Dr. 304. ST* Jahrg. Bbcnnements-Bcd'nßunaen- j��\.�L.\ HB( Die TnlfftionS' Gebühr nponncmenis Hcaingungen.—�l�B HW �HwO 1St9�r/TBiJ t�am r\Mr f«y> vekägt ffit die(ccftsgetpaitene Kolon» l?e«cn,faTrnL3io TOf l'nTlwmt H H InThT W CT' H B H W HT*lj I# T geile ober beten Saum 50 m, füc ÄmA �Inä'Sm.k Wz JS§ W N W l»> K W U WD W � Hr �9// rontische unb gewerkschaMche Vereins. Einzelne Suinnier 5 Pfg. SomüagS. �»W iFWtft M H WB V)«> KW M U» BD Mg(X. B MI f-- W unb Bersammlungs-Anzeigen SO Psg. mimmei mit illiislricrler Sonntags. äKjä>Sm Sca BS WW UH jgB SB HH Wi DM Wj HH S/„Kleine Bnzeigen", bas erste(fett* Beilage„Tie Neue Well" 10 Pjg. Polt- BBB«0 MZ DJ KS) JA HB fBB BS HB Mi �Ml gebrückte) Wort 20 Psg., jebes weitere Monnement: 1.10 Marl pro Monat. �>Uk:Z Mg HB HB HB f l iBal BM Ei M JA W J&muMamf'/ Wort 10 Pfg. Stellengesuche unb Schlas. SS KÄS I I NM-M �D-Mr I. ym paesw*.««» 2 Marl, für bas Übrige Auslanb DJ� � DJJx/ S s // I 15 Buchstaben zahlen für zwet Warle. 3 Marl pro Monat. Postabounements 9Btt* BP/ � v/ // Inserate für blc nächste Nummer müssen nebnten an: Belgien. Dänemark, � S"<-> ▼/ bis SNHr nachmittags inber Expebiston Hollanb. Italien. Luxemburg, Porwgal.(�/f jXi-- � abgegeben werben. Die Expebition ist Rumänien, Schweben tmb bie Schweiz. � � J>_) 1 �-< tiä 7 Uhr abenbS geöffnet. «-«>-....»0.-,» Be�nueu jszmS". Tentralorgan der fozialdcmokrati fchen parte» Deutfcblands. Redahtion: öCd. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Die„befdjeidenc" tflilitärvorlage. Aus der Rede zum Etat, die der Abg. Bassermann am 10. Dezember d. I. im Reichstag hielt, klang die Besorgnis heraus, datz sich die Heeresvenvaltung mit ihrer neuen Militärvorlage vielleicht zu große Reserve auferlegt habe. Was der natioualliberale Redner da sagte, das war nur der Niederschlag der Meinungen, die militärfronune Kreise seit Monaten verbreitet haben. Wurde doch sogar verlangt, daß der Reichstag aus sich selbst heraus die Forderung des Kriegs- Ministers erhöhen müsse! Das wird nun freilich nicht ein- treten, denn dazu sind die Wahlen zu sehr in bedrohliche Nähe gerückt. Aber dem KriegSniinister wird damit das weiteste Entgegenkommen in Aussicht gestellt für den Fall, daß ihm eine weitere Heeresvermehrung angebracht erscheint. Allgemein aber haben die bürgerlichen Parteien sich bestrebt, den Eindruck zu erwecken, als ob die gegen- wärtige Militärvorlage wirklich als ein M u st e r von B e- scheidenheit angesprochen werden müsse. Daß man dabei bewußt auf eine Irreführung der Brassen spekulierte und noch spekuliert, ist ohne weiteres klar. Denn daß diese neuen Forde- rungen der Militärverwaltung ganz erheblich sind, das ergibt sich' schon aus den Gesamtkostcn, die nicht weniger als 104l>00 00v Mark betragen. Diese enorme Summe auch nur mit einem Wort zu erwähnen, haben die bürgerlichen Redner geflissentlich vermieden. Mit gutem Grund I Denn aus dieser enormen Summe ergibt sich, daß die gegenwärtige Militärvorlage die drittgrößte ist, die wir seit 1880 gehabt haben. Es haben nämlich gekostet die Militärvorlagen von: 1880....... 43 860 000 SK. 1887....... 47 200 000„ 1890....... 58 000 000„ 1893....... 131400 000, 1899....... 160 070 000. 1905....... 73 800 000„ 1911....... 104 200 000„ So also sieht diese„b e s ch ei d en e" Militärvorlage aus. die in Wirklichkeit nur einen Notbehelf darstellt. Wenn bei einem Bezirkskommando ein Schreiber mehr gebraucht wird. dann wird dieser Mann beim Reichstag angefordert, weil angeblich die Mannschaftsstärke der einzelnen Kompagnien bereits auf das äußerste bemessen ist. Ganz urplötzlich sind nun die einzelnen Kompagnien so stark, daß sie Mannschaften zur Bildung der Maschinengewehrkompagnien abgeben können I Damit schafft man wieder Lücken, deren Ausfüllung in ab- sehbarer Zeit als„unumgänglich notwendig" bezeichnet werden wird. Das geht übrigens schon aus der Begründung der Vorlage hervor, in welcher die Sätze vorkommen: „Zwar ist der Nahmen des Heeres, wie er durch daS Gesetz vom 25. März 1899, betreffend Aeuderung des Reichsmiliiär- Gesetzes, festgelegt wurde, auch heute noch als ausreichend anzu- sehen: es bedarf zurzeit keiner Errichtung neuer, größerer Verbände. Innerhalb dieses Nahmens aber bleibt noch viel zu bessern, wenn alle Waffen in genügender Stärke vertreten und zugleich diejenigen besonderen, vorzugsweise technischen Trnppen- gnitungen vorhanden sein sollen, ohne die ein zeitgemäßes Heer nicbt mehr denkbar ist." Dieser famose Rahmen gleicht dem Faß der Danaiden, er wird niemals voll I An solchen Lücken besteheu jetzt: Regimenter zu zwei Bataillonen, Reiter- regimenter zu vier Eskadrons, verminderte Mannschaftsstärke der Jnsauterickompagnien und endlich eine„klaffende Lücke" insofem, als bloß die Hälfte der Infanterie- regimenter je eine Maschinengewehrkompagnie bekommen. Natürlich ist damit die Zahl der vorhandenen„Lücken" noch lange nicht erschöpft, und die Heeresverwaltung ist unablässig bestrebt, stets neue„Lücken" zu schaffen I Die militärfroinme Presse hebt stets hervor, daß es eigentlich nur der Bescheidenheit der Heeresverwaltung zu danken sei, wenn sie nicht daraus bestehe, daß die Friedens- Präsenz der Armee auf die verfassungsmäßige Höhe von eins vom Hundert der Bevölkerung gebracht werde. Auch hier haben wir es mit einer bewußten Irreführung des Volkes zu tun. Der Artikel 60 der Verfassung bestimmt lediglich: „Die Friedenspräsenz des deutschen Heeres wird bis zum 31. Dezember 1871 auf 1 Prozent der Be- völkerung von 1867 normiert und wird pro rate derselben von den einzelnen Bundesstaaten gestellt. Für die spätere Zeit wird die Friedenspräsenzsiärke des Heeres im Wege der Reich sgesetzgebung festgestellt." Wie aus diesem klaren Wortlaut der Verfassung hervor- geht, ist die vielfach aufgestellte Behauptung, daß die Friedens- Präsenz verfassungmäßig eins vom Hundert der Bevölkerung betragen müsse, direkt unwahr/ Diese Bestimmung ist nur ein Provisorium gewesen, das auch nur auf die Zeit bis zum 31. Dezember 1871 begrenzt war. Seither ist die Friedeuspräscnz stets durch Reichsgesetz neu festgesetzt worden. UebrigenS sind wir von dem einen Prozent tatsächlich gar nicht weit entfernt. Die Armee zählt nach dem jetzigen Bestand 622 373 Köpfe, ohne die rund 15 000 Einjährig- Freiwilligen und ohne das Heer von Militärbeamten. Schließlich darf man aber doch auch die 60000 Köpfe zählende Marine nicht außer Betracht lassen, für die in Donnerstag, den 29. Dezember 1919. der Verfassung eine bestimmte Norm niemals vorgesehen war. Streng genommen muß die Kopfzahl der Marinetruppen dem Reichshcer zugezählt werden, wenn man unter Reichsheer ge- meinhin die zur Verteidigung des Reiches bestehenden Ein- richtungen versteht. Damit kämen wir auf eine Kopf- stärke von rund 700000, das würde einer Bevölkerung von 70 Millionen entsprechen. Die Ergebnisse der letzten Volkszählung liegen noch nicht vor. Nach dem„Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 1910" wurde Mitte dieses Jahres die Bevölkerung Deutschlands auf nur 64775000 Ein- wohner berechnet. Eins vom Hundert wäre also 647 750, die angeblich verfassungsinäßige Norm wäre also, die Marine eingerechnet, bereits erheblich überschritten. Die Marine außer Ansatz gelassen, ist sie aber ziemlich erreicht, namentlich dann, wenn nian die Einjährig-Freiwilligen der Fricdenspräsenz hinzurechnet. Man mag also die Dinge betrachten, von welcher Seite man will, mit der vielgerühmten Bescheidenheit der Heeresverwaltung ist es nichts, und um so v e r- urteilenswerter und gemeingefährlicher ist der Versuch, die Militärverwaltung zu einer Erhöhung ihrer Forderungen zu treiben!_ stelle Hilfsaktion für«>ie Schnapsjunker! Der Bundesrat hat sich abermals der großen Not erbarmt, in die besonders die ostelbischen, einem hohen Adel gehörenden Brenne- reien durch unseren Schnapsboykott geraten sind. Vor einigen Monaten hatte er das Kontingent erniedrigt, um die Liebesgabe von 20 M. pro Hektoliter wasserfreien Spiritus für die Sibnapsbrenner zu retten. Jetzt sieht er sich bereits zu einer neuen Hilfsaktion ge- zwungen— offenbar, weil der Schnapsboykott nicht nur nicht nach- gelassen hat, sondern noch stärker geworden ist. Und dadurch wuchs und wächst für die Brenner die Gefahr, datz sie in ihrem eigenen Schnaps— ersaufen. Gehorsam den Wünschen der von den Großbrennereien geschaffenen und in deren Interesse wirkenden Spirituszentrale hat jetzt der Bundesrat eine neue Verfügung erlassen, durch die die Fuselflut eingedämmt werden soll, damit nicht die Ueberproduktion den Preis und dadurch den Gewinn der Schnaps- junker herunterdrückt. Es ist selbstverständlich, daß der Bundesrat dabei zunächst die Großbrennereien, vornehmlich die ostelbischeii-junkerlichen, so lange und so weit wie möglich zu schützen bemüht ist und den Haupt- schaden den in bürgerlichen Händen befindlichen Hefe- brennereien aufladet, die ohnehin schon als Stiefkinder des LiebeSgabenglückS behandelt werden. Freilich sind die Hefe- brennereien in der angenehmen Lage, die ihnen aufgebürdete neue Last wieder auf ein verehrtes Publikum abzuwälzen, indem sie den Preis für die Hefe erhöhen— durch daS Hefesyndikat, daS sie sich schufen, können sie ja die Bäckermeister beliebig schröpfen. Daß das schließlich im leichteren Gewicht des Gebäcks von den Volks- massen bezahlt werden muß, ist nun einmal der Laus dieser schönen Welt. Vorläufig haben aber die Hefebrennereien den schwereren Nach- teil aufgebürdet bekommen. Es ist ihnen ohnehin bisher nur ge« staltet, den kleineren Teil, nämlich 35 Proz. des Durchschnitts- brandeS als Trinkspiritus zu verwerten, die übrigen 65 Proz. müssen sie denaturieren oder, wie es jetzt im Amtsdeutsch heißt: vergällen, das heißt als Brennspiritus und für technische Zwecke verkaufen. Da aber der vergällte Spiritus nur Absatz finden kann. wenn sein Preis sehr niedrig gehalten ist— sonst verträgt er die Konkurrenz des Petroleums nicht— und außerdem keine Liebesgabe an ihm kleben bleibt, so ist die Produktion von BrennspirituS ein keineswegs gutes Geschäft. Je mehr also eine Brennerei vergällten Spiritus produzieren muß, um so weniger wirft sie ab. Der Bundesral hat nun verfügt, daß die Hefebrennereien von jetzt ab nicht mehr 35 Prozent Trinkspiritus und 65 Prozent ver- gälltcn Spiritus produzieren dürfen, sondern nur noch 30 Pro- zent Trink- und 70 Prozent vergällten Spiritus. Dadurch wird ihr Profit sehr geschmälert, zumal den Nicht- Hefebrcnnereien gerade das umgekeh rte Prosit- Verhältnis gesetzlich gewährleistet ist. Bisher brauchten diese nur 30 Prozent ihrer Produktion zu vergällen, es blieb ihnen dem- nach der größere Teil, nämlich 70 Prozent für Trinkzwecke. Bon nlin ab dürfen sie aber nur noch 60 Prozent ihrer Produktion für Trinkzwecke in Verkehr setzen und 40 Prozent müssen sie vergällen. Damit verlieren sie einen Teil des Gewinnes, den sie aus dem zu höherem Preise ver- wertbaren Trinkbranntwein ziehen. Scheinbar ist der Verlust der Ostelbier sogar größer als der der Hesebrennereien, aber selbst- verständlich nur scheinbar, denn daß der Bundesrat sich gegen die gottgewollte Unabhängigkeit der Junker auflehnt, wird niemand glauben. In Wirklichkeit machen also die Ostelbier auch hier wieder das bessere Geschäft. Für die HefebrennereieN wird zwar der Denaturierungszwang von 65 auf 70 Proz. erhöht, also nur um 5 Proz., und bei den übrigen Brennereien von 30 auf 40, also um 10 Proz. Aber trotz dieser 10 Proz. bleiben ihnen noch drei Fünfte! ihrer Produktion, die sie als Schnaps verwerten können, und den Hesebrennereien bleiben nur noch drei Z e h n t e l I Doch über dieses zweierlei Maß mögen sich die Hefefabrikanten mit den Schnapsjunkern raufen. DaS arbeitende Volk interessiert dabei nur, daß der Bundesrat sich fortgesetzt eifrig bemüht, den SchnapS- brennern zu Hilfe zu kommen. Und- zweitens, daß unser Schnapsboykott immer mehr Erfolg hat. Und das soll und muß der gesamten Arbeiterschaft ein Ansporn sein, ihn immer schärfer durchzuführen, bis die Schnapsjunker Expedition: 8M. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. gar keinen Trinkspiritus mehr los werden, sondern alles vergällen und dann verzweifelnd ausrufen müssen:„Die ganze Welt ist mir vergällt I"_ Gin ichmerrllcher Verlust. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft in der Verhandlung des Moabiter Prozesses einen Zeugen verloren. Die lange Dauer dieses Prozesses hat neben ihren unangenehmen Seiten wenigstens eine gute Folge: Zweifelhafte Zeugen können noch vor Schluß der Beweisaufnahme unter die Lupe genommen und ihre Aussagen können noch während der Verhandlungen auf ihren wahren Wert zurückgeführt werden. Die Bekundungen des Polizei- zeugen Marunde, der in der Sitzung vom 14. Dezember den Angeklagten Pilz schwer belastete, haben wir schon damals als sehr sonderbar bezeichnen nuifsen. Es war rätselhaft, wie ein vernünftiger Mensch und ruhiger Bürger wie der Gastwirt Pilz, sich zu solchen Unbesonnenheiten gegen einen wildfremden Menschen hätte fortreißen lassen können, wie er es nach der Schilderung MarundeS getan haben sollte. Denn das geringste Maß von Uebcrlegung hätte Pilz ja sagen müssen, daß der Fremde gerade den Wirt mit Leichtigkeit feststellen lassen könne. Das Interesse deS Wirts hätte gefordert, wenn die von Marunde behaupteten strafbaren Handlungen in seinem Lokal vorgekommen wären, seine Teilnahme daran oder seine paisive Unterstützung der Mißhandelnden vor dem fremden Gast nach Möglichkeit zu vertuschen. Denn er mutzte doch gewärtigen, datz der mit den Arbeitswilligen sympathisierende Gast, zumal, wenn er ihn noch obendrein durch Beschimpsungen reizte, den Vorfall der Polizei anzeigen und die Be- teiligung des Wirts dabei nicht vergessen werde. Das unglaublich Törichte der Handlung, deren Marunde den Ängeklagten Pilz bezichtigte, macbte seine Aussage verdächtig. Aber positive Be- weise für die Unrichtigkeit ließen sich im Moment nicht erbringen und wenn gleich darauf das Urteil über Pilz gefällt worden wäre, es würde ihm höchst wahrscheinlich daS Zeugnis deS Glasermeisters Marunde, gegen dessen Glaubwürdigkeit nichts Greifbares ins Feld geführt werden konnte, als stark erschwerender Umstand angerechnet worden sein. Aber zum Glück für den Angeklagten Pilz dauert der Prozeß noch und so war die Möglichkeit, am Mittwoch die totale Unglaub- Würdigkeit des Zeugen Marunde schlüssig zu erweisen. Die Aus- sagen von mehr als einem Dutzend Zeugen zeigten den Mann alS einen Unglücklichen, der offenbar nicht voll verantwortlich zu machen ist für die phantastischen Aufschneidereien und Lügen, mit denen er beständig um sich wirft. Zudem stellte sich heraus, daß zu der Zeit, in die Marunde seine Erlebnisse in der Pilzschen Wirtschaft verlegt, daS Lokal längst polizeilich geschlossen war. Resigniert mutzte Herr Steinbrecht diesen Zeugen fahren lassen. Die Staatsanwaltschaft hat einen schmerzlichen Verlust zu buchen. Allerdings haben zu Anfang der Sitzung zwei Schutzleute den Angeflagten Pilz in anderer Hinsicht belastet— indes sind ihre sehr bestimmten Aussagen mit den Bekundungen einer ganzen Reihe von Entlastungszeugen durchaus nicht zu vereinbaren. Jedenfalls ist die Möglichkeit, daß den Beamten ein Irrtum, eine Personenverwechfelung passierte, nicht ausgeschlossen. Ein an sich belangloser Nebenumstand bei der Aussage eine» dieser Schutzleute ist charakteristisch für die Auffassung, die den Be- amten durch den Dienst für Kupfer u. Co. allmählich über ihre Stellung zu der Kohleufirma eingeflößt wurde. Ganz unwillkürlich erzählte der Zeuge Lehmann die Vorgänge in derselben Weise, wie sie ein Angestellter, ein Kutscher von Kupfer u. Co., hätte erzählen müssen. Ein Uneingeweihter hätte glauben können, die Aufgabe der Schutzleute sei gewesen, Kohlen zu fahren und ab- zuliefern I Und viel anders ist es ja auch wohl nicht mehr gewesen l Wenig Glück hat die Staatsanwaltschaft mit ihren Versuchen, die Angaben der Verteidigungszeugen durch Zitierung der beschul« digten Beamten zu entkräften. In dieser Sitzung sollte die Aussage des kgl. Försters a. D. Trevor erschüttert werden, der in der Sitzung vom 14. Dezember detaillierte Angaben über die unmenschliche Mißhandlung eines vereinzelten jungen Mannes in der Bredowstraße gemacht hatte. Die Ladung deS PolizeileutnantS Schirmer und des Wacht« meisterS Turan hat diesem Zeugnis nichts von seiner Festigkeit rauben können. Und wenn der Geschlagene zehnmal einen Stein in der Hand gehabt hat und ihn fallen ließ, als er zuerst attackiert wurde, wird dadurch die Tat der vier Schutzleute gerechtfertigt, die auf den an der Hanswand Hingesunkenen in unmenschlicher Weise ein- schlugen? Und wird dadurch der Leutnant gereinigt, der nach dem Man» schlug, ohne datz er wußte, ob der Betreffende etwas verbrochen hatte? Sicherlich nicht I Aber Herr Leutnant Schirmer steht ja auf dem Standpunkt, daß alles, waS ihm bei der Säuberung einer Straße unter die Klinge kommt, verprügelt werden muß, ganz einerlei, ob der Betreffende Widerstand leistet oder nicht. Dieser Standpunkt des Herrn Leutnants erflärt vieles— die Verteidigung wird ihm sehr dankbar sein für die Offenheit, mit der er diese Anschauung, die er und sicherlich viele seiner Kollegen in Moabit de- tätigt, vor Gericht entwickelt hat. Sie sagt mehr, als einige Dutzend Zeugenaussagen über Polizeiausschreitungen. ftir Clngernelndunssfrage treptows. Augenblicklich sind wieder Bestrebungen im Gange, welche darauf hinauslaufe», Treptow nach Berlin einzugemeinden. Auch Rixdorf bemüht sich in der gleichen Richtung und hat dabei insofern beffere Chancen als Berlin, als bei einer Eingemeindung nach Rixdorf