K». 5. HwwfwtntS'Btdingttftgtn; Abonnements< Preis pränumerando! kierteljöhrt. ZPO Vit., uwnatl. 1,10 MI,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags« nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, eingetragen in die Post-Zeit ungs- Preisliite. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Däneniarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, , Schweden und die Schweiz. »chlfr Ofätlnl»glich»«litt lllMlig». Vevlinev Volksvlertt. Ofe!nterfl«M'6(M)r Ceicägt für die sechsgespaltene Kolonel- gelle oder deren Raum öv Psg. für polltische und gewerlschasMch« Vereins« »md Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg, „Plein« Snreigen", das erste tsclt- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Echlas- stellen-Auzetge« das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort k Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben«erden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet, relegramm« Adresse: n5«»Ii»l>tm»llNi Bcrlla* Zentralorgan der fozi aldemokrati fchen parte» Deutfcblands. Redaktton: SM. 68, Ltndcnstrasoc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.' Abrechnung. Mit einer leichten Handbewegung hat in der Mittwoch- sitzung des M 0 a b i t e r P r 0 z e s s e s der öffentliche An- kläger die furchtbare Anklage gegen die Polizei, die den wesentlichsten Inhalt der achtwöchentlichen Verhandlung aus- macht, bei Seite zu schieben versucht. In Bausch und Bogen erklärte Herr Steinbrecht die Zeugen der Verteidigung, die Ausschreitungen von Polizeibeamten zu bekunden gewagt, kurzerhand für unglaubwürdig. Einige Hundert Aussagen durchweg einwandsfreier Personen wollte der Erste Staatsanwalt einfach als falsch, als unwahr beseitigen. Ein ver- zweifeltes Mittel, das die wahrhaft desperate Situation der Polizei gleich dem hellen Strahl des Scheinwerfers kraß beleuchtet. Am Donnerstag hat Genosse Heine, der als erster Sprecher der Verteidigung das Wort nahm, diesen Verzweiflungsstreich mit untilgbarer Marke gekennzeichnet und eine Abrechnung vorgenommen, wie sie unerbittlicher selten im Gerichtssaal ge- hört worden ist. Er begnügte sich nicht damit, die haltlosen Einwände der Staatsanwaltschaft gegen die Glaubwürdigkeit der Verteidigungszeugen in ihrer totalen Wertlosigkeit ans- zudecken und bis zur völligen Vernichtung zu zerfetzen. Er drehte den Spieß um, ging von der Verteidigung zum un- widerstehlichen Angriff über und rannte den Gegner vernichtend zu Boden. Nachdem er nachgewiesen, wie falsch, wie ganz und gar unzutreffend die Bemängelung der Verteidigungs- zeugen ist, hielt er furchtbare Musterung unter den Polizei- zeugen. Es war ein Strafgericht, das über sie herein- brach, ein Strafgericht, das die höchste Spitze der Berliner Polizei nicht verschonte. Herr Lieber suchte das letztere zu hindern, aber er erzielte nur. was so mancher Parlamentspräsident mit dem Ordnungsruf erreicht. Er unterstrich die Worte, die er tadeln wollte. Die Staatsanwaltschaft erklärte die Zeugen der Ver- teldigung für unglaubwürdig, die Verteidigung die der Staatsanwaltschaft— also heben sich beide Bemängelungen gegen- fettig auf? Solcher Schluß wäre für gewisse Leute der mittleren Linie, des Einerseits-Andererseits sehr bequem. Aber er wäre verfehlt, denn die beiderseitigen Gründe haben durchaus verschiedenes Gewicht. Der Verteidigung ist gar nicht eingefallen, in der Weise des Ersten Staatsanwalts alle Zeugen der Anklagebehörde samt und sonders der Unglaub- würdigkett zu verdächtigen. Sie braucht nicht die bequeme Methode des Herrn Steinbrecht, der die ihm unangenehmen Zeugen der Verteidigung ohne Unterschied des Alters des Geschlechtes und der Partei in einen seiner drei Säcke steckt. die er für diese verdächtigen Gesellen bereit hat, und der sie damit einfach erledigt zu haben glaubt. Die Verteidigung hat positive Angaben, genau bestimmte verdächtige Anzeichen, die sie in jedem einzelnen Falle eingehend darlegt. Herr Stetnbrecht hat nichts als seine drei Säcke. Nachdem ihm die von der Verteidigung in Fetzen zerstückelt sind, steht er mit bloßen Händen da. während die wohlfundierten Anklagen der Verteidigung unerschütterlich sind. Der Pfeil ist aus den Schützen zurückgeflogen. Der Vorwurf der Unglaubwürdigkeit wider die Verteidigungs« zeugen ist von der Verteidigung mit voller Wucht zurück gegeben worden und das Geschoß, das unschädlich an den Vcrteidigungszeugen abprallte, hat im Lager der Polizei zeugen verheerend gewirkt. Man vergleiche die allgemeinen Redensarten des Ersten Staatsanwalts mit den Stück für Stück mit Belegen ge- panzerten Anklagen Heines. Herr Steinbrecht erklärt einfach. daß alle Verteidigungszeugen, die Ausschreitungen der Polizei behauptet haben, in eine von seinen drei Kategorien fallen. von denen eine immer unglaubwürdiger ist als die andere. Da sind erstens die Zeugen, die vom Fenster oder vom Balkon aus Mißhandlungen gesehen haben wollen. Ihre Aussagen sind wertlos. weil sie einmal bei der Dunkelheit. die Herr Steinbrecht für ganz Moabit einheitlich dekretiert, nur ungenaue Beobachtungen machen konnten, weil sie zweitens nur einen Teil der Vorgänge be- obachten nicht sehen konnten, was dem Schlagen der Polizcibeainten vorherging. Der erste Einwand erledigt sich durch den Hinweis, daß es nicht überall und immer in Moabit so dunkel war. um genaue Beobachtungen der Straßen- Vorgänge von der Wohnung aus unmöglich zu machen. Der zweite steht mit den Tatsachen in direktem Widerspruch, denn nicht wenige. der Zeugen hapen bestimmt erklärt, daß sie die Leute ruhig herankommen sahen und dann beobachteten, wie ohne jeden Grund auf sie eingeschlagen wurde. Selbst wenn aber diese Zeugen in einzelnen Fällen nicht gesehen hätten, was die Mißhandelten vor der Mißhandlung verübt haben, »0 verlieren dadurch die vielen Bekundungen, daß auf am Boden Liegende in wilder Weise von mehreren Schutzleuten eingehauen und eingestochen wurde, in keiner Weise an Ge- wicht. Denn was die Niedergeschlagenen auch getan haben mögen, die Bearbeitung der Gefallenen mit dem Säbel ist auf alle Fälle eine Brutalität und eine strafbare Handlung. Dazu kommt aber, daß die Staatsanwaltschaft in der Anwendung des Unglaubwürdigkeitseinwandes gegen Fenster- und Balkonzeugen durchaus nicht konsequent ist. Solche Zeugen sind ihr nur unglaubwürdig, solange sie gegen die Polizei aussagen. Sobald sie zur Ueberführung eine? An- geklagten zu verwenden sind, schweigt die sonst so laute Kritik der Anklagebehörde. Den Angeklagten Wand will sie ver- urteilt wissen auf die Aussage eines Dienstmädchens hin. das ihn bei seiner Straftat vom Balkon aus gesehen und erkannt haben will. Den Balkon- und Fensterzeugen der Verteidigung treten Hunderte von Straßenzeugen zur Seite. Aber auch vor ihnen macht die Staatsanwaltschaft nicht Halt. Wenn sie selbst geschlagen worden sind und doch keine Verfehlungen zugeben wollen, so haben sie eben mit der Wahrheit zurückgehalten, vielleicht auch nicht begriffen, daß sich schon der strafbar macht, der sich in einer tumnltierenden Menschenmenge aufhält. Dieser Einwand leidet an zwei unheilbaren Gebrechen. Erstens ist ein großer Teil dieser Zeugen gar nicht in einer Menschenmenge gewesen, als er seine Prügel erhielt, sondern die Betreffenden haben als einzelne, ruhige Passanten in fast menschenleeren Straßen mit dem Säbel und dem Gummiknüppel Bekannt- schaft machen müssen. Zweitens aber genügt nicht schon der bloße Aufenthalt in einer Menschenmenge dazu, um jemanden strafbar zu machen, sondern dazu gehört, daß der Betreffende weiß, diese Menge begeht Gewalttätigkeiten, und daß er trotz dieser Erkenntnis in der Zusammenrottung verbleibt. Das ist von keinem der in Betracht kommenden Zeugen nachgewiesen. Bleibt die dritte Kategorie des Staatsanwalts— die an Blaukoller Leidenden. Alle Zeugen der Verteidigung, die zwar Polizeiausschreitungen bekundet haben, aber nicht alles gesehen haben, was andere Zeugen bei dieser Gelegenheit an Gewalt- taten wider die Polizei beobachteten, sind unglaubwürdig, leiden an Blaukoller. Wenn jemand gesehen hat, daß die Polizei dreinschlug, nicht aber, daß aus der Menge mit Steinen geworfen wurde, so ist für Herrn Stcinbrecht die absolute Unglaubwürdigkeit eines solchen Menschen festgestellt. Das total Verfehlte dieser Anschauung hat Heine in seiner Rede glänzend nachgewiesen. Es ist eben in der UnVollkommenheit der menschlichen Natur begründet, daß das Aufnahmevermögen einer Person beschränkt, daß ihr Gesichtsfeld begrenzt ist, und da dort, wo schon ein Beobachter ist. niemals gleichzeitig ein anderer sein kann— da es eine allgemeine Eigenschaft der Körper ist, undurchdringlich zu sein—, da der Standpunkt eines jeden Beobachters also ein anderer ist als der der Mitanwesenden, so kann dem einen sehr wohl entgehen, was der andere bemerkt. Wenn die Staatsanwaltschaft ihre kritische Sonde nicht nur an die Verteidigungs-, sondern auch an die von ihr selbst gestellten Zeugen anlegen wollte, so würde sie übrigens mit leichter Mühe feststellen können, daß auch von diesen letzteren manche nicht alles das gesehen haben, was andere Zeugen ihrer Kategorie bei demselben Vorgang wahrnahmen! Zerfällt so das Dreisystem der Staatsanwaltschaft bei nur oberflächlicher Prüfung schon zu nichtigem Plunder, so halten um so fester Stand die Nachweise der Verteidigung, die die Glaubwürdigkeit nicht weniger Polizeizeugen aufs schwerste beeinträchtigen. Daß jemand von einem Vor- falle nicht alles sieht, das ist nichts, was gegen den Wert seines Zeugnisses, gegen die Wahrheit seiner positiven Bekundungen spricht. Wenn aber jemand, der zu amtlicher Aufsicht und Vorsorge verpflichtet ist, von Massen- haften Vorgängen, die ihn zum Einschreiten veranlassen müßten, nichts gesehen hat, so ist das im höchsten Maße verdächtig. Wenn ein Polizcioffizier stundenlang an einer Straßenecke weilt und wenn an dieser Stelle in dieser Zeit Hunderte von Mißhandlungen friedlicher Passanten vor- kommen, der betreffende Polizeioffizier aber erklärt, daß er davon keine� einzige bemerkt hat, so bleibt eben nur der zwingende Schluß, den Heine in seiner Rede rücksichtslos ge- zogen hat. Er hat damit ausgesprochen, was ist, was sich jedem, der die von ihm einzeln angeführten Aussagen im Gerichtssaale gehört oder sie in einem guten, getreuen Bericht gelesen hat, ohne weiteres als selbstverständliche Folgerung aufdrängt, so- fern ihm die Polizei nicht als sakrosankte Institution, als eine aller Kritik entzogene, über alle menschlichen Schwächen erhabene Einrichtung erscheint. Die charakteristi- schen Vorgänge bei der Vernehmung der Polizeizeugen über die Räumung des Lokals Lanzerat, die der Verteidiger an- führte, reden eine so wuchtige Sprache über den Wert der Aussagen der in Frage kommenden Polizeizeugen, daß ihnen kein Kommentar beizugeben nötig ist. Und das gleiche ist von den anderen Fällen zu sagen, die im Plädoyer angezogen sind. Besonders gravierend ist der Umstand, daß verschiedene Polizeibeamte mit sonst gutem Gedächtnis plötzlich von ab- soluter Gedächtnisschwäche befallen sind, sobald die Beobachtung polizeilicher Uebergriffe und Ausschreitungen in Frage kommt. So führte der Verteidiger, von Einzelfällen ausgehend, streng induktiv den Beweis, daß gegen die Glaubwürdigkeit nicht weniger Polizeibeamten, die im Prozeß als Zeuge auf- traten, schwere Bedenken bestehen, daß gravierende Momente den Wert ihrer Aussagen direkt auf Null herabdrücken. Er sagte es in der schärfsten Form, in unverhülltester Deutlichkeit, er zeigte die Polizei als Partei in diesem Prozeß und wies unerbittlich nach, wie über der Vertretung der Polizeiinter- essen die Wahrheit zu kurz kam. Und er zog von diesem Punkt aus die gerade Linie zum Leiter der Berliner Polizei. Sein Versuch, sich vom Eingeständnis der Schuld seiner Be- amten in der Affäre der englischen Korrespondenten zu drücken, die Sache so zu drehen und zu wenden, als ob die verprügelten Journalisten eigentlich die Schuldigen seien, stellte er auf eine Stufe mit der Taktik der Polizeivertreter Expedition: SM. 68» I�indenstravse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. im Prozeß. Er konnte die Parallele allerdings nicht weiter führen, er konnte nicht eingehender darlegen, daß ein gewisses Kausalverhältnis zwischen beiden Erscheinungen besteht, die Klingel des Herrn Vorsitzenden verbot die weitere Verfolgung des Themas. Aber Herr Lieber sagte in seiner Rüge schließlich soviel, wie der Verteidiger nur hätte sagen können. Eine beißende Jronisierung des Jag ow schen letzten Auf- gebots, der Triarier, die die Schlacht retten sollten und mit ihren negativen Aussagen doch so gut wie gar nichts be- weisen konnten, eine scharfe Charakterisierung einiger beson- ders bemerkenswerter Persönlichkeiten unter ihnen� schloß diesen Teil der Heineschen Ausführungen und die Sitzung. Heute geht die Abrechnung weiter. Sie bsvriiche Zenlnunspai'tei. DaS bayrische Zentruni hält seit vorgestern in München seinen Parteitag ab— nicht in der breiten Ocffentlichkeit, vor den Augen aller Welt, sondern hinter verschlossenen Türen. Allzuviel schmutzige Wäsche hat sich in den nie durch besondere Reinlichkeit ausgezeichnet gewesenen bayerischen KlerikaliLmus aufgehäuft, als daß man es wagen dürfte, öffentlich die inneren Zwistigkeiten, die zu einem wesentlichen Teil auf persönliche Rivalitäten der großen Kapazitäten hinauslaufen, vor profanen Augen zu diskutieren- Was heikel ist und in den Gemütern der Gläubigen und Naiven Anstoß erregen könnte, das wird»iiter Ausschluß der Oeffentlichkeit im Zentralkomitee, dem sogenannten.Großen Ausschuß', verhandelt. Schon seit Dienstagabend tagt diese Wäsche- reinigungskonferenz, von deren Sitzungen selbst die Vertreter der Zenlrumspresse ausgeschlossen ivorden sind: ein Beweis dafür, daß die Erörterung der zwei Punkte, die vornehmlich auf der TageS- ordnung des Ausschusses stehen: die Erledigung der Personenfragen und die organisatorischen Vor- bereit ungen für die nächsten Reichstags wählen, den Arrangeuren der Tagung selbst für abgehärtete klerikale Jour« nalistenmägen als recht unverdaulich�gelten muß. Gestern folgte auf die Geheimkonferenz des Zentralkomitees die Delegiertenversammlung— ebenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit—, auf der Ade! und Geistlichkeit stark vertreten waren. ES wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1.«Die Zentrumspartei wird in der Regel in jedem Wahl- kreis einen eigenen Kandidaten aufstellen, im übrigen wird sie nach Tunlichkeit den Erfolg konservativer, dauern- bündleri scher und anderer rechtsgerichteter Kandidaturen gegen liberale und sozialdemokratische Kandidaturen zu fördern suchen. Gegen nationalliberale Kandidaturen bleibt nach Lage der Dinge die Stellungnahme von Fall zu Fall vorbehalten. Sozialdemokratische und linksliberale Kandi- daturen sind auf das entschiedenste zurück« zuweisen. Auf Gegenleistung der im Wahlkampf unter- stützten Parteien wird gerechnet." 2.„Der Parteitag der bayerischen Zentrumspartei be- trachtet als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart den Kampf gegen die Sozialdemokratie." In einer dritten Resolution wird erklärt, daß die Zentrums- Partei mit den von den beiden Kammern des bayerischen Land- tags angenommenen Resolutionen gegen das Streikrecht der Eisenbahnbediensteten vollständig einverstanden ist. Zugleich wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Fraktion diese wichtige Angelegenheit auch in Zukunft mit gleichem Ernst und Nachdruck verfolgen werde und daß die königliche Staatsregicrung und vor allem die Eisen- bahnverwaltung in ihren Betrieben jeder Agitation für sozialdemokratische Gewerk- schaften und Vereine mit allem Nachdruck ent» gegenwirke. Besonders wird verlangt, daß jedem, der sich offen zu den Grundsätzen und Zielen der Sozialdemokratie be- kenne, die Aufnahme in den Staatsdienst versagt werde. Der Parteitag spricht ferner den christlich organisierten Arbeitern für ihre entschiedene Stellungnahme gegen die Sozialdemokratie und ihre Organisationen vollste Anerkennung aus und fordert die Zentrumsfraktion auf. mit allen geeigneten Mitteln dahin zu wirken, daß die Staats- regierung eine klare Stellung in diesen Fragen einnehme und daß die in der Resolution niedergelegten Wünsche durchgeführt werden. Eine andere, vierte Resolution befaßt sich mit der kon» fessionellcn Volksschule. Es wird gefordert: ungeschmälerte Er- Haltung der geistlichen Orts- und Distriktsaufsicht über die Volks- schulen und Fortbildungsschulen.„Wir verlangen," heißt es. „die Erhaltung der geistlichen Ortsaufsicht und des Religions- Unterrichts auch für die Fortbildungsschulen, und den durch nichts begründeten Ansturm des Liberalismus und der Sozialdemokratie auf unsere in Bayern blühenden und durch Jahrhunderte bewährten Klosterschulen weisen wir mit aller Ent- schiedcnheit zurück." Die Beschlüsse sind demnach nichts als eine wilde Kampfansage an die bayerische Sozialdemokratie. Das war nach dem schroffen Gegensatz, zu dem sich in letzter Zeit das Verhältnis zwischen So- zialdemokratie und Klerikalismus in Bayern zugespitzt hat. nicht anders zu erwarten— wenn auch die Rücksichtslosigkeit, mit der sich �das Zentrum demaskiert und offen die demokratische Flagge fallen läßt, eine gewisse Verwunderung erregen muß. Tatsächlich hatte ;ja der kümmerliche Rest halbdemokratischer Grundsätze, den das ! Zentrum aus der Zeit des Kulturkampfes bis auf unsere Tage l hinübergerettet hatte, längst keine Bedeutung mehr. Der hohe ' Klerus und der katholische Feudaladel haben im Zentrum, im bahe- rischen wie i« preußischen, völlig die Oberherrschaft erlangt. LS« fijenTgffehS äußerlich liebte mim es, sich hin uii? wlcbcr etwas kemö- kratisch zu geben. Nun ist auch diese trügerische MaZke gefallen. Das bayerische Zentrum erklärt sich zum willfährigen Bundes- genossen der ostelbischen Junker, bereit zu jedem Verrat der Volks- Interessen, zu jeder reaktionären Niedertracht. Um so besser! DaS im Schlepptau des ostelbischen Krautjunkertums segelnde Zentrum ist der Sozialdemokratie in Bayern weit weniger gefährlich, als ej�l Zentrum mit demokratischen Allüren und Gesten. Auch die offene, an die katholischen Staatsarbeiter gerichtete Drohung, bei der nächsten Reichstagswahl klerikal zu wählen, da sie sonst nicht länger in den Staatsbetrieben geduldet werden würden, bedauern wir nicht. Mag dadurch auch in einzelnen Fällen ein ängstlicher Arbeiter davon abgehalten werden, sozialdemokra- tisch zu wählen, so würde doch auf der anderen Seite durch diese Drohung der„christliche",„arbeiterfreundliche" Charakter des Zen- trumS, sein politischer Zynismus und seine innere Verlogenheit so drastisch gekennzeichnet, daß der Vorteil den Verlust überwiegt. Die Zentrumsresolutionen schaffen reine Bahn. Jetzt gilt nur »loch ein Hüben und Drüben. Der Kampfplatz ist srej, Kommunale filalstbezirltsgeometrie. Verlin soll für die Stadtverordneten- Wahlen eine Neueinteilung der Wahl- bezirke bekommen. Wir„sollen" sie bekommen, das heißt: die Neueinteilung ist seit langem als notwendig erkannt, wird in der Stadtverordnetenversammlung durch die sozial- demokratische Fraktion immer wieder gefordert— und wurde bisher durch den Magistrat im Einverständnis mit der frei- sinnigen Stadtverordnetenmehrheit auf eine spätere Zeit ver- schoben. Die letzte Neueinteilung liegt zwar nur wenig inehr als ein Jahrzehnt hinter uns, aber inzwischen haben sich in manchen Bezirken die Wählerzahlen schon wieder so sehr geändert, daß die srühere Ungleichheit längst wieder da ist. Bei Stadtverordnetenwahlen ist ja von einer Gleichheit des Wahlrechts von vornherein keine Rede, da das Drei- k l a s s e n- W a h l s y st e m einer winzigen Minderheit stcuerkräftigster Bürger, den Wählern der ersten und der zweiten Abteilung, ohne weiteres zwei Drittel aller Stadt- verordnetenmandats sichert. In Berlin gehörten schon bei den letzten Stadtverordnetenwahlen, im Jahre 1903, zu der ganzen ersten Abteilung nur noch 935 Wähler, zu der ganzen zweiten Abteilung 31 501 Wähler, dagegen zu dem damals an den Wahlen beteiligten Drittel der dritten Abteilung 121 059 Wähler, was für die ganze dritte Abteilung auf mehr als 360 000 Wähler schließen ließ. Schon damals war in der dritten Abteilung eine reichlich 360 m al so große Zahl vonWählern wie in der ersten A b t e i lu n g. so daß jeder Wähler erster Abteilung reichlich 360mal so viel Einfluß auf die Zu- sammensetzung des Stadtparlaments hatte wie jeder Wähler dritter Abteilung. Von 1309 bis 1911 dürfte aber die Aendc- rung der Wählerzahlen in den drei Abteilungen, die Ver- schiebung zugunsten der Besitzenden und zu Ungunsten der werktätigen Bevölkerung, noch weitere Fortschritte gemacht haben, so daß bei uns die Ungleichheit des Gemeindewahl- rechts wahrscheinlich wieder nod) ärger geworden ist. Wo solche skandalösen Zustände möglich sind, da sollte man um so gewissenhafter dafür sorgen, daß nicht auch noch durch eine weitgehende Ungleichheit der Wahl- bezirke zahlreiche Wähler in ihrem Recht beeinträchtigt werden. Gewiß kann in einer Stadt von der raschen Ent- Wickelung Berlins nicht eine Gleichheit der Wahlbezirke er- reicht werden, die von längerer Dauer wäre. Das ist nicht möglich, solange noch äußere Stadtteile in der Bebauung begriffen sind und daher eine rasche Bevölkerungszunahme haben können, während die inneren Stadtteile durch Umwand- lung von Wohnhäusern in Geschäftshäuser sich immer mehr entvölkern. Trotzdem wurde bei der letzten Neueinteilung der Wahlbezirke, die 1897 zustande kam und 1899 in Kraft trat, auf diese EntWickelung keine Rücksicht genommen. Richtig wäre es gewesen, die inneren Bezirke im Hinblick auf die andauernde Entvölkerung zunächst überdurchschnittlich zu be- messen und bei äußeren Bezirken mit noch unvollständiger Bebauung einstweilen unter dem Durchschnitt zu bleiben. Statt dessen wurde die Abgrenzung so ausgeklügelt, daß schon damals ein paar Jnnenbezirke von vornherein weniger Wähler hatten als einige noch sehr zuwachsfähige Außen- bezirke. So erlebten wirs dann, daß in der dritten Ab- teilung— nur diese interessiert uns in dieser Betrachtung und es wird übrigens auch nur für sie eine Neueinteilung ge- plant— von 1897 b i s 1909 die Wählerzahl g. B, f ii r den 2. Wahlbezirk sich von 5752 auf 2870 minderte, aher z. B. für den 26. Wahl- bezirk sich von 6528 auf 23462 mehrte. Wie sehr in den letzten Jahren das Stadtinnere sich weiter ent- völkert hat und den äußeren Stadtteilen eine Bevölkerungs- inehrung zuteil geworden ist, läßt das vorläufige Ergebnis der Volkszählung von 1910 erkennen. Danach hat— wir wollen nur zwei Beispiele herausgreifen— im letzten Jahrfünft der Standesamtsbezirk I(hauptsächlich das innerste Berlin umfassend) 12 598 Einwohner verloren, dagegen der Standesamtsbezirk XIII B(Wedding) 45 310 Einwohner gewonnen. Von den Wahlbezirken der dritten Abteilung hatte im Jahre 1909 der damals größte Bezirk reichlich 8 mal soviel Wähler wieder damals k l e i n st e, bei der Aufstellung der Wählerliste für 1911 wird wahrscheinlich der größte Bezirk bereits zehn- bis zwölfmal soviel Wähler wie der kleinste haben. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion hat diese Enttvickelung beizeiten mit Aufmerksamkeit verfolgt und wiederholt auf die Notwendigkeit einer baldigen Neuein- teilung hingewiesen. Der im Jahre 1906 gefaßte Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, durch den der Magistrat um eine Neueinteilung spätestens bis vor den Wahlen von 1909 ersucht wurde, ist nie aus- geführt worden. Im Juni 1909, vier Wochen vor Auslegung der Wählerlisten, erklärte der Magistrat den Stadwerord- ncten, er wolle eine Neueinteilung auf Grund der Listen von 1910 in Erwägung ziehen. Im Oktober 1909 beschloß dann die Stadtverordnetenversammlung, die Neueinteilung sei mit solcher„Beschleunigung" vorzunehmen, daß sie min- bestens 9 Monate vor den Stadtverordneten« Wahlen von 1911 fertig werde. Die Stadtverordneten- Wahlen von 1911 finden Anfang November statt, mithin müßte die Neueinteilung der Wahlbezirke spätestens A n- fang Februar erledigt sein. Man munkelt zwar, daß in der Abteilung für Wahlangelegenheiten seit einiger Zelt mit einem dort ganz ungewöhnlichen Eifer an dem Plan der Mteinteilung gearbeitet werde, und Optimisten meinen sogar zu wissen, daß der Plan vollendet daliege. Aber selbst wenn im Reiche des Stadtrats Böhm, des Chefs dieser Abteilung, das Wunderbare geschähe, daß einmal etwas fertig würde, so ist es immer noch nicht sicher, ob � nicht im letzten Augenblick irgendwelche„Schwierigkeiten" wieder alles zum Scheitern bringen. Ist der Plan fertig, so muß man fragen, warum der Magistrat ihn nicht aller« schleunigst den Stadtverordneten vorlegt. Am Ende gibt es da noch allerlei neue„Erwägungen"? Schon bei den Beratungen von 1909 wurde im Ausschuß der Stadt- verordneten darauf hingewiesen, daß die neue Wahlbezirks- abgrenzung sich eigentlich an die vom Magistrat beabsichtigte Neueinteilung der Stadtbezirke anschließen solle. Da aber diese nur im Anschluß an das Ergebnis der Volkszählung von 1910 ausgeführt werden kann und sich natürlich nicht in wenigen Wochen erledigen läßt, so wird man uns vielleicht nächstens mit der Mitteilung überraschen, daß die Neuein- teilung der Wahlbezirke auch für die Wahlen von 1911 noch nicht zustande kommt. Den Führern des Stadtfreisinns wird es eine stille Freude sein, daß die kommunale Wahlbezirks- geometrre eine so überaus schwierige Wissenschaft ist, die von dem Genie des Chefs der Ab- teilung für Wahlan�elegenheiten sich nur langsam bewältigen läßt. Je ärger nämlich die Ungleichheit der Wahlbezirke wird, desto weiter wird der Augenblick hinausgeschoben, wo in Berlin alle Mandate der dritten Abteilung in den Besitz der Sozialdemokratie gelangen. Gerade die Bezirke mit winzigen Wählerzahlen sind f ü r d e n Freisinn die letzten Schlupfwinkel in der dritten Abteilung, während die in den äußeren Stadtvierteln gelegenen Bezirke mit sechs- und achtmal so großer Wähler- zahl der Sozialdemokratie gehören. Bei einer Neueinteilung würden die freisinnig vertretenen Bezirke zumeist in größeren Nachbarbezirken aufgehen, wobei dann wahrscheinlich kein Freisinnsmann wieder von dort ans ins Rathaus gelangte. Die großen Bezirke aber würden in zwei, drei, vier Bezirke zerlegt werden müssen, die jeder einen Sozialdemokraten ins Rathaus entsenden würden. Man sieht, wozu es gut ist, daß die werktätige Bevölkerung Berlins durch die noch geltende kommunale Wahlbezirksgeometrie so schmählich beeinträchtigt wird,_ poUtifchc deberfiebt. Berlin, den 5. Januar 1911. Nochmals: Narrenstreich oder Schurkenstreich? Der„Franks. Ztg." geht aus Karlsruhe die ungeheuer- liche Nachricht zu, daß das läppische„antimilitaristischc" Flug- blatt, von dem wir nach der Mitteilung unseres Stuttgarter Bruderorgnns berichteten,„von militärischer Seite äugen- scheinlich als Produkt sozialdemokratischer Herkunft aufgefaßt worden" sei. Irgend etwas Näheres über das kindische Machwerk sei nicht zu erfahren, weder vom kommandierenden General, noch vom Generalkommando, noch auch von der Staatsanwaltschaft sei irgendwelche Auskunft zu erhalten. Also ein blödsinniges Monstrum von Flugblatt(oder Handzettel, denn nach einer Lesart handelt eS sich weniger um ein Flugblatt als einen Handzettel), das, wie wir der „R h e i n.- W e st f. Zeitung" entnehmen, dazu aufforderte, „dem... von Königsberg den Gehorsam zu verweigern und in Baden die Republik auszurufe n". wird, nach der„Franks. Ztg.", von den Militärbehörden allen Ernstes für ein„Produkt sozialdemokratischer Herkunft" gehalten, während sein Verfasser doch nur komplett verrückt oder ein Lockspitzel sein kann l Die„Franks. Ztg." teilt zwar dies Urteil über den Wisch vollständig, hält es aber für voreilig, wenn die„Schmäb. Tagwacht" die Vermutung ausgesprochen, daß Werkzeuge des Reichs- Verbandes oder anderen Scharfmachergelichters ihre Hand dabei im Spiel gehabt haben. Gegen eine solche Annahme, die im übrigen ja manches für sich habe, spreche denn doch. daß der Handzettel gar zu ungeschickt abgefaßt sei. Nun, die Annahme der Militärbehörden beweist doch gerade, daß d i e Stellen, auf die eö den Lockspitzeln unserer Scharf- macher ankommt, auf jeden Köder anbeißen, sei er noch so plump und täppisch ausgeworfen! Und bewegt sich die kindische Aufforderung, am 27. Januar in Baden(!) die Re- volutton auszurufen, denn nicht auch vollständig in den Ge- dankengängen der reichsverbändlerischen und scharfmacherischen Brandartikel und Hetzflugblattes, die— auch heute noch I— die Moabiter Vorgänge für„revolutionäre Vorübungen" ausgegeben haben und noch ausgeben?!" Wenn die in reichsverbänd- lerifcher Suggestion befangene Berliner Staatsanwaltschaft sich nicht der Lächerlichkeit der Slussage jcneS jugendlichen Polizeizeugen bewußt war, der Über die Anweisungen eineS sozialdemokratischen Agitators an die Menge, sich zu b e- w a f f n e n und drei Glieder zu bilden, so Zwerchfell- erschütternde Aussagen zu machen wußte— warum sollten da Lockspitzel vom geistigen Kaliber und den verblüffenden Er- fahrungen der'Reichsverbandsleute nicht auch diesmal mit den gewohnten und bewährten Mitteln arbeiten I Und auch die Scharfmacherpreffe beißt ja bereits auf den Köder an. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" widmet der„roten(I) Wühleret im deutschen Heere" bereits einen ganzen Leitartikel, der schließlich fordert, daß Schule, Fortbildungsschule und Zivtlbehörden sich die Hand reichen und eine Jugenderziehung in die Wege leiten müßten, die für eine Beeinflussung der Jugend in f r e i h e i t- l i ch e m Geiste nicht mehr die geringste Betätigungsmöglichkeit lasse.