Nr. 1. Bbonnemenfs-Hedingungcn: tttoimenienlä- Preis pränumerando i Licrteijährl. 3,30 äRf, monall. 1,10 Md, »vöcheniltch 2b Pifl. frei ins HauS. Einzelne Aummer 5 Pfg, SonnIagS- nmnmer mit Milflrierler Sonntags- Beiloge.Die Neue Welt" 10 Pia, Poll. klbonnevient: 1,10 Marl pro Monat. Eingeiroaen in die Post-ZeitungS- PreiÄili?. Unter Kreuzbond für DeutiuOand und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g wdirl pro Monat. PoftadonnementS nehmen un? Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, vlchklnl tZgllch auBcr montags. Derltnev Volksblnkt. 88. Jahrg. Sie InierNons-Sedillik bslrägt für die fechSgefpallene Kolonel- geile oder deren Raum SO Pfg„ für politische und gewcrlschastliche BereinS- und PersamniImigZ-Airzeigen SO Pf«. „Rleine Snrcigen", das erste sfcli- gedruckte) Wort 20 Pfg,. jedes weitere Wort lO Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort S Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Inserate für die nächst. Kummer müssen diS 3 IlhrnachnüiiagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedilio» ist biS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adrest« „ZoÄitltitmoIlkat ßcrliu". Zentralorgan der rozialdemokratifchen parte» Deutfchlands. RcdAhtlon: 6 AI. 68, Ltndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SA!. 68, Ltndcnötraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Cln gutes Zahr, ein besseres Zahr. Lon a?em der Vater ist der Kampf. Ein Kampfjahr, wie so manche andere vor ihm, ist zu Ende. Doch selbst bedeutungsvoller als manches andere, kündet sein Scheiden nur den Beginn neuer, größerer, folgenschwererer Entscheidungen. In einer sturnibewegten Zeit leben wir; rascher als sonst schlägt der Pnlsschlag der Geschichte, nn- geduldige Envartnng ersüllt die Seele: Was soll werden? In keinem Lande der Welt sind die sozialen und politischen Gegensätze zu einer solchen Schärfe und Klarheit herangereift wie in Teutschland. Nicht von unten her, sondern durch die Gewalt von oben ist das alte Deutsche Reich— kümmerlich und unvollständig genug— zu einem modernen Staat umgeschmiedet worden. Dieser Geburtsfehler hat entscheidend fortgewirkt. Von den drei großen Klassen der bürgerlichen Gesellschaft hat der Großgrundbesitz seine politische Herrschaft auch ins neue Reich hiuüberrettcn können. Das Bürgertum, dessen revolutionäre Kraft sich so rasch als unzureichend erwiesen hatte, überließ dem preußischen Junkertum gefügig das politische Erstgeburtsrecht und sicherte sich nur die ökonomischen Bedingungen seiner kapitalistischen Entfaltung. Befreit von den Hemmnissen der elenden Kleinstaaterei, warf es sich mit aller Macht auf die Produktion des kapitalistischen Reichtums und gerade die einflußreichsten und mächtigsten Schichten der Bourgeoisie kannten keine andere Sorge, als im. Bunde mit den preußischen Junkern die Ansprüche der emporstrebenden Arbeiterklasse niederzuhalten. So wurde aus Deutschland jenes merkwürdige Staatswesen, in dem der preußische Militärstaat, durch die Annexion früher selbständiger Teile deS deutschen Landes an Ausdehnung und Volkszahl über- mächtig geworden, durch das Schivcrgewicht seiner militäri- schon und ökonomischen Macht die Diktatur über das Reich ausübt, während in Preußen selbst die Junker, denen die verängstigte Bourgeoisie freie Bahn gelassen hatte, die Armee und die Verwaltung, den Hof und die Regierung unum- schränkt beherrschen und diese Herrschaft durch ein Wahl- system verankern, das in Wirklichkeit die Ernennung der Majorität der Abgeordneten durch die Junker bedeutet. Dieser Bund der Junker mit den führenden Schichten der Bourgeoisie hat zugleich der preußischen Staatsmacht eine außerordentliche Stärke verliehen. Die glänzende ökonomische Entwickelung, die in kurzem nach- und überholte, was durch das politische Elend vergangener Zeiten versäumt worden war. wurde in den Dienst der Entfaltung der staatlichen Machtmitte! gestellt. Die rasche Vermehrung der Bevölkerung war nur eine Vorbedingung, um die Armee ebenso rasch zu vermehren; und zur Armee gesellte sich später die starke Flotte. Zugleich mit dem Ausbau der äußeren Machtmittel wurde mit unablässiger Beharrlichkeit der Staat im Innern zu einem absolut zuverlässigen Herrschaftsinstrument gestaltet. Die ge- samte Bureankratte wurde einem strengen Auslese- und Züchtungsprozeß unterworfen. Absolute Staatstrcue, das heißt völlige Unterwerfung unter die Anschauungen der regierenden Oligarchie wurden zur unerläßlichen Voraus- setzung für den Beamten. Die theoretische Unabhängigkeit der Richter, schon vom Gesetz nur unvollkommen gesichert, wurde zur Praxis der Zuverlässigkeit der Richter umgeschaffen. Der gouvernementale Geist an den Universitäten durch sorgfältig ausgewählte Professoren den intellektuellen Schichten eingeimpft. Und in den Dienst derselben Idee wurde das ungeheure Macht- mittel der militärischen Erziehung gestellt: für den gewöhnlichen Soldaten jener militärische Drill, dessen höchstcsJdcal der Kadaver- gehorsam ist, der den Menschen in eine willenlose Maschine verwandeln soll; für die Besitzenden jenes pfiffige Privileg des Reserveoffiziers, jenes Titels, der den preußischen Bürger erst gesellschaftlich voll macht, der aber nur verliehen wird. um den Träger sein Leben lang der militärischen Disziplin und vor allem den politischen Anforderungen, die der Militarismus in Preußen zu stellen getvohnt ist. zu unter- tverfen. Wenn aber alle diese Mittel versagen, um den preußischen Staatsbürger in den gehorsamen Untertanen der Regierung zu verivandeln. dann verfügt der preußische Staat über ein ganzes System von Zwangsmaßregeln. Da sind die Staats- lieferungcn. Da ist der militärische Boykott, unter dessen Druck der Geschäftsmann, der Gastwirt zumal steht. Da ist die ungeheuere Macht der verwaltenden Bureankratte. deren-Eni- fchcidungen so nachhaltig und folgenschwer in die ökonomische Lage des Einzelnen eingreifen. Dazu kommt noch die Macht, die der Staat als größter Unternehmer unmittelbar ausübt. So ist der preußische Staat— und Preußen bedeutet zugleich das Reich— zur st ä r k st e n S t a a t s 0 r g a n i- sation der Welt geworden und diese Macht war von Anfang an bestimmt, dem politischen und wirtschaftlichen Befreiungskampf des Proletariats entgegenzutreten. Zn müh- samer Arbeit hat die deutsche Arbeiterklasse der Macht des Staates ihre eigene Macht entgegenzusetzen gelernt. In ununterbrochenen Mühen, in kleinen und großen Kämpfen, mit unendlichen Opfern ist jene Erziehungsarbeit geleistet worden, die aus willenlosen Lohnsklaven ihres Zieles und ihres Strebcns bewußte Klassenkämpfer erzeugt hat, ist jene niachtvolle politische und gewerkschaftliche Organisation, zu der sich bald auch die konsumgenossenschaftliche gesellen wird, Glied für Glied zusammengefügt worden, die Deutschland zu dem Lande der größten organisierten Massen- bewegung gemacht hat. Im Kanipf mit der Staatsmacht hat das deutsche Prole- tariat sich seine Taktik geschaffen, seine politische Taktik, die Ausnützung jedes Stückchens Rechts, vom gleichen Reichstags- Wahlrecht bis zum schändlichsten Dreiklassenwahlrecht der Landtage und Kommunen, um in den Gesetzgebungen Resormen zu erringen; seine gewerkschaftliche Taktik, die die Arbeiter in jenen gewaltigen Verbänden zusammenfaßt, die in Angriff und Abivehr der konzentrierten Kapitalmacht ge- wachsen sind, dir in kluger Abschätzung der Erfolgsmöglichkcit, in energischer Ausnutzung der günstigen Situation dem deutschen Arbeiter jene Erhöhung der Lebenshaltung ge- schaffen haben, die die Besitzenden, die sie stets zu ver- hindern suchten, gern als ihr Verdienst, als Beweis für die Erträglichkeit ihrer Gesellschaftsordnung w Anspruch nehmen möchten- Je größer die Macht des Proletariats, desto größer aber auch die Besorgnis der Herrschenden, desto hartnäckiger der Widerstand, den jeder neue Schritt nach vorwätts hervor- ruft. Nie war dies deutlicher zu erkennen, als in dem scheidenden Jahre. Der Kampf des Proletariats ist natur- gemäß ein Kampf um die politische Macht im Staate. Je stärker die organisatorische Macht und gesellschaftliche Be- deutung der Arbeiterklasse, desto unerträglicher wird es ihr, wenn durch veraltete Gesetze ihr politischer Einfluß verkleinert oder völlig vernichtet wird. Auf einer gewissen Stufe prole- tarischer EntWickelung, verschieden nach den verschiedenen historischen Bedingungen, wird daher die Eroberung des gleichen Wahlrechts zu einer Vorbedingung weiteren Fortschreitens. Der Kampf um das preußische Wahlrecht gibt demnach dem beginnenden Jahr 1911 sein Gepräge. Die Arbeiterklasse hat in diesem Kampfe unbestritten die Führung: in ihrem Ge- folge kämpft, wer noch im Bürgertum die Einsicht sich bewahrt hat, daß der unentrinnbare Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit durch die demokratische Ausgestaltung zwar in seinem Wesen nicht berührt, aber mit geringeren Opfern, mit Vermeidung unnützer Hätten geführt werden kann. Die ge- waltigen Straßendemonstrationen des Proletariats, der elende Streit zwischen den Nationalliberalen und dem schwarzblauen Block um die Att, in der die Volksmassen um ihr Recht ge- bracht werden sollen, der schmähliche Verrat des Zentrums, die Unfähigkeit der Regierung und des Dreiklassenparlaments, für die dringendste politische Reform eine Lösung zu finden, daS schließliche Scheitern der Schandvorlage, das alles ist noch in zu fttscher Erinnerung,, als daß hier weiter darauf ein- gegangen werden müßte. Das Scheitern der Wahlreform hatte zur unmittelbaren Folge, daß das Kanipffcld von Preußen sich auch auf das Reich verschob. Die schlimmsten Feinde der Wahlreform, der schwarzblaue Block, hält ja auch im Reichstag die Herrschaft in Händen. Eine Reihe glänzender sozialdemokratischer Siege bei den Nachwahlen zeigte, daß die Massen der Wähler von ihrem Wahlrecht den ttchttgen Gebrauch zu machen geneigt sind. Mit wahrer Leidenschaft wurde jede Gelegenheit aus- genutzt, um den blauichwarzen Volksfeinden Niederlage auf Niederlage beizubringen. Und daß diese politische Leidenschaft nicht eine bloße gelegentliche und wieder vorübergehende Auf- Wallung ist, beweist daS stetige Anwachsen unserer politischen Organisation und der Auflage unserer Presse. So wurde das Jahr 1919 für uns zu einem Jahr der Vorbereitung für die kommende Abrechnung bei den Reichstagswahlcn. Ein Jahr der Vorbereitung aber auch für unsere Gegner. Der Kampf uinS Prenßenwahlrccht hatte den Konservativen ge- zeigt, wie gefährdet ihre letzte und wichtigste Herrschaftsposition ist. Das Bestehen beä gleichen Wahlrechts im Reiche ist aber der beste Beweis für die Notwendigkeit einer Einführung in Preußen. Man kann auf die Dauer in Preußen nicht weigern, was für den Reichstag, für die Mehrzahl der deutschen Bundesstaaten geltendes Recht ist. So treibt die Sorge um ihr Privileg die Konservativen zur offenen Feindschaft gegen das Reichstagswahlrecht wie überhaupt gegen jedes demo- kratisthe Zugeständnis. Ihren Abwehrkampf in Preußen suchen sie daher zu einem Angriffskampf im Reiche zu gestalten. Daraus entsprang der Jubel, mit dem sie die Proklamierung des Gottesgnadentums in der Königsberger Kaiserrcde be- grüßten, daraus erklärt sich die Propaganda, die ihre Presse für das Verbrechen des Staatsstreichs betreibt, die Hetze, die sie gegen die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen entfesselt haben. Und Herr v. B e t h m a n n hat sich als ihr gefügiges Werkzeug erwiesen. Auch er ist ein Feind der Demokratie, ein Gegner des RcichstagSwahlrechts, der Gleich- bcrechtignng der Arbeiter. Er selbst hat sich an die Spitze ge- stellt, als es galt die Vorfälle in Moabit, die sich aus ein paar unbedeutenden Zusanimenstößen, wie sie in aller Welt bei jedem Streik einmal vorkommen können, durch die Strategie der Mannen des Herrn v. Jagow zu größerem Umfang ent- wickelt hatten, in unehrlicher und tückischer Weise auszunützen, um den gegen den schwarzblauen Block rebellierenden Bürger in das Regierungslager zurückzuscheuchen. Herr v. Bethmann ist nicht davor zurückgeschreckt, n das schwebende Prozeß- verfahren einzugreifen und hat selbst den Schein der Un- abhängigkeit deS Gerichts nicht mehr gewahrt. Und getreu den Weisungen, die die Führer des schwarzblauen Blocks ihm erteilen, sucht er den Kampf der Sozialdemokratie um die Erringung der politischen Gleichberechtigung in Preußen, um die Schaffung demokratischer Garantien gegen das per- sönliche Regiment im Reiche, um den Fottschritt der Sozial- Politik damit abzuwehren, daß er neue Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterklasse ankündigt. So endet das Jahr, das mit dem Vorstoß der Sozial- demokratie gegen das festeste Bollwerk der Reaktion begonnen, mit dem Vorstoß der Reaktion gegen die wichtigsten Rechte der Arbeiterklasse, mit den Angriffen auf das Reichstagswahl- recht und die Koalitionsfreiheit. Aber in dieser Verschärfung des Kampfes liegt zugleich ein ungeheuerer Fortschritt. Die Gegner selbst haben das Kampffeld erweitert und nicht allein um die Frage des preußischen Wahlrechts allein, sondern um die Erringung der Demokratie im ganzen Reiche und in allen Bundesstaaten geht jetzt der Kampf. Und für diesen Kampf hat das Jahr 1919 uns auch die Kampfesformcn gezeigt. In diesen großen Entscheidungsschlachten genügt es nicht, wenn nur die Wottführer des Proletariats in den Parlamenten in Aktion treten. Die Massen selbst ntüssen zur Entscheidung mitwirken. Die parlamentattschcn Kämpfe ntüssen unterstützt und gefördert werden durch die großen Aktionen der Massen draußen. Freilich, nichts falscher als die Meinung, daß dadurch der Parlamentarismus an Bedeutung verliere. Ebensowenig wie die Bedeutung der Gewerkschaften sich vermindert, weil mit dem Wachsen der Arbeiter- und Unternehmerorgavisationer die wirtschaftlichen Känipfe über sich selbst hinauslvachsen uns tiefgreifende soziale und politische Wirkungen auslösen, die das Eingreifen der politischen Mächte erzwingen, ebensowenig verliert der ParlamentattömuS seine Bedeutung, weil die parlamentarischen Kämpfe nicht mehr auf daS Parlament be- schränkt bleiben können, sondern die Massen selbst zur Mit- Wirkung aufrufen. Auch in diesem Sinne»var daS Jahr 1919 für UNS ein Jahr der Vorbereitung. Das kommende Jahr ist das bedeutungsvolle Jahr der ReichstagSwahlett. Wir hoffen, daß uns reiche Ernte beschieden sein wird. Wir wissen aber auch, daß selbst ein großer Wahlsieg uns nicht mühelos die Ernte einbringen lassen wird. Große sozial- demokratische Siege haben noch stets die Gegner enger an- einander geschweißt, und wir sind nicht so töricht, uns Illusionen hinzugeben, als würde bei der Wabl allein der Kampf der Arbeiterklasse geführt werden. Aber je größer unser Sieg, desto schneller wird es zu neuen und bedentungs- volleren Känipfen desto schärfer rücken schen Neugesta Organisation d Ein gutes Kampß ein Stück vorwätts gel neue Jahr, und für Gesetz der Geschichte, n e esto klarer wird die Situation. n Probleme der deinokrati» 1 n d der sozialistischen l l s ch a f t in den Vordergrund. 1919 gewesen, und wir sind u neuen Kämpfen ruft das ue Kämpfe, so will es das gel Rrltninalbeainte an der Arbeit. Der Moabiter Prozeß ruft das Verhalten der Kriminalbeamten mtS Anlaß der Arbeitslosenversammlung im Jahre 1834 in Er innermig. Die nachstehende Schilderung beruht auf dem Prozeß� bericht jener Zeit. Am 18. Januar 1834 sollte in der Brauerei FriedrickiShain in Berlin eine Versammlung Arbeitsloser stattfinden. Der Einberufer der Versammlung, ein Anarchist Rodrian. erschien nicht. ES konnte, da die Anmeldebcscheinigung infolgedessen nicht vorlag, die Ver fammlung nicht staltfinden. DaS wurde den Versammelten von einem Versammlungsteilnehmer mit dem Ersuchen mitgeteilt, sich durch die auffällig zahlreich vor dem Lokale erschienene Schutzmann- schaff nicht provozieren zu lassen. Die Besucher der Versammlung verließen in Ruhe den Saal. Aus der Straße hieb die Polizei vielfach auf die Passanten ein. Neben uniformierten Beaniten waren als Arbeitslose verkleidete Kriminalbeamte m Tätigkeit. Sie schlugen in i t Gummiknüppeln auf die Passauten ein. Am 8. und S. Mai 1831 waren acht Rcdalteure vor der Strafkammer wegen an- eblicher Beleidigung der Polizei angeklagt. In dieser Verhandlung, : unter Vorsitz des nachher im Irrenhaus verstorbenen Land- gcrichtSdirektors Brauscwetter stattfand, gaben Polizeibeamte als Grund iür die auffällige Ansammlung von Polizisten vor dem Versammlungslokal an, es sei ihnen bekannt geworden, daß„die Anarchisten einen DcmonstrationSzug nach den Linden und dem königlichen Schloß planten". Das zu verhindern, habe sich die Polizei für verpflichtet gehalten. Von dem Plan wollte die Polizei durch einen Metalldreher Emil Brandt, der von ihr als Vigllmit bezahlt war, erfahren haben. In Wahrheit war ein solcher Zug uicht geplant. Die Einladungszettel zu der Arbeitslosenversammlung bezahlte eben dieser Brandt mit dem Sündengeld, da» er von der tRolizd erhalten hatte. Auf der Straße schritt die Polizei, ohne daß nach dem Zeugnis des Oberlcuwauts v. Egidy auch nur„ein Schatllcn von Veran- laffnng" dazu vorlag, gegen die ruhig ihres Weges durch die SchutzmannSketten Gehenden mit Fäusten und Säbeln ein. „Die feindselige Erregung der deutschen Soldaten in Frankreich", behauptete der Zeuge v. Egidy,„war nicht so groß wie die der Schntztente bei diesem Vorfalle." Aus den Aussagen einer Reihe von Zeugen ergab sich, daß eine Anzahl Krintinalbeamter ohne jeden Anlaß auf das Publikum mit Gummischläuchen loshieb. Die Aussage de» Kriminalkommissars Rviver zeigte auch, zu welchem Zweck die Kriminalbeamten unter die Menge gemischt waren: Die Kriminalbeamten waren als Arbeitslose ver- kleidet unter die Men«>e gemischt. Bewaffnet waren sie mit Gummi- knüppeln. Den Zweck dieser Unkcnntlichmachung der Bramtenqualität gab der Kommissar Ruwer dahin an:„ES sollte für das radau- luftige Publikum nicht sicher sein: ist das ein Geaoffr oder ist das ein Polizribeamter? ES sollte damit Unordnung in die Menge gebracht werden." Von diesen also der Erregung von Unsicherheit dienenden Elementen wurden nach desselben Kommissars Zeugnis acht zum Teil durch uniformierte Schutzleute und Kriwiiialbcamtc verwundet, weil sie nicht als Beamte kenntlich gemacht waren. Nach desselben Kommissars Zeugnis wurden, bevor es zu Eingriffen der Polizei kam, die Ausdrücke„Bluthunde, Acht- groschrnjungens" laut. Daß ein Zivilist hiesen Ruf ausgestoßen habe, behauptete selbst der Kommissar nicht. Die gesamte Sachlage ließ klar erkennen, daß allein ein von der Polizei bezahltes Elcmem diese Rufe gebraucht haben km nie,„um Unordnung in die Menge" zu bringen und der uniformierten Polizei einen Anlaß zum Einschreiten zu geben. Selbst die B r a u s e w etterkammer tadelte den Gebrauch nicht kenntlich gemachter Kriminalbeamter, lobte aber daS sonstige Ver- halten der Polizei und erkannte auf exorbitant hohe Strafen. Geld- strafen von ISO. 800 und 500 M. erhielten drei. Gefängnisstrafen von zwei bis fünf Monaten die anderen fünf angeklagten Redakteure. Die höchste Strafe von fünf Monaten erhielt der damals verantwortliche Redakteur des„Vorwärts". Die Revision gegen daS ungeheuerliche Urteil wurde vom Reichsgericht verworfen, wiewohl bei dem Vor- sitzenden Brausewetter bereits damals bei Leitung der Verhandlung klar« Anzeichen von Geistesgestörtheit zutage getreten waren. Frei- lich waren sie nicht protokolliert worden und existierten deshalb nach der Strafprozeßordnung für das Reichsgericht nicht. Die Kriminalpolizei mit Gummiknüppeln waltet— hier und da durch Hiebe ihrer Kollegen etivaS gemildert— weiter, wie der Moabiter Prozeß eS unzweideutig erwiesen hat. Wann endlich werden derartige Beunruhigimgen des Publikums durch mit Gummi- knüppeln beiväffnete Kriminalbeamte, deren Walten notwendig Un- ruhen hervorrufen mutz, unter Anklage gestellt werden? Sa; Sehnen nach der Rückendeckung. Auf der letzten Generalversammlung beS Augustiner- Vereins, der Organisation der Zentrumsprcsse, haben die Erörterungen sich vorzugsweise um die Taktik bei den de- vorstehenden Wahlen gedreht. Da daS Zentrum keine demokratische Organisation hat, in der die Mitglieder de- schließen, da es' keine Parteitage, sondern nur Paraden— die Katholikentage— hat. so fällt den Führern allein die Entscheidung über die Haltung der Partei zu und die Be- schlüsse der Zeitungsleiter sind daher in dieser Partei von besonderer Bedeutung. Im wesentlichen sind die Herren Zentrumsredaktenre und Verleger natürlich einig über die Weise, wie dex Wahlkainpf geführt werden soll. Vor allem wünschen sie Einigkeit in den eigenen Reihen— der Streit zwischen der Richtung Köln und der Richtimg Berlin soll wenigstens bis zu den Wahlen begraben sein. Einig sind die Herren auch in der Stellung zur Rechten— die kräftigste Unterstützung der Junker wird ihnen ja durch die Folgen ihres Volksverrats gebieterisch auf- gedrängt. Es gibt unter ihnen, in der Stellung zu den Mationalliberalen verschiedene Nuancen. Der ob des badischen Großblocks erbitterte Führer des badischen Zentrums, der Geistliche Rat Wacker, will dem Nationalliberalismus keinen Pardon gegeben wissen— nachdem durch das Zusammenwirken der Nationalliberalen und der Sozialdemokraten die Hoffnung des Zentrums auf die Herrschaft in Baden zu Wasser geworden ist, gilt es rücksichtslosen Kampf gegen beide Parteien. Ohne Besinnen muß das Zentrum, überall wo es nicht selbst durchdringen kann, für den Kandidaten der schwär- zesten Reaktion stimmen. Die Wahl konservativer Leute dient denselben Zwecken wie die von Zentrumsabgeordneten, sie ist, wie Herr Wacker sagt,„ebenso Urichrtfl".. Und deshalb sollen sich die Zentrumswähler nicht von der Rechten ihnen nicht re ein wenig zu volksfeindlich er' über solche kleine Gebrechen, gleiche Wahlrecht und dergl., h! »ackcr:... ... Leichten HerzewS sonst unangenehm! sttchen, wenn die Herren ibnen vielleicht doch ie sollen nachsichtig Feindschaft gegen das Wörtlich sagte Herr en wir über manche Sage.wegsehen. Wir müssen die Konservativen nehmen, wie sie als Konservative sind, nicht, wie wir sie gern baden möcvten, und müssen diese Stellung mit weitgehender Weitherzigkeit beurteilen." Also, um des großen Zweckes einer konservativ-klerikalen Mehrheit willen, müssen die Zentrumswähler bereit sein, die ärgsten Reaktionäre unbesehen zu wählen. Viel Ueberwindung wird ihnen das allerdings nicht mehr kosten, nachdem daSZcntrum feinen reaktionären Charakter immer mehr herauskehrt. Uebrigens ist Herr Wacker doch nicht unerbittlich gegen den NationalliberaliSinus. Er ist bereit, mit ihm zu paktieren, sofern der Nationalliberalismus— nicht liberal ist, so- fern er die Großblockidee verwirft. Und so kommt Herr Wacker auch mit dem Dr. BraunS von der München- Gladbacher Zentrale zusammen, der den National- liberalismuS des Westens, den NaticmlliberaliSmuS, in dem die Großindustrie den Ton angibt, als einen solchen von jeder Spur Liberalismus chemisch gereinigten LtberaliS- mitä präsentierte. Mit ihm will er paktieren— gegen die Sozialdemokratie natürlich. Die Angst vor der Sozialdemokratie ist die Eiklärung dafür, daß das Zentrum des Westens die Partei der Großindiisiriellen, die zu seinen Anschauungen im schroffsten Gegensatz steht, zu -einem Bundesgenossen machen möchte. Die Angst vor der Kraft der Arbeiterbeivegung ist'S, die daS Zentrum geneigt macht, selbst über die allerdings ziemlich schwächlichen kultur- kämpferischen Neigungen dieses Nationalliberalismus hinweg- zusehen. Und zu der Angst vor der Sozialdemokratie kommt hinzu— zum Teil fällt sie mit ihr zusammen— die Angst vor der abstoßenden Wirkung der schwarzblauen Politik im Volke, die Erkenntnis, daß die Junker nur noch wenig hinter sich haben, daß sich mit diesen halbbankrotten Ver- bündeten nicht mehr viel anfangen laßt— das heißt bei den Wahlen. Deshalb das heiße Sehnen des Zenttums nach Rückendeckung von natlonallibcraler Seite— dann wäre doch der Liberalismus in der Aus- schlachtung der schwarzblauen Sünden behindert, dann könnte er nicht mehr so ungeniert wie bislang an die schwächste und empsuolichste Stelle der Zentrnmöpolittk rühren, die Reichs- finalere form. Mit den Junkern allein als Verbündeten, so sürchten die Klerikalen, werden sie bei den Wahlen keine Mehr- heit zusammen bekommen, denn sie wissen ganz gut, wie un- beliebt die Konservativen im Lande sind, wie wenig Rückhalt sie noch ini Volke haben,— der rechte Flügel des National- liberalismus will deshalb die Lücke füllen. Herr Brauns ent- wickelte diesen gescheiten Gedanken wie folgt: „Daß die konservativen Parteigruppen mit dem Zeutrrnn zu der rechtsstehenden Mehrheit gehören, ist s e l b st p e r st ä n d l i ch. Fraglich ist nur, ob diese Gruppen schon allein als Mehrheit genügen, diese Frage kann nicht ohne weitere» bejaht werden Die Konservativen haben Sitze im Osten und sind von dem die wirtschaftliche und politische Entwickelung vornehmlich tragenden Weste» und Süden Deutschlands durch große Länderstriche, durch das dazwischen liegende Herrschaftsgebiet der Sozialdemolratie und andere» geschieden. In ihren sozialen Anschauungen sind viele Konservativen hinter uns gewaltig zurück geblieben. Ferner sind die Konservativen keine Volkspartei i». unserem Sinne, sie hoben aus dem Lande wenig geschulte Wählermassen hinter sich. Sie haben nicht die nötigen Mittel, die entsprechende Ansklärungsarbeit zu treiben o �_ ü w gelegt zu werden. �... Der Jahresbericht für 191(1 konstatiert mit großer Be-...»chnetoerbetgung in Wien friedigung eine„stetig zunehmende Besserung der gesamten üt richtig zu stelle», datz die eine vor deren Gebäude eS zu wirtschaftlichen Verhältnisse". An diesem Segen hat auch die-°"waiionen� kam. mchTwter heißt, sondern �die als Schiffahrt starken Anteil „Besonders in der letzten Zeit hat sich im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ein starker Be- darf an Schiffsräumen entwickelt, und zwar nicht nur im ausgehenden, sondern auch im eingehenden Verkehr." Die Kapitalisten zu Wasser und zu Lande wollen aber ungestört ihren Rebbach machen. Und so klagt der Bericht über die Schädigung einiger Geschäftszweige durch Arbeits- einstellungen. Insbesondere der Bauarbeiter- und der Werftarbeiterstreik haben schwere Schädigungen materieller Art gebracht. Vor allem hat sich aber bei Lohndifferenzen im Inland? wie im Auslande von iwuem gezeigt, daß bei solchen wirtschaftlichen Kämpfen immer mehr der Terrorismus der Mafien eine Nolle spielt. So. wohl die dauernd in die Höhe getriebenen Löhne bn verkürzter Arbeitszeit, als das Streben nach stärkerem Einfluß der Arbeit- nchmcr auf den Produktionsprozeß, insbesondere alnr die Rücksichtslosigkeit, mit der arbeitswillige Elemente unter die Macht der Ausständig m und ihre Führer gezwungen werden, müfien zu den schwersten Bciorgnifien für die Weiterentwickelung unserer industriellen und Verkzhrsvcrhältnifie Veranlassung geben. Eine baldige Verschärfung der Strasbcstimmungen zum Schutze der Arbeitswilligen und ihrer persönlichen Freiheit sowie eine Ab- kürzung des Strafverfahrens gegen alle Störer der öffentlichen Ordnung erscheinen dringend geboten; es bedarf hierfür keiner Ausnahmegesetze, wenn nur eine dementsprechende Revision der allgemeinen Strafgesetze nicht länger hinausgeschoben wird." Vielleicht wird auch dieser schöne Erguß edler Scharf- macherseelen den Herren Richtern zur Kenntnis gebracht, damit diese sich vorläufig mit den bestehenden Strafbestim- mungen„behelfen". Einige der unabhängigen Richter der Republik„Mammonia" haben in letzter Zeit