die Steuerkraft Treptows dem Kreise Teltow, vor allem aKet der Probinz BranbenVurg erhalten vleibt. Die einflußreichen Kräfte in der Provinzialverwaltung, mit dem Präsidenten des Herren- Hauses v. Manteuffel an der Spitze, werden natürlich alles tun. um die Angelegenheit in ihrem Sinne einer Lösung entgegenzuführen. obwohl Berlin in Treptow die großen Parkaulagen angelegt hat und unterhält und auch sonst den größten Teil des Grundbesitzes sein eigen nennt. Treptow gilt als einer der schönsten Vororte, seine idyllische Lage an der Oberspree tvürde aber längst verschwunden sein. wenn der Grund und Boden sich in Privathänden befänd/. Statt der schönen Parkanlagen würden läng st Mietskasernen und Fabrilschornsteinezum Himmel ragen. Diese Parkaulagen sind daher für Treptow und seine mehr denn 20 000 Bewohner von ganz unschätzbarem Wert. Durch die Millionen, welche Berlin dafür aufgewendet hat, hat der Ort erst seinen schöne» idyllischen Charakter erhalten. Wie angesichls dieser Tatsache das„Verl. Tageblatt" in seiner Nr. 656 schreiben kann: „daß Berlin aus eigener Initiative nichts zur Hebung des Orts ge- tan habe", ist ganz unverständlich. Wenn serner in demselben Artikel behauptet wird, daß in der Verkehrsfrage von Berlin keine Anstalten getroffen wurden, um für Treptow ausreichende Verkehrswege zu schaffen, so ist das nichts anderes als böswillige StimnrungS» mache. Wie liegen die Dinge? Kürzlich hat Treptow an Berlin das Ersuchen gerichtet: den im Wettbewerb Groß-Berlm zu Tage ge- tretenen Gedanken,„den Görlitzer Bahnhof mit dem Lehrter Bahn- hos zu verbinden", nach Möglichkeit zu fördern. Die Verkehrs- deputation hat darauf beschlossen:„Jawohl, wir sind dazu bereit" und hat Treptow von diesem Beschluß ver- ständigt. Die VerkehrSdeputation hat ferner beschlossen, dem Magistrat zu empfehlen, beim Bau der Schnellbahn Moabit-Rixdorf am Moritzplatz eine Abzweigung nach Trepstow einzubauen. Sämtliche Strahenzuführungen sind mit Flachbahnen von Privatgesellschaften besetzt, so daß Berlin eigene Bahnen noch dort nicht bauen kann. Allerdings ist Berlin im Besitz des größten Teils der Aktien der Berliner Elektrischen Straßenbahn- Aktiengesellschaft(Siemens u. Halste). Trotz des großen Aktienbesitzes ist der Einfluß Berlins auf diese Gesellschaft infolge des, schon vor Ankauf der Aktien seitens der Stadt zwischen Siemens«. Halske und der Gesellschaft ge- schlossenen Vertrages gleich Null. Immerhin hat sich auch diese Gesellschaft bemüht, bessere Verkehrsverhältnisse mit Treptow zu schaffen. Schon vor länger als Jahresfrist hat die Gesellschaft bei der Gemeinde Treptow die Genehmigung zur Verlängerung ihrer Linie in der Wienerstraße nach der Graetzslraße in Treptow nach- gesucht. Einem solchen Antrag glaubte die Ge- meinde Treptow nur zustimmen zu können. wenn d»« Straßenbahn gesellschaft die Verpflichtung übernehmet, wolle, in noch zu verein- barender Frist die Linie durch dle Kiefholzstraß« bis Baumschul st raße fortzusetzen, lieber die Be- dingungen, unter denen dieses geschehen solle, sind langwierig« Ver- Handlungen gepflogen worden, die im Herbst diese» Jahres endlich einem Abschluß nahe schienen. Unerwarteterweise aber teilten die Vertreter der Gemei nde Treptow vor acht Wochen mit, daß sie ihrerseits mit Ripdorf über die Benutzung der Kiefholzstraße, an der diese Stadt an einer kurzen Strecke die halbe Straßrntreiir besitzt, Verhandlungen eröffnet hätten, die eine schleunige Erledigung nicht erwarten ließen, und schlugen deshalb vor: von der Verlängerung derStraßen- bahn durch die Kiefholzstraße bis auf weiteres Ab st and zu nehmen und die weilerzuführenden Verhandlungen auf den Einbau von Gleisen in die Graetzstraße und in die Elsen st raße zu beschränken. Der AufsichtSrat der Siemens- u. Halske-Bahn und somit die Stadt Berlin sind zu diesen Ver- Handlungen nicht herangezogen woiden. Das konnte auch des- halb nicht geschehen, weil die Vertreter von Treptow die seit neun Wochen übernommene Verpflichtung, die getroffenen Abmachungen Punkt für Punkt zu Papier zu bringen, bis dato noch nicht erfüllt haben. Trotzdem also feststeht, daß nicht Berlin, sondern Rixdorf und Treptow die Weiterführung der Linie verhindern, wird ge- flissentlich weiter kolportiert, Berlin kei das Karnickel. Wenn sich die Einwohnerschaft von Treptow dazu gebrauchen läßt, Vorspann- dienfte für Herrn v. Manteuffel und Genossen zu leisten, so ist das zwar ihre Sache, sie stellt sich sedoch damit kein besonder» gutes Zeugnis aus. In derselben Sache wird uns aus Treptow geschrieben: Wenn man als unbefangener Beobachter die Aeußerungen ver- schiedener'Lokalblätter verfolgt, die für Eingemeindung Treptows nach Rixdors Stimmung machen, kann man der Meinung werden. Berlin solle genötigt werden, seinen in Treptow gelegenen Grund- besitz der Terrainspekulation auszuliefern, wie da« der MilitärfiSkuS mit dem Tempelhofer Felde getan hat. Eine Eingemeindung Treptows nach Rixdorf liegt nicht im Interesse der hiesigen Ge- meinde und entspricht auch gar nicht dem Willen seiner Bevölkerung und auch nicht der Mehrzahl seiner Vertreter. Diese Meinung kam in einer am 10. November in Speers Festsälen abgehaltenen öffent- licken Versammlung zum Ausdruck, in der Stadtv. Fritz gubeil referierte und die von allen Schichten der Bevölkerung Treptows besucht war. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde der Wille der Versammlung dahin kundgetan, daß bei einer etwa notwendigen Eingemeindung Treptow» nicht Rixdorf, sondern Berlin in Frage kommen soll. Dazu lag am nächsten Tage, dem 11. November IS 10, in der Gemeindevertretersitzung ein Antrag vor. durch den der Gemeindevorstand beauftragt wurde, erneut mit Berlin in Unterhandlung zu treten wegen lieber- lassung eineS geeigneten Friedhofgeländes und gleichzeitig die Unter- Handlungen wegen der Eingemeindung Treptows in Berlin wieder aufzunehmen. Der Herr Bürgermeister Schablow hat sich dazu bereit erklärt und, wie wir erfahren haben, liegt auch bereits cm offizieller Antrag von der Stadt Berlin vor, durch den der Gcmeindevorstand in Treptow aufgefordert wird, die zur Eingemeindung nach Berlin erforderlichen Bedingungen an den Berliner Magistrat gelangen zu lassen. Die EntWickelung Treptows befindet sich gegenwärtig in einem Stadium, in welchem der Gemeindeverwaltung in Zukunft schwierige Aufgaben bevorstehen, die es fraglich erscheinen lassen, ob die Ge» meinde in der Lage sein wird, die zu ihrer Durchführung erforder- lichen Mittel aufzubringen. Die VerkehrSverhältniffe Treptows bedürfen einer Erweiterung; die Durchführung der SiemeuSbahn durch die Graetzstraße und deren Weiterführung durch die Kiefholzstraße bis zu dem OrtStetl Baum- schulenweg würde diesem Bedürfnis einstweilen entsprechen. Seit Jahr und Tag schweben hierüber Verhandlungen, von denen aber immer noch nichts Positives an die Oeffenilichkeit durchgedrungen ist. Der„Treptower Anzeiger" der bekanntlich nicht nur von der Gemeinde subdentiouiert, sondern teilweise auch inspiriert wird. übernimmt in seiner Nr. 151 vom 25. Dezember 1910 einen Bericht der Morgenausgabe des„B. L.-A." vom 24. Dezember 1910, mit qem Bemerken, daß derselbe scheinbar einer Indiskretion sein Da- sein verdanke. Gleichzeitig verweist der„Treptower Anzeiger' aber aus einen Artikel seines eigenen Blältchens in derselben Nummer vom 25. Dezember 1910, der sich an einer anderen Stelle befindet und augenscheinlich darauf berechnet ist, Stimmung gegen Berlin zu machen. Er betitelt sich:„Unhaltbare Zustände im Betriebe der Siemensbahn". Diesem Artikel(Gr. gezeichnet), der offensichtlich stark auf- gebauscht ist. ist der Zweck, die die Siemensbahn benutzenden Treptower Einwohner gegen Berlin aufzubringen, deutlich anzusehen- Angeführt wird unter anderem darin die Verspätung eines Wagens um drei Minuten, daS Fehlen eines AuhängewagenS, das Fehlen der Beleuchtung und andere kleine Verfehlungen, die wir ja gar nicht beschönigen wollen, die aber zu den alltäglichen Erscheinungen im Verkehrswesen auch der privat geleiteten gehören. Daß mit dem Artikel nur Stimmungsmache betrieben werden soll, erhellt schon daraus, daß acht Tage lang eingehende Beobachtungen angestellt und bei dem Fahrpersonal Beschwerden geführt worden sind, anstatt sich bei der zuständigen Stelle, bei der Betriebsleitung zu be- schweren. Daß die VerkehrSverhältniffe Treptows anerkanntermaßen sehr rückständig sind, ist nicht allein der Stadt Berlin und ihrem kom- plizierle» Verwaltungsapparat, sondern auch der Treptower Gemeinde- Verwaltung zuzuschreiben. Die Einwohnerschaft Treptows hat daher alle Ursache, nicht nur gegen die Rllckständigkeit der Siemensbahn und Berlin, sondern auch gleichzeitig gegen ihre eigene Gemeindeverwaltung ganz energisch Front zu machen, schon deswegen, weil über die schon vorerwähnten Verhandlungen über den weiteren Ausbau der Siemens- bahn selbst den Gemeindeverordneten Treptows keine Mitteilung ge- macht worden ist. Wenn der„B. L.-A." recht unterrichtet ist, und eS liegt kein An- laß vor, daran zu zweifeln, so wäre es doch wohl am Platze ge- wesen, von den 35 Punkten der Angebote, mit denen die Rixdorfer Gemeindeverwaltung die Treptower Gemeindeverwaltung einzu- fangen beabsichtigt, nicht nur den einen, der die bessere Aus- gestaltung der Verkehrsmittel BaumschulenwegS, durch Rixdorf, mit Anschluß an eine durch Berlin erst noch zu er- bauende Schnellbahn herbeiführen soll, anzuführen. Die anderen Punkte werden aber wohl noch viel weniger geeignet sein, vor einer öffentlichen Kritik zu bestehen, als wie der durch den„B. L.- A." angeführte. Wenn aber die Einwohnerschaft BaumschulenwegS auf den Anschluß an die erst noch zu erbauende Berliner Schnellbahn durch die Gemeindeverwaltung der Stadt Rixdorf warten soll, so kann da» doch wohl noch viel länger dauern, als die Durchlegung der Siemensbahn nach Baumschulenweg. Wenn der Gewährsmann des ,B. L.-A." indiskreterweise die Verhandlungen mit Rixdorf preisgegeben hat, so lag doch für ihn, wenn er dabei das Jntereffe Treptows und nicht nur dasjenige de» Kreises Teltow und der Provinz Brandenburg im Auge hatte, gar kein Grund vor, nicht auch mitzuteilen, daß auch zwischen Berlin und Treptow die eingangs von uns mitgeteilten Verhandlungen ein- geleitet worden find. Um nicht auch unsererseits Indiskretionen zu begehen, die den weiteren Fortgang der Verhandlungen stören könnten, so verzichten wir einstweilen darauf, auf weitere Kulturaufgaben hinzuweisen, deren Durchkührung der Gemeinde Treptow bei ihrer wetteren Eni» Wickelung obliegen werde, die aber, abgesehen von vielen anderen Hlnderniffen, auf die wir heute ebenfalls nicht näher eiiigehen wollen, die Gemeinde Treptow aui eigenen Mitteln durchzuführen kaum in' der Lage sein wird. Da die Steuerkraft Treptow«, wenn wir den Durchschnitt der Steuerlast auf den Kopf de? einzelnen Steuer- zahler» umrechnen, reichlich doppelt so hoch ist, als wie die der Stadt Rixdorf(etwa 15 zu 7 Mark), so würde auch diese beim besten Willen ebensowenig dazu in der Lage sein. Nur durch den Zusammenschluß aller Vororte mit Berlin ist eine gleichmäßige Verteilung der Lasten sowie eine gedeihliche Fort- entwickelung Groß-BerlinS möglich. Zum Schluß wollen wir noch ganz besonders darauf hin« weisen, daß unter dem elendesten aller Wahlgesetze, gerade diejenigen Vororte Berlins, die wie Treptow ein« durch- au« städtische Einwohnerschaft haben und wo gar keine ländlichen Verhältnisse mehr bestehen, deren Wahlrecht aber den Be- stimmungen der Landgemeindeordnung unterworfen ist, ganz besonders schwer zu leiden haben unter dem Hausbesitzerprivileg, mit der Ver- schärfung, daß höchsten» ein Drittel der Gemeindevertretung,„also mit Einschluß der nichtangeseffenen Gemeindevorsteher und Schöffen" Nichtaugesesfene sein dürfen. Dazu kommt noch, daß die I. und EL Klasse gemeinhin gar keine Nichtangesessenen wählt und der III. Klasse keine geeigneten Angesessenen zur Verfügung stehen, so daß keine Auswahl getroffen werden kann und die große Masse der Bevölkerung so gut wie gar nicht vertreten ist. Der einzige Weg, eine klare Meinung der nicht angesessenen Bevölkerung von Treptow herbeizuführen, ist daher die Stellung- nähme in öffentlichen Versammlungen, auf die wir auch in der Frage der Eingemeindung ganz besonders hinweisen." Die vorstehenden Ausführungen beweisen, wie sehr die Be- völkerung von Treptow über die Situation im unklaren gelaffen wird und wie entgegen dem ausgesprochenen Willen der Einwohner- Ichaft Treptows von einigen leitenden Personen der Gemeinde eine Politik verfolgt wird, die mit den Interessen der Gemeinde nicht vereinbar ist. Am deutlichsten tritt dieses Bestreben in die Er- scheinung bei den VerkrhrSfragen. über die wir oben eingehend Mit- teilung gemacht haben._ politische CUbcrficbt. Berlin, den 28. Dezember 1910. Konservative und Nationalliberale. Da die von den Konservativen in ihrem Machtinteresse ausgegebene Parole:„Auf zu: Sammlung gegen die rote Flut I" von einem Teil der die Absicht der konservativen Parteiführer durchschauenden Nattonailiberalen nicht blindlings befolgt»vird, zeigt sich neuerdings im konservativen General- stab wieder eine arge Verstimmung gegen die National- liberalen, die sich in wilden Attacken gegen die„Verbündeten" und„Blockgenosseu" der Sozialdemokratie— mit solchen Namen werden die Nationalliberalen bereits bedacht— Luft macht. Kennzeichnend für diese verschärfte Spannung zwischen Konservativen und Nationalliberalen ist ein„Sptegelfechterei" überschriebener Artikel in der letzten Nummer der„Kreuzztg.", tn dem eS heißt: „Wer direkt und indirekt die Sozialdemokratie seit der AuS- ficht aus da» Bülowsche„Philipp!" unterstützt hat und noch fort- während unterstützt, ist keinem verständigen und kritikfähigen Deutschen heutzutage unbekannt: daS find die Liberalen, und zwar die Nationalliberalen ebenso gut wie die Fortschritt- l e r. Di« Steuerhctze, der Politil de? Haffe»(wie der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt die liberale Tendenzpolitik zutreffend be- zeichnete) und nicht zuletzt auch dem direkten Eintreten für sozial- demokratische Kandidaten bei verschiedenen Ersatzwahlen seitens Liberaler verdankt die Sozialdemokratie ausschließlich ihren heu- tigen Aufschwung. Und es ist charakteristisch, daß dieser sozial- demokratische Aufschwung durch daS bekannte Abschieds« interview des Fürsten Bülow geradezu inau- guriert worden ist. Es nützt nichts, wenn die Liberalen, und besonders die Nationalliberolen— natürlich mit de- kannter Entrüstung und obligater Schimpferei— diese Unterstützung der Sozialdemokratie ableugnen. Zahlreiche Zeugnisse aus ihrem eigenen Lager und sorgenvolle Auslassungen aus dem Schöße der Verbündeten Regierungen stehen diesen AbleugnungS- » versuchen gegenüber. Und was ist denn die jetzige natioualtlberal- fortschrittliche Verbrüderungstaklik anderes als eine Begünstigung der Sozialdemokratie?" Begreiflich sind solche Wutanfälle. Die Herren Konser- vativen fühlen sich selbst in der Rolle des geprellten Loh" gerbers, dem die Felle»vegschwimmen. Der Reichsvcrband in Tätigkeit. Der Schlammkratcr des Reichswahrheitsverbandes, der eine Zeitlang außer Tätigkeit gewesen zu sein schien oder diese Tätigkeit doch auf das Verramschen seiner älteren Makulatur beschränkt hatte, ist abermals in Aktion getreten und speit neue Massen von Unrat aus. Es scheint also, daß die zerschmetternden Niederlagen des Junker- und Scharfmackler- tums den leidtragenden Kraut- und Schlotbaronen den Beutel wieder derart geöffnet haben, um dem Riesenbetrieb für Sozialistenverleumdung noch einmal über die Pleite hin- wegzuhelfen und ihn wenigstens über die Wahlen hinaus flott zu erhalten. In einem Zirkular empfiehlt die Geschäftsleitung deS Neichswahrheitsverbandes gleich fünf Flugblätter neueren Datums und drei dicke Wälzer, in denen der reichsverbändle- rische Kehrricht gleich zu Haufen zusammengefegt ist. Für den Charakter dieser Veröffentlichungen ist ein vierseitiges Flugblatt bezeichnend, das den durch die Gerichtsverhand- lungen so kläglich zerstörten Scharfmacherschwindel von den revolutionären Vorübungen in Moabit, am Wedding usw. mit der bekannten reichsverbändlerischen Ungeniertheit von neuem wiederkäut. Auch ausländische Ereignisse, wie der französische Eisenbahnerausstand und die Vorgänge in Süd- Wales, müssen herhalten, um die Sozialdemokratie als eine politische Verbrechergesellschast hinzustellen, als„Partei der Verrohung, der Zerstörung, der gewaltsamen Revolution". Von den Entsetzenstaten der Polizei, die jeden Tag die Moabiter Prozeßverhandlungen enthüllen, von den wüsten Aufreizungen der Scharfmacherpressc, die mit Maschinen- getvehren unter die Masse gepfeffert haben wollte, von der niederträchtigen Staatsstreichshetze der konservativen Führer, von den Aufforderungen deS JanuschaucrS, ein allgemeines Blutbad zu inszenieren, ist natürlich in dem traurigen Mach- werk mit keiner Silbe die Rede. Die erneute intensive Tätigkeit des Reichsverbandes be- weist, wie groß die Wahlangst der ihn aushaltenden Hinter» männer ist. Sic verrät, wie diese Staatsstiitzen den Wahl» kämpf zu führen gedenken! Daß sie mit diesen verzweifel- ten Mitteln besondere Erfolge haben werden, werden sie sich ja wohl selbst kaum noch einreden. Immerhin wäre es das Gegenteil politischer Klugheit, wenn die Sozialdemokratie sich nicht auch ihrerseits auf einen Wahlkamps einrichtet, der noch ganz andere Anforderungen an die agitatorische Leistungsfähigkeit der Partei stellt, als alle bisherigen Kam- pagnen. Die enormen Geldmittel, die dem Hansabund und dem Reichsvcrband zur Verfügung stehen, und