„Hoffentlich", provoziert daS Scharfmacherblatt,„ergreift das K r i e g s m i n i st e r i u m als eine der am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Stellen die Initiative und bereitet jene große Aktion vor, die schon im vorigen Jahre gerüchtweise angekündigt wurde." Man sieht also, wessen Geschäfte mit dem Wische besorgt wurden! Es fehlt nur noch, daß die Sudelköche des Reichs- Verbandes dies„Flugblatt" mit ihrem frechen Moabit- Schwindel zu einem staatserhaltenden Hexeubrei zusammen- kochen! Und wie wir die Ehrlichkeit dieser Biedermänner kennen, wird ein solch' appetitliches Ragout auch nicht lange aus sich warten lassen! Die mysteriösen„Flugblätter". Die Meldungen über die neueste„revolutionäre Vorübung" sind seltsam kraus und widerspruchsvoll. Nach der„Franks. Ztg." ist weder von der Militärbehörde noch vom Staatsanwalt etwas zu erfahren. Die„Rh.-Wests. Ztg." und die»Post" sind trotzdem in der Lage, allerlei Mitteilungen über den angeblichei« Wortlaut des Flugblattes zu machen. Die»Nh.-Westf. Ztg." erzählt auch. daß die Flugblätter oder Handzettel dm Soldaten auf dem Bahnhof heimlich zugesteckt worven seien. Dem- gegenüber meldet aber die„Karlsruher Zeitung", daß die Flug- blätter gar nicht in die Hände irgendwelcher An- gehöriger der Armee gelangt, sondern bei einer Zivilperson beschlagnahmt worden seien! Wenn das der Fall ist— und die„Karlsruher Ztg." sollte eS doch wohl wissen— wäre freilich die Geheimniskrämerei der Behörden doppelt un- begreiflich!— Zu welch wilden Gerüchten diese Heimlichtuerei Veranlassung gibt, zeigt folgende Herold-Meldnng: Frankfurt a. M., S. Januar. Wie die„Frankfurter Ztg." zu- verlässig aus Ludwigshafen hört, sind die Offiziere aus badiscben Garnisonen, welche über die Weih- nachts feiertags beurlaubt waren, telegraphisch zurückberufen worden. Diese Order soll im Z u s a m m e n- hange mit der geheimnisvollen Flugblätter- Verteilung an beurlaubte Soldaten stehen. Wenn bei diesem furchtbaren revolutionären Anschlag der Reichsverbänd nicht auf seine Kosten kommen sollte, so doch wenigstens der„SimplicissimuZ"!_ Militärische Neuerungen. Nach der„Militärisch-politischqn Korrespondenz" steht in den oberen Kommandostellen der Armee demnächst ein größeres Rc- viremcnt bevor. Acht DivisionSgeneräle werden die Pickelhaube mit dem Zylinderhut vertauschen müssen. Dieses harmlose Vergnügen kostet den Steuerzahlern die Kleinigkeit von etwa 70000 M. pro Jahr. Noch eine große Aenderung, die zweifellos eine beträchtliche Vermehrung unserer Schkagfertigkeit herbeiführen wird: die Pickel- Haube soll modernisiert werden. Wie die„Allgemeine Armcekorre- spondenz" meldet, finden bei verschiedenen Truppenteilen Versuche mit einem neuen Helmmodell statt. Angeblich handelt es sich um eine Modernisierung der Pickelhaube unter grundsätzlichem Fest- halten an ihrer„historischen" und zugleich so geschmackvollen Form. „Eine unglaubliche Nachricht" nennt die„Köln. Ztg." die Nachricht, daß daS Enteignungsgesetz nicht angewendet werden solle. DaS führende nationalliberale Organ schreibt: „Die Neue Gesellschaftliche Korrespondenz hört aus zuverlässiger Quelle die seltsame Kunde, es stehe nunmehr fest, daß daS Ent» eignungSgesetz nicht zurAnwendung gelangen werde. Die maßgebendste Stelle habe jetzt nach sorgfältiqster Erwägung des Für und des Wider diese Entscheidung getroffen. Wer diese maßgebendste Stelle ist, wird nicht gesagt. Unmittelbar nach Neujahr hat zwar ciue Sitzung des Staatsministcriums stattgefunden, aber es ist nicht mitgeteilt worden, was darin ver- handelt worden ist, so daß nicht ausgeschlossen ist, daß eine maßgebendere Stelle, als da? preußische Staats» Ministerium, den Entschluß gefaßt hat. Sollte er aber über- Haupt gefaßt sein, so hat die Oeffcntlichkeit ein Recht darauf, daß er ihr sobald wie möglich und mir der Begründung mit- g« t e i llt wird. Bis daS geschieht, halten wir die Nachricht für falsch, denn eS wäre gar z u niederdrückend, wenn man zugestehen müßte, daß dieselbe Regierung, die in einer Thronrede und zahllosen feierlichen Er» klärungen das Polenge setz vom Jahre 1008 für unbedingt erforderlich und alö das„allein wirksame Mittel" angegeben hat. unsere wichtigste nationale Aufgabe, die Germanisierung der Ostmark, zu fördern, plötzlich dieleS Gesetz verleugnete»nd es den Parteien, die sich zum Teil erst nach schwerem inner» Kampf und a»f die eindringlichen Bor- stellungen der Regierung hin für die Enleignnng gewinnen ließen. gewissermaßen in Fetzen vor die Füße würfe". Die„Köln. Ztg." hat ja mit ihrer Kritik der verblüffend widerspruchsvollen Haltung der Regierung vollkommen recht. nur begreifen wir nicht, warum sie deshalb die Nachricht für so unglaublich hält. Denn erstens ist e« ja doch gar nichts Neues, daß diese Sorte Regierung heute preisgibt, was sie gestern noch un- gestüm forderte, und zweiten» war die jetzt eingetretene Schwenkung der Regierung in der Polenpolitik doch seit Jahr und Tag vorauszusehen! Haben den» nicht die Junker im Herren- hau« wie im Abgeordnetenhaus bereits in der letzten und vorletzten Session vor einer„Ueberstürzung" der AnsiedeluugSpolitik gewarnt?! Die Bauernansiedelung ist ihnen unbequem geworden, weil fie ein- gesehen haben, daß die Ansiedler nicht mit den Agrariern durch Dick und Dünn gehen und überhaupt auf die junkerlichen Latifundienbefitzer recht schlecht zu sprechen sind. Hinzukommt, daß jetzt daS Zentrum wieder mitregierende Partei geworden ist, da? Zentrum, das die Anti- polenpolitik feit jeher bekämpft, und von dem die polnische Fraktion nichts als eine nationalistische Abzlveigung darftelltl Und daß die Polen selbst von der bevorstehenden Schwenkung unterrichtet waren. beweist ja ihre Bewilligung der Erhöhung der Krondotation I Und wenn die, N o r d d. A l l g. Ztg." gegenüber der Meldung der»N. Gesellsch. Korresp." erklärt, daß die Nachricht falsch und „überhauptnoch nichts beschlossen' sei, so beweist das nicht das geringste, weil dies Dementi nur auf die formale Seite der Meldung eingeht. Es wird sich ja bald genug zeigen, wie richtig die Korrespondenz in der S a ch e informiert war l Kempten-Jmmenstadt. Im bayerischen Reichstagswahlkreise Kempten- Jmmenstadt, dessen Mandat durch den am 1. Januar grfolgten Tod des Zentrumsabgeordnetcn Alois Schund zurzeit erledigt ist, ist von unserer Seite Genosse Heinrich Gölzer, Tischlermeister in Kempten. von liberaler Seite der Landtagsabgeordnete Dr. Thoma-Augsburg als Kandidat aufgestellt worden. Obgleich der Wahlkreis von 1890 bis 1307 Zentrumsmäuncr in den Reichstag gesandt hat, bietet sich für die Liberalen eine gute Aussicht, den Kreis zu.erobern, denn bei der letzten Hauptwahl (1907) erhielt Schmid nur 12 013 gegen 10833 nationalliberale und 1333 sozialdemokratische Stimmen. In der Stichwahl siegte daS Zentrum mit 13 866 gegen 10831 Stimmen. Das Präsidium des Hansabundes. Der Hansabund hat sich neukonslituiert. Die Wahlen zun» Präsidium hatten folgendes Ergebnis: Zu Präsiden wurden ge- wählt Geheimer Justizrat Professor Dr. Rießer, Landrat a. D- Roetger, Ehrenobermeister Nicht senior, zu Vizepräsiden: Kaufmann Rudolf Craßmann-Hamburg, Fabrikbesitzer Dr. Albert Steche- Leipzig. Ingenieur Hirth-Cannstatt. Zum Voisitzenden deS Präsidiums wurde Geheimrat Rießer, zu seinem Stellvertreter Land- rat a. D. Roetger gewählt._ Die Znndholzsteuer. Lu» Anlaß der fortschrittlichen Interpellation über die günd- warensteuer, die am 10. Januar im Reichstage verhandelt werden wird, hat der Staatssekretär des Reichsschatzamles eine amtliche Er- Hebung über die gegenwärtigen Zündh olzpreife veranstaltet. Es ergibt sich daraus, daß der Großhandelspreis in neuester Zeit ganz erheblich gefallen ist. Früher betrug er zeitweilig ohne Steuer mehr als 30 M. für die Kiste(1000 Pakete zu 10 Schachceln mit je 60 Hölzern). Jetzt ist er bis auf etwa 60—65 M. geiunken. Der Kleinhandel ist dem Sinken der Preise noch nicht völlig gefolgt. Indessen werden namentlich in den Warenhäusern jetzt vielfach für da» Paket 25. statt früher 30 Pst, in einzelnen Warenhäusern für vier Pakete 35 Pf. gefordert. Die Regierung$at fei ihren Erhebungen einen WesentilKen Punkl: die Rückwirkung der Zündholzsteuer auf die Industrie und die von ihr beschäftigten Arbeiter.vergessen". ES ist bekannt, daß die Wirkungen ebenso verhängnisvolle gewesen find, wie die auf die Tabakarbeirer. Autzerdem täuscht sich die Regierung gründlich, wenn sie glauben sollte, datz die Feststellung, man könne jetzt das Paket Streichhölzer für 2S statt für 30 Pf. kaufen, die Erregung über den unsinnigsten der Schnapsblockfrevel beseitigen könnte. Der jetzige Preis ist immer noch um 150 Proz. höher als früher, wo man für ein Paket nicht mehr als 10 Pf. zahlte._ Bayerische Reichstagsmandate. Auz sogenannten..Gesundheitsrücksichten" wollen einige der Führer der bayerischen ZcntrumSpartei bei den nächsten Reichs- tagSwahlen nicht wieder kandidieren. Der Abgeordnete Dr. Heim hat, wie gemeldet wird, bestimmt abgelehnt, sich wieder aufstellen zu lassen. Ebenso Dr. Jäger-Dillingen. Um den christlichen Gewerkschaften entgegenzukommen, will ferner das bayerische Zentrum in folgenden Wahlkreisen„christliche Arbeiter" aufstellen: in Würzburg Arbeitersekretär Landtags- abgeordneter Schwarz, in Dillingen Arbeitersekretär Wepler, in Amberg GewerkschaftSfckretär Trcjzmann-Nürnberg. Landtagsersastwehl in Stülp. Amtliches Wahlergebnis. Bei der heutigen LandtagSersahwrihl ist Landrat v. Brüning(deutschkonfcrvativ) mit sämtlichen 497 Stimmen gewählt worden. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. Vom„Schutzmann" mißhandelt. In einem Hotel zu Halle a. S. waren zu Anfang Oktober- vorigen Jahres mehrere Gäste noch abends spät vergnügt beieinander. Gegen Eintrift der Polizeistunde kam ein Schutzmann und bot.Feierabend". Wenige Minuten später, als die den sogenannten befierrn Kreisen angehörenden Gäste ihre Ueberkleidung anlegten und zum Teil bereits das Gastzimmer verlassen hatten, kam der Schutz- mann wieder und wiederholte seinen.Befehl' in schroffem Tone. Einen als Gast anwesenden Restauratcur, der sich an einer Personenwage zu schaffen machte, packte er ohne weiteres beim Kragen und flies} ihn eine Treppe nach der Straße zu hinunter. Dabei flog er mit und zerrte noch auf dem Bürgersteige an dem auf der Erde Liegenden herum. Einige andere Gäste, Fabrikbesitzer und Ingenieure, riefen empört:»Polizist, bedenken Sie doch, was Sie tun!" Flug« ließ der Schutzmann von seinem Opfer ab und stürzte sich auf die Tadler seines Verhaltens, wobei er sie anschrie:.Halten Sie die Schnauze!" Diesen beiden Personen wie dem zuerst Angegriffenen wurde die Kleidung beschädigt. Zum Ueberfluß sistierte der Schutzmann dann die Gesellschaft und ließ auf dem Wege zur Wache, obwohl die Leute mitgingen, mehrmals das Notsignal ertönen. Wie da« in Preußen so üblich ist, wurde nicht der Schutzmann, sondern einer der Ingenieure wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Ruhe» störung(I) und anderer Delikte angeklagt. In der Gerichtsverhandlung bezeichneten Zeugen das Verhallen des Schutzmann« als roh und gewalttätig. Dieser selbst bestritt höchst selbstbewnßt die Aeußerung: »Halten Sie die Schnauze!" mit dem Bemerken, daß solche A u S- drücke vielleicht in den Kreisen der Ingenieure üblich sein möchten, in seinen jedoch nicht sstehe Moabit!). Trotz der für den Schutzmann vernichtenden Beweisausnahme beantragte der Staatsanwalt 5 M. Geldstrafe. DaS Gericht kam jedoch zur Freisprechung deS Ingenieurs, indem eS das Bcr« halten deS Schutzmanns entsprechend rügte. Ob er wohl auch so schlecht abgeschnitten hätte, wenn seine Gegner Arbeiter gewesen wären? Die Schlettstädter MajestätsbeleidigungSassäre. Die Schlettstädter MajestätSbeleidigungSaffäre hat«inen einigermaßen versöhnenden Abschluß dadurch erhalten, daß der relegierte Schüler, wie der.Elsässer" meldet, gestern von ejncm anderen elsässtschcn Gymnasium aufgenommen wurde, Die heilige Disziplin. Wegen Beharren« im Ungehorsam und ausdrücklicher Gehorsam? Verweigerung unterm Gewehr mußte der Fahrer Klügel vom 48. Artilleric-Regt. dieser Tage auf der Anklagebank des Dresdener Kriegsgerichts Platz nehmen. Eines Tages im Dezember fand auf dem Kasernenhose Ererzicren statt, wobei ein Offizier bemerkte, daß der»ngeilagte beim Marschieren scklenderte. Der Offizier beauftragte einen Sergeanten, den Soldaten allein vorzunehmen und scharf zu beobachten. Auch jetzt führte der Soldat die Marschübung nicht korrekt au«. Während des Manövers war Klügel nämlich vom Pferde gestürzt und unter da«- selbe zu liegen gekommen, wobei er Weichteilverletzungen am rechte» Knie davontrug. Seit dieser Zeit hatte der Soldat ständig unter Schmerzen an der verletzten Stelle zu leiden, und war nicht mehr in der Lage, das rechte Knie vorschriftsmäßig durch ,udrücken. Nachdem auch dem Sergeanten die Nachlässigkeit beim Marschieren aufgefallen war, wurde der Soldat zur Rede gestellt. Er erklärte, daß er vor Schmerzen nicht besser marschieren könne. Darauf erhielt K. den Befehl, in» Revier zu gehen und sich krank zu melden. Aus den ersten und zweiten Befehl reagierte der Soldat nicht, und aus den dritten erwiderte er:.Herr Sergeant, ich gehe nicht l" Wegen dieses Vergehens wurde der Soldat sofort zum Offizier geführt.. In der Verhandlung erklärte der Angeklagte, eS habe ihm fern- gelegen, den Gehorsam zu verweigern. Mit der Aeußerung:»Herr Sergeant, ich gehe nicht", habe er lediglich den Vorgesetzten ver- anlassen wollen, nicht aus die Aussührung des Befehls zu beharren. Er habe sich wegen der Beschwerden nicht krank melden wollen. Vom Anklagevertreter wurde die Anklage für gedeckt erachtet und wegen dieser Lappalie die exorbitante Strafe von 43 Tage» Gefängnis beantragt. Da? Kriegsgericht verurteilte den Mann wegen einfachen Ungehorsams zu 14 Tagen mittleren Arrest I In der Begründung führte es aus, daß dem An- geklagten nicht nachgewiesen werden könne, daß er absichtlich und vorsätzlich habe den' Gehorsam verweigern wollen. Der Befehl sei auch ein solcher gewesen, dessen Ausführung im Belieben des Sol- daic» läge. Der Angeklagte habe sich aber fahrlässig gegen«inen Befehl vergangen und iväre deshalb zu bestrafen. frankreick. Für Durand. Pari«, 5. Januar. Der Deputierte Paul Meunker hat an den Jiistizminist« ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn ersucht, die Revision de« Prozesse» gegen Durand anzuordnen, da einer- seits die Verurteilung aus offenkundig unwahren Zeugen- aussagen beruhe, andererseits durch neue Tatsachen die völlige Unschuld Durands erwiesen sei. Nach einer ausführlichen Be- gründiing dieser beiden Behauptungen bittet Meunier entsprechend Artikel 44 des KaffalionSvcrfahrenS um die Vorläufige Haft- entlasjung Durands. Portugal« Ruhige Lage. Paris, 6. Januar. Der hiesige portugiesische Geschäftsträger veröffentlicht ei» ihm von seiner Regierung zugegangene» Telegramm, in dem abermal« entschieden gegen die beunruhigenden Nachrichten über die politische Lage in Portugal Einspruch erhoben wird. DaS Vorhandensein einer rohalistischen Bewegung sei um so unwahr- scheinlicher, alS auS Anlaß des Neujahrsfestes au« Portugal nur vier Telegramme an Mitglieder der königlichen Familie gerichtet worden seien. Italien. Ein Lehrerstreik iu Kalabrien. Rom, 2. Januar.vl»ll"!lebiet. Da die Odessaer Administration noch immer die strengste Zensur über die von dort kommenden Nachrichten ausübt, dringen die von der Untersuchung zutage geförderten Einzelheiten der Universitätsereignisse, wie aus einer belagerten Stadt, nur auf Umwegen an die Oeffcntlichkeit. Wir erhalten über Kiew folgende Mitteilung au? Odessa: Dem Untersuchungsrichter ist es gelungen, eines der wichtigsten Momente der Universitätsereignisse festzustellen. Die Panik unter den Studenten während der Versammlung wie alle nach- folgenden Ereignisse waren hervorgerufen durch die Schüsse, die im Auditorium selbst abgegeben waren. Die Urheber dieser Schüsse sind bereits festgestellt. In den Kreisen der„Akademisten" herrscht infolgedessen starke Bestürzung. Man spricht von der bevorstehenden Verhaftung des.Akademisten" Tschartoriski. Ter Polizeimeister hatte den Zeitungsberichtcrstattern erklärt, die echtrussischen Studenten hätten bei de» Vorgängen keinen Anteil genommen. Sie seien zwar in die Versammlung gc- kommen, aber erst nachdem die Schüsse abgegeben worden waren. Zwei Studenten erklären, daß sie kurz vor Beginn der Ver- sammlung neben der Universität von einem Polizeibeamten aufgefordert wurden, sich zu entfernen. Als sie sich weigerten, seinem Befehl Folge zu leisten, bemerkte der Beamte vielsagend: „Wenn die Polizei bittet, muß man sich fügen. Wir sind viel- leicht mehr als Sie davon- unterrichtet, was sich hier abspielen kann." Alle diese Tatsachen zeigen zur Evidenz, daß man es hier mit einer plumpen Lockspitzelaltion zu tun hat. Es ist aber mehr als zweifelhaft, ob die von der Regierung eingeleitete Untersuchung den elementarsten Anforderungen der Gerechtigkeit Genüge leisten wird. Die Duma hat bekanntlich durch die Ab- lehnung des DringlichkcitSantrages der Regierung vollkommen freie Hand gegeben. Und daß für die Vertuschung deS wahren Sachverhaltes Sorge getragen wird, ist nicht nur daraus ersichtlich, daß die Diktatur Tolmatschows unangetastet bleibt, sondern auch daß die aus Petersburg entsandte Untersuchungskommission aus dcm Mitglied des Konfeils des Ministeriums des Inneren, Moler iuS, dcm Lizedirektor des PolizeidcpartemcntS, Wissarionow. und dcm Beamten desselben Departements, G a g a r i n, besteht. Ter erstere hat noch vor kurzem ein„Hand- buch" für die Polizei herausgegeben, in welchem er sich sehr wohl- wollend über die Provokation äußerte und sich sogar für die Teil- nahm« der Polizeiagenten an der«Vorbereitung von Verbrechen" aussprach. Und daß die Beamten des PolizeidcpartementS in dieser Beziehung ein sehr weite? Gewissen und sehr... geübte Hände besitzen, dürfte nach der Asew-Affäre und dem Lopuschin» Prozeß allgemein bekannt sein.— Es ist also aller Grund zur Annahme vorhanden, daß die zahlreichen Opfer der Polizei- Provokation, die jetzt noch im Gefängnis sitzen, relegiert und dem Gericht übergeben werden, während die„echtrussischen" Lockspitzel wohl noch für ihre„Tapferkeit" Orden erhalten werden. Rumänien. Rücktritt des Ministeriomö. Bukarest, 5. Januar. In einer Versammlung, der parkamentari schen Mehrheit hat der Ministerpräsident B r a t i a n o die Erklärung abgegeben, die Regierung werde sich zurückziehen. nachdem sie ihr Programm, mit dem sie nach den Banernrevolten de« JahreS 1907 ihr Amt angetreten, zum gedeihlichen Abschluß ge bracht habe. Darauf wurde die Demission überreicht. Der König dürfte wahrscheinlich den Führer der Konservativen Peter C a r p mit der Kabinettsbildung betrauen. Die neue Regierung dürfte so- fort die Kammern auflösen und Neuwahlen ausschreiben. )Zmeinka. DaS Attentat auf den New-Aorker Bürgermeister. New-Aork, 5. Januar. Gallagher, der seinerzeit daS Attentat auf den Bürgermeister G a y u o r verübte, wurde zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Klus der Partei. Die Errichtung eincS MaifeicrfondS für den Bezirk des Freistaates Lübeck beschloß am Montag abend die Versammlung deS Sozioldeinokratischeu Verein». Der Fond» soll sich zusammensetzen aus dem Tagesverdienste derjenigen Genossen, die am 1. Mai feiern ohne eine Einbuße an Gehalt zu erleiden, au» den Ueberschüssen der Maifeier selbst und auS frei- willigen Beiträgen der Gewerkschaften. Von der Erhebung eines festen Beitrages, wie eS von anderen Bezirksorganisationen be- schlössen worden ist, wurde A b st a n d genommen, da ein solcher mit dem vom Parteitage genehmigten Uebereinkommen zwischen Partei- vorstand und Generalkommission der Gewerkschaften in Widerspruch stehe. AuS der Mitte der Versammlung wurde auch der Wunsch nach einer Aenderung der Form der Maifeier laut und angeregt, daß auch Genossen, die am 1. Mai arbeiten, einen Tagesverdienst abzugeben haben._ Gememdewahlerfolge. Ein schöner Erfolg wurde unseren Genossen bei der Ge- meindevertreterwahl in Fisch dach(Herzogtum Gotha) zu teil. Mit überaus großer Majorität wurden hier zum erstenmal zwei Sozialdemolraten gewählt. Es waren nur zwei Maiidate zu er- neuer». Auch in HerbSleben gewann unsere Partei zwei Mandate(außerdem wurden hier zwei Gegner gewählt), so daß wir in H. jetzt vier Genossen im Gemeindeparlament haben. Bus Induftne und ftandel. Amerika gegen die Bertrnstung der Ozeanschiffahrt. gegen dreizehn Tampfekgesellschaftekt Mgestreitgt, die des Versuchs beschuldigt werden, gesetzwidrig die Beförderung von Zwischendeck- pagagieren zwischen Amerika und dem Auslände zu monopolisiere». Verklagt sind folgende Gesellschaften: Allan Line, Anchor Line, Eanadian Pacific Company, Cunard Line. British Northatlaniic Line, Hamburg-Amcrika-Linie', Norddeutscher Lloyd. Red Star Line, White Star Line, Russisch ostasiatische Linie. International Navigation Company, International Wercantil Marine Company, Holland-Amerika-Linie. Das Abkommen, das di- verklagten dreizehn Dampfergescll- schaften geschlossen haben sollen, setzt, wie angegeben wird, eine Geldbuße in Höhe von vier Pfund fest für j�dcn Zwischendeck- Passagier, der von einer Gesellschaft über ihren Anteil hinaus bc- fördert wird. Diese Strafgelder sollten denjenigen Linien über- wiesen werden, die ihre AntcilSzisser nicht erreichten. Jede unter- zeichnende Gesellschaft mußte einen auf einen bedeutenden Betrag lautenden Revers ausstellen, der vorfallen sollte, wenn sie ohne Zu- stimmung aller anderen sich zurückziehen oder die oben erwähnte Geldbuße von vier Pfund pro Passagier nicht zahlen sollte. Wenn der MonalSauSweis zeigte, daß irgendeine Linie den ihr zu- gestandenen Prozentsatz überschritten hatte, hatte sie unverzüglich die Zwischendeckspreise zu erhöhen, so daß die Zahl ihrer Passagiere auf ihre Anteilsziffcr herabgedrückt wurde. Andererseits Ivar auch Vorsorge getroffen für eine Herabsetzung der UeberfahrtSpreise. Um die Konkurrenz zu vernichten, ließen die beklagten Gesellschaften entsprechend einem später getroffenen Abkommen zwischen den Häsen, zwischen welchen Dampfer von selbständigen Konkurrenz- linien verkehrten, gleichzeitig und zu weit niedrigeren Preisen so- genannte Kampfschlffe fahren, die von einem zu diesem Zweck ein- gesetzten Komitee auszuwählen waren. Die daraus sich ergebenden Unkosten und Ausfälle waren nach einem festen Satz von allen Mitgliedern der Vereinigung zu tragen. Es wird erklärt, das Ab- kommen habe bewirkt, daß die russische Freiwilligenflotte verdrängt worden sei und daß auch die russisch-amcrikanische Linie verdrängt worden wäre, wenn sie nicht die Mitgliedschaft der Vereinigung nachgesucht und erlangt hätte. Dieselben Praktiken würden nun angewandt, um die Konkurrenz der Uranium-DampfschiffahrtS- gesellschaft niederzuringen._ BerkehrSgewerbe im Jahre 1910. Das letzte Jahr hat den V e r k e h r s u n t c r n e h ,n u n g e n eine lebhafte Beschäftigung gebracht. Die Belastung des BrbcitsmaektcS ist im November 1910 eine weit geringere gc- wesen, als im November 1909. Kamen 1909 auf je 100 offene Stelle» im Verkehrsgewerbe 865,3! Arbeitslichende, so betrug diese Zahl im November 1910 nur noch 278,76. Wie sich von der Vor- ringcrung der Zahl der aus 190 offene Stellen kommenden Arbeit- suchenden auf eine stärkere Beschäftigung in dem betreffenden Ge- werbe schließen läßt, so lasse» auch die Schwankungen der Neuinvestierungen aus die Lage des Gewerbes schließen. Insgesamt betrugen die N e ui n v e sl i er u n g e n im Verkehr«- gewerbe im Jahre 1909 während der Monate Januar bis November 33 207 000 M., im Jahre 1910 aber 41 038 000 M. Diese Summe verteilte sich im Jahre 1909 auf 90 und im Jahre 1!jl6 ans III Neuinvestierungen. Das günstige Urteil über die Lage des Vcr- kebrögewcrbeS findet noch eme Stütze in der gegen das Vorjahr er- höhten Rentabilität der im Verkehr tätigen Aktiengesellschaften. Die Gesamtheit von 381 während der Monate Januar bis November 1909 und 19lv berichtenden Aktiengesellschaften hatte für das Geschäftsjahr 1008/09«ine Durchschnittsdividende von 8.4 Proz., im Geschäftsjahr 1909/l0 eine solche von 4,2 Proz. nach- gewiesen. Auf ein Aktienkapital von 1 480 540 000 im Jahre 1909 und 1 194 906 000 M. im Jahre 1910 kamen 50020 000 beziehungs- weise 63 531 000 M. Dividende zur Verteilung. An, höchsten steht die Durchschnittsdividende bei den Straßenbahnen, sie betrug hier 1908/09 6.5, im letzten GeichäftSjahre aber 8,7 Proz. In der Gruppe „Spedition und Speicherei" stieg die Dividende bei 34 von 5,0 auf 6,0 Proz. Die folgende Tabelle zeigt die Zahl der Gesellschaften, die während der Monate Januar bis November 1909 und 1910 ihre GeschäitSabschlüsse veröffentlichten, ihr Aktienkapital in den beiden Geschäftsjahren, die von ihnen verteilte Dividendensumme und die Durchschllittödividendenziffer: Verkehr.. davon Eisenbahnen. Kleinbahnen. Straßenbahnen SchiffahrtSges.. Spedition und Speicherei. Sonstig. TranS- poriges... BZ Mt 2* Z> . 381 . 90 . 89 59 102 Aktienkapital in 1000 M. S 2 Dividende in 1000 M. a o ? 5. in Prozent s Z 1480 540 1 494 906 60 020 63 581 3,4 4.2 430 087 181618 332 520 481 612 434 579 182 980 341 117 481 477 14 703 4 340 21602 7 356 16 861 4 480 22 748 18 117 8,4 2.4 6,5 1,6 8,6 2,4 6,7 8,6 84 87 851 87 801 1903 2 209 6,0 6,0 16 962 16 952 66 0,3 0,8 SchiffahrtSgesell- 66 Die Erhöhung der Dividendenziffer bei den schaften rührt daher, daß die beiden großen deiitschen Schiffährts- Unternehmungen das letzte Geschäftsjahr günstiger abgeschlossen haben alS das vorletzte._ Berliner Braudividcnden. Im Kampfe um die Preiserhöhung für Bier und die Ver- kleinerung der AuSschankglgfer marschierten die Berliner Brauereien an der Spitze. Angeblich mußte da« Gewerbe vor dem sicheren Untergange gerettet werden. Wie man auf Kosten der Biertrinker gerettet hat, lehrt recht deutlich die folgende Ausstellung über die von den Berliner Brauereien erzielten Gewinne: Ueberschnß Dividende Die amerikanische Regierung hat bei dem New Uorker Bundes- gericht auf Grund beß Sheryumlchen Antitrustgesetzcs einen Prozeß| Weltordnung. Die Germania schloß für das Jahr 1909 mit einem Verlust von 116 061 M.. die Phönix mit einem solchen von 187 338 M. ab. Wie man sieht, ließ die befruchtende Regelung an« Anlaß der ReichSfinanz- reform die Gewinne ganz beträchtlich in die Höhe schnellen; Unter- nehmen, die früher mit Verlust arbeiteten, erzielen nun wieder er- hebliche Ueberschüsse. Die geprellten Konsumenten müssen nicht nur die durch den VchnapSblock bescherte Steuer, sondern auch erhöhte Gewinne für daS Braukapital aufbringen. Das ist kapitalistische GewerkfcbaftUchee. »»Mir HrbcitewUUgen können einen totrcblagcn I" Man schreibt uns aus Baden: .Noch vor einem Vierteljahre wäre e? jedenfalls niemanden «ingefallen zu glauben, daß derartige Zustände in Baden möglich wären." Mit diesem Ausdruck empörter Verwunderung schließt unser Karlsruher Parteiorgan seine neuesten Bulletins aus der F e st u n g Rastatt, wo das Unternehmertum der Waggonfabrik unter den Augen der Regierung eine traurige Parodie des südslawischen Räuberlebens aufführen läßt. Der„Volksfreund" versichert, um feine Berichte auch den blindesten Verehrern der unantastbaren Herrlichkeit des Musterländchens etwas glaubhaft erscheinen zu lassen, daß sie von Augenzeugen aus der Mitte der guten Rastatter Bürgerschaft herrühren. Was über das Auftreten der„Hamburger" Streikbrecher in der Bastion Waggonfabrik am Weihnachtsfeste erzählt wurde, hat nirgends eine Widerlegung erfahren; es schien die Erwartung als selbstverständlich, daß die badische Regierung einer Wiederholung solcher Banditenszenen vorgebeugt habe. Da nahte das Neujahrsfest und in der Nacht des 1. Januar erfolgt schon die zweite Räuberdemonsttatton im Rastatter Industrieviertel. Innerhalb, der Waggonfabrik ertönte ein Schuß. Das Fabrittor speit etwa 20 Tiger in Menschengestalt hervor. Die arbeitswilligen„Ha m- burger" entbieten, lange Dolche zückend, den Neujahrsgruß zwei Männern, die zu ihrer Wohnung wandern. Es ist ein Fabrikant in Begleitung seines Meisters. Johlend stürzt die Rotte gegen die Wirtschaft„Industrie". Aus dem Fenster einer Wohnung verbittet sich eine Stimme diese Ruhestörung. Ein zweites Aufgebot aus der Waggon- fabrik, mit denselben Mordwaffen der Hintzegarde versehen, hilft die Wohnung bedrohen. Lassen wir den Augenzeugen reden: «So verstärkt zogen sie vor da» Haus, wo vorher die Mahnung kam, mit dem Räfe:„Wir stürmen das Haus, wir holen Euch her- unter, Ihr Kerle!" usw. Die Anwohnerschaft rief um Hilfe, aber die Schutzmann schaft, die nur wenige Schritte davon entfernt stand, ließ sich nicht bewegen, beizugehen. Als die.Hamburger" auf der Straße niemanden fanden, den sie mit ihren Dolchen bearbeiten konnten, und sie wieder etwas ruhiger wurden, getrauten sich endlich drei Schutzleute, das warme Portier- haus� zu verlassen. Mit liebevollen, väterlichen Worten ermahnten die Schutzleute die Hamburger, doch wieder in die Fabrik zurück- zukehren." Zweites Bild: „Ein Nnternehmer wollte kurze Zeit darauf seine Frau am Bahnhof, begleitet von einem Bekannten, abholen. Plötzlich wurden sie von den Hamburgern' angefallen mit dem Rufe:„Die beiden Kerls stinken nach Schnaps!" Die erschreckten Leute erklärten, sie wollten zur Bahn. Darauf nahmen die„Stützen des Staates" eine gründliche Musterung der beiden Herren vor. ehe sie weitergehen durften. Anwohner ersuchten die danach wieder sichtbar gewordenen Schutzleute, doch den Herren das Geleit zu geben und da erklärte ein Schutzmann:»Wir können «ichts machen, wir find machtlos!" D r i t t e S B i l d. „Ein Angestellter eines in der Nähe sich befindlichen Werkes ging um Ubr mit seinen beiden Söhnen nach Hause. Plötzlich wurden sie mit dem Rufe:„Hund, elender, wir stechen D i ch n i e d e r I" überfallen. Der so Angefallene rief um Hilfe und flüchtete sich im letzten Augenblick in die Wirtschaft zur „Industrie". Nack einer halben Stunde, als es ruhiger wurde, der- ließ er dieselbe. Er suchte behördlichen Schutz. Allein die Schutzleute und Gendarmen, die er um Schutz ausprach, verhafteten ihn und schleppten ihn in das Pförtnerhaus der Waggonfabrik. Dort untersuchten Schutzleute fünf Minuten lang die Augen des so Verhafteten und visitierten seine Taschen. Nachts halb 2 Uhr führten sie ihn dann in feine Wohnung. Dort wurde die ganze Wohnung untersucht, Frau und sechs Kinder auS dem Schlafe geweckt und das oberste zu unterft gekehrt, Nach dieser Prozedur wurde der Mann von seiner Familie nochmals weg in die Waggonfabrik geführt, um endlich um halb 3 Uhr morgens seine Freiheit wieder zn erlangen. Als diefrrhalb der Betreffende sich ber Herrn Assessor v, Thoma, dem Polizeiamt- mann von Rastatt, beschwerte, bekam er von diesem Herrn die grundgescheite Antwort:„Die Leute sollen zu Hause v l e i b e n I" Wenn diese, aus einer Reihe der Schilderungen b ü r g e r- l i ch e r Augenzeugen zur Veröffentlichung gelangten Szenen nicht widerlegt werden können, darf sich die badische Polizei mit dem bisher unübertroffenen preußisch- russischen System in eine Konkurrenz einlassen, bei der sie vielleicht nicht schlecht abschneidet._ Berlin unck Umgegend. Ter Streik bei der �ensterreinignngsanstalt Berliner iSlaserinnungsmeister beschäftigte am Mittwoch eine öffentliche Versammlung dm: Fenster- reiniger und Messingputzer, die den großen Saal von Wille in der Sebastianstraße samt dgn Galerien bis auf den letzten Platz füllte. Der Branchenleiier Lambrecht schilderte die Ursachen und die Entwickelung des Streiks. Auch bei diesem Streik wird wieder in der bekannten Weise gegen die Arbeiterschaft scharf gemacht. Der „Lokalanzeiger" brachte aus der bekannten Quelle eine Notiz. wonach 20„Burschen", die als streikende Fensterputzer der Glaser- innnng erkannt worden sein sollen, gegen 1» Arbeitswillige, die auf dem Zentralarbeitsnackiveis in der Gormannstraße beschäftigt waren, grvbci. Unfug verübt haben sollen. Es wird behauptet, daß sie ihnen eine Leiter zerbrochen. Putzlappen weggenommen und die Arbeitswilligen überdies schwer beschimpft haben. Dann heißt es weiter:„Das Auffichtspersonal des Nachweises machte dem Treiben bald ein Ende, ohne daß es nötig war, die Hilfe der Polizei in An- spruch zu nehmen. Gegen fünf von den Burschen, die als ehemalige Arbeiter der Glaserinnung erkannt wurden, ist wegen Sach- bcsclmdigung Strafantrag gestellt."