Ztr. 2t BtonnemojfS'BedlBgunflfli; «bonntmenlä- Prc/2 Proz. Die Sozial demllkraten gingen noch weiter. Ihr Antrag wollte dem Reich nur 30 Proz., den Gemeinden dagegen 60 Proz. ge währen. Außerdem war in dem sozialdemokratischen Antrag noch die Besümmung eingeschaltet, daß aus dem Reichs- anteil an der Wertzuwachs st euer für die Veteranen jährlich 6 Mill. Mark vorweggenommen werden solle. Ein Antrag Trimborn, der dem Umstände zu danken war, daß dieser gerissene Zentrnmsmann Vertreter einer Festung ist, wollte die vollen 60 Proz. nur den Festungsstädten, den übrigen Gemeinden aber nur 40 Proz. gewähren, weil die Festungsstädte in ihrer Entlvickelung, also auch im Wert zuwachs ihrer Grundstücke und Gebäude besonders stark durch die Einschnürung mit Befestigungen behindert sind. In der fünfstündigen Diskussion platzten wieder die Interessengegensätze des flachen Landes und der Städte scharf auf einander. Am entschiedensten vertraten, wie aus den Anträgen hervorgeht, die Sozialdemokraten die berechtigten Ansprüche der Gemeinden auf den Haupt anteil an den Zuwachssteuererträgnissen. Die Genossen Binder, Böhle, Brühne, Göhre, Leber, Süde- tum nahmen wiederholt das Wort, um die Schädigungen nachzuweisen, die den Gemeinden aus einer zu knappen Be- Messung ihres Anteils erwachsen, besonders auf solche Ge- meinden wurde hingewiesen, die jetzt schon mehr durch die Wertzuwachssteuer herausholen als das Reichsgesctz ihnen nach dem Willen der Agrarier belassen will. Die Sicher- stellung der Veteranen durch die feste Ueberweisung von sechs Millionen Mark würde auch die Wirkung gehabt haben, daß zur Vermehrung der laufenden Heeresausgaben nicht wieder ungezählte Millionen bewilligt werden können. In einer höchst schnurrigen KriegervereinSrede bekämpfte der konservative Abg. F e l d m a n n diese sozialdemokratische Forderung von sechs Millionen für die Veteranen. Er be- hauptete. alle Veteranen lehnen es ab, aus sozialdemokratischen Händen eine solche Beihilfe entgegenzunehmen. Ihm wurde von Böhle gehörig heimgeleuchtet. Man kann aber gespannt darauf sein, was die deutschen Veteranen zu dieser Erklärung des patriotischen Herrn Feldmann sagen werden. Vermutlich werden sie jetzt noch mehr als bisher schon die Sozial- demokratie als die entschiedenste Vertreterin ihrer Interessen anerkennen. Bei der Abstimmung stimmte die agrarische Mehrheit natürlich alle für die Städte eintretenden Anträge nieder, aber damit auch den sozialdemokratischen Veteranenantrag. Durch eine Anzähl von Unteranträgen, die meist vom Zentrum her- rühren, wurde die in den Hauptpunkten angenommene Kommissionsfassung dann nur in einigen Nebendingen inodifiziert. Morgen allerallerletzter Tag der zweiten Lesung. Agrarische Hoffnungen und Wünsche. Die Generaldebatte zum Etat der landwirtschaftlichen Verwal lang, die am Dienstag im Abgeordnetenhause begann, rief die Agrarier aller Schattierungen auf den Plan. Konservative, Zentrum. Freikonservative und Nationalliberale forderten in inniger Seelen Harmonie einen erhöhten Zollschutz für landwirtschaftliche Produkte. Dem schwarzblauen Block ist dabei nicht gerade wohl zu Mute, er weiß, daß das Maß seiner Sünden voll ist und daß die schutzzöll neriiche Mehrheit des Reichstages sich bei den bevorstehenden Wahlen in eine Minderheit verwandeln wird. Kaum hatte einer ihrer Redner, der Abgeordnete v. Kardorff, dieser fürchtung Ausdruck verliehen, da erhob sich auch schon der nationalliberale Abg. Glatzel. um den sonst �von deit Nationalliberalen angeblich so heftig bekämpften Schnapsblock um Wahlhilfe anzubetteln. Da die Konservativen selbst wenig AuS» ficht auf Sieg haben, meinte er, sollten sie überall die National- liberalen unterstützen, damit möglichst viel- Schutzzöllner in den Reichstag einziehen. Man wird sich dies Bekenntnis einer schönen Seele. merken; was an uns liegt, werden wir tun, um den national- liberalen Schutzzöllern das Geschäft zu verderben. Im übrigen klagten die Agrarier weidlich wieder einmal über die Not der Landwirtschaft, deren Lage auch jetzt noch nicht besonders gut sei. Unwillkürlich muß man sich fragen, wie hoch denn eigentlich die Lebensmittelpreise noch steigen sollen, wenn einer dieser Herren die jetzigen Roggenpreise geradezu ruinös nannte und selbst die Viehpreise als nicht hoch bezeichnete! Aber je mehr die Agrarier für ihre eigenen Taschen herausschlagen wollen, desto energischer widersetzen sie sich allen Lasten. Daher ihr Jammern über die sozial politische Belastung der Landwirtschaft! Wie eS damit in Wirklichkeit bestellt ist, daS wies Genosie Le inert nach, der die Unzulänglichkeit der Versicherungsgesetz gebung auf dem Lande schilderte und auch sonst zahlreiche Tatsachen anführte, die ein zusammenhängendes Bild von der Lage der Landwirtschaft geben— freilich ein anderes Bild, als die Agrarier an die Wand zu malen pflegen. Unser Redner zeigte auf der einen Seite die gewaltigen Vorteile, die dem Großgrundbesitz auS der Zollgesetzgesetzgebung erwüchsen, und auf der anderen Seite das Elend, in dem die Landarbeiter zu leben gezwungen sind. Die AuS- nabmegesetze gegen Landarbeiter und Gesinde, die entsetzliche Kinder- ausbeutung auf dem Lande, das mangelhafte Schulwesen, die sprich- wörtlich gewordene erbärmliche Armenpflege auf dem Lande, all' das geißelte Leinert treffend unter Beibringung amtlichen Materials. Die Konservativen suchten die Wirkung seiner Rede und die Wucht seiner Anklage durch überhebendes Lochen abzuschwächen. Natürlich ohne Erfolg. Tatsachen lassen sich nicht durch Lachen widerlegen. Während des letzten Teils der Ausführungen Leinerts verließen die Konservativen mit Herrn v. Kröcher den Saal. Vermutlich berieten sie. was gegenüber der Erklärung unserer Fraktion zum Fall Hoffmann geschehen soll. Wir sehen der neuen Aktion ruhig entgegen. Mittwoch: Fortsetzung der Beratung deS Etats der landwirt- fchaftlichen Verwaltmig.~_ Einkommen und Einkommensteuer in Preusten. Dem Abgeordnetenhaus ist eine vergleichende Uebersicht der Ergebnisse der Beranlagung zur Einkommensteuer für 1909 und 1910 zugegangen. In Preußen ist, wie sich darauS ergibt, für daS Steuerjahr 1910 bei insgesamt 6 250 235 Zen- siten die Gesamtsumme von 293 835 094 M. an Einkommensteuer veranlagt worden, was eine Vermehrung um 9 759 228 Mari oder 3,44 Proz. gegen das Vorjahr ergibt. Die Be- bölkerungsziffer hat sich na'ch der zum Zwecke der Veranlagung stattgehabten Personenstandsaufnahme überhaupt auf 39 145 535, und zwar in den Städten auf 18 381 712 und auf dem Lande auf 20 763 823 Köpfe gestellt. Einkommensteuer frei sind davon geblieben als Exterritoriale 4372 und als solche, deren Einlommen 900 M. nicht überstieg, 16 763 782, und zwar in den Städten 6 154 147 und auf dem Lande 10 614 007. Die veranlagten Zensiten ergaben 15,94 Proz. der Gesamtbevölkerung. Von ihnen entfielen auf die Städte 3 983 744 und auf das Land 2 257 750. Durchschnittlich kamen in den Städten 1,75, auf dem Lande 2,57 und überhaupt 2,05 Angehörige auf einen Zensiten. Mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. sind veranlagt 703 753 Zensiten, und zwar in den Städten 530 389 und auf dem Lande 173 365. Ueber 160 000 M. Einkommen hatten in den Städten 3094 und auf dem Lande 799 Zensiten. Das veranlagte Einkommen der Zensiten beträgt 13 710 778103 M. und ist gegen das Vorjahr um 3,72 Proz. gestiegen. Davon entfallen auf die Städte rund 9,7 Milliarden Mark, auf das Land 4 Milliarden Mark.. Das Durchschmttseinkommen stellt sich aus den Kopf der Zensiten in den Städten auf 2421 M., auf dein Lande auf 1801 M.: das Durchschnittseinkommen fü Berlin beträgt 2404 M. Die höchsten Ziffern finden sich in den Städten der Regierungsbezirke Wiesbaden. Potsdam und Aachen, die niedrigsten in den Städten der Bezirke Arnsberg, Stade und Lüneburg. Auf dem Lande weisen die höchsten Ziffern auf die Regierungsbezirke Stral sund, Potsdam und Breslau, die niedrigsten Arnsberg, Trier und Aachen._ Im Namen aller bürgerlichen Parteien des preußischen Landtage« soll die Stengelsche Erklärung gegen die Hoffmannsche Abfertigung des Präsidenten und Oberjnnkers v. Kröcher abgegeben sein. Dazu erfahren wir, daß man.natürlich" die Dänen überhaupt nicht ge- fragt hat und die Polen infolge deS TodeS ihres FrakiionS' Vorsitzenden über die Erklärung überhaupt nicht verbandelt haben Die„Fortschrittliche Volkspartei" aber erhält in einer bürgerlichen Berliner Tageszeitung aus eigenen Reihen folgende Abfertigung: Die unerhörte Provokation des Abg. Hoff« mann durch den Präsidenten wurde von Herrn Stengel m i t keinem Worte erwähnt. DaS wäre nicht weiter vcr- wunderlich, wenn die Erklärung nur von den Junkern ausgegangen wäre, die ja niemals von Skrupeln geplagt werden, wenn eS einen Gewaltsakt gilt. Aber die Erklärung des Herrn Stengel, die den Tatsachen nicht gebührend Rechnung trägt, ist auch von der bürgerlichen Linken, selbst von der Fortschrittlichen Partei gebilligt worden, und das ist allerdings in hohem Maße bedauerlich. Zur rechten Würdigung des TodelSvowmS gegen Hoffmann muß man sich ins Gedächtnis zurückrufen, was sich in der Freitags- sitzung zugetragen hat. lFolgt Schilderung des Hergangs.) Der wegen seiner Schlagfertigkeit und Bonhommie so vielfach gerühmte Herr v. Kröcher hätte nun eine gute Gelegenheit gehabt, seine beleidigende Aeußerung wieder gutzumachen, indem er etwa erklärt hätte:„Herr Abgeordneter, Ihr Zwischenruf ist nach der Geschäftsordnung nicht zulässig. Mir ist jedoch zu meinem Bedauern vorhin in der Hitze des Gefechts eine Bemerkung emschlüpft, die Sie unnöligerweise kränken mußte. Indem ich nun« mehr davon absehe, Ihren Zwischenruf zu rügen, rektifiziere ich meinen Fehler,"— Herr v. Kröcher hat aber nichts dergleichen getan, sondern die Kränkung, die er dem Abg. Hoffmann zugefügt hatte. noch unterstrichen, indem er ihm einen Ordnungsruf und damit die schwerste Rüge erteilte, die die Geschäftsordnlmg vorsteht. Wenn also Herr Hoffmann dann die beleidigende Be- merkung des Präsidenten als eine Unverschämtheit be« zeichnete, so war das allerdings ein sehr grober Keil, der aber doch om Ende aus einen sehr groben Klotz gesetzt worden ist. Wenn die Mehrheitserklürung davon spricht, daß der Ab- geordnete Hoffmann das Ansehen des Parlaments in einer in Deutschland noch nie dagewesenen Weise verletzt habe, so kann man demgegenüber wohl flogen, ob das Ansehen ded Parlaments vielleicht dadurch gehoben wird, daß der Präsident einem Abgeordneten gegenüber ohne ersichtlichen Grund Be« merlungen macht, die darauf hinauslaufen, daß er ihn für einen Narren hält? Und haben die Herren von der Rechten vielleicht vergessen, daß einer der Ihren, nämlich Herr v. Olden bürg- Janu schau, einmal im Reichstag das Ansehen des Parlaments geschädigt hat. und zwar in einer Weise, die wirklich.noch nicht dagewesen" ist? Da- mal? verstiegen sich allerdings die Junker nicht zu dem Grad der Entrüstung, den sie gestern erklommen haben, sondern sie spendeten dem.unsterblichen Januschauer" frenetischen Beifall. In diesem brüllenden Beifall lam der ganze.Respekt" zum Ausdruck, den die Junker vor der Majestät einer Volksvertretung hegen, und eömacht sich daher sehrkomisch. wenn sich dieselben Herren jetzt als treue Hüter der parlamentarischen Würde aufspielen. Von der Linken aber muß man sagen: „ES tut mir iu der Seele«eh, daß ich dich in der Grscvschaft seh'." Wir haben dem nichts hinzuzufügeni Ter„Fall Hoffmann" und die Parteien des Abgeordnetenhauses. Die bürgerlichen Parteien des Abgeordnetenhauses hatten. wie die Korresp. Woth meldet, am Dienstagmittag nochmals zu dem Falle Hoffmann Stellung genommen, nachdem die sozialdemokratische Fraktion am Montag sich mit dem Abg. Hoffmann solidarisch erklärt hatte. Don gewissen Seiten wird jetzt wieder der Vorschlag gemacht, die Geschäfts- ordnung nach englischem Beispiel zu verschärfen, wenn sich ein Abgeordneter einer Beleidigung des Präsidenten schuldig macht. So ist vorgeschlagen worden, als Strafe die Entziehung der Diäten einzusetzen resp. die Wortentziehung für eine gewisse Zeit. Wie wir hören, dürfte sich diese Absicht aber nicht verwirklichen lassen, da auf der einen Seite wenig Neigung besteht, die Geschäftsordnung wiedenim zu verschärfen, auf der anderen Seite Bedenken geltend gemacht werden gegen die vorgeschlagene Verschärfung der Geschäftsordnung. die zum Teil sogar, wie bei der Entziehung der Diäten, eine Verfassungsänderung notwendig machen würde. Man ist übrigens der Meinung, daß bei Anwendung der im Vorjahre angenommenen Geschäftsordnimgsbestimmungeii (Ausschluß von Abgeordneten von der Sitzung) unter den augenblicklichen Umständen es zu Tumulten kommen würde, wenn ein sozialdemokratischer Abgeordneter mit Hilfe der Polizei aus dem Sitzungssaal entfernt werden würde, da in diesem Falle die Sozialdemokraten sich mit ihren Leidensgenossen ebenfalls solidarisch erklären würden. Es gibt auch keine Machtmittel,! einem ausgeschlossenen Abgeordneten den Wiedereintritt in das Haus oder den Sitzungssaal zu verbieten.» Die„Post" gibt allerdings der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß etwas geschehen werde, und zwar erinnert sie in folgender Weise an ein„englisches Vorbild": „Angesichts dcS Vorfalls Hoffmann im Abgeordnetenhause und seiner Billigung durch die übrigen sozialdemokratischen Mit- glieder mag daran erinnert werden, daß das englische Unterhaus die Berechtigung besitzt, Mitglieder, welche das Haus beleidigt haben, so lange gefangen zu setzen, bis sie kniefällig Ab- bitte leisten und daß von diesem Rechte noch vor wenigen Jahren nachdrücklich Gebrauch gemacht worden ist. Eine Parallele zu diesem englischen Rechtszuslande würde sich für das Ab- gcordnetenhaus lonstruieren lassen, wenn in die Geschäftsordnung die Bestimmung aufgenommen würde, daß Abgeordnete, welche das Haus unmittelbar oder in seinem Präsidenten beleidigen, so lange vom Wort ausgeschlossen werden können, bis sie Abbitte leisten." Ob man auf dem blanken Fußboden oder etwa, auf drei- kanttgen Latten zu knien hat, das verrät die„Post" leider nicht. Uebrigens vergißt die„Post" mitzuteilen, daß beider letzten feierlichen Abbitte der Abbitte leistende„Sünder" die Lacher auf seine Seite brachte. Als er sich nämlich vom Boden erhob, klopfte er den Staub von seinen Hosen mit den Worten:„Pfui, ist das ein schmutziges Parlament!" Wir glauben, daß die Mehrheit des HauseS schließlich docki noch zu der Einsicht kommen wird, daß Zwischenfälle einfach dadurch zu verhüten sind, daß der Präsident künftig unparteiisch und taktvoll seines Amtes waltet l Fortschrittlich-uationallibcrales Wahlabkomme« für die Provinz Hannover. Endlich nach langem Handeln und Feilschen ist auch in der Probinz Hannover zwischen den fleisinnigen und nationalliberalen Parteileitungen ein sogen. Wahlabkommen zustande gekommen, und zwar haben die beiden Parteien die Mandate folgender-« maßen unter sich verteilt: In Emden-Norden. Verden, Hannover-Linden und Harburg treten die National- liberalen gleich im ersten Wahlgang für die Kandidaten der Fortschrittlichen BolkSpartei ein, während diese in Aurich, Osnabrück, Melle-Diepholz, Stade und e e st e m ü n d e die Nationalliberalen unterstützt. Für den ersten und zweiten oldenburgischen ReichStagswahlkreiS hat sich die Zentralleitung der nationalliberalen Partei Verpflichtet, die Auf- stellung von nationalliberalen Kandidaten zu verhindern, eventuell trotzdem aufgestellte Kandidaten nicht zu unterstützen. Die nationalliberalen Führer dieser beiden oldenburgischen Reichs- tagSwahlkreise haben aber bereits erklärt, daß sie unbekümmert um etwaige Abmachungen ihr« eigenen Wege gehen würden. Sie wollen ihre Kandida- turen auf die Wahlhilfe des Bundes der Landwirte stützen. Von den vier Wahlkreisen, die durch daS Abkommen den Fortschrittlern zugeteilt werden, ist zurzeit nur Emden-Norden im Besitz des Freisinns; Verden ist im jetzigen Reichstag wclfisch(Abg. Dannenberg). Hannover-Linden sozialdemolratisch(Abg. Brey), Har- bürg steikonservativ(Abg. Barenhorst) vertreten. Von den den Nationalliberalen zugewiesenen fünf Wahlkreisen md zurzeit drei, nämlich Aurich, Stade und Melle-Diepholz in nationalliberalem Besitz; Osnabrück hat 1907 einen ZentrumSmann