Figuren keine Möglichkeiten feinerer Nuancierung fand. Ida Wüst mit ihrem sprühend munteren Temperamente wirkte als Backfisch Eva in- mitten der sonstigen Monotonie sehr ergötzlich. dt., Mttfik. Es ist gleichsam eine Rotationsmaschine, auf der von dem stehenden Satze— dem gegenwärtigen Operettentypus— immer wieder neue Abdrücke gemacht werden. Der Erfolg ist sicher, auch wenn das Publikum nicht merkt, daß ihm im Grunde doch nur das gleiche vorgesetzt wird wie neulich. Diesmal— am Freitag— hieß der Abdruck im Neuen Operettentheater:„Die schöne Riseke"; Operette in 3 Akten von usw., Musik von Leo Fall— natürlich I Zur Abwechselung gehtS nach Burgund. Ein Vorspiel führt unS ins 11. Jahrhundert zu dem König, dem seine schlichte Hirtin, die„schöne Riseke", von den Hofleuten weggetrieben wird. Ihr Andenken erhält sich durch die Jahrhunderte hindurch. Alle sieb- zehn Jahre findet eine Erinnerungsfeier statt. 17 ländliche Jung- der Instanzen wird aller in den weitaus meisten Fällen den Fest- stellungen des Arztes gegenüber denjenigen von Laien der Borzug gegeben. DieS erbittert die Vertrauensmänner und die Gemeinde- bchörden, so daß von einzelnen eine Auskunft überhaupt nicht mehr zu erlangen ist. Eine Erbitterung ruft zum Teil auch der Um- stand hervor, daß die Berichte der genannten Stellen in den müud- lichen Berhaudluiigen der Berufungen oder den Urteilen des Schiedsgerichts und des Reichsversicherungsamts nicht als vertrau lich behandelt werden, wodurch den Personen, welche der Berufs genossenschast Auskunft erteilt haben, in ihrer Gemeinde oft grosse Unannehmlichkeiten erwachsen. Für die genossenschaftliche Ver waltung ist es schwer, diese Schwierigkeiten zu überwinden." Der Bericht für„Gotha" führt uns dagegen die Hungerrenten der Verletzten in der Landwirtschaft vor, indem er ausführt: „Im Durchschnitt entfällt auf je eine Person 78 M. 1 Pf. gegen 78 M. 66 Pf. im Vorjahre." Großen Erfolg hatten verschiedene Berufsgenossenschaften mit der„Abfindung" Verletzter. So berichtet„Baden", daß im Berichts- jähre 215 Verletzte mit einem durchschnittlichen„Kapital" von 293 M. abgefunden worden sind. Mit der Rubrik:„Gesundheitsschädliche Einflüsse" wissen die meisten Berichte nichts anzufangen. Lakonisch bemerkt z. B. „Unterfranken": „Gesundheitsschädliche Einflüsse kommen, wie schon früher er- wähnt, für die Arbeiten der landwirtschaftlichen Bevölkerung kaum in Betracht. Auch Infektionen beim Streuen von Kunstdünger sind im Berichtsjahre nur vereinzelt vorgekommen." Missbrauch geistiger Getränke hat der Beamte für Reuß j. L. nur„in einem Falle beobachtet", während der Beamte für„Anhalt" durch„eine möglichst ausgedehnte Bekämpfung des Alkohols" die Zahl der Unfälle verringern will. Lakonisch schreibt der Beamte für Niederbayern: „Gesundheitsschädliche Einflüsse. Vor dem Kunstdüngerstreuen mit offenen oder wunden Händen wurde wiederholt gewarnt." Die Unfallverhütungsvorschriften für„Lothringen" enthalten auch folgenden Passus: „Außerdem wird vor dem Genuß und der Verabreichung von Branntwein während des Dreschens mit Maschinen und bei anderen gefährlichen Arbeiten auf das entschiedenste gewarnt. Die Folgen von Trunkenheit und Nichtbeachtung der Bestimmungen können eine Haftbarmachung des Unternehmers nach sich ziehen." Der Bericht„Gotha" erwähnt im Gegensatz zu den meisten bayerischen Berufsgenossenschaften: „Es ist erwiesen, daß eine nicht geringe Zahl von Unfällen infolge Trunkenheit veranlasst werden. Es wird somit einem doppelten Interesse gedient sein, wenn die Unternehmer an der Befolgung der Vorschrift im§ 3 streng festhalten und dieselben die Versicherten ständig auf die vielseitigen Gefahren des Alkohol- mißbrauchs aufmerksam machen." Der Bericht für das„Großherzogtum Hessen" rechnet den Bauern vor, daß sie ihre Beiträge eigentlich wieder zurückerhielten: „Zurzeit nehmen die Betriebsuiiternchmer mit ihren Ehe- frauen und sonstigen Familienangehörigen an den Unfallentschädi- gungen mit etwa 75 Proz. aller versicherten Personen überhaupt teil, so daß die weitaus grösste Summe der Aufwendungen in die eigene Tasche der beitragspflichtigen Versicherungsnehmer zurück- fliesst und so der Gesamtheit aller Landwirte in Hessen erhalten bleibt." Trotzdem man auch in 9 Bezirken deS Hessenlandes allgemeine Nachuntersuchungen der Rentenempfänger vorgenommen und zahl- reiche Renten entzogen hatte, versucht man den Bauern wciszu- machen, daß man dabei sehr„human" verfahren sei und schreibt Eine ganze Reihe von Renten sind hierbei zur Einstellung gelangt. Zur Vermeidung von Härten wurden in solchen Fällen, bei denen die Rente über einen längeren Zeitraum bereits be- standen hatte, kleinere Abfindungssummen gewährt. Weitgehende Rücksicht wurde auch auf Fingerverlnste oder die Beschädigung von Fingrrgliedern bei weiblichen Personen genommen, da bei diesen Störungen bei weiblichen Handarbeiten, wie Nähen, Stricken usw., bei Verletzungen genannter Art nicht ohne weiteres in Abrede ge- stellt werden können. Man wird sich nach der Rechtsprechung in den Kreisen der Versicherten allmählich damit vertraut machen müssen, daß nicht für jede geringfügige Unfallfolge, die sich unter Umständen nur als eine Unbequemlichkeit, nicht aber als eine meß- bare Schädigung im Erwerb darstellt, eine Rente in Frage kommen kann." „Lothringen" ist sehr erfreut, daß die Zahl der Berufungen zurückgegangen ist und lobt die Entscheidungen des Reichs- Versicherungsamtes. Der Bericht führt unter anderem aus: „Die eben geschilderten Umstände mögen wohl die Ursache dafür abgeben, daß die Anzahl der Berufungen seit mehreren Jahren erheblich zurückging, sei es, daß von leichtfertigen Be- rufungen aus der Voraussicht des fehlenden Erfolges abgesehen. sei rS, daß den Entscheiden der Berufsgenossenschaft mehr Ber- trauen entgegengebracht wird. Immerhin darf dieser Zustand als erfreuliches Zeichen gesunder Weiterentwickelung wohl angesehen werden." Auf die A e r z t e s ch a f t ist anscheinend die landwirtschaft- liche Berufsgenossenschaft„Hessen-Naussau" nicht gut zu spreche», denn wir finden auf Seite 14 des Berichts folgende Bemerkungen: „Die zum Teil übermässige und sehr kostspielige ambulante Behandlung durch die praktischen Aerzte ist einzuschränken. Ins- besondere empfiehlt tS sich, dem Heilverfahren nach Anhörung deS frauen kommen zu Hof und dürfen sich selbst ihren Mann wählen. Unter ihnen ist jetzt die Hirtin Jeanette(natürlich von derselben Darstellerin gespielt wie die Riseke); sie wählt den flotten König Pierre, der aber just die Thronrepräsentation seinem Freunde, dem Grafen Edgar übertragen hatte. Den hinwieder wählt Prin- zessin Margot, die ihrem Vater, dem operettentrottelhaften Herzog von Aquitanien durchgebrannt war. Die Paare müssen eine länd- lich-arbeitssame Probezeit durchmachen und füllen sie mit ent- sprechenden Duetten zwischen Blumen auf einem Heuschober und auf einem Schubkarren aus. Schließlich kommen die Verwcchse- lungen an den Tag, Jeanette muß fort, wird aber im letzten Akte selbstverständlich wiedergefunden. Und wenn sie nicht zu Tode komponiert sind, so leben sie heute noch. In einem mystischen Opernstil beginnend, mit hirnerweichen- der Rührung fortsetzend, die verschiedenen Gelegenheiten zu der und der und der Art von Musik benützend, weder mit Witz, noch mit Behagen— so füllt die Komposition chie Pausen zwischen den Possen aus. Im übrigen daS, was man in Berlin Adolf-Ernst-Genre nennt! Dazu Mondscheindekorationcn mit„Ah!" des Publikums. Besagtes Publikum jedenfalls burlesker als die Operette selbst. Sänge- rinnen: Operettenstimmen. Sänger: zwei gute Tenöre. Dialog- rede: unverständlich. Spiel: nicht übel und verstärkt durch zwei beliebte Komikkünstler von hiesigen Schauspielbühnen. Dazu: „endlose" Pausen. sz. Notizen. — Eine Ausstellung gegen die Schundliteratur wird wie in verschiedenen anderen Städten von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge vom 4. bis 8. Januar 1911 in Berlin und zwar im ReichslagSgebäude veranstaltet. Die von der Deutschen Dichter-Gedächtuis-Stiflung zusaininengestellte Ausstellung umfaßt Proben des Schlechten und Guten sowie graphische Darstellungen. � Hermann B a hrs Komödie„Die Kinder" erlebte am Freitag ihre Uraufführung gleichzeitig in 29 deutschen Städten. — Joseph Ettlinger, der Begründer und Leiter des Literarischen Echos" und seit neun Jahren Vorsitzender der„Neuen Freien Volksbühne", gibt feine Berliner Tätigkeit auf und wird Ende April die Leitung des Feuilletons in der„Frankfurter Zeitung" übernehmen. Die Mitglieder der„N. Fr. V." werden ihren ver- dienten, uneigennützigen Borfitzende» sicher mit Bedauern scheiden sehen. BezliksarzteS zu geeigneter Zeit einen fonnellen Abschluß zu geben und weitere Leistungen nach diesem Zeitpunkte von aus- drücklicher Genehmigung durch den Sektionsvorstand abhängig zu machen." Ferner:„und jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen den Aerztevcrtrag anzuzeigen, damit die Verwaltung in der Lage wäre, bei der Provinzial-Aerztekammer vorstellig zu werden und nötigenfalls ein ehrengerichtliches Verfahren gegen die säumigen Aerzte herbeizuführen." Ueber Aerztemangel auf dem platten Lande klagt „Mecklenburg-Schwerin" und fordert: „Mit Rücksicht auf den in manchen Gegenden noch bestehenden Mangel an Aerzten auf dem platten Lande ist über die Be- stimniung deS§ 222 ReichsversicherungSordnung hinaus die Hilfeleistung durch Landkrankenpflegestationcn auch für solche Fälle zuzulassen, in denen die Ueberführung in ein Krankenhaus nicht erforderlich ist." „Schlesien" hat sogar zu ihren eigenen Vertrauensärzten wenig Zutrauen, denn der Bericht bemerkt unter anderem: „Aber auch in zahlreichen anderen Fällen wäre voraussichtlich eine Rentenänderung nicht eingetreten, wenn die Begutachtung der betreffenden Rentenempfänger dem örtlichen Vertrauensärzte der Sektion überlassen geblieben wäre. Demgegenüber fallen die durch die Revisionen verursachten Kosten nicht wesentlich ins Gewicht, zumal da durch die außerordentlichen Rentenrevisionen die sonstigen ärztlichen Untersuchungskosten erspart werden." Die technischen Aufsichtsbeamten halten auch belehrende Vor- träge. Der Aufsichtsbeamte für„Schwaben und Neuburg" schreibt jedoch von einem Vortrag in Rain, derselbe„auf Ver- anlassung des dortigen'landwirtschaftlichen BezirlsvereinS an einem BiehmarktS-Nachmittage abgehalten und nahm nicht zulebt auch aus diesem Grunde einen sehe stürmische» Verlauf; erst nachdem sich infolge des energischen Einschreitens des zufällig an« wesenden Herrn Kgl. Bezirksaintmannes ein Teil der Zuhörer entfernt hatte, konnte der Vortrag zu Ende gebracht werden. Der Bericht„Obersranlen" meldet erfreut einen großen Fortschritt in der Schaffung einer Ueberlandzentrale wie folgt: „Im Berichtsjahre schloß sich eine Anzahl von Bürgern in und um Ebensfeld, K. Bezirksamt Staffelstein, zusammen und schuf die erste größere Ueberlandzentrale in Oberfranken mit dem Sitz in Ebensfeld. Bis jetzt sind an das Werk 13 Orte mit zirka 2999 Glühlampen und 150 Motoren angeschlossen, die fast aus« schließlich landwirtschaftlichen Zwecken dienen. Die Motore sind in der Regel 2 bis 3 Pferdekräfte stark und werden meistens zum Antrieb von Futtcrschneidmaschinen, dann aber auch zum Dreschen benutzt. Das Werk funktioniert zur größten Zufriedenheit der Beteiligten."» Hu9 Induftrie und FtandeL DaS aufreizende System. Seit dem Monat November 1999 sind die Getreidepreise bis jetzt zirka 29 M. gesunken. DaS verdrießt die Junker. Sie freuen sich nicht, daß damit wieder die Aussicht auf billigere? Brot besteht, sie versuchen vielmehr, den einheimischen Markt durch for- cie.cen Export von Getreide zu entblößen und dadurch die Preise zu halten oder wieder nach oben zu drücken. In den Monaten Januar bis April d. I. schwankte der Preis für eine Tonne Weizen— Berlin— zwischen 229 bis 227 M. und die Ausfuhr an Getreide hielt fich von Februar bis Juli in den Grenzen von 29 693 bis 132 389 Doppelzentnern. Im Juni sank der Preis bis auf 199,71 M.; nun schnellte die Ausfuhr hinauf, bei Getreide bis auf 689 239 Doppel- zentner im Monat September. Genau so zeigt sich die EntWickelung bei Roggen. Der Preis, der sich in den Monaten Januar bis April zwischen 167,94 bis 155.53 M. bewegte, sank auf 144,79 M. im Juni. Die Ausfuhr von Roggen, die in den ersten Monaten dieses JahreS zirka zwei Drittel Millionen Doppelzentner betrug, dann bis auf 314 361 Doppelzentner zurückging, nahm mit dem PreiSfakl wieder stark zu und erreichte im September und Oktober die Menge von über 1 Million Doppelzentner. So war man eifrig dabei, das Ausland mit billigem Getreide zu veisorgen, aus Kosten de» lieben Vaterlandes, denn für jede Tonne Getreide, die über die Grenze gebracht wird, büßt die ReichSkass« 59 relp. 55 M. ein. Wie sehr sich die Ausfuhr gegen das Borjahr zuungunsten Deutschlands verschoben hat. zeigt folgende Zusammen« stellung. In der Zeit vom 1. August bis 30. November wurden an»« geführt in Doppelzentnern: 1999 1919 Weizen... 1 677 937 2 329 859 Roggen... 1 981 624 S 561 919 Weizenniehl. 643 503 606 475 Roggenmehl. 460 704 734 863 Wie die Zahlen ergeben, ist die Ausfuhr sehr stark gestiegen. Daß die Ausfuhrpraxis nicht ohne Einfluß auf die Preisgestaltung bleibt, daß sie den Preisrückgang in Deutschland hemmt, beweist eine Vergleichnng in- und ausländischer Notierungen. ES kostete nämlich eine Tonne Roggen: November Rückgang 1909 1919 M. M. M. «erlin... 167.09 149,29 17,89 Wien.... 175.96 143.55 32.41 Budapest... 166.29 131.49 34.39 Odessa... 124.53 92,33 32.29 In Berlin ist die Preissenkung weit hinter der an den übrigen Plätzen zurückgeblieben. So behalten wir teures Brot. Für die Neichskasse äußert sich die LuSfuhrsteigerung in einer erheblichen Veränderung der Einnahmen auS Zöllen, ja, soweit Roggen in Betracht kommt, übersteigt die Ausfuhrprämie die Zoll- einnähme, denn die Einfuhr an verzolltem Roggen stellt sich für die vier Monate August bis November 1910 auf nur 1712 693 Doppel- zentner, bei einer Ausfuhr von 8 561 919 Doppelzentner Roggen und 734 863 Doppelzentner Roggenmehl. ES sind denn auch die mittels Einfuhrscheine beglichenen Zollbeträge im laufenden Jahre ganz«norm gestiegen. Die auf diese Weise der Reichskasse entgangenen Zollbeträge betrugen in den ersten 11 Monaten: 1908.... 73 96l 895 Mark 1999.... 80883403, 1919.... 