»». 4. BbonnemcntS'Bedlntwg«»! AlonnemenlS- Preis pränumerandai «icrlcljiihrl. 3£0 Ml, mor.aU. 1,10 Ml,. wöchentlich 28 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nuimner k Pfg. Sonntags. Einactrage» in die Poft-Zcitungs- PrciSlisic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. PostabonncmenlS nehmen an: Selgien. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, OQ» äo* OUttiDt tilg»» aoEcr montags. Vevlinev Volksblertk. Zentralorgan der rozialdemohratifchen partei Deutfchlandd. Bit fnftrtlonS'Gtbfllir- teirägt(St die sechSgespaltene Kolmetzeile oder deren Raum BO Psg,(Sc politische und gewerlschastNche PerewS» und Berlammlungs-Anzeigen SS Pfg. �Aleln» Snreigen", das erste fielt. gedrucktes Wort 20 Psg, jedes weite« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigen daS erste«ort 10 Pfg, jedes weitere«ort S Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Rümmer müssen bis 5»hrnachmittagS n>W Expedition «bgegcben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend» geöffnet, Dclegramm- Adresse: .KsilalcktmbllNt Nnlt»-. Rcdahtion: 6 Cd. 68, Lindenstrasae 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. IS8S. Donnerstag, den S. Januar 6xped!tfom SM. 68. Lindenetraeec 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Achlvorbereitungev im Tnduftrle- gediete. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Die nächsten Reichstagswahlen werden im hiesigen In- dustriebezirk wahrscheinlich eine kuriose Parteiengruppierung ergeben. Der Wähleraufmarsch soll sich wenigstens nach dem Porhaben der hinter den Wolken thronenden bürgerlichen Parteigötter so vollziehen, als ob es gar keinen schwarzblauen Block gäbe. Im hohen Rate der rheinisch-westsälischen Führer der nationalliberalen Partei und in dem Konventikel der klerikalen Parteidirigenten hat man ein nationallibe- ral-ultramo ntanes Wahlbündnis gegendie Sozialdemokraten und in einem Falle(Hagen) sogar gegen den Freisinn erwogen, wahrscheinlich auch schon provisorisch beschlossen; und nun besteht die„Kunst" darin, den verehrlichen, meist noch ahnungslosen Wählern beizubringen, daß es ihre nationale und christliche Pflicht sei, die einstweilen noch unbekannten Sammelkandidaten vor dem Durchfall zu bewahren. Es wird ein Schauspiel für Götter werden, wenn die ultramontanen und die nationalliberalen Agitatoren in holder Eintracht darangehen, die Wähler, die seit Jahrzehnten mit allem Nachdruck über die„kulturkämpserische, kirchenhassende Gesinnung der Nationalliberalen", respektive über die„Reichs- feindschaft der Römlinge" belehrt wurden, dahin aufzuklären, daß man ihnen jahrzehntelang eigentlich nur blauen Dunst vorgemacht habe, um Mandate zu fischen. Nicht minder klärend muß es wirken, wenn im alten Wahlkreise Eugen Richters die nationalliberal-antisemitsch-klerikale Sammel- trompete gegen den Freisinn geblasen wird. Wenn das nicht dem..Gesamtliberalismus" auf die Strümpfe hilft, dann ist ihm überhaupt nicht zu helfen. Zur Steuer der Wahrheit muß konstatiert werden, daß die Oberschicht der rheinisch-westfälischen„Nationalliberalen" nicht mal den sich wahrhaftig nicht selbstempfehlenden Namen nationalliberal verdient. Den Herren Schnneding, Haar- mann. Baare, Kirdorf, Hirsch. Haniel, Stinnes, Küchen usw. sind vermutlich sogar noch verschiedene Mitglieder der frei- konservativen Fraktion zu liberal. Wie glaubhaft versichert wird, wehren sich manche der Herren im vertrauten Kreise selbst gegen die Bezeichnung nationalliberal. Daß die ihnen nahestehende Presse in aufdringlichster Weise die Herren v. Heydebrand und v. Oldenburg- Januschau feiert, ist ja bekannt. Der soeben herausgekommene Jahresbericht der Essener Handelskammer verfaßt von ihrem Syndikus, Landtagsabgeordneten Hirsch, enthält ein so begeistertes Plädoyer für das enge Zusammenarbeiten der agrarischen mit den großindustriellen Hochschutzzöllnern, daß Dietrich Hahn ob dieser Leistung vor Neid erblassen muß. Es ist eine Eigentümlichkeit der rheinisch-westfälischen Parteiverhältnisse, daß die Aktionen der nationalliberalen Partei hier von Persönlichkeiten bestimmt werden, die selber nicht einmal liberal im Sinne BassermannS sind. Auf Volks- wirtschaftlichem Gebiete die fruchtbarsten Revolutionäre, stehen unsere industriellen Syndikalisten politisch den Konser- vativen am nächsten. Indessen, diese konservativen„National- liberalen" sind die G e l d g e b e r der von ihnen heillos kom- promittierten Partei, sie vornehmlich besolden ihre Sekretäre, bezahlen ihre Flugblätter und sind die splendiden Julius- turmer für alle Streber, die der Niederhalwng der freiheit- lickien Volksbewegung zu dienen Willens sind. Der Hansabund steht diesen Juliustllrmern schon viel zu weit links. Hier berührt sich diese Herrenkaste mit der heute so reaktionär wie nur möglich operierenden Zentrums- führung. Man mißverstehe uns nicht! Wir wissen recht gut, daß der Klerikalismus, grundsätzlich mindestens so reaktionär wie das ostelbische Junkertum, zweifellos unvergleich unred- sicher, außerordentlich viel gerissener ist. Seine Chamäleon- natur ermöglicht? es aber dem Klerikalismus, gerade hier im Ruhrgebiet. begünstigt von dem von den Nationalliberalen gefeierten„Kulturkampf", in einer beispiellos aggressiven Weise die breiten Massen der katholischen Kleinbürger und Arbeiter mit oppositionslustigem Geiste gegen die Träger des «gottlosen Kapitalismus und Liberalismus" zu beseelen, welch? Prozedur durch die demokratische Grundstimmung der Rheinländer und Westfalen erleichtert wurde. Auch gegen die Vertreter der Staatsgewalt wußte die Kaplanokratie und die Zentrumspresse ihre anHanger wahrend des„Kulturkampfes" derart aufsässig zu machen, daß es damals Strafanzeigen und gerichtliche Verurteilungen gegen die bekanntesten klerikalen Wortführer nur so regnete. Die Inhaftierung des Kölner Erzbsichofs wegen Widerstands gegen die Maigesetze und die Aufhebung der Jesuitenniederlassung in Essen hatten große S t r a tz e n d e m 0 n st r a t i 0 n e n der katholischen Bevölke- rung zur Folge. Majestätsbeleidigungsprozessc waren danials gegen Klerikale durchaus nichts seltenes. Wer heute die schwülstigen Byzantinereien in der Zentrumspresse list und diese früher nicht gekannt hat. wird einen solchen jähen Wechsel kaum für möglich halten. Aber er ist geschehen. Der Klerikalismus zeigt heute fem wahre» Gesicht muh darin, daß seine Presse emsig dabei ist, die Volksstimmung für die Verschleppung der demokratischen Verfassungs- reformen, für Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterbewegung und für Unterstützung gelber Streikbrecherorganisationen zu präparieren. Auf diesem Wege trafen sich die Industrie- Herren mit den Zentrumsdirigenten. Dazu kommt aber noch ein bisher wenig beachteter Um- stand, der die Verständigung zwischen Klerikalismus und Großkapitalismus in Westdeutschland begünstigt. Der ältere Jndustrieadcl rekrutiert sich hier aus evangelischen, jüdischen oder nur sehr äußerlich katholischen Kreisen; Zentrums- katholische Großindustrielle. Bankiers usw. sind auch heute fast unbekannt. Nur der alte Thyssen soll Zentrums- katholisch sein. Daher konnte der Klerikalismus ohne Furcht, Parteigänger zu schädigen, die rheinisch-westfälischen katho- tischen Arbeiter wirtschafts- und parteipolitisch radikalisieren, den parteipolitischen Kampf für die Kirchenherrschaft taktisch klug mit einer zum großen Teil aus marxistischem Arsenal gespeisten wirtschaftspolitischen Agitation verbinden. In dem von dem katholischen Hochadel und Jndustriemagnaten beherrschten Schlesien tippte aber der Klerikalismus nicht an die schlimmsten Ausbeutungspraktiken seiner hochmögenden Parteigänger. Mittlerweile ist das rheinisch-westfälische Unternehmer- tum„gemischter" geworden. Durch Terrainspekulation usw. reichgewordene katholische Pfahlbürger, Kaufleute und Bauern schoben sich in die Reihen der Aktionäre und Kuxenbesitzer. Ihre Söhne oder sonstigen Verwandten kamen zu industriellen Stellungen. Und heute kann das Zentrum bei kommunal- politischen Wahlen erstaunlich oft höhere und mittlere Werks« beamte als katholische Kandidaten präsentieren. Die in- dustrielle Bourgeoisie hat unzweifelhaft erheblichen Zuwachs aus zentrumskatholischen Kreisen bekommen. Darauf deutete vor der Wahl 1907 schon ein Artikel der hiesigen„Tremonia" hin, die, als es ruchbar wurde, daß gewisse Zechenverwal- tungen pro Tonne Förderung einen bestimmten Geldbetrag in die Kaste der Bülowparteien zahlten, kategorisch verlang. ten, man solle über die Gewährung solcher Gelder auch die dem Zentrum anhängenden Werksteilhaber hören! Vor vierzehn Tagen brachte die„Kölnische Volkszeitung" aus un- serem Industriegebiet einen ähnlichen Aufruf an die A k t i 0- näre und Kuxenbesitzer unter den Zen- trumsanhängern; sie sollten nicht dulden, daß ein- seitig mit den Werksgeldern„die Kandidaten einer bestimm- ten Partei" unterstützt würden! Beweis dafür, daß bei uns mit der Zeit auch zentrumskathosische Kapitalisten in größerer Zahl an dem Ertrag der Berg- und Hüttenarbeiterausbeutung partizipieren. Diese Verschiebung der industriellenJnterestenkreise konnte natürlich auch nicht ohne Einfluß auf die sozialpolitische Hal- tung der Zentrumspartei bleiben. Hieraus wird sich wenig- stenS zum Teil ihre arbeiterfeindliche Stellung zu den Bergarbeitergesetzen sowie die Schwen- kung des von Zentrumsleuten kommandierten„Gewerkvereins der christlichen Bergleute" in das Lager der Gelben erklären lassen. So wirkm allgemein politische Gründe reaktionärer Natur und gemeinsame kapitalistische �nteresten zusammen, um zu einer Sammlungspolitik der industriellen Scharf- macher und der klerikalen Reaktionäre zu führen. Mit welchem Erfolg, das müssen die Wahlkämpfe lehren. Augenblicklich werden die Kreise Dortmund, Bochum und D u i s- bürg von Sozialdemokraten vertreten. Hagen besitzt noch der Freisinn. Hamm-Soest. Essen und Reck- linghausen das Zentrum. Die Nationalliberalen sind 1907 gänzlich unterlegen, trotz riesiger Anstrengungen und teilweise starkem Stimmenzuwachs: ohne Zweifel, weil unter einem von konservativen Jndustriemagnaten getragenen Banner keine liberalen Erfolge möglich sind. Wohl hat die Zentrumsführung 1907, nachdem aus dem„Kölner Kom- promiß" wegen der Weigerung der Jungliberalen nichts wurde, inoffiziell doch alles getan, um wenigstens in Dortmund und vornehmlich in Bochum die Sozialdemo- krasie zu Fall zu bringen, wobei auch stark persönliche Gründe mitspielten. Es ist nicht wahr, daß das„Zentrum" in Dort- mund und Bochum uns geholfen hat. Es hatte vielmehr keine Macht über viele Tausende seiner Arbeiterwähler, sie gingen trotz Abratens ihrer Presse hin und wählten in der Stichwahl rot, um die Erkorenen der Jndustriekonservativen zu stürzen. In Duisburg trat das Zentrum wohl ziemlich aktiv für den Sozialdemokraten ein, gab aber auch keine Wahlparole für uns aus. Den Ausschlag geben im Ruhrgebiet im Falle einer Stichwahl immer noch die großen Massen solcher Wähler, die parteipolitisdj schwer oder gar nicht zu diszi- plinieren sind. Bei vorsichtiger Schätzung kann man wohl sagen, daß sicher zwei Fünftel der bürgerlichen Wähler, wahr- scheinlich die Mehrzahl der der Arbeiterschaft angehörenden, in der Stichwahl sich jeder Direktion entziehen. Das Zentrum weiß, daß sein Sitz in E s s e n(Giesberts) i sehr schwer bedroht ist. Womit es zu rechnen hat. bewies un- längst die dortige Stadtverordnctenwahl. Bei den Stich- Wahlen in der dritten Abteilung wurden sämtliche Zentrums- kandidaten trotz ihres in der Hauptwahl erzielten Vorsprungs geschlagen. Obgleich unsere Partei mit dem nationalliberalen „Nationalen Verein" keinerlei Abmachungen getroffen, viel- mehr in den Bezirken, wo Zentrumsleute mit„Nationalen" sich stritten, Stimmenthaltung proklamiert hatte, ließen sich doch weder die meisten sozialdemokratischen, noch in dem Bezirk, wo unser Genosse mit dem Zentrum zur Stichwahl stand, die nationalliberalen Wähler zurückhalten, sondern stimmten, wie unser Essener Parteiblatt schreibt, in dem Ge- danken:„Die schwarze Demagogenbrut darf nicht siegen, koste es was es wolle!" sämtliche Zentrumskandidaten nieder! Wiederholt sich derselbe Vorgang bei der Reichstagswahl, und das ist das Wahrscheinlichste, dann bekommt Giesberts seinen Lohn für die vielen Sünden an seinen«»Klassengenossen. Dies schlvant auch dem Zentrum, daher seine grenzenlose Wut über das angebliche„liberal-sozialdemokratische Bündnis" bei den Kommunalwahlen, aber auch seine fiebernde Angst vor den Reichstagswahlen. Denunziantenwut und Sünderangst strei- ten sich um die Herrschaft in den nun fast alltäglich erscheinen- den Sammlungsartikeln in der Zentrumspresse. Grauen vor den Roten zu erwecken, die Inhaber der Geldsäcke zu äng- stigen, die Liberalen„nach oben hin" als Umsturzgenossen zu verdächtigen, das ist jetzt die mit ebensoviel Unwahrhaftig- keit als Schmähsucht betriebene Tätigkeit der klerikalen Presse. Daß alle Augenblicke„Thron und Altar" in Gefahr, alltäglich der Hereinbruch eines„neuen Kulturkampfes" er- klärt wird, ist selbstverständlich, hindert aber die Zentrums- presse nicht, gleichzeitig den eben noch mit Schmutz be- worfenen„nationalliberalcn Kulturkämpfern" dringend ein Wahlabkommen anzubieten. Daß H a m m- S 0 e st dem Zen- trum flöten geht, darin hat es sich anscheinend geschickt. Reck- linghausen scheint ihm einstweilen noch sicher; aber dafür brennt es den Klerikalen in E s f e n auf den Nägeln. Um nur Essen zu retten, ist das Zentrum bereit. Duisburg, Bochum und Dortmund schlimmstenfalls seinen alten Feinden, den immer noch zeitweilig in„Kulturkämpferei" machenden Nationalliberalen unter konservativ-industrieller Führung preiszugeben. Wenn es nicht gelingen sollte, ultramontan- nationalliberale Strohmänner als Kandidaten zu placieren. Das ist hier aber ein verflucht schweres Geschäft. Einmal hat die demagogische Zentrumsagitation die Arbeiterbevölke- rung oppositionsfreudiger gemacht alz den Machern heute lieb ist und dadurch sehr viel zu dem riesig schnellen Aufschwung der fozialdemo- kratischen Bewegung beigetragen; dann auch haben die„Schwarzen" und die„Blauen" so gründlich die konfessionellen Leidenschaften aufgewühlt, daß große Masten der so bearbeiteten Wähler unter keinen Umständen einen Kandidaten der gegensätzlichen Konfession wählen. Wie die Stadtverordnetenwahlen in Essen, so haben auch die in Bochum und früher in Dortmund gezeigt, wie außerordentlich scharf die Gegensätze innerhalb der bürgerlichen Wählerschaft sind. Klügere Zentrumspolitiker haben denn auch von Sammelkandidaturen für die Hauptwahl abgeraten, aber sie verhehlen sich nicht, daß einfach ein Wunder geschehen müsse, wenn die gemeinsame Front gegen die Roten noch zwischen Haupt- und Stichwahl zustande kommen sollte. Ein anno- nymer Einsender machte in der„Rheinisch-West- fälischen Zeitung" den Vorschlag, man solle einfach in Dortmund einen nationalhberalen, in Bochum einen ultramontanen Sammelkandidaten aufstellen, und beide verpflichten, wenn in einem Kreise der Pakt nicht gehalten würde, trotz eventueller Wahl— das Mandat niederzulegen« Der Gedanke wäre verflucht gescheit, wenn nur die verehrlichen Wähler mitmachten. Aber da liegt der Hase im Pfeffer. Ohne Zweifel ist der Dortmunder und der Duisburger Kreis ge- mäß der konfessionellen Mischung den Nationallibervlen, der Bochumer Kreis dem Zentrum am günstigsten gelegen. Nach diplomatischen Auslassungen der„Kölnischen Zeitung" und der„Kölnischen Volkszeitung" zu urteilen, scheint in der Tat an einer„Vereinbarung von Hamm bis Duis- bürg" gearbeitet zu werden; vielleicht ist das Kompromiß schon fertig. Bezeichnend ist auf jeden Fall, daß der rheinische Wahlkreis Essen unlängst an die nationalliberale Partei- organisation Westfalens, wo die ärgsten Scharfmacher domi- nieren, angegliedert wurde! Damit soll dem Widerspruch der rheinländischen Jungliberalen gegen den Abschluß xines ultra- montan-nationalliberalen Wahlkomvromisses Riegel vorgeschoben werden! Essen ist der Preis, den das Zentrum min- bestens für seine Unterstützung der zentralindustriellen Scharf- macherkandidaten in Dortmund, Hagen, Bochum und Duis- bürg fordert. Wenn nur die Wähler parieren möchten! Dazu kommt noch, daß die sehr stark vertretenen Polet» unter keinen Umständen für eine Sammelkandidatur nationalliberaler. d. h. hakatistischer Richtung zu haben sein werden. Das schon bedingt in mehreren Kreisen Stichwahlen. Ferner treten die C h r i st lich- S 0 z i a l e n(Stöckeriancr) und die Demokraten mit eigenen Kandidaten auf, deren Effekt die Schwächung der Nationalliberalen sein muß. Käme es also wirklich zu einer ultramontan-nationaUib�ol-konser- vativen Sammlung„von Hamm bis Duisburg", so stünden die Chancen der Sammlungspolitiker ebenso unsicher wie ohne Sammlung. Im Interesse einer völligen Klärung der Wählerstimmung würde selbstredend der Abschluß eines Kandidatenabkommens des Zentrums mit den hiesigen zentral- industriellen Scharfmachern lebhaft zu begrüßen sein. Ob Sammelkandidaturen oder Parteikandidaturen Ke Soziald cm ok r a t i c wird so oder so ihren Mann stellen und den Entscheidungskamps mit Ehren bestehen. Kethmsim Steinbrecht. Vis Beweisaufnahme im Moabiter Prozeß ist am Mittwoch endlich geschlossen worden. Der Erste Staatsanwalt hat sein Plaidoher begonnen. Die Einzelfälle hat er freilich erst zum itleinsten Teile erörtern können, noch weiß man nicht, welche Strafen gegen die inelften der Angeklagten beantragt werden. Aber baS lassen die bisher gestellten Anträge schon erkennen, daß harte, sehr harte Strafen von der Anklagebehörde gefordert werden. Der eine Ilmstand, baß gegen den 16jährigen Arbeitsburschen Meier, der zwei oder drei Steinwitrfe getan haben soll, ein Jahr Gefängnis be- antragt worden ist, läßt mit grausamer Deutlichkeit erkennen, wohin der Kurs geht. Das war freilich schon aus dem ersten Teil des PlaidoherS zw ersehen, aus dem allgemeinen Teil der Anklagerede, dem politischen Teil. Denn wenn Herr Steinbrecht auch mit Emphase dagegen protestiert, daß die Staatsanwaltschaft den Prozeß aufs politische Gebiet geschoben, einen Tendenzprozeß aus ihm gemacht habe, so verzichtet er doch keineswegs darauf, seine Ergebnisse, das heißt die Ergebnisse, die die Staatsanwaltschaft auS den Verhandlungen ab- leiten möchte, gegen die Arbeiterbewegung, gegen die Sozialdeino- kratie auszuschlachten. Allerdings, das Märchen vom sozialdeino- kratischen Aufstand, von der Probemobilmachung des Umsturzes, von der durch die Sozialdemokratie planmäßig herbeigeführten und im Geheimen geleiteten Emeute wagt der Erste Staatsanwalt nicht zu vertreten, das bleibt für die RerchSverbandsprcsse reserviert, die es»ach wie vor ungeniert ihren unglücklichen Lesern vorsetzen wird. Herr Steinbrecht zieht sich nach Bcthmann Hollweg- schein Muster auf die billige Redensart von der moralischen Schuld der Sozialdemokratie zurück. Jahrelange Hetze der sozialdeino- kratischen Agitation und Presse gegen die Arbeitswilligen und die Polizei hat nach ihm einen infernalischen Haß gegen diese beiden Kategorien in der Arbeiterschaft erzeugt, der in Moabit auS Anlaß des Streiks bei der Kohlenfirma Kupfer u. Co. explodiert sei. Diese Redensart von der mowlischen Schuld ist ein bequemes Ausfluchts- Nüttel, wenn die Beweislast für eine unbegründete Behauptung zu schwer wird. Sie ist auch in diesem Falle nichts anderes; ein AnWurf von genau demselben Wert und Gewicht wie die bekannten Agltations- mittel gewisser Sozialistenvertilger, die vor geeignetem Publikum zu erzählen wissen, daß die Sozialdemokraten Weibergemcinschaft, Karnickelwirtschaft und eine allgemeine Abschlachtung aller Besitzenden und Gebildeten wollen. Die Ausflucht macht sich aber in diesem Falle nech besonders kläglich, weil sie das Eingeständnis einer nn- rühmlichen Schlappe ist, das Eingeständnis, daß ein Versuch der Staatsanwaltschaft, der Sozialdemokratie eine Verbindung mit den „Aufständischen" nachzuweisen, jämmerlich mißlungen ist. DaS fühlt der Herr Erste Staatsanwalt und deshalb stellte er an die Spitze feine» PlaidoherS die Erklärnug, daß die Anklagebehörde niemals mehr als die indirekte, die moralische Schuld der Sozialdemokratie behauptet habe. Diese Erklämng ist ein Versuch, einen ganz offenkundigen Tat- bestand zu bestreiten. Wenn die Anklagebehörde sich freilich auf Silbenstechen verlegen will, so kann sie.nachweisen", daß sie in der Anklageschrift auch nicht mehr als die moralische Schuld der Sozialdemokratie behauptet hat. Aber zu solchem Zweck muß sie einzelne Sätze der Anklageschrift herausgreifen. Nimmt man aber dies denkwürdige Schriftstück im ganzen, so erhält man einen anderen Eindruck, so erkennt man, daß sich hinter den absichtlich möglichst allgemein, also vielfach deutbar gehaltenen Wendungen, daß sich zwischen den geilen die Andeutung engerer Zusammenhänge zlvischen den Unruhen und dir Sozialdemokratie befindet. llnd daß eS der lebhafte Wunsch der Staatsanwaltschaft war, diese angeblichen Zusammenhänge aufzudecken, das hat die Verhandlung mehr als einmal deutlich gezeigt. Mit krampfhaftem Eifer stürzten sich die Vertreter der Anklage» behörde, insbesondere Herr Stelzner, immer wieder auf jede noch so winzige Andeutung eineS Moments, das mit der nötigen sozialisten« fiirchtigen Phantasie etwa als«in Anzeichen eines EinwirkenS der Sozialdemokratie auf die Unruhen ausgelegt werden könnte. Wie hat sich jedesmal, da von dm vielerwähnten Radfahrern die Rede war, die auf einige naive oder auch nicht naive, aber mit der nötigen Dosts Sozialistenhaß und»Angst ausgestattet« Zeugen für sozialdemokratische Rädelsführer gehalten haben, Herr Stclzner bemüht, nähere Anhaltspunkte für die Bestätigung dieses schwarzen Verdachte« zu gewinnm, freilich jedesmal vergebens. Wie hat sich dir sogenannte Hilfsbehörds der Staatsanwaltschaft, die Polizei, m« Zeug gelegt, um wenigstens einen solchen radfahrenden Rädelsführer zur Stelle zn bringen, mit welchem Applomb hat der Herr Polizeileutnant Götze den Arbeiter Stock aus Grund einer der in ihrem Wert oft genug und auch in diesem Fall wieder gemigsam charakterisierten Polizeiprotokolle als einen von der Parteileitung abgesandten Enüssär zu Rad präsentiert. Er glaubte, einen bemichtenden Schlag gegen die Sozialdemokratie zu fuhren und war arg enttäuscht, als er die sorgsam präparierte Bombe wirkungslos verpuffen sah unter der EiiiwirklMg einer kalten Douche, die Genosse Heine im passenden Moment zu applizieren wußte. Und da behauptet Herr Steinbrecht, daß die Staatsanwaltschaft niemals daran dachte, der Sozialdemo- lratie die direkte Verantwortung für die Moabiter Unruhen zuzuschieben: Die Wort« seine» Untergebenen, des Herrn Stelzner. werfen seine Erklärung schnöde um. Es war in einer der ersten Sitzungen des Riesenprozesses, als besagter Herr Stelzner aus eine aggressive Bemerkung der Verteidigimg erklärte, die Staatsanwalt- schaft habe nicht die«ngeklagte Reinhardt— die.Petroleuse"— als die Führern, des AusstandeS betrachtet, sondern sie stehe auf dem Standpunkt. daß die Führer nicht auf der Anklagebank säßen. weik sie sich bei solchen Gelegen- heilen— Kämpfen— im Hintergründe zu halten verstünden und also nicht gefaßt werden könnten. Deshalb sei eS auch noch zweifelhaft, ob man diese Führer nachweisen könne. Wenn das nicht der Hinweis auf eine geheime Führerschaft der Sozialdemokratie ist, die die Staatsanwaltschaft sehr gerne aufdecken würde, so brauchte Herr Stelzner die Sprache die typische Sprache der Junker- und Scharfmacherpresse dazu, seine bezw. der Staatsanwaltschaft Gedanken zu verbergen. Aber Neigung «ud Fähigkeit zu solch diplomatischen Künsten haben wir an ihm nicht entdecken können und eS liegt auch kein Grund vor, der Herrn Stelzner zur Verschleierung der wahren Gedanken seines Ichs oder seiner Behörden hätte belvegeu sollen. Angesichts dieieS Zeug- nisss« aber sollte Herr Strinbrecht wirklich auf die Ausrede vor- zichten, daß die Anklagevertretung nie mehr al« die moralische Schuld der Sozialdemokratie habe beweisen wollen. Es ist schon so, daß selbst die blödsinnigsten Schorfinachermärche» über die Sozialdemokratie heute noch bei preußischen Behörden Kredit finden, daß daS Absurdeste in den Amtsstuben Glauben findet, wenn «S sich gegen die Sozialdemokratie richtet! Und mm die moralische Schuld an dem wutenden Haß, der sich zu Moabit gegen Arbeitswillige und Polizei geäußert hat. Den Haß bestreiten wir nicht. Der lebt in der Arbeiterschaft und ist nur zu sehr berechtigt. Gegen die Arbeitswillige» wird er immer be- stehen, immer bestehen müssen, für den Streikbrecher kann kein klassenbewußter Arbeiter andere Gefühle denn Verachtung, und allenfalls, wenn er sich zu großer Objektivität zwingt, Mitleid haben. In der Erregung des Kampfes aber geht solche Objektivität über menschliche Kraft, da verwandelt sich dke Verachtung in Haß, wenn der Streikende sehen muß. wie ihnen Verräter au der Arbettersache in den Rücken fallen, insbesondere, wenn er sieht, daß minderwertige Subjekte solche Verräters! zum förmlichen Geschäft ausbilden. Falsch aber, grund- falsch ist eS, wenn Herr Steinbrecht die Sozialdemokratie dafür ver- antlvortlich macht, daß dieser natürliche, nie zu beseitigende Haß gegen den Schädiger der Arbeiterinteressen, gegen den Verräter seiner Klasse sich in Gewalttat äußert. Genau daS Gegenteil ist der Fall. Wo die Schulung der Sozialdemokratie fehlt, da ist jeder Streik mit Gewalttat verbunden, wie die Geschichte der Arbeiterbewegung in jedem Lande klärlich zeigt; je stärker der Einfluß der Gewerkschaftsorganisation und der