Nr. 2». Hbonnements-Bedfngunsen: UbonnemenlS- PrrtS pränumerando; vierieljährl. 3#) Ott, monatL 1,10 Md, wöchentlich 2a Pfg. frei mä Haus. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags« Vellage.Die Neue Well'!0 Psa. Post- Kbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. «inaetragen m die Post-ZeitungS- PreiSIisic. Unter ttreuzdand siir Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, fiir da- übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostadonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Ponugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. T8. Jahrg. Mchtldl tZzllch Z«e«r MsnlZg,. Derlinov VolksblAkt. Die TnlerflonS'Gebüljr Beträgt für die sechsgespallcne Kolonel» geile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 80 Pfg. „Kleine Sn-eigen", daS erste liett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schills- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm> Adresse: „SeziaWeinoKrat BerU#4*, Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. für die Menjuitiz! Es ist ein gar wundersames Schauspiel, das wir jetzt nach den Moabiter Prozessen erleben. Wenn die Sozial- dcmokratie Klage erhob, daß die Justiz vielfach Klassenjustiz sei, daß ihre Rechtsprechung häufig den Ausfluß bourgeoiscr Klasseitvorteile uud Antipathien gegen die Arbeiterklasse ver- rate, so konnte sich die bürgerliche Presse, konnten sich die bürgerlichen Parlamentarier bis tief hinein in die Kreise der äußersten bürgerlichen Linken nicht genug tun in entrüsteten Protesten gegen solcheVerdächtigung der absoluten Unabhängigkeit und Unbceinflußbarkeit unserer deutschen und speziell preußischen Richter. Dabei brauchte dem Freisinn nur das eine be- fremdliche Urteil im Prozeß Maltzahn-Becker zu widerfahren, um ihn sofort in die Kritik von der politischen Voreingenonimen- heit der Greifswalder Richter einstimmen zu lassen. Was Tausende von mindestens ebenso befremdlichen Urteilen, gefällt gegen Proletarier und Sozialdemokraten, bei unserem uncnt- wegtenILiberalismus nicht vennochten, hat das eine Urteil gegen einen der Ihrigen zuwege gebracht: ihnen endlich darüber den Star zu stechen, daß in einem von politischen Leiden- schaften erfüllten Staate auch die Richter gar nicht absolut leidenschaftslos sein können, daß sich vielmehr auch in ihrer Rechtsprechung die politische Auffassung offenbaren muß. Es hat unglaublich lange gedauert, bis sich unser heutiger Liberalismus zu dieser für jeden Politiker und Psychologen so selbst- verständlichen Auffassung durchgerungen hat, und die Müh- feligkeit dieser so späten Erkenntnis ist um so rätselhafter, als schon' vor Menschenaltern eine solche Einsicht Gemeingut selbst eines so bläßlichen Liberalismus war. wie ihn die Bennigsen, Lasker und Miquel verkörperten. Ihr Gesinnungsgenosse T r e i t s ch k e wenigstens hat damals ganz offen aus- gesprochen:»alle Rechtspflege ist politische Tätigkeit". Und ein anderer Parteigänger Laskers, T W e st e n, hat Vor nun fast einem halben Jahrhundert erklärt: »daß ein Richterstand auf die Dauer politischen Strömungen und einem konsequent geübten Drucke der Regierungsgewalt widerstehen sollte, darf von ihm so wenig erwartet werden, wie von einem besoldeten Beamtentum überhaupt. Denn materielle Unabhängigkeit läßt sich einem besoldeten Beamtentum nicht geben, und bei materieller Abhängigkeit ist ein unab- hängiger Geist und Charakter immer nur die aus- zeichnende Eigenschaft einzelner". Wenn sich unser moderner Liberalismus einschließlich des Freisinns gleichwohl an der törichten Legende der Unabhängig- keit des Richterstandes berauschte und von den sozialdemo- kratischen Anklägern der Klassenjustiz indigniert abrückte, so hat die Reaktion diese kindische Komödie niemals mitgemacht. Sie hat aus ihrer brutalen Klassenauffaffung, daß auch die Richter und die Rechtsprechung sich jederzeit dem unter- zuordnen hätten, was das Scharfmachertum die Staatsräson, lies: das Klassen- und Willkürrcgimcnt der herrschenden Kasten, nennt, niemals einen Hehl gemacht. Und wenn jetzt dieser Scharfmacherklüngel von Kraut- und Schlotjunkern, der in Preußen sein Knutenszcpter schwingt, nicht nur nach einer Verschandelung der Strafprozeßordnung schreit, sondern auch die in den Moabiter Prozessen gefällten Urteile in Grund und Boden verdonnert, so bleibt sie damit nur ihrer Auffasiung treu, daß die Justiz nichts sein könne und dürfe, als das skrupellose Instrument der Klassenherrschaft und Klassenwillkur. Wobei natürlich keineswegs vergessen werden soll, daß eine solche Mißachtung und Verhöhnung von Ge- richtserkenntnissen, wie sie in den letzten Wochen und Tagen nicht nur von führenden Parlamentariern des Scharsmachcrtums. sondern auch von den h ö ch st e n Staatsbeamten beliebt worden ist, selbst in den Annalen borussischer Reaktionsorgien schwerlich ihresgleichen finden dürfte I Denn wenn man von bornierten und brutalen Fanatikern wie den Herren v. Pappenheim und Zedlitz und ihren Nachtretern auch natürlich nichts anderes erwarten konnte als die unverfrorenste Mißachtung gerichtlicher Feststellungen und die frechste Verdächtigung und Verleumdung von zahlreichen Zeugen, deren Glaubwürdigkeit vom Gericht ausdrücklich hervorgehoben worden war, so war es doch selbst von einem preußischen Polizeiminister ein ungewöhnlich starkes Stück, sich so nonchalant wie Herr v. Dallwitz über alles hinwegzusetzen, was vom Gericht als fe st gestellt und einwandfrei erwiesen angesehen worden war. Ganz zu geschweigcn der burlesken Kundgebung des Berliner Polizei- gewaltigen v. I a g o w, der derselben Polizei, der im Gerichts- urteil zahlreiche schwere Ausschreitungen attestiert worden waren, ohne jede Ausnahme und Einschränkung ein Zeugnis ihrer blütenweißcn Unschuld und tadellosesten Pflichterfüllung aus- stellte l In der Tat, niemals ist dem Ansehen der Justiz ein vernichtenderer Schlag versetzt worden, als durch die preußische Regierung! Noch während des Verfahrens, doch � bereits nach der Aufschichtung eineS chimboraffohohen Anklagematerials gegen zahlreiche Polizeibeamte, ein Ordensregen für diese Polizei, und nach dem Urteil des ordentlichen Gerichts eine öffentliche Belobigung auch jener zahlreichen Beamten, denen das Urteil den Stab gebrochen hatte. Zuerst die empörendsten nnd plumpsten Beeinflussungsversuche gegen die Richter, und nach der Urteilsfällung die schnödeste Desavouierung und Verhöhnung des Gerichtserkenntnisses! Statt der schuldigen Polizeibeamten schleppte man die Richter auf die Anklagebank! Und da verlangt man noch vom Volke, daß es das An- sehen der Justiz achtet, daß es Gcrichtserkenntnisse respektiert?! Aber selbst damit war die Tragikomödie der preußischen Rechtspflege noch nicht zu Ende. Nach dem Minister- Präsidenten, dem Polizeiminister und dem Polizeipräsidenten kam zu guter Letzt noch der Justizminister an die Reihe, um dem waidwunden Opfer der preußischen Justiz den Rest zu ver- setzen. Während die Scharfmachermeute das niedergehetzte Wild mit ihren Fängen am Boden hielt, verabfolgte Herr v. Beseler ihm kaltlächelnd den Genickfang. Statt sich der Rechtspflege und ihrer Organe anzunehmen, statt Respekt für sie und ihre sonst so vielgepriesene„Unabhängigkeit" zu fordern, versuchte der Justizminister.auch seinerseits noch eine Desavouierung und Rektifizierung des Gerichts! Durch jene famose Interpretation der angeblich„miß- verstandenen" Stelle der Rechtsbelehrung des Vor- sitzenden Landgerichtsdirektors U n g e r, die da besagte, daß auch gegen P o l i z e i b e a m t e, die sich in miß b r ä u ch l i ch e r Ausübung ihres Amtes befanden, wie jener Polizist, der einen wehrlosen Greis totgeschlagen habe, jeder Akt der Notwehr erlaubt sei. Dieser Fall, ev klärte der Justizminister, sei nur ein konstruierter gewesen und Herr Unger habe keineswegs sagen wollen, daß jemand, der in der irrigen Annahme, ein Beamter be finde sich nicht in rechtmäßiger Ausübung seiner Amtsgewalt, Widerstand leiste, deshalb straffrei bleibe. Eine ebenso überflüssige wie ihrerseits„mißverständ- l i ch e" Darlegung, denn was Herr Unger sagen wollte und einzig sagen konnte, war, daß jedem Bürger das Recht der Notwehr zusteht, wenn er ohne jeden Grund von einem uniformierten Rowdy mit dem Säbel geschlagen wird, wenn besagter Rowdy sich also dadurch eines Mißbrauchs seiner Amtsgewalt schuldig macht l Seinen besonderen borussischen Charakter aber erhielt dieser Erguß des Justizministcrs dadurch, daß dieser nach seiner Erklärung den Gerichtspräsidenten Unger um eine A u s> k u n f t über seine Aeußerung und deren wirklichen Sinn er sucht hatte. Denn dazu hatte der Justizminister nicht das mindesteRecht. Sind doch die preußischen Richter wenigstens formellin der Rechtsprechung völlig unabhängig! Und es wäre deshalb vielleicht am Platze gewesen, daß Herr Unger in diesem Falle ebenso gehandelt hätte, wie seinerzeit sein Kollege G r o l m a n n. Als vor sechzig und etlichen Jahren Johann Jacoby wegen seiner„Vier Fragen" in erster Instanz wegen Hochverrat und Majestätsbeleidigung zu mehreren Jahren Festung verurteilt, in der zweiten Instanz aber frei- gesprochen wurde, ward deshalb dem alten Grolmann die Ehre zuteil, von Friedrich Wilhelm IV. mit den bittersten Vorwürfen überhäuft zu werden. Grolmann beantwortete jedoch die erregten Einreden mit der trockenen Bemerkung, daß er über Amtssachen keine persönlichen Unter- Haltungen führe.„In solchen Sachen", erwiderte der König,„kann ich die Person nicht vom Amte trennen."„Ich kann es", entgegnete Grolmann und— nahm seinen Abschied. So respektierte man damals die„Unabhängigkeit" der Richter, und so sucht man sie heute vollends ins Joch borussisch-scharfmachcrischer Abhängigkeit zu zwingen. Nicht genug, daß über Arbeiter, die wegen Vergehen, wegen deren man Studenten mit einer lumpigen Geldstrafe davon- kommen läßt, auf Monate und Jahre ins Gefängnis schickt— nein, die Gerichte sollen sich skrupellos zum Büttel des Scharfmachcrgesindcls hergeben, sollen das Recht schamlos beugen, die Zeugenvernehmung willkürlich einengen, sollen die Zutreiber und Handlanger jeder reaktionären Kamarilla spielen— kurz bedingungslos die politischen Geschäfte der Volksausplünderer und Volksunterdrücker betreiben. Bäumt sich das Rechtsempfinden der Richter gegen solch infame Zumutungen auf, so sind sie jeder Anpöbelung wehrlos preis- gegeben. Schrieb doch am 15. Januar die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung": .DaS Gericht hatte aber die Befugnis,— auf die Gefahr einer Aufhebung des Urteils bei der RevifionSinstanz hin— selbständig vorzugehen, und konnte eine Beschränkung der Verteidigung mit guter Begründung verantworten. Es ist ein Jammer, datz dies nicht geschehen ist, und niemand weiß, ob daS der in Betracht kommenden Instanz selbst nicht inzwischen sehr leid tut. Durch das sachlich völlig unnötige und deshalb un- angebrachte Entgegenkommen gegenüber der Verteidigung, die es zuwege gebracht hat, daß einiger Rauhbeine halber monatelang prozessiert worden ist, ist das Vertrauen auf dieRechtS- sicherheit in dem Teile des Volkes, der in den Angeklagten nichts anderes sah, alS waS sie in Wahrheit sind, nämlich Aufrührer und Frie- denSbrecher, in bedenklicher Weife erschüttert worden. Em großer Anfwand ist schmählich vertan!" So heult das Scharfmachergeschmeiß nach Rechtsbeugimg, nach Klassenjustiz nicht nur in dem diesem Worte bisher eigenen Sinne, sondern direkt nach Scharfmacherjustiz, nach Unternehmerjustiz, die selbst auf den durch- sichtigsten Schleier objektiver Rechtspflege verzichtet! Wackere Miniererl Bei solchem Umsturz von Recht und Gesetz kann sich die Sozialdemokratie schmunzelnd die Hände reiben I Lroßbritaniiiet) und Kanada. London, 31. Januar 1911.(Eig. Ber.)' Der am 26. Januar gleichzeitig in Ottawa und Washing- ton veröffentlichte Handelsvertrag, der von den Regierungen Kanadas und der Vereinigten Staaten Nordamerikas ver- cinbart worden ist, stellt ein Dokument dar, dessen Tragweste noch kaum zu übersehen ist. Aber auf den ersten Blick wird es klar, daß dieser Gegenseitigkeitsvertrag, der auf Drängen einflußreicher Bevölkerungsschichten in den beiden Nachbar- staaten zustande gekonimen ist und deshalb auch Wohl in den gesetzgebenden Körperschaften Kanadas und der Vereinigten Staaten Annahme finden wird, einen tiesgehenden Einfluß auf die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Kanadas zu seinem mächtigen republikanischen Nachbar und dem Mutterlande Großbritannien ausüben muß. Der Vertrag ist das Kind der von den Konsumenten der Vereinigten Staaten gegen die Lebensmittelteuerung ver- anstalteten Agitation und der Freihandelspropaganda der Farmer Westkanadas, die sich durch die hohen Preise der Jndustrieprodukte und die Ausschließung von dem großen nordamerikanischen Markt benachteiligt fühlten und im ver- gangenen Jahre eine rege politische Agitation entfaltetem Die Hauptpunkte des neuen Vertrages bilden einerseits die freie Einfuhr von Kanada nach den Vereinigten Staaten von Getreide, Vieh Geflügel, Fischen und Molkcreiprodukten und andererseits die Einfuhr zu verminderten Zollsätzen von den Vereinigten Staaten nach Kanada von landwirtschaftlichen Geräten, Pflügen, Mäh- und Dreschmaschinen usw. Die Ab- schaffung oder Verminderung der Zölle beruht auf Gegen- seitigkcit. Die großen Dorteile, die der Vertrag der Bevölkerung beider Staaten bringt, springen sofort in die Augen. Ten Vereinigten Staaten wird ein getvaltiges Land eröffnet, das nicht mit Unrecht die Kornkammer der Welt genannt worden ist. Allein im Norden Saskatchewans gibt es noch 56 666 666 englische Morgen guten Ackerlandes, die noch unbebaut sind. An den Küsten und in den Flüssen und Seen des Landes wimmelt es von Fischen. Dazu birgt Kanada ungeheure Reichtümer an Holz. Mineralien und Kohle. Das Land bildet die natürliche Quelle, aus der die Vereinigten Staaten die mangelnden Lebensmitteln und die Rohstoffe für ihre großen Industrien ziehen können. Dabei bietet Kanada ein schnell wachsendes Absatzgebiet für amerikanische Industrie- Produkte. In den letzten fünf Jahren hat die Bevölkerung Kanadas gewaltig zugenommen. Im Jahre 1965 lebten in Kanada 6 Millionen Menschen: augenblicklich wird seine Be- völkerung auf 7% bis 8 Millionen geschätzt. Auf seiner Bodenfläche soll für über 166 Millionen Menschen Platz sein. Dagegen eröffnet sich für die mit beängstigender Schnelligkeit wachsende kanadische Landwirtschaft ein umfangreiches Absatz- gebiet in der benachbarten Republik. Bisher strebten die landwirtschaftlichen Produkte auf dem langen Eisenbahnwege von Westen nach Osten dem britischen Markte zu. Der neue Vertrag wird die Richtung dieses Handels in entschiedener Weise ändern. In Zukunft wird ein bedeutender Teil dieser Waren von Norden nach Süden gehen. Die Besorgnis, daß durch diese Ablenkung die Getreidepreise in Liverpool in die Höhe gehen werden, ist wohl kaum berechtigt: denn erstens wird der kanadische Farmer mit den billigeren Maschinen billiger produzieren können und zweitens wird auch der An- trieb, den die Landwirtschast in Kanada erhält, den nötigen Ausgleich herbeiführen. Allerdings werden die großen, mit britischem Kapital gebauten kanadischen Eisenbahnen, die fast alle von Westen nach Osten laufen, den landwirtschaftlichen Umschwung zu fühlen bekommen: man tröstet sich jedoch mit der Hoffnung, daß der wirtschaftliche Aufschwung den Bau neuer Zweiglinien nötig und somit den Verlust wieder wett- macheu wird. Während nun die kanadischen Farmer und die amerika- nischen Konsumenten frohlocken, herrscht in den Reihen der Schutzzöllner Großbritanniens eine tiefe Verstimmung über den neuen kanadisch-amerikanischen Vertrag. Man kann diese Verstimmung wohl verstehen. Die wirtschaftliche Annäherung der beiden nordamerikanischen Staaten, die auch auf polü tischem Gebiete die unausbleiblichen Folgen zeitigen wird. türmt dem großartigen Gedanken Joseph Chamberlains, alle britischen Staaten'zst einem Zollverein zu vereinigen, neue, schwer überwindbare Hemmnisse entgegen. In diesem großen Zollverein war Kanada der Eckstein. Kanada sollte für Groß- britannien das werden, was es jetzt wahrscheinlich für die Vereinigten Staaten werden wird: die schier unversiegbare Quelle für die voy der britischen Industrie benötigten Roh- stoffe. Tie Kanadier waren damals mit der ihnen zuge- wiesenen Rolle nicht recht einverstanden. Ihre Lauheit nahm noch zu, als sie gewahrten, wie sie bei der zunehmenden Aus- breitung der schutzzöllnerischen Ideen in Großbritannien nur noch den imperialistisch-patriotischen Besatz abgeben. Die Tarifreformer trieben mit Kanada ein mutwilliges Spiel: in den Städten erklärten sie den Arbeitern, daß der kanadische Weizen zollfrei ins Land� kommen sollte: dem englischen Farmer wurde gesagt, daß dieses Getreide nur vorberechtigt sein sollte. Zur selben Zeit wuchs im Westen Kanadas eine freihändlerische Bauernpartei heran, die ihren Einfluß auf Ottawa bald fühlbar machte und den englischen Schutzzöllnern ohne Umschweife erklärte, datz sie sich nie und nimmer dafür hergeben feurSe, Sem Volke Trotzbritanmens Sas Brot zu verteuern. Ihr Einfluß machte sich deutlich bemerkbar, als sich der kanadische Miuisterpcäsident im vorigen Jahr gc� nötigt sah, zu erklären, daß das Freihandelssystem Groß- britanniens das glänzende Beispiel sei, nach dem Kanada streben müsse. Alle diese Zeichen, die auf einen Umschwung in Kanada deuteten, blieben von den englischen Tarif- icfo,«nern unbeachtet oder wurden von ihnen aus der Welt erklärt. Noch bei den letzten Wahlen scheuten sie sich nicht, von den kanadischen Brüdern zu sprechen, die den Tag herbei- sehnten, an dem der Schutzzoll in Großbritannien und damit der allbritische Zollverein triumphieren würde. Erst der neue Vertrag hat ihnen die Situalion klargemacht. Nun aller- dingS ist auch die Reaktion unr so stärker. Die Tarifresormer erklären, daß England verloren sei, daß es bald zu einer Macht dritten und vierten Ranges herabsinken werde. Nach der Heftigkeit dieser Jeremiaden läßt sich der Grad der Ent- täuschung der schutzzöllnerischen Partei unschwer feststellen. Es steckt in allen Imperialisten und Kolonialschwärmern etwas von dem Geiste Georgs III. von England und seiner Minister, die ja die Kolonien als eine Art geduldiger Kühe ansahen, die man getrost melken könne. Man sollte meinen, daß dieser Gedanke bei Bunkers Hill von den Kugeln der amerikanischen Farmer gründlich widerlegt worden sei. Man kann sich aber anscheinend heute noch nicht bei dem Gedanken beruhigen, daß die Tochterstaaten schließlich ihren eigenen Weg gehen und den Eltern das Kost- und Erziehungsgeld nicht zurückzahlen wollen. Heute lautet die Parole Kanadas: Oanacka a Natiou!(Kanada eine Nation!). Auf allen Ge- bieten sucht der junge Staat diese Parole durchzusetzen. Kanada weigert sich, zur Auftechtechaltung der britischen Flotte beizutragen und gründet eine selbständige Flotte: es schließt selbständig Handelsverträge mit den europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten Nordamerikas ab: es schickt seine Truppenabteilungen zu den englischen Manövern, aber nur auf Kosten des englischen Obersten: und jetzt schickt es sich an, die intimsten wirtschaftlichen Beziehungen mit seinem Nachbar auf Kosten Großbritanniens anzuknüpfen. Denn daß die Produkte der britischen Industrie in Kanada trotz des bedeutenden Bevorrechtigungstarifs gegenüber den durch die geographische Lage begünstigten amerikanischen Jndustrieprodnkten immer mehr zurückgedrängt werden müssen, ist wohl kaum zu bezweifeln.— Das Verhalten Kanadas sollte den Imperialisten und Kolonvalschwärmern eine Warnung sein. Es mag ein gottgefälliges Werk sein. Kolonien zu gründen, aber profitabel ist es auf keinen Fall. politifche CJcbcrHcbt. Berlin, den 2. Februar 1911. ZentrumSmogeleien. Der elsassische ReichStagSabgeordnete WetterlS veröffentlicht im„Kolmarer Nouvellifte" einen aufsehenerregenden Angriff gegri, das Verhalten der Zentrumsfraktion im ReiSstage. WetterlS teilt mit. daS Zentrum habe bereit» im Sommer da» zu erwartende Kompromiß mit der Negierung in den Grundzügen vereinbart. Die Verschworenen kömcken be» reitS jetzt sagen, bei welchen Paragraphen der Kanzler nachgeben würde und bei welchen anderen die Partei ihre Prinzipien opfern würde. Die wichtigsten Konzessionen der Negierung würden darin bestehen, daß die Zusammenstellung der Ersten Kammer ein wenig geändert und die WahllreiSeinleilung auf gesetz- lichem, statt auf dem Wege der Verordnung erfolgen würde. Da- durch solle die Diehrheit de» schwarzblauen Block» in den Reichs- landen gesichert werden. Diesen Enthüllungen können wir noch folgende» hinzufügen: Der erste Vorsitzend» der elsässischen g«ntrnm»partei Dr. Bonderscheer hat im Laufe de» Sommers mit dem Staatssekretär Dr. Delbrück verhandelt und da» Kompromiß festgestellt. Dr. Vondcrscheer legte ferne Rede auf einer Zusanrmenkunfr der elsässischen ZemrumSabgeordneterr vor und änderte seine Ausführungen in verschiedenen Punlren im Sinne des ReichSzentrumS. Die Folge war, daß im Reichstage die vorher angekündigte Präposition unterblieb. Die Erbitterung, die darauf in den Kreisen des elsaß-lochringischen Zentrums entstand, kam am letzten Sonntag im Cercl« Catholique in Straßburg zum Ausdruck. Es wurden 10 Fragen formuliert, durch die Wetterlö über fein Verhalten in der Verfaflungsfrag« zur Rede gestellt wird. Sein Artikel ist die Antwort darauf. Amtlich bezeugte Bedürftigkeit. Großes Heil soll den im Betriebe der preußischen Staat»- eisenbahn beschäftigten Arbeitern widerfahren. Der Eisenbahnminister hat, wie bürgerliche Blätter der»Zeitung des Vereins der Eisen- bahnbeamtcn und-Arbeiter" entnehmen, zu verfügen geruht, den Arbeitern die Pacht eines Stücke? Landes zu ermöglichen bezw. zu vermitteln, weil dessen Bewirtschaftung»für die Lebenshaltung der Arbeiter von großem Nutzen". Aber nicht alle Arbeiter sollen dieser außergewöhnlichen Wohltat teilhaftig werden. »Vor allem wird eS sich um solche Arbeiter handeln, die nach dem Staude ihrer Familien einerseits der Land» benutzung bedürftig sind, andererseits die Be» nrbeitung des Lande» durch Familienmitglieder b ef ot g en können, ohne selbst dem Interesse des Dienstes entzogen zu werden." Nachdem diese Verfügung ergangen, muß auch der Zweifel vcr- schwinden, daß der Eisenbahnminister über die Lage der bei der Staats« eisenbahn beschäftigten Arbeiter wohl unterrichtet ist. Er weiß recht gut, daß die bezahlten Löhne unzureichend, daß hiervon allein eine Familie nicht existieren kann, Die Bedürftigkeit der Sisenbahnarbeiter ist jetzt amtlich zugestanden. Aber der preußische Sisenbahnminister ist weit entfernt davon, au» diesem Singeständniö den folgerichtigen Schluß zu ziehen, die Löhne zu erhöhen. Er beschränkt sich darauf, den Arbeitern ein Stück Land zu verpachten, bezw. zur Pacht zu vermitteln, damit die Familienmitglieder des Arbeiters fich darauf abrackern können. Daß der Arbeiter selbst die kleine Pacht- »cholle bewirtschaftet, liegt nicht im»Interesse des Dienstes", mit anderen Worten: der Dienst nimmt den Arbeiter voll in An» sprach. Die voll ausgenützte Arbeitskraft eines Arbeiters wird also so schlecht dezahlt, daß eS zur Erhaltung der Familie nicht ausreicht. Weiter: Wie Lenkt sich nun aber der Herr Minister die Lage jener Familien aufzubessern, die„zwar einerseits der Landbenutzung bedürftig sind", andererseits aber die Bearbeitung des Lande» durch Familienmitglieder nicht besorgen können! Dollen dies« so lang« im Elend weiter vegetieren, bis die Familienmitglieder der»Bearbeitung des Landes" sich unterziehen können? Die Verfügung ist, wie man sieht,'ein klassischer Zeuge preußi- scher Arbeitcrpolitit: sie zeigt die Arbeiterfürsorge deS Vaters Staat in ihrer ganzen Fratzenhastigkeit. Das hindert allerdings bürger- liche Blätter nickt, darin einen Akt außerordentlicher Arbeiter- füriorge zu«Micken, sie als eine soziale Tat in die Welt hinaus» zuposaunen. Ter gesprengte Senkorenkonvent. Die Kröcherleute im preußischen Dreiklassenhause führen ihre Obstruktion durch: die Konservativen halten sich tatsächlich von den Berarnngen des Seniorenkonvents fern, so daß eS dem Vorsitzenden Abg. H o b r e ch t unmöglich ist, den Konvent zusammen zu berufen. BlS auf weiteres ist also eine gemeinsame Ordnung der Geschäfte auf Grund von Borbesprechungen der Senioren der Parteien auS- geschloffen und der Seniorenkonvcm kann als aufgeflogen gelten. Den Anlaß zu dieiem Verhalten bot den Konservativen der Zwischenfall Hoffmaim-Kröcher. Die Kröcher-Tradanten wollen mit ihrer kindischen Torheit die»Würde" des preußischen Dreiklassenparlaments retten._ Schöne Eintracht. DaS kaum geschlossene Wahlabkommen zwischen Fortschrittlern und Nationalliberalen in der Provinz Hannover droht bereiiS wieder in die Brüche zu gehen. Das hauptsächlichste Streitobjekt bildet der WablkreiS Hann oder-Stadt, der sich seit 18St im Besitze der Sozialdemokratie befindet. Dieser Kreis sollte den Fortschrittlern überlassen werden; nun haben aber in Hannover die National- liberalen einen eigenen Kandidaten aufgestellt, und daran droht die mühsam hergestellte Einigkeit wieder in die Brüche zu gehen. Eigentlich ist es verwunderlich, daß die Gegner um Hannover streiten. Dieser Kreis ist sicherer sozialdemokratischer Besitz und wird es bleiben. Privatbeamtenvcrfichernng. Die Siebenerkommisston des Hauptausschusses zur Herbei» sührung einer staatlichen Pensions- und Hinterdtiebenenversicherung für die Pnvatangestellten hat zu dem Entwurf eines BersicherungS- gefetzeS sür Angestellte Stellung genommen. Der Entwurf wird als „eine gute und brauchbare Grundlage" bezeichnet, und dann in 12 Leitsätzen die Wünsche der übergroßen Mehrheit der Privat- angestellten fonnulierl. Die wichtigsten sind: Es soll ein Grenzgehalt von 6000 Mark für Bemessung von Leistungen und Beiträgen festgesetzt werden. Nach dem Tod» der versicherten Ehefrau eines erwerbsunfähigen Ehe- mann? soll den ehelichen Kindern unter achtzehn Jahren Waisenrente und dem Manne Witwenrente zustehen, so lange er de- dürftig ist. Eine Rückvergütung von Beiträgen soll unter keinen Umständen eintreten. Auch in die RentenauSschüsie sollen weibliche Versicherte gewählt werden können.' Die Beiträge sollen möglichst so abgestuft«erden, daß sie in der Klasse K.