Dr. S4. A8 IahrK. � � vi?' sfÄsSSr�ÄÄ; B Sä��Ä�wÄ Einzelne �iumm�s P�.'gonmagfc rp�M W> w) BB �W �8 �f\ �\~i/ 11:10 LerfammIungS-Anzeigm SO P,g. ISz? 1?'«ifFShlS Im um S Ml Ml W M W W W WMZP�St.�ng�ch°un�� «Ä? Unter fhcuzSanb füt B B H v B, JB> lW/MW�� H �WW s siellen-Anzetg«, das erst- W°rt l» Pf«, Deutschland und Oestcirelch. Ungarn BH �Ur/WF/ 4KtJS&\ MUkx 7/ B jedes weitere Wort c> Plg. Worte über 2 Mark, für das übrige Ausland �W/ Z/ ZS yr/ �KMV A' WM»5 Buchstaben zählen für zwei Worte. L Marl pro Monat. Postabonnements•'-A ▼/ Hßs\ Inserate für die nächste Nummer müssen nehmen-m: Belgien Dänemark � JS---- � � V/ /4Hp vis S Uhr nachmittags in der Expedition «SMS'ä-WÄ � Verlinev.?s?«s-. Zcntrzlovqnn der fozialdcmokratifchen parte» Deutfchlands. Redahtion: 8Al. 68» Ltndcnstraaac 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 38. Jannar 1911. 6xpedit»on: SM. 68, Lindcnatraaac 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. unhaltbar anerkannt haben, die sechs Sozialdemokraten cnt« rechten und vergewaltigen, so würde man damit der reaktionären Anmaßung und Uirverfrorcnheit die Krone aufsetzen! Will man das angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen riskieren, uns soll'S recht sein! Man geniere sich also nur ja nicht: den Agitationsstoff können wir gerade noch gebrauchen! Die Nationalliberalen tragen offenbar schwere Bc- denken, der Rechten den Gefallen zu tun. Wie wäre es da mit einem neuen Liebesdienst des Zentrums? Das Zentrum hat sich ja bei der Wahlrechtsfrage bereits derart den Junkern zu» liebe entwürdigt und blamiert, daß es ihm auf einen neuen Akt der Sclbstbesudelung nicht so sehr anzukommen braucht! Bis jetzt hat denn auch die„Germania" noch kein Wort der Kritik für den konservativen Erpresserversuch gefunden! Nie man Sie Brmut „einichi'änken" kann. Ans London wird uns geschrieben: Es ist hier schon mehrere Male darauf hingewiesen worden, wie die liberalen„Sozialrefonner" Englands die Einrichtung der staatlichen Arbeitsnachweise agitatorisch aus» genützt haben. Der konservativen Behauptung, daß die Tarifreform das Ucbel der Arbeitslosigkeit aus der Welt schaffen würde, hielten sie entgegen, daß die Liberalen nicht nur versprächen, den Arbeitern Beschäftigung zu finden, sondern den Arbeitern auch wirklich Arbeit gäben. Sie führten darauf mit großer Genugtuung die Zahl derer an, die durch die Arbeitsnachweise nüt Stellen versorgt worden sind, und knüpften daran in ihrer raffinierten"Weise die stillschweigende Folgerung, daß es die von den Libe- ralen geschaffenen Arbeitsnachweise waren, die die Arbeit schufen.(I) Um dipse günstige Wirkung der Arbeits- nachweise und der sozialpolitischen Weisheit der Re- gierung möglichst zu vermehren, trieb man die Vorsteher der Arbeitsnachweise zu den größten Leistungen an. Diese Leute, die neu im Amte waren und ihre Fähigkeiten beweisen wollten, ließen es denn auch an nichts fehlen, um die Arbeitsnachweise bei den Arbeitgebern beliebt zu machen. Auf diese Weise trieb nian bald die Zahl der besetzten Stellen hinaus, so daß die Regierungspresse am Ende jedes Monats mit neuen Erfolgen prunken konnte. Daß die Errichtung von Arbeitsnachweisen der Arbeitslosig- kcit in irgend einem Grade abgeholfen hat, ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Man könnte geradezu das Gegenteil be» haupten. Im Gespräch mit Gewerkschaftsführern hört man häufig Klagen darüber, daß gewisse Arbeitgeber in der letzten Zeit ihre Arbeiter viel häufiger entlassen wie früher, da sie im Notfalle immer auf den Eifer der Vorsteher der Arbeits- nachweise rechnen können. Diese Erscheinung wild von der Regierungspresse natürlich verschwiegen. Eine ähnliche Medizin hat sich nun der Minister Burns für die Armut herstellen lassen. Er will die Armut— oder doch wenigstens die Paupers— möglichst aus der Welt administrieren und damit eine eminente Begabung als Haus- knecht des Kapitalismus beweisen. Vor einiger Zeit setzte er einen Ausschuß ein, der die verschiedenen seit dem Jahre 1831 erlassenen niinisteriellen Vorschriften über die Handhabung des Armenunterstützungswesens zu einem einheitlichen Statut ausarbeiten sollte. Der Ausschuß hat vor kurzem seine Arbeiten erledigt und Vorschläge gemacht, die in der gesamten bürgerlichen Presse als eine höchst nützliche Reform gepriesen worden sind. Zwar hat Herr Burns seine Unterschrift zu der Neuerung noch nicht gegeben; aber man kann ziemlich sicher annehmen, daß er dem Werke seiner untergebenen Bureaukraten seine Zustim- mung nicht vorenthalten wird. Zur Kennzeichnung dieser „Reform" seien nur folgende Punkte angegeben. Die be- stehenden ministeriellen Erlasse über die Armenverwaltung lassen sich in zwei Hauptklassen teilen: Prohibitiverlasse und Regulierungserlasse. Die ersten, die meist in den ländlichen Gegenden in Kraft sind, untersagen die Erteilung von HauSuntcr- stützung an arbeitsfähige Männer oder Frauen außer in seltenen Fällen. Die letzten, die meist in den Großstädten in Kraft sind, erlauben eine weit menschlichere Unterstützung be- dürftiger Personen und besonders der Frauen. Das von Herrn Burns eingesetzte Komitee hat sich nun die Prohibitiv- erlasse— wie es selbst angibt— als Muster genommen und eine allgemein gültige Verordnung entworfen, die nur dazu führen kann, die Armen abzuschrecken und die hilflosesten Personen in das vom Volke grimmig gehaßte und entehrende Arbeitshaus zu schicken. Auf alle Fälle kann man sich darauf verlassen, daß unter dem Reformeifer des Herrn Burns die Zahl der Gemeindearmen, die Hausunterstützung empfangen, in kurzer Zeit rapide zusammenschrumpfen wird. Wieder ein Erfolg der liberalen Sozialpolitik! wird es dann in der englischen Regierungspresse heißen. Man kann das geplante Manöver nicht besser schildern, als es in einem Briefe eines bürgerlichen Kritikers geschieht, in dem es heißt: „Wenn die Vorschläge des Komitees ausgeführt werden, so wird das Ministerium zweifelsohne um diese Zeit im nächsten Jahre imstande sein, uns über eine neue und überraschende Abnahme der Zahl der Gemeindearmen zu berichten, und der Grad dieser Abnahme wi»d einen mehr oder weniger genauen Maßstab für die Zunahme der Leiden und Entbehrungen abgeben. die durch diese neue allgemeine Verordnung verursacht werden.� Keich und flrm. Die amtliche Uebersicht über die Ergeb- Nisse der preußischen Einkommen st euer im Jahre 1910 liefert wiederum eine vortreffliche Beleuchtung der tiefen sozialen Kluft, die in unserem kapitalistischen Staate zwischen Proletariern und Kapitalisten, zwischen Reich und Arm gähnt. Das Märchen von dem Ausgleich der sozialen Gegensätze durch die allmähliche EntWickelung des Klassenstaates erfährt durch die harten Zahlen der amtlichen Statistik eine unbarmherzige Widerlegung. Welches Ausheben hat selbst unsere liberale Presse davon gemacht, daß die Zahl der Zensiten mit einem Einkommen von 900 bis 3000 M. seit dem Jahre 1892 so gewaltig zugenommen habe. Diese Zunahme selbst ist ja Tatsache, wuchs die Zahl bcr Zensiten dieser Einkommensklassen doch von 2119000 im Jahre 1892 auf 5 537 000 im Jahre 1910. Wenn man aber berücksichtigt, daß sich seit 1892 die Lebens- Haltung um mindestens 30 Proz. verteuert hat, daß also heute ein Einkommen von 1200 M. und mehr nicht einen Pfennig mehr darstellt, als vor 18 Jahren ein solches von 900 M., und ferner, daß von den 5 537 000 Zensiten mit 900—3000 M. im Jahre 1910 2 452 497 nur ein Einkommen von 900— 1200 M. und 3 257 206 ein solches von 900 bis 1350 M. besaßen, so bricht die Legende von dem angeblich so rapide wachsenden Einkommen auch der p r 0 l e t a r i- s ch e n Schichten völlig in sich zusammen. Es ist drei Millionen und etlichen Hunderttausenden Prole- tarier» gelungen— mit Hilfe ihrer Organisationen und unter den opferreich st en Kämpfen!— ihr Einkommen, das bis dahin unter 900 M. betrug, auf 1000, 1100, 1200—1350 M. zu erhöhen und damit die Ver- teuerung der Lebenshaltung durch den Brot-, Fleisch- und Bodenwucher auszugleichen— das i.st alles! Und dies glorreiche Resultat erscheint obendrein noch erheblich minder glänzend, wenn wir berücksichtigen, daß die Zahlen für 1910 infolge der Steuerdenunziationspflicht der Arbeitgeber das Einkommen der Arbeiter und Angestellten bis zum letzten Pfennig erfassen, was 1892 noch nicht der Fall war; so daß man schon aus diesem Grunde die Zahlen von 1892 keineswegs ohne weiteres mit denen von 1910 ver- gleichen darf. Aber selb st wenn man das tut, schrumpft die vielgerühmte Hebung des Einkommens der breiten Volksmassen im wesentlichen auf die bloße Anpassung der Löhne an die gesteigerten Lebenshaltungskosten zusammen. Und trotz der enormen Verteuerung der Lebenshaltung bleiben nach der amtlichen Statistik von 1910 noch immer 42. Prozent der gesamten Bevölkerung Preußens unter- halb der Einkommensgrenze von 900 Mark! Und bei den 5 537 741 Zensiten mit dem Einkommen von 900—3000 M. verteilen sich die Einkommen 1910 folgender- maßen: Einkommen Zensiten 900—1050....... 1341 497 1050—1200....... 1 111000 1200—1860....... 804 709 1350—1500....... 679 904 1500—1650....... 436 897 1650—1800....... 359 516 1800—2100....... 326 167 2100—2400....... 233 807 2400—2700....... 145 090 2700-3000....... 99 154 Ueber 3000 M. Einkommen haben nur 703 753 Zensiten. Ueber 30500 M. Einkommen hatten 22 428 Personen, davon waren 18 535 Zensiten mit 50 500—100 000 M. Einkommen 3 618,. 100 000—500 000.. 275,. mehr als 500 000, nämlich 197 Zensiten mit 500 000 Vi« 1 Million Mark Einkommen 78,. über 1.. davon 13., 8 Millionen.. Fragt man, wie sich da» Gesamteinkommen von 13 710 Milliarden auf die beiden großen Gruppen der Zensiten, derer mit 900— 3000 Mark Einkommen und derer mit mehr als 3000 Mark Einkommen verteilen, so finden wir folgendes Ergebnis: mit 900-3000* M�Einkommen Einkommenssumme 5 537 741 7676 Millionen mit meb?aw 3000?Einrommen Einkommenssumme. 703 753 6035 Millionen Das heißt: Auf 5 537 741 Zensiten— 88,72 Proz. aller Zensiten entfallen 56 Proz. des Einkommens. Auf die 703753-- 11,28 Proz. der Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen dagegen 44 Proz. des Einkommens! Oder anders ausgedrückt: während das Durchschnittseinkommen der Zensiten mit 900—3000 M. Einkommen nur 1389 M. beträgt, beläuft sich das Durchschnittseinkommen bei den Zensiten mit mehr als 3000 M. Einkommen auf 8576 M.! Das Durchschnittseinkommen, verrechnet auf sämtliche Zensiten, bcläuft sich 1910 auf 2197 M. gegenüber 2350 M. im Jahre 1892. Es ist also um 153 M.= 6,5 Proz. gesunken. Dagegen ist das Durchschnittseinkommen der Zensiten mit mehr al» 8000 M. Einkommen von 8812 riuf 8576 M., also um 236 M.— 2,6 Proz. gesunken. Man sieht also, daß sich das Durchschnittseinkommen der höheren Steuerstufen nur in viel geringerem Maße vermindert hat, als das der niederen Einkommensstufen. Vergleichen wir die Ergebnisse der Jahre 1904 und 1910 miteinander, so finden wir, daß 1904 der Anteil der Zensiten mit 900— 3000 2)?. Einkommen an dem.steuerpflichtigen Gesamt- einkommen 54 Proz. betrug gegenüber 56 Proz. im Jahre 1910. Nichts aber wäre verkehrter» als daraus zu folgern, daß der höhere Anteil der unteren Einkommenstufen auch auf ein relativ stärkeres Wachstum der niederen Ein- kommen schließen ließe. Denn im Jahre 1904 bildeten die Zensiten mit 900— 3000 M. Einkommen nebst Angehörigen nur 32,62 Proz. der preußischen Gesamtbevölkerung, 1910 da- gegen 42,68 Proz.! Von welcher Seite aus wir also auch die Zahlen der neuesten preußischen Einkommensteuerstatistik betrachten— von einer nennenswerten Hebung der Lage der breiten Schichten der arbeitenden Klasse ist nichts zu bemerken. Eine Emanzipation der arbeitenden Klasse, eine Emporhebung der Proletarier zu menschenwürdiger Lage, eine Anteilnahme der breiten Masse des Volkes an der vollen Kultur unserer Zeit ist eben nur möglich bei einer radikalen Umgestaltung unserer Produktionsverhältnisse, der Ersetzung des kapita- listischen Systems durch eine sozialistische Produktionsweise! Sie Obstruktion äer Zunker. Der dreiste Versuch der konservativen und freikonservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses, durch ihren Bohlott des Senioren- konvents die übrigen Parteien zu einer Vergewaltigung der sozial- demokratischen Fraktion zu drängen, hat bei den liberalen Parteien wenig Gegenliebe gefunden. Wir zitierten gestern bereits eine ab- fällige Aeußerung der«Voss. Ztg." gegenüber dem unverfrorenen Scharfmacherversuch der Pappenheim und Zedlitz. Auch die ,National-Ztg." hat für die junkerliche Drängelei eine scharse Absage. Sie schreibt: „Die rechtsstehenden Parteien des preußischen Abgeordneten- Hauses scheinen nach den letzten Zusammenstößen des Präsidenten mit den Sozialdemokraten, wobei beide Teile die parlanientari- schen Grenzen nicht entsprechend beachtet haben, auf eine weitere Verschärfung der Lage hinzuarbeiten. Das beivies schon der ostentative Beifall, mit dem die Konservativen und das Zentrum die gestrigen Erklärungen des Herrn v. Kröcher aufnahmen, er werde die schärfsten Ordnungsmaßnahmen anwenden und gegebenen- falls eine weitere„angemessene Verschärfung" der Geschäftsordnung erbitten. Die Liberalen lassen keinen Zweifel dar- über aufkommeu, daß sie die Einfügung neuer Polizei- oder„Hauslnechtsparagrapben" in die Geschäftsordnung keineswegs für wünschenswert halten. Nichts wäre verfehlter, als den Sozialdemokraten durch eine kleinliche Handhabung der Geschäftsordnung und durch eine sehr bedenk- liche, ja gefährliche Einengung der parlamen- tarischen Freiheit zu einem wohlfeilen Martyrium z u verhelfen. Unter diesem Gesichtspunkt muß man auch den Beschluß der Konservativen und Frei« konservativen im Abgeordnetenhaus, sich an den Verhand- lungen des Seniorenkonvculs bis auf weiteres nicht mehr zu be- teiligen, als ebenso engherzig wie politisch unklug bezeichnen." Worauf eS mit dem eigenartigen Boykott der Fraktionen der Junker und Scharfmacher zunächst abgesehen ist, verrät die„Kreuz- Zeitung": „Wir vermögen überhaupt nicht einzusehen, weshalb man der aus sechs Abgeordneten bestehenden sozial- demokratischen Gruppe einen Sitz im Senioren- konvent eingeräumt hat, da es wie im Reichstage doch auch im Abgeordnetenhause Brauch sein dürfte, als Fraktion mit Recht auf Sitz und Stimme in den Kommissionen nur diejenige Partei anzuerkennen, die über einen Bestand von mindestens 15 Mitgliedern verfügt." Hier wird also unumwunden gefordert, daß die sozialdemo- kratische Fraktion aus dem Seniorenkonvent herausgeworfen werde! Dabei wagt da? Junkerorgan seine Forderung damit zu begründen, daß nach parlamentarischem Brauch eine Partei nur dann Sitz und Stimme im Seniorenkonvent und in den Kommissionen zu be- anspruchen habe, wenn sie mindesten? fünfzehn Vertreter zähle. Nun, zunächst ist eS doch während zweier Sessionen Brauch im preußischen Abgeordnetenhause gewesen, die sozialdemo- kratische Fraktion als Fraktion anzuerkennen. Daß dieser Brauch aber geübt wurde, ist auch keineswegs der Noblesse und einem außergewöhnlichen„Entgegenkommen" der Mehr- heit des Dreiklaffenparlaments zu danken, sondern verschiedenen gar nicht abweisbaren Erwägungen. Denn zunächst konnte man der Sozialdemokratie trotz ihrer geringen Kopfzahl die Rechte einer Fraktion schon deshalb nicht versage», weil man auch der Vertretung der Fre i sinn i g en V e r e ini g u n g diese Rechte stetS ein- geräumt hatte, obwohl auch sie weit unter der Stärke von 15 Mitgliedern geblieben war, nämlich nur 8 Mitglieder zählte! Und dann konnte man doch die Vertreter einer Partei auch deshalb unmöglich schlechter behandeln wie die Freisinnige Vereinigung, die, wie die sozialdemokratische Partei, bei den Wahlen weitaus die größte Wählerzahl von allen Parteien auf- gebracht hatte, beispielsweise mehr als zehnmal so viel Wähler wie die stcikonservative Partei, die im Geldsackparla- ment durch 60 Abgeordnete vertreten ist. Man mußte also, wollte man nicht aller Vernunft und Billig- keit in der brutalsten Weise ins Gesicht schlagen, die sozialdemo- kratische Abgeordnetengruppe als Fraktion anerkennen! Wollte man aber jetzt, nachdem selbst Regierung und Parlamentsmehrheit da» elendeste aller Wahlsysteme als poUttfcbe Qeberficbt Berlin, den 27. Januar 1911. Ter Hansabund als Vorspann der Reaktion. StuS Mülhausen(Elsaß) wird uns berichtet: Der Hansabund hielt am Dienstag, den 24. Januar, im Börsen- saale der Industriellen Gesellschaft in Mülhausen i. Elf. eine Bürgerversammlung ab, zu welcher die Presse keinen Zutritt hatte: ein Redakteur der„Mülhauser Volkszeitung der sich auf seine Zugehörigkeit zur Presse berief, wurde trotzdem nicht zugelassen. Der Zutritt erfolgte nur auf Grund von persönlichen Einladungen, welche an die Mitglieder von kaufmännischen und JnnungSorganisationen verschickt worden waren.