sozial- demolralischen Partei aus die betreffende Arbeiterschicht, um so ge- setzlicher verläuft der Streik. Den Haß gegen die Arbeitswilligen können wir nicht beseitigen; was wir tun können, um zu bewirken, daß feine Aeußerungen sich in den Schranken des Gesetzes halten, das tun wir. Und wenn Herr Steinbrecht Hunderte und Tausende von Nummern des„Vorwärts" zusammenschleppt, er wird in keiner dieser Nummern auch nur eine einzige Zeile finden können, auS der er das Gegenteil beweisen könnte. Herr Steinbrecht freilich findet diesen Haß gegen die Arbeits- willigen an sich unsittlich, ja verbrecherisch. Er hat kein Verständnis für das Gefühl der Solidarität, das die klassenbeioiihten Arbeiter er- füllt, dessen Verletzung ihnen als Verbrechen an ihrer Klasse erscheint. Bezeichnend dafür ist ein Ausspruch, den er bei der Erörterung eines Einzelsalles tat. Er fand eS höchst strafbar, daß sich ein Streikender gegen Arbeitswillige verging,„die ihm gar nicht» getan haben"! In der Tat. Sie haben ihm gar nichts getan? Der Arbeiter ist darüber anderer Meinung. Und wenn es sich um die unsolidarische Haltung de? Mitgliedes eines der„besseren Stände" handelte, so würde Herrn Steinbrecht das Verständnis wohl nicht so ganz mangeln, wie hier. Wenigstens haben wir gefunden, daß der Terrorismus, den studierte Aerzte gegen arbeitswillige Mitglieder ihres Standes verübten, bei studierten Richtern eine ziemlich milde Beurteilung, also ein ziemlich lebhaftes Verständnis fand. Daß jemand, der die Interessen seines Standes verletzt, die Achtung seiner Standesgenossen verliert, und sich unter Umständen ihren Haß zuzieht, daS begreifen die Herren Staatsanwälte und Richter sehr gut. sofern es sich eben um „gehobene" Schichten mit StandeSbewußtsein handelt. Nur daS Klassenbewußtsein der Arbeiter, daS begreifen sie nicht. Der Arbeiter soll keine besondere Klassenehre haben, soll sich nicht seinen Klassengenosien in Freud und Leid verbunden fühlen, weil— die Aeußcrung seiner Solidarität den Besitzenden unbequem ist. Den Verräter am eigenen Stande, den sie verachten und hassen, sie schätzen ihn, sie erklären ihn für eine wertvolle Stütze des Staates und der Ordnung, wenn er Arbeiter ist und Verrat an seiner Klasse übt I Zwischen Streikbrechern und Arbeitern muß immer ein un- heilbarer Riß sein. Anders steht es mit dem Haß der Arbeiter gegen die Polizei. Er brauchte nicht zu fein, wenn die Polizei einzig und allein das wäre, was sie sein sollte, eine Sicherhcits- und WohlfahrtSbehörde. Aber sie ist mehr, sie ist ein politisches Werkzeug und in dieser Rolle wt sie alleS, um sich dem Arbeiter verhaßt zn machen. Der Herr Stein« brecht, der die Hetze des„Vorwärts" für diesen Haß verantwortlich machen will, sollte einmal darüber nachdenken, welches Maß von Haß das Auftreten der Polizei bei Wahlrechtsdemonstrationen, die Spitzel« und Lockspitzelei in den Organisationen der Arbeiter erzeugt hat. Nicht zu gedenken der Rolle, die die Polizei im Lohnlampf spielt, ihre» bekannten Vorgehens gegen die Streit- Posten, auch wo diese sich durchaus im Rahmen des Gesetzes halten. Und so vieles, vieles andere! Herr Steinbrecht sprach in seinem Plaidoyer von den polizeilichen Mißgriffen, die er als Ausnahmen hinstellte, die vorkommen müssen! Wenn er so oft diese Mißgriffe am eigenen Leibe fühlen würde. wie die Arbeiter, die Redensart von den Ausnahmen würde ihm vergehen und der Haß de» Proletariats gegen die Polizei würde ihm nur zu sehr verständlich. Er würde nicht mehr zur Erklärung nach„jahrelanger Hetzarbeit" ausschauen. Ein besonderes Kapitel ist die Art. wie sich Herr Steinbrecht mit den ungeheuerlichen Enihüllnngen des Prozesses über die schier un« zählbaren Exzesse von Polizeibeamten abfand und wie er zu diesem Zwecke die Zeugen der Verteidigung in Bausch und Bogen für un- glaubwürdig erklärte. DaS ist so ab>onderltch, daß es einen be- sonderen Artikel verdient. Nie Soldalentchindmicn nicht bekämpft werden! Wessen forkgesetzter Mißliandlung beziehungsweise vor- schriftSividriger Behandlunss Untergebener hatte sich gestern der Unteroffizier d. R. Weidner von der S. Batterie des Garde-Fuß-Artillerieregiments vor dem Kriegsgericht der königlichen Landwehr-Jnspektion zu verantworten. Die Straftaten, die dem Angeklagten zur Last gelegt wurden. liegen bereits zwei Jahre zurück. Im Jahre 1908 hatte W. eine Rekrutenforporalschast m der 5. Batterie. Er hatte eine eigentümliche Art, seine Leute zu erziehen. So ließ er sie mit Vorliebe im Winter bei strengem Frost früh- morgens noch vor dem ersten Frühstück um y26 Uhr an die Hofpumpe gcchen und dort Schemel, Tische und Platten bürsten. Im dünnen Drillichrock mußteni die Mannschaften bes der größten Kälte in dem eiflgen Wasser hantieren. Und der Angeklagte stand oben am Fenster und sah die Sache mit aller Ruhe an. Waren ihm die Sachen nicht sauber genug, so schickte er die Leute noch zwei- bis dreimal hinunter an den Brunnen. Die Anklage nahm mindestens zehn derartige Fälle an, in denen die ganze Korporalschaft herangenommen wurde. Dann pflegte sich W. ans der Stube auf einen Tisch zu setzen und die Leute mußten nun auf seinen Befehl hin auf der Erde um ihn hernm in Kniebeuge gehen und so eine Viertel- stunde hindurch aushalten. Einige der Zeugen wollen noch weit länger so cmsgehalten haben. Ferner ließ der Unteroffizier seine Leute häufiger auf die Spinde hinauf- und wieder hinunterspringcn. Auch unter die Betten mußten sie auf feinen Befehl kriechen. Wie W. vor Gericht angab, sah er diese Maßnahmen als erlaubte „Aufmunterungsmittel" an. Den« Kanonier Kupsch hat der Angeklagte einmal mit dem Seitengewehr auf die vor Frost erstarrten Finger geschlagen und ihm ein anderes Mal beim Zurechtrücken des Koppels mit dem Knie in die Brust gedrückt. Beim Uchcn am Querbaum halte K. einmal langete Zeit mit Fem Kops nach unfCK hängen müssen, bis er vor Erschlaffung abstürzte und ohnmächtig wurde. Durch eine anonyme Anzeige kamen die Fälle erst jetzt zur Kenntnis der vorgesetzten Behörde. Der Vertreter der Anklage beantragte � eine Gesamtstrafe von drei Mo- n a t c n G e f ä�n g n i s. Das Gericht ging jedoch bedeutend unter dieses Strafmaß herab. Es ging von der Ueber- zeugung aus, daß die Rekruten keine jungen Mädchen seien, sondern Kanoniere, die man nicht zimperlich anfassen dürfe. ES nahm daher nicht Mißhaudlungni, sondern in allen Fällen vorschriftswidrige Be- Handlungen an und erkannte auf zwei Wochen Mittel- arrest. Dies Urteil wird allerorts das größte Erstaunm hervor- rufen! Denn wenn so rohe Soldatenschindereien nur mit Ii Tagen Mittelarrest geahndet werden, so wird dadurch bei militärischen Rohlingen der Soldatcnmißhandlung unbeabsichtigt geradezu Vorschub geleistet! Als Ungeheuerlichkeit wird es von allen denen, die An- gehörige in der Armee haben, betrachtet werden, daß man so schikanöse und brutale Mißhandlungen Nicht als solche betrachtet, sondern nur als vorschriftswidrige Behandlung, und die sinnlosen Roheiten gar noch durch die Wendung be- schönigte, Rekruten seien keine jungen Mädchen und brauchten nicht allzu zimperlich angefaßt zu werden. Daß die Mannschaften schon beim regulären Diöitst nicht„zimperlich angefaßt" werden, wird jeder zugeben müssen, der den militärischen Dienst kennt. Wer zum Bei- spiel auf den großen Ererzterplätzen beobachtet, wie die Mannschaften sich beim Dienst auf den schmutzigen Boden niederwerfen, oftmals längere Zeit in eiskalten Pfützen liegen und mit ihrem durchnäßten Zeug stundenlang Dienst leisten müssen, der weiß, daß die Soldaten nicht„wie junge Mädchen" behandelt und auch sonst oft bis zur völlige« Er- sckpipfung herangenommen werden. Wenn nun gar darüber hinaus die Bürgersöhne aus purem Mutwille« in einer Weise drangsaliert und ärger wie Hunde behandelt werden, und das Kriegsgericht solch empörenden Unfug so unglaublich gelinde ahndet, so braucht man sich über die wachsende Er- regung der Volksmassen nicht zu wundern! Solche„Kasernenagitation" ist viel wirksamer, als anti- militaristische Schriften nur sein könnten, und es ist nur unbegreiflich, daß man das nicht auch in militärischen Krei-scn einzusehen verniag! Politilcke(UberlicKt. Berlin, den 4. Januar 1911. Jndustricllcnfang. Die konservativen Parteitaktiker legen in letzter Zeit ein ganz besonderes Gewicht darauf, die Kreise der mit der Rich- tung Basserinann unzufriedenen rheinisch-westfälischm Groß- industriellen cinzufangen, indem sie diesen vorhalten, daß nicht nur die konservative Partei für die Aufrechterhaltung des bestehenden industriellen Schutzzollsystems eintrete, son- dern auch das Verlangen der Großindustriellen, Herren im eigenen Hause bleiben zu wollen, für ganz selbstverständlich halte und deshalb entschlossen sei, den gewerkschaftlichen Be- strebungen der Arbeiterschaft, besonders der herrschenden Streikmanie, energisch entgegenzutreten. Nebenbei werden den„genialen" Großindustriellen,„wagemutigen" Kaufleu'ten und„weitsichtigen" Unternehmern allerlei schöne Komplimente über ihre Uncntbehrlichkeit und ihre Bedeutung für das Wirt- schaftsleben gesagt. Kennzeichnend für dicsm Jndustriellensang ist ein „Konservative und Industrie" llberschriebener Artikel der„Konservativen Korrespondenz", in dem eS heißt: „Um der Gerechtigkeit willen muß bekannt werden, daß für den verständigen, wettblickendcu und prinzipiell urteilenden Industriellen die konservatwe Partei diejenige ist, die auS ihren Generalanschauungen heraus der Jndu. strie am nächsten steht. Mau muß hierbei natürlich von dem Zerrbild absehen, daS eine verlogene Börsenpresse von der konservativen Partei alS einer„Agrar-Gruppe entlvirft. Die konservative Partei ist diejenige politische Partei, die den festen, unverrückbaren Kamps st andpunkt gegen die Sozialdemokratie einnimmt; sie ist die einzige, die mit der Vertretung dieser revolutionären Gruppe nicht paktiert. Dies ist praktisch insofern von Bedeutung, als damit gleichzeitig gegen die sozialistisch beeinflußten politischen und sozialen Machtcrweiterungsbestrcbungen der Arbeiterbewe. gung ein fester Standpunkt gewonnen wird.... Viel richtiger aber als diese Erwägung ist die, daß die kon- servative Auffassung wirtschaftS- und gesellschaftswissenschaftlich in der Industrie und in ihrem Gedeihen ein Postulat geschichtlicher Staats- und Gesell- s ch a f t S e r h a l t u n g« rl« n n t. Die konservative Auffassung macht sich nccht zum Sklaven der„EntWickelung". Die Entwickelunä ist� für un» kein Fatum. dem man nicht entrinnen kann; sie ist eine Erscheinung mgto- rischer Kraftäußcrung, deren bildhafte Gestaltung in unserer Hand liegt. Der Konservative, der eine vielgliederige, bielgeschichtete Gesellschaft erstrebt, mit möglichst zahlreichen lebens- und tem- Peranrentvollen selbständigen Gebilden, braucht, schätzt und liebt all« Grscheinnngsformen unseres wirtschaftlichen LdbenS. Wir brauchen die Industrie als den motorischen Kraft- und Dp annungSerzeuger unseres wirtschaftlichen Lebens Über l, anpt; wir brauchen innerhalb dieser Industrie die schtvcre und die leichte, die daS industriell« Gesamt- bild vervollständigen. Wir brauchen die Landwirtschaft als eine Ernährerin der Nation und den großen sozialen Ausgleichsfaktor und wirtschaftlichen General-Regulator.... Wir brauchen den wagemutigen Kaufmann, der mit sicherem Blick Absatz, und Unternehmungsgebiete begründet. ... Als stch'S um den Schutz der Industrie handelte, versagte der Liberalismus, auch der Nationalliberalismus. Bei den Eisenzöllen stimmten 39 Nationalliberale dakür, 89 da- gegen. Die nationalliberale Partei war in diesen Dingen nie- malS die schiebende, sondern die geschobene; sie machte schließlich mit, aber nur der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe. Die Konservativen hingegen— eben aus dieser kurz skizzierten prinzipiellen Auffassung von Staat und Gesellschaft heraus— haben nie einen Augenblick gezögert, der Industrie das zu geben, was sie braucht. Es ist daher nicht gerecht, wenn heute ein Teil der Industrie- Vertreter mit billiger liberal-demorratischer AgitationSweiZheit sich gehässig gegen den Konservatismus benimmt; er tvar eS, der der Industrie den Aufstieg ermöglichte, er ist es. der auch heute noch, nach seinen prinzipiellen Anschauungen, alles tut. u m d e r Industrie die notwendige und segensreiche Stellung im wirtschaftlichen Organismus zu erhalten." Ein geradezu belustigendes LiebeSgirren derer um Heydedrand! Gar gerne möchten die konservativen Partei- taftiker den Nationalliberalen einen Teil ihrer zahlungs- fähigen Qköfetnbuftnelfcn ivegfangen. Das hindert natürlich Tiicht, daß sie sich morgen oder übermorgen wieder den Na- tionalliberalen als treueste Bundes- und Kampfgenossen an- bieten und zur nationalen Sammelpolitik, blasen. Ein heiteres Spielt_ Reichstagswahltermin? Wann finden die nächsten RcicbstagSwahlen statt? Diese Frage beschäftigt noch immer die Oeffentlichfeit, und baldlweih das eine, bald das andere Blatt näheres iiber den Wahltermin zu melden— doch stellt sich hiitterher schnell heraus, daß auch dieses„Nähere" nur auf bloßer Vermutung beruht. Fetzt weiß ivieder die„Köln. Volks zig." aus Berlin zu melden: „Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg lehnt eS mit Entschiedenheit ab, irgend einen festen Zeitpunkt für die Reichstags- Wahlen zu besrüiunen. Er behält sich tu dieser Hinsicht vUlig freie Hand. ES ist leiäit möglich, daß die Paneien überrascht werden. Viel wird die Entscheidung abhängen von dem Verlauf der Schluß- stsflon. J» manchen Regierungskreisen ist man der Meinung, daß es taktisch ziveckmäßig ist, die Reichstagswahlen im späten Früh- jähr stattfinden zu lalie», damit der Reiitislag noch zu Anfang des Sommers zu einer kurzen Session zusammentreten kann und dann eine längere Pause eintritt, in der die Parteien vor Beginn der Herbstsession zur Ruhe kommen können. Man hält es für bedenklich, daß der nächste Reichstag alsbald unter dem frischen Eindrucke des Wahlkampfes zu größerer Täligkeit einberufen werden soll.— In anderen sehr beslimmp gehaltenen Milteilnngen war der Herbst lSU als Zeitpunkt der nächsten Wahlen bezeichnet worden. ES ivird aber dock, gut sein, auch mit der Möglichkeit eines früheren Termins zu rechnen und sich auf alle Fälle bereit zu halten." Genehmigte Straßendcmonstrationcn. Die Polizeibehörde in Mülhausen hat die von der sozialdemokratische» Parteileitung beabsichtigten Straßew demonstrationen. durch die gegen die von der Regierung ge- plante Verfassungsreform protestiert werden soll, genehmigt. Dem Reichstogsabgeordneten Emmel ist am 2. Januar folgen- des Schreiben zugestellt worden: Mülhausen, den 30. Dezember ISlO. Ucber Ihre Anzeige vom heutigen Tage, wonach von der So- zialdemokratischen Partei anschließend an eine öffentliche Per- sammlung in der nchien ll'iartthalle am 8. Januar 18t I, vor- mittags halb 11 Uht, ein öffentlicher Umzug durch die Delforter, Straßburgcr, Colmarer, Graben-, Zeugwius-, Lange-, Linnä-, Fabrik- und Dornacker Straße, mit Auslösung an der Ueber- deckungsstrecke beabsichtigt wird, erteile ich Ihnen gemäß§ 7 ReichsvcreinSgesetz und den dazu erlassenen AusfiihrungSbcstim- mungen hiermit Enipfangsanzeige. Gemäß Z 2 der Ortspolizeiverordnung vom 1. Dezember 1886 e n e h ni i g c ich, daß anderSpitzedesZugcsTromm- er und Pfeifer spielen, daß in der Mitte des Zuges die A r b e i te r m u s i k abwechselnd den Sozialisten« m a r s ch und den A ndteaS-Hofer- Marsch spielt, und daß Arbeitergesangverein die„Internationale" und den„W c ck r u f" singt. Tie ortspolizeilichc Genehmigung zur öffentlichen Verteilung des übersandten Aufrufes in Mülhausen und Um- gcbung wird hiermit erteilt. Der Kreisdirektor Dieckmann, Polizeipräsident. Wie der M ü l h a» s e r Liberalismus hat auch der Liberalismus in G eb w e i l e r eine Beteiligung an den �traßendcmonstrationen abgelehnt. Er will sich mit einer Protestversammlung begnügen. Während indessen die Libe- ralcn in Mülhausen in ihrem Schreiben erklärten, daß sie sich „aus prinzipiellen(!) Gründen" nicht beteiligten, hat sich der Gcbwcilcr Liberalismus zu diesem sonderbaren libe- ralcn„Prinzip" doch noch nicht durchgerungen. Vorlagen für den preußischen Landtag. Eine Korrespondenz meldet: Die dem Landtage in seiner neuen Session vorzulegenden Gesetzentwürfe sind in den RessortS fertiggestellt und werden dem Landtage in den ersten Wochen zugehen. ES sind dieß folgende Vorlagen: das ZlveckverbandSgesetz, das Feuerbestattung-;- gesetz, ein Entwurf über die Schulpflicht Taubstunimer, ein Entwurf über den FortbildungSschulzwang in Gemeinden über 10(XX) Seelen, ein Entwurf zur Bekämpfung des PrämienlosschwindelS, ein Entwurf über arbeitsscheue Erhaliungspfllchtige. sowie Entwürfe betreffend die Verpflichtung zu Besuchen ländlicher FoitbildungSschiilen in den Provinzen SchleSwig-Holstein, Brandenburg. Pommern, Westfalen, Sachsen. Nheiuprovinz und Hohenzollern. Ferner werden dem Laudinge die in der letzten Session unerledigt gebliebenen Vorlagen zugehen: Die Novelle zur rheinischen Landgemeinde- ordnung, die ostpceußische Wegcordnung und der Entwurf betreffs die Verpflichtung zur Reinhaltung öffentlicher Wege. Gegen die Schnndliteratnr. Heute nachmittag wurde im ReichstagSgebäude die von der Deutschen Dichtergedächtnisstiftung zniammengestellte Ausstellung gegen die Schundliteratur eröffnet, die auf Vrranlafsung der Deutsche» Zentrale für Jugendfürsorge bereits in verschiedenen deutschen Städten gezeigt wurde. Die Ausstellung beweist durch genaue Angaben die entsetzliche, geradezu grauencrwcckende Fülle Volks- und jugeudvergifienber Literatur. Die kurze An- gäbe, daß allein in Deutschland 62 Verlagsanstalten, mit denen 8000 selbständige Geschäftsleute und 30 000 Kolporteure in Verbindung stehen, Schundliteratur liefern, gibt schon«in trübes Bild von der Verbreitung jenes Giftes. Ganz besonderes Interesse erregen jene Proben von gelesener Schundliteratur, die von Schul- kkndern, FortblldungSschlllern, GefchäftSSurschen, Besuchern der Asyle für Obdachlose durch Eintausch gegen gute Bücher erworben wnrden. Man sieht es manchen Proben an, daß jene schauerlichen Schund- hefte mindestens durch Dutzende von Händen gegangen sind. Be- merkenswert ist auch eine Sammlung von Gerichtsberichten, aus denen hervorgeht, daß eine ganze Reihe der schwersten Verbreche» in unmittelbarstem Znsammenhange mit der Schundliteratur steht. tlm den Kamps gegen die Schundliteratur unwirksam zu machen, sind, wie Proben bewelsen, einige Verleger auf den AuSweg verfallen, ihrem Verlage eine Bezeichnung zu geben, die gute Liieratur erwarten läßt(„B-rein zur Verbreitung guter VolkSschriften"), unter der sich aber miserabelster Unrat verbirgt. Die Ausstellung gibt auch umfangreiche Sammlungen guter und billiger Volks- und Jugendliteratur. Bedauerlich ist nur. baß man darunter auch recht seichte patriotische„Heldenbücher" findet, Wenn auch nicht in allzu ausdringlicher Weise. Nach einem Einblick in die Fülle von Schundliteratur versteht man es noch weniger, daß von bürgerlicher Seite mit solcher Wut gegen die freien Jugendorganisationen gehetzt wird, die im Kampfe gegen die Schundliteratur Große« geleistet und Bedeutendes erreicht haben. Die Ausstellung liefert indirekt den besten Beweis für die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Jugendvereine. Eine Schnapsblockzierde. In Lsterodc-Neidcnburg ist für � die nächste ReichstagSwabl von den Konservativen wieder der bisherige Vertreter des KreiseS, Ritter« gutSbtsitzcr Nehbel-Saluikrn oIS Kandidat aufgestellt worden. Nebel, ein Sachverständiger der Fuselfabrikation, hat bei der Be- Wertung des Branniweinsteuergeseyes zahlreiche Anträge zu- »unstcn der SchnopSbrcnncr gestellt. Er war cs auch, der den Antrag stellte, daß der Trinkbranntwein mindestens 30 Proz. Alkohol enthalten solle. Der Alkoholkonsum sollte aus diese Weise ivcsentlich erhöht werden; denn bisher wurde Schnaps verkaust, der 15—18 und noch weniger Prozent Alkohol enthielt Als über den Nehbelsch-N Antrag namentlich abgestimmt werden sollt«, versagte selbst der Fuselblock. Er war nicht einmal für den ermäßigten Antrag— L5 Proz.— zu haben. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Nehbel den nächsten Reichstag nicht mehr zieren wird. Der Wahlkreis Osterode-Neidenburg wurde den Konservativen schon 1903 abgenommen, und zwar von den National- liberalen. Jetzt, da diesen die Hilfe des Bauern- und HansabnndeS zur Verfügung steht, werden sie wahrscheinlich noch leichter über die Agrarkonserbativen siegen._ Der Gesetzentwurf über die Schissahrtsabgaben. DaS Amstetdamet HandelSblatt meldet aus Berlin: Die Alts- faffung, der Gesetzentwurf zur Einführung von Schiffahrtsabgaben werde scheitern, gewinnt immer mehr an Raum. Der in diesen Dingen gewiß»ich: optimistische österreichische Botschafter Szögenyi- Marich sei ebenfalls der Metimiig, Laß der Gesetzentwurf trotz aller Aenderungen eine Mehrheit nicht finden werde. Sollte wider Er- warten der Entwurf doch zum Gesetze werden, so würden Oesterreich und die Niederlande so viel als möglich bei den Ver- Handlungen mit dem Deutschen Reich gemeinsam auftreten. Oestemicb. Scheitern der nationalen Friedensverhandlungen. Prag, 4. Januar. Die Verhandlungen der Parteien des Land- tage«, dnrck) die eins Tagung des böhmischen Landtages erreicht werden sollte, sind gescheitert. Die Bermittelnngsvorschläge der Deutschen wie der Tschechen wurden von der Gegenpartei für un- annehmbar erklärt. Eine Fortsetzung der Beiättingett ist vorläufig nicht in Aussicht genommen worden. fl'anki'eick. Ein verurteilter Erzbischof. Paris, 4. Januar. Der Appellgerichtshos hat das N r tcl l des Zivilgerich-tshofs zu Rheims bestätigt, Las den Erzbischof von Rheims zur Zahlung von 500 Franks Schadenersatz an den Lehrerderband oerurteilt. Der Erzbischof hatte ein Zirkular an die Bischöfe unterzeichnet, in dem der Gebrauch gewisser Schulbücher untersagt wurde. l�iißtancl. Gegen die Universitäten. Petersburg, 4. Januär. In den letzten Tagen fand hier eine Konferenz rechtsstehender nationalistischer Professoren der verschiedenen Universitäten und nationalistischer Abgeordneten zwecks Beratung der Lage an den Hochschulen statt. Man gelangte zu dem Resultat, daß die Lage der Hochschulen überaus gefährdet sei und unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden müffen, die im wesentlichen darauf hinzielen, die im Jahre 180b den Universitäten gewährte Autonomie stark einzuschränken. Die Politik soll von den Hochschulen bedingungslos vertrieben werden. Zu diesem Zwecke ist jegliche studentische Organisation zu verbieten. Die Studenten sollen strenger beaufsichtigt werden und fernerhin den staat- lichen Aufsichtsorganen unterstehen. Ministerpräsident Stolypin empfing die Konserenzteilnehmer und erklärte, er sei mit den Gesichtspunkten einverstanden. Die Konfercnzmitglicder wurden dann auch vom Kaiser in einstündiger Audienz empfangen. Es wird weiter geprügelt! Aus Smolensk wird unter dein 29. Dezember be- richtet: Vierzehn Insassen des Katorga-Gefängnisses wurden körperlich gezüchtigt, da sie sich geweigert hatten, weiter zu arbeiten, wenn ihre tägliche Ration nicht ver- größert werde. Der Gesängmsarzt erklärte einige der Ge- fangenen für k r a n k; indessen wurden auch sie der Exekution unterworfen, erhielten aber jeder„nur" 15 Hiebe. Hier spielten sich also, nur in kleinerem Maßstabe, genau dieselben Greuel wie kürzlich in Wologda ab. Die Ge- fangenen verlangen zuerst eine größere Tagesration, da sie sonst verhungern müssen. Sie werden dafür durchgepeitscht, wobei auch die Kranken nicht geschont werden. Wieviele Gefangene werden nun durch Selbstmord enden?, Euq der Partei. WaS sie wollen! könnte man in bezug auf unsere Richter und Staatsanwälte a»s- rufen, wenn man sich das Strafrcgister gegen die sozial- demokratischen Redakteure de? näheren betrachtet. Die letzten beiden Monate des vergangenen Jahres hat es wieder f ö r m- lich Preßprozesse geregnet. Trotz der mehrmaligen Feiertage konnten siebenunddreihig Urteile gefällt werden, eine durchschnittlich höhere Zahl als in den früheren Monaten. Auf zirka 1'/, Jahr Gefängnis und 6000 M. Geldstrafe wurde erkannt. Richter- und Polizeiheleidigungen spiele» eine große Rolle. In den neu n Monaten April bis Dezember 1810 sind nicht weniger als 131 Preßprozesse zu verzeichnen. Jeden Monat wurden also 15 sozialdemokratische Redakteure abgeurteilt. Und das Resultat? Ein geradezu grausiges. In neun Monaten wurde zu Recht erkannt auf: Vier Jahre, sechs Monate, drei Wochen und sechs Tage Gefängnis und 18368 Mark Geldstrafe! In sehr vielen unter den 131„Fällen" handelte eS sich um ganz unerhört harte Bestrafung. Die Strafen stehen zu den tatsächlichen Begebenheiten in keinen, Verhältnis. Dennoch arbeiten die Staats- anwälte mit Hochdruck, um das„richtige" Straffnaß heraus« zubekommen. Ihnen waren die Strafen durchweg noch zu niedrig, denn je härter die Gerichte zufassen, um so deutlicher muß eS doch dem Spießbürger„einleuchten", wie staatsgefährlich wir sind, wie wir die geliebten Einrichtungen des Staates usw., der Ordnung und guten Sitte„hämisch" kritisieren und dadurch die Erschütterung erzielen, die strengstens geahndet werden muß. poU-ellicffe», Scrlcvrtlcffeo ufw. Di« beleidigten Eiseiiliahndir-ktienen. Wegen einer im Juli vorigen Jahres in der Erfurter„Tribüne" erschienenen Rotiz fühlten sich die Eisenbahndireklionen Berlin und Breslau beleidigt. Am Diensrag hatte ob der Frebeltat der Verantwortliche des Blatte», Genosse Petzold, vor der Erfurter Strafkammer zu erscheinen. Der Staatsanwalt sah die angebliche