Mr. 28. flbonncmentS'Bedingungcn: vbonnemcnls■ Prris pränumerando} Licrteljährl 330 Ml. monoll 1,1« Mü, wöchentlich 2» Psg frei ins?auS. Einzelne Nummer ö Pfg Sonniags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' ltZ Psg Post- ilbonnement: l.lO Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rttmänien. Schweden und die Schweiz, CridKlnt lZgllch auBcr montags. 9>* Verlinev Volksblatl. 28. Jahrg. Sie Tnfertlons'Gebflbr kelrägt für die sechsgespallene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- lind Bcrsammlungs-Anzeigcn Ll> Psg. „Kleine Sn-eigen", das erste sselt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort s Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adreffe: „Soalalltenollral Berlind Zentralorgan der roztaldemohratifchen parte» Deutfchlande. fUdahtion: 8M. 68. Lindcnstraaac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SA. 68, Lindenstraaac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. ZU Uaul Singers Tsde. Paul Singer als Kommunalpolitiker. Wer die Verwaltung der Stadt Berlin mit ihrem Drei- hundert-Millionen-Etat sich näher ansieht, wird bald erkennen, wie vielgestaltig das Gemeindeleben ist und welch ungeheure Arbeit und welch großer Meist dazu gehört, sich von dieser Verwaltung jene Kenntnisse anzueignen, die nötig sind, um positiv an der Vervollkommnung der städtischen Aufgaben mit- zuarbeiten. Ein solcher genauer Kenner der städtischen Ver- waltung und ihrer Einrichtungen war unser verstorbener Genosse Paul Singer. Der Umstand, dast bis Ende des Jahres 1883 in der Berliner Stadtvcrordneten-Versammlung die Sozialdemokratie noch nicht vertreten war, eröffnete unseren im Oktober 1833 zum erstenmal gewählten Genossen, unter denen sich Paul Singer befand, ein großes Feld der Tätigkeit. Wie es bei dem Dreiklassenwahlrecht nicht anders sein konnte, waren vor Eintritt unserer Genossen ins Rote Haus die Interessen der Arbeiterklasse in keiner Weise berücksichtigt worden und besonders in sozialer Beziehung lag nicht weniger als alles im Argen. Mit dem Eintritt unserer Genossen ins Stadtparlament wurde das anders. Die Berliner Arbeiter konnten nunmehr auch ihre Forderungen auf kommunalem Gebiete erheben, und unsere Genossen taten das auch in der unerschrockensten Weise. Zunächst hatten sie einen schweren Stand. Die ersten Jahre waren Jahre der Vergewaltigung. Die freisinnige Mehr- heit schloß unsere Genossen von der Vertretung in allen Ausschüssen aus. Aber unsere Freunde unter Führung unseres Paul Singer kämpften Zoll um Zoll, Schritt um Schritt für ihre Gleichberechtigung. Und nicht ohne Erfolg. Immer mehr Terrain gewannen sie unseren Gegnern ab. Eine Konzession nach der andern wurde abgerungen. Und wenn heute die Sozialdemokratie im Roten Hause in fast allen Kommissionen mit einigen wenigen Ausnahmen vertreten ist, und wenn dieser Tage selbst der erste sozial demokratische Vertreter in das Bureau der Stadtverordneten� Versammlung gewählt wurde, so ist das der festen, zielklaren Haltung unserer Freunde und nicht zuletzt dem kraftvollen Austreten unseres Paul Singer zu danken. Wie auf diesem Gebiet, so ging es auf allen anderen Gebieten langsam, aber sicher vorwärts. Es hieße die Ge schickte der Sozialdemokratie im Roten Hause während der 27 Jahre schreiben, wollte man die Tätigkeit des Genossen Paul Singer in der Kommune darlegen. Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem nicht unser toter Freund mitgewirkt hätte. Kaum ein Stadtverordneter kämpfte so entschieden für die Wahrung der Rechte der Selbstverwaltung, wie Singer. mochte es sich um das Bestätigungsrecht der Regierung in Sachen der Schulverwaltung handeln oder um dirette Ein- griffe der Eisenbahnverwaltung in die Rechte der Stadt Berlin oder gar um angemaßte Hoheitsrechte der Krone Berlin gegenüber. Immer stand Singer seinen Mann und suchte mit Entschiedenheit diese Uebergriffe abzuwehren. Und welch' große Arbeitskraft verwandte Genosse Singer in Gemeinschaft mit anderen Fraktionsgenossen darauf, um dem Kommunalfreisinn Reformen sozialer Natur abzutrotzen! Die großen Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege, der Wohnungspolitik. der Arbeiterpolitik, des Schul- und Erziehungswesen, die Armen- und Waisenpflege usw.. und nicht zuletzt das städtische Verkehrswesen, sie alle zeugen von der rastlosen vorwärtsdrängenden Tätigkeit Paul Singers im Interesse der Arbeiterklasse. Und diese Tätigkeit übte der Verstorbene aus. ohne seine übrigen Aufgaben als Organisator und Agitator, als Reichstagsabgeordneter zu vernachlässigen. Es kann ohne Ucbenreibung gesagt werden, daß die von ihm in der Kommune geleistete Arbeit vorbildlich geworden ist. für das Wirken vieler Genosicn in den Gemeinden. Singers Rat in komniunalen Dingen hatte weit über die Grenzen Berlins hinaus keinen geringen Wert und wurde oft und gern eingeholt. Selbst die Gegner Singers erkannten seine Arbeit im Dienste der Gemeinde an und brachten Öa3 anläßlich des 25 jährigen Jubiläums Singers al� Stadtverordneter dadurch zum Ausdruck, daß sie ihni ewe Adresse uberreichten, die folgenden Wortlaut hati Herrn Paul Singer z« Erinnerung an seine 25 jährige Tätigkeit als Stadtverordneter von Berlin. Hochgeehrter Herr Kollege I �..*! bem heutigen Tage blicken Sie auf eine ununterbrochene Ajahnge Tätigkeit als Stadtverordneter unserer Stadt Berlin zurück. Während dieser ganzen Zeit haben Sie. sobald Sie in die Reihe der gewählten gesetzlichen Vertreter unserer Bürgerschaft getreten find, sich Ihrem Amte in treuester, eifriger und mühevoller Pflichterfüllung hingegeben. Sie find nicht nur stets in unserer Versammlung öffentlich für da«, was nach Ihrer Ueberzeugung das Wohl der Stadt und unserer Mickürger verlangt, in eindrucksvoller Rede eingetreten. St« haben auch einer höchst wirksamen und aufopferungsvollen, «1 Ihr« reiche» Kenntnisse gestützten Tätigkeit in vielen städtischen Deputationen und Ausschüssen unserer Versammlung jederzeit sich hingegeben. Und wenn auch Ihre Ansichten und Vorschläge bei der Ver- schiedenheit der Richtungen häusig bei vielen Mitgliedern unserer Versammlung eine sachliche Zustimmung nicht eriahren konnten, so ist Ihre auf feste Ueberzeugung gegründete, eindringliche Mühe- waltung. Ihr mit warmer Herzenswärme, Gewissenhaftigkeit und Selbstlosigkeit stets bezeigtes Eintreten für das Wohl unserer Stadl Berlin und die Rechte ihrer Selbstverwaltung von uns allen immer anerkannt worden. Wir bringen Ihnen somit zum heutigen Tage die herzlichsten Glückwünsche entgegen, sprechen Ihnen für Ihre der Stadt Berlin treu geleisteten Dienste unseren besten Tank aus und geben uns der Hoffnung hin, daß Ihnen, der Sie bei allen Gegensätzen uns stets ein freundlicher Kollege waren, noch recht lange Zeit des Wirtens, in Kraft und Gesundheit, beschieden sein möge. Berlin, den 2. Januar 1909. Stadtverordnete zu Berlin. gez. Michelet. So hoch Genosse Singer auch die Tätigkeit sozialdemo- kratisklier Vertreter in den Gemeindeparlamenten bewertete, so war er sich auch vollkommen klar darüber, daß sie für unsere Partei nur nützlich sein kann, wenn sie geübt wird auf Grund unseres allgemeinen Parteiprogramms. Unsere Prin- zipien sollten nicht verwässert oder gar preisgegeben werden um Erlangung kleiner Augenblickserfolge, eine Gefahr, die in der Kommune leicht eintreten kann. Wie sehr sich Genosse Singer in seiner umfassenden kommunalpolitischen Tätigkeit immer den Blick fürs große Ganze bewahrte, das beiveisen am besten die Worte, die er ani Schlüsse einer im Jahre 1906 in Berlin abgehaltenen Konferenz der sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gc- mcindevertreter Groß-Berlins ausgesprochen hat und die wir zum Schlüsse hierher setzen wollen: Singer sagte: „Wir müssen bemüht sein, nicht nur auf diesen Kon- fercnzen und in den Gemeindevertretungen unsere Schuldig- keit zu tun, sondern auch dafür Sorge zu tragen, daß die Partei immer mehr und mehr von der Notwendigkeit einer sozialdemokratischen Kommunalvertretung überzeugt wird. Vor allem aber dürfen wir auch in der Gemeindc- arbcit die großen Grundgedanken unserer Partei nie vergessen. Wir müssen uns in der Gemeinde- Vertretung und in deren Verhandlungen inimer be- wüßt werden, daß wir Sozialdemokraten sind und die Pflicht haben, auch an dieser Stelle nach den Grund- sätzen und Forderungen der Partei zu handeln. Dann werden wir auch davorge- schützt sein, um kleiner Augenblicks- vorteile willen unsere Grundsätze nicht im vollen Umfange zu befolgen. Ist es doch viel besser, daß ein für den Augenblick vorteil- hafter Beschluß unterbleibt, als daß wir einem Beschlüsse zustimmen, der mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar ist. Wir niüssen uns bewußt bleiben, daß namentlich in den kleinen Gemeinden bei der Kleinarbeit die Gefahr, die großen leitenden Gesichtspunkte unseres Programms aus den Augen zu verlieren, vorhanden ist. Und weil diese Gefahr vorhanden ist. müssen wir um so schärfer darauf achten, daß kein Beschluß gefaßt wird, der von unseren grundsätzlichen Anschauungen aus anfechtbar ist." Diese Worte können als das kommunalpolitischc Testament unseres dahingeschiedenen Genossen gelten, der als einer der ersten die Prinzipien sozialdemokratischer Gemeindepolitik in mustergültiger Weise vertreten hat und richtunggebend ge- wesen ist auf diesem wichtigen Gebiete unserer Gegenwarts- arbeit. '.' Der Nachruf in der bürgerlichen Presse. Nachdem wir gestern die Stimmen der Berliner Presse wiedergegeben haben, seien heute die Nachrufe der be- deutendsten Blätter außerhalb Berlins wiedergegeben. Die „Kölnische Zeitung" schreibt: „Die deutsche Sozialdeniokrane hat einen Vorkämpfer verloren. den sie ein Menschenalter hindurch auf einen weithin sichtbaren Posten gestellt halte. Fast dreißig Jahre lang hat Paul Singer in der Kommunalarbeit, im Reichstage und in der Parteileitung der Weltanschaung gedient, der er sich schon in jungen Jahren zugewandt hatte. Es liegt in der Natur des Werdegangs der Sozial- demokratischen Partei und im Wesen ihrer Anschauungen begründet, daß die ihr zufallenden Intelligenzen� diese Entwickelung meist erst nach schweren innern Kämpfen und äußern Anstößen nehmen, und sür die altern Führer kam noch hinzu, daß die Arbeiterbewegung selbst sich m de» Zeiten ihres Llnschluffes in heftiger innerer Gärung befand. So ist für den einen oder andern die Ge« schichte seiner eigenen persönlichen Entwickelung zugleich die Geschichte der Partei, von den erbitterten Bruderkämpfen im eigenen Lager durch die mannigfaltigsten Phasen bis zur Glättung und äußerlichen Einheit. Wie ist Bebel von allen diesen Stürmen gerüttelt und geschüttelt worden, wie hat er sie teils selbst entfacht! Er ist schließlich obenauf geblieben und sein Lebensgang entspricht Stufe um Stufe den Vcrknotungen, den Wirren, den Kämpfen und dem krönenden Erfolge der Parteigeschichte selbst. Ganz anders bietet sich das Bild der Persönlichkeit des verstorbenen Singer. Als er der Berliner Arbeiterbewegung näherrückie, waren die Zeilen der ersten inneren Gärung eben überwunden, er trat nach einfachen Ueberlegungen gewissermaßen ein zur Mitarbeit in geordneten Verbältnissen, hier ist wenig oder nichts, was das Charakterbild kompliziert.... Schmeichelnde, lockende, berückende, überzeugende Werbearbeit war nicht Singers Sache, Ruhig und sicher orientierte er seine Reden nach dem sachlichen Schwergewicht für die agitatorischen Zwecke der Partei; das war seine besondere Begabung. Eine Woche indessen gab es in jedem Jahr, in der, durch niemand in die zweite Reihe gedrängt, Singer einzig und allein der Gefeierte war. Das war die rote Woche des Parteitages. Da war Singer in seinem Element, da war er all die Tage hindurch der Gegenstand größter Bewunderung der Genoffen im Lande, denen gerade die Art, wie er das Arbeiterparlament mit festen Griffen leitete, wie ein leuchtendes Zukunftsbild erschien von der Er- füllimg ihrer Träume. Die Beherrschung aller Feinheiten der Geschäftsordnung imponierte über Gebühr, denn der dieses Schau- spicls Ungewohnte nimmt die Form für die Hauptsache... Die sozialdemokratische Partei verliert in Singer recht eigentlich ihren Gencralrepräieiuanten. Wie in der deutschen Sozialdemokratie, so sehen wir ihn im internationalen Verkehr gerade in dieser Eigen- schast herausgestellt. Er verkörperte' weit mehr als andere seiner Mitarbeiter das internationale Prinzip." »Rheinisch-Westfälische Zeitung": „Denn offen muß gesagt werden, zumal gegenüber den Trauer- kund gedungen, in denen sich nunmehr die deutsche Sozialdemokratie in überströmenden Lobeserhebungen nicht wird genug tun können, daß Singer als Mensch die unsympathischste Persönlichkeit unter allen Sozialdemokraten gewesen ist. Zu groß war der Widerspruch zwischen seinem Lebenswandel und den politischen Lehren und den sittlichen Anschauungen der Partei, der er angehörte. Wohl ist eS richtig, daß nicht aus seinem Munde, sondern aus dem seines Kom- pag nons Rosenthal die schamlose Aufforderung an die Arbeiterinnen in seiner Damenmäntelfabrck erging, hinaus auf die Berliner Friedrich- straße zu gehen und sich dort das für die LebenSnotdurft Nötige zu verdienen, was ihnen bei den Hungerlöhnen des Betriebes des sozial« demokratischen Führers abging. Aber auf Singers Namen bleibt der Makel ruhen, daß er sich nicht geschämt hat, mit einem solchen Menschen weiterhin als Kompagnon zu arbeiten. Hinzu kommt, daß er mit dem riesige» Vermögen, das er sich durch dieses Aus- beutungssystem, durch diese saueren Arbeiterinnengroschen er- warben hat, in einem widerliche» Leben voll Genußsucht praßte. Dies Leben eines sozialdemokratischen Arbeitgebers, sei» ausschweifendes Leben, seine Seklgelage und bekannten riesengroßen Havannaimporten vertragen sich nimmermehr mit dem Auftreten auf der Tribüne im Reichstag oder in Volksversammlungen als Vertreter der Arbciterinteressen." Die Sätze der„Rhcinisch-Westfälischcn Zeitung" kenn- zeichnen den wütenden Haß des Blattes der rheinischen Groß- kapitalisten gegen die Sozialdemokratie und ihre Führer, den blinden Haß. der da glaubt, durch niedrige Verleumdungen die Lebensarbeit eines Treuen und Braven entwerten zu können. .Magdeburger Zeitung": „Niemals hat er allerdings die Rolle eines großen Führers in der Sozialdemokratie gespielt, tray seines Amtes als Partei- Vorsitzender. Deshalb war sein Einfluß in der Partei und in der Geschichte der Sozialdemokratie aber nicht gering. In zahlreichen internationalen Sozialistcnkongreffen saß er im Präsidium, und alle deutschen sozialdemokratischen Parteitage seit 1899 hat er mit an» erkanntem Geschick geleitet. Er hatte eine seltene Gabe und ein glückliches Temperament für die Beherrschung großer Bersamm- lungen. Wie er in aufgeregten Momenten die hochgehenden Wogen bald mit Liebenswürdigkeit, bald mit Grobheit zu glätten, verwickelte Geschäftsordnungsdebatten zu entwirren, peinliche Berattmgen durch ein geschicktes Schlußwort befriedigend ausklingen zu lassen verstand, das ist mich von seinen Gegnern häufig genug anerkannt worden." .Leipziger Neueste Nachrichte n'. „Singer übte, wenn er auch propagandistisch nicht sonderlich hervortrat, doch eine starke Wirkung auf die Entwickelung der Partei. Sie hat darum allen Grund, seinen Namen mit einer besonderen Marke in die Annalcn ihrer Geschichte zu schreiben, so wenig er auch ihr neue Gedanken und neue Anregungen gab. Und sie wird sich auch daran erinnern muffen, daß er in den Zeiten des Sozialisten- gesetzes manche Not und Gefahren auf sich nahm. Auch hier kühl und gelaffen, wie er dem ganzen Leben gegenüberstand." „Kölnische Lolkszeitung": „Singers Tod bedeutet einen großen Verlust für die deutsche Sozialdemotratte, den größten für die Berliner Sozialdemokratie. «htget ist in der Sozialdemokratie und durch ste zu seiner Bedeutung in unserem öffentlichen Leben gekommen. Die sozialistische Bewegung hat ihn emporgehoben, und er hat ihr wieder durch die Eigenart seiner Person und Stellung Dienste erwiesen, die ein anderer ihr kaum leisten konnte. Er ergänzte das sozialdemokratische Drei- gcstirn Bebel, Liebknecht, Auer in einer für die sozialdemokratische Partei vorteilhaften Weise. Bebel verkörperte den intelligenten, zielbewußten Agitator und Propheten der jungen deutschen Sozial- demokratie. Liebknecht war ihr Journalist, der Mann der Feder, Auer der praktische Organisator und Singer, wenn man so sagen kann, der Prokurist der ganzen Firma, der kühle, geschästSinätzige Praktiker, der mit den Realitäten rechnete und sorgte, daß dao Parleischiff auch immer Wasser hatte, auf dem eS treiben konnte." «Frankfurter Zeitung": „Unübertrefflich war er als Leiter der sozialdemokratischen Partei- tage. � DaS zeigte sich am deutlichsten, wenn er einmal durch Krank- heit verhindert nicht da war, so z. B. auf dem letzten Parteitage. Diese Versammlungen zu dirigieren ist nicht leicht. Singer hatte aber eine langjährige Erfahrung, die nötige Ruhe und Umsicht. War er der Borfitzende, damt funktionierte die Parteitags- Maschine tadellos, auch bei stürmischen Debatten, und wie er am Schluß die zahllosen Anträge, die in der letzten Sitzung eines sozialdemokratischen Parteitages immer noch da sind, erledigen ließ. dies anzusehen, war stets ein Vergnügen. Ganz am Swluß, wenn alles aufgearbeitet war, kam dann die Marlsteinrede, so genannt, weil jahrelang die resümierende Rede Singers erklärte: dieser Partei- tag bedeutet einen Markstein in der Geschichte der Partei. AIS sich dann einmal einige Blätter darüber mokierten, ließ Singer den Markstein fallen, aber lange gab es keinen ParteitogSschluß ohne ihn. Nun ist also dieser Veteran der Sozialdemokratie aus dem Leben geschieden, und wenn auch sein Tod in der Partei gewiß nicht Empfindungen hervorrufen wird, die sich mit dem Eindruck meffen könnten, den daS Scheiden Liebknechts hervorrief, so wird er doch sicherlich von vielen seiner Partei ganz ausrichtig betrauert werden. DaS verdient er auch, denn er hat der Partei geleistet, was er konnte, ihr also sein Bestes gegeben." . �. Die Mittrauer der Internationale. Beim Parteivorstand und der Redaktion des„Vorwärts" häufen sich die Kondolenztelegramme aus Deutschland und der ganzen Welt. Wir heben daraus folgende hervor: Das internattoniale sozialistische Bureau bezeugt der sozialdemokratischen Partei Deutschlands sein tief- gefühltes Beileid beim Ableben seines hervorragendsten Mit- gliedes Paul Singer. Vandervelde. Anseele. Furnemont. Huhsmans. » Die Konferenz der Labor Party sendet den deutschen Arbeitern anläßlich deS Todes Singers den Slusdruck ihres Betleids. Leicefier, Ramsey Macdonald, Sekretär. # Dem Parteivorstand und der deutschen Sozialdemokratie senden wir den Ausdruck unserer herzlichsten Teilnahme, dem sich sämtliche Mitglied?! der sozialistischen Kammerfraktion anschließen. Aus ganzem Herzen nehmen lvir teil an Eurem Verlust und an Eurer Trauer. JßaiHant. Jaurös. Guesde. Die sozialistische Partei Belgiens nimmt lebhasten Anteil an dem Hinscheiden Paul Singers, das einen schweren Schlag für das deutsche Proletariat bedeutet. Brüssel. Vandersmissen, Sekretär. Die sozialistische Arbeiterpartei Hollands bietet an- anläßlich des Hinscheidens des großen Vorkämpfers Paul Singer ihrer deutschen Schwesterpartei ihr herzlichstes Beileid dar.' Wie in der ganzen Welt, so hat auch in Holland Singers Tod das Gefühl eines großen Verlustes für das Proletariat aller Länder erweckt. Sein Gedächtnis wird als das eines der hingebendsten und treuesten Führer im Kampfe in Ehren gehalten werden. Amsterdam. Vliegen, Vorsitzender. van Kuykhof, Sekretär. » Die dänische Sozialdemokratie nimmt her�- lichen Anteil an der Sorge über den Verlust, welchen die internationale Sozialdemokratie durch das Ableben ihres tapferen Mitkämpfers Paul Singer erlitten hat. Sein An- denken in Ehren! � Stauning, Kopenhagen. Wir trauern mit der deutschen Arbeiterklaffe um den un- vergeßlichen Präsidenten ihrer Partei und der Internationale. Schwedischer Parteivorstand. Branting. • Tieferschüttert durch den Tod Singers übersendet das ekutiv-Komitce der polnischen Sozialdemokratie orte des aufrichtigen Beileids und tiefer Trauer. Krakau. Johann Englisch, Obmantt. » DaS Zentralkomitee der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei und der Allgemeine Gewerkschaftsbund Bulgariens drücken der deutschen Bruderpartei herzliches Beileid zu dem Verlust aus. den das internationale Proletariat durch das Ab- leben des unermüdlichen treuen Vorkämpfers Paul Singer er- leidet., Sofia. Georg Kyrkow. Das AuSlandSkomitee deSAllgemeinenJüdifchen Arb eiter bundes Rußlands in Genf drückt dem deutschen Parteivorstand sein Beileid aus anläßlich des schmerzlichen Verlustes. Mit Ihnen und den Proletariern aller Länder beweinen auch wir den Tod unseres edlen Vorkämpfers Paul Singer. Russische Revolutionäre Sozialisten in Genf. » In tiefer Trauer beklagen wir zusammen mit dem deutschen Proletariat den unersetzlichen Verlust Paul S i u g e r s. des unvergeßlichen Führers der internatumalen Sozialdemokratie. Brüsseler Gruppen russischer Sozialdemokraten, Sozialdemokrattsche Arbeiterpartei Lettlands, Sozialdemo- traten Polens« Littauens und Jüdischer Arbeiterbund. m Zusammen mit den deutschen Genossen betrauern wir Singers Tod als den schwersten Verlust des� inter- nationalen Proletariats. Sozialdc in akratisches Zentralorgan der sozialdemokratischem A r b e j t e r p g r t e i T ß l y n d Ä Der ukrainische Verband Spilka' der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands sendet den Aus- druck tiefsten Mitgefühls aus Anlaß des unersetzlichen Ver- lustes Singers, der in der russischen Ukraina als Kämpfer für den revolutionären Marxismus weit bekannt ist. B a s o k. Redaktion„Goloß Sozialdemokrata" teilt den Schmerz der deutschen Genossen über daS Hinscheiden deS alten Vor- kämpfers des internationalen Proletariats, Paul Singer und drückt das tiefste Beileid aus. Axetrod. O Die sozialistische Partei New IorkS beklagt tief den Verlust unseres Genossen Singer. Eerbus. # „Dolkszeitnng" beklagt den Tod unseres Genossen Singer. „New Jorker Volkszettun g." « Der Tob unseres gemeinsamen, Werktätigen Mitkämpfers und Genoffen Paul Singer erfüllt auch die Wiener Ar- beiterschaft mit tiefner Trauer und übermittele ich namens derselben die wärmste Teilnahme. Brettschneider. Wieder hat der Tod eine Lücke gerissen, und tief er- schüttert vom Ableben unseres Genossen Paul Singer über- Mitteln wir unseren Brüdern in Deutschland unsere Anteil- nähme an dem Verlust. Wir trauern mit Euch. Redaktion der„ V o l k s t r i b ü n e Wien. Mit den reichsbeutschen Genossen trauern auch die deutschen sozialdemokratischen Arbeiter von Trieft um den unermüdlichen Vorkämpfer der Internationale. Sozialdemokratischer Verein Trieft. ♦ In derselben Weise kondolieren der Landesparteitag der tschechischen Sozialdemokraten Rieder-Oesterreichs der 59. böh- mische Wahlbezirk und die Redaktton der„Delnicke Listy" in Wien sowie die Redaktton der„Salzburger Wacht" in Salzburg. Außerdem sind Beileidskundgebungen in großer Menge von den P a r t e i o r g a n i s a ti o n e n d e u ts ch e r Städte eingegangen. Bonden bürgerlichenBeileidskundgebungen sei noch ein Telegramm Dr. Breitscheids erwähnt, in dem gesagt wird, daß auch die nicht auf sozialdemokrattschem Boden stehenden Demokraten den Verlust dieses Mannes betrauern. der geschickt, opferfreudig und mit Energie die'Sache des Volkes vertrat. »• » Die Beerdigung des Genossen Singer findet Sonntag mittag 12 Uhr vom„VorwärtS'-Gebäude aus, wo die Leiche am MiUwochabend aufgebahrt worden ist, statt. Der Leichenzug bewegt sich nach dem Zentralfnedhofe in FriedttchSfelde, wo auch die Genossen Liebknecht und Auer beigesetzt find. JEinzel- beiten werden morgen mitgeteilt werden. Kränze und Blumenspenden sind an die Redaktion deS„Vorwärts" zu adressieren. Zutritt zum Friedhof haben außer den Kranzdelegierten der Partei und Gewerkschafisorganisationen nur die mit Kranz ver- se he nen Personen. Gesuche um Ueberlassung von Karten find nur schriftlich an Eugen Ernst. Buchdruckerei Vorwärts. Lindenstr. 