- Der Verlauf der Versammlung zeigte, daß zu diesem Aus- schluß der Oeffentlichkeit aller Grund vorlag. Auf der Tagesordnung stand zunächst eine Ansprache des Herrn G. Kern, Direktor der Gasgesellschaft in Straßburg, in französischer Sprache über„Das Werk des Hansabundes", dann ein Vortrag des Dr. W. Hüttemann aus Berlin. An Stelle dieser beiden Herren, die verhindert waren, sprach. aber Hermann Schmidt. Sekretär des HansabundeS, indem er außer gegen die Konservativen auch gegen die Sozialdemokratie loszog, die durch ihr Eintreten für die sozialpolitische Gesetzgebung Industrie und Handel unerträglich belaste. Der Vorsitzende der Versamm- lung, der ehemalige nationalliberale Reichstags- Abgeordnete Theodor Schlumberger, Präsident des Elsaß-Lothringischen Industriellen- Syndikates. ging weiter: unter dem johlenden Beifall der fast nur aus Sozialreaktionären zusammengesetzten Versammlung erzählte er aus den Relchstagsverhandlungen über den Wuchertarif von 1902 eine Geschichte, die dartun sollte, wie wenig ernst die sozialdemokrati- scheu Partamentarter zu nehmen seien. In der Zoll- tarifkommission habe es sich getroffen, daß der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Stadthagen an seine Seite zu sitzen kam. Da habe er(Schlumberger) dem Kollegen Stadthagen auseinandergesetzt, daß bei Aufhebung der industriellen Schutz- zölle die Industrie in Mülhausen i. E. von der englischen Konkurrenz erbarmungslos vernichtet werden würde— und das würde doch die Arbeiter ebenfalls treffen. Daraufhin habe ihm Stadthagen geantwortet:„Sie haben voll st ändig recht, lieber Kollegel Aber Sie wissen— ich bin sozial- demokratischer Führer, und in unserem Parteiprogramm wird leider der Freihandel gefordert. Ich muß daher für den Freihandel eintreten." Und Herr Theodor Schlumberger, dieser typische Vertreter de? industriellen Scharstnacherwms im Elsaß, schloß seine Auf« schneideret unter tosenden BravoS mit der Schlußfolgerung: So sind die Sozialdemokraten l Auch wenn sie noch so intelligent sind. sind sie von ihrem Parteiprogramm abhängig, und wir können nichts mit ihnen anfangen. Bei der folgenden Wahl eines„Komitees der Ortsgruppe des HansabundeS für Mülhausen und Umgegend" wurden gewählt: Der Vorsitzende der liberalen Partei, Fabrikant E. N e m y, der liberale LaudeSauSschußabgeordnete Diemer-Heilmann neben einer Reihe anderer liberaler Parteiführer, darunter natürlich Theodor Schlumberger selbst; ferner die Klerikalen Troendle, Burtschell usw. Das Ganze ist ein unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vollzogener erster Aufmarsch der großkapitalistischen Scharfmacher und Sozialreaktionär« zur ReichStagSwahl mit der Spitze gegen die Sozialdemokratie, in einem Wahlkreise, wo die damit eingeleitete liberal- hanseatische Kandidatur nur mit Hilfe deö Zentrums zum Siege gelangen kann. Bemerkt sei noch, daß der Sekretär des Hansabundes als Referent bei der Anpreisung der wahlpolitischcn Leistungs- fähigkeit des Hansabundes durch Geldzuschüsse, Flugblätter und rednerische Kräfte besonders auf Labiau-Wehlau hinwies, wo ohne den Hansabund das Mandat den Konservativen nicht hätte ab- genommen werden können. Zu der Auslassung des früheren Abgeordneten Schlumberger erklärt der Genosse Stadthagen: Die Erzählung des früheren Reichstagskollegen Schlumberger über eine Unterhaltung mit mir ist von Anfang bis zu Ende er- funden. Ob Herr Schlumberger in einer ZolltarifkommifsionS« sitzung neben mir gefeffen hat, weiß ich nicht. Keinesfalls habe ich eine Aeußerung offiziell oder privatim getan, die auch nur an- nähernd so gelautet hat, wie Herr Schlumberger jetzt be- hauptet. Hätte ich eine solche Anschauung kundgetan, die meiner Ueberzeugung und der Vertretung meiner lieber- zeugung aufs entschiedenste widerstreitet, so hätte Herr Schlumberger nnt Fug und Recht eine solche Behauptung sofort in der Kommission niedriger gehängt. In der Kommission habe ich dargelegt, daß die Zölle, insbesondere auf Garn, der Industrie nichts nutzen, ihr, den Arbeitern wie den Arbeitgebern der gesamten Textilindustrie sowie der Lrbeiterllasse unendlichen Schaden zugefügt haben und als Prämie für Rückständigkeit in der Technik gewirkt haben. Etwas anderes kann ich auch nicht privatim geäußert haben. Die Be- hauptung SchlumbergerS ist eine frivole, gegen besseres Wissen auf- gestellte Erfindung._ Arthur Stadthagen. Der unmögliche Präsident. Das„Berliner Tageblatt" findet das Verhalten Jordans v. Kröcher„immer unverständlicher". Sein Urteil über bell neuesten„Scherz", seine Botschaft an die Landwirtschaftskammer der Provinz Sachsen, saßt es in die Worte zusammen:„In die parlamentarischen Formen der Gegenwart paßt er nicht mehr, nicht einmal in das preußische Dreiklassen- Parlament. Der„Vorwärts" meint, daß Herr v. Kröcher sich vollends unmöglich machen werde, wenn er es noch einige Zeit so weiter treibe. Wir gehen etwas weiter und glauben, daß er schon heute als Präsident deS preußischen Abgeordnetenhauses unmöglich sei." Die Freikonservativen und der elsasi-lothrwgische Verfassungsentwurf. Der ReichSverbändler V. D i r k s e n hat am Donnerstag im Reickstage für die freikonservativi: Fraktion zum elsaß-lothringischen Verfassungsentwurf gesprochen. Seine Rede war so„klar", daß die „Post" sich genötigt sieht, euren Kommentar zu dieser Rede zu geben. In der liberalen Presse halte nian nämlich aus den Ausführungen des ReichSverbändlerS v. Dirksen herausgelesen, daß die Freikonser- vativen dem Verfasiungsentwurf zustimmen würden. Die„Post" hebt nun die einzelnen Punkte auS der Rede DirksenS noch einmal hervor und schließt dann: „Diese kurze Hervorhebung. deS wesentlichsten Inhalts der Rede des Abg. v. Dirksen wird genügen, um- erkennen zu lassen, daß deren Charakterisierung als Zustimmung zu dem Entwurf dem wirkliche» Sachverhalt durchaus nicht entspricht." Landesväterliche Steuerfreiheit und Steuerscheu« Die„Rheinisch-Westsälische Zeitung", die Vertreterin der Interessen des rheinischen Großkapitals, schreibt in ihrer Nr. 103 vom Donnerstag: »Uns interessiert die Erörterung über diese Angelegenheit (Steuerfreiheit der Fürsten) vorläufig in zweierlei Hinficht. Zu- nächst einmal, soweit der von den Verteidigern der Steuerfreiheit in den Vordergrund geschobene„logische Widersinn, den Träger der Steuerhoheit selbst zu besteuern", in Betracht kommt. Erstens bringt bekanntlich das deutsche Volk die Steuer nicht für die Landesfürsten auf, sondern zur Förderung seines eigenen Wohles, und dann ist bisher noch kein einziger Lrnidessürst von der indirekten Besteuerung freigeblieben, und möge er hundertinal„Träger der Steuerhoheit" sein.... Wermuth, Lentze, die„Norddeutsche Allg. Zeitung" und ihre Nachbeter stellen mit ganz besonderer Gewichtigkeit das„monarchische Prinzip" in den Vordergrund, daS verletzt werde, wenn man die Landesfürsten und die Landesfürftiunen einer Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses bei einem Verkauf ihrer Liegen- schaften unterziehe. Wir meinen, wenn das„monarchische Prinzip" einige Landesfürsien nicht behindert, den Spuren deS königlichen Kaufmanns von Belgien zu folgen, statt sich auf ihre Regiererei zu beschränken; wenn einige, wie im Reichstage vorgebracht wurde, ungeachtet ihrer Souveränität recht gewinnbringende Grund st ücksgefchäfte machen; wenn einige keinen Anstoß daran nehmen, wie der Prozeß Hochberg-Barnes in New Dork erwiesen hat, in ameri- kanischen Werten zu spekulieren; wenn einige ihre verfügbaren Gelder in große deutsche Aktienunter- nehmungen einlegen und dort hoch zinstragend zu verwerten suchen; wenn einige Dernburg wesentlich in seiner Abwehr gegen die Angriffe auf die kolonialen Gesellschaften beeinflußten, weil sie selber inSüdwestafrika stark mit Geld engagiert sind; und wenn sie schließlich die ihnen gewahrte Porto- freiheit dazu benützen, um Erzeugniffe ihrer Wirtschafts- betriebe, wie Molkereiprodukte und die Opfer ihrer Jagd- lust unentgeltlich an die Abnehmer zu verschicken: dann werden allen Ernstes unsere Reichstagsabgeordneten die Frage einmal grundsätzlich zu erörtern haben, wo der„logische Wider- sinn* steckt, solche kaufmännisch veranlagten„Träger der Steuer- Hoheit" nicht genau so nach jeder Richtung ihrer nicht souveränen Erwerbktätigkeit hin zu besteuern wie den ärmsten Mann im Reich. Die Drohung mit der Ablehnung des ganzen Gesetz- entwurfS ist deshalb recht ungeschickt und wirkt verbitternd. Es wäre wahrhaftig toll, wenn an einer solchen Frage ein Gesetz scheitern sollte, dessen Einkünfte zur Deckung der notwendigen Heeresvermehrung und der Veteranenunterstützungen bestimmt sind." Fortschrittliche Gemeindepolitik. Der Magistrat in Frankfurt a. M. hat zwei von den Stadt- verordneten vollzogene Bezirksvorsteherwahlen nicht bestätigt, weil der eine Gewählte ein Volksschullehrer ist und der andere der sozialdemokratischen Partei angehört. Dabei kann sich der Magistrat nicht einmal darauf berufen, daß etwa die Regierung Schwierig- leiten gemacht hätte. Frankfurt hat ein Sondergcsetz; seine Städte- ordnung sagt ausdrücklich, daß weder die Stadträte noch die Be- zirksvorsteher usw. der Bestätigung durch die Regierung bedürfen. Die Hetze gegen das Asylrecht. Die„Deutsche Tagesztg." und andere Scharfmacherblätter eben eine Schauernachricht des üblen Pariser Sensattons- latteS„Echo de Paris" wieder, das sich aus Petersburg einen angeblichen Attentatsplan auf— ausgerechnet— Wilhelm II. melden läßt. Es heißt darin: „Der russische Minister des Innern hat soeben Einzelheiten über die Anarchistenbewegung in Rußland veröffentlicht, die ein Helles Licht auf den englisch-russischen Anarchisten- a u S t a u s ch wirft. So wurden die Petersburger Anarchisten- gruppen größtenteils vor etwa acht Jahren von Männern ge- gründet, die vorher längere Zeit in London geweilt hatten.... Unter den zahlreichen Plänen der russischen Anarchisten erregt die im Frühjahr 1907 gegründete Geheimverbindung, die ein Attentat auf den Deutschen Kaiser plante, besonderes Interesse. Nach den Erkundigungen de« Ministeriums des Innern wurden damals vier Mitglieder der Vereinigung nach C h a r- lottcnburg geschickt, wo sie sich längere Zeit aufhielten. Sie erstatteten in einer Versammlung zu Wilna Bericht über ihre Tätigkeit. Die erneute Entsendung von zwei Mitgliedern nach Berlin wurde beschlossen. Sie sollten dort alles zur baldigen Tat vorbereiten. Der deutschen Geheimpolizei ist es damals gelungen, das Komplott rechtzeitig aufzudecken und einen der Anarchisten in Haft zu nehmen." Der einzige Zweck dieser Lügenmeldungen ist die Sttm- mnngsmache gegen das englische Äsylrecht, s daS allen Reaktionären ein Stein des Anstoßes ist. Die Berliner Geheimpolizei hat ja übrigens ein einfaches Mittel, um Attentate zu der- eiteln. S i e braucht bloß auf die Berliner Filiale der russischen Polizei ein sorgsames Auge zu haben. Den russischen Polizisten, die das Attentat auf den Großfürsten Sergius untersttitzt haben, wäre es allerdings schon zuzutrauen, daß sie bei ihrer neuerlichen Propaganda gegen das Asylrecht wieder einmal zur Tat übergingen. Oesterrelch-Ungarn und die Schiffahrtsabgaben. Der Wiener Korrespondent der„Franks. Ztg." berichtet: Eine nach hier gemeldete offiziöse Auslassung des Hirschschen Telegraphen- bureauS gegen die österreichische Wasserstraßen-Opposttion, in der die Oesterreicher gerügt werden, weil sie der deutschen Reichsregierung die Absicht eines Vertragsbruches in die Schuhe schieben, wird hier mit Verwunderung gelesen. In der jüngsten Demonstrations- Versammlung in Aussig hat der Regierungsvertreter Riedel direkt ausgesprochen, daß eine Lohalitätsverletzung seitens Deutschlands ausgeschlossen sei. Wenn man in Oesterreich-Ungarn gleichwohl be- unruhigt ist, so hat die» darin seinen Grund, daß man nicht versteht, warum die Reichsregierung in ihrer gesetzgeberischen Aktton für die Wasserzölle fortfährt, trotzdem sie die äußerst entschiedenen Erllärungen aller österreichischen RegierungS« stellen und des Parlaments zur KcnnttiiS nehmen mußte. Man be- fürchtet hier, daß unter dem Druck der preußischen Agrarier die Reichsregierung doch versuchen werde, Oesterreich- Ungarn in irgend eine Zwangslage zu bringen, aus der es einen Ausweg nur unter Aufopferung seines prinzipiellen Wider- spruchS gegen die Wasserstraßenabgaben finden könnte, und man will nichts unversucht lasten, um der österreichischen Regierung von hier aus jeden solchen Ausweg abzuschneiden. Wenn die preußische Re- gierung die allerdings nicht erfreulichen politischen Nebenwirkungen nicht haben wollte, so hätte sie die ganze Aktion nicht anfangen und vor allem nach dem energischen Widerspruch Oesterreichs nicht fortsetzen dürfen. Diese Fort- setzung ist es, die hier den allerbösesten Eindruck macht. Die Bodenreformer und die zweite Lesung der Rcichswertznwachssteuer. In einer zahlreich besuchten Versammlung der Bodenreformer in Berlin legte vorgestern der Bundesvorsitzcnde A. Damaschke deren Stellung zu den Beschlüssen der zweiten Lesung dar. Er be- klagte die vielen Abschwächungen, die den Kern deS Gesetzes so sehr verdunkelt hätten, daß die Frage in Bodenreformkrcisen aufgc. warfen worden sei. ob man überhaupt noch Wert auf die Verab- iKiedmzg eine? solchen Gesetzes kegelt sÄle gdAl nicht. wäre die Meinung verirelen, baß eine so berEassetle Dtlrchsü�Älng des an sich richtigen Problems mehr schaden als nützen werde. Demgegenüber wies der Bundesvorsitzende darauf hin, daß sich auch hier nur ein Vorgang wiederhole, der bei jedem neuen großen sozialen Fortschritt zu beachten sei. Auf der langen, beschwerlichen Wanderung durch die gesetzgebenden Körperschaften habe sich noch jede große Idee anfangs so verwandelt, daß ihre eifrigsten Ver- fechter zunächst enttäuscht und entmutigt waren. Aber dennoch müsse man entschlossen„Ja" sagen, damit der erste Schritt in die Praxis hinein überhaupt geschehe. Ist der Grundgedanke gerecht und notwendig, so werden das Leben und die Vernunft, die in ihm selbst liegen, schon zur weiteren Ausgestaltung führen. Der Grundgedanke der Reichswertzuwachssteuer aber ist so gerecht und notwendig, daß niemand im Reichstag ihm zu wider- sprechen gewagt hat, auch die nicht, die seiner Durchführung alle er- denklichen Schwierigkeiten in den Weg getürmt haben. Es handelt sich um ein neues Prinzip in der Reichssinanzreform, deren volle Durchführung in immer weiteren Kreisen als eine nationale Not- wendigkeit erkannt wird. Der deutsche Boden ist seit Aufrichtung des Reiches in ungeahnter Weise an Wert gewachsen. Diese„un- verdiente" Wertsleigerung nun auch für die Gesamtheit nutzbar zu machen, die sie allein hervorruft, dieser Gedanke eröffnet den Weg zu einer Regelung der Reichsbcsteueruitg, aus dem Handel und Industrie nicht weiter geschädigt und die Lebenshaltung des Volkes nicht weiter belastet zu werden brauchen. Dieser Grundgedanke will jetzt das erstemal Leben und Gestalt gewinnen. Möge das Leben auch kümmerlich und die Gestalt nich: gerade schön sein: das Leben wächst und die Gestalt entwickelt sich. Ein Ketzer. Der evangelische Pfarrer Jatho in Köln hat sich durch zlvch seiner Predigten die Riißbilligung des Oberkirchen- r a t S zugezogen. Dieser stellte ihm eine Frist von 14 Tagen, um sich zu den anstößigen Punkten zu äußern. Jedenfalls sind die Er- klärungen aber nicht nach dem Wunsche des Oberkirchenrats aus- gefallen, denn gegen den Pfarrer Jatho ist mittlerweile ein Dis- ziplinarversähren eingeleitet worden. Der„Verband für evangelische Freiheit" will am Sonntag in Köln zu dieser angelegen» heit Stellung nehmen, zu welchem Zwecke eine Protestkundgebung veranstaltet werden wird.— Die Gescheitelten find wirtlich um kein Haar besser als die Geschorenen. Wie wäre«S mit einem evangelischen Modernisteneid? Die Kriegervereine gegen den„ReichSfeiad". Der Nachfolger deS verstorbenen Generals v. Spitz im Kam- mando der Kriegervercine, Generaloberst v. L i n d e q u i st, folgt getreulich den Spuren seines Vorgängers. Auf der Tagung der Kriegerverbandsvorstände bezeichnete er als R e i ch S f e i n d e die Weifen, die Polen und die Sozialdemokratie, um dann darzulegen: „Der Kampf dürfe sich nicht auf die Abwehr beschränke», sondern es müsie zum Angriff übergegangen werden, um den Sieg zu erringen. Es wäre dringend zu wünschen, daß diese Parole von allen Kameraden in den Kricgervereinen beherzigt würde, ebenso aber auch die Mahnung, auf daS strengste darauf zu achten, daß die Streitigkeiten der bürgerlichen Parteien aus den Kriegervercincn fernbleibett."_ Der duelltviitige Oberleutnant und der kleine Cohn. Am Mittwoch wurde vor dem Kriegsgericht des 17. Armeekorps (Hamburg) eine luriose Sache verhandelt. Der Oberleuwant v. Ger- mar hatte sich wegen Herausforderung zum Zweikampf und der Oberleutnam v. Zimmermann wegen Kartelltragens zu verantworten. Ilm den Urheber eines Gerüchts, feine Frau sei von einem Cafötier hinauSgcwicsen und er habe den Cafötier geohrfeigt, in Erfahrung zu bringen, beantragte v. G. gegen sich cm ehrengerichtliches Verfahren. in welchem außer dem Cafötier die Annonceuakquisileure Bader und Cohn als Zeugen vernommen wurden. Verbreiter des Gerüchts soll der„kl eine Cohn" sein, gegen den der Oberleutnant v. G. eine Pribattlage angestrengt hat, die noch in der Schwebe ist. Um sid| nun völlig zu rehabilitieren(so erfordert eS Wohl der militärische Ehrenkodex), schickte v. G. dem lleiuen Cohn, wie dieser von seilten Freunden genannt lvird, den Oberleutnant v. Z. auf die Bude, ihn zum Duell herauszufordern. Bedingungen waren: Glatte Pistolen mit Visier und Korn, zweimaliger Kugelivechsel, 20 Schritte Distanz. Als der Herr Oberleuwant Z. sein Verlangen vorgebracht hatte, richtete sich der kleine Cohn in die Höhe, blickte den Krieger zaghaft an und fragte:„Bin ich denn satisfaktionsfähig?" Der Oberleutnant erwiderte:„Das müssen Sie selbst wissen." Der.kleine Cohn" schoß sich aber vorfichtigerweise nicht, da manchmal Pistolenkugeln großen Schaden anrichten können, sondern brachte die Sache zur Anzeige. Der Ankläger fühlte die Komik der Situation heraus und meinte, eS wäre richtiger gewesen, vor der Herausforderung zum Duell erst gewisse Vorfragen zu erledigen: ob Herr Cohn laliSfaktionSfähig sei und ob dieser kein Gegner deS Duells sei. ES gebe heutzutage viele prinzipielle Duellgegner, Anti- duellvereine usw. Daher sei Borsicht am Platze. Antragsgemäß wurden beide Angeklagte zn je einem Tage Festungshaft(Mindest- strafe) verurteilt._ Konfessiouelle und interkonfessionelle Banchwellen. Eine höchst amüsante Geschichte von dem Bestreben ultra- montaner Kreise, die katholischen Jünglinge vom gesellschaftlichen Verkehr mit protestantischen Altersgenossen abzuhalten, weiß die „Tägl. Rundschau" zu erzählen. Danach wollte jüngst der Vorsitzende eines katholischen Jünglingsvereins eine Turnabteilung streng kon- fessioneller Art gründen und richtete ein Gesuch mit der Bitte um finanzielle Beihilfe an die Regierung. Dieses Gesuch wurde von dem betroffenden Regierungspräsidenten, nachdem er zweimal den Präses des katholischen Jünglinasvercins auf die Möglichkeit deS Anschlusses an die anderen im Ort schon bestehenden Turnvereine ausmerksam gemacht hat, abschlägig beschieden mit dem ausdriick- lichcn Hinweis darauf, daß den Mitgliedern des katholischen Ver- eins hinreichend Gelegenheit geboten sei, sich in zwei schon bestehen- den Turnvereinen sportlich zu betätigen, und daß daher auch beim Vorhandensein von Mitteln die Bitte um finanzielle Unterstützung wenig Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Diese Antwort auf daS Gesuch hat die Zentrumspresse in Harnisch gebracht. Die„Ger- mania" schreibt dazu: Soll nach dem Wunsche deS Kriegsministers(— und wir dürfen wohl hinzufügen: auch des Kaisers) die Jugend erstens auf religiöser Grundlage weitergebildet und gewappnet werden gegen die zerstörenden Einflüsse der Sozialdemokratie, und soll sie zweitens zugleich auch körperlich geschult und gekräftigt werden, dann ist die Ermöglichung und Förderung deS TurnenS in den konfessionellen Jugendvereinen unbedingt erforderlich. Die„Tägliche Rundschau" bemerkt zu dieser Leistung: WaS sagen die protestantischen Politiker der„gemeinsamen Grundlage" dazu, daß da« führende Zentrumsblatt ausdrücklich es für unmöglich erklärt, daß katholische Jünglinge auch nur die Bauchwelle und den Klimmzug aus dieser gemeinsamen Grundlage zusammen mit evangelischen Altersgenossen üben könnten, ohne Schaden an ihrer Seele zn nehiECjji„_„.' Ocrurnicb. Ein Grenzzwischenfall. Wien, 27. Januar. Die„Neue Freie Presse" meldet aus Lemberg: Gestern wurden von österreickischeu Gendarmen zwei auS Oesterreich-Ungarn ausgelvicsene russische Untertanen un die russische Grenze bei Podwoloczyska abgeschoben. Ein russischer Grenzwachsoldat feuerte gegen einen der Abge- schobenen einen Schuß ab. Dieser flüchtete auf österreichisches Gebiet, wohin ihm der russisckc Soldat folgte. Gleich darauf er» öfftzÄAk AÄtzcre russsschi Äll Gesehrfeuer Ohb ßaBefl Mgefähr 40 Schüsse aB, die vo? BKi Bfiette�chsschen Gendarmen mit zwei Schüssen erwidert wurden. Eine Kom- Mission ist zur Untersuchung nach Podwoloczhskg abgegangen, Spanien. Das Gesetz über die Orden. Madrid, 27. Januar.„Jmparcial" will wissen, daß der von der Regierung vorbereitete Entwurf des Vereinsgesctzes in dem die religiösen Kongregationen betreffenden Teile dem Waldeck-Ztousseauschen Gesetze nachgebildet ist. Er wird vornehmlich jede Gelübde fordernde Vereinigung, mag sie sich auf das Konkordat stützen oder nicht, untersagen, die, einer fremden Macht gehorchend, einen religiösen oder lediglich Materiellen Zweck verfolgt. Dagegen soll die freie Vereinigung ohne Gelübde von solchen Personen, die- sich einem religiösen Zwecke, wie der Gebetsübung oder der Kranken- und Armenpflege, widmen wollen, gestattet sein. Minderjähr, ge können religiösen Genossen- schalten nicht angehörxv.