Ztr. 34. BbonncmcntS'Bedlngungen: IBonnemeiUä- Preis prSnumerimlw i Lierteljähri. z�o Mt., oionatl. l.io MI.. wöchentlich A Pfg. frei ins HtmS. Cinjcine Summet 5 Pfg. Sonntags. nunimcr mit iltustriertcr Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Alonncmcnt: l.lll Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Däneniark, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, «umänien, Schweden und die Schweis. 88. Jahrg. CrfltdDt täglich außer ülantags. � f Vevlrnev Volksblnkt. Die TniertionS'Gebflftf keträgt für die sechsgespaltene Koloiief. geile oder deren Raum Kl Psg., für politische und gewerlschastliche BercinZ« und VersaminlungS-Anzcigen L0 Pfg. „Ut-ine Zn-eig-n". das erste sfett. gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. ftcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg.. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt piS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozi�jdcincHfät RtrliB1*, Zcntralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: SA. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SA. 68» t,indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Nie war es möglich? Nach den Enthüllungen des Wiederaufnahmeverfahrens im Meineidsprozetz Schröder ging durch die ganze Presse, mit Ausnahme lveniger reaktionärer Blätter, ging durch die ganze Oeffentlichkeit die erste Frage: Wie war es nur möglich, daß das Schwurgericht im Jahre 1895 zu einer Verurteilung Schröders und der übrigen sechs Mit» angeklagten, gelangen konnte! Wie war es möglich, daß auf die positive Bekundung eines einzigen Polizei» zeugen von der Persönlichkeit eines Müntcr hin sieben ehrenwerte Männer wegen Meineids ins Zucht» haus geworfen werden konnten, während doch 15 Zeugen unter ihrem Eid die Aussagen der sieben Angeklagten voll- auf bestätigt hatten! Und iveitcr ist dann mit Fug und Recht die Frage aufgeworfen worden: Wie war esmöglich, daß damals das Gericht auf die Bekundungen eines Münter ein so ungeheures Gewicht legen konntc, mährend ihm doch mindestens die lebhaftesten Z iv e i f e l an der Glaub» Würdigkeit dieses Kronzeugen aufsteigen mußten?! Im preußischen Abgeordnetenhause hat der Redner der sozialdcntokratischen Fraktion diese letztere Frage dahin prä» zisicrt: Waren der Staatsanwaltschaft im Jahre 1895 die Eigenschaften des Münter so völlig unbekannt, daß sie diesen Zeugen mit Recht als einwandfreien Zeugen betrachten konnte? Und weiter: War der Staatsanwalt» schast aber bereits Kenntnis von dem exzessiven Charakter des Münter und den ihm zur Last gelegten Verfehlungen geworden; wie kannte sie es mit ihrer Amtspflicht vereinbaren, die Aussagen dieses Mannes als aus- s ch l a g g e b e n d gegen die sieben unbescholtenen Angeklagten auszuspielen? Bekanntlich zog es der sonst so redelustige Justiz- minister vor, diese Frage trotz imnier dringlicherer Wieder- holung völlig unbeantwortet zu lassen, so daß der sozialdemokratische Redner das kategorische Verlangen an ihn richten mußte, ungesäumt eine gründlich eUntersuchung einzuleiten, damit endlich Licht in die Ungeheuerlichkeiten des damaligen Verfahrens gebracht werde. Als freiwilliger Regierungskommissar legte sich der nationalliberale Abgeordnete Haar mann, ehemaliger Staatsanwalt und derzeitiger Landgcrichtsdirektor, für die Essener Staatsanwaltschaft ins Zeug. Es sei eine beispiellose Ehrenkränkung, auch nur von ferne den Verdacht auszu- sprechen, daß der Staatsanwaltschaft etwas Nach- teiliges über Münter bekannt gewesen sein könnte, ohne daß sie in der gewissenhaftesten Weise Nach- forschungen über die Person und die Zeugcnqualität dieses Ecksteins der Anklage eingezogen hätte. Nun, wir können dem nationalliberalen Regierungskommissar und Verteidiger der Klassenjustiz den Schmerz nicht ersparen, ihm an dieser Stelle den Nachweis zu führen, daß der Essener Staatsanwaltschaft, und nicht nur ihr. sondern auch den damaligen Geschworenen, wirklich eine. Reihe von Tatsachen bekannt geworden waren, die sie bei ol� jektiver Auffassung ihres verantwortungsvollen Amtes uro» bedingt zur größten Borsicht in der Bewertung der Zeuge,.» aussage des Münter hätten vcranlasien müssen. Wenn dos gleichwohl nicht geschah, so nur deshalb nicht, weil dos damalige Gerichtsverfahren in der Tat den Charakter eines politischen T e n d en z p r 0 z e s s e s der schlimm st en Art trug, weil man damals dem Gendarmen Münter trotz der eigenartigsten Beleuchtung seiner Persönlichkeit blindlings Vertrauen schenkte, nur weil er Gendarm. Ver» treter der Staatsgewalt war. während man das Zeugnis der zahlreichen Entlastungszeugen ignorierte, bloß weil man in unsäglicher politischer Verblendung und aus instnaktivem Klassenhaß diese Zeugen für Sozialdemokraten, also als Staats» feinde, für Menschen hielt, die sähig wären, ohne Bedenken einen Meineid zu schwören I Wie die Staatsanwaltschaft alle Register zog. um die Geschworenen, die ausschließlich Unternehmerkreisen oder dem Beamtentum der Großunternehnierschaft angehörten, politisch zu fanatisieren und zu hypnotisieren, das beweisrn ja die Ausführungen, die damals von der Staatsanwaltschaft ge» macht wurden. Sagte doch Staatsanwalt Peterson in scinem Plädoyer: Parle iinteresse und P a r te i le i d e n sch 0 f t istdaS Motiv der Tat. Im rheinisch-weslfälischen JudUslrieremer ist die»Gel 1 e n k: r ch e n e r A r b e: t e r z e i l u n g" der Mund der S o zi a ld e in 0 k r a t i e. Diese Zeitung»nd auch die Fübrer suchen die Kluft, welche zwischen den Klassen leider liegt. zu erweitern. D 1 e Feindschaft gegen die besitzende Klaiie. die OrdnungSparteien. die staatlichen Beamten sührt zu solchen Verbrechen. Die Sozialdemolratie dieses Schlages— ich sage mit Bedacht nicht: die Sozialdemokraiie überbaupt— hatzt den pflichteifrigsten Beamten am stärksten. Sie, meine Herren Geschworenen, haben manchen Streit Hierselbst erlebt und Sie kennen daher die Verhältnisse hier ebenso gut wie ich. Aus der einen Seile stehen die Zeugen des ch r i st l i ch e n Bergarbenerverbaiideö. auf der ander» die die mebr oder weniger der sozialdemokratischen «a'rtei angehören. Elfteren ist der Eid heilig, denn sie find religiös: letzteren ist die Religion Privat- lache. Neue Meineide in unendlicher Zahl lind aes'ck, waren worden. Sie. meine Herren Ge- schworencn, habe« 5er Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen und! ich bitte Sie, das Schuldig des wissentlichen Meineides aus- zusprechen. Auch der andere Staatsanwalt, Herr Man teil, be- antragte das Schuldig wegen wissentlichen Meineides. Er bericj sich besonders auf die Aussagen Münters, von dem er sagte: Die Glaubwürdigkeit des Münter ist gar nicht anzuzweifeln, mag er hier ongefeinder werden, ivie er will... Das Zeugnis des Münter steht vollständig intakt da. Die Tat- fachen, die heute gegen ihn vorgebracht sind, sprechen doch nicht dafür, daß Münter ein seine Befug- nisse ü b e r i ch r e i l e» d e r Mann i st... Wenn der Gendarm Müntcr selbst mal einen Puff oder Knnff zuviel austeilt, so muß man ihm das nicht zur Last lege». Er darf(!) ja seine Befugnisse nicht überichmten.