Nr. 303. fltenntmcntS'ßedingungen: tlbonnemenls. Preis pränumerando i Liertcljährl. 3£0?Jif, monotl. 1,10 SKI, wöchenlluh 2ri Pfg. frei ins Haus. Einzelne Kummer 5 Pfg, Sonnlags- nummcr mil illuslricrler Sonntags« DcUagc»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabomiementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, «7. Jahr«. CrtdKlnt täglich auBir montags. Berliner Volksblnkk. VI« luIeillotK-Gediih? Beträgt für die fechsgespaltenc Kolonel« geile oder deren Slaum 60 Plg„ filt politische und gewerlschastliche Vereins- und Veisammlungs-Anzeigen SO Psg. „Alelne Sn-eig«n", das erste tsctt- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« stcllen-iinzeigcn das erste Wort 10 Pfg» jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für dte nächste Nummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm< Adresse: „Sozlitltiilnolii'at Rtrlln* Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den Ä8. Dezember ItHO. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. I Delbrück als handlanger der Scharfmacher im Baugewerbe. .Der Gedanke eines ReichSeinigungSamteS hat seines sozialen WesenS wegen auch in der Arbeiter- schaft manche Sympathie gefunden, aber hüten wir uns davor, seine praktische Ausführung unter den heutigen Zu- ständen zu billigen oder gar anzustreben. Denn heute, in einer Zeit, wo die Reichsregierung so erzreaktionär ist, wo der Einflust der Schursmacher überall hinbringt, wo die staatliche Verwaltung von einer fest eingewurzelten arbeiterfeindlichen Bureaukratie beherrscht ist, wo Re- gierungsvertrcter die Bestrebungen der Streikbrecher- vereine als ein Gott wohlgefälliges Werk bezeichnen— heute haben wir begründeten Anlast, uns gegen eine gesetz- liche Regelung des Einigungsamtes dergestalt, dast ab- hängige Beamte darin mitarbeiten, zu wehren." (.Grundstein' Nr. 43.) DaS Zentralschiedsgericht im Baugewerbe ist nun endlich, nach langem Würgen und Abwürgen, komplett. Durch die Parteipresse ging dieser Tage die Mitteilung, daß der Staatssekretär des Innern in Berlin zu U n p a r t e i- i s ch e n für das im Hauptvertrage vorgesehene Zentralschieds- gericht den Kgl. Oberregicrungsrat Max M a y r- München und den Magistratsrat Paul W ö l b l i n g> Berlin ernannt hat. Dem Geheimen Regierungsrat Wiedfeldt hat er aus jederzeitigen Widerruf und„in Erwartung, daß feine Tätigkeit hierdurch nicht so stark in Anspruch genommen wird", die erbetene Gcneh- migung erteilt, in gleicher Eigenschaft im Generalschiedsgericht mitzuwirken. Das heißt vuf gut deutsch oder besser aus preußisch: Sollte er dabei allzusehr zeitgeniäße sozialpolitische Anwandlungen zeigen und sich dadurch den Unwillen der Unter- nehmer zuziehen, an deren Freundschaft dem Staatssekretär viel gelegen zu sein scheint, dann glaubt wohl Se. Exzellenz eine Handhabe zu besitzen, dem Geheimrat rechtzeitig wieder zurückpfeifen zu können. Die Ernennung der beiden Erstgenannten bedeutet nicht nur eine brutale Brüskierung der Wünsche der Arbeiterorganisationen, hinter ihr verbirgt sich auch noch eine Matzregelung zweier tüchtiger Beamten, die den Scharfmachern ein Dorn im Auge sind, und schließlich soll sie einen weiteren Baustein zur Auf- richtung der sozialpolitischen Zwinguri im Sinne der Scharf- macher für kommende Kälupfe liefern. Den willigen Hand- langer und Steinträger des Unternehmertums fand dieses in Herrn v. D e l b r ü ck. dem Repräsentanten scharfmache- rischer Interessen. Fast ein halbes Jahr nach Fällung des Dresdener Schiedsspruches warteten die beteiligten Kreise noch immer aus die Einsetzung des Zentralschiedsgcrichts. Bereits hat sich eine große Zahl von Streitfällen angehäuft. die dem Zentralschiedsgericht zur Entscheidung vorgelegt werden sollten. Es konnten aber, wie es offiziell hieß, die Verhandlungen in bezug auf die Ernennung der Un- parteiischen„als noch nicht abgeschlossen" gelten. Wir wollen der Oeffentlichkeit mitteilen, welchen Motiven diese Verzögerung entsprang. Als seinerzeit die Verhandlungen über die Besetzung des Zentralschiedsgerichts gepflogen wurden, kam seitens der Vcr- treter der Arbeiterorganisationen der Vorschlag, Herrn Gewerbe- gerickftsdirektor Dr. Prenner- München und Herrn Magistratsrat v. Schulz- Berlin als Unparteiische mit auf- zunehmen. Als die beiden Vorschläge von den Scharf- machern aber entschieden abgelehnt worden waren, hat sich Delbrück, ohne die Wünsche von Arbeiterorg anisationen zu berücksichtigen, an — das preußische Handelsmini st erium und au die bayerische Regierung um Vorschläge gewandt. Vom preußischen Handelsministerium wurde ihm schließlich, wie be- kannt, Magistratsrat W ö l b l i n g, von der bayerischen Re- gierung Oberrcgierungsrat Max M a y r offeriert. Delbrück konnte sicher sein, daß die ihm von so„kompetenter" Stelle Vorgeschlagenen auch schon im voraus den Segen der Scharf- macher empfangen. Was kümmerten ihn da noch die Wünsche der Arbeiterschaft I Froh, nach so langen„Schwierigkeiten" die genehmen Männer protegiert zu bekommen, ernanute er sie zu „Unparteiischen" in dem Zentralschiedsgericht. Dabei ist zunächst folgende interessante und das Wesen rücksichtsloser Draufgängerei im Interesse der Scharfmacher charakterisierende Tatsache festzustellen: Der von den Ver- tretern der Arbeiterorganisationen vorgeschlagene, auf den Wink der Uilteruehmer aber depossedierte Magistratsrat von Schulz ist Vor st and des Berliner Gewerbe- g e r i ch t s, der von Uuternchmersguaden zum Unparteiischen ernannte W ö l b l i n g ist ein Untergebener des Schulz. Die Ernennung Wölblings erfolgte ohne Befragen des Herrn v. Schulz und ohne daß die Genehmigung des Berliner Magistrats eingeholt worden wäre, die dieser schon im Interesse des Ansehens des Amtes und der Disziplin am Berliner Gewerbcgerichte nicht erteilen durfte. Der Berliner Magistrat mußte also schon auS diesen Gründen die Ernennung Wölblings versagen. Letzterer aber mußte schon aus Gründen der Kollegialität und Solidarität seinem Amtsvorstand gegenüber die Ernennung ausschlagen. Wie konimt nun W ö l b l i n g auf den Sessel der Unpar- teiischen? Er ist sozialpolitisch vom Holz der Scharfmacher, ist ein hyperkonservativer Mann. Er erwarb sich die Neigung der Arbeiterfeinde, als er am Berliner Gewerbegericht bei der Bildung einer Schlichtnngskvmmission für den Bauklempuer- Vertrag einen G e w e r k s ch a f t s a n g e st e l l t e n als Ver- treter der Arbeitnehmer zurückwies. Also ganz der Mann der Scharfinacher I Auf dem Verbandstage der Ge° Werbegerichte in Jena 1908 hat Wölbling seine Ausicht allerdings revidiert und sich darauf berufen, daß es sich in diesem Falle nur um die Auslegung eines Tarifvertrages gehandelt habe, daß das Einigungsamt zum mindesten bei diesem unklaren Vertrag bei der Zurückweisung im guten Glauben gehandelt habe. Welche höhere Vorsehung ist nun beim andern ernannten „Unparteiischen", beim kgl. bayerischen Oberregierungsrat M a y r im Spiele? Er ist in der obersten Baubehörde tätig; Vorstand dieser Behörde aber ist. der Ministerialdirektor v. R e v e r d y, der ehemalige Chef der größten Münchener Baufinna Heilmann u. Littmann. Er hat als Unter- nehm er Vertreter die früheren Tarifbeivegnngen im Baugewerbe mit geführt und war besonders bei der Bewegung 1906 nebe» Fellermeier einer der größteii� Scharfmächer. Mayr kommt also gewiß aus einer guten Schule, und die besten Wünsche und Empfehlungen Reverdys dürften ihn zu seinem Amt begleiten. Wie schon betont, liegt in diesen beiden Ernennungen eine geradezu ungeheuerliche Brüskierung der Arbeiter- organisationen: Während die Wünsche der Arbeitgeber ohne weiteres Erfüllung finden, geht man gegenüber den Vor- schlügen der Arbeiterschaft einfach zur Tagesordnung über. Wie wäre es nun, wenn sich die Arbeitnehmer auf § 1032 der Zivilprozeßordnung berufen würden, der sinn- gemäße Anwendung auf Schiedsgerichte findet. Der Para- graph lautet:„Ein Schiedsgericht kann aus denselben Gründen und aus densel ben Vor- aussetzungen abgelehnt werden, die zur Ab- lehnuna eines Richters berechtigen". Und nach§ 43 der Zivilprozeßordnung kann ein Richter wegen Besorgnis der Befangenheit ab- gelehnt werden. Es handelt sich, wie schon bemerkt, um die förmliche Maßregelung zweier sozialpolitisch fort- schrittlicher Beamten. Gewerbegerichts- Direktor D r. P r e n n e r ist bei den Scharfmachern nicht gut an- geschrieben. Magistratsrat v. Schulz aber hat mit den großen Kämpfen im Baugewerbe nicht das mindeste zu tun gehabt. Er hat aber einmal als Referent auf dem Verbands- tage Deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichte es für zu- lässig erklärt, die Leiter der Organisationen in die Schlichtungs- kommission hinein zu wählen. Grund genug zur Ablehnung seitens der Scharsmacherl— Persönlich werden die beiden gemaßrcgelten Beamten wohl keine besondere Neigung zu einem so schmeichelhaften Amt, das man gegenwärtig nur „höherer Protektion" verdankt, verspüren. Welche Annehm- lichkeiten mit dem Amte eines Unparteiischen unter dem heutigen Scharfmacherkurse verbunden sind, zeigt die bekannte Episode. die sich bei den Schlußeinigungsverhandlungen in Dresden ab- spielte, als Baurat E n k e, der Vertreter des Deutschen Arbeit- geberbundes für das Baugewerbe, aus dem Bcratungszimmer in den Sitzungssaal mit dem Entrüstungsruf der Scharfmacher trat:„Wir Unternehmer werden durch die Vorschläge der Un- parteiischen vergewaltigt I" Dieser neueste Streich Delbrücks fit ein Faustschlag gegen die ganze Arbeiterbeivegung.. eine Verhöhnung jedes Rechtsgcdankens, ein Mittel, abhängige Beamte dem Interesse der Scharsmacher in einem Institut dienstbar zu machen, das der sachlichen Entscheidung grundsätzlicher Angelegenheiten als höchste Instanz dienen soll. Der Staatssekretär durste sich nicht bloß den Wünschen der Unternehmer willfährig zeigen, er hätte unter allen Um- ständen auch die ebenso berechtigten Wünsche der Arbeit- nehmer respektieren müssen, wenn die Bauarbeiterschaft einem solchen Institut Vertrauen entgegen bringen soll. Auch dieser Vorgang charakterisiert wieder unzweideutig den gegenwärtig herrschenden Scharfmacherkurs.— flufftand auf den Karolinen. Auf P onape, einer der gröstten Inseln der Ost-Karolinen, ist ein Aufstand ausgebrochen. Im Oktober wurden vier Weiße und mehrere auf ihrer Seite stehende Eingeborene erschlagen. Die fällige Strafrxpedition unter Führung des stellvertretenden Gouver- neurs ist inzwischen bereits auf dem„Kriegsschauplatz" eingetroffen, um nach bekannter Manier„die Ruhe wiederherzustellen". Ein amtliches Telegramm meldet über die Situation: Berlin, 27. Dezember.(W. T. B.) Nach einem von dem stellvertretenden Gouverneur von Deulsch-Neu-Guinea, RegierungS- rat Dr. Oßwald aus Jap(Karolinen) eingetroffenen Telegramm sind am 18. Oktober der Bezirlsamtmann Regierungsrat Böder, Sekretär Brauck niann, Stationsbeamter Hollborn, Wegebautechniker Häfner und füuf eingeborene Bootsjungen auf Dfchokadtfch von D f ch 0- k a d f ch- L e u t e n ermordet worden, die sich seitdem im Aufsland befinden. Der Beweggrund scheint U n z u- friedenheit mit Wegebauten gewesen zu sein. Die sogenannte Kolonie war bedroht und wurde mit treu ge- bliebenen Eingeborenen verteidigt. Die Nachricht traf am 30. November mit dem Dampfer.Germania" in Rabaul ein. Der stellvertretende Gouvernenr ging sofort mit neunzig Polizeisoldaten, dem Sekretär und dem Polizeimeister nach Ponape und fand alle übrigen Europäer wohl« behalten. Ernste Angriffe auf die Kolonie hatten und haben seitdem nicht stattgefunden. Am 13. Dezember trafen weitere siebzig Soldaten ein, am 19. Dezember S. M. S.„Cormorau". Die Zahl der Aufrühr er beläust sich aus zweihundert bis zwcihundertfünfzig, sie haben angeblich etwa neunzig Gewehre und andere Schußwaffen, wie viel Munition ist unbekannt. Bisher herrscht übrigens in Ponape völlige Ruhe und die Ein» Wohnerschaft verhält sich zum größten Teil loyal. Noch einem weiteren Telegramm ist inzwischen noch das Kriegsschiff„Planet"(Bermessmigsschiff) von Neu-Guinea nach Ponape abgegangen. Ponape hat einen Umfang von 139 Kilometer und einen Durch- mcffer von 20 Kilometer. Die Belvohncrzahl, einst 13 000 Köpfe stark, ist vor einem halben Jahrhundert durch eine verheerende Blatternepidemie auf 3000 Köpfe herabgesunken. Immerhin hatten die Spanier 1887 heftige Kämpfe mit den Eingeborenen zu bestehen, die sie einige hundert Soldaten und zwei Millionen kosteten. Als Ursache der jetzigen Erhebung deutet die amtliche Meldung Unzufriedenheit mit Wegebauten an. Man scheint die an schwere körperliche Arbeit nicht gewöhnten Insulaner also hart herangenommen zu haben. Wie aus der letzten kolonialen Denk- schrist ersichtlich, ist vom Gouvernement seit kurzem eine jährliche unentgeltliche Fronarbeit von 13 Tagen für alle arbeitsfähigen Männer von 10—43 Jahren eingeführt worden. Durch diese Leistung sollten allerdings die Eingeborenen nach der Denkschrift von dem LehnöverhältniS befreit werden, in dem sie zu den Häuptern der Adelsgefchlechler standen. DieS Lehnsverhältnis wird in der Denkschrift als ein für die Lehnsträger sehr unbequemes geschildert, da eS mit einer völligen Unsicherheit des Besitzes verbunden gewesen sei. Man hätte also eigentlich annehmen sollen, daß die besitzlosen Untertanen der Adels- geschlechter über die von dem Gouvernement eingeführte Ablösung, die ihnen zu festem Eigentum verhelfen sollte, nur erfreut gewesen sein könnten. Vielleicht aber haben die Eingeborenen das neue Ab- hängigkeitsverhältniS und die schwere Zwangsarbeit schwerer empfunden, als das alte Lehnsverhältnis. Die Eingeborenen der Kolonien haben ja sehr oft ihre eigene, keineswegs unbegründete Auffasinng von de» Beglückungsversuchen der neuen weißen Herren! Andererseits scheint es. als ob die Erhebtmg nur eine partielle, von einer Minderheit der Bevölkerung ausgehende sei, die möglicherweise nur von den Adelögcschlechtern selbst hervor- gerufen worden ist. Sollte das der Fall sein, so wäre ein schonendes Vorgeben gegen die Aufständischen, das wir fteilich für jeden Fall für angebracht halten, auch vom Standpunkt des Gouvernements auS doppelt geboten I Man begnüge sich mit der Bestrafung dcS wirklich Schuldigen und gewähre den verleiteten Untertanen Pardon. Da bei der Zahl der inzwischen angelangten Gouvernementstruppen eine weitere Gefährdung der Weißen, ja auch eine Ausbreitung der Erhebung völlig ausgeschlossen ist. braucht man sich bei den Aktionen ja in keiner Weise ztt übereilen. vielmehr kann man die Aufständischen durch Verhandlungen zum Strecken der Waffen und zur Auslieferung der Anstifter der Tat zu veranlassen suchen! Wir erwarten deshalb mich von den Berliner Behörden. daß sie ungesäumt Weisungen in diesem Sinne nach Ponape ge- langen lassen, damit jedes überflüssige Blutvergießen vermieden wird. Denn angesichts der Lage, wie sie die RegierungS- Meldung selbst schildert, wäre es unenlschuldbar, wenn man die melanesischen Polizeimamischaften, die, wie eS in der letzten Denk- schrift heißt, von den Bewohnern Ponape als Menschenfresser gefürchtet sind, ohne weiteres gegen den ausständischen BevölkerungS- teil loslassen wollte! Wir erwarten also ein besonneres Vorgehen, durch dal Menschenopfer und auch überflüssige Kosten vermieden werden können I_ Line Massendemonstration In Sofia. Aus Sofia wird unS geschrieben: Die seit Jahren dauernde Teuerung, der jährlich sich ver» mehrende Steuerdruck und die fortwährende Nichtachtung der Fordenmgen der Arbeiterschaft durch die bulgarischen Re- giernngen aller Schattierungen haben in der Arbeitermasse einen tiefen Groll erweckt, der seine entsprechende machtvolle Acußcrung suchte. Die Arbeiter Bulgariens haben keinen Vertreter im Parlament und sie können ihre berechtigten Forderungen in demselben nicht zur Debatte bringen. Sie haben daher den Weg des öffentlichen Protestes sehr oft betreten und Delegationen zu den respektiven Ministern gesandt, uni über ihre Forderungen eine amtliche Antwort zu bekommen. Dieses Mittel hat sich in der Tat als sehr wirksam criviescn, einer- scits um auf die Regierungen einen Druck auszuüben und andererseits um die unserer Agitatton noch fernstehenden Arbeitennassen tiefer aufzurütteln. Von allen öffentlichen Kundgebungen aber hat sich eine sehr wirksam gezeigt, nämlich die Massendemonstration vor dem Parlament während seiner Tagung. Die erste Massenkundgebung vor dem N a r 0 d n 0 Sobranije haben wir im Dezember 1905 gehabt. Der damalige stambolovistische Minister, der nachher ermordete Pctkoff, hat der Arbeiterschaft einige gesetzliche Schutzmaßregeln versprochen, von denen einige verwirklicht wurden. Aber mit dem Einsetzen der Reaktion, die jenes Ministerium kurz nach- her eingeleitet hat, wurden auch die Bestimmungen dieser Maßregelu nicht mehr beachtet, es wurden sogar neue reaktionäre Gesetze gegen die Arbeiterschaft geschaffen. Mit der Uebernahmc der Regierungsgewalt durch das gegen- wärtige demokratische Kabinett Malinoffs wurden zwar einige dieser reaktionären Gesetze abgeschafft, aber die öffentlich der- sprochenen Reformen blieben aus und sogar die wichtigsten Arbeiterschutzmatzregeln der früheren Gesetze blieben ohne Anwendung. Die äußeren politischen Verwickelungen am Balkan haben uns in den letzten Jahren ein Hindernis nach dem anderen bereitet und es erschwert, die volle Aufmerksamkeit und die ganze Kraft der bulgarischen Arbeiterschaft auf einen macht- vollen Protest zn konzentrieren. Im vorigen Jahre haben wir eine Aktion im ganzen Lande eingeleitet, um die not- wendig gewordenen politischen und sozialen Reformen der Regierung abzuringen. Teilweise hatten wir auch einen kleinen Erfolg, da die Regierung einige hundert Tausend Frank für die Verbessernng der Lage der Eisenbahnarbeiter, der Volksschul- lehrer und Staatsangestellteu bewilligt hatte; aber für die Arbeiterschaft in den Privatbetrieben wurde soviel wie nichts geleistet. Unr unsere Aktion in diesem Jahr noch wirksamer zu ge- stalten, haben die Zeutralleitungen der Partei und GeWerk- schaffen einen Protest ausgearbeitet, der der Arbeiterschaft im ganzen Lande zum Unterschreiben vorgelegt wurde. Dieser Protest sollte von einer Arbeiterdelegation dem Präsidenten der Raroder Sobranije und dem Ministerpräsidenten an einem bestimmten Tage überreicht werden. Es wurden zahlreiche Protcstversammlungen in den Provinzstädten und Ortschaften abgehalten, auch wurde in den Werkstätten für den Protest agitiert. Das Resultat war ein ungemein befriedigendes. Während wir vor einigen Jahren kaum MX) Arbeiter zum Unterschreiben unserer Forderungen bewegen konnten, haben sich dieses Jahr mehr als 16000 Arbeiter unterzeichnet. Unsere Gelverkschaffcn zählten voriges Jahr 4000 Mitglieder, so daß das Ergebnis dieser Agitation das Vierfache unserer organisierten Arbeiterschaft war. Ueber den glänzenden Verlauf der Demonstration haben wir bereits kurz berichtet. Die gelungene Aktion gibt uns die Zuversicht, daß eS auch mit der sozialistischen Arbeiter- bewegung in Bulgarien rüstig vorwärts gehen wird! „Valentin". Die entsetzliche Tragödie in den Gefängniffen des Russenreichs, die furchtbare Selbstmordepidemie, die die Brutalität der Zaren- scherzen neuerdiiigö heraufbeschwor, hat auch dem Leben eines Re- volutionärS ein Ende gemacht, der in einem entscheidenden Moment, am Vorabend der Revolution, eine Tat ans sich nahm, die mit unter den letzten Änstötzen des Ausbruchs der ge- waltigen Bewegung genannt werden darf. Im Gefängnis zu Sereutui hat sich bekanntlich am 10. Dezember der russische Revolutionär Ssasonow den Tod gegeben, um gegen die körperliche Züchtigung der politischen Gefangenen zu protestieren. Ssasonow war jener Freiheitskämpfer, der im Jahre 1801 den Gewaltsincnschen Plehwe tötete. Georges Silber, einer der Mit- arbeiter BurtzeffS, veröffentlicht jetzt Erinnerungen an den Toten. worin er diesen selbst von seinem Attentat aus Plehwe und den darauf folgenden Vorgängen erzählen läßt. Ssasonow erzählt von den Mißhandlungen, die er zu erdulden hatte, als man ihn nach dem erfolgreichen Attentat halb bewußtlos auf dem Straßenpflaster liegen fand. Er wurde bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen und mußte ins Hospital getragen werden. Die Verletzungen waren derartig, daß er in Wundfieber verfiel. Mehr als seine Schmerzen quälte ihn die Furcht, sich im Fieberdelirium zn verraten und unbewußt den Ramenirgend eines seiner Kameraden zu nennen. Er zweifelte nicht, daß sich an seinem Bett ein als Arzt verkleideter Polizist befand. Da» war auch der Fall, und dieser Mann, nicht zufrieden damit, die wirren Reden des Kranken getreulich aufzu- zeichnen, versuchte seine Erregung noch zu steigern, indem er ihn vorlog, daß er mit seiner Bombe eine ganze Menge unschuldiger Leute getötet habe. Als der Spitzel sah, wie diese Lüge aus den Geist deS Kranken wirkte, setzte er hinzu, daß der Minister selbst entkommen sei und daß unter den töteten ein Kind und eine alte Frau sich befinden. Diese Selbstgespräche des Fieberkranken, wovon ein amtlicher Bericht sich in den Archiven deS Polizeidepartements befindet, zeigen den seelischen Zustand SsasonowS am Vorabend und im Augenblick deS Attentats. Stetig wiederholt sich derselbe Gedanke: nicht zu spät zu kommen, derselbe Seufzer der Erwartung: „Noch eine Ewigkeit... oho I... mein lieber... Petka... «S ist Zeit...