— Der Rednere erklärte, daß diese Geschichte durchaus unwahr sei, und daß derjenige, der sie dem Blatte mitgeteilt hat, wissentlich gelogen habe. Bedauerlich sei es, daß ein derartiges Hetz- und Schmutzblatt, das seinen Lesern solche Lügengeschichten als bare Münze vorsetzt, noch von Arbeitern gelesen werde. Zur Lag? des Streiks bemerkte Redner noch, daß der Arbeitgeberverband einen Antrag der Glaserinnung auf Unterstützung in ihrem Kampfe gegen die Arbeiter ab- gelehnt hat mit 18 gegen 2 Stimmen, und zwar deshalb ab- gelehnt hat. weil es die Glaserini-ung sei, die die größte Schmutz- lonkurreiiz betreibe und weil sie den übrigen Unternehmern gegen- über nicht ehrlich und aufrichtig gehandelt habe. Es handelt sich hierbei namentlich durum, daß der Direktor R u ba r t h, der bei dem Abschluß von Tarifverträgen für andere Fensterreinigungs- firmen mitgewirkt hat, diesen Firmen weit höhere Tariflöhne ver» schaffte, während er bei der Glaserinnung vor keinem Mittel scheut, die außerordentlich niedrigen Lohne beizubehalten. Die Glaser- innung hat nun ein Zirkular an ihre Kundschaft gerichtet, worin sie uni Nachsicht bittet, wenn die Arbeiten nicht so pünktlich wie sonst ausgeführt werden. Wenn die Kunden sich genötigt sehen sollten, ihre Arbeit während des Streiks einer anderen Firma zu übertragen, werden sie gebeten, dies nur vorübergehend zu tun und ihre Kundschaft der Gla serinnung doch nicht dauernd zu entziehen. Ferner wirb den Kunden in dem Zirkular borerzählt, daß der Transportarbeitcrverband den Streik über die Glaserinnung ver- hängt habe, was ja, wie die wahrheitsgetreue Darstellung der Vor- gänge zeigt, nicht der Fall ist. Der Streik ist vom Verband nicht beschlossen, sondern den Fensterputzern von der Firma aufgedrängt worden. Selbstverständlich ist es, daß nun der ganze Verband hinter den Streikenden steht und auch schon im ganzen Reiche dafür sorgt, daß keine Arbeitswilligen nach Berlin kommen. Die gesamten Fensterputzer Berlins erklären sich mit den Streikenden solidarisch und lehnen es unter allen Umständen ab, irgendwelche Streikarbeit zu verrichten. Dies wurde auch in der regen Diskussion ganz be- sonders hervorgehoben. Herr Rubarth hat die Ablehnung der Forderungen auch damit zu begründen gesucht, daß die Kundschaft sich schon vor zwei Jahren allgemein geweigert habe, höhere Preise zu zahlen, so daß die Firma gezwungen gewesen sei, die damaligen Lohnerhöhungen selbst zu tragen. Diese Behauptung wurde eben- falls als durchaus unwahr bezeichnet; Kunden, die ftüher 3 M. bezahlten, müßten jetzt 4,50 M. zahle nund hätten sich dessen auch durchaus nicht geweigert.— Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die versammelten Fensterputzer verpflichten sich, den streikenden Kollegen gegenüber auch insofern solidarisch zu handeln, daß während der Dauer des Kampfes keine Kunden für ihre Firmen abonnieren. Sie verpflichten sich ferner, ihren Chefs gegenüber jede neue Kundschaft abzulehnen, weil darin gleichfalls die Gefahr besteht, daß solche Arbeit Streikarbeit ist. Die Versammelten erklären sich bereit, die für klassenbewußte Arbeiter folgenden Konsequenzen zu tragen." Ge- und zu Dcutfchca Reick). Das Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe trat am Mittwoch im Reichstagsgebäude unter Leitung des heimrat Wiedfeld t, Oberregierungsrat Mahr- München Magistratsrat Dr. Wölbling- Berlin zur ersten Sitzung sammcn. Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat mit seiner Vertretung die Herren E n k e-Leipzig, Lüche r-Frank- furt a. M., W o l f r a m m- Breslau und Behrens- Hannover betraut. Ter Deutsche Bauarbeiterverband hat seine Vorsitzenden Bömelburg und Behrend, der Zimmererverband den Vor- sitzenden Schräder und der Christliche Bauarbeiterverband den Vorsitzenden Wiedeberg für die Vertretung bestellt. Die Beratung beschränkte sich auf die Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Zur Verhandlung und Entscheidung der in großer Zahl vorliegenden Streitfälle wird das Schiedsgericht erst nach einigen Wochen zusammentreten können. Inzwischen werden die vorliegenden Beschwerden und Anträge den Parteien unter Beifügung der Begründung zugestellt werden. Voraussichtlich wird die nächste Verhandlung Anfang Februar beginnen können und dann mehrere Tage in Anspruch nehmen. Mausergewehre für Streikbrecher? Wir erhalten folgende Zuschrift: „In Jr. 306 des„Vorwärts" vom 31. Dezember 1910, S. 4, befindet sich unter der Ueberschrist..Mausergewehre für Streik- brecher" folgende Mitteilung:„Die Zeche Langenbrahm in Essen- Rüttenscheid hat von einer Firma in Essen eine Partie Mausergewehre mit den dazu gehörigen Patronen bezogen. Die Gewehr� werden auf dem Zechenbureau auf- bewahrt. Es wird versichert, daß auch andere Zechen sich mit Waffen versehen hätten, doch konnte bisher nur von Langenbrahm Bestimmtes in Erfahrung gebracht werden." Die Nachricht be- ruht von Anfang bis zu Ende auf Unwahrheit. Wir haben nie- mals auch nur detf Gedanken erwogen, Gewehre anzuschaffen. Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Langenbrahm. Hein." Unser Berichterstatter hat uns inzwischen eine Notiz einge- sandt, in der weiter auf die Affäre eingegangen ist und in der er seine Meldung aufrecht erhält. Wir haben diese neuen Mitteilungen zedoch vorläufig zurückgestellt, um unserem Korrespondenten auch Gelegenheit zu geben, sich zu obiger Zuschrift der Zeche Langen- brahm zu äußern._ In der Rheinischen Gasmororensabrik Benz». Cie., Waldhof- Mannheim drohen ernste Lohndifferenzen auszubrechen. Zunächst werden davon betroffen die dort beschäftigten Lackierer, denen ganz bedeutende Akkordkürzungen angekündigt wurden, die sofort in Kraft treten sollen. Die betreffenden Arbeiter find entschlossen, diese Akkordkürzungen unter allen Umständen abzulehnen. Ver- Handlungen mit der Firma waren erfolglos. Die Firma«sucht bereits in auswärtigen bürgerlichen Zeitungen Lackierer nach Mann- heim bei„hohem Lohn und dauernder Beschäftigung". Zuzug von Lackierern ist deshalb von Mannheim streng fernzuhalten. Auch in Grünstadt fPfalz) sind in der dortigen Möbelfabrik Schumacher die Lackierer und Anstreicher auS denselben Gründen schon seit 23. Dezember ausgesperrt. Auch dorthin ist Zu- zug streng fernzuhalten. Klusland. Die Ausstandsbewegung im Lütticher Kohlenbecken hat fich weiter ausgedehnt. Der Ausstand ist auf zahlreichen Zechen ein allgemeiner. Nur in wenigen Gruben wird noch gearbeitet und auch dort mit be- schränkler Belegschaft. In der Umgegend von Lüttich fanden im Laufe deS gestrigen Vormittags Versammlungen und Straßeukund- gedungen statt. Mehrere taufend Ausständige durchzogen mit Fahnen und eiiiem Musikkorps an der Spitze, geführt von sozialistischen Ab- geordneten die Straßen der Stadt. Das Komitee des Arbeiter- Verbandes des Lütticher Kohlenbeckens hält permanente Sitzungen ab. Man erwartet das weitere Eintreffen von Arbeiterdelegierten. Die Bürgerwehr ist einberufen worden, angeblich zur Ausrechterhaltung der Ordnung._ Die italienische Eisenbahnerbewegung. Rom. den 2. Januar INI!. Die Agitation, die die italienischen Eisenbahner gegen den Gesetzentwurf Sacchi, der hinter ihren Forderungen zurückbleibt, eingeleitet haben, ist nachgerade eine Art Albdruck der hiesigen Bourgeoisie geworden. Die bürgerliche Presse verbreitet Schauer- mären, so z. B. die. daß 80 000 organisierte Eisenbahner beschlossen hätten, durch Sabotage auf den Regierungsentwurf zu antworten. Im Geiste siebt der italienische Spießer schon die Lokomotiven explodieren und die Züge entgleisen, wobei die perversen Gelüste der Eisenbahner sogar das Leben des Personals gering anschlagen, wenn nur das Ministerium geärgert wird. Diesen bürgerlichen Seeschlangen gegenüber ist festzustellen, daß das Referendum der Eisenbahner noch nicht zum Abschluß gelangt ist, weiter, daß die Organisation nicht daran denkt, das Resultat der Urabstimmung bekanntzugeben. Die Eisenbahner wollen nicht den Gesetzentwurf in Bausch und Bogen verwerfen, sondern wollen ihn diskutieren. wobei sie allerdings nicht mehr allzuviel Geduld und allzuviel Wohlwollen mitbringen. Was die bürgerliche Presse über Sabotage und dergleichen berichtet, ist wohlfeile Stimmungsmache. Hus der frauenbewegung* Sind Dienstboten Menschen? Wenn man das Verhalten mancher Herrschaften ihrem Personal gegenüber sich vor Augen führt, kann man zu dem Schluß kommen, daß diese in den Perionen, durch deren Arbeit ihnen erst die An- nehmlickkeiten in ibrer Häuslichkeit geboten werden, nicht nur keine Menschen sehen, sondern ihre Dienstboten mw. noch weit unter die Haustiere rangieren. Wenn man den christlichen Geist kennen lernt, der in solchen Familien herrscht, wenn man den aufreizenden Kontrast sieht, der in der Behandlung zwischen Hauspersonal und Haustieren zutage tritt, dann schüttelt man den Kopf über ein solches Christentum! Es tut not, von Zeit zu Zeit die niederträchtige Art öffentlich zu brandmarken, wie„gebildete" Herrschaften mit ihrem Hauspersonal umgehen. Greifen wir einen Fall heraus: Eine einzelne Dame in Wilmersdorf beivohiu eine große Wohnung und nimmt nun noch eine kleinere hinzu. Es stehe» in diesen Räumen drei Klosetts zur Verfügung. lind das Dienstmädchen? Natürlich kann es wenigstens eine dieser unentbehrlichen Einrichtungen benutzen? Weit gefehlt! Das Mädchen muß hinauf nach dem Wäscheboden und das dort befindliche Klosett benutzen. Tie Daine hat auch Badeeinrichtungen. Darf das Mädchen baden? Nein, das darf es nicht. Ilnd als es einmal eine Wa'chbütte im Badezimmer aufftellt, um sich die Füße darin zu reinigen, komnit die„Gnädige" und schlägt einen Heidenlärm. Doch, zur Entschuldigung sei es gesagt: diese Madame ist nicht die einzige dieser Art; in vielen Häusern wird es genau so gemacht. Es kommt häufig vor, daß dem Dienstmädchen die Benutzung der Badewanne strengstens untersagt wird, die Herren Hunde aber, nianchmal mehrere Stück, in dieser selben Wanne ihr„gewohntes" tägliches Bad uehmen. Und gerade diese Herrschaften sind es gewöhnlich, die über die Unlust der Mädchen, sich dem Dienstbotenberuf zu widmen oder darin zu bleiben, am bnierste» klagen. Angeblich sind Vergnügungssucht u j Verhetzung die Schuld aii dieser Erscheinung. Daß die gröbste Miß- achtung der Menschenwürde durch einen Teil der Herrschasten die Mädck'en aus ihrem bauswirtschastlichen Beruf treibt, das überlegt man sich in den seltensten Fällen. Seit es Witzblätter gibt, spielt auch der Soldat, der zu seinem Schatz in die Küche schleicht und sich da vollfüttert, eine Haupt- rolle. Ach, wüßten doch die Verfasser dieser btödcn Witze, daß es nur in den wenigsten Haushalten den Mädchen möglich ist, über die Speisevorräte frei zu schalten. In den meisten Häusern geht die Dame, wenn abgeräumt wird, sofort hinterher und schließt die Speise- lammer ab. Ja, sogar das Brot wird in manchen Familien dem Mädchen verschlossen und es gibt Hausfrauen— die Fälle können nachgewiesen werden—, die das Brot„zeichnen", um zu verhindern, daß jemand unbefugt davon abschneidet. Wie oft dem Personal„Extrakost" oder alte, verdorbene Ueberreste vorgesetzt werden, wissen nur die, welche Einblick in die Verhältnisse haben. Talsache ist, daß solche Hausfrauen, die ihre Mädchen entsprechend beköstigen und menschenwürdig behandeln, selten über Dienst- boiennol klagen, woraus sich die Nutzanwendung ohne weiteres ziehen läßt.„Worüber sich die Dienstboten am meisten beklagen". schrieb vor einiger Zeit eine Dame im„Frauenfortschritt",„das ist die ungenügende oder schlechte Kost. In vielen Häusern gibt man dem Mädchen den zweiten Absud des Kaffees. Auch dies ist ein großes Unrecht. Jede» Mädchen hat Anrecht auf dieselbe Kost, die wir genießen. Das Brot mutz den Mädchen stets zur Ver- fügung stehen und darf nicht unter Verschluß gehalten werden. Lieber knausere die Hausfrau an den Toiletten; aber an der Kost zu sparen ist die schlechlest angebrachte Sparsamkeit." Das stimmt! Leider sind es Prediger in der Wüste, die solche Forderunge» vertreten. Die genannte Dame bestätigt auch unsere sonstigen Ausführungen, indem sie schreibt:„An den Hausfrauen ist eS. Geduld zu haben und Nachsicht zu üben, und in ihren Dienst- mädchen nicht bezahlte Feinde und Untergebene zu erblicken, sondern gleichwertige Menschen, die in widrigen Verhältnissen leben." Die Dame schreibt weiter:„Behandeln wir unsere Dienstboten nicht herrisch, sondern menschlich, und wir werden keinen Grund haben, ihre Tücken zu fürchten. Die Dienstboten sind im allgemeinen nicht schlecht. Wir müssen uns immer vor Augen hallen, daß sie dieselben Fehler habe», die auch w i r haben, und deshalb müssen wir immer wieder Nachsicht walten lassen." Mögen es die be- treffenden Herrschaften beherzigen. Den Dienstboten aber raten wir, sich ihrem Verbände anzuschließen, nur dann wird ihr Los besser l_ «Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Sonntag, den 15. Januar, nachmittag» 3«/„ Uhr. im Blüthnersaal, Lützow« straße 76, Drittes Beethoven-Konzert(Orchesterkonzert). Mit- wirkende: Violine: Herr Alfred Wittenberg; das Blüthner» Orchester unter Leitung von Herrn Kapellmeister Joseph Slransky. Programm: 1. Dritte Sinfonie„Eroica". 2. Konzert für Mo- line und Orchester. 3. Große Ouverwre„Leonore" Nr. 8. Billetts a 50 Ps. sind zu haben im Bureau des 4. Wahlkreises, Stralauer Platz 1/2; im Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 15 (Gewetkschaftshaus); bei Frau Klotzsch, Fichtestr. 1; Frau Köhler. Schreinerstr. 58; Frau kulicke, Prinzenstr. 102; Frau Jordan, Lübecker Str. 43; Frau Döring, Steinmetzstr. B. Mittwoch, den 18. Januar, im Englischen Garten. Alexander- straße 27o: Vortrag de» Parteisekretärs Hermann Müller. Letzte ffocbrlcbten. Arbeitsniederlegung. Wiesbaden, 6. Januar.(B. H.) In der Metall- nnd Staniolkapselfabrik Ferd. Flach haben 180 Arbeiter, in der Hauptsache Frauen und Mädchen, und nur wenige jugendliche männliche Arbefter die Arbeit niedergelegt, weil die Fabrik eine vor Monaten erfolgte Herabsetzung des Lohnes nicht auf- heben wollte und außerdem die Mitglieder des Arbeiteraus- schusses, welche die Forderungen der Fabrikleitung verkündet haben, entließ. Von dem ganzen Arbeitspersonal sind bloß 15 Personen in Arbeit geblieben. Eine Versammlung von über 400 Personen drückte den Streikenden ihre Sym- pathie aus._ Tödlicher Unfall auf der Rodelbahn. Garmisch(Oberbayern), 5. Januar.(W. T. B.) Auf einer hiesigen Rodelbahn geriet heute ein mit vier Herren und einer Dame besetzter Schlitten an einer Kurve aus der Lahn und stürzte einen steilen Abhang hinunter und wurde mit voller Wucht gegen «tue Buche geschleudert. Der Student Oberüber aus Preußisch- Eylau erlitt einen Schädelbruch und ist seinen Verletzungen er- regen. Drei andere Personen sind schwer verletzt. Der Bergarbeiterstreik in Belgien. Brüssel, 5. Januar.(W. T. B.)� Aus Orten des linken Maasufers trafen heute 4000 streikende Bergarbeiter in Lüttich ein und zogen durch die Straßen der Stadt. Die Ruhe wurde nicht gestört. Die Lage im Streikgebict ist im übrigen unverändert._ Schwere Stürme in Trieft. Trieft, 5. Januar.(W. T. B.) Seit mehreren Tagen wütet hier ein ungewöhnlich heftiger Sturm. Zahlreich« Personen in der Stadt wurden durch den Orkan zu Boden geschleudert; 13 wurden mit schweren Brrlrbungrn, zumeist Knochenbrüchen, in daS Spital gebracht. Auch von verschiedenen Orten in Oberitalirn wird starker Schneesturm gemeldet, der mehrfach Verkehrsstörungen zur Folge hatte. Blutiger Kampf bei einer Richtcrwahl. Budapest, 5. Januar.(B. H.) Anläßlich einer in M o n n a y stattfindenden Wahl eines Richters kam eS zwischen den beiden sich gegenüberstehenden Parteien zu einem blutigen Kampfe. Zwei Personen wurden getötet, 5 schwer verletzt und eine Anzahl anderer leichter. Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verant».: Th.Glocke, Berlin. Drucku.Verlag:BorwärtSBuchdr.u.PerlagsanstaItPaulSingertCo..BerlinLW. Hierzu 2 Beilagen U.vnt«rhaUungSb1. Nr.S. 28. Jahrgang. 1. Keilm Ks Jormätls" Iniinn Islkslilatt. Freitag, 6. Jannar 1911 Die IHoabiter Vorgänge vor(Zericht. Ncunnnddreißigster Tag. Landgerichtsdirektor Lieber eröffnet die Sitzung um S'/z Uhr. Erster Staatsanwalt Steinbrecht setzt seine Ansstihrungen zu den einzelnen Strasfällen fort. Er beantragt gegen den An- geklagten Arbeiter Krämer wegen Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt 4 Monate Gefängnis, gegen ftrau D o m i n i a k wegen öffentlicher Beleidignng 2 Monate Ge- f ä n g n i s. Zu dem Fall des Kutschers B r e y e r bemerkt der Staatsanwalt: Es liegt hier einer der sehr bedauerlichen Fälle Vor, bei denen die Zivikzengen vollständig versagt haben unter einem Druck, der auf ihnen lastet. Das hat sich hier bei dem Zeugen Busse gezeigt, der in der Voruntersuchung den Nngeklagte» Breyer schioer belastete mit seiner ganz bestimmten Aussage, um dann hier seine Aussage ganz erheblich abzuändern. Gegen B r c y e r beantrage ich 2 Monate Gefängnis. Gegen den Schiffer Hagen, der von den ganzen Streiksachen nichts gewußt und sich bei seinem Verlangen, durch eine SchutzmannSkette hindurch zu kommen, des Widerstandes schuldig gemacht hat, iverden unter Berücksichtigung seiner Vorstrafen 6 Monate Gefängnis be- antragt. Der Angeklagte Trepkowski ist über vierzigmal be- straft, aber infolge seiner Trunksucht geistig minderwertig. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache und da die Redensart, die er ge- macht, nicht besonders hetzerisch war, werden 4 Monate Ge- f ä n g n i s in Antrag gebracht. Ter schwerste Fall ist ivohl der des Angeklagten Bock, der sich der gefährlichen Körperverletzung und des groben Unfugs schuldig gemacht hat. Bock ist sechsmal bestraft, 1902 wegen Messerstechens zu 7 Monaten Gefängnis. Bock hat, nachdem er beleidigende Redensarten ausgestoßen, dem Schutzmann Köppen, der auf ihn zukam, um zu fragen, was er gesagt habe, ei» Messer in den Unter- leib gejagt und einen zweiten Stich nach dem seinem Kollegen zu Hilfe eilenden Schutzmann geführt. Wenn er dann von einem Schutz- mann niedergeschlagen wurde, so hat letzterer nur seine Pflicht getan. Die von Bock behauptete Notwehr ist in keiner Weise ertviesen i im Gegenteil beweist die Tatsache, daß er das offene Messer in der äußeren Paletottasche bei sich trug, daß er schon daraus ausging, eS bei Gelegenheit zu gebrauchen. Er hat auch keinerlei Reue gezeigt. Aus allen dielen Erwägungen werden gegen Bock 2 Jahre ö Monate Gefängnis und wegen groben Unfugs zwei Wochen Haft beantragt. Im Gegensatz zu diesem Falle liegt der Fall der Frau Friese sehr milde, Sie hat die Beleidigung gegen den Schutzmann ausgestoßen, aber ohne hetzerischen Zweck, sondern weil sie der Meinung war, daß ihr Unrecht zugefügt worden sei; aber die Beleidigung ist vor einer sehr aufgeregten Menge ausgestoßen. Zwei Wochen Gefängnis erscheinen angemeffen.— Der Angeklagte Heide ist ein junger Mann. der nach dem Zeugnis mehrerer Zeugen strebsam und wiffensdurftig ist. Er ist aber von Haß gegen die Staatsgewalt erfüllt, er hat geschimpft, gerufen und gepfiffen und sich als ein äußerst gefährlicher Mensch gezeigt. Gegen ihn wird wegen Beleidigung und Wider- standes eine Strafe von ein Jahr drei Monaten Ge- f ä n g n i s beantragt. Was Frau und Fräulein Sattler betrifft, so zeigt sich in diesem Falle recht deutlich, wie auf die Zeugen verwirrend eingewirkt worden ist und sie dazu geführt hat. ihre ersten Aussagen wesentlich einzuschränken. Ans der Stellung- nähme des Gerichts zu den Zeugenaussagen in diesem Falle scheint zu entnehmen zu sein, daß das Gericht hier zu einem non liguot (unaufgeklärt) kommen könnte. Ich halte es für erwiesen, daß Frau Sattler vom Balkon„Bluthunde" gerufen hat. Ich beantrage gegen Frau Sattler zwei Monate Gefängnis, gegen Fräu- lein Sattler die Freisprechung.— In allen Fällen. die ich erörtert habe, beantrage ich, den An- geklagten die Untersuchungshaft anzurechnen. Staatsanwalt Dr. Stelzner, der hierauf das Wort nimmt, schildert die Vorgänge vom 27. Sep- tember an. Nachdem die Menge am 26. dazu übergegangen war, die Polizeimannfchasten anzugreifen, ergab sich daraus die Rot- wcndigkeil einer weiteren Verstärkung der Schutzniannschaft. Die Verhältnisse waren jetzt dahin gekommen, daß der Widerstand der Menge in jedem Falle gebrochen werden mußte. � Es mußten scharfe Mittel angewandt werden, um die Staatsautorität zu wahren. Des- halb wurde die Anordnung gegeben, in jedem Falle von Widerstand Waffengewalt anzuwenden. Jetzt trat zum erstenmal bei den Un- ruhen auch der Janhagel in Tätigkeit, der wohl durch die ZeitungS- berichte angelockt worden war. Die Hauptmenge bestand aber kleines Feuilleton. Die Ursachen der Fliegcrstürze. Das vergangene Jahr hat auf dem Gebiete der Flugkunst mit einer Reihe Kalastrophen ab- geschlossen. Junge, hoffnungsvolle Luflpiloten haben ihre Ver- wegenheit mit dem Leben bezahlt. Ucber die Ursachen und Gründe dieser Unglücksfälle hat der englische Flieger Robert Loraine einem Londoner Blatte Erklärungen gegeben, die um so beachtenswerter sind, als Loraine der Psychologie des Fluges ein eingehendes Studium ge- widmet hat. Er führt aus, daß ein großer Teil jener Katastrophen zu vermeiden gewesen wären; ihre Ursachen lagen viel weniger iuiZufall be- gründet, als in dem übertriebenen Selbstvertrauen der jungen Er- oberer der Lüfte und in der daraus sich ollniählich entwickelnden Nachlässigkeit. Mit Stolz und zugleich mit Trauer wird man voraus- sagen können, daß bei der bcioudcrcn Psychologie des Fliegens eine Reihe von Katastrophen die Lustpiloten'nicht vorsichtiger machen wird; im Gegenteil, sie wirken nur stimulierend auf den Untcrnehmuiigsgeist der anderen. Das deprimierende an der großen Zahl von Todesfälle» während des vergangenen Jahres liegt darin, daß diese Katastrophen in den meisten Fällen auf den Piloten selbst zurückfallen. Da wirken zusammen allgeureinc Nachlässigkeit, sodann ein Versagen der Nerveuipannung bei dem Flieger und schließlich der unvorhergesehene„Verlust der Horizontale", also des Gleichgewichts. Zu großes Selbstvertrauen ist der gefährlichste Feind. Der Aviatlker erhält nach wenigen Flügen den Eindruck, daß das Fliegen überraschend einlach ist: Dann wird er unvorsichtig, will alle Gelegenheiten ans- nutzen, verliert die letzten Bedenken, fliegt bei den gefährlichsten Witlerungsvcrhältnissen. bis ein Unfall ihn warnt oder der Tod ihm riii Ziel setzt. Die Aviatiker verwechseln nur allzu gern blinde Todes- Verachtung und eine sinrple Unkenntnis der Gefahr mit Mut. Im ver- gangenen Jahre war daS Versagen der Konzentrationsfähigkeit ziveifcl- sos auch eine Ursache vieler Unglücksfälle. Der Flieger kann nur einen Preis für seine Sicherheit entrichten: das ist die unausgesetzteste und kon- zeutrierteste Wachsainleit. Aber viele erliege» während des Fluges der menschlichen Regung, die Kontrolle über den Apparat immer mehr zu automatischen Formen überzuleiten. Der dritte Grund der Katastrophen, der Verlust der Horizontale oder des Gefühls für das Gleichgewicht, ist eine böse Gefahr, die immer wieder auftaucht, wenn man im Nebeldunst oder zwischen Wolken fliegt, kurz in Ver- hältnisseii, unter denen man die Erde nicht mehr sieht." Ein nciics Zeitungs-Jllustrationsverfahrcn. Seit einer Reihe Von Jahren ist die nioderne Jllustrationstechnik bestrebt, die Auto- thpie in einer Weise dem Rotationsdruck anzupassen, daß die Bilder nickt mehr oder weniger verschwommen oder verkleckst, sondern mit allen Feinheiten und Details herauskommen. Bisher war daS nicht gelungen: infolgedessen blieb den Tageszeitungen nichts anderes übrig, als schlechte Strichätzungen oder mißratene Autotypien zu Illustrationen nach den Bekundungen des Zeugen Steinberg aus Arbeitern, die daS„Arbeiterlied"'sangen und Hochrufe auf die Sozialdemokratie ausbrachte». Den Höhepunkt der Unruhen bilden die Vorgänge in der Rostocker Straße, wo die Laternen zertrümmert wurden und ein regelrechter Angriff seitens der Menge auf die Polizei erfolgte. Am 30. war ein Umschwung in der öffentlichen Meinung zu verzeichnen, nachdem schon am Tage vorher die Unruhen eigentlich ihr Ende er- reicht hatten. Zum erstenmal nahm die Menge nicht gegen, sondern für einen mit Steinen beworfenen Schutzmann Stellung. Es folgten dann aber schwere Ausschreilungen von Streikenden gegen Arbeits- willige. Die Verhandlung der einzelnen Fälle hat gezeigt, unter welch außerordentlichem TerroriSmus die Arbeitslvilligcn standen. Ruhige Leute wurden in der rohesten Weise mißhandelt. Die Arbeits- willigen hatten den Streitenden dazu nicht den geringsten Anlaß gegeben. Es waren„harmlose L e u te", die nur von ihrem Reckt Gebrauch machten, dort Arbeit anzunehmen, wo es ihnen be- liebte. Es ist eigentümlich, zu beobachten, wie die Arbeitswilligen so unter dein Terrorisinns der Gctverkschafl stehen, daß sie diese mit dem Respekt wie vor einer Behörde ansehen. Sie sprechen in ihre» Aussagen davon, daß sie von deir Streikenden festgenommen,„vor- geführt" der Streikleitung und dort wie vor Gericht„vernommen" worden seien. Man habe ihnen Borhaltungen gemacht und fie dann entlassen. Um ihnen die Macht der Organisation noch mehr vor Augen zu führen, wurden sie dann noch von Streikenden bis zur Wohnung oder zum Bahnhof begleitet. Die Staatsanwaltschaft hat sich überlegt, ob sie nicht in diesen Fällen ein Verfahren wegen Freiheits- beraubung anstrengen sollte. Sie hat aber davon Abstand genommen. znmal die Arbeitswilligen unter einen, so außerordentlichen Druck standen, daß es ihnen gar nicht zum Bewußtsein gekommen ist. daß sie von den Streikenden, die sie verschleppten, ihrer Freiheit beraubt worden sind. Sie erkennen die ihnen feindliche Organisation als eine so maßgebende Stelle an. daß sie es gar nicht wagen, der Aufforderung von Streikenden zum Mitkommen nicht zu folge». Das Vorgehen der Streikenden ist ja bezeichnend. Die Verteidigung hat versucht, den Eindruck der Aussagen der Arbeitswilligen durch den Hinweis darauf abzuschwächen, daß es sich bei den Arbeits- willigen meist um Gesindel handele. Die hier ver- nommenen fünf Arbeitswilligen haben einen ganz ausgezeichneten Eindruck gemacht. DaS sind nicht Gesindel, sondern ehrliche Arbeiter. Der Staatsanwalt wendet sich dann den einzelnen Fällen zu. Er beantragt gegen R o h t e wegen Beleidigung 3 Monate Ge- f ä n g n i s, gegen Heinemaun wegen Beleidigung 6 Monate Gefängnis, gegen Weiß, dem das Werfen mit einem Blumen- topf»ach der Polizei zur Last gelegt wird, wegen tätlicken Wider- standes 9 Monate Gefängnis. Gegen den Angekl. Wand be- antragt der Staatsanwalt wegen Sachbeschädigung und Verleitung dazu acht Monate Gefängnis, gegen Schulz, der auf Veranlassung des Wand eine Laterne eingeworfen hat, wegen Sachbeschädigmig 2 Monate Gefängnis. Gegen A l b r e ch t tvird wegen Beleidigung eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten beantragt. Er sei Ausländer und habe deshalb um so welliger Anlaß, sich über die Tätigkeit der preußischen Polizei aufzuhallen. Der Angeklagte Zollchow steht unter der Anklage des Aufruhrs und der Beleidigung. Er hat sich in einer einheitlickc», zusammengerotteten Menge befunden und einem in der Notwehr befind- licken Schutzmann laut„Bluthund" zugerufen. Seine Be- hauptung, daß er auf dem Kupferschen Kohlenplatz unter Duldung des Schutzmanns von Arbeitswilligen miß- handelt worden sei. ist in keiner Weise erwiesen worden. Gegen Zollchow werden neun Monate Gefängnis in Antrag gebracht, gegen den Kutscher Otto Weiß wegen Auflaufs und groben Unfugs drei Monate Gefängnis und ein Monat Haft, gegen den Angeklagten Romanowski zwei Monate Ge- f ä n g n i s, gegen den Angetlagten Miersch vier Monate Gefängnis.