69, zu richten. Mündliche Gesuche find zwecklos.. k'reuMH-stastllche IlligeniWege. Die preußische Regierung hat die Grundzüge ihreS Feldzuges gegen die freie Jugendbewegung bekanntgegeben. Es liegt jetzt der „Erlaß des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Med!» zinal-Angelegenheiten vom 18. Januar 1911 betr. Jugendpflege" vor. Die„Post" meint, man habe dem Erlaß wohl nicht ohne Absicht das Datum der vierzigsten Wiederkehr des Kaiserproklamationstages gegeben. Natürlich stimmt daS Scharfmacherblatt„den in diesem Erlaß vertretenen Prinzipien der möglichst freien Eni- faltung aller vaterländisch und sittlich wirkenden Kräfte für die Jugendpflege, der freien Selbstverwaltung und SelbstauSgestaltung mit Ausschluß jedes staatlichen Zwanges, eines möglichst breiten, reichen und vielseitigen und das ganze Jugendleben umfaffenden Ausbaues der Organisation voll und ganz" bei. In dem Erlaß des Kultusministers heißt es: „Tie in den letzten Jahrzehnten erfolgte Veränderung der Erwerbsverhältnisse mit ihren nachteiligen Einflüssen auf das Leben in Familie und Gesellschaft hat einen großen Teil unserer heranwachsenden Jugend in eine Lage gebracht, die ihr leibliches und noch mehr sittliches Gedeihen aufs schwerste gefährdet." Nach dem Hinweis, daß die Jugendpflege.die Anwendung irgend einer bureaukratischen Schablone" nicht vertrage, daß„tun- lichst freie Entfaltung aller geeigneten Kräfte" unentbehrlich sei, wird„an daS Wohlwollen und die opferwillige Mithilfe aller Vaterlaudsfreunde in allen Ständen und Berufsklassen" appelliert. Alle staatlichen Behörden, die Geistlichen aller Bekenntnisse, die Beamten und Lehrer sollen sich bereit halten,„planmäßig auf das gemeinsame Ziel" hinzuarbeiten. Innerhalb jedes Regierungs- bezirkes soll die Bildung geeigneter Organisationen vorbereitet werden: Stadt- oder Ortsausschüsse für Jugend- pflege und in ländlichen Orten und nicht kreisfreien Orten Kreisausschüsse für Jugendpflege. Als einheitliche Stelle wird nach dieser„Kleinarbeit der örtlichen Instanzen" ein Bezirksausschuß für Jugendpflege vorgeschlagen, der unter Leitung des Regierungspräsidenten etwa 20 Mit- glieder auS allen Berufsklassen und Ständen umfassen soll. Vorerst besteht, wie es in dem Erlaß heißt, nicht die Ab- ficht, staatliche Einrichtungen mit Besuchszwang für die schul- entlassene Jugend zu schaffen. Es handele sich vielmehr darum, die bestehenden Veranstaltungen dritter und Vereinigungen aller Art„unter sich und mit den staatlichen, den Kreis- und Gemeinde- organen zu einheitlichem, planvollem Wirken zusammenzuschließen und ihnen innerhalb der sich daraus ergebenden größeren örtlichen, Kreis- und Bezirksorganisationen durch Rat und Tat, auch durch Zuwendung staatlicher Mittel als Beihilfen eine an Umfang und Kraft gesteigerte Wirksamkeit" zu ermöglichen: „Die kgl. StaatSregierung hat für den vorliegenden Zweck einen besonderen Fonds. Bezüglich der Verwendung ist zu beachten, daß der erwähnte Betrag nur für die Förderung der Pflege der schulentlassenen männlichen Jugend bestimmt ist. Für die schulentlassene weibliche Jugend dürfen Mittel dar- auS nicht verwendet werden, es können aber die für die mann- liche Jugend auS diesem Fonds unterstützten Einrichtungen auch für die weibliche mitbenutzt werden, soweit dies ohne staatliche Beihilfen möglich ist." In dem Erlaß werden dann die„Grundsätze und Ratschläge für Jugendpflege" entwickelt: „Aufgabe der Jugendpflege ist die Mitarbeit an der Heran- bildung einer frohen, körperlich leistungsfähigen, sittlich tüchtigen, von Gemeinsinn und Gottesfurcht. Heimat- und V a t e r l a n d ö l i e b e erfüllten Jugend. Sie will die ErzichungStätigkcit der Eltern, der Schule und Kirche, der Dienst- wid SeihrZerrM unterstütze� ergangen und weiterfuhW, s Zur Mitwirkung bei der Jugendpflege sinff alle Eerufen, welche ein Herz für die Jugend haben und deren Erziehung im vaterländischen Geiste zu fördern bereit und in der Lage sind. Die erforderlichen Mittel werden von Freunden und Gön- nern der Jugend, von den Gemeinden, Kreisen usw. und er- gänzungsweise vom Staate gewährt. Die Arbeit an der Jugend- pflege ist in der Regel ehrenamtlich." AuS den„Ratschlägen" seien nur die folgenden hervorgehoben: „Es kommt hinzu, daß die Entfremdung weiter Kreise von der Kirche vielen Jugendlichen auch die im Gottesdienste dargebotene Quelle zur Erhebung des Gemüts und zur sittlichen Stärtung verschließt." „Die Ausführung der Jugendpflege darf nicht in einer Weise erfolgen, daß sie lediglich oder doch in der Hauptsache auf bloße Vergnügung der Jugend hinauskommt. Vor eine schwierige, aber auch dankbare pädag�o- gische Aufgabe werden Lehrer, Aerzte, Geistliche, Richter und Anwälte, Landwirte, Gewerbetreibende, Ingenieure, Offiziere sowie überhaupt alle diejenigen gestellt, welche an der Jugend- pflege durch Halten von Vorträgen, durch Leitung von freien Aus- sprachen und dergl. mitarbeiten wollen.... Anziehend bei richtiger Behandlung und von großer er- ziehlicher Wirkung sind Darstellungen des Heldentums auf den verschiedenen Gebieten, des Pflichtenheldentums einer in ihrem Berufe sich aufopfernden Krankenpflegerin nicht minder als des Heldentums des einfachen Soldaten oder des Generals, die ihre Treue mit dem Blute besigeln.— Kriegsgeschichte verfehlt namentlich dann ihre die Jugend begeisternde Wirkung niemals, wenn von dem mit wenigen' Strichen in großen Zügen gekenn- zeichneten Hintergrunde der großen Ereignisse sich ein Einzelschicksal. ein einzelnes Ereignis, ein Einzel- unternehmen abhebt, das der Jugend schlicht, aber anschau- lich vor die Seele gestellt wird. Demgemäß empfiehlt es sich, der Jugend möglichst weitgehenden Anteil an der Leitung der Vereine zu geben und ihr allerlei Aemter im Vcreinsleben zu übertragen. Das Interesse an der Vereinigung wird erhöht, wenn ihre Mitglieder einen wenn auch noch so geringen Beitrag zu zahlen haben.— Es wird anzustreben sein, namentlich für Sonn- abendabend sowie Sonntagnachmittag und-abend die jungen Leute zu geeigneten Veranstaltungen heranzuziehen." Der Geist, den der Erlaß des Kultusministeriums atmet, ist unverfälschter preußischer Geist. Das Ziel ist: Rettung der Jugend vor dem„Gift des Umsturzes". Vermuckerung und patriotischer Drill sollen die Jugend für Reichsverbändlerei und Kriegervereinsbrüderlichkeit dressieren. Mit solchen Kläglichkeiten glaubt man, die Bewegung der erwachten proletarischen Jugend er- sticken und erwürgen zu können! vergiftete Ilfleile aus sicherem Ihinterhaite. Der konservative Landtagsabgeordnete Boehmei, von Beruf Landgerichtsdirektor in Etargard. hat gestern im Landtage seinem Ingrimm darüber Luft gemacht, daß die Hetzreden und Hetzartikel ihren Zweck, gegeen die Arbeiter und die Sozialdemo- kratie scharf zu machen, in den Moabiter Prozessen nicht erreicht haben. Er hat erkannt, daß die Beweisaufnahme nicht, wie seine Partei wünschte, den Philister vor der Sozialdemokratie gruselig gemacht habe, sondern auch scharfe Gegner der Sozialdemokratie über die bis zum Mord gesteigerten Brutalitäten von Polizei- beamten empört hat. Und diese Erkenntnis hat ihn zu lebhaften Klagen darüber veranlaßt, daß die Beweisaufnahme in dem Moa- biter Prozeß die Wahrheit enthüllt hat. Er wünschte, daß daS schmale Recht der Angeklagten auf Beweiserhebung über ent- lastende Momente noch mehr beeinträchtigt worden wäre. Uebcr die Verteidigung, die Staatsanwaltschaft und den Vorsitzenden des Schwurgerichts ist er mit lebhaften, durch keinerlei Sachkenntnis getrübten Vorwürfen hergezogen. Vorwürfe eines solchen EifererS für Verhüllung der Wahrheit ehren die Angegriffenen. Für die Oeffentlichleit interessant ist die Tatsache, daß dieser pommersche Abgeordnet- Landgerichtsdirektor ist, also einen Beruf auSM. dessen Glieder von Amts wegen jedes Mittel zur Aufdeckung der Wahr- hett anzuwenden verpflichtet fein sollten. Freilich nur bei ihren amtlichen Funktionen. In seiner richterlichen Tätigkeit muß der Herr also von AmtS wegen eine andere Methode anwenden als er in seiner LandtagSrede befolgte. Hier ist er nicht nur für Fesseln der Wahrheit eingetreten. Darüber hinaus hat er die Wahr- heit nicht nur verdunkelt und verschleiert, sondern durch Verbrei- tung erfundener Behauptungen geradezu mißhandelt. Er hat be- hauptet, eS feien bei der Berichterstattung deS.Vorwärts" über den Moabiter Prozeß„nur die Zeugenaussagen ausführlich wieder- gegeben, die ungünstiges über die Polizei aussagten". Und diese der Wahrheit ins Gesicht schlagende Behauptung stellte der Land- tagSabgeordnete auf. ohne auch nur den Versuch zu machen, sie durch Anführung von Tatsachen wenigstens scheinbar zu recht- fertigen? DaS ist ein frivoles Echindludertretben mit der Wahr- heit. Wahr ist. daß der„Vorwärts" im Geyensatz zu der Partei- ischen Berichterstattung einer Reihe bürgerlicher Zeitungen aufs objektivste über die Moabiter Prozesse berichtet hat. Die Gröblichkeit der durch den Abgeordneten Bochmer verbreiteten Unwahrheit, eS feien nur die Zeugenaussagen, die ungünstiges über die Polizei aussagten, ausführlich wiedergegeben, kann niemandem entgehen, der die Berichte gelesen hat. Hat der Abgeordnete die Berichte gelesen und dennoch die Tribüne deS Abgeordnetenhauses zur Verbreitung seiner verleumderischen Behauptung benutzt, ohne auch nur den Versuch eines Beweisantritts zu machen, so hat er gegen unS einen Kampf mit vorgifteten Pfeilen auS sicherem Hinterhalt geführt. Der beste Protest gegen solche Kampfesweise dürfte ihre Annagelung sein, die hiermit erfolgt. politileke Gebcrficbt. Berlin, den 1. Februar 1911. Annahme der Wertzuwachssteuer. AuS dem Reichstag. 1. Februar. Endlich ist die agrarisch verhunzte Wertzuwachssteuer unter Dach und Fach gebracht worden. Die Scvlußdebatte ergab keinerlei wesent- liche Aenderungen der Fasjung zweiter Lesung. Noch einmal wurde um die Verteilung des erzielbaren Er- träges gekämpft. Ter sozialdemokrattsche Antrag auf Zu- � teilung von 60 Proz. an die Gemeinden. 10 Proz. an die Einzel- staaten und M Proz. an das Reich, sowie der Vorwegnahme von 6 Millionen Mark aus letzterem Betrage für die Veteranen, wurde wiederum mit großer Mehrheit abgelehnt. Nachdem dann das Gesetz bis auf den Schlußparagraphen in der agrarischen Fassung angenommen war. wurde auch nochmals von unserer Seite der Versuch gemacht, die Aufhebung des Zündwarengesetzes als Aequivalent für die An- nähme der Wertzuwachssteuer zu erreichen. Denn, wie die Verhältnisse bei uns liegen, wäre eS die einzige Möglichkeit, die Sozialdemokratie zur Zustimmung zu diesem Gesetz zu bringen, wenn ein noch schlechteres, ein die Massen besonders bedrückendes Steucrgesetz dafür aufgehoben würde. SIS Genosse Brey zur Begründung deS sozialdemokratischen' Antrages die Tribüne bestieg, wurde er von der Rechten mit unwilttgem Lärnl empfangen und wurde längere Zeit am Sprechen gehindert. Brey ließ sich indes nicht abhalten, dafür einzutreten, daß diese Gelegenheit zur Abschaffung des verderblichen Zündwarengesetzes benutzt werde. Er brachte dabei die Rücksichtslosigkeit der Regierung und Schnaps- blockparteien gegen die braven Zündwarenarbeiter in wirk- samen Gegensatz zu der zarten Besorgnis, die die nämlichen Leute für das Steuerprivileg der Fürsten betätigt hatten. Das half natürlich nichts. Gegen die Stimmen der Sozialdemo- traten und Freisinnigen wurde der Antrag abgelehnt. Dann kam es zur Schlußabstimmung über das ganze Gesetz, die namentlich vorgenommen wurde. Sie ergab 199 Stimmen f ü r und 93 g e g e n das Gesetz, bei 20 Stimmenthaltungen. Außer den Sozialdemokraten hat keine Partei geschlossen gegen das Gesetz gestimmt. Enthalten haben sich wieder die Polen. Sogar eine größere Zahl Frei- sinniger befand sich unter den Jasagern, so daß daraus zu ersehen ist, wie nicht einmal in solchen Steuerfragen die Frei- sinnigen sich noch in die Stellung einer entschiedenen Oppo- sitionspartei hineinfinden können. Der Rest der Sitzung wurde dann mit der Fort- führung der Jmpsdebatte ausgefüllt. Dabei vertrat Genosse Sachse mit Wärme einen von einer Anzahl Parteigenossen unterzeichneten Antrag auf An- stellung neuer Untersuchungen über die Jmpfmethode und ihre Wirkungen, sowie die Einführung der englischen„ G e> w i s s c n S k l a u s e l", die es in das Belieben der Eltern stellt, ob sie die Impfung ihrer Kinder zulassen wollen. Es mag hierbei bemerkt werden, daß andere Parteigenossen wohl mit der Anstellung neuer Untersuchungen, nicht aber mit der Einführung der Gewissensklausel einverstanden sind. Eine Parteiangelegenheit ist diese Frage natürlich überhaupt nicht. Die Debatte führte zu einem mehrstündigen sehr eingehenden Vortrage des als Regierungskommissar anwesenden Professors Kirchner über die gesamte Jmpfpflege. Er trat mit großer Entschiedenheit für die Aufrechterhaltung des JmpfgesetzeS und des Impfzwanges ein. Um 6>/, Uhr wurde dann die Debatte wiederum vertagt. Die nächste Sitzung findet M o n t a g, den 6. Febmar, statt. Die neue Methode. Der Präsident der preußischen Duma, Herr Jordan ü. Kröcher. hat am Mittwoch zum ersten Male die neue Methode probiert, die er neulich in so auffallender Form angekündigt hat. Daß sich die Methode bewährt, kann man beim besten Willen nicht behaupten� denn in letzter Linie ist der Blamierte doch immer ihr genialer Erfinder. Herr v. Kroch er rief nämlich unseren Ee- nossen Liebknecht, der namens der Fraktion zu dem Gesetzentwurf über die Polizciverwaltung in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Arnsberg und Münster sprach, fortgesetzt zur Sache. Dabei war Lieb- kuecht auch nicht um Haaresbreite von der Sache abgewichen, denn eS gehört doch selbstverständlich zur Stiche, wenn man auf die letzten Ursachen hinweist, denen ein Gesetzentwurf entsprungen ist, und seine Gefahren schildert. Aber des Präsidenten Begriffe über Sachlichkeit sind andere. Vielleicht wollte er auch lediglich eine Probe seiner Schneidigkeit ablegen. Kurz ünd gut, nach dreimaligem, direkt pro- vokatorischcm Ruf zur Sache entzog er unserem Redner das Wort. Nach der Geschäftsordnung mußte er das Haus befragen, ob es Liebknecht noch weiter anhören will, und da ist es charakteristisch, daß selbst das Gros der Nationalliberalen sich nicht zu der Kröcherschen Geistesgröße aufschwin» gen konnte, sondern mit Freisinn und Sozialdemokratie dafür stimmte, daß der Sozialdemokrat weiter reden dürfe. Natür- lich war das praktisch bedeutungslos, denn die Mehrheit, bestehend auö den beiden konservativen Parteien, dem Zentrum und einem Teil der Nationalliberalen, trat auf die Seite des Präsidenten. Aber blamabel war das AbstimmungSverhältnis für Herrn v. Kröcher trotz alledem. Hierauf begann die Beratung des I u st i z e t a t s. Wie all- jährlich, so entspann sich auch diesmal wieder zunächst eine Debatte über die Gefängnisarbeit. Unseren Standpunkt entwickelte 2 i e b I n e ch t, der in den Vordergrund die Notwendigkeit der Er- zichung deS Gefangenen zur Kräftigung für den späteren Kampf umS Dasein rückte, und sich.gegen jede Echmutzkonkurrcnz aussprach, und die NichtHinzuziehung von Arbeitervcrtretcrn in die Kommission zur Regelung der Gefängnisarbeit rügte. In der Generaldebatte zum Justizetat stimmte dann der kon- scrvative Abg. B o e h m e r ein langes Klagelied über den Moabiter Prozeß an, dessen Eindruck nach außen er dadurch abzuschwächen suchte, daß er dreist und gottesfürchtig behauptete, der.Vorwärts" habe nur die Aussagen der Zeugen wiedergegeben, die ungünstiges für die Polizei aussagten. Als ob nicht gerade der„V o r w ä r t s" am objektivsten von allen Blättern darüber berichtet hat, während gewisse bürgerliche Organe, die Herrn Doehmer sehr nahe stehen, geflissentlich alles unterschlagen haben, was zuungunsten der Po- lizeispricht! Im übrigen machte der konservative Redner den Justizminister scharf für eine reaktionäre Reform der Strafprozeß- ovdnung. Diesen Rat zu befolgen, wird dem Minister nicht schwer fallen. Geht doch die Anregung zu einer Beschränkung der Rechte der Angeklagten gerade von ihm aus! Auch das Zentrum wird ihm dabei, wie die Ausführungen des Abg. Zimmer beweisen, gern Hclfersdienste leisten. Auf die Moabiter Prozesse ging Herr B e s e l e r nur noch inso- weit cin7 als er die vielbesprochene RechtSöelehrung des Land- gerichtsdirektorS Unger über den Begriff der Notwehr als ein Miß« Verständnis bezeichnete und den Grundsatz proklamierte, daß auch derjenige, der sich einem Beamten widersetzt, weil er glaubt, daß der Beamte sich nicht in Ausübung seines AmteS befindet, strafbar ist! Am Freitag wird die Beratung des Justizetats fortgesetzt. Freiheit innerhalb„gewisser Schranken". In der württembergischen Zweiten Kammer gab der Minister Präsident Dr. v. Weizsäcker am DienStag zu der Frage der politischen Betätigung der Beamten folgende Erklärung ab: „Der Kgl. Staatsregierung liegt eine Beeinträchtigung der staatsbürgerlichen Rechte der Beamten fern. Es kann der Rc- gierung nur erwünscht sein, wenn Männer, die in ihrem Berust«in öffentliches Amt ausüben, sich auch außerhalb ihres Berufes am politischen Leben beteiligen und dabei ihre beruflichen Erfahrungen der Allgemeinheit nutzbar machen, doch ergibt sich aus dem Wesen des ö f f e n t l i ch e n Dienstes und der Stellung der Beamten, daß die Freiheit der politischen Betätigung nicht unbegrenzt sein kann, vielmehr dem Beamten, wie in seiner amtlichen und seiner außerordentlichen Führung überhaupt, so auch hier gewisse Schranken geboten sind. Diese Schranken sind bedingt durch gesetzliche Bcamtenpfli cht, durck die Pflicht der gewissenhaften Wahrnehmung des AmteS, durch die AmtSverschwiegenbeit. die Treue gegenüber dem König und der Verfassung." ' Mit dieser Erklärung wird man sogar in Preußen zufrieden kein. Der Unterschied besticht nur darin, daß man die„gewissen Schranken' in Preußen und in den Königreichen preußischer Land- rate so eng zieht, daß alles ausgeschlossen wird, was außerhalb des Konservatismus steht. In Preußen nennt man solche Einkreisung der Beamten bekanntlich„gottgewollte Abhängigkeit". Eröffnung des elsaß-lothringischen Landesausschusses. Der elsaß-lothringische Landesausschuß wurde am Mittwoch mit einer Thronrede des Statthalters eröffnet. Die Thronrede beginnt mit dem Hinweis auf den Entwurf der Verfassungsreform und spricht die Hoffnung aus, er werde die Zustimmung der be° teiligten Faktoren erhalten. In der allgemeinen Finanzlage des Landes sei keine wesentliche Aenderung eingetreten. Wetterschädcn und Mißernten hätten erhebliche Steuerausfälle herbeigeführt. Neue Steuerzuschläge seien nur dadurch verhindert worden, daß dringliche Ausgaben bis zur Reform der direkten Steuern zurück- gestellt worden seien. Die bereits fertiggestellten Entwürfe würden zur Beratung gelangen, sobald die Entscheidung über den Ver° faflungsentwurf gefallen sei. Auch die Gehaltsverbesserungen für verschiedene Beamtenkategorien könnten jetzt nicht durchgeführt werden. Die Notlage der Winzer solle durch den Erlaß der Grund- steuern und andere Maßnahmen gelindert werden. Angekündigt wird ein Entwurf über die Kanalisierung der Mosel von Metz bis Diedenhofen. Die erweiterte Grenzöffnung für die Einfuhr französischen Schlachtviehes wird begrüßt. Nach der Thronrede hielt der Alterspräsident Dietfch eine Ansprache, in der er aus- führte, der Drang des elsaß-lothringischen Volkes nach Freiheit und Unabhängigkeit sei noch unerfüllt. Solle Elsaß-Lothringen ewig als Grenzland behandelt werden, so bilde das ein Unikum in der ganzen zivilisierten Welt. Die einzelnen Parteien müßten ihre Kämpfe zurückstellen, um gemeinsam für die Fortentwickelung des Landes zu wirken. Zum Schluß erinnert der Statthalter daran, daß der günstige Seuchenstand in Frankreich es erfreulicher- weise ermöglicht habe, im Einverständnis mit der Reichsregierung die französische Grenze für die Einfuhr bestimmter Marken von Schlachtvieh in die größeren Städte und in. eine Anzahl von Orten mit industrieller Bevölkerung zu öffnen. Die Konservativen und die Börse. Die konservative Fraktion des Reichstages hat heuk.e!lft Reichstag folgende Interpellation eingebracht: „Die Unterzeichneten erlauben sich, an den Herrn Reichs- kanzler die Anfrage zu richten, welche Maßregeln gedenken die verbündeten Regierungen zu ergreifen, um der Ueberschwemmung des deutschen Geldmarktes mit fremden Wertpapieren und dem übermäßigen Abflüsse deutschen Kapitals nach dem Auslande vor- zubeugen?" Die Interpellation wird an einem der ersten Tage der nächsten Woche zur Verhandlung kommen. Polizeipoesie. Such die Polizeibeamten von Kassel haben den Geburtstag deS Kaisers durch eine Festlichkeit begangen. Unter den Erschienenen be- fand sich auch der königliche Polizeipräsident Freiherr v. Dalwig! zu Lichtenfels. Wie beim Festmahl der Polizeioffiziere zu Berlin, so spielle auch bei der dortigen Veranstaltung der Moabiter Prozeß eine gewisse Rolle. Der RcickstagSabgeordneie Lattmann hat nämlich die Festversammlung antelegraphrert und sie mit folgenden schönen Versen überrascht: Von verführter Menge, Die zusammengerottet, Bluthunde gescholten, Beschimpft und verspottet, Stehe fest wie bisher, In der Pflicht stramm und stet, Vom Bürgertum geachtet, du treue Polizei. Das herrliche Produkt Lattmannfcher Poesie fand begeisterten Beifall und versetzte verschiedene Wachtmeister in eine solch hoch- poetische Stimmung, daß sie nach Schluß der Feier, wie man munkelt, folgenden gereimten Dank an Herrn Latlmann abgesandt haben sollen: O, großer Dichter Lattmann, Es Hai Dein Dichtergruß Gewirkt aus unser'n Magen Wie Lartwerg und Pflaumenmus. Wir spüren noch die Wirkung, Der Hintern tut uns weh; Denn Deine Dichleriti« Bracht uns die Diarrhöe. Der abgelehnte Rodi». Wie die..National-Ieitung" von besonderer Seite erfährt, Ist der französische Bildhauer A u g u st e R o d i n, der auf der Kan- didatenliste der auswärtigen Mitglieder der Ritter dsS OrdenS Pour le mörite figurierte, vom Kaiser abgelehnt worden. Die auswärtigen Mitglieder des Ordens, soweit Männer der Wissenschaft und der Kunst in Betracht kommen, werden von den Aka- dcmien der Wissenschaften beziehungsweise der Künste vorgeschlagen. Nun hatte die Gesamtakademie der Künste, also einschließlich der Musiker, dem Ordenskapitel den Franzosen Rodin vorgeschlagen. Das Kapitel wieder leitete die Liste an den Kaiser weiter. In seinem Buche„In Deutschland" erzählt JuleS Huret, der Kaiser habe eines Tages zum Bildhauer Krause, dem Schöpfer einer SiegcSalleepuppe gesagt:„Er hat einen außerordentlichen Ruf. I dieser Nodin.. In Frankreich hält man gar nicht viel von ihm. Und seine Zeichnungen, die sie hier jetzt in der Sezession ausgestellt haben. würde in Frankreich kein Mensch ansehen." Der Kaiser hat zwar nie einen Fuß in die Sezession gesetzt.— Minister Studt hatte ihm das Urteil über Nodin suggeriert. Rodin wird wahrscheinlich die kaiserliche Ablehnung ohne Schmerz ertragen._ Verspätete Eiusicht. Als vor etwa 12 Jahren die badische Regierung damit begann, die Wasserkräfte d e S O b e r r h e i n e S an das Uiuernehmertum abzulreten durch Verträge, die teilweise aus drei Mensckenalter abgeschlossen wurden, wendete sich die sozial- demokratische Berlrelung der Kammer gegen� diese Torheit. Der damalige Minister Eisenlohr vertrat die Ausiassung, daß der Staat ungeeignet sei. die Verwertung dieser immensen Kraft zu übernehmen. Nun scheint man in Karlsruhe ander» zu denken; so lehnte die Regierung neuerdings ein Geiuch Privater ab, welche« eine Ausnutzung des Gefälles bei Schwörstadt sSäckingen) bezweckte; der Staat wolle sich die Wasserkraft vorbehalten, zunächst zur elek- trischen Bewegung badischcr Bahne». Der badische Anteit an den bereits vorhandenen Rbeinkraflweikcn ist Noch lange nicht ausgenutzt. Lausenburg und Augst-Whhlen liesern insgesamt 7S 000 Pfrrdelräfte. das bei Kembs geplante Werk soll 4a 000 liefern. Die Wiesental- bahn soll zuerst elektrisch betrieben werden. Feuerbestattung in Preußen. Wie die„Nationalliberale Korrespondenz" erfahren haben will. ist der schon fast sagenhaft geioordcne Gesetzentwurf über die Feuer- bcstaltung in Preußen nunmehr dein StaalSministerium zugegangen. Gteuersreihett der Veteranen in Weimar. Im weimarischen Landtage wurde am DienStag die Regierung von volksparteilicher Seite aufgefordert, eine Borlage über die Steuerfrelheit der Beteranm mit einem Einkommen vis zu ILM M. vorzulegen.____ Oertemid». Die Ausweisungen in Preußen. Budapest, 31. Januar. In der Oesterreichischen Delegation er- klärte Graf Äehrenthal über die Frage der Ausweisungen aus Preußen, zur objektiven Beurteilung der einschlägigen Verhältnisse dürfe man nicht aus den Augen verlieren, daß es das unbestrittene Recht eines jeden souveränen Staates sei, fremde Elemente, deren Aufenthalt auf seinem Gebiete ihm im öffentlichen Interesse nicht erwünscht erschiene, auf seinem Territorium nicht zu belassen oder die sich schon dort niedergelassen hätten, wieder zu entfernen. Gerade deshalb könne auch die östcrreichisch-ungarische Regierung den be- züglichen Maßnahmen der preußischen nicht anders entgegentreten, als indem sie sich in jedem einzelnen Falle der Ausweisung an die preußische Regierung wende, um eine Zurücknahme oder eine Fristverlängerung für die Ausweisung anzustreben. Der Ministerpräsident hielt daran fest, daß speziell im Falle der Dienstmagd Ciaston die säumige Abgabe der Uebernahme-Er- klärung durch die galizischen Behörden die lange Festhaltung der- selben mitverschuldet habe. Er hoffe, daß die Verhältnisse sich künftig günstiger gestalten würden, nachdem die Reichs- kanzlei, welcher der osterreicbisch-ungarische Botschafter in Berlin künstig die Verhältnisse in jeder einzelnen Ausweisungsfrage schil- dein werde, die Zusicherung erteilt habe, sie werde dafür Sorge tragen, daß bei der Durchführung von Ausweisungsverfügungcn in Preußen mit möglichster Schonung und Milde vor- gegangen werde. frankrdd). Der Fall Durand. Paris, 1. Februar. Syndikatssekretär D u r a n d hat durch Ver- mittlung des Deputierten Meunier an den Präsidenten der Repu- blik ein Schreiben gerichtet, in dem er für die Aufhebung der Todes- strafe seinen Dank ausspricht, nochmals seine Unschuld beteuert und um seine sofortige Freilassung bittet, um die Revision des Prozesses wirksamer betreiben zu können. Verurteilte Antimilitaristen. Rouen, 1. Februar. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte den nach Hallaich geflüchteten Arbeitcrsekretär Tortou wegen Auf- reizung zur Desertion in contumaciam zu zwei Jahren Ge- fängnis, zwei andere Personen aus demselben Grunde zu zwei bezw. sechs Monaten Gefängnis. Lelgien. . Der Polizeispitzel in der Maske eineS Studenteu. Brüssel, 1. Februar. An der Lütticher Universität ist ein ge- wisser Brodzky als Student eingetragen, dessen Tätigkeit als russischer Polizeispitzel des öfteren an den Pranger gestellt worden ist. Dieser Tage ließ sich Brodzky im Speisesaal der Universität zu unvorsichtigen Aeußerungen hinreißen, die auf sein Gewerbe Bezug hatten. Die Studenten verließen unter Protest sofort d e n S a a l und sandten eine Abordnung an den Rektor. Der sozia- listische„Peuple" bietet dem Rektor die nötigen Dokumente an zum Beweise, daß Brodzky in der Tat Polizeispitzel ist, Cnglsnck. Die Eröffnungszercmonien. London, 1. Februar. Die Mitglieder des Unterhauses be- gaben sich heute in der üblichen Weise unter Vorantritt des er- wählten Sprechers nach dem Hause der Lords, um dort die An- kündigung der königlichen Zustimmung zur Ernennung des Sprechers zu vernehmen. An der Schranke des Oberhauses stehend. bekräftigte Mr. Low t her in der historischen Formel die Unver- letzlichkeit der Privilegien der Gemeinen und bat zu gleicher Zeit, daß man alle Irrtümer auf feiten des Hauses ihm anrechnen möge. Sodann kehrte der Sprecher, der inzwischen seine Amtstracht an- gelegt hatte, nach dem Unterhause zurück, leistete seinen Eid-und trug seinen Namen ein. Minister und frühere Minister folgten seinem Beispiel, dann die übrigen Mitglieder des Hauses. Am Ende der Donnerstag-Sitzung wird die große Mehrzahl der Mit- glieder vereidigt sein und das Haus wird sich dann bis zum Montag, den 0. Februar, vertagen. Die Bigamicbeschuldigung gegen den König. London, 1. Februar. Heute begann dasPvozeßv erfahren gegen den der Verleumdung des Königs angeklagten Edward MylluS vor dem Lord-Oberstrichter Lord Alverstone. Der Saal ist von Zuhörern dicht besetzt. Die Krone wird durch den Attorney- General Sir Rufus JsaacS. den Solicitor-General Sir John Simon, sowie die Juristen Rowlatt und Muir vertreten. Auf Lord Alverstones Frage, ob er durch einen RechtSbcistand vertreten sei, antwortete MyliuS, er werde sich selbst verteidigen. Er er, Uchte dann, ihtrt seine privaten Briefe zurückzugeben, deren Be- schlagnahme eine grobe Rechtsverletzung sei. Ter Richter lehnte das Ersuchen ab. Der Gefangene fragte darauf, ob der König als Kläger anwesend sei. Er wünsche seine Anwesenbeit, weil seder Angeklagte berechtigt sei, seinem Kläger im Gerichtshofe gegenübergestellt zu werden. Der Richter erwiderte, der König könne nicht aufgefordert tverden. vor dem Gerichtshof zu cr- scheinen. Sir RufuS JsaacS erklärte, cS handle sich um eine Ber- leumdung, welche die Ehre des Königs angreife und berechnet sm, ihn in der Achtung allev Rechtlichdenkenden herabzusetzen. Er betonte, daß keine Klage gegen die republikanischen Gesinnungen des Angeklagten erhoben werde. Die gericht- liche Verfolgung sei eingeleitet worden, weil der Angeklagte be- hauptet habe, datz� des König? Ehe mit der Königin eine s ch m a ch- volle Bigamie sei und ein Aerbrecken gegen die Kirche. Der Angeklagte habe ferner behauptet, der König habe- im Jahre 1880 in Malta die Tochter des AdmiralS Seymour geheiratet. Als cr im Jahre 1882 Thronerbe geworden sei, habe er sie und ihren Sprößling verlassen.� um eine Prinzessin zu heiraten. Mit er- hobener Stimme erklärte Sir Rufus JsaacS sodann, die ganze Ge- schichte sei von Anfang bis zu Ende ein Gewebe von Unwahr- Heiken. Der als Zeuge aufgerufene Admiral Seymour sagte aus, er habe zwei Töchter gehabt. Die ältere habe im Jahre 1899 den Kapitän Rapier geheiratet, die jüngere sei 189S gestorben. Sie sei niemals verheiratet gewesen und habe niemals mit dem Konig gesprochen. Der König sei überhaupt nie in Malta gewesen, als seine Töchter dort gewesen seien. Ein Vertreter der Behörden von Malta legte daS Eberegister von 1888 bis 1908 vor. Es ist keine Ehe eingetragen, bei welcher der Familienname der Ver- mählten Sevmour war. Des Königs Privatsekretär Sir Arthur Bigge erklärte, er habe im August vorigen JabreS in einem Brief die Ermächtigung zur Dementierung des Gerüchts vo» einer morganatischen Vermählung erteilt. MyliuS stellte an die Zeugen keinerlei Fragen. Damit war die Verhandlung für die Anklage ge- schlössen. MyliuS ist schuldig befunden und zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach der Urteilsverkündung sagte Sir Rufus F s a a c ö, er sei von Seiner Majestät ermächtigt, öffentlich zu erklären, daß dev König niemals vermählt ge- Wesen sei außer mit der Kc.ngin, und daß er sich niemals irgend- einer Trauungszeremonie unterzogen habe, außer mit der Königin. Der König würde der gerichtlichen Verhandlung bei- gewohnt haben, um ein entsprechendes Zeugnis ab» zulegen, wenn er nicht von den juristischen Beratern der Krone das Gutachten erhalten hätte, daß dies der Konstitution Wider- sprechen würde. 6cwerhrcbaftUcbce.( Der Urbeiter darf nur 40 Jabre alt werden 1 Die Großen und die weniger Großen in der deutschen Industrie lieben es, sich in sozialpolitischer Knallprotzerei zu ergehen. Gegen jeden, auch nur den kleinsten Fortschritt auf dem Gebiete der Existenzberechtigung des Arbeiters, wehren sie sich mit Händen, Füßen und Zähnen. Ist solch Schritt aber gegen den Willen dieser Herren erst einmal erfolgt, dann stellen sie sich, nachdem einige Zeit darüber vergaugen ist, hin und loben sich selb st über den grünen Klee, daß sie doch die für die Arbeiter fürsorglichsten Leute feien. In Wirklichkeit liegen die Dinge auch hier wieder so, daß dort, wo der gesetzliche Zwang vorliegt, mit der Zeit eingesehen wird, wie vorteilhaft für den eigenen Geld- beute! der Arbeiterschutz ist. Derlei Erfahrungen haben uns unsere lieben Unternehmer so manches Mal gemacht, und noch jedesmal mußten sie gezwungen werden, dem Fortschritt zu folgen. Sie sind auch heute oft noch nicht anders geworden. Es braucht da nur daran erinnert zu werden, was für aus- gefallene„Wohltätigkeiten" sich mitunter Fabrikherren noch heut leisten. Ein Typus von der üblichen Unternehmerart, die stets erst zu Fortschritten gezwungen werden muß. sich aber dann gern im Lichte der„selbst gekommenen" sozialen Einsicht sonnt, scheint auch die bekannte Lokomotivfirma Henschel u. Sohn in Kassel zu sein. Schrieb sie doch kürzlich an einen um Arbeit nachfragenden Kupferschmied folgenden schönen Schreibebrief, von dem Name und Datum weggelassen ist, um Recherchen der Fabrikleiwng unmöglich zu machen. Er lautet: Herrn........ „Auf ihr Bewerbungsschreiben vom... d. M. teilen wir Ihnen mit, daß bei uns noch mehrere Stellen für Kupferschmiede frei sind. Wenn Sie tüchtiges leisten und selbständig arbeiten, würden Sie auf dauernde Beschäftigung bei gutem Verdienst rechnen können. Sind Sie gesund und befinden sich Ihre Papiere in Ordnung, dann stellen wir Ihnen anheim, sich sofort auf unserer Arbeiterannahmestelle Henschelstraße 2, Eingang neben der Volksküche, Cassel, zu melden, wo Sie über alles weitere Aus- kunft erhalten können. Sie dürften allerdings nicht älter als 40 Jahre sein. Henschel und Sohn. Erforderliche Papiere. Arbeitsbuch(wenn noch nicht 21 Jahre alt). Ausweispapiere über bisherige Tätigkeit. Polizeiliches Führungsatte st über die Ze.it- räume, über die Zeugnisse usw. nicht vorgelegt werden können. Ouittungskarte der Reichsinvalidenversicherung. Es geht aus dem Schreiben nicht hervor, ob die Firma Henschel u. Sohn bei den Lokomotivlieferungen für den preußischen, den bayerischen und andere Staaten nur staats- erhaltende Arbeiter tätig wissen will. Beachtlich bleibt es trotzdem, daß sie für die Zeit, wo ein Arbeiter keine Zeugnisse beibringen kann, also die Wochen und Monate der A r b e i t s- l o s i g k e i t, polizeiliche Führungsatteste verlangt. Das Schmutzigste ist aber an dem ganzen Briefe, daß dem Be- Werber ganz offen erklärt wird: wenn Du älter als 4() Jahre bist, dann bekommst Du bei uns keine Arbeit mehr. Wir möchten einmal sehen, was die Firma Henschel u. Sohn sagen würde, wenn von ihr plötzlich die Beiträge für die Invalidenversicherung in mehr- facher Höhe der jetzigen abgenommen würden, nur aus dem einfachen Grunde, weil die Arbeiter mit 4l) Jahren schon invalid sind, und deswegen doch vom Staate unterstützt wer- den müssen. Da dies aber noch nicht der Fall ist. müssen die Arbeiter, nach Henschel u. Sohn, wenn sie 40 Jahre alt ge- worden sind, einfach in eine ungestörte Ecke kriechen und ver- hungern. Das könnte diesen großindustriellen Gemüts, und Profitathleten so passen._ plattenfabrik..... in............ abwechselnd als Wächter, Presser und Heizer beschäftigt, weiß auch mit allen anderen zum Fach gehörenden Arbeiten Bescheid, z. B. Abbrennen und Reinigen der Matrizen, Feilen der Schellen, Gießen der Wachsplatten, Probieren und Nachsehen der fertigen Platten, würde mich auch Bureauarbeiten unterziehen. Ich gehöre keinem Verbände an und habe bei meinem früheren Arbeit- geber zwei Streiks mitgemacht und die Fabrik darin unterstützt. Ich bitte die Direktion der Schallplattenfabrik...... mir eine Stelle in Ihrer Fabrik zu übertragen. Ich werde bemüht sein, das in mich gesetzte Vertrauen durch besondere Tätigkeit und Pflichterfüllung zu rechtfertigen und sehe daher einer gütigen Gewährung meiner Bitte entgegen. Mit vollkommenster Hochachtung H. Schopp e." Die Firma hatte jedoch für die gepriesenen Vorzüge dieses vielseitigen Mustermenschen kein Verständnis, sandte ihm viel- mehr folgende Antwort: „Wir bestätigen den Empfang JhreS Schreibens vom 28. ct. und erwidern Ihnen hierauf, daß wir nur organisierte Arbeiter beschäftigen und nicht solche, die hundertfünfundzwanzig Hand- werke verstehen. Schallplattenfabrik." Das Gesicht des Biedermannes muß beim Empfang der Antwort sehenswert gewesen sein. Berlin und Umgegend. Der Streik der Jungbierfahrer in der Brauerei L» i s e n st a d t (Inh. E. Weber) ist beendet. Eine volle Woche hat Herr Weber gebraucht, um einzusehen, daß Versprechungen auch gehalten werden müssen. Es halte sogar den Anschein— wenigstens mußten alle in den Jungbierbrauereien Tätigen mit der Möglichkeit rechnen— daß infolge dieses Streiks die übrigen dem Verein der Weiß- und Braunbierbrauereien angehörenden Mitglieder ihre Fahrer aussperren würden. Um dagegen auf alle Fälle gerüstet zu sein, hatten die Vertrauensmänner sowohl als auch eine stark besuchte Versammlung dieser Branche im Laufe voriger Woche hierzu Stellung genommen. Inzwischen hatte der Verein der Weiß« und Braunbierbrauereien am Freitag voriger Woche sich ebenfalls mit dieser Angelegenheit befaßt. Die Entscheidung der Unternehmer ist dann zugunsten der Streikenden ausgefallen. Es hat darauf am Sonnabend eine Ver- Handlung zwischen einer Kommission der Streikenden unter Hinzu- ziehung eines VerbandSvenrelerS und Herrn Weber staltgefunden. m welcher eine Einigung dahingehend erzielt wurde, daß Herr Weber sich verpflichtete, seine gemochten Zugeständnisse zur Ausführung zu bringen und sämtliche Streikenden sofort ein- zustellen. In einer am Sonntag abgehaltenen außerordentlich stark be- suchten Versammlung dieser Gruppe beschäftigte man sich eingebend mit diesem Fall und war mir dem erzielten Resultat zufrieden. Am Montag wurde die Arbeit in vollem Umfange wieder auf- genommen. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirk Groß-Berlm. Achtung! Hausdiener, Packer! Die in der Teppichfabrik B. F e i b i s ch, Treptow, be- schäftigten Hausdiener und Packer haben sämtlich die Arbeit wegen Lohndifferenzen niedergelegt. Eine Verhandlung mit Verbands- Vertretern wurde rundweg abgelehnt. Die Firma stellt sich also auf den absoluten Herrn-im-Hause-Standpunkt. Diese Ab- Weisung konnten die Arbeiter nicht ruhig hinnehmen und legten sie die Arbeit einmütig nieder. Die Firma ist gesperrt. Nehme keiner dort Arbeit an. Deutscher Transportarbeiterverbcmd. Bezirk Groß-Berlin. Deutlcbea Reich. Achtung, Steinsetzer! Bei dem Steinsetzermeister Krause in Kolberg haben die Steinsetzer die Arbeit eingestellt, weil der Unternehmer plötzlich Lohnabzüge in Höhe von 10 Pf. pro Stunde vornehmen wollte. Zuzug ist fernzuhalten. Derbe Abfuhr eiues Arbeitswilligen. Jedenfalls ein Lebius-Jünger ist es, der einer Schallplatten- fabrik seine arbeitswilligen Dienste in folgendem, verlockendem Schreiben anbot: „An die Schallplattenfabrik.. Da ich in Erfahrung gebracht habe, dag die Schallplatten- fabrik..... den Betrieb in kürzester Zeit wieder aufzunehmen gedenkt, bewerbe ich mich hierdurch ergebenst um eine Stellung m der Fabrik. Tarifverträge in der Brauindustrie. Mit acht Brauereien in Landshut(Niederbayern) schloß der Brauerei- und Mühlenarbeiterverbapd einen auf drei Jahre gültigen Tarif- vertrag ab. Die Lohnerhöhungen betragen für die Tarifdauer 2,00 M. pro Woche, die Arbeitszeitverkürzung eine viertel Stunde. Sonst wurden noch die Ueberstundensätze erhöht,§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches anerkannt, für das Fahrpersonal ein Urlaub ohne Lohnabzug von zwei bis fünf Tagen und Entschädigung bei Landtouren vereinbart.— Ein Tarifvertrag bestand in Landshut schon vordem; die Organisation der Brauereiarbeiter ist dorr schon fast zwei Jahrzehnte alt; sie hat schon mehrere Kämpfe mit dem Unternehmertum ausgefochten und sich die Anerkennung errungen. Mitgliederflucht bei den„Christen". Das schmähliche Verhalten der Christenführer in der Lohn- bewegung der Bergarbeiter hat eine wahre Mitgliederflucht in ihren Reihen zur Folge gehabt. Viele von diesen sind zum Ver- bände übergetreten. Die Zahl der Uebertritte beträgt in den letzten Monaten über 1200. Da im Lager des Gewerkvereins Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung geäußert wurden, so erschienen dieser Tage zwei Abgesandte des Gewerkvercins, um sich von der Sache zu überzeugen. Als ihnen bereitwilligst Aus- kunft gegeben wurde und sie sich von der Richtigkeit überzeugt hatten, glaubten sie nur einwenden zu müssen, daß es sich in der Hauptsache doch nur um jüngere Mitglieder handele. Es wurde auch nicht verfehlt, den Abgesandten die Neuanmeldungen vor- zulegen. Sie haben sich auch davon überzeugt, daß vom 1. bis zum Ib. Januar über 4000 Neuaufnahmen eingegangen waren. Ein terroristisches Bravourstück. In dem Städtchen Eilenburg bei Leipzig treibt der Reichs« verband sein Unwesen in ganz besonderer Weise. Er fördert dort mit allen Mitteln den nationalen Arbeiterverein, ein gelbes Gebilde. das natürlich die Protektion der lokalen Scharfmacher genießt. So hat der Fabrikant H ä d r i ch, der in der Eilenburger Reichs- Verbandsfiliale die erste Geige spielt, sämtlichen Arbeitern in seinem Betriebe, die sich weigerten, dem nationalen Arbeiterverein bei« zutreten, gekündigt, um an ihrer Stelle auswärtige Arbeiter ein- zustellen. In gleicher Weise geht die Eilenburger Zelluloidfabrik vor. Dort hat der Portier eS übernommen, für den nationalen Verein Mitglieder zu werben. Dabei wurde angedroht, daß diejenigen, die sich dem„Wunsche" nicht fügen, ihre Kündigung zu erwarten haben. Diesem terroristischen Vorgehen sind nun die Arbeiter der Zelluloid- fabrik dadurch begegnet, daß sie am Montag in zwei Veriamm- lungen beschlossen,' ihre Kündigung einzureichen und am DienStag die Arbeit niederzulegen. Auf diesen Beschluß hin haben am Dienstag von 400 Arbeitern etwa 300 die Arbeit niedergelegt. Die ausständigen Arbeiter bitten um Unterstützung gegen diesen reichS- verbändlerischen TerroriSmus durch Fernhaltung des Zuzuges. In der MSbelfabrik von Matz z« Zweibrücken bestehen Differenzen. Trotz des auch für den Unternehmer gültigen Tarifvertrages schloß er mit einzelnen Arbeitern Sondervertrage ab, in denen ein niedrigerer als der Mindestlohn vereinbart wurde. Die alten tüchtigen Arbeiter wurden gemaßrcgelt und neue Kräfte eingestellt, natürlich zu niedrigeren Löhnen. Funktionäre des Holzarbeiterverbandes, die mit May verhandeln wollten, wurden hinauskomplimentiert. Herr May ließ ihnen er- klären, er hätte mit ihnen gar nichts zu verhandeln.— Die Holz- arbeiter werden ersucht, den Vorgängen in Zeulenroda die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Husland. Die österreichischen Gewerkschaften im Jahre IVIO. Soeben veröffentlicht die Wiener Gewerkschaftskommission ihren Bericht üher das abgelaufene Jahr. Natürlich nimmt die tschechische ZersplitterungSaktion den größten Raum in dem Bericht ein. Bis aus die Verbände der Eisenbahner und Tabakarbeilcr(beides StaalS bedienstere, denen niemand die Koalitionsfreiheit streitig macht I), sind alle Gewerkschaften schon dem Separatismus insoweit erlegen, daß es zur nationalen Trennung kam. Der Erfolg: die Zahl der tschechischen Mitglieder in beiden Organisationen zu- lammen ist heute geringer, als früher in der Zentralorganisalion allein! Klarer kann eS schon nicht erwiesen werden, daß das Ent- gegenkommen gegen den kleinbürgerlich-gelbcn Chauvinismus nur diesen, aber nicht den Sozialismus stärkt. Mehr als 20 000 tschechische Arbeiter, dieses Fazit zieht der Bericht, sind auf der Wadlftatt liegen geblieben I Da müßte man wohl meinen, es müßte sich iofort verwirklichen, was Genosse Viktor Adler dieser Tage in feiner Budget- rede den bürgerlichen Parteien zurief: Wenn wir unter Ihrem Hader eiden und die Funken des nationalen Kampfes auch in unserem Hause gezündet haben, so werden die Arbeiter den Weg zur Ge- schloiienheit wiederfinden.... In den Zentralorganisationen stehen immer noch über 80000 Tschechen, davon 20 000 in Mähren, das zentrale Prinzip ist auch unter der tschechischen denkenden Arbeiter« schaft noch daS herrichende. Trotz des Separatismus und der Wirt- schaflskriie verzeichnen 34 von den 52 Zentralverbänden Mit- gliederzunahmen, doch steht dem Gewinn von 16 000 ein Verlust von 26 000 Mitgliedern gegenüber, also ist da» Gesamt- ergebniS wieder ein Abgang von 10000. Ohne die separatistische Aktion aber wäre nach der ruhig vorgetragenen Ansicht der Reichs- kommission ein Gewinn von 10 000 Mitgliedern zu buchen. ES wäre unbegreiflich, wenn trotz Kopenhagen, noch unbegreiflicher, wenn trotz dieses Ergebnisses die bereits angebahnie Einigung der beiden Lager von klassenbewußten, sozialistischen Kämpfern, denen immer gewalttätiger gestimmt das Schorfmacherium und die Bourgeoisie gegenübersteht, nicht schon in ganz kurzer Zeit gelingen würde! ** • Inzwischen geht allerdings hie und da der Kampf doch noch weiter. Insbesondere von dem saltsam bekannten„Genossen" W a n j e k- Brünn, der noch immer ein parlamentarisches Mandat der tschechischen Sozialdemokratie bekleidet, ist ein toller Streich zu berichten, der in der Brünner Arbeiterschaft beider Zungen liefe Empörung erweckt hat. die sich in einer Volksversammlung geäußert hat. Am 18. v. MiS. tagte im dortigen Arbeilerheim eine Venrauensinännerveriammlung. die sich im Laufe ihrer Beratungen den im Rebenlokal tagenden Vorstand der von �_______ genötigt sah, an Ich bin Schlosser, geprüfter Heizer, Maschinenwärter und, Wanjek geleiteten Allgemeinen Arbeiterkrankenkasse zu deputieren. Lokomotivführer, habe gute und langjährige Zeugnisse. Ich 1 um die Zurücknahme der Entlassung des wegen— Zeit» war zuletzt am 28. Juli 1005 bis 6. April 1010 bei der Schall-' t r a l i S m u s und in formal unzulässiger Weise gemaßregelten Ge- Nossen Wessely zu sordenr. Wanjek antwortete, der Haus« m e i st e r(Portier) werde die Antwort bringen. Als die Dcvutation erklärte, sie werde ihre Auftraggeber von diesem famosen Bescheid in Kenntnis setzen, telcphoniene Genosse Wanjek an die k. k. P o l i z e»- direktion um Schutz vor der bedrohlichen Haltung der Ver- trauensmänner. Der städtischen Polizeistatton kam der Auftrag der Staatspolizei sonderbar vor— aber Wanjek bestätigte auf tele- phonische Anträge aus der Stadlpolizei, daß diese Sozialisten Polizei- schütz vor Arbeitern verlangten. Die Polizei drang schließlich ins Arbeiterheim ein, fand ober natürlich keinen Anlaß, zum Ruhme des tschechischen Sozialismus Wanjekicher Couleur auch noch Versamm- lungen aufzulösen, Leute zu verhaften oder gar mit dem Säbel ein- zuhauen. Und dieser Wanjek ist, wie gesagt. Landtagsabgeordneter der tschechischen Sozialdemokratie und bekleidet die Vertrauensstelle eines Sekretärs der allgemelnen Arbeiterkrankenkasse. Die holländischen Gewerkschaften zu Beginn 1.91.0. Am 1. Januar lOlO bestanden in Holland, einem soeben vom Statistischen Zentralbureau in Haag herausgegebenen Bericht zu- folge, 596 Gewerkschaften, die insgesamt 143 830 Mitglieder zählten. Von diesen gehörte» 113 073 zu 124 nationalen oder Distrikts« gewerkichasten, während die übrigen 30 772 Mitglieder den 472 unabhängigen lokalen Gewerkschaften angeschlossen waren. Die fünf Hauplgruppen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind die der Eisenbahn- und Tramwayarbeiier mit 9700 or- ganisierten Mitgliedern, die der Diamaniarbeiter mit 9297 Mit- gliedern, die der Gemeindearbeiter mit 8508 Mitgliedern, die der Polizeibeamten mit 8424 Mitgliedern und die der Texlilarbeuer mit 8019 Mitgliedern. Von der Gesamtheit der holländischen organisierten Arbeiter ge- hören 40 660 oder ungefähr 28 Proz. dem Rationalen Arbeiter- verband an. Die anderen Gewerkschaftsorganisationen sind ver- hältnismäßig unbedeutend. 11 650 Arbeiter sind in dem„Katho- tischen Arbetterverband", 6587 in dem evangelischen„Christlichen Nationalverband", 3454 in den Nationalen Arbeiteriekretarialen und 3020 in dem„Nationalverband der Transportarbeiter" organisiert. Ein Bnchdrnckerstreik in Lüttich. Die Schriftsetzer in Lüttich beschlossen mit 201 Stimmen von 245 Stimmen den Generalstreik, wie dieser bereits in Verviers verfügt wurde. Die Setzer verlangen Abkürzung der Arbeitszeit und einen Mindestlohn von 5 Fr. täglich. Dieser Ausstand be- trifft aber nur die Akzidenzsctzer. Die Zeitungssetzer haben bereits seit längerer Zeit den Achtstundentag sowie den. Minimal- lohn. Entsprechend' diesem Beschluß des Verbandes sind gestern morgen die Akzidenzsetzer in den verschiedenen Arbeitsstätten nicht zur Arbeit gegangen. Eine Ehrung Singers durch die Handlungsgehilfen. In einer großen Versammlung der Handlung?» g eh i Ifen, die vom Zentralverband Mittwoch abend in Kellers Neuer Philharmonie stattfand und in welcher Abg. Molkenbuhr über die Kaufmannsgerichtswahl und über die Privatangestcllteuvcrsicherung sprach, wurde vom Vor- sitzenden des verstorbenen Genossen Singer ehrend gedacht als desjenigen, der in allen öffentlichen Körperschaften, sei es im Reichstag oder im Berliner Rathaus, mit großer Sachkenntnis immer warm für die Interessen der Handlungsgehilfen eingetreten ist, besonders in seiner Eigenschaft als Mitglied des Ausschusses des Berliner Kauf- mannsgcrichts. Auch Genosse Molkenbuhr gedachte Singers ausdauernden Kampfes gegen die schrankenlose Konkurrenzklausel im Handelsgewerbe. Hetzte Nachrichten. Cme furchtbare Dynatnit-exploHon. Mehrere Personen getötet— zahlreiche verletzt. New Äork, 1. Februar.(W. T. B.) Als eine größere Menge Dynamits an der Wasserseite von Jersey- City aus einem Güterwagen auf ein Boot umgeladen wurde, erfolgte eine furchtbare Explosion, welche erdbeben- gleich das Finanzviertel und das Wolkenkratzer- Viertel New Uorks erschüttette, und in weitester Um- gebung die Gebäude erzittern machte. Die Baulichkei» t e n auf der Einwanderungsinsel wurden beschädigt. Die größte Panik entstand in der unteren Stadt, mi- nutenlang stockte der Geschäftsverkehr an der Börse und in den Banken. Tausende von Fensterschriben wurden durch dea Luftdruck zerstört. Die Zahl der Toten wird bisher aus zehn bis fünfundzwanzig angegeben. Die Zahl der Verletzten geht in die Hunderte, verschiedene Personen wurden in den Hudson geschleudert. Der Schauplatz der Explosion bietet ein Bild völliger Verwüstung. Ein weiteres Telearamm aus New Dork besagt: Durch die Tynamitexplosion im Hafen wurden zahlreiche Personen auf den Fährbooten verletzt. Das Boot, in welches das Dynamit verladen wurde, und ein anderes wurden zcr- stött. Aus den Wolkenkratzern stürzten die Menschen aus die Straßen, welche bald unpassierbar wurden. Es sind die wildesten Gerüchte im Umlauf. Die Kranken- Häuser von Jerscy-City sind überfüllt. Aus der französischen Teputierteukammer. Pari«, 1. Februar.(W. T. B.) Der Deputierte Dumas (geeinigte Soz.) kündigt die Absicht an, an den Minister des Aeuheren Pichon in der Kammer eine Anfrage bezüglich des Ge- r ü ch t e s zu richten, daß Rußland beabsichtigt, eine neue An- leihe aufzunehmen. Er beabsichtigt auf diese Weise ein« Debatte über die allgemeine auswärtige Politik zu veranlassen. Diese De- batte sei erforderlich, infolge des Gefühls des U n b e h a- genS, welches die Erklärurtgcn PichonS und AehrenthalS nicht zcr- streut hätten. Die Pest in China. London, 1. Februar. Wie das Reutcrsche Bureau auS Peking meldet, sind in T i e n t s i n sechs Todesfälle und in Peking ein Todesfall an Pest vorgekommen. Alle Eingeborenen, die mit den Pestkranken in Berührung gekommen waren, sind isoliert worden. Die Lage in der Mandschurei ist im allgemeinen unverändert. Eisenbahnunsall. Tortosa, 1. Februar.(W. T. B.) Ter PostzugValencia- Barcelona ist zwischen Oropesa und Torreblanca ent- gleist. Einzelheiten fehlen; es sollen mehrere Personen verun- glückt sein. Attentat aus den Gouverneur von Jspahan. Teheran, t. Februar.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Heute morgen wurden auf den Gouverneur von I s p a h a n und seine Neffen von dem früheren Polizeivorstcher, der rufst» scher Untertan ist, mehrere Schüsse abgegeben. Ein Neffe wurde todlich» der Gouverneur lebensgefährlich verwundet. Ter Mörder floh in die russische Gesandtschaft. Berantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: TH.Glocke.Berlin.Trucku.Vertag:VorwärWBuch!-r.u.VerlagsanjtaIt PaulSingerL Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u-Unterhaltungöbl. it. 28. 