Beleidigung als so schwer an, daß er sie durch vier Monate Gefängnis gesühnt wissen wollte. Das Gericht konnte sich jedoch nicht zu der Höhe der staatSanwaltlickien Logik ausschwingen, es verhängte gegen den Preßsünder„nur" 300 Mark Geldstrafe. Huö Industrie und Kandel. Aus der Marganneindustrie. Wie gemeldet wird, sahen sich die Margarincfabriken in Goch und Cleve gezwungen, Feierschichlen einzulegen. Diese Betriebsein- schränkung, wie auch die in anderen Margarinefabriken, ist zweifellos eine Folge der sensationellen Nachrichten über VergistungSerschci» nungen, die der Genutz von sogen. Baka-Margarine. die die Firma Mohr in Ottensen geliefert hatte, verschuldet haben sollen. Daß die Gesundheitsbehörde» bisher noch nicht zweifelsfrei festgestellt haben, in welchem Umfange die Nachrichien über die Erkrankungen infolg« des Genusses von Margarine tatsächlich begründet sind, muß einigermaßen überraschen und stutzig machen. Wo in leichtfertigtr oder auch nur fahrlässigerweise die Gesundheit und da? Wohlbefinden der Konsumenten in Gefahr gebracht worden ist. da verlangen wir energisches Zupacken, nicht die Beschränkung auf polizeiliche, unver- antwortliche Mitteilungen, die eigentlich wenig besagen, die aber von der interessierten agrarischen Presse in skrupelloser Weise gegen die ge- samt« Margaritteindustrie ausgeschlachtet tverden. Nicht aus Interesse für das Allgemeinwohl, sondern als Ausfluß des krassen EgoiSmuS, der die agrarische Sippe in Deutschland auszeichnet. Deren Kampf gegen die Margarine hat sich ja stets in der gehässigsten Form geäußert. Man braucht da nur fan die Forderung der latenten Färbung und der gesonderte» Perkaufsräinne für Margarine zu rriiliiern, Forderungen, die ganz unbestritten darauf hinausliefen, der Margarine die Konkurrenzfähigkeit zu er- schweren. Mit der gesetzlichen Torschrist der rot bebänderten Mar- garinefässer ist den Junkern nicht Genüge geschehen, sie finden aber bei der Regierung verständnisvolles Entgegenkommen, indem diese der natürlichen Butter Frachtvergünsiungen gewährt, die der Margarine versagt bleiben. Wir betrachten die Margarine als ein notwendiges Uebel, das uns der unverschämte LebcnSmitteltvncher der Schnaps- blockbriider bescherte. ES wäre wahrlich mit Freuden zu begrüßen, wenn alle Surrogate verschwinden könnten und ausschließlich natürliche Butter konsumiert würde. Gerade weil die Margarine ein not- wendiges Uebel ist, dürfte deren Produktion und Verschleiß nicht künstlich verteuert werden. Aber, wie überall, werden die Armen für ihre Armut noch extra bestraft, indem man ihnen den billigen Ersatz für vollgültige Nahrung im Interesse der unersättlichen Agrarier verteuert. Und die jetzige häßliche, den vetwerflichsten M'ü- tiven entsprungene Kampagne gegen die Margarine, die teilweise den Stempel der Mache an■ der Stirn trägt, hat ja' auch nur den Zweck, den Begehr nach natürlicher Butter, die übrigens in zahl- reichen Fallen verfälscht auf den Markt kommt, sowie den Verbrauch von Tierfetten zu steigern und dadurch die Preise noch weiter in die Höhe zu treiben. Erklärlicherweise hauen die Margarine- Juter- essenten in der Abwehr der verwerflichen Hetze von der anderen Seite auch leicht etwas über die Schnur; aber die Gerechtigkeit und das Interesse der notgedrungen auf den Konstun der Margarine An- gewiesene» erheischt es, wenigstens von den sachlichen Eiuwänden, die von den Margarinefabriken in Abwehr der gegen die gesamte Industrie geschleuderten Beschuldigungen und per Mißdeutung aus- gesetzten Verwarnungen erhoben werden, Notiz zu nehmen. Wir glauben solcher Verpflichtung zu entsprechen, indem wir einem eingehenden Artikel in der„Margarine-Jndustne"(Nr. 1 1811) folgendes entnehmen: „Wenn überhaupt ihr Zusammenhang(der gemeldeten Er- krankungen) mit den Erzeugnissen der Ottcnser Fabrik— der heute»och nicht erwiesen ist— feslaestellt wird, dürfte ein großer Teil der Gebresten aus die unter den Verbrauchern erregte Panik oder aüf normale Ursache» zurückzuführen sein. Bereits wurden die Erkrankuugen in Oberhausen und in Düsseldorf(die Polizei zeigte uns hier bereitwilligst die beanstandeten Proben) dementiert. In H. hatte eine Familie Kohl mit Hainmelfltisch und Butterbrot mit Margarine gegessen. Letztere sollte schuld an der darauf eintretenden llebelkeit sein. In. Wahrheit lvnrdc eine Vergiftung durch Kohlendunst festgestellt. In M. hatten zwei kleine Mädchen sich durch Naschen den Magen vcrdorbeit. Auch ffier snchte man, unter dem Eindruck der besorgniserregenden Nach- richten, zunächst i» der Margarine die Urheberin des Ü bels. Sehr erschwert werden nachträgliche Diagnosen natürlich dadurch, daß alle in Milleidenschaft gezogene» Personen schon nach wenigen Sriniden, spätestens naa, ein paar Tagen, wieder hergestellt waren. Ihre KraukheilSshmptome: Ilebelkoil, Erbrechen und Diarrhoe schwanden von selbst in kürzester Frist ohne ärzt- liche Hitfeleistmig. Mit seinem regnerischen, teils kalten, dann wieder lauwarmen Wetter war der Dezember dem Gesundheitszustände der Bevölkerung sehr ungünstig. Wenn wir annehmen, daß dadurch in Deutschland msgesamt 100 000 Menschen vorübergehend leicht erkrankt sind, was will es dann bedeuten, tvenn einige Hundert unter ihnen, hypnotisiert von dem großen Maffcnbeherrscher „Presse", sich allen Ernstes— eingebilder haben, an Margarine erkrankt zu sein. Die Art, wie sich die vermeintlichen Krankheiten äußerten, weist deutlich daraus hin; die Möglichkeit, Erbrechen und Stuhlgang suggestiv zu erzeugen, ist unumstößlich festgestellt. Ge- Witz, die Presse konnte an de» von Hamburg ausströmenden Sensationsnachrichten nicht achtlos borübergehe». sie erfüllte durch die Wiedergabe nur ihre Pflicht als Neuigkritenverbreiterin und war auch nicht imstande, alle Mrldnngen ans ihre Nichtigkeit hin zu prüsen. Auch den Uebereifer und Sie Ilebertreibungen ihrer Berichterstatter legen wir ihr nicht zur Last: aber das ändert nichts an der Tatsache, daß die Mehrzahl der Erkrankungen ihre Ursache im— Nachrichtendienst der Zeitungen haben...' In Summa: Wir halten eS nickt für unmöglich, daß die Monaer Margarine- Werke Mohr u. Co.. Altona-Otlcnsen, die nach �eigenem Geständnis und amtlichen Feststellungen ein neues ausländisches Pflanzenfett benutzt haben, das bis dato in keiner zweiten Fabrik bekannt nnd verwendet worden ist, einen Rohstoff verarbeitet haben, der ein bisher unentdccktes Pflanzengift enthielt. Dieses kann die Erkrankungen zur Folge gehabt haben. Ob e» so ist, wissen wir nicht, den Beweis haben die mit der Unter- suckung betrauten Behörden zu erbringen. Trifft die Finna ein Verschulden, ist sie— sie allein und nicht die Industrie-» dafür verantwortlich. Diese Frage steht also»och offen." Aus welcher Perspektive ein Teil der„anständigen" bürgerlichen Presse die Angelegenheit betrachtet, das enthüllt die genannte Zeit» ichrift a» einem recht typischen Fall. Die„Köln. VolkSzeitung", daS Organ für lautere Wahrheit und für Recht, mochte den Margarine- fabriken in ihrer durch agrarische Hetze vergrößerten Berkegenheit in ihrem Inseratenteil beispringen. DaS ist doch christlich und— profitabel l Der Lerlag des Blatte» beglückte die Fabriken mit folgendem Gebet um lohnende Aufträge: „Der traurige Vorfall der Vergiftungen in einer Reihe nord- und westdeutscher Städte durch de» Genuß von Margarine der Firma Altonaer Margarinc-Werke Mohr U. Co. G. m. b. H. in Altona-Ottcnsen ist wohl geeignet, der gesamten Margarine- Erzeugung einen unheilvolle» Stoß zu versetzen, wenn nicht die Fabrikanten der zum Teil doch weltbekannten und i» jeder Be- ziebung einwandfreien Margarine alsbald vorbeugende Maßnahmen treffen, indem sie mit AufklärungSanzeige» vor die breiteste Oeffcnt- lickkeit treten. Die Margariiiesabnkaiitm sollten dabei nicht unter- lassen, auch große, im öffentlichen und wirtschaftliche» Leben maßgebende und einflußreiche Zeitungen zur Veröffcntlichnng ihrer Alifllärungen zu benutzen, denn wenn auf diese Weise erreicht wird, daß die öffentliche Meinung veranlaßt wird, den unglücklichen Einzel- Vorfall nicht verallgemeinernd gegen die Margarine überhaupt ms Feld zu führen, sondern die Sache objektiv z» beurteilen, so erreicht die reelle Margarineherstellung um so schneller, daß auch die Hanplvcrbrancherkreise da« Vertrauen in da« Erzeugnis der soliden und reellen Fabriken zurückgeioinucn bezw. daß sie eS durch den einzelnen Vorfall nicht verlieren. Die„Kölnische VolkSzeitung" mit ihrer außerordentlich weit umfassenden„Verbreitung"... folgt Loblied auf die Wirksamkeit des Blattes als JnsertionSorgan. gez.„Kölnische Volkszeitung I. P. Bachem. Das ist die anständige Presse! Sollte eS wirklich eine noch unanständigere geben? Das Unglück der Industrie geht dem frommen Blatt so zu Herzen, daß cs sich für— Bezahlung in de» Dienst der guten Sache stellt. Wie rührend! Die Margarine mag mau nicht leiden, besonder» nicht im redaktionellen Teil, dazu verpflichtet die Freundschaft mit den Jimkern, aber Inserate läßt man sich gern de» zahlen. Noo oletl GewerhfcbaftUcb� Schwarze Liften und Glaubwürdigkeit prewßifcber jVlinifter. Die„Deutsche Techniker-Zeitung", das Organ des Deutschen Technikerverbandes, gibt in Nr. 51/1910 einige Erlasse des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Ministers für Landwirtschaft. Domänen und Forsten wieder. In diesen Erlassen vom 2. Juli 1906, 18. August 1906 und 4. Juni 1907(es existieren aber noch mehr als diese) werden die nachgeordneten Behörden angehalten, gewisse namentlich bezeichnete Techniker nicht zu beschäftigen oder, falls sie beschäftigt werden, zu entlassen. Als Grund für diese Aechtung wird in einigen dieser Erlasse„ungehöriges Ler- halten" der Betreffenden im Dienste angegeben. Dasselbe Ministerium der öffentlichen Arbeiten, das also die nachgeordneten Behörden zur Führung schwarzer Listen beauftragt, hat nach der„Deutschen Techniker- Zeitung" unterm 27. November 1908 folgendes Rundschreiben an die Regierungspräsidenten erlassen: .Eine von oem Abg. Grafen v. Hompesch im Reichstage ein- gebrachte Jiuerpellation richtet sich dagegen, daß durch sogenannte schwarze Listen und Vereinbarungen ähnlicher Art Arbeiter und Privatangestellle in ihrem wirlschastlichen Fortkommen geschädigt werden. Wenngleich ich annehme, daß im Bereich der allgemeinen Bauverwaltung.schwarze Listen oder dergleichen' nicht geführt werden, so ersuche ich dennoch darüber zu berichten, ob sie etwa bei einzelnen Baubehörden im Gebrauch sind." Die rechte Hand des Ministers der öffentlichen Arbeiten scheint also nicht zu wissen, was seine linke tut. Aber es kommt noch schöner. Die„Deutsche Techuiker-Zeitung" be- richtet nämlich, daß die Regierungspräsidenten die ministerielle Verfügung an die Kreis- und Wasserbauinspektoren weiter- gegeben haben und„da man bei diesen Behörden weiß, was oben gewünscht wird," so berichtet eine Wasserbauinspektion unterm 11. Dezember 1908 östlich der Elbe an den zuständigen Regierungspräsidenten: „Schwarze Listen oder andere Notierungen und Verünbarungen bezüglich Arbeiter pp. werden hier nicht geführt." Die„Deutsche Techniker-Zeitung" schreibt weiter:„Wenn man nicht die Leichtfertigkeit, mit welcher oft ministerielle Ver- fügungen beantwortet werden, schon zu häufig kennen lernen konnte, dann müßte man es als eine ungeheure Kühnheit be- zeichneu, einfach nach oben zu berichten, daß schwarze Listen nicht geführt werden". Die genannte Zeitung bringt die von derselben Wasserbauinspektion tatsächlich von'1906— 1910 geführte schwarze Liste zum Abdruck. Diese schivarze Liste enthält 13 Namen, einer der Benannten ist wegen einer Zuchthausstrafe. die meisten anderen aber sind wegen„unangemessenen Be- nehmens" oder wegen ihres„Verhaltens" geächtet. Fast bei allen den Gezeichneten ist hinzugefügt, daß sie aus An- Weisung des Ministers der öffentlichen Ar- beiten in der schwarzen Liste geführt werden. Am 29. Januar 1909 salbaderte v. Bethmann Holl- weg in Beantwortung der Interpellation Hompesch über die schwarze Listen, Er erzählte etwas von der„Notwendigkeit der Verständigung" zwischen Unternehmern und Arbeitern; er wandte sich gegen die Heimlichkeit der schwarzen Listen und redete davon, daß die Unternehmer bei der Dauer der Aussperrung immer bedenken möchten,„daß der Arbeit- geber als Einzelner stets gegenüber dem einzelnen Arbeiter der wirtschaftlich Stärkere ist". Die„Deutsche Techniker-Zeitung" weist darauf hin. daß der preußische Staat noch schlimmer ist, als die industriellen Scharf- macher, denn er sperrt unliebsame Elemente nicht auf Zeit. sondern lebenslänglich aus. Der genannten Zeitschrift ist nur ein einziger Fall bekannt ge- worden, wo nach langem Drängen und vielem Bemühen ein Angestellter von der Liste gestrichen werden konnte." Nachdem v. Bethmann Hollweg am 29. Januar 1909 seine Rede vom Stapel gelassen hatte, hat das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten weitere Aufträge zur Führung schwarzer Listen erteilt. Die.Deutsche Techniker- Zeitung" schließt:„Das. was der Herr Reichskanzler hier bei den schwarzen Listen der Bergindustriellen als verwerflich bezeichnet. wird in den ihm unterstellten Betrieben, wie wir nachgewiesen haben, seit langem geübt I" Serlin und Umgegend. Für den Deutsche« Heimarbeitertag, der am tS. Ianvar. vor» mittags 9 Uhr, in Berlin, in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97, zusammentritt, wird allseitig lebhaftes Interesse kundgegeben. Es steht eine stark« Beschickung durch Delegierte aus den Reihen der Heimarbeiter zu erwarten, und zwar werden alle gewerkschaftlichen Richtungen sowie die verschiedensten Berufe dort zu Worte kommen. Auch die bedeutendsten Vereine für sozialpoli- tische Bestrebungen werden offiziell vertreten sein. All« an der ge» setzlichen Regelung der Heimarbeit interessierten Behörden sind ein- geladen. Anmeldungen zur Tagung und Gesuche um Gastkarten sind zu richten an das Bureau für Sozialpolitik, Berlin W. 30, Nollendorfstr. 29/39. Achtung, Automobil-WLfcheri Bei der„A u to m o b i k- B e- triebs- Gesellschaft", Kraftdroschkenbetrieb, Fennstr. 3!, find Differenzen ausgebrochen. Den dort beschäftigten Wagen- Wäschern sind wiederholt Lohnabzüge gemacht worden, so erst vor einigen Wochen wöchentlich 1— l.bv M., aber mit dem Versprechen, daß, wenn neue Wagen kommen, wieder eine Aufbesierung eintritt. Diese„Aufbesserung ist jetzt in Gestalt von wiederum 3—3,69 M. Abzügen pro Woche eingetreten. Da eS sich hier um außerordentlich gesundheitsschädliche, intensive Nachtarbeit handelt, konnten sich die Kollegen diese Abzüge nicht länger gefallen lassen und erklärten. für dies Angebot nicht weiter arbeiten zu können. Die Firma ver- sucht, durch Zeitungsinserate Arbeitswillige zu bekommen. Wir er- suchen alle ArbeitLgcnossen, sich mir den Wagenwäschern solidarisch zu erklären und dieselben in ihrem gerechten Kampf zu unterstützen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Wir bitten. Arbeit dort nicht anzu- nehmen. Sektion der Kraftdroschkenführer des Deutschen Transportarbeiterverbandes, Berlin SO., Engelufer 16. Fenster- und Mesfingpntzerstreik bei der Glaserinnnng. Wie wir schon gemeldet haben, befinden sich die Arbeiter der Glaserinnung seit dem 2. Januar im Streik. Die Arbeiter, die im Jahre 1998 einen Tarifvertrag mit genantem Institut verein- ibarten, nachdem sie einen Wochenlohn von 22 M. erhielten, beabsichtigten nach Ablauf des Tarifcs, der mit dem 31. Dezember 1919 fein Ende erreichte, in Anbetracht ihrer traurigen wirtschaftlichen Lage eine Erhöhung des Lohnes resp. Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse herbeizuführen. Die Geschäftsleitung lehnte jedoch ein Entgegenkommen ab, was um so unverständlicher er- scheint, als sämtliche Institute dieser Branche in Berlin mit Aus- nähme eines einzigen schon seit Jahren einen bis zu 6 M. pro Woche höheren Lohn bezahlen. ES ist übrigens unerfindlich, wie ein Ar- beiter bei einem Lohr, von 22 M. ein auskömmliches Dasein finden soll. Die Geschäftsleitung der Glaserinnung scheint allerdings in 'dieser Hinsicht anderer Meinung zu sein. Die Arbeiter sind zum Streik direkt provoziert worden, indem Silvesterabend 12 derselben angeblich wegen Arbeitsmangel entlassen, als Ersatz aber am 2. Ja- nuar morgens 29 sogar noch ungeübte Arbeiter des gelben Bundes eingestellt wurden. Der Vertrauensmann des Betriebes, der wegen der Entlassung der 12 Arbeiter vorstellig wurde, ist seitens des Herrn Direktors Rubarth in schroffer Weise abgewiesen worden. Die Arbeiter, welche sich die Maßregelung ihrer Kollegen nicht gefallen lassen wollten, legten daraufhin die Arbeit nieder. Es gelang gleich am ersten Morgen, die Arbeitswilligen vom gelben Bund wieder aus dem Betriebe zu entfernen. Die Situation ist eine durchaus günstige für die Streikenden, indem es bis heute gelungen ist, Ar- beitswillige aus dem Betriebe gänzlich fernzuhalten. Der Stre»k muß siegreich verlaufen, wenn die Arbeiterschaft Berlins strengste Solidarität übt. Insbesondere von den Glasergesellen erwarten die Streikenden, daß sie, wenn ihnen zugemutet werden sollte, Kunden der �ensterreinigungsanftalt der Glaserinnung zu dedienen, diese Arbeit entschieden ablehnen. Deutlcsies Reich. Das Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe» das im vergangenen Jahre bei Beendigung der großen Bauarbeiter» bewegung gebildet wurde, tritt am 6. Januar zum ersten Male in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Der Bergarbeiterstreik auf der Grube Douuersmarck bei Rybnit, der fett dem S. Dezember währt, dauert unverändert fort. Don der 669 Mann starken Belegschaft stehen 469 im Ausstande. Die Ursache für den Ausstand ist in einer Schichwerlängerung von acht auf zehn Stunden zu suchen. Drei Tage vor dem 1. Dezember teilte die Grubenverwaltung den Bergarbeitern durch Anschlag dieses Ansinnen mit, nämlich, dajj eine zweistündige Schichtverlängerung noch dazu ohne Lohnerhöhung stattfinden soll..Alle Ver- suche, zu einem annehmbaren Frieden zu kommen, scheiterten an dem starren Willen des Berginspektors Welt, der durchaus die Zehnstundenschicht einführen will. Die Grube ist neu, die Arbelt überaus beschwerlich, da schlechte Luft und viel Wasser in ihr ist. Eine Verlängerung der Schichtzeit können die Bergarbeiter in diesem Loch deshalb schon nicht zulassen. Die Streikenden harren unentwegt im Kampfe aus. obgleich sie nur 6 M. wöchentlich Unterstützung bekommen; es sind meist unorganisierte oder erst kürzlich den Verbänden beigetretene Ar- beiter. Ter Streik wird vom alten Verband(Bochum) in Gemein- schctsi mit der polnischen Berufsorganisation geführt. Während sonst streikende ausländische Arbeiter ausgewiesen werden, weil sie„lästige Ausländer" sind, bemüht sich in diesem Falle selbst der Herr Amtsvorsteher um ausländische polnische Ar» beiter als Arbeitswillige. Die Arbeiter der BerelnSbrauerei in Zwickau, 63 Personen, haben wegen Tarifforderungen die Arbeit niedergelegt, weil die Brauereien auf die vom Brauerei- und Mühlenarbeiterverband ein- gereichten Tarifforderungen so gut wie gar keine Zugeständnisse machten und von dem Wenigen noch einiges zurückzogen. Nach Ausbruch des Streiks haben schon Verhandlungen stattgefunden. Zuzug ist fernzuhalten. Ruslund. Lohnbewegung der Bergleute in Holland. Der Niederländische Grubenarbeiterverband hat in einer Verbandsdersammlung, die in den Weihnachtsfeiertagen stattfand, beschlossen, an die Vereinigung der Limburgschen Grubenindustrie sowie an die Direktion der Staatsgrubenwerke mit Forderungen zur Verbesserung der Lohn und Arbeitsverhältnisse heranzutreten. Es werden Lohnerhöhungen von 16— 25 Proz. verlangt. Zuschläge für Sonntagsarbeit von 69 Prozent, 6 Tage Ferien im Jahre unter Fortzahlung de? Lohnes und noch mehrere andere Forderungen gestellt. Die Aussperrung in der schwedischen Schuhindustrie. ist am Montag durchgeführt worden. Sie erstreckt sich, soweit sich bis jetzt übersehen laßt, auf annähernd 6999 Arbeiter und Arbei» terinnen. In Stockholm haben bis jetzt nur die drei größten Fabriken ausgesperrt, während die kleineren Schuhfabriken weiter» arbeiten lassen, was darin seinen Grund hat, daß sie nicht der Arbeitgebervereinigung angehören. Auch in den übrigen Städten des Landes, wo Schuhfabrikation betrieben wird, haben ein« Reihe von Fabriken sich nicht an der Aussperrung beteiligt. Die Macht der Arbettgebervereinigung reicht also nicht so weiü um die Schuhindustrie überall im Lande lahm zu legen. Der Schwedische Schuharbeiterverband wird den ihm aufgezwungenen Kampf mit aller Kraft durchführen, und eS ist für den Fall, daß der Kampf lange dauert, auch durch die internationale Verbindung der Schuharbeiter dafür gesorgt, daß er nicht vorzeitig abgebrochen zu werden braucht. Selbstverständlich werden die Ausgesperrten vor allem durch die Landesorganisation der schwedischen Gewerk- schaften unterstützt._ «ewegnug der englischen Buchdrucker. Lenden, 2. Januar 1911.(Etg. Bei.) Um die Mitte deS Jahres 1999 setzten die Gewerkschaften der englischen Buchdrucker und der verwandten Berufe mit einer Be- wegung zur Verkürzung der Arbeitszeit ein. Die letzte Verkürzung der Arbeitszeit fand in diesem Berufe vor zehn Jahren statt, als die Dauer der Arbeitswoche auf 62� Stunden festgesetzt wurde. In Schottland arbeiten die Buchdrucker jedoch gegenwärtig»cur 69 Stunden die Woche, und in den Londoner Zeitungsdruckereien beträgt die Nachtschicht 7 bis 7>5 Stunden. Die erwähnt« allgemeine Bewegung der Buchdrucker setzte mit der Forderung einer 48stündigen Arbeitswoche ein. Die Unter» nehmer lehnten diese Forderung jedoch ab. ES kam zu langen Ver. Handlungen, bis schließlich die Arbeiter vor kurzem die Geduld verloren. Sie waren den Unternehmern genügend weit entgegen» gekommen, indem sie ihre Forderungen in der Weise modifizierten, daß sie für das Jahr 1911 ein« 69stündige und erst für das Jahr 1912 die 48stündige Arbeitswoche verlangten. Angesichts der ent- schiedenen Haltung der Arbeiter, die mit einem allgemeinen Streik drohten, machten die Unternehmer den Vorschlag, noch eine Sitzung mit den Vertretern der Arbeiter abzuhalten, ehe eS zu Feindseligkeiten kommen könnte. Die Arbeiter willigten ein, und diese entscheidende Siitzung soll am 19. Januar abgehalten werden. Die Buchdrucker begründen ihr« Forderung mit dem Hinweis auf die große Zahl der Arbeitslosen in ihrem Berufe und auf die große Arbeitsleistung, die heute von dem Arbeiter verlangt wird. Der Arbeiter produziere heute mit den modernen Maschinen doppelt so viel, wie früher. Auch sei bei dem herrschenden System, die Arbeiter immer mehr anzutreiben, die Länge der Arbeitszeit nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die Bewegung kam gestern mit einer gewaltigen Versammlung in der Albert Hall in London zum Abschluß. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der dem Vorstand der Föderation der Gewerkschaften der Buchdrucker und verwandten Berufe die Vollmacht erteilt wurde, den allgemeinen Streik im ganzen Gewerbe zu erklären, sollte sich der Verband der Arbeit- geber in der Sitzung am 19. Januar der Forderung der Arbeiter widersetzen. Für die Arbeiter und den Frieden ist die Lage insofern günstig, als sich die Arbeitgeber nicht einig sind. Sollte es aber dennoch zum Streik kommen, so wird man den Kampf im Februar zu erwarten haben. Die Arbeiter haben sich auf den Kampf vor» bereitet und werden im gegebenen Falle die Kündigung alle am 4. Februar einreichen. Man spricht auch schon davon, in kurzer Zeit eine zweite Bewegung zur einheitlichen Gestaltung de? Mini- mallohnes im ganzen Lande einzuleiten. Leseabende. Dritter Kreis. Donnerstag, den 5. Januar, im Gewerkschaftshause. Zimmer siehe Tafel. Versammlungen. Tischlermeister und Möbelhändler find in einen scharfen Gegensatz zueinander geraten. Die Känd» ler, organisiert in dem„Verein Berliner Möbelindustrieller", wollen es nicht dulden, daß die Tischlermeister mit dem Publikum in einen direkten Geschäftsverkehr treten; sie wollen das Geschäft allein machen und fordern, daß die Meister ihre Produkte nur an die Händler liefern dürfen! Das Publikum müßte dann natürlich die Preise zahlen, wie sie von den Händ» lern festgesetzt werden. Die Tischlermeister weisen nun aber die Zu- mutung der Händler entrüstet zurück, sie wollen sich nicht zu Zw i sche n m e i st e r n herabdrücken lassen, denn darauf würde schließlich das Ansinnen der Händler hinauslaufen, wie die Meister fürchten. Die Händler fühlen sich als die Herren; sie schreiben den Meistern ihre Bedingungen vor, sie verlangen die Unterschrift unter einen Revers, der jeden Meister verpflichtet, nicht an Privatlund- schaft zu liefern; sie stellen Listen von„Bezugsquellen" auf, und wer nicht auf dieser Liste steht, gilt als geächtet. Die Händler haben es abgelehnt, mit den Meistern Unterhandlungen über die neuen Forderungen zu pflegen, sie scheinen sich also sehr mächtig zu fühlen, sie diktieren und erwarten gehorsame Erfüllung ihrer Forderungen. Die Tischleriimung von Berlin hat in einer außerordentlichen Versammlung, die am Dienstag nachmittag in den„Concordia- sälen" stattfand, dem Jnnungsvorstand unbeschränkte Vollmacht zur Abwehr der neuen Händlerbedingungen erteilt. Dem Vorstand soll das Recht zustehen, von Fall zu Fall ungesäumt und ohne vor» herige Genehmigung der Jnnungsversammlung alle diejenigen Maßnahmen zu treffen, welche zur erfolgreichen Abwehr erwiedri- gender Lieferungsbedingungen oder sonstiger verletzender Zu- mutungen erforderlich sind. Der Jnnungsversammlung schloß sich am Dienstagabend eine stark besuchte öffentliche Versammlung der Tischlermeister und Holz- industriellen von Gro�-Berlin an, in der B ry und Ra Hardt über die Differenzen mit den Möbclhändlern referierten. Die letz- teren verteidigten in der Diskussion sehr eifrig ihren Standpunkt. Sie verlangten vor allen Dingen, daß die Tischlermeister, wenn sie an Privatkunden verkaufen, hohe Preise berechnen, mindestens 2 6 Prozent Aufschlag.