«ch I... wie lange ich hier schon stehe... es ist Zeit, ein Ende zu machen.. In diesen Fieverphantasien gibt eS aber noch einen anderen sehr ernsten Punkt. Trotz aller Selbstbeherrschung, die er selbst in halb bewußtlosem Zustande noch aufbrachte, hat Ssasonow zweimal Namen genannt. Unter anderen den Namen Valentin, dessen Träger, nach einigen abgerissenen Wendungen des Kranken zu urteilen, eine wichtige, wenn nicht führende Nolle bei dem Attentat gespielt haben mußte, und den Namen Nicola Hitch. Nun warf sich die Polizei sofort auf die Spur dieses unbekannten Nicolas- Sie verhaftete auch zu Kiew einen bekannten Advokaten. der ihr schon lauge verdächtig gewesen war und der den- selben kurzen Namen trug. In aller Heimlichkeit führte man ihn in Ketten in die Peter-PaulS-Festung. Aber zu seinem Glücke konnte der Mann einen durchschlagenden Alibibeweis führen, so daß man ihn wieder frei lassen mußte. Warum aber versuchte die Polizei nicht, den geheimnisvollen Valentin aufzuspüren, der offen- bar viel wichtiger für sie w'ar, als jener Nicola?... Ganz einfach: Valentin war der Spi�namc AzewS: in der Anklageschrift wider Lupochin wird unter anderen Spitznamen, die Azew in der Partei hatte, als der Polizei bekannt auch der Name Valentin aufgesührt.... In Ssasonow starb also einer der Hanptzeugen der Affäre Azew I poUtifebe Ocberlicbt. Berlin, den K7. Dezember 1310. Keine Wahlrechtsvorlage! Auch das Schcrlblatt bestätigt die jüngst von dem Agrarier- organ verbreitete Ziachricht, daß Bethmann Hollweg dem dem- nächst zusammentretenden Landtag keine Wahlrechtsvorlage unterbreiten werde. Das preußische Staatsministerium sei sich in einer der letzten Sitzungen dahin schlüssig geworden. Bethmann Hollweg wolle erst den Ausfall der Reichstags- Wahlen und die sich daraus ergebende Stellungnahme der Parteien abwarten. Erst wenn die Parteien ihre Stellung zur Wahlreform revidiert hätten, werde eine neue Wahlrechts- Vorlage ein besseres Schicksal haben als die des Jahres 1910. Ein negatives Ergebnis wolle er nicht wieder riskieren. Eine abermalige Ablehnung einer Wahlreform wolle er aber vor allen Dingen deshalb vermeiden, weil er nicht auf dem Standpunkt stehe, daß das feierliche Versprechen der Thronrede vom 20. Oktober 1908 durch die bloße Einbringung einer Wahlreformvorlage erfüllt sei. Der preußische Ministerpräsident will also, daß die bevor- stehenden Reichstagswahlen zugleich über den Charakter und das Schicksal einer neuen preußischen Wahlrechtsvorlage mit- entscheiden! Die Sozialdemokratie ist, so wenig sie auch eine solche Verschleppung der Wahlreform für begründet erachten kann, ihrerseits gern bereit, durch Aufrüttelung der von Rittern, Heiligen und Schlotbaronen so schmählich um ihr Wahlrecht geprellten Volksmassen für eine zeitgemäße demokratische Wahlreform mitzuwirken! Sache der Ent- rechteten ist dann, bei der Reichstagswahl dafür zn sorgen, daß der Block der Reaktion dezimiert wird! Professorcnweisheit. Ein Teil der Presse liebt eS, zu Weihnachten seinen Lesern eine Art geistige Extrakost borzusetzen, obgleich vielleicht gerade in den Weihnachtstagen die geistige Verdauungsfähigkeit stark herabgesetzt ist, da die körperliche meist ein ganz außer- gewöhnliches Quantum von Zufuhr zu bewältigen hat. Man bringt an der Spitze des Blattes einen schönen salbungs- vollen Weihnachtsartikel von irgend einem Ober- Hofprediger, Superintendenten oder einem Profeffor der Theologie, unter dem Strich einige hübsche Weihnachtsnovellcn von beliebten Autoren und, damit auch die hohe Politik und die hehre Wissenschaft nicht zu kurz kommt, im inneren Teil einige weise Orakel von großen Staatsmännern(wenn möglich, solchen, die noch nicht„a. D." sind) und von Kapazitäten der Universitätswisscnschaft. Zu den Blättern, die zu Weihnachten solche Extraansprüche an die Verdauungskraft ihrer Leser stellen, gehört auch die Wiener„Neue Freie Presse". Sie läßt neben anderen erst- klassigen Qualm- und Talglichtern auf dem Gebiete der Staats- kunst und Wissenschaft auch zwei preußische Größen ersten Ranges zu Wort kommen: Herrn Maximilian Harden und Exzellenz Geheimrat Professor G. v. Schmoller. Der interessanteste der beiden Artikel ist der des Herrn v. Schmoller — nicht, weil der Herr Geheimrat einen guten Sttl schreibt, auch nicht, weil er etwas Besonderes zu sagen weiß— meist sind die Leitarttkel größerer deutscher Blätter besser geschrieben — sondern lediglich deshalb, weil dieser Arttkel von Herrn Professor G. v. Schmoller verfaßt ist und deshalb ein vor- zügliches Beispiel dafür bietet, was unter denen, die auf den Höhen der Staatskunst wandeln, als feinste' politische Bildung gilt. Herr v. Schmoller ist ein Meister in der Kunst der halben Zugeständnisse und der halben, 42- und 40prozentigen Rückzüge, des staatsmännischen Einerseits und des verbindlichen Andererseits: und zudem versteht er, über seine Ausführungen gewöhnlich eine würdevolle, ölige Sauce zu gießen. In dem diesmaligen Artikel der„Neuen Freie» Presse" hat er aber seine sonstigen Leistungen auf dem Gebiete der Journalistik noch bei weitem übertroffen. So schön ist ihm noch selten ein Mehlbrei gelungen. Wir wollen deshalb auch unseren Lesern einige Kosthappen zuteil werden lassen. Herr Professor v. Schmoller schreibt: Der Reichskanzler und das preußische Ministerium erschienen im Laufe dieses Jahre? durch ihre Zurückhaltung als unsichere Steuerleute auf einer Fahrt durch stürmisches Meer. Man fürchtete in den weitesten Kreisen, daß diese Steuerleute feudal- agrarische» Befehlen gehorchten. Die Nichtiviedercinbringung der Wahlrechtsvorlage schien dieses Mißtrauen zu bestätigen. Die Sozialdemokratie erreichte eine Reihe von Wahlsiegen. Man fürchtet allgemein, daß sie bei den Wahlen über? Jahr wieder die Zahl der Sitze vor IVOS, ja noch mehr erreiche. Die Moabiter Straßenunruhen wurden von den Angstmeiern als Vorboten der Revolution angesehen. Sie waren in Wirklichkeit ein Pöbelauflaus, wie er überall einmal vorkam in en kann. Daß der Reichskanzler die konservativen Rufe nach einschränkenden oder AuSnahmS- gesetzen zurückwies, hat allgemein außerhalb der konservativen Kreise— beruhigt(?!)... Die Nichtwiedereinbringling einer neuen preußischen Wahl- rechtsvorlage ist von liberaler Seite schmerzlich beklagt worden. Aber ich sehe darin doch mehr eine taktische als eine prinzipielle Wendung. Man wollte diese Wintersession, die ohnedies sehr belastet ist, nicht noch weiteren schweren Belastungsproben aus- setzen.... Die große Frage der nächsten Zukunft wird die preußische Wahlrechisvorlage bleiben. Und da gilt eS einerseits, keinen radikalen Sprung ins Dimkle zu machen, andererseits der heutigen Zeit die liberale» Konzessionen zu gewähren, die für ein paar Jahrzehnte Ruhe schassen. Es handelt sich um die große Frage, welche Konzessionen können und sollen dem demokratischen Zug der Zeit gemacht werden. Ich will heute keine Vor- schlüge im einzelnen machen, wohl aber ein prinzipielles Wort für die Berechtigung und die Grenzen der heute erlaubten DemokratisierungS- tendenzen sage it. Ich bekenne mich als absoluten Gegner der Volkssouveränität. deS Glaubens, daß die Auslieferung der staatlichen Gewalt an die Mafle des Volkes, an die unteren Klaffen heute in unseren großen, von Klassenkämpfen erfüllten Staaten möglich und heilsam wäre. Eine gesunde Demokratie als Verfassung ist möglich in bloß agrarischen Gemeinden, in bäuerlichen Volksgcmeinden und Klein- staoten, die nach außen ganz gesichert sind, nach innen keine großen Klassengegensätze haben, deren Bürger von hohem Patriotismus er- füllt sind, deren WirtschaftSverhältniffe relativ stabil und behaglich sind....Um die politische Erziehung dieser Klassen brauche deS Wahlrechtes setzt außerdem ein gesundes öffentliches Leben, eine integere Presse, eine hohe, allgemeine Volksbildung voraus, vor allein aber langsame Gewöhnung der zur Staatsleitung mit herangezogenen Kreise an politische Arbeit und Pflich'.erfüllung, wie sie nur in einer langen Sckule des freien Vereinslebens, des freien Gcmeindelebens, der Kreis- und Provinzialverwaltung, deö Geschwornendicifftes, der allgemeinen Wehrpsticht usw. durch Ge- nerationen hindurch erworben werden kann. Wir haben in Deutschland und in Preußen gerade in dieser Schulung seit Stein. Boye» und Hardenberg, seit unseren SelbstverwaltungS- und Justizreformen große Fortschritte gemacht. Und deshalb können wir auch eine Reform des preußischen DreiklassenwahlrechteS wohl ertragen: wir er- tragen ja auch das gleiche, direkte Wahlrecht im Reiche ohne Schaden. Kur scheint mir die Tatsache, daß wir im Reiche das radikalste Wahlrecht haben, ein Grund, für Preußen nicht dasselbe zu fordern. Nachdem sich dann Herr Professor v. Schmoller energisch gegen die Duldung sozialdemokratischer Mehrheiten ilt irgend einem Parlament ausgesprochen hat. meint er: Eine sozialdemokratische Minorität im Parlament, in Stadt» und Kreisvertretungskörpern dagegen ist heute heilsam. Schon als Ventil der Leidenschaft, vor allem aber als politische Erziehungsschule. Alle unsere deutschen großen Oberbürgermeister sind einig, daß einige Sozialdemokraten in der Stadtverordnetenversammlung heilsam für die Beschlüsse seien und noch heilsamer für die liinere Umbildung der sozialdemokratischen Führer selbst. Es war sehr falsch von der preußischen Verwaltung, daß sie lange die Sozialdemokraten möglichst von den Selbstverwaltungsämlern fernhalten wollte. Zum mindesten da, wo sie die Selbstverwaltung nicht einseitig beherrschen, wie in den Krankenkassen, ist ihre Mitwirkung nur erwünscht. Die Selbstverwaltung mutz überall die Vorschule für politischen Einfluß sein. Ich hoffe, daß wir in dreißig Jahren so viel vernünftige und politisch geschulte Arbeiter- sührer haben, daß die ganze Gefahr der Sozialdemokratie damit zurücktritt._ Landrätliches. Die preußischen Kreistage pflegen am Ende ihrer jeweiligen Tagung ein Festessen zu veranstalten, bei welcher Gelegenheit der „unpolitische" Landrat eine Rede vom Stapel zu lassen geruht. Diese Gewohnheit befolgte auch der Landrat v. I e r i n- Gesetz des Kreises Neiffe. Die klerikale«Neiffer Zeitung' berichtet über diese Rede: „Unsere heutigen Zeiten seien nicht erfreulich. In jedem Lande trete dieselbe gräßliche Bewegung auf, welche darauf ausgehe, alles umzustürzen, was uns heilig ist, oder man habe es mit Banden unreifer junger Leute zu tun, die die Ordnung in Frage stellen. Von alle» Ländern zeige Preußen noch die größte Sicherheit. Unser kallerlicher Herr halte ei» strammes N e g i m e n t und seine Rede in Königs- berg sei wirklich großartig gewesen. Er stehe über den Parteien und iverde stets dafür eintreten, daß die Rechte der katholischen und evangelischen Konfesston gewahrt bleiben und nicht eine»niitürzlerische Partei in unsere, uns ins Herz gewachsene Religion Unordnung bringt! l Unser Kanzler sei ebenso zuverlässig. Gefahr stände also nicht bevor." Am Schluß seiner Rede, in der auch Ausdrücke wie:«Un» verschämte Bengeis",„Ei»S zwischen die Ohren geben" usw. vor- kamen, machte der Landrat eifrig Propaganda für die Krieger- vereine. Der Herr Landrat deS Kreises Neisse scheint, wenn er auch nicht gerade ein großes Lumen ist, doch eine vorzügliche Anlage zum Ge- mütSathleten zu besitzen und dnS ist in Preußen die größte Tugend, zumal wenn sie mit der nötigen Devotion nach oben verbunden ist. Vielleicht würde er sich zum Nachfolger des Herrn v. Jagow eignen. Ter Arbeitsplan des Reichstages in, neuen Jahr. Wie eine hiesige halboffiziöse Korrespondenz zu melden weiß, besteht im Reichstage die Absicht, vor dein Beginne der zweiten Etatslesung noch eine Reihe der vosliegendcn Gesetze teils in zweiter teils in dritter Lesung zu verabschieden. In Frage kommt zunächst das HauLarbeitsgcsetz, das Zuwachssteuergesetz, daSReichsbesteuerungs- gesetz, das Arbeitskammergesetz, daS Gesetz über die Errichtung eines obersten KolonialgerichtSbofes und eine Reihe kleinerer Gesetze. Mit der zweiten EtatSbcratung wird wahrscheinlich erst begonnen werden, nachdem die Budgetkommission einige EtatS erledigt haben wird. Di««rst« Lesung deS effaß-lothringischer. BrrfussungSgesetzcS wird ebenfalls noch im Januar fialtfinden. Was die Reiche- Versicherungsordnung betrifft, so ist vorläufig beabsichtigt, die zweite Lesung im Plenum erst vorzunehmen, wenn der Etat zum größten Teil erledigt ist, zumal die SieichSversicherungSkommission ihre Be- ratungen vor Ende Februar endgültig nicht abschließen wird. Friede unter den Professoren. Bürgerliche Blätter wissen bewegten Herzen« zu verkünden, daß in den Weihnachtstagen sich ein für Deutschlands Kultur höchst wichtiges Ereignis vollzogen hat: der Berliner Profesiorenstreit ist glücklich beigelegt worden. Nach zehntägigen schwierigen Ver- Handlungen, so heißt es in dieser Meldung, sei eö endlich der Ber- mittelung deS Kultusministers gelungen, am heiligen WeihnachtStagc die sachlichen Differenzen zwischen den Professoren der National- ökonomie an der Berliner Universität, Sering, Schmoller und Wagner einerseits und Bernhard andererseits durch loyale Erklärungen beider Teile auszugleichen. Diese Erklärungen, die demnächst veröffentlicht werden sollen, beseitigte» die Hemmnisse, die bisher der freien Lehr- tätigkei» eines der Beteiligten entgegenstanden. Freilich, so ganz scheint auch jetzt der Friede noch nicht her» gestellt zu sein, denn die„Vossische Zeitung" fügt der Meldung deS Montagblattes des„Berliner LokalanzeigerS" hinzu: „Die Meldung eines MontogblatteS, daß der Streit Bernhard- Sering ganz und gar aus der Weit geschafft sei. bedacs insofern der Richtigstellung, als die persönlichen Differenzen zwischen den Prosesloren Sering und Bernhard durch de» oben erzielten AuS- gleich keineswegs berührt werden. Diese bestehen vielmehr fort. An dem guten Willen beider Teile, unter dem persönlichen Zwist den amtliche» Verkehr nicht leiden zu lasten! ist aber wohl kaum zu zweifeln. Daö Disziplinarverfahren, daS Profestor Bernhard vor kurzem gegen sich selbst beantragt hat. dürste sich nach dem Ergebnis der Verhandlungen im Kultusministerium nunmehr von selbst erledigen." Also doch vorerst nur ein halber Friede. Stantsgefährliche Gebetbücher. In MhSlowitz sind über tausend Stück polnisch-katholischer Gebet- trncher aus dem Güterbahnhof beschlagnahmt worden. Die Sendung kam aus Krakau und war für Berlin bestimmt. Der Wert dürfte sich, der„BreSl. Ztg." zufolge, aus mehrere tausend Mark belaufen, da die Gebetbücher elegant ausgestattet sind. Die Einbanddecke be- steht aus Elsenbein und ist mit dem polnisckie» Wappen verziert. Außerdem trägt sie die Inschrift: Gott erlöse Polen. Sargschiffe? Ans dein Dampfer„Amalsi" der Hamburger Reederei Slomann, der am 23. Dezember eine Reise nach Malaga antreten sollte, ver- weigerten die Heizer die Aufnahme des Dienste«, weil die Kessel untauglich waren. Die sofort angestellte behördliche Untersuchung der Kessel ergab die Richtigkeit der von den Heizern gemachten Angaben, so daß die Ausreise deS Dampfers verboten wurde. Dieser Vorfall gewinnt besonders dadurch au Bedeutung, daß in den letzten Wochen nicht weniger als drei Dampfer der Firma Slomann in Verlust geraten sind. Der Dampfer„Palermo" ist mit der ganzen Besatzung untergegangen, die Dampfer„Savona" und „Genua" haben ihren Bestimmungsort nicht erreicht, über ihren Ber- bleib fehlt jede Nachricht. Dem Dampfer„Amalsi" hätte vermutlich das gleiche Schicksal geblüht, wenn die Heizer nicht den Dienst ver- weigert hätten. DaS drängt die Frage aus. wie die in Verlust gc» ratenen Dampfer beschaffen waren, eine Frage, auf die eine Zweifels- freie Antwort wohl nie zu erlangen sein wird, denn die einzigen. die darüber Auskunft geben könnten, nihen auf dem Bode» des Meeres. Eine NichtigfteNnug. In der letzten Nummer des„Grundstein" steht folgende Notiz: „Eine sehr befremdliSe Meldung finden wir im„Sccolo", einer biirgerlichen Mailändischen Zeitung. ES handelt sich um folgendes: In Bologna hielten die italienischen Syndikalisten ihren ersten Kongrest ab. Während der Tagung gab der Bor- sitzende mehrere eingelaufene Begrüßungsschreiben bekannt. Darunter war, so meldet der„Secolo", auch eins unseres Genossen KautSky. Wir halten diese Meldung fiir falsch, nehmen aber von ihr Notiz, um den, Genossen KautSky Ge- legenheit zur Richtigstellung zu geben. Die Syndikalisten Italiens haben die sozialdemokratische Partei verlassen und sich als unabhängige Organisation etabliert. Sie haben sich gegen die von der ganzen sozialistischen Internationale anerkannte parlamentarische Taktik erklärt und bekämpfen die italienische Sozialdemokratie und die italienischen Gewerkschaften aufs schärfste. Bei dieser Sachlage wird man es verstehen, wenn wir es sür un- möglich halten, daß sich ein so offizieller Parteigenosse wie KautSky zu einer Begrüßung dieser verderblichen Quertreiber herbeigelassen haben könnte. Aber nichtsdestoweniger sollte Genosse Kautsky durch eine Richtigstellung jeden Zweifel beseitigen." Sicher ist eine Richtigstellung notwendig. Da aber zu befürchten ist, daß außer dem„Grundstein" noch andere Blätter von der Mel- dung des„Secolo" Notiz genommen haben, veröffentliche ich sie wohl am besten in unserem Zentralorgan. Sie kann sehr kurz sein und besteht in der Erklärung, daß ich an den Kongreß kein Begrüßungsschreiben gerichtet habe. Nach meiner Erkrankung in Kopenhagen im Anfang des Sep- tember dieses Jahres war ich drei Monate lang arbeitsunfähig und gezwungen, zur Herstellung meiner Gesundheit außerhalb Berlins in Sanatorien zu weilen. Während dieses Zeitraums, wohl Ende Oktober, kam an mich aus Italien die Einladung, einem Kongreß beizuwohnen— näheres festzustellen ist nicht mehr möglich, da die Einladung verloren ging. Meine Frau beantwortete die Einladung mit der Mitteilung, ich sei verreist und zurzeit nicht in der Lage, einen Kongreß zu besuchen oder auch nur den Brief zu beantworten. Das ist alles. Eine Demonstration zugunsten deS Syndikalismus stelle ich mir anders vor. Berlin-Friedenau, 2S./12._ K. KautSky. Oeftemicb. Die falschen Dokumente Aehrenthals. In allgemeiner Erinnerung ist noch die scheußliche Blamage, mit der der Preßprozeß vor den Wiener Geschworenen endete, den die Opposition des kroatischen Landtags gegen den Historiker Dr. Friedjung angestrengt hatte, weil sich dieser bedeutende Mann dazu hergegeben hatte, eine„hochverräterische" Verbindung der kroatischen Opposition mit antiösterreichischen Organisationen in Serbien und mit der serbischen Regierung zu behaupten. Die vom Ministerium des Aeußern vorgelegten Dokumente, die nicht nur diese Verschwö- rung, sondern in einem Aufwaschen auch gleich die Notwendigkeit des Gewaltregiments in Bosnien und die Rechtmäßigkeit des Agramer Schandprozesses beweisen sollten, erwiesen sich als plumpe Fälschungen..... Bekanntlich hat in der Delegation, wo der tschechisch-fortschrittliche Professor Masaryk diese Bla- mage ans Licht zog Graf Aehrenthal jegliche Verbindung des K. und K. Gesandten in Belgrad Graf-m Forgach, mit dem Fälscher. dem„Lehrer" Wassitsch energischst bestritten. In den letzten Tagen stand Wassitsch wegen seiner Fälschungen vor dem Belgrader Gericht; der geheimen Verhandlung durfte auch Abg. Prof. Masaryk bei- wohnen. In dem Urteil, das den Wassitsch wegen Gefährdung der Interessen Serbiens zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, wird n. a. erklärt, daß die Beziehungen des Fälschers zu„einer" fremden Mission nicht nur durch sein Geständnis, sondern auch durch Zeugen- aussagen erwiesen sind. franhmch. Briand und die Wahlreform. Paris, 23. Dezember.(Eig. Bcr.) Am 14. Dezember hatke die Wahlreformkommission Briand einen Fragebogen überreicht, worin sie die Aufklärung der Regierung über ihre Stellung zu den bean- tragten Abänderungen ihres Entwurfs forderte. Die wichtigste Ab- änderung betraf die Berechnung des Wahlquotienten. Nach dem Re- gierungsentwurf soll diese auf der Grundlage der Wählerzahl erfolgen und diese Methode ist das Mittel der von der Regierung ausgeheckten tückischen„proportionellen Vertretung der Minoritäten" mit„Prämiierung" der Mehrheit. Die Wahlreformkommission fragte Briand nun. wie er sich zur Berechnung des Wahlquotienten nach der Zahl der abgegebenen Stimmen stelle, wie sie im wirklichen Proportionalwahlrecht erfolgt und Briand hat jetzt seine Geneigtheit kundgegeben, diese Abänderung ins Auge zu fassen. Damit verzichtet er tatsächlich auf den entscheidenden Punkt seines Entwurfs. Auch sonst zeigt er ein Entgegenkommen, das überraschen würde, wenn man seine frühere Feindseligkeit mit irgendwelchen „Prinzipien" in Zusammenhang gebracht hätte. Nun mag es ja unbestreitbar sein, daß ein Parlament mit scharf gegliederten Par- teien, wie sie die Verhältniswahl schafft, Briand nicht sympathisch wäre, aber daß er es auf seinen Sturz ankommen ließe, um den Proporz zu verhindern, ist von ihm nicht zu erwarten. Vorläufig braucht man allerdings seine noch immer stark verklausulierten Zu- Geständnisse nicht als ernst gemeint hinzunehmen. Vielleicht sind sie nur eine an die radikalsozialistische Opposition gerichtete Drohung, die von ihnen gefürchtete Wahlreform zu beschleunigen, wenn sie fortfahren, ihm parlamentarische Schwierigkeiten zu be- reiten. Immerhin ist seine Antwort ein bedeutender taktischer Er- folg der Proportionalisten, der ihnen bei ihrer Propaganda sehr zugutekommen kann. Briand hält der Kommission vor, daß sie sich selbst noch für kein bestimmtes System des Proporzes entschieden habe. Wenn sie ohne doktrinären Eigensinn und trotz der parla- -nentarischen Intrigen ihrer Aufgabe obliegt, wirtz Briand auch diesmal den Weg der Anpassung wählen, Italien. Eine italienische„Wahlreform". Rom, 22. Dezember.(Eig. Ber.) Endlich ist etwas Näheres über die Wahlreform bekannt geworden, die Luzzatti der Kammer als Weihnachtsgeschenk beschert. Allerdings wird der offizielle Text erst in der Folge bekannt werden, aber der römische„Messagero", der direkt vom Ministerium ispiriert ist, gibt heute die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes wieder. Dieses Gesetz besteht aus drei Teilen. Der erste behandelt die Erweiterung des Stimmrechts. Hier begnügt sich das Kabinett, den Artikel IM des Wahlgesetzes wieder einzuführen, den Crispi abgeschafft hatte. Nach diesem Artikel ist jeder wahlberechtigt, der vor einem Echnlinspektor, einem Lehrer und zwei Gemcinderäten den Beweis erbringt, daß er lesen und schreiben kann. Die Prü- fung besteht im Abschreiben eines gedruckten Zettels. Diese Er- Weiterung wird schätzungsweise die Zahl der Wahlberechtigten um Millionen vermehren. Der zweite Teil des Gesetzes betrifft das obligatorische Votum. Dieser Teil ist es bekanntlich, der die sozialistische Fraktion bewogen hat, zur Opposition überzugehen. Heute machen im Durchschnitt öS Proz. der Wahlberechtigten in Italien von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die Stimmpflicht trifft nur 17 bis 18 Proz. jener 3L, die bisher dieser Pflicht nicht nachkamen. Es sind nämlich von ihr ausgenommen: die Minister und Unterstaatssekretäre, die lGeistlichen. die Polizeibeamten, alle in öffentlichen Diensten Be- schäftigten, weiter die Wähler, die außerhalb ihres Wahlkreises wohnen und nicht die Mittel haben, die Reise zu bestreiten, und schließlich die Kranken. Da Neuralgien und solche schönen Dinge gerade erfunden sind, um im geeigneten Moment als Vorwand zu dienen, kann also jeder, der sich ein ärztliches Attest leisten kann, seine Wahlpflicht bequem vernachlässigen. Was die Strafen betrifft, so werden die, die ihrer Wahlpflicht nicht genügen, mit kleinen Geld- strafen bedroht und mit dem zeitweiligen Verlust£cS Rechtes, MnAiche Remter zu MleMzi.