111991917. Für unsere Witwen und Waii'en hat Vater Staat kein Geld, aber für Liebesgabenzwecke werden Millionen verpulvert. Daher sind die Junker auch die Edelsten der Nation und die bewucherten armen Proletarier gehören zum Mob, den man mit dem Polizei- gummiknilppel zur Räson bringt, wenn er ein paar Pfennige mehr Lohn erkämpfen will, um den Lebcnsmittelverteurern den Wucher- tribut leisten zu können. Wir leben doch in einer netten Weltordnung, das heißt, wenn man zufällig zu den Ausbeutern gehört, die am lautesten die alte verlogene Phrase vom Frieden und Wohlgefallen mit allen und für alle hinausplärren._ Geldmarkt und Börse. Der letzte Reichsbankausweis machte einen vcrhälwiSmäßig günstigen Eindruck, wenn auch die Besserung, die er brachte, nicht lo groß geweien ist, wie die deS gleichzeitigen VorjahrSauSweifeS. Der Privatdiskont zog am letzten Tage der diesmaligen Berickus- Periode vom 17. bis 23. Dezember von i'/g auf 43/4 Proz. infolge reichlichen Angebotes in Diskonten an. An der Berliner Börse hielten sich die Umsätze in ebenso engen Grenzen wie in der Vor- Woche. Insgesamt waren die Umsätze am Kassamarkt etwas größer als ln der Vorwoche. An einzelnen Märkten jedoch wurde eS noch stiller. So gingen die Umsätze von Moiitanwertcn und Brauerei- lverten zurück, und auch die Umsätze von Eleklrizitäts- und Texlil- aktien waren geringer. Etwas lebhafter war das Geschäft in Aktien von Metallwaren- und Maschinenfabriken. Der Durchschnittskurs sämtlicher an der Berliner Börse gehandelten Ultimopapiere ist im Verlauf der gegenwärtigen Berichtsperiode von 103,29 Proz. ge- stiegen. Diese Steigerung ergibt sich, trotzdem der Durchschnittskurs der Dividendenwerte von 153,63 auf 153,56 gefallen ist; die fest- verzinslichen Werte haben dagegen eine Avance von 93,34 auf 94,39 Proz. zu verzeichnen._ Stinnes auf dem Vormarsch. Stinnes. einer der Großen in der Montanindustrie, hat nun auch die �eche.Kaiser Friedrich" in Barop seinem Besitzstände einverleibt, obwohl eine Anzahl der Gemarken dem Berkauf heftigen Widerstand entgegensetzten. Ferner hat er die Zeche.Tremonia" durch Angliederung an.Deutsch- Luxemburg" unter seine Kontrolle gebracht. Die industrielle Konzentration marschiert mit Riesenschritten._ Die Internationale der Jndnstriefendale«. Wie der Generaldirektor des österreichischen Eisenkartells, der kürzlich von einer Amerikareise zurückgekehrt ist, mitteilt, hat der Präsident des amerikanischen Stahltrusts, Gary, das Zusammen- treffen von Eisenfachleuten der amerikanischen und europästchen Eisen- industrie veranlaßt, um eine„Entente cordiale internationale" anzubahnen. Die Teilnehmer einigten sich in diesen Besprechungen, daß bezüglich aller maßgabenden Länder der Eisenindustrie, also außer Amerika von europäischen Staaten England, Deutschland, Oesterreich. Frankreich, Belgien und Rußland, die Vertreter sich bereit er- klärten, in ihren Heimntsläudern jene Unternehmungen, die vermöge ihrer Leistungsfähigkeit für den internationalen Markt in Be- tracht kommen, über die sich vorbereitenden Bestrebungen zu unter- richten. Dann werde im Frühjahre 1911 vom Präsidenten Gary eine Einladung zu einer neuerlichen Zusammenkunft in Brüssel er- gehen, bei der sich die einzelnen Länder durch Delegierte vertreten lassen können. In Brüssel soll ein Komitee gewählt und mit der Aufgabe betraut werden, die in solcher Weise angebahnten freund- licheu Beziehungen auszugestalten. Diese Entente bezwecke im wesent- lichen eine Regelung der kommerziellen Taktik, also bis zu einem gewissen Grade Gewährleistung der Absatzgebiete, Vermeidung einer Konkurrenzierung und dergleichen. Voraussetzung für das Gelingen einer solchen internationalen Verständigung ist aber Wohl selbstver- ständlich die Erneuerung des deutschen Stahlwerksverbandes. CCtacben-Vpldptan der Berliner Cbeater. Königl. Opernbau«. Sonntag: Der Prophet. Montagnachmitwg«: Sänsel und(Bretel. Puvpenfee, Abends: Mignon, Dienstag: Carmen. Mittwoch: Trislau und Isolde. Ansang 7 Uhr. Donnerstag: Aida. Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg. Sonnabend: Der Waffen- ichmied. Ansang 7 Uhr. Sonntag: Die Hugenotten. Montag: Bajazzi. Cavalloria rusticana...... Neues königl. Lpern-Tbeater. Sonntag, 25. Dezember, nachmrttags: Torauato Tasso. AbendS: Othello. Ansang 7'/, Uhr. Montagnachmiltags: Havvho. Königl. Echauspielhaus. SonntagnachmittagS 3 Uhr: WallensteinS Lager. PiccolomiM. Abends: Der KrampuS. Montagnachmittag 3 Uhr: WallensteinS Tod. AbendS: Der Siörensried. DienStag: Wilhelm Tell. Mitlwoch: Der Störenfried. Donnerstag: Die Journalisten. Freitag: Der Etörensried. Sonnabend: Der Schlagbaum. Sonntag: Der Kausmann von Venedig. Montag: Der Störenfried. Ansang 7'/t Uhr. Teutsches Theater. Sonntag und Montag: Othello. Dienstag: §amlet. Mittwoch: Othello. Donnerstag: Ein SommcrnachiStraum. :eltag: Othello Sonnabend: Lumpazivagabundus.(Ansang 7 Uhr.) onntag: Lumpazivagabundus. Montag: Othello. Ansang 7'/, Uhr. Deutsches Theater(K a m m e r I p i e I e>. Sonntag und Montag: Die Komödie der Irrungen. Der Arzt wider Willen. Dienstag: Der ver- mundete Bogel. Mittwoch: Di- Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Donnerstag: Aglavaine und Selyfette. Freitag: Der verwundete Vogel. Sonnabend: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Sonntag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Montag: Der verwundete Vogel. Ansang 6 Uhr.__ Lessiug- Theater. Sonnlag: Anatol. MonIagnachmittagS: Die ver- srmkcnc Glocke. Abends: Anatol. DienStag: Wenn der junge Wein blüht. Mittwoch: I. G. Borkinan. Donnerstag, Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Anatol. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Moral. AbendS: Erster Klasse. Die oerflixien Frauenzimmer. Varictö. MontagnachmittagS 3 Uhr: Moral. Abends: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Variete. Dienstag bis Sonnabend: Erster Klasse. Die veriiixten Frauen- zimmer. Varictö. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Abends und Montag: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Varietö. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. SonntagnachmiitagS 3 Uhr: Alt-Heidelberg. Abends: Die Hosen des Herrn von Bredow. Montagnachmiltags 3 Uhr: Frau Holle. Abends: Die Hosen deS Herrn von Bredow. Dienstag: Der Zerrissene. Mittwoch: Der Zerrissene." Donnerstag: Die Hosen des Herrn von Bredow. Freitag: Faust, l. Teil. Sonnabeudnachmittags 3 Uhr: Frau tolle. Abends: Der Zerrissene. Sonntag: Die Hosen des Herrn von rcdow. Montag: Der Zerrissene. Anfang 8 Uhr. Berliner Theater. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Taifun. Wends: Der Talisman. MontagnachmittagS 3 Ubr: Einer von unsere Leut'. Abends: Der scharse Junker. Dienstag: Taifun. Mittwoch: Der Talisman. Donnerstag und Freiiag: Taisun. Sonnabend: Bunnnclstudcnten. Sonn- tagnnchmitlags 3 Uhr: Taisun. AbendS und Montag: Bummelstudeuten. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Täglich: Der G. m. v. H.-Tenor. Anfang S Uhr. Modernes(Hebbel-) Theater. Sonnlagnachmiilag 3 Uhr: Shcrlock Holmes. Abends: Der Doppelmensch. MonIagnachmittagS 3 Uhr:(Sold- marie und Pechmarie. Allabendlich: Der Doppelmensch. Anfang 3 Uhr. Komische Oper. SonntagnachmittagS 3 Ubr: Zigeimeriicbe. AbendS: Die Boheme. Montagnachmittags 3 Uhr: Tiefland. Abends: Das ver- acssenc Ich. DienStagnachuüttagS 3 Uhr: HosfmannS Erzählungen. Abends: ToSca. Mittwoch: Die Boheme. Donnerstag: DaS vcrgesiene Ich. Frei- tag: Die Boheme. Sonnabend: Da« vergessene Ich. SonnlagnachmittagS S Uhr: Tosca. Abend»: Die Boheme. Montag: DaS vergessene Ich. Ansang 8 Uhr. Ansslellungstheater am Zoo. Täglich abends 8 Uhr: Der Fremde. Thaiia-Thrater. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Ihr SechS-Uhr-Onkel. Abends: Polnische Wütschast. Montagnachmittags 3 Uhr: Eine lustige Doppelche. Abends: Polnische Wirtschast. Dienstagnachmittags 3 Uhr: CharieyS Tante. AbendS: Polnische Wirtschaft. Mittwochnachmlltag« 3Uhr: Hansel u. Grete!. AbendS und Donnerstag: Polnische Wirtschaft. Freilag- nachmittags 3 Uhr: Hansel und Krctel. AociidS, Sonnabend und Sonntag: Polnische Wirtschast. Ansang 8 Uhr. Schiller-Thcater 4». Sonniagnachmittag» 3 Uhr: Die Ehr«. AbendS: Der Dummkopf. Montagnachmittags 3 Uhr: Die Ehr«. AbendS: Prinz Friedrich von Homburg. Dienstagnachmittags 3 Uhr: Die Kreuzelichreiber. Abends: Die Fee Caprice. Mittwoch: Der Dummkops. Donnersiag: Husarcnsiebcr. Freilag: Prinz Friedrich von Homburg. Sonnabend: .yusarensicber. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Ehre. AbettdS: Husaren- steber. Montag: Sodoms Ende. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater Eharlottendurg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zapscnstreich. Abends: Das Kätchen von Heilbronn. Moniagnachm. 3 Uhr: Sodoms Ende. Abends: DaS Urbild des Tartüff. DIcnstagnachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. AbendS: Hnsarenficber. Mitlwoch: Husarenfieber. Donnersiag: Die Fee Caprice. Freitag: DaS Urbild des Tartüss. Sonn- abend: Der Himmel aus Erden. SonntagnachmittagS 3 Ubr: Egmont. AbendS: Der Himmel aus Erden. Montag: DaS Urbild deS Tartüff. Anfang 8 Uhr. Friedrich-WilhelmstädtifcheS Schauspielhaus. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Jungstau von Orleans. AbendS: Chrono von Bergerac. Montagnachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends: tzosgunst. Dienstag bis Sonnabend: Chrono von Bergerac. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Räuber. Abends und Montag: Cyrano von Bergerac. Ansang 8 Uhr. Neueö Operetten> Theater. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Glocken von Cornevtlle. AbendS: Die schöne Risette. Montagnachmittags 3 Uhr: Die Glocken von Corneville. AbendS: Die schöne Risette. DicnS- tag bis Sonnabend: Die schöne Risette. Sonniagnachmittag« 3 Ubr: Die Glocken von Corneville. AbendS und Monlag: Die schöne Riselte. An« sang 8 Uhr. Theater deS Westens. Sonntagnachmittag« 3 Uhr: Die geschiedene Frau. Abends: DaS Puppenmädel. Montagnachmittag« 3 Uhr: Ein Walzertranm. AbendS: Das Puppenmädcl. DienStagnachmiitag« 3 Uhr: Die geschiedene Frau. Abends: DaS Puppenmädel. MittwochnachmtttagS 3 Uhr: Rotkäppchen. AbendS, Donnerstag und Freitag: Das Puppen- mädel. Sonnabendnachmittags 3 Uhr: Rotkappchen. AbendS: DaS Puppen« mädei. Sonntagnachinlttag 3 Uhr: Die geschiedene Frau. Abends und Montag: DaS Puppenmädel. Ansang 8 Uhr. Trianon-Thcater. SonntagnachmittagS 3 Ubr: Der selige Toupinel. AbendS: Der heilige Hain. MonIagnachmittagS 3 Uhr: Fräulein Josette— meine Frau. Von DienStag bis Sonnabend: Der heilige Hain. Ätentag» nachmittag« 3 Uhr: Der selige Toupinel. AbendS und Montag: Der heilige Hain. Ansang 8 Uhr. Residenz, Theater. Sonniagnachmittag« 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Abend«: Der Unterpräiekl. Montagnachmittags 3 Uhr: Sdoblcsse oblige. Abends, Dienstag und Mittwoch: Der Unterpräsekt. Donnerstag, Freilag, Sonnabend. Sonntag und Montag: Famllie Bolero. Ans. 8 Uhr. Berliner BolkS- Oper. SonntagnachmittagS 3'/, Uhr: Zar und Zimmermann. AbendS: Robert der Teufel. MonIagnachmittagS 31/, Ahr: Der Troubadour. Abends: Die Dollarprinzessin. DienStagnachmirtogS 3'/, Uhr: Martha. Abends: Die Dollarprinzessin. Mittwoch: Zar und Zimmermann, Donnerstag: Rigoletto. Freiing: Die Dollarpruiziflsin. «Sonnabend: Die Dollarpnnzessin. sonntaguachmittags 3'/, Uhr: Rigolrtlto. Abends: Die Dollarprinzeisin. Montag: Unbestimmt.(Anfang 8 Ubr.) Luisen- Theater. SonntagnachmittagS 3 Ubr: Hamiei. Abcn!�: Mudickes Reise nach Indien. Montagnachmitibg 3 Uhr: Preziosa. Abend»«: Mudickcs Reife nach Indien. Dienstagnachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tev. Abend«: Berlin geht zu Bett. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: MudickcS Reife nach Indien. Freitag: Berlin geht zu Bett. Sonnabend: Mudickes Reife nach Indien. Sonniagnachmittag 3 Ubr: Wilhelm Tell. Abend» und Montag: MudickeS Reste nach Indien. Ansang 8 Uhr. Lnstspielhaus. SonnlagnachmittagS 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends: Der Feldhcrrnhügcl. Montagnachmittag 3 Uhr: DaS Leutnants» mündcl Abends: Der Feidherrnhügel. Dienstag bis Sonnabend: Der trldhcrrmhügel. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Der Herr Senator. Abend«: er Feidherrnhügel. Ansang 8 Uhr. Meirvpol, Theater. Allabendlich: Hurra l— Wir leben nochl Ansang 8 Ubr. Hmnfeld-Theater. Täglich: Eine verlorene Nacht. Der Derdysieger. Ansang 8 Uhr. Easiiio- Theater. Sonntagnachmittag Sst, Uhr: Haß und Liebe. Abends: Julie Wippchen. Moiitagnachmtttag 3'/, Uhr: Haß und Liebe. Allabendlich' 8 Uhr: Julie Wippchcn. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Haß und Liebe. Abends: Julie Wippchen. Rose-Theatrr. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Räuber. AbendS: Der Müller und sein Kind. Montag: Der Kaiserjäg er. DienStag und Mitt- woch: Der Müller und sein Kind. Donnerstag: Der Kaiserjäger. Freitag: Der Müller und sein Kind. Sonnabend, Sonntag und Monlag: Sem Sundenreglstcr. Ansang 8 Uhr. Folieö Gaprice. Allabendlich blS aus weiteres: Der Fcldwebelhügel. Ansang 80, Uhr. Avollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialttäten. Ansang S Uhr. Eonn- tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten.- Pasiagc- Tveater. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sieichshallen> Theater. Täglich: Stetttner Sänger. Anfang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich: Bravo l Da capo! Spezialiläten. Ansang 8fl, Uhr. Daiissouct. Allabendlich: Ach, die Kerls. Spezialiläten. Anfang 3'/, Uhr. Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. UraniaTheater. Taubenstr. 48/49. Montagnachmittag 4 Uhr: Der VIerwaldstätter See und der Gotthard. Dienstag: Der Vterwaldnatter See und der Gotthard. Täglich: Von San Remo nach Florenz. Anfang S.Uhr. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57—82. Witterunasaderftch» vom S4. Dezember 1910. morgen« 8 Nvr. Wetterprognose für Sonntag, den 85. Dezember 1910. 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Besser läßt sich über Jesus streiten,— grundlegend Neues kommt freilich auch hier nicht heraus. Es ist immer noch der nun mehr als siebzigjährige Gegensatz zwischen D. F. Strauß und B. Bauer. Jener machte den alten Rationalismus thcologiesähig. Jesus ist ihm kein Gott, sondern ein wahrer Mensch— ein wandernder Dorf- oder Zauber» doktor, der aber von seinen Freunden und Anhängern zum Gotte emporphantasiert wurde. Seine Lebensgeschichten und angeblichen Lehrmeinungen in den Evangelien erklärte Strauß als nicht von Zeitgenossen des angeblichen Messias oder überhaupt sicheren Ver- fassern geschrieben, sondern als literarische Sammelarbeit der be- wutztlos schaffenden christlichen Gesamtgemeinde. Er wurde zu seiner Zeit als Verbrecher am Heiligsten verfemt— heute erscheint seine Auffassung als die einzige mit den Resultaten der modernen Bibel- tritii und dem Christentum zu vereinbarende und fast jeder liberale Theologe hat sich heute sein besonderes Wunderloses Leben des "Jesus geschaffen und mit seiner besonderen Moral in Verbindung gebracht. Im Gegensatz« zu Strauß kam bald nach ihm Bauer zu der Ueberzeugung, daß es sich bei der Jesnsfigur weniger um Ver- göttlichung eines Menschen als vielmehr um Vermenschlichung eines Ideals handle, um die Personifikation von Ideen; daß ein Jesus in der von den Evangelien beschriebenen Gestalt nie gelebt und daß in ihnen nieht unbewußt fabulierende, sondern ganz absichtlich und zweckmäßig konstruierte Erzeugnisse zu bestimmten kirchlichen, sei es materiellen, sei es dogmatischen, Zwecken vorliegen. Bauer ist also mehr Philosoph wie Theologe, und auch seine heutigen Partei- gänger, besonders die Rufer im Streit, sind pantheistische Philo- sophen, die sich von dem Anthropomorphismus, der auch noch in der Leben-Jesu-Theologie steckt, losmachen wollen. Dieser Streit an sich interessiert uns wenig; er geht von Ul- tras aus und wird mit Ultras geführt. Eine ganze Anzahl Theo- logen wissen beide Standpunkte gut miteinander zu verbinden, und das sind die klügsten. Die Gcschichrsforschung unserer Tage hat ge- zeigt, daß die Vergottung kürzlich Verstorbener, ja selbst noch Le- bender um die Wende unserer Zeitrechnung im Bannkreise äghpti- scher wie griechischer Denkweise etwas recht Gewöhnliches war/) So hat