„Sie gehören zu uns. und wir ge- hören zu Ihnen," so riefen die Händler immer wieder. Die Haupt» fache bleibt, daß das Publikum gerupft wird. Das leuchtete auch vielen Meistern ein; aber sie trauen den Händlern nicht und fürch- ten, in eine schmähliche Abhängigkeit zu geraten. Sie fühlen sich jetzt schon sehr abhängig. Die Mittel, mit denen sie die Händler bekämpfen wollen, zeugen nicht von einem großen Selbstvertrauen. Sie rufen die öffentliche Meinung an und appellieren an die Presse, daß diese nicht etwa mit Rücksicht auf die Inserate der Möbel- Händler� den Meistern die Unterstützung versage. Sie rechnen auf die„anständigen" Möbelhändler und behaupten, daß sie deren In» teressen wahrnehmen; sie spielen sich auf als Hüter der Interessen der Arbeiter und des kaufenden Publikums. Das alles zeugt davon, daß sie sich durch die Händler arg bedrängt fühlen. Einen recht armseligen Eindruck machten auch die Klagen über die schlechte Behandlung der Meister durch die Mö ödeländler und deren Angestellten.„Eine Sünde und Schande sei eS," meinte ein Meister. Kein Geselle dürfe so von dem Meister behandelt werden, sonst kehre er der Werkstatt den Rücken. 3999 Meister und 25 999 Gesellen mit rund 89 999 Familienangehörigen soll das Gewerbe m Berlin umfassen, dem die Händler ihre drückenden Bedingungen auferlegen wollen. Ohne Kampf wollen die Meister sich aber nicht ergeben, lvenn auch der Gesamtverband der Händler, dem auch der Berliner Händlerverein angehört und gehorchen muß, seine Beschlüsse gegen die Meister mit aller Macht durchzusetzen versucht. Die folgende Resolution fand die Zustim, mung der versammelten Meister: „Die am 3. Januar in den„Concordia-Festsälen" tagendS öffentliche Versammlung der Tischlermeister und Holzindu- striellen Groß-Berlins nimmt mit Entrüstung von dem Vorgehen und beabsichtigten Maßnahmen der hiesigen und ausivärtigen Möbelhändlervereine gegen die Lieferanten ihrer Mitglieder Kenntnis; sie protestiert auf das entschiedenste gegen die in Aus» ficht genommenen, den ehrenwerten Stand der Tischlermeister demütigenden Geschäftsbedingungen und Reverse; sie erhebt Ein« spruch gegen jede sich daraus ergebende Gefährdung der Gewerbe« freiheit und Beeinträchtigung der Gleichberechtigung des Hand- werkerstawdes im Wirtschaftsleben; sie erwartet vornehmlich mit Sicherheit von allen rechtschaffenen auf StandeSehre haltenden Kollegen, daß diese einmütig d'« Unterzeichnung von Reversen und Bedingungen, die notwendig eine Einschränkung der Be- wegungSfreiheit zur Folge haben müssen, auf das bestimmteste zurückweisen, und sie beauftragt endlich die Vorstände der Tisch- lerinnung und der befreundeten Verbände, unverzüglich mit ge» eigneten Maßnahmen vorzugehen, um die in Aussicht stehende Schädigung des ganzen Gewerbes abzuwehren." Hetzte ptacbtichten. Die Ausstandsbewegung in Belgien. Lüttich, 4. Januar.(B. H.) Die Ausstandsiewegung unter den Bergleuten hat nunmehr auch das Mitteldecken er» griffen. Einige Hundert Arbeiter der Grube St. Albert in Ressaix sind heute in den Ausstand getreten. Sie ver» langen die Abänderung der neuen Grubenordnung. Lüttich, 4. Januar.(B. H.) Der Genrralausstand der Bergarbeiter in sämtlichen Bezirken ist heute verkündet worden. Brüssel, 4. Januar.(W. T. B.) Die Lage auf de» Grube» deS linken MaasuferS hat sich, wie die Abendblätter erklären, verschärft. Die Zahl der Streikenden wird auf 12 VW geschätzt. Man befürchtet ein Uebergreifen des Streiks auf das rechte Maasufer._ Opfer des Eissport«. Mannheim, 4. Januar.(W. T. B.) Beim Schlittschuhlaufen in der Nähe von Altrip find drei Mädchen eingebrochen und ertrunken. Großfener in einem Flugmaschinenschuppe». Breslau, 4. Januar.(W. T. B.) Heute nachmittag brach i« einem der fünf Flogmaschinenschuppen aus dem Wilhelms. ruher Fluggelände Feuer aus, das sich durch die Erplosto« deS dort in Flaschen lagernden BcnzinS mit rasender Schnelligkeit verbreitete und die Schuppen sowie drei Flugmaschinen vernichtete. UnteroehmerterrorismuS. HelsingforS, 4. Januar.(W. T. B.) Der ttaSstanb der Tetzer dauert fort. Da von den sozialdemokratischen Druckereien die Lohnforderungen der Setzer erfüll« worden sind, haben die Besitzer der finnischen Papierfabriken auf Antrag des Verbandes der Druckereibesitzer beschlossen, während der Dauer deS Ausstände» nur denjenigen Druckereien und Verlegern Papier zu liefern, mit denen Jahreskontrakte bestehen. TaS Erdbeben in Zentralasien. Petersburg, 4. Januar. Nach einer amtlichen Meldung worden durch das heutige Erdbeben in W j er n y i einige Gebäude in der Stadt und die Kasernen zerstört, wobei ein Artillerist getötet wurde. Bisher sind in der Stadt vierzig Leichen geborgen worden. Von einem Kohlenwagen zermalmt. Zabrze, 4. Januar.(B. H.) Auf der Donnersmarck- grübe wurde die Grubenarbciterin S m o l i k von einem Kohlen, wagen erfaßt, geriet unter die Räder und wurde total zermalmt. Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Gl»cke, Berlin. Drucku.Verlag;VorwärtsBuchdr.».B«rwgs-rnftol�PauISingeräCo„BerlinL>V. Hierzu 2 Beilagen n.vntcrhaltnngSbl» Ar. 4. 28. Jahrgang. I Kkil»l>e des.lotuitls" Kerlim öiilliolilnlt. Donnerstag. 5. Jannar 1911 Die INoablter Vorgänge vor Serichr. Achtunddrcißigster Tag. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung Verkündete der Vor- fitzende den Gerichtsbeschluß über mehrere Beweisantrüge: Der Antrag des Rechtsanwalts Dr. Liebknecht ans Angenscheinnahme des Pilzscken Lokals wird abgelehnr, weil die Angaben des Antrages über dw örtlichen Verhältniffe und Maße als wabr unter- stellt werden. Die nochmalige Vernehniung einiger Heiigen zum Falle Pilz wird abgelehnt, weil sie bereits aussührlich der- nominen sind. Die Vernehmung von Sachverständigen über die Verletzungen und geistige Qualität W e I l s ch m i d t s wird abgelehnt. Die Bern'ehniuiig der Redakteure und Sekretäre des„Vorwärts'(es handelt sich um ein angeb liches Telcphongespräch, welches ein angeblicher Anstifter von Exzessen mit der Redaktion des„Vorwärts' geführt haben soll) wird abgelehnt, weil das, was diese Zeugen bekunden sollen, für die Entscheidung des Gerichts über die den Angeklagten zur Last ge- legten Straftaten unerheblich sind. Abgelehnt werden ferner die von der Staatsanwaltschaft beantragte Vernehuiung des Geschäfts- führers B o r ch a r dt, die« von der Verteidigung' beantragte Ver- »ebmiing des Polizeileutnants Bismarck darüber, welche Artikel des.Vorwärts' er für Hetz artikel hält. Ferner, teilt der Vorsitzende mit, daß der Polizeipräsident dem Kriminalkommiffar Kluth die Genehmigung zur Aussage auf die vom Rechtsanwalt Rosenfeld gestellte Frag« verweigert hat. Rechtsanwalt Rosenfeld: Vielleicht hat der Polizei Präsident die Genehmigung nur deshalb versagt, weil das Beweis thema nicht spezialisiert war. Deshalb wiederhole ich meinen An trag. Durch die Beantwortung der Frage, welche ich an den Kriminalkommissar Kluth stellen will, soll folgendes erwiesen werden Der Koiumissar stand mit seinen Beamten auf der Straße. Da trat ein uniformierter Polizeileuwant an ihn heran und sagte, es gehe heut so unangenehm anständig zu, es passiere gar nichts. Der Kommissar solle doch seine Beamten in die Menge hincinschickcn, damit endlich etwas passiere und die Schutzmannschaft gegen daS Publikum vorgehen könne.— Der Erste Staats- a n w a l t erklärt sich bereit, beim Polizeipräsidenten anzufragen, ob er die»Genehmigung zur Aussage erteilen wolle. Hierauf werden noch einige Zeugen zum Fall Pilz vernommen und zwar über den Vorgang am 23. September mittags, Ivo Pilz die Schutzleute verhöhnt haben soll, als sie einen Arrestanten vorüberfnhrten. Die Zeugen geben teils an, Pilz sei zu jener Zeit in seinem Laden gewesen, teils sagen sie, er habe in der Ladentür gestanden, aber nicht den Schutzleuten nachgerufen, auch nicht in die Hände geklatscht. Fe n st erputzer Jlbertz kam am 28. abends auf einem Fahrrade durch Moabit. Er fragte an einer Absperrungslinie einen Schutzniann, wo er am»ächsten nach der Malplaguetstraße komme. Als ihm ein Sckmtzman» Bescheid gesagt hatte, kamen 4 bis b andere Schutzleute, schubsten de» Zeugen, daß er mit dem Rade um- fiel und sagten:„Der Kerl will uns ja bloß veralbern." Schließlich laut auch noch ein Kriminnlbcauitcr hinzu und schlug dem Zeugen mit einem Stock über den Rücken. Ich iveinte, sagt der Zeuge, aber nicht vor Schmerz, sondern aus Wut über eine solche Behandlung. Rechtsanw. Liebknecht beantragt nochmals die erneute Vernehmung einiger Zeugen zum Falle Pilz sowie die Vorlegung der Akten der Slaatsanivaltschaft über einen bestimniten Fall, wo ein Arbeitgeber einen Arbeiter mißhandelt hat, die Staatsanwalt- schaft aber die Erhebung der Anklage ablehnte, weil kein öffentliches Interesse vorliege. Im Falle Pilz dagegen, Ivo ein Arbeitswilliger mißhandelt worden sein solle, halte die Staatsanwallschaft ein öffentliches Interesse für vorliegend. Das Gericht lehnt diese Anträge ab. Zum Fall de? Angeklagten Hermann Weiß, der einen Blumentopf vom Balkon geworfen haben soll, wird als kleines feuilleron. Das Hauptziel der deutschen Sübpolarexpedition, die im Früh- jähr dieses Jahres ihre Reise auf ihrem als Walfischfänger gebau- ten Schiff„Deutschland" antreten wird, besteht in der Feststellung, ob das antarktische Festland, das den Pol jedenfalls in großer Aus- dehnung umgibt und häufig als sechster Erdteil bezeichnet wird, einen einheitlichen Zusammenhang besitzt oder durch einen Meeres- arm in zlvei Teile zerlegt ist. Diese Frage hat auch schon frühere Südpolarforscher beschäftigt. Eben erst hatte der Franzose Charcot nach seinen Erfahrungen in den südlich vom Großen Ozean ge- legencn Gebieten die Vermutung ausgesprochen, daß die Festlands- käste dort einen ununterbrochenen Verlauf besitzt und daher auf das Vorhandensein einer solchen Meeresstraße in diesem Teil nicht zu schließen ist. Wichtiger für die Beurteilung dieses bedeutsamen Problems sind die Schlüsse, die jetzt George Darwin aus den Ge- zeitenbcobachtungen, die von der Expedition unter Shackleton im Jahre 1907 angestellt wurden, gezogen hat. Er hat darüber eine Mitteilung an die Royal Society gemacht. Am weitesten gegen den Pol erstreckt sich von den bisher bekannten Mceresteilen das Roß-Meer, und die Beobachtung der Gezeiten in diesem Gebiet war daher von besonderem Interesse. Aus ihnen hat Darwin ge- folgert, daß sich das Meer unter dem Eise noch über die große Barriere hinaus nach dem Pol hinzieht. Er vermutet weiter, daß sich ein Meeresarm östlich am Pol vorbei und wenigstens noch um 19 Breitengrade darüber hinaus hinzieht. Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich und würde den beobachteten Verhältnissen von Ebbe und Flut im Roß-Meer in keiner Weise widersprechen, wenn sich dieser MeereSarm durch den ganzen Kontinent hindurch bis nach dem Weddellmeere erstrecken würde. Diese Annahme würde auch jener Feststellung von Eharcot nicht zuwiderlaufen. Es ist ein mißlickser Umstand, daß bei Coatsland, dem am weitesten süd- lich gelegenen Land im Weddcllquadranten, bisher noch keine Lan- dung geglückt ist. Jedenfalls würde aber die deutsche Südpolar- expcdition auch hier schon durch sorgsame Gczeitenbeobachtungen wichtige Aufschlüsse darüber erlangen tonnen, ob die jetzt von Dar- tvin kräftig unterstützte Hypothese richtig ist. Aus der indischen Statistik. Ans dem Blanbnch, das die indische Regierung, wie alljährlich, wieder herausgegeben hat. erregen einige Zahlen der Bevölkerungsstatistik besonderes Interesse. Die letzte Volkszählung, die auf das Jahr 1901 zurückgeht, ergab eine Be- völkerung von 294 361 056 Seelen und 55 841315 Häuser. Zwei Drittel dieser Bevölkerung sind Hindus, 62 Millionen Mohamedaner und 3 Millionen Christen. Die große Masse des Volkes ist völlig ungebildet: denn es wurden nur 15 500 000 Personen gezählt, die lesen und schreiben können. D« Tatsache erklärt auch die Ergeb- nisse der Poststatistik, nach der in einem Jahre nicht mehr als 875 255 832 Briefe, Postkarten und Pakete befördert wurden, im Durchschnitt also nur 3 pro Kopf der Bevölkerung. Das Blaubuch Zeugin Frau Nowak vernommen. Sie hat den Wurf, um den es sich im vorliegenden Falle handelt, gesehen, derselbe kam jedoch nicht vom Balkon des Weiß, sondern aus einer höher gelegenen Wohnung. Der Angeklagte Bock beantragt die Vernehmung von zwei Beamten der Wach- und Schließ- gesellichaft, die gesehen haben sollen, daß er ohne Veranlassung von Schutzleuten niedergeschlagen worden sei.— Dem Antrag wird st artgegeben.— Oberkontrolleur B ö s k e von der Wach- und Schließgesellschaft erkennt den Angeklagten Bock. Derselbe habe an der Ecke der Beussel- und Turmstraße mit ihm gesprochen und gesagt, wenn ihn einer angreife, dann wisse er. was er zu tun habe:„Entweder er oder ich" habe Bock gesagt. Am folgenden Tage habe ein Wächter, der auch bei dem Gespräch zugegen war, dem Zeugen mitgeteilt, er habe später den Mann, der die' angeführte Aeußeruug machte, als Verletzten am Boden liegen sehen.— Der Angeklagte Bock behauptet, er habe mit dem Oberkontrolleur gar nicht ge- sprachen.— Wächter Timm hat den Angeklagten Bock am Boden liegen sehen, aber nicht, daß und unter welchen Umständen er niedergeschlagen wurde. Der Vorsitzende teilt mit, daß der Polizeipräsident die Ge- nehmigung zur Beantwortung der vom Rechtsanwalt Rosenfeld zu stellenden Frage erteilt hat.— Die Frage wird dem Kriminal- kommissar Kluth vorgelebt. Er beantwortet sie so:„Am 27. September habe Polizeileutnant Liesen zu ihm ge- sagt:„Heute ist aber uischt los." Weiter habe der Leutnant mchtS gesagt.— Auf eine Frage des Rechtsanwalts Rosen- feld antwortet Kriminalkommissar Kluth, er sei heute über die zu machende Aussage gehört worden. Von wem. darüber verweigert er die Auskunft.— Polizeileutnant Liefen bestätigt die Angabe des Vorzeugen und verweigert die Auskunft über die Frage, ob er Über seine Aussage gehört worden sei. Zeugen sind nicht mehr zur Stelle.— Die Verteidiger erklären nach einer kurzen Beratung, daß sie sämtliche von ihnen gestellten Beweisanttäge zurückziehen mit Ausnahme der durch Gerichts- beschluß bereits erledigten und der zum Falle Pilz gestellten. Der Vorsitzende erklärt hierauf die BeweiSaufiiahme für geschlossen und erteilt das Wort zur Begründung der Anklage dem Ersten Staatsanwalt Steinbrccht: Bevor ich zur Anklage selbst komme, bin ich genötigt eine un- richtige Behauptung zurückzuweisen. Es ist behauptet worden, die Staatsanwaltschaft habe den Vorwurf erhoben, die sozialistische Parteileitung, die Redaktion des.Vorwärts' und die Leitung der organisierten Arbeiter hätten die Moabiter Unruhen angezettelt, ge- wollt und geleitet. Kein Wort davon steht in der Anklage. Diese Behauptung hat dadurch eine gewisse Unterstützung gefunden, daß auf Veranlassung der Verteidigung eine Reihe von Zeugen ver- nommen worden sind, welche diese gar nicht aufgestellte Behauptung widerlegen sollten. Für die erwähnte Behauptung war gar kein Beweis vorhanden. Mit der Vernehmung der Zeugen, welche diese Behauptung widerlegen sollten, suchte die Verteidigung offene Türen einzurennen. Unter diesen Umständen mußte die Beweisaufnahme natürlich im Sinne der Verteidigung ausfallen. Die sozialistische Presse jubelte deshalb, die Anklage sei zusammen- gebrochen. Es ist natürlich verfehlt, zu behaupten, daß eine gar nicht erhobene Anklage zusammengebrochen sei. Die Staatsanwalt- schaft hat nie behauptet oder unter Beweis gestellt, daß dir sozial- demokratische Partei selbst die Unruhen gewünscht oder herbeigeführt habe. Damit fällt auch der Vorwurf zusammen, die Staatsanwalt- schaft habe tendenziös die Politik in diesen Prozeß hineingezogen und der Sache einen politischen Anstrich gegeben. Wir behaupten. daß kein Janhagel, kein Arbeitsloser, kein Zuhälter, sondern Leute aus dem Arbeiterstande an den Unruhen beteiligt waren. Hierzu tritt noch die Tatsache, daß sich von Anfang an ein außerordentlicher Haß gegen die Polizei kundgetan hat. Aus diesen Tatsachen zog dieStaatsauwallschast die Schlußfolgeruna, daß die Unruben auf jahrelange Verhetzung durch die sozialdemokratische Presse zurückzuführen sind. Das steht in der Anklagelchrist. Weiter nichts. Zur Sache selbst kann ich mich kurz fassen, um so mehr, da das Gericht schon zu erkennen gegeben hat, daß es auf die Bekundungen über daS Verhalten der Polizei im allgemeinen keinen Wert legt. Die organisierten Arbeiter der Firma Kupfer verlangten Erhöhung der Löhne und als diese nicht bewilligt wurden, beschlossen sie den Streik. Am 19. September traten 150 Arbeiter und Kutscher in den Streik. Ob und inwieweit ihre Forderungen berechtigt waren, kann dahingestellt bleiben. Aber von Hungerlöhnen und Ausbeutung kann zeigt eine starke Abnahme der P e st an, die im Jahre 1909 nur 174 874 Opfer gefordert hat gegen 1 315 892 im Jahre 1907. Von 584 493 Kranken, die gezählt wurden, waren 107 340 Leprakranke. 350 000 Blinde. 150 000 Taub- stumme und 65 000 Irrsinnige. Aus der Berufsslatistik ist die Tat- jache hervorzuheben, daß 268 000 Schauspieler. Musiker und Gaukler waren; ein Fünftel davon wardü-P�anen. Weiter wurden 1 150 525 Priester gezählt. Ganz unglaublich groß erscheint die Zahl der Bettler, die mit 4 Millionen nngegeben wird, von denen 2 433 115 als Fakire bezeichnet werden. Nock immer wird eine außerordentlich große Anzahl von Personen das Opfer der wilden Tiere. Während de« Jahres 1908 wurden von Tigern 909 Menschen ge« tötet, von Leoparden 302, von Wölfen 269, von anderen wilden Tieren 686. Den höchsten Tribut an Menschenleben fordern die Schlangen, denen 19 738 Menschen zum Opfer fielen. Andererseits ist der Kampf gegen die wilden Tiere energisch aufgenommeu worden; in demselben Jahre wurden 17 926 Tiger, Leoparden und Wölfe und 70 498 Schlangen getötet, für die im ganzen Prämien im Betrage von 210000 M. bezahlt worden sind. Theater. Kamm er spiele: Lanzelot, Drama von Eduard Stucken. Ein Ritterstück, in dem der Dichter, wie in seinem von den Kammerspielcn erfolgreich aufgeführten„Gavan", dem Artus- sagenkreis entnommene Motive dramatisch zu verwerten sucht. Die Sprache, in kurzen Rcimzeilen hineilend, ist von derselben spielend leichten lyrischen Gewandtheit des Ausdrucks wie dort. Es gibt auch, wenigstens im ersten Teil des Werkes, stimmungsvolle Einzel- hcitcn, aber zur Beseelung des Ganzen reicht die Kraft nicht aus. Wenn Schinidt-Bonns„Graf von Gleichen" im Gewände mittel- alterlicher Fabel ein Menschcnschicksal aufrollt, kommt man bei Stucken über den Eindruck archaistischen Expcrimentierens am Ende nicht hinaus. Lanzelot, der mit seiner sündigen Geliebten zu Bett zu gehen meint, um dann am lichten Morgen zu entdecken, daß eine Andere, sein guter Engel, Anfortas unschuldige holde Tochter Elainc, das Lager mit ihm teilte, stellt den guten Glauben der Hörer auf dm harte Probe. Die eigenartig bewegte Szene, die Stucken so gewinnt, hilft über die krassen psychologischen Un- Möglichkeiten in der Voraussetzung nicht hinweg. Viel schlimmer aber ist es, daß nach dieser Wendung des dritten Aktes keines der Momente, die anfangs die Erwartung spannten, zu warmer Eni- Wickelung kommt. Nach dem Auftakt der Dichtung schien es, als solle die Läute- rung eines irrenden, von frevler Leioenschaft zerrissenen Tannhäuser durch die heiligende Gewalt des Gral und die noch stärkere einer opfcrvollen reinen Liebe Gegenstand der Darstellung sein. In das Schloß des Gmlshütcrs, des kranken Königs Anfortas, dringt die Kunde, daß Lanzelot, der Elaines junges Herz gewann, auf den Tod verwundet in eines Einsiedlers Hütte liege. Elaine eilt hin. ihre Pflege heilt ihn. An die geschickt geformten Eingangsszenen reiht sich die dramatisch kraftvolle Schilderung des Widerstreits, in. keine Rede sein. Denn bei anderen Firmen wurden ja auch nicht höhere Löhne gezahlt und die Arbeiter waren damit zufrieden. Es lag also kein Grund zur besonderen Erregung vor. Mit der Erklärung des Streiks traten Streikposten in die Er- scheinung. Nach der Theorie soll es ihre Ausgabe sein, die Lage des Streiks zu beobachten, und in ihrem Sinne auf die Streikenden einzuwirken. Die Praxis hat uns aber gezeigt, daß der Kampf sogleich mit Gewalltäligkeiten einsetzte, die sich während des ganzen Streiks fortsetzten und mit den Vorgängen bei Pilz am 5. Oktober zum Abschluß kamen. Die Berhandlung hat ergeben, daß die Streik- Posten, welche von der Organisation aufgestellt waren, den Kampf sofort mit Pflastersteinen begannen und deshalb für die nach- folgenden Unruhen verantwortlich zu machen sind. Schon am erste» Tage wurden die Arbeitswilligen bedroht. Die Drohung wurde in die Tat umgesetzt, als eine Kohlenfuhre nach der Firma Karstädt gebracht werden sollte. Da wurden die Arbeitswilligen angefallen und einer von ihnen verletzt. Am gleichen Tage fand noch ein zweiter Anfall auf einen Kohlenwagen statt. Am 20. September waren es wieder Streikposten, die beauftragt waren, dem von dein Kutscher Karus geführten Wagen zu folgen. flatus wurde auch bei der Gelegenheit verletzt. Der 21. September zeigt uns ein ganz ähnliches Bild. Aus einem Birkenwäldchen bei», Spandauer Bock stürzten sich Leute, die der Schutzmann Mäß für Streikende hält, auf einen vorüberfahrenden Kohlentransport. Der Schutz- mann hat bekundet, daß er von diesen Leuten angegriffen wurde, und daß einer derselben auf ihn scharf geschossen hat. Das zeigt uns, daß die Streikenden und ihre Helfershelfer mit einem Revolver ausgerüstet sind, um die Arbeitswilligen zu bedrohen, und daß fie auch von dem Revolver Gebrauch gemacht haben. Erschwerend fällt ins Gewicht, daß sich die Gewalttätigkeiten der Streikenden gegen ihre frü h e ren A rb e i tsk o ll e g e n richteten, die mit ihrem Lose zufrieden Ivaren. Es ist hier erwiesen, daß Arbeiter schwer verletzt wurdet», lediglich deshalb, weil sie der ehr- lichen Arbeit nachgegangen sind. Die begleitenden Schutzleute waren dazu bestimmt, die Arbeitswilligen und das Eigentum der Firma Kupfer zu schützen. Das haben sie mit anerkenncnSwcrtcr Ruhe aus- geführt. Sie haben niemals die Masse angegriffen, obgleich sie selbst fortgesetzt angegriffen worden sind. Ich komme nun zu den äußerst schweren Vorgängen an« 24. September in der Rostocker Straße. Da wurden die Begleit- mannichaften von zwei Kohlenwagen von der Menge beschimpft, mit Steinen beworfen und die Wagen angehalten. Bei dieser Gelegenheit brachen aus dem Lokal von Pilz wie ans einem Aussallstor fünf- zehn Streikende hervor. Sie begnügten sich nicht mit Schreien und Johlen, sondern brauchten Gewalt, jo daß sich der eine Kutscher, wie uns eine Zeugin sagte, ergeben mußte und wie ein Kriegs- gefangener in das Pilziche Lokal geführt wurde. Es muß hervor- gehoben werden, daß die Arbeitswilligen die Streikenden in keiner Weise gereizt haben! Es kann auch keine Rede davon sein, daß an diesen Angriffen lediglich Janhagel und Mob beteiligt war. Dieser Kampf geschah unter dem Beisein eines Streikleiters. Als diejer sagte:„Nun ist es geniig I", da wurde der Kampf eingestellt. Aber es dauerte nicht lange, da ging es von neuem los. Auch Fälle von Sabotage liegen vor. Es wurden nicht nur Pferdegeschirre zerschnitten, sondern es ist auch gesagt werden, die Pferde müßten totgcstochen werden. Am 26., mittags, kam dann der Vorgang, an dem die Locwcschen Arbeiter beteiligt waren. Diese Arbeiter wußten ganz genau, daß Kohlenwagen vorüberkommen mußten. Sie stellten sich deshalb in großen Mengen vor dem Tore auf und bewarfen den Kutscher sowie die Schutzleute mit Steinen. Da auf der Straße keine Steine waren, müssen die Arbeiter die Steine mitgebracht haben. Erst als ein Arbeitswilliger, von einem Steinwurf getroffen, auf dem Wagen zusammenkuickte, hat der Kutscher, wie uns der Zeuge Stein- berg sagt, geschossen. Nun wurde die Menge besonders wütend, es wurde verlangt, der Mann, Ivelcher geschossen hat, solle fest« gestellt werden. Aber das genügte der Menge noch nicht. Die Ans- forderung der Polizei, sich zu entferuen, wurde von der Menge mit Schreien und Johlen beantwortet und ein Hagel von Steinen folgte. Die Polizei ging deshalb mit blanker Waffe gegen die Exzedentcn vor. Diese aber verschwanden, wie uns Polizeimajor Klein sagte, gleich Maulwürfen in den Eingängen. Kaum hatte sich die Polizei zurückgezogen, da setzte ein neuer Steinhagel ein. Die Scbutzmannschaft wurde derartig bedrängt, daß sie nichts gegen die aufgeregte Menge ausrichten konnte. Erst der Pfiff der Fabrikpfeife, welche die Arbeiter an die Arbeit rief, machte dem Aufruhr ein Ende. Major Klein hat bekundet, daß es sich hier nicht um einen spontanen Ausbruch, der Wut handelte, sondern um einen wohl- überlegten Angriff auf die Polizei. Hierdurch wird die Behauptung dem Lanzelots Seele ringt. Mit der Gesundung kehrt auch die frühere Tatenlust und die Erinnerung an Ginovers lockende Schön- hett und neue Begier und Reue wieder. In dem Gefühl, daß er, der ehebrecherisch dem besten Freund die Treue brach, auf immer- dar mit ehernen Ketten an seine Schuld gefesselt sei, stößt er das Mädchen von sich, geht aber auf des Einsiedlers Mahnung, daß der Gralskelch ihm die Erlösung bringen könne, zu Anfortas Burg. Man stellt ihn vor das Heiligtum, doch seine Reue ist nicht ernst genug, als daß der Gral ein Wunder an ihm tun könnte. Sein Trotz erhebt sich. Von Anfortas verflucht, stürmt er der alten Qual und Seligkeit entgegen. Es folgt die Szene, wo Lanzelot, statt an Ginovers an Elaines Seite erwacht. Der List des frommen Einsiedlers, der nach einer Prophezeihung von dem Liebcsbund zu- gleich die Heilung für Anfortas Krankheit hofft, soll das verzwickte Arrangement gelungen sein. Elaine hat dabei nur an Lanzclot gedacht; sie dachte ihn aus den Banden seelischer Krankheit zu er» retten. Vor ihren schlichten Worten schmilzt sein Zorn. Tiefe Rührung scheint ihn umzubilden. Nur einen kurzen Urlaub er- bittet er, um Abschied von Ginover und Artus zu nehmen. Im vierten Akte produziert der Rittersmann sich dann plötzlich als ein «usgemachter Schurke, der, wie Elaine in Bcttlerkleidung Einlaß heischt, sie schnöd verleugnet. König Artus überbietet sich in unver- stündlichen Vertrauensseligkeiten dem Pärchen gegenüber. Ginover triumphiert. In dem sentimentalen Schlußakt rudert ein stummer Bootsmann Elaines blumcnüberdeckten Leichnam den Fluß hin- auf zur Artusburg, und der nun wieder reuige Lanzelot hält der Verblichenen einen schonen Epilog. Als armer, heimatloser Pilgers- mann will er aller Lust der Welt entsagen. Die Bühnenbilder zeigten malerisch stilvolle Schönheit, fl a y ß» ler hatte, wenn auch»ficht gleichmäßig in den verschiedenen Par- tien wirkend. Monumte von starker fortreißender Kraft. Die Glanz- leistung des Abends. wm Gertrud Eysoldts zarte Elaine, in der sich zaghaft jungftäultchtO Wesen und visionäre Verzücktheit wun. dcrbär durchdrangen..'