- Auf der einen Seite begegnen wir also der Charakterisie- rung der sozialdeniokralischeu Zeugen als u u g l a u b iv ü r- d i g e r, infolge der politischen Verhetzung jedes Mein- eids fähiger Individuen, während aus der andern Seite Münter als absolut glaubwürdige Persönlichkeit hin- gestellt wird. Ilnd da?, trotzdem in der Berhandlung selbst von cinwandöfrcicn nichtsozialdcmokrntischenZcngciiMi'intcr als ein z» rohen Exzessen und gröbsten Amtsüberschrcitnilgen neigender Mensch geschildert worden war, trotzdem sein Verhalten vor Gericht selbst bewies, wie sehr ihm jede Selbstbeherrschung fehlte und Wie leicht es ihm wurde, auf das vagste Gerede hin die schlversten Anschuldigungen gegen Ehrenmänner zu erheben— mau erinnere sich nur seiner skrupellose» Anschuldigung des Rechtsanwalts Nieineyer, die ja mich in der diesmaligen Ver- Handlung erngehend zur Sprache gebracht wurde II Bevor wir jedoch zeigen, welche Beschuldigungen s e l b st in der danialigen Verhandlung gegen Münter erhoben wairden, noch ein Wort über die Art, wie von der Polizei bei der Vorvernehmung verfahren worden war. Daß Münter selbst, dcrin dem Prozeß doch Partei war, dessen ihm von Schröder und Genossen vorgeworfene Ausschreitungen doch den Angelpunkt des ganzen Verfahrens bildeten. von der Staatsanwaltschaft mir Ermittelungen in seinen: eigenen Sache betraut worden war, daß ihm dergestalt die Möglichkeit gegeben worden war. die Zeugen zu b e e i a f l u s s e u und einzuschüchtern, ist nur eine der virlen Unbegreiflich leiten dieses Prozesses. Aber auch die Art, wie der andere Belastungszeuge, Kommissar Brock- meyer, seine Eintragungen in die Akten gemacht hatt� verdient niedriger gehängt zu werden. Dieser Zeuge. der Vorgesetzte Münters, bekundete eine erstaunliche Emsigkeit, jedem der in Frage koninienden Entlastungszeugen das Stigma der Sozialdemokratie anzuheften. So gab er w a h r h e i t s w i d r i g an, daß der Zeuge Zu- schneider S e n f t Sozialdemokrat sei, ja sogar schon sozial- demokratische Versammlungen einberufen habe. Von einem aptderen Zeugen, dem tschechischen Bergmann C i k a, der kein Wort Deutsch konnte, hatte er sogar den Vermerk in die Akten gebracht, daß er ein Agitator der sozialdemokratischen � Partei sei, eine Angabe, die damals selbst das Richterkollegium in Heiterkeit ausbrechen ließ! So wurde jeder Zeuge, dessen Aussage der Polizei un- bequem war, ohne weiteres zum Sozialdemokraten gestempelt. Den Sozialdemokraten aber stellte dann die Staatsanwaltschaft ihrerseits das Zeugnis aus, daß sie ihrer politischen Gesinnung wegen ohne weiteres des Meineides fähig s e i e n Wie die Staatsanwaltschaft dabei vorging, beweist die Acußeruiig des Ersten Staatsanivalts Petersohn. daß ja zwei Nummern der„Arbeiterzeitung" selbst den politischen Meineid entschuldigt hätten. Was half es. daß sofort die „Nheinisch-Westfälische Arbeiterzeitung" feststellte, daß die beiden Artikel, auf die sich Herr Petersohn berief, im Jahre 1891 in der„Gelseukirchener Arbeiterzeitung" erschienen waren und von einem Herrn � e u p stammten, der sich damals völlig auf den -Standpunkt des'Anarchismus gestellt, inzivischen aber längst zur Bourgeoisie zurückgemausert hatte und zur Zeit des Prozesses ein frommes evangeli- sches Blättchen herausgab! Was half die Fest- slellnng der Parteipressc, daß damals die anarchistelnden Auslassungen des entwickelungsfähigen Herrn Jeup sofort von der„Freien Presse" zurückgewiesen worden waren! Die Zitierung des„sozialdemokratischen" Kronzeugen Jeup hatte inzivischen ihre Schuldigkeit getan, hatte sicherlich mit zur Verurteilung der sieben Genossen das ihrige beigetragen! Nun aber zuHerrn Münter. dem„völlig intakten" Zeugen der Staatsanwaltschaft. lieber ihn wurde von mehreren bürgerlichen Zeugen,� dem Metzgermeister Landgraf, dem Händler Bernicke und dessen Schwester, bekuiidet, daß er die in lauter Unterhaltung befindlichen Landgraf und Bernicke angeschnauzt, von der Straße gewiesen und dabei dem Bernicke ohne jede Vcraiilassnng einen Säbelhieb über de» Rücken versetzt habe. Weiter bekundete eine Anzahl anderer Zeugen, daß Münter friedlich ihres Weges gehende Leute a n g e h a l t e n, vn s i t i e r t und beschimpft habe. So erzählte u. a. ein Schlosser Prem, daß er von Münter ohne jeden Grund angefallen worden sei. Münter habe ihn Lump, Spion und Vagabund ge» schimpft und ihm mit Einlochen gedroht. Der Zeuge, der seit 21 Jahren in seinem Orte ansässig und dort sehr angesehen war. erklärte, daß Müntcr betrunken geivcsen sein müsse; nur so habe er sich sein unglaubliches Verhalten erklären können. Und Münter? Auj die Frage des Vorsitzenden. was er zu dieser Aussage zu bemerken habe, erklärte er: Ich verweigere mein Zeugnis. So war bereits im Jahre 1895 in der Essener VerHand» lung der Beweis geführt worden, daß Münter ein gewalttätiges Individuum, ein Skandalmachcr schlimmster Art war, ein aufgeregter» jeder Selbstbeherrschung barer Mensch, dessen Zeugnis eine objektive Staatsaitwaltschaft und ein objektiver Gerichtshof nur mit größter Vorsicht hätten in Erwägung ziehen dürfen! Ja, für die Staatsanwaltschaft- hätte imzweifelhaft die Pflicht vorgelegen, weitere Er- kundigungen über den Leumund und das sittliche Verhalten des Müntcr einzuziehen! Hätte damals die Staatsanwalt- schast, statt die Bekundungen einwandfreier bürgerlicher Zeu- gen cinsach in den Wind zu schlagen und Münter um jeden Preis herauszuhauen, pflichtgemäß diese Erkundigungen an- gestellt, so würde sie sichtlich einen guten Teil von den Ver- fchlnngen und Ausschrcitimgen ihres Kronzeugen erfahre» haben, die das Wiederaufnahmeverfahren nunmehr an den Tag gebracht hat. So würde sie einem nnglückscligeu Justizirrtum vorgebeugt haben! Aber die Staatsanwalt- schast lebte derartig in politischer Befangenheit, daß sie sich ihrer elementarsten Pflichten nicht bewußt ivar und gar kein anderes Ziel vor Augen sah, als die um jeden Preis durchzu- setzende Verurteilung der verhaßten Sozialdemokraten! Und die schon wegen ihrer Bcrufsstcllxng der staatsanwaltlichcn Hypnose nur zu zugänglichen Geschworenen ließen sich durch die politische Scharfmacherei der Staatsanwaltschaft verleiten, auf jenes Schuldig zu erkennen, das die Geschichte der deut- scheu Justiz um eines der unerhörtesten Justizverbrechen be- reicherte! Aber noch eine Frage verdient aufgeworfen zu werden, die nämlich: Wie war es möglich, daß, nachdem ein» mal politische Verblendung und Voreingenommenheit den Justizirrtum begangen hatten, nicht mindestens früher das Wiederausnahmeversahren durchgesetzt werden konnte? Da der Gendarm Münter- der Eckpfeiler des ganzen Anklagegebäudes war, so, sollte mau meinen, hätte die Fest- stcllung seines exzessiven Naturells sein Zeugnis erschüttern und damit die ausrcichclide Voraussetzung zur Wiedcranf» »ahme des Verfahrens erfüllen müssen. Diesen Beweis für den Hang des Müntcr zu rohen Mißhandlungen lieferte aber eine Verhandlung vor der Bochumer Straf» kammer, die nur wenige Tage nach der Verurteilung Schröders und seiner Leidensgefährten stattfand. Angeklagt war in diesem Prozeß die nationalliberale„Herner Zeitung", die� eine Darstellung jener Säbelattacke gegeben hatte, wie sie in dem Essener Prozeß von Landgraf und Bernicke gegeben worden war. Das Bochumer Landgericht kam auf Grund dee Beweisaufnahme zu einem freisprechenden Urteil. Es erachtete�für erwiesen, daß Münter den Bernicke ohne Vcranlnssunq mit dem Säbel über den Rücken geschlagen hatte! Es würde zu weit führen, hier ein Bild der Verhandlung und der geradezu blamablen Art zu geben, wie Münter die brutale Ueberschreitung seiner Machtbefugnisse zu erklären versuchte. Das Ergebnis des Prozesses war jeden- falls das, daß Münter als ganz unzuverlässiger Beamter, als brutaler Säbclhcld entlarvt wurde, also ein Mann, dem ohne weiteres zugetraut werden mußte, daß er auch im Falle Schröder seinem Hang zu roher Gewalttätigkeit freien Laus gelassen hatte. Und trotz dieser Feststellung dauerte es 15 Jahre, bis das Wiederaufnahmeverfahren gegen Schröder und Genossen durchgesetzt werden konnte. Wir wiederholen: Wie war das möglich? Jeder Freund einer wahrhaften Rechtspflege kann sich mich nach der Freisprechung Schröders und seiner Mit- Märtyrer nicht einfach mit den Dingen abfinden. Im Gegen- teil: Je mehr man den Vorgängen während des Prozesses Schröder und nach der Verurteilung nachgeht, desto 1: n b e- g r e i f l i ch e r, desto b e u w r n h i g en d e r für jedes Rechtsempfinden erscheinen diese Vorgänge! Ja, die Sorge, ähnliche Vorkommnisse künstig zu verhüten, zwingt direkt dazu, eilte gründliche Nachprüfung,-und zwar auch amtliche Nachprüfung aller damaligen Ereignisse zu veranlassen! Nur dann, wenn die damaligen Versehlungen ihre Sühne gefunden, läßt sich hoffen, daß die deutsche Rechtspflege künftig vor der Schiilach ähnlicher Justizirrtüliicr bewahrt bleibt!