N». 3. BbonnmentS'Bcdingungen; Abonnements- Preis pränumerando i Bicrtcijährb SLi) Mb, monatb 1,10 Mb, »vöchenilich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonutags- Beilage.Die Neue Well" lv Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Austand 3 Mark pro Monat, Postabonnemcnis nehmen an: Belgien. Dänemark, öolland, Italien, Luxemburg. Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. 88. Jahrg. Crfitdnt tZgllch aaSkr Clontag«. Berliner Volksblntt. Die Infcrtlons-Geböftr leirägt für die sechsgespaltene Kolonek- Heile oder deren Raum BO Pfg,, für tzolilische und gewerlschafiliche Vereins- Und BersammlungS-Anzeigen L0 Psg. �Uleine Snreigen", daS crsie ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengelnchc und Schlaf- slcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen iür zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittags in dcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm-Adresfe: „Z»laltlkwoll»t Kerl!»". Tentralorgan der rozialdemohratifchcn parte» Deutfchlands. Redahttom 8Äl. 68, Ltndenstrasac 69. Fernsprecher- Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 4. Januar 1911. Expedition: SM. 68, Lindcnstraaoe 69* Fernsprecher: Amt IT Nr. 198�. Das Zahr ISIS in Großbritannien. London, 1. Januar.(®ig. Ber.) Das Jahr 1910 wird mit Recht als ein bedeutungsvoller Zeitabschnitt in der Geschichte Großbritanniens angesehen. Es wurde eröffnet durch den großen Wahlkampf, der in der ganzen Welt mit gespannter Aufnierksamkcit verfolgt wurde und dessen Endresultat der Zusammenbruch der Selbständig- keit der liberalen Regierung war. Die Konservativen ge- wannen 105 Mandate. Zum ersten Male seit der Erweiterung des Wahlrechts zeigte sich eine ziemlich klar hervortretende Trennung der Wähler nach toirtschaftlichen Gesichtspunkten. Bisher hatte das arbeitende Volk eine schwere Wahl zwischen dem liberalen„Twsscllo- dum" und dem konservativen „IVsedls- dee". Beide Parteien reagierten ihrer hohen politischen Bildung gemäß auf den Druck von unten mit Reformen. Auf die Konservativen traf dies nicht minder zu, als auf die Liberalen; waren es doch die Konservativen, die die Grundlagen des gesetzlichen Arbciterschutzes legten, und war doch Joseph Chamberlain der Urheber des Unfall- entschädigungsgesetzes. Bei der ersten Wahl des Jahres spielte jedoch die von Chamberlain eingeleitete schutzzöllnerische Bewegung eine große, wenn nicht die entscheidende Rolle. Nach zwei Jahren der empfindlidfften wirtschaftlichen Krise war den Schntzzöllnern das Terrain sehr günstig. In den Gegenden, wo die Industrie einen harten Kampf mit der deutschen und amerikanischen Konkurrenz zu bestehen hat, fand die neue wirtschaftliche Lehre der konservativen Partei viele begeisterte Anhänger und der wenig industrielle Süden des Landes stimmte geschlossen für die konservative Partei. Aber die große Masse des arbeitenden Volkes blieb dem Freihandel treu. Die verlockenden Versprechen der Tarifreformer übten Zweifels- ohne eine mächtige Anziehungskraft auf die Arbeiter aus; aber die Furcht, daß die dem Schutzzoll unvermeidlich folgende Verteuerung der Lebensbedürfnisse die durch das Emporschnellen der Weltmarktpreise schon empfindlich bcein- trächtigte Lebenshaltung noch weiter hcrabdrücken würde, und vor allen Dingen das Beispiel der kontinentalen Klassen- genossen, die von den Agrariern ausgeplündert werden, ent- schied ihre Parteistellung. Die Wahl hatte die parlamentarische Lage gründlich der- ändert. Die große liberale Majorität war wie der Schnee in einer Frühlingsnacht geschmolzen. Konservative und Liberale hielten sich die Wage. Den Ausschlag gaben Iren und Arbeiterpartei. Dann kam der Verrat des Premierministers Asquith. Es ist interessant, die damalige Lage mit der heutigen zu vergleichen. Damals erklärten die liberalen Wortführer, die Wähler hätten der Regierung zu ihrem angekündigten energischen Kampf gegen die Lords kein Mandat gegeben. Heute nun soll dieselbe Parlaments- Majorität vollauf genügen, um den Lords den Prozeß zu machen. Asquith hatte aber die Rechnung ohne die Iren gemacht. Mit der Zähigkeit einer Bulldogge hängte sich Red- mond, der begabte parlamentarische Führer der irischen Ratio- nalisten, an seine Rockschöße und ließ ihn nicht los. Zu jener Zeit hätte sich die Arbeiterpartei ihre Lorbeeren verdienen können. Ihr Führer Barnes, der die Gelegenheit sah, der- suchte denn auch in Ucbercinstimmung mit einigen der ent- schlossencn Arbeiterparteilcr eine entschiedene Politik cinzu- schlagen; seine Handlungsweise wurde aber von der Mehrheit seiner Partei und leider auch von einigen der Partei an- gehörigen Sozialisten geinißbilligt. So ist denn das Verdienst, die Regierung zum Kampfe gegen die Lords angetrieben zu haben, in der Hauptsache den Iren zuzusprechen. Es liegt nicht im Rahmen dieses Rück- blickes, die Taktik zu schildern, mit deren Hilfe es Redmond gelang. die aalglatten Liberalen bis zur ersten Lesung der Vetobill zu steuern. Das Parlament vettagte sich am 29. April. Man schied voneinander mit der Zuversicht. daß die nächsten paar Monate die Entscheidungsschlacht mit dem Hause der Lords bringen würde. Jnz>vischen starb unerwartet König Eduard VII. Sein Tod gab Anlaß zu einer wahren Orgie monarchistischer Speichelleckerei, die auch Teile der Arbeiterpartei mit sich fortriß. In dieser weinerlichen Katerstininiung kain die konservative Presse mit dem Vorschlag, eine brüderliche Konferenz der liberalen und konservativen Parteihäuptcr zusammenzuberufen, die ver- suchen sollten, einen Ausgleich in der Frage des Vetos herbei- zuführen. Die perplexen Liberalen stimmten diesem Vorschlag zu, dessen eigentlicher Urheber der jetzige König gewesen sein soll, und die Konferenz hielt bis kurz vor der Wiedereröffnung des Parlaments am 15. November über 20 Sitzungen ab. Den ganzen Zeitabschnitt füllt eine politische Oede. Von Zeit zu Zeit drangen Gerüchte aus dem Konferenz- zimmer in die Welt, die darauf schließen ließen, daß die liberalen Führer bereit waren, ihren Gegnern in bezug auf die irische Flage, die einer Verständigung im Wege stand, entgegenzukommen. Sobald aber Rcdniond, der in Ämerika weilte, um unter seinen Landsleuten Gelder für den kommenden Wahlkampf zu sammeln, die Faust ballte und die Regierung an ihre Abhängigkeit von ihm erinnerte, verschivanden diese Gespenster. Die Konferenz ging schließlich am 10. November, ohne ein Resultat erzielt zu haben, aus- einander. Die Regierung hatte sich schon vor dem Zusammen- treten des Parlaments zur Auflösung entschlossen und hatte Un den Wahlkreisen ihre Maßregeln getroffen. Mit den Ver zögerungsversuchen der Lords, die sich selbst zu reformieren suchten, machte sie kurzen Prozeß. Jedoch die Dezember Wahlen, von denen sich die Liberalen eine größere, wenn nicht die volle Unabhängigkeit versprachen, änderten gar nichts an der Zusammensetzung des Parlaments. So befindet sich die liberale Regierung wieder einmal in der Gewalt einer schlau operierenden opportunistischen Partei, die sich unter Umständen nicht scheuen ivürde, den wiederholten Freiersanträgen des Nebenbuhlers Gehör zu schenken. Für die soziale Hebung der Arbeiterklasse ist in dem ver flossenen Jahre rein gar nichts geschehen. Die Ladenvorlage, die die univürdigeu Arbeitsbedingungen der Ladenangestellten etwas erträglicher gestalten sollte, wurde ganz gegen Ende des Parlaments von dem Minister Churchill unter verdächtigen Umständen fallen gelassen. Nur die Bergarbeiter erzielten unter dem Druck des furchtbaren Grubenunglücks zu Whito Häven einige Zugeständnisse. Die Beschaffung von Reitlings apparaten und die Bildung von Rettungsmannschaften ist in diesem Jahre obligatorisch gemacht worden. Auch hat der Minister des Innern die Bildung einer neuen Klasse Gruben inspektoren versprochen. Den Wünsdien- der Bergarbeiter, die unabhängige, von den Arbeitern gewählte Ärbeiterinspektoren fordern, ist hiermit aber nicht gedient. Die neuen Inspektoren Iverden Staatsinspektoren sein; ihr Vorbild sind die sranzö fischen„controlsurs de rnines". Das»virtschaftliche Leben Großbritanniens nahm im Jahre 1910 einen großen Aufschivung. Nach den Ein- und Ausfuhrziffern und den Ausweisen der Banken zu urteilen, lvar 1910 ein Jahr der größten Prosperität, das von keinem seiner Vorgänger übcrtroffcn»vird. Die hohen Weltmarkt preise werden allerdings für einen Teil der Aufivärtsbcivegung verantivortlich sein. Wenn man aber in Betracht zieht, daß auch die allgemeine Arbeitslosigkeit gegen das vorhergehende Jahr beträchtlich nachgelassen hat, so läßt sich der Wirtschaft liche Aufschivung nicht bestreiten. Auch»vird man zugeben müssen, daß sich Großbritannien viel schneller von den Folgen der letzten Krise erholt als andere Länder Dies wird wohl hauptsächlich dem Umstände zuzu- schreiben sein, daß sich hier der innere Markt viel leichter erholen kann als in anderen Industrieländern, wo die schier unerschwinglich hohen Lebensmittelpreise es dem Volke erschweren, die Erzeugnisse der Industrie zu kaufen. Ob in diesen Zeiten der großen Prosperität auch der Wohlstand des arbeitenden Volkes gestiegen ist, dürste bo zweifelt»verden. Nach den letzten genaueren statistischen Be rcchnungen findet in Großbritannien seit 10 Jahren ein be ständig wachsendes Sinken des Rcalloh. es statt, das voraus sichtlich auch in diesem Jahre hoher Weltmarktpreise nicht auf gehalten worden ist. Diese von allen Autoritäten zu gegebene Verschlechterung der»virtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse Großbritanniens fand im verflossenen Jahre greifbaren Ausdruck in großen Kämpfen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Mag auch der direkte Anlaß zu diesen Kämpfen nicht immer eine Lohn streitigkcit gelvesen sein; die eigentliche Ursache ist unver kennbar. Das Kapital hingegen arbeitet in den letzten zehn Jahren»nit ungeheuren Ueberschüssen, deren Höhe in den rapid steigenden Ziffern der Einkonimensteuerveranlagung deutlich zum Ausdruck koinmt. Auch in dem vergangenen Jahre haben die Kapitalisten glänzende Geschäfte gemacht, so daß sich selbst die Fabrikanten Birminghams, die gewöhnlich der Tarifreforin zuliebe eine saure Miene aufsetzen, schmunzelnd die Hände reiben. In dem»virtschaftlichen Leben des Landes ist im letzten Jahre besonders die herausfordernde Haltung der immer mächtiger»vcrdenden Untcrnehmerverbände auf- gefallen. In Wales haben die libesalen Kohlenmagnaten einen Ton angeschlagen, der den bisher so unerschütterlichen Liberalismus der südlvalisischen Bergarbeiter bedenklich ins Wanken gebracht hat. Noch schliminer trieben es die Schiffsherren, die— glücklicherweise vergebens— versuchten, den Kesselschinieden in den internen Angelegenheiten ihrer Organisation Vorschriften zu machen. Die Aussperrung der Keffelschmiede hatte aber für die britische Gewerkschaftsbewegung das Gute, daß sie die Aufmerksamkeit der englischen Arbeiter auf die Gefahr lenkte, die der Gewerkschafsbeivcgung von der herrschenden großen Zersplitterung droht. Es wird das größte Verdienst des letzten britischen Gewerkschafts- kongresses sein, die Zentralisation der gciverkschaftlichen Orga- nisationen in die Wege geleitet zu haben. In diesein Sinne wirken auch die industriellen Syndikalisten— leider ein schlecht zu vermeidendes Wortungeheuer—, die den Zusammenschluß der Gcivcrkschaften, jedoch in einer nicht sehr klaren Weise predigen. In dem verflossenen Jahre ist auch»vieder eine Einigung der sozialistischen Parteien Großbritanniens— leider ohne Erfolg— versucht worden. Der letzte Parteitag der S. D. P. beauftragte den Vorstand der Partei, sich zivecks einer Eini- gung mit den übrigen sozialistischen Organisationen des Landes in Verbindung zu setzen. Dies geschah auch. Es soll hier nicht untersucht werden, wen die größte Schuld an dem Nichtzustandckommen der sozialistischen Einigung zu- zuschreiben ist. Die maßgebenden Kreise in der I. L. P. stellen sich auf den Standpunkt, daß sich die Vereinigung der Sozialisten im Schöße der Arbeiter- Partei vollziehen müsse. Die S. D. P. behauptet jedoch. daß die sozialistische Einigung und der Anschluß an eine nicht- sozialistische Partei wie die Arbeiterpartei zwei ganz ver- schiedene Fragen seien. Im Laufe der letzten paar Jahre haben die Liberalen Berge von Versprechungen angehäuft, die ihrer Erfüllung harren. Es fehlt nicht an Leuten, die die Versprechungen alle trotz der schlechten Erfahrungen der Vergangenheit recht ernst nehmen und sich eine neue glänzende Epoche für das arbeitende Volk versprechen. Diese gläubigen Seelen gleich dem dilettantischen Hühnerzüchter, der sich einen glänzenden Profit von seiner künstigen Hühncrschar heraus- rechnete und dabei die Kosten des Futters vergaß. Wer die englischen Liberalen lange Jahre bei der Arbeit beobachtet hat, weiß, wie jämmerlich die zuerst in kühnen Zügen ent- »vorfenen sozialpolitischen Projekte zusammenschrunipfen,»venu sie erst einmal definitiv zu Papier gebracht»verden. Man darf sich nicht»vundern, wenn der kreißende Berg der liberalen Versprechungen schließlich nur ein lächerliches Mäuslein gebiert._ Rationale flrbeiteritanaidaturen. Die Konservativen haben bei der letzten Reichstagsersatzwahl in Frankfurt-LebuS versucht, diesen Kreis durch die Ausstellung eincS sogenannten.nationalen" Arbeiterkandidaten zu erobern. Der Erfolg ist nicht sonderlich ermutigend ausgefallen; aber weder die Kouser- vativen der Richtung Hetidebrand, noch die der Richtung Zedlitz- Ncukirch scheinen die Absicht aufgegeben zu haben, bei den nächsten ReichstagSlvahlen diesen Versuch in größerem Maßstabe fortzusetzen— selbstverständlich nur in solchen industriellen Wahllreisen, lvo kein Rittergutsbesitzer, Landrat oder sreilonservativer Großindustrieller irgend welche Aussicht hat, geivählt zu werden. Solche Wahlkreise, die zu ihrem sicheren Besitzstand zählen, den„nationalen" Arbeiter- kandidaten zu überlassen, fällt natürlich den Konservativen nicht ein. Nur in de« industriellen Wahlkleisen, deren Mandate heute in der Hand von Sozialdemokraten oder Linksliberalen sind, hält mau nationale Arbcitcrkandidaturen für angebracht und zweckentsprechend. Ein helleS Licht auf diese Absichten lvirft ein Brieflvcchsel, der unserem BreSlauer Parteiorgan, der„ V 0 l k s w a ch t", auf den RedaktionStisch geflogen ist. Um den Wahlkreis Waldenburg(Schlesien) dem Sozialdeino- kraten Sachse zu entreißen, gedachten die dortigen Grubenkapitalisten und ihre Geschäftsführer es auch in Waldenburg mit der Aufstellung eines nationalen Arbeiterkandidaten zu versuchen, und zwar fiel, da mau in Schlesien niemand fand, den man der Ehre für ivürdig er- achtete, die Wahl auf einen Freund der«nationalen Arbeiter- beivegung" in Westfalen, einen Herrn Wilhelm Hoppstädter in Witten. Der Direktor der Kulmigscheu Gruben, ein Herr Möller, schrieb also an Herrn Hoppstädter und bot ihm die ReichStagökandidatur im Waldenburgcr Wahlkreise an. Doch Herr Hoppstädter ist ein vorsichtiger Mann; ihm stiegen allerlei Bedenken auf, und er schrieb deshalb zunächst an Herrn Möller folgenden Brief: Mein lieber Herr Möller! .... Anders steht die Frage, ob meine Verhältnisse und mein Gesundheitszustand mir gestatten, die dortige Zählkandidatur anzunehmen. So viel ich weiß, sitzt Sachse ziemlich fest im Sattel, und die„Zeitläufte" sind nicht dazu angetan, die Zahl der So- zialdemokraten zu verringern. Außerdem habe ich gelinde Zweifel, ob mein fortgeschritten sozialer Standpunkt de» dortigen nationalen Parteifreunden bchagt. Die westfälische» Großindustriellen hatten stets eine gelinde Abneigung gegen mich, obgleich es doch klar ist, daß ein industrieller Wahlkreis nur von einem ehrlichen Arbeitcrfreund zu erobern und zu verteidigen ist. Ich bin anmaßend genug, zu behaupten, daß ich als Reichstags- kandidat den Wahlkreis Bochum nicht verloren hätte. Werde ich in Waldenburg genehmer sein, wie in West« falen? Mit besten Grüßen auch von den Meinigen Ihr Wilhelm Hoppstädter. Herrn HoppstädterS Vorsicht war sehr am Platze, denn die Antlvort, die er erhielt, läßt einen klaren Schluß zu,»velche Zwecke das Grubenkapital mit seinen„nationalen Arbeiterkandidaten" ver- folgt. Herr RegierungSrat v. Keindorff, der Generaldirektor der Fürstlich Pleßschen Gruben, der inzloischen die Sache in seine Hand genommen hatte, antlvortete dem„ehrlichen Arbeitersteund': Sehr geehrter Herr Hoppstädter I Ich würde Sie gern bitten, in einer hier demnächst anzu- beramnenden Wahlversammlung einen Vortrag zu übernehmen, möchte aber mit Rücksicht auf eine Wendung Ihres Schreibens um eine Aufklärung bitten. Die hauptsächlichsten Mitglieder des Wahl- Vereins sind hier stcikonscrvativ und industriell. Sie schreiben, daß Sie einen fortgeschrittenen sozialen Standpunkt einnehmen. Ich weiß nicht, ob Sie damit eine so weit gehende Arbeiterfreundlichkeit andeuten wollen. daß Sie etwa im PosadowSkyschen Sinne die Arbeiter noch weiter auf Kosten der an sich schon erheblich belasteten Industrie beschühc» «nd pflegen wollen oder ob Sie im wesentlichen die heute be- stehende Fürsorge für ausreichend erachte». Wir können als die von den Neuerungen der letzten Jahre hauptsächlich Betroffenen naturgemäß dem weiteren Fortschreiten der sozial- politischen Belastung nicht daS Wort reden und würden deshalb selbstverständlich nicht gern sehen, wenn in unseren Ver- sammluugen et»va derartige Anregungen zum AuS- druck känien. Ich bitte Sie um die Mitteilung Ihrer Auffassung hierüber und um Aeußerung danach, ob und»vorüber Sic hier eventuell zu sprechen bereit sein»verde». Hochachtungsvoll eraebenst Der Vorsitzende. I. v.: gez. Keindorff, kgl. Regierungsrat a. D. DaS Schreiben ist charakteristisch für die Anschauungen der Grubenkapitalisien. Sogar die milde, zaghafte Sozialpolitik eines Posadowsky erfckzeint diesen Herren schon als hyperradikal. Die Arbeiterversicherung kostet Geld, und um dieses Geld werden die Nieseneinkünfte der Donnersmarck und Pleß, der Tiele-Winckler und Ballestrem vermindert.— Aus der„nationalen" Kandidatur des Herrn Hoppstädter ist denn auch nichts geworden. Als ihm die nationale Gesinnung der patriotischen schlesischen Kohlen- und Hüttenmagnaten in ihrer ganzen Schönheit klar geworden war, lehnte Herr Hvppstädter ab. Doch können wir uns nicht versagen, aus einem seiner Briefe noch eine Stelle abzudrucken, die beweist, welche Mittel sich die Schlot- barone die Bekämpfung der sozialdemolratischen Arbeiterschaft kosten lassen. Die Stelle lautet: „Politische Blätter nationalen Charakters sind heute, von verschiedenen Ausnahmen abgesehen, unrentabel; sie erfordern jährliche Zuschüsse in erheblicher Höhe. Für Waldenburg dürfte nach meiner Schätzung dieser Zuickutz jährlich 25 000 Mark betragen, und ich halte eS für fraglich, ob sich dort genügend viele und finanzkräftige Gönner eines solchen Uniernehmens finden. Die nationalliberale Partei des ReichstagswahlkreiseS Bochum hat ei» jährliches Defizit für Parteiorganisation von rund 85 000 M. zu decken." Der Versuch der Aufstelluug solcher„nationalen Ar- beiterkandidaten" wird in anderen Kreisen wiederholt tverden. Der obige Briefwechsel zeigt, welchen sauberen Zwecken das ganze Manöver dient.— Ans einer sozialistischen Stadtverwaltung. In Milwaukee, wo unsere Genossen seit bald Jahres- frist die Mehrheit der Stadtverwaltung bilden, fand kürzlich ein Streik der Schneider statt. Während desselben gab Genosse M e l m s, der Präsident des Stadtrats, den aus- ständigen Schneidern die Versicherung, die städtischen B e Hörden ivürden nicht zugeben, daß die an den verschiedenen Fabriken stationierten Polizisten in den Lohn- kämpfen Partei ergreifen. Wie der„Vorwärts", das Organ der sozialdemokratischen Partei in Wisconsin, berichtet, sagte Melms: „In Milwaukee werden Ausständige nicht mit Polizeiknüppeln bearbeitet, wie es in Chicago der Fall ist. Streiker haben ein gutes Recht, Streikposten auszustellen und von der Waffe des Boykotts Gebrauch zumachen- Ich kann Ihnen gar nicht eindringlich genug den Rat erteilen, vor allen Werkstätten, in denen Sie die Arbeit niederlegen, im Umkreise eines Stratzengeviertes Skreikposten aufzu- stelle». Können Sie nachweisen, daß ein Mann ein Streikbrecher ist, so nennen Sie ihn nur getrost einen Scab(Schwarz- bei», Schimpfname für Streikbrecher). Kein Polizist wird Sie des- halb verhaften, kein Gericht verfolgen." Da aber der Miltvaukeer Polizeichef sich doch nicht neutral verhielt, sondern angefeuert durch die Berichte über die Heldem taten seiner Berufskollegen in Moabit Jagowsche Gelüste der- spürte, forderte Genosse Seidel, der neugewählte s o z i a- l i st i s ch e Bürgermeister von Milwaukee, vom Stadtrat die Absetzung des Polizeichefs und schrieb letzterem folgenden Liebesbrief: „Herrn John T. Jausten, Polizeichef, Milwaukee, Ms.