. Hin den anderen Darstellern wäre Josef Mörz, der den AnfOrMlWAtgezeichnet sprach, in erster Reil« zu nennen., dt. ,en. Vorträge.„UeKr die Zelle" Lichtbildern) im Arbeiter-Wanderbund 6. Januar, abends 8)� Uhr, im Gel Zutritt. jü — Das Schau spieler-Th schlcsischcr Städte, wie gestern gemeld nicht zustande kommen, da die Theate! — Ausstellungen. Der IOC Nicolais, des Berliner Schriflstell! seinem ehemaligen Hause, Brüdcrstr. Leisingmuseunts durch eine werden. Eine Gedächtnisfeier findet am mittags 12 Uhr, statt. spricht Kurt Bigging(mit „Die Naturftcunde" am shause. Gäste haben das für eine Reihe ist, wird vorläufig t pachtfrei sind. destag Friedrich »chhändlers, wird in den Räumen des stellung begangen den 8. Januar, widerlegt, der Janhagel habe den Aufruhr beruht. Hier waren eS werktätige Arbeiter, die den Angriff ausführten und ihre Wut gegen die Schutzmannschofl richteten. Dieser Angriff der Loeweschen Arbeiter auf die Polizei zeigte dem Major Klein, welche grohe Gefahr bevorstehe. Natürlich traf die Polizei nun weitere Maßnahmen. Die ganze Einwohnerschaft von Moabit stellte sich dann auf die Seite der E�zedeuten und ergriff Partei gegen die Polizei. Das kam zun' Ausbruch indem aus den Häusern geworfen wurde mit Flaschen, Blumentöpfe», Eisenstücken, Steinen und andere»! Gegenständen. Aus der Slratze sammelten sich Menschen- mengen an. Wenn sie Vertrieben wurden, flüchteten sie in die Häuser, kumen aber hinter dem Rücken der Schutzleute wieder zum Vorschein. Wir haben auch gehört, daß bei solchen Gelegenheiten eine gewisse Planmäßigkeit des Vorgehens der Exzedenten bc- obachtet worden ist. Es sind auch Fälle von furchtbarem Terrorismus verübt Warden. Major Klein hatte eine Wohnung zur Unterbringung von Schutzleuten gemietet. Der Hauswirt aber bat ängstlich und totenbleich um Aufhebung des Vertrages, worauf Major Klein einging. Ein zweiter Fall dieser Art ist der, wo ein alleingehender Schutzmann von der Menge verfolgt, beschimpft und bedroht wurde. Als der Verfolgte an dem Hause vorüberkam, wo Frau Dominack stand, da war sie es, welche die Leute auf den be- drohten Schutzmann hetzte. Der Schutzmann floh in das Lokal von Mentzel. Da erschien eine Menge von 300—400 Personen. Charak- teristisch ist die Bemerkung: Du willst Parteibudiker sein und be- herbergst Schutzleute? Das gab der Menge Anlas;, dem Gastwirt die Scheiben einzuwerfen. Wir haben ferner gehört, wie der Wachtmeister Pitt bedrängt wurde, so daß er unter Zurücklassung seines Rockes und seines Säbels aus dem Lokal flüchten mußte. Eharakterislisch ist auch das Verhalten der Menge gegen P a st o r Schwebet. Als er aus dem Straßenbahnwagen stieg, rief die Menge: schlagt den Pfaffen tot. Als es dem Pastor gelungen tvar, in ein Haus zu flüchten, bombardierte die Menge den Torweg. Da es der Menge nicht gelungen war, den Pastor nieder- zumachen, wie sie ja auch den Wachtmeister nicht hat niedermachen können, so richtete sich die Wut gegen die K i r ch e. Die Fenster der Kirche wurden eingeworfen. An demselben Abend ereignete sich der Vorfall, wo die Schutz- leute P r i e s k o r n und S p e r r l i n g vor der wütenden Menge angegriffen wurden. Sperrling wurde durch einen Steinwurf verletzt. Prieskorn verteidigte sich, und als er alle seine Patronen verschossen, batt«, floh er in das Lokal von Rittberger. Sobald sich die Jalousien hinter ihm geschlossen hatten, wurde das Lokal in furcht- barer Weife zerstört. An demselben Abend sind beim Kaufmann Preuß zwei Schaukästen und eine Schausensterschcibe zertrümmert und der Inhalt der Kästen ist geraubt worden. Fragen wir uns, wie die Leute dazu gekommen sind, Rittberger und Preuß zum Gegenstande ihrer Wut zu machen, durch die Antwort, daß es nur aus Haß gegen die Polizei geschehe, denn zu Rittberger hatte sich ein Schutzmann geflüchtet und Preuß sollte für die Arbeits- willigen Decken geliefert haben. Er bat ja nachher auch ein Plakat angebracht, wodurch er dem Publikum mitteilte, daß er keine Beziehungen zu den Streikbrechern habe. An diesem Abend ist auch die Tat des Messerstechers Bock vollbracht worden. Nach diesem Tage ändert sich das Bild. Die verhängnisvollen Handlungen des 20. mußten bei den Schutzleuten Er- bitterung hervorrufen. Die Schutzleute glaubten ihr Leben gefährdet und gerieten deshalb in Erbitterung. Nicht die Schutz- leute. sondern die Ausrührer sind die Angreiser gewesen. Wenn dann die Schutzleute mit den Waffen scharf vor- gingen gegen diejenigen, von denen sie Anariffe befürchteten, so ist das menschlich durchaus erklärlich. Die Angriffe auf die Beamten pflanzten sich an dem folgenden Tage fort. Vom 27. an wurden deshalb auf polizeiliche Anordnung die Restaurationen früh- zeitig geschlossen, auch wurden die Schutzleute mit Karabinern be- waffnet. Darauf mag es zurückzuführen sein, daß vom 30. ab Ruhe eintrat. Welchen Umfang die Ausschreitungen angenommen hatten. beweist der Umstand, daß 80 Schutzleute und drei bis vier Polizeioffiziere verletzt lvorden sind. Schuldig an diesen Ausschreitungen sind nicht nur die, welche selbst geworfen und Angriffe auf die Polizei verübt haben, sondern auch die, welche durch Schimpf- und aufreizende-Rufe die Exzendeten angefeuert haben. Erheblich ist auch der von den Aufrührern angerichtete Sachschaden. 162 Laternen sind zertrümmert worden. Viele Tausende haben sich der Beleidigung und des Aufri'hrs schuldig gemacht. Wenn nun ver- hältniSmäßig wenige Täter verhaftet werden konnten, so erklärt sich nun daraus,' daß die Täter von der Menge gedeckt und den Beamten ihre Tätigkeit dadurch erschwert wurde. Nachdem die Straßen- schlachten'nachgelassen hatten, setzten die Streikenden die Miß- Handlungen der Arbeitswilligen fort. DaS Ergebnis der Beweisaufnahme ist daS: D i e G e w a l t- ftätigkeiten find eingeleitet von den organi- ierten Arbeitern, besonders von den Streikposten. Der Arbeitswillige ist den Arbeitern seit Jahren als ein verachtungswürdiges Subjekt, als Verräter und Lump hingestellt Worden. Dadurch ist dieser fanatisch; Haß zu erklären. Dieser außer- ordentliche Haß hat tatsächlich bestanden. Er ist unterstützt worden durch die Solidaritätsgefühle der Arbeiter. Der Haß ist dos Binde- nnttcl der Massen gewesen, welche die Ausschreilungen begangen haben. Der Haß gegen die Arbeitswilligen hat sich übertragen auf die Polizei, welche die Arbeits- willigen schützte, und dann auch auf die Beamten, welche die Ord- nung auf der Straße aufrecht zu erhalten hatten. Es ist zu Explosionen gekommen, ohne daß es eines Rädels- führerS bedurfte. Den fanatischen seit Jahren geschürten Haß möchte ich als den Rädelsführer bezeichnen, der unerkannt in der Menge sein Un- Wesen trieb. Die Verteidigung versucht, die Schuld an den AuS- söhreitungen dem Janhagel und der Polizei zu- zuschreiben. In dieser Beziehung stehe ich auf dem Standpunkt des Gerichts, welches schon früher erklärt hat, daß alle seit dem 10. Dezember gehörten Zeugen für die Anklage ohne Bedeutung sind. Die Angeklagten selbst haben sich auch gar nicht auf diese Zeugen berufen und auch nicht gesagt, daß sie durch die von diesen Zeugen bekundeten Vorfälle gereizt worden sind. Da aber diese Fälle hier erörtert wurden, müssen'.vir auch Stellung dazu nehmen. ES ist hier von Zeugen erklärt worden, daß sich die Polizei an den ersten Tagen tadellos benommen und ihre Ruhe in bewundernswerter Weise bewahrt hat. Wir üaben von 30—40 Zeugen gehört, daß sie unbehindert nach ihren Wohnungen durchgelassen worden sind. Wir� haben auch gehört, daß die Beamten vielfach durch schnoddrige Reden gereizt worden sind und daß solche Schnoddrigkeite» scharf zurückgewiesen werden mußten. Was die Zeugen anlangt, so muß man unter- scheiden zwischen solchen, welche nur mwa gesehen haben, und solchen, welche angaben, daß sie selbst geschlagen worden seien. Beobachtungen, welche vom Balkon ton zweiten, dritten oder vierten Etage gemacht worden sind» töun«l schon aus räumlichen Rücksichten nicht als sicher angesehen werden. Die Aussagen dieser Zeugen beginnen immer erst da, wöHmand geschlagen worden ist. Was vorherging, haben diese Zeugen nicht gesehen. Es ist ungerecht, sich ein Urteil über' das Schlagen zu bilden, toeim man nicht weiß, was dem Schlagen vorhergegangen ist. Ein großer Teis derjenigen Zeugen, die selber ge- schlagen worden sind, hat offenbar mit der Wahrheit zurück- gehalten, wenn sie gefragt lmirden, ob sie etwas Strafbares getan haben. Die Zeugen wiffnr eben nicht, daß schon der bloße Aufenthalt in einer Menge, aus der geworfen wird, strafbar ist li).und deshalb sagen sie, sie haben nichts getan. Ich habe schvn Mögt, wenn Ungehörigkeiten vorgekonimen sind, so ist das auf die Reizuhg der Beamten zurückzuführen. Daß unter solchen Um>lä»den Mißgriffe vorlommen, ist s elbstv e r stünd li ch.. Aber in vielen Fällen, die in dieser Hinsicht angeführt worden sind, wird man zu einem non liquet(es «st nicht aufgehellt) kommen müffen. Nun gibt eS noch eine Sorte von Zeugen, die von einem gewiffen Blaukoller erfüllt worden sind. Sie haben immer nur das gesehen, was die Schutzleute getan haben, aber nicht was gegen die Schutzleute getan worden ist. Den Aussagen dieser Zeugen kann kein Wert beigemessen werden. Der Staatsanwalt geht nun auf die e i n z e l n e n F ä l l e der Anklage ein. Er beantragt: gegen Tiedcmaim wegen Landftiedenbruchs und Vergehens gegen § 153 der Gewerbeordnung 1 Jahr 6 Monate Gefängnis; gegen Merten wegen derselben Straftaten 9 Monate Gefängnis; gegen Nachtut 8 Monate Gefängnis; gegen Plastrr wegen öffeiillicher Beleidigung 4 Monate Gefängnis; gegen Litwicki wegen Beteiligung bei einem Angriff auf einen Kohlen- wagen 6 Monate Gefängnis; gegen den jugendlichen Angeklagte» Meier wegen schweren Aufruhrs 1 Jahr Gefängnis; gegen Nörcnbcrg wegen Beleidigung 4 Monate Gefängnis; gegen Mußlcwski wegen Beleidigung 6 Monate Gefängnis. Pünktlich wie inimer schließt der Vorsitzende die Sitzung, so daß der Erste Staatsanwalt mitten in seiner Rede abbrechen muß. Der Staatsanwalt wird seine Ausführungen in der heutigen Sitzung, die uin ff'zS Uhr beginnt, fortsetzen. Der Zeuge Sieg(im Bericht unserer DienStagSnummer irrtümlich Sick geschrieben) wünscht die Konstatierung der Tatsache. daß er die angegebenen Bcobachlungen gemacht hat. als er aus der Stadt nach Hause kam und zwar nicht um 11 Uhr, sondern um 1 Uhr nachts._ tzsnilluvgzgehjlfe oder Gewerbegehilfe? Handlungsgehilfe ist,„wer in einem Handelsgewerbe zur Leistung kaufmännischer Dienste gegen Entgelt angestellt ist".(§ 59 Handelsgesetzbuch.) Diese scheinbar einfache Begriffsbestimmung wird in der Praxis insbesondere vom hiesigen Kaufmanns- g e r i ch t recht häufig verkannt. Kaufmännische Dienste bezichen sich im Gegensatz zu gewerblichen Dienstleistungen auf den Umsatz, gewerbliche auf die Be- und Verarbeitung von Waren. Demnach gehört der Verkäufer unbedingt zu den Handlungsgehilfen. Zweifel könnten da entstehen, wo dieselbe Person kauf- männische und gewerbliche Dienste leistet. Allerdings ist das. ein unbegründeter Zweifel. Denn ein Handlungs- gehilfe verliert doch dadurch, daß er außer seiner Handlungs- gehilfentätigkeit noch anderes wt, nicht feine Handlungsgehilfen- eigenschaft. Der Handlungsgehilfe, der in seinem außerdienstlichen Verkehr vielleicht schriftstcllert, dichtet— Freiligrath gehörte zu dieser Kategorie— bleibt Handlungsgehilfe, weil und solange er in einem Handelsgewerbe gegen Entgelt kauftnännische Dienste verrichtet. Ebenso steht eS, wenn der Handlungsgehilfe in dem Handels- gewerbe selbst noch mit kaufmännischen Diensten beschäftigt ist, z. B. gewerbliche Tätigleiten ausübt, die Waren selbst be- oder ver- arbeitet. Da wir aber leider von einem einheitlichen Arbeiterrecht weit entfernt sind, ergeben sich scheinbar hieraus für die Praxis Schwierigkeiten: für die Handlungsgehilfen besteht eine andere Kündigungssrist wie für die gewerblichen Gehilfen, andere Auf- Hebungsgründe, ja auch ein anderer Gerichtsstand: dort ist das Kauf- mannSgericht, hier das Gewerbegericht zuständig. Die Gesetze sind nicht den wirtschaftlichen Bedürfnissen gefolgt, richten sich nicht nach ihnen. Aber sie können sich, sollte ein nicht formalistisch Verbildeter anerkennen, auch nicht anmaßen vorzuschreiben, die werktätige Arbeit solle sich nach der falschen Konstruktion der Gesetze richten. DaS wäre derselbe Unsinn, als wenn ein Photograph nicht sich oder seinen Apparat, sondern den schlecht Photographierten dafür verantwortlich macht, daß er ein anderes Gesicht hat, als die Photographie verinuten läßt. Die Gesetze sind ein Niederschlag der wirtschaftlichen Verhältnisse, nicht umgekehrt. Bei der Auslegung der Gesetze hat man hieran festzuhalten und die Gesetze den Wirtschaft- lichen Verhältnissen anzupassen. Freilich darf die Anpassung nicht so weit gehen, daß gegen die Gesetze entschieden wird. Die Gesetze, insbesondere auf dem Gebiete des ArbeiterrechtS, sind gewissermaßen das Siegel für etwas, was durch lange wirtschaftliche und politisch« Kämpfe der herrschenden Klaffe abgerungen ist. Das nie rastende Wirtschaftsgetnebe hat in der Regel schon die eben gesetzlich gefaßten Vorschriften überholt; weitergehende wirtschaftliche Forderungen sind bereits lebendig geworden, als der gesetzliche Niederschlag der früheren wirtschaftlichen Forderungen erfolgte. Die Natur des Gesetzes ist deshalb reaktionär und unvollständig. DaS darf aber bei Anwendung des Gesetzes nicht zu einem Rückschritt hinter das vom Gesetz Gewollte verführen. E i n solcher Rückschritt liegt vor, wenn den Personen, die Handlungsgehilfen sind, diese Qualität ab- gesprochen wird, weil sie auch gewerbliche oder andere Dien st e für dasselbe San delsgewerbe verrichten. Ein Warcnverkäufer. beispseMpeise bleibt auch dann Handlungsgehilfe, wenn ff>. fsie ffjDaren selbst an- fertigt. Eine Blnmenva�ftv�M�.u: cuitir Händelsgärtnerei bleibt Handlungsgehilfin, auck! wenn sie die Kränze bindet. Aehnlich steht tto astt Bäckermamsells, Fleischergesellen. Verkäufern von BeklRduffgSgegenständen»sw., wenn sie die Handlungsgehilfentätigkeit und eine gelverbliche Tätigkeit auS- üben. Freilich entsteht hieraus ein Konflikt, weil für die ver- schiedenartige Tätigkeit teilweise verschiedenartige Gesetze bestehen. In solchen Fällen ist nach den allgemeinen Grundsätzen dahin zu entscheiden, daß die Gesetze zugunsten des wirtschaftlich schwächeren Teils anzuwenden sind: eS ist das Gesetz in Anwendung zu bringen,' daS dem Angestellten vorteilhafter ist. In der Regel werden daher in solchen Zwitterrechtsfällen die Vorschriften deS Handelsgesetzbuches zur Anwendung zu gelangen haben. Die Praxis schlägt zuuiigunsten der Angestellten einen anderen, logisch nicht zu rechtfertigenden Weg ein. Sie bringt diejenigen Regeln zur Au- Wendung, die für die Tätigkeit gelten, mit der der Angestellte überwiegend beschäftigt ist. Daß daS ein verkehrter Weg ist. zeigt sich schon daran, daß er in all den Fällen versagen muß, in denen die beiden Arten Tätigkeiten sich die Wage halten. Weit über diese Praxis hinaus, zuungunsten der Angestellten, hat sich bei den meisten Kammern des Berliner KaufmonnSgerichtS eine dahingehende Rechtsprechung eingenistet: auch in den Fällen, in denen es sich lediglich um kaufmännische Dien st e handelt, daS Kaufmannsgericht für unzuständig zu halten, weil das HandclSgewerbe zu unbedeutend oder weil die geleisteten Dienste(z. B. der Bäckermamsell) zu minderwertige seien. Jüngst erregte ein solckeS Urteil mit Recht allgemeines Kopf- schütteln beim Jimungsschiedsgericht. Das KaufmannSgericht hatte sich für unzuständig erklärt, lveil der Handlungsgehilfe des- halb— kein Handlungsgehilfe sei, weil daS Handelsgewerbe nicht im Handelsregister eingetragen war. An dieser wiederholt beim Kaufmannsgericht beobachteten Miß- Handlung des Rechts haben sich nicht alle Kammern des Kaufmanns- gerichts beteiligt. Bor unS liegt ein Erkenntnis der Kammer V, das zutreffend anerkennt, daß ein Flcischcrgesclle sehr wohl ein Handlungsgehilfe sein kann, deshalb daS Gericht für zuständig er- klärt, aber auS Gründen, die wir für irrig halten, zur Abweisung der Klage gelangt. Der Sachverhalt dieses Prozesses ist folgender: Der Fleischergeselle St. war gegen einen Wochenlohn von 60 M. bei täglicher Kündigung in der Fleischabteilung des Kaufmanns Wilhelm Stein beschäftigt. Seine Tätigkeit, die er ausschließlich im Verkaufsraum entfaltete, bestand darin, daß er auf Verlangen der Kunden das Fleisch abschnitt oder abhieb und zurichtete. Das Ausschreiben der Kassenzettel wurde von einer Hilfskraft besorgt. Am 8. November wurde St. gekündigt und entlassen. Er klagte daraufhin beim Kaufmannsgericht auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 50 M. pro Woche bis zum 31. Dezember 1810 im Gesamtbetrage von 373,50 M. Der Beklagte wendete zunächst Unzuständigkeit deS Gewerbegerichts ein. Der Kläger sei nicht Handlungsgehilfe, sondern Fleischergeselle. Auch sei die Klage materiell unbegründet, denn der Kläger habe gegen die Entlassung am 8. November keinen Wider- sprach erhoben, so daß sein Einverständnis mit der Entlassung an- zunehmen sei. Der Kläger gab zu, gegen die Entlassung weder Widerspruch erhoben, noch irgend einen Vorbehalt geltend gemacht zu haben. Das Gericht unier Vorsitz des MagistratSratS Dr. Gordan erklärte sich für zuständig. Es führt nach dieser Richtung an:„Da der Kläger eine ausschließliche oder wenigstens bei weitem über- wiegende Tätigkeit als Verkäufer gehabt hat, ist er Handlungs- gehilfe. Seine Dienste waren kaufmännische, wenn auch das Ab- schneiden. Abhacken und Zurichten der Ware von ihm vermöge seiner besonderen technischen Kenntnisse vollzogen wurde. Diese Tätigkeit ist durchaus dem Abwägen, Abschneiden und Abmessen der Ware in anderen kaufmännischen Bettieben gleichzustellen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb für den Verkauf von Fleischwaren ein an« dereS Recht als für andere Stoffe gelten sollte. Daß die Verkehrs- anschauungen den Verkäufer in einer Schlächterei, weil er eine ge- werbliche Lehrzeit durchgemacht hat, den gewerblichen Arbeitern näher- stehend betrachtet als den Handlungsgehilfen, kann sein. Jedoch ist dieses Argument für die Entscheidung der Frage, ob der Schlächterei- Verkäufer Handlungsgehilfe im Sinne des§ 59 H. G. B. ist, keines- falls entscheidend. Es handelt sich hier mehr um die Geltendmachung von Unterschieden in der sozialen Stellung und des Bildungs- grades, welche Erwägungen aber hier durchaus keine Rolle spielen dürfen. Es kann auch nicht darauf ankommen, ob die Gewerbe- lnspektion und die Schlächterinnung die Fleischverkäufer in den Warenhäusern reklamiert. Nur darauf allein ist entscheidend der Wert zu legen, ob die Definition des Z 59 H. G. B. aus die Fleisch- Verkäufer paßt. Dies aber ist zu bejahen. Wenn man bei der Unterscheidung zwischen Gewerbegehilfen und Handlungsgehilfen namentlich auch im Hinblick aus die Regeln über die Zuständigkeit des Kaufmannsgerichts nicht zu irrigen Schlüffen gelangen will, kann als Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Kategorien in der Hauptsache nur angesehen werden, ob der Angestellte bei dem Warenumsatz oder an der Warenproduktion in der Hauptsache tätig ist. Mögen immerhin bei den Tätigkeiten. die nicht unmittelbar mit dem Warenumsatz und der Waren- erzeugung zu tun haben, Zweifel übrig bleiben.(Bureaupersonal. Stenographen usw.) so kann doch jedenfalls nicht bezweifelt werden, daß derjenige, der hinter dem Ladentisch den Kunden bc- dient, mag er nun den zu übergebenden Kaufgegenstand bereits fertig haben oder aus der Warengattung erst spezifizieren, als Handlungsgehilfe anzusehen ist. Selbst wenn mem aber, was übrigens zu verwerfen ist. die mehr oder minder mechanische Tätigkeit eines Angestellten als UnterscheidungS- merkmal für das HandlungsgehilfenverhältniS ansehen will, so muß gerade der Schlächtereiverkäufer, weil seine Tätig- keit besondere Sachkunde und Geschicklichkeit voraussetzt, zu der Klasse der nicht mechanisch tätigen Hilfspersonen gerechnet werden. Wollte man dem Fleischereiverkäufer die Eigenschaft als Handlungs« gehilfe versagen, so wäre es in der Tat nicht einzusehen, wie man sie anderen im handwerksähnlichen kaufmännischen Betrriebe im Ver- kauf tätigen Personen versagen sollte, wie z. B. Bäckerei« Verkäuferinnen, Blumenverkäuferinnen oder auch Verkäuferinnen in Bazaren mit gleichem Preise, z. B. Fünfzigpfennig-Bazaren, deren Tätigkeit im Grunde genommen auch lediglich in dem Heraussuchen der Ware für den Kunden besteht." Die Klage wurde dennoch angewiesen, weil daS Gericht annahm, der Kläger sei mit der Eimassiing einverstanden gewesen. ES liege ein Verzicht auf Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist vor. Es könne als notorisch gelten, daß die Fleischvcrkäufer ebenso wie die SchlächtermanisellS und Bäckereiverkäuferinnen, wenn sie kündigen, in der Regel sich auf ihre ortsüblichen Kündigungsfristen von 3, 8 oder 14 Tagen berufen, wie auch der Kläger bei seinem früheren Chef Philippsberg dies getan hatte. Die Annahme, ein Verzicht auf die Kündigungsfrist liege vor, halten wir für verfehlt. Der Annahme widerspricht einmal die Tatsache, daß die Klage erhoben ist. Ihr widerspricht ferner die zwingende Vorschrift, daß selbst eine ausdückliche Vereinbarung einer kürzeren einmonatlichen Kündigungsfrist für Handlungsgehilfen ungültig ist. Ein solcher Verzicht würde, auch wenn er ausdrücklich aus- gesprochen wäre, endlich auch nach§ 2 deS Lohnbeschlagnahmegesetzes unwirksam sein. Denn danach ist jede Verfügung der Angestellten über den Lohn durch ein Rechtsgeschäft(und ein Verzicht ist ein solches) ohne rechtliche Wirkung, so» weit eS sich um eine unpfändbare Lohnforderung handelt. Immerhin ist aber den Fleischergesellen. Bäckermamsells. Verkäufern und Verkäuferinnen durchweg zu raten, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, sie hätten auf ihr Gehalt verzichtet, ausdrücklich zu ver- langen, daß die gesetzliche Kündigungsfrist eingehalten werde. Das ist die sechswöchentliche zum OuartalSersten. Sie kann auf weniger als einen Monat zum Monatsschluß nicht vereinbart werden. Wenn in so starkem Maße in Berlin Verkäufer und Verkäuferinnen in Fleischerläden, Bäckereien, Konditoreien, BazarS usw. von ihrem gesetzlich ihnen zustehenden Rechte keine Anwendung machen, so liegt dies zum Teil daran, daß sie eS unterlassen haben, ihrer Organi» sation(dem Zentralverband für Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, Neue Königstr. 86) beizutreten. Hua Induftm und Handel* Statistische Aiutöwcisheitcn. Die Ziffern der G o l d e i n- und- ausfuhr werden wegen der auö»bnen möglichen Rückichlüffe auf die Versorgung mit Währungsmetall, internationale Schuldverhältnisse, Wirkung der De« Visenpolitik usw. stets genau beacdtet. Die monatlichen Veröffenilichungen kommen jetzt vom Retchsbankdirektorium und auch vom Statistischen Amte. ES sind beides amtliche Stellen, denen alle Er- hebnngs- und Feststellnngsmöglicbkeiten zur Hand liegen. Und wie ist der Effekt? Die kürzlich veröffentlichten Ziffern lauten: Reichsbank- Statistisches direkiorium Amt Einfuhr... 298 Millionen Marl 443 Millionen Mark Ausfuhr... 133„. 191.. Ueberschuß. 