__ Die britische Arbeiterpartei. Aus London wird uns geschrieben: Einem ausländischen Sozialdemokraten, der zum ersten Male eine Zusammelllunft der britischen Arbeiterpartei be- sucht, wird es schwer fallen, die mannigfaltigen Eindrücke, die er empfängt, nachher zu einem harmonischen und verständ- lichen Ganzen zu gestalten. Eine Unmasse Einzelheiten und Anschauungen stürmt auf ihn ein itiid bewegt sich bunt durch- durcheinander. Er erhält den Eindruck, als ob ein Planeten- I system seine Zcntvalsonne verloren hätte. Freilich, reden . können die britischen Arbeiter. In kurzer, prägnanter Weise. j die Erfahrung und Meisterschaft verrät, verstehen sie, ihre Ansichten vorzubringen. Aber waS geredet wird, entbehrt so sehr des Bindemittels einer einigermaßen einheitlichen Weltanschauung, daß der zum Generalisieren aufgelegte Be- obachter geneigt ist, verzagt die Feder niederzulegen. Will man die Meinungen, die auf dem Parteitag zn Leicester zum Ausdruck kamen, charakterisieren, so muß mau in ihnen dornchnckich den Einfluß Meier Gedaltlc-nrichtun- aen feststellen. Einerseits hat der von der volkstümlichen linksliberalen Presse gepredigte sentimentale Neuliberalis- ums auf den Gedankengang der Masse der Delegierten einen großen Einfluß, und andererseits beherrschen diese Masse noch die Vorurteile der alten Getverkschafter. die sich für Praktiker halten und sozialistische Theorien mit demselben Argwohn be- trachten. Mit dem der„praktische" Bauer die Wissenschast- lichen Resultate des Agronomen ansieht. Die sozialistischen Anschauungen, die von den Vertretern der I. L. P. und den einzenlen Mitgliedern der. S. D. P. vorgebracht werden, . scheinen bei den in der liberalen Ideenwelt aufgewachsenen Gewerkschaftsführern keinen starken Widerhall zu finden. In Lcicester beherrschten die„Praktiker" den Parteitag. DieS war ihnen um so leichter, als sich der Parteisekretär Macdö nald ganz auf ihre Seite schlug. Er selbst illustrierte den Gedankengang dieser großen Masse, zu deren unbestrit- tcnem Führer er sich aufwarf, trefflich in einem ungeschickt gewählten Redegleichnis, das ihm während der Diskussion über das Proportionalwahlsystem entschlüpfte. Er warnte den Parteitag vor den unpraktischen Theoretikern und Jdea- listen. Wenn jemand eine Maschine bauen wollte, so baue er sie nicht aus dem Papier, sondern mache sich praktisch an die Arbeit. Wer etwas vom pxaktischen Leben kennt, weiß, wie unrichtig diese Ansicht ist. Maschinen werden zuerst theo- misch berechnet pnd auf dem Papier entworfen, bevor man sich an die Herstellung der Teile macht. Aber trotz der offen- kundigen Irrigkeit dieser Ansicht fand sie bei den Delegierten ollgemein günstige Aufnahme. Tie Nachteile dieses „praktischen" SinneS, der in Wirklichkeit ein recht unprak- tischer Sinn ist, haben die englischen Fabrikanten, die in den letzten zwei Jahrzehnten die Konkurrenz der mit besseren und zahlreicheren theoretischen Kräften ausgerüsteten Deut- schon und Amerikaner auszuhalten hatten, schwer zu fühlen bekommen. Aber die Phrase von der„praktischen" Arbeit imponiert den englischen Arbeitern noch gewaltig. Sie haben sich noch nicht zu den freieren, kühneren und fruchtbareren i Ideen ihrer Massengenossen in anderen Ländern aufzn- schwingen vermocht. Ter Mangel an eine? cinheltlichen, durchdachtm prole- Zwischen Weltanschauung findet sein Gegenstück in der bunt- scheckigen Zusammensetzung des Parteitages. Hier finden sich große Gewerkschaftsverbände, deren Vertreter nur mit Unwillen der Arbeiterpartei angehören und sich teilweise den Teufel um die Parteidisziplin zu kümmern scheinen. Andere Delegierte sind unfreiwillig anwesend, weil sich ihre Lrgani- istition der Arbeiterpartei angeschlossen hat. Viele Mitglieder sind doppelt und gar dreifach vertreten durch Mitglieder der Gewerkschaft, der I. L. P. und eines Gcwerkschaftskartells. Von einen» Parteigeist und einer Parteidisztplin ist sehr wenig vorhanden. Auch ist das Solidaritätsgefühl der Berufskollegen gegenüber dem proletarischen Klafsimgefühl noch sehr stark. Man stimmt vielfach geschlossen nach Berufen. Wenn die Kohle und die Baumwolle Waffenbrüderschaft schließen— und das geschieht meist bei allen wichtigen An- lassen—, ist daS Schicchal einer Rcsoststion besiegelt. Ter wichtigste Punkt der Tagesordnung war ohne Zweifel i'2 Abstimmung über die Frage, ob in Zukunft die Kan- dstKitett der Partei vor ihrer Wahl wie bisher die Partciver- foiiung schriftlich anerkennen sollten. In ihrer Begründung .deS Obborneurteils hatten die Law Lords die Ansicht ans- gesprochen, daß die Praxis, Arbeitcrt'andidaten zur Annahme der Partcikonstitution zu verpflichten, gegen das öffentliche Interesse(puklia policy) sei. Um diesem Juristenknifs zu begegnen, beschloß die Mehrheit des Partei- Vorstandes, dem Parteitag eine veränderte Form der Partei- Verfassung vorzuschlagen, in der von einer Annahme der Parteikonstitution nicht mehr die Rede ist. Dieser Aende- umg widersetzte sich die I. L. P. unter Führung Keir H a r d j e s, teils weil sie befürchtete, daß dadurch der Dis- ziplinlosigkeit in der Partei nur Vorschub geleistet würde. Wils weil sie es nicht für taktisch klug hielt, vor dem Angriff des Feindes zurückzuweichen. Die große Masse der Gewerk- schaffe r war indessen für die Aenderung. Manche Gewerk- fchajtSführer hegten wohl die Hoffnung, daß daS Fallenlassen der„pledce" oder Verpflichtung(d. b. der Verpflichtung. die Parteikonstitution zu unterzeichnen) eS den noch in libe- raken Reihen stehenden Kollegen ermöglichen möchte, mit der Arbeiterpartei engere Fühlung zu nehmen. Zum Führer dieser großen Masse warf sich der Parteisekretär Mac- d o n a l d auf. der sich damit m scharfen Widerspruch mit seinen engeren Parteigenossen von der I. L. P. setzte. Es ließe sich für die Vorschläge der Mehrheit des Partei- Vorstandes manches anführen, wenn dieser tbdwchzug wirklich Aussicht auf Erfolg böte. Aber die von Asquith am 22. No- vember 1910 in, Unterhaus abgegebene Erklärung ist trotz der Zweifel des Parteivorstandes der Arbeiterpartei so>m- zweideutig und daS Interesse der liberale» Partei an der Aufrechterhaltung des bestehenden Zustandcv ist so klar, daß an eine Wiederherstellung der früheren Rechte der Gewerk- schaften durch die setzige Regierung kaum zu denken ist. Was ASquith der Arbeiterpartei versprochen hat. klingt fast wie ein Scherz: er will den durch das Osborncurteil geschaffenen Rechtszustand mit einigen geringen Aenderung»« legalisieren. Aber selbst wenn die Hoffnungen der Antragsteller berechtigt find, ist cS doch mehr als zweifelhast, ob die Aufhebung der „Verpflichtung" der Partei nützen wird. Keir H o r d i e sieht in der Annahme der Vorstandsresolutioncn das erste Zeichen des Auflösungsprozesses der Ar- beiterpartei. Man mutz gestchen, daß eS dem Angriff auf die borge- fchlagenen Veränderungen an Klarheit mangelte. Glasier und Keir Ha r d i e verlangten in ihrem Amendement, daß Mitglieder und Kandidaten der Partei die Verfassung nicht allein aufrechterhalten, sondern auch annehmen sollten. Dies klingt etwas paradox. DaS Wort„annehmen" hatte aber in der Verfassung bisher eine ganz besondere Bedeutung. Es wurde nämlich so ausgelegt, daß Mitglieder und Kan- ln baten die„Verpflichtung" untcrzclchncn mußten. Dieses . Unterzeichnen der Verpflichtung"(singniup tbe pledge) wollte�»un auch die Befürworter des Amendements fallen