Ur. 19. Bbonncmcnts-nedingungen; Abonnements- Preis pränumerando i «icrtcljährl. 330 SC! f., monatl. 1,10 Mb. wöchentlich 26 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Nbonnement: 1, 10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Mona». PostabonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänen, arf, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis Crfcljcint»glich MStr ülontigs. Verlinev Volksblnkk. S8. Jahrg. vle snkerNonz-Sedahr veträgt für die sechsgcfpaltene Kolonel- geile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- Uni LersammlungS-Anzcigen 30 Pfg. „Kleine Hnieigen", das erste Cfctt. PedrulNe) Wort 20 Pfg, fedes weitere Wort 10 Pfg. Stelleiigefuchc und Schlaf- slcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über »b Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnferate für die nächste Nummer niüsfen bis S Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abend? geöffnet, Telegramm-Adresse: „SoxiaMcmohrit Rcrlin'*, Zentralorgan der Ibzialdemokrati fchen Partei Deutfchtands. Redaktton: 8 Tl. 68, Ltndenstrasse 69* Feriisprecheri Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, den 22. Januar 1911. 6xpeditton: 8Tl. 68, Ltndcnetraeee 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Blal)Ire(l)t$kämpfer! Erscheint massenhaft heute mittag in den Protest-Bersammlunge»! «irasvalle. Um das Scharfmachergeheul über die Moabiter Exzesse, die Rufe nach schwerer Bestrafung proletarischer Exzedenten, nach einer Verschärfung der strafgesetzlichen Bestimmungen, nach einer Beschleunigung und Abkürzung des gerichtlichen Verfahrens, kurz die ganze Scharfmacherhetze richtig würdigen zu können, ist es gut, einmal eine Parallele zu ziehen zwischen der Bestrafung von Tumultuanten und Exzedenten, die der Arbeiterklasse angehören, und solchen, die der b e- sitzenden Klasse zuzurechnen sind. Besonders interessant fällt der Vergleich aus, wenn man die Strafen, die gegen randalierende und exzedierende Studenten verhängt zu werden pflegen, den Strafen gegenüberstellt, die über Arbeiter verhängt werden, die sich bei Streikunruhen oder ähnlichen Anlässen irgendwelche Ausschreitungen zuschulden kommen lassen. Kennzeichnend dafür sind zwei Urteile, die kürzlich durch die Presse gingen. Es handelte sich in beiden Fällen um eine Beleidigung, die darin be- stand, daß jemand einen anderen„Schwein" tituliert hatte. Im ersten Falle war ein Student der Beleidiger und das Objekt dieser Verbalinjurie war ein Schutzmann. Im anderen Falle hatte ein Arbeiter einen„Arbeitswilligen" mit dem gleichen Kosenamen belegt. Man sollte nun meinen, daß man dem Studenten das Schimpfwort schon deshalb höher angerechnet hätte, well er sich als Mann von feineren Umgangsformen und höherer Bildung der Größe des Delikts in höherem Maße bewußt fein mußte als der Arbeiter, der wahrscheinlich nicht gewohnt war. seine Worte so sehr auf der Goldwage abzuwägen. Und ferner sollte man doch annehmen, daß die Beschimpfung eines Schutzmannes mindestens ebenso schwer geahndet werden müßte als die eines Arbeitswilligen. Und trotzdem erhielt der Student wegen seiner Beleidigung nur 10 Mark Geldstrafe, während der Arbeiter zu einer Woche Gefängnis verurteilt wurde I Dieser Fall von geradezu unglaublich verschiedenartiger Wertung von Delikten ganz der gleichen Art steht aber keineswegs vereinzelt, er bildet vielmehr die R e g e l I Wir könnten dafür Hunderte von Beweisen bringen, wollen uns aber hier mit einigen wenigen Beispielen begnügen, die wir aber jederzeit beliebig zu vermehren erbösig sind l Wie hat man sich über sozialdemokratische Krawalle entrüstet, obgleich doch die Kriminalstatistik be- weist, daß die Zahl der von Proletariern begangenen Aus- schreiwngen in den letzten Jahren nicht zugenommen hat. Eine kürzlich veröffentlichte amtliche Statt st ik über die in den Jahren 1904 bis 1909 begangenen Verbrechen und Vergehen enthält sehr interessante Zahlen über Verurteilung von Straftaten, die man als Auflehnungen gegen die Staatsautorität zu charakterisieren pflegt. Wegen öffentlicher Aufforderung zum Ungehorsam wurden in dieser Zeit verurteilt: l, 10, 10, 209, 38, 10, wegen Aufruhrs 38, 54, 83, 55, 56, 28, wegen Land- fr i c d e n s b r u ch s 83, 193. 119, 160, 182, 125; wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen gegeneinander 7. 10. 25. 32. 23. 10; wegen Verächtlich machen von Staatseinrichtungen oder obrigkeitlichen Anordimngen 1, 1, 3. 3, 0. 0 Personen. Schließlich wurden verurteilt wegen Beeinträchtigung der Koalitions- f r e i h e i t gewerblicher Arbeiter(Terrorisierung Arbeits- williger) 395, 785, 1096, 785, 434. 386 Personen. Diese Zahlen beweisen deullich, wie gewissenlos die Scharf- m a ch e r e i ist. die ihre Forderungen nach Ausnahme- gesehen mit der hartnäckigen Behauptung begründet. daß der Staatsautorität je länger je mehr Gefahr drohe. Dazu kommt, daß proletarische Exzedenten stets mit drako- Nischen Strafen belegt worden sind. Wie aber steht es mit den studentischen Ausschreitungen und deren Bestrafung? Wir erinnern da in erster Linie an den schweren Exzeß der Bonner Borussen vom 4. Dezember 1909. An diesem Tage hatten die Borussen in Rüngsdorf bei Bonn eine ihrer Kneipereien veranstaltet, die man bei Arbeitern Sauf- gelage nennen würde. Als die Studenten abends den Zug der Kleinbahn besteigen wollten, unternahmen die bezechten Kneipbrüder einen förmlichen Sturm auf den Bahnzug. Sie versuchten die Lokomotive von den Wagen und die Wagen untereinander abzukoppeln, wodurch sie den Zug in der höchsten Weise gefährdeten. Gegen die Beamten wurde man t ä t- lich, einer wmdc verletzt, zwei andere tätlich be- leidigt. Sobald der Zug sich in Bewegung setzte, wurden die Lichter von den Studenten ausgelöscht und 37 Fenster- scheiden zertrümmert. Und was geschah diesen Exzedenten? Wurden Sie wegen Landfriedenbruchs bestraft? Sic kamen mit G e l d st r a f e n von 50—150 M. davon. Man hatte ja die einzelnen Täter„nicht mit Bestimmtheit zu ermitteln" vermocht. Nun, auch an der Strafkammer wurden im M 0 a b i t e r Prozeß Personen bestraft, denen nichts nachgewiesen werden konnte, als daß sie sich unter den Tumultuanten befunden hatten. Aber sie erhielten gleichwohl nicht eine Geld st rase, sondern Freiheitsstrafen von vielen Monaten! Richard Nordhausen, ein konser- v a t i v e r Publizist, erklärte denn auch im„Tag", daß die 13 Studenten„ungemein glimpflich davongekommen" seien, müsse doch zugegeben werden, daß der von ihnen ver- übte„unerhört grobe Unfug von Rechts wegen schwerere Strafe verdient hätte". Nordhausen äußerte zugleich die Hoffnung, daß diese milde Strafe wenigstens bessernd wirken werde. Wie bessernd Verwarnungen bei dem feudalen Korps der Bonner Borussen zu wirken pflegen, beweist das Folgende! Zwei Tage vor dem Nebersall der Borussen auf den ein- jährig- freiwilligen Unteroffizier Veith hatten Angehörige dieses Korps nach der ultramontancn „Bonner Deutsch. Reichsztg." in Mehlem„nächtliche Ruhe- st ö r u n g" verübt. Gegen einschreitende Polizeibeamte gingen— immer nach dem genannten Zentrunisblatte— die Borussen„in einer Weise" vor,„daß sie sich des Wider- standes gegen die Staatsgelvalt schuldig machte n." Wären diese Borussen Arbeiter gewesen, so hätten sie vermutlich mit dem Polizeisäbel Bekanntschaft gemacht. Wenn Arbeiter so viel Unfug angestiftet hätten, wie die feudalen Herrchen in Bonn, so wären die Schutzleute wahr- scheinlich auch längst nnt jenen gelben Revolver- gurten ausgerüstet worden, die man seit einiger Zeit an allen Straßenecken Berlins so einladend blinken sieht I Den Studenten geschah nichts— nur der Senat der Universität erließ eine Verwarnung an das Korps Borussia. Mit welchem Erfolge, zeigt der Umstand, daß zwei Tage später eine Anzahl Borussen den schon genannten ein- jährigen Unteroffizier V e s t h in seiner Wohnung überfiel, verprügelte, mit Wasser übergoß usw. Wegen dieses Ueber- falles auf einen„Stellvertreter Gottes", bei dem die Exzedenten wie die Vandalen hausten, wurden mehrere Borussen, die damals gleichfalls als Einjährige dienten, die also ihren Vorgesetzten überfallen hatten. frei- gesprochen: mehrere minder aktiv daran Beteiligte, die imniatrikuliert waren, erhielten unbeträchtliche Haft- strafen! Sie hatten den Ueberfall gegen den Unte- offizier, auf den die schneidigen Borussen ihren Haß geworfen hatten, weil er sich als Katholik nicht hatte duellieren wollen, ja nur mitgemacht, ohne selbst zu prügeln l Bei Arbeitern heißt es in solchen Fällen„mitgegangen, mitgehangen!" Und solche Exzesse, solch milde Strafen kommen, wie schon erwähnt, bei Studenten durchaus nicht selten vor l So wurde seinerzeit(1903) in Jena von Studenten ein förnilicher Akt von Landfriedensbruch verübt. Korps- studenten zertrümmerten 400 Biergläser, mit denen sie ein Straßenbonibardement veranstalteten. Namentlich das Denk- mal des Gründers der Universität wurde in sinniger Weise zum Ziel dieser Wurfgeschosse gemacht. Die Polizei- Mannschaft suchte dem wüsten Treiben vergebens Einhalt zu tun; sie waren völlig machtlos. Kein einziger der Exzedenten wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt l Am schwarzen Brett der Universilät Göttingen prangten an einem Tage zwei Kundgebungen der Universitätsbchörde gegen studentische Exzesse. In dem einen hieß es:„Den Herren Studierenden wird wegen Ueber- h.andnahme der nächtlichen Ruhestörungen bekannt gegeben, daß neben den polizeilichen Ordnungsstrafen auch in jedem einzelnen Falle die akademische Behörde Disziplinarstrafen verhängen wird." Und in dem zweiten Anschlag wurde beklagt, daß wiederholt Rechts- k a n d i d a t e n, die sich nach Entlassung von der Universität zum Zwecke der Vorbereitung zur Staats- Prüfung in Celle aufhielten, grobe Exzesse verübt hätten! Und da klagt man über die Verrohung der Arbeiterklasse, da verlangt man härtere Strafen gegen exzedierende Arbeiter! In Marburg ereignete sich gleichfalls eine gröbliche Ausschreitung. Vor dem Rathause, in dem sich die Polizei- wache befindet, verübte eine starke Studentenansammlung wüsten Radau. Etliche der Lärmmacher wurden festgenommen. Darauf suchten die Studenten die Rathau-'tür durch Back- steine zu verrammeln.� Ein Schutzmann ließ sich infolgedessen zu dem AuSruf hinreißen:„Studenten wollt Ihr fein? Laus- buben seid Ihr." Die Studenten schimpften darauf die Schutz- leute Lausjungen und bedrohten sie niit„In die Fresse schlagen". Ein Schutzmann erhielt auch tatsächlich einen Schlag ins Gesicht. Als abermals mehrere Randalierer ins Wachlokal gebracht wurden, rissen die Studenten den Schutzleuten die Notizbücher weg und demolierten das Wachlokal! Und wie wurden diese Exzeffe geahndet? Mit Geld st rasen von 5—90 M.! Der Staatsanwalt selbst erklärte bei der Verhandlung, wenn die neun Angeklagten nicht Studenten seien, würde„die Tonart ganz anders lauten"! In Halle verübten— erst 1910— Studenten groben Unfug, wobei sie sich auch mit Rcvolverkn allerei amüsierten. Ein Schutzmann, der die Ruhestörer höflichst um ihre Studentenkarten ersuchte, wurde„dummer Kerl",„Du dummer Pferdeknecht" tituliert. Als die Exzedenten endlich zur Wache gebracht waren und ein Schutzmann einem Studenten den angeblich drohend erhobenen Stock abnehmen ivollte, wurde er„Leckarsch" genannt. Einem Polizisten wurde von den Studenten die Kleidung förmlich vom Leibe gerissen. Urteil: Die Angeklagten erhielten 5— 50 M. Geldstrafe! Und da zetert man über die Exzesse der Proletarier» da verlangt man schärfere Strafen gegen Arbeiter! Wir Sozialdemokraten verlangen keine Sonder- rechte, wir fordern keine Straffreiheit sür Aus- schreitungen! Aber wir verlangen gleiches Recht! Und je öfter und auffälliger unsere Justiz gegen diese Forderung, die sich auf Gesetz und Verfassung gründet, verstößt, desto schlimmer für die I u st i z, desto schlimmer für das Ansehen des„Rechtsstaats", desto besser für die Sozialdemokratie!_ vor der enffcheidung. Die Verhandlung über Moabit wurde am Sonnabend vor dem Schwurgericht soweit gefördert, daß nunmehr am Montag da? Urteil zu erwarten ist. Noch einmal legten Verteidiger und Staatsanwälte ihre Auffaffung der Vorgänge dar, und auch der objektivste Zeuge des Plädotiers wird nicht behaupten können, daß die Anklage auf Aufruhr und Landfriedensbruch durch die Repliken der drei Staats- anwälte auf eine solidere Basis gestellt worden ist. Besonderes Interesse durften die juristischen Darlegungen de? Justizrats Fried mann beanspruchen, der den Geschworenen in überaus lichtvoller Weise auseinandersetzte, daß es ihre Pflicht sei, die Rechtsfrage nach bestem Wissen und Gewissen selbständig zu be- urteilen, da sie an die Auffassung des Vorsitzenden nicht gebunden wären. In den subtilen Rechtsfragen wichen selbst die höchsten Gerichtsinstanzen außerordentlich von einander ab, differierten die bedeutendsten Rechtstheoretiker. Zuviel Wissenschaft, zuviel Theoüe könne unter Umständen die Findung des wahren RechlS erschlveren, deshalb seien gerade die Laienrichter berufen, die Dinge vom Standpunkt des praktischen Lebens statt von dem der Schuljuristerei aus zu beurteilen. Das sei der g e» wollte Zweck der Institution des Laienrichters. Justizrat Friedmann sowohl wie später Rechtsanwalt H e i n e m a n n legten alsdann noch einmal eindringlich dar. daß selbstverständlich keine Rede davon sein könne, daß die gesamte Tätigkeit der Polizei als eine nicht berechtigte Ausübung ihres Amtes anzusehen sei, daß indessen erwiesenermaßen eine so große Zahl von Beamten sich zeitweise nicht in berechtigter Ausübung des Amtes befunden habe. daß der Staatsanwaltschaft der Beweis zufalle, daß ihr etwa geleisteter Widerstand keine berechtigte Notlvehr ge« wesen sei. Natürlich blieb die Staatsanwaltschaft diesen Beweis im vollsten Umfange schuldig. Vielmehr stellte sich der O b e r st a a t s a 11 w a l t auk den ebenso bequemen und originellen wie unhaltbaren Stand« Punkt, daß die Schutzleute sich stets in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befunden hätten, sofern sie nur einem Befehle ihrer Vorgesetzten gefolgt seien, ganz einerlei, ob dieser Auftrag an sich ordnungswidrig gewesen sei oder nicht! Der Oberstaatsanwalt schloß seine Darlegungen mit der Mahnung an die Geschworenen, die Angeklagten wegen Aufruhrs und LandfriedenSbruchö zu verurteilen, da eine Freisprechung nichts anderes bedeute, als jedem Exzedenten das VersügungSrecht über die Straße einzuräumen und Leben und Eigentum jedem Rowdy preiszugeben. In sachlich vortrefflicher und rednerisch eindrucksvoller Weise zerpflückte Heine diese Dar« legungen de« Oberstaatsanwalts. Er verlange keine Freisprechung gegen das Recht. Aber eine Verurteilung wegen Aufruhrs bedeute, um mit den Worten des Oberstaatsanwalts zu sprechen, die Straße und die friedlich ihrem Gewerbe nachgehenden Bürger der Willkür der Schutzleute preiszugeben. Es sei lein Kimststück, wenn die Schutzleute in gewöhnlichen Zeiten auf eine höfliche Fraae liebenS- würdigen Bescheid gäben. Aber gerade erst in verantworrungsvollen Momenten hätten die Sicherheilsbeamten, denen ein so großes Maß von Macht eingeräumt sei. Selbstbeherrschung zu beweisen. Zahl- reiche Beamte hätten sich aber erwiesenermaßen die unerhörtesten Ausschreitungen zuschulden kommen lassen und dadurch erst die gewaltige Erregung des Publikums hervorgerufen. Er hege das Vertrauen zu den Geschworenen, daß sie diese Sachlage gebührend berücksichtigen und auf Freisprechung der Angeklagten er- kennen würden. Zum Schluß behandelte Rechtsanwalt Rosenfeld ncchmals das Thema der Lockspitzelei. Die Existenz von Polizeivigilanten sei von der Polizei zugestanden, lind da eine ganze Reihe einwands- freier Zeugen die Lockspitzeleicn beobachtet hätten, ständen diese außer allem Zweifel. Rosenfeld brandmarkte den Versuch, diese Zeugen als erregt oder unglaubwürdig hinzustellen, mit aller Schärfe.— Da die PlädoherS. hiermit erschöpft waren und die Verteidiger so- wohl wie die Vertreter der Anklage sich in der nächsten Sitzung voraussichtlich auf kurze Bemerkungen beschränken dürsten, darf Wohl an, Montag die Nrteilsfällung erwartet werden. vahlzuilichten des Zentrums im rhelniich-mittMchen Industriegebiet. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Unser neulicher Artikel über die hiesigen Wahlborbereitungen ist von der JndustrtebezirkSpresse verschiedentlich kommintiert worden, besonders hat«in Teil der Zentrumspresse die Aufdeckung der beab- sichligten schwarz« industrieseudalen Wahlmogelei mit dem üblichen Geschimpfe quittiert. Unsere.Tremonia" überschlägt sich geradezu in AuiauSbrüchen über die Roten, und hält immer dringlicher den Na- tionalliberalcn die Schrecknisse einer angeblich nahe bevorstehenden Revolution vor. Das Getue entbehrt nicht der Komik; ist es doch der Besitzer und Chefredakteur der„Tremonia", Herr Lambert L e n s i» g gewesen, der in den 70er und 80er Jahren in der massivsten Weis« die jetzt von ihm Un, wordenen als herzlose AuS- beuter und zynische Verächter der christlichen Ethik hinstellte. Herr Lensing sab mehr als einmal unter der Anklage der Aufreizung oder der schwersten persönlichen Beleidigung auf der Armesünderbank: und inebr als einmal mußte er auch ins Gefängnis wegen schwerer journalistischer Ausschreitungen. Doch wir wollen darüber mit ihm nicht rechten, da er wohl am meisten im Dortmunder Bezirk den Boden für uns gelockert hat. Man kann hier oft die Bemerkung hören:„Daß der Dortmunder Bezirk so radikal ist, kommt daher, daß hier das schärfste katholische Draufgängerblatt, die„Tremonia", so gut vor» gearbeitet hat." Doch jetzt ist Herr Lensing bußfertig geworden und heischt Verzeihung von den Zechenltberalen, indem er die ärgsten Schmutzkübel über die Sozialdemokraten ausschüttet: denn mittler- weile ist er dank der Gläubigkeit der katholischen Arbeiter schwer- reich und der Schwiegervater eines Fabrikanten geworden. Solche Verwandtschaft verpflichtet. Auf den Wahlkreis Dortmund-Hörde macht sich das Zentrum gar keine Hoffnung mehr. Das steht fest. Wer auch die Nationalliberalen rechnen mit einem sozialdrmokrattlchen Sieg im ersten Wahlgang. Somit haben die bürgerlichen Parteigötter den Wahlkreis Dortmund-Hörde aus dem Vinnahmekonto gestrichen. Das gleiche dürfte mit H a g e n- S ch w e l m der Fall fein. Und daß das Zentrum H a m m- S o e st nochmals holen sollte, glaubt es wohl selbst nicht. Auch diesen Posten muß es streichen, wodurch «in Bündnis der Zentrümler mit den Nationalliberalen für diese Kreise wertlos wird. Bliebe noch Bochum-Celsenkirchen in Westfalen und Essen und Duisburg im Rheinland. Doch da kommt nun der„christliche" GewerkvereinSsekretär H ü S k e S her und erklärt in Herne: Wenn die Nationalliberalen in Bochum einen dem Zentrum angenehmen Kandidaten aufstellen,«dann find die Tage Otto HueS gezählt!" In diesen Worten liegt der Verzicht deS Zentrums auch auf Bochum-Geksen» kirchenl Eine Bankrotterklärung des Zentrums in dem Kreise, den eS wiederholt, z. B. durch Schorlemer-Alst. besessen hat. In E s s e n ist die Situation für das Zentrum so gefährdet, daß die„Köln. Volksztg." auch diesen Kreis schon auf ihre Verlustliste gestellt hat. Der Denunziantenfeldzug der ZenttumSpresse gegen die antiliberalen Arbeiter und Beamten in Essen, die bei der engeren Stadtverordnetenwahl sozialistisch gewählt haben, hat die Erbitterung dieser Leute gegen den schwarzen Terrorismus zur Siedehitze ent- facht. ES ist nicht daran zu denken, daß eine hinreichende Zahl nattonalliberaler Wähler einer zentrumsparteilich-nationalliberalen Kompromißvarole Folge leistet. Wenn eS richtig ist, daß der Kruppsche„Werkverew" solche Mitglieder, die ultramontane Stadt- verordnete wählten, ausschloß, nicht aber die, welche sozia- listische Stimmzettel abgaben, dann zeugt auch dies nur für die Stimmung in der»ationalliberalen Wähler- Ichast. Daran wird durch noch so fein ausgeklügelte Wahlabkommen„von Hamm bis Duisburg" nichts geändert. Was will das Zentrum den Nationalliberalen bieten, nachdem es durch H tt s k e s ruchbar wurde, daß«S sich selbst in Bochum-Gelsenkirchen nickt mehr als ernsthaften Konkurrenten um das Mandat betrachtet? Die bei den Stichwahlen 1903 und 1907 in diesem Riesenkrcis er« folgte Gehorsamsverweigerung vieler tausend Zentrumswähler wird sich wiederholen. Außerdem werden die Polen niemals für einen Kandidaten der hakattstischen Nationalliberalen zu hoben sein. Wenn das Zentrum wirklich den Zechenliberalen die Auslieferung deS Kreises Bochum-Gelsenkirchen versprochen hat, so stellte e» einen Wechsel aus. über dessen Einlösung zuguterletzt nicht die Zentrums- bourgeoisie bestimmt. Entscheidend ist, daß daS Zentrum seit der Finanzreform das Vertrauen der breiten Wählerschichten verloren hat, die. ohne ultra- montan gesinnt zu sein, sich doch von den demokrattschen Allüren de» Zentrums täuschen ließen. Nun daS Zentrum als Regierung?- und Junkerschutztruppe ohne Feigenblatt dasteht, ist der»demokratischs' Nimbus verlöre» gegangen. Las ßlutuHdl in lolilo. Nach einer mehrwöchentlichcn grausamen Gerichtsfarce sind die Würfel gefallen: Dr. Kotoku, seine Frau und zwei- undzwanzig Genossen lvuiden zum Tode und zwei andere zu vieljährigcn Gefängnisstrafen verurteilt; nur zwölf von den 2l Todesurteilen sind in lebenslänglichen Kerker umgewandelt worden. Weshalb dieses barbarische Urteil? Welche Misse- tat haben die Angeklagten begangen? Die Oeffentlichkeit weiß mchts Bestimmtes. Kein Mensch außer den direkt Beteiligten kann sagen, was von den Nach- richten über die Anklage und deir Prozeßverhandlungen Wahrheit, was Dichtung ist. Offizielle Berichte liegen nicht vor. Und wem: solche vorhanden wären, wäre tausendfache Vorsicht am Platze, denn die Polizei- und Justiz- schergen des Gottsohnes Mikado verdienen in solchen Dingen noch bedeutend weniger Vertrauen als die des russischen Väterchens. Eine nach westlichen Begriffen unabhängige Presse gibt es in Japan nicht. Wollte ein Tchreiber sich eine selbständige. von der der herrschenden Clique abweichende Meinung ge- statten, so hätte seine Presse zum letzten Male ein ZeitungS- papicr gedruckt. So weiß die Leffentlichkeit nur eins bestimmt: Daß zwölf Menschen zum Tode verurteilt worden sind. Kotoku und Genossen werden ihr Leben am Galgen beenden oder sind vielleicht schon tot. Kotoku und seine Mitangeklagten wurden nach den spar- lichen Mitteilungen, die durch die Presse sickern, beschuldigt, daß sie Sozialisten und Anarchisten seien und daß sie eine Verschlvörung gegen das Leben des Sohnes des allmächtigen Gottes, gegen den Mikado angezettelt hätten. Das ist alleS. Das eine wie daS andere ist höchst unwahrscheinlich. Trügen nicht alle Anzeichen, so haben vir es hier mit einem In st iztier brechen zu kun. Las Las an Ferrer begangene weit in Schatten stellt. WaS in Japan gemeinhin als Sozialist und Anarchist gestempelt wiro, würde im zivilisierten Europa noch gerade w die Nethen der bürgerlichen Reformer rangiert werden. In dem„Kulturstoat" Japan ist diese Kennzeichnung aber vollauf genügend, die Polizeihunde loszulassen. Das böse Gewissen läßt der Regierung, der blutvergießenden Krieger- baste von gestern, keine Ruhe, heißt sie die so gekennzeichneten Leute bitter verfolgen. Die wenigen Sozialdemokraten, die es in dem Jnselreich gibt, sind sehr gemäßigte, harmlose Leute, viel zu vernünftig, etwas zu wagen, was den in der Anklage gemachten Vorwurf rechtfertigen könnte. Selbst tomi sie sich über den Wahn- Witz eines Unterfangens, wie cs eine Verschwörung gegen das Leben des Staatsoberhauptes darstellt, nicht klar wären, so würden sie von ihren tief eingeimpften monarchischen Gc- fühlen davon zurückgehalten werden. Das gilt auch für die Leute, die man dort Anarchisten nennt. Man kann sich stundenlang mit den radikalsten unter ihnen über ihre An- sichten und Pläne unterhalten, und man wird nur die eine Ansicht gewinnen, daß sie sehr West davon entfernt sind, eine hochverräterische Verschwörung anzuzetteln. Auch bei ihnen ist der Respekt vor Kaiser und Obrigkeit tief eingeimpft, der auch durch die ständigen Drangsalierungen keine merkliche Einbuße erlitten zu haben scheint. Warum diese Verfolgungen, die keinem freidenkenden Manne in Japan erspart bleiben, keine fühlbare Abschwächung der Untertanentreue zeitigen, kann nur der begreisen, der die geistige Verfassung des kleinen braunen Mannes im allgemeinen, und seine tiefe Verehrung für den Mikado. seinen Gott, kennt. Auf den Mann des gemeinen Volkes drückt noch die ganze Last einer tausendjährigen asiatischen Tradition. Und nicht nur das. Tie herrschende Kaste hat, aus wohlverstandenem Interesse, mst einem Eifer und unleugbarem Geschick die Schule dazu mißbraucht, im Volksgeist den Herrscher als„göttlichen Kaiser", als den „Sohn des Himmels", als den Gott überhaupt einzugraben: die hehrste Aufgabe der fünfundvierzigtausend Volksschul- lchrer ist, das elend dahin vegetierende, über alle Maßen bigotte und stupide Bauernvolk chauvinistisch zu verblöden und ihm die neue Religion mit dem Mikado als Gott ein- zmmpfen. Wie systematisch dies geschieht, lehrt ein Blick in die Geschichtsbücher der Schulkinder. Diese von Kindesbeinen an vollzogene Vcrkrüppelung der Geister heißt selbst Leute, die jahrelang im aufgeklärten Milieu des Auslandes gelebt haben, ihrer Stimme einen tiefernsten, feierlichen Ton geben, wenn im Zwiegespräch die Rede auf den Mikado kommt. Wie gesagt, haben die Gedanken und Worte der Leute, die in Japan Sozialisten und Anarchisten genannt werden, keinen fühlbaren Stich ins Antimonarchische oder Mtkadofeindliche, und es läßt sie an keinen Angriff aus das Leben des Kaisers auch nur denken. Und wenn sie wirklich von einem solchen Wahnwitz träumen sollten, ein Blick durch die Spalte der Schiebetür müßte ihnen sofort die Zwecklosigkeit ihrer Träumerei kund tun. Das HauS eines jeden, der als Sozialist oder Anarcksist verschrien ist, oder nur als Op- positionsniann gilt, oder der herrschenden Kaste der Un- freundlichkeit und des Ungehorsams verdächtig ist. wird ständig von einer Polizeikreatur bewacht. Auf Schritt und Tritt folgt ihm der Schatten. Was für die Polizeisrommen Söhne des Mikado gilt, trifft in gleichem Maße bei aus- ländischen Reisenden zu: Die Polizei bewacht den Fremden, kontrolliert seme Korrespondenz, bedroht und belästigt die Leute, die ihn Wohnung geben. Er wird den lästigen Schatten nicht eher wieder ganz los, bis er auf dm Boden des heimfahrenden Schiffes steht. Was so ein stets nachlaufender Polizeihund für einen harmlosen Touristen, der sich die bizarre Welt in Ruhe und Ungeschorenheit betrachten will, bedeutet, kann nur der ermessen, der cö am eigenen Leibe er- fahren hat. Die herrschende Clique in Japan wird von den Nach- kommen der Daymios(Feudalherren) und den ergebenen und schlaucstm Söhnen der Samurais(vufgelöstc Kricgerkaste) gebildet. Im feudalen Japan, das nominell 1868 abgeschafft wurde, hatten die herrschenden Kasten, die Samurais und die Daymios, dos Recht über Leben und Tod des gemeinen Mannes. Wer sich nicht vor vorüberzieheirden Kriegern, Ehrfurcht bezeugend, in den Staub warf, hatte seine Pflicht- Vergessenheit mit dem Leben zu bezahlen. Der Missionar Gulick sah noch vor wenigen Jahrzehnten in abgelegenen Gegenden Bauern, die sich in den Staub warfen, wenn sie seiner ansichtig wurden, weil sie in ihm, dem Reitenden. einen der alten Krieger vermuteten. Das Landvolk konnte sich noch erinnern, wie„in der Feudalzeit die Köpfe deS Volkes von den Kriegern abgehackt wurden, wie die Bauern die Rettichköpse abhauen". Eine solche Betätigung des Regierungsgeschäftes ist heute zwar nicht mehr gut auszu- führen, denn Japan will doch den zivilisierten Staaten gleichstehen. Aber der Geist der Willkür, des feudalen Säbel- regiments. hat sich von den Vätern auf die Söhne vererbt. Jever Verdächtige wird scharf bewacht, jeder Ungehorsame streng bestraft, wenn auch nicht mehr mit dem Säbel, so doch mit Galgen und Kerker. Hinter jedem Andersdenkenken wird ein Sozialist oder Anarchist vermutet, hinter einer harmlosen Zusammenkunft eine Verschwörung. Und wenn von dem Polizeischergentum aus einer derart beschaffenen„Verschwö- rung" ein Angriff auf das Leben des Mikado gemacht werden kann, um so besser. Dadurch beweist eL die Notwendigkeit seiner Existenz, und wird noch obendrein belobt und belohnt. Es sollte uns sehr wundern, lvenn der unglückliche Kotoku und seine Genossen nicht das Opfer der Gcspensterfurcht der Regierungsclique oder deS sein organisierten SpitzeltumS sind. Die westliche Welt hatte und hat für Japan stets viel Freundlichkeit! und Sympathie. Besonders nachdem cS die lange, scheußliche Metzelei m der Mandschurei glänzend vollendet hatte, wuchs die Bewunderung in nicht vorher- gesehenem Masse. Von den europäischen Nationen wurde eS nun als ein zivilisiertes Land, als ein Kulturstaat ange- sprocheu. Diese Narretei mußte bei den Kennern bitteres Kopsschütteln hervorrufen. Wenn es bei einem Vergleich ztvischen der Regierung Väterchens und der des Mikado Lichtseiten geben sollte, so stich sie bestimmt auf der ersteren Das will gewiß schon viel sagen. Wenn einmal eine Be- wegung im Lande des Gottsohnes Mikado lsbendig werden würde, wie die jüngste Revolution in Rußland, so würde die Clique, die in Aapan als Regierung wütet, selbst die blutigsten Orgien die der russischen RegterungSschergen weit in den Schatten stellen. Allerdings ist an eine solche Volks- erhebung, obgleich sie ebenso nötig ist. in dem asiatischen Feudalstaat von gestern aus tausend und einem Grunde nicht zu denken. Die vielen Millionen Danern vegetieren hungernd dahin, sind viel zu elend, zu schwach und zu willenlos, um sich zu erheben: die Industriearbeiter sind geistig weit zurück, numerisch zu unbedeutend, infam geknebelt, schrecklich ausge- beutet und ohne Führer und Hoffnung. Aber selbst wenn beide, Bauern und Arbeiter, die technische Möglichkeit für die Abwerfung des Joches hätten, so würde es dennoch nicht dazu kommen können, weil sie alle bigott und chauvinistisch zu arg verblödet sind. mW die llnterivürfigkeit und den Respekt vor der Obrigkeit mit einer Gründlichkeit eingeimpsr bekommen haben, die nicht leicht zu beschreiben ist. Aller» dings gibt es hie und da einige Ausnahmen. Personen, die von der westlichen Kultur berührt wurden, wagen hie und da schüchterne Opposition. Auf sie fällt die asiatische Bestie mit tierischer Wut. Sie bleiben als Kulturdünger aus dem asiatisch-feudalen Boden liegen, ohne Dank in der Heimat zu finden, ohne Widerhall zu entfachen. Sie werden ausgehungert, eingekerkert, ,u Tode gehetzt. Noch nicht einmal den Menschenfreunden im Ausland können sich diese Opfer der Verbrecherbaicde, die in Tokio als— konstitutionelle Regierung blutige Henkerarbeit ungestraft verrichtet, ihr Leid klagen, bei ihnen auf Sympathie und moralische Unter- stützung hoffen, weil eben die ganze Welt in den„Kultur- staat" Japan heillos vernarrt ist. Warum weiß eigentlich niemand recht zu sagen. Die japanische Regierung kann bis heute keine Tat auf- weisen, die ihr ein Anrecht auf die Sympathie und Achtung der rechtlich denkenden Menschheit gäbe. Sie weiß weiter nichts auszuweisen, als lange, blutige Metzeleien und infame Unterdrückung jeder freien Meinung im eigenen Land und Vergewaltigung aller Rechtsbegriffe im Kampfe gegen wehr- lose Opfer. Es ist höchste Zeit, daß in der gesitteten Welt endlich einmal eine richtige Meinung über die Verhältnisse im Lande der ausgehenden Sonne Platz greift und daß das feudale Regime des Mikado seines Firnisses entkleidet wird. damit es in seiner wahren Gestalt vor den Augen der Welt steht: als eine blutgierige, infame, asiatische Bestie.,--- poUtifcbe öcberlicbt. Berlin, den 21. Januar 1911. Vergebliche Hoffnungen. In Scharfinacherlreiscn scheint man auf Sonntag einige Hoff- nungen zu setzen. Man spekuliert, daß die Polizei den Wunsch hegen werde, den Ruhm, mit dem sie sich in Moabit bedcckl hat, durch neue Heldentaten aufzufrischen. Es sind vergebliche Hoffnungen. Ob die Polizei wirklich nach neuen Taten be- gierig ist, wissen wir nicht: daß die Sckarfmacher Zusammenstöße wünschen und nach der Tätigkeit von Lockspitzeln große Sehnsucht empfinden, glauben wir gern. Wohl aber wisien wir, daß weder Polizisten noch Lockspitzel am Sonntag irgend etwas zu tun finden werden. In unseren Versammlungen hat die organisierte Arbeiterschaft die Leitung und das verbürgt. daß sie wie stets in vollkommener Ruhe und Ordnung verlaufen werden. Wenn die Scharfmacher hoffen, daß es zu Straßenkund- gedungen kommen werde, die die ersehnte Gelegenheit zur Provo- zierung von Krawallen geben sollen, so sind sie sehr im Irrtum. Für Lockspitzeleien wird dieser Tag ein verlorener sein. Unsere Versammlungen werden zu einem Protest gegen die Verschleppung der Wahlresorm in Preußen werden, aber keine Gelegenheit für die preußische Reaktion, ihre Moabitereien aufs neue zu wiederholen. Winzernot. Nach den Stürmen der letzten Tage ging es am Sonnabend im Abgeordnetenhause recht ruhig zu. Allerdings war der Bc- rawngSgegenstand auch in keiner Weise auftegend. Auf der TagcS- ordnung stand die Interpellation des Zentrums betreffend Maßnahmen zur Hebung der Winzernot und eine Reihe von Anträgen, die sich auf der gleichen Bahn bewegen. Trotzdem der Landwirlschaftsminister eine entgegenkommende Erklärung abgegeben hatte, wurden sämtliche Anträge einer besonderen Kommission über- wiesen. Zu großen Debatten hatte daS nur schwach besetzte HauS leine Lust, und so gelangte denn bald ein Schlußantrag zur An- nähme, der unterem Redner da« Wort abschnitt. Der Fall Hoffmann kam nicht mehr zur Sprache, doch hat e« den Anschein, als ob die Mehrheit irgend etwa? plant, um ihrem Präfidenten eine Rechtfertigung zu teil werden zu lasten. Montag: Kleinere Etats und Etat der landwirtschaftlichen Ver- waltung._ Steuerfreiheit der Landesfürsten. Die„Rordd. Allgem. Ztg." bringt an der Spitze des Wochen- rückblickeS ihrer letzten Nummer folgende halbversteckte Drohung: „Der Reichstag Hai sich in der letzten Woche mit der Wert- zuwackSsteuer beschäftigt und die Vorlage bis zum§ 43 ein- schließlich erledigt. Die Fülle der verbeslerungSbesttebungen, die sich in den drei KommiisionSlesungen gezeigt hatte, führte auch in den Plenarverhandlungen zu zahlreichen neuen Au- trägen