105 Millionen Mark 257 Millionen Mark In einem Monat also zwischen zwei amtlichen Statistiken eine D i s f e r e n z v o n 92 M i l l i o n e» Mark. Die Interessenten haben hier also amtliche Statistiken zum Aussuchen, je nach Bedarf können sie die eine oder die andere benutzen. Ein Streik der Fleischvertcuerer. Da» Treiben der Bich- kommisfionäre auf dem Münchener Schlachthofe hat fest Jahren den allgemeinen Unwillen erregt. Bisher hatten die Herren auf dem Münchener Schlachthofe das Heft in der Hand und die Zu- fuhr„geregelt*,«n den einzelnen Markttagen war diese oft so schwach, daß der Bedarf nicht gedeckt werden konnte. Die Folge war, daß die Fleischpreise in die Höhe schnellten. Der Stadtmagistrat München hat deshalb ortspolizeiliche Vorschriften erlassen, wonach die Viehkommissionäre verpflichtet sind, in ein Formular die Her- kunft der Tiere, das Schlachtgewicht, den Käufer und Verkäufer und den Preis einzuschreiben. Diese ortspolizeilichen Vorschriften traten am 1. Januar in Kraft. Am nächsten Markttage weigerten sich nun die Viehkommissionäre ausnahmslos, diese Formulare auszufüllen, und stellten sogar vor dem Schlachtbureau einen-- Streikposten auf, damit ihre Weigerung von keinem ihrer Kollegen durchbrochen würde. Vor- stellungen der Schlachthosdirektion führten nur zu erregten Aus- einanderl'etzungen. Die Weigerung der Viehkommissionäre dürfte eine Massenanzeige wegen Nebertretnng ortspolizeilicher Vorschriften zur Folge haben. Verband der Linoleumfabriken. Die sieben deutschen Linoleum- fabriken: Eermania-Linoleum-Werke Aktiengesellschaft, Biegtheim bei Stuttgart, Rheinische Linoleumwerke, Bedburg bei Köln, Bremer Linoleumwerke„Schlüsselmarke". Delmenhorst, Delmenhorster Linoleumfabrik„Anker-Marke", Delmenhorst, Deutsche Linoleumwerke„Hansa", Delmenhorst, Linoleumfabrik Maxiiniliansan am Rhein und die Deutsche Linoleum- u. Wachsluch-Compagnie Rixdorf bei Berlin haben sich zu einer festen Preisvereinigung zusammen- geschlossen. Anscheinend will man einen stabilen Preis festlegen und zwar ans der Grundlage der höchsten Rohmaterialienpreise, so daß die Preisschwankungen, die speziell an, Linoleummarkt ganz erheblich sind, den Linoleumfabriken ganz sichere und ganz erhebliche Vor- teile garantieren. Selbstverständlich klagen die Werke über un- zureichende Preise für ihre Erzeugnisse. DaS behaupten sie natürlich nicht aus verwerflicher Begehrlichkeit, die bekanntlich nur bei den unersättlichen Arbeitern zu finden ist und die sich in Lohnforderungen so unangenehm bemerkbar macht. Die Aktionäre lassen lediglich zur Sicherung ihrer sorgenvollen Existenz die Konsumenten schröpfen, konnten doch zum Beispiel in den beiden letzten Jahren nur folgende Dividenden verteilt werden: Rixdorfer Linoleumwerke 5 und 8 Proz., Delmenhorster Linoleumwerke 1Z und 13 Proz., Bremer Linoleum- werke 18 und 18 Proz. Mit solchen Kummergewinnen können die Popier„arbeiter" nicht auskommen. deshalb sollen die Preise reguliert werden. Ob man auch an eine entsprechende Regulierung der Löhne denkt? Metallbörse in Berlin. Die schon seit langer Zeit geplante und vorbereitete Begründung einer Metallbörse in Berlin ist nunmehr erfolgt. Die Zusammenkrinft der Interessenten soll von jetzt an jeden Dienstag und Freitag in der Produktenbörse erfolgen. Gutes„Wasser" für die Aktionäre liefern die Charlottenburger Wasserwerke. Nach Abschreibungen in Höhe von 310 738 M.(im Vorjahre 277 142 M.) verbleibt für das am 30. September 1910 beendete Geschäftsjahr ein Ueberschuß— einschließlich 177 210 M. (444 788) Vortrag— von 3 123116 M.(3 170 700), ein Reingewinn von 2 948 903 M.(2 734 912). Daraus sollen 12 Proz.(im Vorjahre 14 Proz.) Dividende gezahlt und 814 861 M. aus neue Rechnung vorgetragen werden. Die Reduzierung der Dividende und die starke Steigerung des Vortrags geschieht, wie die Verwaltung erklärt, mit Rücksicht darauf, daß das jetzt vollgezahlte Kapital von 10 Millionen Mark ab 1. Oktober 1910 dividendeuberechligt ist. Gerichts- Zeitung» Der verbotene Weg zur Sozialdemokratie. Der MeichLtagSwaHlkreiS Frankfurt a. O.-Lebus hatte bekannte lich im Sommer 1910 eine Ersatzwahl vorzunehmen. Im Laufe der Wahlagitation gelang es der Sozialdemokratie, auch für das Dorf Briefen eine erste Wählerversammlung zustand« zu bringen, in der der Reichstagskandidat, Genosse Faber-Frankfurt, unsere Ziele darlegte. Viel Mühe und Sorge hatte von dieser Versammlung der Amtsvorsteher v. Stiinzner-Garbe auf Siedersdorf, der über Briefens Wohl zu wachen hat. Weil für unsere Genossen in Briefen ein Saal nicht zu kriegen war, so hatten sie unter freiem Himmel die Wähler des Ortes um sich versammeln wollen. Der Amtsvorsteher, der darin wohl so etwas wie eine Gefahr für die öffentliche Gesundheitspflege sah, ordnete an. daß für die Besucher der Versammlung zunächst mal die nötigen Aborte zu beschaffen seien. Er trieb seine Vorsicht soweit, die Bc- dingung zu stellen, daß für jedes der beiden Geschlechter ein be- sonderer Abort hergerichtet werden müsse. Und schließlich forderte er noch, daß auch für genügende Wasserzufuhr gesorgt werde. Unsere Genossen in Briefen hätten ja, um die Versammlung zu- stände zu bringen, gern die ganze Dorfmark mit Wasserleitung und Kanalisation versehen. Aber da ihnen das in der Eile nicht möglich war. so mutzten sie darauf verzichten, sich unter freiem Himmel zu versammeln. Sie beriefen nun die Versammlung nach der Privatwohnung des Arbeiters Schöppe ein, doch hier entstand sogleich ein neues Bedenken. Die Wohnung lag auf einem Grund- stück, zu dem ein dem Besitzer des Nachbargrundstückes gehörender Weg führte. Das Recht der Mitbenutzung des Weges war grund- buchlich eingetragen, im übrigen aber betrachtete der Nachbar, der Bauer Baensch, den Weg als einen Privatweg. Wer es unbedingt nötig hatte, ihn zu benutzen, wurde darin nicht gehindert. Nur gab es Leute, die da meinten, dah in Briefen kein Mensch es unbedingt nötig habe, diesen Weg zur Versammlung der Sozialdemokraten zu gehen. Bauer Baensch besann sich, datz er in früheren Jahren eine Warnungstafel an den Weg gestellt hatte. Und just an dem Morgen des Sonntages, an dem die Versammlung stattfinden sollte, stellte er eine neue Tafel auf. Man weitz nicht, wie es kam, dah schon am Mittag die Tafel wieder verschwunden war. Arglos pilgerten die Vcrsammlungsbesucher zu der Schöppeschen Wohnung, ohne zu ahnen, dah sie einen„verbotenen Weg" gingen. Aber schon war die verschwundene Warnungstafel durch einen Gendarm ersetzt worden. Diesem gelang eS, ein rundes Halbschock Personen zu er- wischen, die er als„Unbefugte" aufschrieb. Allen wurde hinterher ein Strafbefehl des Herrn Amtsvorstehers aufgepackt: 3 Mark pro Kopf sollten sie dafür bezahlen, datz sie den verbotenen Weg zur Versammlung der Sozialdemokraten gegangen waren. Alle erhoben Widerspruch und beantragten richterliche Eni- scheidung. Aber das Schöffengericht Frankfurt a. O. erklärte die Strafen für gerechtfertigt und ihre Höhe für angemessen. Das Urteil sagte, es handle sich um einen Privatweg, dessen Benutzung als Notweg beim Verkauf des Grundstückes zugestanden worden sei.. Dazu sei aber erforderlich, datz eine wirkliche Notlage zwinge, den Weg zu benutzen. Nun könne man nicht sagen, dah dieses Grundstück das einzige' in Briefen sei. das zur Abhaltung einer politischen Versammlung sich eignete. Im übrigen sei bei der Ein- räumung des Rechtes, den Weg mitzubenutzen, an rein Wirtschaft- liche Zwecke gedacht worden. Mithin seien die Berfammlungs- besucher nicht befugt gewesen, diesen Weg zu benutzen. Gegen dieses Urteil legten fast sämtliche Verurteilten Berufung ein, und so hatte gestern das Landgericht Frankfurt a. O. durch seine Strafkammer II sunter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Partheh) zu entscheiden. Das Erscheinen der Angeklagten war nicht angeordnet worden, es hatten aber übcrflüssigerweise drei von im ganzen achtundzlvanzig Angeklagten sich doch eingefunden. Alle drei erklärten in ihrer Vernehmung, der Weg sei ihnen nicht als ein„verbotener" bekannt gewesen, auch der Gendarm habe ihnen nichts von einem„Verbot" gesagt, er habe sie lediglich auf- geschrieben. Wer dafür gesorgt hatte, datz der Weg durch einen Gendarnren bewacht wurde, das suchte der Verteidiger Rechtsanwalt Falkenfeld(Frankfurt a. O.) aufzuklären. Er behauptete, der Gc- danke sei nicht von Baensch ausgegangen, sondern ihm au» dem Bureau des Amtsvorstehers zugetragen worden. Bei den Akten befand sich ein mit Baensch aufgenommenes Protokoll, unterzeichnet von Baensch und dem Amtsvorstcher. Danach wäre Baensch an dem der Versammlung vorhergehenden Tage„unvorgeladen erschienen", um unter Hinweis auf die geplant« Versammlung zu bitten, datz Unbefugte an der Benutzung des Weges gehindert würden. Der Verteidiger lieh gestern dem als Zeugen vernommenen Bauer Baensch dieses Protokoll borhalten. Der Vorsitzende fragte: Sie gingen zum Bureau des AmtSvorsteh:rs? Da wollten Sie sich wohl Rat holen? Zeuge: Nein. Vorsitzender: Warum gingen Sie dahin? Zeuge: Ich bin nicht hingegangen. Vorsitzender: Ach� der ist zu Ihnen gekommen!? Zeuge: Ja. Vorsitzender: Haben Sie ihn eingeladen, Zeuge: Nein. Vorsitzender: Der kam also zu Ihnen, und Sie sprachen mit ihm? Zeuge: Ja. er sagte, ich möchte Strafantrag stellen. Auf eine Frage des Verteidigers, mit wem Baensch denn am Tage der Protokollaufnahme verhandelt habe, antwortete Zeuge: Nur mit dem Schreiber. Als der Vorsitzende die weitere Erörterung dieses Punktes als unerheblich zurückwies, veranlatzte der Verteidiger die Protokolliernng der Aussage, datz Baensch an jenem Tage gar nicht mit dem Amtsvorstehrr verhandelt habe. Verlesen wurde auch die Aussage des Gendarmen Rauten- berg, der bor dem Schöffengericht bekundet hatte, er habe alle auf das Verbot aufmerksam gemacht, ehe er sie notierte. Der Verteidiger beantragte, die Angeklagten freizusprechen und die Kosten dem Amtsvorsteher v. Stünzner-Carbe oder eventuell der Staatskasse aufzuerlegen. Das Recht, diesen einzigen Zugangsweg zu dem Grundstück zu benutzen, sei unbestreitbar. Aber selbst wenn das Gericht ihn als blossen„Notweg" mischen wolle, werde in dem vor- liegenden Fall« seine Benutzung gerechtfertigt durch das erhebliche Allgemeininteresse, das einer Wählerversammlung geWitz nicht abzustreiten sei. Freilich Hab« der Amtsvorsteher gerade um der Wählerversammlung willen die ganze Aktion veranlatzt. Die Per- sammlung zu verhindern, darum sei es ihm zu tun gewesen. Zur Kennzeichnung des Amtsvorstehers wollte der Verteidiger einen Bericht der Frankfurter„Oder-Zeitung" über eine Versammlung liberaler Wähler verlesen, die 14 Tage nach jener sozialdemo- kvatischen Versammlung in Briefen abgehalten worden war, und in der auch der Herr b. Stünzner-Carbe sich an der Diskussion be- teiligt hatte. Auf Antrag des Staatsanwalts beschloß das Gericht, jede weitere Erörterung der politischen Gesichtspunkte habe zu unterbleiben. Der Verteidiger kündigte dann neue Beweisanträge an, und da auch der Staatsanwalt die nochmalige Befragung des Gendarmen für nötig hielt, so wurde Vertagung beschlossen. In dem neuen Termin, zu dem das Erscheinen sämtlicher Angeklagten angeordnet wird, soll festgestellt werden, ob der Gendarm alle auf das Verbot aufmerksam gemacht hat. Jener Versammlungsbericht, den das Gericht nicht anhören wollte, lätzt den Amtsvorsteher v. Stünzner-Carbe zu den Briesener Wählern sagen:„Meine Herren! Sie alle wissen, wie ich alz Ihr Amtsvorstcher für Sie sorge, wie ich mir die Hände krumm schreibe und die Fühe wund laufe für Sie. Gegen die Sozialdemokratie, unser aller Feind, kämpfe ich mit den Mitteln, die mir zu Gebote stehen."_ Entmündigung der Frau v. Schönebeck. DaS Amtsgericht Charlottenburg hat die�durch den Allen- steiner Prozetz bekannt gewordene Frau v. Schönebeck(Weber) wegen Geistesschwäche entmündigt. Die gegen den Beschluß zu- lässigen Rechtsbehelfe der Beschwerde und Klage sind von den Be- teiligten eingelegt._ Hausbcsitz und Wohnnngsvcrmieten als Gewerbe. Eine für Hausbesitzer wichtige Entscheidung fällte am Diens- tag der fünfte Strafsenat des Reichsgerichts. Zur Prüfung stand ein Urteil des Landgerichts Köln vom 26. Juni v. I. Durch dieses ist der 74 Jahre alte und bisher unbestrafte Privatier August Sch., Besitzer von fünf Häusern, wegen fahrlässiger Tötung unter Außerachtlassung einer Gewerbepflicht zu drei Tagen Ge- fängnis verurteilt. In einem seiner Häuser war eine Keller- Öffnung, die zum Einlassen von Brennstoffen dient, nicht genügend verdeckt. Die Mieterin Frau S. trat eines Morgens auf den Deckel und fiel teilweise in das Loch hinein. Sie ist nach acht Tagen an den erlittenen Verletzungen gestorben.— Die Revision des Angeklagten wurde verworfen. Die Annahme der Gewerbs- Mäßigkeit, führte das Reichsgericht aus, ist ausreichend fest- gestellt. Sie ergibt sich im vorliegenden Falle aus dem besonderen Umstände, datz der Angeklagte eine größere Anzahl von Häusern besitzt und datz seine Tätigkeit sich darauf beschränkt, diese Häuser zu vermieten._ Bestrafte Erpressung. Die Strafkammer in Schweidnitz verurteilte gestern den ausbesitzer Fiedler aus Friedrichsdorf, welcher der räfin Scherr-Thotz aus Stein-Seifersdorf mittels eines Erpresser- briefes unter Androhung eineS Bombenattentats 800 M. ab» genommen hatte, zu zwei Jahren Zuchthaus. Ft/nsTB 3 Pfg mmm HiinterKHUIg In Konutrulitlon nnd Anaftthranx, gleich vonsilgllcli tili- Haasgebranch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. HICRI.IV. I.eipziger Straße 08. r— 4| Läden in den verschiedenen Stadtteilen. 1 ch 20 Säle und Vereinszimmer mit modernen Hlthucn, in allen türtißen sowie 8 neu renovierte Kegelbahnen an Wochentagen (auch einige Sonnabende und Sonntage) noch frei Sophien-Säle Pracht-Säle Alt-Berlin 0. 84, Sophlenatr. 17-18 Illnmenmtr. 10 lel. III 2783 Tel. VU 3095 Inhaber; Paul Raata.• r Heinrich Pranck � Tel.}: Amt III. 4382. Brunnenstraße 22. s bis 7 Ahr geöSnet. Mein Rohtabak- und Utensiliengeschäft befindet sich jetzt BrunuenslraDe 22, direkt neben Jandorf. . Telephon und Geschäftszeit wie bisher. IT An diesem Schild sind die Läden erkennbar, m denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Ein Versuch Oberzeugt! ? MIGCI" Bouillon-WOrfel sind die besten! 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Der Zeldherrn- Hügel. Aussielliiugs-Theater. UnsereKSte. Luisen. Ziludickes Reise n. Indien. Modernes. Der Doppelmensch. (Ansang 8'?, Uhr.) Roie. Don Carlos. Herrufeld. Eine verlorene Nacht. Er. Sie und Er. Volksoper. Der Troubadour. Folies Eapriee. Der Feldwebel- Hügel. Die abgetretene Frau. (Ansang 8>/, Uhr.) Metrunu.. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wivpchen. Apollo. Spezialitäten. Bagage. Spezialitäten Voigt. Geschlossen. Reichsvalleu. Steltincr Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Sanssonci. Wie werde ich reich? Spezialitäten.(Ans. 8>/< Uhr.) Walhalla. Bravo I Dacapo!(An sang 81/, Uhr.) Karl Havelland. Spezialitäten. Urania. Taubenstrasle 48/49. Abends 8 Uhr: Bon San stiemo nach Florenz. Sterntvarte, Jnvalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. Donnerstag 8 Uhr: Anatol. Freitag: WenntoirTote» erwachen Sonnabend 8 Uhr: Anatol. Berliner Theater. Heute: LiilWglzMNtgN.» Ahr. Morgen: Bummelstudenten. km Theater. Täglich- Der G. m. b. H.-Tenor, Ansang 8 Uhr._ Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: Doppeliuenscta._ Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 5. Januar, abendS 8 Uhr: Zum erstenmal: Die blaue Maus. Schwank in 8 Akten von Alexander Engel und Jul. Horst. Freitag: Cyrano von Bergerac. l.us'tspivIhsiZs. Abends 8 Uhr: Der Feldl/errnhugel. Resldenz-Tlieater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Familie Bolero Schwank in 3'Akten von Maurice Henncquin und Paul Btlhaud. Morgen und solgende Tage: _ Familie Bolero. Luisen-- Theater. Abends 8 Uhr: Mudlckks Mennch Indien. Freitag: Premiere: Der Millionen- junge. Sonnabend 4 Uhr: Hansel und Gretcl. 8 Uhr: Der Millionenjunge. OSMIEATED Grojje Franksurter Str. 132. Bei ausgehob. Abonnement, .um ersten Male: n zur Don Carlos. Dramat. Gedicht in 5 Akten v. Schiller. Ansang 8 Uhr. Ende nach 11 Uhr. Freitag: Der Kaiserjäger. 8 Uhr: Das Volt ständig neiie. sensationelle'Programm. 10 grelle Ittraktioneo 10 mit Otto Rentier Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Hörsaal. Zyklen im 1. Quart,: Industrie u.Technik(Brüssel 1910). Elektr. Entladungen(Prof. Dr. Donath). Feuer, Wasser, Luft u. Erde(Prof. Dr. Rathgen). Aus der Werkstatt des Lebens(Dr. Bemdt). Weltverkehr(Dr.Hennig). Großeisenindustrie usw.(Ingen. Keßner). Erdkunde(Prof. Dr. Schwahn). Prospekt kostenlos. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Himmel auf Erden. Schwank in 3 Akten von Julius Horst. Ende lO'/t Uhr. Freitag, abends ß Uhr: Oespenster. Sonnabend, abendS 8 Uhr: Der- Himmel ant Erden. Schiller-Theater Chariottenburg. Donnerstag, abends 3 Uhr: Hnsarenfleirer. Lustspiel in 4 Akt. v. Gustav Kadelburg u. Richard Skowronnek. Ende 10'/« U. Freitag, abends 8 Uhr: Die Haeht der Finsternis. Sonnabend, abends 3 Uhr: Hnsarenfleder. Kaiser- Panorama. Neu! Reise ins Pharaonenland von Trlest nach Kairo. II. Wanderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. Jftetropol' Theater. Hurra! Wir lebe« noch! Graste AusstattungSrcvue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v In Szene gesetzt von Dir. olländer. L Schultz. Ansang 8 Ühr. Rauchen gestaltet a.« (T" X en o r Spielplan!' Ethel Xevey, Amerikas Favorit. I-a belle Econora, Spaniens Stolz, Ka-Ten-Ichy-Truppe, japanische Wasserspiele. Harmony Four, ein muaikal. Ulk. Therese Renz, Schulreiterin. The Caudsmidts, Clown-Akrobaten, mit ihren spanischen Pndeln. De Witt, Burns, Torrance, Exzen- triks, in ihrer Szene:„Lobendes Spielzeug". Mlle. Denarbers Luftballonfahrt über den Köpfen des Publikums. Valazzi, Jongleur. The 3 Erncst, kom. Reokakt. Les fleurs Polonaises in ihr. Szene; „Ein polnisches Bauernf�t' Biograph, neueste Aufnahmen. er Uhr. Vorverkauf II— 2 Uhr. Zwei Schlager: Line verlorene Nacht. Er, Sie und Er Mit Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen._ „CLOU" BEREITER KOXZERTH AUS Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Eintritt 50 Pf. !!! 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Nordhaigen: Dtr. HanS Reitz. Äasfeneröstn. 7 Uhr. Ans. 8. Seliinuggler. Romant. Pantomime in 4 Berliner Volksoper Bcllc.Allianceftraste 7/8.— l/,9 Uhi: Der Troubadour. Karl Haverlaud- Sinfang Prä,. VI, U. Januar Kommandanten» . straste 77/79. Ein urkomisches 1011. daS Tagesgespräch im neuen Jahre. UCHTSPIELE. Mozart-Saal. Nollendorf- Platz. Beginn 6 Uhr. Ende Königstadt-Kasfno. Holzmarklslr. 72. Ecke Alexanderstraste. Die neuen Jauuar-Spezialitöten. Ellen Tsueri, UiS kiolly, Gebr. Kvhn, Gustav Bonns, Sylvester, tos Lands, Sport-Alt, Erunz 8obanski. „Berliner Windbeutel." Schwank mit Gesang in 1 Akt. Ansang 8 Uhr. Sonntags 6'/, Uhr. Casino-Theater Lothringer Straste 37. Täglich 8 Uhr: Das Original Berliner Volksstück Julie Wippchen. UrberlinerHumorl Urberliner Thpen I Im Stile der ehem. Vallner-Bühne. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 3>/, Uhr: Haft und Liebe. Zlinhus Vixsvh. Donnerstag, 5. Jan., abds.71/, Uhr: Extra-tiala-Torstellnng Gastspiel des Herrn Direktors Pierre Althoff und Frau Direktor Adele Althoff. Freiheits-Dress. Die Aeros, höchst kom. Trapezk. mmr Die» cuftons:-4l»o Die Fredianis, Akrobaten zu Pferde. 3 Gebr Fratellinis, urkomische ital. Clowns. Frl. Elisabeth v. Dynar, Schulreiterin. Dm 9 Uhr ca. zum 13. Male; Die mit so gr. Beifall aufgen. neue Ausstattungspantomime „Armin� Theater des Westens. 8 Uhr: Das Puppeniniidel. Mittw. u. Sonnab. 4 Uhr: Rotkäppchen. Sonnt. 3'/, 11.: Die geschiedene Frau. Trianon-Theater. Anfang 8 Uhr. Der heilige Hain. Keledslisllen-Hiesler. Sfcttines Sänger. Neu! Musikanten-Weihnacht. Genrebild von MetzseL Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Voigt-Theater Geliindbrunnen, Badstraste 58. Gastsp. in Trapps Festsalen, Tegel. Donnerstag, den 5. Januar: Die Schnld der Wlittkr. schausp. in 4 Ausz. v. Victor. Sardou. Kl�'cncröff». 7 Uhr. Anfang 8'/, Uhr. Thenter„Gro�-Kerlm" itntt—-. PutilüiaiiDS Theater s/, Trilby.«'/. 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Co., Berlin SW. 2. Keilm des, Amiirls" Arlim AlksdlR DoWttstllg. 5- Iattvar l9!t. ünarchiltenhette! Die Polizeischlacht in der Sydneystraße in London gibt der deutschen reattionären Presse wieder einmal eine will- komniene Gelegenheit, in den Tönen der höchsten Entrüstung Sturm zu laufen gegen das englische Einwände- rungsgesetz vom Jahre 1905. Besonders der Moni- teur der Berliner Polizei, der Scherl sche„Lokal-Anzeiger", weiß wahre Sherlock HolmeS-Geschichten über das unheilvolle Wirken ausländischer Anarchisten in London zu erzählen. Wenn es überhaupt möglich wäre, würde das Papier eine noch lebhaftere Phantasie als bei der lügenhaften Schilderung der Moabiter„sozialdemokratischen Straßen- schlachten" entwickeln. Da aber nach Moabit der Berliner Polizeiwisch sich schlechterdings nicht übertreffen kann, versucht er. die im Moabiter Prozeß arg ins Gedränge gekommene Polizei über den Schellendaus zu loben. So schreibt der „Lokal-Anzeiger" unter anderem: .Unsere vorzüglich organisierte politische Polizei hält sich nicht lange mit solchen gemeingefährlichen Individuen auf, sie schütteln dann den Staub von ihren Füßen und siedeln nach London über, wo sie das Asylrecht in Anspruch nehmen. Im Osten der englischen Riesenstadt ist denn auch eine ganze anarchistische Kolonie entstanden, die von russischen, italrenischen und auch wenigen deutschen Anarchisten bevölkert wird. Die gefährlichste anarchistische Gruppe, die London zurzeit beherbergt. ist die.Kavaroßgruppe", aus der die anarchistischen Verbrecher von HoundSditch hervorgegangen sind und der sie auch angehören. Schon wiederholt hatte die Berliner politische Polizei die Londoner aufdieGefährlichkeitdieser Gruppe hingewiesen. Ungläubig hatten aber die Londoner Kollegen die Berliner abgewiesen; sie meinten, daß sie die Mit- glieder dieser Gruppe sämtlich kennten und daß von diesen keine Gefahr zu fürchten sei. Zu spät hat die Londoner Polizei ein- sehen müssen, wie recht die besser unterrichtete Berliner Polizei mit ihrer Warnung batte, denn es ist festgestellt, daß alle Verbrecher der unerhörten Frevel- tat in Houndsditch der Kavaroßgruppe angehörten, auch.Peter, der Maler" und sein Adjutant.Fritz". Hätten die Londoner da- mals zugegriffen, das Blutbad wäre ihnen erspart geblieben. Hoffentlich hat es aber das eine Gute im Ge- folge, daß das Asylrecht für Anarchisten in Eng- land aufgehoben wird." Der letzte Wunsch läßt deutlich erkennen, daß der Vcr- fasser des gruseligen Märchens sein Standquartier in der Nähe des Alcxanderplatzes hat. Ueber das duftende Selbst- lob der Berliner Kriminalpolizei, die sich infolge ihrer Lang- samkeit und Schwerfälligkeit in den Kreisen der Berliner Mörder und Einbrecher großen Ansehens erfreut, verlohnt es sich nicht, ein Wort zu verlieren. Natürlich beruhen auch die„Feststellungen" in dem Artikel nur in der Phantasie des polizeilichen Mitarbeiters des„B. L." Aber die Polizeipresse und ihre Hintermänner wittern Morgenluft: sie wollen eines der stolzesten Wahrzeichen der englischen Freiheit, das Asylrecht, daS bisher allen wegen volitischer Vergehen Verfolgten ohne Ansehen der Person ge- währt wurde, vernichtetsehen. Das ist schon des Schweißes der Edlen wert; denn im letzten Ende richten sich ihre Angriffe ja viel weniger gegen irgendwelche anarchistische Gefahren, als gegen freiheitliche Institutionen, die begreiflicherweise den Reaktionären jeglichen Grades ein Dorn im Auge sind. Wäre es diesen „Patrioten" wirklich Ernst mit der Bekämpfung der nebenbei völlig bedeutungslosen anarchistischen Bewegung, dann müßten sie Raum schaffen der freien Entwickelung der Ar- beiterbewegung. Mit dem Stärkerwerden der Sozial demokratie, mit der Betonung des Klaffenkampfes ist die einst wettverbreitete, der ideologischen Auffassung der Bourgeoisie nahestehende anarchistische Bewegung zur Bedeutungslosigkeit verurteilt worden. Nur da, wo alle freiheitlichen Regungen des Volkes mit brutaler Polizeifaust nieder- gehalten werden, ist ein Aufflammen anarchistischer Eigcnbrödelei möglich und denkbar. » vi« Blamage der Londoner Polizei. Da» war ein Tag unsterblichen Ruhmes für die Londoner Polizei I In einer Stärke von etwa 1000 Mann, unterstützt durch «ine Abteilung der schottischen Garde, verstärkt durch Maschinengewehre und eine Batterie Artillerie, flankiert von der Londoner Feuerwehr, zog man aus gegen zwei Einbrecher. Wirklich ein dankbarer Stoff, eine Satire zu schreiben. Aber das sonderbare Vorgehen erscheint noch absondcr- sicher, wenn man bedenkt, daß die Polizei den Aufenthalt der Verbrecher genau kannte, baß Polizeibeamte zunächst zu dem Hauswirt gingen, durch dessen Vennittelung man die Zimmer Vermieterin der Gesuchten verhastete. Bei ihrer Verhaftung erklärte die Frau, die nach ihrer Angabe mit den Verbrechern durchaus nicht im Einverständnis steht, daß ihreMieter zurzeit schliefen. Statt nun die Gesuchten im Schlafe zu überraschen, wartete der Polizei- gewaltige in seiner Weisheit so lange, bis die beiden angeblichen Mörder munter wurden und dem Versuche der Verhaftung Waffengewalt entgegen- setzten. DaS erscheint selbst der.TimeS" so absurd, daß sie sich über da« polizeiliche Vorgehen folgendermaßen ausläßt: »Wenn sich die Oeffentlichkeit von dem ersten Erstaunen über die gestrigen Vorgänge erholt hat. werden einige berechtigte Fragen in den Vordergrund treten. Warum wurden Truppen herangezogen? Waren Kompagnien schottischer Garde dazu not- wendig, ihre Kugeln gegen ein Haus zu senden, woraus zwei Verbrecher mit Revolvern schössen? Der Staatssekretär des Innern Winston Churchill war anwesend. Die Vorgänge müssen also seine Billigung gefunden haben. Weiterhin hat man uns erzählt, daß die Polizei einen Sturmangriff auf das Haus plante und sich bereits Freiwillige gemeldet halten. Den Mut von Scotland Darb in Ehren! Wir zweifeln nicht, daß eS den Beamten gelungen wäre, trotz der Kugeln der Verbrecher in das HauS zu dringen. Aber weshalb mußten diese Kämpfe alle sein? Gab eS kein anderes Mittel, die beiden unschädlich zu machen?" Sehr wohl scheint sich die Londoner Polizei in der Rolle des Helden nicht zu fühlen, denn nach der.Schlacht" wurde aus London folgendes offiziöse Telegramm versandt: London, 3. Januar. Die Polizei suchte sich heute nacht in einem Hause der Sydneystraße zweier gefährlicher An- a r ch i st e n zu bemächtigen, die unter dem Namen Fritz und Peter der Maler bekannt waren und als Rädelsführer bei dem in HoundS- ditsch auf die Polizei verübten Revolveranschlag angesehen werden. Bei dem ersten Versuch, frühmorgens in die Wohnung der Anarchisten einzudringen, würde einer der Schutzleute durch«inen Re« »olverschuß schwer verletzt. Darauf ändert« dt« Polizei ihre Taktik, indem sie alle Zugänge zum Hause und zur Straße diirch ein starkes Aufgebot besetzte. Die eingeschlossenen An- archisten nntcrhielten nunmehr ein ständiges Revolver- f e u e r auf die Beamten. Schließlich wurde Militär aufge- boten, das mit einem Maschinengewehr anrückte und das HauS regelrecbt beschoß. In den benachbarten Straßen sammelte sich eine ungeheure Menge Neugieriger an, die jedoch durch eine starke Polizeimannschast vom Schauplatz des Kampfes selbst ferngehalten wurde. Das Hau? geriet später in Brand; viel- leicht hatten es die Eingeschlossenen selber angezündet. Es stürzte ein und begrub die Eingeschlossenen unter seinen Trümmern. Zwei Leichen wurden auf der Brand- stätte aufgefunden, die so verstümmelt waren, daß es schwer ist, ihre Persönlichkeit fe st zu stellen. Die Polizei ist jedoch überzeugt, daß es die gesuchten Anarchisten sind. Außer den zwei durch Einsturz der Decke erschlagenen Ver- blechern bat der Kampf mit den Eingeschlossenen eine Anzahl weiterer Opfer gefordert. Ein Telegramm meldet über die im Kampfe Verletzten: ¥ London, 4. Januar. Bei dem Kampfe wurden insgesamt neun- zehn Personen verletzt, teils durch die Kugeln der Be- lagerten, teils durch den Einsturz des brennenden Hauses. Unter den Verletzten befinden sich fünf Polizeioffiziere, ein Unteroffizier der schottischen Garde, sechs Feuer- wehrleute und sieben Zuschauer. Im Hospital liegen fünf schwerverletzte Feuerwehrleute. Man befürchtet, daß der Kam- Mandant Canning seine Verletzungen nicht überleben wird- Auch der Zustand eines anderen Polizeioffiziers ist ein sehr kritischer Alles in allem kann man wohl sagen, daß die Londoner Polizei- schlacht am Dienstag sich als eine ungeheuere Blamage der Polizei erweist. Oder bestand in London im voraus die löbliche Absicht, ein polizeiliches Gegenstück zu Moabit zu schaffen? Partei-?Zngelegenkeiten. Schöneberg. Heute Donnerstag, den 6. Januar, abends 8 Uhr, findet im Gesellschaftshaus des Westens, Hauptstr. 