lgssen: sie wünschten jedoch, dem neuen Text das Wort„an- ' uchmen" einzuverleiben, um auf irgend einer Weise der P.wteikonstitutio» Respekt verschaffen zu können. Wie schlecht eS selbst unter der alten Parteiversassung mit der Disziplin der Parlamentarier stand, bewies eine Episode auf dem Parteitag zu Leicestcr. Ein Mitglied der vu L. P. stand auf und kritisierte in der schärfsten Weist das Verhalten eines Parlamentsmitgliedes der Arbeiicrpartei. der sich in feinem Wahlkreis nur mit den liberalen Parteiorgaili- satronen abgibt und die Sektionen der I. L. P. einfach tflncrrerki Auf dem Kongresse irgendeiner anderen Arbeiter- Partei würde man ein derartiges„Parteimitglied" einfach ausgeschlossen haben: mindestens aber würde ihm öffentlich ein scharfer Tadel ausgesprochen worden sein. In Leicester geschah nichts dergleichen. Die Annahme der verschwommeneren neuen Form der Parteiverfassung, mit der die Juristen Fangball spielen können, bedeutet eine weitere Lockerung der Partei, disziplin. Sie bedeutet aber auch eine empfindliche Niederlage für die Sozialisten, die bisher den Sauerteig in der Arbeiterpartei bildeten und fast die einzigen Hüter der Unabhängigkeit waren. Auf dem Parteitag zu Leicester hat es sich gezeigt, daß die Sozialisten in der Ar- beiterpartei numerisch noch zu schwach sind, um einen fühl- baren Einfluß auf die große schwer zu bewegende Masse der Gewerkschafter auszuüben. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben bewiesen,- daß daS Problem, die Arbeiter GroAiritanniens zum Sozialis- mus zu führen, wesentlich schwerer ist als man zuerst annahm. Tie Gegner des Sozialismus arbriten bewußt und mit Er- folg darauf hin, die Pläne der soKtalistischen Propagandisten zu durchkreuzen. Ihre mächtige Hrcssc und politische Rafft- nicrtheit kommt ihnen dabei gut zustatten. Einige sozia- listische Kämpfer, die die Erfahrung belehrt hat, daß sich die britische Arbeiterschaft nicht mit<Älurm nehmen läßt, sind zur Ansicht gekommen, daß eine große sozialistische Partei in Großbritannien für die nächste Zukunft unmöglich sei. E» wäre ein Unglück, wenn sich diese demoralisierende Anschauung weiterer Kreise bemächtigte. Die große Schwäche des briti- scheu Sozialismus liegt in seiner großen Zersplitterung, die einen großen Teil der geleisteten Erftehuirgs- und Drgansa- tionsarbeit tvieder zuschanden macht. Die nächste und wichtigste Aufgabe der sozialistischen Bewegung wäre die, die unselige Zersplitterung zu überwinden, sich weniger mit parlamen- tarischen Zänkereien abzugebeit�und die notwendigen Er- ziehungsniittel in Gestalt einer Presse zu schaffen, an der eS in diesem Lande noch so sehr mangelt. Politilcbe debcrficbt. Berlin, den 8. Februar 19U. Volksgericht oder Beamtengericht? Au? dem Reichstag, 8. Februar. Wiederum wurde in der Debatte über das G e r t ch t s v e r f a ss n n g s g e s e tz über wichtige Fragen der Rechtspflege gestritten. Zunächst hatte die im Myabiter wie in früheren Prozessen gemachte Erfahrung Anlaß zu einem sozialdemokratischen Antrag ge- geben, der eZ künftig der Staatsanwaltschaft unmöglich machen sollte, hei Anklagen gegen verschiedene Personen wegen der nämlichen Strafsache die Verhandlung vor eine besonders ausgewählte Kammer zu bringen. Der Genosse Heine geriet bei der Begründung seines Antrages in einen so scharfen Zusammenstoß mit dem als Regierungskommissar an- wesenden Generalstaatsanwalt S u p p e r. der natürlich jede tendenziöse Auswahl der Strafkammern bestritt. Der Antrag wurde gegen die Rechte. Zentrum und NationÄliberale ab- gelehnt. In dem§ 73 des Gesetzes werden die Fälle aufgeführt, für Ivelche die Strafkammern zuständig sind. Rc- gierung und Kommission hatten beantragt, eine Anzahl Materien, für die früher die Schwurgerichte zuständig waren, den Straf- kanunern zu überweisen, so Urkundenfälschung. Verbrechen imAmt und Vergehen gegen die Konkursordnung. Die Sozialdemokraten beantragten die Streichung dieser Ueberweisung. In der Debatte wies Genosse Z i c t s ch darauf hin. daß durch solche Eingriffe die Geschworenengerichte überhaupt gefährdet würden. ES komme in diesem Bestreben die tendenziöse Gegner- schaft der Juristen gegen die Laiengenchte zum Ausdruck. In der hitzigen Debatte, die hierdurch entfesselt wurde, ließ sich der Anttsemit Graf zu dem Eingeständnis hinreißen, daß er überhaupt Gegner der Schwurgerichte sei und daß viele Richter ebenso dächten. sich nur nicht damit heraustrautcn. Er entwickelte dabei eine derartige historische Unkenntnis, daß Genosse Stadt- Hagen ihn mit überlegenem Spott abführen konnte. Auch Genosse Heine nahm Gelegenheit, die schweren Mißgriffe der Bcamtcngerichte. besonders in den politischen Prozessen nachzuiveisen. An dem Essener Mcineidsprozeß zeigte er aber auch, wie leicht die jetzt nur aus Mitgliedern der herrschenden Klassen zusammengesetzten Geschivorenen- gerichte durch die Staatsanwälte zu tendenziösen Urteilen verleitet werden könnten. Als er dabei auf daS Ver- fahren der Staatsanwaltschaft den Ausdruck„verbrecherisch" anwandte, holte er sich einen Ordnungsruf. Schließlich wurde auch hier der sozialdemokratische Antrag abgelehnt. Dafür stimmten außer den Sozialdemokraten nur noch Freisinnige und Polet«. Morgen Fortsetzung._ Groh-Berlin vor dem Landtage. «IN Mittwoch begann das preutzifchl! Abgeordnetenhaus die Be- ratung des Entwurfs eines ZweckverbandSgefetzeS für Grotz-Berlin. Dis Verhandlungen wurden durch eine Rede des Ministers des Im, ein v. Dallwitz eingeleitet, worin er der Borlage einige empfehlende Worts mit auf den Weg gab. ES sprachen dann Abg. p. B r a n h e n st e i» für die Konservativen und Abg. Sinz für daö Zentrum, beide im großen ganzen in zustimmendem Sinne, wenn sie auch im einzelnen mancherlei auszusetzen hatten. Etwa auf dcnsttben Standpunkt stellte sich der National- liberale Keil, der als erster eine größere Berücksichliguiig der Stadt Berlin verlangte. Die speziellen Interessen Berlins nahm der Abg. Cassel wahr, der sich sür die Singemeindung großen Stils und für die Kommunalisierung des Verkehrs aussprach, also für Forderungen eintrat, die seine Freunde im Roten Haus« früher stets bekämpft haben. Es ist daS ein neuer Beweis dafür, wie sich die sozialdemokratischen Ideen trotz anfänglichen Widerstandes schließ- lich doch siegreich Bahn brechen. In manchen Punkten fand der frei- sinnige Redner scharfe Worte gegen die Regierung, so al« er ihr ihr mangelndes Entgegenkommen gegen Berlin auf dem Gebiete d«S Verkehrswesens vor Auge» hielt und dem Gedanken Ausdruck ver- lieh, daß die Regierung eS mit dem Gesttz deshalb so eilig habe, um für ihre Wälder einen kauskrnftigcn Abnehmer zu bekommen. Auch bei dem freikoniervaiiven Freiherr!, v. Zedlitz fand das Gesetz Zustimmung. Als echter Schorfmacher blieb er selbst bei dieser Gelegenheit seinem schoflen Handwert treu und gab den Ge- meindevcrtretungen von Groß-Berlin den Rat, keinen Eozialdemo- lrateu in die Verbandsversammlung zu wählen. An diese Aeußerung anknüpfend, war es unseren, Genossen Hirsch ein leichtes, die großen Verdienste der Sozialdemokratie und vor allem unseres verstorbenen Führers Singer auf kommunalpolitifchem Gebiet in da? recht» Licht zu rücken. Das erregte wieder den Neid deö Herrn Cassel, der durch Zwischen- rufe zu verstehen gab, daß er es eigentlich sei, dem Berlin seinen Aufschwung und alles Gute verdankt, was es besitzt— ein Phantasie- gebilde, das unser Redner gründlich ze, störte. Im übrigen erklärte sich Genosie Hirsch, so lange die Ein- gemeindung großen Stils nicht zu erreichen sei, mit dem Grund- gedanken des Entwurfs einverstanden, bemängelte aber die schcmatische Abgrenzung des Gebiets und den zu geringen Umfang der vom Zweckverband zu lösenden Aufgaben. Ebenso wandte er sich gegen den Versuch, die Rechte