„■- I Der dritte Teil deZ Gesetzes beschäftigt sich mit der parlamen- tarischen'Inkompatibilität. Hier werden kleine Einschränkungen der Wählbarkeit für Staatsbeamte in gewissen Stellungen vorge- nommen. Der Entwurf wird eine normale Kommissionsberatung durchmachen müssen, so daß vor Februqr und März nicht mehr von ihm die Rede sein wird. Die Kammer hat einstweilen ihre Ferien genommen und wird bis zum 24. Januar auf ihren Lorbeeren ruhen. Amerika. Verschärfung des amerikanischen Einwanderungsgesetzes. Gleichzeitig mit den Veröffentlichungen des Zensurbureaus, wonach die Vereinigten Staaten einschließlich der Philippinen und anderer Besitzungen, aber ausschließlich der interessanten und be- rühmten Insel Guam, nunmehr über 100 Millionen Einwohner zählen, kommt ein Bericht der im Jahre IM? eingesetzten Ein- Wanderungskommission an den Kongreß, wonach man annehmen muß, als werde das Land, das fast die Gebietsgröße Europas hat, nun schon von allen Leiden der Ucbervölkerung heimgesucht. Der Bericht, der das Ergebnis mehrjähriger, auf einem Weltbummel gemachter Forschungsarbeit ist, schließt mit einem Sammelsurium aller Vorschläge, die seit Jahren zu den Gemeinplätzen der„echt- amerikanischen" Einwanderungsfeinde gehören. Und zwar läßt die Kommission dem Bundesparlament die Wahl zwischen folgenden Maßregeln: Einführung eines Bildungsexamens für die Ein- Wanderer, Ausschließung oder mindestens weitestgehende Bcschrän- kung der Einwanderung„ungelernter" Arbeiter und Erhöhung der Kopfsteuern._ Huö Induftne und Handel. Der Arbeitsmarkt im Jahre 1910. Am 1. November de? laufenden JahreZ waren zirka 877 000 Arbeitskräfte mehr gewerblich tätig als am 1. November 1909. Vom l. November 1908 auf 1. November 1999 hatte die Vermehrung zirka 370 000 Köpfe betrogen. Setzt inan die Beschäftigtenziffer je am 1. Januar gleich 100, so bewegte sie sich in den zwei Jahren 1909 und 1910, wie folgt: Januar Februar März April Mai Juni 1909. 99.7 99,8 102,1 10ö,S 106,8 106,6 1910. 100,2 101,2 103,1 104,2 104,5 105,3 Juli August Septbr. Oktober Novbr. 1909. 106.8 107,0 107,7 108.4 107.8 1910. 106.1 166.4 107,5 108.4 108,3 Die Bewegung deS Beschäftigungsgrades äußerte sich auf dem Arbeits markte in der Weise, day die Nachfrage nach Arbeits- kräften bedeutend zunahm. Die Besserung ergibt sich auS der Minus- differenz des Andranges in den einzelnen Monaten gegenüber dem Vorjahre. Diese betrug im Monat Jan. Febr. März April Mai Juni 19,57 32,96 29,87 7.59 3,54 19.32 Juli Aug. Sept. Okt. Nov. 22,09 17,83 11.93 1,24 4.52 Schon im März ließ die Besserung nach, aber der auffallendste Sturz vollzog sich im April. Auch im Mai wirkte er noch nach. Im Juni setzte sich dann die Besserung wieder kräftig durch, bis von August ab eine abermalige Rückwärtsbewegung einsetzte, die im Oktober sich besonders bedrohlich äußerte. Erfreulicherweise hat der Monat November wieder ein Anwachsen der Besserung gebracht, Das Nachlassen der Besserung des Arbeitsmarktes in den Monaten August bis Oktober war nickr mehr auf ein Nachlassen der Nachfrage nach Arbeitskräften zniückzuführen, sondern hatte seinen Grund in einer zunehmenden Verstärkung des Angebotes. Preisaufschlag. Wie aus Hamburg gemeldet wird, hat die Deutsch-Amerilanische Petroleum. Gesellschaft in Hamburg den Tank- wagenpreis für amerikanisches Petroleum um 1 Pf. per Liter herauf- gesetzt. Dementsprechend ist in Hamburg der Preis deS amori- konischen Petroleums 0.800 um 20 Pf. auf 6,20 M. per 60 Kilogramm erhöht worden._ Zuckergewiunmig nnd Znckerbesteuernng. Nach der Statistik der Zuckergewinnung und-besteuerung sind im Betriebsjahre 1909/t0(1, September 1909 bis 31. August 1910) 356 Zuckerfabriken mit Rübenverarbeitung im Betriebe gewesen, im Vorjahre 353. Ferner haben 36 Raffinerien gegenüber 39 im Vor- jabre gearbeitet. Von den 6 Melasje-EntzuckerungSanstalten ist eine im Laufe des Betriebsjahres eingegangen und hat eine infolge der hohen Melasscpreise leine Melasse verarbeitet. In diesen 393 Betriebs- anstalte» sind im ganzen 2 037 397 Tonnen Zucker gewonnen worden(alle Erzeugnisse auf Rohzucker umgerechnet), im Vorjahre 2 079 221 Tonnen. In den rübenverarbeitenden Fabriken wurden in 43 917 zwölf- stündigen Arbeitsschichten 12 892 068 Tonnen Rüben verarbeitet, mithin in einer Ärbeilsschicht 294 Tonnen, während im Betriebs- jähre 1908/09 in 42 024 Arbeitsschichten 11 309 132 Tonnen Rüben. "mithin in einer Arbeitsschicht 231 Tonnen verarbeitet worden waren. Die verarbeiteten Rüben wurden auf 457 718 Hektar<1908/09: 436 185 Hektar) geerntet. Der Preis der angekauften Rüben be- rechnet sich im Durchschnitt auf 2.19 M., während der berechnete Durchschnitt im vorhergehenden Betriebsjahre sich auf 2,13 M. belief. Die Rübenernte ist als Mittelernte zu bezeichnen. Der Durch- fchnittSertrag auf 1 Hektar betrug 282 Doppelzentner Rüben, im Vorjahre 271 Doppelzentner. Aus 1 Doppelzentner Rüben wurden durchschnittlich 15,1 l Kilogramm Rohzucker gewonnen, während die Ausbeute im Vorjahre, in dem die Rüben einen außergewöhnlich hohe» Zuckergehall aufwiesen, 16,77 Kilogramm ergeben hatte. Zur Herstellung von 1 Kilogramm Zucker waren durchschnittlich 6,62 Kilo- gramm Rüben gegenüber 5,96 Kilogramm im Vorjahre erforderlich. Von inländischem Zucker sind in Rohzuckerwert 1 262 255 Tonnen, von ausländischem 1927 Tonnen in den freien Verkehr übergegangen, gegenüber 1 247 901 Tonnen und 2325 Tonnen im verflossenen Betriebsjahre. Der gesamte Abgabenertrag hieraus war an Ver- brauchsabgabe abzüglich Steuervergütungen 153 474 000 M. an Zoll 353 000 M. gegen 157 234 000 M. und 426 000 M. im Vorjahre. Auf den Kopf der Bevölkerung betrug der Verbrauch in Verbrauchs- zucker 17,52 Kilogramm<1908/09: 17,53 Kilogramm). Die Ausfuhr hat sich in Rohzuckerwert um 54973 Tonnen gegen- über dem Vorjahre vermindert und erreichte eine Höhe von 783 437 Tonne». ES entfalle» auf Rohzucker 310 13l Tonnen und auf Ver« brauchSzncker 425 976 Tonnen gegen 332 800 Tonnen Roh- und 455054 Tonnen Verbrauchszucker im vorhergehenden BetricbSjahre. Die AuSfuhrminderung entfällt in den Borjahren hauptsächlich auf Großbritannien, das zwar mit 230223 Tonnen Roh- und 289836 Tonnen VerbrauchSzucker wieder Hauptabnehmer war, gegen 1903/09 aber an Rohzucker 62 932 Tonnen und an VerbrauchSzucker 40 230 Tonnen weniger bezogen hat. Soziales. An die Borstände nnd Berwaltungsbeamte« der Krankenkassen im Dcutsche» Reiche! Seit einigen Wochen geht eine Notiz durch die bürgerlich- scharfmacherische Presse, die eine Stimmungsmache gegen die Selbstvenvaltung der Krankenkassen Deutschlands bezweckt. Desgleichen wird hierin eine Broschüre angekündigt, welche von dem Reichsverband gMn die Sozialdemokratie heraus« gegeben und Herrn Dr.'med. W. Möller, Kirchseeon bei München, zum Verfasser hat. Die Broschüre betitelt sich:„Die Herrschaft der Sozialdemokratie in der Deutschen Krankender- sichenmg." Der Preis beträgt vier Mark. Wir gestatten unö, die geehrten Krankenkassenvorstände darauf aufmerksam zu machen, daß die Broschüre nichts Neues bietet, was irgendwie für die Krankenkassen von Belang sein. könnte. Alles was darin enthalten, ist ein Sämmeksurtllin oller Kamellen, welche schon seit einer Reihe von Jahren durch die verschiedensten Zeitungen gingen und damit für die Krankenkassen längst abgetan sind. Eine ganze Anzahl von Krankenkassen hat uns bereits geantwortet. daß der Inhalt, der auf die betreffenden Kassen Bezug hat, zum Teil erdichtet, entstellt und übertrieben auf- geführt sind. Es verlohnt an dieser Stelle nicht, auf dieses Phamphlet näher einzugehen. Es gewinnt den Anschein, als wenn die Broschüre nur zu dem Zweck herausgegeben ist, um die Finanzen des Reichsverbandes zu heben. Letzterer lvill mit dieser Broschüre nur gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen ankämpfen, und möchte, daß auch die Kranken- kassen obenein noch die Kosten sür diese famose Broschüre tragen. Vielleicht glaubt auch der ReichLverband die Mittel dadurch zu erlangen, um auf's erneute gegen die Kranken- kassen mit einer ähnlichen Schmutzbroschüre hervorzutreten. Wir ersuchen die Krankenkassenvorstände, von dem Kauf dieser Broschüre Abstand zu nehmen. Die beteiligten Krankenkassen. die in der Broschüre genannt sind, sind über deren In- halt verständigt und ist denselben durch den Verlag der Zentral- kommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte die Broschüre übersandt worden. Dantit dürfte die Angelegenheit für die betreffenden Krankenkassen vorläufig erledigt sein. Zur eventuell näheren AuSklmst erklärt sich die Unter- zeichnete gern bereit. Zentrale für das deutsche Krankenkassenwesen. Berlin, Engelufer 15. E. SimanowSki, Borsitzender. Wirkungen des BranntweinboykottS Kürzlich hielt Herr Professor Bonhöffer aus Breslau bor dem entralkomitee für ärztliches Fortbildungswcscn im Kaiserin- riedrich-Hause in Berlin einen Vortrag über Alkohol-, Alkaloid- und andere VergiftungSpshchosen, wobei er die interessante Mit- teilung machte, daß nach der Proklamation des Branntweinboykotts durch die sozialdemokratische Partei im vorigen Jahre die Zahl der Alkoholdeliranten(durch Alkohol Gcistesverwirrien) in den Bres- lauer Krankenhäusern um wenigstens 50 Proz. abgenommen habe. Es habe ja auch schon einige Jahre vorher nach der letzten bedeuten- den Erhöhung der Branntweinsteuer eine gewisse Abnahme dieser Deliranten stattgefunden, aber damals sei diese Abnahme in einiger Zeit wieder eingeholt worden. Nun, die Genossen werden wohl überall dafür sorgen, daß die jetzt eingetretene Abnahme dieser Deliranlen nicht wieder ver- schwindet, sondern daß sie durch verstärkte Befolgung des Boykott- bcschlusseS sich noch mehr bemerklich machen wird. Zur Frage des Arbeitcrinangcls auf dem Lande. . Die Junker und ihre Bundesgenossen klagen immer in den betvegtesten Tönen, daß trotz der„hohen" Löhne— in der Tat find es Hungerlöhne— und der völligen Freiheit auf dem Lande,— der Arbeiter fühlt freilich nur die Freiheit der Knechtschaft— es nicht möglich sei, die Arbeiter zu halten, denn alles dränge sich nach der Industrie, obgleich cS dort viel schlechter sei. Einen netten Beitrag dafür, wie schön es mit den Land- arbeitern in Punkto Lohn, Arbeitszeit und Freiheit bestellt ist. liefert ein RittergutSpüchter aus dem branden- burgischen Kreis Rathenow. Ein Arbeiter aus Katto- Witz, der vor mehreren Jahren dort tätig gewesen, bewarb sich schriftlich um eine Stellung auf diesem Gute, und erhielt darauf folgende Antwort des Rittergutspächters: Dom. Wolsier bei Spaatz, den 24. November 1910. Herrn Arbeiter Alfred Hahn- Kattowitz. Auf den gestern empfangenen Brief erwidere ich Ihnen, daß noch eine Wohnung frei ist. Sie können als Arbeiter ankommen. Die Lohnverhältnisse sind folgende: Freie Wohnung mit Stall und Gartenland. 70 Zentner Kartoffel pro Jahr. 36 Ruthen Rübenland. 30 Mk. Feuerungsgeld pro Jahr. Baren Lohn vom 1. Oktober bis 1. April pro Tag 1,25 Mk. vom 1. April bis 1. Oktober 1,75 Mk. Die Frau im Winterhalbjahr 0,86 Mk.. im Sommerhalbjahr 1,20 Mk. Roggenmähen, binden und auf- setzen 2,— Mk. pro Morgen. Grasmähen pro Morgen 1 Mk. Ich bemerke aber gleich hiermit, daß ich mich nicht verpflichte. daß Sie unbedingt mähen müssen, denn wenn ich Sic während des Mähen? z. B. zum Lupinen bestellen in den Roggenstoppeln gebrauche, müssen Sie unweigerlich diese Tagelohnarbeit ver- richten. Naturgemäß wird ja selbstredend darnach hingearbeitet, daß man möglichst viele Mäher hat. Die Sache könnte aber nicht so gehen und gebunden will ich nicht sein. Die Kartoffel werden in Akkord ausgemacht. Die Reisekosten werde Ihnen vorschießen, jedoch werden die- selben im Laufe des Jahres vom Lohn wöchentlich einbehalten. Wenn Sie zwei Jahre hier sind, will ich Ihnen die halben Reisekosten schenken. Auf Grund dieses Briefes, den Sie auf- zubewahren haben, um ihn bei Aufstellung deS Arbeitsvertrages vorlegen zu können, wird der Arbeitsvertrag mit Ihnen hier abgeschlossen werden. Die Arbeitszeiten sind folgende: Vom 1. April bis 1. No- bember von ö Uhr früh bis 7 Uhr abends. Im Winterhalbjahr von 6 bis 6 Uhr. Hierzu bemerke ich, daß die Zeit im Winter- Halbjahr ganz von der Jahreszeit abhängig ist. Im November und März wohl etwas länger, dagegen um Weihnachten Herum noch verkürzt wird. Im Winter wird die Zeit in eins av- gearbeitet ohne Mittag zu machen, dann ist um 4 Uhr Feier- abend. ES wird gewährt Vi Stunde Frühstück und Vesper und eine Stunde Mittag im Sommer Im Winter K Stunde Frühstück und eine Stunde Mittag, die genaue Bestimmung der Arbeitszeiten behalte mir natürlich vor. Ihre etwa in der Zwischenzeit angenommene politische Ge» sinnung werden Sie dort lassen müssen? denn nur mit königS- treuen Arbeitern arbeite ich zusammen.„Wessen Brot ich esse» dessen Lied ich singe." Sie können mir hierauf antworten, ob Sie kommen wollen. > gez.: Gcbhqrd Lüdecke, RittergutSpüchter. Mit diesem Kulturdokument trafen auch 50 M. Reisegeld ein. Nachdem Hahn die Löhne, die Arbeitszeit und den schönen Akkord- preis eingehend studiert und so traurig er die Verhältnisse fand, hier dennoch Vertrag schließen wollte, kam er doch zu dem Schluß, daß er Herrn Lüdecke die 50 M. zurückschicken muß/ da er un- möglich dort arbeiten kann, wo er neben der Arbeitskraft für kleinen Lohn auch noch die politische Gesinnung verkaufen sollte. Zu dieser Herabwürdigung konnte er sich trotz seiner Arbeits- losigkeit nicht verstehe». Der Brief, und besonders der letzte Satz, beweist wieder einmal, wie es im Lager der Junker mit dem Terror steht: die politische Gesinnung soll in diesem Falle in Kattowitz bleiben, und als „königstrcuer Arbeiter" soll der Einziehende kommen, alldieweil im Reiche der Junker das Lied gesungen würde, dessen Brot die Landproleten essen. Ob sich der Rittergutsbesitzer Gebhard Lüdecke allmählig bewußt werden wird, daß er cS eigentlich ist, der das von den Arbeitern verdiente Brot ißt? Oder meint Herr Lüdecke. et könne selbst das von ikiyt MaWte 8M begrkeiten?! 0ewcrhrcbaftlichc9. Gelbe Mablmacke. Wir berichteten kürzlich über die eigenartige Wahl der GsneralvcrsammlungSvertreter zur Betriebskrankenkasse bei der Firma Seidel u. Naumann in Dresden. Es muhte eine von dem Prokuristen der Firma, der Vorsitzender der Kasse ist. Stadtrat B a u m a n n. in ungesetzlicher Weise vor- genommene Wahl für ungültig erklärt werden, weil sie vor dem für die Wahlversammlung angesetzten Zeitpunkt schon beendigt war. Zirka 500 Arbeiter der Firma unterschrieben einen Protest an die Aufsichtsbehörde gegen die Gültigkeit der Wahl. Ehe dieser Protest beantwortet wurde, setzte der Vor- sitzende eine neue Wahl an. Es waren zirka t3CK) Arbeiter erschienen. Die Gelben und ihre Gönner, die Betriebs- leitung, hatten natürlich alles aufgeboten, unr die ihnen drohende Niederlage zu verhüten. Es wurden sämtliche Meister und Kontoristen herangeholt, es wurden besonders leicht kenntliche„gelbe" Wahlzettel ausgegeben. die Wahlhandlung fand in der Weise statt, dah die einzelnen Wähler aufgerufen wurden, an den Wahltisch traten und den Zettel abgeben muhten. Hinter der einzigen Wahl- urnc st and der Vorsitzende und seine Leute. Das hat aber alles nichts genützt. Die Liste der frei organisierten Arbeiter wurde mit 618 gegen 440 Stimmen gewählt und die Wahl hat vor aller Welt die Ohnmacht der Gelben enthüllt._ Ocutfchee Reich. Eine„Grenzregulicrung". Die Vorstände des Fabrikarbeiterverbandes und des Verbandes der Lithographen und Stein» drucker veröffentlichten folgende Erklärung zur Frage der Organisation der Tapetendrucker: „Vor einiger Zeit beobachteten wir eine besondere Agitation zur Gründung eines gesonderten Tapetendruckervereins, was uns Veranlassung gab, im Beisein eines Vertreters der General- kommission und der Tapetendrucker Weykopf-Berlin und Knabe» Leipzig eine Klarstellung herbeizuführen. Beide Tapetendrucker (Weykopf und Knabe) wurden beaustragt, ihren Tapctendrucker- kollcgen das Falsche der Gründung eines gesonderten Vereins vorzustellen. Trotzdem machen wir die Beobachtung, daß die weitere Agitation für diesen Verein ihren Fortgang nimmt, wcs- halb wir uns erneut damit beschäftigten und der General- kommission die Frage vorlegten, wie sie sich nunmehr zu diesem gesonderten Tapetendruckcrvcrein stellt. Die Antwort ist ausge- fallen, wie sie nach Lage der Dinge nur ausfallen konnte, und zlvar dahin, daß diese gesonderte Tapetendruckervercinigung nach keiner Richtung hin anerkannt wird, somit also weder örtlich, noch zentral anerkannt ist. Diese neue Tapetendruckervercinigung stellt somit eine Sonderorganisation im wahren Sinne des Wortes dar, weshalb wir alle Tapctendrucker Deutschlands warnen, dieser Sonderorganisation beizutreten. Da nun aber die Tapctendrucker diese Absonderung damit begründen, daß der Beitrag im Verband der Lithographen und Stcindrucker zu hoch ist, haben wir, die Unterzeichneten, uns Iwhin verständigt, daß der Verband der Lithographen, Stein- drucker und verw. Berufe jede weitere Agitation unter den Tapetendruckern einstellt und die weitere Agitation dem Fabrik- arbeiterverband mit dem Sitz in Hannover zufällt. Alle Tapeten-, Wachstuch- und Linoleumdrucker, sowie deren Hilfsarbeiter ge- hören von jetzt an zum Fabrikarbeitcrverband, jedoch mit der Maßgabe, daß alle dem Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandter Berufe zurzeit noch angehörenden Tapeten-, Wachstuch- und Linoleumdrucker in demselben verbleiben können. Neuaufnahmen finden jedoch in diesem nicht mehr statt. Ebenso werden alle Fragen, welche den wirtschaftlichen Kampf betreffen, von jetzt an nur durch den unterzeichneten Fabrikarbeiterverband gerogelt."_ Tarifnbschlüsse im Lithographengewerbe. Mit den Erfurter lithographischen Anstalten und Stein» druckereien und den Lithographen und Steindruckergehilfen wurde ein Tarif abgeschlossen, gültig bis zum 1. April 1913. Festgelegt wurden: Für Lithographen täglich 8, für Steindrucker täglich 9 und wöchentlich 5314 Stunden Arbeitszeit. Mindestlohn im ersten Jahre nach der Lehre 19 M., dann 21 M. und dann nach Leistungen. Nach Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches werden bis drei Stunden ArbeitSzoitverfäumniS entschädigt. Für Ueberstnnden werden Wochentag? 25 Prozent und Sonntags 56 Prozent bezahlt. Die Feiertage werden voll bezahlt. In der Lehrlingsfrage wurde der- einbart. daß auf 1 bis 4 Lithographen ein Lehrling gehalten werden darf. Muster selbstgefertigter Arbeiten werden allegemein ge- liefert. Sämtliches Arbeitsmaterial liefern die Prinzipale.- Etwaige Tarifstreitigkeiten werden durch eine Kommission von je drei Vertretern unter Hinzuziehung eines Gauleiters des Ver» bandes der Lithographen. Steindrucker und verwandten Berufe geregelt. In Königsberg t. Pr. wurde mit den lithographische» Anstalten und Steindruckereien ein Tarif, gültig bis 31. Dezember 1913, abgeschlossen. Vereinbart wurde für Lithographen die acht- stündige und für Stcindrucker die neunstündige Arbeitszeit pro Tag. An Sonnabenden und Tagen vor den Festtagen wird 8 Stunden gearbeitet. Der Mindestlohn beträgt im ersten Jahre nach der Lehre 19 M., im zweiten 21 M., im dritten 24 M. und im vierten Jahre nach der Lehre 27 M. Die Feiertage werden bezahlt. Für Ueberzeitarbeit bis zwei Stunden werden 25 Prozent, dann 33sh Prozent Zuschlag bezahlt, Sonntags 59 Prozent.— Auf je 1 bis 4 Gehilfen darf ein Lehrling gehalten werden. Das Arbeitsmaterial wird vom Prinzipal geliefert, ebenso erhalten die Gehilfen Druckmuster ihrer selbstgefertigten Arbeiten. Die gegen- seitige Kündigungszeit beträgt 14 Tage. Bei Tarifstreitigkeiten tritt eine Kommission von je drei Gehilfen und Prinzipalen zu- sammen. Außer diesen Abmachungen fanden Lohnzulagen von 1 M. bis 1,50 M. allgemein statt.