der kolossale propagandistische Apparat, der von allen Gegnern, nicht zu- letzt auch vom Zentrum, in Tätigkeit gesetzt werden wird, machen es der um Verteidigung ihrer elementarsten Rechte kämpfenden Arbeiterklasse zur Ehrenpflicht, ihre Organi- sationen derart auszubauen, ihre Presse derart zu verbreiten und alle Wahlvorbereitungen derart zu treffen, daß der Schlammflut der skrupellosesten Verleumdungen ein fester Damm entgegengesetzt wird! Amtliche Geheimniskrämerei. Die Revolte auf der Insel Ponape datiert bereits vom 18. Okiober. Die Insel hat keine Drahtverbindung nach irgend einer Richtung, woraus es sich erklärt, daß die Meldung vom Aus- bruch der Revolte verspätet nach Deutschland gelangte. Es steht aber fest, daß die Nachricht dem Gouverneur von Neu-Guinea, Dr. Oßwald, bereits am SO. November bekannt war, und ein oder zwei Tage später war ganz bestimmt auch daS Kolonialamt unter- richtet. Trotzdem hat man der Oeffenilichkeit erst dann Mitteilung gemacht, als ein Privat-Depeschenbureou die Nachricht von der Revolte verbreitete. Fast scheint es, als ob man Bedenken getragen hat. solche HiobSpost der Oeffenilichkeit in dem Moment zu über- geben, als der Reichstag versammelt war. Vielleicht wollte man dem Reichstag erst dann Mitteilung davon machen, nachdem die ganze Angelegenheit wieder beigelegt war. Daß die Reichsregierung von den Vorkommniffe» längst Kenntnis hatte, geht auch daraus hervor, baß bereits vor einiger Zeit zwei Kreuzer nach Ponape beordert worden sind, die mittlerweile auch dort eintrafen. Gegen eine solche Geheimniskrämerei muß ganz entschieden Einspruch erhoben werden._ Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. DaS Wölfische Telegraphische Bureau meldet: „Die Konstituierung der K a i s er- W il h elm«G eselk» schüft zur Förderung der Wiffenichaften, deren Gründung bei der Berliner UniversitSfeier von Allerhöchster Stelle in AuSficht genommen wurde, wird sicherem Vernehmen nach in der ersten Hälfte Januar stattfinden. Sie soll mit einem Vortrage des Wirklichen Geheimen Rat« Profesior» Dr. Emil Fischer in der Wohnung des Kultusministers verbunden werden, welchem auch Seine Majestät der Kaiser beizuwohnen gedenkt. In den letzten Monaten ist dem Kultusministerium noch eine Reihe weiterer Bereiterklärungen zur Beteiligung an dem großen Unternehmen aus den verschiedenen Teilen der Monarchie und aus den verschiedensten Berufskreisen zugegangen." Dieser Mitteilung nach zu urteilen, scheint der Zweck der nenen Gesellschaft darin zu bestehen, durch belehrende Vorträge Fürsten und Ministern die Wissenschaft näher zu bringen. Auskrakeelt. Wie wir bereits berichteten, haben die streitenden Berliner Professoren Gering, Schmoller. Wagner einerseits und Bernhard andererseits Frieden geschloffen. DaS Schwarze Brett der Universität verlündet dieses wichtige Ereignis durch folgenden Anschlag des RrltorS: „Bekanntmachung. Nachdem die von mir im Einvernehmen mit den Herren Ordinarien der StaatSlvissenschaften zur Prüfung der zwischen ihnen schwebenden Streitigkeiten eingesetzte Kommisflon ihr gut- achtliches Urteil abgegeben hat, haben die Parteien Erklärungen ausgetauscht, nach welchen Herr Professor Dr. Bemhard auf Grund der ihm gewordenen Inforniationen anerkennt, daß seine älteren Fachgenossen ihn in feiner Seürtätictfett tiicfit haben ungebührlich üeschräiiken lvollen, und die auf Grund dieses Irrtums ausgesprochenen Beschuldi- gungen sowie die im Kolleg von ihm getanen Aerißerungen, soweit sie Vorwürfe gegen seine Fachgenossen entHallen, zurück- nimmt, auch versichert, das; er den in der Presse erschienenen ehrverletzenden Angriffen gegen seine Fachgenosfen fernsteht; wäbrend die Herren Exzellenz Wagner, Exzellenz v. Schmoller und Professor Sering die in ihrem Schreiben vom 23, Juli dieses Jahres gegen Herrn Professor Bernhard erhobene Beleidigung zurücknehmen und veisichern, dag sie etwaigen in der Presse gegen Herrn Bernhard erschienenen ehrverletzenden Angriffen fern- stehen. Beide Parteien haben versichert, daß es sich in keinem Stadium der Angelegenheit um grundsätzliche Gegensätze wissenschaftlicher, ivirtschafts- oder sozialpolitischer Art gehandelt hat, Hiernach erachte ich den Streitfall für abgeschlossen. Berlin, den 28. Dezember 1910, Der Rektor, sgez.) Rubner.* Sehr schön! Indem beide Parteien offen versichern, daß es sich bei ihrem Zwist uin keine„grundsätzlichen Gegensätze wissenschastlicher, Ivirtschafts- oder sozialpolitischer Art" gehandelt hat, bekunden sie selbst, daß ihr Streit nichts als ein inhaltsleerer persönlicher Krakeel ist, Rechtssicherheit im preußischen Kulturstaat. Die traurige Geschichte der galizischen Dienstmagd Josefa Cniston, die nur deshalb, weil sie die Dauer ihrer Aufenthalts- berechtigung übersibritten hatte, rechtswidrig acht Monats lang in Haft gehalten wurde, ist noch in aller Erinnerung, Damals hieß es, daß solches Vorkommnis eine große Ausnahme sei und nur infolge eines unglücklichen ZusannnentreffeuS allerlei Umstände eintreten konnte. Tarsächlich scheinen jedoch derartige Fälle in dem Staate der„vollendeten Nechtsgarantien" keineswegs so sehr selten zu sein, denn das„Neustädter Wochenblatt", weiß bereits einen ähnlichen Fall zu melden, der sich vor kurzem in Neustadt sHolsteinj zugetragen hat: Hosbesiver Schanz hatte zehn russische Polen als Arbeiter im Dienst, Plötzlich, im Dezeinber 1900, kam, so berichtet das Blatt, vom Landral die Order. Herr Schanz habe die Leute sofort zu ent- lassen. Dies geschah, die Russen wurden entlassen, die nötigen Papiere wurden ihnei! eingehändigt. Am Morgen nach der Eiitlassunq traf der jetzt pensionierte Polizeimachlmeistcr K. die Rüssen auf dem Marktplatz und verhaftete sie. Der eine wurde dann entlasse», während seine beiden Leidensgenossen, Bednacz und Adamtak, in Haft blieben und volle drei Monate„gesessen" habeil. Ein Teil des von den Arbeitern ersparte» Geldes wurde zur Dccknng der Hastkostcn verbraucht. Auf eingelegte Beschiverde kam seitens des Neustädter Polizeiverwalters der Bescheid, scheide seien russische Polen und sollten, da sie mit der russischen Polizei in Konflikt ständen, über die Grenze spediert werden; die Unterhaudlungeii mit den russischen Behörden seien aber regelmässig sehr lang- wieriiJ. ES fragt sich aber doch, ob zu einer Auslieferung wirklich ein ganzes Viertelsahr nokivcndig ist, wenn Verbrechen so klar zutage liegen, lvieS dies doch— als Grund der so prompten Verhaftung— anscheinend der Fall gcwcien ist. Schließlich wurden beide forltransportiert, und nun— kam ein Nachspiel: Herr Schauz, der Arbeit- aeber, erhielt, uotzdcm er seine Leute ordmmgSinäßig entlassen und mit den erforderlichen Papieren ausgerüstet hatte, zwei Rechiimigen: die für Bednacz lautete über achtzig die für Adamiak gar über 130 M,! Nachdem Herr Sch. gutwillig die erste bezahlt hatte, legte er Protest ein, doch der nützte ihm wenig, beim jetzt erhielt er Prvzeßandrobung. Nach weiteren Protesten wurde Herrn Schauz mitgeteilt, daß die direkten Haft« koste»— nebenbei: eine relativ geringe Summe, etiva 12 M.— für Adamiak gestrichen werde» sollten. Daraufhin erklärte Iich Herr Sch. mir den, behördlichen Maßnahmen— des lieben FrledettS halber— eiiwerstanden, wenn die dlrekteü Hasikosie» auch für Bednacz gestrichen würden. Dies erfolgte und so hat der Arbeitgeber, der vöüig korrekt gehandelt hatte, für zwei seiner Arbeiter, die treu und gut gearbeitet haben, insgesamt etwa 130 Mark bezahlt— für Nichts und wieder Nichts I Hoffentlich fühlt sich der Herr Minister des Innern veranlaßt, genaue Auskunft einzusordern und den betreffenden Beamten eine gründliche Magenreimgiing angedcihen zu lassen. Ueber die Borteile der Einfuhr französischen VieheS teilt der Karlsruher Stadirat mit, daß das in de» dortigen Schlacht- Hof eingeführte ausländische Vlcb sich nicht nur durch seine vor- zügliche Qualität und die gute Mästung, sondern vor allem auch den guten Gesimdheitszusland auszeichnet. Statistisch wurde festgestellt, daß das einheimische Schlachtvieh um rund so Proz. mehr mit Tuberkulose behaftet ist, als das a»s Frankreich stammende, Die Beanstandungsziffer wegen Tuberkulose ist ganz wesentlich unter dem Einfluß der Einfuhr französische» Viehes zurückgegangen. Ein polizeilich bewachtes Arbeiter-Jugendheim. In Breslau ist am 1. Weihnachtsfeiertage ein mit Unterstützung der Partei und Gewerkschaften inS Leben gerufenes Arbeiter-Jugendheim dem Verkehr übergeben worden. Nicht wenig erstaunt Ivaren am Eröffnungstage die Besucher, als sie im Vorraum KeS in einem Privathause untergebrachten Jugendheims einen Schutzmann und einen leibhaftigen Polizeitommiffar erblickten, die dort Poslo gefaßt hatten. Da der Grund der Anwesenheit der beiden behelmten Be- amten nicht zu ermitteln ivar, wird der Jugendautschuß Beschiverde einlegen. Fünf Stunden laug standen die Hüter der Ordnung ans ihrem Posten und mußten dann, als das Jugendheim geschlossen wurde, abziehen, ohne Material über das„staatsgefährliche Jugend- heim"._ Handwerkerkoitferenz. Im ReichSamt des Innern tritt am 3. März 1911 die längst angekündigte Handwerkcrkonferenz zusammen. Eingeladen hierzu sind: Der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag in Hannover, der geiitralausschutz der vereinigten JmiuiigSverbände Deutschlands in Berlin, die Deutsche Miltelstandsvereiniguiig i» Berlin, der Deutsche HmidelStag in Berlin, der Zentralveroand Deutscher Industrieller in Berlin und der Bund der Industriellen in Berlin. Außerdem werden auch die Einzelstaaten Vertreter entsenden. Drei Hauptfragen sollen von der Konfererez behandelt werden: erstens die Abgrenzung von Fabrik und Handwerk, zweiten« die Helaiiziehung der Industrie zu den Kosten der Lehrlingsausbildung durch das Handwert, drittens die Abänderung des 8 lOOcz der Geiverbc- vrdnuiig iFestsetzung von Mindestpreisen). Die ersteir beiden Fragen sind derart schwierig, daß auch von dieser Konserenz eine befriedigende Lösung nicht zu erwarten ist. Aber die Regierung scheint mit der Einberufung dieser Konferenz den Handwerkern beiveisen zu wollen, daß sie ihr ganz besonderes Augenmerk den Wünschen deS Handwerks zuwendet, waS auf die bevorstehenden ReichStagSwahlen immerhin von einigein Einfluß fein kann._ Schweiz, Die Sozialdetiiolratie gegen die Teiiermig. Bern, 24. Dezember.(Eig. Ber.) Die BimbeSversammlung ist Wieder in die Ferien gegangen nnd wird sich am 26. März 1911 wieder zur Frühjahrssession versammeln. Bor der Vertagung brachte unsere Fraktion im Nalionalrat die herrschende Teuerung in Form folgenden Antrages zur Sprache: „Der Bundesrat wird eiitgeladen, die Frage zu prüfen und darüber beförderlichst Bericht und Antrag einzubringen, ob und durch welche Maßregeln die noch immer steigende Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel gemildert werden kann, insbesondere, ob nicht die Einfuhr gefrorenen Fleisches aus Argentinien z u erleichtern sei," Den Antrag begründete Genosse Greulich, der sich zuerst mit den Agrarier» auseinandersetzte, deren Borgehen nichts anderes als reiner Klassenkampf ist. Der Bauernsekretär Dr. Laur treibt tendenziöse Statistik. Eine Teuermig besteht und sie wirkt äußerst nachteilig aus die breiten Massen der Bevölkerung, die gehoben werden sollten, die aber heute herabgedriickt werden. Die Ursachen der Teuerung erblickt Greulich in der steigenden Goldproduktion, die das Geld entwertet, in den Zölle» und in der fortschreitenden In- dustrialisiermig aller Länder; sodann in dem relativen und absoluten Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung, Zur Feindschaft zwischen Bauern und Arbeitern liegt kein Grund vor; elftere sollten bedenken, daß die unter der Teuerung leidenden Arbeiter Fleisch und Blut von ihnen sind. Anderseits befinden sich die Bauern ebenfalls größtenteils in einer mißlichen Lage. Die Slbweiz leistet jedes Jahr viele Millionen zur Förderung der Landivirtichast. Die Zölle haben der Bevölkerung schwere Opfer auferlegt und wenn sich lrotzdem die Landwirtschaft schlecht steht, so muß man fragen, ob alle die aus- gewendeten Mittel auch wirklich denen zugute kommen, die sie nötig haben? Bei der Untersuchung der Wirkungen der Lohnerböhungen auf die Teuerung führte Greulich aus, daß, wenn der Lohn ein Drittel der Produktionskosten ausmacht, eine Lohnerhöhung von 30 Proz. nur eine Steigerung der Produktionskosten um 10 Proz. beträgt. Die Teuerung macht aber viel mehr aus. Die Produzenten- verbände der Industriellen wie der Agrarier betreiben die Preis- steigernngen und Verteuerung in viel höherem Maße. Den Bauern nutzten die hohen Lebensmittelpreise nur momentan. In der Schweiz wechseln 19 000—20 000 Heimwesen jährlich ihren Besitzer und die Folge davon ist eine Ueberkapitalisterung und schließlich eine enorme Bodenverschuldung, die die höheren Einnahmen aus den gesteigerten Produklenpreisen wieder paralisiert. Da nützt den Bauern die Politik der hohen Lebensmittelpreise gar nicht« und wäre ihnen viel- mehr geholfen durch ein großzügiges Genossenschaftswesen, das die kollektive Amortisierung der auf den Bauernbetrieben lastenden Schulden ermöglichte. Greulich wandte sich sodann auch gegen die von den Agrariern schon jetzt wieder betriebene Agitation für eine weitere Erhöhung der Zölle bei der nächsten Handelsvertrags- lampagne. Bundesrat D e u ch e r, der Chef deS Landwirtschaftsdeparte- mcnts. anerkannte die Teuerung, aber keine Notlage, weshalb er auch die Forderung der Zolltarifermäßigung zu- r ü ck w i e S. Dagegen sagte er Entgegenkommen zu i» bezug auf die Einfuhr von gefrorenem Fleisch auS Argen- i i n i e n, und in diesem Sinne nahm er auch den Antrag Greulichs entgegen. Die lcnidivirtschaftltche Gruppe ließ durch den Abg. Fr ei bürg- haus eine Erklärung abgeben, in der ebenfalls die Teuerung an- erkannt, aber die Verantwortung dafür von den Agrariern abgelehnt wurde. Unter der VoranSsetzung der unveränderten Ausrecht- erhaltnng der Zölle und der sanilarischen Grenzkontrolle stimmtö' er der Einfuhr von gefrorenem Fleisch und der Resolution Greulich zu, Nachdem noch mehrere bürgerliche Redner den Antrag Greulich unterstützt hatten, wurde er erheblich erklärt und dem Bundesrat überwiesen, der hoffentlich nickt monatelang.gründlich" untersucht, sondern schleunigst Abhilfe schafft. foilUand. Ausweisung russischer Uutertauen. Petersburg, 28, Dezember.(W, T B.) In der R e i ch S d u m a ivurde beute über den von 3S Oktobristen gestellten Antrag beraten, den Minister de« Auswärtigen wegen der Ä u S w e i s u n g r u s s i- scher Untertanen aus dem Bezirk von Mährisch-Ostrau zu interpellieren. Die N a t t o n a l i st e n inachten den Vorschlag. der Kommission zur Berichterstattung eine Frist bis zum 14. Februar zu geben, Abgeordneter B a lasch off«Nationalist) wies darauf hin, daß die Ausweisung von 418 russischen Untertanen kein Einzelfall sei. Abgeordnete aus Podolien feie» Zeugen davon gewesen, wie drei Semstivonngestellte, die unvorsichtig genug gewesen seien, auf Fahr- rädern eine benachbarte österreichische Stadt zu besuchen, dort unter Spionageverdacht verhaftet und Ivie gemeine Verbrecher ins Ge- fängni« geivorfe» lvordcn seien. Nur mit größter Muhe und nach Einmischung des Botschafters sei ihre Besreiung gelungen. Solche Vorgänge ließen auf eine gewisse Planmäßigkeit der Handlungen der österreichischen Regierung schließen. Falls solche Planmäßigkeit bestehe, müsse auck, die russsiche Regierung erwägen, ob für Rußland der Alifenthalt österreichischer Uiiiertancn auf russischem Gebiete wünschenswert sei. Mitglieder. Die Zahl der technischen Angestellten, die ihm noch fernstehen, ist also sehr groß. Wenn trotzdem der Bund sein Agitations- gebiet auf die Handlungsgehilfen ausdehnt, so wird man die Gründe dafür in zwei Ursachen suchen dürfen. Erstens steht fest, das} das Wachstum des Bundes nach einem raschen anfänglichen Aufschwung nun infolge starker Mit- gllcdcrsluktuation nierklich abgeflaut ist; zweitens ist den bürgerlichen Demokraten begreiflicherweise der Kreis der technischen Angestellten ein ungenügendes parteipolitisches Rekrutierungsgebiet. Die bisherige Agitation des angeblich„neutralen" Bundes der technisch-indlistriellen Beaniten unter den Handlungs- gehilfen eröffnet vielversprechende Aussichten. Die erste Probe- Nummer seiner Zeitschrift„Der kaufmännische Angestellte" legte dar, das} sich die Handlungsgehilfen von der Sozialdemokratie ganz naturgemäß„abgeschreckt" fühlen müßten. In der zweiten Probenummer wird den Lesern erzählt, wie schädlich es ist, wenn sich eineHandlungsgchilfenorganisation den freien Gewerkschaften anschließt. Es heißt darin, daß der Verein der deutschen Kaufleute mit seinen 18000 Mitgliedern fast den fünften Teil der Hirsch-Dunckerschen Gcwerkvereine ausmache, denen er an- gehört. Also könne sich der genannte Verein die weitgehendste Unterstützung seiner Aktionen durch die anderen Gewerkvereine erzwingen. Anders lägen die Dinge bei den freien Gewerk- schaften. Von diesen werde man kaum erwarten können, daß sie sich neben der Interessenvertretung für ihre fast 2 Millionen Arbeitermitgliedcr noch sonderlich für die 15 oder 16 000 Privat- angestellten ins Zeug legen, die sich ihnen angeschlossen hätten. Die Herren vorn Bund der technisch-industriellen Beanlten sind in Wirklichkeit gar nicht so töricht, als sie sich hier stellen. Sie wisse» ganz genau, daß die der General- kommission der Gewerkschafte» angeschlossenen Organisationen durchaus selbständig sind, so daß jede Gewerkschaft die Be- sonderheiten ihres Berufes bei der Agitation usw. unein- geschränkt berücksichtigen kann. Des ferneren aber vertreten die vereinigten freien Geiverkschaften nicht nur die gemein- samen Forderungen, sondern unterstützen sich auch gegen- seitig im Kanipfc gegen schädliche Eigenarten einzelner Berufe; man denke an die Heimarbeit, den Kost- und Logis- zwang der Barbiere, das Stellenvermitlelungsunwesen im Gastwirtsgewerbe usw. In derselben Weise werden auch die frei organisierten Handlungsgehilfen ohne Rücksicht auf ihre Minderzahl von den freien Gewerkschaften unterstützt. Es ist durchaus nicht so, wie die neue Zeitschrilt des Bundes der technisch-industriellen Beamten perfideriveise unterstellt, daß die Handlungsgehilfen unter den freien Gewerkschaften die Rolle des Aschenbrödels spielen. Der Bund der technisch-industriellen Beamten hat ein Interesse daran, die Arbeitergewerkschaflen zu verdächtigen. Seine Mitglieder sehen nämlich, daß die Arbcitcrgcwerkschaften die Lebenslage ihrer Mitglieder verbessern, wogegen der Bund den seinigen nur schöire Reden bietet. Ueberdies würden so- wohl die techinschen Angestellten als auch die Handlungs- gehilfen der demokratischen Vereinigung flöten gehen, wenn sie erkennen, daß sie mit den Arbeitern gemeinsame Jntcr- essen haben und diese auch am besten mit den Arbeiterorganisation vertreten tonnen. Lerlin unck Qmgezenck. Achtung, Töpfer! Den Kollegen zur Nachricht, daß die Diffe- renzen bei der Firma Friedrich T r e i f e r t erledigt sind.