28. ZahtMg. i. Irilngt des.Armck" Serlim Doilnerstag, 2. Februar l9ll. Keickstag. IIS. Sitzung. Mittwoch, den 1. Februar 1911, mittags 12 Uhr. Sm BundeSratStisch: Mermuth. Die dritte Beratung des Zuwachssteuergesetzes wird fortgesetzt. Eine Reihe von Paragraphen wird teils debatteloS, teils nach unwesentlicher Debatte nacb den Kompromißanträgen Graf Westarp und Genossen angenommen. Bei§ 35a, der als Recktsmittel gegen den Steuerbescheid die Beschwerde und das Verwaltungsstreitverfahren vorsieht, begründet Abg. Trimborn(3) einen Antrag, den ordentlichen Rechtsweg zuzulassen. Reichsschatzsekretär Wcrmirth bittet dringend, in dritter Lesung nicht noch die Rechtsmittel, die nach langen Beratungen beschlossen sind, abzuändern. Abg. Junck(natl.) bekämpft ebenfalls den Antrag Trimborn; der Rechtsweg sei teurer als das Berwaltungsstreitversahren. Abg. Dove(Vp.) bekämpft auch den Antrag Trimborn; er würde eine starke Belastung des Reichsgerichts zur Folge haben. Der Antrag Trimborn Wird abgelehnt. Bei§ 49, der dem Reich 50 Proz., de» Gemeinden 40 Proz. und den Bundesstaaten 10 Proz. des Ertrages der Steuer zusichert, beantragen die Abgg. A l b r e ch t u. Gen.(Soz.>, den G e- meinden 60 Proz., dem Reich nur 30 Proz. zu geben und außerdem soll das Reich aus seinem Anteil jährlich 6 Millionen Mark zur Fürsorge für die KriegSvctcranen verwenden. Abg. Göhre(Soz.): Wir haben unseren Antrag ans der zweiten Beratung wiederholt, weil es unbedingt notwendig ist. den Gemeinden einen größeren Anteil an dem Ertrage der Steuer zu gewähren, und weil es weiter nötig ist, die Unterstützung der Veteranen im Gesetz festzulegen. Die in der zweilen Leiung uns gemachten Einwände erscheinen uns in keiner Weise stichhaltig. Abg. Cuno(®p.) bekämpft den Atltrag Albrecht und bc- gründet einen Antrag, bei der Regelung der Verteilung des gemeindlichen Anteiles zwischen Gemeinden und Gemeindeverbänden durch die Landesgesctzgebung den Gemeinden über 2000 Einwohner 75 Prozent des Anteils zu belassen. Abg. Dr. Weber stiatl.): Der sozialdemokratische Antrag ist g a n z u n l o g i s ch, ea ja die Sozialdemokraten das ganze Gesetz ablehnen wollen. Abg. Göhr«(Soz.): Wenn Sie unsere Anträge annehmen, wird unsere Stellung zum Gesetz eine andere werden. Wir machen jetzt wieder einen Versuch, das Gesetz zu verbessern; nehmen Sie also unseren Antrag an und Warten Sie ab. Wie wir unS dann zum Gesetz stellen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Reichsschatzsekretär Wermuth: Nur durch die Annahme deS Gesetzes ist es möglich, den Umsatzstempel abzubauen. Abg. Dr. Potthoff(Vp.): An den Abbau deS Umsatzstempels glaube ich nicht. Bis zum 1. Juli 1914 werden Verhältniffe eintreten, die seinen Abbau nicht erlauben. Reichsschatzsekretär Mermuth: Ich kann nur auf das bestimmteste versichern, daß der Abbau des UmsatzstempclS so erfolgen soll, wie er nunmehr im Z 56a vorgesehen ist. Die Anträge Albrecht und Cuno werden abgelehnt, § 49 wird unverändert angenommen. Bei Z 49», der den Gemeinden das Recht gibt, Zuschläge zu er- heben, begründet Abg. Cuno(Bp.) einen Antrag, bei dem Satze:.Die Zuschläge dürfen für die verschiedenen Grundstülksarten verschieden festgesetzt werden" hinter.Grundstücksarten" einzuschalten:.und nach der Dauer des für die Steuererhebinig maßgebenden Zeitraums". Abg. Raab(Wirtsch. Bg.) erklärt sich mit diesem Antrag ein- verstanden. Der Antrag wird angenommen. Die Sozialdemokraten beantragen, dem Gesetz einen neuen § 53 zuzufügen:.Mit dem Jnkraslireten dieses Gesetzes tritt das Z ü n d h o lz w are nsteue r ge s e tz vom Id. Juli 1909 außer Kraft." «ag. vrey(Goz.) (mit ostentativer Unruhe vom schwarzblauen Block empfangen): Der Steuerfreiheit der LandeSsürsten haben Sie gestern zwei kleines feuilleton. Rossini bei Beethoven. Trotz seines stark ausgeprägten Selbst- belviißiseins hegte der geniale Schöpler des.Barbiers von Sevilla" eine tiefe, ja grenzenlose Verehrung für den größten Meister deutscher Tonkunst, für Beethoven. Aber Rossini wußie, daß Beethoven schwer zugänglich war. und um den Titanen wenigstens einmal gesehen und gesprochen zu habe», wandle er sich an einen Freund von Beethoven, der eS auch schließlich durchsetzte, daß der italienische Meister empfangen wurde. Die.Stampa" gibt eine fesselnde Schilderung dieser denkwürdigen Zusammenkunft. Als Rossini eintrat, War Beethoven mit der Korrektur einer Partitur beschäftigt und setzte eine Zeitlang ruhig diese Arbeit fort. Dann blickte er auf und sagte zu dem Gaste:.Sie sind der Komponist des Barbiers? Diese komische Oper ist von allererstem Range, ich habe sie mit viel Freude gelesen, und so lange italienische Werke ge- spielt werden, wird Ihre Oper immer gegeben werden. Aber glauben Sie mir eines: Verlassen Sie nie diese Art, in der Sie uuüber- trefflich sind. Versuchen Sie nie, ernste Opern zu komponieren, denn Sie werden darin nicht« Gutes zustande bringen." Hier mischte sich der Freund, der Rossini eingeführt hatte, ins Gespräch und be- merkte:.Aber der Herr Rossini hat bereits ernste Werke ge- schrieben, die ich Ihnen geschickt habe, teurer Meister. Zum Bei- spiel.Othello" und.Tancred"." ,O, die habe ich durchgeblättert: aber die Italiener haben nicht das, was dazu gehört, um das ernste Genre zu pflegen. Ihr Feld ist die komische Oper. Dazu braucht man ein lebhaftes Temperament und alle jene Eigenschaften, die ihnen im Blute liegen. Aber um ernste Werke zu schaffen, bedarf «S einer Gewissenhaftigkeit, die ihnen fehlt. Sehen Sie, Pergolesi k Seine Oper„Serva padrona* ist schlechthin unübertrefflich. Sein.Ltabat mater* wird hochgeschätzt. Und zweifellos ist es aus einem Gefühle tiefer Ergriffenheit hervorgegangen, aber es fehlt ihm die Abwechslung der Form, und das kommt von der Talsache, daß die Forni nicht vom Wissen erneuert worden ist." AIS die Unterredung zu Ende war, schien es, als ob Rossini weine. Aber er weinte nicht über das Urteil Beet- Hovens, der ihm die Fähigkeit absprach, eine ernste Oper zu kompo- nieren; er weinte darüber, daß daS Quartier, in dem Beethoven ihn empfangen hatte, so armselig und verfallen war. daß durch Ritzen und Spalten an der Zimmerdecke der Regen ins Zimmer hinab- träufelte. Er weinte darüber, den großen Mann der schlichtesten Bequemlichkeit entblößt zu sehen, und als er am Abend in eine aristokratische Gesellschaft geladen war, fragte er die Wiener: .Wie ist eS möglich, daß Sie Beethoven in einer so erbärmlichen Hütte schmachten lassen? Warum veranstaltet man nicht eine Samm- lung?" Die Antwort bestand in allerlei Ausflüchte», man ging auf die Frage nicht ein. Nun versuchte Rossini selbst eine Subskription zu organisieren, um dem großen Meister ein anständiges Heim zu bieten. Aber seine Bemühungen blieben erfolglos, er brachte kaum einig« Gulden zusammen. An demselben Abend aber, da die Wiener Stunden gewidmet; dem Versuch, das Elend der Zündholz- arbcitcr zu mildern, suchen Sie sich zu entziehen.(Sehr tvabr l bei den Sozialdemokraten.) Als bei der zweiten Lesung mein Partei- freund Göbre von der Not und dem Elend sprach, das bei den Zündholzarbeitern eingekehrt ist, erschollen rechts und aus der Mitie Rufe des Widerspruchs. Inzwischen haben die F a b r i- kanten der Zündholzwaren auf ihrer Generalversammlung selbst den traurigen Zustand ihrer Industrie geschildert. Wenn ein Steuer- gesetz die Ursache solcher Not ist, haben die gesetzgebenden Faktoren die Pflicht, sobald als möglich eine Aeuderung herbeizuführen. Unser Antrag zeigt den Weg, um aus der Misere herauszukommen. Eine weitere Verschlechterung steht bevor, weil der Auslandsbedars zurückgeht. Die Selbsthilfe der Fabrikanten hat ver- sagt, ebenso die zum Schutz der Industrie in das Gesetz auf- genommenen Bestimmungen. den Schutz der Arbeiter hat man im Gesetz außer acht gelassen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wie gewöhnlich I) Drei Monate vor dem Inkrafttreten des Gesetzes ließ man die Arbeiter 20 Ueberstnnden pro Woche machen— die alte Geschichte, man läßt die Arbeiter schanzen, um sie dann um so schneller zueilt- lassen. Eine Statistik, welche 34 Betriebe, das ist die Hälfte aller mit der Mehrzahl der Arbeiter, umfaßte, ergab, daß schon im letzten Quartal 1909 22 Betriebe ihren Betrieb einschränken und die Arbeiter mit Aussetzen.beglücken" mußten, die Arbeiter er- litten eine Einbuße von 174 Arbeits st un den und 805 wurden entlassen; im Jahre 1910 stieg die Zahl der Betriebe, welche die Arbeitszeit einschränkten, auf 25, und weitere 978 Ar- bcitcr, also im ganzen 1783. wurden arbeitslos als Opfer der Zünd- warensteucr, eine ganz ungeheure Zahl im Vergleich zu der Zahl der Beschäftigten. Wenn Wir im Interesse der in Not und Elend gestoßenen Arbeiter und im Interesse der Industrie den Versuch machen, die fürchterlichen Folgen dieser Steuer zu beseitigen, so müssen Sie uns das als Verdienst anrechnen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch in diesem Jahre waren mehrere große Fabriken gezwungen, den Betrieb einzustellen. Was will der blauschwarze Block und was will die Negierung tun zur Unter- stützung der Opfer ihrer Finanzreform? Sie sprachen von einer Besteuerung auch der ZündWarenersatzmittel. Das würde aber das Nebel nicht beseitigen, sondern ver- mehren.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Durch die Besteuerung von Feuer und Licht hat Deutschland sich in den Ver- dacht gebracht, ein Land zu sein, wo die Finsternis und die dunkeln Mächte gehegt und gepflegt werden. Es liegt also im Interesse des Reiches, der Industrie und der Arbeiter, Wenn Sie unseren Antrag annehmen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Albrecht u. Gen.(Soz.) Wird abgelehnt. In der Gesamtabstimmung, die namentlich ist. Wird das Gesetz mit 199 gegen 93 Stinmien bei 20 Stimmenthaltungen an- genommen. Es folgt die Fortsetzung der vorgestern abgebrochenen Beratung über die Petitionen betr. Abänderung deS Jmpfgesetzes und Aufhebung des Impfzwanges. Abg. Sachse(Soz.): Wenn die Verteidiger de« Impfzwangs sich ihrer Sache so sicher wären, wenn wirklich die Wissenschaft ihr letztes Wort in dieser Sache gesprochen hätte, so brauchten die Herren von der Regierung und der Kollege Dr. A r n i n g nicht den herauSfordeniden, beleidigenden, ja. beschimpfenden Ton gegen die Jmpsgegner anzuschlagen, wie sie ihn neulich angeschlagen haben. Mit Recht protestieren die Jmpsgegner dagegen, daß man fortwährend ihre Bestrebungen ver- dächtsgt.— Herr Kollege Arning tat sich sehr viel zugute auf seine Eigenschaft als Sachverständiger und war mit Zahlen außerordentlich freigebig. Aber er weiß doch, daß man aus Zahlen alles Mögliche herauslesen kann.(Zustimmung.) So muß er denn anderen Leuten schon erlauben, andere Resultate aus seinen Zahlen herauszulesen, als er. Die impsgegnerische Bewegung würde nicht diesen Umfang an- genommen haben, wenn nicht erweislich zahlreiche Fälle schwerer Schädigung durch die Impfung sich ergeben hätten.(Sehr richtig I bei den Jmpfgeguern.) Männer der Wissenschaft, anerkannte medizinische Autoritäten, Stabsärzte, Professoren, Aerzte stehen an der Spitze der imvfgegnerischen Be- wegung. Und da Wagt man es, diese Bewegung als eine ver- brecherische hinzustellen. In die Verurteilung dieser Art der Kamps Aristokratie sich gegen das Unglück Beethovens so gleichgültig zeigte, bejubelte das Volk Wiens das letzte Meisterwerk des Großen. Der Geburtstag des Feuilletons. Am 23. Januar beging, wie ein Mitarbeiler der.Münch. R. N." ausgerechnet hat, das Feuilleton seinen Geburlstag. und zwar seinen 111. Es mag wohl manchem erstaunlich sein, daß man so bis auf den Tag genau die Zeit seines Entstehens bestimmen und von einer förmlichen Gründung dieser Gattung journalistischer Gebilde sprechen kann, die, wie jede Kunst- form, als das Endergebnis jahrzehntelangen Zusammenwirkens, langiam gestaltender Emwickelung anmutet. Und doch ist es so, man kann genau das Geburtsdatum angeben: es ist der 3. Pluviose deS Jahres VIII(der 23. Januar 1300). An dieieni Tage erschien das.Journal deS DebatS" in Paris zum ersten Male abgeteilt, die Rubrik unter dem Strich mit der neuen imS seither so vertraut gewordenen Ueberswrift.Feuilleton" bezeichnet. Freilich, damals sah diese Rubrik noch erheblich ander? aus als heute; aber die reinliche Scheidung zwischen Oben und Unten war damit bereit? gegeben und das Feuilleton dank der Findigkeit des ZeitungSbesitzerS Bertin gegründet. Zunächst bezweckte dieser nichts anderes als eine räumliche Trennung verschieden gearteter und ver- schieden gestimmter Dinge. Politik und alles, was dazu ge- hörte, literarische Besprechungen ernsthaften Inhaltes, Theaterkritiken gelehrter Fassung gehörten damals noch über den Strich, alles übrige jedoch, was der Tag brachte, kleinere Notizen aus den Theatern, Modeberichte, Kochrezepte, Charadcn, ja sogar Reklamen und Annoncen standen unter dem Strich. Was man also damals zum ersten Male mit.Feuilleton"(von lsuillv, das Blatt— kleines Blatt) bezeichnete, stellte zunächst noch nichts anderes dar, als ein jahrmarktähnlickes Kunterbunt, in das allerdings gar bald eine um vieles ernstere Physiognomie kam durch die Ankündigung, die Bertin am 19. Februar, also schon drei Wocken nach der Gründung der neuen Rubrik, von dieser Stelle aus seinen Abonnenten mitteilte: .In diesem Feuilleton wird über die neuen Aufführungen der ver- schiedenen Bühnen und die Debüts der Schauspieler Bericht erstattet Werden." Bis dahin war dies nicht geschehen. Die erste Leichenverbrennung in Deutschland. Die erste Leichen- Verbrennung in Teutschland fand, was jetzt namentlich anläßlich der bevorstehenden Verhandlungen über dieses Thema im preußischen Landtag interessieren dürfte, vor bereits nahezu vierzig Jahren in Dresden statt, und zwar in der Glasfabrik von Friedrich Siemens, in einem eigens dafür konstruierten Ofen mittels erhitzter Luft. Am 2. und 3. Juni 1374 Wurden dort— in Gegenwart von Professoren und Aerzten— zuerst Versuche mit der Verbrennung von Tier- kadavern unternommen, wobei man mit Befriedigung konstatierte, daß diese Einäscherungen ohne üblen Geruch vor sich gingen. Be- sonders am zweiten Tage war diese? Resultat günstig, als ein halbes Pferd von 202 Pfund Gewicht durch Heißluft ohne Anwendung von Flammen binnen zwei Stunden zu einem Aschenrückstand von lö Pfund verbrannt wurde. Die erste Verbrennung einer mensch- lichen Leiche, und zwar der 23 Jahre alten verstorbenen Gattin eines Stuttgarter Arztes, fand dann in Dresden Freitag, den weise können doch auch Anhänger des Impfzwanges einstimmen, wenn der Fanatismus sie nicht völlig verblendet.(Lebhaste Zu- stimmung auf verschiedenen Seiten.) Ein volles Fiasko hat die Impfung z. B. in I a p a n er- zielt. Das gibt den Aerzten recht, die darauf hinweisen, daß die Besserung der Wohnungsverhältnisse, die Ver« breitung besserer hygienischer Grundsätze, wie sie in erster Linie den Nalurheilvereinen verdankt wird, jedenfalls mehr zur Verhütung der Pocken beigetragen haben, als die Impfung. Wohl ver- standen, es sind selbst Jmpfauhänger, die unter dem erdrückenden Gewicht des vorliegenden Materials zu dieser Folgerung gelangt sind.(Hört I hört I) Die Naturheilvereine, will ich bei dieser Gelegenheit nicht vergessen zu erwähnen, haben sich ganz be- sondere Verdienste um die Vermehrung der Bäder erworben. Sie sind es vielfach gewesen, die es erreicht haben, daß auch in sehr kleinen Gemeinden öffentliche Bäder errichtet wurden. Schon dies große Berdicust sollte sie vor Verdächtigungen und Verleumdungen bewahren.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die Abnahme der Pocken ist wie die Abnahme der Pest im wesentlichen auf die Fortschritte zurückzuführen. die die Reinlichkeit gemacht hat. Daß Europa so lange von der Pest verschont geblieben ist, ist ebenfalls hierauf zurückzuiühren. Es wird jetzt in Hinblick auf das Auftreten der Pest in Ostasien auch die Schutzimpfung gegen die Pest gefordert. Hoffentlich verfällt man nicht wieder in den Fehler, eine» neuen Impfzwang einzuführen. Aus allen diesen Gründen bitten wir um Annahme unseres Antrages, daß wenigstens die Teile der einschlägigen Petitionen. die uiu Aushebung des Impfzwanges bitten, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen werden. Wir Wollen selbstredend kein Verbot der Impfung, Wir Wollen nur die Beseitigung des Gewissenszwanges.(Sehr richtig I bei den Impf- getziiern.) Wir akzeptieren auch den Zusatzantrag des Herrn von Dam m und Genossen, wonach auch die Petitionen zur Berücksichti« gung überwiesen werden sollen, welche eine staatliche Entschädigung der durch die Impfung Geschädigten verlangen. Der Kollege Pfeiffer hat hier von einem Beamten des Polizeipräsidiums gesprochen, der geäußert habe, die Eltern müßten in Kette n gelegt werden, die ihre Kinder der Impfung entziehen.(Lebhaftes Hört! hört!) Ich kenne den Herrn nicht, der so gesprochen haben soll. Das aber muß ich sagen, wenn sich wirk- lich Polizisten finden sollten, die Leute aus diesem Gnmde in Ketten legen. so stehen diese Polizisten beinahe auf gleicher Stufe mit de« Gendarmen Müntcr, der, wie sich jetzt unzweifelhaft herausstellt, unschuldige Leute ins Zuchthaus gebracht hat(Lebhaftes Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten) und den man deshalb ohne Uebertreibung einen der größten Lumpen nennen darf, die je existiert haben.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)— Ich bitte noch- molS, unserem Antrage stattzugeben, der einen unerträglichen Ge- wissenSdruck beseitigen Will.(Lebhafter Beifall bei den Impf« gegnern.) Ein Regieruiigskoinmissar erklärt, daß nach wiederholten Ge- richtseulscheidungen unstreitig der Polizei daS Recht zusteht, eventuell physischen Zwang anzuwenden. Es sei aber durchaus nicht glaubhaft, daß ein Beamter des Polizeipräsidiums gedroht habe, Ketten anzuwenden.(Abg. Pfeiffer(Z.) ruft erregt: Und das Wort ist doch gefallen!— Vielfaches Hört! hört I) Abg. v. Damm(wirtsch. Bg.) tritt für den Antrag Sachse- Severing(Ueberlveisung zur Berücksichtigung) und den von ihm gestellten Zusatzantrag(Entschädigung der durch die Impfung Ge- schädigten) ein. Nach den Reichstagsverhandlungen über diese Frage zu schließen, habe der Reichstag seinerzeit kein Zwangsgesctz schaffen wollen. DaS OberverWalMugsgericht aber hat sich für die Zu« lässigkeit des Zwanges ausgesprochen. Dadurch sind un« erträgliche Gewissenslonflikte herausbeschworen worden.(Lebhafte Zustimmung bei den Jmpfgeguern.) Abg. Honnann(Vp.): Wir sind der Ansicht, daß jedenfalls die hart umstrittene Frage der Impfung einer gründlichen, objektiven Nachprüfung bedarf. Ich persönlich möchte mich für Aufrecht- erhaltung des Impfzwanges aussprechen, aber ich mißbillige oufS allerenlschiedenste die argen polizeilichen Mißgriffe. Jedenfalls muß eingehend geprüft werden, ob nicht den Jmpfgegnern soweit entgegenzukommen ist, daß dem Jmpfgesetz eine Gewiffens- klauiel einzufügen ist. Wonach die Kinder der Personen, die die Impfung nicht vor ihrem Gewissen verantworten zu können erklären, vom Jmpfzivange befreit werden. 6. November desselben JahreS, abends 7 Uhr, in dem SiemenSschen Ofen statt. Seither ist in Dresden noch keine Leichenverbrennung Wieder erfolgt, doch sind innerhalb Sachsens in Leipzig, Chemnitz und Zittau Krematorien seit einigen Jahren in Betiieb. Ein anatomisches Wunder. Zwischen den Erfahrungen der Anatomie und den Borführungen im Panoptikum besteht seit so langer Zeit eine Art von Auslauschverkehr, als eS diese Sorte von Anstalten überhaupt gibt. So wird wahrscheinlich auch ein Mann seinen Weg zu diesen Schaustellungen finden, der von Dr. Max Herz in der letzten Sitzung der Gesellsibalt der Aerzte in Wien vorgeführt wurde. Dies sonderbare Wesen besitzt eine ganz Wundersame Fähigkeit, willkürlich auch solche Muskeln zu be« Wegen, über die der Mensch sonst gar keine Gewalt hat. An- geblich hat er diesen eigenartigen Vorzug nicht von Geburt erhalten, sondern durch mühsame Arbeit erworben. Daß er einige Muskeln an den Gliedmaßen einzeln zu bewegen vermag, mag noch verständlich erscheinen._ Erstaunlicher ist diese Fähigkeit schon bei einigen Teilen der Gedärme. Ans Unglaubliche aber grenzt die Art. wie er mit seinem Herzen umzugehen weiß. Er kann Willkürlich nicht nur eine Verlangsanumg des Pulsschlages, sondern sogar für einige Sekunden einen völligen Stillstand deS Herzens herbeiführen. Außerdem ist er fähig, das Herz nach rechts, nach links und nach unten zu verschieben, wahrscheinlich durch Vermittlung deS Zwerchfells. Ueberhaupt sind seine Leistungen fast unbegrenzt und erstrecken sich auf fast alle möglichen Körperteile. So kann er auch die Pupille seiner Augen beliebig erweitern und verengern. Auch noch andere Phänomene stehen ihm zu Gebot, indem er beispielsweise inistande ist, auf Verlangen eine Gänsehaut auf dem Arm hervorzurufen oder auch an einer bestimmten Stelle der Haut nur durch seine Willenskraft eine Rötung und Schwellung zu erzeugen. Als Erklärung wenigstens einiger dieser Leistungen kann nur die Psychologie dienen. Nach eigener Be« kundung des Mannes ruft er nämlich gewisse Vorstellungen dabei zu Hilfe. Die Gänsehaut z. B. zaubert er dadurch herbei, daß er sich in einen ungeheizten Raum versetzt wähnt. Um eine Hautstelle rot werden zw lassen, stellt er sich vor. daß er an der betreffenden Stelle operiert werden soll. Auch die Verlangsaniung des Herzschlages scheint in einem solchen Zusammenhange begründet zu sein, indem der Mann sich einredet, daß er zu rasch gehe. Notizen. — Theaterchronik. Im Neuen Volkstheater bringt die Neue freie Volksbühne am Sonnabend Sudermanns seit der Berliner Uraufführung hier nicht mehr gespielte Komödie»Die Schmetterlingsschlacht" zur Ausführung. — Vorträge. In der Deutschen naturwissenschaftlichen Gesellschaft sprechen am 3. Februar im Rathause, Zimmer Nr. 109 (Eingang Jüdenstraße). H.Behrens und R. Weisse über:„Das Gold in natur- und kulturgeschichtlicher Be» l e u ch t u n g Eintritt frei. — Die Neue Sezession wird ihre III. Ausstellung(Ge« mälde und Plastik) bereits Mitte Februar bis April abhalten. z�Hg. Dr. Faßbender(Z�, schwer verständlich) begründet seinen inzwischen zum zweiten Male anders formulierten Antrag, der haupts ächlich Einfügung der GewissenSklausel ins Jmpfgesetz, eventuell Einsetzn»« einer zu gleichen Teilen aus Jinpffreunden und Impf- gegnern bestehenden Kommission fordert. Wg. Dr. Hätz» it.»: Wir stimmen dem Teile deS Antrages Fast- bender zu, der die Einsetzung einer paritätischen Kommission fordert. ES ist nicht zu bestreiten, dast bei der Impfung schon Krankheiten übertragen worden find. Wo solches beobachtet ist, kann man sich nicht wundern, dast die Eltern ihre Kinder nicht zum Impfen her- geben wollen. In Prenstea entspricht es nach den Aus- führliugsbsstnmmmgei, dem Gesetz, die Kinder auch zwangs- weise dem Jmpfarzt zuzuführen. Soll ein solcher Zwang aufrecht erhalten bleiben, so müssen ivir sicher sein, dast die Impstmg das einzige und sichere Mittel ist, unser Boll vor schwerem Schade« zu bewahren. Nun sind aber die Aerzte durchaus ge- teikter Meinung, es gibt ganz hervorragende medizinische Autoritäten, welche das fast vollständige Erlöschen der Pocken in Deutschland nichr auf die Zwangsimpfnng, sondern auf die der- besserte allgemeine Prophylaxe zurückführen. Des- halb verlangen wir eine erneute objektive wissenschaftliche Prüfung der Frage durch eine objektive Kommission. Geheimer Obermedizinalrat Dr. Kirchner warnt vor einer llnterfchätzung der Pockengesahr. Die Pocken sind derartig in Ber- geffenheit geraten, dast das Publikum und vielfach sogar Aerzte sie gar nicht mehr kennen und daher beim Boginn auch nicht erkennen. Der Redner gibt eine genaue Schilderung der Pockenkrankheit und ihres Verlaufes. Die Erfolge der Impfung sind glänzende, lrotz aller Behauptungen der Jmpfgegner. lBeifall bei den Jmpffreunden.) Wie die Jmpfgegner stet« gekämpft haben und auch heute noch kämpfen, dafür nur ein Beispiel: Hier habe ich ein Buch, in welchem Dr. I e n n e r mit Leuten dargestellt ist. die er geimpft hat; da sehen Sie einen Jungen, dem auf dem Arme eine Kuh wächst, eine Frau, der ans dem Munde eine Kalb heraus- springt. fGroste Heiterheit.)— Weitere Ausführungen bleiben bei der leisen Stimme des Redners ganz oder teilweise unverständlich. Unter anderm verweist er wieder auf das Beispiel der deutschen Armee, die 1870 im Gegensatz zur französischen fast Pocken- frei geblieben sei. In der Schweiz, Belgien, Frankreich, Rustland treten fortgesetzt die Pocken auf; da dürfen wir nicht daran denken, die Schutzimpfung abzuschaffen oder zu durchbrechen. lBeifall bei den Jmpffreunden.) Die sogenannten Jmpfschäden haben sich bei näherer Prüfung stets teils als erfunden herausgestellt, teil« als ousterordentlich übertrieben, teils hatten sie mit der Impfung gar nichts zu tun.— Ganz undurchführbar ist die Forderung, dast für die sogenannten Jmpfschäden Entschädi« g u u g e n gewährt werden sollen. Dann würden bald alle Eltern. deren Kinder durch Sorglosigkeit, Vernachlässigung, Unsauberkeit Schädigungen nach der Impfung erlitten haben, mit Entschädigungö- ansprüchen kommen.— Bon einem Zusammenwirken der Jmpfgegner und Jmpsfreunde in einer Kommission verspreche ich mir angesichts des hetzerischen T o n s der Jmpfgegner nichts, der ein Zusammenarbeiten mit ihnen nahezu unmöglich macht. Wenn aber der Reichskanzler eine solche Kommission einsetzt— wir Impf- anhänger scheuen eine nochmalige Prüfung nicht. Gehen Sie über die ganzen Petitionen zur Tagesordnung über.(Lebhafter Beifall bei den Jmvfsreunden, Oho!- Rufe bei den Jmpfgegnern.) Vizepräsident Schulz teilt mit, dast sich noch sieben Redner zum Wort gemeldet haben.(Heiterkeit.) Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Vizepräsident Schulz teilt mit, dast eine Interpellation Graf Könitz(k.) über die Ueber schwemmung des deutschen Geldmarktes mit fremden Papieren eingelaufen ist. Nächste Sitzung: Montag, 6. Februar, 2 Uhr(Zweite Lesung deS GerichtsverfafsungSgesetzeS.) Schluß 6l/s Uhr._ Mgeorcinetenbaus. 