> Erfolgreicher Mälzereiarbeiterstreik. Nun bat auch die zweite Malzfabrik in Langensalza, .Malzfabrik Ziegelhof", Frieden mit dem Verbände der Brauerei- und Mühlenarbeiter geschlossen, und unter Anerkennung der gleichen Bedingungen wie in der Thüringer Malzfabrik den Tarif unter Wiedereinstellung der Streikenden anerkannt. Das Hauptverdienst an dem günstigen Ausgange dieses Kampfes trägt die Solidarität der Arbeiter in den Brauereien, die Malz aus diesen Malzfabriken beziehen. Diese liefen Gefahr, ihr Absatzgebiet zum guten Teil zu verlieren, weil die Brauereiarbeiter sich weigerten, dieses Malz zu verarbeiten l Das brachte die Herren Malzfabrikanten zur Einsicht. Mälzereiarbeiterstreik in Nordhausen. Den streikenden Arbeitern in der Malzfabrik Schmit u. Sohn. die nach Einreichung der Tarissorderungen durch den Brauerei» und Mühlenarbeiterverband zwei Arbeiter maßregelte und von den übrigen Unterzeichnung eines Reverses verlangte, daß sie aus ihrer Organisation austreten. was die Arbeiter mit dem Ausstände beantworteten, haben sich nun auch die Arbeiter der Malzfabrik Wolfgang Hagen angeschlossen. Auch hier lehnten die Unternehmer jede Unterhandlung ab und provozierten die Arbeiter in jeder Weise, sodaß den Arbeitern nichts anderes übrig blieb als der Streik. Zu- ug ist fernzuhalten._ navtw. Bsdakt.» Richard Barth, Lerlill. Inseratenteil verantw.) Mastregelungen in der Glasindustrie. Dem Verband t>ev Glasarbeiter gelang es, einen Teil der bei der Firma Lemberg u. Co. in Gifhorn bei Hannover bc- schäftigtcn GlaScrbeiter der Organisation zuzuführen. Der Firma war dieser Umstand unangenehm, und sie versuchte vor allem, den „Agitator" loszuwerden. Da der Vertrauensmann aber nicht im Betrieb beschäftigt war, versuchte nmn, auf dessen Arbeitgeber ein» zuwirken, und dieser schritt auch zur Entlassung. Mit dem Kas- sierer stand es gleichfalls so, auch dieser wurde entlassen. Der Ver- band der Glasarbeiter sagte diesen beiden Genossen eine gute Unter- stutzung zu und so versuchten sie, weiter zu agitieren. In der Nacht vom 17. zum 18. Dezember sangen die Arbeiter in der Fabrik Weih- nachtslieder. Ter Fabrikant betrat die Fabrik und verbot das Singen, während er einem Arbeiter vorwarf, daß er betrunken sei. Der Arbeiter erwiderte die Beleidigung, und darauf schlug der Fabrikant auf ben Arbeiter ein und warf ihn zur Fabrik hinaus. Der Arbeiter war seit 23 Jahren im Betrieb beschäftigt. Am 18. Dezember beschäftigte sich eme Versammlung der Arbeiter mit diesen Vorgängen. D:e Vergewaltigungen der Arbeiter wurden vom Referenten Girbig scharf zurückgeioiesen. Der Fabrikant griff zu neuen Maßregelungen und kündigte am 23. Dezember 89 Ar- beitern. Tie Arbeiter sind fast ohne Ausnahme seit langen Jahren im Betrieb beschäftigt. Die Maßregelungen d'eser 89 Glasarbeiter erfolgten lediglich wegen Zugehörigkeit zur Organisation. Alle Glasarbeiter werden aufgefordert, Gifhorn streng zu meiden; gelingt es, den Zuzug fernzuljalten, dann dürste der Unter- nehmer bald nachgeben müssen. Gewerkschaftschristliche Nebcrrumpclungsmanöver bei sozialen Wahlen. Bei den Neuwahlen der Mitglieder de» Ausschusses der LandeSversicherungsansialt Elsaß-Lothringen S gelang eS am Moulag voiiger Woche in Straßburg, wo die Wahl für das Unterelsaß stattfand, den Gegnern der klaffen- bewußten Arbeiterscbaft, die bisherigen AnSschiißmitglieder aus der Klasse der Versicherlen mit Ausnahme eines einzigen, des Geschäfts- führerS deS Stratzburger Konfninvercins Genossen Riehl, den man als Lockmittel mit ans die gegnerische Li sie genommen hatte, zu Fall zu bringen; abgesehen von Riehl unterlagen die bisherigen Mitglieder mit 13 gegen 21 Stiinme». Dasselbe Manöver wurde am Donnerstag in Mülhausen ver- sucht, wo die Wahl der AuSschußinitglieder für das Oberelsaß stattfand. In einer Versammlung von Vertretern der Versicherten, zu welcher keiner, der sozialdemokratischer Gesinnung verdächtig war, Zutritt bekam, empfahl einige Stunden vor der Wahl der christliche Arbeitersekretär Franz Fischer, der ReichStagSkandidat des Zentrums von 1997. eine Vorschlagsliste, die als Zug- mittel wiederum mehrere Namen bisheriger Ausschußmitglieder aufwies, weiche mit dieser Machenschast gar nichts zu tun Halle» und um ihre Zustimmung zu dem ganzen Manöver auch gar nicht angegangen worden waren. Gleichivohl unterlag bei der spateren Wahl die eigentlich« ZentrumSkandidatenliste glatt. ES wurde» mit 29—14 Stimme» gewählt: das bisherige Ausschuß- Mitglied Schriftsetzer I u n d t- Kalmar, den man als Zugmittel auch aus die ZeiitrumSliste gesetzt halte, und die beide» bekannten Sozial« demokraten Musterweber Äniebühler- Markirch und Schriftsetzer Linsen meyer- Mülhausen, der Vorsitzende der Ortskrankentasse Mülhausen-Stadt. Die ZenlruniSkandidalen folgte» aber hart aus dem Fuße. Der Vorgang enthält die dringende Mahnung an die Arbeiterschaft, diele Wahlen, von deren Ausgang für die Arbeiterschaft so vieles abhängt, in Zukunft besser vor» zubereiten, um gegnerische Ueberrumpelungcn von vornherein auszuschließen. ZZuslanck. Streik in der Wiener Konfektion. Zweitausend Stückmeister und zehntausend Gehilfen de? Schneider- gewerbe« haben beschlossen, am 1. Januar die Arbeit einzustelle». da die Konfektionäre eine Lohnerhöhung verweigern. Nach der Ver- sammlung, in der dieser Beschluß gefaßt wurde, veranstalteten etwa tausend Teilnehmer Straßenkundgebnngen vor den KonfeklionS« Häusern CsosterS und Gerngroß. Die Polizei zerstreute die Deinon- stranten._ Tarifverträge in Oesterreich. Einer soeben erschienenen Publikation deS österreichischen ArbeitSstaliftisckien AmteS.Die kollektiven Arbeits- und Lohnverträge in Oesterreich 1998" ist zu entnehmen, daß im Berichtsjahr 483 Tarifverträge für 5776 Betriebe mit 64 482 Arbeitern zum Abschluß kamen. Gegen daS Vorjahr, für das 784 Verträge für 8748 Betriebe mit 166 298 Arbeitern auszuweisen waren, machte sich demnach ein starker Ruck- gang bemerkbar. Bon den Verträgen sind neue Abschlüsse 378, Er- Neuerungen früherer bestandener Verträge 195. 47 Proz. der» Ver- lräge sind kleineren UmfangS mit weniger»ls 59 beteiligten Ar- beitern Vereinbarungen über die Arbeitszeit enthalten 82 Proz. der Verträge. In 8 Verträgen mit 1372 Arbeitern ist die 8>/, ständige Arbeitszeit festgesetzt. Der größte Teil der Arbeiter, für die em Tarifvertrag abgeschlossen werden konnte, nämlich 19 299, arbeiten 9 Stunden; sodann folgen 18144 Arbeiter, sür die die 9l/»stünd>ge und 12 626 Arbeiter, für die die 19 stündige Arbeitszeit festgesetzt wurde. Bestimmungen über die Arbeitslöhne befinden sich in 94 Prozent der Verträge und es wurden in 224 Fällen nur Minimalzeit und Normallöhne, in 61 Fällen Akkordlöhne und in 131 gemischte Löhne(Zeit- und Akkordlöhne) vereinbart, in 33 Fällen erfolgten bloße Erhöhungen der Jndividuallöhne. 398 Verträge enthalten Bestimmungen über höhere Entlohnung lUeberstunden. Sonntags- und Nachtarbeit). 91 Verträge sehen die Einsetzung einer Kontrollkommission oder eines Schiedsgerichts zur Beilegung von Streitigkeiten vor. 228 Verträge enthalten Be- stimmungen über die Anerkennung der Organisation, 263 über die Freigabe des t. Mai; 59 über die Anerkennung und Benutzung des gewerkschaftlichen Arbeitsnachweises, und 45 über verschiedene hygienische und sanitäre Maßnahmen- Die Gültigkeitsdauer der Verträge ist in 78 Proz. angegeben. Die größte Zahl der Verträge, nämlich 174, ist auf die Dauer von zwei Jahren festgesetzt, 197 auf drei Jahre, auf vier Jahre wurden 19, auf fünf Jahre 5 Verträge und auf ein Jahr 63 Verträge abgeschlossen. Dockarbeiteraussperrnng. Die Hafenarbeiter von Dünkirchen fordern den Achtstundentag und die Beseitigung der Nacht- und SonntagSarbeit. Die Unter- nehmer haben sie deswegen ausgesperrt. Die AuSstandsbcwcgung im Lütticher Kohlenbecken hat sich weiter ausgedehnt. ES streiken augenblicklich etwa 2999 Mann. Kein Neunstundentag ia Amsterdam. Die Gemeindearbeiter von Amsterdam bemühen sich durch ihre Organisationen schon seit Jahren, den neunstündigen Arbeitstag zu erreiche», und im Jahre 1996 war es auch schon so weit gekommen, daß in der Stadtverordnetenversammlung ein klerikaler.Arbeiter- Vertreter" die Einsührung des Neunstundentages beantragte. Damals waren eS die.Freisinnig-Demokraten", die diesen Antrag zu Fall bracbten, indem sie eine Untersuchung über die Möglicbkeit, die Arbeitszeit mit einem Male oder nach und nach auf neun Stunden zu verkürzen, Mrlangten, was dann aucki beschlossen wurde. Nachdem vier Jahre darüber verflossen sind. hatten Bürgermeister nnd Magistrat von Amsterdam nun selbst den Stadtverordneten vorgeschlagen, den Gemeindearbeilern einen.mittleren" Neunstundentag zu bewilligen, was so zu verstehen ist, daß in den ArbeitSzweigen, wo infolge der Witterungsverhältnisse die Arbeitszeit im Winter kürzer ist als neun Stunden,___________ n,9lidt,9alin, Druck u. Perlsa: Loivärt» BuSdr.«. LerlagSanstal» UgulEinger�TpuBerlioLV/. Hierzu 2 ScUagc» o.Uowrh»Uu»g»Ut im Sommer um so diel länger gearbeitet werben sollte. Di« Soziaidemolraten schlugen dagegen den nennstündigen Maximal- arbeitstag vor iamt Lohnerböhung, waren aber auch bereit, daS Gute, was der Antrag des Magistrats bot. als Abschlagszahlung hinzunehmen. Merkwürdig aber war daS Verhalten der Klerikalen und der Liberalen. Jener klerikale Stadtverordnete, D o u w e s mit Namen, früher selbst Arbeiter, der 1996 den Neunstundentag verlangte, brockte nun eine Resolution ein, in der ausgesprochen wird, daß kein hin- reichenderGrund für eine generelle Verkürzung der Arbeitc-zeitvorhanden sei, daß jedoch der Magistrat untersuche» solle, ob für einige Arbeiter« grnppen Lohnerböhung erwünscht sei. Diese Resolution imirde zwar nicht angenommen, loohl aber slalt dessen mit 23 gegen 18 Stimmen eine von den Liberalen vorgeschlagene, die in ihrem ersten Satze dasselbe besagt, nur mit dem Unterschied, daß sie sich zugleich auch gegen eine allgemeine Lohnerhöhung wendet. Im übrigen wird darin auch eine Untersuchung hinsichtlich einiger Gruppen von Ge« meindearbeitcrn verlangt sowie eine Berechnung über die finanziellen Folgen einer teilweise» Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöbung. Unsere Genossen halten in der langen Debatte wiederhott be- tont, daß. wenn die Gemeindearbeiter sich die brüske Abweisung ihrer bescheidenen Forderungen einmal nickt mehr ruhig gefallen lassen, die klerikalen und liberalen Herren selbst daran schuld sind. Die Finanzen der britischen Gctverkschaften. London, 21. Dezember 1919.(Eig. Ber.) Das englische Handelsministeriun, veröffentlicht einige bemer- kenswerte Ziffern über die finanzielle Lage der Gewerkschaften Großbritanniens. In der„Board of Trade Labour Gazette" wer- den eine Reihe Tabellen aufgeführt, die über die Einnahmen und detaillierten Ausgaben von 199 hauptsächlichen Gewerkschaften für das Jahr 1999 Ausschluß geben. Diese hundert hauptsächlichen Gewerkschaften, von denen jede über 14 999 Mitglieder hat, um« fassen mehr als 69 Proz.(1 422 299) aller Gewerkschafter Groß» britanniens. Die übrigen 1953(!) Gewerkschaften mit einer durchschnittlichen Mitgliedschaft von weniger als 999 und einer Ge- samtmitgliedschaft von 925 162 sind bei der Aufstellung der folgen» den Ziffern nicht berücksichtigt. Das Jahreseinkommen der 199 Gewerkschaften sank im Jahre 1999 von 2 737 981 Pfund Sterling(1998) auf 2 569 439 Pfund Sterling. ES blieb hinter den Gesamtausgaben des Jahres (2 687 416 Pfund Sterling) um 126 936 Pfund Sterling zurück. Der Fehlbetrag mußte dem Vermögen entnommen werden, dessen Höhe nunmehr 5 951 469 Pfund Sterling beträgt. Auf jedes Mit- glied kam im Jahre 1999 eine Einnahme von 39 Schilling, eine Ausgabe von 37 Schilling und 9(4 Pence und ein Vermögens- antcil von 71 Schilling und(4 Pence. Mit dem Jahre 1997 ist eine geringe Abnahme der Zahl der Mitglieder zu verzeichnen, was aber in den Geldziffern nicht zum Ausdruck kommt. Denn im Jahre 1999 waren wohl Ausgaben wie Einnahmen viel höher als in irgendeinem vorhergehenden Jahre mit Ausnahme des JahreS 1998, als die Gewerkschaften die volle Wucht der wirtschaftlichen Krise zu fühlen bekamen. Von den Ausgaben entfielen 3 5,1 Proz. auf Arbeitslosen» Unterstützung. Selbst im Jahre 1998 war diese Ausgabe prozentual geringer als im Berichtsjahr; sie machte 31,4 Proz. der Gesamtaus. gaben aus. Für das verflossene Jahrzehnt beträgt der Durch- schnitt 26,6 Proz. Auf Streiks und Aussperrungen kamen 5,8 Pro- zcnt der Ausgaben; der Durchschnitt für die letzten zehn Jahre ist 19,2 Proz. Auch die Ausgaben für sonstige Unterstützungen und Verwaltung hielten sich unter dem Prozentsatz der letzten 19 Jahre. Sonstige Unterstützungen nahmen 39.6 Proz.(Durch- schnitt 41,9 Proz.) und Verwaltungsunkosten 19,5 Proz.(Durchschnitt 21,3 Proz.) der Ausgaben in Anspruch. Die beunruhigende Erscheinung, daß schon zum zweiten Mal« (das erstemal war im Jahre 1998) die Ausgaben der 199 großen Gewerkschaften die Einnahmen bedeutend übersteigen, findet ihre Erklärung in den wachsenden Ausgaben für Arbeitsloscnunter« stützung. Das Emporschnellen dieser Ausgaben tritt besonders bei den Gewerkschaften der Metallarbeiter und Textilarbeiter 4>eut-» lich zutage. Die Höhe der Arbeitslosenunterstützung betrug im Durchschnitt 13 Schilling und 3(4 Pence pro Mitglied; bei den Metallarbeitern stand diese Ziffer jedoch auf 33 Schilling und 4 Pence. Gegen daS Jahr 1908 ist zwar eine Verringerung dieser Ausgaben eingetreten, aber die Ziffern des letzten Jahrzehnts lassen uns erkennen, daß die Entwickelung zu einer steigende« Belastung der Gewerkschaften mit Ausgaben fuhrt, die von RechtS wegen die Allgemeinheit tragen sollte. Die amerikanischen Eisenbahner haben einen schönen Erfolg er- zielt. Der Kompromißvorschlag bezüglich der Forderungen der Loko« motivführer der westliche» Bahnen sieht eine allgemeine Lohnerhöhung von 33'/, Proz. für die Lokomotivführer vor. C-ctztc l�achrfcbtcn. Die Scharfmacher an der Arbeit. Stockholm, 27. Dezember.(W. T. B.) Der Bereia de» schwedischen Schuhwarenfabrikanten hat heute beschlossen, daß alle Mitglieder des Vereins ihre Arbeiter am 2. Januar 131t aussperren sollen. Ungefähr 5300 Arbeiter werden von dieser Maßregel betroffen._ Brand in einem Kincmatographentheater. Plauen, 27. Dezember.(B. H.) Heute abend gegen?47 Uhr verbrannten im hiesigen American Kinematographen» t h e a t e r bei der Vorführung von Lichtbildern die gesamten Filmvorräte. Der Schaden wird auf über 1599 M. geschätzt. In dem besonders von Kindern gut besetzten Vor» führungsraume entstand eine Panik, doch kam niemand zu Schaden. Das Feuer ist dadurch entstanden, daß der Motor sich noch nicht im Gang befand und der Filmstreifen infolge des Hand- betriebes nicht mit genügend gleichmäßiger Schnelligkeit bewegt werden konnte, so daß der Film zu stark erhitzt wurde und sich ent, zündete. Abgesehen von geringfügigen Hautverletzungen sind Personen nicht verletzt worden. Selbstmord eines Bürgermeisters? Weimar, 27. Dezember.(B. H.) Der langjährige Landtags» abgeordnete und Bürgermeister Hermann Wellinger in Nöda wurde heute als Leiche aus dem Gerafluß gezogen. Ob Selbstmord oder Unfall vorliegt, konnte noch nicht er- mittelt werden._ Schwerer Schiffsunfall. Libau(Ostsee). 27. Dezember.(W. T. V.) In der ver- gangenen Nacht ist am Wellenbrecher das englische Segtlschisf„Anna Ottilia" untergegangen. Vier Mann der Besatzung und der Kapitän des Schiffes werden vermißt, zwei wurden als Leichen geborgen, die übrigen wurden ge- rettet._ Masienvernrteilungen. Kiew, 27. Dezember.(SB. T. B.) Wegen Abhaltung einer unerlaubten Versammlung wurden 431 Studenten der Universität auf administrativem Wege zu Strafen von einem Rubel bis zu zwei Wochen Haft der- urteilt. ».* nmm i. Idinit des JoraiWs" ßttlintt öolliülilatt.»-»»w.».» Gerichts-Zeitung» Schwurgericht wegen Moabit.' Die Anklage hat 18 Personen wegen Aufruhrs und Lanv- � friedensbruchs vor das Schwurgericht gestellt. Es ist schon mit- geteilt, daß der Termin zur Hauptverhandlung vor dem Schwur- gericht, die unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Unger statt- findet, auf den 9. Januar und folgende Tage angesetzt ist. Die Anklage richtete sich zuerst gegen 19 Angeklagte, einer von ihnen, der Zimmermann Cornelius Meeden, hat sich im llntersuchungs- aesängnis erhängt. Er war beschuldigt, in der Veusselstraße nach einem Schutzmann einen Feldstein geschleudert zu haben, der den Beamten am Ohr gestreift haben soll. Der unbestrafte Mann, der nach seiner Behauptung wegen Geisteskrankheit vorzeitig vom Militär entlassen sein soll, hatte die Straftat bestritten und einen Antrag auf Haftentlassung gestellt. Nachdem dieser Anrng abgc- lehnt worden war, hat er in der Zelle des Untersuchungsgefängnisses seinem Leben durch Erhängen ein Ende bereitet. Auf der Anklage- dank werden nunmehr Platz zu nehmen haben: 1. Arbeiter Max Jankc, 39 Jahre alt; 2. Arbeiter Jakob Trau, ein österreichischer Staatsangehöriger, 41 Jahre alt; 3. Arbeiter Franz Zofka, 26 Jahre alt; 4. Maschinist Georg Fibner, 23 Jahre alt; 5. Arbeiter Ignatz Orlowski, 42 Jahre alt; 6. Stanislaus Borowiak, 28 Jahre alt; 7. Arbeiter Michael Luksch, 18 Jahre alt; 8. Arbeiter Karl Bruhn, 21 Jahre alt; 9. Arbeiter Hans Rode, 29 Jahre alt; 19. Arbeiter Richard Albrecht, 29 Jahre alt; 11. Arbeiter Otto Marquardt» 18 Jahre alt; 12. Arbeiter Richard Minor, 29 Jahre alt; 13. An- streicher Alfred Scharfenberg, 22 Jahre alt; 14. Arbeiter Casimir Adamski, 26 Jahre alt; 1ö. dessen Bruder Jacob Adamski, 22 Jahre alt; 16. Arbeiter Friedrich Bonnet, 49 Jahre alt; 17. Arbeiter Johann Schadofsky, 57 Jahre alt und 18. Arbeiter Nepomuk Cieslick, 19 Jahre alt. Die Angeklagten werden des Vergehens hezw. Ver- brechens gegen die§§ 115 und 125 St.-G.-B. beschuldigt. Nach § 115 werden die Rädelsführer, sowie diejenigen Aufruhrer, welche bei einer Zusammenrottung den zur Vollstreckung von Gesetzen oder Anordnungen der Verwaltungsbehörden berufenen Beamten durch Gewalt oder Androhung mit Gewalt Widerstand leisten, mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren und bei Zubilligung mildernder Umstände mit Gefängnis nicht unter 6 Monaten bestraft. Nach K 125 werden, wenn eine zusammcngerottete Menschenmenge Landfriedensbruch begeht, die Rädelsführer, sowie diejenigen, welche Gewalttätigkeiten gegen Personen begangen, oder Sachen geplün- dert, vernichtet oder zerstört haben, mit derselben Strafe bedroht. Die Angeklagten sind nun während der Vorgänge in Moabit von den Schutzleuten festgenommen worden, weil sie faustgroße Steine nach den Beamten geworfen. Laternen zertrümmert und andere Gewaltakte begangen haben sollen. Einer der Angeklagten soll auch mehrere Revolverschüsse abgefeuert haben. Die Angeklagten be- ftreiten fast durck.oeg ihre Schuld bezw. behaupten sie, daß der ihnen zur Last gelegte Mwaltakt nur in der Abwehr gegen Miss- Handlungen seitens der Smuhleute ausgeführt worden sei. Bei der Verhaftung des Angeklagten Cieslick hatte sich eine sehr turbulente Szene entwickelt, wobei ein Schutzmann einen Schlag über die rechte Hand erhielt, durch den ihm drei Mittelhandknochen gc- brachen wurden. Cieslick aber ist bei dieser Gelegenheit durch einen Stich in �»en Bauch schwer verletzt worden. Er hat sich im Krankenhause einer Operation unterziehen müssen. Ein Teil der Angeklagten gehörte zu den bei Kupfer u. Co. Streikenden, andere wieder hatten mit dem Streik gar nichts zu tun. Bei dem Angekl. Luksch war es zweifelhaft geworden, ob er bei Begehung der ihm zur Last gelegten Straftat bereits das 18. Lebensjahr überschritten hatte und daher überhaupt vor das Schwurgericht gestellt werden kann. Die Tat soll am 27. September begangen sein, nach dem «vis Steiermark eingeforderten Taufschein des Angeklagten ist dieser am 26. September 1892 geboren; er war also zur Zeit der Sine Seite Zeitung. Sie begann so: „Sekt ist der König der Lust. Man weih nicht recht, ob seine prickelnde Sühe die Lebensfreude hervorlockt oder ob wirkliche innere Verguügtheit im Menschen unwiderstehlich den Wunsch wachruft, Sekt zu trinken. Jedenfalls ist eine Gesellschaft, wenn sie sich nicht gerade zum Austausch geistiger Güter versammelt hat, erst dann in richtiger Stimmung, wenn beides zusammen ist: Lustigkeit und Champagner. In dem neuen Tanzetablissement, das gestern der Reichshauptstadt geschenkt wurde, trank man am Eröffnungstage ganz ungeheuer viel Sekt.. Der begeisterte Berichterstatter schildert dann—(ob er auch Sekt getrunken hat?)— die prachtvolle Ausstattung des Raumes, die entzückende Flut der Lichter, die reizenden Toiletten der Lebedamen und schließlich den Höhepunkt der Stimmung, die sich also äußert: „Die Spitzgläser werden im Achteck fTanzrauml geleert, und auf dem Teppich der Balustrade versuchen stolpenide Füße einen Rhein- länder. Man stößt und pufft sich. Sektgläser fallen um, die Tänzer wechseln im Gewühl ihre Damen, ohne daß sie es merken— dieses Haus ist eingeweiht. Unten fahren schon ein paar Autos davon, in denen je eine Plcureuse und ein Zylindcrhut zu sehen sind." Hier folgt ein Strich. Darunter die StaatsanwaltSrede aus dem Micltschiner Prügel- Prozeß: „... Breithaupt mag den besten Willen gehabt haben, aber im Kampfe mit diesen Jungen und mit den ganzen unfertigen Ver- hältnisscn unterlag er, und seine Kampfmittel waren: Hunger, Ketten und Peitsche. Breithaupt züchtigte roh, brutal, grausam., Und so Weiler. Ein Strich. Es folgen Hofnachrichten. Unglücksfälle, Diebstähle, gleichgültige Notizen. Strich. Dann: „ G r u b e n n n g l ü ck in England... In der Nähe von Manchester hat sich ein Grubenunglück ereignet, durch das fast 899 Bergarbeiter in Lebensgefahr gebracht worden sind... Die Luft- zufuhr ist behindert. Nur e i» junger Arbeiter vermochte sich bisher zu retten. ES wird eine schwere Katastrophe befürchtet." (Diese Katastrophe ist zur Tatsache geivorden.) Es ist Feierabendstunde. Dämmerdunkel. Draußen und bei mir im Ziinmer. An meinen Fenstern trappen schwere Füße vor- über. Paarweise und in Gruppen. Bauarbeiter, die ihre Tätigkeit mit untergehender Sonne beendigten. In vagen Umrissen gleiten ihre Schatten an den Scheiben vorbei. Es ist kalt; die Hände ver- kriechen sich in den Taschen, der Oberkörper beugt sich vor. Trapp— trapp— trapp-- Und ich denke: Sekt ist der König der Lust. Und denke: Da war in Mieltschin ein genußsuchtiger Zögling. Der fand ein angebrütetes Ei und schlürfte es aus oder wollte es ausschlürfen. Dafür kriegte er 59 oder 75 oder 199 Peitschenhiebe. Und da war ein anderer Zögling, den Arbeit und Mißhandlung zermürbt hatten. Der wollte sich für einen Augenblick setzen. Dafür kriegte es 59 oder 75 oder 199 Peitschenhiebe. Da war ein dritter Zögling. Den, gefiel es orstaunlicherweise in diesem gottseligen Betriebe nicht. Er machte sich davon, wurde ergriffen und zurückgebracht. Man schlug ihn mit Fäusten. Stock und Peitsche. Irgendwohin. Man schloß ihn in schwere Eisen, die ihm die Glieder wundscheucrten und ihn binderten, sich in dem dunklen Keller auf den Boden zu strecken. Man schlug ihn noch,> Tat gerade 18 Jahre alt geworden. Die Angeklagten sitzen seit Ende September bezw. Anfang Oktober in Untersuchungshaft. Die Familie des Angeklagten Kasimir Adamski, der 6 Monate ununter- brachen in einer hiesigen großen Fabrik gearbeitet hatte, ist durch seine plötzliche Verhaftung schwer getroffen worden. Die Ehefrau hat schon seit einigen Wochen die Armenunterstützung der Stadt Berlin in Anspruch nehmen müssen und ist vor kurzem auch noch von einem Kinde entbunden worden.