lAbg. Bitler) und Geestemünde einen Landbllndler(Diederich Hahn) gewählt._ Neckar- Kanalisierung. Die württembergisch« Regierung hat den Ständen eine Denk» schrist über die Kaualisierung oe§ Neckars von Mannheim bis Heil- bronn überreicht. Der Bau des Kanals soll ohne die Vorarbeite« in drei Jahren durchgeführt werden. Von 17 Kraftwerken werden 29 000 Pserdekräfte im Werte von 12.6 Millionen Marl gewonnen werden. Die Vorarbeiten sind dem Abschluß nahe, so daß der Eni- wurf über die Kanalisierung demnächst den Regierungen der drei Ujerstaalen übermittelt werden kann. Herr v. Bethman« Hollweg als Protektor der christ- lichen Gewerkschaften. DaS.Neue Jahrhundert" hat bekanntlich vor kurzem behauptet. auf dringenden Wunsch des Reichskanzlers fei im Vatikan eine Enzyklika gegen die interkonfessionellen Gewerkschaften im letzten Augenblick wieder in den Schreibtisch zurückgelegt worden. Da» stärkste Argument BcthmannS sei gewesen: die nächsten Reichstags- wählen würden nach der Veröffentlichung einer solchen Enzyllika zu einer Katastrophe werden. Dieser Behauptung folgte alsbald ein Dementi der„Nordd. Allgem. Ztg.". Das„Neue Jahrhundert" bezeigt jedoch recht wenig Reipekt vor der«bleugnung des Kanzlerblattes. ES hält seine Netdung in allen Teilen ausrecht und erklärt: „Wir wissen nicht, welche formellen Unrichtigkeiten in unserem Bericht eine Widerlegung ermöglichen oder erforderten der m a t e r i e l l e Kern der Nachricht bleibt bestehen; jedenfalls steht für unS die Tatsache sest, daß man in den Kreisen deS katholischen Volksvereins von der Mitwirkung des deutschcu Reichskanzlers in dem von uns berichteten Sinne wohl unter- richtet ist." Zugleich macht das„Neue Jahrhundert' darauf aufmerksam. daß die.Deutsche Bereinigung", die von aniiultramontanen Katholiken ausdrücklich zur Bekämpfung de« Zentrums gegründet ist und unter der Protektton des flüheren Oberpräsidenten der Rhein- Provinz und gegenwärtigen LandwirlschaftSminifterS Freiherrn Schorlemer-Lieser stand, jetzt dem Zusammenarbeiten mit dem Zentrum eifrig das Wort redet, den Absichten des Reichskanzlers und der preußischen Regierung entsprechend, die belanntlich für den bevorstehenden Wahlkampf die Sammlung aller bürgerlichen und.nationalen" Parteien einschließlich de» Zentrum» gegen die Sozialdemokratie betreiben. Neue agrarische Forderungen. Die konservativ- Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses hat den Antrag gestellt, die StaatSrcgierung zu ersuchen im Landwirt- schaftSetat Mittel zur Unterstützung der Landwirte— namentlich in den Grenzkreisen- bereitzustellen, die durch Sperrmaßregeln. die im Interesse der heimischen Viehzucht getroffen tverden müssen, in ihrer Existenz bedroht iverden. Forderungen der Notleidenden werden immer damit begründet. daß tbre Existenz bedroht sei und da für solche Begründungen die preußische Reg'mmg. d.e nach Dallwitz.nicht konservativ" ist. ein sehr fnneS Obr besitzt, ,st nicht ausgeschlossen, daß dcmnäckist dem preußlichen �andtag eine Vorlage zugeht, in der die reichliche Eni- schädigung der durch Sperrn, abnahmen betroffenen Biehhalter und Viehzüchter verlangt wird. Paris, 23, Januar. eine längere Debatte Deputierten G u e S d c frstikreich. Tie Altersversorgung. In der Kammer entspann sich heute über einen Dringlichkeitsantrag des —---------- durch den mehrere Artikel des Alters- versorgungsgesetzes für Arbeiter aufgehoben und dre Steuern auf Erbschaften von mehr als 199 999 Fr. erhöht werden sollten. Tie Dringlichkeit wurde von deg Ministun Klotz, von Bibiani sowie von Briand bekämpft, der die Vertrauensfrage stellte, und wurde V��jlich mit 390 gegen 178 Stimmen abgelehnt. Oeftermcb. Neue Forderungen Molochs. Wien, 24. Januar. Das heute den Delegationen unterbreitete Budget für 1911 enthält ein Nettoerfordernis von 148 SSO 803 Mroncn und ist gegen das Budget von 1910' um'2 6 130 20 3 Kronen größer. Außerdem ersucht das Kricgsministcrium um Bewilligung eines außerordentlichen Kredits von 20 Millionen für die Ausgestaltung des Heeres. Weiter enthält das Budgdt ein außerordentliches Er- fordernis von 312 409 000 Kronen für den planmäßigen auf mehrere Jahre verteilten Ausbau der Flotte; hiervon werden als erste Rate für 1911 55 Millionen verlangt. In der Begründung des Flottenplanes wird ausgeführt, die Notwendig- tcit, die für den Handel unenbchrlichen Seewege offenzuhalten und die heimische Küste zu schützen, deren Bedeutung durch die Angliederung Bosniens und der Herzegowina wesentlich erhöht sei, dränge zur endlichen Ausgestaltung der Flotte. Hierzu sieht der Flottenplan vor: 4 Dreadnoughts von 20900 Tonnen Deplacement, 3 Kreuzer von 3500 Tonnen Deplacement, 0 Torpedo- fahrzeuge, 12 Hochseetorpedoboote und 6 Unterseeboote. Das Ge- samterfordernis wird auf sechs Jahre verteilt. Außer den 55 Millionen für 1911 betragen die Raten für 1912 67 Millionen, für 1913 68,4 Millionen, für 1914 68 Millionen, für 1915 4g Millionen und für 1916 5 Millionen. Das normale Gesamt- crforderniS für das Heer für 1911 weist gegenüber dem Vorjahre eine Erhöhung von 22 959 750, das für die Kriegsmarine eine Erhöhung von l'A Millionen auf. 6rtecbentancL Eine sensationelle Verhaftung. Athen, 23. Januar. Der' ehemalige Kriegsmini st er Oberst L a p a t h i o t i s und vier Unteroffiziere sind aus noch unbekannten Gründen verhaftet worden. Athen, 24. Januar. Die Gerüchte, daß Unruhen in der Armee ausgebrochen sind, sind unrichtig. Ministerpräsident V e n i z e l o s erklärte, daß die Bewegung in der Armee ohne jede Bedeutung sei. Das Land sei auf seiner Seite. Die Verhaftungen seien erfolgt. weil Oberst Lapathiotis entgegen den bestehenden Vorschriften in später Stunde Unteroffiziere bei sich empfing. perNen. Die Politik Englands. Teheran, 23. Januar. Die britische Antwort auf die letzte persische Note über die Lage in Südpevsien ist heute über- reicht worden. Sie stellt fest, daß die britische Regierung mit Gc- nugtuung von den Mahnahmen Kenntnis nimmt, die die persische Regierung zur Wiederherstellung der Ordnung getroffen hat. Da indessen Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß die Sicherheit, die in der letzten Zeit auf dem Wege von Abuschefir über Kazerum nach Schiras geherrscht hat, nur der außerordentlichen Strenge des Winters zu danken sei, so verharrt die britische Regierung in ihrer abwartenden Haltung und behält sich, falls die von der persischen Regierung getroffenen Maßnahmen ergebnislos bleiben. das Recht vor, auf der Anstellung von Offizieren der indischen Armee zur Organisation der Wcgpolizei zu bestehen. Die Antwort stellt ferner fest, daß die britische Regierung mit Rücksicht auf die Tatsache, daß der verlangte zehnprozen'- tige Zollzuschlag auf die Einfuhrwaren aus dem Süden hauptsächlich den britischen Handel treffen würde, dem Ansuchen Persiens um den Zollzuschlag nicht beitreten könne, wenn nicht britische Offiziere zur Organisation der Gendarmerie angestellt würden. Japan. Der Mord ist vollbracht l Tokio, 24. Januar. Die wegen der Verschwörung gegen das Leben des Kaisers und anderer Mitglieder der kaifer- lichen Familie zum Tode verurteilten Anarchisten wurden heute im hiesigen Gefängnis hingerichtet; unter ihnen auch ihr Anführer K o t o k u und dessen Frau. In frecher Weise hat sich die japanische Regierung über die Proteste der zivilisierten Welt hinweggesetzt. Die Hin- richtung Dr. K o t o k n s und seiner Genossen ist ein s ch ä n d» licher Justizmord, dessen VerÜbung die asiatische Barbarei erkennen läßt, die hinter dem dünnen Firnis der Zivilisation verborgen war. parlamentarifcbeö. Aus der Ludgctkommissiou. Die Marincverwaltung hatte den 19 000 Heizern der Marine die bisher gewährte Zulage von 20 Pf. täglich ab 1. April d. I. gestrichen, eine Maßregel, die die größte Empörung bei den Mannschaften hervorgerufen hat. Mußte doch am Dienstag der Staatssekretär zugeben, daß ganzc Fronten sich gageaen empört haben. Gleichzeitig sind auch Zulagen für andere .Nannschastskategorien gestrichen worden; insgesamt im Betrage von 969 000 M. Die Sozialdemokraten beantragten in der Kommisston, dm Zulagen wieder in bisheriger Höhe zu ge- wahren. und zur Deckung an den Ausgaben für Munition und ™n/z 10 Magdeburg. Straßenbahn 6 000 6 000 510 5l0.8V3 8Vg Elektr. Straßenb., Breslau 4 200 4 200 252 252 6 6 Sämtliche 62 Unternehmungen verfügten zusammen im vorletzten Geschäftsjahre über ein dividendenberechtigtes AkiUnkapital von 335 794 000 M., welches im letzten Geschäftsjahre auf 343 802 000 M., atto un, 8 008 000 M. anwuchs. Die zur Ver- teilung bereit gestellte Dividendensumme belies sich auf 21664 000 M. im Geschäftsjahre 1908/09 und auf 22 783 000 Wt, im Geschäftsjahre 1909/10, was einer Erhöhung der Durchschnitts- dividende von 6,4 auf 6,6 Proz. gleichkommt. Nette Aussichte«. Der Vorsitzende dcS Bundes Deutscher Viehhändler äußerte, wie die„Deutsche Fleischer-Zeitung" meldet, gestern in einer außer- ordentlichen zu Köln abgehaltenen Generalversammlung, daS Jahr 1911 werde eine Fleischteuerung bringen, wie sie noch nicht da- gewesen sei. Schweine würden mit Rücksicht auf die hohen Kortoffel- preise nicht zur Mästung angekauft und Weidevieh sei überhaupt nicht zu erlangen._ Die Eise! kein Goldland. Die durch Reklame von interessierter Seite hochgespannten Erwartungen über Goldausbeuten in der Eise! müssen stark zurückgeschraubt werden. Nach den bisherigen Er- gebiiissen, die wohl kaum noch weil übertroffen werden, fördert ein Arbeiter täglich ll/s Gramm Gold zutage, was einem Wert von 4.50 M. entspricht."Eine genügende Ausdehnung der Lagerstätten ist vorhanden, aber Dchwiertgleiten bereitet die Versorgung mit auS- reichendem Wasser zur Abwäscherei. Echntzzollsegeu. Wie die Schutzzölle auf Rohmaterial die Weiterverarbeitung schädigen, illustrierte der Direktor der Mannheimer Schiffswerft, Blümcke, in der 3. Geneialversammlung des Verbandes Südwest- deutscher Industrieller am 22. Januar in Mannheim, durch folgende Angaben: Die rheinischen Walzwerke fördern den holländischen Schiffs- bau zum Nachteil der deutschen Werften. Um 25 bis 28 M. pro Tonne liefern die deutschen Eisenindustnellen das Rohmaterial billiger ans Ausland als der heimischen Industrie. Bis 1910 wurden auf holländischen Werften 2138 Schiffe für deutsche Rech- liung gebaut und 76355 000 M. wanderten dafür über die Grenze. Das ist aminational. Die Holländer haben mit diesem Gclde Hypothekenbanken gegründet und beleihen Rheinschiffe, um ihren Werften Arbeit zu verschaffen und auS dieser Praxis erklärt sich die ganze Misere der Rheinschiffahrt. Die Ausführungen Blümckes riefen wiederholie ZustimmungS- knndgebungen und„hört, hört!" hervor. Er schloß mit der Bitte an die Eisenindustrie, sie möge die deutschen Werften als Ausland behandeln und ihnen daS Rohmaterial zu den gleichen Preisen lsefern wie den ansländischen. Herr Bucck charaltcrisierte kürzlich in der Ausschußsitzung deö ZeniralverbandeS der Industrielle» die Be- hauptung von der Schädigung der Verarbeitungsindustrie als Verleumdungen. Wer sich die Plünderet der Monopolisten nicht gefallem läßt wird beschimpft. Spitzbubentaktik l OewerkfcbaftUcbe*« Von der„Vertragstreue" der dnternebtner. Von den Unternehmern wird gegen die Arbeiter und deren Organisationen inimer wieder der Vorwurf erhoben, daß sie es mit der Vertragstreue nicht genau nehmen. Ob- gleich immer wieder nachgewiesen wurde, daß es der Arbeiter- organisation mit der Einhaltuna der abgeschlossenen Tarife Verträge recht ernst ist, wiederholt sich dieser Vorwurf. Viel mehr Ursache aber als die Arbeitgeber, sich über Vertragsver letzungen zu beschweren, haben die Arbeiter. Ein besonders eklatanter Fall spielt sich gegenwärtig in Z i t t a u in Sachsen ab. Dort wurde im April vorigen Jahres vom Holzarbeiter verband ein Arbeitsvertrag mit dem„Arbeitgeberschutzver- band für das deutsche Holzgewerbe" abgeschlossen und auch von den Zentralvorständen gegengezeichnet. Der Vertrag sieht einen Normalstundenlohn von 43 Pf. vor. Da sich die Ortsparteien im Holzgewerbe recht oft über die Bedeutung des Normal- und Durchschnittslohnes nicht verständigen konn- ten, haben die Vertragsvorstände entschieden, daß dieser Lohn satz„jedem Arbeiter gezahlt werden muß, der in der Lage ist, eine Arbeit in der üblichen Weise in angemessener Zeit herzu stellen". Die Arbeitgeber in Zittau glaubten sich aber über die Vertragsbestimmungen hinwegfetzen zu können und zahl- ten den Vertragslohn nur den außerordentlich tüchtigen Ar- beitern, obwohl im Vertrage vorgesehen ist, daß bei„besserer Arbeitsleistung" die Festsetzung des Stundenlohnes der freien Vereinbarung vorbehalten bleibt. Damit ist doch ganz deut- lich ausgesprochen, daß für besonders leistungsfähige Arbeiter ein höherer Lohn gezahlt werden soll. Bei einer aufgenom menen Statistik stellte sich heraus, daß der Durchschnittslohn in ganz Zittau rund 39 Pf. pro Stunde beträgt und daß auch eine ganze Anzahl tüchtiger Arbeiter weit unter dem Vertragslohn beschäftigt wurden. Eine im Vorfahre erfolgte Lohnerhöhung wurde dadurch illusorisch gemacht, daß die Unternehmer eine größere Anzahl Arbeiter entließen und an deren Stelle neue zu nie- deren Lohnsätzen einstellten! Im Vertrage heißt es weiter, daß die Arbeiter, die innerhalb des Vertragsgs- bietes ihre Arbeitsstelle wechseln,„unter Berücksichtigung des in der vorhergehenden Arbeitsstelle verdienten Stundenlohnes" eingestellt werden sollen. Oft vorgekommen ist es aber, daß Arbeiter, die 43 Pf. und mehr verdienen, in der neuen Ar- beitsstelle mit 37 Pf. und weniger wieder eingestellt wurden. Weiter war mit den Arbeitgebern ein Akkordtarif ver- einbart und festgelegt, nach dem die Arbeiten, die im Akkord festgelegt sind, auch in Akkord ausgeführt werden sollen, wenigstens ging eine Entscheidung der Verbandsvorstände dahin. Die Arbeitgeber legten dieses nun so aus, daß sie die im Akkordtarif mit besseren Preisen bedachten Artikel in Lohn anfertigen ließen, während sie verlangten, daß die schlechter bezahlten in Akkord ausgeführt werden mußten. Beschwerden in der Schlichtungskommission blieben erfolglos und wurden hierauf die Verbandsvorstände zur Entscheidung angerufen. Tie Vertreter der Verbandsvorstände wurden jedoch von den Arbeitgebern in Zittau in einer Weise be- handelt, die die Arbeitervertreter nötigte, die Sitzung zu ver- lassen. Die Arbeitgeber erklärten rund heraus, daß sie sich einer Entscheidung der Vorstände nicht fügen würden. Es * blieb aus diesem Grunde den Arbeitern nichts weiter übrig, als die Kündigung in dem Betriebe auszusprechen, und ist es wahrscheinlich, daß am kommenden Sonnabend, nach Ab- lauf der Kündigungsfrist, es zur Arbeitseinstellung kommt. Man sieht aus diesem Falle wieder einmal, auf welcher Seite Vertragstreue herrscht. Zuzug von Tischlern, Maschinen- und Holzarbeitern ist von Zittau fernzuhalten._ Berlin und dmgegtnd* Achtung, Töpfer! Wegen Matzregelung sperren wir hiermit die Firma Heinrich B a r z, Charlottenburg, Passauer Str. 3. In Frage kommt das neu erbaute Armenhaus der Stadt Schöneberg, An der blanken Hölle. Die Verbandsleitung. Deutsches Reich. Bwmierte Wahlrechtsumstur�ler beim Stettiner - Kaufmaunsgerlcht. In Stettin fand Ende November die Wahl der 30 Gehilfen- beisitzer zum 5taufmannsgericht statt. Eingereicht waren drei Kan- didatenlisten mit je 30 Namen. Eine Liste war gemeinsam vom Verein für Handlungskommis von 1808 und dem Verband deutscher Handlungsgehilfen(Sitz Leipzig) und dem Verein der deutschen Kaufleute aufgestellt. Die zweite Liste stammte vom Zentralver- band der Handlungsgehilfen. Diese beiden Listen waren vom Ma- g istrat für gültig erklärt worden. Die dritte Liste hatte der Deutsch- nationale Handlungsgehilfenverband eingereicht; sie war vom Ma- gistrat für ungültig erklärt worden, weil darin der Name eines Mannes stand, der nicht als Handlungsgehilfe, sondern als gewerb- kicher Arbeiter angesehen wurde und die Deutschnationalen an Stelle dieses Mannes keinen Ersatz namhaft gemacht hatten. Am Wahltage standen sich also nur die beiden ersten Listen gegenüber. Das Wahlergebnis war so, daß die Liste der verbün- deten Vereine 26, die Liste des Zentralverbandes 4 Sitze erhalten mutzte. Was geschah aber? Der