— Der Angeklagte Kliche hat in der Königstraße mit Steinen geworfen und Beleidigungen ausgestoßen und bei seiner Verhaftung sind in seiner Tasche noch 14 Steine vorgefunden worden, mit denen er nach Moabit hinaus wollte. Gegen ihn werde» zwei Monate Gefängnis und zwei Wochen Haft beantragt.— Der Barbier E i s e n r e i ch hat sich des Aufruhrs und der Be- leidigung schuldig gemacht. Er ist auf dem Wege zu einem Gottesdienste der Mormonensekte, der er angehört, in die Menge geraten, ist mit derselben mitgelaufen und hat laut„Haut ihn!" gerufen. Mit Rücksicht auf seine Reue, die er an den Tag legt, tvird eine Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis beantragt.... Dem Angeklagten Senf ist es gelungen, den auf ihm nihenden Verdacht des Aufruhrs zu entkräften, es ist ihm ouck nicht widerlegt worden, daß er den bei ihm vorgefundenen Revolver nicht zu gewalttätigen Zwecken mit sich flihrte und daß er an dem kritischen Abend auf dem Wege von seiner Braut nach zu verwenden. Ein erster Erfolg im Hinblick auf die tadellose Wieder- gäbe der Autotypie wurde bckanntlick vor Jahresfrist von der „Freiburger Zeitung" erzielt; das Verfahren war aber nicht einfack genug, um bei der großen Schnelligkeit, mit der die Massenauflagen der verbreiteten Tageszeitungen gedruckt werden müssen, irgend- wie in Betracht zu kommen, teils aus technischen, teils aus wirtsckaftliche» Gründen. Nuninehr ist ein zweites Jlliistrationsdrnckoerfahren er- probt worden, das von der Faberschen Buchdruckerei in Magdeburg in Anwendiing gebracht wird. Es ermöglicht den Druck von Auto- typicn auf gewöhnlichem Zeitungspopier und bei einer Schnelligkeit von zirka 10—12 000 Zylinderunidrehnngcn in der Stunde. Neu und eigenartig an der Drnckart ist die feine Nnancierung, die bei den Klischees möglich ist und die sich fast gar nicht von der Feinheit der Klischee» unterscheidet, die zum Druck auf Flachmasckinen dienen. Die Details des Verfahrens beruhen auf einer Vervollkommnung der Rotationsmaschine, werden aber im einzelnen noch nicht bekannt gegeben. Die Proben, die die Fabersche Blickdruckerei der Oeffent- lichkeit unterbreitet, sind jedenfalls viel versprechend. Neues vom Golfstrom. Seit Jahren sammelt die amerikanische Negierung sorgfältig alle Nachrichten über treibende Wracks; diese schwimmenden Schiffsreste sind für die Erforschung der Meeres- strömungen ungleich wertvoller als die in de» Ozean geworfenen Flaschen, weil sie weniger dein Winddruck ausgesetzt sind und weil man ihre Fahrt wenigstens teilweise beobachten kann, während man bei den Flaschen nur den Ausgangsort und die Fundstelle kennt. In den letzten 23 Jahren hat man im nördlichen Atlantischen Ozean 157 solcher treibenden Wracke beobachtet, und auf Grund ihrer Fahrten zieht A. Hautreux außerordentlich interessante Schlüsse. Danach wendet sich der Golfstrom vom Kap HatteraS ab nicht nach Nordosten, sondern nach Osten zu den Azoren, wo er unter dem Einfluß der nördlichen Winde»ach Süden einbiegt. Die warmen Strömungen an der norwegischen Küste sind nur Abzweigungen des GolfftromeS, die durch den Winddrnck hervorgerufen werden. Die Geschwindigkeit der Strömungen ist ungleich größer, als man bisher auf Grund der Beobachtungen mit Flaschen annahm, Sie wechselt nach Gegend und Jahreszeit und schwankt zwischen 10—70 Meile» innerhalb 24 Stunden. Musik. Der junge Komponist Hermann Zilcher wurde zuerst vor 7 Jahren und dann später wieder in Konzerten, namentlich zu Berlin und München näher bekannt. Ein Konzert niit dein Blüthner- orckester, das am Mittwoch im großen Saale der kgl. Hochschule für Musik stattfand, machte uns mit seiner Sinfonie.A-dur und mit ein paar Gesangsstücken vertraut. ES wallet bei ihm eine ausgesprochen echte, innerliche Kraft; er hat viel aus sich selbst heraus zu sagen; er bringt vieles, zumal reiche Rhythmik neben einer weniger reichen Thematik; er schneidet und stürmt und liebt Gegensätze, Antithesen, die mehr Mannigfaltigkeit seiner Wohnung war. Er hat sich aber der Beleidigung schuldig gemacht, für die eine Strafe von drei Monaten Gefängnis beantragt wird.— Der Angeklagte W e i d e m a n n, desten Vater selbst Kriminalbeamter ist, bat sich der Beleidigung und des groben Unfugs schuldig gemacht. Dieser Fall hat der Verteidigung Ver« anlassung gegeben, der Staatsanwaltschaft den Vorwurf zu machen, daß sie durch ihre Anfrage bei dem Polizeipräsidenten bezüglich einer etwaigen Zurücknahme des Strafantrages bewiesen habe, daß fie sich die politisch und gewerkschaftlich Organisierten ausgesucht und gerade gegen diese die Anklage erhoben habe. Dieser Vorwurf mutz vor der Oeffentlichkeit ganz entschieden zurückgelviesen werden. Nachdem die Tatsache bekannt geworden war. daß dieser Angeklagte der Sohn eines Polizeibeamten ist, hat die Staatsanwaltschaft lediglich die Akten dem Polizeipräsidenten vorgelegt und ihm überlassen, Stellung zu einer etwaigen Zurückziehung des Strafantrages zu nehmen, nachdem sich die Sachlage verändert hatte. Die Staatsanwaltschaft ist ihrerseits durchaus nicht bemüht gewesen, diesen Angeklagten aus- zuschalten, das geht doch auch daraus hervor, daß die Verbindung dieser Sache mit den übrigen Straffällen angeordnet worden ist. Es handelt sich um eine grobe Ausschreitung des Weidemann. Seine Absicht, die Polizei zu beleidigen, ist erwiesen. Wegen dieser Be- leidigung werden 14 Tage Gefängnis und wegen der Heber- tretung 10 M. Geldstrafe in Antrag gebracht. Der Staatsanwalt kommt dann zu den Fällen Pilz und Kratzat. Wellschmidts Darstellung seiner Mißhandlungen bei Pilz ist glaub- würdig, wenngleich er bei seinen verschiedenen Vernehmungen die Vorgänge verschieden dargestellt hat und seine Verwandten gegen ihn Vorwürfe erhoben haben. Es ist auch allerlei Klatsch aus seiner Vergangenheit vorgetragen worden. Mag er auck in Fürsorgeerziehung gewesen sein, seine spätere Führung zeigt doch, daß er zwar kein großer Geist ist, aber er hat nie Vor- firafen erlitten. Wenn ihm seine falschen Angaben bei der Konfron- taiion mit den Gästen des Lokals vorgeworfen werden, so muß man doch die Situation berücksichtigen, die einen Irrtum in der Person erklärlich machte. Wenn er wirklich einmal auch von Pilz günstig gesprochen haben sollte, so liegt es doch so, daß er zunächst gegen Pilz eine gewisse Dankbarkeit empfand, weil er von ihm Speise und Trank erhielt und nickt bezahlen brauchte. Was nun den Angeklagten Pilz betrifft, so könnte man zunächst aus seiner Persönlichkeit folgern, daß er einer solchen Tat nicht fähig ist. Pilz ist— so fährt der Staatsanwalt fort— ein merkwürdiger Mensch. Ihm wird von verschiedenen, auch nicht seiner Partei angehörenden Zeugen ein gutes Leumundszeugnis ausgestellt und es wurde mehrfach hervorgehoben, daß er ein Mann sei, der in seinem Lokale auf Ruhe und Ordnung hielt und ein tüchtiger Gastwirt sei. In dem Moment aber, wo Pilz in einen politischen und wirtschaftlichen Kampf hinein- gezogen wird, kommt bei ihm glühender Haß s.uni Durchbruch und er nimmt an diesem Kainsife tätigen Anteil. Das geht daraus hervor, daß sein Lokal zum Streiklokal bestimmt lvnrde, daß es da- mit zum Herd des Sireiks lvnrde und man Arbeitswillige dort hiiieiiischleppte. Vier eiiiwaildsfreie Zeugen haben am 23. Sep- tember gesehen, daß, als der demnächst vor dem Schwurgericht ab- znurteilcnde Borowiak zur Wache sistiert wurde, Pilz aus seinein Lokal herausgekommen ist, die Schutzleute verhöhnte, indem er in die Hände klatschte und Bravo l Hurra I rief. Er hat auch gerufen:„Holt die Blauen herunter, feste I feste!" Und ani 24. September ist er auch gesehen worden, als auS feinem Lokal Streikende herausstürzten und einen Kutscher von einem Kohlenwagen herabholten. Er hat seine Pflicht, auf Ruhe und Ordnung zu halten, gröblich verletzt, gerade als Wirt des Streik- lokals hätte er diese Pflicht doppelt streng erfüllen müssen. Der Gegenbeweis, den der Angeklagte angetreten, ist mißglückt. Ertviesen ist: Pilz hat sich einer vorsätzlichen Mißhandlung deS Wellschmidt schuldig gemacht, er hat ihn aufgehalten und bewirlt, daß die in seinem Lokal versammelten Streikenden ihn mißhandeln konnten, wobei er verhinderte, daß er sich entfernen konnte. Er hat sich auch gegen 8 153 der Gewerbeordnung vergangen, indem er den Arbeiter Gottschalk durch Drohung bewegen wollte, sich dem Streik anzuschließen. Er ist u n b e st r a f t. Aber anderseits hat er doch eine große Dreistig- keit an den Tag gelegt. Er hat dreist geleugnet, er hat gesucht, sich als Biedermann aufzuspielen. Attacken auf Arbeitswillige sind an sich immer eine große Gefahr und das Pilzsche Lokal war der Herd der Gewalttaten gegen Arbeitswillige. Zu berücksichtigen ist. daß es sich bei den Pilzschen Straftaten um eine Zeit handelt, wo die Leute in Moabit schon wieder zur Vernunft zurückkehrten. Et hat zugelassen, daß Wellschmidt ge- wissermaßen in eine Fuchsfalle gelockt wurde. Sind dessen Verletzungen auch nicht sehr grotz gewesen, so ist er doch in moralischer Beziehung geschädigt wördc» und das Gefühl der Schutz- als Einheit bringen; und er bcnützt zu ihnen besonders ein schroffes Gegenüberstellen von Klangfarben, das oft so ungünstig wirkt, daß es an dem Klanggefühl des Koniponisten zweifeln läßt. Er gemahnt in seinem Schaffen und auch sonst an Hans Pfitzucr, dessen Ouvertüre zu Kleists„Käthchen von Heilbronn", aber von Zilcher mit der ihm eigenen Gründlichkeit dirigiert, gerade auch durch ihre ausgeglichenere Klangfärbung anzog. Hängt es vielleicht mit einem solchen„sinnlichen" Mangel des Komponisten zusammen, daß er als Mitivirkende in diesem und in anderen Konzerten eine an Stimme und Ausdruck un- zulängliche Sängerin hatte? Die Dame ist ersichtlich durch unverläßliche Freunde irregeführt. Wir würden dabei nicht verweilen, wenn wir es da nicht mit einer typischen Er- scheinung zu tun hätten. Und weder Spott noch halb entgegen- kommende Kritik verdienen solche arme Wesen, die wohl ihr alles und vielleicht letztes an Kraft nud Geld auf die Illusion verwenden, daß in der Musik mit derlei minderwertigen Spezialitäten etwas zu machen sei; vielmehr die herzliche und dringende Bitte. Hand und Kehle von der Kunst zu lassen. w. Notizen. — Zirkus Reinhardt. Für die Aufführungen von „König OedipuS" im Zirkus Schnmauu am 6. und 13. Januar sind die Plätze vergriffen. Die nächsten Aufführungen finden am 16. und 20. Januar statt. — D i e„heilige Tradition". Aus Paris wird ge« meldet: Die fünf Akademien, die das französische Institut bilden, haben jetzt darüber entschieden, ob Frauen Mitglieder der Akademien werden können.(Die Frage wurde aktuell, weil man Frau Curie als Mitglied vorgeschlagen hatte.) Es wurde zunächst den einzelnen Akadeniien zwar das Recht gelassen, selber zu entscheiden, aber dann mit 80 gegen 52 Stimmen anerkannt, daß es für die Wählbarkeit einer Frau eine Tradition für die Akademie gebe, die respektiert werden sollte. AuS dem Akadeulischen ins Deutsche übertrage» heißt das: man kann im Namen der Tradition jeden Fortschritt aufhalten. Denn immer gibt eS eine Tradition, die dagegen ist. — Neues von Anatole France. Anatole France, der bekannte französische Dichter, bat schon seit längerer Zeit auch nicht eine einzige Zeile drucken lasten. Der Dichter will nun aber in näcksicr Zeil drei neue Bücker erscheinen lassen: ein Buch über Rabelais, ein Buch über einen Maler des 17. Jahrhunderts und einen„theologischen" Roman im Voltaireschen Stil, der„Die zweite Empörung der Engel" betitelt sein soll. Man wird eine himmlische Meuterei erleben, während welcher die klugen Engel die neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektrizität für ihre Zwecke be- nutzen werden; es werden dann die Abenteuer eines Schutzengels erzählt, der den Auftrag hatte, einen sündigen Pariser aus den rechten Weg zurückzuführen. losigkeit muß über ihu gekommen sein. Pilz hat sich Kewußt über alle Maßnahmen der staatlichen Behörden hinweggesetzt und das Faustrecht proklamiert. Ich beantrage gegen ihn wegen Körper- Verletzung 1 Jahr 4 Mvuate Gesiiugnis, wegen Bergehrus gegen 8 �3 2 Monate und 2 Wochen Gefängnis und eine Gesainlstrafe von i Jahr 6 Monaten GesiinguiS. Gegen K r a z a t wird die Freisprechung beantragt. Bezüglich der Uinersuchungshaft beantrage ich volle Anrechnung der Untersuchungshaft, deren Verlängerung nicht durch die An- geklagten, sondern durch die von der Verteidigung veranlaßte un- gewöhnlich ausgedehnte Beweiserhebung veranlaßt worden ist. Das Wort erhält hierauf Nechtsanwalt Wolfgang Heine: Wenn man so am Ende einer fast 2 Monate währenden Ver- Handlung steht und das ganze Material der Beweisaufnahme durch- sieht» dann staunt man über die Fülle dessen, was darin enthalten ist. Vergegenwärtigt man sich noch einmal das ganze Material, dann muß man bedauern, daß inan in dem Plädoyer nicht die ganze Fülle der Aussagen berücksichtigen kann. Die Herren Staats- anwälte haben ja von dem, was die Beweisaufnahme ergeben hat, eine andere Auffassung. Der Erste Staatsanwalt sagte: die Aus- sagen allsr seit dem 10. Dezember vernommenen Zeugen seien auch nach Ansieht des Gerichts uberflüssig gewesen. Ich weiß nicht, ob das Gericht noch heute der Meinung ist, oaß die Angaben dieser Zeugen üderflüffig waren� Dagegen begreife ich vollkommen, daß die Herren Vertreter der Anklage nicht erbant sind von dem, was die von uns geladenen Zeugen ausgesagt haben. Einer der Herren Staatsanwä lte sagte: die Verteidigung sei schuld, daß die Beweis- aufnähme siiweit ausgedehnt worden ist. Die Verteidigung über- nimmt mit chutem Gewissen die Verantwortung dafür auf sich, daß hier Hundert"« von Zeugen vernommen worden sind. Di« Art, wie die Anklage behandelt wordin ist, hat erst die jnristische Basis geschaffen, ans der die Beweiserhebung auf breitester Grundlage geführt werdt n konnte. Wären die einzelnen Anklagesälle getrennt verhandelt worden, so wäre es nicht leicht möglich gewesen, ein Gesamtbild im.diesem Umfange zu entwerfen. Wären nicht in der An- klageschrift gewisse Bemerkungen enthalten, dann wäre» wir nicht gezwungen göivesen, einen so umfangreichen Beweis zu führen. Wir übernehmeri gern die Verantworteung dafür. Ja, wir find der Staatsanwaltschaft dankbar, daß sie uns Gelegenheit gegeben hat, auf breitester Grundlage den Beweis zu führen, der ein vollständige» Bild der ganze« Sachlage gibt. Mir scheint, daß die Beweisauf- nähme noch im mer nicht so umfangreich gewesen ist, um die Staats- anwaltschaft zr: überzeugen. Wenn man gestern gehört hat, daß unsere Zeugen für die Staatsanwaltschaft eigentlich keinen Wert haben, und wenn heute wieder der Herr Staatsanwalt Stelzner sagte, die Aussirgen der Zeugen, welche Mißhandlungen beobachtet haben, genügen nicht, weil man nicht weiß, wer die Niedergeschla- genen gewesen si nd, dann hätten wir noch ein paar Hundert Zeugen mehr vernehme«: müssen. Wir haben sie. Aber wir haben uns bei der Auswah l der Zeugen auf das Notwendigste beschränkt. Wenn der Staat,»anwaltschaft unsere bisherigen Beweise noch nicht genügen, dann mutz ich sagen:„Will der Graf ein Tänzchen wagen, ich spiele ihm a>gf." Ich kann noh) einige Hundert Fälle unter Beweis stellen, die ganz gleicher Ars sind als wie die bereits erörterten. Eö ist im Laufe der Verhandlung gesagt worden, die Strafprozeßordnung sei schuld daran, daß hier so viele Zeugen vernommen werden muhten. Ich glaube gern, daß es die Staatsanwaltschaft andere haben wollte. Werm der Z 244 der Strafprozeßordnung nicht wäre, dann wären die 132 Zeugen der Anklage vernommen worden und die Angeklagten hätten kein Mittel gehabt, die Vernehmung ihrer Zeugen zu erzwingen. Wenn wir uns auch auf die Loyalität deS Gerichts verlassen, so ist es doch immer besser, wenn man sich auf sein Recht berufen kann. Wenn irgend ein Prozeß, so hat es dieser erwirse», wie notwendig die angeführte Bestimmung der Strafprozeßordnung ist. Denn wären nicht ein paar Hundert Zeugen von unserer Seite vernommen, dann wäre ein ganz schiefes Bild der ganzen Sache herausgekommen. Der Herr Erste Staats- anwalt hat gesagt, ein Teil der Belastungszeugen habe nicht Stich gehalten. Wir haben es mit einem gewissen Humor angesehen. wie der Kaufmann Preuß, auch ein von der Staatsanwaltschaft geladener Zeuge, ans einem wichtigen Fundament der Anklage beinahe zu einem Mitangeklagten geworden ist. Als dieser Zeuge schwere Mißhandlungen durch die Polizei bekundete und oamit die Polizei stark belastete, da hat man sofort behauptet, er habe die Unwahrheit gesagt und könne das gar nicht gesehen haben, was er da angab. Ich glaube gern, daß das unangenehm war für die Staatsanwaltschaft. Aber hieraus müßte die Staatsanwaltschaft sehen, daß gerade die Zeugen, die in der Hauptverhandlung Angaben machen und neue Momente borbringen, von denen in der Vor. Untersuchung keine Rede war, die zuverlässigsten Zenge« sind. Die in der Voruntersuchung gemachten Aussagen, die ohne Mit- Wirkung der Verteidigung abgegeben werden, haben überhaupt keinen Wert. Erst die Auslagen, welche in der Hauptverhandlung gemacht werden, sind von Bedeutung. Niemand hat das Recht, so aus dem Handgelenk heraus zu behaupten, ein Zeuge, welcher in der Haupt- Verhandlung anders«ussagt als in der Voruntersuchung, sei dunklen Einflüssen gefolgt und seine Aussage sei deshalb verdächtig. Nein, das Protokoll der Voruntersuchung hat immer die Möglich- keit eines Mihverständaisses des vernehmenden Richters für sich. Ich will nun über das Beweismaterial als Ganzes sprechen. Die Staatsanwaltschaft teilt unsere Zeugen in 3 Kategorien ein. Da sind erstens diejenigen, welche aus den Fenstern oder von den Balkons Beobachtungen ni achten. Diese Zeugen haben zwar positiv bekundet, was sie gesehen haben. Aber die Staatsanwaltschaft sagt, die Zeugen können nichts gesehen haben, denn es war dunkel. Es handelt sich aber nicht um solche Stellen, wo es dunkel war,; in allen Fällen dieser Art war es hell genug, um zutreffende Beobachtungen zu machen. Die zweite Kategorie der Zeugen sind die, welche aufder Straße waren. Diese hätten etwas sehen können, aber sie sind nach Annahme der Staats- anwaltschaft der Teilnahme an strafbaren Handlungen verdächtig, also sei diesen Zeugen nicht zu glauben. Die Zeugen der d r i t t e n Kategorie haben etwas gesehen, sind auch nicht verdächtig, haben aber nicht alles gesehen, sagt die Staatsanwaltschaft Weil diese Zeugen nicht alles gesehen haben, was andere Zeugen sahen. so heißt es. sie sind vom B l a u k o l l e r befallen und deshalb nicht glaubwürdig. Das ist ja eine bequeme Art, Zeugen als unglaub- würdig hinzustellen. Sind denn alle Zeugen, die sich auf der Straße befanden, verdächtig? Wenn das richtig wäre, dann würde ja auch ein großer Teil der Zeugen des Polizcivrästdenten verdächtig sein. Denn das sind ja gerade die Leute, die auö allen Teilen Berlins nach Moabit gefahren sind, lediglich um dort Beobachtungen zu inachen. Wer den Verhandlungen gefolgt ist und das Gesetz kennt, der weiß, daß sich nur derjenige verdächtig gemacht haben kann, der beimißt und absichtlich in einer gewaltiäiigen Menge sich aufgehalten hat. Das trifft jedoch bei allen hier in Frage kommenden Zeuge» nicht zu. Es sind Leute, die ihre Beobachtungen aus einer gewissen Entfernung machten und deshalb nicht im geringsten verdächtiss sind. Es ist auch zu bcrücksichligen, daß meje Zeugen größtenteils in Moabit wohnen und die Slraßen, welche abgesperrt waren, passieren mußten. Mit Absicht haben wir gerade solche Zeugen bevorzugt, die ihre Beobachtungen vom Balkon aus»nachten. Wir wollte» nicht de» Verdacht aufkommen lassen, sie hätten sich au den Tumulten beteiligt. Nun ist gesagt worden, die Zeugen könnte» vom Balkon ans nichts gesehen habe». Ich verweise darauf, daß in vielen Fällen die Bekundungen dieser Zeugen Übereinstimmen mit den Angaben anderer Zeugen, die ganz die- selben Vorgänge von der Straße aus beobachtet haben. In dieser Weise ist die Nicdermetzelunz verschiedener Personen überein- stimmend durch Zeugen, die am Fenster standen und durch solche. die aus der Straße waren, bekundet. Der gewiß einwmidssreio Zeuge aus der kgl. Porzellaiimanufaltur hat von seinem Balkon aus gesehen, wie Vrambach niedergeschlagen worden ist. Und ei» Mann auf der Straße hat uns dasselbe gesagt. Will man angesichts solcher Bekuiiduugen wirklich sagen, daß diese adscheulichen Taten nicht ge- schchen sind? Sind die schweren Verletzungen des Brambach nicht Realitäten? Es gibt noch eine ganze Reihe derartiger Fälle. Und daraus ergibt sich, daß die vom Feustcr gemachten Beobachtungen der Zeugen durchaus zuverlässig sind. Auch ein großer Teil der Polizei- zeuge» haben ihre Beobachtungen vom Fenster ans gemacht. Ich zweifle sie so wenig an wie ich mir ansbiiie, auch unsere Zeugen, die vom Fenster aus Beobachtungen gemacht haben, nicht für unglaubwürdig zu erllürcn. Unsere Zeugen, die nach Annahme der Staatsanwaltschaft vom Blaukoller befallen sein sollen, sind gefragt worden, ob sie Schlisse gehört und Steinwürfe gesehen haben. Sie haben das verneint. Nu» wird ihre Unglaubwiirdigkeit daraus gefolgert, daß andere Zeugen derartige Dinge gesehen haben. Denigegenüber ist zu be- tonen, daß auch ein Zeuge dadurch noch nicht unglaubwürdig wird, wenn ihm etwas entgangen ist. waS andere Zeugen gesehen und ge- hört haben. Haben uns doch die Zeugen der Polizei gesagt, daß sie nichts von Säbelhieben gesehen haben. Andererseits haben uns aber selbst Beamte bekundet, daß i» der Tat Säbelhiebe aus- geteilt worden sind. Auch legen ja die zahlreichen Verletzungen von Leuten auö dem Publikum Zeugnis dafür ab. Will man denn nun sagen, auch die Zeugen, welche keine Säbelhieb« gesehen haben, seien unglaubwürdig? Will man denn streilen, daß derartiges geschehen ist? Ich verweise auf den Zeugen Hoffmaun. der uns gesagt hat: ganz in meiner nächsten Nähe ver- hauten zwei Schutzleute einen älteren Herr» und ein dritter Schutz- mau» schlug ihn nieder, und als ich dem Mann helfen wollte, sagte mir der Schutzmann: Gehen Sie fort, sonst schlage ich auch Ihnen de» Schädel ein. Will man mm sagen, das ist nicht wahr, weil der Zeuge Hoffmann nicht alles gesehen hat, was sich ans der Straße ereignete? Mit den Steinwürfen ist es ebenso. Man vcrgegen- wärtige sich doch die Situation. Es fällt ab und zu ein Blumen- topf oder auch ein Stein vom Balkon. Es fällt auch ab und zu ein Schuß. Es ist doch reiner Zufall, wenn jemand so etwas sieht und hört. Daraus, daß er es nicht gesehen hat, kann man keinen Schluß auf seine Glaubwürdigkeit ziehen. Was der Zeuge ge- sehen und positiv bekundet hat, bleibt uiiter allen Umständen bestehen. Wenn Zeugen, die aus den Wohnungen ihre Beobachtungen machten, nicht alles gesehen haben, was auf der Straße vorging, so liegt daS auch zum Teil daran, daß sie doch nicht immer am Fenster und auf denr Balkon standen, sondern auch zeitweise hineingingen. Verdächtig können Sie deshalb nicht sein, weil sie nicht alles gesehen haben. Ei» großer Teil unserer Zeugen ist durchans unparteiisch im weiteste» Sinne deS Wortes. ES sind Leute darunter, die den Streik, der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie nickt nur gleickgültig, sondern sogar feindlich gegenüberstehen. In dieser Hmsirtjt erinnere ich an den Zeugen Frost und an den köiiifjlickei« Förster Trevor. UcbrigenS, wenn von» TerroriSimiS die Rede ist, dann muß ich doch daran erinnern, daß dem Zeugen Trevor von konservativen Leuten Vorwürfe gemacht worden sind, und daß«r befürchtete, gesell- schaftlich geächtet zu werden, weil er hier als Zeuge der Wahrheit die Ehre gegeben hat. Ich erinnere ferner an den Zeugen Oslath, der als Handwerksmeister der Arbeilerbelvegung völlig fern steht. Alle diese Leute standen, als sie ihre Beobachtungen machten, durch- aus auf der Seite der Polizei. Der Zeuge Frost sagte uns doch, daß er sein Leben lang die Sozialdemokratie bekämpft habe und mm sehen müsse, wie durch die Ausschreitmigcii der Polizei dir Agitation der Sozialdemokratie bcgünstiqt werde. Ein andere Zeuge sagte u»n, daß seine Erlebnisse in Moabit die Grundlagen seines christlichen Glaubens erschüttert haben. Wieder von einem anderen Zeugen haben wir gehört, daß ihn sein Sohn, als er das Wüten der Polizei mit ansah, fragte: „Vater, ist daS die Obrigkeit, die von Gatt eingesetzt ist?" Ein Zeuge sagte uns. er habe zunächst mit der Polizei sympathisiert und bedauert, daß sie den unnützen Buben, welche Unfug trieben, nicht daö Handwerk gelegt haben. Aber ein paar Stunden später, als der Zeuge die Metzeleien auf der Straße mit angesehen hatte, schlug seine Stimmung nm. Ganz uninteressiert an der Sache ist auch der Zeuge Dr. Kochmann. Als er das rohe Verhalten von Schutzleuten schilderte, da kamen diese Dinge der Staatsanwaltschaft ganz unglaubhaft vor. Sie suchte die Glaubwürdigkeit des Zeugen Kochmann in Zweifel zu ziehen, weil er erst 25 Jahre alt ist. Dr. Kochmann lvurde vom Staalsanwalt eingehend darüber examiniert, wo�er seine Eriahrnngei» gesammelt habe. Als aber später ein erst 20'Jahre alter Super- »umerar nach sciuenij Alter gefragt und ihm seine Unerfahren- heir vorgehalten wurde, da hielt es der Staatsanwalt für eine grobe Beleidigung. Bei Dr. Kochmann sind die Herren Staatsanivälie nicht so empfindlich gewesen. Doch der wird daö zu tragen wissen. Es ist ja wiederholt betont worden, wie sich die Auffassung in bürgerlichen Kreisen gewendet hat, wie sie Schritt vor Schritt zn einer Entrüstung gegen die Polizei kam. Wenn man den Wandel der Empfindung verdächtig finden will, dann weiß ich nicht, woran man die Wahrheitsliebe der Zeugen erkennen soll. Allerdings sind ja auch Zeugen aufgetrelen, die selber Mißhandlungen erlitten haben. Sie haben ihre Aussage mit voller Klarheit gemacht und beschworen. Diese Zeugen sind von der Polizei in der rohcsten Weise behandelt, sie sind beschimpft und wie Hunde niedergeschlagen worden. Darf man nun sage», daß die Zeugen deshalb, weil sie so schauderhaft mißhandelt wurden, unglaubwürdig find? Haben sie denn nicht positive Bekundungen gemacht, die nicht bestritten werden können? Sind die Säbelhiebe, welche diese Leute bekommen haben, keine Realitäten? Es ist hier oft gesagt worden: Wer sich in jenen Tagen nach Moabit begab und dort mit dem Polizeisäbel Bekanntschaft machte, der habe sich das selber zuzuschreiben. Davon kann doch keine Rede sein. Wenn ich aus einen Rummelplatz gehe und bekomme eins von einem Rolvdy, so habe ich mir daö in gdwisser Hinsicht auch zuzuschreiben. Aber ist die Tat des Rowdys weniger straf- bar? Aber wir haben ja auch Fälle, Ivo Leute mißhandelt wurden, die sich absichtlich von dem Schauplatz der Unruhen fern hielten. Ich verweise auf das Ehepaar Heinemann. Sie gingen den Un- ruhen weit aus dem Wege und doch sind sie in rohesier Weise mißhandelt worden. Ich erinnere an andere Zeugen, die sich nicht in frivoler Weise in das Gebiet der Unruhen begeben haben und doch von Polizeibeamten überfallen und schwer mißhandelt worden sind. Ich erinnere an den Bierfahrer Weiß, der, als er aus der Straßenbahn stieg, in brutalster Weise niedergemetzelt wurde. Ich erinnere an den Zeugen, der bei der Ausräumung eines Lokals zugegen ivar und gesehen hat, daß sogar Kinder nieder- getrampelt wurden. Alle diese Bekundungen sind abiolut glaub- würdig.