— Das Bild von den Vorgängen, welche zur Erhebung der Anklage geführt haben, wird vor dem Schwurgericht im wesentlichen dasselbe sein, wie bei dem jetzt vor der dritten Strafkammer verhandelten Strafprozeß; der Vorsitzende hofft jedoch, in bedeutend kürzerer Zeit zu einem Urteilsspruch zu gelangen. Die Angeklagten werden von den Rechtsanwälten Justizrat Leonhard Friedmann, Dr. Heinemann, Wolfgang Heine und Dr. Kurt Roscnfeld verteidigt werden, zwei Angeklagte haben Offizialverteidiger erhalten._ Berechtigte Interessen. Wie weit berechtigte Interessen anerkannt werden, wenn Kläger kleine Beamte, der Beklagte aber ein Rittergutsbesitzer ist, zeigt folgendes von der Görlitzer Strafkammer gefällte Urteil. Wegen Beleidigung der Bahnbcamten der Station Uhyst war der Rittergutsbesitzer Louis Rössing in Bärwalde vom Hoherswcrdarr Gericht zu 59 Mk. Geldstrafe eventuell 19 Tagen Gefängnis ver- urteilt worden. In einer B-schwerdrschrift, die R. an den Eisen- bahnminister gerichtet hatte, war u. a. gesagt, daß eine vorher eingereichte Beschwede bei der Eisen bahndircltion Halle„lässig ge- handhabt" worden und daß die Eisenbahnbediensteten auf der Station Uhyst„bei ihrer Vernehmung gelogen" hätten. Der An- geklagte war eines Tages im November 1999 nach Königswartha gereist und hatte bestimmt, daß Telegramme ihm nach Uhyst nach- geschickt werden sollten. Sein Diener hatte ihm nun berichtet, daß ein um 19 Uhr abends eingelaufenes Telegramm von dem betreffenden Beamten nicht mehr nnt dem Nachzuge befördert worden sei, weil der Beamte ihm bedeutet habe, daß um 9 Uhr der Dienst auf Station Uhyst geschlossen würde. Darauf die Be- schwerde des Angeklagten, der die betr. Depesche erst am anderen Tage erhalten hatte, denn er war der Meinung, daß das Tele- gramm noch hätte befördert werden müssen. Er bestritt vor der Görlitz« Strafkammer,� dem Berufungsgericht, daß er die betr. Beamten durch den Vorwurf,„sie haben bei ihrer Vernehmung gelogen", habe beleidigen wollen. Das Berufungsgericht hob das verurteilende Erkenntnis auf und sprach den Angeklagten frei. Dem Angeklagten sei der Schutz des§ 193 zugebilligt worden; in der gewählten Form,„die Beamten hätten gelogen", sei eine beabsichtigte Ehrenkränkung, der Vorwurf unehrenhaften Handelns der Beamten, nicht gefunden worden. In Greifswald war der Kläger ein Landrat, der Beklagte, der nirgend einen so schweren Vorwurf gegen den Landrat erhoben hatte, daß dieser bewußt die Unwahrheit gesagt habe, wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Bahnbeamter und Land- rat— ja Bauer, das ist auch ganz was anderes. Arbcitcrwohnungen auf Rittergüter«. Als die Frau des Hofmeisters H. am 11. Januar 1996 durch den Hausgang des die Dienstwohnung enthaltenden Nebengebäudes des Rittergutsbesitzers W. in Grafensteincrhöhe bei Rinteln ging, brach der mit Steinplatten belegte Fußboden durch. Frau H. fiel in den Keller hinunter und erlitt Beschädigungen an ihrem Körper. Der Durchbruch ist auf das Morschwerdcn des Tragbalkens zurlick- zuführen. Wegen der erlittenen Beschränkung in ihrer Erwerbs als er gefesselt war. Wie oft? Ich weiß es nicht. Vermutlich weiß eö niemand genau. Er blieb, glaube ich, acht Tage in dem frommen Arrest. Acht Tage bei Wasser und Brot... Das Zeitimgsblatt in meiner Hand knistert: Sekt ist der König der Lust. Lustigkeit und Champagner gehören zusammen wie Wasser und Brot. Und Musik gehört dazu. Prickelnde, wollüstige Musik. Und schöne Frauen mit leuchtenden Augen und biegsamer Taille. Und Glanz gehört daz», Lachqi und Licht. Ja, vor allem Licht. Eine Flut von Licht. Ein Strom, ein Meer von Licht. Eine einzige strahlende, blinkende Helle... Dreihundert Bergarbeiter sind tief unter der Erdoberfläche in ein trostloses Dunkel eingeschlossen. Alle Ausgänge sind verrammelt. Die Luft wird dick und dicker, das Blut stockt, die Brust keucht.... Sie sind lebendig begraben. Begraben in finsterster Nacht— für immer. Lebendig? In Finsternis? Vielleicht. Vielleicht atmet in diesem Augenblick keiner von ihnen mehr. Vielleicht wurde die Finsternis jäh erhellt von einem fürchterlichen Feuerstrahl, der krachend durch die Gänge schoß und hinausloderte zum Schacht. Vielleicht kämpfen noch einige mit dem Tode, mit den Flammen, mit erstickenden Gase», mit niederbrechendem Gestein. Vielleicht hallt die düstere Tiefe wider von einem einzigen, gellenden, vielhundertstimmigen Todesschrei. Vielleicht auch ist'S schon still und stumm da unten oder ein leiseS, letztes Stöhnen wandert die Gänge entlang. Bielleicht ächzt noch ein einziger unter Haufen von Leichen; seine Augen in dem staubberußten Gesicht quellen vor und seine zuckenden Finger krallen sich in das schwarze Gestein... Sekt ist der König der Lust. „Man sah nach, daß die Berliner Lebedamen sich heute ebenso gut zu kleiden und zu gehen wissen wie in irgend einer anderen Stadt der Welt..." „Besonderes Aufsehen erregt eine grüne Toilette, die reich mit Pelz verbrämt ist..." „Sie... können nicht dafür, daß die Mode des engen Rockes sie zwingt, den Saum beim Tanze so weit zu raffen, daß die Farbe der Strümpfe auf eine recht bedeutende Länge nachgeprüft werden kann..." „Alle Augen leuchteten in verheißungsvollem Feuer...* Alle Augen. Alle, alle Augen. Aus der Grube bei Manchester schlagen die Flammen empor. Rote, riesige Flammen mit schwarzen Häuptern. Ihr Schein spiegelt sich in den entsetzten Augen der Bergarbeiterfrauen, der Bergarbciterkinder. Sie haben ein Dröhnen gehört, ein Krachen und dumpfes Geroll. In ihrer Hütte, unter den Füßen, zitterte der Erdboden. Da sind sie hinausgestürzt mit surchtgelähmtem Hirn, mit angst» bleichen Gesichtern, mit wankenden Knien. Aeiin Schacht strömten sie zusammen. Alle, alle. Nun ist's eine einzige Masse geworden, ein fürchterlicher Häuf, der mit e i n e r Stimine schreit, indes sich Hunderte von Händen ringen. Ja, eine Stimme, eine einzige grauenhafte Stimme, hinter der eS wie ein leiseres Echo tönt: daS Weinen und Jammern der Kinder. Sie klammern sich an den Rock der Mutter und starren auf das Licht' auf das riesenhafte Feuer, da? mit roter Zunge heraufleckt aus der Tiefe und de» Himmel schwarz und glühend färbt., « Sekt ist der König der Lust. Seine getreuen Untertanen huldigen ihm mit ausdauernder Begeisterung, bis die Füße stolpern. Stolpern über einen roten Teppich, aus dem sie herumtrampeln. fähigkeit machte sie Ansprüche gegen den Besitzer aus 8 836 des Bürgerlichen Gesetzbuches geltend. Nach diesem Paragraphen hat der Besitzer mangelhafte Unterhaltung des Grundstücks zu ver- treten und ist für den Schaden haftpflichtig, den jemand durch Ablösen von Teilen oder Einsturz infolge Vernachlässigung der Unterhaltungspflicht erleidet. Zu dieser Unterhaltungspflicht ge- hört auch die Ausübung einer fachmännischen Kontrolle in gewissen Zeitabschnitten. Wenn im vorliegenden Falle nach diesen Grund- sätzen verfahren worden wäre, so würde der mangelhafte Zustand des Ganges vom Keller aus, wo sich bereits Bretter losgelöst hatten, entdeckt worden sein. Das Landgericht Hannover hat den Anspruch der Klägerin zu drei Vierteln als gerechtfertigt anerkannt. Auf die Berufung der Klägerin sprach das Obcrlandcsgcricht Celle ihr Schadenersatz in vollem Umfange bis zum 79. Lebensjahre zu. Das Oberlandes- gericht sieht ein Verschulden des beklagten Eigentümers nach 8 836 B. G. B. für erwiesen an, verneint aber ein mitwirkendes Ver- schulden der Klägerin. Ein Verschulden der Klägerin könne nur dann angenommen werden, wenn sie aus der erkennbaren Senkung einer Steinplatte auf den Verfall des darunter liegenden Balkens geschlossen hätte. Das lasse sich jedoch nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen. Die vom Beklagten eingelegte Revision verlief erfolglos. Der vierte Zivilsenat des Reichsgerichts erkannte auf Zurückweisung der Revision._ �Hus aller CClclt. Daa JMafrcnunglüch auf der 6rubc Pretoria. London, 25. Dezember.(Eig. Ber.) Dies sind trübselige Weihnachtstage für die Bergarbeiter Lancashircs. 359 Bergarbeiterlcichen liegen in der Grube Preto- ria in der Nähe von Bolton. 1299 Witwen und Waisen betrauern ihre Männer, Väter und Brüder. Mit rotgeweinten Augen stehen Frauen um den Schacht; Tag und Nacht umstehen sie die Grube und hoffen, daß vielleicht dennoch, trotz allem, was die Ingenieure und Inspektoren sagen, der Vater, Gatte, Bruder oder Sohn dem Würgengel entronnen ist. Ganze Straßen in dem Bergarbeiterdorf Atherton haben den Er/i ährer verloren. Vielen Familien sind alle männ» lichen Mitglieder entrissen worden. Das Oberhaupt einer Familie hat samt 14 seiner Verwandten den Tod in der Grube ge- funden. Eine Frau hat bei dem Unglück ihren Mann und vier Söhne verloren und hat nun für zehn kleine Kinder allein zu sorgen. Der Jammer, den das Unglück über die Berg- arbciter der Gegend heraufbeschworen hat, ist unbeschreiblich und mutz alle Herzen rühren. Es besteht auch nicht die geringste Hoffnung mehr, daß irgend- einer der Bergknappen, die Mittwoch morgen in den Teil der Grube einfuhren, der als die Dard-Grube bezeichnet wird, noch am Leben ist. Die Explosion trat mit furchtbarer Heftigkeit auf. Die ganze Grube ist zerstört worden: die Maschinen sind buchstäblich zerrissen; kein Stempel ist stehen geblieben; die Mauern sind eingedrückt, und überall stst das Hangende herab- gefallen. Unter diesen Umständen wäre es ein Wunder zu nennen, wenn irgendeiner der in der Grube arbeitenden Bergarbeiter cnt- kommen wäre. Sie werden wohl samt und sonders in dem nach- folgenden giftigen Schwaden unweit oder an der Arbeitsstelle er- stickt sein. Die Verheerung, die die Explosion angerichtet hat, hat die Rettungsarbeiten in höchstem Maße erschwert, �ie Schacht- anlagc, die zu der Uard-Grube führt, ist zerstört t...den. Man Einigen mag's Erholung sein nach dem öden Geschäft des Tages. Die meisten sehen ihre heilige Lebensaufgabe darin, die Scklproduktion zu heben und ihren Zylinder mit einer Plcureuse zu vereinigen. Die Mittel sind da. Der weiße Sklave schuftet. Da, dort, irgendwo und überall arbeitet er, um dieses Haus zu weihen. Vielleicht arbeitet er in jenem Bergwerk bei Manchester. Aktien sind international. Man kann Umer den Linden tanzen und in Belutscbistan sein Geld verdienen— lassen. Man kann auch der verschollene Vater eines Fürsorgezöglings sein und sich doch an Lustigkeit und Champagner erfreuen. Denn beides gehört zusammem So sagen sie. Es wäre schlimm, wenn sie recht hätten. Es wäre traurig. wenn cS zuträfe, was uns so oft unterschoben wird:„Ihr neidet unS Sekt und Austern". Wir erstreben keine Sektkultur. Wir erstreben die Freud e. Und jene Sonne, die nicht nur die Trauben reift, sondern die nüchteren Augen erhelll. Nein, wir sind nicht neidisch auf euch. Nicht neidisch auf Sekt, Prunk und Pracht und„Pleureusen". Weil wir mehr wollen. Viel mehr. In unsere Freude soll nicht das Geschrei bestialisch gequälter Fürsorgezöglinge hineinballen. Unsere Frölichkeit soll nicht gestört werden von dem Jammer ver- zweifelter Arbeiterfrauen, von dem angstvollen Weinen zitternderKinder. Denn wir sind die Unzufriedenen, die das Höchste wollen: Weltharm o niel Aber will es die Menschheit im ganzen? Sie begnügt sich mit Surrogaten. Und ihr Wille zur Freude scheint brüchig, schwach und schüchtern. Reicht ihre Kraft nicht aus. die echte Freude zu erobern? Ich sitze hier in meiner dunklen Stube, lausche auf die Schritte der vorbcitrappendcn Arbeiter, sehe ihre Schatten... und begreife es nicht. Wir haben doch so viel Kraft. Die ganze Menschheit erscheint mir plötzlich in ihrer ganzen rohe» Robustheit. Denn sie hat die Kraft, täglich ein ZeitungSblatt mit den infamste», grausaniste», fürchterlichsten Mitteilungen zu ertragen. Dreihundertmal im Jahre! kau. Siotizen. — Eine Tolstoi-GedächtniSfeier veranstaltet am Donnerstag, den 29. d. Mts., die Teniokratische Vereinigung abends 8'/3 Uhr, in den Armin hallen, Kommandantenstr. 58/59. Reden werden halten Herr Dr. B r e i t s ch e i d und die bekannte russische Schriftstellerin Frau Alexandra 5lollontay. Wir machen auch unsere Parteigenossinneu und Genossen gern auf diese Feier aufmerksam. — Das ZirkuS-Theater. Die Theater- und Kassen- erfolge, die Reinhardt mit der„Ocdipus"-Ausführung im ZirkuS erzielt hat, müssen dazu dienen, um wieder einmal neue Theater- Projekte auftauchen zu lassen. In Berlin sind wir ja an diese Gründungen gewöhnt: sie kommen und gehen, und man kümmert sich nicht weiter darum. Diesmal geht die Propaganda von München aus. Danach hat die„Möglichkeit einer monumentalen Schaubühne greifbare Gestalt gewonnen" und„man" will nun„eine das ganze Reich umfassende Vereinigung ins Leben rufe» zum Zwecke deutscher Volkssestspiele".„Das Theater der Fünftausend soll Ungezählten um ein geringes versperrte Tore öffnen." Und man phantasiert bereits von„einer Art von Ausgleich(der politischen und sozialen Gegensätze) auf dem Boden der Kunst". Die Antike und die klassischen Meisterwerke sollen dazu helfen, und die Hauptsache: M a x Reinhardt die Spielleitung übernehmen. Vom Oberbürgermeister AdickeS bis zur Exzellenz Zeppelin reichen die Namen, die zu dieser Bolksbeglückung aufrufen. mußke das Explosionsgeb!ct daher von dem anderen Teil der Grube. der Arleh-Grube, zu der ein zweiter Schacht führt und die mit der Zard-Grube durch einen Tunnel verbunden ist, zu erreichen suchen. Rettungsmannschaften mit Rettungsapparaten kamen bald nach der Katastrophe von allen Teilen Lancashires herbei- geeilt. Die Zahl der Freiwilligen, die sich meldeten, in die giftige Atmosphäre hinabzusteigen und ihren Kameraden zu Hilfe zu eilen, war so groh, daß man die Dienste der meisten nicht in Anspruch zu nehmen brauchte. Einige Retter mußten ihr Leben zu lassen, andere entrannen nur eben dem Tode. Was man bisher über die mutmaßliche Ursache der Katastrophe erfahren hat, ist sehr widerspruchsvoll. Nach den Angaben der Be sitzer soll die Zeche Pretoria eine der Musterzechen in Groß- britannicn sein. Deutsche und französische Besucher kämen hin, um die vorzüglichen technischen Einrichtungen zu besichtigen. Elek- trizität wurde nur zur Beleuchtung verwendet. Es wurde auf der Zeche nicht geschossen. Auch soll die Grube schlagwetterfrei gewesen sein. Von anderer Seite aber wird behauptet, daß viele Schlagwetter auf Pretoria vorhanden seien. Man muß daher die offizielle Untersuchung abwarten, um zu erfahren, wie es mit den Sicherheitsmaßregeln auf diesem Musterbetriebe stand. London, 26. Dezember. Bis jetzt sind ISS LeiHen aus der Pretoria-Grube in Bolton geborgen worden. Drei Kinder verbrannt. Ein entsetzliches Unglück hat sich am Montag in Patten- darf(Niederösterreich) ereignet. Während das Ehepaar K r a b e k, das bei der Gntsverwaltung des Ritters von Rotter- mann beschäftigt ist, von Hause abwesend war, spielten die drei Kinder des Ehepaares im Alter von zwei bis sechs I a h r e n mit Zündhölzchen. Die Betten, in denen die Kinder bereits lagen, fingen Feuer, und als die Eltern nach Hause kamen, fanden sie alle drei Kinder tot vor._ Neue Margarinevergiftunge«. Trotz des Berichtigungseifers der Firma Mohr U. Co. in A l t o n a- O t t e n s e ii, die alle Erkraiikunge» nach dem Genüsse von Margarine dieser Firma in das Reich der Fabel verweist, werden immer noch vereinzelte Fälle von Margarinevergiftungen gemeldet. Wie die„Kölnische Zeitung" berichtet, erkrankten in Mühlhausen in Thüringen drei Familien unter VergiftungS- erschein» n gen nach dem Genüsse von Christstollen, die mit Margarine, Marke„Luisa" zubereitet worden sind. Abermals ein neuer Höhenrekord. Der aviatische Höhenrekord ist am 26. Dezember abermals gebrochen worden und zwar durch den Wrighlflieger H o x s e l), der in LoS Angeles(Kalifornien) eine Höhe von 3474 Meter erreicht hat. Zuletzt war der Höhenrekord von dem Bloriot-Piloten Legagneux mit 3266 Meter gehalten worden. Begeisterte Patrioten. Vor einiger Zeit veranstaltete der unter dem Protektorat des Großherzogs von Hessen stehende„Landesverband der militärischen Vereine im Großherzogtuni Hessen" in D a r m st a d t einen Kriegs- Veteranenappell. Dabei scheinen die Veteranen in eine gar be- geisterte Stimmung geraten zu sein, wenigstens läßt eine im An- schluß an den Appell im„Hessischen Kamerad" verüffent- lichte Vekaiiiitmachung manches ahnen. Es heißt darin: Wir bitten alle Kameraden, welche beim Kriegsbeteranen- appell in Darmstadt Ordens- oder sonstige Deko- rationen verloren haben, dies unter genauer Beschrei- bung an unsere Geschäftsstelle, Darmstadt, Heinrichstr. 62, melden zu wollen, damit wir für Rückerstattung, falls sie gefunden worden sind, Sorge tragen können. Viele Veteranen haben die Abschnitte der Teil- nehmerkarten nicht an die Wirte abgeliefert. Zur Regelung der Rechnung sind diese für uns unentbehrlich. Wir bitlen dieselben(3 Pf. Frankierung als Drucksache) an uns einzusenden. Gleichzeitig bemerken wir, daß eineAnzahIKameraden vergessen hat, die Getränke beim Fe st essen zu bezahlen. Wir bitlen dies nachzuholen, damit nicht auf unsere» Veteranen der Vorwurf lasten kann, sie wollten nicht bezahlen._ Doppelrnnbmord am Weihnachtsabend. Eine fürchterliche Entdeckung machten am Weihnachtsabend die Bewohner eines HauseZ in der Herzogstraße in Bern. Aus der von einem älteren Ehepaare Herschi bewohnten Mansardenwohnung drang Rauch. Als mehrere Leute die Tür der Wohnung sprengten, bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. In ihrem Blute schwimmend, von zahlreichen Hieb- und Stich- wunden zerfetzt, lagen die Eheleute t o t in einem Zimmer der Wohmllig. Um die Spuren der entsetzlichen Tat zu verwischen, hatte der unbekannte Mörder daS Zimmer in Brand g e st e ck t. Es ist bisher nicht gelungen, eine Spur dcS Täters, dem nur eine geringe Beute geworden ist, zu entdecken. Opfer des Flugsports. Von dem vermißten englischen Flieger Graee ist auch bis heute keine Spur entdeckt worden. Es ist also zweifellos, daß Grace sich im Nebel verirrt und in den Mcereswogen seinen Tod gefunden hat. Tödlich verunglückt ist bei einem Fluge in Sao Paolo in Brasilien der italienische Aviatiker P i c o l l o. Er stürzte aus mehreren hundert Meter Höhe mit seinem Blöriot-Apparat ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf verschied._ Moderne Kultur. Der Millionär Harry SaunderS in Chicago veranstaltete vor einiger Zeit eine Soiree für vornehme Hunde. Da- mit begründete er eine neue Mode, die eifrig nachgeahmt wird. Der Hausherr selbst besitzt sieben fashionable Rassehuiide. die sich schreck- lich langweilen, weil sie keinen ebenbürtigen Umgang haben. Und da gab er in ihren Namen eine Abendgesellschaft und lud 260 Hunde der reichsten Familien dazu ein. Jeder Gast kam mit seinem eigenen schwarzen Diener in Livree und die geladenen Weibchen mit einer Gardedame. ES wurde allerlei Unfug getrieben, aber im übrigen streng auf An- stand gesehen, intimere Annäherungen wurden nicht geduldet. Eine Zigeunerkapelle in Galauniform besorgte die Musik und man ergötzte sich an dem Doppcltonzert, daS alsbald losbrach. Den Clou deS Festes bildete das Souper, für das genau so ge- deckt ivurde, als ob man ein Bankett für Zweisüßler arrangiert hätte- Hinter jedem Hunde st and sein Diener und die Gäste fraßen aus silbernen Tellern und soffen aus Kri st allgläsern. Der Hausherr lachte sich fast krank über seine Gäste, denen er Gänseleber, Lungenbraten und Geflügel hatte auftragen lasten. Und zu derselben Zeit wissen Hunderttausende nicht, wie sie die Mäuler ihrer hungernden Kinder stopfen sollen.... So will es die göttliche Weltordnung k_ Kleine Notizen. Tödlicher Absturz mit»cm Fallschirm. Der Ingenieur Hehn auS Breslau, der einen von ihm konstruierten Fallschirm vor- führen wollte, ist aus einer Höhe von ungefähr 156 Metern ab- gestürzt. Heyn erlitt einen Bruch der Wirbelsäule und starb bei seiner Ueberführung in daS Krankenhaus. Ein Licbcsdrama. In I n st e r b u r g hat der 19 Jahre alte Arbeiter Fuhr die 17 Jahre alte Tochter deS städtischen Wächters David, mit der er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, er« schössen. Im Anschluß daran schoß sich der junge Mann eine Kugel in den Kopf, die seiiien Tod herbeiführte. AuS Seenot gerettet. Durch dieRettungsstationAmrum der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger wurden am Montag von dem spaiiischcn Dampfer„Urkiola Mendt" neun Per- sonen gerettet. Der Rest der Besatzung ist noch an Bord dcS Dampfers. Folgenschwercr Schiffszusammenstoß. Wie ein Telegramm aus Antwerpen meldet, sind in der Nacht zum Sonntag in der Scheide- mündung die Dampfer.Finnland" und„Baltique" zusammengestoßen. Der letztere Dampfer ist nach wenigen Minuten ge» lullten. Sechs Mann der Besatzung ertranken. Vom Zuge überranut. Ein mit neun Personen besetztes Fuhr- werk wurde am Soiiillagvormittag beim Passieren eines Eisenbahil- Überganges in der Nähe des französischen Ortes Cbateaudun von einem Zuge erfaßt, wobei von den Insassen sechs getötet und die anderen drei mehr oder minder schwer verletzt wurden.— Ein weiterer folgenschwerer Unfall trug sich am Somi- abendabend in der englischen Orlschasr B o l s s o v e r zu. Dort fuhr ein Eisenbahiizug in eine Gruppe spielender Kinder; drei wurden getötet, zivei schwer verletzt. Der Aetna in Tätigkeit. Nach einer Meldung auS Catania stößt der Aetna seil der vergangenen Nacht wieder Rauch- wölken ans, aus denen Flammen zucken und ein leichter B i m s st e i n r e g e n niedergeht. Ei» folgenschwerer Irrtum. Im Gefängnis der spanischen Stadt F i n g u e r a s haben sich in der Nacht zum Sonntag zwei Patrouillen, die glaubten, daß Gefangene eiileii Ausbruch vermchlen, gegenseitig beschossen. Durch die Schießerei wurde ein Korporal getötet, ein Hauptmann und ein Soldat ver- wmidet. Durch starken Nebel, der sich zurzeit über Mailand aus- breitet, sind zahlreiche Unfälle zu verzeichnen. Mehrere Personen stürzten ins Wasser, drei davon sind ertrunken. Etwa 6 6 Menschen sind durch Zusammenstöße von Fuhrwerken oder durch Eiseubahnunfälle verletzt worden. vzallerstandS.RactirtNite» der Landesanstalt stir Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlwer Wettcrbureau. si-si bedeutet ZSuchS,— Fall.— H Unierpeget. «SitterunaSüderllNlt vom 27. Dezember 1910, morgen« 8 Ndr. Ii 8 1 » Wetterprognose für Mittwoch, de» 28. Dezember 1S10. Ein wenig kälter, vorwiegend nebelig oder wolkig mit geringen Nieder» schlagen und schwachen veränderlicher Winden. PdZ-Llola-VerKsiil zu hervorragen!! billigen Preisen! Eigene Kürfehnerd Riesenhafte Auswahl detail S t 0 1 A S von 3 Mark an Colliers von I,50 � Bellte Skunks- StOUS von 8§ iri' Dresdener Sir. 119, oraÄL. 