- Werter Herr I Es sind hier Klagen eingelaufen, daß außer Be schäfligmig gesetzte Bürger in letzter Zeit von Polizisten mit Schimpf warten belegt und roh behandelt worden sind. WaS immer diesen Klagen zugrunde liegen mag, so will ich eS verstanden wissen, daß kein Mann der Polizeimacht das Recht hat, jemanden zu belästigen, der das Gesetz nicht verletzt. Ich erwarte von Ihnen als Polizeichef, daß Sie den Leuten ihres Departements klarmachen, daß niemand belästigt oder beleidigt werden darf, der innerhalb seiner gesetzlichen Rechte bleibt. Vorgesetzte, welche oben ge- rügte Praktiken dulden, und Patrolmänner, die sie praktizieren, werden zur Verantwortung gezogen werden. (Naltdruck verlöten.) Die Arbeiterbewegung in Japan. Von C h a g r i n. In der Literatur, die sich mit den wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Verhältnissen des Mikadoreiches beschäftigt, stößt man allenthalben auf recht erfreuliche Berichte über seine(moderne) Arbeiterbewegung. In der amerikanischen, englischen und französi- scl)en Presse noch mehr als in der deutschen. Wenn es nur bürger- liche Autoren der romanischen und angelsächsischen Welt wären, könnte man ihre Berichte über den Sozialismus in Japan über- gehen, denn sie haben über ihn recht dehnbare Ansichten. Sie sehen zuweilen sozialistische Triebtmft, wo ihr genaues Gegenteil, die Reaktion, das' treibende Agens ist. Aber auch Sozialiston wissen von der prächtigen Entwickelung der modernen Arbeiterbewegung im Lande der aufgehenden Sonne zu berichten. Bei diesen geht das um so leichter, da der Wunsch ihre Federn führt. Auf dem internationalen Kongreß zu Stuttgart proklamierte der ameri- kanische Delegierte Simons: Japan hat sich in kurzer Zeit nicht nur zum Kapitalismus, sondern auch schon zum Sozialismus entwickelt! Glücklich die, die nicht sehen imd doch glauben I Wohl dem, der nicht hinaus zieht, um die wunderbaren Kräfte kennen zu lernen, die in dem versteinerten Feudalstaat von gestern in kurzer Zeit Kapitalismus und Sozialismus entwickelten. Japan hat— leider— noch keine klassenbewußte Arbeiterbewegung, weder eine moderne Gowerlschafts- organisation. noch eine sozialistische Partei. Da sich über ein Nichts nichts sagen läßt, so können diese Zeilen auch eigentlich nicht die Arbeiterbewegung Japans behan- deln, sondern sie sollen die Ursachen darlegen, warum es noch nicht dazu kommen konnte, und auch, warum Persuche, eine zu schaffen, scheitern mutzten und vorderhand auch noch scheitern werden. Aber, höre ich sagen, wie tonnten denn so ermutigende Be- richte geschrieben werden? Abgesehen vom bürgerlichen Schrift- steller Sicad(im Buche Great Japan), der die eifrig geldsuchende japanische Autokratie für das Abendland verschönern mußte, und abgesehen von dem Sozialisten Longuet(in: La Revue), der mit dem Sand baute, den andere geliefert hatten, wie sollten die an- deren Beschreiber Japans zu ihren Ansichten gekommen sein? Vielen von diesen Autoren gehks schon bei der Beschreibung der Industrie Japans wie den Indianern am Mississippi bei der Be- urteilung der Dampfboote. Wie diese die Stärke und Gefährlich- ■feit eines Dampfers nach der Mäste und Schwärze des Qualms fchätzicn, die dem Schlote cntivich, so beurteilen jene die Größe und Konkurrenzfähigkeit der japanischen Industrie nach der Qualität und Quantität des Ausflusses der Fabrikschornsteine. Tie Zahl der Blechkamine macht sie aufmerksam, ihr tief schwarzer Qualm macht sie stutzig, das aus den Werkstätten an ihr Ohr drin- gende Getöse macht sie ängstlich— und im Fluge sind einige Kapitel über die Stärke der japanischen Industrie, über die gewaltigen Hoffend, daß die bereits hier eingelaufenen Berichte sich zum wenigsten als übertrieben erweisen werden, verbleibe ich Achtungsvoll Emil Seidel, Bürgermeister." Der Erfolg ist nicht ausgeblieben I Da die Polizei nicht mehr zugunsten der Unternehmer die Streikenden mißhandeln und an der Ausübung ihres Rechts auf Streikposten und Boykott hindern durfte, konnte der Ausstand durch Leo Mittelung des Bürgermeisters Genossen Seidel sehr bald zugunsten der Arbeiter beigelegt tverden. In Chicago dagegen trieb es die Polizei wie in Moabit. Die„Chicagoer Abendzeitung" berichtet darüber: „Hier wird auf die Streikcr die Polizei loSgelaffen, die offen für die Uuternehmer Partei ergreift und als ihr unbedingtes Werkzeug sich betrachtet. Stceikpostenstehen wird den Ausständigen verboten, die Polizei selber aber steht Posten für die Unternehmer, beschützt die Arbeitswilligen und provoziert Zuscunmenstöße zwischen diesen und den um ihr Recht kämpfenden Streikern. Wo ihrer mehrere zusammen auf der Straße stehen, werden sie auseinander geknüppelt; ins Zentrum der Stadt läßt man die Streiker in geschlostcnen Reihen überhaupt nicht; wie hinter einer chinesischen Mauer werden sie innerhalb einer bestimmten Grenze festgehalten. Menschenrecht und Bürgerrecht der Streiker wird so gleichermaßen von der Stadtverwaltung mit Füßen getreten." Der Vergleich zwischen dem kapitalistisch verwalteten Chicago und dem sozialistischen Milwaukee kann diesseits wie jenseits des großen Wassers vielen Arbeitern die Augen öffnen!_ politische Qebcrficbt Berlin, den 3. Januar 1911. Korrigierte Fleischnot. Nach dem Diktum der preußischen Regierung gibt es in Preußen-Deutschland keine Fleischnot, sondern schlimmstenfalls nur eine Fleischteuerung. Um das zu bciveisen, verfiel man bei der letzten Viehzählung, die mit der Volkszählung zugleich vorgenommen wurde, auf einen„Kunstgriff", und das Ergebnis der schlauen Metbode ist geeignet, das Resultat der Viehzählung im Vergleich zu den Zählungen in den Vorjahren höher erscheinen zu lassen, ohne daß eine Vermehrung des Viehbestandes vorliegt. Im Gegensatz zu den Bestinimungen für die früheren Viehzählungen ist nämlich diesmal angeordnet worden, daß auch das auf Eisenbahntransporten befindliche Vieh mitgezählt werde. Ferner mußte auch das aus dem Auslände eingeführte Vieh mitverzeichnet werden. Der Fehler der Rechnung darf nach der Güterwagenstatistik der preußischen Eisenbahnen für 1909 auf 1—2 Proz. geschätzt werden. Wahlentrechtnng durch die schwarz-blaue Wahlkreis- einteilung. Nach der neuesten Volkszählung wohnen in den 48 Groß städten 13,8 Millionen Personen— 21,4 Proz. der Reichs' bevölkerung. Die großstädtische Bevölkerung hat sich somit um über 2 Millionen vermehrt und nimmt von der Gesaml zunähme allein 42 Proz. in Anspruch. Im Reichstage sind aber die 48 Großstädte nur durch 62 Wahlkreise vertreten, in denen mehr als der dritte Teil der Reichsbcvölkeruug lebt! Es müßten also den Großstädten auch ein Drittel der Abgeordnetenmandate--- 132(statt wie jetzt 62) zustehen! So lange die schwarz-blaue Mehrheit nicht gebrochen wird, ist an eine vernünftige Neueinteilung der Wahlkreise im Reiche und auch in Preußen, wo sie ebenso dringend notwendig ist, nicht zu denken. Hat doch das Zentrum bei der vorjährigen Beratung der preußischen Wahlrechts Vorlage die Forderung der Neueinteilung der Wahlkreise zusammen mit den Konservativen rücksichtslos nieder gestimmt! Für jeden Freund des politischen Fortschritts muß es deshalb immer wieder heißen: Nieder mit dem schwarz-blauen Block der Reaktion! Erfolge des braunen Genius und über die gelbe Gefahr auf dem Weltmarkt fertig. Dann hören sie die Kopfzahl der Fabrik- arbeiterschaft, es wird ihnen von den niedrigen Löhnen berichtet, von dem Elend des Proletariats zeugt der Reistopf�der Rikscha- leute— und nun wird daraus mit unheimlicher Sicherheit geschlossen. daß es eine sozialistische Bewegung geben müsse. Daß deren Stärke oder Erfolgsaussicht der Schwärze des Proletarier- elendes entsprechen muß, ist selbstverständlich. Umfangreiche Ar- tikel über die sozialistische Bewegung sind die unansbleibliche Folge. Hätten diqe federgewandten Leute industrielle Großbetriebe mit den Augen des Fachmannes gesehen, hätten sie eine Ahnung von der Organisation moderner Fabriken, kennten sie die Arbeits- Methoden und die geistigen und beruflichen und moralischen Ouali- täten unserer Fabrikarbeiterschaft, kurzum, verständen sie ettvas von den Notwendigkeiten für den Aufbau einer konkurrenzfähigen Industrie, ihre Berichte über die gelbe Gefahr auf dem Weltmarkt wären vielleicht ungeschrieben geblieben. Und wüßten sie, daß es noch anderer Dinge bedcktf. als qualmende Fabrikschlote, schwarzes Elend und achthunderttausend vegetierender Industriearbeiter, ehe eine klassenbewußte Arbeiterbewegung möglich ist, so hätte sie ein Blick auf die japanischen Verhältnisse gelehrt, daß es heute eine klassenbewußte Arbeiterbewegung im Lande des GottfohneL Mikado nicht geben kann, es sei denn, sie sei ein Helles Wunder. Für das nicht durch sozialistische Erkenntnis und fachmännische Bildung geschärfte Auge mußten naturgemäß Nebensachen zu Hauptsachen, vage Erzählungen zu vollendeten Tatsachen. Halluzi- Nationen und Illusionen zu ernsten Berichten werden. Eine Kon- trolle war kaum möglich, denn in Europa ist die Kenntnis über die sozialen Verhältnisse Japans schloach und der Weg dahin viele tausend Meilen weit. Und die, die berufen wären, einer Legenden- bildung entgegenzutreten, unterließen es, weil sie sich davon einen Vorteil nicht versprachen. Damit ist aber dem llassenbewußten Proletariat schlecht gedient. Es braucht Wahrheit vor allem. Ihm können Täuschungen und Schönfärbereien, so gut sie auch ge° meint sein mögen, nur schaden. Es muß ungeschminkten Bericht über die Stärke oder Schwäche aller seiner Teile haben, damit ihm Enttäuschungen erspart bleiben. Ein in Europa als Sozialist angeschener Japaner, der, da er durch die anglo-amerikanische(Partei-) Schule gegangen»st, nicht die straffe Vorstellung der deutschen Sozialdemokraten von einer Arbeiterorganisation haben kann, gab mir, als ich vor einiger Zeit von ihm schied, unter anderem auch folgende Zeilen mit auf den Weg: „Es muß schon vor dem chinestsch-japanischen Kriege in Japan einige Sozialisten gegeben haben. Aber eine wirkliche sozialistische Bewegung in irgendrner Form gab es niemals vor Beendigung dieses Krieges. Es war am 20. Mai, als sechs Sozialisten eine sozialistische Partei(!?) in Japan gründeten in der stillen Er- Wartung, daß sich nach der Konstituierung(der Partei) die Gc- werkschaft der Lokomotivführer anschlösse." Aus diesem Anschluß wurde es aber nichts, weil von dieser Gewerkschaft, die ein glück- licher Streik(eher eine Uebeitrumpelung der Bahnkompagnie) von ein paar Tagen geboren hatte, nichts mehr zum Anschließen übrig Mandatsmiide. Der fortschrittliche Abgeordnete Enders, der bei den Block« Wahlen im Kreise Sonneberg-Saalfeld gewählt wurde, hat seine Zutage, in dem Kreise wieder zu kandidieren,„mit Rückficht auf die völlig veränderten Verhältnisse im Wahlkreise" zurückgezogen. Diese „völlig veränderten Verhältnisse" bestehen darin, daß der Fortschritt so ziemlich abgewirtschaftet hat und seine Niederlage im kommenden Wahlkainpfe nicht zweifelhaft sei» kann. Enders siegte mit 13 181 Stimmen über den Genossen ReißhauZ, auf den 12 713 Stimmen gefallen waren. Erweiterung der Erbschaftssteuer in Hamburg. Der Ausschuß der Hamburger Bürgerschaft, der über eine M« ändening des Hamburgischen Erbschaslsstcucrgesetzes berät, schlägt dem Senat vor, die in Hamburg längst bestehende Erbschaftssteuer für AbkLmmlinge durch eine Scheiikungssleuer für Abkömmlinge zu erweitern. Die Bedenken, daß dadurch der be- rühmte germanische Fainiliensinn in Gefahr gerate, wurden durch den Hinweis beseitigt, daß die Schenkungsabgabe für Abkömmlinge in Bremen, wo sie seit 1904 besteht, zu keinerlei Unzuträglichkeite» gc- führt habe._ Narrenstreich oder Schurkenstreich? In der„Schwäbischen Tagwacht" lesen wir: „Von genau unterrichteter Seite geht uns die Nachricht zu, daß iln ganzen 1ö. Armeekorps— ob in der gesamten Armee, entzieht sich der Kenntnis unseres Gewährsmannes— ein st r e n g vertrauliches Schreiben im Unilauf ist. nach welchem an die über die Feiertage beurlaubten Soldaten von sozialdemokratischer Seite Flugblätter verbreitet worden sein sollen. Die Militärbehörde setzt nun voraus, daß diese Flugblätter von sozialdemokratisch ge- sinnten Mannschaften mit in die Kasernen gebracht werden, und befiehlt daher, daß die Leute bei ihrer Ankunft aus den Ferien sofort nach den Schriften untersucht werden. ES bedarf nicht erst der Versicherung, daß die Sozialdemokratie mit der Socke nicht das geringste zu tun hat. Sie lehnt entschieden und unter allen Umständen jede Agitation unter den aktiven Sol- baten ab. Zum Ueberfluß beweist aber auch das in Frage kommende Flugblatt, das tatsächlich existiert, daß es sich um einen plumpen Schurkenstreich handelt, der manche jungen Leute im Waffenrock inS Unglück stürzen kann. Den Soldaten wird zugemutet, am 27. Januar (den, Geburtstag des Kaisers) den Gehorsam zu verweigern und den Parademarsch nicht zu machen! l„Rache für 1849 und 1866... Das Volk steht auf unserer Seite!" so lauteten die Tiraden, von denen kaum anzunehmen ist. daß sie dem Gehirn eines Narrenhäuslers entsprungen sind. Viel näher liegt, daß Werk- zeuge deS Reichsverbandes oder einer anderen Gesell- schast, die die Sozialdemokratie ausrotten will, die Hand im Spiel haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach soll mit dem Flugblatt die Gefährlichkeit der Sozialdemokratie fürs stehende Heer bewiesen werden, um so die Regierung zu verschärften Maßnahmen zu ver- anlassen. Um diesen Zweck zu erreichen, schrecken die Urheber vor einem verbrecherischen Mittel nicht zurück. Es bedarf nur dieses Hinweises, um vor dem Schurkenstreich aufs dringendste zu warnen."_ Eine Anerkennung sozialdemokratischer Tätigkeit in de« Kommune«. Die Reichsverbandsblätter wissen oft von„wüster sozialdemo- kratischer Mißwirtschaft" in denjenigen Gemeinden zu fabulieren, in denen unsere Genossen einen gewissen Einfluß auf die Gestaltung der Verwaltung haben. Auf allerlei Erdichlungen kommt es den vom Reichsverband zur Verleumdung der Sozialdemolralie bedienten Blättern dabei nicht an. In nachstehendem sei deshalb ein Urteil über die Tätigkeit sozialdemokratischer Gemeinde« Vertreter mitgeteilt, das die Reichsverbandspresse schwerlich in ihre Spalten ausnehmen dürfte. In den Stadtgemeinden Solingen, Wald, r ä f r a t h und H ö h s ch e i d(oberer Kreis Solingen) besitzt d i e Sozialdemokratie schon seit Jahren sämtliche Mandate der dritte tt Abteilung. In Höhscheid verfügen unsere Genossen sogar über die Mehrheit im Kollegium. Diese vier Stadtgemeinden liegen eng zusammen und wachsen von Jahr zu Jahr mehr in- einander hinein. Vor Jahresfrist gingen unsere Ge- nossen der Stadtverordnetenkollegien der vier Gemeinden in einer gemeinsamen Konferenz daran, die Frage der Ver« einigung dieser vier Gemeinden zu erörtern. Der Vorschlag wurde vom Oberbürgermeister it. Solingen aufblieb. Es wurde dann versucht, die Arbeiter im allgemeinen für die neue„Partei" zu gewinnen. Die schwachen Kräfte der paar Leute, die sich als Partei aufgetan hatten, mußten für die Erhal-- tung der Zeitung, oder, wenn dahingesiecht, für die Schaffung einer anderen eingesetzt werden. Sozialistische„Parteien" sind dann später oft gegründet wor- den. Beim Durchblättern der Zeitungen stößt man wiederholt auf Notizen, die eine neue„Partei" melden. Das letzte(?) Mal wurde eine von zwei Mann(am 21. Dezember 1908) gegründet. Jetzt bestehen sogar zwei„Parteien", eine„radikale" und eine„ge- mäßigte". Aber weder die Anhänger der einen, noch die der an- deren erkennen die Existenz der konkurrierenden Gründung an. Und eigentlich haben beide recht. Denn die Existenz beider ist die Zragwürdigkeit selbst. Daß das Wort Partei in Japan einen weniger bestimmten Sinn hat als anderswo, läßt die oben mit- geteilte Zahl der Gründer unschwer erkennen. Das nämliche gilt auch von den Kongressen. Sieht man von den„GründungSkon- nr essen" ab, so fanden nach den Berichten noch drei statt. Diese Tagungen waren lose Zusammenlünft« einiger Leute, hinter denen weder eine Organisation, noch sympathisierendes Volk stand, von deren Teilnehmern weder eine Berechtigung zur Teilnahme, noch eine sozialistische Gesinnung gefordert wurde. Wer hätte sie for- dem sollen? Der erste Kongreß, der(am 5. und 6. April 1903) in Osaka tattfand. war eine Veranstaltung für propagandistische Zwecke und ein„Erfolg wurde noch gehoben durch die Anwesenheit eines Mitgliedes der österreichischen sozialistischen Organisation"(Lon- tuet in La Revue). Als nächster„Kongreß" tagten(März 1908) ünfundzwanzig Mann in dem Zimmer des radttalen„Genossen" >!ischikaiva— um den Kameraden Kataya ma auSzu» schließen. Aus was aber Katatzama ausgeschlossen wurde, wird nicht gesagt. Wenn ich die krausen Berichte richtig verstatt- den habe, hat auch dann die weniger radikale Seite einen„Kon- greß" gegen die Ausschlietzer zusammengetrommelt. Der Streit in der ein paar Köpfe starken„Partei" hatte die Spaltung in einen„anaräsistischcn" und einen„sozialistischen" Flügel zur Folge. Diesen Zustand braucht niemand tragisch zu nehmen. Denn diese Parteien sind ein zufälliges Zusammenfinden mehrerer Leute. Das gleiche gilt auch von den„Kongressen". Hinter beiden steht keine Organisation, aus dem einfachen Grunde, weil es keine gibt. Uebrigens wird das Gesagte auch von dem schon zitierten Gc- nassen bestätigt:„Die Sozialisten des Landes haben keine Parteiorganisation, keine andere Verbindung, als es die Zeitung(ein vierseitiges Monatsblatt, daß durch die An» strengung zweier Leute gerade weitergeschleppt werden kann) dar- stellt. Aber wir(müssen) haben eine lose Organisation in Tokio, denn cS gibt cinhundertsiebzig Leute, die bei gewissen Gelegenheiten von der Polizei überwacht werden. Jetzt haben wir eine ge, schlossene Vereinigung von einigen Sozialisten. Sie versammeln sich jeden dritten Mittwoch, um hei X. X. Abendbrot zu essen. ES ist die Veröffentlichung von Flugblättern in nächster Zukunft ge» plant." Dieser Bericht braucht keinen Kommentar. Er läßt die Beschaffenheit der Parteibewegung schrecklich klar erscheinen. gegriffen und in sämtlichen biet Gemeinden wurden Kommissionen gewählt, um der Arage der Vereinigung der vier Gemeinden näher treten. Verschiedentlich fanden gemeinsame Sitzungen dieser vier Kommissionen statt. Unsere Genossen traten i» diesen Sitzungen geschlossen für die Vereinigung der vier Gemeinden ein, lvährend die bürgerlichen Kommissionsmitglieder geteilter Meinung waren. Bei der entscheidenden Abstimmung in der ge- meinschaftlichen Kommission der vier Städte entschied sich die Mehr- heil gegen eine Vereinignng der vier Gemeinden. Von dem Resultat dieser Abstimmung wurde in der letzten Stadtverordneten- sitzung in H ö h s ch e i d, wo unsere Genossen die Mehrheit haben, Kenntnis gegeben. Bei dieser Gelegenheit führte der e r st e Bei- geordnete der Stadt, ein nationalliberaler Parteigänger und Grotzfabrikant mit Namen Neefs, nach dem amtlichen „Kreisblatt" u. a. folgendes aus: .... Sie haben gehört, meine Herren, daß der Karren vor- läufig auf einem tote» Gleise steht; ich möchte daher nur noch einen Punkt berühre». Ich habe in der letzten Zeil häufig die Aeuherung gehört, es sei doch eigentümlich, dasi in allen vier Gemeinden die Genossen ausnahmslos der Vereinigung zustimmten, während die Mitglieder anderer Parteien geteilte Meinungen hätten. Darauf kann ich immer nur die Antwort geben: Wenn die sozialdemokratischen Stadtverordneten auf feiten der Vereinigung stehen, so dokumentieren sie dadurch, im Gegensatz zu dem eingefleischten Lokalpatriotismus, einen in der besten Bedeutung weltbürgerlichen Sinn, denn sie arbeiten— und, meine Herren, sie arbeiten mit— für eine eiitwickelungSreiche Zukunft und für das Gedeihen unserer schönen und gewerbefleitzigeu Heimat." Miftbrauch der Volkszählungslisten. Ein städtischer Augesteliter in Ludwigshafen hat die ihm zu- gänglich gewesenen VolkszShlungslisten in das katholische Pfarrhaus zur Einsichtnahme abgegeben. Der Pfarrer stellte dann aus den Listen fest, welche Einwohner Ludwigshasens sich zur katholischen Kirche bekennen. Der skandalöse Vorfall wurde im LudwigShafener Stadtrat zur Sprache gebracht. Der Vorsitzende erklärte, dag der Geistliche bestreite, die Listen verlangt zu haben; wegen der Benutzung der Listen gab er an, dasi eS sich um den Vollzug eines Auftrages des bischöflichen Ordinariats in Bayern um Lieferung einer derartigen Statistik handle, und er habe geglaubt, auf diesem Wege am raschesten zum nötigen Material zu kommen. Gegen den städtischen Beamten ist ein Disziplinarverfahren ein- geleitet worden._ Viehsterben in Südwestafrika. Unsere Kolouialfexe stellen schon weitläufige Berechnungen darüber an, wie viel Millionen(!) Rinder, Ziegen und Schafe in Südwestafrika gezüchtet werden könnten. Sie kommen dabei zu dem abenteuerlichen Ergebnis, datz dort soviel Vieh erzeugt werden könnte, um den gesamten Bedarf für die deutsche Einfuhr zu decken! Dabei zeigt die letzte amtliche Denkschrift, daß für absehbare Zeit nicht einmal die Vieh- und Fleischproduktion den Verbrauch Süd westafrikaö selbst zu decken vermag! Wurden danach doch im letzten Berichtsjahre für 3 652 227 M. lebendes Bieh und Fleisch eingeführt! Der gesamte Rindviehbestand belief sich aus 97 ODO Stück, d. h. etwa ebensoviel als vor dem Kriege I Auch die Viehseuchen dezimieren nach wie vor den Viehbestand der Kolonie. Meldet doch die letzte Rümmer der.Kolonial-Zeitschrift" � Viehkrankheiten in Südwestafrika. Die Gras- und Kraut- Vegetation des Grundwasser- und Grundfeuchtigkeitsbodens Deutsch- Südwestafrikas ist nur wenig bekannt, und eine systematische Er- forschung erscheint deshalb erwünscht, denn alljährlich gehe» nämlich hier in der Regenzeit auf feuchtem Boden zahlreiche Pferde und Rinder«in, und ist die Ursache m einer Ver- giftung durch das Grünfutter oder durch verunreinigtes, jauchiges Wasser zu suchen. In der letzten Regenzeit verlor, wie die „Deutsche Kolonialzeitung" mitteilt, die Station Albrechts- höhe allein Tiere im Werte von 20 OOO M. Die kolonialen Phantastereien stehen aber mit der kolonialen Wirklichkeit in schreiendem Widerspruch! Die Ursachen des Anfstandes ans Ponape. DaS amtliche„Deutsche Kolonialblatt" veröffentlicht eine Verordnung des stellvertretenden Gouverneurs von Deutsch- Neuguinea vom 7. Oktober 19l0, durch die allen männlichen Ein- geborenen des JnfelgebieteS der Karolinen, Polau, Mariannen und Marschallinseln eine Kopf st euer auserlegt werden. Von der Sieuerpflichl find die Angehörigen der Pvlizettruppe, die Väter von mehr als vier im'Jnselgebiet wohnenden unerwachscnen Kindern Nun wäre das Fehlen einer Organisation für die Stärke einer Bewegung allein nicht mahgebend. Diese kann auch ohne jene Ein. flutz besitzen. Die sozialistische Ueberzeugung allein schon gibt dem Proletariat eine Macht, kam, ihm schließlich zu Siegen verhelfen. Sie hat Bindekraft genug, die Arbeiter, wenn äußere Umstände den festen Zusammenschluß unmöglich machen, in eine Kampfgemein- schaft zu bringen und darin zu halten. Aber dies nur, wenn das fehlende Organisationsband durch eine tiefe sozialistische Ueber- zeugung und einheitliche Aktion ersetzt wird. Aber wieviel Per- soncn in Japan sind denn eigentlich überzeugte Sozialdemokraten? Die Leute, die man mir als die besten vom roten Haufen in Tokio auf die Bude sandte und die, die an anderen Orten Sozial- demokraten genannt wurden, sprachen viel krauses Zeug; sie hatten anderwärts, wenn recht nachsichtig examiniert, als Tolstoiancr, Kra- potkmistcn, Suttnerianer, in Amerika als Single-Taxer(Anhänger der Lehre H. Geowjes) gelten können, aber beileibe nicht als So- zialdemokraten. Bon einer sozialistischen Organisation wußte keiner etwas, noch kannte einer jemanden, der einer wie immer ge. arteten Vereinigung angehört hatte. Nun wird besonders viel über Gewerkschaften und Streiks in Japan geredet. Hier können die Beschreiher der japanischen Ar- beiterbewegung vage Redensarten schlecht venvenoen. Der Ge-. werkschastsmann hat etwas von der Eigenschaft deS ungläubigen Thomas, er sieht lieber konkrete Zahlen, statt nebelhafter Wort. größen. Diesem wird hier und da auch Rechnung getragen. Nur haben die Zahlen wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Für die Ge» iverkschaft der Lokomotivführer, die zu dem ehernen Bestand aller Berichte gehört, werden bis zu siebentausend Mitglieder angegeben. Leider hatte damals ganz' Japan nicht einmal eintausend Loko- motivführer. Das von dieser„Gewerftchaft" heute kein Stäubchen mehr zu finden ist, wurde schon weiter oben gesagt. Es werden auch sonst noch Berufsvereinigungen genannt. Leider läßt sich diese Kunde nirgends auf ihre Richtigkeit prüfen. In demselben Maße, als man sich ihren vermeintlichen Nistplätzen nähert, lösen sie sich auf in ein Nichts. Wo auch sonst Zahlen anzuführen für nötig gehalten wird, sind sie so abgerundet, daß sie Verdacht erwecken müssen. Nun sollen noch berufliche Vereinigungen, wenn auch keine modernen, bei den Bergleuten, Holzsägern usw. existieren. Alle meine Bemühungen, etwas mehr als vage Redensarten zu erhalten, tvaren erfolglos. Ist das Wenige, was ich darüber erfuhr, richtig, dann find sie Reste der feudalen Zunftzeit, die in der Hauptsache der Förderung des Kastengeistes unter Herren und Knechten dienen. Für eine moderne Gewerkschaftsbewegung würden sie ein Hin- dcrnis fein. Nur von zwei Berufsvcreinigungcn, die in die neue Zeit passen, habe ich exakte Daten erhalten: Sei; Oktober IVOS gibt es in Tokio und Yokohama zwei Gewerkschaften der Schriftsetzer der fremd- stirachigen Zeitungen mit 220 und 06 Mitgliedern. Das mag der Ansatz einer Gewerkschaftsbewegung in Japan sein.