Wahlausschutz, der sich in der Hauptsache aus gegnerischen Handlungsgehilfen zusammensetzte, er- klärte die gültige Liste des Zentralverbandes einfach für ungültig und schrieb sämtliche 30 Sitze den verbündeten Vereinen zu! Die Freude der Wahlrechtsumstürzler hat aber nicht lange gedauert; aus erhobene Beschwerde hat der Bezirksausschutz in Stettin entschieden, datz die Liste des Zentralverbandes gültig ist und er die ihm vorenthaltenen 4 Sitze bekommen mutz. In der Malzfabrik Eisenberg zu Erfurt haben 41 Mann die Arbeit niedergelegt. Unterhandlungen mit dem Brauerei- und Mühlen- arbeiterverbande über die eingereichten Forderungen lehnte die Firma ab. Sie gestand den Arbeitern eine geringe Lohnerhöhung zu mit dem Bemerken, wer damit nicht zufrieden sei, brauche am Montag nicht mehr anzufangen. Die Arbeiter legte» Wert darauf, datz ihre Organisation die Vereinbarung mir der Betriebsleitung treffe, weil sie in einem früheren Falle schlechte Erfahrungen init solchen ihnen allein gemachten Zugeständnissen gemacht hatten. Da außerdem die Zugeständnisse durchaus ungenügend waren und den Arbeitern der Stuhl vor die Türe gesetzt wurde, legten sie die Arbeit nieder. Zuzug ist fernzuhalten. Die Differenzen der Glasarbeiter in Jmmenhausen mit der dortigen Firma dauern fort. Dem Verbände der Glasarbeiter war es nicht möglich, durch eine Verhandlung eine Verständigung herbeizuführen. Die Direktion erklärte, datz sie von ihren Arbeitern verlange, datz sie keiner gewerkschaftlichen Organisation angehören dürfen. Alle Einwendungen, die der Vertreter des Verbandes dem- gegenüber machte, waren nutzlos; die Firma beharrte auf ihrem Standpunkt. Alle Glasarbeiter werden gewarnt, in Jmmenhausen Arbeit zu nehmen._ Scharfmacherische Jnnungsbrnder. Die Bäckerzwangsinnung zu Breslau beschloß in ihrer letzten Ouartalsveriämmlung, dem Deutschen Arbeitgeberschuyverbande korporativ beizutreten. Eine kleine Anzahl von Jnnungsmeistem will aber die Scharfmacherei nicht mitmachen und hat beim Magistrat als Aufsichtsbehörde Beschwerde eingelegt. Nach mehrfachen Eni- scheidungen des Oberverwaltungsgcrichts ist ein solcher korporativer Beitritt zum Arbeitgeberschuyverbande nicht zulässig, und Jnnungs- gelder dürfen für solche Zwecke nicht verwandt werden. Zum besseren Verständnis des Beschlusses der Jnnungsmehrheit sei mitgeteilt, datz die BreSlauer Bäckergehilfen sich in einer Lohnbewegung befinden. Abgeblitzte christliche Verleumder. In O e l s in Schlesien hielt der Gauleiter der Zimmerer, Ge- nosse Schmidt, im Dezember vorigen Jahres eine Zimmerer- Versammlung ab, in der nur gewerkschaftliche Angelegenheiten er- örtert wurden. Die christlich organisierten Zimmerer waren eben- falls zu der Bersamnilung erschienen. Einem ihrer Mitglieder ivurde wegen seines ungehörigen Betragens der Zutritt verweigert. Sofort ging dieser Mnsterchrist zur Polizei und denunzierte die Bersamm- lung als eine politische. Und wirklich glaubte die Behörde dem Denunzianten und schickte dem Genossen Schmidt einen Straf- befebl wegen Niänanmeldung einer politischen Versammlung. Bei der richterlichen Entscheidung schnitten die Christlichen sehr scblecht ab. Es gelang ihnen nicht, den Beweis zu erbringen, daß die Ver- sammlung eine politische gewesen sei. Selbst der öffentliche An- tläger mutzte die kostenlose Freisprechung beantragen, auf die dann auch das Gericht erkannte._ Strefemann auf Buecks Pfaden. Der Syndikus des sächsischen Jndustriellenverbandes Strese- mann, der zugleich national liberaler Abgeordneter ist, hatte in einem Zirkular an die Unternehmer über den angeblichen Terwris- mus der freiorganisierten Arbeiter Klagelieder angestimmt und den Unternehmern nahegelegt, die braven arbeitswilligen und unter- nehmerfrommen Elemente unter den Arbeitern vor diesem Terroris- mus der bösen Sozi zu schützen. Als Beweismaterial für diesen führt Strefemann an, datz in der Lagerkellerbrauerei in Dresden der Kampf deshalb ausgebrochen sei, weil die freiorganisierten Arbeiter nicht mit den Hirsch-Dunckerschen arbeiten wollten. Wir können dieses scharfmacherische Beweisstück an der Hand authentischen NtaterialS als das kennzeichnen, was es ist, nämlich als einen hahnebüchenen Schivindel, der wahrscheinlich dem Herrn Syndikus von interessierter Seite aufgebunden worden ist. Der Streik in der Lagerkellerbvauerei in Dresden ist um des- willen entstanden, weil der Direktor Riemer sich weigerte, den von den übrigen Dresdener Brauereien anerkannten und durchgeführten Tarif in seinem Betriebe ebenfalls zur Durchführung zu bringen. Er wollte vielmehr seinen Arbeitern einen wesentlich schlechteren Tarifvertrag aufzwingen. Die in der Brauerei arbeitenden Hirsche akzeptierten diesen, die freiorganisierten Arbeiter traten für die Durchführung des Tarifs, der von allen anderen Dresdener Bvaue- reien anerkannt war, ein, und weil ihnen dieser Tarif nicht zu- gestanden wurde, legten sie die Arbeit nieder. Ein in der Oeffentlichkeit stehender Mann, ein Volksvertreter. sollte dock mit derartigen Behauptungen vorsichtiger sein, zumaj wenn er sie nicht einmal privat, sondern in amtlicher Stellung tut. — So bricht eine Terrorismuslüge nach der anderen schmählich zu- sammen._ Die Lohnbewegung der Glasschleifer in der Oberpfalz ist in ein neues Stadium eingetreten. Die königliche Regierung in Bayern hat mit den Industriellen und den Vertretern der Organi- sation der Arbeiter einen Tarif ausgearbeitet. Dieser Tarif bringt jedoch so minimale Zugeständnisse, datz die am Sonntag, den 29. Januar, stattfindende Konferenz der Glasarbeiter in Weiden diesen Tarif wohl ablehnen wird, so datz dann sicherlich ein Streik zu erlvarten ist. HusUm d. Von der Bewegung der belgischen Kohlenarbeiter. Aus Brüssel wird uns gemeldet: In der gestrigen Plenar- sitzung der Bergarbeiterfvderation Lüttichs wurde neuerdings über die Fortdauer deS Streiks beraten. Einige Gewerkschaften, die mit der„versöhnlichen" Haltung ihrer Delegierten nicht einverstanden waren, hatten neue gewählt. Die Abstimmung ergab indes wieder eine überwiegende Mehrheit für die Wieder- aufnahm« der Arbeit, indem 15 Delegierte dafür. 2 dagegen stimmten, 6 übten, wie bei der ersten Abstimmung, Stimmenthaltung. — In einem Sonntag erschienenen Artikel im„Peuple" rechtfertigt der Bergarbeiterführer D ej a rdi n, der auch bei den Verhandlungen mit dem Arbeitsminister intervenierte, die Haltung des Berg- arbeiterverbandes und seine erste Abstimmung über die Wieder» aufnähme der Arbeit, die von einem Teil der Bourgeoispresse in wohlberechneter Weise so gedeutet wurde, um die Bergarbeiter zur Uneinigkeit zu hetzen. Mir der präzisen Darlegung der Erfolge des Streiks antwortet Dejardin aber auch jenen Bergarbeitern, die sich von gewissen Leuten einreden laffen, datz sie vom Komitee „betrogen" worden sind._ Arbeitswillige? Paris, 24. Januar. Auf dem Bahnhof LumeS bei Msziöres (Departement Ardennes) wurden neun Bahnbeamten verhaftet, die seit demletztenStreik zablreicheFrachtsendungen gestohlen haben. Ein großer Teil der entwendeten Gegenstände wurde bei einer Haussuchung vorgesnnden. Aussperrung der Schneider in Belgrad. Seit dem 14. d. M. haben die Schneidermeister der serbischen Hauptstadt ihre 300 Gehilfen ausgesperrt, um sie zur Annahme individueller an Stelle der verlangten kollektiven Arbeitsverträge zu zwingen. Sie drohen ferner, die Schneider im ganzen Lande aus« zusperren, wenn die Belgrader Gehilfen nicht sofort zu Kreuze kriechen, die übrigens verhältuismätzig gut organisiert sind und auch über ansehnliche Mittel versügen. Zuzug ist jedenfalls für die nächste Zeit fernzuhalten. Huö der f rauenbewegirng* Aufklärung der Jugend durch die Mütter. Die„liebevolle" Fürsorge, deren sich die Jugendbewegung in Prcutzen von feiten der Behörden erfreut, ist in letzter Zeit noch«in einige Grade gestiegen. Mit Empörung sehen die proletarischen Eltern, wie die Jugend vor wirklicher GeisteSausbildung behütet werden soll. Alle Bildungsversuche deS Proletariats werden von der Polizei mit falsch angeweudeten Vereinsgesetzbestinimungcn un« möglich zu machen versucht. Sogar Ausflügen, von Jugendlichen unlernoinmen, werden Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Sport- vereine sind als politische verfolgt loordcn. Dieses nngeietzliche Vorgehen der Polizei ist zweifellos von oben angeordnet worden. In der neuesten Thronrede heitzt es nun, die Regierung habe sich entschlossen, eine plonmätzige Ausgestaltung der Jugendpflege einzuleiten, um die körperlichen und sittlichen Kräfte der schul- entlasjenen Jugend zu Pflegen. Das Geld der Steuerzahler, das ohnehin schon in Tausenden von Fällen gegen die Interessen deS Proletariat» Verwendung findet, soll nuil auch noch der geistigen Knebelung der proletarischen Jugend dienen. Gewitz wird der Jugendausschutz Mittel und Wege finden, um auch in Zukunft den muckerischen Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Aber es sollte mehr geschehe»! In erster Linie innerhalb der Familien. Hier hapert es noch gewaltig, obwohl sich in bezug auf die Jugenderziehung schon manches gebessert, seitdem die Frauen mehr und mehr zu Parteigenoisinnen erzogen werden. ' ede Genossin wird ihren Stolz darin sehen, die sozialistischen .deen auf ihre Kinder zu übertragen. Leider kann man noch viele Ünterlassiings- und auch Tatsünden konstatieren. In einer Un» zahl von Fällen schicken aufgeklärte Eltern ihre Kinder noch in die verdummenden SonntagSichulcn und ähnliche Institutionen, edizlich darum, weil man die Kleinen beaufsichtigt weitz. Die pro- letarischen Mütter sollten ihr« Kinder von solchen Schulen fem» halten und aus Notwehr gegen den von der anderen Seite geübte« Geivissenszlvang, aus bewntztem Gegensatz zu dem offiziellen Unter- richt, soweit dieser religiöse, überhaupt WelranschauungSfrogen be- trifft, die Kinder sozialistisch erziehen. Der Autorität der Schule mutz die Autorität der Eltern enigegengesetzt werden, wenn und wo jene sich in den Dienst der Klassenherrschaft stellt, um den Be- freiiingskampf des Proletariats zu erschweren. Solcher Kampf wird den Eltem aufgenötigt, er mutz durchgefochten werden l Versammlungen. Die Sonntagsruhe im Handelsgcwerbe stand auf der Tagesordnung einer öffentlichen Versammlung, die, vom Deutschen Transportarbeiterverband— Sektion Handelsarbeiter— einberufen, am Montagabend in der„Neuen Phil- Harmonie" stattfand. Der Referent Georg Schnaidt wider- legte die Einwendungen, die gegen die Forderung der Sonntagsruhe erhoben worden find, und zeigte die vorteilhaften Wirkungen, die sich vielfach aus der Einführung der Sonntagsruhe im Handels- gewerbe ergeben würden. Er forderte die Handelsarbeiter aus, unermüdlich zu agitieren und durch ihre Organisation einen Druck auszuüben, um ihr Ziel, den freien Sonntag, zu erreichen.(Beifall.) Die Berliner Stadtverordneten waren zu der Versammlung eingeladen, aber nur der Vertreter der sozialdemokratischen Frak- tion im Rathause, August Hintze, war erschienen. Dieser er- klärte in der Diskussion, datz der sozialdemokratischen Fraktion die Vorlage des Magistrats in bezug auf die Sonntagsruhe im Hau- delsgcwerbe nicht weit genug geht und daß die Fraktion nur für die Nahrungsmittelbranche und auch nur als ein� Uebergangs- stadium eine Verkaufszeit von 8 bis 10 Uhr gestatten wolle. Hintze erklärte sich mit der folgenden Resolution, die der Vor- sitzende Wappler vorlegte, einverstanden. Tie Resolution lautet: „Die am 23. Januar in der„Neuen Philharmonie" tagende, vom Deutschen Transportarbeiterverband. Bezirk Grotz-Berlin, einberufene öffentliche Versammlung bedauert, datz die gesctz- gebenden Körperschaften dem so dringenden Wunsche aller im Handelsgewerbe Beschäftigten, die vollständige Sonntagsruhe ein- zuführen, bisher noch nicht nachgekommen sind. Die gesetzliche Einführung der vollständigen, ununterbrochenen 36stündigen Sonntagsruhe ist eine kulturelle Notwendigkeit, die durchzuführen um so erforderlicher ist. als gerade die Handels- angestellten durch die überaus lang« Arbeitszeit an den Wochen- tagen nicht nur in ihrer Gesundheit schwer bedroht, sondern auch in ihrer geistigen und beruflichen Weiterbildung gehindert werden. Die vollständige Sonntagsruhe zu verweigern, liegt gar keine Veranlassung vor, da selbst die grotze Masse der Arbeit«:- schaft, auf die angeblich als Konsumenten Rücksicht genommen wird, stets die Handelöangestellten in ihren Forderungen unter- stützt und mit der vollständigen Sonntagsruhe einverstanden ist. um so mehr, da die Einführung der Sonntagsruhe nicht eine Verminderung des Konsums, sondern nur eine Verlegung der Verkaufszeit bedeutet und eher geeignet ist, den Konsum zu er- höhen. Die Versammlung erwartet daher, datz das Stadtverord- netenkollegium sowie der Magistrat der Stadt Berlin dem An- trag auf Einführung der vollständigen Sonntagsruhe umgehend nachkommt, um somit dem gesamten Handelsstand, Prinzipalen und Angestellten, das allen anderen Berufsständen gewährte Recht aus den arbeitsfreien Ruhetag zu geben. Die Versammlung protestiert gegen die einseitigen und egoistischen Bestrebungen der Laden- und Hausbesitzer und er- wartet, datz der Berliner Magistrat und das Stadtverordneten- koflegium den berechtigten Wünschen der Angestellten endlich Rechnung tragen." Nach kurzer Diskussion stimmte die auherordentlich stark be- suchte Versammlung der Resolution einstimmig Hetzte rfochncbten. Gegen die Studenten. Petersburg, 24. Januar. Laut Beschluß des Minister» r a t s werden alle Studentenversammlungen in den Hochschulen, außer den wissenschaftlichen, bei Strafe sofortiger Entlassung vorläufig verboten. Die Anordnung wird erlassen, um den Studierenden die Möglichkeit zu gc- währleislen, ungestört den Studien obliegen zu können. Unfälle auf dem Eise. Kattowitz, 24. Januar.(B. H.) Zwei Schüler, die sich auf die Eisdecke eines Tümpels bei Zawodzie gewagt hatten, brachen ein. Ein zehnjähriger Knabe versank im Wasser. Ein Kamerad versuchte ihn zu retten, brach jedoch ebenfalls ein und ertrank. Die beiden Leichen wurden bereits geborgen. Drohender Erdrutsch. Innsbruck, 24. Januar.(W. T. B.) Das am Nordabhang des Monte-Baldo in Südtirol gelegene kleine Dorf Besagno ist in Gefahr, durch einen Erdrutsch verschüttet zu werden. Einige Hütten wurden von niedergegangenen Ge st eins- massen bereits eingedrückt und mutzten geräumt werden. Verurteilte Betrüger. Münster(Westfalen), 24. Januar./z Proz., bei einer noch größeren Wertsteigerung Zuschläge bis zu 10 Proz. der Wert- steigerung. § 49b garantiert den Gemeinden, welche vor dem 1. April' 1909 eine Zuwachssteuer beschlossen hatten, deren Ertrag bis zum 1. April 1915. g 50 will die Vorschriften der g§ 49, 49a, 49b für solche Gebiets- teile, wo eine besondere Gemeindeverfassung nicht vorhanden ist, auf den betreffenden Bundesstaat anwenden. Die Abgg. A l b r e ch t u. Gen. sSoz.s beantragen, im§ 49 den Gemeinden 60 Proz., dem Reich nur 30 Proz. zu übertragen. und zugleich dem Reich die Verpflichtung aufzuerlegen, aus seinem Anteil jährlich 6 Millionen Mark zur Fürsorge für die Kriegsveteranen zu verwenden. Die Abg. Müller- Fuldan Einzel- fall 100 Proz. des den Gemeinden zufliestenden Betrages nicht über- steigen dürfen. Die Abgg. v. Carmer-Zieserwitz und Genossen sk.) beantragen, daß in, Fall der Annahme des Antrage» Müller-Fulda, Reichssteuer und Zuschlag 30 Proz. der Werlsteigerung nicht über st eigen dürfen. Abg. C u n o— und wendet sich gegen den sozialdemokratischen Antrag.— Redner klagt über die langen llieden der anderen Abgeordneten, wiederholt sodann seine bei verschiedenen voraufgegangenen Paragraphen gehaltene lange Rede über die Gefährdung des Eigentums durch Besteuerung und' erklärt, daß er für seine Person gegen alle Abänderungsanträge stimmen werde. Abg. Dr. Jäger(Z.) bleibt unverständlich. Abg. Böhle(Soz.): Unser Antrag, weit davon entfernt, einen papiernen, in der Luft hängenden Bcscvluß zu verlangen, ist vielmehr das einzige Mittel, den Veteranen wirklich etwas anderes als bloße Worte zu bieten. Daö ist um so nötiger, als das Gesetz ja an allen Seiten und Ecken durchlöchert ist.— DaS Zentrum hat bei der ganzen Beratung, namentlich aber beim§ 49 eine aus- gesprochen städtefeiiidlicke Hallung eingenommen.