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Dezember >910, nachmittags gegen 5 Uhr, auf einer Fahrt von der Tauentzien- nach der Hallcschcn Straße liegen ge» blieben ist. Auf Rückgabe der Tasche wird eventuell verzichtet. Mitteilungen unter„J. 3" an dl« Expedition de» .Borwärt»", eventuell anonym, welche zur Wiedererlangung der Papiere bei- tragen, werden honoriert. 2415b Kklljkchrsfvihev. Grohtc Auswahl, bllllge Preise. Parthum, Aleranderstiaße 39/40 u. Alexandervlatz 2, tm AschtngerhauS. Ttempel-Fabrtt von 3K34L» kobosl Hecht, Berlin 19., Oranienstr. 142, liesert schnell und billig alle Arten Ttempel in bester Altsführnng. Kautschok-Typen„Perfekt-' ?lm> Zusmnmenietzen einzelner Wörter owie ganzer Säbe von 1,30 M. an Or. Spezia!-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10—2. 6—7. Sonntags 10— 12, 2— 4 Enorm billiger Verkauf elegant. Nionatsgarderoben früher 50—90 M.» jebt 12-28 M. Deotscties Beklsiiliingste, |«drohe Frankfurterstraste 89, 1 Nur 1 Treppe, kein Lade». Fahrgeld wird vergütet.> tl.&P. 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Vergleichende Darstellungen aus den deutschen Berufs- und Betriebszählungen von 1882, 1895 und 1907. Vortragender: Max Grunwald. Montag: Matnrerkenntnls.(II. Teil.) Die Entstehung der Erde. Die Erdzeitalter. Die Entwiokelung des Lebens und die Urzeugung. Darwin und der Darwinismus. Die Entstehung der Arten. Die Beweise für die Abstammungslehre. Die körperliche und geistige Entwiokelung des Menschen. Vortragender; EmanuelWurm. Dienstag: Rcdnerschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslehre.— 2. Technische Hilfsmittel: Das Manuskript. Die Registratur. Die Nachschlage- Bibliothek.— 3. Das Vereins- und Versammlungs- wesen. Die Geschäftsordnung.— 4. Praktische üebungen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Mittwoch: Kinflihmns in den«Hssensehattllchen SozlallMniua. IL Teil.(Fortsetzung des im vorigen Quartal abgehaltenen Kursus.) Die Forderungen des Sozialismus. Der Zusammenhang der sozialistischen Forderungen mit den sozialistischen Grundsätzen.— Stellung des Sozialismus zu den Verfassungsfragen (Wahlrecht, Gesetzgebung, Vereins- und Versammlungsrecht, Frauenfrage.— Erklärung der Religion zur Frivatst — Sozialismus und Schule.— Sozialistische Steuerpolitik Der Inhalt des I. Teils vom vorigen Quartal wird in der ersten Stunde kurz wiederholt, so daß neue Hörer auch teilnehmen können. Vortragender: Julian Borchardt. Donnerstag: Genchlchte.(Geschichte der deutschen Sozialdemokratie seit dem Auftreten Lassalles.) 1. Rückblick auf die 40or Jahre. Die Reaktionszeit und ihre ökonomische Fortschritte. Marx, Engels, Lassalle.— 2. Proletarische Regungen. Auftreten Lassalles.— Lassolle als Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.— 4. Lassalleaner und Eisenacher. Die Internationale. Marx' j,Kapital".— 6. Die deutsche Arbeiterbewegung zur Zeit des Eini des Sozialistengesetzes gesetzes und die Anfänge der Sozialreform.— 9. Der Niedergang des Ausnahmegesetzes und der Sturz Bismarcks. Halle und Erfurt.—- 10. Die letzten Jahrzehnte. Vortragender: Dr. Alexander Conrad y. Freitag; Cbewerbucli tsweacn.(Geschichte nnd Theorie der Gtewerksohaftsbewogung.) Gesohichtlioher üeborbllck— Vorläufer gewerkschaftlicher Organisationen.— Zünfte und Zunftverfassui.�,.— Gesellenverbände.— Die Arbeiterverbrüderung 1818/49.— Die ersten gewerkschafUichen Organisationen in Deutschland.— Einfluß politischer f�artoien auf die Gründung der Gewerkschaften.— Tabakarbeiter. Buchdrucker. Schneider.— Gewerkschaftskongresse.— Koalitions- und Vereinsreoht.— Koalitions- verboto frühetrer Zeit.— Aera Tessendorf.— Das Sozialistengesetz.— Puhtkamersche Streikerlasse 1887.— Die Zuchthaus- vorläge.— Entwiokelung der freien Gewerkschaften von 1890 bis 1910.— Unterstützungseinrichtungen.— Mitglieder. Finanzen. Streiks und Lohnbewegungen.— Zentralisations- bestrebungen.— Partei und Gewerkschaft— Die gegnerischen Gewerkschaftsorganisationen.— Freie Vereinigung.— Hirsch- Dunckerianer.— Christliche Gewerkschaften.— Deutsch- nationale und Vaterländische.— Gelbe.— Die wichtigsten gewerkschaftlioben Strömungen des Auslandes.— Gewerk- sohaftsliteratur. Vortragender: EmilDittmor.» 8*o n n a b e n d: CnOBctxcsknmIc. Bürgerliche« Recht. (Die Dispositionen werden in der ersten Unterrichtsstunde bekanntgegeben.) Vortragender: Dr. Oskar Cohn. Sonnabend: Fortachrlttaknrsns. Geschichte. Karl Marx. Revolution und Konterrevolution in Deutschland (mit mündlichem und schriftlichem Gedankenaustausch) Vortragender: Dr. Alexander Conrad y, Der Unterricht beginnt in MatlonalUkonomle am Sonntag, den 16. ianuar� Maturerkenntni«: Montag, den 16. Januar; Rednerechnle: Dienstag, den 17. Jauuar; KlnflUirnnjj In den wise, en Hcliuft liehen MoziullHinuM: Mittwoch, den 18. Januar; Geschichte: Donnerstag, den 19. Januar; Gewerkschaftswesen: Freitag, den 20. Januar;(Vesetxcsknnde: Sonnabend, den 2t. Januar; Fortschrlttskiirsnsi: Sonnabend, den 21. Januar. Der Fortschritts. kursus findet im Geweiikschoftshaus, Zimmer 11, Hol rechts, part, statt. Jeder Kursus orstreickt sich auf zehn Abende tmd beginnt lünktlich um 8'/, Uhr und endet pünktlich um 10 Uhr. Der onntngskursus beginnt pünktlich um IO Uhr und endet punktlich ",/>Uhp. Die reicnholtige Bibliothek ist an den Abenden i: um II von V'h g—S'h Uhr geöffnet" Der Monat 25 Pf.; das Unterrichts geld für jedes Fach pro beträ: igt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beim Sohulii''~ ginn jedes Kursus lokal GrcnadlcrstpaOe 87, Hot geradezu 1 Treppe, und in naohstehenden Zahlstellen: Gott Fr. Mehnlz, Admiralstr. 40a; Real, Barnimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kacworowakl, Ravenestr. 6; Uornch, Engelufer 15. 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Hiermit nehme ich die Beleidigungen, die ich gegen Frau Schlegel, Wollinersiraße 54, ausgesprochen habe, reumütig zurück. Ernst Ocsttcich, Arkonaplatz 7. Ehrenerklärung. Hiermit nehme ich die Sleußcrungen, die ich gegen Herrn Wilhelm Reinhold gebraucht bade, zurück. Erkläre denselben als Ehrenmann. Albert Fleischer, Volia- sttaße 4. ff 104 Vermietungen. Ripdorf: Ein Laden mit Wohnung. 1, 2, 3 Zimmer mit und ohne Bad, Balkon oder Loggia sowie reichliches Zubehör billig zu veimieien Hoppe, Wcijcstraße 7, Ecke Selchvwersträßc 7/8, Nähe Hennannplatz. 2403b* Wohnungen. Rixdorf, billige, renovierle Pracht- Wohnungen, sofort, später vermietbar: Sicgsriedstraße 22(direkt Bahnhof Hermnnnstraße) zwei und drei Zim- wer. Bad, Znbebör. Bodcsttaße 3-2 JulinSstraße 38/39, Knesebcckstraße 72 (Bahnhos Hennaimstraßc) ein und zwei Limmer.____ 2377b* Keine Mietskasernen! Gemüt- liche 1 und 2 Zimmer- Wohnungen mit und obne Bad und Baikon. sosort und per 1. 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Reflektiert wird nur aus eine tüchtige Krast. Bewerber müssen mindestens 5 Jahre Mitglied des Deuischcn Mctallarbeiter-Vcrbandcs sein. Gehalt nach der Skala der Vezirlsleiler, steigend bis 3000 M. Eventuelle Dienstzeit kommt in Slnrechnung.?IuS der Bewerbung müssen Berns. Silier und bisherige Täliglcit in der Arbeiterbewegung ersichtlich sein. Eine selbstversaßte Arbeit über die Ausgaben eines Bevollmächtigten ist der Bewerbung beizusügen. Die Bewerbungen sind bis zum 9. Januar 1911 mit der Slusjchrist»Be- Werbung* an die Crtshcrwaltmtg Hamburg, Beseubinderhof 57 II, Ziuimer 10, einzusenden._______ Ulinilhinehellen für„Kleine Anzeigen" Berlin C. A. Halmiich, Auguftstr. 50. W. tt). Schmidt, Kirchbachstr. 14. O. W. M»»», Petersburger Platz 4. Gnstah Bogel, Koppenstr. 83. R. Wengels, Gr. Frankfurter Stt. 120. LkQ. L. Zucht. Jmmanuelkirchstr. 12. I. Rcul, Barnlmflr. 42. Jl. W. Bauinnun, Benianer Stt. 9. F. Trapp, Stellincr Stt. 10. Karl Mars, Lychencr Stt. 123. Karl Weihe. 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Deutsches. Othello. Kammerspiele. Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. (Ansang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Der Zer- rilseiie. Nachm. 3 Uhr: Frau Holle. Neues Operetten. Die schöne Risette. Komische Over. Die Bohsme. Berliner. Der Talisman. Lessing. John Gabriel Borkmann. Westen. DaS Puppemnädel. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Kleines. Verflixten Frauenzimmer. 1. Klasse. Neues. Der G. m. b. H.-Tenor. Drianon. Der heilige Hain. Residenz. Der Unlerprasekt. Tbnlia. Polnische Wirlschast. Nachmittags 4 Uhr: Hansel und Gretel. Schiller«.«vallner- lbealer.) Der Dummkops. Gchittr! Charlottenburg. Husaren- fieber. Friedrich. Wilhelmstädtisches. Chrono von Beraerac. Luftspirlliaus. Der Feldherrn- hügel. Lniien. Mudi-keS Reise n. Indien. Nachm. 4 Uhr: Zwerg Nase. Modernes. Der Doppelmensch. (Ansang 8'l, Uhr.) Roie. Der Muller und sein Kind. Herrn selb. Eine verlorene Nacht. Der Derbysiegcr. lvoltsoper. Zar und Zimmermann (Ansang 8-,- Uhr.) KolieS Caprice. Di >er Feldwebel- hllgel.(Ansang 8'/« Uhr.) Metru>>ol. Hurra— Wir leben noch! Kasino. Julie Wippchen. Siv>iilo. Spezialitäten. Voigt. Marianne, ein Weib aus dem Volke. lvahage. Spezialitäten. Nrichsvallen. Steitincr Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Sanssouci. So wird's gemacht. Spezialitäten.(Ans. 8>/, Uhr.) Walhalla. Bravo l Dacapo I(An- sang S'U Uhr.) Karl Haderland. Spezialitäten. Urania. Taudcnstrahe 48/49. Abends 8 Uhr: Bon San Remo nach Florenz. Nachm. 4 Uhr: Der Vierwald- slätter See und der Gotthard. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Lessing-Theater. Mittwoch 8 Uhr: Jbsen-Zyklus, zwölfte Vorst.: John Gabriel Borkman. Donnerstag 8 Uhr: Anatol._ Berliner Theater. Heute: Dtt TallSMllN.«Uhr. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Täglich: Oer G. m. b. H,-Tenor. Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. 8 Uhr: Das Pnppcnnilidel. Miltw. u. Sonnab. 4 Uhr: Rotkäppchen. Sonnt. 3'/, U.: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (frßher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: _ Poppelmenach._ Friedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Mittwoch, den 28. De,., abends 8 Uhr: Cyrano von Bergerac. Donnerstag und Freitag: Chrono von Bergerac. Sonnabend: Hosgunst. K.iis'tspisIKsus. Abend» 8 Uhr: Der Feldherrtchugel. Residenz-Theater. Direktion; Richard Alexander. SlbendS 3 Uhr: Der Uuterpräfekt. Schwank In 3 Akten v. Leon Gandillot. Donnerstag, d. 2g./l2., zum 1. Male: Jamilt-- Bolero._ Berliner Volksoper Velle-Alliancestrahe 7/8.— l/j9 Uhr: Zur und ZtunilMllanll. ose-inu/nt Große Franksurter Str. l32.\ Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Der Müller und sein Kind. Volksdrama in 5 Akten von Raupach. Donnerstag: Der Kaiserjäger. Ureitagt Du Müller und sein Kind. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Der Vlerwalasttttter Seö aud der tietihard. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Kaiser-Panorama. Xon! Reiseins Pharaonenland von Triest nach Kairo. A II. Wanderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. Luisen-Theater. 4 Uhr: Grosse Kindervorstellung: Zlverg Nase. Abends 8 Uhr: Mudickes Reise nach Indien. Großes romaniisch-phantastisches Aus- statlungsstück mit Gesang und großen Balletteinlagen in 1t Bildern von Frederic Ernst Michells. Musik von A. Lesevcre. jßetropol- Theater. Hurra! Wir lebe» noch! Große Ausstattungsrevue in 7 Bildern o. I. Freund. Musik». B Holländer. In Szene geletzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr— Rauchen gestattet. Nur«och bis inkl. Silvesterabend präzise 9 Uhr: her Gedankenleser Bellini. Sonntag, 1. Neujalirstag: Debüt Otto Itenttor. Letzte CClocbe. Liane d'Eve Excentrique franqaiso in ihrem Transformationsalt: Mlle. Denarbers Luftballonfahrt über den Köpfen des Publiknxns, und eine Aaslese der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. znr SilTestervorsfellung sind bereits jetzt Billotts an der Tages- rahmn Vorverkaufskasse UBilBlS gebllbren z. hab. Theater Eine verlorene Nacht. Der Derby-Sieger, Ansang 8 Uhr. Sonnabend, den 31. Dezember 1910: Große Silvester-Vorstellung von 8 Uhr abends bis 4 Uhr früh: Eine verlorene Nacht. Derby-Sieger. Original Klabrias-Partie. Fest-Prolog. Fanlaren-GruB. 2 Uhr jrüh: Sllvesler-Kabareil. Billetts hierfür sind schon zu haben. Abends 8—11 Uhr: Hodi Herdins Normann French und das gf 1* O ß C 0 Festprogramm• Sclilller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbcat). Mittwoch. abendS 8 Uhr: Der Duinniliapr. Lustspiel in 5 Auszügen v. L. Fulda. Ende lO'/z Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hnsnrcnficber. Freitag, abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abend» 8 U h r: nn*arenfleber. Lustspiel in 4 Akt. v. Gustav Kadelburg u. Richard Slowronnek. Ende lO1/, U. DcnnerStag, abends 8 Uhr: Die k'ee Caprice. Freitag, abendS 8 Uhr: Da» Urbild de» TortUff. Silvester- Ball in den LICHT»SPIELEN IloKart-Saal— Kollendorf t>iatK. Komische Vorträge. Oedipus und andere Zirkusscberze. Heute keine SchDIervorstellung. Beginn der Abendvorstellung 6 Uhr. 99 CLOU 99 BERUIKEB KOVZERTHAUS Mauerstr. 82.•. Zimmerstr. 90-91 Eintritt 50 Pf. Heute: Gastspiel der Kapelle Sr. Majestät Yacht Hohenzollern. Dir. Kaiserl. Obermusikmstr. Pollinger. Anfang 8 Uhr. Wochentägl. 4— 7 Uhr; Gr. Promenaden-Konzert bei freiem EinIrin.— Silvester 2 Kapellen. Tischbestellungen bis 30. d. M. Excelsior Lichtspielliaus Rixdorf, Bergstr. 151/152.\\ MP* Heute:'WW]* Vollständig neues Programm, ü Anfang Wochentag» 6 Uhr. X X Sonntag» 6 Uhr. Jeden Honnabend: Progranimwechnel. Sport- Palast Ent™' M- Potsdamer Straße 70-72a Entre''"• Größter Eispalast der Welt Vom 25. Dezember blz 9. Januar; Feerie:„Weihnachten am Nordpol4*. Stündig 2 Künstlcrkapcllen. — AaBergewöbnliche Lichteffekte.— ZOO Eislaafkfinstter.— Unterricht im Eislauf. Täglich von II— t Uhr vormittags; KONZERT. Jeden Sonntag 4 Uhr; NachmittagS'Vorstellung. Große Silvcftcr-f cUr der Großen Rheinischen Karnevals- Gesellschaft „Ein Fest Im Reiche de» Prinzen Karneval." 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Selhlni-Truppe, 5 Personen, Kreisel-Globus, neueste Kreation des DireltorS Albert Schumann. Apachen zu Perde. Casino-Theater Lotbringer Straße 87. Täglich 8 Uhr: DaS Örlginal Berliner Bolksstück Julie Wippchen. Urberliner Humor I Urberiiner Typen I Im Stile der ehem. Wallner-Bühne. Vorher erstflasstger bunter Teil. Sonntag 3'/, Uhr: Haft und Liebe. tzochbahnstation Koltbuser Tor. 8',. Uhr: Wie werde ich reich? Amerilanische SensationS-BurleSke. Gastspiel Fbdi Föraed, prcisgckrlni« Schönheit. 1. Januar nachmittags: Die Dollarprinzessin. Passage-PaDoplikutn. Während der Welhnachtsferlen v. 18. Dezember bis 1. Januar Volkatage. Jedermann 1 Kind frei! Jod Kind erh. ein Geschenk. Der hearnalslsche m Riese J Dn»orc D. größte Mensch, d ie gelebt. IlO nun größer als niachnow. Alles ohne Extra- En tree! Bnrgtheater- Festsäle und Klnematograph vorm. Groterjan. JuHab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps.. Kinder die Halste. Ans.? 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V olgt-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 68. Mittwoch, den 28. Dezember 1910: Marianne, ein Weib aus dem Volke. BoUsschauspiel in 6 Auszügen von E. Dräyler Manfred. KassenerSsfn. 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Thtater„Groß-Ktrlin". Mittwoch, 28. Dez.: Nene Welt, Hasenheide. AbendS S>,. Ubr: Del Tlcicpelöl m Säckingen. ffintt.30-t00 Pf. Auf Borzug 20-60 P(. Dieses Inserat otlt als Vorzugstarte. Donnerstag: Puhlmanne Theater, kelehshallev-Thealer. Mm Wr. Veihnachts-Pfogranii. Anfang heute 8 Uhr. Sonnabend, den 31. Dezember: Große Stlvester-Nlk-Soiree mit nachfolg. Tanzfränzchrn. Ballmnstk des gesamten Musikkorps de« 2. Garde-Feld-Artillerie-Reg. Trisnon-Tlieater. Anfatlg 8 Uhr. Der heilige Hain. Germania-Pracht-Säle Carl RicMar. Chnnssee-Straße 110. Mittwoch, 28. Dezember: Paul Mantheys ostige Sänger. Walters neuest. Schlager I Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Vorzugakart. gel«. Anaohl. Freitanz. Donnerstag, den 29. Dezember: Großes Mliltär-Strelch-Konzert (W eihnaohtsprogramm.) Markgrafen-Säle 34, Harkgrafen-Damm 34. ---------- Sin der Stralauer Allee.-------- Jeden Sonntag: Grofier Ball. Im Restaurant täglich musikaltsche Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ft.Biere u. Weine, Billard u. Kegelbahn Berliner Mlk-TM. Felix Seltener Stralsunderstr 1 Fär den Inhalt der Inserate übernimm» die Redaktia» dem Pnblitnm gegenüber tetnerlet OmxhWttttMg, |Sozial(ieDioMeii.Waiil78reiD Friedenau. Am 24. Dezember starb unser Genosse WHKelm Klahr im Alier von 52 Jahren. Mit dem Verstorbenen schied ein langjähriges Mitglied unserer Partei von unS. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friede- nauer Kirchhofes auS statt. Um rege Beteiligung ivird ge- beten. 204/3 Der Borstan». Deiitselier TrausportarlieitEr-Ferlianö. Bezirksverwalhing Groß• Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Haus- dicncr pauk Laenger am 25. Dezember im Aller von 36 Jahren verstorben ist. Ehr« seinem Andenke»! Dle Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle de» Zehlendorser Ge- meindesriedhoseS aus statt. Ferner verstarb am 25. De- zember unser Kollege, der Drosch- kensührer (jottkneä U)timaiia im Alter von SS Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 23. Dezember, nachmittag» 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Nazareth- KlrchhoscS, Reinickendors, aus statt. Ferner oerstarb am 25. De« zember unser Kollege, der Arbeiter Joseph Hoffmann Im Alter von 51 Jahren.' Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den LS. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des St. Michael- Kirchhofes, Marlendorjer Weg, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht Verein Berliner RotationsmasciiinenmeisYer. Todes-Anzeige. Am 24. Dezember verstarb in> folge eines Betriebsunfalles unser treneS Mitglied Emil Linde im 48. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachniittags 2 Uhr, von oer Leichenhalle des Weihenscer FricdhoseS, Rölkestratze, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 23g3b Der Vorstand. FreierODterstilzuagsvereinliei der Firma Förster ä Rimse. Den Mitgliedern zur Kenntnis. dah unser langjähriges Mitglied. der Schlosser Karl Haaß am 25. Dezember 1910 an der Broletarlertraniheit verstorben ist Ehre seinem Andeuten! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2g., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas- KirchhoscS in Hohen- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung bittet 24046 Der Vorstand. Deutseber Hoizarbeiler-Verband Naeltruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Kollege, der Tischler Luxen Opitz am 21. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Todes-Anzeige. Am 24. Dezember, mittaas 1 Uhr, starb am Herzichiaa unsei Kollege, der Hutsormenttschler Lmil Hummel. Gsire seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heute, nachmittags SUhr, von derLcichrn- Halle de» Georgen- KirchhoscS in Weisjensee, Nöilcstratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 95/11 Oie Ortsverwaltung. r— r»........im inirf Danksneiine. Für die vielen Beweise der Teil- vavme bei der Beerdigung meines Reben ManucS (InntaT Dlmno lag« ich allen Verwandten und Freunden herzlichen Dank. �.«Snstv Dlauie, AdlerShos. feM der FaiirWeiter (Zahlstelle Berlin.) Am Montag, den 2S. Dezember, verstarb unser Mitglied Hans Schüler. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Dezember, nachmittag» 2 Uhr, auf dem Neuen ThomaS-Kirchhvs, Nixdors, Hermamlstrahe, statt. Um rege Beteiligung ersllcht 61/10 Die Orlsverwaitung. AM 24. d. MtS. verstarb»ach längerer Krankheit unsere Mit- arbelterin, die Buchbinderei. arbeitersti 2412b Resu Matuszewski im Älter von 37 Jahren. Ehr« ihrem Andenken! DaS Personal der Buchdruckern H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Dezember, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- balle des Städtischen Fried Hajes in FricdrichSselde auS statt. Deutseber Buclibinder-Verband. (Zahlstolle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser langjähriges, treues Milglied, die Kollegin I�osa Matuszewski nach längerem Leiden am 24. De- zember gestorben ist. Wir werden ihr Andenken w Ehren halte». Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Dezember, nachmittags VI, Uhr, auf dem städtischen Friedhofe in Friedrichs- setde statt. Zahlreich« Beteiligung erwartet 25/14 Die Drisvorwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah meine inniggeliebte Frau, herzensgute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Elisabeth Ullrich geb. X-lndenblatt am 25. Dezember nachm. 6'/« Uhr nach langen, schweren Leiden an Herzlähnmng gestorben ist. Die» zeigen iiefbetrübt an Itadoir Ullrich, Werner Ullrich, Mutter u. Geschwister. Die Beerdigung findet am Mittwoch den 28. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Halle dcS HeilandS-Kirchhos» in Plöden- see aus statt. 23S4b Am 20. Dezember verstarb plötzlich und unerwartet untere liebe Kollegin 2413b Helene Pfeilschmidt an ihrem 20. Geburtslage. Ihr beitereS, ausrichilgeS Wesen und Ihr kollegiales Berhalten wird uns unvergesillch bleiben. Ehre ihrem Andenken! DaS Buchbindercipersonal dcS _ Deutschen Bcrlag. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise großer Teilnahme anläklich der Beerdigung unseres lieben SohneS und Bruders Urltss sagen allen Beteiligten, ins- besondere Frl. Hnrlsch sowie seinen Mitschülern herzlichsten Dank. Mrjtz Stcrmann nebst Frau und Dochter. 2405b Zknwl- Kranken- und ZterbekassedtrIiinnlerer. Filiale Berlin IN. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied kohert Outsche am 25. Dezember gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Dezember, nachmittag» 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Zeniral-FriedhoseS au» statt. erwartet erstand. in FricbriASicIbc au Jicgc Beteiliguim Der Vc Zentral-Yerband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin and Umgegend. Den BcrusSgenossen zur Nach- richt. daß unser langjähriges Mitglied Robert Gutsche am 25. d. MtS. verstorben ist Ehre sriuew Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Zentral-Fiied- Hose» in FriedrichSjetde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Terwaltang Berlin. Jalousien-Arbeiter! Mittwoch, den S8. Dezember 1010, abends 8'/, Uhr: Dranchen-Nersammlung bei Anton Boeker» Weberstr. 