Ar. l7S. k/* Erscheint täglich außer Montag». PreiZ pränumerando: viertel- tährlich S.So Marl, monatlich t.io Mt, wöchentlich 18 Psg frei in» Hau». Einzelne Nummer b Psg. Sonntag»- Nummer mit illutir. Sonntag»-Beilage„Neue Welt" l» Psg. Poft-Adonnemeni: s,»o Mt.pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mr., sür da» übrige Ausland s Mt.pr.Monar. Etngerr. tn der Post- Zeitung»-Preiilisre für 1693 unier Nr.«708. 10. Jahrg. Intertionz-Sebübr beträgt für die tunsgesoalrene Petitzsile oder deren Raum zo Psg., sür Verein»- und Veriammiung«- Anzeigen 20 Psg Inserate sür die nächste Nummer muslen bi»« Uhr Nachmittag» in der Sxvedttion abgegeben werben. Die Ervsditton ist an Wochen- lagen bi» 7 Uhr Abend», an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vor- mittags geöffnet. Lernfprecher: Amt I,«18«. T.lrgran»»- Adresse: „K-iiatdeniokrat Sertin!1 Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV.!9. Aeuth-Straße 2. Dienstag, den ZA. Jnli 1893. Spedition: LV.lg. ZZeutk-Straße 3. Ein nngevezs;kev Vuvnmvf. Seit einiger Zeit bemerken wir, daß in Fachvereins- Versamnilungen und auch in Volks- und allgcmeineu Ar- bciterversammlungen gegen die Sozialdemokratie der Vorwurf erhoben wird, sie setze die Gewerkschaftsbewegung hintan, vernachlässige sie gegenüber der politischen Bewegung oder .behandle die Gewerkschaften stiefmütterlich", wie der stereo- lyp gewordene Ausdruck lautet. Aehnliches wurde von Solchen, die sich mit Vorliebe der Gewerkschaftsbewegung gewidmet haben, schon früher gesagt, allein es waren immer blos vereinzelte Aussprüche, die, der Stimmung des Augenblicks entsprungen, im Augen- blick ihre Widerlegung fanden, oder keiner besonderen Wider- legung bedurften. Jetzt aber wiederholen die Aeußernngen sich so oft und so regelmäßig, daß wir es für nöthig halten, uns kurz niit ihnen zu beschäftigen. Daß in den Kreisen der Gewerkschaftler momentan eine etwas gedrückte Stimmung herrscht, das unterliegt keinem Zweifel— wir sind keine Anhänger des Verluschnugs- fystems—; diese Stnnmnng ist jedoch in den wirthschaft- liehen Verhältnissen und deren unvermeidliche Wirkung ans die geiverkschaftlichen Organisationen handgreiflich und vollauf begründet. Unter der wirthschastlichcn Roth- läge leiden unsere Gewerkschaften zwiefach— einmal inso- fern, als die Betheiligung der Arbeiter, d. h. die Zahl der Mitglieder, infolge mangelnden Erwerbs ab- nehmen muß, und ferner— vielleicht noch mehr— weil die Macht der Gewerkschaften vermindert, und ihre Machtsphäre eingeschränkt ist. Sind doch sogar die englischen Trades- Unions mit ihren musterhaften Riesenorganisationen in dieser Zeit der chronischen Geschäftskrise nicht im stände, die Angriffe des Unternehmerthnms und namentlich auch rein willkürliche Lohnherabsetznngen erfolgreich znri'lckzu- weisen. Wir erinnern blos an den Streik der Baumwollen- arbciter von Lancafhire. Daß in einer derartigen Zeit Arbeiter, die von den Gewerkschaften Uebertriebenes er- warteten, sich enttäuscht fühlen, ist nur zu natürlich; und daß man für eigene Fehler und Enttäuschungen Andere verantwortlich zu machen sucht, wird keinem Kenner der Rienschennatnr wunder». Allem der Vorwurf, daß die Sozialdemokratie an der gegenwärtigen Flauheit der Gewerkschaftsbewegung Schuld sei, wird seit Kurzem von gewisser Seite mit einer solchen Regelmäßigkeit erhoben, daß wir Plan und Methode darin vermuthen müssen. Und wenn wir uns die Sache genauer ansehen, so wird die Vermuthnng auch rasch zur Ge- wißheit. Die verworrenen und rückständigen Elemente, die hinter den kräftigen Namen„Unabhängige",„Anarchisten", „radikale Sozialisten",„Revolutionäre" das Reaktionäre L'cuillctcm. Nä-bbrua»«rdolen.I PI Die Dekehrnng Andrö SaVenay's. Sozialistischer Roman von G eorges Renard. Autorisirte Uebersetzung von Marie Kunert. 8. Kapitel. Der alte Vernand, der von seinem Sohne von der An- aclcgenheit unterrichtet worden war, bat Andre, in seinem Bureau vorzusprechen. Nach einigen banalen Worten, die sein Beileid ausdrücken sollten, sagte er plötzlich zu ihm: „Anstatt daß ich Ihnen 435 000 Franks auf Ihr Haus leihe, möchte ich es für 440 000 Franks kaufen. Ich kenne es. Ich könnte es vielleicht billiger bekommen. Sie könnten es vielleicht thcurer verkaufen, aber ich erspare Ihnen die Un- kosten und Unannehmlichkeiten einer gerichtlichen Abschätzung. Ich bezahle baar. Die Möbel und einige Gegenstände, auf die Sie besonderen persönlichen Wcrch legen, lasse ich Ihnen natür- lieh. Wir werden darüber noch eingehender verhandeln. Am sünfzchntcn trete ich meinen Besitz an. Ist es Ihnen so recht?" Andre bat um zwei Tage Bedenkzeit. Er fragte seinen Onkel um Rath, der das Anerbieten zufriedenstellend fand. Was seine Mutter betraf, so war sie, da man ja doch an einem oder den anderen Tage das Hans verlassen mußte, damit einverstanden, daß alles so schnell wie möglich er- ledigt wurde. Die Furcht vor der Operation ist ja bei einer Kranken oft schlimmer, als die Operation selbst. Anfänglich freilich sagte Frau Savenay:„Wie! So bald t" Dann aber, und die Unklarheit ihrer Bestrebungen zu verstecken suchen, haben auf die Einbildung verzichtet, die deutsche Sozialdemo- kratie im offenen Kampf schädigen zu können, und sie sind von ihren Bourgeoisgönnern auch abgeschüttelt worden. Seit Kurzem sind sie nun auf den Gedanken versallen, sich der Gewerk- schastsbewegung zu bemächtigen und die Gewerkschaften, indem sie ihnen aufs Lächerlichste schmeicheln und die lächerlichsten Utopien vorspiegeln, gegen die Sozialdemo- kratie aufzuhetzen. Wir wissen, es sind nur Wenige, wir wissen es sind Leute, die weder durch Geistes- noch durch Charakter- Eigenschaften irgend Bedeutung haben, es darf indcß nicht übersehen werden, daß sie in dieser neuen Rolle, wie bisher in der alten, die Unterstützung der kapitalistischen Parteien haben. Freilich— es genügt, das Spiel zu enthüllen, um es zu vereiteln. Die deutschen Gewerkschaften, die gegen die Bourgeoisie organisirt worden sind, werden sich nicht dazu mißbrauchen lassen, die Arbeit der Bourgeoisie zu verrichten, der es vor allen Dingen darauf ankommt, das deutsche Proletariat vom politischen Schlacht- selbe zu entfernen. Und gegen die politische Thätigkeit des Proletariats richten sich, bewußt und unbeivnßt, alle Anstrengungen Derer, die unseren Arbeitern vorreden, die Sozialdemokratie vernachlässige die gewerkschaftliche Bewegung über der politischen. Das ist einfach nicht wahr. Die deutsche Sozialdemokratie hat niemals die Gewerkschaften als Stiefkinder betrachtet und stiefmütterlich behandelt. Seit wir polnische Partei sind, haben wir die Geiverkschastsbewegung gepflegt, den Gewerkschaften jeden möglichen Vorschub geleistet. Und wir haben auch niemals der gewerkschaftlichen Bewegung eine untergeordnete Stellung gegenüber der politischen zncrthcilt. Wir haben allezeit die Nothwcndig- keit und Vollbcrechtignng der gewerkschaftlichen Bewegung neben der politischen anerkannt. Verwahrung haben wir blos dagegen eingelegt, daß die Gewerkschaftsbewegung die poli- tische überwuchere oder gar verdränge und ausschließe. Mit dem Beispiel des englischen Trades-Unionismns vor Augen mußten wir vor einseitigem Kultus der Gewerkschafts- organisation warnen, der in England dazu geführt hat, daß die englische Arbeiterklasse, seit dem Scheitern der politischen Chartistenbewegnng, ein volles Halbjahr hundert lang auf politischem Gebiet d i c S ch l e p p- trägerin und Handinagd der Bourgeoisie gewesen ist— eine unwürdige Rolle, von welcher das englische Proletariat jetzt allmälig durch den S o z i a l i s- m n s erlöst wird, und vor welcher das d e u t s ch e Prole- tariat bewahrt zu haben das Verdienst der beut- s ch e n Sozialdemokratie ist. als sie begriffen hatte, daß der Augenblick des unvermeidlichen Opfers gelommen war, hatte sie seufzend eingewilligt. Mit ihrer Tochter hatte sie dann schweren Herzens alles ausgewählt, ivas sie von den Möbeln behalten wollte. Vernand, den sie lieber nicht sehen mochte, kam, um das Inventar der Einrichtung aufzunehmen, während sie eine Wohnung suchte. Er stellte dabei fest, daß die Gemälde und Vorhänge auf das zweckmäßigste angebracht seien und beglückwünschte Andre beiläufig mit gransamer Liebens- Würdigkeit zu dem Geschmack, mit dem er seinen Salon so eigenartig ausgestattet habe. Im klebrigen benahm er sich als Gentleman. Er beanstandete nichts von dem, was die beiden Frauen für sich bei Seite gesetzt hatten. Ter Kaufvertrag war unterzeichnet. Andre ließ alles, was er nicht verkauft hatte, verpacken. Morgen sollte die Familie Savenay das Hans verlassen. Sie hatte bereits das letzte Mittagsmahl in dem Speisesaal, den der Vater erbaut, eingenommen. Sie hatte den letzten Abend in dem Salon verbracht, der ihr dreißig Jahre lang gehört hatte. Es war ein trauriger Abend, an dem jeder mit gepreßtem Herzen vor sich hinbrütcnd dasaß und schwieg aus Furcht, die Traurigkeit der anderen zu vermehren. Früh hatte man sich dann getrennt. Aber Frau Savenay wollte dem Hanse, in dem sie so viel von ihren liebsten Erinnerungen zurückließ, zum letzten Male Lebewohl sagen. Mit einer Kerze in der Hand ging sie langsam durch das öde, schweigende Haus, das mit seinen Herren zu tranern schien. Tieftraurig irrte sie in den großen, dunklen Zimmer umher, die sich für sie mit geliebten Phan- tomen belebten. Bei jedem Schritt berührte ihr Fuß die Trümmer und Fetzen ihres vergangenen Glückes. In dieser Nische, die ihr Licblingsplatz war, mußten an der Wand noch die Striche zu sehen sein, die für jedes Jahr angaben, ivie groß die Kinder geworden waren. Hierblieb sie" vor einem alten, normannischen Schranke stehen. politische lieber licht. Berlin, den 24. Juli. Die Konferenz der Finanzminister ist vom 6. auf den 8. August vertagt. Herr Miquel hat das Messer noch nicht scharf genug gewetzt. Es soll so scharf werden, daß es ein wahres Vergnügen ist, damit geschnitten zu werden, — wie jeder militärfromme Rcichsdürger patriotische Wol- lust empfinden muß, wenn ihm ein Achtmillimeter-Geschoß in oder durch den Leib fährt. Der deutsche Michel hat also zivei Tage mehr Galgenfrist, ehe er auf den Operations- tisch gelegt und sür die finanzielle Vivisektion vorbereitet ivird.— Dem dentschen Michel wird die Herrlichkeit des neuen M i l i t ä r g e s e tz e s rasch vor Augen geführt. Da die erhöhte Friede uspräseuzstärke des deutschen Heeres, wie sie in der Militärvorlage sestgcsctzt ist, bereits am 1. Ok- tober d. I. zur Durchführung gelangen soll, so müssen die nothwendigen Bauten von Baracken, Stallungen, Reitbahnen, Menage- Anstalten, ferner die Anlage von Schießständen, die Errichtung und Erweiterung von Garnisonlazarethen und Magaziuanlagen und alle anderen Einrichtungen un- verziiglich in Angriff genommen werden. Die Vorbereitungen sind, wie der„Rh.-Westf. Ztg." geschrieben wird, von der Heeresverwaltung seit längerer Zeit mit so großer Umsicht getroffen worden, daß die Arbeiten sofort be- ginneu können. Namentlich müssen die Baracken bis zum Einrücken der neuen Rekruten im November vollkominen bewohnbar fertig gestellt sein. Tie Baracken, sür die das sogenannte Pavillonsystem vorgeschrieben ist, werden in Backsteinen aufgeführt und sollen nur außer dem Erdgeschoß noch ein einziges Stockwerk enthalten. In„hygienischer Beziehung sollen sie allen wissenschaftlichen Anforderungen thnnlichst entsprechen". Ob sie auch Schutz gewähren gegen — Soldaten Mißhandlungen und andere Ursachen erhöhter Sterblichkeit, z. B. der stärkeren Selbstmordziffer? Daß hygienische Vorsicht noth thut, beweist die Geschichte der Mimcheuer Epidemie. Mit welcher Geschwindigkeit übrigens die zur Durchführung der Militärvorlage noth- wendigen Neubauten hergestellt werden, dafür bringt die „Frankfurter Zeitung" aus Neu- Ulm folgenden Beleg. Nachdem am Sonnabend, den 15., die Annahme der Militär- vorläge von Berlin nach München gemeldet war, traf am Sonntag, den 16., der Drahtbefehl hier ein, mit dem Umbau der Fricdenskaserne sofort zu beginnen. Das geschah am Montag, den 17., da sämmtliche Arbeiten längst schon vcr- geben waren. Bis 1. Oktober d. I. wird das Kasernement ivohl bezogen werden können.— Die Junker thun nichts umsonst. Graf Caprivi hat ihnen versprochen, die„Laudwirthschaft", d. h. den Groß- grundbesitz zu schonen, sie haben„mit schwerem Herzen"— O, wie war sie damals entzückt, als ihr Gatte sie, von einer seiner Reisen heimgekehrt, mit diesem Geschenk überraschte! O, warum hat sie ihn nicht auch dem Schatz von Reliquien zugefügt, von denen sie sich nicht trennen wollte. Dort war das Atelier, in dem c r arbeitete, und hier das Zimmer, in dem er gestorben war. Ruhig und bleich stand sie da, beleuchtet� von dem gelben Schein der Kerzen. Wie sonderbar ist das Herz des Menschen, daß es sich an die Gegenstände hängt, die nicht nur die Zeugen und stummen Vertrauten seines Glückes, sondern auch seiner Leiden waren. Die arme Frau, sie wollte aus der Tiefe ihrer Er- innerung die geringsten Kleinigkeiten, die sich an alles, was sie umgab, knüpften, hervorschöpfen. Ihr Auge nahm all die schönen und deutlichen Bilder auf, die sie später jeder Zeit vor ihrem Geiste aufleben lassen wollte. Es ist ihr, als verlöre sie mit diesem Hause eine ihr liebe Person, die von nun an in ihrer Erinnerung neben all den Thenren, die sür immer von ihr geschieden, einen Platz haben müsse. Am andern Tage wollte die alte Schwäche sie wieder übermannen, als sie bei dem letzten Blicke auf das Hans, das sie verlassen hatte, den Namen ihres Gatten über dem Portal las. Aber schon brachte der Wagen sie nach ihrer neuen Wohnung. Es war sehr bescheiden, dieses neue Heim. Andre hatte ihr gesagt, daß sie nicht mehr als 1000 Franks für Wohuungsmielhe ausgeben dürften, und schließlich hatte. sie sich ergeben in das Unvermeidliche gefunden. Andre hatte ein Quartier gewählt, das einen sehr freundlichen Eindruck machte. Er fühlte wohl, wie wichtig es war, den beiden Frauen das Gefühl ihres Verlustes so wenig wie möglich zum Bewußtsein kommen zu lassen. Die Wohnung befand sich in einem neuen Hanse, nicht weit von ihrem alten Heim, wenige Schritte von» Bois entfernt auf einem Boulevard, dem Boulevard Pereire, den man, ohne erröthen benn sie sind Anhänger der dreijährigen Dienstzeit ohne Phrase— die Militärvorlage bewilligt, nun stehen sie auf ihrem Schein und fordern die Aufrechterhaltung des Differentialzolles gegen N u ß l a n d. Um vor allem die Roggenpreise künstlich hoch zn halten, soll der Fünfmarkzoll auf russischem Getreide auch ferner lasten. In ihrer letzten Wochenübersicht erklärt denn auch die„Kreuz-Zeitung", die Aussichten des deutsch-russischen Handelsvertrages seien„recht wenig günstig". Es werde schwer genug werden, die nöthigen Beträge zusammenzu- bringen; deshalb wäre es„eine Thorheit ersten Ranges, auf 7 bis 14 Millionen Zolleinnahmen, die niemanden drücken, zu verzichten, nachdem erst vor kurzem der österreichische Handelsvertrag die Finanzlage Deutschlands tief geschädigt hat".„Niemand" von den Agrariern, wohl aber die deutschen Verbraucher, das Volk, drückt der Zoll. Aber für den Normaljunker ist es eine Thorheit, das Gememwohl zu beachten, wenn das Junker- interesse in Frage kommt.