--- 2 M., v°-° 4 M., C--- G M.. v--- 8 M.. L--- 11 M..? IS M.. Q« 18 Wt., L---- 23 M., ck---- 30 M. monatlich bettagen. Die Einberufung eines Allgemeinen Privatangestellten- tag es nach Berlin steht unmittelbar bevor. Soldatenkrawall in Trier. Eine schwere Ausschreitung ließen sich in Trier in der Nacht nach der 5laiserSgeburtstagSfeier eine Anzabl Soldaten, hauptsächlich der 6. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 89, zuschulden kam- inen. Sie lärmten frühmorgens gegen 4 Uhr in der Saarstraße vor der Wirtschaft Thewalt dermaßen, daß ihnen der Sohn der Wirtin Ruhe gebot, da kein Mensch bei dem Radau schlafen könne. Der junye Mann wurde aber von den Soldaten derart bedrängt. daß er sich schleunigst in den Hof zurückzog und das Tor schloß. Hieran suchten ibn einige Soldaten zu hindern, indem sie sogar mit dem Seitengewehr durch da? Gitterwerk de» Tore» nach ihm stachen. Einem der Leute entfiel das Seitengewehr. Als die Aufforderung, eS herauszugeben nicht befolgt wurde, befahl ein Sergeant der 6. Kompagnie den Soldaten, daS HauS zu stürmen. Die Schar drückte denn auch mit Gewalt das Tor auf und stürmte dann in den Hof und in das Haus. Während der WirtSsohn durch eine Hinter- tür sich eilends entfernte, um Hilfe herbeizuholen, drangen die Soldaten in die Zimmer und mißhandelten die Wirtin sowie einen anderen Sohn derselben, den sie auS seinem Schlafzimmer hinunter in den Hof schleppten und, al» er sich von ihnen losgemacht hatte und flüchtete, mit dem blanken Seitengewehr bis unter da? Dach verfolgten. Auch wurden verschiedene Sachen beschädigt und einige Fenster zertrümmert. DaS Erscheinen eine? Feldwebels und eines Unterzahlmeisters, die der ersterwähnte WirtSsohn herbeigeholt hatte, machte dem Skandal ein Ende. Zwei Urteile der Militarjustiz: Wie verschieden DiSziplinveraeben der Gemeinen und RohcitS- delikte der Vorgesetzten von der Militärjustiz beuricUt werden, zeigen folgende zwei Fälle, mit denen sich dieser Tage daS Dresdener Kriegsgericht zu beschäftigen batte. Erster Fall. Der Fahrer Schäfer von der reitenden Ab- teilnng des Artillerieregiments Nr. 12 erhielt eine? Tages vom Unteroffizier Jäger den Befehl, fich anzuziehen»nd mit zum Wacht- meister zu kommen. Der Unteroffizier batte kurz vorher erfahren, daß Schäfer als alter Mann der Vorschrift zuwider Rekruten au allerlei Dienstleistungen herangezogen haben sollte. Zwecks Fest- stellung des Tatbestandes sollte Schäfer zum Wachtmeister gehen. Da er aber nach seiner Angabe nicht derjenige war. der Befehle an Rekruten erteilt batte, kam er der Aufforderung de? Unter- offiziers nicht nach. Beide begaben sich dann nach dem Pferdestand, wo sich Schäfer die Drillichjacke anziehen sollte. Weil Sch. den Be- fehl als zu Unrecht erteilt ansah, befolgte er ihn nicht; begab sich vielniehr in seinen Stand und machte Streu. Auf einen weiteren Befehl des Unteroffizier», schnell zu machen, erklärte der Angeklagte: »Ich hob« Zeit, ick komme schon noch zu Fach." Auf eine aber- malige Wiederholung des BeieHlS erwiderte Schäfer:»Ich habe keine Zeit, ich habe Ärbeit". Bei diesem ganzen Borfall ioll Sch. eine»unmilitärische Haltung" eingenommen und die Aeußerungen im ungehörigen Ton getan haben. Der Vorfall brachte dem Sol- oaten eine Anklage wegen Ungehorsam, Achtungsverletzung, Beharrens im Ungehorsam und ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung, begangen vor versammelter Mannschaft. Während der Untersuchung brachte der Soldat einige Sachen vor. die eine Beobachtung auf den Geistes- zustand nötig machten. In der Verhandlung bestritt Schäfer ganz«nt- schieden etwas getan zu haben, was den Unteroffizier Veranlassung ge» geben hätte, gegen ihn einzuschreiten. Die Krretur zum Wachtmeister sei eine ungerechtfertigte Maßnahme gewesen, uno nur aus diesem Grunde habe er geglaubt, die Befehle nicht befolgen zu müsien. Der Zrztlicke Sachverstandige erllärtc. daß sich Sch. bei dem Vorfall möglicherweise in einer Erregung befunden habe; eine Geisteskrank- beit liege jedoch nicht vor. DaS Urteil lautete auf die exorbitante Strafe von acht Wochen drei Tage Gefängnis! Zweiter Fall. Wegen Mißhandlung, Beleidigung und vor- schrifiswidriger Behandlung eines Untergebenen verhandette derselbe GeckchtShof gegen den Unteroffizier KlabiS von der 6. Batterie des Artillerie-RegimentS Nr. 12. Am 15. Dezember will der Angellagte bemerkt haben, daß der Soldat Winklcr fein Pferd nicht richng geputzt halte. Kurzerband ging der Untcroifizier auf den Unter- gebenen zu und verletzte dielen einen so kräftigen Fußtritt gegen daS rechte Bein, daß das Knie dick anschwoll. Um nicht de» Än'ckein zu erwecken, als habe er vorsätzlich mißhandelt, tat der Unteroffizier dabei die Aeußerung:»Treten Sie mir nicht auf die Füße, gottverdammter Krüppel!" Außerdem mußte der Soldat noch auf Befehl d«S Unteroffiziers zehnmal hintereinander durch die 25 Meter lange Stallgasie Laufschritt machen. Vor Gericht suchte sich der„Stellvertreter" mit allerlei Dingen zu entschuldigen. Insbesondere wollte er den mißhandelten Soldaten als unglaubwürdig hinstellen. DaS Gericht erachtete ihn aber für überführt, erkannte jedoch nur auf die gelinde Strafe VonIL Tagen mittleren Arrests franhrdil). Ein neues Unterseebook. Eherbeurz, 2. Februar. Das Unterseebook„Mariotte", d'aZ größte Unterseeboot der Welt, mit einer Wasserverdrän- gung von 1100 Tonnen, ist heute glücklich vom Stapel gelaufen» Italien. Tie Teuerung. Rom, t Februar. In der Deputiertenkammer dauert seit dem 27. Januar die Debatte über einen von dem Deputierten Canepa und 23 anderen Mitgliedern der äußersten Linken eingebrachten Antrag an. Dieser lautet: Die Kammer wolle mit Rücksicht auf die starke Verteuerung der Lebensmittel. die durch die im Winter in mehreren Landcsteilen herrschende Ar- b e i t s l o s i g k e i t und durch die K r i s i S rn einigen Industrie- zweigen noch verschärft werde, die Regierung ersuchen. Maßnahmen zu treffen, durch welche sofort und dauernd die übermäßige Vcr- teuerung der Volksnahrungsmittel wie Brot. Fleisch. Fische und Zucker beseitigt werde. Ministerpräsident Luzzatti antwortete auf den Hinweis eines Sozialisten, der eine Herab setzun g der Militärlasten verlangt hatte, daß der Führer der englischen Sozialisten gegenüber den allergrößten Ausgaben für Militärzwecke erklärt habe, er wolle hinter niemand in dem Wunsche, die Verteidigung deS Landes sicherzustellen, zurückbleiben. (Lebhafter Beifall. Larm auf der äußersten Linken.) Er erinnere daran, daß der Petroleum- und Kaffeezoll und der Preis des SalzeS für bestimmte Zwecke ermäßigt worden sei, und betonte, die Regierung müsse das Gleichgewicht des Budgets aufrechterhalten und auf dieser Grundlage für die Sicherheit des Landes sorgen. Luzzatti erinnerte dann an die zur Förderung der Fischzucht ge- trosfenen Maßnahmen sowie an die Ermäßigung der Gebuhren für die Einfuhr von Rindvieh auS Erythräa und dem Somaliland. Man müsse und werde die V e r b i l l i g u n g s p o l i t i k fort- setzen, soweit sie mit dem Budget in Einklang zu bringen se,. (Wiederholter lebhafter Beifall.) Morel!» und andere schlugen vor. in den Wortlaut des Antrages Canepa die Worte»die Kammer hat Vertrauen zu dem Werke der Regierung" aufzunehmen. D,e Debatte über diesen Zusatzantrag wurde schließlich mit Zustimmung des Ministerpräsidenten auf die morgige Tagesordnung gesetzt und die Sitzung geschlossen._ Das Bertrauensvotum aagenommen. Rom, 2. Februar. Die Abegordnetenkammer setzte heute die Debatte über den Antrag betreffend die Verteuerung der Leben». mittel fort und nahm mit 281 gegen 88 Stimmen bei L Stimm- enthaltungen den gestrigen Zustitzantrag..lorellt an, in dem der Regierung das Vertrauen der j»mmcr ausgesprochen wird. Stcnerdetrng. Rom, 2. Februar. Seit mehreren Tagen beschäftigt sich die Presse ausführlich mit der Aufdeckung schwerer llnregelmäßigkeiten, die auf den Lagern der Römischen Spiritus- Gesell- s ch a s t begangen worden sind, um große Mengen Spiritus der Fabrikations st euer und den Oktrotgebühren zu hinterziehen. Heute ist an die Kammer das Ersuchen ge- richtet worden, die Strafverfolgung deö Deputierten Montagna wegen Fälschung.sscnilichcr llriunden, Beamten- bestcchung und Vergehen» gegen die Spiritus- und Oktroigesetze zu gestatten. Montagna ist Vorsitzender des AnfsichtSratS der Römi- schen SpirituS-Gesellschaft. Rußland« GcfiingniSgrenel. AuS Simferopel wird unter dem 28. Januar gemeldel: In dem städtischen Krankenhaus für JnfettionSkranke versucht- ein am Flecktyphus erkrankter Gefangener, bei einer Temperaturhöh« von 40 Grad, im Fieberzustand um 4 llhr nachmittag» zu entfliehen. Die Schildwache feuerte gegen das Fenster des Kranken» zimmer», an welchem fich auch eine Wärterin und einige Kranken» dicner befanden, die den Fieberkranken festhielten. Der Gefangen« war auf der Stelle t o t, die übrigen blieben unversehrt. Cilrli«. Der Ausstand in Arabien. Saloniki. 2. Februar. Nach einer amtlichen Meldung sind die türkischen Truppen zwischen Sana und H o d e i d a neuerlich von starken arabischen Streitkräften angegriffen worden. In- folge ihrer numerischen Schwäche waren sie im Nachteil und verloren eine GcbirgSkanone. Die Araber machten eine An» zahl Gefangene. Rechtzeitig eingetroffene Verstärkung rettete die Situation der Truppen, die nunmehr die Araber mit einem Verlust von 200 Mann zurücktrieben, während sie selbst 50 Tote und Verwundete hatten. Die Truppen haben Befehl erbaltcn, sich bis zum Eintreffen von Verstärkungen auf die Defensive zu beschränken. Von hier sind 8 GebirgSgeschutze und 18 Maschinengewehre nach dem Femen abgeschickt worden» Parteitag der Arbeiterpartei. Lricrstrr, 81. Januar 1911.(Eig. Ber.) Der 11. Parteitag wird morgen in dieser Stadt eröffnet werden. L e i c e st e r ist ein« typische moderne Fabritstadt. Sie ist der Sitz einer blühenden Schuhwaren- und Strumpftvarenindustrie und hat über 200 000 Einwohner. Mau sieht auf den ersten Blick, daß die Stadt in den letzten 10—20 Jabren schnell gewachsen ist. Ueberall sieht man neue Gelände, die manchmal einen recht imposanten Charakter tragen, und an der Peripherie der Stadt erstrecken sich die langen Reihen neuer Ein- familienhäuser für Arbeiter wie Fühlhörner nach allen Rich- wngen ins Land. Im Gegensatz zu den meisten englischen Industriestädten ist Leicester ein« sehr reinliche Stadt. Diese gute Eigenschaft verdank: sie hauptsächlich dem Umstände, daß die Maschinen der Fabriken meist mit Gaß betrieben werden. Ueber- haupt find die großen Schuhfabriken der Stadt in technischer Hinficht wahre Musterbetriebe. DaS war nicht immer so. Die älteren Arbeiter können noch von den Zeiten erzählen, als die Heimarbeit vorherrschte und die Schuh- macher LeicrsterZ ihre Familienmitglieder und fremde Kinder ausbeuteten. Es waren die Amerikaner, die mit ihren modernen Arbeitsmethoden die alte Schuhwareninduftrie der Stadt aufrüttelten und in überraschend schneller Zeit einen Umschwung herbeiführten. Heute kann man jeden Morgen viele Tausende von Männern und Frauen, jungen Burschen und Mädchen kehen, wie sie den großen Fabriken zueilen. Einige der Arbeiterinnen sehen sehr jung aus. E» herrscht hier wie in vielen anderen industriellen Gegenden Groß- britanniens unter den Arbeitern noch die Ansicht, daß die Kinder frühzeitig Geld verdienen sollten. Besonders die Mädchen werden vielfach schon mit 13 Jahren, sobald sie daS nötige Schulexamen ge- macht haben, in die Fabrik geschickt. Auf diesem Gebiet« ist hier noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Daß der Sozialismus in Leicester Fortschritte macht, merkt man auf den ersten Blick. UebrigenS besitzt die Stadt ja auch ein fozia- listisches Parlamentsmitglied in der Person des Genossen Macdonald. Einer der ersten Läden, die einem auffallen, ist das Heim der Llnti- sozialistischen Liga. Die Liga hat sich hier den poetischen Namen»Die Feinde der roten Flagge" zugelegt und pellt in seinen Fenstern groteske Zeichnungen aus, die bei dem Publikum Abscheu vor fttm Sozialismus erregen sollen. Nach den Aussagen der Genossen in Leicester ist eS den.Feinden der«Neu Flagge" bis jetzt aber nur gelungen, fich lächerlich zu machen. Dem Parteitag ging heute eine Konferenz über die Abrüstung und die internationale Lage voraus. Folgende Resolution wurde von dem Parteivorstand vorgeschlagen: „Da diese Konferenz der Ansicht ist. dastderMilitariS- mus und der Krieg die Zivilisation und den nationalen Wohlstand vernichten, protestiert sie energisch gegen die schweren und wachsenden Rüstung?- lasten. die die Sozialreform aufhalten und die internationale Solidarität und da-Z Wohlwollen und den Frieden zwischen den Rationen gefährden. Sie ist ferner der Ansicht, daß der Militarismus, obwohl er gewinnbringend für gewisse finanzielle Kreise ist. auf deren Tätigkeit nicht wenig von unserer Kriegshetze zurückzuführen ist, in unnötiger Weise das Leben und die Lohne der Arbeiter besteuert und Grotzbritannien das Uebel der allgemeinen Wehrpflicht aufzubürden droht. Die Konserenz erklärt deshalb, dag Streitigkeiten zwischen den Nationen nicht durch die brutale Gewalt, sondern durch Vernunft und auf schiedsgerichtlichem Weg e beigelegt werden sollten. und fordert die Arbeiter dieses Landes auf, mit ihren Genosien in Deutschland und anderen Ländern gemeinschaftlich vorzugehen, um der Kriegshetze entgegenzuwirken und eine Verständigung zwischen allen Nationen zur Erreichung des internationalen Friedens und zur Förderung der sozialen Gerechtigkeit herbei- zuführen." Keir Hardie stellte zu dieser Resolution einen Abänderungs- antrag, der die Vorschläge enthielt, die auf dem internationalen sozialistischen Kongreß zu Kopenhagen über die Förderung des internationalen Friedens gemacht worden sind. Dieser Abänderungs- antrag wurde mit Ausnahme des letzten Absatzes angenommen. Dieser Absatz behandelt die Frage des Streiks als Mittel zur Verhinderung des Krieges. Er wurde mit 125 gegen 111 Stimmen abgelehnt. Man wollte, wie erklärt wurde, nicht den Anschein erwecken, als wollte man den Gewerkschaften Vorschriften machen. Eine neuer Vorsitzender. Leicester, 2. Februar. Barnes wird infolge von Krankheit den Vorsitz in der Arbeiterpartei niederlegen. Ramsey Macdonald hat sich bereiterklärt, an seiner Stelle den Vorsitz zu übernehmen._ Huö der Partei. Gememdewahlsieg. Bei der Stadtverordnetenwahl in Braunschweig behaupteten unsere Genossen ihre alten Sitze und gewannen außerdem noch einen Sitz hinzu._ Aus den Organisationen. Der Wahlverem für den achten hannoverschen Reichs- tags Wahlkreis(Hannover- Linden) nahm in feiner letzten Generalversammlung einen Antrag des Vorstandes an, vom 1. April ob den Beitrag von 30 auf 40 Pf. zu erhöhen. Der Bericht über die Emwickelnng der Organisation zeigt einen weiteren Fortschritt. Die Mitgliederzahl stieg von 17 214 auf 18 105, darunter 3129 weibliche Mitglieder. An die Kaste der Organisation wurden große Anforderungen gestellt, so wurden 5000 M. an die VollLbuchhandlung abgeführt. 4l00 M. an den BildungSauSschuß, 4100 M. an den Parteivorstand, 424S M. an den Provinzial« vorstand._ Polizei und Preßgesetz. Bei der Halleschen Polizei ist eS eine beliebte Methode, unserem dortigen Parteiorgan, dem.Volksblatt', fortgesetzt mit Berichtigungen nach dem berüchtigten Paragraphen 11 deS Preßgesetzes lästig zu fallen. Selbst Dinge geringfügigster Art geben Anlaß zu derartigen schriftstellerischen Leistungen. Auch der„Vorwärts" hat ja erst im vorigen Jahre diesen BcrichtigungSeifer an sich erfahren. Im November v. I. wurde gegen daS.Volksblatt" für Halle eine Geldstrafe in Höhe von 500 M. wegen angeblicher Beleidigung verhängt. Vor der Strafkammer wurde ein umfangreicher Wahr- heitSbeweiS angetreten, um darzutun, daß die� Bezeichnungen Schikane und Drangsalierung im Hinblick auf die Hallesche Polizei nicht ungerechtfertigt seien, indes vergebens. DaSGericht erklärte denWahthcitö- beweis als mißlungen und sprach dies im Urteil aus. Der Prozcßbericht des.VolkSblaUS" führte hierüber wörtlich aus:„Die Beweis- aufnähme habe ergeben, daß die Polizei nicht unberechtigt, sondern durchaus berechtigt vorgegangen sei. Der Wahrheitsbeweis sei nicht gelungen," fügte jedoch auch hinzir, daß die Urteilsbegründung dies unter anderem sage. Der Polizeiverwaltung von Halle war jedoch der Bericht nicht ausführlich genug; ihr Leiter, Oberpolizei- inspektor W e y d e m a n» letzte sich aus die Hos«, und verfaßte zu dem Prozeßbcricht eine„Berichtigung", in der eS hieß, eS sei unwahr, daß die Urteilsbegründung nur die im Bericht deS„Volksblatts" wiedergegebenen Sätze enthalte, sondern e» stände auch noch mehr darin, nämlich, daß die Polizei in keinem einzigen Falle rechtswidrig gehandelt habe. Die sonderbare„Berichtigung" wurde selbstverständlich abgelehnt. Statt sich damit zusrieden zu geben, veranlaßre die Polizeioer- waltung den Staatsanwalt, im öffentlichen Interesse gegen das.Volksblatt' auf Aufnahme der Berichtigung resp. Bestrafung zu Nagen. Belde sind damit gehörig abgeblitzt. Zwei- mal mußte wegen der Sacke Termin abgehalten werden, da in der ersten Verhandlung der Richter nicht herausbekommen konnte, welchen Zweck die Polizeiverwaltung von Halle etgemlich mit der.Beuch- ttgung" verfolgte. Im zweiten Termin legte der angeNagte Redalleur, Genoste Nie- buhr dar. daß die Berichtigung sick*i,icht an Tatsachen halte. WaS nicht behauptet worden, sei leine Tatlache im Sinne des Preßgeietzes und könne nicht berichtigt werden. Wiewohl der öffentliche Ankläger glaubte, 100 M. Geldstrafe und Verurteilung zur Aufnahme der Berichtigung beantragen zu müsten, folgte daS Gericht dem An- geklagten und sprach ihn frei unter Auferlegung der »kosten auf die Staatskasse. Die Berichtigung enupreche, so sübrte cS aus. weder in der Form noch in der Sache den Au- forderungen des Prcßgesetzes. Soziales. Wahrfoge-Annoncen. Ucber das Jnseratcnwesen bürgerlicher Tageszeitungen und Zeitschriften ließen sich ganze Bände schreiben. Es treibt die wundersamsten Blüten. Wir hatten schon oft Gelegenheit, die eine oder andere Art bürgerlicher Annoncen zu geißeln. Erinnert sei an die Kuppelcckcn, die sich auS bescheidenen Anfängen heraus zu langen Spalten und vielen Seiten ausgewachsen, und an keinem Wochentag, am allerwenigsten am Tage des Herrn fehlen. Ja. letz- terer scheint besonders dafür in Betracht gezogen zu werden. Das „Berliner Tageblatt", die„Morgenpost", und wie sie alle heißen, überbieten sich, ihren Raum für den Heiratsmartt zu vergrößern. Gedacht sei der gemeingefährlichen vielen Annoncen der„Bersichc- rungSanstalten", die mit immer neuen Tricks harmlose, arbeit- suchende Leser für ihre schlecht bezahlten, unbeliebten Geschäfte an- locken. Erst kürzlich wiesen wir auf die Annoncen hin, in denen Schiffsjungen für erstklassige Schiffe gesucht wurden, wie beispiels- weise in der„Woche", und daß hinter deren Angebot oft Jammer und Enttäuschung für unsere abenteuerlustigen, wahrhaftig nicht schlechtesten Jungen lauern, aber niemals wirklich erstklassige' Schiffe. Der Bruhn-Prozeh hat interessante Streiflichter auf die volizeilich geprüften Masteuscn-Annoncea geworfen. Bekannt ist, was hinter den Masseuren- und Masseusen-Annoneen oft steckt. Die wirkltchen Masseusen und Wasscuxe sind Sit Recht über derartige Lmwncen entsetzt. � Cm»eueriingS ganz enorm vusstrebenbcr Zweig bürgerlichen JnseratenwesenS spekuliert auf die allergrößte Dummheit der Menschen, insonderheit des geistig blöden Teils der Bevölkerung ohne Unterschied deS Geldbeutels. Wir meinen den Zweig der Wahrsageannoncen. Das Wahrsagen ist ein Erwerbszweig, der in der Hauptsache vom zarten Geschlecht ausgeübt wird. Die Zahl der Bleideuterinnen, Chirologinnen, Handdeuterinnen, Karten- legerinnen, Hellseherinnen, Aus-dem-Ei-Prophezeiciiden usw. usw. ist Legion geworden. Dazu ein Beispiel. Vor uns liegt im hoff- nungSgrünen Gewände die„Berliner Hausfrau" vom 22. Januar 1911, ein Organ, das auch in anderen Städten, wie Breslau, Ham- bürg usw.. dort allerdings als„Hamburger Hausfrau",„Breslauer Hausfrau" usw. erscheint. Die„Berliner Hausfrau", unter Lei- tung der bürgerlichen Frauenrechtlerin Dorothee Göbeler, bringt zweierlei Annoncen, solche mit und ohne Verantwortung der Redak- tion. Während sie in der uns vorliegenden Nummer u. a. vcrant- wortlich zeichnet für vier Annoncen zur Erzielung von Busenfülle durch Apparate, Buscncreme, Kraftpulver usw., auch für„lästige Haare", Hämorrhoidenbeseitigung selbst in hartnäckigsten Fällen. befinden sich unter ihren unverantwortlichen Annoncen nur zwei, wahrscheinlich etwas weniger sicherwirkende Busenfüllannoncen, da- gegen aber volle vierzig Wahrsageankündigungen. Vierzig Annoncen, die auf die regulärste Dummheit der Menschen, in erster Reihe der Hausfrauen und Hausangestellten spekulieren. Das Annoncieren in diesem Blatt durch die Hellseherinnen muß sich zweifellos gut bezahlt machen, sonst würden doch alle die„weisen" Frauen, die den blinkenden Erfolg vorhersehen, ihr Geld nicht so zum Fenster hinauswerfen. Wenn dumme Hausfrauen, dumme Hansangestellte auf diese Weise ihr� flüssiges Kapital bei diesen offiziellen Bauernfängern, die ungestört ihr Spiel treiben dürfen, anlegen, so ist das an und für sich schon sehr bedauerlich. Doch mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Fragt sich nur, wieviel unsägliches Elend mag wohl durch diese vierzig, außer Verantwortlichkeit der Redak- tion erscheinenden Annoncen der„klugen" Leute angerichtet werden, da doch Selbstmorde, Ehescheidungen. Ver- und Eni- lobunaen, Stellenwechsel, Reiseprojekte, Lotterieverluste, verkehrte Spekulationen infolge von Wahrsagungen bczw. Lügenbeuteleien an der Tagesordnung sind. Wahrhaftig, es wäre Zeit, daß die Auf- klärung diesem lieblichsten aller Damenberufe, der allerdings in kürzester Zeit aus den ärmlichsten Verhältnissen zu ungeahntem Reichtum, aus den dunkelsten Butiken zu eleganten Salons am Kurfürstendamm führt, ein Ende bereitet. Vom g 10 des ReichS-Preßgefetze«. Eine amtliche Bekanntmachung-des Verbandsvorstandes des Handels- und Transportarbeiterverbandes im Verbandsorgan „Courier", die der Verbandsvorsitzende Schumann unterzeichnet hatte, fiihrte seinerzeit zu einem Beleidigungsprozeh Kohlmann wider Schumann. Schumann wurde zu 20 B?. verurteilt und Kohl- mann aus die Widerklage ebenfalls. Dem Kvhlmann wurde zugleich die Befugnis zugesprochen, den NrteilStenor, soweit er die Ver- urteilung Schumanns betrifft, auf dessen Kosten im„Courier" zu veröffentlichen.