1?. TageS-Ordnung: t.„Fiunnzrcform und(Äewcrkichaften.« Referent: Kolleg« Apptch. 2. Diskussion. 8. Branchenangelegrnheiten. Um«Mhlreiches Erscheinen wird ersucht.-W» Einsetzer! Donnerstag, den Ä0. Dezember, abendS 8 Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshanse, Engelufer IS. TageS-Ordnnng: 1. Bericht der Kommissien. 2. Neuwahl der Kommissto«. 3. Brauchenangelegenheit«» und Verschiedenes. J3BP Die Kollegen find verpflichtet, zahlreich zu erscheine». Di« Versamminux vird pttnktllch eröffnet. 95/10____ Die Kommissien. Zetdralverbattd Dachdecker Verwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, den SO. Dezember 1010, abends 8 Uhr, Weinstrasie 11: Tersammloiig der Daehdeckerhilfsarbeiter. TageS-Ordnung: 1. Bortrag de» Genossen Gustav Nathow über: Kann der Arveiter sein koaltttonSrrcht ausübe»? 2. BerbandS angelegen heilen. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet __ Der vorstand. SkZxÄErL. Kon sumgenoffenfchaft Berlin und Umgegend, tS. Berkanfsstelle. Donnerstag, den 29. Dezember, abends SlJ. Uhr, bei Hoppe, kleiner Saal: Wgiitdkl-Vrrsommiung. Das Erscheinen aller Mitglieder ist notwendig. 103/4 Der Obmann. Empfehle den VorwärtSlesern mein Sasg'KagaÄ». Otto Sowenstein, Fruchtstraste 45, an der Gr. Frankfurter Straße. 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Bohnsdorf und UalkeaherU: Alois Laus, PeHnSders, Gl» nossenschastShaus.ParadieS'. � t iiarlotteahurzx: Gustav Scharnberg, Selenbetmerftraße l. Elchwalde, Zeathea, Blersdorf und Hnnkels Abläse: OSkar Mahle, Eichwalde, Stubenrauchstr. 99. Erkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Eredersdorf- Betershasen: E. s e l b a r I h. PelerShagen. Ertedenan-SitesIlts.dStldcnde-Dr.-U-lchterfelde-West: H. B ernte«, schloßstr. IIS. Hos I. in Dleglitz. Eriodrlchsliagen: Ernst Werkmann, Köpenicker Straße 13. Orünaa: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Johannisthal: Pielicke, Kniier-WilHelm-Platz 4. Karlshorst: Richard Küter. Städelstr. 9, II. Könlgs-W nsterhanse»: Friedrich B a u m a n«, Bahnhosstr. 13. A önentck: Emil W i ß I c r. Kictzcrstr. S, Laden. Eicliteafocrs, Erlcdrirhsfclde, W'llhelmsbcrs s Otto S e i l e l, Kronprinzenstraße 4, I. stlahlsdorf, Kanlsdorf: Scheibe, Mablsdors, Walberseestr. 14. Hariendorf: August Leip, Cliaiisseestr. 296. Hos. stlarlenfelde: Emil W e i n e r t, Dorsstr. 14. Xepenhasen: Johann Hübscher, Wolterstraße. hterier-SchÖnewelde: Max Priebl«, Brttzerstr. 14 U, X owawes: Wilhelm I a p p«, Friebrichstr. 7. Oker-�ehönewelde: August H e n je«, Lausenerftr. 2, I. fankow-Slcderschönhansen: Riß mann, Rühlenstr. 30. Itelnlckendorf> Ost, WUhelnisrnh und Hchönhols: P. G u r j ch, Kameiestr. 12, L : M. Heinrich. 1........_____________ gen 56. Laden. RIndorl': M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Nnnrnielshnrs, Boxhasen:A. Rosenlran», Alt-Box Wilhelm B a u m l e r, Marlin Lutherstr. St, t tschöneherg: tspandanj� Koppen, Jagowstr. 9. leset. Hcrnisdorf Uorsisn alde, W Ittennn, Watdmannslast, ------- sdorf und Iteinlckendorf• West: Paul stienast, ! Borsigwalde, Räuschstraße 10. Tteltow-; Wilhelm B o n o w, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Denrpethof:'Albert Thiel, Berliner Straße 41/42. Treptow: Roß. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Lasen. Wefilcnseo: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. 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Dezember in der Schöne- berger Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Arbeitslosen- Versicherungsordnung hier wiederzugeben. Die Stadt Schöneberg gewährt bis zur gesetzlichen Regelung der Arbeitslosenversicherung oder bis zur Einführung einer solchen Versicherung in Groß-Berlin, längstens jedoch bis zum 31. März 1913 einen jährlichen Geldbetrag von löOOO M.- zu dem Zwecke, die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit zu fördern. Der Zuschuß wird gewährt allen Berufsvereinigungcn von Arbeitern und Angestellten, die ihren Mitgliedern Arbeitslosenunterstützung zahlen, für alle von ihnen wegen Arbeitslosigkeit Unterstützten, die mindestens ein Jahr ununterbrochen in Schöneberg wohnen und die Bedingungen der Ordnung erfüllen. Auf die einjährige Frist ist diejenige Zeit mit anzurechnen, die unmittelbar vorher in einer anderen Ge- meinde Groß-Berlins ohne Unterbrechung zugebracht worden ist, falls diese Gemeinde in gleichartiger Weise Beihilfe zur Arbeits- losenversicherung gewährt und auch in gleicher Weise die Wohn- zeit in anderen Gemeinden anrechnet.— Der Zuschuß beträgt die Hälfte der von der Berufsvereini- gung an das einzelne Mitglied gezahlten Arbeitslosenunterstützung, darf aber den Betrag von 1 M. täglich für eine Person nicht über- steigen.— Der Zuschuß wird nur dann gewährt, wenn die Arbeits- losigkeit unverschuldet entstanden ist. Er wird nicht gewährt, wenn die Arbeitslosigkeit durch Ausstände, Aussperrungen oder andere Folgen verursacht ist, oder wenn in dem Ge- werbe, dem das bereits unterstützungsberechtigte Mitglied angehört, nachträglich der Fall des Ausstandes oder der Aussperrung eintritt. Der Zuschuß wird nur für die Tage gewährt, an denen das Mit- glied die Kontrollvorschriften erfüllt.— Er hört für ein Mitglied auf mit dem Tage, für welchen ihm durch den städtischen Arbeits- Nachweis Arbeit, die dieser für passend anerkennt, nachgewiesen wird, oder wenn ihm der Zuschuß innerhalb eines Jahres für M Tage gezahlt ist. Eine Verpflichtung zur Annahme nachge- wiesener Arbeit besteht nicht, wenn die Arbeit durch Ausstand oder Aussperrung frei geworden ist.— Um einen Anspruch auf den städtischen Zuschuß zu erlangen, haben diejenigen Berufsvereinigungen von Arbeitern und Ange- stellten, die ihren Mitgliedern Arbeitslosenunterstützung gewähren, unter Einreichung ihrer Satzungen und Anerkennung der Ordnung einen entsprechenden Antrag beim Magistrat zu stellen, indem sie sich verpflichten, der Deputation für die Ver- waltung des städtischen Arbeitsnachweises die Einsicht in ihre Buchführung soweit zu gestatten, als es not- wendig ist, um zu ermitteln, ob die Bestimmungen dieser Ordnung eingehalten sind.— Die zugelassenen Berufsvereinigungen haben nach Vereinbarung mit dem Magistrat eine Lifte über ihre in Schöneberg wohnenden Mitglieder zu führen, aus der alle die- jenigen Punkte, die ihnen einen Anspruch auf den Zuschuß ge- währen, hervorgehen.— Das arbeitslose Mitglied hat sich täglich mit der Arbeitslosen- Zarte seiner Berufsvereinigung auf dem städtischen Arbeitsnach- weis mindestens einmal zu melden und auf Verlangen Auskunft über alle Tatsachen zu geben, auf welche sich die von der Stadt zu gewährende Unterstützung gründet. Der Arbeitsnachweis entscheidet darüber, ob dem Arbeitslosen die Unterstützung gewährt werden soll.— Die Kassen der Berufs- Vereinigungen verauslagen den Betrag des städtischen Zuschusses und reichen in jedem Monat dem Magistrat die Berechnung ihrer Auslagen nebst den dazu gehörigen Unterlagen für den vorange- gangenen Monat ein. Der Zuschuß wird seitens der Stadt- gemeinde innerhalb 3 Wochen nach Einreichung an die einzelnen Organisationen abgeführt.— Zuschüsse an Nichtorganisierte. In Schöneberg wohnende männliche Arbeiter und Angestellte, die der Invaliden- versicherungspflicht unterliegen und aus eigenen Mitteln Spar- einlagen bei der Schöneberger städtischen Sparkasse gemacht haben, können auf ihren Antrag in die beim städtischen Arbeits- nachwöis zu führende Liste der Sparer eingetragen werden.— Die Sparer, die keinen Zuschuß erhalten, bekommen zu den Ab- Hebungen, die sie während der Zeit der Arbeitslosigkeit von ihrem Guthaben machen, sosern sie die Bestimmungen der Ordnung er- füllen, einen Zuschuß von der Stadt.— Der Zuschuß beträgt die Hälfte der von dem Sparer abgehobenen Summe. Er darf den Betrag von 1 M. täglich nicht übersteigen. Der Zuschuß wird gewährt, wenn der Sparer mindestens ein Jahr ununterbrochen in Schöneberg wohnt und die Eintragung in der Liste der Sparer seit mindestens drei Monaten besteht. Ein- lagen, die in den letzten drei Monaten vor der Abhebung gemacht worden sind, werden hierbei nicht berücksichtigt. Die Zahlung des Zuschusses beginnt, nachdem sich der Sparer eine Woche lang täglich zur sestgesetzten Stunde auf dem Arbeitsnachweis gemeldet hat.— In den Schlutzbestimmungen der Ordnung heißt es: Wer versucht, unberechtigterweise den städtischen Zuschuß zu erhalten. wird vorbehaltlich strafrechtlicher Verfolgung von der Zuschuß- gewährung auf die Dauer eines Jahres ausge- schlössen.— Bei Streitigkeiten aus der Ordnung entscheidet unter Ausschluß des Rechtsweges die Deputation für die Verwal- tung des städtischen Arbeitsnachweises als Schiedsgericht. Partei- Angelegenheiten. Wilmcrödorf-Halcnsee. Die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins wird am Freitag, den 39. Dezember, abends Zstz Uhr, im Gesellschaftshause. WilhelmSane 112, abgehalten. Auf der Tages- ordnung steht ein Referat des Genossen Oskar Riedel über Wilmersdorfer Kommunalpolitik; auch sind wichtige Vereins- angelegcnheiten zu erledigen. Der Vorstand. Lankwitz. Heute Mittivoch, abends 8V2 Uhr, im Restaurant Ebel. Mühlenstraße: Sitzung des Wahlvereins. Referent Dr. G 0 l d- s ch m i d t: Tolstoi in seinen Werken.— Vereinsangelegeuheiten. Friedrichshagen. Die für heute abend fällige Mitglieder- »ersaminlung fällt aus._ Berliner JVachricbten. Friede ans Erden? Die Weihnachtsfeiertage sind wieder mal verrauscht. Friede und Freude auf Erden ist darum nicht überall ein- gekehrt. Wo geschenkt wird, sind auch stets Unzufriedene, die nie genug bekommen können. Und je höher die Lebens- stellung, je größer der Reichtum, desto üppigere Blüten treibt die Begehrlichkeit, die man so gern den unteren Klassen zum Vorwurf macht. Die Uebersättigung in den oberen Schichten. wo man im Golde wühlt und eben nur noch auf den Mammon Wert legt, ist derart krankhaft aufgedunsen, daß von einer Freude an Gaben der Liebe nicht mehr die Rede sein kann. Wie die Alten, so zwitschern hier die verwöhnten, verzogenen Jungen und taxieren das Geschenk nur nach dem Kaufpreise. Der aus innerstem Herzen kommenden Freude, die bei den Kindern der schaffenden Stände über ein winziges Geschenk Iin hellen Jubel ausbricht, sind die Glückgeborenen auf den Höhen des Lebens wohl überhaupt nicht sähig. Doch diesmal reicht die übliche Unzufriedenheit weit über den Gabentisch hinaus. Unzufrieden sind Tausende von Geschäfts- leuten, die mit dem Weihnachtsgeschäft Luftschlösser gebaut hatten. Wohin man hört, wird geklagt, daß sich die Hoffnungen bei weitem nicht erfüllt haben. Der Nutzen stand nicht entfernt im richtigen Verhältnis zu den erhöhten Aus- gaben für Reklame, Dekoration, Aushilfspersonal und der- gleichen, die sich heute auch der kleine Geschäftsmann leisten muß, um die kolossale Konkurrenz der Geschäftskapitalisten einigermaßen auszuhalten. Das fiel dann wieder auf die Angestellten mit zurück, die ihre Weihnachtsschusterei nicht nach Gebühr belohnt und die Weihnachtsgratifikation arg beschnitten sahen. Unzufrieden war alle Welt mit dem Weihnachtswetter. Auf Frost oder Schnee war ja nach den Prognosen der Wetterwarten von vornherein nicht zu rechnen, aber einen ähnlich nassen Weihnachtsabend haben wir seit dem Jahre 1902, das auch ein Regenjahr erster Güte war, nicht gehabt. Da mußte man es noch als ein Glück betrachten, daß wenigstens während der beiden Hauptfeiertage der wahrscheinlich mit dem Gottes- gnadentum auf Erden unzufriedene olle Petrus die himmlischen Schleusen nur zeitweilig öffnete. Aber trotzdem wollte unter der unangenehm feuchten Luft und jagenden, regenschwangeren Wolken die echte, rechte Weihnachtsstimmung nicht aufkommen. Noch dazu in einer Zeit, wo die politische und wirtschaftliche Wege- lagerei es dem Volke vorläufig noch verbietet, mit überquellendem Herzen„Feste der Liebe" zu feiern. Der Friede auf Erden und die Freude der Massen am Leben ist noch fern; aber beides wird sicher einkehren mit dem Niederreiten der gött- lichen kapitalistischen Weltordnung. 9 Die Ungunst der Witterung beschränkte die Weihnachts- ausflöge in die Umgebung zu Spiel und Wintersport auf ein geringes Maß. Davon profitierten die zahlreichen Fest- Veranstaltungen unserer Genossen in Berlin und den Vororten. Die einzelnen Feste. Matineen und Abendfciern erfreuten sich guten Besuchs und soweit uns Programme zu Gesicht ge- kommen und Mitteilungen über den Verlauf einzelner Ver- anstaltungen gemacht worden sind, kann festgestellt werden, daß der Charakter dieser Feiem von Jahr zu Jahr sich ficht- lich hebt. Die Restaurants machten ein Bombengeschäft, sämtliche Theater und die beiden Zirkusse waren ausverkauft. Der dritte Feiertag gehörte nach altem Brauche den Tausenden, die nicht früher aus der Tretmühle herauskonnten. Und auch noch heute und die folgenden Tage bis zum Wochen- und ahresschluß wird„gefeiert" von den Ucbcrvielen, denen der ohnaussall infolge Geschäftsinvcntur ein recht bitterer Fest- nachklang ist._ Für den HauSreiniger gut genug. In rasender Geschwindigkeit fliegt die Nr. 25 der Elektrischen die verkehrsstille Scharnweberstraße hindurch, der Stadt zu. Froh, nicht dem einen oder anderen Fahrgast auf die Knie geschleudert worden zu sein, lasse ich mich aus dem letzten freien Platz einer zweisitzigen Querbank nieder. Flüsternde Unterhaltungen ringsum. Neben mir sitzt eine ältere Dame; ihr gegenüber ein rüstiger Sechziger, dem erstere mit dem Finger aufs Knie tippt. „Wir steigen Karlstraße ab, ich will bei Wertheim kaufen. aber nur die billigen; was meinst Du?" „Hm I" „Die tun's auch!" eifert sie fortfahrend.„Und dann lassen wir das einschlafen; von Neujahr an muß sie die Scheuertücher selbst kaufen! „Aber die Wohnung müssen wir ihr machen lassen. Die Küche ist greulich I" „Aber nur die Küche! Und die Wände nur„weißen"! Bei den vielen Kindern genügt das, und dann müssen wir doch erst sehen, wie sie sich anläßt—" „Die Stube muß tapeziert und gestrichen werden— ich hab's versprochen!" „Gott, nein.— Laß mich nur machen"— „Die Tapete hängt in Fetzen herunter"— „Aber doch nur an der Außenwand— das läßt Du ausbessern— so viel Tapete werden wir noch da haben... Wenn sie auch nicht genau paßt. Laß' mich nur machen. Ich sage ihr's gleich bei den Tüchern. Also von Neujahr an muß sie die allein besorgen, und die Küche wird geweißt und nicht geölt. Und die Fußböden I... Mein Gott, was haben wir denn nun davon? Mehr hätte der Weihnachten für die Alte auch nicht gekostet. Und die vielen Kinder..." „Js det'ne schofle Bagasche!" dröhnt eine Baßstimme ganz vorn aus der Wagenecke. Die Frau Hausbesitzer zuckt erschreckt zusammen. Zwei kräftige Arbeitergestalten be- wegen sich dem Ausgange zu. Ich aber hefte, aus meiner scheinbaren Tcilnahmlosigkeit auffahrend, meine Blicke fest in die meiner Nachbarin— ver- lexcn wendet sie sich ab. Vor meinem Geiste aber sehe ich ein mit Kindern ge- segnetes, armes,„glückliches" Proletarierwcib in einem feuchten, finsteren Loch einer licht- und luftlosen Mietskaserne.... Glücklich ist die arme Frau, denn sie hat eine Portierstelle gefunden und verdient nun wenigstens die Miete, derweil der Vater ihrer Kinder draußen im Eisenwerk Dividenden schmiedet._ Aus der Krankcnhausverwaltung. Bei der viel erörterten Frage der Wahrung deS ärzt- lichen Berufsgeheimnisses dürste eS von Interesse sein, auf folgendes hinzuweisen. Der Zweck der Gesetzcsvorschrift, daß Aerzte über den Krankheitszustand ihrer Patienten nur einem be- stimmten und engbegrenzten Kreise befugter Personen Auskunft geben dürfen, ist der, zunächst von dem Kranken Aufregungen und damit Verschlimmerung seines Befindens fernzuhalten. Die Humanität muß aber als erste ärztliche Pflicht stets hochgehalten werden. Dann verlangt auch das berechtigte Ehr- und Selbstgefühl der Kranken, ihr Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen gebieterisch die strenge Be- obachtung des ärztlichen Schweigegebotes. Im Widerspruch zu dieser eigentlich selbstverständlichen Auffassung war cS in manchen unserer st ädtischen Krankenhäuser Gebrauch, die Krankheit auf eine oberhalb des BetteS befind- liche Tafel zu schreiben. Zwar geschieht es zum Teil in lateinischer oder griechischer Sprache; daß aber dadurch das Bemss- geheimnis bewahrt ist, wird wohl niemand behaupten wollen: gibt doch schließlich das Konversationslexikon jedem bereitwillig Auskunft. Von den nächsten Angehörigen abgesehe«, erfahren die Schare» der Besucher, die wöchentlich dreimal dlurch die Säle unserer Anstalten kommen, so manches, was desser mit dem Mantel der Verschwiegenheit verhüllt bleiben sollte! Es ist klar. daß durch diese Veröffentlichung der Krankheiten ans der Tafel den Patienten viel Unbequemlichkeiten widerfahren könuen. Es ist nun die dankenswerte Aufgabe der städtischen Verwaltung, dafür zu sorgen, daß die Selbstachtung der Anstaltsinsassen gefördert und von den Krankenhäusern nach Möglichkeit alles ferngehalten wird, was den Kranken den Aufenthalt verleidet: nach jeder Richtung müssen unsere Krankenhäuser Musteranstalten werden! Diese Erwägungen bestimmten den Genossen Dr. Wehl, der städtischen Krankenhausdepuration den Antrag zu unterbreiten, die Krankheitsbezeichnung auf den Kopftafeln der Krankenbetten fortzulassen. Nach längerer VerHand- lung wurde dieser Antrag zum Beschluß erholien mit der Modi« fikation, daß auf den inneren Abteilungen das An» schreiben der Krankheitsbezeichnung aus den Kopftafeln unterbleiben soll, bezüglich der chirurgischen Abteilungen bewendet es bei dem bisher bestehenden Verfahren. Bei der Eigenart der chirurgischen Kranken, die in Gips- oder anderen Verbänden liegen, wird die Krankheit lediglich mit dem Anfangsbuchstaben der lateinischen Bezeichnung angegeben. Die Deputation hat jedoch die bestimmte Erwartung ausgesprochen, daß Unzuträglichkeiten für die Kranken sorgfältig vermieden werden.— Wie f cht» et fällig unsere Krankenhausverwaltung selbst bei Erledigung der einfachsten Sachen arbeitet, beweisen die folgenden Daten, die wir ohne Kommentar unseren Lesern mitteilen: Am 19. September wurde der oben erwähnte Autrag beraten und zum Beschluß erhoben; den sechs städtischen Krunkenhäusern ward dieier Beschluß zur Durchführung zugestellt: am 29. Dezember ward dem Antragsteller zur Kenntnisnahme mitgeteilt, daß nunmehr in allen Anstalten das Erforderliche veranlaßt sei!— Der Krimiiialkommissar Johannes Groß, der seit dem Jahre 1896 dem Polizeipräsidium Berlin angehörte und der politischen Abteilung zugeteilt war, ist gestern abend an den Folgen einer Blinddarmoperalion im 42. Lebensjahre in einem hiesigen Kranken- Hause gestorben. Groß war ein„guter Bekannter". Wiederholt ist er in unserer Expedition mit einem Stabe von Beamten erschienen, um Beschlagnahmen vorzunehmen. Im Jahre l90L hausiuchte er in unserer Buchhandlung, die sich damals noch in der Beuthstraße befand, und nahm neben anderem selbst Geschäftsbücher mit. Später ergab sich, datz die Siegel, mit denen die beschlagnahmten Pakete verschlossen ivurden, vorzeitig erbrochen worden waren und niemand dafür ver- antwortlich sein wollte. Ein Berstordcner als Sachverständiger. Der Stadtverordneten» Versammlung ist in ihrer letzten Sitzung ein Mißgeschick passiert. Unter Nr. 33 der Tagesordnung waven Sachverständige für die Ab» schätzung von lebendem Vieh im Kriegsfalle zu wählen. Es wurden denn auch„durch Akklamation" vier Herren gclvählt. Darunter be» fand sich auch der„Obermeister Moritz Schmidt" der Berliner Fleischeriunung, der nun schon ein gutes halbes Jahr ver» starben ist. ..... Liebe deS freien Manne? i Am 2. Feiertag wohnte der Kaiser, die Kaiserin usw. der Börstcllnng im kgl. Opernhause bei— so melden bürgerliche Zeitungen. Und um dieselbe Zeit lungerten mindesten ein Dutzend Kriminalbeamte in allen möglichen Verkleidungen in der Umgegend des Opernhauses herum. Unter ihnen befand sich auch unser alter Fmmd Palm, der seinerzeit mit so„glänzenden Erfolgen" die Jugendbewegung beobachtete. Da er der Unierstütznng seiner Kollegen sicher war, bewegte er sich ziemlich herausfordernd. Nun kümmert uns die ganze Angelegenheit gewiß nicht; wir sind aber doch der Meinung: Hält der Polizeipräsident eine solche Ueberwachung schon sür nolwendig, so sollte sie doch wirklich nicht in so auffallender Weise geschiche». Welche schlechte Meinung muß nicht der von ouSwäris kommende Besucher des Opernhauses über unsere SicherheitSzustände erhalten, wenn er sieht, wie anläßlich eines kaiserlichen Besuches im Openrhause ein Dutzend Kriminal» beamte in den verschiedensten Verkleidungen sich unter das Publikum mischen und jedes Wort zu erlauschen suchen. Die Berichterstattung der„Post" über die letzte Stadtverordneten- sitzung ist so tendenziös und unwahr, daß wir glauben, mit einem Worte darauf zurückkommen zu sollen. Wie unsere Leser aus dem Verhandlungsbericht wissen, wurde u. a. auch über die Erhöhung der Hundesteuer debattiert. Genosse Adolf Hoffmann wandte sich gegen die geplante Erhöhung und legte dar, daß mit derselben keineswegs der vom Magistrat erstrebte Zweck erreicht iverde. lieber diese Verhandlungen berichtete nun die„Post" wie folgt: „Stadtrat Ledermann verteidigt die Wünsche des Magistrats auf Erhöhung der Steuer, während der Sozialdemokrat H 0 s f m a n n in der ihm eigenen urwüchsigen Form die Hunde in Schutz nimmt. Bezeichnend für den im Roten Hause herrschenden Ton war es, daß der Zehngebotehoffmann empfahl, die Steuer als„HundeiAichlaßsteucr" zu bezeichnen, da sie mit Rück- ficht auf den— Nachlaß der Hunde auf den Straßen vorgeschlagen fei. Die weiteren„Borschläge" des Stadt v. Hoff» mann sind im Druck nicht wiederzugeben. Als Stadtv. Rettig ersuchte, die ekelhaften„Witze" zu unter» lassen, erwiderte Hoffmann:„Ick mache meine Witze nach die Ge» sellschaft, in der ick mir befinde". Herr Hoffmann empfahl, die Er« ziehung des Hundes vom Besitzer zu verlangen." Dieser Bericht entspricht nicht den Tatsachen und ist alleS andere als objektiv. Unwahr ist, daß Herr Rettig den Genossen Hoffmann in bezug aus seine Aeußerung von der Hundenachlaßsteuer ersucht haben soll, die„ekelhaften Witze" zu unterlassen; vielmehr rief Herr Rettig Hoffmann zu:„Sie haben schon bessere Witze gemacht", worauf