Streikurteile gefällt, die so scharf ausgefallen sind, daß selbst die bürger- liche Presse schüchterne Einwände erhob. Aber trotzdem scheinen die Strafen den Intentionen der Dividendenschlucker und deren Soldschreiber nicht zu entsprechen. Deutfchea Reich. Gute F ortschritte in der Arbeiterinnenorgantsation macht der Buchbinder-Verband. Unter den 3786 Mitgliedern, um die der Buchbinder- Verband in drei Quartalen dieses Jahres zu- nahm, sind 1676 männliche und 2716 weibliche. Mit 12 638 weih- lichen Mitgliedern umfaßt der Verband nahezu die Hälfte seiner Mitglieder überhaupt. In absehbarer Zeit wird die weibliche Mi« gliederzahl die der männlichen überflügeln. Rund 28 666 männliche und 17 666 weibliche Berufsangehörige der verschiedenen dem Ber« bände zugehörenden Gewerbe find noch zu organisieren. Schwarze Listen. Der„Arbeitgeberverband Deutscher Papier- und Zellstoff Fabrikanten" versendet unter dem 16. Dezember durch seinen Ge� schäftsführer Ditges ein Rundschreiben, in dem es heißt: „Im Anschluß an das Rundschreiben Nr. 13 vom 14. d. M. betr. Ausbruch eines Streiks bei der Firma Carl P. Fues in Hanau, beehre ich mich. Ihnen eine Liste der in den Ausstand getretenen Arbeiter zu übersenden, die Sie bis auf weiteres nicht einstellen wollen." Das„Verzeichnis der bei der Firma Carl P. F u e S, Hanau, im Ausstand befindlichen Arbeiter" umfaßt, alphabetisch geordnet, 49 Mann von Papierarbeitern, Schlossern, Schmieden, Heizern usw. Wieder ein halbes Hundert, das dem Hunger überantwortet werden soll. Die„besonders nützlichen" Elemente. Am zweiten Feiertage wurde von Arbeitswilligen der Nord- dentschen Automobilwerke zu Hameln, in nächster Nähe der Fabrik, ein Straßenraub an einem auf dem Wege zu seiner Wohnung befindlichen Mädchen verübt. Der Räuber hatte eS jedenfalls auf ein unsittliches Attentat abgesehen. Als er jedoch merkte, daß daS Mädchen ein Portemonnaie in der Tasche hatte, entriß er ihm dieses mit solcher Gewalt, daß die Tasche aus dem Kleide gerifien wurde. Ein auf die Hilferufe herbeieilender Herr machte den Nachtwächter dcS genannten Werkes auf den Borfall unfinerksam, da die Räuber ans dem Grundstück der Fabrik verschwunden waren. Als der Herr sich entfernte, wurde er von vier aus der Fabrik kommenden Personen verfolgt und mit Revolvern b e s ch o s s e n 1 1 Bekanntlich befinden sich die Arbeiter der Norddeutschen Auto« mobilwcrke seit vier Wochen im Streik. Die Arbeitswilligen, welche durch die Streikbrecheragenten K n o t h- Hamburg und dem Gelbe» Katzmareck- Berlin angeworben sind, sind in den Räumen der Fabrik untergebracht und sämtlich mit Revolvern ausgerüstet. Die Kolonne Katzmareck und dieser selbst hm sich besonder? mit dieser Waffe hervor. Die Polizei ist genügend über die Vorfälle, informiert; eS sind ja dieselben Elemente, die unter ihrem Schutze dem Betriebe überführt waren. Hoffentlich tun sie daS Nötige, um Leben und Sicherheit zu schütze». worden, 5 Sprengel wurde; neugebildet. Bei den 16 am 17. September gesiegt«! „Christlichen" in 8, die Polett 36. Dezember brachten sah waren, wie bereits gef des Bergarbeiteroerbandcsi und 6 Siege für die P>' Berantw. Redakt.: Richard chrisilich dekannte belgiilve Firma Gd e r§ ist. Ueber die Zustände in der Wiener Konfektion gab eiiiam zweiten Feiertag in der Volkshalle des Ralbolises abgeb»i,e Maffenversammlnug der S t ü ck m e i st e r folgende Aiiiklär�en: Es existiert gar kein Lohntarif. Die durch die Teuerung,, ihrer Widerstandskraft ge- schwächten Stückmeister werden g, willkürlich cuilohiit. Die Ronfeklionäre ha.ben die Forderun„ach Lohnerhöhung zurück- gew-eien. Der Stnckmeisterverban kann den Kanipf lange führen, er hat einen tüchiigen Fds angesammelt. Sechzehn bis achtzehn Sniiiden täglicher bell bringen den Stuck- meistern Verdienste von 28 Kronen(n,„jchl 24 Mark) wöchentlich, dazu noch olle möglichen Schikane» im Liesern und fast schon gewohnheitsmäßigen Belänigungen iHrFralienl Die große Finna Rothberger Hai bereits einen vierjähri,, Tarif abgeichlossen, aber die weitaus überwiegende Mehrheit detoy Platz- und 36 Engros- konsektionäre verhält sich völlig ablehn». Die Berufskollegen in den mährischen Schwitzbuden von iPfcnitz und Boslowitz. wo die Arbeiter acht Kronen Wochelohn„verdienen", haben sich solidarisch erklärt. Der Streik soll, 1. Januar beginnen. Neue Kämpfe in Sweden. Das Jahr 1916 ist für die schwebten Gewerkschaften ohne große offene Kämpfe verlaufen. Rai der gewaltigen Kraft- anstrengung in den Massenaussperrunge und dem Generalstreik von 1669 fühlten sich weder die Arbeitgex„och die Arbeiter ver- anlaßt, von neuem zum Angriff Überzügen. Ganz so ruhig wird das neue Jahr nun jedenfalls nicht ve,ufen. Es ist zunächst wieder einmal die große Schwedische Aeitgebervereinigung, die den ersten Kampf im neuen Jahr erösfn. Die allgemeine Aus- sperrnng in der Schuhindustrie Schwedenchie mit dem 2. Januar ins Werk gesetzt wird, ist dieser Untern merorganisation zuzu- schreiben, der seit Mitte des verflossenen Ihres alle organisierten Schuhsabrikanten des Landes angehören, ei den Verhandlungen, auf die die Arbeitgeber sich offenbar nur um Schein eingelafien, war die Schwedische Arbeitgebervereinig») durch ihren zweiten Direktor Falkenström vertreten. Dieser behiptet nun nachträglich, der staatsangestellte Vermittelungsbeamte, er die Verhandlungen leitete, sei zu einem großen Teil mitschulg daran, daß es zum Kampf kommt. Tatsächlich hat sich der i�mte in den meisten Punkten auf die Seite der Unternehmer gesllt, nur daß er für die vorgesehene fünfjährige Tarifvertragsdan, eine Lohnerhöhung von ganzen 2 Oeren vorschlug, was die Aixitgeber rundweg ab- lehnten. Von dem nun entbrannten Kampf drden auch die Gerbe- reien und Lederfabriken stark in Mitleidischast gezogen und mancher kleine Unternehmer dieser Branche sird vielleicht bei der Aussperrung zugrunde gehen, während die rbeiter der Arbeits- losigkeit preisgegeben werden. Die Schweische Arbeitgeberver- einigung entwickelt eine besondere Tüchtijeit darin, gewisse Unternehmungen zugrunde zu richten. So bestqd noch vor wenigen Jahren in Göteborg ein starker Export von Svchihölzern für den englischen Bergbau, die sogenannte Pitpropsinustrie, bis auf Be- treiben der Arbeitjjebervereinignng die Unternemer dieser Branche ihre Arbeiter in einen langwierigen Kampf drngten, so daß bald der ganze Export stockte und die englischen �nden sich andere Lieferanten suchten. Ein weit größerer Kampf als in der Schulndustrie steht im schwedischen Baugewerbe bevor. Hier ist es der Zentrale Ärbeitgeberverband, der sämtliche Ortstarife in ,en verschiedenen Bauberufen zum 1. April gekündigt hat. DaS Uwrnehmertnm be- absichtigt. teils die Arbeitszeit zu verlängern, teils die Löhne herabzusetzen oder andere Verschlechterungen der Lohn« und Arbeitsverhältnisse durchzuführen. Es ist eine bejebte Redensart des schwedischen Unternehmertums, daß in AmerU viel intensiver gearbeitet werde als in Schweden, ja daß der schiedische Arbeiter im Vergleich zum amerikanischen gewissermaßen fal sei. Um das für das Baugewerbe zu beweisen, hatten die Unt°nehmer zwecks Untersuchung der Verhältnisse diesen Sommer ext>> einen Mann nach Amerika geschickt, allerdings keinen Fachmann.sondern einen Pastor, der in der Regel als Kontorist bei der Untenehmerorgani- sation tätig ist. Dieser hat ihnen dann auch die ewünschte Aufklärung mit nach Hause gebracht, daß die amerkanische Bau- arbeiterschaft weit leistungsfähiger sei als die schwdische. Aber es sind genug schwedische Bauarbeiter in Amerika ätig, die die Verhältnisse besser zu beurteilen wissen, als der Theooge, der mitgeteilt hatte, daß der amerikanische Maurer durchscinittlich 3666 Ziegel pro Tag verarbeitete, während man es in Schreden kaum auf die Hälfte brächte. Die Ursache davon ist, daß inAmerika die technischen Verhältnisse, unter denen gearbeitet wird, weit bessere sind als in Schweden, die Arbeit viel besser geleitet und einge- teilt wird und auch die Ziegel weit handlicher und leicher sind als die schwedischen. Zudem sind die Löhne weit höher u,d die Ar- beitszeit beträgt höchstens 8 Stunden den Tag. Wem also die schwedische Bauarbeiterschaft weniger Arbeit leistet, so liegt das nicht an ihr, sondern vor allem an der Leitung und an dem Ma- terial, womit gearbeitet wird. Die schwedischen Bauun�rnehmer könnten von ihren amerikanischen Kollegen lernen, daß»an nicht durch grenzenlose Lohndrückerei und Verlängerung der Atbeitszeit den Profit steigern soll, sondern durch Auswenoung vo» etwas mehr Intelligenz und praktischer Tüchtigkeit in der Arbeitzleitung. Wenn sie zum Frühjahr die zirka 56 666 Arbeiter des Baugewerbes in den Kampf treiben, so wird ihnen das jedenfalls mehr Nachteil als Vorteil bringen. Allgemeiner Kampf im Buchgewerbe Finnlands. Die Buchbindereibeiitzer Finnlands haben beschlossen, vom 1. Jannar ab eine allgemeine Aussperrung zu veranstalten. Der alte Tarifvertrag, den sie bereits Mitte des Jabres kündigten, ist mit diesem Datum abgelaufen. Für einen neue» Tarifvertrag waren .. die Arbeitgeber nicht zu gewinnen, da sie erklärten, daß sie erst ab» tig erklärten Wahlen hatten warten müßten, zu welchem Ergebnis die Tarisverhandlungen im �«rgarbeiterverband in 6, die Bnchdruckgewerbe führten. Nachdem das Ergebnis dieser VerHand- MMprengeln.— Die Wahlen am lungen ein allgemeiner Lohnkamps ist, wollen auch die Arbeilgeber �Wesultat: Bis abends 16 Uhr' des Buchbindergewerbeö nichts mehr von einer friedlichen Ber- ldet, bekannt: 12 Siege � einbarung wissen. Die Buchbinder Finnlands sind auf den Kampf EMiege für die Christlichen � vorbereitet, so daß es den Unternehmern auch in diesem Gewerbe i 2 Sprengel» waren die' schwerlich gelingen wird, ihren Willen durchzusetzen._ rlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt' Knappschaftswahlsiege des Bergarbeiterverbandes. Am 36. Dezember fanden in 24 Sprengeln des RuhrgebieteS Neuwahlen der Knappschaftsältesten statt; in 19 Sprengeln war die Wahl vom 17. September wegen Wahlvcrstöße für ungültig erklärt Aus Äer frauenve�egung. Unsere Ncnjahrsforderung. Wie zu Weihnachten, kultiviert der größte Teil ber bürgerlichen Presse auch zum Jahreswechsel rührsame, süßlich sentimentale Moral- geschichten. Glück, Wohlergehen„wünscht" man den Braven nach ihrem Sinne bündelweise. Gerade, als wenn die Kraft der Wünsche den Glücklichen die Sachen in den Schoß würfe, wie ein Windstoß reife Aepfel vom Baume auf den Rasenteppich kollern läßt. All das Salbadern aus dem Gemulsbotiich ist nur daraus be- rechnet, das Volk in dem frommen Kinderglauben von der Gerechng« keil alles Geschehens, als den Ansflnß eines gerechten höheren Willens, dem niemand sick> entziehen könne, zu stärken. Der große „Lümmel" soll glauben, nur Servilismus und Sklavengefühl vor den gemachten himmlischen und irdischen Anloriiälen sicherten eine freudvolle, behagliche Existenz. Armut, Not, soziales Mißgeschick, Verfolgung durch die Staatsmacht, soll man als gerechte Strafe für mangelnde Anbetung der goitgewolllen— Plnnderordnung betrachten. Auf solche Gefühlswirkung ist die gesamte Presse vom Schlage der Scherlicheu Lokal-, Seuche" eingestellt. Der Gefühls- quark, die Sentimentalitätssnppen stzllen die große Masse der Eni« crdlen indifferent erhalten und zur Passivilät erziehen. Mit solchen Mittelcbcn will man dieKampiesenergie des Proletariats schwächen. Be» sonders das weibliche Geschlecht ist das Objekt dergleickicn Spekulationen. Man weiß, die am meisten Entrechteten, die Hilf- losesten ergeben sich am ehesten der trügerischen Hoffnung, durch Wohlverhaltcn des verheißenen Glucks tcilhaflig zu werden. In Wirklichkeit machen sie es den Ausbeutern, den Unterdrückern nur leicht, den Grad der Ausbeulung und Unterdrückung zu verschäisen. den Zustond der Klasienherrichaft zu verlängern. Darum hassen wir die verlogene Senrimeotalität, das Scblafpulver für das Volk und darum fordern wir: Fort mit dem Plunder I Augen auf! Die Proletarierinnen müssen erkennen, daß nicht stille Resignation, nicht das närrische Hoffen auf eine andere Macht, die bald daS Füllhorn des Glückes ausgießen werde, die gehegten Wünsche verwirklicht. Die Frau, sie, gerade sie, die doppelt Gebundene, die doppelt an Leib und Seele Mißhandelte. soll endlich zu der Einsicht kommen, daß sie die Erlösung auS den vielfachen Sklavenketten erkämpfen muß. Ja, die Hausfrau, die Mutter, die jetzt nicht zuin Kamps sich auf- rafft, zum Kampf gegen die feindlichen Gewalten, die ihr mit sentimentalem Brei Verstand und Veranlwortlichkeitsgefühl ver» kleistern wolle», sie handelt verbrecherisch gegen sich selbst und ihre Angehörigen. Drohender denn je erhebt die Reakiion ihr Haupt! Das Scharfmacverlum hat jeglichem Arbeilerinnenschutz den Krieg erklärt. Die gesamte Ausbeulersippe ist sich einig in dem Wollen, der Frau, die alle Staalsbiirgcrpflichtcn ungemildert zu tragen hat, die staatsbürgerlichen Rechte auch in der Zukunft unbedingt vor» zuenthallen. Deshalb kann und darf die Frau nicht tatenlos zu- schauen, nicht an billigen, erlogenen Wünschen sich berauschen, sie muß einrücken in die Schar des kämpfenden Proletariats. Vor allem soll sie die tückische bürgerliche Presse, die ihr Interesse bewußt ver- rät, zum Hause hinauswerfen. Das ist unsere Neujahrsfordernng t Fort mit der Schwindelpresse, hinein in die Organisarion! letzte JVachrtchtcn« Sieben Jahre Gefängnis für Tnrand. Paris, 31. Dezember.(„Preß- Tel.".) Präsident Falliöres empfing heute nachmittag den Verteidiger Durands, Maitre Coty. Im Verlauf der Unterredung gab der Präsident dem Anwalt seine Entscheidung im Falle Durand kund. Das Todesurteil des Gerichtshofes von Ronen ist in siebenjährige Gefängnisstrafe umgewandelt worden. Nachklänge zum französischen Eisenbahnerstreik. Paris, 31. Dezember.(W. T. B.) Gegen den Leiter und drei Redakteure der Zeitung„La Guerre soziale" ist wegen Aufreizung von Militärpersonen zum Ungehorsam während des Eisenbahner- streiks das gerichtliche Verfahren eingeleitet worden. Das neue österreichische Kabinett. Wien, 81. Dezember.(W. T. B.) Das neue Ministerium wird ein definitives sein und ein Mittelding zwischen einem parlamen- tarischen und einem Beamtenministerium bilden. Da» neue Kabinett wird zwischen dem 8. und 16. Januar gebildet werden. Von den alten Ministern bleiben der Juslizminister Dr. V. Höchen- burger, Graf Stürgkh, dieser gibt aber das Unterrichtsportefeuille ab und dürfte Minister des Innern werden, ferner der Landes- Verteidigungsminister und der Handelsminister. Für daS Finanz- Portefeuille werden genannt der Oberlandmarschall von Böhmen Dr. v. Urban bezw. der Direktor der Postsparkasse Dr. v. Schuster. Deutscher Landmannsminister soll der Abgeordnete Rafael Pacher werden., Unruhen in Taranto. Tarent, 31. Dezember.(W. T. B.) Infolge der feindseligen Haltung der Bevölkerung gegenüber den behördlichen Borbeu- gungsmahnahmen gegen die Cholera kam es heute zu Ruhe- störungen. Die Manifestanten versuchten in die Kaserne der Karabiniere einzudringen und bewarfen die Polizei, die sie zurück- drängen wollte, mit Steinen. Die Beamten gaben mehrere Revolverschüsse ab. worauf die Menge unter Zurücklassung von drei Toten sich zerstreute. Eine reaktionäre Drohung. Konstgntinopel, 31. Dezember.(W. T. B.) Bei der VerHand- lung über einen Antrag der Opposition, wegen der Verhaftung von Abgeordneten eine parlamentarische Untersuchung einzuleiten, erklärte der Großwesir, das Kabinett würde im Falle der Annahme des Antrages seine Konsequenzen ziehen. Ter Antrag wurde darauf mit 66 gegen 73 Stimmen abgelehnt. die Teilung anderer Sprengel Ueberfall auf rin türkisches Wachhaus. Saloniki, 31. Dezember.(W. T. B.) Vier Bulgaren schlichen sich an das türkische WachhauS von O S m a n i e heran und erschossen den Wachposten. Als die übrigen Soldaten herbei- eilten, ergriffen die Bulgaren die Flucht, wobei zwei von ihnen getötet wurden. Die Bürgermeister, UlcmaS und Notabeln der türkische� Bevölkerung von Kotschana und Tkwisch richteten an die Kammer ein Telegramm, worin sie angesichts der Zunahme des bulgarischen Bandenunwesens um die Wicderanwcndung deS Bandengesetzes nnd Einführung der Kriegsgerichte bitten. Bergarbeiterlos. Blneficld(Westvirginia). 31. Dezember.(W. T. D.) In dem Kohlenbergwerk Red Jacket wurde durch einen ins Rollen gekommenen Wagen die Zimmerung beschädigt und dadurch ein Nachstürzen von etwa tausend Tonnen Kohle» ' verursacht. Acht Bergleute sind dabei getötet worden. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. 1. 28. Jahrgang. 1. ßfilnjc kä JotiüittD" ßftlintt WUisM Smuil«!!, 1. Zmmr 1911. Der belgische GewerhkbaMongreß. Brüssel, 27. Dezember.(Eig. Ber.) In den Weihnachlstagen hielt die Gewerkschaftskommission der Arbeiterpartei und der unabhängigen Gewerkschaften im..Volks- Haus" ihren 12. Kongreß ab. Anwesend waren außer dem Bureau der Kommission 203 Delegierte. Als Gast wohnte den Vcrhand� lungen dc>. Sekretär der C. G. T. I o u h a u t bei. Bor dem Eingehen in die Beratungen beschloß der Kongreß eine Resolution über den Fall Durand, die dem von der Klassenjustiz verurteilten französischen Gewerkschaftler die Sym- pathie und Solidarität des belgischen Proletariats ausspricht. Der Bericht des Sekretärs weist für das Jahr 1303 ein Sinken der Mitgliederzahl um etwa 8 P�oz. nach. Dieser Abfall verteilt sich hauptsächlich auf die Bauarbeiter, die Bergarbeiter des C e n t r e und die Textil- arbeiter von V e r v i e r s. Die Bergarbeiter sind von 3000 im Jahre 1907 auf 4700 heruntergegangen. In der Debatte schrieben manche Redner diesen Verlust der Zentralisation zu, andere er klärten, er sei nur scheinbar und darauf zurückzuführen, daß ehe dem die Organisationen die Beiträge en bloc, also auch für die Mitglieder abführten, die ihre Organisationspflichten nicht erfüllt hatten. Würde man alle eingeschriebenen Gewerkschafter zählen, käme man zu einer um 20 000 höheren Ziffer. Gezahlt haben die Beiträge 681513 Gewerkschaftsmitglieder. Sekretär Bae k er- klärte, daß die Zentralisation geradezu das Steigen der Mit- gliederzahl herbeiführe. Die ungünstige Statistik stamme aus dem Januar, heute würde sie viel günstiger lauten. Niemals sei das proletarische Bewußtsein energische und kraftvoller gewesen als jetzt.— Der Vertreter der Bergarbeiter des Centre verwies aus das Sinken der Löhne in seinem Bezirk. Auch hätte der Sport bei den Bergarbeitern in einer für das Gewerkschaftsleben schädlichen Weise überhandgenommen. Die Bilanz der Gewerkschaftskommission weist ein Defizit von 36,28 Frank aus. Ueber den WiderstandSfonbs für Streiks und Aussperrungen entspann sich eine lange Diskussion. Es lag ein Antrag vor, eine Jahressteuer von 60 Centimes für jedes Mitglied einzuführen. Dagegen wurde geltend gemacht, daß dieser Beitrag nicht viel er- geben könne und obendrein den Unternehmern eine geringe Mei- nung von der Werbekraft der Geiverkschaften einflößen würde. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Hauptfrage, die dem Kongreß vorlag, die Umwandlung der Berufs- in Jndustrieverbände, wurde nicht definitiv geregelt. Der Referent De Brouwere hatte sich für diese Umwandlung ausgesprochen. V o l k a e r t meinte, die Durchführung des Antrages würde die Zerstörung der bestehenden Organisationsfonnen zur Folge haben, ohne etwas Besseres an ihre Stelle zu setzen. Sollen die Holzarbeiter ihren schönen Verband zerreißen, die Metallarbeiter, die Gasarbeiter, Schlosser usw. aus ihren mächtigen Organisationen ausstoßen? Sicher wäre es gut, einige Fusionen vorzunehmen, aber genaue Prüfung im einzelnen ist nötig. Vermeiden wir die Jagd auf Mitglieder ebenso, wie wir die Konkurrenz der Genossenschaften verhütet haben!— De Bruyn erklärte in der Diskussion, der Antrag käme fünf Jahre zu früh. Im Prinzip seien alle einig, aber die Berufsverbände, die ein notwendiges Uebergangsstadium zur Zentralisation seien, seien noch nicht genug entwickelt. Die Frage wurde mit großer Mehrheit der Gewerkschaftskommission überwiesen. Die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages — und zwar von 10 auf 20 Centimes jährlich für jedes Mitglied — wurde vom Referenten Dries schart vertreten. Er erklärte, die Kommission könne bei dem heutigen Beitrag ihren Aufgaben nicht nachkommen. Die großen Organisationen leisten oft in Kampfzeiten keine ihren Einkünften entsprechend« Hilfe. Auch sei es nötig, den gelben Gewerkschaften, die, obgleich schwach, doch immerhin Cadres haben, entgegenzuarbeiten. Vernachlässigen wir nicht die Gewerkschaftsarbeit über der Politik! Wenn die Ent- Wickelung der Gewerkschaften es fordert, müssen wir 100 Sekre täre erhalten! GowerkschastSsekretät Bergmans sagt. DrieSschart habe unrecht, wenn er die Erhöhung der Beiträge auch zu dem Zweck fordere, daß die Gewerkschaftstommission häufiger Delegierte nach den Streikgebieten schicke. Die Aufgabe der Kommission liege vor allem in der Dokumentensammlung. Er habe dringende Arbeiten liegen lassen müssen, um Streikkonflikte zu lösen und Sammlungen zu organisieren. Man habe ihm einen Gehilfen bei- stellen müssen, so sehr sei er überlastet. Auch andere Redner be- klagen die Ueberlastung des Sekretärs. Es sei dringend nötig, die Mittel für eine Erweiterung des Sekretariats aufzubringen. — Der Kongreß beschloß einstimmig, die Angelegenheit der Gc- werkschaftskommission zur Organisierung eines Re- Dem Proletariat zum neuen Iakre I Noch breitet ihre dunklen Schwingen die Nacht auf alle Gassen aus; des Jabres erste Glocken klingen, ein Grüßen geht von Haus zu HauS I Versinken soll, was schwach und trübe, gesunden soll, was elend war— viel fromme Wünsche bringt die Liebe, viel frischen Mut die Hoffnung dar. Doch alle« Wünschen, alles Hoffen ist machtlos wider eure Not; der Zukunft Tore sieden offen: sie deckt den Tisch euch ohne Brot. Sie füllt mit Wermut euch den Becher und höhnt der Armut bittres Leid. das nach dem Rechte, nach dem Rächer, dem neuen Jahr enlgegenfchreit I DaS neue Jahr bringt keine Wende,— wenn i h r nicht selbst die Helfer seid; in euren Fäusten schläft das Ende. in«Mrm Hirn die neue Zeit! Erwacht aus dumpfen SehnsuchtSträumen, euch ruft der Tag. euch ruft die Tat— schon schwillt der Lenztrieb an den Bäumen, und unter Schneelast grünt die Saat l DaS neue Jahr bringt keine Wende, kein Ruf erreicht ein gnädig Ohr: auf Bruderrecht und Segenspende vertraut der hoffnungsfrohe Tor. Nur wer sich regt, dem wird es glücken, die Freiheit hat, wer sie sich schafft— erhebt das Haupt: aus euren Rücken tragt ihr die Welt! Ihr seid dieKraft! Klara Müller-Jahnke. .sGedichte', Verlag der Buchhandlung Vorwärts.) ferendums und zur eventuellen Durchführung der Beitrags- erhöhung vom 1. Juli 1911 an zuzuweisen. In der Frage der Arbeitsbörse» machten sich zwei Meinungen geftend. Das Referat Conradhs gipfelte in folgenden Leitsätzen: 1. Die Arbeitsbörsen sollen von den Gemeinden er- richtet werden. 2. Sie sollen durch einen zu gleichen Teilen aus Unter nehmern und Arbeitern gewählten Vorstand geleitet werden. 3. Sie sollen Arbeitsangebote nur von solchen Unternehmern annehmen, die den von den öffentlichen Gewalten festgesetzten Minimallohn zahlen und den Arbeitern die in der Region üblichen Arbeitsbedingungen gewähren. 4. Im Falle des Streiks oder der Aussperrung soll die Ar beitsbürse für die beteiligten Unternehmungen gesperrt werden. Die vom Staat und von den Provinzen bewilligten Sub- ventionen sollen nur solchen Börsen zugeteilt werden, die den vorgenannten Bedingungen entsprechen. Demgegenüber entwickelte Troclet die Argumente für nach- stehende Resolution: Der Kongreß erklärt, daß der anzustrebende Zweck die Vermittelung der Arbeit ausschließlich durch die Gewerkschaftsorganisationen ist. Die paritätischen Arbeitsbörsen sind nur als Ergänzung und als Uebergangseinrichtung unter folgenden Bedingungen zuzu- lassen: 1. Errichtung durch die Gemeinden. 2. Bestimmung der Arbeiterdelegierten auS- schließlich durch die Gewerkschaften.