— (Schluß folgt.) und die als Vertragsarbeiter angeworbenen, nicht einheimischen Ein- geborenen ausgenominen. Die Steuer bewegt sich zwischen 20 und 40 M. für den. K�opf; sie kann durch.„Steuerarbeit" ersetzt werden. Es ist wahrscheinlich, daß der.Kultursegen" der Kopfsteuer die unmittelbare Ursache der Eingeborenenerhehung war, die jetzt durch neue Kulturarbeit, durch Strafexpeditionen erstickt wird! Abgewiesener Wahlprotcst. In der Stadt Mülheim am Rhein hatten einige klerikale Stadwerordncte Einspruch gegen die Gültigkeit des Mandats der bor einiger Zeit gewählten vier sozialdemokralischen Stadtverordneten erhoben. Am Freitag voriger Woche kam der Antrag auf Un- gültigkeitscrklärung zur Abstimmung. Die Siadtverordneten der ZenlriimSpartei emhielten sich fast sämtlich der Abstimmung, indem sie erklärle», daß sie zwar die Wahlen nickt für güllig hielten, aber der Entscheidung der Berufungsinstanz nicht vorgreifen wollten. Die Liberalen stimmten für die Gültigkeit der Wahl. Demnach werden vorläufig die gewählten vier sozialdemokratischen Stadtverordneten ihre Sitze in der Stadtverordnetenversammlung einnehmen. Und das nennt man Meuterei? Militärische Verbrechen schwerster Art wurden einer Reihe Reservisten, die gestern vor dem Kriegsgericht der Landwehr- Inspektion standen, zur Last gelegt. Die Anklage warf ihnen Meuterei vor. Die Beschuldigten sind die Reservisten Krüger, Schavier, Gilter, WübbelS, Haveinann, Marter, Zöller, Wcigand und Schumann. Sie baden teils beim 1. Garde-Grenadier-Regiment, teils beim Alexauder-Garde-Grenadier-Regiment gedient. Im Mai waren sie zu einer vierzehutägigen Uebrnig im Alexander-Regiment nach Döberitz einberufen. Am 14. Mai war die Uebung zu Ende und früh um 4 Uhr wurden iäuitliche zur Uebung eingezogene Reservisten deS Regiments von Döberitz über Spandau nach Berlin transportiert. Hinter Staaken wurden mehrere der Reservisten „schlapp". Sie meldeten sich beim Kolonnensührer, doch schickte sie dieser wieder in die Marschkolonne zurück. In Spandau meldeten sich dann von neuem eine Anzahl ichlapp gewordener Leute, und hinter Spandau wurden neun Mann abgesondert. Der eine hatte sich wunde Füße gelaufen, der andere lilr an RheumaiismuS, ein dritter hinkte, ein vierter klagte über furchtbare Fußschmerzen ulw. Die Zurückgebliebenen schlössen sich alle dem Unterosfizier Slriebel an. Die Mannschaften schleppte» sich hinter der Kolonne her bis zum Spandauer Berg. Dort lagerten sie für kurze Zeit an der Straßenbahnhaltestelle. Als dann ei» nach Berlin fahrender Straßenbahnwagen herankam, winkten die Leute, daß angehalten werde, und nun stiegen sie alle ein. Die Anklage nahm nun an, daß die Reservisten sich dahin ver- abredet hätten, gemeinsam gegen den Befehl des Unteroffiziers auf den Wagen zu steigen. Danach lag also das Verbrechen der Meuterei vor. Vor Gericht erklärten sämtliche Angeklagten, sie seien un- schuldig. Sie hätten gar nicht daran gedacht, sich zum Zwecke der Gehorsamsverweigerung zusamenzurotten. Ein Befehl des Unter- offiziers, den Wagen nicht zu besteigen, sei nicht gegeben worden. Auch während der Fahrt nach Berlin sei kein entsprechender Gegen. befehl erteilt worden. Oberleutnant v. Schroetter bekundete, er habe die Kolonne hinter dem Spandauer Berg rasten lassen, und da seien die Angeklagten mit dem Unteroffizier im Straßenbahn- wagen an der Abteilung vorübergefahren, ohne auszusteigen. Es seien auf den RendezvouSplatz noch ein« Reihe anderer Reservisten mit Meldungen wunder Füße gekommen, doch hätten sie alle den Marsch bis nach der Kaserne in Berlin ausgehalten. Sogar ein Gefreiter, der die Füße vollständig durchgelaufen habe, sei ms nach Berlin marschiert. Der Unteroffizier Striekel gab auf die Ermahnungen des Verhandlungsleiters, Kriegsgerichtsrat Dr. Welt, zu, einen Befehl, wonach er den Reservisten direkt verboten habe, im Straßenbahnwagen nach Berlin zu fahren, nicht gegeben zu haben. Eine Verabredung der Leute, sich seinen Befehlen zu wider- setzen, habe er ebenfalls"nicht wahrgenommen. Er habe aber auch nicht gewagt, die Reservisten beim Besteigen des Stratzenibahn- Wagens zurückzuhalten oder sie gar wieder aus dem Wagen heraus- zuholen. Mit der Aussage dieses Zeugen wurde der Anklage jeder Halt genommen, so daß der Vertreter der Anklage selbst die Frei- sprechung beantragte. Das Gericht erkannte dementsprechend. Portugal. Waffenschmuggel. Madrid, 8. Januar. Jmparcial meldet aus Vigo: Die Be- Hörden von Monsao an der portugiesischen Grenze haben zwei Automobile mit Gewehren beschlagnahmt, die auf portugiesisches Gebiet zu kommen versuchten. Die Garnison von Balenca do Minho wurde auf Befehl der Regierung konsigniert und hält sich zum Abmarsch bereit. Cnglanck. Das AltcrSpenfionsgcsetz. Das AlterSpensionSgesetz des Jahres 1003 enthält bekanntlich eine Beslimiming, nach der die über 70 Jahre alten Greise und Greisinnen, die entweder in oder außer dem„Workhouse" von den Gemeinden Armenunterstützuiig bezogen haben, vom Jahre 10l1 an die den übrigen bedürfiigen Personen über 70 Jahre gewährte AlterSpension bis zur Höhe von S Schilling die Woche be- anfpruchen können. Die Kosten dieser gesetzlichen Neuerung werden teils von den Gemeinden, teils vom Staate ge- tragen werden. Die Gemeinde zahlt dem Staate für jeden 70 Jahre alten Armen, der das sogenannte Arbeitshaus verläßt. die Summe von 6 Schilling, die viel höher ist als der Durchschnitt der UnlerhaltungSkosten für die Gemeindearmen im Arbeitshaus. Kostet der Gemeinde doch augenblicklich ein solcher„Pauper" in London nicht weniger als 34 Lstrl. 18 Sch. 3% P.(698 M.) und außerhalb Londons 24 Lstrl. 18 Sch. 38/« P.(501 M.) im Jahre. Man schließe nicht etwa aus diesen Ziffern, daß die Gemeinde- armen in England in den Arbeitshäusern ein gutes Leben führen; was die Kosten der Armenverwaltung hauptsächlich so sehr in die Höhe gelricben hat, ist die verschwenderische Art der Verwaltung. Aber die in den Arbeitshäusern internierten Gemcindearmen über 70 Jahre bilden nur die Minderheit der Greise und Greisiunen, die von der Gemeinde unterstützt werden. In England und Wales, für welche LandeSteile die Ziffern bekannt sind, gibt es 105 044 alte Leuie über 70 Jahre, die Genieindeunterstützung beziehen. Bon diesen leben 57 721 in Arbeilshäuseni und 138 223 erhalten Haus- Unterstützung. Diese letzten, die augenblicklich in London durch- schniitlich 8 Lstrl. 6 Sch. 8 P.(166,70 M.) und außerhalb Londons 6 Lstrl. 10 Sck. O'/a P.(189,80 M.) im Jahre erhalten, werden in Zukunft eine Staaispenston in der Höhe von 13 Lstrl.(5 Sch. die Woche) jährlich bekommen, und zwar wird die Gemeinde die be- stehende HauSunterstützung an den Staat zahlen, und der Staat wird den Fehlbetrag hinzugeben. Für die Greise und Greisinnen, die das Arbeitshaus verlassen oder die bisher HauSunterstützung bezogen, bedeutet das Inkrafttreten deS GesetzeSparagraghen vor allen Dingen, daß sie das Schandmal des Paupers loswerden. Den Gemeinden gegenüber ist das Gesetz kaum gerecht. Denn diejenigen Gemeinden, in denen die Arbeiterschaft in der Armen« Verwaltung ein Wort mitzureden hat, die daher die unterstützten Armen bisher in freigebiger Weise behandelt haben, werden durch die Verteilung der Lasten anderen Gemeinden gegenüber, die in der Armenverwaltung engherzig sind, übervorteilt werden. Die Zahl der Personen, die infolge des Gesetzes schließlich auS Paupers zu Staalspensionären werden, wird auf 270 000 geschätzt, und die ge- samten neuen Kosten werden wohl 500 000 Lstrl.(50 000 000 M.) erreichen. Von den Gemeindearmen, die sich jetzt in den Arbeitshäusern be- finden, werden wohl wenige das Arbeitshaus verlassen, um ihre StaatSpension zu fordern. Was könnte auch solch ein alter, ge- brechlicher Veteran der industriellen Armee mit der kläglich geringen Summe von 5 Schilling die Woche in der großen weiten Welt an- fangen? Viele von ihnen stehen ganz allein, haben keine Verwandten, sind von ihren Angehörigen vergessen worden oder können vielleicht nur z» Kindern gehen, die in ihrer ein- oder zweizimmrige» Wohnung keinen Platz für die alten Leute haben und sich selbst nur mit Mühe und Not durchs Leben schlagen. Auf dem Lande könnte sich der Veteran allenfalls noch durch- schlagen, aber in den Städten, wo die Not am größten ist, ist eine Pension von 5 Schilling die Woche gänzlich unzureichend. Man kann es daher verstehen, wenn sich nur wenige der 70 Jahre alten Jnsasien der Arbeitshäuser bereit erklärt haben, das ArbeilshanS zu Verlasien und ihre Pension zu beanspruchen. Nach den bisherigen Ermittelungen hat sich nur einer auS sechs bereit erklärt, diesen Schritt zu unternehmen. Die Behörden glauben, daß mindestens 15 Proz. dieser neuen Stnatspcnsionäre innerhalb weniger Wochen ihre» Weg inS Arbeitshaus zurückfinden werden. Amerika. Kämpfe in Honduras. New Aork. 3. Januar. Meldungen aus New Orleans besagen, der f r ü h e r e Präsident B o n i l l a sei in der Nähe von Puerto Cortes gelandet und habe sich selbst zum konstitutionellenPräsidentenvonHonduras proklamiert. Es wird jeden Augenblick ein kombinierter An- griff zu Land und zu Wasser aus Puerto Cortes erwartet. Der Dampfer„Hörnet" ist bereit, die Stadt zu be- schießen, falls sie sich nicht ergibt. Dieser Dampfer ist vor kurzem von New Orleans nach Nicaragua gefahren. Der Gesandte von Honduras in Washington hat beim Staats- departement vorläufig Protest dagegen erhoben, daß das Staatsdepartement die Erlaubnis zur Abfahrt des Danipfers gegeben habe und diesen Protest damit begründet, daß das Fahrzeug zu einer revolutionären Unternehmung gegen die Regierung von Honduras Verwendung finden solle. Sozialdemokratische Gesetzesvorschläge. Die sozialistische Mehrheit des GemeinderateS von M i l w a u k e e hat eine Reihe Anträge an den Landtag von Wiskonstn beschloffen, von denen folgende mitgeteilt seien. Es wird gefordert: Volle Selbstverwaltung für Milwaukee»» Volksabstimmung(Referendum). Initiative und Stecht zur Abberufung von Beamlen in der Gemeinde. Berechtigung der Stadt zum Beirieb folgender Unternehmungen: Oeffenlliche Märkte und Kühlhäuser, Krankenhäuser, Bank und Leihanstalt, Logierhäuser, Schlachthäuser, Eisfabrik zum Verkauf zum Selbstkostenpreis, Bade« anstalien, Buchdruckerei, schließlich alle neuen Unternehmungen, die in Volksabstimmung beschlossen werden. Auch die Gewährung freier ärztlicher Hilfe und Heilmittel, Bau, Vermietung und Berkauf von Häusern sowie die Ausführung von Jiistallaiions« und anderen Arbeiten soll zugelassen werden. Zutreffend sagt unser Milwaukeer Parteiblatt: Ein Blick auf diese Liste von Forderungen zeigt eiid- lich, wie völlig die Stadt unter dem Daumen des Staates steht. Die große Stadt Milwaukee muß demütig warten,, bis die Staats- Vertretung in Madison ihr das Recht zu derartigen Regelungen verleiht._ Hus der parte!* Da» Jahrbuch des Vereins Arbeiterpresse. Zum Jahresanfang ist der zweite Jahrgang(für 1011/12) deg Jahrbuchs erschienen, das der Verein Arbeiterpresse für seine Mit, glieder, Partei- und Gewerkschaftsangestellte, herausgibt. Die erste Ausgabe wies, wie das bei jedem solchen vielgcglicderten und fast ausschließlich aus Zahlen und Namen bestehenden Sammelwerk« der Fall sein wird, manche Mängel auf. Aber die Idee des Werks fand vielen Beifall und die Fortführung wurde von den Mitgliedern des Vereins gewünscht. Der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse hat daher diesen Wünschen entsprochen, unter der Redaktion des Ge» nossen Max G r u n w a l d ist die neue Ausgabe zusammengestellt worden, die die Fehler der ersten vermeidet und viele Erweite<> rungen und Verbesserungen aufweist. DaS handliche Büchlein enthält jetzt alle Namen und Adressen, die für den Angestellten der Arbeiterbewegung von Interesse sind, daneben viele geschichtliche und andere wissenswerte Angaben über die Arbeiterpresse und dergleichen mehr. Eingeleitet wird der Inhalt durch einen instruktiven Aussatz des Genossen Rechtsanwalt Weinberg über das Urheberrecht, soweit es für die Jour« nalisten in Betracht kommt. Tann folgen die Angaben über die gesamte Arbeiterpresse, über die Presse des Auslandes und die KorrcspondcnzbureauS. Daran schließt sich das umfangreiche Adressenvcrzeichnis der Partei- und Eewerkschaflsrnstanzen, der örtlichen Bildungsausschüsse und anderer Organisationen. Weiter folgen die Adressen der Internationale, die diesmal wesentlich ergänzt worden � sind. Vielfachen Wünschen und sachlicher Not» wendigkeit entsprechend sind diesmal auch die Statuten des Vereins Arbeiterpresse und der Unterstützungsvereinigung in dem Jahrbuch zu finden, ebenso die AnstellungSbedingungen und Anstellungs- vcrträg« und einzelnes andere aus beiden Organisationen. Eine Uebersicht bemerkenswerter Gedenktage und ein Kalendarrum be« schließen wiederum das Jahrbuch. DaS Werk ist 220 Seiten stark; das Papier ist indes so gewählt, daß das Buch bequem in der Tasche untergebracht werden kann. Die Mitglieder des Vereins Arbeiterpresse erhalten es gratis.— Redakttonen der Arbeiterpresse und andere Institutionen der Arbeiter- bewegung werden es gegen mäßigen Preis beziehen können. Im Buchhandel wird es nicht ausgegeben. Ein Unbequemer. In der Gemeinde Voigtsberg bei Ocl'nitz t. V. Wurde Genosse Müller einstimmig als Gemeindeältester wiedergewählt. Die Kreishauptmannschaft Zwickau hatte nach der ersten Wahl mit der Begründung die Bestätigung versagt, daß Müller, einer Partei angehöre, die U m st ur zbe streb un gen in sich führe. polizeiliche», Gerichtliches ulw, Trotz de? Wahrheitsbeweises bestraft. Zu 300 M. Geldstrafe wurde Genosse R e m m e l e von der Mannheimer„Volksstimme" verurteilt, weil er den stellver- tretenden Betriebsvorstand des Mannheimer Bahnhofes beleidigt haben soll, der einen Lotomotivführer derart aus seinem Bureau befördert hat, daß der Hinausgeworfene ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Wahrheitsbeweis gelang, das Gericht meinte aber, die„Bolksstimme" sei in ihrer Kritik zu weit gegangen. GewerklcbaftUcbe� punrcbträKcn eines Clnternehnicr- „pbilolopken". SBntfdjnaiiBcnt» imb mit Zitaten grimmig mordend schwingt in der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitrmg" allwöchentlich der Unternehmer- Philosophaster Felix Kuh seinen Säbel. Natürlich ist der Mann durchaus überzeugt, dah seine krausen Ergötzlichkeiten, die er den von ihrn gesehenen, dem Unternehmertum durch die Arbeiter- Bewegung drohenden schrecklichen Gefahren emgegeiischlendert, von immenser Bedeutung sind. So durchjagt denn der streitbare Held immer aufs neue die fliehende Zeit, überall Windmühlen und Ge- spenster erblickend, gegen die er dann mit eingelegter Lanze an- rennt. In der Nenjahrsnummer hat unler„Philosoph" noch einen Schildträger mit in seine Rundschau geschleppt, wahrscheinlich, weil der edle Ritter allein das dräuende Unheil nicht mehr meistern kann. Und zwar geschieht die Arbeitsteilung in der Form, daß sich der Dr. Kuh eine Neujahrsepistel von einem„Fabrikbesitzer und stän- digen Leser der Deutschen Arbeitgeber-Zeitung",„Ernst Ohnescherz", zugehen läht, die er abdruckt und deren Klagelitanei er noch länger und tränenreicher zieht. Und zwar ist es eine veriückte Neujahrs- epistel, die dem Unternehmertum wohl einen Lachkrampf ob der Komik verursachen wird. Als Schulkinder hat uns die Parabel Nückerts von dem„Mann im Syrerland", der„ein Kamel am Halfterband" führte, Gruseln Verursacht, da wir hörten, daß das scheugewordene Kamel„so ganz entsetzlich schnaufen" tat, so daß der Führer in einen Brunnen sprang und dort an einem Brombeerstrauch hängen blieb. Oben wollte das Kamel den Mann erwischen und unten— o Schreck— lauerte ein böser Drachen, während zwei Mäuslein die Wurzeln des Strauch- Werkes zernagten, an dein der Unglücksmensch festgeklammert hing. Und nun höre man den„Fabrikbesitzer Ernst Ohnescherz" alias Felix Kuh von der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung": «Die Parabel von dem Kamel und dem Drachen scheint mir aber in ganz besonderer Weise auf den Arbeitgeber von heute zu passen. Denn wenn sich dieser am Silvester nicht darauf be- schränkt, seine Sorgen mit dem nötigen Quantum Punsch oder Bowle zu bekämpfen, wenn er vielmehr einen Augen- blick Zeit findet zu wirklich ernsten Neujahrsgedauken, so wird er, fürchte ich, die Entdeckung machen, daß seine Lage mit derjenigen des in den Brunnen geflüchteten Kameltreibers eine ganz verzweifelte Aehn- lichkeit besitzt. Hübscher wäre es freilich, wenn man den Arbeitgeber mit dem Kamel vergleichen könnte, insofern nämlich, als ja bekanntlich der gewerbliche Unternehmer in unserem sozial- politisch so fortgeschrittenen Zeitalter richtig als Kamel, d. h. als geduldiges Lasttier benutzt wird, dem man auspacken kann, soviel man will. Ja, und dann müfite mit einem Male dieses geduldige Lasttier doch wild geworden sein und müfite seine» an- mästenden Herrn und Meister, der es immer weiter am Gängel- bände führen wollte, Hals über Kopf in den Brunnen gejagt haben I Diese Auslegung ist aber leider nicht möglich. Im Gegenteil trottet das geduldige Lasttier seinen Weg ruhig weiter und macht nur selten eine unruhige Bewegung, wenn ihm von neuem eine allzu große und schwere Kiste aufgestülpt wird. Aber der Mann, der da auf dem halben Wege im Abgrund sitzt, das ist der Arbeitgeber, tvie er leibt und lebt. Wenn er in die Höhe blickt, was sieht er? Ein Kamel? Der Himmel behüte micki vor Beleidigungen hoher Regierungsbcamtcn oder gelehrter Professoren. Also ein Kamel oder gar mehrere sieht das nach oben gerichtete Auge des Arbeit- gebcrs nicht. Es sieht vielmehr eine Schar furchtbar kluger Männer, die gerade in sozialpolitischen Dingen die Weisheit mit Löffeln gegessen haben. Da stehen um den Rand des Brunnens dicht gedrängt die Herren Kathedersozialisten, Geheimräte, Sozial- ideologen, und jeder von ihnen hat ein sicher wirkendes Rezept in der Hand, um die soziale Frage endgültig zu lösen. Dabei gucken sich sage nicht spucken!) sie alle auf den armen Kerl herunter, der dahilflos an seinem Strauch hängt, und machen, wie es in dem Rückertschen Gedicht hcifit, „grimmige Gebärden" und„tun so ganz entsetzlich schnaufen". Alles bildlich zn verstehen, nur bildlich! Ach ja, wenn der Arbeit- geber nach oben schaut, kann ihm angst und bange werden I Und wenn er nach unten sieht? Wer anders kanir unter dem Drachen verstanden werden, als die Sozial- demokratie. die nur darauf lauert, die ganze Gesellschaft der Unternehmer und Kapitalisten mit Haut und Haaren zu verschlingen? Das Bild ist schlagend." „Ernst Ohnescherz", der„ständige Leser" der„Deutschen Arbeit- geber-Zeitung", hält aber die M ä u s e, die a n d e n W u r z e l n des Strauches nagen, für„vielleicht die'a l l e r s ch l i m m st e n Feind e."„Diese bösartigen Nagetiere bedeuten ja offenbar nichts anderes als den Parteizwist, als die gegenseitige Mißgunst und Scheelsucht, als die inir allen erlaubten und unerlaubten Mitteln arbeilende gegenseitige Befehdung." Da Ohnescherz nicht glaubt, daß die Mäuie der Zwietracht von der Arbeit ablaffen werden, „fürchtet" er,„wird.der letzte Halt in kurzer Zeit ver- schwinden, und entweder dem gierigen Ungetüm da oben oder dem scheußlichen Lindwurm in der Tiefe wird sein Opfer zuteil werden." Schrecklich, grausig I Und so flüchtet denn der Fabrikbesitzer Ernst Ohnescherz an die Verwandte Brust des Dr. Kuh: „Wenn man die Wahl zwischen wütenden Kamelen und giftigen Drachen hat, wenn man außerdem sieht, wie Unverstand und Leichtsinn die Wurzeln der eigenen Existenz benagen, woher soll man unter derartigen Bedingungen Vertrauen und Zuversicht, Unternehmungslust und Arbeitskraft schöpfen? Das schlimmste aber, ich wiederhole es, sind die Mäuse." Und dann nimmt der unverschleierte„Philosoph" selbst die tranige Litanei weiter auf. Er meint, die- Anwendbarkeit der Rückertschen Parabel auf die Unternehmer sei leider„mehr wie ein Trau m". Der„friedfertige Bürger" sei gezwungen, „sich b i s a n die Zähne gerüstet Tag für Tag gegen einen fanatischen Gegner zu verteidigen, der vor keinem Gewalt- mittel zurückschreck t." Die Unternehmer hätten s ch>v e r e Niederlagen zu verzeichnen. In der Parabel Nückerts nascht der Mann im Brunnen trotz seiner Bedrängnis sorglos Beeren vom Brombeerstrauch, was dem Dr. Kuh bei seinem Gleichnis auf die Unteruehmer nicht zutreffet! will. Trüb und traurig und elegisch meint der Philosoph, des deutschen UnternchinerluniS habe sich offenbar viclsach eine gewisse Resignation und Müdigkeit bemächtigt. Wohl kämpfe man noch, aber hier und da schon nicht mehr mit dem Feuer, das den Willen zu in Siege und damit den Sieg selber bekunde. Fast, meint Dr. Kuh, sei diese Eni m u tigung berechtigt. Daun aber reckt er sich gewaltig hoch und mit Donnerstimme, Vor der er selbst erschrickt, ruft er den Feindrn zu: „Wir sind Deutsche, und das will sagen: wir fürchten Gott und sonst niemand in der Welt! Wir sind Deutsche, und das will sagen: wenn die Not am größten ist, dann sind unsere Hiebe am kräftigsten! Wir sind Deutsche, und das will sagen: so'lange noch ein Tropfen Blut in unseren Adern fließt und die Hand den Weg z.* Schwert oder Feder findet, kennen wir das Wort Niederlage nicht, «och weniger daS Wort Ergebung!" Die Garde stirbt, doch sie ergibt sich nicht I Nachdem der komi'che Kauz eben noch von schwweren Niederlagen gesprochen hat, will er das Wort gar nicht kennen.—__ Merantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Wir haben zur Erlustigung unserer Leser die drollige Neujahrs- epistel des Berliner Scharsmacherblattes etwas zerpflückt. AuS der „grausigen Lage" im Brunnen kann sich das Unternehmertum ja leicht herausbringe», indem es— das Rezept ist ganz einfach— einmal mit dem vielgelobten Arbeitern„VerWechsel das Bänmelein" spielt. Solange aber immer noch ein armgewordener Unternehmer sich lieber eine Kugel in den Kopf schießt, ehe er zu Schippe und Hacke greift und ein Schwelgerlebcn als Arbeiter führt, sind solche Mätzchen wie Spreu wegzublasen. Die deutsche Arbeiierbeivegung wird solche aufgedonnerten Feinde wie den Dr. Kuh, möge er nun auf seiner Rosinante m i t der Feder, oder, wie er droht, niit dem Schwerte an- rennen, noch ertragen. Ein Lächeln genügt. Lerlin und Umgegend. Achtung, MetaNarbeiter! In den letzten Tagen treiben Strcikbrrcheragrnten in Berlin ihr schinutziges Gewerbe in recht aufdringlicher Weise. Wir ersuchen dringeild, alle Inserate des Juhalts, daß Metallarbeiter gesucht werden, unberücksichtigt zu� lassen. Es handelt sich fast stets um die Verinittelung von Streikbrechern. Dabei kommt es dem Vermittler nicht daraus an, ob der Arbeitslose Stellung erhält, sondorn er spekuliert lediglich auf die Vcrmittelungsgebühr. Was aus dem Arbeitslosen hernach wird, ist dem Agenten vollständig gleichgültig. Wir warnen dringend davor, solchen gewissenlosen Menschen Papiere auszuhändigen. Auf alle Fälle tun die Kollegen gut, ja es ist die Pflicht der Mitglieder, sich in jedem Fall auf unserem Bureau zu erkundigen, ehe sie sich zu etwas ver- pflichten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Arbeiterschaft der Firma Karl Schulz, Eisenmöbelfabrik. Hasenheide, erhebt zahlreiche Klagen Über die herrschenden Mißslände in dem Betriebe. Bei schlechten Löhnen müssen sich die Arbeiter eine sehr unpassende Vehandlnng gefallen lassen. Arbeiter und sogar manche Schlosser werden niit einem Lohne von 16.50 bis 18 M. eingestellt und erhalten nach etwa vier Jahren 21 M. Und dabei wird den Meistern nie genug geleistet. Die hygenischcu Einrichtungen sind äußerst mangelhast; es sehli überall au Ventilation. In einem dichtbesetzlen Arbeitsraunie wird gelegentlich auch Salzsäure gekocht, wodurch viele schädliche Dünste erzeugt werden. Die Wascheiiirichtuugen genügen nicht; es fehlt an Seife und Handtüchern, obgleich auch arsenikhaltige Farben zur Verarbeitung gelangen. Die Arbeits- räume werden schlecht geheizt; man gibt den Arbeitern den Rat, sich„warm zu arbeiten". An einigen Arbeitsplätzen muß den ganzen Tag Licht gebrannt werden; die Beleuchtung ist aus den Fluren und Treppen ungenügend. An dein HauplantricbSriemen zur Transmission vom MaschinenhauS aus fehlt die Schutzvorrichtung, ebenso an der Blechschere, und eS ist auch sonst sehr schlecht für den nötigen Schutz bei der Arbeit gesorgt. Jugendliche Arbeiter, die 7—8 M. pro Woche verdienen, werden mit viel zu schweren Arbeiten beschäftigt und außerordentlich angestrengt. Ein unzulänglicher Speiseranm ist als Kantine an einen Restaurateur verpachtet, wo- durch die Arbeiter sich geschädigt fühlen.