— Die Firma ist wieder freigegeben! Die Berbandsleitung. veutkebes Kelch. Delbrück als Handlanger der Scharfmacher. Unser gestriger Leitartikel bedarf der Berichtigung. Von unterrichteter Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht Herr Magistratsrat W ö l b l i n g war, der seiner- *zeit in der Schlichtungskommission für die Berliner Bau- klempner die Zurückweisung eines Geiverkschaftsangestellten als Vertreter der Arbeiter durchsetzte. Insofern haben wir Herrn W ö l b l i n g Unrecht getan. Es handelte sich danials um den Geiverberichter Dr. G e r t h. Im übrigen ändert dieser Irrtum nichts an der Tatsache, daß die Regierung zwei um das Zustandekommen des Friedens iin Bangeiverbe ver- diente Beamte nicht in das Zentralschiedsgericht übernahm, sondern durch andere ersetzte, weil sie den Unternehmern will- fährig sein wollte._ Vom Koalitionsrecht der Vexficherungsangestellten. Die Preußische Lebens- usw. VersicherunaS-Aktiengesellschaft zu Verlin scheint den unrühmlichen Spuren de?„Viktoria" folgen zu wollen. Auch ihre Angestellten erkennen immer klarer die Be- deutung der Organisation. Die Direktion glaubt, durch Entlassung von Angestellten, die für ihren Verband tätig sind, aus die übrigen abschreckend einwirken zu können. Sie hat jüngst bei ihrer Sub» direktion Leipzig einen Akquisiteur entlassen. Die Angestellten kennzeichnen diese Entlassung als eine unzweideutige Maßregelung. Die in Zwickau abgehaltene Versammlung der sächsischen Ange- stellten sah auf Wunsch des Entlassenen von Gegenmaßnahmen ab; einmütig protestierte sie aber gegen jeden Anariff auf das gesetzliche Vereinigungsrecht der Angestellten und machte der Direk- lion bekannt, daß die Angestellten fest entschlossen sind, jeden weiteren Angriff auf ihre Zugehörigkeit zum Verband mit allen Mitteln zurückzuschlagen. Die Direktion der„Friedrich Wilhelm" wird sich übrigens von der„Viktoria" belehren lassen können, daß solche Willkür und Ungerechtigkeit recht untaugliche Mittel sind. Der Gasarbeiterstreik in Zwickau dauert fort. Angebahnte Ver« Handlungen verliefen resultatlos, da die Direktion nicht die geringsten Zugeständnisse machte. Sie wollte vielmehr bei der Wiedereinstellung der Ausständigen Auslese hallen, also Maßregelungen vornehmen, diese so Ausgefiebten wieder als Neueingestellte behandeln, sie der durch jahrelange Tätigkeit erworbenen Vergünstigungen für ver» lustig erklären, ihnen nur den Mindestlohn, für Hofarbciter S3 Pf. pro Stunde und für Feuerhausarbeiter 3g Pf. bezahlen, somit den alten Arbeitern eine Lohnreduktion bescheren. Unter diesen Umständen lehnten die Streikenden die Aufnahme der Arbeit ab. An Arbeitswilligen hat eS bisher nicht gefehlt, trotzdem es der Streikleitung gelang, eine größere Anzahl ab« »uschieben. Unternehmer am Orte sorgen für neue Zufuhr aus den Reihen ihres Personals. All die Rausreißer vermögen den Betrieb auf die Dauer und regelrecht nicht aufrecht zu erhalten. Die Nach- teile stellen sich auch hier erst später ein, wenn Reparaturen an den Betriebseinrichtungen erforderlich werden, die ungeschickte Hände ver- schuldet, in letzter Linie aber der Halsstarrigkeit der Verwaltung zu verantw. Redakt.: Richard Vanh, Berlin. Inseratenteil verantw.z danken find, und wofür die Steuerzahler den Schaden zu tragen haben. Die Fernhaltung des Zuzuges kann deshalb die Chancen der Ausständigen nur günstig beeinflussen. Unternehmerorganifationen. Der soeben erschienene Jahresbericht des bayrischen Industriellen- Verbandes weist für das abgelaufene Jahr eine erhebliche Zunahme an Mitgliedern auf. Am 1. Oktober 1910 gehörten dem Verbände TU Einzelmitglieder nnd 17 Verbände mit nahezu 3000 Mitgliedern an. Die Zahl der von den Mitgliederfirmen beschäftigten Arbeiter betrug über 190 000. Für die Arbeiterschaft ein Ansporn, unermüdlich an dem Ausbau und der Stärkung ihrer Organisation zu arbeiten. Ausland. Ein Eafskellnerstreik zu Weihnachten war die erste, wohlgelungene Aktion der jungen Organisation der Wiener Kaffeehauskellner. Bekanntlich»st Wien die eigentliche Stadt der Kaffeehäuser als—„Ding an sich", d. h. der reinen CafsS, die nicht auch Restaurants sind und wo man zwar Billards und Marmortiichchen, aber niemals weißgedeckte Tische und Musik- kapellen findet. Eigenartig ist die Stellung der„Markeure", der Zählkellner; sie erhallen keinen Lohn, sondern sie zahlen(also wie die Portiers der großen Hotels) noch für ihre Stellung, indem sie die zahllosen Zeitungen. Züiidhölzcheit, Spielkarten usw. selbst be- zahlen. Nun begann die Organisation schon vor drei Wochen mit der Ueberreichnng der Forderungen(Monatsgehalt von 90 Kronen mindestens für die Zuträger, Lohnerhöhungen für Sitzkassiererinnen, des Küchenpersonals, 36 Stunden Urlaub wöchentlich und täglich zwei- stündige Mittagszeit, Spesenzuschuß für die Markeure) und in einigen der größeren Cafös wurden sie auch alsbald bewilligt; eines mußte eine mehrstündige Okkupation durch achtzig Kellner ertragen. Im Cafö Bürgertbeater aber traten am Sonntag sämtliche 19 Angestellte in den Ausstand, was die Schließung des Cafös bis Montagabend zur Folge hatte, wo ein zweijähnger Tarifvertrag abgeschlossen werden konnte. Das war der erste Streik von»Kaffeesiader- g'hülrn"._ Ein Demonstrationsstreik. Aus Paris wird gemeldet: Der Streikausschuß des all- gemeinen Arbeiterverbandes hat den Beschluß gefaßt, den Gesamt- ausständ der Verbandsmitglieder vorzubereiten, um gegen die Ver- urteilung des Syndikatssekretärs Durant in Rouen zu pro- testieren._ Aussperrung im graphischen Gewerbe in Sofia. Seit dem 16. November sind in Sofia zirka 450 Arbeiter der graphischen Gewerbe ausgesperrt, weil sie einen von den Arbeit« geber» vorgelegten ungünstigen Tarif nicht annehmen wollten. Der iutern.itionale Sekretär der Buchdrucker hat mit den Arbeitgebern Verhandlungen gepflogen, die aber ergebnislos verlaufen find. Das Internationale Bnchdruckersekretoriat unterstützt die Ausgesperrten. ebenso auch das Jniernaiionale Buchbinderselretariat. Der deutsche Buchbinderverband hat schon eine Summe an die ausgesperrten Buchbinder abgesandt; von den Buchbindern sind 120 Personen an der Aussperrung beteiligt. Zuzug nach Sofia ist fernzuhalten! Soziales. » Märchen. Mit einer verdächtigen Einmütigkeit kultiviert die Presse des Schnapsblocks unter Anführung der großindustriellen Scharsmacher das Märchen von einer drückenden Last durch die Sozialversicherung. Durch Angabe einiger, oft unkontrollierbarer Zahlen und durch unsinnige Berechnungen, bei denen Steuern. Versicherungsbeiträge usw. auf das Aktienkapital und den Reingewinn bezogen werden, versucht man den Anschein zu erwecken, als stelle die Sozialpolitik die Existcnzfähigkeit der Unternehmungen in Frage. Man insze- niert dabei eine wütende Hetze gegen die Gewerkschaften, angeblich, weil diese durch die Lohnforderungen die Industrie direkt kon- kurrenzunfähig machen und daher eine Beschränkung der Gewerk- schaftsmacht im Interesse der nationalen Industrie erforderlich sei. Da merkt man schon die Absicht der Hetzer. Doch mit den Motiven der Beutejägcr wollen wir uns jetzt nicht beschäftigen; es soll nur wieder einmal nachgewiesen werden, daß sie mit den Klagen über soziale Lasten Märchen erzählen. Wir benutzen dazu die amtlichen Angaben über die Arbeitervcrsicherung im Jahre 1908, enthalten im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich (1910). Nach den amtlichen Zahlen gewinnt man diese Aufstellung: Auswendung Auswend. pr. Arbeiter Zahl der der im sür d. Arbeits- Versicherung Versicherten Untcmebmer Lahre lag Marl Mark Pjenntg Kranken... 13 189 599 114 913 990 8,71 2.90 Invaliden... 15 226 000 92 211 200 6.05 2.02 Unfall überhaupt 23 674 000 181 596 600 7,67 2.56 Gewerblich allein 8 917 772 147 874 400 16.53 6.53 Landwirtschaft. 17179000 39 877 900 2,32 0,77 Für alle drei Versicherungszwcige haben die Unternehmer im Jahre 1908 demnach für 52 089 599 Versicherungsfälle 388 721600 Mark aufwenden müssen. Das ergibt pro Fall 7,46 und pro Fall und Arbeitstag 2,49 Pfennige. Untersuchen wir nun noch, wie groß die Leistung des gewerb- lichen Unternehmers ist, dessen Arbeiter allen drei Versicherungen angehören, und wie schwer die Landwirtschaft zu tragen hat Zu diesem Zweck stellen wir die Beitragsleistung aus der Invaliden- Versicherung und der Unfallversicherung für die landwirtschaftlichen Betriebe zusammen. Es beträgt die Belastung des gewerblichen Unternehmers für jeden Versicherten: im �ahre Arbeitstag Marl Pfennig Krankenversicherung.... 8,71 2,90 JnvaliditätSversicherung.. 6.05 2,02 Unfallversicherung.... 16.58 5.53 Insgesamt.. 31,34 10,45 DaS macht kaum einen Pfennig pro Arbeitsstunde auS. Wie würde der Mann mit Recht geächtet werden, der sich darüber auf- hält, daß er einen Bettelgroschen zu geben habe. Und die land- wirtschaftlichen Unternehmer, diese Schoßkinder des Glücks und der Regierung der gottgegebenen Abhängigkeit, haben erst recht keinen Grund, sich über eine schwere Belastung zu beklagen. Sie, denen der neue Zolltarif ungezählte Millionen zuschanzt,, haben sich bisher der Krankenversicherungspflicht für ihre Lohnsklaven ja noch fast vollständig entzogen, und die Beiträge, die sie zu der Unfallver- sicherung zu leisten haben, sind lächerlich gering. Unterstellt man, daß die Arbeiter eines landwirtschaftlichen Betriebes gegen Jnva- lidität und Unfall versichert sind, dann ergibt sich für den Unter- nehmer folgende Last: im Jahre pro Arbeitstag Marl Pfennig Invalidenversicherung..... 6,05 2,02 Unfallversicherung.....■ 2,32_ 0,77 Zusammen; 8,37 2,79 Wegen solcher Last die Oeffentlichkeit mit Klagen über bedrohte Existenzfähigkeit zu belästigen, dazu bedarf es schon der unge- messenen agrarischen und scharfmacherischen Unverfrorenheit. Man i spekuliert einfach darauf, daß die Lamentationen nicht auf ihre wirkliche Bedeukung untersucht werden, und der Spießer sich durch ein paar große Zahlen verblüffen und für die Hetze gegen die Sozialpolitik einfangen lasse. Dabei will man seine Aufmerksam- keit von den neuen Attentatsplänen des Schnapsblockes ablenken, damit er sich ruhig neue Steuern und Schutzzölle aufpacken läßt. Es steckt viel Bosheit und Tücke hinter dem heuchlerischen Geschrei über die Sozialversicherung. Das großindustrielle Unternehmer- tum und die Agrarier bereiten sich auf neue Plünderzüge vor, daher ihr Rufen: Haltet den Dieb Sozialpolitik! Bei unserer Betrachtung haben wir die Tatsache noch außer acht gelassen, daß auch die paar Pfennige, die als Last des Unter- nehmers für Sozialpolitik ausgeschrien werden, in Wahrheit nichts weiter sind, als ein vom Lohn abgezogener Betrag. Auch die Aus- gäbe, die nominell für Invaliden- usw. Versicherung der Arbeit- geber trägt, fällt in Wahrheit, wie Sozialpolitiker aller Richtungen früher ehrlich zugaben, dem Arbeiter zur Last. Bei der Verbessc- rung des Armenunterstützungswcsens, die in der durch das Drängen der Sozialdemokratie eingeführten Sozialversicherung liegt, hat die Unternchmerklasse es verstanden, dafür Sorge zu tragen, daß die Armenlasten von ihren Schultern auf die der Arbeiter abgewälzt sind. Das ist der Effekt des Klebesystems. Kontraktbrüchige Aerzte zu Schadenersatz verurteilt. Zwischen der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Remscheid und den bei dieser Kasse angestellt gewesenen Aerzten, die von 1898 bis 1995 für dieselbe tätig waren, ist dieser Tage durch das Oberlandes- gericht in Düsseldorf ein Rechtsstreit entschieden, der schon im Jahre 1905 angestrengt wurde. Bei der Ortskrankenkasse Remscheid, die etwa 14 000 Mitglieder zählt, bestand bor dem Jahre 1898 die Ein- richtung der freien Arztwahl. Am 4. September 1898 gaben die Aerzte durch eine öffentliche Erklärung bekannt, daß sie die Tätig- keit für die Kasse einstellen müfiten, weil sie sich vom Kassenvorstand „ungerecht behandelt" glaubten. Daraufhin führte die Kasse das System der beamteten Aerzte ein. Dieses System bestand nur sieben Jahre, da die Kassenärzte am 30. September 1905 auf Be- treiben des Leipziger Verbandes vertragsbrüchig wurden und ihre Tätigkeit für die Kasse einstellten. Nun griff die Aufsichtsbehörde ein, und die Kasse wurde gezwungen, mit den Aerzten einen Ver- trag auf der Grundlage der freien Arztwahl zum Schaden der Mitglieder und der Kasse abzuschließen. Der Kassenvorstand strengte gegen die kontraktbrüchigen Aerzte eine Schadenersatzklage in Höhe von 119 999 M. an. Das Oberlandcsgericht in Düsseldorf hat nun das Vorgehen der Kassenärzte als Vertragsbruch bezeichnet und dir Aerzte für schadenersatzpflichtig erklärt. Die Höhe der Schadenersatzsumme soll durch das Elberfelder Landgericht end- gültig festgesetzt werden. Die lange Dauer des Prozesses— 4% Jahre— ist auffällig, vielleicht in etwas durch Ausflüchte erklärlich, die die von dem Leipziger Verband beeinflußten beklagten Aerzte erhoben. Als die Aufsichtsbehörde durchaus zu Unrecht gegen die Kasse eingriff, schrieben wir:„Das Vorgehen gegen die Remscheider Ortskranken- lasse ist geradezu typisch für die Terrorisierung, der sich vorzüglich geleitete Ortskrankcnkassen unterwerfen müssen, weil Behörden sich verleiten lassen, den Einflüsterungen von Aerzten und politischen Gruppen nachzugeben, die sich zusammengetan haben, um rechts- widrige Bermögensvorteile mit Hilfe der Behörden von Kranken- lassen zu erhalten." Diese Ansicht ist inzwischen durch Urteile auch des Reichsgerichts und durch das jetzt gefällte vollinhaltlich be- stätigt. Charakteristisch für die Skrupellosigkeit der Begeiferung gut geleiteter Kassen ist die Darstellung des Remscheider Falles in der im Verlag des Reichsverbands erschienenen dickleibigen Bro- schüre:„Die Herrschaft der Sozialdemokratie." Der Autor reiht eine Anzahl längst widerlegt»! Behauptungen, die er für wahr zu halten scheint, weil sie von„amtlicher Stelle" aufgestellt sind, an» einander, unterläßt aber fürsorglich, der Tatsache Raum zu geben, daß die„amtlichen" Feststellungen späterhin„amtlich", sogar gc- richtlich, umgestoßen sind. Besonders erbost ist der Autor über unsere oben wiedergcgebene Ansicht. Daß sie auf Tatsachen sich stützt und auch leider einige Ehrengerichtshofsurteile zutreffend charakterisiert, verschweigt natürlich die Reichsverbandsbroschürc. Von vielen„amtlichen Feststellungen", die der Verfasser erwähnt, gilt in vollem Maße:„Der Tor bläst ein, der Weise spricht!"— Der Leipziger Verband behauptet, die„amtliche Stelle" gibt der Behauptung nach. Man vergleiche die.Ehrengerichtsurteile", die gegen Aerzte ergangen sind, weil sie eine versuchte Erpressung gegen Ortskrankenkassen mitzumachen ablehnten. letzte ftaebtiehten. Ein gefährlicher Schuppenbrand kam gestern abend gegen 16 Uhr auf dem Grundstück Stall- schreiberstrahe 56 zum Ausbruch. Als der Löschzug aus der Hauptfeuerwache in der Lindenstraße anrückte, stand auf dem Hofe ein einstöckiger Schuppen, der mit Papiervorräten an- gefüllt war, schon in hellen Flammen. Durch die Hitze waren bereits mehrere Fensterscheiben von Wohnungen im rechten Seitenflügel gesprungen, so daß die Situation bedrohlich aus- sah. Durch kräftiges Wassergeben gelang es jedoch, den Brand auf den Schuppen zu beschränken, der allerdings fast voll- ständig ein Raub der Flammen wurde. Mord und Selbstmord. Mainz, 28. Dezember.(W. T. B.) Der Wirtssohn Krämer erschoß seine Geliebte und beging dann einen Selbstmordversuch. Krämer wurde verhaftet. Schneestürme in Süddentschland. Mannheim, 28. Dezember.(B. H.) Der Schneesturm, der gestern abend einsetzte, verursachte in ganz Baden schwere Bcr- kehrsstörungen. Das Telephonnetz ist zum größten Teile voll- ständig unterbrochen. In der Pfalz ist der gesamte Telephon- und Tclegraphenverkehr lahmgelegt. Auf der Eisenbahnlinie Mann- heim— Heidelberg, zwischen Freudenheim und Seckenheim, wurden etwa 69 Telcgraphcnstangen vom Winde umgerissen. In der Pfalz erlitten sämtliche Abend- und Nachtzüge mehrstündige Verspätun- gen. Der Verkehr auf den Strecken von Worms nach Speyer, Neustadt a. d. H.— Frankenthal ist vielfach unterbrochen. Besonders in Frankenthal hat der Schneesturm bedeutende Verheerungen an- gerichtet._ Großfeuer in einem französischen Militärmagazin. Paris, 28. Dezember.