— Die weiteren Bedingungen sind die in der Resolution Conrady genannten. Bergmans möchte nicht, daß der Kongreß die Mitarbeit an den paritätischen Börsen von vornherein verwerfe. Die Genter haben mit ihnen gute Erfahrungen gemacht. Es kommt alles auf die Konstitution und die Zusammensetzung des Vorstandes an. In Gent verbürgen die Statuten, daß die Börse im Fall eines Kon- flikts keine Arbeit vermittelt. Unsere deutschen Genossen haben ehedem auch den paritätischen Arbeitsnachweis bekämpft und nehmen jetzt daran teil, eben zu seiner Kontrolle. Conrady zeigt die tatsächliche Situation. Es gibt jetzt 15 Arbeitsbörsen im Lande und sie sind mit einer oder zwei Aus- nahmen gegen die organisierten Arbeiter ge- richtet. Trotzdem haben die belgischen Börsen 1909 51 000 Ar- beitsangebote, 27 000 Nachftagen erhalten und 18 000 Stellen der- mittelt. Wenn wir darauf nicht acht haben, wird die ganze Ar- beitsvermitteluna uns aus den Händen genommen werden. Bei der Abstimmung wird einstimmig ein« Resolution ange- nommen, die das Bureau der Gewerkschaftskommission beauftragt, eine Umfrage über die Arbeitsvermittelung und die Arbeitsbörsen zu veranstalten und dem nächsten Kongreß Vorschläge über die «Errichtung und Organisation der Arbcitsbörsen vorzulegen. Angenommen wird ferner eine Resolution, die die Durch- setzung klarer Lohntarife und ihren Anschlag in den Arbeitsstätten sowie ihre Aushändigung an jeden Arbeiter fordert. — In weiterer Linie soll eine allgemeine Bewegung für einen Generaltarif hervorgerufen werden, der selbst wieder dem System des Tagelohnes weichen soll. Die Arbeitervertreter im Parlament werden aufgefordert, für die gesetzliche Anschlagspflicht einzutreten. Ueber die Heimarbeit referiert N e u ck e n S. Er legt eine Resolution vor, die folgendes fordert: A. Von den G ew er k scha ft en: eine organisatorische Propaganda bei den Heimarbeitern beiderlei Geschlechts. B. Von den Genossenschaften: das Studium der Abschaffung der Heimarbeit für die von ihnen erzeugten Pro- dukte. C. Von der Gewerkschaftskommission: die Gründung einer sozialen Kämpferliga. v. Von den A r be i t e r dep u t iert en: die Vorlage eines Gesetzes über die Reglementierung der Heim- arbeit, die Inspektion, die Hygiene, die Verantwortlichkeit des Unternehmers und die Minimallöhne. Ei. Von den Deputierten ferner den Antrag auf Auf- Hebung der Heimarbeit in den Berufen, die für die Arbeiter oder die Konsumenten gesundhcitsgcfährlich sind. E. Weiter: Den Kampf für den obligatorischen und ge- werblichen Unterricht. G. Von den kommunalen und provinzialen Vertretern sowie den Arbeitslosenkomitees: Dw Untersuchung der Ursachen der Arbeitslosigkeit in der Haus- industrie und die Enthüllung der systematischen Hervorrufung der Arbeitslosigkeit zum Schaden der Gewerkschaftskassen und der öffentlichen Arbcitslosenfonds. S o l a u und Vandersmissen beantragen eine Resolution, die aus der Erwägung heraus, daß sich die Heimarbeit jeder Kon- frieänck Milkelm iv. 50 Jahre nach seinem Tode(2. Januar). Am Tage der Verklärung, am 6. August 1854, beschrieb Friedrich Wilhelm lV. von Preußen ein Papier, auf dem er verzeichnete, wie er begraben sein wollte:„Mein Herz soll in ein Verhältnis- mäßig großes Herz aus märkischem Granit gelegt und am Eingang der Gruft im Mausoleum zu Charlottenburg(folglich zu den Füßen meiner königlichen Eltern) in den Fußboden eingemauert und von ihm bedeckt werden. Meine Ruhestätte soll die Friedens- kirche sein und zwar vor den Stufen, die zum heftigen Tisch führen. ... Der bezeichnete Raum in ganzer Breite... soll(aus meinen hinterlassenen Mitteln) einfach, aber harmonierend mit dem Boden um den heiligen Tisch— in Marmor— neu gepflastert werden. Gerade über meiner Ruhestätte soll ein Oblongum in weißem Marmor angebracht werden, auf welchem in Metall oben das Mono- gramm Christi, dann die Inschrift stehen soll: Hier ruht in Gott, seinem Heilande, in Hoffnung einer seligen Auferstehung und eines gnädigen Gerichtes, allein begründet auf das Verdienst Jesu Christi unseres allerheiligsten Erlösers und ewigen LebenS: weiland usw." In dieser Niederschrift zeichnet sich der ganze Stil des könig- lichen Wesens: die Verbindung einer schwülstigen christelnden Mystik, die aber in den Proklamationen der ersten Wochen nach j dem 18. März plötzlich verschwand, mit künstlerisch spielenden deko- rativem Aufwand; mitten in der frommen Verzückung drängender Todesgedanken, hat dieser königliche Geist Raum, die eigene Be- stattung höchst ausführlich zu reglementieren. Die Neigungen der Fürsten für Kunst und Wissenschaft entspringen nur einem unbe- friedigten Machtbedürfnis. Je weniger die Majestät Menschen und Dinge politisch zu beherrschen vermag, um so mehr freut sie die Herrschaft über den wehrlosen Marmor, über die gefügigen Maler, Professoren und Uniformschneider. Die Phantasie dekorativer Ein- fälle erlosch in diesem kranken Hirn niemals. Sie putzte seine wirren Reden, deren Genialität unmäßig bestaunt wurde, mit grellfarbigen Wendungen aus, die bisweilen fast geistreich schienen, immer sich dem Gedächtnis einprägten. Diese Neigung zu glitzern- dem Tand und farbigem Zeremoniell, die in so schroffem Wider- spruch mit der brünstig beteuerten Evangelieneinfachheit des Her- zens stand, bestimmte auch seine politischen Pläne. Das preußische Herrenhaus ist aus solchen romantischen Einfällen entstanden. Be- vor sich Friedrich Wilhelm 1847 entschloß, den vereinigten Landtag trolle entzieht und daß das Gesetz diese rückständige Produktions» form begünstigt, erklärt: Der Gewerkschaftskongreß erklärt sich als unerbittlicher Gegner der Heimarbeit und fordert die Arbeitcrvertreter auf, alle gesetzlichen Maßnahmen zu unterstützen, die auf das Vcr- ichwinden dieser Produktionsform binwirken. Er fordert desgleichen die Arbeiterorganisationen auf, dieses Ziel mit allen Mitteln zu fördern und namentlich bei ihren An- käufen die Unternehmer, welche Heimarbeiter ausbeuten, unberück- sichtigt zu lassen. In bezug auf den Unterricht und auf die Kontrolle der Ar- foeitslosigkeit wiederholt die Resolution die Forderungen des An- träges N e u ck e n s. Angenommen wird die Tagesordnung Solau-Vandersmissen. Sodann wird der Kongreß ge- schlössen._ Die CandesverticheniDssanttalt Berlin im Jahre 190Ü. Nach dem für das Jahr 1909 herausgegebenen Bericht der Anstalt wurden im Jahre 1909 einschließlich der 635 aus dem Vor- jähre unerledigt gebliebenen Sachen 7508 Anträge auf Invaliden- rente und 355(davon 28 aus dem Vorjahre unerledigt gebliebene Sachen) Anträge auf Altersrente gestellt. Die Jnvalidenanträge sind gegen das Vorjahr um ein Geringes gesunken. Das Jahr 1909 steht indessen dennoch an zweiter Stelle seit dem Jahre 1900. Der Vergleich der letzten 10 Jahre zeigt folgendes Bild: Es wurden Anträge auf Invalidenrente gestellt in den Jahren: 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909 3524 4596 5727 6363 6516 6580 6308 5845 7049 6873 Die Ursache für die hohe Ziffer der im Berichtsjahre gestellten Anträge wird nach dem Bericht darin erblickt, daß die allgemeine ungünstige wirtschaftliche Lage viele Versicherte mit ver- miuderter Arbeitskraft bei Mangel an Arbeitsgelegenheit ver- anlaßt, ihre Zuflucht(!?) zur Invalidenversicherung zu nehmen und einen Antrag auf Rente zu stellen. Diese Ursache hat auch in den ersten drei Vierteljahren 1909 noch angehakten. Nicht unwesentlich dürfte ferner für das Anschwellen der Anträge sein, daß diejenigen Rentenempfänger, denen in den Jahren 1906 bis 1908 infolge des neu eingeführten Kontrollsystems und der außer- terminlichen Kontrolle die Rente entzogen>var, die Anträge von neuem gestellt haben. Die Zahl der bewilligten Invalidenrenten in: Jahre 1909 ist gegen 1908 wiederum zurückgegangen. Prozentual indessen ist eine geringe Zunahme der Bewilligungen— nämlich 66,64 gegen 65 Proz.(1908)— zu verzeichnen. Das löst bei dem Berichterstatter einen SchmerzenSschrei aus, denn der Bericht sagt:„... mußten im Jahre 1909 mehr als 66M) Proz. der Anträge als begründet anerkannt werden. Die Bewilligungen der Invalidenrente in den letzten zehn Jahren zeigen folgendes Ergebnis: Bewilligt wurden in den Jahren:, 1900 1001 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909! 3398 3930 5134 5832 5778 5360 5084 4042 5110 5004: Dagegen wurden abgelehnt: 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909 246 275 390 541 692 947 1123 1467 1971 1820 Bei der Anstalt Berlin kommen auf 100 erledigte Renten- anträge 73 Festsetzungen und 27 Ablehnungen. Im Deutschen Reich dagegen kommen auf 100 erledigte Renten 76 Festsetzungen und nur 24 Ablehnungen. Es ist tief bedauerlich, daß eine Anstalt wie Berlin— die mit ihren Einrichtungen(Heilstätten, Sanatorien usw.) als muster- gültig bezeichnet werden kann— bei der Bewilligung der In- validenrenten noch unter dem Durchschnitt des Reiches zurückbleibt. Von den 1820 abgelehnten Invalidenrenten fallen allein 1343— 822 männliche und 521 weibliche— Ablehnungen auf noch nicht eingetretene Erwerbsunfähigkeit. Bei den Männern wurden 77,4 und bei den Weiblichen 68,8 Proz. wegen noch nicht vorhandener Erwerbsunfähigkeit abgewiesen. Auf 100 Renten- festsetzungen kommen bei den Männern 13 und bei den Frauen 42 Ablehnungen. Die Ursache wird darin gesehen, daß Personen, deren Ar- beitskraft nachzulassen beginnt, zumal bei zunehmendem Alter und wenn sie aus einem gar längere Zeit innegehabten Arbeits- Verhältnis ausscheiden, sich für berechtigt halten und bestrebt sind, eine Rente zu erlangen. Hier muß nach dem Bericht die strengste und genaueste Feststellung der tatsächlich vorhandenen Leiden und Gebrechen und ihre Einwirkung auf die Erwerbs- fähigkeit sowie der gesamten Arbeits- und sonstigen LebcnSverhält- niffc des Rentenbewerbers, seiner Ausbildung, seiner bisherigen Berufstätigkeit nach geprüft werden, ob er in der Tat nicht mehr imstande ist, den für ihn maßgebenden Mindestlohn auf dem gesamten für ihn in Betracht kommenden Arbeitsgebiet durch Lohnarbeit zu erwerben, wie denn immer wieder betont werden muß, daß die Invalidenversicherung /keine Versicherung gegen zusammenzurufen, entwarf er emsig theatralische Trachten für die Mitglieder der erlauchten Versammlung, und als der März- schrecken vorüber war, fand er für das erste Ordensfest der Konter- revolution keine sinnigere Huldigung als eine neue Verzierung deS roten Adlerordens mit zwei Schwertern. Er redete, er baute, er zeichnete, er führte Religionsgespräche, er umgab sich mit Hofnarren der Gelehrsamkeit, er versammelte Berühmtheiten um sich, um vor ihnen seinen Geist strahlen zu lassen, alles weil er trunken in Anbetung seiner selbst war. In diesem Rausch der Selbstber- götterung, so hat einmal Bettina v. Arnim ihren königlichen Ver- ehrer charakterisiert, stellte sich ihm das Unwahrste als wahr, das Unmögliche als wirklich dar. Zur Mehrung des eigenen Glanzes engagierte er schließlich Gott Vater selbst für die einzige be- sondere Mission, seine Wcltschöpferkraft in der Begnadung eines preußischen Königs zu konzentrieren. Heinrich v. Treitschke, die große Posaune der Hohenzollern, hat aus seiner Heldengalerie preußischer Fürsten Friedrich Wilhelm IV. ausgeschlossen. Er hat den letzten Band seiner deutschen Ge- schichte, der in den ersten Jahren des neuen Kurses unter Wil- beim II. entstanden ist, mit einem in pathetischer Bosheit breit hingepinselten Porträt Friedrich Wilhelms IV. eröffnet. Treitschke hatte mehr Sympathie für stumpfe Rohlinge wie den ersten und dritten Friedrich Wilhelm, als für die beweglichen und besessenen von der Art des vierten Friedrich Wilhelm. Er spricht von der gedunsenen Gestalt des König? mit den geistreichen aber schlaffen Gesichtszügen, er zürnt über seine üppige Hofhaltung, er spottet iiber seine Sucht, alle halb zertrümmerten Bauten der deutschen Vorfahren auferstehen zu lassen. Er gedenkt der schwärmerischen Freundschaften, die treulos endigten. Er kontrastriert sein Schwel- gen in Werken christlicher Barmherzigkeit mit seiner bis zur Grau- samkeit gesteigerten Verfolgungssucht. Er verschweigt nicht seine Freude an saftigen Eulenspiegeleien und Berliner Straßenwitzen. Die männliche Kraft des Leibes und der Seele sei diesem König versagt geblieben, und zuweilen hätten sich schon von Anfang an die Spuren einer schlechthin krankhaften Anlage erkennen lassen. Dennoch ist auch dieses Bild des tzohenzollernschen Leib- geschichtschreibers noch byzantinisch, in bewußter Unehrlichkeit ge- schmeichelt. Wenn Treitschke Friedrich Wilhelm IV. den größten aller geistreichen Dilettanten nennt, und ihn. ins Flackernd-Gcnia- tische zu stilisieren bemüht ist, so hat er solche geistige Vergrößerung vorgenommen, obwohl gerade er es besser wußte. Unlängst ist ein Brief des Berliner Historikers Nitzsch an W. Maurenbrccher veröffentlicht worden, in dem er seine Eindrücke von dem eben(1873) erschienenen« von Ranke herausgegebenen Mangel an ArbeitSgelegenlieit ist, und daß auch die bloße Berufs- invnliditiit noch nicht genügt, um einen Anspruch auf Invaliden, rente zu begründen. Dieses Echnüfselsystem gegen die Arbeiter und Arbeiterinnen wird für notwendig gehalten, weil die Zurückweisung„nn- berechtigter" Ansprüche im Interesse der Versicherungsanstalt so- Wohl wie der Versicherten liege. Sie soll um so notwendiger sein, als die„Erfahrung" lehre, dah die ohne zureichende» Grund bewilligten Renten in der Regel am längsten bezogen werden. Infolge diese?.Kontroll"syjteins sind denn auch im Berichts- fahr 816 Renten entzogen worden. Räch dein Berichterstatter ist aus denselben Gründen ebenso wichtig die Kontrolle der Rentenempfänger, die regelmäßige Be- obachiung ihrer Erwerbsverhältnisse, die Nachprüfung ihres Ge- snndheitszustandes, um entscheiden zu können. ob eine Verände- rung in ihren Verhältnissen, eine wesentliche Wendung zum Besseren eingetreten ist, die sie nicht mehr als erwerbsunfähig und damit nicht mehr als rentenberechtigt erscheinen läßt. Dieses Nachfchntiffel», Pardon„Kontrollshstem", bei den Versicherten, sagt der Bericht, führt denn auch nicht fette» zur Entziehung der Rente, zumal da selbst bei anscheinend unheilbaren schweren Leiden und in höherem Alter oft erstaunliche Bcriindernngcn zum Besseren beobachtet worden find. Diese„erstaunlichen" Ver- änderungen bestehen darin, daß der Jnvalidenrentner im Laufe der Jahre, in denen er Rente bezog, sich an seinen kranke» Zu- stand gewöhnt habe» soll. Diese„Gewöhnung" dient— auch wenn objektiv eingetretene Veränderungen nicht nachgewiesen werden können— dazu, dem armen Teufel die Rente zu entziehen. Denn jetzt— so heißt eö— könne er wieder das gesetzliche Drittel er- werben. Wenn er schließlich auch nicht als Portler, Wächter usw. Lohnarbeit verrichten kann, dann bleibt ihm indessen noch das weite Gebiet der Landwirtschaft. Hier ist das gesetzliche Drittel niedriger, da kann er durch leichte Gartenarbeit noch die Mindest- grenze erreichen. Das sind die„erstaunlichen Veränderungen". Solche Schnüffeleien stehen mit dem Zweck der öffcntlich-rccht- lichcn Fürsorge, zu der die Empfänger— also die Versicherten—, die Hälfte der Verträge aufbringen, in schroffstem Gegensatz. Wann wird diese skandalöse Art aushören? Zahlen denn die Arbeiter, um ein Heer von Schnüffelbeamten und-ärzten zu unterhalten, oder um eventuell selbst wenigstens eine schmale Rente zu erhalten? Das Kontrollshstem und der BureaukratismuS der Anstalt Berlin werden grell dadurch beleuchtet, daß die Anstalt rn 8L8 Fällen durch das Schiedsgericht verurteilt worden ist, den Antragstellern die Invalidenrente zu zahlen. Und dciZ nennt man„soziale Fürsorge". Euq der partei» Gemeindewahlerfolge. Einen schönen Sieg erfochten die Genossen bei der am Donners- tag stattyefundencn Gemeinderats-Ersatzwahl in Jen a. Der parteigcnössische Kandidat erhielt 1381 Stimmen, während sein Gegenkandidat, ein Hosfleischernieister, es nur auf 1833 Stimmen brachte. Der Sieg ist um so höher anzuschlagen, weil auf den bürgerlichen Kandidaten sich sämtliche Parteien und Vereine ge- einigt hatten. Auch der Fortschrittliche Volksverein Jena wollte dabei iein, um den Sozialdemokraten niederzuringen. Und trotzdem die gewaltige Niederlage der Gegner. Aus dem Herzogtum Gotha find noch folgende Erfolge mitzuteilen: In dem Orte Elgersburg ist zum ersten Male e i n Sozialdemokrat gewählt worden. In Gera gewann unsere Partei von vier zu besetzenden Mandaten zwei, davon eins neu, dadurch erhöht sich hier unsere Vertreterzahl auf drei. Die Wähler von Finsterbergeu wählten drei Sozialdemokraten und einem Bürgerlichen, bei sehr starker Wahlbeieiligung. In Hörsel- gau wurden alle drei Mandate der Sozialdemokratie übertragen. Ferner wurden in der Stadt Ruhla von fünf zur Eni- scheidung gestellten Mandaten vier Sozialdemokraten und ein Bürgerlicher gewählt. In Engelsbach wurden an Stelle der zwei ausscheidenden Gegner zwei Sozialdemokraten gewählt. In E l t e n h a u s ei n siegt» e i n Parteigenosse mit großer Mehrheit._ Die Entwickclung der bcutschösterreichischen Sozialdemokratie wird in einem soeben ausgegebenen Berichte der Parteivertretung für da? Jahr 1909/16 geschildert. Wir entnehmen dem ausführ- lichen Bericht folgende Daten über den Stand unserer Brudü- Briefwechsel Friedrich Wilhelms IV. mit Bunsen entsetzt schilderte: „Meine Frau und ich lesen jetzt Friedrich Wilhelms IV. Briefe. Treitschke meinte, die ersteren, von denen er selber drei komplette Jahrgänge hat, seien sehr kastriert. In Wirklichkeit sei der Ein- druck unendlich viel krankhafter und unheimlicher. Mir ist es doch rätselhaft, wie sich diese Masse ungesunder Religiosität und Romantik in dem einen Menschen hat ablagern können." Später äußert Nitzsch, ein bismärckisch gesinnter Historiker konservativer Richtung, nochmals sein„Grauen" vor dem Buch, mit dem Ranke dem von ihm einst würdelos umschmeichelten König eine tief- sinnige Huldigung zu bringen beabsichtigte. Sind diese Briefe an Bunsen, die unverkennbar pathologischen Urkunden eines aus den Fugen geratenen Hirns noch abgeschwächt, und wußte das Treitschke, so hat er sein, das unbestechlich strenge Urteil der Geschichte vor- spiegelnde Charakterbild des Königs bewußt gefälscht. Hier war kein edler und großer Geist zerstört. So sehr man geneigt sein möchte, den königlichen Unhold mit erblicherBelastung zu entschuldigen, so wenig läßt die tückische Niedrigkeit seiner Sinnesart eine ver- zeihende Stimmung aufkommen. Es ist kein versöhnender Zug in dem ganzen Menschen. Alles ist unwahr, feig, hinterhältig. Sein boshafter und verwirrter Eigensinn, den die feudale Kamarilla dennoch für ihr Zwecke zu leiten verstand, ward das Schicksal eines großen Staates, und seine„phantastische Arbeitsscheu", wie der intimste Freund des Königs, Leopold v. Gerlach, seine Betrieb- samkeit einmal nannte, regierte immerhin fast zwei Jahrzehnte absolutistisch die deutsche Vormacht. Schon der Knabe enthüllte das Wesen des späteren Königs. Selbst der höfisch dämpfende Bailleu schreibt in seinem Luisenbuch aus der Königsberger Jluchtzeit über den kronprinzlichen Knaben: „Es schien zuweilen, als ob ein böser Dämon ihn treibe, einem nach oem anderen auS seiner nächsten Umgebung zu kränken und zu verletzen; er neckte und quälte Geschwister und Cousinen, bis sich alle von ihm zurückzogen und sich weigerten, mit ihm zu spielen." Friedrich Wilhelm selbst hat gelegentlich von sich ge- schrieben, daß er ein häßlicher Knabe gewesen sei, der immer Ge- sichter schnitt. Wie er einst seine Umgebung quälte, so miß- handelte er als Herrscher daS ganze Land; und die Grimassen, die er als König schnitt, wurden zu Verordnungen und Gesetzen für den Staat. Friedrich Wilhelm IV. trat seine Regierung an, be- lastet mit der furchtbaren Erbschaft eines gebrochenen Königs- Wortes. Die Verfassung, die nach den, Versprechen Friedrich Wilhelms III. der Siegespreis für das blinde Volk sein sollte, das sein Fütstenhaus von dem französischen Cäsar befreit hatte, war sein Vater LS Jahre lang schuldig geblieben. Die überschweng- lichcn Hoffnungen, die dem Sohne entgegcnschlugen, als er nun endlich die dumpfe Gewaltherrschaft des verstorbenen Königs ab- löste, vereinigten sich in dem.inen Anspruch der endlichen Er- füllung jenes Versprechens. Schon die ersten Reden Friedrich Wilhelms IV. ließen in ihrem christlichen Schwulst und majestä- tischen Bombast keinen Zweifel darüber, daß es Friedrich Wilhelm IV. nicht einfiel, seine von Gott begnadete Alleinherr- schaft durch nn Verfassungspar er zu umwickeln. Als man ihm oas Versprechen seines Vate?«-' k all der geduldigen Untertänig- keit prcußis en Bürg nums ins allerhöchste Ohr zu rufen wagte, erklärte der König kühn, nicht ohne christliche Eidschwüre, daß das Versprechen mit der für das preußische� Volk gedeihlichen und not- wendigen Anpassung, schon von Friedrich Wilhelm III, eingelöst worden sei. Aber daS verscharrte KönigSwort reckte die Hand auS dem Grabe. Mit neuen Lügen ließ sich das Gespenst nicht bannen. Es gärte revolutionär. Nun entschloß sich Friedrich Wilhelm IV., Partei: Seit dem letzten Parteitag, der 1909 in ReichenBerg tagte, befindet sich die Partei in der orgauisatorischen Um« bildung von der„freien", losen oder Abonnentenorganifation, wie sie insbesondere in Riederösterreich und Wien bestand, zur Ver- einsorgauisation nach reicbsdeutscher Art. Diese Umbildung, die allerdings die Kräfte der Partei sehr stark in Anspruch genommen hat, ist nun fast vollendet; von den männlichen Parteimitgliedern sind 86 466 in den Vereinen �Sozialdemokratischer Berein", hier und da auch„Sozialdemokratischer Wahlverein") organisiert: 15 6W aber gehören immer noch der freien Organisation an. Mit den 12 198 politisch organisierten Frauen kommt man zu einer Ge- samt Mitglied schaft der Partei von 114316. Be: den ersten Reichsratswahlen unter dem gleichen Wahlrecht entfielen aus die deutschen sozialdemokratischen Kandrdaten gegen 550 060 Stimmen, so daß das Organisationsverhältnis 20 Proz. wäre. In Wirklichkeit dürste es noch etwas günstiger sein. Die absolut größte Organisation hat Deutschböhmen: 33 352(bei 169 000 Stiuimen), dann folgen Wien mit 28 381 Vereinsorganisierte» und weiteren 9000 Abnehmern der„Bolkstribünc", die bisher als Quittung des Parteibcitrages diente, Steiermark mit 14 033, Riederösterreich ohne Wien mit 10 921 usf. Die Frauen- organisation ist zumeist die von freien Frauensetiiouen, die im Frauenreichskomitee zusammengesaßt find; in einigen Ländern konnte man in den Statuten der den Frauen nach dem Bereins- gcsetz von 1862 noch verschlossenen politischen Vereine eine Beftim- mung durchsetzen, die ihnen die Mitgliedschaft als Förderer er- mögltcht. Von den 9098 Mitgliedern des Verbandes jugendlicher Arbeiter Oesterreichs ist der Großteil in Böhmen, wo auch die bürgerlichen Parteien am eifrigsten und mit reichlicher Jnanspruckpiahme von Fabrikanten-, aber auch von öffentlichen Geldern daran sind, die Arbeiterjugend durch die Bummelvereine der„Jungmannsckmften" für die gelbe, hier sich „natiolml" nennende Sache einzufangen. Der Partei zuzuzählen sind ferner 671 BildungS-, Sport-, Gesangs- und Gcsclligieitsver- eine mit 40 704 Mitgliedern. Hier herrschte vielfach bedauerliche Kräftezersplittehung. Die Versammlungstätigkeit ist zwar eine große, doch rügt der Parteibericht, daß zuviele interne, zu wenig öffentliche, agitatorisch wirksame und auch für diesen Zweck geeignet vorbereitete Versammlungen abgehalten werden. Ter monatliche Parteibeitrag schwankt zwischen 16 und 52 Heller; doch hebt die weitaus überwiegende, fast die Gesamtheit darstellende Zahl der Organisationen 20— 25 Heller monatlich ein: 17— 20 Pfennig«, also äußerst wenig. In den Ge, meindevertretungen haben unsere Genossen insgesamt etwa 1300 Vertreter. Bekannt ist die Rückständigkeit der Partei- presse trotz ihrer inhaltlichen Vvrtrefflichkeit: Zu Beginn 1911 wird die Partei über Tagesblätter verfügen in Wien. Graz. Linz und Salzburg(diese neu), über dreimal wöchentlich erscheinende in Teplitz, Aussig und Innsbruck, die anderen 20 Blätter kommen nur zwei- oder einmal in der Woche heraus, doch sollen demnächst auch in Innsbruck und Prag Tageszeitungen erscheinen. Die politischen Verfolgungen bestanden meist in Zeitungskonsiskationen und in Verurteilungen wegen Flugblattverbreitung, Preßdelikten und Ver- einsübertretungen. Einige schwerere Strafen wurden über Ge- nassen verhängt, die deutschnationale Gewalttätigkeiten zurückzu- schlagen gewagt hatten. Gerade in den letzten Tagen hat ein Konfiskationsfeldzug gegen die Parteiblätter eingesetzt, die die Nicküerledigung der Vorlage betr. das Verbot du Nacht- arbeit der Frauen durch das Herrenhaus kritisieren. Ausbau des Kopenhagenrr„Socialdemokraten". Das Hauptorgan der dänischen Parteigenossen, der in Kopen- Hägen erscheinende„Socialdemokraten", wird von Neujahr ab in einer neuen Gestalt erscheinen. Das Format, das jetzt fast vier- mal so groß als das des„Vorwärts" ist, wird auf die Hälfte verkleinert und dadurch natürlich weit Hand- licher gemacht. Der Inhalt soll weit reichhaltiger gestaltet werden und die Seitenzahl der Zeitung wird deshalb auf mehr als daS Doppelte gebracht. Zur Herstellung des Druckes ist bereits eine neue Rotationsmaschine vufgestellt, die in riner Stunde 60 000 Exemplare liefert. Die Neujahrsnummer soll für Agitationszwecke in 90 000 Exemplaren gedruckt werden. Unsere Parteigenossen werden am Neujahrötage eine allgemeine Haus- a g i t a t i o n für das Blatt entfalten. Es haben sich bereits 1400 Genossen und Genossinnen gemeldet, die diese Arbeit ausführen wollen. Jetzt ist„Socialdemokratens" tägliche Auflage 56 000 Exemplare; man hat sich zum Ziele gesetzt, sie mit dem neuem Jahre auf mindestens 60 000 zu bringen. das bereits eingelöste Versprechen doch auch selber einzulösen, in- dem er es mit plumper List zu betrügen suchte.?lls er am 3. Fe- bruar 1347 den vereinigten Landtag einberief, verkündete er:„Wir erkennen in dieser Angelegenheit eine der wichtigsten Aufgaben des von Gott uns verliehenen königlichen Berufes." Aber nach der Pariser Februarrevolution hatte man auch in Preußen keine Lust mehr, in dem Popanz einer seudalständiichen GelegenheitSver- sammlung die Erfüllung des Verfassungsversprechens zu sehen. Vor der Märzempörung seines Volkes bricht der Mann so würdelos zusammen, wie fem Vater vor Napoleon. Der Gottes- gnadenrausch ist über Nacht verflogen. Wenn er nur noch von Volkes Gnaden fein bißchen Königsdasein bewahren kannl Auch die Preußen werden plötzlich für mündig erklärt. Alle Freiheiten sollen sie haben I O. wie liebt Friedrich Wilhelm dieses revo- lutionär geadelte Volk! Zitternd entblößt er sein Haupt vor den Leichen der Märzgefallenen und bettelt um Pardon, dieweil seine Gemahlin, die gute Landesmutter, sich so angegriffen fühle. Der verhaßte Bruder, der eben noch entgegen dem königlichen Ver- sprechen die Truppen gegen daS vertrauensselige Volk hetzen wollte, verwandelt sich aus einem Prinzen Wilhelm in einen Kaufmann Lehmann, der bei Nacht und Nebel fluchet. Auch die deutsche Frage ist auf einmal gelöst. Die preußische Armee muß sich die deutsche Kokarde anstecken, und Friedrich Wilhelm reitet durch die Straßen Berlins, dem großen Tag huldigend, da Preußen in ein einiges und freies Deutschland aufgegangen. Der König entweicht nach Potsdam, und als er gewahrt, daß seine Garde- offiziere meutern, weil sie nicht im Blut der Kanaille waten durften, hält er vor ihnen eine Rede, in der er die Berliner feiert, denen er seine Rettung verdanke. Aber als er sieht, daß das revo. lutionäre Volk ganA harmlos vertraut, kommt Gottes Gnade wieder über ihn. Bald bort man von ihm daS Wort, daß die Eiterbeule ausgequetscht werden müsse, und über daS revolutionäre Gesindel ergießt er den ganzen Unflat seiner Zunge. Als die Fülle neuer Freiheiten über das Volk flutet, ist daS alle? schon mit dem ge- Heimen Vorbehalt ihrer gewaltsamen Aufhebung gewährt. Die „Kreuzzeitung" wird gegründet, und die Soldaten Wrangels endi- gen die paar Traummonate, in denen es ein freies Preußen gab. Der Eidbruch von Gottes Gnaden regiert, und die Schreckens- Herrschaft eines zerstörten, rachsüchtig boshaften Gehirns beginnt. Das preußische Junkertum benutzt den königlichen Wahn, um Preußen nicht nur binler 1843 zurückzuwenden, sondern noch hinler 1806. Preußen geht nicht mehr in Deutschland auf, sondern wird der Henker deutscher Freiheit und Einheit. Die Wissenschast muh christlich umkehren. Die Polizei übernimmt die Leitung der Politik. Das Standrecht und das Zuchthaus werden das Schicksal der Frei- heitskämpfer. Die besten Patrioten und bedeutendsten Geister gehen ins Exil. Friedrich Wilhelm, der erst an die wüstesten Ver- schwörungsmärchen geglaubt, solange er noch Furcht harre, fabri- ziert jetzt, wo er sich sicher fühlt, als gekrönter Lockspitzel höchst- selbst finstere Verschwörungen; wir kennen seinen Brief, in dem er seinen Polizeistieber anweist, dem Publikum das willkommene Schauspiel einer entdeckten Verschwörung zu bieten, und Stieber fälschte darauf den Kölner Kommunistenprozeß zusammen. I» der Politik herrscht die fixe Idee, ein läppisch pomphafter Spuk abenteuerlicher Wahngeburtcn. Das Gottesgnadentum ent- faltet sich immer hemmungsloser, und erst, als der kranke Mann kaum noch lalle» kann, fetzt man ihm einen Stellvertreter. Als er vor 50 Jahren starb, wußte alle Welt, daß ein Wahnsinniger seit ILIO Preußen regiert hatte. Die unselige Figur eines gersteskranken Fürsten, der in seinem Kommunalwahlerfolge der schwebischen Sozialdemokratie. Im Monat Dezember haben in den schwedischen Land- und Stadtgemeinden, mit Ausnahme von Stockholm, die Kommunal- wähle» stattgesunden. Die Sozialdemokratie hatte dabei weit mehr Aussicht auf Erfolg als früher, weil inzwischen zwar nicht das gleiche Wahlrecht eingeführt ist, jedoch das alte empörende Wahlunrecht insoweit gemildert wurde, als jetzt in Stadt und Land der einzelne Wähler entsprechend seiner Steuerleistung über bis zu höchstens 40 Stimmen verfügen kann, wogegen früher das Äommunalwahlrccht in den Städten lOOgradig. auf dem Lande sogar 5000gradig abgestuft war. DaS Ergebnis der Wahlen ist denn auch, daß die Sozialdemokratie in einer ganzen Reihe von Gemeinden, wo sie früher keinerlei Einfluß auf die Gemeindevertretung hatte, jetzt Wenigstens einen oder auch mehrere Sitze gewonnen hat. und haß sie in anderen Städten weit stärker als früher im Stadtparlamcnt vertneten ist. Einen entscheidenden Einfluß aus die Gemeindeverwaltung zu gewinnen, ist allerdings, wie leicht begreiflich, der Arberterschaft auch bei dem gemilderten Wahlunrecht noch nicht möglich, jedoch hat sie es in einer großen Anzahl von Gemeinden zu ansehnlichen Minderheiten gebracht, so daß eS den bürgerlichen Reaktionsparteicn nicht mehr möglich sein wird, so rücksichtslos wie bisher zu wirt» schatten. In M a l m ö sind z. B. 10 Sozialdemokraten und 1? Bür- gerliche gewählt, in Eökilstuna sind 7 Sozialdemokraten neu» gewählt, und im ganzen verfügen unsere Genossen jetzt in diesep Stahlwarenindustriestadt Schtvedens über 12 von den 50 Stadtverordnetenmandaten; in der südlich von Stockholm gelegenen Klein- stadt Södertälje haben unsere Genoffen 11 von den 33 Sitzen im Stadtparlament erobert, in Göteborg sind 4 Sozialdcmo- kraten gewählt, von denen 3 dem Stadtparlament bisher noch nicht angehörten, in der Kleinstadt Västeras sind 4 Sozialdemokraten und 5 Kandidaten der bürgerlichen Parteien gewählt. Daß es auch aus dem Lande vorwärts geht, beweisen die am Dienstag voll- zogenen Wahlen in einer Anzahl von Lapdgemeinden in der Um- gegcnd von S u n d s v a l l, wo die Sozialdemokratie in den ver- schiedencn kommunalen Körperschaften eine ziemlich starke Ver- tretung erhalten hat. Wie ungerecht auch daS neue 40gradige Kommunalwahlrecht noch wirkt, dafür sei nur ein Beispiel angeführt. In E s k i l st u n a wurden in dem einen der beiden Wahlkreise, in die die Stadt ein- geteilt ist, von 433 Moderatenwählern 10 063 Stimmen abgegeben. von 1114 Wählern der Arbeiterpartei 9276 Stimmen und von 40? liberalen Wählern 5712 Stimnien. Die Moderaten erhielten in diesem Kreise 4 Stadtverordnete gewählt, so daß auf je 109 ihrer Wähler 1 Mandat kommt, die Liberalen 2 gleich I Mandat auf 203 Wähler, die Sozialdemokrat«!! 