— Man kann sie nicht mit ein paar Redensarten aus der Welt schaffen. Ich kann hier nicht alle Aussagen der Zeugen prüfen, denn ich müßte sonst die ganze Verhandlung nochmal aufrollen und wir hätten nochmal wochenlang mit den Erörterungen der furcht- baren Dinge zu run. Wenn ich also nicht auf olle Zeugenaussagen eingehe, so geschieht das nicht etwa deshalb, weil ich sie nickt für zuverlässig halte. O nein, sie sind alle zuverlässig. Wir haben unsere Zeugen sorgfältig geprüft. Wo auch nur die geringsten V«. denken vorlagen, habe» wir sie nicht in die Sammlung der 675»er- »ommenen Zeugen aufgenommen. Was unsere Zeugen hier belundet habe», da? find nur bestimmte selbstgesehene Tatsachen. Wie steht es aber um die Zeugen der Anklage? Eine Sorte vermisse ich unter ihnen, daS sind die Hintzescheu Streikbrecher. Warum sind die nicht geladen? Die Staatsanwaltschaft weiß ja doch, wo Hintze zu finden ist. Wir wissen es nicht. Warum wird er nns nicht vorgeführt? Sind die Hintzeschen Streikbrecher etwa nicht präsentabel genug? Ein Zeuge hat uns ja gesagt, sie sehen aus wie Räuber. Und Herr v. Reitzenstein bezeichnete sie als Abenteurer. Nun wir haben sie nicht und müssen deshalb leider aus ihre Vernehmung verzichten. Die zweite Art der Anklagezeugen sind die Schutzleute und Kriminalbeamte». Es sind Beamte, die durch ihren Berus eine ge- wisse Bildung haben und die uittersckeide» können müßten zwischen dem. ivas sie wirklich gesehen haben, und dem. was sie gesehen habe» wollen. Ich /bedauere sagen zu müssen, daß unter diesen Zeugen eine ganze Anzahl sind, an oeren guten Willen und an deren Fähigkeit, klar« und wahre Aussagen zu machen, ich stark zweifeln muß. Ich habe bei vielen dieser Zeugen eine sehr ungünstige Mei» uung über ihre Wahrheitsliebe. Das gilt nicht für alle Zeugen nnb für alle Tatsachen, aber doch für einen großen Teil. Es ist eine große Zahl von Angaben gemacht worden, die sich als positiv unrichtig herausgestellt haben und die nicht gemacht werden konnten, wenn die Zeugen die genügende Sorgfalt angewendet hätten. Ich will nur einige Beispiele in dieser Hinsicht anführen. Polizeileutnant Götze wollte die Ansicht. daß die Exzesse unter sozialdemokratischer Leitung ständen dadurch bekräftigen, daß er uns sagte, es sei ein Radfahrer abgefaßt worden, der auf Befehl der sozialdemokratischen Parteileitung Botschafter- dienste verrichten sollte. Rechtsanwalt Rosenfeld konnte diesen Rad- fahrer namhaft machen. Er ist uns vorgeführt worden und es hat sich ergeben, daß der Radfahrer weder mit der sozialdemokratischen Partei, noch mit dem Kupserschen Streik auch nur das geringste zu tun hatte, daß er zwar nach Moabit aber an eine ganz andere Stelle und zu einer ganz anderen Zeit gefahren Et. Das alles habe der Zeuge auch bei seiner polizeiiicheu Veruehiming angegeben. Polizeileuinant Götze aber hat hier unter seinem Eide die Behauptung aufgestellt, der Mann sei von der Parteileitung gedungen, um Bot- schajt an die Exzedenten zu übermitteln. Ich erinnere an den Schutzmann, der hier auf dem Korridor den Zeugen Jendritzki sah und sofort mit aller Bestimmtheit behauptete, Jendritzki sei unter den Leuten gewesen, die eine» Kohlenwagen beim Spandauer Bock angriffen. In diesem Fall konnte sogleich nach- gewiesen werden, daß Jendritzki gar nicht dabei gewesen sein kann. Darauf sagte dann der Schutzmann, dann habe ich mich eben geirrt. Hätten wir den Jendritzki nicht hier gehabt, wer weiß. waS dann geworden wäre I Ich muß sagen: die Aussagen der Polizeibeamtcn, die der Mißhandlimg beschuldigt»verden, sind sehr vrroächtig. Nachdem der Kaufmanil Preuß durch seine klaren und einwandSfreien Aussagen über polizeiliche Mißhandlungen den Stet» ins Rollen gebracht hat. wehren sich die Polizeibeamien gegen die Kenntnis der Mißhandlungen mit einer Zähigkeit, die uns ersahrenen Kriminalistett sonst nur bei Leuten bekannt ist, die aus der An- klagebank sitzen. Erst leugnen sie alles. Werden dann Zeugen gebracht, nach deren Bekundungen die Tatsachen nicht mehr positiv abgestritten werden können, dann heißt es, wir erinnern uns nicht niehr. Oder es wird gesagt, wir sind es nicht gewesen, „Es war der große Unbekannte". Als der Zeuge Preuß die Polizei schwer belastete, da wurde versucht, ihn als unglaubwürdig hinzu- stellen und um eS klar zu sagen, er sollte meineidig gemacht werden. Obgleich dieser Zeuge den vollkommenen Eindruck der Wahrheit machte, trat Polizeileutnant Folte sofort mit der Behauptung auf. Herr Preuß könne die von ihm bekundeten Beobochtungen von seinem Balkon auS gar nicht gemacht haben. Diese Behauptung des Polizeilcntuants Folte war nicht nur falsch, sondern auch fahr- lässig falsch. Wenn er von zwei Augen Gebrauch gemacht hätte, mußte er sich sagen, daß Herr Preuß von seinem Balkon aus das gesehen haben konnte. was er bekundete. Wen» aber keine volle Kenntnis der Sachlage hat, dann darf man keine positive Behauptung aufstellen. Nachdem noch viele Zeugen ganz dieselben Angaben gemacht haben wie Herr Preuß, wird man seine Aussage nicht mehr anzweifeln können. Wunderbar bleibt es, daß von den massenhaften Mißhandlungen, die gerade dort ße- schehen sind, die an jener Stelle stationierten Polizeioffiziere nicht das Geringste gesehen haben wollen. Mehrere Zeugen haben Offiziere in unininelbarer Nähe gesehen und gesagt, daß vor deren Augen Leute mißhandelt worden sind. Ja, der Zeuge Kussatz hat be- kündet, daß der Polizeiossizier sich umdrehte, um von den Miß- Handlungen nicht« zu sehen, daß er sie aber wenigstens gehört haben muß. Es konimt hier der Polizethauptmann von Heeringen in Frage. Als ihm die Aussogen Kussatz vorbehalten wurden, sagte er: Ich erinnere mich an nichts. So wird alio aus dem.Ich habe nichts gesehen I"»Nein, ich erinnere mich nicht I" und schließlich auch die Frage, ob denn an anderer Stelle Mißhandlungen vorgekommen seien, sagt der Hauptmann v. Heeringen, ja, ich habe ssesehen, daß ein Kriminalbeanuer einen Mann mit dem Stocke geschlagen hat. Kurz vorher sagle Herr v. Heeringen noch. wenn er Miß- Handlungen gesehen hätte, würde er dagegen eingeschritten sein. Jeder Versuch, aus ihm herauszubekommen, warum er in diesem Fall nicht einschritt, scheiterte. Ich habe das volle Recht zusagen: Haupt- mann v. Heeringen muß das gesehen haben, auch wenn er jetzt sagt: „Ich erinnere mich nicht". Es können auch Beamte in solchen Fällen mit Absicht unterlassen haben, etwas zu sehen. Wenn, wie in diesen» Falle, ein älterer Offizier die Auge» aufhält, dann kann er nicht sagen, er habe nichts gesehe». Es gibt also nur die eine Erklärung, die auch der Zeuge Schiller gab: wenn etwas geschah, drehte sich der Offizier um. wenn er dann nichs sah, so muß er doch etwas gehört habe». Unter diesem Gesichtipunlt möchte ich ein paar Worte über die Ailsränmung des Lauzeratsche» Lolals sagen. Die Ausräumung begann damit, daß die Gäste so» fort mit dem Säbel über den Kops geschlagen wurden. Als erster bekam der alte Herr Otto Säbelhiebe. Er wandte sich an den Polizeileutnant Folte, der ihn zufällig kannle und der darauf zu den Schutzlenten sagte: dann lassen Sie den Herr» in Ruhe. Al« sich Herr Otto für einen gleichsfolls mißhandellen Handwerksmeisler ver- wandle, gab Polizeileuinant Folte die Anweisung: dann lassen Sie de» Herrn auch in Ruhe. Alio nur die, welche der Polizei- leutnanr kannte, wurden in Ruhe gelassen. Man vergleiche mit den Angaben der Zeugen, welche im Lanzeratschcn Lokal miß» handelt wurden, die Aussagen deS PolizeileulnaniS Heck IL Nach seiner Angabe hat er erst den Wirt aufgefordert, das Lokal räumen zu lassen. der Wirt habe Einwendungen gemacht. Dann will der Polizeileutnant die Gäste aufgefordert Koben, das Lokal zu verlassen, dann soll sich ein wüstes Geichrei erhoben haben, und dann erst soll eingehauen worden sein. Als dem Polizeileutnant Heck II die Ans- sage deS ginimermeisters Otto vorgehalten wurde, daß die Polizei sofort beim Belrete» deS LokalS losschlug, da schränkt« der Polizei- lcutnant seine Aussage ei» und sagte: Vielleicht war ich nicht als erster im Lokal und habe deshalb nickt gesehen, waS vorher geschah. Ja, wen» daS so war, dann mußte daS der Polizeileutnant doch gleich sagen. Dann wäre doch die ganze Sache anders gewesen. Aber das kam erst heraus, als wir den Polizeileutnant Heck II ganz gehörig>»s Kreuzfeuer genommen hatte. Dann sagte er, den Beamten sei Widerstand durch— Worte geleistet worden. Eine ganz neue Art von Widerstand. Aus weitere Fragen sagte er: unserer Aufforderung lvurde nicht Folge geleistet. Nack dem Polizei« leutnant Heck erscheinen dann der Schutzmann Walter, der genau mit denselben Worten wie der Polizeileutenant, als wenn er es nus» wendig gelernt hätte, die Angaben des LeutnaiilS bestätigte. Aber der Schutzmann wußte nicht, daß Leutnant Heck seine erste Aussage bereits geändert hatte. Er machte seine Aussage ohne diese Aenderung. Mit dem Leutnant an der Spitze, sagle er, betraten wir das Lokal. Ich muß sagei», es ist deprimierend, aber es ist auch charakteristisch, daß gebildete Leute von der amtlichen Stellung eines PolizeileulnaniS, die sich doch vor der Verletzung ibrer Eidespflicht geschützt sehen müssen. solche Aussagen machen. Wer kann jetzt noch zweifeln. daß für die Richtigkeit der Angaben des Polizeileutnants Heck und der Schutzleute jede Möglichkeit fehlt? Die Schutzleute wollen sogar angegriffen sein im Lokale. Das ist nicht anzunehmen. Aber wenn wirklich einer der Gäste sein Glas zur Abwehr erhoben oder meinetwegen einem der brutalen Angreifer eS an den Kopf geworfen hätte, so wäre immer noch nicht das. was die Schutzleute behauptet haben, baß in und vor dem Lokale fürchterlich geprügelt worden ist. Aber davon hat weder der Polizei- leutnant Folte noch der Polizeileutnant Heck etwas gesehen. Diese merkwürdige Gedächtnisschwäche von Polizeibcamten kehrt auch in anderen Fällen wieder. So war eS im Falle, wo Polizeileutnant Folte im Lokale von Pflaumbaum einen Mann festnahm, der schon eine Viertelstunde lang im Lokale war. Polizei- leutnant Folte aber behauptete, der Manu habe ihn vor der Tür soeben geschimpft und er sei ihm sofort ins Lokal nachgefolgt. Ebenso»iegt e« mit den Bekundimgeit. die Frau Pflaumbaum be- züglich des itrimiiialkommissars Werner machte. Auch Herr Werner kann sich dessen nicht erinnern, was Frau Pflaumbaum positiv be- kündete. So ist es auch mit dem Polizeileutnant Kühn«. Er kann sich der vom Zeugen ErdmannSdörffer bekundeten Mißhandlung absolut nicht erinnern. Ich verweise ferner auf die geradezu ab- fcheulichen Mißhandlungen des jungen Barsch. Er slüchiew hie Treppe hinauf, wurde von Schutzleuten verfolgt und kam mit schwere» Kopfwunde» zurück. Aber krincr der Schutzleute, die mit ihm zu tun hatten, will ihm die Wunde beigebracht haben. Sie alle behaupten: als wir herankamen, hatte er die Wunde schon. Das ist eine ganz unerhörte Jrrefithrung des Gerichts. Der junge Wann ist zweifellos mißhandelt worden von den, Schutz», an», der ihn festnahm. Etwas anderes ist gar nicht möglich. Ich könnte noch viele solcher Fälle anführen. Ich muß mich aber mit dem Gesagten bescheiden. Immer wenn ein Lokal ausgeränmt wurde, sahen die Beamten, daß ans dem Lokal ge- warfen worden. Hält man ihnen dann vor, daß dies„ach Lage der Sache ganz unmöglich ist, dann heißt eS: v»r den. Lokal ist geworfen worden. Ja wenn das wahr wäre, dann hätte es doch von vorn- herein gesagt werden müssen. Das muß doch jeden, Polizeibeamten klar sein, daß es ein Unterschied ist, ob aus dein Lokal oder aus einem Raum vor dem Lokal geworfen worden ist. Sie sahen das aber nicht, um zu beschönigen, daß sie grundlos und rechtlos eingedrungen sind und grundlos und rechtlos eingeschlagen haben. Diese Versuche, für die eigenen strafbaren Handlungen eine Aus- klucht zu finden, macht keinen guten Eindruck und läßt mir einen großen Teil der Ausjagen von Polizribeamten suspekt erscheinen. Nun noch ein Wort über die Berufung auf den großen Unbekannten. Es sind uns viele Fälle bekundet worden, daß Kriminalbeamte mit Stocken und Gummiknüppeln aus das Publikum«ingchauen haben. Diese Bekundungen sind nicht abzustreiten, aber es sollen— falsche Kriminalbeamte gewesen sein. Ja. glaubt denn einer noch an dieses Märchen? Herr von Reitzenstein hat allerdings einen ein- zigen Fall angeführt, wo er einen falschen Kriminalbeamten ent- deckt haben will. Aber diese einmalige Beobachtung ist doch nickst imstande. Hunderte von Fällen zu widerlege», wo Leute, die zweifel- loS als Kriminalbeamte erkannt worden sind, die rohesten Mißhand- lungen ausgeübt haben. Man kann doch nicht glauben, daß sich die Polizei sortgesetzt durch falsche Kriminalbeamte hat foppen lassen! Uebrigens kann man ja gar nicht wissen, ob der Mann, von dem Herr von Reitzenstein sprach, nicht ein Vigilant. oder wie der Ber- liner sagt, ein Achtgroschenjunge gewesen ist. Diese dürfen sich ja nicht als Leute, die mit ber Polizei in Verbindung stehen, zu er- kennen geben. Roch einen Fall muß ich erörtern. Daß ist die Mißhandlung der englischen Journalisten. Unzweifelhaft haben die Herren ihre Prügel gekriegt, unzweifelhaft ist ihr Auto zerhauen und unzweifelhaft mußte es auf das Kom- mando des Polizeibeamter, halten. Und dann wurde auf die In- fassen losgehauen, die keine» Anlaß dazu gegeben hatten. Run kommt die märchenhafte Erzählung von eine». Stein, der aus dem Auw geflogen sein soll, ber aber eigentlich kein Stein war, sondern eine in Lcder gehüllte Masse. Als uns dies Märchen erzählt wurde, machte ich die Bemerkung, ob vielleicht einer der Herren im Auw den Beamten seine gefüllte Börse zugeworfen habe. Die Geschichte ist nicht wahr. Der Schutzmann, der den Stein gesehen haben will, war so aufgeregt, daß ihm seine Phantasie einen Streich spielte. Ein ganz ähnlicher Fall ist ja mit einem Auw an der Sickingen- straßc passiert. Ich bin uberzeugt, in diesen Fällen handelt es sich nicht um einen Zufall, sondern um einen Befehl, gegen Leute in Autos besonders scharf vorzugehen. Das ist vielleicht darauf zurück- zuführen, daß man in den Autos sozialdemokratische Führer der- mutete. Die Verantwortung für dies« Fälle liegt Wohl nicht bei den Schutzleuten, sondern an einer höheren Stelle. Wenn man sieht, wie die Polizei bis an die höheren Stellen sich nicht dazu bequemt hat, offen und rückhaltlos sich bei den englischen Journalisten zu entschuldigen, sondern noch die prügelnden Beamten zu decken sucht, und es so hinstellt, als ob die verhauenen Journalisten eigentlich die Schuldigen waren, dann kann man sich nicht wundern, wenn unter- geordnete Organe, Subalternoffiziere und Schutzleute im Range ehemaliger Unteroffiziere es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Vorsitzender: Ich muß es zurückweisen, daß hier in ziem- lich deutlicher Weise dem Polizeipräsidenten Unwahrheit vorgewor- fen wird, um so mehr, da es sich um eine Angelegenheit handelt, die hier nicht erörtert worden ist. Die Antwort des Polizeipräsidenten, bezw. die Auskunft, die er dem Reichskanzler gegeben hat, ist nicht Gegenstand der Beweisaufnahme gewesen. Rechtsanwalt Heine(fortfahrend): Das ist richtig. Aber die Herren Staatsanwälte haben ja auch manches gesagt, was in der Verhandlung nicht erörtert worden ist.— Ich muß noch darauf hinweisen, daß sich die Polizribeamten in dieser Sache als Partei fühlen und es auch sind. Wenn man jemand nachsagt, er habe durch seinen Eingriff zur Berschlimmerung der Krawalle beigetragen, dann fühlt er sich eben als Partei. Ich würde den in Frage kom- inenden Beamten gern mit einem mitleidigen Lächeln zugestehen, daß nicht alles wahr ist, was sie aussagten. Aber da die Aussagen unter Eid abgegeben worden sind, erhalten sie ei» recht un- erfreuliches Gesicht. Die Aussagen, daß Beamte Mißhandlungen nicht gesehen haben, die glaube ich nicht. Sie sind einfach unwahr. Nun muß ich noch über das letzte Aufgebot des Polizeipräsi- denten sprechen. Als wir einige Tage verhandelt hatten, erschienen die Zeugen, die sich aus den Aufruf des Polizeipräsidenten in der TageSprrsse gemeldet hatten. ES ist dies ein unerhörter Borgang. Daß sich die Verteidiger, denen keine öffentlichen Hilfsquellen zur Verfügung stehen, durch die Presse an die Kreise wenden, die etwas wissen können, ist ja selbstversländlich. Daß aber die Be- Hörde, die über Zehntausende von Hilfskräften verfügt, zur Herbei- schafsung von Zeugen nach einer wochenlanaen Voruntersuchung und nachdem schon Zeugen in der Hauptverhandlung vernommen worden sind, die Zeitungen in Anspruch nehmen mutz, das ist immerhin etwas, was den Rri, der Neuheit hat. Ich mache dem Polizeipräsidenten daraus keinen Vorwurf. Er mag sich seine Zeugen suchen, wie immer er will. Diese Zeugen haben nun ihre Aussagen gemacht. Sie waren die Triarier, welche die Schlacht rette» sollten. Aber ich finde, sie haben sie nicht gerettet. Sic haben größtenteils nur negative Aussagen gemacht. Nie haben sie etwas Böses von der Polizei gesehen. Sie waren ja auch nicht zu den Zeiten da, wo sie etwas sehen konnten. Sie wurden höflich durchgelassen, weil sie schon nachmittag? vor 4 Uhr kamen, und auch durch ihre Kleidung einen guten Eindmck machten. Wenn noch hundert solcher Zeugen gekommen wären, so würden sie an den p o s i t iv e n Bekundungen anderer Zeugen nichts ändern. Zwei Zeugen oder auch nur einer, der etwas gesehen hat, ist mehr wert wie h u n d e r t, die n i ch t s gesehen haben. Wir bezweifeln nicht, daß eine Reihe von Leuten höflich durchgelassen wurden; wir wissen aber auch, daß andere dabei verhauen wurden. Wir behaupten ia auch nicht, daß die Polizei schon nachmittags Ausschreitungen begangen habe. Aber abends»ach 1l> Uhr, wo die Beamten sich ohne Zeugen wähnten, da sind Ausschreitungen der Beamten in großer Zahl vorgekommen. Einige dieser Zeugen der- dienen eine nähere Beleuchtung. Da ist Herr Berthold, der Korre- spondent von Zeitungen, die aus eigenein noch etwas hinzulügen zu den Schauergeschichten, die ihnen ihr Korrespondent berichtet. Herr Berthold will ja den Mann mit dem Spitzbart gesehen haben, den er für den Anführer der Moabiter Unruhen hält, was er daraus folgert, daß er diesen Mann eines Tages am Anhalter Bahnhof traf und an diesem Tage keine Unruhen vorgekommen sind. Also— sagt Herr Berthold— war dieser Mann der Führer der sozialdemokratischen Revolution! Dann der Jüngling ohne Mitleid, der Steuersuper numerar Krieger. Sie werden keine große Meinung gewonnen haben, von seiner Fähigkeit, logisch zu denken. Denn er antwortete auf die Frage, ob das Publikum sich nicht aus Mitleid um die Verwundeten kümmerte: mit solchen Leuten habe ich überhaupt kein Mitleid. Es ist schlimm, wenn jemand, der 20 Jahre alt ist, mit Leuten, die die Spuren von Säbelhieben auf oem Kopf tragen und blutende Wunden haben, kein Mitleid empfindet. Wer seinen Mangel an Mitleid fo ge- flissentlich zur Schau trägt, dem glaube ich überhaupt nichts. Der Buchhalter Klingbiel fand, daß die Polizei das Publikum viel zu milde behandelte. Ein anderer Zeuge sagte, Zeder Schutz- mann habe sich wie ein Gentleme» benomiu�n. Ich glaube, das werden die braven Schutzleute selbst nicht behaupten. Leute, welche wünschten, daß die Polizei energisch Ordnung schaffte, wurde» doch von Entsetzen gepackt, als sie sahen, daß die Polizei in einer Art Ordnung zu schassen suchte, die schlimmer war als das, was vorher die Rowdys taten. Wenn man die Aussagan der Polizeizeugen denen gegenüberhält, die die von uns geladenen Zeugpn gemacht haben, dann fällt die Wage entschieden zu unseren Gunsten. Er- schwert ist uns die Beweisführung dadurch, daß der Polizeipräsident in vielen Fällen die Genehmigung zur Aussage der Beamten ver- weigert hat. Daß steht in einem unerfreulichen Gegensatz zu der loyalen Art der Beweisführung, die uns das Gericht eingeräumt hat. Hier schließt die Sitzung. Rechtsanwalt Heine bricht seine Rede'ab. Er wird sie w der heutigen Sitzung, welche um O'A Uhr beginnt, fortsetzen._ Stadtverordneten-Versammlung. 1. Sitzung vom Donnerstag, den ö. Januar 1911, nachmittags 5 Uhr. Die Sitzung vom bisherigen Vorsteher Michelet eröffnet. Es liegt ein von allen Fraktionen unterstützter dringlZcher Antrag Cassel-Borgmann-Momn, sen-Rosenow- Deutsch vor. für di? Beratung der aus Anlaß des geplanten Zwangszweckverbandes Groß-Bexlin zur Wahrung der Interessen Berlins und Grotz-Berlins notwendig werdenden Maßnahmen eme gemischte Deputation einzusetzen.. Der Vorsteher Michelet bringt darauf vor dem Eintrihi in die Geschäfte ein dreisaches Hoch auf den Kaiser aus. und hegt dann den Vorsitz„jeder; die weitere Verhandlung leitet der bisherige Stellvertreter Cassel. Unsere Genossen betraten e�st nach dem Kaisxrhoch den Saal. Hieraus wird zur Wahl des Vorstehers geschritten- Ihr Er- gebnis ist die Wiederwahl des bisherigen Vorstehers Michelet, der von 74 gültigen Stimmen 71 erhält, während 3 zersplittern; 26 Stimmzettel sind unbeschrieben. Stadtv. Michelet erklärt denkend die Annahme der Wiederwahl und versichert seinen festen Willen, stets die Geschäfte, unparteiisch zu handhaben. Zur Wahl des Borstcher-Stellvertreters schlägt Stadtv. Bruns(Soz.) namens seiner Freunde den Kollegen Singer vor und erklärt dabei: Dieser Vorschlag richtet sich nicht gegen die Person oder die Amtssührung des Stadtv. Cassel, sondern wird gemacht, weil wir es für gute parlamentarische Gepflogenheit halten, wenn die Fraktionen auch im Vorstand ihrer Stärke nach mit Aemtern betraut werden. Stadtv. Mommjen(Fr. Fr.) schlägt die Wiederwahl Cassels vor.— Die Zettelwahl ergibt: 77 Stimmen für Cassel, L7 für Singer: Borgmann(Soz.) und Dove(A. L.) erhalten je eine Stimme: 3 Zettel sind weiß. Stadtv. Cassel nimmt die Wiederwahl dankend a n. Um Z47 Uhr findet die E i n f ü hr u n g der drei n e u g e- wählten Stadträte Professor Preuß, Runge und Panofsktz durch den Oberbürgermeister K i r s ch n e r statt. Als Beisitzer fungierten bisher Gerjcke(Fr. Fr.), Frick (N. L.) und Liebenow(A. L.). Stadtv. Cassel bringt einen auch von den Stadtvv. Bruns, Mommsen, Deutsch und Rosenow unterstützten Antrag ein, den§ 7 der Geschäftsordnung dahin zu ändern, daß statt drei Beisitzer hin- fort deren vier gewählt werden sollen. 'Vorsteher Michelet hält den Antrag für diskutabel, sofern ein Widerspruch aus der Mitte der Versammlung nicht erfolgt, da die Versammlung bezüglich ihrer Geschäftsordnung souverän sei.— Ein Widerspruch wird von keiner Seite erhoben; die Versammlung tritt in die Beratung ein. Stadtv. Cassel: Es hat sich bei den Antragstellern mit Zustim- mung der Fraktionen, deren Vorsitzende sie sind, das Bedürfnis herausgestellt, die Zahl der Beisitzer zu vermehren, um emer großen Gruppe der Versammlung die Möglichkeit zu geben, unter den Beisitzern vertreten zu sein. Natürlich kann der Antrag erst nach Zustimmung des Magistrats in Kraft treten. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Auf Vorschlag des Stadtv. Mommsen werden hierauf durch Zuruf als Bersitzer die Stadtvv. Gericke, Frick und Liebenow wieder- und Stadtv. Bruns(Soz.) neuaewählt. Die Wiederwahl der Beisttzerstellvertreter Bracke(N. L.), Schulz und Alt(A. L.) erfolgt ebenfalls durch Zuruf. Die ordentlichen Sitzungen der Versammlung werden auch im Jahre 1911 an den Donnerstagen, von S Uhr nachmittags ab, stattfinden. Die ständigen, sowie die im Laufe des Jahres 1919 eingesetzten Spezialausschüffe und gemischten Deputationen, die ihren Auftrag noch nicht erledigt haben, werden in ihrer bisherigen Zusammen- setzung mit geringen Modifikationen bestätigt. Ebenso verbleibt es hinsichtlich der Zuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder der Versammlung behufs der Ausführung von Recherchen bei den bis- herigen Abmachungen. Nach Erledigung dieser Formalien tritt die Versammlung in ihre Geschäfte em. Dem Stenographen der Versammlung, Rindermann, der in diesen Tagen als solcher sein LSjährigcs Jubiläum begangen hat, spricht der Vorsteher dazu den Dank und Glückwunsch der Ver- sammlung aus. Zur Verhandlung gelangt zunächst der vorerwähnte dringliche Antrag, den wir in der Donnerstagnummer bereits im Wortlaut mitgeteilt haben. Stadtv. Cassel: Die Regierung beabsichtigt bekanntlich, einen Zweckverband von Berlin und den benachbarten Gemeinden und Kreisen gur gemeinschaftlichen Wahrnehmung kommunaler An- gelcgenheiten zu bilden. Als solche Zwecke sind in Aussicht ge- nomine»: die Regelung von LerkehrSverhältnissen, die A u f st e l l u n g von Bebauungsplänen, die Erhaltung von Wäldern und Freiflächen. Diese Zwecke greifen so tief in die Finanzgebarung und Selbstverwaltung der Gemeinden ein, daß sie den Gegenstand besonderer Beachtung uitzd Beratung seitens der städtischen Behörden bilden müssen. Der Magistrat hält schon Beratungen über den Entwurf ab; wir glauben aber, es muh zweckmäßig erscheinen, daß auch die Gemeindevertretung ihre Stimme dazu erhebt, und daß beide städtischen Behörden die vorbereitenden Schritte tun. Diese Stellungnahme mutz erfolgen im Interesse des gesamten Groß-Berlin wie auch der Stadtgemeinde Berlik und nach Richtung der Wahrung der Selbstverwaltung aller beteiligten Kreise und Verbände. In dem Antrage haben wir aber auch zum Ausdruck gebracht, daß die geeigneten Wege eingeschlagen werden sollen, damit wir den Wortlaut des Entwurfs vor seiner Einbringung in den Landtag kennen lernen.(Lebhafte Zustim- mung.) Es sind zwar bei den Vorbesprechungen im Ministerium Vertreter Berlins zugezogen worden; aber Beschlüsse sind da nicht gefaßt worden und wir wissen nicht, welche der gegen den Entwurf gemachten Einwendungen seitens des Ministers berücksichtigt werden oder nicht; wir haben keine Kenntnis, wie der Entwurf aus- gestaltet werden soll. Daß wir vor der definitiven Gestaltung des Entwurfs gehört werden, ist eigentlich selbstverständlich; wir dürfen doch nicht schlechter behandelt werden als andere Landesteile und Provinzen, denn Berlin mit seinen Vororten ist doch nicht etwa bloß eine quontite neslieeoble. Unsere Stellungnahme muß auch eine rechtzeitige sein, denn wenn die Vorlage erst an den Landtag gelangt ist, ist für uns die Frist zu einer gründlichen und begründeten Stellungnahme nicht mehr gegeben, wie dann ja auch die Stellungnahme des Staatsminiftrrrums bereits feststeht, auf das wir doch gerade einen Einfluß gewinnen wollen. Wir wünschen die Deputation aus 12 Stadtverordneten und 6 Magistratsmitgliedern zusammen- zusetzen und die elfteren schon heute durch den Borstand ernennen zu lassen. Oberbürgermeister Kirschner: Ich Habe keinen Zweifel, daß der Magistrat dem Antrage, wenn Sie ihn annehmen, sehr gern beitreten wird. Ich hoffe, es wird möglich sein, die gemischte De- putation bereits Sonnabend zusammentreten zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Der Antrag wird darauf einstimmig angenommen. lieber die Ausschußverhandlungen betr. den Verkauf des städtischen Scheuneuviertelgeländes berichtet Stadtv. Groncwaldt(A. L.). Nach wiederholter Beratung ist der Ausschuß zu dem Ergebnis gelangt, der Versammlung vorzu- schlagen, die Offerte der„Neuen Bodengcsellschaft" abzulehnen und die güustigere der Herren L i p p m a n u und L u ck n e r anzu- nehmen, welche 7 699 999 M. geboten haben, wovon 1 459 999 M. bar angezahlt werden sollen, während der Rest spätestens bis 1. Ja- nuar 1916 zu zahlen und bis dahin mit 4 Proz. zu verzinsen ist. Die Genannten haben 369 909 M, Kaution bestellt, die verfallen soll, wenn sie die Auflassung nicht rechtzeitig entocgennehmen. Vor Eintritt in die Beratung verliest Oberbürgermeister Kirschner unter zahlreichen„Hört! hört!",„Aha!" und wiederholter Heiterkeit in der Versammlung ein ihm heute von der..Neuen Boden-Aktien-Gesellschaft" zugegangenes Schreiben, worin sich diese zu sehr wesentliche,, Modifikationen ihrer Offerte bereit erklärt. Sie bietet u. a. eine Erhöhung der baren Anzahlung von 679 999 auf 1 799 999 Mk. und Verzinsung des Nestes zu 4 Proz., Verzicht auf ihre Forderungen wegen der Wer�zuwachssteuer, Erhöhung des Gebots auf 7 Millionen Mark nebst Gewinnbeteiligung in Höhe von 39 Proz. des Reingewinns, eventuell sogar garantiert, an. Es liegt ferner ein Antrag Arons vor, unter Ablehnung des Ausschußantrages die Bebauung in städtischer Regie zu beschließen. Auf Antrag Jacob,(A. L.) wird die Angelegenheit mit samt- lichen Anträgen dem Ausschuß zurückgegeben. Zur Kenntnisnahme vorgelegt ist die Uebersicht über die Klassenbesetzung der Gemeindeschulen am 1. November 1919. Ohne Debatte wird die Uebersicht zur Kenntnis genommen. Vom 1. April 1911 soll das öffentliche Anschlagwcsen wiederum auf zehn Jahre an die Firma Nauck u. Hartmann für die jährliche Pacht von 549 999 M. übertragen werden. Die Erwägungen de? Magistrats über die Zweckmäßigkeit der lieber- nähme in städtische Regie haben zu einem negativen Resultate geführt. Stadtv. Nosenfeld(Soz.): Wir halten Ausschußberatung für durchaus„otwendig, weil die Begründung uns ungenügend er- scheint.(Die in der Versammlung entstandene große Unruhe dauert an.) Wir erfahren von der angestellten Erhebung nur das Ergebnis, möchten uns aber selbst ein Urteil darüber bilden, ob dieses Ergebnis richtig gezogen worden ist. Der Magistrat hätte schon deshalb ausführlicher sich darüber äußern müssen, weil wir schon seit 29 Jahren die Uebernahme des Anschlagwesens in die Regie der Stadt verlangt haben. In einer so wichtigen Angc- legenheit muß die Allgemeinheit genau auch über die Einzelheiten unterrichtet sein. Derartige Unternehmungen sollten von den Kom- munen nicht freiwillig aus Händen gegeben werden. Es ist höchst bedauerlich, ein so gutes Unternehmen wie dieses Privaten zu überlassen. Die Pachtsummen sind von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ungeheuer gestiegen; 1891 waren es 255 999 M., jetzt soll die Pacht- summe von 499 999 auf 549 999 M. erhöht werden. 1891 wurde die Pacht um über 299 999 M., 199l um 14o 999 M. erhöht; jetzt soll die Erhöhung bloß 149 999 M. betragen. Unsere Fraktion nimmt zum Teil für sich das Verdienst dieser Steigerung in Anspruch, aber wo diese Gewinne so sicher sind, sollte die Stadt um so mehr die Sache selbst in die Haud nehmen, zumal betriebstechnische Schwierigkeiten nicht bestehen.(Der Vorsteher sucht wiederholt mehr Ruhe zu schaffen.) Es gibt bisher nur drei Städte, welche die Berstadtlichung durchgeführt haben; in allen drei Städten ver- bleibt man bei der eigenen Regie. Selbst aber wenn der Betrieb durch die Gemeinde finanziell weniger günstig wäre, so würden dann doch die Klagen über die die Bürgerschaft einschränkende Zensur der Monopolfirma Nauck u. Hartmann aufhören. Diese Zensur wird von der Bürgerschaft aufs drückendste empfunden. aber eS hat sich an der rigorosen Art ihrer Handhabung nicht daS geringste geändert. Es wurde z. B. verboten, eine Versamm- lung anzuzeigen mit dem Thema:„Die Sünde» der liberalen Stadtverordneten"(Hört! hört!). In den letzten Jahren haben wir auch beim Wahlrechtskampf mancherlei Schwierigkeiten auf diesem Gebiete gehabt. Auch das Thema:„Die preussifche Miss- Wirtschaft und das preußische Bvlk" erschien der Firma als ein Verstoß gegen die Gesetze. WaS hat der Magistrat in diesem Falle getan, um Remedur zu schaffen? Schon 1899 hat ein Magistratsvertreter erklärt, daß er auch ohne formelle Beschwerde gegen die Firma einschreite» werde. wo ihm bekannt wurde, daß die Zensurbefugnis überschritten wurde. Wir sehen also einer Auskunft des Magistrats über diese Beschwerde entgegen. Eine» Erfolg unseres Vorgehens können wir heute schon konstatieren: die Firma Nauck u. Hartmaun hat in den letzten Wochen den Buchdrnckcrtarif anerkannt, wozu sie bisher nicht zu bewegen war. Es müßte aber mindestens außer der Pacht auch eine Beteiligung an dem Mehrverdienst zu erlangen sein, eS müßte die Kaution entsprechend der höheren Pacht über 59999 M. hinaus erhöht werden, besonders da der Vertrag ja auch nach dem Tode der jetzigen Firmeninhaber auf die Erben übergehen soll. Schließlich erscheint uns die Vcrtragsdauer als zu lang; die Jnter- essen der Stadt würden besser gewahrt werden bei einer kürzere» Dauer, etwa von 5 Jahren. Stadtrat Düring: Wir sind dem Fall„Die preußische Mißwirt- schaft und das preußische Volk" tatsächlich seinerzeit näher getreten. Die Firma setzte uns in eingehender rechtlicher Darlegung aus- einander, daß sie genötigt gewesen sei, dieses Plakat zurückzuweisen. Auf die Darlegung der Rechtsfrage möchte ich hier nicht eingehen, da die qu. Bestimmung des Pretzgesetzes und namentlich ihre Aus- legung mehr als zweifelhaft sind. Wir haben der Firma mitgeteilt, sie fei unseres Erachtens zu weit gegangen; die Firma hat daraus n. a. eine Aeußerung des Polizeipräsidenten beigebracht, wonach dieser ihren Standpunkt für den richtigen halte.