— Diese und andere Klagen kamen in einer Betriebsversammlung zur Besprechung, in der W u s ch i ck vom Deutschen Meiallarbeiterverband referierte. Er empfahl dringend eine bessere Organisation im Betriebe, den allge- meinen Anschluß. der Arbeiter an den Verband. WaS über die Be- Handlung der Arbeiter bekannt wurde, ist ein Skandal; die gröbsten Schimpfworte werden ihnen an den Kopf geworfen. Ein Meister hat in Nixdorf eine Kneipe und möchte am liebsten alle Arbeiter zu seinen Kunden zählen, dabei verfolgt er wütend jede Agitation für den Verband. Den älteren Arbeitern geht es besonders schlecht, man macht am wenigsten Uiirstände init ihnen; kranke Arbeiter haben gewöhnlich ihre Entlassung zn erwarten. Ueber die LoHitverHälirnssejmirde noch bekanntgegeben, daß die Schlosser, die mit 35 Pf. Stundenlohn jahrelang zufrieden sein müssen, als Höchstverdienst 57 Pf. erreichen; im Akkordlohn kommen sie aus 50 bis 65 Pf., nur„einige erhalten 85 Pf. Bohrer müssen die Leute aus ihrer Tasche bezahlen. Ueber- stunden- und Montagezuschlag wird nicht gewährt. Die Klempner verdienen 15 Pf. als Stundenlohn und kommen auf 65 Pf. im Akkordlohn; die Tapezierer verdienen 15 Pf. als Stundenlohn und kommen auf 60 bis 70 Pf. im Alkordlohn. Achtung, Korkarbeiter! Die Firma Michaelis u. Co. sucht in der„Korkindustrie-Zeitung" Korkarbeiter für dauernd bei hohem Lohn. Die Kollegen loerden dringend gebeten, sich vor dem Zuzug nach Berlin erst beim Bureau des Deutschen Holzarbeiter-Verbaudes, Engelufer 15, zu erkundigen. Achtung, Friseurgehilfen! Beigelegt sind die Differenzen bei H e i n s ch k e und W e s e» b e r g, Potsdam, Alte Luisenstr. 13 und 13. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Lerband der Friseurgehilfen. Dcutfcbes Reich. Arbeitsverbesserungen auf der Kieler Neichswerft sollen zunächst probeweise eingeführt werden. In der Hauptsache bestehen sie in der Beschränkung der bisherigen Arbeitszeit von 60— 65 Stunden auf 56 Stunden in der Woche, Aufbesserung sämt- sicher Stundenlöhne um 2 Pf. und Einfühlung von Miudestlöhneu für neueingestellte Arbeiter über 21 Jahre. Ferner soll dem Wunsche der Arbeiter gemäß die Lohnzahlung nicht mehr am Sonnabend. sondern am Freitag erfolgen. Die Arbeitsveränderungen sollen auch auf den Werften in Wilhelnishaven und D a n z i g ein- geführt werden. Die Kieler Reichswerft beschäftigt zirka neun- lausend Personen._ Lohnkämpfe im Holzgewerbe. In F r a n k e n h a u s e n a. K y f f h. dauert der Streik der Knopfarbeiler bereits 18 Wochen und ist ein Ende desselben nicht abzusehen. Die Fabtikanlen lehnen jedes Entgegeiikonimen ab, weil sie die elenden Löhne der Arbeiter als auskömmlich bezeichnen. Die 600 Arbeiter und Arbeiterinnen stehen auch heute noch wie zu Aufang des Kampfes einmütig zusammen und werden denselben solange fortsetzen, bis die Uilleriiehmer die Forderungen an- erkennen. In Hameln streiken die Arbeiter der Automobilwerke seit einigen Wochen. Dasselbe Slreikbiechervermittelmigsbureau K a tz- m a'r e k in B e r l i n bat einen Transport Arbeitswillige geliefert, die aber schon am zweiten Tage zum großen Teil wieder ent- lassen wurden, weil dem Direktor vor dieser Gesellschaft unheim- sich wurde. In S t o l p i. Pommern dauert der Streik der Tischler immer noch fort. Die Hirsche bemühen sich fortgesetzt. Arbeitswillige heran- zuziehen. Wenn ein solches Exemplar gefunden ist, stellt der Gewerk- verein eine Knüppelgarde, die die Arbeltswilligen von uns zu der Arbeit begleiten müssen. Eingeleitete Verhandlungen verliefen rei'nliatlos. Die Arbeitgeber erklärten zwar, daß mit den arbeits- willigen Hirschen nicht viel Staat zu machen sei, aber die Hirsche hätten himmelhoch gebeten, bloß dem Holzarbeiterverband keine besseren Bedingungen zuzubilligen wie ihnen, sie würden dafür auch in der Zukunft den Arbeitgebern beistehen. Die Streiks der Tischler in Buer i. W., Emden, Eisen- b e r g(Etuisbranche), Kaiserslautern(Eckel), Kleinen- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt� broiS, Mölln, Mülhausen k. E., Paderborn und Segeberg dauern fort.— Außer nach den obengenannten Orten und Branchen ist Zumg fernzuhalten: von Klavierarbeilern nach L i e g n i tz und Koblenz, von Stublbauern nach Preußisch- Holland, von Bürsten- und Pinselmachern nach Wien und von Modelltischlern nach Zürich. Eine bittere Pille. In M.-Gladbach, der Zentrale der christ- lichen Gewerkschaften, siegten bei den cktori stattgehabten Gewerbe- gerichlswahien zum ersten Male die freien Gewerkschaften. Achtung, Hciznngsmviitenre nnd Helfer! Die Monteure und Helfer der Heizungsfirma Gebr. M i ck e l e i t in Köln-Zoll- st o ck sind wegen Nichtanerkennung der von der Firma vorgeschlagenen Akkordlöhne änsgeiperrl. Zuzug von Monteuren und Helfern ist streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Verwaltung Köln/Rh. Achtung, Schuhmacher. Bei der Firma M. S. Levi, Schuhfabrik in Göppingen sWürtteniberg) befinden sich ca. 130 Arbeiter und Arbeilenmien im Ausstand. Wiederbolre Versuche, eine bei den Zwickern bestehende Lohudifferenz durch Unterhandlungen beizulege», icheilerten durch das Verhalten der Firma.— Zuzug ist fernzuhalten. Zum Streik in der Nastatter Waggonfabrik. Das badische Ministerium de-Z Innern haite sich auf Ersuchen des Gcmeiuderats von R a st a t t bereit erklärt, Verhandlungen zwischen den Arbeitern und der Direktion einzuleiten. Die Vertreter der Arbeiter stimmleu dem zu. DieDirektion derWagg on'- fabrik hat dagegen den Ver Mittelungsvorschlag abgelehnt. Ausland. Der Wiener Schneiderftreik. Am Neujahrstag fanden in Wien zwölf Stückmeisterversamm- kungen statt, nach denen die Teilnehmer lärmend demonstrierend, von Polizeimannschast begleitet, an den bestreiklen Geschäften vorbeizogen. Die Arbeiter der Wiener Konfeklionsichueidcrei sind zu 80 Proz. Tschechen. Der Wiener Magistrat, der als politische Behörde erster Instanz und Gewerbebchörde fungiert, gestattet in den offiziellen Gehilfenveriauimlungen der gesetzlichen Zwangs- genossenschaften die Anwendung der tschechischen Sprache nicht. Des- halb hielt der Schneiderverband in Oltakring eine Massen- Versammlung ab, in der die Gehilfen den Stückmeistern ihre Unter- stützung versprachen, aber auch folgende Forderungen aufstellten: Einführung der zehnstündigen Tagarbeit statt der jetzigen„Wochen- scbneiderei", Abschaffung von Kost und Logis beim Meisler, Taglöhne im ersten Jahr nach der Auslehre 3 Kronen 50 Heller, im zweiten Jahr 1 Kronen, für selbständige Arbeiter 5 Kronen und für quasi- fizierte 5 Kronen, 50 Proz. Aufschlag für Ueberstimdenarbcit. Prozentualer Anteil der Aklordarbeiter an den bei den Konfektionären durchzusetzenden Ziigetiändnissen. Der Streik wird sich in Wien auf 8000 Personen erstrecken._ Geheime Bekämpfung der niederländische» Gewerkschaften. Dem Generaldirektor de? niederländischen Post- und Telegraphen- wesenS ist in den Feiertagen die Besorgnis angekommen, daß die ihm unterstellten Direktoren die organisierten Arbeiter und An- gestellten allzu anständig behandeln könnten. Aus diesem Grunde hat er kurz vor Neujahr an die Direktoren ein geheimes Zirkular versandt, worin zunächst darauf hingewiesen wird, daß es ab und zu vorkommt, daß schrittliche Gesuche von Gewerkschastsvorsländen eingehen und daß die Direktoren dann glauben, sie müßten schriftlich darauf antworten. Im Anschluß hieran sagt das Zirkular: „Die Frage ist nun aufgetaucht, ob es zu empfehlen ist, die Antwort auf solche Gesuche schriftlich zu geben und ob es— wenn Antwort zu erteilen ist, was nicht immer nötig sein wird und nicht gefordert werden kann— nicht besser ist, sie mündlich zu geben. Die Erwägung dieser Frage hat dazu geführt, Ihnen mitzuteilen, daß der mündlichen Erledigung der hier erwähnten Geiuche der Vorzug zu geben ist. Sie wollen sich fortan dementsprechend ver- halten." Der Generalpostdirektor hotte offenbar alle Ursache, dieses Zirkular, das sich gegen eine anständige Behandiung der GeWerl- schaften richtet, geheim zu halten, und es ist ihm jedenfalls sehr un- angenehm, daß es jetzt von„Het Volk", dem Hauptorgcm der holländischen Sozialdemokratie, veröffentlich: worden ist. Italien am Vorabend eines Eisenbahnerstreiks? DaS Blatt„Eonguista", das Organ der italienischen Eisen» bahner, veröffentlicht einen Artikel, in welchem mitgeteilt wird, daß die Eisenbahner die Feier des Jahrestages der Unabhängigkeit Italiens dadurch zu verhindern suchen, daß sie einen Generalstreik in die Wege zu leiten beabsichtigen. Dieser GeneralanSstand werde im richtigen Moment verkündet werden und nicht durch telegraphische Anweisuilgeit, sondern auf ein verabredetes Zeichen in Kraft treten. KctzU Nachrichten. Tie Kretasrage. Konstantinopcl, 3. Januar.(W. T. B.) Die türkischen Botschafter bei den Kretamächten sind beauftragt worden, nicht nur wegen der Votierung des griechischen Rekrutierungs- gesetzes durch die Kretische Kammer, sondern überhaupt gegen die Anwcndnng der griechischen Gesetze Protest zu erheben. Wie in den Kreisen der Pforte verlautet, erhält die Pforte fortwährend die günstigsten Zusicherungen der Kretamächte bezüglich der Kreta- frage. Das demokratische Blatt hat in einem offenen Brief den Minister des Innern heftig angegriffen und ihn zur Demission aufgefordert, da die Nation einen Minister nicht dulden könne, dessen Regime schlimmer sei als das Abdul Hamids. Wie ver- lautet, wird das Blatt nicht mehr erscheinen. Sein verantwort- sicher Leiter sei nach Aegypten geflohen. Die Gewerbehörde gegen die Triester Fleischcrmeister. Trieft, 3. Januar.(W. T. B.) Die Fleischerläden sind heute wieder geöffnet worden, weil die Gewerbebehörde die Oeffilnng unter Androhung von Geldstrafe» und der Entziehung der Gewerbeberechtigung verlangt hatte. Zwei Knaben ertrunke«. Lübeck, 3. Januar.(Preß-Tel.) Beim lleberschrelten des Floerkendorfer Mühlenteiches brachen die beiden Knaben des Ar- Heitels Riß aus Ahrenshoek ein und ertranken. Genickstarre in der Armee. Paris, 3. Januar.(Prcß-Tel.) Zwei Soldaten des 159. In- fanterieregiments fielen bei einer Uebung unweit Briancon um. Beide sind von der Genickstarre befallen. Die Militärverwaltung hat sofort umfassende Maßnahmen gegen die Wciterverbreitung der Seuche ergriffen. Paul Singer� Co., Berlin LW. Hierzu 2 Beilagen».Unterhaltungsbl. #t.8. 28. i.ii w 1. Deilllgt iies JoriDärtD"{jfiliiift Jlollisliliitl. Mittat. Ja«««- IM Rd(l)sverbändlcrit(l)e$. Im„Vorwärts" wurde im November ein Artikel„Staats- gelber für eine reichsverbäudlerische Sudelschrift!" veröffent- licht, der über den eigenartigen„Erfolg" von Dr. Fritz Stefan Reumanns Broschüre„Die Sozialdemokratie als Arbeitgcberin und Uotrruehmerin" berichtete. Nicht nur vom Reichsverband, von den Gelben, von der nationalliberalen Partei, von einer langen Reihe industrieller Unternehmungen, sondern auch von verschiedenen Behörden Preußens sei sie in Masse ausgekauft worden, um als Agitationsmaterial unter die Arbeiterschaft ge- warfen zu werden. Dabei bezeichneten»vir Dr. Neumann als Reichsvcrbändler und seine von den Behörden aus Staats- Mitteln mit Tausenden von Mark bezahlte Broschüre als eine Von Unwahrheiten strotzende Zusammentragung reichsverbändle- rischeu Materials, ein echtes und rechtes Reichsverbandsmach- Werk, eine Schmähschrift gegen die politische und gewerkschaft- liche Organisation der Arbeiterklasse. Als Dr. Neumann das las, setzte er sich hin und schickte uns eine„Berichtigung", die eilig und liederlich zusammengeschrieben lvar. Das darin nicht mal die betreffende Nunimer des„Vor- wärtd" richtig angegeben war, möchte vielleicht noch hingehen. Aber die„Berichtigung" entsprach auch in manchen wichtigeres.Einzelheiten nicht eiumal dem Preß gesetz, das nicht nur den, der mit einer Berichtigung Hein* gesucht werden soll, zur Aufnahme verpflichtet, sondern auch dem, der die Berichtigung loslassen will, die Beachtung go wisser Vorschriften zur Pflicht macht. Jeder Zeitungsschreiber weiß das, aber Herr Dr. Fritz Stefan Neumann, ehemals Redakteur der„Täglichen Rundschau", später Redakteur der „Nationalliberalen Korrespondenz", scheint nicht unterrichtet gewesen zu sein über den Umfang der Pflichten, die das Preßgesetz auch ihm auferlegt. Den Schreibebrief, den er für eine aufnahmepflichtige Berichtigung hielt, brauchten wir unter solchen Umständen nicht zu veröffentlichen. Er enthielt nicht das. ivas eine Berichtigung enthalten soll, aber eine Masse reklaniehaftes Zeug, das der Doktor wohl als Beweis mateiial betrachtete. Wir hätten das Recht gehabt, Dr. Neu mann und seine Zuschrift gänzlich unbeachtet zu lassen und bis auf weiteres abzuwarten, was er nun unternehmen werde. Aber wir taten ein übriges und schrieben ihm, er möchte uns gefälligst eine vorschriftsmäßige Berichtigung zuschicken, dann werde diese im„Vorwärts" veröffentlicht werden. Doch Dr. Neumann, der seine„Berichtigung" nach wie vor für vorschriftsmäßig hielt, lief zum Staatsanwalt, denunzierte unseren Redakteur Genossen Rich. Barth, die Aufnahme einer „Berichtigung" verweigert zu haben und forderte Bestrafung. Die Staatsanwaltschaft bereitete ihm die Freude. Anklage gegen den„Vorwärts"-Redakteur Genossen Barth zu erheben. Gestern wurde vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte (141. Abteilung) verhandelt. Der Angeklagte Barth erklärte auch bier, die„Berichtigung" Neumanns habe den Vorschriften des Preßgrsetzes nicht entsprochen, andernfalls würde er sie aufgenommen haben. Er hob hervor, daß die„Berichtigung" auch Urteile jenes„Vorwärts"-Artikels berichtigen wolle, während das Preßgesetz nur zur Aufnahme der Berichtigung tatsächlicher Angaben verpflichte. Auch bringe die„Be- richtigung" selber Urteile, statt sich auf tatsächliche Angaben zu beschränken. Uebcrdies sei ihren Behauptungen eine Fülle von Ouellenhinweise» als Beweismaterial beigefügt, was gleichfalls über das Recht des Berichtigers hinaus- gehe. In der Tat hatte Dr. Neumann für diese„Berichtigung", wie die Berlesung vor Gericht ergab, seinen ganzen Zettel- kästen ausgekramt in der Erwartung, daß wir sein ellen- langes Geschreibsel unseren Lesern vorlegen würden. Das verlangte auch der Vertreter der Anklagebehörde, ein Assessor der Staatsanwaltschaft, der die„Berichtigung" für vorschrifts- mäßig hielt und daher beantragte, Barth zu 30 Mark Geld- strafe zu verurteilen und die nachträgliche Aufnahme der Be- richtigung anzuordnen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt Roscnseld beantragte Freisprechung, weil die vermeintliche„Be- kleines feinUetou. Wie spricht der Hund? Die wissenschaftliche Kommission, die wir unsere» Lesern bereits ankündigte� ist jetzt in der Tat bei dem „sprechenden Hund" in der Letzlinger Heide mit Phonographen und Photographcn zu Besuch gewesen. Es nahmen u. a. der Dr. Pfungst vom Psychologischen Institut der Berliner Universität und der Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg. Professor Vosseler, daran teil. Einein Bericht des„Hainburger Freindenblattes" über diesen Besuch enlnebmen wir: „Der Hund spricht jetzt so leicht, willig und deutlich, daß es keinerlei Vorvereitunge» bedurfte. Gleich nach der Anknnst der Kommiision in Tbeerbiitte führte der Hegemeister Ebers seinen Hund vor, der gleich beim ersten Versuch laut und deutlich seine Antworten gab. ohne zu zögern oder sich zu irren. Der Hegemeister fragt: „Wie hcitzt du?" Der Hund antwortet mit tiefem Kehllaut:„Don". Zweite Frage:„Was hast du?" Antwort:„Hunger," wobei die zweite Silbe besonders betont wird.„Was wolltest du?" Don ruft:„Haben, haben!" Jetzt hält der Hegemeister ein Stückchen Kuchen hoch und fragt:„Was ist dies?" Wie ein Jubelruf klingt ei:„Rüchen!" ReuerdingS hat Don noch ein Wort hinzugelernt. Wenn die anderen Hunde, die im Hause sind, draußen Skandal machen, ruft der Hansherr häufig das Wort:„Ruhe!" Als nun kürzlich die Hunde draußen wiederum kläfften, erhob Don sich und rief zum Erstaunen der Anwesenden ebenfalls ganz deutlich:„Ruhe I" Seit- dem hat man auch dieses Wort mit ihm geübt, und er antwortet nun auf das Komniando:„Was bittest du dir aus?" stets das Wort:„Ruhe". Außerdem sagt er noch:„Ja" und„Nein", aber undeutlicher." Vielversprechend wirkt die Versicherung, daß die Laute des Hundes durchaus als Sprechen zu bezeichnen sind. Indes das wissenschaftliche Gutachten steht noch aus. Es wird von demselben psychologischen Institut erstattet werden, das den„klugen Hans" begönnerte. Aber schon jetzt erhebt sich die Frage, ob dieser sprechende(und auch denkende?) Hund zu den„Kulturträgern" im Ginne der Hollwegschen Wahlrechtsvorlage zu zählen ist. Die Behörde mit und ohne Titel. Ans Zürich teilt ein Mit- arbeüer der„Franks. Ztg." eine hübsche Gegenüberstellung bureau- kratilcher Gewohnheiten von 1772 und ISlO mit: Ich arbeite gerade an einer Doktordissertation. Das ist nicht eben lustig. Besonder», wenn sie um ein trockenes wissenschaftliches Thema geht. Oder wenn man Akten in verstaubten Archiven wälzen muß. Aber oft blitzt mitten darin ein versteckter Schalk auf. Man muß ihn nur sehen wollen. Finde ich da im hiesigen Stadtarchiv ein Schriftstück aus dem Jahre 1772. Darin bewirbt sich einer beim Bürgermeister um die Stelle eine» Briefträgers. So fängt der Brief an: richtigung" nicht den Vorschriften des Preßgesetzes ent- sprachen habe, sodaß Barth sie nicht anfzunehmen brauchte. Dr. Neumann habe darin mehrfach versucht, auch Urteile zu berichtigen. Ein Urteil sei z. B. die Bezeichnung„Schmäh- schrift", die seiner Broschüre in dem„Vorwärts"-Artikel ge- geben wurde. Ein Urteil sei auch die Bezeichnung„reichs- verbändlerisch", die Dr. Neumann seinem Material nicht hat geben lassen wollen.„Reichsverbändlcrisches Material" sei nach einer weit verbreiteten Auffassung etwa gleichbedeutend mit dem Begriff„falsche Nachrichten",„wissentlich falsche lltachrichten".„lügnerische Nachrichten", und darin liege zweifellos ein Urteil. Jener Artikel sei so aufzufassen: Diese Sudelschrift ist so, wie eben reichsverbäudlerische Schriften sind, nämlich leichtfertig oder bewußt wnhrheitSwidrig. Ein solches Urteil habe Dr. Neumann ebensowenig berichtigen dürfen, wie das andere, daß seine Broschüre eine Schmähschrift sei. Er habe ferner nicht den Versuch machen dürfen, die vermeint- lichen Unrichtigkeiten des„Vorwärts"-Artikcls als solche nach- zuweisen, was offenbar der Zweck der von ihm beigefügten Liste von Materialienhinweisen sei. Nach dem Preßgesctz habe er ihnen lediglich seine eigenen Behauptungen entgegenstellen dürfen. Freisprechung des Angeklagten muffe übrigens schon deshalb erfolgen, weil er in gutem Glauben die Aufnahme ab gelehnt habe. Das Urteil lautete: Freisprechung. Die Ausdrücke „Reichsverbändler" und„reichsvcrbändlerisch" seien tatsächliche Angaben, nicht Urteile in dem von der Verteidigung be haüptcten Sinne, der eine grobe Beleidigung in sich schließe. Dagegen sei„Schmähschrift" ein Urteil, dessen Berichtigung nicht verlangt werden durfte. Freisprechung müsse vor allem deshalb erfolgen, weil Dr. N., dem Preßgesetz zuivider, seiner Berichtigung einen Beweisversuch beigegeben habe. Herr Dr. Fritz Stefan Neumann, ehemals Redakteur der „Tägl. Rundschan", später der„Nationallib. Korrespondenz", wird hiernach sich auf die Hosen setzen müssen und aufs neue zu überlegen haben, wie eine Berichtigung abgefaßt werden muß, damit sie als ausnahniepflichtig gelten und nötigenfalls die Prüfung durch ein Gericht aushalten kann. Schade, daß die Zahlung des Lehrgeldes nicht ihm selber auferlegt werden konnte. Anklage war von Amts wegen erhoben worden, da muß die Staatskasse die Kosten tragen. Soziales. Tie Altersrenten bei der LandversicherungSanstalt Berlin. Von den 353 gestellten Altcrsrentcnanträgcn wurden im Jahre 1909 314 erledigt; davon sind 3M bewilligt und 41 abgelchnt. Bon je 199 belmlligtcn Altersrenten im Jahre 1909 entfallen 87 auf die Männer und 13 aus die Frauen. Seit 1891 bis 1999 kamen durch schnittlich aus je t99 Renten 79 Männer und 21 Frauen. Bei den Altersreiitnern stehen die Metallarbeiter mit 59 Fällen an erster Stelle, ihnen folgen die Holzarbeiter mit 38, die Dienstboten mit 29, das Handels« und das Baugewerbe mit je 23. Bei den Metallarbei tern stellen die Schlosser, bei den Holzarbeitern die Tischler die höchste Ziffer der AltcrSreutner. Im Durchschnitt betrug die Altersrente im Berichtsjahre bei den Männern 291,57 M., bei den Frauen 159,45 M. Infolge ein- getretenen Todes sind bei den Männern 3214— 63 Proz., bei den Frauen 931— 66,8 Proz. der Altersrenten im Berichtsjahr eingesteht lvordcn._ Ursachen der Invalidität. Der Bericht der Landesversicherungsanstalt Berlin gibt fol gendes Bild über die Ursachen der Invalidität. Die Lungenkrankheiten sind bei den Männern von 26,9 auf 27,6 Proz. gestiegen. Die Nervenkrankheiten mit 29,1 Proz. nehmen die zweite Stelle der Jnvaliditätsursachen ein. Bezüglich der Lungenkrankheiten sagt der Bericht:„Die schlechten Wirt- schaftlichen Verhältnisse des Jahres 1993 sind als Ursachen der Steigerung der Jnvaliditätsziffer anzusehen, weil dieselben die Arbeitsfähigkeit des Lungenleidenden ungünstig beeinflußten." Wie entsetzlich die Berliner Arbeiter unter der heutigen Wirtschaftsordnung leiden müssen, zeigt der Bericht, wenn wir die „Gnädiger Herr Burgermeister Hocbgeachre Wol Edelgeborene Wolcdle, Gestrenge, beste, Ehren- und Nolhvesle, srome, vorsichlige, Hoch- und Woblwcise, Jnsonders Großgnnstige, gnädige, liebe Herren und Bättere." Und nun hundertnndacbtunddreißig Jahre später?— Vor mir liegt eine Zuschrift desselben Züricher Stadtrates vom 18. De- zember 1919. Darauf steht am Rande der gedruckte Vermerk: „Wir bitten Sie, in Mitteilungen an uns keine Titel, ehrende Anreden oder Ergebenheitsformeln gebrauchen zu wollen. Da- gegen versprechen wir. auch Ihnen gegenüber nichts Derartiges zu verwenden."