— Gegen die Miquel'schcn Reichsstencr-„Reform"- Pläne, die wir bereits eingehender besprochen haben, er- hebt sich auch beim Teutschfreisinn und beim Zentrum leb- hafter Einspruch. Herr Diiqucl, so führt die„Freisinnige Zeitung" und ihr zustimmend die„Germania" aus, operirt in der Vorbereitung der Stinimung sehr geschickt. Er stellt sich zunächst auf den Standpunkt der Finanzverwaltung der Einzelstaaten, schildert die Unsicherheit, die für sie erwächst aus der von Jahr zu Jahr verschiedenen Höhe der Ueber- Weisungen an die Einzelstaaten aus den Rcichseinnahmen und aus der verschiedenen Normirung der Matrikular- beitrüge der Einzelstaaten. Dazu wird in der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" der Vorschlag gemacht, die Matrikularbeiträge auf eine Reihe von Jahren zn sixiren. Das klingt zunächst für die Einzelstaaten sehr plausibel. Aber die Sache hat zwei Seiten. Gleich darauf kommt in der„Nordd. Ällg. Ztg." der Vorschlag einer„schiedlichen und friedlichen Auseinandersetzung zwischen Reich und Einzel- staaten" dadurch, daß ganz bestimmte Arten von Stenern dem Reich verbleiben. Darin ist also die Absicht aus- gesprochen, die Franckcnstcin'sche Klausel*) aufzuheben, d. h. die Erträge der Zölle, der Tabaksteuer, der Branntwein- verbrauchsabgabe und der Reichsstempelabgaben künftig ausschließlich dem Reiche zuzuwenden. Die Einzelstaaten sollen also die zeitweilige Sicherheit gegen Erhöhung der Matrikular- beitrüge erkaufen durch Preisgeben ihres Antbeils an den Reichseinnahmen. Nun sind aber die betreffenden Zölle und Reichssteuern bei ihrer Einführung gerade mit der Erleichterung der Finanzlage der Einzelstaaten empfohlen worden. Solche indirekten Stenern gewähren auf Kosten der Lebenshaltung der Volksmasse, auch mit dem Wachs- thum der Bevölkerung und dem steigenden Verbrauch iin Lause der Jahre steigende Erträge. Herr Miqnel will also die steigenden Erträge der Reichssteüern von vornherein für das Reich, das heißt also für Militär- und Marinezwecke in Anspruch nehmen. Das Einnahme- Bewilligungsrecht des Reichstags geht bei den Miquel'schen Plänen überhaupt in die Brüche. Die Clausula Franckenstein, d. h. die gesetzliche Ueber- Weisung bestimmrer Reichseinnahmen an die Einzelstaaten, ist ihrerzeit geschaffen worden, um die Reichsfinanz-Vcrwal- tung abhängig zu erhalten von Matrikularbeiträgen und damit auch von dem jährlichen Einuahmebewilligungsrecht des Reichstags..... Der eigentliche Hintergrund der Miquel'schen Pläne, welcher vorläufig noch im Dunkel bleibt, besteht aber in der Vermehrung der Reichsstenern noch weit über das Bedürsniß der neuen Heeresorganisation hinaus. Herr Miquel fixirt die Höhe der Matrikular- beitrüge. Soweit also künftig ein Dcckungsbcdürfuiß im Reiche hervortritt, wofür die sonstigen Einnahmequellen des Reiches nicht ausreichen, müssen neue R e i ch s st e u e r n, das heißt, neue Verbranchsabgaben und Zölle, eingeführt werden..... Die Ursache der Mißverhältnisse, die die Offiziösen schildern, liegt überhaupt nicht in der formalen Gestallung der Einnahmequellen, sondern ') Nach der Franckenstein'schen Klausel ist der Reinertrag der Zölle und der Tabaksteuer, soweit er 130 Millionen Mark über- steigt, sowie der Erlrag der Verbrauchsabgabe vom Branntwein und der 1881 und 1885 eingeführten Reichsstempelsteueru den Einzelstaaten nach dem Verhältnisse der Volkszahl zu über- weisen. zu müssen, als Adresse angeben konnte. Die Gürtelbahn hatte in der Nähe eine Haltestelle und die Eisenbahn ist ja nicht, wie der gewöhnliche Omnibus, ein Verkehrsmittel, das zu benutzen der gute Ton verbietet. Die Zimmer sind niedrig und klein. Sie sind noch nicht bewohnt gewesen und darum so verhältnißmäßig billig an Andre ver- miethet worden. Aber dafür hat die Wohnung ein Vorzimmer, einen Salon und einen Balkon, aller- dings von der kleinsten Sorte. Die Tapeten sind neu, die ganze Wohnung macht auch— wie man zu sagen pfiegt— einen soliden, bürgerlichen Eindruck. Das alles hindert aber nicht, daß Frau Savenay, als sie ihr neues Quartier mit den leeren Wänden zum ersten Mal erblickte, in Thränen ausbricht. Aber sofort macht sie sich Vorwürfe ob ihrer Schwäche und umarmte ihren Sohn mit der Bitte, ihr zu verzeihen. Andre hatte gehofft, die Neuhcil ihrer jetzigen Lebens- führung und vor allem die mühseligen Arbeiten zur Ein- richtung der Räume würden Mutter und Schwester zerstreuen. In den ersten Tagen hatten sie allerdings auch keine Zeit, über ihren Kummer zu grübeln. Wahre Wunder von Ge- schicklichkeit waren uöthig, um in den engen Räumen die Reste ihres früheren Luxus passend unterzubringen. Ter Salon erinnerte an den Laden eines Galauteriewaaren- und Nippessachen-Händlers. Man mußte schon sehr geschickt sein, wenn man sich ohne anzustoßen zwischen all' den Tischchen, Sophas und Fauteuils hindurch winden wollte. Das Piano niachte ein Fenster ganz unzugänglich. Der Kronleuchter bedrohte die Köpfe aller derer, welche unter ihni weggehen wollten. Die lebensgroßen Bilder von Herrn und Frau Savenay reichten von der Decke bis zum Fuß- boden und machten den Eindruck lebender Personen, die sich aus Mangel an Platz an die Wand gedrückt ' hatten. Und wenn das Empfangszimmer schon so aussah, was sollte man da erst von den übrigen Zimmern sagen? Die Thüren mußte man überall offen lassen, damit nmn nur athmen konnte. Slonsolen, Arbeitstische, alle möglichen ebenso eleganten wie unnützen Kleinigkeiteu nahmen sämmtliche Räume dermaßen ein, daß die eigentlichen Bewohner sich in der furchtbaren Steigerung der Ausgaben für Militär- und Marinezwecke in den letzten Jahren. Herr Miquel aber hat im Bundesrath zu allen diesen Steigerungen stets Ja und Amen gesagt. Er geht nicht der Quelle des Uebels nach, sondern schickt sich nur an, auf Symptome loszukuriren.... Herr Miquel will neue Reichssteuern nicht blos in Höhe von 60 Millionen Mark zur Deckung der neuen Heeresorgani- sation einführen, sondern hat darüber hinaus eine Ver- mehrung der Reichssteüern um 100—200 Millionen Mark ins Auge gefaßt. Herr Miquel verabscheut es, daß das Reich„aus der Hand in den Mund lebt". Um dies künstig zu verhindern, muß natürlich so viel an neuen Stenern im voraus gegriffen werden, daß alle neuen dauernden Be- dürfnisse der Militär-, Marine- und Zivilverwaltung des Reichs auch im voraus gedeckt erscheinen. Der Offiziöse der„Kölnischen Zeitung" spricht auch schon von einer festen Dotation von jährlich 20 Millionen Mark zur Schulden- tilgung für das Reich. Angedeutet wird auch, daß man vielleicht den Einzelstaaten die Franckenstein'sche Klausel durch Gewährung eines festen Zuschusses von etwa 70 Millionen Mark jährlich abkaufen könne. Rechnet man dazu noch dasjenige Plus, das für die nächsten Jahre an Matrikularbeiträgen bevorsteht, aber nach deren Fixirung auf anderein Wege gedcckl werden niuß, so kommt man unter Einrechnung der Deckung für die neue Heeres- Organisation auf eine Summe, welche über IZv Millionen Mark hinausgeht. Das arbeitende Volk weiß, daß der Steuer-„Reformer" ihm zu Leibe geht, daß jede„Reform" die Lebensbedürfnisse der groyen Masse treffen und die arbeitende Klasse zum Besten der Herrschenden auspowern wird. Wir leben im Zeitalter des mit der Pickelhaube gezierten Kapi- talismus.— Vom Tabak. In Deutschland bringt der Tabak bei 45 M. Jnlandssteuer und 85 M. Zoll jährlich einige 50 Millionen. Der Werth der deutschen Gesamnlterzeugung beträgt 750 Mill. Die deutsche Tabakindustrie beschäftigt etwa 150 000 Arbeiter. Die Tabakbaner Deutschlands besitzen zum sehr großen Theil nur Kleinbetriebe, in Baden z. B. zählte man 1890/91 42 500 Tabakpflauzer.— Nun tvisscn wir's endlich. Natürlich tritt das Pindterblatt, weil es eben oben so gewünscht wird, dafür ein, daß trotz des unerhörten Roth st an des, den die Dürre über die kleinen Laudwirthe heraufbeschworen hat, die Manöver abgehalten werden. Natürlich belegt es seine Forderung mit den kläglichsten Gründen. Aber dies- mal hat die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" doch den Vogel abgeschossen. Die Heeresverwaltung, erklärt sie seier- lich, handle im Einvernehmen mit der Zivilverwaltung, und auch„die Parteien", die bei jeder Gelegenheit ein Neber- greifen des Militarismus konstatircn möchten, können nicht in Abrede stellen, daß in ihr die Sorge für die Wohlfahrt aller Bürger konzentrirt sei nämlich mit dem Minister des Innern." Was soll hier mehr bewundert werden, die Dummheit oder die Uu- verfrorcnheit der Behauptung? Wer's nicht gewußt hat, vernehme es stillbewegt. Im Grafen Botho zu Eule n- bürg, Preußeus P o li z e i m i n i st e r, ist die„Sorge für die Wohlfahrt aller Bürger konzentrirt". W i r stellen uns diese„konzentrirte Sorge" allerdings etwas anders vor, als in der Gestalt des ersten rücksichtslosen Vollstreckers des Sozialistengesetzes.— Die Ansnahmctarife für Futter- und Streuuiittel erstrecken sich jctzr auf das ganze Gebiet des Reiches. Als ob diese Maßregel allein von Bedeutung wäre! Tie Divisions- und Brigademanöver an der Eiset und auf dem Hunsrück fallen ans, die Kaisermanöver des 8. und 16. Armeekorps, sowie die Kaiserparade bei Trier aber finden statt. Das geschieht trotz der Futternoth-Debattcn im Reichs- tage. Der Militarismus befiehlt, und er ist der Herr.— Aus S) einzig wird, wie wir der„Vossischen Zeitung" entnehmen, der„Korr. Gelb" drahtlich aus angeblich zu- verlässiaer Quelle gemeldet, daß die Einfuhr von Heu und Stroh aus Rußland über die deutsche Zollgrenze nur noch mit einer von dem Importeur beim Regiernngs- Präsidenten in Königsberg nachzusuchenden Genehmigung zulässig ist und daß mit Rücksicht auf die Cholera in Ruß- land zur Zeit jede Einfuhr von Heu und Stroh ans Ruß- land deutscherseits verhindert wird.— wie Eindringlinge vorkommen mußten, die nur aus Gnade hier geduldet wurden. Gott weiß, was sich noch' alles in den großen, geheimnißvollen Schränken befand, in denen Frau Savenay einiges Silbcrgcräth und Familienschmucksachcn, die ihre Kinder— wie sie meinte— eines Tages gewiß gern wiederfinden würden, aufbewahrte. Nachdem schließlich alles seinen Platz gefunden, was durchaus nicht leicht war, hieß es, das neue Leben der Familie einrichten, das bedeutete so viel, als die Kunst zu lernen, arm zu sein. Das zn lernen ist schwieriger, als man glaubt, denn es handelte sich hier darum, arm zu sein, ohne es zu scheinen. Armuth schändet nicht, sagt ein altes Sprichwort, das so alt ist, daß es sich nun bald über- lebt haben wird. Wagt es doch heute einmal, finanziell rninirte Leute darin zu unterstützen, daß sie mit ihrem Gelde nicht ihren persönlichen Werth verloren haben, daß sie in der Achtung der Welt nach wie vor auf derselben Stufe stehen, daß sie heute noch das sind, was sie gestern waren! Freunde und Verwandte, Nachbarn und Bekannte beeilen sich, es ihnen zum Bewußtsein zu bringen, sei es durch flüchtigere Begrüßungen, durch freieres Benehmen, daß sie gesunken, geringer geworden, deklassirt sind. Ist es da er- slaunlich, daß Frau Savenay und ihre Tochter sich wie verzweifelt wenigstens an den Schein des Rcichsthums klammerten? Zweifellos haben sie Gewohnheiten, Liebhabereien, von denen sich zu trennen ihnen zu schwer wurde. Die Opfer, die sie bringen, bringen sie aber, doch vor Allem der Liebe zum Ansehen, der Achtung vor dem Schein, einer der Haupt- kidenschasten der bürgerlichen Gesellschaft. In ihrem Haus- halt sind sie abwechselnd sparsam bis zur Knauserei und und nobel bis zur Verschwendung. Sie können alles ent- behren, den Ueberfluß ausgenommen. Sie verzehren zum Frühstück drei Eier; wenn sie unter sich sind, unter der Bedingung, daß sie auf dem feinsten Porzellan ser- mrt werden. Tie beiden Frauen trinken vierzehn Tage lang an einer Flasche Wein, aber er ist vom thcuersten Bordeaux. Sie bilden den schreiendsten Kontrast zwischen dem, was man sieht und was man nicht Der BundeSrath ertheilte in der am 22. d. M. abgehaltenen Plenarsitzung dem Entwurf eines zweiten Nachtrages zu der Ver- einbarung erleichternder Vorschriften für den Eisenbahnverkehr zwischen Deutschland und Oeslerreich-Ilngar» und dem Autrage des Reichskanzlers wegen Ergänzung und Abänderung der Be- stimmungen der Anlage B zur Verkehrsordnung für die Eisen- bahnen Deutschlands in bezug auf die Beförderung von Abfall- schwefelsäure, verdichteten Gasen und Chlormethyl die Zustim- mung. Ferner wurde beschlossen, den Reichskanzler zu ermächtigen, die Vorschrift in Ziffer 7 der Bestimmungen vom 30. Januar 1892, betreffend Ursprungsnachweise sür die aus meistbegünstigten Ländern auszudehnen auf: frische Apfelsinen, Zitronen, Limonen, Pomeranzen, Granaten, Datteln, Mandeln und Olivenöl. End- lich wurde über den Antrag Badens, betreffend die Aenderung der Statuten der„Badischen Bank" sowie über mehrere Ein- gaben verschiedenen Inhalts Beschluß gefaßt.— Gegen den Militarismus und dessen„unerträgliche Auswüchse": Verschuldung, Soldatenmißhandlung, Militär- gerichtsbarkeit u. f. w. eifern jetzt mit pathetischer Ent- � rüstung die— Nationalliberalen, d. h. die „Partei", deren verlogene, wortbrüchige Servilität soeben dem Moloch des Militarismus wieder eine Menschen-Heka- tombe als Opfer dargebracht hat. Was, Hekatombe? Eine Hekatombe ist ein Opfer von Hundert! Und die neueste Militärvorlage bedeutet ein Opfer von fast Hundert- tausend! Fast tausend Hekatomben! Und diese Gesell- schaft thut jetzt, um de» gerechten Volkszorn von sich abzu- lenken, als hasse sie den Militarismus. Pfui dieser schmach- vollen Heuchelei! Das deutsche Volk aber wird sich nicht irreführen lassen; es wird die Männer, die ihm in der letzten Reichstagssession die Ketten des Militarismus straffer gezogen haben, sicherlich nicht vc gessen, und, sobald die Gl- legcnheit sich bietet, unerbittlich ins Gericht mit ihnen gehen.— Militär und Arbeiter. Der Unfug, daß die Soldaten massenweise bei Ernte- Arbeiten verwandt werden, obgleich es an Arbeitskräften nicht fehlt, wiederholt sich dieses Jahr im ausgedehntesten Umfange. So lesen wir in einem sächsischen Blatte— der„Wurzeuer Zeitung"— vom letzten Sonntag folgendes„Eingesandt": Wozu ist das Militär auf mehrere Jahre eingezogen? Zur Ausbildung in der Handhabung der Waffe, um dem herein- brechenden Feinde entgegenzutreten. Wozu ist das Militär da? Um dem Arbeitsmann Lohn und Brot wegzunehmen, indem der Soldat zu allerlei Tagelühnerei verwendet wird. Das kann man jetzt recht hübsch in Grimma sehen. U eberall werden die Husaren zum Korneinfahren, zum Auf- und Abladen verwendet, und andere Arbeiter, welche dieselben Soldaten durch ihre Steuern er- halten müssen, weeden aus verschiedenen Arbeitsplätzen schon abgelohnt wegen Mangel an Be- s ch ä f t i g u n g. Da hatte ein Arbeiter recht, als er 6 Mann Soldaten zurief:„Da sieht man, warum die drei- bis vierjährige Dienstzeit bei der Kavallerie nöthig und die neue Militärvorlage noth- wendig war. Die Großgrundbesitzer sollten billige Arbeitskräfte haben!" Schon seit langer Zeit werden auf verschiedenen Gütern und besonders Riitergülern, wie in Polenz und verschiedene» anderen, S o l- baten verwendet und auf lange Zeit. Es versicherte mir ein Freund, daß er innerhalb eines Jahres ein halbes Jahr als Arbeiter kommandirt worden sei. Also sieht man. daß derselbe recht gut in einem Jahre ausgebildet war, da er mit zwei Jahren entlassen wurde. Abgesehen davon, daß der Soldat während dieser Arbeitszeit an Kleidung und Stiefeln auf Regimentsuukosten viel abreißt, so nimmt er verschiedene» Familien das bischen Verdienst weg, auf welches der Arbeiter rechnet. Kürzlich kam in einem Gasthos die Rede hierauf, da sprach ein großer Fabrik- und Grundstücksbesitzer aus Grimma, es wäre doch nicht schlimm, wenn den Rittergutsbesitzern, welche ja in der Regel Offiziere wäre», eine Vergünstigung zu gute käme, da ja doch der Gehalt nicht recht ausreichen wollte. Die konscrvatioen Wähler mögen sich diese Rede merken und sich bekehren. Die„edlen" Polen haben zu früh über den ersten Rebbach aus dem Kuhhandel gejubelt. Herr Pindter erklärt offiziös betreffs der auch von uns wiedergegebenen Mit- thcilnng eines Thorner Blattes, wonach„die Regierung die Schnlinspektionen in Posen zu Aeilszerungen darüber ver« anlaßt haben sollte, in wie iveit Aeildernngen in der Er- theilung des polnischen Sprachnnterrichts eintreten könnten, er sei in der Lage zu konstatiren, daß seitens der Zentralinstanz eine Verfügung solchen Inhalts nicht er- gangen sei."— sieht. Sie zittern in ihrem Ziiniuer vor Kälte, weil nur ganz wenig eingeheizt ist, aber im Salon liegen große Scheite im Kamin bereit, die nur des Anzündens bedürfen, Um ein lustiges Feuer zu geben. Sie haben nach ivie vor ihren„Empsangstag", und an diesem Tage entbehren sie Mittags lieber ein Gericht bei Tische, um auf dem Kamin drei oder vier langstielige Rosen stehen zn haben. Guntram, der sie oft besucht, findet dieselbe zeremonielle Haltung bei ihnen wie früher. Kaum jemals machen sie eine Anspielling auf ihre veränderte Lage. Sie laden Guntram ein anderes Mal zum Essen ein. Der gute Junge fürchtete, sie durch eine Absage zu kränken. Er nimmt an, lind als er das kleine Speisezimmer betritt, sieht er die Tafel silnkel» von Krystall, schwerem Silbcr- geräth und mit Blumen geschmückt. Tag Essen ist gut, der Wein ausgezeichnet. Sie haben freilich in einei» Tage das aiisgegeben, was sie der alten Norine für vierzehn Tage geben. Norine, die darüber murrt, antwortet Frau Savenay t „Mein Kind, man muß doch seinen Rang behaupten." Um diese Ausgaben, die ihnen nothwendig erscheine», zu erschwingen, verfallen sie auf der anderen Seite wieder auf die raffinirteste Sparsamkeit. Einmal, zn Anfang, wollte Frau Savenay selbst nach der Markthalle gehen, um dort ein Huhn zn kaufen, unter dem Borivand, daß Geflügel dort weniger theuer sei, wie in ihrem Viertel. Wagen hin und zurück, ein gutes Trink- geld für den Kutscher, ein übertrieben hoher Preis für das Geflügel, denn sie hatte nicht zu handeln gewagt, so hatte das Huhn drei Franks über den Tagespreis gekostet, außer- dem war cS noch von zweifelhafter Frische. Ein anderes Mal ginge» Mutter nild Tochter znsammen— als Mädchen von guter Familie durste Germaine niemals allein ans- gehen— stilndciiweit, um in einem großen Geschäft ein Stück Seidenzeug, das von einer Zeitung als„großartiger Gelegen- hcitskaus" angepriesen war, zu kaufen. Sie träumten nämlich davon, daß sie ihre eigenen Schneiderinnen sein könnten. Zu Fuß legten sie den Weg nach dem Geschäft zurück, kamen vom Regen durchnäßt, beschmutzt und er- schöpft dort an.(Fortsetzuilg folgt.) In Bingen-Alzey ist am 22. Juli der Kandidat der freisinnigen Volkspariei, Richard Schmidt, geroählt worden. Schmidt gehört zu den„Sozialpolitikern" des Deutschfreisinns. In Lennep-Mettmann' unterlag er gegen unseren Genosien M e i st. Die Antisemiten haben in Bingen-Alzey eine schmähliche Schlappe davongetragen: ihre Abstimmung für die Militärvorlage beginnt zu wirken.— Die Nachwahl in Hamburg 1 findet am 17. August statt. Der Hamburger Senat legt sich das„sofort" recht bequem aus. Für den Mischmasch kandidirt wieder der Rheder F. Laiesz, für die Antisemiten der Porzellanmaler Raube, für die Sozialdemokraten Genoste Molken buh r. Die Hamburger Arbeiter werden auch am 17. August der Bourgeosie zeigen, wo Barchel den Most holt.— Tie Neustettiner Nachwahl hat den festesten konser- vativen Sitz der pommerschen Vendse endgiltig dem Ahlwardtismus ausgeliefert. Das Baucrnthum revoltirt gegen die Junkcrschaft und weil es politisch-sozial zwar durchaus unzufrieden ist, aber noch keine Einsicht in die wirthschaft- lichcn Zusammenhänge hat, folgt es dem radikal thuenden Antisemitismus, während es den„christlich-sozialen" Stöcker, den Äenommir-Antisemiten der Tivolibrüderschaft entschieden ablehnt. Doch dieser Radikalismus ist nur ein Vorläufer der sozialen Demokratie, die dem Landvolt in absehbarer Zeit als letzte Zuflucht erscheinen wird. Die von der „Rordd. Allgemeinen Zeitung" erzählte Wahlgeschichte des Neustettiner Kreises zeigt, was der Verlust des alten Erbsitzes für die Konservativen bedeutet. 1867 bei der ersten Wahl zum Reichstage des Norddeutschen Bundes erhielt der konservative Kandidat Geheimer Ober- Regierungsrath Wagner von 10 090 abgegebenen Stimmen 9190. Bei der zweiten in demselben Jahre erfolgten Wahl wurde Wagner mit 6353 von 7033 abgegebenen Stimmen gewählt. Bei der ersten Wahl zum Deutschen Reichstage 1871 stand Wagner ein zweiter konservativer Kandidat gegenüber, von 6833 abgegebenen Stimmen erhielt Wagner 4725, Graf Kleist-Tychow 2090. Wegen seiner Beförderung zum vortragenden Rathe im Staatsministerium legte Wagner das Mandat im März 1873 nieder, eine Nachwahl fand jedoch nicht mehr statt. 