— Die Aufnahme in den„Courier" wurde ab- gelehnt. Das Amtsgericht Lichtenberg als BollstreckungSbchördr ordnete darauf die Aufnahme an. Eine Beschwerde dagegen hatte keinen Erfolg. Da die Aufnahme in den„Courier" nicht erfolgte, so wurde Genosse Brllschke als verantwortlicher Redakteur wegen Ucbertretung des Z 10 des ReichS-Prcßgcsetzes angeklagt, welcher bestimmt: „Der verantwortliche Redakteur einer periodischen Druckschrist, welche Anzeigen aufnimmt, ist verpflichtet, die ihm von öffentlichen Behörden mitgeteilten amtlichen Bekanntmachungen auf deren Verlangen gegen Zahlung der üblichen Einrückungsgebühren in einer der beiden nächsten Nummern des Blattes aufzunehmen." Das Landgericht I als Berufungsinstanz sprach jedoch den Angeklagten frei, weil der„Courier" keine periodische Druckschrift sei, die Anzeigen im Sinne des§ 10 des ReichS-Preßgesetzes auf- nehme. Die Beweisaufnahme habe ergeben, daß der„Courier" PublikationSorgan des erwähnten Verbandes fei. ES werde nur an Mitglieder des Verbandes abgegeben und nehme nur Beröffent- lichungen auf, die von Fachverbändcn ausgingen, und Anzeigen gegen Bezahlung überhaupt nicht. Unter periodischen„Druck- schriftcn, die Anzeigen aufnehmen"(§ 10 Preßgesetzes), sisien aber nur solche Druckschristen zu verstehen, zu deren Gefchästsgewohn- heiten es gehöre, Anzeigen gegen Bezahlung aufzunehmen. Ter Zweck deS§ 10 fei in erster Linie darauf gerichtet, da» Ansehen der Behörden zu wahren. Er wolle verhindern, daß Druckschriften, welche Privatpersonen die Aufnahme von Anzeigen regelmäßig nicht abschlagen, sie staatlichen Organen verweigern. Gebe man hiervon aus, so sei es nicht gerechtfertigt, die Befugnisse deS Staates auf solche Zeitungen auszudehnen, welche nur von wenigen bestimmten Personen oder Verbänden Anzeigen aufnehmen. Dem- nach sei eine Verurteilung deS Redakteurs' des„Courier" nicht möglich. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Gegen diese wendete sich in der gestrigen Verhandlung vor dem zweiten Straf- senat des Kammergerichts als Verteidiger des Angeklagten Rechts- anwalt Dr. Kurt Rosenfeld. Das Kammergerickt gab der Revision der Staatsanwaltschaft statt, hob die Vorentscheidung ans und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Die Gründe gingen dahin: Der Senat könne der Auslegung, die da? Landgericht dem 8 10 gegeben habe, nicht zustimmen. Aus den Feststellungen des Landgerichts sei zu ent- nehmen, daß der„Courier" von verschiedenen Verbänden und Per- sonen, wenn auch nur von wenigen und nur unentgeltlich, Anzeigen aufnehme. Damit sei genügend festgestellt, daß der„Courier" zu den periodischen Druckschriften in der Art deS ss 10 gehöre. Daß es sich bei Anzeigen im Sinne de« 8 10 nur um gegen Entgelt auf- genommene Anzeigen bandeln müsse, sage der Paragraph nicht. — An sich würde hier die Ctrafbarteit gegeben sein. Nun sei die Verjährungsfrage angeregt worden, wie auch in der Vorinstanz, die sich jedoch damit noch nicht befaßt habe, weil sie aus anderen Gründen freisprach. Der Senat stehe auf dem Standpunkt, daß Delikte der vorliegenden Art keine Dauerdclikte seien, die Ver- jährungsfrist also zu laufen beginne, nachdem die zweitnäckste Nummer des Blattes ohne die Veröffentlichung erschienen sei. Darüber stehe nichts Näheres fest. Deshalb müsse die Vorinstanz dieser Frage auch nähertreten. Hii9 Industrie und Kandel. Die chemische Industrie. Eine? der jüngsten Kinder der kapitalistischen Produktion— die chemische Industrie— zeigte im verflossenen Jahre ein recht be- wegleS Bild. Tie höchsten Dividenden und die fieberhafte Gründer- tätigkeit parten sick hier mit manchem Krach, der vielen allzu hoch gegriffenen Spekulationen ein jähes Ende bereitete. Soweit die Geschäftsabschlüsse vorliegen, bewegen sich die D i v i d e n d e n auf einer geradezu schwindelbaften Höhe. Deutsche Zelluloid- Fabrik A.-G.. Leipzig zahlte 13 Proz.(im Vorjahre 12 Proz.),.Höchst er Farbwerte 27 Proz.(wie im Vorjahre). Badische Anilin-»nd Soda-Fabrik in Lndwigshasen 27 Proz.(im Vorjahre 24 Proz.), Mitteldeutsche Gummiivarenfabrtk Louis. Peter A.-G., F r a n k f u r 1 a. M.-7- 25 Proz.(wie i. B.). Chemische Fabriken vorm. Weiler-ter Meer, Uerdingen (N i e d e r r h e i n)— 12 Proz. usw., usw. Dabei nehmen die meisten von den größeren Firmen Reubauten und GeschästSerweite- tungen vor. Die rege Gründertätigkeit hält auch im kaufenden Jahre an. So ist im Januar d. I. von nicht weniger als 26 Rettgrün- düngen berick'.et worden. Darunter besiudeu sich: Deuts ch e Miiteralölindusirie A.-G. in Wietze bei Celle mit 16 Millionen Marl Aktienkapital. Pure O t l C 0.. G. m. b. H.. Bremen mit 10 Millionen Mark. Ehemische Fabrik Wesseling A.-G. mit 1,5 Rillionen Mark, Chemische Werte Hente u. vaertling 0.«®., Bremen mtt 0.« Millionen Mar?. In allen diesen 26 Neugründungen ist mehr als 21 Millionen Mar- investiert worden._ SubmissionSschwindel« Daß die sogenannten Submissionen meist nur Farce sind, konnte schon ost nachgewiesen werden. Schutzmaßnahmen gegen Uebervor- teilungen sind zumeist ohne Wirkung. Die Oeffentlichkeit«nährt gar nicht, welche geheimen Abmachungen zwischen den„konkurrieren- den" Firmen bestehen. Bekannt ist ja. daß gerade die Groß- elektrizitätsindustrie die raffiniertesten Eeheünverträge dieser Art fabriziert. Die Submissionspreise sind bei den geheimen Uo- machungen vorher festgelegt, eS wird sogar bestimmt, welcher Firma der Auftrag zugeschanzt werden soll; die leer ausgehenden erhallen von den„ehrlich" erkonkurrierten Preisen gewisse Prozente als Beuteanleil. Eine Submission, bei der es anscheinend nicht so zugegangen ist, hatte kürzlich die Eisenbahn direktion Kassel ausgeschrieben. Es handelt sich hier um den Bau einer tunnelartigen Untersübnmg des Frankfurter Scknellzug- gleiseö aus dem Bahnhof Kasiel-Oberstadt. Bei rund 4000 Meter Länge waren 25 000 Kubikmeter Erdmasse und 11 000 Kubikmeter Beton zu bewältigen. In den VerdingnngsaNschlägen hatte die Eiienbahnbauabteilung Kassel, um sich zu decken, den PossuS ein- gefügt, daß sich nur solche Bewerber melden sollten, die„auS- reichende Erfahrungen besitzen" und„den Nachweis darüber im voraus ichristlich oder mündlich führen" können. 35 Firmen beteiligten sich an der Ausichreibung. Der M t n d e st« fordernde verlangte 33971 M. und die beiden Hochs-- fordernden 331522 M. und 362824 M. Die Dtfferenz zwischen diesen Angeboten beträgt also„nur"'.nd 330 Pro- z e n t. Solche Beispiele sind die beste Begründu..� für die Forderung der eigenen Regie bei gemeindlichen und staatlichen Arbeiten. Fuselkonsum. Wenn auch die Branntweinstatistik keinen ganz sicheren Maßstab für den Schnapskonsum liefert, indem das SptrituSsyndikat die Ausweise nach seinen Bedürfnissen beeinflussen kann, so erlaubt die Statistik doch einige Schlußfolgerungen. So viel �fteht fest: der SchnapSkonium hat stall nachgelassen. Das bestätigt die nach- Es betrug: die Alkohol- Produktion i n 1029235 1 146 370 1 450 810 1 246 792 1 248 003 ____. Resultat dieser„.. fünf Jahre ergibt sich, daß die Produktion andauernd zurück- gegangen i st, nachdem sie 1908 wegen der in Aussicht stehenden Steuern einen Sprung nach oben gemacht hatte. Der gewerbliche „Verbrauch" war im Vorjahre absonderlich stark gestiegen, weit auf diese Art der Ueberfluß an Alkohol„verschwinden" sollte. Jetzt sind die Spiritusläger völlig überfüllt und können nichts mehr fassen. Inzwischen wird versucht, den Branntweinkonsum wieder zu heben. Alle die, welche da mit um ihre Fuselprofite schreien und kämpfen, müssen durch den einmütigen Willen der Arbeiter merken, daß sie nicht gegen die Kultur können. Abhängig ist dieser Eriolg aber davon, ob jeder Arbeiter seine Pflicht erfüllt und den Schnaps, die freiwillige Fronleistung Junker und Staat, konsequent meidet. folgende Ausstellung. 1. Oktober bis 31. Dezember 1910... 1909... 1908... 1907... 1906... Als wichtigstes der Trink» der gewerbl. verbrauch Verbrauch Hektolitern 530443 324 948 420 394 474 088 657 121 439 268 044 345 423 934 631 800 868 133 Gegenüberstellung der letzten an /Iiis der fraiienbewegun<£ Frauen in der Schweizer Heimarbeit. Die Schweizer Hausindustrie nahm bereits vor 600 Jahren ihren Anfang, als das Seidenhandwerk und ettvas später die Leinenweberel sich aus dem Handwerk teilweise zur tzauSindustrie entwickelten. Die Gesamtzahl der Heimarbeiter wurde 1904 von dem eidaenössischen Fabrikinspektor Dr. Schüler ans 133 000 ge- schätzt: das find 4 Proz. der schweizerischen Bevölkerung. Aux 100 Arbeiter, die dem Fabrikgesetz unterstehen, entfallen nicht weniger als 54—»55 Heimarbeiter. Eine 1905 vorgenommene Be- triebszählung ergab nur 92 162 HauSindustrielle, aber dicses Er- gebniö kann auS verschiedene» Gründen nicht als erschöpfend an- gesehen werden. Wie überall in der Heimindustrie, so ist auch in der Schweiz die Zahl der in ihr beschäftigten Frauen weit größer als die der Männer. Einer Reihe von Tabelle», die das Reichs- ArkPitsblatt in seiner Dezember-Rummer vcrüsfcntlichtc, ent- nehmen wir folgende Einzelheiten: In der Textilindustrie, welche mit 63 725 Personen zwei Drittel aller 1905 gezählten Heimarbeiter beschäftigt, sind allein 53000 Frauen tätig. Auf 9231 Kleidung und Putz herstellende.Hausindustrielle kommen 7554 weibliche. Selbst in der Metallindustrie, die hauptsächlich die Herstellung von Uhren pflegt, entfällt fast die Hälfte aller Heimarbeit auf Frauen. Nur in der hausindustricllen Holz- und Elfenbeinschnitzerei ist der Anteil der Fraiien ein vergleichSiveise sehr geringer. Schweizer Stickereien und Seidenstoffe sind in der ganzen Welt bekannt. In den Schaufenstern der luxuriösen Schweizer Fremdcnzentralei, sieht man Produkte des hausindustriellen Fleißes, die, was Feinheit, Schönheit und geschmackvolle AuSfüh- rung anlangt, ivahrhaft bewunderungswürdig genannt werden müßen. Dabei sind sie durchaus nicht teuer zu nennen. Freilich, wenn man die Löhne kennt, die de» Verfertigerinnen all dieser Herrlichkeiten gezahlt werden, dann wird einem klar, warum sie verhältnismäßig wohlfeil verkauft werden können. Nach Ermittc- lungen der Getverbeinspektoren beträgt der durchschnittliche Tages- verdienst der Plattstichweberinnen 1—1,50 Frcs.(80 Pf. bis 1,20 Mark), der Brust- und Jacquardweberinncn 1,20— 1,50 Frcs.(96 Pf. bis 1,20 M.). der Seidenweberinnen 0,70—1,— Frcs.(56— 80 Pf.), der Seidenzettlerinncii und-Andreherimren 1,2c>— 1,85 Frcö.(1,03 bis 1,48 M.). der Handstickcrinnen 1—2 Frcs.(80 Vf. bis 1,60 M.), der Kettenstichstickerinnen 0,80— 1,80 Frcö.(56 Pf. bis 1,44 M.). Aehnlich liegen die Tinge in anderen Zweigen der Hausindustrie. Nur in der Seidenbandweberei erheben sich die Fraucnlöhne auf 3 Frcö.(2,40 M.) und etwas darüber. Eine Uhrenarbeitcrin kann es vis auf 2,65—2,85 Frcs.(2,12—'2,24 M.) pro Tag bringen. Da- gegen verdient eine um die Erhaltung der Religiosität so verdiente Person wie die Vcrfertigerin von Rosenkränzen nur bis zu 1 Frcs. (80 Pf.) per Tag. Die Ermittelungen für den Heimarbeiterschutz- kongreß von 1909 ergaben Stundenlohne für feine Handstickerei von 10 bis höckstens 20 Cts.(8—16 Pf., für AuSschneiderei 3—4 Cts. (2)4—3 Pf.), höchstens 12—15 Cts.(lv— 12 Pf.), für Seidenstoff- Weberei 8,4 Cts. Ifi'A Pf.), für Strohflcchtcrci im Tessin 2— 3 Cts. (1%— 2J4 Pf.). Eine Folge so niedriger Arbeitslöhne ist das starke Heranziehen der Kinder zum Mitverdieneu. Die Zahl der in der Hausindustrie besckästigten Kinder unter 14 Jahren wird auf rund 25 000 geschätzt, eine für ein so kleines Land wie die Schweiz außer- ordentlich große Zahl. Eine so intensive Ausbeutung von Frauen- und Kinderarbeit muß naturgemäß schwere Mißstände für die Volkögesundheit zeitigen. In den schönsten Teilen dieses von der Natur so bevorzugten Landes findet man oft einen auffallend ver- kümmerten Menschenschlag, Kinder mit welken alten Gesichtern. Männer und Frauen, dich obwohl noch in den besten Jahren, den Eindruck gebrechlicher Greise erwecken. Ueberarbeit, Unterernäh- rung und elende Wohnungsverhältnisse haben sie vor der Zeit dazu gemacht. Fast widerstandslos ist die Sckiveizer Heimarbeiterschaft bisher der kapitalistischen Auöwucherung preisgegeben, da ihre Organisation nock» in den allerersten Anfängen steckt. Um so drin- gender ist die Erfüllung der von der organisierten Arbeiterschaft an die eidgenössische Gesetzgebung gerichteten Forderungen nach Unter- stützung der Heimarbeiteigewcrkschaften bei der Abschließung von Tarisverträaen, nach Ausdehnung aller Zweige der Arbeiterverfiche- rung auf d>e Hausindustriellcn, sowie nach Einführung einer be- sonderen Heimarbeit-Jnspektipn zur Durchführung eweK besonderen HeimarbeitSgesetzes," GewerhrcbaftUchee. Die gcftörtc„Hmtöbandlung". Die Metallvrbeiter streiken bei der Firma Siemens- Schuckert. Die Siemenswcrke liegen in nächster Nähe von Moabit, und scheint es, als ob der Ausgang der Moabiter Prozesse für die Polizei keinerlei Lehre gewesen ist, denn sonst wäre folgender Vorgang nicht zu verstehen. Am 3L Januar ging ein Streikposten ruhig seiner Pflicht nach, ohne irgendwie jemanden zu belästigen. Plötzlich kam ein Schutzmann auf den Streikposten zu und stieß ihn ohne irgendwelche Veranlassung und ohne eine Bemerkung zweimal mit solcher Gewalt in die Seite, daß er zur Seste taumelte. Nun war aber ein einwandsfreier Zeuge in der Nähe, nämlich ein Angestellter des Metallarbeiterverbandes, der bezeugen konnte, daß aber auch nichts vorgekommen ist, was irgendwie dem Schutzmann zu seinem Vorgehen berechtigte Veranlassung gegeben hätte. Der Angestellte des Verbandes bemerkte das auch dem Schutzmann gegenüber in ruhigen Worten. Doch machte das den Schutzmann in seinem Auftreten nicht irre, im Gegenteil, der Schutzmann sistierte nunmehr den Streik- Posten. Dem Verbandsvertreter gegenüber machte der Schutz- mann dabei die Bemerkung: „Stören Sie mich nicht in meiner Amtshandlung!" Also eS ist eine Amtshandlung(!), ruhige Passanten auf der Straße zu mißhandeln. Wer mag dm Schutzleuten wohl demrtige Instruktionen erteilen? Der Organisationsvertreter hat ja nun ob dieser flagranten Belästigung des Streikpostens durch einen Schutzmann nicht gleich das vom Landgerichtsdirektor U n g e r zugestandene Recht ausgeübt, sondern begab sich nach dem Polizeirevier, um den Namen des seine Funktionen ver- letzenden Schutzmannes zu erhalten. Nach einigen Schwierig- keitm gelang das auch, und wird nun selbstverständlich gegen den betreffenden Schutzmann Beschwerde geführt wer- den. Bei der Unterredung auf dem Revier gestand der Polizeileutnant zu. daß er sich selbst davon überzeugt habe, daß die Streikenden sich musterhaft betragen und einm durch- aus guten Eindruck machen. Der Leutnant erklärte weiter, er bedauere das Verhalten des Schutzmannes. Selbstverständ- lich ist, daß die Streikenden sich durch die ungesetzliche Be- Handlung, die sich Schutzleute etwa erlaubm, nicht von der Ausübung ihres Rechtes, Streikposten zu stehen, abhalten lassen. Der Streik selbst besteht fort, und ersucht der Metall- arbeiterverband, den Betrieb streng zu meiden, was ja an- gesichts der gelben Anrüchigkeit der Firma für jeden an- ständigen Arbeiter selbstverständlich ist. Es wird sich in dm nächsten Tagen auch noch eine Versammlung mit dieser Angelegenheit beschäftigen._ Berlin und Qmgegend. Urb er Maßregelungen in der Zigarrenfabrik von Juhl in Pankow führt der Verband der Tabakarbeiter Beschwerde. Vor etwa drei Wochen fand eine Fabrikbesprewung statt, die sich mit den Zuständen in der Kantine und mit den OrganiiationSverhällnissen der Arbeiter- schaft bei Juhl beschäftigte. Zwei Tage spüler wurden 14 Personen entlassen, darunter eine tüchtige Arbeiterin, die schon 3V, Jahre für die fsadrik arbeitet, und ein vor 2'/, Monaten von Leipzig geholter Arbeiter, dein dauernde Stellung zugesichert war. Die Entlassung dieser beiden betrachtete der Verband als eine Matzregelung wegen ihres Eintretens für bessere Organisation der Arbeiter. Verlierer des Verbandes wurden bei Juhl vorstellig, der eine Unteriucbung der Angelegenheit versprach, später aber ablehnte, die Entlassung zurückzunehmen. Am Mittwochmorgen wurde den Arbeitern eine Ueberraschung zuteil, als Herr Juhl die Schlichtungs- kommiffion in seiner Fabrik mit nach dem Gewerbegericht nahm und sich dort eine Erklärung geben ließ, die dahin laurete, daß nach Anficht der Kommission eine Matzregelung nicht vorliege und daß Herr Juhl der Organisation keine Schwierigkeiten bereite. Mit diesem Siand der Dinge beschäftigte sich eine öffentliche Tabakarbeiterversammlung, die am Mittwochabend in den.Sophien- fälen" ragte. Alwin Schulze referierte. Er legte dar, daß es sich hier nur um Maßregelungen bandeln konnre, trotz der Er- klärung der Schlichtungskommission, die gegeben wurde ohne vor- herige Rücksprache mit den Arbeilern, und die man nur als Produkt einer Ueberrumpelnng ansehen könnte. Der Vorsitzende Börner betonte, daß die Kommission kein Recht zu einer solchen Erklärung gehabt habe: es wäre Sache der Arbeiterschaft gewesen, dazu Stellung zu nehmen. Wenn Herr Jubl wiederholt behauprete. daß er nichts gegen den Verband einzuwenden habe, so müßte eS jetzt Sache der Arbeiter sein, dem Verbände geschlossen beizutreten. Er legte dann eine Resolution vor. die nach der Diskussion, an der sich auch Mitglieder der Schlichtungskommission beteiligten, an« genominen wurde. Die Resolution lautet: .Die in den.Sophiensälen' tagende öffentliche Tabakarbeiter« Versammlung spricht ihre tiefste Entrüstung aus, über die Art und Weise, wie den Arbeitern der Juhlschen Zigarrenfabrik in Pankow ' das KoalilionSreckt durch Maßregelung organisierter Kollegen ge- schmälert wird. An diesem Tatbestand ändert es nichts, wem die Firma versucht, durch aufdringliches Betonen ihrer.Humanitär', die Arbeiter gefügig zu machen. Der Umstand, daß man gerade diejenigen mit enilaffen hat, die sich erlaubten, in einer Fabrik- besprechung Kritik zu üben an den Kantinenverhältnissen des Be- triebes, wie an der mangelhaften Organisation der Arbeiter bei Juhl, beweist deutlich, daß es dem Herrn Juhl hauptsächlich darum zu tun ist, auch den leisesten Regungen der Arbeiter init ganzer Gewalt entgegenzutreten. Daran ändert auch der Fabrikanschlag nichts, worin Herr Juhl unter Hinweis auf sein gutes Unter- nehnierherz den Arbeiiern die Versicherung gibt, dieselben alle.ver- suchsweise" weiter zu beschäftigten. Herr Juhl sollte wiffen, daß sich die Arbeiterschaft Berlins nimmer dazu versiehen wird, ihre ohnehin schmal bemessenen Rechte auf diese Weise verkürzen zu lassen. Die Versammlung erwartet von den bei der Firma be- schäftigten Arbeiiern, daß dieselben von ihrem Koalitionsrecht Gebranch machen und in Masse sich der Organisation anschließen.' In der Versammlung befand sich ein Kriminalschutzmann, ein .guter Bekannter' eines anwesenden Vertrelers der Firma Juhl. AIS dies bekannt wurde, erhob sich ein Lärm, denn die Versammellen betrachteten die beiden mit Mißtrauen, und der Vorsitzende wies den Kriminalbeamten aus dem Saal. Die Hausdiener und Packer der Firma G. Feibisch, Treptow, befinden sich seit Dienstag, den 31. Januar im Streik. Auch bei diesem Streik trat die nn Handelsgewerbe leider immer wieder- kehrende Erscheinung zutage, daß die Handlungsgehilfen und feEpedienten bei Lohnbewegungen der Hausdiener diesen in den Rücken fallen, und die Tätigkeit derselben verrichten, ja selbst zur Herbeiichaffung von Arbeitswilligen augesttengtest tätig sind. Die vier arbeitswilligen Hausdiener und Packer erfreueu sich eines besonderen polizeilichen Schutzesdurch einen Gendarmen und Polizisten und wurden von diesen nach ihren Wobnungen begleitet. Auch stellt der sonst nicht so liebenswürdige Unternehmer F e i b i s ch sein Privatauto zur Be- sörderiing der Arbeitswilligen zur Verfügung. Von den im Betriebe noch beschäftigten Hofarbeiterii wurde verlangt, gegen einen Lohn von 18 M. pro Woche die Arbeit der Hausdiener zu verrichten. Das lehnten die Betreffenden ab, und verließen den Betrieb. Der- selbe ist nach vor zu meiden._ Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.i Deutkches Reich. Ter Streik der Former und Gieszereiarüeiter bei der Firma C. I ä h n e in L a n d s b e r g a. W. ist durch Verhandlung mit der Dezirksleitung des Metallarbeiterverbandes beigelegt. Die Arbeit wurde am 2. Februar in vollem Umfange wieder aufgenommen. Die Sperre über den Betrieb ist hiermit aufgehoben. „Vaterländische" Niedrigkeit. Kürzlich starb der Brauereidirektor H a u ck e von der Aktien- Brauerei in Altenburg Aufstellung der Kreise. a) In der Ritterstraße: der 4. Kreis, mit der Spitze nach der Prinzenstraße. d) In der Alten Jakobstraße, zwischen Ritter- und Oranienstraße, unter Mitbenutzung der Fellnerstraße: Nieder- Barnim, mit der Spitze nach der Ritterstraße. c) In der Alten Jakobstraße, zwischen Ritter- und Sit- schincrstraße: Tcltow-Becskow, mit der Spitze nach der Ritterstraße; d) In der Alexandrinenstraße, zwischen Ritter- und Gitschinerstraße: K. Kreis. e) In der Alexandrinenstraße, zwischen Ritter« und Oranienstmße, unter Mitbenutzung der Matthieustraße: Die Jugendlichen. t) In der Brandenburgstraße, zwischen Ritte» und Wassertorstraße: 5. und 3. Kreis. g) In der Brandenburgstraße, zwischen Wassertor- und Gitschinerstraße, unter Mitbenutzung der Moritzstvaße: 2. Kreis. h) In der Brandenburgstraße, zwischen Ritte» und Oranienstraße: 1. Kreis. Beileidskuudgebuugen. lvetm Partetvorstand und der Redaktton de»„Vorwärts" häufen sich die Beileidstelegramme. Wir wollen folgende her- vorheben: London, 2. Februar. Die sozialisttsche Partei Troß- Britanniens Betrauert den Verlust, den die internattonale sozialisttsche Bewegung durch den Tod Singers erlitt. Lee, Sekretär. « Paris» 1. Februar. Die franzSftfche Sektton der Arbeiter-Jnternattonale betrauert mit Euch den Tod Singers und schickt Euch anläßlich dieses Trauerfalls den Ausdruck ihrer besten Solidarität. � Dubreuilh, Sekretär. Innsbruck, 2. Februar. Zu dem herben Verluste Ihres langjährigen Vorkämpfers Paul Singer sprechen wir unser tiefstes Beileid aus. LandeSparteivertretung Tirol: Holzhammer. Lakn, 2. Februar. Wir teilen mit den deutschen Ar- beitern den Schmerz über den Verlust des treuen Vorkämpfers für die Sache des internattonalen Proletariats, Paul Singer. Eine Gruppe von Proletariern. Lemberg, 2. Februar. Tief ergriffen durch das Hin- scheiden des großen Führers der deutschen Sozialdemokratie sprechen wir unser innigstes Beileid aus. Jüdische sozialisttsche Jugend. Außerdem geben ihrer Teilnahme Ausdruck: die Kreis leitung von Bodenbach a. Elbe; Berliner Monteure in Wien; die Redaktton des„Proletar" in Brünn; die russische sozial demokratische Gruppe in Genf; reichsdeutsche Genossen in Linz; Genosse Daszynski für den polnischen sozialdemo krattschen Klub in Krakau; die Vertretung der deutschen So zialdemokraten Mährens; die ruffischen Sozialdemokraten in Lausanne, und die jüdische sozialdemokrattsche Partei Galiziens. Die Beerdigung. Auf dem Hofe der Buchdruckerei Vorwärts, Linden- straße 69, ve'rsammeln sich neben den Angehörigen des Ver- storbenen: 1. die sozialdemokratische Reichstagsfraktion: 2. die sozialdemokratische Landtagsftaktion: 3. der Parteivorstand: 4. die Kontrollkommission: 5. die Redaktion: 6. die Generalkommission der Gewerkschaften; 7. die Neunerkommission; 8. das Pressebureau:• 9. die auswärtigen Deputationen. Eintritt ist nur den Karteninhabern gestattet. In der Lindenstraße, von der Jerusalemerstmße nach der Kommandantenstraße zu, versammeln sich: 10. Deputationen und sonstige Mitglieder öffentlicher Körperschaften; 11. die Berliner sozialdemokratische Stadtverordneten- fraktion und die Deputationen der übrigen Gemeindevertreter Groß-Berlins: Aufmarsch des Zuges. An der Spitze der 4. Kreis, dann die Reichstagsfraktion, die Landtagsfraktion, Parteivorstand, Kontrollkommission, Redattion, die Generalkommission, die Neunerkommission, das Pressebureau und die auswärtigen Deputationen. Hierauf der Leichenwagen, die Angehörigen, die Deputationen und sonstigen Mitglieder öffentlicher Körperschaften, die Berliner Stadtverordnetenfraktion, der Zentralvorstand der sozial- demokratischen Wahlvereine, die Berliner Gewerkschaftskom- Mission, die Partei- und Gewerkschaftsschule, und dann beim Vorbeimarsch sich anschließend: Nieder- Barnim, Teltow- Beeskow, der 6. Kreis, die Jugendlichen, der 5., 3., 2. und 1. Kreis. Der Zug bewegt sich: durch die Ritterstraße bis zu Ende, die Reichenbergerstraße, Skalitzerstraße, Obcrbaumstraße, Warschauerstraße. Frankfurter Allee nach dem Zentralfried- Hof in Friedrichsfelde. Vor dem 4. Kreis, der Neichstagsfraktion, dem Leichen- wagen, Nieder-Barnim, dem 6. Kreis, den Jugendlichen und dem 2. Kreis marschiert je ein Musikchor. Alle Gewerkschaftsgenossen und Parteifreunde sowie alle Frauen werden gebeten, sich den Kreisen anzuschließen, in denen sie wohnen. Der Stand der betreffenden Kreise wird durch Tafeln kenntlich gemacht. Wir ersuchen, sich in Reihen zu je 5 Mann aufzustellen. Alle Kranzdeputationen der Fabriken, Vereine, aus den verschiedenen Gewerbszweigen und-Gruppen schließen sich ge meinschaftlich mit den Wahlvereinen wie folgt an: Beim I.Kreis: die Bekleidungs- und Leder-Jndusftie; „ 2.