~- Englancl. Die Kranke«- und J«validenverfichera«g. AuS London wird uns geschrieben: Die von dem Schatzkanzler eingeführten neuen Steuern sollen bekanntlich die Mittel für eine Aranken- und Invalidenversicherung liefern, die Großbritannien auf diesem Gebiete der Sozialpolitik in Reih und Glied mit den anderen großen Industriestaaten bringen würde. Ucber die Grundsätze und Einzelheiten dieser staatlichen Versicherung hat man bis vor kurzem tiefes Schweigen bewahrt. Als die Idee der staat- lichen ZwangSversichcrung zuerst austauchte, gaben sowohl die Gewerkschaften wie auch die vielen großen freiwilligen Kranken- und llnterstützungSkassen der Regierung zu verstehen, daß irgendeine Versicherungsart, die ihnen Abbruch tue, mit ihrem Widerstand rechnen müsse. Die Behörden setzten sich daher mit diesen Organisationen in Verbindung und berieten über Mittel und Wege, wie sich die einzuführende ZwangSversichernng mit den Interessen der schon bestehenden VerficherungSorganisationen der Arbeiter vereinbaren lasse. Die Konferenzen zwischen den Re- gierungSvertretern und den Spitzen der Gewerkschaften und Unter- stützungSgesellschaften dauern noch fort; eS find aber schon einzelne Hauptpunkte bekannt geworden, die auf die Ausstattung des Kranken- und JnvalidenversicherungSgesetzes schließen lassen. Die Versicherung soll nach diesen Berichten alle arbeitenden Personen umfassen, deren Jahreseinkommen weniger als das ein- kommensteuerpflichtige Einkommen<160 Lstr.=> 3200 M.) beträgt. Die Zahl dieser Personen schätzt der Schatzkanzler auf 13 Millionen. Die VcrficherungSpflicht besteht vom 16. bis zum 70. Lebensjahre. Der Verwaltungsapparat soll aus den bestehenden freiwilligen UnterstützungLkasjen(Frieiidly Socioties) gebildet werden, so daß jede versicherungspflichtige Person Mitglied einer der schon bestehenden und von der Regierung anerkannten Kasse werden muß. Als niedrigste wöchentliche Unterstützung soll b Schilling(ö M.) fest- gesetzt werden. Die Beiträge sollen zur Hälfte von den Arbeitern aufgebracht werden; die andere Hälfte soll zu gleichen Teilen vom Staate und dem Arbeltgeber bezahlt werden. Der Staat garantiert dieses Minimum, und augenscheinlich werden auch die Arbeitgeber nur zur Zahlung der Minimalbeiträge herangezogen werden. Die Eintreibung der Beiträge geschieht in der Weise, daß der Arbeitgeber die Beiträge der Arbeiter vom Lohne abzieht und diese samt seinem Beitrag an den Staat abführt, der die Gelder den Gesellschaften überweist. Arbeiter, die schon bei einer der be- stehenden Kassen bis zur Höhe des MinimalsatzeS versichert sind, brauchen keine Beiträge vom Lohnt zu zahlen; der Arbeitgeber muß aber den Minimalbeitrag(d. h. seinen Anteil) für sie abführen. Höhere Beiträge mit entsprechenden Gegenleistungen find für die Arbeiter fakultativ. Die Gesellschassen müssen die für die staatliche Versicherung bestimmten Gelder getrennt von ihren sonstigen Fonds verwalten und stehen in betrefi der staatlichen Ber- ficherung unter Regierungskontrolle. Ein ZentralverwaltungSrat, dem Vertreter der Regierung, der Frtendly SocietieS und der Arbeit- geber angehören, soll den ganzen Lersicherungsapparat überwachen. ' Wie stark die Vertretung der Arbeiter durch die Friendlh SocietieS in diesem Bcrwalwngsrat sein wird, ist noch nicht bekannt. foißlanck. Tic Gefängnistragodie in Serentur. Endlich ist auch der Schleier gelüftet, der bisher über den bekannten Vorgängen auf der Katorga zu Serentui lag. wo die Durchveitsckwng der politischen Gefangenen zu Massen- s c l b st m o r d e n Anlaß gaben. In der Zeitimg„Wjatskaja Retsch" wird folgender Brief eines Gefangenen veröffentlicht, j»er während der Ereftrtionen in Serentui war: „Ich schreibe diesen Brief von unterwegs. Wie Dir bekannt ist, war das Leben bei uns in Serentui ziemlich erträglich. JBa ernannte man einen neuen Direktor für unser Gefängnis, näm- lich den früheren Direktor der Arrestanten-Kompagnie in Perm, einen gewissen W i s o tz k i. Gleich bei der Uebernahme der poli- tischen Gefangenen redete er jeden von uns mit D u an. Dieser Anrede ungewohnt, antworteten wir ihm nicht. Als er uns zur Rede stellte, erhielt er die Antwort:„Auf Du antworten wir nicht." Gleich darauf wurden� 80 Personen in den Karzer ge- schleppt. Ztachdem er den Empfang der Gefangenen beendet, kam Wisotzli in die Gefangenenzelle und die Gefängniswärter kom- mandierten:»Ruhe, aufgestanden I" Wir leisteten einem solchen Kommando nicht Folge. Darauf befahl Wisotzki den Aufsehern, unS mit Gewalt hinzustellen.... Am folgenden Tag ließ Wi- sotzki einen Gefangenen aus dem Karzer holen, um ihn mit Ruten zu züchtigen. Auf dem Wege nahm aber der Ge- fangene ein Fläschchen mit Salmiaksäurc aus der Tasche, trank es und fiel gleich zu Boden. Man ergriff den Un» glücklichen und brachte ihn ins Spital. Da die Lösung nicht sehr stark war, blieb er am Leben, obgleich für seine Wiederherstellung wenig Hoffnung vorhanden ist. Darauf wurde ein anderer Ge- fangener aus dem Karzer geholt und durchgepeitscht. Wi- sotzki kam wieder in die Gefangenenzelle, wo sich dieselbe Ge- schichte mit dem Kommando und dem Ausstehen wiederholte. Darauf wurde aus der Zelle wieder ein Gefangener geholt und durchgepeitscht. Nach allen diesen Ereignissen begannen wir Poli- tischen alle den Hunger st reik. Das war am Morgen des 10. Dezember. In der darauffolgenden Nacht vergiftete sich S s a s o» o w. während zwei andere sich die V e n e n a u f- schnitten. Am dritten Tage begingen noch drei Gefangene einen Selbstmordversuch. Darauf kam die Obrigkeit zu uns, die Exekutionen wurden eingestellt." Wie der Briefschreiber weiter mekdek, wurden sämtliche politische Gefangene aus Serentui nach den benachbarten Katorgagefängnissen in Kutamara, Katai und Algatschi über, oeführt. Nach anderen Meldungen, die unö zugegangen sind, find die Zustände und das Regime in diesen Gefängnissen so fürchterlich, daß man täglich neue KefängniLtragd- d i e n erwarten kann.-—- Cürhet. Der Aufstand im Aemc«. Konstantinopel, 27. Januar. Blättermeldungen zufolge haben die Aufständischen im D c m c n einen Angriff gegen den strategisch wichtigen Ort Menakha, südwestlich von Sana, unternommen. Die türkische Garnison, obwohl schivach, verteidigte sich gut. Said Jdris soll die Verständigungsvorschläge dcS Militärkommandggtcg von Ssshr abgelthgt mr*-""m Hud der Partei. Die Krankheit des Genossen Singer« In dem Befinden unseres Genossen Singer ist insofern eine Besserung zu verzeichnen, als der Patient fieberfrei ist. Die Herztätigkeit ist etwas kräftiger. Doch bestehen noch zeitweise Bewußtseinstrübungen, so daß der Zustand andauernd ernst bleibt. Wie Preßsünder behandelt werden! Wegen angeblicher Beleidigung von Königsberger Richtern war Genosse Dahl als verantwortlicher Redakteur der„Erfurter Tribüne" zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt war- den. Die Strafe hat Genosse Dahl im Gefängnis zu Erfurt verbüßt. Ueber die Behandlung, die der Prcßsünder im Gefängnis erdulden mußte, lesen wir im Erfurter Parteiblatt: Er hatte Selbstbeschäftigung mit kommunalstatistischen und literarischen Arbeiten beantragt, die ihm aber vom Ober- staatsanwalt in Naumburg abgelehnt wurde. So mußte unser Kollege sechs Wochen hindurch Etiketten stanzen; eine äußerst monotone Arbeit, die keinerlei geistige Anforderungen stellt. Daß die Nichtgewährung der Selbst- beschäftigung einen schweren Nachteil für die Berufspflichten ' eines Redakteurs bedeutet, ist selbstverständlich. Inzwischen hat Genosse Dahl bereits wiederum drei Monate Gefängnis von den Erfurter Richtern zudiktiert erhalten. Der Oberstaatsanwalt, dem der Genosse Dahl die Verweige- rung der Selbstbeschäftigung verdankt, heißt v. Prittwitz und G a f f r o n. Der Herr scheint Preßsündern prinzipiell die Selbst- beschäftigung zu verweigern, hat er doch auch dem früheren Ver° antwortlichcn desselben Parteiblattes, Genossen Hennig, während einer achtmonatlichen Gefängnisstrafe hindurch konsequent die eigentlich selbstverständliche Forderung der Selbstbeschäftigung abgelehnt. Hennig konnte seine literarische Tätigkeit durch F l e ch- ten von Korbdeckeln in Uebung halten. Unsere parlamentarischen Vertreter im Abgeordnetenhause werden nicht verfehlen, beim Justizetat die geistige Mißhandlung sozialdemokratischer Redakteure durch derartige Strafver- schärfungen gebührend zu geißeln. Wieber ein alter Mitkämpfer gestorben. In Fürth i. Bayern starb im Alter von 70 Jahren der Leiter des dortigen städtischen Krankenhauses, Oberarzt Dr. Degen, der zu den ältesten Genossen in Fürth zählte und früher in der Oeffentlichkeit eine große Rolle spielte. Mitte der sechziger Jahre kam er als junger Arzt nach Fürth, wo cr sich alsbald eifrig an der politischen Bewegung beteiligte und sich jener Gruppe repu- blikanischer Demokraten anschloß, deren Vorbild Johann Facoby war, mit dem sie dann auch in da? Lager der Sozialdemokratie abschwenkten. Dr. Degen gehörte mit dem erst vorige Woche verstorbenen Gabriel Löwenstein zu dem Konsortium, das im Herbst 1871, um der jungen Arbeiterbewegung einen geistigen Rückhalt zu schaffen, das..Fürther Demokratische Wochenblatt", den Vor- läufer unseres Nürnberger Parteiorgan?, begründete und unter großen finanziellen Opfern aufrechterhielt, bis in Nürnberg eine Genossenschaftsdruckerei gegründet wurde, die das inzwischen in den „Nürnberg-Fürther Sozialdemokrat" umgetaufte Blatt herstellte. Dr. Degen war Mitglied der Genoffenschast und Vorfitzender ihre? AufsichtSratS bis zu deren Auflösung unter dem Sozialistengesetz. In den letzten drei Jahrzehnten verlegte der Verstorbene seine Tätigkeit mehr auf die Gemeindepolitik; seit 27 Jahren gehörte er dem Fürtber Gemeindekollegium an, das ihn eine Zeitlang mit dem Amte des Vorsitzenden betraute. Die Glühlichter' konfiszier». Die Wiener Staatsanwaltschaft hat die letzte Nummer des österreichischen ParteiwitzblatteS.Glühlichter" konfisziert. Als Grund diente der Behörde eine Illustration, auf der der P a p st zu sehen ist. Inwieweit der Papst eine„Einrichtung der katho- tischen Kirche" ist, wird eine Interpellation ergeben, die die sozial- demokratische Fraktion des Lsterreichschen Abgeordnetenhauses an den Justzminister gerichtet hat. poUrelllck,««, O erleb tUche« uto» Beleidigte Kriegervereinler. Wegen angebliche» Beleidigung der gesamten KriegerveretnS- brüder wurde Genosse Paul Fröhlich, der frühere Verantwort- liche der„Altenburger Volkszeitung", zu300MarkGeldstrafe verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 2 Monate Gefängnis be- antragt. Der Vorsitzende der Strafkammer meinte, die Beleidigung müsse besonders streng bestraft werden, da sie— 8000mal(Auf. lagestärke der„Altenburger Volkszeitung") begangen worden sei. Der unter Anklage stehende Artikel bezog sich auf die Sedanfeier; Strafantrag war vom Vorsitzenden des Altenburger Landeskrieger- Verbandes gestellt worden. Nur gut. daß diese durchaus irrige Deduktion des Herrn Vor- sitzenden noch nicht Allgemeingut der Rechtspflege geworden ist. Danach müßte bald einmal gegen den Verantwortlichen unseres Blattes— Auflagestärkegegen 160000— auf lebenslänglichen Aufenthalt in Tegel erkannt worden. Soziales. Die Arbeiter müssen kastriert werde«, damit fie nicht fo viel ltinder in die Welt setzen. An den Rat der Bütten- Freifrau von VopcliuS erinnert eine tviderliche Aeußerung des nationalliberalen Fabrikanten Wolf in Linden. In der Gemeinderatssitzung in Linden lag das Unter- stützungsgefuch eines Bergmannes vor, der am Lohntage keinen Pfennig Geld ausbezahlt erhalten hatte und nun völlig mittellos dastand. In der Not wandte er sich nun an die Gemeindevertretung und ersuchte um Gewährung eines Bor- schusses, der wieder zurückgezahlt werden sollte. In dem UnterstützungLgesnch war auf die große Kinderschar hingewiesen. Die Vertreter der Zeche beantragten Abweisung des Antrages, in der Regel handele eS sich um Bummelanten. Durch das Lohnbuch konnte aber festgestellt werden, daß der Mann seine Schichten stets vollzählig verfahren hatte. Als sich nun die Abweisung so nicht rechtfertigen ließ, erklärte der nationalliberale Fabrikant Wolf: Die Arbeiter müssen kastriert werden, damit sie nicht so viel Kinder in die Welt setzen. Herr Fabrikant Wolf ist ein frommer Mann. Seine Aeußerung übersteigt an GemütSroheit bei weitem den Rat der Frau v. BopeliuS. Er kennzeichnet besser als lange Dar- legungen die abgrundtiefe Moralanschauung so mancher Kapitalisten.__ Hud Industrie und Kandel. DaS niederträchtige System. Die Agrarier, deren Familiensinn nach ihrer eigenen Erklärung durch Steuerpflichten gelockert werden kann, haben es fertig gebracht, durch Plünderung der Reichskasse die armen Witwen und Waisen zu berauben. Das tückische Zentrum versuchte den letzten Zollraub zu beschönigen mit dem Antrage, die Mehretträge aus den erhöhten Getreidezöllen für eine Witwen- und Waisenverficherung zu reser« vieren. Die Demagogen wußten natürlich ganz genau, daß die feisten Junker durch verstärkte Inanspruchnahme der indirekten Ausfuhrvergütung eine Mehreinnahme aus den Zöllen zu verhindern wissen würden. Wie die Edlen der Nation in der Ptünderei Fort- schritte gemacht haben, zeigt die folgende Ausstellung über die mittels Einsuhrscheinen.beglichenen Zölle. Es kommen dabei diese Summen heraus: 1907... 49749 371 Mark 1908... 90 706 023. 1909... 92 908 385„ 1910... 122 352 952„ Die Liebesgabcnschlucker sind natürlich ehrliche Lenke. Sie stehlen sicherlich keinen Pfennig und sie entrüsten sich über die arme Mutter, die in ihrer Verderbtheit sogar Brot stiehlt, wenn die Kinder hungrig sind; aber mittels der Gesetzgebung dem darbenden Volke Milliarden aus der Tasche zu mopsen, das halten die Edlen für vornehm. Wer sie in der Ausübung solchen HandlverkS zu stören versucht, der ist ein Ordnungsfeind I Die Konzentration in der Braunkohleniudustrle. Nichts ist so geeignet, das Märchen, Kartelle seien„Kinder der Not" zu zerstören, wie die Entwickelung der Braunkohlenindustrie. Von 1902 bis 1910 stieg die Braunkohlengewinnuug von 43,13 auf 69,11 Millionen Tonnen oder um 60 Proz, Die Arbeitsproduktivität ist im Braunkohlenbergbau seit Mitte der 70er Jahre auf das 2'/, fache gestiegen, während der Kohlenpreis nur gering zurück- gegangen ist. Und trotz oder gerade dank dieser für die Unternehmer günstigen Enttvickelung ist der Konzentrationsprozeß weit fortgeschritten. Die ganze Produktion ist in acht Verbänden kartelliert: 1. Magdeburger Braunkohlensyndikat in Magdeburg, 2. Braunkohlenbrikettstmdikat in Helmstedt, 3. Braunkohlenbrikett-Verkaufsvercin in Köln, 4. Mittel- deussches Braunkohlensyndikat in Leipzig, S. Lausitzcr Braunkohlen- ihndikat in Forst, 6, Verkaufsverein der hessischen Braunkohlenwerke, 7. Niederlausitzer Brikettverkaufsgesellschaft und 8. Verlaussverein Bitterfelder Braunkohlenwcrke. Im Jahre 1001 gab eS im Braunkohlenbergbau 412 Gesell- schaften, 1908 nur noch 361. Die Zahl der Unternehmungen ist also um 12,6 Proz. zurückgegangen, während die Förderung in gleicher Zeit um 50 Proz, gestiegen ist. Einen weiteren Beweis für die zunehmende Konzentration liefert die Ausdehnung der Aktienform der Gesellschaften. In der Zeit von 1901 bis 1908 stieg die Zahl der Aktiengesellschaften von 61 auf 69. Diese Gesellschaften vereinigen den weitaus größten Teil der Ge» samtförderung. Von der Gesamtförderuna des Rheinischen Braun- kohlensyndikatS in der Höhe von 4,22 Millionen Tonnen entfalle» au) die Roddergrube 0,63 und aus die Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlen— 0,95 Millionen. Diese beiden Gesellschafte» sind außerdem mit anderen Gesellschaften verbunden, so daß sie insgesamt 65,83 Prozent der Kartellförderung liefern. Die gesamte Entwickelung deS Braunkohlenbergbaues führt zur Bildung eines Trusts, in dem die Herrschast einigen Groß- Unternehmungen gehören wird. DaS erwähnte Kartell im Rheinlande hat schon die ersten Schritte in dieser Beziehung gemacht, indem es keinen Gewinn verteilt und dazu noch eine Abgabe von 1 M. für jede verkaufte Tonne Briketts erhebt, um Felder zu erwerben. Das Vermögen des Kartells beträgt über 9 Millionen Mark und stellt aus eigenem Besitz über 45 000 Tonnen Briketts her. So schafft der Kapitalismus in seinem ExpansionSdrangk die ProduktionSformen für eine sozialistische Gesellschaft. AuS der Elekttizitätsindustrie. Die deutschen ElekrizitätSgesellschaften haben ein gute? Jahr w sich und gehe» nach den vorhandenen Anzeichen noch besseren Zeiten entgegen. Die Generalversammlungen, sofern sie in den letzten Monaten abgehalten wurden, beschließen fast durchweg, die Dividende gegen das Vorjahr zu steigern, und beurteilen die Lage für das kommende Jahr als durchaus günstig. So hat die „SiemenS-A.-G-, Berlin, im Geschäftsjahre 1909/10 einen er- höhten Ueberschuß erzielt und die Dividende von 6 auf 6'/, Proz. erhöht. In der Generalversammlung von A.- G. Siemens u. HalSke, Berlin, wurde die Dividende von 12 Proz. ge- nehmigt und die Aussichten des laufenden Jahres als sehr gut bezeichnet. ElektrizitätS-A.-G, vorm. Schuckert u. Co., Nürnberg,(Generalvcrs. 7. 1. 1911) zahlte für das abgelaufene Geschäftsjahr 7 Proz. Dividende und hat eine Steigerung des Aktien- kapitals um 10 Millionen Mark(auf.60 Millionen Mark) beschlossen. Aus dem jüngsten Bericht der„Elektr. Licht- und Kraft» anlagen, A.-Ä., B e r l i n", die ihren Aktionären 7 Proz. Dividende zahlt, klingt dieselbe optimistische Note heraus, und was die größte Elektrizitäts-Gesellschaft Deutschlands, die„A. E.- G", anbetrifft, so bat im laufenden Jahre ihr Aktienkapital, dank der Erhöhung von 30 Millionen Mark, die enorme Höhe von 130 Millionen Mark er- reicht. Der Absatzmarkt für die Elckiroindustrie wächst wie nach innen so nach außen. Vo» den unzähligen Kommunal unter- nehmen, die in der allernächste» Zeit zur Verwirklichung gelangen sollen, seien hier erwähnt: Berliner Untergrundbahn Potsdamer Bahnhof— Stettiner Bahnhof(Sieniens u. HalSke), Schnellbahn Gesundbrunnen— Rixdorfofthcaters für die breite Masse des mittleren und kleineren Publi- kums". Und andererseits wurde dem Unternehmen Mangel an wirklicher Volkstümlichkeit vorgeworfen. Der Vorwurf stimmt insofern, als der Prcisdurchschnitt über die Finanzen des „kleineren" Publikums hinausgeht, was er leider tun mutz, wenn ohne Subvention künstlerisch Zureichendes geboten werden soll und die vorliegenden Kunstabsichten nicht auf eine besondere Volks- bildung ausgehen. Er stimmt aber insofern nicht, als Sonntag- Nachmittagsvorstellungen für ein besonderes Publikum vorgesehen find, und als wenigstens 39 von ihnen den beiden Volksbühnen- vereinen reserviert werden. Neben den Werken Richard WagnerS(von Neujahr 1914 an) sollen die„Meisterwerke der gesamten Opernliteratur, insbesondere unsere Klassikek, den Spielplan bilden". Das ist alles. Von keiner Seite her irgendeine speziellere künstlerische Absicht; keine Rede I frivolen Verdächtigungen eines Ehrenmannes und der Presse. �Wird der Staatsanwalt die Beleidigung im öffentlichen I n d e r e s s e durch Erhebung der Anklage oder Beitritt zu der Privatklage verfolgen? Kennzeichnend für den Schriftsteller A. O. Weber, der den Prozeß gegen seine Frau zu einer widerlichen Reklame für seine Erzeugnisse benutzte, ist auch, daß er in dem Char- lottenburger Prozeß sich auf die Sachverständigen des Prozesses Bruhn berief. Die anständige Presse, ohne Unterschied der politischen Richtung, hat ein Interesse daran, daß ein solcher Mann als das gebrandmarkt wird, was er ist. „Räuberhauptmann" Mohr. Mit dem„Räuberhauptmann", Fürsorgezögling Karl Mohr, wird sich das Schwurgericht am Landgericht II heute zu beschäftigen haben. Der erst 20jährige junge Mann hat mit seinen verbreche- rischen Taten s. Z. die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Maße erregt. Ihm werden mindestens 39 selbständige strafbare Hand- lungen— Bandendiebstahl, Straßenraub, versuchter Straßenraub, Anstiftung und Beihilfe zum versuchten Morde, Diebstahl und Unterschlagung zur Last gelegt. Neben ihm hat die 19jährige Mctallarbciterin Frida Ladewig auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Sie wird beschuldigt, es unterlassen zu haben, von dem ihr bekannt gewordenen Plan eines Mordattentats gegen den Küster Rösener in Friedenau bei der Behörde Kenntnis zu geben.