(Sehr wobr! links.) Hat doch Kollege Trimborn selbst hervorgehoben, daß Städte, nainentlicv die w e st l i ch e n, arg geschädigt werden. Wir werden allen Anträgen, die den Gemeinden einen größere» Spielraum einräumen. Herrn F e�l d m a n» s Rede gehörte gar nicht hierher, sie behandelte nicht die Sache, sondern war eine reine Kriegervereins- rede. Er appellierte auch an das gute Herz der Linken und meinte, von uns Sozialdemokraten'wollen die Veteranen nichts. Er kann sich beruhigen, die Veteranen nehmen unsere Hilfe gern in Anspruch, um ihre paar Pfennige zu erhallen, denn sie wissen, daß wir nnS ernsthaft Mühe für sie geben, ivährend es bei Herrn F e l d m a n n und seinen Freunden sehr fraglich ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Rechte will sich ja immer von neuem drücken und ist auch schuld daran. daß die Veteranen noch immer nicht zu ihrem Recht gekommen sind. auch jetzt haben die Herren recht» sich alle Mühe gegeben, das Gesetz so zu geslalien, daß der Landbesitz auf jede Weise geschont wird. Mn Leichtigkeit konnte das Gesetz so gestaltet werde», daß nicht 6, sondern 10 Millionen für die Veteranen herausspringen; Sie aber werden es zuwege bringen, daß für die Veteranen gar nichts übrig bleibt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Giesbcrts(Z.) beklagt die große Stenerbelasiung der In- sönlichkeit tritt nur in seinen Improvisationen hervor, namentlich dort, wo er sich selbst gegen Angriffe zu verteidigen hat. Da ver- schwindet der Schwulst und die Pkrasendrechselei, die seine„großen" Reden heute wenig gennßbar macht.— Die Gewohnheit, die Reden von anderen anfertigen zu lassen, teilte Mirabeau übrigens mit manchen parlamentarische» Kollegen. Und das Ablesen der Reden, das Dumont erwähnt, war in den ersten Monaten der konstituierenden Versammlung allgemein. Die Redner erwiderten einander nicht. Noch in der gesetzgebenden Versaimnlung lasen manche Deputierten, znm Beispiel Brissot, ihre Reden ab und diese Gewohnheit hat sich bis in die Julimonarchie hinein erhalten. Verbotenes Wandern. Unter dem 15. Januar 1835 faßte der deutsche Bund einen Beschluß, der den Zweck hatte, zu ver- bindern, daß deutsche Handwerksgesellen im Auslande revolutionäres Gift einsangen könnten. Heule versucht man in Preußen durch staatliche Jugenderziehung die Kinder dem Einfluß der eigenen „umstürzlerischen" Eltern zu entziehen. Damals sollten die jungen Leute nickt wissen, was in freieren Ländern erlaubt war. Der Be- schluß lautete: „Da es im Jntcreste des deutschen Bundes liegt, daß die deutschen Handwerksgesellen an keinen Assoziationen und Versammlungen teil- nehmen, wodurch die öffentliche Ruhe im In- oder Ausland bedroht oder gestört werden könnte, so soll 1. das Wandern der den deutschen Bundesstaaten angehörigen Handwerksgesellen nach denjenigen Ländern und Orlen, in Ivelchen offenkundig dergleichen Assoziationen und Veisaminlnngen gc- duldet werden, so lange diese-Duldung notorisch besteht, ver- boten sein. 2. In Absicht auf die Zurückberufnng der gegenwärtig in solchen Länder», worin Assoziationen und Versammlungen der obgedachlen Art geduldet werden, befindlichen Handwerksgesellen und deren Beaus- sichtigmig bei ihrer Rückkehr nach der Heimal, werden von den höchsten und hohen Regierungen dem Zwecke entsprechende Verfügungen getroffen werden. 3. Ueber die in Deutschland wandernden Handwerksgesellen wird strenge polizeiliche Aussicht, insbesondere rückiichllich der Verbindungen� in weiche sie sich einlassen könnten, geiührt werden. 4. Die Bundesregierungen werden sich durck ihre Bundestags- gesandtichaften in fortwährender Kenntnis erhalten, nach welchen Ländern und Orten sie wegen darin notorisch stattfindender Assozia- tionen und Versammlungen der obenerwähnten Art das Wandern der Handwerksgesellen verboten haben." Wieviel Energie wird bei einem Telcphonanschluß verbraucht! Wer einen Telephonanschluß ungeduldig fordert, kümmert sich wohl wenig darum, wieviel Energie dabei verbraucht wird. Dieser Ver- brauch ist auch bei einer Unterredung von einigen jPiimtten sehr dustriestädte; ihnen will der Antrag Weber gerecht werden, den er daher unteistützt. Abg. Erzbcrger Zwecke der Uiifallverhütiing sind ganz minimal im Verhältnis zu den Leistungen der gewerblichen Berufs- genossenschaften. Die we st preußische Bernfsgeiiossenschast und noch mehrere andere haben nicht einen Pfennig dafür ausgegeben, die(?roße Brandenburgische Geiiosseiischafl nur 100 M.(Hört! bört!) Die Polizeiorgans sollten beauftragt werden, solche Vorschriften, wo sie fehlen, zu erlaflen. Ein weiteres trauriges Kapitel ist die unbeschränkte Ausbeutung hilfloser Kinder in der Landwirtschaft. Die Zahl der ständig beschäftigten Kinder betrug 1907: 33 000, inSgesaml waren 348 127 Kinder in der Landwirtschast 1907 de schästigt. Die Hauplzahl emsällt auf die Großbetriebe. Diese Kinderaiisbeutiiiig muß die Entrüstung aller sozial Fühlenden er- regen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wochenlang werden Schulkiiider durch geistliche Schulinspektoren für Landarbeiten beurlaubt. Diese Kinder müssen den ganzen Tag in der Sonnenbitze für 50 Pf. arbeiren. Daß der Uiiterrichr durch diese Beurlaubungen leidet, ist selbstverständlich. Auch ist das Rübenzieben für die Kinder durchaus gesundheilSsckädlich; vielfach verunglücken Kinder dabei. Wie lange wollen Sie diesem Kindes mord zusehen. Wir müssen verlange», daß der Minister dagegen einschreilet. Wir erwarten, daß er im Reichstag für ein Kinderschutz gesetz auch in der Landwirtschaft eimritt. Die Ernährung der ländlichen Arbeiter geht ständig zurück. Es ist so weit gekommen, daß auch die Frauen der Landarbeiter ihre Kinder nicht mehr so nähren können wie früher. Das hängt damit zusammen, daß die Milch immer mehr durch die Molkereien verwertet wird und den ländlichen Arbeitern und Dienst- boten nicht mehr in dem Umfange zugute kommt wie früher. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) 80 Millionen Hektoliter Milch gehen nach Feststellungen der Zentralstelle für Volks woblfahrt der Ernährung der ländlichen Bevölkerung in Preußen verloren.(Hört I bört I bei den Sozialdemokraten.) Aufgabe des Staates ist eS daher, der Milchproduktion erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Heute sind ja die Milchpreise schon enorm teuer geworden und die organisierten Landwirte wirken noch mehr auf ihre Preissteigerung hin. ES sollte demgegenüber auf de» Domänen mehr Milch pro- duzien werden. Unerhört ist angesichts dieses Zuftandeö das Ver- langen der Großagrarier auf Einführung eines Milch- zoll«. Die Zustände bei der A r m e n v e r s o r g u n g auf dem Lande spotten jeder Beschreibung. In einem Falle bei Stettin wurde die Hinzuziehung eines Armenarztes für ein krankes Kind von dem Kreisansschuß abgelehnt, weil dazu keine Berpflichtung vorliege.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vor allem verlangen wir das Koalitivnsrecht für die Landardeiter. Errichten doch die ländlichen Arbeitgeber selbst Vereine, die sich gegen die Arbeiter richten. Der Verein ostprenßiicher Landwirte macht es sich zum Beilpeil zur Aufgabe, seiue Mitglieder gegen hohe Lohnforderungen und gegen Kontraktbruch zu sckützen. Das gleiche Recht miisie» auch die Landarbeiter baden. Wir er- warten, daß der neue Herr im Miliisierium zu dieser Frage Slellung nimmt.— Auf die rigorosen Besiimmlingeii in Arbeits- Verträgen habe ich im letzten Jadre ausführlich hingewiesen. i» einem Vertrage finden sich zum Beispiel Bestiiiiniungen, wonach eilte, die in Alkord mähen müssen, nur gegen Tagelohn de- schästigt werden. Sie werden einfach beim Mähen in die Mitte gestellt und wenn sie dann nicht milkomnien. wird es ihnen scklecht ergehen. Jeder Ungehorsam kann nach dem Ver- trage mit z lo e i Mari bestraft werde». Die eingezogenen Beträge sind an den„Deutschen Fllrsorgeverein" abzuführen. Dieser Fürsorgcverein für Großgrundbesitzer unterhält also von solcken Sirafe», die die Landarbeiter bezablen müssen, seine Geschäftsstelle. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch Lohnabzllge. die ausländischen Arbeitern gemacht werden, fließen diesem Verein zu. der no» dazu in Streit'ällen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern entscheiden soll. Dieser Verein bält es für angebracht, daß bei Kontrakibruch geleistete Borschüsse für bar oder Naturalien vom Arbeiter zurückzuerstalten sind.(Hört! hört!) Die Vertrags- bestimmungen für inländische Arbeiter sind noch härter als für ausländische. Sozialdemokralische Zeitungen dürfen weder gehalten noch gelesen werden, kein Arbeiter darf einem sozial- demokratischen Berein beitreten.(Sehr gut! recheS.) Glauben Sie etwa, daß ein gewerblicher Arbeiter heut« noch eine» ,'olcke» Sklaven- Paragraphen unterschreiben wird. Daß Sie das für richtig finden, beweist nur. wie geknechtet heute noch die Landarbeiter sind. Dieser Vertrag verstößt in vielen Punkten gegen die guten Sitten. Dazu heißt es im Vertrage: Alle dem Vertrage entgegeustehenden Geietze treten außer Geltung.775 Still Wien 775 NW —4 1 1 halb bd.-6 2 Schnee—2 bedeckt— 6 1 wölken!— 5 |l o" « 2 «§ e 3 5 e "■C Havaranda 755 SW Petersburg 753 W Scilla 773 SW »««er B* ti *k '.b treten Paris .752 SSW 2 wolkig >775S 4 heiter—3 2 wölken!—7 Zhalbbd. 7 6 0 1 bedeckt l Wetterprognose kür Mittwoch, de« 25. Januar 1011. Etwas wärmer, vorherrschend wollig bei ziemlich lebhasten südwest- lichen Winden; leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. WafferftaudS-Nachrtchte» der LaubeZaustall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Verllner Wetterbureau. 0 4- bedeutet Much».— ttzall.—*) Unierve'el.—•) Eisstand,— ♦) oberhalb der Angerappbrücke Eisstand, unterhalb Eistreiben.-» � eis- srei.—°) Eisbewegung, DßtzEHH«» Unseim Kollegen u. Obmann W Alfred Knnzendorf® 9 zu seinem Wiegenscste ein« dreimal donnerndes Hoch! � v D.Kommiss d.D.HoIzarb.-Verb, G % Bez. ästl. Vororte.£ Ällgenieinfi Kranken- o. Sterbe- Kasse der deutsehen Dreebsler und deren Bernfsgenossea. (E. H. 86. Hambmg.) Verwaltungsstelle Berlin 0. Nachnjf. Am 16. d. Mts. starb unser MUglied dulius Papendiek. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung fand am IS. d. M, statt. 236/17 Tie LrtSverwaltnng. Deutacher Transportarbeiter- Verband. Bezlrksverwaltung Groß-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- fahrer 65/15 Paul kerxkeldt am 22. d. MtS. im Aller von 33 Jahren verstorben ist. Ehr« seinem Andenken k DI« Beerdigung findet am Mittwoch, den 25. d. Mls., nach, mittags 3% Ubr, von der Leichen- Halle des Charitä-KirchhoseS, See- ftraßc. Ecke Müllcrstra c, aus statt. Tie Bezirksverwaltung. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie HeriilspossenDsutsebl. Verwaltungsstelle GroS-Berlin. Am 23. Januar verstarb unser Mitglied. Kollege 125/3 Wtkelni Rienäcker. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnersma. den 26. Januar. nachm. 4 Uhr. von der Leichen- Halle des Bartholomäus- Kirch- böses. Weißeniee. Fallenbcrgcr Straße, aus statt. Rege Beteiligung erwartet _ Tie Ortsverwaltung. Deutscher Kürschner- Verband Filiale Berlin. Am Sonntag, den 22. d. M oerstarb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Ku- Ichneider ttennann Hüttner im 69. Lebensjahre. Ehre seine« Andenkc»: Die Beerdigung findet am Donnerstag. den 26. Januar nachmittaqs 4 Uhr. von der Leichenhalle des Getbsemane Kirchhoies in Nieder-Schöntzausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 102/3 Die OrtSvrrwaltung. Am Sonnabend entichlies nach kurzem Leiden der Former �uxnst Nitschke im Alter von 71 Jahren. Dies zeigen ttesdelrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 3>/, Uhr, von der Halle des Emmau». Kirchhofes aus statt. 2623b DankKagrnng. {Wh die zablreiche Teilnahme und htt oielen Kranzspenden bei ber Beerbi. aung meiner lieben Frau, unserer ein- »taen Tochter sagen allen Beledigten. Berwandlen und Bekannten unleren b«sl-n Dank. 2816b ttotioi-t Heinrich. B. Xonnenberg«od Frau. Verband der Maler» Sacklerer, Itastreicher Melchiorstraß« 28, Part. Tiliale SerUn. HS». Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, den 26. jannar, abends 8 Uhr, finden 4Uersannnlimge» mit folgender Tagesordnung statt: Was wird aus der Leistungsklausel und dem paritätischen Arbeitsnachweis? Für Osten, Lichtenberg und Weiszeusee: „Praclifsäle des Ostens", Frankfurter Allee 151/152. Für Südwesten, Südosten, Süden, Zentrum und Nixdorf: „Grnunmnns Festsäle", Naunyustraße 27. Für Weste», Wilmersdorf und Charlotteuburg: „Fenelitsäle des Westens", Spichernstraße 3. Für Nordosten, Norden, Gesundbrunnen, Wedding und Moabit: „Swinemünder Oesellschaftshans", ss{?afleö4lfr Kollegen! Erscheint in Massen in den Versammlungen, um den Unternehmern zu zeigen. daß wir gewillt sind, mit aller Energie für bessere Verhältnisse zu sorgen. Wir erwarten, daß kein Kollege in den Versammlungen fehlt, 128/1 Die Ortsverwaltung. Für die liebevolle Teiwahme bei der Beerdigung unseres teuren Eni- schla jenen Fanl Frelwald sag« ich allen seinen Freunden und Bekannten meinen herzlichüen Dank. 2722L Hlnni. Scliüfer. ArbeitsuadiwttS: Hos l.»wtt 2. 1239. Berwaleunasstellr Berlin. Hanpidurean r GbarltsstraLe 3. Hol III. Amt 3. 1987. ffestmannsfranermapin Extra- Abteilung j 1 1. Gesch.: Berlin Vi.. Mohren- 1 StraBe37a(2 Hausvanderl Jerusalemer Straße). [II. Gesch.: Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus| von der Andreasstraße). 1 Sehrgr. Ausw.fert. 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Versicherung und die drohende Beschneidung unserer Rechte hierbei machen es jeder Arbeiterin und jedem Arbeiter zur Pflicht, jür einen guten Besuch bieser Bersammlung zu sorgen. 110/19 Die Ort«verwaItnnir ZentrMand tn Glasarbeiter md Arbeiterinnen Deutschlands. Donnerstag. 2«. Januar, abeudS 8 Uhr. bei voeker.Weberstr.I?: WMsWWiaaz iw Zisteie Berlin. Tages» Ordnung: 1. Bericht de« Vorstandes. 2. DiSkussio». 3. Neuwahl de» Vorstandes. 4. BerschiedeneS. 7Z/1 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die OrtsTerwaltons J. 31.: 21. Schröder. Getränke, die Reizstoffe enthalten, greifen Magen und Nerven an und sind deshalb zum täglichen Genuß nicht geeignet. Ein Getränk dagegen, das nach dem ttrteil ärztlicher Autoritäten keinen einzigen schädlichen Stoff enthält und jedermann immer gut bekommt, ist Kathreiners Malzkaffee. Seiner großen Bekömmlichkeit und seinem aromatischen Wohlgeschmack verdankt Kathreiners Malz- kaffee seine immer wachsende enorme Verbreitung in allen Kulturländern der Erde. 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Hippolyte« Abenteuer. Residenz. Pariser Menü. Thalia. Polnische Wirlschast. Schiller O.(DtaUner» Aoealet) Egmont. Schüre(»»arlottenburg. DieMacht der Finsternis. Friedrich« WilhelmstSdtischeS. Die Räuber. Lustipielhaus. Der Feldherrn UuSstellungs-Theater. Meyers. (Ansang Sllt Uhr.) Luisen. MudickeS Reise nach Indien. Modernes. Das glückliche Gesicht. (Ansang 8ü. Uhr.) Roie. Der Glücksschmicd. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Er, Sie und Er. Bolksoper. Die Dollarprinzessin. (Ans. 8',, Uhr.) Folrrs Eaprire. Der Feldwebel� hügcl.('Ansang 8lU Uhr.) SRmuoul. Hurra— Wir leben noch! Kasino. Julie Wippchen. Apulto. Spezialitäten. VaSage. Svezialitäten. Voigt. Ein seltsamer Fall. RrichSIiallc». Steitiner Sänger. Wintergarten.� Spezialitäten. Sanssouci. So wird'S gemacht. Spezialitäten.(Ans. 8'/, Uhr.) Walhalla. Bravo> Dacapo!(An« sang 8>/« Uhr.) Stadt- Theater Moabit. Keiuc Vorstellung. Wedding. Lichtspiele. Karl Havcrland. Spezialitäten. Urania. Taudenstrasse 48/49. Abends 8 Uhr: Von«an Nemo nach Florenz. Hörsaal abends 8 Uhr: Dr. WU- Helm Bcrndt: Die Bewegungen des tierischen Organismus und deren Apparate. Sternwarte, Jnvalidenstr. 51— 62. Lessing-Iheater. 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Donnerstag 8 Uhr: Die Ratten. Berliner Theater. Täglich 8 Uhr: Bummelstttdettten. Neues Theater. Täglich: Der 6. m. b. H.-Tenor. Anfang 8 Uhr._ Theater des Westens. 8 Uhr: Das Pappen inKdel. Sonnab. nachm. 4 Uhr: Rotkäppchen. Sonntag nachm. 31/« Uhr: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: PoppeImen»ch._ Berliner Volksoper Nachm. 