Hoffmann erwiderte:„Herr Rettig, ich mache die- selben stets der Gesellschaft angepaßt, in der ich mich befinde". Hätte Hoffmann Aeußerungen gebraucht, die im Druck nicht wieder- zugeben sind, hätte ihn schon der Vorsteher zur Ordnung gerufen. Meint aber die„Post" etwa die von Hoffmann auf Grund des stenographischen Berichts zitierten Aeußerungen der Herren Solmitz und Rettig vom Jahre 1998, so können dieselben Hoffmann nicht aufs Konto geschrieben werden, obwohl auch diese Aeußerungen durchaus nichts Anstößiges enthalten. Wir hätten Abstand ge» nommen, diese Tatsachen festzustellen, wenn nicht der„Mansfelder Bergbote" den„Post"-Bericht übernommen hätte und mit der un« wahren und falschen Sachdarstellung krebsen ginge, obwohl wir wenig Zutrauen haben, daß Blätter von dem genannten Schlage «wirklich sachgemäß berichten wollen. Ein falscher Kriminalbeamter wollte am zweiten Weihnachts- feiertage in der Gleimstraße einen Bettler verhaften. Letzterer, ein alter Mann, hatte die dortigen Hänser abgefochlen und dabei das Mißfallen eines Herrn erregt, der sich als Kriminalbeamter ausgab. Das Publikum nahm aber Partei für den Bettler und forderte die Legitimierung des„Beamten". Plötzlich stürmte der Gentleman m langen Sätzen davon und entkam leider. EZnhcitlichc Festsetzung einer Mindcst-Polizelpunde hat der deutsche Gastwirteverband durch eine Petition beim Minister des Innern beantragt. Diese„Mindest-Poli�eistunde" soll nach den Wünschen der Petenten in der Stadt allgemein um 12 Uhr nachts, auf dem La»de um 11 Uhr eintreten. Dabei soll den örtlichen Verhältnissen sowie Bedürfnissen„durch entsprechende Verlängerung dieser Frist Rechnung getragen" werden. In der Begründung der Eingabe wird darüber Klage geführt, dah heute die Polizeistunde bald um 10, bald um 11, bald um 12 Uhr eintrete. In Grotz- Berlin komme cö vor, daß auf der einen Seite der Straße die Polizeistunde itm 12 Uhr, auf der anderen um 11 Uhr eintrete, weil nämlich zwei verschiedene Polizeibehörden darüber zu entscheiden haben. Der gegenwärtige Zustand auf dem Gebiete deZ KonzessionS- wesens und der Polizeistunde ist ein Hohn auf das Wort von der Gleichheit vor dem Gesetz. In den Arbeitervierleln der Groß- städto mutz pünktlich zu Eintritt der Polizeistunde geschlossen werden. Selbst bei Abhaltung von Sitzungen und Versammlungen macht die Polizei noch allerhand Scherereien. Dagegen haben die- jenigen Betriebe, rn denen die Halb- und die Lebewelt sich Rendez- vous gibt, die Erlaubnis, ihre Lokale bis zum frühen Morgen offen zu halten, wenn sie nicht überhaupt von jeder Beschränkung befreit sind. Das Sckzlim«iste ist, daß über seden Gastwirt jederzeit das Damoklesschwert der früheren Polizeistunde schwebt. Die Ver- längerung ist immer nur eine Vergünstigung, die der Wirt sich leicht wieder verscherzen kaum. Die Dinge sind so bekannt, daß dazu kaum noch etwas hinzuzufügen ist. Ob die von den Petenten geforderte Neuerung viel ändern würde, ist sehr zweifelhaft, solange die Polizei in diesen Dingen zu bestimmen hat. Zu dem Mord ii» der Blunicnthalstraße wird berichtet, daß der Sattler Franz Mielke unter dem dringenden Verdacht der Täter- schaft dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden ist. Für den Verdacht sollen verschiedene Umstände sprechen. Erstens nimmt die Kriminalpolizei an. daß nur ein Hausbewohner in Frage kommen kann. Auffällig ist damr aber, daß sie nicht gleich auf diesen Gedanken gekommen ist und erst der Kutscher Schulz als vermeint- sicher Täter verhaftet wurde. Ja, es wurde schon in die Welt hinausposaunt, in Schulz sei der wirkliche Täter gefaßt worden. Auffallen mußte auch in weiten Kreisen, daß an dem Tage, an dem ein Schutzmann die Wohnung der Frau Hoffmann öffnete und von außen eine Stimme gehört wurde, niemand auf den Gedanken kam, den hinteren Ausgang zu besetzen, um die in der Wohnung befind- liche Person festzustellen, die doch ihren Weg nur durch den hinteren Ausgang nehmen konnte. Die Verdachtsgründe gegen Mielke sind folgende: Mielke belastet vor allem einmal die Aussage einer Fabrik- arbeiterin, wonach M. ihr gegenüber zweimal sich damit gebrüstet habe, daß er bei Frau Hoffmann ungehindert Zutritt habe. Anfangs leugnete M, diese Aeußerung, später gab er sie notgedrungen zu. Verdächtig ist eine weitere Tatsache: Als der Mörder am Abend des 7. Dezember den Schlächtermeister in der Blumenthalstraße anrief, um eine Verbindung mit der Pförtnerfrau im Hause der Frau Hoff- mann zu bekomme«, war zunächst die Frau des Meisters am Fern- sprecher. Die Pförtnerfrau heißt Miska, der Anrufer aber bat. Frau Misker einmal an den Apparat zu holen. Die Meister- fran erwiderte, eine Frau Misker kenne sie nicht. Der Meister, der im Laden war, hörte das und sagte zu seiner Frau, eS werde wohl die Pförtnerfrau Miska auS dem Hause Nr. 1 gemeint sein. Als daraufhin die Meisterfrau den Anrufer fragte. ob er die Pförtnerfrau Miska aus dem Hause Blumenthalstraße Nr. 1 sprechen wolle, bejahte er die Frage. Hierauf wurde Frau MiSka geholt, und eS spielte sich nun daS bekannte Ge- spräch ab, in dem der Mörder über den Verbleib der Frau Hoffmann irreführende Auskunft erteilte. Als jetzt die Kriininalpolizei mit Mielke eine Probe auf diese telephonische Unterhaltung machte, um die Aehnlichkeit der Stimme durch die Schlächterfrau feststellen zu lassen, verlangte er merkwürdigerweise, nachdem er mit dem Schlächter- laden Verbindung erhalten hatte, wieder Frau Misker.— Was die Waffe betrifft, so hat sich bis jetzt allerdings niemand gefunden, der Mielke im Besitz eines Revolvers gesehen hätte. Der Verhaftete be- streitet nach wie vor die Tat. Zwei Personen von der Straßenbahn totgefahren. Am ersten Festtag lvurdcn von der Straßenbahn fast gleichzeitig zwei Personen totgefahren. Der erste Unfall geschah in der Prenzlauer Allee, Ecke Danziger Straße. Dort lief der wobnungSlose Schuhmacher Johann Zipfel in selbstmörderischer Absicht kurz vor einem Straßenbahn- wagen der Linie 73 auf das Gleis und wurde überfahren. Als man ihn hervorzog, war der Tod schon eingetreten. Z. war erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden und konnte keine Unterkunft finden.— Der zweite Unfall ereignete sich an der Ecke der Wilhelm- und Zimmerstraße. Dort wurde der dreijährige Sohn Karl des Hausverwalters P o l l k e h n ans der Zimmerstraße 94 von einem Straßenbahnwagen der Linie S9 überfahren und auf der Stelle ge- tötet. Zur Befreiung des Kindes wurde auch die Feuerwehr herbei- gerufen. DaS leidige Abspringen. Ein Straßenbahnunfall hat sich am KönigSlor zugetragen. Der 31 jährige Expedient Schmidt aus der Büschingstr. 5 hatte gegen'/«10 Uhr avendS einen Straßenbahn- wagen der Linie 80 zur Fahrt nach Hanse benutzt und verließ diesen trotz der Warnung des Sckmffners am KänigStor während der An- fahrt zur Haltestelle. Sch. kam zu Fall und erlitt eine klaffende Wunde an der Stirn. In bewußtlosem Zustande wurde der Ver- unglückte nach der Unfallstation in der Alvcn Schützenstrnße und von dort nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankenhause Frtedrichshain übergeführt, wo auch eine Gehirnerschütterung fest- gestellt wurde. Sonderbare Weihnachtsüberraschungen wurden in den letzten Tagen einer ganzen Reihe von Berliner Familien bereitet. Es trafen bei ihnen alle möglichen Präsente ein. so Grammophone und andere Musitinstrumente, Pelze ulw. Leider lagen den Sendungen jedesmal Rechnungen bei. In keinem dieser Fälle waren die Sendungen von dem Empfänger bestellt worden. ES stellte sich dann heraus, daß ein Unbekannter die ganze Sache in Szene gesetzt hatte. Er hatte an auswärtige Firmen im Namen der Empfänger Bestellungen von recht erheblichem Umfange gemacht und die Unterschriften der angeb- lichen Empfänger gefälscht. Nnterm Weihnachtsbaum vom Tode überrirfcht. Ein tragischer Borgang hat sich am Heiligabend in dem Hause Ackerstr. 133 ab- gespielt. Der Kaufmann N. hatte sich mit seine» Kindern, der Ehe- fran und seiner Schwiegermutter um den Weihnachtsbaum zur Be- sckerung versammelt. als die Schwiegermutter plötzlich von einem Schwindelanfall heimgesucht wurde. Wenige Minuten später starb die alte Dame in den Arnien ihrer Tochter. Wie ein hinzugerufener Arzt fc-ststellte, war sie einem Herzschlag erlegen.— Ein gleicher Vorgang trug sich in der Wohnung des Metallarbeiters R. in der Badstr. 67 zu. Auch dort erlitt unterm Weihnachtsbaum die schon bejahrte Schwiegermutter des R. einen Herzschlag und starb darauf. DaS Opfer eines unerlaubte» Eingriffs ist die zwanzigjährige Tochter Johanna der am Kottbuser Damm wohnenden Arbeiter- witwe Pf. geworden. Sie starb gerade an ihrem 20. Geburtslage. ES wurde festgestellt, daß eine Frau T. in der MuSkauer Straße sich eines unerlaubten Eingriffs zur Beseitigung der Folgen eines intimen Verhältnisses bei dem jungen Mädchen schuldig gemacht hatte. Die Kriminalpolizei' leitete daraufhin eine Untersuchung gegen Frau T. ein und beschlagnahmte die Leiche des Mädchens. I» die Spree gefallen und ertrunken ist Montagabend um L'/z Uhr der 18 Jahre alte Bootsmann Richard Franke, der Sohn eines Böttchermeisters aus Fürstenberg a. O. Der junge Mann war bei seinem älteren Bruder Max, einem Schiffseigner, beschäftigt und lag mit einem leeren Kohlenkahn an der Domkirche. Montag- abend sollte der Kahn nach der Schleuse zu vorrücken. Als nun der junge Bootsmann das Laufbrett vom Ufer einziehen wollte, verlor er daö Gleichgewicht, fiel über Bord, ging sogleich unter und ertrank trotz aller Rettungsversuche. Seine Leiche ist noch nicht geborgen. Fischer suchen das Wasser nach ihr ab. WcihnachtSarbeit der Feuerwehr. Die beiden Weihnachtsfeiertage brachten der Berliner Feuerwehr reichlich Arbeit. Abgesehen von einer ganzen Reihe Kleinfeuer mußten am Senefelder-Platz und in der Gerichtstr. 72 auch zwei größere Brände gelöscht werden. Am Senefelder-Platz gingen am ersten Festtagnackimitlag mehrere Baubuden die zum Bau der Unter- grundbahn Schönhauser Allee errichtet waren, in Flammen auf.— In der Gerichtstr. 72 nahmen die Löicharbciten fast fünf Stunden in Anspruch. Hier standen am zweiten Feiertage morgens die Tischlereien der Möbelfabriken von Otto D a m m a n n und Hermann Jacob in Flammen. Aus dem Hofe des Grund- stücks erhebt sich ein dreistöckiges Fabrikgebäude. Im zweiten Stock befand sich die Tischlerei von Jacob, während die beiden anderen Etagen von der Firma Dammann benutzt werden. Beim Eintreffen der Feuerwehr brannten die erste und zweite Etage lichterloh. Durch unausgesetztes Wassergeben konnte das Feuer ein- gedämmt werden. Der zweite Stock ist mit sämtlichen Holzvorräten und fertigen Möbeln der Firma Jacob total ausgebrannt. Die Firma Dammann erleidet den größten Schaden in der ersten Etage, wo gleichfalls viel Holz lagerte und auch fertige Möbel standen.i Wo eigentlich da? Feuer ausgekommen ist, ob bei Jacob oder be Dammann, ließ sich noch nicht ermitteln. Der Brand dehnte sich deshalb so schnell aus, weil das Fabrikgebäude schon sehr alt ist und gewöhnliche gerohrte Zwischendecken hat. Der Schaden ist ganz bedeutend, doch zum Teil durch Versicherung gedeckt. Bei einem Alarm am ersten Feiertagabend hat sich auf der neuen Feuerwache am Schillerbain ein schwerer Unfall ereignet, wobei zwei Oberfeuermänner bedauerlicherweise schwere Verletzungen erlitten. Als der 23. Automobilzug am Montagabend nach 10 Uhr alarmiert wurde, benutzten die Mannschaften und Oberfeucrmänner im ersten Stock die Gleilstange zum Herabrutschen. Diese brach aber infolge schlechter Konstruktion in der Mitte entzwei, dabei er- litt der Öbcrfeuermann Herrmaim einen Bruch des rechten Ober- schenkels und des Fußgelenks und der Oberfeuermann Stollenwerk Verletzungen am Knie und an den Füßen. Schwere Brandwunden erlitten am ersten Feiertage vier Per- sonen bei einem Brande, der abends um lO'/g Uhr in der Küche der Frau Kolbe in der Stallschreiberstr. 52 durch die Entzündung von Films entstand. Bei der Benutzung eines Kinematographen gerieten dort die Films in Brand und explodierten, wobei auch die Möbel und die Kleider der Frau Kolbe und der dort zum Besuch weilenden Frau Schroekt in Brand gerieten. Bei dem Versuch, die Flammen, die auch die Möbel und Einrichtungsgegenftände erfaßt hatten, zu löschen, zogen sich der Musikdirektor Kolbe und ein Herr von Groningen so schwere Brandverletzungen zu, daß sie von der Feuerwehr nach der Unfallstation in der Alexandrinenstraße geschafft und dort verbunden werden muhten. Die übrigen Personen waren mit unbedeutenden Verletzungen und dem Schrecken davon gekommen. Der Brand blieb auf die Küche beschränkt. Feuer in» Theater Folies Caprice. Durch diesen Alarm wurde gestern abend gegen 6'/z Uhr die Berliner Feuerwehr nach der Elsasierstr. 43 am Oranienburger Tor gerufen. Da jede Feuer- nieldung aus einem Theater sofort als„Mittelfcner" gilt, so rückten in kurzer Aufeinanderfolge sechs Löschzüge aus. Wie sich heraus- stellte, brannte nicht das eigentliche Theater Folies Caprice, sonder» daS K ul i s s e n h a uS, das sich auf dem Hofe des Grundstücks hinter der Bühne erhebt. Ein Teil der Kulissen und der Deko- rationen wurden durch den Brand, der in einer halben Stunde gelöscht war, zerstört. Ueber die Ursache deS Feuers konnte zwar noch nichts Bestimmtes ermittelt Ivcrden, doch ivird Kurzschluß in der elektrischen Leitung angenommen. Ein Fahrrad hat am Freitagabend ein Arbeiter in einer Nestau- ration in der Gegend des Wedding abgegeben, um einige Einkäufe zu machen; er hat aber nicht genau auf die Straße und Hausnummer geachtet, wo er das Rad untergestellt hatte. Er bittet deshalb auf diesem Wege den Inhaber der Schankwirtschaft um Nachricht an die Adreffe von Albert Voigt, Hochstädter Str. 16. Eine Kiste mit Werkzeug ist am Sonnabend von einem Auto- omnibuS auf dem Wege von der Bergmannstroße— Hasenheide— Berliner-, Berg- bis Steinmctzsiraße verloren worden, für die der Verlierer ersatzpflichtig ist. Der Finder wird um Nachricht an Maschoik, Friedelstr. 40, gebeten. Bei dem Unterhaltungsabend des 6. Kreises am 1. Feiertag im Moabiter GesellschaftShaus ist ein Damenschal und ein Haarpseil gesunden worden. Abzuholen bei Fröhlich, Wittstocker Str. 23, Part. Vorort- JVadmcbtcm Wilmersdorf-Halensee. Stadt und Strasicnbnhngescllschaft. Mit Unterstützung der preußischen Regierung will die Große Berliner Straßenbahn be- kanntlich ihre Stellung auf ein Jahrhundert hinaus festigen; und leider findet sie hierin bei manchen Vororten wirksame Hilfe. Be- sonders ist eS die Kommunalvertretung von Wilmersdorf, die da meint, um kleiner Vorteile willen, die ihr von der übermächtigen Privatgesellschaft dargeboten werden, das Wohl des Ganzen außer acht lassen zu dürfen. Wilmersdorf war es, die wesentlich das Zustandekommen des Verkehrszweckverbandes vereitelte, und diese Stadt ist gegenwärtig dabei, mit der„Großen" einen Pakt abzuschließen, auf dessen Gcmeinschädlichkeit gar nicht deutlich genug hingewiesen werden kann. Obgleich der zwischen der Stadt und der Stratzenbahngesellschaft abgeschlossene Vertrag noch bis zum ZI. Dezember 1948 läufk, wünschk die„Große" mik ihren für den Vorort in Betracht kommenden Tochtergesellschaften doch eine weitere Konzessionsverlängerung bis zum Ende des Jahrhunderts. Um dies Z-iel zu erreichen, hat die Gosellschaft ihre Taktik, sich dem Verkehrsfortschritt in den Weg zu stellen, auch Wilmersdorf gegenüber anigctvandt. Gleichwie in Berlin hat sie auch hier gegen den städtischen Bau der Schnellbahn Ein- jpruch erhoben und beträchtliche Entschädigungsansprüche erhoben, um auf diese Weise ihrer eigentlichen auf Konzessionsvcrlängerung gerichteten Forderung den nötigen Nachdruck zu geben. Da die Gesellschaft ferner einige Verkehrsverbesserungcn für den Fall in Aussicht stellt, daß die Stadt ihr willfahrt, so ist die Mehrheit des städtischen Verkchrsausschusses in der Tat auch bereit, auf alles einzugehen. Man bedenkt hier eben nicht, daß man sich mit solchem nur auf die Wahrung enger Jntereffen bedachten Entgegenkommen eine Rute für den eigenen Rücken bindet und die notwendig werdende Kommunalisierung des Verkehrswesens außerordentlich erschwert. Als einzige Entschuldigung für dies antisoziale Ver- halten kann den Wilmersdorfcr Stadtvätern die Tatsache dienen, daß die„Große" ja auch im Berliner Rathause ihre Freunde sitzen hat, denen eine wirklich dem Interesse der Bevölkernng entsprechende Regelung des Verkehrswesens ein Gräuel ist. Unter diesen Umständen erwächst besonders der Sozialdemokratie an Grvß-Berlin die Pflicht, auf die Gemeingefährlichkeit der von der Großen Berliner betriebenen Politik hinzuweisen und das Jnter- effe der Gesamtheit den Kirchturmsinteressenten gegenüber zur Geltung zu bringen. Rixdorf. Ei» Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen, bei dem zwei Personen verletzt wurden, hat sich am zweiten WeihnacbtSfeicrtage am Ringbahnhof ereignet. Dort fuhr gegen'/z 10 Uhr abends der Straßenbahnwagen Nr. 1330 der Linie 48 fRichtung Britz) in die falsche Weiche und stieß infolgedessen so heftig gegen den Vorder- perron des aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahn- Wagens Nr. 1423 derselben Linie, daß letzterer mit beiden Trucks aus den Schienen gehoben wurde. Bei dem Zusammenstoß wurde eine Fran Weinert aus der Prenzlauer Allee 192, die sich im Innern deS angefahrenen Waggons befand, zu Boden geschleudert und erlitt eine klaffende Kopfwunde. Der diesen Wagen bedienende Schaffner Wegener trug eine Verletzung über dem reckten Auge davon. Die Verunglückten erhielten von einem in der Nähe wohnenden Arzt Notverbände und konnten sich ohne fremde Hilfe nach ihren Wohnungen begeben. An den beiden Straßenbahnwagen wurden die Vorderperrons beschädigt; die durch den Unfall verursachte Betriebsstörung dauerte eine Viertelstunde. Britz-Buckow. Eine neue Mädchen- und Frauenavteilnng eröffnet die Freie Tunrerichaft Rixdors-Britz am Donnerstag, den 29. Dezember, abends 8 Uhr, im Gartensaal der Rosenscelerraffe, Chausseestr. 69/70. Der Vorstand des Wahlvereins ersucht die Parteigenossen, ihre er- wachsenen Töckter auf diesen Turnabend hinzuweisen. Probeturn« kleidung nebst Preisangabe liegt in dem Turnsaal aus. Boxhagen- Rummclsburg. Niedergeschossen. In der Nacht zum Montag entstand gegen 6 Uhr morgens im Hansa-Cafö in der Krossener Str. 11 zwischen mehreren Gästen ein Streit, wobei der Kaufmann Wilhelm Dessau hinterrücks von einer» der Beteiligten liiederaeschossen und schwer verletzt wurde. Der Täler entkam zunächst in dem Tumult un» erkannt. Der Verletzte ivurde nach dem Krankenhaus am Friedrichs« Hain gebracht. Der Lichtenberger Kriininalpolizei gelang es, den Revolverhelden in der Person deS Arbeiters Gustav Steffen aus der Gabriel-Max-Straße zu ermittelt». Steffen bestreitet zwar noch die Tat, ist aber bereits von»nehreren get�,?r.«medererkannt. Am Wcihnachtöheiligabcnd in der fünften Stunde ist einem Genossen auf dem Wege von der Neuen Bahnhofslraße bis Mozart- straße ein Portemonnaie init Inhalt verloren gegangen; auch zwei Lose der Preußischen Lotterie befanden sich in demselben. Der Finder wird gebeten, den Fund in der Ausgabestelle deS»BorwärtS", Alt-Boxhagen öS(Laden) abzugebcir. Huq der f rauenbewegung« Polizeiliche Fraucniagd in Stockholin. Bei der Berawng des Budgets für daS laufende Jahr in Stockholms Stadtverordneten- Versammlung stellte unser Parteigenosse Lindqnist den Antrag, die für die Polizeikontrolle der Prostituierten aufgeführten Gelder zu streichen. Zur Begründung führte er auS, die Stadt dürfe und könne nicht länger Mittel aufwenden für jene scheußliche permanente Frauenjagd, wie sie infolge des KontrollzivangeS betrieben werde, und zwar in einer Weise, daß man sich gar nicht wundern müsse, wenn daS Oberstatthalteraint eines schönen TageS einmal die An- schaffung von Bluthunden für die Prostitutionöabteilung verlange. Die Regierung habe seiner Meinung nach keine gesetzliche Macht, die Stadtverordneten zur Bewilligung der Gelder zu zwingen.— Der Antrag»vurde jedoch mit 56 gegen 23 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten außer den Sozialdemokraten nur noch sechs liberale Stadt- verordnete, dagegen auch Fräulein Palmgren, das weibliche Mitglied der konservativen Fraktion, die es also offenbar ebenfalls für ganz in der Ordnung halt, wenn die Polizei Nacht kür Nackt eine Razzia auf ihre Geschlechisgenossinncn»nacht. UebrigenS sind bei der Polizei in Stockholm auch einige weibliche Beamte angestellt und zwar mit Rücksicht auf die weiblichen Arrestanten, aber merkwürdigerweise endet der Dienst dieser Dornen gerade»im die Zeit, wo die fest- genommenen Prostituierten eingeliefert werden. Bersautinlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Heute, Mittwoch, den 28. Dezeniber, nachmittags 5 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27o: Weihnachtsfeier mit Kiitdern. Eintritt für Mitglieder frei, für Gäste 20 Pf.— Mittwoch, den 4. Januar, abends S'/a Uhr, im Märkiichen Musemn. Wallstr. 50/54: � Vortrag des Herrn Professor Pniower über: Berliner Architektur von 1630—1713, niit Lichtbildern. Eintritt ist frrr, aber nur mit Karten, die im Verein und bei Frau Kulicke, Prinzcnstr. 102, zu haben sind._ Kaufmännische Krauten-„nd Stcrbetaffe von 1885.(S. S- 71.) Mittwoch, den 28, Dezember, abends 9 Uhr. im Restaurant Jüden- straße 18/19- Sitzung._ «meltchrr Marktberickt der ttSdMchen Martthalleil-Dtrertton über den Vrotzbandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage- Fleilch: Zufuhr stark, Geschäst ruhig, Preise sür Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. W c t d: Zusudr reichlich, tActchäst nicht leblmst genug, Preise schwankend. G e s I ü g e l: Zusuhr ohne Belang, Geschäft flau, Preise gedrückt bei hohen Ueberständcn. Fische: Zusuhr knapp, Geschäst lustlos, Preise nachgebend.. Bülte r und Käse: Geschäst rubig, Preise unverändert. Gemüse, Obft und Südjrücht«: Zusuhr genügend. Geichäil still. Preise fast unverändert. ■-■■■'W*'■ �>,'"zc.''■.V:V:■ M A yf/ J m-A ■-W'r tze,;.v-.'i*$' awc �. a»--. - a rojk; ■'' t Redakteur Rtä/grY Vorth, Berlin. Wr deKönjeratentkil veranttv.i ttz. Gl»»«, Berlin, ibruit u. Verlag:«orwall« vuchvruckerei u.«ertagsangalt Paul Singe»& Co.. Bert,« SW.