denn die Vergöttlichung irgendeines eingebildeten hinge- richteten oder noch lebenden Sektenyründexs, Parteihauptes oder sonstigen„Wohltäters" auch in Palästina für uns so gar nichts Wunderbares mehr. Andererseits haben sich B. Bauers mytho- logische Ahnungen zu gesicherten wissenschaftlichen Ergebnissen aus- gewachsen. Es ist heute ganz unbezweifelbar, daß die Jesuserzäh- lung der Evangelien aus Teilen zusammengesetzt ist, die den My- then anderer zu damaliger oder früherer Zeit geglaubten Heils- götztern entnommen sind. Den neueren Streit hat Artur Drews entfacht, der schon 1AK in einem Werke„Die Religion als Selbstbewußt- sein Gottes" den Pantheismus propagierte, dann aber, als dasselbe wenig beachtet wurde, 1909 mit seiner..Christusmythe" herausrückte. Zahlreich sind die Streitschriften, die seitdem von beiden Seiten teils zur Abwehr, teils zum Angriff in die Welt gesetzt wurden. Freilich, die protestantenvereinlich-rationalistische Richtung. die da? Zentrum ihrer Welt- und Moralanschauung, den mensch- liehen Propheten Jesus verteidigt, hat schriftstellerische Erfolge nicht aufzuweisen gehabt; ihre subjektivste Meinung als Wissenschaft aus- gebenden Phatasien— ihre platte Auslegung der„Schrift", die nur als wahr annimmt, was ihr patzt und wegläßt, was unbequem ist, — die das offizielle„Wunder" verwirft und nicht beachtet, daß jede angebliche Tatsache ihrer Jesuserzählung ein ebenso großes Wim- der ist, kann ja heute keinen Selbstdenkenden mehr anziehen. Die mythologischen Angreifer hingegen haben durch eine Reihe von Schriften die allgemeine Erkenntnis ganz gewiß gefördert. Uns Sozialisten läßt dieser Kampf aber trotzdem recht kalt; wir können in ihm nicht Partei ergreisen, weil wir ganz andere Maßstäbe an die Tatsachen anlegen müssen,— wir suchen aus dem Streite nur möglichst viel für unsere Anschauung zu gewinnen. Bei Betrachtung der Einzelheiten der Streitpunkte möchten wir es wohl mit den hier strikt wissenschaftlich vorgehenden pantheistischen Philosophen halten,— ziehen wir jedoch die ganze Weltanschauung in Betracht, so gefällt uns immer noch die der liberalen Theologen besser. Die rationalstische Richtung hat wenigstens das eine für sia,, daß ihre Religion des menschlichen Jesus sich mindestens im Prinzip zu einer allgemeinen Menschenliebe bekennen muß. Wenn sich dieses in der heutigen Zeit des ausgeprägtesten Egoismus auch nicht zur Geltung bringen läßt, selbst zur Heuchelei verführt oder im„christlichen Sozialismus" falsche Bahnen wandelt so hat man doch noch etwas Positives für den Begriff„praktische Religion" vor sich. Bei der mythologischen Richtung verläuft alles in die bloße Phrase. Sie gibt den historischen Jesus und auch das Christentum auf.— aber auf die„Religion" will sie nicht verzichten; sie will sie vielmehr„mit dem modernen Leben verschmelzen und strebt zum AntirationaliSmus, zur Umge- staltung des Lebens durch ein inneres Verhält- niS des Menschen zum Unmittelbaren." Solche Anschauimg ist die einer sattgewordenen Bourgeoisie, welcher der Atheismus unheimlich wird. Einst brauchte sie ihn, um die mit göttlicher Autorität umkleidete feudale Staats- und Gesellschaftsordnung zu stürzen,— nunmehr, da er die Arbeiter ergreift, weder die Autorität des Kapitalisten noch das bürgerliche Eigentum für sakrosankt hält, will sie ihn wieder abschütteln und klammert sich dabei an die Metaphysik. Dieses„innere Ver- hältniS des Menschen zum Unmittelbaren", dieses mystische Versenken in die„A l l g o t t h e i t" ist denn auch kein äußeres, lehrbares, also wissenschaftliches, aber auch kein soziales Verhältnis,— es ist rein individuell und egoistisch—, die in das paulinische Erbschuldbewußtsein sich kleidende bürgerliche Klassenschuld. Und wie die Mythologisten die Metaphysik nicht aufgeben wollen, ja sie den Liberalen gegenüber geradezu als ihr Palladium proklamieren, so wollen sie keineswegs Aufklärer sein oder auch nur scheinen; deshalb empfehlen sie ihren Standpunkt als„eine feste Grundlage" auch„jenen Orthodoxen und Katho- liken, die gern mit der Wissenschaft in Einklang stehen möchten, ohne sich an Haeckel zu verlieren". Haeckels naturalistischer Monismus oder Pantheismus, der sich vom Atheismus nur durch den Namen unterscheidet, wie Schopenhauer sagt: Nur ein höflicher Atheismus ist(dem auch Haeckel zustimmt). ist den Herren zu verständig und zu verständlich(besonders für die Volksmaffe). Sie setzen an seine Stelle den idealistischen Monis- «ms, dem leider sowohl das Ideal wie die Monas mangeln. Dr�ws bietet in seiner„Christusmythe" zuerst das Wesent- ltchste über den„vorchristlichen Jesus". Vom parsischcn Heiland •) Hierzu vergleiche man das hübsche Büchelchen Ad. Bauers: Vom Griechentum zum Christentum. Leipzig, Quelle u. Meyer, SM M. Mitra ausgehend kommt er zum hellenistischen Mittler des Philo und den Heilsgöttern des jüdisch-gnostischen Sektengfcnbens, bei denen Jesus sowohl zu diesem Namen als auch den des Nazaräers gekommen ist. Der leidende und sterbende Gott findet sich dann vielfach im heidnischen Naturgöttermythus der Adonis, Tamup usw. sowie in dem platonisch-stoischen Ideal des Gerechten und Weisen; Geburts- und Taufgeschichten besonders in den altindischen Mythen von Agni-Mitra, desgleichen Selbstopfer und Wendmahl. Die Sym- bolik von Lamm und Kreuz ist gleichfalls weitverbreitet und beson- der? in den Mysterien, aus denen sich ja das Christentum heraus- entwickelte, stark in Hebung.— Im anderen Teile:„Der christliche Jesus" bespricht der Versasser erst den Paulinischen Jesus, das wahrhaft göttliche stellvertretende Sühnopfer für die mit der Erb- süiide belastete Menschheit, der so sehr in Widerspruch steht mit dem evangelischen heilenden, moralisierenden und wundertuenden Wanderprediger. Sodann werden die Berichte über letzteren ge- wertet, die angeblichen Erwähnungen des Jesus in der Profanlitera- tur geprüft, die Einwände gegen die Lcugnung der Geschichtlichkeit widerlegt und der Inhalt der synoptischen Evangelien ganz im Sinne B. Bauers erklärt. Eine Betrachtung über den Einfluß des Gnostizismus insbesondere aus den Jesus des Johannesevange- liums schließt die Tatsachenreihen. In einem Anhang„Die Petrus- legende" wird dieser Hauptapostel mit dem„felsengeborenen" Mitra verglichen und als ein mythologisches Seitenstück zu Jesus selber erwiesen.(In einer besonderen Broschüre unter dem gleichen Titel hat Drews später den Gedanken weiter ausgeführt.) Das Schluß- kapitel, das Harnuck mit Haeckel versöhnen will„um die völlige Versandung des religiösen Bewußtseins noch rechtzeitig abzuwende n".«üssen wir, weil es dierekt von der Furcht vor der Arbeiterschaft Eingegeben erscheint, ablehnen. Wenn Drews Idee von der„Gottmensch�-it" ernstgemeint ist, dann muß er erst einmal mit der politische:. Demokratie Ernst machen und darf sie nicht„dem Verluste des geistigen Schwer- gewichts der Kulturmenschheit" gleichsetzen. Eine Spaltung der Menschheit in Gottmenschen nach Nietzsches Art und Proletarier entspricht dem Begriffe schlecht. Bald nach Drews veröffentlichte S. L u b l i n s k i„Die Ent- stehung des Christentums aus der autikcn Kultur". Das römische Weltreich stürzte wie alle alten Zustände, so auch alle alte Ethik um; Philosophie wie Mythologie kamen gleichfalls in Bewegung und Gärung. Nicht mehr die alten Geschlechts-, nicht mehr die neuen Staatsgötter erschienen als Helfer in der Not, sondern neue Heils- und Erlösungsgötter, die man mit besonderen Riten in ge- schlossenen Gesellschaften, den Mysterienvereinen, verehrte. Ganz nach dem Beispiele griechischer und jüdisch-gnostlscher Sekten ent- wickelte sich auch das Christentum als ein besonderes Mysterium und mit den jüdischen Sekten in Frieden. Erst nach der Zerstö- rung Jerusalems trat hier Feindschaft ein, begann der Kampf mit der Gnosis, der wach und nach zur Fixierung des christlichen Sy- stems führte,— der Gcheimkult wurde Weltreligion.(Im wesent- liehen freilich sagt schon Julius Lippert 1882 in seinem„Christen- tum" dasselbe.) In einem weiteren Buche„Das werdende Dogma vom Leben Jesu" behandelt derselbe Verfasser das Christusproblem nach seiner religiösen wie geschichtlichen Unmöglichkeit, führt die wesentlichsten der falschen Beweise und Argumente, der Widersprüche im Dogma und der Ueberlieferung an und mutz sich bei der Frage ob Mythos oder Biographie für elfteren entscheiden. Aus dem zweiten Teile dieses Werkes:„Christus und die Apostel", ist dann als besonders interessant der Nachweis herauszuheben, daß Petrus und Paulus nicht nur, wie schon B. Bauer gesehen hat, Pendants sind, die beide fast genau dieselben Erlebnisse haben und dieselben Taten tun, son- dern daß sie auch direkte Abklatsche ihre? Herrn und Meisters sind. Nicht ganz so recht in diese Gruppe will uns Friedrich S t e u d e l passen, der sich zwar an dem Berliner Religionsgespräch beteiligte und bald darauf, am 4. April 191», in Berlin einen eige- nen Vortrag hielt, den er unter dem Titel:„Im Kampf um die Christusmythe" veröffentlichte. Steudel. der Nachfolger Kalthoffs in Bremen, steht selbstverständlich bezüglich aller wissenschaftlichen Tatsachen auf der Seite Drews und seiner engeren Freunde, aber er besitzt bessere Kenntnisse vom Wesen und Ursprung der Religion und tieferes Verständnis für die soziale Frage. Ihm ist der Kampf um die Christusmythe nur ein Kampf für die Wahrheit gegen die Irrtümer der Vergangcnhett. Es ist ihm dieser ein frommes Werk, über dessen Wert erst spätere Geschlechter entscheiden werden. Dem Christentum entnimmt er zwei Ideale: ein soziales— den künftigen Zustand einer erlösten Menschheit, und ein persönliches im Bilde des Christus, der dem in der eigenen Seele lebendig gewordenen Ideal Treue hält. Tagegen ist nicht viel einzuwenden, wenn auch die Arbeiterschaft auf anderm Wege zu den gleichen Idealen gelangt. Vielleicht bildet auch Steudel sich bloß ein, auf religiösem Wege dazu gekommenzu sein.— In einem Anhang setzt sich der Autor noch mit den Thcolczen Chwolson, Wilhelm Schmiedel und Adolf Harnack wegen der„Betveise" für das Leben Jesu auscin- ander, bei welcher Gelegenheit letzterer ganz außerordentlich schlecht abschneidet. Frei von aller philosophischer Voreingenommenheit ist des Eng- länders John M. Robertsons Auch„Die Evangelienmythcn" (wie Drews, Steudels und Lublinskis Bücher bei E u g e n D i e d c- richsinJena erschienen). In dreißig Kapiteln sammelt er über ebensoviel und noch mehr„Mythen der Begebenheit", die im Jesu- leben vorkommen, das ähnliche Material ans aller Welt, seien es Sagen, Historien oder selbst Kunstwerke,— suckt uns auch den Weg, wie die entsprechenden Gedankengänge ins Christentum gelangten, verständlich zu machen. In zwölf weiteren Kapiteln geschieht das gleiche mit den„Mythen der Lehre". Da der Verfasser uns auch einen reichhaltigen Quellennachweis liefert und bei ihm von den sämtlichen Behauptungen der Evangelien rein nichts unangefochten bleibt, kann man wohl verstehen, daß die Bibelgeistlichkeit auf dieses Buch sehr schlecht zu sprechen ist und es„total unwissenschaftlich" nennt. Freilich— mit dem. waS fix als Wissenschaft bezeichnen. hält eS keinen Vergleich aus. Uns Erscheint es als das weitaus Wertvollste, was in neuester Zeit auf diesem Gebiete erschienen ist, insbesondere weil es eine Menge tatsächlich neues, jedenfalls in deutscher populärer Literatur noch niemals publiziertes Material enthält. Wir erwähnen nur die Kapitel: Die mythischen Marien, Die Auferziehung in Nazareth. Die Versuchung. Die zwölf Apostel. Petrus, Das Abendmahl, Das mythische Kreuz, Die Bergpredigt, Das� Vaterunser.— Wenn der Arbeiterbibliothekar die erst- erwähnten Werke entweder gar nicht anschaffen oder doch nur schon Vorgeschritteneren aushändigen wird, kann er Robertsons Buch ac- trost in alle Hände legen. Leben Jesu und Entstehung des Christentums behandeln auch zwei im„H i l f e v e r l a g" erschienene Bücher Max Mauren- b r e ch e r s:„Von Nazareth nach Golgatha" und„Bon Jerusalem nach Rom". Er will, wie er sagt, durch sie vermitteln zwischen den liberalen Theologen und den radikalen Religionshistorikern. Im ersten Bande tritt er der theologischen Ansicht entgegen, daß der aktuelle Anstoß zur Entstehung des Christentums nur in der unaus- denkbar tiefen und edlen Persönlichkeit des geschichtlichen Jesus ge- geben sei. der weltgeschichtliche Ursprung des Christentums als Religion aber liegt um Jahrhunderte früher zurück:„er liegt in jener allgemeinen Wendung(?). die die orientalischen Religionew im Laufe der Jahrhunderte ausnahmslos(?) alle genommen hatten, in der sie aus Natur(?)religionen zu ErlösungS(?)reIi- gionen geworden waren." Das ist zwar unklar ausgedrückt, aber man weiß doch, waS der Autor»neint. SSenn aber der Verlag ig feigen Anpreisungen des Werks von dem„glänzenden Stile" spricht, worin„alle einig" seien, so ist das eine blöde Uebertreibung M. schreibt stellenweise ein ge- radezu entsetzliches Deutsch. Man vergleiche die Stilblüte:„noch nicht einmal überhaupt nur ein Auge gehabt" sowie den hier folgende» Satz:„Die Geburtsstunde des Christentums hat aber darin be- standen(?), daß nach dem Tode des geschichtlichen Jesus auf ihn ein Mythus angewandt wurde, au den er selbst schon mit der ganzen Kraft seiner leidenschaftlichen Seele gehangen, den er aber auf sich selbst zu beziehen noch nicht den leisesten Trieb gehabt hatte." Und an anderer Stelle:„Als die Geburtssiunde des neuen Glaubens haben wir jenen Moment feststellen müssen, iü dem der galiläische Fischer Simon mit dem Beinamen Petrus in einer Vision(?) beim Fischfang am See den Glauben gewann, daß sein eben gekeuzigter Meister und Freund selbst der Menschensohn sei, von dessen»ioiumen er ihnen geredet hatte" usw. usw. Das alles wird mit einer apodiktischen Gewißheit„festgestellt", daß nicht nur die Liberalen, sondern selbst die Orthodoxen ihre wahre Freude daran haben müssen. Und zwar trotzdem die Reli» gionshistoriker nachgewiesen haben, daß der„Simon" und der „Petrus" und der„Fischer" genau so der Mythologie angehören, wie das„Kreuz" und der ganze Meister. Aber— es ist ja„den liberalen Theologen gelungen, die Existenz(?) des geschichtlichen Jesus und die Zuverlässigkeit einzelner Stücke der Evangelien UN» zweifelhaft(?) zu erweisen; und alles, was von religionsgeschicht- licher Seite dagegen vorgebracht worden ist, kann auf den unbefau- genen Leser nur den Eindruck hilflos gestammelter Verlegenheits- ausflüchte machen." An diesem harten Worte ersieht man wenigstens, daß die an» gebliche Vermittelung zwischen Theologen und Religionshistorikern doch nur eine Falle war,— denn daß an der Geschichte des„wahr- hast gelebt habenden" Gottmenschen sich einige heidnische Mythe gehängt habe, darf selbst der Orthodoxe zugeben. Und nun geht das Erzählen und„Erklären" auf Grund der biblischen Schriften nach liberalen wie orthodoxen Erklärungsprinzipien bei Maurenbrecher wie geölt vor sich. Wir können uns natürlich nicht auf die Einzel- heilen einlassen, müssen uns aber doch noch ein anderes schönes von M. verkündetes Prinzip ansehen. Er will nämlich„das Christentum mit keinen anderen Maßstäben messen wie jede andere Erscheinung der Religions- oder Menschheitsgeschichte überhaupt". Auch er will„hervorzuheben versuchen, was das entstehende Christentum mit der es umgebenden Welt verbindet". Diese Ab- ficht des Autors ist sehr gut, leider sind seine Maßstäbe nicht als richtig anzuerkennen.