3»/, Uhr: Der Kampf um Schneewittchen. Abend«'/,SU.: Die Dollarprinzessin._ Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Der Feldlierrnhiigel. FHcffitielmstadtiscIies Schauspielhaus. Mittwoch, 25. Januar, abends 8 Uhr ]>le Räuber. Donnerstag: Die Erbtante. Freitag z. erstenmal: Graf Essex. Sonnabend einmalige Aufführung: Die Rabensteinerin.___ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. Pariser Menu. Drei Gänge vo» Georges Feydeau und Veber-Abric. t. Gang:.52 Meter über Paris», 4 Akt von Veber-Abric. 2. Gang:„Eine Nachtsttzung», 1 Akt von Georges Feydeau. 8. Gang:„Nach dem Mäuschen- ball", 1 Akt von Georges Feydeau. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Bjppotyte's Abenleaer. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Hörsaal 6 Uhr: Dr. Wilhelm B e r n d t: Die Bewegungen des tierischen Organismus und deren Apparate._ Kaiser-Panorama. Wen! Mittelmeer-Reise. Schloß Achilleion. L. W. Wintersport i Oberengadin. Eine Reise 20Pf. Kind nur ISPf. Abonnements I M. Tausende Abonn. Mclilller-Tiieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theal). Mittwoch, abends 8 Uhr: Exmnnt. Trauerspiel in 5 Ausz. v. Goethe. Ende 10'/z Uhr. Donnerstag, abend» 8 Uhr: VI« Krenzclscbrelber. Freitag, abends 8 Uhr: Hnsarenfleber. Schiller-Theater Charlettenburg. Mittwoch, abend« 8 Übt: Die macht der Finsternis. Schauspiel in 5 Akten von Leo N. Tolstoi. Uebersctzt von R. Löwenseld. Ende 10-/z Uhr. Donnerstag, abends 3 Uhr: Hnsarenfleber. Freitag, abends 8 Uhr: Der Hlinniel auf Erden. Luisen-Theater. Zum 25. Male: Muiiiekes Reise Daeb Indien. GrosieS Ausstattungsstück in 11 Bildern von ÄltichellS und Lcsevre. Donnerstag: MudickeS Reise nach Indien. Freitag: Die Hosen des Herrn von Bredow. 99 CLOU 9» BF.RMXER KOXZERTHAFS Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 !!! Heute!!! Eintritt 50 Pf. Gastspiel der_ viavoll rossl dl Planella". Original Italien. Harmon ie-Orchester. Zum ersten Male in Deutschland! Anfang 8 Uhr.— An allen Wochentagen von 4— 7 Uhr: Gr. Promenadenkonzert bei freiem Eintritt. Kroge Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Der Gtücksschmied. L VolkSstiick in 5 Akten von Görner und Spannuth-Bodenstedt. Freitag u. Sonntag: Der Glücks- fchmied. Sonnabend nachm.: Prin- zefsin Edeltrant. Abends: To» «karlos. Sonntag nachmittag: Die Räuder. ZKetropol-Tksstsr. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstattungSrevue in 7 Bildern v. I. 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Sudermann. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ansang 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: = Tanz.= Passage-Panoptikum. Lebend! Lebend! Das blaue W e 1 b: Ein Ogfor wilder Barbaren. Prmz Atom: der kleinste Mensch aller Zeiten. Her Hann mit dem elNernen Schlund. Buddhas Wondertafel. Alles ohne Extra- Entroe! Zirkus Busch. Mittwoch, 25. Jan., abds. VI, Uhr; Gala- Abend. Frl. Hartha Mohnks, Schulreit. 5 Cliftons 5. Gastspiel d. Hm. Direkt. Pierre Althoff und Frau Direktor Adele Althoff Freiheitsdressureu. Die Fredianis. Akrobaten zu Pferde. 3 Gebr. Fratellini, urkomische Clowns. Aeros nr- kom. Trapezkünstler. Um 9 Uhr ca. zum 34. Male: „Armin." Vorher das groSe Galaprogramm. Uns Scmimai-H Karlutraße. Vom Freitag, den 27. Januar oi Täglich: Großer Bockbier- Jubel und Trubel. Ernst und heiter llkterhaltend and lehrreich sind die Vorführungen im Ibealei' des Veddlngs Elchtsplel-Palast Müllersir. 182/183- Sellerstr. 38. Haverland- Ansang Thalia* Kommandanten» ptäj. V/, ü. illBllltr. stratzc 77/79. Das sensationelle anuar« Programm. Iclor Riller Voigt-Theater Gesundbnmnen, Bad strotze 58. Mittwoch, den 25. Januar 1911: Ein seltsamer Fall. Phantastisches Schauspiel in 4 Ausz. aus dem Englischen d R.L.Stevenson von E. Morton und I. F, Gunniver. Kassenerösstmng 7, Ansang 8 Uhr. Mcan-TMl Dresdener StraBe 87. Täglich: Heitere Künstler- Abendet Theafer-Varidie-Cabaret mit Anna und Franz Verdier. j Ansang 8 Uhr.— Sonntags 6 Uhr Theater„Graß-Kerlill". ! Mittwoch, den 25. Januar, 8'/« Uhr: bleue Welt,".».V.?' Orr ZImM Den Mog. Neueste Detcklivkomödie v. Schwarz» Reifiingen. Preise der Plätze: 30-100 Ps. Auf Vorzugsk. billiger. Inserate gellea als VorzugSkarlen. kelehskAllell-Ilieslei'. Stöttiner Szngör. Renk MusikaMeiliiiaelit Genrebild von.Reysel. Ansang CA wochentags 8 Uhr GentttagS 7 Mr- Folies Caprice. Täglich 8'/« Uhr: Die abgetretene Frau. Neuer bunter Teil. selckivebelhügel. Bosporus am Movitzplatz. TUglich 8 Ehr Das erstklassige Spezialitäten- Programm. Beachten Sie aas Variett-Konaum-Systen Nach 0ohluß der Vorstellung: Anfang des Triumphatorfestes. Großer Betrieb, 2 Kapellen, Festzug bis 2 Uhr nachts. Donnerstag, den 26. Januar 1911 Voranzeige! Voranzeige 1 Pmieruog der engsten Taille. Aehtang, Vereine! Sonnabend. 11. u. 18. März. Sonntag. 10. und 26. Februar. 12. März: Säle mit Bühne Alcxanderstr. S7c, I*-«►*♦ Engl. Garten. Amt 7. 10628. 1.». S. Lftersciertag frei.• Serantwortlicher N�altcur: Richard Barth. Berlin, gür den Inseratciitotl verantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW, Nr.?!. 28. ZahtMg. 2. KnlM ks Lmsck" öttlintt Wlkdlolt. Mlwsch. 35. Z»»ii«r 1911 Die Nea«»lig-ereignilie vor Gericht. Achtrr Tag. Gestern gab es noch eine Nachlese von Zeugen, die auf Antrag der Verteidigung geladen worden waren. Bezüglich des Angeklagten Snhring macht die Aussage zweier Zeugen es wahrscheinlich, daß er nicht, wie Frau Abraham es an- nimmt, der„Blutlhind'-Rufer gewesen sei. Zum Fat. �.Awig ist eine Zeugin Frau Moral» ermittelt worden, die bei Hellwigs Festnahme durch einen seiner Verfolger umgerannt worden ist. Dah nicht Hellwig selber sie umgerannt hat. bezeichnet sie als ganz sicher. Sticht der erste, der die Treppe hitm"slief, sondern der letzte derjenigen, die ihm folgten, habe sie ge,,oken, so daß sie eine halbe Treppe hinunterfiel. Dieser Mensch sei kein junger Mann gewesen(wie Hellwig es ist), sondern ein älterer und beleibter Herr. Zum Fall Lube werden noch mehrere Zeugen Vernommen. Aus ihrer» Bekundungen ergibt sich, daß Lube nur kurze Zeit im Hausflur des Hauses Schererstr. 12 veriveilt hat, so daß er nicht viel Ge- legcnhcit gehabt haben könnte, einen so ausgedehnten Unfug zu treiben, wie Frau Bratz es gegen ihn behauptet. Personen, die dort lange venveilten und für Orbrnrng im Hausflur sorgten, haben von ihm keinerlei Unfug bemerkt, sondern nur gesehen, daß er stark be- trunken war. Jin besonderen wird von einem Hausbewohner Schöne, der schon früher vernommen war und auf Antrag des Rechtsanwalts Cohn jetzt nochmals vernommen wird, bekundet, daß Schöne selber aus Ordnung gesehen habe. Bezüglich des Zustandes, in den Lube durch seine Betrunkenheit geraten war, gibt Rechtsanwalt Cohn die Anregung, einen Gerichts- arzt gutachtlich zu hören. Falls das Gericht annehme, daß Lube sich der ibin zur Last gelegten Straftaten schuldig gemacht habe, könne das nur geschehen sein in einem Däinnicrzüstand, in den er durch seinen Rausch versetzt worden sei. Erwiesenermaßen sei er ein ruhiger und anständiger Mensch, wie hier durch verschiedene Zeugen bekundet worden sei. Da? Gericht lehnt es ab, ein der- artiges Gutachten einzuholen, weil es das nicht für erforderlich hält. — Zu den zahlreichen Leumundszeugen, die für Lube aufgetreten find, kommt schließlich sogar ein Kriminalschutzmann, der dem Ver- leidiger durch Leutnant Kulke benannt worden ist. Kriminalschutz- «ann Franke hat früher in einem Lokal, wo Lube verkehrte, häufig zu Mittag gegessen. Er hat die Beobachtung geinacht, daß Lube ein ruhiger Mensch ist und nicht zu Blaukoller neigt. Das Gericht läßt im Hinblick auf die Aussage Schönes über Lube nochmals die im Hause Schererstr. 1 wohnende Frmi Döring und deren Tochter herbeiholen, die zum Fall Lube bereits ver- nommen worden sind. Frau Döring wiederholt ihre frühere Aus- sage, daß sie zwischen 11 und 12 llhr nachts ganz allein mit Lube auf dem Flur geivesen sei und Lube da zweimal auf die Straße hinausgetreten sei und„Bluthunde" gerufen habe. Zeugin erklärt, fie habe in dieser Zeit den Hausbewohner Schöne nicht auf dem Flu» bemerkt. Schöne entgegnet, er habe ständig fich auf dem Flur aufgehalten, in der Regel feien da 12 bis 1b Personen zusammen gewesen, Frau Döring könne nicht allein mit Lube gewesen sein. Frau Döring wird unterstützt durch die Aussage ihrer Tochter, Herrn Schönes Aussage wird be- fiätigt durch seine Frau.— Rechtsanwalt Cohn: Frau Döring. Sie sind zuerst von der Kriminalpolizei vernommen»vorden. Ist es richtig, daß Ihnen, als Sie zunächst nichts Bestimmtes angaben, ge- sag« wurde, auch Sie würden, wenn Sie nicht aussagten, ins Ge- sängnis gesteckt werden?— Zeugin Döring: Ich entsinne mich nicht. — Rechtsanwalt Cohn: Das geht auf Ihren Eid!— Zeugin: Ich kann mich gar nicht entsinnen.— Bors.: Ueberlegen Sie «S fich mal Zeuge Schöne: Da? ist allgemeines HauS- gespräch, da» ihr das gesagt worden sei.— Angeklagter Lube: In meiner Gegenwart wurde ihr bei der Vernehmung gesagt: wenn Sie nicht sagen, daß er geschimpft hat, dann fallen Sie rein. — Zeugin Döring erinnert sich nach wie vor an nichts. Sie bleibt trotz immer wiederholter Vorhaltungen auch dabei, daß sie mit Lube allem gewesen sei. Nach langwierigen, immer wieder fruchtlosen Versuchen, die Widersprüche aufzuklären, beantragt Rechtsanwalt Cohn, noch andere Hausbewohner zu laden. Gegenüber den Ein- Wendungen de? StaatsauwaltS Brüning, hält er diesen Antrag auf- recht für den Fall, daß gegen Lube«ehr als eine einfache Belridi- gung als festgestellt angesehen wird. Zum Fall Giersch beantragt Rechtsanwalt Cohn noch die Ehefrau des Angeklagten zu laden, die über Mißhandlung durch Polizeibeamte bekunden werde. Frau Giersch, die sofort ver- nommen wird, gibt an. auf der Wache habe ein Beamter ihrem Rann einen Fußtritt versetzt, und als sie. die mit auf die Wache jjegangen war, bei diesem Anblick geschrien habe, sei ihr selber von einem anderen Beamten ein Schlag ins Gesicht gegeben worden, so �daß sie hintenüberflog. Sie habe nachher auf der Treppe auch noch beobachtet, wie ein uniformierter Schutzmann auf einen anderen soeben eingelieferten Arrestanten„immer von oben runter" einhieb. Daß sie selber geschlagen wurde, sei von ihren drei Kindern im Alter von 13, 15 und 16 Jahren mitange- sehen worden. Ter Antrag des Rechtsanwalts Cohn, auch diese Kinder zu laden, wird vom Gericht abgelehnt. Zur Entlastung des Ehepaares Wolter wird noch eine in dem- selben Hause wohnende Zeugin Kruse vernommen. Sie hat von Wolter und seiner Frau nur die Rufe..Pfui! Schämen Sie sich! Auf anständige Leute einzrischlagen!" gehört. Hiermit schließt die Beweiserhebung. Als Vertreter der Anklagebehörde ergreift dann das Wort der Staatsanwalt Brüning. Man habe in der letzten Zeit viel von den Krawallen in Moabit und auf dem Wedding gelesen und gesprochen, er wolle aber hier nur das erörtern, ivas in der Beweisaufnahme zur Sprache gebracht »vorden sei. Zunächst»nüsse er aber sich zu den von den Angeklagten vorgebrachten Beschuldigungen äuf-ern, daß sie von den als Zeugen vernommenen Polizeibeainten mißhandelt»vorden sein. Diese Be- haupiung sei aufgestellt worden von Giersch, Pagel. Friesner. Schulz, Rudolph. Hellwig, Rehaag. Der Staatsanwalt stellt sich in allen sieben Fällen auf den Standpunkt, daß Mißhandlunge» nicht erwiesen und zum Teil duich die Aussagen der beschuldigten und anderer Beamten direkt widerlegt seien Den Angeklagten sei doch auch bekannt, daß es ihnen in jedein Augenblick freistehe, wegen der behaupteten Miß- Handlungen Anzeige zu erstatten, die nachgeprüft»verde. Jedenfalls sei eine Hanptverhandlung nicht dazu da, hier erst ein Ermittelung?- verfahren einzuleiten. Man wisse doch auch, wie schwer solche Miß- handluugsvergehen geahndet werden. Oft komme derartiges nicht vor, und jeder Beamte werde sich davor hüten, schon im Hinblick auf die Gefahr, sein Aint zu verlieren. Siaatsanw. Brüning äußert sich dann zur Schuldfrage. Hier sei zu untersltchen, von welchen Motiven die Täter sich leiten ließen. Zu dem imbedelltenden Streik bei Morgenstern, dessen Berechtigung er nicht prüfen wolle, stehe der sich hieran anschließende große Epzeß im Widerspruch. Seine Ursache sei weder in einer brutalen Haltung des Arbeitgebers zu suchen, noch in provozierendem Auftreten von Arbeitswilligen. Auch auf unzeitgemäßes oder un- zweckmäßiges Eingreifen der Polizei sei der Exzeß»richt zurück- zuführen,»vie ja auch ein Artikel des„Vorwärts" vom 36. Oktober die Ruhe und Besonnenheit der Polizei hervorgehoben habe. Daß sie richtig vorgegangen iei, dafür spreche die Talsache, daß der Exzeß in einer einzigen Nacht vollständig beigelegt worden sei, und zwar ohne erhebliche Opfer an Gut und Blut. Die Erregung der Bevölkerung erkläre sich vielleicht aus den Moabiter Borgänge», aus der den Zeitungen entnominenen Ansicht, daß dort erhebliche Ncbcrgrisfe der Polizei vorgekommen seien. Mitursache seien aber die Veröffenl- lichungen über den Streik gewesen, die im„Vorwärts" abgedruckten Bekanntmachungen des ZentralverdnndeS der Fleischer, die Verteilung von Zetteln und Flugblättern des Zentralverbandes, der sich an die Bevölkerung wandte und unter Hinweis auf Morgensterns angeblichen Proyenstandpunkt sie aufforderte, bei Morgenstern nichts zu kaufen. Diese Darstellung, die den Tatsachen völlig widerspreche, habe mit zur Erregung beitragen müssen. Und schließlich habe dann am Sonnabend der Alkohol das Uebrige getan und zum Tatendrang an- gereizt. Die Menschenansammlungen, die trotz»viederholter Auffordenmg sich nicht zerstreuten und nach erfolgten Steinwürfen init Gewalt auseinander getrieben werden mußten, seien später in schtvcrcn Land- friedensbruch und Aufruhr ausgeartet, wobei Materialschaden an Schaufenstern und Straßenlaternen und Verletzungen von Beainten vorgekonunen seien. Zn den Straftaten der ersten sechs Angeklagte» führt der Staats- anwalt aus: Schuldig sei Giersch der Beleidigung(die hier und bei allen anderen Angeklagten eiiie öffentliche ist), Pagel der Teil- nähme am Ausruhr und der Beleidigung. Hartmann der Teilnahme am Auflauf und Aufruhr, der Beleidigung, der Bedrohung und des Wider- standes. Friesner der Teilnahme am Aufruhr. Lube der Teilnahme am Landfriedensbruch und Aufruhr und der Beleidigung, Schulz der Teilnahme am Auflauf, Aufruhr und Landfriedensbruch. Daß die Angeklagten sich bewußt waren, sich in einer zusamniengerotteten und Gewalttätigkeiten begehenden Menge zu befinden, sei zweifellos. Bei Lube habe die Staatsanwaltschaft geschwankt, ob er nicht als Rädelsführer angesehen werden müsse, doch fei dieser Fall durch die Beweisaufnahme abgeschwächt worden. Bei der Strafabmessung sei für diese sechs Angeklagten als straf- mildernd zu berücksichtigen, daß sie durch falsche Darstellung besonders erregt worden seien. Dem Gericht müsse überlassen werden, wie weit es die Moabiter Vorgänge und die Meinung, daß dort lieber- griffe der Polizei vorgekommen seien, als mildernd gelten lasten wolle. Andererseils falle straferschwerend ins Gewicht, daß die Angeklagte»,, wiewohl sie die Moabiter Unruhen und ihre Folgen kannten,»»icht zu Hause blieben. Als Strafe loird beantragt gegen Hartmanu 1 Jahr Gefängnis, Giersch 4 Monate Gefängnis, Pagel 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, Friesner 16 Monate Gefängnis, Lube 1 Jahr Gefängnis, Schulz 4 Monate Gefängnis. Zu den Straftaten der übrigen 12 Angeklagteu führt Staats- anwalt Dr. Linde au?, es bandle sich hier um leichtere Vergehe». im»vesentlichen um Beleidigungen, die aber sämtlich im Aufruhr- gebiet begangen worden seien und sich dadurch von sonstigen Straf- taten dieser Art abheben. Schuldig sei Frau Haupt der Beleidigung, Rehaag der Teilnahme am Auflauf und der Beleioiguug. Brandt der Beleidigung, Wolter und seine Ehefrau der Beleidigung, außerdem Frau Wolter der Bedrohung und Nötigung zur Unterlassung von Anltshandluiigen, Frau Rohloff der Beleidigung, Frau Platow der Beleidigung, Rudolph der versuchten Sachbeichädtgung. Küpper der Beleidigung und des Widerstandes, Sühring der Beleidigung, Hell- wig der Aufforderung zu strafbaren Handlungen und Beleidigung. Gegen Tietz, der der Beleidigung und der Teilnahme �am Auf- lauf beschuldigt war, sei nichts erwiesen, so daß seine Freisprechung