Nr. 6. HbonncmcntS'Bcdingungen; tffionnsmcnlä- Preis pränumerando i Vicrtcljährl. S£0 M5, niondti. 1,10 MÜ, wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nuiunier init illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pig, Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung-. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. PostabonnementZ nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28. Jahrg. CrfAttot täglid) auBcr montags. Vevlinev Volksblclkk. Die TnferflonS'Gebaifr beträgt für die sech-gespaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 50 Psg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzcigcn W Pfg. „IHeine?n-eigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- ilellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Numnier müssen bis SUhrnachmiltagSinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt pjz 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozUliUniokrat Berlin", Zentralorgan der fozialdemokratt feben parte» Deutfchlands. Redaktion: 8 Cd. 68. Lindcnstrassc 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Stuckenten und Sozialdemokratie. Zu der Frage der Stellung von Studenten und Sozial- demokratie zueinander, die kürzlich in zwei vom„Vorwärts" veröffentlichten Zuschriften von Studenten angeschnitten wurde. ist uns noch eine dritte Zuschrift aus akademischen Kreisen zugegangen. Diese Zuschriften beweisen nicht nur, daß das politische und soziale Interesse in stildentischen Kreisen zum Teil wieder einmal besonders lebhaft ist. sondern auch, daß es notwendig ist, die jüngeren akademischen Generationen wieder einmal über die Stellung der Sozialdemokratte zu den Studenten aufzuklären. Wir sagen„wieder einmal", denn die Frage„Studenten und Sozialdemokratte" ist ja nicht erst heute aktuell geworden, sondern hat schon wiederholt und sehr ausgiebig ihre Diskussion in der sozialdemokratischen Presse gefunden. Bevor wir im Anschlutz an diese früheren Auseinandersetzungen die Ansicht der Partei darlegen, sei die erwähnte Zuschrift wiedergegeben. Sie lautet: „In Nr. 302 u. 305 des„Vorwärts" wurde das Thema„Aka- demiker und Sozialdemokratie" von verschiedenen Seiten behandelt. Die Dozenten kamen hierbei sehr schlecht weg, es handelte sich nur um die akademische Jugend. Das ist sehr verständlich, denn an sich hat der Akademiker als freier wissenschaftlicher Forscher mit einer politischen Partei nicht das geringste zu tun. Eine Universität würde ihr edelstes Besitztum, das Recht der freien Forschung, aufgeben, wollte sie sich zum Sklaven gleichviel welcher Partei machen. Zu dem Lehrkörper einer Universität gehören Vertreter aller Richtungen. Natürlich darf die Sozialdemokratie keines- wegS fehlen, da sie Universität dann nicht mehr die Summe aller Komponenten verkörperte. Die Sozialdemokratie wird sich also n i e der Hoffnung hingeben dürfen, die Universität jemals in ihren Dienst stellen zu können. Die nachdrücklichste Behauptung des eben Gesagten ist ebenso überflüssig, wie die Auslieferung der Universität an den konservativen Geist gefährlich für die freie Forschung ist. Nun zur akademischen Jugend. Die Verfasser der beiden oben erwähnten Artikel scheinen mir die Aufgaben des Studenten völlig zu verkennen. Die deutsche Studentenschaft ist kein Feld für die Tätigkeit irgendeiner Partei. Der deutsche Student soll die Fähigkeit erlangen, objektiv, wissen- schaftlich, kritisch zu urteilen, keine Partei hat daher das Recht, sich mit der Studentenschaft zu befassen. Das Verhältnis zwischen beiden ist ein absolut anderes. Der Student nämlich hat die Pflicht, die Theorien aller Parteien gewissenhaft zu studieren. Er kann in den allermeisten Fällen noch keine ab- geschlossene, wissenschaftlich begründete politische Ansicht haben, er mutz die Möglichkeit haben, alle Richtungen kennen zu lernen, eine politische Organisation der Studenten ist ein Unding. Das Ziel der Studentenschaft kann aber keineswegs sein: Anschluß an die sozialdemokratische Partei. Hier schießt der Verfasser des zweiten Artikels weit über das Ziel hinaus. Sehr richtig betont er hin- gegen, daß z. B. die Mitarbeiter der„Studentischen Unterrichts- kurse", die ich genau zu kennen glaube, da ich mich seit Jahren aktiv daran beteilige, sich keineswegs nur aus Freistudenten oder ganz freien Studenten rekrutieren, sondern zum sehr großen Teil aus Inkorporierten. Hier zeigt der Verfasser die nötige objektive Ruhe, die ich bei seiner Forderung:„Anschluß an die Sozialdemo. kratie durchaus vermisse. Für die Sozialdemokratie selbst wird es am besten sein, wenn sie noch mehr An- Hänger unter den Akademikern gewinnen will, sich in keiner Weise mit der Studentenschaft zu befassen. Die freie Forschung läßt sich nicht organisieren. Hier gibt es keinen lssampf bis zur Vernichtung des Gegners, oder sollten einige Sozial- demotraten der Ansicht sein, daß der Recht behält, der seinen Gegner im Duell niederknallt?" Bevor wir auf diese Ausführungen näher eingehen, sei eine Bemerkung vorausgeschickt. Gegenüber der ersten Ein sendung, die die Aussichtslosigkeit darlegte, durch eine in Studentenkreisen betttebene Agitation erhebliche Erfolge zu erzielen, ivarf der zweite Einsender die Frage auf, ob denn die Sozialdemokratie etwa auf die Unterstützung der Akademiker von vornherein verzichten wolle. Die Frage glauben wir am besten dadurch zu beantworten, daß wir eine Darlegung Kautskys wiedergeben, die zwar bereits fünfzehn Jahre alt ist, trotzdem aber auch heute noch den Nagel auf den Kopf trifft t »Es kann sich hierbei nicht um die Frage handeln, ob die Sozialdemokratie Mitglieder der Intelligenz gern in ihren Reihen sehen soll. Diese Frage ist bereits im Kom munistischen Manifest entschieden, sowie durch die Tatsache, daß die Begründer der Sozialdemokratie, ein Marx, .Engels, Lassalle. Mitglieder der Intelligenz waren. Der Sozialdemokratte ist j e d e r willkommen, der ihre Grund sätze anerkennt und ihren Befreiungskampf in ihrer Weise mitkämpft, aus welcher Klasse er immer kommen mag. Die Anschauung, daß die Sache der Lohnarbeiter nur von Lohnarbeitern ordentlich vertreten werden kann, ist die An- schauung des rückständigsten Teils des Proletariats, der noch in zünftiger Beschränktheit befanden ist. Es war die Anschauung nicht der sozialdemokrattschen Barbaren, sondern der liberalen Musterknaben, der englischen Geiverk- schaftler. Im revolutionären Teil des Proletariats tourde diese Anschauung höchstens gelegentlich von einigen mit der Sozial- demokratie unzufriedenen Elementen vertreten merkwürdigerweise waren es in der Regel Mitglieder der Jntelli- genz selbst, die da mitunter das Bedürfnis fühlten, die „schivielige Proletarierfaust" zu schwingen— von Hasselmann bis zu manchem der„Unabhängigen". Darüber zu diskutieren, ist heute nicht mehr notwendi g." Wenn die Sozialdemokratie also bisher unter den Studenten keine besondere Propaganda betrieben hat. so wahrhaftig nicht die Sozialdemokratie gangs widergegebenen deutsche Studentenschaft irgend einer Partei, deshalb, weil ihr die Hilfe dieser Intellektuellen nicht will- kommen wäre. Aber auch keineswegs deshalb, weil gleich dein Verfasser der ein- Zuschrift der Ansicht wäre, die biete kein Feld für die Tätigkeit weil sich das mit der Aufgabe des Sttidenten, alle Parteien objektiv zu studieren und nur der reinen Wissenschaft zu leben, nicht verttage. Denn reaktionäre, antisemitische, alldeutsche,„nationale" Politik wird ja in studentischen Kreisen ganz offen getrieben. Sogar als Wahlschlepper sind schon mehr als einmal die Studenten in Masse angetreten. Und auf der anderen Seite waren die Zeiten, wo die Burschenschaften mit fort- schrittlichem Geiste erfüllt waren. nicht die schlechtesten Zeiten der deutschen Studentenschaft. Selbstverständlich soll der Student auch in der Politik Wissenschaftler sein, selbslöerständlich soll er die politischen Ansichten der verschiedenen Parteien studieren und sich auf Grund der gewonnenen Erkenntnis ein politisches Urteil zu bilden suchen, allein deshalb kann man doch der Jugend nicht einfach kategorisch das Recht absprechen, auch ihrerseits in den großen Kämpfen der Zeit nach bestem Wissen und Empfinden Partei zu ergreifen und sich mit aller Entschiedenheit auf diese oder jene Seite zu schlagen. Denn wenn die Jugend nicht das Recht haben soll, in den Weltanschauungskämpfcn mit Leidenschaft Partei zu ergreifen, wer in aller Welt sollte es denn sonst I In der Tat hat auch überall da, wo das Bürgertum um seine Emanzipation kämpfte, die studierende Jugend an diesen Kämpfen leidenschaft- lichen Anteil genommen. Wenn aber im letzten halben Jahrhundert von revolutionärer Gesinnung innerhalb der deutschen Studentenschaft nicht allzuviel zu spüren>var. so ist das ganz und gar nicht auf einen größeren wissenschaftlicheren Ernst zurückzuführen, der den Studenten aus purer Objektivität politische Teil- uahmslosigkeit zur Pflicht machte, sondern ganz einfach auf die Klassenzugehörigkeit der großen Mehrzahl der Studenten. Selbst diejenigen Studenten, die kleinbürgerliches oder bäuerlicher Abkunft sind, empfinden keine Klassensolidarität mit dem Proletariat, sondern fühlen sich durch Erziehung, Gewohnheit und materielles Interesse mit der Bourgeoisie verbunden. Und schon deshalb, weil zurzeit keine sozialen und ökonomischen Vorbedingungen für eine Massengewinnung von Studenten gegeben sind, hat die Sozialdemokratie keinerlei Ursache zu einer besonderen Agitation unter der studierenden Jugend. Wenn die Sozialdemokratie aber unter den zurzeit herrschenden Verhältnissen auch nicht darauf rechnen darf, breite Schichten der studierenden Jugend zu sich herüber- zuziehen, so braucht sie darum noch keineswegs an der Gewinnung besonders tüchtiger Köpfe unter der Studenten schaft zu verzweifeln. Hat doch die Geschichte der Sozial deinokratie selbst bewiesen, daß es auch unter den Akademikern von bürgerlicher Abkunft Persönlichkeiten genug gibt, die aus Gründen der Ethik, aus Motiven ihres Intellekts zur Sozialdemokratie kommen. Den treibt dabei besonders ausgeprägtes soziales Empfinden, den rücksichtsloser wissenschaftlicher Erkenntnisdrang, den das Bedürfnis nach einer umfassenden, harmonischen Weltanschauung, wie sie modernen Geistern nur der Sozialismus bietet. Für diese Studierenden bedarf es aber keiner besonderen sozialistischen Propaganda, da sie aus sich selbst heraus das Bedürfnis empfinden, sich mit der Weltanschauung der Sozialdemokratie bekannt zu machen. Die sozialdemokrattsche Literatur hat aber bereits einen solchen Umfang und eine derartige Mannig- faltigkeit gewonnen, daß sie jedem suchenden Geiste der An- regungen übergenug zu bieten verniag. Die in der Zuschrift aufgeworfene Frage einer sozial- demokratischen Studeutenorganisatton braucht uns in Deutsch- land zurzeit kaum zu beschäftigen. An sich aber sind»vir mit Kautskys der Meinung, daß gegen eine besondere sozialistische Studentenbcwcgung, sogar mit geschlossener Organisation, durchaus nichts einzuwenden wäre. Denn diese Organisation wäre die gegebene Form der Verbindung für einen sozialistischen Studentenkreis, der die Propaganda innerhalb der akademischen Kreise weiter betreiben ivollte. Und wenn es„nationale" oder„liberale" Sludentenorgani- sationen gibt, warum sollten da sozialistische Studenten- organisationen nicht die gleiche Existenzberechttgnng haben! Im Namen der objektiven Forschung und der„reinen Wissenschaft" gegen politische Betätigung der Studenten zu eifern, verrät eben ein Verkennen der menschlichen Psyche im allgemeinen und der jugendlichen Psyche im besonderen. Von einer„objektiven" Forschung im absoluten Sinne kann bei den historischen Wissenschaften überhaupt nicht gesprochen werden. Jede entschiedene Stellungnahnie in Fragen der Geschichte und der Nationalökonoinie bedeutet auch Parteinahme. Das gibt ja auch der Verfasser der Zuschrift selbst insofern zu, als er zur Wahrung der freien Wissenschaft den Anhängern jeder Weltanschauung die Lehrfreiheit gesichert wissen will. Und wenn man nicht rein schablonenhaftverfahren ivill, kann man doch unmöglich sagen: der D 0 z e n t darf Anhänger einer be- stimmten Weltanschauung, darf Parteimaun sein, nicht aber auch der Lernende, der Student. So wenig man jemals im Leben auslernt, so wenig kann man umgekehrt auch einem noch Jugendlichen verbieten, sich aus den Elementen seiner bisherigen Erfahrung und seines bisherigen Wissens eine be- stimmte Weltanschauung zu gestalten. Gerade die Begabteren, Wissensdurstigeren werden dies elementare psychologische Be- dürfnis verspüren, während die mittelmäßigen, indifferenten Köpfe sich ohne Beschwerde mit einem unorganischen Wust bloßen Gedächtniskrames begnügen werden. Insofern freilich werden die Studenten gut tun, sich als Lernende, nicht als Lehrer zu betrachten, als eS weder für die Partei noch für die Betreffenden selbst vorteilhaft wäre, wenn sie sich ohne weiteres in die Parteitätigkeit hineinziehen ließen. Kein Akademiker sollte seine ganze Existenz von der Partei abhängig machen, che er sie genau kennt und ehe auch sie ihn erprobt hat. Wir schließen mit den Worten Kautskys: „Nicht als Lehrer und nicht als K ä m p f e r sollen die Studenten am Klassenkampf des Proletariats teilnehmen, sondern als Lernende, um späterhin Förderer unserer theoretischen Arbeiten zu werden, sowie Förderer der Jiltcr- essen des Proletariats in ihrer Berufstätigkeit. Sic sollen zu uils kommen, um zu lernen, unsere Literatur kennen zu lernen, aber auch unsere Bewegung. Sollen sie zum vollen Verständnis des Sozialismus gelangen, dann genügt es nicht, unsere Theorien zu kennen; sie müssen ins Leben hinab- steigen und das Proletariat aus eigener Anschauung kennen lernen.... „Aber die Jugend ist die Zeit d e S Taten- d r a n g e s, und gerade die besten unter den stu- dentischen Genossen begnügen sich nicht mit der Rolle von Z u s e h e r 11 und Zuhörern. Sie sollen wirken für ihre Sache. Will man sie vor dem praktischen Eintreten in den Klassenkampf des Proletariats bewahren, dann muß man ihnen ein anderes Tätigkeitsfeld eröffnen. Und da erscheint uns als das nächstaelegene und passendste d i e S t u d e n t e n s ch a s t s e l b st. In der Tat, wer anders wäre berufen, unter den Studenten sozialistische Propaganda zu treiben, als die sozialistischen Studenten selbst?"_ Leere Behauptungen und schlagende Gründe. Wenn man die verzweifelte Lage der Polizei im Moabiter Prozeß recht deutlich vor Augen haben will, so kann man nichts Besseres tun, als die Plädoyers der Staaisanwälte mit denen der Verteidiger zu vergleichen. Dort leere Behauptungen, hier schlagende Grunde, dort Ignorierung alles deffcn, was die Beweisaufnahme über das Verhalten der Polizei ergeben hat, hier Tatsachen über Tatsachen. Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung die Verteidigung der Polizei, die Herr Steinbrecht in der Freitagssitzung nach Beendigung der mehrstündigen Rede Heines, die die Fülle des ge- waltigen Materials nur in Stichproben vorführen konnte, zu unter- nehmen versuchte. Sie ist ein Musterbeispiel für die Art, wie die Anklagebehörde in diesem Verfahren kämpft. Der Erste Staats- anwalt begnügt sich nut dein Bestreiten der schweren Anschuldigungen, die der Verteidiger mit schlagenden Beweisen, mit gewichtigen Tat- fachen begründet hat. Er bestreitet alles, er stellt die Behauptung auf, daß die wohlfundierten Anklagen der Verteidigung gegen die Polizei falsch sind. Aber zur Entlräftuiig dieser Anklagen hat er nichts alö— seine Behauptung. Gründe, Beweise, Tatsachen schenkt er sich. Weil er sie nicht hat! Um so energischer„weist er zurück". Das ist bequem, aber eö reicht doch nicht aus. Diese leeren, will- kürlichen Behauptungen können nicht verdecken, daß die Anklage- behörde nichts Stichhaltiges zur Verteidigung der Polizei anzu- führen hat. Und wo die Gründe fehlen, da stellt sich der gereizte, unsachliche Ausfall ein. Herr Steiubrechl kann die Verteidigung nicht wider- legen, so verdächtigt er sie und enthüllt damit erst recht die Schwäche seiner Position. Der Vorsitzende,„„n den Verteidigern energisch interpelliert, mußte eingreifen. Er konnte nicht umhin, die Aeußcrung des Ersten Staatsanwalts in freilich sehr milder Form zu desavouieren. Allerdings suchte Herr Lieber den Eindruck dieser Tatsache dadurch zu schwächen, daß er zugleich der Verteidigung eine Rüge erteilte. Er setzte ihre Angriffe auf die politischen Motive, die die Anllagebehörde z>' der besonderen Art der Verbindung der Anklagen geführt haben, der Verdächtigung gleich. die Herr Steinbrecht wider die Verteidigung schlidderte. Er hat dabei nur einen großen Unterschied übersehen. Das Verfahren der StaatSanwallichaft in diesem Falle war im höchste« Grade auffällig und ungewöhnlich, und in Verbindung mit dem politischen Charakter der Anllagcschrift müssen sich die Folgerungen aufdrängen, die die Verteidiger gezogen haben. Sie haben Tatsachen, gravierende Tat» 'achen, die ihre Beschuldigung stützen. Die StaatSanwalischaft aber hat nichts als ihre Meinung. nichts als eine vage, leere Be- Häuptling I Das Schiefe, das Unhaltbare seiner und der Polizei Situation ist, was die gereizte Stimmung des Anklagevertreters erklärt. Die vernichtende Abrechnung mit der Polizei, die Heine am Freitag fortsetzte, die Dr. Heinemann in allgemeinen Anssührungen. die er an die Verteidigung seiner Klienten logisch misch, � in gediegener Weise weiterführte, ist natürlich für die Staatsanwaltschaft um so bitterer, als sie sich selbst sagen muß, daß diese klare über-euaende wohlbegründete Darstellung des Tatbestandes tiefen Eindruck auf die Oefföiitlichkeit mache» muß. Und sie kann sich-benio mckn Der» h-hl°n. daß sie selbst bei eisiigstem Bemühen)em nichts Gleich» wertiges entgegenstellen kann, weil ihr eben du« J, M»,0«, Ii°°.m ein bL Ä vergleiche nur fcic summarische schablaiieuhaste Darstellung der Vor- ginge in Moabit mit der lebendige», Ivohlgegliederte» übersichtliche» und i» feste», ausdrucksvolle» Linie» gehaltenen Zeichnung der Verteidigung. Liechtöanwalt Heine hat eine eingehende Analyse der Unruhen gegeben, ihre verschiedenen Phasen geschieden und charakterisiert, die Bedingungen und Entstehnngsursachen aufgedeckt. Er hat den vom Staatsanwalt auf den Kopf gestellten Talbestand wieder auf die Fiiste gestellt, hat den Beweis geführt, dah nicht die Moabiter Bevölkerung mit Angriffen auf die Polizei, sondern die Polizei mit Angriffen auf die Bevölkerung die Unruhetage eröffnete, er zeigte in kräftiger Weise die Zioeckwidrigkeit, die Kopf- und DirektionSlosigkcit der Polizeimaffnahmen. Und setzte mit Stolz dem Gerede von der moralischen Schuld der Sozialdemokratie die Anerkenntnis entgegen, dah die Sozialdemokratie allerdings vcr- schuldet, wenn sich die Arbeiterschaft in Moabit ob der Polizei- auSschreitungen furchtbar erregte. Denn es ist ein Erfolg der Kulturarbeit, die die deutsche Sozialdemokratie an den deutschen Proletariern geleistet hat, indein sie sie zu selbnbcwuhten Menschen machte, deren Ehrgefühl sich ausbäumt gegen schimpfliche Mihhand- lung, die sich nicht mehr mit der Demut des russischen Bauern verprügeln lassen. Eine Kulturarbeit, auf die die Herrichenden und Besitzenden mit scheelen Augen sehen, weil sie aus billigen, willigen Sklaven aufrechte, kämpfende Männer und Frauen schafft— dem Arbeiter will diese Schicht das Ehrgefühl nicht götinen, das sie für jeden ihrer Angehörigen als selbstverständlich voraussetzt. Aber die erzedierenden Polizeibeamten behandeln diese Männer und Frauen wie Leute mit einem Sklavcnsinn, von Hundcdemut, die sich alles gefallen lassen müssen. Sie bieten ihnen Schimpfworte, die eine unsägliche Roheit enthüllen. Schlimmer, denn die Taten der halbwilden Turkos im siebziger Krieg gegen wehrlose Gefangene muten einzelne Talen dieser„Schutz"- leute gegen die Bewohner von Moabit, gegen die eigenen Laudöleute an. Und es sind nicht bloh Schutzleute, die solche Roheit zeigen— auch Offiziere der Polizei offenbaren sich in ihrem wahren Wesen, nachdem ihnen in der Erregung der dünne Kulturfirnis ab- geschmolzen ist. Stück für Stück deckte Heine so die schwere Schuld der Polizei ans und schloß dann nach einem Hinweis auf die dunkle Tätigkeit der provoeatours mit einer kraftvollen Zusammen« fassung seiner Anklagen z» der Schluhfolgerung, dah hier die Aus- rede von den vereinzelten Angriffen versagt, dah hier ein System erwiesen ist. In einen: Nachtrag sagte Heine der Staatsanwaltschaft bittere Wahrheilen über ihre Strafaniräge, die ein besonderes Wohlwollen für den Sohn besserer Eltern und den braven Gelben verraten. Verteidiger Dr. Heinemann verzichtete angesichts der viel- stilndigen Ausführungen seines Vorredners auf eine Behandlung des allgemeinen Teils und fügte seine tief eindringenden juristischen Argumente in die Behandlung der Fälle seiner Klienten ein. Er ging besonders scharf inS Gericht mit der absolut falschen Vorstellung der Polizei von ihrer Stellung zum Publikum, von ihren Befug- nissen, er führte die von Heine begonnene Darlegung über die Un- rechtmähigkeit des Waffengebrauchs der Polizei an den vielen hundert Fällen, die in der Beweisausnahme vorkamen, weiter fort. Bei der Erörterung der Polizeiausschreitungen fand er Worte, die wie Brandmarkungen wirkten— der tiefen Empörung über die Brutalitäten, die die Bevölkerung von Moabit erduldete, gab er stellenweise lebendigen Ausdruck. In seiner Rede loderte der Zorn und der Schmerz, der die Arbeiter von Moabit erfüllt hat, als sie ihre Frauen von Schutzleute» mit den gemeinsten, infanisten Schimpfworten belegt sahen, als sie höre» muhten, dah ihre Fruucn von uniformierten und nichtuniformierten beamteten Rohlingen als Huren, Sauen, Saumenscher. Saustücke und äbnliches bezeichnet wurden. Und ans der Seele aller klassenbewußter Arbeiter � yat Dr. Heniemann gesprochen, als er mit bebender Stimme aus- rief, dah nichts jemals von der Polizei die Blutschuld an der Tötung des friedlichen Arbeiters Hermann nehmen könne. Der Red«« mutzte seine Ausführungen vor dem Schluß ab- brechen. Danach ist sicher vorauszusehen, dah der Prozeh heute Sonnabend noch nicht zum Schlüsse kommt. Es ist vielmehr fraglich, ob die Plädoyers in dieser Sitzung beendet werden. siieMchießuug eines liionteurs. Die verhängnisvolle Schiehaffäre in der Jungfernheide im August vorigen Jahres iand gester» vor dem Kriegsgericht der 2. Gardedivifion ein Nachspiel. Wie unsere» Lesern wohl noch in Erinnerung sein wird, wurde am 26. August der Monteur Otto S ch m i d i ck e. Kameruner Str. 55, in der Jnngferiiheide in der Nähe der Schießstände von einem Wachtposten nieder- geschossen und so schwer verwundet, dah er bald darauf starb. Da? Kriegsgericht hatte gestern darüber zu entscheiden, ob die Affäre eine Sühne fordert oder ob Schmidicke das Opfer einer Berketlung verhängnisvoller Umstände geworden ist, das heiht, ob der Schütze genau nach den Jnstruklionen der Wach- Verordnungen gehandelt ha». Die Anklage rränel sich gegen den F a h n e n I u n k e r von V i e b a h n, der seinerzeit beim Kaiser- Alexander-Gorde-Grenadier-Reginienl stand und der jetzt die Kriegs- schule in Neiße besucht. ES sei hier der Hergang jenes Verhängnis- vollen Vorfalles, auf den sich die Anklage stützt, kurz wiedergegeben. Am 26, August vorigen Jahres hatte das Älexnnder-Regiment die Wache in den Schießständen in der Jnngferiiheide übernommen. Fahnenjunker von Viebahn hatte die Wachlposten zu kontrollieren und aus einem Rundgang um das Gelände sah er in der Höbe der Transvoal-Sirahe einen Mann, der sich in den Schiehsiänden zu schaffen machte. Dreimal rief der Angeklagte:„Halt, wer da!" doch der Mann erwiderte nichts. Er lieh sich vielmehr auf einem