1374 konkurrirten dann drei konservative und ein nationalliberaler Kandidat; von 7078 abgegeben Stimmen erhielten v. Arnim-Heinrichs- dorf 2818, der nationalliberale Kandidat Professor Diterici 2173, von Kleist-Rctzow 1315 und Graf Kleist- Schmenzin 763 Stimmen; in der Stichwahl zwischen den beiden Elfteren siegte v. Arnim-Heinrichsdorf mit 4480 Stimmen gegen 3730 Stimmen für Diterici. Nachdem Herr v. Arnim im November 1875 gestorben, fand im Februar 1876 eine Nachwahl statt, bei der der Landrath a. D. v. Busse von 3865 abgegebenen 3633 er- hielt. Herr v. Busse hat dann bis zu der kurz vor dem Schlüsse der letzten Legislaturperiode erfolgten Mandats- niederlegung den Wahlkreis vertreten, ohne irgend welcher erheblichen Gegnerschaft begegnet zu sein. 1877 erhielt er von 4958 Stimmen 4160, auf einen nationalliberalen Gegenkandidaten fielen 736; 1878 wurden 5000 Stimmen abgegeben, davon für v. Busse 4261 und für Dr. Frieden- thal(Neichsparlei) 717; 1881 erhielt v. Busse von 5163 Stimmen 4741, sein den Sezessionisten angehörender Gegner, Ober- Bürgermeister Haken- Stettin 397; 1884 v. Busse 4087 von 4165 Stimmen; 1837 der- selbe 7553 von 7613 abgegebenen; 1890, wo 13 186 Wahlberechtigte vorhanden, wurden wieder 4747 Stimmen abgegeben, davon für von Busse 4596, für einen sortschritt- lichen Kandidaten 95. 1893 erhielten am 15. Juli der konservative Kandidat von Hertzbera-Lottin 3791 Stimmen, Ahlwardt 2535 und der christlich-soziale Kandidat Stöcker 1892; in der Stichwahl vom 24. Juli fielen dann auf Ahl- wardt 7000 gegen nur 3000 Stimmen für von Hertzberg. Bei der Nachwahl am 18. Juli wurden 8479 Stimmen abgegeben, davon für den Antisemiten Professor Dr. Förster 6518, für den Christlich- Sozialen Stöcker 1906. Unsere Kollegin, die verehrte„Kreuz-Zeitung" hat vor geraumer Zeit den sehr beachteten Artikel: Laodicca gebracht. Die Neustettiner Bauern haben die Voschrift befolgt:„Weil Du aber lau bist, will ich Dich ausspeien aus meinem Munde." So wächst unsere Saat langsam, aber sicher empor.— Pfarrer Frank, der ultramontane Abgeordnete, dessen Drückebergerei wir dieser Tage kennzeichneten, wird vom „Patriotischen Wahlverein" in Ratibor bereits energisch abgekanzelt. In einem offenen Schreiben des Vorstandes heißt es: „Euer Hochwürden sind zum Reichstags-Abgeordneten für den Kreis Ratibor lediglich infolge der Unterstützung Ihrer Kandidatur durch die Anhänger des„Patriotischen Wahl- Vereins" gewählt worden, was von hervorragender Seite aus Ihrer Partei anerkannt worden ist. Euer Hochwürden wissen, daß Ihnen diese Stimmen nur zugefallen sind in der Voraus- setzung, daß Sie für die Militärvorlage in den Grenzen des Huene'schen Antrages stimmen würden. Freilich— bündige Zu- sicherungen haben Sie in dieser Beziehung nicht abgegeben, rndessen haben Sie sich nirgends und niemals als Gegner der Vorlage bekannt; die Führer der hiesigen Zentrumspartei haben sich öffentlich in Ihrer Gegenwart in unzweideutiger Weise als Anhänger derselben ausgesprochen; vor Allem aber, Herr Pfarrer, habe» Sie unserer öffentlich abgegebenen, von der Leitung Ihrer Partei vorher gebilligten Erklärung, daß wir in Sie das Vertrauen positiver Mitwirkung an der Lösung der Frage setzten, kein Wort des Widerspruchs oder gegen- lheiliger Ausklärung entgegengestellt. Jeder gerade und ehrliche Mann mußte hiernach annehmen, daß Euer Hochwürden auf dem Standpunkte des früheren Reichstags-Abgeordneten für Ratibor verharren und rn seinem Sinne für die Militärvorlage eintreten würden. Die Thatsachen bei der Abstimmung haben dies Vertrauen nicht gerechtfertigt. Gestatten Euer Hochwürden, daß wir denselben unser Erstaunen entgegensetzen." So kommt es, wenn man sich zwischen zwei Stühle setzt.— Eine eigene Zeitnng wollen die westfälischen Huene' linge, die um Schorlemer-Alst gründen. Es sollen 100 Aktien zu 1000 Mark ausgegeben werden. Das„rechte Zentrum" auf Aktie«... � Noch einmal der Hnud des Ober-Regierungs- raths. Zu dem von uns mitgetheilten Schreiben des Bürgermeisters Lange in Erfurt, betreffend den Hund des Herrn Obcr-Regierungsraths erhält die„Thüringer Zeitung" von„amtlicher" Seite eine Mittheilung,«vorin die Echtheit des Brieses zugegeben und blas berichtigt wird, daß er nicht aus diesem Jahre, sondern vom 16. Mai 1892 dati«». Dann heißt es; „Eine Begünstigung des Angezeigten durch die in dem Schreiben enthaltene Mahnung zu größerer Vorsicht und den in Erwartung ihrer Anwendung stattgehabten einstweiligen Verzicht auf Bestrafung liegt in keiner Weise vor, da in- struktionsmäßig in gleicher Art überall verfahren zu werden pflegt, wo eine erstmalige Uebertretung in Betracht kommt und böser Wille ausgeschlossen erscheint. Die in solchen Fällen sonst übliche mündliche Zu recht- Weisung durch den Bezirkssergeanten oder Revierkommissar verbot sich aber in diesem Falle durch die dien st li che Stellung des Zu- widerhandelnden. Wie der Wortlaut des Schreibens zur Kenntniß der„Thüringer Tribüne" hat gelange» können, wird die eingeleitete Untersuchung hoffentlich ergeben. In- sofern eine Verletzung des beschworenen Dienstgeheimnisses vor- liegen sollte, wird der schuldige Beamte exemplarische Bestrafung mil Sicherheit zu erivarten haben." Durch diesen„amtlichen" Waschzettel wird der That- bestand nur bestätigt. Der Hund des Ober-Regierungsraths «vird eben als antoritativcs Vieh„gehorsam ergebenst" niit mehr Respekt behandelt, als ein gewöhnliches Hundethier. Was zu beweisen«var.— Sämmtliche Erfurter Hundebesitzer, die ohne Verwar- nung wegen Uebertretung des Maulkorbzwanges bestraft wurden, wollen die gezahlten Strafgelder zurückverlangen, weil sie der Ansicht sind, daß das,«vas einein Ober- Regie- rungsrath billig, gewöhnlichen Sterblichen recht sein sollte. Ebenso fühlen sich andere Nebertretcr anderer Polizei- Vorschriften beschwert. Sie behaupte»«, daß kein Mensch sie verivarnt habe und daß der Anzeige sofort der Strafzettel gefolgt sei. Unser Bruderblatt, die„Tribüne", zitirt übrigens solgeiiden Paragraphen des Strafgesetzbuches: „Ein Beaintcr, welcher vermöge seines Amtes bei Aus- Übung der Strasgeivalt oder bei Bollstreckung der Strafe mit- zuwirken hat, wird mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren bestraft, wenn er in der Absicht, jemand der gesetzlichen Strafe rechts- widrig zu entziehen, die Verfolgung einer strafbaren Handlung unterläßt, oder eine Handlung begeht, welche geeignet ist, eine Freisprechung oder eine dein Gesetze nicht entsprechende Be- slrafung zu bewirken, oder die Vollstreckung der ausgesprochenen Strafe nicht betreibt, odrr eine gelindere als die erkannte Strafe zur Vollstreckung bringt. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Gesängnißstrase nicht unter einem Monat ein."— „KonfliktS"lüsterne Biedermänner schemt es zu jucken, ein„neuer Grenz-Zwischenfall" an der Wcstgrenze setzt ihre durch die Annahine der Vorlage zu froheren« Schlage angefeuerten Herzen in Bewegung. Wie die Metzer Polizeidirektion mittheilt, wurde der Reisende B. Stolz von Frankfurt a. M. mit drei anderen Reiseitdeu gelegent- lich eines Ausfluges in dem Ort Vionville von französischen Soldaten angegriffen. Die Behörde ersucht Herrn Stolz und seine Begleiter, sich zu melden. Offenbar handelt es sich um eine gewöhnliche Rempelei. Wenn die Behörde die„Angegriffenen" erst auffordern muß, sich zu melde»,, muß die Geschichte denn doch eine recht nichtige Kleinigkeit sein. Als de»itsche Arbeiter in Frankreich tribulirt wurden, rührte sich keine deutsche„Behörde", und«venu der Erbfrennd im Osten„Grenz-Zivischenfälle" hervorruft, deutsche Bürger mißhandelt u. s.«v., so kräht auch keine dmtsche„Behörde" danach. Das Bolk lacht solcher Händel im Stile des Schnäbele-Ruminels und überläßt die vor- geschriebene Entrüstung den chauvinistischen Hansivürsten hüben und drüben.— Der Wüstling Weist, ein Leipziger„Patriot", Millionär und Ordnungsstütze, dessen zügellose Lüderlichkeit durch einen Kuppeleiprozeß enthüllt«vorden,«var«vegen „Beihilfe zur Kuppelei" zu vierzehn Tagen Gefängniß ver- urtheilt«vorden. Der sittenstrenge Großkapitalist hatte sich einen richtigen Harein eingerichtet, Ivo er seinen Bordell- gelüsten fröhnte. Die Kupplerinnen, seine bezahlten Werk- zepge,«vanderten ins Zuchthaus. Der König von Sachsen hat selbigen Weiß zu einer Geldstrafe von 3000 Mark „begnadigt". Auch diese Thatsache kennzeichnet den Stand der Dinge im heutigen Staate vorzüglich.— Ein durchgreifendes Duellgesctz hat die Kominission des— b e l g i s ch e n Senats mit erdrnckcndcr Mehrheit angenommen. Die von dem Senator de Coninsk beantragte Vorlage, deren Annahme auch in der Kammer für sicher gilt, geht gegen die Duellanten selbst und die übrigen an einem Zweika»npfe Bethciligten«nit großer Strenge vor. Sie spricht im Falle eines Dieclls mit tödtlichem Aüsgange für den überlebenden Duellanten die Todesstrafe»vegen beabsichtigten Mordes aus, auch wenn bciviesen ist, daß der Duellant gar nicht zielte. Die Ze»igen eines solchen Ziveikampfes«verde»««nit zehn- bis zivanzigjähriger Haft bedacht, so daß es den Duellanten in Zukunft recht schiver werden dürfte, Zeugen und Aerzte — letztere sind den Zeugen gleichgestellt— zu finden. Ein besonderer Abschnitt des Gesetzes behandelt die Offiziersduelle. Das lieue T»lellgesetz verfügt die Entlassung des Regiments- Kommande»irs, der ein Duell zivischen zwei Offizieren angeordnet hat, ohne Pensionsanspruch und ohne Grad. Uebeedies bleibt er für die Folgen des Duells dem Strafgerichte verantivortlich. Die dem Offizierskorps angehörigen Duellanten werden gleichfalls strafiveise entlassen und überdies strafgerichtlich abgenrtheilt. Im christlich-germanischen Reiche der Gottes- furcht und frommen Sitte schießt und schlägt sich die Boi»rgeoisie, Mitglieder der Justiz und Verwaltung, Offiziere und Zivilisten, und wenn sie sich sträuben, werden sie geächtet, gemaßregelt, zum Austritt aus dein Staatsdienst veranlaßt. — Ja, die Belgier sind„Wilde".— Der schottische sozialistische Bund � Scotcb Socialist Federation.— wird diesmal den internationalen Kongreß beschicken. Er hat seinem Delcgirteu vollkommen freie Haud gegeben, außer in bezug auf einen P»lnkt: Der Dclegirte hat unbedingt für Ausschließung der„Anarchisten" zu stimmen. Die bemcrkensivcrthe Motivirnng lautet: „In einer Zeit,«vo die klasseiibeivußten Arbeiter der Welt sich zum Kampf gegen die privilcgirtei« und besitzen- den Klassen rüsten, ivürde es geradezu sinnlos(idiotic) sein, »vollten die Arbeiter zu ihren Beralhungen Männer hinzu- ziehen, deren Anschauungen«nit ihrem Jndividualisinils nur eine übertriebene Form der kapitalistischen Welt- anschauung sind." Man sieht, die Schotten lassen sich durch einige revolutionäre Phrasen nicht über die reaktionäre Natur des Anarchismus täuschen.— Der euglische Bergarbeiter-Streik. Einige tausend Kohleugräber, oie für den 24. d. M.(heute) gekündigt hatten, sind nicht eingefahren. Die große Mehrzahl, die erst für den 28. d. M. gekündigt hat, arbeitet aber noch fort. Obgleich die Birminghamer Konferenz sich im Prinzip für den Streik erklärt hat, und die Verhandlungen mit dein Ausschuß der Grubenbesitzer gescheitert sind,»verden doch noch Versuche zu einer gütlichen Beilegung des Streiks ge- macht. Wenn vor dem 28. d. M.(nächsten Freitag) kein Vergleich zu stände komnit,»verden mindestens 350 000 Mann sofort neu in den Streik eintreten, der jetzt nur etwa 45 000 Arbeiter unifaßt. Betheiligen sich auch die Dur- hamer und Northumberländer Grubenarbeiter, so würde die Zahl noch um 120 000 Mann größer sein, und die Gesammtzahl der Streikenden etwa 525 000 betragen.— Die Homernle-Bill, die vom englischen Unterhaus zweifellos mit einer Majorität von 20—30 Stimmen wird an- nommen»verden, kommt demnächst vor das Oberhaus, in welchem sie nur eine winzige Minderheit finden»vird. In Regierungskreisen rechnet man blos auf etliche 40'Stimmen, d. h. nicht ein Zehntel der gesammten Mitglicderzahl. Ist die Bill von den„Lords" vcrivorfen, dam« erfolgt sofort die Auflösung; und das Votum f ü r Homerule wird zu gleicher Zeit ein Votum gegen das Oberhaus sein, dessen Unpopularität in erfreulichem Wachsthum bc- griffen ist.— Die französischen Wahlen sind laut amtlicher Bc- kanntmachung auf den 20. August angesetzt«vorden.— Ein französischer Heercslicferantenprozeft«vird in Paris verhandelt. Seil Jahren hat ein Tuch- und Leder- fabrikrnt fehlerhaftes Militärtuch, unbrauchbare Stiesel, Tragrieinen, Gürtel und andere Ledcrmaaren geliefert. Die Abnahme der Waaren erfolgte,«vis die„Vossische Zeitung" .meldet, durch Beamte, die einen Stempel führten, mit welchem sie jedes einzelne geprüfte Stück bezeichneten. Die Buchstaben dieses Steinpels bedeuteten:„Gut zur An- nahine,"„auszubessern" oder„verworfen." Die Beamten waren großentheils arme Teufel von Tagelöhnern ohne Arbeit, die für die Prüfung der Waare von der Kriegs- verivaltung 4— 6 Fr. Tagelohn erhielten und ihres Alntesin der Fabrik des Angeklagten selbst walten konnten. DieTagelöhner, denen die Kricgsverwaltung einen so verantwortnngschlveren Posten anvertraute, stempelten um einige Franken täglicher Zulage ans der Tasche des Fabrikanten alles,«vas man ihnen vorlegte. Erschien einmal ein höherer Aufsichts- beamter und«nußren Stücke als unbrauchbar gestempelt werden, so ließ der Fabrikant den Stempeleindruck in dem Leder verHämmern,«vorauf die bestochenen Abnahme- beamten eine neue, natürlich günstige, Stempelung vor- nahmen. Auch höhere Beamte, denen der Lieferant festes Gehalt zahlte, sind in den Handel verivickelt. Die Ver- dcrbniß frißt auch den«Schirin und Schutz" der bürgcr- lichen Gesellschaft, das stehende Heer, an, da der KapitaliZ- nius für den Geivinn alles«vagt. Doch haben«vir in Deutschland, wo es Armeelicferanten-Prozesse zur Genüge gegeben hat, keine Ursache, pharisäisch über diesen Pariser Fall die Hände zu ringen. Und hat nicht der Jndenslinten- Prozeß gleichfalls Mißstände aufgedeckt? Ganz zu ge- schweige,« von den Bochumer und Osnabrücker Schiene»»- steinpelsälschnngen.— Das fiainesische Lamm will sich von dem srailzösischen Wolf nicht zerreißen lassen, und»nacht allerhand Ein- Wendungen. Geld will es geben, jede Entschädigung, aber aber nicht das viele Land, welches der landhungrige Wolf verschlingen»vill. Der Wolf bleibt aber unerbittlich, und nachdem siestern die Vorschläge der Siainesen in Paris zurückgewiesen worden sind, dürfte heute oder morgen das Bombardement von Bangkok nebst anderen„militärischen Aktionen" vor sich gehen,«»»«d— zu dem gelvünschten Resultat führen. Wenn Wolf und La»»»»» in Streit kommen, eiedet die Sache stets wie die Fabel lehrt. Nach den neuesten Telegrammen hat die französische Regierung die Küste Siams von heute an in Blokadezustand erklärt. Das wäre der offizielle Krieg. Offiziös hat er schon längst begonnen.— Das italienische Panama. Lange hat Herr Giolitti mit scincin Troß von Mitschuldigen und Helfershelfern es fertig gebracht, die amtliche Feststellung der Bank- spitzbübereicn und die Bestrafung der Bankspitzbnben zu hiillertreiben. Jetzt geht's aber nicht mehr. Die An- geklagte», die als Sündenböcke geschlachtet werden sollen, haben gebeichtet— trotz aller Unterdrückungsversuche ihre Beichte wiederholt, und nun steht die Veröffentlichung der Namen bevor, lieber hundert angesehene Politiker: Minister, Senatoren, Deputirte, Journalisten haben aus der Panama-Krippe gefressen, die In- Haber der Krippe angebettelt, ja angebettelt— und um die„Ehre", auch an dein Fnttcrtrog stehen zu dürfen, sich förmlich gebalgt. Jin Wesentlichen haben alle Mittheilungen, die«vir schon vor fast Jahresfrist zu machen in der Lage ivaren, ihre Bestätigung gefunden. Kurz— das herrschende kapitalistische Italien ist genau so faul und verdorben,«vie das herrschende kapitalistische Frankreich. Alles Panama. Schmutz und Gold—«vie die ganze kapitalistische Gesellschaft.— Schweiz.„Wolff's Telegraphen-Bnrean" meldet: Zürich, 24. Juli. Auf Anordnung des Bulldesanwalts »vurden vier Führer der hiesigen„unabhängigen Sozialisten" verhastct.— Neue Religionst'crfvlsiiinsien in Ritstland. Nach- dein der Zar die Juden seine Macht hat fühlen lassen, »vcndet er seiile zärtliche Fürsorge nunmehr einer anderen religiösen Gemeinschaft, nämlich derjenigen der S t u n d i st en zu. Die Stnndisten gehören zu den besten uild intelligentesten Beivohnern Rußlands,»vas aber die Be- Hörden nicht hindert, sie in der denkbar gemeinsten und niederträchtigsten Weise zu behandeln. Die arinen Leute »verde»« vcrurtheilt, eben«vegen ihrer Angehörigkeit zuin Protestantismus ganz ungeivöhnlich hohe und von ihnen nicht auszubringende Strason zu bezahlen. Wenn sie nicht in der Lage sind, die Strafe bei- zubringen, nimmt man ihnen nicht n»lr ihre gesammte beivegliche und unbewegliche Habe, sondern pfändet ihnen sogar die Kleider vom Leibe ab. In den Bezirken von Kieiv »verde»« die Kinder den Eltern mit Geivalt fortgsnomnien und zu katholischen Verwandten oder Priestern gebracht. welche sie erziehen sollen.— Das ist christliche Nächstenliebe, «velche die katholische— und griechisch-katholische— Kirche vor allem auf ihre Fahne geschrieben hat, das sind die Diener des allgütigen Gottes, die in solcher Art das erste Gebot der Christenheit: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, erfüllen. Hoffentlich«verden die Engländer und Amerikaner gegen eine solche Bchandlmig ihrer Landsleute ganz energisch Protest erheben.