Berlins zugunsten der Landkreise zu schmälern und das Selbstverwaliungsrecht zu beeinträchtigen. In der vor- liegenden Form bezeichnete er den Entwurf, an besten Einzelheiten er scharfe Jiritil übte, unannehmbar, zumal da er auch der Verfassung widerspreche. Am Donnerstag fällt die Sitzung aus. Die Besprechung wird am Freitag fortgesetzt._ Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Zum Redner für die konservative Interpellation betreffend die Zulassung ausländischer Wertpapiere auf dem deutschen Markte wurde Genosie Frank bestimmt. Zum Vorsitzenden der Fraktion wurde an Stelle des Genossen Singer der Genosse Molkcnbuhr gewählt. Die Genossen Bebel und Moikenbuhr sind sonach Vorsitzende mit gleichen Rechten. Agrarischer Schwindel über den Etat-Schwindel. Auch in der Nummer vom Mittwochabend hat die„Nordd. Allg. Ztg." auf den von uns erneut ausgedeckten Schwindel der Balancierung des Reichsetats noch kein Wort der Eni- gegnung gefunden. Tagegen hat die„Deutsche T o g e s- Z t g." den edlen Mut, den plumpen Schwindel des Etats durch einen womöglich noch plumperen Schwindelyerjnch hinwegzudisputieren. Sie behauptet mit echt agrarischer Gc- lvissenhaftigkeit,„Leipziger Votkszeitnng" und„Vorwärts" seien das Opfer eines Irrtums geworden. Die Wieder- holung der 89 Millionen unter der Einnahme des außer- ordentlichen Etats fei ganz in der Ordnung, denn: „Die 89.ö Millionen befinden sich nämlich im ordentlichen Etat nicht in Einnahme und Ausgabe, sondern nur in Ausgabe. Der ordentliche Etat sieht also vor. daß t>9,6 Millionen aus den Einnahmen des Reiches zur Schuldentilgung verwendet werden sollen. In welcher Weise dies geschieht, darüber hestimmt der ordentliche Etat nichlß. Es ist glso durchaus falsch, wenn die„Leipziger Volkszeitung" schreibt, die 89,6 Millionen seien, bevor man an den außerordentlichen Etat komme, nicht mehr da. Daß aber ein so hoyer Betrag aus den ordentlichen Mitteln entnommen werden kann, um den Anleihe- bedarf zu mindern, ist nicht ein Schwindelmanöver, sondern gc- rade umgekehrt ein Beweis für die Solidität des Etats und ein unverkennbares Zeichen für die Gesundung unserer Finanze n." Nicht der„Vorwärts", nicht die„Leipziger Volkszeikung" irren, sondern die„Deutsche Tagevztg." schwindelt! Es ist absolut n n w a h r, daß sich die 89 Millionen nicht auch bereits unter den Einnahmen des o r d e n t- lichen Etats befänden! Denn, wie aus der Erläuterung des Etats und auch aus Herrn Wermuths Etatörede deutlich hervorgeht, sollen die 89 Millionen dm ordentlichen Eiunahnien entnommen, durch die Ueberschüssc der Reichsbetriebe gedeckt werden. Diese Ueberschüssc der Reichsbetriebe(Eisenbahn. Post usw.) sind aber bereits in den Einnahmen des ordentlichen Etats bis zum letzten Pfennig mit aufgeführt! Wenn die „Deutsche Tageüztg." das zu bestreiten ivagt, so mag sie uns doch gefälligst genau Kapitel, Titel«ad Seite des Etats angeben, aus denen sich ergib-;, daß die 89 Millionen(oder genauer, wie schon Genosse Ströbef in der Etatsrcde ausführte, 83 Millionen, da 6 Millionen aus den Verkäufen der beiden Schiffe der Brandenburgklasse gedeckt werden sollen) pon den Einnahmen des ordentlichen Etats in Abzug gebracht worden sind! Solange die „Dcutsckje Tagesztg." diesen Nachweis iftcht zu erbringen ver- mag. werden wir lms trotz ihrcö Einspruchs schon gestatten, nnierc Behauptung der Bilanzfälschung des Reichsetats aufrechtzuerhalten und die b e w e l ö l o s e Gegenbehauptung des Agraricrblattes für einen dreisten Schwindel zu erklären l Herr Erzbcrger und der Zlntimodcrnisieneid. Herr Matthias Erzbergcr, der gefchäitStüchtige Spezialjoumalist des ZentnimS für anrüchige Angelegenheiten und faule Begrün- düngen, entwickelt sich, wie anerkannt werden muß. zum unbestritten größten Meister auf dem Gebiete der Stabulistik. Co gibt keine foule Sache, der er, wenn es sich geschäftlich lohnt und der Zentrums- Partei nützt, nicht eine gute Seite abzugewinnen wüßte.' Mit der gleichen tiefgründigen UeberzeugnngStreue vertritt er, wenn eS sein muß. die Ansicht, daß die Echternacher Springprozession eine der erbaulichsten religiösen Zeremonien ist, und boß die Heiligen, von denen an verschiedenen Stellen drei oder vier Füße als Reliquien gezeigt werde», tatsächlich drei oder vier Füße gehabt haben. So bat er sich denn auch in letzter Zeit daraus verlegt, mit einem Auf- gebot der schönsten Phrasen zu beweisen, daß der Papst Pius X «cht nur durch die Forderung des AnlimoderiiisteneideS eine uner- mußliche Klugheit bewiesen hat, größer als sie bisher irgend einer der früheren Päpste bekundete, sondern daß der Papst auch damit der ganzen Welt(Katholiken wie Protestanten, Mohammedanern. Bli&dhisten und Feueranbetern) den größten Dienst geleistet hat einen Dienst, der»och nach Jahrtausenden gepriesen werden wird. Z. B. heißt eS in feiner neueflen Apologie des Antimodernisien- Eides z Warum all dies? Der alte vererbte Haß gegen Rom hat neue Nahrung gesunde», weil der Fels Petri sich wieder als Wogau»- und Wellenbrecher der Tageöinetmnig gezeigt bat; hoch spritzte die Brandung empor, weil der FclS den Irrlehren der Ietztzetzt nicht nachgab, sondern nach Christ» Wort daS unerschütrerliche Fundament der Heils« lehre bleibt. Der Papst hat in seiner Mobernisteiienzyllika und den» Modernisteneid der ganzen Welt den größten Dienst geleistet. Erst eine spätere Zeit wird einmal voll erkennen, was Papst Pins X. Großes durch diesen Schritt getan heck. Die Stellungnahme des RefornipqpsteS i st den größte« Taten der Päpste gleichzustellen: er stellte sich dem modernen Attila des Unglaubens mit Mut und Kraft entgegen und rettete so das internationale Rom dem Katholizismus. Wie ein neuer Gregor VII. hat er den Klerus als die Avautgards geschlossen um die Kirche geschart und mit der Liebe und Frömmigkeit etneg Pius V. geht er alS lc«chlendeS Beispiel voran. Gleich den ehernen Watten einvS Innoccnz HI. lauscht der Erdball bei seine» Moßnabmen und zieht die Unter- Welt gegen die RettungStaten des Papstes. Mit dieiem Torte lassen sich alle Maßnahmen zu« satnmrnfassen. Die moderne Philosophie, Religionsgeschichte imd ReligionSflhilosophie will jede gepffenbarte Wöhr- heit in Zweifel ziehen; sie sieht in der Religion wie in den anderen Kulturettzcheimmgen nur Produkle der menschlichen Entwickrlung und will alles in Fluß setzen. ES soll keine Wahrheit mehr gckben. als die vom Menschen selbst geschaffene und von ihm«tteibte. Er soll der Gott sein, der nach Gut- dünken alles ummpdelt..,, Da erhebt sich der Papst aus dem Sehrstuhle der Kirche und verkündet mit Nachdruck dos alte katholische Glaubensbekenntnis von der geoffenbarte» Heilswahrheit; er ruft es den Millionen von Katholiken zu, datz an diesem Schate der Wahrheit keine Wissenschaft etwas abbröckeln kann und das? der katholische Glaube von heute derselbe ist. den Christus und die Apostel gelehrt haben. Wo andere christliche Bekenntnisse sich vor den TagcSgötzen beugen, da verkündet der Papst die alte Lehre der Hl. Schrift mit dem dreifachen Credo und er läßt die Diener der Kirche hieraus den Eid schwören. Die Welt vernimmt's mit Staunen, dast e-Z nach eine Stelle gibt, die ihrer LieblingSlehrs von der Vergötterung des Menschen widerspricht; sie kann es nicht begreisen und lacht." Herr Erzberger hat recht: man lacht, wenn auch nicht über den Aniimodernisteneid. so doch über seine schwülstige Phraseologie und seine journalistische Unverfrorenheit, die sich übrigen«, da die Kaplanspresse sür solche schriftstellerische Leistungen immer Wer- Wendung hat, geschäftlich brillant rentiert. Keine Huldigungsfahrt nach Rom. Die„Nordd. Allgem. Ztg." meldet: In der Presse werden Gerüchte über einen bevorstehenden Besuch Sr. Majestät des Kaisers und Königs beim Papst ver- breitet. Wir möchten dem