kleinen H%l nieder und jetzt glaubte von V.. der Unbekannte wolle sich heranschleichen. E r gab einen Schuh nach der Richtung, m der sich der Fremde niedergelassen hatte, ab. Die Kugel sdllte'eine verhängnisvolle Wirkung haben. Sie drang dem Manne in den Unterleib und trat am Rücken wieder heraus. Nach seine» Instruktionen durfte der Fahnenjunker jetzt seine» Posten nicht eher verlassen, als eine herbeigerufene Palronille zur Stelle war. Die Patrouille lieh den Angeschossenen in einem Kranken- joggen nach dem Virchow-Krankenhause bringen, wo aber bald nach der Einliefe rnng der Tod eintrat. v. Viebahn ist Jahre 1891 geboren. Sein Vater ist der General z. D. Hermann v. Biebah». Am 2. Juli 1910 ist der Angeklagte zum Unteroffizier ernannt worden. Seine Zeugnisse lauten auf'.sehr gut" und„vorzüglich". Vorbestraft ist er nicht. Die Anklage wirst dem Beschuldigten vor, unter rechtswidrigem Mißbrauch der Waffe den Monteur Schmidicke auf nur einmaligen Anruf ohne Veranlassung angeschossen und so schwer verwundet zu haben. dah er starb. Der Angeklagte bejaht die Frage, ob er über die Wach- insiruklionen orientiert sei. Sein Chef, Hauptmann v. Maffow, habe ihn und die anderen Wachmannschaften vor Antrete» der Wache de- sonders instruiert, fr bai)l: fj� darauf hingewiesen, dah diese Wache besonders schwer sei. Die Leute sollte» sich recht stramm halten da die Gegend sehr gefährlich sei. Wenn einer einen Angriff befürchte oder sonst Getahr vermute, so solle man sich n i ch t s ch e u e n, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Ueber de» Vorgang selbst sagt v. Viebahn: Abends um 7�9 Uhr habe er das Wnvgebnude verlassen, um den nächtlichen Revlsions- gang durch das Gelände anzutreten. Gleich nach dem Verlassen deS Wachhauses versah er sein Gewehr mit scharfe» Patronen, da er ge-- Hort hatte, haß die Gegend sehr gefährlich set und Angriffe schon vorgekommen seicn. An der Transvaal- Straße sah er einen Menschen, der im Gebüsch herumkroch. Er blieb stehen und rief laut:„Halt, halt, wer da!" Sodann ficherte er das Gewehr. Es er- folgte auf seinen Anruf keine Antwort. Der Mann sei dann immer näher auf ihn zugekoinmen und er habe schliehlich etwa sieben Meter von ihn: entfernt gestanden. Der Angeklagte behauptet NUN, die Situation sei derart gewesen, dah er einen Angriff be- fürchten muhte, Um diesen abzuwehren, legte der Beschuldigte die Waffe an und feuerte auf den Mann, der nach seiner Ansicht immer weiter auf ihn zukroch, einen Schuh ab. Er vernahm dann ein Wimmern und holte schleunigst die Patrouille mit einer Laterne herbei. In einer Vertiefung fand er dann einen Menschen mit durchschossener Brust. Einen Schreckschuh will er nicht abgegeben haben, sondern direkt auf den Herankonmienden geschossen haben. Der Angeklagte sucht die Sache so darzustellen, als komme noch ein zweiter Mann in Betracht. Und dieser sei auf ihn losgekommen. In anderer Weise habe er von.'der Waffe Gebrauch nicht machen können. Der fremde Mann habe im nächsten Augenblick auf ihn zustürzen und ihm die Waffe entwinden können. Auf die Frage, ob sich von V. schuldig fütile. erwidert er:„Nein!" Er sei berechtigt gewesen zu schießen. In der Beweisausnahme bekundet der Medizinalrat Hoffmann: ES handelt sich um einen aus großer Nähe abgegebenen Schuh. Die Richtung des Schuhlanols spricht sehr dafür, dah sich der Angcschoffene in sitzender Slellniig befand. Es ist nach dem Befund der Verletzung sehr unwahrscheinlich, dah Sch. auf den Angeflaglen zugekrochen sei, Die m i litäriswen Zeugen bekunden, ihnen sei zur Pflicht gemacht, die Instruktionen und Wachverordnungen unbedingt durchzuführen, Der Schneidermeister Schulz kam in dem Augenblick. als der Schuh fiel, gerade mit seiner Frau vorüber. Er eilte sofort hinzu und fand Sch. wimmernd vor. Der Verwundete erzählte in abgerissenen Worten, er habe ruhig im Grase gesessen. als plötzlich hinter ihm„Halt" gerufen wurde. Gleich darauf erhielt er den Schuh. Recht belastende Aussagen macht der Arbeiter Kaiser. Der Zeuge hatte aus dem Wege nach seiner benachbarten Laube in einer Vertiefung auherhalb der Schießstände einen Mann be- obachlet, der still dai'ah und das Gesicht in die Hand stützte. Da ertönte plötzlich der Ruf:„Halt, wer dal" und u n in i t t e l- bar darauf fiel ein Schuh, Der Zeuge ist sogar der Ansicht, dah noch während des Anrufes geschossen wurde. Er glaubie anfangs, er sei selbst getroffen worden. Als er den Aufschrei deS Sch. vernahn:, eilte er hinzu. Der Verwundete jammerte:„Meine liebe Frau, meine armen Kinderl" Sch. habe, wie der Zeuge bestimint gesehen, auherhalb deS Zaunes gesessen. Zwei Liebespärchen, die durch den Schutz aufgescheucht wurden, kamen auch hinzu. Die Beleuchtung an jener Stelle sei eine derartige, dah man die Umriffe eines Menschen wohl unterscheiden könne. Unmittelbar, nachdem der Schuh gefallen war, flüchtete ein unbekannter Mann aus dem Gebüsch heraus. Auf Vorhalten des Vertreters der Anklage, dah bei der Beleuchtung der Angeklagte habe sehen müssen, dah Schmidicke nicht aus auf ihn zugekrochen sei, bleibt von B. dabei, er habe auf den Mann, der auf ihn zukam, geschossen. Der geheimnisvolle Flüchtling ist auch von dem Kutscher Both gesehen worden. Nach den Angaben de« B. eilte der Unbekannte dicht an jener Stelle, an der Schmidicke geseffen hatte, aus dem Gebüsch und entkam. Wie Vizefeldwebel Müller. der das Gelände genau kennt, erklärt, befand sich der Unbekannte in gedeckler Stellung. Nach beendeter Beweisaufnahme beantragte der Vertreter der Anklage gegen den Beschuldigten drei Monate und einen Tag Geiängnis. Der Angeklagte habe sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht. Er durfte nicht gleich fchiehen, sondern muhte abwarten, was auf den Anruf„Wer da" geschah. Schließlich hätte er dem Herankommende»! auch mit dem Gewehr« kolben oder mit dem Senengewehr zu Leibe gehen können.£>er Angeklagte habe den Tod eines Menschen ver- schuldet. Nach längerer Beratung verkündete der Verhandlungsleiter, Kriegsgerichtsrat Bernhold das Urteil. Es lautete auf Freisprechung. AuS der Urteilsbegründung ist folgendes hervorzuheben: Da» Kriegsgericht war der Ueberzeugung, dah der Angeklagte berechtigt war, zu fchiehen. Schon vor Antritt der Wache hatten die Vor- gesetzten die Mannschaften aus die gefährliche Gegend auf- »lerksam gemacht und sie instruiert. Der Angeklagte nimmt bei seiner Charakterveranlagung alles ernst. Es halte ihm vielleicht schon vorgeichwebt, dah ihm von dem Gesindel, das sich nacht« an den Schießständen herumtreibt, eine Gefahr drohe. Und von allem diesem ausgehend, muhte er annehnien, dah der auf ihn zukommende unbekannte Mann, der nach Ansicht deS Gerichts zweifellos im Gebüsch war. einen Angriff plante. ES ist möglich. dah die Phantasie etwas im Spiel war und dah der Angeklagte vielleicht mehr gesehen hat, als da war. Das Gericht hat an- genommen, dah Putativ-Notwehr seingebildete Notwehr) vor- liegt. Man könne nicht annehmen, dah der Angeklagte in der Be- stürzung über das Maß der Notwehr hinweggegangen ist. Das Gericht ist vielmehr der Ueberzeugung, dah der Angeklagte in dem Glauben, der aus dem Drahtzaun sitzende Schmidicke sei jener Unbekannte, der auf ihn zugekrochen kam, auf Sch. geschaffen hat. Der Tod eines blühenden Menschenlebens ist also ungesühnt geblieben. Der Erschossene war ein Arbeiter, der Schießende ein durch übereifrige Instruktion und Phantasie furchtsam gemachter junger Sohn eines Generals. Der Borfall schreit geradezu nach Aendernng der Wach- instruktionSvorschrifren. insbesondere nach Vorschriften, die ein leicht- fertiges Umgehen mit der Waffe vorbeugen. Die Nichterfüllung dieser von uns wiederholt auch im politischen Teil erhobenen Forderung ist mitschuldig an dem Tode eines ruhigen Bürgers. politische deberllcht. Berlin, den 6. Januar 1911. Das freisinnig-nationalliberale Wahlabkommen für Brandenburg. Zwischen den Leitungen der Fortschrittlichen Volkspartei und der nationalliberalen Partei der Provinz Brandenburg ist, wie wir bereits meldeten, schon vor einigen Wochen ein Wahlabkommen geschlossen worden, durch das beide Parteien, vorbehaltlich der Zustimmung der Wahlkreisorgauisationen. die verschiedenen Wahlkreise der Provinz Brandenburg(mit Ausschluß Berlins) friedlich unter sich verteilen. Wie diese Verteilung beschaffen ivar, darüber fehlten damals genauere Airgaben. Jetzt teilt der„Berliner Lokal-Anzeiger" folgende nähere Angaben aus dem die Verteilung regelnden Protokoll mit: Die Verteilung der Mandate hat wahrscheinlich den Unter- Händlern nicht allzuvielc Schwierigkeiten gemacht: d e n n n u r rn recht wenigen der oben genannten Wahl- kreis« hat der Liberalismus Aussicht, das Mandat zu gewinnen— und diese wenigen Kreise sind bei der Schacherinachai dem Nationalliberalismus zuge- fallen, dessen Unterhändler sich augenscheinlich als die ge- riebcneren Geschäftsleute bewährt haben. Sie haben zwar großmütig den Fortschrittlern die rn e i st c n Kreise überlassen, öfter feite. Su? fteftest für den Lifteralismu? wenig fteran?- zuholen ist. Meist wird der fortschrittliche Kandidat gar nickst mal' in die Stichwahl kominen, sondern im ersten Wahlgang glatt durchfallen. Guten Appetit! Der Fortschrittlichen Volkspartei wurden über- .lassen die Wahlkreise Kottbus-Spremberg, Nieder-Barnim-Ober- Barnim, Osthavelland-Potsdam, Ost- und West-Sternberg, Prenzlau-Angermünde, Ruppin-Tcmplin, Teltow-Bceskow-Storkotv- Charlottenbnrg, Westhavclland-Brandenburg. West-Prignitz, Zauch- Belzig-Jüterbog-Lwjtenwalde, Züllichau-Krossen. Der natio illiberalen Partei wurden zugesprochen: Kalan-Luckau, Frankfurt a. O.-Lebus. Euben-Lübben, Landsberg- Soldin, Forst-Sorau. Betreffs der Wahlkreise Arnswaldc-Friedcberg und Königsberg- Neumark soll zwischen den beiden Vor- sitzenden der Provinzialorganisationen in der nächsten Zeit eine Besprechung stattfinden, um endgültig festzustellen, welche von den beiden Parteien den einen oder anderen Wahlkreis mit einer Kandidatur besetzt. Ferner wurden folgende Leitsätze betreffs des Kompromisses angenommen: 1. Das Kompromih gilt nur dann als angenommen, wenn alle Lokalorganisationen der einzelnen Wahlkreise sich damit ein- verstanden erklären. 2. Die Vertreter der beiden Provinzialorganisationen sollen getrennte Wahlaufrufe erlassen; den Lokalorganisationen bleibt es überlassen, gemeinschaftliche Aufrufe herauszugeben. 3. Diejenige Partei, welche den Kandidaten stellt, hat das Recht, den Kandidaten zu bestimmen. Freundschaftliche Per- Handlungen über die Person des Kandidaten zwischen den Organi- sationen beider Parteien vor der Nominierung werden dringendst gewünscht. 4. Das Kompromiß ist ein einheitliches iZianzes. Die beiderseitigen Leitungen der Parteien haben ihre ganze Autorität einzusetzen, damit sich die Lokalorganisationen fügen. 5. Ist das Kompromiß überall angenommen, dann muß es auf beiden Seiten auch ehrlich durchgeführt werden. Bei den Wahlvorbereitungen sollten in jedem Wahlkreise, ganz gleich- gültig, welche Partei den Kandidaten zu stellen hat, die Ver- trauenSmänncr der Fortschrittlichen Volkspartei und der national- liberalen Partei sich überall unterstützen; ebenso wird eS als wünschenswert bezeichnet, daß bei den öffentlichen Versammlungen die Vertreter beider Parteien am Vorstandötisch Platz nehmen, um dadurch der Wählerschaft zu demonstrieren, daß eZ den beiden Parteien heiliger Ernst mit der Durchführung des Korn- promisses sei. 6. E s darf nicht als Unfreundlichkeit gegen die andere Partei aufgenommen werden, wenn eine Partei die Zahl ihrer Organisationen im Wahlkreise zu ver- mehren sucht und Versammlungen abhält. Im Gegenteil ist es notwendig, die beiderseitigen Organisationen auszubauen, um ihre Stoßkraft im Interesse des Eesamtliberalismus zu erhöhen. Katzenjammer. Die konservative und nationallibcrale Presse, die einst meinte, die«ro�e Revolution von Moabit" zu einem ver- nichtendcn Schlage gegen die Sozialdemokratie ausnutzen zu können, sieht jetzt, da der Moabiter Prozeß zu Ende geht, alle schönen Hoffnungen vernichtet, und, wie es so oft Enttäuschten geht, heult sie heute über das Mißgeschick jener, die sie einst als Retter aus ihrer politischen Misere betrachtete. Charakteristisch ist dafür die Haltung der„National-Zeitung". Ter Moabitcr Prozeß,"meint sie, habe dem Staatsinteressc nicht gedient. In Preußen lasse er ein Gefühl der Erbitterung über polizeiliche Mißgriffe und Unvermögen der Behörden in der Beurteilung und im rechtzeitigen Ver- hindern von„Streiktrawallen" nach; im Auslande sei die falsche Borstellung von einer beständigen ttevolutionSgefahr in Deutsch- land wachgerufen, die das Ansehen des Deutschen Reiches schwächen müsse. AuS der„leidigen politischen A k t i o n". bei der„von den berufenen Hütern der StaatSautorität Jehler über Fehler begangen" worden feien, werde just die Sozialdemokratie das meiste Kapital schlagen. Es seien Mängel im Berliner Polizeiwesen zur Sprache gekommen, die sich nicht mehr weg- leugnen ließen. Aber selbst die„National-Zeitung" bezweifelt, daß eine er- lösende Entspannung durch Reformen auf diesem Gebiete folgen werde. AIS bedauerlich und unpolitisch wird eS bezeichnet, daß die Behörde sich befleißigt habe, die Schutzmannschaft in irrigen Auffassungen von ihrer Stellung im öffentlichen Leben zu bestärken. Die heilige Hermandad. Seit Monaten find in Bromberg drei höhere P oli zei- b e a m t e vom Dienste suSvendiert. Seit einem Monat fitzt einer der Beteiligten, der Kriminalkommissar Schreiber, in Untersuchungs- baft. Am Silvester wurde auch noch das Haupt der Polizei, der Inspektor Bache, verhaftet, aber gegen Stellung von 15 999 M. Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Berhastungen erfolgten wegen Verbrechens im Amte. Eiwas viel auf einmal— selbst wenn man die preußischen Polizeizustände als mildernd in Betracht zieht. Ein bestrafter Zetttnnnsffiihrer. Gerade die Zentrumspresse ist es, die sich berufen fühlt, per Sozialdemokratie Vorlesungen zu halten über den guten Ton, ob- schon es hinlänglich bekannt ist. daß der eigentliche Sau- Herdenton vornehmlich im Zcntruinslager und in der Zentrumspresse gepflegt wird. Hierfür liefert das Urteil des Schöffengerichts in Dortmund eine neue gerichtliche Le- stätigung. Als der Entrüsmngssturm über die letzte Finanz- reform durchs Land brauste, arrangiert« die Dortmunder Zentrumspartei eine Gegenaktion, indem sie ZustimmungS- Versammlungen einberief. In einer dieser Versammlungen sprachen auch der Abgeordnete Herold und der oftmalige Reichstags- kandidat und abgesägte Stadtverordnete Lensing. Verleger des bekannten Zentrumöorganö„Tremonia". Namentlich Lensing redet« so provozierend, daß er fortwährend Widerspruch fand, der semen Höhepuwkt erreichte, als Lensing plötzlich eine Resolution gegen die Ämrsberger öiegieiung einbrachte, wegen ihres Verhaltens in der Frage der geistlichen Schulinspektwn. Lensing wollte über diese Resolution allen parlamentarischen Regeln zuwider abstimmen lassen, ohne eme Diskussion zuzulassen. In der Versammlung regte sich lebhaft« Entrüstung. Auch unser Genosse Parteisekretär Klupsch-Dortmund forderte das Wort zur Geschäftsordnung und überreichte gleichzeitig eine G eae n r e so l u ti o n. Darauf wurde ihm von Lensing zugerufen:„Vagabunden erhalten nicht das Wort!" Diese Beschimpfung ließ sich Älupsch nicht gefallen. E r strengte gegen Lensing die Beleidi- g n n g s k l a g e an. Dieser antwortet« mit einer ganzen Reche Widerklagen wegen Beleidigung. Eine dieser Widerklagen LensiugS stützt sich auf folgenden Vorfall: In einer öffentlichen Versamm- lung, in welcher Klupsch den Vorsitz führte, soll ein Vcrsammlungs- teilnehmer in bezug auf Lensing das Wort Lump gebrauckit haben. Nun folgert Lensing, weil Älupsch den Ausdruck nicht gerügt, habe er, Klupsch, selbst die Absicht der Beleidigung gebabt und sei auch der Beleidigung schuldig. Am Donnerstag standen die Klagen vox dem Dortmunder Schvlsengericht zur Verhandlung, Lensmg gekirauHIe cHctlel Au-flüchle. Cd nichts ihm aber nichts. Das Gericht verurteilte ihn zu der milde» Strafe von 10 Mark oder zwei Tage Gefängnis. Ferner wurde dem Genossen Klupfch die Publikationsbefugnis zugciprochcn. und zwar in der„Arbeiterzeitung" und in der„Tremonia"., Mit seinen Widerklagen wurde Lenfing abgewiesen und ihm zugleich die gesamten nicht unerheblichen Kosten auferlegt. Minister v. Moltkes Kandidatur in Tilsit-Niederuug. Die preußischen Konservativen sind in ihren Ansprüchen an die agrarische Prinzipienfestigkeit ihrer Kandidaten bescheidener geworden. Sie l?aben, wie schon vor kurzem angekündigt wurde, am Mittwoch im Wahlkreise Tilsit-Niedcrung den inaktiven Minister v. Moltke aufgestellt. Wie die„Königsberg. Hart. Ztg." mitteilt, meinte in der Wahlkreisversammlung zu Tilsit der Vor- sitzende, Zustizrat Meyer: Herr v. Moltke sei zwar nicht streng konservativ, werde sich entweder keiner Partei oder der Reichspartei anschließen; das sei jedoch kein Hindernis, ihn für den besten Kandidaten, der in Frage komme, zu halten. In der Not frißt bekanntlich selbst der Teufel Fliegen. Kaum zehn Monate ist es her, daß dieser beste Kandidat im preußischen Abgeordnetenhausc von dem konservativen Abgeordneten v. Pappen- heim unter dem Beifall der konservativen Fraktion als ein ganz- lich unzulänglicher Politiker behandelt wurde. Tie Gememdewahlen in Württemberg. Aus Stuttgart wird uns geschrieben: Jedes Jahr im Dezember finden in Württemberg Gemeinde» Wahlen statt. Das eine Jahr scheidet ein Drittel der Mitglieder des Gemeinderats aus, das andere Jahr ist die Hälfte der Mandate zum Bürgerausschuß neu zu besetzen. Im eben vergangenen Jahr war der BürgerauSschuß an der Reihe. Größere Städte mit über 10 RX) Einwohnern hoben die Proporzwahl, in kleineren Gemeinden besetzt die Majorität sämtliche Sitze, die Miuderheitüparteien gehen leer aus. wenn nicht ein freiwilliger Proporz unter den Parteien und Jnteressentengruppen vereinbart worden ist. Den Bürgerausschußwahlen Ivurde früher wenig Bedeutung beigelegt. Die Wahlbeteiligung war im allgemeinen schwach, in vielen Gemeinden besetzten einflußreiche Cliquen mühelos die Sitze mit ihren Günstlingen. Die Betternwirtschaft stand in hoher Blüte. Das änderte sich, als die Sozialdemokratie anfing, sich an den Gemeindewahlen zu beteiligen. Auch die bürgerlichen Parteien wurden lebendig. De» örtlichen Jnteressentengruppen wurde der Einfluß auf die Verteilung der Mandate mehr und mehr entwunden. Die Wahlen wurden politisiert. Das hatte die Folge, daß anstelle persönlichen Eigennutzes und beschränkter Krähwinkelei größere Gesichtspunkte im Wahtkampse zum Ausdruck kamen. Wenigstens dort, wo die Sozialdemokratie ernsthaft in die Wahl eingreisen konnte. Die Arbeit unserer Genosse» in der Gemeinde befestigte gerichtslzofeit ititS Gerichishöfen zur U n t e r L r u Z u n g des Zweikampfes, Erlaß eines Wahlgesetzes. staatlicher Schutz des(3 r e i s c u- und des Ä i u d e s a I t c r s sowie der Mutterschaft. Abschaffung der Prostitution, Verbesserung des Elementarunterrichtes und Er- richtung von S ch u l e n. die höchstens je zwei Llilonictcr von- einander entfernt sein dürfen und Lebensmittel, Klcidungs- stücke und Bücher an arme Schüler verteilen sollen. Eutwicke- lung des Sochschulunterrichtes. namentlich in der medizinischen Wissenschast, lnsbesoudere Schaffung einer nwdizimfchen Fa- tultät t» Lissabon, Schutzbestimmungen siir die Irrsinnigen und schließlich Verwaltungsreformen im Sinne der Tczentra- lisatio«. Rußland. Mit Strafexpeditioueu und Judenpogromen! Die unverkennbare Belebung des politischen LebenS in Rußland hat die Regierung und ihre Kreaturen in der Duma bereits veranlaßt, mit Drohungen hervorzutreten, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Als in der vorigen Woche die sozialdemokratische Dumainterpellation über die Schreckensherrschaft in den Ostseeprovinzen endlich— nach 2»/, Jahren— zur Verhandlung gelangte, wurde eine schrift- liche Erklärung des Kriegsministers verlesen, welche auf die furchtbaren Anklagen gegen die Regierung gar nicht einging, sondern mit zynischer Offenheit erklärte, die Truppen,' aus denen die Strafexpeditioueu 1906 bestanden, hätten vollkommen richtig gehandelt und würden in Zukunft ebenso vorgehen. Und als vor einigen Tagen die Interpellation der Oppositionsparteien über den von Lockspitzeln an- gezettelten Odessaec Universitäts„kra>vall" in der Duma eingebracht wurde, erklärte der Redner der Rechten, der„echtrussischc" Abgeordnete S ch u l g i n unter dem demonstrativen Beifall der Pogromisten:„Jede Revolu- tion in Rußland wird über jüdische Leichen gehen, denn die Juden bilden die weniger Widerstands- fähige Seite, und die wütende Menge wird sich auf sie stürzen!" Diese Erklärungen sind in doppelter Hinsicht inter- essant. Erstens zeigen sie. daß die Regierung gegen die sozial- demokratischen Anklagen sachlich nichts zu erwidern hatte und die echtrussischen Dumaabgcordnetcn ihre organi- satorischen Beziehungen zu den Judenpogromen voll- kommen offen eingestehen. Dann aber sind sie ein unzweideutiger Beweis dafür, daß die herrschende Clique schon� jetzt ihre Kräfte mobilisiert und die Greuel der Strafexpeditionen und Judenpogrome nach wie vor als die stärksten Pfeiler ihrer Macht ansieht. Die Regierung und die Junkerclique wissen besser als jemand anderes, daß die ganze parlamentarische Farce, die in der dritten Duma auf und mehrte baS Vertrauen der Wähler zu unserer Partei. Das kommt... in dem Anwachsen unserer Stimmenzahl und der! fammenstürzen muß!' Sie wissen ferner, daß kem Mensch mehr klar zur Er.che.nung.