— Es ist zu bemerken, daß Zürich in der Schweiz liegt und leider nicht zu Preußen gehört. Bei miS würde— besonders bei staatlichen Behörden— dergleichen Mißachtung heiliger Güter nicht ge- duldet werden. Die Riescnstattie eines Indianerhäuptlings. Aus New Dork wird berichtet: Nach drei Jahren langer Arbeit ist nun im Staate Illinois das Rieseiimonunient für den Indianerhäuptling Blackhawk vollendet, das oberhalb von Eagles Nest am Oregon in die Lüfte emporragt. Die Statur hat eine Größe von 48 Fuß; sie erhebt sich, das Piedestal ungerechnet, auf einem natürlichen Felsen, der eine Höhe von über 259 Fuß hat, sodaß dies Denkmal in seiner Gesamrbeil mit der Freiheitsstatue im New Dorker Hafen rivalisieren kann. Das Standbild ist aus Beton hergestellt, der nach der Ansicht des Bildhauers Lorado Taft das Denkmal zu dem dauerhaftesten der Welt machen wird. Der Jndianerhänpllüig Blackhawk, dem die Amerikaner dieses Monument errichtet haben, nahm als Häuptling der Sacs- und der Fuchs-Jndianer auf englischer Seile an dem Kriege von 18l2 teil. Er war wohl der erste rote Mann, der die verderbliche Gefahr erkannte, die das Vordringen der Weißen für seine Rasse haben mußte. Mit allen Mitteln, mit den Waffen und durch Verträge, kämpfte er gegen den Eroberungszug der weißen Rasse, aber er konnte den Gang der Geschehnisse nicht aufhallen. Humor und Satire. Das Kaiserhoch. Ede Bernstein vor Studenten Umsturz lehrend— welch ein GrauS! Das Geheimnis unsrer Renten Plaudert er gemütlich aus. Gegen alle guten Sitten Zerrt er schamlos und gemein Von Tantiemen und Profilen Den beliebten Heil'genschein. Bliemchcnkaffeelrinkend Leipzig, Hort für Monarchie und Skat. Meine deutsche Mähne sträubt sich Ueber solcher Missetat; Jnvalidenrentner nach Altersklassen sondern. Von je 199 Invaliden wurden aus nebenstehenden Ursachen für Invaliden erklärt. Jnvaliditätsursachen Lungenkrankheiten mit kmännl. Bronchialkatarrh.sweibl. lmäiml. ' Iweibl. 29-24 25-29 39-34 Nervenkrankheiten Insgesamt die 5Hanpt- lmännl Ursachen.... iweibl. Lungenkrankheiten mit lmännl. Bronchialkatarrh. Iweibl. Hrvenkrankheiten..{j™™1 Insgesamt die 5 Hanpl- lmännl. Ursachen.... sweibl. Alter in Jahren 59 56 11 14 93 91 54 48 21 24 99 92 42 39 29 39 88 82 35-39 33 39 34 27 87 73 49-44 26 13 28 31 '12 65 43-49 28 20 27 24 77 70 Aller in 50-54 26 13 20 26 tb 71 55-59 21 9 20 19 77 70 60-64 19 12 14 12 65-69 76 69 Jahren 79 u mehr 15 13 4 4 79 68 62 52 über« Haupt 23 19 29 19 78 72 Danach wurde die Invalidität bei den jungen Männern bereits im Alter von 29— 24 Jahren in 59 Proz., also bei m e h r als der Hälfte der Fälle, durch eine Lungenkrankheit herbei- geführt. Die Rentner, nach Berufen geordnet, stehen die Metall- arbeiter mit 207 Promille an e r st e r Stelle, ihnen schließen sich die Bauabciter mit 154(darunter hauptsächlich die Maurer, Zimmerer und Maler), die Holzarbeiter und der Handel mit je 103, das Per- kehrsgewcrbe mit 100 an. Bei den weiblichen Rentnern stehen die D i e n st b 0 t e n mit 551 an erster Stelle, ihnen folgen die Näherinnen und Schneiderinnen mit 167, die Verkäuferinnen mit 78, die Plätterinnen mit 29 Rentnern an. Die Jnvaliditätsursachen nach Geschlechtern und Bc» rufen gesondert, zeigt uns folgendes Bild.. _ Männliches G e s ch l e ch t._ Bei nebenstehenden Berussarten kanien von 199 Jnvaliditätsursachen auf Demnach werden die Metallarbeiter, die Holzarbeiter und Handelsangestellten am meisten von der Lungenschwindsucht heimgesucht. Während der Durchschnitt der durch Lungen- s ch w i n d s u ch t invalid gewordenen Arbeiter 18,7 Proz. beträgt, wurden bei den Handelsbediensteten 23,0, bei den Metallarbeitern 20,0 und bei den Holzarbeitern 19,4 Proz. durch die Schwindsucht dauernd völlig erwerbsunfähig. Ebenso hohe Pro- zentzisfcrn und den Durchschnitt— 20,1 Proz.— der Jnvaliditätsursachen übersteigend, weisen die Metallarbeiter mit 23,5, die im Handel Beschäftigten mit 21,7 und die Dienstboten mit 21,6 Proz. bei den Nervenkrankheiten auf. Bei dem weiblichen Geschlecht sind es die Näherinnen und Schneiderinnen, die in entsetzlich hohem Maße durch die Lungenkrankheiten(24,1) besonders durch die L u n g e n s ch w i n d- sucht 18,6 gegenüber dem Durchschnitt(13,2) der Jnvaliditäts- Ursachen ihrer Erwerbsfähigkeit beraubt, dem Elend preis- gegeben werden. Auch bei den Nervenkrankheiten nehmen sie mit 23,5 die erste Stelle ein. Die Ziffern über die Ursachen der Invalidität sprechen eine Ist in Dänemark was Faules, Dröhnt ein kräftig Kaiserhoch Aus des Patriotenmaules Gähnendem Posaunenloch. Ich. Professor, ich, Henrici, War der Held in diesem Strauß, Dachte: �veni, vidi, vici"— Und da flog ich schon hinaus. Doch der Untat folgt die Racke Auf des Schicksals schneller Uhr. Denn für meine gute Sache Trat Berlin an zur Mensur. Wo an Fichtes Stelle Roethe Freiheit mit Dressur verquickt, Kennt man des Beamten Nöte, Der verzückt noch oben blickt. Einen Adler seh' ich sinken— Klasse zwei, vielleicht auch drei— Und es jubeln alle Finken: „Hipp! hurra! Der Bursch' ist frei I" (Edgar Steiger im.Simplicissimn»".) Notizen. -» Theaterchronik. Das Marionettentheater Münchener Künstler(Ausstellungshallen am Zoo) bringt am Sonn- abend zum ersten Male«Den tapfere» Cassian" von Artur Schnitzler neueinstudiert zur Aufführung, in Verbindung mit Pergolesis berühmter Buffo-Oper„Wie die Zofe Herrin wird". Die Figuren zu diesen beiden Werken gehören zu den schönsten des Theaters. — Ein Schau spieler-Theater. Die Bühnengenossenschaft. in der jetzt frisches Leben herrscht, will u. a. auch Theater- betriebe in eigener Regie nehmen. In Schlesien wird der erste Versuch gemacht werden. Für einige Städte, darunter Ratibor und Oppeln, wird in der nächsten Wimersaison ein Städtebund-Theater ins Lebe» gerufen werden, das von der Bühnengenosienschast mit staatlichen und städtischen Zuschüssen betrieben werden soll. Hermann Nissen, der Präsident der Genossenschaft, wird es leiten. — Der H e r r e Intendant des Braunschiveiger Hostheaters, der seinen Kapellmeister Riedel einen ebenso lakonischen wie drakonischen Eutlassuiigsbries sandle, mit der Anheimgabe, einen passenden Kranlheitsvorwand dazu zu finden, geht nun selber. Sein RückiritiSgcsuch wurde(wohl auch auS Gesundheitsrücksichten) ge« nehmigt. Das Hoftheater wird sich nun ohne den Herr» v. Wangen» heim oehelfen müssen. fcercWe Sprache. In den besten Fahren sehen wir die Berliner Arbeiter und Arbeiterinnen zu 6 9 Proz. der Invaliden von der tückischen Lungcnkrankheit befallen; davon kommen auf den Würge- engel Lungenschwindsucht im allgemeinen 18,7 Proz. Wenn der Bericht auch versucht, diese traurige Tatsache dadurch zu ent- schuldigen, daß er die„schlechten wirtschaftlichen Ver- hält nisse" des Jahres 1998 heranzieht, insofern, als dieselben „die Arbeitsfähigkeit der Lungenleidenden ungünstig beeinflußten", so ist das nur bedingt zutreffend. Di« Ursache, daß die Lungen- krankheiten und auch die Lungenschwindsucht nicht nur nicht zurück- gegangen, sondern eine Steigerung erfahr m haben, ist in der wirtschaftlichen Raubbaupolitik der herrschenden Klassen zu suchen. Die stetig steigenden Preise der notwendigsten Lebens- mittel, die in der Finanz„reform" ihre Ursache finden, die unzu- länglichen Löhne der Arbeiterschaft, verbunden mit der infolgedessen mehr und mehr sinkenden Kaufkraft des Geldes, bedingen immer mehr eine fortgefetzte Unterernährung des Volkes, der Arbeiterschaft im besonderen. Die Raub- baupolitik unserer heutigen Wirtschaftsordnung ist es, die den Würgengel Lungenschwindsucht wahre Orgien an Vernichtung von Menschenglück, Leben und Gesund- heit unter der Arbeiterschaft feiern läßt. Hus Induftric und Ftandel. Agrarische Raubgelüste. Im Jahre 1909 ergab die Butlereinfuhr nach Deutschland den Wert von rund 98 Millionen Mark. Seit 1989 entwickelte sich die Einfuhr wie folgt: Wert in 1999 Tonnen in 1999 Mark 1839.... 6 7509 1899.... 8,9 12 600 1899.... 12,5 20009 1900.... 16,6 25600 1901.... 18,0 29000 1902.... 16,7 28 400 1903.... 24,3 48400 1904.... 84,3 688O0 1905.... 36,9 73 800 1906.... 37,5 73 800 1907.... 39,6 82 100 1908.... 34,5 74 100 1909.... 44,8 98 100 Die fortgesetzte Steigerung der Einfuhr beweist, daß Deutsch. land selbst nicht genügend Butter produziert und das Ausland zu der Befriedigung des inländischen Marktes mit herangezogen werden muß. Daher erklären sich auch die hohen Butlerpreise. Aber unsere Junker wollen die Preise noch viel höher hinauf treiben, nicht durch eine Grenzsperre, sondern durch Einführung eines hohen Milch zolles. Glückt den LiebeSgabeuschluckern daS neue Altentat auf das Wohl des Volkes, dann werden nicht nur die Butterpreise, sondern auch die Milchpreise enorm hinaufschnellen. Dann kann daS Proletariat seine Kinder mit Wasser füttern und der JunkerschnapS wird wieder ein begehrtes Trost- und Betäubungsinittel. So schlägt das moderne Raubrittertum mit der Klappe des Milchzolles nicht zwei, sondern gleich drei Fliegen. Verteuerung der Milch sowie der Bulter und Steigerung des Sch»ap«konsuins. Dafür leben wir aber auch im Staate der gottgewollten Abhängigkeiten von der preußischen Junkersippe._ Fleischnot. Nach dem Ergebnis des Verkehrs auf dem Vieh- und Schlacht. Hof in Rürilberg im Jahre 1919 hat der Zutrieb zum Viehhof einen Rückgang von 19 596 Stück Vieh, darunter 8800 Stück Großvieh, erfahren. Die Schlachtungen weisen einen Rückgang von 5630 Stück Vieh aus. Der Fleischverbrauch stellt sich um zivel Kilogramm pro Kopf niedriger. Gegen die indufiricfelndliche agrarische Wirtschaftspolitik wendet stch die Mannheimer Handelskammer mit folgende» Ausführungen: „Die Sozialpolitik sucht vergebens einen der Schäden gut. zumache», die die Zoll- und Handelspolitik durch Verteuerung der Lebensmittel, Erschwermig der Ausfuhr und Einschränkung des FabrikatiousgewinneS verursacht hat. Erfreulicherweise ist fest. zustellen, daß»ach einer Zeit ständig zunehmender sozial- und handelspolitischer Schntzforderungen sich endlich Strömniigen geltend machen, die auf eine allmähliche Aenderung des Systems mög- lichsl lückenlosen Schutzes aller Glieder des Wirtschastsorganismus hinwirken." Wenn die Handelskammer sich bei der Hoffnung auf Ab- schwächimg der Liebcsgabenpolitik auf den Haniabund stützt, dann wiro sie noch bittere Erfahrungen machen. Der Bund treibt immer mehr in das Fahrwasser der Großindustrie und er wird damit an die Seite der Agrarier gedrängt, deren Bestrebungen er angeblich bekämpfen will._ Zunahme der Beschäftigte«. Die Ncueinstellung so zahlreicher neue? Kräfte hat eS noch nicht vermocht, die Zahl der offenen Stellen zu vermindern. Im Ber« gleich von Januar und November 1910 stellte sich die Zunahme der Zahl der offenen Stellen wie folgt: absolute Januar Rhcinland-Westfalen 18 311 24 606 Schlesien.... 2395 3575 Königreich Sachsen. 12 672 17 824 Dos Jahr 1910 setzte in Rheinland-Westsalen und mit einem kleinen Rückgang, im Königreich Sachsen mit kleinen Zuwachs der BeschäftigungSziffer ein. Dann jedoch November Zunahme 5795 1180 5152 Zunahme in P. oz. 30,81 49,69 40,65 Schlesien einem zeigte der weitere Verlauf des Jahres eine dauernde stetige Zu nähme der Zahl der in den drei Jndustrieprovinzen Beschäftigten. vo waren Ende Januar und Ende November nach den Berichten der Kraiilenkasfen an daS.ReichSarbeilöblatt" beschäftigt: absolute tN Januar Rheinland-Westsalen 974 415 1059 921 Schlesien.... 279 520 316 685 Königreich Sachsen, 627 369 676 636 In Schlesien ist eine ziemlich Verschlechterung der Lage ein- fetrete». Das Verhältnis von Angebot und Nach- rage auf dem Arbeits markte stellte sich ini November 1909 und 1910 wie folgt: eS kamen ans 100 offene Stellen in Rheinland- Westfalen 225,43 bezw. 179,08, in Schlesien 116 18 bezw, 138,65»iid im Königreich Sachsen auf>68,98 bezw 134,86 Arbeitsuchende. Die günstigste Entwickelimg zeigt sich im Königreich Sachsen. Aber auch in den beiden anderen zum Vergleich herangezogenen LandeSteilen ist die Lage des Arbeitsmarktes recht günstig. Der Reingewinn der Reichsbank. Ans Grund der letzten Bank- aesetziiovelle tritt vom 1. Januar 1911 ab folgende Berteiluiig deS ReichöbaiikreiugewinnS ein: Zunächst erhalten die Anieilseigner eine ordentliche Dividende von 3� Proz., von dem Rest fallen V« auf die Anieilseigner und 8/4 der Reichskasse zu; 10 Proz. jenes ResteS werden dem Reservefonds zugeführt. Das steuerfreie Nolenkontigent der ReichSbank wird unter gleichzeitiger Erhöhung deS Gesamt- betrage« auf 018 771000 M. auf 650 000 000 M, erhöht. Wegen der'starken Ansprüche an die Reichsbank zur Zeit der Quartals- termine erfolgt vom 1. Januar 19ll ab für die Ausweise vom Schluß des März, Juni. September und Dezember eine weitere Er- höhung des Neichsbankkontingents auf 750 000000 M. und eine November Zunahme 85 506 37 165 49 817 Zunahme m Proz. 8,77 13,30 7.86 Erhöhung deS Gesamtbetrages auf 818 771 000 M.— Für die Privalnoteiibauken tritt keine Erhöhung des fteuerfreieu Noten- kontingentS ein._ Eiue englische Stimme über die LebeuSmittelteuerung in Deutschland. Daß ein englischer Konservativer, der gewohnt ist, die Wirt- schaftliche» Verhälinisse Deutschlands in de» rosigsten Farben zu schildern, die Lebensmittelteueruiig im Deutschen Reiche zugibt, ist ein Ereignis, das Anfnierkiamkeit verdient. Der Berliner Berichterstatter des konservativen„Daily Telegraph", dessen Berichte im ollgemeinen große Sachkeirntuis verraten, schrieb kürzlich, die Berliner Haiisfraiien seien sich darin einig, daß die Preise der notiveirdigsten Lebensmittel in de» letzten paar Jahren gestiegen seien.„Hat nicht," so fragt er.„der Gemahl der höchsten Haushälterin im Lande ganz zu Aufarrg des JabreS eine wesentliche Erhöbimg des Gehalts901 dartu». Interessanter als diese Statistik, die sich schlecht zu einem Vergleich mit Londoner Verhältnissen eignet, ist die darauf folgende PrciStabelle für Fleisch in den vrn nehmen Berliner Vierteln. Diese Ziffer» würden selbst i» den teuerste» Londoner Siadtteilen als Hungersnot- preise empsuuden werden. Der Korrespondent meint, daß es äußerst schwierig sei, die Lebensmittelpreise verschiedener Länder zu ver- gleiche»; er versichert aber die Londoner HaiiSsraue», welcher Bevölkerimgsichichl sie auch angehören mögen, daß sie in bezng ans Fleischpreise günstiger gestellt seien als ihre Beiliner Schivestern. „Ihren Vorteil verdanken sie in einem beträchtlichen Grade dem ausgezeichneten gefrorenen Fleische von den Kolonien und Südamerika, das aus Deutschland praktisch gänzlich aus- geschlossen ist mehr vielleicht wegen der Schikanicrung und der Utikonen verursachenden Vorschriften, als wegen der Höhe des Einfuhrzolles..." Es folgt daiin eine Betrachtung Über die Berliner Milch und die Milchpreise:„Milch steht, wenn man Quantität mit Onantität vergleicht. in der deutschen Hauptstadt viel niedriger im Preise als in der britischen; jedoch ist das Verhältnis, wenn man die Qualität in Betracht zieht, wirklich umgekehrt." Er gibt dann eine Preislabelle der verschiedenen Milchqualiiäten, die in Berlin zum Verkauf gelangen, und bemerkt dazu:„Etliche dieser Preise werden einem Londoner lächerlich niedrig erscheinen; zum Beispiel weniger als 3 Pence das Quart(1,136 Liter) für„Voll- milch". Aber die Wahrheit ist, daß man, um auch mir amiähcrud einen Ersatz für die gewöhnliche Londoner Milch zu erhalten, die Qualität Milch für Kinder(rnussr� milk) kanfen muß". Diese Milchsorte ist in der Tab lle mit 8 Pence das Quart angegeben. was genau der doppelte Preis ist, den man in London Winter und Sommer für Milch zahlt, die hier nur in einer Qualität zum Verkauf gelangt. Es heißt dann ferner: „Eine englische Mutier. die in Berlin Bescheid weiß, würde darauf bestehen, daß ihr krankes Kind die beste Milch bekommt, die in der Stadt zu erhalten ist, und diese kostet 9,35 Pence daS Quart. Was man in England unter Sahne(„erssm") beisteht, ist in Berlin oder irgeiidlvo in der Um- gebung nicht für Geld und gute Worte zu haben. Die Flüisinkeit, die unter diesem Namen hier allgemein bekannt ist, würde man eher al« eine ungewöhnlich volle Milch bezeichnen, so daß auch diese zu dem angegebenen Preise nicht billig ist." Die Berliner Hausfrau, so fährt der Korrespondent fort, müffe heute 25 Prozent mehr für ihr Kochmaterial bezahlen als vor 20 oder 30 Jahren. Dabei sei auch die Lebenshallung gestiegen, waS der andauernden Prosperität des dentichen Volkes zuziifchreiben fei. „Während der letzte» zwei Jahrzehnte sind in Berlin ungeheuere Summen Geld verdient worden, sicherlich mehr als in dem gleichen Zeitraum und auf der gleichen Bodenfläche jemals in der enropäiichen Geschichte verdient worden ist; aber das Geld ist nicht in gleichmäßigem Strom in die Taschen aller geflossen, Die Leute, die hauptsächlich davon profitiert haben, sind die Fabri- kanten und Kaufteute. Zwar ist eS wahr, daß ihre erhöhten Profite bis zu einem geiviffen Grad: eine Verbesserung der Lage ihrer An- gestellten herbeigeführt hat. Besonders die Arbeiter sind imstande gewesen, sich durch gemeiiischnstlicheS Handeln einen besseren Lohn zu erzwingen, obwohl dieser Gewinn bis zu einem gewisse» Grade, »m dessen Höhe man sich streitet, durch die Steigerung der Miete» und Preise wieder aufgehoben worden ist. Aui der andere» Seite folgt die Besoldung der Lente. die in kaufmännischen Beirieben und Läden angestellt sind, nur langsam der Ausdehnung der Profite ihrer Arbeitgeber." Es folgen dann Beschreibungen der Not ber in Deutschland so zahlreichen Beamten des Staats, die unter der LebenSmittelieiierinig schlver zu leiden hätien, obwohl der Staat schon mehrere Male in den letzten Jahren die Gehälter aufgebessert habe. Noch schlimmer ieien die freien Berufe daran, deren Lebenshaltung überdies noch durch das rapide Anwachsen des intellektuellen Proletariats bedrückt werde. Es ist immerhin ein Zeichen der Zeit, daß man selbst in einem englischen konservativen Blatt die verwüstenden Folgen der Schutz- zollpolitik anerkennt. Die Wahrheit läßt sich mcht mehr zurück- halten: aus dem Saulus ist ein Paulus geworden. Hus aller Melt. Eine polizeifchlacht in London. In einem verrufenen Viertel Londons, dem Distrikt H o u n d S d i t ck, ist eS gestern zwischen Polizeimannschasten und verfolgten Verbrechern zu einem stundenlangeu Kampfe gekonlnien, bei dem etwa TOO P o l i z i st e n und Soldaten in Tätigkeit traten. Die Vorgeschichte deS gestrigen Kampfes liegt in der Ermordung dreier Poli- zisten, die im Dezember eine Anzahl Einbrecher über- raschten, als diese einem Juweleugeschäft einen nacht- lichen Besuch abstatteten. Die überraschten Ein- brecher eröffneten damals auf die Beamten ein intensives Feuer, durch daS, wie bereits erwähnt, drei B e- amte getötet und m e h r e r e d u r ch S ch ü ff e v er- letzt wurden. Die Londoner Detektivs fahndeten aufs eifrigste nach den Mördern, die sich in Schlupfwinkeln des Distrikts Houndöditch verborgen hielten. Gestern wurde der Polizei bekannt, daß mehrere der Spießg> sellen in einem Hause der Sydneystraße Unterkunft gefunden hatten. In Er- Wartung eines heftigen Widerstandes wurde das HauS von einer sehr starten Polizeiabteilung umstellt, die im Verlaufe des Kampfes durch Abteilungen der schottischen Garde und eine Batterie reitender Artillerie unterstützt wurde. Uebcr die Einzelheiten des Kampfes be- richten folgende telegraphischen Meldungen: Loudo», 3. Januar. Die Nachforschungen der Polizei nach den Mördern im Distrikt Houndsditch danern schon längere Zeil an. Letzte Nacht räumt« die Polizei alle Häuser in der Nähe des Hauses, in daS die Verbrecher geflüchtet waren. Heule haben mehr als 700 P o li z ei b e a m t e, unterstützt von Truppen, den Distrikt Houndsditch abgesperrt, in dem. wie man annimmt, die beide» Mörder„Peter der Maler" und„Fritz" sich verborgen halten. Nach den letzten Meldungen ist eS zu einem erbitterten Kampfe zwischen Polizei und Bewohnern gekommen, der zurzeit noch anhält. London, 3. Januar. Di« Polizei umstellte nach und nach daS Gebäude, wobei viele Revolverschüsse zwischen den Polizeimannschaften und den dort wohnenden Ausländern gewechselt wurden. Im Verlaufe deS Kampfes erhielt ein Schutzmann einen Schub in die Brust. Die Kugel gleicht genau der von dm Mördern gebrauchten. Eine Abteilung der Schottischen Garde kam der Polizei zur Hilfe. London. 