(W. T. B.) In Compiegne brach heute vormittag in der Kaserne des 54. Infanterieregiments Feuer aus, das insbesondere die Uniformen- und Waffcnmagazine einäscherte und 12 009 Gewehre vernichtete. Zwanzig Arbeiter verschüttet. El Paso(Texas), 28. Dezember.(W. T. B.) Durch die Explosion eines Dynamitvorrats in der Grube einer Schmelz- Hütte, die der American Smelting and Refining Company gehört, wurden 2V Arbeiter verschüttet. Man befürchtet, daß viele von ihnen getötet sind._ fl, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Vorwärts Buchdr. u. VeriagSanstall Paul Singer& Co., Berlin LW. HierzuLBeilagen«.lkuterhaltungsbl. Nr. 304. 27. IahrgMg. 1. WM Ks Amiirls- KM» NallrsdlM'"»>-< , 29. Dezklnber 1910. Sie fifoabiter Vorgänge vor Lericht. Vierunddreißigster Tag. In der gestrigen Sitzung wurde zunächst ein Vorgang erörtert, der in einer der früheren Sitzungen durch die Aussage der Schutz- mannsfrau Kanne zur Belastung des Angeklagten Pilz Vorgebracht worden ist. Der Zeuge, Schutzmann Lehmann, stellt den Vorgang so dar: Ein von ihm und anderen reitenden Schutzleuten begleiteter Kohlenwagen sei von Arbeitern belästigt worden. In der Rostocker Straße sei ein Mann namens Borowiak von einem Fnßschutzmann festgenommen worden, während der Zeuge und ein anderer reitender Schutzmann, Monze. das Publikum zurückhielten. Als der Sistierteam Lokal von Pilz vorüber- geführt wurde, seien aus dem Lokal mehrere Leute und auch der Gastwirt in Hmidärmeln und blauer Schürze herausgelrete». Der Wirt habe sehr laut in die Hände geklatscht und gerufen:„Holt die Blauen runter, schlagt sie tot". Hierauf sei ein Steinbonibardement gegen die Schutzleute eröffnet worden. Dazu habe Pilz fortgesetzt gerufen:„Immer feste, feste". Pilz habe einen Lärm gemacht, «nicht wie es Mode sei". Der Zeuge sagt, er erkenne den An- geklagten Pilz nnt Sicherheit imeder. Es sei der Mann, der in Hemdärmcln und Schürze vor dem Lokal stand und sich in der angegebenen Weise benahm. Vor diesem Vorgang hat der Zeuge weder Pilz noch dessen Lokal gekannt. Auf Fragen des Rechtsanwalts Liebknecht sagt der Zeuge, er habe die Aussage der Frau Kanne in der Zeitung gelesen und darauf zu seinem Kollegen Monze gesagt, das sei ja der Vorgang, an dem sie beide beteiligt waren. Daraufhin hätten sie sich als Zeugen ge- meldet.— Schutzmann Monze stellt den Vorgang genau so dar wie der Zeuge Lehmann. Monze sagt außerdem, er könne sich in der Person des Angeklagten Pilz nicht irren, denn er kenne Pilz und dessen Lokal schon seit längerer Zeil. Er, der Zeuge, habe schon vor den Moabiter Vorgangen Nachtpatrouillen durch die Rostocker Straße geritten. Bei solchen Gelegenheiten seien Gäste aus dein Pilzschen Lokal heraus- getreten und hätten die Schutzleute verhöhnt.— Rechtsanwalt Hcinemann macht darauf aufmerksam, daß in den Akten des Verfahrens gegen Borowiak von dem hier durch die beiden Schutz- leute bekundeten Vorgang kein Wort enthalten fei.— Weiter wird von der Verteidigung darauf hingewiesen, daß die beiden Schutz- leute keine Anzeige gegen Pilz erstattet haben, obgleich er sich doch nach Angabe der beiden Schutzleute einer strasbaren Handlung schuldig gemacht habe und die Person Pilz den beiden Schutzleuten bekannt war. ES sei auffallend, daß die Schutzleute den Vorgang erst jetzt zur Sprache bringen. Der Angeklagte Pilz bestreitet auch jetzt wieder ebenso bestimmt wie früher, daß er sich in der angegebenen Weise vor seinem Lokal bemerkbar gemacht habe. Er sei bei derartigen Vor- gängcn nie auf die Straße getreten und habe auch die Streikenden gehindert, hinauszugehen. Eine Reihe von Zeugen werden hierauf über die Glaubwürdigkeit de-Z Glasers Marunde vernommen. Marunde hatte in einer früheren Sitzung angegeben, er sei am 27. September gegen Abend im Pilzschen Lokal gewesen und habe gesehen, daß dort Arbeitswillige bedroht worden seien, daß auch Pilz sich daran beteiligt und ihn sMarunde), als er für die Arbeitswilligen eintrat, mit Worten und mit einem Gummiknüppel bedroht habe.— Pilz hat diese Angaben mit großer Bestimmtheit als unwahr bezeichnet und gesagt, daß erMarunde noch nie gesehen habe. Nach der Zeugenaussage Marundes soll ein Gespräch, welche» er auf dem Bau mit zwei Rohrlegern hatte, die Ursache gewesen sein, daß er am 27. nach Moabit ging und dabei in das Lokal von Pilz kam.— Diese beiden Rohrleger, Schmidt und Schwupp werden als Zeugen vernommen. Im wesentlichen bekunden sie folgendes: Bei der Unterhaltung auf dem Bau sei keine Rede davon gewesen, daß sie, die beiden Zeugen nach Moabit gehen wollten, um Schutz- leute niederzustechen. Sie hätten sich am 27. beide darüber unter- halten, daß der„Vorwärts" über die Moabiter Vorgänge vieles tiicht bringe. waS in anderen Blättern stehe usw. In dieS Gespräch habe sich Marunde gemischt, er habe sie kleines feuilleton. Tolstois Wcltflucht in neuem Lichte. Im Nachlaß Tolstois fand sich ein versiegelter Brief mit der Aufschrift:„Falls von meiner Seite über diesen Brief nicht besondere Verfügungen getroffen werden, ist er nach meinem Tode meiner Gattin, der Gräfin Sofia Andre- jewna, zu übergeben." Der Inhalt dieses Briefes ist jetzt bekannt geworden. Tolstoi erklärt darin, daß ihn schon seit langem der Zwiespalt quäle, der zwischen seiner Lebensführung und seinen Uebcrzeugungen destehe. Er schreibt:„Ich konnte Euch nicht zwingen, Eure Lebensweise und Eure Gewohnheiten aufzugeben, denn ich habe sie veranlaßt. Ich konnte bisher auch lischt von Euch fort- gehen, weil die Kinder mich brauchten, solange sie klein waren. Ich nieinte, daß ich Euch betrüben würde. Aber ich kann nicht so fortfahre» zu lebe», ivie ich in den letzten sechzehn Jakren gelebt habe. Ich kränke und verstimme Euch, und ich verfalle den Versuchungen des Wohllebci.», an das ich mich geloöhnt habe. Ich kann das nicht mebr ertragen. Ich habe beschlossen, einen langgehegten Wunsch auszustihren: ich gehe fort. Die Kinder sind erwachien und sie leben ihr eigenes Leben. Ich aber bedarf der Ruhe und der Ein- samkeit, das fühle ich mit jedeni Jahre stärker.... Jeder Greis hat das Bedürfnis, sich von der Welt zurückzuziehen und seine letzten Tage Gott zu weihen. Ich will mich mir meinein Geivissen aus- söhnen und mein Leben mit meinen Lehren in Einklang bringen oder wenigstens grelle Dissonanzen vermeiden. Wenn ich offen fort- ginge, würde ich vielleicht Bitten oder meiner eigenen Schwäche er- liegen. Ich will still meinen Frieden finden. Verzeiht niiri sucht mich nicht, verurteilt mich nicht. Laß mich gehen. Sonja, hindere mich nicht. Ich bin mit Dir nicht unzufrieden ge- Wesen, ich gehe nicht deshalb. Du konntest nicht so empfinden, wie ich empfinde; ich mache Dir daraus keinen Vorwurf. Du kannst Dein Leben nicht ändern, und Du kanfist nicht Opfer für Dinge bringen, die Du nicht erkennst. Ich gedenke der 3ö Jahre unseres gemeinsamen Leben» mit Liebe und Dankbarkeit: Du gabst inir alles, was Du geben konntest.... In den letzten fünfzehn Jahren haben sich aber unsere Wege getrennt, doch trifft hieran keinen von uns eine Schuld. Ick, gedenke Deiner in Liebe. Lebewohl, teure Sonja. Dein Dich liebender Lew Tolstoi." Der Brief ist vom 3. Juni 1807 datiert. Der Gedanke der Wellflucht hat also in Tolstoi beinahe dreißig Jahre ge- lebt, doch hatte er ihn nicht zur Ausführung bringen können. Warum er das nicht konnte, ist noch nicht klargelegt worden. Seit einer Reihe von Jahren war ihm der Zwiespalt zwischen Wort und Tat oft in der schärfsten Weise zum Vorwurf gemacht worden. Unter dem Eindrucke solcher Vorwürfe wird er wohl den Brief ge- schrieben haben. Edgar Allan Poe als„Reporter". Der mißglückte Versuch Well- maus, den Atlantischen Ozean auf dem Luftwege zu überqueren, ist rricht die einzige von der amerikanischen Presse geschilderte lieber- fliegrmg des Weltmeeres, die die Bürger der Bereinigten Staaten „rote Hunde" geschimpft. Aber sie hätten nicht darauf reagiert, weil sie ihn nicht für ganz zurechnungsfähig halten. Zu einem Streit zivischen ihm und Marunde sei eS erst am Sonnabend nach dem 27. Septeniber gekommen. Dieser Streit hatte aber nicht» mit den Moabiter Vorgängen zu tun, sondern er drehte sich darum, daß Marunde jciuaude» angepumpt»nid nicht bezahlt hatte. Im übrigen sagen die beiden Zeugen, Marunde er- zählte solche Sachen, daß sie ihn für verrückt hielten. Unter anderem erzählte er, er habe 1t) Schweine, eine große Kaninchenzucht, eine Kutsche, in der seine Frau und Tochter ausfahreu. Er erzählte lsnier, er habe einen Bauunfall erlitten und zur Heilung desselben jahrelang Tag niid Nacht im Wasserbade gelegen. Bei dem Unfall habe er einen Nippenbruch erliüen. Deshalb feien ihm zwei goldene Rippen und ei» Schulterblatt von Elfenbein eingesetzt worden. Weiter habe Marunde erzählt, er sei sechs Jahre Schutzmann gewesen, er gehöre dem Vorstande des TierschutzbereinS an.— Nock durch eine Anzahl anderer Zeugen wurde da» Charakter- bild Marundes vervollständigt. Unter anderem wurde bekundet, daß Marunde drohte, einen Zimmermaiin, mit dem er Streit hatte, tot- zuschlagen, denn ihm könuc ja nichts weiter pafficreil, als daß er ins Irrenhaus komme. Auf dem Bau wurden in fünf neue Badewanneu Locher mit eitlem Glaserhammer geschlagen. Den Umständen nach kann nur Marunde als Täter in Frage kommen. Als dem Bau- Herrn von dieser Sache Mitteilung gemäch! wurde, sagte er: Was soll man mit Biarunde machen? Der ist ja verrückt. Auf dem Bau ließ sich Maruude seitdem nicht mehr sehen. G l a s e r m e i st e r Richter bezeichnet Marunde. der bei ihm gearbeitet hat, als einen Menschen, vor dein man sich i» acht nehmen müsse. Er habe sehr viele Unwahrheiten gesagt. Er habe dem Zeugen versichert, er sei Kriminalbeamter und habe sich auch erboien, die Legilimationsmarke vorzuzeigen, die der sZeuge ober nicht sehen wollte. Wenn Maruude etwas gehört oder gelesen hatte, bildete er sich ein, eS selbst erlebt zu haben und erzählte es in festem Glauben daran als eigenes Erlebnis,— Der Schwager und die Schwester Marundes bezeichnen ihn ebenfalls als einen lügenhaften Menschen. Sie hoben wegen seiner Lügenhoflig- keit den Verkehr mit ihm schon vor Jahren nbgebrochen.— Rechts- a n w a l t Liebknecht fragt die«chwester Marundes nach Straf taten, die Marunde früher begangen haben soll. Die Zeugin verweigert die Antwort auf diese Fragen.— Ein Zeuge B r i g g e t gibt an, Marunde habe ihn der Wahrheit zuwider beschnidigt, seine sMarundesj Tochter vergewaltigt lind ihn selbst mit einem Messer in den Rücken gestochen zu haben.— Glasermeister K i r ch in a ii n ist vo» einer Firina Bleichsteiii telephonisch angefragt worden, ob er den Marunde beschäftigen könne. Kirchmann mit wortete, der Firma müsse doch bekannt sein, daß er nur organisierte Arbeiter beschäftige. Als er später selber die Firma Bleichstein aiitelephonierie, stellte sich �heraus, daß die Firma überhaupt nicht init ihm gesprochen habe,' sonder» wahrscheinlich Marunde sich als Bleichstein ausgegeben und mit ihm gesprochen haben müsse.— Marunde will am 27. lind 29. September bor 6 Uhr abends bei Pilz geloesen sein. Er stand zu jenerZeit in Arbeit beim Glasermeister L o s e n s k i. Dieser sagt als Zeuge, an de» beiden Tagen habe Marunde seinen vollen Tagelohn für die Zeit bis 6 Uhr abends gefordert und bekommen. Ob er trotzdem vor Feierabend nach Moabit gegangen ist, weiß der Zeuge nicht.— Andere Zeugen beknuden, daß am 27., zu der Zeit, wo Marunde bei Pilz gewesen sein will, kein Arbeitswilliger hereingebracht worden sei und das, was Marunde über Belästigungen von Arbeitswilligen sagte, nicht zutreffen könne.— Ferner wurde bekundet, daß zu der Zeit, wo Marunde am 29. bei Pilz gewesen sein will, das Lokal auf polizeiliche Anordnung geschlossen war und daß Pilz zu der Zeit, wo ihn Marunde im Lokul gesehen haben will, an der Sitzung einer Gastwirtekommission in der Markgrafenstraße teilgenommen hat.— Schneider m ei st er Klötzer gab an, Marunde habe ihm gesagt, daß er auf dem Polizeipräsidtum vernommen, von dort in Begleitung eines Kriminalbcamten im Auto»ach Moabit ge- fahren, vom Staatsanwalt vernommen und dann von dem Kriniinal- beamten in einem Lokal traktiert worden sei. Nach seiner gericht- lichen Vernehmung habe Marunde gesagt, die Hauptsache sei, daß der Lebrling des Glasermcistcrs Losensli nichts gegen ihn aussage. Die dcidc» Vertreter der Staatsanwaltschaft liciucrkc» hierzu, daß Marunde von ihnen gar nicht vernommen worden sei.— Marunde selbst erklärt alle», was die Zeugen über in Aufregung versetzte. Im Jahre 1838 herrschte in ganz New Aork die größte Erregung und heftig gestiknlierend sah man die Bürger beisammenstehen. Was war geschehen? Die„New Aork Sun" hatte ein sensatioiielles Extrablatt verteilt, in dem mitgeteilt wurde, daß eine Flugmaschine„Victoria" die Reise von Europa nack Amerika Vollendel babe und»ach 65stii»diger Fahrt aus der Insel Sullivan Mason glücklich gelandet sei. Ein Pariser Sammler besitzt noch ein Excniplnr dieses Flugblattes. Das Blatt enthält eine minutiös auscu'iiihrte Zeichnung jeuer Flugmaschine „Victoria" und gibt genaue Maße aller Maschinenleile. Am inter- essautesten aber ist der prachtvoll geschriebene Bericht über die Fahrt und die Schilderung der Persönlichkeiten, die das kühne Wagnis voll- bracht hatten. Die Besatzung bestand aus dein berühmten englischen In- genieurMonkMasoit, dessen Mitarbeiter der als Gründer der ersten Luft- schiffahrtsgesellschafr bekannt gewordene Hcnson war. DaS Tagebuch der Reife aber führte Williams Harrifsou Ainsivorth, ein damals sehr populärer Schriftsteller. In New Uork verschlang man diese Nach- richten mit gläubigen, Eifer, und in fieberhafter Spaniimig harrte die ganze Stadt auf die Ankunft der kühnen Luftfahrer. Aber mau harrte vergebens: niemand kam! Als dann ein einsamer Reisender von der so plötzlich berühmt gewordenen Insel New Dork passierte und natürlich von zahllose» Neugierigen mit Fragen bestürmt wurde, kam es an den Tag, daß auf der Insel Sullivan Mason niemals ein derartiges Fahrzeug gelandet sei. Nun brach in Neiv Dort ein einziger wilder Schrei der Entrüstung au«, man stürmte zur Redaktion der„New Dork Sun", um die Geschäftsräume zu demolieren. Die Polizei ninßie einschreite» und das Gebäude besetzen, um das Personal der Zeitung vor der Polksivut zu retten. Wie war das Ganze entstanden? Ein junger Schriftsteller, der seit kurzem engagiert war, um„interessante Chroniken" zu schreiben, hatte sich das Ziel gesetzt, dem ewigen Drängen seiner Pargesetzten Genüge zu tun: einmal wollte er ihnen etwas schreiben, was wirklich sensationell sei. Und er verfaßte jene prächtig geschriebene Schilderung eines phantastischen Ozeanfluges, die in der Tat ihren Zweck erfüllte»nd ganz New Dort von der„Sun" reden ließ. Der junge Journalist führte den Namen Edgar Allan Poe. Humor«nd Satire. Neue Parole. Blücher: Sagen Sie mal, Majestäf, haben Sie den wahre» Glauben gehabt? Der alle Fritz: Uoi?— non I und Sie, Blücher, sind Sie Ab- stiDeiizler gewesen? Blücher: Icke?— Nee! jesoffen Hab' ick l Der alte Fritz: Voila! nun wissen wir doch, weshalb wir beiden niemals was im Felde geleistet haben! Englischer Wahlkampf.(Gespräch an der Londoner Börse.) „Also was?" „Die Liberalen haben achtzehn Sitze an die Umonisten verloren." „Wer hat gewonnen?' .Die Umonisten haben achtzehn Sitze an die Liberalen der- loren. seine Aufschneidereien und seine der Wahrheit widersprechenden An- gaben gesagt haben, für unwahr. Er habe sich niemals als Kriminalbeamter ausgegeben, er habe nicht gesagt, daß Brigget seine Tochter vergewaltigt habe, er habe nicht von seiner Schweine- und Kaninchenzucht gesprochen usw. Er habe anck nicht gesagt, daß er goldene Rippen babe. Aber zwei silberne Rippen habe er tat- sächlich. An den Folgen seines Bauunfalles— er sei vier Etagcu hinuntergestürzt, sei er vo» 1893 bis 1893 im Ltrankenhause zu Haniblirg-Eppendors behandelt worden. Die Zeugen, welche gegen ihn aussagten, scien alle von der Partei geladen. Der Zeuge Klötzer habe zu ihm gesagt, es sei nicht schön, daß er(Malundr) sich in diese Sache hineingemischt habe, er solle sich in acbt nehmen, daß er nicht mächtig die Jacke voll kriege. Ferner gibt Marunde an, in einem Schanklokal sei ihm die Verabfolguiig von Bier von der Wirtin ver- weigert worden mit der Begründung, die Parteigenossen hätten ge« sagt, sie würden in dem Lokal nicht mehr verkehren, wenn Marunde dort bewirtet»verde. Ebenso sei es ihm bei einein Barbier gegangen. Auf dem Ba», wo er arbeite, seien die Maurer auf ihn aufmerkmin gemacht worden. Auf Schritt und Tritt werde er verfolgt. Auf Be- fragen gibi Marunde noch an, er köime nicht bchanptcii, daß er am Dienstag l27.)»nd Doimerstag(29.) bei Pilz gewesen sei. Es könne auch Montag und Mittwoch gewesen seilt. Es wird die Frage aufgeworfen, ob die weiteren zur Prüfung der Glaubwürdigkeit Marundes vorhandenen Zeugen noch verno, miien werden sollen. Der Erste Staatsanwalt erklärt, er lege kciiicn Wert uichr auf die Angaben Marundes.— Rechtsanwalt L i e b l n e ch l: Wir wissen aber nicht, wie das Gericht darüber denkt.