beantragt werden müste. Bezüglich der anderen 11 Angeklagten wird als Strafe beantragt gegen Rehaag 5 Monate Gefängnis, Brandt 6 Monate Gefängnis, Wolter 5 Monate Gefängnis,� Frau Wolter 7 Monate Gefängnis. Frau Rohloff 1 Monat Gefängnis, Frau Haupt 3 Monate Gefängnis, Frau Platow 3 Monate Gefängnis, Rudolph 1 Monat Gefängnis, Küpper 4 Monate Gefängnis, Sühring 3 Monate Gefängnis, Hellwig 3 Monate Gefängnis. Als straf- mildernd ist berücksichtigt»vorden, daß die meisten über die Sach- läge nicht recht unterrichtet waren, wozu die in Berlin verbreitete Abncignitg gegen die Polizei kam. Strafschärfend hat gewirkt, daß den Angeklagten doch nicht verborgen geblieben sein könne, um wie schtvere Ausschreitungen eS sich bandelte. Die Siaalsanw'altichafl beantragt für sämtliche Angeklagte, die in Untersuchungshaft gewesen silid, deren Anrechnung. Es folgen dann die Plädoyers der Verteidiger, unter denen als erster der Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht das Wort ergreift. Er geht auf den allgeineinen Teil der Anklage nicht ein und äußert sich nur zu den Fällen Platow und Rudolph, für die er die Verteidigung hat. Wenn die Angeklagte Platow„Blutbunde" gerufen habe, so habe sie das sicherlich in einer sie plötzlich überkommenden Erregung ge- tan. Aus Neugier, die doch der Urtrieb des weiblichen Geschlecht? sei, habe sie bei der Vorüberführung eines Sistierten sich zu den anderen Neugierigen gesellt. Da sei nun das Wort„Blut- Hunde" gefallen, das man überall bei solchen Gelegenheiten höre. Das Wort klinge so entsetzlich, aber wenn schon jemand in dieser Siwation den Mund aufmache, so komme ihn dieses Wort wie von selber. Daß es in dieser Situation besonders gefährlich wirke, davon habe natürlich die Angeklagte keine Ahnung gehabt. Sie sei sonst eine ganz friedliche Frau und sei wahrscheinlich die letzte gewesen, die in die allgeineinen Rufe eingestimmt habe. In anderen Prozesten habe man das Wort„Blut- Hund" viel geringer bewertet; in der Regel seien Geidstrofen oder geringe Gefängnisstrafen verhängt worden. Eine Geldstrafe sei auch in den» vorliegenden Fall Sühne genug. Man dürfe nicht sagen, bei den Ausschreitungen in Moabit und auf dem Wedding liege die Sache anders. Keineswegs dürfe hier unter dem Gesichts- Punkt der„Staatsraison" geurteilt werden. Für den Angeklagten Rudolph führt der Verteidiger au», dieser habe von vornherein den Steinwurf zugegeben, nicht aber die Ab- ficht, durch ihn eine Laterne zu zertrümmern. Auch nach der Auf- fassnng der Staatsanwallschaft sei ja nur der Versuch einer Sach- beschädignng übrig geblieben. Auf eine Prüfung der Aussage des Zeugen Schreiber sei die Staatsanwaltschaft gar nicht erst ein- gegangen, wohl in der Erkenntnis, daß diese Persönlich- keit durch ihr Vorleben, durch ihr Verhalten bei den Un- ruhen und durch ihr Auftreten vor Gericht höchst fragwürdig sei. Auch der Verteidiger wolle verzichten auf eine Würdigung dieses Zeugen, der vielleicht weniger ein bösartiger als ein infolge feines Nervenleidens unglücklicher Mensch sei. Die Straftat Rudolph stelle sich lediglich als grober Unfug dar, und auch hier sei zu berücksichtigen, daß Rudolph als Epileptiker durch den ge- nossenen Alkohol ungünstig beeinflußt worden sei. Er sei in die ganze Situation ohne irgendwelche Absicht hineingeraten. Auch gegenüber diesem noch unbestraften Angeklagten sei nicht eine Gefängnisstrafe geboten, sondern höchstens eine Geldstrafe, wobei noch zu berücksichtigen sei, daß er 23 Tage in Untersuchungshaft zu- gebracht habe. Rechtsanwalt Dr. OSkar Cohn wiederholt schließlich für den An- geklagten Lube den schon mehrfach gestellten Antrag auf Haft- entlassung. Dem Antrag stimmt das Gericht zu. Heute beginnt die Sitzung um ll2i0 Uhr. 9k bringt die Plädoyers der übrigen Verteidiger. Ermiiigun gewahren wir auf alle bei der zurückgesetzten Waren, welche teils unsortiert sind und teils nicht mehr weitergeführt werden.— Außerdem kommen noch große Posten erstklassiger Schuhwaren, welche nicht in vollen Sortimenten vorrätig sind, zum Teil sehr bedeutend ermäßigt zum Verkauf. Der Verkauf dauert nur noch kurze Zeit. & Nur solange Vorrat. 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Für den Inseratenteil verantw-: Th-Vlockr, Berlin. Druck st. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanjtalt Paul Singer Co., Berlins)�. I it. 21. 38.?ahtMS. 3. Ütilnje be ü Jotniirts" Sttliii« Jolfoliliilt»->»»» Partei-?Znge!egenkeiten. Stralau. Am Donnerstag, den 26. Januar, abends 8'/z Ubr, bei Steinicke, Alt-Stralau Nr. S: Generalversammlung des Wahl- Vereins. Zossen. Am Donnerstag, abends S'/z Uhr. beim Genossen Kurzner: Wahlvereinsversammlung. ßcrlincv JVacbncbtcn. AuS der Geschichte des Berliner Stadtgerichts. Ani 23. Januar 1536 wurde der Bürgermeister Hans Tempelhof mit dem Stadtgericht in Berlin belehnt; so meldet die Chronik. Wir haben es hier mit einer merkwürdigen Er- scheinung in der alten Rechtsverfassung Berlins zu tun. Indem nämlich seitens des Kurfürsten ein Vorsitzender für daS niedere Gericht, das Stadtgericht, ernannt wurde, erhielt dieser gleichzeitig die Belehnung mit den Einkünften aus diesem Gericht, von denen er jedoch dem Landesherrn zwei Drittel abgeben mußte. Damals fielen die Geldstrafen und Bußen noch dem Richter zu, nicht der Gerichtskasse bezw. dem Jiskus. Der erste, der nach der Umwandlung der Berliner Verfassung das Gericht erhielt, war Peter Brackow, der aber 1481 in Zahlungsschwierigkeiten geriet und das Gericht an den Kurfürsten zurückverkaufte, der es dem Dietrich Jäger überließ. Bereits 1487 erhielt aber Brackow die Belehnung wieder, und mit ihm wurden fein Bruder Hans, der spätere Bürgermeister von Berlin, und ein Jakob Schmidt Lehns- Herren des Stadtgerichts. In der Folge wurde durch einen Vertrag vom 27. Dezember 1308 das Stadtgericht an die Städte Berlin und Kölln fiir eine jährliche Rente von 90 Gulden verkauft; danach gingen also die Einkünfte aus dem Stadtgericht an die Städte selbst über, aber diese waren vorläufig nicht imstande, den Vertrag durchzuführen, da noch die alten Lehnsverpflichtungen bestanden. Bis 1517 blieb die Familie Brackow im Besitz des Gerichts und ein Hans Brackow präsidierte auch in dem bekannten großen Prozeß wegen Hostiendiebstahls, der 1510 in Berlin stattfand. Nach dem Tode der Brackows ging die Lehnsfolge zunächst auf Hans Tempelhof über, der bereits früher die Anwartschaft er- halten hatte und unterm 25. Januar 1536, also vor 375 Jahren. die Belehnung erhielt. Erst als Tempelhof im Oktober 1543 gestorben war, konnten die Städte der Beseitigung des Erb richteramts nähertreten. Sie kauften also von den Erben Tempelhofs das Stadtgericht für 2250 Gulden zurück und wurden, unter Bestätigung des Kürfürsten, Besitzer deS Gerichts, das unter mannigfachen Veränderungen als Berliner Stadtgericht bis in die allerjüngste Zeit bestanden hat. Zur Tonutagsruhe im Handelsgewerbe. Die Vorlage des Magistrats wegen Neuregelung der Sonntags- ruhe im Ausschuß einstimmig angenommen. Dies Resultat wurde aber erst erreicht, nachdem sämtliche Berbesserungs- und Verschlechterungsanträge abgelehnt waren. Von unseren Genossen war beantragt, für alle Branchen, mit Ausnahme der Nahrungs- und Genußmittel, die vollständige Sonntagsruhe einzuführen. Für die letzten Branchen sollte eine Beschäftigung von Angestellten und das Offenhalten der Geschäfte von K— 10 Uhr zugelassen werden. Diese Anträge wurden gegen die 4 Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Von anderer Seite wurde beantragt, auch Ausnahmen für den Handel mit Schuh» waren, BckleidungSgegenständen und Hüten zuzulassen. Auch diese Anträge wurden mit S gegen 6 Stimmen abgelehnt. Nach zwei- stündiger Debatte wurde die Magistratsvorlage einstimmig an- genommen. Keine Reklamen in städtischen Parkö. Aus dem Rathause wird geschrieben: Wiederholt sind dem Magistrat von Privatpersonen Gesuche um Aufstellung von Reklameschildern u. ä. in städtischen Parks und Anlagen zugegangen. Da die Parkverwaltung grundsätz- lich bemüht ist. die städtischen Gartenanlagen von Schildern und Tafeln freizuhalten, so kann solchen Anträgen nicht entsprochen werden. Das ist auch ganz vernünftig! Eine Beschimpfung der Elter» in der Schule. Wenn alljährlich der 27. Januar vor der Tür steht, werden in den Schulen Borbereitungen getrosten, den Tag besonders festlich zu begehen. Der Byzantinismus feiert in den Vorträgen wahre Orgien. Daß aber bei der Gelegenheit auch die Eltern vieler Schüler direkt beschimpft werden, ist doch das tollste, was seit langem vorgekommen sein dürfte. UnS wird berichtet, daß in der 102. Ge- meindeschule ein Gesanglehrer Schulz ein Lied zu Kaisers GeburtS- tag eingeübt hat. m dessen zweiter Strophe es heißt: Mag der inn're Feind auch dräue«, Mag der Rotte Haß und Hohn Schmähen unS, die Königstreuea» Fest strh'n wir zu Wilhelm» Thron. Ja, wir folgen Deinen Pfaden, Die vertrau'» wir unserm Herrn, Denn Du bist von Gottes Gnaden, Unseres Vaterlandes Stern. Mit den Worten über den inneren Feind und und Hohn" ist doch offensichtlich niemand anders der als «Rotte Haß die Sozial- demokratie gemeint. Die 102. Gemeindeschule liegt in der Reichen- berger Straße, also in einer ausgesprochenen Arbeitergegend, und Arbeiterkinder sind eS, die den Unterricht in der genannten Schule besuchen. Die Eltern vieler Kinder dieser Schule sind Sozial- demokraten. Diesen Kindern wird durch Singen dieser Strophe zugemutet, die eigenen Eltern zu beschimpfen. Es kann nicht aus- bleiben, daß Eltern mit ihren Kindeni über die ihnen durch Singen der erwähnten Strophe gemachte Zumutung sprechen. Daß die Autorität der Schule und der Lehrer durch solchen ungehörigen patriotischen Uebereifcr nicht gefördert werden dürfte, liegt auf der Hand. Den Schaden kann nur die Schule haben. Im übrigen gab es auch eine Zeit, wo selbst die Freisinnigen zu den Vaterlands- und Reichsfeinden geworfen wurden. Was sagt die städtische Schuldeputation zu dieser patriotischen Entgleisung?_ DaS Ende eines FürforgekindeS. SuS der Probinziolerziehungsanstalt in Strausberg entwich am 3. Januar der elfjährige Knabe Wilhelm Wolff, der Sohn eines Maurers. Nachforschungen nach dem Verbleib des Knaben waren ohne Erfolg. Dieser Tage fand man den Jungen in einer Sand- grübe vor dem Wriezener Tor in Strausberg als Leiche. Er soll fich selbst in die Sandgrub« eingegraben haben und der Tod sei. | durch Ersticken eingetreten. Wahrscheinlicher klingt, daß der arme Junge sich in der Grube versteckt hatte, um nicht wieder ergriffen zu werden und infolge herabfallenden Sandes erstickt ist. Gegen die Bcrkehrsneucrungen des Polizeipräsidenten in der Friedrichftraße hatten die Geschäftsinhaber der oberen Friedrich- stadt Montagabend eine Protestversammlung im„Heidelberger" anberaumt. Bekanntlich beabsichtigt der Polizeipräsident zur besseren Durchführung des Verkehrs die von Norden her kommenden Wagen und Omnibusse an der Torotheenstraße abzuleiten und durch die Charlottenstraße in die Behrenstratze und von dort wieder in die Friedrichstraße zu lenken. Der Einberufer der Versamm- lung legte dar, daß eine derartige Unterbindung des Verkehrs einem Boykott der Geschäftsinhaber der Friedrichstraße gleichkäme. Die Ladeninhaber, die schon so wie so unter den polizeilichen Maß- nahmen sehr zu leiden hätten und deren Lage infolge der hohen Geschäftsspesen und Mieten keine beneidenswerte wäre, ersehen in der Aufrechterhaltung des Verkehrs in der bisherigen Weise eine Lebensfrage, und man müsse deshalb gegen die vom 1. Februar d. I. ab geplante Maßnahme des Polizeipräsidenten energisch Front machen. Außerdem sei es klar, daß durch die Ablenkung des riesigen Wagenvcrkchrs an der Torotheenstraße, die an und für sich außerordentlich frequentiert sei, Unglücksfälle und Verkehrshinder- nisse sich in ungeheuerstem Maße mehren würden. Wenn schon eine Entlastung der Friedrichstraße beabsichtigt sei, so solle man die Lastwagen von ihr ablenken. Es sei daher am Platz, einen Zweck- verband der Geschäftsleute der oberen Friedrichstadt zu begründen, der sich gegen die über leinen Kopf getroffenen Maßnahmen energisch tuenden müsse. Rechtsanwalt Landau, der Vorsitzende des Bezirksvercins der Friedrich- und Dorotheenstadt. unterstützte die Worte des Vorredners und schlug vor, ein Komitee zu bilden, das beim Polizeipräsidenten vorstellig werden solle. Das wurde be- schlössen. Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: „Die heutige Versammlung der von sämtlichen Geschäftsinhabern der Friedrichstadt einberufenen Protestversammlung hält die Ab- lenkung des gesamten Wagen- und Omnibusverkehrs von der Behrenstraße durch die Charlottenstraße bis zum Bahnhof Friedrichstraße für keine wesentliche Erleichterung des Verkehrs. Sie erblickt vielmehr darin eine außerordentlich schwere Schädi- gung der in der Friedrichstraße wohnenden Ladcninhaber und Ge- schäftsleute." Zn der Verhaftung des Messerstecher« Malers Richard Bennewitz erfahren wir, daß der Unhold noch weiterer Straftaten dieser Art überführt worden ist. Es hat sich auch noch eine Frau gemeldet, der er einen Stich in den Unterleib versetzt hat. Bennewitz wurde wegen versuchten Mordes, Notzucht und räuberischer Erpressung dem Untersuchungsrichter zugeführt. Die Kriminalpolizei ist eifrig be- müht. Näheres über den kleinen, schmächtigen Menschen zu erfahren und nimmt alle Mitteilungen, die sein Treiben noch weiter aufzu- klären geeignet sind, entgegen. Es handelt sich»im einen Menschen von 28 Jahren, der aber viel jünger aussieht und dunkles, ge- scheiteltes Haar und einen Anflug von Schnurrbart hat. Eine» etwas stürmischen Besuch erhielt gestern abend noch nach Geschästsschluß der Konsitürenhändler Böhm in seinem Laden in der Weberstr. 31. Der Kutscher eines Butterwagens aus der Prenzlauer Straße hatte in der Kleinen Frankfurter Straße zu tun und ließ während einer Besorgung feinen Schimmel mit dem Wagen ohne Aussicht auf der Straße stehen. Plötzlich scheute das Tier vor einem Straßenbahnwagen, lief die Elisabethstraße hinunter und geraden Weges in das Schaufenster des Böhmschen Ladens hinein. Es zertrümmerte nicht bloß die Scheiben, sondern verdarb auch noch Waren. Böhm, der sich in seinem Wohnraum hinter den Laden be- fand, erschrak nicht wenig über den geräuschvollen Besuch. Mit Hilfe anderer Leute gelang es ihm, das Gespann aus dein Laden hinaus- zubringen. Das Pferd hatte sich einige blutende Verletzungen zu- gezogei». Mit Leuchtgas vergiftet hat sich gestern nachmittag der 42 Jahre alte Schlosser Max Hodoff aus der Grünthaler Straße Nr. 8. Die Generalversammlung der Arbeiter-Bildungsschule fand am 12. d. M. im Schullokal statt. Nach dem Bericht des Vorsitzenden, Genossen Lamme, hat die Mitgliederzahl im vergangenen Quartal zugenommen und beträgt jetzt 1680, wovon 872 am Unter- richt teilnahmen. Es fanden drei Vorstandssitzungen, eine General- versanimlung und drei Sonntagsveranstaltungen statt. Genosse 5lönigs gibt den Bericht über den günstigen Stand der Kasse, Genosse B a l z e r den über die Bibliothek, worauf den beiden Decharge erteilt wird. Beim Bericht des Lehrerkollegiums hebt G r u n w a l d hervor, daß der Besuch des gewerkschaftlichen Kursus fortgesetzt recht schwach sei, er bittet die anwesenden Gewerkschaftler um regere Agitation für diesen Kursus unter ihren Berufsgenossen. Zwei Anträge des Vorstandes, welche die Wahl der Vorstandsmit- glieder betreffen, wurden einstimmig angenommen und im Anschluß daran Genosse Beil zum 2. Schriftführer gewählt. Einigen An- regungen, betreffend besondere Kurse, Verlegung von Kursen. Tei- lung sehr besuchter Kurse, wird vom Vorfitzenden möglichste Berück- sichtigung zugesagt._ Vorort- Nachrldrtem Schöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Nach Erledigung einiger unwesentlicher Dinge wurde der Bericht über den Ausbau der städtischen Druckerei gegeben. Der Berichterstatter v. Olszewski teilte mit, daß die Druckerei sich wohl rentabel zeige, der Ausschuß könnte aber die Vorlage nicht empfehlen, da die Tragfähigkeit des in Aussicht genommenen Raumes nicht erwiesen sei. — Genosse Magna» betonte, dem Antrage nicht zustinimen zu können, da der Ausschuß die Angelegenheit nicht eingehend genug geprüft habe.