materieller und formeller Art. Leider ist noch in der letzten Sitzung ein arger Zwie- spalt wegen der Steuerfreiheit der Landes- fürsten zutage getreten. Vom Bundesraistische au» wurden die schweren staatsrechtlichen Bedenken gegen die von der Kommission beschlosteue Abänderung der Vorlage nachdrücklich hervorgehoben. ES ivird Aufgabe der dritten Lesung sein, dieses Hindernis zu beseitigen. Nunmehr bleibt für die Schlußverhandlung zweiter Lesung vornehmlich die bedeutsame Frage des finanziellen Zwecks des Gesetzes, sowie des Verhältnisses von Umsatz- und Z»wachSsteuer übrig. Die in der Oeffentlichkeit und im Reichstag vorgebrachten Bedenken und Meinungsverschiedenheiten betrafen im Ivesentlichen Prinzip und Technik der Zuwachssteuer selbst. Nachdem diese in ausführlicher Berhaudlimg ausgetragen sind, steht zu hoffe», daß der letzte und wichtigste Punkt, die Deckung des fiiianziellen Bedarfs. die Würdigung findet, welche ihm für die gesainte Etats- gebarung der nächsten Jahre und damit für die EntWickelung uuserer Finanzen überhaupt zukommt." Will die Regierung vielleicht, wenn die in der zweiten Lesung angenommene Besteuerung der Landesfürsten in der dritten Lesung wieder aufgehoben wird, den Reichstag auflösen? Wie wir schon kürzlich erwähnten, ist man in gewissen gouvernementalcn Kreisen der Ansicht, daß, falls der Reichstag die Wertzuwachs- steuer zu knapp bemessen oder ablehnen sollte, die Forderung „Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses gum Zweck der Durchführung der HeereSver» st ä r k u n g und der V et e ra nen fü r so rgel" eine zug- kräftige Wahlparole abgeben könnte. Nach der obigen Aeußerung der ..Nord. Allgem. Ztg." sollte man annehmcn. baß auch bei ihren Hintermännern diese Meinung Anklang gefunden hat. Wir haben gegen Neuwahlen im April oder Mai nicht daS geringste cinzu- wenden. Je früher, desto besser; aber glaubt man in den RegierungSkreisen wirtlich, daß das Verlangen:„Die Landes- fürstcn müssen um jeden Preis von der Wertzu- wachs st euer verschont bleiben!" iafek£ jHvW belasteten VolkSmqsse Begeisterung wecken wilU Die Sozialdemokratie als Justrument des HimmelS. Hn dem Leitartikel ihrer gestrigen Abendnummer be- schäftigt sich die„Kreuz-Ztg." mit dem Antimodernisteneid und gelangt zu dem weisen Ergebnis, daß eigentlich dieser Eid die Konservativen nichts angeht, da er eine innere An- gelegenheit der katholischen Kirche ist, in die sich die konser- vative Partei nicht zu mischen hat. Doch nicht dieses Resultat, das in Anbetracht des Ange- Wiesenseins der Konservativen auf die klerikale Hilfe nur allzu erklärlich ist. diiirkt uns das Interessanteste an dem kuriosen Artikel, sondern die Art und Weise, wie das Blatt feine Folgerung begründet. Es heißt dort nämlich: ..Die Konscriiattven betrathten die Wandlungen in den tlnschauungen der Kirchen und Parteien mit dem Ernst, der ihrer Staats- und GescllschaftSauffassung entspricht. Die historischen Begebenheiten sind ihnen letzten Endes Wirkungen eines höheren, überirdischen Willens, den Menschen geschickt zum Segen oder zurStrafe. Unter diesen Gesichtspunkten toarncn die Konservativen vor der Unterschätzung der sozialdemokratischen Gefahr, die offenbar gesandt ist, d a m i t d i c st a a t s e r h a l t c n d e n E l e m e n t e: die Regierung und die bürgerlichen Parteien. sich aufraffen zu sittlichem Mut und sitt- lichcr Handlung, damit sie unter den drohenden An- zeichen nicht in den Taumel des heutigen Mammonismus und Materialismus verfallen, sondern die heiligsten Güter der Nation kraftvoll verteidigen." Also die Sozialdemokratie ist ein Iiistruincnt des Himmels, von Gott gesandt, um die Regierung und den fchwarzvlauen Block zu züchtigen und beide zu sittlichem Mut und sittlichem Handeln aufzurütteln. Wir lMben gegen diese konservative„GesellschaftLaufassung„nichts" einzuwenden und wünschen nur. daß die Züchtigung recht derbe ausfällt —- entsprechend der großen Sünde der Züchtnngsbedürftigen. Staatsarbeiterelend. Die„Nachrichten von dem Betriebe der unter der preußischen Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung stehenden Staatswerke während des Etatsjahres 1909" sind ein erneuter und durch- schlagender Beweis dafür, daß die Staatsbetriebe heute weiter denn je davon entfernt sind,„Musterbetriebe" zu sein, und nicht zuletzt. Zvas die Lohiwerhältnisse der in ihnen tätigen mehr als hundert- tausend Arbeiter anbetrifft; daß der preußische Staat keineswegs danach geizt, auf diesem Gebiete vorbildlich zu sein. Schon die Bemerkung, daß die auf Grund der Knappschaftsnovelle vom a9. Juni 1996„den Arbeitern zur Last fallende Erhöhung der Beiträge durch entsprechende Lohnerhöhungen ausgeglichen werden mußt e". sowie die weitere, daß aus dem Silber- und Bleierz- bergwerk„Friedrich" bei Tarnowitz eine„Lohnerhöhung nötig toar, um für die neuen Aufschlußarbeiten Arbeiter anwerben zu können", läßt das glänzende Los preußischer Staatsarbeiter ahnen. Und in der Tat: die ohnehin zn scharfem Tadel herausfordernden Lohnverhältnisse in den Staatsbetrieben haben sich gegenüber 1998 noch mehr verschlechtert, zum Teil sogar ganz erheblich. Auf den Steinkohlenbergwerken ging der reine Jahresverdienst eines Ar- bciters zurück im Oberbergamtsbezirk Breslau von 1127 M. auf 1993 M.. im Bezirk Dortmund von 1499 M. auf 1455 M., im Bezirk Bonn von 1182 M. auf 1138 M. Sogar am Deister, wo die Bergknappen schon 1998 einen Rückgang von III M. zu ver- zeichnen hatten, haben sie im Vorjahre eine weitere Einbuße von 7 M. in den Kauf nehmen müssen. Dieser Rückgang ist um so unbegreiflicher, als trotz verminderter Belegschaft die Förderung um 13 748 Tonnen gestiegen ist und ebenso der Ueberschuß über den des Vorjahres um 29 753 M. auf 545 331 M. Dieser würde noch bedeutend größer sein, wenn nicht„erhebliche Auftvendungen für Aus- und Vorrichtungsarbeiten gemacht" und als Unkosten gebucht worden, anstatt als Anlage. Trotz weiteren Rückganges des Lohnes verzeichnet der amtliche Bericht:„Tie wirtschaftliche Lage der Belegschaft ist als befriedigend zu bezeichnen." Schade nur, daß die Regierung den„königstreuen Bergknappen" nicht sagt, wie sie es anfangen müssen, um sich mit 1912 M. im Jahre„befriedigend" rr. durchzuhungern. Wie im Steinkohlenbergbau, so auch in den Eisen- und sonstigen E r z b e r gw e r ke n. Im Oberbergamtsbczirk Bonn sank der reine Jahrcsdurch-schnittsverdienst von 942 M. aus 911 M.. im Oberharz von 895 M. auf 875 M.. im Untcrharz von 971 M. auf 941 M. Die Hüttenarbeiter sind ebenso schlecht gestellt. Im Oberbergamtsbezirk Breslau sank ihr reiner JahresarbeitSver- dienst von 987 M. auf 972 M.; in der Eisengießerei der Sollinger Kütte von 879 M. auf 793 M> Auch in den Salzwerkcn und Salinen sind die Löhne zurückgegangen. In der staatlichen Wüste gesunkener Löhne sind nur einige wenige Oasen, die kleine Lobnsteigerungcn zu verzeichnen haben, sei eS infolge gesteigerter Arbeitsleistung, sei es, weil der Lohn vorher gar zu ärmlich war, wie in dem erwähnten Bergwerk „Friedrich", wo im Jahre 1998 der Gcsamtdurchschnittslohn ganze eine Reichsmarl und 88 ReichSpsennige betrug und im Berichts- jähre auf 2,23 M. gestiegen ist. Wie sehr die Lohnerhöhungen dem Fiskus wrder den Strich gehen, lassen die angefügten erläuternden Bemerkungen erkennen, die fast wie eine Bitte um Entschuldigung klingen. Erhöhung der Ministergehälter von 36 999 M. auf 59 999 M-, Gewährung von Staatörentcn in Höhe von jährlich 159 999 M. an ein Sonderburger Fürstcngeschlccht, Erhöhung der königlichen Zivilliste um 2Vö Millionen jährlich— dagegen ein weiteres Sinken der unzureichenden Löhne der StaatSarbeitcr das ist preußische Staatsweisheit._ Die Liberalen und das Wahlrecht— einst und jetzt. Die Nationalliberalen sträuben sich mit Händen und Füßen gegen die Einsühnmg des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen. Sie mögen dem preußischen LandtagSivahlrccht einige seiner Schandflecken nehmen und ihm da- für modern schillernde Lappen aufsetzen, am Wesen des Geldiackü» Wahlrechts, der Klasseneinteilung, der Bemessung deö politischen Recht» nach dem Geldbeutel, daran wollen sie nicht rütteln lasten. „Die Regierung kann nur noch mit einer Vorlage kommen, die das geheime und direkte Wahlrecht bringt"— rief vor einigen Tagen Herr Friedberg, der Sprecher der Nationalliberalen, im Abgeordnetenhause auS und glaubte damit eine wunder wie liberale Großtat augelündigt zu haben. Und Herr Schmieding, der zweite Redner der Nationalliberolen, beklagte es drei Tage darauf als ein„Unglück für Preußen, wenn man uns mit dem allgemeinen gleichen Reichötagswahlrecht beglücken wollte". Darob großer Beifall bei den Nalionalliberalen innerhalb und außerhalb des Hauseö. Da ziemt es sich, die„Liberalen" von heute au ihre Gesinimug und Haltung in der Wahlrechtssrage zu jener Zeit zu erinnern, da man den Liberalismus dcS deutschen Bürger- tums«och nicht in Gäusefüßcheu zu setzen brauchte. Es war im Jahre 1348, nach den Märzlogen, da schrieb die„Kölnische Zeitung": „Man kann sagen— und hat eS oftmals gesagt— daß «ermögen leine sichere Bürgschaft gewährt für Rechtlichkeit. Gesetzlichkeit und Baterlands- liebe, daß eS Pöbel unter allen Ständen gebe und der bor- nehmePöbel noch gefährlicher fei als der ge- ringe. Erzeugt man nicht Pöbel, indem man alle Besitz- losen oder wenig Begüterten zu Pöbel stempelt? Wird nicht die bürgerliche Ordnung dadurch befestigt, daß jeder innerhalb derselben eine Stelle findet? Man kann endlich sich auf einen höheren Standpunkt stellen und den Staat nicht mehr als Zweck betrachten, sondern als bloßes Mittel. Er ist eine Erziehungsanstalt der Mensch- h e i t. Und wozu sollte jeder Mensch erzogen werden, wenn nicht zur Selbständigkeit? Selbständigkeit einer Persönlichkeit, welche ihr Gesetz in sich hat. ist die Blüte dieses Lebens und der Kein» des zulünftigen. Wie kann aber jemand zur Selbständigkeit gelangen, welcher nicht selbst einen Willen haben darf, sondern stets dem Willen anderer folgen muß? Doch über alle solche allgeineine Betrachtungen werden Macckiavellis Jünger nur läweln und fortfahren, von der Unmündigkeit des großen Haufens zu reden, denn sie»vollen diese Verleumdung der Menschheit, wie alles übrige, aus guier Hand haben, aus der Erfahrung. Wohlan, so laßt»»ns die Erfahrung srageu, was lehrt sie u>»S? Sie lehrt uns. daß V e r i a>u m l u n g e n sd. h. Parlamente), die ausGeistlichen. Adligen und Hochbesteuerten bestanden, stets und allerorts Gesetze ge»nacht haben, die ihren eigenen Borteil z»» nächst beförderten. und eS ist beinahe lächerlich, etwas anderes zu erwarten. Sie lehrt»ins. daß in jedem Staate. Ivo die Minderheit Gesetze gibt, die Mehrheit u n z u s r» e d e ,» ist; daß Frailkreich zwei Um- wälzungen erlebt hat: 1839. weil Karl X. das S t i m m r e ch t beschränken, 1848.»veil Ludivig Philipp eL nicht aus- dehnen wollte. Sie lehrt uns, daß England einer Um- wälzung. schon vorbedeutet durch Brandstiftungen im ganzen Lande, 1832 nurdadurchentgangeuist, daß es das Stimmrecht ausdehnte. Und daö Vertrauen, welches der Staat in seine Bürger durch Verleihung des allgemeinen Stimmrechts setzt, bewährt sich auf glänzende Weise. Der Mensch fängt unter der freie» Verfostung selbst zu denken und zu reden an. Er wirft seine Blödigkeit ab; ein neuer Geist, ein Pfingsten kommt über ihn; er spricht beherzt seine Meinung aus und zeigt oft mehr Verstand und poli- tische Reife, alörnancheS Mitglied der preußi- sche>» Herrenkurie, als mancher Professor des Staatsrechts. So wahr ist es, daß nur die Freiheit zurFreiheiterzieht. Man hält allgemeines Bürgerrecht für gleichbedeutend mit Pöbelherrschast und sagt, um Amerikas Beispiel iiicht gelten zu lassen, dort gebe es keinen Pöbel. Allein teils ist das unrichtig, denn gerade in den großen Städten, wie in Neiv Uori, in Boston, wo das regste politische Leben herrscht, sind die Menschen, die bloß von ihrer Hände Arbeit leben, so zahlreich wie bei uns. und teils muß man auch bei uns vom Pöbel eine bessere Meinung fassen. Der Pöbel, der am 18. März 1843 in Tmppen durch die Straßen von Berlin zog, hat Entschlossenheit, Tapfer- keit, Uneigennützigkeit. Mäßigung, OrdnungS- liebe, alles Eigenschaften eines guten Bürgers. bewiesen. Und»elbst der, welcher noch daran zweifelt, ob ein allgemeines Stimmrecht»vünschenSwert sei, muß er- kennen, daß eS zur Notwendigkeit geworden ist. Man kvnirte sonst noch viel für allgemeines Stimmrecht anführen. Aber das beste bleibt, was der alle Etzcke von Repkow sagt: Ich kann nicht finde>», daß ein Mensch dcS andern sei". Eycke von Repkow»oar der Mann, der 1215 die wertvolle Sam»nlung von Gesetzen und Gebräuchen herausgab, die man den „Sachsenspiegel" nennt. Damals also schon wurde der Grundsatz verkündet, durch den das liberale Bürgertum die bürgerliche Gleichberechtigung begründete. Der Mann des„Sachsen- spiegels' ist unterdes aus dein Gedächtnis der Nationalliberalen entschwunden. Heute verkünden ihre Wortführer, daß es eüi Unglück wäre, wenn nicht mehr„Ein Mensch des andern sei", d. h.»venu nicht mehr vier Fünftel des Preußenvolkes einem Fünftel von Junkern, Pfaffen und Scharfmachern ausgeliefert wäre. Der Studentenstreik in Hannover kam am Freitag in der Sitzung der Budgetkommission dcS preußischen Landtages zur Sprache. Der LandlvirtschaftSminister teilte mit, daß die Studenten der tierärztlichen Hochsdrnle dem Direktor eine in einer Studentenversammlung gefaßte Resolution überreichen ließen, in der sie ihre Wünsche zum Ausdruck brachte. Der Direltor erwiderte, daß er da« Vorgehen nicht billigen könne und erwarte, die Studenten würden nach wie vor die Hörsäle besuchen. Am anderen Morgen kainen aber keine Studenten. Jetzt habe der Minister angeordnet, daß am schwarzen Brett bekannt gen, acht werde, die Studenten, die bis zum nächsten Mittwoch die Borlesungen nicht besuchten, ivürden mit dem Verlust eines Semesters bestraft. Das Beschreiten sozial- demokratischer Wege— als solcher sei der Streik anzusehen— werde er unter allen Umständen verhindern. Soviel er»vissc, stehe der Direktor der Hochschule durchaus auf dem Standpunkte der Regierung. daß das Direktorat eine Umänderung nicht erfahren solle. Es würden jedenfalls einige Professoren hinter den Studenten stehen; sonst fänden sie jedoch nirgends Unterstützung bei aintlichen Stellen. Ein Mitglied der Kommission bemerkte, daß der Streik doch nicht von Sozialdemokraten in Gang gesetzt sei, worauf der Minister erwiderte, daß er daS auch nicht amiehme, doch sei der Streik ein sozialdemokratisches Mittel, de»n er unbedingt entgegentreten werde. Zufuhr ausländischer Arbeiter nach Westelbieu. Von einem rheinischen Jndustrielleit erhalten wir est» Rund- schreibe» des„Vereins der Industriellen des Stegierungsbezirks Köln" zugesandt, daS folgende auf die Anwerbung ausländischer Arbeiter bezügliche Aeutzerlnigen enthält: Die Deutsche Feldarbeiter- Zentralstell«. Berlin LI?. 11. Hafenplatz 4, deren Grenzämiern durch die Re- gierung die Aushändigung von AuSweiskarten für ausländische Arbeiter ausschließlich übertragen worden ist. wird demnächst in Metz ein solches Grenz- amt zur Versorgung von Westdeutschland mit ausländischen Ar- beirer» errichten. Derzutimflige Leiter dieses Amtes, GrafJ.N.R.Bnin» BninSti, BelricbSinspettor der Deutschen Feldarbeiter-Zentralstelle. hat kürzlich bei nnS vorgesprochen, um zu veranlassen, daß die Mit- glieder im Bedarfssalle sich an diese Slelle zur Vermitteluug von Arbeitskräften vorgebuchter Art»venden. Sofern daher ein im Jnlande nickt zu deckender Bedarf an Arbeitskräften in unserem Bereinsbereick bestehen sollte, stellen wir un'eren Mitgliedern er- gebenst anheim. sich der Dienste der Feldarbeiterzentrale bedienen und sich zunächst air deren Berliner Adresse wenden zu wollen. In Frage kommen für den Westen hauptsächlich italienische, holländische und belgische Arbeiter,»vobci bemerkt»verde» mag. daß»ach Aeußerung des vorgenaimten Vertreters der Feldarbeiter- Zentralstelle die Italiener im Saarbezirk auch als Bergleute arbeiten, während sie allgemein bisher nament- lich als Erdarbeiter oberirdische Beschäfliguug übernahmen. M i t Rücksicht aus die Polenfrage wäre es jedenfalls e>:wünscht, wenn die polnischen Arbeiter im niederrheinisch- westfälischen Jndustriebezirk durch italienische ersetzt werde» könnten, die eine dem Deutschen Reiche feindliche politische oder laudZmaim» schastliche Richtung nicht verfolgen. Zur Beschaffung der Arbeiter werden Auftragsscheine von der deutschen Feldarbeiter-Zentral- stelle ausgegeben, die von den Arbeitgebern auSzufülleli sind. Die VermitteklingSkebingungen betragen für jede Person vom 1. Oklober bis 31. März 2.69 M.. vom 1. April bis 39. Sep- tember 4,19 M. Ausweisgebühr und Reisekosten bis z»ir Grenze trägt der Arbeitnehmer selbst. ES ist erstaunlich, in welchem Maße die rheinischen Groß- industriellen das Geschäft mit dem PatrioliSnmS zu verbinden wissen. A»if die einheimischen Löhne durch Einführung fremder billiger Arbeitskräfte einen Druck auszuüben, das erscheint ihnen sehr ver- dienstlich; aber Polen nehmen sie nur, wenn sie nicht anders können._ franhreicb. Eine Debatte über den Allgeuieiue» ArbeitcrLerband. Paris, 29. Januar. In der AachmittagSsitzung der DepU- t i e r t e n k a u» m e r wurde die Debatte über die Gebarung des Allgemeinen Arbeiterverbandeö»viedcr aufgenommc»». Lefebvredu Prey sagte, eS fei unmöglich, das Bestchci» einer Vereinigung zu dulden, deren Satzungen Organisierung des G e- n e r a l st r e i k L und der R e v o l u t i o n zuließen. Redner tadelte die Haltuirg des ArbeiterverbandeS in dem Falle Durand, eines Mannes, der»vegen Mitschuld an einem Morde verurteilt»vordcn sei.(Stürmischer Protest aus der äußersten Linke»».) Minister- Präsident Brian d erklärte, der Allgemeitie Arbeiterverband sei eine Gruppe von dreitausend Arbeiters»indikaten; aber nicht in diesen Synditaten sei der Keim der Elitscheiduilgen zu suchen, die in Paris von gewissen Führern gefaßt würden, die sich die Leitung des Verbandes angeeignet hätten. Der Verband, der sich bewußt geworden sei, daß er seinen Eii»fluß verliere, habe ihn durch die Durand-Asfüre>viedergewini»e»» wollen, aber die Arbcitcrwelt habe sich von der Herrschaft der etwa zwanzig Leiter des Verbandes befreit.„Das ist nicht ivahr", rief in diesem Augenblick jemand von der öffentlichen Tribüne, und»vährend der Störer, der bekannte Arbeitersekretär Pericat, ent- fernt tourde, beantwortete Briand den Zuruf mit den Worten:„DaS »var der Schmerzensschrei des Patienten, in dessen Wuirde man den Finger gelegt hat." Dann fuhr der Ministerpräsident fort: Man darf den Allgemeinen Arbeiterverband nicht« u f I ö s e»».»veil es sonst den Anschein hätte, daß die Syndikatsfrciheit be- cinträchtigt»verde. Es sind Maßnahmen getroffen, um zu verhindern, daß die Propaganda der A n t i m i l t t a r i st e n in den Kasernen Eingang findet. Die Regierung bringt den Ar- beitern Vertrauen entgegen und»vird die Syndikatsfreiheit achten, aber sie»vird den Syndikaten ihren beruflichen Cl>araktcr wahren. Die Maßnahmen gegen die Sabotage, die die Regie- rung der Kamlner vorgeschlagen hat, sind»nit Strenge durchgeführt Wörde»», und das Maß ihrer Aii>ve»»dung verringert sich jetzt von Tag zu Tag. Die Arbeiter begreife»», daß die Agitation der Revo- kutionäre sie zu nichts führt. Der Ministerpräsideirt erklärte zum Schluß, man dürfe sich nicht zu einer Unterdrückungs- Politik verirren; es sei nötig, dem Gesetze Achtung zu ver- schaffen, aber auch das Gebiet der Syndikatsfreiheiten zu erweitern. Sngland. Eine britische Neichsarbeitcrkonferenz. Die englische Arbeiterpartei hat an die Arbeiterstaats- männer der großen Kolonien, die zu der im nächsten Sommer stattfindenden Reich skoi'ferenz�»-ach Loi»don kommen, die Einladuirg gerichtet, einer Reichsarbeiterkon'- f e r e n z beizuwohnen. Andrey Fisher, der Ministep- Präsident der Arbeiterregieru»»g von Australien, hat die Ein- ladung bereits angenolnmen. Der Gedanke der Reichs- arbeiterkonferenz stammt vorn Genossen Ramsay M a c d o» na Id. dem Sekretär der englischen Arbeiterpartei. Er glaubt, daß solche Zusammenkünfte dm englischen Arbeiter- Vertretern einen besseren Einblick in Kolouialsragen gewähre»» und vielleicht zur Forinulierung einer iinperialm Arbeitertaktik führen wird. Auch könnte es, meint er. aus diese Weise zu einer einheitlichen Stellungnahme aller Arbeiter- Parteien des britischen Reichs zu große»» Neichssragen kominen Auch in» Fragen der Sozialpolitik kvni»tcu die Arbeiterführer viel vone»nal»der lerne»». Macdonald hofft, daß aus dieser ersten ZusainmmTilnft eine in regelmäßigen Zwischenräumen zusainmentrctende Neichsarbeiterkonftreitz erwachsen wird._"- Huö der Partei. 1" Sozialistische Fortschritte in Peilnsylvanic». Infolge der zerfahrenen Art und Weise, wie in den Ber- einigten Staaten die amtliche Ermittelung der Wahlresultate vor sich geht, ist auch heute noch kein Gesamtüberblick über unseren Fortschritt bei den Rovemberwahlen deö vorigen Jahre» möglich, so daß die Schätzuirgen der insgesamt abgegebenen sozialistischen Stimmen immer noch um ein- bis zlveihunderttauscnd variieren. Soweit bis jetzt bekannt ist, scheint aber eine Zunahme unserer Stimmenzahlen im Lande um ungefähr 5 9 Proz. eilige- treten zu sein, so daß sie jetzt etlva 999 999 betragen wird. Zu den Staaten, aus denen das vollständige Wahlergebnis nunmehr vorliegt, gehört Pennsylvanien, das als Sitz der amerika- nischen Schwerindustrie für unsere Betvcgung besonder»»vichtig ist. I» diesem, von den Stahl- und Kohlenbaronen des Morgan- schen Milliardentrustcs beherrschten Staates»st erfreulicherweise ein besonders kräftiges Wachstum unserer Wählerzahl festzustellen: Von 33 617 Stimmen bei der Präsideiltsäiaftswahl des �ahreS 1998 stieg unser offizielles Gcsa,ntvotum auf 53 953. und gerade die Resultate jcirer Counties(StaatSbezirte), in denen die Berg- und Hüttenindustrie dominiert, siird die erfreulichste»». So wuchs ui»sere Stmlmmzahl in Northum bcrlaud von 63 t auf 3699, in Clinton von 295 auf 1965, in Berks von 1858 auf 4267, in W e ft m o r e l a n d von 1486 auf 3278, i»! A e a v c r von 662 auf 1459, in C lea r f i e l d auf 0658. Diese Ziffer»», die an die beste»» Kapitel der deutschen Reichstagsivahljtatijtik er» ii»nerl». beweisen, daß der Uebergang de» amerikanischen Industrie, Proletariats in das sozialdemokratische Lager begönne»» hat. polirellicsies, GcrichtKcbes ukw. Bestrafter PreMnder. Genosse Breslau er vom„Sächsischen Volksblati" ivurde am Freitag vom Echöffelrgericht Plauen wegen Beleidigung de» Schiffchenstickers Paul Wolf zu 5 9 M. Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wurde in zwei Notizen des„Sächsischen Volks- blatteS" erblickt, in denen glossiert war, daß W. von den Frei- sinnigen bei der letzten Stadtverordnetenwahl als Arbeiter- k a n d i d a t aufgestellt wurde, obwohl er bei den letzten beider» Stickerstreiks weitergearbeitet hat. u>»d zwar auf Grund eines Tarifes, den die Hirsch-Duuckerschen mit den Unternehmern abgeschlossen hatten. Die Hirsche zählten zu dieser Zeit in Plauen 15 Mann, der Tcxtilarbeiterverband 3299. Das Gericht stellte sich auf den Staiwpunlt. daß den Hirschen das Recht zusteht. Tarife ab- zuschließen, auch wenn die anderen streike»». Eine mißglückte Aktion.' In Einswarden(Oldenburg) erhielt Genosse Jung- Handel eine Strafverfügung über 39 M..»veil er am 1. Mai »n einer Versammlung, in der über die Bedeutung des 1. Mai gesprochen wurde. Jugendliche unter 15 Jahren geduldet und einen genehmigten Umzug über die Genehmigung hinaus geleitet haben soll. Das Schöffcnacricht sprach unseren Genossen frei. Der Staatsanwalt legte Berufu,»g ein, aber das Landgericht i.» Oldenburg sprach dea �Sünder" am Freitag ebenfalls tosteulob frei, 6ewerhrcbaftlicbee. Untcrnehmcrterromitiug. Me Scharfmacherpresse heult im Chorus nach gesetzlichem Schutz gegen den angeblichen Terrorismus der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, und die preußischen Scharfmacherminister ergehen sich im Treiklassenhause mit feinem Verständnis für die Wünsche ihrer Auftraggeber in allerlei Andeutungen, daß ein solcher gesetzlicher Schutz nötig sei. Darüber vergessen die Scharfmacher und ihre ministeriellen Prokuristen vollständig, sich danach umzu- sehen, wo denn in Wirklichkeit die Terroristen sitzen. Wir wollen ihnen mit einem neuen Beispiel zu Hilfe kommen. Im August vorigen Jahres traten die Llieler Fensterputzer in einen Streik, der mit dem Abschluß eines Lohntarifes endete. Wer aber geglaubt hatte, daß damit Ruhe im Gewerbe eingetreten sei, hatte die Rech- nung ohne die Unternehmerorganisation gemacht. In dieser Or- ganisation setzte eine Hetze gegen die den übrigen Unternehmern mißliebige Firma Dickermann ein. In einer Versammlung des Glas- und Gebäudereinigungsinstitutsinhaber-Verbandcs wurde folgender Gewaltstreich beschlossen: .Die Firma Dickermann wird aufgefordert, einen voll- ständigen Personalwechsel vorzunehmen, d. h. ihre alten Arbeiter zu entlassen. Sollte die Firma diesem Verlangen nicht nach- kommen, so soll das Geschäft des Herrn Dickermann ruiniert wer- den, und zwar dadurch, daß die übrigen Unternehmer der Kund» fchaft des Herrn Dickermann billigere Preise für das Putzen der Fenster anbieten. Ist dann diese Firma ruiniert, dann sollen die Preise viel höher hinaufgeschraubt werden, als sie jetzt sind." Herr Dickermann bekam es mit der Angst und fing an, seine Leute zu entlassen. Der Transportarbeiterverband sah aber dieser Maßregelung seiner Mitglieder nicht untätig zu; Herr Dickermann mußte die Entlassenen wieder einstellen. Darüber Toben im Unternehmerverband, daß der Unternehmer Dicker. mann ejnen Beschluß nicht zur Ausführung bringe, einen Be- schluß, der ihm direkt aufoktrohiert worden ist. Zur Strafe für seine Unbotmäßigkeit, die in diesem Falle nicht einmal seine Absicht war er hatte ja zuerst seine Leute entlassen— wurde der Unternehmer Dickermann in der letzten Versammlung aus dem Scharfmacherverbande mit dem langen Namen ausgeschlossen.— Schlimmer kann der Terrorismus kaum getrieben werden, als es in diesem Falle geschehen ist. Wir meinen auch, daß es für die Staatsanwaltschaft nicht schwer wäre, eine Handhabe zu finden, um gegen die Urheber des Terrorismus borzugehen. Dazu wird es aber nicht kommen, weil die Staatsanwaltschaft die„objektivste" Behörde der Welt ist. Berlin und Qmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Es werden in letzter Zeit durch Inserate Metallarbeiter nach auswärts gesucht. Wir ersuchen drm- gend, diese Inserate unbeachtet zu lassen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Eine Tarifbewegung der Lichtdrucker. Gestern wurden in allen Berliner Lichtdruckanstalten einmütig die Kündigungen eingereicht, nachdem die Erneuerung eines über ganz Deutschland geltenden Tarifes nach wiederholten Ver- Handlungen der Tarifinstanzen an der Starrköpfigkeit der Unter- nehmerorganisationsleitung gescheitert sind. Nun versuchten die Berliner Gehilfen daS in der Hauptsache am Ort Bestehende tariflich festzuhalten und beauftragten zu diesem Zweck Ansang Dezember eine Tarifkommission, bei den hiesigen Firmen um Verhandlungen nachzusuchen. Diese gingen darauf jedoch nicht ein. Am 9. Januar reichten nun die Gehilfen ihre Forderungen ein, die, wie schon bemerkt, im wesentlichen neues nicht enthielten. Die Tarifkommission berichtete in der am Dienstag im Gewerk- schaftshaus stattgefundenen, außerordentlich gut besuchten Ver- sammlung, daß die Firmen in corpore ablehnend geantwortet haben, woraus die Versammlung gegen eine einzige Stimme die nun erfolgte Kündigung beschloß. Wie uns nun mitgeteilt wird, will die Leitung des„Bundes der Lichtdruckanstalten" die Kündigung der Gehilfen in Berlin mit dem Versuch einer Aussperrung im Reich beantworten. Ter Fensterputzerstreik bei der Glaserinnung dauert fort. Dies ist das Ergebnis einer Versammlung der Streikenden, die gestern vormittag im Gewerkschastshause tagte. Es hatten am Freitagabend abermals Verhandlungen mit dem Aufsichtsrat und Vorstand der Fenstcrreinigungsanstalt statt- gefunden, und die Vertreter der Streikenden hatten sich alle mög- liche Mühe gegeben, einen Tarifvertrag auf Grundlage eines Anfangslohnes von 25 M. zustande zu bringen. Es war aber ver- geblich. Die Vertreter des Unternehmens erklärten, daß sie gar nicht in der Lage seien, darauf einzugehen und über den Beschluß ihrer Generalversammlung hinauszugehen. Die Verhandlungen endeten damit, daß die Vertreter des Unternehmens die Verein- barungen unterzeichneten, wie wir sie in Nr. 1ö des„Vorwärts" veröffentlichten, also so, daß das Uebereinkommen auf höchstens sechs Wochen gelten, und dann entweder durch den Einheitstarif für das Fensterreinigungsgewerbe abgelöst werden sollte, oder, wenn ein solcher nicht zustande kommt, durch einen neuen Firmentarifs über den dann noch besonders verhandelt werden sollte. Nachdem Lambrecht über die Verhandlungen berichtet hatte, setzte eine lebhafte Debatte ein. Die Vertreter der OrganisationS- leitung suchten die Streikenden zu überzeugen, daß es unter den obwaltenden Umständen dringend zu empfehlen sei. den Verein- barungen zuzustimmen. Die Streikenden waren jedoch anderer Auffassung; aus ihren Reihen sprach nicht ein einziger für die Annahme. Die Vereinbarungen wurden schließlich in geheimer Abstimmung mit 99 gegen 3 Stimmen verworfen. Der Bezirks- leiter Werner erklarte hierauf, daß der Streik also weiter be- steht und dementsprechend auch vom Verband behandelt wird, sowie daß die Streikenden auch fernerhin jede Gewalttätigkeit vermeiden, wie denn auch von Lambrecht und von anderen Rednern noch be- sonders darauf hingewiesen wurde, daß der Kampf nur mit gesetz- lichen Mitteln zu führen ist._ Die GesellenauSschußwahl der Berliner Fleischerinnung brachte für die Gelben eine vollständige Niederlage, obgleich kein Mittel unversucht gelassen, die organisierten Gesellev�mög- lichst am Wahlrecht zu hindern. Viele Meister hatten ihren Ge- sollen die Kandidaten der Gelben aufgeschrieben und sie mit den besten Ermahnungen zur Wahl gesandt, jedoch vergebens. Die Polizei war ebenfalls zum„Schutz" der handwerkstreuen Gesellen erschienen. Auch trieben sich mehrere verdächtige Elemente herum. Oeutfdita Refcb. Der Streik der Miihlenarbeiter in D ö l l n i ß v e i H a l l e ist nach sechstägiger Dauer mit Erfolg für die Arbeiter beendet worden; die Arbeiter erhalten 1.50 M. Lohnzulage pro Woche. Die Organisation hat in den Mühlenwerken erst vor kurzem Eingang finden können, der Erfolg ist für den ersten Versuch durchaus ge- nügend. Sämtliche Streikende nahmen die Arbeit wieder auf. Ein prinzlicher Arbeitsvertrag. Die schlesischen Junker verstehen es ganz besonders, ihre Guts- arbeiter an sich zu ketten. Sie erreichen dies, indem sie im Arbeits- vertrag bestimmen, der Arbeiter habe eine erhebliche Kaution aus feinem Lohn zu zahlen, die zugunsten des Arbeitgebers verfällt. wenn— nun, sagen wir mal dem Junker die Nase des Arbeiters nicht mehr gefallt.____ Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: i Als ein Beispiel dafür kann ein Verlrag gelken, der zwischen Sr. Durchlaucht Ulrich Prinz von Schönburg-Walden- bürg, Besitzer der Herrschaft G u t e b o r n, und dem Arbeiter... in Guteborn geschlossen wurde. In dem Vertrage befindet sich fol- gende Bestimmung: P...... verpflichtet sich, mit seiner Ehefrau pro Woche 5 M. Kaution zu zahlen, welche vom Lohne abgesetzt werden und die Höhe von 99 M. erreichen muß. Ver- läßt P...... vor dem 1. November 1909 die Arbeit, oder mutz er aus besonderen Ursachen, wie z. B. ungebühr- liches Benehmen und Betragen, Faulheit bei der Arbeit oder Trunkenheit während der Arbeitszeit oder sonstigen Vorkommnissen entlassen werden, so verfällt dre Kaution in Höhe von 99 M. der Herrschaft. Anderen- falls erhält er die Kaution am 1. November 1999 zurück. Bei ganz guter Führung bekommt er und seine Frau noch ein Ernte- geschenk. Bei borkommenden kleineren Verstößen gegen die Befehle ihrer Vorgesetzten wird dem Ehepaar eine Strafe bis zur Höhe von je 1 M. vom Wochenlohn abgezogen. Wie rasch sich ein Gutsarbeiter eine Entlassung wegen einer der angeführten„besonderen Ursachen" zuziehen kann, lehren Dutzende und Hunderte von Fällen aus dem täglichen Leben. Der Gutsherr oder der Inspektor schnauzt einen Arbeiter an; dieser wagt eine energische Entgegnung; das ungebührliche Benehme» und Betragen ist gegeben. Den Arbeiter trifft dreifache Strafe: 1. wird er auf Anzeige hin wegen Uebertretung des Gesetzes vom 24. April 1854 bestraft, 2. wird er aus der Arbeit entlassen und 3. verliert er den als Kaution einbehaltenen Arbeitslohn für zirka 9 Wochen. Der Arbeitgeber dagegen hat nur Vorteile: 1. steckt er die 99 M. Kaution in die Tasche und hatte einen billigen Arbeiter. 2. braucht er kein Erntegeschenk zu geben und 3. hat er die übrigen Arbeiter so eingeschüchtert, daß sie fast verlernen, den Mund gegen ihn aufzumachen. So werden die schlesischen Junker zu Milliu- nären, während die Arbeiter im Elend verkommen. Achtung, Glühlampenarbeiter! In der Glühlampenfabrik Oberweitzbach in Thüringen drohen Differenzen auszubrechen. Die Finna, deren Direktor ein in Berlin wohnender Herr ErHardt ist. stellte den Arbeirern Lohnabzüge bis zu 25 Prozent in Aussicht. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die sämtlich organisiert sind, und die schon gering genug bezahlt werden, find nicht gewillt, den Lohnabzug ruhig hinzunehmen. Der Direktor reiste von Berlin nach Oberweißbach, ordnete den Abzug an und verschwand wieder nach Berlin. Jedenfalls meinte er. daß er für die Arbeiter und Arbeiterinnen unerreichbar sei. Dem Mann wird seine Bogel-Strauß-Taktik wenig Helfen. Sofern er auf seinem Standpunkt beharren sollte, ist ein Streik unvermeidlich. Der Be- trieb ist, solange die Differenzen nicht behoben sind, auf das strengste zu meiden._ Beendigung des Kampfes in Remscheid. Nachdem durch die Vermittelung des Oberbürgermeisters Dr. Jarres in Remscheid neuerdings Verhandlungen zwischen der Kommission der Streikenden und der Arbeitgeber stattgefunden haben, welche zu einer Vereinbarung führten, nahmen die Streikenden dazu Stellung. Sie beschlossen, nachdem die Vertreter des Deut- schen sowie des Christlichen Metallarbeiterverbandes dafür einge- treten waren, mit 449 gegen 179 Stimmen den Kampf zu beenden. Christlicher Briefschwindel. Bei der Knappschaftsälteftenwahl im Herbste vergangenen Jahres versuchten die Christlichen mit einem Briefe eines„Ge- nossen Heinrich" Wahlmache zu treiben. Der„Bergknappe" brachte den mit„Dein Freund Heinrich" unterschriebenen Brief sogar in Faksimile zum Abdruck mit der Be- merkung: Der Brief spreche für sich selbst. Zur Erinnerung an diese Sache, die damals ziemlichen Staub aufwirbelte, sei noch an- geführt, daß in dem Briefe, der die Anrede„Lieber Freund und Genosse" trug, geschrieben stand: „Die Sache mit Behrens halte ich für verfehlt. Du weißt, ich hasse daS Persönliche, laßt es lieber, die Sache mit Effert ist besser, die klingt auch viel glaubhafter. Aber erst 1— 2 Tage vor der Wahl, eher dürft Ihr das Flugblatt nicht herausgeben und verteilen. Allzuviel Wirkung verspreche ich mir auch nicht davon. Das hat das Brust-Flugblatt verdorben. Da habt'Ihr eine Dummheit mit begangen. Junge, Junge, wenn das alles mal herauskommt. Wiegt Euch nur nicht in Sicherheit. Auf das Ehrenwort dieser Kerle gebe ich nichts und dann diese fürchterliche Blamage. Ich wage gar nicht daran zu denken." Von der christlichen Gewerkvereinsleitung wurden damals ein Führer des alten Verbandes gemeinhin als Verfasser des Briefes verdächtigt. Der Vorstand des alten Verbandes bemühte sich. Auf- klärung in die Sache zu bringen. Vergebens rief er die Hilfe der christlichen Gewerkvereinsleitung an. Als dann der Angestellte des alten Verbandes, Genossen Auf der Straße, als Verfasser verdächtigt wurde, war endlich die Möglichkeit geboten, auf dem Prozeßwege Licht in diese monströse Affare zu bringen. Der alte Verband vermutete mit Recht einen christlichen Gewerkschaftsführer hinter diesem Briefschwindel und glaubte nach dem Urteil eines Schreibsachverständigen auch den Verfasser des Briefe? zu kennen. In dieser Sache fand nun die erste Gerichtsverhandlung statt. Die Beleidigungsklage, die Genosse Auf der Straße ange- strengt hatte, kam zuerst zur Verhandlung. Schließlich wurden beide Termine vertagt. Es sollen die an Gerichtsstelle abgegebenen Schriftproben der christlichen Führer V o g e l s a n g und S ü s- kens und die des Genossen Auf der Straße dem Schreib- sachverständigen Dr. Look zur Prüfung vorgelegt werden. Der Vorsitzende des Gerichts erklärte, daß die Schrift des„Heinrichs- briefeS" der Bogelsangz allerdings sehr ähnlich sähe! Die Scharfmacher in der Mühlenindustrie. Nach Anschluß des MühlenarbeiterverbandeS an den Brauerei- arbeiterverband haben die Mühlenarbeiter eine besonders lebhafte Agitation betrieben, di« sich nun in einer größeren Zahl von Lohn- bewegungen kundgibt. Dadurch wurden aber auch die Scharfmacher in der Mühlenindustrie mobil. Zu den rabiatesten und rückstän- digsten im Lager der Unternehmer zählt der Inhaber der Hafen» mühle in Magdeburg. Seinen Arbeitern riet er. in den Kriegerverein oder in einen christlich.sozialen Verein zu gehen, nur nicht in den roten Verband. AIS die Arbeiter entgegen seinen Wünschen sich doch dem Verbände angeschlossen und später mit Forderungen an ihn herantraten. wieS er jede Verhandlung ab. Diese Verhandlung zwang die Arbeiter zur Aufnahme deS Kampfes. Im Verlaufe des Kampfes brachte die„Mühle", ein Unternehmer- organ,«ine Notiz, in der gesagt wird, daß der Brauerei- und Mühlenarbeiterverband eifrig an der Arbeit seien, alle Mühlen- arbeiter zu organisieren und Willkürlichkeiten gegen die Arbeit- geber zu unternehmen. Die Mühlenbesitzer der Provinz Sachsen hätten sich deshalb gleichfalls zusammengeschlossen und sich gegen. seitig verpflichtet, vertragsbrüchig gewordene oder ausstandige Mühlenarbeiter nicht einzustellen. Die Notiz schließt mit der Auf. forderung an die Mühlenbesitzer: Man stelle daher möglichst nur Leute ein. die dem Verbände nicht angehören, oder suche seine Ar- beiter zu bestimmen, dem Verbände den Rücken zu kehren, sonst ist es mit dem Frieden in der Mühle unter allen Umständen vorbei. So steht also dem Verbände der Arbeiter noch ein erhebliches Stück Arbeit bevor, um die Scharfmacher zu besserem Einsehen zu bringen. Mit Herrn Bergmann wird jetzt die Probe in den von ihm provozierten Kampfe gemacht. Zuzug nach der Hafen- mühle ist nach wie vor fernzuhalten. Tarifvertrag in der Mühlenindnstrie. Mit den Mühlen in Erlangen und F o r ch h e i m schloß der Brauerei, und Mühlenarbeiterverband nach mehreren Verhandlungen Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtsBuchdr.u.VcrIagsanftaIt einen für die Arbeiter günstigen Tarifvertrag ab. Die erste Ver« Handlung fand vor dem Gewerbegericht in Erlangen statt. � Die Unternehmer als Mitglieder deS„Arbeitgeberverbandes der bayerischen Mühlen" wurden vertreten vom Syndikus des Snddeutichcn In- dustriellenverbandes D r. K u h l o. Zu einer Einigung kam es auch dort nicht, weil Dr. Kuhlo erklärte, das Ergebnis� erst der Unter- nehmerversammlung unterbreiten zu müssen, diese entschied dann, nur um 1,59 M. den Lohn bei vierjähriger Tarisdauer zu erhöhen, alle weiteren Forderungen aber abzulehnen. Das Endergebnis war jedoch ein besseres für die Arbeiter. Bei dreijähriger Tarifdauer wurde neben der Lohnerhöhung mich eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 9� Stunden erreicht. Regelung der Somilagsruhe und Bezahlung sämtlicher SonntngSarbeit, und zwar mit 59 Proz. Aufschlag, Bezahlung der Ueberstunden und der nicht gewährten Pausen mit 25 Proz. Ausschlag, Urlaub von drei Tagen ohne Lohnabzug und noch einige andere Verbesserungen. Die Ar- beiler dieser Mühle sind fast vollzählig organisiert, deshalb waren diese Erfolge trotz des Arbeitgeberverbandes möglich. ZZusUnd. Die Wiener Konfektionsstückmeister haben die von uns letzthin gemeldeten provisorischen Vereinbarungen abgelehnt. Eine große Gehilsenversammlung erklärte, daß vor Wieder- aufnähme der Arbeit auch ein Vertrag der Stückmeifter mit dem Schneiderverband geschlossen sein müßte. Streik der Wiener Theaterarbeiter. Die Wiener Theaterarbeiter, welche im KartellverhälwiS mit dem Wiener Musilbunde stehen, haben wegen Nichtbewilligung ihrer Forderungen seitens der Theaterdirektoren den Streik beschlossen. Die Bühnenarbeiter des Kart-Thcaters, des Tbeaiers an der Wien, des Raimund«, des Apollo- und des Lustipiel-TheaterS wollten gestern abend in den Streik treten. Die Direktoren dieser Theater haben fich nach Streikbrechern umgesehen. Hus Industrie und RandcL Bom Kalisyndikat. In der Gesellschaftsversammlung de? Syndikats am Sonnabend berichtete der Vorstand, daß sich der Mehr- abiay der Syndikaiswerke im Jahre 1919 gegen das Jahr 1999 auf 8 499 999 M. belaufe. Das amerikanische Syndikatsgeichäft hat sich im vorigen Jahre außerordentlich günstig gestaltet. Obgleich die außersyndikatlichen Werke für elwa 25 999 999 M. Kalisatze unter Zugrundelegung der Syndikatspreise»ach den Bereinigten Staaten lieferten, ist das Syndikat in seinem Absatz gegen 1999 nur um 4 Millionen zurückgegangen. Im Geschäft nach den übrigen tranS- atlantischen Ländern, wie Südamerika, Westindien, den Hawai- Jnseln. Ceylon und Australien konnte ein Mehrabsatz von 1 Million Mark für diese Gebiete erzielt»Verden. Die europäischen Länder brachten einen Mehrabsatz von etwa ll'/z Millionen Mark; dieser kommt in erster Linie auf Deutschland, Holland, Franlreich, Italien, Rußland. Skandinavien. Spanien und England. Aus der Zementindustrie. Ende vorigen Jahre? ist die lang an» gebahnte Konventionsbildung der süddeutschen Werke mit den mittel» deutschen und hannöverichen perfelt geworden. DaS bis jetzt fehlende Glied dieser Bereinigung— die Portland-Zementfabril Elm— hat nun ihren Beitritt zum Süddeuticheu Zemenlsyndikat vollzogen. Der Verband setzt nach der üblichen Syndikalpraxis die Preise der Waren und die Beteiligungsquoten seiner Mitglieder fest, gestattet jedoch, selbstvctständlich unter Einhaltung der festgesetzten Preise, den einzelnen Fabriken, in den Wertbewerb zu treten. Für die Ueberschrritungen der Beteiligungsquote haben die betreffenden Werke eine Abgabe an die Verbandskasse in der horrenden Höhe von 1 bis 2,59 M. für daS Faß von 179 Kilogramm zu entrichten. Englische Kapitalsanlage im Ausland. Die Technik ber englischen Einkommensteuer ermöglicht es, sich ein Bild von den Anlagen Englands im Ausland zu machen. Es betrugen die Bruttoerträgnisse im Fiskaljahr 1998/99 1919 Millionen Ljtrl. Von dieser Summe fließen fast 9 Proz. aus Kapitalsanlagen im Aus- land(1885/86 erst 39 Millionen Lstrl). Es entfallen auf fremde Staatsanleihen 32,29, auf fremde Eisenbahnen 23 Millionen Lstrl. und der Rest auf Privatunternehmungen. Von den Staatsanleihen erbrachten über 1 Million Lstrl.: Japan(2 247 865), Kanada, Kap- kolonie, Argentinien(1376 599), Brasilien, China und Australien. (Siehe auch 3. Beilage.)) Versammlungen. Die Wahlen zum Kaufmannsgericht waren Gegenstand der Be> sprechung in einer öffentlichen Versammlung von HandlungS- gehilfen und.gehilfinnen. die der.Zentralverband" zum Freitag. abend in den„Sophiensälen" einberufen hatte. Dr. Oskar Cohn hielt einen Vortrag über das Thema:„Der Kampf um das Kausmannsgericht"; er hob besonders hervor, wie sehr es auf die grundsätzliche Haltung der Kaufmannsrichtcr ankommt und wie sehr die Gehilfen Ursache haben, solche Vertreter zu wählen, die den Gegensatz der Interessen zwischen den Prinzipalen und den Ge- Hilfen klar erkannt haben.— Der zweite Referent zu demselben Thema, Martin Meyer, machte es sich zur Aufgabe, die gegnerischen Verbände und ihre Bestrebungen zu charakterisieren. — Beide Referenten traten energisch für die Zulassung der F r a u en zu den Kaufmannsgerichten ein. Die Versammlung war sehr stark besucht und spendete den Vortragenden lebhaft Beifall. In der Diskussion traten Redner verschiedener Verbände auf und versuchten eine Rechtfertigung gegen einzelne Anklagen; sie lösten aber oftmals nur Heiterkeit aus. Die Redner des Zentralverbandes sparten mit der Kritik der anderen Organisationen nicht, legten die Bestrebungen ihres Ver- bandes dar und forderten zum Eintritt in denselben auf Die wei- tere Aufforderung, bei den Wahlen zum KaufmannSgericht für die Kandidaten des Zentralverbandes einzutreten, fand die Zustimmung der großen Mehrheit der Versammelten. Lritztc Nachrichten« Der mutmaßliche Mörder des Rittmeisters v. Krosigk. Hannover. 21. Januar.(W. T. B.) Der Arbeiter Wilhelm Fischer hat bei seinem heutigen Verhör durch den Unter» suchungSrichter der 19. Division auch diesem gegenüber die Erklärung abgegeben, daß er mit dem Mord-n dem Rtttmcister v. Krosigk mchtS zu tun habe. Die Untersuchung gegen S'sch" durch die Militärbehörde wird besonder- deshalb fortgesetzt. weil sich Verdachtsmomente ergeben haben, daß er eventuell alS Mitwisser der Tat in Frage kommen könnte. Die Telcgraphendröhtc durchschnitte». Pari?, 21. Januar.(W. T. B.) Heute nacht wurden in der Nähe des Bahnhofes le Bonrget 35 Drähte der internationale» Telcgraphcnlinie PariS— SoissonS zerschnitten. Durch Salzsäure vcrbranirk. Paris, 21. Januar.(Pr.-Tel.) Beim Abladen von Schweicl. säurrballons ereignete sich in einer Straße des nördlichen Paris ein schwerer Unfall. Ein Ballon zrrsprang und die herumstürzende Säure verletzte drei Passanten lebensgefährlich» so daß sie inS Krankenhaus gebracht werden mußten. Paul Singer A Co., Berlin SW, Hierzu 5 Beilage». it.«.. W.wM-. i. Ktilage des Drivlirts"§ti\\m Poltelilatl. Die Moaditer Vorgänge vor dem Schivurgericht. Zehnter Tag. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung führte Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld unter anderem aus: Nach den erschöpfenden Darlegungen des Rechtsanwalts Heinemann bleibt mir nur übrig, einige Worte über die Tätigkeit der Kriminalbeamten zu sagen, derjenigen Beamten. die nicht mit dem Säbel ausgerüstet sind, die aber mit ihren Stöcken nicht weniger feindselig gegen das Publikum gewütet haben wie die uniformierten Beamten mit dem Säbel. Die Kriminalbeamten kamen nach Moabit, ohne daß man weitz, wer sie gerufen hat. Zeitungsberichte über die Unruhen sollen den Anlaß gegeben haben, daß Kriminalbeamte nach Moabit geschickt wurden. Wer diese Zeitungsberichte veranlaßt hat, das haben wir nicht erfahren können. Die Antwort auf unsere Frage, ob diese Berichte von der Polizei herrühren, ist vtn den Beamten verweigert worden. Wir können also mit der Mutmaßung rechnen, daß es die Polizei selbst war, welche durch diese Pretzberichte die Entsendung der Kriminal- beamten gab. Dadurch, daß die Uniformierten und die Kriminal- beamten ohne Zusammenhang miteinander arbeiteten, ergaben sich die eigenartigsten Zusammenstöße. Haben wir doch gehört, daß ein Kriminalbeamter in Arbeiterkleidung von seinen uniformierten Kollegen verhauen wurde. Andererseits sind uns aber zahlreiche Fälle bekundet worden, wo Kriminalbeamte ohne Anlaß aus ruhige Leute unbarmherzig einschlugen. Wir haben gehört, daß sich Kri- minalbeamte hinter einem Gerüst versteckten, als ob sie Verbrechern auflauern, und daß sie aus dem Hinterhalt jeden Vorübergehenden überfielen und mit Knüppeln auf sie einschlugen. Wenn auch im allgemeinen die Kriminalbeamten und die uniformierten Schutz- lcute gesondert operierten, so haben wir doch auch Einzelbilder ihres Zusammenwirkens gesehen. Beide Kategorien von Beamten haben gemeinsam auf Straßenpassanten eingehauen. Also der Stock, der Ochsenziemer des Kriminalbeamten und der Säbel des Schutzmanns beherrschten die Straße. Es wird bezweifelt, daß die Lcute, welche bei ihrer Prügelarbcit beobachtet wurden, Kriminal- beamte waren. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme müssen wir sagen: Es waren Kriminalbeamte. Natürlich hat keiner seine Marke vorgezeigt. Es wird doch kein Beamter, der Ausschreitungen begeht, dafür sorgen, daß seine Persönlichkeit festgestellt werden kann. Aber wir haben Zeugenaussagen genug, aus denen mit Sicherheit hervorgeht, daß die Zivilpersonen, welche zum Teil unter den Augen der uniformierten Schutzleute das Publikum verprügel- ten, Kriminalbeamte waren. Wir können also sagen. Kriminal- beamte und uniformierte Schutzleute haben das Gegenteil von dem getan, was man von der Sicherheitsbehörde erwarten muß; sie haben nicht für die Sicherheit gesorgt, sondern sie haben die Sicher- heit gestört. Das ist nicht erst nach dem 20., sondern schon vorher passiert. War es doch an einem der ersten Tage, wo der Zeuge Karpel von seinem Sohne gefragt wurde:„Bater, ist das die von Gott verordnete Obrigkeit, die so dreinhaut?" Von Anfang an ist ein provokatorisches Verhalten der Beamten und der Arbeits- willigen zu konstatieren. So haben wir die verschiedensten Gründe, aus denen sich die Erregung der Bevölkerung erklärt. Nur wenn man das alles berücksichtigt, wird man den Angeklagten gerecht werden können. Der Verteidiger geht auf die von ihm vertretenen Einzelfälle Trau, Brubn und Bonnet ein. Er faßt das Ergebnis der Beweis- ausnehme dahin zusammen, daß auch in diesen Fällen von Land- fricdenSbruch keine Rede sein kann.— Hat doch auch die„Kölnische Zeitung" geschrieben: Die Angeklagten sind nicht angehende Dan- tons und MaratS, sie sehen nicht aus wie Aufrührer, sondern wie Leute, die sich an einer Jahrmarktsprügelci beteiligt haben, bei der nicht politische Gründe, sondern lediglich Rauflust in Frage komme. Gewiß ist das so. Aber die Rauflust war nicht nur beim Publi- tum, sondern in viel höherem Maße bei der Polizei vorhanden. Während der ganzen Verhandlungen saß ja neben den Angeklagten die Polizei aus der Anklagebank. Sie war es, durch deren Verschulden einfache Uebertretungen zu Handlungen gestempelt wurden, die nun als Aufruhr und Land- friedensbruch verurteilt werden sollen. Sie, meine Herren Gc- fchworenen, sitzen ja hier nicht zu Gericht über die schuldigen Polizeibeamten... Vorsitzender Landgerichtsdirektor Nnger(unterbrechend): Sie � haben die Angeklagten zu verteidigen, Herr Verteidiger, nicht aber für die Schuld der Polizei zu plädieren. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Ich weiß wirklich nicht, wieso diese Unterbrechung notwendig war. Borsitzender: Ich habe schon die Bemerkung durchgehen lassen, die Polizei sitze auf der Anklagebank, kann aber weitere derartige Ausführungen nicht zulassen. Sie sprachen auch nachher von schul- digen Polizisten. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Ich sprach dabei von denjenigen Beamten, deren Vorgehen selbst vom Oberstaatsanwalt als Roheit betrachtet wurde. Ich wollte auf den Fall Hermann und andere Einzelfälle verweisen. Rechtsanwalt Heinemann: Auch ich bin gestern auf diese Weise unterbrochen worden. Diese Unterbrechungen, die immer wieder geschehen, muß die Verteidigung als eine Beschränkung der Ver- teidigung ansehen. Wir kommen bei diesen fortwährenden Unter- brechungen nicht dazu, so zu plädieren, wie wir es für notwendig halten. Borsitzender: Es ist meine Pflicht, nichts zuzulassen, was Außenstehende beleidigt. Rechtsanwalt Heine: Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld hat aus- drücklich betont, daß die Geschworenen ja nicht über die schuldigen Polizeibeamten zu Gericht sitzen. Als er die letzten Worte sagte, waren Sie allerdings, Herr Direktor, schon beim Reden. Sie haben sie deshalb vielleicht nicht beachtet. Es scheint mir deshalb wirklich angebracht, derartige Unterbrechungen erst vorzunehmen, wenn ein Satz zu Ende ist. Rechtsanwalt Dr. Heinemann: Ich beantrage einen Gerichts- beschluß. Die Verteidigung erblickt in den mehrfachen Unter- brechungen des Herrn Vorsitzenden, besonders bevor die Sätze aus- gesprochen sind, eine Beschränkung der Verteidigung. Sie erblickt diese auch in der letzten Unterbrechung des Rechtsanwalts Dr. Rosen- feld, als dieser sagte:„Die Geschworenen sitzen nicht über die schul- digen Polizeibeamten zu Gericht." Oberstaatsanwalt Dr. Preuß: Ich halte das Eingreifen des Vorsitzenden für durchaus berechtigt und für notwendig. Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Unger verkündet nach kurzer Beratung den Gerichtsbeschluß: DaS Gericht hält die Unterbrechungen für notwendig und durch die Sachlage geboten. Rechtsanwalt Rosenfeld setzt seine Rede fort: Sie, meine Herren Geschworenen, können ja nur indirekt ein Urteil über das Verhalten der Polizei abgeben. Wollen Sie ausdrücken, daß Sie als Bürger empört sind über die hier festgestellten Taten von Polizeibeamten, dann können Sie das nur durch die Freisprechung der Angeklagten von Aufruhr und Landfricdensbruch. Würden Sie die Angeklagten dieser Straf- taten schuldig sprechen, so würden Sie Unschuldige verurteilen. Bringen Sie in Ihrem Wahrspruch zum Ausdruck, daß Sie erkannt haben, wer die Schuldigen dafür sind, daß in Moabit Blut ge flössen ist. Rechtsanwalt Dr. Herz plädiert für den Angeklagten Fitzner. Er führt aus, daß diesem weder Aufruhr noch Widerstand nachgewiesen sei. Gegen die Glaub- Würdigkeit des den Angeklagten belastenden Schutzmanns Kugler spreche der Umstand, daß dieser von den Mißhandlungen, die dem Angeklagten auf dem Kohlenplatz widerfahren sind und an denen nach Angabe des Angeklagten der Schutzmann selbst sich beteiligt hat, nichts gesehen haben will. Justizrat Leonhard Friedman» führt in längerer Rede unter anderem aus: Die Ansichten darüber, unter welchen Umständen Landsriedensbruch und Aufruhr vorliegt, sind selbst unter den hervorragendsten Juristen sehr verschieden. In diesen Streit der Meinungen haben die Geschworenen nicht ein- zutreten. Sie stehen im praktischen Leben, ohne die juristischen Finessen zu kennen und werden deshalb auch besser in der Lage sein, zu beurteilen, ob hier die schweren Straftaten vorliegen, deren die Staatsanwaltschaft die Angeklagten beschuldigt. Es kommt einem ein Grauen an, wenn man bedenkt, daß ein und dieselben Handlungen, je nach der juristischen Definition, entweder als Land- sriedenSbruch und Aufruhr mit Zuchthaus oder als einfache Ncber- tretungen mit Haft oder Geldstrafe gesühnt werden können. Das aber ist die Aufgabe der Geschworenen, sich nicht an die Rechtsauf- fassung der Juristen zu binden, sondern als Männer des praktischen LebenS so zu urteilen, wie sie die Dinge sehen. Wenn die Ge- fchworenen so an die Rechtsfrage herantreten, dann werden sie sie nicht wegen Landfriedensbruchs und Aufruhr verurteilen können. Zu den gestrigen Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Heinemann habe ich im Einverständnis mit ihm zu erklären, daß er keineswegs gemeint hat, wir wollten die Moabiter Vorgänge als eine einzige große Ausschreitung der Polizei hinstellen und daraus folgern, daß die Polizei in Moabit überhaupt nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes gehandelt habe. Eine große Zahl von Ausschreitungen ist erwiesen. Das läßt sich nicht aus der Welt schaffen. In all diesen Fällen liegt keine rechtmäßige Amtsausübung vor. Es ist nun außerordentlich schwierig, zu sagen, in welchen Fällen die Be- amtcn in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes handelten. Die Präsumption, daß die Beamten immer rechtmäßig handeln, solange das Gegenteil nicht erwiesen ist, kann hier nicht aufrecht erhalten werden. Wir erwarten deshalb von der Staatsanwaltschaft den Nachweis, daß in jedem der hier unter Anklage stehenden Fälle die Beamten sich in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befanden. Diesen Beweis kan» die Staatsanwaltschaft nicht führen. Der Verteidiger würdigt hierauf die Beweisaufnahme in den Fällen der Angeklagten Orllowski, Rohde, Scharfenberg und Minor. Er weist nach, daß sich die Genannten nicht im Sinne der Anklage, sondern höchstens eines groben Unfugs schuldig gemacht haben. Oberstaatsanwalt Preuß nimmt das Wort zu einer Entgegnung auf die Ausführungen der Verteidiger. Er sagt u. a.: Auch Rechtsanwalt Heinemann habe Licht und Schatten nicht gleichmäßig verteilt. Es heiße doch die Dinge auf den Kopf stellen, wenn gesagt werde, nicht die Ange- klagten, sondern die Beamten hätten sich des Landfriedensbruchs schuldig gemacht. Es sei auch nicht richtig, daß es sich hier um Fälle handelt, die unter anderen Umständen vor dem Schöffen- gericht, hier aber wegen der Moabiter Ereignisse vor dem Schwur- gericht verhandelt werden. Die Staatsanwaltschaft habe diese Dinge von vornherein so beurteilt wie jetzt. Was die Ausführungen des Justizrats Friedmann betreffen, so liege doch von vornherein für jeden verständigen Menschen die Vermutung nahe, daß sich ein Beamter in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befindet, solange nicht das Gegenteil nachgewiesen ist! Ich lehne es daher ab, den von der Berteidigung verlangten Beweis zu führen, daß die Be- amten sich in jedem einzelnen Falle in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befanden. Die Beamten befanden sich in der Aus- Übung des Schutzes des Eigentums und in der Abwehr von An- griffen auf Personen. Es kann also kein Zweifel sein, daß alle Beamten, die mit den Angeklagten in Verbindung kamen, sich än rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befunden haben. Wenn die Beamten die Waffe auf Befehl ihrer Vorgesetzten gebrauchen, dann liegt immer Rechtmäßigkeit vor, selbst wenn der Befehl des Bor- gesetzten nicht rechtmäßig gewesen sein sollte. Ich spreche allerdings nicht davon, daß ordnungswidrige Aufträge der Vorgesetzten ge- geben wurden. Es ist von der Erregung der Beamten gesprochen worden. Die hier in Frage kommenden Beamten waren nicht erregt. Die Vor- gänge werden so hingestellt, als wenn es sich lediglich um Dumme- jungenstrriche handelt, wenn es so wäre, dann könnte ich mir nicht erklären, daß diese Dummejungenstreiche tagelange Angriffe aus Arbeitswillige und Polizei, Zertrümmerung von Läden und Restaurationen zur Folge haben konnten. Daß alles sind doch keine Dummejungenstreiche. Hier liegt nach dem Gesetz„zweifellos" der Tatbestand des Aufruhrs und Landfriedensbruch vor. Daß die Loeweschen Arbeiter, als die Fabrikpfeife ertönte, sogleich wieder an die Arbeit gingen, das spricht nicht dagegen, daß es sich nicht um ernste Vorfälle gehandelt hat. Verlangt denn die Verteidigung für den Tatbestand des Landfriedensbruchs und Aufruhrs, daß Barri- laden gebaut werden, daß Bomben knallen. Gewehre und Revolver in Aktion treten und Häuser in Grund und Boden demoliert werden? Die Geschworenen werden sich als praktische Männer sagen, daß das Gesetz soviel nicht verlangen kann. Es wird be- hauptet, die Schutzleute hätten an dem Angeklagten Cieslick einen Mordversuch verübt. Ja, hat denn Cieslick den Säbelstich nicht be- kommen, weil er sich den Beamten widersetzt und die Menge ihm dabei geholfen hat? Auch im Fall Hermann kann man nicht von Mord reden! Was die Lockspitzelei betrifft, so halte ich durch die Aussagen des Kriminalkommissars Kuhn für erwiesen, daß von Lockspitzelei im Auftrage und mit Wissen der Polizei nicht die Rede sein kann. Freiwillige Lockspitzel kann man der Polizei aber nicht an die Rockschöße hängen. Sorgen Sie, meine Herren Geschwo. renen, dafür, daß Ordnung Ordnung und Recht Recht bleibt. Schaffen Sie sich kein eigenes Recht. Wenn Sie die Angeklagte» Vorpoltengefeckte. Der Streit, den ich mit Genossen Ströbel vor einiger Zeit über das Wesen des Humors führte, hat ganz ohne meine Schuld bei einigen Genossen Veranlassung zu Mißverständnissen gegeben. Bei seinem Versuch nämlich, mich einer unrichtig-proletarischen An- fchauung zu beschuldigen, schnitt Genosse Ströbel das Thema an, ob das Seelenleben des Proletariats etwas so ganz Eigenartiges und Geheimnisvolles sein sollte, daß es sich dem aus bürgerlichen Kreisen stammenden Dichter nicht erschlösse und umgekehrt auch die Psyche des Bürgertums nicht dem Verständnis des Dichters von proletarischer Herkunft.„Danach wäre", behauptete Genosse Ströbel,„zum Beispiel der Dichter der„drei gerechten Kammacher" kein Humorist, weil er nicht selbst Kammacher gewesen, und Ludwig Thomas prachtvolle Humoresken aus dem Kleinbürger- und Bauernleben wären„durch und durch schlechte Bücher", weil ja Thoma«tudio und Assessor gewesen!" Hieraus brauche ich natür- lich nicht einzugehen, weil ich nichts geschrieben, was zu dieser Begriffsverwirrung Anlaß geben konnte. Doch mache ich mir diese Auslassung zunutze, um noch einmal das Wesen des bürgerlichen und proletarischen Dichters zu beleuchten. Während wir einerseits die merkwürdige Tatsache erleben, daß das kräftige, einmütige deutsche Proletariat noch keinen Ueberfluß an bedeutenden Dichtern aus eigenem Blut hervorgebracht hat, nehmen wir andererseits den durch niemand zu verkennenden Ver- soll der bürgerlichen Kunst wahr, einen durch die gesellschaftlichen Verhältnisse bedungenen Verfall, der noch in seinem Anfangs- tadium zu sein scheint. Diesem Versall gegenüber können wir nicht „iders als k r i t i s ch austreten. Und wenn ich„wir" sage, meine tcki damit selbstverständlich die Genoffen, die entweder in bürgerlicher Umgebung aufgewachsen sind und als bewußt gewordene Menschen die proletarische Lebensanschauung zu der ihrigen gemacht haben, oder die aus den Kreisen des Proletariats hervorgegangen sind, einen Teil ihrer Bildung aber der bürgerlichen Kultur zu ver- danken haben. Ich wiederhole, daß diese„wir" uns in diesem Falle schwerlich anders als kritisch verhalten können. Die Vorbedin- gungen für die s ch ö p f e r i s che Tat, für die neue und pro- letarische Kunst, die wir erträumen— und erträumen dürfen—, wurzeln nicht und können auch nicht in dieser Gesell- � schaft wurzeln. Wo wir Sozialdemokraten die heutige Kunst, und' zwar auf breiterer Grundlage und wahrlich nicht nach der armselig- kleinlichen, pedantischen„Schönheitsmethode" der bürgerlichen Kunstkritiker zergliedern und einordnen, kritisieren wir sie nach demselben Maßstab wie die übrigen gesellschaftlichen Erscheinungen. So wenig wir das utopistische Steckenpferdchen reiten, uns einen .Zukunftsstaat" mit Duft unp Farben zu malen, wo die Aepfel ge- schält an den Bäumen hängen, die Hühner gekochte Eier legen und die Portionen Gänsebraten durch die Luft herangeflogen kommen, ebenso wenig verbrennen wir uns die Finger an einer Z u k u n f t s- k u n st. Eine Katze, die aus dem dritten Stock herunterfällt, kommt- durchweg wieder auf die Füße. Noch sicherer wissen wir, daß auch die dekadente Kunst von heute, wie viele Purzelbäume sie auch in der Luft beschreiben mag, durch den Sieg des Proletariats wieder auf die Füße kommen wird. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, jetzt schon mit einem großen Saltamortale über Jahrhunderte hin- wegspringen zu wollen. Der Unterschied zwischen der Menge der bürgerlichen Dichter und den paar proletarischen ist heute Haupt- sächlich noch einer der Lebensanschauung und weniger der� Tat. Aber mit dem prinzipiellen Unterschied, daß die Tat der bürger- lichen Dichter keinen Lenz in sich birgt, keine Verheißungen trägt, während die fast noch„tatenlose" Lebensanschauung der sporadischen, proletarischen Dichter die Saat einer gesunden Gcmeinschaftskunst für spätere Generationen enthält. Dies möchte ich, um nicht wieder neuerdings mißverstanden zu werden, an einem Beispiel illustrieren. Kunst ist der Ausdruck unbedingter Liebe und Hingebung für die Menfchheit. Sie ist nicht die Auslassung eines bestimmten In- dividuums für sich selbst, sie kann nicht anders gedacht werden, als wie ein schönes Geschenk für die Allgemeinheit. Nehmen wir ein- mal an, daß heute ein Dichter die höchste Tat— die des großen Dramas, wie einst in der griechischen Blüteperiode— zu vollbringen trachte, w o ist dann das freie Volk, zu dem dieser Dichter im Namen neuer Ideale, Hoffnungen und Lebensanschauungen sprechen könnte? Wo steht als architektonisches Kunstganzes das für die All- gemeinheit errichtete Gebäude? Wo sind die Maler, die aus Liebe zur Allgemeinheit dieses architektonische Ganze mit Symbolen der Eintracht, des Friedens und der Arbeit schmücken? Wo ist alles das. wo ist das Zusammenwirken von Architektur. Malkunst. Musik. Bühnenkunst. Gebärdenspiel, um das dichterische Wort für ein froh- mutig lebendes Volk zu einem harmonifchen Ganzen zu gestalten? ... Natürlich nirgends. Wenn morgen der begabteste Dichter mit den heiligsten Absichten und aus tiefster Begeisterung für die Wünsche und Forderungen seines Volkes aufstände, würde er sofort lahmgelegt durch die Macht der herrschenden Klasse, die nur den Klang bezahlt, der ihr angenehm und dienlich ist. So liegen alle die gesunden Vorbedingungen für eine gesunde freie Volkskunst unter dem tötenden System des Gelderringens und des Lohndienstes begraben. Wenn man von bürgerlicher Seite behauvtet. daß dieses Kunstverlongen zu den„Utopien" gehört, dann kann man schon heute mit einem Lächeln auf das moderne Proletariat verweisen, das in feinem politischen und ökonomischen Zusammenhalten die prächtigsten Taten gemeinsamen Schaffens zeitigt, das Tag für Tag Helden hervorbringt, die sich ohne viel Auffehen. nur aus Gemeinschaftssinn für ihre Kameraden opfern, um ein„utopistischcs" Ziel zu erreichen. Das Solidaritätsgcfühl der Arbeiter aller Länder beruht nicht nur auf schöneren, tieferen, intensiveren Ge- fühlen, als die beste Kunst von heute sie bieten kann, es ist mit- samt der proletarifchen Lebensanschauung der einzige Kompatz in die Zukunft. Die kapitalistische Gesellschaft hat auf dem Gebiet der Kunst, die das Beste der Menschheit vertreten soll, alles edle Zusammenwirken, das Zusammenwirken aus reinen und hehren Motiven, vernichtet. Sie hat Künstler..gezüchtet"» die entweder untergehen im Ringen um die tägliche Existenz oder im LuxuS des Erfolges noch bei Lebzeiten sterben. Weil das an so vielen Beispielen dargelegt werden kann, sind Beweise überflüssig. Kann es heute sihoi: rein-proletarische Dichter geben? Schwerlich. Wir entrinnen, keiner von allen, dem Milieu, in dem wir geboren sind. Wie seltfam es auch klingen mag: die besten proletarischen Geistesprodutte liefert die sozialdemokratische Presse. Die söge- nannten fozialistischen Journalisten haben ein eigenes Terrain, ein eigenes Publikum. Sie stehen mitten in den Vorposten- gefechten. Sie sind die Tiralleure. Und die„Nur-Künstlcr", die für das Proletariat Wikken, gehen entweder in der kapita- listischen Gesellschaft mit Ketten an den Beinen umher, wie die englischen Galeerensklaven, oder erwecken den Eindruck der„Halb» heit", weil sie, um leben zu können, sowohl für die Bourgeoisie als für das Proletariat produzieren müssen. Es ist eine Zeit tragisch>.r Zufcnnmenstöhe, in der wir leben. Das Schicksal dcS sozialistischen Künstlers, des abhängigen Dichters, der sich als er- lvachtcr Mensch an das Proletariat zu wenden trachtet und seinen Rücken beugen muß vor dem anderen Teil, ist mit den tragischen Zusammenstößen aufs engste verquickt. Wie jeder Proletarier, wie jeder Lohnarbeiter, weiß er, daß er nur die Morgenröte eines Tages sieht, der ihm niemals leuchten wird.... Aber dennoch ist, verglichen mit'der Menge bürgerlicher Dichter, jeder, der in dieser Ucbergangspcriode kritisiert und analysiert, ein überglücklicher Manu. Es ist würdiger, besser, preisenslverter, dem Tod mit einem Lächeln entgegenzugehen, als blind, mit einem Tuch von den Augen, sich selbst und anderen weihzumachen, daß es keinen Tod gibt, und daß in dieser Zeit von wirklicher K u n st die Rede sein kann. Die Tat des prole» tarischen Künstlers ist eine Tat wachmachcnder Uebergangs» k u n st, der scharfen Kritik und der Propaganda— die deS bürgerlichen Künstlers ist---- Selbstbetrug. Wie kann der bürgerliche Künstler die Seele des Proletariats kennen� lernen, wenn er von Jugend auf in einer veralteten Lebensanschauung aufgewachsen, nur mit äußeren Augen das Proletariat lvahr- nimmt? Uebcr diese Dinge lässt sich nicht theorctisieren. Es gibt einen Richter, eine höhere Instanz: das Proletariat selbst, daS Proletariat mit seinem gesunden Verstand, seinem Enthusiasmus und seinen Empfindungen. Das denkende Proletariat empfindet intuifiv, welcher Dichter zu ihm gehört und welcher nicht..DaS Proletariat fragt nicht, ob ein Dickter Bankier. Offizier oder Ilick. schuster gewesen ist, es fragt nach der Seele, seiner Seele. ES fragt nach keiner pbotographischen Kunst, nickt nach Realismus. nicht nach Naturalismus noch Romantik, es sucht die Kunst, die seine Kunst ist. Das Proletariat macht von selbst einen Unter- schied