— Für den Inhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 25. Juli. Friedrich-MUH eUnlliidt. Theater. Nanon. Kroll'« Theater. Alessandro Stra- della. NiKtoriH'Theater. Frau Venus. National- Theater. Lehmann auf der Weltausstellung i» Chicago. Aleranderplah• Theater. Der Apollo- Theater. Spezialitäten� Vorstellung. Kaufmann'« Uaristö. Spezialitäten� Vorstellung. National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Sensationelle Novität I Lehmann auf der Weltaus- stellung in Chicago. Große Ausstattunas-Posse mit Gesang und Tanz in S Aufzügen von Lugen Prudens. Musik von Adolpb Videcke. Regie: M. Samst. Kassenöffnung ö'/s Uhr.— Anfang der Abend-Vorstellung 7' ,'2 Uhr. Im Garten auf der Sommerbiihne: Aufführung von Einaktern und Austreten von Specialitäten I. Ranges. KV" Neues Programm. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Passage- Panopticum. Grösstes Sciiau-n.Vergniignngs- Etablissement der Welt. Gntree 50 Pf. Castan's Panopticum. Riesen- Sehlangen-Familie aus Carl Eüagenbeck's Thierpark. Ohne Extra-Entree. ichweizer- Garten. A m K ö n i g s t h 0 r. Haltestelle der Ringbahn. Sonntag soivie täglich: Lxtra-VorLlöUung mit neuen Spezialitäten. lZsni'vton-'L'i'oupe.k fsmilis KnunsÄko.f Kedi'. ksNEi' u. f. w. iheatei'-Vorstellung. Volksbelustigungen aller Art. Uct«ri>i-Br->mli�W.V° Garte» rrsp. Saal. . Azlilh S.�d-> 8tettiller 8»»Ker. Stets wechselndes Programm. Anfang Sonnt. 7 Uhr, Wochent.8 Uhr. Entreo 50 Ff. Vorverkauf- Billets Sonntags keine Giltigkeit. ? Herliner Kock. m Heute: Engl. amer. Sport-Vorst Tom Cannon art. Leiter. Auftr. von Artisten, Athleten, Akrobaten:c. allerersten Ranges. Anfang S Uhr. Entree 50 Pf. Ref. Pl. 1 M., Sperrst 1,ö0 M. Loge 2 M. IvöSd I Heute: Ringhampf. I Altes Schützenhaus, Linienstraße 5, empfiehlt seine Festsäle (560 Personen fassend) zu allen Gelegen- heilen._ 733b Vereinsziinmer zu vergeben. Jacob. Jnsclstr. l. 047b Königl. italienischer Circns Ernesto Ciniselii. Stadtbahnstation Zoologischer Garten. Hente, Dienstag, den 25. Juli: Große Brillollt-Aorßellilng. Zum 18. Male. Die Erschaffung des Weibes oder: Das Weib durch die Jahrhunderte. Gr. Ausstattungspantomime mit Ballet mit durchweg neuen Dekorationen, Kostümen, Requisiten:c. Gesetz!, geschützt. Jnscenirt vom Dir. Emesto CinlselU. 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Antrag der letzten Generalversammlung auf Auflösung der Hilfskasse. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Kassenvermögens. 4. Antrag des Vorstandes auf Ab- änderung der§§ 6, 7 und 23 des Statuts. 5. Fragekasten.— Nur großjährige Mitglieder haben Zutritt. lOOSb Der Vorstand. Sozialdemokrat. Agitations- Verein für die Kreise Wittenberg, Torgau u. f. w. Mittwoch, den 20. Jnli, Ab. S'/a Uhr: VermS-VersliniMg. 388/16 Der Vorstand. Warillmg! Hiermit machen wir bekannt, daß das Mitglied Otto Kirst nach Zurücklassung namhafter Schulden an Mitglieder ausgeschieden ist. Im Auf- trage derselben: Der Vorstand des Kiarthaus'schen Gesangvereins. Empfehle mein Geschäft in krtsoaen Blumen und Kränzen. 3528 L Robert Meyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häusigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten. Rob-Iabcib| A. Goldschmidt, 4435L| am hiesigen Platze wie bekannt gipösste Auswahl! Garantie ihr sicheren Brand. 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Diskussion. 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden in der Versammlung aufgenommen.— Die restirenden Mitglieder werden ersucht, ihre Reste zu bezahlen. Die neuerrichtete Zahlstelle für die Mitglieder des Nordosten be- findet sich beim Genossen Krause, Restaurateur, Landsberger AUee 125. Die Ausgabe der vom Verein beschlossenen Broschüre erfolgt täglich gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches auf jeder Zahlstelle sowie in jeder Vereins-Versammlung. Um zahlreichen Besuch der Versammlung bittet 377/3 Her Vorstand. Achtung! Vergolder. Achtung! Große öffentliche Versammlung alltr im VerjBergemrbe Wüst. Arbeiter u. Arbeiterillnell am Mittwoch, den 26. Jnli, Abends SVa Uhr, im Lokale des Herrn Scheffer, Jnselstraße Nr. 10. Tagesordnung: 1. Kassenbericht der Agitations> Kommission. 2. Ergänzungswahl der Tarif-Kommission und Wahl eines Mitgliedes der Agitations-Kommission. 3. Verschiedenes. KL. Zu dieser Versammlung sind die Grundirer, Beleger und Belege- rinnen, Packer u. s. w. besonders eingeladen. 353/9 Die Agitations-Kommifsto». Großes Sommerfest m Sombeni!, k\\ 29. Mi, in b er Rem Welt MOibej arrangirt von den sozialdemokratischen Parteigenossen des 2. Eeriiaer Reichstags-Wahlkreises. Vokal- und Instrumental-Konzert unter Leitung des Musikdirektors W. Pinsterbusch unter Mitwirkung der Gesangvereine„Kreuzberger Harmonie", „Frohe Hoffnung",„Freiheit I",„Frfihllngslust", Gerechtigkeit",„Gerstenähre'1 (Mitgl. des Arbeiter-Sängerbundes) unter Leitung des Dirigenten M. Bombelke. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. k'euvnwei'k. Kinderbelustigungen aller Art. Großer Sommernachts-Kall. Herren, welche daran theilnehmen, zahlen 30 Pfennige nach. Anfang 4 Uhr. Gntree 15 Uf. Die Kaffeekiiche ist van 3 Uhr ab geöffnet. Billets sind in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. 345/11 Die Vertrauenspersona Veiten. Sanntag» den 36. Juli 1893, im nruerbauten Grunaw'fchen Hotel: Znmtes Stiftungsfest des Gesangvereins„Inirnnft" (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes Berlins u. Umgegend) bestehend in Eonzeri, Gesangsvorträgen und Ball unter Mitwirkung der Gesangvereine„Palme"(Velten) u.„Vorwärts"(Marwitz). ingr Anfang des Konzens Nachmittags 3 Uhr.-HWZ Hierzu ladet ein s363/30Z Der Dorkand. Achtung! Tpsndßcsu. Achtung! UNttwach, den 26. Inli, Abends 8 Uhr: Oeffentl. Volks-Versammlung für Frauen und Männer im Lokale des Herrn Winkel..Milhelmshöhe", Uichelswerder. Tages-Ordnung: 1. Vortrag.(Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. NB, Dampfer stehen am Alexander-Ufer zur Benutzung bereit. 369/19 Soeben ist erschienen und durch alle Partei- Buchhandlungen. Kolporteure u. Zeitungs- �------------- Spediteure, sowie vom Verleger H. Baake, City-Passage,—'«o»"„»er« ----«�..,4"-..ov« zu beziehen: ,ot äst üTerfte. Preis 20 Pfennig. V. 0��-- Allen Freunden der Wahrheit und der Ausklärung empfohlen. 459 II.' Soeben erschiene» und durch uns zu beziehen: Nnünllup unii BiWße des znteWtimltil Arbeiter-Koligrelses zu Vrnstel. 16. bis 22. August 1891. Preis 20 Pf. Angesichts deS bevorstehenden Züricher Internationalen Kongreffes, ans dem eine Reihe der in Brüssel behandelien Fragen ebenfalls zur Verhaud» lung kommen, wird diese nach den Berichten der Tagespresse angefertigte Zu- sammenstellung der Kongreßdebatten dem in den Kreisen der Genossen lebhaft empfundenen Mangel eines ossizielle» Kongreß- Protokolls einigermaßen abHelsen. Verlag des„Borlvärts, Berliner Bolksblatt". 8W., 2. Uhren«.Goldwaaren in bester Ausführung zu denbilllgsten Preisen. Silb.Cylinder-Remontoir 12,75 M. Massiv gold. Trauringe, 1 Dukaten 10,50 M., l1/. Buk. 15,50 H., 2 Dnk. 20 M. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. SVf. Beuthftraße 2. Hierzu eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Slr. 172. Dienstag» den 23. Juli 1893. 19. Jahrg. V�vtsrnAckvichken. Zum Delegirten für den internationalen Kongreß in Zürich ist in einer in Chemnitz abgehaltenen Partei- Versammlung des 16. sächsischen Wahlkreises der Genosse Max Schippe! gewählt worden.— In Leipzig wurde Karl P i» k a u zum Kongreßdelegirten gewählt.— Ha ni bürg wird auf dem Kongreß durch S t e n g e l e vertreten sein. Ein sozialdemokratischer Wahlverein ist von den Partei- genossen in Mittelbach(Sachsen) gegründet worden. Ein sozialdemokratischer Parteitag für Unterfranken wird in der zweiten Hälfte des August in W ü r z b u r g statt- finden. Etwaige Anfragen in dieser Angelegenheit find an I. F e r s ch, Wagnerplatz 4. Würzburg zu richten. Dolinles. ?-iS Vergehen deö Bcttelus gehört in der gegenwärtigen viirgerlichcn Gesellschaft zu den schwerwiegendsten. Man verzeiht einem Betrüger, wenn er auch noch so viel Unheil gestiftet hat. man nimmt ihn gerne wieder in die„gute" Gesellschaft aus. wie zahlreiche Beispiele beweisen; wer aber jemals gebetielt dat. gilt für ei» verachtungswürdiges Subjekt. Woran diese Begriffs- »lerwirrung wohl liegen mag? Sehr einfach. Unsere„gute" Gesellschaft beurtheilt ihre Mitglieder nach dem Besitze, und ein rafsinirler Betrüger konimt leichler zu Vermögen, wie ein Bettler. Wer erst so„tief gesunken" war. daß er die Mildthätigkeit seiner Mitmenschen anrufe» mußte, dem gelingt es nur in den seltensten Fällen, sich wieder empor zu arbeiten. Die heutige Gesetzgebung verhängt auch über den Bettler drakonische Strafen. Sie unterscheiden sich von einem Tage bis sechs Wochen Haft. Ja, das sind doch keine strengen Strafen. wird mancher ausrufen. Nur gemach, die Sache hat ihren Haken. Unser Neichs-Strasgesetzbuch bestimmt, daß derjenige, der zum dritten Male beim Betteln erwischt wird, zur Ueberweisung an die Landespolizcibehörde nebst einer Haftststrase zu ver- urtheilen ist.„Ueberweisung an die Landespolizeibehörde!" Wie unschuldig das klingt. Ein naiver Mensä) wird nun meinen, die Laudes-Polizeii ehörde solle dem Bettler und Arbeitslosen nun- mehr Arbeil verschaffen undZ ihn vor weiterem Leid bewahren. aber sehr gefehlt; die liebe Landes-Polizeibehörde verschafft aller- dings dem Armen Arbeit und zwar im Arbeitshause. Unser vorsorgliches Strafgesetzbuch bestimmt nämlich:„Durch die Ueber- Weisung an die Landes-Polizeibehörde erhält diese das Recht, den Betreffenden von 6 Monaten bis zu zwei Jahren in ein Ar- beitshaus unterzubringen. Also nur für das schrecklich« Ver- brechen des Bcttelns beim dritten Male kann jeniand bis zu zwei Jahren seiner Freiheit beraubt werden. Wer ist nun die Landes- Polizeibehörde, der derartige Machtbefugnisse eingeräumt sind? In Berlin der Polizeipräsident, in den Provinzen der Rcgierungs- Präsident des Bezirks, also eine einzelne Person erhält das Recht über die Freiheitentziehniig eines Menschen bis zu zwei Jahren zu verfügen. Eine Reklamation gicbt es dagegen nicht, ein Gericht kann nicht weiter angerufen werden. Zum Gegensatz ein anderer Fall: Wenn jemand auf der Straße Radau macht und er erhält wegen groben Unfugs ein polizeiliches Strafmandat, dann belehrt ihn in diesem die Polizei, er könne hiergegen Einspruch erheben, und wenn der Uebelthäter dies will, dann thut er es und wendet sich an das Schöffengericht, dann beurtheilen 1 Amtsrichter und 2 Schöffen den schwierigen Fall, ist er mit dem Schöffcngerichlsspruch nicht zusrieden, dann legt er Berufung bei dem Landgericht ein und nun urtheilen bei der Straskammer für Uebertretungen 3 gelehrte Richter. Ist der Radaumacher nun ein hartgesottener Sünder, dann legt er nun- mehr Revision beim Kamniergericht ein, und dann müssen 5 gelehrte Richter in Aktion treten; also im ganzen£) gelehrte Richter und 2 Schöffe», nebst den einmal unvermeidliche» Staatsanwälten kann jemand in Bewegung setzen, wenn ihm die Polizei ein Strasmandat von 3 Mark zusendet. aber der Bettler, der einmal rechtskräftig vom Gerichte zur Ueberweisung au die Landes- Polizeibehörde vcriirlheilt ist, dieser ist der Gnade des einzelilen Beamten(Po- lizcipräsident oder Rcgierlingspräsident als Vertreter der Landes- Polizeibehörde) preisgegeben, ob dieser ihn auf sechs Monate oder zwei Jahre in ein Arbeitshaus bringen lassen will. Und was hat der Bettler gethau? er wollte ein Stück Brod haben, um seinen Hunger zu stillen, das ist sein ganzes Verbrechen. Tie vorstehenden Ausführungen sprechen für sich selbst. Die Bourgeoisie huldigt Anschauungen, die Heinrich Heine treffend in die Worte gekleidet hat': „Wenn Du viel hast, wirst Du bald noch viel mehr hinzubekommen, Hast Tu wenig, wird Dir auch noch das Wenige genommen; Wenn Du aber garuichts hast. o. dann lasse Dich begraben, Denn ein iltccht zu leben, Lump, haben nur. die etwas haben." Was allcS die SouutagSruhe macht. Erst jüngst ging durch eine Anzahl Bourgeoisblätter die Berechnung, daß infolge der Sonntagsruhe in den Tabaksgeschäften in Berlin allein 60 Millionen Zigarren weniger geraucht werden. Jetzt wird von derselben Presse berechnet, daß wegen der Sonntagsruhe in den Bäckerläden für 3 360 000 M. weniger Backwaaren kon- sumirt werden. � Zu gleicher Zeit wird die„Unmöglichkeit" nachgewiesen, die Slrdeitszeil im Bäckergewerbe aus 5 Stunden zu beschränken. Es gehört eine grenzenlose Dreistigkeit dazu, r.etrcffS des Bäckergewerbcs die Behauptung auszustellen: „Die Arbeit der Gesellen und Lehrlinge ist keine der- artig anstrengende, daß sie eine kürzere Arbeitszeit be- diiigle, die Pausen sind, wenn auch unbestimmt, so doch in rollkommen genügender Weise vorhanden und gewähr- icistet. die Berpstegung ist eine gute." Turäi amtliche Erhebungen ist nun festgestellt, büß ,ii teinen, nndrrcr. Äcwerbe die Gehilsen mit so großer Arbeitszeit belastet sind, ivie die Bäckergesellen, und was die gute Verpflegung an- betrifft, so ist dieselbe ein einfaches Märchen. Für die Roth- wentigkeit, die Bäckergehilfen und Lehrlinge am Sonntage ebenso abzurackern wie am Wochentag wird angeführt: „Es ist unbedingt erforderlich, daß dem Bäckerei- gewerbe erlaubt wird, an Sonn- und Festtagen bereits um 4 Uhr Morgens den Verkauf bezw- den Versandt des Gebäcks beginnen zu dürfen, da z. B. um 4�/« Uhr Morgens schon Personenzüge vom Zentralbahnhoj ab- gelassen werden und die Reisenden in den Hotels daher vorher ihr Frühstück verlangen. Ebenso müssen Eisen- bahiibedienstele und Angestellte der Pferdebahn, Omnibusse und so weiter schon vor 5 Uhr ihren Dienst antreten und können daher nicht aus Rücksicht aus die unhaltbaren Ausführungsbestimmungen der Sonntagsruhe auf ihr Früh- stück verzichten." Hier konimt nun die ärgste Heuchelei zum Vorschein. Das Mitleid mit den Eisenbahubediensleten und Angestellten der Pferdebahn, Omnibusse ec., weil sie am Sonntag früh keine frischen, brühwarmen Milchbrötchen haben, klingt sehr schön aus dem Munde derer, welche den Weltuntergang heranbrechen sehen, wenn die Arbeitszeit eine Abkürzung erfährt oder gar etwas Sonntagsruhe gewährt wird. Man sorge dafür, daß die ge nannten Angestellten wenigstens etwas Butter auf das Brot sich leisten können und sie werden sich ganz gerne mit der Schrippe begnügen, die am Abend vorher aus dem Ofen ge zogen ist. Mindestens 12 Stunden Arbeitszeit wird für den Sonntag verlangt und die Ausdehnung des Handels mit Bäcker waaren auf die Zeit von 4 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends mit Unterbrechung der Kirchen- und Mittagszeit von 10—2 Uhr wird verlangt. Und zu den Wortführer» dieses Verlangens machen sich vorwiegend freisinnige Blätter. Die Bevölkerung fühlt bis auf ganz geringe Ausnahmen kein Bedürfniß nach der Beschränkung der Sonntagsruhe. Stricker braucht Ruhe. Sein Organ, das„Volk", schreibt: Hofprediger Stöcker hat sich in die Sommerfrische auf sein Gut Parlhenkirchen in Oberbayern begeben, wo er bis Mitte Sep- tember d. I. zu weilen gedenkt." Der arme Stöcker! In Spandau müssen die verheiratheten Unteroffiziere und Militärbeamten, welche bisher in den Kasernen Wohnungen inne hatten, diese verlassen und Mieths Wohnungen beziehen, damit für die Verstärkung der Garnison mehr Raum geschassen wird. Für die übrigen Truppen werden zur vorläufigen Unterkunft Well- blechbaracken errichtet. Gleichzeitig sind die Miethen der dem Militärfiskus gehörenden Arbeiterwohnungen um— sageund schreibe — 20 pCt. gesteigert worden. Man sieht, wie gespart wird; was der Militarismus in Scheffeln verschlingt, soll wenigstens löffel- weise aus den Arbeitern herausgeholt werden. Ein hervorragender Mangel im Wesen der Sanitäts- wache» ist. daß nur zur Nachtzeil Hilfe geleistet wird, während bei Tage die Wachen als solche nicht bestehen. Das Publikum ist vielfach der Ansicht, daß die Wachen auch bei Tage in Thätig- keit treten. Das ist eine irrige Meinung, denn die zur Tages- zeit geöffneten Sanitätswacheu sind nur Privatverbandstellen, wo nur gegen Bezahlung behandelt wird. Daher kommt es. daß Verletzte unbekümmert um die Nolhwendigkei einer schnellen Hilfe zunächst gefragt werden, ob sie Geld haben. Muß diese Frage verneint werden, wie es häufig vorkonimt, so werden die Hilfesuchenden auf ein städtisches Krankenhaus hingewiesen. Ob der Verletzte einer Krankenkasse angehört oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Dadurch aber kann unter Umständen ein Menschen- leben aus das Spiel gesetzt werden. Die Wachen sollten daher mit Anweisung versehen sein, auch bei Tage helfend einzugreifen und sich wegen der Kosten mit den Kassen bezw. mit der Orts- behörde in Verbindung zu setzen. Ein Thcil der Heilgehilfen ist selbstlos genug, stets Hilfe zu leisten; das müßte aber überall so sein. Ueber die Entführung eines ein Jahr alten Kindes wird uns mitgetheill: Aus die Ankündigung im„Lokal-An- zeiger", daß ein Ehepaar ein Kind weiblichen Geschlechts als eigen anzunehmen wünsche, meldete sich ein armes Ehepaar aus der Griebenowstraße. Darauf erschien am 2. v. M. eine Dame und nahm das Kind unter dem Vorgeben an sich, es ihrem in Halensee auf Sommerwohnung befindlichen Gatten zeigen zu wollen. Die Fremde gab sich für eine Schwester eines Eisen- bahnassistenten Roloff aus. Da nun die Frau weder das Kind zurückbrachte, noch überhaupt von sich hören ließ, so wurde der Polizei Anzeige erstattet und ermittelt, daß die an- gegebene Wohnung der Frau falsch ist. Die behördlichen Nach- sorschunge» haben aber auch anderweit weder zur Ermittelung des entführten Kindes, noch der unbekannten Frau geführt. Die Letztere ist etwa 35 Jahre alt, schmächtig, groß, hat blondes Haar, blaue Augen und ein längliches Gesicht. Sie trug einen dunkelblauen Regenmantel und einen kleinen runden, weißen, mit Blumen besetzten Hut und einen weißen Schleier, hatte auch einen Granalschmuck angelegt. Das Kind ist blond mit blauen Augen und trug beim Abholen einen hellgrünen Rock mit seidenen Blumen und eine hellrolhe Jacke mit schwarzen Punkten. Eine Verwechselung von Flaschen hat die 24 Jahre alte Pförtnerin Marie Priesemuth, Georgenstraße 34/36 wohnhaft, an den Rand des Grabes gebracht. Vom Durste geplagt, wollte sie am Sonnabend Nachmittcch Bier trinken, griff nach den in ihrer Kellerwohnung aufgestcUten Flaschen und setzte eine derselben an den Mund. Mit einem Ausschrei brach die Frau zusammen, denn der Inhalt der Flasche bestand aus Salzsäure. Mit schweren Verletznngen wurde die P. der Charitee eingeliefert. Polizeilich gesperrt sind die Keller der Häuser Weinmeister- straße 5 und 6, welche durch die Ueberschwemmung am Sonn- abend derartig gelitten haben, daß Gefahr für die Bewohner der Räume vorliegt. In dem Keller Nr. 5 der erwähnten Straße wohnte das jung verheiralhete Dorn'sche Ehepaar, welches sich mit seinem geringen Kapital einen kleinen Grünkramhandel errichtet hatte. Die Aermsten haben ihre gesammten Waaren und einen Theil der Wohnungseinrichtung verloren und stehen jetzt völlig mittellos da.