— Lulay(Lib. Vg.) warnte vor Einführung der- artiger Betriebe in eigener Regie. Dem Kleingewerbetreibenden »nüsse mehr entgegengekommen lvcrden.— Stadtrat Schüler meinte, daß der Stadtvcrordnetenbeschluß aufrecht erhalten werden müsse, dies um so mehr, als die hiesigen Druckereibesitzer einen Ring gebildet hätten, um die Stadt zu schröpfen. Eine Aus- schreibung von Druckarbeiten habe gezeigt, daß mit Ausnahme des bisherigen Druckers Soimner, der 33 808 M. forderte, alle übrigen Angebote über 35 888 M. lauteten. Die nächste Ausschreibung müsse über Groß-Berlin ausgedehnt werden.— I a tz o w(Lib. Vg.) sprach sich dagegen aus, daß die Druckerei ausgebaut wird,»na» schadige damit die Handwerker.— Genosse Molkenbuhr meinte, ob die Tragfähigkeit des Raumes vorhanden sei, müßten die Sach- verständigen feststellen. Im übrigen könne man nicht vom Stand- Punkt der Kleingewerbetreibenden ausgehen. Eine Stadt brauckze eine Druckerei, da es vorkomme, daß Arbeiten schnell fertiggestellt werden müssen, die außerdem sehr häufig nicht für die Oeffentlich- keit bestimmt seien.— H a ui in a n n lliberal) trat für Zurückver- Weisung an den Ausschuß ein. Er selbst habe jahrelang«ine eigene Druckerei betrieben und er wisse, daß die Preise so hoch getrieben würden, daß eine eigene Druckerei sich wohl rentiere.— Genosse K ü t e r wandte sich gegen die übergroße Rücksichtnahme auf die Kleingewerbetreibenden, die man nicht anwende, wenn es sich um Interessen der Arbeiter handele.— Genosse Hoffmann betonte, daß in dem Ausschuß weniger das Prinzip der Tragfähigkeit des Betriebes als der Schutz der Äleinhandwerker eine Rolle ge- spielt habe.— Gcnosic Magna» wies darauf hin, daß eine Kon- kurrenz gar nicht geschaffen, sondern die vorhandene Druckerei ja nur um eine Maschine ergänzt werden solle, damit die eigenen Sachen gedruckt werden können. Im übrigen müßten die jetzigen stenographischen Berichte verbessert werden. Nunmehr trat auch selbst der Berichterstatter für nochmalige Verweisung fflt den Aueschuß ein; es wurde auch demgemäß beschlossen. Alsdann wurde berichtet, kratz die Regierung nicht gewillt ist, für die Auszahlung der Pensionen m.ehr zu gewähren. Der Bericht- erstattcr lvics darauf hin, daß es nicht angängig sei, irgend etwas zu ändern, Ira Beschlüsse aus beiden Seiten vorliegen.— Genosse Bernstein betonte, daß das Verlangen der Kommune um höhere Gegenleistung durchaus berechtigt war und daß nunmehr keine Ver- anlassung vorliege, vor der Regierung auf die Knie zu sinken und zu bitten. Die Gemeinde Wilmersdorf erhalte denselben Betrag und habe ungefähr die Hälfte weniger Arbeit. In Charlottenburg und Rixdorf habe die Regierung Kassenftellen eingerichtet, während hier Beamte, die schon mit anderen Arbeiten belastet silid, über- lastet werden. Redner unterbreitete der Versammlung im Auf- trage unserer Genossen folgende Resolution: „Die Stadtverordnetenversammlung nimmt davon Kenntnis, daß der Herr Finanzminister sich geweigert hat, die der Stadt Schöncbcrg zukommende Jahresentschädigung für Auftragszahlungen zu der gestiegenen Summe von Kosten und Arbeit zu erstatten. Sie stellt fest, daß der Herr Finanzminister damit der Stadt Schöneberg zumutet, für die gleiche Entschädigungssumme, die andere Ge- meinden erhalten, eine unverhältnismäßig größere Sumine von Arbeit und Kosten auf sich zu nehmen. Sie drückt ihr Erstaunen darüber aus, daß die Regierung, statt eine Zalflstelle in Schöneberg zu errichten, wie sie es in anderen Gemeinden getan hat, die Zahlungsempfänger an die Krciskajse l und II des Kreises Teltow und Niederbarnim verweist und vielen von ihnen damit große lln- bequemlichkeiten auferlegt. Sie erblickt in diesen Maßnahmen große Ungerechtigkeiten gegen Staatsbürger sowie gegen die Gemeinde Schöneberg und übergibt dies Verfahren dem Urteil der Oeffcnt- lichkcit.". �, Nachdem Genosse Bernstein darauf hingelviesen, daß die Sprache eine sehr gelinde fei und dem Empfinden der Versammlung ent- spreche, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Es erfolgte der Bericht über das Auswärtigwohnen der Be- amten. Die Versammlung gab der Ansicht Ausdruck, daß die Frei- zügigkcit der Beamten nicht unterbunden werden dürfe und beschloß demgemäß. Steglitz. Erlast eines Ortsstatuts und einer Polizeiverordnung über die Befreiung der Bürgersteige von Schnee und Eis— das war der einzige Beratungsgegenstand der ösfenilichen Sitzung unserer Ge- meindevertretung am letzten Freitag. Daß zur�Bcschlußfassung in dieser Sache eine außerordentliche Sitzung stattfinden mußte, illustriert die Steglitzer kommunalen Verhälntlsse mit aller Deutlichkeit. Für die beiden Vorlagen war in der ordentlichen Sitzung am 13. d. M. eine unzweifelhafte Mehrheit vorhanden. Weil aber die Vertreter des alten Hausbesitzervereins opponierten, ließ es der Gemeindevorstand nicht zur Abstimmung kommen, son- dern stellte einen Vertagungsantrag. Jedoch konnte auch hiermit nicht die Annahme verhindert werden. Einige Herren führten noch ein Scheingefecht mit geradezu lächerlichen Gründen, und dann stimmte man mit sauersüßer Miene den Vorlagen zu, um bei ge- gebener Gelegenheit damit prahlen zu können, daß der Haus- besitzcr alle Opfer für die Allgemeinheit willig trage. Durch daS Ortsstatut wird nunmehr bestimmt:„Jeder Eigentümer eines im Gemeindebezirke belegenen Grundstückes ist verpflichtet, den Bürgersteig in der ganzen Länge feines Grundstückes bei ein- tretender Glätte mit abstumpfendem Material hinreichend zu be» streuen. Nach jedem Schneefall ist der Bürgersteig soweit von Schnee sowie von etwaigein Eise zu befreien, daß der Bekehr nicht behindert wird. Bei eintretendem Tauwetter ist Schnee und Eis zu entfernen." Die Polizeiverordnung schreibt vor, daß die ReinigungS- und Streupflicht für die Zeit von 1% Uhr morgens bis ÜMi Uhr abends besteht, und verbietet Asch« undSalz als Streumaterial. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafcii vis zu 60 M. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.— Konnte der Hausbesitzerverein die Annahme der Vorlagen nicht mehr hintertreiben, so versuchten zum Schluß seine Sachwalter sich wenigstens die Polizeistrafen so weit als möglich vom Leibe zu halte». Sie brachten eine Resolution ein, in welcher der Amtsvorsteher ersucht wird, die Exekutivbeamten anzuweisen, bei Zuwiderhandlungen den Besitzer oder seinen Stellvertreter zunächst aufzufordern, seiner Pflicht nachzukommen. Erst wenn diese Auf» forderung erfolglos bleibt, soll Anzeige und Straffestsetzung er» folgen. Für diese Resolution stimmte außer der Mehrheit der Ge- meindevertreter auch der Amtsvorsteher. n Tempelhof. Die Aufrechterhiiltung der Sicherheit» Bequemlichkeit, Ordnung. Ruhe und Reinlichkeit auf den öffentlichen Straßen TempelhosS ist durch«ine S1 Paragraphen u», fassende Polizeiverordnung geregelt. Was nutzt aber die Anzahl der Bestimmungen, wenn die Gemeinde selber den Verordnungen in bezug auf Reinlichkeit nicht nachkommt. So wird in der Verordnung u. a. bestimmt, daß das Wegichaffen des Schmutzes vor Eiinritt der Dunkelbeit geschehen soll. Der wochentags zusanimengekehrte Schmutz aber bleibt stellenweise sogar des Sonntags über auf der Straße liegen. Ja sogar die Slraßen- schmutzabfuyrwagen, die einen übelriechenden Geruch verbreiten. werde» auf öffentlicher Straße selbst Sonntagvormittag gereinigt. Und Possanten müssen im Interesse ihrer Sicherheit darauf bedacht sein, nicht von den Wasserstrahlen getroffen zu werden. Von der Gemeinde müßte man zuerst erloarten, daß sie der Einwohnerschaft als Vorbild dient. In der Generalversammlung des WahlvereinS erstattete Ge- nosse O. Ewald den Vorstandsbericht. Leider hätten, so betonte der Redner, die Mitglieder nicht das gewünschte Interesse an den Parteiarbeiten gezeigt. An Versammlungen fanden vier Mit- glieder- und drei öffentliche Versammlungen statt. Zwei Flug- dlätter gelangten zur Verbreitung. Ein Bortragskursus des Genossen M. Schütte über das Erfürter Programm, der fechs Abende umfaßte, erfreute sich bis zum Schluß eines guten Besuches. Der Mitgliederbestand beträgt zurzeit 311 männliche und 58 weibliche. Der Abonnentenstand des„Vorwärts" beträgt 588. Mit einem Hinweis auf die wahrscheinlich noch im Frühjahr stattfindenden Reichstagswahlcn ermahnte der Vorsitzende die Mitglieder, mehr wie bisher ihre Pflicht zu tun. Der Kassenbericht des Genossen Kiehn ergab für das 1. Quartal eine Einnahme von 292,34 M. und eine Ausgabe von 274,82 M., im 2. Quartal eine Einnahme von 381,17 M. und eine Ausgabe von 381,79 M. 449,82 M. wurden an die Kreiskasse abgeliefert. In der Diskussion wurde von mehreren Genossen aufgefordert, mehr wie bisher für den Verein„Jugendheim" zu agitieren. um den Jugendlichen recht bald ein Heim schaffen zu können, das den Anforderungen und Wünschen mehr entspricht wie das jetzt vorhandene, welches sich leider noch in einer Wirtschaft befindet. Rudow. Da« spurlose Verschwinden des hiesigen Rentiers Schwartze, das auch zu dem Gerücht von einem Verbrechen Anlaß gab und seit geraumer Zeit die Polizeibehörden Groß-Berlins beschäftigte, hat nunmehr eine unerwartete Aufklärung gefunden. Sch. hatte sich vor etwa vier Wochen aus seiner Wohnung entfernt, um angeblich nach Berlin zu fahren. Seit jener Zeit war der Rentier spurlos verschwunden. Nach einigen Tagen wurde auf einem Felde in Rudow die Mütze des Vermißten und geraume Zeit später im Teltowkanal das Fahrrad gefunden, das Sch. zur Fahrt nach Berlin benutzt hatte. Da irgend ein Grund zu einem Selbstmord nicht vor» lag, nahm man an, daß der Verschwundene das Opfer eines Ver» brechenS geworden sei. Die umfassenden polizeilichen Nachforschungen hatten jedoch keinen Erfolg nach dieser Richtung hin. Jetzt ist daS Rätsel gelöst. Aus Amerika traf von Schwartze eine Postkarte ein, in der er mitteilt, dag er mit einem jungen Mädchen, das frühes in seiner Milchwirtschaft beschäftigt war. nach der Neuen Welt ge- flüchtet sei, weil er von seiner Geliebten nicht habe lassen können. Mit seiner Frau und seinen erwachsenen Äindern lebte«ch. in bestem Einvernehmen. Treptow-Baumschuleniveg. Das Drcitlasseuwahlrecht für die Gemeinden kommt durch die jetzt ausliegendeii Wählerlisten in seiner ganzen Widersinnigkeit zum Ausdruck. Die hiesige Gemeinde zählt nacki dieser Liste 4566 Wähler (1910: 3008), die insgesamt 1 070 332,65 SN. Steuern aufbringen (1910; 996 429,02 M,). Nack, der hiernach vorgenommenen Teilung gehören zur ersten Klasse 14 Wähler(1910: 12) mit der Steuer- summe von 453 463,80 M.(1910: 417 322,61). Zur zweiten Klasse gehören 313 Wähler(1910: 218) mit der Steueriuinme von 352 590,69 M.(1910: 331 212,92). Zur dritten Klasse gehören 4239 Wähler(1910: 3678) mit der Steuersumme von 264 298,16 M. (1910: 247 893,49). Hiernach haben 302 Wähler der dritten Klasse nur soviel Recht, wie ein Wähler der ersten Klaffe.(Die erste Klasse beginnt mit dem Steuersätze von 182 015,08 M, und schlieft mit 7497.52 M. Die zweite Klaffe beginnt mit 7l58,86 M. und schliegt mit 334 M. Wer unter 384 M. jährlich Steuern zahlt, gehört zur dritten Klaffe. Die Wählerzohl der dritten Klasse verteilt sich a»s die einzelneu Bezirke folgendermabe»: 1. Bezirk 759, 2. Bezirk 1108, 3. Bezirk 310 und 4. Bezirk 1542 Wähler. Mariendorf. Die neu aufgestellte Wählerliste weist folgende Klaffenteilung auf: Der ersten Klasse gehören anstatt wie früher 14, 34.Wähler" an. Es gehört in diese Klasse nur, iver mindestens 23090 M. Steuern bezahlt. In der zweiten Wählerabteilung sind jetzt 439 Wähler vor» handen, die alte Liste wies nur 192 Wähler auf. Ihr gehört an, wer mindestens 232 M. Steuer bezahlt. Der dritten Klane endlich gehöre» 2950 Wähler an, die unter dem angegebenen Niedrigst- steuersatz der zweiten Abteilung zahlen. So hat denn auch die Neueinteilung der Liste an dem bisherigen Klassencharakter de« Wahl- nichts geändert. Die Arbeiterklasse bleibt völlig aus die dritte Wählerklaffe beschränkt. Obgleich nun die Landgemeindeordnung vorschreibt, dost die Zahl der Gemeindeverlreter nach der Einwohnerzahl zu regeln ist, besteht die Gemeindevertretung immer noch aus 12 Gemeindevertrelern, zwei Schöffen und dem Gemeindevorsteher. Dein Gemeindevorsteher scheint an der gesetzmäßigen Erhöhung der Berlreterzahl nichts zu liegen, Dahingehende Anträge sind bereits vor längerer Zeit eingereicht, der Gemeindevertretung aber noch nicht vorgelegt worden. Wie sehr der Gemeindevolsteher Anträge, die ihm nicht genehm sind, unbeachtet läßt, bewies er kürzlich wieder einmal. Bon dem Ortsgeistlichen wurde ein Antrag eingereicht und sofort vom Gemeindevorsteher der Gesamtvertretung unterbreitet. Als ihn unser Genosse Reichardt daraufhin interpellierte und dabei festnagelte, wie selbstherrlich der Borsteher vorgehe, erwiderte der Herr, daß er nicht jedem Verein Rechnung tragen könne. Mit Recht wurde hierauf erwidert, daß, wenn Geflügelvereine, Schützenvereine usw. kämen, der Gemeinde- Vorsteher auch anders verfahre. Trotz der immer rascheren Enlwicke- lung des Ortes bleibt es also dem Herrn Gemeindevorsteher über- lassen, wie er die Vertretung zusammengesetzt haben will. Infolge der Entwickelnng des OrtS hat sich jetzt wieder neben dem eben� fertiggestellten Bau des Gymnasiums der Bau einer höheren Töchterschule notwendig gemacht. Die Errichtung ist auf dem Gcmeindegrundftück in der Ringstraße beschlossen. Ebenso macht sich die Erweiterung der Volksschule notwendig, wo vor- läufig einige Klassen in anderen Schulräumen untergebracht werden sollen. Britz-Buckow. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins ist nach dem Vorstands- bericht in der Generalversammlung von 341 auf 333 gestiegen. Die Zahl der„Vorwärts"-Abonnenleii von 423 auf 526. Im März soll im 4.. 5. Bezirk und in Buckow eine„VorwärtS'-Agitalion vorgenommen werden. Die Einnahmen betrugen laut Bericht des Kassierers 498,62 M,, denen eine Ausgabe von 442,63 M. gegen- übersteht. Ter Bibliothek wurden 49 Bände entliehen. Diese Zahl sieht in keinem Vergleich zu der der Mitglieder und eS wurde den Genossen zur Pflicht gemacht, die Bibliothek mehr in Anspruch zu nehmen. Ans dem Bericht der Lokalkommission ist zu beachten, daß das Lokal von Eschhorn. Neu-Buckow. frei ist. Die Abrechnung vom Stistungsfest ergab einen Ueberschuß von 61,55 M, Auf Antrag wurde der Bibliothek zur Errichtung eines Grundstocks für Jugend- literatur 25 M. überwiesen. Als Delegierte wurden geivählt zur KreiS-Generalversammlung die Genossen Kapke und Tipke, zur Generalversammlung von Groß-Bcrlin die Genossen Melzer und Bemann, lrne eingehende Debatte zeitigte die Konsnmfrage, in der folgender Antrag angenommen wurde: Die Versanniielten ver- pflichten sich, in eine rege Agitation zur Errichtung einer Verkaufs- stelle der Konsumgenossenschast Groß-Berlin einzutreten. Friedrich Sfelde. Aus der Gemeindevertretung. Im Mittelpunkt des Interesses stand die Besprechung des Gesetzentwurfs über einen Z w e ck v e r- band Groß-Berlin. Durch Uebccweisung an eine gemischte Kommission, in die auch unser Genosse Pinselcr gewählt wurde, ist der Allgemeinheit allerdings vorerst die Möglichkeit genommen, die Stellung der einzelnen Vertreter kennen zu lernen. Bürgermeister Ungewitter begrüßte die Initiative der Regierung, zwangsweise den notwendigen Zusammenschluß herbeizuführen, der durch freie Vereinbarung nicht zu erzielen gewesen wäre. Zu bedauern sei es jedoch, daß zu den Vorberatunocn Vertreter der einzelnen Land- gemeinden nicht zugezogen wurden, um so mehr habe man nun Ursache, seine Meinung laut werden zu lassen, damit später der Vor- Wurf nicht erhoben werden könne, daß man geschwiegen, also die Bestimmungen des Gesetzentwurfs ausnahmslos gebilligt habe. Die Ausdehnung des Zwcckverbandes auf das gesamte Gebiet der beiden Landkreise Teltow-Beeskow und Nicderbariiim finde seine Zustimmung nicht, sondern er wünschte nur die Orte einbezogen zu sehen, die wirtschaftlich mit Berlin als eine Einheit anzusprechen seien. Auch über den Aufgabenkrcis des geplanten Verbandes müßten lebhafte Bedenken entstehen. Nach dem vorliegenden Ent- Wurf würden nur die westlichen Orte einen, und zwar recht erheb- lichen Nutzen haben, während die nördlichen, östlichen und slldöst- lichen Orte