zwischen dem Wesen des bürgcrlickicn und proletarischen Künstlers, und wir alle, die an den Vorpostengefechten teilnehmen. haben, ohne uns durch bekannte Namen und gängige Meinungen narren zu lassen, den Weg zu gehen, der uns der rechte zu sei» scheint, in derselben Weise, wie andere Genossen daS auf poli« tifchem und ökonomischem Gebiete tun. H«in, Sperber- freisp�eisien ttütFeit, weil S?e glauben, Vatz die Polizei in vielen Fällen»Unrecht getan hat, obwohl Sie von der Schuld der Ange- Nagten überzeugt sind, so würden Sir damit einen unheilbaren Schaden anrichten. Sie würden damit dem Mob das Recht geben, über die Straße zu vcrfüc?cn und nach Gutdünken Leben und<3k- sundhcit anderer zu bedrohcv- Rechtsanwalt Heine führt im Anschluß hieran aus: Ich verlange von den Geschworenen keine Freisprechung gegen das Gesetz. Stur fordere ich, daß sie prüfen, ob das, was vorgekommen ist, under die schweren Gesetz- destimmungen fällt, die die Staatsanwaltschaft auf die Angeklagten anwendet. Aus diesen Gründen haben wir auch keine glatte Frei- sprechung von Ihnen verlangt, sondern Ihnen nnheimgestellt, nach dem allgemeinen Rechtsgesühl und dem normaien bürgerlichen Rechtssinn zu entscheiden, ob es nicht richtig isi� die hier vorliegenden Straftaten als groben Unfug oder als Werfen mit Steinen nach Menschen aufzufassen. Diese Frage ist in der Tat aktuell! Aus demselben Gefühl herans, aus dam der Oberstaats- anwalt sag�-: Geben Sie nicht die Straße dem.Mob preis, könnte ich sagen, geben Sie nicht die Strafte derartiMn Ausschreitungen preis, die von Schnbleuten gegen«ehrlose Bürger begangen werden, bloß deshalb, weil diejenigen, welche die Gewaltakte be- gehen, Uniform tragen und den Säbel führen. Aber ich will gar nicht mit solchen Momenten operieren. Hier handelt es sich nur darum, ob die Angeklagten sich bewußt fein n luftten, daß sich die Beamten in rechtmäßiger Ausübung ihres Amts befanden. Wenn die Ausschreitungen der Schutzleute damit entschuldigt werden sollen, daß sie über Angriffe, die tagelang vorher auf einzelne ihrer Kollegen ausgeführt wurden, erregt waren, dann sind doch die An- geklagte» erst recht zu entschuldigen. Denn die vielen Ausschrei- tungen der Polizei waren ihnen bekannt nnd zum Teil sind sie selbst mißhandelt worden. Es ist doch gewiß ein mildernder Um- stand für die Angeklagten, wenn die Beamten so den Kopf verloren haben, wie es uns hier in vielen Fällen bekundet worden ist. Nach der Ansicht des Oberstaatsanwalts i'l der Schutzmann immer in berechtigter Amtsausübung. Und nun sollen die, denen der Schädel gespalten ist. nachweisen, daß keime berechtigte Amts- ausübung vorlag! Das Verhalten der Beamten im Falle Cieslick nennt der Oberstaatsanwalt, ohne mit der Wimper zu zucken, eine berechtigte Ausübung des Amtes! Vier Schustleute hatten mit dem Manne zu tun. Andere Schutzleute waren in nächster Nähe. Der Widerstand dieses schrecklichen Mannes, der ihm übrigens gar nicht nachgewiesen ist, bestand darin, daß er sich ausstemmte, und um diesen Widerstand zu brechen, soll der furchtbcrreSübelstich berech- tigt gewesen sein! Da sehen Sie, meine Herrien, wie so ein Be- amtcr gestellt ist. Wenn schon der OberstaatSnnwalt solche An- sichten vertritt, wie werden dann erst die Polizeübeamten selber über ihre Befugnisse denken. Die Stellung des Beamten, die ihn unter Umständen zum Herren über Leben und Gesundheit der Bürger macht, hat das eine Korrelat, nämlich die Verpflichtung des Beamten zur Äußersten Selbstbeherrschung und Ruhe. Der Staat hat den Beamten die Waffe gegeben in dem Vertrauen, daß sie nur im äußersten Not- falle gebraucht wird. Nun haben wir aber gesehen, wie sich die Be- amten betragen haben. Wenn ein Beamter einen am Boden Liegen- den schlägt, dann müßte man ihm die Waffe nehmen und sie vor seinen Augen zerbrechen. In ruhigen Zeiten höflich sein, das ist kein Kunststück. Aber der Beamte soll gerade in kritischen Situa- tionen zeigen, daß er über die nötige Ruhe und Kaltblütigkeit ver- fügt, die von ihm verlangt werden mutz. In dieser Hinsicht aber haben die Beamten in großer Zahl völlig versagt. Unser Publikum ist im großen und ganzen pvlizeifromm. Wenn nun die Leute sehen, daß durch Borgänge, wie wir sie hier kennen gelernt haben, ihr Vertrauen zur Polizei getäuscht wird, dann ist die Erregung des Publikums erklärlich. Das muß man aber auch den Angeklagten zugute halten; sie können mildernde Umstände in Anspruch nehmen, auch wenn sie nicht selbst durch Mißhandlungen getroffen worden sind, sondern es genügt, daß ihnen diese Dinge zur Kenntnis ge- kommen sind. Gegenüber den Ausführungen der Staatsanwalt- schaft halte ich meine Behauptung aufrecht, daß die Maßnahmen Polizei vollständig sinn- und kopflos waren. Freilich, wenn amn sich einbildet, daß man einem Feind gegenübersteht, und dabei nicht einmal die Kriegsregel befolgt, daß Frauen, Kinder und Greise geschont werden müssen, dann kann man sich nicht wundern, wenn solche Dinge vorkommen. Der Oberstaatsanwalt sagte: In jedeni Falle, wo Vorgesetzte den Waffengebrauch befahlen, hätten die Beamten rechtmäßig gehandelt. Das trifft durchaus nicht zu. Die Befugnisse auch der Vorgesetzten über den Waffengebrauch find durch das Gesetz, vor allem durch das Strafgesetz, begrenzt. Danach darf man die Waffe nicht anders als im äußersten Notfalle ge- brauchen. Soll man denn wirklich einem Polizeileutnant das Recht einräumen, sich über das Gesetz hinwegzusetzen? Wenn er den kleines feuilleton. Die gcsttudhcitsschädlichen Stoffe bei der Margarinefairikation. In der letzten Nummer der„Deutschen medizinischen Wochenschrift' veröffentlicht Prof. Dunbar, Direktor des hygienischen Instituts in Hamburg, feine Untersuchungen über Margarine, die ans die jüngsten uiassenhaft ausgetretenen VergistungSfälle durch Margarine«in volles Licht werfen. Als Ursache der Erkrankungsfälle erwies sich demnach mit unzweifelhafter Sicherheit das Kardamomöl. ein über England aus Indien importiertes Fett. An Hunden in Mengen zu l'/, Gramm versüttert, Tief der Rohstoff noch Ablauf einer halben Stunde Erbrechen hervor. Vorher schon sahen die Hunde trank aus und zeigten krankhafte Zusammenzichungen der Bauchmuskeln. Daneben wurde in den letzten beiden Jahren auch Mowrahol zur. Herstellung von Margarine verwendet, das aus Brassiaiamen hergesielll wird. Wurde zerriebener Samen dieser Pflanze an Hunde verfüttert, so erbrechen sie letzteren. Dasselbe Aussehen, Geruch und Farbe sowie chemische Zusammensetzung wie das Kardamomöl hat das Marattifett, das ebenfalls bei Hunden Erbrechen hervorrief. Die gesundheitsschädliche Margarine ge- steht zu mehr als 50 Proz. ans Marattifett, das bei einer Menge von 3 Gramm einverleibt, bei Hunden heftige Magendarmstörungen erzeugte. Aus diesen Befunden erklären sich ungezwungen die vor- gekommenen Massenerlrankungen. Denn eine Person verzehrt pro Tag durchschnittlich 30 Gramm Margarine, womit die geringste 5'itig wirkende Dosis schon überschritten ist.'Prof. Dunbar sucht die Ursache der beklagenswerten Vorkommnisse in der heftigen Konkurrenz, die gerade in der Margarineindustric herrscht. Während eine Margarine erster Qualität im Detailhandel zu etwa 90 Pf. pro Pfund verkauft wird, sehen sich die Fubri- kauten veranlaßt, um der Konkurrenz die Spitze bieten zu können, Produkte herzustellen, die für 57 Pf. im Detailhandel verkaust werden. Aus solchen Gründen heraus wird nach immer billigeren Fetten gesucht und neuerdings wird sogar die Mowrahbutter, die bisher nur in der Seifen- und Kerzenfabrikaiion verwendet wurde, zu einem Nahrungsmittel gestempelt. Auch kann eS den Fabrikanten in den Sinn kommen, einen Zusatz zu verwenden, dem eine noch verhängnisvollere Wirksamkeit innewohnt als dem Marattifett! Musik. �as Schauspiel von ArturSchnitzler:„DieLiebelei" ist von Franz Neumann als Oper komponiert und am Freitag jn der Komischen Oper zum ersten Male aufgeführt worden. Das Spiel von der schlichten Musiterstochter Christine und ihrer raschen Hingebung an den jungen Mann, der halb I'ebt, halb liebelt und infolge einer früheren Liebelei im Duell fällt, darf wohl als bekannt borausgesetzt werden. Ebenso die Stellung, die es sich in der modernen Theaterliteratur als ein sozusagen klassisches Stück errungen hat. Es liegt in der großen Linie, die vom„bürgerlichen Drama' des 18. Jahrhunderts über Hebbel und Ludwig zu Ibsen und von da noch ungewiß weiterführt. Die Entwickelung zur schlichten Natürlichkeit erfolgte in der Qp.ep vjel später als im Dramg, Äus Mjkijierender Fürstenglorie Befehl gibt: Haut zu auf Fliehende, auf Wehrlose, auf Frauen«nd Kinder, soll man selbst dann noch annehmen, daß die Beamten, die solchem Befehl folgen, in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes handeln? Wir� haben ja hier einen Fall gehört, wo ein Polizei- ofsizier den Befehl zum rechtswidrigen Waffengebrauch gegeben hat. Ueber die Frage der Lockspitzelei will ich nicht reden. Aber ich muß ein Wort einlegen für die Zeugen der Perteidiguug. Sie sollen nach Ansicht des Oberstaatsanwalts zum Teil einen erregten Eindruck gemacht haben, deshalb nicht glaubwürdig sein. Meine Herren, Sie haben diese Zeugen hier gesehen. Ausgeregt waren nur zwei von ihnen, der Herr Oslath und Frost. Das war begreiflich, denn sie sind empört über die Vorwürfe, die gegen ihre Glaub- Würdigkeit sowohl im Vorprozeß, wie in der Preise erhoben worden sind. Diese beiden Zeugen hatten ja zunächst Sympathie für hie Polizei. Und doch wurden sie sofort als unglaubwürdig hingestellt. als sie die Polizei belasteten. Dieses Versahr«, gegeu unständige, ehrenhafte Männer ist gar nicht scharf genug zu brandmarke». Man darf sich nicht wundern, daß diese Männer darüber erregt wurden. Aber daraus kommt es an: als sie ihre Beobachtungen machten, waren sie vollkommen ruhig. Es kann also keine Rede davon fein, daß die Erregung die Aussagen dieser Zeugen beeinflußt hat. Wenn nicht so viele Moabiter Bürger ihre Beobachtungen hier an- gegeben hätten, dann würden wir ein ganz falsches Bild bekommen haben. Wir würden dann nur von Exzessen der Angeklagten ge- hört haben, aber nicht von Exzessen, die auf der anderen Seite verübt worden sind. Wer Recht sprechen will, muß sein Ange nicht nur auf die Einzelfälle, sondern auf das ganze Getriebe richten. Dazu ist hier Gelegenheit gegeben, dank dem Auftrete» der Zeuge«, die trotz der viele« Eiaschüchterungcn ihre Bekundungen gemacht haben. Wir haben zu den Geschworenen das Bertrauen. daß sie alles das«nbefangen würdig«, und in ihrem Wahrspruch zum Aus- druck bringen werden. Justizrat Friedman». tritt einigen Ausführungen des Oberstaatsanwalts entgegen. Rechtsanwalt Dr. Heinemann wendet sich gegen verschiedene Vorwürfe, welche der Oberstaais- anwalt in beziig auf die Ausführungen des Verteidigers erhoben hatte. Er sagt u. a.: Unrichtig ist die Behauptung des Oberstaats- anwalts, ich hätte vor der Strafkammer zugegeben, daß hier Land- friedensbruch vorliegt. Das Gegenteil habe ich gesagt. Wenn der Oberstaatsanwalt daraus hinweist, daß gegen Trau schon am L2. September die Beschuldigung des Landsriedcnsbruches erhoben wurde, so wird dadurch die Behauptung nicht widerlegt, daß hier in allen Fällen die schweren Anklagen mit Rücksicht auf die späteren Zusammenstöße mit der Polizei erhoben worden sind. All diese Fälle wären schließlich doch als ganz kleine Schöffensachen ange- sehen worden, wenn sich nicht die Dinge nach dem 26. September ereignet hätten. Ich erinnere daran, daß auch ein Teilnehmer an dem Streik der Handelsgesellschaft der Apotheker, ein gewisser Stock, zunächst wegen Landfriedensbrnch angeklagt worden war, dann aber vom Schöffengericht wegen Uebertretung gemäß dem An- trage der Staatsanwaltschaft selbst, verurteilt wurde. Der Ober- staatsanwalt lehnt es ab, den Beweis zu führen, daß die Beamten, welche hier in Frage kommen, in rechtmäßiger Aus- Übung ihres Amtes handelten. Die Staatsanwaltschaft lehnt eS also ab, zu beweisen, ob ein wesentliches Tatbestandsmerkmal des Landfriedensbruchs nnd Aufruhrs vorliegt. Das aber mutz die Staatsanwaltschaft beweisen, wenn die Angeklagten bestraft werden sollen. Da sie das nicht tut, so müssen die Angeklagten freigr- sprochen werden. Der Oberstaatsanwalt vertritt den Standpunkt, daß, wenn der Vorgesetzte den Wasfengebrauch anordnet, der untere Beamte die Waffe immer rechtmäßig gebraucht. Also wenn der Borgesetzte etwas Ungesetzliches anordnet, dann muß sich der Bürger das ruhig gefallen lassen! Ich kann mir nicht denken, daß ein Mann aus dem Volke dieser auch vom Reichsgericht neuer- dings vertretenen unrichtigen Ansicht zustimmt. Der Standpunkt des Oberstaatsanwalts schlägt aller bürgerlichen Freiheit so sehr ins Gesicht, daß ich glaube: so etwas kann sich der Bürgerstolz nicht gefallen lassen. Ucbrigens haben ja die Beamten in den aller- meisten Fällen, die hier bekundet worden sind, selbst nicht behauptet. daß sie auf B e f e h l die Waffe gebraucht haben. Wenn der Ober- staatsanwalt nun sagt, in all diesen Fällen sei auf Befehl von Offizieren die Waffe gebraucht worden, so werden sich wohl die Offiziere gegen diesen Angriff des Oberstaatsanwalts verwahren müssen. Denn hier ist die Waffe zu Unrecht gebraucht worden. lDer Oberstaatsanwalt macht die Zwischenbemerkung, er habe von solchen Fällen nicht gesprochen.) Der Verteidiger schließt mit der Ausführung, daß Sie Tatbestandsmerkmale des Landfriedrnsbruchs und des Aufruhrs hier in keinem Falle vorliegen. Die Geschwo- renen würden einen unheilbaren Schaden anstiften, wenn sie sagen, daß Aufruhr vorliegt, wo die Bevölkerung so gereizt worden ist herausgewachsen, kannte die Oper bisher das Schlichtnatürliche hauptsächlich nur als„komische' oder„Konversations'-Oper. Ihre Erhebung zum musikalischen Drama durch Richard Wagner ging ganz ausgesprochen ins Stilisierte, der unmittelbaren Wirklich- keit Ferne. Der Vers herrscht nahezu einzig, nur das„trockene" l„Secco-) Rezitativ war schon seit langem eine Vorbereitung von Neuem. Bekommen wir nun endlich eine Oper unseres eigenen Gegenwartslebens, wielleicht gar eine des ArbeiterlebenS, und vor allem eine„Prosa'-Oper? Man möchte kurzweg sagen:„Unmöglich!" Die Vertonung des gesprochenen Satzes gibt ihm ein solches Gewicht, daß AlltagSreden ganz unkomponierbar scheinen. Aber ehe sich die äsihet'schen Be; denken durch Künstlertat beschämen lassen, tun sie mindestens gut, die vorhandenen Anfänge des Neuen vorsichtig zu beobachten. Jetzt sehen wir wieder: wird Unbedeutendes mit Gesangs- und Orchester- Wucht ausgestattet, und müssen längere Auseinandersetzungen mit dem verweilenden Zug aller Musik kämpfen, so dürfte dies der Tod der neuen Richtung sein. Franz Neumann kommt um derartige Nachwirkungen des Aelteren in das Jüngere keineswegs ganz herum, und der noch immer herrschende Mangel einer Dämpfung des Orchesters tut das Seinige hinzu. Aber der Komponist hat vor allem den glücklichen Griff getan, manchmal das Orchester zum Sange schweigen zu lassen, und verfügt über eine abgestufte Reihe vom hochgehenden Operngcsang bis zum Sprechton. Den Sington aber ganz zu verlassen, wie eS diesmal vielleicht nicht vom Komponisten, sondern von der Regie angeordnet war, scheint uns doch völlig verfehlt zu sein, da dadurch der gestellten Aufgabe ganz einfach nur aus- gewichen ist. Daß unser Komponist reichlich die leichtfüßige Heiterkeit der Liebelei mit der schweren Wucht der tragischen Liebe verflicht, daß er seine Baßinstrumente tief in den Schicksalsabgrund hinunter- wühlen läßt, daß er in solchen musikalischen Illustrationen geschickter ist als in der musikalischen Plastik selbst: all das ist nicht schwierig festzustellen. Die Partie der Christme legt er von vornherein tragisch, wohl z u tragisch an, zutreffend am meisten in der über sie gebreiteten Scheu. Maria Labia ist eine viel zu große Tragödin, als daß sie da in einer anderen Richtung ginge. Die Leidenschaftlichkeit ihres Abschlusses erhebt sich zu einer geradezu denkwürdigen Größe. Es war die letzte Premiere des von uns scheidenden Direktors Gregor. Sie gab so wenig Gelegenheit zum Künsteln, daß unser Rückblick auf sein mehrjähriges fruchtbares Schaffen in Berlin sich zu einer freud'gen Anerkennung abrunden kann. Er hat im ganzen nach einer Vernunft des musikalischen Dramas gestrebt. Jjy Hause der Komischen Oper wird sein Werk vor der Operette weichen. Sein Regisseur M. M o r i s will es in einem zukünftigen Theater auf westlichem Stadtboden fortsetzen. Glück auf! sz. Humor und Satire. Brief eine» Landrats an den alten Kanal» rebellen v. Dallwitz. MmschenSkind! Wie host Du Dir verändert, seitdem sie Dir den Ministerhut aufgesetzt haben! Was hältst de für Reden im Sie hier. Soll sich dann jeder einzelne gefallen lassen, daß er von der Polizei so geprügalt werden darf, wie es in Moabit geschehen ist? Das Volk wird sich das Recht, sich zu wehren, wenn es gegen Gesetz und Recht verprügelt wird, nicht nehmen lassen. Wenn einige sich gegen wirkliche Ausschreitungen der Beamten wehrten, so liegt nichts weiter wie Notwehr vor. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld geht auf die Frage der Lockstzitzelei ein. Er führt u. a. aus: Zu meiner größten Verwunderung vertritt die Staatsanwaltschaft immer noch den Standpunkt, daß die hier bekundeten Fälle von Lockspitzelei Illusionen sind. Die Behauptung des Oberstaats- anwalts gründet sich einzig und allein aus die Angabe des Kri- minalkommissars Kuhn, nach der die beschuldigten Beamten unter Berufung auf ihren Diensteid die hier angegebenen Fälle von Lock- spitzelet in Abrede gestellt haben. Die Verletzung des Diensteides in solchem Fall ist nicht strafbar. Wollte die Staatsanwaltschaft wirklich Licht in diese Seite der Angelegenheit bringen, dann hätte sie die Möglichkeit gehabt, die betreffenden Beamten eidlich ver- nehmen zu lassen. Aber auch dann würde es sich ja immer nur um die Aussagen der Beschuldigten handeln, die keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben können. Der Oberstaatsanwalt sagt, frei- willige Lockspitzelei könne man der Polizei nicht an die Rockschöße hängen. Wir haben ja doch hier gehört, daß es Vigilanten gibt, die mit der Pelizei i» Verbindung stehen. Von diesen Leuten ist keiner gehört worden. Ist denn das Auftreten von Lockspitzeln etwas Neues? Kennt nicht die Geschichte die Fälle Jhring-Mahlow und die Lockspitzel« bei den Wahlrechtsdemonstrationen sowie bei dem Arbeitslosenkrawall im Jahre 1894. Die Lockspitzel können nicht von de« Rockschöße» der Polizei abgeschüttelt werden, sie bleiben daran hängen, auch wenn es der Polizei noch so unbequem ist. Wenn Sie, meine Herren Geschworenen, auch nur einen der Ange- klagten wegen Aufruhr oder Landfriedensbruch verurteilen sollten. dann würden Sie jedem einzelnen Polizeibeamten das Recht geben. nach seinem Gutdünken über die Straße, über Freiheit und Leben der Bürger zu verfügen. Nach einigen Ausführungen der Staatsanwälte P o r z e l t und Dr. S t e l z n e r zu den Einzelfällen der Anklage wurde die Perhandlung auf Montag 10 Uhr vertagt. Sie Aellchng-freignilie vor Gericht. Sechster Tag. Gestern wurde die Beweiserhebung fortgesetzt, sie kam aber nicht hinaus über die Sache des Angeklagten Hausdiener Hellwig, der der Polizeibeleidigung und der Aufforderung zur Begehung strafbarer Handlungen beschuldigt wird. Hellwig soll am 30. Oktober abends etwa um 9 in der Wiesen- straße, als ein Sistierter vorbeigeführt wurde, gerufen haben: „Pfui! Haut ihn!" Er wurde ergriffen in einem Hause, in das er hineingelaufen war. Der Angeklagte sagt, er sei da vorbei- gekommen und habe, weil die Leute plötzlich in das HauS hineinliefen, sich mit hineingeflüchtet. Gerufen habe er nichts.—Bors.: Weshalb liefen Sie denn so?— Angekl.: Aus Furcht, daß ich ge- schlagen würde. Verfolgt wurde Hellwig von drei Kriminalschutzleuten, die hinter dem Sistiertentransport hergegangen waren und ihn gedeckt hatten, aber einander nicht kannten. Alle drei bekunden, bemerkt zu haben, daß Hellwig jenen Ruf ausgestoßen habe. Eingehend werden sie vernommen, besonders über die Vorgänge bei seiner Verfolgung, bei der Hellwig blutig geschlagen worden ist. Kriminalschutzmann Behrend wollte als erster ihn festhalten, kam aber dabei zu Fall, so daß Hellwig in das Haus flüchten konnte. Während Behrend draußen sich aufraffte, wurde drinnen Hellwig von einem anderen Beamten festgenommen. Als er abgeführt wurde, ging Behrend in einer Entfernung von 60—80 Schritt hinterher.— Bors.: Sahen Sie, daß die Beamten, die ihn führten, ihn schlugen?— Zeuge: Nein. Die Festnahme gelang dem Kriminalschutzmann Mühlenbcck, der dem Flüchtling bis in das zweite Stockwerk deS Seitenflügels nachgelaufen war. Weder hatte Behrend den an ihm vorbei- stürmenden Mühlenbeck, noch Mühlenbeck den vor der Haustür hin» stürzenden Behrend bemerkt, obwohl der ihm geradezu den Weg versperrt haben muß.— Bors.: Noch eine Frage, die ja schon häufig an Sie gerichtet worden ist. Hellwig behauptet, er sei ge- schlagen worden.— Zeuge(zu Hellwig): Sie werden wohl noch wissen, daß, als ich zufaßte, von unten ein Stockschlag kam. Er traf Sie an die Stirn, so daß Sie bluteten— Bors.: Also das ist richtig!?— Zeuge: Ja, das ist richtig. ES folgten unS mehrere Landtag! Die Landräte sollen sich jede? politischen Drucke! ent- halten? Hast de Dir schon'n roten Schlips gekauft? In der nächsten Landtagssitzung hörn wir Dich die Arbeitermarseillaise ab l Du mißbilligst das agitatorische Auftreten der Beamten bei den Wahlen? Junge, bist Du'S noch, oder haben sie Dich unter» geschoben? Geh' nach Asien und laß Dich vom Kronprinzen erlegen! Gegen die Konservativen in Preußen willst Du mucksen? Kind, Du. verdirbst Dir ja in Deinen bisherigen Bekanntenkreisen alle Chancen als baldiger Versicherungsagent I Dallwitzchen, mach' keine Kinkerlitzchen, sei brav, ordentlich und fleißig und merke Dir: zu reden hast Du vielleicht manches, aber zu sagen hast Du nicht» l Deinem EntschuldigungSbeiuch baldigst entgegensehend bin ich, biS jetzt noch Dein Freund, Landrat von Ohne'vaß l Gottgewollte Kasten. Die Fran— Verzeihung, ich wollte sagen: Gemahlin eines vornehmen Rheinländers protestierte bei dem Zähler dagegen, daß sie mit ihrem Dienstboten in dieselbe Zählkarte L(HansbaltungsverzeichniS) komme. Leider obne Erfolg, da für jeden Haushalt unbgreiflicherweise nur eine Zählkarte B geliefert wurde. Die Eintragung deö HauS- haltS, der aus dem Herrn Papa, der gnädigen Frau, zwei Herren Söhnen, einem gnädigen Fräulein, einem Chauffeur, einem Diener und drei Dienstmädchen bestand, geschah nun folgendermaßen: 3 Herren, 2 Damen. 2 männliche Personen, 3 weibliche Personen. Die Zusammenstellung der Gesamtbevölkenmg erfolgt nach folgrnden Rubliken: 1. Bonner Borussen. 2. Rcgieningsreserendare. 3. Munster und Offiziere bis zum Leutnant abwärts. 4 Boll. _ i-Jugend'.) Notizen. — Kunstchronik. Die Berliner Akademie der Künste eröffnete am Sonnabend eine Ausstellung von Arbeiten ihrer Mit- glieder und geladener Gäste. Mit Sonderausstellungen sind der englische Radierer Brangwhn und unser Berlmer Architekt Ludwig Hossmann vertrete» — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag Dr. Ebelin g über Ferngelvräche über See; Misiwoch Prof. W. LaaS über die Werften und ihre EiurichUmgcn. —- Hubert v. Heyden, ein bekannter Tiermaler, der sich von aliweiberlicher Art mehr zum modernen Impressionismus durchgearbeitet hatte, ist in München gestorben. H. war 1860 in Berlin geboren nnd ein Schüler der Berliner Akademie, lebte aber seit Jahren in München als Mitglied der Sezeision. — Ein teurer Böcklin. Tie Berliner Nationalgalerie möchte, wie die„Magdeb. Ztg.' erfährt. BöcklinS Gemälde„Tritonen- ämilie' für 225 000 M. erwerbe». Böcklin hatte das köstliche Bild ursprünglich für die Galerie geschaffen. ES waren 15 000 M.Honorar ausgemacht. Aber der Ankauf wurde schließlich abgelehnt. Bor zehn Jahren konnte die Galerie do§ Bild wieder erwerben für 75 000 Mark, was ihr zu hoch schien. Und jetzt muß sie 225 000 Mark iahten. Mit solcher Weisheit werden unsere staatlichen Kunst« lamnilunaen verwaltet! Freilich ist ja der Böcklin immer noch geschenkt im Verhältnis zu Bodes Flora, die unS außer der inter- nationalen Blamage und inländischen Korruption auch an200000M. kostet. Personen. 5a vermutete?Z?. 5aF 5er'Hieb mir galt. Ich machte Hellwig sofort darauf aufmerksam: Merken Sie sich das, daß ich Sie nicht geschlagen habe!— Angekl.: Herr Mühlenbeck hat mich nicht geschlagen, das habe ich auch gar nicht gesagt. Aber ein anderer Beamter hat mich geschlagen.— Zeuge: Den anderen habe icy nicht gekannt, bis ich auf der Wache hörte, daß es ein Kriminal- bcamter war.— Rcchtsanw. Eohn: Sie haben den Schläger auch gesehen?— Zeuge: Nein! Der Hieb kam von hinter meinem Rücken.— lieber die Festnahme HellwigS macht Zeuge die Angabe, daß H. dabei die Hand erhoben habe, darum habe er, Mühlenbcck, sofort mit aller Kraft zugegriffen.— Staatsanw. Linde: Als Hell- wig die Hand erhob, sah das aus, wie wenn er Sie angreifen wollte?— Zeuge: Ja, als wenn er Widerstand leisten wollte. Er hob die Hand:„Was wollen Sie denn, ich habe ja gar nichts ge- macht!"— Angekl. Hellwig erklärt hierzu, er habe nicht Widerstand leisten, sondern den Schlag abwehren wollen.— Zeuge: Die Hand hob er, bevor er geschlagen wurde.— Rechtsanw. Cohn: Aber Sie sahen ja den Schlag gar nicht! Es ist ja möglich, daß Hellwig den Schlag kommen sah. Gegen ihn wurde er doch so geführt, daß er ihn kommen sehen mußte. An der Festnahme beteiligte sich Kriminalschutzmann Schaffra». Bei der Verfolgung ins Haus hinein sei neben ihm Mühlenbeck gewesen, den er noch gar nicht kannte. Hinter ihnen seien noch 3 bis S Personen gewesen, darunter eine Frau und ein Mann, der rief:„Wo ist der Schweinehund, der meine Mutter umgelaufen hat?" Auf der zweiten Treppe, bekundet Zeuge, stolperte ich und fiel, aber Mühlenbeck griff ihn. Ich sah, wie oben Hellwig mit hochgehobenem Arm stand.— Vors.: Auf der Treppe bekam Hellwig einen Hieb?— Zeuge: Ja, als er unten war, sah ich, daß er blutete. Ich hatte aber nicht geschlagen. Ich war ja ausgerutscht, ich blieb ja unten, ich kam ja erst zu, als Mühlenbeck ihn schon hatte. -- Vors.: Der Hieb soll gefallen sein, als Mühlenbeck ihn faßte. War noch einer hinter Ihnen?— Zeuge: Das kann nur einer von denen sein, die hinter uns waren.— Bors.: Also Sie haben ihn nicht geschlagen?— Zeuge Nein.— Bors,(zum Angekl.): Sie wissen auch nicht, ob er Sie geschlagen hat?— Angekl.: Ja, er hat mich geschlagen. Er sagte noch zu mir: Du bist gar nicht wert, daß man sich Deinetwegen die Hose zerreißt.— Zeuge Schafsran: Ich hatte gar keinen Stock.— Bors,(zum Angekl.): Das von der zer- rissencn Host haben Sie uns ja bis jetzt noch nicht gesagt— Zeuge Mühlcnbeck: Die Aeußerung hätte ich unbedingt hören müsien, wenn sie gefallen wäre.— Zeuge Bchrend: Auf der Wache zeigte ich meine zerrissene Hose. Es ist möglich, daß ich dort so etwas gesagt habe.— Zeuge Schafsran: Ich hatte keine zerrissene Hose. In der weiteren Vernehmung des Zeugen Kriminalschutzmann Schafsran wird die Frage erörtert, ob Hellwig von einem der anderen Verfolger geschlagen worden sein könne. Zeuge gibt an, die seien nachgekommen bis zur Hälfte der zweiten Treppe, wäh- rend Mühlenbeck gesagt habe, Hellwig sei auf dem Vorflur des zweiten Stockwerkes ergriffen worden.— Bors.: Dann war doch oben weiter keiner als Mühlenbeck und Sie. Da hat er doch aber den Schlag bekommen, dann muß es doch einer von Ihnen gewesen sein.— Zeuge: Ich bin es nicht gewesen.— Bors.: Der Angeklagte sagt selber, Mühlenbeck war es nicht. Wer war es denn dann? — Zeuge: Eine Person von unten muß es gewesen sein.— Bors.: Es war ja keiner da!— Zeuge: Sie kamen uns doch nach.— Bors: Ja, bis zum Podest. Aber von da sind es doch gewöhnlich noch so elf oder zwölf Stufen.(Zu Mühlenbeck:) Wie hoch sind denn da die Treppen?— Zeuge Mllhlenbeck: So sieben oder acht Stufen. — Der Zeuge Miihlcnbeck macht zu der Frage nach dem Schläger noch die Angabe: Unmittelbar hinter uns, etwa ein oder zwei Stufen von da, wo ich Hellwig festnahm, waren mehrere Personen. — Rechtsanw. Cohn: Hatten sie Stöcke?— Zeuge: Ja, das kann ich nicht sagen.— Rechtsanw. Cohn: Hatten Sie einen Stock?— Zeuge: Ja, hier habe ich einen.— Rechtsanw. Cohn: Auch am 29. Oktober?— Zeuge: Ja, auch.— Zwischen dem Verteidiger Rechtsanw. Cohn und dem Zeugen Mlihlenbeck entspinnt sich noch eine Erörterung darüber, was denn Zeuge sich bei dem Stockhieb, den er fallen sah, gedacht habe, und ob er vielleicht gemeint habe, daß er selber damit unterstützt werden solle.— Zeuge sagt: Na, in der Gegend sind die Leute nicht so liebenswürdig, einem zu helfen.— Rechtsanw. Cohn: Eben deshalb nehme ich an, daß es ein Bcamter war. Der Borsitzende macht der Erörterung ein Ende: Daß er oben einen Schlag bekam, wissen wir ja. Mehr als der Schlag interessiert uns das, was unten geschah, der Ruf:»Pfui! Haut ihn!" Ein Zeuge Rüdigkeit, der mit Hellwig durch die Wiesenstraße ging und kurz vor dessen Flucht und Festnahme neben ihm war, weiß über diesen Ruf nichts zu bekunden. Er sagt, beiden sei gar nicht bekannt gewesen, was da los war. Es Wird dann verhandelt über eine Reihe neuer Beweisanträge» die der Verteidiger Rechtsanw. Cohn schon am Schluß der Freitay- sitzung überreicht hat. Er benennt zu den einzelnen Punkten die Zeugen, im ganzen etwa 39. In den Anträgen wird ausgeführt: 1. Weder sind die Exzesse planmäßig geleitet worden, noch sind sie auf eine politische oder gewerkschaftliche Beeinflussung zurück- zuführen. 2. Zunächst ist das Publikum erregt worden durch das weithin sichtbare Eingreifen uniformierter Beamter in die verhältnismäßig untergeordneten Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis zwischen Morgenstern und den bei ihm beschäftigten Gesellen, wobei das die Erregung steigernd noch mitwirkte, daß das Publikum nach den über diese Streitigkeiten erfolgten Veröffentlichungen annehmen tonnte und muhte, daß das Recht nicht auf Seiten Morgen. sterns sei. 3. Unzweckmäßiges und gewalttätiges Verhalten von Polizei- organen hat selbst in Personenkreisen, die zu Exzessen durchaus nicht neigten, Erbitterung hervorgerufen, wodurch auch sie zu Aus- brächen der Entrüstung veranlaßt werden mußten. Namentlich hat die Polizei am 29. Oktober um die Zeit des Ladenschlusses und auch schon Tags zuvor zu Zeiten, wo Hunderte von Personen auf dem Wege von und zu der Arbeit waren, die Passanten von den Straßen vertrieben, wobei auch ohne ausdrückliche Anweisung der Borge- setzten von den uniformierten Beamten blank gezogen und von ihnen wie von den Kriminalbeamten eingeschlagen wurde. Ins- besondere geschah dies von den hier als Zeugen benannten Polizei- beamtcn. 4. An Stellen, die nicht polizeilich abgesperrt waren und wo eine große Zahl von Menschen überhaupt nicht vorhanden war und wo auch keine Ausschreitungen vorkamen, haben Polizeibeamte, be- sonders die in dieser Sache als Zeugen benannten, einzelne Passanten, auch Frauen, mit groben Schimpfwortcn beleidigt, auf sie eingeschlagen und sie zum Teil erheblich verletzt. 5. Namentlich wurden auch Personen, die schon zu Boden ge- schlagen waren, noch mißbandelt, als sie wehrlos am Boden lagen. 6. In mehreren Fällen bestanden die„Exzesse" im Lärmen vnd Unfug von Kindern und halbwüchsigen Personen. Polizei- beamte antworteten darauf mit Angriffen mit der� Waffe, denen die wirklich Beteiligten sich mit Leichtigkeit entzogen, wonach auf Passanten und die vor den Häusern stehenden Personen einge- schlagen wurde. 7. Stark bewohnte Straßenzüge wurden rücksichtlos abgesperrt und Personen, die dort hingehen mußten oder von dort kamen, zu Umwegen genötigl. 3. Durch die Absperrungen, Schießereien und den Anblick der Mißhandlungen wurde auch die Erbitterung der Hausbewohner erregt. Daß die Ereignisse auf dem Wedding von Ende Oktober einen solchen Umfang und eine solche Schärfe annehmen konnten, bei verhältnismäßig geringfügigen Anfängen, daran trägt die Polizei den größten Teil der Schuld. Gegen diese Anträge wendet Stnatsanw. Brüning ein: Zu 1: Das sei in der Anklage nicht behauptet, sei auch uner- heblich für die Beurteilung der Straftaten. Zu 2: Es seien in dem Antrage keine bcweiserheblichen Tat- sachen dahin behauptet, daß die Polizei vor Ausübung von Gewalt- tätigkeiten eingegriffen habe; auch tönne von den Zeugen nur ein Urteil darüber abgegeben werden. Uebrigens behaupte die An- Per mtwortlicher Redakteur: Richard Barth» Berlin. Für den klage selber dies als strafmildernd, es könne daher als wahr unter- stellt werden. Zu 3, 4. 5: Das seien keine Beweisanträge, sondern Ermitte- lungsanträge. die erst die Ermittelung von Tatsachen bezwecken. Zu 6: Bei Aufruhr müsse fest zugegriffen werden. Zu 7: Zweck der Absperrung sei eben, bestimmte Wege zu ver- legen. Zu 8: Das sei ein Ermittelungsantrag: die Zeugen würden auch nicht Tatsachen bekunden, sondern nur Urteile vortragen. Rechtsanw. Cohn beantragt schließlich noch Ladung eines Zeugen, der bekunden werde, daß am 29. Oktober, nachmittags um MiS oder 2 ein vor Morgensterns Laden stehender fünfjähriger Junge von einem Schutzmann geohrfcigt worden sei. Derselbe Zeuge werde bekunden, daß abends zwischen V28 und 8 in einem Lokal der Scherer- und Adolfstraße vier Herren die Gäste in ein Gespräch über den Streik zogen und sich später vor dem Lokal als Kriminalbeamte zu erkennen gaben. Zwei dieser Herren habe Zeuge nachher in der Menge bemerkt und einen habe er rufen hören:»Hier ist doch nicht Moabit! Dir Weddingcr Jungen sind besser! Haut doch die Blauen in die Fresse!"