8 Stadtverordnete, also 1 Mandat aus 371 Wahler. Jugendbewegung. Arbeiter-Jngend. Die soeben erschienene Nr. 27 hat unter anderem folgenden Inhalt: Bilanz 1910.— Die Gewerkschaften seit 1890. Von Wilhelm Schröder.—..Wie werde ich Mjaschinenschlosser?" Von G.. Finke-Bülter.— Die Entwickelung der Flugtochnik.(Mit Illustrationen.) Von H. Ströbel.— Aus der Jugendbewegung. — Die Gegner an der Arbeit usw. Beilage: Verachte Deinen Bruder nicht. Von A. Hackmann. — Ach. nur ein Mädchen! Von Emmy Freundlich.— Junker- Wirtschaft vor 500 Jahren.(Mit Illustrationen.)— Der Weg zur Sozialdemokratie. Von P. Nieland.— Bauern, Ritter und Lands, knechte. Gedichte von H. von Ncder.— Der Kohlenwagen. Bon L. Thoma. Mit der vorliegenden Nummer beschließt die„Arbeiter- Jugend" ihren zweiten Jahrgang. Unser Jugendorgan hatte zum Beginn des JahreS 32 000 Abonnenten und eS tritt mit mehr als 54 000 Abonnenten in sein drittes Jahr ein. Dieses erfreuliche Wachstum ist der beste Beweis dafür, daß sich das Blatt bei der arbeitenden Jugend gut eingeführt hat, und es ist anderer, seits die vernichtende Quittung, die unsere freie Jugendbewegung der Polizei und Justiz für ihre Auflösungen und Drangsalierungcn ausstellt. Wahn das Instrument aller reaktionären Mächte wurde, könnta in gnädiger Vergessenheit versunken sein, wenn mit seinem Tode die Tragikomödie zu Ende gewesen wäre. Aber es hat sich daS Unheimliche, Unbegreifliche begeben, daß das Werk des kranken Kopfes ihn überdauerte. Friedrich Wilhelm IV. blieb leben. E r lebt heute noch! Denn alles, was in Preußen politisches Recht ist, wurde einst unter dem Terror der Gegenrevolution auS diesem verstörten Hirn ganz persönlich erzeugt. Und diese geistigen Verfallsprodukte und königlichen Racheakte sind unverändert in Preußen Recht geblieben. Ja, es erweckt gespenstische Gefühle, zu beobachten, wieviel sogar noch von dem fendal-nbsolutistischen Geist der königlichen Verordnung für den vereinigten Landtag deS Vormärz selbst in den Grundrechten deS Deutschen Reiches erhalten geblieben ist.' Wann endlich erfolgt die geschichtliche Beisetzung FriedriH Wilhelms IV.?_ kleines f euilleton. Mufik. Ausschließlich dem Klavier und Werken von Franz LiSzt gewidmet war das Konzert, daS am Freitag im Beethovensaale Leo Kestenberg veranstaltete. Ter Konzertgeber, uns feit längerem durch fein populäres Wirken rühmlich bekannt; zeigt eine sehr beachtenSiverte Ausbildung seiner Klaviertechnik. Kam auch einiges— wohl durch zuviel Pedalgebrauch— nicht völlig klar heraus, so war doch vor allem daS singend Weiche seines Aiiscblages erfreulich. Sein Piano ist ganz besonders schön, sein Fortissimo nicht stechend und viel weniger gewaltsam, als man es bei der gegenwärtigen Spielweise.neudcutscher' Klaviermusik hinzu- nehmen gewöhnt ist. Eine solche Gewöhnung gibt aber gar sehr zu denken. DaS Klavier bleibt nun doch das klangloseste aller besseren Instrumente und ist bei starkem Anschlag wohl nur dem dagegen abgestumpften er- träglich. Und seit seine Ausdrucksfähigkeit gerade von LiSzt vollendet worden ist, darf man doch frage», ob sich weiterbin die Widmung von soviel komponierenden, ausübenden und zuhörenden Kräften an den vielleicht wertlosesten aller Bestandteile der Kunst, an das Klaviersolospiel lohnt. Kestenbergs Programm war lang und durch LiSztS breite, lastende Koinposüionsweise großenteils ermüdend. Di«„Poetischen und religiösen Harmonien" des französischen Dichters Lamartine, auS denen mehrere Stücke von LiSzt in Klavierphantofien dargestellt werden, mit eigenarliger Stiinmungsmalerei fallender Tränentropfen usw., sind allerdings ein grandioses Werk; und da» vorgelegte Pro- grammbiichlein war ein guter Führer. Daß aber all derlei Kunst und Kunstpflege nur eben ein Interesse für Spezialisten hat, soll nicht vergessen werdea._ sz. Notizen. — Zeitschriftenvereinigung. Mit dem 1. Januar 1911 werden die beiden ältesten und verbreitetsten geographischen Zeilschristen in deutscher Sprache. PetermannS Geogr. Mitteilungen" und„ G l o b u S" unter gemeinsamem Titel mit einander verschmolzen und unter der Leitung von Prof. Paul Lang- hanS im Verlage von Justus Perthes in Gotha erscheinen. — DaS Marionetten-Theater Münchener Künstler in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten hat sein hiesiges Gastspiel verlängert. In den Nachmittagsvorstellungen gelte» von nun an für die Jugend halbe Preise. Arlieiter-Bildungssctiiile Berlin. Sclmllokal:«renadierstr. 37, Hol-geradezu 1. Lehrplan für das I. Quartal 1911. (Theorie nnd Praxis der 1. Begriff, Inhalt und Methode der Statistik.— Die Gesete- gesellschaJtlioher Massenerscheinungen.— 2. Die Sonntag: Xationalökonoinle. Statistik.) mäßigkeit„--- Technik des statistischen Verfahrens.— Zeit- und Kostenanschläge. Das Zählungs verfahren. Die Beobachtung bei Zählungen und ihre Fixierung. Die ZusaramensteUung. Die Darstellung der Ergebnisse.— 3. Geschichte der deutschen staatlichen Statistik, im besonderen der deutschen amtlichen Arbeiterstatistik.— Statistische Aufgaben und Leistungen der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen.— 4. Vergleichende Darstellungen aus den deutschen Berufs- und BetrieBszählungen von 1882, 1895 und 1907. Vortragender: Max Grunwald. Montag: Xatnrerkenntnls.(II. Teil.) Die Entstehung der Erde. Die Erdzeitalter. Die Entwiokelung des Lebens und die Urzeugung, Darwin und der Darwinismus. Die Entstehung der Arten. Die Beweise für die Abstammungslehre. Die körperliche und geistige Entwiokelung des Mensohen. Vortragender! BmanuelWurm. Dienstag; Bednerschale. f. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Bede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit Die Redekunst Die Beda nach Form nischo Hilfsmittel Nachschlage- Bibliothek.— 3. Das Vereins- und Versammlungswesen. Die Geschäftsordnung.— 4. Praktische üebungen un Reden und Diskutieren, Vortragender; Max Grunwald. Mittwoch: EinftilirDnar in den wls9en«chaftltchen Sozlallsniiist. IL Teil.(Fortsetzung des im vorigen Quartal abgehaltenen Kursus.) Die Forderungen des Sozialismus. Der Zusammenhang der sozialistischen Forderungen mit den sozialistischen Sätzen.— Stellung des Sozialismus zu den Verfassungsfragen (Wahlrecht, Gesetzgebung, Vereins- und Versammlungsrecht Keehtspflege).— Desgleichen zum Militärwesen(Militarismus, Volkswehr und stehendes Heer, Kolonialpolitik).— Sozialismus und Frauenfrage.— Erklärung der Refigion zur Privatsache, — Sozialismus und Schule.— Sozialistische Steuerpolitik. Der Inhalt des I. Teils vom vorigen Quartal wird in der ersten Stunde kurz wiederholt so daß neue Hörer auch teilnehmen können. Vortragender: Julian Borcbardt. Donnerstag: Geschichte.(Geschichte der deutschen So zialdemokratie seit dem Auftreten Lassalles.) 1. Rückblick auf die LOer Jahre. Die Reaktionszeit und ihre ökonomische Fortschritte. Marx, Engels, Lassalle.— 2. Proletarische Regungen. Auftreten Lassalles.— Lassalle als Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.— 4- Lassalleaner und Eisenacher. Die Internationale. Marx' „Kapital".— 5. Dia deutsche Arbeiterbewegung zur Zeit dos 70r------ J. listengesetees W>>..........;........ gesetzes und die Anfänge der Sozialreform.— 9, Der Niedergang des Ausnahmegesetzes und der Sturz Bismarcks. Halle und Erfurt.— 10. Die letzten Jahrzehnte. Vortragender: Dr. Alexander Conrad y. Freitag: Gevrerkschufts wescn.(Geschichte und Theorie der Gewerkschaftsbewegung.) Geschichtlicher Ueberbliok.— Vorläufer gewerkschaftlicher Organisationen.— Zünfte und Zunftverfassung.— Gesellen verbände— Die Arbeitarverbriidorung 1848)49.— Die ersten gewerkschaftlichen Organisationen in Deutschland.— Einfluß politischer Parteien auf die Gründung der Gewerkschaften.— Tabakurbeiter. Buchdrucker. Schneider.— Gewerkschaftskongresse.— Koalitions- und Vereinsrecht.— Koalitionsverbote früherer Zeit.— Aera Tessendorf.— Das Sozialisten- gesotz.— Puttkamersohe Streikerlasso 1887.— Die Zuchthaus- vorläge.— Entwiokelung der freien Gewerkschaften von 1890 bis 1910.— Untemutzungseinrichtungen.— Mitglieder. Finanzen. Streiks und Lohnbewegungen.— Zentralisations- bestrebungen.— Partei und Gewerkschaft.— Die gegnerischen Gewerkschaftsorganisationen.— Freie Vereinigung.— Hirsch- Dunckerianer.— Christliche Gewerkschaften.— Deutsch- nationale und Vaterländische.— Gelbe.— Die wichtigsten gewerkschaftlichen Strömungen des Auslandes.— Gewerkschaftsliteratur. Vortragender; EmilDittmer. Sonnabend; Geaetzeaknnde. Bürgerllchea Recht. (Die Dispositionen werden in der ersten Unterrichtsstunde bekanntgegeben.) Vortragender: Dr. Oskar Cohn. Sonnabend: Fortachrlttakarana. Geschichte. Karl Marx. Revolution und Konterrevolution in Deutschland (mit mündlichem und schriftlichem Gedankenaustausch). Vortragender: Dr. Alexander Conrad y. Der Unterricht beginnt in Watlonaiakonomle am Sonntag, den 15. Januar; Sfaturerkenntnia: Monlag, den 16. Januar; Kcdneraclmle: Dienstag, den 17. Jauuar; Elnfilhruni; in den wlaaenüchaltllchen MossialiHnma: Mittwoch, den 18. Januar; Geschichte: Donnerstag, den 19. Januar; GewerkachaftNweMen: Freitag, den 20. Januar; Geaetaeakande: Sonnabend, den 2t. Januar; FortHChrlttHkarauB: Sonnabend, den 21. Januar. Der Fortschritts- kursus findet im Gewerksohaftshaus, Zimmer 11, Hof rechts, park, statt. Jeder Kursus erstreckt sieh auf zehn Abende nnd beginnt pünktlich um 8'/, Uhr und endet pünktlich um tO Uhr. Der onntagskursus beginnt pünktlich um 10 Uhr und endet pünktlich >1 /, Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an den Abenden um von V'h— 81/, Uhr geöffnet Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark nnd ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadlcrtttrafie 37, Hot geradeaa 1 Treppe, nnd in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Aiimiralstr. 40a; Real, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzinsstr. 37; W. Kaccorowskl, Ravenöstr. 6; Horoch, Engehue» 15. Alle Zuschriften an den Vorsitzenden Hermann Uaniinö, Berlin Hlxdorl, StelnmetEatraßo 61 III, Geldsendungen au den Kassierer U. UttuigN, Berlin 8. 59. Hasenheide 56. Her Vorstand. Die reellsten nnd billigsten Möbel nnöi Polatcrwarcn auf Teilzahlung zu Kassonpreisen und Zinsvergütung erhält man in der seit 32 Jahren bestehenden Möbelfabrik unter löjähriger Garantie S C Ii II 1 Z 64L* Roichonborgtr Strale 5. Kenner kauen nur HagenbrucK KantaM Ungo Carl naeonbracli, HUhlbanaen I. Th. Verbeter: Aug. filclncrt, Berlin O. 27. □oc =f!W N.JSRAEL 20-82 SPANDAUER STR. BERLIN C. KÖNIQ-STRASSE XI— 14 GEGRÜNDET 1815 Wäsche-Ausstattungen Die Anlcrtigung erlolgt In eigenen Arbdtssälpi Wohnungs- Einrichtungen Sländ. Ausstellung fertig eingerichteter Zimmer Montag, den 2. Januar, und folgende Tage: Inventur-V erkauf In allen Abteilungen: Reste und Restbestände zu bedeutend ermässigten Preisen GtsBe Ejnkaiifi vorteile bietet Teppicii• Speziallmas LWEmil ©if© vi*c SerliaS. Seit 1082 nur Öramenstr. 158. 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Zwei Faktoren, einer von allgemeiner Bedeutung, einer von mehr Gewicht für eine Berufsgruppe" wirkten wie ein Reif in der Frühlingsnacht. Von hemmender Wirkung für das gesamte wirtschaftliche Leben war die enorme und anhaltende Lebensmittelverteuerung, die wir der agrarischen Wirtschaftspolitik verdanken. Die hohen Zölle auf Brotgetreide in Verbindung mit dem bewußt gehandhabten Ver- tcuerungsmechanismus des Systems der Einfuhrscheine, trieben die Getreide- und damit die Brotpreise stark hinauf. Heute, da wir die Grenzen von Zeit und Raum überwunden haben, sind .Hungersnotzustände, wie sie früher in begrenzten Gebieten vor- kamen, ziemlich ausgeschloffen. Dafür kultivieren wir eine Wirt- schaftspolitik, die dem Volke das Brot teuer macht, selbst dann, wenn das Inland glänzender Ernten sich erfreut. Und als durch diese Politik die Brotpreise zu schwindelnder Höh« hinaufgetrieben worden waren, da setzte auch auf dem Vieh- und Fleischmarkt wieder eine Preistreiberei ein. die die Fleifchnahrung aus ungezählten Arbeiterfamilien vollständig verbannte oder zu einem selten ge- nossenen Lu;uSgerichte machte. Und unsere von Junker Gnaden gewollten Verhältnisse lassen wenig Hoffnung, daß wir in abseh- barer Zeit wieder zu billigeren Fleisch- und Brotpreisen gelangen. Die Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel, die ein Anziehen der Preise auch auf anderen Gebieten hervorrief, verschlechterte für einen großen Teil des Volkes die Lebenshaltung in ganz emp- kindlicher Weise. Das nicht aLein. Die erhebliche Mchrauswen- dung für die Ernährung schwächte die Konsumkraft der Masse in bezug auf eine Reihe von Gebrauchsgegenständen. Wider Willen mußten die auf ein kleines Einkommen angewiesenen Konsumenten sich Beschränkungen in twm Verbrauch von Bekleidungsstücken, Haushaltungsartikeln usw. auferlegen. Das übertrug sich natürlich auf die Produktion. Hier verursachte die Lebensmittelteuerung Stockun- gen, die besonders solche Gewerbe trafen, deren Erzeugnisse mehr der Bequemlichkeit und dem Komfort, als der Befriedigung der primitivsten Bedürfnisse dienen. In der Bekleidungsindustrie trugen die Unternehmer vielfach den Verhältnissen Rechnung, in- dem sie billigere, das heißt meistens schlechtere, aus minderwertigem Material hergestellte Waren auf den Markt brachten. Daß das ein Vorteil sei. wird niemand behaupten wollen. Wo die absolute Billigkeit auf Kosten der Qualität erzielt wurde, da bedeutet sie in Wirklichkeit eine Verteuerung. So haben die erhöhten Preise für Lebensmittel vielfach Schäden im Gefolge, die nur in einem sehr geringen Ausmaß durch eine gesteigerte Kaufkraft auf der anderen Seite wieder ausgeglichen werden können. Es ist ein nur verhältnismäßig kleiner Kreis von Landwirten, der aus der Ver- lteuerung der einheimischen Agrarerzeugnisse großen Nutzen zieht. und dieser Kreis kann den ausgefallenen Konsum der großen Masse selbstverständlich nicht übernehmen. Auf jeden Fall erwachsen dieser aus den geschilderten Verhältnissen sehr große Nachteile, die sowohl den Produzenten, als auch den Konsumenten treffen und die in der Gesamtwirkung eine große Gefahr in sich bergen. Bei längerer Dauer bedingen sie in weiten Schichten des Volkes eine Unterernährung, die die Leistungsfähigkeit des gewerblichen Ar- beiters, und in Wirklichkeit die Konkurrenzfähigkeit der Berfeine- rungsindustrie auf dem Weltmarkte, ganz erheblch herabmindert. Der andere erwähnte Faktor, der eine umfangreiche gewerb- liche Tätigkeit verhinderte, war die große Bauarbeiteraussperrung. Man hatte erwartet, daß nach Beendigung des Rampfes eine leb- hafte Bautätigkeit einsetzen werde. Das waren im allgemeinen trügerische Hoffnungen. Verschiedene Umstände trafen zusammen, die da hemmend wirkten. Die dringend notwendigen Bauten hatte man mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte fertig- gestellt. Die unzureichende Kaufkraft der Arbeiterschaft hielt die Nachfrage am WchnungSmarkt in engen Grenzen. Man schränkte sich ein, begnügte sich mit einer kleinen Wohnung, um mehr Mittel für die verteuerte Ernährung freizubekommen. So fehlte der direkte Anreiz zu dem Bau von MictSwohnungen. Teilweise war sodann die Jahreszeit wohl schon zu weit vorgeschritten, um mit Sicherheit auf die frühzeitige Fertigstellung von größeren Bauten rechnen zu können. Auch das wirkte abschreckend. Hinzu kam, daß das Geld teuer blieb, und nickt zuletzt war es die angekündigte RelchswertzuwachSsteuer, die zu einem Abwarten veranlasste. Die erhoffte und erwartete lebhafte Bautätigkeit stellte sich nicht ein, wenigstens nicht in den Städten, während auf dem flachen Lande strichweise verhältnismäßig reichlich gebaut wurde. Die schwache Bautätigkeit bedeutete nicht nur Erwerbslosigkeit für tausende Bau- arbeiter, es wurde auch die große Reihe von Gewerben unangenehm betroffen, die direkt und indirekt für das Baugewerbe tätig ist. Es kommen da in Betracht solche Gewerbe, die Baumaterialien liefern: Steine, Holz, Mörtel, Baueisen usw., ferner die ver- schiedensten Handwerker und viele Reparaturbctriebe. So zog die ungenügende Bautätigkeit unter den obwaltenden Umständen einen großen Kreis von Gewerben sehr stark in Mitleidenschaft. Noch einig« andere Umstände und Vorgänge lähmten die Unternehmungslust. Tie fortgesetzten Setzereien zwischen Eng- land und Deutschland, die neuen Kaiserreocn, überhaupt die inner- politischen Verhältnisse lösten Beunruhigungen aus, die ihre Wellenschläge auch in das Wirtschaftsleben hineintrugen. Besonders die infernale Hetze gegen die Arbeiterbewegung, das Getue der Scharfmacher und beutegierigen Junker, als stände Deutsch- land am Vorabend einer wüitcn Revolution, mit Raub und Mord und Brand und sinnloser Vernichtung von Kulturwerten, ließ Stimmungen und Befürchtungen stark werden, die einer vorwärts- stürmenden wirtschaftlichen EntWickelung nicht vorteilhaft waren, die vielmehr ängstlich machten, dem llnternehmergeist, der in der kopitalutifchen Produktion ja eine große Rolle spielt, Fesseln an- legten, die ihn zurückschrcckwn. Auch die Treibereien der Reaktiv- näre gerfcn eine Wahlrecktsreform blieben wohl kaum ohne nach- teiiige Wirkung für das Wirtschaftsleben. Für die Abmessung der Konjunktur sieht uns ein allgemein gültiger Maßstab nicht zue Ver- fügung. Mau muß die verschiedenen Lebensäußerungcn des Wirt- schastskörpcrs zusammen in Rechnung stellen, um ein Gesamt- urteil zu gewinnen. Teilweise äußert sich das Auf und Ab in der Leivegung der Rcichsbankkurse. Während im vergangenen Jahre der Kurs 7 Monate lang auf 3'A Proz. stand, ging er im laufen- den Jahre nicht unter S Proz. hinab. Diesen Satz behauptete er vom 10. Februar, an welchem Tage er von Proz. auf 4 Proz. sank, bis zum 26. September. Dann sprang er gleich um 1 Proz. hinauf und auf dieser Höhe wird er sich noch einige Zeit halten. Wie die Bewegungen der Mitgliederzahlen in den Kranken- kassen und die Verschiebungen im Verhältnis des Angebots zur Nachfrage erkennen lassen, hat die Gütcrcrzeugung i,n laufenden Jahre zugenommen, wenn die Steigerung auch gerade nicht als stark bezeichnet werden kann. Auf je 100 offene Stellen bei den Arbeits- nachweisen entfallen Angebote: Januar Februar März. April. Mai. Juni. 1909 184,2 172.3 146,4 137,8 143.7 148,9 1910 168,0 146,8 119,7 130,6 133.3 125.4 Juli.. August. September Oktober. November 1909 147.2 130,1 120,8 134,6 166,6 1910 126,0 116,7 107.7 131,0 146,6 Der Andrang hat im laufenden Jahre ziemlich erheblich nach- gelassen. In den letzten Monaten wurde allerdings die Spannung zwischen der vorjährigen und diesjährigen Ziffer wieder geringer. on den bestehenden Krankenkassen sind zirka 20 Proz. der Bericht erftattung des ReichSarbeitSblatteS angeschlossen. Soweit di vergleichende Angaben vorlagen, ergibt sich das folgende Bild. Es vcrgieia,enoe Angaoen vorlagen, ergwl ücy oas fotgcnve iviio. v?z betrug die Zahl der versicherungspflichtigen Mitglieder, abzüglich der erwerbsunfähig.Kranken: Männlich Weiblich Insgesamt 3152 970 1379 644 4 632 614 3 319 909 1 470 306 4 790 216 Am 1. Dezember 1909 . 1.. 1910 Zunahme absolut.. Zunahme in Prozent 166 939 90 762 267 701 6.20 6,68 6.68 tg ist demnach die Zahl der weiblichen versiche- rungspflichtigen Kassenmitglieder stärker gestiegen als die der männlichen Versicherten. Die Bewegung hat übrigens in den letzten Monaten wieder einen viel schärferen Ausdruck angenommen, was verschiedentlich als ein Zeichen abflauender Konjunktur gedeutet wird. Vom 1. November bis zum 1. Dezember d. I. hat die Zahl der versicherungspflichtigen und nicht erwerbsunfähig Kranken bei den gleichen Kassen insgesamt um 31 926 abgenommen, obwohl die Zahl der weiblichen Mitglieder um 8633 stieg, mithin eine Abnahme von 40 669 männlichen Versicherten konstatiert werden muß. Will man die wirtschaftlichen Verhältnisse an der Produktion ablesen, so ist man in der Hauptsache auf Kohle und Eisen be- schränkt, da für die übrigen Produkte eine verwendbare aktuelle Statistik zurzeit in Deutschland noch fehlt. Die erwähnten Erzeug- nisse geben im Vergleich mit dem Vorjahre ein sehr erfreuliches Resultat, die Produktion bat kräftig zugenommen. Wie sich die Bewegung von Monat zu Monat vollzogen hat. zeigt die folgende Aufstellung:' Es betrug in Tonnen: die Roheifeuproduktion die Kohlenförderung 1908 1909 1910 ms 1909 1910 Januar,. 1061,3 1021,7 1177,0 18 282 17 607 18 054 Februar.. 994,2 949,0 1091,4 18 047 16 847 16 959 März... 1047,0 1073,1 1250,2 17 974 18 840 17 505 April... 979,9 1047,2 1202,1 16 688 16 730 18 277 Mai... 1010,9 1090,5 1261,4 17 565 10 933 16 947 Juni... 956,4 1067,4 1219,1 16 223 17 370 17 950 Juli... 1010,8 1091,1 1228,3 18 813 19 077 18 698 August.. 935,4 1100,7 1262,8 18 223 18 379 19 279 September. 928,7 1068,3 1282,6 18 506 18 567 19 003 Oklober.. 941,6 1124,9 1291,4 19 363 19 033 19 644 November. 930,7 1119,1 1272.3 18 018 13 854 19 668 Roheisen behauptet seit dem Jahresbeginn 1910 die höchsten Produktionsziffern, die besonders in den letzten Monaten über die vorjährigen erheblich hinausragen. Die Kohlenförderung schwankt in der Bergleichuug nach den einzelnen Monaten sehr erheblich; bis zum Juli war das diesjährige Förderergebnis zuweilen geringer als in den Vorjahren, feit August zeigt sich aber auch hier für das letzte Jahr ein nicht unbeträchtlickier Vorsprung. Günstige Produktionsziffern ergeben sich auch für Koks und nach den Versand- angaben des Stahlwerksverbandcs für feine Erzeugnisse. In den ersten 10 Monaten betrug nämlich in Tonnen: in 1910 1909 1910 mehr 4- oder weniger— 21 455 271-f 1 048 054 1 380 509+ 29 730 19 507 217 1 350 779 1 634 252— 1 099 193+ 56 873 185 343 die KokSerzengung... der Versand on Halbzeug. „„ Eisenbahnmaterial 1 691 125 ,„„ Fonneisen. 1 513 850 Bei den Angaben über die Vcrsandresultate des Stahlwcrks- vcrbandes muß berücksichtigt werden, daß schon im vorigen Jahre, im Vergleich mit 1908, größere Mengen abgestoßen werden konnten. Ergibt sich doch für das ganze Jahr 1008 ei» Versand an Halbzeug von nur 1 390 667 Tonnen, an Formeiscn von nur 1 302 924 Tonnen, während allerdings die gewaltige Menge von 2 070 802 Tonnen Eisenbahnmaterial abgesetzt werden konnte. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, daß die Mehrproduktion nicht vollständig im Jnlande verbraucht worden ist. sondern zu einem erheblichen Teile auf den Auslandsmarkt gebracht werden mußte. Die Produktions- steigerung in der Rolimaterialienindustrie bedeutet somit nicht auch eine entsprechende Steigerung der Beschäftigung in der Weiter- Verarbeitung. So ist z. B. die Ausfuhr von Koks, die in den ersten 10 Monaten des Vorjahres 2 816 428 Tonnen betrug, in der gleichen Zeit llM aus 3 333 760 Tonnen gestiegen. In der Zeit Januar bis November schnellte die RoheisenauSfuhr von 412186 Tonnen im Jahre 1909 auf 706 183 Tonnen im laufenden Jahre hinauf; gleichzeitig stieg die Ausfuhr von Stabeiscn von 270 630 Tonnen auf 865 379 Tonnen. Stellt man die Aus- und Einfuhr nach Gruppen zusammen, so ergeben sich für die beiden letzten Jahre die nachfolgenden Zahlen. In der Zeit von Januar bis einschließ- lich November betrug in 1000 Tonnen, die: Einfuhr Erzeugnisse der Land->md 1910 Forstwirischaft... Mineralische und fossile Robstosie..... Zubereitete« Wachs, Fette. Lele. Lichte, Säuren, Seifen..... 1909 211 209 Ausfuhr 1909 213 069 39 374 1010 45 813 329 484 331270 312524 337 767 337 383 295 339 Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Farben und Farbwaren... Tierische und pflanzlickie Spinnstoffe, Schmuck- federn, Fächer und Hüte Leder und Lederwaren. Kürsckmer waren, Ware» ans Därmen.... Koiiischukwareii.... Gesseckite aus pflanzlichen Stoffen...... Besen, Bürsten, Pinsel usw. Waren aus tierischen oder pflanzlichen Schnitz- oder Formcrstoffen.... Papier, Pappe und Waren daraus....... Bücher, Bilder. Gemälde. Waren aus Steinen oder ander. Mineralen Stoffen Tonware»...... Glas und GlaStvarcn.. Edle Metalle und Waren daraus...... Unedle Metalle und Waren daraus...... Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse. Fahrzeuge. Feuerwaffen. Uhren, Ton- Werlzeuge, Kinderspiel- zeug....... Unvollständig angemeldete Waren...... 16,0 7 098 676 12,2 46 16,6 6,1 8 268 38 203 692 4 145 13,5 38 632 03 8,1 46 364 4047 721 97 zusammen.. 