die Kosten zu tragen hätten. Einen Ausgleich könne man dadurch zum Teil erreichen, daß man das Schulwesen mit in den Aufgabcnkreis einbezieht. Ebenso sollten die Armen- und Krankensür sorge berücksichtigt werden. Mit der Art der Ver- tretung im Verband könne nlan keinesfalls einverstanden sein, denn wenn für die Landgenieinden nur der Kreis vcrtretungsberechtigt sei, werde der Groß- und Kleingrundbesitz, der direkt gar nicht an dem Verband interessiert sei, die Vertreter stellen; die tatsächlich beteiligten Landgemeinden aber würden unvertrcten sein. Deshalb mühten die einzelnen Gemeinden ihre Vertreter selbst wählen dürfen.'Herr Schäfer, der d-e Wohnungsfürsorge in den Auf- gabcnkreis einbezogen sehen wollte, riet, von einer Diskussion ab- zusehe», weil dazu viele Stunden erforderlich sein würden. Herr v. TrcSkow- glaubte die Einbeziehung des gesamten Geb'ctö der beiden Landkreise damit rechtfertigen zu können, daß auf diese Weise den Vertretern derselben ein wesentlich höheres Stimmgewicht ver- liehen werde, und im übrigen könnten die entfernteren, nicht un- mittelbar am geplanten Verband interessierten Gemeinden ruhig zu den Kosten mit beitragen helfen, ohne einen direkten Nutzen davon zu haben, nachdem sie bisher von der Entwickelnng Groß- Berlins jchon immer ganz erhebliche Vorteile gehabt hätten, ohne die geringste Gegenleistung. Hierauf wurde die Kommission ge- bildet. In der Klage fache der Gemeinde gegen die Firma Bruch ist ein Vergleich vom Sachverständigen angebahnt worden, der jedoch forderte, daß die Vertreter beider Parteien so weitgehende Voll- Verantwortliches Redakteur: Richard Borth, Berlim Für den machten erhielten, den Vergleich abzuschließen, ohne vorher die Zu- stimmung der Gemeindevertretung einholen zu müssen. Das wurde natürlich abgelehnt und ein Vertreter bestimmt, der zunächst in die Vcrgleichsverhandlungen eintreten solle. An Stelle eines verstorbenen Mitgliedes der Armen- kommission wurde der Lehrer Bechlm vorgeschlagen. Genosse Pinseler beklagte bitter, daß man sich nicht habe entschließen können, ein Gcmeindemitglied vorzuschlagen, daß der sozialen Schicht der Unterstützungsbedürftigen näher stände. Auf eine An- frage hin stellte sich den» heraus, daß die Arbeiterbcvölkerung einen einzigen Vertreter, den Genossen Pinseler, in der Kommission hat und es wurde zugesichert, das nächstcmal unseren Vorschlag zu berücksichtigen. In geheimer Sitzung wurde über zwei Unter st ützungs- gcsuche von Gemeindebeamten verhandelt. Uns fällt dabei auf, daß derartige Gesuche in letzter Zeit beinahe epidemisch zu werden scheinen. Man sollte gar nicht glauben, daß Beamte in gesicherter Lebensstellung, die während ihrer Krankheit ihr Gehalt weiterbcziehen, so häufig in außerordentl'che Notlage geraten. Die allzu große Freigebigkeit der Gemeindevertretung scheint dabei fast als Ansporn zu wirken; eine Freigebigkeit, die allerdings gegenüber der Arbeiterklasse nicht zu bemerken ist. Weisteusce. Aus der Gemeindevertretung. Die Ortszulagen der Lehr- Personen wurden von 450 auf 750 M. erhöht. Besondere Wünsche der Rektoren und Lehrerinnen wurden aus ein Jahr vertagt. Innerhalb dreier Jahre sind die Bezüge der Lehrerschaft um 75 000 Mark aufgebessert worden und es wird daher erwartet, daß auch den Wünschen der Arbeiterschaft in diesem Jahre Rechnung ge- tragen wird. Zu Vorsitzenden des Kaufmannsgerichts wurden die Rechtsanwälte Appelrath und Cramer gewählt. Der bisherige Vorsitzende Beigeordneter Dr. Klamroth hat eine Wiederwahl wegen Arbeitsüberlastung abgelehnt. In den Vorstand der Sparkasse wurde u. a. auch Genosse Fuhrmann wiedergewählt. Dem Steuer- ausschuß gehören die Genossen Frentz und Seifert an. Bei der Wahl des Schöffen Ra�hmann in diese Kommission erklärten unsere Genossen so lange gegen Herrn Rathmann zu stimmen, bis er die so viel Staub ausgewirbelte Provisionsangelegenheit im Sinne des früheren Gemeindevcrtreterbcschlusses erledigt hat. Für die Be- jchickung der Internationalen Hhgieneausstellung in Dresden mit den Modellen unserer neuen öffentlichen Gebäude, wozu noch das Modell des Säuglingskrankenhauses kommt, wurden 2000 M. bc- willigt. Die Stadt Berlin als Besitzerin des Blindenheims am Weißen See hat durch das Landgericht III eine einstweilige Ver- fügungen gegen die weitere Ausführung der Uferstraße beantragt. Zur Durchführung der vorläufigen mündlichen Verhandlung wurden die Kosten für Stellung eines Rechtsanwalts bewilligt. Vom Ge- nossen Frentz wurde außerhalb der Tagesordnung die außerordent- liche Unreinlichteit unserer Straßen während des letzten«chnee- falles kritisiert, insbesondere vor den Gemeindegrundstücken. Ter anwesende Dezernent der Stratzenreinigung, Baurat Pasedag. glaubte mit seinen vorhandenen Arbeitskräften genügend für die Re'nigung der Straßen getan zu baden. Wenn jedoch die Herren Mißstände entdecken und sie dem Tiesbauamt Mitteilung zugehen ließen, so würde auch sicher für Abhilfe gesorgt. Für den nächsten Schneefall wissen also die Herren Bescheid. Nieder-Schöneweide. In der Gcneralversammlmii, des Wahlvereins erstattete Genosse Dehme! den Bericht des BrnstandeS. Die Mitgliederzahl ist von 166 auf 174 gestiegen, darunter 28 weibliche. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 154,64 M. auf, dem eine Ausgabe von 45,86 M. gegenübersteht. An den Zentral-Wahl- verein wurden 103Z0 M. abgeliefert. Die Zahl der„BorwärtS"- Leser ist von 270 auf 295 gestiegen. Der Borsitzende ersuchte die Genoffen, sicki an den Veranstaltungen der Partei rege zu beteiligen. Zur Generalveriaminlung Groß-Berlin wurden die Genossen Kämpf und Töpfer delegiert. Am 11. Febrnar findet im Lokal Kyffhäuser, vom Wahlvercin und Gesangverein arrangiert, ein Alpenfest statt. Rosenthal-Wilhelmsruh. Ans der Gemeindevertretung. Zur Neuanlage von Filterbrmmen sollen sechs Jnterepenten zu Kostenanschlägen aufgefordert werden. Bei Punkt: Erweiterung deS Wafferwerksgrnndstücks teilte der Bor- stehcr mit, daß Herr Lellinann jetzt 6250 M. für den Morgen fordert. Der Gemeindeveriretung war dicie Forderung zu hoch nnd'sie lehnte deShatb de» Kauf ab; bemerkenswert ist, daß vor drei Jahren in derselben Gegend der Morgen mir 4500 M. gekostet hat. Der Erlaß eines OrtSstatulS für die Erbebung von Beiträgen zu Neupflaslerungen uiw. rief wieder, wie schon in der letzten Sitzung, eine längere Debatte hervor. Es lag dazil ein Schreiben des Haus- und GrundbesitzervereinS vor, welches die Vertretung ersuchte zu beschließen, daß in Neben- straßcn nur billiges Pflaster verwendet werden soll. Der Ge- meindevorsteher trat diesem Schreiben bei; er begründete dies damit, daß es im Norden von Berlin nicht angebracht wäre. teures und gutes Pflaster zu nehmen. Warum wohl? Weil im Norden von Berlin und den nördlichen Bororten meist Arbeiter wohnen? Ist siir sie ein guteö Pflaster zu schade? Auch Herr Litzner erklärte sich im Sinne deS Schreiben». Das OrtSstatut wurde schließlich mit 7 gegen 1 Stimme bei 3 Stimmenthaltungen angenommen; die Herren Litzner, Gürgen und Walter enthielten sich der Stimme. Neben anderem wurde noch beschloffen, einen Spielplatz zu errichten, zu dem ein bäuerlicher Vertreter, in außerordentlich liebenswürdiger Weise, wie der Ge- meindevorsteher sagte, drei Morgen Land zum Preise von über 8000 M. hergegeben hat. Pankow. Für ungültig erklärte das OberberwaltungSgericht die vor einigen Jahren erlassene neuere Um sah st euer» o r d n u n g der Gemeinde Pankow. Und zwar auS denselben Gründen, wie vor einigen Monaten die- Schöneberger Umsatz- und Wertzuwachssteuerordnung. Wie bei dieser unterwarf die jetzt für ungültig erklärte Pankower Umsatzsteuerorduung das den Eigentums- Übergang bezweckende und das ihn bewirkende Rechtsgeschäft(z 1 der Ordnung), o h n e näher darzulegen, unter welchen besonderen Voraussetzungen das eine oder das andere Rechtsgeschäft besteuert werden solle. Mangels einer derartigen näheren Bestimmung ist der § 1 ungültig und demzufolge die ganze Steuerordnung, da der§ 1 grundlegend ist für ihre übrigen Bestimmungen. Hohen- Tchönhauscn. In der Generalversammlung de? Wahlvereins crstaitete Genosse Rein den Halbjahresbericht der Bezirksleitung. Nach demselben haben stattgefunden vier Mitgliederversammlungen und eine Frauen- versamnilung. Mitgeteilt wurde, daß auch eine Vertretung der Kindersümtzkommission am Orte ist. Genosse Rösler berichtete aus den Sladtverordnetcnsitzungen von Lichtenberg, wäbrend den Ge- meindevertreterbericht von Hohen-Schönhauien Genoffe Thiele er- stattete. Hieran knüpfte sich eine rege Diskussion. Der Kassen- bestand weist eine Einnahme von 844 M. ans. dem eine Ausgabe von 261 M. gcgcnüberstchi. Die Mikgllederzahl ist ans 185 an- gewachsen. GenolicHintze gab den Bericht der AgilntionSkommission, danach sind in letzter Zeil Gruppenversäinmlungen einzelner Srr.ißen- züge veranstaltet worden. DeS guten Erfolgs wegen sollen dieselben fortgesetzt werden. Oranienburg. Die verhängnisvolle Hutnadel. Die Unsitte des Tragen« weit über den Hutrand hinausragender Nadeln, hat Ivicderum einen schweren Unglücksfall verursacht. Vorgestern beging hier ein Berein sein Stiftungsfest. Während des Tanzes stieß eine Dame, die ihren Hut nicht abgelegt hatte, mit einem andere» Paar zusammen und die weit über den Rand ihres Hutes hinausragende spitze Nadel Inseratenteil verarttw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts drang dem Kaufmann B. in das linke Ange, daS schwer berketzt wurde. Der Verunglückte mußte sofort nach dem Ärankenbause übergeführt werden und eS ist fraglich, ob die Sehkraft erhalten werden kann._ Huö aller Melt. �Zum Eisenbahnunglück in England. Bei dem gestern gemeldeten Eisenbahnzulanmicnsloß in der Nähe von Ponlypridd sind insgesamt elf Perionen ge- tötet und etwa 40 mehr oder minder schwer verletzt worden. Nach der Katastrophe haben sich aus der Unglücksst-lle entsetzliche Szenen abgespielt. So berichtet der Führer des Unglückszuges über seine Wahrnehmungen: Wir fühlten eine» furchrbaren Stoß und dachten, nun wäre es mit uns zu Ende. Mein Heizer und ich sahen uns erst starr an, dann befühlten wir uns; wiinderbarerweise waren wir nicht verletzt. Wir hörten das Stöbnen der Sterbenden und Verwundeten und liefen zu den zertrümmerten Wagen, um zu Helten. In einem Abteil fanden wir einen Mann, dessen Kopf zwischen dem Fe n st er und dem zerbrochenen Doch des Wagens eingeklemmt war..Um Himmels Willen, helfen Sie mir!" rief er uns zu. Wir bemühte» uns nach Kräfien, ihn zu befreien. Aber während wir noch bei der Arbeit waren, sahen wir. wie sich daS Dach immer mehr senkte und de» Unglücklichen e r st i ck t e. Ter Kopf wurde ihm vom Rumpf abgetrennt. Vor einem anderen Abteil lag eine elegant g-tleidete Dame. Sie war so entsetzlich verstümmelt. daß die vorübergehenden Fiauen bei ihrem Anblick in Schrei« krämpfe fielen. Ich deckie eine Schürze über das verzerrte Gesicht der unglücklichen Frau, konnte ihr aber weiter nicht helfen. Ihre Schmerzmsschreie waren noch lange zu hören. Ein Märchenerzähler? In der letzten Nacht erschien auf einer Polizeiwache in Bremen ein Mann in durchnäßtem Zustand, der angab, er sei zwei gut» gekleideten Männern begegnet, die ihm eine Tasche mit zwei Dosen. einer größeren und einer kleineren, zeigten. Beide Dosen waren mit Zündschnüren versehen. Die beiden Unbekannten forderten ihn auf, die große Dose am Dom. die kleinere am Ratscasö niederzulegen und die Zündschnur anzuzünden- Dafür solle er 3000 M. erhalten. Auf seine Weigerung sei er von den beiden Männern in die Weser geworfen worden- Nach den an amtlicher Stelle eingezogenen Erkundigungen handelt eS sich um Phantasien eines Geistesgestörten; seine An- gaben sind direkt erfunden. Was den Mann in« Wasser ge- trieben hat. ist bisher noch nicht aufgeklärt. Das Garnisonlazarett in Metz niedergebrannt. Am Montagnachmittag um 3 Uhr brach im Dachstuhl des Metzer Garnisonlazaretts ein Brand aus, der an den aufgespeicherte« KriegSbe ständen so reichliche Nahrung fand, daß die Feuer- wehr sich auf den Schutz der benachbarten Gebäude beschränke» mußte. Erst gegen Mitternacht gelang es, des Feuers Herr zu werden. Ein großer Teil des Lazaretts ist eingeäschert worden, der Schaden wird aus über 500000 Mark geschätzt. Bon den Feuer« wehrlenten wurde eine Anzahl leicht verletzt, drei Leuten drohte der Erstickungstod; sie wurden jedoch mittels Sauer- stoffapparates wieder ins Leben zurückgerufen. Der eroberte Gendarmeriesäbel. Ein ungewöhnlicher Vorgang ließ Sonntag abend um 7 Uhr auf dem Bogelhüttendeich in W i l h e l m S b u r g bei Hamburg eine große Menschenmenge zusammenströmen. Dort war der Arbeiter Kaminaczek mit dem Gendarmeriewachtmeister B r o ch e r S ins Handgemenge geraten. Als K. den B. ins Gesicht schlug, zog B. den Säbel und hieb auf den sich zur Wehr setzenden K. ein. Bei dem dritten Hieb sprang die Ehefrau des K. hinzu, ent- waffnete den Gendarmeriewachtmeister. indem iieihmdenSäbeMvegriß und damit verschwand. Die Frau lief mit dem Säbel zuerst zn dem VollziehungSbeamtea O., bei dem sie die Waffe abliefern wollte. O. soll die Annahme der Waste abgelehnt und der Fran gesagt haben, daß sie den Säbel bei der Gendarmerie abliefern möge. Am Montag hat die Frau sich aufgemacht und dem L a n d r a t feierlichst den Säbel überreicht. Lächelnd nahm der ihn in Enipfang und sagte, es sei ihr Glück, daß sie den Säbel innerhalb 24 Stunden wieder abgeliefert habe. Da rede man noch vom„schwachen Geschlecht'. Kleine Notizen. Der Unfall des Kopenhagener v-ZugeS bei BollratSrnhe in Mecklenburg, über den wir bereits in unserer gestrigen Nummer eine Meldung brachten, ist verhältniß mäßig glücklich verlausen. Der V-Zug fuhr in voller Fahrt auf einen haltenden Güterzug auf. ohne daß Reisende verletzt wurden. Nach drei Stunden konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen. Im Eis eingebrochen. In dem mecklenburgischen Dorfe Bargeshagen entfernten sich vier Schulkinder während der Frühstückspause aus der Schule und wagten sich auf das Eis des D o r f t e i ch e S. Alle vier, ein Knabe und drei Mädchen, brach e'n e i n. Dem Knaben gelang es, sich zu retten, während die Mädchen ertranken. Explosion in einer Akaschiucnfabrik. Beim Ausprobieren eines neuen MowrS erfolgte gestern in einer Mascbinenfabrit in König s- b e r g i. Pr. aus unbekannten Ursachen eine Explosion. Ein Buchhalter erlitt schwere Brandwunden am ganzen Körper, der Inhaber der Fabrik und ein Monteur kamen mit leichteren Verletzungen davon. Familicndrama. Die 22 jährige Frau ciniS Maurergehilsen in B u d a p e st, tötete ihr zweijähriges Kind durch einen R e V o l V e r s ch u ß in den Kopf und brachte sich selbst durch einen Revolverscduß schwere Verwundungen bei. Das Gericht iu Tripolis(Syrien) führte gestern den Prozeß wegen Ermordung des Reichsdeutschen Unger bei Haifa zu Ende. Der Hanpttäter wurde zum Tode vernr- teilt; sechs andere Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen von 3 bis 15 Jahren._ Lese- und Distu.ierNub„Söb> Csi". Heute. Mittwochabend 8V, Ubr bei Ncidhardt, Görlitzer Straße 58: Mitgliederversammlung. Gäjte willkommen. Lese- nnb Diskntierklub.Stralaner aillef. Heute Mittwoch, abends Uhr, Sitzung bei Fellenberg, Caprioistr. 29. ilmtltctier Marktbericht der ftädlitchen MarNballen-Dtrektton über den Nroßbandel in den Zentral-Marttballcm Murtilage: Fleitch: Zusi.br reichlich. Geschöst schleppend, Preise unverändert. W' I d: Zninbr reichlich, uirmiäst ziemlich iebhast. Prelle fest. Gctlügel: Zusuhr mäßig, Geichäit schleppend. Prelle sust unverändert. F i l ch c: Zusuhr mäßig, Öicichüjt ziemlich rege, Preise durchweg aufgebessert. Butter und Käser Geschäst ruhig. Prelle uiiveräudert. r» e m ü I e. Ob» und S ü d s> ü a, t e: Zujuhr reichlich, Geichäjt etwas lebhaster, Preise säst unverändert. ßmfhaften der Sxpeciition. Vationtrn in Beelii«, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonuenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweilunz von Frei» exemplaren sosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die eriten Nummern de« neuen Monats von der Post nicht gelicsert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden._ Buchdruckerei u. PerlagSanjtalt Paul Singer u. Co., Berlin LW.