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Zu der Anwendung des Konventionalstrafpara- graphen sind wir nicht geschritten, weil es der einzige Beschwerdefall n, den zehn Jahren war. Die Unsicherheit der Rechtslage ändert sich übrigens in keine», Punkte, wenn der Magistrat das Anschlag- Wesen übernimmt. Eine Abkürzung der Vertragsdauer würde natürlich auch eine wesentliche Reduktion des Pachtpreises bedeuten. Daß die Uebernahme dieses Betriebes in städtische Regie sich empfehle, hat der Magistrat nicht annehmen können. Die Frage selbst ist für ihn keine Prinzipienfrage. Stadtv. Jacobi(A. L.) bekämpft den Vorschlag ber sozial- demokratischen Fraktion mit den bekannten Argumenten. Die Stadt müßte bei eigener Regie auch eine eigene Druckerei einrichten. Auch beständen doch immer noch die alten Preise für die Anschläge. Er bittet, die Vorlage ohne Ausschuß anzu- nehmen, ebenso Stadtv. Mommsen, der diesen Betrieb für besonders ungeeignet für städtische Regie hält und nicht unnütz den Konfliktsstoff mit der Polizei vermehren will. Stadtv. Nosenfeld: Nach den Ausführungen des Stadtrats hätte ich eigentlich erwartet, daß er die Kommunalisierung für sehr notwendig erklären würde.(Lachen bei der Mehrheit.) Er hat zugegeben, daß es praktisch durchaus möglich wäre, das An- schlagwesen auch heute schon zu verstadtlichen. Bor der eigenen städtischen Druckerei scheuen wir uns nicht.(Zuruf Natürlich!) Kollege Jacobi meinte,.wir, die sozialdemokratische Partei, hätten mit eigenen DruckefiWt ungünstige Erfahrungen gemacht: der Kol- lege Jacobi als Vertreter des ReichsvcrbandeS gegen die Sozial- demokratie!(Heiterkeit bei den Soz.) Es kann doch nur der Maß- stab angelegt werden, ob die Stadt, die eigenen Regiebetrieb hat, damit zus ieden ist oder nicht, und der Stadtrat hat nicht mitge- teilt, ob die Städte, welche ihn haben, sich dabei zufrieden fühlen. ©eljr WIereffanl Kar fa, Satz Set StanSpunkt Set Firma Sie allerhöchste Billigung des Polizeipräsidenten gefunden hat; aber über- rascht hat es mich doch> daß der Magistrat sich die Berufung auf eine in der Richtung der Wahrung der Interessen der Bürgerschaft so wenig einwandssreie Person gefallen lätzt.(Grotze Unruhe.) Der Magistrat hat also gemeint, das sei ein Milderungsgrund für die Firma und brauche also die Vertragsstrafe nicht einzutreten. Der Magistrat hat sich hier also nicht stark genug gezeigt, dem Polizeipräsidenten gegenüber die Rechte der Bürgerschaft wahrzu- nehmen. Das können wir nicht billigen. Will mau vielleicht auf d i e Weise Konfliktsstoff beseitigen, daß man gar nicht erst etwas tut, was im Interesse der Bürgerschaft liegt?(Stürmischer Widerspruch bei der Mehrheit.) Wir verlangen bei unserem Antrag auf Ausschutzberatung dieselbe Riirksicht von Ihnen, die wir Ihnen stets auch gewähren.(Fortgesetzter Widerspruch.) Wenn Sie von Ihrer Mehrheit Gebrauch machen, wenn Sie das Privatkapital so weiter begünstigen: die Bürgerschaft wird es sich inerken!(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Der Antrag der Sozialdemokraten auf Ausschutzberaiung wird abgelehnt. Der sofortigen Vornahme der zweiten Beratung wider- spricht Stadtv. Rosenfeld; diese kann daher erst in der nächsten Sitzung erfolgen. Für eine grotze Anzahl von Rechnungen wird gemäß dem An- trage des Rechnungsausschusses. Referent Stadtv. Deutsch(soz.- fortschr.), Entlastung erteilt. Das Gemeindegrundstück Wrangelstraße 85 soll der Deputa tion für die städtischen Fach- und Fortbildungsschulen überwiesen werden.— Die Versammlung stimmt zu. Der III. Internationale Kongres? für Säuglingsschutz wird vom II. bis 15. September in Berlin tagen. Ihm soll von der Stadt ein festlicher Em p f a n g in den Räumen des Rat- Hauses angeboten werden. Die Kosten dafür werden mit 10 OOQ Mark bewilligt, auch die Einsetzung einer gemischten Depu- t a t i o n zur Vorbereitung des Empfanges beschlossen. In die gemischte Deputation für die«orberatung der ZwangS- zweckverbandsfrage werden u. a. die Stadtvv. Borgmann, Bruns und Rosenfeld entsandt. Zur Beschlutzfassung steht ferner ein Abkommen mit dem Mili- tärfiskub ivege» Bebauung eines im Gefahrbereich des Tegeler Schietzplatzes liegenden Geländes. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Auf die unersättliche Raffgier des MilitärfiskuS wirft dieses Uebereinkommen ein grelles Schlaglicht. Der Magistrat will es uns dadurch schmackhaft machen, daß er dar- auf hinweist, auf dem Schietzplatz würde seit Jahren schon nicht mehr geschossen und das Gelände lieg« auch gar nicht ,m Schietz- bereich. Wenn es sich darum handelt, Böcke zu schießen, möchte ich vielleicht dem Magistrat die Palme reichen; aber ob dort noch ge- schössen wird, darüber mutz doch der Militärfiskus bester als die Berliner Stadtverwaltung orientiert sein. Es handelt sich darum, unser Eigentum, unsere Seamten und Arbeiter nach Möglichkeit vor Schaden zu bewahren. Wir müssen das Ab- kommen gutheißen, aber unsere Wasserwerksverwaltung mutz dafür sorgen, daß unsere Anlagen durch Schutzwehren oder sonstwie davor bewahrt bleiben, durch abirrende Geschosse getroffen zu werden. Die Tage, an denen geschossen werden soll, müssen der Wasserwerks- Verwaltung zur Kenntnis gebracht werden. Stadtrat Rast: Es kann sich da nur um kleinere Schietzübungen handeln, und die werden im„Tegeler Anzeiger" bekannt> gemacht. Außerdem liegt das Terrain gar nicht in dem Schietzbereich, und nur vorsichtshalber ist der Passus hineingebracht worden, dem wir uns wohl oder übel fügen müssen, wenn wir nicht am Weiterbau unserer Wasserwerke behindert sein wollen. Der Militärfiskus ist uns hier in jeder Beziehung entgegengekommen. Stadtv. Dr. Wehl gibt sich bezüglich der Erklärung über die öffentliche Bekanntmachung der Schießübungen zufrieden. Die Vor- läge wird genehmigt. Die Grundstücke Alte Jakobstraße K7 und 68 will der Magistrat �ür 300 000 bezw. 270 000 M. freihändig erwerben. Die Verbreite- rung der Straße ist an dieser Stelle, wo der Stratzenzug einen Knick aufweist, besonders dringlich, die gegenwärtige Breite beträgt nur 15 Meter. Von den 825 bezw. 701 Quadratmetern Fläche besitzenden Grundstücken sind je 37 Quadratmeter zur Verbreiterung er- forderlich. Stadtv. Manasse(Soz.) beantragt mit Rücksicht auf die tn den Grundstücken noch zum Teil bis 1915 laufenden Mietsverträge, über deren Ablösungshöhe nichts angegeben sei, Ausfchutzberatung.— Es Wird demgemäß beschlossen. Bei der Kranlenstation für geschlechtskranke Frauen im städt'- schen Obdach kann das Aerztepersonal(ein leitender Arzt, zwei Assistenzärzte) die Arbeit nicht mehr bewältigen, da der tägliche Kraukenbestand dauernd die für das Etatsjahr 1910 zugrunde ge- legte Kopfzahl um 50—70 überschreitet. Es soll deshalb sofort ein dritter Assistenzarzt angestellt werden, woraus für 1910 eine Etats- Überschreitung von 600 M. erwächst. Stadtv. Dr. Zadel(Soz.): Wir sind mit der geplanten Er- Weiterung einverstanden, möchten aber vorschlagen, statt des Arztes eine Aerztin anzustellen. Die Gründe dafür liegen nahe getiug; auch das Polizeipräsidium hat eine Frau mit diesen Untersuchungen betraut. Stadtrat Jacoby: Prinzipiell liegen Bedenken dagegen bei uns durchaus nicht vor. Wir werden jedenfalls auf den Vorschlag zurück- kommen, wenn sich eine passende Persönlichkeit finden sollte. (Beifall.)— Die Vorlage, wird angenommen. Gegen 9 Uhr wird die Sitzung unter Absetzung der übrigen Gegenstände von der Tagesordnung abgebrochen. Deutschen Reich, die in Regensburg stattfand, durch vier Vertreter, nämlich den ersten Vorsitzenden, je ein Vorstandsmitglied aus den Reihen der Versicherten und der Unternehmer und durch den Rendanten, zu beschicken. Auch gegen diesen Beschlutz hatte Dr. Weisker Beschwerde erhoben, der das Landratsamt wieder statt- gab. Da aber inzwischen der oben erwähnte Entscheid des Ministeriums ergangen war, hob der Bezirksausschutz die An- ordnung des Landratsamtes auf, so daß Dr. Wcisker zum zweiten Male abgeblitzt war. Bemerkt sei, daß sich die Kasse übrigens nicht hatte abhalten lassen, die Vertretungen in dem beschlossenen Umfange zu entsenden._ Stillprämien in Gera(Reuß). Seit dem 26. Juni 1910 besteht in Gera auf Beschlutz der Gemeindebehörden die Einrichtung der Stillprämien. Bis zum 31. Dezmber wurden 107 Anträge auf Gewährung von Still- Prämien genehniigt. Außerdem wurden 23 Extraprämien in Höhe von je 10 M. für 20 Wochen langes Stillen gewährt. Soziales. Unsittlicher Angriff gegen einen Lehrling. Unter Ausschlutz der Oeffentlichkeit verhandelte in ihrer letzten Sitzung die zweite Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts die Klage des Lageristen F. Blastmnnn gegen das Agenturgeschäft von Gerhardt u. Co. F. fechtet die sofortige Entlassung als ungerecht» fertigt an, indem er die ihm zur Last gelegten Verfehlungen de- streitet. Die Entlassung erfolgte, weil B. sich an dem bei der be- klagten Firma beschäftigten Lehrling T. unsittlich vergangen haben sollte. In der Beweisaufnahme wurde erst der Vater des jungen Menschen und dann der jugendliche Belastungszeuge selber der- nommen. Nach Schluß der eingehenden Beweisaufnahme verkündete der Vorsitzende das Urteil dahingehend, daß der Kläger mit seinem Anspruch auf Zahlung des Gehalts bis zum Ablauf der Kündigungs- frist abzuweisen sei. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß B. den Lehrling unsittlich berührt und auch unsittliche Redensarten ihm gegenüber gebraucht habe. Es handle sich dabei nicht etwa um Redewendungen, die vom Kläger in momentaner Unüberlegtheit leicht hingeworfen wurden, sondern das Gericht hat die Ueber- zeugung erlangt, daß die Worte aus einem unsittlichen und un- züchtigen Bestreben heraus gebraucht worden sind. Nach§ 62 ist der Prinzipal verpflichtet, für Anstand und Sitte im Geschäft zu sorgen. Kläger mutzte daher angesichts der schweren Verletzung der Moral B. sofort seines Dienstes entheben, ohne daß letzterer An- sprüche auf weitere Gehaltszahlung hat. Zurückgewiesener Eingriff in das Selbstverwaltungsreckit einer Krankenkasse. Wir hatten seinerzeit berichtet, daß das Fürstliche Landrats- amt in Gera(Reutz) alo Aufsichtsbehörde der Ortskrankenkasse der Landgemeinden in Gera und der Bezirksausschutz als Rekurs- behörde auf eine Beschwerde des Herrn Dr. Weisker der ge- nannten Kasse unterjagt hatten, mehr als einen Vertreter auf Kosten der Kasse zu einer Versammlung des Verbandes Thüringer Qrtskrankenkassen, die in Stadtilm stattfand, zu entsenden, daß aber diese Anordnungen der Behörden vom Fürstlichen Ministerium aufgehoben wurden. Die genannte Ortskrankenkasse hatte nun auch beschlossen, die letzte Versammlung des Verbandes von OrtSkrankenlassen im Gerichts-Zeitung» Wege» Milchpantfchcrei ins Zuchthaus. Das Landgericht Braunschweig hat am 29. September v. I. die Kotsasscnchefrau Tora Kraume wegen Betrugs und Vergehens gegen das NahrungSw'ttelgesetz sowie unternommener Verleitung zurn Meineid zu einem Jahre einem Monat Zuchthaus und 100 M. Geldstrafe sowie zwei Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Ihr Mann lieferte seine Milch einer Molkerei. Dieser fiel es auf, daß die Milch weniger Fettgehalt hatte, als erwartet werden mutzte. Es wurde dann festgestellt, daß die Angeklagte die im Laufe des Tages gewonnene Aiilch entrahmt und am anderen Morgen mit der frischen Milch zusammengegossen und dann an die Molkerei geliefert hatte. In bezug auf den Kotsassen B. hatte sie behauptet, er verfälsche seine Milch. Sic war deshalb wegen Beleidigung B.s zu 100 M. Geldstrafe vom Schöffengericht verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte sie Berufung eingelegt. Sie fürchtete, daß in der Verhandlung die Rade darauf kommen werde, daß sie selbst die Milch verfälscht habe. Deshalb redete sie ihrer früheren Dienstmagd, die als Zeugin geladen war, zu, vor Gericht nichts davon zu sagen, datz sie die Milch entrahmt habe. Im Gerichtsgebäude wiederholte sie ihre Aufforderung. Die Zeugm wurde üher diese Angelegen- heit nicht vom Gericht befragt.— Gegen das obenerwähnte Straf- kammerurteil hatte die Angeklagte Revision eingelegt. Das Reichs- gericht erkannte am Mittwoch auf Verwerfung des Rechtsmittels. Ankobern von Kurgästen strafbar? Eine Polizeiberordnung für Oynhausen verbietet es. sich auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufzustellen, um Kurgästen Wohnungsgelegenheit anzubieten. Wegen Uebertretung der Vor- schrist war Herr Schiveppe angeklagt worden. Die Strafkauimer in Bielefeld sprach ihn jedoch frei, weil eine solche Vorschrift ungültig sei. Das.Kammergericht hob dieser Tage das Urteil auf und ver- wies die Sache an das Landgericht zurück. Es sei sehr wohl denkbar. daß eine derartige Vorschrift in§ 66 des Polizeiverwaltungsgesetzes ihre Rochisstiitze finde, wenn sie den Zweck verfolge, dem Schutze Ner Leichtigkeit, Sicherheit und Ordnung des öffentlichen Verkehrs zu dienen. Ob das der Fall sei, müsse das Landgericht feststellen.— Huö aller Welt. Sckmocks I In ausführlicher Weise haben wir in unserer Nummer voin 1. Januar der Fünfmillionen-Stistung des amerikanischen Milliardärs Andrew Carnegie gedacht, deren Zweck es fein soll, würdigen" und„bedürftigen" Lebensrettern, die bei ihren heroischen Taten verunglückt sind, Unterstützungen zu gewähren. Wir waren uns bei Abfassung der Notiz zwar klar, datz manche bürgerlichen Gegner mit der an der beabsichtigten Verwaltung der Stiftung ge- übten Kritik nicht einverstanden seien, konnten aber nicht voraus- setzen, datz unter diesen Kritikern auch offenbare Analpha- beten zu finden wären. Entweder ist eS infame Bosheit oder bodenlose Unfähigkeit, wenn das unter unparteiischer Flagge segelnde elsässische Lokalblatt, die Stratzburger„Neuesten Nachrichten"— und mit ihm in trauter Uebereinstimmung der polizeifromme Hallesche„Generalanzeiger"— behauptet, datz der„Vorwärts" von der Stiftung keine Notiz ge- nommen habe. In einem„Herrenstifhing und Sozialismus" überschriebenen Artikel wird zunächst die Stiftung nach alle» Regeln der Kunst ge- lobt, um dann den„Vorwärts" folgendermatzen heranzuziehen: Merkwürdigerweise aber erwähnt das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der„Vorwärts", in feiner Neu- jahrsn ummer die Carnegie st ist nng nicht mit einem Wort. Er schweigt sich v o I lft ä n d i g darüber auS und bringt seinen Lesern überhaupt keine Silbe davon. Ist das Zufall oder Absicht? Schließlich kommt der Artikel nach allen möglichen Kopf- zerbrechen über die Motive, die uns zur Nichterwähnung veranlaßt haben könnten, zu einem Schlutz, der bei der Geistesarmut der beiden Blätter ganz eigenartig anmutet. Danach erwarte der„Vor- wärts" wahrscheinlich einen Gesetzentwurf, der den Lebensretter und und seine Hinterbliebenen gegen Tod und Not versichert. Wir müssen gestehen, datz sich der Schniock wirklich einmal eine einigermaßen richtige Idee abgerungen hat, oder sollte er bielleicht gar darum wissen, datz erst kürzlich in der ReichsversicherungS- ordnungskommission ein sozialdemokratischer Antrag gestellt worden ist, der in solchen Fällen den Geschädigten wenigstens die Vorteile des UnfallversicherungSgesetzeS zu- kommen lassen wollte? Freilich wurde der Antrag, da er Arbeiterinteressen wahrnahm, von den bürgerlichen Mit- gliedern der Kommission glatt abgelehnt. In Zukunft möchten wir Papieren vom Schlage der beiden Blätter nahelegen, ehe sie ihre Leser in so unverschämter Weise an« lügen, sich erst vom wahren Sachverhalt zu überzeugen. Freilich befürchten wir, datz das bei den geistigen Qualitäten der gestäupten Preßerzeugnisse ein unerfüllter Wunsch bleiben wird. Die l.onäonet' poUzeipreffc. Allgemach machen die Alarmnieldungen der reaktionären Presse über die blusigen Kämpfe mit„Anarchisten" einer etwas weniger phantasiereichcn Anschauung über den Londoner Polizeikampf Platz. Nur der Berliner Polizeimoniteur erhält andauernd die Gemüter seiner bedauernswerten Leser durch „Spezialdrahtberichte" seines Londoner Korre- spondenten— offenbar der Verfasser der beriichttgten Sherlock Holmcs-Geschichten— in fieberhafter Spannung. Immerhin ist auch bei diesem„bestinformierten" Berliner Blatte ein gewisses Abflauen der Sensationsmache zu bemerken, die zuerst unter dem schaurig-schönen Titel„Das Geheimnis der Londoner Anarchistenburg" die ungeheuren Funde von Bomben und anderen anarchistischen Mordwerkzeugcn zu melden wußte. Jetzt stellt sich heraus, datz diese Bomben nur in der erhitzten Phantasie von„Spezial- von G. Stille, Preußische Jahrbücher. Hest t. Bt>. 143.. Sans Delbrück. Erscheint jeden Monat. Vierteljährliö Berlin NW. 7. März. 5. Jahrg. Hest 1. Wocheuschrist, gegründet von A. Lange». ________ Herautgeber: L. Thoma, H. Hesse. bO Pf. A. Langen. München. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer». Co., Berlin SW»' Berichterstattern* dorn Schlage des„Berliner Lokal-Anzeigers" zu suchen sind. In der „Anarchistenburg" hat man v e r g e b li ch danach gesucht. Es tritt immer deutlicher hervor, datz die„blutgierigen Anarchisten" ganz simple internationale schwere Jungen sind, die sich von Einbrüchen schlecht und recht nährten. Wie eine Nachricht aus New Jork besagt, wollen die amerikanischen Detektivs in der Londoner Einbrecher- bände alte Bekannte wiedererkennen, die vor einiger Zeit jen- scits des grotzen Wassers ein Gastspiel absolviert haben. Natürlich wird sich die Londoner Polizei nach der in den Stratzen Londons aufgeführten Komödie schwer hüten, ihre Blamage einzugestehen. Auch in der Beziehung schlietzt sie sich ihren würdigen Vorbildern auf dem Kontinent an. Zum Blutbad in Taranto. Rom, 2. Januar.(Eig. Ber.) Das alte Jahr ist in Italien nicht zur Neige gegangen, ohne noch das Schauspiel eines neuen Exzesses der Truppen zu liefern. In Taranto ist, wie bereits telegraphisch berichlel wurde, bei Gelegen- heit einer Demonstration, auf die Menge geschossen worden. Man denke dabei nicht an eine politische Demonstration: es handelte sich um eine K u n d g e b n n g hungernder Fischer. Durch die Choleragefahr ist die Ausbeutung der Austernbänke im Golfe von Taranto ganz eingestellt worden. Die Unternehmer haben ihre Fischer einfach entlasfen und sie mitten im Winter dem Hunger überliefert. Da dieser ein schlechter Berater ist, so kam es bei Gelegenheit der Beerdigung einer Choleraleiche zu einer Art Aufruhr, bei dem die Straßenjugend sich der üblichen VandaliSmen, namentlich der Zerstörung der Laternen, schuldig machte. Am nächsten Morgen kam eS zu einer neuen Kundgebung auf dem Domplatz. Als die Menge vor einer Kaserne lärmte und einige Fensterscheiben einwarf, schössen die C a r a b i n i e r i aus den Fenstern. Es tvurden über vierzig Schüsse abgegeben. Drei Personen, darunter ein acht- jähriges Kind, wurden auf der Stelle getötet. Viele Per- fönen sind verwundet. Daß der Grund deSAnfrnhrs derStadtverwaltung sehr gut bekannt ist. zeigt sich daran, daß der Bürgermeister am Abend des 31., also gleich nach der Metzelei, durch Mauerauschlag die Eröffnung von V v l t S k ü ch e n bekanntmache» ließ. Der Hunger ist es, der diese Leute zu Unruhen getrieben hat und nicht die abergläubische Abneigung gegen die Maßregeln zur Cholera- Bekämpfung, wie die Behörden glauben machen wollen. Wenn eine Seuche nur dadurch bekämpft werden kann, daß man Hunderten von Personen die Existenzmöglichkeit nimnit, so ist es eben Pflicht der Regierung, diese Menschen anderweitig zu versorgen. Wenn man »ach dem Blutbad eingeräumt hat, daß Volksküchen not tun, so dürste man auch vorher von dieser Notwendigkeit etwas gewußt haben. Aus einer Kaserne auf hungernde DeMoiistranten schießen lassen, ist keine Regierungskunst, sondern ein Verbrechen. Schwere Dynamitexplofion im Bergwerk. In der Grube von L a I a n g u e(Provinz Luxemburg) find vier Arbeiter durch die Explosion einer Dynamitpatrone verunglückt. Einem wurde der Schädel zertrümmert, wobei das Gehirn herausspritzte. Die Arme wurden ihm vom Leibe gerissen und zehn Meter weit geschleudert. Er war sofort tot. Ein zweiter Arbeiter wurde unter einem Felsblock, der ein Gewicht von einer Tonne hatte, begraben. Seine beiden Beine wurden ihm glatt vom Körper abgeschnitten. Sein Zustand ist hoffnungslos. Einem dritten wurde das Rückgrat eingedrückt und auch der vierte erlitt lebensgefährliche Verletzungen am ganzen Körper._ Des Kaplans Abenteuer im Bade. Vor einigen Monaten erhob die ZentrumSprcsse ein großes Geschrei über einen Vorfall im Nürnberger Männerbad, der als ein neuer Beweis für die überall grassiereude Anfeindung der katholische» Religion ausgeschlachtet wurde. Ilnter den Badenden befand sich der katholische Kaplan Hart, dessen Eigenschaft als Geistlicher niemand erkennen konnte.->a er im Adamskostüm war. Unser 73 Jahre alter Genosse Siebert, der frühere Zentralvorsitzende des Schnhmacherverbandes, sollte, um dcn Kaplan zu beleidigen, schwere Beschimpfungen über die katholische Geistlichkeit verbrochen haben. Di« Sache hat wiederholt das Gericht beschäftigt, wobei sich herausstellte, daß uicht Sieberl, sondern umgekehrt der angeblich so schwer beschimpfte Kaplan der Be- leidiger war. Siebcrt wurde in beiden Instanzen von der An« klage der Beleidigung freigesprochen, weil sich die völlige Haltlosigkeit der Beschuldigung ergab. Nunmehr hatte sich der Kaplan, den Siebcrt seinerseits verklagt hatte, zu verantworten, weil er im Bade einen ungeheuren Skandal gemacht, Siebert wie einen Jungen angeschrien und von„Lümmeln" und„Nürnberger Pack" gesprochen halte. In der Verhandlung setzte ihm der Richter, der sich um einen Vergleich bemühte, auseinander, daß die Sache einen ziemlich ernsten Ausgang für ihn nehmen werde, worauf er sich schlietzlich erbot, Siebert sein Bedauern über die gebrauchten Ausdrücke auszil sprechen und samt- liche Kosten zu tragen. Da Siebert kein Interesse an der Bestrafung des Kaplans hatte, begnügte er sich mit diesem Widerruf._ Kleine Notizen. Im Gefängnis vergesset». Am 15. November wurde ein armer Teufel, ein gewisser Bultinoni, in Mailand verhaftet, ohne jedoch irgendwie verhört zu werden, oder auch nur Mitteilung über die gegen ihn schwebende Anklage zu erhalten. Der Verhaftete wandte sich in diesen Tagen an seine Verwandten und an die Behörden, bis sich herauSftellte. daß die Verhaftung auf Anzeige einer Geliebten des Mannes erfolgt war. daß aber durch einen Irrtum der Rapport an die Gerichtsbehörden unterlassen wurde. So hat man den Menschen, dem Bedrohung und Verletzung seiner Geliebie» zur Last gelegt wird, einfach im Gefängnis vergessen. Die ganze Familie erschossen. In dem' ungarischen Orte T a p o c z a hat der dortige Revicrjäger FarkaS aus bisher unbekannten Gründen seiue zwei kleinen Kinder sowie seine erwachsene Tochter erschossen. Seine Frau wurde durch mehrere Schüsse verwundet. Herbeigeeilte Stach- barn bcnachrichligien sofort die Polizei. Als diese an Ort und Stelle erschien, entspann sich ein Kampf zwischen FarkaS und den Gendarmen, wobei der ReVieri äger erschossen wurde. Eine schwere Eisenbahnkatastrophe ereignete sich am Mittwoch abend bei Gaikasloop im Kaplande. Ein mit Ausstüglern von East-London dicht besetzter Personenzug ist auf der Fahrt die Böschung des ElsenbahndammeS himmtergestürzt. Nach den amt- licheu Feststellungen beträgt die Zahl der getöteten Passagiere 15, außerdem wurden gegen 50 Personen verletzt. Bei einem HaiiSrinstilrze in der ungarischen Stadt Groß- Wardein wurde eine Person getötet, fünf wurden schwer verletzt aus dcn Trümmern geborgen. Eingegangene DrnchfcKtnften. ».i»m« 2. Stiliijt iifü„Öiitniirlö" fittlin« Jlolliüliliilt. Berliner J�ad�riebten. Me erste Stadtverordnetenversammlung im neuen Jahre beschäftigte sich zunächst mit der Zusammensetzung des Bureaus, die im Gegensatz zu früher einiges Bemerkens- wertes bot. Bei der Wahl des V o r st e h e r s wurden 26 weitze Stimmzettel gegen Herrn Michelet abgegeben. Diese Stimmzettel rührten von der sozialdemokratischen Fraktion her, die gegen die Handhabung der Geschäfte durch den Vor- steher Michelet sozialdemokratischen Stadtverordneten gegenüber Einspruch einlegen wollte. Als Stellvertreter wurde Herr Cassel wiedergewählt. Die sozialdemokratische Fraktion erhob ihrer Stärke gemäß Anspruch auf den zweiten Vorsitzeichen und schlug den Genossen Singer vor, blieb aber mit 27 Stimmen in der Minderheit. Anders gestaltete sich die Besetzung der B e i s i tz e r st e l l e n im Bureau. Bisher hatte die Majorität der Versammlung die Ansprüche der sozialdemokratischen Fraktion, im Bureau vertreten zu sein, stets abgewiesen. Die Gründe waren sehr faden- scheiniger Natur. Man wandte ein, daß die Sozialdemokraten bestimmte Repräsentationspflichten nicht auf sich nähmen und deshalb könne man einer Vertretung nicht zustimmen. Diese Gründe bestanden inIVirklichkeit nicht, waren wenigstens aus der Städteordnung nicht herzuleiten. Das scheint die Mehr- heit endlich eingesehen zu haben. Dazu kam, daß bei zweifel- haften Abstimmungen lebhaste Meinungsverschiedenheiten über das Abstimmungsresultat entstanden und dem Argwohn Tür und Tor öffneten, da die sozialdemokrattsche Fraktion im Bureau, das das Resultat feststellte, unvertreten war. Diese Umstände veranlaßten die Herren der Mehrheit, ihren bisherigen Standpunkt in dieser Angelegenheit aufzugeben. Diese Aenderung in der bisherigen Haltung liegt im Interesse einer gedeihlichen Erledigung der Geschäfte der Ver- sammlung. Um aber nicht einen der bisherigen Inhaber der Aemter durch Herauswahl zu verletzen, wurde der Antrag gestellt, die Geschäftsordnung insofern zu ändern, als anstatt drei Beisitzer vier gewählt werden. Diesem Anttage stimmte die Versammlung zu und wählte als vierten Beisitzer den Genossen Bruns. Mit diesem Beschluß ist endlich der An- ispruch der sozialdemokratischen Fraktion, im Bureau ver- treten zu sein, erfüllt worden, wenn auch noch nicht in dem Maße, wie das verlangt werden muß. Die Einführung und Verpflichtung der neu- bezw. wiedergewählten Stadträte brachte eine kurze Rede des Oberbürgermeisters und dann eine Begrüßung durch den Borsteher. Als neue Männer treten die Herren Dr. Preuß, Runge und Panofsky in den Magistrat ein: die beiden Erst- genannten waren bisher Mitglieder der Stadtverordneten- Versammlung. Einstimmig angenommen wurde ein von allen Frak- tionen gestellter Dringlichkeitsantrag auf Einsetzung einer gemischten Deputation betteffend den von der Regierung ge- planten Zwangszweckverband nach einer kurzen Begründung durch Herrn Cassel. Der Oberbürgermeister glaubte, die Zu- stimmung des Magistrats zu dem Anttag in Aussicht stellen zu können, und hoffte, daß bereits am Sonnabend die Deputation zusammentreten könne. Der Verkauf des städtischen Scheunenviertel- geländes scheint nicht zu Ende kommen zu sollen. Der Oberbürgermeister überraschte die Versammlung mit der Mit- teilung, daß die Neue Bodenaktiengesellschaft wieder ein neues Angebot eingereicht habe, was die Versammlung veranlaßt«, die Angelegenheit nochmals an den Ausschuß zurückzuver- weisen. Die Uebernahme des öffentlichen An- schlagwesens in städtische Regie forderte Genosse Dr. R o s e n f e l d bei der beabsichtigten Neuverpachtung. Unser Redner geißelte bei dieser Gelegenheit die Monopol- Herrschaft der Firma Nauck u. Hartmann und die von dieser Firma ausgeübte Zensurwirstchaft. Stadtrat Düring ver- teidigte die Vorlage und wandte sich gegen die eigene Regie im vorliegenden Falle. Für die Herren Jacobi und Momm- sen war die Sache so klar, daß sie selbst eine Aus'ckiußberawng für überflüssig hielten. Und da die Herzen der Mehrheit mehr auf der Seite des Privatkapitals sind, wurde die Vor- läge ohne jede Ausschußberatung gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion angenommen. Beim Abschluß eines Abkommens mit dem Militärfiskus wegen Bebauung eines im Gefahrbereich des Tegeler Schießplatzes belegenen Geländes macht Genosse Dr. Wehl auf eventuelle Gefahren bei Benutzung des Schießplatzes aufmerksam und ersucht, für genügenden Schutz der beim Bau Beschäftigten Sorge zu tragen. Der Magistrat erklärt, die Gefahren lägen zwar be- dingt vor, es würde aber von der Militärbehörde vor Vor- nähme von Schießübungen Mitteilung gemacht. Bei Einstellung eines dritten Assistenzarztes bei der Krankenstation für geschlechtskranke Frauen spricht Ge- nosie Dr. Zadek den Wunsch aus, daß es sich auch um eine Assistenz ä r z t i n handeln könne. Vom Magistrat! wird erklärt, daß Bedenken dagegen nicht vorlägen. Berlin im Schnee. Ueber Rächt hat die Reichshauptstadt ein winterliches Bist» er- halten. Durch einen mehrstündigen Schneefall, der in der zweiten Morgenstunde von MitUvoch zu Donnerstag einsetzte, wurden die Straßen, die Plätze und die Dächer mit einer starken Schneeschicht überzogen. Natürlich hatte der Schneefall recht erhebliche Nachteile für den Straßenverkehr im Gefolge. Obwohl bereits in früher Morgenstunde die Schneepflüge in Aktion traten und verstärkte Straßenreinigungskolonnen für die Fortschaffung der Schncemaften sorgten, kam es zu recht empfindlichen Stockungen. Nur schwer vermochten die Pferde die Fuhrwerk« von der Stelle zu bewegen. Im Omnibusverkehr mußte Vorspann he»angezogen werden und auch die meisten Lastfuhrwerke, besonders die Rollwogen, hatten Vorspannpferdc. Ueberall sah man auf den Straßen Fuhrwerke stehen, die nicht von der Stelle konnten und in zahlreichen Fällen wurden durch derartige Fälle Störungen im Straßenbahnbetrieb herbeigeführt. Lag ein Lastfuhrwerk auf den Gleisen, so sammelten sich bald Wagenburgen der Großen Berliner Straßenbahn an. Auch im Omnibusvcrkehr gab es erhebliche Stockungen. Den Chauffeuren der Auwmobile wurde die Arbeit bei dem hohen Schnee recht sauer gemacht. Recht gut funktionierten wieder die Automobilomnibusse. Der Straßenbahnverkehr wurde ganz besonders in den frühen Bor- Mittagsstunden erheblich behindert. In den Vororten erreichte der Schnee eine Höhe von über zehn Zentimetern. Hier wurden noch umfangreichere Verkehrsstörungen hervorgerufen. Auch der Betrieb auf der Stadt- und Ringbahn sowie auf den Vorortstrecken wurde t«vch den Schneefall nachteilig beeinflußt. Die Züge mußten stellenweise langsames Tempo einhalten und gar mancher Zug fuhr mit Verspätungen in die Stationen ein. Im Fernsprechbetrieb sind bisher noch keine Stockungen oder Zerstörungen gemeldet worden. Leider sind auch eine Reihe von Unfällen vorgekommen. Auf den glatten Bürg istte igen— natürlich nur an solchen Stellen, an denen die Hauswirte nicht streuen ließen— kamen Passanten zu Fall und erlitten Verstauchungen, Verrenkungen und auch Knochenbrüche. In der Grünthalerstraße schlug sich ein siebenjähriges Schulkind das ganze Gesicht auf. Eine Frau Jeschke aus der Bergmannstraße stürzte in der Belle-Alliancestraße so unglücklich, daß sie sich einen komplizierten Schenkelbruch zuzog und nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Für unsere Schuljugend bildete der Schnee- fall ein großes Gaudium, denn endlich konnte der Schlitten hervor- geholt werden.