(Z 139 des Strafgesetzbuches.) Die dem Angeklagten Mohr zur Last gelegten Straftaten haben fast sämtlich schon einmal das Gericht beschäftigt. Karl Mohr hatte sich mit den IKjährigen Arbeitsburschen Paul Kawitzke und Erich Bohlmann zu einer kleinen Räuberbande zusammengetan, deren 5piritus rector er gewesen sein soll. Die jungen Verbrecher ver- übten in Friedenau, Steglitz, Grotz-Lichterfelde und Umgegend Tür- klinken» und Pompadourdiebstähle. Mohr war gewissermaßen der Kassierer dieser ausgetragenen Genossenschast: das durch die Straf- taten erworbene Geld mutzte ihm ausgeliefert werden, und die Teilnehmer hatten aus ihrer Tasche Beiträge zur Bildung einer gemeinsanien Kasse zu leisten, aus welcher die gemeinsamen Kosten für Theaterbesuche, Atzung usw. bestritten wurde. Bohlmann schied sehr bald aus dem Verbrecher-Kleeblatt wieder aus. Er war nur an drei kleineren Diebstählen beteiligt gewesen, bestand dann aber sein Examen für größere Dinge nicht. Er sollte nämlich eines abends einer Frau auf der Straße den Pompadour rauben, es fehlte ihm aber der Mut, und so wurde er denn als untauglich be- funden und aus der Genossenschaft kurzer Hand ausgeschlossen. Statt seiner trat der 16jährige Arbeitsbursche Willi Lösche aus Steglitz, der ein alter Freund des Kawitzke war, ein und bewährte sich durch rege Teilnahme an den Straftaten. Die schwerste der selben war der mörderische Ucberfall auf den Küster Rösener in Friedenau. Die Gelegenheit dazu hatte Kawitzke ausbaldowert, der eigentliche Regisseur soll aber Mohr gewesen sein, der sich wie fast bei allen Raubzügen, auch hier fein säuberlich im Hinter' gründe zu halten wußte. Kawitzke wußte, daß der Küster Rösener zu beftimniten Zeiten Kirchengelder in größerer Menge im Geld- schrank seines Bureaus verwahrt. Nach dem— wie behauptet wird, von Mohr entworfenen— Plane gingen eines Tages Kawitzke und Lösche in den Geschäftsraum des Küsters, verhandelten mit dem alten Herrn über ihren angeblich geplanten Eintritt in den Jung- lingsvercin, und bei Gelegenheit dieses Gespräches schlug plötzlich Lösche den alten Herrn mit einer kurzen Eisenstange über den Kopf. Die Verbrecher hatten die Absicht, wenn Herr Rösener besinnungs- los geworden wäre, die Kasse zu rauben; mit dem Gelde wollten sie nach Dresden fahren und dort in einem großen Kontor einen Ein- bruchsdiebstahl verüben. Die Ausführung des Planes glückte aber nicht; Küster Rösener wurde durch eine zufällige Bewegung, die er machte, davor bewahrt, daß ihn der Schlag mit der ganzen Wucht traf. Er rief um Hilfe, stürmte mit blutendem Kopfe den flüchten- den Verbrechern nach, und es gelang, diese festzunehmen. Die vierte Strafkammer des Landgerichts II als Jugendgerichtshof verurteilte am 31. Oktober Kawitzke zu 7 Jahren 6 Monaten, Lösche zu vier Jahren 6 Monaten Gefängnis. Bohlmann kam wegen seiner Be- teiligung an einigen Diebstählen mit 2 Monaten Gefängnis davon. Jetzt ist die Reihe an Mohr, der außer wegen dieser gemeinsam ver- übten Straftaten noch wegen mehrerer auf eigene Faust aus- geführter Diebstähle angeklagt ist. Er ist im großen und ganzen geständig, bestreitet aber die ihm zugewiesene Rolle des hinter den Kulissen arbeitenden Regisseurs und lehnt insbesondere ab, bei dem Attentat gegen den Küster Rösener der Anstifter gewesen zu sein. von Beachtung der Produktion der Lebenden oder des historisch Eigenartigen. Man bleibt beim landläufigen Repertoire; man versucht nicht über Operngewohnheiten hinauszukommen; man zielt nicht aus eigene Kunsterziehung ab. Es erhob sich auch kein Protest dagegen, daß wieder� die alte, künstlerisch unsoziale Rangsorm des Theaters, statt der längst bewährten Amphitheaterform, gelten soll! Die Anhänger solcher Forderungen würden im Komitee auch ver- geblich ihre Stimme dagegen erhoben haben. sz. (Es scheint demnach, daß auch in diesem Fall, wie immer, die Komiteemitgliedcr, die wahrhaft künstlerische und soziale Absichten verfolgen könnten, nur zur Dekoration, zur Beruhigung und event. zur Reklame dienen. Die Red.) „Der Roscnkavalier" von Richard Strauß. Die Uraufführung des„Rosenkavalicrs" von Richard Strauß an der Dresdcner Hofoper hat sich unter der gleichen Anteilnahme eines internationalen Publikums vollzogen, wie vor zwei Jahren an derselben Stelle die ersten Ausführungen von„Salome" und „Elektra". Dresden hat die Strauß-Premicren zu einer Art Spezialität gemacht und konnte auch in allen Fällen Anspruch er- heben. Vorzügliches geleistet zu haben. Zum„Rosenkavalier" ist wieder ein ungeheurer Apparat in Tätigkeit gesetzt worden. Wer erwartet hatte, in dieser musikalischen Komödie vereinfachte Ver- Hältnisse und Mittel vorzufinden, war fehlgegangen. Die Besetzung des Orchesters ist annähernd ebenso stark wie in„Elektra", wenn es auch nicht mit der gleichen Fülle zur Entfaltung kommt. Die Personenbesetzung hat acht Hauptrollen und wohl ein halbes Hun- dert Nebenrollen und Statisten.. Die Szenengestaltung durch Pro- fessor Roller, deren Uebernahme Bedingung war, ist im ersten und zweiten Akte luxuriös. Die Handlung der Dichtung Hugo von Hofmannsthals(die soeben im Verlage von S. Fischer, Berlin, er- schienen ist) spielt in der Mitte des 18. Jahrhunderts in dem Wien der Kaiserin Maria Theresia und ist voll aus dem üppigen, sinn- lichen und feudalen Milieu der Rokokozeit geschöpft. Sie wurzelt ganz im Erotischen und zeigt den Absolutismus der Hcrrenlaunen und die überreife Luxuskultur der Zeit- und Weltanschauung vor der französischen Revolution. Die Feldmarschallin Fürstin Werden- berg hat eine Liebschaft mit dem siebzehnjährigen Grafen Octavian Rofrano, deren baldiges Ende die gereifte Frau indessen voraus- sieht. Der Baron Ochs von Lcrchenau, ein robuster Landjunker und skrupelloser Schürzenjäger, überrascht das Paar und stellt Octavian, der sich noch schnell als Kanimerzofe verkleiden konnte, in plumper Begehrlichkeit nach, obwohl er soeben, der Mitgift wegen, um Sophie, die Tochter des reichen, ncugcadelten Herrn von Faninal, wirbt. Die Fürstin verspricht ihm einen Rosenkavalier, d. h. einen Brautwerber, der nach der Sitte der Zeit mit feier- lichem Zeremoniell eine silberne Rose zu bringen hat, zu stellen und bestimmt Octavian dazu. Dieser begibt sich zu Sophie und findet in ihr das liebenswerte Gegenstück seiner eigenen Jugend. Ochs selbst behandelt seine Braut mit der gemeüwN sachkundigen Geheimnisse einer Fleischerei. Eine gerechte Strafe verhängte die Glogauer Strafkammer am Donnerstag über einen Fleischermeister wegen direkt widerlicher Vergehungen gegen das Nahrungsmittelgesetz. Es handelte sich um den Jnnuiigs-Obermeister Reckzch aus Grünberg, der schon sect 22 Jahren sein Geschäft betreibt und von dem niemand Schmutze» reien, wie sie in der Verhandlung zutage kamen, für möglich ge- halten hätte. Eines Tages war bei der Polizei ein Lehrling des Angeklagten erschienen und gab an, daß er aus der Lehre gelaufen sei, weil sein Meister ihn schlecht behandelt habe.� Zugleich machte er verschiedene Mitteilungen über den Betrieb des Reckzeh. Daraufhin ließ die Polizei eine Haussuchung vornehmen. Dabei wurden im Laden verschiedene bereits in Verwesung übergegangene, mit Maden durchsetzte Lungen, im Schlachthause an hundert völlig verdorbene Würste, die neben den guten Würsten hingen, ebenso im Kellerraum und in der Remise noch eine Anzahl verdorbener Fleischwaren gefunden. Im Hofe wurde ein großer Eimer entdeckt, der stinkig gewordenes Pökelfleisch enthielt, das zusammen mit der verdorbenen Wurst und fauligem Fleisch im Wolf zerkleinert und wieder zu Wurst verarbeitet wurde. Der Angeklagte suchte sich damit herauszureden, daß er behauptete, die verdorbenen Waren seien nur als Hühner- und Hundcfutter verkauft worden. Diese Ausrede fand aber keinen Glauben. Das Gericht ging weit über das z. B. bei den jüngsten Münchener„Wurstkessel"-Prozessen an- gewandte Strafmaß hinaus und verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis._ Straßenbahnkrawall in Bremen. Gestern fanden die in voriger Woche vor der Strafkammer be» gonnenen Aufruhrprozesse ihre Fortsetzung. In Frage kommen dabei die Vorgänge vom 17. Oktober, dem Tage der Ankunft der Streikbrecher aus Hamburg. Die Gesellschaft kam abends gegen sechs llhr an. Sie wurden dann hinten vom Bahnhof unter Be» deckung von Schutzleuten heruntcrgesührt und sollten an der Gustav-Deetzen-Allee in die bereitstehenden Wagen der Straßen» bahn nach den Depots gefahren werden. Das war aber ruchbar geworden, und als die Arbeitswilligen sich blicken ließen, wurden sie von einer großen Menschenmenge mit Pfuirufen empfangen. Als die Wagen kaum 399 Meter gefahren waren, hatte die erregte Menge bereits sämtliche Scheiben demoliert. Dabei wurden auch einige Streikbrecher durch Stcinwürfe verletzt. Die jetzige Anklage richtet sich gegen drei Beamte der Straßen- bahn: Heinrich Haupt, Bruno Kleinschmidt und Karl Seiler. Haupt wird beschuldigt, daß er inmitten der die Arbeitswilligen und Schutzleute beschimpfenden Menge sich aufgehalten hat. Er soll ferner durch sein Benehmen die Erregung der Menge geschürt und Pfui gerufen haben. Klcinschmidt soll nach der Anklage neben einem die Streikbrecher befördernden Straßenbahnwagen her- gelaufen sein, mit der Faust gedroht und gerufen haben:„Ihr Streikbrecher, Ihr Lumpenhunde!" Seiler soll vorsätzlich einen Straßenbahnwagen dadurch beschädigt haben, daß er mit einem Ziegelstein die Scheibe eines Wagens einwarf. Die Angeklagten Haupt und Klcinschmidt wurden wegen leich- tcn Landfriedcnsbruches zu je 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate beantragt. Seiler erhielt wegen Sachbeschädigung 1 Monat Gefängnis; beantragt waren 6 Wochen. Vcrcinsrechtlichcs. In einem Verwaltungsstreit gegen den Regierungspräsidenten zu Arnsberg, den der Gewerkschaftssekretär Müller angestrengt hatte, war zu entscheiden, ob eine von diesem einberufene öffent- liche Gewerkschaftsversammlung dem UeberwachungSrecht gemäß § 13 des Vereinsgesetzes unterlag. Die Versammlung war als öffentliche Gewerkschaftsversammlung einberufen und hatte als Hauptpunkt aus der Tagesordnung einen Vortrag von Martha Tietz über:„Die wirtschaftlichen Krisen und ihre Folgeerscheinungen." Es erschienen zwei Beamte der Polizei und überwachten trotz Pro- testes die Versammlung.— Müller erhob beim Landrat Beschwerde über diese Ucberwachung und verlangte, daß in Zukunft öffentliche gewerkschaftliche Versammlungen nicht wieder überwacht würden. Der Landrat verwarf die Beschwerde durch einen vorläufigen und dann durch einen weiteren Bescheid, und der Negierungsvcäsi» dent zu Arnsberg lehnte eine fernere Beschwerde ebenfalls ab. Die Behörden meinten, daß der 8 13 des Vcreinsgesetzes sich auf alle öffentliche Versammlungen beziehe, ganz gleich, was ihr Zweck sei. Müller klagte, und sein Vertreter vor dem OberverwaltungS- gericht, Rechtsanwalt Lesser, bekämpfte die Anschauung der Behör- den als irrig. Das Ueberwachungsrecht der Polizei im Sinne des § 13 beschränke sich nur auf die öffentlichen Versammlungen, auf Einschätzung eines Viehverkäufers und treibt so die schwer beleidigte Sophie in Octavians Arme. Durch die Einmischung eines italieni- schen Jntrigantenpaares werden sie von Ochs überrascht. Im Streft verwundet der junge Kavalier den rohen Junker leicht am Arme. Unter großem Tumult muß er das Haus des empörten Faninal verlassen und sinnt nun darauf, die Ehe zwischen Ochs und Sophie unmöglich zu machen. Er lädt brieflich als Kammerzofe der Fürstin den lüsternen Baron zu einem Stelldichein und lockt ihn in eine Vorstadtkneipe. Mit Mühe erwehrt er sich der plumpen Zärtlich» leiten des Barons, bis bezahlte Intriganten und versteckte Kum- pane hervorbrechen und dem Baron einen Tumult machen, daß er selbst nach der Polizei ruft. Mit dieser erscheint aber auch Faninal. der Schwiegervater, vor dem sich Ochs vergeblich herauszulügen sucht. Das Dazukommen der Fürstin, die ebenfalls von Octavian eingeweiht worden ist, löst die Spannung. Ochs muß blamiert die Szene verlassen. Octavian und Sophie werden von der Fürstin vereinigt. Diese komödienhafte Liebesintrige hat Strauß mit allen Mitteln seiner symphonischen Orchesterkunst durchkomponiert. Er wollte bewußt eine leichte, graziöse und einfache Musik schaffen und hat sich auch durch rhythmische Frische und melodischen Fluß, durch Menuett- und Walzertcnipi diesem Ziele genähert. Doch die kunstvolle motivische Arbeit des modernen Musikdramatikers konnte und wollte er nicht aufgeben, ebensowenig seine besondere Stärke, die Tonmalerei der Klein- und Nebenzügc, ganz ungebraucht lassen. Auch zur geschlossenen Form der Nummernoper konnte er natürlich nicht zurückkehren, und so schuf er sich einen eigenen Stil der mo- dernen Musikkomödie, der freilich nichts unbedingt Neuartiges dar» stellt, sondern-wie eine verdünnte und verbreiterte Anwendung seiner bisherigen dramatischen Mittel wirkt. Es gibt Strecken in hohem Bogen geschwungener Gesangslinien, die besonders am Anfang der ersten beiden Akte und zum Schluß des letzten zu den rauschvollsten Orchesterbegleitungen Gelegenheit schaffen. Daneben stehen Stellen im leichten Konversationston und Ensembles mit humoristischen kanonischen Imitationen oder kontrapunktischen Scherzen. Der dritte Akt wird durch Musik zu einer Nantomime eingeleitet, die fugato gearbeitet ist. Dann herrscht ein Walzer von absichtlicher Schunkelhaftigkeit vor, der schon den Schluß des zweiten Aktes charakterisierte. Italienische Stilingredienzien alter und moderner Art, Rokokomelodien, parodistischc und komische Klein» züge, Momente süßlicher Sentimentalität sind mit raffinierter Be- rechnung in die bis ins Feinste durchgearbeitete Riesenparfttur zur Würze verstreut. Aber alles in allem verleugnet sich der Orchesterkolorist Strauß nirgends, dem trotz heißen Bemühens die rokoköse Leichtigkeit und der sonnige Humor eines sozusagen modernen Mozartstils nicht gelingen konnte. Die Aufführung unter Schuch mit den Sängern Siems(Fürstin), v. d. Osten(Octavian), Rast(Sophie), Perron(Ochs), Scheidemantel(Faninal) war glänzend und schloß mit Ovationen für Strauß, Hofmannsthal und Schuch. FelixZimmermana, Re sich Sie Tin§ IIS?n Klammern genannfen§§ 5, 6, 7. 8, S und 12 bezögen. Die vorliegende öffentliche GewerlschaftSversam'nlu.'g -hätte danach nur überwacht werden dürfen, wenn sie zugleich einer Erörterung politischer Angelegenheiten gedient hätte. DaS werde aber bestritten. Das Oberverwaltungsgericht wies jedoch die Klage am DIrns- tag ab.— Das Gericht steht auf dem in einer anderen Sache aus- gesprochenen Standpunkt, das, die Ueberwachungsbefugnis der Polizei, wie sie 8 13 regelt, allerdings nicht auf all- öffentliche Bersammlungen sich bezieht, sondern nur auf öffentliche Versammlungen im Sinne der 88 b, 6, 7, 8, 9 und 12 des Gesetzes. DaL kfind: 1. öffentliche Versammlungen zur Erörterung politischer An- aclsgenheiten, die in geschlossenen Räumen tagen; 2. alle öffent- Iichen Versammlungen unter freiem Simmel, auch wenn sie unpolitisch find; 3. alle öffentlichen Bersammlungen(auch un- politische), in denen in einer nichtdeutschen Sprache verhandelt wer- den solle.— DaS Oberverwaltungsgericht vertritt aber weiter den Standpunkt, daß die Polizei außer jenem beschränkten formellen UeberwachungSrecht noch ein anderes Recht hat, in Versammlungen fu gehen; es meint, die Polizei könne sich in anderen Ver- ammlungen unter gewissen Voraussetzungen auch vertreten lassen, dann nämlich, wenn sie den Verdacht hegt, daß strafrechtlichen oder anderen reichsgesetzlichcn Bestimmungen zuwidergehandelt werde, zum Beispiel chereinsrechtlichen Bestimmungen.— Das Oberver- »valtungsgericht verwies bei Verkündung der Abweisung der Klage Müllers ganz kurz aus diese, in einer Kieler Sache ausgesprochenen Grundsätze und erklärte ohne näher« Ausführung, daß bei der öffentlichen Gewerkschaftsversammlung in Plettenberg unter den obwaltenden Umständen dieses Einzelfalles die Entsendung der Polizeibeamten berechtigt gewesen sei. Wenn man die mitgeteilten Grundsätze berücksichtigt, so kann daS nur bedeuten, daß das Gericht entweder die öffentlich« GeWerk- schaftsversammlung als eine solche zur Erörterung politischer An- gelegenheiten angesehen hat oder doch als ein« solche, von der die Behörde befürchten konnte, sie werde sich zu einer politischen Ver- sammlung auStvachsen._ Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 2. Sonnlag, LS. Januar, vor- mittags 10'/, Uhr, im Märkischen Hos, Admiralsw. t8o: Mitglieder- Versammlung,— B e r I i n L. Sonntag, L9. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Wcrniikc, Slckerstr, 123: Mitgliederversammlung,— Berlin 7. Sonn- lag. 20. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Hossmann, Pasewalker Straße 5: Mitgltederversanunlung.— Berlin 10. Sonnlng, 29. Januar, vor» miliags 10 Uhr, bei Fabcr, Slepbansw. 11: Mitglicoerversammtung.— B a ii m s ch u l e n lv e g. Sonnabend, 28. Januar, abends S'/i Uhr, tm Lokal von Käding, Baumschulenstr. 67: Mitgliederversammlung. ZMeMni. Mnm kür don Z. BütL keiedckMMM Den Mitgliedern hiermit ,ur |uartal 1910. 2. Neuwahl der gesamten Orlsoerwattung. 3. Verbandsangrlegenheitcn. Kollegen! Erscheint recht zahlreich in dieser wlchttgenVersammlung. 42/3' Isle OrtMverwaltaoc. und verwandter Berufsgenossen. Konsumverein für Tegel ------------------ und llmgegond,===== Freitag, de» 3. Februar, abends 8 Uhr, in TredeschS Festsälen, Bahnhofstrafte 1: gg: General-VerNainmlnng. 5a TageS-Ordnung: 1. HalbjahrSbcricht. 2. Verlesung deS ZlevisionSberlcht». 3. zungSwahl deS AusfichtsrateS. 4. BereinSanzelegenheiten reinSanaAegeiiheiten. Der Aiifsichtsrat Ergän- 103/3 de» Konsumvereins für Tegel und Umgegend, eingetragene Genoffenichast mit beschränkt« Haslpflicht, Barn dt, Vorsitzend«. Achtung! Alslor! Montag» den 30. Januar 1911, abends 81/, Uhr, im Gclverkschaftshause, Engelufer 17, Saal 7: Oeffentliehe Versammlung. Tages-Ordnung: 28186 1. Ersatzwahlen zum Gehilsen-Ausschuß. 