673 651 681 470 438 077 483 09°' Bemerkenswert ist die Steigerung der Ausfuhr land- und forst- wirtschaftlicher Erzeugnisse. Sic ist keine erfreuliche Erscheinung. Als Vorteil ist ebensowenig die Mehrausfuhr an mineralischen und fossilen Rohstoffen anzusprcclivn. Auf eine lebhaftere Tätigkeit läßt die verstärkte Ein- und Ausfuhr an chemischen und Pharma- zeutischcn Erzeugnissen schließen. Die Versorgung der Textil- industric mit Rohstoffen ist nur unerheblich gestiegen, hingegen hat die Ausfuhr stark zugenommen. Mit einer bedeutenden Steige- rung der Ausfuhr erscheint in der Zusammenstellung die Papier- industrie, wie auch die Industrie der Schnitz- und Formstoffe. Der Bezug von Steinen uftv, hat ziemlich bedeutend zugenommen. Eine verhältnismäßig erhebliche Exportsteigerung erzielte die Tonwaren» und Glasindustrie. Bei unedlen Metallen zeigt sich sowohl in der Einfuhr als auch in der Ausfuhr eine kräftige Zunahme, die vor- wiegend auf Eisen und Eisenlegierungen entfällt. Recht erfreulich ist die Ausfuhrfteigerung bei Maschinen und anderen Fertig- erzeugnisscn., Im allgemeinen reflektiert die Außenhandelsstatistik den Wirt- schaftlichen Aufstieg, der unter der herrschenden Tenlruna und der dadurch verursachten erheblichen Verschiebung in der Verteilung des gesamten Volkseinkommens zugunsten einer kleinen Gruppe. sowie bei der gerade nickst großen Aufnabmefähigkeit des Welt. marttifi, über bescheidene Ansätze nicht hinaufkommen konnte. Mit dieser Tatsachenkonstatierung ist in gewisser Beziehung schon dit Ausblick auf die Zukunft gegeben. Die Teuerung wird dank unserer Zoll, und Grenzsperrpolitik im neuen Jahr kaum be- merteudivert abschiuächnt. Damit verliert ein Umstand, der eine bessere Aussicht eröffnete, nämlich die verhältnismäßig günstige Wclternte, viel von seiner Bedeutung. Die Kaufkraft der großen Masse der inländischen Konsumenten kann sich unter dem Druck der hohen Lebensmittelpreise nicht genügend erholen. Ein stärkerer Impuls für innere gewerbliche Gütererzeugung kann jedoch vom Weltmarkt kommen, was die ungünstige Wirkung der agrarischen Wirschaftöpolitik etwas paralysieren könnte. Mit ziemlicher Sicherheit darf das Baugewerbe auf eine bessere Konjunktur rechtien. Mit dem Rückstrom der aus Anlast deö wirtschaftlichen Rückschlages aus den Städten nach dem Lande übersiedelten Arbeiter, macht sich in den Jndustriebczirken bald ein Mangel an Wohnungen bcinerkbar. Umsomehr, als der Bau von Mietswohitilngc» in den letzten drei Jahren hinter der Bevölke- runaSzunahme. und den gesteigerten Ansprüchen an das WohnungS. bedürfnis zurückgeblieben ist. Da zudem bis zum Sommer das Reichswertzuwachssteuergefetz verabschi-det sein dürfte und dann wieder klare Verhältnisse vorliegen, ist ein störender Faktor für das Terrain- und Baugeschäft gefallen, was jedenfalls stark anregend wirken wird. Für das Baugewerbe und die verwandten Berufe eröffnen sich daher wesentlich bessere Aussichten. Aber auch fiir die übrigen Gewerbe sind Anzeichen weiterer Besserung vorhanden. Leider fehlt es allerdings auch nicht an hemmenden und störenden Faktoren. Wie die unablässigen Anstrengungen der Scharfmacher erkennen lassen, denkt man in Ilnternehmerkreijen nicht daran, die allgemeine Ver» teuerung8?er LcbeatShaltung durch entsprechende Lohnaufbesserungen auszugleichen, vielmehr will man die ohnehin ungenügende Aktion?» freibeit der Arbettcrorganifationen noch weiter einschnüren, damit die Arbeiterschaft die Lasten der indirekten Steuern nicht abwälzen kann. Zudem drohen neue Zölle, die das Agrariertum fordert. Da sind Konflikte unausbleiblich. So deuten die Zeichen für da> neue Jahr auf wirtschaftliche Kämpfe, als sichere Begleiterscheinung aufsteigender Konjunktur. Als störendes Moment, mit dem zu rechnen fein wird, ist sodann noch auf den Kampf der Reaktionärs gegen die preußische Wahlrechtsreform hinzuweisen. Tie Forde» rung der Demokratisierung des elenden DreitlaffeiNvahlrechtS hat im Volte so tief Wurzel geschlagen, daß ihre Verwirklichung nicht mehr verhindert werden iann und die ihr bereiteten Hindernisse inncrpolitische Erregungen auslösen müssen, die sich än mancher Beziehung auf das wirtschaftliche Leben übertragen können. Es fehlt demnach nicht an Quellen der Beunruhigung. Ihr Einfluß auf den WirtschaflSorganisinus kann natürlich nickst sicher abgemessen werden, trotzdem darf man mit einiger Wahrscheinlich» keit, falls nicht Störungen internationaler Natur die Voraussetzungen ändern, auf einen weiteren wirtschaftlichen Aufstieg rech» ncn. Aber die Arbeiterschaft muß, will sie nicht um den Anteil an der gcsttigerten Gütererzeugung sich betrügen lassen, ihre Kampfreihen stärken, die Kriegskasscn füllen, sie muß rüsten und nochmals rüsten. D. I Theater und Vergnügungen tSiehe Wochen-Spielplnu.) Freie Aolksbühne: Sonntaii dcn I. Januar, nachmittags 3 Uhr, Lessing-Thcater. 1.?tbtcU.(Gruppe 1—4): Das Kvnzcrt. Neues Schauspielhaus 8> Abteilung (Gruppe 32—37): Monna Vanna. Thntia-Tbeaterv I2.n3.Sl6tcil.(54.-57. Gruppe): Die schöne Helena. Herrnseid- Theater. 4. Abteilung (Gruppe 15— 17): DerHerr Senator, Residenz.Thenter. 4./5. Abteil.(Gruppe 17—19): Die 300 Tage. Montag, den 2. Januar, abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus. 15. N./Nbend- abteiluug: Der Zerrissene. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, den 1. Januar, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Die Räuber. Kammerspicle: Gaiuäu. Nachm. 3 Uhr: NencZ Theater: Tartüsf.— Die Ge» schwister. r leine« Theater: Joachim von Brandt. l'.Vetropol-Thcater: Pariser Leben. Schiller-Tbeater 0.: Die Ehre. Schiller> Theater Charlotlcnburg: Egnionl. Nene« Operetten- Theater: Die Glocken von Corneoille. Neues VoUS-Theater: Der G'lvissenZ- wurm. Abends 8'/, Uhr: NeucS VollS-Thcater: Der G'wisscnS- wurm. Montag und Freitag: DSbrand. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Der G'wiffenSwurm. Sonnabend: HancleS Himmelsahrt.— Der Tor und der Tod. Bolls-Oper. Montag: Don Juan. Freitag: Der Freischütz. Lessing-Theater. Sonntag 8 Uhr: Anatol. Montag 3 Uhr: lllnntol. Dienstag 8 Uhr: LLenn der junge Wetu blüht._ Berliner Theater. Heute: gWlNölMSNtSN. 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Taifun._ Modernes Theater (Irlllier Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: Doppeliucnsch. Urania. "Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Sonntag und Montag 4 Uhr; Der Vlcrwaldstlitter See and der(«otthard. Sonntag und Montag 8 Uhr; Von San Remo nach Floren*. Beginn der Hörsaalvorträge 11. Januar. Prospekt kostenlos. Kaiser-Panorama. .V o n! Reise Ins Pharaonenland von Trlest nach Kairo. II. V.'anderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. Passaye-Panoptikum. Während der Welhnachtsferien[ v. 18. Dezember bis 1, Januar I Volkstage. Jedermann I Kind 1 frei! Jed Kind erh. ein Geschenk, j Alle Schaustellungen! frei! Alles ohne Extra- En troe! Hell III er- Schiller-Theater 0.Theai). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Ohre. Sonntag, abends 8 Uhr: Uasarenflcbcr. Montag, abend» 8 Uhr: 8odoms Ende. Dienstag, abends 8 Uhr: D Evoxert, Tbealer-Verslellung uvll BALL. - Mitwirkende K ü n st l e r:> Frl. 91» dl Bio, Kostüm< Soubrette. Frl. Bella von Orsa, VorlragSkünstlertn. Herr Willi Frank, früher König!. Hosopernsänger. Herr Bonry 8ago, Humorist Herr Gustav Hüller, Humorist. Herr Kapellmeister Fischer, Begleitung am Flügel Beginn des Konzerts 9 Uhr, der Theatervorstellung 7 Uhr. Entree SO Pf. 147/11 RIXDORF eujahrs- Programm des Excelsiors Lichtspielhauses Passage RlchardstraSe— BergstraBe. I. Pathd-JournaL Illuskrierte Wochenübersicht. L. Welke Rosen. Die Tragik einer Liebe. S. Ja so fliegen wir. 4. Der geheimnisvolle Diebstahl. Eine lastige Detektiv- geschichte. 6. Naukes Neujahrsfest. 6. König Lear. Drama. Parbenldnemathographie. 7. Fritachen ist ein Ehrenmann. Humoristisch. 8. Einlage. 9. Das Glück im Dachstübchen. Tonbild. Anfang: Sonntags 3 Uhr nachm. Wochentags* 6 Uhr abends. UlVflnpF HermannsiraBe, XiIaUUI 1, Ecke Zletenstr.; Keues Theater MlilofSgr litjlbildsiiiklt. Harkgrafen-Säle 84. Klarkgrafen-Damin 34. r An der Stralaucr Allee.=�-- Jeden Sonntag: tZroOer Bali. Im Nestaurant täglich mustkatische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, fs.Bierc u. Weine, Billard u. Kegelbahn Niilles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag und Sonntag: Großer ßalL C. XlBle. Alhambra Wallner-Tbeaterslrahe 13. Großer Ball Großes Orchester. Ansang Sonniag» b Uhr._ A. Zanieltat. Jeden Sonntag; Emil Geiers IreptovEr Lostplen Parkstr. 2(Siemensbahn). -- Verclnslokal_ n Säle mit Bühne t: 50—1000 Personen für Veroammlungen u. Festlichkeiten frei. Schattiger Nafuryarten mit BDhne ÖTOO Personen für Sommerfeate usw. gjp Aclitnng! HZ VelcheS ist das günstig gelegenste versanun.'ungSlokal? Englischer Garieu, Amt vu loess. Ra-itanlcn-AlIc««3. BeGlsurellone- Betrieb einzig/ im Norden! Heute feTn6 Donnerstag and Sonntag Schultiieiß Versand- Biere. Engelhardts Origin.-Malzbier Fest-Säle» Billard 2 Kegelbahnen 2 3 Vereinszimmer 3 12-4 Uhr: Vorzüglicher Mlttagstlscb 4 Gange 75 Pf., i. Abonnem 10 Karten a Kuvert 70 Pf. Warme Küche bis 1 Uhr nachts. Freie Kranken- n. Degräbniskasse der Schuhmacher n. Berafogenossoa Berlin« (E. H. Nr. 27). Sonntag, den IS. Januar 1S11. nachmittags 4 Uhr, bei«übe. Alte Jakobstr. 7S: General-Versamniliing. Tagesordnung: 1. Vierieljähtllcher und Kassenbericht. 2. Neuwahl de» Vor- standeS und Ausschusses. 3. Innere Kastenangelegenheiten. OuiltungSbuch legitimiert t 2473b ver Vorstand. + Hygienische•§> Bedarfsartikel-A'enheitcn Anfragen erbeten. Versnndhaut« Zech. Berlin 514, Ucbterfclder Str. 33. Hochf. Kanarienfiinger, iieslourenrcich, flottstngend, von 8— 10 Warf u, b.. Zuchfweibchen zu 2,50 M. pr. Nachn., 8 Tage Probe. PrelSI.sr. Ad. Jan so n, Barbis a. 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Stiftungsfestes •IlltaUi U i im m!!«!! unter blitwirkung von Prau Küthe Ryan(Lieder im Volkston zur Laute und Gitarre) und erster Kräfte hiesiger Bühnen, unter Regie des Herrn Rax Jnng, Regisseur am Berliner Theater (Rezitationen altdeutscher Dichtungen und Aufführungen Hans Saohsscher Schwänke). Festvortrag; Ilelnrich Schal«. Später: gMF" T 3 13 Z"�*3 8,1 ErttfTnang O Uhr. Beginn 7 Chr. Billetts im Vorverkauf OO Pf., an der Kasse 70 Pf._ Verband der Schneider und Schneiderinnen. = Filiale Berlin I.- Achtung' dSmH Rranphffnt Achtung! Dienstag, de» 3. Januar 1011, abends 81/, Uhr» im ISewcrkschaftshause» Engeluser 16: Mitglieder- Versammlung TageS-Ordnung: 1. Bortrag:„Kindernot und Kinderclend.« Relcrent: Arbeiter» sekretär Gcnossc Vi'la«el. 2. Wahl der Delegierten zum Heim. arbeitsfongrcst. 3. Mitteilungen der OrtSvermaliung. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng, 162/1 Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 4. Januar, abends 8'/« Uhr: Nkl!r»tieilsitiiittiittDklsliti»»Ititigett der Branchen und Bezirke. TageS-Ordnung: 1. Ausstellung der Kandidatenliste zur Delegiertenwlchl. 2. Bericht der Obmänner. 3. Bericht der WcrfsiaitvertrauenSleuie. 3. VcrbandSangclegcnheiten. Cfr,v OrvTioJ+PTrtfö werden am Mittwoch DerfrauenSmSnnerfarten �yUI.«ITLcllÄtGs l. jn pen AibeitSnachweisen ausgegeben. Die zur Versammlung, wo sie als rrtrn haben in dem Beztrf Zutritt elegicrie gewählt waren._ 77/2 Verband der Sattler und Portefeuiller. ===== Ortsverwaltung Berlin.== Die nächsten Branchen-Versammlungen finden an nachsolgenden Tagen statt: (l)tFfl)tkF-§l(lttl||t' Donnerstag, den 5. Januar, abends 8'/» Uhr, im Saat HI des GewerfschaftShauseS, Engeluser 15. Porirftuillrr- n. Reistariilttlbranche: Miu�;bä�u?,nuor' bei Grunmann, Naunynstr. 27. Militär-Brauche: Miltwoch, den 4. Jamiar. abend» 6 Uhr. im Englischen Garten, SUexanderstr. 27 o. fiuolfitnilfget u. Eeppichitäher: eVusT' bei Weihnacht, Grünstr. 21. Magkll-Drauche: Mittwoch, den 4. Januar, abends S'/, Uhr, im Saal IH des GewerfschaftShauseS. Engeluser 15. Eisttimöbrl- u. Lkderstuhlpoistrrtr:*°meSi 1% im Saal 11 des GewerfschaftShauseS. Engeluser 15. Skdtiou fi'harlMllbUrg: Mlttwoch, 4. Januar, abends 3'/. Uhr. im Bolfshaufc, Nosinenstr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Bersammlungen erwarten 156/1_ Die Branchenlcitungen. ri Mittwoch, den 4. Januar, abrndS 81/] Uhr, in den„Kcaidcnz- Sttlcn'S Landsberger Straße 31; Allgemtine Mifglikder-Ntrsnmililnng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen E«»et««eh über:„Der bevorstehende Hcimnrbeiferschuhfongrcft-. 2. Wahl emeS Delegierten zu demselben. 3. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen, besonders der Heimarbeiter erwartet-MU _ Die OrtMTerwaltwng. neues Berliner Iftonzertorcbelter Allen fälschlich verbreiteten Gerüchten entgegenzutreten. erNSren wir biennit, daß fich daS.Neue Berliner Konzertorchefter- (dessen bisheriger Dirigent, Herr Rud. Tietz, verstorben ist) keines- wegS aufgelöst ball Im GegenteU hat fich da» Orchester de- deutend oergröstert und neue tüchtige Kräfte herangezogen: Ai» Dirigent haben wir Herrn M»fikdirrf»or Ho»ig»ia»n gewonnen, der die tönigl. Hochschule jür Musit in Berlin absolviert bat und ein in jeder Hinsicht tüchtiger und erfahrener Mnstfer und Dirigent ist.— DaS Orchester selbst besteht auSschiieblich aus frei- gewerlschaftlich organiiirrten Musikern. 24g0b Stets bestrebt, sich tünstlerisch aus der Höhe zu halten und zu ver- volltonimnen. empsiehlt fich da» Orchester den verehrten Vereinen und Vcranslaltern zur AuSslldnmg von Konzerten. BeretiiSscstlichleiten usw. jeder Art und bittet sein» bisherige» Freunde um ihr jeruereS Wohl- wollen. Gewissenhasteste Ausführimg garantiert I Hochachtungsvoll Im Austrage: Taa«endtreand. Bleck. Hoblhaae. Auf obiges Bezug nehmend empsehle ich mich den verehrten Ver- einen. Gewerischasten usw. und bitte, da» meinem Herrn Vorgänger entgegengebrachte Vertrauen auch aus mich ühertragen zu wollen, daS zu rechtseltigeu stets mein eitrigstes Bemüh eu fein wird. Berlin 8. 42, �asseriorftr. 69, 1. Etaoe. Frlt« Honigmann, Mufifdtrettor. Süd-Eisbahn Urbanstr. 166/167, vlS-g-vt» der Franzer-Kastt« ist eröffnet. Zum Verkauf gelangen die bei der Inventur herabgesetzten Waren sowie auch andere äusserst vorteilhafte Artikel. Soweit Vorrat Spitzenstoffe 45,75,95,1.45 Spachtelspitzen 45, 65, 55, 1.45 Farbige Besätze...... � 25, 45, 75, 95 5.0Q9 Meter Tülispitzen od Einsätze og% jl-Ftz DBr schWBr., verichiedeoe Breiien und Muster....... Meter■ V, dfiV, 20*000 Meter imit. KlÖppel-SpitZen n«flA«A AR oder Ein.ütsei verscliiedene Breites...................... Meter v,«dB, I W J Veiour-Barcliende ZS © gewebt mit hdbioheaBfffkteB.... Meter 4 8 Fr. m m?! O If �© in englischem Genre.............. Meter 7 5rk. Pf. Pf. Pf. 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Mit dem Zusammen- schmelzen dieser Bestände»vollzog sich in der Branche eine Hebung des Absatzes, so daß— etwa seit September— eine Besserung des Geschäfts im ganzen festzustellen ist. Die Bierbrauereien waren imstande, die Steuererhöhung ab- znwälzen. Der Malzverbrauch der Betriebe, die zum Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend gehören, nahm im ätzten Geschäftsjahr wieder zu, und zwar um etwa 4 Proz., so daß der Verbrauch des Jahres 1997/08 fast wieder erreicht ist. Infolge der Konvention, die im vergangenen Jahre unter den Brauereien geschlossen worden war, wurde der Konkurrenzkampf, der nach Erbö- hung der Brausteuer in Aussicht stand, vermieden. Das Geschäft entwickelte sich in ruhiger Weise, fast alle Brauereien des Bezirks er- zielten bessere Gewinnresultate. Dies ist allerdings in der Haupt- fache darauf zurückzuführen, daß die Gerstrnpreise im letzten Betriebsjahre niedriger waren als in den vorhergehenden Jabren und Gerste infolge der vorzüglichen Qualität eine sehr hohe Ausbeute ergab. Tie Hopfenpreise waren freilich hech, doch wurden die Brauereien hiervon weniger berührt, weil fast überall große billige Bestände vorhanden waren. Die Lag? des GastwirtsgewerboS, in dessen Betrieben samt- liche durch die Finanzreform getroffenen Artikel, Bier, Branntwein, Schaumwein, Tabak, Zündwarcn und Leuchtmittel, zur Verwendung gelangen, war im Berichtsjahre, soweit die mittleren und kleineren Betriebe in Frage kommen, recht schwierig; eine nicht unbeträchtliche Zahl von Gastwirtschaften dieser Art war den neuen Lasten nicht gewachsen und ging ein. Die Erhöhung der Biersteuer, die 2 bis 3 Mark für den Hektoliter beträgt, auf das Publikum abzuwälzen, erwies sich meist als unmöglich...... Einen außerordentlich ungünstigen Einfluß hätte die Finanz- rcform auf die deutsche Zündholzindustrie. Die Erzeugung von Zündhölzern, die vor Einführung der Steuer nahezu 24S 000 Kisten botragcn hatte, fiel im Laufe eines Jabres auf 95 000 Kisten, was einen Ausfall von 00 Proz. bedeutet. Die starke Vorversorgung, die auch mit Hilfe einer sehr beträchtlichen Einfuhr von Ware aus dem Auslände im Vorjahre erfolgt war, die Einschränkung des Verbrauchs im Gefolge der durch die Steuer herbeigeführten Verteuerung des Artikels, endlich die tvachsend« Verwendung von Zündholzersadmitieln, die der Steuer nicht unterliegen, stellen die Gründe für den Niedergang des Gewerbes dar." Ueber die Folgen der durch die ganze argrarische Wirtschaft?- Politik verursachten Teuerung bemerkt die Handelskammer folgendes: Es scheint, als ob auf die Erhöhung der Ausgaben für den Lebensbedarf wenigstens zum Teil ein Borgang zurückzuführen sei, der sich im Berichtsjahre auf dem Gebiet« des Sparkassenwesenß vollzog. Der Sparbctrieb derjenigen Schichten, die in erster Linie als Kundschaft der Sparkassen in Betracht kommen— Arbeiterklasse und Mittelstand— schwächte sich vorübergehend ab; man griff auf die Ersparnisse zurück. Während die Einzahlungen bei der städtischen Sparkasse Berlins noch im ersten Halbjahre 1910 die Einzahlungen des Borjahres überragten, änderte sich im zweiten Halbjahre das Verhältnis, indem nicht nur die Einzahlungen sich verringerten, sondern auch die Rückzahlungen sich vergrößerten. Der Betrog der Rückzahlungen machte von dem Betrage der Ein- Zahlungen folgenden Prozentsatz auS: � Die kleinen Leuto haben für die Brot- und Fleischwucherer gespart. Was die Arbeiter pfennigweise zusammenkratzten, was sie sich vom Munde abknapsten, das raubten ihnen mit einem Schlage die Schnapsblockbrüder. Der Bichstand in de« wichtigsten europäischen und außer- europäischen Staaten. Daö wllrttembergische Statistische Landeöaint hat eine Zusammen- fiellung des Viehbestandes in den bedeutendsten Produktionsländern, sowohl hinsichtlich seiner absolulen als auch hinsichtlich seiner aus den Kops der Bevölkerung kommenden Höhe gemacht, die er in der jetzigen Zeit der Fleischnot und der Bestrebungen zu deren Abhilfe ein besondere« Interesse beanspruchen darf. Wir lassen hier zunächst die Ausstellung für die drei iMhtigsten für die menschliche Ernährung in Frage kommenden Tierarten folgen: Rindvieh aus tm 1000 S°nsen GlI1R). Deutsche« Reich(1907) 20 630 544 322 _.. �—----- 705 711 363 1 861 412 2 846 712 1 840 466 14 239 730 Belgien(1908) Bulgarien(1905).. Dänemark(1903).. Frankreich(1908).. Großbritannien und Irland(1909)... 11 71g zgz 260 Italien(1908).,.. 6 200 990 183 Nuderlande(1904). 1690 403 309 Oesterreich(1900).. 9 511 070 364 Europ Rutzland 1907) 36 540 677 292 Schweden(1908).. 2 685 020 490 Schweiz(1906).... 1 498 144 421 Ungarn 11903).... 6 239 864 342 Argentinien(1908), 29 116 625 x 559 Kanada(1908).... 7 234 085 113 Uruguay(1902)... 7 029 078 6702 ver. Slaateu(1908) 69 060 800 792 Was zunächst die wichtigste Tiergattung, doS Rindvieh, anbelangt, so wird hierin das Deutsche Reich hinsichtlich der Stückzahl OB noch von dem europäische« Rußland, von Argentinien und den Vereinigten Staaten übertroffen. DaS Zahlcnbild verschiebt sich aber sofort, wenn man das Verhälinis der Zahl von Rindern zur Bevölkerung ins Auge faßi. Dann rücken Deiuschland»nd Rußland an eine ziemlich niedrige Stelle, während die Ueberlegenheit der Vereinigten Staaten und vor allein des virhreickien und dünn- bevölkerten Argentiniens und Uruguays(5559 resp. 0724 Rinder auf 1000 Einwohner) in die Augen fällt. Außer von den genannten Ländern wird Deutschland in bezug auf dieses Verhältnis noch über- troffen von Kanada(1113), Bulgarien(705), Dänemark(711), Schweden(490) und der Schweiz(421). Hinsichilich der Stückzahl der für die Ernährung der breiten Massen in erster Linie in Betracht konniienden Schweine steht Deutschland an zweiter Stelle; es wird hier nur von den Vereinigten Staaten übertroffen. Auch im Verhältnis der Zahl der Schweine zur Bevölkerungszahl nimmt Deutiwland mit 357 Stück auf 1000 Einwohner einen hervorragenden Platz ein. Ueber ihm steht in Europa nur Dänemark mit 502 und in Amerika nur Kanada mit 448 und die Vereinigten Staaten mit 548 Stück. Der Bestand an Schafen ist in Deutschland.gering sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Bevölkerung. In letzterer Be- ziebung wird es von fast allen Ländern übertroffen. Argentinien und vor allem Uruglioy stehen auch hier an der Spitze, ersteres mit 12 830. letzteres mit 17 200 Tieren per 1000 Einwohner. In bezug auf den Bestand an Z i e g e n, den wir in der Tabelle nicht mit aufgeführt haben, nimint Deutschland mit 57 Stück pro 1000 Ein- wobner eine Mittelstellung ein. Die meisten Ziegen überhaupt be- sitzt Mexiko, die meisten im Verhältnis zur Bevölkerung(753) Argentinien. Deutschlands Viehbestand hält also alle? in allem sich ungefähr mit dem der anderen großen europäischen Kulturländer die Wage. Verglichen mit den noch mehr agrarischen Ländern Europas und vor allein natürlich den überseeischen Ländern ist Deutschland freilich außerordentlich vieharni zu nennen. Es zeigt sich hier deutlich, daß es ebenso wie Frankreich, England. Oesterreich, Belgien usw., aus eine starke Vieh- oder vielmehr Fleiicheinsuhr angewiesen ist, die künstlich zu verhindern oder einzirschränken ein geradezu verbrecherisches llnierfangen unserer Agrarier ist. Dem Abgrunde zu. Die Situation, der wir bei der verrückten Schutzzollpolitik zu- treiben, cirtwirst die Hamburger Handelskammer in ihrem Jahres- bericht für 1910 also:....... Eine fortwährende Steigerung der Preise für Lebensmittel. Gebrauck)sgegenstände, Wohnungen, der Steuern und sozialen Lasten, der Löhne und Gehälter bei gleichzeitiger Verkürzung der Arbeitszeit bildet eine Schraube ohne Ende, die schließlich die Produktion unterbinden, zum Wirtschaft- lichen und kulturellen Rückschritt und zur Uebcrschuldung der Staaten und Kommunen führen muß. Allgemeiner als bisher bricht sich daher die Ansicht Bahn, daß der Verkehr nicht erschwert, sondern erleichtert und die Zölle, wie wir es immer befürwortet haben, nicht immer weiter erhöht, sondern allmählich, je nachdem sie entbehrlich werden, herabgesetzt werden müssen, und daß hiermit bald ein Airfang gemacht werden sollte......" Wenn der Hansahund kein falsches Spiel triebe, wenn er nicht in das Fahrwasser der Junker und Schlotbarone hineinbugsierte, dann könnte die nächste ReichStagswahl eine Mehrheit bringen, die mit dem Abbruch der Zollmauern bis auf das Niveau der Caprivischen Handels- Verträge vorgehen könnte._ Kohlcnsyndikat. Wie die..Rh. Wests. Ztg." meldet, sind die neuen Beteiligungsziff�n wie folgt festgelegt: Gesamtbeteiligung in Kohlen 78 294 834 t. d. h. 135 000 t mehr als im Vorjahr. In Koks 14 859 100 t. d. h. 271750 mehr, in Briketts 4 500 140 d. h. 753 500 mehr._ Gerichts-Zeitunge AnS der HSlle in Micltschin. Pastor Breithaupt hat gegen das milde Urteil der Straf- kammer des Landgerichts Revision eingelegt. Die Staatsanwalt- schaft hat die Einlegung eines Rechtsmittels unterlassen. Ob Pastor Breithaupt unter Berufung auf die noch immer ohne An- klage gelassenen Polizeimißhandlungen in Moabit statt Strafe Belobigung durch den Reichskanzler verlangen wird? Schub gegen unberechtigte Einsperrung in ein Irrenhaus! Die Anfechtungsklage gegen die Entmündigung des Direktors Karl Wabl. der am 27. November v. I. aus der Privatirrenanstalt des Dr. Weiler in Westend entflohen war, beschäftigte gestern die 14. Zivilkammer des Landgerichts III. Aus dem Plaidoyer des Rechlsanivalts Dr. Ehrenfried, welchem Direktor Wahl 14 Tage vor seiner Flucht unter Umgehung der Briefzensur der Irren- anstatt Prozeßvollmacht erteilt hat, ist für die Beurteilung der Sache folgendes zu entnehmen: Direktor Wahl war Mitinhaber eines großen kaufmännischen Unternehmers und Gründer des Elektrizitätswerkes in Wyborg. Vor einigen Jahren hat er sich von dem Geschäft zurückgezogen und in Charlottenburg Wohnung genommen. Bald nach seinem Ausscheiden erfolgte die Umwand- lung der Firma Wahl u. Co. in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von zirka 7 Millionen Mark. Anläßlich der Gründungs- Verhandlungen geriet W. in Streitigkeiten mit seinen Brüdern und schloß sich, als sich unter den Gründern zwei Parteien bildeten, derjenigen Partei an, welefc seine Brüder bekämpfte. In Per- Hindling mit diesen geschäftlichen Streitigkeiten traten eheliche Zer- würfnisse ein, die schließlich W. veranlaßten, die häusliche Ge- meinschaft mit feiner Ehefrau aufzuheben. Einige Zeit darauf erschien bei ihm der Obcrwärter der Dr. Weilerschen Irrenanstalt mit der unrichtigen Erklärung, daß seine Frau infolge eines Unfalles sich im„Krankenhaus" des Tr. Weiler befinde und daß sie ihn dringend zu sprechen wünsche. Als dieser Versuch scheiterte, erschienen einige Stunden später der Kreisarzt Dr. Karsten und der Oberarzt der Dr. Weilerschen Anstalt Dr. Artmann in Be- gleitung des Oberwäriers und eines Polizeibeamten. Der Kreis- arzt erklärte nach längerer Unterredung mit Wahl, zu dem Ober- arzt der Anstalt gewandt:„Was wollen Sie denn? Der Mann ist doch ganz vernünftig." Eine Unterhandlung der beiden Aerzte im Nebenzimmer führte jedoch trotz der ursprünglichen Stellungnahme des Kreisarztes zu dem Ergebnis, daß dieser ein ärztliches Hast- attest ausstellte.— Wahl wurde während seines dreivicrteljährigen ZwangsaufenthalteS in strenger Abgeschlossenheit von jedem Ver- kehr mit der Außenwelt geholten und nach dem ersten Besuche seines Anwalts ins Bett gesteckt. Bald nach Erhebung der Anfechtungs- klage glückte dem Internierten unter dem Beistand von unbekannt gebliebenen Personen die Flucht. Am 5. Oktober hat sich dann die Ehefrau des Wahl erschossen.— In der gestrigen Verhandlung betonte Rechtsanwalt Dr. Ehrcnfricd. daß die tatsächlichen Grund- lagen der Gutachten tue Angaben der Ehefrau bilden welche sie selbst in zwei kurz vor ihrem Selbstmord geschriebenen Briefen als un- wahr bezeichnet. In dem Briefe an ihren Prozeßbevollmächtigten im Enimündigungsvcrfahrcii schrieb sie ivörtlich, ihr Mann sei dispositionsfähig, sie bitte, ihn aus der geschlossenen Irrenanstalt zu. entlassen und empfiehlt die Anfechtung des erlassenen Eni- mündigungsbeschlusies, da er ja noch nicht rechtskräftig sei. In dem zweiten an ihren Ehemann gerichteten Brief schreibt sie wärt- lich:„Ich kann Dich nicht so leiden sehen, verzeihe mir die Tat, ich werde noch fflleS, was in meiner Macht steht, tun. um Dir zu helfen. Ich scheide freiwillig aus dem Leben, Du bist für meine •iwt keinesfalls verantwortlich."— Mit Rücksicht auf dieses Gc- ftändnis der Ehefrau falle die tatsächliche Grundlage, wie der Per- treter des W. vor Gericht ausführte, wie ein Kartenhaus in sich zu- sammen. Ferner überreichte er zwei Gutachten deS Universitäts- Professors Dr. Gudden m München und deS Dr. Guttmcmn in Berlin, welche de« Kläger altz völlig geistig grjugd erklären,— Das Gericht beschloß nach längerer Beratung zur weiteren Auf- tlärung des Sachverhalts einen neuen Verhandlungstermin anzu- beraumen, in welchem die Akten vorgelegt werden sollen, in denen sich die erwähnten Briefe befinden. Der Fall beweist von neuem, wie dringend erforderlich eine Reform des Jcrenhauswesens ist. Mocdeu-Spielplan der Berliner Cheater. Köuigl. LperuhanS. Tonnlax: Die Hugeneitcn. Montag: Bajazzt. Cavallsri» rusticana. Dienstag: Fidelio. Mittwoch: Lohengiin. Ansang 7 Uhr. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freiing: Madame Butter fly. Sonnabend: Mignon. Sonnlag: Tannhäuier. Monlng: Carmen. Neues königl. OPern-Tveneer. Sonntag: Hamlet. Montag ae« schlössen. Dienstag: Der Barbier von Sevilla. Versiegelt. Mittwoch bis Sonnabend grichiosscn. Sonntag: Die Rabensteinerin. Ansang 8 Udr. Königl. Sevaiiipirlhaus. Sonntag: Der Kausman» von Venedig. Montag: Der Störensned. Dienstag: Der Kausma!.., von Venedig. Mitlwoch: Maria Stuart. Donnerstag: Der KrampuS. Freitag: Der Kausmann von Venedig. Sonnabend: Götz von Berlichiiigen. Sonntag: Der Störcnstted. Montag: Die Welt, in der man sich langweilt. Ansang 7-/, Uhr. Deutsches Dhcater. Sonntag: Lumpazivagabundus. Montag: Othello. Dienstag: LumpnzivagabnndnS. Mittwoch: Othello. Donners- lag: Lumpazivagabundus. Freiing: Faust. Sonnabend: Othello Sonntag: Lumpazivagabundus. Montag: Othello(Ansang Tl. Uhr.) Deutsches Theater(K a m in c r I v i e l e). Sömiiag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Montag: Der verivundete Vogel. Dienstag: Lanzelot. Mittwoch: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. DonnerSIag: Lanzelot. Freitag: Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Sonnabend: Der verwundete Vogel. Sonntag: Lanzelot. Montag: Die Komödie der Irrungen. Di« Heirat wider Willen. Ansang 8 Uhr. Lesftug> Theater. Sonntag und Montag: Anatol. Dienstag: Wenn der junge Wein blüht. Mittwoch und Donnerstag: Anatol. Freitag: Wenn die Toten erwachen. Sonnabend und Sonntag: Anatol. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. CoimtagnachmiitagS 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Abends und von Moniag bis Sonnabend: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Varietö. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Joachim v. Brandt. Abends und Montag: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Die Hosen deS Herrn von Bredow. Montag: Der Zerrissene. DienStag: Die Hoien deS Hern« von Bredow. Mittwochnackinitlags 3 Uhr: Frau Holle. Abends: Faust. I. Teil. Donnerstag bis Moniag: Unbestimmt.'Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Taifun. ZlvendS, Montag und DicnSiag: Bumniclfludcnten. Mittwochnachmittags 3 Ubr: Macbeth. Abends, Donnerstag und Freitag: Bumniclstudenten. sonn« abendnachrniitogs 3 Uhr: Macbeth. Abends: Bumniclstudenten. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Der Vcilchcnsrcsscr. Abends uns Montag: Bummel- studenten. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Täglich: Der G. m. b. H.-Tenor. Ansang 3 Uhr. Moderueö(Hebbel-) Theater. Sonniagnachinittag 3 Uhr: Sherlock Holmes. Abends: Der Doppelmensch. Von Montag bis Sonnabend: Der Doppelmensch. SonniagnachmitlagS 3 Uhr: Sherlock HolmcS. Abends und Montag: Der Doppelmensch. Ansang 8 Uhr. Komische Oper. SonniugnachmiitagS 3 Uhr: ToSca. Abend«: Die Boheme. Montag: Das vergessene Ich. Dienstag: Die Bobäme. Mittwoch: Das vergessene Ich. Donnerstag: Die Bohöme. Freitag: Tiefland. Sonnabend: Tosca. SonntagnachmittagS 3 Ubr: HofsmannS Erzählungen. Abends: DaS vergessene Ich. Montag: HofsmannS Er- zähluiigcu. Ansang 8 Uhr. AussteUuiigstheater am Zoo. Moniag bis DonnerSIag: Unsere Säte. Freitag biS Sonntag: Meyers. Ansang 8 Uhr. Thalia-Thcaeer. Sonntag, Allontag und DicnSiag: Polnische Wirt- schast. Mittwochnachmittags 3 Uhr: Hansel u. Krctcl. Abends, Donnerstag und Freitag: Polnische Wirischast. SvniilibendnachmittaqS 3 Uhr: Aschen- bi ödel. Llbends, Sonntag und Rtonlag: Polnische Wirtschast. Ansang Schillcr-Tbeater O. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Ehre. AbendS: Husarensieber. Montag: SodomS Ende. DienSlag: Der Dumm- kops. Mittwoch und DonnerSIag: Der Himmel ans Erd-n. Freilag: Gespenster. Sonnabend: Der Himmel aus Erden. SonniagnachmittagS 3 Uhr: Die Ehre. AbendS: Husarenfieber. Montag: Der Dummkopf. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater Eharlottenburg. SonntagnachmittagS 8 Uhr: Egmont. AbendS: Der Himmel aus Erden. Moniag: DaS Urbild deS Tariüff. Dienstag: Husarensieber. Mittwoch: Der Bund der Jugend. Donnerstag: Husarensieber. Freitag: Die Macht der Finsternis. Sonnabend: Husarensieber. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abend«: Die Macht der FlnslcniiS. Moniag: Der Bund der Jugend. Ansang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstädiisches Schauipirlhaus. SoimtagnachmsttagS 3 Uhr: Die Räuber. Abends, Alonlag und DicnSiag: Chrono von Bergerac. Mittwoch: Die Räuber. DonnerSIag: Die blaue MauS. Freitag: Cyrano von Bergerac. Sonnabend: tzosgunst. SonntagnachmittagS 8 Ubr: Faust.'AbendS: Die blatte MauS. Montag: Cyraiw von Bergerac. Anfang 3 Uhr. Neues Operetie»- Theater. SonntagnachmittagS 8 Uhr: Die Glocken von Corneville. Abends: Die schöne Nisettc. Montag bis Sonn» abend: Die schöne Aiisette. SonniagnachmittagS 3 Uhr: Die Glocken von Conievtlle. Abends und Montag: Die schöne Risette. Ansang 8 Uhr. Th.ater des Westens. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die geschieden« Frau. AbendS: DaS Puppenmädcl. Montag und Dienstag: DaS Buppcnniädcl. Mittwochnachmittags 3 Uhr: Rotkäppchen. MendS. DonnerSIag und Freitag: Das Pnppciimädrl. EonnabendnachmittagS 3 Uhr: Rotläppchen. AbendS: Das Puppenmädel. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Di« geschiedene Frau. Abends und Montag: DaS Puppenmädel. Ansang 8 Uhr. Trianou-Theater. Connkagnachinittags 3 Uhr: Fräulein Josette— meine Frau. AbendS: Der heilige Hain Bon Montag bis Sonnabend i Der beilige Hain. Sonntagnachnrittags 3 Ubr: Der selige Toupinel. AbeudS und Montag: Der heilige Hain. Ansang 8 Uhr. Resideilz-Theaier. vlllabcndlich: Familie Bolero. Ansang 8 Uhr. Berliner Bolls-Oper. SonniagnachmittagS 3'/z Uhr: Riaoletto. AbendS: Die Tollarprinzesfin. Montag: Don Juan. Dienstag: Robert der Teufel. Mittwochnachmittags 3'/, Ubr: Der Kamps um Schneewittchen. Abends: Die Dollar-Prinzessin. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend: Die Reginiemstochter. Ahasncr. SonniagnachmittagS 3'/, Uhr: Die weiße Dame. AbendS: Die Dollarprinzeifin. Montag: Don Juan. Anfang 8 Ubr. Luisen< Tliearer. Sonnlognachmiltag 3 Uhr: Wilhelm Till. AbendS, und Montag bis DonnerSIag: MudickeS Reise nach Indien. Freitag: Der Mlllionenjunge. Svmiabendnachinttlag 3 Uhr: Häusel und Krctel. AbendS: Der Millioneiijunge. Sonntagiiachinittags 3 Uhr: Hamlet. AbendS und Montag: AludickesZieisc nach Indien. Ansang 8 Uhr. Lnstspielhnus. Sonnlagnachmittagv 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends: Der FeldHernchügel. Bon Montag bis Sonnabend: Der Feld» herrnhügel. Sonnlagnachniittags 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends und Montag: Der FeldHernchügel.'Ansang 8 Uhr. ÄNetropol> Theater. Allabendlich: Hurra I— Wir leben noch l Ansang 8 Uhr. Herrnsetd-Thcatcr. Täglich: Eine verlorene Nacht. Der Derbhfieger. Ansang 8 Uhr. Easino- Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Haß und Liebe. Abends: Julie Wippchen. Allabendlich 8 Uhr: Julie Wippchen. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Haß und Liebe. Abends: Julie Wippchen. Nose-Tbcaier. SonntagnachmittagS 3 Uhr: Die Anna-Lts«. AbendS: Sein Sündenregister. Montag und Mittwoch: Sem Sündenregister. Dienstag: Der Müller und sein Kind. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag und Montag: Don Carlos. Freitag: Der Kaiscrjäger. Ansang 8 Uhr. Folies Eaprice. Allabendlich bis aus weiteres: Der Feldwebechflgel. Anfang 8'/, Uhr. Avotto-Ttieater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Sonn« tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Passage- Tdenier. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Winti rgarte». Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Rcichsvalle«- Theater. Täglich: Stettiner Sänger. Ansang S Uhr. Sonntags 7 Uhr. Walballa. Theater. Allabendlich: Bravo l Da eapo l Spezialitäten. Ansang 8'/, Uhr. Tanesouci. Allabendlich: Ach. die Kerl». Spezialitäten. Ansang L'/, Uhr. Earl-Haverland-Xheatcr. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. NraniuTheaier. Taubeustr. 43/49. Sonniagnachinittag 4 Uhr: Der Vierwaldslätter se« und der Gotthard. Täglich: Bon Sa« chemo nach Florenz. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidmstr. 67— es. f I m m m 0 w w m ww mw w WW W r m 9 wwmw mWMmm 9 9 m w m w a m 9 9 a m m m wwwwwm w w w w m w ww w m m m w w wmwwmww mw m w w w ww wm ww wvm w w w w ww ww mw wwwmww m w» wmw wmw wwww�wwvmmwww 9W9 Pro sll Neujahr edlen Rauchern l ////////.■////////////////, yM//////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////��� Meinen werten Kunden undGönnein mn> Neue» Jahr« die herzlichsten Vlückwünsche. Lader Bauer. Schlachlernreister, Wiidenbruchstr. 54._ -mr Prosit Urojahr! meinen Genosse», Freunden und ®äiten. Hermann Scholze, Treptow, GrlltzHtr. 49. BesM zur Rmhalm. Treptow(Jnh. R. Linde). Vstnlcht Freunden und Gönnern ein WM teK JiHr! ?W.W Herzlichsten Glückwunsch jum ilfiirn Jahr sendet seinen Gästen L4i0b ?eul ri!eIi«e.Z.'S«LÄ K»AI Sin srölilicheS Reu,« Iah« wünscht allen Velonuten und Aenosten vustav Kupsch, Gastwirt Teltow,<24436 Hoher Ttetuweg 10 [iiMesteJair] - allen Vereinen und Aewerk-». ichaften Kart Ludwig, Treptow. 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Zum Neuen Jahr wüntcke meinen Güsten, Aollegen und Genossen Glück und Mesundkett. Albert BSroa, ,t*Tk. Unseren geehrten Kunden, Geschäftsfreunden und Spezialmarken x Rauchern unserer Fabrikate gratulieren herzlichst zum Neuen Jahr! Gebr. Selowsky Dresden. Fritz Heller Berlin. MeltM, werten Stammg-isien sowie Freunden wünsche ein glückliche» JalirS GllStaf POSt, Prinzen-Allee 44. Profit önilfilir 1911! Allen Freunden, Genossen und Be- kannten wünscht 25S4? Gottrried Schäfer Reslauean»„zum Wasserturm- Filkenberg bei Grünau. vwv lkelepbon: Grünau 32. Dr.SimmeE Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr 41, � wünscht allen Betanuten Parteigenossen' und 5mll»ohmann, Sefizfistwlrt K�it-. Rudowcr Strafte KS. glTr i■■| Der litbk Oudkl Erust au» Treptow, Reue Krug.ttlleeSl wünscht seinen lieben Gästen. Freunden und Bekannten ein frohes Ntlits Jahr! Meine» werten stunden, Bekannten und Genosse» wünsche«in Irillelies. sesiiiiiies km Jaltr! Ernst Wancke, Hutmacher. Mitgttcd und Lieserant der Konsum- genosl.iilchast, Kvrkin, UHicIttMi.ti'aB« Oa, _ an der Ljannowitzbrück«. Ein fröhliches, gesundes Neujahr! wünscht allen seinen lieben Küsten, Betannten und Genossen S4SSb Anglist Siedersigln, Gastwirt. l. tAeschüsl: Berlin, Abalberlstrage SS. 2. Ge chüjt: trevlow. Grätzurast« lt. «ai-jigrafen-Säis. geeljn G. 17, Markjratenilamm 34. «Seinen werten Güsten, Freunde» und Bekannten die besten Gliickwüusche zum tioosv lastre! 24S8H«. Gr b'.Its. Der werten Kundschasl zum Fahre». Wechsel dl« Z4g3i besttn Gtuckwiillschk. ?r!tz Holtmann nebst Frau. Molke, eldesitzcr, Mauleustelslraße S2. Meiner geehrten Kundschaft /C eln frilielies Neues Jahr! Kol!'«nd Kohlrnhandtnng »ermann«lanetek� Mixdorf. Siegsriedstr. SV. l�uavpjx Nofmann Um Treptower Part Str. St tScke Aarpseiitetchsti ahe) wünscht sctnen lieben Güsten, Freunden und Betmnlrn ein fi-vdUek«» Siv««»dadrt Meinen Feunden und Bekannten zum Jahreowechsel die besten Glückwünsche! 3497b Carl Schulze, Destillation»um grotzen Seidel, D r e» d e u e r st r. l l S, Fritz Schmidt fätterstr. 47 wünscht werten Gästen, Freunden und Bekannten ein frohes Neues Jahrl Allen werten Patienten, Freunden und Bekannten ein frohes Neues Jahr! Max Witte, Zahnkfinstler, Maskauer Str. 16, Ecke Manteuffelstr. _ Moritzplatz, 1 10— 3. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 v M MM M» M MMtM ds M M M M»»» ssil A WM»MM»» M.M«a. 4� X. j Hotel„Moritzplatz"! Wünscht allen Partei'anossen, Freunden und Gönnern in Fern und Nah ain Fröhliches Neujahr! Heinrich John, Luckauer Straße 2. Empfahl« cleirhroitij mein jetet bedoutend vergrößertes j J Rotel mit elektrisohem Licht, Ba' Allen Parteigenossen, Freunden, Bekannten und meinen werten Gästen wünsche ich von ganzem Herzen ein gesundes und fröhliches Neues Jahr! Adolf Bartsch, Rixdorf, Hermannstraße 49. UZZXZZZZZZZXZZZZZXZXXZZZZZZZZZXXZZZZXXXZ fröhliches Si> uj«br wünscht allen weiten Knuden �rncka'sches Zahn» aielier. DreSderernrade lob,_ Meinen werten Gästen, Freunden, Betaniiteii uud Partriacnosse» wünsche ein sröbliche« Neue» iialu I K'liltipp lFlelronrvtt, Gastwirt, Ulrxandrineustrafte 1 1<>. JnTfn Freunden, Bekannten und Parteigenossen ein 34S8b fröhltche« Reusahr k PelLMSIiN. �Z'ancn. 24686 Ritterftraftc I. Meinen weiten Gülten, kowte allen Fremiden und Bekannten ein sröblichet Rcujabrk O. Nut»,««- und Krau. sttvM__»anztgersrr. St.._ Ein fröhlidirs Neuts Jahr! wünscht allen seinen Freunden, Gästen und Bekannten Restaurant A. Kernchen, 2471b_ Roftizftrafte 5. P | wünscht seiner werten Kundschaft L Danielsohn und Fm, Räncherwareu und lldelikatefsen. ggslin, Xolldusöf VSM 6. Allen meinen werten h Gästen, Freunden und*- Bekannten wünsch« ein recht gesundes y Wehes Neues Jahr! x Beisholii Schlnner, � Wllrther Str. 18. � xxxxxxxxxxxxxxxxx (ün srühlichc»�NeueS Jahr wünscht allen Genossen Hl'UUO __ Langtstratz, 68. Meiner werten Sünhichcft fröhliche» Neues Jahr wünscht Fritz Neumaaa, Bäckermeister, Befnlckendorf(Oet), »ommerftrafte 52. Meinen Parteiaenossen, Freunden ""��ftilhlichtS Urajahr! Augus! Xfsuse. aaumschulanwo,. Ktestzei, strafte, Sckr Marienidaier Sir Prosit 7feujshr! Allen Freunden und Betanntm die besten Glückwünlch«»um Xcaen Jahr sendet 2482b Paul WehneF, asatHtr. 3. Cafe Bellevue Boxhnjron- Rnmniolnbnrg HanptstraBe 9 Xerzlichste Glückwünsche zum Keaen Jalire MM- allen meinen werten Gästen und Bekannten �BO G. Tempel. jSZ TT, Artus«Hof Ost- Kasino ll'erlebci'arep StrnBe 26 I Stenduler htraUu IS Amt Moabit 123. .Frankfurter Alles 106 Amt V»«33b. Aus beiden Rtabliasement» zum Neuen iohr. die betten Glilckwünscha Carl l'lrnaa. Im erstoren Lokal: Jaden Bonntag; Große 8pebt»Ulh*cn- Voratellunc.— Säle für Versammlungen, Festliohkeiten usw. sind unter kulanten Gwws Bedingungen im Februar) ju vergeben. («ueb noch Sonnabends i Rrohre illenro Jahr, wünsche allen meinen Güsten, Freunden und Bekannlen. Trlt» Kteattm, Möaliner Str. I, Vcke ZSeidenweg � m.Wd»« Meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten e>» T,-«bliebe« Aienjabe. H KIüeft Böckerei und Kondttoret, , VlUbä, MlbelinSdaveiier Btr.dt. Fi bbllebe» h'eufabe wünscht allen vekamuen, Freunde» mid Sönnern .1. Sehflt«, Jndader der Berotiiia-Göle, Schönhauser Allee 28. Allen miinen Kunden, Genossen und Bekannten ruse tziermtt ein krästigeS Prosit Neusahr! »u. Gustav danentzkx. Bäckerei und Konditorei, Blxdopf. Warth«strafte 15� Ein ftÖhliches Nrujahr!' wünscht s einen Freunden und«Säften Arbeiter-Ges.-K.„Heimatliänae" iM. d. D. S.-B.s. V p e n t e K. hy/i ein «n ünHK fem»I Säften, Freunden ksrl 8e!lliils, o« Tt eptower Park 87, Ctft Puderstraft«. mid Seiner werten Kundschaft ein fröblithc» Neue* Jabr wünscht Man« Herrenfelder, Schlüchternieiiter, Reinickendorf<0,1), Sommer ftr. 48. Di» h«r»Ochsten SiNckwünich, zum Jahre wünscht allen seinen Kunden und Be- tannten 2440b Xruolc! Wieske, Seiter- o. aikotiolfriie Gelrinkelabrlk _.Hemeler Str. 4. Meiner werten Kundschaft ose besten Glückwünsche zum Neuen Jahr! Joseph, t.'zerniejewnkl, Restauratcur. Wciftensee. RSlckestr. l3S. Meinen verehrten Kunden zum Jabresivechscl die herzlichsten Glück- wünsche. H. Junghans, Xlgarren- n. Tabakfahrlk, Berlin N., RelnlckendorlerStr. 106, vm, Roadit. Nr 838. -.-■t med. Karl Reinhardts spszial-ärztliche Institute(Br Geschlechtskrankheiten Hant-, Harnleiden, Sehtvttche ' NaaniersttaBe 12 PolsBaaet Shaße 117"i~u:!rS.»ä;!"?r!mr 1 Tellkommenste« konibialerte« Heilverrahrcn bei frltaehen und veralteten Ktlllen. 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Der Umstand, daß das Parteileben Groß-Berlins immer reger geworden ist, datz erfreulicherweise unsere Organi- sation in einer immer größeren Zahl von Vororten in unseren beiden Landkreisen festen Fuß gefaßt hat, hat dazu geführt, daß unser Bekanntmachungsteil einen recht erheblichen Umfang an- genommen hat. Wir erkennen an, daß unsere Genossen in Berlin wie in den Landorten Gelegenheit haben müssen, den„Vorwärts" für ihre Veranstaltungen zu benutzen, und wir glauben, nach dieser Richtung hin immer Entgegenkommen bewiesen zu haben. Wir meinen aber, daß es auch da gewisse Grenzen geben mutz, und dah der beabsichtigte Zweck erreicht wird, wenn solche Veröffentlichungen einmal geschehen und Wiederhalungen vermieden werden. Die Redaktion hat sich deshalb entschlossen, in Zukunft Be- kkanntmachungen über Versammlungen. Vergnügungen usw. nur «och einmal zu veröffentlichen, entgegen der bisherigen Gepflogen- heit, nach der sie in den meisten Fällen wiederholt wurden. Die Leitungen der Organisationen wollen in Zukunft darauf achten und bei Einsendung ihrer Hinweise den für ihren Ort am passendsten erscheinenden Tag für die Bekanntmachung wählen. Die Genossen in den einzelnen Kreisen und Orten aber wollen künftig der Rubrik„Berliner Parteiangelegenheiten" genauere Beachtung schenken, damit sich niemand mit der AuSrede entschuldigen kann, er habe sich an einer Parteiveranstaltung deswegen nicht beteiligt, weil er nichts gemutzt habe. Zum Glück ist die Zahl der tätige» Genossen so grotz, datz eS für viele erst gar keiner Aufforderung zur Beteiligung an einer Parteiveranstaltung bedarf. Aber eS gibt auch noch zahlreiche Genossen, die lässig sind, und für diese gelten unsere Bemerkungen, in Zukunft auch bei einmaliger Auf- forderung ihre Parteipflichten zu erfüllen und regeren Anteil am Parteileben zu nehmen. Zweiter KreiS. Heute Sonntag, bei Raabe, Fichtestratze 29: Renjablsvergiiügen der 7. und 8. Abteilung, bestehend in Theater (zur Aussübumg kommt: Strafgericht), Konzert und Tanz. Ansang S Uhr. Potsdam. Mittwoch, den 4. Januar 1011, abends 8 Uhr. im Lokale von Wilhelm, Kaiser-Wilhelin-Stratze: WahlvereinSversanun- lung.(Stellungnahme zur KreiS-lSeneralversainnilung). _ Der Vorstand. Berliner]Vacbncbtem Berliner Neujahrsgratulanten vor hundert Jahren. Aus einem vergilbten Zeitungsblatt ist die interessante Tatsache zu ersehen, daß vor einem Jahrhundert die Sitte des Neujahrswünschens„mit der offenen Hand" in Berlin einen außerordentlichen Umfang besaß. Die Notiz besagt nicht direkt, daß man die Neujahrsbettelei als Belästigung empfand, aber sie erwähnt doch, daß es vor dieser Zeit noch viel schlimmer gewesen sei. Im Jahre 1810 war das persönliche Herumsahren der Gratulantdn schon aus der Mode gekommen. Um diese Zeit kam das Verschicken von Visitenkarten auf, welches sich mit den folgenden Jahrzehnten zu einer so ge- waltigen Höflichkeitssorm auswachsen sollte. Auch die öffent- liche Gratulation an sämtliche Freunde und Bekannte durch die Zeitung kannte man damals schon; aber nur ein einziger Berliner befolgte diesen bequemen Ausweg, der lange Jahre keinen Nachahmer finden wollte. Das Herumlaufen von Neujahrsbettlern muß an den Geldbeutel sehr erhebliche Auf- Wendungen gestellt haben. So hören wir, daß außer den Schornsteinfegern auch Küster und Kirchendiener, Nacht- Wächter und Feuerwehrleute, Chorschüler und Kurrendeknaben, Stadtmusikantcn und Tambours, Briefträger und Laternen- anstecker, Börsendiener und Magistratsboten überall da an- klopften, wo sich eine Gabe an Geld oder Naturalien erwarten ließ. Damit hatte die Liste der Neujahrsbettler noch lange kein Ende. Die Aerzte besuchten am Neujahrstage ihre Patienten zu Fuß, während ihre Kutscher bei den Wohnungen der Kranken vorfuhren und den Neujahrsobulus als etwas ihnen Zukommendes heischten. Die Vorsteher von Privat- schulen ließen durch ihre Zöglinge gedruckte Neujahrswünsche, denen am Schluß eine Bettelei um Geld angehängt war, bei den Eltern und Vormündern abgeben. Die unangenehmsten Neujahrsbettler waren aber die wegen Bettelei eingesperrten Insassen der Arbeitshäuser, welche im Anfang des vorigen Jahrhunderts einer alten Sitte entsprechend kurz vor Neu- jähr in die Freiheit entlassen wurden und sofort die ganze Stadt abklapperten. Diese vielen Hunderte von Männern, Frauen und Kindern, in Lumpen gehüllt, sollen das Neujahrs- bild der Stadt sehr stark„verunziert" und zu mancherlei Krakeel Anlaß gegeben haben. Neues Jahr— alteS Elend? „Anna, wie spät?" „Sechs Uhr, gnädige Fraul" antwortete das Haus- mädchen und hüllte die Fragerin, die in einem kostbaren Ge- sellschaftskleid aus kirschroter Seide vor ihrem Toiletten- tisch saß, in einen langen gelbseidenen Irisiermantel. „Sechs Uhr schon!" rief die gnädige Frau erschrocken. „Wo bleibt nur die Friseurin? Gerade heute ist sie unpünkt- lich, und sie weiß doch, daß ich um halb sieben zur Gesellschaft fahren muß." Die spitze Nase der Gnädigen rötete sich vor Zorn über die verbrecherische UnPünktlichkeit der Friseurin. Ihre un- geordneten Haare, die in dünnen, fahlblonden Strähnen das nicht mehr junge Gesicht umgaben, verstärkten den bösen AuS- druck des Aergers in ihren Zügen. Sie griff nach der kristallenen Puderbüchse, in deren kunstvoll geschliffenem Muster das Licht der elektrischen Birnen, die neben dem Toilettentisch angedreht waren, alle Farben des Spektrums hervorzauberte. Gerado hatte sie ihrer geröteten Nase ein paar wohlgemeinte Antupfungen mit der verschönernden Puderquaste gegeben, als es draußen klingelte. „Das wird sie sein!" rief die Gnädige in einem Ton der Erleichterung, als hinge das ganze Glück ihres ferneren Da- feins vom baldigen Erscheinen der Friseurin ab. Das Mädchen eilte flink hinaus, und kam mit einer sorg- fam. aber dürftig gekleideten jungen Frau wieder, die bc- scheiden„guten Abend" wünschte. Die Gnädige überhörte den Gruß und sagte ziemlich barsch:„Sie sind doch sonst so pünktlich, Frau Kiefer. Gerade heute lassen Sie mich warten.' Sie wissen doch, daß ich um halb sieben fortfahren will!" „Entschuldigeil Sie. gnädige Frau. Mein kleiner Junge liegt seit gestern in starkem Fieber. Der Arzt meint, es wird vielleicht Lungenentzündung sein. Mein Mann ist im Dienst, und da suchte ich erst eine Nachbarin auf, um sie zu bitten, daß sie inzwischen mal nach dem Kinde sieht.." Mit leiser Stimme hatte die junge Frau die einfachen, für sie doch so schwerwiegenden Tatsachen berichtet, um ihre Ver- spätung zu entschuldigen. Dabei ging sie schnell an ihr Werk. Zuerst zog sie den Frisierinantel der Dame so hoch, daß er möglichst weit ihren tief entblößten Hals bedeckte, ergriff dann die elfenbeinenen Frisieruntensilien, löste die spärlichen Haar- strähnen und begann ihre Verrichtung. „Oh, Sie tun mir ja weh!" schrie die Gnädige bald auf, nachdem der Kamm einigemal durch das Haar geglitten war und die Frisierende bei einer besonders schwierigen Berwicke- lung länger verweilen mußte. „Das Haar ist sehr verwirrt," sagte Frau Kiefer ent- schuldigend, und bemühte sich, ihre vor Erregung zitternden Finger zur Ruhe zu zwingen. Es wollte ihr heute schwer ge- lingen. Immer klang ihr das fieberheiße Stimmchen ihres Jungen im Ohr, der so rührend gebettelt hatte:„Mama, da- bleiben! Maina, bald wiederkommen!" Die Tränen traten der gequälten Mutter in die Augen und verschleierten ihren Blick. Sie sah kaum noch, was sie tat, und ihre Kundin, die in dem Toilettenspiegel den Kampf in den Zügen der Arbeitenden beobachtete, rückte unruhig hin und her. „Bitte, gnädige Frau, recht ruhig sitzen, ich will gerade die Einlagen befestigen!" „Ich sitze ruhig, Frau Kiefer," entgegnete diese scharf. „Seien S i e nur ruhig und denken Sie mal die nächsten zehn Minuten nicht an Ihren Jungen, damit Sie mir nicht gerade heute zu der Neujahrsgesellschaft eine schlechte Frisur machen!" Frau Kiefer zuckte zusammen. Am liebsten hätte sie das Toupet falscher Locken, das sie eben von den Lockenwicklern befreite, hingeworfen. Bürste und Kamm dazu, und wäre davongelaufen, heim zu ihrem kranken Kinde. Aber ihre Besonnenheit siegte schnell über diese Regung. Dem Kinde zuliebe mußte sie sich bezwingen. Gewiß verschrieb der Doktor teuere Medizin, verordnete gute Pflege— und das kostete alles Geld... Geld! Sie steckte die falschen Locken am Kopf der Gnädigen fest und sagte mit starker Ueberwindung in ziemlich heiterem Ton: „Gewiß, jetzt werde ich nur noch daran denken, daß gnädige Frau heute abend von allen Damen die schönste Frisur haben sollen!" Und mit leichten Bewegungen arbeitete sie weiter. «Sie sind immer sauertöpfisch." grollte die Gnädige fort, während sie im Spiegel jede Bewegung der Arbeitenden überwachte.«Erst war Ihr Mann krank, und Sie kamen tagelang mit rotgeschwollenen, verweinten Augen, und nun ist's wieder Ihr Junge. Mir kommt's stets vor. als brächten Sie mir Krankenstubenluft in die Wohnung!" Die schmalen Lippen der Gnädigen verzogen sich häßlich und gaben ihrem Gesicht einen verletzenden Zug der Verächt- lichkelt. Sie griff nach einem Parsümflakon, drückte auf den Gummiball des Zerstäubers, sodaß ein Sprühregen von Wohl- Seruch sich über die Friseurin ergoß, als solle dadurch die Srankenstubenluft und alle todbringenden Bazillen, die sie etwa an sich haben konnte, vernichtet werden. Frau Kiefer biß sich auf die Lippen. Sie kannte diesen kühl verletzenden Ton ihrer Kundin nur zu gut, und sie war heute in ihrer trostlosen Gemütsverfassung kaum imstande, ihn gleichgültig zu ertragen. Wäre nur die Frisur erst fertig! Endlich nahte sich das Kunstwerk seiner Vollendung. „Das Band muß weiter nach vorn!" kommandierte die Gnädige, die keinen Blick von ihrem Spiegelbild verwandte. Frau Kiefer gab dem Band die gelvünschte Lage. „Rechts könnte das Haar noch breiter abstehen, nicht?" „Ich habe die doppelte Einlage genommen wie sonst," sagte die Friseurin, und versuchte, auch dies Verlangen zu be- frledigen, indem sie noch einen Bausch gleichfarbigen falsckien Haares unter die deckenden echten Haare der Dame schob. Dann griff sie aufatmend nach der Brennschere, um das Haar noch ein wenig zu wellen. Als sie die heiße Schere von der Spiritusflamme der Brcnnmaschine nahm, trat ihr wieder in ganzer Leibhaftigkeit das Bild ihres kranken Jungen vor Augen, und sie dachte mit einem unterdrückten Seufzer:„Noch eine halbe Stunde, dann bin ich bei Dir!" Die Hand mit der Brennschere zitterte leicht bei diesem Gedanken. Die gnädige Frau, die ihre Friseurin mit miß- trauischen Blicken verfolgte, bemerkte das leise Zittern und sprang wütend auf. „Nun Hab ich genug, Frau Kiefer! Sie wollen mir heute zum Festtag wohl noch mit Ihren zitternden Fingern die Stirn verbrennen? Lassen Sie nur, Anna wird das Ondu- lieren besser besorgen! Meine Geduld ist aber jetzt zu Ende! Ich muß mir eine andere Friseurin suchen! Sie haben nicht die ruhige Hand, die für Ihr Gewerbe Vorbedingung ist!" Bestürzt stand die junge Frau da. die Hand mit der er- kaltenden Schere halb erhoben. Sie starrte ganz fassungslos auf die Gnädige, die ihren verhaltenen Aerger in eine Flut von Worten ausströmen ließ. Endlich begriff sie die schroffe Entlassung, legte wortlos die Brennschere zu den übrigen Utensilien auf den Toiletten- tisch, nahm mechanisch die ihr hingeschobene Entlohnung uad ging hastig fort. Aus der Treppe ruhte sie einen Augenblick auS, um ihre tränenverschleierten Augen zu trocknen, und warf noch einen Blick zurück nach der Tür, hinter der der Reichtum sich zu Uebermut auswuchs, indem sie, an ihr eigenes Schicksal denkend, mit Bitterkeit murmelte: „Neues Jahr—/altes Elend!" Gegen die Dchundllteratur. Dieses Wort ist im Laufe der Jahre zu einem Kampfruf aller eworden, die erkannt haben, wie gemeingefährlich die Folgen der ie Phantasie auf ungesunde Bahnen lenkenden Schmutzliteratur sind. Wie bei vielen anderen, so kann sich auch in dieser Frage die Sozialdemokratie da? Verdienst zusprechen, zuerst die Notwendig» keit dieses Kampfes eingesehen zu haben. Sie begnügte sich aber nicht mit der negativen Bekämpfung des Schlechten, sond'rn sie ging positiv schaffend vor. Denn wer das Volk von der schlechten Literatur emwöhnen Will, mutz selbst etwas Bessere» schaffen und dafür Sorge tragen, daß diese» Bessere ig ebenso leichter Weise zu kaufen ist wie das Schlechte. Die Erkenntnis dieser Tatsache gab vor nunmehr 14 Jahren die Veranlassung, die Wochenschrist »In Freien Stunden" zu gründen. In all den Jahren hat dieses Unternehmen das feftgeftellta Programm getreulich gehalten und sich eine von Jahr zu Jahr grötzer werdende Lefergemeinde geschaffen. Es werden stets gute Romane abgedruckt, bei deren Auswahl ober auch in besonderer Weise darauf Bedacht genommen wird, datz sie den Leser fesseln und von ihm gcim gelesen werden. Außer, dem gelangen gute Novellen. Skizzen und kleine populär-wisien- schaftliche Abhandlungen zum Abdruck. Eine„humoristische Ecke" sorgt dafür, datz mich die Lachfreudigen zu ihrem Rechte kommen. In dem Bewutztsein, datz eS nicht genügt, die schlechten Ro- mane aus den Arbeiterlvohnungen zu verdrängen, sondern datz es auch höchste Zeit ist, die minderwertigen Bilddrucke, die jetzt noch so häufig die Arbeiterwohnungen„zieren", zu beseitigen, hat sich der Verlag der Buchhandlung Vorwärts entschlossen, allen Abon- nentcn halbjährlich ein schönes Kunstblatt gratis zu geben, das einen durchaus würdigen Zimmerschmuck darstellt. Da der Preis von 10 Pf. pro Heft beibehalten wurde, glauben wir alle unsere Leser jetzt besonders auffordern zu sollen. Abonnenten der„In Freien Stunden" zu werden und gleichzeitig in Freundes« und Bekanntenkreise» für diese Zeitschrift zu werben. Der Termin zum Beginn eines Abonnements ist setzt ein besonders günstiger, da mit Anfang Januar ein neuer Band be- ginnt. Zum Abdruck gelangt als Hauptroman das Werk Karl SpindlerL: Der Jude. Alles Näheri erfahren unsere Lestix auS dem der heutigen Nummer dieser Zeitung beigefügten Prospekt. Die Ausstellung gegen die Schundliteratur, die vom 4.