—_ Zur Klassifizierung der Kranken in den städtischen Krankenhäusern. Aus dem Rathause wird berichtet: Der Antrag der Stadt- verordneten Dr. GKpcke und Genossen auf Errichtung besonderer Abteilungen für zahlende Kranke in den städtischen 5krankenhäusern war einer gemischten Deputation zur Beratung überwiesen worden. Diese hatte bereits in ihrer ersten Sitzung beschlossen, daß es wünschenswert sei, besondere Stationen für Patienten des Mittel- standes— sogenannte II. Klasse— in den städtischen Kranken- Häusern einzurichten. Eine besondere Station für Klassenkranke soll zunächst durch Errichtung eines Hauses mit etwa 50 bis 60 Betten für beide Geschlechter in tunlichst abzusondernder Gruppe im Kraukenhaus Moabit in Verbindung mit der chirurgischen Ab- teilung des Krankenhauses geschaffen werden. Dabei sind Zimmer mit drei bis fünf Betten und für besondere Zwecke Einzelzimmer vorgesehen. Für den Fall des Um- bezw. Neubau des Kranken- Hauses am Urban ist die Anlage einer weiteren Klassenstation in Aussicht genommen worden. Die Festsetzung des Verpflegungssatzes und des Arzthonorars bot besondere Schwierigkeiten. Die Depu- tation hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, den täglichen Ver- pflegungssatz aus 6,50 M. festzusetzen, in welcher Summe das Arzt- Honorar einbegriffen ist. Für größere Operationen darf besonders — bis zu 100 M.— und für besondere spezialistischc Leistungen nach mäßigen Sätzen liquidiert werden. Da diese Kraukenstationen II. Klasse nur Angehörigen des Mittelstandes und der gebildeten Kreise dienen sollen, Ivelche höhere Beträge ohne Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Lage zu leisten nicht imstande sind, so tritt, wenn Kranke, bei welchen diese Voraussetzungen nicht zutreffen, auf- genommen werden, ein höherer Verpflegungssatz ein; außerdem soll es in solchen Fällen gestattet sein, eine besondere Liquidation aus- zustellen. Ob die Voraussetzungen für die Aufnahme zu den fest- gesetzten oder zu höheren Sätzen, sowie für erhöhte ärztliche Liqui- dationen vorliegen, entscheidet der Magistrat." Wir halten die von der gemischten Deputation beschlossene Klassifizierung der Kranken in unseren städtischen Krankenhäusern für verfehlt. Auch unsere Genossen im Rathaus haben sich wieder- holt gegen diesen Gedanken gewendet. Eine OffizierStragädie hat sich gestern im Nordwesten Berlins abgespielt. In seiner Wohnung im Hause Luisenstr. 24 a verübte der 27jährige Leutnant Walter vom Dragoner-Regiment Königin Olga in Württemberg Selbstmord, indem er sich eine Kugel in den Kopf jagte. Die Tat wurde erst einige Stunden später entdeckt, als der Bursche des Offiziers keinen Einlaß in die Wohnung fand. Ein hinzugezogener Arzt konnte nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen. Die Ursache der Tragödie ist noch nicht festgestellt, doch wird angenommen, daß der Leutnant die Tat in einem plötzlichen Anfall von Nervenüberreizung begangen hat. Lebendig verbrannt. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am gestrigen Donnerstag mittag in der Memeler Str. Ib. Als dort die Frau des Bauarbeiters Nietz, um eine Besorgung zu machen, ihr dreijähriges Töchterchen Hedwig für einige Minuten allein gelassen halte, versuchte die Kleine, Spiritus auf einen brennenden Spiritus- kocher aufzugießen. Die Flamme sprang jedoch auf die Flasche über, brachte diese zur Explosion und im nächsten Augenblick war da» Kind in eine lebende Feuersäule verwandelt. Auf das Schreien der Kleinen eilten die Nachbarn herbei und erstickten die Flammen. Die Hilfe kam jedoch zu spät. Ueber und über mit Brandwunden bedeckt wurde die Kleine nach der Unfallstation in der Warschauer Straße und von dort nach dem Krankenhaus am Friedrichshain ge- bracht, wo sie bald nach ihrer Einlieferung verstarb. Infolge des Tauwetter?, das am gestrigen DonnerStagmittag nach dem Schneefall einsetzte, sind zahlreiche Unfälle vorgekommen. An der Ecke der Kaiser-Friedrich- und Weichselstraß« in Rixdorf glitt der Igjährige Schüler Helmut Fahrenkrug, Johann-Huß-Slr. 3 bei den Eltern wohnhaft, beim Ueberschreiten der Straßenbahngleise aus und geriet unter einen herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 04. Der Knabe erlitt eine schwere Kopfwunde und wurde auf der Unfallstation in der Steinmetzstraße verbunden. In der PeterS- burger Straße stürzte die Händlerin Anna Montreal, Gubener Str. 43 wohnhaft aus und erlitt einen doppelten Oberschenkelbruch. Sie mußte nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Der Kutscher Julius Voigt, Dresdener Straße zog sich beim Fallen einen Armbruch zu, während der obdachlose Gelegenheitsarbeiter Walter Rankow beim Sturz eine Kopfwunde erlitt. Am Zoologischen Garten glitt das 22jShrige Fräulein Hedwig BaeSler, Schöneberger Ufer 28 wohnhaft, aus und trug einen komplizierten Bruch der Elle und der Speiche davon. Mysteriöser Leichcnfund. Am 3. Januar wurde von dem Revierförster Schaver im Jagen 61 der Stadtforst bei EberSwalde die Leiche eines etwa 22jährigen jungen Mannes aufgefunden. Der Körper fühlte sich noch stisch an, so daß der Tod erst vor wenigen Augenblicken eingetreten sein konnte. Der Verstorbeue lag auf dem Rücken mit leicht gespreizten Beinen, die mit braunen Glacä- Handschuhen bekleideten Hände waren zur Faust geballt. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und von dem Polizeiarzt Dr. Nüchel untersucht, der jedoch keine äußeren Verletzungen, die auf einen gewaltsamen Tod schließen lassen, feststellen, aber andererseits auch nicht die wirkliche Todesursache«rmittoln konnte. Der Tote, der zweifellos den besseren Ständen angehört, hat ein blasses, bartloses Gesicht, hellblondes, in der Mitte gescheiteltes Haar, tiefliegende, braune Augen und hohe Stirn. Er war mit einem dunklen Jacket- anzug, dunklem Wintcrpaletot mit Samtkragen, grauwollcnen Strümpfen, Lackschuhen, steifem, schwarzen Hut und feiner weißer Leibtväsche bekleidet. Im Besitze des Verstorbenen befanden sich u. a. eine Herrenremontoiruhr mit ziselierten Rändern und der Numer 1764, ein Schlüsseletuis mit drei vernickelten Schlüsseln, ein weißes Taschentuch ohne Monogramm, ein Bleistift mit der Be. zeichnung Stilke-Berlin und eine sogenannte Portemounaie-Nickel- kette. Geld wurde bei der Leiche nicht vorgefunden. Der Ver- storbene, dessen Personalien mangels jeglicher Legitimationspapiere nicht festgestellt werden konnten, dürfte vermutlich aus Berlin stammen, da er angeblich beim Verlassen eines aus Berlin ein- getroffenen Zuges gesehen sein soll. Die diesbezüglichen Ermitte- lungen haben aber bisher noch zu keinem Resultat geführt. Verschüttet. Einen schrecklichen Tod hat der 57jährige Aufseher Bvendemül aus Heinersdorf erlitten. B. war auf einem unbebauten Gelände an der Fallenbergerstraße in Weißensee tätig, auf dem die Firma Fricke, bei der der Aufseber seit langen Jahren in Stellung ist, Schutt abladen läßt. B.. der den Kutschern Anweisung zu geben hatte, auf welcher Stelle sie die Ladung ausschütten sollten, nahm unmittelbar vor einem mit Schutt beladenen Wagen Auf- stellung, der dicht an den Rand einer Böschung herangefahren war. Plötzlich gab der Erdboden nach, das mit zwei Pferden bespannte Fuhrwerk stürzte in die Tiefe, überschlug sich, und der Aufscher wurde von den rollenden Sandmassen wid' dem nachfolgenden schweren Wagen verschüttet. Erst nach längerer Zeit und an- gestrengten Bemühungen gelang es, den Verunglückten aus semer entsetzlichen Lage zu befreien. B., der vollständig zerquetscht worden war, aber noch lebte, verstarb unmittelbar nach seiner Einlieferung in das Weiffenseer Krankenhaus. Ein Einbruch ist in der Nacht vom Mittwoch zu Donnerstag in die Räume der Ortskrankenkasse der Zigarreumacher, Dragoner- straße 6n. ausgeführt worden. Die Einbrecher gingen in der Weise vor, indem sie von einer im zweiten Stock belegenen, leerstehenden Wohnung aus die Decke durchbrachen und so in die Geschäftsräume der im ersten Stock belegenen Kasse gelangten. Hier wurde der Geldschvank geknackt und 2520 M. 80 Pf. erbeutet. Aus demselben Wege, den die Einbrecher genommen, verschwanden sie wieder durch Benutzung von Strickleitern.— In der Chausseestraße suchten die Knacker die Putzwollefabrik von Jacobsohn auf dem Grundsttick Nr. 86 heim. Hier drangen sie mit Nachschlüsseln in die im zweiten Stock belegenen Kontor- räume ein, in denen sie ebenfalls den Geldschrank erbrachen. In die Hände fielen ihnen 1000 M., darunter zwei Einhundertmark. scheine, deren Nummern zufällig bekannt sind: D. 100 736 427, A. 6 338 284.— Mit Nachschlüsseln verschafften sie sich auch m der Krausnickstraße Eingang in ein Geschäft. Hier nahmen sie 300 M. mit.— In der Königin-Augusta-Allee mußten die Einbrecher auf Beute verzichten. Schon bei dem Versuch, in die Geschäftsräume. auf die sie es abgesehen hatten, einzudringen, wurden sie gestört und vertrieben. Aufsehen erregte im Norden der Stadt der Selbstmord des 47 Jahre alten Gastwirts Wilhelm Schmidt aus der Gartenstr. 6. Schmidt betrieb seit zwölf Jahren Festsäle, die den Beinamen Neues Voigtländisches Opernhaus führten. Seine Kundschaft bestand namentlich in Dilettantenvereinen, die in seinen Sälen Theatervorstellungen gaben, an die sich Tanzkränzchen anzuschließen pflegten. Schmidt klagte Verwandten und Bekannten gegenüber schon länger, daß das Geschäft nicht mehr ganz recht gehe und daß er zu kämpfen habe, obgleich er sich als Eigentümer des Grundstücks immer noch eher halten könne als ein anderer. Ganz nieder- geschlagen war er seit dem Tode seiner Frau, die er vor sechs Wochen nach achtzehnjähriger kinderloser Ehe verlor. Gestern vor- mittag um 11 Uhr fand ihn sein Dienstmädchen tot im Bette liegen. Schmidt hatte sich mit Lysol vergiftet. Vier Tag« tot in feiner Wohnung gehangen hat der 65 Jahre alte Zettelverteiler Friedrich Rembow, der als Witwer für sich allein in der Tresckowstraße Nr. 33 hauste. Dem alten Manne, der für Geschäftsleute aus der Nachbarschaft kleine Gänge zu be- sorgen pflegte, ging es schleckst. Am Sonnabend hatte man ihn zum jetzten Male im Hause gesehen. Weil er seitdem gar nicht mehr zum Vorschein kam, so öffnete man gestern seine Stube und fand ihn tot an der Tür hängen. Im Wintergarten hat der Programmwechsel einige interessant« neue Nummern gebracht. Der Jongleur Valazzi führt mit ver- bluffender Sicherheit stauncnerregende Kunststücke aus. Sehr hübsch ist das polnische Bauernfest der Fleurs polonaiscs; geschmeidige, schlanke Männer- und Mädchcngestaltcn, farbenreiche Kostüme, temperamentvolle, graziöse Tänze. Interessant sind auch die japanischen Wasserspiele der Ko-Teu-Jchy-Trnppe, denen einige Taschenspielereien niedlicher MusmiS vorangehen. Die Akrobatik ist durch die Gaudsmidts und ihre spanischen Pudel gut vertreten: der komische Reckakt der drei Ernest ist vom vorigen Monat verblieben und findet immer noch vielen und verdienten Beifall. Therese Renz reitet elegant die hohe Schule. Als glutvolle und biegsame Tänzerin zeigt sich Leonora mit einem gewandten Partner und größerer Begleittruppe. Die ExccntricS, die uns Amerika be- schert, find zweimal vertreten. De Witt, BurnS und Torrance kommen als„lebendes Spielzeug" und bieten in der Hauptsache tute Parterre-Akrobatik und Leistungen an der Balancierstange. )ie Truppe„The Harmony Four" versprechen einen„musikalischen Ulk": sie kultivieren die derbe Keilerei und Verwandtes. Das Soubrettenfach ist durch zivei Frauzösiiinen und ein« Amerikanerin vertreten. Liane d'Eve mit ihrem pikanten Hennen» kosiüin und den.selbstgelegten" Eiern ist geblieben, ihre nicht minder hübsche Landsmännin Denarbör versucht es mit dem modernsten Vehikel, dem Luftballon, in dein sie mit ihren zierlichen Füßchen fast bis vor die Nase diverser entzückter Herren kommt. Eitel Levey fingt mit seltsam tiefer Stimme komische Lieder ihres Heimatlandes und erscheint zum Schluß alS Rauhreiter. Die deutsche Sprache ist in diesem Programm ganz vergessen. Das ist ein Fehler: denn wenn das Publikum des Wintergartens auch international ist— Deutsche find doch auch darunter und sie dürfen doch auch wohl etwas Berück- sichtigung verlangen. Lieder in freinden Sprachen versteht nämlich noch nicht der Zehnte der Wenigen, die diese Sprache» allenfalls verstehen._ Vorort- IVadmcbtern Wilmersdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die Befürchtung bürgerlicher Stadtverordneter, daß es nach dem Eintritt der Sozialdemokraten mit der behäbigen Ruhe im Ortsparla- ment vorbei sein werde, ist nicht ohne Grund gewesen. In der ersten Sitzung des neuen Jahres wehte denn doch ein ganz anderer Wind als ehedem durch den Schulsaal, der, in Ermangelung eines geeigneten Sitzungszimmers im alten Rathause, den Stadtvätern provisorisch als Aufenthaltsraum dient. Schon die Wahlformali- täten, die der Einführung der Neu- und Wiedergewählten folgten, ließen erkennen, daß es mit der kompakten Einigkeit vorbei war- Zwar wurde Herr Leidig zum Stadtverordnetcnvorsteher wieder« gewählt, und desgleichen Herr Dr. Heinitz zum Stellvertreter; aber immerhin hatten beide Herren in der Abstimmung etwa den dritten Teil der Versammlung gegen sich. Es standen z. B. den 23 Zetteln, die in der geheimen Abstimmung für Leidig abgegeben wurden, 6 unbeschriebene entgegen, sowie 8, die den Namen des Stadtverordneten Härtung enthielten. Sehr drastisch zeigte sich dann sofort, daß die neue, vom Stadtverordnetenoorsteher geleitete Fraktion der Dreißig gesonnen ist, rücksichtslos die Minder» heil zu vergewaltigen. Eine Kandidatenliste für den wichtigen Wahlausschutz, die die Stadtverordneten auf ihren Plätzen vor» fanden, enthielt, wenn man von der Konzcssion an den fraktions- losen Herrn Kletke absieht, ausschließlich Namen der national- liberal-konservativen Vereinigung; man will also, von Sozial- demokraten und Demokraten ganz zu schweigen, nicht einmal von den F o r t s ch r i t t l e r n sich in den Topf gucken lassen. Natürlich ging auch diese Liste gegen eine erhebliche Min- derheit ßlatt durch; es ist niemand im Ausschuß, der nicht als stubenrein estimiert ist. Stellte die Weitläufigkeit der Wahlformalitäten auch die Ge- duld der zahlreich erschienenen Zuhörer auf eine harte Probe, so kam das Publikum schließlich doch auf seine Kosten. Es war zu erledigen die zweite Beratung der Magistratsvorlage betreffend die Genehmigung des Entwurfs eines Gemeindebeschlusses über die Bewilligung von Ruhegeld und Hinterblie» benenversorguna für die ohne PensionSberechri- g u n g im Dienste der Stadt beschäftigten Personen. Das bisherige OrtSstatut besteht seit dem Jahre 1901; als eine Modernisierung notwendig wurde, hatte der Magistrat einen Entwurf aus- gearbeitet, der leider manche berechtigte Wünsche, die an anderen Orten längst erfüllt sind, unberücksichtigt ließ. Doch war der Ma- glstratscntwurf immerhin ein Werk sozialen Verständnisses im Vergleich mit dem abgefeimt rückschrittlichen Produkt, das der von der Stadtverordnetenversammlung am Ende des vorigen Jahres eingesetzte Ausschuß zurechtgeformt hat. Schon der erste ein» leitend« Paragraph de» jetzt beschlossene« OrtSstatut» gibt«ja Bild fffK Ben arbeiterfeindlichen Anschauungen, von denen die Stadt- verordnetenmehrheit sich leiten läßt. Nach dem Willen des At a- «�i st r a t S konnte„den oline Pensionsberechtigung im Dienste der Stadt beschäftigten Personen ein Ruhegeld und eine Hinter- bliebenenversorgung nach Maßgabe usw." gewährt werden. In der Fassung dcö Ausschusses lautet dieser Para- SMph: „Den ohne Erwerb de» Anspruchs auf Ruhegehalt und Hinter- bliebenenfürsorge im Dienste der Gemeinde Wilmersdorf dauernd beschäftigten Personen wird bei tadelloser und treuer Führung als Zuschuß zu den ihnen etwa auf Grund gesetz- licher Vorschriften zustehenden Bezügen ein Ruhelohn und eine HlNterbliebenenversorgung� usw.... in Aussicht gestellt." Unser Parteigenosse Riedel setzte an der Hand einer Reihe Betspiele aus anderen Städten auseinander, eine wie rückschritt- liche Anschauung in dieser Verschlechterung geltend macht. Er empfahl Zurückweisung der ganzen Vorlage an den Aus- schuß, und in dem Falle, daß dieser Antrag abgelehnt werde, die Wiederher st ellung der Magistratsvorlage. Auch der Fortschrittlcr Büchtemann trat für diesen Antrag ein, nach- dem er u. a. auch das entsetzliche Juristendeutsch gegeißelt hatte, in dem der Ausschuß seine Arbciterfcindlichkeit zum Ausdruck bringt. Nun dachte die Mehrheit von vornherein nicht daran, ihren Ausschuß im Stich zu lassen; aber bezeichnend war eS doch, daß niemand in ihren Reihen sich zur Verteidigung imstande zeigte und der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Leidig daher selber ins Parterre springen mußte, um zu beweisen, daß e» nur auf den Standpunkt des Beurteilens für die Entscheidung darüber an- komme, ob eine Vorlage vom fortschrittlichen oder vom rückschritt- lichen Geiste getragen sei. Herr Leidig hegt in der Sozialpolitik die Anschauungen der sehr weit nach rechts stehenden National- liberalen, die mit dem berüchtigten Zentralverband deutscher Industrieller ein Herz und eine Seele sind; und wenn das neue Ortsstatut im Sinne dieser Gesellschaft fortschrittlich ist, so ist damit seine Qualität nach Gebühr gekennzeichnet. Der Ausschußentwurf fand, wie gesagt, Billigung; die einzige Verbesserung, der die Mehrheit zustimmte, bestand in der An- nähme eines von Riedel beantragten Absatzes, der bei Unter- brechungen durch Krankheit günstigere Bedingungen für die An- rechnung der BeschäftigunaSdauer schafft. Im übrigen lehnte die geschlossene Mehrheit der Fraktion Leidig alle sozialdemokratischen VerbesserungLanträge glatt ab, mochte unser Parteigenosse Riedel sie auch mit noch so überzeugender Sachlichkeit begründen. Wo aber der Mehrheit eine Auseinandersetzung zu unbequem wurde, half ein Schlußantrag über die Unannehnilichkeit hinweg. Gegen die wenigen Stimmen der Sozialdemokraten und Demokraten fand dann schließlich das ganze der- schlech texte Orts st akut die Billigung der Mehrheit. Rixvorf. Emen historischen Rückblick aus das kommunale Leben des Jahres 1910 leistet sich das Organ der Wablrechlöräuber, das „Rixdorfer Tageblatt". Die in letzter Zeit ständig geübte Taktik der Wahlrecktsräuber kommt bei der chronologischen Aneinander- reihung auf« neue in etwa« veränderter Form zur Anwendung. Während die„wahlrechtSverändernde" RathauSmehrheit die Em- pörung der Entrechteten und die Gcißelhiebe ihrer Vertreter fast widerspruchslos ruhig über sich ergehen läßt, heuchelt der Moniteur der staatStreuen Gesetzesverächter, eben daS.Rixdorfer Tageblatt" Bedauern— nicht für den Wahlrechtsraub und Rechts- bruch seiner Hintermänner, sondern daß ein auf daS Allgemeinwohl gerichtetes ersprießliches Arbeiten im verflosienen Jahre oft erheblich erschwert wurde. DaS„R. T." muh zugestehen, daß das berüchtigte OriSstatut vom 17. Dezember 1908 weite Kreise der Bürgerschaft verstimmt hat und dieses Ortsstatut den Anlaß dazu bot. Wie aber faßte das biedere Organ seine publizistische Pflicht seinerzeit auf, wo die Wahlrcchtsverschwörer an der Arbeit waren und das bestehende elende Dreiklasicnwahlrecht zum weiteren Nachteil von mehr denn öS Proz. der Einwohner hinterlistig zu meucheln? ES schwieg I Obgleich sein Besitzer einer jener Mit- Verschworenen war und um den Plan wußte. Das allerdings war für jeden Sehenden klar, der die Stimmung der Bevölkerung und ihr Streben nach größeren politischen Rechten und Freiheiten kennt, der weiß, wie sehr in alle» Kreisen der Ein- wohner die Privilegienwirtschast als einseitige und ungerechte Bevor- zugung einer kleinen Kaste angesehen wird— mit Recht natürlich. Daß an ein ersprießliche« Arbeiten in der Gemeindeverwaltung unter solchen Zuständen nicht gedacht werden kann, liegt in der Natur der Sache. Die Verantwortimg tragen einzig»rfd allein die Urheber dieser Zustände die Wahlrechtsräuber. Und wenn mit innigem Wohlbehagen daS.R. T." die Tatsache freudig konstatiert, daß es trotz der vereinigten Anstrengung von Sozial- demokraten und bürgerlichen Demokraten nicht gelungen ist, die bürgerliche Mehrheit zu stürzen und hinzufügt, daß auch den vereinten Feinden gegenüber die Bürgerlichen ihre Position nicht nur zu.behaupten wußten, sondern den Sozialdemokraten imj Südbezirk noch tef Sitze abnahmen, dann beweist diese Aeußerung nur. wie unend« sich groß die Feindschaft deS„R. T." gegen die Demokratie im all- gemeinen und ihr Haß und ihre Verachtung gegen die Arbeiterschaft in Rixdorf im besonderen ist; woraus die Rixdorfer Arbeiterschaft mit gewohnter Promptheit die nötigen Konsequenzen ziehen wird. Charlottenburg. Warnung vor einem Schwindler. Wenige Tage vor dem 1. De- zember kam zu der Frau eines kurz vorher verstorbenen Alters- rentncrs ein Mann, der sich als„vom Magistrat" vorstellte und ihr erklärte, sie erhielte noch SS M. Rente und einen kleinen Zuschuß von, Staat; er würde die Angelegenheit in Ordnung bringen, nur müßten 3 M. bezahlt werden zur Beschaffung des erforderlichen Totenscheine« usw. Die 8 M. wurden darauf ohne Quittung gezahlt. Da der Verstorbene noch am 1. November Rente bezogen hat und nach dem JuvalideiiversicherimgSgesetz eine weitere Leistung an die Hinterbliebenen, über den Sierbemonat hinaus, ausgeschlossen ist, hat der Unbekannte durch die Inaussichtstellung weiterer Zahlungen es nur auf die 3 M. abgesehen. Es ist anzunehmen, daß der Schwindler, der mehrere Totenscheine bei sich trug, sein betrüge- risches Manöver wiederholen wird. Tödlicher Baunnfall. Auf einem Neubau am Kaiserdamm stürzte gestern abend der Maurer Paul K r e n z k e ans der Höhe des 4. Stocks in die Tiefe. Er erlitt einen Schädel- sowie Arm- und Beinbrüche und st a r b bald darauf im Krankenhaus Westend, wohin er gebracht worden war. Der heutige Bortrag des Genossen Ed. Bern st ein fällt aus und findet erst Sonntag, den Z.Januar 1911, vor- mittags 9Vs Uhr statt. Der BildungSauSschuß. Rumnielsburg. Ein verhängnisvoller Unfall ereignete sich vorgestern nachmittag in Rummelsburg. In dem an der Spree liegenden Garten des Hauses Tunnelstr. 4 vergnügte sich der sechsjährige Sohn Erich des BoolsbauerS Paul Schulze, Tunnelstt. 4 wohnhaft, damit, mit seinem Schlitten die etwa zehn Meter lange, ziemlich steile User- bösckung hinabzufahren. Plötzlich geriet der Schlitten in zu schnelle Fahrt, und ehe der Knabe mit den Füßen bremsen konnte, stürzte das Fahrzeug in die an dieser Stelle etwa vier Meter tiefe Spree. Als daö Kind nach einigen Stunden verniißt wurde, fand man auf der Böschung im Schnee die Spur des Schlittens, die inS Waffer führte. Es gelang erst nach einigen Stunden, die Leiche des Knaben zu bergen. iveistenfee. Die Große Berliner Straßenbahngesellschaft nimmt sich gegen- wärtig in recht fürsorglicher Weise einiger von ihr bisher vernach- lässigten Vororte an. angeblich, um einige seit langer Zeit gewünschte Verkehrsoerbesserungen zu schaffen. In Wirklichkeit entpuppt sich die Geneigtheit zu einer BerkehrSverbesserung alS das be- kannte Bestreben dieser Gesellschaft. Riesenvorteile für sich zu ergattern. Das zeigt sich gegenwärtig so recht am hiesigen Orte. Die bisher so verschlossene Direktion läßt sich momentan immer sprechen und sie geht sogar auf Wünsche ein, die sie seit Jahren nicht beachtet hat. So will sie eine Linie von Weißens« nach dem Görlitzer Bahnhof resp. Rixdorf führen, ebenso eine Linie am Kriminalgcricht vorbei nach Charlottenburg, serner soll das hiesige Krankenhaus und Amtsgericht durch den westlichen Teil des Ortes von einer Linie berührt werden; auch noch weitere kleinere Wünsche sollen erfüllt werden. Jetzt kommt aber der hinkende Bote. Alle diese Wünsche erfordern die Anlage eines bedeutenden Kapitals und nach Berechnung der Gesellschaft einen jährlichen BetriebSzuschuß von 70 000 Mark. In erster Linie verlangt die Große Berliner die Konzesstonsverlängerung bis 1949. Eine Forde- rung, die vor dem Jukrasttreten deS VerkehrS-Zweckverbandes erledigt sein muß. Ein weilerer Wunich ist die unentgeltliche Ueberlassung eines Geländes zum Bau eines neuen Bahnhofs in der Größe von mindestens acht Morgen. Gewiß bescheiden. Und dabei soll daS alte BahnhofSgelände nicht etwa der Gemeinde zur Verfügung stehen, nein, das will die Direktion verkaufen und der Bebauung erschließen. Der Plan ist weiter so gedacht, daß der Bahnhos auf der Schönhauser Allee eingeht und daS Wagenmaterial zum Teil in Weißensee Aufnahme findet. Den Hausagrariern blüht der Weizen, denn mit einem Male werden zirka 700 Angestellte im Orte Wohnung nehmen. Mit klingendem Spiele gingen denn auch die Hausagrarier der Gemeindevertretung auf die Geneigtheit der Großen Berliner ein und forderten schleunige Weiterverhandlung unter Preisgabe aller Vorsicht, die von unseren Genoffen gc- fordert wurde. Potsdam. Selbstmord eines Offiziersburschen. In der letzten Nacht hat sich der 22 Jahre alte Ulan Hugo Lust von der fünften Eskadron des 1. Garde-Ulanenregiments in seiner Stube im Hintergebäude des Hauses Mangerstr. 2ö erschossen. L. war als Bursche beim Major v. Tschirschky lommandiert und ging seinerzeit mit seinem Chef vom Regiment Gardes-du-KorpS zu dm Ulanen über. Lust kam erst bor kurzem vom Weihnachlsurkaub zurück. DaS Motiv zur Tat liegt außerhalb des Militärdienstes deS Lebensmüden. Man glaubt, daß Liebesgcschichten die Ursache des Selbstmordes waren. Gestern morgen wurde L.. da er zur gewohnten Stunde sich nicht sehen ließ, in seiner Stube im Extraanzug als Leiche auf dem Bett gefunden. Spandau. Aus geheimer Sitzung. Die Stadtverordnetenversammlung �hat vor längerer Zeit den Beschluß gefaßt, daß alle Vorlagen über Grundstücks-An- und-Verkäufe sowie über Vorlagen, in denen per- sönliche Angelegenheiten zur Sprache kommen, in geheimer Sitzung verhandelt werden sollen. Trotzdem hat man die Bemerkung machen können, daß hiesige Zeitungen regelmäßig auch Berichte über diese geheimen Sitzungen brachten, die»ur durch Mitteilung von Personen, die an der geheimen Sitzung teilnahmen, den Redaktionen zur Kenntnis gekommen sein konnten. In der letzten geheimen Sitzung wurde auch über den Verkauf des Gutes Hackeuselde und über den Ankauf der Nustiviesen verhandelt. Die„Spandauer Zeitung" halte sich vorher in einem längeren Artikel gegen den wenig profitablen Verkauf von Hackenfelde und gegen den zu teuren Ankauf der Ruft- wiesen ausgesprochen. Auf diesen Artikel kam man auch in der geheimen Sitzung zu sprechen, und am anderen Tage war die„Spandauer Zeitung" in der Lage, ausführlich auf die in der geheimen Sitzung gegen sie geführten Gespräche zu antworten. Die sozialdemokrati- i'chen Stadlverordnete» haben eS bisher für ihre Pflicht gehalten, aus den geheimen Sitzungen nichts in die Ocffentlichkeit zu bringen. Es ist daher der schon mehrfach geäußerte Wunsch der lozialdemo- kratischen Stadtverordneten, man möge die geheimen Sitzungen so viel wie möglich einschränken, durchaus berechtigt. DaS Geheimikis wird, wie sich hier zeigt, ja doch nicht gewahrt. Zudem gehört es sich, daß wichtige, die Ocffentlichkeit interessierende Dinge auch öffentlich verhandelt werden. Singegan�ene DrucKlcKnCteu. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben baZ 14. Hest des 29. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hetz es heben wir hervor: Von(Zolles Gnaden.— Lew Nikolajewitsch Tolstoi als Philosoph nnd Moralist drS Jenseits(1828 bis 1910). Von Ch. Nappoport, Paris.