— Vors.: Das können ivir im jetzigen Stadium der Verhandlung nicht sagen, aber' ich denke, wir haben oft genug gezeigt, wie wir zu solchen Aussagen stehen. Auf die Beriiehmuiig der wetteren Zeugen zu diesem Punkt ivird verzichtet. Die BelveiSaufimhme wendet sich hierauf einem Falle zu. der schon früher erörtert worden ist. ES handelt sich um die Angaben des Zeugen Trcbor. der von seiner Wohnung aus gesehen hat. wie ein Mann von Schutz« teilten niedergeschlagen wurde, sich otisraffte, an der Türe eines Ladens mit dem Kopf gegen die Jalousie fiel, hier nochmals von Cchutzlenten geschlagen wurde und dann fortlief. Der Vorgang hat sich am 28. Septeniber in der Bredowstraße abgespielt. P o I i z e i l e u t n a ii t Schirm er, der dort eine Abteilung von Schutzleuten lommmidierte, wird zu dieser Angelegenheit ver- »ommen. Nach seiner Angabe gingen in der Tiirmstraße die Schutz- leute von zwei Seiten gegen eine Menschenmelige vor, die in die Bredowstraße gedrängt werden sollte. Die eine Abteilung wurde vom Wachtmeister Thurow, die andere vom Lenlnanl Schirmer ge- führt. Die Bredowstraße zivischen der Turin- mid der Bnggenhagen- slraße war„gesäubert". Da kam— so sagt Polizeileutitanl Schirmer— ein cinzelner Main, von der Biiggenhagenstraße ans mich zu. Ich habe mit dem Säbel nach ihm geschlagen, ich wollte ihn treffen, ob ich ihn getroffen habe, weiß ich nicht. Der Mann siel über die Bordschwelle. Ob er nachdem noch geschlagen worden ist, weiß ich nicht, darüber muß Wachlineister Thnrow Ailskunft geben köiincn.— R e ch t s a n w. R o s e»i f e l d sucht durch eingeheiide Befragung deS PolizeileutnantS Schirmer festzustellen, warum er den einzelnen Mann schlug. Der Zeuge gibt nacheinander verschiedene Antworten. Zuerst sagt er: Ich habe die Straße räninen lassen, weil ans der Menge geschossen und ans uns geworfen wurde. Darum habe ich den Mann geschlagen. Dazu hatte ich ein Recht, weil die Autorität angegriffen war. Ich wollte die Straße gründlich säubern. Kurz darauf gibt der Zeuge als Grund de» Schlagens an, er habe dock»ichl wissen können, wer noch hinter dem Manne gewesen sei.— Schließlich antwortet der Zeuge auf eine weitere Frage: Weil der Mann fortlief, nahm ich an, daß er ettvas Straf- bares getan haben müsse, denn er kam von der Buggenhagcnstraße her, wo sich eine Gesellschaft angesammelt hatte. Er kam aus der Richtung, der muß also in der Menge gewesen sein.— Rechts- a n w a l t Rosenfeld: Das genügte Ihnen also, um den Mann zu schlage»?— Zeuge: Ja.— Erster Staatsanwalt: Sie nahmen ivohl an, daß der Mann flüchtete?— Zeuge: Jawohl. Zeuge T r e b o r' wiederholt die wesentlichsten Momente seiner frühere» Aussage. Der beireffende Mann ist danach zuerst zweimal von Schutzleuten mit Säbel» geschlagen ivordcii, er ist dann in der Richtung auf Leutnant Schirmer fortgclailfc». Daß er von »Ich will?och wissen, wer gewonnen hat!" „Die Arbeiter haben vier Sitze an die Nationalisten verloren. Und die Nationalisten wiederum vier Sitze an die Arbeiter." „Ja, tZockckam. wer bat denn nun eigentlich gewonnen?" „Wer gewonnen hat? Da» will ich Ihnen sagen: Ich l Und zwar sehr viel. Ich habe nämlich tausend Pfund gewettet, daß bei dem ganzen Wahtschacher gar nichts hcrnltskommen wird.". _(„Lustige Blätter".) Notizen. — Theaterchronik. Das Deutsche Theater veranstaltet noch zwei weitere Vorstellungen von„König O c d i p n§" im Zirkus Schumaml(am 6. und 13. Januar). Vorverkauf bei A. Wert- heim vom 2. Januar au. — Borträge. In der deutschen Gesellschaft für ethische Kultur spricht am Freitag, abends 8'/� Uhr, im Bürgersaal deS Berliner Rathauses Prof. W. F o e r st e r über:„Die Tagesgeschichte als Kulturfeind". — Im Marionettentheater Münchener K ii n st l e r tAnsstelliingshallen am Zoo) iverden bis zum 31., nachmittags, je zwei Kindervorstellungen veranstaltet, inn 4 und um 6 Uhr, tvvbei Kinder auf allen Plätzen»ur die Hälfte bezahlen. Am Sonntag verabschiedet sich das Theater. — Die Deutsche Theaterausstellung am Zoo hält mir noch diele Woche ihre Pforten geöffnet. Am NeujahrStage findet nochmals ein Votkstag bei ernuißigrem Entree statt. — Raphael Löwenfeld, der Gründer nnd Leiter deS Schillet-TheaterS, ist am Mittwochin orge» in Charlottenburg, nicht ganz 67 Jahre alt, gestorben. Er hatte als Journalist und lieber- setzer ans den slawischen Sprachen begonnen. Besonders Totstoi baU er den Deutschen erschließen. Seine„Gespräche mit und über Tolstoi" und die von ihm verfaßte Tolstoi-Biographie gaben imS zuerst tiefere Einblicke in Tolstois Leben und Schaffen. Löwenfeld leitete" auch die deutsche Gesamtausgabe von Tolstois Schriften. Seine besondere Bedeutniig für Berlin lind die Popularisierung dramatischer Kunst gab Löwenfeld die 1394 erfolgte Begriiildmia des Schiller-Theaters. Diese seine Wirksamkeit, die sich 1997 ans das Charloitenbiirger Sckiller-Theater ansdehntc, und feine weiter» gehenden Pläne der Polksbildiing und VolkSiinterhaltiiiig verdienen, morgen eingehender betrachtet zu werden. — DaS eigene Haus der Wiener Urania ist nun fertig und wird schon fleißig benutzt. DaS Gebäude steht am Zu- sainmeiiflilß der Wien mit dem Donaukanal, inmitten der Niesen- stadt. Es hat zwei Säle, die 399 und 399 Personen fassen, außer- dem einen Lehr- und einen sehr viel bemitzten Mikroskopiersaal. Der Stolz der Urania aber sind die astronomischen Anlagen deS Hauses: daS Meridianhäiische» mit der Zeitbestimmung und Zentral- ulirenanlage und die drehbare Stcrnwarteknppel mir dem acht- zölligen Zeiß-Refraltor. Der VildungsauSschliß der Wiener Arbeiter» � schast hat mit der Urania ein Abkommen getroffen, das allen , Partei- und Gewerkschaftsinitgliedern bedeutende Erleichterungen deS l Besuches gewährt- Meftm nochmas« geschsagen wmde, hat der Zeuge von seinem Stand- punkr aus nicht seben können. Polizei wachtmei st er Thurow scigt, er Hove an einem Haufen von Steinen und Erde, der a»S Anlak von Nanali'ationS- arbeiten auf der Strahe lag, IS bis 20 Menschen stehen sehe», die er vertrieben habe. Einen Mann, der einen Stein ausgehoben hatte, habe er geschlagen. Dabei sei dem Manne der Stein aus der Hand gefallen. Der Mann sei dann auf den Vürgersteig gelaufen. an eine Ladenjalousie gefallen, aber dort nicht mehr geichlagen Worden, er sei dann nach dem Kommando des Leutnants Schirmer gelaufen. Dort sei nach ihm gehauen worden, doch wisse der Zeuge nicht, ob der Mann getroffen wurde. Frau Schwind hat den hier in Rede stehenden Vorgang ebenfalls mitangesehen. Sie sagt, als einige Leute um die Ecke kamen, wurden sie von den Schutzleuten sogleich mit Säbeln geschlagen. Dann schlug ihn auch»och der Leutnant und nachher»vurde er noch- mal von Schutzleuten geschlagen. Ein Säbelhieb traf da? Straheu- Pflaster, so dag das Feuer aus den Steinen spritzte. Auf die Veriiehmung weiterer Zeugen zu diesem Vorfall wird allseilig verzichtet.— Damit ichliefjt die Sitzung. Die Verhandlung Wird heute um O'/g Uhr forigesctzt. Huö der Frauenbewegung. Die Frau im Mittelalter. Die..Frauenfrage" gilt vielfach noch als eine Erscheinung der Modernen uiid modernsten Zeit. Auch als Frauenerwerbsfrage. Noch immer gibt es Unverständige, die versuchen, dieses„Uebel" aus der Welt zu schaffen, und sie machen mobil, als gelte es einen Kampf mit einer Handvoll emanzipierter Frauen. In„aller- höchsten" Kreisen glaubt man sogar, dieses Uebel liehö sich be- fettigen durch Mahnung zur Rückkehr, und verweisen auf das stille Öilück der Häuslichkeit in der„guten alten Zeit'. Sehen wir uns das„verflossene" Glück der großen Masse der Frauen einmal näher an. Einen Einblick in diese„gute alte Zeit" gewährt die vor einiger Zeit in erneuter Auflage erschienene Schrift von Prof. Bücher„Die Frauenfrage im Mittelalter. Die Situation der Frau beleuchtet der Verfasser, dessen bolkswirtschaftliche An» sichten wir ablehnen, durch folgende Illustration: ........ iRach zahlreichen statistischen Ermittclunizen, welche die Jahre 13S4— 1510 umfassen, machten in diesem Zeitraum die Frauen den sechsten bis den vierten Teil aller Steuerpflichtigen aus. Bedenkt man, daß es sich bei diesem Verhältnis größtenteils um alleinstehende, felbständiae Frauen handelt, daß die zahlreichen Nonnen, Pfründnerinnen und Bcghincn meist nicht mitgerechnet sind und daß Frauen auch im Mittelalter viel schwerer zur Selbständig- keit gelangten als die Männer, so erhält man eine Ahnung davon, wie schneidend das Mißverhältnis in der Zahl beider Geschlechter im bürgerlichen Leben der Städte hervorgetreten sein muß.".... Aus drei der bedeutendsten mittelalterlichen Städte liegen die Zählungen vor, wonach ein bedeutender Ueberschuß der erwachsenen weiblichen Bevölkerung über die gleichalterige männliche zu kon- statieren ist. Am Ende des Jahres 1449 ergab eine Zählung in Nürnberg aus lvm erwachsene männliche Personen UM weibliche. Auch unter den Knechten, Handwerksgesellen und Mägden überwog das weibliche Geschlecht. Mt der bürgerlichen Bevölkerung zu- sammen kamen auf 1000 männliche Personen 1207 weibliche. In Basel kamen im Jahre 1454 auf 1000 männliche Personen über 14 Jahre 1246 weibliche Personen gleichen Alters. Eine Feststellung in Frankfurt a. M. im Jahre 1385 ergab auf 1000 Männer rund 1100 Frauen, doch soll der Ueberschuß, wie aus Steuerliften usw. ersichtlich, höher gewesen sein. Für den Frauenüberschuß jener Zeit werden drei Gründe angegeben: 1. die zahlreichen Bedrohungen, welchen das männliche Leben in den mittelalterlichen Städten in- folge der fortwährenden Fehden, der blutigen Bürgerzwiste und der gefahrvollen Handelsreisen ausgesetzt war; 2. die größere Sterblichkeit der Männer bei den oft sich wiederholenden pest- artigen Krankheiten(es soll regelmäßig nach Pestjahren in den Steuerlisten eine größere Frauenzahl auffallen); 3. die Unmäßig- keit der Männer in zeder Art von Genuß. Bedeutend beeinflußt wird die Zahl der alleinstehenden Frauen zu jener Zeit durch das Zölibat der Geistlichen und der unver- hältnismätzig großen Zahl der zölibatären in geistlichen Aemtern und Diensten stehenden männlichen Personen. In Frankfurt a. M. werden für das 14. und 15. Jahrhundert bei einer Einwohnerzahl von 8000—10 000 Personen auf den geistlichen Stand 200— 250 Personen berechnet. Für Lübeck in derselben Zeit 250— 300 Welt- geistliche und Klosterbrüder. In dem kleinen Gemeinwesen von Wismar wird um das Jahr 1485 die Zahl der Weltgeistlichen auf 150, in Nürnberg um 1449 der geistliche Stand mit Dienerschaft auf 446 angegeben. Trotz einer anscheinend in der Natur der Sache liegenden Aus- schließnng der Frauen wenigstens vom zünftigen Gewerbebetrieb waren das ganze Mittelalter hindurch die Frauen vielfach im Gewerbe tätig— ein Beweis, sagt Bücher, daß deren Beschäftigung durch die tatsächlichen Verhältnisse sich als notwendig aufdrängte. Frauenarbeit finden wir in einer Reihe von Berufsarten, von denen sie gegenwärtig ausgeschlossen ist. Aus Frankfurter Urkunden von 1320— 1500 ergaben sich rund 200 BerufSarten mit Faruenarbeit. Die Verfertigung von Schnüren und Bändern, Hüllen und Schleiern, Knöpfen und Quasten ist ganz in den Händen der Frauen. Sie sind beteiligt an der Schneiderei, Kürschnerei, Handschuh- und Hut- macherei, sie verfertigen Beutel und Taschen, lederne Brustslecks und Sporleder und anderes mehr. Ihre Tätigkeit reicht bis in die kleine Holz- und Metallindustrie: Nadeln und Schnallen, Ringe und Golddraht, Besen und Bürsten, Matten und Körbe, Rosen- kränze und Holzschüsseln gehen aus Frauenhänden hervor. Die Feinbäckerei liegt vielfach den Frauen ob, ebenso fast ausschließlich die Bierbrauerei und die Herstellung von Kerzen und Seife. Sie überwiegen im Kleinhandel, im Hockenwerk und Trödelgeschäft, und an dem sehr entwickelten Handel mit Hafer und Heu sind sie stark beteiligt. Die Frauen sind als Lohnarbeiterinnen wie auch als selb- ständige Meisterinnen tätig. Neben Frauen und Töchtern helfen auch die Mägde beim Handwerk des Meisters; die Meisterswitwe führt selbständig das Geschäft ihres Mannes weiter. Auch in der Weberei gibt es weibliche Lohnarbeiter und weibliche Meister. Ebenso zum Teil bei der Leinenwcberei. In Köln bestand eine eigene Zunft von Garnmacherinnen Es wird sogar von Gewerben berichtet mit zünftiger Ordnung, die ausschließlich aus Frauen bestanden. Such km städtischen Dienst Kurden Frauen derKenste» als Hebammen und Krankenpflegerinnen, als Schlaghüterinncn, Pförtnerinnen, Turmwächterinnen. Zöllnerinnen und beim Hüten des Viehs. Sogar beim Kundschafterdienst hat man. Frauen angestellt. Ein großer Teil Frauen aus den vornehmen GesellschastS» schichten fanden Aufnahme in Klöstern und ähnlichen Stiftungen. Die im Mittelalter alles beherrschende Kirche war die oberste Instanz aller Klöster und Frauenhäuser. In dem Maße w,e der Reichtum durch Stiftungen und durch hohe Einkaufsgelder der nicht unter die Haube gebrachten Töchter aus der besitzenden Klasse in den Frauenhäusern wuchs, nahmen Wohlleben, eitle Lust und Müßiggang zu. Unter der klösterlichen und kirchlichen Gewandung, die ihnen äußerlich den Stempel der Frömmigkeit und Heiligkeit verlieh, verbarg sich Heuchelei und Sittenentartung. Daß die Klöster und Frauenhäuser lange nicht dem Bedürfnis einer notwendigen Versorgung der überschüssigen Frauen ent- sprachen, ersehen wir aus der sehr großen Zahl der sich ständig vom Bettel ernährenden und auf der Landstraße liegenden Frauen. Aus einem Teil dieser fahrenden Frauen rekrutierte sich die Pro- stitution. Man kann nach alledem nicht behaupten, daß das Mittelalter seine„Frauenfrage" gelöst hätte. Unter der Vormundschaft und Herrschaft der Kirche, wo Lüge und Heuchelei die geduldeten Begleit» erscheinungen frömmsten äußeren Kirchendienstes waren, konnte sie auch kaum anders gelöst werden. Die Frau als Dienerin der Kirche und des Pkannes war alleinstehend schütz- und hilflos in -incr gewalttätigen Gesellschaft. «»i'ltiver«tarktberiai, ver ttSdttlchen MarNdallen.Dtrektlon Uder den cKrohhandel in den Isenwnl-Marttballeil>)K»ek>lagr: Fleisch! Zuiubr genügend, cKdchflst still. Preise unverändert. Wild: flustihr reichlich, i«e'»öit nicht lcbbast genug, Preise soft unverändert.<» e l I n g e l: und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, lSefchüft flau. Presse saft un» verändert.__ Wogerttnnbs-oinittliflf.B der Landesanstalt für Gewässerklinde. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. vail erstand Kemel. Tilstt L r e g e I. Jnsterbitrg W e i ch I e I. Tborn Oder. Ratibor , grossen , Frantiurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze. Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg am«en 27 12 20 12 nra'1 am 422 161 230 222 224 80 60 43 +27 +6 -22 +7 +11 +6 0 +9 173'—31 56+28 348 200 +4 +8 Wasserstand Saal»,(Krochlttz Havel, Spandau st , Ratbciiow'I Spree. Svrembergst , Beeskow Weier. Münde» , Minden Rhein, MapmilianSali , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main, W-rtbeiw M o i e l. Trier am 27.12 <5N> 180 106 124 172 184 82 172 482 324 419 167 259 I'eit 2612. cm st +20 0 +1 +12 0 —5 +6 + 13 +4 +8 +4 +18 st+ bedeute» Wuchs,— ltzall.— st Nn'erbeael. fS «> 0/ AMSSSSSSSSSSSSS» Unserem Obmann, dem Kollegen 2420b Kiistsv Hoflmann nnd Frau vv __________________________ H die herzlichsten Glückwünsche � \l> 4» zur Silberhochzeit. Die Oistriktskommltsion VII des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes. aaauMUM Unserem Genossen Gustav Hoffmann nebst Frau SozialilemoWiselierWahlyerein Kirdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser langjähriges Mit- glied, der Maler (jiistav Weiß Klasowstraße 83(13. Bezirk) am 29. Dezember plötzlich verstorben ist. Ghre seinem Sliidenken t Die Beerdigung findet am Frei- tagnachmittag 8 Uhr von der Leichenhalle des Rixdorser Ke- mcindc-FriedboseS, Mariendorser Weg, aus slait. Ziege Beteiligung erwartet Der Borstand. Nachruf, Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Willi Vogel Weisestraßi 51(21. Bezirk) am 23. Dezember verstorben und am 27. Dezember zur letzten Ruhe bestattet wurde. Ehre seinem Andenken! Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verbaud Verwaltungsstelle Berlin. Naohrnf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleis« Hermann Wagner am 23. d MtS. an Gehirnschwund gestorben ist. enier starb unser Mitglied, der losser Hermann krümmer am 24. d. MtS. tuberkulöse. an Knochen- Doilas-sknstvkso. Ferner starb unser Mitglied, der Arbelter vaniel Sucker am 27. d. MtS. an KrebSletden. Di« Beerdignng findet am Freitag, den 30. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr. von der Leichen. halle des Rixdorser Gemeinde- sriedhoseS in der Rudower Straße aus statt. Rege Beteiligung erwartet Ehre ihrem Andenken! 131/13 Die Ortsverwaltung. Deulzciier Bolzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege. der Boden- leger Berfhold Muß am 26. Dezember verstorben ist. Ehre feinen« Andenken i Die Beerdigung findet am Freitag, den 30. Dezember, nachmittag» 8'l, Uhr, von der tolle des Parochlal-KIrchhofeS in uinmcISburg,BoxhagenerStrabe, aus statt. 95/12 Die OrtSverwaltnng. Den Genossen zur Nachricht, daß der Parteigenosse ktobert Gutsche am 25. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am 29. d. SR., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle deö Zentral- FriedhoseS m Frledrichsselde aus statt. 21012 Bezirk 40Ä. I. des vierten Kreises. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Grofi-Uerlln. Durch den Tod ist uns einer unserer Milkämpser, der Kollege Karl Kiese von d« Sektion der Berliner Straßenrelniger entrissen worden. Ww werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Bestattung findet am 31. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichcnballe des Ost- Kirchhofes in AhrenSselde(SBrie» jener Bah»> aus statt. 295/9 Oie Ortsverwaltung. Alle» Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser licberValer, Kroß- und Schwieger- vater, der Schmelz« vaniel Suckert im 70. Lebensjahre sonst ent- schlasen ist. Um still- Teilnahme bitten vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet nm Freitag, nachmittags 2'/, Uhr. aus dem Rixdorser Friedhaj in Britz. Rudowerstraße. statt. 2425b Ol*. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnlfiden. Prinzenslr. 41,«tUu, 10— 2. 5—7. Sonntaars 10—12. 