82, eine Voltsversammlung statt, in der Reichstagsabgeordneter Genosse Emil Eichhorn über die ReichStagSwahlen löll referieren wird. _ Der Vorstand. Berliner]Mad>ricbten. Schnellbahn Rixdorf-Gesnndbrnnne«. Die Dcrkehrsdeputation hat, wie wir berichtet haben, be- schlössen, dem Verkehrsprojekt der A. E.°G. Zustimmung zu erteilen. Ueber das Projekt haben wir wiederholt Mit- teilungen gemacht. Die Bahn nimmt ihren Anfang auf dem Gesundbrunnen an der Christianiastraße geht als Hochbahn die Badstraße entlang und durch den Humboldthain. Hier senkt sie sich zur Untergrundbahn und hat als solche folgenden Verlauf: Brunnenstraße, Rosenthaler Straße, Weinmeister- straße, Münzstraße, Kaiser-Wilhelm-Straße, Neue Friedrich- straße, unter der Spree hindurch, Brückenstraße, Neander- straße, Dresdener Straße, Oranienplatz. Luisenufer bis zum Urbanhafen. Hier erhebt sich die Bahn wieder zur Hochbahn, überschreitet als solche den Kanal, biegt in die Grimmstraße ein und durchfährt dann die Urban- straße bis zum Endpunkt am Hermannplatz in Rirdorf. Folgendes sind die vorläufig in Aussicht genommenen Stationen: Christianiastraße, Humboldthain, Lortzingstraße, Bernauer Straße, Rosenthaler Tor, Alte Schönhauser Straße. Bahnhof Alexanderplatz. Köpenicker Straße, Oranienplatz, Urbaw krankenhaus, Hermannplatz. Der Tarif beträgt für 4 Stationen 10 Pf., bis zur 3. Statton 15 und darüber 20 Pf. Die Bahn soll nur eine Wagenklasse führen.— Die Kosten sind auf rund 80 Millionen Mark berechnet; für die Hälfte, also 40 Millionen, übernimmt Berlin eine Zinsgarantte. Die Konzession wird auf 90 Jahre erteilt.— Mit der Genehmigung dieses Projektes dürste das Schwebebahnprojekt gänzlich gefallen sein. Zur Verkehrsregelung auf dem PatSdamer Platz erläßt der Polizeipräsident folgende Bekannt», achung: ES ist tu letzter Zeit wiederholt die Beobachtung gemacht worden, daß am Potsdamer Platz Kutscher bereits auf das von dem Leiter de» polizeilichen Ver» kehrskommandoS gegebene Trompetensigual hin in der freiwerdenden Richtung anfahren. Um VerlehrSstöningen und Unglücksfälle zu vermeiden, ist eS unbedingt erforderlich, daß die Wagenführer zu- nächst abwarten, daß die den Berkehr regelnden Beamten— denn nur für diese ist daS Trompetensignal bestimmt— durch»einen Wink" oder durch.Zurseitetreten" die Fahrt in der neuen Richtung freigeben. Gleichzeitig wird das Publikum ersucht, auf dem PotS- damer Platz Anfragen wegen Auskunftserteilungen nicht an die mit der Verkehrsregelung beschäftigten und dadurch völlig in Anspruch genon,menen Beamten zu richten, sondern sich zu diesem Zwecke an die vor der Normaluhr und dem BierhauS Siechen während der HaupwerkehrSstunden aufgestellten Schutzleute zu wenden. Die Frage des ZwangSzweckvetbandeS wird auch die Berliner Stadtverordnetenversammlung be- schäftigen. Alle Gruppen der Versammlung haben sich auf folgenden Antrag geeinigt:„Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, mit ihr in ge- misch ter Deputation über die Maßnahmen zu beraten, welche seitens der städtischen Behörden zu ergreifen sind, um anläßlich des angekündigten Gesetzentwurfes betreffend die Vereinigung von Berlin mit den benachbarten Gemeinden und Kreisen zur gemeinschaftlichen Wahrnehmung kommunaler Angelegenheiten(Zwcckvcrbandgesetz) sowohl die Interessen Groß-Berlins als auch der Stadtgemeinde Berlin zu wahren und insbesondere eine Anhörung und Aeußerung der Ver- tretungen der beteiligten Gemeinden vor Einbringung in den Landtag zu erlangen."_ Berkauf des SchcunenviertelS. Der Ausschuß zur Vorberarung des Verkaufs des Scheunen- Viertels hat beschlossen, der Stadtverordnetenversammlung die Kauf- offerte der Herren Lippmann u. Luckner zu empfehlen. Nach dieser soll das Kaufgeld 7600 000 M. betragen, von dem 14ö0lXX1M. bei der Auflassung. 6 150 000 M. spätestens am 1. Januar 1916 zu zahlen ist. Diese Offerte ist um 1'/« Million günstiger als die vom Ma- gistrat vorgelegte._ Neuerungen im Straßenbahnverkehr sollen nach einem hiesigen Blatte geplant sein. ES soll von der Aufsichtsbehörde erwogen werden, die Perrons der Straßenbahnwagen während der Fahrt zu schließe», um das leidige Auf» und Abspringen und di» infolgedessen entstehenden Unfälle zu vermindern. Diese Einrichtung besteht in einer ganzen Reihe von Städten, wie beispielsweise in München. Es heißt, daß die Direktion der Straßenbahngesellschaft dieser An- regnng ablehnend gegenüberstehe, weil sie Verzögerungen be- fürchte. Diesem Einwände soll insofern begegnet werden, als die Haltestellen mehr auseinandergezogen und minderwichlige Haltestellen eingezogen werden und indem die Fahrzeit erhöht wird. Be- sonders wichtige Straßenbahnhaltestellen sollen einen Jnselperron erhalten. der überdacht wird. Berichtet wird, daß auf diesem Gebiete in anderen Städten Studien gemacht werden sollen. DaS ist ganz unverständlich. Für die Aufsichtsbehörde sollte eS solcher Studien nicht mehr bedürfen, da sie über die Verkchrsverhältnisse in anderen Städten und Ländern nach den vielen Studienreisen längst informiert sein sollte. Und darauf warten, bis die»Große Berliner" Neuerungen im Interesse des Publikums zustimmt, dürfte erst recht unangängig sein. Ter Streit um den Nonnendamm— so wird uns aus Chat- lottenburg geschrieben— wird immer lebhafter. Und je mehr die Oeffentlichkeit sich mit der so überaus aktuellen Frage der Regu- lierung jener Straße befaßt, je deutlicher tritt in Erscheinung, daß es sich eigentlich schon gar nicht mehr allein um die Errichtung einiger Straßen, die als Zugangswege zu einem großen industriellen Werke dienen, handelt, sondern daß die schleunige bauliche Auf- schließung jenes großen Gebietes gefordert wird, das zwischen der Jungfernheide und der Spree liegt und östlich vom Tegeler Weg, westlich von Spandau begrenzt wird. Diese Forderung besteht zu vollem Recht. Ein Bebauungsplan für jene? Gebiet existiert schon seit geraumer Zeit und es besteht gar kein Zweifel darüber, daß dieser künftigeStadtteilCharlottenburgs einmal besondere Bedeutung erlangen wird. Darauf deuten verschiedene Anzeichen hin. Aber trotzdem schreitet die Regulierung der Straßen in diesem Viertal so gut wie gar nicht vorwärts. Mit Ausnahme des Nonnen. dammS, der die südliche Grenze des Gebiets bildet, ist noch keine Straße desselben reguliert. Auch der Nonnendamm ist«S eigentlich nicht; denn das vorsintflutliche Kopfpflaster seines FohrdammS und die fragmentarischen Ansätze zu einem Bürgersteig kann man keine Regulierung nennen. Und hier setzen nun die lebhaftesten Klagen ein. Der Nonnen. dämm bildet die Hauptzugangsstraße zu den Werken von Siemens und Halske. Diese Werke liegen auf Spandauer Gebiet. Für den Anschluß nach Spandau hat die Firma gesorgt. Aber die Mehrzahl der in diesen Werken tätigen Arbeiter und Angestellten muß Charlottenburger Gebiet, das heißt, den Nonnendamm, passieren. Mit Recht verlangen nun diese Tausende von Leuten, die täglich diese sogenannte Straße benutzen müssen, die ordnungs. mätzige Herrichtung, die vollständige Regulierung derselben. Zu wiederholten Malen gingen Ansuchen dieser Art an die Stadt- Verwaltungen CharlottenburgS. Unterstützt wurden die Bemühungen des Arbeitcrausschusses von Siemens u. Halske durch diese Firma selbst und durch den Bezirksverein deS NonnendammviertelS. Doch es kani bisher zu keiner Befriedigung der Wünsche des interessierte» Publikums, was seine Gründe in folgendem hat: Durch die Regulierung des Nonnendamms und der noch be» deutend günstiger gelegenen Straße 45, in Verbindung mit der Freilegung der durch die Straße 45 berührten Plätze, würde der Stadt Charlottenburg eine Ausgabe von 3 223 714 M. erwachsen. Einen Teil dieser Kosten könnte die Stadt nur dann von den An- liegern zurück erhalten, wenn dieselben ihre Grundstücke bebauen. Wann daS der Fall fein würde, weiß man nicht, um so weniger, als auch einige Grundstücksspekulanten an jenen Stellen inter- cssiert sind. Will sich nun Charlottenfmry vor unnötigen ZinS- ausgaben bewahren, dann muß eS die Anlieger dazu gewinnen, die Stratzenbaukosten sofort nach der Regulierung zu zahlen. Daran aber hapert die Geschichte; denn die Anlieger sind sich durchaus noch nicht einig in der baldigen Bezahlung ihver Straßenbaukosten- Anteile. Darüber ließ eine kürzlich stattgehabte Versammlung der Anlieger keinen Zweifel und die Interessengegensätze trachn in dieser Versammlung ziemlich stark in die Erscheinung. Vor allen Dingen wünscht« man«in größer«» Entgegenkommen der Firma Siemen» u. Halske. Dieselbe war durch Ankauf einiger Grund- stücke Anliegerin am Nonnendamm und der Straße 45 geworden, sie mußte demnach auch zu den Straßenbautosten bottragen. Darüber hinausgehend erklärte sich die Firma Siemen» n. Halske noch bereit, 150 000 M. aus freien Stücken zuzuzahlen. Das ging einigen anderen Anliegern nicht weit genug und man forderte die Firma Siemens u. Halske zu größeren Leistungen auf. Dabei wurde nicht mit Unrecht betont, daß von der Regulierung der beiden Straßen diese Firma die größten Vorteil« habe. Aber die Firma Siemens u. Halske, die beim Bau einer VerkehrSverbindung nach Spandau, die ferner bei dem Bau des Bahnhofes Fürftenbrunn usw. viel generöser war, blieb zugeknöpft, und ihr Vertreter er» klärte, daß die Firma nicht mehr geben würde. Auf der anderen Seite erklärte man die Kostenanschläge der Stadt für zu hohe und man hofft, eine Viertelmillion davon abstreichen zu können. So stehen die Dinge zurzeit. Sie werden leider auch nicht geändert werden können durch die Versammlung von Arbeitern und Angestelltes der Firma Siemens u. Halske, die am letzten Dienstag stattfand. In jener Versammlung wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche die schleunige lliegnlierung des Nonnendamms und der Straße 45, ferner die baldige Ausführung der erforderlichen Ver- kehrSanschlüsse und»Verbesserungen fordert. Die Resolution wird dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung Charlotten. burgS zugchen. Wir brauchen nicht besonders hervorzuheben, daß diese Forde- rungen von unseren Vertretern in der Charlottenburger Stadtvcr- ordneienversammlung aufs energischste vertreten werden. Dafür bürgt schon allein die bisherige Haltung der sozialdemokratischen Stadtverordneten in dieser Sache, Waren eS doch stets unsere Genossen gewesen, die sich jener Angelegenheit am eifrigsten angenommen hatten. So forderten und begründeten unsere Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung am 20. Oktober 1309, daß die Petition deS Arbeiterausschusses von Siemens u. Halske, die die Regulierung des Nonnendamms verlangte, dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen werden sollte. Die liberale Mehrheit war nur für Anerkennung der Petition als Material für den Magistrat. Bei der Etatsberatung für 1910/11 beantragten unsere Genossen in der Sitzung vom 22. März 1910 den schleunigen Ausbau der Straße 45. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Darauf lag der Stadtverordnetenversammlung am 11. Mai 1310 ein neuer sozialdemokratischer Antrug vor, welcher den baldigen Ausbau der Straße 45 nach Verständigung mit den Anliegern forderte. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Aber selbst mit der Regulierung der Straße 4ö und de» Nonncndamms werden die Wünsche unserer Vertreter nicht be- friedigt sein. Sondern was vor allen Dingen weiter zu fordern ist, da» ist die schleunig ste Ausschließung de» ganze« NoNnendamm-Vier tels. Es muß in kürzester Weise Ge« legenheit geschaffen werden, daß die Tauscnde der bei Siemens und HalSke beschäftigten Arbeiter und Angestellten auch in der Nähe ihrer Arbeitsstelle wohnen können. Das ist nur durch eine baldig« Regulierung der anderen Straßen in jenem neuen Stadtviertel möglich. In Verbindung damit müssen die nötigen Zugänge vom südlichen Teil über die Spree und den Bahnkörper nach dem Nonnendammviertel geschassen werden und es mutz ferner der Bau von Untergrundbahnen forciert werden. Das sind Forde- rungen, die im Interesse der baldigen Erschlictzung eines der zukunftsreichsten Stadtviertel unbedingt zu erheben sind.~ Ju der Börsen- und Magazingenosscuschaft selbständiger Schuhmacher geht es seit einiger Zeit recht toll her. Es werden gegen den Vor- stand schwere Beschuldigungen erhoben dahingehend, daß bei Auf- lassung eines Hauskaufes Vorstandsmitglieder sich um 10 OVO M. bereichert habe» sollen. Auf Grund dieser Anklagen bat der gesamte Vorstand sein Abschiedsgesuch eingereicht. Einige Vorstandsmitglieder haben der Genossenschaft 7S0 M., die sie angeblich erhalten haben, ivieder zur Verfügung gestellt. Wegen dieser unsauberen Affäre kam es nach der„Schuhmacher-Börse" in der Äeneralversaminluug der Genossenschaft zu recht tumultuarischen Svenen, und es steh: zu erwarten, datz die Sache noch ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Der Gatteilmordversuch auf dem Wedding. Zu der Familien- tragödie des Nestaurateurs Wilhelm Hintze tu der Schöningstratze, der seine 24 Jahre alte Frau zu erschietzen versuchte, wird noch mit- geteilt, datz Hintze früher längere Zeit gemiiiskraiik und in der Jrrenanstall Dalldorf untergebracht war. Hintze wurde gestern mittag wegen versuchten Mordes dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Er gibt jetzt zu. selbst auf seine Frau geschossen zu haben. Den Revolver habe ihm auf seine Veranlassung ein Bauwächter gegeben. Eine treue Parteigenossin ist in der Frau des Genossen Wilhelm Spaet gestorben. Mit ihr ist eine Frau aus unseren Reihen ge- schieden, die in schwerer Zeit alle Bedrängnisse und Gefahren des Schandgesetzes mit ihrem Gatten geteilt hat. Bei allen HauS- suchungen zeigt- sie sich oft wahrhaft erfinderisch und rückte den Beamten manches aus dem Auge, das sie suchten. Die Beerdigung des Verstorbenen findet am Sonnabendnach- mittag auf dem städtischen Friedhof m Friedrichsfelde statt. Ein schwerer Ttraßenbahnnnfnll ereignete sich Dienstag abend gegen 9 Uhr in der Leipziger Straße. Dort sprang vor dem Hause Nr. 125 die LOjährige Buchhalterin Helene Fonczyilska, Breslauer Straße 10 wohnhaft, von dem in der Fahrt befindlichen Motor- wagen Nr. 2025 der Straßenbahnlinie 54 trotz der Warnung des Schaffners ab und kam zu Fall. Das junge Mädchen schlug so un- glücklich auf das Straßenpflaster auf. daß es eine schwere Gehirnerschütterung und anscheinend auch innere Verletzungen erlitt. Die Verunglückte wurde nach dem Urbgn-Krankenhause übergeführt. Krankheit und Nahrungssorgrn haben den 70 Jahre alten Droschkenkutscher Franz Gregor aus der Falckensteiiistr. 29 in den Tod getrieben. Der alte Mann saß 39 Jahre auf dem Kutschbock und war allen seinen Berussgeuossen als Vater Gregor bekannt. Die letzten sechs Jabre mußte er sich als Witwer sein Hauswesen selbst besorgen. Seit 13 Wochen war er wegen eines Fußlcidenö «rwerbsliusahig. Als er am 2. Januar die Miete bezahlie, legte er sie der HauSverivalterin mit den Worten hin:„Das ist das letzte Geld". Die Ersparnisse waren aufgebraucht und Kiankengeld gab es nicht mehr. I» dieser Lage griff Vater Gregor zum Slrick und erhängte sich am Betipfoste». Als eine Arbeiterin, die bei ihm wohnte, vorgestern abend nach Hause kam. war er tot. Eine waghalsige Kletterpartie. Ein aufregender Vorgang spielte sich in der letzten Nacht in der Tilstter Straße 22 ab. In der elften Stunde kletterte an dem dortigen O st krankenhause ein Mann empor, ohne irgend ein Hilfsmittel zu haben. Er lies förmlich die Fassadenwand hoch und kam bis zur dritten Etage. Von hier aus lvurde er von Angestellten d«S Krankenhauses auf einen Balkon ge- zogen. Straßenpassanten hatten inzwischen auch schon die Feuer- ivehr alarmiert, die aber nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte. Der Kletterkünstler entpuppte sich als ein früherer Patient des Krankenhauses. Seinen Verletzungen erlege» ist der 43 Jahre alte Brauerei- arbeiter Friedrich Keller ans der Wörther Straße 22. Der Mann wurde am Neujahrstage, abends um?>/, Uhr, dein, Ueberschreite» des Fahrdammes vor dem Hause Baunieustr 134 von einem Straßenbahnwagen der Linie 99 umgestoßen, wodurch er so starke Kopsverletzungen erlitt, daß er nach dem Lazarus-Krankenhause ge- bracht werden mußte. Hier starb der Tchwerverunglückte am Dienstag an den Folgen der Verletzungen. Ein falscher Kriminalbeamter treibt in der Gegend des Stettiner Bahnhoses sein Unwesen. Mit einer länglichen Bronzemedaille in einer Lederhiille versehen, erschien er in einer einzigen Nacht in mohreren Hotels in der Umgebung des Bahnhofes, ließ sich die Meldebücher vorlegen und behauptete, daß er zwei bestimmle Personen suche. Er ging sogar soweit, datz er sich mehrere Gäste vor- fuhren lieh. Man hat endlich den Eindruck gewonnen, daß der etwa 40 Jabre alte Mann geisteskrank sei. Er ist mittelgroß, hat ein volles, frisches Gesicht und einen dunkelen. hochgedrehten Schnurr- bort und trug einen dunkele» Ueberzieher und einen schwarze» steifen Hut. Ei» Fall von schwarzen Pocken ist in Lankwitz festgestellt worden. Vor zwei Jahre» fiedelte sich der deutsch-russische Arbeiter Karl Weiß in Lankwitz an und ließ im Juli vorigen Jahres seine Frau, eine Russin, nach Deutschland nachkommen. Vor zwei Monaten holte Frau W. ihr l'/« Jahr altes Söhnchen Eberhard, das bis dahin bei seinen Großeltern i» Rußland erzogen worden war. ab und brachte das Kigd nach ihrer in Lankwitz belegenen Wohnung. Vor einige» Tagen erkrankte der Knabe schwer. ohne daß die Eltern einen Arzt zu Rate gezogen hätten. Erst als vor zwei Tagen fich verdächtige Symptome ein- stellten, wurde Arzt an das Lager des Kindes gerufen und dieser stellte fest, daß eS sich hier um einen Fall von schwarzen Pocken handle. Auf Anordnung deS Kreisarztes wurde die ganze Familie m das Britzer Krankenhaus übergeführt und unter Ouarantäne ge- stellt, während die Wohnung des Arbeiters desinfiziert wurde. Das Befinden des kleinen Eberhard Lg., der in einer Isolierbaracke des Krankenhauses untergebracht ist, ist besorgniserregend, während die Elten, sich wohl befinden. Neue Fälle vyn schwarzen Pocken sind bisher nickt gemeldet. Ein gefährlicher Brand auf einem Spreekahn, bei dem eine Person in LebenKgKfflhr geriet, beschäftigte vorgestern die Wehren von Treptow, Rummelsburg und Stralau. Agf der Spree liegt tegeuwärtig in der Nähe deS Treptower Spreetunnels die Zille des ZchifföeigperS Pa„l vor Anker. Aus dem Kahn brach nu» vorgestern abend gegen'/,t0 Uhr in der frisch geteerten Kajüte auf bisher un- bekannte Weiie Feuer aus, das außerordenilick schnell um fich griff. In wenigen Minuten stand die Zille vollständig in Flammen. Auf der Zille befand sich„ur der 70jShrige Tater des Eigentümers, der von dem Feuer im Schlafe überrascht wurde. Im Augenblick der höchsten Gefahr gelang eS mehreren herbeigeeilten Sckiffern, den b«- drohten Mann, der bereits mehrere Prandwnnden erlitten hatte, vor dem sicheren Flammentode zu retten. DaS Feuer selbst konnte erst nach zweistündiger angestrengter Tätigkeit gelöscht werden. Die Zille ist zum großen Teil ein Raub der Flammen geworden. Bei dem Brande eine« Weihnachtsbaume« in der Dölzig« Str. 27 wurden zwei Personen verletzt. Der Baum und Gardine» finge» Feuer. In dem Ptmghen, die Flammen zu löschen, erlitten die Ehe- lente Uhrmacher Schede Hr«tdMiid«r. Ggmanftr der Aeuerivehr leisteten Hilfe." In der Urania wird am Sonnabend, nachmittag« 5 Uhr. Christian Leben aus Kristiania einen Vortrag mit Lichtbildern, grammophonischen und kinematographischen Vorführungen über»Die grönländischen Eskimos, ihre Tänze und ihre Musik* halten. Vorort- JSacfmcbtein Ichöneberg. Die Gymnasiastentragödie in der Motzstr. öS. die am Montag, wie wir kurz mitteilten, Gegenstand der Verhandlung in der Stadtverordnetenversammlung war, erfährt in einer vom „Berliner Tageblatt" veröffentlichten Zuschrift eine den Dar- stellungen des Bürgermeisters Blanken st ein völlig entgegen- gesetzte Beleuchtung. Danach ist die Behauptung des Bürger- meisters, die Vorgänge in der Schule ständen in keinem Zu- sammenhang mit dem Selbstmord des zehnjährigen Sextaner» N u s ch e i, völlig unzutreffend. Wir geben die von nahestehender Seite des Toten gemachten Mitteilungen an genanntes Blatt hier wieder: „Der kleine Nuschei, der einzige Sohn des Weingrotzhändlers Michael Nuschei, besuchte die Sexta des Werner-Siemens- Gymnasiums, war ein gesunder, aufgeweckter Junge, nicht artiger und nicht unartiger wie alle Kinder in diesem Alter. Seit einigen Wochen war den Eltern schon aufgefallen, daß der Knabe ein merkwürdig bedrücktes Wesen zur Schau trug, sehr schlecht aus- sah und sehr wenig Appetit zeigte. Alles Befragen war jedoch der- geblich, und so führten die Eltern diesen Zustand auf den an- gestrengten Schulbesuch(täglich ununterbrochen fünf Stunden! und die vielen Hausarbeiten zurück. Zu Weihnachten brachte der Junge eine schlechte Zensur nach Hause, jedoch beschränkten sich die Eltern auf wohlwollende Ermahnungen, beschenkten ihr einziges Kind zu Weihnachten und verlebten mit ihm einen recht frohen Weihnachtsabend. Der Knabe zeigte sich überglücklich und dankbar, daß ihm seine Eltern trotz der schlechten Zensur so viele seiner Wünsche erfüllt hatten und äußerte dies seiner Mutter gegenüber wiederholt. Am ersten Weihnachtsfeiertag vormittags erschien in der Wohnung der Familie Nuschei der Lehrer Karl Vorwerk, der den Schüler in den drei Vorklassen unterrichtet hatte. Die Eltern waren über den Besuch des Lehrers in der Wohnung, und dazu noch am ersten Weihnachtstage, sehr erstaunt. In Gegenwart des kleinen Nuschei erklärte nun Vorwerk, daß der Zweck seines Kommens der sei, im Namen des Ordinarius Dr. Engelbrecht mitzuteilen, daß die Leistungen des Knaben sehr schlecht und sein übriges Verhalten zu größtem Tadel Anlaß gäbe. Er habe beispielsweise Strafzettel, die er seinem Vater habe zur Unterschrift vorlegen sollen, nicht zurückgebracht. Diese und andere Beschuldigungen über kindliche Verfehlungen gipfelten dann schließlich darin, daß Vorwerk zu dem Jungen sagte:„Wenn der Herr Rektor nicht krank läge, wärst Du schon auS der Schule herausgeschmissen worden, und nun geh hinaus, ich werde mit Deinem Vater darüber sprechen, was aus Dir werden soll." Man kann sich denken, daß angesichts des Weihnachtsbaumes und der reichen Geschenke der Eltern der Knabe durch die Vorwürfe in Gegenwart seiner Eltern sehr konsterniert war. Die traurigen Blicke seiner Mutter und das verärgerte Gesicht seines Vaters über die jähe Störung deS WeihnachtSsestes, an dem er schuld trug, haben dann wohl die Aufregung des Jungen so gesteigert, datz er, ohne sich zu besinnen, in einen Raum nach dem Hof zu lief und sich— ohne datz jemand etwa? merkte auS der im dritten Stock befindlichen Wohnung hinab in den gepflasterten Hof stürzte, wo er leblos liegen blieb. Während sich dies« Szene abspielte, machte der Lehrer Vorwerk Herrn Nuschei die Eröffnung, daß er ihm im Namen des Herrn Dr. Cngelbrecht den guten Rat gäbe, den Knaben vom Werner-Siemens-Gymnasium fortzunehmen, da es keinen Zweck habe, das Kind dort weiter zu belassen, weil eS den Anforderungen nicht gewachsen sei und sein Betragen auch nicht in den Rahmen der Schule hineinpasse. Die Eltern gaben ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß man nicht schon vor Weih» nachten dem Bater davon Mitteilung gemacht habe und ihn, wie dies überall üblich sei, nach der Schule hingebeten hätte, um ihm dort die Mitteilungen zu machen, über die man sich doch schon vor Wochen klar gewesen lväre. Nach diesem Gespräch wollte der Vater, nichts ahnend, seinen Sohn ins Zimmer hineinrufen, und erst nach längerem Suchen stellte man fest, daß der Knabe auf dem Hofe lag. Als sein Vater ihn herauftrug, gewann das Kind für einige Augenblicke die Besinnung wieder und sagte:„Ich habe ja nichts getan." In einer nahegelegenen Klinik ist es dann nach wenigen Stunden gestorben. Lehrer Vorwerk hat in den nächsten Tagen versucht, von den Eltern die schriftliche Erklärung zu erhalten, daß er unschuldig an dem Tode ihres Kindes sei, da er ihm keinerlei Borwürfe gemacht habe. Es muß aber jeden befremden, der mit den Ge- pflpgenheiten an den hiesigen höheren Schulen vertraut ist, woher ein Lehrer die Berechtigung nimmt, in die Wohnung ihm fremder Leute zu gehen und am ersten Feiertag eine amtliche Angelegen, heil zu verhandeln. Dem Bater des verstorbenen Sextaners ist eine Reihe von Schreiben aus allen Teilen Deutschlands zu- gegangen, in denen der Empörung über das Borgehen des LehrerS Ausdruck gegeben wird." Bemerken möchten wir hierzu, daß un« Herr Nuschei dt« in obiger Zuschrift gemachten Angaben als der Wahrheit entsprechend bestätigt hat. Nunmehr wird es Aufgabe der Schulbehörde sein müssen, über diesen krassen Fall eingehende Untersuchungen an- zustellen und über da? Ergebnis Perselben Mitteilung zu machen. * Einige Abendblätter von gestern enthalten eine Erklärung des Direktor« de« Werner- Siemens- Realgymnasiums. Professort Wetekamp, in der unter anderem folgendes steht! Daß der Lehrer Vorwerk gerade am ersten Feiertag zu den Eltern ging, beruht darauf, daß einmal der Bater jvegen der geschäftlichen Per» pflichtungen selten zu Hause war, und zweitens darauf, daß der Vater am Tage vor Weihnachten sich dem Herrn Vorwerk erkennt- lich zeigen zu wollen glaubte dadurch, daß er ihm einige Flaschen Wein zuschickte, Herr Vorwerk wollte bei diesem Besuche Herrn Nuschei mitteilen, daß die Annahme derartiger Geschenke, auch wenn sie mit dem Unterricht direkt nichts zu tun hätten, nicht tatthaft wäre. Bei dieser Gelegenheit kam auch zur Sprache, daß der Schüler einige Zeit vorher eine von denen vom Vater ge- wünschte Bemerkungen im Ausgabenbuchs selbst unterschrieben hatte. Der kleine Nuschei suchte sich damit herauszureden, daß die Mutter unterschrieben hätte. Der traurige Blick auf die Mutter war ein bittender Blick, sie machte das bestätigen. Die Darstellung, daß der Lehr«, der übrigens weder im Aufrage deß Direktors noch im Auftrag« des Ordinarius zu d« Familie ge- gangen war. den Knaben hart angefahren oder ihm gedroht habe, ist nach der Angabe des Lehrers und nach seinem ganzen Wesen auch wohl ausgeschlossen. Nach der Angabe der Mutter hat der Schüler schon vor einiger Zeit in Aussicht gestellt, daß er sich vom Balkon stürzen werde. Es ist also jvohl anzunehmen, daß ein Fehler in der Psyche des Knaben vorlagt Eitz schwarz« langer Sottopaletet ist während der Silvester- feler des Arbeitergesangvereins Liedertafcl-West aus dem Garderoben- räum entwendet worden. Personen, die über den Verbleib des Paletots NuSknnst geben können, werden ersucht, dies an 22. Schmidt, CheruSkerstr. 