«° st.eg d.e Zahl der soz.aldemvkrat.schen> � � �rheißenen„Reformen" glaubt Gemeindevertreter(GemeinderatS- und Bürgerausschußmitglieder) von 413 in 135 Gemeinden Ende 1907 auf 552 im Jahre IVOS und 582 in 175 Gemeinden Ende 1909. Bei den Bürgerausschußwahlen im Dezember 1910 hatten, so- weit sich daS an den bis jetzt vorliegenden ZeitungSmeldungen nach» rechnen läßt, etwa 185 sozialdemokratische Bürgerausschußmitglieder auszuscheiden, wiedergewählt wurden 225, daß ist ein Gewinn von 90 Mandaten. Die Zahl unserer Gemeindevertreter Wäre damit von 582 Ende 1009 auf 672 angewachsen. Eine gute Vorbedeutung für die kommenden Wahlen zum »..Landtag I Hus Inäuftris und ftandel. Schlachtvlchprcise und Konsum. Räch Zusaminenstellungcn der„Fleischcr-Zeitung" betrug der Jahresdurckschnittspreis für II. Qualitäten am Berliner Markte per Doppelzentner Schlachtgewicht Mark: 1890 1895 1900 1905 Bon 1886 „ 1891- 1806 „ 1901 1006 1907 1908 1909 1910 Von 1906—1910 Rinder 104,4 116,7 114,7 127,8 147,7 146,6 189,0 181,6 144,1 141,8 Schweine 08,7 102,6 98,6 111,3 138,8 110,8 116,3 133,8 129,1 124,6 Kälber 98,6 107,4 110,4 136,4 162,7 163,4 156,6 166,7 188,0 165,5 Schafe 101,4 101,0 107,2 126,6 167,7 149,8 140,7 141,6 149,1 147,8 Militaristische Sozialistentötung. In der Degradation von Chargierten des BeurlanbtenstandeZ ergreift die Militärbehörde seit einiger Zeit gar absonderliche Maß- nahmen. Wenn ein Unteroffizier der Reserve, der Landwehr oder deS Landsturms wegen eines ehrenrührigen Vergehens bestraft wurde, erfolgte bisher durch das zuständige Kriegsgericht die Degradation zum Gemeinen. Jetzt ist die Mlitärverwaltung einen Swrilt weiter gegangen. In ähnlicher Weise wird auch gegen die Gefreiten des Beurlaubtenstandes eingeschritten, die wegen Dieb« stahls, Unterschlagung. Urkundenfälschung usw. im Zivilverhältnis Strafen erleiden. Doch daö scheint den militärischen Staatsmännern in des„Königs Rock" noch nicht zu genügen. Von einigen Kriegs- gerichten ist iogar die Degradation von Unteroffizieren des Beurlaubtenstandes ausgesprochen worden, die sich als sozialdemokratische Führer und Agitatoren be« tätigten. Im Kampfe gegen den Umsturz greifen die StaatSerhaltenden mehr und mehr zu Mitteln, die das famose Reich der Kultur und Freiheit zu einein Gegenstand deS europäischen Gelächters machen muffen._ Essener Meineidsprozest. Zur erneuten Verhandlung im Wiederaufnahnieverfahren siegen Ludwig Schröder und Genossen wegen Meineids ist eine außerordentliche Schwurgerichtsperiode bestimmt worden. Der Beginn des Prozesses ist auf Montag, den 30. Januar, festgesetzt._ Eine verständige Anweisung für Polizeibeamte. Der Landrat deS Kreises Eidelstedt, Frhr. v. Heintze, veröffent- licht in Nr. 52 des Kreisblattes für den Kreis Eidccstedt vom 28. Dezember 1910 folgende amtliche Bekanntmachung: „Die Polizeiverwaltung weise ich darauf hin, daß der Zweck einer jeden Polizeiverordnung nicht der ist, das Publikum zu schikanieren oder der Stadt Geld zuzuführen, sondern die öffent- liebe Ordnung bezw, Sicherheit zu gewährleisten. Ist demnach das. waS durch die Vorschriften einer Polizeiverorduung erreicht werden soll, erreicht, gleichviel aus welche Weise, so wird eS sich stets empfehlen. von einer nachträglichen Straf- festsetzung abzusehen, e« sei denn, daß Böswilligkeit oder ganz grobe Fahrlässigkeit vorliegt. Die Polizeiorgane sind erneut darauf hinzuweisen, daß sie ihre Ehre nicht darin zu suchen habe«, möglichst viel« Anzeigen zu erstatten, sondern durch gütliches Zureden und Belebren zu erreichen, daß das Publikum den im Jmeresse der öffentlichen Sicherheit und Orb- nmig erlassenen Vorschrift«» gern und freiwillig nachkommt. Im übrigen behalte ich e« mir vor. anzuordnen, daß diejenigen Polizeivcrordnnngen. gegen die aus Unkenntnis am häufigsten ver- stoßen wird, mindestens zweimal im Jahre erneut zur allgemeinen Kenntnis dm» Abdruck in öffenilichen Blättern gebracht werden. An die Polizeiverwaltung in Töiming. An di« Orispolizeibehörden des KreiieS." ES wäre sehr zu wmischen. daß alle Polizeibeamten— nicht nur im Kreis« Eiderstedt— diese vernünftig« Anweisung des LandratS beherzigen würden. Wir empfehlen, die Betamumachung in allen Polizeistuben anzuschlagen 1_ Portugal. Reformen. Lissabon, 5. Januar. Der Minister deS Innern wird bcmnäckst eine Anzahl in demokratischem Sinne sie» haltener Reformen in$raft treten lassen, die später der konstituierenden Vorsammlunq unterbreitet werden sollen. Es handelt sich dabei um folgende Punkte: Einrichtung eines wöchentlich Auheta ges» Errichtung von Ehren- - vor' Reihe' sin Reformen" glaubt und die allgemeine Unzufriedenheit im Lande nur durch die Wucht der Repression, durch die Armee, die Polizei, die Administration. niedergehalten wird. Darum appellieren sie schon bei; den ersten Anzeichen der beginnenden Volksbewegung an die� am st ä r k st e n wirkenden Mittel, zu denen sie früher den Revolntionsjahren— erst nach einer ganzen schwächerer Mittel gelangt waren. finnland. Ergebnisse der LandtagSwahlen. "f-*".HeksmffsorS, 6. Januar. Bei den Wahlen zum nifchsn Landtage sind abgegeben worden: für die So. zialdemok raten 27 256 Stimmen, für die?lltfinnen 17134. für die Jungsinnen 13544, für die Schweden 13337, und für die Agrarier 3573 Stimmen. perfien. Kabinettskrise. Teheran, 5. Januar. Der Finanzminister erklärte heute im M e d s ch l i S, daß die Regierung infolge der Opposition einer Anzahl Abgeordneter arbeitsunfähig fei und daß das Kabinett deshalb dem Regeuten bei seiner Ankunft sein RllcktrittSgesuch unterbreiten will. Die Minister verließen nach den Reden einiger Abgeordneten das Haus, DaS Medschlis kam heute zu keiner Eni- scheidung, doch dürste diese zuungunsten deS Kabinetts auS- fallen. Amerika. Ein Schiedsgerichtsvertrag. New Jork, 6. Januar. Wie„New Jork Tribüne" aus Washington meldet, haben die Unterhandlungen zum Abschluß eines allumfassenden englisch-amerikanischen Schieds- gerichtsvertragcs im Sinne der jüngsten FriedenSrede TaftS begonnen._ Hm der partcu Sühne für Fabritantenbeleidigung. Durch einen Bericht über eine Metallarbeiierverfammlung, der unter der Verantwortlichkeit des Genossin S ch ü b e l i n in der Pforzheimer„Freien Presse" erschien, fühlte sich der Fabrikant Rud, Benz beleidigt. Er lief zum Kadi und erzielte die Ver- urteilung unseres Genossen zu 100 Mark Geldstrafe. Der nach Ansicht deS Gerichts beleidigende Bericht hatte in objektiver Weise eine» Bortrag de§ Metallarbeiterverbandsbeamten Hamann wiedergegeben, der in seinen Ausführungen den Terrorismus des Unternehmers gegen seine Arbeiter während eines Streiks kenn- zeichnete. Die Ausführungen waren zuin Teil gestützt auf die schriftliche Erklärung eines beteiligten Arbeiter«. Vor Gericht widerrief der Arbeiter aber feine früheren Be- hauptungen. Die Wahrung berechttgter Interessen wurde dem Be- klagten versagt._ Varteiliteratur. Unter dem Titel„Bolkseutrrchtung•— Polizriwillkür die Wahlparole deS fchwarzblauen Blocks" sind soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, einige Reden aus den Etatsberatungen vom 9.— 14. Dezember v. I. erschienen. Die Brvichüre enthält die Reden der Genossen David, Frank und Scheidemann und des Reichskanzlers Bethmann Hollweg nach den stenographischen Berichten. Für die kommenden Reichs- tagswahlen ist die Abrechnung mit dem fchwarzblauen Block zur Agitation sehr zu empfehlen. Der Preis deS 72 Sellen stallen Heftes beträgt 40 Pf.__ Jugendbewegung. „Der jugendliche Arbeiter". die Monatsschrift der ö st c r r e i ch i s ch e n Proletarierjngend deutscher Zunge, ist soeben zehn Jahre alt geworden. Freiwilligen Gaben der armen Wiener Lehrlinge verdankr er seine Existenz, die weder Preßprozesse, noch zahllose KonsiSkationen untergraben tonnten. Die Auflage ist in den zehn Jahren auf über 10000 gestiegen. Glückauf I Ein Rückblick auf die Preiskurve ergibt, daß die Rinderpreis« zwar nicht ganz die Höhe des Jahres 1906/7 erreichten, wie auch nicht den damaligen JadreSdurchschnitt, daß sie aber verhältnismäßig früh einen außerordentlich hohen Stand erreichten. Bei den Kälbern ist in den Monaten von August bis November eine Preishöho erreicht worden, wie wir sie überhaupt noch nickt gekannt haben, Auch bei den Schafen waren die Preise von Juli bis August exzeptionell hoch, wie im Jahre 1905, jedoch nicht ganz so hoch wie im Jahre 1006 und 1907. Trotz vermehrter Gcflügeleinfuhr waren auch die Preise hierfür hoch und boten dem Fleischmarkt keine besondere Konkurrenz, nur in den letzten Monaten waren Wild und Geflügel billiger. Die Gänsc- einfuhr belauft sich auf 8,6 Millionen gegenüber 7,78 und 7,52 Miüioiien Stück in den beiden Vorjahren, Die Hühnereinfuhr überschritt 121 000 gegen 106 500 im Jahre vorher. An geschlachtetem Federvieh wurden 79 000 Doppelzentner eingeführt gegen 72 400 im Jahre 1909. An Haarwild wurden 14 000 Doppelzcnter gegen 12 600 und 9000 in den beiden Vorjahren importiert. Der See- fischfang lieferte einen Ertrag von 35 Mill. Mark gegen 33,2 und 29,2 Mill. Mark in den beiden Vorjahren. Die Heringseinfuhr ging um eine Kleinigkeit auf 11,2 Mill. Doppelzentner im Werte von 16 M, zurück, Im ersten Vierteljahr 1910 wurden 62 000 Rinder, 166 000 Kälber, 35 000 Schweine und 17 000 Schafe mehr geschlachtet als 1909, Im zweiten Vierteljahr verschwand aber die Mehrschlachtnng an Großvieh und in Kälbern trat bereit? eine Minderfchlachtung von 117 000 Stück aus. Bei Schweinen ging die Minderfchlachtung auf 13 000 zurück und nur bei Schafen stieg sie auf 30 000. Im dritten Vierteljahre aber kam die Bankrotterklärung der Land- Wirtschaft. Fast 76 000 Rinder und 212 000 Kälber wurden weniger geschlachtet, und im vierten Bierteljahre wird es nicht viel besser geworden fein, denn der stärkst« Rückgang trat erst im September ein und dürste den Oktober und halben Monat November angehalten haben. Während daS Geiaintmanlo bei den Rinderichlachlungeu bis zum 1. Oktober nur etwa 15 000 Stück war, dürfte es sich am Jahresschluß auf über 100 000 Stück belaufen.— Bei Kälbern betrugen die Mindcrschlachtnngen in den ersten drei Vierteljahren 192 000 Stück, die bis zum Jahresschluß auf fast 300 000 Stück gestiegen sein dürfte. Im Monat September wurden nur noch 323 000 Kälber geschlachtet gegen 545 000 im Monat März. DaS Marktangebot ging aber im Monat Oktober und November noch Weiler zurück und stellte sich in den letzteren Monaten aus weniger als 90 000 Stück gegen fast 150 000 Stück in den Haupt- monaien.— Die vermehrte Leistungsfähigkeit der Schafhaltung war in der Hauptsache auch nur eine scheinbare. In den ersten neun Monaien sind 61 000 Stück mehr geschlachtet worden, davon sind aber über 9000 mehr eingeführt und ebensoviel weniger ausgeführt, so daß die Geiamtmehclicferimg zur Schlachtbank sich nur auf 83 000 Stück beläukt. Vom September ast Zst aber bereits wieder ein Rückgang eingetreten, so daß am Sckflnß deS JahreS sich die vorbemcrkte Mehrschlackitmig um 20 000 Stück vermindern dürste.— Lediglich die Schweinehaltung lieferte größere» Angebot, allerdings erst vom Monat August ab. Die Steigerung der Schlachtung belief sich im dritte» Quartal auf 310 000 Stück, dürfte indes im vierten Quartal eine gleich starke Fortsetzung nicht gefunden haben. Wir schätzen die Mebrschlachtimg deS vierten Quartals auf zirka 100 000 Stück, so daß die Gesamtschlächtung gegenüber 1909 sich auf 460 000 Stück stellt, Summa Summarum liegt mithin ein Rückgang der Schlachtung um über 100 000 Rinder vor, obgleich das AuSlaiiv 20 009 lebende und 2000 geschlachtete, zusammen 22 000 Rinder inehr lieferte als 1909; ferner ein Rückgang der Kälber- schlachtungen um 800 000 Stück, demgegenüber eine Mehr- schlachiung von 30000 Hammeln und 460 000 Schweinen. Gleichmäßiges TnrchschnittSgelvicht vorausgesetzt, hat sich die dem Konsum gelieferte FleischmWge allerdings nicht gerade stark vermindert; tatsächlich aber lag ein erhebliches Mindergewicht und Qualiiöts- mangel vor, dann auch ist zu berücksichtigen, daß Schweinefleisch nicht zu demselben Zwecke verwendbar ist wie Rindfleisch, namentlich nicht zu Suppen, und das Empfindlichste: die Verteuerung, Wir baben berechnet, daß die Fleischnahrung in den ersten drei Vieriel- jähren sich um 131'-, Millionen Mark gegenüber 1909 verteuert hat, so daß auf das Jahr wenigstens 160 Millionen Rinrk herauskommen. Da auch 1909 der Preis sich um 165 Millionen Mark erhöht halle, wird der außerordentliche Notstand und die Berbitlerung der Massen ohne weiteres verständlich._ Schoßkinder des Glücks. Für die Regierung der gottgewollten Abhängigkeiten gibt eS nur zwei Jnteressentengruppen, die sich ihres Wohlwollens erfreuen, lvcil sie sich als deren Dienerin fühlt. Die Agrarier und die Groß- industeiellen sind die Bevorzugten. Die deutschen Handelskammern ebenso wie andere Interessen- Vertretungen haben schon häufig darüber zu klagen gehabt, daß sie bei den amtlichen Stellen nicht dieselbe Beachtting finden, die landwirtschaftlichen Jnteresienvemetmigen, inöbeiondere dem Deutschen LandwirischafIZrat zuteil wird. Einer der Hauptbeschwerdcpunkte besteht darin, daß die Jnteressenverirctungen von Handel und In- duitrie die sie angehenden Gesetzentwürfe von der Regiermtg nicht rechtzeitig zur Kenntnisnahme und Begutachtung zugestellt erhalten. Das fast gewohnheiiSmäßige Uebersehen kommt neuerdingS wieder in einem Schreiben zum Ausdruck, das die Handelskammer z» Sora» vor kurzem an den preußischen HandelSminister gerichtet hat. Sie beschwert sich darüber, daß die preußischen Handelskammern in der Frage betreffend den Entwurf einer preußischen Polizeiverordnnng über den Verkehr mit Mincralölmischungen gar nicht gehört worden sind. Ein anderes Beispiel: Der Entwurf des neuen Internationalen EisenbahnsrachtabkommenS ist zwar dem Zentralverband jDeuiidjei: Industrieller zur Begutachtung unterbreit worden, nicht aber dem HandelSveriragSveroin, obwohl dieser sich ja gerade mit den Fragen deS internationalen Verkehrswesens befaßt. Müheloser Wertzuwachs. Die Aktien einiger österreichischer Jndustrieunlernehimuigen sind in den letzten Jahren ganz imgehener- lich im Werte gestiegen— während die Teuerung den Ärbeilern de» Lohn reduzierte. So stieg der Preis der Aktien der Allgemeinen österreichischen Baiiaesellschaft seit 2 Jahren von 142 auf 342 Kronen, der Uiiionbougesellichaft von 198 auf 233 Kronen, der Wiener Bau- gesellichast von 140 auf 233 Kronen, deS Westböbmischen Bergbau- verein« von 433 auf 583 Kronen, der Poldi-Hütte von 412 auf 550 Kronen, der die Arbeiter zu Gelben pressenden Pilsener Skoda- Werke dank den ans den Arbeitern herausgepreßten Artillerie.reformen" gar von 283 auf 410 Kronen und sofort mit Grazie ohne Ende. Druckfehlerberichtigung. In der gestrigen Tabelle über Brauerei- dtvidenden ist die letzte Dividende der Weißbierbraueret Landrö mit ,82 Proz." angegeben, es muß ,8 Proz." heißem Gewerkrcbaftlicbee# 6ine größere Carifbewegung im Rotzgewerbe. Ter Ablauf der im November von Holzarbeiterverband gekündigten Tarifverträge rückt näher, und es ist darum ver- ständlich, wenn in den in Frage kommenden Städten die Frage, ob Krieg oder Frieden, eifrig diskutiert wird. In den letzten Wochen wurden zwischen den Verbandsvorständen eifrig Besprechungen gepflogen, um den Modus für die Tarifver- Handlungen festzusetzen. Danach soll in der gleichen Weise ver. fahren werden wie in früheren Jahren, wo das Hauptgewicht auf örtliche Verhandlungen gelegt wurde. Erst wenn diese resultatloö verlaufen, soll unter Beihilfe der Verbandsvor- stände weiter verhandelt werden. Wenn auch hierbei sich ein Resultat nicht ergibt, soll eine„Zentrale Schlichtungskom. Mission" eingreifen. Von der Generalversammlung des Ar- beitgeberschutzverbandes wurden in diese Vertreter aus Fürth i. B., Stuttgart. Breslau, Kassel und Bremen delegiert, während der Holzarbeiterverband seine vorjährigen Vertreter wieder zugezogen hat. Die örtlichen Verhandlungen sollen sofort aufgenommen worden. Die For- derungen werden schleunigst formuliert und den Arbeitgebern überreicht, so daß die örtlichen Verhandlungen in den nächsten Tagen beginnen werden. Bei den früheren Verhandlungen ergaben sich viele Schwierigkeiten daraus, daß fast jeder Ort für die einzelnen Vertragsparagraphen eins andere Fassung hatte. In der Regel wurde der Aufbau des eigentlichen Vertrages erst vor- genommen, wenn die materiellen Fragen erledigt waren. Wenn tagelang verhandelt war, wurde in manchen Fällen die redaktionelle Fassung des Vertrages überhastet und manche Unklarheit kam hinein und blieb darin, die nachher zu un- liebsamen Auseinandersetzungen führte. Für die Zentral- vorstände der vertragschließenden Verbände war die Ent- scheidlmg in Streitfällen wegen ihrer verschiedenartigen Fassung äußerst schwierig, und machte sich darum auf beiden Seiten das Bestreben geltend, möglichst- einheitliche Fassungen für die cinzelnenVertragsParagraphen zu finden. Vor3Jahren wurde schon eine solche bezüglich der Schlichtungskommission, der Vertragsdauer resp. Kündigung und der besseren Bedin- gungen vereinbart. Diese Fassung haben dann seit dieser Zeit alle neuabgeschlossenen Verträge erhalten.— In den letzten Monaten haben die Verbandsvorstände in Gemein- schaft mit der zentralen Schlichtungskommission über weitere einheitliche Vertragsparagraphen verhandelt. Es ist nun ge- lungen, eine größere Anzahl einheitlicher Bestimmungen zu vereinbaren, und zwar für den Vertragsumfang, für die Tauer der Arbeitszeit, der Pausen, Dauer der Arbeitszeit außer der Werkstatt, Ueberstunden. Sonntags- und Nacht- arbeit. Durchschnitts-, Normal- und Mindestlohn, Fristen für die Lohnvereinbarung, Festlegung der Attordpreise für neue Arbeiten, Vereinbarung von Äkkordtarifen, Bedingungen für die Nachprüfung von Akkordpreisen durch die Schlichtungs- kommission, Lohncntschädigung beim Mangel von Material, von Maschinenarbeit, Werkzeug usw., Entschädigung beim Vorziehen von einzelnen Stücken vom Gesamtakkord, Hinzu- ziehung von Sachverständigen. Abrechnung und Auszahlung des Lohnes und des Ucberschusses bei Akkordarbeit, sichtbares Aushängen der Akkordtarife, Einführung von Lohnbüchern, Entschä.djgung bei Montagearbeiten im Ortsbezirk und bei Weitsren Entfernungen mit und ohne Uebernachten, Ungültig- . keitserkläruug der dem Vertrag widersprechenden Arbeits- «rdmmgen. Verpflichtung der Parteien zur Durchführung des Vertrages, Bestimmungen bezüglich der lokalen Schlichtungs- kommissionen, Hinzuziebung von Unparteiischen, Entschei- düngen der Schlichtungskommission durch die Verbandsvor- stände, Verantwortung für die Durchführung der Entschei. düngen der Schlichtungskommission für die beiderseitigen Ver- bände und Vertragsdauer und Kündigung der Verträge usw. Dieses Muster von Vertragsbestimmungen soll bei den neuen Verhandlungen als Unterlage dienen, doch sollen die Ortsparteien nicht gezwungen werden können, dieses Vertrags- muster unter allen Umständen zu akzeptieren. Durch diese Vereinbarungen werden die Verhandlungen Wesentlich vereinfacht und dis Entscheidungen der Zentralinstanz erleichtert. Festgehalten ist wn der bisherigen prin- zipiellen Auffassung, daß, in jedem Fall Ortsverträge abge- schlössen werden sollen; die Verhandlungen sollen schleunigst aufgenommen werden. Die Holzarbeiter müssen eine den Teuerungsverhältnissen entsprechende Lohnerhöhung beanspruck)en. auch werden sie eine Regelung'der Arbeitszeit für die einzelnen Orte auf Grund des früher mit dem Arbeitgeberschutzverband verein- borten Regulativs verlangen. Mit Entschiedenheit werden die Holzarbeiter am Abschluß vierjähriger Verträge festhalten, während der Arbeitgeberschutzverband dreijährige Verträge abschließen will. Die Arbeitgeber sind nicht besonders be- willigungsluftig, sie werden daher auch diesmal den Wünschen der Arbeiter lebhaften Widerstand entgegensetzen. Die Holz- arbeiter sind daher auf alles vorbereitet. verlin und illmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Erich und Graetz in Treptow wurden am Silvesterabend 54 Kollegen der Abteilung Werkzeugbau entlassen. Von diesen 54 Entlassenen wollte die Firma 21 Kollegen wiedereinstellen. Die anderen 33 Kollegen sollten als Gemaßregelte draußen bleiben. Die 21 mit Wiedereinstellung Bedachten erklärten sich jedoch mit den Gemaßregelten soli- darisch und beschlossen, die Arbeit ebenfalls nicht aufzunehmen. Der Betrieb ist für Werkzeugmacher, Dreher, Schlosser usw. streng ge- sperrt. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen MetallarbciterverbandeS. Achtung, Buchbinder! In der Buchdruckerei von O. Elsner, Oranieustraße, hat das Personal nach Ablauf der Kündigungsfrist wegen Vertragsbruch die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. Streikarbeit zurückzuweisen. Die Ortsverwaltung. Oevtckdien Reich- Paritätische Facharbeitsnachweise für das Gastwirts- gewerbe. Der Verband deutscher Arbeitsnachweise hat für den 20. Januar eine Konferenz nach V e r l i N einberufen, die sich mit der Frage der Errichtung von Facharbeitsnachweisen für das Gast- Wirtsgewerbe beschäftigen soll. Eingeladen sind die Dezernenten bezw. die Vorsteher städtischer Arbeitsnachweise und die Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen de? Gastwirts- gewerbes. Eine vom Verband unterbreitete Resolution erklärt die Errichtung von gastwirtschaftlichen Nachweisen in allen dazu geeig- neten Orten des Deutschen Reiches für dringend geboten. Diese Fachabteilungen sind paritätisch und durchaus selbständig zu ver- Berantw. Redakt.: Aichard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: Kasten. Die Kosten sind von dem Träger deS öffentlichen Nach- weises und den beteiligten Organisationen der Arbeiter und Unter- nehmer gemeinschaftlich aufzubringen. Schließlich soll zur Förde- rung und Durchführung dieser Organisation im Deutschen Reiche ein Komitee eingesetzt werden, bestehend aus Vertretern von Arbeit- gebern und Arbeitnehmern in gleicher Zahl. Den Vorsitzenden stellt der Verband deutscher Arbeitsnachweise. Tifferenzen im Mnhlengewerbe zu Bremen. Als vor etwa 5 Jahren die Arbeiter der Rolandmühle vorm. Erling zu Bremen sich organisierten, wurde das von der Betriebsleitung gewaltsam unterdrückt. Veranlaßt durch die rückständigen Verhältnisse im Betriebe, lebte die Organisation vor kurzem erneut auf. Durch Denunzianten erhielt davon die Be- triebsleitung Kenntnis und sofort ging die Verfolgung der Ver- bandsmitglieder erneut wieder los. Nachdem die Versuche des Obermüllers, durch Versprechen einer Lohnzulage die Arbeiter von der Organisation abwendig zu machen, erfolglos blieben, kam brutale Unternehmergewalt zur Anwendung. Drei organisierte, teils bis zu 45 Jahren iin Betriebe tätige Arbeiter wurden wegen angeblicher Betriebseinschränkung entlassen, während Unorgani- sierte, die vor 4— 6 Wochen eingestellt waren, weiter arbeiten können. Der wahre Grund für die Entlassung ist natürlich in der Zugehörig- keit zur Organisation zu suchen; einigen der Entlassenen wurde ausdrücklich gesagt, wenn sie aus dem Verbände austreten, könnten sie weiter arbeiten. Eine Unterhandlung mit den Vertretern der Arbeiter wurde bisher abgelehnt. &Z notarn. Ein Unternehmerorgan, die„PforzheimerBijouterie- z e i t u n g", hat sich, nachdem mit dem neuen Jahre die Arbeiter wieder an die alten Plätze zurückgekehrt sind, in der Anwandlung eines glücklichen Beruhigungsgefühls zu folgendem Neujahrsgruß an die Arbeiterschaft verstiegen: ..... Wir stehen sogar nicht an, unserer Arbeiterschaft A n- erkennung darüber zu zollen, daß sie trotz der in ihr auf- gepeitschten Erregung, trotz der in ihren Kreisen erweckten Er- bitterung ihre Würde bewahrt und bis auf einzelne Aus- nahmen während der Zeit allgemeiner Betriebseinstellung eine Ordnung und Haltung gezeigt hat, die allgemein mit Genug- tuung begrüßt worden ist. Wenn wir diese versöhnende Erfahrung mit jenen Ausschreitungen vergleichen, mit denen im Frühjahr 1910 eine Handvoll Maurer während eines Streiks ganz Pforzheim beunruhigten, oder mit denen, die man bei Lohn- Bewegungen geringeren Umfangs an anderen Orten, z. B. in Moabit, erlebt, dann mutz uns ein Gefühl der Beruhigung erfüllen." Während des Streiks wurden die Arbeiter von der Pforzheimer bürgerlichen Presse als gefährliche Banditen hingestellt, um die Re- gierung zu zwingen, den Belagerungszustand mittels der Karls- ruhpr Schutzleute aufrochtzuerhalt�n, so daß diese arbeitslosen Wächter des Arbeitswilligenschutzes für das ihnen entrissene Weih- nachtsvcrgnügev mit einem landesväterlichen Taler entschädigt werden mutzten. Daß das Unternehmerblatt, statt in die Ferne, nach Moabit, zu schweifen, übersieht, was im nahen R a st a t t vor sich ging, ist begreiflich. Und wenn die Arbeiter wieder um besseren Lohn kämpfen, sind sie wieder den Lügen und Verleumdungen der Ausbeuterpresse ausgesetzt._ Den Herren Streikbrechern znr gest. Notiz. Jenen nützlichen Elementen, die darauf ausgehen, Streik- lassen zu plündern, hat das Landgericht München I ein Exempel statuiert. Im Mai des vergangenen Jahres streikten die Arbeiter der chemischen Fabrik von Dr. Ostermaier in München. Der ehemalige„Kaufmann" Georg A u g u st i n, der erst am 23. April in Augsburg nach Verbützung einer mehrmonatkichen Gefängnisstrafe wegen Zechprellerei aus der Haft entlassen wurde, ließ sich als Arbeitswilliger anwerben. Er wurde Einige Tage nach seinem Eintritt bei Dr. Ostermaier von dem Streikposten wegen seines Verhaltens zur Rede gestellt. Sie boten ihm Unter- stützung an, wenn er die Arbeit niederlege und sich ander- weitig Beschäftigung suche. Der Streikbrecher war sofort damit einverstanden und erklärte, nach Frankfurt reisen zu wollen. Augustin, der wohl glaubte, daß ihm sofort ein grötzcrer Betrag ausbezahlt werde, hatte sich hierin bitter getäuscht. Die Streikleitung gab ihm nur 4,80 M. auf die Hand und sandte einen streikenden Kollegen mit zur Bahn, der dem Arbeitswilligen eine Fahrkarte nach Frankfurt löste. Der Arbeitswillige bestieg den Zug, fuhr aber nur bis zum nächsten Vorort, wo ckr wieder a u s st i e g und wieder gegen München dampfte. Im Betriebs- bureau des Hauptbahnhofs ließ er sich dann den Betrag von 5,05 M. für die nicht ausgenützte Strecke zurückbezahlen, unterzeichnete die Quittung mit falschem Namen und nahm dann seine streikbreche- rische Tätigkeit in der Ostermaierschen Fabrik wieder auf. Die herausgeschwindelte Streikunterstützung zahlte er nicht zurück, nach- dem Anzeige erstattet war. Das Gericht verurteilte den Streik- brecher wegen Betruges zu drei Monaten und wegen Ur- kundenfälschung zu einer Woche Gefängnis. Husfond. Der Streik im belgischen Kohlengebiet. Der Ausschutz der Bergarbcitergewerkschaften für den Bezirk Lüttich hat anläßlich der durch die Zusammenstöße mit der Gen- darmerie entstandenen Entrüstungen den Generalstreik beschlossen und gleichzeitig die Arbeiter zur Besonnenheit und Ruhe ermahnt. Eine große Bergarbeiterversammlung in Lüttich hietz den Streik gut. Dieser Versammlung folgte ein Demonstrationszug, an welchem sich über 10 000 Personen beteiligten, und der ohne jeden Zwischenfall verlief. Die Zahl der ausständigen Grubenarbeiter hat weiter zu- genommen und übersteigt nunmehr 10 000. Die Ausständigen durch- ziehen die Ortschaften und verkaufen zugunsten der Streikkasse Liedertexte. Weitere Gendarmerieabteilungen sind aus der Pro- vinz Limburg herangezogen worden. Sericbts- Leitung. Wahrnehmung berechtigter Interessen. Insbesondere für die Gewerkschaftsredakteure von Interesse ist ein am Donnerstag vom Reichsgericht gefälltes Urteil, das der Beengung der Wahrnehmung berechtigter Interessen durch das Landgericht entgegentritt. Wegen Beleidigung durch die Presse sind am 21. Juli v, I. vom Landgerichte Duisburg der Schriftleiter deS..Bergarbeiters" Franz Schmidt in Oberhausen zu 100 M. und der Gewerk- schaftSsekretär der Hirsch-Dunckerschen Gcwerkvercine, Brill» in Oberhausen zu 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. Auf der Grube„Sachtleben" bestanden Differenzen zwischen Verwaltung und Arbeitern. Die letzteren, soweit sie dem Hirsch-Duncker-Verein angehören, riefen den Angeklagten Brilla als ihren Vertreter nach der Grube und Brilla machte verschiedene Erhebungen. DaS tat- sächliche Material teilte er dem Angeklagten Schmidt mit, welcher in seinem Blatte die Interessen der Arbeiter Hirsch-Dunckerscher Richtung vertritt. Schmidt veröffentlichte in Nr. öl de? Blattes voni 18. Dezember 1909 einen längeren Artikel über Mißstände Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt auf det fraglichen Grube im Sauerlanbe. Hierdurch soll er das Oberbcrgamt in Bonn, insbesondere den Bergrat Haas beleidigt haben. Das sehr umfangreiche Urteil hat die einzelnen Behaup- tungen des Artikels geprüft und die Beleidigung als festgestellt erachtet. Den Schutz des§ 193 hat eS den Angeklagten nicht zu- gebilligt, da es annahm, daß weder Schmidt noch Brilla berechtigte Interessen wahrgenommen haben. Brilla insbesondere könne nicht als Beauftragter aller Arbeiter der Grube angesehen werden, da nur ein Teil derselben seinem Vereine angehörten.