— Auch gegen diese Anträge macht Staatsanw. Brüning Einwendungen. Das Gericht tritt in die Beratung über die Bcweisanträge ein, wird aber den Beschlutz erst am Montag verkünden. Hierauf wird die Sitzung auf Montag �10 Uhr vertagt. Gerichts-Zeitung. Freigesprochene Streikposten Rechtlich interessant und in der Praxis veachtenSwerk ist der Ausgang eines Prozesses gegen zwei Streikposten Schreck und Rasche, die zurzeit des Metallarbeiterstreiks im Bezirk Hagen- Schwelm im vorigen Sommer in Haspe vergeblich von Polizei- beamten aufgefordert worden waren, weiterzugehen, das heißt die Nähe von Fabriken zu meiden, in denen gestreikt wurde. Die An- geklagten sollten die in allen Straßenpolizeiverordnungen wieder- kehrende Vorschrift der Oberpräsidialverordnung vom 11. Juli 1993 übertreten haben, wonach unbedingt den Anforderungen von Sicher- heitsbeamten Folge zu leisten ist, welche zur Erhaltung der Sicher- heit, Ordnung und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen und Wegen ergehen. Sie machten geltend, daß zur fraglichen Zeit, zwischen 6 und 8 Uhr morgens, noch gar kein Verkehr geherrscht habe. Vor der Strafkammer sagten die Polizeizeugen auS, daß sich mehrere Fabrikbesitzer an die Polizei gewandt gehabt hätten, weil Belästigungen Arbeitswilliger vorgekommen seien; sie(die Be- amten) hätten jedoch aus eigenem Ermessen die Angeklagten zum Weggehen aufgefordert, um Störungen, die sie befürchteten, vor- zubeugen. Das Landgericht in Hagen kam aber zur Freisprechung der An- geklagten auf Grund folgender Erwägungen: Es handle sich hier um zwei Fälle. Was den einen angehe, so habe der Beamte als Zeuge nur anführen können, daß mehrere Personen, die den Streikposten entgegen kamen, um diese herumgehen mußten. Das sei aber ein ganz natürlicher Vorgang, daß in einer schmalen Straße sich Per- sonen ausweichen müßten. Einen Grund für eine naheliegende Gefährdung des Verkehrs habe der Beamte nicht angeben können vor Gericht. Danach sei als festgestellt anzunehmen, daß der Beamte die Wegweisung nur ausgesprochen habe, weil er für eine „spätere Zukunft" eine Verkehrsstörung befürchtete und dieser vor- beugen wollte.— In dem zweiten Falle habe der Beamte zugeben müssen, daß sich außer zwei Streikposten nur noch 29 Arbeitswillige, diese am Fabriktor, auf der Straße befanden, abgesehen von einem Kraftwagen. Auch in diesem Falle müsse das Gericht nach der ganzen Sachlage annehmen, daß der Beamte nur mit einer Störung für eine spätere Zukunft rechnete und nicht einer alsbald bevor- stehenden Störung vorbeugen wollte. Unter diesen Umständen hätten die Angeklagten nicht der Aufforderung folgen brauchen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und der Vertreter der Oberstaatsanwaltschaft am Kammergericht machte geltend, daß das Landgericht in unzulässiger Weise die Zweckmäßigkeit der An- ordnung der Beamten nachgeprüft habe. Rechtsanwalt Wolfgang Heine als Vertreter der Angeklagten trat dieser Auffassung entgegen. Die Erwägungen des Landgerichts bezögen sich gar nicht auf die Zweckmäßigkeit, sondern auf den Zweck der polizeilichen Aufforderung. Mit Recht wende das Landgericht die Verordnung nicht an. Es sei eben keine„zur Erhaltung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs ergehende Aufförderung", wenn sie, wie festgestellt, sich gegen eine in späterer Zukunft irgend- wie mögliche Störung richte. Nur eine naheliegende Gefährdung könnte für eine Aufforderung im Sinne der Verordnung in Frage kommen. Das Kammergericht verwarf am Donnerstag die Revision der Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Wenn es auch die Zweckmäßigkeit der Anordnung nicht nachprüfen dürfe, so könne das Gericht doch den Zweck der Anordnung in den Kreis seiner Be- trachtungen ziehen und in der Richtung die ganze Maßregel prüfen. Das habe das Gericht getan und sei so zu der Feststellung gekommen, daß der Zweck nicht das augenblickliche BerkchrsbedürfniS war. sondern daß es sich um eme spätere Zukunft handelte. Man könne nun ja allerdings nicht sagen, daß die Sicherheit des Verkehrs erst dann gefährdet sei, wenn die Unsicherheit schon da sei. Es könnten wohl Anordnungen getroffen werden, die dahinwirken sollen, daß die Unsicherheit nicht erst ausbreche. Die Gefährdung müsse aber eine einigermaßen naheliegende sein. Das war nicht der Fall, die Freisprechung deshalb gerechtfertigt. Mutterelcnd'. Eine Anklage wegen Totschlages, die gestern bor dem Schwur- gericht des Landgerichts II verhandelt wurde, zeigte wieder einmal, in welche verzweifelte Lage eine Mutter, die unehelich geboren hat, bisweilen gerät. Die Angeklagte, Dienstmädchen Anna Wetter» gebar am 23. Mai 1919 in der Charite einen Knaben. Sie wurde schon nach 12 Tagen mit dem Kinde entlassen. Da sie absolut nicht wußte, wo sie mit dem Kinde hin sollte, wurde sie ganz verzweifelt und faßte in völliger seelischer Depression den Entschluß, sich und dem Kinde das Leben zu nehmen. Sie fuhr mit der Stadtbahn bis Niedcrschöncweide und ging durch den Wald, bis sie an die Spree kam. Am Wasser fehlte ihr jedoch der Mut, sich selbst umzubringen und sie entschloß sich, sich des Kindes zu entledigen. Sie band das Tuch, in dem das Kind eingewickelt war, fester und warf das Kind in großem Bogen nach der Mitte des Flusses hin und verfolgte es solange, bis es unterging. Die Angeklagte hat nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis abgelegt. Sie behauptet, daß sie sich über ihre Handlungsweise erst klar geworden sei, nachdem sie� die Tat begangen hatte. In ihrer Verzweiflung habe sie eine innere Gewalt gedrängt, das Kind in das Wasser zu werfen; sie habe sich im Fieberzustande befunden.— Medizinalrat Dr. Hossmann bekundete als Sachverständiger, dav die Angeklagte bei der Tat nicht bloß in einem Zustande hoch- gradiger Verzweiflung, sondern auch körperlich leidend gewesen sei und eine allgemeine Nervenschwäche zeige. Sie sei in erheblichem Matze als minderwertig anzusprechen, doch könne der 8 51 Str.-G.-B. nicht als vorligend erachtet werden.— Staatsanw.-Asscssor Schmidt beantragte hiernach das Schuldig wegen Totschlages.— Rechtsanwalt Leo Kempner bat die Geschworenen, sich nicht an den Wort- laut des Gutachtens zu halten, sondern die ganze Situation zu de- rücksichtigen und sich auf den rein menschlichen Standpunkt zu stellen. Hier sei ein Mädchen in körperlich schlechtem Zustande so Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts kurze Zeit nach 5er Entbindung rak- und hilflos aus der Anstalt entlassen worden, das Fieber habe in den Knochen gesteckt, das Gefühl vollständiger Verzweiflung und Vereinsamung habe ihr den Entschluß aufgedrängt, mit ihrem Kinde gemeinsam zu sterben uno wenn sie dann die schreckliche Tat verrichtete, die sie jetzt vor das Gericht gebracht, so sei sie dabei offenbar im Zustande der Unzu- rechnungsfähigkeit gewesen.— Die Geschworenen verneinten die Schuldfrage, so daß die Freisprechung der Angeklagten erfolgte. Zum Bereinsrecht. Einen Strafbefehl über 69 M. hatte der Gewerkschaftsbcamte August Gebert erhalten, weil er am 39. September 1919 zu Velten im Lokal von Gehricke eine öffentliche politische Versammlung ohne polizeiliche Anmeldung veranstaltet haben sollte und dem zu dieser Versammlung erschienenen Wachtmeister Rudloff keinen angemesse- nen Platz angewiesen hatte. Genosse Gebert erhob hiergegen Ein- spruch. In der Verhandlung vor dem Spandauer Schöffengericht bestritt er, daß die von ihm einberufene Versammlung eine öffent- liche und politische gewesen sei. Schon der Wortlaut des Inserats in der„Brandenburger Zeitung" spreche gegen diese Annahme. Danach seien nur die Kutscher der Ofenfabriken und Geschäfts- kutscher Veltens eingeladen worden, um zu dem neuen Lohntarif Stellung zu nehmen. Die Ankündigung im lokalen Teil der Zei- tüng, die von einer öffentlichen Versammlung sprach, habe er nicht veranlaßt. Es seien in der Versammlung nur rein gewerkschaft» liche Fragen erörtert worden. Als der Gendarm eschien, habe er diesen auf den nichtöffentlichen Charakter der Versammlung auf» merksam gemacht und ihn ersucht, das Lokal zu verlassen. Dieser sei aber nicht gegangen, sondern habe in einem Nebenzimmer der Versammlung mit beigewohnt. Wachtmeister Rudloff gibt als Zeuge an, daß zu der Versamm« lung jeder Zutritt hatte, ohne daß eine Kontrolle ausgeübt wurde. Er habe das von seinem Platz, den er sich selbst gesucht habe, sehen können. In der Versammlung seien zunächst Lohnfragen erörtert und dann eine Abstimmung vorgenommen worden. Zum Schluß habe Gebert und ein Töpfer politische Ausführungen gemacht. Es sind Bemerkungen über die Königsberger Rede, drakonischen Gesetze, Kriegervereine usw. gefallen. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Schon aus dem Inserat, das sich nur an einen kleinen bestimmten Kreis von Wen- schen wende, gehe der nichtöffentliche Charakter der Versammlung hervor. Sie sei auch nicht politisch gewesen. Das ergebe ihr Verlauf und die Tagesordnung. Damit falle auch die Verpflichtung, dem Gendarm einen Platz anzuweisen. AuS einer Gemeindekassenverwaltung. Recht dörflich-idyllische Zustände scheinen in dem Kassentvesen der Gemeinde Gatow zu bestehen, wie sich gestern in einer Ver- Handlung vor der 4. Strafkammer des Landgerichts III heraus- stellte. Wegen Unterschlagung im Amte war der AmtSdirner Richard Horch angeklagt, während sich der Bureaugehilfe Kart Grundmann wegen einfacher Unterschlagung zu verantworten hatte.— Die beiden Angeklagten waren längere Zeit bei dem Ge- meindeamt Gatow an der Havel angestellt. Zu ihren Obliegen- heiten gehörte u. a. auch die Einziehung der durch Strafmandate festgesetzten Geldstrafen. Da hierbei jegliche Kontrolle fehlte, war es dem Angeklagten� Grundmann, ohne daß er eine Entdeckung zu befürchten hatte, möglich, wiederholt eingehende Geldbeträge nicht abzuführen, sondern für sich zu verwenden. Schon vor längerer Zeit entdeckte der Angeklagte Horch dieses Treiben. Er erstattete gegen G. Anzeige. Als er aber sah, daß Grundmann ruhig weiter im Dienst verblieb/ glaubte er, es käme nicht so genau darauf an und begann nun ebenfalls von ihm eingezogene Beträge zu unter- schlagen. Diese fortgesetzten Defraudationen wären vielleicht nie zur Entdeckung gekommen, da irgend eine Buchführung überhaupt nicht vorhanden war. Von den Angeklagten wurden nun ab- wechselnd Bauscheingebühren, Strafgelder und Amtskostenvorscküsse unterschlagen. In einem Falle fälschte Horch eine Blankoquittung des Ortsvorstehers, die er unter anderen Papieren gefunden hatte und zog damit den Betrag von 226 M. ein. Der Betrieb ging so flott, daß Horch sogar an seine Eltern einen größeren Betrag schicken konnte, welcher für ihn gespart werden sollte. Der Staats- anwalt beantragte gegen Horch 19 Monate und gegen Grundmann 5 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen Horch auf 9 Monate Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der Untersuchungshaft und gegen Grundmann auf Z Monate Gefängnis. Herr und Knecht. Vom Landgericht Elbing ist am 12. September ö. I. der Guts- bcsitzer Otto Stattmiller wegen gefährlicher Körperverletzung zu 399 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Nach den Feststellungen des Landgerichts lag der Sachverhalt folgendermaßen: Der Stall- schweizer L. holte Wasser aus der Küche und fragte dabei nach der Zeit. Da aber den Leuten verboten war, mit den anderen zu sprechen, fuhr der Angeklagte ihn hart an, stieß ihn vor die Brust und sagte, er könne gehen. L. beschloß, den Dienst zu verlassen. wollte aber erst noch einen Weg besorgen. Unterwegs trat ihm der Angeklagte entgegen und wollte ihn nicht weiter lassen. Da aber L. Miene machte, weiter zu gehen, schoß der Angeklagte ihm mit seiner Browningpistole in den Leib. L. schlug ihm darauf mit einer Stange, die er in der Hand hatte. L. schleppte sich mit Mühe in ein Haus und kam dann in das Krankenhaus. Die Heilung nahm längere Zeit in Anspruch. In Notwehr hatte der Angeklagte nicht gehandelt, da L. 4—5 Meter entfernt ruhig vor ihm stand und kein Angriff zu gewärtigen war. Die Tat wurde auf dem Gut Groß- Rödern begangen. Gegen dies überaus milde Urteil legte der Gutsbesitzer noch Revision ein. Das Reichsgericht verwarf am Freitag natürlich die frivole RechtSrüge. Mit dieser überaus milden Strafe von Roheiten eines Besitzers vergleiche man die drakonischen Urteile gegen ländliche Arbeiter. Zu bedauern ist. daß der Angeklagte nicht wegen versuchten Mordes oder Totschlags angeklagt wurde. Bremer Krawallprozesse. In später Abendstunde fällte am Freitag das Bremer Gericht das Urteil in 11 weiteren Fällen. Ein Angeklagter wurde frei» gesprochen, 19 zu einem bis zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde den Angeklagten voll in Anrechnung gebracht._ Die Juristen bis KnappschaftSvereinS erachtete die Staatsanwaltschaft als beleidigt. Sie erhob„im öffent- lichen Interesse" Anklage. Das Landgericht Bochum verurteilte am 13. Juni den Redakteur der..Bergarbeiterzeitung", Theodor Wagner, zu einer Geldstrafe von 1999 Mark. Er hatte in einem Artikel seines Blattes gegen die genannten Personen den Vorwurf erhoben, daß sie die Mitglieder durch gewisse Maßnahmen schüvigten. Der Schutz des§ 193 wurde ihm nicht zugebilligt, weil aus einer Reihe von scharfen Ausdrücken die Absicht der Beleidigung hervor- gehe.— Die Revision des Angeklagten, der Verkennung des§ 193 rügte, wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. Zwei Wochen Gefängnis für ein Menschenleben. Die Strafkammer in Schneidemühl verurteilte den Ziegelei- bcsitzer und Stadtrat Hermann Hoffmnnn wegen fahrlässiger Tötung eines Arbeiters zu zwei Wochen Gefängnis. In dem Lchmschacht des Angetlagteu wurde ein Arbeiter durch einen herabstürzenden Lchmblv�WHlagen. Das Unglück war vorauszusehen und von behördlicH�Sene waren mehrfach Warnungen an Hoffmann er- gangen, rechtzeitig Schutzmaßrcgeln zu treffen, was dieser aber U»terUe st____ )uchd�ck«!n utÄerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW. >••••••< 1867 '••eeee*«! Grosser Inventur-Verkauf von Montag, den 23. Januar bis Sonnabend, den 4. Februar a.c. Verkauf nur Jerusalemer Strasse 38-39, am Donhoffplatz. Der stadtbekannte enorme Erfolg unserer alljährlichen Inventur- Ausverkaufstage beruht auf den fabelhaft billigen Preisen bei nur bekannt guten Qualitäten, wofür der Jahrzehnte alte Ruf unserer Firma bürgt. Des zu erwartenden grossen Andranges wegen empfiehlt es sich, den Einkauf auch vormittags zu besorgen. 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Es genügt nicht mehr die allgemeine geschichtliche Darstellung der Kämpfe, die Arbeiter der einzelnen Berufe beginnen sich für die detaillierte Geschichte ihres Gewerbes zu interessieren. Gleichzeitig treten aber auch die Krafle auf. die eine solche Arbeit unternehmen können. Tic Per- trauenSmanner der Proletarier, die..berufsmäßigen Hetzer", über die der Bildungsphilister die Nase rümpft, werden zu Geschichts- forschcrn. Die vorliegende Geschichte der Bergarbeiter reibt sich ähnlichen Arbeiten über andere Berufe würdig an. Hue beginnt mit einer kurzen Zbiedergabe dessen, was kultur- historische Forschungen über die Verwendung von Stein und Metall in vorgeschichtlicher Zeit zu berichten wissen, schildert dann den Bergbau im Altertum und im Mittelalter und schließt den vor- liegenden ersten Band mit den Wandlungen, die sich in der Neuzeit, bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, vollzogen. Er beackert dabei insofern Neuland, als es wobl eine große Anzahl histo- rischer Schriften über den Bergbau, nicht aber über den Bergarbeiter gibt. Es galt also für Hue, aus den ihm zugänglichen Quellen das Material herauszuschälen, das sich auf die Arbeits- und Lebens» bcdingungen der Arbeiter bezieht, und dann die Wandlungen zu schildern, die in der Lage dieser Arbeiter sich vollzogen haben. So weit wir eS übersehen können, ist Hue dabei mit Scharfblick und kritischem Sinn vorgegangen, um das Korn historischer Wahrheit von der Spreu zu sondern. Auf diese Weise entstand ein überaus anziehendes Bild von dem Leben und Treiben der mittelalterlichen Bergleute, die als freie Männer ihrem harten Gewerbe nachgingen, in unwegsamer Wildnis den Bergschätzen nachspürten und dabei nicht nur mit der Natur zu kämpfen hatten, sondern auch stets bereit sein muhten. sich ihrer Haut zu wehren, sowohl gegen allerhand kleine Räuber und Gauner, als auch gegen die hochmögenden nicht minder räube- rischen Ritter. Auf der anderen Seite waren freilich auch die wehrhaften Bergknappen nicht immer die besten Brüder und manch ein Bauer und Bürgersmann ist ihrer Rauf- und Abenteuerlust zum Opfer gefallen. Ueber die Organisation dieser Bergknappen, über ihre Genossenschaften weiß Hue viel Interessantes zu berichten. Mit Recht, wie unS scheint, betont er, daß man durchaus nicht nach dem Beispiel Jansens das LoS dieser mittelalterlichen Bergknappen als besonders glänzend ansehen kann, denn es liegen Zeugnisse genug dafür vor, daß die meisten von ihnen nur ein kümmerliches Däfern führten..Bergmannsglück" traf wohl für einzelne ein, aber im ganzen war es ein harte» Leben. Dann kam die Zeit der kapr- talistischen Abhängigkeit: es galt den Bergbau unter immer schwerige- ren technischen Bedingungen aufzunehmen, dem Erz in großer Tiefe nachzugehen, wozu eS kostspieliger Anlagen bedurfte, um das Erz zu fordern, das Wasser und die Grubengase zu meistern. Jetzt trat der Kapitalist, als Eigentümer der Produktionsmittel, dem Berg- knappen gegenüber, dieser gelangte in wirtschaftliche Abhängigkeit. Damit trat auch eine Wendung in der sozialen Stellung der Berg- knappen ein. Früher hatten die Fürsten sie mit besonderer Gunst umworben, denn eS galt die kundigen Leute ins Land zu ziehen, die die Schätze zu heben wußten; deshalb gewährte man ihnen Schutz und manche Privilegien; jetzt dagegen galt es im Interesse der kapitalistischen Bergwerksbesitzer den.Uebcrmut" der Knappen I zu zügeln. Die dritte Periode war noch schlimmer: im 17. uno 19. Jahrhundert tritt ein Rückgang im deutschen Bergbau ein und -mS Los der Arbeiter wird dadurch ungünstig beeinflußt. Haupt- Ursache ist, daß die meisten Erzlager abgebaut waren; die tech- nischen Hilfsquellen genügten nicht, um die tiefer liegenden Erze zu gewinnen. Jedenfalls stiegen die Produktionskosten, die Nach- frage nach Arbeitskräften aber sank, die Bergherren suchten durch Lohndrückcrei ihren Profit zu retten. Dazu kam der fiskalische Raub: der absolutistische Staat plünderte Unternehmer und Ar- beiter und erschwerte durch seine bureaukratische Regiererei noch dazu die Lage. Das alles schildert Hue sehr genau unter Beibringung eines überreichen Tatsachenmaterials. Die kritische Bemerkung, die sich uns aufdrängt, ist dahin zusammenzufassen: weniger wäre cni- schieden mehr gewesen! Denn in erster Linie ist ja doch das Buch Hues für Proletarier bestimmt und da können wir die Befürchtung nicht unterdrücken, daß die Lektüre eines Bandes von 456 eng- gedruckten Seiten doch nur einem kleinen Teil der Bergarbeiter möglich sein wird. Aber nicht nur der Umfang dürste die Ver- breitung, die dem Buche zu wünschen wäre, erschweren, sondern diese Anhäufung von Einzelheiten mutz zweifellos auch dem Verständnis hinderlich sein. Selbst für Leute, zu deren Fach das Büchcrlescn ge- hört, liest sich dieses Buch nicht leicht: man muß höllisch aufpassen. um in der Masse von angeführten Tatsachen. Beispielen, Einzel- heiten den Faden nicht zu verlieren. Wie viel schwerer wird es ungeübten Lesern sein! Erklärlich ist ja das Verfahren des Genossen Hue sehr wohl: eS kam ihm darauf an. jede seiner Thesen mit aller Gründlichkeit zu beweisen, sein Werk gegen die Angriffe der Gegner wohl zu wappnen und auszurüsten. TaS wird ihm um so notwendiger erschienen sein, als er, wie gesagt, ein neues Gebiet bearbeitet. Indessen ist diese Gründlichkeit zu einer gewissen Gefahr geworden für das Hauptziel, die Verbreitung der Kenntnisse ihrer Geschichte unter den Bergarbeitern. Hue appelliert im Vorworte an die sachverständige Kritik: Deren Aufgabe sei es, seine Darstellung nachzuprüfen. Tachvcr- ständige im genauen Sinne des Wortes werden sich freilich nicht viele finden, denn das wären einzig die Spezialisten, die die Ge- schichte des Bergbaues zu ihrem Fachstudium machen. Aber auch wer nicht Fachmann in diesem Sinne ist, bemerkt alsbald, daß der Verfasser sich konsequent der Methode der materialistischen Geschichts- forschung bedient. Ueberall sieht man sein Bestreben, die Einzel- Vorgänge zu erklären durch die sozialen Zusammenhänge, deren entscheidender Faktor die sozialen Produktionsverhältnisse der ge- gebencn Zeit sind. Dadurch stellt sich Hue auf sicherem Boden und um so größer ist das Vertrauen, das man seiner Arbeit entgegen- bringt. J- Karst,. E. Dobrogeanu-Gherea, Neoiobagia. Oekonomisch- soziologische Studie de» rumänischen AgrarproblemS.(In rumänsicher Sprache.) Bukarest, Verlag Socec u. Co. 494 Seiten. Preis 3,50 Lei. Die Herausgabe dieser Schrift bildet die Einlösung eines alten Versprechens des Verfassers, des NestorS der rumänischen Sozialdemokratie. Sie ist eine gründliche Analyse der sozialdemokratischen Verhältnisse Rumäniens, vornehmlich der agrarischen, unter meister» hafter Anwendung der marxistischen Forschungsmethode. Deutsch ließe sich»Neoiobagia" etwa mit„Neuhörigkeit" oder„Neufron" wiedergeben. So dezeichnet Ghcrea die nun schon ein halbe? Jahr- hundert andauernde soziale Phase deS rumänischen AgrarsystemS, in der wohl formell bürgerlich-kapitalistische Rechtsnormen Herr- scheu, gleichzeitig jedoch, unter dem Druck der herrschenden Klassen— Grotzgrundbe sitzer und Beamtenbureakratie—, die Hörigkeit der Bauernschaft in verkappter Form fortdauert; so daß der rumänische„Neuhörige" unter den Nachteilen zweier ökono» Mischer Wirtschaftssysteme, des feudalen und des kapitalistischen, erdrückt wird, ohne deren Vorteile, die Fürsorge des Fronherrn und die Bewegungsfreiheit des Proletariers, genießen zu können. In trefflicher Art zergliedert Gherea die kompliziertesten sozialen Probleme und legt ihre verborgenen Grundursachen bloß, um dann die tollen Widersprüche im politischen, ethischen und kulturellen Leben Rumäniens auf ihre ökonomische Grundlage zurückzuführen, eben die Neuhörigkeit, ein unheilvolles Zwittersystem, daS bis nun von allen Regierungsparteien, im Interesse der herrschenden Cliquen, unter der MaSkc von Protektionsgesctzen für die Bauern» gestützt und gefördert wurde. Die Eitfwickelung steht jedoch nicht stille. Die Proletarisierung immer zahlreicherer Bauernmassen, das Wachstum der Städte und die unaufhaltsamen Fortschritte des kapitalistischen Regimes im allgemeinen untergraben unaufhörlich die Existenzbedingungen der rumänischen Neuhörigkeit, so daß bald keine noch so mächtige Schranke imstande sein wird, sie lebensfähig zu erhalten. Die Ab- kürzung dieses Prozesses aber ist Sache der Demokratie, der Sozial- bemokratie in erster Reihe. Durch Erwcckung und Kräftigung der städtischen und ländlichen Volksmasscn, durch Eroberung des allge» meinen, gleichen und direkten Wahlrechts vermag sie die baldig«! Beseitigung der schmählichen Ueberrestc aus der Feudalzeit anzu- bahnen und für die Entfaltung des kapitalistischen Regimes Platz zu schaffen. Dann wird sich auch das ländliche Proletariat den sozialistischen Bestrebungen und Kämpfen der industriellen Arbeiter verständnisvoll anschließen können. Bei der besonderen Bedeutung, welche dem Agrarproblem in Rumänien zukommt, sind die Ergebnisse der Ghercaschen Studie von größter Wichtigkeit für die rumänischen Genossen. DaS Buch wird aber nicht nur auf das Verhalten der rumänischen Sozial- demotratie in den agrarischen Fragen und die Parteitaltik im allgemeinen klärend wirken, sondern es wird auch durch seine popu- läre und leichtfaßlichc Tarslcllungsweise eine vortreffliche und ver- tiefende Propagandaschrift für den Sozialismus und durch seinen literarischen Gehalt, gleich den anderen Schriften Ghcrcas, eine wertvolle Bereicherung der rumänischen Literatur überhaupt bleiben.__ P. P, j WisiserftanvS-Nakv richten der Landesanstalt sllr Gewässerkmide. mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tllstt v r e g« l, Jnstrrburg Weichsel, Thor» Oder. Ratibor , Krassen , gransturt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm S l b e, Leilmcritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Lasserstand am 20. 1. om 114 109 199 Saale, Arochlltz Havel, Svanvaust , Rathenow') S p r«». Sorembergst, 108? , BrrStow! 178 Weser, Münden—23 , Mm den— Rhein, MlnämilianSau 334 , Kaub 183 . KSIn 207 R« ck a r, Hetlbronn 90 Main. Wertheu» 172 Mosel, Trier 103 fett 19. I. ora1) 4-1S +1 —1 — 48 +1 +13 —2 +« +1 st+ bedeutet Wuld«.—!iall.—*) tlnierdea«!—•) EiSstand.—■ unterhalb der Angerappbrücke Eisversetzung.— st eisfrei. Eraiifiiigung gewahren wir auf alle bei der lllVSllfllf zurückgesetzten Waren, welche teils unsortiert sind und teils nicht mehr weitergeführt werden.- Außerdem kommen noch große Posten erstklassiger Schuhwaren, welche nicht in vollen Sortimenten vorrätig sind, zum Teil sehr bedeutend ermäßigt zum Verkauf. Prozent 195 Einige Beispiele unserer enormen Preiswürdigkeit• 295-,- 390 Damen- Lederhausschuhe. Damen- Ober- Pürschuhe mit echt Lamm- feUfutter. Kinder- echt braon und schwarr Chevreatrc- Schnürstiefel mit Fleck. Or. 22—24. Kinder- Leder- Schnallenstirfel mit Fleck. Or. 22—24. Kinder- braun Ziegenleder- Ohrenschuhe. Or. 25—26. 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Neues Operetten- Theater: Die Glocken von Corneville. Weines Theater: Das Kind. Neues Theater: Tarlüff.— Die Ge- schwistcr. Neues Volls'Theater: Der G'WissenS- wurm. Abends 8'/» Uhr: ZkeueS Volks-Tbcater: Tolstoi-Feier. Hochschule sür Musil: II. Kammer- musikabend. NeueS Volks- Theater: Montag. Donnerstag, Freitag und Sonn- abend: Hanneies Himmelfahrt.— Der Tor und der Tod.— DienS- tag und Mittwoch: Der G'WissenS- wurm. Volks« Oper: Montag: Der Trou- badour. �essiux-TKestef. 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Zlbends 8 Uhr: Die Ratten. Montag 8 Uhr: AnatoU_ Berliner Theater. Täglich 8 Uhr: Bummelstndettten. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: _ DoppelnicnMch._ Neues Theater. Täglich: Der 6. m. b. H,-Tenor. Anfang 8 Uhr. Berliner Volksoper Belle-Alliancestrabe 7/8.—'1,9 Uhr: Die Doiiarprinzessin. Theater des Westens. 8 Uhr: Das Pappeninadel. Mittw u. Sonnab. 4 Uhr: Rothäppoheti. Sonntag 31/. Uhr: Ein Walzertraurn. Residcnz-Ttieaterr Direltion: Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. Pariser Men«. Drei Gänge von Georges Fehdeau und Vebcr-Zlbric. I. Gang:.52 Meter über Paris«, l Akt von Veber-Abric. 2. Gang;.Eine Nachtsttzung«, 1 Akt von Georges Fehdeau. 3. Gang:„Nach dem MäuSchen- ball", 1 Akt von Georges Fehdeau. Sonntagnachm.3Uhr:lIer EIeh Im Uhr. Trledrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, 22. Januar, abend? 8 Uhr: Die Erbtante. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Hofgunst. Dienstag: Die Erbtante. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der Feldherrnhügel. Nachm. 3 Uhr: vae Leutnantsmündel. OSE=THEATE Wroge Frankjurter Str.>32. Nachm. 3 Uhr(halbe Preise):( Sein SOndenregister. Sustsp. in 3 Akt. v. Friedmann Frederich Abends 8 Uhr: IB«i» OstrRos. Dramat. Gedicht in 5 Akten v. Schiller. Montag. Mittwoch, Freitag: Der Glticksichniicd. Dienstag, Sonn- abend: Dou GarloS�_ Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Montap: 8 Uhr: Dr. C. 6. Müller: Diamanten- und Goldgewinnung. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Eich. Hennig: Wegebau und Brückenbau. Kaiser-Panorama. Aj eu! Mittelmoer-Keise. Schloß Aohilleion. L W. Wintersport i. Oberengadin. Eine Reise 20PI> Kind nur tOPf. Abonnements 1 M. Tausende Abonn. Passage- Panoplikunil Lebend! Lebend! Da« blaue Weib; Ein Opfer wilder Barbaren, Prinz Atom: der kleinste Mensch aller Zeiten. Der Hann mit dem eisernen Schlund. Buddbas Wundertafel. Alles ohne Extra- En tree SclitS ler-Tlieater. Schiller-Theater 0. lWallnet-Theal). (Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Hh«*e. Schauspiel in 4 Akten v. Sudermann. Ende 5'/, Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Di.mnci auf Erden. Schwank in 3 Akten von JutiuS Horst. Ende 13 Uhr. Montag, abends 8 Uhr: Der Himmel auf Erden. Dienslag, abenos sUhr: Der Diminei auf Erden. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntag, nachm. 3Ubr: Prinz Friedrich von Rombnrg. Schauspiel in 5 Akten v. H. v. Kleist. Sude 6 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Vathan der Weise. Ein dramatisches Schauspiel in süns Ausz. v. G E. Lessmg. Ende 11 U. Montag, abends 3 Uhr: Dnsareniieher. Dienstag, abends 8 Uhr: Vathan der Welse. Bunter fröhlicher Abend Sonntag, 20. Januar, abends T1/, Uhr, im Gewerkschafts- hause, Engelufer 15. Leitong; nargarete Walkotte. Elise Zweillng(Altistin).— Frida Fischer (Rezitation).— Richard Kube(Tenor),— Heinrich Maurer(Pianist).— Alfred Westen (Komiker).— Margarete Walkotte. Billetts im Vorverkauf bei Herrn H o r s c h, Engelufer 15,> 50 Pf., an der Abendkasse 60 Pf. 286/11* Mitwirkende; Trianon-Theater. AbendS 8 Uhr: Hippolyte� Abenteoer. Berliner Ii Ih-Trlo, Fells Scheuer StralsuDderstr 1 Luisen-Theater. 3aif™: Hamlet. Trauerspiel in 5 Sitten n. Shakespeare. Abends 8 Uhr: Die Dosen lies Dem von Breiiow. Vaterländisches Schauspiel in 4 Akten von Wagner. Montag: Mudickes Reise«ach Indien. Dienstag: Millioncnjunge. mm Ans. 8 Uhr. Sori erkauf 11—2 Uhr. Zwei Schlager: �ine verloreae IVacdt. Br, 8le unä Br mit Anton und Donnt Herrnseld in _ den Hauptrollen._ Casino-Theater Lolbringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Das Original Berliner Volksstück Julie Wippchen. UrberlinerHumor! Urberliner Typen I Im Stile der ehem. Wallner-Bühne. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 3>/, Uhr: Weihnachten. freie Volksbühne. Freitag, den 27. Januar, abends SVz Uhr: Generals Versammlung im Qewerkschaftshause, Engelufer 15(großer Saal). Vortrag: Herr scimitsteiier Hermann Heijermans über: Naturalismus. Vfr* Sonntag, den 19. Februar, abends öVa Uhr, Vt lH IdT* t* in Kellers„Neuer Philharmonie", Köpenicker Straße. Kammermusikabend. Mitwirkende: Kammermusikquartett Dessau. Leitung: Herr Professor Bernhard Dessau, kgl. Konzertmeister. Frau Sophie Heymann-Engel, Konzert- und Opernsängerin. Herr Anton Sistermans, Konzert- und Oratoriensänger. Nach dem Konzert: Ball. Festm"k� �n0z�ieu1emProgramm 240/4 Der Vorstand. In Vertretung: G. Winkler. Sonntag, den SS. Januar ISII 2 grolle n Vorstellungen l\ Nachm. Uhr. abds.7'/,Nbr. Nachm. hat jeder Besucher I Kind frei unter 10 Jahren aus allen I Sitzplätzen, jedes weitere Kind I halben Preis. In beiden Vorstellungen: eDOD BEREITER KOXZERTHArS Maueretr. 82 Zimmerstr. 90-91 !!! Heute!!! M Konzert-Matinse"Ii,;-/!!«" Der große Conp der Sehmugglerj Zlomant. Pantomime in 4 Alten.| In beiden Borstellungen: Bplfr-BralT BrolT. Arkoni- Truppe(4 Pcrs.). j Berühmte Rcitersamiitc Clarke. Antonet u. Grock, die Urkomischen, j sowie die übrigen Nttraktione». Außerdem: 2 große KonzcrtSi Anfang'1,4 utr. 1 Ab 7 uhr: Gastspiel der,, Diavoli rossi di Pianella". Original Italien Harmonie-Orchester. Zum ersten Male in Deutschland I Foiies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Die abgetretene Frau. Waltiaiia-Tbeater. �RofenthTor.) Wcinbergsw. 20 Ansang H'lt Uhr: Janoar-iDeroeuestes selckmbelhijge!. 1 Bravo! Da Capo! -—- Eine AllerweltS- Revue in 5 Bildern mit vielen neuen Einlagen, Couplets und Atbakiionen. Sonntags nachm. 3'/, Uhr: vnsere Bon �nans.j Posse mit Gesang u. Tanz. Kleine Preise. 