2. Neuwahl der Beisitzer zum Jnnungs-SchiedSgericht. Her laaanzxn-Vvctnnck: l»ee Vehllken.InnaehnS: 5. Rsttig, C, Joachimstraße 18, W. Wendel, Monument enftraße 22, Obermeister._ Altgehilse._ Allen Freunden und Parteigenossen zur gest. Kenntnisnahme, daß ich daS Dieffenbachstr. 34 befindliche SSölb SS Lokal SS übernommen habe und bitte ich alle verehrten Gönner um regen Zuspruch. Max Keiler, Schankwirt, Dieffenbachstr. 34. H.Pfau, «gj* Dircksenstraße 20 zwischen Bahnhof Alerandervlatz und Polizeipräsidium.—Amt VII, 13799. für Damen Frauen-Bedienung.• Lieserant für alle«rankcnkassen. P». Schlack- ii. Salamiwurst irni. 120 Große geräucherte Gänsekeulen, zum Rohessen, ff. Gänseschmalz, garantiert rein, ä Pfd. 1.20, empfiehlt Mm Leifioer. Berlio L UosterstralSe SS. Theater und Vergnügungen Sonnabend, 28. Januar. Slnfang 7'/z Uhr. Königl. �pernbaiis. TannhZuser. Königl. Tchauspielhaus. Ein Schritt vom Wege. Deulsches. Hamlet. !t a m ni e r i � i e l«. Lanzclot. (Ans. 8 l'chv.) Nnsang 8 Uhr. NeneS kvnigt. cpern-Theater. Geschlossen. Lessi»,,. Die Ratten. Ko,i>i!c«ie Lver. Di« Boheme Kleines. Die verflixten Frauen» zimmer. t. Klasse Lariets. Neues Lperetten. Die schine Nisctte. Siciies Tel-airnnelliauS. Kieme Echololadenmädchen. Berliner. Bummelstudenlen. Nachmittags Uhr: Macbeth. Westen. Das Puppcnmädel. Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Neues. Der G. m. b. Hv-Tenor. Trianon. Hippolytes Abenteuer. Residenz. Pariser Menü. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller<». io tatet) Der Himmel aus Erden. Schtüe, Gbarlottendurg. Nathan der Weise. Nachmittags 3 Uhr: Käihchen von Heilbronn. Friedrich- Wilhelnistädtische». Die Rabenstemerin. Luftsvieihaus. Der Tänzer. i'Zhe (Llnsang 81/« Uhr.) unbekannte AnsstcUnngS-rheater. Meyers. dcS Herrn Luise». Die Hosen v. Bredow. Nachmittags 4 Uhr: Max und Moritz. Modernes. Der Feldherrnhüget. Rote. Don Carlos. Nachm. 4 Uhr: Prinzessin Edeltraut. Hcrrnfcld. 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Täglich: DerG. m, b, H.-Tenor. _ Ansang 8 Uhr._ Theater des Westens. 8 Uhr: Da« Pappenniildel. Sonnab. nachm. 4 Uhr: Rotkippchen. Sonntag nachm. S1/. Uhr: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (früher Hebbettheater). Abends 8 Uhr: Doppelmenwch._ Berliner Volksoper Belle» Alliancestratze 7/8.—'/a9 Uhi Ahasver. Hierauf: Der Troubadour. Abends 8 Uhr: Der llnbtkavnte Cätmr. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Eonnabend, 26. Jan., abends 8 Uhr: Einmalige Aufführung: Die Rabensteinerin. Sonntag nachm. 3 Uhr: Krieg im Frieden. Abend» 8 Ubr: Gras Essex. Montag: Gras Essex._ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. tlnsang 8 Uhr. Pariser Men«. Drei Gänge von Georges Fehdeau und Veber-Abric. 1. Gang:.52 Meter über Paris-, » Akt von Veber-Abric. 2. Gang:.Sine Nachtsitzung-, 1Att t»on Georges Fehdeau. 3. Gang:.Nach dem Mäuschen» ball". 1 Akt von Georges Fehdeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Urania. WisBenschaftliches Theater Tanbenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Abends 8 Ubr: Wa« uns der nond erzählt. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. B. Donath: Die„Elektronen". Kaiser-Panorama. Ken! Mittel meer-Eeise. Schloß A chill oion. L W. Wintersport i. Ofcerengadln. Eine Relso20P<. Kind nur lOPf. Abonnements 1 M. Tausende Abonn. Luisen»Theater. Abends 8 Uhr: Die Hosen des Herrn von Bredow. Vaterländisches Schauspiel in 4 Akten von OSkar Wagner. Nachm. 4 Uhr: Max und Morih. Sonntag nachm. 3 Uhr: Mudickes Reise nach Indien. 8 Uhr: Die Hosen des Herrn von Bredow. Montag: MudickeS Reise n. Indien. IOSE=THEATE Große Frankfurter Str. t32. Nachmittags 4 Uhr: pnnitssln Edeltraut. Märchcnspiet mit Gesang unb Tanz Abends 8 Uhr: Voa Carlos. Schauspiel in 5 Akten v. Fr. v. Schiller. Sonntag nachm.: Die Räuber. Abends und Montag: schmied._ Der Glückö- Man muff Otto Reutters neueste Schlager gehört haben. Vorher ab 8 Uhr: Nur noch wenige Taget DaS grandiose Programm. JKetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Grohe AuSstattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Mustl v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr: Rauchen gestattet. Sonntag 3 Uhr: Partler Leben. Letzte Vorstellungen! ZM- Das lustige, glänzende-fU IMrJannarprogramm-WI La belle Leonora Spanische Tänzerin. Mite. Oenabars Luftballonfahrt über den Köpfen des Publikums. ETHEL LEVEY Amerikansiche Sängeria and weitere 12 Star- Attraktionen 12 Morgen Nachmittag- ubr-Vorstellung. Kleine Preise. Abends 8 Uhr. iffe CodsuI Menschendarsteller. P. Schneider-Duncker.| liina Ii oos u. d. groBartlge Januar-Progr. 1 MMIH Ans. 8 Uhr. Vorverkduf 11— 2 Uhr. Zwei Schlager: Eine verlorene Naclii. Er, Sie und Er mit Anton und Donat Hcrrnseld in _ den Hauptrollen._ Volks-Theater Siixdorf, Hcrmannstr. 20. Sonntag, den 29. Januar i Der Feftungsgefangene. Schwank in 4 Akten von Schmidt und Wllsertb. Montag, den 39. Januar: Wach, und Schlieffgesellschaft. Schwank in 3 Akten von R. Mauz. Ansg.: Sonntag 7, Montag 81/« Uhr. Hehiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Sonnabend, abends 8 Uhr: Der DlninivI anf Erden. Schwant in 3 Alten von Julius Horst. Ende Iß Uhr. Sonntag, nachm. SUhr: Dl« Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Sodoms Ende. Montag, abends 8 Uhr: D n»a r en fi eker. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Da? Käthchen von Heildronn. Gr. histor. Rittciichaustncl in 5 Akten von H. v. Kleist. Ende 5 Uhr. Sonnabend, abends 8 U.hr: Xatd»:» d«r H>Ve!«e. Ein dramatisches Gedicht in säns Ausz. 0. G. E. Lessing. Ende 11 Uhr. Sonntag, n a ch m. 8 U b r: Prinz Friedrich von Hcmkurg. Sonntag, abends 8 Uhr: Da« Urbild des TartiilT. Montag, abends 8 Uhr: Der Himiuei auf Erden. Junter fröhUcher übend| Sonntag, 20. Januar, abends?'/, Uhr, im Gewerkschafts- s hause, Engelufer 15. Leitung; Margarete Walbotte. ». I Elise Zweillng(Altistin).— Frida Flacher i (Eezitation).— Richard Kube(Tenor),—> Heinrich Maurer(Pianist).— Alfred Wösten[ J(Komiker).— Margarete Walkotte.| Billetts im Vorverkauf bei Herrn Hotscb, Engelufor 15, i 60 PL, au der Abendkasse 60 PL 286/11*[ Mitwirkende: Castan5 Panoptikum W.« GwürTifkeietn:9" Das lebende Gemälde. - Elektr. Feerie: Im Wunderlande.----------- Konzert u. Künstlervorstellung.- Eintritt 50 Pf. CLOU e» BEREIMER KOMZERTHAU8 Mauerstr. 82 Zimmerttr. 90-91 MF- Eintritt SO Pf.-M> _ II! Heute!!! MM— Vorletzter Tag!-WM Castspiel der „Diavoli rossi di Pianella". Ortg.-ltalienlscbes Harmonie-Orchester. Anf. 8 Uhr. 'Äl-3Uhar� Gr. Konzertmatinee binftrr.m Sport- Palast EntrM'"■ Potsdamer Strajle 72-72a En,rM' Größter Eispalast der Welt. Feerie„Karneval am Nordpol". 200 Eislanfkünstler. X Prachtvolle Ausstattung. Unerreichbare LiohteSekte. X 2 Musikkapellen. Kaum für 10 000 Personen. X Unterricht im bislauf. Vormlttags-Konzerte." Sonntags 4 Uhr: Machnilttags-Vorstellung. 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Retsflingen Sherlock Holmes. Dir. Hans Reitz. Kasseneröffn. 6'/, Uhr. Ansang 7>/,Uhr. Nach der Vorstellung: -=: Tanz.= sieht Alles! Lebende, optische Berichte aus aller Welt. U. A.: Die gerettete Mannschaft des Onterseeboctes„D.3" mfnS Aleiacilenilati die neuen n/ phäno- H.(1. 1)0060 menalen Riesen- Programme Moritzplatz Burgtlieater- Festsäle und KInematograph vorm. Qraterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 1*49. Tel. 3, 9353 Eebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Pf.. Kinder dieHSlste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochent. gültig, ÄS Pf. auf allen Plätzen. Stets wechs. Prograium. Kdnigstadt'Kasino. Solzmarkt str. 72, Ecke Alcranderstratze. Täglich: EBmanoff-Truppe, ruff. Sänger, Franz Sobanski, Pulwars, Musit.Akt, Gebrüder KUhn, The Murnellas, Fasjspringer usw. Die Erbtante. Posse mit Gesang von Ely-Sobansli. Ansang 8 Uhr. Sonntags ä'l2 Uhr. LICHTSPIELE. MOZART- SAAL. Nollendorf-Platz. Beginn 6 Ubr. 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Keiebsbsiien-Theslei'. Ztsttlnes 8z.iges. Zum Tchluff, neu! Knhllekes VarletS-Dheater. Burleske von Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Aotge-TIivatvr Gesundbrunnen, Badstraffe 58. Heute, Sonnabend: Keine Vorsiellung. Sonntag, den 29. Januar, nachm.: Der Erbförster. Mend» 8 Uhr: Em seltsamer Fall. Vsihsiis-Theater. I IsRosenth.Tor.) WeInbergSw.20 j Anfang 8V. Uhr: �oiiüT-ÜIIei'oeiiM Brno! Da Capoti Eine AllerweltS• Revue in Casino-Theater Lothringer Straffe 87. Täglich 8 Uhr: Da» Original Berliner Volksstack Julie Wippchen. Urbcrlincr Humor I Urberliner Typen I Im Etile der ehem. Wallner-Bühne. Vorher rrftklnssigcr bunter Teil. Sonntag 3'/, Uhr: Gerühmt» Töchter. Bosporus am Moritzplatz. 8 Ehr. Das phänomenale Varietö-Programm Das Variete-Konsum- System hat auch für des nachfolgende Triumphator-Fest Gültigkeit. Bis 2 Uhr nachts großer Betrieb, _ 2 Kapellen. NiSles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag und Sonntag: Großer BalU 2805L* C. KIBIe. Berliner[{Ik-Trlo. 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I75 Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände Große Bestände an an 6®° � 15- an 11'° an 8-an 150 1 an 60�; Baei\Sohn Kleider-Werke Dentachlands größte Fabrik der Branche Chausseestraße 29-30 □ 11 Brückenstr aße 11 Gr. Frankfurter Straße 20 a Schöneberg, Hauptstr. 10 nU Der Pelz-Katalog No. 40 a. der Haupt-Katalog No. 41 kostenfrei. I Total-Ausverkauf Nur bis 31. März. Das gesamte Warenlager der unterzeichneten Firma, welche 1879 gegründet wurde, und bei Beginn des Ausverkaufs einen Wert von ca. nnennn M hatte, soll wegen Aufgabe des Geschäfts vollständig �OUUU Hl. ausverkauft werden. Wirklich reeller Ausverkauf. Kein Nachschub von Waren. zirka 1050 Herren-Paletots und 1550 Herren-Anzüge so: früher 18 bis 25 M........ 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Gustav Slmthor, Beifitzer, Arbeit- nehmcr. Richard Veinroth, Beisitzer, Arbeit- nebmer. Pankow, den 24. Januar lötl. Otto Ristmau«. Pankow, Mühlenstrasie 30. Den verehrten Besuchern lies Nett Beelitz zur gefälligen Kenntnisnahme, dasi aus der linken Seite der Bahn das Restaurant HeHiner SCinrfS eröffnet worden ist u. für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt ist. Um gütigen Zuspruch bittet II. von Schemin, Ockonom. Orts- Krankenkasse für Reinickendorf. Bekanntmachung. Hierdurch machen wir bekannt, dah der I. Nachtrag zum Statut, ent- haltend den ß 43, beschlossen in der Generalversammlung vom 29. No- vember>910, unter dem 3. Januar 1911 vom Bezirksausschusi zu Pots dam genehmigt worden ist. Derselbe tritt mit dem 15. Januar 1911 in Krast. Druckexemplare können in einigen Tagen im Kassenlokal in Empfang genommen werden. Der Borstand der Krankenkasse setzt sich sür daS Jahr 1911 aus folgenden Herren zuiammen: Herr Benfch. Vorsitzender, , Schcmmel, Vorsitzender- Stellvertreter, „ Neubeeker, Schriftführer, ,. Liebrcnz, Schristsührer- Stellvertreter, . Stoff, Beisitzer. Hürtgen,. , Ptentka,, „ Gnrsch,, Reinickendorf, 22. Januar 1911. Der Borstand der Orts-Krankenkasse Reinickendorf. licnncli, Vorsitzender. 270/17 Xeubeckcr, Schristsührer. ®ro|jf heimische, delikate 270/8' Harter Kandkiife Kiste mit 55 Stück sür M. Z.50 sr. N. 6. Ksekonrodt, sZuediinburg 10. ZM- Kindersegen und Arbeiterklasse-MW oder: Wie schützt man sich vor starkem Familienzuwachs mit und ohne Hilfömittick aiif gesunde Art?— Preis 36 Ps.— Gegen Vor» einsendulig vdn 3» Ps. in Briesm. porlosrei ins Haus durch den Berlag von IV. OeiBüci-, Jena-Ost(Saale), sowie durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin 8Vf. 68. 28026* r Zur 2. Klasse(Ziehung 10. und II. Februar) Preuss. Lotterie» '/,-/.'/. k M. 40.— 20.— 10- Orlg;lnal-I,oae (Porto 15 PI.) A. Müilr K,9leru�s?e5m«.r' Kotttiiiser Damm Ml»ermennp,. 14/3' nahe O Photographie Meine Filialen sind nur: Berlin Fried richstr, 108 Friedrichstr, 138. Königstr. 52 Rosenthaler Str. 72a Reinickendorfer Str. 4 am Weddingplatz Schöneberg Hauptstr. 19 Umsonst gebe ich jedem vom Sonntag, den 29. Januar bis Sonntag, den 5. Februar inkl. eine Rixdorf Bergstr. 151-152 in der Passage(Fahrstuhl) Bitte zu beachten: (■ Charlottenburg unterhalte Ich keine Filiale. Bromsilber-Yergroßerung Schwarzmalerei Größe 42x50 cm mit eleganter Aufmachung, der sich in dieser Zeit eine Aufnahme bestellt matt 12 Visit l.to 12 Visit 12 Kabinett■ 4,80 12 Kabinett Gruppen, und Klnder-Anfnabmen entsprechend hilltg Geöffnet von 9—7 Uhr. Mao achte genas anl die Größe nnd liislmng meiner Grafis-Her. Abend-Aufnahmen im Kunstlicht-Atelier. < r:■.-''V■'"r. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin, gür den Lnseratenteil verantw.: Th. Gl, de. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei w VerlagScmftalt Paul Singer». To..' Berlin ZW. Nr. 24. Z8. Zahrzass. 2. KcilM des Jotwöttf Knlim PMIntt. Sonnabend, 28. Jannar 1911. Hud der frauenbewegung. Vorwärts. Die Gebundenheit des WeibeS während einer Reihe bftt Jahrhunderten förderte bei diesem erklärlicherweife die Kultur des Ge- schlechtlichen. Das Weibsein entwickelte sich zum Konzentrations- und Angelpunkt der Lebensauffassung, des Daseinszweckes. Der wirtschaftlich geknechteten Frau wurde mit Beginn des erstrebten Weibseins in der Ehe eine Periode doppelter Last und Unter- drückung zuteil. Neben den wirtschaftlichen Sorgen, die mit vielem Kindersegen stetig wuchsen, lasteten auf der proletarischen Ehe- frau der Mutterpflichten reiche Summe. Anders bei den Frauen der Bourgeoisie! Entweder sie fanden neben der gesuchten Ver- sorgung auch die Befriedigung als Weib,— ein mehr oder minder starkes Triebleben füllte alle Wunschlücken aus. Oder schwärme- risch veranlagte Naturen suchten für die Enttäuschung, die die Ehe brachte, Ersatz, wie und wo er sich fand, wenn sie nicht resignieren konnten und dabei früh zugrunde gingen. In den geschlossenen Kreis der geschlechtlichen Abhängigkeit des Weibes brach die fort- schreitende kapitalistische Gesellschaftsordnung zunächst kleine Lücken. Während vordem die daS Ehelos vergeblich suchenden Frauen in Klöstern, Stiften usw. oder als Dienstboten ihr Leben vertrauerten, stellten neue Verhältnisse die Frau wirtschaftlich auf die eigenen Füße. Die durch Bildungsmittel, Zeitungslektüre, bessere Schulen geförderte Erkenntnis lieh auch bald bei den über- schüssigen Frauen der Bourgeoisie den Wunsch stark werden, die Klassenherrschaft mit dem Manne zu teilen. Die proletarische Frau dagegen fühlte sich mit dem proletarischen Mann eng verbunden, das Klassenintcresse brachte sie zum Mann nicht im Gegensatz, denn sie teilte mit ihm ja die Abhängigkeit und Ausbeutung als Objekt des Kapitals. Naturgemäß trat die proletarische Frau zunächst weniger agitatorisch hervor, als die einen Anteil an der Klassenherr- schaft heischende bürgerliche Frau. Die mit den Reizen ausgestattet waren, die sie zu begehrten Objekten des Liebeslebens machten, durchbrachen erklärlicherweise nicht so leicht die durch Erziehung und Herkommen gezogenen Schranken, sie begnügten sich mit der Weibchenrolle, selbst wenn sie damit ein Opfer des Intellekts bringen inußten. Mit starken Geistcsgaben Ausgestattete, denen die gesuchten Weibreize fehlten, entwickelten dagegen leicht den er- forderlichen Tatendrang, um als selbstbewußte Persönlichkeiten zu protestieren gegen die Rolle der Entsagung und der stillen Zurück. gezogenheit, die ihnen die Verhältnisse aufzwingen wollten. Sie schufen einen besonderen Typ, den der Emanzipierten im öffent- lichen Leben. DaS Witzblatt hatte eine neue Figur, daS Mann- weib! Man sah die äußere Erscheinung als das Wesentliche an. verkannte die eigentlichen Triebkräfte. In dem Maße aber, als die Proletarierin das Persönlichkeitsbewuhtsein entwickelte, als Massenerscheinung auf der politischen Bühne sich zeigte, politische Rechte fordernd, verschwand das Mannweib auS der Karikatur und die Reaktionäre sehen nun in der Frauenfrage das wichtigste Pro- blem. Nun gründen sie Gegenvereine, um die erwachende Frau in den alten Bannkreis zu zwingen. Nutzen wird das nichts! Die Frauenbewegung ist nicht die Frucht einer Laune, sondern eine geschichtliche Notwendigkeit. Wie sie die Witzblattperiode über- wunden hat, wird sie auch die reaktionäre Rattenfängerei über- winden. Die Frauenarbeit iu Amerika. Auch in Amerika gewinnt die Berufstätigkeit der Frauen immer mehr an Ausdehnung. Nach einer vom Handels- und Arbeitsamt in Washington kürzlich veröffentlichten Statistik gewinnen von den 23 485 000 Personen weiblichen Geschlechtes in den Vereinigten Staaten von Nordamerika mehr als ein Fünftel, nämlich 4 833 600 ihren Lebensunterhalt selbst. In dieser ungeheuren Armee von Arbeiterinnen sind alle demographischen Elemente der Union ver- treten. 1771900 sind Anglo-Amerikanerinnen, d. h. Personen, deren Familie seit zwei Generationen mindestens in Amerika an- lässig sind. 1 119 000 sind Negerinnen, 1090 700 Amerikanerinnen, Töchter von in Amerika eingewanderten Emigranten, die in Amerika geboren sind, 840 000 selbst Eingewanderte, endlich 11200 Jndiane- rinnen. Chinesinnen und Japanesinnen. Die Frauenarbeit erstreckt sich wie bei uns auf alle Gebiete, an- gesangen von den niedrigsten mechanischen Handarbeiten bis zu den höchstqualifizierten intellektuellen Arbeiten. Bei dem Vorurteil, das in Amerika gegen die Farbigen herrscht, fallen den farbigen Frauen im allgemeinen die niedrigsten und ermüdendsten Arbeiten zu. So sind von den 456 000 landwirtschaftlichen Arbeiterinnen 361 800 Ncgcriimen und von den 325 200 Wäscherinnen ebenfalls 65 Proz. In den Berufszweigen, die die technische Kenntnis eines Handwerks ohne große Allgemeinbildung verlangen, sind hauptsächlich die ein- gewairderten Frauen oder deren Töchter zu finden. Sie liefern etwa Ys der weiblichen Arbeiterschaft in der Textilindustrie, sie sind auch verhältnismäßig zahlreich in der Landwirtschaft vertreten. Am höchsten auf der Stufenleiter stehen die Anglo-Amerikanerinnen. Sie bilden die Mehrheit in allen den Berufen, die eine größere Allgemeinbildung verlangen. So sind 53 Proz. der Steno- graphinnen, 50 Proz. der weiblichen Bankangestellten Amerikane- rinnen der neuen Generation. Als Kuriosa wird in dem Bericht erwähnt, daß sich unter den arbeitenden Frauen 5 Pilotinnen befinden, ferner 7 Zugführe- rinnen, 185 Schmiede, 508 Maschinenkonstrukteure, 45 Mechaniker, 28 Weichensteller. Nicht weniger als 3400 Frauen üben in Amerika das Predigeramt aus und 1010 sind Advokaten. Leseabend. Johannisthal. Montag, 30. Januar, bei Artner, Kaiser-Wilhelm- Straße 48._ Versammlungen. Zcntralverband der Schuhmacher. Die Filiale Berlin deS Schuhmacherverbandes hielt am Mittwoch bei Boeker in der Weber- straßc ihre Generalversammlung ab, in der der Kassen- und Ge- schäftsbericht vom 4. Quartal gegeben wurde. Der Kassenbericht lag vervielfältigt vor. Die Abrechnung der Zentralkasse schließt mit der Bilanzsumme von 14 784,15 M. ab. Unter den Ausgaben sind die größten Posten: 2858,10 M. für Arbeitslosenunterstützung, 3348,95 M. für Krankenunterstützung, 4967,96 M. an die Haupt- lasse gesandt. In der Abrechnung der Lokalkasse ist die Bilanz» summe 13940,29 M., der Bestand ist von 8353,99 M. auf 9408,35 M. gestiegen. Der Bestand der lokalen Zuschüßkasse ist im Laufe des Quartals von 6998,80 M. auf 6426,38 M. gestiegen. Die Zahl der Mitglieder war am Quartalsschluß 2686, 2543 männliche und 143 werbliche.