— Nicht besser ging es dem Tischler und Möbelhändler Klinke. Weinmeisterstr. 8. Das Wasser drang mit solcher Gewalt in die im Keller befindlichen Geschäslsräume, daß die Möbel aneinander geschleudert wurden und zerbrachen; ein schweres Schlafsopha wurde mit derartiger Wucht gegen die Wand geschleudert, daß es buchstäblich zer- splitterte. Die armen Leute, deren trauriges Schicksal allgemeines Beileid hervorrief, habe» noch nicht so viel gerettet, daß sie ihren Kindern zu essen geben konnten. Das Wasser stand zwei Meter hoch im Keller und konnte erst Sonnabends Nacht um 12 Uhr mittels Dampfspritze entfernt werden. Die in der Weinmeisterstr. 5 eine Plätterei betreibenden Geschwister Knopf haben neben den Verlust der eigenen Sachen auch noch die Be- schädigung ihnen anvertrauter Wäsche zu beklagen.— In der Straße ist überhaupt kein Keller vom Wasser verschont geblieben und der Gesanimtschaden in der Weinmeisterstraße dürfte minde- stens 15 000 Mark betragen.— Die Kanalisation hat durch den Wolkenbruch ebenfalls sehr gelitten, an vielen Stellen in den verschiedensten Stadtgegenden sind die Röhren geplatzt; an der Spandaner Brücke, unter der Stadtbahn, direkt vor dem Eingang zu Schippanowski's Lokal, versank plötzlich das Erdreich und es entstand eine vier Meter tiefe Grube. Der Gesammlschaden, den das Wasser in Berlin angerichtet hatte, beziffert sich aus hunderttausende Mark. Zliigcschwcmmt an der Schleuse wurde am Sonnabend Nach- mittag gegen 1 Uhr die Leiche einer ca. 20 Jahre alten Frauensperson. In ihr ist das Dienstmädchen Emma Elsner festgestellt worden. welches am 18. d. M. Abends die in der Alexandrinenstraße be- legene Wohnung seiner Herrschast verlassen hatte, um, wie aus vorgefundenen Briefen hervorgeht, sich das Leben zu nehmen. Als Grund zur That gab die E. in einem Schreiben an, daß ihre Körperkräfte zu den Arbeiten eines Dienstmädchens nicht ausreichen. Verstorben in der Sanitätswache, Grüner Weg 18, ist am Sonntqg früh gegen 2l/2 Uhr der 45 Jahre alte Droschken- kut cher Christian Garnys, Große Franlsurterstr. 145 in Woh- nung gewesen. Er fühlte sich während feiner Nachtfahrten un- wohl, ließ sich nech der genannten Wache bringen und brach hier plötzlich todt zusammen. Zur Feststellung der TodeSursachi wurde die Leiche polizeilich mit Beschlag belegt und dem Schau Hause überwiesen. Polizeibericht. Am 22. d. Mts. Morgens sprang eine unbekannte, etwa 25 Jahre alte Frauensperson an der Königin- Augustastraße in den Landwehrkanal und ertrank.— Vormittags wurde ein Schuhmacher in feiner Wohnung in der Putbuscr- straße erhängt aufgefunden.— Als ein Feuerwehrmann in der Schönhauser Allee während der Fahrt vom Verdeck eines Omnibusses herabsteigen wollte, glitt er auf der Treppe ans und fiel auf den Straßendamm herab. Er erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen und wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht.— Ein 6jähriger Knabe wurde vor dem Hause Linienstr. 243 von einem Milchwagen überfahren und er- litt einen Bruch des Schlüsselbeins.— Im Spreekanal zwischen der Gertraudten- und Jungsernbrücke wurde die Leiche eines Mädchens angeschwemmt.— Nachmittags stürzte ein 5 Jahre alter Knabe aus dem Fenster der Brunncnstr. 83 drei Treppen hoch belegenen Wohnung seiner Eltern auf den Hof hinab. Er erlitt eine Ausrenkung der Schulter und wurde nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht.— In der Nacht zum 23. dieses Monats wurde in der Pallisadenstraße ein Droschkenkutscher krank aufgefunden und nach der Sanitätswache am Grünen Weg gebracht, wo er bald darauf, anscheinend am Herz- schlag, verstarb.— In der chemischen Waschanstalt von Coundo. Rungestr. 21, explodirten am 22. d. Mts., Vormittags, Benzin- dämpfe. Dabei erlitt der Färber Freier so bedeutende Brand- wunden, daß er nach dem Krankenhause am Friedrichshain ge- bracht werden mußte. Das entstandene Feuer dehnte sich ans den über der Wäscherei belegenen Trockenraum und den Dach- stuhl au? und nahm die Thäligkeit der Feuerwehr etwa vier Stunden in Anspruch.— Bei dem Gewitter, welches sich am 22. d. Mts. Nachmittags über Berlin entlud, traf der Blitz den Thurm der Zionskirche, zertrümmerte das darauf befindliche Steinkreuz und fuhr dann, ohne weiteren Schaden anzurichten, am Blitzableiter herab in die Erde. Auch die herab- fallenden Steinstücke haben Unfälle nicht herbeigeführt. Dahin» gegen hat der ivolkenbruchartige Regen vielfache Verkehrs- störnngen herbeigeführt und in zahlreichen Fällen, wo das Wasser in Zkeller- und Wohnräume eingedrungen war, die Hilfe der Feuerwehr nothwendig gemacht. So hatte das Wasser in einem Hause der Markgrafenstraße die Fenster des zu Geschäfts- zwecken benutzten Kellers eingedrückt und die dort beschäftigte Verkäuferin zu Boden gerissen. Dabei erlitt dieselbe anscheinend durch vom Wasser mitgesührte Glassplitter bedeutende Schnitt- wunden an beiden Händen.— Am 23. d. M. früh wurde ein 73jähriger staufmann in seiner Wohnung, in der Großen Hain- burgerslraßc, erhängt vorgesunden.—' Vor dem Hause Luisen- Ufer 40 fiel Vormittags ein obdachloser Arbeiter vom Geländer des Luisenstädtischen Kanals, auf welches er sich in der Trunken- heit gesetzt hatte, ins Wasser. Er wurde noch lebend heraus- gezogen und nach der Wache des 42. Polizeireviers gebracht.— Am 22. d. M. fanden Oranicnstr. 198, Alexanderstr. 12 und Cuvrifftr. 16 kleine Feuer statt. Theettev. Der verflossene Prcisriiigcr Tom Cannon hat die Ringerei an den Nagel gehängt und ist unter die Theater- direktoren gegangen. Am Sonnabend fand die erste Vorstellung des„Anglo-?lmerican-Sport-Theaters" in der Bockbrauerei statt, bei mäßig besetztem Garten. Eine Leistung in der Luftgymnastik wurde leider zu Wasser, weil der am Nachmittage nieder- gegangene Wolkenbruch die uöthigen Vorbereitungen gehindert hatte. Wer ein Liebhaber von mehr oder weniger künstlerischen Glieheruerrenkung-n ist, der wird vielleicht einen Abend mit Ber- gnügen in dem Etablissement iethrwrv.i, Gewerbcgericht. Sitzung vom 22. I u l i. Kammer IV. Der Tischlermeister Eisenblecker wurde vor einiger Zeit ein Opfer des kapitalistischen Aufsaugungsprozesses. Sein Hauswirth ließ nicht mit sich spaßen, die Exekution stand ihm bevor. Einigen Gehilfen schuldete er nöch Lohn, dieselben trachteten danach, sich auf irgend eine Weise schadlos zu halten. Sie be- sorgten sich einen Wagen und nahmen verschiedene Möbel mit sich. E. klagte beim Amtsgericht auf Herausgabe derselbe», worauf zwei der betreffenden Gehilfen sich an das Gewerbe- gericht wandten. Der Kläger(Patoll) beanspruchte 85,65 M. als rückständigen Lohn. Er gab an, die Pfändung von vier Nachttischen, deren Werth er auf insgesammt 72 M. schätzte, im Einverstündniß mit dem Beklagten vorgenommen zu haben. Erst dessen Klage beim Amtsgericht hätte ihn zu der seinen bewogen. DaS Gewerbegericht verurtheilte E. zur Zahlung der 85,65 M., die Nachttische wurden mit je 15 M. bewerthct. Die Berechtigung oder Nichtberechtignng zu ihrer Pfändung wird vor dem Amtsgericht zu erweisen sein. Der zweite Kläger, Sander, hat einen der von ihm in Verwahrung genommenen Gegenstände, eine Toilettenkommode, bereits versilbert. Er behauptet, dazu berechtigt gewesen zu sein. Auf sein und seines Kollegen eindring- liebes Geltendmachen ihrer Forderungen habe der Meister geäußeri: „Machen Sie, was Sie wollen". Es sei damit gemeint gewesen, sie sollten sich aus den vorhandenen Möbeln bezahlt machen. Insbesondere habe sich das auf die Toilettenkommode bezogen. Er könne dafür zwei Zeuginnen beibringen. Der Beklagte er- klärte diese Behauptungen für nicht richtig. Infolgedessen wurde zur Vernehmung der Zeuginnen des Klägers ein neuer Termin angesetzt. Wie ans der Vernehmung des Beklagten hervorging, ist er dem Wagen, auf dem die von den Klägern initgenommeiien Möbel transportirt wurden, gefolgt und von der Wohnung des einen Klägers zu der des andern sogar aus demselben mit- gefahren. Er habe sehen wollen, wo die Sachen blieben, meinte er. Nuschnldig vcrnrtheilt. Aus Probstheida wird dem Leip- ziger„Wähler" geschrieben: Die Einwohner unseres Ortes sehen mit Spannung einem Eutscheid entgegen, der in der nächsten Zeil jedenfalls getroffen wird. Es handelt sich um folgenden Fall: Voriges Jahr wurden zwei Frauen von hier angezeigt und vor Gericht geladen wegen Kartoffeldiebstahls. In der betreffenden Gerichtsverhandlung bestritt nun eine der Frauen, Frau St., mit dabei gewesen zu sein, doch wurde dieselbe auf die Aussagen der als Zeugen geladenen Frau B. und des Bauers L. von hier. die Frau St. gesehen haben wollten und auch ihre Aussagen be- schworen, ebenfalls mit vcrurtheilt. Mittlerweile meldete sich jedoch die wirklich Schuldige und Frau St. strengte einen neuen Prozeß an. Hierbei ergab sich nun, daß Frau St. an diesem Abende gar nicht aus dem Hause gegangen war, sondern ihr krankes Kind pflegte. Natürlich war nun auch die wirklich Schuldige zugegen. welche es eingestand, daß nicht Frau St., sondern sie die Kartoffeln mit seholt habe. Nun wurde dieselbe ebenfalls verurtheilt; Frau St. dagegen freigesprochen und die Kosten der Staaiskasse aufgelegt. Jetzt war es doch nun klar, daß jene beschworenen Aussagen nicht der Wahrheit entsprachen, und es wird sich ja in der nächsten Zeit herausstellen müssen, wie die Sache abläuft. Beide Personen befinden sich merkwürdigerweise noch heute auf freiem Fuße. Wenn sich nun die wirkliche Schuldige nicht gemeldet hätte, wäre Frau St. auf jene beschworene Aus- sage hin nnschuldigerweise ins Gefängniß gewandert. Die üblen Nachreden und Verleumdungen hat sich die Frau trotzdem eine lange Zelt gefallen lassen müssen. Hoffentlich werden die falschen Anschuldkger ihren verdienten Lohitz erhalten. Wir werden später einen ausführlichen Bericht über diese ganze Sache bringen. Eine bcmcrkenswerthe Entscheidnilg des dritten Zivil- senats des Reichsgerichts wird in den„Juristischen Blättern" veröffentlicht. Die Inhaber einer Schirmfabrik hatten gegen ihren früheren Prokuristen eine Klage angestrengt, die in letzter Instanz zu Ungunsten der Kläger entschieden wurde unter folgender Be- gründung: Die im Handel, Gewerbe und Industrie häufig vor- kommenden vertragsmftßiaen Konknrrenzverbvte, durch welche der Geschäftsinhader sich dadurch zu schützen sucht, daß seine An- gestellten nach Lösung des Dienstverhältnisses die in demselben erworbenen Geschäftekenntnisse und persönlichen Beziehungen zu seinem Kundenkreise in geschäftlich unredlicher Weise zu seinem Nachtheil verwerthen, sind an bestimmt be- grenzte und daher im Einzelfall alsbald erkennbare Schranken nicht gebunden. Der Grundsatz, daß die persönliche Freiheit und Erwerbsfähigkeit des Einzelnen nicht übermäßig beschränkt und nur ein begründetes Interesse geschützt werden darf, enthält nur das dehnbare Prinzip, nach welchem im Einzelfall zu beunheile» ist, ob die Vereinbarungen der Parteien sich nach der konkreten Sachlage innerhalb gesetzlicher Grenzen gehalten haben. Eine absolute Schranke ergiebt sich jedoch daraus, daß durch solche Verträge die Erwerbsfreiheit des Einzelnen nur beschränkt, nicht für immer im Ganzen oder in ein- zelnen Richtungen vernichtet werden darf, denn es folgt hieraus die Unznläsfigkeit vertragsmäßiger Konkurrenzvcrbote ohne jede Beschränkung und Begrenzung nach Zeit und Ori. Einen solchen Vertrag haben hier die Parteien gewollt und gc- schloffen, denn dem Beklagten soll die Schirmproduktion und der Vertrieb en xros für eigene oder fremde Rechnung zeitlebens für den ganzen Erdball verboten sein. Diese Vereinbarung ist ,veder durch das berechtigte Interesse der Kläger mottvirt, noch mit der unveräußerlichen persönlichen Freiheit des Beklagten vereinbar. Sollte es wirklich wahr sein, daß die ltläger, wie sie behaupten, ihr Absatzgebiet in allen Ländern der Welt haben, so würde daraus doch nur ihr Interesse daran ab- geleitet werden können, die Konkurrenz an denjenigen Orten und Theilen aller Länder auszuschließen, in welchen sie wirklich Handel treiben, so daß erhebliche Absatzgebiete für die nn- behinderte Belhätignng eines gleichartigen Unternehmens übrig bleiben niüßten. Es kann ferner die Uebermäßigkeit der Beschränkung des Beklagten nicht um deswillen verneint werden, weil demselben die Möglichkeit der Berwerthung seiner Kräfte in anderen kaufmännischen Betrieben und im Schirmgeschäft der ebenfalls lukrative Detailverkaus offen geblieben ist. Die abstrakte Möglichkeit, einen anderen Erwerb zu finden, liegt in jedem Falle einer der- artigen Beschränkring vor und das Detailgeschäst unterscheidet sich von der Produktion und dem Verkauf im Großbetriebe so wesentlich, daß die Verweisung von einem aus das andere der Verweisung aus Geschäftsbetriebe anderer Art nahezu gleich- kommt. Derartig« Erwägungen können zutreffend sein, wo sie zur Begründung der Zulässigkeit einer Konkurrenzbeschränkung innerhalb bestimmter Grenzen, namentlich bei kurzer Zeitdauer, a»geführt werden. Hier ist entscheidend, daß dem Bellagien ein nicht entziehbares Recht daraus zusteht, seinen Lebenslauf nach Art und Branche selbst zu bestimmen, und ihm kein Gewerbe- betrieb überall und dauernd verschlossen werden durfte, namenl- lich nicht der, in welchem er nach fast zwanzigjähriger Thätigkeit die beste Aussicht hatte, sein Fortkommen zu finden. Eine Anklage wegen Thierquälcrei gelangte gestern vor der achten Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung. Der Kutscher Bai er fuhr am 13. März mit einem einspänuigeu Rollwagen auf den Hof eines Hanfes in der Waldemarstraße, wo er eine Kiste abgulade» hatte. Nachdem dies geschehen mar, mußte der Angeklagte das Fuhrwerk wenden, was bei der Enge des Hofes mit Schwierigkeiten verknüpst war. Er zerrte mit dem Pferde hin und her und schließlich in eine Ecke hinein, wo sich ein Ausguß befand, der mit spitzen Eisenstäben eingefaßt war. Das Pferd kam hier zu Falle und mehrere der Stäbe drangen demselben ins Fleisch. ES mußte fürchterliche Schmerzen erdulden; denn es schrie unaufhörlich, eine bei Pferden seltene Erscheinung. Der Angeklagte war nicht im Stande, das Pferd allein aus seiner peinlichen Lage zu befreien, er holte sich Hilfe. Es dauerte wohl eine Viertelstunde, bevor das arme Thier ausgerichtet war, es dampfte auf dem ganzen Leibe und blutete aus mehreren Wunden. Der Angeklagte spannte das Pserd wieder ein und hat ihm nach- weislich keine Ruhe gegönnt, sondern es ununterbrochen bis zum Nachmittage benutzt.' In letzterem Umstaiide wurde die Thierquälerei gefunden. Das Schöffengericht hatte die Uebertretung niit einer Geldstrafe von ö Mark Geldstrafe geahndet, der Staatsanwalt aber Berufung eingelegt, weil er die Strafe für viel zu niedrig hielt. Er beantragte im gestrigen Termine eine Woche Haft. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß er das Pferd auf ausdrücklichen Befehl seines Herrn, dem er das Vorkonimniß mitgelheilt, zum weiteren Betrieb habe verwenden müssen. Der Gerichtshof hielt diesen Einwand nicht für stichhaltig, sondern erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts. Durch Weglöschnng eines BleistiftvermerkS auf einem Schlußscheine sollte sich der Mehlhändler Moritz Fließ einer Urkundenfälschung schuldig gemacht haben, die ihn gestern vor die erste Ferienstrafkammer des Landgerichts l führte. Ter Angeklagte stand seit längerer Zeit mit dem Bäckermeister Mündt in Geschäftsverbindung. Im November v. I. besuchte Fließ den Mündt und veranlaßt? ihn, für einen späteren Termin 50 Sack Roggenmehl zu bestellen. Der Versuch des Angeklagten, den Kunden auch zur Bestellung von 50 Sack Sprottauer Weizenmehl zu veranlassen, stieß seitens des Mündt auf Wider- stand, denn einestheils war er noch mit diesem Artikel versehen, an- derncheils wollte er nur das billigere Danziger Mehl verarbeiten. Durch das Drängen des Angeklagten kam aber schließlich doch eine Vereinbarung dahin zu Stande, daß Mündt sich zu einem späteren Termine zur Abnahme von 50 Sack Sprottauer Mehl verpflichtete, falls zu dieser Zeit Danziger Mehl nicht zu haben sei. Da Mündt darauf bestand, mußte der Angeklagte in dem Schlußschein diese Bedingung nachtragen. Es geschah dies mittels eines Bleistifts. Als die Lieferungsfrist verstrichen war, bestand der Angeklagte darauf.daß Mündt die 50 Sack Sprottauer M ehl abnehmen sollie. Mündt weigerte sich unter Hinweis auf die Vereinbarung worauf ihm der von ihm unterschriebene Schlußschein vorgelegt wurde. Der Bleististvermerk war verschwunden, und trotz seines Leugnens wurde der Angeklagte für überführt erachtet, den Ver- merk in gewinnsüchtiger Absicht ausradirt zu haben. Der Staats- auwalt beantragte drei Monate Gefängniß, der Gerichtshof be- rücksichtigte indessen, daß das Verhalten des Angeklagten als ein arger Verstoß gegen Treu und Glauben im kaufmännischen Verkehr angesehen werden müsse und verurtheilte deshalb den Angeklagten zu einer Gefängniß st rase von sechs Monaten. SoZuils AolsevNtbt. Achtung! Stockarbeitcr! Alle diejenigen, die noch im Besitze von Sammellisten, betreffend den Streik bei der Firma Gebr. Kalinorsky sind, werden ersucht, dieselben so rasch wie möglich bei Klinger, Stralauerstr. 