— Auf die Revision der beiden Angeklagten, die von Rechtsanwalt Dr. Saul aus Duisburg vertreten wurden, hob da? Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Die'Gründe des landgerichtlichen Urteils, führte das Reichsgericht aus, sind nicht frei von Rechtsirrtum, soweit sie sich auf den Ausschluß deS Schutzes des Z 193 beziehen. Rechtsirrtümlich würde der Aus- schluß des Schutzes dann sein, wenn Mitglieder der Belegschaft der Grube Sachtleben auch Mitglieder des fraglichen Gewerkvereins wären. Ist dies der Fall, so würde ein bestimmter Auftrag zur Vertretung fremder Interessen vorliegen. Aus dem Urteile deS Landgerichts ist auch nicht zu entnehmen, daß der Auftrag der Mitglieder an Brilla sich lediglich darauf beschränkt hat. mit der Verwaltung der Grube zu verhandeln. Was Schmidt betrifft, so ist die Möglichkeit gegeben, daß er von B. einen Auftrag zur Wahrnehmung berechtigter Interessen erhalten hat. VerfaminUingcn. Ein Protest der Bureauangestellten. Der Verband der Bureauangestellten und der VerivaltunyS- beamten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften hatte zum Donnerstagabend eine öffentliche Versammlung nach den„Musiker- sälen" einberufen. Der Reichstagsabgeordnete Robert Schmidt sprach über das Thema:„Die Stellung des Reichstages zu den Forderungen der Angestellten." Im Reichstage hat man innerhalb der bürgerlichen Parteien stets den Angestellten ein lebhaftes Interesse entgegengebracht und mit Versprechungen und schöne n Worten nie gespart, dagegen war man für Taten, für wirk- liche Hilfeleistung nie zu haben, sondern sah überall nur Schwierig. leiten und hatte die größten Bedenken. Wo die Sozialdemokratie Anstrengungen machte, günstigere Bestimmungen durchzusetzen, da stieß sie auf den heftigsten Widerstand der übrigen Parteien. Robert Schmidt forderte deswegen in seines Rede die Angestellten auf, die bürgerlichen Parteien energisch an ihre Versprechungen zu er- innern. Die Angestellten müßten sich mehr als bisher um die politischen Dinge kümmern und versuchen, auf die Gestaltung dieser Dinge Einfluß zu gewinnen. Ehrenpflicht eines jeden Angestellten sollte es sein, der Berufsorganisation anzugehören, damit eino starke Organisation die Interessen der Angestellten wahren und durch sie ein Druck auf die Gesetzgebung ausgeübt werden könne. (Beifall.) In der Diskussion nahm Karl Giebel das Wort, der eben. falls energisch für eine bessere Organisation unter den Angestellten eintrat und die herrschende Gleichgültigkeit und Lauheit zu einem großen Teil verantwortlich machte für die Notlage im Beruf. Die folgende Resolution wurde von den Versammelten an» genommen: „Die am ö. Januar 1911 in den„Musikersälen" versammelten Bureauangestelltcn Groß- Berlins nehmen mit Bedauern Kenntnis von der ablehnenden Haltung des Reichstages in den die Angestellten betreffenden sozialpolitischen Fragen. Durch die Herabsetzung der Gehaltsgrenze in der Krankenversicherung auf 2000 M. und die Festsetzung der Grenze von 4000 M. für die freiwillige Versicherung hat die ReichSversicherungSordnungs- Kommission der einsichtslosen Forderung der Aerzte ein wichtiges soziales Interesse der Privat- angestellten geopfert. In der Ablehnung des Antrages, die Bureauangestellten dem Arbeitskammergesetz zu unterstellen, erblickt die Versammlung eine durch nichts �u rechtfertigende Zurücksetzung der ohnehin jedes geschlichen»Schutzes entbehrenden Bureauangestellten. Dies um so mehr, als die Burcauangestellten auch bei den vom Reichstage geforderten KaufmannSkammern übergangen werden würden. Diese Haltung der Mehrheit des Reichs- tageS offenbart einen großen Mangel an sozialem Verständnis für die Lage der Angestellten, der zu den Versprechungen dieser Parteien in krassestem Widerspruch steht. Die schwächliche Haltung des Reichstages gegenüber den zweideutigen Erklärungen der Regierung in der P e n s i o n S» Versicherungsfrage ist nicht geeignet, den Versprechungen der Mehrheitsparteien das geringste Vertrauen entgegenzu- bringen. Sie beweist nur, daß die PensionSversicherung als Wahlköder für die Angestellten benutzt werden soll. Würde die Mehrheit des Reichstages den ernsten Willen haben, die Pensions- Versicherungsfrage zu lösen, so wäre der Ausbau der Invaliden- Versicherung die geeignet« Gelegenheit. Die Verabschiedung der Reichsversicherungordnung ohne gesetzgeberische Lösung dieser Frage bedeutet nichts als die schärfste Brüskierung der An- gestellteninteressen. Die Versammelten protestieren deshalb aufs schärfste gegen die Stellung der Reichstagsmehrheit in den Angestelltenfragen und fordern den Reichstag auf, die so oft gegebenen Berspreckmn. gen nunmehr endlich einzulösen. Insbesondere fordern oie Ver- sammelten auf das eindringlichste, die seit einem Jahrzehnt versprochene Regelung der Berufsverhältnrsse der Bureauangestellten und sie fordern weitergehend ein einheitliches Privatangestclltenrecht. Das Bureau der Versammlung wird beauftragt, diese Ent- schließung zur Kenntnis der Mitglieder des Reichstages zu bringen._ Hetzte Ptachmbtcn. Die Lohnbewegung der Nuhrbergleute. Bochum, 6. Januar.(Privattelegramm des„VarwärtK".) Da sich der Zechenverband auf die Eingabe der Berg. arbeiterorganisationen nicht für kompetent erklärt hat, die Lohnfrage für die ihm angeschlossenen Zechen zu verhandeln, so sollen die Abändcrnngsfordcrnngen nunmehr durch Ar- beiterausschüsse den Grnbcnbcrwaltungen eingereicht werden. Heute fanden im Ruhrrevier 36 Bclegschaftsvcrsammlnngen statt, die von den� drei Verbänden gemeinschaftlich einberufen waren. Die Versammlungen waren durchschnittlich stark be- sucht. Für nächsten Sonntag sind über 50 Versammlungen geplant. In allen Versammlungen wurde eine gleichlautende Resolution angenommen, in der in der Hauptsache 15 Proz. Lohnerhöhung gefordert werden. Den Führern wurde uneingeschränktes Vortrauen aus- gesprochen. Die Arbeiterausschüsse wollen die Forderung nun- mehr bei den Gnibenvertnaltungen einreichen. In den ein- zelnen Versammlungen sprachen sich verschiedene Redner scharf gegen die christlichen Vorräter bei der Lohnbewe- gung aus._ Eisenbahnnnfall. Möns, 6. Januar.(2B. T. B.) Bei der Einfahrt in den hiesigen Bahnhof ist heute ein von M a n a g e kommender Personen- zug entgleist, wobei eine Person getötet und acht verwundet wurden. Paul Singer i Co.. BerlinLV/� Hierzu Z Beilage»«/Uuterhaltungsbl. Nr. 6. 28. Iahrgaag. 1. Kcilme d» Jmirts" ßtiliiitt vilkdIM Soullabtud. 7. hmt 1911 Die flioabiter Vorgänge vor Geriebt. Vierzigster Tag. Räch Eröffnung der Sitzung fährt Recht-Zanwalt Wolfgang Heine ki seinem Plädoyer fort. Ich möchte heute, führt er miS, das Ergebnis der Beweisaufnahme in großen Zügen untersuchen. Wir Verleidiger bestreiten nicht, daß an manchen Orten und zu manchen Zeiten in jenen Tagen die Voraussetzungen deS Aufruhrs und LandfriedenSbruchS, die ja sehr weitgehend gefaßt werden, vorgelegen haben. Es mutz natürlich untersucht werden. wie weit das für jeden der Angeklagten der Fall ist. Denn es kann jemand sehr wohl in eine Menge kommen, ans der geschinthfi und geworfen wird aber er ist nicht schuldig, wenn er nicht mit Absicht in dieser Menge bleibt. Ich habe zu prüfen, wie das Gesamtbild zustande kam, welches hier entrollt worden ist. Es ist ja ein un- erhörtes Bild für Berlin, datz mehrere Nächte der Browning, der Säbel und der Knüppel in den « Straßen herrschten und datz absolut ruhige Bürger mit diesen Waffen Bekanntschaft machten. Wer trägt die Schuld daran? Der Erste Staatsanwalt erklärte. er habe nie behaupten wallen, datz politische Moniente hierbei vor- gelegen hätten und die Verteidigung habe offene Türen eingerannt, wenn sie diese Annahme widerlegen wollte. Der Erste Staats- onwalr lietz durchblicken, die Verteidigung habe agitatorische Zwecke im Auge. Ich mutz dem entschieden widersprechen. Die Staatsanwaltschaft sagt in der Anklageschrift, eine plan- »lätzige Leitung der Unruhen sei zwar nicht erwiesen, aber doch wahrscheinlich. Das kann doch nur bedeuten, datz die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbeivegung als die Leiterin der Unruhen angeschen wird. Deutlicher als die Anklageschrist hat das die von der Polizei inspirierte Preffe und ebenso deutlich der Polizeipräsident und der Reichskanzler zum Ausdruck gebracht. Das lief darauf hinaus, datz inan die Sozialdemokratie und die Gewerk- fchaften als die moralisch Schuldigen hinstellt. Kann man sich wundern, wenn wir uns gegen diese Auffassung wehren? WaS der Erste Staatsanwalt jetzt sagt, ist anch»och nicht ganz frei von dieser Beschuldigung. Er sagt doch: schuld sind die Führer und der seit Jahren geschürte Hätz gegen die Polizei und die Streikbrecher. Darin liegt doch der Gedanke, den Hätz habe die sozialdemokratische Presse und die Gewerkschaften gesät und geschürt. Wenn das auch der Staatsanwalt nicht deutlicher sagt, dann iverden es die Leute draußen schon tun. So gern ich davon Akt nehme, datz der Erste Stantsauwalt erklärt hat, irgend eine Schuld der sozialdemo- kratischcn Leitung ist nicht erwiesen, so mutz ich doch erörtern, woher der Krawall gekommen ist und warum er diesen Umfang ange- nommcn hat? Ich will dadurch erweisen, daß die gegen uns erhobenen Vorwürfe unbegründet sind. Zunächst ein paar Worte über die örtlichen Verhältnisse in Moabit. Die Bevölkerung dieses Stadtteils, besonders die Arbeiterbevölkerung ist himmelweit entfernt eine Gesellschaft von Desperados sVerzweifelter) zu sein, die nichts zu verlieren hätte, und keine andere Tendenz kenne, als alles zu vernichten. Wer die Bevölkerung kennt, der weiß, datz die Moabiter Arbeiter wirtschaftlich durchaus in geordneten Verhältnissen leben. Trotzdem sind es natürlich Leure mit den Lebensbedingungen der Nichtbesitzsnden. Durch ihre Beschäftigung sind die Arbeiter. Sie und auch ihre Frauen sind genötigt, viel auf der Strohe zu sein. Das führt dazu, datz auch bei den Frauen die in besitzenden Kreisen vielfach bestehende Scheu vor der Straße hier nicht existiert. Man kann sich also nicht wundern, wenn unter solchen Ver Hältnissen die Straße sich schnell mit Menschen füllt. Vor allem ist die Straße auch der Spielplatz von Kindern. Da die Leute ge- drängt wohnen, kommt hier eine Ansammlung auf der Straße leichter zusammen wie in dem Villenviertel des Westens. Das gilt schon für den durchaus harmlosen Teil der Bevölternug. Dazu rechne ich auch die jungen Leute, die gern mal einen kleinen Unfug mitmachen und ihren Launen die Zügel schießenlassen, deshalb aber keineswegs zum Janhagel gehören. ES sind nicht gerade die schlechtesten Kinder, dir nicht hinter dem Ofen sitzen und den Katechismus lese». Die Kinder wollen auch mal was sehen und erleben. In dem heroischen Zeitalter der Jugend nimnit man auf dem Lande Vogel- nester aus, inan stiehlt Aepsel von des Nachbars Baum oder auch Hühnereier. In Berlin gehl das nicht. Hier sucht die Jugend auf andere Weise ihren Tatendrang zu befriedigen. Wenn mal etwas Derartiges vorkommt, so darf man das nicht so tragisch nehmen, * Kleines feuilleton. Lassen sich die Margarine-Vergiftungen vermeiden? Die Ver giftungenfälle, die durch den Genutz bestimmter Margarinesortcn sich neuerdings— glücklicherweise meist leichterer Art— ereignet haben, ließen die Frage auftauchen, ob denn unsere hoch entwickelte cheniisch-technische Wissenschast dergleichen nicht zu verhindern»visse. Mit diesem ebenso aktuellen wie wichtigen Gegenstand beschäftigt sich Dr. I. Hertkorn- Berlin in Nr. ISS der„Chemiker-Zei- tung". Er weist darauf hin, datz es im Interesse der Allgemeinheit liegt, wenn an Stelle der bekannten, einwandfreien, aber zu teuren Rohmaterialien nach billigeren Ausgangsprodukten der Margarine- Produktion gesucht wird. Aber es mutz natürlich verlangt werden, datz eingehende und gewissenhafte Prüfungen stattfinden, damit der Konsument nicht zu Schaden komme. Besondere Bestimmungen über die Beschaffenheit ihrer Fette und Oele bestehen für die Kunstbutterfabrikation nicht, autzer datz ihre Grundsubstanz(ob tierisches oder Pflanzenfett) richtig an- gegeben wird. Um so mehr mutz verlangt werden, datz bei der Fa- brikation alle giftigen Substanzen ausgeschieden oder unschädlich gemacht werden. Dr. Hertkorn weist darauf hin, datz die heutigen Methoden dies durchaus ermöglichen und fatzt seine Vorschläge dahin zusammen: .Durch die Regierung mutz von dem Kunstbutterfabrikanten zum mindesten verlangt werden, daß er sein Fett oder Oel längere Zeit mit wasserabgebenden Stoffen auf höhere Temperaturen er- hitzt oder längere Zeit mit Dampf behandelt(ausdämpft), behufs möglichster Entfernung und Vernichtung der für den menschlichen Genutz schädlichen Stoffe. Es ist aber noch mehr zu fordern, so be- sonders die Vorbehandlung mit Alkalien, ein Ausdämpfen und Aus- waschen mit Wasser____ Wenn die angedeuteten BeHandlungsweisen gründlich und gewissenhaft ausgeführt werden, ist fast jedes Pflanzenöl oder Pfanzenfett, selbst die verdorbensten tierischen Fette, unschädlich. Die Butteraromastoffe sind genau vorzu- schreiben, und ihre Herstellung aus stark giftig wirkenden Zwischen- Produkten ist zu verbieten. Für den Konsumenten und besonders für die niederen Volksklassen, die sich von solchen Ersatzprodukten ernähren müssen, ist die richtige Lösung der Kunstbutterfrage sehr wichtig, um die man nicht durch Palliativmittel herumkommt. Es müssen einschneidende Matznahmen getroffen werden, auch im Interesse des Volkswohles und der Leistungsfähigkeit des Volkes. und nicht zuletzt zur Förderung der blühenden Kunstbutterindustrie, wie Pastor Schwebet es getan hat, der für die Psyche der Jugend kein Verständnis bat. Der Pastor sagle, er habe keine Wirkung der sozialdemokratischen Jugenderziehuug bemerkt. Das glaube ich gern, denn seine Beziehungen hören da auf. wo die Wirkungen der sozial- demokratischen Jugenderziehung ansangen. In einem Stadtgebiet, wo Taufende von lcdigen jungen Männern leben,«lacht sich nalürlich anch die Prostitution und ihr Anhang bemerkbar, was ja anch einige Zeugen bestätigt haben. Ein hochknllivierter Teil der Stadt zieht sich bis an die äußersten Grenzen. Dahinter kommt dann eine wüste Gegend, die Plötzenseer Heide, wo sich Elemente aufhalten, von denen der Berliner Volks- witz sagt:„Er hat Arbcet, er muß die Schwäne«ff» Kopp spucken!" Was den soliden Teil der Bevölkerung betrifft, so sind natürlich sehr viele gewerkschaftlich Organisierie darunter. Leider noch nicht genug. Auch viele sind darunter, die bei den Wahlen für die Sozialdemokrane stimmen. Der überwiegende und führende Teil der Moabiter Be- völkerung ist sozialdemokratisch. Wenn die Einwohner nicht durch die kulturellen Einflüsse der Arbeiterbewegung ein Ehrgefühl hälten, lvie man es in anderen Ständen als selbstverständlich voranssetzt, so würden sie die von den Polizisten ausgeteilien Prügel für selbst- verständlich halten und sie ruhig hinnehmen. Wenn es so wäre, dann würde die ganze Sache glaiter gegangen sein. Die Leute würde« dann mit dem blöden Lächeln eines russischen Muschick die Säbelhiebe dankend hingeuommc» haben. Ich gebe zu, datz in de» letzten Jahren lein gutes BcrhältniS zwischen der Polizei und de» Arbeitern besteht. ES sind ja nicht gerade die besten Elemente der Unter- offiziere, welche zur Schutzmannschaft übergehen. Das gilt nalürlich nicht von allen. Aber es sind doch viele u»ter den Schutzleuten, die deshalb vom Militär abgegangen sind, weil man ihnen zu verstehen gab, datz man init ihnen nicht weiter kapituliere» würde. Die Ar- beiterklasie weiß, datz sie bei all ihren Bestrebungen in bezug auf Bildung, politische Betätigung und wirtschafttichc Besserstellung, die Polizei auf der Seite ihrer Gegner findet. Wenn dadurch Erbitterung gegen die Polizei entstanden«st, so ist das nicht die Schuld der Hetzer, sondern es ist auf der anderen Seite gesündigt. Wer den fechstr» März miterlebt hat, der hat den Schlüssel zum 26. September. Wer gesehen hat, wie im Tiergarten und in Treptow auf ruhige Bürger eingehauen worden ist, der mutz verstehen, warum kein freuudticheS Verhältnis zwischen der Polizei und der Arbeiterklasse bestehen kann. Das trifft selbst für solche Fälle zu. wo die Polizei ihre Pflicht erfüllt. In Moabit aber hat sie ihre Pflicht verletzt. Die Veranlassung zu den ganzen Ereignissen ivar der Streik bei Kupfer. Wir haben von dem Geichäflssührer gehört, datz die Firma ein Teil des SrinneS-KonzernS ist. Ich weiß nicht, ob die Angabe des Geschäftsführers zutrifft, datz die Firma in diesem Jahre mit Verlust gearbeitet habe. Aber die S Pf. Lohnzulage würden die Firma gewiß nicht arni gemacht haben. Es handelt sich doch um eine Firma von Multimillionäre», die ganz amenkamsch den Kohlenmarkt beherrscht und Riesengewinne erzielt, die aber nicht»ach Art der Carnegie und Rockefeller einen großen Teil ihres Millionen- gewinneS für humanitäre und BildimgSzwccke hingibt. Man kann es den Arbeitern daber nicht verdenken, wenn sie ihre Sympathie nicht der Firma, sondern den streikende« Arbeitern zuwenden. Die Firma gehört ja auch zu denen, die jede Verhandlung mit den Organisationen der Arbeiter, ja selbst mit Behörden abgelehnt hat. NücksichtSlos wollte sie den Kampf führen bis zum Weißbluten. Was die Arbeiter bewegt, die Streikbrecher von sich zu weisen, das ist dasselbe Salidaritätsgefühl, welches die Arbeiterklasse aus zerlumpten und zertretenen Bettlern zu einer kulturellen Macht gemacht hat. Wie sind»un die Unruhen ent- standen? Der Staatsanwalt sagt, die Streikposten haben angefangen und die Bevölkerung hat sich gegen die Schutzleute gewandt, diese sind dann wild geworden und haben in Einzelfällen über die Schnur gehauen. Ich sage dagegen: Es sind zwar Ausschreitungen gegen Streikbrecher vorgekommen, das ist bedauerlich, aber man darf nicht vergessen, datz diese Ausschreitungen, die übrigens nur vereinzelt dastehen, erst durch die Rcvolverschicßrrci der Streikbrecher hervor- gcrufc» wurden. Die Polizei hat nichts getan, um Zusamnienstöße zu vermeiden, aber sehr viel, um sie zu verschärfen. Schon vor dem 26. September sind durch rücksichtsloses Bor- gehen einzelner Polizcioffiziere und Beamten die am Streik nicht beteiligten Teile der Bevölkerung gereizt worden. Nachdem man die Einwohner bis aufs Blut gereizt hatte, kam das Unerhörte: die Polizei vcrlnfit abends den Platz und überläßt den Mob die Straße. So kommt es zu Exzessen an der Kirche, am Warenhause Prcutz und an den Lokalen von Mentzel und Rittberger. Am nächsten Tage erschienen in der Presse von der Polizei inspirierte Sensationsberichte. Diese haben nun erst recht Neugierige an- gelockt. Nun wurden durch die Maßnahmen der Polizei die Menschen nicht entfernt, sondern angestaut. Und blindwütig wurde die durch Vorkommnisse angezeigter Art in ihrer Existenz schwer ge- schädigt wird." Wenn die Angaben dieses Fachmannes— woran wir nicht zweifeln— zutreffen, wird eine gesetzliche Sicherung der Mar- garinekonsumentcn gegen weitere Attentate auf ihre Gesundheit ge- schaffen werden können und müssen. Ein Baum als Wasserreservoir. In manchen Reiseberichten aus den tropischen Gegenden Amerikas ist von einer Wasser ent- haltenden Pflanze die Rede gewesen, der die Indianer den Namen „Ter Baum des Reisenden" gegeben haben, weil er dem Durstigen auf weiter Fährte die besten Dienste leistet. Der Direktor des zu dem Carnegie-Jnstitut gehörenden Bureaus für botanische Untersuchungen, Drnigal, hat sich nun mit dieser Pflanze be- schäftigt. Bei dem„Baum des Reisenden" handelt es sich um Kakteeuarten, deren Schaft Ansammlungen von Trinkwasser ent- hält, die sich hier in relativ großen Mengen finden. Die wichtigste dieser Pflanzen«st der Bisnaja iEchinokaktus)), der Wasser in Fülle liefert. Um dieses zu erhalten, mutz man mit einem scharfen Instrument, einem Messer oder einer Axt, den Kaktus umschlagen: ist man nicht im Besitz eines solchen scharfen Gegen- standes, so kann man auch die Stacheln abbrechen und den Schaft mit einem sckweren Stein zertrümmern. Entfernt man dann noch eine Schicht von lS bis 20 Zentimeter Dicke, so gelangt man schließlich zu dem Mark der Pflanze, in dem sich das Wasser befindet. Man zerbricht das Mark mit den Händen und findet nun darin eine sehr angenehm schmeckende, kühle und durst- stillende Flüssigkeit. Solch ein Kaktus enthält gewöhnlich 1% bis 3 Liter Wasser, kann aber Mengen bis zu 10 Liter in sich haben. Die Eingeborenen, die seit uralter Zeit den Inhalt des Bisnaja kennen und von ihm reichlich Gebrauch machen, stillen mit ihm in kürzester Zeit ihren Durst. Sie ziehen sogar das Wasser, das der Kaktus enthält, jedem anderen vor und ver- wenden es, soviel sie nur können. Es gibt andere Kaktcenarten, wie die Sagnaro, die dieselbe Eigenschaft besitzen, aber ihr Wasser «st mit bitteren Substanzen vermengt und daher nicht so gut ge- meßbar. Die größte Sprengung mit Dynamit, die jemals vor- genommen worden ist, legte den sogenannten Teufclspatz(Hell- gate) bei New Dork für die Schiffahrt frei. Diese ungeheure Mine erforderte eine vorbereitende Arbeit von fünf Jahren und wurde dann mit insgesamt 13 290 Sprengpatronen geladen, zu deren Herstellung ISO 000 Kilogramm Sprengstoffe notwendig ge- Wesen ivare». Die Sprengung erfolgte dann in der Weise, datz ein Teil der Patronen durch Elektrizität entzündet wurde und dann die übrigen gleichfalls in Wirkung setzte. Eine Sprengung auf die Massen eingehauen. Die Aktion der Polizei läßt jede vernünftige und sachgemäße Leitung vcrinisscit. Tie verschiedenen Teile der Beamtenschaft arbeiten jeder auf eigener Hand. Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut; aber jede Hand hat gehauen. Den Kopf aber vermißt man. Diese Taktik der Polizei hat es fertig gebracht, baß eine Affäre, wie die bei Kupfer, einen solchen Umfang annchiucn konnte. Das ist das Fazit des ganzen Materials, was sich durch zahl- reiche Einzelfälle belegen läßt. Der Verteidiger geht hieraus auf eine Reihe solcher Einzelfälle ein und führt u. a. aus: Von mindc- stcns 100. Kohlcnfuhrcn, wiche die Firma in jener Zeit täglich beförderte, sind im ganzen vier oder, wenn man die Doppelwagcn mitzählt, sechs angegriffen worden. Das ist doch gewiß kein großer Prozentsatz. Ich will die Steinwürfe, welche gegen Kohlenwagen erfolgt sind, gewiß nicht billigen. Ich beklage sie sogar, aber sie sind nicht, wie die Staatsanwaltschaft behauptet, von Streikprsten aus- gegangen. Die Streikleitung hat jede Ausschreitung zu verhindern gesucht. Wenn die Streikposten nicht gewesen wären, dann würden die Ausschreitungen viel ärger gewesen sein. Die Streikleitung konnte natürlich nicht verhindern, datz sich Unbeteiligte hinein- inischtcn. Daß diese Leute sich überhaupt einmischten, ist auf die falsche Taktik der Polizei zurückzuführen. An dem Streik waren doch nur ISO Arbeiter beteiligt. Wir haben in Berlin schon einen Streik von IS 000 Arbeitern gehabt. Nichts«st dabei vorgekommen. ES ist aber auch noch nie dagewesen, daß man Streikbrecher mit Revolvern auf der Straße laufen ließ. Das war beim Kupferschen Streik meines Wissens in Berlin der erste Fall. Es ist uns mehr- fach bekundet worden, datz Streikbrecher der Firma Kupfer ohne jede Veranlassung das Publikum mit dem Revolver bedrohten. Dieser Unfug hatte keinen anderen Zweck, als das Publikum zu provozieren. Von Notwehr kann hier keine Rede sein. Wir haben ja auch gehört, datz es für die Leute Hintzes die Hauptsache war, ungestraft zu hauen. Ein Zeuge hat uns ja bekundet, datz sie wie wilde Tiere aus dem Tor des Kohlenplatzcs brachen und harmlose Leute verprügelten. Ich halte schon die Begleitung der Kohlenwagen von 4 bis 6 Schutzleuten durch die ganze Stadt für einen sehr großen Fehler. Dadurch wurden ja erst die Unbeteiligten angelockt und Ansamm- lungen veranlaßt. Hauptsächlich aber ist die Erregung gesteigert durch das aufreizende und brutale Vorgehen der Polizei in den Tagen, wo sich die Tinge noch nicht so ausgewachsen hatten. Schon vor dem 26. September sind die Arbeiter, welche aus den Fabriken kamen, von der Polizei arg bedrängt, gepufft, gestoßen, ja sogar mit dem Säbel geschlagen worden, obwohl sie nichts getan hatten. Das ganze Verhalte» der Polizei war zwecklos und kränkend für das Publikum. Man denke an die Bekundungen eines Zeugen, der uns sagte, datz die Mädchen, welche aus der Fabrik kamen, von der Polizei getrieben, gestoßen und mit Pferden bedrängt wurden, und daß dann, als die Straße bereits leer war, ein einzelner Herr, der nicht aus der Richtung der vertriebenen Menge kam, von einem Schubmann eine» Stoß erhielt und cn, Gastwirt» der mit diesem Manne sprach, von dem Schutzmann in der rohesten Weise beschimpft wurde. Der Verteidiger führt noch mehrere derartige Fälle von Miß- Handlung an und fährt dann fort: Der Staatsanwalt hat ja die alte Geschichte erzählt, daß in bestimmter Absicht Frauen und Kinder«n die vordersten Reihen gestellt worden seien. Nun, die braucht man nicht erst aufzustellen. Das kommt ganz von selbst, daß sich diejenigen, die am neugierigsten sind, vornan stellen und besonders die Kinder, die ja hinten nichts sehen können. Es soll anch eine bestimmte Absicht gewesen sein, datz die Arbeiter der Löwcschcn Fabrik auf der Straße standen, als ein Kohlenwagen vorüberfuhr. Uns ist bekundet worden, datz die Leute in der Mittags- pause immer dort stehen, und datz sich dazu noch viele junge Leute einfinden, weil sich auch die jungen Mädchen aus der Fabrik dort ergehen. Natürlich werden auch einige Leute gekommen sein, um diese auffällig eskortierten Kohlenwagen zu sehen. Eben deshalb hätte die Polizei vermeiden müssen/ daß die Wagen gerade um diese Zeit hier vorübcrgeführt wurden. Anstatt die Wagen durch reitende Schutzleute eskortieren zu lassen, konnten sie ja in un- auffälliger Weise durch Kriminalbeamte begleitet werden. Es standen ja deren ISO zur Verfügung. Aber täglich sind die Wage» ausgerechnet zu der Stunde vorbeigefahren, wo die Arbeiter dort ihre Mittagspause verbrachten. Nun sind Steine nach dem Wagen geworfen worden, aber der Wagen fuhr schnell vorüber. Es handelt sich also nur um eine vorübergehende Episode. Wenn die Polizei aus einer solchen Kleinigkeit eine große Aktion werden läßt, dann ist sie selbst schuld an den Folgen. Es kam nun die Attacke, Ivo die Arbeiter bis auf den Hof der Fabrik verfolgt wurden. Nachher wird vielleicht mit Steinen über die Mauer geworfen worden sein. Bor dem aus polizeiliche Anordnung geschlossenen Fabriktor sammelten sich die ankommenden Arbeiter. Sic wurden wieder von der Polizei bedrängt, obgleich sie hineinwollten, was sie aber infolge der polizeilichen Mahnahmcn nicht konnten. Ich zweifele von solchem Umfang hat sich bisher nicht wiederholt. Aber in Belgien ist jetzt eine Tunnclsprengung in der Wasserscheide zwischen den Flußbecken des Lys und des Dser vorgenommen worden, die auch eine recht stattliche technische Arbeit umfaßte. Es war dort ein unterirdisches Gewölbe zu sprengen, wozu 2125 Sprengpatronen vollkommen gleichzeitig gelöst wurden. Dazu war eine Zündschnur erforderlich, die besonders fabriziert werden mutzte. Sie reichte durch die ganze Länge des Tunnels und verzweigte sich in seitliche Schnüre, die bis auf den Grund jedes Bohrlochs reichten. An den beiden Enden der Hauptzündschnur war ein Detonator befestigt, der durch einen elektrischen Stoß derart erregt wurde, daß sich die Explosion durch den ganzen Tunnel fortpflanzte. Die Gesamtlänge der Ziiiibschnur belief sich auf 7 Kilometer, die Dynamitladung auf 3210 Kilogramm. Der Erfolg war ein vollkommener, und nicht eine einzige Patrone versagte ihren Dienst. Trotz der gewaltigen Sprengladung und der Länge der Zündschnur entstand nur ein verhältnismäßig geringes Geräusch, und auch das dadurch verursachte„Erdbeben" reichte nur einige 100 Meter weit in die Nachbarschaft. Da eine solche Zündschnur zum erstenmal benutzt worden ist, hat dies Unternehmen auch ein erhöhtes technisches Interesse. Notizen. — K u n st ch r o n i k. Louis C o r i n t h hat jetzt ein Werk voll- endet, an dem er seit l'/s Jahren gearbeitet hat. ES ist ein für die Kirche zu Tapiau bcstiinmics Altarbild:„Golgatha", ein monumcii- talcS Triptychon, da§ der Künstler seiner GehnrlSsiadt gewidmet hat. Das Werk«st vom S. bis 16. d. M. im Kunstsalon Paul Cassirer aus- gestellt. — U e b e r die Bekämpfuiist der Schundliteratur, vornehmlich durch Fugendpflege, wird der Generalsekretär der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stisilmg, Dr. Fritz Coerper, im Reichs- tagSgebäude, Portal V, Zimmer 12, am 7. d. M.. abends S Uhr, in Bcrbindniig mit der Ausstellung gegen die Schundliteratur sprechen. — Die Trauerfeier für Raphael Löwen selb sindct am Sonntag, den 8. Januar, 12 Uhr, im Schiller-Theater Charlotten bürg statt. — Die Braunschweiger Hosthcater-Affäre. Nachdem der Kapellmeister Riedel und die von ihm beleidigte Sängerin Erklärungen abgegeben haben, lassen sich auch die„Hof- ämter" jetzt amtlich vernehmen. Der Kapellmeister wird danach wegen seines hohen Alters pensioniert. Die schroffe Form des EntlassungS- schreibenS des Intendanten wird dagegen unzweideutig mißbilligt und zu erkennei« gegeben, datz seine Pensionierung die Folge da- von sei. nicht, daß einzelne iunge Burschen Sieine über die Mauer geworfen haben. Das ist nicht gesetzlich, nicht schön, aber auch nicht auf' regend. Die Polizei hatte sich auf die and.re Seite der Straße zurückziehen können, wo sie nicht von den Steinwürfen getroffen wurde. Mit dem Schluß der Mittagspause hätte dann der Unfug von selbst aufgehört. Statt dessen dringt die Polizei auf den Hof, wo sie gar keine Hyanccn hatte, die Schuldigen zu ergreifen, wo aber die, die sich nickt schnell genug entfernen konnten, ihre Prügel kriegten. Worum geschah das?„Ja, wir mußten unsere Autorität wahren," sagte uns ein Pölizeileutnant. Diese Auffassung ist ganz falsch. Die Autorität der Beamten ist ein Mittel, sich Respekt zu verschaffen, aber sie ist nicht Selbstzweck. Wenn man immer nur daran denkt, wie man seine Autorität wahrt, dann gibt es im ganzen Leben nichts als Zusaminenstöhe. Das ist ganz charakteristisch: in dem Moment, wo die Fabrikpfeife ertönt, ist alles ruhig. Das sind die„Revolutionäre von Moabit", die auf den Ruf der Fabrikpfeife sofort wieder an die Arbeit gingen! Mit Leute», die so diszipliniert sind, wird man mit anderen Zsiitteln fertig als mit Brownings. Säbel und Straßen schlachten. In dieser Art treibt eS die Polizei auch an den nächsten Tagen. Diese Marotte, die Straßen miisien menschenleer bleiben, war die Ursache zu fortwährenden Jagden auf das Publikum. Man sperrte die Straßen ab, zwang dadurch die Bewohner, Umwege zu mach.m, und veranlaßte dadurch Ansammlungen an anderen Stellen. Das unsinnigste ist, daß sogar am Bahnhof die Leute gehindert wurden, abzufahren und sich aus dem Gebiet der Un- ruhen zu entfernen. Leute, die ruhig ihres Weges kamen, wurden in die Jagden hineingetrieben und kriegten Prügel. Alles das mußte natürlich aufreizend wirken. Ich erinnere an die Ausräumung der Lokale von Lanzerat, Böttcher und Krüger. Bei Lanzerat befanden sich eine Anzahl ruhiger, harmloser Spieß- bürger. Die Polizei dringt hinein und verhaut die Leute und draußen mußte noch jeder der Verhauenen Spießrutm laufen. Glaubt man denn, daß solche Dinge, die doch von den Beteiligten überall weitererzählt werden, das Publikum nicht aufregen? Das muß um so mehr der Fall sein, als ja doch gar kein Grund für das Borgehen der Polizei vorlag. Denn aus den Lokalen ist nicht ge- warfen worden. So war es immer bei den Jagden auf der Straße: die Polizeikette stürmt vor, die Menschen fliehen; die, welche ge- schimpft oder geworfen haben, sind nicht zu kriegen, denn sie haben sich eine Rückzugslinie offen g halten, oder es sind Leute, die den Stock erheben und rufen:„Halt, Kollege!" Die Prügel kriege» nur dir Nnschuldigcn, welche nicht schnell genug vorwärts kommen. Aus diese schlugen die Nachzügler der attackierenden Schutzleute ein. So erging es ja auch dem Manne, der sich unter den Wagen flüchtete und dort mit dem Säbel gcstökert wurde, meiner Ueberzeugung nach vom Pölizeileutnant Folte. Alle Zeugen, welche über diesen Vorgang auSg sagt haben, bekundeten: gerade der Umstand, daß es ein Polizeioffizier war, der nach dem Mann unter dem Wagen piekte, hat alle Augenzeugen dieser Szene so fürchterlich aufgeregt. Alles das, was ich bis jetzt vorgeführt habe, ist vor den Exzessen am 26� geschehen, mit denen die Staatsanwaltschaft die Aufr gung der Polizei erklären will. Man kann sich nicht wundern, wenn nach solchen Ereignissen die Bewohner eines Hauses, in welchem Schutzleute einquartiert werden sollten, diese Nachbarschaft zurück- wiesen. Das ist kein Terrorismus, Herr Erster Staatsanwalt, das ist ein Akt der Notwehr. Man sagt, die Polizei mutz das Eigentum schützen. Meinetwegen konnte sie den Kohlenplatz in Verteidigungszustand setzen, Schützen. graben ziehen meinetwegen auch Maschinengewehre auffahren. Das war ihr gutes Recht. Da hätte sie bleiben und ein ganjj beschauliches Dasein führen können. Natürlich mußte die Polizei den Verkehr auf der Straße aufrecht erhalten und Ansammlungen verhindern. Das hätte sie am besten erreicht, wenn sie sich zurückgezogen hätte. nachdem die Kohlenwagen die Straße verlassen hatten. Wenn sie die Straße unauffällig beobachtet hätte, dann wäre alles ruhig geblieben. Nachdem aber die Polizei die Aufregung des Publikums herbeigeführt hatte, war es daS allerverkehrteste, daß sie sich abends auf den Platz zurückzog und nur einzelne Schutzleute auf die Straße schickte. Unter diesen Umständen konnten junge Burschen Laternen ein- werfen, ohne daß die Polizei etwas dagegen tat. Daß sie diesen Unfug nicht verhinderte, ist unerhört. Dazu langt es bei der Polizei, auf wehrlose Menschen ein- zudreschen, aber dazu langt ihr Kopf nicht, sich zu sagen, daß eine im Dunklen liegende Straße die größte Gefahr für die Ordnung ist. Und wenn schon die Laternen ausg.'löscht waren, warum be- sorgte die Polizei nicht gleich Magnesium-Fackeln? In b Minuten hätte sie sie von der Feuerwehr haben können. So ist es durch die verkehrte Taktik der Polizei gekommen, baß sich die Exzesse an der Kirche, bei Prenß, und die Bedrohung gegen die einzelnen drei Schutzleute ereignen konnten. Die Leute, welche diese Exzesse verübten, waren keine ordent- lichen ruhigen Arbeiter. Das waren Roivdhs, wie uns mehrere Zeugen bekundet haben. Recht charakteristisch ist, was uns Kaufmann Preuß erzählte. Als ihm in der Nacht mitgeteilt wurde, daß sein Schaufenster eingeschlagen war, ersuchte er die Polizei, ihm bei dem Schutz deö nunmehr offenstehenden Ladens behilflich zu sein. Anstatt ihm diesen Schutz nun zu gewähren, wird der Mann mit grobrn Worten zurückgewiesen. Hier hätte doch die Polizei die Pflicht gehabt, daS Eigentum eines ruhigen Bürgers zu schützen. Aber die Polizei hatte nur de» Knpferschen Kohlcnplatz im Kopf und das Bestreben, ihre Autorität zu schützen. Am 27. konnte es wieder geschehen, daß in der Rostocker Straße die Laternen nicht nur ausgelöscht, sondern zertrümmert und ver- bogen wurden. Wie war das möglich in einer Gegend, wo die Polizei Hunderte von Beamten zur Verfügung hatte? Der Polizei fehlte«ffcnbar das Interesse für das öffentliche Eigentum. Sie dachte nur an den Schutz des Privateigentums der Firma Kupfer. Diese Sache ist ja um so auffallender, als wir vom Zeugen Drehkolp gehört haben, daß er dem Polizeileutnant Folte mitgeteilt hatte, er habe von einem Manne gehört, es solle am Abend in der Rostocker Straße etwas los sein. Es kommt nicht darauf an, ob das wirklich ein Mann zu Drehkolp gesagt hat, sondern vielmehr darauf, daß dem Polizeileutnant Folte diese Mitteilung gemacht worden war. Er hätte also für alle Fälle Vorkehrungen treffen müssen. Herr Folte hat uns aber gesagt: Gerade deshalb, weil er diese Mitteilung hatte, seien die Beamten nicht in die Rostocker Straße gegangen; denn sie fürchteten, in eine Falle gelockt zu werden. DaS ,st doch eine merkwürdige Strategie, wenn man nicht dahin geht, wo man den Feind vermutet. Ich weiß nicht, wo Herr Folte diese Strategie gelernt hat. Ich habe immer gehört, wenn der Preuße weiß, da steht der Feind, dann geht er dort hin und nicht wo anders, so war es schon beim alten Hnb beim Marschall Vorwärts. Wenn das so wäre, wie Polrzelleutnant Folte sagt, dann wäre eS nichts anderes, als Feigheit. Aber ich sehe es nur als eine der Ausreden an, mit denen eine grobe Kopflosigkeit beschönigt werden soll. Am Dienstag wurde in der Presse wahrheitsgemäß gemeldet, daß der Pöbel die Ausschreitungen in der vergangenen Nacht be- gangen hat, und daß die organisierten Arbeiter nichts damit zu tun hatten. So stand es auch in dem von der Polizei bedienten »Lokalanzeiger". Aber. dann änderte sich das Bild in dieser Presse. Da hieß es auf einmal: es sei eine„sozialdemokratische Revolu- tion", eine„sozialdemokratische Probemobilmachung". Es wurde dann die Schlußfolgerung gezogen: Ausnahmegesetze gegen die So- zialdemokratic und schärfere Bestimmungen gegen die Gewcrk- schaftrn. Ich bin der Meinung, daß diese Berichte beeinflußt sind durch die Polizei. Darauf läßt der Umstand schließen, daß die Aussage auf unsere Fragen nach den Beziehungen der Polizei zu diesen Zeitungsberichten verweigert worden sind. Wenn eine solche Verbindung nicht bestände, dann hätten ja die Beamten unsere Fragen beantworten können. Bon Dienstag mitlng an wurde eingehaucn. Die Menschen- jagdcn wurden zu einer ständigen Einrichtung. Besonders charakte- ristisch ist das Kesseltreiben gegen daS Publikum. Ein äußerst charakteristisches Urteil fällte der noch am letzten Tage vernommene Zeuge Callies. Er sagte, ich gehe heute früher wie sonst von der Arbeit, denn nachher sind die Schutzleute da und dann kommt man nicht mit heilen Gliedern heim. Also meine Herren, die Schutz-Schutz-Schutz-Lcute sind es, vor denen sich dieser ruhige Arbeiter fürchtet. Und daS mit Recht! Es ist gesagt worden, wer sich in jenen Tagen an die betreffen- den Stellen begab, habe selbst schuld, wenn er Prügel bekam. Das ist unberechtigt. Die Polizei befand sich bei jenen Gelegenheiten nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes. Wenn sie ohne Waffe den Verkehr aufrecht zu erhalten. Neugierige entfernen und Ansammlungen verhindern wollte, so war das eine rechtmäßige Amts- ausübung. Bei Widerstand in solche» Fällen wären die Beamten berechtigt gewesen, jemanden anzufassen, wenn es nicht anders ging. Aber von Anfang an haben die Beamten ohne Recht von Säbel und Pistole Gebrauch gemacht. Nach einer Dienstinstruktion für die Gendarmen vom 3l1. Sep- tcmbcr 1320, die wohl noch heute die gesetzliche Grundlage für den Waffengebrauch der Beamten bildet, dürfen die Beamten nur dann von der Waffe Gebrauch machen, wenn ihnen Gewalt oder tätlicher Widerstand entgegeiigcsetzt wird, oder wenn auf frischer Tat ent- deckte Verbrecher zu entfliehen suchen, oder wenn der Beamte aus andere Weise seinen Posten oder ihm anvertraute Personen nicht schützen kann. Aber auch in diesen Fällen darf von der Waffe erst dann Gebrauch gemacht werden, wenn alle anderen Mittel erschöpft sind. Diese Verordnung ist vor 3l1 Jahren erlassen. Heute spielen sich Dinge ab, die es zweifelhaft erscheinen lassen, ob wir seit jener Zeit kulturelle Fortschritte gemacht haben. Ein Recht zum Waffengebrauch liegt nicht vor, wenn harmlose Leute die Polizei beleidigen. Und wonn hundert Leute„Bluthunde" rufen, so dürfen sie nicht mit dem Säbel verhauen werden. Auch zur Zerstreuung von Ansammlungen nach erfolgter Aufforderung darf die Waffe nicht gebraucht werden. Denn Ungehorsam ist kein Widerstand und selbst wenn einzelne Widerstand geleistet haben, so muß erst versucht werden, ohne Waffe den Widerstand zu brechen Hier aber ist sogar auf Leute eingeschlagen worden, welche vor der Polizei flohen. Dazu hatte die Polizei kein Recht, selbst wenn die Fliehenden Täter bei einem früheren Angriff gewesen wären. Bon berechtigter Amtsausübung kann keine Rede sein, in allen Fällen, wo auf einzelne eingeschlagen wurde. Wenn blind- lings auf eine Menge eingehauen wurde, so ist das ein Mißbrauch der Amtsgewalt und Körperverletzung, mindestens mit dem ckoluz eventualis. Das Niederschlagen des Arbeiters Hermann ist Totschlag mit dem dolus eventualis. Wenn der Schutzmann, der den Hermann niedergeschlagen hat, ermittelt worden wäre, miißte er vor die Ge schworenen gestellt und verurteilt werden, mindestens wegen Körper Verletzung mit tödlichem Ausgang. Doch der Schutzmann ist nicht gefunden und wird auch wohl nicht gefunden werden. Das Schlagen auf Eingekesselte ist Körperverletzung mit der Waffe, zum Teil mittels hinterlistigen Ueberfalls. Wie will man daS Spießrutenlaufen vor den ausgeräumten Lokalen entschuldigen? Die Leute gingen hinaus, taten also, was die Polizei von ihnen ver- langte, und wurden draußen geschlagen. Ich frage: welche gefetz- liche Bestimmung soll eine solche Brutalität entschuldigen? Einfach verbrecherisch ist das Einschlagen auf Personen, die am Boden lagen. Bcrbrecherisch sind die'Fußtritte, mit denen am Boden Liegende traktiert wurden. Solche Behandlung ist sogar Frauen wider- fahren. Ein besonders krasser Fall ist der, wo Leute, darunter einer mit dem Roten Kreuz, einen Verwundeten trugen, die Polizisten höhnisch darüber lachten, und als hierüber Entrüstungsrufe aus den Fenstern ertönten, sich auf die Träger des Verwundeten warfen. Schlimmer wie die Behandlung, welche Turkos und Zuaven im Kriege vvn 1879 gegen Verwundete verübt haben sollen, ist dieses Verhalten der Schutzleute mitten im Frieden gegen ihre eigenen Mitbürger. Ter Zeuge v. Kriegelstein hat uns gesagt, daß die Prügel als Präventivmaßregel notwendig gewesen seien. Der Herr ist Kriegsberichterstatter; ich weiß nicht, wo er diese An- sichten her hat. Aber unter zivilisierten Völkern ist eS selbst im Kriege nicht üblich, auf Leute zu schießen, ehe sie etwas getan haben. Ein hiesiges Blatt hat kürzlich alle Schimpsworte zusammengestellt, die bei diesen Gelegenheiten von Polizeibeamten gebraucht worden sind. Besonders arg ist es. daß anständige Frauen regelmäßig mit den Worten Hure und Saumensch beschimpft worden sind. Wenn Männer in amtlicher Stellung und in AuS- Übung ihres Amtes Frauen in dieser Weise beschimpfen, und wenn selbst Offiziere solche saftigen Ausdrücke gebrauchen, so zeugt das von einer Roheit der Gesinnung, von der man wirklich wissen möchte, wo sie herkommt. Und dann das rohe Verhalten gegen Verwundete. Das wüste, kriegerische aber immer stegreiche Vorgehen gegen die HauStürscheibcn. Manche von den 80 Verletzungen, die Schutzleute erhalten haben sollen, werden auf die Zersplitterung der Haustürscheiben zurück- zuführen sein. Wenn die Straße, mit Glassplittern bedeckt war, so werden auch viele Splitter von den zerschlagenen Scheiben her- rühren. Man entschuldige solches Verhalten der Beamten nicht mit ihrer Aufregung. Ein Beamter soll nicht so erregt sein, daß er die Ordnung, anstatt sie zu schützen, erst recht stört. Aber in solchen Momenten der Erregung kommt der wahre Eharakter eines Menschen zum Vorschein. Da schmilzt der Firniß der Kultur. Da zeigt sich, wer ein Mensch ist und bei wem da? Menschliche vom Tierischeu noch nicht geschieden ist. Es ist ein Jammer, daß die Offiziere in diesen Dingen den Mannschaften kein besseres Beispiel gaben, sondern sich zum Teil selbst an den Roheiten beteiligten. Da kann man sich nicht wundern, wenn es die Schutzleute noch ein Stück wüster treiben. War denn wirklich allen Organen an der Beruhigung der Bevölkerung gelegen? Einige Zeugen haben doch das Treiben von Agents provocateur- fLockspitzcl) beobachtet. Wer ist dafür verantwortlich, wenn die Polizei so operiert, daß solche Dinge gemacht werden konnten, die den Anschein erwecken, als ob die Absicht bestände, die Bevölkerung zu Unruhen zu reizen? Es ist ja ein Glück, daß der Einfluß der sozialdemokra- tischen Schulung weitere Ausschreitungen verhindert hat. Wäre das nicht der Fall gewesen, dann allerdings wäre es zu einer Massen- erhebung gekommen, die im Blute hätte«rstickt werden müssen. Es ist ja zum Glück nicht dahin gekommen. Dadurch, daß die Polizei so gehandelt hat, ist die bcdeutungs- lose Affäre des Streiks bei Kupfer so verschlimmert worden. Hier handelt es sich nicht mehr um Mißgriffe einzelner, son- dern um Mißgriffe, für die das ganze System verantwortlich ist. Eine Behörde, unter der so etwas vorkommt, kann die Schuld nicht auf ihre Untergebenen abschieben, solche Dinge können sich nicht ohne Schuld der Leitung in dieser Weise auswachsen. Eine Behörde, unter der agenls Provokateurs anftreten, mutz sich auch für das Treiben dieser Leute verantwortlich machen lassen, auch wenn der Ehef nichts davon weiß. Das unglückliche Verhältnis zwischen Polizei und Publikum datiert nicht erst von heut und gestern. Die Polizei soll die Freundin und Helferin des Publikums sein. Das Verhalten, welches sie hier gezeigt hat, läßt diesen Geist vermissen. Natürlich: wenn dieser Geist bei der Behörde fehlt, fehlt auch beim Volk das entsprechende Entgegenkommen. Wenn sich hier etwas abgespielt hätte, was auf die Festigkeit des Staates einen erschütternden Einfluß ausüben könnte und die Angeklagten schuld daran wären, dann müßten sie höher bestraft werden als in anderen Fällen. Darum mußte ich nachweisen, daß die Schuld an den Ausschrci- tungen die Polizei trägt und nicht das Publikum. Die Hauptschuld liegt an der Kopflosigkeit und dem provo- katarischen Vorgehen der Polizei. Das muß im Urteil zum Aus- druck kommen. Man wird deshalb in keinem Falle, wo sich ein Angeklagter einer Straftat schuldig gemacht hat, über das gesetzliche Mindestmatz der Strafe hinausgehen dürfen. Die Grundsätze. welche der Erste Staatsanwalt für die Strafzumessung aufgestellt hat, kann ich nicht billigen. Er will den Angeklagten Schulz, weil dieser aus guter Fa- milie stammt, wegen des Einwerfens einer Laterne mit 2 Monaten Gefängnis bestraft wissen. Ein anderer Angeklagter aber, der sich nicht auf die Abstammung aus einer guten Familie berufen kann, soll ein Schimpfwort mit 4 SRonaten Gefängnis büßen! Die bean- tragten Strafen find durchweg viel zu hoch und zeigen ein grobes Mißverhältnis in der Abmessung bezüglich der einzelnen Ange- klagten. Erster Staatsanwalt Steinbrecht erhält daS Wort und erklärt: Ich hatte ursprünglich die Absicht, erst am Schlüsse der Plädoyers der Verteidiger zu antworten. Nun bat aber der Rechtsanwalt Heine neue schwere Angriffe gegen die Staatsanwaltschaft, gegen die Polizeibehörde, die Schutzmänner, die Polizeioffiziere gerichtet und diese Angriffe sind derart schwer, daß ich mich doch genötigt sehe, jetzt schon das Wort zu ergreifen. Der Verteidiger hat wieder behauptet, daß politische Gründe die Verbindung der einzelnen Strafsachen veranlaßt hätten. Das ist grundfalsch. Nicht politische Gründe haben zu der Verbindung gc- führt, sondern die Erwägung, daß eine Beweisaufnahme in den ver- schiedenen Kammern über dieselben Vorgänge vermieden werden sollte. Wenn die Verteidigung meint, sie könnte der Staatsanwalt oafür nur dankbar sein, und wenn sie für sich den Nutzen daraus zog, um Hunderte von Zeugen hier vor Gericht zu bringen, so hat sie dies nicht getan, um der Sache zu dienen, sondern um der Polizei eins anzuhängen. Rechtsanwalt Dr. Heinrmann(unterbrechend): Ich bitte den Herrn Vorsitzenden doch um Schuft gegen solche Ausführungen, die die Verteidiger beleidigen müssen. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Ich halte mich dazu für be- rechtigt, denn in fünfstündiger Rede hat Rechtsanwalt Heine fast nur von Uebergriffen und von dem Verfahren der Polizeibeamten gesprochen, ist aber auf die Sache selbst in keiner Weise einge- gangen. Er hat angedeutet, daß es den Behörden ganz angenehm gewesen wäre, wen» es zu einer Revolution gekommen wäre, damit diese dann im Blut erstickt und Kapital daraus geschlagen werden könnte. Mit demselben Recht könnte ich gegen die Verteidigung den Vorwurf erheben, daß sie von Anfang an die Verteidigung nur in dem Sinne geführt habe, um-'Angriffe gegen die Polizei zu richten. Rechtsanwalt Dr. Eohn: Der Herr Staatsanwalt macht zum zweiten Male solche Ausführungen. Ich bitte, dies zu beanstanden. DaS geht doch unter keinen Umständen. Vorsitzender Landgerichtsdircktor Lieber: Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück. Dann erklärt Bors. Landgerichtsdirektor Lieber: Ich kann den Herrn Ersten Staatsanwalt nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht zwingen» seine Ausführungen zu unterlassen. Ich bitte ihn aber im ein- mutigen Auftrage des Gerichts, derartige Angriffe ans die Ber- tcidignng zu vermeiden, da sie geeignet sind, die sachgemäße Be- Handlung der Sache zu gefährden. Andererseits bitte ich gleichfalls wieder im einmütigen Auftrage des Gerichts auch die Verteidigung, solche Angriffe auf die Staatsanwaltschaft zu unterlassen, die dahin gehen, daß die Anklage aus Gründen, die nicht in der Sache liegen, so gestaltet worden ist. wie es geschehen ist. Erster Staatsanwalt Steinbrccht: Ich habe zu erklären, daß es selbstverständlich nur meine Absicht gewesen ist, die schweren Angriffe auf die Staatsanwaltschaft selbst zurückzuweisen, die dahin gehen, daß aus politischen Gründen, um die Soziald-mokratie zü verdächtigen, die Anklage in der vorliegenden Form erhoben worden ist. Das steht in so krassem Widerspruch zu den Ausführungen der Anklageschrift, daß ich sage: mit demselben Recht könnte ich den Vorwurf erbeben, daß die Verteidigung hier nicht d-r Sache wegen ihre Angriffe gegen die Polizei erhebt. Nur da? habe ich gesagt. Herr RccktSanwalt Heine hat weiter schwere Angriffe ganz all- gemeiner Natur gegen die Polizeibeamten gerichtet. Wie ich bereits erwähnt habe, sind Mißgriffe vorgekommen. Ich habe das von vornherein zugestanden und gleich gesagt, daß für die größere Anzahl von Angriffen, die später kamen, die Ausschreitungen der Menge am 26. September die Schuld tragen. Energisch muß ich aber die Behauptung zurückweisen, daß die Mißgriffe derartig häufig stattgefunden haben, daß man davon sprechen kann: die Polizeibeamten hätten gewissermaßen eine Lust an der Roheit gehabt, sie hätten sich fast wie die Tiere benommen und nicht wie Menschen. Die Polizeibeamten haben nach bestem Wissen für die Ordnung zu sorgen und sie haben die Mittel dazu angewendet, die sie für richtig hielten. Sollten sie sich wirklich einmal in einigen Mitteln vergriffen haben, so kann man ihnen nicht dcn Vorwurf machen, daß sie das böswillig und niederträchtig getan haben, NechtsaMvalt Heine hat selbst der Polizei einige Ratschläge ge- geben, wie sie die Sache hätte besser machen können. Wenn nach seiner Meinung das Arbeiterviertel besser von der Polizei entblößt worden wäre, so möckite ich einmal sehen, was daraus für Folgen entstanden wären. Gerade als am 26. S ptember wirklich das Viertel von der Polizei teilweise entblößt war, da sind ja gerade an diesem Tage die sckwercn Ausschreitungen erfolgt, beispielsweise die Angriffe auf Pastor Sckwebel und auf das Preußsche Waren- hauS. Der V rteidiaer ist dann weiter gegangen und hat den Be- amten und den Polizeileiitnants im großen ganzen vorgeworfen, sie hätten es nicht mit der Wahrheit gehalten, sie hatten, wenn auch nicht wissentlich, so doch fahrlässig, ihre Eidespflicht verletzt. Er hat nock weiter indirekt den Vorwurf der Feigheit erhob m einen Polizeibeamten. Die Aiigriffe gegen H.trn Folte, der nicht hier ist, mutz ich eb'nfalls zurückw.'iscn. Gegen den Vorwurf der Feigheit brauche ich ihn wohl nichl zu verteidigen. Wir haben gc- sehen, wie energisch und mutvoll cr vorging gegen die Löwcschen Arbeiter, obwohl er verletzt war und ein« zweite Verletzuno davon- trug. Wir haben auch gehört, daß er sich bei vielen Anläss'n als ein ruhiger Mann gezeigt hat. Weiter ist ber Vorwurf erhoben worden gegen die Behörde, sie hätte /Xgents provolcateurs unterhalten oder geduldet. Auf diese Behauptung ist das Gericht nicht eingegangen. Diese Angelegenheit wird ja in einem besonderen Strafverfahren gegen den Redakteur de»„Vorwärts" erörtert werden. Nunmehr nimmt Rechtsanwalt Dr. Heinemann daS Wort zu seinem Plädoyer: Von dem bekannten Satz MephistoS: „Du muht es dreimal sagen!" ist im Laufe dieses langen Prozesses so oft Gebrauch gemacht worden, daß die Geduld des Gerichts oft auf eine harte Probe gestellt wurde. Ich will meinerseits deshalb nicht das wiederholen, was der erste Verteidiger in trefflicher Weise im allgemeinen ausgeführt hat, sondern sofort auf die Spezialfälle eingehen, in denen die Verteidigung mir zugeteilt worden ist. Ich beginne mit dem Angeklagten Wand; er soll einen Stock in eine Laterne geworfen und dem Angeklagten Schultz einen Stein zum Werfen gegeben haben. Zu seinen Gunsten kommt in Betracht, daß er unter dem Einfluß der Massensuggestion gehandelt hat. Es sind ja an jenem Tage nicht nur von jungen Burschen aus dem Publikum Laternen zertrümmert worden, son- dern es ist auch bekundet, daß ein Kriminalbeamter die Bogen- lampcn an einem Laden entzwei geschossen hat, und daß zahlreiche Haustürscheiben durch Schutzleute zerschlagen worden sind. Es ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache, daß Handlungen einzelner in einer Menge auch bei den anderen Nachahmungen finden. Daß wird zweifellos für die Strafabmessung in diesem Anklagcfalle berücksichtigt werden müssen. Der Angeklagte Heinemann sagt, daß er erst durch die Schläge der Schutzleute gereizt worden sei. Wenn man an- nimmt, daß Heinemann erst geschimpft hat und deshalb geschlagen ist, so kann man sagen, daß hier eine Beleidigung mit einer schweren Körperverletzung erwidert worden ist. Nun sagt der Staatsanwalt, daß es sich um eine schwere Beleidigung eines pflichttreuen Be- amten handelt. Ich muß fagen. daß die von den Beamten gebrauchten Schimpfworte eigentlich noch viel schlimmer, ja geradezu ekelhaft sind. Aus dieser lieblichen Blütenlese will ich nur den Fall der alten Frau Kuntze hervorholen, der ein Schutzmann zurief:„Du alte Hure usw.". Als die alte Frau dies hier schilderte, war es wirklich ergreifend für alle. Ich erinnere nur daran, wie sonst die Gerichte über derartige Beleidigungen denken, so z. B. in Streik- fachen, wenn eine arbeitswillige Arbeiterin so tituliert wird. Da sagt das Gericht bestimmt: Es gibt keine schwerere Beleidigung als wenn eine anständige Frauensperson„Hure" tituliert wird. — Es ist ferner hier in der Verhandlung wiederholt festgestellt, daß Schutzleute auf wehrlos am Boden liegende Menschen eingeschlagen haben. Hierbei gibt es nicht das geringste versöhnende Moment, daS ist in der Tat feige und grausam. Wir haben zu dem Gericht das felsenfeste Vertrauen, daß es im Urteil sagen wird, es sind hier nicht in vereinzelten, sondern in sehr vielen Fällen schwere Ausschreitungen der Beamten vorge- kommen. Es sind hier doch Dinge zur Sprache gekommen, die auf jeden, dessen Herz nicht gegen Grausamkeit abgestumpft ist, den tiefsten Eindruck gemacht haben. Während der ganzen Verhandlung bat es sich gezeigt, daß die Polizeibeamten von ganz falschen Auf- faffungen über ihre rechtliche Stellung ausgegangen sind. Sehr charakteristisch hierfür ist die Antwort, die der Polizeileutnant auf die Frage, weshalb er mit dem Säbel geschlagen habe, gegeben hat. Er erwiderte wörtlich:„Ich muhte dies tun, um unsere Autorität zu wahren!" In diesen Worten zeigt sich eine so maßlose Berkennung und eine solch maßlose Ueberhebnng, daß man sich wirklich nicht wundern darf, wenn dies auf die unteren Beamten abgefärbt hat. Er selbst mag völlig davon überzeugt gewesen sein, daß er nach jeder Richtung hin in einer rechtmäßigen Ausübung seines Amtes gehandelt hat. Darin aber sehe ich deu Schlüssel für alles folgende. Wenn dann nach den Bluttaten der uiüfijxu JB«unten von den Leute,;„Bluthunde" gerufen wurde, so wird sich wohl niemand darüber wundern."' Gegen" einen' Marin! der sich in der Empörung zu dem Werte„Bluthunde" hatte hin- reißen lassen, beantragt nunmehr der Staatsanwalt K Monate Gefängnis! Man sagt nicht un. sonst: Volkesstimme, Gottesstimme. Die Meinungen, die ich seit gestern über die Anträge des Staats- anwalts gehört habe, gehen alle dahin, daß nirgends ein Ver- siändnis dafür vorhanden ist. daß jemand, der die Bluttaten der Schutzleute mit dem Worte„Bluthunde" kritisiert, eine so enorm hohe Strafe zudiktiert erhalten soll. In dem Falle Weiß wird das Gericht bei den ZeugenauS- sagen zu einem non liguet(unaufgeklärt) kommen müssen. Nimmt man dies nicht an, so wird er ganz milde zu behandeln sein, denn er hat sich in der höchsten Erregung über die Tötung deS Herrmann pur dazu hinreißen lassen. Die Tötung des Herrmann ist juristisch alS eine glatter Totschkaß anzusehen und die Polizei wird diesen Schandfleck nie wieber loS werden. Von den betreffenden Beamten kann man nur wie„Lady Macbeth" sagen:„Keine Wohlgcrüche Arabiens waschen diese blut- befleckte Hand wieder rein!" Wie der Erste Staatsanwalt sagen kann, die Aufrührer seien schuld daran, ist jedem Menschen un- verständlich. Dies alle? zeigt aber, daß jene Greueltaten von den Schutzleuten nur um der Roheit willen verübt sind. Ob sich die Beamten hierbei in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes befanden haben, ist juristisch als ein sehr kitzlicher Punkt zu bczeich- nen. Das Reichsgericht hat in mehreren Erkenntnissen festgestellt, wie minutiös die Bestimmungen über den Waffeugebrauch der Polizeibeamten zu befolgen sind. Ich habe das Vertrauen zu dem Gericht, daß Sie denselben Maßstab anlegen werden und mit der- selben minutiösen Genauigkeit wie das Reichsgericht prüfen wer- den, ob alles, was die Beamten getan haben, richtig ist. Wir haben das Vertrauen zu Ihnen, weil wir in den acht Wochen dieser Verhandlung gesehen haben, wie peinlich der Herr Vorsitzende die Bestimmungen der Strafprozeßordnung achtet und keinen Ange- klagten auch nur um Haares Breite in seinem Recht verkürzt. Wenn wir aber das sehen, wenn wir sehen, wie die höchsten Be- amten, die Richter, die berechtigt sind, über Leib, Leben und Ehre ihrer Mitbürger zu befinden, wenn wir sehen, daß Sie bei Aus- Übung dieser Machtbefugnisse sich sklavisch an die Vorschriften des Gesetzes halten, so ist es geradezu unfaßbar, wenn man sehen mutz, wie untergeordnete Verwaltungsorgane über die Köpfe preußischer Staatsbürger verfüge», wie sie Disziplinarstrafen verhängen und sich ein ZüchtigungSrccht anmaßen. Darüber kann einem wirklich das Blut in den Kopf steigen. Nicht eine Geldstrafe in Höhe von Ist M. kann in Deutschland verhängt werden, ohne daß drei Instanzen und k3 Richter darüber zu be- finden haben. Aber hier sollen untergeordnete Polizeiorgane daS Recht haben, blind drauf loszuhauen! Ich behaupte, daß hier in allen Fällen die Polizeibeamten die Verordnung über den Ge- brauch der Waffen nicht beachtet haben; sie haben sich durchweg nicht in der berechtigten Ausübung ihres Amtes befunden und wenn der Angeklagte Weiß wirklich in der Aufregung über die Niedermetzelung des Hermann einen Blumentopf von seinem Balkon geworfen haben sollte, so hat er dies doch nur in der Em- pörung gegen diejenigen getan, die das Heldenstück gegen Hermann verübt haben. Eisen reich ist wegen Aufruhr und Beleidigung angeklagt. Nach den Bekundungen der Zeugen kann Aufruhr in diesem Falle nicht angenommen werden. Bleibt also noch die Beleidigung übrig. Eisenreich ist ein junger Mann, der einer religiösen Sekte angehört, welche jede Gewalt verabscheuen. Er hat„haut die Hunde, die Blauen" gerufen. Wie er dazu ge- kommen ist, weiß er selbst nicht. Zu seinen Gunsten kommt alles in Betracht, was ich beim Angeklagten Heincmann gesagt habe: Viel- leicht war es die Wirkung der Massensuggestion, vielleicht ist er auch durch die Rufe der.Agente provocateurs angereizt worden. In die Werkstatt der Agents provocateurs ist jedoch nie- mals so hineingeleuchtet worden, wie in diesem Prozeß. Ganz klar ist ihr Treiben bekundet worden durch die Aussagen des Zeugen Pritschau. Als der Zeuge hier vernommen wurde, herrschte eine Aufmerksamkeit im ganzen Saale, wie nie vorher. Jeder hatte die Empfindung: hier wird offenbar von einer einwandfreien Seite etwas vorgebracht, was früher von anderer Seite bestritten wurde. Als man diese Darlegung hörte, konnte man glauben, es handelt sich nicht um deutsche Bcrhältnisse, sondern es wäre ein Kapitel aus den Enthüllungen Burzew über Arzew. Wenn in der Menge, wo sich Eisenreich befand, ein solcher Agent sein Wesen trieb, so mußte es ihm ein leichtes sein, den zur Extase neigende», religiös veranlagten jungen Mann zu solchen Rufen, wie er wohl ausgestoßen haben wird, hinzureißen. Eine geringe Geld- Ürqjg wi.rd pur diesen Angeklagten ausreichend sein. Sollte daS Gericht aber doch eine Freiheitsstrafe für angemessen halten, so dürfte sie nicht höher sein, als daß sie durch die Untersuchungshaft für verbüßt gelten kann. Rechtsanwalt Heine erklärt in bezug auf die Ausführungen des Ersten Staatsanwalts: Es ist mir nicht eingefallen, den Polizei- leutnant Folte zu bezichtigen, er habe aus Feigheit in der Rostocker Straße nicht eingreifen wollen. Ich habe ausdrücklich gesagt, daß ich an die Furcht vor einem Hinterhalt nicht glaube, sondern dies nur für eine Ausrede halte. Wenn der Erste Staatsanwalt mich in dieser Hinsicht beschuldigte, dann hat er das Gegenteil von dem gehört, was ich gesagt habe. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Ich glaubte aus den Worten des Verteidigers den Vorwurf der Feigheit herausgehört zu haben und wollte deshalb den Herrn, der nicht hier ist, dagegen ver- teidigen. Hiermit schließt die Sitzung. Die Verhandlung wird heute um QM Uhr fortgesetzt. Soziales* Aebclstände beim Kaufmannsgericht. In letzter Zeit mehren sich die Beschwerden der Rechtsuchenden, die das Kaufmannsgericht in Anspruch nehmen müssen darüber, daß sie bei Terminen über Gebühr lange warten müssen, ehe ihre Sache zur Verhandlung kommt. Insbesondere tut sich hierin die Kammer II unter Vorsitz des MagistratsasscssorS Dr. Liebrecht hervor. Auch gestern trat diese Kammer wieder mit reichlich einer halben Stunde Verspätung in die Verhandlung der angesetzten Prozcßsachen ein, die sich dann bis in die späten Nachmittagsstundcn hinzogen, obwohl die Parteien vormittags zur Verhandlung geladen waren. Durchaus begründet ist auch der Unwille der Parteien und des Publikums über die allzugroße Bequemlichkeit■ einzelner Kaufmannsgerichte, die, anstatt das Bcratungszimmer zu benutzen, die Parteien, Zeugen und das Publikum und auch die Vertreter der Presse aus dem Verhandlungs- und Zuhörerraum weisen, die dann auf ein gegebenes Glockenzeichen denselben wieder betreten können. Das Ende einer Ortskrankenkassenaffäre. Der gelbe Bund der Lrtskrankenkassenbeamten versuchte kürz- lich auch die Ortskrankenkassenaffäre in Freiberg gegen die Selbst- Verwaltung der Kassen auszunützen. Dieser Fall hat jetzt mit einer Riesenblamage seiner Macher abgeschlossen. Der sozialdemo- kratische Vorsitzende aber ist glänzend gerechtfertigt worden. Die Angelegenheit hat, kurz skizziert, folgenden Verlauf ge- nommen: Genosse Birligh, der Vorsitzende der OrtSkrankcnkasse I in Freiberg, hatte Unregelmäßigkeiten in der GeschäflSführung des Kassierers Grösser ermittelt und darauf bei der Aufsichtsbehörde eine Revision beantragt. Ehe es soweit kam, setzte Grässcr seinem Leben selbst ein Ziel, er beging Selbstmord. Darauf inszenierten die Unternehmcrvertreter im Vorstand der Kasse eine Hetze gegen den sozialdemokratischen Borsitzendcn, sie behaupteten, es sei durch ihn ein gewissenhafter und außerordentlich tüchtiger Beamter in den Tod getrieben worden. Das Spießbürgertum wurde mobil gemacht und der Fall als ein sozialdemokratifchcr TerrirismuS gegen einen nationalen Beamten hingestellt. Als aber die Rövision doch bedenkliche Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung Grässers zutage förderte, behaupteten die Unternehmer, der Vorsitzende. Genosse Bieligh, sei mitschuldig, ob- wohl die Lotterwirtschaft längst vor seiner Amtszeit sich breit ge- macht hatte. Der Stadtrat kam auch merkwürdigerweise dem Wunsche der Unternehmer entgegen und enthob de» Genossen Bie- ligh vorläufig seines Amtes und setzte dafür den früheren Vor- sitzenden, einen Klempnermeistcr, ein, unter dessen Amtszeit die Unregelmäßigkeiten begonnen hatten, als Vorsitzenden ein. Inzwischen haben eingehendere Revisionen ergeben, daß das Einschreiten Bielighs dringend nötig gewesen ist. Es wurde unter andevem festgestellt, daß Grösser das Einnahmebuch aus dem Jahre 1909 vor seinem freiwilligen Tode vernichtet hatte, in der Abteilung Invalidenversicherung waren eine Menge Karten unerledigt liegen geblieben, Einnahmen waren überhaupt vielfach nicht gebucht worden. Die Geschichte wurde zu einer Kette von Blamagen für die Treiber, die Unternehmervertreter und ihre Hintermänner. Jetzt hat sich auch der Stadtrat genötigt gesehen, nachdem die Kreis- hauptmannschaft die von den Unternehmern beantragte gänzliche Ämtsentsetzung Bielighs abgelehnt hatte, ihn wieder in fein Amt einzusetzen und die vorläufige Amtsenthebung Bielighs wieder rückgängig zu machen. Damit ist der Blamage der Unternehmer die Krone aufgesetzt worden. Der sozialdemokratische Borsitzende und feine Maßnahmen sind also glänzend gerechtfertigt worden. Der Freiberger Fall ist einer von den Dutzenden, in denen die Reichsverbandspreffe und die Scharfmacher im ReichSamt de» Innern über sozialdemokratische Mißwirtschaft zetern, in denen eS sich aber in Wahrheit um völlig unberechtigte behördliche Ein- griffe in die Selbstverwaltung und um Verstöße der Behörden gegen das Gesetz handelt. Eingemeindung nach Elberfeld. Nachdem sich die Elberfelder Stadtverordneten für die Ein- gemeindung Vohwinkels nach Elberfeld ausgesprochen haben, be- schloß der Gemeinderat von Vohwinkel am Donnerstag nach 7�stündiger geheimer Sitzung mit 28 gegen 6 Stimmen die Ein- gemeindung nach Elberfeld. Beachten Sie unser Sonntags-Inserat! HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDER-PLATZ FRANKFURTER ALLEE Montag Inventur-Verkauf In allen Abteilungen enorm ermassigte Preise Verkauf ab Montag: unter anderem: Blusen 145 Kostüme ßks Anzüge l« Panamahüte Oss Waschstoffe OK aus Satin-Barchent B für Damen......... 2-8 Jahre, aus Cheviot..,,, B Original Stumpen... MB Restposten......... Meter"• Blusen 985 Morgenröcke Ais Strümpfe Ag, Oberhemden 025 Ballschuhe O90 »»llene Stoffe... aus Flauschstoffen., Fil d'Ecoes# ä Jour.. � wei»« PM Eins, sstswwsiie« OB verschiedene Ausführungen,.«W (9) )®@® ©ioioiwioic�ö:©:®:©:©:©:©:©:®:©:®:©:©:® Ausnahme- fteise zwecks Räumung unserer Inventur- Bestände Große Bestände Herr.-Paletots u. 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Auf wiederholte Anfragen wird mitgeteilt, dast die Versuchs- und Lehr>Brauerei in der Seestraste der organisierten Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, was besonders die Kirchhofs- besucher beachten wollen. In Friedenau hält der Männer-Turnv»rein Schöneberg (Deutsche Turnersckinft) in dem für uns gesperrten Kaiier-Wilhelnis- Garten einen lluterhaltungs-Abend ab. Da versucht wird in Arbeiterkreiien Billetts umzusetzen, ersuchen wir, dieselben entschieden zurückzuweisen. Lankwitz.(T.-B.l Zu Maskenbällen werden Billetts an- geboten, die auf die gesperrten Lokale von Dohm und Gutsche, beide Kaiier-Wilhelm-Stratze gelegen, lauten. Dieselben sind zurückzuweisen. Wir bitten streng die Lokalliste zu beachten. Die Lokalkommission. Treptow- Bamnschulenweg. Morgen Sonntag früh 8'/z Uhr: Wichtige Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Johannisthal. In diesem Monat fällt der Zahlabend aus.— Die Generalversammlung findet Sonntag, den 8. Januar, nach- mittags 4 Uhr, bei Senftleben, Friedrichstr. 