— 8. Januar im Reichstagsgebäude stattsindet, wird u. a. auch große Posten zerlesener Schund hefte aus den Händen von Berliner Kindern enthalten.— Die folgende beachtenswerte Geschichte knüpft sich an einen dieser Stapel. Vor den hellen Fensterläden einer Butterhandlung im Nordosten pflegen sich an Herbst- und Früh- lingSabenden. aber auch an nicht zu eisigen Wintcrnachmittag.n Kinder zwischen 0— 13 Jahren zu sammeln, um beim hellen Schein der elektrischen Lampen diese Hefte, in denen Verbrach t und Polizei. die blutigsten Katastrophen, Wahnsinn und Geistrirrscheinungen Fieber erregend durcheinanderwirbeln, zu„verschlingen".— 284 Bände(I) sammelt« der Inhaber dieses Geschäftes, ein Helfer des Freiwilligen Erziehungsbeiraies. in kurzer Zeit gegen Darreichung guter Lektüre von seinen lesenden Zaungästen— zedoch nickst ohne ein gewisses Widerstreben der Kinder überwinden zu müssen, welche nur ungern sich des sonst üblichen Tauschgeschäftes unter Kamerade» und Besitzer» gleicher Schundhefte begaben.— Für den Kampf gegen die Schundliteratur erscheint diese kleine Geschichte nur bestärkend und ermutigend.— Eintrittskarten für die Ausstellung bei der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, Berlin C. 19, durch schriftliche Bestellung gegen Einsendung des Porto». Um Treptow. Zu den eifrigsten Befürwortern der Eingemeindung Treptows nach Rixdorf gehören gewisse Rixdorfer und Treptower Grundbesitzer« kreise, die denn auch lebgafl an der Arbeit sind, für ihr« Jnieressen Slimmung zu machen. Sie haben jetzt ein Flugblatt verbreitet, in denen alle möglichen Aufgaben und Borteile ausgezählt werden, die bei einer Eingemeindung der beiden Vororte in Frage kommen sollen. Aufgezählt werden u. a.: die Aufstellung eine» einbeitlichen BebauungSpianeS, Herstellung von Straßen, Bau einer Brücke, die Ausdehnung des BeerdigungswesenS, gemeinschaftlicher lommunoler Friedhof, Regelung der Müllbeseitigung. Mitbenutzung der DeS- infektionSaiistalt. Auf dem Gebiete des Schulwesens, der Armen« und Krankenpflege, des BerkedrSwesenS usw., kurz, aus allen Ge« bieten ergäben sich große Borteile. Zu der Angelegenheit wird der„Vossischen Zeitung" geschrieben: „Die Anregung zur Eingemeindung von Treptow in Rixdorf geht von Grundbesitzern des OrtSteileS Bauinichulenweg aus, der von einer solchen Bereinigung den Hauptnutzen hätte, weil er an Rix« dorfer Gebiet grenzt. Der Treptower Gemeiudevolstand, die dortige Gemeindevertretung und der größte Teil der Bürgerschaft verspricht sich von einer Einverleibung in Rixdorf nicht allzuviel Vorteil. DaS stnanziell günstig dastehende Treptow würde bei der Vereinigung mit dem m steten Finanznöten befindlichen Rixdorf nur verlieren. Sollte Treptow seine Selbuändigkeit ausgeben, so käme nur eine Ein- gemeindung in Berlin in Frage. Die Reichshaupistadt ist der größte Grundbesitzer in Treptow, von ihr hängt der Vorort in wirtichaft- licher Hinsicht ab. und mir im Einvernehmen mit Berlin kann die iür Treptow so wichtige Schnellbahnfrage gelöst werden. Besonders einladend ist es ja a»ch nicht für die Treptower, daß Rixdorf im Begriff steht, seinen Kommunalsteuerzuschlag erheblich zu erhöhen. Jetzt erhebt eS 100 v. H„ geplant ist eine Erhöhung auf 12V v. H« ja man munkelt sogar von Ivo. Bemerkenswert scheinen uns die Aeutzerungen beü»Teltower KreiSblatt". ES schreibt: „Uns scheint die Absicht RixdorfS sehr erklärlich. Unerklärlich scheint unS dagegen, wie sich Treptow auf solche„vertraulichen Besprechungen' überhaupt einlossen kann, auch wenn eS die Ver- Handlungen nur zum Schein flih«. Wir möchten den Treptowern raten, nicht mit dem Feuer zu spielen. Berlin, auf dessen ver- kehrspolitische Entschließungen offenbar eingewirkt werden soll. wird sich durch so durchsichtige Spiegelfechterei kaum bange machen lassen, Treptow aber könnt« eines Tages eine ungewollte üble Ueberraschung erleben."_ Der Tannenbaum im Ofen. Beim Verbrennen von Weihnacht?» bäumen im Ofen oder in der Kochmaschine soll man Borsicht üben. Selbst noch die durch die Zimmerwärme stark ausgetrockneten Tannennadeln enthalten erhebliche Harzstoffe, die in arötzever Menge zu Explosionen führen können.' Unsere modernen Zimmer» öfen und Kochmoschinen sind ja nun so gebaut, datz sie einen ziemlichen Stotz aushalten. Doch ist e« ratsam, die Nabeln an den vom Hauptstamm abgeschnittenen Zweigen kräftig abzuklopfen und nur das Holz zu verbrennen. Auch sollen nicht zu viele Zweige mit einem Male in das Feuerloch gesteckt werden. NeujahrS-Kotau in Berlin. Wohl die eigenartigste Neujahr?» ftler an der Spree findet alljährlich in der Berliner japanischen Botschaft statt. Hier versammeln sich mittags sämtliche Mitglieder der japanischen Kolonie, um dem Gesandten, sobald er von der Neujahrscour am Berliner Hofe zurückkehrt, ihre Glückwünsche darzubringen. Dann wird die ganze, aus mehreren hundert Per- fönen bestehende Gesellschaft nach einem Saal geführt, wo unter einem Thronhimmel die lcbensgrotzen Bilder des japanischen KaiserpaavcL hängen, und vor diesen Bildern mutz jeder Gast eine, tiefe Verbeugung exekutieren. Von dieser Verpflichtung sirst» auch die europäischen Gaste, insbesondere Hoflieferanten, die zur japanischen Botschaft in geschäftlichen Beziehungen stehen, nicht au?, geschlossen. Ganz wie bei unS im kulturbeleckten Preußen, bloß in der Form des Kotau? ein wenig anders. Ein unverantwortlicher Schlendrian herrscht im Reiche de» Herrn Mütisterberg. Die Armendirektion hatte bekanntlich festgestellt, datz zahlreiche arme Kinder dringend des Aufenthalt« in Erholungsstätten bedürfen. um sie Kranksein und Siechtum zu entreitzen, datz aber zur Ausführung dieser Matznahme die Mittel fehlen. Sie beantragte deshalb beim Magistrat, 200000 M. zu diesem Zwecke nachzu- bewilligen. Der Mogistrat bewilligte aber nur 50000 M. und die Stadtverordnetenversammlung meinte, 75 000 M. für diesen Zweck hergeben zu sollen. ©ei den ilver diese Angelegenheit geführten Dehatten wurde auch ausgesprochen, dak die städtischen Heimstätten zum Aufenthalt für die kranken Kinder sehr geeignet seien und daß die Belegung der Heimstätten mit solchen von den Armenärzten auserwählten Kindern Uützlich und vorteilhaft ist. Am 1ö. Dezember fanden diese Verhandlungen im Nathause statt, wo auch die Mittel bewilligt wurden, heute nach 14 Tagen ist noch nicht ein einziges Kind von der Armenverwaltung in die Heimstätte überwiesen worden, obwohl über IlX) Plätze frei sind. Das ist ein Zustand, der auf die Geschäftsführung in unserer Armen- Verwaltung ein recht bezeichnendes Licht wirft. Die Sache ist um so schlimmer, als bereits in der Sitzung vom 1ö. Dezeniber der Schneckengang in der Arnienverwaltung recht scharf gegeißelt Worden ist. In dieser Sitzung erklärte Genosse Dr. Wehl: »In der städtischen Verwaltung haben wir eS nie zu beklagen gehabt, daß die Abwickelung der Geschäfte im Automobiltempo vor fich geht; aber die Armenverlvalrnng schlägt in der Frage den Rekord, und wir von der Heimstättenverwaliung erleben es alle Tage, welcher bureaukratische Schneckendienst und welche Schwerfälligkeit gerade in der Armen- Verwaltung herrscht Zum Beispiel ist mir erst dieser Tage ein Aktenstück zugegangen, wonach am 24. August die Ellern eines KindeS den Antrag auf Emweisnng in eine Heimstätte stellten; am 17. November wird der Armenarzt gebeten, das Kind zu untersuchen; am 13. Dezeniber bekommen wir in der Heimstältenverwaltung die Meldung. Solcher Fälle kommen mehr vor. Jeder unserer Kollegen wird Ihnen das be- stätigen. Meine Herren, noch eins. In der Vorlage ist uns davon Kenntnis gegeben worden, daß mehr als 1380 Kinder am 1. Juli begutachtet worden waren hinsichtlich derWnrdigkeit und Bedürftigkeit als reif für die Einweisung; aber kcme Mittel waren zur Stelle. Meine Herren, wo sind diese Kinder? In unseren Heimstätten stehen gegenwärtig die Plätze, leer. Der neueste Rapport aus unseren Heimstätten vom heutigen Tage besagt, daß in der Anstalt Blanken- bürg, wo Mädchen untergebracht werden können, 38 Betten leer sind, in Heinersdorf 60 Betten. Also 107 Betten sind frei und 1380 Kinder warten darauf, in die Heimstätten zu gehen. Woran liegt das? Vielleicht wird Stadtrat Mnnsterberg uns sagen: ge branutes Kind scheut das Feuer, konstitutionelle Bedenken hemmen mich, denn bevor die Stadtverordnetenversammlung nicht wenigstens die 50000 M. der Magistralsvorlage bewilligt har, habe ich nicht das Recht, Kinder in die Heimstätten zu schicke». Solche Bedenken sind unbegründet. Ich habe gehört, daß seitens der Heimstätten- Verwaltung, seitens des Herrn Stadtrats Marggraff an die Arnienverwaltung herangetreten ist: Plätze sind frei, wir werden auf die Bezahlung nicht so eilig drängen, wir wissen, die Bezahlung seitens der Armcnverwaltung ist nicht prompt I Warum sind diese hundert Plätze immer noch leer? Warum kommen die Kinder nicht in die Heimstätten pflege? Das ist ein beklagenswerter, ein außerordentlich be> schämender Zustand I Wenn der Chef der Annciiverwaltung in dieser Sacke versagen sollte, nmß ich den Herrn Oberbürgermeister bitten, mal mit einem kräftigen Donnerwetter in diesen bureau kratischen Schlendrian hineinzufahren." iHeiterkeit und Unruhe.) DaS war, wie gesagt, vor 14 Tagen. Heute steht alles noch auf demselben Flecke. Die Plätze in der Heimstätte sind seil Monate» frei und seit Monaten warten kranke Kinder darauf, daß sie in Heimstätten aufgenoinmen werden können. Leute, die in solcher unverantwortlichen Weise die Geschäfte der Stadt führen, sind nicht wert, länger auf diesen Posten zu bleiben. 10 000 M.- Stiftung eines Stadtverordneten. Aus Anlaß feines fünfundzwanzigjährigen StadlverordnetenjubiläumS hat der Stadt- verordnete Louis Sachs der Stadl Berlin 10 000 M. gestiftet. Die Stiftung soll den Namen„LouiS und Rosa Sachs geb. GinSberg- Stiftung" führen. Ans den Zinsen tollen an verichämte Arme aus Berlin ohne Unterschied der Konfession Unterstützungen in Raten von nicht unter dreißig Mark gezahlt iverden. Der Magistrat bat ? gestern die Sliftung angenommen und wird die Genehmigung nach uchen.___ Die Würde eines kommunalen Ehrenamtes ist ein ganz apartes Ding. Wer sie erringen will, der sehe zu, daß er»unbescholten" bleibe. Wer der Ehre gewürdigt werden will, hineiuzugelangen in eine Armenkommission, eine Schub kommission, ein Waiscnratskollegium, der hüte sich, mit dem Straf gesetz zusammen zu rennen. Zwar bringt nicht jede Strafe so sehr den Makel der„Bescholtenheit", daß sie den Sünder unwürdig er- scheinen ließe, ein solches Amt zu verwalten. Wenn seine Bestrafung ihm so böse angerechnet werden soll, dann muß er schon Schlimmeres begongen haben, was als ehrenrührig gilt. Aber in diesein Punkte ist unser Berliner Stadtfreisinn— im besonderen der Stadt- verordiietenausschuß, der die Vorschläge zur Besetzung kommunaler , Ehrenämter zu prüfen hat— manchmal doch ganz merkwürdig penibel. Wir haben in voriger Woche ein paar Proben mitgeteilt, die io recht zeigen, wie kitzlich der genannte Stadtverordnetenausschuß sein kann. Auch ein Zeiinngsredakleur, der in seinem Beruf mehrfach für allzu offenherzige Meinungsäußerung bestrast worden ist, soll deshalb nicht würdig sein, mit einem kommunalen Ehrenamt betraut zu werden. Man sieht, was da unserem Stadtsreisinn unter Um- ständen schon als ehrenrührig erscheint. Solche Feinfübligkeit findet ihre folgerichtige Ergänzung in der weitgehenden Sorgsamkeit, mit der die Ehre der in den Kommissionen tätigen Mitglieder behütet wird. Wer gegen einen dieser Herren ein allzu kräftiges Wort wagt, der wird dem Staatsanwalt an- gezeigt, vor den Strafrichter geschleppt und zu harter Strafe ver- urteilt. In den Armenkommisfionen scheint die Empfindlichkeit gegen vermeintliche Beleidigungen ganz besonders groß zu sein, das zeigt die beträchtliche Zahl der sich immer wiederholenden Verurteilungen wegen Beleidigung von Armen- kommissionSmitgliedern. Auch der„Vorwärts" hat einmal diese Empfindlichkeit schwer büßen müssen. Wir hatten über einen Armeiikommissionsvarsteher, den Gemcindeschnllehrer Krienelke in der Thaerstraße, die Mitteilung gebracht, daß er eine Arbeiterfrau, die ihn als Lehrer in feiner Wohnung aufsuchte, für eine Arme ge- halten und grob behandelt habe. In dem ganzen Artikel war nichts Swlinimeres über diesen Mann gesagt und gegen ihn kein un- freundlicherer Ausdruck als das Wort„grob" gehraucht worden, aber Stadtrat Münsterberg, der Vorsitzende der Armendireklion, war der Meinung, daß der Arnienkommissionsvorsteher-Ehrenschild nur mitHilfe des Gerichts wieder blank zu kriegen sei. Er unter'chrieb dem Schutz heischenden Armenkommissionövorsleher den erforderlichen Strafantrag und besorgte so unserem Redakteur Genossen Weber die nach der Sachlage unerhört hohe Strafe von vier Wochen Gefängnis, die den Frevler allerdings wohl für immer von dem respektswidrigen Arg- wohn kuriert hat, daß irgendwo in Berlin ein Armenpfleger fähig sein könnte, einen Armen grob zu bebandeln Wie gesagt, d i e Würde eines kommunalen Ehrenamtes ist ein ganz apartes Ding. Wer sie erringen will, darf keinen Armenkommissionsvorsteher eine Grobheit gegen einen Armen zu- getraut haben. Und wer im Besitz dieser Würde ist, der wird gegen solche und ähnliche„Beleidigungen" nachdrücklich geschützt. Run ergibt sich aber aus der Forderung, daß der Ehrenschild jedes Inhabers eines kommunalen Ehrenamtes blitzblank sei, selbst- Verständlich auch d i e Konsequenz, daß nötigenfalls auch das Ehren- amt gegen seinen Inhaber geschützt werden mutz. ES war schon da, daß der Armendirektion und ihrem Vorsitzenden diese bittere Not' wendigkeit unabweisbar schien. In den letzten Wochen hat die Armendirektion sich mit einer Affäre zu beschäftigen gehabt, bei der es gleichfalls als wünschenswert angeschen worden ist, d a S Ehren- amt von seinem Inhaber zu trennen. In der Roseir taler Vorstadt hatte im ArmenlonimissionSbezirk t71o sich das Gerücht ver breitet, daß gegen den Vorsteher Hauseigentümer Stenschke(Rainler- straße 20) eine Unterstützungsempfängerin schlimme Beschuldigungen auszusprechen gewagt habe. Nachdem die Angelegenheit im Bezirk sich herumgesprochen hatte, soll sie dann durch anonyme Anzeige auch zur Kenntnis der Stadtverwaltung gelangt sein. Auch der Redaktion des„Vorwärts" ging eine ausführliche Darstellung zu. deren Ver- fasier sich leider nicht nannte. Unsere Ermittelnngen haben ergeben, daß die Unterstützungsempfängerin in der von der Armendirektion geführten Untersuchung den beschuldigten Armenkommissionsvorsteher durch ihre Aussagen schwer belastet hat. Will man wissen, was daraufhin geschah, um die Würde des konimunalen Ehrenamtes zu wahren? Weiter nichts, als daß der Herr Vorsteher aus seinem Amte schied._ Des ParsevalS Reklamefahrt am Silvesterabend. Der„P. L. VI" hatte gestern nachmittag gegen 5 Uhr seine Halle in Johannisthal Verlasien. Beim Licht der elektrischen Bogen- lampen und Scheinwerfer wurde das Riesenschiff auf den Flugplatz gebracht und die Bediemingsmannschaflen unter Leitung Oberleutnant Stellings bestiegen die Gondel. Auf das Kommando„Los" ließen die Angestellten der Ballonhalle die Haltetaue fahren und bei schwachem Südwestwind erhob sich das Ungeheuer, um unter dem Knattern der Motoren in der Dunkelheit zu verschwinden. Nur noch die elektrischen Lampen in der Gondel waren zu erkennen, bis auch sie der aufsteigende Nebel verdeckte. In flotter Fahrt ging es über die Anlagen der städtischen Baumschule, dann an der Nudower Chaussee entlang bis nach Nixdorf. Ungefähr im Zuge der Urbanstraße näherte sich der Lusikreuzer dem Bclleallianceplatz. Schon als der Lenkballon sich Rixdorf genähert hatte, flammte die Beleuchiung auf, im nächsten Augenblick flogen tansende von Köpfen ins Genick und alles starrte erstaunt den L. VI", auf dessen beiden Breitseiten ein Glückwunsch für das Neue Jahr zu lesen war. Auf den Straßendämmen entstand ein gefährliches Gedränge. so daß zeiliveise Verkehrsstockungen eintraten. Der„Parseval", der sich jedoch mit Hilfe seiner Karte von Berlin und dem Kompaß vor- trefflich orientierte, zog ruhig und langsam über dem Häusermeer dahin und ließ seine Bewunderer weit hinter sich. In der Nähe des Halleschen Tores zog das Luftschiff eine weite Schleife, wendete sich dann die Friedrichstraße binunter und fnhr bis aur Leipziger Straße entlang, wo er nach links abschwenkte und �um Potsdamer Platz fuhr. Von weitem sah man von dem Ballon nur zwei roie und blaue Streifen elektrischer Glühlampen, die sich an den Seiten der Gondel entlang zogen. Aber als dos Luftschiff auf dem Platz an- gekommen war. flammten die Scheinwerfer auf, übergössen die Hülle mit einer Flur blauweißen Lichtes und gleichzeitig erschienen auf der Leinwand in großen Buchstaben die Worte„Prosit Neujahr". Nacbdem der Ballon über dem„Fllrstenbof" noch eine Swleife ausgefahren hatte, wendete er sich in der Richtung nach den Linden zu, zog um das Schloß eine 3, fuhr dann die Linden zurück und wandte sich dem Norden der Stadt zu. Nach anderthalbsiündiger Fahrt kehrte das Schiff, das an dem gestrigen Tage seine 200. Fahrt ausgeführt hatte, nach Johannisthal zurück. Jin neuen Jahre werden am Tage die Passagierfahrten und allabendlich die Reklamefahrten regelmäßig aufgenommen werden._ letzten Tagen von der Untersuchungsrichter vor- Sechs FnhrwcrkSdiebe sind in den Kriminalpolizei sestgenoininen und dem geführt worden. Der Polizeipräsident macht bekannt, daß von heute ab bis anf weiteres alle Fuhrioerke, die vom Brandenburger Tor nach der Voß- straße oder dem Potsdamer Platz oder umgekehrt fahren, ausschließ- lich die Königgrätzer Straße, diejenige» aber, die vom Brandenburger Tor nach der Lennäsiraße oder umgekehrt fahren. lediglich den West- weg zu benutzen haben. Zur Vorsicht mahnen die unS fortgesetzt zugehenden Meldungen, daß junge Mädchen, zuweilen auch junge Männer sich an Kinder, die von ihren Eltern zum Einholen forlgeschickt werden, heran- drängen, ihnen unier irgendeinem Vorwande einen Auftrag geben und ihnen bei der Gelegenheit das von den Eltern erhaltene Geld abnehmen. Eine solche Scbwindlcrin im Alter von 18— 19 Jahren trieb dieser Tage in der Koppenstraße ihr Unwesen und stahl einem Kinde, das es in einen Grünkramladen schickte, die Summe von vier Mark. Wegen eines größeren Dachstuhlbrandes wurde am Freitag Abend um 9 Uhr die Feuerwehr nach der Hübnerstraße 6, an der Eldenaev Straße, alarmiert. Als der 7. und dann der 20. Lösch- zug dort eintrafen, stand der Dachstuhl mit zahlreichen Boden- verschlügen und deren Inhalt an Hausrat und Brennmaterialien usw. schon in großer Ausdehnung in Flammen. Die Treppen waren bereits verqualmt, sodatz über ein.' mechanische Leiter vor- gegangen werden mußte. Es gelang den Brand auf den Dachstuhl zu beschränken. Die Entstehung dcs weithin sichtbaren Brandes war Fretiag Abend nicht mehr aufzuklären. Der Schaden trifft auch Mieter, die nicht versich>"rt sind.— Gleichzeitig hatte die Feuerwehr einen gefährlichen Brand in der Koppenstraße 88, wo Wollwaren brannten, zu löschen. Vorort- J�acKricKtem R ixdorf. KanfmonnSgerichtswahl. Für die am Sonntag, den 5. Februar. von 12—3 Uhr stattfindenden KanfmannSgerichlSwahlen bei denen der Zeniralverband der Handlungsgehilfen die 8 i st e B 1 hat. liegen die Wählerlisten in der Zeit vom 2. bis S. Januar wochentäglich von 9— 3 und von 5—7 in der GerichlSschreiberei des KaufmannSgerichtS, Erkstr. 29, Erdgeschoß, Zimmer 26, zu jedermanns Einsicht aus. Wir ersuchen alle Handlungsgehilfen unbedingt die Wählerlisten nach- zusehen und falls sie nicht darin verzeichnet sind, Einspruch zu er- heben. Ebenfalls bitten wir unsere Genossen alle wahlberechtigten Handlungsgehilfen auf die Wichtigkeit der KaufmaiinSgerichtswahl aufmerksam zu machen. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehilfe der daS 25. Leben?- jähr vollendet hat und in Rixdorf beschäftigt ist, ganz unabhängig davon, wo der Angestellte seinen Wohnsitz hat. Wer nicht in der Wählerliste steht, hat am 5. Februar kein a h l r e ch t. Chart ottenvurg. AuS Verzweiflung über seine elende Lage unternahm vorgestern der 45jghrige Arbeiter R. einen Selbstmordversuch. R. hatte infolge längerer Krankheit seine Stellung verloren und konnte nach seiner Enilasiung ans dem Krankenhause keine Arbeit mehr finden. Er wriet in bitterste Not, mußte seine Wohnung aufgeben und war seit Monaten obdachlos. Seit den Weihnachtsfeierlagen hatte der Aerniste nur wenig Nahrung zu sich genommen. Aus Verzweiflung sprang nun der Unglückliche an der Nöntgenbrücke in die Spree, er wurde 'edoch nach längerem Bemüh?» von Schiffern a»S den Fluten ge- zogen. In besinnungslosem und bedenklichem Zustande wurde der Lebensmüde nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Es ist fraglich, ob R., der vollständig entkräftet ist, mit dem Leben davon- kommen wird. Ter fünfte Vortrag deS Genossen Ed. B e r n st e i n über„Das Deutsche Reich und seine Partein" findet nicht, wie bestimmt war, am 6. Januar, sondern am Sonntag, den 3. Januar 1S11, vormittag« 9'/, Uhr, statt. Wir bitten die Teilnehmer, hiervon Notiz zu nehmen. Der BildungsauSschuß. Schöneberg. Infolge der Regulierung der verlängerten Feurigstraße hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, daß das eisenbahnfiskalische Grund- stück an der Sedanbrücke eine Abrundung erfährt, da die eine in den neuen Bllrgersteig vorspringende Ecke des Grundstückes den Ver- kehr ganz erheblich behindert. Die seitens des Schöneberger Magistrats mit der Eisenbahndireknon Berlin gepflogenen Ver- Handlungen haben nunmebr zu dem Ergebnis geführt, daß die Eisenbahndireknon Berlin sich bereit erklärt hak, der Stadt Scköne- berg den erforderlichen Geländestreise» gegen Einiansch einer gleich- werligen Fläche abziureten, wenn die Stadt die Kosten für die da- durch erforderlich werdenden Aendermigen an der Eisenbahn- böschuiig übernimmt Die Verhandlungen bezüglich des einzutauschenden Geländestreisens schweben noch, da hier mehrere Flächen in Betracht kommen. Eine neue Straßenpolizeiverordnung für Schöneierg und Wilmersdorf ist jetzt ausgearbeitet worden, die nicht weniger als 107 Paragraphen umfaßt. Mit Jnkrafttrelen dieser Bestinimung am l. Januar des neuen Jahres verlieren die bisherigen Straßen- Polizeiverordnungen, etwa 25 bis 30 an der Zahl, ihre Gültigkeit. Steglitz. Mit Leuchtgas vergiftet hat sich vorgestern die 45jährige Gattin deS Oberlehrers Dr. v. Seydlitz- Äurzbach aus der Kaiserallee 69. Als Dr. v. S. nachmittags gegen 3 Uhr nach Hause zurückkehrte, fand er seine Frau besinnungslos auf dem Bette liegend vor; samt- licke Gashähne der Wohnung waren weit geöffnet. Die von einem sofort hinzugeruscnen Arzt angestellten Wiederbelebungsversuche waren zwar von Erfolg gekrönt, dock Verstarb die Lebensmüde un- mittelbar»ach ihrer Ueberführung nach dem Schöneberger Kranken- Hause. Das Motiv zu der Tat ist vollkommen uiibetaiiilt. Friedrichshagen. Ein schwerer Raudimfall auf der Landstraße beschäftigt zurzeit die Polizeibehörden. Der Kulscher Evuard Panke aus Friedrichs- Hagen war init seinem Fuhrwerk in Berlin gewesen und als er auf der Heimfahrt die Kreuzung der Frankfurter und Friedrichshagener Chaussee paisierte, tauchten plötzlich drei fremde Burschen auf. Zwei der verdächtigen Gesellen warfen sich den Pferden in die Zügel und nachdem sie das Gefährt zum Halten gebracht hatten, sprangen sie auf den Bock hinaus und schlugen auf den Kutscher ein. Der dritte der Wegelagerer hielt dabei die Pferde fest. Die Pferde wurden jedoch scheu, rissen sich von dem Führer los und gingen durch. Einer der Verbrecher stürzte vom Wagen herunter und nun ließ auch der dritte von P. ab. Erschöpft brach der Ueberfallene auf dem Bock zusammen. Die Pferde wurden von zwei entgegenkommenden Männern angehalten und zum Stehen gebracht. Wie sich heraus» stellte, war dem Kutscher nichts geraubt worden. Er hatte 400 M. bei sich, aus die es die Räuber abgesehen hatten. Die Gendarmerie, die vergeblich nach den Verbrechern gesucht hat. hat sich jetzt mit de» Berliner Kriminalpolizei in Verbindung gesetzt. Weistensee. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern abend kurz vo» 6 Uhr in der Berliner Allee. Dort fuhren ein Kastenwagen und ein Leiterwagen zusammen. Durch den Zusammenstoß hatte sich daS Vorderteil des Kastenwagens gesenkt, was der auf dem Wagen mit zwei Knaben sitzende Kutscher Malta, Gartenstr. 5 wohnhaft, nicht gleich wahrgenommen haben mag. Plötzlich fiel M. in das Vorderteil des Wagens und wurde eine Sirecke milgeschreift. Hierbei zog fich der Verunglückte so schwere Verletzungen zu. daß er bald, nach- dem er aus seiner Lage befteit worden war, starb. Auch die beiden Knaben hatten Verletzungen am Kopfe erlitten. Spandau. Diejenige»„BorwSrtS"-Abonneute», die Weihnachten ihre Zeltung Sttesowplatz 18 in Empfang genommen hoben, erhalten die Zeitung vom 3. Januar ab wieder an derselben Stelle. Die Spedition. Arbeiter- Samariterkolonne. Mittwoch, den 4. Januar 191t, abends 8'/, Uhr, im Restaurant Böhle, Havelstr. 20: erster UebungS- abend. Anmeldung daselbst zur Teilnahme. Potsdam. DaS neue Potsdamer Rathaus wird nun definitiv an einer anderen Stelle der Stadt erbaut werden. Auch die von der Stadt» verordnetenversammlung eingesetzte Kommission, die in Gemeinschaft mit dem Magistrat getagt hat. ist e i n m ü t i g zu diesem Beschluß gekommen. Ein Umbau deS jetzigen Rathauses hätte eine Ausgabe von 3 Millionen Mark verursacht, an anderer Stelle hofft man mit 2 Millionen Mark wegzukommen.— Die Ankäufe der an da» jetzige Rathaus grenzenden Grundstücke haben sich daher als unnütze Ausgaben erwiesen. Trotzdem ist der letzte Ankauf erst vor gar nicht langer Zeit abgeschlossen worden. SinFegangene Dmehfdmften. Ter Kampf. Sozlaldemokratlschc Monatsschrift. Soeben kst fcas Fannarbest der wissenschastlichen Monatsschrift der österreichischen Sozial- demokialie erschienen. AuS dem Inhalt ist hervorzubeben: Friedrich Austerlitz: Der Kaiser. Josef Seliger: Die MInoritätensrage. Heinrich Weber: Verfassungskämpfe in England. Th. Staunwg(Kopenhagen): Die Internationale in Kopenhagen. Karl Renner: Ocsfentliche Tohnungs- sürsorge. Franz Nader: Gewerkschaften und Konfumoerelne. Joses Heirich iHamburg): Neue Bestrebungen zur Fixierung der Arbeitsleistung. Anton Kühne!(Bilin): Aus der Parteigcschichte des Karbitzer Gebietes. Das einzelne Heft kostet 50 Pf. und ist zu beziehen durch die Buch» Handlungen oder vom Verlag in Wien V/1, Wienstr. 89». »Mtltcder«larktbericht der städtiichen Markthallen-DIreMon«der den Großbandel in den si emrat-M arktdallen Martilage: Fleisch, Zufuhr schwach. Geichäst still, Preise unverändert. W> l d: Zufuhr ge» nügend, Gciiväst nicht lehhaft genug. Preist etwas nachgebend. Ge« ilügel: Zufuhr schwach, Ge'chäst flau, Preiic behauptet. Fischet Zufuhr reichlich, Geschäst lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst rubig, Preiie unverändert. Gemüie, Obst und Süds r üchte: Zujuhr reichlich, Geschäst still, Preise wenig ver» ändert. LzfpkMlis- ktalMz In allen krisch, u. veraltet, nvelkelhakt FSH. durch wlsfeiilchastl. Untersuchung. sofort; desgl. Harn-(spez. aus Go> norrhoe-Fädc») u. Sputum-Aiialyscn. 0r. Homeyer& Co., Spezial-Laborat., Friedrichsir. 189, zw. Kronen- und Mobrenstraße), I. 8721 Pers. Rnckspr diskr. u. toslenl. Gcössuct von 8—8 Sonntags von 12—1.