41, Hof 2 Treppen, abzugeben. Die Agitationskommission. Achtung, Metallarbeiter! Ter Streik in der Schrauben- fabrik von Willing u. V i o l e t(Bourset u. Weiler), Cuvry- straße 20, dauert unverändert fort, der Zuzug ist streng fern- zuhalten. Der Vorstand des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Achtung, GcwcrbcgcrichtS-BcisiNcr! Nachdem die Frageblocks und Protokollformu- lare fertiggestellt und an die Ausschußmitglieder zur Verth ei- lung gelangt sind, können dieselben von den Beisitzern in Empfang genommen werden. Indem wir nochmals darauf hinweisen, daß die Bericht- erstattung über die Verhandlungen des Gewerbegerichts durch ge- wissenhafte Ausfüllung der Protokollsormulare für eine aufzu- stellende Statistik im Interesse der Arbeiterbewegung liegt, bitten wir, die Protokolle an die Adresse des Unterzeichneten einzu- senden. Tie Adressen der Ausschuß-Mitglieder sind folgende: Bäcker E. Pfeiffer, Bernauerstr. 30. Hausdiener O. Grauer, Nene Grünsir. 10. Töpfer K. Thieme, Ruppinerstr. 4. lavierarbeite r K. Riediger, Oranienstr. 24. S ch n e i d e r B. P f e i f s e r, Gr. Hainburgerstr. 20. Buchdrucker P. Stößel, Brüderstr. 32. Glasschleifer P. Meilchen, Oderbergcrstr. 14. Arbeiter W. Läpple, Schönholzerstr. 4. Kellner L. E b e r t, Oranienstr. 183. Im Auftrage: Alwin Kör st en. Skalitzerstr. 63,64, IV. Ein Schuhmacher- Streik ist zufolge einer Meldung der Generalkommission in Hamburg in der Fabrik der Akliengesell- schaft Stockholmer Schuhwanren, Stockholm, ausgebrochen. 50 Mann befinden sich im Ausstande. Da nun die Unternehmer beabsichtigen, fremde Arbeitskräfte heranzuziehen, wird gebeten, den Zuzug strengstens fernzuhalten. Der Ring der Magdeburger Branereibcfitzcr ist ge- sprengt. Das Sudenburger Brauhaus hat zu lHäuden des Rechtsanwalt Heine die Erklärung abgegeben, aus dem Verbände der Branereieir Magdeburgs ausscheiden zu wollen, worauf die Magdeburger Lokalkommisston den Boykott über diese Brauerei für aufgehoben erklärte. Räch langem Kampf hätten somit die Magdeburger Parteigenossen den ersten Erfolg errungen, der hoffentlich jetzt bald zu weiteren führen wird. Zu einem Deuunziantenstiicklcin, wie es im Buche steht, haben ein paar brave Handwerksmeister in U l m liebevoll ihre Hand dargeboten. Wie der„Schwöb. Tagw." von dorther ge- schrieben wird. bekam die Inhaberin eines Friseurgeschäfts ein von dem appr. Bader Butz im Auftrag von sieben Friseuren verfaßtes Schreiben etwa folgenden Wortlauts:„Im Auftrag der Herren Friseure(folgen die Namen) theile ich Ihnen mit, daß in der gestrigen Versammlung beschlossen wurde, daß Sie Ihren Gehilfen fyeßler bis in 14 Tagen zu entlassen haben, widrigenfalls wir die Militärbehörde er- suchen werden, auf Ihr G e s ch ä s t M i l i t ä r v e r« bot zu legen, indem Sie einen Sozialdemo- kraten als Geschäftsführer haben. In der Versammlung am 4. Juli bat er sich in seinem wahren Gesicht als Sozialdemokrat gezeigt, indem er auch noch seine Freunde, lauter echte Sozialdemokraten, eingeladen hatte."— Der böse Mann, der auf solche Weise mit militärischer Unterstützung gemaßregelt werden soll, muß doch Schreckliches verbrochen haben, wirb vielleicht Mancher denken. Nun ja, er hat sich angemaßt, in einer von Friscurpriuzipalen und-Gehilfen, sowie von Vertretern der Gewerkschaften besuchten Versammlung aber„die geschäftliche Lage in Ulm" zu reden und dabei die Schäden bioszulegen, unter welchen sowohl Prinzipale als Ge- Hilfen zu leiden haben. Aber die ungeschininrte Wahrheit kann nicht Jedermann hören, darum muß der Arbeiter als Sozial- demokrat verschrieen und gemaßregelt werden, damit„Ordnung, Ruhe und Zusriedenheit" weiter herrsche. Rur so weiter ge- macht, die Sozialdemokratie ist es nicht, welche den Schaden dabei hat. Es ist übrigens bezeichnend für die heutigen Zustände, daß ein paar Handwerksbrüder getrosten Muthes sich des Militär- boykotts versichert halten dürfen, wo es sich um einen Sozial- demokraten Handell. Ist es bei solcher Harmonie der Interessen Handwerk und Militarismus verwunderlich, daß unsere Zünjtler zugleich die tollsten Hurrahpatrioten sind? Nochmals Herr Dr. Hans Müller. Die Blamage, welche die Berner tliegierung sich durch die Ausweisung der Herrn Dr. Hans Müller zugezogen, tritt erst recht zu Tage durch eine Erklärung, die Herr Professor Dr. Onken, sein ehemaliger Lehrer, im„BernersBund", veröffentlicht. Diese Erklärung, die als eine Art Zeugniß über das Wohlverhalten seines früheren Schülers anzusehen ist, enthält u. a. folgende Stellen: „Herr Hans Müller hat gegen Ende des verflossenen Winter- semcsters in der hiesigen philosophischen Fakultät sein Doktor- examcn bestanden auf grund einer von mir empfohlenen Disser- tation, betitelt„Holbach als Staats- und Gesellschaftsphilosoph". Diese Abhandlung besitzt absolut keine sozialistische Färbung und ist, wie ich hier öffentlich wiederhole, die viel- leicht beste Doktordissertation, die mir während meiner lehramt- lichen Praxis zur Begutachtung vorgelegen hat. Herr Hans Muller hat in dem meiner Leitung unter- stehenden„Seminar für Volkswirthschastslehre und Konsularwesen" eine Reihe von Vorträgen über sozialpolitische Gegen- stände gehalten, die samt und sonders ihre Spitze gegen die Marxistische Lehre richteten, sodaß er in den darauffolgenden Debatten von solchen Mitgliedern, welche jener Lehre näher standen, als ein Abtrünniger der sozialistischen Partei mit Heslig- leit angegriffen worden ist. Es war mein Stolz und ist es noch bis heute, diesen be- gabten und, wie es meine Ucberzengung ist, auch ehrlich strebende» jungen Mann, der durch eine unglückliche Verkettung von Um- ständen in den soztuüflischen Strudel gerathen war, zu seinem besseren Selbst zurückgesührt und ihn in das Fahrwasser einer gemäßigten Sozialpolitik herübergerettet zu habe». Es sollte mir tief leid thun, wenn derselbe durch eine nicht hinreichend begründete Polizeimaßregel, die ihn gerade in einem Augenblicke trifft, wo er sein ganzes Hab und Gut in eine der Schweiz wahrhaftig nicht zur Unehre gereichende literarische Unternehmung gesteckt hat, wieder in seine alte Sphäre zurückgestoßen und dann mit einigem Grund ein Feind der gegenwärtigen Gesellschafts« o r d n u n g werden würde. Da Herr Hans Müller, wofür ich eintrete, nicht mehr So- zialist, geschweige denn Anarchist ist, auch, wofür ich Beweise zu haben glaube, weder bei der Begründung der Partei der Unab- hängigen in Zürich betheiligt war. noch in Bern anarchistische Flugblätter vertrieben hat. noch hier überhaupt Beziehungen zu jener Partei unterhält, so fällt für mich auch«die Annahme dahin, als habe bei der Sammlung der Mitarbeiterschaft zu den „Schweiz. Blättern für Wirthschafts- und Sozialpolitik" ein Mißbrauch der Namen stattgefunden. Die im heutigen„Intelligenz- blatt" enthaltene diesfällige Behauptung muß ich deshalb als eine Leichtfertigkeit bezeichnen." In polizeilich bevormundeten Ländern ist man gewohnt, daß über das Aufenthaltsrecht eines„Fremden" souverän, unter Nichtachtung der Volksmeinung geschaltet und gewaltet werde. Ein. freies Land meinen wir, wie ein Schweizer Kanton, wo das Volk auch ein kräftig Wörtlein mitzureden hat, blamirt sich aber bereits unsterblich, wenn es einen wirklichen„Feind der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung" ausweist; dem Fluch der Lächerlichkeit verfällt es jedoch, wenn ihm schon Leute gefährlich dünken, die den ausgesprochenen Willen kundgeben, die heutige Gesellschaft gegen die Umstürzler durch Wort und Schrift nach Kräften zu verlheidigen. Zur Ehre des übrigen Schweizervolkes muß denn auch gesagt werden, daß keine andere Kantons- regierung daran denkt, dein Aufenthalt des Herrn Dr. Müller Schwierigkeiten in den Weg zu legen. H-rm Müller persönlich gratuliren wir übrigens dazu, daß er sich aus sozialistischem Irrwahn herausgerungen hat. Durch Nacht zum— Onken! In der Ttadtvcrordneten-Versammlung zu Mainz hat vor kurzem Genosse I ö st den Antrag gestellt, die Stadt möge in Gemäßheit§ 119 Abs. 2 der Gewerbe-Ordnung e i n Ortsstatut zur Regelung der Lohn- und Ab- schlagszahlungen erlassen und dabei acht- t ä g i g e F r i st e n festsetzen. Der Antrag wurde in eine Kommission verwiesen. Tie Beisitzer der Arbeitnehmer lind Arbeitgeber des Gewerbegerichts wurden von der Bürgermeisterei um ihr Gutachten ersucht und haben in einer gestern im Sitzuiigssnal der Stadtverordneten stattgehabten Sitzung mit allen gegen zwei Stimmen sich für den Erlaß eines Orts- statuts ausgesprochen. Gleichzeitig auch befragt, wie sich das Gewerbegericht gegenüber der Pos. 2 desselben Paragraphen verhalte, wo- nach der von minderjährigen Arbeitern verdiente Lohn an die Eltern oder Vormünder und nur mit deren schriftlicher Zustimmung oder nach deren Bescheiiiigung über den Ciupfang der letzten Lohnzahlung unmittelbar an die Minder- jährigen gezahlt werden soll, worüber das hessische Ministerium Auskunft haben wollte, ob sich der Erlaß einer solchen Be- stiiniiir.ng rechtfertige, antwortete das Gericht e i n st i m in i g mit Rein. Auf Anregung der Arbeitnehmer wurde unter Zustimmung der Arbeitgeber noch einstiiiimig der Wunsch ausgesprochen, dem zu erlassenden Ortsstatut die Be- stiiiilniiiig anzuhängen, wonach»ach dem Vorgang der städtischen Betriebe die wöchentliche Lohnzahlung von dem seither üblichen Soniiabciid aus Donnerstag verlegt wird, weil der Hauptwochen- markt in hiesiger Stadt auf Freitag fällt»nd»in die durch die Einführung der Sonntagsruhe im Haiidelsgewerbe herbeigeführte erschiverte Eiiikaufsgelegeiiheit zu paralysiren. Dezentralisation der Jiidnstrie. Ter soeben erschienene „Bericht über Handel und Industrie von Berlin im Jahre 1892, erstattet von den Aeltesten der Kailfmaniischast von Berlin" macht folgende bcmerkciisiverthe Mittheilung über den Wegzug gewisser Industrien aus Berlin i» die Provinz, die eine wesentliche Ab- weichiiiig von d■'.'»st beobachteten Zeiitralifatioiisbestreben der modernen Indus.... bedeuten würde:„Es ist schon länger beob- achtet worden und entspricht der großstädtischen Eiitwickelung der Reichshauplsladt, daß die hiesigen Fabrikationsslätten bezüglich der Löhne, der Grundstückspreis-, der Anforderungen der Bauordnung und anderer Geschäslsunkosten unter ungünstigeren Bediiigungen arbeiten als ihre Konklirrsilten in der Provinz. Seit Jahren ziehen sich daher viele industrielle Etablissements zunächst an die Peripherie der Stadt und dann auch wohl aus derselben hinaus. Unsere Spezialberichte geben»lanche Anhalts- punkte dafür, daß diese Bewegung noch nicht zum Abschluß ge- kouimen ist. Der Bericht über Tabaksabrikation bemerkt, daß in Berlin die kaufliiänuische LciUmg einer sehr bedeutenden Zigarren- fabrikalion ihren Sitz habe, während die Fabrikation selber mehr und mehr in der Provinz mit ihren billigeren Löhnen und An- lagekosten betrieben werde. Fabrikanten von Hebewerkzeugen uns von Baugnßeisen berichten, daß die Preise ihrer Erzeugnisse außerordentlich gedrückt würden durch die provinziale Konkurrenz; es drohe ihnen, daß sie in ihrem Absatz auf Berlin beschränkt würden, und vielfach werde ihnen auch dies Gebiet streitig ge- macht. Aehnlich ergeht es der Fabrikation von gewöhnlichem Ge- brauchsporzellan, soivie auch der Forstpflanzeiizllcht der Handels- gärtner. Auch die Färberei von Woileiigarn gehl in Berlin zurück, da die hiesige Tertilindustrie ihre Färbaufträge— weiiigsteiis wenn an die Qualität nicht die höchsten An- f orderungen gestellt werden— in der Provinz billiger als hier vergeben kami." Ein allgemeiner Fortgang dieser Dezentralisation, meint das „Sozialpoliiische Zentralblalt", dem wir diese Notiz entuehineii, wäre für die gesunde soziale Entivicklung vielleicht garnichr unerwünscht. Vor allem, sügen wir hinzu, insoweit nicht, als- dann die moderne Arbeiterbewegiliig sich gleichmäßiger über das platte Land ausbreiten und noch intensiver als bisher das Denken c>er Landarbeiterschaft revolutioniren würde. Zur Bevormundung der minderjährigen Arbeiter. Der Magistrat von Wiesbaden hatte das Gewerbegericht um ein Gutachten darüber ersucht, ob es angezeigt erscheine, sür Wiesbaden von dein§ 119». Absatz 2. Pos. 2 und 3 der Gewerbe- Ordnung Gebrauch zu machen. Diese Bestimmuligen lauten: Durch statutarische Bestimm», ig einer Gemeiude oder eines weiteren Komiiiuiialverbandes kann für alle Gewerbetreibende oder gewisse Arte» derselben festgesetzt werden:.... 2. daß der von minderjährigen Arbeitern verdiente Lohn an die Eltern oder Vormünder und nur mit deren schriftlicher Zustiiiiinuiig oder nach deren Bescheinigung über de» Empsang der letzten Lohnzahlung unmittelbar an die Minderjährigen ge- zahlt wird; 3. daß die Gewerbetreibenden den Eltern oder Vor- inundern innerhalb gewisser Fristen Mittheilung von de» an »iliiderjährige Arbeiter gezadlten Lohnbeträgcn zu machen haben. Das Geiverbegericht konnte ein Bedürsniß zur Erlaffung eines solchen, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleich lästigen Octsstatilts nicht anerkennen und lehnte die Einsühruiig ein- stimmig ab. Maßgebend war hierbei noch besonders, daß die erziehliche Wirkung, die jene Gesetzesbestiiiimung haben soll, sehr leicht in das gerade Gcgentheil umschlagen könne und daß ferner Eltern resp. Vormünder kraft verschiedener anderer stiechte wohl in der Lage sind, sich den Lohn ihrer Pflegebefohlenen zu sichern und über deren Verhalten zu unterrichten. Vevfmnmhmgim. Die Berliner Gewerkschaftskommission hatte Freitag, den 21. Juli, bei Ehrenberg in der Annenstraß« eine öffentliche Versammlung. Zum erste» Plinkt der Tagesordnung: Anträge des Ausschusses, führte Genosse Jost aus: Es handele sich um große Ausgaben, die dadurch entstehen, daß sich die Roth- wendigkeit herausgestellt hat, ein ständiges Bureau mit einem besoldeten Arbeiter zu schaffen. Vor drei Jahren lag der da- maligen Streik-Kontrollkonnnission ob, nur kleinere Fragen zu regeln, betreffend Streiks, Listen u. s. w„ ja, seiner Zeit wurde die Frage ernsthaft ventilirt, ob die Streik-Kontrollkommission überhaupt bestehen bleiben solle. Nach und nach haben sich die verschiedensten Gewerkschaften für die Kommission erklärt. Es galt zur Zeil des Buchdruckerstreiks, strenge Maßregeln zu er- greifen, und beiläufig sind die Buchdrucker jetzt mit die thätigsten Mitglieder in der Koimiiission. Ferner traten andere Geiverk- schasten heran um Beihilfe zur Gründung von Organisatioiien, dann kamen die Arbeiten zu den GewerbsgerichtZ wählen, die sich alle 2 Jahre wiederholen, schon damals wurde es unbedingt nothwendig, eine besoldete Person anzustellen, ohne eine solche gehe es absolut nicht mehr; es sei nicht zu verlangen, daß jemand die Interessen der Arbeiter des Nachts vertrete, und am Tage für seine und seiner Familie Existenz arbeite; zum wenigsten müsse diese Person wirthschaftlich sicher gestellt sein. Es müsse inmitten der Stadt, in der Nähe des Gewerbegerichts. ein Lokal resp. Bureau eingerichtet werden, wo die Arbeiter sich Rath holen können, wohin die Gewerbegerichts- Beisitzer sich wenden betreffs Besprechung über Vertagungstermine u. s. ro. Klar sei. daß die Gewerkschaftskommisfion sich zum festen Rück- grat der Gewerkschaften herangebildet habe, 50 bis 60 Gewerk schasten betheiligen sich daran. Der Kostenpunkt würde jährlich 2000 bis 2500 M. betragen, doch ist zu erwarten, daß die Ge- werkschaften diese Summe aufbringen würden, sind doch für manche Streiks tausende von Mark durch die Kommission allein aufgebracht worden. Kersten im Namen der Gewerbe gerichts- Beisitzer erklärt, das von Jost Au-!geführte voll und ganz zu unterschreiben. Auch sie, die Gewerb egerichts- Beisitzer, wären in Kürze mit einem ähnlichen Antrage hervorgetreten, nur käme ihnen dieser Antrag etwas verfrüht, er ersuche die Vertreter, in ihren Gewerkschaften diesen Antrag erst gründlich zu be- sprechen, hauptsächlich die Teckungsfrage; zur dann stattzufindenden Berathung halte er es für nöthig, daß beide Kommissionen ge- meinsam berathen, und beantrage er, da die Nothwendigkeit. eine Zentrale zn schaffen, sich durchaus herausgestellt, diesen Punkt aus vier Wochen zu vertagen, damit den Vertretern der Gewerk- schasten Zeit gegeben sei, diese Angelegenheit in ihren Gewerk- schasten vorzutragen, resp. öffentliche Versammlungen zur Be- sprechung dieses Punktes einzuberufen. Dieser Antrag wurde nach der Debatte einstimmig angenommen. In den Ausschuß wurden einstimmig wiedergewählt: Busse, Millarg, Massini und V ö l k e l. Hinzugewählt wurden: Franke, Möbelpolirer, Bernitzki, Metallarbeiter, und Dost, Drechsler. Zu Revi soren wählte man: Thal, Hildebrandt und Jungnickel. Zum Punkt 4: Einführung der Arbeiter-Kontrollmarke in Bäckerei betrieben bemerkte V ö l k c l: Vor kurzem ist mit den Bäckern über die Angelegenheit der Kontrollniarke verhandelt, jedoch ge- fordert worden, daß die Bäcker mit bestimmten Anträgen vor die Kommission hintreten. Dies ist nun erfolgt. Es haben zwei große Versammlungen stattgefunden, die sich für Einführung der Kontroll- marken ausgesprochen haben, und könne nunmehr die Gewerkschasts- Kommission Stellung zur Frage nehmen. Einem unterdessen eingegangenen Antrage, die Präsenz- liste zu verlesen und die oft sehlenden Delegirtcn im„Vorwärts" zu veröffentlichen, ergab Folgendes: Es waren 63 Gewerkschaften vertreten, 16 Telegirte fehlten, und zwar: Müller, Schlächter, Pserdebahn-Bedienstete, Kaufleute, Dachdecker, Klempner, Stockarbeiter, Textilarbeiter, Putzfach- Blumen- fabrikation, Xylographcn, Firmenschildbranche, Licht- und Seifen arbeiter, Musiker. K r e t s ch m a r(Bäcker) berichtet: Die traurigen Zustände im Bäckereibetriebe, wie sie die bekannte Bebel'sche Broschüre schildert, treffen genau zu. Um diesen Uebelständen einigermaßen abzuhelfen, habe man die Forderungen gestellt: I2stündige Arbeitszeit, gesunde Wohn- resp. Schlafräume der Bäckerei- Arbeiter, sowie Entnahme von Arbeitskräften aus dem Arbeitsnachweis der Gesellen, um dadurch dem Kommissionsunwesen ein Halt zu gebieten. Ferner 18 M. Minimallohn; wo Kost und Logis noch bestehen, 8 M Wochenlohn. Brot, unter diesen Verhältnissen hergestellt, werde die Kontrollmarke aufgeklebt, um den Konsumenten, gleichviel welcher Parteistellung dieselben angehören, zu sagen, daß diese Waare unter gesundheitlichen Bedingungen hergestellt worden sei. Er empfehle der Gewerkschastskomniission die Annahme der schon im„Vorwärts" veröffentlichten diesbezüglichen Resolution. Ferner ersuchte der Redner die Kommission, Volksversammlungen einzuberufen, auch die Gewerkschaften, in ihren öffentlichen Ver- fammlungcn die Einführung der Kontrollmarke in den Bäckerei betrieben auf die Tagesordnung zu fetzen und ihn, den Redner, (ftretfchmar, Rykefir. 