3. Januar. Das von der Polizei belagerte Gebäude liegt nicht im Houiidsditckdistrift, sondern in der Sydneystraße. Das Gebäude steht jetzt in Flammen. Die Feuerivehr war in BoiauSsickt dieses Ereignisses schon vor Ausbruch drs Feuers am Platze erschiene». Ei» Sergeant von der schottischen Garde wurde am Bein verwundet. London, 3. Januar. Dos Schießen zwischen den Polizeitrnppen und de» versolgien Verbrechern dauerte um 1 Uhr nachmittags fort. Ei» Poli ceibeamter wurde durch einen Schuß, der gegen ein Fenster des umziiigellen Hauses abgegeben wurde, leicht verletzt. Die Po'izeimauuschaften erhallen fortgesetzt Verstärkungen, die Mannschaften der Schoitische» Garde haben an beiden Enden'der Straße Ansstellttiig genoiumen und feuern gegen die Fenster. so oft einer der Verbrecher sich sehen läßt. Auch ein Zuschauer wnrde leicht verletzt. Der Minister deS Innern Churchill ist am Schauplatz der Unruhen eingetroffen. Nachdem die Flammen das ganze HanS ergriffen hatten, stiegen die Belagerten a»fs Dach, von wo sie aus die Soldaten und die Polizeibennilen schössen. Es wurden velschiedene Explosionen gehölt. Gegen 2 Uhr nachmittags stürzte daS Dach ein. London, 3. Januar. Um 3 Uhr trafen drei Geschütze der reitenden Artillerie auf dem Kampfplätze eirtl Tie Feuerwehrleute drangen in das abgebraimte Gebäude ein, wo sie sechs Leichen gefunden haben sollen. London, 3. Januar. Nach neuerlichen Festste llim gen hat die Polizei in dem abgebrannten Hause nur zwei Leichenge- funden. Zweifellos ist eins von dielen der gesuchte„Flitz", ob der aiidere Peter ist. konnte noch nicht festgestellt werden. Bald nach Ausfiiiden der Leichen fiel die Decke ein, wöbet vier Feuerwehrleute schwer verletzt wurden. Unter den Verwiiiideten befinden sich auch drei Zuschauer. Die bürgerliche Presse entblödet sich nicht, diesen Ver- zweiflungSkumpf gemeiner Räuber und Mörder in einen Kampf mit ausländischen Anarchisten unizu- lügen und benutzt die treffliche Gelegenheit, gegen das eng- lische Asylrecht scharf zu nlachen. Wieder eine russische Skandalaffäre. Füllt euch die Tasche» I ist daS Losungswort der russischen Machthaber. Wenn auch die Gefahr der Entdeckung begangener Unterschleife bei der sprichwöitlichen Korruption der russischen Bureau- kratie nur sehr gering ist, passiert eS doch hin und wieder, daß ein vorwitziger Revisor wciiigstens den Berinch macht, dem korrupten Getriebe ein Ende zu bereiten. So ist jetzt durch den revidierenden Senator Glischlschinski aufgedeckt worden, daß der Chef der Wladiwostoker Festungsingenieure GeneralScht» galowSki, gegen zwei Millionen Rubel amtlicher Gelder unterschlagen hat. Der bei einem russischen Be" amten ungewöhnliche» Ehrlichkeit ist eß zu danken, daß der Senator sich nicht bestechen ließ, sondern den ungetreuen General den Ge- richten überlieferte. In den Flammen umgekommen. Magdeburg, g. Januar. Heute vormittag wurde die Feuerwehr nach einem Hause in der Neustädter Straße gerufen, wo ein Woh- mnlgSbrand enlstanden war. Dieser Brand mutz jedoch schon in der Nacht begonnen haben, denn die Inhaber der Wohnung, der Kutscher Schulz, seine Frau und sein ISjähriger Sohn wurden in leb- losem Zu st ai» de aufgefunven. Die Wi-derbelebnng«- versuche waren nur bei der Frau von Erfolg; Schulz und sein Sohn sind tot. Paris, 3. Januar. Noch einer New Dorker Meldung sind bei einer in MinerSville(Pemisylvanien) auSgebrochenen FeuerS- brunst, durch welche drei Gebäude zerstört wurden, fünf Kinder, von denen daS älteste acht Jahre alt war, lebend ig verbrannt. MonS, 3. Januar. Bei einer gestern auSgebrochenen FeuerS- brunst ist eine achtzigjährige blinde Frau, welche sich allein in dem Hause befand, in den Flammen umgekommen. Ihre ver- kohlte Leiche wurde, als das Feuer gelöscht war, aufgefunden. Niemand hatte ihre Hilferufe vernommen. Ein vertvegener Einbruch ist in der letzten Nacht in da» evangelische Pastorat am Clevepkatz in Düsseldorf verübt worden. Die Spitzbuben waren gerade im Be- griff, in das Schlafzimmer einzudringen, als der Rektor erwachte und auf die Eindringlinge schoß, welche die Schüsse er« widerten und dann flüchteten. Der Polizei ist es gelungen, einen der Einbrecher, den in voriger Wocbe aus dem Gefängnis ent- sprnngenen und schon vielfach mit Zuchthau» vorbestraften JuliuS Möller festzimebmeu. Beamte verfolgten die anderen Einbrecher mit einem Polizeihund. Der Einbrecher verletzte einen Beamten, der ihn festhalten wollte, durch mehrere Schüsse und eutlam dann im Dunkel der Nacht. Ein nobler Gatte. Die ehemalig« Hofopenisäiigerin Frau Jellinek hat gegen ihren von ihr gelreiiiit lebenden Ehemann, den Heldentenor Burrian, eine Klage auf Zahlung einer jährlichen Rente von 12 000 M. angestrengt Mit der Ehescheidungsklage war die Frau abgewiesen worden. Burrian hat eS mit außerordentlichem Geschick verslanden, sich stets unsichtbar zu machen, wenn ihm die Rentenklage seiner Gattin durch den Gerichtsvollzieher zugestellt werden sollte. Auch während seiner TäNgk-it an der Dresdener Hosoper— gegenwärtig gastiert Burrian in New Dort— war er nirgends anzuirrsten. Er hatte sich in Loschwitz, wo er eine Villa besaß,„aus Reiicu" abgemeldet. Die Verschleppung deS Alimen- tationSprozesieS ist für die Klägerin von sehr üblen Folgen gewesen. Nach ihren im jetzigen Termine abgegebenen Erklärungen lebt sie in Böhmen in sehr dürftigen Verhältnissen. Sie hungere und darbe, und niemand wolle ihr kreditieren I Da- bei wird das Einkoinmen ihres Gatten auf jährlich 130 000 Mark geschätzt._ Kleine Notizen. Im Eise eingebrochen. I» dem mecklenburgischen Orte Kirch- g r a m b o w brach der Sohn des Arbeiter« Lau auf dem Eise eine« Teiches ein. Söhne des ChaiisieewärterS Wedemann iin Alter von zwölf und zehn Jahren suchten ihn zu retten, alle drei Knaben ertranken. Ein tStlichrr Jngdirnstifl ereignete sich bei einer Treibjagd auf dem in der Pc oviuz Sackien gelegenen Gute P o l l i tz. Dem Gutsinhaber. einem Herrn v. I a g o w. entlud sich das Gewehr; zwei Kugeln trafen einen sechzehnjährigen WirtschaslSeleven in den Kopf. An den schweren Verletzungen starb der junge Man« nach weiiige» Stunden. Rom im Schnee. Seil gestern morgen herrscht in Italien« Hauptstadt ein heftiges Schneegestöber. Die Stadl ist von einer ziemlichen Schneeschicht bedeckt, was ihr ein un» gewöhnliches Aussehen verleiht. AuS ganz Nord- und Mittel» Italien wird ebenfalls starker Schneefall genieldet. Bei einer Haussuchung in dem Londoner Vororte WilleSden wurde ein Polizeibeamter durch Revolverschüsse emeS überraschten Verbrechers schwer verletzt. Theater und Vergnügungen Millwoch, den 4. Januar. Ansang VI, Uhr. Stönigl. Opernhaus. Lohengri». Ansang 7 Uhi. Ztonigl. TchauiviellianS. Maria Stuart. Ansang 7 Uhr. Neues tönigl. Lperu-Thearcr. beschlossen. Teuiiches. Othello. it a m a> e r I p i e l e. Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Neues«a ou>n>elt>a»s Zaust. Nachm. 3 Uhr: Zrau Holle. Ansang? Uhr. Lesung. Anatol. Nene» Operette«. Die schöne Risette. Ao»iii(i,e Over. Da« vergessene Ich. iperliner. Bummelstudenten. Nachmittag» 3'/, Uhr: Macbeth. XxMtdi. Da» Puppenmädel. Nachmittag« 4 Uhr: Rotkäppchen. Kleines. Verflixten Fraucnjiminer. l. Klasse. NeueS. Der G m. ß. v.»Tenor. Trianon. Der heilige Hain. Residenz. Familie Bolero. Thalia. Polnische Wirstchast. Nachmittag» 4 Uhr: Hänsel und Wretel. Eehiller tt. ldeair») Der Himmel aus Erden.' Geh.(khariottenpurg. Der Bund der Jugend. Friedrich- Wilhelmstädtische». Die Räuber. Lusiipielkaus. Der Feldherrn- Hügel. Lniirn. Mudicfe» Reise n. Indien Modernes. Der Doppelmensch. (Ansang S's, Uhr.) Ro>> Se n Sündenregister. Herrnfeld. Eine verloren» Nacht. Der Derbvsieger. Volksoper. Die Dollarprinzesfln, Nowmiltag» 3ll, Uhr: Der Kamps um Schneewittchen. Folirs Eapric«. Der Feldwebel» Hügel.(Ansang 8'/, Udr.) iDlrtrw. ai. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wippchen. Up o u o. Spezialitäten. iv»«ngr. Spezialitäten Voigt. Die Schuld der Mutter. ReichSvalleu. Steitincr Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. TanSsonci. Wie werde ich reich 7 Epezialitälen.(Ans. S>/, Uhr.) Walhalla. Vravo l Dacapo!(An- sang 8'/, Uhr.) Karl Havelland. Spezialitäten. Urania. Daubenstrasie Mli9. Nachm. 4 Uhr: Der Bierwald- stailer See und der botthard. Abend» 8 Uhr: von San Nemo nach Florenz. Gternwartr, Jnvaltdenstr. 87—82. l-essinx-Ikeater. Mittwoch 8 Uhr: Anatol. Donnertlag 8 Uhr: Anatol. Freitag: WennwipToten erwache« kerttner Tliester. Heute: gWMkIMgNtkN.« Uhr. Morgen: Bummelstudenten._ Neues Theater. Täglich: Der 6. in, b. H,-Tenor, Anfang 8 Uhr. Modernes Theater ((raher Hebbeltheiter). Abend» 8 Uhr: Doppeliiienach. Friedrich-Wilhelmstadtiscbes Schauspielhaus. Mttwoch, 4. Januar, abend« 3'/, Uhr: Die Räuber. Donnerstag zum ersten Male: Die »laue Mau«. Freitag: Ehrano von Bttgeroc. Luisen- Theater. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Mildickes ilfife nndjlnhirn. Donnerst.: Mudicke« Reise nach Indien. Freitag: Premiere: Der Millionen. junge. Tvnnabeird 4 Uhr: Hansel und lbrttel. S Uhr: Der Millloncrrjunge. z.US'tspisIKsTI«. Abends 8 Uhr: Der Felbherrnbügel. WissenschafUiches Theater Taubenstroße 48/49. Nachmitte�s 4 Uhr: Der Vier« alilstHtter See and der Oottliard. Abends 8 Uhr: Direktor Franz Goerke: Märkische Landschafts- und Garten-Poesie. "Kaiser- Panorama. Xoa! Reise ins Pharaonenland von Triest nach Kairo. II. Wanderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. Berliner Volksoper Nachm 31/,: Oer Kampf um Schneewittchen. Abend» 8'/»: Die Dollarprlnzessln. Residenz-Theater. Direktton: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Familie Bolero Schwant n 3 Allen von Maiuice Henireqiiin und Pairi Biihaud. Morgen und solgende Tage: Familie Bolero. OSE=THEATE (»luse Fraotturrer Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende>i.U Uhr _ Sein Sinilenreüisier. Li Lustspiel in 3 Akten von Friedmann Donnerstag: Don Carlo». Aketropol-TKester. Hurra! Wir leben noch! Grohe AuSftattungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund Musik v. P Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Rauchen gestaltet. 8 Uhr: Da» vollständtg neue. sensationelle Programm. 10 große ittraktioneo 10 mit Otto Reuttei* a.« g�Kenor Spielplan!"W Kthel I.erey, Amerikas F'avorit. La belle Leonora, Spaniens Stolz, Ka-Ten-Ichy-Truppe, japanische Wasserspiele. Harmeny Four, ein mnsikal. Ulk. Therese Renz, Schalreiteria. The Gaudsmidts, Olown-Akrobaten, mit ihren spanischen Pudeln. Oe Witt. Burns, Torranoe, Exzen- triks, in ihrer Szene:„Lebendes Spielzeug". Hlle. Danarbers Luftballonfahrt tiber den Köpfen des Publikums. Vatazzi, Jongleur. The S Ernest, kora. Reckakt. Les tteurs Polenalses in ihr. Szene: „Ein polnisches Bauernfest". Biograph, neueste Aufuahmeiv_ Trianon-TheaterT Ansang 8 Uhr. Der heilige Hain. ? 1 1 er-T Ii eater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeal), AI- t I w o ch. abend» 8 Uhr: Der lllnnnol anf Erdrn. Lustspiel in 3 Akten von Julius Horst, Ende lO>/z Uhr. Venne rSlag, abend» 8 Uhr: Der Dlinrnel auf Erden. Freitag, abend» 8 Uhr: düenpenster. Schiller-Theater Charlettanburg. AI i t t m o ch, abend» 8 Uhr: Der Rund der Jugend. Lustspiel in 5 Ansz. v. Henrik Ibsen Ende lO'/t Uhr. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Rusuii'eulleber. Freitag, abend» 8 Uhr: Die Daelit der Fiuaternls. 8, CLOU" BERLIXKR KO�ZKUTHAl'8 Mauerstr. 82.'. Zimmerstr. 90-91 Eintritt 50 Pf. 1 1 1 Heute! I! Populärer Abend. Anfanj; 8 Ehr. �"»--"Ebr""" Prcmenadenkonzert bei freiem Eintritt. 8pezial- Ausschank: Münchener Rathitserbräu. Einen %* ms Schwarze sind die Neujahre« Programme aller 5 tm Brauerei Priedrlchshaln Am Königstor Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Heute Tllttwoch: Elite-Tag;! Gr. Bock-Jubel und Trubel. Ter berühmteste Feftwirt 8e!iorze!l Nirengnilier an» Dttueheu mit seiner Truppe (SV Personen). Heute: Gratisverlcsung van 100 Wertgegenständen. Jeder Besucher erhält ein Lo» gratis I Ans. 8 Uhr. Passirtl. volle(Ällliigl. Entr-iv Ps. Excelsior-Liclitspielliaiisi Rixdorf, Bergstr. 151/152. WW" Heute: Der Todessturs des Aviatlkers LafTonto mit seinem Passagier Pollns, sowie das Neujahrs- Programm und Einlagen. 1 Anfang Wochentags O Ehr. X X Honntags 8 Ehr.] Jeden Honnabend: VoIlstAndig neues Programm.! Anclreas-FestNäle(Hermann Borgmann); Andreasstr. 21, gegenüber dem Andrcasplatz. WM" Jeden Mittwoch:"HW Auftreten der beliebten Apollo-Sänger.| Entree 30 PI. Res. Platz 50 PI. Vorzagskarten haben Gültigkeit. Vorzeiger dieser Annonce zahlt an der Kasse nur 10 Pf. nach. Gleichzeitig empfehle meine 8Hle und Vereinsslmmor zn Festlichkeiten und Versammlungen.• Theater des Westens. 8 Uhr: Das Pupponmiidel. Miitiv. u. Sömiab. 4 Uhr: Rotkäppchen Sonnt 3'/|, Uhr: Haft und Liebe, Alt-tloabU»7/4». Donnerslag, den 6. Januar 1911: Im Abonnement! Großer Lacherfolg k Pit WahchgfM. Schwank In 3 Akten von I. Jarno und H. Rickelt. Sebast. Nordhauien: Dir. Han» Reitz. «assenerössn. 7 Uhr. Ans 8',, Uhr. Nach der Vorstellung: Taus. Zirkus Busch. Mittwoch, 4. Jan., abds. 7V, Uhr: OroBer Gala-Abend. Neu! Neu! Neu! mar" Die 5 Cllftons!"WM fHV~ Die Aeros!~WMi Neu! Neu! Neu! Gastspiel des Herrn Direktors Pierre Althoif und Frau Direktor Adele Althoff, Freiheits-Dress. Die Frodianie, Akrobaten zu Pferde. 3 Gebr. Fralellinfe, urkomische ital. Olowne. Frl. Elisabeth v. Dynar, Schulreiterin. Um 9 Uhi ra. zum 10. Mole; Die mit so yr. Beifall aufgen. neue Ausstattungspantomime |Mg~„Armin""WM Mi a Hochbahnstation Koltbus« Tor. 8'/. Uhr: Wie werde ich reich? Amerikanische Sensations-Burlesle in drei Bildern. «»GtOplSl Eddto de Fdrard und die grandiosen I a nuar-Spezialitäte». Thkater„Grok-Kerliu" Mittwoch: Nene Welt. Hasenheide. s',. uhr- En fideles Gefängnis. Cntree 30—100 Ps. Vorzug»!, billiger. Diese» Inserat gilt al« BorzugZkarie. Vmiwmmg-sMMlZsiiieiiZiießliö. Donnerst.: Puhlm. Thea«. Trilbh. Theater des Weddings Mülleretr. 182,183— Sellerstr. 35. Täglich vor ausverkauftem Hause: Abgründe Drama in zwei Akten von Urban Gab. Auherdem da» neue großartig« Programm._ Reiehshallen-Theater. Stettiner Sdnger. Neu Mnfikanten Genrebild von eysel. Ansang Wochentag» 8 Uhr Sonntag» 7 Uhr. BurgtUeater- Festsäle und Kinematograph vorm. Grolerlan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee ILS. Tel. 3. 9358 Lebeude Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps., Kinder die Halste. Ans. 7 U.. Sonnt. 4 U. Vorzugskartea, nur wochent. gültig, 26 Ps. aus allen Plätzen. Stets lvechs. Programm. Kael Haverland- ,ÄV Itelcr.'TÄrr Ein«rfointscheS Speziaiitäten-Frogramm da» Tage»gespräch im neuen Jahre. Januar m. Königstadt-Kasino. Holzmarttttr. 72, Ecke Alexanderstrahe. Tie neuen Ja»uar>Spe»talitäte». Ellen Teuert, Mi« Nelly, Gebr. KUhn, Gustav Bonn». Sylvester, Lee Lande, Sporl.Akt. Frann Sobanaki. „Berliner Windbeutel."* Schwant mit Gesang in 1 Akt. Ansang 8 Uhr. Sonntag»«'/, Uhr. \o\gt-Tl\e»ter Nesimdbrunnen, Badstraho 58. Gastspiel in PnhlmannS Thealer» Schönhauser Allee 148. Mittwoch, den 4. Januar: Die Schnld der Mutter. Schausp. in 4 Ausz. v. Victor. Sardoi». Kchseneröffn. 7 Uhr. Ansang 3 Uhr. JTene Welt Arnold Scholz X Haseoheide n ler- Thgiich GroßoBerllns Anfang 7 Ehr Bonntagu Sonntag« 4 Ehr 4 Kapellen Entree 30 Pf. Sonntags 50 PL Vom Sonntag, den 8. Januar 1911 Tttgllch im großen Festsaal«. in neuen lichtprunksaal (7000 Personen fassend) In den bayrisehen Alpen I Im herrlichen Berchtesgaden I Großartige Alpen-Dekoration Defreggers berühmte Tyroler-Truppe x Baron Muckls urwüchsige Bauernkapelle x Echt bayrische Mad'ln- Bedienung jeden Donnerstag: M famosen Elile-Prämllerungs-Abende j Jeden Dienstag: Die Zensations-Deulielt Haberfeldtreiben! Die romantische Vergnügungs-Alm im neuen uchtprunksasi Neu für Groß- Berlin Dl® Dtft cH« »v »vi® D«* n�»*te8. D®f S®6 D®b Vjto»11" öl® SoziaMemokradsctierWilMD für den 4. Herl. Reiehstass-Waiilkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk 385. Den Mitgliedern zur Nachricht. dab unser Genosse, der Barbier ITrcmi« Pautei Büschingstraße 8 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Pauls-KirchhosS in Plötzcnsee an» statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/4 Der Vorstand. Hierdurch die traurige Nachricht, dag mein inniggelicbter Mann, unser guter Vater, der Maurer i�näress EJineK im Alter von 45 Jahren nach langem, schwerem Leiden sanst entschlafen ist. 2533b Maris Binek nebet Kindern. Beerdigung amDonnerstagnach- mittag 3'/, Uhr aus dem kath. Mathias-Kirchhos in Südende. ZozialijeiiivIii'Mctiei'Väiilvei'eiii für Schöneberg. Am 31. Dezember verstarb unser langjähriges Mitglied, der Maurer /mcfress Binek nach zweijährigem schwerem Leiden im Alter von 4S Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 5. Januar, nachmittags Z-/, Uhr, von der Leichenhalle des Mathias- Kirch. hoseS in Südende aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 15/1 Ter Borstand. Deutscliep BauaiMterverlianl Zwelgvercln Berlin. Sektion der Putzer. Am Sonnabend, den 31. De- zcmber 1910, verstarb nach langem schwere« Leiden unser Mitglied �ndi-eas Binek (Bezirk Schöneberg) im Alter von 47 Jahren in der Anstalt Eberswalde. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Don» nerstag, den z. Januar, nach- mittags 3'/. Uhr. aus dem Sankt Matthias- Friedhose in Südende statt. 133/2 Die iirtliche Berwaltnng. Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwallunjs, teil, Berlin. Todes-Anzeiicen. DcnKollegen zur Nachricht, daß unter Mitglied, der Former Berntiard Broschkowski am 1. Januar an Herzschwäche gestorben ist. 110/2 Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, vom Trauer- hause in Treptow,«rätzstr. 11, noch dem Michael. Kirchhos in Rixdorf, Hcrmannstrofie, auS statt. Ferner starb unser Mitglied. der Mechaniker Otto Nlettke am 81. Dezember an Nervenleiden. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 4. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- halle des Daules Kirchhoses in Reinickendorf, Blanlestratze, auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Zlaeknir. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Kern- macher Lorneüus am 1. Januar an Lungenleiden gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! 0ie Orttverwaltung. Deutscher Transportarbeiter. Verband. BezirkeverwaUung Grog-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Haus- dieuer Albert Roock am 1. d. Mts. im Ziuer von 43 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5, Januar, nachmittags 3 Uhr. von derLeichen- halle des Neuen Jakobi-KirchhoscS in Rixdorj, Hennainistrabe, aus statt. 65/2 vis Berlrluremaltung. Verband der Jldaler, Sackierer, Anstreicher Filiale Berlin. Melchiorstraße 38, part. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787 Donnerstag, den 5. Januar, abends S'/a Uhr: Sektions- Versammlung der Lackierer im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: TageS-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Sektionsleitung. 2. Vereinsangelegenheiten. gM- Zlltxlledsdnek les/ltlmlert!"TSAä_.____. 128/2 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die SektionSleitung. Sozialdemokrat, ilfaiilverein Wilmersdorf. Wir zeigen hiermit an, daß unser Mitglied, der Maurer Karl Gliese in der Nacht zum 1. Januar verstorben ist. In ihm verlieren wir ein tapseres, treues Mitglied, dessen Andenkm in Ehren gc- halten wird. Wir bitten unsere Mitglieder, möglichst zahlreich an der heute. Mittwoch, nachmlitags 3'/, Uhr, vom Wilmersdorscr Friedhose aus erfolgenden Beerdigung tcll- zunehmen. 202/! Her Vorstund. Maml der Brauerei- mil MiMeiier Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Brauer Conrad Seifert (Schultheiß I) gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhoses in Nordend aus statt. Ferner bringen wir den Mil- gliedern zur Kenntnis, daß unser Mitglied, der Mitsahrer Wilhelm Lcliubert .(Patzenhoser NW.) gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. d. M, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Heilands-Kirchhos in Plötzensce statt. Ehre ihrem Andenke» l Um zahrciche Beteiligung er- such��Di�Ortsverwaltung� Achtung! Achtung! Portefeuiller- und Reiseartikel- Branche. Heute, am 4. Januar, abends 8'/, Uhr: Hrnnche»- Versammlung II bei«rnniunn», Ramiynstraste 37. Da eine sehr wichtige Tagesordnung vorliegt, ersuchen wir die Bertraueiisleute, rege für de« 156/2 Bes«ch dieser Versammlung zu agitieren. Tie Branchenleitung. II Zentralverband der Äsptialteure. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Georg Durstewitz im Atter von 30 Jahren ver« starben ist. 235/4 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags um 3 Uhr, vom Kirchhos in Rixdors, Mariendorser Weg, statt. Die Ortsverwaltnng. Allen Freunden und Bctannlen die traurige Mitteilung, daß mein lieber Mann. unser Bruder, Schwager, Onkel und Sohn, der Hausdiener und Musiker Paul Krause durch Unfall am 24. Dezember im Kranlenhausc Friedrichshain plötzlich verstorben ist. Oie trauernden Hinterbliebenen. Wwe. Auguste Krause, Liegmtzer Str. 4. Beerdigung wird noch bekannt gegeben. 2536b Am 31. Dezember verlchied nach längerem Leiden mew lieber Mann, der Schlosser Bdusrd Blache. DieS zeigen ticsbetrübi an Oie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 5. Januar, nachmittags 3'/« Uhr, von der Leichenhalle der Auf- ersiehungs-Gemeinde in Weißen- see aus statt. Verwaltuug Berlin. 77/5 Einsetzer. Donnerstag, den 5. Januar, abends V'/j Uhr: Bezirks- Versammlungen in folgenden Lokalen: 1. Bezirk: Merkowski» Andreasstraße 26. Ä.„ Gliesche, Kopenhagener Straße 74. 3.„ Sauer, Levetzowstraße 21. 4.„ Preil, Rixdors, Nosenstraße 24. 5.„ Wiemcr, Bülowstraße 58. t».„ Mix, Skalitzer Straße 59. 7.„ Tunack, Charlottenburg, Wielandstr. 4. 8.„ Melzer, Wiesenstraße 29. Die Kollegen aus den Vororten find besonders dazu eingeladen. Der Branchenleitrr. Danksagung. Für die große Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- guna unseres LnkelS und Bruders, des Putzers Julius Marquart sagen wir allen Freunden und Be- rannten sowie den Kollegen. Genossen un» den Sängern unseren herzlichsten Dank. Im Namen der Hmterbliebenen Paul Marquart. Extra- Abteilung 1 1. Gesch.; Berlin W. Mahren- 1 Straße 37a(2 Haus von der| ierusalemer Straße). Iii. Gesch.: Berlin NO., Große! Franklurt. Str. 115(2. Haus j von der Andreasstraße). 1 Sohrgr. Ausw.fert. Kleider, I 1 Mite, Handschuhe, Schleier j Fete. v. einfachsten bis zuui> | hochelegant Genre z.äußerst j niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: naBanrertiguiig in 10 bis 13 Stunden. 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Januar 1911, abends: Zum Besten des Vaterländischen Frauenvereins Berlin Zwei Konzerte der Bonner Liedertafel (2. Preis auf dem Wettstreit in Frankfurt a. M.) 230 Sänger Joseph Werth. Reservierter Platz 5 M. u. 3 M., alle anderen 2 M. Vorverkauf bei: HofmusikaJienhandlung Bote& Bock, Leipziger Str. 37; Musikalienhandlung Stahl, Potsdamer Straße 39; A. Wertheim, Leipziger Straße; im Bureau des Vaterländischen Frauenvereins, Dessauer Str. 14 und an der Kasse des Sport-Palastes, Potsdamer Str. 72— 72 a. Schwarzer Richard Arnhold. Adler r Frank!. Chaussee 5. gM" Jeden SHttwoch: Leipziger Sänger. Nach der Vorstellung: Tanzkrünzchen. mttwoch, den 11-, 18. u. LS. Januar 1911t Drei große Bockbier|-Feste unter Mitwirkung der l-elpzlxer Sänger. I GB Nachmittags weg. Lbberfti(.zeitweise geschlossen t'Mlil datier vormitta 3 erbeten) Im Inventur- und Räumungs- Verkauf werden abgegeben die ät Plüschmflntel modanuttn KOStÜIIlß Abendmfintel «•-t-Gßsellsrliaftsmßltlßr gedlvsensten Fflluß'IMlltttel hObuhnten KUgl. PdlßtOtS nettesten KOStilmrÖCkß leimte« BlllSßll Pelz-Konfektion: Pelzgefütterte Mäntel, Pereianer-, Nerz-, Nerzmurmel- etc. Jacketts Muffen und Kolliers z T. für die MlsUstMlM«! Bitte vergleichen: früher«. T. 20. 80.«5. 60. 00. IIS. Jetzt I. T 7. 11, 16. 21. 28, 89 146. 182 u«w. bis W M»rk_ 50, 64 usw. die 600 Mark In u e.n. Ge.ch-ften« rU jedes.tack- u» d. Seheufentl bereitwilligst abgegeben i Ein Posten Kostüme früher M. 40— bis 156.- Jetzt zum Teil M. 20.— Wöstmann!! Mohreiistr.37ä Gr.TraiikfurtBr5tr.115s[J VSSIzma 9 RH 10 Jahre Garant Teiiz. wöchontl. 1 M. Plomben fccauillc fc 1,50 M. Fast vollk. schmerzlos. Zahnziehen. Umarbeitung schlecht sitzender Gebisse Reparaturen sofort»• Zahn-Arzt Wolf. Potsdamer Str. 55.(Hochbahnst. Bülotvatr.) 8— 7. Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th.Äl-cke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin LW. lt. 3. 28. Zahrglmg. 2. ßtilHe kä.lötiuittf Strlintt Balliülilnlt. Mittwoch. 