17. Sitzung vom Mittwoch, den 1. Februa», mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Dallwitz. Beseler. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Polizriverwaltuiig in den RcgicrimgSbezirkcn Düsseldorf, Arnsberg und Münster. Minister des Jimern v. Dallwitz betont, dast eS sich darum handle, in den betreffenden Regierungsbezirken die örtliche Polizei- Verwaltung hinsichtlich der Sicherheitspolizei besondern staat- lichen Behörden oder Beamten zu übertragen. Abg. Schulze-Pelkum(k.) beantragt Ueberweisnng der Vorlage an die Gemeindekommission. Im allgemeinen seien seine Freunde mit der Vorlage einverstanden. Abg. Schmeddiug(Z.) schlägt die Ueberweisnng an die um sieben Mitglieder verstärkte Gemeindekommission vor. Abg. Röchling(natl.) schlicstt sich dem Vorredner an. Abg. Liebknecht(Soz.): Die hier geplante Polizeieingemeindung steht im krassen Wider- spruch zu der Abneigung gegen die kommunalen Eingemeindungen, die sonst bei der Regierung zutage tritt. Warum schafft man nicht entsprechend der industriellen Enlwickelung deS rheinisch-westfälischen Industrie- gebicteS im Sinne der Selbstverwaltung einen engeren Zu- fammenschlust der Gemeinden zur Erfüllung ihrer gemeinsamen kulturellen Aufgaben. Auf diese Weise könnte man auch den Ueber- griffr» der großen Trusts besser gegenübertteten. Das ganze Gesetz hat offenbar nur den Zweck, gegenüber der w a ch s e n d e n Macht der Arbeiterorganisationen im Ruhrrevier die Macht der Staatsgewalt zu stärken, das heitzt die Macht der Grubenbarone, die Macht der Unternehmer der schweren Industrie. (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Präsident 0. Kröcher: Ich rufe Sie zur Sache. Abg. Liebknecht(fortfahrend): Zum ersten Male wurde der Wunsch nach Einbringung eines solchen Gesetzes geäuhert von dem Abg. Schmeddiug. Das Zentrum hat sich nicht gescheut, den Arbeitern des Ruhrreviers die» Mißtrauensvotum auszustellen, das in einer solchen Organs- satton der Polizeigewalt liegt, es hat gegen die Arbeiter, zum Teil also gegen seine eigenen Anhänger die Staatsgewalt in ihrer brutalsten Form, der Polizei, augerufrn. Der Oberscharfmacher Herr Schmieding von den Nationalliberalen schloß sich damals natürlich Herrn Schmeddiug an. Wir betrachten dies Gesetz als eine Spezialmnsturzvorlage für das Kohlenrevier, als Ergänzung zu dem bekannten Bissina scheu Korpsbefehl. (Rufe rechts: Zur Sache I) Dieser Bissingsche KorpZbefehl enthält bekanntlich eine Aufforderung zur Ungesetzlichkeit, nämlich zur Festnahme der durch die Immunität geschützten Abgeordneten. Wir haben aber nichts davon gehört, dast der Staatsanwalt sich dieser Sache angenommen hat. Präsident v. Kröcher: Ich rufe Sie zum zweiten Mal zur Sache und mache Sie auf die geschäftsordnungSmästigen Folgen aufmerksam. Abg. Liebknecht(fortfahrend): Wenn wir in Nußland lebten, würden wir sagen können, dast dieser Gesetzentwurf die Einrichinng eines verstärkten Schutzes, einer Art Kriegszustandes bedeutet. Und daS geschieht sobald nach dem Jubiläum der Städte- o r d n u n g. Man räumt hier mit der Selbstverwaltung in einer Weise auf. gegen die wir auf daS schärfste protestieren müssen. Wir wünschen im Gegenteil, dast die Polizei auS einer staatlichen [ wieder eine kommunale wird, denn die Erfahrung hat gezeigt, dast die königliche Polizei durchaus nicht im Interesse der Bürgerschaft verwaltet wird,(«sehr richtig! b. d. Soz.) Auch ur der Berliner Stab tverordnetenverwaltung habe»»vir einen solchen Antrag gestellt. In den Motiven ist davon die Rede, die kgl. Polizei habe sich glänzend bewährt. Davon haben wir bei den Moabtter Krawallen nichts gemerkt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Zuruf rechts: Zur Sache.) Diese ganze Vorlage bedeutet nichts als eine Provokation der Arbeiter des RuhrrevierS, min- dcstenS ein unberechtigtes Misttrauensvotum gegenüber der Arbeiter- schaft. Sie beweist, daß man im Kohlenrevier mit Blut und Eisen regiere», sich auf eine friedliche Verständigung mit den Arbeitern nicht ein- lassen will. Bereits früher ist wiederholt im Ruhrrevier Militär requieriert worden. Denken Sie, was es heißt, in aufgeregten Zeilen eine Menge von Hunderttausenden zusammenzuhalten. DaS ist der Sozialdemokratie gelungen. Präsident v. Kröchcr rufr den Redner zum drittenmal zur Sache und richtet die Frage an das HauS, ob eS den Redner noch weiter hören wolle. Gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten be- schließt daS Haus, dem Redner das Wort zu entziehen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Unerhört!) Abg. Liebknecht(Soz.): Angenagelt sind Sie doch. Die Vorlage wird hieraus an die verstärlte Gemeinde- k o m m i s s i o n verwiesen. Es folgt die zweite Beratung des Justizetats. Bei den«Einnahmen" erörtert Abg. Bell(Z.) die Frage der Konkurrenz, die dem Handwerk durch die Beschäftigung Gefangener erwächst. Ein Rcgierungstommissar betont, daß, um diesen Klagen nach Möglichkeit zu begegnen, die Löhne für Gefangenenarbeit in acht Jahren um erwa 2b Prozent gesteigert worden seien. Abg. Boiöly(natl«): Eine gut geleitete Arbeit der Gefangenen ist daS beste Erziehungsmittel für sie zu einem ordentlichen Leben. (Sehr richttg I) Die Konkurrenz für das Handwerk würde am besten beseitigt, wenn man statt langer Silasen lieber kurze, schwere Strafen verhängen würde. Abg. Roscnow(Vp.) erkennt an, dast auf diesem Gebiete eine gewisse Besserung zu verzeichnen sei. Die eingetretene Lohn- erhöhung ist angesichts der auch sonst gestiegenen Löhne keine sehr erhebliche. Abg. Merten(fk.): Wir legen Wert darauf, dast angesichts der Lage des Handwerks der Gesichtspunkt der Rücksichtnahme auf dieses in den Aordergrund treten nrust gegenüber dem andern, dast eine Beschäftigung der Gefangenen notwendig ist. Auf jeden Fall sollte man sich in den Gefängnissen auf Handarbeit beschränken und Maschinen ausschließen. Abg. Liebknecht(Soz.): Wir stellen in den Vordergrund die Notwendigkeit der Erziehung der Gefangenen zur Kräftigung für den späteren Kampf ums Dasein. Diese Nolwendigkeit wird auch von den offiziellen Autoritäten auf diesem Ee- biete anerkannt. Eine Schmntzkonkurrenz für das Hand- werk durch die Gefängnisarbeit wünschen natürlich auch wir nicht. Das Mittel der Lohnerhöhung ist gewist sehr verständig, ich habe im vorigen Jahre selbst darauf hingewiesen. Die bisher erfolgte Lohnerhöhung ist freilich keine ausreichende. Die Austen- arbeit von Gefangenen bringt für diese unter Umständen schwere gesundheitliche Schädigungen mir sich. Vor allem must die Gefangenen- arbeit eine produktive sein, eine sinnlose Arbeit har keine erzieherische Wirkung. Der Erziehungszweck der Arbeit wird übrigens nur erreicht, wenn man die Arbeit im Gefängnis auch an solche maschinelle Arbeit gewöhnt, wie sie brausten von ihnen verlangt wird. Der Grund dafür, dast die Löhne der Gefängnisarbeit nicht die Höhe der Löhne freier Arbeiter erreichen, liegt eben darin, dast man im Gefängnis meist nur die rückständige Handarbeit betreibt. Man sollte vielmehr dazu übergehen, große maschinelle Betriebe für die Gefangenen z organisieren. Bei der Kommisston, die zur Beratung dieser Frage eingesetzt ist, sollten auch Vertreter der Arbeiter hinzugezogen werden, denn es handelt fich um eine Schmutzkonkurrenz für die Arbeiter.(Sehr richtig!) Die Interessen der Arbeiter frei- lich sind ja für die Regierung Hekuba, sie ist erfahrungsgemäß die irschworcne Feindin der Arbeiter. Ich ersuche die Regierung, endlich äesen arbeiterfeindlichen, arbeitcrbeleidigenden Standpunkt der voll- kommenen Nichtachtung der Arbeiter aufzugeben.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hammer Geht die alte Leier. Titel sind nicht teuer! Sericbts-�eitung. Ein desavouierter Amtsrichter. Schon wiederholt, zuletzt Anfang Dezember 1310, haben wir über die Streikurteile des in solchen Dingen als„scharf" bc- kannten Hamburger Schöffenrichters v. Lößl berichtet. Auf Grund von zwei Zeugenaussagen wurde ein Werftarbeiter D. aus Z 153 G.-O. zu dem Strafmaximum von drei Monaten Gefängnis ver- urteilt und sofort in Haft genommen, wohin ihm die beiden Entlastungszeugen wegen Meineidsverdacht folgten. Die weiteren Entlastungszeugen zu vernehmen hielt dieser Richter für über- flüssig. Bereits am anderen Tage wurden auf erhobene Beschwerde alle drei auf freien Fuß gesetzt. Das Urteil und die Nebenumstände haben nicht allein in unserer Parteipresse Aufsehen erregt. In seiner schriftlichen Urteilsbegründung sagt Herr von Lößl u. a.: Das Gericht hat aus der Verhandlung die Ueberzeugung gc- Wonnen, daß daZ, was die Zeugen Soltow und Wille(Arbeits- willige) bekundet haben, in vollem Umfange wahr sei, daß sie sich in der ihnen bekannten Person des Angeklagten, der vor der Menge stand, nicht geirrt haben und daß die Zeugen Graes und Brandt(Streikende) einen Meineid geleistet haben. Das Gericht hat in Gemäßheit des§ 244 der Strafprozeß- ordnung von weiteren Beweisaufnahmen Abstand genommen, auch um die anderen Zeugen, die bereit standen, dasselbe zu beschwören(!), wie G- und B., vor dem Meineid zu bewahren. Den beiden nach v. Lößl„Meineidigen" ist von der Staats- anwaltschaft jetzt dieses Schreiben zugegangen: „Sie werden hierdurch in Kenntnis gesetzt, dast daS gegen Sie wegen Meineids eingeleitete Verfahren eingestellt worden ist." Herr v. Lößl mag ein sehr tüchtiger Pferdekenner und Renn- stallbcsitzer sein, Menschenkenner ist er nicht. Der französische- Staat vor dem Reichsgericht. Mit dem Hinweis auf das Warenzeichenrecht hat der französi- sche Staat als Inhaber des Tabakmonopols gegen die Firma Schulz in Strastburg Klage aus Unterlassung der Verwendung seiner Ausstattung und Schadloshaltung erhoben, indem er geltend macht, daß die Beklagte beim Vertriebe ihrer Tabakfabrikate in sein AuSstattuugsrccht eingreife. Tatsache ist, daß die Ausstattung, die die Beklagte bei ihren Fabrikaten verwendet, verschiedene Aehnlichkeiten mit der Ausstattung der Fabrikate der französischen Regie Aufweist. Die Beklagte beruft sich darauf, daß dem französi- scheu Staat seit 1871 kein Monopolrecht mehr in Elsaß-Lothringen zustehe und daß die Kaiserliche Tabat-Manufaktur in Strastburg ähnliche Verpackungen verwende, wahrend der Kläger behauptete, daß die Tabat-Manufaktur in Straßdurg Nachfolgerin der französi- scheu Tabakregie sei. Das Landgericht Straßburg hat der 5llage stattgegeben und daL Oberlandesgericht Colmar hat die Berufung der Beklagten mit einer geringen Abänderung über das Verbot des Gebrauchs der Farbe zurückgewiesen. Aus dem landgerichtlichen Urteil war nicht klar zu erkennen, ob auch die Verwendung der einzelnen Farbe verboten sein soll. Das ist vom Oberlandesgericht verneint worden. Was das Verbot auf Grund der ZZ 12, 15, 20 des Warenzeichcnrechts und des§ 1 des Wettbewerbgesetzes betrifft, so legt das Ober- landesgericht unter anderem folgendes dar: Soweit es verboten ist, die Ausstattung zu verwenden, fragt es sich zunächst, ob die Aus- stattung, die die Beklagte verwendet, der französischen so ähnelt. daß die Gefahr der Verwechselung im Verkehr besteht. Das kommt darauf an, ob dir Unterschiede der sich gegenüberstehenden Packungen so unwesentlich sind, daß ein Käufer, der sie auf Grund der Erinnerung prüfen muß, getäuscht werden kann. Bei beiden Parteien sind die Packungen in gleichen Farben gehalten. Ist daL Aussehen schon dadurch ein äußerst ähnliches, so wird es noch da- durch vergrößert, daß auch das Band bei der Beklagten einen französischen Aufdruck trägt. Dieser Aufdruck ist zwar im einzelnen verschieden, doch sind die Unterschiede nicht derart, daß der Gefahr der Verwechselung vorgebeugt wird. Das Oberlandesgericht geht noch näher auf einzelne Ausstattungen ein. unter anderem auf die mit dein Storchzeichen und kommt bei allen zu dem Schluß, daß die Gefahr der Verwechselung besteht und daß die Käufer zu der An- nähme geführt werden, es handele sich um Fabrikate der französi- scheu Regie. Auf Seiten der Zwischenhändler bestehe zwar die Gefahr� der Verwechselung nicht, aber beim großen Publikum, und das sei maßgebend. Zum Schluß seiner Begründung geht das Oberlandesgericht noch auf die Worte des Gesetze»«in: wer die Ausstattung„eines anderen" gebraucht. Damit sei nicht gerade ausgedrückt worden, daß das Ausstattungsrecht nur im Besitze einer Person liegen müsse; es sei vielmehr auch möglich, dast mehrere zu gleicher Zeit Besitzer desselben Rechtes sind, lvenn nur die Ueber- ficht besteht, um ein bestimmtes Recht herzuleiten. Das sei im vorliegenden Falle ganz gut auch dann möglich, wenn der französi- sche Staat der Kaiserlichen Tabak-Manufaktur daS Nachfolgerecht einräume. Der ll. Zivilsenat des Reichsgerichts hat am Dienstag auf Zurückweisung der Rcvisio» der Beklagten erkannt und damit das Urteil deS OberlandeögerichtS Colmar bestätigt. Line IUsssiI««n»BiI>IioMi«Ic für die Leser des J J Vorwärts"! Ausschneiden uud einsenden k «eisterverlle deutscher Klassiker für Schule uud Heim. r.Hflmiccn 1 Bd., ein�eLv. Stadtsohnlinspettor| IC vlldllllssU« Dr. A. Reimiinn, Berlin, 429 8.. M. M«5 rinpfllA Uli., eingel. von Geh. Kecr.-Rst Prof. 1 1 C UUCIUC, vr. Ludw. Geiger, Berlin, 1360 Jäeiten M. n, 1 v.Rektor H. Schöps,|| � Grillparzer, sfteÄiten Hauff � Ud., eingel. von Dr. Max Mendheim, HaUll, Leipzig, 783 Seiten........ M. Hphhf»! 1 eingel. v. Prot Dr. Rob. Petsch, neooei, Heidelberg, 432 Seiten...... Id! HcitlC i- von Hennann Kienzl, Berlin 536 Seiten M. 1,50 1,15 1,25 Deetien, M. I/lpJcf 1 Bd., eingel. von Prot Dr. W. I\lwloL, Hannover, 400 Seiten.... Knfrt&r 1 Ld, eingel. von Rektor P. Hoche ivurner, Wriezen, 328 Seiten...... M. 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Februar l911. vzz Meäei'Sllfnshmeverszhren äes eikner liieinddsprozeiies. Telegraphischer Bericht. Essen, 1. Februar. Dritter Tag. In der Mittwochsifcung wird die Vernehmung der Zeugen fort- gesetzt.— Vect. Rechtsanwalt Dr. Niemeyer: Es sind mir eine große Anzahl Briese zugegangen, in denen mir weitere Fälle der angeblichen Verleitung zum Meineid durch Münter mitgeteilt wer- den, ja auch von falschen Eiden, die Münter geschworen haben soll. Ich will in dieser Richtung jetzt noch keinen Antrag stellen, sondern warte die Stellung der Staatsanwaltschaft ab. Ein Brief ist aber jetzt schon von Bedeutung. In ihm befindet sich die Mitteilung, daß Münter, als er sich einmal in vertrautem Kreise glaubte, zu- gegeben hat, er habe damals Schröder einen Stoß ins Genick ge- geben, daß tr genug hatte. Ich benenne hierfür den Tapezierer- mcistcr Krause aus Charlottcnburg als Zeugen.— Erster Staatsanwalt Eger: Ich stelle anHeim, die Ladung zu beschliehen.— Zeuge Krause wird für Freitag geladen.— Zeuge Bureauvorsteher Köster war Revisor der Kasse der Gendarmeriebrigade Münster, die der damalige Rechnungsführer Münter zu verwalten hatte. Bei einer unerwarteten Revision fehlten zwei Heiratskautionen a 300 M.— Vors.: Haben Sie der vorgesetzten Behörde davon Mitteilung gemacht?— Leuge: Nein. Ich sagte Münter, er solle' das Geld beschaffen. Die Kasse war später auch in Ordnung.— Bors.: Daher kommt es, daß Münters Oberst von der Sache nichts erfuhr. Wo war denn wohl das Geld geblieben?— Zeuge: Münter hatte einen etwas leichtsinnigen Lebenswandel geführt.— Vors.: Was wissen Sie sonst noch von ihm?— Zeuge: Er war mir immer etwas unheimlich mit seinem stechenden Blick, außerdem fehlte ihm wohl auch der sittliche Halt.— Nächster Zeuge ist der Landtagsabgeovdnete Brust-Buer. Er hatte den Vorsitz in der Baukauer Versammlung und bekundet: Ich hatte für den 3. Februar 1835 drei christliche Bergarbeiterversammlungen cinbe- rufen. Freie Diskussion wurde nicht zugesichert. Aus dieser Form der Einberufung sollten die Sozialdemokraten entnehmen, daß sie bei uns nichts zu suchen hätten und daß wir eine reinliche Schei- dung der Geister vornehmen wollten. Eine hermetische Abschlichung gegen sozialdemokratische Besucher hielt ich nicht für notwendig, schon um uns nicht den Vorwurf der Feigheit auszusetzen. Ich teilte jedoch der Ortspolizeiverwaltung mit, daß ich auch im Saale mehr «lS� 2 Polizeibenmte dulden würde und dah ich auf Grund früherer Erfahrungen bitten mühte, in der Nähe die notwendigen Polizei- kräftc bereit z» kalten.— Vors.: Also Sie trafen für Baukau um- fassende Vorsichtsmahregdln?— Zeuge: Ja. Ich sah Schröder in der Versammlung, der sofort ums Wort zur Geschäftsordnung bat. Ich verweigerte es ihm, nachdem ich vorher in Oborhausen privatim zu Schröder gesagt hatte:„Ludwig, haltet Ihr Eure Versamm- lungen ab und laßt uns unsere Versammlungen abhalten. Aus dem Diskutieren kommt doch nichts heraus!� Als ich mit Reden beginnen wollte, ertönten laute Zwischenrufe. Ich mutzte die Ver- sammlung vertagen. Den neben mir sitzenden Gendarmen Münter bat ich um Nnterstübung. Ich ging zu Schröder und sagte ihm, er solle hinausgehen. Schröder sagte, er wolle nur sein Bier aus- trinken. Das lieh ich zu. Ich ging zum Vorstandstisch zurück, als ich Münter hinter mir sah. Was weiter zwischen Münter und Schröder passiert ist, habe ich nicht gesehen. Ich habe nur gesehen, dah Münter mit Schröder zur Tür ging.— Vert. Rechtsanwalt Dr. Nicmeher: Wissen Sie, ob in der ersten Schwurgerichtsver- Handlung der Mitverteidiger Dr. Bell Sie gefragt hat, ob Sie irgend elwaS von einer Angetrunkenheit Schröders bemerkt hätten? Zeuge: Ja, ich habe darauf gesagt, keine besonderen Spuren von Angetrunkenheit bei Schröder bemerkt zu haben.— Angeklagter Schröder: Mir hatten Anhänger der christlichen Richtung gesagt, in Baukau werde freie Diskussion sein, sonst hätten mich keine zehn Pferde hinbekommen. Dah diese Leute logen, konnte ich doch nicht wissen.— Zeuge Brust: Es war lediglich eine christliche Berg- arbeiterversammlung. nicht, wie Schröder behauptet und das„Ber- liner Tageblatt" wohl aus Sensation fett gedruckt hat, eine Lffent- liche Bergarbeiterversammlung mit freier Diskussion.— Bors.: Das hat Schröder hier gesagt.— Zeuge: Ich möchte aber jedes Mißverständnis darüber ausschlietzen.— Bert. Rechtsanwalt Dr. Riemeyer: Ist eS richtig, daß Sie die Polizei gebeten haben, soviel Gendarmen wie möglich in die Baukauer Versammlung zu schicken?— Zeuge: Ja.— Bert. Rechtsanwalt Dr. Nicmener: Sie sind ja ein entschiedener poli- tischer Gegner des Angeklagten Schröder. Halten Sie ihn fähig, einen Meineid zu schwören?— Bors.: Das ist doch ein Urteil. Wenn Staatsanwalt Mantell ein Urteil abgibt, dann widersprechen Sie.— Wert. Rechtsanwalt Dr. Riemeyer: Der Zeuge soll als Leumundszeuge darüber beftagt werden.— Zeuge Brust: Ich bin nicht in der Lage, darüber etwas zu sagen, denn ich kannte Schröder damals erst einige Tage. Es folgt nunmehr die Vernehmung der Zeugen, die über den Vorgang in der Baukauer Versammlung zwischen Münter und Schröder selbst aussagen sollen. Zeuge Bergmann Munkau vom christlichen Bergarbeiterverband kann sich auf Einzelheiten nicht mehr besinnen.— StaatSanwaltsrat Pfaffe: Dann bitte ich, dem Zeugen seine protokollierte Aussage vom Prozeh Margrafs vorzu- halten.— Bert. Rechtsanwalt Dr. Niemeyer: Das Protokoll ist vom Zengen nicht genehmigt worden.— Staatsanwaltsrat Pfaffe: Da» tut nichts. Der Zeuge hat damals ausdrücklich gesagt, nicht gesehen zu haben, dah Münter den Schröder gestohen hat.— Vert. Rechtsanwalt Dr. Riemeyer: Ich widerspreche. Formell mag der Staatsanwalt recht haben, materiell aber nicht.— Das Gericht beschlieht, die Aussagen dem Zeugen vorzuhalten, er kann sich aber auch jetzt auf nichts mehr besinnen.— Vert. Rechtsanwalt Dr. Nie- meyer: Nachdem die Staatsanwaltschaft von ihrem Recht Gebrauch gemacht und diese frühere Aussage hier produziert hat, beantrage ich nun, auch die Munkausche Aussage vor dem Untersuchungsrichter zu verlesen. Ich bin der Meinung, dah summum jus auch summa injuria sein kann.— Bors.: In dieser Aussage vor dem Unter- suchungsrichter, die zwar genehmigt, aber nicht beschworen ist. ist der Passus, Zeuge Munkau habe eine Berührung Münters nicht gesehen, nicht enthalten.— Zeuge Bergmann Keller hat deutlich gesehen, dah Schröder infolge des MLnterschen Stoße» stolperte und zu Boden fiel und daß Münter ihm. als er sich er- heben wollte, rinen� zweiten Stoß versetzte. Zeuge Maurer Gcrlach hat gesehen, wie Schröder von dem hinter ihm gehenden Münter aus dem Saale hinausgestoßen wurde. Um die beiden sammelte sich dann eine Gruppe Menschen, so dah der Zeuge von dem Vor- fall zwischen Münter und Schröder nichts weiter sehen konnte. Es drängte alles zur Tür.— Bors.: Aber die Christlichen blieben doch im Saal?— Zeuge: Das waren nicht mehr viele.— Staats- anwaltSrat Pfaffe: Früher hat der Zeuge nicht von„hinausstohen", sondern von„hinausschmeißen" gesprochen.— Pars.: Das wird den Leuten dieses Genres auch näher liegen.— Staatsanwaltsrat Pfaffe: Es besteht aber ein groher Unterschied zwischen Stoßen und Schmeißen.— Ein Geschworener: Wenn ich eine Erklärung abgeben darf; nach meiner Meinung ist Schmeißen viel mehr alS Stoßen. Beim Hinausschmeißen geht alles Hals über Kopf.— Bors.: Wir sind noch in der Beweisaufnahme. Es geht nicht, dah Sie eine solche Erklärung abgeben. Zeuge Maschinist Seiding hat von dem Münterschen Stoße nichts beobachtet, er gibt aber die Möglichkeit, daß er es übersehen hat, zu. Vors.: Nach dem früheren Protokoll haben Sie gesagt, dah Schröder auf dem Rücken gelegen habe.— Zeuge: Davon habe ich keine Er- innerung mehr, ich glaube aber mich zu erinnern, dah Schröder in gebückter Stellung zur Tür hinausging.— Vert. R.-A. Dr. Nie- meyer: Ich bitte festzustellen, daß dies auch einer der Zeugen ist, die von der Polizei und Münter zum zweiten Margraff-Prozeh herbei- geschafft worden sind.— Vors.: Natürlich hat genau, wie es die Ver- tcidigung getan hat, auch die Polizei Zeugen ermittelt.— Vert. R.-A. Dr. Niemeyer: Welche Konsequenzen die Verteidigung daraus zieht, wird sich später ergeben. Der Zeuge ist im zweiten Margraff-Pro- zetz und im Prozeh gegen Schröder vernommen worden. Erinnert sich der Zeuge, daß er damals eine Aussage gemacht hat, die ihm auch vorgelesen worden ist, in der er bekundete, er habe gesehen, daß Schröder auf die Kasse zuging infolge eines Lärms. An der Kasse hat der Zeuge sich umgedreht, der Ausblick war fchon durch Neu- gierige verwehrt. Er habe nur gesehen, dah Schröder an der Tür auf dem Rücken lag. Er könne überhaupt nicht sagen, ob Münter den Schröder gestohen habe oder nicht. Erinnern Sie sich dieser Aussage?— Zeuge: Nein.— Vert. R.-A. Dr. Niemeyer: Erinnern Sie sich nicht mehr, dah Sie gesagt haben, wenn im Margraff-Prozeh meine Aussage so protokolliert ist, dah Münter nicht gestohen hat, so ist meine Aussage falsch protokolliert worden?— Zeuge: Nein, ich erinnere mich nicht mehr.— Vors.: Ich meine, dah wir weiter kommen, wenn wir die verschiedenen Protokolle verlesen und die vor- ! handenen Widersprüche feststellen.— Vert. R.-A. Dr. Riemeyer: Es handelt sich hier um einen ungemein wichtigen Zeugen; es ist der Zeuge, auf dem der zweite Margraff-Prozeh aufgebaut ist.— Vors.: Es ist doch aber klar, daß diese Vorhalte jetzt negativ ausfallen müssen.— Es wird dann festgestellt, dah der Zeuge in einem Ge- richtsprotvkoll, das ihm aber nicht vorgelesen worden ist, gesagt hat: Münter hat Schröder nicht zu Boden gestohen. Dann hat Zeuge vor ! dem Untersuchungsrichter die von Dr. Riemeyer angeführte und von ihm seinerzeit genehmigte Aussage gemacht.— Vors.: Haben Sie ge- � hört, was in den Protokollen steht? Sie haben damals gesagt, daß Sie keine Vorstellung hätten, ob Schröder von Münter gestohen worden sei oder nicht, während Sie es heute mehr als unwahr- scheinlich bezeichnen.— Zeuge: Das ist heute so meine Vorstellung. — Vert. R.-A. Dr. Riemeyer: Hat der Zeuge eine Vorstellung, wie es kam, daß er von Münter oder dem Polizeikommissar Brockmeyer als Zeuge benannt worden ist?— Zeuge: Nein.— Zeuge Bergmann Fästcn erklärt, dah er jetzt keine rechte Erinnerung mehr habe und sich auf seine Aussage von 1833 beziehen müsse. Auf weiteres Be- fragen gibt der Zeuge an, dah er sich noch erinnere, dah Schröder zu Boden gefallen sei und dah es durch einen Stoß geschehen sei. Der Stoß könne nur von Münter hergerührt haben, da dieser allein neben Schröder stand. Münter habe auch gesagt, Schröder solle machen, daß er hinauskomme. Dann kam gleich das Hinfallen.— Bors.: Damals haben Sie nach dem Protokoll gesagt, dah Sie gesehen haben, daß Münter dem Schröder einen Stoß ver- setzte und dah Schröder davon hingefallen sei.— Zeuge: Ich habe damals nach meinem besten Wissen ausgesagt, heute habe ich keine bestimmte Erinnerung mehr.— Zeuge Schneider Paul war als Neu- gieriger in der Versammlung, er hatte kein Interesse an dein Streit! der beiden Bergarbeiterorganisationen. Der Zeuge hat gesehen, wie Schröder, den er damals noch nicht kannte, an die Kasse trat und wie Münter dicht hinter ihm war. Als Schröder an die Kasse gekommen war, sei er sofort hingefallen.— Vors.: Wodurch?— Zeuge: Er kann von selbst hingefallen sein, es kann auch Münter so dicht an ihn herangetreten sein, daß er hinfiel. Ob Münter ihn gestoßen hat, könne er nicht sagen. Dah Schröder noch ein zweites Mal gefallen sei, habe er nicht gesehen. Auf weiteres Befragen erklärt dann der Zeuge: Wenn Münter den Schröder in den Nacken gestohen hätte, hätte ich es sehen müssen.— Es wird dann die frühere Aussage des Zeugen verlesen des Inhalts: Münter trat energisch an Schröder heran, so daß dieser stürzte. Münter hat ihn aber nicht gepackt oder gestoßen.