3) davon in Kenntniß zu setzen. Dr. Adolf Braun erklärt: in Sachen der Kontrollmarke auf dem Stand- punkt des Genossen Auer zu stehen, doch in diesem Falle sprächen ihm zwei triftige Gründe für die Einführung, einmal sei die Organisation der Bäcker nicht so genügend gestärkt, um ein anderes Kampfesmittel wirksam in Anwendung zu bringen, dann aber auch haben sämmtliche Konsumenten ein Jntereffe daran, daß das Brot unter gesundheitlichen Verhältnissen hergestellt werde. Eine reichskommissarische Statistik hat sich wohl mit anderem, doch in keiner Weise mit den Wohnungen der Bäckerei- arbeiter beschäsligt. Mit Ausnahme von vier Bäckereien sind in sämmtlichen anderen die verschiedensten Mißstände zu verzeichnen. So fehle z. B. in �/io der Betriebe jeder Spucknapf; hierin liege große Gefahr für Verbreitung der Tuberkulose; in der Hälfte der Betriebe fehle jede Waschgclegenhcit. Handtücher kommen auf drei Personen wöchentlich 2, ganz vereinzelt ist, daß mehr wie 1 Hand- tuch aus die Person kommt. Klosettanlagen sind sehr mangel- Haft, einzelne liegen direkt in der Backstube. In vielen Fällen schlafen 2 Bäcker zusammen in einem Bett, auch abwechselnd schläft des Nachts das Dienstmädchen, am Tage der Geselle in ein und demselben Bett. Die Bettwäsche wurde gewechselt in 82 Bäckereien alle 4 Wochen, in 25 alle 6 Wochen, in 5 alle 8 Wochen, in 10 alle 3 Monate, in 1 Bäckerei alle 6 Monate. Alle diese Miß- stände werden in nächster Zeit in einer Brochüre veröffentlicht werden, und empfehle er, dieselbe in den öffentlichen Versamm- lungen recht zahlreich zn verbreiten. Da e,ne lebhaste Debatte über das Für und Wider der Zweckmäßigkeit der Kontrollmarke, an der sich die Genoffcn: Massini, Kröpler, Buttry, Schlüter, Trittelwitz, Völkel, Faber, Plötz be- theiligten, viele Meinungsverschiedenheiten hervorbrachte, be- antragte A. Schulz diesen Punkt in nächster Versammlung noch einmal zur gründlichen Besprechung aus die Tagesordnung zu setzen. Hiernach wurde einstimmig die Resolution der Bäcker angenommen, dem Antrage A. Schulz zugestimmt, und fol- gende Resolution angenommen:„Die heutige Versammlung der Telcgirten der Gewerkschastskommission erklärt es für Pflicht eines jeden Telcgirten, für Einführung und Nusbreiiung der Kontrollmarken in ihrer Gewerkschaft thatkräftig einzutreten, ebenfalls in ihrer Fachpresse für dieselbe Propaganda zu machen." R e g g e(Kürschner) berichtet über den gegenwärtigen Stand des Ausstandes und ersucht um weitere Unterstützung in dem Kampf. F a b e r erklärt, daß zur Zeit des Ausstandes der Kürschner die Wahlbewegung eine Versammlung der Gewerk- schaflskommission nicht möglich machte, der Ausschuß jedoch den berechtigten Streik zur Zeit sanktionirte, und ersuchte die Ver- sammlung um die nachträgliche Sanktion, die bereitwilligst er- theilt wurde. Zum Schlüsse erklärte Steiner(Brauer) soeben von einer Sitzung mit der Lokalkommission kommend, habe er die Genehmigung zur öffentlichen Bekanntgabe erhalten, daß diejenigen Brauereien, welche nicht der Vereinigung (Brauerciring) angehören in erster Linie bei Vergnügen und Festlichkeiten von den Genossen zu berücksichtigen seien. Millarg forderte auf zur baldigen Abrechnung der Berg- arbeiter- und Gewerbegerichtslisten, von ersteren stehen noch 15, von letzteren 20 aus. Sind dieselben bis zur öffentlichen Ab- rechnung nicht eingegangen, so sieht sich die Kommission ver- anlaßt, die Namen der Säumige» zu veröffentlichen. Ter Verein zur Wahrung der Interessen der Gast- und Echankwirthc Berlins und Umgegend hielt am 21. Juli seine ordentliche Generalversammlung ab. Zunächst theilte der Vorsitzende Lorenz mit, daß die Frau des Kollegen M a l i tz, Annenstr. 37, verstorben ist, und erheben sich ihr zu Ehren die Anwesenden von den Sitzen. Der Kassirer Spiekermann verlas hieraus den Vierteljahresbericht. Mit dem Bestand vom I. Quartal betrugen die Einnahmen 2 262,40 M., die Ausgaben 748,95 M., mithin verbleibt ein Bestand von 1 518,54 M. Der Vorsitzende � der Rechtsschichkommission Böhl erhielt für sein nnentschuld-igtes Ausbleiben in der Versammlung eine Rüge. Verschiedene Beschwerden über die Geschäftsführung der Kom- Mission Hab« n diese veranlaßt, einen Beschluß zu fassen, wonach jeder, der Rechtsschutz nachsucht, bis Punkt Vz6 Uhr in der Sitzung antuesend sein muß, andernfalls die Sache nicht ver- handelt wird>. R. Mendt hat wegen Verzugs nach außerhalb sein Amt all! Beisitzer niedergelegt, und es wurden daraushin Linde mavn und L ü d t k e als Beisitzer gewählt. Ein Antrag des Vorstandes, da das Fachorgan„Der Gastwirts- Gehilfe" obligatorisch eingeführt ist, nun die Annoncen im„Vorwärts� wegfallen zu lassen, wurde mit 31 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Neu aufgeno mmen in den Verein wurden Ernst Jahn Zossenerstr. 6!, Hugo Osang, Reichenbergerstr. 47, Paul Weiß, Andveasstr. 77, und Karl Paul, Friedrichsbergerstr. 19 Für de«: Kreis Nieder-Varnim fand am 23. Juli in Friedrichsberg eine Parteiversammlung statt, in der Reichstags Abgeordneter iStadthagen über„den internationalen Mili tarismus und den internationalen Kongreß" sprach. Liedner wies auf den«enlöslichen Zusammenhang hin, der zwischen dem Militarismus m>.d dem Kapitalismus besteht, und meinte, nach dem die Militär vorläge angenoinmen worden sei, werde gleich wohl der Rcichsbag sein natürliches Ende nicht erreichen, sondern wahrscheinlich aus demselben Grunde ivie sein Vorgänger aus- gelöst werden. Sieue Militärvorlagen werden kommen, schon jetzt würde in der Regierungspresse von neue» Forderungen für die Marine gespro che». Der Kampf gegen den Militarismus dürfe daher nicht r uhen, er müsse geführt werden durch Auf- klärung über die Schädlichkeit des Kapitalismus, der des Mili- tarismus als Schutz b-darf. Dazu sei freilich ein Beschluß, wie die Holländer ihn von dem Züricher Kongreß verlangen, nicht ge- eignet; der Kongreß werde diesbezüglich nur den Beschluß des Brüsseler Kongresses wieder annehmen können. Redner ging noch kurz auf die weiteren Punkte der Tagesordnung des Züricher Kongresses ein und schloß mit dem Ausdruck der Neber- zeugung, daß der rnlernationale Kongreß ein tüchtiges Stück weiter zuni Siege der Sozialdemokratie bedeuten iverde. Mit Beifall stimmte die Versammlung diesen Aus führungen zn. In der Diskussion wünschte Freiwald. Pankow strikte Durchführung des Ruhenlasseiis der Arbeit am 1. Mai sowie Annahme des amerikanischen Antrages über den Parla- mentarismus und Aufnahme der Nothwendigkeit des ökonomischen Kampfes neben der des politischen in den deutschen Antrag. Letzteres erklärte Stadthagen nach der übrigen Fassung des An- träges für überflüssig. Die Versammlung wählte dann als Telegirte» zum Zürtcher Kongreß Stadthagen und als Stellvertreter W u ch t aus Friedrichshagen. Zu Verschiedenem machte ein Genosse darauf aufmerksam, daß in Rummelsburg in einer Fabrik von 6 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends gearbeitet wird und dabei der Wochenvcrdienst nur 18,50 M. beträgt. Redner wünscht, daß im Reichstag die Ein führung eines Maximal-Arbeitstages beantragt wird. Die Ver- sammlung nahm dann folgende Resolution an:„Die Lokal kommissionen des Niederbarnimer Kreises sind verpflichtet, dahin zu wirken, daß die Wirthe, welche Bier von der boykottirten Spandauer Bergbrauerei entnehmen, im„Vorwärts" und im „Volksblatt" veröffentlicht werden." Es wurde ferner die Weißenseeer Flugblatt-Angelegenhcit erwähnt und dabei bedauert. daß von Weißensee niemand anwesend ,var. Damit waren die Kreisangelegenheiten erledigt. Die Genossen von Friedrichsberg beschlossen noch, die Lassalleseier auch auf dem platten Lande zu begehen; zur Vorbereitung wurde ein Komitee von neun Per- sonen gewählt. In der Wanderversammlung des Frauen« und M ä d ch en- Bil d u n g s v e rei n s, die am 19. Juli statt fand, hielt Genosse Wach einen sehr interessanten Vortrag über die wirthschastlichen Verhältnisse und die Moralanschauungen. Hieran schloß sich eine lebhaste Diskussion, in der Fr. L e u s ch- n e r, Fr. R a d e m a n n und Frl. Wahnitz im Sinne des Referenten sprachen. Einer von„ngefähr SOO Personen besuchten Zimmerer- versammluug, die am Sonntag stattfand, wurde das von der Neuner-Kommission ausgearbeitete Statut vorgelegt, welches als Grundlage der angestrebten einheitlichen Organisation der Ber- liner Zimmerer dienen soll. Eine Diskussion über die einzelnen Paragraphen unterblieb, das Statut wurde gegen wenige Stimmen angenommen. Seine Spezialberathung und endgiltige Annahme soll der Generalversammlung vorbehalten sein. Die Form des neuen„Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend", wie er benannt wurde, ist die lokale Zentralisation; im Laufe der Zeit sollen in den Vororten Filialen errichtet werden. Vorgesehen sind im Statut ein unenlgeltlicher Rechtsschutz, Wander-Unter- tützung, Unterstützung Gemaßregelter, eine Bibliothek und für Zie Versammlungen Vorträge gewerkschaftlichen und Wissenschaft- lichen Inhalts. Die Arbeiten, welche die Neugriindung bis zur endgiltigen Konstituiruug des Vereins nothwendig macht, übertrug man der Neuner-Kommission. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß die beiden bestehende Vereinen, die Freie Vereinigung und die Berbandsfiliale, sich auflösen mögen und daß ihre Mitglieder insgesannnt sich dem„Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend" anschließen möchten. Der letzte Punkt der Tagesordnung:„Gewerkschaftliches", führte zu einer lebhasten Debatte über die Vorlheile der Hilfskassen, sowie über den als reaktionär bezeichneten Beerdigungsvercin. Diesen ver- urtheilend, tralen mehrere Redner mit Wärme für die neu- geschaffene ktampfesorganisation ein. In den ausgelegten Listen Zeichneten sich etwa hundert der Anwesenden als Mitglieder ein. Nach dem guten Verlauf der Versammlung scheint es, als sollten nun endlich die unerquicklichen Debatten über die Organisalions- 'vrm unter den Berliner Zimmerern verschwinden. Der Fachverein der Uhrmacher und verwandten Berufsgenossen hielt am 15. Juli eine Mitgliederversamm- lung ab, in der Herr Timm über„Das Handwerk früher und etzt" sprach. An der Hand der Geschichte bewies der Redner, daß der sogen: goldene Boden des Handwerks längst entschwunden und die wieder auflebenden Innungen gänzlich ungenügende Mittel seien, um dem im Kampfe gegen das Kapital unterliegen- den Handwerk Helsen zu können. Rur das Erkennen seiner Lage und der Anschluß an die Sozialdemokratie könne auch den Handwerker besseren Zeiten entgegensühren. Neber den beifällig aufgenommenen Vortrag wurde von einer Diskussion Abstand genommen. Die nächste Versammlung findet am 29. d. M. statt und wird um regen Besuch gebeten. Freie Vereinigung der Kauflente berief am l. Juli zum ersten Mal nach den Wahlen eine Versammlung ein, in der Kollege Heymann über:„die Reichstagswahle» und die Handlungs- zehilfen" refcrirte. Redner schilderte wie bei den letzicn Wahlen ?ie Begeisterung selbst bis in die indifferentesten Reihen der Kollegen Platz gegriffen. Sie erkennen immer deutlicher, daß ihre Lage sich um so ungünstiger gestaltet, je mehr die Konzen- tration auch des Handelskapitals zunimmt, je schneller die ökonomische Entwicklung fortschreitet. Sie haben ferner richtig erkannt, daß nur die Sozialdemokratie diejenige Partei ist, die die Schäden im Handelsgewerbe rücksichtslos zur Sprache bringt und ihre Forderungen bei den gesetzgebenden Körperschaften ver- tritt. Redner kommt auf die von der Reichskommisston für Arbeiterstatistik unternommene Enquete über die jVerhältniffe im Handelsgewerbe zu sprechen, die trotz der schlechten Handhabung»nd trotz einer Reihe von Mängeln ganz überraschend« Resultate zu Tage förderte und uns Zustände vor Augen führte, wie sie in keiner anderen Arbeiterklasse hervortreten. Um so mehr müssen wir aus unseren Forderungen beharren, wir verlangen: vollständige Einführung der Sonntags- ruhe in allen mit Ausnahme der Lebensmittelhranche, Ver- kürzung der Arbeitszeit an Wochentagen, gesetzliche Festkegunz der Kranken- und Unfallversicherung für alle im Handslsgewerbe Angestellten, Errichtung von Gewerbegcrichten, auch im Handelsgewerbe, gesetzliche Regelung der Kündigungsfristen. Mit diesen Forderungen treten wir auch vor den neue» Reichstag sind und entschlossen, nicht eher zu ruhen, als bis uns diese bewilligt werden. In der hierauf folgenden Diskussion entspann sich eine lebhafte Debatte über die Mittel zu einer erfolgreichen Agitation. Dahingehende Vorschläge und Anregungen der Genossim Bor- chard, Jastrow, Adler, Heymann, Born fanden vielseitig Zu- stimmung. Unter anderem wurde zunächst der Beschluß gefaßt, von nun ab regelmäßig alle 14 Tage Mitgliederversammlungen einzuberufen. Mit einem Hoch auf die internationale Sozial- demokratie schloß die Versammlung. Am Montag, den 17. Jnli, fand in Küstr i n eftie öffentliche von etwa 150 Personen, Männern und Frauen, besilchte Ver- sammlung statt, in welcher Genosse Hoffmann ans Berlin über das„Erfurter Programm" reserirte. Die Anwesenden bewahrten die gespannteste Aufmerksamkeit bis zum Schluß des zweistündigen Vortrags. Die Versammlung fand statt im Lokale des! Genossen Albert Bärrn, Lands bergerstr. 30, Küstriner Vorstadt. Es ist dies das einzige Lokal?, was»ns zur Verfügung steht und wo der „Vorwärts" und die„Märkische Volksstimme" ausliegt. Es ist daher Pflicht jedes Genossen, den Genossen Bärru zu unterstützen. Das Militär darf bei demselben selbstverständlich nicht mehr verkehren. FriedrichSfekde. In der Generalversammkur.g des Ar- b e i t e r- B i l d n n g s v e r e i n s, die am 20. Juli stattfand, wurde Genosse Priem zum Vorsitzenden gewählt. Der Kassen- bestand belief sich im letzten Quartal auf 63,22 M., und ergab die Abrechnung vom Osterveranügen eine Einnahme von 45,75 M., eine Ausgabe von 45,50 M., bleibt ein Ueberschcrß von 25 Pf. Nach Regelung einiger unwesentlichen Angelegenhe iten schloß die Versammlung. xierri» gerlinrr Aausdieiie»'. DIenstaa, dm as. Iu!U, AbendS 9 Uhr, in den Aeminhallen, Kommandanlenstc. 20, Mitglieder-Veri! ammlung. Klintlililb r,otl)-3m;cc. Eihuno jede» T iensiag»ach dem es. Spiet- abend jeden Dienstag von o Uhr ab bei Herrath, Bveclhst r.?. Gauvrritm Srrlincr Kildhauer. Dienstag, den SS.:Zuti, Annenstr. IS, Versannninng. Tagesordnung: Sieinbildhauer-rlbend. Arbrit-r-Kiidungatch»!». Dienstag Abend von sjf.-io!j Uhr. Süd- Schule, Mariendorfersiraste 6(bei Grube): Deutsch(«Uttel.). Südost- Schule, Reichenbergcrstraße m: Gesetzsstunde und De» steh(unt). Ost- Schule, MarkuSstrasie Z!: Deutsch(unt.). Nord- Schule,. Müllerstrabe i7Za: Rechnen. Korrespondenz und Geschichte(atte). In allen Fächern, mit A»S- nähme Mathematik und Buchführung, können noch Schüle C und Schülerinnen auch jetzt im Lanfe des Semesters, eintreten. i-U-»nd z>i»ln,tirkln>>». Iiciillag,„Empört", Abends»)( Uhr, bei C. Vehrend, Blumenthalstr 6. Ari>rit-r-Si>»>>«rt»>nd Berlins und Umgeaend. gl lle Aenderungen im BercinSlalender sind zu richten an Friedr. Kortum, Manleus'elstr. 70. Dienstag, AbdS. oUhr, Uebungsstunde. Ausnahme neuer Mitglieder.— Freund'schast>, bei Oswald Berliner, Brunnenstr. iu.— O l u m p i a, Ädalbertftr. s bei Sauermann.— E ch i l d h orn, llscdomstr. es bei Mio) ste.— Allegro, Wrangelstr. Ui, bei Schmidt.— Alpenglocke, Grüner D en 29, bei Sacger.— Bruderherz, Andrcasstr. 2» bei Wilte— Zhn'scher Humor, Strauß- bergcrstraße 3 bei Birt.— Unverzagst 2, Moabit, tstronen-Brauerel.— 0 f f>: u n g 2, TeuIsch-WilmerSdors, Brandenburgsri aße bei Gray.— ialdtapelle, Reichenbergerstr. 19 bei Roscher.—«lrdeiter-Mat- d u n d, RowaweS, Wallstrabe bei Gärtner.— Sänge rkette, Kottbnser Damm 74 bei A. Hilte.— Kreuzbcrg, Lichterseiderftr.' 7—» bei Winter.— Alte Linde, Reichenbergerstraße 39 bei Fürstenau.— BorivärlS4 Rathenow, Restaurant Zur Erholung bei W. Frtefccke.— Einigkeit 2 LandSbergerstr. 3l bei Musehold.— Gesangverei» den Böttcher Steineiche, Jüdenslr. öS bei Trieschmann.— Vorw ärts S, Marwitz, bei Wilhelm Rölte.— Hiiaria, Frankfurtsrstr. 30 bei Haberecht.— W i e d c r h a l l, Eisenbahnstr. 20 bei Sieämnnd.— I 0 h a n n i. Ostbahnhos 7 bei Schulz.— Borwärts Z, FriedrichSfe) de, Wilhelmstr. 10 bei Mowber.— Gesangverein Rothe SI e l re 2, bei R>>bs. Rnppiner- und Schönholzerstraben- Ecke.— Schneeglöckchen I, Rtxdocf, Berliner- straste 19» bei Kummer.— Gesangverein Eintracht, Nieder. Schöniveide, Restaurant Hinz.— Mohr'scheS Dopvslquartett.Fri iedrichsdergerslr. 19. — Gssangvsrsm Frohsinn in Stralau, Geäst. Reib hachstche Brauerei. — Deutsche Liedertafel, Grüner Weg 2» bei Säger.— S ä n g e rg r u b, FriedrichShagen, Wank's Restaurant.