gegenüber bemerken, daß, wie in früheren Jahren, ein Aufenthalt auf der Jniel Korfu geplant ist. Die an diese Reis» geknüpften weiteren Kombinationen sind nicht zutreffend._ Nochmals das bunte Jlugblatt des Bundes der Land- Wirte. Die»Deutsche Tageszeitung" beglückte bekanntlich am Silvester- abend ihre Leser mit einem Flugblatt, in dem versucht wurde, den bäuerlichen Kreisen ein Bild von der gewalligen Bedeutung der Landwirtschast in Deutschland dadurch einzuprägen, dast ihnen in ungleich groben bunten Flächen der angebliche Wert der landwirt- schasilichen und der industriellen Produtte im Jahre ILO!) vor Augen gehalten wurde. Um dem naiven Bauerngemüt zu imponieren, ver- sicherte die»Deutsche Tageszeitung" noch besonders, das Flugblatt sei von einer wissenschaftlichen Autorität geprüft und richtig be- funden worden. Wir bezweifelten diese Angabe und führten zur Stühe unseres Zweifels u. a. die Angaben über die Baumwoll- mdustrie ins Feld. Jetzt sucht UNS die»Deutsche Tageszeitung" niederzuschlagen, indem sie folgendes mitteilt: »Bon dem vom Bunde der Landwirte hergestellten und von «nS der»Deutschen Tageszeitung" beigelegten Flugblatten, das in farbigen Bildern die ProduktionLwerte der Landwirtschaft mit denen der Industrie vergleicht, war gesagt worden, dab die bildliche» Darstellungen von einer unparteiischen wissen- scbaflliche» Autorität aus ihre Stickitigkeit hin geprüft worden seien. DaS mar vom»BorwärlS" bezweifelt worden. Nimmehr nennt die»Agrarpolttijche Korrespondenz" den Namen dieses unparteiischen Gelehrten, der sich der Mühe unterzöge» hat, die Grundlagen der Berechnung zu uutersucheu. Es ist der bekannte Professor Dr. Ballod. der bereits l8!>3 eine ähnlich« wirlschaftöstatistische Arbeit in»Schmollcrs Jahrbuch" veröffentlicht hat. Profestor Ballod ist auf diesem Gebiete hervorragender Sachverständiger. Er hat erklärt, dast es sich bei dem Flugblatt natürlich nur um Näherungswerte handeln könne, bah diese aber so zuverlässig seien, wie eö die überhaupt verfügbaren statistischen Materialien ermöglichten." Gut, Professor(f.- B a ll o d soll eine Autorität sein— aber er behandelt dann jedenfalls dasselbe Thema ans bunten Flugblättern für die Bauern anders, als in wistenschastlichen Schriften. In dem von der»Deutschen Tageszeitung" angezogenen Artikel in»Schmollers Jahrbüchern" schreibt er auch über den Wert der Baumwollproduktion und bedient sich dabei derselben Methode, die Wir angewandt haben. Er schreibt ans Seite LOS, bah die Baum« «volleinfuhr im Durchschnitt der Jahre 1893—90 247 537 Tonnen Rohbaumwolle, 13318 Tonnen Baumwollabsälle und 12339 Tonnen Baumwollgarn betragen habe. Daraus seien für 1046 Millionen Mark Baumlvollware hergestellt worden. 1909 überstieg die Ein- fuhr der Rohbaumwolle die Ausfuhr um 404 667 Tonnen, die der Baumwollabsälle um 42 993 Tonnen. Außerdem wurden 21 847 Tonnen Bauniwollgar» eingeführt. DaS Gewicht der 1909 ver- .arbeiteten Rohstoffe und Halbfabrikate»var bei der Rohbaumwolle um 63 Proz.. bei den Baumwollabsälle» 223 Proz. und bei dem Garn 7b Proz. höher als im Durchschnitt der Jahre 1893—1896. Insgesamt stieg dt« Produktion seit 1893/96 um mehr als 71 Proz. Hätte Professor Ballod in dem bunten glngblatt dwselbe Methode angewandt, die er 1898 i» einer wislenichastlichcn Schrisi zur Anwendung brachte, dann hätte er den Wert der Baumwoll- Produktion aus 1788 Millionen Mark statt aus 404 schätzen müsten; aber 1898 schrieb Ballod sür ein wissenichastliche« Werk, da muhte et sich an die Tatsachen holten. Das bunt« Flugblatt war dagegen für Landleute bestimmt, und denen glaubte er allem Anschein nach erzählen zu können, daß der Wer« der 1909 in Deutschland produ- zierteil Baumwollwaren nur 404 Millionen Mark beträgt oder sollte gar Herr Ballod der Meinung lein, daß die Baumwollproduktion von 1393 hi» 1000 um 82 Proz. zurückgegangen ist? Herr Ballod hau» seinen Artikel von>398 vor der Redaktion. de« bunten FiugblaueS«och einmal durchlesen sollen. Tfts fortschrittlich- nationalliberale Wahlbündnis für Brandenburg. Beim Abschluß de« brandenburgischc» WahlabkoinmcnS zwischen der Fortschritllichen BolkSpartei und den Nationolliberale» war über die beiden Wahlkreise ArnSwalde- Fricdeberg und Königsberg t. N. keine Vereinbarung geiroffen. Jetzt ist, noch der.Lib Korresp.", ein« Einigung dahin erzielt, daß in ArnSwalde- Friedeberg, gegen- würtig vertreten durck den Antisemiten Bruhn, ein nalionalliberaler und in Königsberg i. N., vertreten durch den konservativen Ab- geordneten v. Saldern,«in Kandidat der Fortschrittlichen Bolkspartei aufgestellt wird. Da« Wablabkommen für die Provinz Brandenburg geht also dahin, daß dl« Fortlchriltliche BolkSpartei in allen zehn Wahlkreise» de« Regierungsbezirks Potsdam und aus dem Regierungsbezirk Fraulfurt a. O. in de» Wahlkreisen KottbuS-Spremberg, güllichan- Krosten und KüiiigSberg-Neumork, die ualionalliberale Partei aber in den übrigen sieben Wahlkreisen dcS NegierungsbezirkS Frank- furt a. O. Kandidaten ausstellt._ Neue Handelsverträge vor dem Reichstag. Der Abschluß neuer Handelsverträge mit Japan und mit Schweden kaiul nicht mehr lange hinausgeschoben werden. weSbalb noch dem jetzigen Reichstag bisse Verträge unteibreitct werden sollen. In beiden Fällen handelt es sich um Tarifverträge, die meist zu recht uniftänMichen Berhandlungen„öligen. Die Re- gierung scheint sonach de» Reichstag noch recht lange zusammen- halten zu wollen.__ Petition Berlins gegen den Zlvangsvcrbaud. In einer Petition an den preußische» Landtag hat die Stadt Berlin ihre Bedenken gegen den ZwangSverbands- Gesetzentwurs zusommengestellt, der gestern. Mittwoch, im Landtage zur Beratung stand. Zunächst wird betont, die bessere Lösung der Ausgabe, dem «roß-Berliner Wirtschastslörper die EntWickelung zu erleichtern, sei Eingemeindung großen UmfangeS. Dann wird die große räumliche Ausdehnung des für den Berlmer Zweckverband geltenden Gebiets getadelt. Dadurch, daß das Gebiet im Korden und Süden die unverhältnismäßige Ausdehnung bis nahezu 60 Kilometer erhalten «verde, würden Distrikte von vorwiegend ländlichem Charakter ein- bezogen, deren Bevölkerung mir den wirtschaftlichen Interessen Groß- Berlins nur sehr wenig gemein habe. Die Petition wendet sich dann gegen die Bestimmung des§ 4 des Entwurfes, nach dem bei der Nebernahme bestehender Bahnen durch den Berband und bei Eingriffen in die Rechte der Berbands- Mitglieder„angemessene Entschädigung" geleistet werden soll. Ge- fordert wird die Bestiniinung, daß eine volle Entschädigung nach den Grundsätzen deS EnleignuiigSrechls zu gewähren sei. Endlich wird noch die zu geringe Slimmenzahl Berlins in den Berbandskörper- schaften besprochen. Für ganz unzulässig wird das Fnkrasttreicn de« Gesetzes zum 1. April d. I. gebalten, weil bis dahin die nötigen Vcrbandsorgane gar nicht gebildet sein können. Sind Redakteure Privatangestellte? Auf eine Anfrage deS Münchener Journalisten- und Schrift- stellervereinS an den Staatssekretär deS Innern, ob die Redak- teure und sestangestellten Mitarbeiter von Zeitungen unter das neue BersicherungSgesetz sür Angestellte lallen, wurde vom Reichsamt des Innern folgende Antwort erteilt: Die Redakteure und angestellten Journalisten gehören zu den Per- sonen, für die nach dem Entwurf de« VerstcherungsgesetzeS für An- gestellte der versicherungszwang eingeführt wird. Zur Finanzlage Elsast-Lothringens. Gestern hat im LandesanSschuß der Reichslande Staatssekretär Köhler den Etat eingebracht, der n n g ü n st i g e r i st als der des Jahres 1909. ES müssen 4 121 000 Mark durch Anleihe beschafft lverden, über eine Million Mark mehr als im Vorjahre. Für die Unterstützung der Winzer wird eine Borlage in Aussicht gestellt. Auf eine wesentliche Steigerung der Einnahmen sei nicht zu rechnen. Man müsse an die Steuerresorn, denken, mit der allerdings, bevor die BersasmngSvorlage in irgend einer Form entschieden sei, das Parlament nicht befaßt werden könne. Oeftetreieb. Voranösichtlichcr Rücktritt des Handelsministtrs. Wien, 8. Februar. Abgeordnetenhaus. Bei der Vera- tllng über den Tringlichkeitsantrag betreffend die Aus« Hebung der Fleisch st euer wies Abg. H e i l i n g e r lchristl.