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In die Verbandlungen des Etats mitten hineingeflogen kam die Nachricht, daß die Mehrheit der ReichsvrrsicherungsordnungS- Rommission zum§ 1341 des Reicksversicherungsordnungs-Gesetz- cntwurfes beschlossen h>be, die Bestimmung einzufügen, daß in Zukunft die Ausgaben kür das Heilverfahren, wenn diese mehr als 7 Proz. der Einnahmen betragen� der besonderen Genehmigung des Reichsversichcrungsamts bedürfen. Hiergegen wurde in den Etatsberatungen von allen Seiten der schärfste Protest erhoben und beschlossen, durch eine Deputation von sechs Ausschußmit- gliedern die Mitglieder dieser Kommission im Reichstage aufzu- suchen, um ihnen"persönlich nicht nur die gaplante Verschlechterung des Heilverfahrens, fondern auch die erhebliche Beschränkung des Rechts der Selbfwerwaltung vor Augen zu führen. Auch wurde beschlossen, sich einem vom Ausschuß der Landesversicherungsanstalt Thüringen erhobenen Protest anzuschließen. In diesem Protest wird ausgeführt, daß der Beschluß der �Reichs- versicherungSordnungs-Kommission„eine schwere Schädigung der ganzen Invalidenversicherung bedeute und geeignet fei, nicht nur die Interessen der Versicherten in der empfindlichsten Weise zu verletzen, sondern auch die ArbeitSfreudigkeit der AuS- fchüsse beeinträchtige". Wie bei der erwähnten Verfügung des ReichSversicherungS- amtS vom 11. Mai 1910 richtet sich bei diesem Beschluß die Spitze gegen die vermögenden Versicherungsanstalten Rheinprovinz, Thüringen, Hansestadt« und Sachsen, insbesondere aber gegen die Anstalt Berlin. Wie von Vorstandsseite mitgeteilt wurde, werden sämtliche LandesversicherungSanstaltcn gegen die beabsichtigte Verschlechterung Stellung nehmen. Bei dem Etat der Hauptverwaltung wurde die Kommunalisie- rung des paritätischen Arbeitsnachweise?, für den die Anstalt Mittel hergibt, zur Sprache gebracht. Der Vorsitzende des Vor- standes, Dr. Freund, erklärte, daß die verbreitete Annahme nicht richtig sei, er sei ein Gegner der Uebernahme dieses ArbeitSnach- weises in städtische Verwaltung. Die Landesverficherungsanstalt Berlin habe weder nach der einen, noch nach der anderen Seite an diesem Plane ein Interesse. Zur Renovation des Hause? des Arbeitsnachweises in der Gormannstraßc wurden vom Ausschuß 11 000 M. bewilligt. Aus den Reihen der Versicherten wurde, wie auch im Vorjahre, wieder darüber Klage geführt, daß es den Antragstellern auf Invalidenrente immer schwerer gemacht werde, eine Rente zu er- halten, so daß selbst das Reichsversicherungsamt als RedisionS- instanz sich veranlaßt gesehen habe, abweisende Entscheide der Landesversicherungsanstalt aufzuheben. Auch über die Frage, nach welchen Gesichtspunkten die im Absatz 4 des§ 18 des Invaliden-' versicherungsgese�es vorgesehene Familienunterstützulig gewährt wird, fanden zv schen Vorstand und Vertretern des Ausschusses eingehende Erörterungen statt. Von letzteren wurde gerügt, daß der Vorstand dieser Bestimmung eine zu enge Auslegung gebe. � Einem in der Lungenheilstätte untergebrachten Versicherten, dessen ' Frau gestorben und dessen Kind bei der Großmutter in der Provinz untergebracht war, der aber zu Haus eigene Wohnung und Wirt- schaft hatte, wurde die Familienuntcrstützung verweigert und ihm nur das Taschengeld für Unverheiratete gewährt! Von dem Ver- treter des Vorstandes wurde bestritten, daß die von dem Versicherten während der Zeit seines Aufenthalts in Beelitz zu zahlende Woh- nungsmicte zum Begriff des Unterhalts gehöre. Darauf war von den Vertretern der Verficherten hingewiesen worden. Leider steht nach Lage des Gesetzes>dem Versicherten ein klagbares Recht nicht zu; eine Krankenkasse wäre in einem solchen Streitfalle von den Gerichten zur Zahlung sicherlich verurteilt worden. Klage wurde ferner erhoben über das zu lange Warten der Patienten in der Zahnklinik, die so häufig zu Konsultationen während der Arbeitszeit erscheinen müssen, daß ihnen für viele Tage Arbeitslohn verloren geht. Vom Vorstand wurde dieser Uebel- stand zugegeben und versprochen, Erwägungen anzustellen, ob eS möglich ist, die Arbeitszeit der Zahnärzte in die Abendstunden oder späte Nachmittagsstunden zu verlegen; eventuell soll auch, wenn möglich, Sonntagsbetrieb eingeführt werden. Im Vorjahre berichteten wir über den geplanten Neubau eines Hauses für das Schiedsgericht für Arbeitcrversichcrung in Ehar- lottcnburg. Der Minister hat sich, wie das in Preußen üblich ist, an die vom Ausschuß und Vorstand erhobenen Bedenken, daß der Bau dieses Hauses auf Charlottenburger Gebiet namentlich für die Versicherten höchst unzweckmäßig ist. in keiner Weise gekehrt. Der Bau des Hauses ist inzwischen in Angriff genommen worden. Der Minister hat es nicht einmal für nötig befunden, auf das an ihn gerichtete Schreiben eine Antwort zu erteilen! Und das nennt sich in Preußen Selbstverwaltung! Der Ausschuß beschloß zu dieser Angelegenheit nachfolgende Resolution:„Die Mitglieder des Aus- schusses nehmen mit Bedauern davon Kenntnis,� daß der Herr Schiedsgerichtsvorsitzende seinen Plan, den Bau eines neuen Schiedsgerichisgebäudes auf Charlottenburger Gebiet, trotz der Be- denken des Vorstandes und des Ausschusses dennoch verwirklicht, und auf die durchaus sachlichen Bedenken, die gegen den Bau sprechen, keine Rücksicht genommen hat. Die Vertreter der Arbeit- geber und Arbeitnehmer im Ausschuß halten die Errichtung des Schiedsgerichtsgebäudes auf Charlottenburger Olebiet, also fern von dem Zentrum der Hauptstadt, für nicht im Interesse der Ver- sicherten liegend. Der Ausschuß billigt deshalb ausdrücklich die Ablehnung des Etats des Schiedsgerichts, soweit Mittel für Neuanschaffungen, bedingt durch den Neubau, in Betracht kommen, seitens des Vor- standes der Anstalt dem Schiedsgerichtsvorsitzenden gegenüber." Den Eingeweihten ist es nichts Unbekanntes, daß bei dem ganzen Plan einige einflußreiche Berufsgenossenschasten und der Vorsitzende, Herr von Gostkowski, selbst ihre Hand im Spiele ge- habt haben. Von der Heilstätte Beelitz wurde berichtet, daß der Nutzungs- wert der Anstalt von 649 441 M. auf 657 096 M. gestiegen ist. An Stelle des verstorbenen ärztlichen Direktors der Lungenheil- stätte, Dr. Pickert, ist der frühere Oberarzt Dr. Marquardt als Nachfolger gewählt worden. Der im Vorjahre vom Ausschuß ge- rügte Zustand, daß die schulpflichtige» Kinder der Angestellten der Heilstätten bis zur Stadt Beelitz, die ziemlich eine Stunde ent- fernt liegt, zur Schule mutzten, ist durch Errichtung einer eigenen Schule, an der ein von der Anstalt besoldeter Lehrer unterrichtet. beseitigt worden. Die Einrichtung einer eigenen Schlächterei und Bäckerei hat sich bewährt. Beide Betriebe sind für das Fahr 1911 in ihren Spezialetais mit zusammen 15 961 M. Ueberschuß (Bäckerei 7383 M., Schlächterei 8578 M.) eingestellt. Um einem lange bestehenden Uebelstande abzuhelfen, der sich besonders für die Besucher der Anstaltspflcglinge und für die von jedem Außenver- kehr abgeschnittenen Angestellten der Heilstätten bemerkbar machte, ist mit der Rixdorfer Vereinsbrauerei ein Abkommen getroffen, daß diese links der Bahn auf dem Gelände der Heilanstalt einen Ausschank mit Restaurationsbctrieb errichtet. Vom Ausschuß wurde die Errichtung einer Leichcnkammer angeregt. Der Wunsch soll vom Vorstand in Erwägung gezogen werden. Die Löhne der Angestellten in Beelitz betragen die statt- liche Summe von 471 296 M., hinzu kommen noch 35 Werkmeister und Handwerker mit 56 712 M. Die Ausgaben für Unfall-, Jnva- liden- und Krankenversicherung betragen anstaltsseitig zusammen 12 000 M. Die im Vorjahre geplante Absicht, in Beelitz eine Baracke für Oleschlcchtskranke zu errichten und die bestehende An- stalt für Lichtenberg aufzuheben, ist infolge der Erfindung des „Ehrlich-Hata 606" wieder aufgegeben worden. Ueber die Wirkung des neuen Svphilismittel, über die sich der Ausschuß ärztlichen Bericht erstatten ließ, wurde ziemlich gutes berichtet. Bei 24 An- staltSpfieglingen, die mit„Ehrlich-Hata" injektiert wurden, trat nur in einem Falle Rückschlag ein. Auch bei bereits eingetretener Paralyse wurde Besserung bei Patienten beobachtet; in einem Falle begann bei einer offenen jauchenden Wunde der Heilungsprozeß in 24 Stunden. Bei einer durch Syphilis verursachten schweren Verletzung der Schädeldccke zeigte sich nach einer kurzen Zeit Still- stand und weiße Hautbildung. Es wurde aber hervorgehoben, daß bei Injektionen mit größter Vorsicht zu Werke gegangen wer- den muß. Den Vorsitz im Ausschuß führt, einem getroffenen Abkommen gemäß, im Jahre 1911 ein Arbeitnehmer, der Schlosser Eduard Warnst; sein Stellvertreter aus den Reihen der Arbeitgeber ist der Kaufmann Georg Israel. Im Vorjahre verlor der Ausschuß eines seiner ältesten Mitglieder, unseren bekannten Genossen Buchbinder Bernhard Jost, dessen Wirken am Schlüsse noch rühmend gedacht sein mag._ Sozialee. (Sin ständiger Gast beim Gewerbegericht. ist die Firma E. Ruhemann u. Co., Strauhfederfabrik. Bald sind eS bei ihr beschäftigt gewesene Arbeiterinnen, die gegen die höchst kuriose RechtSauffassung der Firma im Klagewege anzukämpfen suchen. Bald ist es die Firma selbst, die gegen Arbeiterinnen das Olericht anrufen zu müssen glaubt. Gestern waren eS die kuriosen Lehrverträge der Firma, mit denen sich die 2. Kammer des GewerbegerichtS zu beschäftigen hatte. Die jugendliche Arbeiterin N. war als Lehrmädchen gegen 27 M. Monatslohn am 2. Januar bei der Firma eingetreten zwecks Er- lernung der Straußfcderfabrikation. Schon nach drei Tagen hatte sie die Ueberzeugung gewonnen, daß sie bei der Beklagten doch nichts rechtes erlernen könne und löste deshalb das Lehrverhältnis. Die Firma weigerte sich jedoch, unter Berufung auf den schriftlichen Lehrvertrag, den bereits verdienten Lohn mit 3,15 M. zu zahlen und das Arbeitsbuch herauszugeben. Der Vertrag sieht als Lehr- zeit ein halbes Jahr vor. Diese mutz nicht unbedingt absolviert werden, sondern der Lehrvertrag kann jederzeit mit 14tägiger Kündi- gung, die nur zum 1. oder 15. jeden Monats zulässig ist, wieder auf- gehoben werden. Die gesetzliche Probezeit soll durch den Vertrag ausgeschlossen sein. Nachdem der Vorsitzende Magistratsrat Dr. Leo in der gestrigen Verhanglung festgestellt hatte, daß sich die Parteien darüber einig sind, daß hier ein Lehrverhältnis vorliegt, belehrte er die Firma dahin, daß die Klägerin im Recht sei, denn jeder Lehr- vertrag könne nach dem Gesetz innerhalb der ersten vier Wochen ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gelöst werden. Die Be- klagte bestritt nunmehr, daß ein LeyrverhaltniS vorliege; eS liege ein einfaches Arbeitsverhältnis vor. Das Gericht verurteilte die Beklagte, an die Klägerin den ge» forderten Lohn zu zahlen und das Arbeitsbuch herauszugeben, even« tuell für jeden Tag von der Urteilsverkündung ab 1,60 M. Ent» schädigung zu zahlen. Nach dem vorliegenden Vertrage handle es sich ohne Zweifel um ein Lehrverhältnis. Lehrverträge können aber nach§ 127b der Gewerbeordnung in den ersten vier Wochen fr:stlos aufgehoben werden, und die gesetzlich vorgeschriebene Probezeit kann nicht ausgeschlossen, sondern nur bis auf drei Monate verlängert werden. Gefahren«nb Haftpflicht bei der Aushilfe von GchuMnder« f in der Landwirtschaft.. Der Landwirt K. in einem Orte bei Lnndsbcrg a. W. be� schäftigte öfters Schulknaben mit dem Aufhalten der Säcke beim Einschütten von Häcksel. Die Knaben waren allerdings nicht fest engagiert, sie kamen aber stets, wenn Häcksel geschnitten wurde, weil sie nach dem Füllen der Säcke Aepsel und Stullen bekamen. Als der Landwirt am 8. Februar 1908 wieder mit dem Verpacken von Häcksel in der Scheune beschäftigt war, löste sich eine Angel des einen Torflügels. Nach dem Pollfiillen des einen Sackes ließ der Beklagte die beiden hilfeleistenden 9- und 11jährigen Knaben stehen, um den Torflügel wieder festzustellen. Die Knaben machten sich inzwischen mit der Häckselmaschine zu schaffen. Hierbei ist dem jüngeren Knaben durch die Kammräder der Maschine ein Finger halb abgeschnitten worden. Die vom Vater des Kindes erhobenen Schadenersatzansprüche sind vom Landgericht Lnndsbcrg a. W. für gerechtfertigt anerkannt worden; das Kammcrgericht zu Berlin billigte dem Kläger nur zur Hälfte Entschädigung zu. Das Kammergericht vertritt den Grundsatz, daß derjenige, der sich unbefugt an Maschinen zu schaffen macht und dabei Schaden erleidet, diesen Schaden lediglich durch sein eigenes Verschulden herbeigeführt hat. Dieses eigene Verschulden des Klägers erfährt gegenüber dem Verschulden des Beklagten durch die mangelhafte Einsicht des noch jugendlichen Knaben eine Abschwächung. Das Verschulden des Beklagten wird darin erblickt, daß er die Häckselmaschine nach Beendigung deS Schneidens nicht verdeckt hat. sodann wird ihm ein Vorwurf des- halb gemacht, weil er die Knaben nicht aus der Scheune gewiesen hat, als er den Flügel des Scheunentors festmachen wollte. Die vom Beklagten gegen das Urteil des Kammergerichts ein» gelegte Revision wurde vom 6. Zwilsenat des Reichsgericht? am 19. d. M. zurückgewiesen._ Huö InduCtrie und Handel Schnapsblocknrbeit. Der Schreibakrobat des Zentrums, Herr Mathias Erzberger, stellte vor einiger Zeit im„Tag" gottesfürchtig und frech die Be» hauptung auf, die Klagen aus der Tabakindustrie hätten init dem Augenblick aufgehört, als der Fonds zur Unterstützung der trnS An« laß der Steuererhöhung arbeitslos Gewordenen erschöpft gewesen sei. Das war nalürlich nicht wahr. Durch solche Behauptung werden Arbeiter und Fabrilanten in echt jesuitischer Weise verdächtigt, aus betrügerischer Absicht über Schädigungen in der Produltion ge- schwindelt zu haben. Der Zweck der Uebung war, den über die schwarzblaue Steuerpolitik empörten Arbeitern Sand in die Augen zu streuen. Wie das ultramontankonservative Machwerl wirkt, darüber läßt sich daS Zentralorgan der Tabakbranche u. a. wie folgt aus: „Die von den Vertretern deS TabakgewerbeS stets gehegte und bei jeder Gelegenheit geäußerte Befürchtung, daß die Wertsteuer nicht preisdriickend, sondern gerade auf die billigeren Rohtabaks- sorten preissteigernd wirken würde, hat sich in ungeahntem Um- fange bewahrheitet. Dadurch ist als Endeffekt dieses in der Theorie so ichö» ausgeklügelten Systems erzielt worden, daß die minder- bemittelten Raucher(sei es durch Verteuerung oder durch OualilätS- Verminderung ihrer Konsumsorten) stärker belastet sind, als sie selbst durch eine gleichmäßige Erhöhung von Tabakzoll und-Steuer ge- troffen worden wären.— Aber hier liegt gerade der Haken. Der „orientalisch-lebhaste" Geschäftssinn der Freunde der Korrespondenz des Bundes der Landwirte wollte die schwere Schädigung, die man der gesamten Industrie zufügte, nicht vorübergehen lassen. ohne für sich, für den inländischen Tabakbau, noch einen Extra- Profit herauszuschlagen. Man ließ den inländischen Tabak von dem 40 prozeiitigen Wcrtzuschlag frei, erhöhte seine Steuer nur um 6 Pf. für das Pfund und führte auf diese Weise von hinten herum eine ganz bedeutende Erhöhung deS bis dahin schon reichlich hohen Zollschutzes für den inländischen Tabak herbei, der bisher schon zu den bestrentierenden landwirtschaftlichen Produkten zählte und inzwischen ganz enorm im Preise weiter gestiegen ist. Nun zeigt sich also, daß auch bei dieser Steuer die Arbeiter die Hauptleidtragenden sind. Und da? verdanken sie den Rittern und den Heiligen. Die deutsche Handelsmarine. Unter den deutschen Schiffahrtsgescllschaften befinden sich die größten Reedereiunternehmen der Welt. Die Hamburg-Amerika- Linie und der Norddeutsche Lloyd in Bremen stehen, was den Um- fang«hrer geschäftlichen Unternehmungen betrifft, an der Spitze aller Reedereien. Die Hamburg-Amerika-Linie ist zudem das erste Aktienunternehmen gewesen, das die Absicht hatte, einen regel- mäßigen Passagier- und Frachtverkehr zwischen dem alten und dem neuen Kontinent einzurichten. Das Aktienkapital dieses Niesen- Unternehmens beträgt 125 Millionen Mark. Daneben steht der Norddeutsche Lloyd mit ebenfalls 125 Millionen Mark. Im eben zu Ende gegangenen Jghre 1910 hat sich der Schiffbestand der größeren Schiffahrtsgesellschasten wieder um ein Bedeu- tendes gehoben. Wie im Voriahr. so steht nach den neuesten Veröffentlichungen der deutschen nautischen Zeitschrift„Hansa" auch jetzt wieder die Hamburg-Amerika-Linie weitaus an der Spitze aller deutschen Gesellschaften. Sie trat mit einem Schiffsbestande von 382 Schiffen und einem Raumgehalte von 910126 Brutto. registertonnen t« das Jahr 1910. Im Laufe de» Jahres vermehrte sich der Bestand auf 388 Schiffe mit einem Inhalt von 1 021 963 Registertonnen. In einem beträchtlichen Abstände steht an zweiter Stelle der Norddeutsche Lloyd. Ende 1909 besaß er 425 Schiffe mir einem Raumgehalt von 742 843 Registertonnen; Ende 1910 stellte sich sein Schiffsbestand auf 425 Schiffe mit 755 660 Registertonnen Raumgehalt. Dem Bruttogehalt ihrer Schiffe nach steht die Deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft„Hansa" in Bremen an dritter Stelle. Sie wurde 1881 gegründet und besitzt heute ein Aktienkapital von 25 Millionen Mark. Ihr Schiffsbestand stellte sich Ende 1909 auf 52 Fahrzeuge mit 249 757 Bruttoregistertonnen, Ende 1910 auf 54 Schiffe mit 263 496 Registertonnen Gehalt. ES folgt die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft. Ihre Gründung fiel in das Jahr 1871 und ihr Aktienkapital be- trägt 15 Millionen Mark. In das Jahr 1910 trat sie mit einem Schlffsbestande von 42 Schiffen mit 196 784 Registertonnen Inhalt. Im Laufe des Jahres hielt sich ihr Schiffsbesitz der Zahl nach aus 42; es vermehrte sich jedoch der Bruttogehalt derselben aus 200 182 Registertonnen. Allen übrigen hervorragenden deutschen Schiffahrtsgesellschasten stand ein Raumgehalt von weniger als 200 000 Registertonnen am Ende des Jahres 1910 zur Verfügung. Im Verlaufe der Jahre 1909 und 1910 veröffentlichten 102 Schiff- fahrtsgesellschaften ihre Abschlüsse für 1908/09 bezw. 1909/10. Das dividendcnbcrechtigte Aktienkapital dieser Unternehmungen belicf sich 1908/09 auf 481 612 000 M. und 1909/10 auf 481 477 000 M. Zur Verteilung als Dividende standen 1909 7 356 000 M. und 191» 18 117 000 M. zur Verfügung. Die Dividendenziffer stellte sich da- durch auf 3,6 Proz. ,m Jahre 1909/10 gegen nur 1,5 Proz. m 1S08/09. DaZ Mienkapikal, 8te zur Verkeilung gelangken Divi- denden in 1000 M. und die Dibidendenziffer stellte sich für sechs der größten deutschen Aktienunternehmungen des Schiffahrts- gewerbeZ wie folgt: Alt.-Kap. Dividende in Rame der Gesellschaft: in lOOO M. Prozent 1000 M. 08/09 09/10 08/09 09/10 Hamurg-Amerika-Linie..,. 125 000— 7 500 0 6 Norddeutscher Lloyd..... 125000—— 0 0 Hansa. Dampfschiffahrt.... 25000 1 500 2 500 S 10 Dtsch.AuSstr.-DampsschiffahrtS-G. 16 000 1120 1 120 7 7 Hamb-Südamerik.Dampfschiss.iG. 15 000 600 1 200 1 8 Dtsch.Dampfschiffahrts.-G. Kosmos 14000 420 700 3 5 Die gesamte deutsche Seeflotte der Handels» marine stellte sich am 1. Januar 1910 auf 4638 Schiffe mit einem Inhalt von 4 480 227 Bruttoregistertonnen. Im Jahre vorher waren zum gleichen Zeitpunkt 4 640 Schiffe mit 4 356 067 Bruttoregistertonnen vorhanden. 1909 hat sich also der Bestand an deutschen Seeschiffen der Handelsmarine um 18 Schiffe mit einem Bruttoraumgehalt von 74 160 Tonnen vermehrt. " Kaffeehausse. Trotz der Ankündigung der Kaffeeberkäufe durch das Valorisationskomitee haben die Kaffeepreise in der letzten Woche eine erneute Steigerung erlebt, die besonders am Hamburger Markte zum Ausdruck kam. wo sich am Freitag der Preis für Wärzlieferung auf 59}$ M. stellte. Großbritannien und der Welthandel. * Ein kürzlich herausgegebenes Weihbuch gibt Einzelheiten über den Handel der hauptsächlichsten Kulturländer der Welt im ver° gangenen Jahre. Für die ersten zehn Monate, die mit dem 31. Oktober endeten, lauteten die Ziffern für Import wie folgt: Großbritannien 458 895 000 Lstrl.. Deutschland 846 423 000 Lstrl., Vereinigte Staaten 270 047 000 Lstrlt, Frankreich 213800000 Lstrl. und Belgien 123 094 000 Lstrl.' Für dieselbe Zeit beliefen die Exportziffern sich für Groß- britannien auf 356268000 Lstrl.. Deutschland 299 657 000 Lstrl.. «ereinigte Staaten 291 380 000 Lstrl., Frankreich 195 916 000 Lstrl. und Belgien 91 627 000 Lstrl. Verglichen mit dem Borjahre vergrößerte der britische Import fich um 31 469 000 Lstrl., der von Deutschland sich um 3 413 000 Lstrl., der der Vereinigten Staaten sich um 21 000 000 Lstrl. und der von Frankreich sich um 11 000 000 Lstrl. Die Zunahme des Exports für Großbritannien belief sich auf 45 000 000 Lstrl.. für Deutschland auf 89 005 000 Lstrl.. und der der Vereinigten Staaten nahm um IL 000 000 Lstrl. zu._ Hue der Frauenbewegung. Umwertung aller Werte. In der Sitzung de» Reichstages am 17. Januar sprach der Minister der starken Worte und des stählern Gemüts, Herr v. Dall- ivitz, von der Umwertung aller Werte. Ein Umwertung aller Werte vollzieht sich tatsächlich! Nur hat der Herr Minister fich in seinen Objekten und Subjekten etwa»-» stark vergriffen. An ihm kann man überhaupt eine besondere Begriffseigenart bewundern. Er lobte die Polizei, die in Moabit so blutig sich bewährt— als Schützer von Gesundheit und Leben. Und er beschuldigte die Sozial- demokratie, Träger eines bedauerlichen, schandbaren UmwertungS- Prozesses zu fein. So argumentiert er, weil die Sozialdemokratie bestreitet, daß es Aufgabe der Polizei sei, im Bunde mit Hintze-- männern Streikbrecherdienste zu leisten. Aber mit der Um- Wertung stimmt es doch! Man unterstelle nur, daß in einem Kulturlande der Schutz der Schwachen— also Frauen und Kinder— eine Fundamentalforderung sein soll. Wie ist eS bei uns? Seine OrdnungS- und Moralbegriffe erlauben dem Unternehmertum eine schrankenlose Ausbeutung der weiblichen und lindlichen Arbeitskraft. Die staatlichen AuffichtSbeamten der Gewerbeinspektion berichten Jahr für Jahr über zahllose Fälle un- geeigneter, gesundheitzerstörender, lebengefährdender Beschäftigung von Kindern, jungen Mädchen und Müttern. Wiederholte Beanstan- düngen und Androhung von Vorbeugungsmaßregeln erwiesen fich als wirkungslos. Und die Regierung beugt sich dienstfertig der un- gezügelten Profitgier. Ja. obwohl im Jahre 1909 zahllose Arbeiter beschäftigungslos auf der Landstraße lagen, erlaubte die zum Schutze von Leben und Eigentum berufene Polizei in erhöhtem Maße Aus- nahmen von den gesetzlichen Vorschriften über die Maximalardeits- zeit der Arbeiterinnen. Die Gewerbeinspektoren berichten darüber in nackten Zahlen. Mit der Mehrbewilligung war der Hunger«ach biMger weiblicher Arbeitskraft«och nicht be- friedigt. Die Umwertung ethischer, moralischer und rechtlicher Werte gestattet dem Unternehmertum in skrupelloser, systematischer Weise, die zum Schutze der Schwachen erlassenen Gesetze frech zu mißachten. Doch das Auge des Gesetzes wacht! In einzelnen Fällen glückte eS, die Gesetzesverächter zu erwischen. Aber die Umwertung der Werte --- Vor der obersten Instanz, die über alle rechtlichen Werte wachen, sie vor Falschniünzerei bewahren sollte, erfreuen fich die Mißhandler der Schwachen, die aus niedriger Profitgier Kinder- und Frauenkörper vernichtenden Unternehmer, der allerschonendsten Milde. Die Uebertretung der zum Schutze von Kindern und Arbeiterinnen erlassenen Schutzbestimmungen wird in den allermeisten Fällen mit der furchtbaren Strafe von 1—3 M.— einer bis drei Mark—„gtfühnt* I Und wenn eine ausgebeutete, arme, kranke Arbeiterin ein Stückchen Holz stiehlt, um ihren frierenden Kindern das Zimmer zu heizen, wandert fie i»S Gefängnis. Im Namen des Königs und von Rechts wegen! Der Herr Polizeiminister v. Dallwitz sprach von einer Umwertung der Werte durch die Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie verlangt die peinliche Beobachtung der Gesetze zum Schutz der Schwachen, die Unantastbarkeit der Hilflosen, strenge Strafe für GesetzeSüber- tretung aus Habgier._ Die Füße der Chinefinne«. Mary E. March erzählt in einem Artikel, ,.�>er Forlschritt in China", daß früher die Füße der chinesischen Frauen in der Kindheit schon durch starkes Swnuren in der EntWickelung zurückgehalten wurden und daß man die Finger- nägel beider Geschlechter mehrere Zoll lang waddsen liefe. Dadurch gaben sie der Welt kund, daß sie Aristokraten waren und keinerlei nützliche Arbeit tun konnten, selbst wenn sie wollten. Aber durch die neuen Produktionsverhältnisse und die mit ihnen zusammen- hängenden Veränderungen auf anderen Gebieten kam unter verschiedenen anderen„A»tiS" in China auch eine„Anti-Fufewickel- Vereinigung' auf. Die täglich erscheinende.Pekinger Frauenzeitung'. die von einer Frau redigiert wird, legi großen Wert aus die Er- örterung aller ErziehungSfragen und ist auch eine warme Für- fprecherm der Anti-Fußwickel-Vereinigung. Diese Zeitung erzählte kürzlich von einer europäischen Misfionärin, die sich mit großem Eifer gegen die Verkrüppelung der Fuße der Chinesinnen wandte. Erstaunt rief ily ein Sohn des himmlischen Reiche» zu:»Aber Ihr« eigenen Frauen verkrüppeln sich ja ihre Taille'.— Sehr gut bemerkt I Solange die Frauen des Westens ihre Körper wider Ratur und Vernunft einem falschen Schönheitsideal zuliebe in röhrenartige Panzer stecken, haben sie kein Recht, sich über noch so unsinnige Körperverunstaltungen ftemder Raffen lustig zu machen. Leseabend am Montag, den 83. Januar. Erper KreiS. Bei Weihnacht Vortrag des Genossen Täterov:.Die Notwendigkeit der Frauenorganisation'. Zweiter Wahlkreis. Dritter, neu eingerichteter grauen- Seseabend für den Südwesten im Lokale von Emil Arnold, Kreuzbergstr. 2. Referentin Genossin Wurm.— Für den Westen im Lokale von Wiemer, Bülowstr. 53. Referentin Genossin Greifenberg.— Für den Süden im Lokale von Mörschel, Blücherstr. 46, Ecke Fontane-Promenade. Referentin Genossin Ottilie Baader. Pankow. Im Lokale des Herrn Großknrt Nachfolger, Pankow, Berliner Straße 27. Referent Genosse Lesser. Baumschulrnweg. Ernststr. 22. Seitenflügel parterre. Vortrag. Tegel. Im Jugendheim, Schlieperstr. SO. Vortrag: Militarismus. iverfammlnngen— Beranftaltungen. Zentrakverband der Hausangestellten. Sonntag, den 22. Januar, im Volkshause, Charlottenburg, Rosinenstr. L: Dienstboten- Versammlung. Bortrag von Frl. Ida Baar: Die Rechts- Verhältnisse der Dienstboten. Freie«uSsprache. Nachdem: Gemütliches Beisammensein. Saalöffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Hiis aller Alelt. Ein ländliches Dorado. Skandalöse Zustände herrschen, wie das„Göttinger Tageblatt" meldet, w den Arbeiterwohnungen eines großen Gutes in einem Dorfe des G a r t e t a l e S. Dort haben sich die Ratten in dem baufälligen Gebäude eingenistet. In einer der letzten Nächte sind einem einjährigen Kinde beide Hände von den Tieren abgenagt worden. Einer jungen schwangeren Frau liefen nachts mehrere Ratten über den bloßenKörper. Vor Schreck trat bei ihr eine Frühgeburt ein; die Frau schwebt nun in größter Lebensgefahr.— Zu bedauern ist, daß der Name des Dorfes und des Gutsbesitzers nicht genannt wird. Tie Pestgefahr im Osten. Die m der Mandschurei ausgekrochene Pest greift immer weiter um sich. was bei der Gteichgültigkeit der russischen und chinesischen Behörden leider nur zu erklärlich ist. Wie ein Kabeltelegramm aus Peking meldet. find jetzt auch in der Umgebung der Stadt T s ch i- f u und auf dem Wege zwischen Tientsin und Peking Pesterkrankungen in größerer Zahl festgestellt worden. Auch in Tientsin sind neuerlich Personen an der Pest erkrankt. Da letzterer Ort nicht allzuweit von der deutschen Pachtung Kiautschou gelegen ist, rückt die Gefahr einer Verschleppung nach dort in bedrohliche Nähe. Nach einer amtlichen Meldung sind in der Mandschurei seit Beginn der Epidemie bis zum 20. d. Mts. 831 Chinesen und 25 Europäer an der Pest erkrankt. 821 Chinelen und 24 Europäer gestorben. Unfall eiueS schwedischen Torpedobootes. Nack einer Meldung aus KarlSkrona ist dem neuerbouten schwedischen Torpedoboot„Vesta' am Freilag ein Unfall passiert. der leicht zu einer großen Gefahr für die Mannsckast auswachsen konnte. DaS Boot hatte Freitag mittag eine Probefahrt unter- nommen. von der«» nach einigen Stunden zurückkehren sollte. Als das Boot bis 6 Uhr abends nicht zurückgekehrt war, erhielt ein Bugsierdampfer der Marinewerft den Befehl. Nachforschungen anzustellen. Um 8 Uhr ging das Torpedoot.THetiS' gleiibfallS in See. Um Mitternacht kehrte der Bugsierdampfer zurück, ohne eine Spur von dem Torpedoot gefunden zu haben. Schließlich wurde das Boot in der Nacht durch das Torpedoboot„THetiS' gesichtet und in den Hafen von KarlSkrona eingeschleppt. Die.Vesta' trteb mit gebrochener SÄraubenwell« und mtt verlorener Schraube in der bewegten See. Echt russisch. Aus Petersburg wird uns geschrieben: In Odessa herrscht jetzt furchibare Austegung über skandalöse Eulhüllmigen au? dem städtischen Krankenhaus. Man hat plötzlich in Erfahrung ge- bracht, daß achtzehn Mädchen im Kindesalter sich dort an Gonorrhöe angesteckt haben. Dirte Enthüllung über da? von der städtischen HvologmiSverwaltung� geleitete KraiikenhauS fand entgegen den VertuichungSveriuchungen der Aerzte statt. Mau nimmt an. daß in der genannten Anstalt dir größten cchtrusiiichen Gemeinheiten sich abspielen.— Eine andere noch traurigere Kunde kommi aus JekaterinoSlaw. Der SanitätSarzt R e b i n e n hat seine vorgesetzte Behörde in Kenniniö gesetzt, daß das Findel« Haus, für welches da« Gemstwo jährlich hunderttausend Rubel ver« wendet, systematisch den Tod der Kinder herbei» führe. So sterben von den alljährlich etwa tausend Kindern, die hinzukommen, nach kurzer Zeit etwa achthundert. Eine wahrhafte Mordstälte l Kleine Notizen. Bei einer Schlägerei, die in der letzten Nacht in Bremen zwischen Arbeitern und Matrosen entstand, wurde ein Matroso durch einen Messerstich in die Lunge getötet, ein anderer erlitt schwere Verwundungen. Die Täter wurden verhaftet. Der angebliche Mörder de» Rittmeisters». Krosigk, der Arbeiter Fischer auS Haste, der im Untersuchungsgefängnis in Rodenberg inhaftiert war, wurde gestern von einem Kommando des 74. In- fanterieregimentS abgeholt und in das Gefängnis des Militärgerichts in Hannover übergeführt. Bei de« Einstürze eines BrückengerüsteS in Kerpen in der Eise! wurden zwei italienische und ein deutscher Ar» beiter getötet. Mehrere Arbeiter erlitten schwere Ver« letzunaen. Erdbeben in Frankreich. In verschiedenen Ortschaften in der Nähe von Clermont Ferrand haben starke Erderschütterungen die Bevölkerung in Schrecken versetzt. Bemerkenswerter Schaden wurde durch daö Beben nickt angerichtet. Feuer in einer frauzösischrn Volksschule. Durch eine FeuerS« vrunst, die in einer Volksschule in C a j a r c ausbrach, hat der Leiter der Schule so erhebliche Brandwunden erlitten, daß er ge« starben ist. Sieben Schüler wurden erheblich verletzt, «mrltchrr Markedertch, der rtädMchen Martldall-n-Dtrettlon übet den Vroßbandel in den Zentral.Marktballen Marktlage: Fl ei ick: Zufuhr schwach, Gelchäst vuhig, Preise unverändert. Wild: Zusubr reich» Hch, Keichäst etwa« reger. Preise unverändert. G« s I ü g e l: Zuluhr müßig, Äelckäst ziemlich ledbast, Preise unverändert. Fische: Zusubr mäßig, den Bedatt deckend, Geschäft etwas lebhalt, Preise wenig verändert. für Seefisch« nachgebend. Las Urteil der Hausfrau ist maßgebend! Kronen- i«M«.-MrseI sind kalsüchlich die allerbesten. Si< fld? feint anb«v< 3n/, UHc Hei Raabe. Fichtestrab» 29. Referent: Redakteur Kaiser. ßautlfcblcr Bez. z um 7 Uhr bei Zieh, Warschauer Strafet 61. Rcscrent: Redakteur Ktssuer. A(Wedding und Moabit) um 6 Uhr sgtelch I?au ult»ler OCZ. 4 nach Feierabend) bei Rabe, Kolberger Str. 23. am 8 Uhr abend« im Gcwertschaftshaus« I�lavitraroener Tngeluser UflS(großer Saal). JModell- und fabriktifchler und fVIodelldrecbflcr pünktlich um 8 Uhr abend« im Rosenthalrr Hof, Rosenthaler Strafe- 11/12. Vergolder eärt �«ewertschaftShauS, Sngelufer 14/1», Mittwoch, 33. Januar, abends 8V«Uhr: BUrllenmacder bei vreui». HolzmarVtr. SS. Rescrent: Kollege Htldebrandt. SteUmack?er im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße 11/12. um 8 Uhr(gleich nach Feierabend) Im«Je (jerlmUtierarDnCCr wertschaftshausr. Engeluser 14/16, Saal 5. Donnerstag, 36. Jan., abends 8Va Uhr: i? Kombinierte Versammlung der Ortsverwaltnngen und Kontrollkommissionen Berlin, Charlottenburg. Rixdorf, Schöneberg. Steglitz und Grost-Lichterfelde. Lokal: Andreas-Festsäle. AndreaSstr. 21. Sonnabend, den 28. Januar, abend» 9 Uhr. bei felnietzer Boeter, Weberstr. 17; Großes Winter- vergnUgcn. 77/19 r iia «rbettSnachwei«: Berwairnngsstellc Berlin. Hanprbnrean: Hos l. Amt S. 1239. Cbarlt«*!rate 8. Hol UL Amt 3. 1987. Montag, den 23. Januar ISN, abend» 8'/, Uhr: Kranchen- Versammlung der Schmiede, Keifelfchmlede und autogenen Schweißer Im Lokal von 9. Hoffmannn. Dragouerstr. 15. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Kollegen A. Cohen über:.Die Ausgaben der Gewerk. schasten gegenüber den Steuern aus die notwendigsten Bedarfsartikel-. 2. DiStuision. 3. Branchenangelcgenheiten. 4. Verschiedene«. Kollegen! Lei der Wichtigkeit der TagcSo> dnung ist da« Erscheinen jede» einzelnen notwendig. Tie Kollegen von Borsig und Schwartztopss sind hiermit besonders eingeladen. Montag, den 23. Januar ISN, abend» 6 Uhr: ssss Versammlung aller in Uktallgitßemen Kerlins nnd Nmlfegrnd beschäftigten Former nnd Kernfsgenossen in der„Urania", Wrangclftr. 1(1/1 1. TageS-Ordnung: I. Vortrag de« Kollegen Körst»» über: »Di« Rechte der Arbeiter im Arbeitsvertrag-. 2. Diotussion. 3. Branchen- und Deroandsangelegenheiten. 4. Verschiedene«. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 110/18 DienStag, de« 24. Januar 1311, atend» SVj Uhr: Allzemkink siftfaiiiniliiiig der filfiiipncv in den Musiter-Säle», Kaiser Wilhelm-Str. 18m. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Aenoffen Georg Davidsohn über J&ctler» Kunst. 8. Di«tusston. S. Verbands- und Branchen« an gelegen heUen.— In Anbetracht de« lehrreichen Vortrage« wird zahl- reicher vesuch erwartet. Tie OrtSverwaltuag. Vereinixunx �u�enätielm kixäork. Dienstag, den 2A. Januar 1911, abends 8V2 Uhr, im grosten Saale von Hoppe (Bartsch), Hermannstr. 49: lieneral-VsrssnimlunK. 5=™ Tage»- Ordnung; L VerwaltnngSbrrleht vom 1. Oktober 1399 bi» 31. Dezember 1919. s. Aufstellung de» Voranschlag» für 1911. 3. Wahlen: a) Vorstand; b) Revisoren; c) BertvaltungSrat. 4. Verschiedene». SWr* Zutritt haben nur Mitglieder und deren Ehegatte«. 286/16 Mitgliedskarte ist vorzuzeigen: »er Voratand, Dcutkhcr Cransportarbeitcr-Vcrband Sektion I. Handelsarbeiter. Hiilsditim, fiadifc, Klshsthrn, JJotlitts, Sdiaffnct, Mrer,®iuhaf(ittet, tinfcnliotcn ufm.«litt Kmchkn. Montag, den 23. Januar 1911, abends S'/s Uhr, im großen Saale der Neuen Phill/armonie(Keller), Köpenicker Str. 96: Krilie öjfenilielie Veriammlnnn. Tage«. Ordnung: Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe und die Stellung- nähme der Berliner Stadtverordneten zu dem vom Magistrat gemachten Vorschlag hierzu. Referent: Redakteur GreorK ScllDlidr. Diskussion. mJn Anbetracht der wichtigen Tages-Ordnung ist da« Erscheinen oller Handelshilfsarbeiter, welche G>| In den oben angeiühitcn Branchen tälig sind, in freier Vcisommlung unbedingt cysordei lich. G G G Die Herren Stadtverordneten sind zu dieser Versammlung eingeladen. 65l13_ Die Sektionsleitnng. I. A.: Fritz Wappler. Achtung! Achtung! Sefeneider-Innung zu Berlin. Behuf» Vornahme der Wahlen z» Neislfcera beim Innung». Schiedsgericht werden gemäfe der§§6—9 de« Nebenstatuts der Vereinigten Innungen zu Berlin, beUessend das Schiedsgericht, die bei Mitgliedern der schneider.ynnung bc schästigien Gesellen, Arbeiter und Arbeiterinnen, Haus. diener, überhaupt alle Personen, welche im GeschäslSbelriebe eine« Innung«� Mitgliedes tätig sind, Mittwoch, 25, Januar, abends 8% Uhr, «ach dem Lokale Wjilitö('tflfiilt, Sebastianstr. 39 hieanst eingeladen. 162/2 TagcS.Ordnungl 1. Ergänzunglwahl de« GtsellenauSschusse». 2. Eigänzungswahl der Ersatzmänner de« GesellenauSschuffe». Zweite Versammlung: S Uhr. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Beisitzer vom verflösse»'»«, GeschäsiSjahre. 2. Neuwahl von 3 Beisitzern und 2 Ersatzmännern. Zum Mitgliede de« Schiedsgericht« soll nur berusen werden, wer das 30. Lebensjahr vollendet, in dem der Wahl vorangegangene» Jahre für sich oder seine Familie Ai menunterftütznng aus ösfeiitiichcn Mitteln nicht erhalten oder die enrpsangene Unterstützung zuiückcrstattet hat. Personen, welche zum Amte eines Schöffen unfähig sind(G. v.®. v 27. Januar 1877(R.-G.-B. 187 S. 41]§§ 31, 32) täunen nicht tmi werden. x Zur Teilnahme an den Wahlen(§§ 3 und 4) ist nur berechtigt, wer da» 25. Lebensjahr vollendet hat. Berlin, den 19. Januar 1911. Im Auftrage de»«eselleuauSschufle»: Oastav»ebaieer, Anhallstr. 15. Der Borstand der Schnrider-Jnunng zu Berlin t »autav tztraune, Obermeister. Vtrblini»>trMliltr,Li>lliltrtr,Anjirtlihtt-c. Melchtorstr. 28, Part. Mlllale Berlin. Tel.: Amt IV, 4787 Küchenmöbelbranche. DienStag, den Sl. Januar, abend» 8'/, Uhr, im Englischen Garte«, Alcranderstrafee 27 o: Branchen- Versammlung Tage«. Ordnung: Jahresbericht der Branchenlettuug, Neuwahl der Brauchenleituug, BerbandSangelegenbeit. Um zahlreiche« Erscheinen ersucht Der Obmann. Mittwoch, de««S. Januar, abend» 8'/, Uhr: General- Versammlung in Beeker» BeetGtUen, Weberstr. 17. TageS-Ordnung: 1. Kassen, und GcschSflSiertcht vom vierten Quartal. 2. Reuwahl der OriSverwaltung. 3. Bericht und Neuwahl der Bcschwerdelommission. 4. Verschiedene«. Aollzähliges Erscheinen erwartet Die Ortsvcrwaltnng. Zur Beachtung J Die Mitgliedsbücher sind am Eingang zinn Saal vorzuzeigen. Dieselben sind serner in der Zell vom 1. bis 16. Februar im Bureau. Blantenseldestr. 