* 10 Mark Mona stich eTeilz ahlung, liefert elegante Hcrreiigardcrobe nach Maß" J. ToapoionU, ISuX™ Td; (Billige Preise.) Kasse 10'/.Rabatt. Auch engl. Damenkostüme o. Paletots. Empfehle den Vorwärtslesern metu Sarg-lllagäZkin. Otto LLwenstein, Fruchtstrake 45, an der Gr. Frankfurter Straße. Lieferung nach allen Stadlteilen. Im Baei* vM.Zlik Ecke J Prinz.-Alle« Herren- und Knaben- | Moden, Berufskleidung. Elegante iPalotots u. Pelerinen. Grolles Stofllager 2 zur Anfertigung n. Mall Allerbilllgjte,«treng feste Preis«. Unserem Kollegen, dem Ren- z kanten ski-nst Sedneielei'! zu sein cm Li4üb! LS jährigen Dienstjubiläum die herzlichsten Glückwünsche. J! Die Beamten d. Ortskrankenkasse - der Hutmacher etc. zu Berlin. j SoziaMemokraliscfiEr Wahivereio für den 4. Herl fieiclistags-Walreis. Frankfaricr Viertel. Bezirk 389, L Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Haus- diener I�ust Baruimstr. 13 gestorben ist. Ehre seinem Zlndenkc»! Die Beerdigung sindet am| Montag, den 2. Januar, nach: mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des Bartholomäus-Kirch.� hoscs in Weigensee aus statt. 213,3 l»er V«rstai>E. �MljkWki'älZÄiiIäjzIvei'eiiij für den i.Serliiiei'kLiedÄMMIu'öd.j L!l»rllt»e,> Viertel. Bezirk 174. Den Mitgliedern zur Nachricht,| dah unser Genosse, der Tischler Paul MIrsch | Mariannenstraße 24, gestorben ist.| Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am I Dienstag, den 3. Januar, nachm. iL Uhr, vom Krankenhaus Am s Urban aus nach dem Zentral- > Friedhof in Friedrichsseide statt. ! Um rege Beteiligung ersucht i 215/1 Ter Vorstand I Allen Fremiden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann k'sui Hirsch am 30. Dezember 1910, abends 11'/, Uhr, nach langen, schweren Leiden sanst entschlafen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Frau V nn» HirHcU geh. Sauer nebst Kindern, Marianncnstr. 24. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Januar ISlt, nachmittags 2 Uhr, vom Kranken- hause am Urban aus nach dem Zentral> Friedhos w Friedrichs- selbe statt. Mctw | Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Haus- diener (iustav tiecke am LS. d. Mls. im Alter von 25 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar 1911 nachmittags 4 Udr. von derLeichen- halle des Heiligen Kreuz-Klrch- Hofes in Marie» dors auS statt. Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der HauS- diener I�ust am 30. d. MtS. im Alter von 30 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Monilag, den 2. Jannar 1911. iiochinitlags 2'/, Uhr, von der Leichenballe des Bartholomäus- Kirchhoses, Falkenbelger Chaussee, aus statt._ Den Mitgliedern zur Nachricht, [ daß unser Kollege, der Arbeiter Karl Weiland ! am 24. d. Mts. im Alter von ] 34 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andeuken: i Die Beerdigung findet am 1 Zonulag, de» I. Januar 1911, ( nachmittags 2 Uhr, von derLeichen- halle des Luisenkirchhoses, Fürsten- | brunncrwcg. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 05/1 Die Bezirksverwaltung. SozialdemokratiseberWablverein Charlottenburg. Gruppe 3, Bezirk 28a. Den Genossen zur Nachricht, daß unier am 21. Dezember bei der Firma Ludwig Lewe ver- unglückte Genosse Karl Weiland am 24. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nawmittags 2 Uhr von der Leichen- Halle des Luiseu-Kirchhoss, Fürsten- brunner Weg. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 250/1 ver Voratand. ! SozlaWemokratlscbEr WahlverelD j für den 4. Herl. Reiebstap/alreis. Petersburger Viertel. Bezirk 372. Den Mitgliedern zur Nachricht, j daß unser Genosse, der Maurer •Julius Marquart Cldenaer Straße 22 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, von der I Leichenhalle de- Zentral- Fried- hos s in Fricdrichssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ! Ter Vorstand. IZentral-HEFbanii der Maiirer kMMi Zweig/verein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren, sowie den Mitgliedern l des Gesangvereins der Putzer I hiermit zur Nachricht, daß unser j langjähriges Mitglied Julius Marquardt j im 63. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am ! Montag, den 2. Januar, nach. / mittags 3>/z Uhr, von der Halle des Zentlal-Friedhoses Friedrichs- I selbe aus statt. Uni recht zahlreiche Beteiligung I bittet 133/1 Tie örtliche Verlvaltung. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß unser j Onkel, der Putzer •Inlins Marquart im 64. Lebensjahre nach langem schweren Leiden verstorben ist. Dies zeigt im Namen der Hinterbliebenen an 2532L Baal Marqnnrt, Putzer. Die Beerdigung findet am Mon- tag. den 2. Januar, nachmittags u/z Uhr, von der Leichenballe des Zentral-FriedhojeS in Friedrichs- jeldc aus stait. ! Soziaidemokratiseber WabiverelD| des |6. Bert. Reichstags- Wahlkreises.! Tode»• Anzeige. Am Donnerstag, den 29. De- zember, verstarb unser Mitglied, der Jnltrumentenmacher Max Köhler (Pappel-Allee 76).. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle des Melhlemaue--Kirchhoscs n Nieder-Schönhausen, Nordend, iauS statt. Um rege Bcteili ver lodes- /Uweixe. Slm Freitag, den 30. Dezember.! verstarb nach kurzem Leihen meine liebe Frau, unsere gute Mutter. schwiegcr- und Großmutter Minna poppe im vollendeten 72. Lebensjahre. Die trauernden ttlnterbliedenen. W. Poppe. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar, nach. mitlags 2'/, Uhr, von der Leichen. Halle des Gethsemane- Kirchhbses in Nordend aus statt. 2472b Zrutral-zierband der Slhmitde. Verwaltungsstelle Berlt«, Den Mitgliedern zur Nachrichl, daß unser Kollege Lmil ESiach am 27. Dezember durch Ueber- fahren getötet wurde. Wir verlieren m ihm einen brave» Kollegen, der immer seine Pflicht erfüllte. Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung findet heute Sounlag, den 1. Januar, nach mittags 2'/, Uhr, von der üiichen- balle des Äummelsburger Kirch- hoscS, Lückstraße, aus statt. Stege Beteiligung erwartet Die Orfsverwaitung. Zentralkranken- und Sterbekasse der deutchen Wagenbauer. Bez. Siummelsburg. Am 27. Dezember verstarb durch Unfall unser Mitglied, der Schmied Irin II Bieeb, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. am 1. Januar, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Rummclsburger Gemeinde- Friedhofes. Lückstraße, auS statt. Die Mitglieder werden um zahlreiche Teilnahme ersucht. 2499b Die Ortsverwaltung. Sozlaldeitiokratlscher Wahlserein von Falkenhagen-Seegeleld u. Ving. Todes• Anzeige. Allen Genossinnen und Ge- nossen die traurige Nachricht, daß unsere treue Genossin Lmwa Gartmairn nach schwerem Lebenskämpfe am Sonnabend, den 31. Dezember 1910, auSgcl tten hat. J Die Beerdigung findet am > Dienstag, den 3. Januar 1911, j von der Leichenhalle des Falken- Hagener Friedhofes aus statt, Genosslniicn und Genossen I Gebt alle Eurer treuen Mit- i kämpserin, die so schwer leiden | mußte, daS letzte Geleit. ver Vorstand. tatM Baaarlieiteryerbaiiil Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht,\ daß unser Mitglied, der Rabitz- Putzer VVilkelm Wemixer im Alf er von 48 Jahren, omj 30. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar, nach- mittags um 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Friedhofes der Fricdcnsgcmcinde in Nicderschön- Hausen-Nordend aus statt.) Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 136/1 Der Scktionsvorstaud. Charlottenburg. Acht Monate nach dem Tode seiner Mutter verschied am 29. Dezember mein söhn, unser Vater und Bruder, der Tapezier .lulius Keilmann 35 Jahre alt. 25332 Die Beerdigung findet am 1. Januar, nachmittags 2'/,'Uhr von der Halle des Lutsen-Kirch- hoses, am Fürslenbrunner Weg auS statt. .lalins Kellmann, Putzer. Urrblmd der Mnler. Fackitrer, Ankrtichtrusw. Filiale Berlin. Unseren Kollegen zur Nachricht, daß der Kollege Otto Müller am 30. Dezember 1910 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar 1911, nachmittags>/,3 Uhr, aus dem Zions-Kirchhos in Weißensee statt. 128/1 Die Ortsverwaltung. i» 1 Ekganie J/lode| Lack- Kreuzspangenschuh mii Similiknöpfen Abendschuhe in Brokat, Gold, Silber, Dorb, Atlas, Chevreau, ts Lack, Wildleder:: H erren- Lackstiefel mit Veatfng� Samtkalb- und Matt« Chcvr.- Einsätzen, hochaparte neue Formen Unübertroffene LeJstungsfähigkelt für modernste Herren- und Damen-Stiefel w den Preislagen 8®° Ii50 1250 Ii50 | I�eiptigerstr.65 Konigstr. 34 Oranienstr.34 Oraniensi.47a M aller str. 3a Rixdorf: Bergttr. 7—8 Schuhhaus größten Stils Neu- Eröffnung Janaar 1911: Tauentzienstr. 20 Tätowierung entfernt 181(8 Spezlal-Arzt Dr. Schtlnemann, Berlin, Oranienstr. 139. S sage sür die herzliche Teilnahme sowie herrlichen Kranzipendcn bei der Be- crdigung meines Bräutigams Bnti» SchUler meinen herzlichsten Dank. 2491b_ Anna Knbe. Danksagnng. Allen Freunden und Bekannten, welche bei der Beerdigung meiner lieben Frau teilgenommen haben, sage ich hiermit meinen besten Dank. W. Schmidt nebst Kinder, Spandau. PichelSdorserStr. 23. Danksagnttg. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes. unseres guten Paters, sagen wir allen Freunden, Bekannten, Verwandten sowie den Kameraden der Firma Coprioa unseren herzlichsten Dank. Witve Pauline Gutsche und Kinder. Gardinen- Fabrik: GardinenhauS Bernhard Schivartz .-WESTMANN MobreuatraMae 37n(nahe Jerusalemeratrasse)\ Parterre Gr. Fronktni terslr. IIS(nahe AndreaestrasseJ/ I, Etage Warum? Well im grossen Inventur-Verkauf nur gnnz kurze Zeh die ficrröns eu und elrgaotesteo Plilsclunöntßl, Abendnifinlel, Frauenmantel, Kostüme engl. Paletots. 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Die auf Widerstand gegen die Staatsgewalt. Beleidigung, öffentliche Zusammenrottung. Be- drohung, Landfriedensbruch und Aufforderung zur Begehung straf barer Sandlungen lautende Anklage richtet sich gegen folgende 18 Personen. Angeklagt sind: 1. der Bauhilfsarbeiter und frühere Schlächter Wilhelm Hartmann, 2. der Bauarbeiter Samuel Giersch, 3. der Milchhändler Wilhelm Pngel, 4. der Dreher Felix Priehner, 5. der Schmied Theodor Lube, 6. der Tischlerlehrling Artur Schulz, 7. der Fahrstuhlarbeiter Robert Rehaag, 8. der Arbeiter Leopold Brandt, 9. der Arbeiter Wilhelm Walter, 10. dessen Ehefrau Anna Wolter geb. Rasch, 11. der Arbeiter Emil Tietz, 12. die Aufwärterin Amalie NoHloff geb. Blohm, 13. die Zimmermannsfrau Anna Haupt geb. Mahlkow, 14. die Frau Berta Platow geb. Risch, 15. der Hilfsmonteur Walter Rudolph, 16. der Maurer Alfred Kupper, 17. der Schmied Ferdinand Sühring und 18. der Hausdiener August Hellwig.— Die zur Anklage stehenden Straftaten sollen sich am 29. Oktober bezw. in der Nacht zum 30. Oktober ereignet haben. — Ten Vorsitz wird Landgerichtsdirektor Bahr führen. Für die Verhandlung, welche in dem Schwurgerichtssaal des Landgerichts III, im dritten Stockwerk des neuen Kriminalgcrichtsgebäudes in der Turmstraße, Zimmer 664, stättfindet, ist vorläufig eine Woche in Aussicht genommen. Karten zum Zuhörerraum werden nicht ausgegeben, dagegen sollen die Absperrungsmatzregeln streng durch- gefuhrt werden.. Kolonialprozesse in Wiesbaden. Aus Wiesbaden wird uns geschrieben: Zurzeit schweben an den hiesigen Gerichten einige Strafprozesse, die weit über das ge- wohnte Matz das allgemeine Interesse in Anspruch zu nehmen ge- eignet sind. Aus Anlatz einer Interpellation des Abgeordneten Ablast haben die den Anklagen zugrunde liegenden tatsächlichen Verhältnisse auch den Reichstag bereits beschäftigt. Der frühere Offizier Rabe war zeitweilig Distriktschcf(was etwa der Stellung eines Landrats bei uns entspricht) in Deutsch-SUdwcstafrika und hatte seinen Amtssitz in Swakopmund. Als er dort seine Amt& lokalitäten bezog, soll er dieselben in einem derart schlechten Zu- stand gefunden haben, dah sie auch nicht im entferntesten den An- forderungen genügten, die er als Repräsentnt oes Reichs an die Stätte seines dienstlichen Aufenthalts glaubte stellen zu können. Auf demselben Gehöft, in dem er wohnte, sei eine umfangreiche Schweinezucht betrieben, die Luft war mit den übelsten Gerüchen geschwängert, die BurcaulokaNtäten seien gänzlich unzureichend ge- Wesen und es habe auch an den allernotwendigsten Bureauutensilien gefehlt. Da griff den der neue Distriktschef recht energisch ein, um Wandel zu schaffen. Er lietz den vorhandenen Vorräten Zement, Holz und andere Baumaterialen entnehmen, die Wände ausbessern, eine neue Wand ziehen. Auch beschaffte er sich ein neues Pult usw. Anderer Ansicht war der richterliche Beamte. Er strengte wider den DistriktÄhef einen Krimnalprozetz an. Er bezichtigte ihn darin der unbefugten Verwendung der Reichsbaumaterialien, ausserdem warf er ihm vor, er habe einen Eingeborenen, der sich an einem Weißen für die Verführung seiner Geliebten gerächt und deshalb zu einer längeren Zuchthausstrafe verurteilt worden war. ent- schlüpfen lassen. Nach Erhebung dieser Anklage begab sich Nabe ausserhalb des Bereichs der deutsch-südwestafrikanischen Juris- diktion. Er schiffte sich nach Europa ein und hält sich zurzeit in Wiesbaden auf. Er ist leidend und hat es abgelehnt, sich in Swa- kopmund den richterlichen Behörden zu stellen. Das war ein Hindernis, an dem der ganze Prozeß zu scheitern drohte, zumal �Rabe auch nicht dazu zu bewegen war, um Dispens von seinem Erscheinen zur Strafverhandlung in Swakopmund nachzusuchen. Durch das jüngst verabschiedete neue Kolonialgesetz sind die Gerichte des Reiches für die Aburteilung von in den Schutzgebieten durch Beamte des Reichs begangenen Verfehlungen zweifellos zuständig. Auf Grund dieses Gesetzes ist die Sache nun zur Aburteilung nach Wiesbaden verwiesen worden. Inzwischen aber hat sich der Ab- Wickelung der Affäre ein neues Hindernis entgegengestellt. Der Slechtsvcrtreter des früheren Distriktschefs von Swakopmund be- hauptet nämlich, das? der in der Sache in Funktion getretene Richter sich zu Unrecht richterliche Qualität beilege. Es seien bei seiner Bestallung nicht die vorgeschriebenen gesetzlichen Formalitäten ge- wahrt; vielmehr habe der Richter ohne die gesetzliche Ermächtigung des Reichskanzlers sein Amt angetreten. Das Verfahren sei daher von einer dazu nicht qualifizierten Seite eröffnet und müsse als nicht erfolgt angesehen werden. Die Voruntersuchung bei unseren Gerichten währt bereits viele Monate, und ihr Abschluß ist heute noch nicht abzusehen. Das Schwurgericht, möglicherweise auch die Strafkammer und— auf Grund einer von Rabe angestrengten Privatklage wegen Beleidigung— auch das hiesige Schöffengericht werden sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben. Wie bei der Bestallung des hier in Frage kommenden richter- lichen Beamten in Swakopmund ist stets im Reiche verfahren worden. Dringt Rabe mit seinem Einspruch durch, so würde das eine förmliche Revolution auf dem Gebiet der Rechtsprechung in den Kolonien bedeuten. Alle dort geführten Prozesse würden als nicht geschehen anzusehen und für null und nichtig zu erklären sein. Buq der frauenbewegung» Die Damenwlihlrechtsbewegung in Holland. Wie wir kürzlich milteilten, hat sich der Niederländische Bund für Frauenwahlrecht auf seiner Jahresversammlung nicht dazu auf» schwingen können, die grosse Bewegung für das allgemeine Männer- und Frauenwahlrecht ohne Vorbehalr zu unterstützen. Man wollt« den Miigliedern freie Hand lassen, sich für das allgemeine oder für ein beschränktes Frauenwahlrecht auszusprechen. Diese Tatsache tritt jetzt deutlich in dem.Korrespondenzblatt des Bundes für Frauen- wahlreckt" zutage, das folgendes schreibt: .In Verbindung mit der Aktion für allgemeines Wahlrecht, die jetzt in unsere», Lande vor sich geht, erinnert der Haupt- vorstand daran, daß die Abteilungsvorstände als solche keine Adressen unterzeichnen, noch an der Aktion teilnehmen können. Die Mitglieder sind individuell vollkommen frei. Es versteht sich von selbst, daß die Mitglieder, die für allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen sind, entweder die Adresse der Sozialdemo- kratiichen Arbeiterpartei oder die des freisinnig- demokratischen Bundes und des Allgemeinen niederländischen Acbciterverbandes zu unterzeichnen haben. Die letztgenannte Adresse kann auch von Anhängern des allgemeinen Männer- und beschränkten Frauenwablrechts unterzeichnet werden.* Der sreisiniiig-deniotratische Bund, der mit dem genannten Ar- bciterverbaud lWerkliedenverbond) Hand in Hand geht, hatte sich seinerzeit bereit erklärt, die Pelitionsbewegmig mit der Sozialdemo- kratie gemeinsam zu führen, woraus jedoch nichts wurde. Wie recht unsere Parteigenossen und Genossin»?» handelten, als sie eine solche Wahlrecbtsallianz ablehnten, zeigt sich jetzt. Die Damen vom Frauenwahlrechtsbund empfehlen den Fllrsprecherinnen eines be« schränkten Frauenwahlrechts, alio den Gegnern einer wirklichen poli- tischen Gleichberechtigung der Geschlechter, die freisinnig-demolratische Wahlrechtspetition zu unterzeichnen. 'verfanunlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, dm 4. Januar, L'/z Uhr: Vonrag. Herr Professor Puiower: Berlins Architektur von 1650—1713, mit Lichtbildern. Eintritt nur mit Karten, die bei Fr. Kulicke, Prinzenstrasse 102 III, zu haben sind. Bereine Frauenwohl und Frauenftiwmrccht- Berlin. Montag, den 2. Januar, S'/a Uhr, Arminhallen, Kommandantenstr. 68—59: .Im Jahrhundert des Kindes, Protest der Frauen gegen die Vorkommnisse in Micltschin". Ansprachen von Stadlverordneten Alfred Bernstein, Minna Cauer, Frau Adele Schreiber-Krieger, Adelheid v. Welczeck._ Leseabende. Zchlendorf(Wannseebahn). Mittwoch, den 4. Januar, bei Mickleh: Vortrag. Gen. Kutta:„Die künstliche Ausschmückung der Arbeiter- Wohnungen"._ Hua aller Sielt. Sine fiinfmittionen Stiftung für Lebensretter. Der amerikanische Milliardär Andrew Carnegie, früher ezner der Haupthelden des berüchtigten Stahltrustes, entledigt sich in neuerer Zeit eines Teils der aus dem Mehrwert der Arbeiter er- preßten Millionen durch Gründung von philanthropischen Stiftungen. Die neueste Schenkung in Höhe von IVt Millionen Dollars ist dem Deutschen Reiche überwiesen worden. Die Stiftung hat den Namen„Carnegie-Stiftung für Lebens- r e t t e r" erhalten und ist bestimmt für die Linderung der finan- ziellen Notstände, die sich aus heldenmütigen Anstrengungen zur Rettung von Menschenleben im Gebiete des Deutschen Reiches und seiner Gewässer ergeben, sei es für die L e b e n s r e t t e r s e l b st durch deren vorübergehende oder dauernde Erwerbsunfähigkeit, sei es im Falle des Todes derselben für ihre Hinterbliebenen. In erster Linie sind dabei diejenigen Unglücksfälle vorgesehen, die sich bei Ausübung friedlicher Berufe, z. B. derjenigen der Bergleute, Seeleute, Aerzte, Krankenpfleger, Feuerwehrleute, Eisenbahn- und Polizeibeamte ereignen. Unter„Lebensrettern" sollen auch Per- sonen verstanden werden, deren heldenmütige Anstrengungen von Erfolg nicht gekrönt worden sind. Zur Verwaltung der Stiftung ist ein Kuratorium eingesetzt worden, dessen Vorsitz zunächst dem Chef des geheimen Zivilkabinetts übertragen worden ist. Die Beihilfen be stehen in einmaligen oder fortlaufeichen Unterstützungen. Letztere sollen für Lebensretter auf die Dauer ihrer vollständigen oder teilweisen Erwerbsunfähigkeit, für Hinterbliebene von Lebensrettern und zwar für Witwen bis zur eventl. Wieder- Verheiratung und für Kinder bis längstens zur Erreichung eines zur selbständigen Ernährung befähigenden Alters gewährt werden. Die Zahlung soll in der Regel monatlich bewirkt werden. Sämtliche Bewilligungen aus der Stiftung erfolgen unter der Bor- aussetzung der Würdigkeit und der Bedürftigkeit der Empfänger» die fortlaufenden dementsprechend mit dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs, wenn diese Voraus- setzungen nicht immer zutreffen. Die Stiftung tritt mit dem Tage der kaiserlichen Genehmigung in Kraft. Es können auch Notstände, die aus Unglücksfällen vor diesem Zeitpunkte her rühren, berücksichtigt werden. Anträge auf Berücksichtigung aus der Stiftung sind an das Kuratorium derselben, Berlin. Wilhelm st ratze 6 4, zu richten. Der Stiftung mutz man mit sehr gemischten Gefühlen ent- gegensehen. Da die st aatlichen Behörden die„W ü r d i g- keit" des zu Unterstützenden entsprechend den Satzungen nach- zuprüfen haben, kann man wohl annehmen, daß sozialdemokratische Lebensretter und ihre Hinterbliebenen herzlich wenig in den Genutz der Stiftung kommen werden. Uebrigens ist es sehr beschämend für die recht zahlreichen deutschen Multi-Millionäre, daß erst ein Amerikaner dem Deutschen Reich die eigentlich selbst- verständliche Fürsorge für verunglückte Lebensretter ermöglichen mutz._ iv.tiisant tödlich abgestürzt. Der Aviatiker M o i s a n t ist gestern in New-Orleans bei einem Landungsversuch mit seinem Acroplan aus einer Höhe von 100 Fuss abgestürzt und erlag wenige Minuten später seinen schweren Verletzungen. Die Maschine wurde zertrümmert. Moisant war einer der kühnsten und erfolgreichsten Flieger, der seinerzeit durch den Flug Paris— England Auf- sehen erregte._ Der Massenmord von Bolton. Aus London wird uns geschrieben: So wie da? traurige Geschäft der Bergung der 350 Leichen fortschreitet, ergibt eS sich immer deutlicher, daß kapitalistische Profitgier auch diese entsetzliche Masseuschläckiterei mit verschuldet hat. Zuerst wurde in der Presse die Mitteilung verbreitet, die Ursache des Unglücks sei allen Sachverständigen völlig unfaßbar, denn die betreffende Gnibc sei eine der besten in ganz England, mit den allermodernsten Sicherbeitsvorrichtnngen ausgestattet, eine Mustergrube, die von ausländischen Sachverständigen aufgesucht und bewundert worden sei. Man kennt die Weise, man kennt den Text. Wo immer ein Un- glück passierte, da war's eine Mustergrube. Aber die herzzerreitzendeu Szenen, die sich bei der Identifizierung der Leichen vor der Toten- beschau kommission abspielen, beginnen die Wahrheit an den Tag zu fördern. Einer nach dem anderen erzähle» die Hinterbliebenen der Verunglückten, daß ihre Toten in den letztenWochenun- aufhörlich über das stetige Zunehmen von Kohlen- ga» in der Grube klagten. Der eine habe erzählt, wie es ihm in der Grube schwindelte, der andere mußte nur so n a ch Lust schnappen, viele verließen mehrfach schon am Morgen die Arbeit, weil sie es unten nicht aushalten konnten. Einer der Toten hatte sogar wenige Tage vor der Katastrophe voraus- gesagt, daß die Ausströmung des GaseS zu einem schrecklichen Unglück führen werde. Bei der Eröffnung der schottischen Bergarbeiterkonferenz in Ahr kam der Vorsitzende. Genosse Robert Smillie, auch auf das Grubenunglück bei Bolton zu sprechen. Er sagte, es könne keinem Zweifel unterliegen, daß das Unglück ganz oder teilweise auf eine Kohlen st aubexplosion zurückzuführen sei. Der Anlaß mag eine Gasexplosion gewesen sein, aber diese ist vom Kohlenstaub weitergclragen worden. Die Haupigäuge der Grube scheinen trocken und staubig gewesen zu sein. Es sollte die Pflicht der Grubenbesitzer sein, den Kohlenstaub fortzuschaffen oder ihn unexplosiv zu machen. Trotz der Anwesenheit von Gas seien elektrische Drähte und elektrische Kohlenschneidemaschinen in der Grube verwendet worden. Solche lebensgefährliche Arbeitsspar- Methoden sollten gesetzlich untersagt werden. Die Schuld liege vor allem auch an der mangelhaften Grubeninspektion. und die Arbeiterpartei werde es sich angelegen sein lassen, darin eine Besserung zu erkämpfen. Das Unglück förderte ein neues krasses Beispiel der herzlosen Heuchelei der bürgerlichen Presse zutage. Da die Politik gerade ruhte und keine frische Raubmordgeschichte die Gemüter erregte, berichteten die Blätter ausführlich über die schrecklichen Szenen nach dem Unglück und leitartikelten mit verschwenderischen Menschlichkeits- gefühlen über den Heroismus der Toten und das Elend der Hinter- blieben. Aber trotzdem hindern alle Krokodilstränen einen Teil der Presse nicht, die südwalisischen Bergarbeiter mit Schmutz zu bewerfen, weil sie, die so tagtäglich ihr Leben aufs Spiel setzen, ein menschenwürdigeres Dasein verlangen. Und die Regierung verstärkt willig die Hungerpeitsche mit dem Polizei- knüppel, um die„Helden" zu zwingen, mit geballten Fäusten ins alte Joch zu kriechen._ Die Belagerung eines Irrsinnigen. Seit sechs Tagen wird von einer starken Gendarmerie- abteilung das in der Nähe der französischen Ortschaft M a c o n stehende Haus eines Irrsinnigen belagert, der in einem Anfall von Tobsucht seine Frau durch einen Schuß verletzte, seinen Schwiegervater und seine eigene Tochter tötete und sich seiner Festnahme durch Verbarrikadieren des HauseS wider- setzt. Die Behörde versuchte, nach vielen erfolglosen Bemühungen, des Mannes habhaft zu werden, ihn auszuräuchern, doch vergebens. Auch der Versuch, die Fenster und die Haustier seines Hauses einzuschlagen, blieb erfolglos, da die Stürmenden durch Schüsse zurückgetrieben wurden. Mehrere Gen- darmen hatten sich erboten, in das Haus einzudringen, um den Rasenden festzunehmen oder zu erschießen, doch lehnte der Kommandeur der Mannschaft es ab, die Leute der Lebensgefahr auszusetzen. Es wurde nun ein Geudarm beauftragt, aus sicherem Versteck auf den Tobsüchtigen zu schießen, sobald er sich an irgend einem Fenster sehen lasse. Seit zwei Tagen hat der Belagerte kein Lebenszeichen von sich gegeben. Man glaubt daher, daß er Selbst- mord begangen hat. Man will jetzt noch einmal versuchen, durch Stürmung des Hauses des Mannes habhaft zu werden. Noch einmal„Frischer Mohr". Wie uns ein Telegramm aus Hamburg meldet, sind im dortigen Hygienischen Institut mit zahlreichen Margarine- proben der Marken Backa, Luisa und Frischer Mohr aus der Fabrik der Altonaer Margarinewerke Mohr u. Co. G. m. b. H. A l t o n a- O t t e n s e n ausgedehnte Versuche an Hunde angestellt worden, wonach die Hunde erkrankten. Durch die chemische Untersuchung wurde festgestellt, daß in der Margarine ein Kardamon, öl genanntes Fett zur Verwendung gekommen ist. Da sowohl anorganische Gifte als auch Pflanzengifte nicht er- mittelt werden konnten, mutz die Giftigkeit in der Kon- struktion des Fettes ihre Ursache haben. Vielleicht sendet die Firma die aller Wahrscheinlichkeit nach zu erwartende Berichtigung gleich an das Hygienische Institut in Hamburg, da wir nicht geneigt sind, uns länger mit Hilfe deS Z 11 des PretzgesetzeS mißhandeln zu lassen. Kleine Notizen. AuS dem dunkelsten Deutschland. In dem polnischen Dorfe Poremba hat ein Dienstmädchen ihr neugeborenes Kind dem Hunde ihrer Herrschaft vorgeworfen. Da» verhaftete Mädchen gestand, daß der Hund das Kind zer- fleischt und verschlungen hat. Eine Familientragödie. Die Gattin deS Bahnbediensteten Jl Ranftel aus Linz durchschnitt in einem Anfalle von Wahnsinn! ihrem 6 Wochen alten Kinde mit einem Rasiermesser denji HalS, brachte ihrem 4jährigen Töchterchen lebensgefähr-M liche Verletzungen bei und schnitt sich dann selbst d i S? Kehle durch. Einsturz einer Zuschauertribüne. Gelegentlich einer ProzeMjWjMH in der Nähe von Lissabon brach eine Zuschauertribüne ein,«H» � der gegen 500 Personen Platz genommen hatten. Von Itzn; Abgestiirzten wurden vier getötet und 23 schwer der- Verionen erlitten leickitere VerlevunaemW w u n d e t. Etwa 100 Personen erlitten leichtere Verletzungen. Durch heftige Erdstöße wurden die Einwohner von Francisco und Umgegend in Schrecken versetzt. Nach de! herigen Ermittelungen ist kein Schaden durch das Bebe! gerichtet worden. wmmmmmmmm ssmishmeNellen für„Kleine Anzeigen" Berlin C.«. Halmiich. Auguststr. 60. W. ffl. Schmidt. Kirchbachstr. 14. O, 8S). Mann, Petersburger Platz». Gustav Bogel, Koppensir. 88,1 81. WengetS. Gr. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin LW,