(Schluß.)— Die Wahle» tn England. Von Th. Rothstein.— Deutscher H-imarbeit erlag. Von Iah. Sasscnbach.— Die Verteilung des Kapitals in Deutichlands. Vo» M. Nachimsvn. Die»Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal. Da? einzelne Hest kostet 25 Vs. Probenummern stehen jederzeit zur Bersügung. Amrltchcr11. moraen« 8 lldr. d« f* ÜÄ -15 —15 6 4 1 iverrervrognole für den 0. Januar(»II. Ziemlich hübe und etwa« n�elig, mit weiteren Schneesällen, gelindem Frost und mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «Vn ff erst n» dS> n etutedte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, milgeteilt vom Berliner Wetterbureau. vafierttand M e m e l. Tilftt P r e g e l. Jmterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor , Krassen , Franüutt Barth«, Swrimm , LmidSberg Netze, Vordamm Elb«, Leiwierih , Dresden , Bardo . Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— treiben.—*) Eis in Bewegung. •) Unlerpegel.—•) Grund eiZ- Deytseiier EaiiatMervetoi ICwelffvereln Berlin. Sektion der Gips* u. Zement-Branche. Nachruf! Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Wilglied, der Hilss- arbeiter 136/3 Karl Handke am 80, Dezember hn Alter von 47 Jahren gestorben ist, und am 2. Januar zur letzten Ruhe de- stattet wurde. Ehre seinem Andenken! Ose Sektlansvorsland. Tankfagung. ür die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres un- vergeßlichen BaterS sagen wir allen verwandten, Freunden und Be- kannten, insbesondere den Kollegen der Firma W. Schuch, der Firma F. Bergmann, dem Deutschen Bau« arbeiterverband, Zweigverein Berlin, Bezirk Rixdori, und den» Wahlverein, 21. Bezirk, für die zahlreiche Be- teiligung und die vielen Kranzspenden unseren innigsten Dank. 257ÜL Wwe. Th. BaiimgArth nebst Kindern. Todes- Anzeige. Nach Rjähriger glücklicher Ehe entschlief meine liebe Frau i�xnes Nennemann geb. Forndran. Der tiestrauernde Gatte, Bruder u. Nichte. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmütagS 1 Uhr von der Leichenhalle der Keihsemane- Gemeinde, Nordend auS statt. Dankfaguug. Für die zahlreichen Beweise großer Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vater», Sohne», Bruders und Schwagers Karl Borkenhagen sagen allen Beteiligten, insbesondere dem Verein Wilmeredorser Gastwiete, sowie allen Verwandten, Freunden Und Gästen besten Dank. 25715 Anna Borkenhagen sÄ. Für Teilnahme Danksagung. die vielen Beweise hei >.erzlicher sowie sür die reichen Blumenspenden bei der Beerdigung meiner liebe» Frau, unserer guten Mutter sagen ww allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere oen Genossinnen und Genoffen vom Wahlverein Falkenhagen« Seegeteld und Umgegend unseren herzlichsten Dank. 25731/ I. A.: Fritz Oartmann. Slnmn- und Krlünbindtrk! von koiiörl Meyer,' nur Nwininittl-Äraßt 2. 8 challplatten Verleih-Instltni. Versand auch nach auswärts. Prospekt gratis und franko. Hart Borbs, Berlin QO, Neue Königstraae 33. verkaufe ich Ohne jede Anzahlung (Pianos erstklassiges Fabrikat (9mal prämiiert Staats- medaille) in allen Holz- und Stilarten von _ wunderbarer Tonfülle. ,1(Flttgclton) gegen kleinomonatllcheTellsablnng, Ü ohne jeden PrclHaufwcblag. 3/11* 2 Für jedes Instrument gewähre ich SOjäbr. sohriftl. Garantie. Conrad KrailSO Nctlltj.) E8k"Kurtu"tte�s"rbaTe\,.eCha/ir"ls. 9SS|anA O RH 10 Jahre Garant. Teilz, wSohentl. 1 M. Plomben edttion Vorwärts, Linden. stratze SS. VerbtPchchl und Prostitution als soziale Krantbcilserscheinungcn von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark. geb. 2,50 Mark. Erpedltion Vorwärts, ! L ndenstrajje SS. Zur I. Klasse(Ziehung 13. und 14. Januar) Preuss. Lotterie» Original-Lose Vi Vi V« abzugeben. M. 40.- 20.- 10.— 142/4* A. Müller, �o�rttÄ Koiüsef ßaiH 13/11, Hemtnpl. Theater und Vergnügungen nnu Freitag, S. Januar. Ansang 7'/, Uhr. Siluigi. Opernhans. Madame Buttersly. Köiilgl. Schauspielhaus. Der Kaus- mann von Venedig.« Nene« kouigt. Operu-Thcater. Veschlossen. Deuisches. Faust. Kanimer spiele. Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. (Ansang 8 Uhr.) Ansang» Uhr. Lesstug. Wenn wir Toten erwachen. Rcues Operetten. Die schöne Risctte. Komische Oper. Tiefland. Sirur» Schauspielhaus. Der Zer> rissene. Berliner. Bummclstudentcn. Westen. DaS Puppenmädel. Kleines. Verflixten Frauenzimmer. 1. K laste. Neues. Der G. m. b. H.-Tenor. Drianon. Der beilige Hain. Residenz. Familie Bolero. Thalia. Pohüsche Winschast. Schiller«>..evaMici- zpealrr.) Gespenster. Sch»«tharlottenbnrg. Die Macht der FinsteniiZ. Friedrich- WilhetinstädtischrS. Cyrano von Bergerac. Lnstipielhau». Der Feldherrn- Hügel. Ansstcllungö-Theater. Unsere Kä!e. Luisen. Der Millionenjunge. Modernes. Der Doppclmensch. (Ansang S>/. Uhr.) Roi». Der Kaiserjäger. Herrufet d. Eine verlorene Nacht. Er. Sie und Er. Volksoper. Der Freischütz. Folios«aprice. Der Feldwebel- Hügel.(Anfang 8'/« Uhr.) Meren-ol. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Julie Wippchen. Aptiho. Spezialitäten. Pnliage. Spezialitäten Voigt. Die Schuld der Mutter. Reichspallru. Sieiimer Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Sanssouci. Wie werde tch reich? Spezialitäten.(Ans. 8'/« Uhr.) Walhalla. Bravo t Dacapo I(An sang 8'/, Uhr.) Karl Häver land. Spezialitäten. Urania. Taubeiistraste 48/4S. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Sternwarte. Jnoalidenstr. 57—02. Lessing-Ibester. 8 Uhr: Jbsen-ZykluS 13. Boistellung Wenn wir Toten erwachen. Sonnabend 8 Uhr: Anatoi. Keriiner Tüesier. Heute: öl!MlNkl8tlIllöNtöll. 8 Uhr. Morgen: Bummelstudenten. km Theater. Täglich: Der 6. m, b. H.-Tenor. Anfang 8 Uhr. Aloclemes Theater (früher Hebheitheater). Abend» 8 Uhr: Doppelmenseh. Friedrich- WiHielinsiadtisches Schauspielhaus. Freitag, den L. Januar, abend» 8 Uhr: Cyrsno von Bergerac. Eonnabend 8'/. Uhr: Hosgunst. Sonntag 8 Uhr: Die blaue Mau». (8 Uhr: Faust.) Lusispieihaus. Abends 8 Uhr: Der Feldherrtchugel. Residenz-Theater, Streftion:«i-bard Alexander. Ansang 8 Uhr. Familie Bolero Schwant in 3 Akten von Maurice Hennequin und Paul Bilhaud. Morgen und folgende Tage: _ Kamitie Bolero._ Luisen- Theater. Abend? 8 Uhr: Der Millioneujunge. Volksstück in 4 Akten v. W. Christ, na«. Sonnabend 4 Uhr: Häusel und (Bretel. 8 Uhr- Der Millionenjunge. Sonntag 3 Uhr; Hamlet, v Uhr: Urania. WissenschaftlicheB Theater Tanbenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Kaiser-Panorama. Ken! Reise ins Pharaonen* land von Triest nach Kairo. It. Wanderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. OSE=THEATE MudickeS Reise nach Indien. ibrofjt granfjnrtci Str. 132. Ansang 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Der Kaisrrjögkr. LI Sonnabend nachm.: Aschenbrödel. Abends 8 Uhr und folg. Tage: Don Carlo». Sonntag nachm.: Kaiserjäger. 8 Uhr: DaS voltständig»nie, sensationelle Progranun. iO große Aitraklionen 10 mit Otto Rentier� G. Jifctropol' Theater. Hurra! Wir leben«och! Grotze Ausstattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund Musik o. V Holländer. I»! Szene gesetzt von Dir. N. Schultz. Ansang 8 Uhr. Ztauchen gestaltet StT" �ener Spielplan!"VS Ktbei l.ovey, Araeriltas Favorit. La belle Leonor», Spaniens Stolz, Ka-Ten-Iehy-Truppe, japanische Wasserspiele. Harmony Four, ein musikal Ulk. Therese Renz, Schalreiterin. The Gaudsmidts, Clown-Akrobaten, mit ihren spanischen Pudeln. De Witt. Burns, Torranee, Exzen- triks, in ihrer Szene:.Lebendes Spielzeug*. Mlle. Oenarbers Luftballonfahrt über den Köpfen des Publikums. Valazzi. Jongleur. The 3 Ernest, kom. Reckakt.' Lea fleurs Polonaises in ihr. Szene; „Ein polnisches Bauernfest*. Biograph, neueste Aufnahmen. MMIS Ans. 8 Uhr. voroakaus 11—2 Uhr. Zwei Schlager: Biae verioreae �sckt. Br, Sie uaä Er mit Anlon und Donai Herrnseld in den Hauptrollen. Pssssge-Psnoplülum. Während der Weihnaohlsterien v. 18. Dezember bis 8. Januar VolkHtnge. Jedermann I Kind freil ied Kind erh. ein Geschenk. Alle Schaustellungen frei! Alles ohne Extra- Entreo! Reiebshalien-Theater. Stettiner Sanger. Renk Musikanica-Weihnacht Genrebild von Mehsel. Anfang wochentags b Uhr Sonntags » Uhr. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeal). Freitag, abends 0 Uhr: Ein Familiendrama in 3 Aufz. von H. Ibsen. Deutsch von W. Lange. Ende lO'li Uhr. Sonnabend, abendS 8U hr: Vee Illininel eruk Erden. Sonntag, nachm. 3 Uhr: IMe Ehre. Sonntag, abc ii ds8Uhr: Hnsr, ren lieber. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr; Die Tfaeht der Finsternis. Schauspiel in 5 Akten von Leo N. Tolstoi. Uebersetzt von R. Löwenseld. Ende 10-/, Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hnsnrenlleber. Sonntag, n a ch m. 3 U h c: Egmont. Sonntag, abends 8 Uhr: Oie nacht der Finsternis. »9 CLOU" BERLINER KOXZERTHAL'S Mauerstr. 82.-. Zimmerstr. 90-91 Eintritt 50 Ft. ! 1 1 Heute 1 1! Extra- Konzert. Anfang 8(7hr. An aüen Sonntagen von',,1-8 Uhr: GfOßC Matinee. Spcrfal- Ausschank: BUnchcncr TlathHserbi'ttn. Theater des Westens. 8 Uhr: Das Fnppeninadcl. Mittw. u. Sonnab. 4 llbr: Rotkäppchen. Somit. 3'/, U.: Die geschiedene Frau. Brauerei Friedrichshain.■ Am KSnigstor. Größte Sohenswürdigkelt Berlins. Heute Freitag: Elite-Tag. Gr. Vock-Jubcl u.-Trubel„Auf der Alm*. Der berühmteste, Fettwirt Lohorsok Shvengruber mit seiner Truppe(80 Mitwirk.) aus München. Heute. 2 große Pferdk-Vettrennell. Anfan, 0 Geldpreise in bar. l 8 Uhr. Eniree Sv Ps. lZassterkaiten haben volle Güliiqkeit.- Enlrea 1 M Sport- Palast Potsdamer Straße 70-72a Entree 1 M. Freitag, den 6. Januar 1911, präzise abend» 8 Uhr, keine Zirkus-Borstellung, sondern Slnstührnng de» Deutschen TheaterS: Wnig Oeäipus von Sophokles. Sonnabend, den 7. Januar 1911, abends 7>/, Uhr: tad Soiree bigli life Auftreten sämtlicher Attraktionen. Her große Coup 9'/, Uhr. der 9'/, Uhi. Sedimiggler. Romant. Pantomime in 4 Akten. Krolttsr Eispalast der Welt Vom S5. Dezember bis 8. Januar: Feerie:„Weihnachten am Nordpol". Stilndlg Ä Kttnstlerbapellcn. — AußerKCwöhnliche Lichteffekte.— 200 Elslaafkflnstler.— Unterricht im Eislauf. Täglich»on 11—1 Uhr vormittags; KONZERT.| Jeden Sonntag 4 Uhr: Nachmittag/SsVorstellung. Meute Freitag, den 6. Januar 1911, abends: Zum Besten des Vaterländischen Frauenvereins Berlin Zweitos Konzert der Bonner Liedertafel (2. Preis auf dem Wettstreit in Frankfurt a. M.) 230 Sänger �.kÄ*3 Joseph Werth. Reservierter Platz 5 M. u. 3 M., alle anderen 2 M. Vorverkauf bei: Hofmusikalienhandlung Bete& Book, Leipziger Str. 37; Musikalienhandlung Btehl, Potsdamer Straße 39; A Wertbeim, Leipziger Straße; im Bureau des Vaterlfindtschon Franenvorelns, Dessauer Str. 14 und an der Kasse des Sport-Palaatea, Potsdamer Str. 72— 72 a. Alt-lioablt 47/48. Sonnlag, den 8. Januar 1911: Groster Lacherfolgl Die Wßhchssttin. Schwank in 3 Alten»on I. Jarno und H. Rilkett. Sebast. Aordhausen: Dir. Hans Reitz. Kassenerössn. v'/, Uhr. Aus. 7'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz._ Walhalla-Theater. �Rosenth.Ior.) Wetnbergsw. 20 1 Anfang S1/, Uhr: JaDiiar-Älleröeuestes in Bravo! Da Capo! Eine Allerweli»- Revue in l 5 Bildern mit oielcn neuen| Einlagen, CoupietS und Aitraklionen. Sonntags nachm. 3'/, Uhr: > Unsere Don.Juans. Poste mit«efang u. Tanz. Kleine Preise. �cs!slA-l.icWs!>iZüs kixdoFk, BerAstr. 151/152. ÜflT Heutet Der Todessfurz des Avlatlkers EalTontz mit seinem Fassagler Fol las aewie das Neujah r«- Pregraram und Einlagen- Anfang Wochentags« Ehr. X X Sonntags 3 Ehr. Jeden Sonnabend: VallstUndig neues Frogramm. Ilurgtheater- Festsäle und Kinematognpb vorm. Groterjan. Jnhab.: Rud. Mörz, SchöllhauserZtHee 129. Sei. 3, 8353 Eebende Photographien. eintvitl 30 u. 40 Ps. Kinder vieHälsle. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarlen, nur Wochen! gültig.!i!i Ps. aus allen Plätzen Stets wechs. Programm. ummii Mozart-Saal. Nollendorf- Platz. Beginn 6 Uhr. Ende II Ubr. Theater des Ueddings Millleretr. 182/183- Sellerstr. 85. Täglich»er auSaer kaust»in Hause: Abgründe Drama in zwei Akten von Urban Kab. Außerdem das neue großartige Programm. Trisnon»TBeater. Ansang 8 Uhr. Der heilige Hain. Hochbahnstation Koitbuser Tor. «'/. Uhr: Wie werde reich? Amerikanische SensatioiiS. Burleske w drei Bildern. «astsplvl Födia de F6rard und die grandiosen Januar- Spezialitäten. ich erikanische Berliner Volksoper Belle-Allianeestraße 7/8.—'/,S Uhr: Der Freischütz. kusvk. Freilag, S. Jan., adends 71;, Uhr: Extra vala Forstel i»ng I Gastspiel des Herrn Direktors j Pierre Althoif und Frau Direktor| Adele Althofl. Freiheits-Dress.! Die Aeros, höchst kom. Trapezk. l*etr Die 5 Oliltons:-® Die Frediani», Akrobaten zu I Pferde. 3 Gebr. Fratelllnls, ur- 1 komische ital. Clowns. Frl. I Elisabeth v. Dynar, Schulreitorin.| Um 9 Uhr ca. zum 14. Male; Die mit so gr. Beifall aufgen. I neue Ausstattungspantomune| „As'iiiln4; Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Die abgeirelene Frau. Steuer bunter Teil. felälvebelhügel. VclKt-VItCtttcr Kesniidbruimeii, Badstraße S3. Freitag, den S. Januar: Die Schuld der Mutter. Schauspiel in 4 Aufzügen von Vietorien Laroou. Kasseneröstnuug 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Thratrr„Groß-Kerlm" Freitag �rtUShof, Moabit. ev. Trilby. 8'/« (Ein Opfer des HliPnotismnS.) Eilt et 30— 100 Pf. VorzugSt. billiger. Dieses Inserat gilt als BorzugSkarte. Montag: VenesizfürK. Herrman«. Könlgsladl-üaslno. HSIzniarkttlr. 72, Ecke Alexanderttraße. Die neuen Jaiinar-Spezialltäten. Eilen Teuert, MiS Nelly, Gebr. Kühn, Gustav Bonne. Sylvester, Las Land», Spori-Aft. Franz Slobanskt. „Rerllner Windbeutel.** Schwont mit Gesang i» t Alt. Ansang 8 Ubr. Sonntags S>/, Uhr. Karl Haverland- Ansang Thoatop Aommmtbautcu* präz. 7-/, U. lULoU!l. straße 77/79. lannar Gl» urkomisdieS SpEzialHäten-Propinin 1911. da« Tagesgespräch t» _ neuen Jahre. Casino-Thoater Lothringer Straße 37. Täglich S Uhr: Das Originat Berliner Vottsstütk Julie Wippchen. UrbellinerHuniorl UlbetlinerThpent Im Stile der ehem. Wallner-Bübne. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 3'/, Uhr: Haft und Liebe. Für de» Jnlialt der In, ernte ntunummi die Stedaktion dem Publikum gegenüber keinerlet Verantwortung, Arnold Sobalz X«»« HV«It Nnaenheide 108-114 Von Sonntag, den S. Januar 1911 ab täglich:-MB Da» größte und amösantesl« Bockbierfest ICtroB-Bcrllns. in den bayrischen Alpen! Im herrlichen Berchtesgaden. Baron Muckls Bauernkapelle. Defreggers Tyroler-Truppe. Dayrische Madln-Kedienung. Die DnsiiiiMilSSlllm, HMseldlreilit« Ansang: Täglich 7 Uhr. . Sonntag» 4 Entreo:»v Ps.. Sonntag« SV m lilndenstr. 69, l ad«», i Verwaltung Berlin. Heute, Freitag, abends 8'/z Uhr, im Gcwerkschafishause, Engel- »fer 14/15, Saal 4(Arbeitslosensaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Achtung! Lehrlinge ujugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Sonntagnachmittag von Z— 8 Uhr abends ist der ArbeitZIosensaal im GcwerkschastKhause, Eiiaclufer 11/15. als Lelcsaal sür die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeitschristen der Jugendbibliothek liegen zur freien Benutzung aus. Die WcrkstattvertraueuSleiite werden gebeten, die Lehrlinge auf den Besuch des Lesesaales aufmerksam zu machen. I Kranke«-UnttMhnngs-«. � Keglablns-Kasse der Lkdmnnlhter Kerlins. (E' H.?!r. 50.) Vellersl-Vei'ssmmlllllg ani Sonntag, den 13. Januar 1911, vormittags 10 Uhr, inr GcwerkschaftShauie, Engeluser 15, Saal 11. Holzarbeiter in Mariendorf und Tempelhof. Montag, den N. Januar, abends S Uhr, bei Löwenhagen, Chausseestr. 21: Versammlung. Soeben ernchlenen; jVolksentreeWimg, Maschinen-Arbeiter. Montag, den S.Januar 1S11, abends acht Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Außerordentliche verttauevsmälinet'-vei'lZwmlung. Tages-Ordnung: I. Die Hhgiene-Ausstellung in Dresden 1311 und �unsere Gefahren an den Holzvearbeituugsinafchinen. 2. Bericht der Obleute. 3. Ausstellung der Delegierten zur Generalversammlung. VB. Kollegen, wir erwarten bestimmt, daff et« jeder Betrieb, wo Maschinenarbeiter beschäftigt werden, vertreten ist. Da wir gemeinsam mit dem Hauptvorstand uns au dieser Ausstellung be- teilige» wollen, so ist es notwendig, daß die zur Ausgabe ge> langenden Fragebogen auch von jedem Kollege» ausgefüllt werden. Darum, Kollegen, kommt in dies« Versammlung: dieselbe wird und mnst dazu beitrage«, dast die Ttcherheitsmaffregeln in unserem Berufe durchgreifender werden. Die zur Ausgabe gelangenden Fragebogen muffen sofort am nächsten Tage ausgefüllt werden und iÄ sofort dem Kollegen Windmnller» Kochhan«. 4 SXtiKQlM« VllnvIlAZ strahe»3, zugestellt werden.' Die Tischlerkollegen werden ersucht, die Maschwenarbeiter aus diese Versammlung ausmerksam zu machen. 77/S__ Die Branctaenkommlsslon. Tages-Ordnung! ....."~ rfnl 1910. 1. Kassenbericht vom 4. Quark! 2. Bericht der Revisoren. 3. Vorstandswahl, a) den 2 Vorsteher, v) den Schriftführer, o) den Kon« trolleur, d) die Ersatznlänner. 4. Geschäftliches. Der Borstand. 2550b J. A.: Gustav Busse. Verband der Isolierer. Steinholzleger Berlins (Abt. S t ein ho lz I e g er). Sonntag, den 8. Januar 1311, nachm. 4 Uhr, Linienstr. 73(HahnS Ziachsolger): lZömI%s»I>in!|. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Neuwahl der SektionSleittmg. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Verbandsangelegenheiten. 284)7 Mitgliedsbuch ist mitzubringen. I. A.: D e r V o r st a n d. Die Wslilpsrole > des schwarzblauen Blocks. Reden der Abgeordneten David, Frank, Scheidemann n. des Reichskanzlers b. d. Etatsberatnngen am 9. bis 14. Dezember 1910. |Nach d, Stenograph. Berichten. 245/4» Preis 40 Pt BERLIN SW. 68 Sechster Wahlkreis! Tonntag, den 8. Jannar 1911, abends 9% Uhr, im Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9: für Männer und Frauen. Vortrag: Geistige Zeit- und Streitfragen. Referent: Stadt- verordneter Meet Manasse. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Tanz 30 Pf. 224/3* Der Einberufer i.folinnn ItUnlsch, Wichertstr. 3. Senischer öanarbeiter-Verbaiid. Sonntag, den 8. Januar 1911, vormittags 10 UHc, bei Dräsel(großer Saal), '' ichstr. Zweigverein Berlin. Sektion der Patzer. .011, vormittags 10 UH Neue Friedrichstr. 35; Uitg�liederversammlnng�. TageS-Ordnung: 1. Ncujahrsgruß des Gesangvereins der Putzer. 2. Jahresbericht der örtl. Verwaltung. 8. Beschlußfassung über die weitere Besetzung des Vorstandes. 4. Verschiedenes. Zalilreicbe» und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwartet Die örtliche Verwaltung. |J�~ Gleichzeitig ersuchen wir alle Mitglieder, welche bis jetzt ihr altes Verbandsbuch noch nicht abgegeben habe», dies den.Grundstein�verbreitern morgen rcsp. am Sonntagvormittag mitzugeben, auch machen wir aus den am 21. Januar bei KBcms stattfindenden Maskenball ausmerksam und ersuchen, fich rechtzeitig mit Eintrittskarten zu versehen.[133/3] D. O. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, ÄSlz, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12. 2—4 m. Saal, Sitz sämtl. Gewerksch., stch. Exist., M. bei 8—10 000 M. Anz. z. verk. Bierumsatz pro Jahr 400 bl. Off. unt. H. 245 an«aasen- stein A Vogler*. G., Halle a. 8. Parteilokal stt für 56 000 KM- HaraskUse"MV hochfein, 100 Stück 2 M., ab hier unter Nachnahme. Käserei Gro8brem- bach bei Weimar. 5/6* UMn der Um iitseiiis — Verwaltung Berlin.— SO. 16, Engeluser 15, Ausgang B IV, Zimmer 83. Tel.: Amt IV 6230. Arbeitsnachweis von 9—11 Uhr vorm. Sprechzeit von 11—1 und'/,6— 7 Uhr. Montag, den 9. Januar, abends 51/» Uhr, im Saal 1 des Gewerk- schaftshanses, Engelufer 15: Verfammlung der Bildhauer TageS-Ordnung: „Die Scharfmacher gegen die Gewerkschaften". Referent: Marl«lebel. Wir ersuchen die Kollegen, auch unter den der Organisation sernstehenden sür einen vollzähligen Besuch der Versammlung zu agitieren. 20/1_ Die Kommission. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und SchUKtellen- Anzeigen» Pfo-l des erste Wort ((cttgcdrnckt) 10 Plg. Worte mit mehr als 15 Bocbstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN fflr die nlchste Nummer werden In den Anaihmo- steiles fOr Berlin bis I Uhr, für die Vororte kM 12 Uhr, In der Haupt-EApeditlon, Undenstrassc M, bis S Uhr angenommen, Hrrmannplatz 6. AllerdiNigste Psänderverläusc. RlesenauSwahb WwterpaletotS. Sommerpaletot». JackeNanzüge. Gebrockanzüae. Herren» holen. Ertrabillige PelzstolaS. AuS» ftenersachen. Staunendbilllger Bellen» verlaus. Brautbetten. BermietungS» bett. Spottbilliger Wäschevertaus. Gar» dinenvertaus. Teppichverkaus. Btülch» tiichdecken. Steppdecken. Goldsachen. Talchenuhren. KettenauSwabl. Ringe» auSwahl. Schmucksachen. Wanduhren. «ähmaschwen. Grotzberlw» beliebteste EtntausSquelle. Allerbilligfter Waren» verkauf im PsandleihhauS Hermann» platz 6. Auch Sonntags geöffnet. Borjitbriae elegante Gehrock» anzüae, Frackanzüge und Smokings aus feinsten Matzstoffen«norm billig. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 1764K» MSbel ohne Geld bei ganz Newer Anzahlung geben Wirtschaften und einzelne Stücke aus Kredit unter äutzerster PreiSnotiernng: auch Waren aller Art. Der ganze Osten kaust bei uns. Kretfchmann u Eo., Koppen- ftratze 4, Schlestscher Bahnhos. 1g51K Verkäuie. Teppiche!(jehlerhaste) tu allen Grötzrn, fast für die Halst« oeS Werte» Teppichlager Brünn. Hackelcher Markt 4, Bahnbot Börse.(Leser deS »Vorwärts» erbalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntag» geöffnet I Gaskronc, elegante, 10,—, Fried- richstratze 192/193, IN, Sonnenbrodt. Bilder taufen Sie direkt stabrit »et Bogdan. Weinmeislerftratze 2. Borwärtsleser erkalten süns Prozeni Erirarabatt, selbst bei Ge» legenhestSkäusen. Depplch» Thomas. Oranlen- ftrage 160, Oranienplatz! Rasen» thalerstratze 54. 194gR» Herrenhiite, früher ein unbedeu- tender Nebenartitel bel mir, gehen jetzt enorm. Ich verkaufe soviel Dutzend als ich srüher Stücke verkauste. Ich bin aber auch sehr billig und führe stets das Neueste darin. Herr- mann Schlesinger, Turmstratz« 88, Re-nick-ndorferstratze 48. 1828it* LtttauerS Räbmaichinen ohne An- zahlung, gebrauchte spottbillig I Sta- litzerstratze 99. Barschauerstrane 67." Deppichr. Die Restbestände einer Teppichsabrit kommen zum schleunigen Verlaus. Preise bedeutend herab- gesetzt. Plüschteppiche, ganz schwere Oualität: Stnbengrötze, srüher 18,50 jetzt 12.00: Wohnzimmergrötze. lrüber 32.75 jetzt 24.50; Salongrötze. srüher 43,50 jetzt 35,00. TeppichhauS Georg 1! ange. Ehauffeestratze 73/74.__ Portieren, Plüsch und Zilz, Rest- bestände 1—4 Fenster oedentestd unter Preis._ ErbStüll- StoreS, ew grotzer Posten «st Volant, voll« Brette und Länge 4.75._ Steppdecken, eigene Anfertigung, richtige Grötze, 3,75, 4,50, 5,50, 7,50. TeppichhauS Georg Lange, Chaussee- ftrape 78,74._ 1S31K» Ünkenrnfe aus dem Tümpel der Kultur. Satirenbuch von Frttz Schweynert. Verlag der.Tribüne', Berlin. Preis elegant gebunden 1.— Mark. Zu haben Buchhandlung Vorwärts. 1099K* Gaskronen, dreiflammtg 4,50, Bronzelronen 7,50, GaSzuglampen 7,00, GaSlyren 1,40, GaSwandarme 0,55. Teilzahlungen gestattet. Kronenlager Grotze Fraulsurterstratze 92: Filiale Ravenöstratz« 6. 1301K* Teppiche, Portieren, TüllstoreS, Gardinen, Steppdecken, Läuserftoffe, Tischdecken, Fellvorlagen, Divandecken, spottbillige WeihnachtSpreise. PotS- damerstratze 109, TeppichhauS Konrad Fischer. Borwärtsleser Extrarabatt.' Teppiche(Farbensehler), Stepp» decken, Gardinen. Tischdecken, Tüll bettdecken, Uebergardinen, Sosa» stoffreste spottbillig Fabritlager Mauerhost, Grotze Frankfurterftratze 9. Flureingang. BorwärtSIesern zehn Prozent. Sonntag» geöffnet- 2488K' Monatsanznge und Winter» paletoiS von 5 Mark sowie Hosen von 1,50, Gehrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie sür korpulente Neue Garderohe zu staunend " chen ver» Figuren. billigen Preisen sallene Saf bei Ratz. Mulackstratze 14. aus Pfandlrihi en kaust man am billigsten Bücher de» deutschen SauseS. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichten, Novellen usw. Gut aus- gestattet, zirka 300 Seiten mnsassend, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Psennige pro Band. Expedition, Lindenftratzc 69, Laden. («losten zu Hoe» GuyotS-und Sigismund Lacrots*.Die wahre Ge» statt des Christentums', von August Bebel. PretS 75 Ps., billige Ausgabe 30 Ps. ExpedMon Lwdenftratze 63, Laden. Damenhemden mit handgestickter Passe 1,15, Herrenhemden 1,15, Nor- malwnsche, Arbeiterhemden sowie elegante Reisemuster bis zur Hälste deS Wertes. Wäschesabrik SalomonSkh, Dircks en ftratze 21, Alexan d erplatz.* Spottbillig! HerrenpaletotS. Herrenanzüge. Herrenhosen, zurückgesetzte, hochvornehme. Deutsches Versand- hau». Jägerstratze 63 l. Firma- beachtung. 254lb* QesckZftsverkSnte. Parteilokal. Ecke, sichere» Geichäst, mehrere Verein«, gutgehend, sosort wegen Verzug nach Autzerhalb, da Wirtschaft übernehmen mutz: 30 Halbe monatlich, Miete l500. Brauerewilse. Auskunft bei WollterSdors, Manteufsel- ftratze 42, Lokal.+55 Restaurant, Baugegend, verkauft Rixdors, Hertzbergstrahe 7/8.+55* Ztgarrengeschiist umständehalber j« verlausen, Prei» 700.00, passend ür Parteigenossen. Zu erfragen: 'taube, Korsörerstratze lt.+43 Kahtengeschäft zu verlausen. Rirdors,-schillerpromenade 9.[2553b Kohlengeschäft zu verkausen. Rixdors, Mainzerstratze 22. 2554b Kolonialwaren-, Obst, und Ge- müsegeschäst, sosort verkäuflich. Näheres im Friseurgeschäst, Chsrlottenburg, Friedbergstrahe 9. 5/10 Parteilokal, IguteS, mit Vereinen, verkäuflich, Rommtenerstratze 28, de! Meyer. 5/3 Möbel. Zuchthans, Acht Jahre. Lebens. arinnerungen von Sepp Oerter. Hochinteressant. Preis 1 Mark. Zu Vagühen Buchhandlung BortvärtS.*______________ . VeiMtworlllcher Redat'eiir; Richard Barch, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TI.«locke, Berlin. Druck Verlag: Borwärttz jvlnhdruckerei v. BerlagSanstalt ZZaul Singer Berlin A«. Kontormöbel, Geldschränke, ge- braucht, neu, spottbillig. Wolst, Kom- mandantenstratze 20/21. 240/4* Möbrlangebot! Sosa», Garnl- wrrn.KleidersPinden, Vertikos, BüsettS, Schreibtische, Spiegel, Bettstellen, Küchenmöbel, PianinoS, ganze Ein- richiungen, spollbilltg, grotze Ge- legenbeit, Riesenauswahl, 5 Etagen. Möbelspeicherei Neue Königstr. 5/6, Fabrilgebäude. SonnlagS geöffnet. Teilzahlung gestattet. 240/1* Ehaifelongne! elegant, 18, hüb- scheS Plüsch, osa 35. Schreibti'ch. Lutzowstratze 74 1. 5/7 Umzugshalber besonder» billige Preise I Englischer Ankleideschrant 55,—, mit geschliffenem Spiegel 65,—, eleganter Sosaumbau mit grotzem Kristallspieget 55,—, Plüschsosa 45,—. Säuleubüsett, Spezial-Ledei stuhle 8,—, englische, moderne Bettstelle mit Mattatze und Keilkissen 45,—, Säulen- ttumeau mit geschliffenem Spiegel 29,—, Herrenschreibtisch 40,—, Chaiselongue mit Decke 22,—, Ausziehtisch 15,—, Waschtoilette mit Marmorplatte 26,—, moderne, farbige Küchen 55,— an. Aufbewahrung und Trausport srei. MöbeltaushauS Dresdener- ftratze 107-108. 200/7 iWuLlK.. Pianino. hohes, Schnitzerei, 125.— (Teilzahlung). Turmstratz« 8 1. 4/16 Versckleäenes. Patentanwalt»effel, Gltschlner- ftratze 94a. Leihhaus, Chausseesttatze, Ecke Schwartzkopffstrahe. 147/5* Kupfers Messing, Plattnabsälle Silberabsälle. Goldschmclze Nieper Köpenickersttatz« 20»(gegenüber Man- tcuffelftratzes._ 205fi* »Friedrich-Wilhelm*. Gcneral- agentur; 0, 112. Malnzerstratze 24 II. Lebens-, Arbeitet, Kinderversicherung. Auch Sonntag», tz_ 1853a* Schatzgräbers Plattna, Bruchgold. Silber, Edelsteine, höchstzahlend. Werner, Pappelallee 3. 1894K' Platinabfälle, Gramm 4,40, Zahngebiffc, Silber, Altgold kaust ölümel, Auguststratze ig. IQ.+l15* Platina, alte Goldsachen, Bruch- gold, Silber. Doublsabsälle, Treffen, Geblfle. Kehrgold, Goldwatten, Gold- gummtS, Staniolabsälle, sämtliche gold- und filberhalttgcn Abfälle taust Broh, Goldschmelze, Köpe- nickerstratze 29. Telephon IV, 6358. Vermietunxen. �Voknunjgen. Balkonwohnungen, 2 Stuben, Küche, 33,—, sofort. Kleine MartuS- stratze 3. 5/1» Zimmer- Klavierzimmer Prinzensttatze 65, III klrbelterlekretär geiu-ht. ür das Arbeitersekretariat in Würzburg wird sür den 15. Februar, spätestens sür den 1. April d. I. ein Sekretär gesucht. Geeignete Bc- werber, die rednerische Fähigkeiten besitzen, wollen ihre Angebote unter An« gäbe ihrer bisherigen Tätigkeit nebit kurzem Aussatz über die Ausgaben eines Arbeitcrsekretärs. bis zum 1. Februar d. I. an den Karlellvorsitzenden Al. l-ohse, Würzburg, Rückertstr. 7, mit der Auffchrist»Beiverblmg' einzureichen. Aus eine tüchtige Krast wird reflektiert. Gehallsansprüche find zu stellen._ 285/6* Cewerkschattskartell Würebarg. ÄlödlicrteS Vorderzimmer vermietet Perleberg, Swtnemünder- stratze 27. 2Sb2b Alietsgesuche. Schlafstelle sucht stmger Mann sofort. Offerten mit Preis per Woche mit oder ohne Kaffee unter dl. 3 Expeditton dieser Zeitung. 25516 Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Zuschneider, der tn hiesigen Star- tonsabriten gearbeitet, sabrit, Luisenuser 11. glKarton- 25496 Tüchtiger Bezieher, welcher auch flott bcspinnen lann, sür dauernd verlangt. Ptanosabrit Hillgärtner, Pankow, Uckcrmarkstratze 176. 5/8 Zeitungsfrauen sofort orrlnrt.ztt Meldungen Schützenstratze 24—25. Zeitungsfrauen sosort verlangt Polsdamerftratze 33. 4/20* Zeitungsfrauen, sür Sännet-, Nicmetz- und Richardstrabe verlangt sosorl»Berliner Tageblatt', Rixdors, Berlincrstr. 41. 4/19* Arbeiterinnen zum Sortieren von Papierabsällen, Anfangslohn 10,00 Mark, steigend bis 15 Mark, vcrlastgt Schimek, Piühlenstratze 11.* Im Arbeitsmarkt durrh besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Ps. die Zeile. Tüchtiger selbständiger Getd- schrankfchlossera»«°r. arbcitcr gesucht. Bei zusrtedenftellenden Leistungen evtl. spater Meisterposten. Tüchtige Kunstschlosser finden dauernde Arbeit. 181/10 Benno Scliildc, Maschinenfabrik HerSfeld(H-N). Tüchtiger Besteckarbeiter lann sofort antreten bei H. Heyen dk Co., Sebastianstr. 20._ 5/16