2—4 Am 27. d. M. verschied nach langem schweren Leiden meine liebe Frau und gute Mutter, Tochter, Schwester u. Schwägerin, Frau«i-rtrad Schals (Friedenilr. 68.) Sie« zeigen tiesbetriibt an Willi S»nl, nebst Tochter. Gustav Adler nebst Frau. DI« Beerdigung findet am 30. Dezember, nachm. 8'/, Uhr. aus dem städtischen Friedhos tn Friedrichsseldc statt. 24052 Verband der fabriltarbelter Deutscblands (Zahlstelle Borlin). Nachruf. Am 25. Dezember verstarb uns« Mitglied August Krause. Ehre seinem Andenke»! Die Ortsverwaltang. Danksagung. Für die Beweise herzlich« Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Manne» und guten BatcrS sagen allen Berwandten. Freunden nnd Bekannten, lnSbesondere der Finna Meyen u. Co.. sowie den Kollegen und dem Metallarbester- verband unseren herzlichsten Dank. 2424b Harle Vllai» u. Tocht«. Für die vielen Beweise herzlich« Teilnahm« bei der Beerdigung meines lieben Mannes und VaterS sage agen Verwandten und Bekannt«», WS- besondere den Genossen de« 4. Reichs- tagSwahltreife«, des 208. Wahlbezirks, dem Dcut'chen Holzarbetteroerband. den ChesS und den Kollegen der Firma Banuemann und Hossmami herzlichen Dank. Barle Opitz nebst laühntn. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise großer Teilnahme bei der Beerdigung meüieS lieben Bruders und Freunde« Willi Vogel sagen allen Beteiligten, inSbesonder« dem Gesangverein.Solidarität', Wahl- verein Rixdors, Slrbeiter- Radfahrer- bund.Freiheit*. Radlahrcroerein .Sturmvogel", den Berdands- und Kollegen von Rudolf Mosse, sowie sür die Ichönen Worte de« Genossen Preuß den herzllchsten Dank. �ax Vogel. Otto Steinlke. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Freitag, den Sv. Dezember, abends«'/, Ubr. im»Rosenthaler Hof, Rosenchaler Str. lt/12: MikglivÄon» Vvnssmmlung. TageS-Ordnung: 1. Der deutsche Heimarbeileriag m Berlin. 2. Wahl eine« Delegierten. 3. Verschiedenes._., In Hinsicht der Wichtigkeit der Frage ist starker Besuch, namentlich seitens der Heimarbeiter, geboten. 187/17' Bio Ortsversraltaaif. Dr.Schfinetnann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 6612' jetzt Oranienftr. litt», gegenüber Kommandantenstrave. 10—2, 5—7, EonntagS 10—12. * Hygienische; BtEtnpi Bcdansaraael, Neuen. K.ualal tebl. viel Aerzle n.Prof. grat. nJj Onger, sammiwuenlekrik ecrlir. NW.. Friednchetxas.» mU8 Germania Prachtsäle Carl Richter. V., Chausseestrafie 110. Hrutr sowie jeden Donnerstag: Gr. Militöp-Streicli-Koiizert Musikkorps der Garde- Füstllere. Obermusikmstr. H. Oippel. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Nachdem; Famlllenkrünzchen. Borzugötarteu gelten. 20 Säle und Vereinszimmer mit modernen Kühnen, In allen OrilBen sowie 8 neu renovierte Kegelbahnen an Wochentagen (auch einige Sonnabendo und Sonntage) noch frei. Sophien-Säle Pracht-Säle Alt-Berlin C. 54, Sophlonslr. 17-18 Bluincnstp. 10 lel. m 2783 Tel. VII 8095 Inhaber: Panl Baatz.• Danksagung. Für die herzlich« Teilnahm« bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders sagen wir allen Freunden und Bekannten, sowie seinen Kollegen und dem 19. Bezirk de« WahlvercwS Rixdors unseren besten Dank. Familie Wilhelm Stabenow. Danksagung. Für die vielen Bewclse Herzlicher Teilnahme bel der Beerdigung meines lieben Mannes und BatcrS trite Scheitner sage allen, insbesondere dem Zentral- verband der Töpser, dem Wahiocrein Rixdors, den Kollegen der Firma Dornbusch und der Firma Kohloss u. Stargard, meinen herzlichen Dank. IVltwe Scheltner nebft Sohn. Warnung! Troti wiederholton Hinweises sind in letzter Zeit j Nachahmungen meines Kapitün- Kautabaks in{ Umlauf. vor Kapitän-Kautabak** nuri echt mit Zetteleialage und Etikette mit der Aufschrift: (gcs. srcschUtxt 75 658). werte Kundschaft bitte ich, Kapitän-Kau- Meine tabak ohne obieo Bezeichnungen als unecht"zurückzuweisen und mir Fülle von Nachahmungen mitzuteilen, da- j mit ich dagegen einschreiten kann. Karl Röcker, Tabak fabrlk, Berlin 0. 27, «rllner Weg 113.(TU. 3861.) [04 Theater und Vergnügungen Donnerstag, LS. Dezember: Ansang T/j Uhr. Ädttigl. Opernhaus, ülibfl. Souigl. Schauspielhaus. Die Journalisten. Neues köuigl. OPern-Theater. beschlösse». Deutsches. Mn SommernachtS- träum. K a m m c r I p I e l e. Aglavalne Mld Selhlctte.(Ansang 3 Uhr.) Ansang- Uhr. Neues Sriiniiiptelbmie Die Hosen de? Herrn v. Bredow. Neues Operetten. Die schöne Risette. Koiiiiichc Over. Da» vergessene Ich. Verltuer. Der Taisun. Lessiug. Anatoi. Westen. DaS Puppcnmädel. Kleines. Perflixten Frauenzimuier. 1. Klasse. NeueS. Der G. m. b. H.-Tenor. Driauon. Der beilige Hain. Stelidcnz. Familie Bolero. Thalia. Polnische Wirischast. Schiller O rSallnei- ibtatti) Husarensteier. Sch Ue> lkharlottenburg. Die Fee Caprice. Friedrich- WilhelmstädttscheS. Chrono von Bergerac. Susiipielhaus. Der Feldhemil Hügel. Buiien. MudickeS Reis« n. Indien. Modernes. Der Doppelmensch. (Ansang 8',. Uhr.) Wofe Der Kaiserjäger. Herrufe ld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. Volksoper. Nigoletlo.(Ansang 8-,. Uhr.) Folirs Eaprice. Der Feldwebel' Hügel.(Ansang S'l, Uhr.) SRetru. oi. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Julie Wippchen. Slp 1.0. Spezialitäten. Voigt. Siaiianne, ein Welb au» dem Voile. Vai.vge. Spezialitäten. Ncichslinllen. Steitiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Sanssouci. Wie werde ich reich? Spezialitäien.(Ans. 8'/, Uhr.) Walhalla. Bravo I Dacapo I(An» sang 3's« Uhr.) Karl Havelland. Svezialitäten. Urania. Taubenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Nachm. 4 Uhr: Der Vicrwald- statter See und der Gotthard. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Lessing-Theater. Donnerstag 8 Uhr: Slnatol. Freitag 8 Uhr: Änatol. Sonnabend 8 Uhr: illuatol. berliner'füester. Heute: K Uhr. Morgen: Taifun. km Tiieater. Täglich: Oer 6. IN. b. H.-Tenor. Ansang 8 Uhr. Sonnabend Ansang 7'/, Uhr: Die- selbe Borstellung._ Theater des Westens. 8 Uhr: Das Papponin&dol. Miltw. u. Sonnnb.s Ubr: Rotkäppchen. Somit. 3'/4U.: Die gsschledene Frau. Modernes Theater (früher Hebbeltheator). Abend, 8 Uhr: Doppelnieiisch. Frledrich-Wilhelrnstadtisches Schauspielhaus. Donnerstag. 29. Dez.. abend« 8 Uhr: Cyrano von Bergerac. Freitag: Cyrano von Bergerac. Sonnabend: Hosgunst. Sonnlag: Cyrano von Bergerac. (8 Uhr: Die Räuber.) Lustspielhaus Abend« 8 Uhr: Der Feldherrnhugel. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Zum erstenmal: Bolero pchwank in Z Akten von Maurice Hennequin und Paul Bilhaud. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: _ Familie«tolero. Luisen-Theater. Täglich 8 Uhr: Uodickes Reise nach Indien. SrostcS Ausstattungsstück mit Gesang und Tanz in ll Bildern von Michells. Musik von A. Lesevre. Sonnabend 4 Uhr: Groß« Kinder» Vorstellung: Tnecwittchen. Urcutfa. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Nachraittajjs 4 Uhr; Der VlcrwaldatUtter See and der Ciotthard. Abend» 8 Uhr: Von San Renio nach Florenz. Kaiser-Panorama. Neu! Reiseins Pharaonen- land von Trlest nach Kairo. II. Wanderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. Berliner Volksoper Belle. Alliancestrasie 7/8.->/,« Uhr: lligoletto. IOSE=THEATE Grotze Frankiurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ärde 11 Uhr. Der Kniserjiiger. i_I Komödie in 3 Akten von Brcmiert und Ostwald. Freitag: Der Müller und sein Kind. Aletropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Grojze AusstailnngSrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. B Holländer. In Szene gesetzt von Dir. Ii. Schultz. Ansang 8 Uhr— Rauchen geftaliel. Rur noch bis inkl. Silvesterabend präzise 9 Uhr: Der Gedankenleser Bellini. GMtUtag. 1. NcujahrStag: Debüt Otto Beattor. Letzte CClocbe. Liane d'Eve Excentrique francaise in ihrem Transforraationaobt; Mlle. Denarbers LuftbaUonfahrt über den Köpfen des Publikums, und eine Auslose der anerkanntesten Kunstkräfte dreier Weltteile. zur SilfesterYorslellung sind bereits jetzt Billetts an der Tages- n|«MA Vorverkaufskasse uJ""" gebühren z. hab. Hanrcid Eine verlorene Nacht. Der Derby-läieger. Anfang 8 Uhr. Sonnabend, den 31. Dezember 1910 Große Silvester-Vorstellung von 8 Uhr abends bis 4 Uhr früh: Eine verlorene Nacht. Oerby-Sieger. Original Klabrias-Partle. Fest-Prolog. Fanfaren-GruB. 2 Uhr früh; Silvester-Kabarett. Billett« hierfür sind schon zu haben. Mends 8—11 Uhr; Hedi Herdins Normann Frenoh und das 1* O ß C 0 Festprogramm• Passage-Panoptikum. Während der Weihnachtsferien v. 18, Dezember bis 1. Januar VoIkntaRc. Jodermann 1 Kind (rell Jed Kind erh. ein Geschenk. Der bcarnal«l«che a Kiese* Dnnoro D. STÖßte Mensch, d. je gelebt. Alles 110 mm größer als Machnovp. ohne Extra- Entrei« I ScliilleT-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeat). Donne rstag, abends 8 U�r: Diianrentielier. Lustspiel in 4 Akt. v. Gustav Kadelbprg u. Richard Skvwroimck. Ende 10'/, U. Freitag, abends 3 Uhr.: Prinz Friedrich von Hombupg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hasarenfleber. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die I'ee Caprice. Lustspiel in 8 Akten v. D. Blumenthal. Ende t0'/4 Uhr. Freitag, abends OUHr: Das Urbild des TarÜilT. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Hl« Der lllnimel auf Erden. Silvester-Ball in den LICHT» SPIELEN Hozart-Sa.al— Mollendorrplatz. Komische Vorträge. Oedipus und-andere Zirkusscberze. i Heute keine SchDIervorsbellung. Beginn der Abendvorstellung O Uhr.| Rönigstadt-Sastno. Holzmarkistr. 72, Ecke Alexandersstrahe. Täglich: �Vena die g/oHd'ne H'elbnaebt nabt k Festspiel mit Gesang, sowie Sxtra-Sprziali, tütcu: Jan Rudeiki, Didbolvlplele� des iwo Clalrons, Gymnastilstr usw. Ansang 8 Ubr. Sonntags G/, Uhr. Feiertags 5'/, Uhr. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr. Der heilige Hain. Mb. Brauerei Fried iTchsliaiu Am KUnigstor. fuDejtm&io! Größte Silvesterfeier Berlins! D«r berühmteste Festwirt Kelkorsel» Elireiigruber aus T1 Unc#ioii mit seiner Truppe(60 Personen). Fest-Dekopation! Boek-Juliel ödi! Trübe!! Aul der itin! Berlin auf be» Höhe IS11.— Im siebenten Himmel! JmSaalll: AIlIcoideiuua ZloteubopFmit großem Sailorohester. Anfang 8 Uhr. Entre« für sämtliche Räume KV Pf. mmmmmmrmmmmmmmtmmBmmmmmmmm CoNo Gafe ssennt Beuthstr. 1-3, Ecke Kommandantenstraße. Elegantestes, größtes Cafe der Welt. Täglich Kurz-Konzerte sowie vom 1. Janaar ab Doppel-Konzerte. Premiere Babary Joska aus BuJapesl Sport- Palast Potsdamer Strajle 70-72a Enir.« 1 M. Entree 1 M. Größter Eispalast der Welt Vom Sft. Do.cmbcr bis 9. Januar: Feerie:„Weihnachten am Nordpol". Ständig 9 KUnstlcrkapellon. — AoBcrgewöhnllcbe Licbteffekte.— 200 EislauikOnstler.— Unterricht Im Eislauf. Täglich von 11—1 Uhr vormittags: KONZERT. jeden Sonntag 4 Uhr: Nachmittagsa Vorstellung. Große Sitacftcr-feler der Großen Rheinischen Karnevals• Gesellschaft. | ,,£ln Fe.t Im Reiche de« Prinzen Karneval." Plätze M. 4,—. Reserviert M. 6,—. Donnerstag, d. 5. u. Freitag, d. 6. Januar 1911, abends: Zum Besten des Vaterländischen Frauenvereins Berlin Zwei Konzerte der Bonner Liedertafel (2. Preis auf dem Wettstreit in Frankfurt o. M.) 230 Sänger Joseph Werth. Reservierter Platz 5 M. u. 3 AI., alle anderen 2 M. Vorverkauf bei: Hsfmusikalienhandlnng Bote& Bock, Leipziger Str. 37; Musikalienhandlung Stahl, Potsdamer Straße 39; A. Werth eirn, Leipziger Straße; im Bureau des Vaterländischen Frauenvereins, Dessauer Str. 14 und an der Kasse des Sport-Palastes, Potsdamer Str. 72— 72 a. M CLOU »» berliner koxzerthacs Mauerttr. 82 Zimmerstr. 90-81 Eintritt ßO Pf. Heute: Großes Konzert. Anfang 8 Ehr. Wochentägl. 4—7 Ubr; Gr. Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt.— Silvester 2 Kapellen, Tlsohbeitellungen bis 30. d. M. Bnrgtlieat�r- Festsile and Klnematograpb vorm. Groterjan, Jnbab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 120. Tel. 3. 9353. Eebend« Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps.. Kinder dieHälste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten. nur wochent. gültig, 25 Bs. auf allen Plätzen. StetS«echs. Programm. Casino-Theater Lotbrtnaer Straste 87. Täglich 8 Uhr: Da» Original Berliner DollSstück Julie Wippchen. Urbcrliner Humor! Urberliner Typen! Im Stlle der ehem. Wallner-Bühne. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 8'l, Uhr: Hast und Liebe. Neues Schauspielhaus IHonna Vanna. Der Zerrlsseno. Thalia-Theater Operette Die sohOne Helena. Refidenz-Tbeater Die 800 Tage. Herrnfeld-Theater Der Herr Senator. Nächste Serie: An d. Reichels Pforten. Lessing-Theater Das Konzert. 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Es gibt genug besaxiftigungslose Arbeiter, die bereit' sind, die vorhandenen Arbeiten bei der Post aushilfsweise zu übernehmen. Selbstmord eineS Grafen. Einen Selbstmord, der in den Kreisen der Berliner Gesellschaft großes Aufsehen erregen dürfte, hat, wie erst jetzt bekannt wird, kurz vor Weihnachten der 40jährige Graf Percival Douglas begangen, der einem uralten schottischen AdelSgeschlecht eutstainmt. Der Graf, der eine größere Wohnung in Steglitz besaß, hatte vor mehreren Jahren zu einem jungen Manne eine tiefe Zuneigung gefaßt und seinem.Freunde", der in gewissen Kreisen als Verschwender bekannt war, fast sein ganzes, sehr beträcht- liches Vermögen geopfert. Als Graf Douglas dann vor dem Ruin stand, entschloß er sich, seiner unseligen Neigung Herr zu werden, und heiratete die Schwester seines Freundes. Die Ehe Ivar jedoch eine sehr unglückliche, da die junge Frau bald bemerkte, daß ihr Gatte seinem Freunde eine größere Zuneigung entgegenbrachte als ihr selbst. Die Ehe wurde deshalb nach etwa einem halben Jahre aufgelöst, und Gras Douglas verwandte nun die Reste seines Ver- mögens zu Spekulationen, mit denen er seine finanzielle Lage zu verbessern hoffte. Als jedoch die Finanzoperationen mißlangen und Graf Douglas dem Nichts gegenüberstand, entschloß er sich, aus dem Leben zn scheiden. Ohne seinen Bekannten und Freunden etwas mitzuteilen, fuhr er einige Tage vor dem Weihnachtsfest nach Hciligenstadt in Ostpreußen, wo er eine ihm bekannte Dame aus- suchte, die er von der Zeit her kannte, als er bei Hciligenstadt ein großes Rittergut besessen hatte. Am 23. Dezember abends ver- absr?iedere er sich, anscheinend in bester Laune, von seinen Gast- gebern und schloß sich in seinein Zimmer ein, wo er sich dnrck den Genuß von Zyankali vergiftete. Offenbar war jedoch die Dosis zu klein bemessen, denn der Graf wurde erst nach Ltstündigen Qualen durch den Tod befreit.__ Vorort- JNtaebriebtem Rixdorf. Bei Unflillc» in der Schule erlebt man es immer wieder, daß ein vernnglückteS Kind von dem Lehrpersonal in der unzweck- mäßigsten Weise behandelt wird. Strenge Vorschrift sollte da sein, daß bei dem geringsten verdacht einer schliinmeren Verletzung un- bedingt zunächst ein Arzt herbeigeholt werden muß, der die erste Hilfe zu leisten und auch über den etwa erforderlichen Transport zu bestimmeu hat. Wie»otivendig eine derartige Vorschrift wäre, daS hat sich wieder bei einem Unfall gezeigt, den in der Riydorfer 17. Knaben- Gemeinde schule(Weierstraße) ei» Schüler M. erlitt. M. war von einem Lehrer angewiesen worden, in der Pause auf dem Hofe fich an der Beaufsichtigung der umhertollenden Kinder zu beteiligen. Er glaubte, daS auch"am 9. November tun zu fallen, obwohl er an diesem Tage— so wird bebauplet— keinen derartigen Austrag er- halten hatte. Dabei lief er einem Jungen nach, rutschte aus und fiel der Länge nach zu Boden. Da M. sich nicht wieder zu erheben vermochte, so hätte man von vornherein einen schwere» Unfall verminen könne». In der Schule scheint aber kein Mensch auf den Gedanken gekommen zn sein, so etwas anzunehmen. M. wurde von zwei Mitschülern nach seinem im ersten Stockwerke ge- legenen Klassenzimmer halb hinaufgeführt und halb hinausgetragen. Da er weder stehen noch fitzen konnte, so legte man ihn auf eine Bank. Lehrer unistanden ihn und berieten, was zu tun sei. Wieder wurde M. aufgehoben, und nun schaffte man ihn in das Rektor- zimmer. Der Rektor Jllig schickte zum Schularzt, aber der war nicht zu Hause. Auch zu einem anderen Arzt soll geschickt worden sein, aber es war zlvischeu 12 und 1 Uhr mittags, wo kein Arzt anzutreffen ist. Ob noch weitere Versuche gemacht worden sind, ärztliche Hilfe zu beschaffen, entzieht sich unserer Kenntnis. Eine Unfallstation scheint lliemaud angerufeit zu haben. Schließlich ließ vor l Uhr der Rektor den Verimglücklen durch zwei größere Schüler nach Hanse bringen. Er selber ging hinterher, und als er sah, daß so der Transport unmöglich war. nahm er M. auf seine Arme, um ihn nach Hause zu tragen. Auch das war schwer durchzilfllhre», weil M. ein Junge von schon 12 Jahren ist. Da Sielt der Rektor kurz entschlossen ans der Straße eine mit einem !i» der wagen vorüberfahrende Frau an, hieß sie ihr Kind herauSuehmen, packte den Jungen hinein und ließ ihn so bis' zur Wohnung fahren. Dann trug er ihn die Treppen hinallf, übergab ihn der zufällig allein in der Wohnung anwesenden dreizehnjährigen Schwester und legte ihn aifl ein Bett. Es soll anerkannt werden, daß Rektor Jlli� persönlich sich mit großer Hilfbereitschaft an dem Transport beteiligt hat. Dem Jungen wäre aber mehr gedient gewesen, wenn der Herr Relior elivaS mehr Umsicht gezeigt und auf Herbeischaffung ei/ies ArzieS bestanden hätte. Der Arzt, den die Eltern riefen, sah sofort, daß es sickt um einen schweren Unfall handelte, und ordnete schleuvtigstc Ueberführung in ein Krankenhaus au. Dort wurde dann festge/lelll. daß M. ein eil Ober s che» kelbr u ch in der Becke ngexend erlitten hatte. Seit dem Tage des Unfalls sind jetzt mehr als 7 Wochen hingegangen, und noch immer befindet M. sich im Kronken- haus. Gewiß hätte die Heilung eine» weniger langwierigen Verlauf genommen, wenn M. sofort sachgemäße Hilfe erhalten hätte und nicht in einer Weise nachHause transportiert worden loäre, die die Folgen des Unfalls noch verschlimmern, mußte. Dieser Ansicht war auch der Vater, darum wandte eic sich an die Stadtverwaltung und fragte an, ob sie wenigstens die Kosten ersetzen wolle. Die Antwort fiel verneinend aus. wie zu erwarten war. Der Magistrat ertlärt, die St«dt treffe kein Verschulden, da der Unfall nicht durch ii,a„gelhafte Einrichtungen verursacht worden sei. Aber auch dar aufsicht- führende Lehrer könne nicht haftbar gemacht werden, da M. unbefugt den Aufpasser gespielt habe und und dabei zu Schaden gekommen sei. Schließlich sei auch von dem Rektor nichts ver- absäumt worden, vielmehr habe er, um keine weitere Zeit zu ver» lieren, den Jungen in der geschilderten Weise nach Hause bringen lassen. Wir vermiffen in dem Schreiben des Mag'�iratS eine Erklärung darüber, welche Maßregeln denn'oei solchen Unfällen dem Rektor vorgeschriebe l» sind. So ganz frei von Schuld scheint uns die Stadtverwaltung denn doch nicht zu fein. Die Folgen dieses Unfalles wäre» wahrscheinlich weniger schlimm geworden, wenn den Rektoren die sofortige Herbei- rufung eines Arztes zur unbedingten Pflicht gemach� wäre. Schönsderg. Selbstmord eiues Gymultsiostei«. Am ersten ÄZeihnachtStage hat sich der zehnjährige Sohn des Weingroßhändlers Michael Nuschei in der Wohnung seiner Eltern, Motzstr. 