„ Graplsischcs und Baugewerbe; Handels- und Transportarbeiter: » 4.„ Holzarbeiter: » 5.„ Fabrikarbeiter, Nahrungsmittal-Jndustrie und allgemeine Gruppe; » 6.„ Metallarbeiter; bei Nieder-Barnim und bei Teltow-Beeskow die in den Kreisen liegenden Unterkommissionen und Spandau. Ter Zug setzt sich Punkt 12 Uhr in Bewegung. Wir bitten die Genossen, sich so weit wie möglich in ihren Zahlabend-Lokalen zu treffen und unter Führung des Be- zirksleiters so rechtzeitig von dort fortzugehen, daß an dem Standort der Kreise keine Stauung eintritt. Die Ordner stellt jeder Kreis. Sie sind kenntlich an den roten Armbinden, und wir bitten alle Teilnehmer dringend, sich deren Anordnungen zu fügen. In der Straße von der Frankfurter Chaussee zum Zen- tralfriedhof bitten wir den Fahrdamm freizulassen, um den Zutritt der Kranzdeputationen ungehindert und schnell zu er. möglichen. Auf dem Friedhof haben außer den Angehörigen und den Kranzdeputationen der Partei und Ge- werkschaften in Stärke von je 2 Mann nur die mit Karten versehenen Personen Zutritt. Allen anderen Personen, auch wenn sie sich mit Kränzen ver- sehen, kann der Zutritt nicht gestattet werden. Schriftliche Gesuche um Karten sind mit Angabe des Berechtigungs- grundes an den Genossen Eugen Ernst, Lindenstrvße 69, zu richten. Mündliche Gesuche sind zwecklos. Karten können nur in ganz beschränkter Anzahl ausgegeben werden. Die offizielle Feier findet bei schlechtem Wetter tn ver Leichenhalle, sonst auf dem Platz vor derselben statt. Vor dem Grabe sind nur ganz kurze Widmungsworte ber Kranzträger gestattet. Die Genossen, welche nachher die Grabstätte besuchen wollen, werden dringend gebeten, nach der offiziellen Feier in geschlossener Reihe vorbeizugehen. Ter Zentralvorstand der sozialdemokratisch. Wahlvereine Berlins und Umgegend. Die Berliner Gewerkschaftskommisfio«. Stsötveroräoeteii-verlzmwlusg. 6. Sitzung vom Donnerstag, den 2. Februar» nachmittags S UHr. In den Ausschuß für die Vorlage wegen neuer und erhöhter Zuwendungen an gemeinnützige Anstalten und Vereine sind auch die Stadtvv. Dupont, Ritter, Stadthagen und Dr. Wehl sSoz.) deputiert. Der Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach v>/, Uhr mit folgender Ansprache: Meine sehr geehrten Herren! In der letzten Zeit hat unsere Veriammlung schwere und schmerzliche Verluste zu beklagen gehabt, mdem drei Mitglieder hintereinander durch den Tod aus dem Leben abberufen worden sind. An« letzten Sonntag starb, 67 Jahre alt. nach längerer Krankheit der liebe Kollege Mertens, nachdem er seit 1894 Mitglied gewesen war. Wenn er auch hier nicht öffentlich aufgetreten ist, so war er doch ein fleißiges und tätiges Mitglied in der Verwaltung; überall in den Deputationen usw. hat man ihn wegen seiner ge« wissenhaften Pflichterfüllung geschätzt. Tags darauf schon traf uns ein neuer Verlust in der Person des Herrn Kollegen Voigt, der in dem verhältnismäßig jugendlichen Alter von 51 Jahren dahingegangen ist. Wenn er auch bloß acht Jahre Mitglied der Veriammlung war. so ist ihm doch dasselbe nachzurühmen wie dem Kollegen Mertens. Er hat seine volle Kraft für die Erfüllung seiner Pflichten als Mitglied der Steuer- und der Brennmaterialiendeputation eingesetzt. Auch er hat sich eiftig und redlich bemüht, seinen Wählern zu beweisen, daß er ihr Vertrauen rechtfertigte, das sie ihm erzeigten, alS sie ihn mit dem Mandat betrauten. Aber der schmerzlichste V e r l u st, der unS getroffen hat, war, daß das den Dienstjahren nach Zweitälteste Mitglied Herr Paul Singer, vorgestern seinem langen qualvollen Leiden erlegen ist. Geboren 1844 und Mitglied der'Versammlung seit 1884, trat er bald darauf bei seiner aufopferungsvollen Tätigkeit für da» Wohl unserer Stadt, bei seinen großen parlamentarischen Erfahrungen und bei seinem anerkannten praktischen Sinn, der ihm noch durch sein bewegtes Leben gestärkt worden ist, in die soröerstc» Reihen der Vertreter unserer Hauptstadt ein. Paul Singer hat sehr redegewandt seiner Ueberzeugung treuen Ausdruck gegeben, in Selbstlosigkeit und Uneigcnnüpigkcit, und wenn er auch hier den Vertretern gegenteiliger Meinungen gegenüber viele Gegner gestmdcn hat, so kann doch von keiner Seite behauptet werden, daß er unter uns auch nur einen persönlichen Feind hatte. Denn er war im geselligen Verkehr ein offener, ehrlicher, form» gewandter Charakter, der, wenn auch offen und scharf w der Kritik, doch niemals die Grenzen des Zulässigen über» schritten hat, fieil sachlich SkleS und niemal» Person- l i ch gegen jemand von uns geworden ist. Sein Verlust ist ein groher, nicht allein für unsere Versammlung und Stadt, nein, weit darüber hinaus, und so wird sein Tod in vielen Kreisen auch außerhalb ebenso wie hier tiefe Klagen und tiefe Trauer wecken. Ich lonnte Ihnen nur mit wenigen kurzen Strichen den Stadt- verordneten Paul Singer zeichnen. So hat er unS jederzeit vor Augen gestanden, so haben wir ihn kennen, achten, schätzen gelernt« und so wird er noch lange uns vor Angen stehen. Wir werden ihn oft noch in den Debatten vermissen, unsere Blicke werden sich oft noch nach dem Platze richten» der jetzt verwaist ist. Wir werden auch ihm allezeit ein liebes, treues Gedenken bewahren. Die Versammlung hat die Ansprache des Vorstehers stehend angehört und begleitet sie am Schluß mit allseitigem lebhasten Beifall. An das Schreiben des Magistrats, welches der Versammlung zur Kenntnis bringt, daß die Regierung abgelehnt hat, mit dem Magistrat wegen Uebernahme weiterer Zweige der Polizei erneute Verhandlung zu pflegen, haben die Stadtvv. Bruns u. Gen. sSoz.) folgenden Antrag geknüpft: „Die Versammlung ersucht den Magistrat: «0 mit den Staatsbehörden zwecks Uebertragung sämtlicher Zweige der Polizei auf die Stadt in Verhandlungen zu treten; b) die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Bürger gegen Ausschreitungen von Polizeibeamtcn für dir Zukunft zu schützen." Stadtv. Dr. Rofenfcld(Soz.): Tie Antwort des Lberpräsi- beuten hat meine Freunde in keiner Weise befriedigt und wohl auch nicht die Mehrheit der Versammlung. Fast ein Jahr haben vier Ministerien über die Anfrage beraten und daS Ergebnis ist lediglich, daß von der Einleitung neuer Verhandlungen ab- gesehen wird,„da eine Aendcrung des bestehenden Zustandes zur» zeit nicht in Aussicht genommen werden kann". Schlechter konnte auch der Magistrat der kleinsten Kommune nicht abgespeist werden; nicht einmal Gründe sind angegeben worden. Der Magistrat hat doch gewiß seine Anfrage begründet, und es wäre schon An- standspflicht gewesen, mit Gründen zu antworten. Der Beschlutz von 190g ging nur auf Uebertragung weiterer Zweige der Wohl- fahrtspolizei an die Stadt, die Versammlung wollte ja sehr vor- sichtig sein. Wir fordern heute erneut die Uebertragung sämtlicher Zweige der Polizei. Das heutige Polizeisystem hat sich in Moabit und auf dem W e d d i n g als ganz unzulänglich erwiesen und mutz von Grund auS reformiert werden. Es widerspricht der Selbstverwaltung, datz Angelegenheiten der Gemeinde nicht von Selbstverwaltungs- körpern, sondern von einer fremden Behörde wahrgenommen wer- den. Allgemein wird es als ein unwürdiger Zustand empfunden, daß die Gemeinde die K o st e n zu tragen, aber nichts zu sagen hat. Wir wollen mit unserem Antrag zum Ausdruck bringen, daß die Antwort der Regierung ganz unzureichend ist.�datz gerade mit Rück- ficht auf jene Vorgänge die Polizei in dem Sinne reformiert werden muß, daß kein Schutzmann mehr sich als Organ gegen die Bürger fühlt. Auch früher gab ja die Regierung nicht einmal Gründe für ihre ablehnende Haltung an; da hat die Versammlung mannhafte Worte des Protestes gefunden. Heute heißt es, eine würdige Antwort auf die Haltung der Regierung zu finden. Ueberweisen Sie diesen Teil unseres Antrages einem A u s s ch u tz. Der zweite Teil aber kann heute schon die Zustimmung der Versammlung gewinnen. Er ist zurückzuführen auf die schrecklichen Enthüllungen über Polizeizustände, welche bei den letzten Krawall- Prozessen an den Tag gekommen sind. So schwere Beschuldigungen sind noch niemals gegen die Berliner Polizei vorgebracht worden, und das will viel sagen, wenn man sich des Brausewetter- Prozesses und anderer in der Vergangenheit liegender Fest- stellungen, u. a. über das Verhalten der Polizei bei den Wahl- rechtsdemonstrationen, erinnert. Schon 1894 sagte Herr v. Egidy, die Erregung der deutschen Soldaten in Frankreich sei nicht so groß gewesen, wie die der Schutzleute auf der Straße. Ganz ähnlich sprach sich im M o a b i t e r Prozeß ein alter Veteran auS; im Kriege hätten die Offiziere die Mannschaften an- gewiesen, Frauen und Kinder zu schonen, in Moabit hätten die Schutzleute Frauen und Kinder nicht geschont. Wir brauchen aber nicht Einzelfälle, wir haben das Gerichtsurteil, welches klar ausspricht, daß Mißgriffe von Polizeibcamten vorgekommen sind, Uebergriffe und Mißgriffe, und zwar in größerer Zahl. Dieser eine Satz genügt, dem Unbefangenen klar zu zeigen, welche Zu- stände in Moabit geherrscht haben und wie notwendig Borbeugungs- maßregeln für die Zukunft sind. Und das war ein Gericht, welches die Angeklagten zweimal wegen des Argwohns der Befangen- heit abgelehnt hatte! Mit diesem Urteil des Landgerichts kleines feuilleton. Polizei und Prostitution. Von dem Verhältnis der Polizei zur Prostitution gibt Kurl Wolzendorff eine geschichtliche Ueberficht in einem Aussatz, besten erster Teil in der„Zeitschrift für die gesamte StaatSwisfenichaft" eben erschienen ist. Im Altertum betrachtete man die Prostitution lediglich unter dem Gefichtspunkt der öffentlichen Ordnung. Man übt keine Sittenpolizei, sondern Staatsaufficht. Nicht weil die Prostitution„unsittlich" ist, sondern weil ihre Elemente ordnungsfeindlich sind, wird ste über- ivacht. Man sondert die Prostitution von der bürgerlichen Gesell- schast. was niemals hindert, daß diese bürgerliche Gesellschaft von der Prostitution durchsetzt wird. In der Zeit der Perserkriege wurde die zunftmäßig geordnete Prostitution in drei Klaffen ein- geteilt: Die vomehmen Hetären dursten im besten Stadtteil wohnen, eingeschränkt waren die Flötenbläserinnen, strenger de» auftragt waren die Dikteriaden, die in einem Bordellviertel ein-' gepfercht waren. Auch in Rom wurde die Prostitution lediglich aus Gründen der öffentlichen Sicherheit überwacht: Abschließen, besondere Kleidung waren die üblichen Mittel. Es gab auch humanere Perioden; so wurde unter Kaiser Justinian die Aussperrung der Prostitution aus der bürgerlichen Gesellschaft aufgehoben, die Heirat mit Prostituierten gestatter. Alle Schrecken und Greuel polizeilicher Willkür begannen erst im Mittelalter, als man unter kirchlichem Einfluß die Prostitution aus sittlichen Gründen verfolgte, radikale Verbote der Prostitution, grausame Bestrafung unehelichen Geschlechtsverkehrs, zugleich schäm- lose wirtschaftliche Ausbeutung der Prostitution, ihre Begünstigung und Bevorrechtung, und viehische Ausschweifung wucherten auf dem gleichen Boden. Man ächtete die teuflische Fleischeslust und frönte ihr um so zügelloser. Kirchliche und weltlicde Macht wetteiferten in der Mißhandlung und Benutzung der Prostitution. In Paris bildet die Prostitution seit dem 8. Jahrhundert ein entwickeltes Zunftleben samt Prozessionen und Schutzheiligen. Mit dem heiligen Ludwig beginnt dann die sittliche Hetze. Er verbot zuerst 1254 die ganze Unzucht. Die Dirnen wurden in geistliche Gewänder gesteckt, in denen sie nun erst recht ihr Gewerbe ausübten. Die Verbote wiederholten sich in den nächsten Jahrhunderlen, mit dem Erfolge, daß die Prostitution immer gewaltiger anschwoll.„Einer Zeit der Duldung folgt eine Zeit der absoluten Unterdrückung und schonungs- losen Verfolgung: das ist das allgemeine Bild der Mittelalter- liche Prostitutionspolizei, in Frankreich wie in Deutschland, in Italien wie in Spanien." Die zünftlerische Organisation war in den deutschen Städten durchgeführt. 1492 beschwerten sich die Dirnen beim Rat zu Nürn« berg über die Schinutzkonkurrenz nichtprivilegierter Dirnen, und 1503 dursten sie mit Erlaubnis des Rats ein Winkelbordell stürmen. Die Mädchen hatten sogar Ehrenrechte; so durften sie bei Rots- mahlzriten mit Blumensträußen erscheinen, mußten freilich dafür stehen in Uebereinstimmung die Urteile der höchsten Polizeibeamten, so des Polizeimajors Klein, der vor dem Schwurgericht seine Stel- lungnahme vor der Strafkammer wesentlich zu modifizieren ge- zwangen war; die Antwort über die Tätigkeit der Kriminal- beamten bat er, ihm zu erlassen. Ganz ähnlich ließ sich Polizei- Hauptmann Folte aus. Wie muß es da um die Polizei bestellt ge- toesen sein! Das ist ja noch nicht dagewesen, datz die Schutzleute von ihren höchsten Vorgesetzten so desavouiert worden sind! Diese beiden Aussagen könnte» ja schon für unseren Antrag genügen; aber eine kurze Uebersicht über die Einzelfeststellungen ist doch er- forderlich. Ganz gewiß hat auch der Mob eine Rolle gespielt. Tat- fache ist aber, daß schmähliche Beschimpfungen von Frauen, selbst durch Polizeioffiziere, erfolgt sind. Kann es etwas Schimpf- lichercs geben als die Beschimpfung von ehrbaren Frauen als „Dirnen" und„Huren"?! Es ist charakteristisch für die ganze Rücksichtslosigkeit des Auftretens der Polizei, datz selbst einer Frau, die eine Hebamme für eine in Kindesnöten sich befindende Frau holen wollte, zugerufen wurde:„Heute wird kein Pardon gegeben, tznd wenn Kinder kommen!" Aber es sind auch Frauen geschlagen worden, auch noch als sie schon am Boden lagen, erhielten sie Säbelhiebe. Aber Herr v. Jagow weiß es: Die Polizei hat sich tadellos benommen; sie hat nur thre Pflicht getan! Männer sind ohne Grund niedergeschlagen und am Boden liegend weiter mit der Waffe mißhandelt worden. Soll ich ferner erinnern an den Ueberfall auf die englischen Jour- nalisten, an den Mann, der in V/j Stunden über 100 Mißhandlungen gesehen hat, an die regelrechten Menschenjagden, die beweisen, daß in Moabit die Diktatur des Polizeisäbels herrschte, von dem selbst Krimi- nalbeamte getroffen wurden, die sich nicht schnell genug legitimieren konnten? Das Schlimmste waren die unglaublichen Ucberfälle auf Leute, die sich in Gastwirtschaften befanden. Denken Sie auch an den Fall des völlig unbeteiligten braven Arbeiters Hermann, der infolge des brutalen Vorgehen« der Polizeibeamten zu Tode gekommen ist! lRedncr schildert den Fall eingehend.) Dieser Fall Hermann ist so ungeheuerlich, daß der Vorsitzende des Schwurgerichts erklärte, in diesem Falle wäre als Notwehr selbst ein wohlgezielter Revolverschuß zulässig gewesen! Ter Lberstaats- anwalt Preuß selbst sprach von den Roheiten eines Schutzmanns, die in diesem Falle verübt worden seien. Und dieser Schutzmann ist bis heute nicht ermittelt!! Dabei steht Ort und Zeit der Tat genau fest, aber der Polizeipräsident erklärt, der Mörder sei nicht zu ermitteln. Rur Herr v. Jagow kann demgegenüber sagen:„Der Ehrenschild der Schutzmannschaft ist rein!" Es kam in Moabit sehr deutlich zum Ausdruck, daß viele Beamte, Schutz- leute wie Offiziere, ihre Besugnisie gar nicht kennen. Der Polizei- leutnant Schirmer hat ausgesprochen:„Wenn man sich in Gefechts- stellnng befindet, dann haut man eben zu!" Und es war ein Ge- s ch w o r e n e r, der aufstand und erklärte, das sei doch eine etwas eigenartige Auffassung. Was nützen solchen Gefahren gegenüber die schönsten Bestimmungen über den Waffengebrauch? Die La- ternen und anderes städtisches Eigentum sind nicht geschützt worden, weil die Polizeibcamten meinten, durch das Einschlagen von Laternen sollten sie in die betreffende Straße hineingclockt werden; da hat man also lieber städtisches Eigentum zer- stören lassen. Auch die Stadt hat wegen des angerichteten Schadens in ihren Säckel gegriffen und wird noch weiter hinein- greifen müssen. Aber nicht nur die uniformierten Beamten, auch die Kriminalbeamte» haben durch ihr Verhalten den schärfsten Protest herausgefordert; Schutzmannssäbel und Kri- minalbeamtenstock herrschten gleichmäßig. So sang man denn auch in Moabit:„Das ist Jagows wilde verwegene Jagd!" Auch Lockspitzel sind in Moabit tätig gewesen; gleich- viel ob Kriminalbeamte oder Vigilanten; die Tatsache ist von vielen einwandsfreien Zeugen erwiesen worden. Diese Elemente haben auch den Ruf„Bluthunde!" ausgestoßen und damit die unifor- mierte Polizei zum Einschreiten veranlaßt; kamen sie selbst in Gefahr, geschlagen zu werden, so riefen sie:„Halt, Kollege!" Es ist ja auch nicht das erstemal, daß Lockspitzel in Berlin tätig waren. Selbst in dem Weddingprozeß ist es gelungen, nachzuweisen, was diese Lockspitzel für Elemente sind. Einer von ihnen war wegen schwerer Diebstähle im Rückfalle und wegen anderer Delikte zu langwierigen Gefängnisstrafen verurteilt worden; und dieses Jndi- viduum war„auch sonst für die Polizei tätig", wie es in den Akte» steht. Dieser Mann ist denn auch vom Gericht als absolut u n- glaubwürdig erklärt worden. Alle diese Vorfälle haben zu unseren Anträgen geführt. Solche Anträge sind hier schon früher gestellt und angenommen worden, 1898 beschloß auf Antrag Cassel die Versammlung etwas ganz Sehnliches; aber alles ver- geblich. Angesichts der Beschimpfungen und Mißhandlungen ruhiger Bürger, die wie die Hunde niedergeschlagen worden sind, muß verlangt werden, daß die Bürgerschaft geschützt wird. Die Empörung ist allgemein; die Presse aller Parteien ist einmütig Hobe Abgaben zahlen. Die Dirnensteuern wurden adligen Herren zu Lehen gegeben, wie z. B. der Bischof von Würchurg die Grafen von Henneberg mit den Einkünften auS der sündhaften Fleischeslust belehnten. Weder die weltlichen noch die geistlichen Fürsten ver- zichteten auf die üppigen Erträgnisse der Unzuchtsteuer. und die grauenhaste Rechtlosigkett unter der Polizeiwillkür machte diese Ab- gaben durch Erpressungen um so ertragreicher. Um daS Geschäft noch rentabler zu gestallen, nahm vielfach die christliche Obrigleit das teuflische Laster in eigene Verwaltung; sie betrieb die Unzucht in eigener Regie oder durch Pächter. Die Dirnen hatten auch sonst öffentliche Pflichten. Als Kaiser Sigismund seinen Einzug in Bern hielt, befahl der Rat der Stadt den„schönen Frauen im Gäßlein", „die Herren vom Königlichen Hofe ohne Entgelt freundlich zu empfangen". Auf dieselbe Weise wurde der Raubritter Dietrich von Ouitzow 1410 von den Berlinern geehrt. Die Universität Toulouse lebte geradezu von den Einkünften der ihr gehörigen Bordelle. Aus dem Konstanzer Konzil, dessen Beschlüsse der Modernisteneid noch schützt, wirkten 1400 fahrende Fräulein mit.„Die Prostitution hatte eben das ganze bürgerliche Leben durchseucht. DaS alles unter der „Sittenpolizei", jenem selben Regime, daß den einfachen außer- ehelichen Verkehr, das„leichtfertige Beiwohnen", mit den härtesten Strafen verfolgte, die unglückliche Kindesmörderin mit den grau- samsten Todesstrafen bestrafte und der Dirne, die die zum Schutze spießbürgerlicher Zucht erlassene Äleiderordnung übertrat, mit de» willkürlichsten und entehrendsten Strafen verfolgte. Mit Stäupen, Gefängnis, Gasienkehren. Landesverweisung, Pranger. Brand- machung. Eselsritt und welches immer die entehrenden und be- schimpfenden Strafen waren, wurden die Dirnen verfolgt, während andererseits weder Bürger noch Behörden den Umgang mit ihnen scheuten." In dem Polizeistaat der neuen Zeit wurde dieses System nicht nur beibehalten, sondern noch mehr ausgebildet. Die Sitten- Polizei wurde für die privaten Interessen und Racheakte der Herrschenden benutzt, im Frankreich Ludwig XIV. nicht weniger al« im Preußen Friedrich Wilhelm I. Das aus dem Pfuhl der Sitten- Polizei gespeiste, alles private Leben durchdringende Spionagewesen richtete schlimmere moralische Verheerungelt an. als die Unzucht selbst, zu deren Bekämpfung der schmutzige Apparat aufgeboten wurve. Den Gipfel des Abiurden erreichten dann die Keuschheus- kommistionen des 18. Jahrhunderts, wie sie Maria Theresia in Oesterreich und der Bischof von Würzburg einrichteten. Die ehren- werten Mitglieder der Theresiainichen Sittenpolizei verbündeten sich mit den Dirnen, konnten als ihre Zuhälter die Mensck>heitSdelikte nicht nur bequem entdecken, sondern sie auch selbst herbeiführen und dann ihre Wissenschaft erpresserisch ausbeuten. Im Polizeistaat wurde die Prostitution ein politisches Machtmittel. Eine Verlcigsgcuossenschaft der Romandichter. Ein interessanter Plan, der in der Schriftstellerwelt besondere» Interesse beansprucht, ist nun der Vollendung nahe: die spanischen und südamerikanischen Romandichter werden sich zu einem Verbände zusammenschließen, der es übernimmt, die Werke der Mitglieder zu verlegen und zu ver» darin, daß diese Prozesse Zustände enthüllt haben, die nach Abhilfe schreien. 