— Zeuge: Ja, diese Aussage halte ich jetzt noch aufrecht. Zeuge Bergmann Kozlowski hat früher ausgesagt, daß er von seinem Platz aus gesehen habe, wie der lange Gendarm Schröder im Nacken gepackt hatte. Er habe das deutlich beobachtet. Er sei kein Sozialdemokrat, sondern Katholik. Heute kann sich der Zeuge auf nichts mehr besinnen.— Zeuge Bergmann Misjoli: Als Schröder an den Kassentisch herantrat, packte ihn der Gendarm. Schröder fiel hin, erhob sich zu zwei Drittel, in dem Moment griff der Gendarm wieder nach ihm, so dah Schröder wiederum hinfiel.— Zeuge' Cielski ist Bergmann. Er hat die Baukauer Versammlung besucht, um dem christlichen Verband beizutreten. Von zwei Stößen Münters hat Zeuge nichts gesehen. Wahrscheinlich ist Schröder gestolpert, vielleicht hat Münter ihn auch mit dem Bauch berührt, aber mit der Hand hat er ihn nicht gefaßt.— Vors.: Haben Sie denn auf die Handbewegungen des Gendarmen geachtet?— Zeuge: Ich sah hin, weil ich neugierig war, wie der Vorfall sich abspielen würde.— Vors.: War Ihr Blick frei, konnten Sie Schröder ganz sehen von Kopf bis zu den Füßen?— Zeuge: Nein, nur den Oberkörper.— Staats- anwaltschaftsrat Pfaffe: Also hätten Sie die Handbewegungen Münters sehen müssen?— Vors.:„Müssen" ist eine schwere Frage. — Staatsanwaltschaftsrat Pfaffe: Früher aber hat der Zeuge das gesagt.— Vert. R.-A. Dr. Riemeyer: In einem vom Zeugen geneh- migten Protokoll?— Vors.: Nein.— Zeuge Bergmann Wehrmann: Münter hat Schröder mit dem Körper gestoßen. Von Münters Hand habe ich nichts gesehen, aber Schröder ist gestoßen worden. Mir ist so, als ob Münter auch seine Hand im Spiele hatte.— Zeuge Bergmann Ceika schildert, dah Münter zweimal mit je einer Armbewegung Schröder zu Boden stieß. — Vors.: Haben Sie Armbewegungen genau gesehen?— Zeuge: Ja. Zeuge Schneidermeister Kolk hat die Baukauer Versammlung be- sucht.— Vors.: Sie sind aber doch gar kein Bergarbeiter.—.Zeuge: Es kostete ja nur 10 Pf.(Heiterkeit.)— Vors.: Kannten Sie Schröder?— Zeuge: Nein, ich wollte ihn in der Versammlung erst kennen lernen.— Vors.: Was wissen Sie nun von der Versamm- lung?— Zeuge: Es sollte ein Verein gegründet werden, aber es ging alles so rasch.— Vors.: Ein kurzes Vergnügen für 10 Pf. lHeiterkeit.) Haben Sie gesehen, dah Schröder.hinausging?— Zeuge: Ja, er ging ganz anständig hinaus, der Gendarm war ihm auf den Fersen. Plötzlich sah ich Schröder nicht mehr, er muhte also zu Boden gefallen sein.— Bors.: Früher haben Sie viel bestimmtere Angaben gemacht.— Zeuge: Es ist jetzt zu lange her.— Nächster Zeuge ist der frühere Polizeisergeant Isenbeck. Er gehörte zu den Polizeibeamten, die auf Ersuchen des Versammlungsporsitzenden Brust im Hause des Versammlungslokals bereit gehalten wurden.— Vors.: In der Versammlung waren Sie überhaupt nicht?— Zeuge: Nein. Ich stand draußen von der Tür, es lag gerade Schnee. Auf einmal gelangte Schröder aus dem Lokal noch in halb gebückter Stellung auf die Straße.— Angeklagter Schröder: Ich bückte mich. um mir im Schnee die Hände zu waschen. Hierauf wird die Weiterverhandlung auf Freitag»ertagt. jZus Incsiiktrie und Randcl. Ein Kampf in Sicht. Eine offiziöse Mitteilung, dah die preußische Regierung be» absichtigt, die Zulassung der Aktien der Cbikago— Milwaukce-Bahn zum Berliner Börsenhandel zu� verhindern, hat die Gemüter sehr er- hitzt. An der Berliner Börse wurde am Dienstag von nichts anderem gesprochen. Sogar Wetten wurden abgeschlossen. Nach dem ersten Paragraphen des Börsengesetzes steht der Regierung und zwar der Landesregierung daS Aufiichtsrccht über die Börsen zu. In Berlin unterliegt die Zulassung zum Börsenhandel der Zu- lassimgsstelle, die wiederum an die Aufsicht der Handelskammer ge» Hunden ist. Die miltelbare Aufsicht übt der Oberpräsident in erster Instanz, der Minister für Handel und Gewerbe in zweiter Instanz aus. Der Finanzminister hat mit der Börsenaufsicht nichts zu tun. Das Emissionsinstitut, die Berliner Handelsgesellschaft, will auf die Einführung der Aktien der Ehikogo— Milwaukee-Bahn bestehen und sie bat erklären lassen, dah sie in kurzer Zeit nach Eintreffen des Prospeltes den Zulassungsantrag stellen werde. Es wird sich nun in erster Linie darum handeln, welche E'.cllung die ZnlassungS- behörde selbst einnimmt. Folgt sie dem Winke der Regierung, so wird sie von vornherein den Antrag ablehnen. Doch ist es nicht ganz ausgeschlossen, dah wegen der gemeinsamen Interessen der in der Zulassungsstelle vertretenen Großbanken die Zulassung aus- gesprochen wird in der Absicht, einen Kampf des mobilen Bank» lapitals gegen die Regierung durchzuführen, wie er bereits an- gekündigt worden ist._ Das Rheinisch-Westfälische Ziegeleisyndikat gescheitert. Der Plan, ein Grohsyndikat nach dem Muster des Kohlen- shndikats zu errichten, ist gescheitert. Die vorausgesetzte Mindest- beteiligung von 85 Prozent wurde nicht erreicht. Die Verkaufs- Vereinigung Herne ist bereits in Liquidation getreten. Eine Ler- billigung der Ziegelsteine würde zur Belebung der Bautätigkeit bei- tragen._ Rückgang des Viehbestandes in Baden. Der Rückgang des Zuchtviehbestandes in Baden wurde schon im Frühjahr 1310 von der sozialdemokratischen Fraktion zum Gegenstande einer Jmervellalion gemacht. Minister v. Bodman wehrte sich damals noch gegen die Oeffnnng der Grenzen und stellte eine Besserung der Verbältnisse in nahe Aussicht. Die letzte Statistik zeigt nun, dah das Jungvieh um 8 8 50 Slück gegen den Bestand des Vorjahres abgenommen hat. Wie erheblich die Not geworden ist. veranschaulicht ein Vergleich mit 1307. er konstatiert eine Ver- Minderung des badischen Viehslandes um 41000 Stück(meistens Jungvieh bis zum Alter von zwei Jahren). Die Zahlen der Vieh» schlachtungen für das letzte Quartal 1910 zeigen einen Rückgang von 17 Stück bei den Kälbern, von 20 Slück bei den Kühen und von 21 Stück bei den jungen Rindern. Die Schweineschlachiungen haben zugenommen, ferner der Genuß des Pferdefleisches. Die Einfuhr des französischen Schachtviehes hat nachgelassen, die Fleischpreise sollen wieder st e i g e n. Die Oeffentlichkeit ist nnS Wurscht. Die Handelskammer Mainz hatte unterm 23. Dezember an den Herrn Minister der öffemlichen Arbeilen die Bitte gerichtet, dah die den Mitgliedern der Reichstagskommiision in Aussicht gestellte Denk- schrift zu dem Gesetzentwurf, betreffend Schiffahrlsabqaben, auch den Handelskammern übermittelt bezw. daß diese Denkschrift überharwt der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werde, damit die Handels- kammern und sonstigen Beteiligten vor der Weiterberatung des Gesetzentwurfes in der Kommission zu der Denkschrift Stellung nehmen könnten. Darauf hat Herr V. Breidenbach unterm 28. Januar der Handelskammer folgenden Bescheid von dem Herrn Minister zu- gehe» lassen: „Das der 19. ReichStagSkommission vorgelegte weitere Material zu dem Gesetzentwürfe, betreffend den Ausbau der deutschen Wasserstraßen und die Erhebung von Schiffahrtsabgaben, ist ledig- lich für die Beratungen in der genannten Kommission, nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt. Hiernach bin ich nicht in der Lage, dem Wunsche um lieber« lastung jenes Materials entsprechen zu können." Die beteiligten Kreise weiden nach Ansicht de? Ministers früh genug von dem Unglück überrascht. Abschluß deS Stahltrustes. Nach dem BerwalwngSauSweiS be- trugen die Reineinnahmen der United StateS Steel Corporation im vierten Quartal 1310 nach Abzug der gewöhnlichen Betriebs- ausgaben 25 331 000 Dollar gegen 37 365 000 Dollar im dritten Ouarial 1910 und 40 371 000 Dollar im vierten Quartal 1309. Der Reingewinn stellte sich auf 20 462 000 Dollar gegen 31 043 000 Dollar im dritten Ouayial 1910 und 34 400 000 Dollar im vierten Quartal 1309. Der JahressurpluS beträgt insgesamt 16 329 000 Dollar, der Rest des Jahresi'urplus. nach Abzug der außergewöhnlichen Ab« schreibungen, 10 929 000 Dollar. Der Auftragsbestand Ende Dezember 1310 belies sich auf 2 675 000 Tonnen(neue Basis) gegen'3 158 000 Tonnen(alte Basis) Ende September 1310 und 5 927 000 Tonnen(alte Basis) Ende Dezember 1303. Für die Stammaktien wurde wieder eine OuartalSdividende von 1'/« Proz. erklärt. Der Schweizer oder Emmeiithaler Käse hat heute nicht nur im Auslande einen hohen, für Arbeiter unerschwinglichen Preis, sondern auch im Produktionslande selbst, so dah er schon längst kein all- tägliches Nahrungsmiltel mehr ist, das er früher war. Es kosteten 100 Kilogramm Emmentbaler Käse im Jahre 1300 132 Franken, im Jahre 1906 194 Franken und im Jabre 1310 214 Franken. Das ist eine Preissteigerung innerhalb 10 Jahren um 82 Fr. oder 63 Proz., und annähernd im gleichen Verhältnis ist in derselben Zeit auch der Preis für die Milch gestiegen, die heute 23, 24 und 24 CtS. pro Liter kostet. Zuckerproduktion der europäischen Staaten. Für die Kampagne 1310/1911 liegen folgende Schätzungen va Erzeugung von Rübenzucker in Doppelzentnern Vermehrung+ ProduktionSland 1909/10 1910/11 + relp. Verminderung— 4- 17.0 Proz. ' 22,8„ 12.4„ 3,4. 13,6„ 85,6„ 31,6„ 61.5„ 43 0.. 27,7„ 13,7„ Deutschland.... 1974580 2 313400 Oesterreich-Ungarn.. 1 245 608 1 529 800 Frankreich.... 803 006 703 330 Belgien...... 248 403 271 800 Holland..... 194 822 221 400 Ruhland..... 1 123 594 2 085 200 Schweden.... 127 000 167 160 Dänemark..... 65 000 105 000 Italien...... 118 300 170 000 Spanien..... 83 000 60 000 Rumänien..... 30 775 35 000 Deutschland nimmt unter den Rübenzucker fabrizierenden Ländern nach wie vor die erste Stelle ein. Es sind in der laufenden Kampagne 354 Zuckerfabriken in Betrieb gegen 356 im Vorjahre. Dabei wird die ratsächliche Zuckererzcugung vermutlich noch den Vor- anschlag übersteigen, da in den beiden ersten Monaten September- Oktober bereits ein Mehrertrag gegenüber der Annahme von zirka 15 Proz. erzielt worden ist._ Grundbesitz in New Dort. Die staatliche Stcuerkommission bat kürzlich die neuen Steuer- rollen bekaunr gegeben. Für das ganze Gebiet der Stadt New Bork bedeuten sie eine Erhöhung der Werteim'chätznng des Grundbesitzes um die enorme Summe von nahezu 300 000 000 Dollar. Die Wert- einschätzung beziffert sich auf insgesamt 7 341 241 357 Dollar, wovon auf Manhattan 5 031 180 425 Dollar. Bronx 603 488 112' Dollar Brooklyn 1713 414 767 Dollar. Queens 452 728 556 Dollar und Richmond 80 423 497 Dollar entfallen. Einschließlich der persönlichen und Gerechtsamesteuer beziffert sich der versteuerbare Wert in der ganzen Stadt auf rund 9 500 000 000 Dollar. Die enorme Zunahme in der WerteinschZtzung de? Grundbesitzes ist aus die Jnstrukrion des MayorS Gaynor zurückzuführen, wonach bei der Festietzung des Wertes der wirkliche VerkaufSwsrt als Norm genommen werden soll. T>ie Zunahmen beziffern sich in Manhattan auf 7,3 Proz., Bronx 22,2, Brooklyn 22, Queens 8ö,8 und Richmond 18,4 Proz., erreichten aber in einzelnen Distrikten noch viel größere Höhe, ww z. B. in der fünften Ward von Richmond 42,2, im Riverdale-Distrikt in Brooklyn 44, in Bay Ridge und Fort Hamilton 48,8 und in Rockaway gar 80 Proz. Durch die erhöhte Einschätzung erhält die Stadt das Recht, ihre Schuld um nahezu 90 OVO 000 Dollar zum Zwecke städtischer Ber- besierungen zu erhöhen. Uebrigens erwartet man infolge der enormen Erhöhung der Werteinschätzung eine entsprechende Ermäßi- grmg der Steuerrate.________ Hus der frauenbewegirng» Die gerechten Männer. Fräulein(Lina Krog, eine der bekanntesten Persönlichkeiten in der bürgerlichen Frauenbewegung Norwegens, ist vor einiger Zeit von einer Vorrragsreise aus Deutschland nach ihrem Heimatlande zurück- gekehrt. Sie erzählt nun, sie sei bei ihren Vorträgen oft und immer wieder gefragt worden:„Wie habt Ihr die Männer dazu gebracht, daß sie Euch so viele Rechte einräumten. Daraus habe sie mit Stolz geantwortet:„Die norwegischen Männer haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Sie haben uns getreulich in unserem Kampfe zum Siege geholfen."—„Sozialdemokraten" in Kristiania bemerkt dazu, daß die norwegischen Männer nicht diesen Rlihm verdienten. Es war nicht GerechiigkeitSgefühl, sondern einfach berechnete Parteitaktik, wag dem Frauenstimmrccht den Sieg in Norwegen verschaffte. Fräulein Krog hätte mitteilen müssen, daß die konservativen Machthaber erst dann zum Frauenstimmrccht kommen, wenn ihre Macht durch die Demokratie bedroht ist, wenn die politische Gleichberechtigung der Frau für sie eine politische Lebensbedingung geworden ist.„DaS von dem Gerechtigkeitsgefühl der Männer hört sich schön an in einer Festrede; aber in der praktischen Politik ist eS nichts als Illusion, die die Sache hoffnungS« los für den machen würde, der nicht an Illusionen glaubt." Was unser Bruderorgan hier sagt, ist eigentlich selbstverständlich für jeden, sich Klarheit über die Berhältniffe und treibenden Kräfte verschafft hat. Aus purem Gerechtigkeitsgefühl geben weder die Männer den Frauen, noch die herrschenden Klassen den breiten Maffen des Volkes das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Hier wie dort muß es erkämpft und durch politische Notwendigkeiten erzwungen werden. Gina Grog hätte das nicht allein aus der Geschichte des Frauenwahl- rechts, sondern auch auS der des allgemeinen MännerwahlrcchtS in ihrem eigenen Lande lernen können. Was war eS denn, das seit Ende der achtziger Jahre die norwegische Linkenpartei veranlaßte, das Staatswesen immer mehr zu demokratisieren? Sie wollte zur Macht gelangen, sie wollte den Unionsstreit gegen Schweden aus- kämpfen und schließlich die Unionsauflösung durchsetzen. Dazu brauchte man ein starkes Boll, bereit, wenn nötig, mit der Waffe in der Hand dem an Volközahl doppelt so starken Gegner die Un- abhängigkeit Norwegens abzutrotzen. Aber solche Macht nach innen und außen konnte nur dadurch geschaffen werden, daß man die politische Gleichberechtigung durchführte. Als im Jahre 1905 die gojährigen Bande, die Norwegen an Schweden knüpften, zerrissen wurden und daS Storthing erklärte, daß der Schwedenkönig in Norwegen aufgehört habe zu regieren, da wußte man. daß man das ganze Volk hinter sich halte und auch die Frauen, die sich zwar damals des Wahlrechl« noch nicht erfreuten, ober sicher waren, daß das neue, unabhängige Norwegen ihnen die staatLbürgerllche Gleichberechtigung nicht vorenthalten werde. DaS Frauenwohlrecht war ebenso sehr eine politische Not- wendigkeit geworden, wie vordem daS allgemeine Männerwahlrecht, und der.Gerechtigkeitssinn der Männer" spielte dabei höchstens in- sofern eine Rolle, als daS Notwendige schließlich im moralischen Bewußtsem als daS Gerechte erscheint. iversamuilungen— Veraustattungen. Zetitralverband der Hausangestellten. Donnerstag, den 2. Februar, abends pünktlich 8Vz Uhr: Versammlung in den Industrie- Festsälen. Beuthstr. 20, 1 Tr. Vortrag von Herrn A. Ritter, Arbeitersekrelär:„Die Stadt Berlin und ihre verwallungS- einrichtungen".— Sonntag, den S. Februar 191l, in Kellers „Philharmonie". Köpcnicker Str. 96/97(großer Saal, 1500 Per- sonen fassend): Eisfest auf Sankt Moritz. Versammlungen. verband ber Gemeinde- und StaatSarbcitcr. Die Filiale Groh-Berlin des GcmeindearbeiterverbandeS hielt am Montag im großen Saale des GewerkschaftShauses ihre Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand der AerwaltungS- und Kassenbericht von Ibio. Der Kassicrer H o f f m a n n sprach zunächst über den Kassenbericht vom 4. Quartal 1910, der den Mitgliedern gedruckt vorliegt, und gab dann eine Uebersicht über die EntWickelung der Kassenverhältniffe des ganzen Jahres. Die Quartalsabrechnung schließt in der Hauptkasse mit der Bilanz- summe von 84 495,40 M. ab. In der Filiallasse waren die Ein- nahmen samt dem alten Bestand 50 471,73 M., die Ausgaben 15 812,00 M. Ter Bestand ist im Laufe des Quartals von >82 426,55 M. auf 34 659,73 M. angewachsen. Ausgegeben wurden ; für Stcrbeunterstützung aus der Hauptkasse 1535,00 M., auS der ! Filialkasse(für Frauen und Kinder) 1230 M.; für Krankenunter- tützung auS der Hauptkaffe 5700,00 M., aus der Filialkasse 1999,00 ark, für Arbeitslosenunterstützung aus der Hauptkasse 1052,33 M., aus der Filiallasse 1538,67 M. Abgeführt wurden an die Zentral- kasse 27 520,64 M. Aus der Jahresabrechnung ist hervorzuheben, daß die Ausgaben für Unterstützungen im Jahre 1910 betrugen aus der Hauptkasse 29 511,73 M., auS der Filialkasse 14315,05 M. Im ganzen sind die Ausgaben für Unterstützungen um 18 931,39 M. höher als im Jahre 1909. Der Kassenbestand der Filiale ist im Laufe des Jahres von 22 503,00 M. auf 34 659,73 M. angewachsen. Hierzu kommt noch ein Anteil am Bau deS Gewerkschaftshauses von 500,00 M., sowie ein Kampffonds der Gasarboiter von 11 655,60 M. Die Mitgliederzahl ist im Laufe des Jahres von 6636 auf 7465 gestiegen. Den Bericht der v e r w a l t u st g gab der Vorsitzende W u tz k y. Da der Jahresbericht demnächst gedruckt erscheint und eS im übrigen bei der Größe des Arbeitsgebietes und der Fülle des Stoffes allzuviel Zeit erfordern würde, alles zu berichten, be- schränkte sich der Redner darauf, das Wichtigste hervorzuheben. Er legte zunächst dar. wie sich die Organisation in den einzelnen Sektionen und Gruppen der Filiale entwickelt hat und erwähnte dabei auch die Verfolgungen, dessen die jungen Arbeiter bei der Straßcnreinigung wegen ihrer Zugehörigkeit zum Verbände auS- gesetzt worden sind. Sie mutzten Mann für Mann vor ihren Vor- gesetzten antreten, und eS wurde ihnen gesagt, daß, wer im Ver- band sei, hinausfliegen werde auS der Arbeit. Daß die Organi- sation unter ihnen bei solchen Verfolgungen vorläufig zurückging, ist leicht begreiflich; aber auf die Dauer wird es sicherlich nicht gelingen, ihnen das Koalitionsrecht zu rauben. Die Bibliothek der Filiale hatte im verflossenen Jahre 2771 Ausleihungen gegenüber !078 im Jahre 1909. In der„Freien Vereinigung der Markt- allenarbciter Berlins" schien im verflossenen Jahre Neigung vor- »den zu sein, sich dem Verband der Gemeindearbeiter anzu- schließen. Di« Verhandlungen scheiterten jedoch, da von jenem Lokalverein daS unerfüllbare Verlangen gestellt wurde, dem Ver- band unmittelbar angegliedert zu werden und nicht der Filiale Groh-Berlin. Alan hat innerhalb des Vereins jetzt offenbar selbst eingesehen, daß man nickst fähig ist, als Gewerkschaft zu existieren, und beschrankt sich daraus, einen Untcrstützungsverein zu bilden.— Ferner ging der Redner aus die Bewegung der städtischen Arbeiter Berlins ei», bei der eS sich bekanntlich um Forderungen aus dem Jahre 1909 handelte. Er schilderte den Schncckengang der Lcr- Handlungen in den städtischen Körperschaften und namentlich auch daS seltsame Verhalten des Stadtkämmercrs. der davon redete, daß die Betrieberarbestslöhne in den Gasanstalten um 150 Prozent gs- stiegen seien, ohiu �u sagen, daß es sich hier um die in den letzten ha I?a 10 Jahren eingetretene Steigerung kec ausgezahlte» Lohn« su m m e n handelte, die ihre Ursache in der Vergrößerung der Bc« trcbe hat. Infolge der immer lebhafteren Bewegung unter den städtischen Arbeitern und des Trängens der sozialdemokratischen Stadtverordneten kam eS im Frühjahr 1910 dahin, daß der Mogistrat Lohnerhöhungen vorschlug, die sich jedoch, wie sich bald herausstellte, nur auf ungefähr ein Fünftel der Arbeiter bezogen, Auf Grund eines Antrages von Arons und Genossen wurde dann im Juni vom Mag-strat eine Vorlage über die Lohnerhöhungen verlangt; es dauerte aber bis zum 8. September, daß der Magistrat diesem Verlangen entsprach. Die Vorlage wird jetzt in einer Konr- Mission der Stadverordnetenvcrsammlung geprüft. Darüber hinaus ist die Angelegenheit noch»'cht gediehen. Inzwischen-sind die Arbeiter an einige Deputationen herangetreten und haben hier und da kleine Aufbesserungen erzielt. Mit besonderer Kraft und Einmütigkeit aber gingen im November die städtischen Gasarbeiter vor, und sie haben auch binnen wenigen Tagen erreustt, daß man sich zu Verhandlungen, sogar mit dem Vertreter der€ rganisation, bereit fand und eine Lohnerhöhung von 3 Pf. die Stunde bewilligte. Dieselben Vergünstigungen wurden bald darauf auch den Arbeitern der englischen Gasgesellschaft gewährt, die, angespornt durch das Beispiel ihrer städtischen Kollegen, sich zu ebenso energischem Vor- gehen anschickten.— Der Redner führte aus, daß die Gasarbeiter in ihrer Bewegung den Weg gewiesen haben, den auch die übr'gcn städtischen Arbeiter einschlagen müßten. Es könne nicht so weiter- gehen, daß sie von Jahr zu Jahr immer erneut ihre Anträge ein- reichen, die dann in den Papierkorb wandern. Sie müßten von nun an, erst einmal alle Kräfte zusammenfassen, um dann zu gegebener Zeit mit aller Macht in die Bewegung zu treten, um mit allem Nachdruck vorzugehen. DaS ist die Ucberzeugung, die die Ortsverwaltung und ebenso die erweiterte Verwaltung aus dem Stand der Dinge gewonnen haben.— Nachdem der Redner noch einiges über die Bewegung in den Vororten mitgeteilt hatte, schloß er mit dem Hinweis daraus, daß die Arbeit ersckxift in der gegenwärtigen Zeit mehr denn je alle Ursache hat, ihre Kräfte auch auf politischem Gebiet zusammenzufassen� waS ganz besonders auch für die städtischen Arbeiter gilt.— Die Diskussion, die dem Bericht folgte, zeigte, daß die Versammlung mit dem Redner durchaus einverilandcn war. Unter Bcrbandsangclegenheiten machte ver Vorsitzende auf den Zuschuß zur Arbeitslosenunterstützung auf- merksam, den die Stadt Schöncberg jetzt gewährt, der auch den dort wohnenden Mitgliedern des Gemeindearbeiterverbandes ge- sichert ist. Ferner gab der Vorsitzende bekannt, daß mit dem Ver- bandsvorstand eine Abgrenzung des Gebietes der Filiale Groß- Berlin vereinbart worden ist, und zwar so, daß sie sich nunmehr auf daS Postgebiet Berlin und Vororte sowie nach Norden auf Tegel und Wittenau erstreckt, während im Osten Köpenick und AdlerShof ausscheiden und gemeinsam eine eigene Filiale bilden. Es wird vorgeschlagen, daß Groß-Berlin der neuen Filiale einen Fonds von 200,00 M. mit auf den Weg gibt. Die Versammlung erklärt« sich hiermit wie auch mit der ganzen Vereinbarung ein- verstanden. Inzwischen waren die Wahlen der Ortsverwaltung. der Revisoren und der Delegierten zur GewerkschaftSkommission vollzogen. Tie auf den vervielfältigt vorliegenden Stimmzetteln stehenden Kandidaten sind gewählt. Bcvollmächt'gtcr der Filiale ist wie bisher W u tz k y, und ebenso ist Karl Hoffmann als Kassierer wiedergewählt._ Bnefhaften der Redaktion. E. H. 84. Die wlchligflen Amiahmebedingimgen bei ber Berlin cr Feuettvebr sind: Mindeftmah 1,65 Meter, Aller nicht über L6 Jabre, Pro seision Baubandwerker, Metall-, Holz» oder Lederarbeiter, oder Fahrer von Sattel und Bock.(Schneider, Gärtner, Musiler, Schreiber, Zeichner usw. gelangen nur auSnadmsweise zur Einstellung.) Gute Zivil-, RUitär- und pollzeili' MiW~...... licht Ftlbruiigjatleste. Vorzügliche Gestmdbeit, insbesondere tadellose elchassenheil der Bnitteingeweidc. volle Sehschärse, normale HLrsähiakcit, gute Zähne. Guter Turner. Berpslichtuna Versicherung. Dte Einstellung wird durch! sreiwilligen Feuerwehr eventuell begünstigt, nicht überschritten ist.— tt. S000. Nein.— Abonnent«. C. Nein. Zlruke, Türlcustr. Ein klagbares Recht belieht nicht.— Alter Abonnent H. S. Iva. Leider lönnen wir in solchen Fällen nicht Rat erteilen.— iiuvuiuit«y islichtlina zum Beitritt zur Haftpflicht- durch die vorherige Zugehörigkeit zur tüustigt, falls das oorgelchriebene Aller Berlin, den 1. Februar 1911. Am gestrigen Tage verschied nach langen Leiden unser lieber Freund und Kollege, der Belohstagsabgeordnete Herr Paul Sinser. Er hat der Verwaltung des Berliner Asyl-Vereins für I Obdachlose vom Jahre 1875 an bis an seinem Tode als Kurator des Männerasyle mit Treue und Hingebung gedient. Die Opler, die er dieser Wohlfabrtsoinricbtung an Zeit und Kraft, unbeschadet seiner sonstigen umfassenden öffentlichen Tätigkeit, gebracht hat, können nicht Dank und Anerkennung genug finden. 287/8 j Dnser Verein muß diesen herben Verlust um so schmerzlicher empfinden, als er erst vor wenigen Monaten seinen ersten Vorsitzenden, Herrn Gnstav Thölde, scheiden sah. Wir, die wir mit dem Dahingesohiedenen gemeinsam arbeiten durften, haben immer mit freudigem Gefühl seine Energie und.die Weitherzigkeit seiner Anschauungen anerkannt.■ Wir werden ihm stete ein treues Andenken bewahren. Der Vorstand and Verwaltungsrat des Berliner Asyl-Vereins für Obdachlose, SozlaldemokratisclierWaliivereiii für Seboneberg. Am Dim-lag, den 31. Januar. verstarb nach kurzem Krankenlager unser langjähriges Mitglied, der Restaurateur Hermann Tbeuerkanf sBezirt 4) im Alter von ül Jahren. Ehre seinem Andenke«: Die veerdtgmrg findet am Freitag, den 3. Februar, nach, mittags 4 Ubr, von der Leiche»- halle deS Schöneberger Fried- hoses, Maxftraße, aus statt. Um rege Beteiligung b« MU- glleder ersucht 15/3 Ter Borsland. Mitglieder de» Gesangvereins „SchSneberger Männerchor' tressen sich Pniiff ,/,4 Uhr beim Gastwirt Franz. lempethoser Str. 18. ZoliaiilmotoüNdtfWm!!» Rlxdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Kols Hampel Wanhestr. 56/57(16. Be») am 31. Januar verstorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 2 Uhr von der Leichenkalle deS Nirkorser Se- meinde-FriedboseS, Mariendorser Weg. aus statt. Zahlreich« Beteiligung erwartet Der Borstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 12. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied �rieäl-iek Kiefer am 80. Januar verstorben Ist. Ehr« seinem Andenken: Die Beerdigung findet heut» nachmittag 2*/, Uhr, von der Leichenhalle der Nazarethgemeinde in Reinickendors-Aest aus statt. Um zahlreich e Beteillamtg ersucht 254/3 Der Borstand. Zemralrereln aller in d. Hut- u. Filzwarenindustrie beeebäft Arbeiter und Arbelterinnen. Ortsverwaltung Berlin. Miseren Mitgliedern zur Kamt- niS, daß der Kollege Otto Treu plSHIich an Schlagansall im Wer von 52 Jahren verstorben ist. Dte Beerdigung findet Freitag. nachmittag 5 Uhr, von der Leichen- »alle de» Emmau»- KirchboseS in Rixdors. Hermonnstraße, au« statt. Um zahlreiche Beieiiigung ersucht 76/1 Tie Ortsverwaltung. Deutscher Iransportarheiter- Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlln. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der(lullcher August Farster am 27. d. MtS. im«Her von 66 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: 65/20 nie Bezlrksverwtltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere» guten Vaters, Schwieger- und Großvaters kterrrmrm Brieger sag« ich hiermit allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. 2876L Frau Anna Brieger nebst Kindern. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Ä?«. 10—2. 5—7, Sonntags 10—12, Kranzspenden I sowie alle BlumenarraugemeutS liefert den Genossen schnell, geschmack-. voll, billig 29455, Paul Gross, Sindenftz. SS.| Fernspr.: 4, 7203.„ Vo rwärU"-Haus. JMsw-Coapsas-Xu.t, wunderbar* Früh jah rr Netiheiitn für Anzüge. 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Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk VIII. Den verusSgenoisen zur Nach. richt, daß unser Mitglied Fritz Krause als Opfer feines Berufes ver- flovbcn ist. Ehre feinen Untenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 2. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- ball« de» ChriilnS» KinhhoseS in Mariendors, Chausseestr 230, au« statt. 254/2 Um rege Beteiligung ersucht Ver Vorntand. Todps- Anzeige. Am DienStag, den 31. Januar entschlief sanst nach längerem Leiden unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der srühere Kohlenhändler Ernst Wittig m 78. Lebensjahre. Dies zeigen liefbetrübt an, um stille Teilnahme bittend Uie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 3. d. Mts., nach- mittags S'/j Ubr, von der Leiwen- balle der Aeihiemanegemeinde. Nordend, aus statt. 2877b labuärzllicbe Poliklinik Elnasser Strallc 53 I. Zahnziehen u. Behandl. unentgeltlich. 6'lr-Tlt abends. 17/4' Etnil Sefeure B5rlla,0raiiienstr.l58 ftiessu'&uswahl Gardinen, Portieren. Stores, Vitragen, Tfillbettdecken etc. Einzelne Fenster spottbillig.* Inventur- Exlraliste und Rataio enorm billiger Extraangebote (600 Abbild.) gratis und(ranko. ikaapijeschäft: Berlin C.(Bahnhot Börse) lä; ufe 2784 Eigene Filialen: InvelidenetraCe 181 PrinzenstraCe 04 Grofio Frankkurtor Str. 85. Madaistr, Bog. 8—9, Fruchtatraßo gegenüber. Charlottenburg, Wilmersdorfer L trolle III. Nledcrlncen: Berlin 8., Oranienstraße 3. Spandau, Breite Straße 54. Schfineberg. Akozionstrallo 31. Sieglitz, Schloü- straße 121. Rizdarf, Berliner Straße 14, Charlottenburg. Augsburger Straße 18. WeiHensee, Langhnnsstraße 144. Eigene Eitanbahn-Ktihiwagen. Karl Ernst (Jnhaifr Willi Ernet) jeht: KöpeniekerSir.SSP, I. Ann IV,. 14009. Or. Auswahl! Bill. Preise! Borzeiger dieser Annonce er- Höst lOProz. Preisermäßigung. 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Der Störensried. Türdding.'iichtspiele. Karl Haverland. Svezlallläten. Urania. Taubeustrahc 4S/49. Abends 8 Uhr: Was uns der Mond erzählt. Hörsaal abend» 8 Uhr« Dr. F. Rathgen: Das Wasser. Steruwart», Jnvalidenstr. 87— 62. Urania. WisBenschaftliches Theater Taubenatraße 48/49. Abends 8 tjbr: Wa« ans der Mond erzahlt. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. F. Ratbg.n: Oas Wasser. Kaiser- Panorama. III. Wanderung im südlichen Schwarzwald. Letzte Woche: >S!ttaIme rreisa. Insel Corfu. Eine Reise 20Pf. Kind nur iOPf. Abonnements 1 M. Tausende Abonn. Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallncr-Tbeal). Donnerstag, abends 8 Ubr: vas llrdild des Tartiilr. Lustspiel in 8 Auszügen v. Zt. Gutzlow. Ende 10-/, Uhr. Freitag, abcuüS 8 Ubr: Zum erstenmal: Der Kaiser. Sonnabend, abends 3 Uhr: llasarentieker. Theater. Schiller-Theator Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Band der Jagend. Lusliviel in 5 Ausz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von W. Lange. Ende lO'/j. Freitag, abends ti Uhr: h'athan der Welse. Sonnabend, abends 8 Uhr:« l Ber Hlmmei auf Erden. I0S1=THEATE Grotze Krauts urtei«rr t32. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. L pfr Glülkstchmitd. Li Volksstück in 5 Akten von Görner und Spannuth-Bodenstedt. Freitag u. Sonntag nachm.: Don! Carlos. Sonnabend nachm.: Die sieben Rabe». Abends und Sonnt.: Der Glüctsschmied. ZKetropol-Tkestsr. Hurra! Wir leben noch! Große AuSitallungSreoue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. i.essinx-'idester. 8 Uhr: Die Ratten. Freitag 8 Uhr: Anaiol. Sonnabend 8 Uhr: Die Ratte». berliner Theater. Täglich 8 Uhr: Bummelstndenten. km Theater. Täglich; Der ß. m. b. H.-Tenor. Da! neue Weltstadt-Programm. Sensationell: 8 hiligs CiiungtiSM unt. List. ihr. Oberpriest. Tsehin Maa Des koloffulen Erfolges weg. prol. Ott« .Rentter Xoaes Progrramm"UWR/ Die berühmte chinesische Tragödin Md. Chung mit Ihrem chines. 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Morgen und ielgende Tage: Dieselbe Porstellmig._ «MM Aus. 8 Uhr. voroerkauf 11—2 Uhr. Zwei Schlager: Bine verlorene Nscdt. Er, Sie und Er mit Anton und Donat Herrnsilb In den Hauptrollen. cuou" BERlilXER KOS/ZERTHACS| Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Eintritt 5© Pf. rjpjr* Beate: WA Gastspiel von Johann Strauß aus Wien mit seiner Tollständiscn Kapelle. An eilen Wochentagen von 4— 7 Uhr: für. Promenaden- ksonzert bei freiem Eintritt. Spod-falast Potsdamer Strape 72-72a En,rM 1 M- Entree 1 M Größter Eispalast der Welt. Feerie„Karneval am Nordpol". 200 Eislanfkünstler X Prachtvolle Ausstattung. Unerreichbare Liohteffekte. X 2 Musikkapellen. Raum für 10 000 Personen. X Unterricht im Eislauf. Vormittagrs-Konserte. Sonntags 4 Uhr: Saehmlttass-Vorstellnn g. IVene Welt"fr/i!' «b Donnerstag, d. 2. Februar: l Elite- Prämiierungj der drei jüngsten Damen im lügeiahrlieiien Aller!!! (von 18—28 Jahren). PrSmiiert wird: Die jüngste von 18, die jüngste von 24, die jüngste von 28 Jahren. 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Sonnabend nachm. 4 Uhr: Das Rotkäppchen. Abend«: Da« große Pracht-Säle Alt-Berlin Passage-PaDopükum. Die Sensation des Tagest Das sprechende Pferd ..Hans'cben" Lebend! Lebend I Maod Temple,(116 BaCllady ein abnormes NaturspieL u. die ander. Sehau-Attraktlonen. Ohne Extrn-Entree! 0. 54, Sophienatr, 17-18 Blnmenatr. 10 TeL iH 2783 Tel. VII 3095 Inhaber: Panl Raatz. Zirkus Busch. Donnerst., 2. Febr., abds. 7'/, Uhr; Großer Gala-Abend. Neu 1 nenn. Araonns, Champion im Hochspringen Käti Sandwina Lady Herkules.— Herrn Direktor Pierre Altho« o. Frau, Freibeiwdreesuren. Die Eredianl«. berühmte Reiterfamile.— Troika. ger. von Herrn Hubert Mirow.— 3 Gebr. ErutelliniH. nr- komisehe italienische Clown». Um 9 Uhr ca. zum 42. Male: „Ann In." Vorher das grolle Galaprogramm Somils, nachm. 3 Uht �Kubidrt' Reste Mi« |»6e Licht Lndicu. d Uhr: Das Valhalla-sdealei'. IsRosentb.Tor.) Weinbei-qSw.20! Allabendlich 8'!, Uhr:' Brno! Da Capo! Eine AllertvellS. Revue. Sovutsgnachm. 3'/, Uhr: Ea.ere Boa Juans. 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Musik von schottlimd. �altAis �aut Casino-Theater LcthNnger S trage 37. Täglich 8 Uhr: TaS Original Berliner VollSstück Julie Wippchen. Urberliner Humor I Urberliner Topen! Im Eiste der ehem. Wallner-Bühne. Vorher erstklassiger buuter Teil. Sonnt. 3';, Uhr: Oer Hochmutsteufel, LIGHTSPIELE. MOZART- SAAL Nollendorf- Platz. Besinn 6 Uhr. Polles Caprice. Täglich«'/. Uhr: Die abgetretene Frau. Neuer bunter Teil. seläuiebelhugel. Karl Haverland- Anfang ThastoP Kommandanten« präz. 7'/,U. lUCOlCl.(tragt 77/79. Das vielsetttge amüsante Febrnarprogramm. Ütlit tifidl. SptMliMtU. Lueispiellhaus. Abends 8 Ubr: DerFeldHerrnHiigel /lmemsn-ilieslöl Dresdener SiraBe 97. Täglich: Doitcre Künstler- Abende! Theater-V ariete-Cabaret mit Anna und Frau. Vcrdle*. Ansang 8 Uhr.— Sonntags 6 Uhr Koulgsladl-iLasluo. Holzmarllstr. 72. Gänzlich neues Programm Mst Era». 8ohauskl. Lecp. Resser, Elsa de Plauque, Geschwister Bernhard]/, Hill Eugonie, The Blanke usw. Der feilsche Joseph. Posse i. t Akt Wocheni. Ans. 8, Sonntags 6'/, Uhr. (4 lljffltft Donnerstag, den 2. Febr., in Puhl» manne Theater: 8'/, Die Hoff von Inpiiv. Gr. Operette van KirckS u. Schwarz» Reistingen. Preise ber Plätze SV— 100 Pf. SluJ Borzugskarien billiger. Inserate gellen ats BorzugSkarten. Nächst. Donnerstag: Die Schule des Lebens.__' Voigt-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Donnerstag, den 2. Februar 1911 1 Gastsp. in Trapps Festsäleu, Tegef. Neif-Neiflingen. Schwant in 5 Alten v. G. v. Moser. Kasseneiöffnuiig 7, Ansang 8 Uhr. Bosporus am Moritzplatz. Heute: Grolle Spezialiläten- Vorstellung und Bockbieitrubel. = Prämiierung= des kleinsten Oamenfußes. • Anfang 8 Uhr. NiSles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag und Sonntag: Großer Kall. 29406* O. XIBIe. MllawSäle Schönhauser Allee 130, Milastr. 3. ieden Dienstag, Donnerstag und Sonntag: gy Kavalier-Ball- NU bei grollen. Streichorchester. Tanz und Lntreo; Herren 50 Pf., Damen 30 Pf. Vortugskarten haben QQItigkell Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 6 Uhr. 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Töchstdieselben fanden in frommer Entrüstung an ausge- stopften Exzellenzenwaden, künstlichen Wachsbusen, arm- seligen Pleiteschultern und ungeniertesten Kleiderausschnitten, die nach höfischer Sitte an der allerwertesten Kehrseite da aufhören, wo der Rücken seinen anständigen Namen verliert, keinen Geschmack mehr. Selbst der Jahrhunderte alte, be- rühmte Fackeltanz der Minister kam Serenissimus mit einem Male als etwas überaus Einfältiges vor. Und da Puppen- spielcrei und ähnlicher Firlefanz bei Hofe von jeher hoch im Kurse stand, verfielen die Höflinge auf die hochmoderne Idee, ihrem Herrn und Gebieter einen aktuellen„Böse Buben- Ball" auf das Präsentierbrett des Vergnügens zu legen. Serenissimus strahlten vor glücklichster Laune. Das war doch mal eine Abwechselung in dem ewigen Einerlei des Gottes- gnadenlebens. Wie immer fuhren in endlos langer Reihe zum Hofball die glänzenden Karossen der Staatswürden- schlepper und hoffähigen Stiefelputzer vor, aber heute ent- kletterten ihnen ausgewachsene Staatsbabys mit dem Schnuller, ostelbische Prachtammen, für die nächste Mastvieh- ausstellung genudelt, ausgekochte Hoffräuleins als sittsame höhere Töchter mit dem unschuldigen Gretchenzopf und die großmäuligsten agrarischen Rittergutshelden mit Penal und Schiefertafel. Markante Gesichter, die im Leben gar zu gern eine Rolle spielen möchten, sah man unter all den bunt ausstaffierten großen Kindern. Jordan, der beinahe be- rühmte Staatsharlekin, zog als maskierter Dorfschullehrer mit seiner ganzen Klippschule auf. Herrgott, machte die Bande einen Krach. Manche hatten ein rundes Glas in das Spitzbubenauge geklemmt, um besser„kneistcn" zu können, wo für ihre Taschen was zu holen sei, andere ritten täppisch und läppisch auf der heimischen Mistforke, und die Hosen, ach diese Unaussprechlichen, sahen so echt geflickt aus wie in Dingsda das Dach der Dorfschule. Serenissimus konnten sich kaum retten vor den tollen Max- und Moritz-Späßen der Dorftriarier. Vorn machten sie dem Herrn Oberschulrat ihre tiefste Reverenz, hinten sägten sie ihm das vierte Bein des Kathederstuhls an. Ein ganz besonderer Frechling hatte auf seine Schultafel gekritzelt:„Ihr könnt uns alle sonst was!" Und ein paar eingeschmuggelte„Kaminkehrer der Seele", schwarze, feiste Burschen, aber ohne die leider nicht hoffähige Kathl, hatten grinsend im Hintergrunde ihre hämische Freude dran. Mit krummem Buckel entschuldigte sich der Dorfschul- gewaltige, daß seine übermütigen dummen Jungens erst noch zu guter Tonart erzogen werden müßten. Aber eins hatte die bösartige Jugend brillant heraus. Wie die Raubritter stürzten sie sich auf Serenissimi trinkbare Vorräte und plünderten die Fleischtöpfe aus. Und von der anderen Seite stürmte eine neue Schar„böser Buben" herein. Die ritten auf Holzpferdchen, hatten Holzsäbels umgeschnallt und trugen auf den Strohköpfen Helme aus Silberpapier. Allen voran auf hohem Steckenpferd der Oberdorfschullehrer von Spree- babel, im Nebenamt Säulenkleber, Gelegenheitsdichter und Festredner. Genanut Napolium, der kleine Gernegroß oder Alexander der Kleine. Der ließ seine Bubenschar im Ballsaal einen Reigentanz aufführen, daß das Parkett von den nägcl- beschlagenen„Kalauern" arge Schrammen bekam. Da schlängelte sich der Reichs-Oberdorfschullehrer, ein ellenlanger, klapperdürrer Schulstubenphilosoph, zu Serenissimus heran, flüsterte allerhöchstdcnselben etwas ins gottbegnadete Ohr. Und Serenissimus griffen gutgelaunt in die Tasche und warfen einen Haufen buntbebänderter Zuckerkringeln umher, um die die„bösen Buben" sich balgten wie die Wilden um Glasperlen. Das war für den Dorfrecken auf dem blau an- gepinsel�n Steckenpferd das Signal zum Parademarsch. Aber als er seine phantasievolle Böse Buben-Festrede. die nicht gehauen und nicht gestochen war, heruntergeleiert hatte, be- kam er zum Lohne von Serenissimus einen wohlgezielten— Fußtritt. Anderen Tags mühten sich die Hofscheuerfrauen ver- gebens, den Dorfmuff zu verjagen. Er wollte nicht wanken noch weichen, vermischte sich mit dem Jahrhunderte alten Hoftluftmoder. Aber rings um die Hofburg Serenissimi weht Frühlingsluft. Mal wird sie doch den Moder vertreiben, trotz oller bösen Buben, die Wache halten mit Mistgabel und Holzplempe._ Die ZweckverbandSkonfcrrnz im Rixdorfer Rathause. Im NatbauS von Rixdors hatten sich Dienstagabend auf Ein- ladnng des Magistrats so Vertreter der südöstlichen, östlichen und nördlichen Berliner Vorortgemeindcn eingefunden, um zu dem Ent- Wurf dcS ZweckverbandeS Stellung zu nehmen. ES waren vertreten: Rixdors. Lichtenberg. Weitzensee, Boxhagen-RummelSburg. Britz, Friedrichsfelde, Hohenschönhausen, HeinerSdorf. Itiederschönhausen. Reinickendorf, Tegel, Treptow, Stralau. Pankow._ AdlerShof, Alt-Glienicke, Plötzeniee, Buckow. Rudow, Oberschöneweide, Nieder- schöneweide, Köpenick und Wittenau. In Vertretung deS erkrankten Oberbürgermeisters begrüßte Bürgermeister Dr. Weinreich die Erschienenen. In seinem ausführlichen Referat vertrat er den Standpunkt, daß in dem Gesetzentwurf unter allen Umständen ein Ausgleich der Volksschullasten vor- geiehen werden müsse. Dieser Standpunkt fand sofort un- geteilte Zustimmung. Die Vertreter mehrerer Vororte hatten außerdem aber noch erhebliche Bedenken hinsichtlich der Organisationsfrage und namentlich hinsichtlich der Ausdehnung bezw. Einschränkung des WirlschastsgebieteS und der Zusammensetzung� der Verbandskörperschaften. Die Versammlung erkannte diesen Wünschen volle Berechtigung zu, stellte aber die Schullastenfrage in den Vorder- grund und beschloß mit allen gegen 2 Stimmen folgende von dem Referenten vorgeschlagene Resolution dem preußischen Landtage zu Unterbreiten: „Die heute im Rathause zu Rixdors tagende Versammlung von Vertretern der gesamten nördlichen, östliche» und südöstlichen Vorortgemeinden Berlins erachtet den vorliegenden Entwurf des Zweckverbandsgesetzes für Groß-Berlin für ungeeignet, eine wirk- liche Verbesserung und Vereinheitlichung in den wichtigsten kommunalen Beziehungen und Ausgaben der Gemeinden herbei- zuführen, welche in Groß-Berlin zu einer unlöslichen wirt- fchaftlichen Einheit verbunden sind. Die hier vertretenen Ge- meinden sehen in dem Gesetzentwurf eine erhebliche finanzielle Gefahr, welche nur dann abgemildert wird, wenn zum mindesten die Regelung der Volksschullasten durch daS Gesetz unter die Verbandsaufgaben aufgenommen wird. Sie ersuchen daher die gesetzgebenden Körperschaften, dieser unabweislichen Forderung bei der endgültigen Beschlußfassung gesetzliche Geltung zu ver- schaffen."_ Die Erhöhung der Hundesteuer von 20 auf 30 M. hat der mit der Beratung der Magistratsvorlage betraute Ausschuß be- schloffen, und zwar mit 9 gegen 4 Stimmen. Anträge, die darauf hinausliefen, die Steuer nach dem Einkommen abzustufen, wurden abgelehnt. Danach brauchen Leute mit großem Einkommen keinen Pfennig mehr Steuern zu zahlen als kleine Leute. Das ist das- selbe ungerechte Prinzip, das in dem von dem Reich ausgeübten indirekten Steuersystem zum Ausdruck kommt. Hungerlöhne für Stenotypistinnen. In den bürgerlichen Zeitungen stößt man jetzt immer häufiger auf Annoncen von Arbeitgebern mit unglaublich billigem Gehaltsangebot für per- fekte Stenotypistinnen, das heißt Maschinenschreiberinnen mit Kenntnissen der Kurzschrift. Bezahlungen mit monatlich 35 bis 50 M. bei sechs- bis achtstündiger Arbeitszeit sind gar nichts Seltenes. Sehr richtig meint die„Zeitschrift für weibliche Handlungsgehilfen" zu einem solchen Spezialfall, daß eine der- artige Entlohnung die Bezahlung für einen 15jährigen Menschen sei, der selbstverständlich niemals das ist, was man mit einem per- selten Stenotypisten bezeichnen kann. Wer sich mit solchem Ge- halt begnüge, obwohl er nach Alter. Fähigkeit und Leistungen berechtigten Anspruch auf höhere Entlohnung besitzt, zeige einen so großen Mangel an Verständnis für die Pflichten gegen sich selbst und gegen die Standes- und Berufsgenossinnen, daß ein solcher Mensch geradezu bedauert werden müffe. ES sei zu hoffen, daß sich auf solche Angebote„perfekte" Stenotypistinnen über- Haupt nicht melden. In der letzteren Annahme irrt leider daS genannte Fachblatt. Es melden sich auf solche Schundlohnangebote genug Personen, denen das Messer an der Kehle sitzt und die keinen kräftigen Rück- halt haben durch Beteiligung an einer festen, zielbewußten Organisation gegen den Kapitalismus. Auch das fraglos vorhandene Ueberangebot von Stenotypistinnen begünstigt die Lohn- drückerei. Der Franenmord bei Stolpe ist noch nicht weiter aufgeklärt. Mehrere polnische Arbeiter waren unter dem Verdacht der Täterschaft angehalten worden, mußten aber wieder entlassen werden, weil sie ihr Alibi nachwiesen. Nach Meldungen, die aus dem Publikum in Stolpe. Birkenwerder, Schönfließ und auch bei der hiesigen Kriminalpolizei eingegangen sind, ist ein ver- dächtiger Mann in Basdorf an der Reinickendorf-Licbenwalder Bahn, also jenseits des Kanals von Stolpe aus, gesehen worden. Er war mit Lehm beschmutzt und hatte Kratzwunden im Gesicht und an den Händen. Dieser Mann soll mit der Reinickendorf- Liebenwalder Bahn nach Berlin zu gefahren sein. Auch auf dem Stettiner Bahnhof hat man einen Mann mit Kratzwunden ge- sehen. Diesen Spuren wird nachgegangen. Wegen gewerbsmäßigen Kautionsschwindels ist ein 44 Jahre alter Agent Emil Brösele, der früher Musiker war, von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Brösele betrieb diesen Schwindel schon lange und ist wiederholt auch schon mit Zuchthaus bestraft. Er hatte es besonders auf Filialleiterinnen von Bäckereien und Zigarrengeschäften abgesehen. Entweder schrieb er auf Anzeigen von Bewerberinnen oder er gab selbst Anzeigen auf, daß er Filialleiterinnen suche. Dann erkundigte er sich nach Filialverkäufen, führte die Bewerberinnen in diese Ge- schäfte hinein, als ob er darüber verfügen könnte und hielt dann die Verbindung mit ihnen solange aufrecht, bis er ihnen Bürg- schaften von 25 M. bis 200 M. abgenommen hatte. War er so weit, so ließ er nichts mehr von sich hören. Erst vor kurzem aus dem Zuchthause entlassen, nahm er sofort seinen alten Schwindel wieder auf und ließ sich alle Briefe wieder nach dem Postamt 21 in der Turmstraße senden. Dort erwischte ihn gestern ein Kriminalbeamter, als er wieder Eingänge abholen wollte. Auf entsetzliche Weise umS Leben gekommen ist der Fuhr- Herr Theodor Härder aus der Kastanien-Allee 77. Gegen 5 Uhr nachmittags wollte H. ein junges Pferd anschirren, als dieses plötzlich scheute und davonlief. Es gelang aber bald, das Tier festzuhalten und der Fuhrherr war gerade im Begriff, das Pferd vor einen Wagen zu spannen, als das feurige Tier abermals scheu wurde. Härder, der die Leine ergriffen hatte, versuchte, daS Pferd zu halten, wurde jedoch mitgezogen und gegen eine auf dem Hofe seine» Grundstücks befindliche Mauer, die mit Eisen beschlagen war, geschleudert. H. schlug mit dem Kopf so heftig auf das Mauerwerk auf, daß er sofort blutüberströmt und be- sinnungSlos liegen blieb. Ein hinzugerufener Arzt stellte einen schweren Schädelbruch fest, an dessen Folgen der Verunglückte schon nach wenigen Minuten verstarb. Das Gerücht von einem Verbrechen knüpfte sich an einen Schädelfund bei den Ausschachtungen auf dem Grundstück deS Hotels de Rome Unter den Linden. Es handelt sich lediglich um einen Schädelknochen, der etwas über drei Meter tief unter der Erdoberfläche unter einer Kcllersohle lag und dort wohl schon einige Jahrzehnte gelegen haben mag. Der Schädel weist hinten einen etwa drei Zentimeter langen Stich auf. Wie der hinein- gekommen ist und wie der Schädel an die Fundstelle gelangt ist. ist heute nicht mehr aufzuklären. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich in der letzten Nacht an der Ecke der Prinzen-Allee. Dort versuchte gegen 1 Uhr der ö3jähnge Nachtwächter Ludwig Klapp, Bellermannstr. 98 wohn- Haft, die Straßenbahngleise kurz vor einem herannahenden Motor- wagen der Städtischen Straßenbahn zu kreuzen, kam jedoch zu Fall und geriet unter den Vorderperron. Da der Wagenführer sein Ge- fährt nicht augenblicklich zum Holten bringen konnte, geriet der Ver- unglückte mit dem rechten Bein unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Passanten wurde der Wagen angehoben und der blutüberströmte Mann hervorgezogen. Der Verunglückte erhielt in einer nahebelege- nen Unfallstation die erste Hilfe und wurde dann nach dem Rudolf Virchow-KrankenhauS gebracht, wo das rechte Bein amputiert werden mußte. Herr Leo Korin, Ritterstraße 53, bittet unS, mitzuteilen, daß nicht er, sondern der Kaufmann Kuley, in Firma Salzwedel Nachf., der in demselben Hause wohnt, sich erschossen hat. Eine Samoanertruppe ist mit besonderer Genehmigung des Reichskolonialamtes nach Berlin gekommen und stellt sich in Castans Panoptikum zur Schau. Die Truppe besteht aus 25 Köpfen, worunter das weibliche Element überwiegt. Ihre Vorführungen bestehen vorzugsweise in Gesang und Tanz. Vorort-l�acd richten. Rixdors. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag in Hoppes Festsälen seine Generalversammlung ab. Sie begann unter dem Eindruck des schmerzlichen Verlustes, den die Partei durch den Tod des Genossen S i n g e r erlitten hat. Die Ver- sammlung hatte sich von den Plätzen erhoben, und der Vorsitzende Scholz widmete dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Ebenso ehrte die Versammlung das Andenken der im letzten Halb- jähr verstorbenen 30 Mitglieder des Wahlvereins. Sodann gab Genosse Scholz den Geschäftsbericht des Vorstandes, der sich auf die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1910 erstreckt. Leider vergeht, sagte er einleitend, keine Geschäftsperiode, in der wir uns nicht mit dem Wahlrechtsraub zu beschäftigen hätten. Der Redner berichtete dann, was in dieser Angelegenheit im letzte» Halbjahr geschehen ist. Der Bezirksausschuß hatte bekanntlich die Wählerlisten für 1909 als ungültig erklärt, gleichwohl gab der Magistrat einer Massenpetition, die Wählerlisten für 1910 dem Gesetz entsprechend nach dem Drittelungsprinzip zu gestalten, nicht statt; er wollte erst die letzte endgültige Entscheidung abwarten. 4633 Parteigenossen erhoben gegen die neuen Wählerlisten Ein« spruch, aber diese Einsprüche wurden sämtlich bis auf 29 ver- warfen. In den 29 Fällen handelte es sich um das Kinderprivilcg. Da bei weitem nicht alle, für die das Kinderprivileg in Betracht kommt. Einspruch erhoben hatten, wurden die Wählerlisten durch die Anerkennung jener Einsprüche nur noch mehr gesetzwidrig, als sie es infolge der anderthalbfachen Drittelung schon waren. In der Klage gegen die Wählerlisten findet im nächsten Monat der Termin vor dem Bezirksausschutz statt. Der Magistrat und die bürgerlichen Stadtverordneten sind nicht im Zweifel darüber, daß wir das Recht auf unserer Seite haben, aber sie handeln nach dem Grundsatz, daß Gewalt vor Recht geht. Nach diesem Kampf um das gesetzlich bestehende Wahlrecht war es nicht zu verwundern, daß der Wahlkampf im November mit einer Heftigkeit geführt wurde, wie wir ihn in Rixdorf noch nicht erlebt haben. Der Vorstand glaubte, den Genossen empfehlen zu rönnen, bei den Wahlen der 2. Klasse gleich beim ersten Wahlgang mit den Demo- kraten zusammenzugehen, was dann auch als zweckmäßig an« erkannt wurde. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Demokraten mit wenigen Ausnahmen hierbei die Treue gehalten haben. Daß die Mandate der 3. Klaffe Besitz der Sozialdemokratie bleiben würden, stand ja ohne Zweifel fest. Die Gegner brachten es in den 10 Bezirken nur auf 200 Stimmen gegenüber 6824 der Sozial- demokratie. Ein erfreuliches Zeichen des Fortschritts ist es, daß die Wahlbeteiligung 49 Prozent erreichte, was für eine Arbeiter- stadt wie Rixdorf allerdings immer noch viel zu wenig ist, aber im Verhältnis zu den 33 und 38 Prozent bei den beiden vorigen Wahlen als Fortschritt anerkannt werden muß. Von der zweiten Wählerklasse wurden in den vier umstritenen Bezirken im ganzen 876 bürgerliche, und 551 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Das Resultat ist, objektiv betrachtet und mit Rücksicht darauf, daß über 3300 M. Einkommen notwendig waren, um Wähler der 2. Klasse zu werden, kein schlechtes. Für die 3. Klasse fand dann, da Genosse Polenski in zwei Bezirken gewählt war, eine Nachwahl statt, bei der Genosse Bhtomski gewählt wurde.