10, zur Kontrolle zu unterbreiten. BWU- weiter bemerken wir. daß der Slaakenball am 18. Februar im Schwe izergarteo am KönigSior ftallfiudet. Billett« find im Bureau und bei den Bertl'au«>SIeuten zu haben. 169/2 Bewilligte Bäckerei! Achmna; Teile dem verehrten Publikum und der Nachbarschaft mit, dag ich unten genannte Bäckerei neu eröffnet habe und zugleich die Forderungen des Bäcker, und Konditoren-VerbandeS anerkannt habe. ES wird mein Bc- streben sew, dem Publikum gute und schmackhafte Ware zu liejern und den Tarif einzuhalten. Achtungsvoll Erloll Babenhorst, Prinzen-Allee 13. Deutscher Hoizarbeiter- Verband. Zahlstelle Charlottenburg:* Montag, den 23. Jannar, abend» 8Vt Uhr, im BolkShavs«, Rosiiienstraste S: General-Versammlung. TageS-Ordnung: I. Abrechnimg vom vierten Quartal tOIO. 2. Jahresbericht und Wahl der gesamten OrtSverwaltung, Wertstatt-Kontrollkommiilion und der Delc» gierten zur GewerkichaftSkommisston. 3. Bericht von der Konferenz. 4. Vcr- bandsangelegenheiten. b. GewerlschastlicheS und VelschiedeneS. 77/20 Die Ortuvervaltaag:. ZentralverbandderHausangesteliten Tonntag, de« SS. Jannar, tm»VoltShanS», Charlottenburg, Rofinenstc. 3: Dienstboten-BersttMlnlnng. Bortrag von Frl. Ida Baur; Die Nechtsverhalftnsse der Dienstboten. Freie Aussprache. Nachdem: Gemütliche« Beisammensein. isfni»- Gaalöffnnng 6 Uhr. 236/14 Ansang 7 Uhr. veutlcher lüallarbeiter- verband. Erretg/veretn Berlin. Sektion der Fliesenleger und Hilfsarbeiter. Montag, den S3. Januar, abends 8 Uhr; General- Versammlung im Getverkschaftshan», Engeluser IS, Saal 7. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstände«. 2. Diskussion. 8. Dahl de» Dar« stände« und der Obleute. Das Erscheinen aller Mitglieder der Seition ist unbediiigt notwendig. 136/3»-Her Vorstand. Was- Holeldiener- FahrstuhlfOhrer usw. Donnerstag.!!«. Jannar 1911, abend» II Uhr. im.City-Saal», Retchstags-Ufer 17(Eingang an der Weidendammer Brücke): Oeffentliehe Versammlung. TageS-Ordnung: t- Vortrag: Alt ligmmkuden Rtichstagswahltn«nd die liasalnnnrstallsrn Reserent: RcichSIagSk.indidat des«.Berliner NvtrttttlNr/Iklltril. RcichztagSwahItrcffcS Herr Oilwo». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet 286/13 Der Einberuser. ltuguet t(eauck;un, Schwai-tzkopffstr. v. I>ieu erbaut! stieu eröffnet! Kohenstaufen-Säte •» •» Kottbnscr Damm 70. IV. 5024. Sehenswürdigkeit des Südens 10 Festsäle mit nabne «« »« sürck riigtiob nntor äs» knlontsston BoZinenngon m vorgeben. Beste Küohe lux BsoctaBelton.- 27641-1 Max Hüpfner, Besitzer. SewilUgte Süekereien. �««9! Teile dem verehrten Publikum und Rachbaischasi mit, dafe ich nuten genannle Bäckerei neue, öffnet habe und zugleich die Forderungen de« Bäcker- und Kondiioren-Vclbandcä aneitnnnl habe. C« wird mein Bestreben sein, vrni Publikum gute«nd fchmack« hafte Ware z« liefern«nd den Tarif einzuhalten. Achtungsvoll Uaffo Frankenatcln, Soldtnar Strele 69. Sonntag, den 22. Januar, mittags 12 Uhr: Volksversammlungen 1. Kreis. Dräsel, Nene Irirörirfjßr. 35. Ä. Kreis. Kliems Feslsäle, Saseahtide 18-15. Bock-Brauerei, Tempelhoser Kerg. Nißle, DtllvtVltzstr. 13. 3. Kreis. Geverksehaftsbans, Eugelvftr 15. irmlnhallen, Kommandautenstr. 58-59. 4. Kreis. Granmann, Namyvstr. 27. Gesellseballsbans Gßllosl, Ualdemarstr. 75. Berlin: Dracbenbnrg, Uor dem Schlefische« Tor. lllßn, Memeler Ztr. 57. Blfslum. Landsberger Allee 40/41. Praehtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151 Boeker, Weberstr. 17. Borgmann, Andreasstr. 21 Keller, Koppeukr. 29. 5. Kreis. Brauerei Lipps, Friedrichshain. Sopüien-Säle, Zo�hieustr. 17/18. 6. Kreis. Obiglos Feslsäle, Zchwedter Ztr. 23/24. Prater-Tbeater, Kastanien-Allee 7-9. Hila-Säle, Schönhauser Allee 130. Borussia-Säle, Ackerstr. 6/7. SvinemQnd. Gesellschaftsbaus, Suiinemundtrstr.42 Bailsehmieders Etablissement, Kadstr. 16. Frankes Festsäle, Kadstr. 19. Baabes Festsäle, Kolberger Ztr. 23. Gram' Festsäle, Kösliner Ztr. 8. Pbarus-8äle. Miillerstr. 142.(2 Versammlungen.) Bock-Brauerei(II. ibt.), Thausseestr. 64. Ärtus-Bof, Verlederger Ztr. 26. Stadl-Theater, Alt-Moabit 47-49. Referenten: Sak«. Sauer. Dr. Seruslein. Z)r. Sorchardt. Cohen. Sr. Oshar Cohn. Savidsohn. Luven(Dresden). DfiweU. 7aaß. 7h. Tischet Qroger. Qrunwald. Sr. Kerzfeld.?aul Kirsch. Kosa Luxemburg.?fannhuch.?ötzsch. Sierahowsky(Hamburg). Sabath. Schenk. Schmidt(Arbeitersekretär). Schmidt(Redakteur). Schmidt(Reichstagsabgeordneter). Schmit. StröbeL UcUo. Sr. Weyl. Woldt. Trida Wulff. Luise Zietz, TeItow=Beeskow: Ädlershof: Eschner, Sismarckstr. 60. Britz: Kaddatz, Ehansseestr. 39. Cbarlottenburg: Volkshaus, Koflnevstr. Köpenick: Ztadt-Theater. Groß-Besten: Zum deutschen Kaiser. Gr.-Lichterfelde: Zur Zchühenrast, Kahuh. Johannisthal- Bieder Schöne veide: Kürgergarteu, Johannisthal, Park-, Ecke Friedrichstraße. Referenten: Ottilie Saader. Sohm-Schueh. Leid. Sdauasse. MNcr(Parteisekretär). Obst. Königs-Wuslerh.: Altes Schü|fiihii«s,wJd,�2d«mpn' Mariendorf: Zum Feldschlößchen, Kurfursteustr. 44. Bovaves: Volksgarten, Vriesterstr. 31. Bixdorf: Kappes Festsäle, Kermaunstr. 49. Feldschlößchen, Elsenstraße. Felsch, Kuesebeckstr.- Vassage-Festsäle, Kergstraße. Scböneberg- Friedenau: Obsts Festsäle, Zchöneberg, Meininger Straße.- Klubhans. Kanptstr. 5/6. Steglitz: Kirkenwäldchen, Schiitzenstraße. Tempelhof: WilHelmsgarten, berliner Straße 9. Teltov-Ieblend.: Gesellschastshans, Zehlend.�«'�' Trebbin: Eesellschafishaus, Inh. Emil Schulz, Z-W: Trepiov-Baumscliulenveg: Konkordia-Zale(früher Karpfenteich), Treptower hark 69. Vilmersdorf: Sesellschaftshans, Wilhelmsane 112. lossen: Kurzuer, Karnther Straße,«ach«, i»hr. Srühl. Conrad. Mochc. Köditz. Sesedeh. Sohn. Katzenstein. Kubig. K&ter.'Klofh. Tagels. Sassenbach. Sr. Silberstein. Sonnenburg. Ulm. Klara Weyl. Zeuner. Zubeil. Bernau: Fokal Elyfinm. imr«ittac«. Borsigwalde-Wittenau: Fokal Sahn, Wittenau. Erkner- Voltersdorf: Gasth. Volkmann in Woltersdorf. Friedrichsfelde: Lokal Knbe, Vrinzenallee 30. Friedrichshagen: Eonrads Festsäle, Friedrichstr. 137, nachmittags 2 Uhr. Lichtenberg: Schwarz. Adler, Frankfurter Ehanffee 5. Mahlsdorf: Linke, Arnnowstraße.» ühr. Referenten: Sadh. Süchner. Sittmer. Knna Kiesel. Lehmann. Liesegang. Berfa Nieder=Barnim: Beuenhagen-Pelershagen: Z.alt.Bessauer, Nledersehönhausen: Stephans Lindengarten. fUT™. Oberschöneweide: Wilhelmineuhof, Oranienburg: Waldhaus Sandhaufen. Schükenstr. Pankow: Zum Knrfursteu, Kerliuer Str. 102. Beinickendorf-Osl: Kubertussäle, Vroviuzstr. 77-79. Beinickendorf-West: Hartmauus Sraurrei, Zcharuweberstr. 1V1— 1V4. Bßdersdorf-Kalkberge: Gasthof z. Linde, ÄÄÄ?: Rummelsburg: Eafo Sellevue, Sauptllr. 2. Stralau: Malkgrafensäle, Markgrafendamm 34. Tegel: Trapps Festsäle, Kahnhofstr. I Weißensee: Schloß Weißensee. Wilhelmsruh: Lokal Aeutschmanu. Sauptstraße. Spandau: Kohlt: Kavelstr. 20. Referent: l.Iebknecdt. Treter. Kegina Tdedlander. Kartmann. Käß. KildebrandL Ad. Koffmann. Käming. Lungwitz. ITiüUer(Arbeitersekretär). Kathow. Stadthagen. Stühmer. Wermuth. Wissel. Tagesordnung: Ken gerechtes WaMreeht in frenfien. Diskussion. Wer mit uns ein besseres Wahlrecht in Preußen erkämpfe» will, ist zum Besuche dieser Versanlinlungen verpflichtet! Genossen und Genossinnen! Erscheint in Massen und agitiert für Massenbesuch! Für die Einberufer: Engen Gruft, Berlin, Liesenstr. 16. VerantwortliHer Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co., Berlin MV. � |t. 19. 28. Zahrglmg. 4. Keilaze i>cs Jonuärtü" Kcrlim Nslksblall Zonutilg, 22. Illltllllt 1911. Morgen Montag: Kranen-Leseabend. Partei- �Zngelegenkeiten. Zur Beachtung! Bei den heute stattfindenden Versammlungen in Groß- Berlin haben sich, bezüglich des Beginnens diverser Ver- sammlungen. in letzter Stunde einige Abänderungen ergeben. Wir bitten daher die Referenten sowie die Leser unseres Blattes, der heutigen Annonce, welche die.veränderten Zeiten enthält, genaue Beachtung zu schenken. _ DaS Berbandsbnreau. Erster KreiS. Polizeilich untersagt worden ist die zu heute nach den City- Sälen am Reichstags- Ufer einberufene Versammlung, angeblich aus baupolizeilichen Gründen. Die Versammlung findet bei DräselS in der Neuen Friedrichstrajje statt. Zur Lokalliste! Der RanchTIub„Schiller" veranstaltet am 42. Februar in den gesperrten Kammeriälen, Teltower Str. 1/3, ein Vergnügen. Weiter wird daraus aufmerksam gemacht, datz die Gruppe Berlin des Deutschen Bunde? der Vereine für naturgemähe Lebens- und Heil- weise(Noturheilkunde) im MarinehauS, Brandenburger Ufer 1, am Sonntag, den 19. Februar, ein.Blütenfest in Südtirol" abhält. Beide Lokale find streng zu nieiden. Charlottenburg T.-L. Das Lokal.Tiergartenhof" am Bahnhos Tiergarte» ist von der Lolalliste zu streichen. _ Die Lokallommisfion. Lankwitz. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet Mittwoch, den 2S. Januar, abends 8 Vi Uhr, bei Ebel, Mühlenstraße, statt. Der Vorstand. AblerShos. Die Bibliothek bleibt am heutigen Sonntag der Protestversammlung wegen geschlossen. Die Ausgabe der Bücher erfolgt am Montag, den 23. Januar, abends von 8—9 Uhr. Friedrichshagen. Am Mittwoch, den 25. Januar, abends 8% Uhr, im Restaurant Lerche, Jriedrichstr. 112: General. Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Redakteur Emil Dittmer:.Kunst, Bildung und Arbeiter"; 2. Tis- kussion; 8. HalbjahrSbericht; 4. Vereinsangelegenheiten und Ver- schiedencs. Die Bezirksleitung. Grünau. Die Genossen beteiligen sich an der heutigen Ver- sammlung in Adlershof bei Eschner, Bismarckstr. 69. Abfahrt 11 Uhr 23 Minuten vom Bahnhof Grünau. Der Vorstand. Karlshorst. Die Genossen nehmen heute an der Versammlung in Ober-Schöneweidc,„Wilhelmincnhof", teil. Treffpunkt bei Bartels.Fürstenbad" bis UVi Uhr. A m Dienstag, abends SVts Uhr, Mitgliederversammlung bei Bartels.Fürstenbad"; Vertrag des Genossen Reichstagsabg. Robert Schmidt. Die Bezirlsleitung. Eichwalde-Zeuthen-Miersborf. Am Dienstag, den 24., abends 8zh Uhr, im Lokal von Lindemann(Dorfaue) Generalversammlung deS Wahlvereins. Dei weiteren werden die Genossen ersucht, sich an der heute nachmittag 2 Uhr stattsindenden DemonstrationSver- sammlung zu beteiligen. Der Borstand. Wandlitz(KreiS Niederbarnim). Heute nachmittag, 4 Uhr, findet im Lokal von Lassan die Mitgliederversammlung deS Bezirks- wahwereinS Panlow-WiihelmSruh statt. LerUner JVachncbten. Weitersuhrnng der Schöneberger Untergrundbahn. In der Sitzung der Schöneberger Verkehrs- d e p u t a t i o n am Donnerstog wurde über die Weiter- führung der Schöneberger Bahn beraten. Die Firina Siemens u. Halske hatte mitgeteilt, dah sie bei der Stadt Berlin den Antrag gestellt habe, ihr die Zustimmung für die Weiterführung der Schöneberger Bahn nach der Weiden- dammer Brücke und den Linden zu erteilen. Sie erklärte sich bereit, nun auch mit Schöneberg zu verhandeln. Schöne- berg verhandelt bekanntlich selbst seit geraumer Zeit mit Berlin über die Fortsetzung seiner Bahn und ist hierbei durch Lieferung von Unterlagen usw. von Siemens u. Halkse unterstützt worden. Das Erstaunen über den Vorschlag war daher allgemein. Die Deputation blieb bei der bisherigen Auffassung der Stadt Sckwneberg und betrachtete es als eine erhebliche Schädigung der allgemeinen Interessen, wenn eine Privatgesellschaft die Fortsetzung und den Anschluß an eine Berliner Bahn vermitteln würde. Sie glaubt daher, daß in erster Linie alles daran gesetzt werden müsse, um eine Trvce usw. herbeizuführen. Die Deputation hielt eS an sich schon für unzulässig, daß unmittelbar vor dem Jnkrast- treten des Gesetzes über den Zweckverband, das die Verkehrs- interessen Groß-Berlins regeln soll, mit der Firma Siemens u. Halske ein Zustimmungsvertrag über die Fortführung der Schnellbahn abgeschlosien würde. Ein solcher Vertrag würde als ein Angriff auf den Zweckverband anzusehen sein, bevor der Verband noch ins Leben getreten. Die Treptower Eingemeindungsfrage bildet naib wie vor in der Einwohnerichast von Treptow Gegenstand lebhafter Erörlerungen. Wie die große Mehrheit der Einwohnerschaft von Treptow denkt, ist wiederholt deutlich in Erscheinung getreten. Sie hält die Eingemeindung nach Berlin als die beste Löiung. Am Freitagabend beschäftigt« sich auch die Gemeindevertretung mit der Angelegenheit. Die sozialdemokratischen Bertreter hatten beantragt, die für die Gemeinde so wichtige Frage in öffentlicher Sitzung zu erörtern. Dagegen wehrte sich die Mehrheit, die beschloß, geheim zu verhandeln. ES soll alles hinter den Kulissen erledigt werden, obwohl feilen eine Angelegenheit von so weittragender Bedeutung die Gemeinde beschäftigt hat wie diese. Nach Mitteilungen einiger Zeitungen über die geheime Sitzung sollen die Meinungen der Ver- treter auseinandergehen. Während mehrere Vertreter für die Ein- gemcindung nach Berlin feien, hätten fich andere für die Selb- ständigleit Treptows ausgesprochen, die Mehrheit aber sich auf den Standpunkt gestellt, mit Rixdorf weiter zu verhandeln wegen Ver- eirngung beider Crtc. Zm Grundbesitzerverein des Berliner und des mittleren Teiles von Treptow wurde gleichfalls die Angelegenheit besprochen und folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung spricht über die von einem Teil der Baum- schulweger Grundbesitzer unter Führung deS Gemeindevertreters Neumann betriebene Agitation zur Eingemeindung Treptows nach Nixdors ihre schärfste Mißbilligung aus. Sie erklärt, daß die Eingemeindung Treptows nach Nixdorf für den Berliner und mittleren Orrsteil(welche Ortsteile die bei weitem größere Ein- wohuerzahl besitzen und mehr als drei Viertel der gesamten Steuer- last aufbringen und deren Interessen vollkommen und ausschließlich nach Berlin weisen) schwere Schäden nach sich ziehen würde. Die Ver- sammlung erhebt aus diesen Gründen gegen die Eingemeindung nach Nixdorf entschiedenen Einspruch und richtet die Bitte an die Gemeinde- Verwaltung, für die Wahrung der Selbständigkeit Treptows einzu- treten, wenn die einzig in Betracht kommende Bereinigung mit Berlin sich zurzeit nicht erreichen läßt." Der KirchhosSnot in Treptow soll abgeholfen werden und zwar durch die Stadt Berlin. Der Magistrat hat der Gemeinde Treptow ein südlich des Teltowkcmals gelegenes städtisches Grundstück von er- Hebiicher Größe für 110 400 M. verlaust, das sich für den Zweck eignet. Einspruch gegen den Bau der Sternwarte. In diesem Frühjahr soll auf dem ausgedehnte» Gelände am Babelsberg, welches an das Gebiet von Klein- Glienicke grenzt, mit dem Reubau der Berliner Sternwarte begonnen werden. Zu den umfangreichen Baulichkeiten gehören auch ein MascbinenhauS mit hohem Schornstein sowie ein dazu gehöriger Kohlenschuppen, deren Errichtung zuerst in Angriff genommen werden soll. Die Villenbesitzer befürchten, durch die letzt- genannten Anlagen Belästigungen durch Rauch oder ruhestörendeS Geräusch auSgetetzt zu fein. Die letzte Gemeiudevertreterfitzung be- austragte daher den Gemeindevorsteber, bei der Aufsichtsbehörde vor- stellig zu werden,.daß mit allen Mitteln die Schaffung derartiger Anlage» verhindert wird", weil dadurch das Ortsbild der Gemeinde gröblich verunstaltet würde. Angeblich soll auch die Baupolizei- Verordnung für die Vororte von Berlin vom 28. Mai 1907 die Er- richlung derartiger Baulichkeiten in diesem Teil des Gutsbezirks PotS- damer Forst nicht gestatten. I» der SSuglingSfürsorgestelle I, Blumenstraße 73, findet im Februar wöchentlich j« VU Stunden Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich: Blumenstr. 78, vorn links parterre im Bureau. Bureau- zeit: werktäglich von 2—4 Uhr. Ablenkung von Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn wechselt die Gleiskreuzungen am Kotibuier Tor an der Ecke der Admiral- und Kottbuser Slraße in der Nacht vom 23. zum 24. Januar aus. Bon 1.30 an müssen deshalb folgende Ablenkungen vorgenommen werden. Der letz!« Wagen der Linie 29 Seestraße— Britz, der vom Motkenmarkl 1.14 abgeht, und die beiden letzten Wagen der Linie 48 Schönhauser Allee— Britz, die 12.61 und 1.00 von der Schönhauser Allee abfahren, lausen nicht durch die Kottbuser Straße und über den Kottbuser Dainm, sondern durch die Admiral-, Grimm« und Fichte- straße und die Hasenheide. Jiu-Jitsu, die bewährte Kampfart der Japaner, wird jetzt auch bei der hiesigen Kriminalpolizei eingeführt. Der Minister deS Innern hat sich damit einverstanden erklart, und die zur Ausbildung von Beamten erforderliche» Kosten bewilligt. Vorläufig werden an dem Kursus, der demnächst beginnt, nur zehn Mann teilnehmen, besonders solche Beamte, die durch ihren Dienst wohl zuerst in die Lage kommen können, vom Jiu-Jitsu praktisch Gebrauch zu machen. Ob der Knüppel, mit dem in Moabit„gearbeitet" wurde, außer- dem im Gebrauch bleibt, wird nicht mitgeteilt. Gegen da« Zufpätekommen zu den Theatervorstellungen richtet sich folgende Bekauntmalbung:„Da sich in letzter Zeit die Klagen über Zuspätkommen bei Beginn der Vorstellungen ganz beträchtlich vermehrt haben, richtet die Petition an die Theaterbesucher die dringende Bitte, doch pünktlich zu erscheinen. Die Bühnenleitung hat den strikten Austrag, mit dem Schlage 8 Uhr zu beginnen, wo- von aus naheliegenden Gründen nicht abgewichen werden darf und soll. Es wäre der Direktton gewiß nicht angenehm, wenn sie ver- suchen müßte, mit Beginn des Spieles die Saaltüren geschloffen zu hallen; sie würde aber schwerlich im Jntereffe des Publikums und der Darsteller davon abseben können, wenn die Klagen über Un- Pünktlichkeit nicht aufhören sollten." Diese Bekanntmachung erläßt die Direktton des Deutschen Scbau- spielhouseS in Hamburg, aber auch für Berlin wäre eine kolche Mahnung einmal sehr am Platze, denn eS ist nachgerade zu einer Unsitte geworden, daß selbst noch eine Viertelstunde nach Beginn der Borstellung verschiedene Besucher erscheinen und sich durch die Reihen der übrigen hindurchdrängen. Der Kampf nm die Knochenmühle. Die berüchtigte Knochen- mühle in der Greifswalder Straße hat sich seit langer Zeit als ein Hindernis für die Bebauung der Greiiswalder Straße erwiesen, wo- durch sich namentlich die Gemeinde Weißensee wirtschaftlich schwer geschädigt fühlte. Wegen der bei dem Betriebe der Knochenmühle verbreiteten gesundheitsschädlichen Dünste und Gerüche wurden von Jnteresienten verschiedene Prozesse gegen die Besitzer des Unternehmens angestrengt und das Reichsgericht hat durch Urteil ausgesprochen, daß die Knochenmühle vollständig umgewandelt werden muß. Diese Umwandlung will der Besitzer vornehmen und hat bei dem Berliner Stadtansschuß die Erteilung der Konzession für den neuen Betrieb beantragt. Da aber die Gemeinde Weißensee sowohl wie auch der dortige HauSbesitzerverein von 1910 und zahl- reiche Anlieger gegen die Umwandlung und Konzessionierung deS Betriebes Protest eingelegt haben, ist der Behörde ein Gutachten über die Feuergefährlichkeit des Belriebe« eingeholt worden. Dieses von dem Berliner Branddirektor Reichel erstattete Guiachten spricht sich dahin auS, daß schon die Ber dunstung von täglich 375 Liter Benzin, die tatsächlich stattfinde, bei der hoben Explosionsgefahr der Benzindämpfe eine große Gefahr für die Unigebung der Knochenmühle darstelle. Nach diesem Gut- achten ist zu erwarten, daß die Konzeisionierung der Knochenmühle nicht erfolgen wird oder so weitgehende Schutzmaßnahinen ge- forden werden, daß der Besitzer vielleicht auS ZwcckinSßigkeilS- gründen von einer Weiterführung des Betriebes Absland nehmen dürsten. Unfall auf dem Flugplatz Johannisthal. Nach längerer Pause gestaltete daS Wetter gestern die Ausführung von Flügen. Theelen stieg mit seinem abgeänderten Wright-Apparat ans und legte mehrere ivoblgelnngene Runden zurück. Als der Äviatiker Brockmüller, ein Schüler PoulainS, mit feinem Eindecker vom Siart ging, geriet fein Flugzeug in eine ziemlich tiefe Aulomobilradipur und der Apparat kipple iniolgcdesien nach von, über. Der Propeller bohrte sich in den Erdboden ein und zerbrach. Der Eindecker wurde vollständig zer- trümlneri, während der Flieger selbst wunderbarerweise gänzlich un- verletzt blieb. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einen, Omnibus der Linie 9, bei dem drei Personen verletzt wurden, fand gestern vormittag um 11 Uhr an der Ecke der Leipziger- und Wilhelmstraße statt. Der PierdeonmibuS 1073 der Linie 9 versuchte kurz vor dem Motorwagen 3830 der Linie 79 das Gleis zu kreuzen, wurde jedoch vom Borderperron erfaßt und so heftig beiseite geschleudert, daß die beiden großen Seitenscheiben vollkommen zer« trümmert wurden. Verschiedene Passagiere erlitten Fußverletzungen und Schnittwunden. Die Verletzten erhielten auf der Unfallstation die erste Hilfe und begaben sich dann in ihre Wohnungen. An dem Straßenbahnwagen wurde der Borderperron beschädigt. Bon einem Soldatenselbstmord wird im Südosten Berlins viel gesprochen. In der Kaserne des dritten Garderegiments(Zeug- Hofstraße) hat sich Dienstag früh vor 7 Uhr ein Rekrut aus der 8. Kompagnie aus einem Flurfenster des dritten Stockwerks auf den Hof hinabgestürzt. In schwer verletztem Zustande wurde der Soldat weggeschafft und soll, einem Gerücht zufolge, inzwischen ge st o r b e n sein. Uns ist es nicht möglich gewesen, nähere Einzelheiten über diese verzweifelte Tat zu ermitteln. Auch über die Motive, die den Soldaten zu dem unseligen Schritt geführt haben könnten, ist uns bisher noch nichts bekannt geworden. Der Schneider Karl KlonuS, Philippstraße 13a, bittet uns mit« zuteilen, daß er mit dem in der Notiz:„Darlehnöschwindler" ge« nannten Schneider gleichen Namens nicht identisch ist. Großfeuer kam in der vergangenen Nacht auS noch nicht auf» geklärter Ursache in einem Lumpenspeicher der Firma M. Markus. Adalbertstraße 8, am Kottbuser Tor, aus. Als die Gefahr nach Mitternacht bemerkt wurde und der achte Löschzug aus der Reichen» berger Straße erschien, stand dort ein mit Lumpen usw. gefüllrer Schuppen in Flammen. Ein Eindringen war unmöglich; das Dach, der Fußboden und die Türen brannten schon. Brandincister Berg ließ sofort mit vier Schlauchleitungen von mehreren Seite» an- greifen und vier Steckleitergänge errichten, über die von der Feuer- wehr, die durch den fünften Zug verstärkt wurde, vorgegangen wurde. Nach längerem kräftigen Löschen, wobei leider die Fcuermänner Grube, Michaelis, Magawski u. a. an Rauchvergiftung erkrankten, so daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben innßlen, gelang es, den Brand auf den Schruppen zu beschränken. Die Auf- räumung der Brandstelle, auf der eine Brandwache zurückblieb, wurde gestern vormittag fortgesetzt. Der Zoologische Garten hat kürzlich ein Paar bisher noch nie lebend zu uns gebrachte SchimmerloriS— vtialopsittsous scuittllatas— aus Neu-Guinea erworben, die in einem Glaskäfig deS neuen Vogelhauses untergebracht sind, wo sich die noch etwas scheuen Tiere gern den Blicken de« Beschauers dadurch entziehen, daß sie eiligst in ihrem hohlen Baumstamm verschwinden. Im Gegensatz zu den meisten Verwandten sind sie nicht mit grellen, leucbienden Farben geschmückt, sondern zeigen auf einem ganz dunklen Grün eine in eigentümlich matter Weise angedeutete gelbe, schwärzliche und dunkelrole Zeichnung, die diesen Papageien eine ganz eigenartige Schönheit verleiht. Das Walhallatheater am WeinbergSweg hat mit seiner Aller» weltsrevue:„Bravo! DaCapol" keinen schlechten Griff gemacht. Am Freitag ging das Ausstattungsstück bereits zum 100. Male über die Bretter. Die Direktion hat es sich angelegen sein lassen, durch Einlegung neuer Spezialitäten in die einzelnen Bilder für erhöhte Abwechselung Sorge zu tragen, was ihr den lebhaften Beifall des Auditoriums einbrachte. Lerloren. Am Freitag, den 20. Jonnar, abend?, ist auf dem Wege von der Koninmsiliale Hussitenstraße bis zur Bernauer Straße ein Portemonnaie mit Inhalt verloren worden. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Baumann, Bernauer Str. 9, abzugeben. Arbeiter» Samariteriund— Kolonne Berlin. Die Jahres» generalversammlung der Kolonne findet heute erst nach Schluß der Demonftrationsversammlungen statt. Sämtliche akliven Mitglieder haben sich in die Versammlungen ihres Bezirks zu begeben. Vorort- ZSsack Hebten* Rixdorf. In den letzten Magistraissitznngen wurde u. et. beschlossen, den jetzigen Arbeitern der städtischen Gasanstalt das Auswärtswohnen zu gestatten. Bei Neueinstellungen sollen vorzugsweise solche Ar- beiter berücksichtigt werden, die in Rixdorf ihren Wohnsitz haben oder nehmen. Der Ueberlassung der Baracke auf dem früheren Krankenanstaltsgrundstück in der Cannerstraße an die katholische Präparandenanstalt auf die Dauer eine? Jahres wurde zugestinimt. Die baulichen Aenderungen sollen unter Aufsicht des städtischen HochbauamtS erfolgen. Den im städtischen Krankenhause wohn- haften Aerzten und Beamten des Krankenhauses soll für ihre Person freie ärztliche Behandlung und Arznei nach Maßgabe der in der Anstalt vorhandenen Einrichtungen gewährt werden. Dem Antrage deS Magistrats Charlottenburg zur einheitlichen Regelung der Antrittszeiten der Dienstboten und zur Schaffung eines Orts, gebrauch bei der Vermietung dahin zu wirken, daß der Antritt für alles Gesinde gleichmäßig in den Ouartalsmonaten am 2., in den übrigen Monaten am 1. vereinbart wird, wurde unter der Voraus» setzung zugestimmt, daß dieses Verfahren auch von den übrigen Gemeinden Groß-Berlins geübt wird. Der Magistrat erklärte sich nachträglich mit den Bedingungen einverstanden, unter welchen am 2. Januar d. I. die Angliederung eines FacharbcitSnachweiscS für das Steinsetzgewerbe an den städtischen Arbeitsnachweis erfolgt! ist. Die Vorarbeiten für den Schullastenanspruch sollen in be« sonders zu vergütenden Ueberftunden des Schulbureaus erledigt werden. Der Magistrat erklärte sich grundsätzlich mit der Ein» führung einer freiwilligen Schülerversicherung in den hiesigen höheren Knabenschulen einverstanden. DaS Gesuch mehrerer Ober« lehrer um Nachzahlung deS erhöhten DiensteinkommenS für da> Rechnungsjahr 1908 wurde abgelehnt. Der Magistrat erklärte sich mit den in der vorgelegten Zusammenstellung enthaltenen Vor- schlagen über die Neubildung der Verwaltungsdeputationen, Kom» inissionen und ständigen Ausschüsse mit der Maßgabe einverstanden, baß an Stelle der Bezeichnung„Deputation für den Bau und Be- «rieb der städtischen Badeanstalt" zu setzen ist:..Deputation für die städtische Badeanstalt". Bei der Stadtverordnetenversammlung soll die Einsetzung einer besonderen gemischten Kommission zur Be» antragt werden. Zu der am heutigen Sonntag, nachmittags 2)4 Uhr. statt» findenden Theatervorstellung„John Gabriel Borkman", Schau« spiel von Ibsen, sind Billetts noch in den Lokalen von Hoppe, Her- mannstr. 49/50, Meier, Prinz-Handjerystr. 3, und Kränke, Ideal» Passage, zu haben. Der BildungSauSschuß. Unseren Abonnenten geben wir bekannt, daß wir am Montag, den 23. Januar, in der Siegfriedstr. 28/29 eine zweite Aus» gabestelle eröffnen. Der Bestellbezirk umfaßt den Teil südlich der Steinmetz-, Thomasstratze. Richardplatz und Britz. Wir bitten. alle Um-, An- und Abmeldungen, Mitteilungen und Inserate von Montag an dorthin zu richten. Die Expedition. Schönederg. Ein Liebesdrama hat sich gestern abend in der Torgauer Straße abgespielt. Die 24jährige Wirtschafterin Marie Kretschmann gab auf ihren Geliebten, den 2Sjährigen Tapezierer Albert ZiersZiewicz, EeLanftr. S4 ivoHnhaft, toter Retoolverschüsse aB und Beriefe ihn schwer. Es wird hierüber folgendes gemeldet: Der Tapezierer Albert Zierschiewicz hatte sich toor etwa 1X> Jahren von seiner Frau ge- trennt, da er die Ajährige Marie Kretschmann kennengelernt hatte. Er zog mit seiner Geliebten zusammen. Zwischen dem Paar kam eS jedoch öfter zu Streitigkeiten, da das Mädchen sehr eifersüchtig war und Z. beständig bewachte. Hierzu kam noch, daß Z. seiner Geliebten ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von 4 Mark ab- genommen hatte, die er angeblich benötigte, um sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Das Verhältnis des Paares blieb jedoch nicht ohne Folgen. Als das Mädchen ihm mitteilte, daß sie sich Mutter fühle, mißhandelte sie Z. und versuchte mehrmals, sie aus der Wohnung zu vertreiben. Das Mädchen, das durch die Miß- Handlungen völlig verzweifelt war, verließ diese schließlich mit der Drohung, daß sie sich an Z. furchtbar rächen werde. Der Tapezierer suchte vor einigen Monaten seine Gattin wieder auf und bewog sie, zu ihm zurückzukehren. Die Kretschmann überwachte das Paar jedoch sorgfältig und folgte ihm öfters auf seinen Ausgängen. Vor- gestern vormittag kaufte sie in der Eisenwarenhandlung von Wohlich in der Stubenrauchstraße einen Revolver mit 30 scharfen Patronen und faßte dann vor der Wohnung ihres Geliebten Posta. Als Z. mit seiner Ehefrau abends spazieren ging, folgte sie ihnen und schoß unter der Eisenbahnüberführung in der Torgauer Straße vier Schüsse auf den Z. ab, von denen einer den Tapezierer traf und die Lunge in der Nähe des Herzens durchbohrte, so daß der Getroffene blutüberströmt zu Boden sank. Das Mädchen, das sich unmittelbar nach der Tat zu erschießen suchte, wurde von Passanten daran gehindert und nach dem Polizeipräsidium in Schöneberg ge- bracht. Der Schwerverwundete wurde nach dem städtischen Kranken- haus übergeführt, wo er fast hoffnungslos daniederliegt. Bei ihrer Vernehmung gab die Täterin an, daß sie ihren Geliebten aus Rache habe erschießen und dann selbst Hand an sich legen wollen. Lichtenberg. Aus Lichtenbergs Schul- und Erziehungswesen. Die unter obiger Stichmarke in Nr. 6 des„Vorwärts" veröffentlichten Miß- stände waren Gegenstand der Verhandlungen in der letzten Stadt- verordnetensitzung. In einer von unseren Genossen eingebrachten Interpellation wurde an den Magistrat die Anfrage gerichtet, was er zu tun gedenke, um in Zukunft den Mißhandlungen von Schul- lindern vorzubeugen und für eine menschenwürdige Behandlung der Lichtenberger Fürsorgekinder zu sorgen. Genosse D ü w e l l be- gründete die Interpellation an der Hand des bereits im„Vorwärts" mitgeteilten Tatsachenmaterials in der eingehendsten Weise. Er wies unter anderem darauf hin, daß bereits durch Ministerialerlasse vom 3. April 1888 und 19. Januar 1909 das Züchtigungsrecht der Lehrer erheblich eingeschränkt sei,, und daß, wenn diesen Verord- nungen nachgekommen worden wäre, man bereits längst gegen den Lehrer L o e st hätte einschreiten und demselben das Züchtigungs- recht entziehen müssen. Leider seien in Preußen die Vertreter der Arbeiterschaft von der Aufsicht über die Volksschule ausgeschlossen, und nur daraus sei es erklärlich, weshalb derartige Mißhandlungen von der�Schuldeputation so außerordentlich milde beurteilt werden. Diese Tatsache zwinge die Arbeitervertreter, alle derartigen Vor- kommnisse in öffentlicher Sitzung zu behandeln. Betreffs des Für- soraezöglings, der unglücklichen Frida Döring, habe er sich vor zirka einer Woche an den Landesdirektor v. Manteufsel ge- wandt mit dem Ersuchen, näheres über den Aufenthaltsort der Frida Döring zu erfahren, da er noch Kleidungsstücke derselben in Verwahrung habe und er dieselben abliefern wolle. Bis heute habe er noch keine Antwort; er glaube, es wäre erheblich schneller gearbei- tet worden, wenn es sich um den verkommenen Sohn eines preußischen Junkers gehandelt hätte. Redner betonte ferner, das Schicksal der Frida Döring sei um so mehr zu bedauern, als die Brandenburger Fürsorgeanstalten nach Auffassung weiter Kreise teilweise ebenso schlimm wie Mieltschin sein sollen. Selbst ein Mann wie der Oberinspektor Lorenz von Plötzensee wider- spreche ganz entschieden der Ansicht, daß die Fürsorgeerziehung besser sei als die Behandlung im Gefängnis und er würde es für unter seiner Würde halten, von seinem Züchtigungsrecht gegenüber jugendlichen Gefangenen Gebrauch zu machen. Düwell forderte, daß die bestehende soziale Kommission beauftragt werde, sich um die Lichtenberger Fürsorgezöglinge und über ihre Unter- bringung zu bekümmern. Zum Schluß wies Redner darauf hin, daß man in der heutigen Gesellschaft wohl Tierschutzvereine gründe, die gehetzten, armen und kranken Menschen aber in echt christlicher Liebe ihrem Schicksal überlasse.— Die Antwort des Magistrats durch den Mund des Bürgermeisters Ziethen war eine solche— wie man sie nicht anders erwarten konnte. Betreffs der Mißhandlung des Schülers Laube gab er zu, daß das Trommelfell beschädigt sei, aber nach Aussage der— Mutter des Schülers sei eS wieder geheilt; im übrigen aber solle man doch bedenken, daß schließlich die Lehrer doch auch Menschen seien und infolge- dessen eine solche in der Erregung begangene Ueberschreitung des Züchtigungsrechts entschuldbar und verständlich sei. Im zweiten Fall, betreffend die Erkrankung und Transportierung eines Schul- mädchens, habe der betreffende Rektor nach jeder Richtung hin sein vollste Pflicht und Schuldigkeit getan. Auch hier trat wieder die— Mutter als Sachverständige in Erscheinung, da sich dieselbe beim Rektor für die ihrem Kinde erwiesene Hilfe bedankt habe.— Sonderbarerweise führte der Magistrat Y i e r das Zeugnis der Mutter ins Feld, während er in anderen Fällen davon nichts wissen will.— Daß der Magistrat jedoch selbst von der Richtig- keit der Anordnungen nicht so überzeugt sein muß, wie er es an- geblich sein will, beweist, daß in Zukunft doch gemäß unserer An- regung die Rettungswache in Anspruch genommen werden soll und eine kleinere Tragbahre hierfür bereitgehalten wird.— Beim dritten Fall war die Antwort noch kürzer, indem Herr Ziethen lediglich erklärte, der Magistrat habe keinerlei Recht, sich um die Tätigkeit anderer Behörden zu bekümmern.— Und die bürgerlichen Stadt- verordneten? Sie ließen durch den Mund des Herrn Stadtver- ordnetenvörsteher-Stellvcrtreter Röder ihre aufrichtigste Anteil- nähme und Sympathie dem— mißhandelnden Lehrer Loest aussprechen.— Herr Röder selbst erklärte dann noch, daß er selbst in der Schule viel Prügel erhalten habe und nach seiner Auffassung noch viel zu wenig.