48, statt. Nachdem: Gemütliches Beisammensein. Berliner JVadmcbtena Aus dem Magistrat. Der Magistrat beschloß gestern, dem Beschluß der Stadtverord- neten-Versanmilung:„mit ihr in gemischler Deputation über die Maßnahmen zu beraten, welche seitens der städtischen Behörden zu er- greisen find, um anläßlich des angekündigten Gesetzentwurfs, über Bereinigung von Berlin mit den benachbarten Gemeinden und Kreise» zur gemeiniamen Wahrnehmung kommunaler Angelegenheiten(Zwecks- verbandsgeietz), sowohl die Interessen Groß-Berlms, als auch der Stadlgemeinde Berlin zu wahren, und insbesondere eine Anhörung und Aeußerung der Verlretiingen der beteiligten Gemeinden vor Einbringung des Gesetzes in den Landtag zu erlangen", bei- zutreten. Für die gemischte Deputation sind seitens des Magistrais außer dem Oberbürgermeister, dem Bürgermeister und dem Kämmerer die Stadträte Mosie, Fischbeck, Albertt und Pr-"� delegiert._ Der Kostensatz für die Verpflegung in den städtischen Irren- anstalten und in der Anstalt Wuhlgarten soll von 2,80 M. auf 3,20 M. erhöht werden. Die Neuverpachtung des öffentlichen Anschlagwesens an die Firma Nauck u. Hartmann konnte in der letzten Stadtverordneten- Versammlung der genannten Firma noch nicht endgültig zu- geschlagen werden, da gegen eine sofortige Vornahme der zweiten Lesung Einspruch erhoben wurde. Wir hatten gestern irrtümlich berichtet, daß die Vorlage des Magistrats bereits angenommen wurde. Die Mehrheit wollte dies nach Erklärungen ihrer Redner ohne Ausschuß tun, wurde aber an der sofortigen Ausführung ihrer Absicht durch den Einspruch gehindert. DezernatSverteilung für städtische Verwaltungen. Den Vorsitz in der städtischen KrankenhauSdeputation führt Stadtrat Selberg, den Vorsitz in der Gewerbedepulation: Stadtrat Maas, in der Deputation für Statistik: Stadtrat Fischbeck, in der Deputation für das Arbeits- hau« und städtische Obdach: Stadtrat Jocoby, in der Deputation zur Verwaltung des G:sindebelohnungs? und UnterstiitzungSfonds: Stadtrat Buchow. Stadtrat PanotSky ist Mitglied der Finanz- deputation, der Schreibmaterialienverwaltung und der Deputation für das Arbeitshaus geworden, Stadtrat Dr. Preuß Mitglied der VerkebrSdeputation, der Schuldepmation und der Deputation für Statistik. Stadlrat Runge Mitglied der Schuldeputation, der Ge- wcrbedeputttion und an Stelle des Stadtrats Maas Mitglied des Stadtausschusses. Den Vorsitz in der Deputation für die städtischen Wasierwerke an Stelle des aus dem Magistrat hinausgewählten Stadtrats Rumschöttel hat Stadtrat Rast übernommen. DaS Brot des Städtischen Obdachs. Unter der Spitzmarke: »Mißbrauch der Berltner Armenunterstützungen" verzapft das »Berliner Tageblatt" einen längeren Artikel, der sich wieder mal in gehässiger Weise gegen die städtischen Asylisten wendet und offenbar von einer der Asylverwaltung sehr nahestehenden Seite inspiriert worden ist. Hiernach sollen aus den Sälen des Obdachs alljährlich viele Hunderte von Handtüchern, die als Fußlappen und beim Barbieren in den umliegenden Kaschemmen Verwendung finden, gestohlen werden. Eine kürzliche Leibesvisitation eines Teiles der Palmbesucher beim Verlasien des Asyls habe zwar ein ziemlich negatives Ergebnis gehabt, aber eine gründliche Razzia auf diejenigen Asylisten. welche etwas auf dem Kerbholz haben und zum Zwecke angeblichen Arbeitsuchens das Asyl gleich beim Wecken Verlasien, werde überraschende Aufklärungen geben. Viel schwerer sei der Mißbrauch mit den ausgeteilten Brotstücken, die bei benachbarten Budikern mit b Pf. für zwei Stück bezahlt und sofort in Alkohol umgesetzt würden. Man will durch lange Be- obachwng ermittelt haben, daß auf diese Weise in den sechs Wintermonaten bei einer durchschnittlichen Belegung von 3000 Mann pro Tag 300 Stücke Brot täglich, also insgesamt 54 000 Stücke Brot und im Sommerhalbjahr bei einer Durchschnitts- belegung von 1200 Mann 21 600„Kuhlen" verkauft werden. Das ergebe einen Verlust von jährlich 75 000 Stück oder 252 Zentnern Brot. Diese magistratstendenziösen Mitteilungen sind übertrieben oder beruhen auf falschen Beobachtungen und Schlüssen. Daß Handtücher gestohlen werden, ist bei dem bejammernswerten Zu- stände, den die Füße vieler Asylisten aufweisen, kaum verwunder- lich. Hier wird der Diebstahl, wenn wir ihn selbstverständlich auch niemals billigen können, zu einer Art sozialer Notwehr. Nur wer es durchgemacht hat. kann ermesien, was es heißt, mit wunden Füßen und ohne Strümpfe obdachlos zu sein. Und wie will man denn den Verkauf des Brotes nachkontrolliert haben? Die Rechnung stimmt nicht und beruht lediglich auf Kombination. Die aus dem Asyl hinausgetragenen Brotstücke müssen doch nicht notwendigerweise sämtlich oder zum größten Teil verkauft werden. Und äußerst wohlschmeckend soll dieses im Rummelsburger Ar- beitsha' � gebackene Brot sein? Es gehört ein mehr als anspruchS- loser Gaumen dazu, dieses Brot vielleicht wochenlang zusammen mit dem scheußlichen Mehlkleister hinunterzuschlingen und eS dann noch„äußerst wohlschmeckend" zu finden. So urteilen aber Leute, die vielleicht noch nie in ihrem Leben sich jemals von trockenem Brot genährt haben. Da wird das Bestreben vieler Asylisten, das Brot, das ihnen zur freien Verfügung gehört, zu verkaufen und für den Erlös andere Nahrung einzuhandeln, durch- auS verständlich. Daß der Erlös st e t s in die Tasche des Budikers für Fusel zurückwandert, ist eine haltlose und auch unwahre Be- hauptung, wenn es auch bei einem Teile der betreffenden Asylisten l zutreffen mag. Die Alkoholsucht vieler Asylisten liegt aber all- � bekanntlich an den sozialen Mißständen, unter deren Einfluß diese Unglücklichen so ziemlich auf der untersten Stufe angelangt sind, ohne sich aus eigener Kraft wieder emporschwingen zu können zu einem menschenwürdigen Dasein. Ein lebhafter Wintersport hat sich seit gestern auf dem Tempelhofer Feld entivickelt. Auf dem abschüssigen Gelände in der Nähe des Krenzberges hat die Berliner Jugend eine Rodelbahn eröffnet. Hunderte von Schulknaben und auch Mädchen sind nun eifrig beim Rodeln. Mit großer Ge- schwliidigkeit sausen die Rodelschlitten das steile Gelände bis znr Krenzbergstraße hinab und so manchem Passanten ist schon ein Schlitten zwischen die Füße geraten. Groß Berlins Einwohnerzahl. Das Statistische Amt der Stadt Berlin(Direktor Dr. Silbergleit) hat nunmehr die Ergebiiisse der Volkszählung für Berlin und 67 Vororte mit denen der Zählung von 1305 zuiammengcstellt. Danach betrug die Einwohnerzahl von Berlin und 67 Bo rortcn am 1. Dezember 1910 3 702 062 gegen 3 210 447 im Jahre 1905! das bedeutet eine Zunahme von 492 515 gleich 15.34 Proz. Für Berlin allein beträgt die Einwohnerzahl 2 064153 gegen 2 040 143(plus 24 005 gleich 1,18 Proz.). Für die 67 Vororte allein 1 638 809 gegen 1 170 299(plus 468 510 gleich 40,03 Proz.) Von den Einivohnern der Siadt Berlin sind 932009 männlich 1072 144 weiblich(984 804 und 1055 344). Die Verteuerung der Krankentransporte aus der Eisenbahn ist wieder aufgehoben. Von der ständigen Tariskommission ist, wie wir kürzlich mitteilten, beschlossen worden, daß auf allen deutschen Bahnen für den Transport von Kranken in besonderen Krai, kenwagen nicht mehr vier Fahrkarten 3. Klasse, sondern sechs Fahrkarten 2. Klasse zu lösen sind, und daß für das Leerlaufen des betreffenden Wagens vor und nach dem Transport des Kranken eine besondere Gebühr zu zahlen ist. Da diese Verteuerung der Krankentransporte in der Presse und in Verkehrsvereinen stark verurteilt worden ist, hat jetzt der preußische Eisenbahnminister verfügt, daß für den Bereich der preutzisch-hessischen Staatsbahn bei Krankentransporten wieder die bisher üblich gewesenen Gebühren zu erheben sind. Spanier in Berlin. Eine Zählung der in Berlin lebenden Spanier ist dieser Tage durchgeführt worden. Auf Grund einer am 1. Januar in Spanien stattgefundcnen �allgemeinen Volks- zählung waren auch die in Berlin lebenden Spanier aufgefordert worden, sich im Bureau des spanischen Generalkonsulates zur Per- sonenstandsaufnahme zu melden. Da verschiedene Angehörige der Berliner spanischen Kolonie sich auf Reisen befinden, konnte die Gesamtstärke mit Sicherheit noch nicht festgestellt werden. Erst Mitte März geht die genaue Statistik an die Regierung in Madrid. Die allgemeine Uebcrsicht läßt aber erkennen, daß annähernd 300 Spamer Berlin bevölkern, darunter etwa 80 Frauen und Mädchen. Ungefähr ein Drittel davon hält sich studienhalber für längere oder kürzere Zeit in Berlin auf. Sechzig bis achtzig Spanier sind in Exportgeschäften, Fabriken und ähnlichen Betrieben als Korre- spondenwn, Statistiker, Einkäufer usw. beschäftigt. Aber auch spanische Handwerker betreiben in Berlin ihr Gewerbe, das sie nach Berliner Muster reformiert haben. Für die Sicherheit auf den Natureisbahnen. Für die Pächter von Eisbahnen auf der Havel, Spree und Dahme in der Umgebung von Berlin. Spandau und Potsdam hat der Regierungspräsident von Potsdam neue Bestimmungen erlassen. Danach bedürfen Eis- Pächter, welche eine Eisbahn abgrenzen oder für die Benutzung seitens der 58""'erung herrichten wollen, dazu sowie zur Er- öffnuno der E�uhn die Genehmigung der damit betrauten Orts- Polizeibehörde. Bei Tauwetter sind auf polizeiliche Forderung die Eisbahnen zu schließen und die Zugänge durch eine feste Barriere zu sperren. Zu der Wiedereröffnung einer Eisbahn ist gleichfalls die ortspolizeiliche Genehmigung erforderlich. Di« Pächter bezw. die Inhaber von polizeilich zugelassenen Eisbahnen sind verpflichtet, an sämtlichen Zugängen jeder Eisbahn Tafeln aufzustellen, aus welchen in deutlich erkennbarer Schrift die polizeiliche Freigabe der Eisbahn bekannt gemacht ist. Fcrner haben sie die Abgrenzung der Eisbahn nach Vorschrift der Ortspolizcibehörde auf beiden Seiten durch Einstecken von Strohwiepen auf mindestens 1,50 Meter langen Stangen oder von anderen zweckentsprechenden Zeichen in Zwischenräumen von ungefähr je 15 bis 20 Metern vorzunehmei. Sollten nach Eröffnung der Eisbahn Risse oder sonstige unsichere Zeichen hervortreten, so haben die Pächter oder Inhaber diese sofort mit einer besond-ren Einfriedigung zu versehen. Tafeln, Merkmale und Einfriedigungen sind in gutem Zustande zu er- halten, so lange die Eisbahn geöffnet ist. In Betracht kommen folgende Gewässer: Die Havel von Försterei Templin bis zum nörd- lichcn Ende des Niederneuendorfer Secs, der Jungfernsee, Wann- see, FestungSgraben der Zitadelle Spandau, Tegeler See, Span- dauer Schiffahrtskanal westlich der Schleuse Plötzensee, Spree von Spandau bis zum großen Müggelsee einschließlich, Wendische Spree, Dahme von Köpenick bis Schleuse-Neue Mühle bei Königs- Wusterhausen einschließlich des Wernsdorfer- und Seddinsees und des Crossinsees mit sämtlichen Buchten und Nebenarmen. Ein Raubanfall ist am Donnerslog auf dem Postamt 54 in der Lothringer Straße von zwei Männern verübt worden. Der eine entwendete ein Paket mit 3300 Mark, während der andere einem Lausbnrscben, der einen Wagen beaufsichtigte, gemahlenen Pfeffer in die Augen warf. Der Räuber wurde verfolgt und als ein schon vorbestrafter Händler Albert Wölbert festgestellt, der bereits in Wuhlgarien untergebrachr war. Das kommt davon. Tagtäglich laufen bei der hiesigen Polizei Meldungen über Fälle ein, in drnen lebenslustige Männer von räuberischen Frauenspersonen bestohlen werden. Heute können wir wieder über zwei derartig: Diebereien berichten. In einem Animier. restaurant in der Dresdenerstraße hatte der Kaufmann V. ein hübsch'S junges Mädchen kennen gelernt und mit ihm angebandelt. Die beiden unternahmen dann eine Bierreise in die Friedrichstadt. auf der die blonde Begleiterin plötzlich„abhanden" kam. Mit ihr verschwand auch die Brieftasche mit zwei blauen Lappen und die Uhr des V. Unbemerkt hatte ihm die unbekannte Frauensperson die Tasche gestohlen.— Aehnlich erging es einem Fabrikanten, der am Oranienburger Tor eine„nette" Bekanntschaft machte. Auch er mußte mit einer größeren Geldsumme daran glauben. Der Storch auf der Straße. In hilflosem Zustande wurde gestern früh gegen 4 Uhr in der Schönhauser Allee eine Frau auf- gefunden, die von Geburtswehen überrascht worden war. Passanten riefen einen Arzt herbei, vor dessen Eintreffen aber die Erkrankte bereits von einem kräftigen Mädchen entbunden wurde. Auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen Unfallstation in der Gaudystratze wurde in der Wöchnerin die 38 Jahre alte Wilhelmine Assimund festgestellt, die schon seit längerer Zeit obdachlos ist. Mutter und Kind, die sich wohl befinden, wurden nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause übergeführt. Fahr- und Fachschule in Berlin. Der Unterricht beginnt am 17. Januar 1911 und ist bis zum 5. März 1911 wie folgt in Aussicht genommen. Dienstags und Freitags, abends von 8— 10 Uhr, praktisch-theoretischer Unterricht durch den Untcrrichtsleiter. den Tierarzt, die Fahrlehrer und den Schmied. Donnerstag von 2— 6 Uhr nachmittags praktische Fahrübungen. Am 4. März 1911 Schlußprüfung, worüber cinZeugnis erteilt wird. Am Sonntag, den 5. März 1911, Besichtigung des MarstallS. Das Schulgeld für den Kursus beträgt für die im Weichbilde Berlins wohnenden Teil- nehmer 3 M., welche bei regckmätzigem!8esuch des Unterrichts zurückerstattet werden können. Auswärtige, auch aus den Vororten, zahlen 5 M. Anmckdepapiere werden auf Wunsch zugesandt. Ge- suche sind bis spätestens 10. Januar 1911 an die Fahr- und Fach- schule, Berlin W. 31, Wattstraße 22— 24, zu richten. Von den in Betracht kommenden Behörden ist in Aussicht genommen, daß für später die Ausübung des Kutschergewerbes in Berlin für den ge- samten Fuhrbetrieb nur solchen Kutschern gestattet werden dürste, die ihre Befähigung dazu durch ein Zeugnis über den erfolgreichen Besuch einer Fachschule nachgewiesen haben. Auf dem Gesundbrunnen, Soldiner Straße 105, kam am Freitag« nachminag in einem dreistöckigen allen Gebäude Feuer aus. Dort wohnt im obersten Slock eine Frau, die in einer von dem Boden abgeicblageuen Kücbe mit der Zubereiiung von Essen beschäftigt, glühende Asche vor die Tür der Rüche gesetzt hatte. Bevor man die Gefahr bemerkt hatle, stand der Boden mir der Küche in Flammen. Um diese zu löschen, mußte der 23. Löschzug aus der Pankslraße kräftig Wasser geben._ Vorort- Nacbrlcbtern AuS Lichtenbergs Schul- und Erziehungswesel». In der Stadtverordnetenversammlung wurde am Donnerstag über die dringliche Anfrage unserer Genossen, die einige sehr sonderbare Vorkommnisse aus dem Schul- und Er- ziehungswesen betraf, noch nicht verhandelt. Nachdem Erster Bürgermeister Ziethen erklärt hatte, daß er noch nicht in der Lage sei, die Anfrage zu beantworten, wurde von der bürgerlichen Mehrheit der Versammlung die Dringlichkeit verneint. Die An- gelegenheit wird nun in der nächsten Sitzung erörtert werden, falls bis dahin der Magistrat zu ihr Stellung genommen hat und Herr Ziethen dann antworten kann. Mr glauben eS aber der Bevölke- rung Lichtenbergs schuldig zu sein, daß wir nicht erst auf den Magistrat warten, sondern in Anbetracht der zweifellosen Dringlich- keit nunmehr den Sachverhalt öffentlich darlegen. Die Anfrage, deren Wortlaut von uns schon mitgeteilt wurde, sagt in ihrem ersten Teil:„Am 16. Dezember 1910 hat der Volks- s ch u l l e h r e r L o e st in der 1. Gemeindeschule bei U e b e r- schreitung des Züchtigungsrechts dem Knaben Erich Laube eine erhebliche Körperverletzung zugefügt." Es handelt sich hier um eine Züchtigung, bei der der Knabe nicht nur eine reichliche Menge blutunterlaufener Striemen davontrug. Solche Folgen der Anwendung des leidigen Prügelrechts der Schule gelten der Herr- schenden Anschauung als gar nicht erst der Rede wert, und da im Junkerstaat Preußen die SchulaufsichtSbchörden samt den etwa angerufenen Gerichten einem prügelnden Volksschullehrer die von seinem Prügelstock hinterlassenen Striemen nicht übelzunehmen pflegen, so wird hierüber vermutlich auch Lichtenbergs Magistrat sich nicht aufregen wollen. Aber der Lehrer Loest, der mit den ihm anvertrauten Kindern nicht ohne Prügel fertig zu werden vermag, hat den Knaben Laube auch an den Kopf geschlagen, und zwar mit dem Erfolg, daß indem einen Ohr daSTrommel« fell beschädigt wurde, wie ein von den Eltern zu Rate ge- zogener Arzt annimmt. Es ist ganz selbstverständlich, daß bei Anwendung des„Erziehungsmittels" Prügel es niemals zu eiyer Behandlung kommen darf, die der Gesundheit deS geprügelten Kindes schaden kann. Herr Loest hat, wie wir hören, sich damit entschuldigt, daß er von dem JnNgcn belogen worden und darüber in Erregung geraten sei. So Schlimmes der Junge auch getan haben mag, niemals sollte ein prügelnder Pädagoge sich von Er- r e g u n g fortreißen lassen. Wenn der erregbare Herr nicht selber einsieht, daß er besser sich des Prügel nS ganz enthält, so wird der Magistrat ihm diesen Rat zu geben haben. DaS wird nötig sein, auch wenn diesmal, wie der Arzt dem Lehrer auf Befragen gesagt haben soll, eine dauernde Schädigung des Jungen nicht zurückbleibt. Der zweite Teil der Anfrage lautet:„Am 21. Dezember 1910, mittags, ist ein zirka 12jährigeS Mädchen einer hiesigen Volksschule ohne weitere Bedeckung in ohnmächtigem Zustande durch zwei Schulkinder und eine erwachsene Frau aus der Schule über die Straße nach Hause getragen worden." Hier ist es die Art des Transports, die unsere Genossen veranlaßt, den Magistrat zu mahnen, daß er eine Wiederholung solcher Vorkomm- nisse verhüten möge. Der Zufall hat cö gefügt, daß just ein sozial- demokratischer Stadtverordneter auf der Straße Gelegenheit hatte, selber diesen Transport mitanzusehen und ihn sofort als ungehörig zu rügen. War es nötig, das Kind in leichter Bekleidung bei un- freundlichem Dezemberwetter wie einen auf die Schultern gela- denen Holzklotz über die Straße zu tragen? Wenn man durchaus die Erkrankte nicht in der Schule sich erholen lassen, sondern nach Hause schaffen wollte, warum wurde da nicht aus der fast nebenan vefindlichen Rettungswache— es handelt sich wieder um die nahe dem Rathause gelegene 1. Gemeindcschule— eine Trag- bahre mit Decken herbeigeholt? Die Eltern haben ein Reckst. zu fordern, daß nicht ihre Kinder, die sie der Schule anvertrauen. durch Schuld der Schule einer Gefahr der Gesundheitsschädigung ausgesetzt werden. Das Tollste ist, daß in derselben Gemeindeschule noch am 4. Januar ein ähnlicher Fall passiert ist, obwohl inzwischen bekannt geworden war, daß das Vorkommnis vom 21. Dezember im Rathaus zur Sprache gebracht werden solle. Die- selbe Schülerin namens Hoensch wurde, weil sie wieder in der Schule erkrankt war. von zwei Mädchen nach Hause geführt und soll dabei auf der Straße zusammengesunken sein. Man sieht, wie nötig es ist, daß schleunigst Anweisung darüber gegeben wird, was bei plötzlichen Erkrankungen von Schulkindern die Schule zutun hat. Mißstände im Fürsorgeerziehungswesen rügt der dritte Teil der Anfrage folgendermaßen:„Am 2. Januar ist der Fürsorge- z ö g l i n g Frida Döring auS Lichtenberg von einem Kriminalbeamten aus einer hiesigen Familie fortgeholt, in Hauskleidern von oer Möllendorssitraße zum Polizeipräsidium transportiert und dort interniert worden." Wenn ein Polizist einen Fürsorgezögling zum Gewahrsam zu bringen hat, so werden in der Regel nicht viele Umstände gemacht. Jugend- gerichte sollen sich bemühen, durch eine freiere Art des gerichtlichen Verfahrens die Jugendlichen vor der Empfindung zu bewahren, daß man sie als fertige Verbrecher betrachte. Für Polizisten, die einen jugendlichen Fürsorgezögling aus der Wohnung holen, scheint eine Vorschrift besonderer Rücksichtnahme nicht zu bestehen. Die 15jährige Frida Döring wurde aus der Wohnung zunächst nach der Polizeiwache im oberen Teil der Möllendorffstraße geführt und später von da wieder an der Wohnung vorbei zum Polizeipräsidium gebracht, immer in leichter Kleidung, ohne Mantel usw. Ungehörig war nicht nur diese Art deS Transports, ungehörig war von vornherein auch die Anordnung, das Mädchen überhaupt durch einen Polizisten zu holen. Frida war nicht etwa eine Aus- reitzerin. AuS ihrer Pflegestelle bei einem Lehrer Otto in Lichtenberg, zu dem man sie ass Dienstmädchen gegeben hatte, war fle mit dsssen Einwilligung weggegangen, aber da» wußte fljr l Decks erstraPte in dem Licht der elektrischen Glühlampen, die Pfleger P r-e d i g e r S u c c o. Auch hatte dieser, als er es erfuhr, reihenweis angebracht sind. Bürgermeister Kühr begrüßte die sich damit ewvcrswnden erklärt, daß Frida in der Familie eines Erschienenen und wies auf die Schuloerhältnisse in den vergange. sozialdemakratifchen Stadtverordneten, bei der sie Zuflucht gesucht> ne? Jahrzehnten hin. um schließlich daS Programm der heutigen hatte, verbleiben solle, bis eine neue Stelle für sie gefunden fei. S"» vor dem Auge vorüberziehen zu lassen. Nicht nur sei eS 1.. v I notwendig, den Lehrstoff der neueren Zeit anzupassen, sondern Die i�rau eines Ba-fermeisters Schulz der m,t Succos Am�vor.!(Schaffung neuer Schulen den höheren Anforderungen der ganger, Prediger Kun�e. befreundet ist, war bereit, das Madchen �xktzeit gerecht zu werden. Zudem müßten noch andere Fragen in den Bereich der Erörterung gezogen werden. Es sei notwendig, daß der Schularzt ständig die Kinder im Auge behalte, ob sie den an sie gestellten Aufgaben gerecht werden. Minderbefähigte Kinder müßten besonderen Klassen zugeführt werden. Weiter seien Klassen notwendig für mit„sprachlichen Fehlern" behafteten Kindern. Zu dem müsse kommen die ständige Beobachtung der Zähne durch Zahnärzte; es habe also die Schule heute eine Fülle von Fürsorge neben ihrer bisherigen Aufgabe zu erfüllen. Der Ort fei in der glücklichen Lage, alle diese Einrichtungen zu besitzen. Hier hätte der Bürgermeister hinzufügen können, daß es ganz besonders die sozialdemokratischen Vertreter waren, die innner wieder gedrängt fabcn, bis endlich diese notwendigen Einrichtungen den bürger- ichen Vertretern abgerungen waren. Der Vertreter der Regierung beglückwünschte di! Gemeinde zu dem prächtigen Schulbau und gab dann den üblichen Ordensegen bekannt. Beglückt wurden Bürger- Meister Kühr, Rektor Günther, Maurermeister Lubig, Gemeinde- Vertreter Kretschmer und Conrad. Rektor Blasse übernahm nun- mehr die Schule in seine Obhut und zeichnete in einer langen Rede die Aufgabe der Lehrerschaft. Er erwarte von dem Zu- sammenarbeiten zwischen Schule und Haus das beste für die Kin- der. Einen erheblichen Teil seiner Ausführungen nahm die Ne- ligion in Anspruch, die ganz besonders gepflegt werden müsse. Diese Frage hatte der Redner so ausgiebig behandelt, daß dem nachfolgen. den Pfarrer eigentlich nichts mehr zu sagen übrigblieb und er nach ein paar Worten schließen konnte. Zu Beginn und während der Feier trugen die Lehrer sowie die Knaben und Mädchen Lieder bor. Herr Kühr fühlte sich anscheinend durch die erfolgte Deko- ration verpflichtet, ein Hoch auf den Landesherrn auszubringen. Eine beträchtliche Anzahl der erschienenen Eltern waren hierüber ganz erstaunt. Zum mindesten hätte der Bürgermeister bei der Einladung auf sein Vorhaben hinweisen müssen, denn daS mußte er wissen, daß ein großer Teil der Bevölkerung Pankows über solche Ovationen ander? denkt wie er. Die hierauf erfolgte Feier in der höheren Mädchenschule wurde eröffnet niit einem Gesänge der Schülerinnen, begleitet von dem Schulflügel und einem Har- monium. Der Raum ist recht vornehm ausgestattet und von ganz erheblicher Größe. Bürgermeister Kühr erörterte in seinen ein- leitenden Worten die Aufgaben der Schule. Der vornehmste Beruf der Frau sei, so bemerkte der Redner, Mutter sein, leider werde die Frau immer mehr inS wirtschaftliche Leben hinausgedrängt, daher müsse die Aufgabe der Schule sein, hierfür die nötigen Unterlagen zu schaffen. Der Vertreter des Provinzialschulkollegi- umS pries in hohen Tönen den Stand der heutigen Schulen, dabei der großen Verdienste des Kaisers um diese gedenkend. Auch hier wurde dem Direktor eine Dekoration überreicht. In seiner langen Rede zur Uebernahme der Schule fiel angenehm auf, daß die Reli- gion nur einen ganz geringen Teil einnahm und nach ihm auch kein Pfarrer mehr zum Worte kam. Wieder bewahrheitet sich also der alte Grundsatz:„Dem Volke sd. h. dem niederen) muß die Reli- gion erhalten werden."