1894 wurde ein ähnlicher Antrag abgelehnt, weil eine Untersuchung in sicherer Aussicht stände. Diesmal kann man damit nicht kommen, denn die Untersuchung hat statt- gefunden, durch die Gerichte und durch den Polizeipräsidenten. Was von einer Untersuchung durch diesen zu halten ist. das hat Singer 1894 ausgesprochen:„es hieße den Teufel bei seiner Groß- mutier verklagen, wenn man von dem obersten Kommandeur der Schutzmannschaft eine unparteiische Untersuchung erwarten wollte". Möge Herr o. Jagow bei allen künftigen Kaiscrsgeburtstagcn seine Rede wiederholen, damit wird das unparteiische Gerichtsurteil, das für die Polizei vernichtend ist, nicht aus der Welt geschafft. Der Schrei der Empörung der Bürgerschaft mutz in unseren Beschlüssen einen Widerhall finden. Unser Antrag wird ja die Gefahr. in welcher das Bürgertum heute schwebt, nicht mit einem Schlage aus der Welt schaffen; aber es ist ein Versuch, die Wieder- kehr solcher Ausschreitungen künftig zu verhindern.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Es geht ein Antrag Cassel-Mommsen-Rosenowo Deutsch ein: „Die Versammlung spricht die Erwartung auS, daß von den zuständigen Behörden geeignete Maßnahmen getroffen werden. um zu verhüten, daß bei etwa erforderlichem Eingreifen der Polizei zur Wiederherstellung der Ordnung Uebergriffe erfolgen und insbesondere Unbeteiligte zu Schaden kommen." Stadtv. Cassel(A. L.): Das Verlangen nach Uebertragung der' Wohlfahrtspolizei auf die Stadt ist seit Jahrzehnten erhoben, so schon 1357 von der ultrakonservativen Fraktion Stahl im Herren- hause. Selbst der Minister Herrfurth stand 1892 auf diesem Standpunkt. Die Haltung der Regierung hat aber gewechselt, und 1908, bei dem letzten Polizeikostengesctz. herrschte die entgegen- gesetzte Auffassung. Ohne Angabc von Gründen ist die Anregung des Magistrats abgelehnt worden. Dennoch können wir den ersten Antrag Bruns nicht annehmen, denn wir können so etwas dem Magistrat schon mit Rücksicht auf seine eigene Würde nicht zumuten. Die Mißgriffe und Uebergriffe der Polizei in Moabit, die Mißhandlungen und Willkürakte, die festgestellt worden sind, bedauern und mißbilligen wir aufs allerschärfste. Das Recht der Polizei, Unruhen und Verstöße gegen die Ordnung und Sicher- heit zu unterdrücken, erkennen wir ebenso an wie die Berechtigung des Verlangens, daß bei Streiks Arbeitswillige nicht körperlich be- droht und geschädigt werden(Zustimmung), wir müssen aber ver- langen, daß die Polizeiorgane so gebildet find, daß Mißgriffe und Uebergriffe nicht vorkommen, daß Unbeteiligte nicht zu Schaden kommen. Die vorgekommenen festgestellten Brutalitäten sind empörend. Es sind so viele Ausschreitungen begangen worden, datz etwas geschehen muß. Wie soll das aber der Magistrat machen?! Uns bleibt nichts übrig, als Protest einzulegen und die Erwartung auszusprechen, daß solche Ausschreitungen in Zukunft unterbleiben. Darum haben wir den Antrag gestellt den wir Sie anzunehmen bitten.(Beifall.) Oberbürgermeister Kirschner: Ich wollte Sie auch bitten, den Antrag Bruns abzulehnen und den Antrag Caffel an- zunehmen. Auch ich bedaure es aus lebhafteste, daß auf unsere Anregung eine Absage erfolgt ist ohne irgendwelche Angabe von Gründen. Der Bescheid läßt erkennen, datz in den Kreisen der beteiligten Minister eingehende Beratungen stattgefunden haben; die Herren Minister müssen sich also Klarheit darüber verschafst haben, welche Gründe vorliegen, um unser Ersuchen abzulehnen. Wenn uns die Mitteilung dieser Gründe vorenthalten wird, so kann ich das nur als einen Mangc' der nötigen Rücksichtnahme bezeichnen(Zustimmung), die wir von Staats wegen zu erhalten berechtigt find.(Erneute Zustimmung.) Ich bin der Meinung. der geringste im Volke, wenn er einen Antrag stellt, muß be- schieden werden, und zwar wenn ablehnend unter Mitteilung der Gründe der Ablehnung. Das liegt nicht nur in der Natur der Tinge, sondern hat einen tiefen, inneren Grund. Jede Be- Hörde, die einen ablehnenden Bescheid erteilt, müßte daS Bedürfnis empfinden, diesen zu rechtfertigen, um in dem Beschiedenen nicht den Gedanken aufkommen zu lassen, es geschehe willkürlich, ohne sachliche Begründung.(Zustimmung.) Und die Behörde muß sich sagen, wenn sie diese Begründung unterläßt, muß bei dem Beschiedenen ein Gefühl der Unzufriedenheit und Zurücksetzung eintreten.(Sehr richtig!) Wen» die Regierung den Magistrat und die Stadverordnetenversammlung ohne diese Begründung läßt, so mutz man annehmen, es liegt ihr nichts daran, ob in diesen Kreisen das Bewußtsein Platz greift, die Anträge der städtischen Behörden werden abgewiesen, ohne daß sachliche Begrün- dung zu erfolgen braucht Das ist tief zu bedauern. ES entspricht aber früheren Vorgängen; wir sin! auch in anderen Fällen auf wohlmotwicrte Anträge und Bitten ohne Bescheid geblieben, ich erinnere nur an die Eingemeindunzsfrage, wo wir keinen Be- scheid erhielten und auf weitere Bitte bcschicden wurden, daß Be- gründung versagt wird. Aber Sie können dem Magistrat nicht zumuten, jetzt wieder neue Schritte zu tun. Darüber muß an anderer Stelle, im Parka- treiben. Die Organisation wird ein Gegenstück zu dem in den mitteleuropäischen Kulturstaaten bestehenden Verbände der Dramatiker bilden, die ja ihrerseits bereits tatkräftig am Werke ist, die Ver- mittelungStätigkeit der Tbeaterverlegcr zu beslbrärnen und den Schriftsteller so die Erträgnisse seiner Arbeit möglichst ohne Abzüge voll genießen zu lassen. Der Verband will die Drucklegung und den Vertrieb der Werke auZ- führen und den Mitgliedern am Schluß des Jahres genauen Bericht und Abrechnung über die verkauften Eyemplare erteilen. Zugleich soll dem Verband die Aufgabe zufallen. Musterausgaben der Klaisiker zu veranstalten. Auch die Ausführung von Ueberietzungen in fremde Sprachen würde durch den Verband zu bewerkstelligen sein, der in allen fremden Kulturstaaten init BerlagSunternehmen in Verbindung treten würde, um dort die Werke seiner Mitglieder z» vertreiben. Mit dem Buchhandel würde die Genostevschast direkt als selbständiger Verlag in Verbindung treten. Wie an« 30 Pf. 600000 M. werden. ES ist eine Binsen- Wahrheit, daß die meisten ökonomischen Werte durch Veredelung von Rohmaterial erzeugt werden. Trotzdem ist eS sehr lehrreich, die Wertsteigerungen des Rohmaterials je nach Art der Verarbeitung ziffernmäßig zu vergleichen. In der„Naturw. Wochenschr." zeigt eine von Eottstein aufgestellte Tabelle die Wensteigerung des Holzes durch Verarbeitung. DaS Rohmaterial. 1 Kubikmeter Holz, hat im Walde einen Wert von 10 M.; das daraus erzeugte Schnittmaterial kostet 20 M.; die aus dem Holz erzeugten 200 Kilogramm Zellulose kosten 34 M.; daS daraus erzeugte Papier 50 btzi 85 M. Durch Verspinnen der Zellulose würde man Zellulosegarn erhalten im Werte von 75 bis 155 M.; wenn aber die Zellulose in Viskose verwandelt und daraus Kunstroßhaar erzeugt wird. 2000 M.; auf. Viskoseseide verarbeitet, steigt der Wert bis zu 8400 M.; azetyliert und in Azetat- seide verwandelt, auf 0400 M. Noch weit größer aber ist die Wert- steigerung des E i f e n S durch Bearbeitung. Ein Zentner Eisenerz kostet 0,80 M., als Roheisen S M.. Gußware 9 M. Schmiedeeisen 9.90 M.. Blech 11 M.. Draht 12 M., Gußstahl 27 M.. Messerklingen 1500 bis 2000 M.. feinste Uhrfeder» 000 000 M. Notizen. — Theaterchronik. Die vom Neuen BolkStheater«m- gekündigten Aufführungen von SndermannS„Schmetterlingsschlacht", find nicht die ersten Wiederholungen in Berlin. Biel- mehr wurde daS Drama zuerst im April und Mai 1904 niit starkem Erfolg von der Freien Volksbühne im Metropoltheater wiederholt und zwar zehnmal aufgeführt. — Kunstchronik. Die Berliner Sezession gedenkt am 8. April eine Ausstellung von Gemälden und Plastiken zu eröffnen. Ein neues Werk Max Klingers. Im Sitzungssaale des Chemnitzer Rathauses wird in nächster Zeit ein neues Bild Max KlingerS. ein Koloffalgemälde aufgestellt werden, das eine Verherrlichung der Arbeit darstellt und„Arbeit" genannt ist. Klinger hat an dem Bilde, da» eine Stiftung ist. beinahe ein volles Jahr gearbeitet. ttienf, gesprochen werden. Wir sind' nichk In der Lage, Neue Au- träge zu stellen, nachdem wir eben diesen ablehnenden Bescheid er- balten haben. Zum zweiten Teil des Antrages kann ich mich den Ausführungen des Geheimrat Cassel nur in jeder Beziehung an- schließen. Der Antrag mutet uns Unerfüllbares zu. Es ist empfehlenswert, daß der Antrag Cassel zur Annahme gelangt.(Ber- Stadtv. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich möchte dem Oberbürger- mcister zurufen:„Am Grabe Pflanzt er die Hoffnung aus!" Die lange Leidensgeschichte der bezüglichen Anträge hat er ja selbst vortrefflich dargelegt und die Haltung der Regierung ebenso charakterisiert. Tatsächlich hat in Preußen kein Bürger- das Recht auf Begründung von Matznahmen der Behörden. Ich akzeptiere das Zugeständnis des Oberbürgermeisters in dem Sinne, daß die Sozialdemokratie mit ihrer Art der Bekämpfung der preußischen Bureautratie durchaus recht hat, daß die Unzufriedenheit im preu- tzischen Volke gegenüber der Sorte von Regierung, unter der wir zu leiden haben, nur allzu sehr begründet ist. Die Gründe der Regierung sind ja klar, wenn sie auch keinen Ausdruck gefunden haben. Der Haß gegen den Wasserkopf Berlin ist in der preußischen Verwaltung traditionell; daß Berlin exzeptionell un- günstig behandelt wird, kann also nicht wundernehmen. Gegenüber dem Kollegen Cassel möchte ich betonen, daß gerade für die Ueber- nähme der Sicherheitspolizei in städtische Regie ganz neue Gründe eingetreten sind, da sich herausgestellt hat. daß gerade hier die königliche Polizei ihre Aufgabe absolut nicht erfüllen kann, daß sie sich in schroffem Gegensatz stellt zu den Interessen des Bürgertums, daß sie sich lediglich fühlt als Vollstreckerin der preu- tzischen Staatsräson. Eine Regierung, deren Macht auf dem Drei- klassenwahlshftem, dem Militarismus und dem preußischen Polizei- sqstem aufgebaut ist. ist der ganzen Quelle ihrer Macht nach außer- stände, die Interessen der Bürgerschaft zu vertreten. Miguel hat einst gesagt:„Wer die Polizei hat, der hat die Gewalt." Darum hat sich die Sozialdemokratie konsequent bemüht, dieser Staatsgewalt die Polizei aus den Händen zu nehmen, die skrupellos nach dem Willen einer Minderheitsrcgierung geleitet wird. Deshalb erscheint auch unser Antrag durchaus nicht zuweitgehend. Wir würden nie und nimmer unsere Hand bieten, den Oberbürgermeister zu der- anlassen, als Flehender zu der Regierung zu gehen; nach unserem Antrag soll er als Vertreter der Bürgerschaft fordernd, heischend, verlangend, rücksichtslos fußend aus dem Willen der Bürgerschaft auftreten.(Lebhafte Zustimmung hei den Sozialdemokraten.) Wenn der Oberbürgermeister einen solchen Ton dem Mi- nisterium gegenüber nicht anschlägt, so entspricht das ja der Usance dieses Verkehrs, aber wir haben keine Veranlassung, die etwas derberen Allüren, die wir fordern, preiszugeben. Daher ist es durchaus möglich, unseren ersteren Antrag aufrecht zu erhalten. Unsere Gründe für die Wiederholung des Antrages sind ja erst in die Erscheinung getreten, nachdem die Ministerien sich beraten hatten; die Urteile im Moabit- und Weddingprozeß waren ja noch nicht ergangen. Gerade auf den gewichtigen Feststellungen dieser Prozesse fußen wir dabei. Gewiß hat die Polizei dafür zu sorgen, daß Ruhe und Sicherheit auf den Straßen herrscht; aber die Disziplin der Echutzmannfchaft hat mehr zu wünschen übrig gelassen als die der Arbeiterschaft. Wir sind durchaus nicht der Ansicht, daß man Ausschreitungen von Arbeitern gegen Arbeitswillige billigen soll; aber hier hat es sich darum nicht gehandelt, fondern hier hat die Polizei sich nicht als Ruhestifterin, sondern als Ruhestörerin erwiesen und eine alle Grenzen überschreitende Disziplinlosigkeit gezeigt. Gegen unseren zweiten Antrag können die Bedenken des Oberbürgermeisters nicht durchschlagen; wir verlangen nicht, daß der Magistrat sich als Aufsichtsbehörde über die Polizei etabliert, fondern der Magistrat soll durch Vermittelung der kompetenten Aufsichtsorgane das Erforderliche herbeiführen. Aber wir an- erkennen sehr gern, daß der Antrag der Mehrheit einen guten Er- fatz für unseren Antrag bildet; wir ziehen daher diesen Teil unseres Antrages zurück. Wenn auch nicht auf die preußische Staatsregierung, so doch auf die Masse des Volkes wird ein ein- ft immigeS Votum eine gute Wirkung erzielen, nämlich in der Richtung der Aufklärung über die erftere. Nehmen Sie unseren Antrag und den Antrag Cassel an als den schärfsten Protest, als die Brandmarkung der unerträglichen Polizeiherrschaft in Berlin!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ter Antrag auf Ausschußberatung wird zurück- gezogen, der Antrag der Sozialdemokraten sub a abgelehnt. der Antrag Cassel einstimmig ange- n o m m e n. Auf Grund eines Antrages B r u n z l o w ist in der Ausschuß- Beratung folgender Antrag mit allen gegen 2 Stimmen zur Annahme gelangt: Den Magistrat zu ersuchen, der Versammlung schleunigst eine Vorlage zwecks Festsetzung einer neuen Baufluchtlinie für die Neue Königstraße vom Alexanderplatz bis zur Greifswalder Straße nach dem neuen Entwurf der Ticfbaudeputation, welcher eine Straßenbreitc von 24 Metern vorsieht, zugehen zu lassen. Der Magistrat hat dem Ersuchen bereits entsprochen und eine Vorlage gemacht, dem dieser Entwurf zugrunde liegt. Die Ver- breiterung nach demselben wird nur 6 400 000 M. Kosten verursachen und sich somit billiger stellen als die vorher aufgestellten Projekte. Die Verbreiterung wird vom Alexanderplatz bis zum Ordonnanzhause auf der Südseite, von da bis zum Königstor auf der Nordseite vorgenommen; von den Hausbesitzern auf der unbe- rührt bleibenden Straßenseite sollen Beiträge auf Grund des ß L des Kommunalabgabengesetzes erhoben werden. Die Vorlage wird, nachdem noch Stadtv. Manasse(Soz.) seine Befriedigung über den großzügigen Plan und über die hier ge- triebenc Enkelpolitik ausgesprochen, mit einem Zusatz Brunzlow an g e n o m m e n, wonach auch die Zufahrtstraße von der Lands- bergcr Straße zum Georgenkirchplatz auf 19 Meter verbreitert werden soll. Die beiden Vorlagen, welche die Aufstellung der KSnigS» kolonnaden im ehemaligen Botanischen Garten und dessen Aus- gestoltung betreffen, haben im Ausschuß Annahme gefunden, doch soll der Preis für die an die Adjazenten zum Zweck der Anlegung von Terrassen zu verkaufenden Flächen des Gartengeländes auf 200 M. statt 100 M. pro Quadratmeter festgesetzt werden. Die Versammlung beschließt nach den Ausschuß- antrügen. Die Beratung über den Entwurf eines Ortsstatuts betreffend weitere Einschränkung der Sonntagsarbeit im Kleinhandel beantragt der Referent Stadtv. M o m m s e n(Fr. Fr.) mit Rück- ficht auf die große Zahl der inzwischen noch eingelaufenen Petitionen in den Ausschuß zurückzuverweisen. Stadtv. Hintze(Soz.) hält den Gegenstand für durchaus spruchreif und widerspricht der Verschiebung der Erledigung. Stadtv. Woldschmid«(R. L.) verweist auf einen neuen Antrag, der unmöglich kurzerhand erledigt werden könne. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Dann könnte ja die Beratung immer wieder durch einen neuen Antrag unmöglich gemacht werden! Die Mehrheit beschließt die Zuruckverweisung. Mit dem freihändigen Erwerb der Grundstücke Alte Jakob- straße 67 und 68 für 300 000 bezw. 270 000 M. zur Straßenver- breiterung hat sich der niedergesetzte Ausschuß einstimmig cinver- standen erklärt. Die Versammlung genehmigt den Ankauf, nachdem Stadtv. Manasse die ursprünglichen Bedenken bezüglich eines bis 191b laufenden Mietsvertrages als beseitigt erklärt hat. Für den Grunderwerb zur Anlage von Druckrohrleitungen für die östlich der Stadt gelegenen Wasserwerke soll nach dem Vorgang von 1889 eine gemischte Deputation von 4 Stadtverordneten und 8 Stadträten eingesetzt und mit weitgehenden Befugnissen aus- gerüstet werden. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Wir stehen der Vorlage im allge- meinen sympathisch gegenüber. Mit Eisersucht haben wir darüber gewacht, paß die Versammlung sich ihre Rechte nicht ver- kürzen lasse, hier aber sollen in begrenztem Rahmen einer Deputa- tion gewisse Kompetenzen übertragen werden, deren Vorteil eine schnellere Erledigung der Verhandlungen sein wird. Beim Kauf von Grundstücken ist von großer Bedeutung, daß eine gewisse Ver- schwiegenhcit in Anspruch genommen wird. Wir sind geneigt, auch ohne Ausschußberatung die Vorlage anzunehmen. Die Zusammensetzung der Deputation bitte ich aber dahin zu ändern, daß drei Magistratsmitglieder und sechs Mitglieder der Ver- sammlung die Deputation bilden. Ferner bitten wir, der Ordnung halber, die Voraussetzung, daß alle Verträge vorher von der Wasser- Werksdeputation genehmigt sein müssen, auch ausdrücklich in unseren Beschluß aufzunehmen. Nach kurzer Debatte wird die Vorlage mit diesen beiden An- trägen des Stadtv. Dr. Wehl angenommen. Die Vorlage wegen lebenslänglicher Anstellung der Ma- gistratskanzlisten nach zehnjähriger Dienstzeit als solche geht auf Antrag M o m m s e n an den Ausschuß für die Vorberatung von Verwaltungs reformen. Zu den Vorentwürfen für die Neubauten eineS Personalwohngebäudes und eines Apothekengebäudes für das Urbankrankcnhaus fragt Stadw. Dr. Wehl an, wie es mit der besseren Unterbringung des Dienst- und Wartepersonals im Krankenhause Friedrichshain stehe. Die eine Hälfte dieses Personals solle ja jetzt aus den jammervollen feuchten Kellerwohnungen ausquartiert werden; was sei mit der anderen Hälfte beabsichtigt? Stadtrat Selbcrg ist außerstande, darüber schon jetzt etwas Bestimmtes zu erklären. Die Vorlage wird angenommen, Schluß �9 Uhr.__ Gerichts-Zeitung» Eine Anklage wegen Lotterie- und StempelfteuervergehcnS, die die S. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Land- gerichtsdircktors Goebcl zu verhandeln hatte, bot ein weiter- gehendes Interesse dar. Die Anklage richtete sich gegen den In- Haber des Warenhauses Wolf Wertheim und dessen beide Geschäfts- führer, die Kaufleute Alex Mehner und Otto Tüscher. Aus Anlaß der Eröffnung des neuen Geschäftshauses Leipziger Straße 75/76 hatte die Firma W. Wertheim vom 12. September vorigen Jahres eine Zählung der Käufe in ihren drei Geschäften veranstaltet. Jeder Kunde wurde aufgefordert, nach Beendigung seines Einkaufes die Kassenzettel an bestimmte Zählstellen ad- zugeben und als Ausdruck des Dankes für das der Firma be- wiesene Vertrauen erhielten in jedem Hause die Inhaber jedes 100. Kassenzettels bis zum 50 000. ein Geschenk oder einen Gutschein im Werte von 5 M., jedes tausendsten Kassenzettels bis zum millionsten 10 M., jedes zehntausendsten bis zum vierzigtausendsten 50 M. usw. usw., der Inhaber des fünshunderttausendsten Kassen- zettels 500 M. bar, der Inhaber des millionsten Kassenzettels aber 1000 M. in bar. Diese Dankbezeugung an die Kunden der Firma, welche von den Geschäftsführern ins Leben gerufen und von Herrn Wolf Wertheim als dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates gebilligt worden war, hat zur Erhebung der Anklage geführt. Der Staats- anwalt hielt die Veranstaltung einer öffentlichen Lotterie ohne obrigkeitliche Genehmigung für vorliegend und alle drei Herren für dieses Delikt verantwortlich. Die Erringung des in Aussicht gestellten Geschenkes sei voni Zufall abhängig gewesen, der Einsatz habe in der Zahlung des Kaufpreises für die Waren bestanden und die Käufer hätten in den Kassenzetteln die Lose erhalten, die für sie die Gewinnchancen enthielten. Hiernach beantragte der Staatsanwalt wegen des Lotterievergehens je 1000 M. Geldstrafe; außerdem war er aber der Ansicht, daß sich die drei Angeklägten auch einer Uebertretung des Reichsstempelgesetzes schuldig gemacht haben, und beantragte wegen dieses Delikts eine Geldstrafe von je 38 500 M. Rechtsanwalt Dr. Grünspach bekämpfte die Aus- führungen des Staatsanwalts. Er wies unter anderem darauf hin. daß von einer Mittäterschaft des Herrn Wolf Werthetm gar keine Rede sein könne, da dieser an der Ausführung des von den beiden anderen Herren aufgestellten Planes in reiner Weise tätig beteiligt habe. Ferner sei ein Einsatz gar nicht ge- leistet, sondern die Käufer hätten lediglich den Kaufpreis bezahlt und es sei ihnen damit die Aussicht auf eventuelle Verabreichung eines Geschenkes eröffnet worden. Was das angebliche Stempel- vergehen betrifft, so liege ein besonderes Vergehen nicht vor, sondern eine Tateinheit mit dem Vergehen gegen§ 286 des Strafgesetzbuches.— Das Gericht sprach zunächst Herrn Wolf Werthrim ohne weiteres frei» da eine maßgebende Beteiligung desselben an den unter Anklage gestellten Delikten nicht vorliege. Im übrigen hielt das Gericht die Tatbestandsmerkmale des sj 286 für gegeben, stimmte der Ansicht des Verteidigers, daß Ideal- konkurrenz mit Stempelvergehen vorliegt, zu und verurteilte die Angeklagten Metzner und Tüscher im ganzen zu je 300 M. Geld- strafe. Ob das Urteil in der Revisionsinstanz aufrecht erhalten werden wird, dürfte recht zweifelhaft sein; die Konstruktion des Begriffes Lotterie ist etwas sehr gekünstelt. Zwangsimpfung betraf ein Prozeß, den der Posamentier Todthagen zu Hepen gegen den Regierungspräsidenten zu Minden in Westfalen führte. T. war wegen Nichtimpfung seiner Tochter bestraft worden. In einem zweiten Strafprozeß gegen ihn wurde er vom Oberlandes- gericht in Hamm freigesprochen, weil eine mehrfache Bestrafung wegen Unterlassung der Impfung nicht zulässig sei. Unter dem 3. April 1910 erließ nun die Polizeiverwaltung an ihn eine Ver- fügung folgenden Inhalts:„Auf Grund des§ 132 deL Landes- vcrwaltungsgesetzcs fordern wir Sie auf, Ihre Tochter der Impfung unterziehen zu lassen. Sollten Sie der Anordnung keine Folge leisten, so wird die Ausführung von Polizei wegen auf Ihre Kosten erfolgen und der vorläufig auf 3 M. bestimmte Kosten- betrag von Ihnen eingezogen werden."— T. beschwerte sich ver- geblich beim Landrat und beim Regierungspräsidenten in Minden und klagte dann gegen diesen beim Obcrverwaltungsgericht. Er beantragte, die Zwangeversügung aufzuheben. Er machte geltend, daß aus der Entstehungsgeschichte des Jmpfgcsetzcs hervorgehe, daß ein Impfzwang nicht eintreten sollte. Das Oberverwaltungsgericht wie« aber am DienStag die Klage ab und führte aus: Der Impfzwang bei Kindern entspreche der Absicht des Gesetzes. Dann aber könne auch die Polizei- Verwaltung zur Durchführung des Impfzwanges die Zwangsmittel des Z 132 des Landesverwaltungsgesetzes zur Anwendung bringen. Die Verfügung sei berechtigt.