— Gegen die Gültigkeit der Wahlen ist von der Sozialdemokratie selbstverständ- lich wieder Einspruch und Klage beim Bezirksausschuß erhoben worden, da sie ja nach Wählerlisten vorgenommen wurden, die gegen Gesetz und Recht verstoßen. Die Agitation für den Wahl- verein, die im Anschluß an die Wahlen unternommen wurde, hat 450 neue Mitglieder gebracht. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins ist im Laufe des letzten Halbjahrs von 12627 auf 13810 gestiegen, und zwar wuchs die Zahl der männlichen Mit- glieder von 10350 auf 11171, die der weiblichen von 2277 auf 2639. Tie Agitation für den Vorwärts durch systematische Verbreitung des Blattes hatte bereits im April in 8 Bezirken 1200 neue Abonnenten gebracht; sie wurde Mitte September in den übrigen 16 Bezirken fortgesetzt und dadurch wurden 2580 Abon« nenten gewonnen, so daß also im ganzen durch diese Akt der Agitation fast 3800 neue Abonnenten gewonnen wurden. Am Schlüsse des Jahres 1910 war die Abonnentenzahl des„Vor- wärts" in Rixdorf 16995. Für die weiblichen Mitglieder ist ein Unterrichtskursus eingerichtet, für den die Genossin Kähler als Vortragende gewonnen wurde.— Zum Schluß seines Berichts machte der Redner darauf aufmerksam, daß es in der gegen- wärtigen Zeit mehr denn je notwendig ist, alle Kräfte für die Aufklärung und den weiteren Ausbau der Organisation einzusetzen. Der Kassenbericht, den Genosse Hube gab, schließt mit 21 112,85 M. Einnahmen und 21009,34 M. Ausgaben ab. An die Kreiskasse wurden 14095,26 M. abgeliefert. Die Zahl der im Laufe des Halbjahres einkassierten Beiträge ist für die männlichen Mitglieder von 44112 auf 55353, für die weiblichen Mitglieder von 5411 auf 12603 gestiegen. Dem Bibliotheksbericht, den Genosse W a l l m a n n gab, ist zu entnehmen, daß 8111 AuS» leihungen stattgefunden haben, und daß 1161 Mitglieder die Bibliothek benutzt haben. Der Bücherstand ist von 1913 auf 2122 Bände gewachsen. In der Diskussion über die Berichte äußerte Genosse Kunze den Wunsch, daß für die Herausgabe eines gedruckten Katalogs gesorgt werden möge, worauf der Bibliothekar erwiderte, daß man sich bereits mit dem Plan befaßt habe und nach der Inventur damit hervortreten werde. Da daS Lesebedürfnis von Monat zu Monat stärker hervortrete, sei der Wunsch um so mehr berechtigt. Genosse P 0 u d t a n y beklagt in längeren Ausführungen, daß nicht genug für die Agitation unter der polnisch sprechenden Bevölkerung getan werde und man in dieser Hinsicht den Polen rn der Partei und in Groß-Berlin nicht genügend entgegenkomme. Temgegen- über betonten namentlich die Genossen Heinrichs und Güttler, daß man doch sich redlich bemühe, durch Verbreitung polnischer Flug« blätter auch unter den Polen Aufklärung zu schaffen. DaS Ent- gcgenkommen, daß man den Polen beweise, dürfe jedoch nicht so weit gehen, daß die Einheitlichkeit der Partei möglicherweife darunter leide, zumal sonst auch andere fremdsprachliche Gruppen verlangen könnten, eine besondere Sektion zu bilden.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme zur Kreis- generalversammlung, die am 19. Februar in Charlottenburg statt- finden wird, lagen Anträge nicht vor. Der Vorschlag, der Kreis- generalversammlung zu empfehlen, den bisherigen Abgeordneten des Kreises, Genossen Z u b e i l, für die kommenden Reichstags- wählen wiederum als Kandidaten aufzustellen, wurde einstimmig gutgeheißen. Schönederg. Bim Gewerbegcricht. In der letzten Sitzung des Schöneverger Gewerkscbastskartells wurde unter anderm der offizielle Bericht des GewerbegcrichtS zur Sprache gebracht. Der Bericht, der gedruckt vorliegt, bezieht sich auf das Jahr 1909. Es waren 573 Streit- fachen zu behandeln, von denen 33 aus dem Jahre 1908 stammten. In jenem Jahre hatte die Zahl der Streitsachen 607 betragen, also um 34 mehr als 1909. Zurückgenommen wurden vor Abhaltung deS ersten Termins 10 Klagen. In 45 Fällen haben mehrere Personen durch gemeinschaftlichen Antrag Klage erhoben, wobei die Höchstzahl der gemeinschaftlichen Kläger 9 war. Im ganzen war die Zahl der Kläger 621, und zwar waren es 494 männliche und 137 weibliche Kläger. Von den im Jahre 1909 anhängig gemachte» Klagen kamen 182 auf die verschiedenen Berufe des Baugewerbes. 327 auf die übrigen Berufe und 31 auf Fabriken aller Art. 530 Klagen waren von Arbeitnehmern gegen Arbeitgeber erhoben. 6 von Arbeitgebern und 4 von Arbeitnehmern desselben Arbeitgebers gegeneinander. Diese 4 Klagen stammten sämtlich auS dem Bau- gewerbe._ Bei 377 Klagen handelte es sich um Lohniorderungen, um Kautionen oder andere Leistungen aus dem Arbeitsverhältnis, i»� 228 Fällen um Ansprüche auf Schadenersatz wegen unrecht- mäßiger Lösung des Arbeitsverhältnisses, Einbehaltung von Arbeitspapieren usw. Der Wert de» Streitgegenstandes betrug in 206 Fällen bis zu 20 M., in 147 Fällen darüber hinaus bis zu 50 M.. iit 116 Fällen bis zu 100 M. und in 71 Fällen über 100 M. bis zu sin einem Fall) 800 M. Nechtskräilige Versäumnisurteile sind 117 er- gangen und außerdem 56 Versäumnisurteile, die jedoch infolge rechtzeitigen Einspruchs und Erscheinens der betreffenden Partei wieder aufgehoben wurden. Terminstage wurden von dem Vor- sitzenden allein 45, vor dem Spruchgericht 15 abgehalten. Erledigt wurden in weniger als einer Woche lS8, in einer Vis zwei Wochen 1(50, in zwei Wochen bis zu einem Monat 65, in einem bis zu drei Monaten 72 Klagen, und bei 32 Klagen dauerte es drei Monate und länger. Berufung wurde gegen keine» der Endurteile deS Gewerbegerichts eingelegt. Als Einigungsamt ist das Gericht nicht tätig gewesen. Lichtenberg. Selbstmord eines fünfzehnjährigen MödchenS. Gestern vormittag stürzte sich die lö Jahre alte Tochter Ella des Darmhändlers Gleue, Nöderstr. 42. aus der im zweiten Stock des Hauses gelegene» Wohnung auf den Hof hinab. DaS junge Mädchen sollte, wie gemeldet wird. von seiner Mutter bestraft werden, und in einem Augenblick des Alleinseins öffnete es das Fenster und sprang aus den Hof, wo es mit schweren inneren Verletzungen liegen blieb. Beim Transport nach dem Krankenhause am Friedrichsdain starb das Mädchen. Die Leiche wurde nach der Wohnung der Eltern übergeführt. Steglitz. Mit einige« für die Arbeiterschaft wichtigen Anträgen wird sich die nächste Gemeindeverlretersitzung am Freitag, den 3. Februar. abends Ü Uhr, zu beschäftigen haben. ES ist dies einmal der Au trag Asjmann auf Einführung einer Arbeitslosen Unter st ützung sowie Errichtung eines Arbeits nachweise» und zweitens der Antrag auf V e r b o t der Wer Wendung von bleiweiszhaltigen Farben bei Malerarbeiten. die von der Gemeinde vergeben werden. Hauptsächlich der erste Antrag unseres Vertreters wird der bürgerlichen Mehrheit Ge- legenheit geben, ihr so oft betontes soziales Empfinden inS rechte Licht zu rücken und durch die Tat zu beweisen, daß eS auch ihr Wille ist, die sozialen Schäden unserer Zeit nach Möglichkeit zu heilen. Mariendorf. Ein sechsjähriges Kind verbrannt. Im Hause Strelitzstraße brach gestern vormittag Feuer aus. Ein sechsjähriges Kind erlitt derartige Brandwunden, daß es beim Eintreffen der Feuerwehr tot war. Zwei andere Kinder, die leichte Verletzungen davongetragen hatten, wurden von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Die Kinder haben, wie man annimmt, mit Streichhölzer» gespielt. Ober-Tchöneweide. Eine Urauiavorstellung findet am Sonntag, den 19. Februar d. I., nachmittag» 2 Uhr, statt. BillettS a 55 Pf. find beim Genossen Mulh zu haben. Am 9. Februar, abends 8 Uhr, im„Wilhelminenhof*: Rezitation« abend. Vortragender ist Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater. Auch zu diesem Abend sind Billetts a 35 Pf. beim Genossen Muth zu haben. Buckow. DaS Opfer einer verhängnisvollen Verwechselung ist der Stein- metz Freitag ans Buckow geworden. F. wollte auf der Arbeitsstelle seinen Durst löschen, ergriff aber statt der Wasserflasche eine andere Flasche, die Sprengöl enthielt, von Lein er mehrere Schluck trank. Unmittelbar darauf sank der Steinmetz besinnungslos zu Boden. Obwohl sofort ein Arzt hinzugernfen wurde, der alsbald Gegew mittel anwandte, gelang es nicht, den F. zu rette»: auf dem Trans- port zum Krankenhause verstarb der Bedauernswerte unter entsetz lichcu Schmerzen. AdlerShos. Unseren Genossen Hildebrandt und P e t r i ch. welche von der Gemeindevertretung zu unbesoldeten Schöffen gewählt wurden, ist vom Landrat des Kreises Teltow die Bestätigung versagt worden. In der Entrechtung der Sozialdemokratie bleiben sich doch alle Land- räte gleich. Friedrichshagen. Ein» wichtige Gemeindevertretersitzung findet am Freitag, den 8. Februar, nachmittag« 5 Uhr. statt. Bernau. Di« wirtschaftliche Entwickclung Preußcn-Deutschlands, so lautete das Thema, über welche« Genosse Knöschke in der Generalveriamm- lung des Wahlvereins referierte. In der darauffolgenden DiSkusfion, erklärten sich die Redner mit den Ausführungen deS Vortragenden einverstanden. Im Anschluß daran gab der Vorsitzende den Halb- jahresbericht. Danach fanden 5 Mitgliederversammlungen und 5 öffentliche Versammlungen statt. Leser des„Vorwärts" find ein- schließlick der ländlichen Bezirke 422. Der Kassenbericht ergab bei einem Mitgliederbestand von 236 männlichen und 23 weib- lichen Mitgliedern folgendes Bild. Bestand am 1. Juli 1910: 78,70 Mark. Einnahme 919,09 Mark, Ausgabe 949.14 Mark. Als Beztrksiührer wurde im 3. Bezirk der Genosse Neumann ge- wählt. In die Propagandakommission für den Konsumverein wurden die Genossen Krüger und Kunze gewählt. Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende die Genossen, die Versammlungen besser wie bisher zu besuchen. Zugleich teilte er mit, daß am Sonntag, den 12. Fe» vruar. in Lanle eine öffentliche Versammlung stattfindet, zu der der Genosse ReichstagSabgeordneler Stadthagen das Referat über- nommen hat. Pankow. Die Gemeindevertretung am Dienstag wiederum mit dem Elektrizitätswerk. In Sitzungen hatte bekanntlich die Vertretung den Einbringung einer Vorlage auf Erweiterung der Anlage ersucht. TaS ist nun geschehen� dieselbe lag der Gemeindevertretung zur Beratung vor. Stach längerer Debatte, in der auch abmahnende Stimmen gegen eine Erweiterung laut wurden, wurde� diese beschäftigte fich einer der letzte» Bürgermeister um dennoch einstimmig beschlossen und für diesen Zweck die Summe von 45 000 M. bewilligt. Ferner wurde der Tarif deS Elektrizitätswerkes zur Genehmigung unterbreitet. Nach demselben stellt sich die Stromabgabe usw. für die Abnehmer wesentlich günstiger als nach den Abnahmebedingungen der Berliner Elektrizitätswerke. Der Tarif wurde genehmigt.— Hierauf wurde einein Straßen- baukonsens für die Grundbank-Äktiengesellschast die Genehmigung erteilt, wonach in nächster Zeit das Gebiet zwischen Brehme-. Görsch-, Heynstraße nördlich und angrenzend an Mühlen- und Maxtmilianstrahe südlich der Stettiner Bahn der Bebauung er- schloffen werden soll.— Schließlich wurden für die Aufstellung einer Schulbaracke und Umänderung derselben zu einer provi- sorischen Isolierbaracke für Infektionskrankheiten auf dem Kranken- Hausgrundstück die erforderlichen Kosten in Höhe von 3600 M. bewilligt. Nowawes. Feuer brach am DienStognachmittag in dem Lagerraum der Posamemenfabrik Pick u. Co., Lindenstr. 86. auf unaufgeklärte Weise aus und vernichtete sämtliche dort lagernden Arbeitsmaterialien und fertigen Waren. Nur mit Mühe gelang es de» Zügen der Pflicht- sowie der freiwilligen Feuerwehr, den daranstoßenden größeren Arbeitsraum mit den Maschinen vor dem verheerenden Element zu schützen. Der Schaden soll zirka 4000 M. betragen, der durch Ver- sicherung gedeckt ist. Etwa 40 Arbeilerinncit sind dadurch vorläufig arbeitslos geworden.__ Gerichts-Zeitung, Ei« freiwilliger Polizist. ,So ein Halunke! Sa ein Achtgroschenjunge! So ein Polizei- spihel!" Mit diesen Titulaturen soll der Gärtner Karl Lüpke aus Südendc. behauptet er. von dem Klcmpncr Karl Arnold aus Steg- litz belegt worden sein. Auf Lüpkes Anzeige hatte gestern Arnold fich vor dem Amtsgericht Borlin-Tempelhof wegen Beleidigung zu verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte den Genugtuung hei- schenden Lüpke nicht auf den Weg der Privatklage perwiesen, sondern cS für ihre Pflicht gehalten, ihrerseits gegen Arnold einzuschreiten. Daß hier ein öffentliches Interesse vorliege, nahm die Staats- anwaltschaft Wohl deshalb an, weil bei einem Lokalboykott unserer Genossen in Südende besagter Lüpke sich gegen sie al» freiwilliger Polizist betätigt hatte. Ter Boykott richtete sich gegen das dortige Restaurant von Dahl und Schultheß, dem die sozialdemokratische Arbeiterbevölkerung Südendes fernblieb, weil es für ihre Ver- sammlungen nicht hergegeben wurde. Am 4. September 1910, einem Sonntag, zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags, bemerkte Lüpke in der Lichterselder Straße(zu Südende) angeklebte Zettel, die auf den Boykott hinwiesen. Er kratzte einige Zettel ab. und deswegen soll dann Genosse Arnold, der ihn dabei beobachtet hatte, ihn so sagt die Anklage einen„Halunken", einen„Achtgroschenjungen", einen„Polizeispitzel" genannt haben. Vor Gericht gab der Angeklagte Arnold an, er habe Lüpke ledig lich wegen seines Tuns zur Rede gestellt und ihm dabei noch vor' gehalten, daß er, Lüpke, eigentlich eine öffentlich bemerkbare Sonn' tagsarbeit verrichte, gegen die der Gendarm einschreiten müßte. Daraufhin habe Lüpke sich als Beamter bezeichnet und Arnold auf- gefordert, ihm zur Polizei zu folgen. Arnolds Aufforderung an Lüpke, sich zunächst mal zu legitimieren, sei ohne Erfolg geblieben, darum habe Arnold schließlich den Mann stehen lassen und sei weitergegangen. Abends zwischen 6 und 7 Uhr habe dann Arnold, aus dem Lokal von Bredereck auf die Straße hinaustretend, Plötz- lich bemerkt, wie ein paar seiner Bekannten durch Lüpke verfolgt wurden und Lüpke einem von ihnen einen Stockhieb über den Kopf gab, so daß der Stock zerbrach. Da sei Arnold hinzugesprungen, habe Lüpke an weiteren Tätlichkeiten gehindert und habe in der Erregung ihm die Worte„Lump" und„Strolch" zugerufen. Mehr aber habe er nicht gesagt, insbesondere habe er nicht die Worte „Achtgroschenjunge" usw. gebraucht. Arnold legte dem Gericht ein Stück des zerbrochenen Stockes vor. Gegen Lüpke hat der Verletzte inzwischen Anzeige wegen vor- sätzlicher Körperverletzung erstattet. In dem Verfahren gegen Arnold aber ist durch das Vorgehen der Staatsanwaltschaft der sich beleidigt fühlende Lüpke nicht nur vor den Mühen und Kosten einer privaten Beleidigungsklage bewahrt worden, sondern auch in die angenehme Lage gekommen, nunmehr als Zeuge austreten zu dürfen. Zugleich hat er seine Zulassung als öiebrnklägcr erwirkt, so daß jeder mögliche Einfluß auf den Gang der Verhandlung ihm gesichert bleibt. Al» Zeuge wurde et zunächst unbeeidet vernommen. Lüpke gab unter dem Widerspruch Arnolds an, daß Arnold bereits am Nachmittag ihn wegen der Beseitigung der Zettel einen„Halunken", einen„Achtgroschenjungen" und„Polizeispitzel" geschimpft habe. An jenem Sonntag sei Lüpke auf dem Wege von seiner in der Lichterfelder Straße gelegenen Wohnung nach dem Lokal von Dahl und Schultheß gewesen, wo er sein Bier trinken wollte.„Da sah ich," bekundete er,„die Zettel angeklebt. Selbst- vsrständlich habe ich— ich bin freiwilliger Feuerwehrmann— da? als groben Unfug angesehen. Da habe ich die Zettel abgerissen." Sofort seien nun mehrere Personen auf ihn zugckonimen, unter ihnen Arnold, und der habe ihn in der oben angegebenen Weise beschimpft. Ebenso sei von Arnolds Begleitern geschimpft worden, doch seien deren Namen erst jetzt bei Gelegenheit des gegen Lüpke eingeleiteten Verfahrens wegen Körperverletzung ihm bekannt ge- worden. Als Polizeibeamten habe Lüpke sich nicht ausgegeben, er habe Arnold nur aufgefordert, mit zur Polizei zu kommen, damit dort jeder sich legitimiere. Auch den Vorfall vom Abend stellt Lüpke anders dar. Er habe, um Arnold ststieren zu lassen, per Telephon einen Polizeibeamten gerufen, der aber erst später ge kommen sei. Dieser habe Lüpke angewiesen, auf der Straße sich hinter Arnolds Begleiter aufzustellen. Plötzlich fei Lüpke von 20 bis 25 Mann umringt und angegriffen worden, so daß er mit einem Spazierstock sich gewehrt habe. Arnold habe,„Lump" und „Strolch" schimpfend, ihn festgehalten und sei dann selber von dem herbeieilenden Polizisten festgenommen worden. Arnolds Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Joseph Herzfeld, erhob Einspruch gegen die Darstellung des Zeugen und Nebenklägers, daß die Begleiter Arnolds als Mittäter anzusehen seien. Gegenüber i>iesem Versuch, die Zeugen des Angeklagten auszuschalten, werde es sich empfehlen, daS Verfahren gegen Arnold auszusetzen, bis gegen Lüpke das Verfahren gegen Körperverletzung beendet sei. Lüpke» Rechtsbeistand. RechtLanw. Ulrich, wünschte Ladung des Polizeibeamten, der bekunden werde, daß Lüpke nicht aus Wehrlose eingehauen habe. Er meinte, dies« Darstellung werde sonst in der Presse wiedergegeben werden; im besonderen nannte er den„Vor- wärtö". Das Gericht kam zu dem Beschluß, daß der Vorgang vom Abend für den allein zur Anklage stehenden Vorgang vom Nachmittag unerheblich sei. Daher wurde die Ladung des Polizei- beamten abgelehnt, und es erübrigte sich dann auch der Antrag. bis zur Beendigung deS Verfahrens gegen Lüpke das verfahren gegen Arnold auszusetzen. Beschlossen wurde, die Sache zu ver- tagen, zum neuen Termin ein paar von Lüpke benannte Zeugen de» Vorganges vom Nachmittag zu laden und von Lüpkes Ver- eidigung noch Abstand zu nehmen. TJus aller Gdelt Die peft in Charbin. Der Korrespondent deS„New Dork Herald' telegraphiert aus Charbin seinem Blatte, daß aus der nördlichen Mandschurei sehr ungünstige Nochrichten über die Ausdehnung der Pest ein- getroffen seien. Sämtliche Slädle und Dörfer in einem Um- kreis« von 200 Meilen sind von der Seuche infiziert und mehrere dieser Städte sind vollständig entvölkert. Die au« Charbin geflohenen Chinesen haben die Krankheit nach den de- nachbarren Dörfern und Städten verschleppt, wo die Seuche sofort ihr Zerslörungswerk begonnen hat, da» sich von Tag zu Tag fortsetzt. Am Beginne der Epidemie waren die Massen indifferent und schrieben die Schuld an dem Aus« bruche der Krankheit den Japanern zu, die sie an- klagten, die Wasserzisternen mit einer gelben Substanz ver- giftet zu haben, um die chinesische Bevölkerung zu vermindern und sich der Mandschurei zu bemächtigen. Diese Legende scheint ibrcn Grund darin zu baben, daß die infizierten Hänser von einer Chlor« kalkschicht umgeben wurden. Wie gemeldet wird, sterben in der nördlichen Mandschurei täglich etwa tan send Personen an der Seuche. Selbst wen» eS den Ansirengungen der 22 Aerzte gelingen sollte, die weitere Ausbreitung der Pest in Charbin etwas einzudämmen, so ist doch die chinesische Stadt Fudsjadjan nicht mehr als eine Stadt der Toten. Man zählt dort bisher 400 Opfer der Pest. Von 30000 Bewohnern der Stadt ist dir Hälfte geflohen, während die andere Hälft« in der Stadt zurückgeblieben ist und den Tod erwartet. Man bereitet sich vor, tauseud Särge mit Leichen zu verbrennen, da es unmöglich ist. sie in die Erde einzuscharren. Die Mehrzahl der Särge ist bei der Verbrennung gesprungen, so daß sich die Hunde der Leichnam« bemächtigte«. Truppen erhielten Befehl, diese Tiere abzuschießen In der inneren Stadt stehen seit gestern morgen einige Straßen in Brand und mau glaubt, daß es notwendig lein wird, die ganze Stadt h e r u n r c r z u b r e n n c» In den noch stehenden Häusern verbergen die Bewohner die Leichen auS�Furcht, nach den Jiolationebaracken tranSportterr zu werden, was sie als ihren sicheren Tod bezeichnen. Jeden Morgen findet man die Straßen voll von Leichnamen, die während der Nacht dorihin geworfen wurden. Sämtliche Europäer und Japaner sowie die chinesischen Post- und Eifenbahnbeamten, die von Mulden aus gehen, sind in ganz phantastischer Weise mit einer Robe aus weißer Ga-e. die mit I o d o f o r m getränkt ist. umgeben, die nur für Nase und Mund eine ganz kleine Oeffnung frei läßt. DaS Kostüm erinnert an dasjenige der Taucher: sie rragcn auch ebenso wie diese Sckuhe ouö Gummi. Man legt giese Gozemas.'en niemals ab: hinter den so maskierten Leuten läuft meist eine große Anzahl Menschen her, so daß man glaubt, einen KamevalSzug vor sich zu haben._ Dem starken Mann gewidmet. Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, besorgt recht kräftig dem Jordan den Schmerz. Mit diesen, Denkspruch ging gestern dem LandtagSabgeorbneten Genossen Ad. Hoffmann eine zünftige„Harzer Jung- Eiche" zu. die bei der Suspackung im Hause auf der Linken vielen Spatz auslöste. Mancher der Herren betrachtete verständnisinnig das „Harzer Bauerii-Cloroform". Die Sendung kam unmittelbar nach der Wortentziehung deS Genossen Liebknecht durch Jordan v. Kröcher an. Böie Zungen behaupteten daber. daß erst dieser Tröster veranlaß, habe, daß Liebknecht seine zweite Rede an dem Tage ohne Unterbrechung beenden komtte. Genosse Hoffmann be« absichtigt. das«Harzer Andenken" im Sitzungssaal« mit der Wornungstafel:„Ich warn« RauSsch mißlust ige!* auf- zuhängen.__ Weitere Opfer der Schlagwetterexplosion. Die Schlogwetterkatasirophe auf der Gewerkschaft Deutscher Kaiser bei Hamborn hat noch zwei Todesopfer gefordert. Von den im Krankcnhause liegenden schwerverletzten Bergleuten starben am Dienstag zwei Mann, so daß die Zahl der Toten nunmehr dreizehn beträgt. Eine neue Pariser Skandalaffäre. Claude Casimier Perier hat einen würdigen Nachfolger gefunden. Gegen den Grafen C h e l s e u l- P r a s l i II in Paris ist die strafrechtliche Untersuchung wegen Betruges angeordnet worden, weil er einem Juwelier ein Perlenhalsband im Werte von 90000 Frank abgeschwindelt und qls Bürgschaft wertlose Bilder als echte Von Dyck«, Franz Hals und Rüben» gegeben halte. Im Laufe der letzte» Tage erfuhr nun der Juwelier. daß der Graf das Perlenkollier für 41 000 Frank wieder verkauft habe, daß er unter Kuratell stehe, vollständig ruiniert sei und daß er in dem Hause seiner Gelieble» wohne. Zwei Agenten, die die Vermittlerrolle bei dem Geschäfte gespielt hatten, sindf gleichfalls der Untersuchung unterworfen worden. Kleine Notizen. Schwerer Unfall. Im Huldslbinskywerk in Gletwttz stürzte ein schweres Stahlrohr vom Gehänge ab und siel auf den Arbeiter S ch e t e k. Alle Rettungsversuche blieben erfolglos. Erst nach längerer Zeit gelang es, die Leiche zu bergen. I« Sturm umgekommen. Vier Fischerboot« sind während eine» Sturme» an der spanischen K ü st« untergegangen. Kenn Mann werden vermißt. Vierzehn Arbeiter ertrunken. Wie in einer Falle ertranken t4Aibeiler, die an emer Eisenbahndrehbrücke bei Newa rk im Staate New Jeriey einen Fluß ausbaggerten. Ein Baggereimer durchschlug den Boden des Baggers und riß die Unglücklichen mit sich i« den Fluß. Ein Attentat wurde Dienstag in Stockholm ans einen Bank- direktor H j e r ist ed t verübt. Beim Verlasien eines Straßenbahn- wagen» wurde er von einem Begleiter durch einen Revolver- schuß schwer verletzt. Auch der Angreifer brachte sich einen Nevolverschuß bei. Beide Verletzte starben im Hospital. Ein bei dem Angreifer vorgefundener Paß lautet auf den Namen Gutsbesitzer Erik Falk. Geschäftliche Angelegenheiten sollen de» Beweggrund der Tat bilden. Zentralverbond der Friscurgehilken Deutschland». Zwetgveretn Berlin. Donnerstag, den L. d. MtS., abends 9 Uhr, Rosenthaler Straße ll/I2: Generalversammlung. Arbriter-Blanderbun»„Die Naturfreunde-. Freitag. 3. Februar, abends 6>i, Uhr, spricht Dr. Grumach über: Die Hygiene des Wandenii" im VcwertschaitShauje, Engeluser 15, Saal I. «mtlichrr Dtarktbertch« der ttädilich«, viarttiallen-DtrekNon über den Grotzdandel in den Zenlrat-Marttballen. Marttlage: Fleischt Zufuhr schwach. Gelchüst ruhig. Preise unverändert. Wild: Zukubr mäßig,»fiaiüs, schleppend, Preise(oft unverändert. Setlügek: Zu- rnbr rrichlich, Geichäsi ruhig. Prelle nachgehend. Fische: Zusubr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Lutter und Käse: Sc- schüft ruhig, Preise unverändert. Gemüfe, Obs» und Südsrüchtei Zusuhr genügend, Geschält nicht besriedlgend, Preise wenig verändert. Lvttrernnqsuberück» vom 1. Februar li>U. IkUf Jl«? Setter Emtnttne» 772?:?iA Hamburg 777 NW. sierlw 774 NW i 4ranfl.aW 779 NO kvünchev 78lNW Wien 77SWNW »II i** S; III '"c «Ii morac»« 8 ttfit. 939 *•* t- Sa 1«Havaranda 760 NNW 3, Petershurg 761 NO 0 Sollt 778 O 7'Utittto 782 SSS —12«an«.779910 1 6. Sbeiter—7 1 Schnee—13 5 bedeckt| 4 3 wollig I 1 LwoUenl—7 9 heiter 4 bedeckt 3 bedeckt 1 heiter 2 heiter «bedeckt Wettrrproanote fit lBounerstag, den L. Februar lflll. Ein wenig tlibler, zeitweise nusklarend. aber veränderlich bei ziemlich frischen nordwestlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburen» t «vassrrkta n d«.« n lUrtHte» drr LandeSanstalt für Gewüsserkund«. mtigetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m- l.?i:st> P r e g» l. Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder. RaNdor , Kroiien , Frmitiurt Warthe. Sckrunm , LandSberg Netz«. Sordamm Elbe, Lettmeriz » Dresden » Barba , Aiagdeburg am i'«u 81. 1. ISO, 1. nn> na') -6 -24 — 48 —80 -10 —■3 — +i +3 —34 —6 -rl4 +« 887») 195) 134«. 234� 857 290 142') 103») 42-1 132 50 379 322 Wasserstand Saat«, GroSlip Havel, Spandau') , Nardenow') Spree. Sorcinberg») , Leas low Weier. Münden , Iii in den Rhein. WapmiiianSau , Kaub . KS In Neckar, Heilbronn Main, Werkheu» Mosel. Trier am 31. 1. am 150 121 171 151 177 38 136 326 199 830 90 S55 133 'eil 30. 1, ein') —14 +1 4SI -86 +1 —23 +10 -20 +21 —15 «i 4- bedeutet Winds.— Kall.—•) Uttterpegrl.-»•) EiSstanh.— Nttreiden.—•) Eisbewegung. Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Kür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin LW»'