_ aufzunehmen. Auch die Frau des Gärtnereibesitzers Müller, der als Mitglied der Kirchenvertretung dem Prediger Succo gewiß ebenfalls einwandfrei sei'st mußte, wollte Frida als Dienstmädchen haben. Aber der Herr Pastor erklärte, er müsse erst an das X5andeSdirettorium berichten. Das tat er, und das Ergebnis war dann, daß Frida aus der Familie Schulz, zu der sie sich begeben hatte, durch den Polizisten herausgeholt wurde. Den Prediger Sirrco bat noch an demselben Abend die Tochter des erwähnten Stadtverordneten, dafür zu sorgen, daß Frida wenigsten? nicht die Nacht im Polizeigewahrsam zuzubringen brauche, sondern noch in der Familie bleiben dürfe. Succo antwortete, daS sei uizzulässig. und übrigens hätte Frida— so meinte er jetzt— in ihrer Stelle bei Lehrer Otto bleiben sollen. Unser Magistrat wird sich darüber zu erklären haben, ob er dieses ganze Verfahren für korrekt hält. Hoffentlich wird nicht auch er sich darauf berufen, daß über das Schicksal eines FürforgezöglingS «ms Lichtenberg daS Landcsdirektorium der Provinz Brandenburg zu entscheiden hat. Wenn daS auch formell richtig ist, fo enthebt es doch nicht den Magistrat der Pflicht, gegeneinederartige Behandlung eines Lichtenberger KindeS schärf- sten Einspruch zu erheben. Am Donnerstag wollte, wie schon gesagt, Erster Bürgermeister Ziethen sich noch nicht äußern. Er gab zu, daß Stadtverordneter Düwell ihm bereit» Mitteilungen zu einem Teil der Anfrage ge- macht hat. Aber die Ermittelungen seien noch nicht beendet, der Magistrat habe noch nichts beschlossen, da könne mau noch nicht sagen, waS er tun würde. Genosse Düwell forderte, dag wenigstens das bisherige Untersuchungsergebnis sogleich mitgeteilt werde. Bezüglich des Transports erkrankter Schulkinder fei ja inzwischen durch die Wiederholung d«S beklagten Vorkommnisses die Anfrage als dringlich erwiesen worden. Doch die Mehrheir lehnte ab, und der Magistrat hat nun eine Galgenfrist bis zur nächsten Sitzung._ WilmerSdorf-Hnlensee. Kommunales Pfandbriefinstitut für die westlichen Bororte. Fünfzehn rechtsstehende Stadtverordnete haben der Stadtverord- netenverfammlung von Wilmersdorf einen Antrag unterbreitet, wonach der Magistrat ersucht werden soll, möglichst in Gemeinschaft mit Charlottenburg und Schöneberg in Erwägung darüber einzutreten, ob ein Pfandbriefinstitut für diese drei Städte zugunsten der Hausbesitzer zu errichten möglich sei. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Antrag vorläufig dem Finanzausschuß überwiesen. Lichtenberg-�riedricksfelde. Ein Arbeitrr-Jugcndheini. Nach vielen Mühen ist es der Arveiterschaft LirtiUnberg-FriedrichSfelde gelungen, der Arbeiterjugend «in Heim zu schaffen. In der Blirgerheimstr. 94 zu Lichtenberg sind zu diesem Zweck drei Räume und zwar ein Lesezimmer, ein UnterhaltungSzimmer und ein Spielzimmer eingerichtet worden. Am morgigen Sonntag, den 3. Januar, nachmittags 4 llbr, findet die Eröffnung de» HeimS statt, da» der Jugend an allen Tagen außer Montag zur Verfügung stehen soll. Die Besuchszeit ist Wochentag« auf 7— 40 Uhr und Sonniagö aus 4— 10 Uhr festgesetzt. Pflicht der Eltern und Vormünder der arbeitenden Jugend ist e« nun. die Jugend auf das Heim aufmerksam zu machen und sie zum Besuch desselben anzuhalten. SrhSneverg. BIS erste der politischen Parteien hat die Sozialdemokratie den ReichStaaswahlkampf eröffnet. Im„GefellschaftShauS des Westens", dem großen neuen Etablissenmcnt, daS der Arbeiterschaft zur Ver- fügung steht, referierte am Donnerstag ReichstagSabgeordneter Ge- nasse Eichhorn über die„ReichStagSwahlcn ISN". Die gut. besuchte Versammlung bekräftigte durch ihren Beifall die Mah- nung, durch rege Agitation für die Stärkung der politischen Organi- sation zu wirken.— Die Polizei war vernünftigerweise nicht ver« treten. Im selben Lokal wird am Sonnabend, den 28. Januar, der ZLahloerern daS Stück„Kasernenluft" aufführen lassen. Steglitz. Gebildete MowdieS. Zwei junge Studenten der Medizin haben vorgestern Nacht in der Schloßstraße gröbliche Exzesse verübt. Zu- nächst machten die beiden Musensöhne, die hier auf der Kneipe gewesen waren, einen wüsten Lärm, so daß die Einwohner aus dem Schlaf geweckt wurden. An zahlreichen Firmenschildern rissen sie Buchstaben los und steckten diese in die Tasche. DaS Schild einer Hebamme eigneten sie sich ganz an. Schließlich wurden sie von einem Polizeibeamten aufgegriffen und zur Wache sistiert. Nach den bisherigen Erfahrungen werden die Rüpeleien vor Gericht sicher die mildeste Beurteilung findsn. MahlSdorf a. d. Ostbahn. Am kommenden Dienstag, nachmittag» von IL bis S Uhr, findet die Ersatzwahl zur Gemeinde. Vertretung statt. Kandidat ist wiederum der Genosse Albert Schmidt. Unsere Gegner machen alle Anstrengungen, um uns da» bisher innegehabte Mandat zu entreißen, und da ist es Pflicht unserer Genossen, doppelt auf dem Posten zu sein. Diejenigen Parteigenossen, welche bei der vorigen Wahl wahlberechtigt waren und inzwischen au» MahlSdorf verzogen find, müssen unbedingt da» kleine Opfer bringen und zur Wahl kommen. Aber auch an diejenigen Genossen, welche mit Mahlsdorfer Arbeitern und An» gestellten zusammen beschäftigt sind oder sonst mit ihnen zu- sammenkommen, werden ersucht, die Betreffenden darauf auf. merksam zu machen, daß sie ihre Wahlpflicht erfüllen müssen. Am Sonntag findet noch eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen treffen sich dazu morgen» Punkt 8 Uhr für Mahls. dorf-Rord bei Dräger, Dahnhofstraße, und für Mahlsdorf-Süd bei Mader, Köpenicker Allee, Ecke Winklerstraße. Am Sonntag. nachmittag 8 Uhr öffentliche Versammlung in Mahls- dorf-Süd im„Heidekrug"(Inhaber Dräger), Köpenicker Allee 1. Für zahlreichen Besuch dieser Versammlung muß jeder Genosse und jede Genossin eifrig agitieren. Pankotv. Die Einweihung de? großen Scholgebäube» in der Schönholzer, Flora-, Görsch- und Wollankstratze fand am Donnerstag statt. Er- schienen waren nicht nur die Gemeindevertreter, die gesamte Lehrer- schaft de» Orte», die Vertreter der Regierung usw., sondern auch recht viele Eltern der Kinder. Auf dem gewaltigen Grundstück sind vereint, eine Mädchen-, eine Knabenschule, die neue höhere Mädchenschule und das Lehrerinnenseminar. Im Umbau begriffen find weiter die alte böhere Mädchenschule und noch ein weiterer schon wieder notwendiger Anbau. Wir wollen in diesem Zusammen- hang in eine Besprechung darüber, ob die Anhäufung so vieler Schulen zu einem gewaltigen Kompler zweckmäßig ist, nicht«in» treten. Um 11 Uhr versammelten sich die Teilnehmer in der Aula der Mädchenschule, einem geräumigen Raum. Die leicht gewälbte Jngendveranstaltnngen. Nixdorf. Sine Schneepartie veranstaltet der hiefiae Jugend» ausschuh nach dem Grunewald und Wnnnlee. Treffviiutt der Teilnehmer pünktlich 7 Uhr früh am B ilmbus Hei manuslratze; für Nachzügler von 12 bis 2 Uhr mittag» in Wannsee, Kömgstr. 40. D Hu 9 aller Weit. Von der Londoner poUzeircbtacht Der durch daS Massenaufgebot gegen zwei Verbrecher zum Ge- fpött der ganzen Welt gewordenen Londoner Polizei ist ein Verteidiger erstanden. Bei der gesetzlichen Leichenichau in der Sydneqstiaß« erklärte, wie un« ein Telegramm meldet, der Vertreter der Krone, daß die von den Verbrechern gebrauchten Waffen eine Schußweite bis zu 1400 Meter besessen hätten. die Pistolen der Polizeibeamten aber ein« viel kleinere. Aus diesem Grunde habe man Soldaten heran- gezogen. Der den Befehl führende Polizeioffizier erklärte, er habe die Mannschaften der Feuerwehr von einer Annäherung an da? brennende HauS abgehalten, da er nicht gewünscht habe, sie dem mörderischen Feuer der Verbrecher auszusetzen, die um 7 Uhr früh auf die Aufforderung, sich zu ergeben, daS Feuer eröffnet hätten. Daß damit die Polizciblamage weniger hell erstrahlt, kann man wirklich nicht lagen. UcbrigenS verwahrt sich die Londoner Polizei- direktion gegen die in verschiedenen Zeitungen, besonders dem Scherl-Blatte. ausgesprochene Behauptung, daß die Berliner Polizeibehörden sie schon früher aus die angeblichen Anarchisten auf» merkiam gemacht habe. Wie bei ollen sensationellen Ereignissen ist auch bei der Londoner Affäre zu beobachten, daß sonst ganz ernsthasien Leuten die Pban« rasie böse Streiche spielt. Man wittert jetzt aller Enden in London „Anarchisten" und die graustgslen Mordgeschichten über da» von ihnen über London gesponnene Terroristen»?» findet kritiklose Aufnahme in den Blättern. Die Spalten der englischen Zeitungen sind geschmückt mit riesigen Illustrationen, die Einzelheiten au» dem heldenhaften Kampfe der Polizeitruppen wiedergeben. Die Debatten über die Verschärfung der Einwanderung«. gesetzr dauern fort. Man erwartet, daß die Konservativen bei Be» ratung der Thronrede dahin zielende Anträge stellen werden. Je- doch erklären die liberalen Blätter, daß daS Vorkommnis dazu kernen Anlaß biete, da kein Staat sich gegen Verbrecher« gesindel schützen könne. Die liberale„Daily NewS" wendet sich in scharfer Weise gegen die Verschlechterung des Gesetze». Wie sie sagt, werde sich die englische Polizei nimmermehr zu einer Handlangerin der russischen Polizei herab- würdigen lassen, wie eS manchmal die deutsche Polizei zu sein scheine._ Entgleisung dcS Kopenhagener v-Z«geS. Bei der Durchfahrt durch die märkische Eisenbahnstation B u b e r o w ist am Donnerstagabend in der zehnten Srunde der D-Zug 12(Kopenbagcn— Berlin) auf einen an der Gleisverbiiidung zwischen dem Ladegleis und dem HouptgleiS stehen gebliebenen Viehwagen aufgefahren. Lokomotive und drei Wagen entgleisten. Der Viehwagen wurde zertrümmert. Zlvei Zugbeamte und«in Post. beamter wurden leicht verletzt. Ein taktvoller Pfaffe. Nach einer Meldung aus Pari» ist der Pfarrer von Etampe», Abbö Couriot, der während einer Leichenfeier der Familie des Verstorbenen von der Kanzel herab vorgeworfen hatte, daß sie bei der Sammlung für den K u l t u S p s e n n i g nur b0 Centime« hergegeben habe, vom Bischof von Versailles verletzt worden. Autzerdcm hat die EtaatSauwaltschaft gegen Couriot eine Untersuchung eingeleitet. Gebildete Menschen. Im„Wetzkarer Anzeiger" erläßt der Wirt de» dortigen Schlitzen- gartcns wiederholt folgende Aufforderung: Ich ersuche noch einmal, die beim Domfestesscn irr« tümlich mitgenommenen Gegenstände sofort zurückzubringen, andernfalls die mir bekannten Namen veröffentlicht werden. Ich bemerke noch, daß mir durch den Vorfall bedeutende Uu- kosten entstehen. H. Bcrndt. Eine ganz eigenartige Färbung gewinnt die„irrtümliche" Mit» nähme wertvoller Blumcukörbe, Vasen und anderer Sachen, wenn man bedenkl, daß bei dem D o m e i n w e i h u n g s f e st e s s e n alle „Spitzen" der Stadt und deS KrciieS teilnahmen und auch sonst mir die„Creme der Gesellschaft" zugegen war. Da es sich also nur um sürnehine Leute handelt, müssen sich unter ihnen wohl etliche de- finden, die an K l e p t o m a n i e leiden. Die Gedächtnisschwäche der bedaneriiswerten Kleptomanen gebt sogar so weit, dag ihnen trotz aller ihrer aus dem kirchlichen Festessen zur Schau gelragenen Frömmigkeit das siebente G-bot fast vollständig aus dem Ge- dächmis eiitschiviinde» ist. Wären proletarische Existenze» so ver- geßlich, fremdes Eigentum fortzulragen, würde natürlich Diebstahl vorliegen._ Kleine Notizen. Der Bär ist loS! Einer bosnischen Bärenführertnippe ist bei Sückau i. d. Mark in der Nach: zum Diensiag ein Bär ent- s p r u n g e n. Bisher kounle man des Ausreißers nicht habhaft werden. UnfSlle beim Rodeln. In Kotten im Rheinlande sind mebrere zn Tal führende Rodler, die m>l ihren Schiilten einander nicht aus- weichen koniilen, weil die Balm zu schmal war, ans und gegen einander gefahren. Sieben Personen wurden ver» letzt, darunter niehrere schwer. GaSvergiftimgen. Die aus fünf Köpfen bestehende Familie dos Hotelinbabers Hirsch i» Aachen wurde gestern morgen in ihrer Wohimilg betäubt alifgefiinden. Durch aiisströiiieiide Gase sind die Faniilienmilglieder so schwer erkrankt, daß an ihrem Aus- komme» gezweifelt wird. Im Kampfe mit Schmugglern. In der französischen Ortschaft Bäzibreö bat zwischen Sleuerbeainlen und«chmuggwrn, die 500 Lirer Alkohol etiischninggeln wollten, in der Nacht zum Freilag ein heftiger Kampf slatigesunden. Zivei Beamte wurden durch Revolverschüi'se und Steinwürse verwundet. Drei Schmuggler wurden verbasiet. Räuber im Straßenbnhiiwagen. In dem nordamerikanischen Städtchen D u l u r h drangen gestern zwei bewaffnete Räuber in einen Straßenbahnwagen ein und besahlcn de» Jniasien. sich nicht vom Platze zu rühren. AIS ein nichtSahneiider Polizei- beamter den Wagen besteigen wollte. wurde er von den beiden Rändern meuchlings erschossen. Danach flüchteten die Morder und entkamen. Das Erdbeben i» Zcntralafien. Wie anS Taschkent gemeldet wird, ist duich da« Erdbeben d>c Fablsiraße von NoivodmitriewSk nach PrsbewalSk zerstört worden. Längs de» Jssyltul-SeeS haben sich tiefe Erdspalten gebildet. In der Umgeaend von W j e rn q i sind durch die Katastrophen vtele Ktrgtsen um- gekonunen._ Freireligiöse wemriilde. Sonntag, den 8. Januar, vormltlaaS S Uhr. Pappel-Allee 15—17 und Rixdinf, Jdealpaffage: Freireligiöse Vorlesung.— VorniitlagS II Uhr. Kleine Fraulsurter Slratze S: Boitrag von Herrn Pros. Dr. A. Nehrle:.Elrungenschaste» der Ausllärung". Damen und Herreu als Gäste sehr ivillkommen. Singegangene Druchfchrifccn. „Komninnale YraxlS». Die erste Nummer de« neu beatnneiidcn Jahrgaiig« ist soeben erschienen. Der Juhatt ist sür alle Interessenten der Gemehidepolilil von grötzter Wichtigkeit. Die„Nommunalc Praxi?- erscheint wichentssch und kostet pro Orurrtal 8 Mark. Probenummern liesert der Verlag Buchhandlung Vor- wärt«. Berlin 3 Vf. 68, kostenlos. Geschichte der Revoluttoue». Von Dr. A. Conrad h. 50 Hest� o 20 Ps Wöchentlich ein reich illustrierte» Hest. Verlag der Buchhandlung Vgrwäxtö, 6fi(tn SW- 68. Die Hefte 5 7 sind ci'chleiie». Aboimements — die jederzeil begonnen werden können— niunnl jeder Zeitungsspediteur und Kolporteur entgegen; sie liesern auch aus Wunsch ein Probchcjt gratis. Briefhaften der Redaktion. dorn Viert- ffitlice Dt« tnilflUAc Sdr.tdfiinid, finde, Linve» strafte Str. SV. »lrr Trrvdeu— Fadrstndl—, woideuiäglia,«v» 4'/, dt??>/, Ilde si Sonnabend. Bon 4>/, b>? 0 Nh>»achni tiags stau. Arder für de» tasten dcftinlintcu iintrag- ist cm«lunjirnoc und eint ijanl als zcirtitti Ucikit'iiHCii. Ort-fllch,«riwoei wird atcht rri«il«. .»raacn traar man tn der Svr-cst stunde aar. P. K. 105. An den BizirkSauSIchuv. unter Angabe der KeschäsiS- nummer.— F. K. 5. Ja.— G. A. F. 50. Wiesbadtii, was die Stei, erhöhe pro Kops anlangt.— O. R. 112. 1. Ja. 2. 3 SR. 3 Ja. 8,50 M. 4. Tax«.— R. Ml. 85, Bemühen Sie sich nach dem Untenichts- saal, Gormaiinstr. 13.ages geklagt und binnen einer Woche nach Verlassen da Stellung Antrag aus Erlaß einer einstweiiigeil Beisugung aus Unslattbast- erklörung der Zuiücksührung gestellt werde». Liegt eine solche Versügung vor, so ist die Zurnittühruiig bis zur Entscheidung de? Rechtsstreil? unstatt- hast.— aa. H. 1800. 1. Ja. 2. Siein.— 9». 83. In 6 Jahren.— Amtlicher•Utnrftfiertetn der itädUicheii Marktballen- DtrekUon über den Mroßbandel m den Zenrral.Umktdnllen. Äliarktlage: Fl ei ich: gusuhr reichlich, Deichäst schleppend, Preiie unverändert. Wild: Zufnbr reichlich,(Ocieuaft Hark, Prelle zum Teil nachgebend. G e i t ü g e l: Zuiuhr genügend, Deichäii sehr still, Preise gedrückt. Fische: Znstlhr mäßig, Geichast ruhig, Preiie wenig verändert,«uiier und Käse: Aeschäst ruhig, Preiie unverändert. Gemaie, Lbst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geichäst still, Preise wenig verändert. PVtmrnnastiferflchi vom 6, Januar lull morgen» 8 Ndr. I <1 |j| immemve 762 SlO Hamburg 764$ P«ftr 762 NW jranfl aft 764 S« Rüucheti>767 Still Wien S Bett« Ü »K ri« |« w* •lallontn | �-»f!| is£§? tt 1 Schnee 2 bedeckt 2 bedeckt 3 Dun« halb bd.—5 1 bedeckt i 1 1 0 0 — 1 Haparanva 777 NO Petersburg 782 SO Setlltz 765 SSW tderceeti Parrs 747 SSO 765 S I 2 bettet S heiter 6 Regen 6 Regen 2 bedeckt li> —20 —14 » 4 1 «etteru-aanale für Sonnabend, den 7. Januar 1011. Vorwiegend trübe mit Niederschlägen und etwas höheren Temperaturen bei mätztgen bis Irischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «vafferftanvs-Rnestrtestee» der LandeSanstalt für Gewöss erkunde, mit geteilt vom Berllnrr Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e a« l. Jniterburg Weichsel. Tborn Oder, Rattdor , Krosten , Frantiurl Warthe, Schrrmm , Landsberg Netz», Vordamm Elb«. Letnnentz » Dresden , Bardo » Magdeburg U-'.B 'ett 4. 1. ora') -4 0 +1 0 +1 —13 —4 —4 -ii -19 +6 -3 1+ bedeutet vuchß,— itzall.—•) Nnterdeaet.—•) Starke» Ei», treiben.—*) Schwaches Eis treiben.—») Eis w Bewegung. N Thealer und Vergnügungen Eonnabend,?. Januar. Ansang?'/, Uhr. ÄSuigl. Opcrnkians. Mignon. Kouigl. Schauspieiiiaus. Götz von Bcrlichiiigen.(Zliis. 7 Uhr.) Neues konigl. Lperu-Theater. Geschlossen. Deuiicihes. Olhello. K a ni m c r s p i e l e. Der der- wundete Bogel.(Alis. 8 Uhr.) Ansang i Uhr. Lessing. Anatol. Neue? Lierctten. Die schöne Nisctte. Kvi»i'N>e Lvcr. ToZka. Ssrnes SrfnmspietlKUlS. Der Zer> rsssene. Mnchmittag» L'/« Uhr: Maria Stuart. Berliner. Bummelstudcnten. Nachmittag« Sll, Uhr: Macbeth. Westen. Da« Puppenmädel. Nachmitiag«« Uhr: Rotkäppchen. Kleine». Perflirten Frauenzimmer. 1. Klasse. Neues. Der G. m. b. H-Tenor. Z'rtanon. Der heilige Hain. Nesideuz. Familie Bolero. Tbalia. Polnische Wirischast. Nachm. t Uhr: Aschenbrödel.. Schiller«> rtrealer.) Der Himmel aus Erden. Sch> Gharioltcuvurg. Husaren- fieber. Friedrich. Wilhelinftädtisches. Hosguust.(Ans. 8'/, Uhr.) Suiiipiellmus. Der' Feldherr«» Hügel. SlusiteNungs- Theater. Meyer«. Luise». Der Millionenjnnge. Nachmitiag« 4 Uhr: Hänjel und Grerel. Modernes. Der Doppelmensch. (älnfang 811, Uhr.) Kol. Don Earto«. Nachmittag««Uhr: Aschenbrödel. Herrnscld. Eine verlorene Nacht. Er, Sie und Er. Bolksoper. Die RegimentStochler. Aha«oer. Fvlirs vaprice. Der Feldwebel» Hügel,(iiniang S'/, lldr.) Metroro.. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wippchen. Apollo. Spezialitäten. Paänge. Spezialitäten. Voigt. Die Schuld der Mutter. Kcichsi'ollen. Steitiner Dänger. Wi»»ergarten. Spezialitäten. Sanssouci. Die werde Ich reich? Spezialitäten.(Ans. 8>/, Uhr.) Walljalla. Bravo I Dacapo I(An- sang S't� Uhr.) Karl Haverland. Spezialitäten. Urania, tranbenstrafte 48/49. Abend« 8 Uhr: Bon San Remo nach Florenz. Nachmittag« 5 Uhr: Thristian Leben, ChrlMania: Grönland: die Estimo«, ihre Tänze und ihre Mufit. Eteruwarte. Jnvalidenstr. S7— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr: Anatol. Sonntag 8 Uhr: Rnatol. Montag 8 Uhr z. 2b. Male: Anatol. Ekrtmer Theater. Heute: glIIMelMkIltSN. S Uhr. Morgen: Bummelftudenten. �l!ö8 IMil Täglich: Der G. m. b. H,-Tenor. Ansang 8 Uhr._ Theater des Westens. 8 Uhr: Daa HnnpcnniUdel. Miltw. u Sonnab. 4 Uhr: Rotkappchsn. Sonnt. 8'/« U.: Die geechiedene f rau Modernes Theater (frOhar Hobbellhoator). Abei d« 8 Uhr: _ Poppelmeaach._ Berliner Volksoper Lille. Alliancestra�e 7/8.— llß Uh:: Ahaaver. Hieraus: Die lloxl mcntHtochtcr. LusispielhauSa Abend« 8 Uhr: Der Feld!)err»chugel. Residenz-Theater. Direltio»: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. ie Bolero Schwant in 3 Schwank in 3 Akten von Maurice Hennequin und Paul Bithand. Morgen und solgende Tage: Familie Bolero._ Fnedrich-Wilheimstädtiscties Schauspielhaus. Oonnabend, 7. Jan., abend» 8'/, Uhr: ARotgim�t. Sonntag 8 Uyr: S'i blaue Mau«. (8 Uhr: Faust.) Montag: Die blau« Mau«. 8 Uhr: Da« vollständig neue, sensationelle Programm. !v grake Ättraktioiien 10 mit Otto Reutter�«. Urania. WissenschaftlicheB Theater Taubenstraßa 48/49. Nachmittags 5 Uhr; Christian Iiedeu, Ohristiania: Grönland: die Eskimos, ihre Tänzo und ihre Musik. Abends 8 Uhr: Von San Remo nacb Florenz. Kaiser- Panorama. Neu! Reise Ins Pharaonen- land»or. Trlest nach Kairo. II. Wanderungen u. Klettereien in der sächsischen Schweiz. Luisen-Theater. Nachmittag« 4 Uhr: Häuscl«nv Gretel. Abend, 8 Uhr: Der Mellionenjmtge. Volksstück in 4 Akten v. W. Christnia«. Sonntag 3 Uhr: Hamlet. 8 Uhr: Mudicke« Reise nach Indien. ~"iTi'irTiT Iwtz�i Schiller- Sehlüer-Thetlor 0.(Wallner-Theat). S o n n a b c n b. abend« 8 Uhr: Der- Hluuuel auf T/rdeii. Schivanl i» 3 Akte» v. Julius Horst Ende lO'l, Uhr. Sonntag, nachm. 3Uhr: Di« I.line. Sonntag, ade ii d« 8 Uhr: Dusni-enKedei-. Montag, abends 8 Uhr: Den Danimkopf. IOSE=TliEATE D, I Grosse Frantiurtei Str. 132. Rachmittag 4 Uhr: h Ascheubrödel. Iii Abend« 8 Uhr: Hon Carlos. Montag. Mittwoch, Freitag: Ton Carlos. Dienstag, Donnerstag: Sein Sündenregister. Melropol-Thealer Heute, Sonnabend, den 7. Januar: 1. groficr 1-MrÄ Z tvinsttkapelle». Ansang 11 Uhr._ Ende: srüh. Bf euer Spielplan!-W ETMEL LEVEY Amerikas Favorit. La belle Leonora Spaniens Stolz. Mite. Denarbers Luftballonfahrt über den Köpfen des Pablikums sowie weitere 12 Star- Attraktionen 12 Morgen Nachmittag- �-Vorstellung. Kleine Preise. Sarer Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Zwei Schlager: Bine verlorene Nacht. Er, Sie und Er mit Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Hochbahnstation Kotlbuser Tor. 8',. Uhr: Wie werde ich reich? 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S ch» m a n n sowie die übrigen Zlttraktionen. Der große Coup 9'/, Uhr. der O'/j«ch- Sehmnggler. Romant. Pantomime w 4 Atten. lasxesamt 56 Alt-Nonblt 47/4«. Sonntag, den 8. Januar 1911: Grosser Lacherfolg! Die Miihchznin. Schwank in 3 Akten von g, Jarno und H. Rickelt. SeVast. Nordhainen: Dir. Han« Reltz. Kassencrössn.«'/, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Nach der Borttellung:'tnnr, jPassage-Panopllkum.j WShrond der Wolhnachtsterlon j 1 r. 18. Desember bis 8. Januar I �olkstage. Jedermann 1 Kind{ | frei! Jed Kind erh. ein Geschenk, j Alle j Schaustellungenl frei! AUos ohne Extra- Entree! Bnrgthcater- Feefsäle und Klnematograph vorm. Greterjaii, Jnbab.; Rud. Nerz, Schönhauser Allee 189. Tel.». 9858 liObcnde Photographien. atmttti SO u. 40 Pf., Kinder die Halste. Ans. 7 U.. Semit. 4 U. Verzugskarten, nnr wochent. gülttg, TS Ps. aus aücn Plätzen. Stet» wechs. Programm. T rlsnon-Thester. Anfang 8 Uhr. Der heilige Hain. siNosenth.Tor.) Weinbcrgstv. 20 1 Aniang 8'/« Uhr: Jannar-ÄIlEnieDestes Bravo! 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Pfand 23 Bohnen................ Pfand 18, 23 Linsen........... Pfand 11, 14, 17 pt. pt pt pt pt Brech-od.Schnitf!rohnen/.Dose1a20, 1.35 Bruchspargei ohne Kopf.. Doee 68 t Bruchspargei mit Kopf... Dose 95 Pt Pumpernickel................ stack 15pt Bücklinge.................. 5 stock 18 pt Echte Kie'er Sprotten..... Eiste 68» Brat-Heringe....... 4 uter-Dose 98»- LaChS in Stocken................ Pfund 85 Pt Sardinen in Gel Dose....... 38,48» a Pfund -II. AM« l.S°« Gr. geräucherte Gäuiekeule». z. Roheisen, ss. Gänseschmalz. garantiert rein, a Pfd. I.SO M» empfiehlt 6/18 Berlin iklnzüge S Olk., 14 M., 18 03!. Mast-Paletots 0 M., 12 VI.. 1UM.:c. Gcsellschafts-Nnzüge werden biüigst verliehen. Ksuklllius für /Noligts-Osräerobeli nnr tirnße Franblarter Str. 08 nur Bitte im eigenen Interesse auf Hausnummer zu achten. Streng reelles, christl. Geschäft. Keine Filialen am Plaste. Abtellnng 11 Nene Garderoben. 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