— Wenn das Oberlandesgcricht Hamm das zweitemal freigesprochen habe, so doch nur, weil eine zweimalige Bestrafung nicht möglich sei. Zur Frage des Impf- Zwanges habe das Oberlandesgericht damit nicht Stellung ae- nommen. Hus aller Äelt. Die explofionshataltrophe in JSTew Die gewaltige Dynamitexplosion im New Forker Hafen hat nach den bisherigen Feststellungen 30MenschendasLeben gekostet, gegen tausend Personenwurden verletzt; jedoch handelt es sich in den meisten Fällen nur um leichtere Verletzungen, die durch Glassplitter und ähnliches hervor- gerufen wurden. Ueber die Ursachen der Katastrophe kann man nur Mut- maßungen aussprechen, da alle Arbeiter des Bootes, in das das Dynamit verladen wurde, bei der Explosion unts Leben gekommen sind. Jedoch ist es sehr wahrscheinlich, daß das Unglück folgendermaßen entstand: Die Leute, die mit dem Aus- laden des Dynamits beschäftigt waren, ließen die 50 Pfund schweren isten eine Jckjiefe Sbege geruntetßlc jtejtj zu deren Seiten andere Arbeiter aufgestellt Karen, um die Kisten zu führen und dadurch ein jäheS und gefährliches Abrutschen zu verhüten. Dabei ist eine Kiste stark ins Rutschen gekommen, der im Boot postierte Arbeiter verlor die Gewalt über die Kiste, die mit hartem Aufschlag gegen die Bootswand sauste und so das Dynamit zur Explosion brachte. Als der Rauch abgezogen war, der auS einer riesigen Feuer- garbc aufstieg, trat das schreckliche Bild der Verwüstung in die Erscheinung. Von dem Boote und seiner aus 11 Mann bestehenden Besatzung war keine Spur zu entdecken. Viele in der Nähe beschäftigte Arbeiter wurden ins Wasser geschleudert, m eh- rere davon sind ertrunken. Der ganze mit Dynamit bc- ladene Waggon wurde 20 Fuß hoch und 50 Fuß weit geschleudert. Alle Boote, alle Bahnzüge in der Nähe der Explosionsstelle wurden gewaltig erschüttert. Auf einigen Schiffen wurden die Masten, auf anderen die Schornsteine abgerissen. Ein in der Nähe der Unglücksstelle verankerter Leichter mit 8 Mann Bc- satzung wurde vollständig zerstört, die Mannschaft getötet. Ein kleiner Schlepper wurde buchstäblich indieLuft geschleudert. Zur Zeit der Explosion trafen in den Fabriken die Arbeiter Anstalten, sich nach Hause zu begeben. Viele Frauen wurden von panikartigem Schrecken erfaßt. Einem Manne, der gerade bar- biert wurde, durchschnitt der Barbier infolge des Schreckens den Hals. Hunderte von Frauen wurden ohnmächtig, viele verletzt. Die Hospitäler der New Jorker Unterstadt sind sämtlich überfüllt. Im Viertel von Wallstreet ergriff Entsetzen die Börsianer. Mit einem Schlag hörte auf der Börse aller Handel und Verkehr auf. Man stürzte auf Wallstreet oder auf den Broadway. Gerüchte liefen, daß einer der Großen der New Jorker Börse von Anarchisten in die Luft gesprengt sei. Im Bankhaus Morgan u. Co. wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Die Geldrollen ünd Banknotenbündel flogen wie vom magischen Stab eines Zauberers gelenkt plötzlich umher. Erstarrt sahen sich die Beamten einander an, um dann alles im Stich zu lassen und sich auf die Straße zu retten. Hier war die Verwirrung noch größer. In wenigen Sekunden drängte eine dichte Menschenmenge hin und her. Die Glassplitter der zertrüm- Merten Fensterscheiben lagen auf den Trottoirs; Verwundete stürz- ten aus den Häusern. Dazwischen heulten die Sirenen der Dampfer vom Hudson und die Dampfspritzen der Feuerwehr ras» selten mit lautem Klingeln daher. Nach den bisherigen Schätzungen beträgt der durch die Explosion angerichtete Schaden etwa 1 Million Dollar. Der tdhwzrze Cod. Die Pestepidemie in C h a r b i n dauert mit ungeschwächter Gewalt fort. Man zählt durchschnittlich 150 Tote pro Tag, davon 40 bis 60 in den Isolierbaracken, die übrigen werden in den Straßen gefunden, wo sie plötzlich hin- fallen und tot sind. Um die Ansteckungsgefahr zu vermindern, werden seit einigen Tagen die Leichname der an der Pest Gestorbenen verbrannt. Das furchtbare Schauspiel ist jetzt täglich zu beobachten. Die Särge werden in 4 Reihen aufgestellt, und zwar aufrecht. Das Ganze wird mit nicht eingesargten Massen von gefrorenen Leichen bedeckt. Darüber wird P e« troleum gegossen und dann entzündet. Diese Scheiter- Haufen sind einige Meilen von der Stadt entfernt und werden von Truppen bewacht. Trotz der großen Ansteckungsgefahr geben sich die Kulis absolut keine Mühe, irgcndivelche sanitären Vorsichtsmaßregeln bei dem Transport der Leichen anzuwenden. Die für gestern erwarteten Unruhen sind nicht ein- getreten, denn die Massen sind aus Furcht vor Tod. Pest und Hunger völlig deprimiert. Die Gefahr einer Hungersnot wird von Tag zu Tag größer, denn die Chinesen besitzen als einziges Existenzmittel die Arbeit in der russischen Nachbarschaft, von der sie jetzt ausgeschlossen sind. Dr. Graham Ashland von der englischen Gesandtschaft. der sich mit seiner Gemahlin nach Charbin begeben hatte. telegraphiert dem„Herald", die Heftigkeit, mit der die Seuche austrete, übertreffe jede Vorstellung. Menschen kommen und gehen; sie scheinen noch vollständig gesund, plötzlich steigt ihre Temperatur auf 40 Grad und in zwei oder drei Stunden sind sie tot. Auch aus M u k d e n und verschiedenen anderen Ort- schaften wird gemeldet, daß sich die Zahl der durch die Pest hervorgerufenen Todesfälle erhöht. Der Schmutz in den Häusern und Straßen sowie die völlige In- dolenz der Bevölkerung gegenüber sanitären Maßnahmen er- höht die Gefahr._ Tas Unwetter im Mittelländischen Meere. Wie schon gemeldet, herrschen seit mehreren Tagen im Mittel« m e e r an der spanischen Küste heftige Stürme, die von Regen- güssen begleitet sind. Der gesamte Schiffsverkehr ist lahmgelegt. Die Barceloneser Fischerboote„Mataro",„CaldetaS",„Vilasa" und „Consterone", die sich zur Zeit des Sturmes auf dem Meere be- fanden, sind nicht zurückgekehrt. Schlepper find zur Suche nach den vermißten Booten ausgesandt worden. Die Besatzung der bisher im Hafen eingelaufenen Fischerboote erklärt, daß fie nie- mals einen ähnlichen Sturm erlebt hätten. Ein von Vilasar kommendes großes Schiff hat sich in den Hafen von Barcelona geflüchtet. Das Meer hat bereits eine große Anzahl von Leichen an Land gespült. Man glaubt, daß die Zahl der Opfer sehr groß ist, fast in sämtlichen spanischen Hafenorte werden Verluste an Menschen verzeichnet._ Kleine Notizen. Geständiger Mörder. Gestern nachmittag hat sich in Breslau der Mörder des vor längerer Zeit bei Gleiwitz erschossen aufgefundenen Amtsrichters Siebe der Polizei gestellt. Ter Täter ist ein A r t i st, der bei einer Wilddieberei von Siebe überrascht worden ist. Er gibt an, Siebe habe auf ihn ge- schössen, aber nicht getroffen, worauf er einen Schuß abgegeben und Siebe tödlich getroffen habe. Zwei Kinder verbrannt. Auf dem Anwesen des Besitzers Stribcr in Samberg in Bayern kam in der letzten Nacht ein Brand aus. Die beiden Kinder des Besitzers kamen in den Flammen um. Ein erfolgreicher Militärflieger. Der französische Haupt- mann Bellanger hat gestern mit seinem Apparat einen be- merkenswerten Flug ausgeführt. Er war vormittags 8 Uhr 45 Minuten in Vincennes aufgestiegen und landete ohne Unfall um 554 Uhr in der Nähe von Bordeaux, nachdem er in Pontlevoh und in PoitierS Zwischenlandungen vor- genommen hatte. Die durchflogcne Strecke beträgt 5 38 Kilo- meter. Schwerer Unfall bei der italienische» Marine. Bei Uebungen, die im Golf von Genua mit Torpedogeschossen vor« genommen wurden, ging eins der Geschosse vorzeitig los. Drei Unteroffiziere wurden getötet, zwei weitere Personen anscheinend leicht verlcht. ff Bnefhalten der Rcdahtton. SU Ittttftifif» EvrechMind« sind«, Slnbenftraf,« Nr. 0», dorn W« Trcvvrn- RBbtftnhl-, wo>d«u»Satt» von 4*1, bü VI, Übt abenbf, «onnabenb» don 4'/- bl« 6 Uhr nachmittags statt. Arbrr für den Brtef- laftcn bestimmten älufrane ist«in Vnctinab« nnb«ine äabl alü M«rt- let(t)en beizufügen. Vrieflicke Antwort wird uiibt erteilt. Eilige "ragen trage man in der Evrechininde vor. W. K. 101. 1. ES empfiehlt sich, einen schristlich«, Vertrag zu schliefen. 2. AuStunstZbureau.— C. M. 100.«ie sind an den Kauf gebunden und haben Verurteilung zu erwarten.— H. K. 30. 1. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Bezeichnung der Art und de? UmfangeS des in Frage kommenden Betriebes. 2. Befragen Sie einen Fleifchbeschauer oder Tierarzt.— D. S..'»418. Die HaushaltungSgegenstände verbleiben in vollem Umfange dem überlebenden Ebegatten.— A. B. 10. X. und 2. Ja.— K. K. 3. 1. Ja, sosern der Vermieter es verlangt. 2. Ja.— iL. S- 8. Sie basten nur dann, wenn Sie Ihren Bruder beauftragt Häven.— München 100. Kommen Sie mit den Schriftstücken in die Sprechstunde.— E. K. 30. X. Bis zum Wlauj des Melsvertragcs, eventl. hinterlegen. 2. Ja.— A. 1. X. Sie können noch klagen. 2. New. 3. Etwa X500 M.— E. H. 119. Ja.— Osten 100. Leider nicht.— W. B. 444. Ja.— M. M. 100. Kann nachgewiesen werden, das; nicht genügend gestreut war. so hastet der Schuldiener. Wir raten auch zu Eingaben an den Magistrat und sür den Fall der Ab- lehnung zu einer Petition an die Stadtverordnetenversammlung. — R. B. 34. Nein.— A. S. 09. Nein.— E. K. 09. Antrag beim Polizeipräsidium.— P. B. 25. Stellen Sie den Antrag. Die Beifügung eines ärztlichen Attestes ist zweckmäßig.— W. K. 100. Durch die Gc- werkschast, der Sie angehören.— L. V. U. 14. DaZ Statut ist maß. gebend.— A. A. 40. Verjährung liegt nicht vor.— H. H. III. Franzöfischestr. 334.— ß. N. 97. Nein.— H. S. 44. Unbestimmt. rSasserfianbS-Nachricvten der LandeZanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. K 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—'s Unlerveael.—•) EiSstand.— 4) Eistreiben.—') Eisbewegung.—•) etwas Treibeis. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-DireMon stba den Grotzbandel in den Zcntral-Marktballen. ivlarkllnge: F l e i i ch i Znsuhr stark, Geschäft rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr auS. reichend,(Scichäjt schleppend, Preise säst unverändert. G e s I ü g e I: Zu« fuhr reichlich. Geichäst sehr still, Preise säst unverändert. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft ziemlich lebhast, Preise sür Flußsische hoch. Butter und Käse: Gcschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchle: Zusuhr genügend, Geschäft still, Preise sest, Apfelsinen sollend._ WitterunqSnberstedt vom 2. Februar 1!>11. morgen» 8 ttkir. =| ||l S| »e c?- »H SU Si '7X WNW 2 balb bd. '73 W> 2 Schnee 773 W! 2wolkig 776 SW! 3 Dunst 779 SW-Xbkdcckt 774 NNW 3 bedeckt ivrttrrvrognoie für Zunächst etwas gelinder, ziemlich starken nordlvcstlichcn und neue Abkühlung. bwmemde Mamburg Berlin Franki.a vi München Wien «tattonen lCZ c5 »§ B Setter U* c-» f- Hk Havaranda 755 SD Petersburg 765 Still Seilst) llberoee» ■Cani 779 D >78lWSW |779ND 4 Schnee— 7 Dunst—17 3halb bd.! 4 2wolke>ck 0 2 wollig.—1 Freitag, den 8. Februar 1911. vorwiegend trübe mit Niederschlägen und Winden) später wieder teilweise ausklarend Berliner W e t t e r b u r e a u. Theater und Vergnügungen Freitag, 3. Februar. Ansang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Di« Huge> notten. Königl. Schauspielhaus. Der Mennonst. Deutsches, Faust. K a m m ers p i el e. Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Wille».(Ans. S Uhr.) Ansang 8 Uhr. ReueS königl. Lpern-Theater. Geschlossen. Lesstng. Anatol. Komische Oper. Liebelei. Kleines. Das 5kmd. Neues Operetten. Di« schöne Risette. Neues SchauivielbauS. Das kleine Schokoladenmädchcn. Berliner. Bummelftudenten. Westen. Das Puppenmädel. Neues. Der G. m. b. H.-Tenor. Trianou. Hippolytes Abenteuer. Residenz. Pariser Menü. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller«». � Walmet. ioeotet.) Der Kaiser. Schiue- Edarlottenbnrg. Nathan der Weise. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Die blaue Maus. Luftspielhans. Der unbekannte Tänzer. AusstcllungS-Theater. MeherS. (Ansang S>/. Uhr.) Lnisen. DaS große Licht. Modernes. Der Feldherrnhügel. (Ansang 6*1, Uhr.) Rose. Don Carlos. Herrnfeld. Eine verloren« Stacht. Er, Sie and Er. Volksoper. Der Freischütz.(Ansang 8'/, Uhr.) Folies Capriee. Der Feldwebel- Hügel.(Ansang 8'/, Ubr.) Metro vol. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wippchea. AP o llo. SP ezialitälen. Pa-inge. Spezialitäten. Voigt. Robert der Teusel. Retchsballeu. Stelttner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Sanssouci. So wird'S gemacht. Spezialitäten.(Ans. 8',. Uhr.) Walhalla. Bravo I Dacapo l(An- sang S'U Uhr.) Stadt- Theater Moabit. Der Störensried. Wedding. Lichtspiele. Karl Haverland. Spezialitäten. Urania. Taubeustrafte 48/49. AbcndS 8 Uhr: Gehcimrat Ernst v. Hesse-Wartegg: Städte u. Länder der Äronprinzenreise. Hörsaal abends 8 Uhr: Konstruk- tionSmgenieur A. Keßner: Hammerwerke und Preßwerke. Sternwarte, Invalid enstr. 57—62- �essjax-Iüester. s Uhr: Anaeol. Sonnabend 8 Uhr: Die Ratten. Sonntag 3 Uhr: Tautri» der Narr. 8 Uhr: Die Ratten._ Berliner Theater. Täglich� 8 Uhr: Bummelftudenten. Neues Theater. Täglich: Der G. m. b. H.-Tenor. Anfang 8 Uhr._ Theater des Westens. 8 Uhr: Da« Pnppenmttdel. Morgen 8 Uhr; Die lustige Witwe. Sonntag nachm. 31/« Uhr: Die geschiedene Frau._ Modernes Theater (früher HebbeMheaier). Abends 8 Uhr: _ DoppcliMenach._ Berliner Volksoper Belle-Alliancestraße 7/8.—*1,9 Uhr: Der Freischütz. Friedrich-Wiltielmstädtisches Schauspielhaus. Freitag, 3. Februar, abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Sonnabend 8'/, Uhr: Krieg im Frieden. Sonntag 3 U.: Die Räuber. 8 Uhr: Cuiano von Bergerac. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Geheimrat Emst v.Hesse-Wartegg Städte n. Länder d. Krön- prinzenrelse. Hörsaal 8 Uhr: Konstmktions-Ingen. A. Keßner: Hammerwerke und PreBwerke. Schill er-T Ii eat er. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Freitag, abends 8 Ubr: Zum erstenmal: Der Kaiser. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Himmel aal Erden. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 3 Uhr: Kathan der Welse. S'onn abend, abends 8 Uhr: Hnsareniiebcr. Kaiser-Panorama. III. Wanderung im südlichen Schwarrwald. Letzte Woche: Mittelmeerreise. Insel Corfu. Eine Reise 20Pf. Kind nur lOPf. Abonnements t M. Tausende Abonn. Residenz-Theater. Direltion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Pariser Menu. Drei Gänge von Georges Fehdeau und Veber-Abric, 1. Gang:.52 Meter über Paris-, 1 Alt von Pebcr-Abric. 2. Gang:.Eine Nachtsttzung', lAkt von Georges Fehdeau. 3. Gang:»Nach dem Mäuschen- ball", 1 Akt von Georges Fehdeau. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung._ Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr; Das große Licht. Sonnabend nachm. 4 Uhr: DaS DaS große nachm. AbendS: Rotkäppchen. Licht. Sonntag nachm. 3 Uhr: MudickeS Reise nach Indien. 8 Uhr: DaS große Licht._ OSE=THEATE Große Frantjurter Str. t32. Gastsp. Fischar-Krischewsky Don Carlos. U Schauspiel in 5 Akten v. Fr. v. Schiller. Ans. 3 Uhr. Ende ll>/, Uhr. Sonnabend nachm.: Tie sieben Raben. Abends und Sonnt.: Ter Glücksschmied. Sonntag nachm.: Ton Tarlos. Jfietropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstattungsrevue in 7 BUdern . I. Freund. Mufit v. V. Holländer. 5n Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Rauchen gestattet. v. In W Ansang 8 Uhr. DaS neue Weltstadt-Programm. Sensationell: g heilige Ghungusen unt. Seit. ihr. Oberpriest Tschin Maa. Tes kolossale» Erfolges weg. prol. Otto Rentier fV Irene« Programm Di« berühmte ebinesisebe Tragödin Md. Chung mit ihrem chines. Schausp-Ensemble „Im Reiche des Drachens" Chines. Sohanspiel(nach einer alten Legende) in 2 Akten. Morris Cronin Truppe, mod. Jongl. The Kellinos:.Ein Fest in Venedig'. Emilia Rose, equiiib.-aniipod. Spiele. La belle Leonora, Spaniens Stolz. The 6 Geishas, japan. Gesangs- und Tanz-Trnppe. MiB Orfords Elefanten-Dressurakt. Fred Marion, Musik-Imitator. Sirene Nord, Tauch- und Schwimm- künstlerin. Florence u. Lillian, Musikalakt. Biograph, neueste Ausnahmen. Md lir Fraueo ni liätti Ir Werte. Sonntag, den 5. Februar 191 1, In Freyers Festsälen, Koppenstr. 29: Zwölftes Stiftmigs-Fest. 55/5 Mitwirkende: Berliner Volkschor u. Leit. d. Hm. Dr. Zander, Hr. Prof. Alexander n. Frau Lilli Petschnikoff, Hr. Leo Kestonberg, Hr. Friedrich KayBIer v. Deutschen Theater.— EröSn. 5 Uhr, Beginn pdnktl. 6 Uhr. Einlaßkarten a 50Pf. an der Kasse zu haben. Der Vorstand. 99 CLOU" -■ BERLIVER KOXZERTHATJS Mauersir. 82 Zimmerstr. 90-91 Eintritt SO Pf. Honte:-H» Operetten-Abend Dir. kgl. Obermusikmeister Dippel, Anfang 8 Ehr. An allen Wochentagen von 4— 7 Uhr; Gr. Promenaden- konzert bei freiem Eintritt. Sport-Talast Entree I iL Potsdamer Strafe 72-72a Entree 1 M. Größter Eispalast der Welt« Feerie„Karneval am Nordpol". 200 Eislanfkünstler. X Prachtvolle Ausstattung. Unerreichbare LiohteSekte. X 2 Musikkapellen. Raum für 10 000 Personen. X Unterricht im Eislauf. Vormittags-Konzerte. Sonntags 4 Uhr: BiachmIttag«-Vor«tellnng. Brauerei Friedrichshain. Am Kfinigstor. GrOBte Sehenswürdigkeit Berlins. Rente, Freitag: Elitetag! Präffliieriing d. höchst Dameiistieielalisätze. 3 Geldpreise: 30. 20, 10 M. bar. Der berühmteste Fcftwirt Lckorsck Shrengntber mit seiner Truvve(60 Personen) aus München. Ansang 8 Uhr. Entrce 39 Ps. Paisiertarten haben volle Gültigkeit. IVeoe Welt"fsim" Täglich: Da« beliebte Bockbierfest. Anfang 7 LTbr. 8onnt. 4 Ehr. 4 Kapellen. Sonnt. 3„ Entree SO Pf. „ 50 ,, Hochbahnstatton Kottbuser Tor. 3'/« Uhr: Die von da drüben. Große GesangSposse von L. Elh. Musik von Schottlimd. SirStS Srallns Panl Förster. Theater Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Zwei Schlager: Fiue verlorene Nachf. Er, Sie und Er. mit Anton und Donat Herrnseld in den Hauptrollen. Alt-Hoablt 47/48. Sonniag, den 5. Februar 1911: Ptt Mmfrikd. Lustspiel in 4 Auszügen von Bendix. Repertoirstück d. kgl. Schanspielh. Kaffenerösin. 6'/, Uhr. Ansang 7'/, Uhr. Räch der Borftellung: i— Tanz.- Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Hippolyte� Abenteuer. Beicbshalien-Theater. Stettiner Sänger, Zum Schlust. neu! Kublickc« Tarlctö-Theater. Burleske von MeyseL Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Berlins größtes ferpöPis-Etahlissenieiit Freitag, den 3. Februar, abends 7,/i Uhr: Neu I Heros Reu I mit seinen, außergewöhnlichen Krastjongleurakt. Arconls 4 Personen, Schleuderbrett-Alrobaten. Foot-Uall— Pnsh-Ball Polo-itall spiel. Vierde sowie der Kreisel-Globus, neueste Kreation des Direktors Alb. Schumann sowie die übrigen neuen Attraktionen. Her große Coup 9*1, Uhr. der 9'/, Uhr. Schmuggler. LustspieEhaus. Abends 8 Uhr: Der Feldherrnhügel Tolles Copnee. Täglich 8'/. Uhr: Die abgetretene krau. Neuer bunter Teil. selMebelhiigel. Zirkus Busch. Freitag, 3. Febr., abds. 71/, Uhr: Großer Calu-Abend. Kätt Sandvrina! Eady Herkules t Neu I Rons. Amonn«, Champion im Hochspringeo. Herr Direktor Pierre Althoff u. Frau Direktor Adele Althoff mit ihr. eleg. Freiheivsdressuren. Die Fredianie, Akrobaten zu Pferde. Troika, ger. v. Horm. Hubert Mirow.— Drei Gebr. Fratellinis, italienische Clowns. Um 9 Uhr ca. zum 43. Male: „Armin." Vorher das groBe Galaprcgramm. Karl Haverland- Ansang Tholfou Kommandantenprä,. 7'/, U. lUCiUBl. strafet 77/79. TaS vielseitige amüsante Februarprogramm. Nene erstkl. Apemlitättii. passage-panoplilcum. VIc Sensation des Tage»! Das spreebende Pferd ..Häns'chcn" Lebend! Lebend! Maod Tempie, die Bartlady ein abnormes Natnrspiel, u. die ander. Schau-Attraktionen. Ohne Extra-Entrce! Ein tritt SO Pf. Kind.. Soldat. 25 Pf. Thrnter„Sroß-Kerli«". Freitag, den 3. Febr.. Gastspiel st» Spandau, Supkes Theater, Adam- ftraße 11. 8'/. Die Rose von Japan. Gr. Operette von Kircks u. schwarz» Reiflingen. Preise 50. 75. 100 Ps. Im vor» verkauf 40, 60. 75 Ps. Vorverkaus im Theaterlokal« bei Herrn S u p l e._ Walhalla-Thealer._ I>Rosenth.Tor.) Wcinbergsw.20l Allabendlich 8>/. Uhr: T Bravo! Da Capo! Eine AllerweltS- Revue. Sonntagnachm. 31/, Uhr: Unsere Don Juans. Kleine Preise. Bnrgtheater- Festsälc und Kinematograpb vorm. Groterjan, FnHab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 149. Tel. 3. 9353 Eebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps., Kinder die Halste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vcrrugskarten, nur wochent. gültig, 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechi. Programm. American-Theater Dresdener StraBe 97. Täglich: Heitere Künstler- Abende! Theater-Varietd-Cabaret mit Anna und Franz Verdier. Ansang 8 Uhr.— Sonntags 6 Uhr RSoigstadt-Kasino. Hoizmarttstr. 72. Gänzlich neues Programm mit Franz Kobanskl. Leop. Rosser, Elsa de Pianque, Geschwister Bernhard/, MiB Eugenlo, The Blanke usw. Ter keusche Joseph. Poffe L 1 Akt. Wochent. Ans. 8, Sonntags 6'/, Uhr. Lsslm»-Theaiep Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Das Original Berliner Volksstück Julie Wippchen. Urberliner Humor l Urbcrliner Typen I Im Stile der ehem. Wallner-Bühne. Borher erstklassiger bunter Teil. SonnL 3'/, Uhr: Der ttcchmiileteulel. LICHTSPIELE. MOZART- SAAL. Nollendorf- Platz. Beginn 6 Ubr. ■heaterdes Weddings Uehtsptel-Palast MQIIerstr. 1S2/t83— Sellerstr. IS Die Handvon Bearny. Das Drama Des Itehinisieu. V oigt-T'hea ter Gesundbrunnen, Badstraße 58. Freitag, den 3. Februar 1911: Benefiz für Kurt Bnnmrister. Robert der Teufel oder: Tie Stumme v. Burgund. Romantisches Schauspiel in 3 Allen und einem Vorspiel von Charlotte Birch-Pseiffer. Kassenelöffnung 7, Ansang 8 Uhr. l3os])orns am Moritzplatz. "8 Lhr: Das neue Variete-Programm. Beachten Sie das Varietd�Kon- sumsystem.— Nach Sehl» der Vorstellung bis 2 Uhr nachts: UroUer ItoekbiertruheL 2 Kapellen._ Berliner Mlk-Trlo, Felix Scheuer StrklsiDderstr.l Für den Inhal»»er Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teinerl« Berannvortnug. verantwortlicher Redakteur: Richard Barth. Berlin. Kür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Nr. 29. 28. Jahrgang. 2. KtilM to„Nmäck" Fttitas. 3. Ftbraar l9!i Berliner JSaebriebten» Aus der Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der gestrigen Sitzung widmete der Vorsteher Michelet den drei in der letzten Woche verstorbenen Stadtverordneten, dem Freisinnigen Mertens und unseren Genossen Voigt und Singer, den üblichen Nach- ruf. In längerer Rede gedachte er mit rückhaltlos aner- j kennenden Worten der selbstlosen Tätigkeit, die unser Genosse! Singer im Dienste der Stadt Berlin und zu ihrem Wohle � geleistet hat und durch die ihm ein dauerndes Andenken ge- sichert worden ist.