32, Portal 1, zu melden. Rixdorf. Kindesberauiungen werden seit einiger Zeit im Norden Rixdorfs besonders in der Mainzer und Münchener Straße, von einem jungen Frauenzimmer verübt, das es immer noch verstanden hat. sich ollen Nachforiwungen der Polizei zu entziehen. Die Räuberin ist ein 17—19 Jahre altes, sehr einfach gekleidetes Mädchen mit bloßem Gesicht und blondem Haar. Gestern sprach sie ein neun Jahre altes Mädchen namens Straube aus der Jsarstr. 9 an, die mit ihrem sechs Jahre alten Bruder einholen sollte und ein Portemonnaie mit einem Zehnmartstück in der Hand unter dem Mantel trug. Als die Kleine ihre Frage, ob sie Geld habe, verneinte, griff sie plötzlich unter den Mantel, entriß ihr das Portemonnaie und lief mit der Beule davon. Leute, die das Kind weinen sahen, und nun erfuhren, was vorgefallen war und die Räuberin verfolgen wollten, fanden schon keine Spur mehr von ihr. Charlottenburg. Eine auffegende Szene spielte sich gestern vormittag auf dem Kaiffrdamm ab. Dort betreibt seit einiger Zeit in dem Hause 110 der Ingenieur Loß mit dem Rentier Artur Lank ein Patent- Verwertungsbureau, das aber, wie es scheint, nicht recht florieren wollte. Es kam de'halb zwischen den beiden Teilhabern wiederholt zu erheblichen Differenzen. Als Lauk gestern früh um 9 Uhr das Bureau betrat, entstand wieder ein Wortstreit. Plötzlich zog Lauk einen Revolver hervor und gab auf seinen Kompagnon zwei Schüsse ab, die aber ibr Ziel verfehlten. Loß eilte infolgedessen sofort auf daS gegenüberliegend« Polizeipräsidium und erstattete Anzeige. Ehe die Beamten das GeichäfiSIokal betraten, hatte sich Lauk drei Revolverkugeln in den Kopf gejagt. Die Verletzungen waren aber nicht tödlich, und Lank öffnete sich noch die Pulsadern. Aber auch dies hatte keinen Erfolg. Er wurde in schwerverletztem Zustand in daS Krankenhaus Westend geschafft. Bon einem tragischen Geschick ist der in der Helmholtzstr. 40 wohnhaft gewesene 22jShrige Buchhalter L. betroffen worden. Det junge Mann erhielt am Morgen des NeujahrStageS eine offene Neujahrskarte, über die er sofort in hochgradige Erregung geriet. Als sich L. vorgestern abend mit mehreren seiner Bekannten ,n der Wohnung eine« Freundes befand und daS Gespräch sich auch um die verhängnisvolle Ulkkarte drehte, erlitt der junge Mann einen schweren Tobsuchtsanfall; nur mit großer Mühe konnte er überwältigt werden. L. wurde mittels Droschke nach seiner Wohnung gebracht, wo sich sein Zustand aber sehr verschlechterte. Zwei hinzugcrufene Aerzte stellten bei dem Bedauernswerten Irrsinn fest und veranlaßten seine Uebersührung nach einer Heilanstalt. Lichtenberg. Zu der heute uachmittag S Uhr im Rathause stattfindenden Stadwerordnetenversammlung hat die sozialdemokratische Fraktion die folgende Interpellation eingebracht: Am IS. Dezember 1910 hat der Volksschullehrer Soest in der ersten Gemcindoswule bei Ueberschreitung deS ZllchtigungSrechteS dem Knaben Erich Laube eine erhebliche Körperverletzung zugefügt. Am 21. Dezember, mittags, ist«in zirka zwölfjähriges Mädchen einer hiesigen Volksschule ohne weitere Bedeckung durch zwei Schul« linder und eine erwachsene Frau in ohnmächtigem Zustande aus der Schule über die Straße nach Hause getragen worden. Am 2. Januar ist der Fürsorgezdgliiig Frida Döring aus Lichten« berg von einem Kriminalbeamten aus einer hiesigen Familie fort- geholt, in HauSlleidern von der Möllendorffsträße zum Polizei- Präsidium transportiert und dort interniert worden. Die Unterzeildneten fragen an: Sind dem Magistrat die auf- geführten Fälle bekannt? Was gedenkt der Magistrat zu tun. um in Zukunft Mißhandlungen von Schulkindern vorzubeugen und für eine menschenwürdige Behandlung der Lichtenberaer Fürforgelinder zu sorgen? Zehlendorf(Wannseebahn). Mit«elchrr Raffiniertheit oft die Kirche Proselyten zu«erben sucht, erhellt auS einem Schreibe», das ein Seelsorger der katholischen Kirche an eine junge unverehelicht« Mutter katholischer Konsession, die ihr Kind evangelisch tauten lassen wollte, gerichtet hat. DaS Schreiben hat folgenden Wortlaut; Zeylendorf. den 22. Dezember 1910. Sehr geehrtes Fräulein I Da Sie der Dame, die ich zu Ihnen geschickt hatte, um wegen der Taufe deS neugeborenen Kindes sich zu erkundigen, wiederholt den Zutritt verweigert haben und ihr heute sagen ließen, daß Sie da« Kind evangelisch taufen ließen, gestatte ich inir hierdurch, Sie an die gesetzlich« Bestimmung zu erinnern, daß ein uneheliche« Kind in der Religion der Mutter zu erziehen ist. Da also Ihre Kilider in der katholischen Religion erzogen werde» müssen, hat es keinen Zweck sie evangelisch taufen zu lassen. Ich bitte Sie also nochmals, die Taufe Ihres Kindes in der hiesigen katholischen Pfarrkirche vor- nehmen zu lassen. Da über die religiöse Erziehung eine» un- ehelichen Kindes der Vorn, und zu wachen hat, werde ich. falls Sie Sljre Absicht durchsetzen, mich an das Vorinundschastsgericht wenden, amit dem Kinde ein Vormund gegeben werde, der seine Pflichten voll und ganz erfüllt. Sollten Sie ein« mündliche Aussprache darüber wünschen, bin ich gern dazu bereit. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Strehler, Knrotu». ES ist nicht anzunehmen, daß der Herr Knratu« bei Abfassung deS Schreibens nicht gewußt hat, daß einzig und allein die Mutter über die religiöse Erziehung ihre« Kindes zu bestimmen hat. Pas Schreiben erweckt viel,„ehr bei jedem Unbefangenen dm Eindruck, als wollte Herr Dr. Strehler die alleinstehende Mutter von ihrem Vorhaben abschrecken. Jedenfalls zeigt dieser Fall wieder mit aller Deutlichkeit, wie berechtigt und dringend die von der Sozialdemokratie gestellte Forderung auf Trennung der Kirche vom Staate ist. Wer Unaniiehmlichkeiien der hier geschilderten Art durch die Kirchs entgehen will, tut am besten, wenn er seinen Austritt aus derselben erklär». Trebbin(Kreis Teltow), In der ersten Stadtvcrordnetensitzung de? neuen Jahres wurden als Stadtverordneteuvorsteher Herr F. Koppen, als Stellvertreter Herr Haase, als Schrlftführer Herr Fenger, als dessen Stell- Vertreter Herr Büchner, als Protokollführer Herr Samuel und als Stellvertreter Herr Jiittner gewählt. In die Ableiluiigskonimisstonen lvurden gewählt: in der 3. Abteilung Genosse Hübsch und Genosse Schönsee; 2. Abteilung Herr Jültner und Herr Haase; 1. Abteilung Herr Büchner und Herr Feiiger. Die SitzungStage wurden auf Donnerstagabend 7 Uhr festgesetzt. Hohen-?ten«nd»rf. Dem Tode entronnen. Ein sonderbarer Vorfall, bei dem zwei Personen nur mit knapper Mühe dem Schicksal, von einem Schnell- zuge überfahren zu werden, entgangen sind, wird nachträglich ge- meldet. Am NenjahrStage benutzten der 23 jährige Kaufmann Heinrich Schuffert und cin Fräulein Lilli Gentzen au« Hohen- Reuendorf. die fich in Berlin aufgehallen hatten, zur Nachhanlefahrt einen Zug der vorortstrecke nach Oranienburg und trafen um 10,18 Uhr abends auf dem hiesig«, Bahnhof« ein. Di« Beiden, die e» sehr eilig hatten, verließen schnell das Bahnhofsgebäude und betraten da« jenseitige GleiS, aus de»,«in Schnellzug nach Strelitz erwartet wurde. Die jungen Leute befanden sich bereits zwischen den Schienen, als sie von Bahnbeamten plötzlich zurückgcrissen wurde». Nur diesem Einschreiten hatten die beiden Personen es zu verdanken, dah sie ,ntt dem Leben davon- kamon. denn nur«ine Sekunde späte» saufte der Echnollzug. der Verspätung hatte, vorühe». Die mit knapper Not dem sicheren Tod« jiilronnenen erlitten, al« ihnen die«eiahr, in de« sie geschwebt hatten, zum Bewußtsein kam,«inen Nervenchok und erholten sich erst nach einiger Zeit, konnten sich dann aber allein nach ihren Woh- nungen begeben. Nach den bisher angestellten Ermittelungen sollen die Schranken nicht geschlossen gewesen sein, so dab die beiden Per» sonen in der Eile ahnungslos das zweite Gleis betraten. Ob hier ein Versehen deS betreffenden Beamten vorliegt oder andere Um- stände mufprechen, dürfte die behördlich sofort eingeleitete Unter- fuchung ergeben._ Hus aller Melt. Erdbeben i» Zentralasien. Taschkent, i. Januar. Durch das heutige Erdbeben find in LZjernyr rrnige Gebäude zerstört worden. Die Verbindung mit Dsharkent ist unterbrochen. In Kopal, Provinz SemiretfchjenSl, sind um 4 Uhr 23 Minuten morgens eine starke Bodeuschwankung und darauf ein schwacher Erdstost verspürt worden, wodurch Erdrisse entstanden sind. In A u l i j e a t a, Provinz Syr-Darja. ist um die- selbe Zeit eine bedeutende Erdschwankung in der Richtung von Westen nach Osten verspürt worden. W j e r n y i, 4. Januar. DaS Erdbeben dauerte füns Minuten. Die Steinhäuser sind halb zerstört, die Zahl der Umgekommenen noch unbekannt.— Sämtliche Oefen sind dermaßen beschädigt, daß sie nicht mehr heizbar sind. ES herrscht 10 Grad Kälte. Räuberischer Ueberfall. Aus D z i e d i tz wird gemeldet: Der katholische Pfarrer M a z o s h e k wurde gestern nachmittag von mehreren nissis-ben Banditen, die kurz vorher die Grenze überschritten hatten, erschossen. Das Pfarrhaus wurde von den Räubern ausgeplündert und an- gesteckt. Hierauf flüchteten die Banditen nach der Station Czybi und drangen in das dortig« Posta in t ein, wo sie den Postmeister zwingen wollten, ihnen das im Kassenschrank ausbewahrte Geld aus- zuhändigen. Der Postmeister feuerte jedoch auf die Räuber. Zwei derselben wurden durch wohlgezielte Schüsse niedergestreckt, der dritte flüchtete. Die Polizei ist im Besitze einer genauen Personalbeschreibung des geflüchteten Banditen und hofft, diesen im Laufe des heutigen Tages verhaften zu können. Die verwundeten Räuber wurden in das Hospital übergeführt. Kleine Notizen. Kollision mit einem Leichenwagen. Nach einem Telegramm aus Lille kollidiert« ein Straßenbahnwagen mit einem Letchenwagen. Letzlerer wurde zerstört, der Sarg flog auf da« Slraßenpflaster, wo er infolge de? starken Anpralles sich öffnete und die Leiche eines jungen Mädchens herausflog. Dies veranlaßle eine große Erregung unter den Leidtragenden, welche nur mit Mühe daran verhindert Werden konnten, den Straßenbahnschaffner zu mißhandeln. Fener l» eine« Eisenbahnwage«. Infolge unvorsichtigen Um»I gehe»? eine? Passagiers dritter Klasse mit Benzin geriet in der' letzten Nacht aus der Niemeubahn zwischen G r o d n o und S u- w a l t i ein Personenwagen in Brand. Der Wagen verbrannte voll- ständig. Biel» Paffagiere erlitten Brandwunden. Mehrere verlohlte Leichen wurden aufgefunden. Betrügerische Bankiers. Die Bankiers MaeS und Treidland in Genf sind gegen eine Kaution von 82 MX) Fr. vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden. Die BanlierS stehen unter der Anklage der Veruntreuung ihnen anvertrauter Depotsgelder. Infolge der starken Schneefälle in Norditalien sind die Eisen- bahnverbinduiigen vielfach unterbrochen. Der Schnee liegt stellen- weise einen Meter hoch. Die Städte Bologna und L u c u e z sind völlig vom Verkehr abgeschnitten. Infolge des ungewöhnlich strengen Winters sind zahlreich« Personen arfroren. Besonders in den Gebirgsgegenden herrscht strenge Kälte. lieber die„Stellung des Reichstages zu den Forderungen der Angestellten" spricht RcichZtagSabgeordncter R. Schmidt Donnerstag, den 5. Januar, abends S'/, Uhr, in den Musikersälen, Kaiscr-Wllhelm- Straße 18m, in einer öffentlichen Kundgebung der Bureauangestelltcn Droß-Berlins._ Bnefhaften der Redaktion. Z. B. W. 1. Die uneheliche Mutter hat da? FQrsorgcrecht. Infolge- dessen steht auch ihr, nicht dem Vormund, das EiziehungSrecht in religiöser Hinsicht zu. Die Mutter soll aber das Kind in ihrem ReligionSbelenntnii erziehen lassen. Ein Ausscheiden von Mutter und Kind aus der Landes- tirche ist zulässig. 2. Da« VormundschasiSgericht kann eingreisen, wenn die Mutter das Recht der Sorge mißbraucht.— K. W. KS. 1. Ja. 2. Zwischen 10 und 6 Uhr täglich einschl. Sonntag«, jedoch auSschl. der gesetzlichen Feier- tage. Ist jedoch«n Vertrage eine bezügliche Beslinimung enthalten, so ist diese maßgebend. 3. New. 4. Sie müssen zunächst den Vermieter vorher zur Beseitigung des UebelstandeS unter Setzung einer etwa vierzehnlägtgen Frist unter der Androhung, daß Sie nach fruchtlosem Abiaul der Frist räumen, auffordern. Nach ersolglosem Abiaus der Frist könne» S>e räumen. — Glückauf 15. Eine Anmeldepflicht und somit eine Pflicht zur Ein- reichimg der Statuten besieht nicht.— Lang, Knesebectstraste. Der MictSstempel beträgt, wenn e« sich nur um Wohnräume bandelt, sogar 2 M. — Zi. Z. Betragen Sie einen Bausachverständigen.— CT,®. LS. Wicht bekannt.— A. D. Ihre Frau soll sich an den Magistralskommissar für Ortskrankenkassen, Stralauer Str. 3/S, wenden.— G. 68. 1. Ja. 2. Nein. — P. H. 1. Nein.—®. K. 1. kas Kind soll in der Religion der Mutler erzogen werden. 2. Ja.— E. G. 100. DaS ist zulässig. Antrag ist an den Reltor zu richten.— A.®. SS 77S. In derartigen rein technischen Fragen muffen Sie sich an einen Fachmann wenden.— G. N. O. 34. Di« Herstellung eines ganzen Wagen» erscheint nicht erforderltch. Die Erfindung läßt sich doch wahrscheinlich an einer anderen Vorrichtung demonstrieren. Im übrigen raten wir, sich mit einem Patentanwalt in Verbindung zu setzen.— X. 0. 10. 1. New. 2. Ja.— A. S., Tegel 56. Die Verpflichtuiig zur Zahlung von MletSvertragSstempel be- ginnt, wenn mehr als 380 K. JahreSmiete gezahlt wird.— A. B. 1. Ewe ZahlungSpfllcht besteht nicht mehr. Reklamieren Sie sofort.— W.#• 65a. Nur der Teil, der den Antrag gestellt hat, muß den Termin wahr» nehmen. Tut er das nicht, so hat da» Bersahreu keine Wirkung. Amtlicher Marktbericht der ftädttichen Markthallen. Dtrettion übet den Großhandel w den Zenwal-Marftballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. W'ld: Zufuhr reichlich, Geichäst nicht lebhast genug, Preise fast unverändert, m e- l l ü g e l: Zufuhr genügcud, Geschäsl still, Preise wenig verändert. Fische: Zusuhr mäßig, Geschüst ruhig. Preise wenig verändert. Butterund Käse: Geschalt ruhig, Prelle unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft still, Preise wenig verändert. BSitternngsüberstch» vom 4. Januar litll. morgens« Udr. LZ «.2 Bettet Lannembe 768 ONO Hamburg 768 ONO Beriiv 766 NO Franst.-« 760 NO München 7b? O Wien 760 N 3 bedeckt 3 bedeckt 3 bedeckt 6 wolkig 6 bedeckt 2 bedeckt >4« n M« 1 2 1 0 —3 -1 ICE 11 1 Havaranda 778® Petersburg 782 O Set Hl) 769 O �lberveen Darrt 774 W 761 N i Bettet C-« fii 1 Nebel'-14 1 Schnee—11 B wolkig 1 bedeckt 4 dedeckt 1 AZiettervtognofe für Toniicrstag. de» 5. Januar 1011. giemlich ttübe und etwa» nebelig, bei frischen nordöstlichen Winden, ohne erhebliche Niederschläge; Temperatur in der Nähe des Gesrierpunktes. Berliner Wette rbureou. Wasterttanva-Stacürtckite« der LandeSanstalt lür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. i+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegei.—•) EiStrelben. *) Eisbewegung. Allen Freunden. Verwandten und Bekannten die traurige N ich- richt, daß mcwe liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester. Schwägerin und Schwiegermutter ckristiane öpaet am 4. Januar im SS. Lebentjahre nach schweren Leiden gestorben ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Wilhelm Spaet, Wetnstr 28. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städti- Ichen Friedhojes In Friedrichsieide aus statt. 2544 b ZMSlMlwMWvei'M für den 4. Unsere brave Parteigenossin, Frau Christiane Spaal Weinilr. 28 ist nach kurzem schweren Leiden dahingeschieden. Ehre ihrem Andenken: Die Bestattung findet am Sonnabend, nachmittag» S Uhr, vom städtischen Friedhof w Fried- rtchslelde au» statt. Zahlreich« Beteiligung erwartet Der Vorband. Zo!l»!l!einMzellef Wahlverein Charlottenburg. |. Gruppe. Den Genossen zur Nachricht. daß unser langjähriges Mitglied. der Ojensetzer Qarl Schulze lDankclmannftr. 16) am 3. Januar gestorben ist. «bre seinem Andenken t Di« Beerdigung findet morgen Freitag, den 6. Januar, nach- mittag» 4 Uhr. von der Leichen- halle des Sud-West-Kirchhofc» w Stahnsdorf au» statt.-» Die Genossen treffen sich um 1 Uhr bei Baoe. Nehrlngstr. 26. erwartet «i-utaack. Rege Beteiligung ei 260/2 Der V« Verband derfreien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsrerwallung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Frau unsere» Kollegen Wilhelm Epaet CKristisriö geb. ea»hn Wewftr. 28, Bezirk 3 verstorben ist. Ehre ihrem«»denken t Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 7. Januar, nach- mitt g« 3 Uhr. von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofs in FriedrichSieide au» statt. Um rege Betiüllgung ersucht 74/2 vi« Orteverwelwng. Zentral-lerliaDd der Töpfer Filiale Berlin. (Btzlrk Charlotlenburg.) Todes- Anzelse. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß der Kolleg» KsH Schulze am 3. Januar im Aller von 33 Jahren an Kehlkopsschwiiidsucht verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. Januar, nach- mittag« 4 Uhr. von»er Lrichenhalic deSSüdwest-Kirchholet instahn»- darf au» statt. Um rege Betelligung ersucht Dor Vorstand. Sonntag, den& Januar, abends 6 Uhr, im großen Saale des Getverkschaftshauses. Engclufer 15: lugenä-Verlammlung. Vortrag des Schriftstellers Lmanuel �Vurm über: Ziaturerkenntnis. Nach dem Bortrag: Gesellige Unterhaltung.— Eintritt frei Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen find zu dteler«erfaminlnng freundlichst«ingeladen, Arbeiter-Bildungssehule. Donnerstag/, den 1» Januar 1011, abends 8Vt Ubr, Im»chnlloknl, Grenadlerstr 87: Generalversammlung. Ta ges-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes, des Eiehrcrbolleelnnis und der Revisoren. 2. Anträge. 3. Venwahl des zweiten SchriftfUlirers, eines(Jnterrlchtavertreters und eines Blltshlbllothebars. 4. Schalangelegen- belten und Vemehlcdcnes. 6/2* ===== sültgliedsbneh legitimiert. B a i t r& ge m fl s g e n bezahlt wer den. Orts-Krankenkasse her und verwandte» Gewerbe. AnBerordentllche General-Versammlung der Delegierten am S. Januar, abend» 8'/, Uhr in den.Arminhallen", Komviandantenitraß, 67. Tagesordnung: 1. Neuwahl de« GcsamtvorstandeS für 1011/12(2 Arbeitgeber. 4 Arbeit- nehpier). 2. V>>schi«d«nes. Mitgliedsbuch oder SWIadungSkarii legitimiert. 270/1 Der Vorstand. I. vi.: W. Netzband, Vorsitzender. m++++++<€3Em Soeben erschienen s Volksentrechlung, folizeiwiitkilrl Die Wahlparole des schwarzblauen Blocks. Reden der Abgeordneten David, Frank, Scheidemann u. des Reichskanzlers b. d. Etatsberatungan am 9. bis 14. Dazeinber 1010. | Nach d. etonograph. Cerichten. ' 948/4* Preis 40 Pf. Gelegenheltsbanf! Wollene Schlafdecken Ist 3 50 �50 rjOO gOO Am 2. Januar verschied»ach kurzem Krankenlager unsere lieb« gute Mutter. Großmutter, Schmie- aerpiutter, Schwester, Schwägerin. Tniiie und Großtante, die Z-ItuiigZsPekttcurin Mm Marie Rieger geb. Wollny im 72. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am 6. d. M.. nachmittag« 3 Uhr. von der Letchenhall« des St. Hedwig». K'rchhvjh» in Weißense«, Wörth. straße. g»« stajt. Sü48h Um stille« Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Für die Beweis» herzlicher Teil- »ahme bei der Beerbiguiig mewcS lieben Manne« Paul II Irsch sage ich allen Freunden, Beknnnte» und Verwandten sowie dem Wahlverein, Deutschen Holzarbeiterverband, Lotte- rieverem, such den Aollegen der Firma Hanke a liaeber meinen timigfjen Dank. SS7lL Witwe Anna Hirsch nebst Kindern. llMchsr Metaliarbeiter-Vsrbanii Verwaltungistelle Berlin. Todes-tAnselfcn. Den Kollegen zur Nachricht, daß unier Mitglied, der Elektro- monteur Paul Winter gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den H. Januar, nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle de» DankeS-KlichhoseS in Netnicken- dorf au» stall. Ferner starb unser Mitglied. der Werkzeugmacher Eduard Blache am 81. e. MI», an Lungenleiden Ehre ihrem Andenken Z Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. d. M, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des RuserstehungS-KirchhofeS in Weißensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet UOid Oie Ortsyerwaltimi. Deutschlands.— Ortsgruppe: Groll-Berlin. Donnerstag, den 6. Januar, abend» 8'/, Uhr. in den Musikersälen, Kaiser-Wiihelmftraße 18 m: öefsentl. kroteZt-Verzsmmlmg Tagesordnung: 1. DI« GtoIInnff des Reicbstagres»n den Forderungen der Angestellten- Reserent: Reichstagsabgeordneter Robert Schuiidt, 2. Freie Aussprache. Knsli'r»«»,, k«cstnltet dl« Versaminlnng sn einer o» vbiVjjVtzB ♦ iUHssendemonstratlon k 45/1*_ Die OrtSperwaltung. I. A., fi. siattloeh. Steinarbeiter. Freitag, den 6. Januar, abends 8 Uhr: Witglieder-Uersammluns der Sektion I(Sandsteinarbeiter) im Englischen Garten, Alexnnderstr. Tagesordnung: 1. Dtellungnahme zu der Bergebuna von«rhetten der itzirm« Orarnllro« an Alvischenmetsier. 2. Neuwahl der ScllwliSksiluua H. Verschiedenes. 171/1* Wie Wichtigkeit de? Tagesordnung erfordert da» Erscheinen aller Kollegen.__ Die Ortsverwaltnng Für die vielen Beweise licher Teilnabme und sahkr b-rz- streichen Kranzspenden bei her Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vater» lagen wir unseren innigsten Dank. 1(10/8 FraD Klara Krüger*"*«. KandSherger Allee 140. Filiale P-rov- Berlin. Morgen Freitag, den«. Januar t»i t, abends« Uhr, im Gctvertschaftöhause, Gngelufer iK, Vaal t: Ssll. Vertranensmämier- Versammlung. TageS-Qrhnung: 1. Vortrag des Kollegen F. Srgaive über: Mirke« die moderne,, Gewerkschaften»nlturfSrdernd? s- Die eiluatian im Gewerbe. 3. verschiedene» w—mm Kein Bau darf fehlen.»»»»>»» 192/ä_____ Der Boriiand. Zur I. Klasse(Ziehung 13. und 14. Januar) Preuss. Lotterie« eis.- AMflllor V t-ou-fftonohwov. i Miillvi»„sodori-Booiin 8. 58, abzugeben. W nah« Hormanitpl. M. {Pferdedecken! |si 2M3M45,5,t B. tilr dicke Portierew nlle Farben J Mstw 1,75,» 50 bis 4,50. Abgepaßte Fviosm&utel 1 S.S5-«.71. Versand anter Nacstnahme. Emil Lefevre, 1 Berlin, OranienstraBe 158. Sxpedition des Vorwärts BERLIN SW. 68 Kilndenstr. 60, l aden. Dr.Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, ÄÄ, 10—-9. 6— 7. Sonntaafs 10-., 2. 2—4 Vorjährige Winter-Paletotsl Herbst-Anzüge[ Jetzt 20—40 Stork. Täglicher Verkauf. 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