-soz.) auf das entschiedenste den Ton zurück, den der H a n d e l s m i n i st e r heute gegen das Haus und ihn an- geschlagen habe. Als der Redner den Handelsministcr»ach seiner Rede fragte, warum er sich so scharf gegen das Haus geivandt habe, crklärkte der Minister, daß er sich vom öffentlichen Leb�-n vollständig zurückziehen werde. frankmek. Internationale Verhandlungen. Paris, 8. Februar. Der offiziöse„Petit Parisien" schreibt: Der Meinungsaustausch zwischen Frank- reich, England und Rußland über die g e- ni e i u s a m e Aktion im Orient dauert fort. Die Regierung in Petersburg bleibt in enger Be- rührung init der französischen Regierung, während sie gleichzeitig ihre Verhandlungen mit Deutschland und Persien über die Bagdadbahn fortsetzt. Der französische Minister des Acußcrn hat gegenwärtig Besprechungen mit Herrn Louis, dem Botschafter in Petersburg, der eine Woche' lang in Paris sich aufhält. In diesen Unterredungen wird die Lösung einer bestimmten Reche von Einzelheiten vorbe- reitet. Das Blatt behauptet, schon heute versichern zu können, daß Frankreich und die Türkei frcundschaftlichcBor- b e s p r c ck, u u g c n eingeleitet haben, die sich auf daS t'om- plizierte Problem der k l e i n a s i a t i f ch e n Eisen- bahnen beziehen. Ter Pforte sei bereits die Gesamtheit der wirtschaftSpolitisckien. Wünsche Frankreich» unterbreitet worden. 6ngland. Der Kampf um den Schutzzoll. London» 8. Februar. Die Opposition wird ein Ainende» ment zur Adresse einbringen, in dem erklärt wird, hoß die be- ständige Weigerung der Regiening. das Zollsystem abzuändern, den Borteil, der sich aus der von den Kolonien gewährten Bor- zugSbehandlung ergebe, gefährdet, den engeren kommerziellen Znsammcnsckluß de« Reiches verzögert und England des«inzig mirtsanien Miltels beraubt habe, da« Ausland dahin zu bringen, dem britischen Fabrikanten eine faire Behandlung angedeihe» zu lassen. Die Agitation für ein stcheudeS Heer. London, 7. Februar. Lord Roberts wohnte heute einer Ver- samnilmig im His M a j, st y ö Theater bei. in der beschlossen wurde, eine Zweigabteilung der Liga für allgemeine Wehr- p s l i ck t sür die Angestellten der Theater zu begründen. Im Laufe seiner Ansprache berührte Lord Roberts»die Hoffnungslosigkeit und völlige Unwirkiamleit der Territorialarmee". Man könne gegen eine Invasion nicht gerüstet jein, wenn man nicht das Beispiel Deutschlands durch Schaffung eines zuvor- lässigen Volksheeres nachahme. Er sei überzeugt, daß eine noch so starke Flotte d>« Sicherheit de« Landes nicht unter ollen Berhältnissei, gewährleisten könne. Man nrüss«»ine hinreichend st arte Armee haben, die nach gesunden demokratischen Grundsätzen er- richtet sei und in der alle Klassen der Bevölkerung, der Sohn de» Herzog» wie der Sohn des Arbeiters, Schuster an Schulter lämpsen würde». Hmeriha. Die Kämpfe in Mexiko. Sl Paso(TexaS), 7. Februar. Die Revolutionäre haben bei Cosas Grandes das zum Entsatz der Stadt Jnarez herbeieilende l8. mexikanische Jnsanlerieregiment aufgerieben. Seit dem Gefecht vom Sonntag, in dem sie den Obersten der BnndeSarmee Rabago zum Rückzug nötigten, haben sie die Stadt Juarez voll- kommen umzingelt. Heute nachmittag um 2 Uhr erfolgte aus den Bergen der Ausritt einer starken Abteilung Insurgenten in ivestlicher Richtung. Die Höhen hinter ihnen erschienen voll von Menschen. Ein» Stund« später eröffneten die Ruislikiidisch!',, da» Feuer aus die Borposien der BundeStruppe», die sich infolgedessen nach Juarez zurückzogen. El Pas», ö. Februar. Die Aufständischen haben den Angriff auf Juarez begonnen._ Wassenstillstand in HondliraS. Wafhinaton, 8. Februar. Ter Präsident von Honduras D a v i l a hat mit dem früheren Präsidenten B o n r I l a einen Waffenstillstand abgeschlossen. Eue der Partei* Breslaocr Preßprozessc. Am DienStag verhängte die Breolaucr Strafkammer über de« Genoffen B o l f f. den Berantwortlichen der„Bolls- wach i", wegen angeblicher Beleidigung des Daldcnvurger Polizeiscrgeanten Utgenannk zwei Monate Gefängnis. Utgenannt hat durch sein Verhalten während der Waldenbnrger Stratzendemonstrationen und als Zeuge in den Temonstrations- prozeffen allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt: er erreichte in den Verhaftungen den Rekord und erhielt einen Orden. Um den Helden der allgemeinen Aufmerksamkeit etwas zu entziehen, wurde er umnumeriert: aus dem„Polizisten Nr. 6" wurde der „Polizist Nr. 4". Die Mitteilung über diese Tatsachen in der ..Volksmacht" soll„durch ihre höhnisch« Form" so beleidigend ge- wesen sein, daß der Staatsanwalt drei Monate Gesängnis beantragte. Bei der Begründung des Urteils wurde erschwerend in Betracht gezogen, daß sich die Beleidigung gegen einen Beamten gerichtet habe, dessen Pflichteifer von seiner vorgesetzten Behörde so sehr anerkannt wurde, daß er trotz seiner Jugend(der Dekorierte zählt jetzt 23 Jahre!) für eine Ordensverleihung vorgeschlagen worden sei! Wegen einer Besprechung der Polizeizustände in B c u t h c n (Oberschlesien) wurde Genosse Schiller als verantwortlicher Redakteur der„Volks wacht" vor der Breslauer Strafkammer zu 7 3 M. Geldstrafe verurteilt. Ein Frerspruch. Wegen Beleidigung des Allensteincr OffizierkorpS, deS Hauptmanns S ch m a ck und Leutnants E i ck e durch eine kurze Notiz, in der über die Verurteilung des Genossen Bock vom„Volksblätt" in Halle berichtet wurde, war der Genosse P e tz y l d. der Ver- antwortliche der„Tribüne" in Erfurt, angeklagt. Vor der Erfurter Strafkammer beantragte der Vertreter der Staats- anwgstschaft am Dienstag sechs Monate Gefängni».(!) Das Gericht erkannte auf Freisprechung, weil es in der Aoliz durchaus keine Beleidigung zu entdecken vermochte/ Jugenäbewegung. Arbeitcr-Jugrnd. Aus dem Inhalt der soeben erschienenen Nr. 3 heben wir herbor: Paul Singer.— Menschenkunde in alter Zeit.(Schluß) Von Hannah Lewin.— In Dalarne.(Mit Illustrationen.) Von Engelbert Graf.— Dir Hermannsschlacht. Von Julian Borchardt.— Die Jugendlichen in der Unsallversicherung. Au« der Jugendbewegung (Köln, Stuttgart).-» Bom Kriegsschauplatz.--- Zur wirtschaftlichen Lage.— Die Gegner au der Arbeit. Usw. Beilage: Wie der Wurm sich krümmte. Erzählung von Erwin Rosen. Beethoven alö Agitator. Von A. Omsk.— Zwei Stätten niederdeutscher Backsteinbaukunst.(Mit Illustrationen.) Von L. Lessen. Bücher sür die Jugend.--- Der Kürbis und die Eichel. Bon Otto König.