— E p h e u, Ackers lr. 123 bei Ttümte. — Aesangvecetn„Freihell 1", Bülowstr. 05 bei Richte:.— Gesangverein „E ch 0 3" 9 Uhr Abends Uebungsstunde bei Reimann, Alle Schönhauser- iraße 42.— Eesangvereinverein Gerechttgteil Weide», Bülowstr. ss >ei Werner.— Gesang- und Thealervcrein„Acaeie"(aemifch. Ehori. Zeughvsstr 8 bei Behlendors.— Arbettcr-Wesangverei» Fr eih eil 2, Adlers- Hof, Restaurant 5ruhle.— Freies Lied 1 /Friedrichsberg, Frtedrtch-Karl- lrnß!>1 bei Hetnecke.— W a ch t a u f Wörlhcr- und Ri itestraßen- Ecks bei Schmidt.—„Lustige Sänger" in Potsdam, Brandenburger Kommuni- tationi».— ,.B lumen les e". Scbastiansir. bei Meäor.— Freiheit 3 Bernau, im SchützenhauS.— Freie Glbcken, Muriiannenstraße 31—32 bei Doberstein.— Senefelder, LandSbergerstr. 31 hei Seehausen.— „Vergißmeinnicht" bei Görste, Schul- und Ererzierstraßcn-Ecke.— Doppel- Quartett„Dämmerlicht", Frankfurter Allee 121 bei SB. lBetzcr.— Echo 3, gehlendors,«arlstraße bei, Regler.—„R 0 r d st e r n", Müllerstr. 7 bei Reichard.... A>i»d der geselligen Zirlielternerriiir Keriiiio«ud Umgegend. Alle Zufchrtsten, den Bund betreffend, stnd zu richten an P. Heute l, Bergmannstraße 21, Hos 2 Dr. Ileustag. Statkluv K reuz-Eolo bei Ratte. AndreaSstr. ib.— Dheaterverein ü) turne niese bei Sommer, Stall- ichreiberstr. 68.— Geselliger Verein Hossnung bei Fröhlich, istaunynstr. 43, alle 14 Tage.— Tambourverein Wirbel, bei Müller, Gor.lentlraße ö2.— Lonisenstädtischer Dheaterverein F r 0 h s t n n bei Möhring, l.dmiraistr. ist.— Tambourverein Deutsche Eiche bei Niederschuh, Furb Furb-.ingerstraße 7.— Tambour- Verein Borussia bei Scholz, Weidenweg, Eck e Möglinerstraße. — BeranügungSverein Klimbim bei Bredlow, Bülowstr. SS.— Tambour- oerein Rus bei Sperling, Jnselstr. 1.— Vergnügungsverein Amor II bei Beraemann, Prinzen-Allee lo.— Musikvcrein Hoffnung, bei Dretzier, Gisenbahnstr.«.— Geselliger Verein M e h r L t ch l bei Ewly, Gr. Frank- ürterstraße 133.— Geselliger Musitdilettanten-Verein Münstermann, bei Milte, Hochstr. 32a. Uebungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder.— Schütz-nverein Freiku gel, Skalitzerstr. S4 bei Henke.- Dheaterverein reundfchast. Abend« g Uhr beim Anhalttner, Dempelhoser User.— stauchllub Elvira, Abends 9 Uhr FriedrlchSfelderstr. 24 de« Lehmann. Gesang-, Nur«-«»d geseiiigc ziereiue. Hieustag. Gesangverein Anakreon, AbendS 9—11 Uhr, bei Keßner, Annenstratze 1».— Mufilverein Nord öX— 11 Ulm, Wriezenerslr.«, bei Sendke. Turnverein Gesundbrunnen. Die 1. Männer-Abiheilnng turnt von 10« Uhr in der Turnhalle deS Lesstna-GymnastumS, Panlstraße 9— 10.— Berliner T u r n g e n 0 s s e n s ch a f r. Die 9. Männerabtheiliing turnt jeden Dienstag und Freitag in der Semeindeschule, Blumenftr. 03a. Theater-Berein Oth e Ii 0 2 Abends 9 Uhr, bei DägerS. Gartenstr. lz-14. — Brival-Thcatcr-Wcscllschast Berliner Humor, Abends 0 Ahr, Köpnicker- straße lSS bei Buch«.— Privaltheaterveretn Eresecndo. AbendS, bei Nicolay, Elisabethkirchstr. 14.— Thcatervereln Bulkanta bei Täaer, Garlenslraße 13— 14.— Thcalerverew B u l ta n ta 2 AbendS ty Uhr Ackerst raste 144 Vorstädtisches Kasino.,„,„ BergnügungSverein A m i c t t i a, SX Uhr, bei Schönnagel, Barnlmstr. 47. — BeranügungSverein Retchskrone, Abends 9 Uhr, in Reichert s Fest- sälen, Müllerstr. 7.— Geselliger Berein Brüderschaft, im Restaurant Deutscher Reichsadler, Bensselstr. 9.— Äergnügungsoersin Saturn alta, heute Abend 9 Uhr, AndreaSstr. 3, geschäftliche Sitzung.— Vergnügungsverein ' tdelio. Alle Dienstag Abend« 9 Uhr Sitzung mit Dame» bei Seifert, 'rantenstr. 21.— Geselliger Verein„Mehr Licht"' Abend» 9 Uhr, Große Franlfurterstr. 13» bei Golds.— Douristenklub„Man d e r- tust", Abends«Uhr, Fransecktstr. und Schönhauser- Allee-Ecke.— Geselliger Arbeiierveretn Hoffnung. BeresnZlolal(Süddeutscher Brauerei- Ausschank) Reichenbergerstr. 2>. Alle 14 Tage Dienstag«, Abend«» Uhr. Geselliger Verein Regina Sitzung mit Damen Oranienstr. 153 bei Schön- walder.—. Vergnügungsverein L» n a. Jede» Dienstag Sitzung bei Haberecht, Große Franlfnrtcrstr.«o, FidelitaS. Mnstk-Dtlcttantenvsrein„Preziosa", AbendS si; Uhr, UebungSstunde in Schessler'S Restaurant, Retnickendorserstr. 25. Aufnahme.— Zitherklub F r e i l> c i t s k l ä n g e" bei E. Franke, Apostelkirche 7 b. Zitherv-r-in„Et nigl e i t". AbendS« Uhr bei Poll, Adalbertstraße al! UebungSstunde. Orientalischer RauchNub Spar- und Kredltveretn, Abend»» Uhr, Reichenbergerstraße 24, bei Schröder.— Ranchtlub Dämmerwolke. Böckhstr. 51.— Rauchtlub Bruderbund, AbendS 9 Uhr, bei Stabernack, Pücklerstr. 49.— Rauchtlub Zeitgeist, Abend« 9 Nhrbet KaZpar, Restaurant zum Zeitgeist, Eernauerstr. 72.— Rauchtlub Unv erza gt bei C. Rnppin, Blumenstraße 49.— RauchNub P 0 r l 0 r t c 0, AbendS 0 Uhr, bei Kohn, Wrangelstraße Sir.>39.— Rauchklub Gemüthlichkeit 2, AbendS» Uhr bei Achsel. Köpenickerstraße ist.— RauchNub Blaue Lust, Abend« 9 Uhr bei Bredlow, Bülowstr. 05.— Rauchklub Abguß,«ij Uhr, bei Schulze, Weberstraße 10.— Altdeutscher Rauchklub. Bei Wuttke. Graudenzerstr. 2.— Rauchklub Abguß 1. Abend««X Uhr bei Nawrod Martusuraße 2z.— Rauchtlub„Grüne Q u a il e", Abends Uhr, Münchebergerstr. 29, Restanration Echmeist.— Rauchklub Eldo- a v 0 Abend« nij Uhr Am Ostbahnhos 7 beim iiiestauraieur Schul,.— Rauch- tlub Ta b a ks b lül h e. Sitzung, Abend»»Uhr, Blumenstr. is.-- Rauch- «üb EolumbuS, AbendS SX Uhr, bei A. Ulke, Oppelnerstr. as. vorinisihkes: Daß ein Schutzmann ein Opfer seiner Schneidigkeit wird, dieser beachtenswerthe Fall ist jüngst in Hagen passirr. Die„Rhein.-Wests. Arbeiter-Ztg." weiß darüber folgendes zn melden: Der Schutzmann Schulz hat am Montag eine Brutalität begangen, die ihn seinen Dienst gekostet hat. Es wird darüber wie folgt berichtet:„Am Montag, den 17. d. M., Abends, befand sich der Fabrikarbeiter H. Laubenburg aus dem Nachhausewege vom Schützenfeste, als ihm auf der Körnerstraße Schulz begegnete, der sich in angetrunkenem Zustande befand. Angeblich infolge einer kurz vorher am Schützenzelte von dem L. ? gegenüber dem Schutzmann gemachten ungehörigen Bemerkung aßto der Beamte den L. an, dieser verbat sich das, und nun zog der Schutzmann den Säbel. L. aber griff sofort nach der Waffe, entwand dieselbe dem Schutzmann und wollte damit zu der Polizei. Jetzt legte sich der Schutzmann aufs Bitten und L. war tutmüthig genug, den Säbel zurückzugeben und sorglos seines Leges zu gehen. Der Schutzmann aber kam hinter L. her und schlug von hinten auf den Mann los, daß dieser zusammenbrach. Darauf hat der schneidige Beamte, unbekümmert um das Wim- mern des Daliegenden, auf diesen wie wahnsinnig mit dem Säbel losgeschlagen und schließlich noch die Unverfrorenheit besessen, hinzukommende Leute aufzufordern, de» Menschen zur Wache zu schleppen. Zum Glück hatten verschiedene Leute den Vorgang beobachtet. Der Schutzmann ist sofort vom Dienste dispensirt." Hoffentbich wird man sich damit nicht begnügen und ihm eine exemplarische Strafe angedeihen lassen. Ziterarisches. Eine Arbeiter- Turn-Zeit»«« erscheint seit dem IS. Juli im Verlaz, von Moritz Fromm, Leipzig- Neuschönefeld. Das Blatt, wellchcs vorläufig allmonatlich zum Preise von IV Pf. pro Numm er herausgegeben wird, verspricht allen freiheitlich ge- sinnten Turnern als eine Waffe im Kampfe gegen die Rückwärts- ftrömungen in der deutschen Turnerei zu dienen, dabei soll aber das Hauptaugenmerk auch gleichzeitig aus das Technische und alle Fortschritte auf turnerischem Gebiete gerichtet werden. Wir wollen hoffein, daß die proletarische Turnerschast dieser Zeitung die gebühren! de Beachtung widuier. Vepekffien. Pl ivat- Telegramm des„Vorwärts". Pforzhei m, 24. Juli. Bei der heutigen Stadtverordneten» wähl haben l ie Sozialdemokraten einen glänzenden Sieg über beide Gegner, Nationalliberale und Ultramontane, errungen. ( Depeschen deS Bnrea» Herold.) Bingen, 24. Juli. Das Resultat der Reichstagsnachwahl ist: Schmitt( freis.) 5200, Welker(Antis.) 1200, Graf(deutsche Reformpartei) 300 Stimmen. Wien, 24-. Juli. Offiziösen Meldungen aus Konstantinopel zusolge sollen die Hoffnungen, welche der Khedive und seine Minister an den Besuch beim Sultan geknüpft haben, vollständig zu Nichte gewnrdcn sein. Die türkische Regierung sei nicht ein- mal zu diploniatischen Schritten bezüglich der egyptischen Frage zu bewegen. Belgrad, 24. Juli. Der Untersuchungsausschuß der Skup- tschina hat di« liberalen Minister unter polizeiliche Ucberwachung gestellt, die Verhaftung aber abgelehnt. Paris, 24. Juli. Der siamesische Gesandte in Paris wird die Stadt erst dann verlassen, nachdem der französische Minister- resident Pavil won Siam abgereist ist und Nachrichten offiziell an die siamesische Gesandtschaft gemeldet hat. Konstanti nopel, 24. Juli. Der Sanitätsrath entschied dahin, daß die Provenienzen aus Odessa und Tarog am Eingange des Bosporus gesu ndheitspolizeilich untersucht werden. Konstanti nopel, 24. Juli. Nach den neuesten Nachrichten soll die im Grebirge Assys in Aemen unter den Hedschas aus- gebrochene Krankheit nicht die Pest, sondern die Cholera sein. (Wolff's Telegraphen-Bureau.j Frauksuet a. M, 24. Juli. Reichstags- Nachwahl im 3. Hessischen Wahlkreise,(Alsfeld-Lauterbach.) Stichwahl zwischen Backhaus(nabionalliberal) und Bindewald(Antisemit.) Vvisfsislten dvv Redaktion. C. B. Bei monatsweise gemietheten Räumlichkeiten muß spätestens am 15. d. Mts. gekündigt werden. Hoo». 1. Eine Zusammenstellung der tausenderlei Polizei- Verordnungen giebt es nicht. Die für ihren Kreis erlassene Re- gierungsvorlage ist im Amtsblatt Ihres Bezirks enthalten, das wir nicht besitzen. 2. Nein, Sie sind im Unrecht. A. Sch. 23/24. 1. Strafbar sind Sie nicht. 2, Beschweren Sie sich bei der Armendirektion. St. Nowicki. Ueber die Aufnahme solcher Zuschriften entscheidet die Redaktion. Ter unverbürgte Hinterlreppenklatsch des polnischen Bourgeoisblattcs ändert unser Urtheil über die „edlen" Polen nicht; wir haben gar keinen Anlaß, die Geschichte, die unsere Leser nicht interessirt, zu kolportiren. Thun Sie also, was Ihnen beliebt! A. W., Tenucwihstraße. Ihr Schreiben habe ich dem Vorstand übergeben. W. L. B. W., Lothringerstraste. Aus dem langen Schreiben ist vor lauter Raisonnemenl nicht zu verstehen, um welche Thatsachen es sich handelt. I. W., Charlottenbnrg. Nein. R. Sch., Schweidnitz. Wenden Sie sich an die Tabak- arbeiler-Genossenschafl Hamburg, Eimsbüttel, Schäserstr. 19. K. D. SO«. Da müssen Sie sich an die Norddeutsche Lloyd-Gesellschast in Bremen wenden. Frau H. K. Mit dem Annoncentheil hat die Redaktion nichts zu thun. „ C. St. Der frühere Reichstags-Abgeordnete Schwarz hat viele Jahre auf Schiffen als Schiffskoch gelebt. W. K., Berlin. Lassen Sie doch das Dichten sein. Wenn Sie garnicht abzuschrecken sind, drucken wir wirklich einmal eines Ihrer Poöme ab. G. L. ISO. Unbrauchbar. Legitimation unehelicher Kinder. Di« Legitimation kann erfolgen in erster Reihe durch Heirath des natürlichen Vaters mit der Mutter des Kindes. Wenn der Vater bei der Heirath seine Vaterschaft vor dem Standesbeamten ausdrücklich anerkennt, so kann auf Grund dieses Anerkenntnisses das Geburtsregister des unehelichen Kindes berichtigt werden. Das Kind erhält dann den Namen des Vaters. Ist dies bei der Eheschließung ver- absäumt, so ist folgender Weg einzuschlagen. Der Vater erklärt vor dem sog. Monatsrichter(in Berlin, Neue Friedrichstr. 13) unter Beifügung des Heirathsscheins und des das Kind be- treffenden Geburtsscheines, daß er Vater des Kindes ist und dies ausdrücklich anerkennt. Sodann läßt er sich Ausfertigung des dieserhalb aufgenommenen Protokolls geben und beantragt unter Ueberreichung des Geburtsscheins des Kindes, seines Heirathsscheines und des eben gedachten gericht- lichen Protokolls bei dem Polizei- Präsidium(außerhalb Berlins bei dem Regierungspräsidenten), den Standesbeamten anzuweisen, das Geburtsregister dahin zu berichtigen, daß das Kind durch nachfolgende Ehe des A mit B legitimirt ist. Durch diese Legitimation erhält das Kind alle Rechte eines ehelichen. Die anderen Formen und Arten der Legitimation gewähren dem Kinde diese Rechte nicht. Es sind dies die Legitimation durch Reskript und die Legitimation zum besseren Fortkommen. Legitimation durch Reskript wird vom Justiz minister ertheilt: die Folge ist, daß das Kind zwar nicht in die Familie des Vaters oder der Mutter eintritt, aber in betreff des Vaters alle Rechte eines ehelichen Kindes erhält und zu dessen eheliche» Kindern in das Verhältniß von Halbgeschwistern tritt. Die Legitimation zum besseren Fortkommen wird vom Polizeipräsidenten, beziehent- lich außerhalb Berlins vom Regierungspräsidenten, ertheilt und hat nur die Aenderuna des Namens zur Folge. Leechner. Der Wirth war nicht im Recht. Die Urtheile, von denen Sie erzählen, sind unbegreiflich, falls Sie sich richtig vertheidigt haben. Hatte der Wirth Ihre Wohnung durch Ver- bauenlasse» u. s. w. unbrauchbar gemacht, so war er schadens- ersatzpflichtig. Sprechen Sie mit Bertrag, Urtheilen u. s. w. zwischen 12 und 1 Uhr vor. F. L. 100. Es kommt darauf an, von wo aus Sie die Ueberfahrt nach Amerika machen; die n i e d r i g st e n Passagier» preise kennen wir nicht.— Die Frage,„wie viel Geld man in Amerika aufweisen muß, um landen zu können", ist schon oft gestellt und beantwortet worden. Es ist gar keine Geldsumme festgestellt; eS soll nur der Einwanderung hilfloser Personen gewehrt werden. W. H.. Friedrichshaßen. Der Fabrikant ist gewiß ein Hasenfuß, der Ihnen gegenüber keine Kourage hatte, und da bat er den Polizisten(er hätte ja auch seine Frau darum bitten können), Ihnen einmal recht die Wahrheit zu sagen. Das hat derselbe mit der den Polizisten eigenen Gefälligkeit gegen Jeder- mann gethan, und wie Sie schreiben, damit bei Ihnen solche Heiterkeit erregt, daß sie sich durch allgemeines Gelächter kund- gab. Seien Sie darum dem Schutzmann dankbar, daß er Ihnen in Ihrer angestrengten Arbeit eine so lustige Abwechslung brachte. K. 20. Sie dürfen die Sachen nicht entfernen; das Re- tentionsrecht des Vermiethers besteht für die g e s a m m t e Forderung— auch die noch nicht fällige— aus dem Mieths- vertrag. Beiseiteschaffung von dem Reutentionsrecht unterliegende» Möbel» ohne Zahlung kann nach§ 289 Str.-G.-B. als„Rücken" bestraft werden. R. 31. Das Gemeinde- Wahlrecht ist von Vollendung des 24. Lebensjahres abhängig. Di-, phil. R.§ 175 des Str.-G.-B. versteht unter wider- natürlicher Unzucht imniissio penis in anum. Was sonst unter denselben Begriff fällt, ist Sache thatsächlicher Feststellung in jedem einzelnen Fall. Im allgemeinen wird auch immissio in os als unter den Begriff widernatürlicher Unzucht gerechnet. Sonstige Schweinereien, die keine beischlafsähnliche Bewegungen erfordern, werden allerdings als w. U. im Sinne des � 175 nicht erachtet, fallen auch, falls Sie nicht Kindern oder Widerwilligen gegen- über oder öffentlich vorgenommen werden, unter keinen Straf- gesetzparagraphen. Hartman«. Vorab können Sie nur Beschwerde einlegen; unverständlich ist, welcher Grund die Behörde zum Einschreiten veranlaßt hat. Aus der Antwort aus die Beschwerde wird wenig- stens der Grund ersichtlich werden. F. Schulz. Ja. Oemcheu. An den Magistrat. P. Nt. Ein Recht, daß auswärts verhandelt wird, hat er nicht. Sobald er verzogen ist, soll er es zu den Akten anzeigen und hernach beantragen, an seinem neuen Wohnsitz zu ver- Handel». M. B. Wenn er zurückkehrt, würde er in die Ferienkolonie gesteckt werden. G. S. Falls nicht Ausschluß der Kündigungsfrist vereinbart ist, können Sie auf Entschädigung klagen. T. 2. SO. Kautionen, die nicht mit dem ausdrücklichen Bemerk, sie benutzen zu dürfen, hingegeben werden, dürfen vom Inhaber nicht verwendet werden. Thut er es dennoch, so begeht er eine Unterschlagung. Aus der Abrede, daß eine Kaution ver- zinst werden soll, läßt sich die Befugniß, die Kaution zu ver- wenden, herleiten. Ein Vorrecht im Konkurs haben solche Forde- rungen nicht. O. P. St. Ihre(am 22. uns vorgelegte) Frage ist ohne Einsicht in die Statuten nicht zu beantworten. Im Besitz der Statuten befinden wir uns nicht. I. C. G. Was Ihrer Frau als Aussteuer gegeben, bleibt auch nach Scheidung ihrer Eltern ihr Eigenthum. Altermann. Die Polizeibehörde hat kein Recht, sich darum zu kümmern, ob und welche Bücher Ihnen von auswärts zuge- sendet werden. Ebenso wenig war sie berechtigt, Vorlegung der Bücher zu verlangen. Legen Sie gegen die Polizeibehörde»» d gegen die Steuerbehörde, die der Polizei mitgetheilt hat, daß Sie Bücher erhalten haben, Beschwerde ein. A. E. Bricht nicht den Vertrag. A. Falkbg. Unverständlich; sprechen Sie zwischen 12 und 1 Uhr vor. 100. 1. Die Herrschaft ist schuldig, für Kur und Ver- pflegung des Dienstboten zu sorgen und darf nichts vom Lohn abziehe», wenn die Krankheit wie in Ihrem Falle durch de» Dienst zugezogen ist. 2. Krankheit des Dienstboten berechtigt die Herrschaft zur Entlassung ohne Einhaltung der vereinbarten oder gesetzlichen Kündigungsfrist nur im Falle der Schwanger- schaft und in d e m Fall, daß das Gesinde sich durch lüderliche Aufführung ansteckende oder ekelhafte Krankheiten zugezogen hat. A. M., Karlsruhe. 1. In Frankreich. 2. Denn. Loklvisspsrk Wilhelminenhof. Station der Dampfschifffahrts-Gesellschaft. Bahnstation Johannisthal. Für Fußgänger auch von Lackova in 30 Min. durch prachtvollen Laubwald zu erreichen. 45671,' Koste Gelegenheit für Tages-«nd Nachmittags-Auoflüge. Besonders geeignet für kleine und größere Gewerkschaften. Bei ungünstiger Witterung für ca. 3000 Personen sichere Unterkunst. __ Fr. Dolinski. ■t— WWBII 1 IIIIMBII lilWI Soeben erschien und ist durch die Buchhandlung des„Vorwärts" zu beziehen: Die heilige Jnquifitio». Ein Beitrag zur Geschichte der christlichen Religion von ,Jok. Sassenbach. 4564L Elegant kart., 192 Seiten stark. Preis 60 Pfennige. 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