— Aus dem Geschäftsbericht, den der Vorsitzende Ha- mann gab, ist hervorzuheben die Bewegung der Schoßschuhmacher in den Reparaturwerkstätten, zur Durchfuhrung des Minimallohn- tarifes, die unter anderem den Erfolg gehabt hat, daß die Innung mit der Ortsverwaltung in Verbindung getreten ist und den Tarif abgeschlossen hat. Es wird, wie der Redner betonte, nun auch vor allem darauf ankommen, daß die Schoßschuhmacher überall darauf dringen, daß der Tarif auch m der Tat anerkannt wird. Wegen verschiedener Differenzen ist im Laufe des Quartals achtmal mit Unternehmern verhandelt worden, meist mit gutem Erfolg. Zum Schluß machte der Redner auf den Kampf gegen die Schmutzlite- ratur sowie darauf aufmerksam, daß die Verwaltung des Gewerk- schaftshauses eine öffentliche Ausgabestelle für gute Jugendschriften errichtet hat.— In der Diskussion wurde mitgeteilt, daß der Zwischenmeister Janowski, Waßmannstraße 33, der für sämt- liche„Sa laman d e r"-Geschäfte arbeitet, weit unter dem mit der Zwangsinnung abgeschlossenen Tarif bezahlt, was um so mehr zu verwerfen ist, als besonders gut« Arbeit verlangt wird. Am Dienstag kam vor dem JnnungsschiedSgericht eine Klage gegen Janowski auf Nachzahlung des laut Tarif zu wenig gezahlten Lohnes zur Entscheidung. Er wurde verurteilt, zu zahlen, was er nach dem Tarif schuldig war. Die Schoßschuhmacher haben also in solchen Fällen auch die Hilfe des Jnnungsschiedsgcrichts, was ja bei einem geordneten Tarifverhältnis als selbstverständlich gelten mutz.— Dem Kassierer B e n d i g erteilte die Generalversammlung einstimmig Decharge. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Bevoll- mächtigter Max Hamann, 2. Adolf Benbig, 3. Valerius, 2. Kassierer Karl D a l l y, Revisoren Weißenborn, Krause, K r e n z i n und G r ä tz.— Hierauf folgte'der Bericht der Be. schwerdekommission. Die Neuwahl der Kommission wurde vertagt. Zentralverband der Zimmerer. Die Filiale Berlin und Um- gegend des Zimmererverbandes hielt am Donnerstag im„Gewerk- schaftshaus" ihre Zahlftellenversammlung ab. Die Abrechnung vom 4. Quartal, die gedruckt vorliegt, schließt mit der Bilanzsumme von 100 674,71 M. An die Zentralkasse wurden 13113,42 M. eingesandt; für Arbeitslosenunterstützung wurden ausgegeben: auf Rechnung der Zentralkasse 3671 M., als Zuschuß aus der Lokal- lasse 1063,50 M. Die Mitgliederzahl»var am Jahresschluß 2634. Die Versammlung nahm sodann Stellung zur 19. Generalver- sammlun� des Verbandes, die vom 3. bis 8. April in Leipzig statt- finden wird. Wie der Referent Knüpfer ausführte, wird sich die Generalversammlung vor allem mit den Fragen zu befassen haben, ob an der bislicrigcn Tarifpolitik festgehalten werden soll und>vie die Finanzen des Verbandes mit besonderer Rücksicht auf das Jahr 1913 zu gestalten sind. Der Redner schilderte auf Grund zahlreicher Tatsachen, wie das Bauunternehmertum unablässig be- strebt ist, sich immer fester zusammenzuschließen und bereits dabei ist, einen„Wehrfonds" zustande zu bringen, der mindestens eine Million Mark stark werden soll. Unter diesen Umständen muß es selbstverständlich eine der wichtigsten Aufgaben der bevorstehenden Generalversammlung sein, dafür zu sorgen, daß der Verband zum Jahre 1913 so stark wie nur irgend möglich dasteht. Man beschäftigt sich nun auch bereits innerhalb des Zimmererverbandes überall mit der Frage, welche Matznahmen zur Stärkung der Verbandskasse notwendig und zweckmäßig sein werden. Auch in den Bezirken der Zahlstelle Berlin und Umgegend haben die Zimmerer bereits dazu Stellung genommen und sich mit vereinzelten Ausnahmen in der einen oder anderen Weise für die Erhebung von Extrabeiträgen ausgesprochen. Der Zahlstellenversammlung lagen nun aus den Bezirken verschiedene Anträge dieser Richtung vor, über die dann eingehend beraten wurde. Die Debatte endete mit der Annahme folgender Resolution: „Die Versammlung hält in Anbetracht der gelvaltigen Rüstungen und des immer rücksichtsloseren Vorgehens der or- ganisierten Unternehmer im Baugewerbe Deutschlands eine Stärkung unseres zentralen Kampffonds für notwendig. In welcher Form diese Stärkung sich in unserem Verbände boll- ziehen soll, ob durch Erheben von Extrabeiträgen oder durch Er- höhung des regulären Vcrbandsbeitrages, überläßt sie der Ge- neralversammlung des Verbandes. Unsere Zahlstcllcnversainm- lung setzt in die 19. Generalversammlung das Vertrauen, daß sie unter Berücksichtigung der Interessen des Gesamtverbandes die Frage regelt und auch bezüglich der Festsetzung der Beitragshöhe sich von denselben allgemeinen Grundsätzen leiten läßt." Die Anträge der Bezirke zu diesem Punkt wurden den Dele- gierten als Material überwiesen. Als Delegierte zur Generalver- sammlung des Verbandes wurden Wilhelm Witt, Klossowski. H i n r i ch s e n und Heinrich Schulz gewählt. KrkkKasten der Rcdahticu. Sie Inrtftisili« Evr«chft»nde Ttnvei Lindenflra hc Nr.«v. dorn vier Zrevvcn— a»brft>ihl—, wochenlönli» von 41/, bis?>/- Ubr obenvs, Cminabtnb# von 4'/, bis 0 Uhr uachmitiags ftatt. Äcbcr für den Vricf- taften bestimmte» Antraft- ist ein Buchstabe»nd«ine Zavl nlS Mcrt- zetcven bei»»filften. Briefliche Antwort wirb nicht rrteilt. Eilige Fragen«rage man in der Sprechstunde vor. A.«l.»Z. Nein.— F. 100. Nein.- M. H. 99. 1. u. 2. Unseres ErachtenS nicht.— G. 1888. 1. Ja. 2. Unverständlich. 3. Nein. — A. G. 89. 1. Die Hülste. 2. Sechs Wochen.— Hol. Allee. Nein. — H. M. 614. Nur dann, wen» sür Sie seitens des BaterL eine be- sondere AuStrittserkiärung abgegeben ist. Andernsalls müssen Sie jetzt austreten.— H. P. 100 Den nachweislichen Schaden tonnen Sie ersetzt verlangen.— G. M. 100. Unseres Erachtens nicht.— W. S. 75. 2 M., sosern in dem Mietsverzeichnis eine Trennung vorgenommen ist. — Kirchensteuer 1909. 1. Reklamieren Sie. soweit das erste Viertel- jähr 1S11 in Frag» kommt. 2. Nur noch drei Viertel der jetzt veranlagten Steuer.— R. P. 35. An die Versicherungsanstalt.— E. 8. Gegen einen etwa ungünstigen Beschlusi des Äormundschsstögerichts können Sie binnen 14 Tagen nach Zustellung Beschwerde einlegen.— M. P. 614. Die statutarische Bestimmung ist und bleibt Wirksam.— Beelitzer Desinfektion. Das Gesetz schreibt das nicht vor.— H. D. 10. 1. New. 2. In der Regel ebenfalls nicht.— W. W. Nein. — F. G. 29. Die Frage läßt sich erst dann beantworten, wenn wir den Meiswert der Wohnung kennen.— G. 47. Ja.— A. B. 14. 1. Nur dann, wenn der Schuldner keinen Erwerb hatte. 2. Etwa 3 Vi. 3. Nein. —<5. S. 35. Unterschlagung! in ö Jahren. Urkundensälschung: in 10 Jahren.— C. L. 4. 1. Eine bestimmte Arbeitszeit sür Gesinde ist im Gesetz nicht festgelegt. ES findet aber der H 618 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Anwendung, wonach die Dienstherrschast»in Ansehung der Arbeits- und Erholungszeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu trefien hat, welche mit Rücksicht aus die Gesundheit der Verpflichteten er» forderlich sind". 2. Sechs Wochen vor Ablauf deS Dienstviertcljahres— nicht gleichbedeutend mit Kalendervierteljabr. 3. Ja, jedoch nur auf den Lohn anrechnen, wenn während deS lausenden Dienstjahres der Dienst- vertrag durch Schuld des Mädchens aufgehoben wird. 4. Bis 10 Uhr. Jedoch kann die Herrschaft besondere Anordnungen treffen.— W. K. 100. Zwei Drittel des GehasteS.— Brunn. In der Theorie— nach der Ver- saffung und dem geltenden Gesetz— steht dem nichts entgegen. Die preußische Verwaltung wandelt aber das»gleiche Recht- in da« Gegenteil. — P. P. 3. Das ist zulässig. Näheres erfahren Sie aus Nachfrage beim Polizeipräsidium. ZniilülligimN gewahren wir auf alle bei der IllVISlltlir zurückgesetzten Waren, welche teils unsortiert sind und teils nicht mehr weiter�elührt werden.- Außerdem kommen noch große Posten erstklassiger Schuhwaren, welche nicht in vollen Sortimenten vorrätig sind, zum Teil sehr bedeutend ermäßigt zum Verkauf. 450 Schluß des Verhaufs: Donnerstag, d. 2. Februar er. Einige Bcltplel« i enormen Prelswärdigkeltt Damen• Chevrette- Leder- Schnallenstiefel, bisher fcSO Damen-Tnchschnttrstiefe!..,. bisher 6S0 Schwarz Rind- Boxe.- ICIn der- Schnürstiefel, Gr. 31-35 Braun Chevr.-Kinder-SchnörstiefeL Lackkappe, Größe 27-30 � 590 Damen-SckmörsfieW, Hpcheleg. Form, m. Lackt Damen- braun echt Chevr.- Schnöraflefd, und ohne Lackkappe. Damen- weiß la Olacs- Salon- n. Mofifere-Schnhe mit eleg. Perlstickerei. Damen- braun Cherr.-Schnörschuhe m. 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Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Charlottenturg. Die 8. Gruppe des Wahlvereins veranstaltet am Montag, den 30. Januar, abends 8 Uhr, in den Augusta-Victoria- Sälen. Lutherstr. 31/32, eine öffentliche Versammlung, in der Ar- beitersekretär Genosse Wissell über.Patriotismus und Sozialdemo« kratie' spricht. Zu dieser Versammlung werden morgen, Sonntag früh, Handzettel vom Lokal Ahrens, Ansbacher Straße 11, aus ver- breitet. Gleichzeitig bitten wir die in der Umgebung des Ver- sammlungslokals wohnenden Parteigenoffen von Schöneberg und Wilmersdorf, die Versammlung zu besuchen. Der Vorstand. Schöneberg. Da die Aufführung des Theaterstücks.Kasernen- Ittff von der Polizei im GesellschastShause des Westen«, Haupt- straße 81/32, verboten ist, so kommen die Mitglieder gegen Vor- zeigung ihres Mitgliedsbuches und Hinterlegung eines 2S Pfennig- beitrages zu einem heiteren Familienabend zusammen. Beginn 8'/a Uhr. Der Vorstand. Johannisthal. Die Bibliothek dcS Wahlvereins bei Senftieben, Friedrichstr. 43, ist jeden Sonntagvormittag von 10—12 Uhr geöffnet. Der Vorstand. Franz. Buchholz. Sonntag, abends 5'/, Uhr, findet bei Kähne, Berliner Straße 39, eine öffentliche Volksversammlung statt. Referent ist Redakteur Genosse Hans Weber. Sonntag, vormittag 10 Uhr, findet von Kähne ans die Hand- zettelverteilung statt, wobei eS Pflicht eines jeden Genossen ist pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Bezirk Bernau. Umständehalber findet die am heutigen Sonn- abend, den 28. d. M.. fällige Mitgliederversammlung im Lokale des Genossen Richard Wünsche, Kaiserstraße, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag: Die wirtschaftliche Enttvickelung Preußen-Deutschlands. 2. Halbjahresbericht. 8. Vereinsangelegenherten. Mühlenbeck, Bezirk Nieder- Schönhausen. Sonntag, 29. Januar, nachmittag? 4 Uhr, Wahlvereinsversammlung im Lokal von A. Meyer (Buchhorst). Tagesordnung: 1. Die Reichstagswahlen 1911. Referent: Genosse Behlke-Berlin. 2. Bericht aus der Gemeindevertretung. S. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. berliner JVacbncbten. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur FSrderuug des Vertriebes guter UnterhaltungSlektüre hat die Verwaltung des GewerkschaftShauseS folgende Sin- richtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10 Pf. und in kleinerem Umfange auch zum Preise von 20 und 30 Pf. sind in größerer Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Prenes zur Verfügung gestellt. 2. Die Ausgabe der Bücher erfolgt in den weiter unten an- geführten Ausgabestellen. Weitere Ausgabestellen werden noch er- richtet, so daß die Bücher in allen Stadtgegenden zu haben sind. 3. Jedermann erhält ohne Legitimation so viele Bücher, wie er will. Er hat entweder den Wert der Bücher zu deponieren, oder bereits früher entnommeneBücher zurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 4 Wer die Bücher behalten will, hat dazu da» Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Be- trag zu deponieren. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, gute Unterhaltungsschristen auf billige und bequeme Weise zu erwerben. Zunächst sind folgende Ausgabestellen emgerichtet: Gcwerlschaftshaus: Z i g a r r en g e s ch a ft von Harsch. Von 8— ö Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Gewerkschaftshaus: Verband der Sattler. Mittwoch und Freitag von 4—7'/, Uhr._,. Gewerkschaftshaus: Verband der Glaser. Von 8— 11 und 5—8 Uhr._ Blankenfelde-Sttaße 10: Verband der Schuhmacher. jßiciiStag und Mittwoch von 6—7'/, Uhr. Elisabethstr. 11: Verband der Fleischer. Von 10—1 und 5— 7 II Hr. Gartenstr. 101: Verband der Kupferschmiede. Von 10—11 und 6-7 Uhr. Linienstr. 73: Verband der Schmiede. Von 9'/,—12 und 6'/,— 8 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Linienstr. 216: Verband der Fabrikarbeiter. Von Ü— 12'/, und 4—7'/, Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. vebastianstraße' 37/33, Verband der Schneider. Von S— 1 Uhr. Verein der Frauen und Mädchen verarbeiten- den Klassen. Vor und nach jeder Versammlung. Eine Ausstellung der zur Ausgabe gelangenden Bücher befindet sich in: Ausstellungsraum des Gewerkschaftshauses /Eingang L. Erd- geschoß, neben den Bureaus des Holzarbeiterverbandes). Diese Aus- stellung ist bis auf weiteres jeden Sonntag von 5—8 Uhr geöffnet. Jedermann hat freien Zutritt. (Keine Gottesgnadcnsonne lachte gestern auf das„Jnstru- rnent des Himmels' herab. Sie ist neben der wandelbaren Volksgunst so ziemlich das einzige, was die überschwenglichen Patriotenschwärmer nicht auf Kommando in die Feststrahe praktizieren können. Man gab sich zwar redlich Mühe, die drohenden Wolken über dem Preusienhimmel mit Kanonen zu zerschießen, aber die Kollegin da oben streikte unentwegt. Die schönen Hohenzollernwetterberichte, welche die Hoflakaienpresse aus dem eisernen Bestand hervorgekramt hatte, fielen also glänzend ins Regenwasser. Die Polizei ließ sich auch von dem grollenden Himmelsportier nicht ins Bockshorn jagen. Im Gegensatz zum Ordensfest hatte sie wieder eine Unmenge ihrer Söldlinge aufgeboten. Schon in früher Morgenstunde war die Passage über den Lustgarten, wo nur etwa dreihundert bis auf die tinochen königstreue Neugierige sich breit machen durften, vollständig gesperrt, und von Stunde zu Stunde wurde der blaue Ring erweitert. An den meisten Straßen- Übergängen der östlichen„Linden" und Umgebung standen die Schutzleute fast Arm an Arm und dahinter noch eine ganze Anzahl Berittene. Ueberhaupt fiel die bedeutende Heran. ziehung von Polizeigäulen auf. Wie wenn Demonstrationen erwartet würden, warm sogar die Straßenbahnhaltestellen beim Kastanienwäldchen stundenlang aufgehoben.„Los, rüber... marsch, durch!" kommandierte unaufhörlich ein besonders schneidiger Polizeileutnant am Opernhaus. Obwohl in den östlichen Linden noch bequem Zehntausende bloß auf dm Bürgersteigm Platz gehabt hätten, wurde um 12 Uhr selbst der Schuljugmd der Zutritt verwehrt. Die erst kurz vorher mit Schulpatriotismus gefüttertm Jungms schimpften wie die Rohrsperlinge. Nicht minder, wer aus dem Geschäft kam und zur Proletariermahlzeit wollte, aber den gewohnten kürzestm Weg mit Helmen, Säbeln und Pferdeschwänzen ver- barrikadiert fand. Das ist die praktische Betätigung des stolzen Wortes, daß die Straße dem Verkehr gehört. Erst gegen 2 Uhr wurde die Sperre glücklich aufgehoben, um abends von neuem und noch schärfer in Aktion zu treten. Als ob das wahre Volk, zu dem hurraschreiende Maulaffm nicht gehörm, Geschmack daran finden könnte, sich ungebeten unter die Geburtstagsgäste zu mischen. Die Illumination blieb»och mehr hinter den Vorjahren zurück, auch der Festschmuck ivar für die„Kaiserstadt Berlin" recht dürftig. Man merkt gerade bei solchm Gelegenheiten am bestm, daß die Kaisermetropole in Wirklichkeit die Hochburg der Sozialdemokratie ist. Hausverwalter und Polizeibcamter. In Berlin halten viele Hausbesitzer es für zweckmäßig, den Posten eines Hausverwalters möglichst mit einem Polizeibeamten zu besetzen. Von welchen Er- ivägungen und stillen Hoffnungen sie sich dabei leiten lassen, dar- über kann man sich allerlei Gedanken machen. Ein mitbestimmen- der Grund mag die Annahme sein, daß ein Polizist von vornherein den Kommandoton bester„raus hat". Aber das ist gewiß nicht das einzige Motiv dieser Vorliebe der Hausbesitzer für den Schutz- mann als Hausvernwlter. Heber die Erfahrungen, die mit Haus- Verwaltungspolizisten gemacht wurden, gehen die Ansichten sehr auseinander. Im„Vorwärts" sind Fälle bekannt geworden, in denen Bewohner solcher von Polizisten regierten Häuser die Polizei- bcgeisterung der Hausbesitzer ganz und gar nicht zu teilen ver- mochten. Heute wollen wir unseren Lesern zwei neue Proben aus der Arbeit der Hausverwaltungspolizisten vorlegen. Im Hause Kochhann straße 23 meinte der Verwalter, Kriminalschutzmann Kunze, gegen die Ehefrau eines Mieters den Vorwurf erheben zu dürfen, daß sie den Trockenboden einen Tag länger als zulässig benutzt habe. Ob das den Tatsachen entspricht oder nicht, ist ziemlich gleichgültig. Wer das Leben in den Berliner Mietskasernen kennt, der weiß, daß bei der Benutzung der Waschküche und des Trockenbodens sich sehr oft Schwierigkeiten und Streitereien ergeben. Die betreffende Mieterin versichert, daß sie den Trockenboden keineswegs übermäßig lange benutzt habe. Aber selbst wenn das der Fall wäre, so wird man doch den folgenden Brief, den der Verwalter dem Mieter und seiner Frau zuschickte, sehr eigenartig finden müsten. Kriminalschutzmann Kunze schrieb ihnen: „Laut§ 9 Abs. 8 Ihres MietLvertrageS steht Ihnen ein Anrecht zum Trocknen Ihrer Wäsche auf dem Trockenboden höchstens 2 Tage im Monat zu. Sie haben den Boden zu dem von meiner Frau und von mir bestimmten Termin nicht ge- räumt, sich vielmehr mir gegenüber zu Redensarten hinreißen lasten, die geeignet sind, die Ruhe und den Frieden im Hause zu stören. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich Ihnen im Wiederholungsfalle die Waschküche und den Trockenboden ent- ziehe und ich auf Grund des§ 10 des Vertrages die sofortige Räumung Ihrer Wohnung bei Gericht beantragen werde und Sie für die Dauer des Vertrages für die Miete verantwortlich mache. Gleichzeitig bringe ich Ihnen den 8 5 des Vertrages in Erinnerung. Hiernach sind Sie nicht berechtigt, ohne schriftliche Genehmigung des Vermieters ihre Räume(janz oder teilweise an Dritte, wie an Frau P. und des Pflegekindes zu überlasten oder zu vermieten. Ich fordere Sie daher auf, die Frau P. und das Kind bis 1. Februar 1911 ziehen zu lasten oder anderweit unterzubringen." Wir haben uns den Vertrag vorlegen lasten, haben aber in keinem seiner Paragraphen(auch nicht in der durch§ 8 wieder- gegebenen Hausordnung mit ihren 13 Abschnitten) irgend etwas darüber finden können, daß der Trockenboden höchsten? zwei Tage im Monat benutzt werden darf. Hinfällig wird hiermit die Drohung, im Wiederholungsfall« dem Mieter die Benutzung der Waschküche und des Trockenbodens, die ihm durch den Vertrag ausdrücklich zugefichert ist, zu ent- ziehen und auf sofortige BohnungSräumung zu klagen. ES scheint übrigens, daß der Verwalter Kunze an ein ganz anderes Vertragsformular gedacht hat, denn in dem unS vorgelegen, noch gültigen Vertrag decken die 88 9 und 10 sich in keiner Weise mit dem, was Kunze in seinem Brief als ihren Inhalt angibt. Der Mieterin ist auch nicht klar, wieso es„die Ruhe und den Frieden im Hause stören" heißt, wenn sie gegenüber dem in ihre Wohnung kommenden Verwalter ihre Ansprüche geltend macht. Ernster zu achten ist die Ankündigung,� daß die erwähnte Frau P. und das Pflegekind bis 1. Februar'die Wohnung zu verlassen haben. Die Wohnung ist nämlich laut Vertrag nur an 3 Per- sonen vermietet worden, an die beiden Eheleute und ihr Kind. während die Mutter der Ehefrau(eben jene Frau P.) und ein von der Waisenverwaltung überwiesenes Pflegekind erst später auf- genommen wurden, weil die aus 2 Stuben und Küche bestehende Wohnung noch Raum für sie zu bieten schien. Beide Personen werden tatsächlich ausziehen müssen, falls der Verwalter, Kriminal- schutzmann Kunze, auf seiner laut Vertrag zulässigen Forderung besteht. Wir wollen akuvarten, ob er es tun wird. Interessanter noch ist der zweite Fall. Hier ist es nämlich eine Hausbesitzerin selber, gegen die das allzu stark entwickelte Selbstherrlichkeitsgefühl eines Hausverwaltungspolizisten sich richtet. Das Haus Putbus er Straße 11 hatte bisher zum Verwalter einen Kriminal Wachtmeister Bethwell, aber die Besitzerin, eine nicht im Hause wohnende Witwe, hatte ihm zum 1. April gekündigt. Als sie ihm vertragsgemäß drei Tage vor dem 1. Januar die Kündigung schickte, bekam sie von ihm einen überaus merkwürdigen Brief. Kriminalwachtmeister Bethwell schrieb ihr; „Auf Ihr Schreiben vom 29. d. M. erwidere ich Ihnen, daß Sie auf Grund der mir erteilten Vollmacht kein Recht haben, meinerseits erfolgte Kündigungen als ungültig zu erklären. Ferner muß ich mir entschieden verbitten, Leute hinter meinem Rücken zu sich zu bestellen, um mit ihnen Mietsverträge abzu- schließen, mit dem Hinzufügen, daß Sie mir gekündigt haben, Sollte derartiges noch wieder passieren, werde ich überhaupt nichts mehr für die Verwaltung tun! Was ich nicht fertig bekomme, gelingt Ihnen schon lange nicht. Die Kündigung der Verwaltung ist ganz gegen unsere Verabredung erfolgt und zeigt von neuem, was Sie für eine zuverlässige Person sind. Wir haben mehr- mals verabredet, daß wir im Guten auseinandergehen wollen, und daß derjenige, dem es nicht mehr paßt, dies frühzeitig sagen soll. Trotzdem kommen Sie am letzten Tage mit der Kündigung, obgleich alles vermietet ist und wir uns nichts haben zuschulden kommen lasten. Hierdurch haben Sie uns die Möglickikeit genommen, daß ich mich nach einer anderen Verwaltung umsehen konnte, so daß ich geschädigt bin. Ich erkläre Ihnen hiermit aus- drücklich, daß ich mir meine Rechte in dieser Beziehung gegen Sie vorbehalten werde. Daß Sie das Haus selber verwalten wollen, ist doch nur Finte. Erstens stich Sie Ihrer Charakter- eigenschaften wegen und Ihrer Befähigung nach nicht dazu ge- eignet bezw. imstande..... Aber Ihre Kündigungsart ist schandlich, zu welcher Sie aber sicher von schlechten Leuten veran- laßt sein werden. Was Sie davon haben, werden Sie ja sehen. Ihr Anhang wird es dazu bringen, daß das Haus in nicht zu langer Zeit wieder unter den Hammer kommt. Frau! Machen Sie doch endlich die Augen auf! Falls Sie mir innerhalb dreier Tage nicht mitteilen, weshalb Sie gekündigt haben, werde ich den Leuten als Grund angeben, daß ich zuviel Schandtaten von Ihnen weiß, was Ihnen unangenehm ist. Sicher ist dies auch die Ursache der Kündigung...... Wir haben in dem Brief an zwei Stellen(in der Mitte und am Schluß) ein paar Sätze weggelassen, weil wir sie für besonders ge- eignet halten, die Empfängerin zu kränken. Der ganze Brief ist so, daß man in der Tat nur den Kopf dazu schütteln kann. Die Hausbesitzerin hat sich entschlossen, den freigewordenen Posten eines Hausverivalters nicht wieder mit einem Polizeibeamten zu besetzen. Da tut sie recht._ Tuberkulose-Ausstellung Berlin- Wilmersdorf.(Aula der Cecilienschule, Nikolsburger Platz— Kaiser-Allee.) Der Besuch der Tuberkulose-Ausstellung und der in ihr von bekannten Persönlich- leiten bisher gehaltenen Vorträge ist auch in den letzten Tagen ein anhaltend reger. Der Wilmersdorfer Magistrat hat demzufolge beschlossen, die Ausstellungsdauer bis auf weiteres zu ver- l ä n g e r n. Am kommenden Sonntag, abends 6 Uhr, spricht in der Tuberkulose-Ausstellung(Aula der Cecelienschule, Nikolsburger Platz— Kaiser-Allee) Herr Stabsarzt Dr. med. W e z e l über das Thema: Allgemeine Tuberkulosefragen(mit Lichtbildern). Der Eintritt ist frei._ Der erfrorene Fürsorgezögling. lleber da? Ende des dieser Tage in einer Sandgrube �ei Strausberg als Leiche aufgefundene» Fürsorgekindes teilt unS der Direktor der Brandenburgischen Provinzial-Schul- und Erziehungs- anstatt in Ergänzung unserer Notiz mit, daß der elfjährige Knabe am 2. Januar aus der Anstalt entwichen sei. Sein Fehlen sei kurz nach dem Abendbrot bemcrlt worden. Soweit die Dunkelheit und das an diesem Abend herrschende Schneetreiben es zugelassen habe, hätten Beamte nach dem Knaben gesucht. Wie jetzt festgestellt worden sei, habe er sich am Nordostende der Stadt auf den aus- gedehnten Sandbergen ein Versteck und Lager in einer der dort befindlichen vielen Gruben zurechtgemacht. Hier habe er wohl bis zur Morgendämmerung warten wollen, sei dann eingeschlafen und bei der Nachtkälte erftoren. Oberkörper und Kopf waren oberhalb de? Erdreichs. Die Schneedecke habe die Leiche bedeckt; fie wurde erst infolge des jüngst eingetretenen Tauwetters zufällig von drei Strausberger Bürgern aufgefunden. Die Gerichtskommission habe natürlichen Tod durch Erfrieren festgestellt. Die Direktion bemerkt besonders, daß Züchtigungsmerkmale nicht gefunden worden seien. Der Knabe habe in den letzten Monaten in der Anstalt keine körperlichen Strafen mehr erhalten, man habe versucht, ihn beim Ehrgeiz zu packen. Wenn einige Zeitungen von einem gedrückten und scheuen Wesen des Kindes in letzter Zeit berichtet hätten und davon, daß es Selbstmord- gedanken geäußert habe, so sei daS unrichtig. Die Zuschrift der Direktion geht dann auf die Gründe der Ueberweisung deS Kindes in Fürsorge ein, die wir aber hier nicht nachprüfen können, da sie ja auf Grund deS UcberweisungsbeschlusteS beruhen. Ueber UeberweisungSbeschlüste und wie sie vielfach zustande kommen, haben wir so unsere eigenen Ansichten. Unnötig den Kopf zerbrochen haben sich eine Anzahl Blätter über Besetzung der Stelle deS Oberbürgermeisters. Man ging schon auf die Suche nach Personen, die diese Stelle betleiden könnten, und machte die verschiedensten Vorschläge. Das war alles unnötig, denn Herr Kirschner, dem allerdings in letzter Zeit im Magistrat übel mitgespielt worden ist, soll erklärt haben, sich zur Wiederwahl zur Verfügung zu stellen, zumal das geplante ZwangSzweckver» bandsgesetz der Kommune schwere Aufgaben stelle und er in einer solchen Zeit der Gemeinde seine Kräfte auch ferner widmen wolle. Der kürzlich erst abgesägte Stadtrat Riimschöttel ist zum Bürgerdeputterten in die Gasdeputation gewählt worden. Zum Zwangözwrckverband werden die südlichen und östlichen Bororte Stellung nehmen in einer Konferenz, die am nächsten Dienstag, abends 7 Uhr, im Rathause zu Rixdorf anberaumt ist. ES soll darüber beraten werden, in welcher Weise am besten die Interessen dieser Gemeinden wahrgenommen werden können. Erregung hat unter den Spielern der Königlich preußischen Klassenlotterie die kürzlich stvttgefundene Ziehung zur 1. Klasse hervorgerufen. Hier fiel nämlich nach einer Korrespondenz der Hauptgewinn im Betrage von zweimal 60 000 M. auf die Nummer 184 284. Der nette Betrag von 100 000 M. gelangte indessen nicht zur Auszahlung, denn nach dem neuen Spielplan gehört diese Nummer nicht zu den Stammlosen, sondern zu den sogenannten Freilosen, die jedoch erst von der nächsten Klasse ab an den Ziehungen teilnehmen kann. Da Freilose bis zu ihrer Ausgabe auf Rechnung der Königlichen Lotteriedirektion gehen, so ist der Betrag von 100 000 M. der Königlichen Lotteriekasse zugefallen. Damit sind die Lotteriespieler aber nicht einverstanden und wollen nun öffentlich hiergegen Protest erheben, um zu erreichen, daß die nicht ausgegebenen Freilose auch nicht an der Gewinnzichung teil. nehmen, sämtliche zur Ziehung gelangenden Gewinne also auch wirklich zur Auszahlung an die Spieler gelangen. DaS Deutsche Opernhaus, das bekanntlich auf Charlottenburger Gebiet errichtet werden soll, scheint sicher zustande zu kommen. Am Donnerstag hat im Charlottenburger Rathause eine Sitzung des Komitees zur Begründung eines volkstümlichen Opernunternehmens stattgefunden, wo mitgeteilt wurde, daß die Zahl der Personen, die sich zur Entnahme eines Abonnements bereit erklärt haben, eine sehr große sei und die anfänglich schätzungsweise angenommene Ziffer weit übersteigt. Die gesicherte Einnahme aus den Abonnc- ments beläuft sich jetzt bereits auf über 1800 000 M. Der vorgelegte Finanzplan balanciert in Einnahme und Ausgabe mit eben dieser Summe. Dabei wird noch ein Ueberschuß von 400 000 M. bei sehr vorsichtig angesetzten Einnahmen herausgerechnet. ®er Gagenetat Beträgt nach der vorläufigen Sufsteffung 770000 M. Für den Direktor sind SO 000, für Honorare, Noten und Instrumente 50 000, für das technische Personal 80 000 M. aus geworfen. Von den Plätzen des Parketts sind durchschnittlich bereits drei Viertel und auch von den teuersten Plätzen des ersten Ranges bereits eine erhebliche Anzahl fest abonniert. Dreibig Nachmittags- Vorstellungen, a 2000 M., werden wahrscheinlich in» ganzen verpachtet werden. Eine Aktiengesellschaft soll den Betrieb übernehmen. Ein grober Teil Aktien wird von hiesigen Finanzleuten gezeichnet. Die Aktien- bcfitzer sollen bei der Transaktion kein schlechtes Geschäft machen� ES wird damit gerechnet, daß auS dem Untemehmen anständige Ueberfchüfie herausgeschlagen werden, von denen zunächst den Aktien� inhabern 5 Proz. Dividende gezahlt werden; gerechnet wird außer dem darauf, daß auch noch eine Superdividende von 10 Proz. ge- zahlt werdet, rann. Das ganze Unternehmen läuft also auf eine rein kapitalistische Gründung hinaus Zu der Aufhebung der„ZentralvermittelungSbärse" in der Liirdenstr. LS wird noch mitgeteilt: Der Hauptleiter des Schtvindel- Unternehmens war der 38 Jahre alte frühere Kaufmann Oskar Döring, der wegen ähnlicher Schwindeleien in Dresden schon be- straft worden ist. Von dort kam er nach Berlin. Hier lernte er den 33 Jahre alten früheren Kellner Hans Möbius kennen und kam auf den Gedanken, gemeinsam mit ihm in der Reichshauptstadt feine alten Erfahrungen zu verwerten. Die beiden mieteten einen Laden mit mehreren Schaufenstern, die eine grobe Weltkugel schmückte, als ob es sich um ein Weltunternehmen gehandelt hätte. Die zu vergebenden Stellen waren so auffallend angepriesen, daß harmlose Leute darauf hineinfallen mußten. Entgegen den gcsetz- lichen Vorschriften nahmen die Schwindler ihren kautionsfähigen Opfern von vornherein allerhand Gebühren ab, nachdem sie ihnen unter allerhand falschen Vorspiegelungen die Stellen im rosigsten Lichte geschildert hatten. Sobald ein neues Opfer kam, setzten sich die Leiter der Zentrale sofort durch den Fernsprecher mit gewerbs- mäßigen Kautionsschwindlern in Verbindung machten ihnen klar, in loelcher Weise sie jedesmal ihr Opfer anzufassen und zu nehmen hätten. Den Heiratsschwindel betrieb Möbius, der von seiner in Dresden zurückgebliebenen Familie getrennt lebt, in Verbindung mit dem Vermittelungsschwindel. Er'knüpfte mit Mädchen, die eine Stellung suchten und Geld hatten, an und nahm ihnen ab, was er nur bekommen konnte. Aber auch auf andere Mädchen hatte er es abgesehen. Die Kriminalpolizei führte gestern beide Schwindler der Staatsanwaltschaft vor. Unter dem Verdachte des GattenmorbeS ist die Ehefrau des Schlossers Max Hodoff aus der Grünthaler Straße 8 verhaftet worden. Hodoff, seit zwölf Jahren verheiratet und Vaker von zwei Kindern, soll viel getrunken und seine Frau wiederholt mißhandelt haben. Am Montag wurde er in seiner Wohnung mit Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Weil er schon wiederholt Selbstmordgedanken geäußert hatte, so nahm man an, daß er sich selbst das Leben genommen habe. Erst nachträglich wurde der Verdacht laut, daß seine Frau an seinem Tode schuld sei. Nach dem Ergebnis der Ermittelungen soll Frau Hodoff ihrem Manne Geld für Schnaps gegeben haben, so daß er sich betrinken konnte. Als er dann willen- los dagelegen, soll sie ihn in die Nähe des Gasauwmaten gerückt und dort liegen gelassen haben. Hierauf so llsie in der Wohnung Türen und Fenster verschlossen und mit den Kindern zu Ver- wandten gegangen sein, nachdem sie den Gasautomaten geöffnet hatte. Nach ihrer Rückkehr fand sie ihren Mann tot auf. Die Verhaftete gibt zu, Schnaps geholt, ihren Wann betrunken gemacht und von der Stelle gerückt und auch die Türen und Fenster ge° schlössen zu haben, behauptet jedoch, daß nicht sie, sondern ihr Mann den Gasautomaten geöffnet habe. Ein falscher Student mit adeligem Namen brandschatzt Zimmervermieterinnen in der unteren Fricdrichstadt. Es ist em junger Mann von etwa 22 Jahren, der sich Bruno von Golfenrode aus Naumburg nennt und den Leuten vorschwindelt, daß er in Berlin Medizin studiere. Sobald er ein Zimmer gemietet hat, nimmt er die erste beste Gelegenheit wahr, die Wirtsleute zu be- stehlen und verschwindet mit der Beute. Der Schwindler und Dieb ist 1,70 Meter groß und schlank, hat langes schwarzes Haar, dunkel» braune Augen, große, abstehende Ohren und ein bartloses, schmales, blasses Gesicht und trug einen dunkelgrau gestreiften Winterüber- ziehcr, dunkle Hosen und einen schwarzen weichen Hut. Arbeiterbildnngsschule. Der Unterricht in Gesetzesknnde beginnt in diesem Quartal besonderer Umstände halber schon um 8 Uhr.— Beim StifwngZfest der Schule ist ein Korallen- armband gefunden worden; dasselbe ist in der Bibliothek, Grenadierstraße 37, abends von 8—9 Uhr, gegen Legitimation abzuholen. Filmzeusur. Eine polizeiliche Zensur der kinematographischen Films ordnet eine Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten von Potsdam für den Regierungsbezirk an. Zur öffentlichen Vor- sührung dürfen nur noch solche Bilder gelangen, die vorher von der Ortspolizei genehmigt worden sind. Es mutz mindestens drei Tage vor der Vorführung ein Verzeichnis der einzelnen Films mit ihren Titeln und der Fabrik, die sie hergestellt hat, eingereicht iverden. Films, die schon von dem Polizeipräsidenten in Berlin zugelassen sind, brauchen erst 24 Stunden vorher eingereicht werden, wenn der Unternehmer einen Nachweis über die Genehmigung besitzt. Auf Verlangen mutz jeder Film vor der Genehmigung der Polizei in einem von dieser zu bestimmenden Raum vorgeführt werden. Ver- zeichnis und Genehmigung müssen während der öffentlichen Vor- sührung für den revidierenden Beamten bereit gehalten werden. Die Vorführung darf nur unter den genehmigten Titeln erfolgen. Uebertretungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 60 M. oder entsprechender Haft bedroht. Die neue Verordnung tritt am 31. Ja- nuar in Kraft. Ein sehr gefährliches Feuer kam Donnerstagabend in dem Hanse Weidenweg 24 angeblich durch Unvorsichtigkeit zum Ausbruch. Bei der Ankunft der Feuerwehr brannten dort im Keller Kisten. Borräte an Petroleum und andere leicht brennbare Gegenstände. Das Treppenhaus war schon vollständig verqualmt und nicht mehr zu passieren. Dadurch, daß auch schon die Türen, der Fußboden usw. in Flammen standen, war das Vordringen der Feuerwehr bis zum Brandherd sehr erschwert. Zwei Feuermänner vom 7. Zuge drangen, mit einem Sauerstoffapparat und einem Feuerschutzapparat aus- gerüstet, mit zwei Rohren i» den brennenden Keller ein. Mit Hilfe der Apparate und durch kräftiges Wassergeben mit mehreren Schlauch. leitungen gelang eS schließlich, den Brand auf den Keller zu be- schränken. Leider sind bei der Löschung mehrere Feuermänner infolge starler Raucheinatmung erkrankt. Vorort- Nadmcbtem Schöveberg. ES geht auch ohne Ausnahmegesetze, wenn nur die bestehenden Gesetze schärfer angezogen werden, dann genügt es auch. Die hiesige Polizeibehörde scheint dem auch pflichtgemäß nachzukommen. Der Vorstand des Wahlvereins beabsichtigte, das Theaterstück „Ka fernen luft" zum zweitenmale aufführen zu lassen. Plötz- lieh siel der Polizei ein, dies zu verbieten und übersandte dem Vor- sitzenden folgendes Schreiben: »ES gereicht Ihnen zum Bescheide, daß die beabsichtigte Auf- sührung des Theaterstückes Kasernenluft im Gesellschafts. hause des Westens Hierselbst am 28. d. M. nicht stattfinden kann. Zunächst ist davon auszugehen, daß die Veranstaltungen des sozialdemokratischen Wahlvemns Schöneberg nicht Veranstaltungen einer geschlossenen Gesellschaft, sondern tatsächlich Lffent- liche Veranstaltungen sind. Denn die Zahl der Mitglieder beträgt zurzeit über 2000 und die Möglichkeit des Eintritts in den Wahl- verein ist eine sehr leichte, da die Mitgliedschaft des Vereins durch Zahlung eines uur geringen Eilttrittsgeldes bei einer der zahlreichen Zahlstellen erworben werden kann. Die Mitglieder bon Vereinen, deren Mitgliedschaft so groß und deren Organisation so lose ist, und bei denen der Erwerb der Mitgliedschaft an derartig geringe Voraussetzungen geknüpft ist, können aber als ein in sich geschlossener, bestimmt abgc- grenzter Kreis von innerlich unter sich verbundenen Personen nicht angesehen werden. Da nun ein Ivesentliches Merkmal der Nicht öffentlichkeit von Veranstaltungen darin zu erblicken ist. daß zwischen den einzelnen Personen, vor denen diese Veranstal- hingen stattfinden, ein inneres Band von wechselseitigen Person- lichen Beziehungen besteht, und daß diese Personen einen in sich verbundenen bestimmt abgegrenzten Kreis bilden, so müssen die Theatervorstellungen des sozialdemokratischen Wahl- Vereins als öffentliche angesehen werden.