— Auch in der Angelegenheit der Frida Döring sind die Bürgerlichen der Auffassung des Magistrats. — So sieht die bürgerliche Vertretung der Stadt Lichtenberg aus, und zwar geschlossen vom sogenannten liberalen Flügel bis hin- über zum echt konservativen, würdig, in ihrer Gesamtheit im preutzi- scheu Herrenhaus zu sitzen. Bei der Wahl der verschiedenen Ausschüsse sind unsere Genossen folgendermaßen vertreten: Petitionsausschuß: Grauer und Seikel; Rechnungsausschuß: Elias, Linke, Spieckermann; Ausschuß zur Prüfung der Stadtverordnetenwahlen: Kertzscher, Seikel; Kassen- revisionskommission: Elias, Kertzscher, Linke, Spieckermann; Kom- Mission für soziale Angelegenheiten: Brühl und Spieckermann; Kommission betreffs die Festsetzung der Baukostenbeiträge für Regen- Wasserleitung: Elias. Grauer. Stöber; Kommission für Schaffung einer anderweiten kommunalen Organisation: Düwell, Grauer, Rösler; Kommission betr. anbaufäh'ge Herstellung der Straße 9: Linke und Spieckermann; Kommission betr. Neupflasterung der Frankfurter Chaussee: Grauer, Heckert, Linke; Kommission für den Krankenhausneubau: Brühl, Grauer, Heckert, Spieckermann. Eine Vorlage des Mag'strats betr. den Erlaß eines Ortsstatuts gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen wurde einer gemischten Kommission überwiesen.— Nach Erledigung einiger weiterer unwesentl'cher Punkte wurde die öffentliche Sitzung ge- schlössen und in geheimer Sitzung weiter beraten. Bei den am Freitag am hiesigen Orte stattgefundenen Wahlen der Gehilfenbeisitzer zum KausmaNnSgericht waren 171 Wähler eingeschrieben. Davon übten 149 ihr Stimmrecht aus. Jeder Wähler hatte 6 Stimmen abzugeben. Im ganzen wurden abge- geben 891 gültige Stimmen, 3 Stimmen waren ungültig. Von den gültigen Stimmen entfielen auf Liste I'(BelrieBSliste Eckert) 146 Stimmen— 1 Beisitzer, Liste 2(Deutschnational) 267 Stimmen = 3 Beisitzer, Liste 3(Verband deutscher Handlungsgehilfen) 78 Stimmen— 0 Beisitzer, Liste 4(Kaufmännischer Hilfsverein) 158 Stimmen— 1 Beisitzer, Liste 5(Verein der deutschen Kaufleute) 66 Stimmen— 0 Beisitzer, Liste 6(Zentralverband der Handlungsgehilfen) 96 Stimmen— 1 Beisitzer, Liste 7(Verein für Hand- lungskommis von 1858) 71 Stimmen— 0 Beisitzer. Die Deutschnationalen und der Verein der deutschen Kaufleute verlieren je 1 Beisitzer. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen vermehrte seine Stimmenzahl von 42 aus 96 und gewann 1 Beisitzer. Wilmersdorf. Ein Straßenbahnzusammenpoß, bei dem zwei Personen verletzt wurden, ereignete sich am Freitagabend an der Ecke der Berliner Allee und Lothringer Straße. Dort fuhr der Fahrer 16433 mit dem Motorwagen 2127 der Linie 52 ans den an der Haltestelle stehenden Anhängewagen 2593 auf. Der Zitsammenstoß war so heftig, daß ein Fahrgast des Anhängewagens, der Kaufmann Erich Krüger, Sedonslraße 56 wohnhaft, mit dem Kopf gegen die Hinterwand des Anhängewagens stürzte und eine stark blutende Stirnwunde erlitt Der Schaffner des Motorwagens Karl Kleindienst fiel gegen die Glasscheiben der Wagentür uns verletzte sich am rechten Unterarm. Die beiden Blessierlen begaben sich zur nächsten Unsallstation, wo sie verbundeit wurden. Am Motor- wie am Anhängewagen wurden die Puffer verbogen und die Perronbleche eingedrückt. Steglitz-Friedena«. Der BolkSliederabend, an dem Frau Käthe Hhan Lieder im Volkston zur Laute und Gitarre singen wird, findet am Dienstag, den 24. Januar, abends 8)4 Uhr, im großen Saal des„Rheinschloß', Friedenau, Rheinstr. 66, statt. Die bestellten Eintrittskarten können heute, Sonntag, vormittag vor der Volksversammlung und auch am Dienstag in Empfang genommen werden. Der Eintrittspreis be- trägt nur 23 Pf. Der Bildungsausschuß. Zehlendorf(Wannseebahn). Die düpierten Zehlendorfer. Seit langen Jahren steht in Zehlendorf die Einrichtung einer Volksbadeaustalt im Votdergrund des öffentlichen Interesses. Die Forderung wurde vor etwa acht Jahren zum erstenmal bei einer Geineindewahlbewegttng von unseren Genossen erhoben. Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung konnte auch von dem Gemcindevorstand so wenig wie von der Gemeindevertretung geleugnet werden; aber immer waren die miß- lichen Wasser- und Absiihritngsverhältniffe schuld, die, da Zehlendorf eine Kanalisafion nicht hatte, die Einrichtung nicht gestafien sollten. Dem Zuge der Zeit folgend war aber auch Zehlendorf vor etwa drei Jahren genötigt, die Kanalisierung ernstlich zu betreiben. Seit etwa zwei Jahren war die Kanalisation so weit betriebsfertig, daß sich mit diesem Argument die Einrichfimg der Badeanstalt nicht mehr aufhalten ließ. Das sah auch die Gemeindevertretung ein, umsomehr. da wieder eine Gemeindewahl vor der Tür stand. Sie setzte deswegen in den letzten Etat eine ganz unerhebliche Summe für diesen Zweck ein, und nun konnten die bürgerlichen Schaumschläger weidlich mit der Weitsichtigkeit unserer Gemeindeverwaltung operieren. Von unserem Genossen Ulm wurde in der Wahlbewegung schon darauf hingewiesen. daß dies nichts sei als Bauernfang, natürlich bei der Zehlendorfer Bevölkerung ohne Erfolg. Die Frage wurde dann in der Vertretung weiter beraten, und jetzt endlich sieht sich die Vertretung genötigt, zuzugeben, daß in der Tat nichts aus dieser Einrichtung wird. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde die Angelegenheit bis auf weiteres eingesargt. Nicht ein einziger Vertreter hatte etwas da« gegen, daß die Sache völlig fallen gelassen wird. Man hilft sich nun mit der billigen Ausrede, daß, wenn ein Privatunternehmer eine solche Anstalt einrichten würde, er die weitgehendste Förderung erhalten solle. Das ist das Fiasko unserer Gemeindevertretung in dieser Sache. Eine Frage: Was wird mit dem für diesen Zweck in den letzten Etat eingestellten Betrag? Die letzte Geiiteindevertretersitiung war fast ausschließlich der Nachbewilligung überschrittener Etatstitel gewidmet. Zunächst wurde eine generelle Nachbewilligung von Mitteln für die Betriebs- Verwaltung des Elektrizitätswerks beschlossen. Hervorgerufen wurde sie durch die Zunahme der Zahl der Konsumenten. Etne Belastung des Etats entsteht dadurch nicht, weil den erhöhten Aus- gaben auch erhöhte Einnahmen gegenüberstehen. Die Tiefbau- abteilung braucht für die Reinigung und Unterhaltung der Vor- flutgräben und Entwässerungsanlagen 2566 M., für auszuführende Pflasterungsarbeiten 1666 M. Die Position für die Ausführung von Desinfektionen wurde um 266 M. verstärkt. Beim Gymnasium und der Realschule werden noch 1656 M. gebraucht. Der Hochbau- abteilung wurden noch 966 M. nachbewilligt. Die Gesamtsumme aller Nachbewilligungen beträgt 6695 M. Kopfschütteln erregte insbesondere die Forderung von 566 M. für Reinigungsmittel beim Gymnasium. In den Etat waren 266 M. dafür eingesetzt. Der Betrag ist bei der Gemeindeschule noch niedriger. Aber während hier eine Nachforderung für diesen Zweck nicht erforderlich ist, sind diese Ausgaben beim Gymnasium aus 766 M. gestiegen. Da selbst unserer Vertretung dies Mißverhältnis auffiel, soll für die nächste Sitzung ein Nachweis bereitgestellt werden, aus dem die Verwen- dung der Mittel näher ersichtlich ist. Die Vorlage des Gemeinde- Vorstandes, die dahin geht, mit dem Eisenbahnfiskus einen Ge- ländeaustausch vorzunehmen, der die Herstellung der Unterführung im Zuge der Karlstraße ermöglichen soll, wurde genehmigt und die dazu erforderlichen 16 231 M. aus Anleihemitteln bewilligt. Der Tarif für die Kanalisationsanschlüsse wurde in der gleichen Höhe wie im Vorjahre beschlossen. Wegen der schlechten Finanzlage des Ortes wurde beschlossen, der Anregung des Parkausschusses, eine neue Krankenbaracke«t bauen und die alte, baufällige zu verlegen, nicht zu folgen. Für solche Dinge langt es in Zehlendorf sehr selten. Die Rechtsauskunftsstelle soll für das Jahr 1911 nocki nicht errichtet werden, weil der Kreis keine Mittel dazu zur Verfügung stellt. Schade! Herr Hammer wollte bei der Einrichtung ein paar Arbeiter mit 5—8666 M. Jahreseinkommen in Freiheit dressiert vorführen. Die leidige Differenzierungsfrage der Grundwert- steuer zeitigte eine lange Debatte. Der Schöffe Rhode hält die Möglichkeit der Durchführung der Differenzierung für nicht ge- geben, weil schon im Vorjahre der Kreis- und Bezirksausschuß einen ablehnenden Standpunkt eingenommen haben und weil für die großen unbebauten Ländereien rechtsgültige Bebauungspläne noch nicht bestehen. Selbstverständlich nahm sich Herr Hammer wieder aufs, wärmste der armen Großgrundbesitzer an. Dagegen wies Herr Thontton darauf hin, daß die Auffassung des Bezirksaus- schusses, es handle sich hier nicht um Spekulationsland, durchaus irrig sei. In der Tat gibt es nichts Verfehlteres als die Annahme. diese gewaltigen Terrains, die teilweise fast bis in das Herz Zehlen- dorf hineinreichen, seien kein Spekulationsland. Die Wahrheit ist, daß die gewaltigen Mittel der Besitzer ihnen erlauben, zu warten, bis die Preise noch höher find. Wäre dies nicht der Fall, so wüßten sie schon Dampf zu machen hinter die Aufstellung der Bau- Pläne. Zu einem Beschluß kam es nicht. Beschlossen wurde noch, ein kleines Automobil für 4—5666 M. für die Feuerwehr anzu- schaffen. Steglitz. In einer gut besuchten öffentlichen Bersammlung im Birken- Wäldchen sprach Reichstagsabgeordneter H. Leber, Jena, über die gegenwärfige politische Lage. Am Schlusie seine? mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrages betonte der Redner: Gegenwärtig lasse sich noch nicht bestimmt sagen, wann die ReichstagSwahlen stattfinden; wann dieselben aber auch lein mögen, jedenfalls werden uns die Wahlen nicht unvorbereitet treffen und so ausfallen, daß sie den von manchen Gegnern bereits aufgemachten Rechnungen ent- sprechen. Der Vorsitzende forderte sodann die Anwesenden auf, der politischen und gewerkschaftlichen Organisation sowie dem Konsum- verein beizutreten, damit der Kampf auf allen Gebieten wirlungS- voll geführt werden kann. Mariendorf. Nach dem Bericht beS B-rstandeS in der Generalversammlung des Wahlvereins ist die Mitgliederzahl von 297 auf 316 gestiegen. Es gehören dem Wahlverei» 253 männliche und 63 weibliche Mit« glieder an. Von 198 befragten Mitgliedern sind 175 gewerkschaftlich organisiert, 193 waren„Voavärts'leser, 69 hatten ihren Austritt aus der Landeskirche erklärt. Der Kassenbericht des Genossen Spann- berg weist im ersten Quartal eine Einnahme von 467,85 M. auf, davon betrug die örtliche Ausgabe 148,55 M., die Abführung an den Kreis 271,90 M., so daß ein Defizit von 12,66 M. vorhanden war. Im zweiten Quartal verblieb bei einer Einnahme von 295,26 M. und einer Gesamtausgabe von 279.66 M. ein Ueberschuß von 16,26 M. Zur Generalversammlung Groß-Berlins wurden Jeserich und Bethke, zur Kreisvorstandssitzung und Kreisgeneralversammlung Jeserich und Spannberg gewählt. Die GewerkschaslSkommissionSmitglieder Binde und Heinrich geben bekannt, daß an die Maiiendorfer Behörde der Antrag gestellt wird, für die beiden Orte Mariendorf und Marien- selbe ein Gewerbegericht zu errichten. Die Versammlung stimmte dem zu. Als Ersatz für den Jugendausschuß wurden an Stelle Wagner und Fiebig die Genossen Thiele und Rothmann gewählt. Zum Schluß wurde folgende von der Jugendorganisation eingesanvte Resolution zur Verlesung gebracht: Die Vercinsversammlung der „Freien Jugendorganisation Tempelhof und Mariendorf" vom li. Dezember 1916 beschließt, den Kampf gegen die Schundliteratur ganz entschieden auszunehmen und zwar: 1. Durch Errichtung einer Bibliothek; 2. durch Beschaffung billiger, lehrreicher und ausklärender Literatur; 3. fordert sie die Käufer auf, alle Geschäfte zu meiden, die Schundliteratur vertteiben; 4. ersucht sie die Arbeiterschaft, sie in ihrem Kampfe zu unterstützen, indem sie uns noch fernstehende Jugendliche über die Schädlichkeit der Schundliteratur aufklärt und sie unserer Bewegung zuführt. Köpenick. Ucber das Thema:„Vater Staat und seine Kinder" referierte Genosse Stönner-Berlin in der letzten Wahlvereinsversammlung. In der Diskussion wurde ersucht, mehr für die Parteipresse zu agilicren, da noch ein großer Teil der Arbeiterschaft bürgerliche Blätter lese. Aufgenommen wurden 25 neue Mitglieder, darunler 6 weibliche. Den Kaffenbericht vom 4. Quartal 1916 erstattete Genosse Heinze. Derselbe weist eine Einnahme von 144l,37 M. und eine Ausgabe von 1159.96 M. auf. Dos Ableben des Genoffen Franke ehrte die Versammlung in üblicher Weise. Ein Antrag der Bibliothek- kommission, 66 M. für Neuam'chaffuug von Buchen: zu bewilligen, wurde angenommen. Am Schlüsse der Versammlung wurden noch einige örtliche Angelegenheiten erledigt. Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Das Verhalten des SchulinspektorS Pastor Aß miö war in einer gut besuchten Veisammluiig Gegenstand der Erörterung. Nackt einem mit starkem Beifall auigettomtnenen Vortrag des Gcnosien Hilde- brandt über„Krone, Regierung und Volk" brachte Genosse Schulz zur Sprache, daß der Schulvorstand, bestehend aus Gcmeindcvor- sicher und zwei Gemeindevertretern gegen das absolute Regiment des Herrn Pastor beim Regierungspräsidenten Beschwerde eingelegt habe. Diese Beschwerde habe den Erfolg gehabt, daß durch Per- sügung dem Herrn Pastor aufgegeben worden ist, die Sitzung des Schulvorstandes 14tägig und zwar des Abends anzuberaumen; des weiteren seien Elternabende zu veranstalten. Bon Anfang Oktober bis Anfang Januar hatte der Herr Pastor keine Sitzung des Schul- Vorstandes einberufen. Erst Mitte des Monats ist dem Ersuchen der Regierung entsprochen worden; die Sitzung babe aber nicht, wie dies von der Regierung verlangt wird, des Abends, sondern am Nach- mittage stattgefunden. Dadurch sei ein etwas energisches Mitglied des Porstandes beruflich an der Teilnahme der Sitzung verhindert worden. Hoffentlich wird dafür Sorge getragen, daß nunmehr die An« Weisungen der Regierung befolgt werden. Weistensee. Tie in Schöneberg bevorstehende Oberbllrgermcisterwahl Hat für Weißensee insofern einige Bedeutung erhalten, als sich Bürger- meister Dr. W o e l ck um diesen Posten beworben hatte und von dem Wahlausschuß bereits zur engeren Wahl gestellt war. Da die Möglichkeit bestand, daß der hiesige Bürgermeister den Ort verlassen würde, versuchte die fortschrittliche Fraktion den Bürgermeister zu bewegen, seine Kandidatur in Schöneberg zurückzuziehen und bot eine Gehaltserhöhung von 3666 M. an. Die sozialdemokratische Fraktion schloß sich dem an. Diese Frage kam daher in der letzten Gemeindevertretersitzung zur Verhandlung. Da nur die alte bürgerliche Fraktion und der besoldete Schöffe Dr. Pape gegen eine sofortige Beschlußfassung stimmten, wurde der Antrag mit 19 gegen 8 Stimmen in namentlicher Abstimmung angenommen. Hierauf erklärte der Bürgermeister seine Kandidatur in Schöneberg zurück- zuziehen. Mit der bewilligten Zulage beträgt das Gehalt vom 1. April ab 15666 M. Grünau. In der letzten WahlvereinSversamnilung konnte, nach Entgegen- nähme eineS Referates des Genossen Ewald-Tempelhof über:„Die Konstellation der Parteien" mitgeteilt werden, daß auch am hiesigen Ort sich die Zahl der„VorwSrt's"-Abonnenten vermehrt hat; sie be- trägt gegenwärlig 126. Der Vorfitzende gab noch bekannt, daß in diesem Monat noch ein Frauenaoend stattfindet, für welchen die Genossin Schulte-Rixdors als Refercntin gewonnen ist. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Zu einer Eingabe des 8. Bezirks des sozialdemokratischen Wahlvereins betreffend Beschwerde über die schlechte Beschaffenheit und Beleuchtung der Lazarus- slraße wurde beschlossen, da der Magistrat eine gleiche Beschwerde- schrift erhalten hat, abzuwarten, welche Vorlage der letzcre in dieser Sache machen wird. Die Verpachtung von Ufer 2 des Hafens an den Spediteur Thomas auf 16 Jahre gegen eine Jahrespacht von 63 166 M. löste eine längere Debatte aus, bei welcher einige Stadt- verordneten den Pächter zu unterstützen versuchten, indem sie das Pachtgebot als die äußerste Grenze angaben. Genosse Pieper betonte treffend, daß der Pächter bei dem Pachtgcbot auch noch sein schönes Geschäft machen wird. Denn daß derselbe seinen Vor- teil zu wahren versteht, gehe daraus hervor, daß er zuerst für Ufer 5 ein Gebot von 5666 M. abgab, welches er bei der späteren Ausschreibung auf 56 666 M. erhöhte. Zweckmäßiger würde eS sein, den Hafenbetrieb in eigene Regie zu übernehmen. Die Vor- läge wurde angenommen.— Hierauf wurde dann die Wahl eines Stadtbaurats für Tiesbau vorgenommen. Es war vorher schon in die Oeffentlichkeit gekommen, daß man beabsichtige, die Wahl um einige Wochen zu verschieben, weil sich für die Stadtbauratwahl auch einer der hiesigen Bewerber beworben hatte und man eventl. eine Doppelwahl vermeiden wollte. Genosse Pieper und einige andere Stadtverordnete protestierten ganz energisch gegen eine der- artige Verschleppung und drangen mit ihrem Protest durch, zumal bekannt wurde, welcher der Herren sich auch in Schöneberg bcwor- ben. Die Wahl wurde sofort vorgenommen. Ter erste Wahlgang erzielte keine absolute Majorität. Beim zweiten Wahlgang wurde der Stadtbauinspektor Gebensleben-Braunschweig mit 36 von 46 Stimmen gewählt.— Ein Umbau der Vorflut der Hausentwässe- rung der Neu- und Altstadt soll auf Vorschlag des bisherigen Stadt- baurats Brugsch vorgenommen werden. Die Hauswässer der Neu- und Altstadt wurden bisher durch einen am Lindcnufer befindlichen Heber nach der Kläranlage gedrückt. Dieser Heber funktionierte aber häufig nicht und eS stellten sich daher häufig Stockungen ein. Bei großem Platzregen wurde vielfach auch die Neustadt über- schwemmt. Nach dem Vorschlage Brugsch' soll nun der ganze Heber ausgeschaltet werden und die Wässer auf einfachem Wege mittels eigenem Gefälle, welches sich durch einen Anschlußkanal sehr leicht herstellen läßt, nach der Kläranlage geleitet werden.� Tic Ver- sammlung stimmte natürlich der Borlage zu. Eine längere Aus- spräche zeitigte ein von den Stadtverordneten Lüdicke und Genossen eingebrachter Antra?:„Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschliehen, den Magistrat zu ersuchen, in gemischter Kommission, zu welcher die Stadtverordnetenversammlung 8 Mitglieder abord- net, darüber in Beratung einzutreten, ob und bejahendenfalls welche Maßnahmen zu ergreifen such, um eine den Interessen der Stadt- gemeinde dienliche Fassung des Gesetzentwurfs betreffend den Zweckverbaud Groß-Berlin herbeizuführen." Stadtverordneten- Vorsteher Lüdicke sowie der Oberbürgermeister Kocltze verwiesen in längeren Ausführungen darauf, wie wenig Spandau in den Zweck- verband Groß-Berlin hineingehöre infolge seiner großen Abgelegen- heit und welche erheblichen Nachteile und Kosten der Stadtgemeinde ohne Nutzen daran zu haben, entstehen werden. Es müsse mit allen Mitteln angestrebt werden, daß Spandau nicht mit in den Zweckverband Groß-Berlin aufgenommen wird. Die Versamm- lung erklärte sich hiermit einverstanden und wählte in diese Kom- Mission die Stadtverordneten Lüdicke, Bender, Dr. Kantorowicz, Simon, Weber, Schob. Matthias und Genossen Pieper.— In der anschließenden geheimen Sitzung genehmigte die Versammlung denn auch die Wahl des Polizeisergeanten Böhm zum Polizeiwacht- meister. Böhm ist derjenige Beamte, der bei den Demonstrationen am schneivlgsten gegen die demonstrierenden Arbeiter vorgegangen ist. Er wurde verschiedenen älteren Polizeisergcanten, die sich mindestens eben so wie er zum Wachtmeister qualifizierten, vorge- zogen. Es ist wieder die alte Geschichte in neuer Auflage. Tie Gcmcindewählerlisten liegen in den Landgemeinden nur noch bis inklusive 30. Januar während der Amtsstundcn in den Genieindebureaus zur öffentlichen Einsicht aus. Versäume niemand, sich davon zu überzeugen, ob sein Name auch in der Liste verzeichnet ist. Für diejenigen, denen es die Zeit nicht erlaubt, selbst Einsicht in die Liste zu nehmen, übernehmen in der Regel einzelne, von den betreffenden Orten bereits bekanntgegebene Genossen die Einsichtnahme. Zu den bereits bekanntgegebenen Orten tragen wir noch nach: Tempelhof. Heute und nächsten Sonntag von 8—10 Uhr vormittags liegt im Gemeindebureau, Zimmers, die Gemeindewähler- liste aus: Treptow-Baumschulenweg. Die Liste liegt auS im Rathause, Neue Krug-Allce 1—3, Zimmer 44, an Wochentagen von 0 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und Sonntags von 9— 10 Uhr vormittags. Zur Einsichtnahme erboten haben sich: Wilhelm Erbe, Baumschulenstr. 14(Laden); Karl Kaiser, Grätzstr. 28 (Laden); Max Ledzian, Grätzstr. 08(Laden)._ Johannisthal. Im Rathaus wochentags von 8—3 Uhr, am hell- tigen Sonntag von 8— 12 Uhr vormittags. Zur Einsicht haben sich erboten die Genossen Gobin, Roonstr. 2, und Steuer, Bismarck- straße öa(Konsumladen). Adlershof. Im hiesigen Gemeindeamts, Bismarckstraße b8s, Zimmer 3, während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Zur Einsichtnahme für jedermann haben sich bereit erklärt: Genosse August Beck, Bismarckstr. 11(Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft), sowie Genosse Johann Feherstein, Bis- marckstr. 28. Alt-Glicnicke. Im hiesigen Gemeindeamte, Nudower Straße 61. Zur Einsichtnahme haben sich folgende Genossen bereit erklärt: Gustav Joch, Köpenicker Straße 45, Ferdinand Nictner, Köpenicker Straße 45, Wilhelm Hentschel, Grünauer Straße 29, Karl Rechlin, Köpenicker Straße 21, Max Winkelmann(Konsumverkaufsstelle). Friedrichshagen. Im Rathause, Friedrichstr. 87, Zimmer 13, während der Dienststunden bis 1 Uhr nachmittags und Sonntags von 9 bis 11 Uhr. Zur Einsichtnahme für jedermann hat sich Genosse Franke, Friedrichstr. 98(Konsumladen) bereit erklärt. Mahlsdorf(Ostbahn). Im Gemeindebureau von morgens 8 Uhr bis nachmittags 3 Uhr. Ferner können die Listen bei fol- genden Genossen eingesehen werden: in Mahlsdorf-Süd bei Karl Lehning, Seestr. 24; in der Kolonie bei Hermann Finster, Müller- straße 19/20; im Dorf bei Robert Oertel, Bahnhofstr. 16; in Mahls- dorf-Nord bei Otto Franz, Lemkestr. 191. Wilhelmsruh-Rosenthal. Im Gemeindebureau, Hauptstr. 22, in den Geschästsstunden von 8—3 Uhr und Sonntags von 11 bis 12 Uhr._ Allgemeine Familiensterbekafse. Heule Sonntag von 3— K Uhr: Zahltag Ackerstraße 123 bei Wernicke und Mariannenstraße 43 im Restaurant. Kaufmännische Kranken- und Sterbekasse von 1888.(E. H. 71.) Dienstag, den 24. Januar, abends 3 Uhr, im Restaurant Lüden- straße 18/13! Sitzung. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für de» Reichstags- Wahlkreis Züllichau< Schwiebus- Krasse«- Sommerfeld.(Ortsverein Berlin.) Dienstag, 24. Januar, abends 8'/« Uhr, bei Böhm, Koppen- straße 47: Versammlung. Singegangene DrucKscKrifren. (die soziale Revolution. Von dieser Schrift des Genossen Karl K a u t S k y ist soeben der erste Teil: Sozialrcform und soziale Revolution, in dritter durchgesehener Auflage erschienen. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin LVtz. 68.— Die VeretnSausgabe kostet 40 Pf. »In Freie« Stunden*. Di« Hefte 1 WS 8 find erschienen. Der Roman: Der Jude, von Karl Spindler, wird sortgesetzt. Außerdem ent- halten die Hefte noch kurze Abhandlungen über verschiedene Gegenstände von allgemeinem Interesse. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin S1V. 68. Preis pro He st 10 Ps. Der neue Band der Wochenschrift„In Freien Stunden" (Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin 81V. 68) ist zur Aus. gäbe gelangt. Aus dem Inhalt erwähnen lvir: Der rote Jason. Roman von Tb. H. Hall Caine.(Autorisierte Uebcrtregung tu« Deutsch- von H. W. Herzog.)— Eigene Kraft. Roman ans den cuglisaien Wcberbezirlen von Reunie Rennison.(Autorisierte Uebersetzung von Rodert Heymann.— Der schwarze Kater. Humoreske von W. W. Jacobs.— Der Zwerg Nase. Ein Märchen von Wilhelm Haust.— Der Preis für den 620 Seiten starken Leincnbaud beträgt 3,S0 M. Halbfranz 4,50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Die Bolksschule. wie sie sein soll. Von Otto Rühle. Zweite umgearbeitete Auslage. Verlag Buchbandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Preis 75 Ps.. Vereinsausgabe 30 Ps. Geschichte der Revolutionen. Von Dr. A. C o n r a d y. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin L1V. 68. Die Heste 8 und 9 sind erschienen. Preis pro Heft 20 Pf. Kristiania BohSme. Roman von H. Jaeger. ö M., broschiert 6 M H. Bondy, Berlin IV. 15. Drei Erzählungen von Clara Biebig. Für Schule und Haus heraus- gegeben von Oberlehrer P. Beer. Verlag Fleische! u. Ko., Berlin W.— 60 Pf. Jung Ungarn. Monatsschrift, herausgegeben von I. DöSzi. 1. Heft. Viertelj. 4,50 M.— P. Casftrer, Berlin W. 10. Rordhänser Kantabakarveiter- Genoffenschaft in Wort und Bild. 1910. Selbstverlag in Nordhausen. WitterungSüberfich» vom 81. Januar 1011, morgens 8 Uhr. Wetterprognose kür Sonntag, den ÄL. Januar>011. Ziemlich mild, vorwiegend nebelig oder wollig mit geringen Nieder» schlagen und frischen westlichen Winden. Berliner Wette rbureau. SozialtookmisehJalilyereiii für den 4.6eflinerRe!e!istiigsvalill[reis. Landsberger Viertel. - Bezirk 401, Teil IL- Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Haus- diener Ernst Bong (Ebelingstr. 14) gestorben ist. Ehre seinem Andenkens Die Beerdigung findet ani Montag, den 23. Januar, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- halle des AuserstehungS-KirchhoseS tn Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 215112 Der Borktand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirktverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Haus. diener 65/14 Ernst Bong am 20. d. MtS. im Aller von 44 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 23. o. Mts., nachmittags 3 Ubr, von de, Leichen. halle des FriedhoseS der Auf» erstehuugSgemeinde aus statt. Um rege Beteiligung ei sucht Die Bezirksverwaltung wialiteWlii'ällsebei'Vablverelii für den 4. Herl. Reifhstagswahlkreis. Landsberger Viertel. Bezirk 410, Teil L Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt psul Wiikinding Woldenberger Str. 17 gestorben Ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet Montag, den 23. Januar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS. Friedrichs- seid«, aus statt. 215/13 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. SozialdeniDkratisebefWiililvereiD für den 2. Berliner Reiehstags-Wablkreis. (Bezirk 100.) Nachruf. Am Sonnabend, den 14. d. M., oerstarb unser Mitglied Otto Goirtal. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung hat bereits statt- gesunden. 210/2 Der Borstand. SozialdemokratiseherWablyerein Rixdorf. Am 20. Januar verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Paul Freiwald Okerstr. 37(16. Bez.) im Alter von 44 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Januar, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeinde» Friedhofes, Mariendorser Weg, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Deutsober Metallarbeiter-Verband Verwallungsttell« Berlin. Tode«- Anne Ige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schrauben- dreher Paul Freiwald am 20. d. MtS. an Lungenlelden gestorben ist. Ehre feinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Januar, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle deS Rixdorser Gemeinde- Friedhofes, Mariendorser Weg, auS statt. Rege BeteUigung erwartet ItO/lS Die Ortsverwaltung Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PFinzenslr. 41, ÄpXL 10- 2. ä— 7 Suiinta/O 10— 12. 2— 1 Lxira- Abteilung j I. Gesch.: Berlin W, Mohren- Straße 37a(2 Haus von der lerusalemer Straße). | II. Gesch.; Berlin NO., Große ' Frankfurt. Str. IIS(2. Haut von der Andreatttraße). | Sehrer.Ausw. fert. Kleider, I .] HBte, Handschuhe, Schleier »etc. v. einfachsten bis zum 1 hochelegant Genre z.sußerst niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: Mußaiilertigung in 10 bis 12 Stunden. Am Freitag verschied nach kurzem schwerem Leiden meine liebe Frau und gute Mutter Msrllm Bornmer geb. Stege im 31. Lebensjahre an tuber- kiiläser Gehirnhautentzündung. DieS zeigen ttcsbetrübt allen Freunden und Bekannten an Konrad Bommer u. Sohn. Die Beerdigung findet Montag. nachmittag 3>/,Uhr von der Leichen- Halle des Gemeinde- Friedhofes, Treptow, Neue Krug. Allee, aus statt. 2765b Oeuteetier Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Karl Kalbe am 19. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdiguna findet am Montag, den 23. Januar, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- Halle des neuen ThomaS-Kirch- hoseS in Rixdorf aus statt. 78/1 Die OrtSverwaltnng. Zeutrnl-Zlkrbnnd der Schiniedt. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Gustav L.ehrn arm im Atter von 42 Jahren im allen Spandauer Schissahrtskanal toi ausgesunden worden Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 22. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr, ans dem Fried- hos zu Haselhorst bei Spandau statt. 176/2 Rege Beteiligung erwartet Die Drltverwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Mitglied, die Kollegin �tarttm Peisker nach langen Leiden verstorben ist Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. Januar, nach- mittags'/,4 Uhr, aus dcmThomas- Kirchhose in Rixdorf, Hermann- straße, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/5 Die Drltverwaitung. Am Freitag verschied nach langen, schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter Kuna Nebe geb. Radlcke im 45. Lebensjahre. 27605 Die Beerdigung findet Montag, den 23. Januar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Weißcnseer Kirchhofes, Rölkestraße, aus statt. Um stilles Beileid bittet Im Namen der Hinterbliebenen: EeiRGt Rebe. Am Donnerstagabend 12 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser inniggclicbter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Hermann Kadach im 19. Lebensjahre. DieS zeigen ticfbelrübt an die Eltern und Geschwister Kadach» Rixdors. Elbcstr. 35. Die Beerdigung findet am Montag, den 23. d. M.. nach- mittags 3 Uhr von der Leichen. halle des neuen Rirdorfer Fried- boss, Mariendorser Weg, ans statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter tWims Tettner geb. HofTmann im 63. Lebensjahre am Freitagabend 11'/. Uhr nach lange» schweren Leiden im Krankenhaus« Bethanien verstorben ist. Um stille Teilnahme bitten t�uxust l'ettner nebat Sohn nnd llrant. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 24. d. M., nach vorausgehender Trauerieier, welche um llr3 Uhr tn der Kapelle des Bethonien-KrankenhauseS erfolgt, um 4 Uhr aus dem Emmaus- Kirchhole in Rixdors statt. Inventur' Verkauf der Firma vardinrnhaut Bcriistarv Schwartz Berlin C Wallstr. 13 Uniergrundb. Epi trlnmift, AiiSgana Slüniiraße. Große, allen Abteilungen entnommene Posten find. mit den bedcutcnd ermäkiifite« Preisen ausgezeichnet, übersichtlich ausgebreitet. Gardinen StoreS lüllbelldecken Portieren Tischdecken u. s. w. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz« spenden bei der Beerdigung meine» lieben Mannes, unseres guten BaterS, des Gastwirtes Wilbelm Noack sagen wir allen Bekannten, Frenn- den sowie dem Berbande der Freien Gast- und Schankwirte Deutschlands (Bezirk Rixdors), dem Wahlverein Rirdors, dem Sparverein Grenz» Allee 1910 und den Zimmerern der Firma C. Gumm innigsten Dank. Luise Noack nebst Kindern. Baer Ecke Prinz.-AMea Herren- und Knaben- |Moden, Berufskleidung. Elegante |Paletots o. Pelerinen. Großes Stafflager:: zur Anfertigung n.Maß Allsrbilllgste, streng fette Preise. Arbeiler- Gesunieitsbibliothek Heft u: Frauenleiden u. deren verlMiing. Nebst einem Anhang! Die Verhütung der Schwangerschaft. Bon Dr. I. Zadek. Preis... 20 Pf. Gute Ausgabe 50, Expedition des„Vorwerts" Berlin» V., Liudenstr. SV, Lade» netzenswunlc Aller ist ein fartes, reines Gesicht, rssiges jugendfrisches Ansseljen,«eiste, sammetiveiche kfaut und blendendschöner Teint. 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Ja, wenn Vorsatz oder grobe Fahr» läsfigkcit nachgewiesen werden kann. 3. Ja.— H. S. 110. Sie müssen sich mindestens einen Tag vorher von dem Kastellan eine Einlaßkarte ver« schaffen.— H. K. O. 1. Beschweren Sie sich bei der Schuldeputation. 2. Ja.— W. R. 150. Der Gutsbesitzer ist zum Ersatz deS gesamten Schadens verpflichtet. Sie können einen anderen Arzt zu Rate ziehen.— F. LI. Ja.— Ernst 20. 1. Das ist zulässig. 2. Nur bei den technischen Truppen.— R. K. LI. 1. Verband der Hausangestellten, Michaelkirch» platz 1. 2. Dort erhalten Sie Auskunft. Eine Versicherungs p s li ch t be- besteht nicht.— Pankow LS. DaS ist zulässig.— H. K. 26. Leider besteht für Ihre Frau leine Versicherungspflicht.— 31. H. 122. Die Dame hätte dann das RücksordcrungSrecht.— R. O. Nein— B. E. 13. Gelingt der Nachweis, so hastet keiner der beiden.— M. H. 50. Ja.— Gamma 65. 1., 2. und 4. Frage» Sie bei der Zentralauskimstsstelle sür Auswanderer, Schellingstraße 4, nach. 3. Ja.- F. M., Tegel. Nein. — H. H. 42. 1. u. 3, An das Standesamt, vor dem die Ehe geschlossen ist. 2. Nur Ihren Namen.— 77 31. T. Der Rektor ist im Recht.— K. Sch. 1011. Ihre Angaben reichen zur Beantwortung der Frage nicht aus. Kommen �Sie in die Sprechstunde.�— M. T. 00. Es hastet nur M. 73. 1. Die Uebersendung nach dem 1. Januar 1900 ge- schlössen, nein. Haben Sie früher geheiratet, so müssen Sie zunächst den ersten Ehewohnfitz angeben.— W. 100. In vier Jahren.— H. G. 41. Wetten entscheiden wir nicht.— Paul 10. 1. Ja. 2. Dann erwerbe» Sic keinen neuen Anspruch. 3. Ja.— M. 4. Die erste Silbe wird be« iont.— B. S. 55. 1. Nach der Gesindeordnung ja. 2. Nein.— K. G. 3. ES besieht keine Versicherungspflicht.— SN. S. 8. Nein.— Artur 444. Wenn keine Kinder vorhanden: aus die Hälfte deS Nachlasses mit Ausnahme der HauShallungSgegenstände, die der Witwe sämtlich gehören.— E. H. 26. Ja, soweit Verurteilung erfolgt ist.— 3l. 1. 1. Ja. 2. Die Kinder behält der unschuldige Teil. 3. Sie können sich trennen. 4. DaS ist zweiselhast. ES können beide Teile für schuldig erklärt werden. Dann erhält die Frau die Mädchen. 5. Die Kosten richten sich nach dem Obselt, das vom Gericht scstgesetzt wird.— B. B. Net». — Tiefe. Die Erzählung.In der Tiese" von Wells ist eine Utopie. der Täter, die Eltern hasten nicht.— F. erfolgt von Amts wegen. 2. Ist die Ehe «ieites Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(letlgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (lettgedruckt) 10 P(g. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. I Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN IDr die nächste Nummer werden In den Annahme- stellen(Qr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindcnstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(Farbensehler) KelegeNl heilskans. Fabnklagcr Mauerhoff, Nur Große Frantturterstraße 9, Flur- «in gang. Gegründet 1874. Vorwärts- leiern 10 Prozent. Sonntags geöffnet. Steppdecken billigst Fabrik Kroße grankiurieritraße 9, Flureingang. 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