„Alle Religionen sind falsch, denn jede operiert mit Objekten, die nicht da sind." Schönl„Aber auch alle Religionen sind wahr, denn jede ist ein Stückdes Ringens der Menschheit u m Sinn und Wert des Lebens, um Selbstachtung und Menschenwürde. Jede Reli» gion ist ein Schritt in dem Empor st reben des Edeln im Menschen!" Das ist schon weniger schön! Wenn es nicht „hilflos gestammelte Verlegenheitsausflüchte" sind, so sind es viel- leicht der Selbstbetäubung dienende faustdicke Trugschlüsse. Es ist die alte phantastische Geschichtsauffassung, die sich weder an eine klare, logische Aufrollung des Problems macht, noch sich an die von der emsig sammelnden Wissenschaft unzweifelhaft festgestellten Tat- fachen hält. Bei„Erklärung" von Religion und Mythus folgt Mauren» brecher durchaus den theologischen Definitionen und gayz und gar nicht denen der von ihm gefoppten Religionshistoriker. Diese haben festgestellt, daß die Religionen zwar ein Stück des Ringens der Menschheit sind— aber leineswrgs um die Dinge, die M. mit so schönen Worten vorführt, sondern vor allem, und bei der Mehrzahl der Religionen noch bis in die heutig« Zeit hinein, des Ringens um das tägliche Brot mit den Geistern. Auf niederer Stufe ist es die selbständige Beschwichtigung böser Geister(Aberglaube, schwarze Magie), auf höherer und mich den heute noch höchsten: Besiegung der bösen durch stärker« gute Geister(weiß« Magie). Alles andere hat sich als spätere, nur vorerst Wenigen erfaßbare Philosophie um diesen Grundgedanken hrrumgruppiert. Wer daS nicht weiß oder nicht wissen will, muß natürlich„die Arbeit de? Christentums für die geschichtliche Erziehung deS Menschengeschlechts" überschätzen. Nur er kann behaupten, daß„die Masse der Menschen unter seinem Einfluß edler, opferbereiter, hilfreicher. milder, selbstbeherrschter und gewissenhafter geworden ist, als sie wahrscheinlich(II) ohne das sein würde". Aber man ist noch lange kein Lessing, wenn man sich seiner Worte bedient. Von der Stoa, dem Buddhismus, dem chinesischen Ahnenkult kann man das� Obige mit gleicher Sicherheit behaupten. WaS beweist cS also für das Christentum? Im zweiten Bande sucht der Autor die Frage zu lösen, weshalb gerade das Christentum über die anderen Arten der orientalischen Erlösui.gSreligwn siegte. Die Religionshistoriker sagen: In erster Linie war eS sein Rückfall in unheimliche, urmcnschliche Gedanken- gänge(Kindesopfer) und seine Billigkeit(Abschaffung von Priestern und teuren Opfern), in zweiter Linie seine Organisation und der sich bildende Synkretismus(Mischmasch der verschiedensten Glau- bensvorstellungen). Daran rennt M. natürlich vorbei, um sich wieder in lange Erörterungen auf Grund der„Heiligen Schrift" zu verlieren, ohne uns eine klare Antwort zu geben. Es verdient noch bemerkt zu werden, daß M. ganz im Geiste der neuen Dogmatiker seiner gesamten Darstellung das dritte Evangelium und die Apostel- gcschichte zugrunde legt,„Quellen", die die Kritik ganz überwiegend als ganz sekundär,— spät« Harmonistische Zurechtmachungen er» klärt. Sehr fein sagt Robertson(Geschichte des Christentums):„Wie das Buch der Richter eine Etappe aus dem Leben der Juden enthüllt, die ganz unvereinbar ist mit der in den Mosebüchern beschriebenen, die doch vorhergegangen sein soll, so zeigen uns die Briefe des Paulus eine Etappe der christlichen Propaganda, die sich mit einer Entwickelung, wie sie in den Evan- gelten dargestellt wird, nicht verträgt." Hier gilt es, sich zu entscheiden. Wie die meisten echten Leben» Jesu-Tbcologen, tut dies M. aber nicht; er bietet eine erbauliche Evangelien- und Epistelharmonie unter Vernachlässigung aller kritischen Gesichtspunkte, wie man sie in der Jetztzeit kaum noch für möglich gehalten hätte. Darum ist der wissenschafUiche Wert der Bücher gleich Null. Was der Verfasser mit ihnen bezweckt, verrät er nicht, es ist aber vielleicht aus seiner Rede auf dem fünften Weltkongreß für freies Christentum im August d. I. und einigen Artikeln von ihm über diesen Kongreß in der„Chemnitzer Volks- stimme" zu ersehen. Aus'wem. sprach er über den„Sozialismus als eine neue Stufe der Religion" und in dieser schrieb er, daß man „vom Sozialismus selbst aus eine neue Weltanschauung finden müsse, die von der Masse„erlebt" werden kann und die sitt- lichen Motive enthält, ohne die nun einmal eine weltgeschichtliche Bewegung nicht leben und ohne die man nun einmal eine kommendg Generation nicht erziehen kann". Und darum müssen„die Massen der Arbeiter aus den Kirchen herausgehen und rein aus der Vor- aussetzung ihres sozialistischen Willens heraus sich i n n e u e n O r- ganisationen eine neue Weltanschauung zu zimmern ver- suchen."— Also eine neue sozialistische Kirche! Denn der AuS- gangspunkt Maurenbrechers ist doch der: Die heutige Sozialdemo- kratie und der politisch-wirtschaitlichc Sozialismus, den sie erstrebt, enthalten nicht die notwendigen sittlichen Motive;— sie find keine vollkommene Weltanschauung, sondern nur Organisationen eines unsittlichsten Egoismus, deren Mitgliedern man mit christlichen und überchristlichen Pfarrern„Erlebnisse" beibringen muß!— V. S o m B e r» Theater und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie BolkSbühne: Govntag, denLS. Dezemier, nachmittags 3 Uhr, Lelflng• Theater(Extra-Dorftellung) Nofenmolitaa.(Heginn der Billetd Verlosung 2 Uhr,) N-ur Freie Volksbühne» Eonniag. den 2b., und Mon- tag, den 26. Dezember, nachm. 2'/i Uhr: Deutsches Theater: Die Räuber. Monta„. Die Komödie der Irrungen. Kammerspiele- Gamlen. Nachm. 3 Uhr; Schiller-Theater O.: Di- Ehre. Metropol-Thealer: Pariser Leben. Kleines Theater: Moral. Neues VollS-Theater: Ueber unsere Krast. I. NeucS Operetten« Theater: Die Glocken von Corneville. Neues Theater: Tarlüff.— Die Ge- ichmister. Schiller> Theater Eharlollenburg: tiontag: SodomS Ende. erbendS L'/i Uhr: Neues VollS-Theater: Ueber unsere Kratt. I. Montag: Tugend. Dienstag. Mittwoch, Donnerstag. Sonnabend: Der G'wisscnSwurnr Freitag: JSbrand. Kgl. Hochschule sür Musik(Montag 8 Uhr): 2. Kammerinusttabend. l.essinx-l'tieatei'. Sonntag 8 Uhr: Anatol. Montag 3 Uhr: Die versunk. Glocke. Montag 8 Uhr: Anatol. Dienstag 8 Uhr: Wenn der jnnge Wein blüht. berliner T'Keater. Heute- Der Talisman,«uhr Morgen: Der scharfe Junker. lieiiös Theater. Täglich- Der 6. in. b.H.-Tenor. Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. AbendS 8 Uhr: Das l'aitpcnnittdel. Sonntag u. Dienstag Nachm. 3*/« Uhr: Die geschiedene Frau. Montag nachmittag S1/« Uhr: Ein Walzertraum.• Mttwoch u. Sonnabend nachm. 4 Uhr _ Rotkäppchen._ Modernes Theater (früher Hebbeltheater). AbendS 8 Uhr: _ Doppcliuensch._ Friedrich-Wilhelmstädlisches Schauspielhaus. Sonntag, den 25. Dez., abends 8 Uhr Zum erstenmal: Lorano von Bergerac. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag, den 26. Dez.. abends 8 Uhr hokgnnst. Rachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Dienstag 8 Uhr: Chrono von Bergerac. t-usispislksu». Sonntag nachmittag 3 Uhr: D«? Herr Senator. Abends 8 Uhr: Der I-'elckkierriikii-rel. Montag nachmittag 3 Uhr: Da» Oieiitnantsiattackel. Abends 8 Uhr: Der I'eteHierrnItVgxel. Residenz-Theater. Dtrettion: Richard Alexander. Sonntag, den 25. Dezember, 8 Uhr: Der Unterpräfekt. Schwank w 3 Akten v. Leon Gandtllot. Sonntag, den S5./t2., nachm. 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelte. Moniag, den SS./tg., nachm. 3 Uhr: ItToblesse obllge. Bis 28. Dezember abends: Der Unterpräfrkr. Donnerstag, d. ÄZ./!2., zum 1. Male: Familie Bolero. Anisen-Theater. Nachmittag» 3 Uhr: Hamlet. AbendS 8 Uhr: MndlckeS Reise nach Indien. 2. WeihnachtSseieilag 3 Uhr: Preziosa. AbendS 8 Uhr: Vludickes Reise nach Indien. 3. WeihnachtSseiertag 3 Uhr: Wilhelm Te«. Abends 8 Uhr: Berlin geht zn Bett. Mittwoch 4 Uhr: Grohs Kinder- Vorstellung: Zwerg Nase. 3 Uhr: ------ ise nach' Sttudickes Reise Indien. Am t. und 2. AeibnachtSsnertag je 2 große 2 Vorstellungen des Kolossal. Programms. Nachmittags 3Vi Uhr: mr Halbe Preise, tw Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Sonntag abend 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Montag 4 Uhr: Der VierwaldsttUlerseo u. der Gotthard. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Dienstag 4 Uhr: Oer Vlerwaidstattersee u. der Gotthard. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Kaiser-Panorama. Real Reiseins Pharaonen- land von Triest nach Kairo. II. Wanderungen u.Klotteroien in der sächsischen Schweiz. Berliner Volksoper Sonntag nachm. 3V, Uhr: Zar and Ziiumermaan. AbendS 8 Uhr: Robert der Tcnfel. Montag nachm. 3'/. Uhr: Der Troubadour. tlbend« 8 Uhr: Die Doliarprinxcssln. 3SE=THEATE| ß ||(ftrojje Svantsurlei Str. 132. II Nachm. 3 Uhr halbe Preise: || Die Rftuber. tlil Ab-ndS 8 Uhr: Der Müller and sein Kind. Montag nachm. 3 Uhr:, Die Mlillonencrbln. AbendS 8 Uhr: Der KaiserjUgper. Dienstag nachm. 3 Uhr: Schneewittchen und die 7 Zwerge. Abends 8 Uhr: Der Müller and sein Kind. Jffetropol- Theater. Nachmittags 3 Uhr: Pariser Leben. WendS 3 Uhr: Rauchen gestattet. Hurra! Wir leben noch! Grohe AuSstattungSreoue In 7 Bildern o. I. Freund. Musik o. P. Holländer. In Szene geseht von Dir. R. Schultz. Montag nachmittag 3 Uhr: Pariser Leben. 8 Uhr: Hurra! Wir leben noch! 4n beiden Wcibnacbtstagen 2 Torsteilungen 2 1! Nachmittags Anfang S Uhr. Kleine Preise: für für Erwachs. Kind. 1:= 2,50 2,50 2,— 1,50 —,75 2- l|50 1,50 1- -,75 -.50 -,40 Terrasno Loge Park.-Fanteuil Seit,-Ten- aase Kauteuil Parterre Reserv. Platz Entree Abends Anfang 8 Uhr. In beiden Vorstellungen; Diane d' Kve» Exentrique(ranpaise. Mlle. Donarbers Duftballon fahrt über d. Köpfen d. Publikums, und eine Auslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. mxTxrsrxxxxXSXXZJXZ» Theater ain den 3 Feiertagen abends 8 Uhr: Eine verlorene Macht. Der Derby-Sieger. Am 1. u. 2. Feiertag nachm. 4 Uhr: Wenn zwei dasselbe tun. Sonnabend, den 31. Dezember 1910: Gr. Silvester-Vorstellung. Riesenlachprogramm orig. Art! Eine verlorene tischt. Derby-Sieger. Fest-Prolog. Fanferen-Qrua. 2 Uhr ftüh: Silvester-Kabarett. Billetts für sämtliche Borstellungen schon heute zu haben. Trinnon»Theater. An allen drei Feiertagen abends 8UHr: Der heilige Hain. 1. Feiertag nachm. 3'Uhr: Der selige Toupinel. 2. Feiertag nachm. 3 Uhr: Fräulein Josrtte— meine Frau. sVölirenUhr. Nachmittag» hat jeder Erwachsene 1 Kind frei unter zehn Jahren aus allen Sitzplätzen außer Galerie, jedes weitere Kind halben Preis. WV In beiden"90 Sy Vorstellungen"WNl Der große Coup der Schmuggler Romanllsche Pantomime in 4 Alt. In beiden Borstellungen Austreten sämtl. Aitraktionen. Neue Freie Volksbühne Die Kunst dem Volke! Extra-Vorstellungen UV* Rente"ZKS Sonntag, den SA. Dezember abends 8'/, Uhr im Neuen Volks-Theater Ueber unsere Kraft I. Teil I Billetts ISO/S ßchanspiel von Bjömson. a 1,30 M. für Mitglieder und GIste inkl. Zettel und Garderobe sind am Vorstellungstage bei den Montag, den SS. Dezember nachmittags 3 Uhr im Schiller-Theater, Charlottenbg. Sodoms Ende Schauspiel von Sudermazm. Billetts fOr Mitglieder a 1 H., für Gäste a 1,26 M. inkl. Zettel und Garderobe Ordnern im Theater zu haben. Oer Vorstand. L A.: H Heft. rzggxzzzzxxzxxzixxr»xxxxrrrxxxzzTzx»TTY3!«gx«!t««!gz3nrCTTzgr R1XDORP Excelsior- Lichtspielhaus Passace Bergstraße— JUlchardstraße. Programm zu den Weihnachtsfeiertagen: 1. PathÄ-Joumal. Illustrierte Wochenübersicht 2. Max ist hypnotisiert. Von Max Linder. 8. Das Weihnaohtsfest des armen Peter. 4. Paillasse. Drama. Farbenkinematographie. 5. Wie Herr Bummel streikte. Humoristisch. 6. Naturaufnahmen aus dem Leben der Vögel. Koloriert, 7. Eine edle Tat oder die Toohtor des Gouverneurs Drama 8, Nauke studiert eine tragische Bolle. Humoristisch. 9. Tonbild. Anfang an den 3 Feiertagen: 3 Uhr nachmittags. Ausstellungshallen am Zoo Theater- Ausstellung Geöffnet 10 bis 8 Uhr Konzert; ElnUdsbofer Eintritt 1,00 Marli, Kinder 50 Pfennig. Sonntag: 50 Pfennig. i Castan5 Panoptikum ää Familientage d Kind frei). »ent Im Wmiderlaiid©. M««! Grolle elektrische Peerie. Grote KUnstler-Vorslellung und Konzert. Von 4 Uhr nachm. ab „CLOU" BEREINER KOKZERTRAUS Uauerstr. 82 Ziramorstr, 80-91 Rente nnd morgen HB—» Uhr bei freiem Eintritt Konzeptmatinee. Außerdem: Anfang _ 4 Ehr. wochcntaguch qp Promenaden-Konzerte beiJ£®1eem Zwo! große Konzerte. Alt-Moablt 47/48. Sonntag, den 25. Dezember 1910 (1. Feiertag): Friede auf Erden. Weihnacht» komodte mit/, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Montag, den 26. Dezember 1910 (2. Feiertag): Eme lustige Kuppel-Ehe. Posse mit Gesang In 3 Ausz. v. Straatz. KassenerSfsn. 6'/, Uhr, Ans. Uhr. Nach der Vorstellung: Danz. DtenStag, den 27. Dezember 1910 (Z. Feiertag): Grosser Slaisifer-Abend! Kabale und Liebe. Trauerspiel in 5 Auszügen von Fr. von Schiller. Kasiencröffn. 7 Uhr. Ansang 8'/« Uhr. Nach der Vorstellung: Danz. VolKt-Tiimtrr Geilmdbninnen. Bodstraste 58. Sonntag, den 25. Dezember (1. Wcidnachtssciei tag) nachmittags 3 Uhr: Marianue, ein Weib auS dem Volke. voltSschansptet m 5 Auszügen von C. Dräxter Manfred. Abend» 8 Uhr: Ihre Familie. LolkSstuck mit Gesang ln 3 Akten von I. Stinde nnd G. Engels. Billettvorverkaut an der Theater- taste von 10 Uhr ab. Montag, den 26. Dezember (2. WeihnachtSseiertag) nachmittag» 3 Uhr: HanS Sachs. Schauspiel w 4 Aufzügen. Abend» 7 Nbr: Weihnachten in Feindesland Lusrtpiel in 4 Aufzügen. Villettvorverkaus an der Theater- taste von 10 Uhr ab. DtenStag. den 27. Dezember (3. WeihnachlSseiertag): Ein Rabenvater. Schwant!n 3 Alten. Kasteneröffn. 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. �oKhs-Thratvr Rixvorf. Hermannstr. 80. Sonntag, den 25. Dezember: Das Kätchen von Heilbronn. RitterschauspielRosenth.Tor.) WelnbergSw.SOs Heute Sonntag, morgen ! Montag je 2 Vorstellungen, I nachm. 3'/,, abend» 81/, Uhr.| J Bravo!— Da Capofl SEineAllerweltS-Rcoue in»Bitdi I mit neuen Couplet», Einlagen s u. Attraktionen. I Sonnabend, 81. Dozenider: Gr. Silvester-Feier. Sonntag, den 25. Derember(1- Weihnachtsfeiertag), Im Gewerkschaftshaus Engel-Ufer No. 15« Kunst-Abend � Mitwirkende; Konaort Ton Büßliedern de« Berliner Sinfonie- Orchester«(Kapellmeister: Herr Boxiinillan Fischer), Violine: Herr Konzertmeister Br. Schul». Cello; Herr Frita Große. Gesnna;: Prau Herta Gcipcit (Sopran), Hr. Gustav Frans(Bariton). Bi cltation: Hr. Bathla« von Erdberß« _ Teaaev Herren, welche daran teilnehmen, Nach dem Konzert I dUZs zahlen 60 PI. naeh. Anfang 7 Uhr. Programm am Eingang gratis. Billett 50 Bf. Kinder anter sechs Jahren haben keinen Zutritt. Reg« Beteiligung erwartet 818/17» Der Torstand. H« «MMUWsMUMMWMM Montag, den 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag): Große Matinee in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. ErUffhung 11 Chr._ Anfang Vt Ehr. Billetts h 80 PI. sind bei den BezIrkstQhrern zu haben. Oer Vorstand. Sozlaldcmohratifcber Mabl verein des 6« Bertiner Belcbstags- Mablkreltes A AA Sonntag, den 25. Dezember(erlten üClelbnacbtafeiertag): llntechaltungs-Zlbenäe In folgenden Lohnten, prater- Cbeater fl ßaUrcbmicdcra 6tabl{1Tement Raftanien-HUee 7—9 ßadltraBe 16 pharus-Säle JMoabJtcr Gefell febaftobaue Müllcr-etraOe 142|| CHlelef ftraße 34 unter Mitwirkung bei nachfolgenden Rezitatoren, Solisten und Sängerinnen: ftermann Leonhardt, Maxlmus Rytlhow, fr. Hmatie Birnbaum, fr. fannp L arten, Rudo Rubibow, fi einrieb Maurer, 6(friede Eimdt, Srnft Schulz- fflrftenberg, Berthold putch, CClllU Sommer, Bmlt Bimmel, Margherita Rotti, Richard Kube, Hitred töetton, Sita Hehermann-Manhc, CUly tx u Jonas, fetix Outdcuttch, SmU Ulatbotte, Margarete COalhotte n:: Hnfang 7 Ohr. ptach den Tor- ftcllungen t eintritt 40 pf. 233/3* HusfOhrUche Programme am Eingang zu den Säle«. Das Romitce. M A ■■ B■■ B B B fl s;� i !