4. Januar 1911 Hus der f raucnbewegung. Eine Heldin. In Frankreich hat die bürgerliche Klassenjustiz ein unerhörtes Urteil gefällt. Bei Gelegenbeit eines Streikkonfliktes wurde ein Streikbrecher namens Dongs erschlagen. Dieser Tat beschuldigt wurde der Gewerkschaftsführer Durand, und mit den Mitteln der Fälschung zum Mörder gestemvelt und zum Tode verurteilt. Dieses Bluiuneil veranlagte die Witwe des Erschlagenen zu einem offenen Protest. Sie richtete an den Verteidiger des Opfers der Klassenrache folgendes Schreiben: .Nach Beendigung der Assisenverhandlung fühle ich mich gedrängt, mich denen anzuschließen, die gegen das Urteil protestieren. Ich habe während der Verhandlung mich als Privatbeteiligte daraus beschränkt. das Recht meiner Kinder. der Opfer des an meinem unglücklichen Manne begangenen Totschlages zu verteidigen und eS mir versagt, auch nur die geringste Beschuldigung gegen jemanden zu erheben. Aber ich möchte keinen Anteil an der Verurteilung Durands zum Tode haben, die um so unbegreiflicher ist, als er' wohl gleich anderen, die straflos geblieben sind, un- bedachte Worte geäußert, aber doch nicht selbst Gewalt geübt hat. Ich bin selbst Arbeiterin und wünsche das Gnadengesuch für Durand zu unterzeichnen. Es wäre mir ein Trost in meinem Unglück, zu hoffen, daß alle Welt verstehen wird, daß ich, indem ich für meine Töckterchen vor Gericht pflichtgemäß Ersatzansprüche stellte, doch auch die Pflicht empfand, nicht zu vergessen, daß ich selbst der Welt der Arbeiter angehöre, die so mühselig um ein Stückchen Brot mehr und um etwas harte Behandlung weniger ringen." In ihrer Eigenschaft als internationale Sekretärin der sozia- Nstischen Frauen hat Genossin Zetkin Frau DongS nachstehendes Schreiben gesandt: .Werte Bürgerin DongZ 1 Der Brief, in welchem Sie gegen die Verurteilung Durands protestieren, hat ein lautes Echo in der kämpfenden Arbeiterklaffe aller Länder gefunden. Ganz besonders sind es überall die prole- tarischen Frauen, soweit sie durch den Sozialismus zum Klaffen- bewußtsein erweckt sind, welche die Gesinnung würdigen, die ihn diktiert hat. In Ihren persönlichen Gefühlen aufs tiefste getroffen, als Weib und Mutler verwundet, haben Sie sich doch in Ihrem Urteil nicht beirren lassen. Sie weisen die Gemeinschaft mit der verächtlichen Komödie der bürgerlichen Klassenjustiz zurück, die unter der äugen- blicklichen Leitung des verräterischen StreberS Briand und ent- sprechend seiner Weisung ihre volle Schärfe gegen die organisierten Arbeiter kehrt und nicht davor zuruckscheut, sich mit dem Blute eines Unschuldigen beflecken zu wollen. Etwa um den Tod eines Prole- tarierS zu sühnen? Mit Nichten, lediglich um Rache dafür zu nehmen, daß eine kleine kapitalistische Clique für die Höhe ihres Profits gezittert hat. und um ein Exempel'zu statuieren, das im Interesse der gesamten ausbeutenden Minorität die für Brot und Freiheit kämpfenden Sklaven des Kapitals schrecken soll. Der größte persönliche Schmerz hat Sie nicht einen Augenblick blind für diese Zusammenhänge, nicht blind dafür gemacht, daß der wahre Schuldige an den tragischen Ereigniffen, die sich anlaßlich des Streiks in Havre abgespielt haben, die kapitalistische Ordnung ist, die nicht bloß das Unternehmertum in erbarmungsloser Profit- lüsternheit gegen das Proletariat hetzt, sondern auch un Proletariat selbst im Ringen ums Brot nur zu oft»och die Solidarität nicht einporkeinien läßt, die alle Ausgebeuteleu miteinander verbindet, so daß der Bruder dem Bruder entgegentritt. So ist Ihnen aus der Klar- heit und Stärke Ihres Älaffenempfindens als Prolelarierin die mo- ralische Kraft erwachsen, selbstverleugnend alle persönlichen Gefühle zum Schweigen zu bringen und aus Ihrer großen Trauer heraus die Stimme edler, ungetrübter Menschlichkeit zum Protest gegen da« feierlich beschlossene Verbrechen des Justizmordes zu erheben. Sie haben damit gezeigt, welcher Abgrund des Empfindens und der Auf- fassung die Well der kämpfenden, die hehrsten menschlichen Ideale erstrebenden Proletarier und der skrupellosen, blutdürstigen Welt der ausbeutenden Kapitalisten und ihrer politischen Herrschafts- instrumente im Staate scheidet. Sie haben durch Ihr Beispiel be- kündet, welche moralische Erhebung, welches Heldentum der Mensch- lichkeit an dem Slanune des proletarischen KlasseiibewußtseinS er- blühen. Ich weiß mich in Uebereinstimmung mit den sozialistischen Frauen der 16 verschiedenen Nationalitäten, die durch daS Jnter- nationale Frauensekretariat verbunden sind, wenn ich Ihnen die auf- richtigste und wärmste Sympathie dafür ausspreche. Wir alle, die wir als Kämpferinnen gegen die knechtende Macht des Kapitals in Reih' und Glied der proletarischen Emanzipationsarmee stehen, danken Ihnen für den Beweis hoher Bürgertugend. Es ehrt die Klasse. welche heute die Vorkömpferin der Menschheitsbefreiung und Mensch- heitSerhebung ist, die Klaffe, mit der wir uns eins fühlen; er ehrt unser Geschleckt, daß wir zur bewußten Aktion für dieses gewaltige Ziel rufen. Wir grüßen in Ihnen die Bürgerin, die Fleisch vom Fleisch und Bein vom Bein der glorreichen Frauen der Kommune ist, die für die Freiheit gelitten und gekämpft haben und für sie als Heldinnen zu sterben verstanden. Wir solidarisieren unS vollständig mit Ihrem Protest und erheben Ivie Sie mit den klaffenbewußten Arbeitern aller Länder unsere Stimme dagegen, daß die kapitalistische Lilassenjustiz der dritten Republik, die mit dem Blute der Helden- haften Kommunekämpfer gekittet worden ist, die gewohnheitsmäßigen Niedermetzelungen von Streikenden und Demonstranten durch den kaltblütigen Justizmord eines Vorkämpfers der organisierten Arbeiter vervollstäildigt und übertrumpft. Es lebe die internationale Solidarität de« kämpfenden Prole« tariats l Es lebe der internationale Sozialismus! Klara Zetkin, iuternationale Sekretärin der sozialistischen Frauen. Verband der Friseurgehilfe« Deutschlands. Zwetgverew Berlin- Donnerstag, den K. d. Mts., abends S'/, Uhr, Rojenthaler Straße 11/12: Versammlung und Vortrag. Amtitcher Marktbericht der städttlchen Marktdallen-Dtrektlon über den«Aroßbandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geschäft rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft nicht lebhast genug, Preise zum Teil nachgebend. G e- s l ü g e l: Zufuhr genügend. Geschält still, Preise nachgebend� Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft schleppend. Preise wenig verändert. B u> t e r und Käse: Geschäft ruhig. Prelle unverändert. Gemüle, Odk und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Gefchäsl lebhast, Preise fast un- verändert._ «vitternngsubersiiti» vom 3. Januar 1»U. morgen« 8 Ubr. e. Bs 8 a «=f £|=«etter - 1 ?n>inemde 766 0 Hamburg j 767 ONO verltr 761 N Frantf.a M 760 NO Rünche» 1759 SRO Wien 760 N 3 bedeckt 2 halb bd. 3 bedeckt Idedeckt 4 Schnee >*« rt« äII i!» Wi 2 0 — 1 —2 —6 1 Schnee—2 Ii Ii avaranda 778 Still etersburg 774 NO Scillh 763 N lllberdee«>7720 Paris i 757 NO I I — N-bel-8 2 Schnee— 5 öbalbbd. 6 5beiter 4 2 bedeckt i I BSettervrognos«'ür Mittwoch, den 4. Januar>911. Ein wenig kälter, teilweise aufklarend, vorwiegend trübe und nebelig, bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. A>asferstandS,?iatbrtckteu der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berlin« Wetterbureau. Wasserstand Memel, TUM P r e g e l, Jnfterbmg Weichsel. Thorn Oder, RaNbor » Krassen , Frankfurt Warthe, Sckrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Bardo , Magdeburg si 4- bedeutet Wuch«,— Fall.—•) Unierveaei. LEIPZIGER STRASSE Gemüse-Konserven '/yOose J/iOo«o Kaiserschoten fein 58 pf- l05 Junge Schoten I..43, 75p, Wachsbohnen...— 38p,. Brechbohnen P?a42p?„ streifen 19, 28 pf Junge Karotten... 26, 42pf. '/< Do«® Vi Do«® Schoten u. Karotten 33, 55p,. Spinat......... 24, 38 p,. Steinpilze in eig.san 68, l25 Ries.-Bruchspargel 70, l30 Bruchspargel SS. 65. 1 20 Bruchspargel I... 60, 1 10 Bruchspargel Ä". 39, 68 p,. Elite-Stangensparg. 93, l76 StangenspargeUr.. 80, 1 60 ■/< Bote Vi Dote 35 Stangenspargel I..*...... 7 3 pf. 1 Stangenspargel II........ 68pf. I25 Stangenspargel.......... 63pf. I15 Bruchspargel mit Kopten..... 48 pf 85 Pf. 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Eintrittskarten a öl) Pf. sind in allen Zahl- abenden und Lokalen erhältlich. Der Vorstand. Berliner I�acdricdten. Die städtische Verkehrsdeputation stimmte in ihrer gestrigen Sitzung dem Vertragsentwurf zwischen der Stadtgemeinde Berlin und der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft betreffend die Anlage einer elektrischen Hoch- und Untergrundbahn vom Gesundbrunnen über das Äosenthaler Tor, Zentral-Markthalle und Oranienplatz nach dem Hermaunplatz in Rixdorf zu. Der Vertragsentwurf wird unverzüglich dem Magistrat zur Beschlutzfassung unter- breitet werden. Der Polizeipräfideilt hat der Verkehrsdeputation Mitteilung davon gemacht, datz die Gemeinde Tempelhof den Antrag gc- stellt hat, ihr den Bau einer Anschlutzbahn an die Nord- Südlinie zu ermöglichen und ersucht, an einer gemeinsanien Besprechung hierüber teilzunehnien. Die Verkehrsdepution hat beschlossen, diesem Ersuchen zu entsprechen. Schule und Gefängnis— und Mieltschin! Leber die Protest Versammlung bürgerlicher Frauen- vereine, die am Montag sich mit dem Prozeß gegen den Mieltschiner Prügelpastor Brcithaupt beschäftigte, haben wir am Dienstag kurz berichtet. Aus der Diskussion, die an die Referate sich anschloß und bis gegen 1 Uhr nachts dauerte, wollen wir nur noch zwei sehr beachtenswerte Auslassungen wiedergeben. Die Erörterung drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob d i e Prügelstrafe als Erziehungsmittel zuzulassen sei. Interessant waren da die Darlegungen des Oberinspektors Lorenz vom Gefängnis Plötzen see, der über seine an Jugendlichen gemachten Erfahrungen berichtete. Lorenz erklärte, er würde es für unter seiner Würde halten, gegen feine vierzehn- bis achtzehnjährigen Jugendlichen von seinem Prügclrecht Gebrauch zu machen. Tatsächlich habe er das auch gar nicht nötig, er komme mit ihnen ohne Prügel sehr gut aus, nicht einmal das, was man einen gelegentlichen Jagdhieb nenne, sei erforderlich, um sie in Zucht zu halten. Wir haben, erzählte er, unter unseren Jugend- lichen alles mögliche, auch Landstreicher und Diebe, sogar Räuber und Mörder, aber mit allen»erden wir in Güte fertig. Es fehlt bei uns auch nicht an solchen Jugendlichen, die in Fürsorgeerziehung >oaren und nach Verbüßung ihrer Gefängnisstrafe wieder in Für- sorgecrzichung zurückkehren müssen. Fast täglich muß ich es er- leben, daß so ein Junge zu mir sagt:„I a. w e n n i ch d i e Z e i t, die ich nun noch in Fürsorgeerziehung bleiben muß. hier zubringen dürfte!" Lorenz faßte sein Urteil über die Mängel der Fürsorgeerziehung zusamnien in das bittere Wort: Man wollte den Jungen, die gestrauchelt waren, etwas Besseres geben als das Gefängnis, und da gab man ihnen— die Fürsorgeerziehung! Das Gegenstück zu diesem Gefängnisinspektor war ein G e- meindeschullehrerDöring.der angesichts der allgemeinen Erregung über die Mieltschiner Greuel und über die Milde des Urteils gegen den Prügelpastor Breithaupt noch dm Mut fand, die Prügelstrafe zu verteidigen als ein Erziehungsmittel, das in seiner Wirkung auf das sinnliche Gefühl nicht zu entbehren sei. Der Herr entfesselte mit seinem Loblied auf die Prügel- crzichung einen Sturm der Entrüstung, und ähnliche Kundgebungen des Mißfallens unterbrachen ihn, als er sich der Pastoren annahm, denen man Breithaupts Ausschreitungen nicht anrechiren dürfe, sowie der Richter, die zu Unrecht wegen ihrer Milde angegriffen worden feien. Gemeindeschullehrer Döring hat der Lehrerschaft wirklich keine moralischen Eroberungen gemacht! Wir hätten gedacht, daß nach dem Prozeß Breithaupt gerade die Lehrer und Erzieher wie e i n Mann aufstehen würde», Um Einspruch dagegen zu erheben, daß die Richter dem Pastor Breithaupt seine gänz- liche Unkenntnis des Erziehungs Wesens als Milderungsgrund angerechnet haben, statt in ihr einen strafschärfenden Umstand zu erblicken. Dieses Urteil ist für alle, die beruflich im Erziehungswcsen tätig sind, ein Schlag ins Gesicht und muß loirken wie ein Freibrief für jede Unfähig- k e i t, die im Erziehungswcsen dreist und unbedenklich sich tummeln will. Und in solchem Augenblick muß ausgerechnet ein Lehrer kommen und in öffentlicher Versammlung der einzige sein, der Worte der Verteidigung vorbringt für die P r ü g e l e r z i e h u n g! Hier der Schullehrcr und dort der G.'fäi?gnisinspektor: die Versammlung ließ beide nicht darüber im Ztveitzj� auf wessen Seite sie in dieser Frage stand._ Ein eigenartiges Jubiläum bringt uns das Jahr 19! 1. Es sind nämlich jetzt gerade 200 Jahre verstrichen, seitdem in Berlin der erste Schauspieler ein ehrliches Begräbnis auf einem christlichen Friedhof ge- fundcn hat. Vorher gehörten die Schauspieler, Seil- und Leinentänzer, Komödianten, Riemenstecher usw. zu den un ehrlichen Leuten, gegen die zahlreiche besondere Verordnungen und Reskripte ergangen sind. Unter anderem wurde mehr mals den Bürgern und Kauflenten eingeschärft,„denen Schau spielern" nichts zu borgen, da Klagen auf Zahlung der Schuld betrüge gegen Schauspieler von keinem Gericht angenommen werden durften, die Gläubiger also das Nachsehen hatten. Ganz allgemein betrachtete man die Schauspieler, zu denen man alles zählte, was öffentlich Vorstellungen irgend einer Art gab. als fahrende Leute und stellte sie auf eine Stufe mit Zigeunern und Spitzbuben. Es entsprach also lediglich der Auffassung der Zeit, daß man ihnen auch die letzten Ehren. die dem Menschen zukommen können, versagte und ihrem Leichnam nur dort ein Plätzchen gestattet, wo Selbstmörder und Hingerichtete beerdigt wurden. Aber im Jahre 1711 setzte Berlin es durch, daß der Schauspieler Jakob Scheller auf dem damals noch die Nikolaikirche umgebenden Kirchhof der Gemeinde beigesetzt wurde. Die Geistlichkeit erhob zwar Einspruch, aber der gesamte Rat von Berlin intervenierte, so datz Scheller wirklich ein„ehrliches" Begräbnis erhielt, aller- dings auch nur am äußersten Rande des Kirchhofes, aber immerhin in geweihter Erde. Nur zwei Jahrhunderte trennen uns von dieser erstmaligen Durchbrechung eines alten Vor- l Urteils. Im übrigen bestand noch das gmaze 18. Jahrhundert * hindurch die Mißachtung der Komödianten fort, denn noch ! 1784 wurde das obenerwähnte Edikt wegen des Borgens an Schauspieler für Berlin wiederholt. Die Einnahme der städtischen Straßenbahnen im Dezember 1310 betrupen 144 322,03 M. gegen 81 136 M. im Dezember 1909, d. i. eine Tageseinnahme von 4655,55 M. gegen 2618,83 M. im De- zember 1909. Es wurden insgesamt 1 597 277 Personen gegen 863 411 Personen im Vorjahre defördert. Die Anzahl der im Dezember gefahrenen Wagenkilometer sMotorwagen und Anhänge- wagen) ist von 146 563 des Vorjahres aus 263179 gestiegen. Berliner Ashl-Bcrei» für Obdachlose. Im Monat Dezember näckitigten im Männerasyl 15 407 Personen, wovon 7922 badeten, im Frauenasyl 4589'Persoiiei!. wovon 1579 badeten. Arbeitsnachweis wird erbeten: für Männer: Wiesenstr. 56/59, für Frauen: K'olberger Straße 30. Wissenschaftliche Ballonfahrten. Am Donns'stag. den 5. Januar, finden in den Morgenstunden internationale iviffenschaftliche Ballon- aufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannve oder unbeinamite Ballons in den meisten Hauptstädten Europas' auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gennäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die anjzegebene Adresse so- fort telegraphisch Nachricht sendet. Im Irrsinn aus dem Fenster gesprungen. Ein aufregender Vorgang hat sich gestern nachmittag in der Bnlowstraße abgespielt. Die 50jährige Rentiere Ida Lux, Bülowstr. 93. hatte seit Jahren mit einem heftigen Nervenleiden zu kämpfen und sie war auch bereits einmal in einer Anstalt gewesen. Gestern morgen lief sie plötzlich von daheim fort und irrte in den Straßen umher. Nach- mittags kehrte sie wieder heim und nun sollte die Krankheit mit voller Stärke bei ihr zum Ausbruch kommen. In ihrem Zustand stürzte sich die Bedauernswerte aus dem dritten Stockwerk aus dem Fenster hinaus. Mit schweren inneren Verletzungen wurde die Lebensmüde nach der Charits gebracht. An dem Aufkomme« der Schwerverletzten wird gezweifelt. Ein schwerer Straßcnbahnuusall ereignete sich am gestrigen Dienstagnachmittag in der Neuen König-, Ecke Alexanderstraße. Als der 40jährige Kaufmann Friedrich Meyer. Lippohner Str. 12 wohnhaft, den Motorwagen 2831 der Linie 74 sRichtung Alexanderplatz) verließ, wurde er von einem schleudernden Omnibus der Allgemeinen Berliner Omnibus-Akliengesellschaft erfaßt und gegen den Motor- wagen gedrückt. Mit Hilfe mehrerer Passanten wurde der Unglück- liche, dem der Brustkasten völlig eingedrückt Isar, in bewußtlosem Zustande nach dem Krankenhaus am Friedrichshmn gebracht, wo er hoffnungslos darniederliegt. Durch einen raffinierten Kautionsschwindler sind zahlreiche Per- sonen empfindlich geschädigt worden. Von dem angeblichen Hypo- thekenvermütler Emil Zetsche aus der Kirchstr. 1/0 in'Charlottcnburg wurden durch Berliner Stellennachweise kaufrnäninsche Angestellte, Rechercheure, Materialienverwalter usw. gesucht. Es meldeten sich zahlreiche Personen, von denen Z. Kantionen irr Höhe von 300 bis 600 M. einforderte und zum größten Teil auch erhielt, wogegen er 5 Prozent Zinsen und Sicherstellung des Geldes zusagte. Nach Weihnachten verlangten verschiedene der von Z. Engagierten die Rückzahlung ihrer Kaution, wurden jedoch von letzterem immer vertröstet. Am 28. Dezember ist Z. plötzlich verreist, und nun wurde von mehreren der sich geschädigt Fühlenden Strafanzeige erstattet. Gestern wurde Zetsche in Oelsnitz im Vogtlande ermittelt, wo er sich durch große Geldausgaben verdächtig gemacht hatte. Die Unter- suchung gegen ihn ist eingeleitet. Warenhausmardrr treiben in den letzten Wochen in verstärktem Matze ihr Unwesen. Die Langfinger treten mit Vorliebe in den großen Kaushäusern in der Leipziger Straße und am Alexanderplatz auf. Ihr besonderes Augenmerl haben die Täter auf wertvollere Gegenstände gerichtet. Mit großer Geschicklichkeit verstehen es die dreisten Burschen, Waren, die zum Verkauf ausgelegt sind, an sich zu bringen. So glückte es kürzlich einein Dieb, aus einem Glas- schrank eines Warenhauses ein sehr wertvolles Brillantensckimnckstück zu rauben. In demselben Kanshaus wurde eine Zobelboa im Werte von 700 M. entwendet. Bei weiteren ähnlichan Diebstählen erbeuteten die Täter wertvolle Kleidungsstücke, Stoffe und Schmuck- gegenstände. Einer„zaudernden" Zigeunerin sind um Nenjahrstage zahlreiche Frauen und Mädchen zum Opfer gefallen. Im Westen Berlins und in den westlichen Vororten erschien am 1. Januar eine hübsche, etwa 20jährige Zigeunerin bei Arbeiterfrauen und Dieinstniädchen, denen sie die Karten legte. Dabei erklärte die Wahrsagerin, daß die von ihr geweissagten schönen Ziikunftsbilder aber mir dann Wirklichkeit werden würden, wenn ihr die Betreffende die drei werlvollsten Gegenstände ihres Eigentums ans einen Tag überlasse, damit sie dieselben zu Hause„bezaubern" könne. So plump dieser Schwindel nun auch ist, so sind selbstverständlich wieder mehrere von denen, die nicht alle werden, daraus hinein- gefallen. So vertraute ein Dienstmädchen aus dar Motzstraße der Schwindlerin eine goldene Damenuhr, eine seideme Bluse und ein Portemonnaie mit über 20 M Inhalt an, währen!) mehrere andere Frauen und Mädchen der Zigeunerin Broichen, Ninge, Armbänder und ähnliche Schmucksache» übergaben, die sie natürlich niemals wiedersahen. Die Betrügerin ist mittelgroß, war in die übliche bunte Zigeunertracht gekleidet und trug ein rotwollenes Kopftuch. Wegen Erpressung sind wieder zwei VerhaftunUcn erfolgt. Ein PensiSnatsinhaver in der Kochstraß:, ein ctlvaö ängstlicher Mann, erhielt vor einiger Zeit einen Brief, dessen Schweiber ihn ans- forderte, einen schwarzen Herrn, mit deni er in einem Zimmer links im Pensionat zusammen gewesen sei, zu ginet bestimmten Stunde nach einem bezeichneten Ort zu bestellen,»eil er. der Brief- schreiber, ihn dringend sprechen müsse. Er ließ den Brief un° beachtet und erhielt nach einigen Tagen einen zweiten. Jetzt ver- langte der Schreiber, daß er ihm, weil er dem scbwarzcn Herrn keine Mitteilung gemacht habe, unter dem Zeichen L. M. eine bestimmte Summe in Geldscheinen oder anderen Werten nach einem angegebenen Postamt schicke. Er selbst möge sich schablos halten, indin er den Betrag von dem schwarzen Herrn und seinen anderen Pensionatsgästen wieder einsammle. Sende er kein Geld, so werde die Sittenpolizei veranlaßt werden, sich in seinem Pensionat einmal umzusehen, und wenn das seine Existenz gefährde, so Hab: er es sich selbst zuzuschreiben. Der geängftigte Mann übergab beide Briefe der Kriminalpolizei, die sehr bald den 18 Jahre alten Gürtler Fdanz L. als den Erpresser ermittelte und festnah, n. L. legte ein Geständnis ab und wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Er mar früher bei dem Pensionatsinhaber beschäftigt gewesen, kannte dessen große Ämgstlichkeit und war dadurch ans den Gedanken gekommen, Erprcsserbriese zu schreiben, weil er gaglaubt hatte, so leicht zu Geld zu lommen. Alle Beschuldigungen, die die Briefe enthielten, hatte er nach eigenem Geständnis aus ben Fingern ge- sogen.— Der zweite Erpresser ist ein Zimmervervneter Karl K., bei dem ein Student wohnte. Dieser erhielt von eüaein Onkel, der ihm regelmäßig einen beträchtlichen �RonatswechsÄ sandte, einige Briefe mit guten Ratschlägen. Der Student ließ däe Schreiben in seinem Zimmer herumliegen. Dort fand sie K., las sie und glaubte aus ihrem Inhalt Kapital schlagen zu können. Er witterte hinter den Ratschlägen unsaubere Geschichten, verlangte von dem Onkel brieflich eine bestimmte Summe und drohte für den Fall, daß er sich weigern sollte, sie zu senden, mit der Veröffentlichung von Briefen in gewissen Zeitungen. Der Onkel wußte, erst nicht, was. er dazu sagen sollte, ging dann aber mit seinem Neffen zur Kriminalpolizei. Auch hier führte der richtige Weg bald zum Ziele. Schriftverglcichungen wiesen auf den Zcmmervermieter als den Er» p vesser hin. Man sandte einen Brief an den Bestimmungsort und bald erschien eine Tochter K.'s, um ihn abzuholen. Kriminalbeamte »Igten dem Mädchen und nahmen K. fest, als er ihm den Brief ab- nehmen wollte. Zwei größere Einbrüche haben in der Nacht zum Dienstag im Roseiuhaler Viertel stattgefunden. In dem Möbelkaufhaus von L. Dessin, Roientbaler Str. 39, drangen Diebe durch den Hintere» Aufgang in die Kontarräume der Firma ein, knackten einen kleineren Geldschrank kunstgerecht auf und entwendeten aus ihm 3400 M. in barenr Geldc. Von den Tätern fehlt bisher noch jede Spur, doch nimmt die Kriinwalpolizei an, daß es sich um eine größere Diebes- bände handelt, die in der vorigen Woche sechs Einbrüche in der dortigen Gegend ausgeführt hat.— Anscheinend van derselben Ein- brechergesellschaft wurde ein Diebstahl in der Pelzhandlung von König in der Alten Schönhauser Straße verübt, wo die Diebe die Schaufensterscheibe eindrückten und aus den Auslagen für mehrere hundert Mark Pelze entwendeten. Familientragödie. Eine aufregende Szene spielte sich gestern abend in dem Lokal von Hinze, Schöningstraße 8, im Norden Berlins, ab. Nach einem zwischen dem Ehepaar Hinze stattgefun. denen Wortwechsel zog H., ein 35jähriger Mann, den Revolver und feuerte ureyrere Schüsse auf seine Ehefrau ab, die nach einem bin« teren Zimmer flüchtete. Die Kugeln durchbohrten die Tür und drangen der Frau in die linke Brustseite und in den linken Arm. Auf die Hilferufe der Schwerverletzten eilten Hausbewohner hinzu ,die den Täter überwältigten und der Polizei übergaben. Die F.au«vurdc, lebensgefährlich verletzt, nach dem Virchow-Krankcn« haus transportiert. Das Lokal wurde polizeilich geschlossen. Das Apollothcater hat für den Janiiaifein Spezialitätenprogramm zusammengestellt, daß vollkommen auf der Höhe steht. Im Mittel- punlt des Abends steht Otto Reutter, der vor zehn Jahren das letztcmal diese Bühne betrat. Reutter ist sein eigener Dichter, immer aktuell, nichts bleibt von seinem Spott verschont. Handelt es sich nun um Couplets politisch-satirischer Art oder um Verullung der Reinhard-Bühne. die er besonders in sein Herz geschlossen zu haben scheint, oder um anderen Stoff, den er der Bearbeitung für würdig hält. Durch die friedlich« gemütliche Art seines Vortrages wird die Wirkung seiner Couplets nur erhöht. Aus dem Lachen kommt man nicht heraus. Immer wieder ruft den witzigen Humoristen der Beifall auf die Bühne und immer neue Schlager fügt er zu dem schon vorgetragenen halben Dutzend. Auch die übrige» Kräfte können sich sehen lassen. Einen prächtigen Dressurakt mit seinem Wunderhund liefert Alf. L o y a l d. Gutes leistet das Musikalquartett Jackson und Else Törick auf dem Gebiete des Tanzes. Selbstverfaßte Dichtungen trägt Hermann Klink var. Die Art, wie Klink vorlrägt, verrät Talent; durch sein Feuer reißt er das Publikum mit sich fort. Alles in allein ist das diesmalige Programm äußerst abwechselungsreich. Im Gebrüder Herrufcld-Theater erlebt heule die unverwüstliche Herrnfeldkomödie„Eine verlorene Nacht" das Jubiläum der 109. Aufführung. Vorher findet die Premiere von Marcell R o n v i e r s Einakter„Er. Sic und Er" statt. Die Vor- stellung beginnt um 8 Uhr. Vorort- j�acb richten. Tchimederg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Bei der Neubesttzung des Vorstandes wurde als erster Voisteber Graf v. Matuschka mit 50 Stimme», unser Genosse M o l k e n b u h r als stellvertretender Vorsteher mit 41 Stimmeil gewählt. Als Beisitzer wurden Brun» Hub er, E. Meyer(Lib. Fr.f, R e i m e r(Lib. Vg.) und Co» l o s s e r sUnabh. Fr.), zu Schriftsührern Beamter Röhn und Stadtv. Dr. Engel(Lib. Fr.) gewählt. Sitzungstag bleibt der Montag; der Beginn der Sitzungen ist auf 6 Uhr festgelegt. In den Wahl- ausschuß wurden die Genossen H o s f in a n n und O b st delegiert. Das Diensteinkominen des neuzuwählcnden Oberbürgermeisters auf jährlich 20 000 M., steigend zweimal nach je drei Jahren um je 2000 M. bis zu 24 000 M. ist vom Bezirksausschuß genehmigt worden. Hierauf stimmte die Versanniilung dem»m der Eisenbahndirektion Berlin erforderlichen Geländeaustausch zur Regulie- rung der verlängerien Feurigstraße zu und bewilligte die erforderlichen Mittel in Höhe von 4000 Mark. Das von den Millioneilbauer» beim Oberverwaliungsgericht gegen die Stadt Schöncberg erstntteiie obsiegende Urteil, wonach, wie wir bereits mitteillen, den Millionäre» Mette und Genossen zirka 8/i Millionen Mark eingezogener Wertziiwachssteuer wieder zurück- gezahlt werden müssen, ichien bei dem Stadtv. Schneider eine gewisse Schadenfreude ausgelöst zu haben. Der Herr meinte, insgesamt würde wohl die Stadt 2 Millionen Mark zurückzahlen müssen. Im übrigen werde er in der kurzen Zeit, in der er noch die Ehre habe, dem Parlament anzugehören, stets gegen derartige Stenern stiminen, die zum Teil die Hausbesitzer»ud niemals die Mieler belaste»— Jhin entgegnete Kämmerer M a ch o w i c z.