(Oberverwaltungs- gerichtsentscheidung im Preußischen Verwaltungsblatt Band 20 Seite 6, siehe auch Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Band 18 Seite 422, Band 27 Seite 423, Band 8S Seite 444.) Zur Abhaltung einer öffentlichen Theatervorstellung ist aber eine Er- laubnis aus§ 32 der Reichsgewerbeordnung erforderlich, welche bisher hier nicht vorgelegt worden ist. Selbst wenn indessen eine gültige Konzession vorhanden wäre, so dürfte die Vorstellung in dem genannten Lokal dennoch nicht stattfinden, da dasselbe den nach der Polizeiverordnung vom 2. Mai 1900 zu stellenden polizeilichen Anforderungen nicht genügt. Der Polizei- Präsident Lüdinghausen. Wir sind der Polizei trotz der recht dürftigen Gründe für die Agitation dankbar, die damit für die Partei betrieben wird und hoffen durch dieses Verbot neue Mitglieder zu gewinnen. Gleichzeitig sind wir bereit, das Stück noch zweimal Mitte Februar in geeigneten Lokalen, wo die Machtbefugnisse der Polizei nicht hinreichen, aufführen zu lassen. I« der letzten Sitzung der GewerffchaftSkommissiin gab der Obmann zunächst den Jahresbericht für das Jahr 1910. Danach sind der Kommission 25 Organisationen angeschlossen, die insgesamt 7000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter vertreten. Die Arbeiten der Kommission wurden in 16 Ausschutz- und 12 Kommissions- sitzungen erledigt. Eine Sitzung fand mir sämtlichen am Orte vor- handencn Vertrauensleuten aus den Betrieben statt. Oefsentliche Versammlungen fanden zwei statt, sowie eine Theateranfführung. Die Rechtsauskunftsstelle, welche sich beim Genossen Kosanke, Meininger Straße 3, befindet, wurde nicht in der gewünschten Weise von den Arbeitern in Anspruch genommen. ES besteht die Ansicht, daß die Arbeiter sich immer mehr daran gewöhnt haben, sich an das Arbeitersekretariat im Gewerkschaftshans zu wenden. Der Jugcndausschuß hat auch in diesem Jahre daran sestgehalteii, regel- mäßig alle 14 Tage bei dem Genossen Poschmann, Vorbcrgstraße, Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Bevor ein Jugendheim nicht besteht, sollen auch in Zukunft die Veraustaltungeu, die mit Vor- trägen und Unterhaltungsspielen abwechseln, in derselben Weise ab- gehalten werden. Die Beteiligung und auch der Besuch der einzelnen Vorträge deS veranstalteten Kursus über Einfuhrung in die moderne Gefell- schaftSlehre ließen erkennen, daß unter der Arbeiterschaft ein regeS Interesse dafür vorhanden ist. Fast sämtliche Teilnehmer haben allen sechs Vorträgen beigewohnt. Die Zahl der Teilnehmer betrug 73. Mit der von der Stadt eingeführten ArbeitSlosenversicheiung soll sich laut Beschluß in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung befassen. Der als notwendig anerkannten Erweiterung der Arbeits- nachweisräume ist leider nicht Rechnung getragen worden. Die «todtverordueten lehnten eine Erweiterung der Räume im jetzigen Gebäude ab; es dürste wohl erst mit Ablauf des Kontraktes eine Aenderung eintreten. Die Vermittelung gibt folgendes Bild: Offene Stellen: 1910: 14 772, Zunahme 935<1909: 13 837). Arbeitsuchende: 1910: 16 834, unahme 521<1909: 16 313). Besetzte Stellen: 1910: 12359, unahme 727<1909: 11 632). Einer Einnahme von 664,89 M. steh! eine Ausgabe von 653.79 M. gegenüber. Die Neuwahlen ergaben die Wiederwahl deS Genoffen K. Henkel als Obmann, Stellvertreter Genosse Kosanke, und Genosse Otto Schenk als Schriftführer. Charlottenburg. Ein tödlicher Bammfall ereignete sich gestern auf dem Schmidt- chen Neubau am Reichskanzlerplatz, Ecke Reichsstraße. Der auf diesem Bau beschäftigte Maurer Mendert, Nehringstraße 26 wohnhast, wollte an einem Schlitzfenster in der vierten Etage die Schnur befestigen; plötzlich kam ein Mauerstein, auf dem M. stand, ins Rutschen, so daß Mendert kopfüber in die Tiefe stürzte. Der Ver- unglückte starb kurz darauf an den erlittenen Verletzungen. Ein UnterhaltungSadend. wie er bereits am letzten Sonntag im Volkshause stattgefunden hat, soll auf Wunsch der Parteigenossen auch diesen Sonnlag, den 29. Januar, im Volkshause abgehalten werden. Zu dem Unlerhaltungsabend, der um 5 Uhr beginnt, hat auch die«Charlottenburger Liedertafel" ihre Mitwirkung zugesagt. Lichtenberg. Bon der Straßenbahn totgefahren. MS in der gestrigen Nacht in der Frankfurter Chaussee der GerichlSbeamte Karl Hammel aus der Hagenstraße 3 einen Straßenbahnwagen der Linie 69 während der Fahrt besteigen wollte, glitt er aus und kam zu Fall. Er stürzte o unglücklich, daß er unter den Anhängewagen geriet. Obgleich der Führer des SlraßenbahnwagenS sofort bremste, konnte der Zug doch erst nach einigen Metern zum Stehen gebracht werden. Hammel wurde mit schweren Schädelverletzungen unter dem Wagen hervor- gezogen und nach der Lichtenberger Rettungswache geschafft, wo er aber bald nach der Einlieferung an den Folgen eines Schädel- bruches starb. Ober-Schöneweide. Unter den Gemrindeeinrichtungen. welche in nicht allzuferner Zeit beträchtliche Anforderungen an die Finanzen der Gemeinde stellen werden, nimmt die S ch m u tz w a s s e r k a n a l i s a t i o n die erste Stelle ein. Die Beseitigung dieser Wässer erfolgt jetzt durch das ogenannte Kodlebreiverfahren, wonach den Abwässern schwefligsaure Tonerde und gemahlene Kohle zugesetzr wird. Es wird dadurch einmal eine schnelle Klärung der Abwässer und anderersens die ver- Wendung des Klärschlamms als FeuerungSmaterial erreicht. Die Ableitung der geklärten Abwässer in die Spree scheint bei der Auf- ichtsbehörde wohl doch Bedenken hervorzurufen, denn neue Anlogen dieser Art sollen keine Genehmigung mehr erhallen. Wenn nun andererseits die Anlage ziemlich am Ende ihrer Leistungsfähigkeit steht und auch eine Belästigung für die Anwohner ist, so wird eine andere Regelung nicht von der Hand zu weisen sein. Da aber für Rieseuanlagen im Gemeindebezirk kein Terrain vorhanden, müßte mir großen Auf- Wendungen auswärts Ersatz geschaffen-werden.— Auch die Frage der Müllbeseitigung dürste bei Uebeniahme der Wuhlheide durch die Stadt Berlin akut werden. Wenn für die Auffüllung der Sumpfstellen durch das Müll keine Möglichkeit mehr besteht, muß ein Transport nach weitgelegenem Gelände in Erwägung gezogen werden, was ebenfalls nicht ohne erhebliche Mehrkosten geschehen kann. Nieder-Tchönhause«. Mit dem Ankauf eines Grundstücks zum Bau einer höheren Mädchenschule hatte sich die letzte Gemeindevertretersitzung zu be- schäftigen. Der Bürgermeister wies darauf hin. daß von den zur engeren Wahl gestellten Grundstücken nur noch drei übriggeblieben seien. Das Provinzial-Schulkollegium habe die übrigen als un« geeignet bezeichnet. Bei der Auswahl des Platzes sei in erster Linie die zentrale Lage zu berücksichtigen. Somit kommen uur das HermZsche Grundstück in der Kaiscr-Wilbelm-Straße, das Grundstück der Terraingcsellschaft in der Platanenstraße und das der Waschner- schen Erben in der Treskowstraße iu Frage. Da aber für Grund- stücke unter 5000 Quadratmeter nur dann die Zustimmung des Wrttervrognoie mv Sonnabend, de» 38. Januar 1»11, Etwas kühler, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. ___________ Berliner Wetterbureau. Peräntwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co.. Berlin LW. ü" Kultusministeriums zu erwarten sei, wenn keine größeren vorhanden sind, so müsse das letztgenannte ebenfalls ausscheiden, das nur eine Größe von 4200 Quadratmeter habe. Das Grundstück in der Platancitstraße kostet 59 263 M, pro Rute 164 M.; die? mache eine jährliche Etatsbelastung von 2550 M. Das HermSsche Grundstück ist sür 115 000 M. augeboten worden, pro Rute 180 M.; die Belastung stellt sich hier auf 4887 M. Der jetzige Besitzer will jedoch noch drei Jahre lang als Mieter wohnen bleiben und dafür jährlich 1400 M. zahlen, außerdem gestattet das Grundstück den Verkauf von drei je 45 Ouadratruten großen Baustelleu zum Preise von 300 M. pro Ouadratrute; somit verringert sich die Be- laslung auf 3487,50 Mark. Nicht nur vom finanziellen Standpunkt auS, sondern auch mit Rücksicht auf die vorzügliche Lage empfehle er den Ankauf des HermSschen Grundstücks, vorbehaltlich der Zustimmung der Provinzialbchörde. In der hierauf folgenden nahezu zweistündigen Debatte wandte sich als erster Redner Genosse B r e i t in a n n gegen den Ankauf des HermSschen Grundstückes, da er befürchtet, daß die Baustelleu nicht so schnell verkauft werden, außerdem dürfte der Etat nicht allzu stark belastet werden. DaS Grundstück in der Platanenstraße sei bedeutend billiger, er ersuche daher die Angelegenheit zu vertagen, um Zeit zur nochmaligen Be- ratung zu gewinnen. Die Vertreter Häger und Becker traten sür das Grundstück in der TreSlowstraße ein und stellten fest, daß der größte Teil der Schülerinnen aus dem westlichen Ortsteil komme. Die übrigen Redner schlössen sich der Ansicht des Bürgermeisters an. Nachdem der Vertagungsantrag abgelehnt worden war. beschloß die Acriretung mit großer Mehrheit das HermSsche Grundstück, Kaiser- Wilhclm-Straße 68/09, zum Preise von 115 000 M. zu erwerben. Dem Kinderhort wurden je zwei Zimmer in den Schulen der Bismarck- und Blankenburger Srraße zur Verfügung gestellt. In das Kuratorium sür die Höberen Schulen wurden die Vertreter Thormann, Dr. Pralsch, A. Äuhlmann und Häger gewählt. Unter Punkt Mitteilungen wies der Bürgermeister auf die mangelhafte Beseitigung des Schnees besonders vor den Grundstücken der außer- halb wohnenden Besitzer bin und ersuchte um Abstellung dieses Miß- standes, anderenfalls er Bestrafung eintreten lasse. Hua aller Melt. Vierfacher Mord. Eine gräßliche Bluttat beging in der letzten Nacht in I n st e r b u r g ein Arbeiter Becker an seiner Familie. Becker kam in angetrunkenem Zustande nach Hanse und erschlug mit einem Beil seine Frau, seine Schwiegertochter und zwei Enkelkinder im Alter von ein und drei Jahren. Der Mörder versteckte sich sodann auf dem Boden seines Hauses. Als gestern morgen der Sohn des Mörders von seiner Arbeit zurückkehrte, fand er die Getöteten in dem Wohnzimmer in gräßlichem Zustande vor. Die Frau gab noch Lebenszeichen von sich und wurde sofort nach dem Krankenhause geschafft, wo sie hoffnungslos daniederliegt. Der Mörder versuchte sich auf dem Boden seines Hauses aufzuhängen, wurde jedoch noch. rechtzeitig abgeschnitten und verhaftet Ein gelber Patriot. In Petersburg hat sich der ftüherc koreanische Gesandte Prinz Tschin Pomyi in seiner Wohnung erhängt. DaS Motiv der Tat war. wie ein hinterlassener Brief bezeugt, der Gram über den Verlust der Unabhängigkeit Koreas. Da haben eS unsere preußischen Pattioten zu Zeiten der Gefahr doch besser verstanden, ihre schätzenswerte Kraft der Mit- weit zu erhalten. So beispielsweise in den Jahren 1806/7, als Preußen am Rande des Abgrundes stand. Ilm an der Staatskrippe weiter zu fressen, schwuren sieben preußische Minister und ein großer Teil der königlichen Beamten dem korsischen Eroberer den Treueid. Auf solche aus- gefallene Idee, sich das Leben zu nehmen, ist keiner von ihnen ge« kommen._ Seemannstod. Einen tragischen Tod erlitt am II. Januar bei der Ausreise des gischdampfers„Karl Adolf" aus Geestemünde der Heizer skar Krengel. ein geborener Berlinern Krengel wollte während der Fahrt einen Ascheimcr ausschütten und stürzte dabei über Bord. Durch das lange Ausbleiben des Verunglückte» wurde der Maschinist aufmerksam und so der Unfall, der ohne Augen- zeugen geblieben war, bekannt. Trotz sofortigen Zurückfahrens und Absnchens der Strecke konnte von dem Verunglückten keine Spur ge- mnden werden. Erst jetzt, nach der Heimkehr des Dampfers vom nge, wird der Tod des Heizers, der ein braver Genosse war, der effentlichkcit bekannt. Von der Pest. In Charbin sind gestern an der Pest 33 Chinesen ge- st o r b e n. Auch erlagen ihr die russische Aerztin Lebedew, ein Student de r�M e d i z i n und einHeilgehilfe. ZEin zweiter Heilgehilfe ist erkrankt. AuS Sibirien sind zur Verstärkung der in den Pestgebieten tätigen Medizinalpersonen sechs Aerzte mit 50 Ge- Hilfen entsandt worden. Kleine Notizen. Vom Treibriemen erfaßt. In der Zementfabrik Frauendorf bei Oppeln wurde ein Arbeiter von einem Treibriemen erfaßt und sofort getötet. Giftige Gase. Erstickt in ihren Betten aufgefunden wurden in Christianstadt iNiederlausitz) zwei Zimmerlehrlinge. Sie hatten in dem Ofen Feuer angemacht, wobei sich Kohlen- gase entwickelt hatten. Die Cholera unter den türlischc» Truppen. AuS Aden wird amtlich gemeldet, daß unter den kürzlich aus Konstantinopel in H o d e i d a angekommenen türkischen Truppen die Cholera herrscht. ES sind auch von den Einwohnern der Stadt bereit» Eingeborene erkrantt. Ein Flug mit fünf Passagieren. Am Donnerstag hat der Aviatiker Sommer mit fünf Mitreisenden auf seinem Zweidecker einen Flug von Douzh nach Romilly und zurück unternommen._ Frctreligtöse Gemeinde. Sonntag, den 29. Januar, vormittag» 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17 und Rixdors. Jdeowassage: Freireligiöje Vorlesung.— Vormittags Ii Uhr, Kleine Franksnrter SIragc 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille:.Enlwickclung der KoiteSidce. I. Ursprung der Götter." Dame» und Herren als Gäste sehr willkommen. «MtterjinflSNberRdie vom 37. Januar ISII, morgen» 8 ildi. Setter enrniecwe 768 NNW 2 Schnee Hamburg 788 W�W 4 bedeckt Berlin 767W! llbedeckt �ronfl.a Vi 774 SA" 2 Dunst ISümseji 778 SW 1 9 heiter Wien 769 SN© 7 bedeckt OK cS- »II i!» M* Stationen a if II Ii ■? Wetter tt fj ii Havaranda 1745 Still! wolkenl—11 Petersburg 749 SSW 1 bedeckt—6 Scilly .Ubtroeqi Paris 773 SSW 765 3 776 3 I 3 bedeckt 2 wollig 1 Regen Nr. 24. 28. Jahrg. KnlM to„ilsniiirtg"' AllieiM ftr«Men. Sifii, Pfllfs. 28. Idttiiar 1911. Vorort- JSfacbrichtcn. Treptow-Banmschnlcnweg. Aus der Gemeindevertretung. Bürgermeister Schabloiv feine zunächst mit, dah Treptow jetzt fünf Gcmeindeschulen besitzt. Die I., 4. und 5. Gemeindeschule befinden sich im sogenannten Berliner Ortsteil, und zwar die erste in der Kiefholzstr. 46, die vierte in der Wildeubruchstrasie und die fünfte in der Bouchestr. 75. Die 2. und 3. Gemcindescbule befinden sich im Ortsteil Baumschulenweg, Kief- Ijolzstr. 274/2(0. Für die Pflichtfortbildungsschule hat die Regie- rung einen einmaligen Beitrag von 366 M. bewilligt. Das Realgymnasium ist am 1. Januar in das frühere, jetzt für Schulzwecke um- gebaute Amtsgebäude Neue Krug-Allee 5 übergesiedelt. Die Vor- schule und die höhere Mädchenschule sind in der Elsenstr. 3 unter- gebracht. Die Unterhaltung der Kreischauyee Rixdorf-Kanne und der Baumschulcnstraße, soweit dieselben im Gcmeindebezirk Treptow liegen, hat die Gemeinde Treptow gegen eine einmalige Abfindung von 30 383 M. von« Kreis Teltow übernommen. Die Kreischaussee, welche bisher den Namen Kanncr Chaussee führte, soll, soweit sie durch Treptower Gebiet führt, den Namen Forsthaus-Allee erhalten. Dem Bebauungsplan für das Gelände zwischen dem Haidekamp- graben und der Nixdorf-Niederschöneweider Anschlußbahn hat die Stadtgemcinde Nixdorf unter der Bedingung zugestimmt, daß die Straße am Haidekampgraben so viel nach dem Bahnkörper zu ge- senkt wird, daß später eine Unterführung dieser Straße stattfinden kann. Dagegen verpflichtet sich Rixdorf, die Regenwässer für ein Treptower Gelände von 15 Hektar unentgeltlich in die Rixdorser Kanalisation aufzunehmen. Die Bedingungen wurden ange- nommen. Des weiteren wurde beschlossen, die Wegeunterhaltungs- Pflicht der Ranipen zu den Brücken über- den Teltowkanal, soweit dieselben im Gcmeindcbczirk liegen, bis an den Fuß der Brücke von dem Kreis Teltow zu übernehmen. Ter Kreis Teltow zahlt dafür eine Abfindungssumme von 24 000 M. an die Gemeinde. Dann wurde über den Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Einrichtung eines Gewerbe- und Kaufmannsgerichts für Treptow beraten. Treptow hat 25 000 Einwohner und ist deshalb gesetzlich verpflichtet, diese Einrichtungen zu treffen. In dem vorgelegten Entwurf des Ortsstatuts wurde vorgeschlagen, daß die Zusammen- setzung der Gerichte aus je 10 Beisitzern, 5 Arbeitnehmern und 5 Arbeitgebern, und je einem Vorsitzenden und Vorsitzendenstellver- treter bestehen solle. Auf Antrag der sozialdemokratischen Ge- meindevertreter wurde die Zahl der Beisitzer für jedes Gericht auf zwanzig erhöht, und zwar auf je 10 Arbeitgeber und 10 Arbeit- nehmer. Ein Antrag unserer Genossen, für die Verhandlung eines Rechtsstreites vor dem Gewerbe- und Kaufmannsgericht Gebühren nicht zu erheben, wurde abgelehnt. Die Mehrheit der Gemeinde- Vertretung ging dabei von der Erwägung aus, daß, wenn man vor dem Gewerbe- und Kaufmannsaericht keine Gebühren zu scheuen brauche, wegen der geringsten Kleinigkeit prozessiert werden würde. Die Wahl der Beisitzer erfolgt nach dem Proportionalwahl- system. Es kommt das Berliner System mit Vorschlagsliste zur Anwendung. Für die Arbeitgeber werden Wählerlisten aufgestellt. Die Arbeitnehmer müssen sich von ihrem Arbeitgeber oder von der Ortspolizeibehörde bescheinigen lassen, daß sie in Treptow be- schäftigt resp. wohnhaft sind. Mit dieser Wahllegitimation mutz am Tage der Wahl jeder Arbeiter, der wählen will, seine Wahl- berechtigung nachweisen. Die Vorschlagslisten sind für Arbeitgeber und Arbeitnehmer getrennt aufzustellen und dürfen nur soviel Namen enthalten, als Beisitzer von jedem der beiden Wahlkörper zu wählen sind. Sie müssen unter Benennung eines für weitere Verhandlungen bevollmächtigten, mit Vor- und Zunamen, Beruf und Wohnung bezeichneten Vertreters von fünf Wählern des be- treffenden Wahlkörpers unterzeichnet und spätestens drei Wochen vor der Wahl eingereicht sein. Die Zahl der Unterzeichner der Vorschlagsliste wurde auf Antrag unseres Genossen von 10 auf 5 herabgesetzt. Ein Antrag unserer Genossen, die Spruchkammern des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts mit 4 Beisitzern zu besetzen, wurde abgelehnt. Des weiteren war von unseren Parteigenossen noch beantragt, in das Ortsstatut aufzunehmen, daß die Wahl der Beisitzer der Arbeitnehmer an einem Sonntag stattfinden müsse. Bürgermeister Schablow gab die Zusicherung, daß die Wahlen mög- lichst an einem Sonntag stattfinden werden, aber ins Ortsstatut solle man diese Bestimmung nicht aufnehmen. Der Antrag wurde zurückgezogen. Mit diesen Abänderungen wurde das Ortsstatut angenommen. Dann wurde noch Beschluß gefaßt über eine Nachforderung für die weitere Ausgestaltung des Rathauses. Am Hauptringang soll, um einen besseren Abschluß zu gewinnen, ein Bronzegelände auf- gestellt werden. Die Kosten werden auf zirka 2500 M. geschätzt. Unser Genosse Karow trat für die Bewilligung dieser Forderung ein. Die Summe sei im Vergleich mit der Gesamtsumme, welche das Rathaus kostet(810 000 M.j nur gering. Herr Klapp war gegen die Aufstellung eines so kostspieligen Geländers, da das Rat- haus bereits zu teuer sei. Der Herr spielte dann noch sehr den Entrüsteten, daß die sozialdemokratischen Gcmcindevertreter der- artige Ausgaben leichten Herzens bewilligten, aber für höhere Ein- nahmen der Gemeinde wollten sie nickst eintreten. Ihm wurde er- widert, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten und Gemeinde� Vertreter überall, wo es gelte, die Kunst und Wissenschaft zu unter- stützen und zu fördern, dabei wären. Auch Einnahmequellen für die Gemeinde helfen die sozialdemokratischen Gemeindeverordneten sehr häufig öffnen. Die Forderung wurde bewilligt. Zur Einweihung des Rathauses wurden 5000 M. gefordert.'Genosse Karow hält eine solche Feier für überflüssig. Bürgermeister Schablow trat für die Forderung ein und hob hervor, daß Treptotv noch nie etwas zu seiner Repräsentation getan habe, hier wäre es ober wirklich mal am Platze. Herr Ncumann schlug vor, 3000 M. zum Festessen zu bewilligen. Die Mehrheit bewilligte die geforderten 5000 M. Auch Herr Klapp stimmte dafür. Dagegen stimmten Herr Kröbel von der Demokratischen Vereinigung und die sozialdemokratischen Ge- meindevertreter. Der öffentlichen folgte eine geheime Sitzung. Grosser Inventur-Verkauf. Nach beendeter Inventur sind unsere noch reichhaltig sortierten Liger zum Teil bis auf den halben Preis herabgesetzt. Wollplüsch-Mäntel extra gute Qualitlten. unverwüstlich Im Tragen, in allen Grdssen und Liegen. Plüsöä-S Wert 27—90, jetzt 18, 24, 27, 33, 39, 48, 62 M. Abend- und Theatermäntel Wert 15-68, jetzt 9, 12, 16, 21, 27, 32, 42 M. Paletots aus engl. Stoffen Werl 15-45, jetzt 1, 9, 11, 15, 18, 21, 27 M. Eskimo-Paletots und-Mäntel 1 Werl 21-75, | jetzt 12, 15, 18, 21, 27, 33. 42 M. Jackett- und Paletot-Kleider I Wert 18-95, letzt 8.50, 12. 16.50, 21, 30, 38, 45 M. i Kostümröcke blau u. schwarz' Wert 12-33, Jetzt 5.75, 7.50, II, 13.50, 18. 21 M. Französische Kleider i Wert 42-125, jetzt 28.50, 36, 42, 48, 55, 66 M. Besonders preiswert:—— Ca. 150 Jackettkleider | ans englisch. 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