69, vom Balkon in den Hof hinabgestürzt. Zwei herbeigeholte Aerzte konnten keine sichtboren Verletzungen feststellen, doch starb der Knabe, dem daS Rückgrat gebrochen war, schon»ach einigen Stunden in der elterliche» Wohnung. Ueber die näheren Umstände dieser Verzweiflungstat wird gemeldet: Der Knabe besuchte die Sexta deS Werner Siemens- Gymnasiums i» Schöneberg. Trotzdem er flsißig und gut geartet war, fiel das Lernen ihm ichwcr. Am Schulftbluß vor Weihnachten erhielt er den Auftrag, seinem Vater die schriftliche Mitteilung zu tiberbringen, daß er zu Ostern nicht„ach Quinta versetzt werden würde. Aus Furcht tat er dies aber nicht, und so erschien am ersten Weihnachtsfcicrtag, als der Knabe eben aus der Schule heimgekehrt war. ei» Lehrer des Gymnasiums bei den Eltern, um ihnen im Austrage des Direktors nahezulegen, ihren Sohn freiwillig au? der Schule zu nehmen, da er sonst infolge des vo» ihm begaugeiieu Ungehorsams fortgeschickt werden würde. Während der Lehrer mit dem Vater sprach, vollführte der Knabe die Tat. Treptow-Baumschulcniveg. Recht sonderbare Erfahrung, so berichtet man uns, mußte ein hiesiges Elterupaar macheu, das im Oktober ihr schulpflichtiges Mädchen einschulen wollte. Der Schularzt Dr. B. der vierte» Ge- meindeschule wies das Mädchen als mit Krätze behaftet vom Schul- besuch zurück. Den Eltern des Kindes schien dieser Bescheid so sonderbar, daß sie einen anderen Arzt konsultierten: dieser stellte fest, daß keine Krätze vorbanden sei. Vorsichtshalber suchten die Eltern mit dem Kinde noch einen Spezialarzt für Hautkrantbetlen auf, da ste glaubten, daß auf das vom ersten Arzt ausgestellte Attest der Aufnahme deS Kindes in die Schule nicht stattgegeben tvurde. Auch dieser Arzt bescheinigte, daß das Kind nicht an Krätze leidet. Die Elter» blachten nun das Kind mit beiden Beschciiiigungeli versehen, zur Schule, und wurde auch vom Rektor ausgeuommeit. Am audercii Tage jedoch wurde das Mädchen auf Anordnung des Schularztes, dem die Auf-tohme mitgeteilt worden war, nach Haute geschickt mit der Bemerkung, daß das, was er, der Schularzt, fest- gestellt habe, richtig sei. Jetzt begaben sich die Eltern mit den, Kinde nach der köntglichen Klinik für Hautkroiikheite». Hier stelllen drei Aerzle, die daS Kind untersuchten, fest, daß auch nicht einmal ein Anhalt für eine ansteckende Hautkrankheit vorhanden sei. Unter Rlarlcgung deS Sachverhaltes wandte daher sich der Vater an die Schuldeputation; letztere verfügte hierauf, daß das Kind an dem Schulunterricht teilnehmen solle. Der Schularzt mutz doch wohl eingesehen haben, daß seine Auffaffnng über das Vorhandenfein von Krätze eine irrige war, denn er hatte nun nichts mehr gegen die Einschulung des Mädchens einzuwenden. Wer erstattet nun dem Vater des Kindes die Unkosten, die ihm durch die anderweilige ärztliche Untersuchung entstanden sind Z Der Schularzt hat sich, als ihm ein solches Ansinnen durch den Vater gestellt wurde, ganz energisch dagegen verwahrt. Stralau. Bei dem nm 1. WeihnachtSfeiertag in den Markgrasen-Sälen abgehaltenen Kunstabend sind mehrere Hüte verlau'scht worden. einige Gegenstände sind verloren gegangen. Die in Frage kommenden Besucher werden gebeten, ihre Hüte und die gesuiidene» Sachen beim Genossen Otto Bernhardt, Markgrafeiidamm 4, Quer- gebäude IV, abzugeben. Das Komitee. Reinickendorf. Ein schwerer Lauuiifall ereignete sich gestern nachmittag auf einem Neubau in der Hauptstraße zu Reinickendorf, hinter dem Schützenhaus. Dort stürzte der 50jädrige Maurer Karl Schöubeck aus der Wiclcfstr. 31 von einem Gerüst und zog sich bei dem Sturz mehrere Armbriiche und innere Verletzungen zu. Er tvurde in be- denklichem Zustande mit einem Krankenwagen nach dein Virchow- Krankenhaus transportiert. Hermsdorf i. M. Aus der Gemeindevertretersitzung. Zunächst teilte der Ge- meindevorstcher Cheemu die Antwort des LandvateS über eine Be» schwerde mit, weiche der Gemcindevertreter Hermann gegen ihn an den Landrat gerichtet hatte. Hermann hatte gegen die Errichtung eines Gasbehälters Einspruch erhoben, weil angeb- lich durch diese Anlage seine unbebauten Grundstücke im Werte herabgesetzt würden. In dieser Eigenschaft als Kläger gegen die Gemeinde hatte er Gemeindegrundstücke betreten und Vermessungen darauf vorgenommen. Der Gemeindevorsteher, der zufällig zu dieser Zeit vorbeiging, wies ihn vom Gemeindcgrundstück. Der »Landrat hat die Beschwerde mit dem Himveis auf den H 88 der L. G. O. abgewiesen. So schroff, meinte der Gemeindevorsteher, würde er die fraglichen Bestimmungen nicht immer handhaben; wenn es sich aber um Personen handelt, welche die Gemeinde in ihrer naturgemäßen Entwickelung hemmen wollen, dann würde er auch in Zukunft nicht anders handeln können. Hiernach wurde der Bauvertrag der Kanalisationsanlage beraten und angenommen. Der Firma Karl Franbe-Bremen wurde mit 9 gegen 7 Stimmen die Gesamtausführung übertragen wobei unsere drei Genoffen den Ausschlag gaben. Bemerkenswert ist der§ 12 des Bauvertrages, welcher folgenben Wortlaut hat:„Abgesehen von Piovisionen, die Unternehmerin an ihre eigenen Angestellte!, zahlt, ist es der Unter- nchmerin oder ihren Vertretern verboten, aus Anlaß der Ueber- tragung des Baues der Kanalisationsanlage an andere Firmen oder Personen Abstandssummen oder Entschädigungen irgendwelcher Art zu gewähren. Im besonderen dürfen solche Zahlungen an diejenigen Firmen oder ihre Vertreter nicht geleistet werden, die an der Submission für die Vergebung des Baues der Kanalisatwns- anlage beteiligt waren. Verletzt die Unternehmerin diese Vertrags- bcstimmungen, so hat sie der Gemeinde den zehnfachen Betrag der geleisteten Zahlungen als Vertragsstrafe zu zahlen. Außerdein ist die Gemeinde berechtigt, sofort vom Vertrage zurückzutreten." Mit dieser Bestimmung sollen etwaige Ringbildungen getroffen werden. Der größere Teil der Anlage soll am 1. Februar 1912 und der Rest am 1. S ptembcr 1912 betriebsfertig sein. Gegen die Stimmen unserer Vertreter wurde die Einrichtung dreier Vor- schulklassen beschlossen. Genosse Sohrauer betonte hierzu, daß die sozialdemokratischen Vertreter an dem fortschreitenden Ausbau der Volksschule unter besonderer Berücksichtigung der weniger Be- fähigten und der Begabten mitarbeiten würden. Aus diesem Grunde wünsche er und seine Genossen auch die Ausschaltung aller Schulsysteme, die den Ausbau der Volksschule hemmen. Diese Hierselbst geplante Einrichtung von Vorschulklasscn würde ohne Ziveifel für die Weiterentwickelung der GemeindevolkSschule hemmend und somit schädlich wirken Gegen diese sachliche AuS- führung antwortete niemand. Gembts- Deining. Eine Explosion im Fenerwerkslaboratorium, bei welcher mehrere Personen verunglückten, hatte gestern ein gericht- licheS Nachspiel. Wegen fahrlässiger Körperverletzung verhandelte die erste Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsrats Vogel gegen den Fabrikanten Gustav Bock und den Ingenieur Wilhelm Schlott.— Der Angeklagte Bock war Besitzer eines FeuerwerislaboratoriumS in Niederschönhaiisen. Dieses ging im Januar d. I. in die Hände des Angeklagten Schlott über, Bock verpflichtete sich jedoch, auf einige Zeit»och den Betrieb zu überwachen, bis sich Schlott, der bisher noch nichts mit Feuerwerks- körpern zu tun gehabt hatte, eingearbeitet hatte. In dem Labora- torium wurden li. a. sogenannte Knallkorken hergestellt. Es sind dies hohle Korken, die mit einer höchst explosiblen Mischung von Phosphor und chlorsaurem Kali gefüllt sind, und die nach dem Trocknen in kleine Pistolen geladen werden. Da diese Korken im einzelnen ziemlich harmlos sind, in größeren Massen dagegen einen recht ge- fährlichen Sprengkörper bilden, besteht die Borschrist, daß derartige Feiicrwerkskörper nicht in größeren Mengen in einem Räume lagern dürfen. Durch eine anonyme Anzeige wurde nm 17. Januar der Polizeibehörde in NicderschLuhauscu mitgeteilt, daß sich in dem Räume zirka 80 000 Korken befänden. Der zuständige Polizeiwachtmeister erschien auch auf de», Fabrikgelände. mtterließ eS jedoch, eine Durch- slichung vorzunehmen, sondern begnügte sich mit der verneinenden Antwort des Angeklagten Bock. Dieser soll, wie behauptet wird. dann gemitzeri haben, daß er„den schön reingelegt habe'. Am Nachmittage desselben Tages ereignete sich in dem Herstellungsraum eine furchtbare Explosion, bei welcher die dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen zum Teil erhebliche Verletzungen davon- trugen. ES flogen insgesamt zirka 40 000 Korken in die Luft, die eine kilometerweit hörbare Detonation hervorriefen.— Di« Anklage erblickt eine Fahrlässigkeit deS Angeklagten darin, daß er entgegen der gesetzlichen Bestimmung die Fabri- kation und Trocknung in eine m Räume vornähme, der aiißerdem durch einen gewöhnlichen eisernen Ofen, anstatt durch Warmwasser» Heizung erwärmt wurde. Als eine weitere Fahrlässigkeit wurde au- gesehen, daß die Korken in mimittelbarer Nähe des Ofens getrocknet. Ein als Sachverständiger geladener Fabrikant und Pyrotechuiker be« gutacktete, daß die Art und Weise, in welcher der Betrieb in dem Laboratorium des Angeklagte» gehandhabl wurde, als ein höchst leictiisiiiniger und fabl'iäisiger zu bezeichnen sei.— Das Gericht hielt es nach mehtslündiger Verhandlung für augehracht, auch noch einen Gewerbeinspektor als Sachverständigen hin- zuzuziehen. Die Verhandlung fiel deshalb einer Vertagung auheim._ Hus aller CHclt. Unwetter auf den Kanarischen Inseln. Von schweren Stürme» ist nach einem Telegramm aus Teneriffa die unter spanischer Herrschaft stehende Kanarische Inselgruppe an der Westluste Afrikas heimgesucht worden. Ganz besonders betroffen wurde dabei die Insel G o m e r a. Dort riß der wütende Sturm mehrere Häuser ein, 22 Personen, meist Kinder, wurden von den Trümmern erschlagen. Der durch das Umvettcr vcr- ursachte Sachschaden ist ganz enorm. Todessturz mit einem Passagier. Der Abiatiker Lasso nt stieg gestern vormittag tn Paris mit einen, Passagier namens Pola zu einem Flug nach Brüssel auf. Nach drei Runden über dem Flugfeld Jssy stürzte der Apparat aus einer Höhe von 12 Meter herab; beide Insassen wurden getötet. Selbsthilfe französischer Winzer. Aus Epernay wird gemeldet: Etwa löOV Winzer in H a u t e v i l l e verhinderten gewaltsam die A b s e n d u n g einer W e i n l a d li n g, deren Besitzer im Rufe der W e i n p a n t s ch e r e i stehen. Sie zertrümmerte» mehrere Fässer und ließe» den Wein auslaufen. Gendarmen, die vergeblich versuchte'.?, die Ordnung wiederherzustellen, wurden von der anfgeregten Menge mißhandelt._ Kleine Notizen. Selbstmord im Untersuchungsgefängnis. Im M ü» ch e n e r Untersuchungsgefängnis hat der 35jähr>ge Schlosser H i r i ch g a t, der wegen Diebstahls verhaftet worden war, Selbstmord durch Erhängen begangen. Aus"verschmähter Liebe verübte in R e g e n s b u r g der Fabrikarbeiter P l o in e r ein Attentat aus ein junges Mädchen. Durch zwei Revolverschüsse verletzte er seine Geliebte lebensgefähr- lich. dann tötete er sich selb st durch einen gutgezielten Schuß. Den Tod in den Flammen fand in M i e ch o w i tz in Oberschl. der Bergmann P a st a l l a. In seiner Wohnung war Feuer aus« gebrochen; als mau in die Wohnung eindraiig, fand mau die völlig verkohlte Leiche des BergntauuS. Großfener in England. Eni Brand zerstörte gestern nacht acht Häuser in dem kleinen Dörfchen Mardy bei Ferndale. Da die Häuschen an einer Berglehne liegen, vermochte der Strahl der Spritzen sie absolut nicht zu erreichen und die Feuerwehr war in» folge dessen gegen den Brand machtlos. Zwei Kinder sind in den Flammen umgekommen, mehrere Personen erlitten mehr oder minder schwere Brandwunden. »Ie KriefKasten ftltlfllfrtjt SvreevMmve ftnbet der Redaktton. « t nvcnftr» Wr.«W, Vier Trevven— �abrftiibl—, ttiorbfiiiSniirti vo» 4'/, bis?>/»»br abeuv», E«»nabc»dS von 4'/, bis IS Uhr unchmitiaaS ftatl. Jeder für den Brief- kästen bcstininiten Slnira«- ist rtn iHnrtiftabc»nd eine Zabt als Ätterk» zenbe» bti&iiiiiacii. Brieflich« Bntiuort wird Nicht erteilt. Elitae Vraaen kröne man i» der Svrechitinibe vor. Genosse, Bezirk Igtl. Dr. Aisred Bernstein, Blücherstr. St.— W. y. Die ReichSbank ist keine Aktiengesellschaft. Sie hat ihr eigenes, in dem Bankgesctz und ihrem Statut ciithalteneS Sonderrecht.— 8. 9)1. 100. Eine Klage ist nicht durchsührbar.—(sbarloit. 1105. Sosort an den Magistrat, unter Darlegung der Verhältnisse, aus denen sich die Bedürstia» kcit ergibt.— Zl. B. 8. Durch Luftdruck, nachdem in den Röhren die Lust verdünnt ist.— R. T. 81. Rechllich ist nur der Schuldiener ballbar, wen» dieser seiner Rcinigungspflicht nicht genügt hat. Richte» Sie aber ein Gesuch au de» Magistrat und, salls dies abgewiesen wird, eine Petition an die Stadwerordnetenversammluna.— A. 3. 70. Mit dem Nachweis von Lehrstellen können wir uns nicht befassen.— G. 828. 1. u. 2. Eine Klage, die beim Amtsgericht anhängig zu machen wäre, erscheint durchfuhr« dar. 3. Di« Bestellung eine» Rechtsanwalts Ist zlveckmägig aber nicht not« wendig.— Bogeisang. Höhr. Die Eltern basten nur dann, wenn eine Bcrlctzung der Ausfichtspflicht vorliegt.— Hildebraudt. Ja.— K. 1880. 1. Ja. 2. New.— H.®. 68. Richten Sie Ihre Anfrage an de» Lott'rte- kollelteur.— H. I., Zelle jtr. Ja, wen» Urteil oder einstweilige Bcr- sügung vorliegt und die Zwangsoollstreckiiiig fruchtlos gewesen ist. — ES. 18. Eine Klage ist der einzige Weg, fflewißbeit zu erlangen. Die Bewilligung des Annenrechts beseiiigt aber nicht, falls Sie im Prozeß unterliegen, die Erstatningspslicht, soweit die gegneiischen Kosten in Frage kommen.— R. 8. 3. Ja.— pf. G. 150. Ihre Darstellung reicht nicht auS, um die Frage hcautwortc» zu können. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Knospe, Wrangelstraste. An daS Kuratorium für die städtischen Hospitäler und Siechen- Anstalten, Bureau: Ratbaus, Zimmer 111/116.— Alter Abonnent 1000. 8 M. jährlich, wenn die Räume lediglich zu Wohnzwecken Verwendung finden.— A. G. 88. 1. Amtsgericht Verlin-Mute. Nene Friedttchstr. 12,15. 2. Ja. 3. Das kann gcschch«,. Ein Anlaß zur Abnahme deS LffcnbarungScideS besteht nur dann, wenn begründete Zweifel an der Richtigkeit des Rachlaß- Verzeichnisses bestehen. 4. Die Kosten richten sich nach dem Objekt. 5. Nein. 6. Bei jedem größeren Geschäft.— 9t. D. 76. Die Erben können die AuSantworiung deS Nachlasses und Rechnungslegung verlangen. Ist da» nicht in Güle zu erreichen, so bleibt nur die durch eine» Rechts- anwalt zu erhebende Klage übrig.— N. A. 78. sie haben recht. Smgegangene vruckfcdrifren. Jahresbericht der Arbeiter> BildungSsihnlc Berlin über die Tätigkeit vom 1. Oktober 1902 bis 30. September 1910. 19 S.— Hanpt- Schullokal Berlin C., Grenadierstr. 37. Der Sturm. Nr. 43. Herausgegeben von H. Waiden. Wochenschrift, 10 Ps. B erlag: Berlin Haleniee. Keulenschwingen. Von K. Möller. Gcbd. 2 M. B. G. Teubncr, Leipzig. Tie Gestaltung der Schiffahrtsobgaben im Rheingebiet. Zu- sammcngcstcllt von Dr. H. Bartsch. 1 il'i. Verlag:„Rbein", Duisburg. Marsglocken. Erzählung vo» A. Lcpplcr. 119 S. E. Pierson, Dresden, Mosellaiid und westdeutsche Gisenindnsirie. Bd. 2. Vorträge von Prosessor Dr. H. Schumacher. Geb. 8 M.— Die österreichisch cn Siemens-Schuckei»-Welte in Wien. Von Dr. J. Deutsch. t,40 M. Duncker u. Humblot, Leipzig. ESitterungSüberstcbt vom 88. Dezember 1010. morgen» 8 Uhr. ftaiimai Stomtmit Hamburg cetll» Franks- Si München Wien 761 N 76591NS8 1 702 97 763910 1 760 SB 175591 Setter S 3 wolkig Lheltcr '3 wolkig 3 heiter 8 Schnee 2 Schnee ttx t;5> t« 1? w5> 1 —3 —2 —3 -1 —2 «tattonen ,= so; Ii M i« r- 5 Setter K" II * k Havaranda 755 N Petersburg 752 ONO Sctllh ,769® klierdern i759SIW Parts>760 N 2 bedeckt 1 bedeckt 1 wolkig 4 bedeckt — 15 — 3 5 1 8 wölk etil—1 ESettervragnoke fite Dounerstag. den 80. Dezember 1910. Zunächst ziemlich heiter und kalt bei lcbhnslen wesllichen Winden: später wieder zunehmende Erwärmung, Bewölkung und geringe Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Berantwortlicher Nedalteuc Richard Barth. Berlin. Für den gnseratenteil verantw: Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« vuchdcuclerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Eo„ Berlin SW.