□! l Ü I III 1 Deutseher Holzarbeiter-Terband. Zahlstelle Berlin. Dienstag, 27. Dezember(3. Feiertag), in„Freyen Festsiilen", Koppenstrafie SO: Großes Aeihnachts-Vergnügen. Neues 95/6» gl Mitwirkende: Berliner Konzert-Orchester.:u Panl Jescheck-Enscmble. Kinematograph r.: Kasperle-Theater. ErßflTnnng 8 Ehr. Anfang 4 Ehr. T£w.ÄS.'r Tanz. MÄS Ball.°i Eintritt 50 Ff. Das Komitee. NB. Billei» sind im Zigarrengeschüft des Kollegen Sobwemke, SchönleinaSr. 84. Eck» Kottbuser Damm and im Rescaarfcnt Welzer, Koppenstr. 65, schrägüber ron Frejsr, tn haben. Bs] SchenMwert! In allen Sälen; Sehenswert! Riesen-Weihnachtsbaume, feenhaft elektr. erleuchtet. Am 1. nnd 8. Wclhnachtsfelertag: Paul Mantheys | Germania- fh/acht- Säle| r_N.. Vhanseeeetr. HO Karl Klchter B ...... rzri Lustige Sänger.| Große» Welhnucbts-Frogramm." Kettenergflnung 4 Uhr.— Anltng 6'/, Uhr._ 4 Am 8. TVelhnachtsfeiertag, nachm. 8 Ehr: Gr. MaiiDee-Yorstelluiib der Lustigeu Säuger I eu halben Kassenpreisen.__ � n Casaenpreisen. » Ä Großer Test- Eintritt: Herren 50 PI, Damen 80 Pf. Markgrafen-Säle 84. narkgrafen-Damm 84. — An der Stralauer Allee... Jeden Sonntag: Großer Ball. Ii» Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche«ach«, sf.Biere u. Weine, BillarO u. Kegelbahn «osxorns am Morilzplatk. Das Variete-Konshin-System nur an Wochentagen giNtlg. Entree frei. Sie läsen nur ein Programm pro Person 20 Pf., damit haben Sie 1 Glas Bier bezahlt. • Uhr1: Oas nsueOezbr.-Vzrlete-Pregr. Von 11—1 Uhr: KDnstler. Konzert. Dir. Bobert Krllgcr. As den beid. Woibtigehtsfeiertieg.; HaehrnWagi-Voretellung. Auf. 8 Uhr. Turn-Verein vn/n C« Mitglied des „Fichte" Berlin Afb.-Tumer- Bundes Sonntag, den 25. Dezember 1910(1. Feiertag) W eihnachts- Feier in der«»Neuen Welt»* Hasenheide 108-114 bestehend in 295/6 Konzert, turnerischen u. humoristischen Aufführungen, Ball Im hinteren neu erbauten Saal(2000 Personen fassend) - MinlatursZIrkUS------- Direktor AltPC« Engel Nach der Vorstellung in beiden Sälen•• TAN 2•• Herren zahlen 90 Pf. Anfang 5 Uhr Programm an der Kontrolle gratis Eintritt 80 Pf. >>*> 44+ 44 4 44 4 filranerei FriedricliNliain Am«önigStor.— Gröstter Konzerlfual Berlin». 1.. 2. Und'3. Feiertag: Aof der Alm! Ofe frilicMen Weitmacbteii. 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Und wiederum sind es die Konsuinenten, welche die Suppe auslöffeln müsten. Jetzt jaminer» allerdings auch die Kleinhändler über die Preistreiberei, weil diese ihr den Zwischengewinn schmälere. Solche Klagen mögen zur Zeit berechtigt sein, aber über kurz oder lang mutz die Valorisation doch zusamiueubrechcn, wenn nicht anders, dann durch das Mitzverhältnis. das infolge des Konsumrückganges zwischen Verbrauch und Produktion sich erneut entwickelt. Daran wäre auch nichts geändert, wenn man den verbrecherischen Plan, die 6 Millionen Sack Valorisationskafiee zu verbrennen, ausführen würde. Solcher Gedanke allein zeigt schon, zu welchem Wahnsinn die kapitalistische Profitgier treibt. Führt nun schlietzlich der eine oder andere Umstand das Ende der Valorisation herbei, dann werden die Preise im Grotzhandel ja wieder scharf herabgehen, aber die Senkung überträgt sich nicht in gleicher Weise auf' den Klein- Handel, dann erntet dieser, was ihm jetzt entgeht. Das ist der Segen der kapitalistischen Gesellschaflsordnuiig für die breite Masse des Volks! Als Lieferantin der Ware Arbeitskraft, als Produzentin. wird es von den Unternehmern ausgebeutet, als Konsumentin brandschatzt eS das Spekulantentum und der Staat mit dem Mittel der künstlichen Verteuerung der Lebensmittel. v. nr' und Sperren-Madistiefel zeichnen sich in dieser Saison durch bochaparte neue Formen aus und werden wegen ihrer anerkannten Preiswürdigkeit von allen Qesellschaftskiassen bevorzugt Weiße Glace-Spangen-Schuhe yenäht............. 295 Goldkäfer-Moliere-Schuhe mit groBer Goldschnalle und Samtgamitur..... 6� Lack-Moli ere-Schuhe mit großer Schnalle, innen tum Schnuren......... �90 Lack-Binde-Schuhe mit breiter Moire-Schleife, sehr elegant........... 8� Chevreaux-Salon-Schuhemit großer Stahlschnalle, echt Louis XV. Abs., Wiener Modell 1050 Elegante DamenstrQmpfe in Flor und Seide, In vielen Farben. Aparte Schulischnallen und Schleifen. 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Die Depositenkassen eröffnen Geschäftstreibenden, Industriellen und Privaten laufende Konten für den DepoMlton- und Scheck- Verkehr und besorgen den An- und Verkauf von Wertpapieren, fremden Geldsorten, Soheoks und Wechseln auf das Ausland, die Änsschreibung von Kreditbriefen, die Ausgabe von Welt-Zirkular-Kreditbriofen, zahlbar an all. Hauptplätzen der Welt, etwa 1800 Stellen, die Diskontierung sowie Einziehung von Wechseln, die Aufbewahrung und Verwaltung von Wortpapieren, die Versichernng von Wertpapieren gegen Kursverlust im Falle der Auslosung, die Einziehung der abzutrennenden Coupons. Beschaffung und Unterbringung NachlaB- und Vermögens- Sonderabtellung von Verwaltung, Uebernahme von fflr Oiskontterung von Hypothekengeldern. Testamentsvollstreckungen. Buohferderungen. Stahlkammern. Die Stahlkammern der Depositenkassen stehen unter eigenem Verschluß der Mieter und eignen sich zur iulbewahriintj m Wertpapieren, Rypotiieken-DokiuneBtes, UrkundeD, Wcrtgegensländen um! Sclunacksachen. Die Vermietung dieser Schrankfächer erfolgt je nach Wunsch auf beliebige Zeit. Bedingungen für den Depositenverkehr und die Benutzung der Stahlkammern nebst Bs- gohreibung der letzteren werden an den Schaltern der Kassen ausgehändigt. Die Deutsche Bank Ist mit ihren sämtlichen Zweigniederlassungen und Deposltenkasseo amtliche Annahmeiiteile von Zahlungen fCr Inhaber von Scheck-Konten bei dem Kaiserl. König). Oesterreichischen Postsparkassen-Amte in Wien. Die felnften punfcb-Sxtrahte bereitet man Pich am beften und Pebr billig Pelbft mit den berühmten Origwal-Reichel Essenzen Marte..cichtherz« Vorrätig In; Aamnas», Kataer-, SchlHinmer-. Schwedischem Punsch, Grog 475 Pf.), Pnusch mit Glühwein-(75 Pf.) u. Enrgj Oewchmnck(80 Pf), Passcldorfer(90 Pf.), Boyal-Pansct /Vk 1 Original-Flasche Punlch-Ertratt- Essenz»ach beigegcbcncr Vorschrist bereitet gibt 2 ltr. bez«.$ tu. ttlnffertiaen pUttfd) ;»on teiotm kräftigen Teschmad besonder« Täte und Bekbmmlichkeit. 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KoaeoUftapStP. iSSi » Terwaltang Berlin. Mittwoch, den S8. Dezember, abends 8'/z Uhr: für die der I«»«iigs-KrMci>lli>jse der Tischler llligthörtlidtu Mitglieder tm Gewerkschaftshause, Engelnfer 14/tS. TageS-Ordnung! Aufstellung der Kandidaten zur Delegiertenwahl. WM- Illtxlleandnoli lexltlmlort. �WM Das Berbandsbureau ist am Sonnabend, den St. Dezember(Silvester) nur bis 1 Uhr mittags geöffnet. Das Bureau ist geschloffen am: Montag, den L6. Dezember, den ganzen Tag. Dienstag, den 27. Dezember, den ganzen Tag. Sonnabend, den 3l. Dezember, nachmittags. Die Arbeitsnachweise sind am Montag, den SS., und Dienstag, den S7. Dezember, geschlossen. Die Einkassierung der Beiträge in den Zahlstellen erfolgt am St. Dezember von s bis V Uhr abends. Achtung! Jugendliche Holzarbeiter! Am Mootag, den 26. d. M.(2. Weihnachtsfeiertag) steht den Jugendlichen und Lehrlingen das Jugendheim»er Holzarbeiter. SrwerlschaftShauS, Engelnfer 15, Eingang Nr. 14, Zimmer 4, parterre, »an 3 bis 8 Uhr zur Bcrfiigung. vn»ere Kollegen werden gebeten, die Jneend- llcbon darauf aufmerksam sn machen. Die Kommtsfio». Bodenleger! DienStag, den S?. Dezember t»10(dritter Feiertag), vormittags tS Uhr: LroBe flgltatlons• Versammlung lm Gewerkschaftshause. Engelufer 14/ IS, Saal I. TageS- Ordnung: Vortrag des Kollegen Kranz Tchlemmtnger. ... Alle im Beruf tätigen Kollegen werden dringend ersucht an biefcr Versammlung teilzunehmen. Klavierarbeiter! DienStag, den 27. Dezember(dritter Feiertag): Grones Weihnachtsvergniigen tafämtlichen Sälen des GewerkschaftshanseS. Jaloufien-Arbeiter! Mittwoch, den S8. Dezember ISIS, abends 8", Uhr: Hranchvn- Versammlung bei Anton Boeter» Wcberstr. 17. TageS« Ordnung: 1.»Jinanzreform und Gewcrtichafte».- Referent: Kollege Appfch. 2. Diskussion. 3. Braucheuaugelkgenhctte». WM-(Im zahlreiches Erscheinen wird ersucht.'MM Einsetzer! Donnerstag, den SS. Dezember, abendS 8 Uhr: Bvanthcn»Versammlung im GewerkschaftShause, Engelufer IS. TageS-Ordnung: 1. Bericht de» Kommission. 2. Neuwahl der Kommisfion. 8. Branchrnangelegenheiten und Verschiedenes. JDM Die Kollegen sind verpflichtet zahlreich zu erscheinen.-MW Nie Versammlung wird pUnktllch erttffnet. 95/9_ Die Kommlsslo«. Deutscher Taöakarbeiter-Vefband. Zahlstelle Berlin. Wreitag, den 30. Dezember, abendS 8"/, lldr. in„Slosenthaler Hof«, Rosenihaler Sir. 1l/12: MöKgliockvr«Versammlung. TageS-Ordnung: l. Der deutsch« Heimarbeitertag in Berlin. 2. Dahl«weS Delegierten. 8. VcischiedkneS. In Hinfich« der Wichttgteit der Frage ist starker Besuch. namentlich seitens der Heimarbeiter, geboten. 187/17*_ Die OrtsTerwaltnng. „Arminh allen64, KommandantBnstraßa 58/59 Vortriigs-Zyklnn von Dr. phil. Felix Rosenbluth. Die jüdische Nationalitätenfrage. Montag, den 9. Januar: Da* jüdische Nationalllttonproblem. „„ 16.„ Die moderne Judsnfrage. „„ 23.„ Die zionistische Bewegung. „„SO.„ Zionismus und andere poiitioche Bewegungen. Karton a 1 M.(für vier Vorträge zu 3 M.) bei Buchhandlung Louis Lamm, Nene PriedriohBtr. 61/63 und Kaufhaus des Westens. Verwaltungsstelle Berlin.■ Arbeitsnachweis: BerwaltungSltrlle Berlin. Hauplburean» Hos l. Amt 3. 1239._ Charlltstrate 3. Hos DX Amt 3. 1987. Donnerstag, den SS. Dezember ISIS, abends 8 Uhr: Ifratieken»Versammlung der Clektromonteure und Helfer GroB-Berlins im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, großer Saal. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des LaudtagSabgcordneten Genossen Heine. Dteöbel. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Ber wichtigen Vagesvrdnnng wegen erwarten wir eine sahlrelche Bctellignng. LM- Den Mitglieden, zur Kenntnis, dah bei Bachgllnger, Schivelbeinerftr. 23. eine Zahlstelle errichtet worden ist. 13>/12 Die OrtsTerwaltnng. 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Gr,"*--- walder Straße, Charlottenburg, Barlinor StraBs 68, nahe Hauptpost, Potsdamer Str. 103 a, Ecke Kurfürstonstr., Chaussaottr. 130, am Oranienburger Tor, An der JannewitzbrOcke 1. SchBneberg, Hauptstr. 18, gegenüber dem Rathaus, Turmslr. 27, Ecke der Stromstraße, Molztlr. 66, Ecke Martin-Lutherstraße, Brunnenstr. 2, am Roscnthalor Tor, Badstr. 35-36, Gesundbrunnen, MBIIerstr. 6, am Wedding, Landsberger Str. 100, am Büschingplatz, KurfBrstendamm 181, Ecke Konstanzer Straße, Steglitz, SchloBstr. 86, gegenüber dem Rathaus, QroB'Lfchtertelde-Ost, Jungfernsttog 3, Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Z. SchSnhauser Allee 144, Friedenau, Rhoinstr. 1.2, Ecke Schmargendorfer Straße, Greifswalder StraSo 205, Ecke Marien- burger Straße, A II. Gro8- Lichterfelde- West, Carlstr. 114, Am Wannseebahnhof, B II. Neue RoEstr. 1, Ecke Neue Jakobstr., C II. Pankow, SchSnholzer StraBe I, nahe dem Rathaus, Stahlkammer. D n. Frankfurter Allee 1/2, am Ringbahnhof, Stahlkammer, Stahlkammer. Stahlkammer. S II Friedriehstr. 204(Eoke Schützenstraße) Stahlkammer. T II KurtOrstendamm 218(Ecke Fasanenstraße) Stahlkammer. E II. Tempelhof, Berliner StraBe 8, F II Rixdorf, Kottbuser Damm 79, Q II. Schönebarg, Barbarossasir. 45, Ecke Berchtesgadener Straße, H II. Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 198, Ecke Uhlandstraße, J II. Charlottenfaurg, Kaiserdamm 118, Ecke Suarezstraßo, K II. Friedenau, Südwest• Korso 77, Ecke Kaiser-Allee, L n. Köpenicker Str. 1, am Schles. Tor. M II. Flensbargor Sir. 19a, Ecke Lessingstr. N II Belle-Alliancestp. 107, am Blücherplatz. O II. Tegel, Berliner Str. 99, n. d. Hauptstr., P II. Rlxdort, Berliner Str. 66/67, Q II. Spandau, Potsdamer StraBe 31—32, K II. Wiener StraBe 11(nahe Giuditzer Bahnhof) Eröffnung herstellend. Mtnh Ikuiumer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Görlit l#ri Eröffnung bevorstehend. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Die Wechselstuben und Depositenkasseu befassen sich vornehmlich mit: Annahme von Depositengeldern zor Verzinsung, An- und Verkauf von Wertpapieren, ausländischen Oeldsorlcn, Devisen nsw.. Einlösung von Coupons und Dividendenscheinen, Ausstellung von Schecks und Kreditbriefen, Diskontleren and Einziehen von Wechseln und Schecks, Beleihaog börsengängiger Wertpapiere und deren Versicherung gegen Knrsverlnst im Falle der Ansfosnng. insbesondere mit Aafbewahrnng und Venvaltung von Wertpapieren, Beschaffung und Unterbringung von Hypotbckengeldero, Ablösung von Hypotheken, die das Berliner Pfandbriefamt erwirbt, sowie mit Vermögensverwaltungen aller Art Stahlkamtnern. _ Die Stahlkammern der Wechselstuben und Depositenkassen bieten Gelegenheit zur sicheren Aufbewahrung von Wertpapieren, Dokumenten, Schmucksachen etc. in eisernen Schrankfächern unter eigenem Verschluß des Mieters oder zur Hinterlegung von Paketen, Kisten and dergl. als verschlossene Depots unter gesetzmäßiger Haftung der Bank. Die Beding/nngen für den O es ch d 1 1 s t er k eh r mit den Wechselstuben und Depositenkassen sowie lür die Bcnutzang; der Stahlkammern werden an allen Kassen der Bank nnentgcltlich ansgegeben. Ed wird mein Bestrebe» sein, dem Pnbttfnm gute«nd schmackhafte Ware»u tiefer»«nd den Tarif einzuhalten. 2371b AchwngSvoll Heinrich KOnnemann, Samarlterstr. 11. Malen: Frankfurter Alles 33/34(Sing. Samatiterstr.). Proskauer Str. 30, Vogtatr. 81, Waldeyeratf. I. «erantwoetticher Siedakteur Richard Barth. Berlin. Lür de« Inseratenteil oeranttv.: Th. Glocke. Berlin. Krück u. Verlag: vorwürtD Buchdruckerei it. BerlagSgnftalt Paul Singer&(toH»etlia SW» Ar. 302. 27. Iahrgavg. 4. KtilM des Jotmirtf Kerlim PolUliitt Zollutsg, 25. DtZtmbrr 1910. parte!- Hngclcgcnbcitem Zur Lokalliste! Rixdorf. Auf viele Anfragen erllären wir, daß die Passage- Festsäle, Bergstr. 151, zu allen Veranstaliungen der Partei zur Wer» fügung stehen, mitbin sind in Rixdorf alle Lokale frei. Spandau P.-O.-H. Der Theatcrverein.Dornröschen" veranstaltet am ersten WeihnachiSfeiertage in dem gesperrten Lokale von Seitz. Sibatzenstrahe, einen Theaterabend. Da auch versucht wird, in Arbeilerkreisen BillettS umzusetzen, ersuchen wir, dieselben entschieden zurückzuweisen, da unS seit Jahren das Lokal hartnäckig verweigert wird. Ferner teilen wir mit, daß in Tiefwerder unS kein Lokal zur Verfügung steht. In Lankwitz T.-B. hält der Turnverein.Turnerschaft' am ersten WeibnachlSfeiertag in HeyerS Festsälen, Jnh. Gutsche, einen Unter- Haltung«« bend ab. Da das Lokal für die organisierte Arbeiter- schafl gesperrt ist. bitten wir die angebotenen BillettS zurück- zuweisen. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß in Zehlcndorf die Lokale.Lindenpark', Berliner Str. 1 und.Kaiserhos', PotS- damer Straße, nach wie vor gesperrt sind, und bitten, olle Wer- anstaltiiugen daselbst zu meiden. Mahledorf siDstbahn) N.