— Ueber die Berliner Polizei, die in den letzten Monaten und Wochen, dank ihren Moabiter Taten,' im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestanden hat. kam es gestern auch in der Stadtverordnetenversammlung wieder einmal zu einer Aussprache. Der Versuch, einen Teil der dieser„königlichen" Polizei zugewiesenen Aufgaben in die Verwaltung der Stadtgcmcinde zu bringen, ist wiederholt gemacht worden und immer wieder gescheitert. Von dem Mißlingen des neuesten Versuches gab der Magistrat den Stadtverordneten Kenntnis durch Mitteilung der kurz ab- lehnenden Antwort, die die Staatsregierung dem anfragenden- Magistrat nach langem Warten zugeschickt hat. Im Anschluß an diese Vorlage hatte die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag gestellt, der den Magistrat zu erneuten Verhandlungen wegen Uebertragung aller Zweige der Polizeiverwaltung an die Stadtgemeinde aufforderte und zugleich ihn mahnte, Maßnahmen zum Schutze der Bürger gegen die Ausschreitungen der Polizei zu treffen. Tie Not- wendigkeit dieses zweiten Teiles des Antrages bildete zu- gleich die Begründung für den ersten Teil, dessen Berechtigung eben durch die Moabiter Polizeitaten wieder aufs neue dar- getan worden ist. Die Uebernahme, vor allem auch der Sicherheitspolizei, in die Verwaltung der Stadt ist eine Forderung, die sich nie zuvor so notwendig erwiesen hat, wie gerade nach den Vorgängen der neuesten Zeit. Als Ankläger gegen die Polizei trat Genosse N o s e n f e l d auf. der in den Prozessen um Moabit zusammen mit den anderen Ver- teidigern erfolgreich bemüht gewesen ist. die Moabiter Polizei- taten in das rechte Licht zu rücken. Er tat es gestern auch vor der Stadtverordnetenversammlung in einer großen Anklage- rede, die von leidenschaftlicher Entrüstung durchglüht war, aber seine Ausführungen fanden auf der Seite der Frei- sinnigen nicht den vollen Widerhall, den sie verdienten. Die freisinnigen Fraktionen der Versammlung hatten ge- meinschaftlich eine Erklärung beantragt, die die Erwar- tung aussprach, daß künftig derartige Uebergriffe der Polizei sich nicht wiederholen werden. Stadtverordneter Cassel, der diesen Antrag begründete, ließ die Sonne seines Wohl- wollens scheinen über Bürger und Polizisten, wie über Streikende und Arbeitswillige. Oberbürgermeister Kirsch- ner klagte in merklich scharfen Worten über die Nichtachtung, mit der auch in dieser Frage die Gemeindebehörden Berlins wieder von der Staatsregierung behandelt worden sind. Gegen seine Schlußfolgerung, daß es hiernach nicht der Würde unserer Gemeindebehörden entspreche, aufs neue mit der Staatsregierung zu verhandeln, wandte sich Genosse Liebknecht. Treffend legte er dar, daß die sozialdemo- kratische Fraktion sich die Stadtgemeinde und ihren Ober- bürgermeister allerdings nicht als Bittende, sondern als Fordernde denkt. Die Ueberzeugung der Stadtverordneten- Mehrheit, daß auch von einem Fordern kein Erfolg zu er- warten sei. äußerte sich in Heiterkeit, an der auch der Magistrat sich beteiligte. Man sieht, daß der Stadtfreisinn die Bedientenstellung, in die er gegenüber der Staatsregie- rung durch eigene Schuld geraten ist, nicht einmal mehr als böschämend, sondern als erheiternd empfindet. Die sozial- demokratische Frattion zog schließlich den zweiten Teil ihres Antrages zurück zugunsten des Antrages Cassel usw., der dann nahezu einstimmig angenommen wurde. Gegen ihn stimmte Stadtverordneter Kyllmann und vielleicht noch der eine oder der andere seinesgleichen. Der erste Teil des Antragesdersozialdemokratischen Fraktion. der den Magistrat um erneute Verhandlung ersuchte, wurde aufrechterhalten, aber von den geschlossen gegen ihn stimmen- den freisinnigen Fraktionen abgelehnt. Tie Frage der weiteren Ausdehnung der Sonntags- ruhe im Kleinhandel wurde gestern noch nicht ent- schieden. Verschiedene Gruppen von Interessenten haben in- zwischen so eiftig gegen diesen Plan agitiert, daß die Frei- sinnsmehrheit ihnen eine nochmalige Zurückverwei- fung an den Ausschuß bewilligte, dessen Beschlüsse die Versammlung gestern entgegennehmen und genehmigen sollte. Unsere Genossen H i n tz e und Hoffmann bekämpften tnese Verschleppungstaktik, aber die Mehrheit beschloß so. Welche Verschlechterungen werden da aus den erneuten Aus- schnßberatungen herauskommen! MittelstandSbetten in städtischen Krankenhäusern. Der.Vossischen Zeitung" wird anS ihrem Leserkreise ge- schrieben:„Die geplante Neueinrichtung von sogenannten L. Klasse-Bctten in den städtischen Krankenhäusern ruft einen leb- kiaftcn Widerspruch bei den Aerzten hervor, die mit Recht eine starke Beeinträchtigung ihrer wirtschaftlichen Lage dadurch befürchten und Eingaben an die städtischen Körperschaften vorbereiten. Aber ab- gesehen von dieser Schädigung rein ärztlicher Interessen muh die beabsichtigte Neuerung auch in politischer und sozialer Beziehung Bedenken erregen. Dah für die Einrichtung von Privatbetten in den städtischen Krankenhäusern bei der Bürgerschaft und im söge- nannten Mittelstand Stimmung vorhanden" ist, ist unbestreitbar. Denn wer nähme nicht gern Erleichterungen und Verbilligungen aus öffentlichen Mitteln entgegen? Aber der Staat oder die kom- mune kann nichts verschenken; sie muh die Mehrausgaben durch Mehreinnahmen, d. h. durch höhere Steuern decken. Und da ist die Frage berechtigt: Ist es zu verantworten, daß aus öffentlichen Mitteln Bcvölkcrungsschichten unterstützt werden, welche zweifelsohne ein größeres Einkommen haben als die grohe Masse der unbemittelten Bevölkerung? Man wende nicht ein, daß auch für das höhere Schulwesen und die Universitäten der Staat oder die Ge- meinde höhere Aufwendungen mache, als Einnahmen daraus er- zielt werden. Der Staat(die Gemeinde) tut dies, um sich Beamte und studierte Leute zu bilden, die er oder sie gebraucht. Wollte man das Schulgeld so erhöhen, dah Einnahmen und Ausgaben sich decken, so würde sich nicht nur vielleicht Mangel an Beamten ein» stellen(eine Jolge,� die bei der heutigen Uebersüllung der gelehrten Berufe manchem sogar als erwünscht erscheinen könnte), sondern es würde die Erlangung höherer Bildung zu einem Vorrecht der Reichen werden! Das soziale Empfinden verlangt gebieterisch Möglichst niedrige Schulgelder, um auch den wenig Bemittelten Zutritt zum Studium zu ermöglichen. Ganz anders liegt es bei den Vergünstigungen, die die Stadt durch die Errichtung von 2. Klaffe-Betten in öffentlichen Krankenhäusern lediglich den Besser- situierten gewähren würde. Für gute Hygiene hat die Kommune natürlich zu sorgen. In Berlin geschieht dies aber bereits in geradezu vorbildlicher Weise durch die zu wahren Musteranstalten ausgebauten, jedermann zugänglichen städtischen Krankenhäuser.| Die Kosten, die die Stadt hierfür aufwendet, sind enorm: während! der Verpflegungssatz nur 3 M. pro Tag beträgt, betragen die durch- schnittlichen Unkosten 5— 6 M. Im Schöneberger Krankenhaus be- tragen sie sogar(inkl. Verzinsung des Anlagekapitals) 8,2S M.) Wohlverstanden für die allgemeine, sogenannte 3. Klasse! Für keinen Kenner der Verbältnisse ist es daher zweifelhast, dah die Gesamtkosten für die Versorgung eines Kranken zweiter Klasse fVerzinsung des Kapitals, Medikamente. Verbandstoffe. Pflege- personal, ärztliches Honorar, Abnutzung usw.) etwa 12— 13 M. betragen würde, so daß bei dem beabsichtigten Verpflegungssatz von 6,50 M. für die 2. Klasse die Stadt etwa eine gleich hohe Summe täglich auf jeden Kranken aus eigenen Mitteln zulegen mutz. Dah es nun vielen Menschen nicht angenehm ist, mit„Krethi und Plethi" zusammenzuliegen, mag zugegeben werden. Ist aber der öffentliche Steuersäckel, zu dem auch der Aermste in irgend einer Form sein Scherklein beiträgt, dazu da, um Standesvorurteilen und feineren Gewohnheiten entgegenzukommen, um dafür zu sorgen, daß der„gnädigen Frau" aus feinerem Geschirr„serviert" wird? Mit guter Versorgung der Kranken und mit Hygiene hat dies platterdings nichts zu tun. Für diese ist schon bisher auf der „allgemeinen Station" aufs beste gesorgt. Auch jetzt schon bestehen Einzelzimmer für solche Kranke, deren schwerer Krankheitszustand (aber nicht deren gesellschaftliche Stellung) ein Alleinliegen wün- schenswert macht. Und mutz nicht das Gros der Kranken, beson- ders der arbeitenden Klassen, für die die Krankenhäuser doch in erster und letzter Linie geschaffen sind, das unangenehme Gefühl bekommen, fortan hinter den feinen Herren und Damen zurück- stehen zu müssen? Und wie steht es denn mit dem„Bedürfnis" nach solchen Privatbetten seitens der Stadt? Im gedruckten Ver- waltungsbericht des Schöneberger Krankenhauses ist zu lesen, dah die erste Klasse fast leer steht: Noch nicht ein Krankenbett erster Klasse war täglich belegt. Wie wenig besetzt auch die zweite Klasse dort sein mutz, geht am besten daraus hervor, datz die Kranken- Hausverwaltung sich veranlaßt gesehen hat, wochenlang in medi- zinischen Blättern das Krankenhaus zu annoncieren und auf die günstigen Aufnahmebedingungen hinzuweisen. Will die Stadt Berlin durchaus Privatbetten einrichten, so soll sie sich auch die vollen Selbstkosten bezahlen lassen. Dann ist aber zu befürchten, daß die Betten größtenteils leer stehen. Oder will Berlin dann auch zum Annoncieren seine Zuflucht nehmen?" Unsere ablehnende Stellung zu der geplanten Einrichtung haben wir wiederholt dargelegt. Dieselbe gipfelt darin, datz wir in der Einführung einer Klassifizierung eine Gefahr für die Krankenbehandlung' überhaupt erblicken. Die Einrichtungen in unseren Krankenhäusern sollen so sein, dah die dort unter- gebrachten Kranken so ernährt, verpflegt und ärztlich behandelt werden, dah sie so schnell wie möglich wieder gesund und arbeits- fähig werden. Eine Scheidung der Kranken in Klassen ist da gänz- lich unangebracht. Im Gegenteil: Wenn Kranke besserer Her- kunft die gleiche Behandlung wie arme Kranke erfahren, so wird das dazu beitragen können, dah eS in unseren Krankenhäusern im allgemeinen nur besser wird. Die Führer Brücke soll heute vormittag 10 Uhr durch den Geh. Baurat Krause dem Verkehr übergeben werden. Hierdurch wird zw nächst sür die Passanten dcS Putlitzsteges eine weitere Abkürzung des WegeS zur Eisenbahnstalion herbeigeführt. Seine eigentliche Be deulung wird jedoch das Bauwerk erst nach Fertigstellung der neuen Putlitzbrücke gewinnen als Schluhglied des StrahenzugeS zur Verbindung Moabits mit dem neuen Stadt teile um das VirchowkrankenhauS. Die Brücke überschreitet den Spandauer Kanal nahezu unter einen recbten Winkel und mit Rücksicht auf den zu erwartenden GrotzschiffahrtSverkehr in einer Oeffnung von 38 Meter fteier Spannweite. Diesem mit stutz. eisernen Bogen überdeckten Mitteljoche schließt sich beiderseits eine gewölbte Oeffnung von 7 Meter Weite an, um bei einem späteren Ausbau der Uferböschungen zu Ladestratzen deren Unterbrechung durch Pfeilereinbauten zu vermeiden. Die 11 Meter breite Fahr. bahn hat für eine zu erwartende Straßenbahn Schienengleise erhalten. Unter den Granitplatten der 4 Meter breiten Bürger- steige haben zahlreiche Rohr- und Kabelleitungen Platz gefunden. Die Gewölbe und Widerlager sind in urwüchsiger Weise mit heimischen Granitfindlingen bekleidet. Aus den schlichten Geländern erheben' sich über den Zwischenpfeilern reich ausgebildete Doppel. kandelaber au« Schmiedeeisen als einziger Brückenschmuck, der von dem Architekten König entworfen ist. Die Ausführung des unter der Oberleitung des StadtbauratS Krause erstandenen Bauwerks erfolgte durch das Tiefbauamt II. Die Kosten einschließlich der Straßen- anschlüffe betragen rund 395 000 M. Unter zahlreicher Beteiligung der Parteigenossen und Genossinnen erfolgte gestern die Beisetzung des Genossen Emil Voigt auf dem städtischen Friedhofe in Friedrichsfelde. In der Friedhofshalle widmete Genosse Waldeck Manasse dem Dahingeschiedenen warme Worte des Dankes und der Anerkennung. Er schilderte in von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten die auf- opfernde Tätigkeit deS toten Parteifreundes, der durch fein einfaches, schlichtes Wesen in weiten Kreisen sich viele Freunde erworben habe. Dann traten die Vertreter der verschiedenen Korporasionen an den Sarg, um dem so ftüh Dahingeschiedenen einige Abschiedsworte zu widmen. Genosse Bruns würdigte im Namen der sozialdemokratischen Fraktton der Stadtverordneten- Versammlung die Tätigkeit Emil Voigts in der Gemeinde. Genosse Hoffmann rief dem Toten im Namen der Genossen des 4. Wahlkreises herzliche Abschiedsworte nach. Ihm folgte» dann Vertreter der Ge- meindearbeitcr und andere. Die Ansprachen wurden mit einem stimmungsvollen Trauerliede eingeleitet und geschlossen. Dann gings hinaus zur Gruft. Roch ein kurzes Abschiedslied und dann häufte sich Kranz aus Kranz. Für die Liebe und Verehrung, deren sich Emil Voigt erfreute, legten auch die vielen einfachen LiebeSzeichen Zeugnis ab, die ihm engere Freunde und Bekannte aufs Grab legten. Um nicht zu verhungern, griff gestern der Svjährige Hausdiener Franz Blauwarth zu einem verzweifelten Mittel. B. war vor etwa vierzehn Tagen von Donzig nach Berlin gekommen. Er glaubte, hier eine gute Stellung zu finden, doch sollte er sich bitter getäuscht haben. Vergeblich lies er von einer Stelle zur anderen uud es dauerte nicht lange, so waren die paar Zehrgroschen, die er mit- gebracht hatte, verbraucht. Obdachlos und hungernd irrte der Un- glückliche in den Straßen Berlins mnher, bis er schließlich in der Reinickendorfer Str. 87 in eine Bäckerei von Block ging, um sich etwas zu essen zu nehmen. Er wurde aber ertappt und der Polizei übergeben, die ihn ins Untersuchungsgefängnis einlieferte. Mußte der arme Teufel deswegen durchaus der Polizei über- geben werden? Ein recht tragisches Ende hat die 77 Jahre alte Wirtschafterin G., die bei dem Geh. Baurat Tiemann, Dessauer Str. 25, lange Jahre im Dienst stand, gefunden. Donnerstag wurde berichtet, daß Herr T. auf der Straße vom Tode ereilt wurde. Als die Wirtschafterin von dem plötzliwen Tod ihres Herrn erfuhr, brach sie besinnungslos zu- fammeu. Die Bedauernswerte ist noch gestern an den Folgen der erlittenen Aufregungen gestorben. llntcrschleife in Höhe von 150 000 M. Vor einigen Tagen hat das lupuriös auSgestatteie Vergnügungsrestaurant„Trocadero" seine Pfonen gesiblossen, angeblich deshalb, weil die Eniziebung der Singkonzession und das polizeiliche Verdikt, das Lokal um 11 llbr abends zu fcblietzen, den Rum des Etablisscmenls berbcigeiührt haben. Kurz nacbdem der„Trocadero" ge'chlossen worden war, verschwand der Inhaber und Unter- nebmer. Herr D. Ruzek aus der Burggrafenjtr. 13 mit seiner Gallin. Am Montagnaä'mitlag fand eine Gtäubigerversammlung statt, in welcher festgestellt wurde, daß etwa 130 000 bis 150 000 M. von dem Jnbaber und Leiter unterschlagen worden seien. Vor etwa einem Vwrteljohr barte Herr Ruzek, der Oestcrreichec ist und»ruber Kellner war und das Restaurant„Trocadero" in Wien im Oktober vorigen Jahres mit einem Reingewinn von 200 000 Kronen verkauft datle. das Vergnügungseiablissement Unter den Linden eröffnet. Die überaus glänzende Einrichtung war von emer bekannten Berliner Aus- statlungsfirma aus Abzahlung gctieserl worden, wäbrend mehrere große französische und deutsche Weinfabrikanten Herrn R. einen erbebtichen Kredit eröffneten. Ruzek halte sich mit dem bekannten früheren Operetlenkomiker Stemberger vom Friedrich- Wilhelmstädtischen- Theater, zu Zeiten der Direktion Frilsche, assoziiert, der für die Gründung des„Trocadero" 70 000 M. hergab. Ruzek selbst besaß eine große Wohnung in der Burggrafenstraße und lebte in den denkbar günsttgsten Verbällnissen. An dem Unternehmen waren außerdem noch einige Sänger beteiligt, die allabendlich dort auftraten. Nachdem das Polizeipräsidium jedoch die Schließung des Lokals um 11 Ubr verhängt hatte, klagte Herr R. auffallend über den schlechten Geschäftsgang, obwohl, wie nach- gewiesen werden konnte, die Zahl der Besucher sich kaum ver- mindert hatte. Vierzehn Tage, bevor R. den Konkurs anmeldete, balle er bereits den größten Teil der Einrichtung nach Wien »chaffen lassen. Er selbst verschwand dann plötzlich mit seiner Gattin, nachdem von einigen ungeduldigen Gläubigern seine WohnungSeinrichlung in der Burggrafenstratze gepfändet worden war. Bei der gestrigen Gläubigerveriammlung, zu der sich 48 Firmeninhaber, darunter Möbelhändler. Vertreter von Wein- firmen usw., eingefunden hatten, wurde festgestellt, daß Ruzek während der dreimonatlichen Dauer des Unternehmens überhaupt keine Bücher geführt hatte. Herr R hatte nur die Miete für das Lokal, sowie Gehälter für die Kapelle und Kosten fijr die Beleuchtung im voraus entrichtet. Alles übrige dagegen war in seine Tasche gewandert. Aus der Aufstellung, die Juslizrat Dr. Werthauer den Gläubigern vorlegte, war zu ersehen, daß Ruzel etwa 150 000 M. vereinnahmt haben mußte. Nach Abzug aller Unkosten und Spesen wären Herrn R. also in einem Vierieljabr etwa 50 000 M. Neingewinn verblieben, so datz er also wohl kaum bebaupren konnte, daß das Unternehmen sich nicht rentiere. Alis den letzten Tagcsabschlüssen ließ sich ersehen, daß das Geschäft noch an den letzten Abenden einen vorzüglichen Besuch aufzuweisen halte. Bei der gestrigen Gläubigerveriammlung ging es recht lebhaft her und fast alle Gläubiger waren der Ansicht, daß hier betrügerischer Bankrott vorliege. AuS diesem Grunde wurde gestern gegen R. Anzeige bei der Staatsanwoltschast erstattet. Ruzek selbst soll sich in Wien aushallen, während von anderer Seite be- hauptet wird, daß der Dcfrcuidant vor einigen Tagen in einem Spielklub des Westens gesehen worden sei. Als Leiche wiedergefunden wurde der 19 Jahre alte Handlung?- gehilfe Kgrl Knackfutz, der bei seiner Cousine in der Ackerstr. 22 wohnte und seit dem 14. Dezember v. I. vermißt wurde. Kiiackfiiß kam vor mehreren Wochen nach Berlin, weil er seine Stellung in Perleberg verloren harre, und fand bei seiner Cousine Aufnahme. Da er hier keine neue Stellung finden konnte, beschloß er schließlich. aus dem Leben zu gehen. Am 14. Dezember entfernte er sich aus der Wohnung und kehrte nicht wieder zurück. Gestern vormittag wurde seine Leiche am Schleswiger Ufer in der Nähe des Borfig- ftegeS aus dem Wasier gelandet. In seiner Wohnung erschossen hat sich vorgestern der 2? Jahre alte Sattler Karl Wagner, der in der Hohenlohestraße 3 in Schlaf- stelle wohnte. Der Mann war seit einem halben Jahre tiefsinnig. gab aber niemals Auskunft darüber, was ihn bedrückte. Vorgestern abend hörte seine Wirtin in seinem Zimmer einen Schutz fallen; bald darauf fand sie W. bewußtlos auf den Fußboden liegen. Er hatte sich durch einen Revolverschutz lebensgefährlich verwundet und verschied bald darauf. Zwei radelnde Wcchselfallrnschwindlcr machten seit einiger Zeit Berlin und Umgegend unjichcr. Einer besuchte zuerst kleine Geschäfte. meistens solche, in denen eine Frau allein verkaufte, bestellte sehr eilig etwas und bezahlte mit einem Zchninarkstück. In diesem Augenblick kam dann der zweite und drängte noch mehr als der erste. Dann verschwanden alle beide sehr eilig und waren mit ihren Fahrrädern längst außer Sicht, wenn die Geschäftsleute merkten, daß sie mit dem Wechselgeld das Zehirmarkstück eingesteckt hatten. Die Bcschrei- bung dieser Radler patzte auf zwei mehrfach vorbestrafte Personen, einen Einbrecher und Zuhälter Oskar Palennno und einen früheren Schlosser und Geldschrankeinbrecher Georg Limmer. Die Kriminalpolizei nahm beide fest. Bisher konnten ihnen 50 Fälle bereits nachgewiesen werden. Ein eigenartiger Slratzcnbnhnunfall ereignete sich am gestrigen Donnerstagmittag am Görlitzer Bahnhof. An der Endhaltestelle war der Schaffner Luchlmann damit beschäftigt, einen Anhänge- wagen an den Motorwagen 2303 anzukuppeln. Während der Schaffner noch mit seiner Arbeit beschäftigt war, fuhr der Führer deS Motorwagens 1206 der Linie 13 gegen den Anhängewagen so heftig aus, daß der zwischen den beiden Waggons stehende Beamte eingeklemmt wurde. Der Verunglückte, der' einen Unterarmbruch und Quetschungen an der Brust davongetragen hatte, wurde nach der nächsten Unfallstation und sodann nach dem Krankenhaus Bethanien übergeführt. Arbeiter-BildungSschnle. Der Unterricht in National- Ökonomie fällt an diesem Sonntag aus. FortschrittSkursus für Jugendliche. Die Zusammcnkunst fällt an diesem Sonntag aus. Feuer w einer Villa. Ein schweres Brandunglück ereignete sich gestern in früher Morgenstunde in der Rauchstr. 17/18, im Westen Berlins. In der dortigen Villa des RcntterS M. Levy brach durch Unvorsichtigkeit ein größeres Feuer auS, bei dem der Rentier lebens- gefährliche Brandwunden davontrug, so daß er nach dem Kranken- Hause geschafft werden mußte. Vier junge Mädchen, die infolge starker Verqualmung die Treppe), nicht mehr passieren konnten, flüchteten auf daS Dach eines Wintergartens und wurden von hier aus durch die Feuerwehr über Leitern in Sicherheit gebracht. DaS Villen- grundstück Rauchstr. 17/18 liegt an der Ecke der Drakestraße und geht bis zur CorneliuSstraße durch. Die Villa wird seit Jahren von dem Rentier Levy bewohnt, der Witwer ist. DaS Schlafzimmer des 75jährigen Greises befindet sich im Hochparterre der Villa, während das Dienstpersonal im ersten Stock schläft. Nur ein Stubenmädchen hat seinen Schlafraum ebenfalls im Hoch- parterre. Dieses Mädchen wurde gestern früh bald nach 4 Uhr durch gellende Hilferufe aus dem Schlaf geschreckt. Die Rufe kamen aus dem Schlafzimmer deS Rentiers, das lichterloh in Flammen stand. Da die beiden Eingangstüren fest verschloffen Waren, konnte dem Unglücklichen nicht sofort Hilfe gevracht werden. Erst der hinzueilende Portier Berndt brach eine der Türen gewalt-- sam auf und drang noch vor Eintreffen der Feuerwehr in daS Zimmer ein. Der Rentier lag bewußtlos und mit Brandwunden über und über bedeckt am Fußboden. Er wurde von dem Portier noch im letzten Augenblick herausgezogen und in ein hinteres Zimmer ge- tragen. Inzwischen war daS Treppenhaus schon derartig verqualmt, daß die vier im ersten Stock schlafenden Mädchen mir notdürftig bekleidet auf das Dach eines Wintergartens flüchten mußten. Als die Feuer- wehr anrückte, war die Situation also recht bedrohlich. In Eile wurden an dem Wintergartengebäude Steckleitergänge hergestellt, über die hinweg die gefährdeten Mädchen gerettet wurden. Der am ganzen Oberkörper schwer verbrannte Rentier wurde mit Sauer- stoff behandelt und von einem Arzt verbunden. Dann wurde er mit einem Krankenwagen nach dem Elisabeth-KrankenhauS geschafft. Der Brand war durch Umwerfen eincS Lichtes entstanden und zerstörte daS ganze Schlafzimmer. Die Nblöschung erfolgte mit zwei Rohren. Einen Vortragszyklus über die Alkoholfrage veranstaltet der Arbeiter-Abstinenlenbund im Saal 5 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15, vom 3. Februar bis 17. März jeden Freitag, abends 9 Uhr. Die Borträge finden an folgenden Tage» statt: 8. Februar, Dr. Edwin Bab: Alkohol und geistiges Arbeiten; 10. Februar, Dr. Edwin Bab Geschlecknslebcn. Vererbung und Alkohol; 17. Februar, Schriftsteller Albert Kohn: Alkohol und Arbeiterversicherung; 24. Februar, Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg: Alkohol und Strafrecht unter Berücksich- tigung des neuen Slratgesetzennvurfs; S. März, Redakteur Weiß: Alkohol und künstlerisches Schaffen; 10. März, Bundesvorsitzender August Neumann: Alkohol im Arbeiterhaushalt; 17. März, Redakteur Konrad Hähnifch-Dortmund I Sozialdemokratie und Abstinenz(dieser Vortrag findet statt als öffentliche Versammlung). Eintrittskarten für sämtliche Vorträge kosten 40 P k. pro Stück, Einzelvortrag 10 Pf. Ein graue« Beutelportemonnaie mit zirka 65 M. Inhalt ist am Montag, den 30. Januar, früh gegen 7,30, auf dem Wege von Kopenhagener Str. 77 bis Gartenstr. 101, möglichenfalls auch im Straßenbahnwagen der Linie 50 verloren gegangen. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen Belohnung im Bureau des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands(Filiale Berlin), Garten straße 101. Seitenfl. 