— L e s s i g(llnabh. Vereinig.) meinte, daß auch er nicht für die Steuer gestimmt hätte, da er der Ansicht sei, man sollte keine Steuern auf Vorrat be- willigen.— Zobel(Lib. Fr.) betonte, daß es nur die Schuld der Schneider und Genossen war, wen» die Ordnung nicht schon flüher beschlossen wurde, da sie stets dagegen waren.— Genosse K ü t e r keiinzeichnete den Standpunkt der Unabhängigen Fraktion, die keine Abänderungsvorschläge gemacht, sondern ebenfalls dafür gestimmt habe imd jetzt den Unschuldigen markieren wolle. Es sei wohl erforderlich gewesen, an neue Steuern zu denke», da damals bereits auf die Zuichüsse au die Ulitergrimdbahn Hingelviesen wurde. Diese Steuer dürfte nicht, wie Herr Schneider will, die Mieter, sondern diejenigen treffen, denen der Gewinn mühelos in den Schoß fällt und das sind zum nicht geringen Teil die Millionen- bauern.— Stadtrat V e r g in a n n meinte, in der Kommission habe nur ein Wahrsager gefehlt, denn eS seien eben zuviel Juristen drin gewesen. Auch ist es nichts Neues, daß das Oberverwaltnngsgericht eine Entscheidung aufhebt, die cS früher bestätigt habe.—' Damit wurde die Borlage dem Elatsausschuß überwiesen. Der Magistrat ersucht um Einsetzung einer gemischten Deputation, da zu erwarten steht, daß die Staatsregierung eine Gesetzesvorlage, betreffend die Errichtung eines Zweckverbandes Groß« Berlin für die Regelung der Verkehrsfragen, die Banfluchlen- festsetzung und die Schaffung von Freifläche», Wäldern. Spielplätzen einbringt.— Lohausen(wild) häll es für gefährlich, jetzt schon eine derartige Deputation einzusetzen. Die Vorlage an den Landtag. die noch niemand kennt, müsse abgewartet werden. Bürgermeister Blankenstein meinte, ein Mißtrauen gegen die Stadtverordneten liege nicht vor, die Deputation solle allerdings vorarbeiten. Eingaben an den Landtag könnten nicht von einem großen, sondern von einem kleinen Kreise bearbeitet werden.— Genosse Molke nbuhr konnte die Bedenken gegen Einsetzung einer Deputation nicht teilen, da ja sonst solche Bedenken bei Ein- setzung aller Deputationen zutreffen würden. Die Deputation bat auch noch andere Aufgaben zu erfüllen. Die llie�ierung habe scheinbar Stecht, denn eine Gemeinde arbeite gegen die andere. Richtiger wäre es, wen» die Gründung eines freiwilligen Zweckverbaudes schleunigst in die Wege geleitet würde, um der Regierung vor- zugreifen.— Genosse Küter ist der Meinung, daß der Magistrat ein lebhaftes Interesse für diese Deputation, die ihm den Rücken stärken und gleichzeitig entlasten soll, habe. Die vertraulichen Be- sprechungen in Groß-Berlin zeigten, daß Schöneberg sehr schwach beteiligt sei. Bor Jahren sei versucht worden, einen Zweck- derkand in die Wege zu leiten. als es sich um die„Große Berliner' handelte. Das damalige Statut hätte jedoch, wenn es Gesetz geworden wäre. Berlin gegen die Vororte eine Uebennacht gegeben. In, übrigen erforderten die Fragen deZ Schnellbahnverkehrs, der Schul- und Armenlasten ein gemeinsames Zusammenarbeilen aller Vororte mit Berlin, so daß eine geniischw Deputation wohl notwendig sei.— Nachdem noch einige Redner sich geäußert, wurden die Genossen K ü t e r und Molke nbuhr mit in die Deputation gewählt.— Alsdann wurde Kenntnis davon gegeben daß der Magistrat den von der Stadlverordnelenversammlung be- schlossenen Aenderungen der Ordnung über die Förderung der Ver- sicherung gegen Arbeitslosigkeit zngestimml hat. Dem Stadtrat Ihndikn Bergmann ist das Dezernat des Arbeitsnachweises und der Ord- nung sowie die Vorarbeiten übertragen. Die Liberale Fraktion halte folgende Interpellation eingebracht: „Sind dem Magistrat die näheren Umstände bekannt, die de» Selbst- mord eines Knaben des Werner-Siemens-GymnasiumS herbeigeführt haben 1" Im Gegensatz zu sozialdemokralische» Jnterpellaiionen wurde diese sofort beantwortet.— Bürgermeister B l a» k e n st e i n versicherte, daß die Vorgänge in der Schule nicht im Ansarnmenhang mit der Angelegenbeit ständen, amb sei kein Klassenlehrer bei den Eltern gewesen. Ein früherer Lehrer sei von dem Vater gebeten worden, auf den Sohn etwas zu achten. Der Lehrer sei dein nach gekommen und glaubte, daß eS für die Eltern sowie den Knaben besier wäre, wenn derselbe in einem Pensionat untergebracht würde. Während der Lehrer mit de», Vater im Beiiein des Knaben hierüber gesprochen, habe der Knabe plötzlich die Tat begangen. Bereits früher habe der Knabe Selbstmordgedanken geäußert. Gotlichatk sliberal) gab seiner Genugtuung darüber Ausdrück, daß die Schule keine Schuld trifft. Damit war die öffeniliche Sitzung geschlossen An, Anfang der Sitzung führte sich der Borsteher Dr. Graf v. Matuschka mit den üblichen Hochs in sein Amt ein: die Sozial demokraten verließen natürlich während dieser Zeit den Saal. Rixdorf. Ei»«nerwartct reicher Familienzuwachs wurde dieser Tage den Paetbschen Eheleuten, Thomasstr. 27 wohnhaft, beschiede». Den bereits vier lebenden Kindern im Alter von 3— lv Jahren gesellten sich plötzlich Drillinge hinzu, so daß die vorher ans b Personen bestehende Familie nunmehr auf ö angewachsen ist. Leider trifft das bekannte Sprichwort:«Viel Kinder, viel Segen" hier nicht z», denn da das Familienhaupt bereits seit tätigerer Zeit arbeitslos ist, ist durch diesen starken Fainilieiizuwachs die größte Not in die Familie eingekehrt. Sechs jugendliche Einbrecher im Atter von 9 bis 14 Jahren wurden vorgestern dingfest gemacht. Die Bürschchen schwänzten meistens die Schule und benutzten jede Gelegenheit zu Einbrüchen, um alsdann das Gestohlene an einen Allhändler zu verschachern, Vorgestern wurdeir die Knaben gerade von einer Frau überrascht. als sie deren Lnnbe erbrachen und eine dort vorgefundene Harmonika entwendet hatten. Auf Veranlassung der Frau wurden die Jungen nach dem Polizeipräsidium gebracht, wo sie 20 Einbrüche einräumten. Die Knaben, denen es sicher zu Hause an der nötigen Aussicht fehlte, weil vielleicht Paler und Mutter gemeinsam dein Brolerwerb nachgehen müssen, werden jedeufalis jetzt der Fürsorge überwiesen werden. Daß dort in den Knaben der Trieb zum Guten geweckt wird, ist»ach den Erfahruiigen, die wir un Fürsorgesystem haben, leider nicht anzunehmen. Nahrungssorgen sollten, wie gemeldet wurde, da? Motiv sein, daS den 65 Johre alten Kriegsvelerane» Ludwig Degner, Nogat- straßc 4t, zu der Absicht führten, sich zu vergisten. Wie uns von Angehörigen des jetzt im Krankenhause befindlichen Degner niit« geteilt wird, ist D. zwar schon längere Zeit arbeils-, jedoch nicht völlig»nttelkoS. Es steht auch nicht fest, ob D. die Absicht gehabt hat, sich zu vergifte», oder ob er durch Unachtsamkeit beim Oeffnen des GaShahns das Opfer eines Unglücksfalles geworden ist. Durch einen Sturz von der Treppe tödlich verunglückt ist ein ungefähr zwei Jahre aller Knabe Hermann H. aus der Steinmetz- straße. Die Mutter des Kleinen begab sich am Freitag voriger Woche von ihrer im Erdgeschoß belegenen Wohnung nach dem Keller, um die Blumen, die sie dort überwintert, zu gießen. Der sehr lebha sie Junge blieb ans dem Hofe zurück, niachte sich»nbemerkt an der Kellerlür zu schaffen und fiel plötzlich die 12 Stufen zählende Treppe hinunter. Ohne jede äußere Verletzung davollgekomme», schien er gar keinen Schaden genomnien zu haben. An, nächsten Morgen aber bekam er Fieber, das sehr rasch stieg. Jetzt holte man einen Arzt. Als dieser aber kam.>var der Kleine schon tot. Nach den, Gutachten des Arztes hatte er sich, ohne daß eS äußerlich zu sehen war, einen Schädelbruch zugezogen. Die Leiche imirde zur Feststellung der Todesursache gestern beschlagnahmt, nachdem der behandelnde Arzt dem Kreisarzt von dem Unfall Mitteilung gemacht halte. Steglitz. Vom 1. Jainuir dieses Jahres ab übernimmt die Bank des Berliner ÄasienvereinS für Rechnung der Steuerkasse Steglitz die Einziehung von Steuern und Schulgeld für alle die ZahlungS- Pflichtigen, welche 1. bei einem mit der Bank des Berliner Kassen- Vereins in Geschästsverkehr stehenden Bankhause ein Konto haben und 2. einen entsprechenden Antrag bei der Steuerkasie stellen. Die Ouiltungeit der Sieuerkasse werden den Zahlern von der Bank, bei welcher daS Konto besteht, zugestellt. Damit die Zahlung bezw. Verrechnung bei der Steuerkasse am Fälligkeitstage erfolgt ist, ge- schieht die Einziehung der Beträge schon einige Tage vor dem Fälligkeitstermin. Neuenhagen(Ostbahn). Die letzte Gemcindevertretersitzung nahm zunächst den Bericht des Genossen Köseling über die Ansicdelungsgebühr entgegen. Die Vertretung konnte sich zur Aufhebung des Gemeinde- beschlusses. auf Grund dessen die Gebühren erhoben werde», nicht verstehen, weil nach Ausspruch des Gemeindevorstehers ein all- gemeines Bauverbot von oben herab eintreten würde. Die Rechts- läge ist folgende: Für alle Grundstücke in Parzellierungsterrains, mit deren Besitzer die Gemeinde einen privatrechtlichen Vertrag zur Erhebung der Ansiedelungsgebühr abgeschlossen hat, ist die- selbe zu zahlen; dagegen ist in den Ortsteilen. wo ein Bebauungs- plan schon besteht, der Gemeindcbeschluß zur Erhebung dieser Ab- gabeit unter dem Namen Ansiedelungsgebühr im Klagetvcge an- fechtbar. Um aber eine Verzögerung des Baues nicht eintreten zu lassen, ist zu empfehlen, unter Vorbehalt zu zahlen und dann »ie Klage anzustrengen. Nach der eventuellen Aufhebung des bc- treffenden Gemeindebeschlusses würden also in cincni OrtSteil diese Gebühren zu zahlen sein und im anderen nicht. Herr Bürger erachtete diesen Zustand als eine Ungerechtigkeit; er er- innerte sich aber nicht, daß diese schon vorl)anden war, denn Bauten an sogenannten historischen Straßen(die schon vor Inkrafttreten des Baufluchtliniengcsetzes bestanden) werden nur vom Amts- vorsteher genehmigt; mithin kann die Gemeinde keine Be- dingungen dabei stellen. Auch den Vorwurf der Lässigkeit machte Herr Bürger der Kommission; er übersah aber hierbei, daß die Aufstellung einer Steuerordnung zur Erhebung dieser Ansiedelungsgebühr dieselbe zu einer öffentlich-rechtlichen Gebühr im Sinne des Komlnunalabgabengesctzes stempeln würde und erst von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden müßte. Um- sonst war der Hinweis unseres Vertreters, daß diese Gebühren in Form von erhöhten Mieten auf die Minderbemittelten ab- gewälzt werden; es bleibt bei der Erhebung von 20 Pf. pro Quadratmeter.— Die Grunderwerbskosten jjur Verbreiterung der Lindenstraße in Höhe von zirka SSM M. tragt zur Hälfte die Ge» meinde und zur anderen Hälfte die Bau- und Ansiedelungsgesell- schaft. deren Antrag: die Herstellungsfrist zur Anlegung eine? Schmuckplatzes an den Hellpfühlen um ein Jahr zu verlangern, einstimmig abgelehnt wurde. Endlich erhält auch der OrtSteil am Bahnhof Neuenhagen einen Platz mit Parkanlage; dieser ist vom Landwirt A. Wolter für 2500 M. erworben worden und wird degrenzt von der Bahnhof- und Ackerstraße.— Mit der Errichtung eines LejpraumeS f|r die Volksbibliothek erklärte sich die Ver- tretung«n Prinzip einverstanden.— Ungebührliches Benehmen der FortAldungSschüler gab den Anlaß zum Erlaß eines Nachtrages zum Ortsstatut betreffend die gewerbliche Pflichtfvrtbildungs- schule. Bernau. Die Stadtvcror'tnctenversammlung stimmte mit zehn gegen zehn Stinimen der MagijiralSvorlage zu. wonach dein Slaviverordiieten und stellvertrelenden Vorsteher Scbmeichel die Liesening von Ver- baiidsinatenal für tUS städtische Krankenhaus bis 1. April 1912 als Mindcstforderuden Lberirage» wurde. Unsere Genossen betonten, daß sie auf keinen Fall dafür zu haben leien, daß einem Stadl- verordnete» und noch dazu einem Kommissionsmitgliede Lieferungen für die Stadt überiragen werden. Ein weilerer Antrag unserer Genossen, den MacHistral zu ersuchen, eine baldige Borlage zlvecks Pflasterimg des Lostmühlenweges der Versannnlung zu unterbreiteil, wnrde vom Genosse* Werner begründet und einstimmig angeiioinnien. Für die Einrichuing einer Voltsbibliothek wurden 200 M. gefordert und bewilligt. Gexosie Klüger verlangte, daß ninn eö nicht in das Ermessen des Landrals stellen soll, welche Bücher in dieser Bibliothek geführt werden, sovdein daß auch die Stadt darüber zu entscheiden habe.� Es wurde denn auch zur VoranSsetznng gemacht, daß der Magistrat bei Beslhaffung von Büchern ein enischeideudes Wort mit- zusprechen habe._ Gerichts-Zeitung. Militärische Tagegelder. DaS Reichsgerlicht verwarf gestern die von unserem verankwort- lichen Redakteur, Genossen Barth, gegen daS Urlefl des hiesigen Landgerichts eingehegte Revision, das wegen vermeintlicher Beleidi g»ng des Generals von Below eine Gefängnisstrafe von einem Monat ausgesprochen hatte. Die Beleidigung wurde bekanntlich in der Kritik unrichtiger Berechnung von TageSgeldern gesunde». Das Atericht glaubte auS der Kritik entnehmen zu lönne», dem General sei der Vorwurf gemacht, er habe die Un- richtigkeit seiner Liquidation gekannt. Die Revision scheitert« data», daß dies: Annahme de» Gerichts zwar auf tatsächlichem Irrtum beruht. daS Reichsgericht aber nur den Verstoß gegen Recht« normen Mach dem Gesetz beachten darf und leider der Anficht ist, die f«lsche Auslegung eines Zeitungsartikels verstoße gegen keine Rechtsnorm._ DaS verräterische Paket. Vor der Strafkammer II des Landgerichts Hamburg hatten sich am Montag der Kaufmann Ottomar Knothe und der Chemiker Walter Knothe. zwei Brüder, Söhne eines Gymnasial Professors in Görtlitz. wegen Ausforderung zu einem Verbrechen <§ 40a de« StrasNesetzbucheS) zu verantworten. Vor einiger Zeit hatte sich ein Brud>er der Angeklagten, der S e e ka d e t t K a r l K. aus Furcht vor SUrafe eine Kugel in den Kopf gejagt, aber das Projektil hatte dam jungen Menschen nicht den gewünschten Tod gebracht. In schlrterverletzlem Zustande wurde er dem Wilhelms� vavcner Lazarett Migefllhrt, wo die Kugel, die den Sehnerv zerstört hatte, entfernt Wurde. Otlomar K. stattete seinem erblindete» Bruder im Lazarett einen Besuch ab, wo er ihm zugeredet haben soll, daß eS für die Familie am besten wäre, wenn er ein sicheres Mittel einnehme. Ottomar K. schrieb an den Mit angeklagten, der bei Berlin als Chemiker tätig ist, er möchte Zyankali nebst GebranchSa.weii'ung schicken. Nach anfänglichem Sträuben sandte letzterer ehr Paket mit dem schnell wirkenden Gift. DaS Paket ging aber in Hamburg anf der Post auseinander. Dadurch gelangte die Angekegenheit zur Anzeige. Die Angeklagten er- klärten zwar, der Bruder habe sich Zyankali gewümcht, um fein ver- fehltes Leben sichar beenden zu können. Aber durch die Beweis aufnähme gelangte das Gericht zu einer gegenteiligen Auffasiung. Die Angeklagten wie l»eren unglücklicher Bruder werden als Produkte einer verkehrten Erziehn»g bezeichnet, wie auch ein Sachverständiger erster« als geistig minderwertig hinstellt. AuS diesem Grunde erkennt das Ge richt.nur" out j n fünf Monate Gefängnis, indem eS ebenfalls eine Straftat aus§ 40a deS Strafgesetzbuches als vor- liegend erachtet. Der Verteidiger Dr. Heckscher memte, eS hätte nur eine Bestrafung wegen Uebertretung ans§ 867 Ziffer 8 erfolge» dürfen, denn es handle sich nur um Verabreichung von Gift ohne polizeiliche Erlaultnis. In der Tal dürfte der Begriff eines Versuchs vom Gericht recht weit gefaßt zu sein. Wege» versuchter Erpressung uud Beleidigung ist am 4. Juli v. I. vom Landgericht Stuttgart der Arzt Dr. med. Karl Z) t t e r b a ch zu 8 Tagen Gefängnis und 20 M. Geldstrafe verurteilt worden. Als er der Baugewerksgenossenschast eine Rechnung ülter 38 M. eingesandt hatte, kürzte diese sie ihm auf M.. weil 3 Vi. schon bezahlt seien und der Rest verjährt sei. Ter Angeklagte erwiderte, er erkenne nur den bezahlten Bewag an, müsse aber den Liest verlangen, da er sonst die Angelegenheit im ärztlichen Verein zur Sprache bringen und Sperrung der Gutachten beantragen werdte. Nach den Feststellmigen des Gerichts war die Fordermig des Angeklagten Ende 1907 verjährt. Die Genossen- ttbast hat. führt das Laiidgericht aus. von ihrem Rechts Gebrauch gempcht und dies dem Angellagten mitgeteilt. Dieser wußte. daß er einen begründeten Rechtsanspruch nicht hotte. Mit den Gutachten sind die Nachgutachten gemeint, die die Genossenschaft zur Feststellung der Höhe der Ansprüche braucht. Nachdem der Angeklagte seinen Autrag im ärztliche» Verein gestellt hatte, war diese Sache erledigt. Später beschloß die Genossenschaft. da» Honorar ftr Nachgntachten, da« früher 10 Mark betrug, auf 6 Mark herabzusetzen. Als dem Angeklagte» daher seine Rechnung ebenfalls gekürzt wurde, schrieb er an den Vorstand der Genossen- schaft, einer ansiändigen Genossenschaft würde er die Ermäßigung wohl gewähren, aber nicht einer, die sich auf Verjährung berufen habe. Durch dan Vorwurf der Unanständigkeit fühlte sich der Vor- stand beleidigt.— Die Revision deS Angeklagten wurde am Montag vom Rtzichsgericht verworfen. llngültlge'Pvlizeivervrdnung. Die Bromberger Polizeiverordnung über den Milchhandel schreibt für die in den Handel kommende Milch die Bezeichnungen.Bollmich' und.Magermilch" vor. die an den entsprechen den Gefäßen angebracht sein müssen. Die Verordnung sagt ineiler: Aollmilch ist solche Milch, die nach ihrer Gewinnung in keiner Weise entrahmt ist und mindestens 2,7 Prozent Fettgehall hat. In einem Strafverfahren wider den Milchhändler Scheerbaih erkannte das K a m in e r g e r i ch t als RevisionSinstanz aus Frei- s p r e ch u n g. Es erklärte die Verordnung für u n g ü l l i g. Nach ihrem Wortlaut lasse die Verordnung nur den Verkauf von Boll- mich und M-vgermilch zu und verlange von Vollmilch, daß sie nicht entnahmt sei und mindestens 2,7 Prozent Fettgehalt habe, während alle entrahmte Milch Magermilch lein solle. Nun gebe«S aber auch reine, nicht entrahmte Kuhmilch, die weniger Fettgehalt als 2,7 Proz. besitze. Solche Milch würde voin Feilhalten in Brcvnberg ausgeschlossen sein, oder aber der Milchhändler müßte sie der Wahrheit zuwider als Magermilch im Sinne der Verordnung, alio als entrahmte Milch, bezeichnen. Deshalb sei die Verordnung ungültig. Sie müßte so gesaßt werden, daß auch der verschleiß reiner Kuhmilch mit weniger als 2.7 Proz. gettgehali zulässig wäre.________ Eingegangene Druchlchnften. �«rtWNNSrt—«riinpchen. von®. Solss. 104®. P. Fischer. Grundlagen. Mängel und Wirkungen der SkeichS-WertzuwachS- steiler. Von SB. Kempin. 46 S. O. Klemm, Leipzig. Pan. Nr. 6. Halbmunatslchrilt. Herausgegeben von SB. Herzog und v- Cassire» Einreihest 60 Pf. P. Cassirer. Sellin W. 10. Leideuschaste». Skizzenblich von Trußka von BaglcnZv. 8t®. Von 2. M. Baischall. Berlin. Alte Jalobslr. 1l/I2. So baut man sich eine Svechfelstrom-Tynamo-Maschine. O. Klibne. 60 Ps. R. Sattler, Leipzig. Reclams Universum. Heft 14. Jllustrierle Wochcnschrijt. 30 Pf. Ph. Reclam. Leipzig. Die Alistammuiigslehre. Von Prof. Dr. K. Lantpert. 1,— M. PH. Reclam, Leipzig. Slibeitsschule. ArbeitSPrinzip uud Arbeitsmethode. Bon R. Seidel. 2,— M. Diel Fützli, Zürich. Brieffeartcn der Rcdahtlon. Et« mrlfttfrfit Evreltisiinid» flnvei Linden kt ratze??r. 00. vorn vier Trcvvcn— i? n Ii r in, Ii I—, Wiirticiiiäfltirti Uon 4Vj vis?'/, Uhr abe,i5?> Sonnadcnd.' von 4>/i bis 0 Nhi nachmitiags ha«. Ardcr für den Brief» lasten bestimmten-itulraa- ist->u-iwibstatic und eine Uabt als fltrf' ze itv en teuitfinim. Pricilich««h'iluort wird nilbl erteilt.(filiat iitoarn rrnnr man in der Boceibfniiidc vor. E. Kl. 100. Die im vertrage bestimmte KlmdigungSfriit mutz Inne» gehalten werden.— A. L. 82. l. Die Frage lätzt sich nur dann beant« Morien, ivenn die Lobnhöhe und die Größe der Familienangehörigen, die untethaltmigsbedüiftig sind, bc.'amil ist. 2. Der UirterftutzungSivohnfitz wird nach Ablauf eines Kabres erworben.— Tb. W. IVO. 1. Nein. 2. Lätzt sich der Nachweis erbringen, io liegt eine lleberfchreitimg der Polizei» stunde nicht vor.— P. L. 34. Die Kasse kann nicht empsoblen werden.— I. R. 83. Ja.— P. B. 88K0. 1. und 2. Hat der Arzt durch Krank- heit bedingte Erwerbsiinsähiakeit begutachtet, so ist der Uiitenieomer zahlungspflichiig. 3. Nein. C. fö. 31. Mindestens 200. Nückersiattung kann innerhalb eines JabreS nach der Verebelichung verlangt werden. I» der Regel empfiehlt sich aber die Veiterversichernng.— 1000 Grunewald. 1. Gutertreiimmg. 2. Ja, weil 3. der Mietsvertrag aus den Nomen den Mannes geht. 4. Die Frau mutz, unter Glaub« bastmachung ibrcr EigcntumSansvinche. Freigabe verlangen.— R. 3. 100. Der Vater ist zablungspflichtig. Der Vormund kann klagen. — G. M. 1119. 1. Nur soweit das Eingehen eines neuen Arbttls- verhällnisses in Frage kommt. 2. Rein.— K. B. 11. Ein geniciuschast- liches Testament laun auch in der Weife rechl�wirtsam errichtet werden. datz einer der Ebcgatten es eigenhändig niederschreibt, mit Ortsd zeichnung und Datum versieht und»nterschreibt, während der andere Ehegatte durch einen ebensallS eigenhändig ge- und nnterschriebeiicu, mit LXsbkzcichnung und Datum vericheiicn Znsatz zu erkennen gibt, datz das Testament auch als da» seinige gelten soll.— Ztz- B. 111. Nein. Rcllaiincren Sie.— en I '■) Gegründet 1884 waren. Ennros— Export S. Schlesinger, Neu»< Jnlgstr, 81 (Ordonnanzbau«) Kein Caden! II. Etage. EiircelveM wie aljjäbriich zu diillgsten Freisen Felz-Slclas Muffeu Eislaufbaretts. Reparaturen saaber und billig. Sonntags geöffnet.__ 81] Kein Katalog.|a»1 H Berliner nmsr-fluBfte» Gg. Treuer W�KvtanfeoaliMio Kenner kauen mir