-B. Der Männergesangverein„Kon- konkordia' hält am ersten WeihnachlSfeierlag in Mahlsdorf-Süd im Lokale.Hubertus', Jnh. A. Engel, eine Weihnachtsfeier ab. Da auch hier versucht wird, unter organisierten Arbeitern BillettS um- zusetzen, bitten wir. dieselben zurückzuweisen, da daS genannte Lokal zu keiner Parleiversammlung hergegeben wird. Wir ersuchen, streng die Lokalliste zu beachten. _ Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag st. Feiertag) in der Viktoria- Brauerei, Lüyowstr. 111/112: Winterfest: Konzert(Berliner Siiifonie-Orchesler M. Fischer und Gesangverein.Liedertafel West') und Tanz. BillettS bei den BezirkSsührern. Dritter Wahlkreis. Die Mitglieder werden nochmals auf den heutigen im GewerkichaftShanse stattfindenden Kunstabtnd aufmerksam gemacht. Alles Nähere im Inseratenteil. 4. KreiS. Montag, den LS. Dezember(2. WeihnachtSfeiertag): Große Matinee in Kellers Festsälen, Koppeustr. LS. Unter Mitwirkung der Gesellschaft Strelewicz. Eröffnung 11 Uhr. Anfang 12 Uhr. BillettS a SV Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Der Borstand. 6. KreiS. Sonntag, den 25. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag): Unter- haltungSabende in folgenden Lokalen: Prater-Theater, Kastanien- Allee 7— 9; PharuS-Löle, Müllerstr. 142; BallichmiederS Elabliffe« ment, Badstr. 16; Moabiter GescllschaftShauS, Wiclefstr. 14. Unter Mitwirkung der nachfolgenden Rezitatoren. Solisten und Sänge« rinnen: Hermann Leonhardt, Maximu» Rysitow, Fr. Amalie Birn- bäum. Fr. Fanny Larsen, Rudo Rubikow, Heinrich Maurer, Elfriede Elmdt, Ernst SÄulz-Fürstenberg. Berthold Pusch, Willi Sommer. Ernst Himmel, Margherita Rosfi, Richard Kube, Alfred Wetton, Elia Ackerinann'Manke, Tilly Jonas, Felix Gutdeutich, Emil Walkotte, Margarete Walkotte. Anfang 7 Uhr. Eintritt 40 Pf. Nach den Borstellungen Tanz. Ausführliche Programme am Eingang zu den Säle»._ Das Komitee. Steglitz. Die Mitgliederversammlung am Dienstag, den 27. Dezember(3. Feiertags säll» auS. Heute, am 1. WeihnachtS- feiertag, nachmittags 4 Uhr, veranstalten die Franen eine WeihnachtS- frier, bestehend aus Gesang, Deklamation und Bescherung. Der Borstand. Zrhlendorf(Wannseebahn). Die WahlvereinSversammlung fällt kommenden DienStog aus. Diejenigen Mitglieder, welche ihre Mit- aliedSbücher noch nicht abgegeben haben, wollen dieselben sofort thren Bezirksführern zustellen, gerner machen wir die Partei- und GewerkschaslSgenoffen aus die am 1. Feiertag, nachmittags S Uhr stattfindende Weihnachtsfeier aufmerlsam. Mitwirkende: Eine Konzert- sängerin, eme Pianistin, der Arbeitergesangverein.Echo'. Festrede: Reichstagsabgeordneter Genosse G ö h r e. Femer: Bescherung der Kinder. Der Borstand. Groß-Lichterfeldr. Die WahlvereinS-Bersammlung für Monat Dezember fällt auS. Der Borstand. Marirndorf. Wir weisen nochmals auf den am S. Feiertag, abend»'/s? Uhr bei Preuß, Knrfürstenstr. 44, stattfindenden Unter- hallungSabend für Ellern u»d Kinder hin. Billett» a 20 Pf. (Kinder frei) sind in den BezirkSlokalen und bei den BezirkSsührern zu haben. Karlshorst. Am dritten Weihnachtstag findet bei Bartels ..Fürstenbad' ein Märchenabrnd statt. Märchenvorlesung von der Reziiatorin Frl. Wally Kussel. GrattSverlosung für Kinder. An- schließend Tanz. Beginn nachmittags 4 Uhr. Eintritt für Erwachsene 20 Pf. Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhaufen-Rordend. Am Dienstag, den 27. Dezember, abends S'/, Uhr, im.Lindengarten'. Lindenstr. 48: Mitglieder- deriammlung de» WahlvemnS. Tagesordnung: 1. B orttag: .Friede auf Erden'. Referent: Genosse Hildebrandt. 2. BereinSangelegenheilcn und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. ßerUmr JVaebnehten. Weihnachtsfeier» haben gestern in den Nachmittagsstnnden an vielen Stellen stattgefunden, wo die Slot und das Elend sonst zu Hause ist. In den �Gefängnissen Tegel und Plötzensee geht die Feier in der Weise vor sich, daß die Gefangenen in die AnstaltSkirche geführt werden, wo ein Weihnachtsbaum brennt und wo sie diverse Predigten sich anhören müsstn. Das gleiche gilt auch vom Zuchthause in der Lehrter Straße. In Tegel werden vorher in den GefSngniSfluren von einem Sängerchor, das aus Gefängnisinsassen gebildet ist, WeihnachtSlieder gesungen. die weit durch die langgestreckten Flügel des Gefängnisses hallen und in die Zellen der einzelnen Gefangenen dringen. Kein Tag im Jahre ist so schwer, wie der Weihnachtsheilig- abend im Gefängnis. Es gibt kaum einen Gefangenen, der a» diesem Abend»i.Ht weich wird, so versicherten unS Auf- sichtSbcamten bei unserem Gefängnisaufenthalt in Tegel. In der Wärmehalle, im stadtischen Famtlienobdach, in Waisenhäusern. Krankenhäusern. Irrenanstalten, in Siechen- Häusern und im Hospital waren Tische aufgestellt, auf denen für die Besucher und Insassen dieser Anstalten Pfefferkuchen, Aepsel und Nüsse, zuweilen auch kleine Geschenke bereit standen. In den meisten Fällen ging eS aber nicht ohne die obligaten Predigten ao. Eine einfache und doch stimmungsvolle Feier veranstaltet alljährlich die Verwaltung des Gewerkschaftöhauses für die in der Herberge einkehrenden Fremden. Auf weiß- gedeckten Tischen hält die Verwaltung einen guten und reichlichen Imbiß für die auf der Reise und Suche nach Arbeit befindlichen Handwerksgesellen bereit. Auch ihnen soll Weihnachten bereitet werden. Die hier einkehren, sollen inne werden, wie Genosse Sassenbach als Vertreter des Gcwerk- schaftshauses darlegte, daß man auch in der Fremde daran denken soll, daß die Solidarität der Arbeiter das höchste Gut ist, über das ein Arbeiter verfügt und daß die Arbeiterorganisation es ist. die dem Arbeiter in seiner Notlage, auch auf der Reise. helfend zur Seite steht. Durch entsprechende Vorträge wurde der Abend recht unterhaltend gestaltet. Weihnachttn auf den Friedhöfen. TaS Ziel vieler Tausender bildeten gestern die Begräbnisplätze. Trotz der schlechten Witterung ließen eS sich viele nicht nehmen, nach den Friedhöfen zu pilgern und die Gräber der Toten mit Tannenbäumchen zu schmücken. Zahlreiche Gräber ivaren vollständig mit duftigem Tannengrün umgebene_ Ein Preßsünder unwürdig eines kommunalen Ehrenamtes. Daß der Berliner Kommunalfreisinn äußerst rückständig ist. ist bekannt, daß er aber in dieser seiner Rückständigkeit soweit geht, einen wegen PrcßvergehenS bestraften Redakteur für unwürdig zu erklären, ein kommunale» Ehrenamt zu bekleiden, sollte man denn doch nicht für möglich halten. Und doch ist dem so. Die Stadt Berlin braucht zur Bewältigung ihrer Aufgaben die Mithilfe der Bürgerschaft auf den verschiedensten Gebieten. Die Selbstverwaltung ist auf der freiwilligen HilfSarbeit der Bürger aufgebaut und Tausende haben sich freiwillig ohne jede Gegenleistung in diesen Dienst gestellt. Teil» wirken sie in den Armenkommissionen, teil» in Schulkommissionrn und zum Teil im Waisenrat und in den SteuervoreinschätzungSkommissionen. Die Vorschläge zu diesen Stellen werden von den recherchierenden Stadtverordneten gemacht. Zur Nachprüfung dieser Borschläge hat die Stadtverordnetenversammlung einen ständigen Ausschuß eingesetzt, den Ausschuß für unbesoldete Gemeinde- b e a m t e n. In diesem Ausschuß wird geprüft, ob sich die Bor» geschlagenen ihrem Vorleben nach für die vorgeschlagene Stelle eignen. Im wesentlichen soll dabei in Frag« kommen, ob der »Delinquent" wegen besonderer RoheitS- oder SittlichkeitSvergehen oder wegen eine» anderen entehrenden Vergehen» vorbestraft ist, die ihn zur Bekleidung einer unbesoldeten Stelle ungeeignet er- scheinen lassen. Dieser Ausschuß hat sich nach und nach zu einem richtigen Areopag entwickelt und fällt seinen Spruch nicht mehr nach sachlichen, sondern öfter nach politischen Gesichtspunkten. Wird beispielsweise für irgendeine Deputation ein Bürger- deputierter gebraucht und eS wird ein Mann vorgeschlagen, der vielleicht der Sozialdemokratie nahe steht, kann man sicher sein. daß in öS von 100 Fällen dieser Mann abgelehnt und ein al» zu- verlässig freisinnig bekannter Mann in Borschlag gebracht wird. Natürlich weist man die Behauptung, da» geschähe au» politischen Gründen, mit Entrüstung zurück. Wie urreaktionär dieser unter Vorsitz de» Stadtverordneten Gcricke tagende Ausschuß handelt, mögen folgende Tatsachen be- leuchten: Bor Jahren handelte es sich um die Wiederwahl eines Mitgliedes in einer Armenkommission namen» E. Der Mann hatte sein Amt tadellos versehen und eS war ihm nichts nach- zusagen. Gegen seine Wiederwahl wurde nun geltend gemacht. E. sei vor einigen Jahren bestrast worden wegen Vergehens gegen den g IM(Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen). Diese Aufreizung hatte das Gericht gefunden in der Verbreitung eines sozialdemokratischen Liederbuches, in welchem Heines»Winter- märchcn', Herweghs„Bei und arbeit' und Gedichte von Ludwig Pfau entHallen waren. Von sozialdemokratischer Seite wurde in dem Ausschuß darauf hingewiesen, daß doch die Verfasser dieser Gedichte dem Bürgertum sehr nahe gestanden hätten, allerdings zu einer Zeit, da dasselbe noch revolutionär gewesen sei. und daß selbst die Kaiserin Elisabeth dem Heine ein Denkmal gesetzt habe. Heute erachte man die Verbreiter der Gedichte dieser Männer für unwürdig, ein kommunales Ehrenamt zu betleiden und stempele damit«in politisches Vergehen zu einem ehren. rührigen. Alle Einwände nützten nicht», der Ausschuß für Unbesoldete beschloß, daß E. in Zukunft nicht mehr Mitglied der Armenkommission sein dürfe. Der Mann wurde aber von neuem vorgeschlagen, und in einer der nächsten Sitzungen dieses Aus- schusseS gelang e» mit vieler Müh« und mit getinger Mehrheit. den ersten Beschluß wieder umzuwerfen. Jedenfalls fürchteten die Herren eine öffentliche Erörterung im Plenum der Stadt» verordnetenversammlung. Neuerdings hat sich dieser«uSschuß. der wohl der reaktionärste von allen EtadtverordnetenauSschüssen sein dürfte,«in neues Stückchen geleistet. Es handelt sich darum, daß«in Redakteur W. zum Waisenrats. Mitglied vorgeschlagen war. W. war vorher schon Mitglied der Schulkommission und der Boreinschätzungskommission gewesen, schied aber infolge seines Verzuge» aus dem Bezirke au» den Aemtern. Selbst als Schöffe war W. für würdig erachtet worden. Als es nun an die nähere Beratung dieses Vorschlages ging, er- gab sich, daß W. in seiner beruflichen Eigenschaft wiederholt Strafen erlitten hatte. Diese Strafen waren ausschließlich preßgesetzlicher Art. Es. verschnupfte unsere Stadtväter, daß so ein Preßmensch wegen Beleidigung bestraft ist, und ganz besonder» waren sie aufgebracht, al» sie hörten, daß unter diesen Beleidigungen eine solch««ine» Berliner Armenvorstther» sich befand. Gerade die letztere Sache ist kein Ruhmesblatt für die städtische Verwaltung. Da» war aber zuviel! Ein solcher Mensch ist unwürdig, dem Waisenrat anzugehören, riefen sie und sie be- schlössen demgemäß. Durch diesen Beschluß ist einem Bürger Berlin», der sich nicht» Unehrenhaftes hat zuschulden kommen lassen, tatsächlich da» Bürgerrecht bis zu einem gewissen Grade abgesprochen worden. Mehr noch: Ein Redakteur, der wiederholt wegen PreßvergrhenS bestraft ist, ist nicht würdig, ein kommunales Ehrenamt zu bekleiden. Da» ist ein Verfahren, gegen da» auf das energischste Protest eingelegt werden muß. E» dürfte in Berlin kaum«inen Redakteur geben, der nicht wegen Preßvergehen» vorbestraft ist, wenn er in seinem Blatte eine verantwortliche Stellung einnimmt oder eine solche einmal eingenommen hat. Gerade Redakteure oppost- tioneller Blätter sind ständig in Grfaht, angeklagt und auch ver- urteilt zu werden. Diese Anklagen und Verurteilungen erfolgen fast ausschließlich wegen Beleidigung. Deshalb ist der Beschluß de» Ausschusses für unbesoldete Gemeindebeamten nicht nur un» erhört rückständig, sondern auch für Mitglieder der Presse direkt schwer beleidigend. Für Redakteur« gelten Strafen, die st, tn Ausübung ihre» Berufe» erlitten, al» durchaus ehrenhaft; der Ausschuß für Unbesoldete erklärt solche Personen für unwürdig zur Bekleidung eines kommunalen Ehrenamtes und spricht ihnen somit die Ehrenhaftigkeit ab, brandmarkt sie als unehrenhaft. Das ist skandalös. Die Angelegenheit dürfte tn einer der nächste« Sitzungen der StgdtperordoctezOerjqMWlMg zur Emz« kommen, am feg« zustellen, inwieweit die kommunalfrcisinnige Mehrheit im Roten Hause den unbegreiflichen Beschluß ihres Ausschusses billigt. EingcmeinduiigSvrrhandlungcn zwischen Rixdorf und Treptow. Zwischen Rixdorf und Treptow Mveben seit einigen Wochen Ver- Handlungen, die eine Verschmelzung beider Orte zum Zielt haben. Von einer Eingemeindung Treptows mit Baumschulenweg nach Rixdorf kann»ach Ansicht der Treptower nicht gut gesprochen Iverde». Die Treptower wollen z. B. ihren Namen behalten und da köimte es bei dem großen Entgegenkommen, das Rixdorf gezeigt hat, allen Ernstes dahin kommen, daß der Name Rixdorf, mit dem man io in Rixdorf selbst nicht reckt zufrieden ist, verschwindet und Trep- tow an dessen Stelle tritt. Wie unS schon vor einiger Zeit von ver- traueniivürdiger Seite mitgeteilt wurde, besteht sowohl in Rixdorf wie in Treptow unter den maßgebenden Personen die größte Gc- neigthei zu der geplanten Verschmelzung. Auch die Regierung soll angeblich der Angelegenheit Ivohlwollsnd gegenüberstehen, während sie früher, als Verhandlungen mit Berlin schwebten, dem Bürger- meistcr Schablow-Treptow lveitere Verhandlungen nicht gestattete. Di« Stadt Rixdorf ist natürlich in hohem Grade an der Sache in» teressiert. Sie besitzt keinen öffentlichen Park und würde bei einer Verschmelzung beider Orte ohne Kosten den Treptower Park mit dem Plänterwald innerhalb seiner Mauern lmben, ohne dafür Mittel aufzuwenden. Es darf hierbei nicht außer acht gelassen werden, dag früher Treptow zu Berlin gehörte, daß drei Viertel dcS gesamten Grund und BodcnS in Treptow uralter Grundbesitz von Berlin-ist, daß der Magistrat Berlin und seine Stiftungen in Rixdorf über großen Grundbesitz verfügen, wofür jährlich rund Löö 000 M. Steuern und andere Lasten zu entrichten sind. Unseres ErachtenS lväre die beste Lösung die. daß alle Bororte nach Berlin «ingemeindet würden. Dann kämen auch die für die Vororte so dringenden Vcrkchröfragen mehr in Fluß. Denn eS ist zweifellos, daß auf dem Gebiete des Verkehrs nach den Vororten es sehr tm arge» liegt. Dieser Eingemeindung steht aber heute die Regierung im Wege, deren Handeln vorgezeichnct wird durch den Kreis Teltow im Berein mit der Provinzialverwaltung der Provinz Brandenburg. Eine ganz erheblich« Verteuerung der Krankentransporte aul der Eisenbahn ist vom Eisenbahnministcr angeordnet worden. Nach der für diese Transporte gültigen Vorschnft müssen für jeden Kranken vier Fahrkarten dritter Klaffe gelöst Iverden, wobei noch zivei Begleiter in dem Krankeirabtcil freie Beförderung haben. Di« Krankenabteile sind, um die Stöße während der Fahrt abzu- schwächen, in dierachsigen Wagen eingerichtet. Die oben erwähnte Taxe wird nun fortan nur dann noch geivährt, wenn die Wagen. welche Krankenabteile aufweisen, in bestimmten Zügen reglelmaßig Verkehren. In allen anderen Fällen sind in Zukunft für jeden zur Beförderung konnirenden Kranken in einem Krankcnabteil sech» Fahrkarten zweiter Klasse zu löse»! Hierzu kommt nun noch ein Extrazuschlag von sieben Pfennigen per Achs« und Kilometer für die Zeit, während ivelch:r der Wagen vor und nach dem TranS- Port deö