1 Tr. links, abzugeben. Vorort-s�acKricKten. Rixdorf« Auf zur Wahl! Wie unseren Lesern bereits bekannt ist. findet am Sonntag, den 6. d. M,. mittags von 12— S Uhr, die Kaufmanns gerichtswahl statt. Der Zentralverband der HandlungS gehilfen und Gehilfinnen Deutschlands(Liste B 1 hat eine außerordentlich rührige Sgitation entfaltet. DaS hat die gegnerischen Verbände zu erhöhten Anstrengungen veranlaßt wenigstens soweit die Berdunkelnng der Leistungen des Zentrall verbände? und die Verleumdung der Sozialdemotrati« in Frage kommt. Allen voran marschiert natürlich wieder der antisemitische deutschnationale Verband, der ein Flugblatt verbreitet hat. daS an Verdrehungen selbst alle bisherigen antisemitischen Heldentaten über trifft. Und das will doch gewiß viel sagen. Doch den Herren soll die Antwort nicht geschenkt werden. Heute Freitag, abends 8'/2 Uhr, findet in den Bürgersälen, Berg- straße 147(großer Saal), eine öffentliche Bersammlmig statt. Genosse Redakteur D ü w e l l spricht über das Thema »Auf zur Wahll', während Genosse Ucko sich mit den Wahl Veröffentlichungen der Gegner befassen wird. Wir bitten unsere Genossen, auch zu dieser letzten Versammlung rege zu agitieren, damit der Besuch ein guter ist. Gleichfall« ist es nötig, alle wahlberechtigten Handlungsgehilfen darauf hinzuweisen, daß fie von ihrem Wahlrecht unbedingt Gebrauch machen sollen, indem sie die Liste VI wählen. Eltcrnvcrei» für Sport und Wandern. Am Dienstag, den 7. Februar, finden im KarlSgarten und am Freitag, den 19. Februar, in PctnS Festsälen, Knesebeckstroße 113, abends von'/,? bis'/ß Uhr, die ersten Spielabende statt, wozu unsere Mitglieder nebst Kindern eingeladen sind. Neue Mitglieder werden dort aufaenomnien. Der geplante Familienausflug am Sonnrag. den 5. Februar, fällt aus, derselbe wird an einem späteren Termin stattfinden. Bon Krämpfe» desallen wurde am Montagabend aus dem Richardplatz, nahe Kaiser-Friedrich-Straße ein Handelsmann. Bon Passanten wurde der gefüllte Handelskorb des Krauken nach einem in der Nähe befindlichen Lokal zur Aufbewahrung gebracht. Do der Handelsmann nicht weiß, wo sich der Korb befindet, bittet er, näheres über den Verbleib desselben an Schönfelder, Berlin, Neue Promenade 2. gelangen zu lasten. Charlottenburg. Die für Sonntag, den 8. Februar er., nachmittags 5H Uhr. im BolkShause angekündigte musikalische Veranstaltung muh wegen der Bestattung des Partrigrnosten Paul C'nger unter, bleiben. Sie wird in den nächsten Wochen stattfinden; BillettS behalten Gültigkeit. Der BildungsavSschuh. Wilmersdorf. Zu einem Konflikt zlvischen dem Magistrat und der Stadt» verordnetenversammlung ist es in der Angelegenheit des ehemaligen Stadtverordneten Schulz gekommen. Wie wir vor acht Tagen mit- geteilt haben, glaubte Herr Schulz wegen Ueberbürdung mit amt- lichen Berufögeschäften sein Stadtverordnetenmandot niederlegen zu müssen. Er wurde dann aber anderen Sinne? und erklarte sich wieder zur Ausübung de« Mandats bereit, worauf die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung der vom Magistrat ausgesprochenen Anschauung entgegen sich dahin aussprach, daß Herr Schulz nach wie vor als Stadtverordneter fungieren dürfe. Nunmehr hat der Magistrat der Stadtverordneten- verlammlung mitgeteilt, daß er in dieser Angelegenheit Klage beim Bezirksausschuß erhoben habe.'In der Zuschrift, die diese Nachricht enthielt, warnte der Magistrat dt« Stadtverordneten« Versammlung, Herrn Schulz an ihren Sitzungen teil- nehmen zu lassen, da Beschlüsse, die unter seiner Mirwirtung iustande kämen, für ungültig erklärt werden mühten. AlS der tcllvertretende Stadlverordnctcnvorsteher Dr. Heinitz diese An- gelcgenheit am Mittwoch der Stadtverordneten-Ver- s a m m l u n g unterbreitetes t-ilie er mit, daß er zwar sachlich die Anschauung des Magistrats teile, jedoch keinen Beruf in sich fühle. in dieser Angelegenheit Hern, Schulz zu beeinflussen. Herr Schulz war selber in der Sitzung nicht zugegen, wohl aber hat der Wahl- auiichuß sich gemüßigt gesehen. ihn nachträglich zur Delegation in den Finanzausschuh zu empfehlen. Die Mehrheit der Stadt- verordnelcnveriammtung billigte diesen Vorschlag. Weiter war an Stelle des aus de» bekannten Ursachen von f. seinem Amte zurückgetretenen Herrn Dr. Leidig ein neuer Stadt- verordnetenvorsteher zu tvählen. Die Wahl fiel auf den Geh. OberreaierungSrat Koch; auch die gesamte Linke stimmte für diesen Kandidaten. Nachdem die Wahl verschiedener AuSfchüste er- ledtgt war, wurden in g e h e i m e r Sitzung die Mitglieder und Bürgerdepulierten der städtischen VerwoltungSdeputationen gewählt. Von unseren Parteigenosien gehört Riedel dem RechnungS- auSfchuß. den, Ausschuß zur Prüfung der Tcheunenviertelangelegen- beil. den Deputationen für die Friedhöfe, für den Tiefbau, för die bervandSangekegenhekt und in dem Sonderausschuß für die Flucht- linienfestsetzung dcS Platzes V Mitglied ist. Est« tödlicher Bauunfall ereignete sich vorgestern in der Prager Straße. Dort wird gegenwärtig auf dem Grundstück Nr. 14 ein Neubau aufgeführt, auf dem auch der 31jährige Arbeiter Friedrich Krause aus der Teltower Str. 39 beschäftigt war. K. arbeitete gegen 3 Uhr nachmittags in der Höbe der dritten Etage; als er sich nieder» bückte, ein Handwerkszeug auszuheben, trat er fehl und stürzte kopfi über in die Tiefe, wo er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Unter den Händen eines hinzugerufenen Arztes verstarb der Vmmglückte an den Folgen des erlittenen schweren Schädelbruchs und inneren Verletzungen. Städtische Fischhalle. Die als Maßnahme gegen die Fleisch teuerung vom Magistrat eingerichtete städtische Fischhalle ist am Donnerstag im Hause Berliner Straße 40 eröffnet worden. Der Magistrat verspricht, daß an dieser Stelle täglich nur„blut- frische" Ware zu den billigsten Tagespreisen zum Berkauf kommen soll. Wenn der Magistrat Wort hält, dann wird es der städtischen Fischhalle vor allen Dingen in der Arbeilerbevölkemng nicht an der nötigen Kundschaft fehlen. Stadtvcrordncten-Ncuwahl. Bekanntlich hat die Stadtverordneten- Versammlung das Mandat des Herrn Oertler. der zu Unrecht in Halensee als gewählt proklamiert war. für ungültig erklärt. Runmehr ist vom Magistrat auf Donnerstag, den 19. Februar, die R e u w a h l anberaumt worden. Als Kandidaten haben die Konier- vativen wieder Herrn Oertler aufgestellt, während die fortschrittliche BolkSpartei einen Herrn Mittag präsentiert. Da unsere Partei- ,enoffen leider nicht der für diese Wahl erforderliche Hausbesitzer- Kandidat zur Verfügung steht und auch im übrigen die Sachlage genoffen leider nlch�der für diese Wahl erforderliche Hausbesitzer k an didat zw dieselbe ist wie bei den vor 3 Monaten abgehaltenen Hauptwablen, so wird die Sozialdemokratie wie damals geschloffen für den von der Demokratischen Vereinigung aufgestellten Kaufmann Ludwig Emgelmann stimmen. Schönederff. Die Frauenalteilung de« Arbeiter-TurnvereinS begeht am Sonntag. den 8. Febivar, ihr 3. Stiftungsfest im„Gesellschaftsbaus des Westens", Hauplstr. 31. Da der Verein stets bei Arbeiterfeste» mitwirkt, rechnet er auf die Unterstützung der Arbe iterfchaft. Anfang '/,S Uhr. Eintritt 30 Pf. Oder-Tchöneweide. Christian Geyer. Ein alter braver Parteigenoffe, der Pantinen macher Christian Geyer, ist im Alter von SS Jahren nach langer Krankheit zur Ruhe gegangen. Der Verstorbene ist auch im Alter den der Jugend entsprossenen sozialistischen Idealen treu geblieben. ES sind wohl wenige Veranstaltungen der Partei, denen der alte Geyer während seiner Ortsansässigkeit fernblieb, bis ihn die Krank- heit dazu zwang. Als eins der ersten Opfer de» Schandgesetzes wurde er am 19. Oktober 1879 aus Berlin ausgewiesen und ge- zwungen, unstet durch alle Gauen Deutschlands ziehend, den Unter» halt seiner Familie zu erstreiten. Als Geyer später wieder nach Berlin kam, wirkte er mit der alten Energie wieder weiter. Per schiedcne Versuche, sich eine bessere Existenz zu gründen, schlugen ihm fehl, und so mußte denn sein alteö. kärglich lohnendes Gewerbe bis in die letzten Tage sein und seiner treuen Gefährtin Dasein fristen. Christian Geyer war ein Muster aufrichtiger, treuer Partei- Zugehörigkeit seit Anfang der 70er Jahre, darum wird er bei allen, die ihn kannten, in ehrendem Andenken stehen. Adlershof. Zu heftige« Auftritten führte in der letzten Gemeinde- Vertretersitzung die erfolgte Wahl de? Gemeindevertreters Tr. S a l i n g in die Schuldcputation. Bekanntlich können Hierselbst die Gesinnungen der einzelnen Vertreter nach ihrer Zugehörig- keit zu den einzelnen Abteilungen taxiert werden. Bis auf die Vertreter der 3. Abteilung, welche sämtlich Sozialdemokraten sind und dementsprechend nach dem sozialdemokratischen Kommunal- -rogramm handeln, läßt sich eine bestimmte politische Gesinnung er übrigen Vertreter nicht feststellen. Die Vertreter der 1. Ad- teilung kann man wohl als konservative Leute betrachten, doch lehnen fie mitunter diese Auffassung selbst ab. Die Vertreter der 2. Abteilung wollen wohl liberal sein, doch überwiegen die Grund- besitzerinteressen ihre politischen Auffassungen, so daß von„liberal" nicht viel übrig bleibt. Unter diesen drei Gruppe» war seit Antritt des jetzigen Gemeindevorstehers das Uebercinkommen ge, troffen worden, bei Wahlen zu Kommissionen uiw. jeder Abteilung einen Sitz zuzuweisen. Dieses Abkommen ist auch bis heute respektiert worden. Bei der stattgehabten SchuldeputationSwahl erhoben unsere Vertreter sowie die der 2. Abteilung gleicherweise Anspruch auf den Sitz, da beide Abteilungen in der Kommission nicht vertreten sind. Durch die Entscheidung der 1. Abteilung wurde dann auch Genosse Hildebrandt gewählt, aber von der Regierung nicht bestätigt. Dadurch mußte in der letzten Gemeinde- vcrtretersitzung Wieder- resp. Neuwahl erfolgen. Um nun die Schuldeputation wieder aktionsfähig zu machen, verzichteten unsere Genossen auf den Sitz und es wurde zwischen unseren Vertretern und den Vertretern der 2. Abteilung das Uebereinkommen ge- troffen, daß Herrn Dr. Saling der Sitz zufallen sollte. In der getroffenen abredungen fest. Die 1. Abteilung hatte auch taktvoll auf de» Sitz verzichtet. Durch unseren Einspruch wurde nun per Stimm- zettelwahl Dr. Saling gewählt. Der Fabrikbesitzer HanS Lutz« unternahm e« nun in der Versammlung, in seiner bekannten Manier gegen die 1. Abteilung zu Felde zu ziehen und ihnen Verrat an den einmal festgesetzten Verabredungen vorzuwerfen, weil sie nicht, entgegen den Abmachungen mit unseren Genossen. ür ihren Kandidaten. Herrn Kruse, gestimmt hätten. Besonders machte Herr Lutze dem Dr. Gurmann den Vorwurf, daß er bei der kürzlich stattgefunden«, Schöffenwahl für die Wahl unseres Genoffen Hildebrandt dadurch eingetreten war, daß er feine Freunde, die nicht Reserveoffiziere find wie er. veranlaßt«, für unseren Genossen zu stimmen. Er selbst hatte sich bei der Stich- wähl zwischen unseren, Genossen und dem Kandidaten der 2. Ab- teilung der Stimme enthalten. Dadurch, daß Herr Lutze diese Tatsache in öffentlicher Sitzung bekannt gab, sah daS ganze Vorgehen diese« Herrn wie«ne Denunziation au», um dem Dr. Gurmann Ungelegenbeiten In militärischen Kreisen zu bereiten. Hätte Herr Lutze geschwiegen, so würden unser« Genossen mit den Vertretern der 2. Abteilung an anderer Stelle eine Abrechnung wegen des Bruche« des getroffenen Uebereinkommens vor- genommen haben. Durch die schofle Handlungsweise des Herr» Lutze sahen sich aber die Genossen Hildebrandt und Horlitz ver- anlaßt, die Abrechnung sofort vorzunehmen und ihnen ihr« ganze Handlungsweise in aller Oesfentlichkeit vor Augen zu halten. Wie geduckte Missetäter verließen dann auch die Herren den Sitzungssaal. Bei späterer Neuwahl werden unsere Genossen auf diesen Vorgang in entsprechender Weise zurückkommen. 5n der letzten Gemeindevertreterfltzung wurde«ine neue »reibankordnung beschlossen, welch« eine wesentliche Verbilligung der Unkosten de« nur bedingt zur menschlichen Nahrung zu- gelassenen Fleisches herbeiführt. Di« Ortssatzung für Errichtung eines Kuratoriums für die höhere Schule wurde beschlossen; g«. wählt wurden in das Kuratorium die Gemrindevertrcter Tr. Banrath und Dr. Saling und als Bürgcrdeputierter Oberlehrer Voigt. Unter Bcrfchiedencm teilte der Gemeindevorsteher mit, »aß aus die wiederholte» Vorstellungen der Gemeindebehörden iieim Eisenbahnflskus seit dem 2. Januar vom Schlesischen Bahn- Hof noch ejn Slachtzug iLg Uhr abgeht. Zu weitere» Zugcjlänv- nifsen bezüglich des Görkitzer Bahnhofes hat sich der Eisenbahn- fiSkuS nicht berfiehen können, ka die sväteren WenB- resp. Nachi- züge noch nicht zu 20 Proz. besetzt sind. Der Eisenbahnfisku» erkennt erst dann ein Bedürfnis für vorliegend an. wenn die Züge überfüllt sind. Vom 1. Januar ab sind die Brennzeiten des Morgens um eine Viertelstunde verlängert worden. Die Kosten hierfür betragen im Jahre auch nur 88,39 M. Betreffend der Benutzung der in der 2- Gemeindeschule vorhandenen Brause- bädcr durch Erwachsene ist die Genehmigung der Regierung nach- gesucht, aber bis jetzt nicht erteilt worden. In der Schularztfrage teilte der Gemeindevorsteher mit. daß hierfür die Vorarbeiten in Kürze erledigt sind und in den Voranschlag für 1911 ein Posten vorgesehen ist. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung hatte Genosse Hildebrandt die Anfrage �gestellt, ob und welche Fabriken ihren Betrieb noch nicht der Schwemmkanalisation an- geschloffen haben. Die nunmehr erteilte Auskunft erging dahin, daß nach den Akten der Gemeindebehörde sämtliche Fabriken an- geschlossen sind. Dieselbe Auskunft wurde auch vom Amtsbauamt als die aufsichtführende Behörde erteilt. Demgegenüber konnte Genosse Hildebrandt feststellen, daß nach seinen Informationen die Firma Kahlbaum mit ihrem Betriebe bis heute noch nicht der Kanalisation angeschlossen ist; eS seien für alle Beschäftigten 20 Sitze mit Tonnensystem vorhanden. Gegenüber den erteilten Auskünften muß man sich doch fragen, welche Beweggründe vor-� liegen, daß die genannten Behörden hiervon nichts wußten. Wollten diese Behörden ops Liebedienerei gegenüber dem „Koinmerzienrat" nicbts von der erfolgten Unterlassung wissen. Die Oesfentlichkeit dürfte wohl erwarten können, daß sich die vorgesetzte Behörde mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Seit fünf Jahren wird auch der kleinste Grundbesitzer im wohl- verstandenen öffentlichen Interesse zum Anschluß an die Kanali- sation gezwungen, während von den, Nichtanschluß der Millionen- firma den Behörden„nichts bekannt" ist. FriedrichShagen. Für die Teilnehmer de» SamaritrrknrsuS findet heute abend 8'/z Uhr im Jugendheim, Wilhelmstr. 74, eine Borbesprechung statt. Der Kursus beginnt am Freitag, de« 10. Februar, abends 8'/, Uhr, unter Leitung eines ArzteS. Pankow. Tot aufgefunden wurde gestern früh in einer Laube der Kolonie Kaiser-Friedrich-Straße ein Mann in den mittleren Jahren. Wie verlautet, hat der Aufgefundene durch Erschießen seinem Leben ein Ende gemacht. Verna». Ein alter Parteiveteran, Ferdinand Krüger, ist gestern morgen plötzlich im Alter von 79 Jahren gestorben. Der alte Ferdinand, wie er hier kurz genannt wurde, gehörte mit zu den ganz Alten der deutschen Arbeiterbewegung. Er war neben Metzner und anderen Mitbegründer des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins und trat später zur Eisenacher Richtung über. 1365 kam er als Seiden- weder nach Bernau, wo er gleich in die Agitation für die noch junge ozialdemotraiische Partei eintrat. Von da ab hat er, bis vor einigen Jahren ihn das Alier zurückhielt, stet« in den ersten Reiben der Partei am hiesigen Orte gestanden. Er betrieb in den letzten Jahren einen Kolportagehandel mit sozialistischer Literatur, vor allen Dingen bevorzugte er das Land. Vielen Gcnosiei, auf dem Lande war er ein gern gesehener Gast und regelmäßig, ungeachtet der Witterung, brachte er denselben den„Wahren Jakob" usw. Die Beerdigung iudet am Sonntagnachmittag statt. Die Arbeiterschaft Bernau? wird 'ein Andenken stets in Ehren halten. Eingegangene Druchfchriften. von der„Neuen Zeit-'(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 18. Hest de« 29. Jahrgang» ersäiienen.«tu« dem Inhalt de« HesteS heben wir hervor: Junlertt, eiche.— Malthusianismus und Sozialismus, von K. KantSty.— Robert W�llace, ein Utopist des achtzehnten Jahrhundert». Von M. Beer.— Finnland» sünste Volksvcrlretung. Von M. Mariner— Die Lohnbewegung im Ruhrreoler und die Christlichen. Bon Heinrich oeerman»(Äcljeu lirchen).— Technisch-wirtschulltiche Rundschau, von Richard Woldt. Die„Neue Zell« erscheint wöchentlich einmal. Da» einzelne Hest kostet 25 Psennig. Ohne jede Anzahlung verkante ich Piaoos «rttklaetipeo Fabrikat (9mal prämiiert Staata- "' e) in allen Holz- Stilarten von und wunderbarer o S 2 Tonfülle, g- j(Fltteelton) gegen kleine monatliche Telluablanc, - ohne jeden PrclHaufnchlazr. 16/4* Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. sohriftl. Garantie. Conrad Kfausa Ncfifg., Eeke,((urtü"5ie*s"r,,,nTopechaHr'ifMio. Aach Sonntasa geöffnet. Nur in dieser Packung �5� ml» Schulz- M*rke Kaminfeger können Sie das echte wegen seiner hübschen Beschenk-Beilage so beliebte Dr. Gentner's Vellcktn-SeHinpulTir Goldperle erhalten. Altelnlger Febrlkanti Carl Gentner ft. CApplngeOt Birgen Abbruch«usercr Geschäftsräume Rleganderftr.lSt Billiger reeller Bäutnunosverkauf •Fooa• Arbeiter- Berufskleidung! Grobe vorteile für jeden Käufer. 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Februar, nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle in der Maxftratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/1 Der Vorstand. Beerüigungsverein Berliner Zimmerleote. Am 31. Januar starb nach langem, schwerem Leiden im Atter von 62 Jahren unser Mitglied, der Zimmermann Fritz Balke. Ehre seinem Audenten! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3»/, Uhr von der Leichenhalle des allen Sophien- Kirchhose» in der Bergstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2954b Ter vorstaub. Oeutsdiet Metallarbeilar-Verband Verwaltungeitelle Berlin. Tode«- Ansel|;e. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser MitgUed, der Schlosser Paul Schulz am 31. Januar an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Simons-Kirchhoses m Ripdorf, Martevdorser Weg, au» statt. Rege Belelligung erwartet 111/10 Die Tode«- Anzeige. Am Mittwoch, den 1. Februar, oerstarb nach langem, schwerem Leiden unter inniggeliebter Pater, Schwiegervater, GroHvaler, Bruder und Onkel, der Maurer Wilhelm Donath im Aller von»4 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. Februar, nach» mittag»'/i6 Uhr. von der Leichen- Halle de« Steglitzer Gemeinde- IrtedhoteS. Bergstraße, an« statt. DI« trauernden Hinterbliebenen. Filr die Danksag«»« zahlreiche Teiln nahm« und die herrlichen ttranzlpenden bei der tsti Beerdigung metner lieben Frau und unterer guten Mutter, lagen allen Freunden und Belmmten, insbesondere den Mietern de» Hause» Schiller- Promenade 28, unseren herzlichsten Dank Iuliu««ranz nebst»tndern. Danksagung. Für die gr s/t Liebe und Achtung am Grabe meines lieben Manne», unseres guten Vaters Luxen Reipscd sagen wir hierdurch allen Ver» wandten, Freunden und Kollegen Miseren ttmlasten Dank. 38872 Frau Ww. Reipscb nedsi Kindern. Memcler Straße 31. vi'. Limniol 5pe?isI-�kT<' für fsstti« und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, XO-g, 5—7. gonatags 10-12, 2—4 An biß Mitglieder des 1 II Uli Die für Sonntag, den 3. Februar angesetzte Bereins-Bersammlnng ist vertagt und findet erst am kommenden Sonntag, den 1Z. Februar, statt.■ 27/2 Die Tagesordnung wird am Donnerstag, den 9. Febrnar, im„Vorwärts" bekanntgegeben. Die Vertrauensleute bitten wir, von dieser Abänderung Kenntnis zu nehmen und die Mitglieder per Zirkular darauf aufmerksam zu machen. Für den Gauvorstand: Albert Massini, Vorsitzender. Deutscher Kanarbeiterverband. -- Zweigverein Berlin. Sektion der Banhilfsarbeiter. DtenStag. den 7. Februar, abends 8 Uhr. beiBoeker, Weberstraße Nr. 17: General-Bersammlung. TagtS-Ordoung: 1. Abrechnung vom vierten Quartal 1910. 2. Jahresbericht vom Jahre 1910. 3. Wahl der Jekrionsteirung. 4. Bervandsangelegeuheiten. I Mitgliedsbuch ober Legitimationskarte muß vorgezeigt werde», ohne dasselbe kein Eintritt. BV Um vollzähliges Erscheinen aller Verbandsmitglieder ersucht 138/12*___ DerZwelgyerel n«v orutand. Wer Ardettsuoevwet«- Verwaltungsstelle Berltu. Hauprvureau: Hos 1. Amt 8. l23S. llbaritdatrala 8. Hol lll. Ami 3. 1987. Die zum 5. Februar angekündigte Brancfaen-TersaniiiiiDng der Hasebinenarbeiler fällt ans. Dieselbe findet am Sonntag, den 10. Tebmar, vormittags 10 Uhr. im Englischen Garte», mit derselben Tagesordnung statt.— Die Vertrauensleute werden gebeten, dies in den Betrieben bekannt zu geben. �ebtnnFl Aehtnng! Tonntag. den 19. März d. I.."HW findet die nächste Ordentliche Qeneral-Veraamtnlung der Vcrwaltongsstelle Berlin statt. 111/9 Laut OrtSstaiut müssen Anträge für die Generalversammlung spätestens bis zum 19. Februar im Bureau eingereicht sein. vi« Ortoverwultmia;, Ii Nene Kerlinkr Gknoffknschasts- Mckerki. (Eingeschriebene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht.) Filiale Berlin. Werte Kollegen und Kolleginnen l Wegen der Leichenfeier unseres Genossen Paul Singer kann unsere Generalversammlung am Sonntag, den 5. Februar, nicht stattfinden. Der spätere Termin wird in geeigneter Weise bekannt gegeben. 197,1 Mt Grufi Die GeschäftSleitnng. Mm Ärbeiter- Malirep-Iereir Mitglied des Arbeiter» Radiabrer-Bundes .Solidarität». Achtung! Sämtliche Touren für Souu. tag, den 5. Februar, falle» auS. Die Mitglieder werden ersucht. sich nu der Beerdigung des Ecnosseu rer«! Slnzzer zu de- teiligen. 10/3 Die bereits für Lcmnabenb an- gesagte Funttioiiärfitzung sälll aus. vor �entralvoratand. 8 challplatten Verleih-Institai. Vorsand auch nach auswärts. Prospekt gratis und franko. Karl Borbs, Berlin 50, Neue Könlgstraße 38. •eop.o �ronü W/. WZI 'aar WK I r össem. OescftL V>/e�?/nä / unker flachnahmel\3\ I j�||�• Berlin o. 27. Nur Andreasstr. 48. V Sektion 5(Industriearbeiter) GcwerkschastShaus, Engelufer 15, n. Bureau; Tcl.-A. IV 2332, 4747. Den Mitgliedern d. Sektion 3(Judustrie- arkeiter) zur KennwiS, daß die zu Sonntag, den 5. Febr., vormittags 9'/z Uhr. bei Ballschmiedcr, Badstr. 16, einberufene Versammlung wegen der Beerdigung des Genossen Paul Singer nicht stattfindet. Voraussichtlich wird dieselbe am Sonntag, den 19. Februar cr.. vormittags 9Vz Übt, im selben Lokal abgehalten werden. Die weitere Bekanntmachung erfolgt durch Handzettel. 66/1" Wir bitten um rege Beteiligung an der Beerdigung und für einen guten Besuch der kommenden Versammlung sorgen zu wollen. vi« Sektlonsleltang. I. 21.: Karl Frombe. ■—---- Verwaltung Berlin.-'----■ Heute, Freitag, den 3. Februar, abends 8'/, Uhr, in Freycrs Festsälcn, Koppenstr. 29: Yertrauensmänner• Versammlung für Berlin und Vororte. Tages-Ordnung: Die Umildening der DnterstiihmlgssStze in den Zahlstellen Groß-Derlivs. Montag, den 6. Februar 1011 i Mitglieder-Versammlungen 38 für alle Branchen in folgenden Lokalen: Habels Brauerei. Bergmannstr. 5—7, um 5 Uhr, gleich nach Feierabend. Rittersäle, Ritterstr. 75, um 6 Uhr. Märkischer Hof, Admiralstr. 18--, um 5'/, Uhr. Rcichenberger Hof, Reichenbergerstr. 147, um 5'/, Uhr. Naunynsäle, Naunynstt. 6, um 5�/, Uhr. (Sewerkfchaftshaus, Saal 4. um 8'/s Uhr. Andrcas-Festsäle, Andreassw. LI, um S'/a Uhr. Litfin, Memeler Str. 67. um 5>/z Uhr. Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152, um ö'/a Uhr. Alt-Berlin, Blumenstr. 11. um 8 Uhr (diese Bersammlnug ist für die Polierer). f cnerstein, Alte Jakobsw. 75, um 8 Uhr. nglischer Garten, Alexandersw. 27o, um 6 Uhr. Boekcr, Weberstr. 17, um 6 Uhr. Rosenthater Hof, Rosenthaler Str. 11, um 3 Uhr. Lbiglo, Schwedter Str. 23. um 6 Uhr. Raabe, Kolberger Str. 23. um 6 Uhr. Payenhofer Brauerei, Turmstt. 25/26, um 8 Uhr. Tagesordnung: Die Dmändernng der WerSiitzllngssiitze in den Zahlstellen Groß-Derlivs. . Alle Kollegen muffen zur Stelle fei«..> Mitgliedsbuch legitimiert. Sonnabend, den 18. Februar. abends 9 Uhr im Bersammlungsziinmer der Bäckerei Onlentl. General•Versammlung Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Zlus- sichtsrale«. 2. Bericht de» geridtt» lichen Bücherrevisors. 3 Vorlegung der Bilanz und Beschlußfassung über dieselbe. 4. Neuwahl des Vorstandes und AussichlsroleS. 5. Statuten- änderung. 6. Anträge. 7. Verschiedenes. Die Bilanz liegt den Genossen im Kontor der Bückerei zur Einsicht auS. 103/5 Der Borstand. .Kränze. HorminnWeigsrt, Ka»t8nlen-Alles4 gab tif eii, Verein««chatten Vorzugs- I preise, mmmmmmmm o? Bäckeroi mit 12000 M. Mchlumsatz soll preis» wert verkauf«—- 6000 M. m an Rudolf »v v».;yict)4u:n»ay]üu piri»« rfauf« werden. Ettorderlich Näheres unter A. N. 1918 als Moste, Rordhans«».. '•••• «»». Beginn morgen. Ausnahme-Angebote bedeutend unter regulären Preisen! •• \ Günstige Kaufgelegenheit- i moderner Hosen I Man beachte das morgige Inserat! Cigarelfen Etwasfiirji6! 115 4,5,6,8,10 Preis 4,5, 6, 8,10Pfg.a.St. Orient. Tab.«. 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