Kranken zu seine», Bestimmungsort leer läuft. Die dadurch herbeigeführte Verteuerung ist ganz enorm. Beispielsweise wird in erstcrcm Falle ein 5krankcr von Berlin nach Hamburg oder umgekehrt für 55,80 M. befördert, während der Transport in letzterem Falle nicht weniger als 164,80 M. kosten wird. Dieses Weihnachtsgeschenk drS EisenbahnministcrS wird sicher nur wenige Freunde gewinnen. In der Mordsache der Frau Hoffmann in der Blumenthal- straße 1 wird berichtet, daß der Sattler Mielke, entgegen einer anders lautenden, auch von uns kürzlich gebracht.» Meldung, sich noch in Haft befindet und auch behalten wird. Es heißt, daß starke Verdachtsmomente gegen Mielke vorliegen. Es lverden auch noch einige andere Spuren verfolgt. Der Fust abgequetscht. Von einem schtveren eigenartigen Unfall ist gestern der Bootsmann EhiMonick aus Trcbitzsch betroffen worden, der sich auf der Fahrt nach Berlin befand. Ali die Zille die Schleuse an der sogenannten„Großen Tränke' bei Fürsten- walde passiert hatte, wollte Ch. das Fahrzeug festlegen. Dabei ge> riet der Bootsmann mit dem rechten Bein in eine Schlinge de» Drahtseiles, mit dem der Kahn an dem Schleppdampfer befestigt tvar. In demselben Moment zog der Dmnpfer noch einmal an und dem Bedauernswerten wurde der Fuß über dem Knöchel glatt ab- geschnitten. In besinnungslosem Znstande wurde der Verunglückte nach dem Krankenhaus« überführt. Polizeipräsidium und Mohr». Co. Das Polizeipräsidium tritt mit: Die Altonaer Margarine- werte Mohr u. Co» G. in. b. H., in Altona-Ottensen haben hiesigen Blättern nach deren Mitteilung eine Erllärung zugehen lassen, wonach der Genuß ihrer Margarine so wenig in Berlin wie in irgend einen, anderen Orte bioh.'r als Ursache für irgendwelche Erkrankungen zuverlässig festgestellt worden sei, und bezeichnen sogar die mit Bezug hierauf gebrachten Mitteilungen der Presse als univahr. Demgegenüber ist nun, slpveit Berlin und seine Bor- orte in Betracht kommen, folgendes amtlich festgestellt: Am 2ö. November d. I. ging vom zuständigen Polizeirevier in Berlin die Meldung ein, daß in der Wcberstraßc eine und in der Borhagcncr Straße vier Familien nach dein Genuß von Margarine unter Magen- Und Darmsynrptoincn erkrankt seien. Die weitere Feststellung ergab, daß öS sich um Margarine(Marke Bocka) aus der Fabrik Mohr u. Co., G. ,». b. H., Altona-Ottensen, handelte. Die Margarine hatte sich eine der erkrankten Familien als Post- Paket senden lassen und davon den anderen Familien abgegeben. Am 12. Dezember d. I. ging eine weitere amtliche Anzeige ein, daß in Deutsch-WilmerSdvrf von einer Poflbxlmtenfainilie infolge des Genusses von Margarine am 11. d. M. drei Personen mit Erbrechen erkrankten, während eine vierte Person in der Familie. die Naturbuttcr genossen hatte, gesund blieb. Wie festgestellt ist. handelte eS sich hier um Margarine, die in einer Menge von 20 Pfund anS den Altonaer Margarinewerken Mohr n. Co.. G. m. b. H., Altona-Ottensen. also auS derselben Fabrik. auS der die Marke„Backa' stammte, bezogen war, aber nicht um die Marke „Bocka', sondern um die Marke„Frischer Mohr' und..Luise'. Mit Margarine der Marken„Bocka' und„Frischer Mohr'■— Proben der nur in geringer Quantität bezogenen Mark«„Luise' waren nicht mehr vorhanden— sind nun in dem Königlichen In- stitut für Infektionskrankheiten, hier. Fütterungsversuche an Hunden angestellt lvordcn, die folgendes Resultat ergaben: Sämtliche mit den genannten beiden Marken gefütterten Hunde erkrankten zirka eine halbe Stunde nach dem Genuß der Proben mit großer Unruhe und Erbrechen. Letzteres wkbderbolte sich in den nächsten Stunden mehrmals bis zu zwanzigmal. Nach sechs Stunden lagen die Tiere wie sterbend auf der Seite, erholten sich zum Teil aber wieder. Ein mit„Bocka' gefütterter Hund war zwanzig Stunden nach der Fütterung tot. Die Schleimhaut deS Magens und obersten Dünndarm» war lebhaft gerötet und ge- schwollen. Hund«, die zur Kontrolle mit Proben von reiner und Kunstbutter gefüttert wurden, blieben dagegen sämtlich gesund. Aus den Versuchen geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß die be» anstandeten Marken Stoff« enthalten, welch« heftige Entzündun- gen der Magendarmschleimhaut hervorrufen und durch Bergiftung tödlich wirken können, wem, auch über di« Natur dieser Stoffe«in abschließendes Urteil noch nicht«bgeaeben werden kann. Weitere Fälle sind amtlich nicht bekannt geworden. Ein trauriges WcihnachtSfcst ist der Familie de» Fabrik. arbeiterS Franz Schubert aus der Brunnenstraße bcsch'eden. Sch. wurde seit mehreren Tagen vermißt. Er hatte sich in der Absicht von daheim entfernt, um seine Arbeitsstelle aufzusuchen. Seitdem war er verschwunden. Di» Angehörigen glaubten schließlich, er sei da» Opfer eine» Unglücksfall«» geworden, doch sollte sich die» nicht bestätigen. Gestern wurde ihnen nun d« niederschmetternde Nach«. richt zu teil, baß iJjr Ernährer oTS Leiche m ber Havel aufgefunden worden sei. Zweifellos liegt Selbstmord vor. Da man sich die Handlungsweise des Lebensmüden in keiner Weise zu erklären ver- mag, so wird angenommen, daß er sich in einem Anfall plötzlich aus- brechender Geisteskrankheit in die Fluten gestürzt hat. Reiche Beute machten Einbrecher auf dem Grundstück Alte Jakobstratze 20/22. Sie zertrümmerten die Fensterscheibe des Lederwarcngeschäftes von K. und räumten das Schaufenster fast vollständig aus. Unter den Auslagen befanden sich fast nur Weih- nachtspräsente, wie Handtaschen. Zigarrentaschen. Portemonnaies usw. Der Geschäftsinhaber ist um 700 M. durch die Einbrecher geschädigt worden. Den gleichen Schaden hat der Inhaber eines Konfektions- geschüftes in der Waldstratze 5 durch Einbrecher erlitten. Bei ihm wurden Damenkostüme, Blusen, Röcke und Wäsche im Werte von 700 M. gestohlen. Einbrecher statteten in der Nacht zum Sonnabend dem Bureau des Brauereiarbeitervcrbandes in der Mulackstr. 10 einen Besuch ab. Die Zugangstür zu den Räumen wurde erbrochen und bei der Suche nach Geld alles durchwühlt und in Unordnung gebracht, was nicht niet- und nagelfest war. Die Geldschränke widerstanden den Bemühungen der Spitzbuben, denen insgesamt nur zirka 20 M. Portogelder usw. in die Hände fielen. Arbeiter-BildungSschulv. Dienstag, den 27. Dezember(3. Feier- tag), abends 7 Uhr, im Kön gstadt-Kasino, Holzmarktstr. 72, Vor- trag des Genossen Waldeck Manasse:„Vom Glauben zum Denken".— Die Bibliothek ist bis zum Wiederbeginn des Unterrichts am 15. Januar jeden Donnerstagabend von 8 bis L Uhr geöffnet. Die Direktion des Zirkus Busch hat den Besuchern zum Weih- nachtsfest eine neue Pantomime beschert. Sie ist betitelt:„A r- min oder die Hermannsschlacht" und hat die geschicht- lichen Vorgänge im Jahre 0 nach Christus zur Unterlage, wo in Germanien die Römer hausten und sich die einzelnen Völkerstämme tributpflichtig machten, bis Arminius, der Cheruskerfürst, durch einen Zusammenschlutz der Stämme die römischen Legionen unter Führung eines Varus in der Schlacht im Teutoburger Wald ver- nichtete und die römische Herrschaft brach. Dieser Stoff gibt dem neuen Schaustück Anlaß genug zur Eni- faltung einer gewaltigen Pracht. Eine der augenblendenden Vorfüh- rungen bildet der Einzug des Römerheeres in Cheruska- Soldaten in glänzendem Harnisch, zu Futz und zu Pferde in ihren bunten Gewändern marschieren in Masse über die Brücke und geben ein äußerst buntes Bild. Flötenspielerinnen, Tänzerinnen zeigen ihre Künste, das Ballett spielt ein« große Rolle. Selbst ein Gewitter im Teutoburger Walde erleben wir, das geradezu genial dargestellt wird. Grotzartig ist die Darstellung im letzten Akt, in dem man nach Walhall versetzt wird, wo Wodan thront und wo Fcuergeister ihre wild bewegten Tänze aufführen. Di« Beleuchtung war geradezu feenhaft. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im Monat November einen Umsatz von 445 882,24 M.. gegen November 1900(292 049,17 M.) mehr 153 833,07 M. In den ersten fünf Monaten des neuen Geschäftsjahres(Juli— Novemb«r) beträgt der Umsatz 2 000 906,74 M.. im Vorjahr betrug der Umsatz in dem» selben Zeitraum> 337 453,29 M., das ist eine Stelgerung um 669 453,45 M.. gleich 60,1 Prozent. Vorort- JVadmcbtcih Cbarlottendnrg. Elternverein für freie Erziehung. Auf die am Mi». woch, den 28. Dezember, nachmittags 4 Uhr, im grotzei, Saal des Volkshauses, Rosinenstratze 3, nochmals stattfindende große Märchenaufführung:„Der Waldkinder Weihnachtstag", Märchenspiel mit Gesang, Tanz und Reigen, wird hier. durch besonders hingewiesen. Billetts zum Preise von 30 Pf. für Erwachsene und 10 Pf. für Kinder sind zu haben bei Hintze. Kaiser Friedrichstr. 72, Grätz, Spreestr. 56, Leupold, Krummestr. 7, Leupold, Kirchstr. 28. und im Konsum, Wallstr. 23, sowie in den Konsumfilialen. Schönederg. Heut»(erster Feiertag) veranstaltet der Schöneberger Männerchor 4 Stunden mußten die Tiere in dem eiskalten Schlamm aushalten, bevor eine bereite Hilfsmannschaft aus den Umstehenden mit dünnen Ketten und Vorspann zweier Pferde die unglücklichen Tiere befreiten. Die Feuerwehr, die mit dem nötigen Rettungszeug versehen ist, hätte dies in bedeutend kürzerer Frist erledigen können. Baumschulenweg. Am ersten Weihnachtsfeiertag in Speers Festsälen: WeihnachtS- bescherung. Anfang 6 Uhr. Petershagen b. Fredersdorf. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde auf Antrag unserer Genoffen beschlossen, die von den Anliegern für Pflaster- kosten beim Gemeindevorsteher hinterlegten Sparkaffenbücher zu sperren und gegen Diebstahl zu versichern. Am 10. Januar d. I. wurde eine Kommission von 3 Personen beauftragt, sich über den Wert und Nutzen der Einführung der Grundwertsteuer zu in- formieren. Auf Drängen unserer Genoffen wurde in der Sitzung ein Bericht gegeben, der in keiner Weise befriedigte. Mit ein paar Sätzen war der Bericht erledigt und man merkte deutlich, daß es den Bauern lediglich darum zu tun ist, zu den Kosten der Weiter- entwickelung der Gemeinde nichts mit beizutragen. Nach einem kurzen Referat deS Genoffen Stimminy, stellte derselbe den Antrag, nochmals eine Kommission für diese Sache zu wählen, aber an den Widerstand der Alteingeseffenen, welche nicht gern in ihre Tasche areifen, kam derselbe mit 5 gegen 4 Stimmen zu Fall. Von der Schulkommisston wurde beantragt, das neue Schulgebäude umzu- bauen, um ordentliche Lehrenvohnungen zu erhalten. Unsere Ge- nassen wiesen darauf hin, daß bereits in der letzten Sitzung ein Antrag zur Annahme gelangte, einen An- und Aufbau vorzu- nehmen, um Räume für die Lehrer sowie UnterrichtSräume zu erhalten. Beschlossen wurde zunächst Kostenanschläge einzufordern. Inzwischen können die Kinder ruhig weiter auf den Fensterbrettern ihre Schularbeiten erledigen. Waidmannslust. Einen Wilhelm-Busch-Aiend veranstaltet die hiesige Abteilung unseres Bezirks am 31. Dezember als Silvesterfeier. Eintrittskarten a 15 Pf. find beim Abteilungsführer Genosseu Eckarius, Waidmann- straße 1. zu haben. Ansang 9 Uhr abends. Nieder-Schönhansen. Aus der Gemeindrvertretung. Auf die Ausschreibung zu einem Platz für die höhere Mädchenschule sind 11 Angebote eingegangen, dieselben sollen der nächsten Sitzung unterbreitet werden. Mit der Verwaltung des Armenhauses wurde der Vorarbeiter Hartmann betraut. Als Entschädigung für die Verwaltung werden ihm zwei Zimmer und eine Küche zur Verfügung gestellt. Dem bisherigen Verwalter, Friedhofsinspektor Bermuske wird ein Zimmer als Dienstraum überwiesen, außerdem erhält er anstatt der bisherigen freien Dienstwohnung 290 M. Wohnungsentschädigung. Die durch die Volkszählung entstandenen Küsten von 310,75 M. wurden be» willigt. Dem Gesuch der Gemeindebcamten um Auszahlung des am 1. Januar 1911 fälligen Gehalts vor dem Weihnachtsfest wurde zugestimmt. Der Bürgermeister trat warm für das Gesuch der Be» amten und Lehrer ein. indem er nochwies, daß der der Gemeinde entstehende Zinsverlust für die früher fälligen Gehälter von 45 000 Mark nur 43,75 M. betrage. Dem Vertreter der Beamten, Ge- meindevertreter Becken, war das Gesuch nicht sympathisch, da die frühzeitige Auszahlung der Gehälter nicht im Interesse der Be- amten liege, da ihnen das nächste Quartal dann sehr lang werden würde. Anscheinend befürchtete er, daß die Beamten während der Feiertage ein zu üppiges Leben führen könnten. Zur Herstellung neuer Anlagen des Wasserwerks wurden für das Etatsjahr 1911/12 50 000 M. bewilligt, da es für die Dauer den Anforderungen nicht mehr genügen würde. Bei der Festsetzung des Brennkalenders der Straßenbeleuchtung fffr das Jahr 1911 wurden Aenderungen nicht vorgenommen. In der hierauf folgenden nichtöffentlichen Sitzung wurde beschlossen 21 hiesigen Veteranen eine Ehrengabe von je 20 M. aus Gemeindemitteln zu gewähren, außerdem stand die Aufnahme der im Etat 1910/11 vorgesehenen Anleihe von 200 000 M. zur Beratung. Potsdam. Der Charakter der Stadt erfordert es, der Armenpflege ganz besonderes Interesse zuzuwenden. Diese kürzlich vom Oberbürger- meister gesprochenen Worte scheinen nicht von allen in der Armen» pflege tätigen Personen beherzigt zu werden wie folgender Fall aus Potsdam zeigt: Eine Frau P. begab sich am vergangcuen Freitag zu dem Armenvorsteher K. in der Mittelstraße, um von diesem ein« Unterstützung zu erbitten, denn, sie und ihre Kinder hatten den ganzen Tag noch kein Stückchen Brot zu sich genommen. Sie selbst ist nicht in der Lage zu arbeiten, da sie erst vor kurzem entbunden hat; ihr Ehemann verbüßt zurzeit eine Freiheitsstrafe. Sie war vorher vom Magistrat an Herrn K. verwiesen worden. Anstatt Geld erhielt die Frau den Bescheid, er habe für sie kew Geld. Unter Tränen verließ die Frau den Armenvorsteher und wandte sich an den Armenpfleger Herrn K. in der Junkerstraße. Hier fand sie eine bessere Aufnahme. Herr K. sandte sie wieder zurück zu dem Armenvorsteher, indem er ihr aufgab, sich auf ihn zu berufen. Als sie nun zum zweiten Male bei dem Armenvorsteher erschien und angab, vom Armenpfleger geschickt worden zu sein. erlebte sie ähnliche abweisende Worte wie beim ersten Male. Er verharrte auf seinem Standpunkt, nichts zu geben und wieder zog sie ohne einen Pfennig Geld von dannen. Abermals begab sie sich zum Armenpfleger und erzählte ihm ihre Erlebnisse bei dem Herrn Armenvorsteher in der Mittelstraße. Diesem ging die Sache an- scheinend auch etwas über die Hutschnur, denn nach einem etwas scharfen Telephongespräch bequemte sich Herr Armenvorsteher K. endlich, der Frau 6 M. zu geben, indem er meinte, daß der Armen. Pfleger ihr ja mächtig beizustehen scheine. Hoffentlich wird der Magistrat diesen Fall recht genau untersuchen, und dafür sorgen. daß die eingangs zitierten Worte des Stadtoberhauptes auch Geltung finden. Bom Dach abgestürzt ist im benachbarten Sakrow der bei einem Steglitzer Meister beschäftigte 18jährige Dachdecker Fuge. Der Verunglückte wurde in schwer verletztem Zustande nach dem PotS» I damer städtischen Krankenhause gebracht. Hua der Frauenbewegung. Kampf! „Das Ziel ist ungemein schön, es leuchtet so verheißend, daß nichts so schwer sein kann, um nicht doch die Kraft zu finden, eS zu überwinden. Wenn es mir gelingen wird, in diesem Sinne mit meiner bescheidenen Arbeit zu wirken, dann habe ich mein Ziel erreicht." Mit diesen Worten läßt Genossin Adelheid Popp ihre Jugend- geschichte aiiSklingen. Wie diese Frau sich vom armen, gedehmüiigten Proletarierkinde zur allezeit streitgcrüsteten Klassenkämpferin durchgearbeitet, so haben Tausende und Abertausende ihrer Klassen- swwestern den Ruf vernommen und sich um das rote Banner ge- schart. Gewallig gärte es in dem Jahrtausende laug zunickgedränqten, unterdrückten und verachteten weidlichen Geschlecht. Es lösten sich die Banden frommer Scheu, all die Dogmen und Legenden, nach denen das Weib alles Elend auf dieser Welt verlchuldet habe, fegte der Wirbelsturm der Aufklärung lustig hinweg. Gleichberechtigung aller Geschlechterl Alles was Menscheiiantlitz trägt, soll gleich sein, lautete der Schlacht- ruf. Der aufstrebende Kapitalismus hatte die Gleichverpflichtung beider Geschlrchter durchgeführt, indem er die Frau ebenso rücksichtslos auSbeuiete, wie den Mann. So wurde das Weib unter dem Druck der kapitalistischen Wirtschaftsordnung das Objekt doppelter und drei- focher Ausbeutung und Unterdrückung. Die inielligeiiiesten und auf- gewecktesten unter den Frauen begriffen bald, daß das Heil nicht mehr vorn Hiimnel oder von dem Wohlwollen ihrer„Brotgeber" komme, sondern im Kampfe, an der Seite ihrer männlichen Klassengenossen, im zähen Ringen mit den Mächtigen und Herrschenden erobert werden müsse. Aus der kleinen Flamme wurde eine Riesenfackel, die die Stürme und Kämpfe zum Weltenbrand entfachte! Ueberoll, in allen Kulturländern erwachten die Frauen anS ihrem jahrhundertelangen Dornröschenschlaf. Zwar waren ihnen im Lande der Dichter und Denker politisch die Hände gebunden, aber der Geist, der starker ist als alle Gesetze. überwand alle Schwierigkeiten. Als die Kettenglieder klirrend zer- sprangen, stand trotzig- drohend ein geschultes, erprobtes Heer von Kämpferinnen vor der erstaunten Mitwelt! Alle lächerlichen, ver- zopsten Bestimmungen ballen nicht vermocht, die Geister, die re- bellierend aus der Tiefe quollen, zu bändigen, zuruckzudämmen. Den Bewegungen, die die wirtschaftliche Entwickelung gebiert, muß, wenn ihre Stunde gekommen ist. der armselige Polizeigeist weichen. AuS den, Schöße des Kapitalismus wuchs dessen schlimmster, lod- bringender Gegner, die Arbeiterbewegung, der Sozialismus j Ein heißes Ringen Hub an, daß die Erde stövitte unter den erbitterten Kämpfen der beiden Riesen. Nicht mehr ab- seits stand die arbeitende Frau, nein, mitten im Gewühl, in den vordersten Schlachrreihen war die neue Streit» geiioi'sin zu finden. Waren es doch ihre Interessen, wie die des Mannes, die da verteidigt wurden. Die Frau kämpfte mit als Ausgebeutete, als Hausfrau und als Mutter I Keine Frage gibt es in der Oeffeiitlichleit, die nicht das Wohl und Wehe der Prolelorierin in eiiischneidenstcr Weise berührt. Darum müssen auch alle die lindlichen Ermahnungen, die die Frau in die ehemalige Stellung des „NichtS-als-Weibchen" zurückdrängen möchten, unwirksam verhallen, gerade so. wie die Stimme des Predigers in der Wüste. Die wirt- schaftliche Entwickelung geht ihren Weg unbeirrt aller Unkenrufe und unter den Weben des KlassenlampfeS wird das neue Reich geboren, das Reich des Friedens, der Wohlfahrt, der Gleichberechtigung für beide Geschlechter, für alle Völler! Dienstbotenbewegmtg in Wien. Auch die zweite Dienstmädchenversammlung, die am vergangenen Sonntag abgehalten wurde, war massenhaft besucht. Wieder haben 200 Mädchen ihren Beitritt zur Organisation angemeldet. Die Referentin, Genossin Popp, erläuterte den Mädchen den Unterschied zwischen sozialdemokratisckien und andere» Organisationen. Als sie den Mädchen sagte, daß Sozialdemokraten Arbeiterinnen G e- nossinnen zu nenu.n pflegen und daß sie glaube, auch die' dienenden Mädchen werden einst stolz darauf sein, sich als Ge- nossinnen betrachten zu können, da ging ein Sturm des Beifalls durch den Saal. Di? Referentin zerstörte auch alle vielleicht vor- Händen gewesenen Illusionen, als ob die Organisatiousgründung von selbst alles verwirklichen würde, was die Mädchen zur Verbesserung ihrer Loge wünschen. Sie erklärte ihnen die Pflichten der Opferwilligkeit und der Solidarität, die um des Zieles Willen geleistet werden müßten. Die Aufklärung, das Streben nach erhöhtem Wissen, die sozialdemokratische Erziehung stellte die Rednerin als unerläßliche Vorbedingung hin. Die Mädchen zeigten volles Verständnis für diese Darlegungen. Eine ganze An- zahl von ihnen ergriff das Wort und alle gaben ihrer Freude AuS- druck, ai'ch in die Bataillone der organisierten Arbeiterschaft auf- genommen zu werden._ Versammlungen— Veranstaltungen. Zeutralverband der Hausangestellten. Am 2. WeihnachtSfeiertag ln Kellers Philharmonie, Köpeuickcr Str. 96/97: Weihnachtsfeier. Programm: Frau W. Kähler: Festrede. Kätc Hyan: Lieder im Volkston zur Laute und Gitarre. Herr Fritz Richard vom Deutschen Thealer: Rezitationen ernster und heiterer Dichtungen. Ball. Ansang 6 Uhr. Beginn des Programms>/z8 Uhr. Eua aller Melt. Schwere Eisenbahnkatastrophen. Auf dem Bahnhof der französischen Ortschaft Cadoukae stießen am Freitagabend zwei Güterzüge zusammen, wobei der Zugführer des einen Zuges auf der Stelle getötet wurde. Der. Materialschaden ist sehr bedeutend. Die Strecke war mehrere Stunden zwischen Langon und Bordeaux ge- sperrt. Infolge des Unfalls wurden die in der Richtung nach Bordeaux fahrenden Züge auf der Station Arbanats zurückgehalte» und zwar der von Toulouse kommende Expreßzug Nr. 152 und der Personenzug Nr. 134 aus Agen. Zuerst traf der Expreßzug Nr. 152 ein; die kleine Station war vollständig vom Nebel verdeckt. Als der Personenzug Nr. 134 in die Station einfuhr, ließ der Stationsvorsteher den Expretzzug ein Stück weiter nach vorn ziehen, um Platz für den Personenzug 134 zu ffchaffen. Der Expreßzug hatte sich jedoch kaum in Bewegung gesetzt, als der Personenzug 134 mit voller Geschwindigkeit auf die letzten Wagen des Expreßzuges auf- fuhr. Der letzte Wagen deS Expreßzuges wurde vollständig zertrümmerr, während Die beiden vorletzten entgleisten und gleichfalls in Stücke gingen; die übrigen Wagen blieben unbeschädigt. Die Maschine des auffahrenden Personenzuges sprang ans dem Gleise und legte sich auf die Trümmer des letzten Wagens. Der Lokomotivführer wurde sofort getötet. Die vier letzten Wagen des Expreßzuges waren vornehmlich mit für das Weihnachtsfest beurlaub- ten Soldaten des 20. Infanterieregiments in Monteauban besetzt. Zwei Infanteristen, sowie ein Artillerist wurden getötet. Letzterer hatte so schwere Verletzungen im Gesicht erlitten, daß seine Identität nicht festgestellt werden konnte. Außerdem wurden etwa 30 S o l d a t e n des 20. Infanterieregiments mehr oder minder schwer verletzt. Nach einer späteren Meldung ist von den Verletzten noch eine Person gestorben, so daß die Zahl der Toten nunmehr fünf betragt « Aus MarmanVe meldet 8er Telegraph ein neueS Eisenbahnunglück. Eine Maschine fuhr in einen aus Mont-dc-Marsan kommenden Personenzug hinein. Zehn Reisende haben Verletzungen davon- getragen. Ein drittes schweres Eisenbahnunglück hat sich nach einem Telegramm aus London in der Nacht zuni Sonnabend in der Nähe des englischen Ortes K i r k b y Stephan zugetragen. Ein Expretzzug fuhr dort auf zwei ihm vorausfahreude Lokomotiven auf. Die Gewalt des Zusammenstoßes war so groß, daß die beiden vorauffahrenden Lokomotiven eine große Strecke nach vorwärts geschleudert und vollständig zertrünimert wurden. Die beiden Maschinen des ExpreßzugeS entgleisten und stürzten um. der Zug war sehr lang und mit ctlva 5l)0 Passagieren besetzt. Es wird berichtet, daß alle Wagen einschließlich des Schlafwagens aber mit Ausnahme des Hinteren Bremswagens in Brand gerieten. Mehrere verkohlte Körper wurden unter den Trümmern gefunden. Ein Mitreisender erzählt, er habe ein Kind vor den Augen seiner Eltern verbrennen sehen. Amtlich ivird die Zahl der Getöteten auf neun angegeben. Da die Nacht sehr dunkel war und der Ort der Katastrophe sehr ver- einsamt liegt, konnte nur geringe Hilfe geleistet werden. Totschlag beim Boxkampf. Der unter dem Sporlsnamen Jim Holland bekannte Boxer Mbert Davis ist bei dem Anstroge eines BoxmatcheS in Liverpool durch seinen Gegner KnockS getötet worden. Das Match umfaßte 2V Runden; in der IS. Runde machte KnockS einen Ausfall und versetzte Davis einen schweren Schlag gegen die Kinnlade. Der Boxer fiel zur Erde und wurde im bewußtlosem Zustande nach einem Hospital transportiert, wo er kurze Zeit darauf, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. starb. Knocks wurde sofort verhaftet. DaS Gericht von Liverpool hat die für seine Freilassung angebotene Kaution ab- gelehnt._ Cooks Hoffnungen. Der Polarforscher Cook, der am Freitag in New D o r k ein» getroffen ist. hat einem Interviewer die Erklärung abgegeben, daß er überzeugt sei, seinenRuf alsForscher wieder herzu- stellen. Er versicherte neuerdings, davon überzeugt zu sein, den Pol erreicht zu haben. Er glaube aber auch, daß eS auch P e a r y gelungen sei, den Pol zu erreichen. Er bestreitet aber die Möglichkeit sowohl für ihn als auch für Peary, dieses positiv be- weisen zu können. Cook erklärte, daß seine Karriere als Forscher nunmehr beendigt sei und daß er den Rest seines Lebens dem Per- soffen von Büchern widmen werde. Wenn Cook dabei dieselbe Phantafle entwickelt, wie beim Nord- polenidecken, können das ja nette Münchhausiaden werden. Mit der ganzen Besatznng untergegangen. Wie erst jetzt bekannt wird, stieß am Mittwoch der fnuizösische Dampfer„Jean Concel" im Mittelländischen Meere in der Nähe der spanischen Stadt A l i c a n t e mit dem spanischen Dampfer„Jndustria" zusammen. Der„Jean Concel" sank innerhalb weniger Minuten mit d e r g anz e n B e m a n nu n g in einer Stärke von 28 Mann. Nur ein einziger Matrose wurde nach einigen Stunden durch ein englisches Fahrzeug gerettet. ... und den Menschen ein Wohlgefallen! In dem„Erfurter Allgcm. Anzeiger" findet sich im Inseraten- teil folgender Notschrei: Ein Militär-Jnvalide, herz-, nerven- und magen- leidend und gänzlich arbeitsunfähig, bittet Edeldenkende um etwas abgelegte Kleidung:c. gegen geringe Bezah- lmig. Bei niciner MonatSrente von 12 Mark kann ich mir leider meine notdürftige Kleidung nicht zulegen und bitte gütigst mir Wohlwollende, diesbezügl. Adressen unter „Invalide" in der Geschäftsstelle dieses Blattes niederzulegen. Eine treffliche Illustration zu dem albernen Gerede von der christlichen Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Wie die Uhr der Simmeringer Pfarrkirche „funktionierte". Im„N. W. Tgbl." lesen wir: Eine lustige Geschichte, die wie eine Witzblatthumoreske anmutet, erweckte in der letzten Sitzung der Bezirlsvertretung S i m m e r i n g bei Wien lebhafte Heiterkeit. Auf die Beschwerde eines Bezirksrateö, daß die Uhr der eben erst ein- geweihten Simmeringer Pfarrkirche ihre Tätigkeit bereits wieder eingestellt habe, erzählte Bezirksvorsteher Hhsch: Kurz vor der Einweihung konstatierte man. daß die Uhr„Manderln" mache. Man telephonierte schleunigst dem Uhrmacher, aber all seiner Kunst gelang es nicht, die streikende Ubr wieder in Gang zu bringen. Gehen mußte aber die Uhr bei der Einweihung, und so verfiel man auf ein einfaches Mittel: zu jedem Minutenzeiger der vier Ziffer- blätter wurde ein Arbeiter gestellt und nach dem Konimando eines weiteren Arbeiters, der mit einer Taschenuhr in der Hand den Lauf der Zeit kontrollierte, rückten dann die Zeiger vorwärts. Auch das Schlagwerk der Uhr wurde aus diese Weise in Betrieb gesetzt. Bald nach Beendigung der Ein- weihungsfeierlichkrit stellte jedoch die Uhr ihre Tätigkeit wieder ein: die Arbeiter waren zum Mittages sengegangen. Kleine Notizen. Eifersuchtsdrama. In der letzten Nacht gab in München ein 27jähriger verheirateter Chauffeur au» Eifersucht drei Revolverschüffe auf seine ehemalige Geliebte, eine 24jährige Kellnerin, ab. Das Mädchen sank tot zu Boden. Hierauf richtete der Täter die Mordwaffe gegen den neuen Liebhaber deSMSdchenS, einen 27jährigen Monteur, der durch zwei Schüffe in den Kopf und in die Brust verletzt wurde. Der Täler wurde heute früh mit Hilfe eines Polizeihundes aufgegriffen und verbastet. Noch ein Liebesdrama. Der Sohn eines KaufinannS L e w i ck i aus Lemberg, der in intimen Beziehungen zu der Schauspielerin O g i n s k a vom Lemberger Stadttheater stand, tötete in seiner Wohmmg die Schauspielerin durch mehrere Rebolverschüsso. DI« Getötete war die Frau eines Lemberger Journalisten. Schweres Unglück durch explodierende FcucrwcrkSkZrper. Aus Philippeville sAlgerien) Ivird gemeldet, daß acht Kisten mit Feuerwerkskörpern beim Ausladen auf dem Hafenkai explodierten. Zwei Personen wurden getötet. 11 Personen, darunter neun Araber, wurden schwer verletzt. Sechs Mann rrtruiiken. An der australischen K ü st e ist während eine? Sturmes der französische Dampfer„Jeune LeruiS" g e st r a n d e t. Sechs Mann der Besatzung sind dabei umS Leben gekommen._________ HilfSkasse der Graveure, Ziseleure und verwandten BcrufZgenoffen in Berlin tagt jeden 1. Montag im Monat Restaurant Brmmert, Luisen« ufer 1, abends 8—10 Uhr. Lriekkaften der Redaktion. ®le vier treV InriMlid» EvrechNnnd« Niide« Lindenftraste Nr. 69. Vorn . peil— teolirftnM—, luorticniöfllirti von 4V> btd?'/, Uhr abeuvo, Sonnabends von 4'/, biS 6 Ilh, nachmitiags fmtt. Aeder fiir den Briet- tasten bestimmten tlntraae ist ein Buchstave und eine jsalit als Stiert- zetiden belzniiiaen. Brietltche Zlntwar« wird uiibt erteilt. Eilige iiraaen»rage man in der Svreibstnnde vor. M. W. 1874. 1. Sie müssen beim Amtsgericht die Zlnberaumung eines Verhau diu» gsiernnnS beantragen. 2. Der Mann ist als Verbraucher hostbar.— R. D. 7.„Das Aguariuni" von Peters, Preis 20 Pf. „Kalechisinns fiir Aquaneuliebhaber" von Kcher, Preis 2,80 M., beides in der Buchhandlung Vorwärts erhältlich.— O. 35. 20. 1. Ja. 2. Von dem ersten dcS dem Anfange der Bclchäliigung folgenden Monats.— R. 20. K. 1. Wittenberge Landgericht NeurUppin. 2. Wenn neues Erbrecht in Frage kommt:»/,.— Ernst G. 4. Ja. 5. Ja, für die fragliche Zeit, wenn de» Jahreseinkommens eingebüßt ist.— Sobrrchtftr. 12. Fordern Sie nochmals Abhilfe unter Setzung einer einwüchentlichen Frist und unter der Androdung, daß Sie nach fruchtlosem Ablauf den Vertrag sofort lösen werden. Dementsprechend köniieu Sic alsdanu handeln, wenn Sie Ihre Behauptung beweisen können.— H. t. 16. 1. und 2. Ja. Ihre Frau kann aber intervenieren. 8. Nein. 4. Sie und Ihre Schwiegereuern koininen als Zeugen in Frage. 6. Ein solches Abkommen ist anscchlbar. 6. Ja, nur die Kosten wären noch zu zahlen.— 35). Z. 2. Nein. Verein Berliner Rotationsmasciiinenmeister. Todes-Anzeiqe. Am 24. Dezember verstarb in- solge eines Bctricbsunsalles unser treues Mitglied En,i> Linde im 48. Lebensjahre. Beerdigung wird noch bekannt gegeben. Der Vorstand. Klnmtn- und krllmblildtrrl von Boden Meyer,' nur Mllmlttitu-5lrußt 2. Wantl der Biisli- um! SteimlFuekerel-iisarlieiter i Arlielingii Oeulsebiands. OrtsvorTialtong Berlin. Am Freitag, den 23. Dezember, starb nach langem Leiden unser Kollege, der Falzer mm yogei im Alter von 23 Jahren. Ehre seinem SlnbeufeB! Die Beerdigung findet am dritten Feiertag, nachmittags 2st, Uhr, von der Leichenhalle des Nirdoilcr Gemeinde-FAed- boscS. Martendorser Weg, aus statt. via Ortsverwaltung Berlin. o amüsieren vir uns die Feiertage! im Wilhelminenhof-u Ober-Schöne- weide bei Paul Schönherr! Gr. Theater-Vorstellung 2. n. a.: Gr. Ball. Gr. Familienkabarett. and Neujahrskarten! 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