— Feigling. Erzählung von Emil Unger. Huö Indurtnc und Handel* Die Folgen des Einfuhrscheinsystems. Ter Wert der deutschen Getreide- und MehlauSfuhr hat im Jahre 1910 die außergewöhnliche Höhe von 312 Millionen Mark erreicht gegen 230 Millionen Mark im Jahre 1900. Dagegen ist die Einfuhr von Getreide und Mehl nach Deutschland von 868 Millionen Mark im Jahre 1900 auf 776 Millionen Mark im Jahre 1910 zurückgegangen. Die Ausfuhrvergütungen für Ge- tretde und Mehl haben im verflossenen Jahre den Betrag von 122,4 Millionen Mark erreicht gegen 92,9 Millionen Mark im Jahre 1909 und 88,3 Millionen Mar! im Jahre 1903, d. h. es wurden im Jahre 1910 für 122,4 Millionen Mark Einfuhrscheine bei Zollzahlungen angerechnet. An Roggen sind im letzten Jahre ms Auslaitd gegangen 823 169 Tonnen, an Weizen 231 807 Tonnen. außerdem 166 392 Tonnen Roggenmchl und 190 400 Tonnen Weizenmehl. Dazu kommen noch 437 721 Tonnen Hafer und un- gefähr 90 000 Tonnen Haferflocken, Getceideschrot und andere Miihlenfabrikatc. Ter deutsche Konsument muß den hohen Zoll rcsp. den durch diesen bewirkten höheren Preis bezahlen und die Zolleinnahmcn dienen dazu, dem Auslände billiges Getreide zuzuführen. Nationale Wirtschaftspolitik. Roheisenprodultion. Aach den- Ermittelungen de« Vereins deutscher Eisen- und Stahllndustriellcr betrug die Roheisen- crzeugung in Deutschland und Luxemburg während des Monats Januar IvU insgesamt 1 320 685 Tonnen gegen 1 307 084 Tonnen (m Dezember 1910 und 1 177 374 Tonnen im Januar 1910. Versand des Stahlwerksverband«». Der Versand in Produkten A. der im Januar des Vorjahres 378 300 Tonnen betrug, stellt sich für 1911 auf 411000 Tonnen. Damit ist die größte Menge seit 1907 erreicht worden. In diesem Jahr« macht« der Versand im Januar 489 600 Tonnen aus. Höhere Dividende. Die Aufsichtsratssitzung der Deutschen Tampfschjsfahrtsgesellschaft Kosmos in Hamburg schlägt die Divi- dcnde sür 1910 mit zehn Prozent gegen fünf Prozent im Bor- jähre vor. KvnzeiAratio» der Kaliindustric. Die Zusammenfassung der Kaliwerke Macht weitere Fortschritte. Kaum ist die Ausnahme der Gewerkschaft Amclie durch die Deutsche» Kaliwerke, die Aus- dchnung von WintcrShall und Vesteregele» perfeit geworden, so nimmt bereits da« Kaliwerk Krügershall eine Kapitalserhöhung um 3 Millionen Mark vor. Das neue Kapital soll zum Erwerbe der Majorität der Gewerkschaft Günthershall diene». Mit dieser Zvsanrmensassung geht«ine ständige Ausdehnung der Kaliwerke Hand in Hand. So hat vor nicht aar langer Zeit die Gewerkschaft Günthershall einen Teil ihr«,: Felder gdgettsnnt und die Eicwerk- schast Schwarzburg gebildet. Zvllfrirdcns Wirkungen. Nachdem die amtliche Statistik über den Warenaustausch sür den Monat Dezember abgeschlossen ist, liegt die Möglichkeit vor, di« Wandlungen festzustellen, die infolge der Beendigung des Zollkrieges zwischen Deutschland und Kanada in der Ausfuhr und Einfuhr beider Länder eingetreten sind. Das Ergebnis ist für beide Länder außerordentlich erfreulich. Der Hauptanteil in der Steigerung unserer Ausfuhr entfällt auf die Eisenindustrie; denn an schmiedbarem Eisen betrug die Ausfuhr 121 000 Doppelzentner gegen 39 700 im Vorjahr, an verzinkte»: Draht 50 000 Doppelzentner gegen 29 000, an Eisenbahnachfen und Rädern 83 000 Doppelzentner gegen 66 000, an Waren aus Eisen- guß 2100 Doppelzentner gegen 212, an feinen Mcsserwaren 782 Doppelzentner gegen 285 und Röhrenvcrbindungsstücke wurden im letzten Jahre 2300 Doppelzentner ausgesührt. die ini Jahre vorher überhaupt nicht zur Ausfuhr gelangt waren. Auch die chemische Industrie ergänzte ihre Aussuhr in einigen Artikeln, so stiegen Anilin- und Teerfarbstoffe von 2300 aus 3400 Doppelzentner und Indigo von 310 auf 602 Doppelzentner. GlaS- und Porzellan- waren weisen eine besonders erfreuliche Steigerung auf. Tafel- geschirr stieg von 2500 aus 4800 Doppelzentner, porzellanene Jso- latorcn von nicht» auf 4300 Doppelzentner und G.aswaren von 9200 auf 20 800 Doppelzentner. Kinderspielzeug erreichte eine Ausfuhr von 9100 Doppclzentner gegen 3300 im Jahre 1909. Auch die Texillindustric hat in mehrere» Artikeln eine AuSsuhrsteigerung zu verzeichnen. So erreichten Strümpfe 2990 Doppelzentner gegen i8?0, Wollgewebe 833 Doppelzentner gegen 329, gewebte Teppiche 342 Dopelzentner gegen 343 und Handschuhe 411 Doppelzentner gegen 274 im Jahre 1909. Auch Kanada hat seine Ausfuhr nach Deutschland ganz erheblich gesteigert. Die Einfuhr von Weizen. die während des Zollkrieges überhaupt nicht bestanden hatte, er- reichte 169 000 Doppelzentner. Kleesaaten stiegen von 1400 auf 2300 Doppclzentner und an Hummern und Langusten wurden unter der Einwirkung der Zollermäßiguitg 1300 Doppelzentner gegen 420 kgi Vorjahr eingeführt, (Scwcrkrcbaftlicbe� Me der„Schlag" des Ellen er JVleümdsprozelTes auf unsere Organisationen gewirkt bat, Die Scharfmacherpiesse begrüßte 1895 die Verurteilung von Schröder und Genossen zu l8'/z Iahren Zuchthaus— auf das Zeugnis eines notorischen Verbrechers hin!— frohlockend als einen..Schlag", der den alten Bergarbeiterverband vernichten und die sozialdemokratische Partei mindestens stark zurückwerfen würde. In der obskuren klerikalen Presse vom Kaliber der„Tremonia" wurde das Urteil selbstgerecht als ein neuer Beweis für die Unmoral der Sozialdemokraten kommentiert; wie denn ja auch die klerikale Presse die Haupt- schuld trägt an der Gehässigkeit, mit der damals Sozial- deniokratcn vor Gericht beurteilt wurden. Parteipolitisch ist das Fazit des Zuchthausurteils eine fast sprunghaste Entwickelnng der Sozialdemokratie im Ruhr- decken, wo sie damals meist noch eine kaum beachtete Minder- heitspartei War. Heilte besitzt sie dort drei Reichstags- niandate und vereinigte bei der letzten Reichstagswahl von allen Parteien die meisten Stimmen auf sich. In einer großen Reihe von Gemeindeverwaltungen sitzen heute sozialdemokratische Vertreter. Die nunmehrige glänzende Recht- fertigung der sozialdemokratischen„Zuchthäusler" hat die ohnehin günstigen Aussichten der Sozialdemokratie für die nächsten Reichstagswahlen noch außerordentlich verbessert. Wie das ZuchthauSurteil aus den meistbeteiligten Berg- arbeiterverband gewirkt hat, läßt sich mit wenigen Ziffern plastisch veranschaulichen. Sorben veröffentlicht die Verbands- lcitung ihren Geschäftsbericht pro 1910. Vergleichen wir. Der Verbandsvorstand rechnete ab über eine Gesamt- einnähme von davon Mitglieder« Beiträge 1894/95( 7 Monate). 11 796,67 M.— 1895/90(Ii Monate). 14 149,93„— 1900....... 192 639,94. 1909....... 2 457 152.23„ 1817 551,30 M. 1010....... 3116 356,—, 2122 877,66. 1895, im Jahre des Zuchthausurteils, überwog die Aus- gäbe um fast 3000 M. die Einnahme. Schon im nächsten Jahre gab es einen Ueberschuß von bald 2000 M. 1900 wurde ein Kassenbestand von 86395,80 M. erzielt. 190- waren 2 Millionen Mark Vermögen erreicht und im Jahre 1910 betrug der Vermögenszuwachs 1 106 561,69 M.. so daß am Jahresschluß 4 255 743,43 M. vorhanden waren I Und das, obgleich im Laufe der letzten vier Jahre allein bald l'/a Millionen Mark für Streiks und Gemaßregclte veraus- gabt worden sind. Das Jahr 1910 brachte an reinen Mit- gliederbeiträgcn ein Mehr von über 300 000 M., außerdem eine Einnahme an Extrabeiträgen von 301 493,45 M.. worin die letztjährige Erstarkung des 1895„erschlagenen" alten Ver- bandes zum deutlichsten Ausdruck konimt. Ihr zivingt uns nicht! Wer nicht heillos verblendet ist, wird erkennen, daß der Strom der Arbeiterbewegung durch keine Gewaltmittel aufzuhalten ist. Gerade jetzt, wo die Beute- Politiker und Geivaltmenschen wieder dabei sind, die öffentliche Meinung für neue Knebelgesetze gegen die Arbeiterbewegung zu präparieren, kommt die Auffrischung der Erinnerung an das Essener Zuchthausurteil und seine Wirkungen aus die Arbeiterbelvegung wie gerufen. Serlln unä llmzegenck» Zu alt! Man schreibt unS: In Nr. 28 des„Vorwärts" steht unter GewerkichastlicheS:„Der Arbeiter darf nur 40 Jahre all werden." In Spandau darf ein Abeiler aber nur 30 Jahre werden. Auf der städtischen Gasanstalt sind infolge deS neuen Betriebes 20—25 Mann entlasten worden. Herr Direktor K>7 tz i n g machte aber auf der Gasanstalt bekannt, daß Herr Direktor Müller von der städtischen Straßenbahn noch Leute einstellt. Darauf gingen auch zehn der entlassenen GaSarbeiter zur Straßenbahn, wurden aber mit dem Bescheid abgewiesen, daß nur Leute bis zum Alter von 30 Jahren angenommen werden. Leute also, die schon 3'/z Jahre auf der städtischen Gasanstalt gearbeitet haben und wegen Arbeitsmangels entlasten werden, sind mit 31—36 Jahren zu alt, um in einen anderen städtischen Betrieb einzutreten I veutfcbes Reich. Falschspieler und Wahrheitsvcrdrehcr. Der„Vorwärts" hat vor einigen Tagen die doppelte Moral der Gewerkvereine an zwei treffenden Fällen charakterisiert. Es handelte sich um eine„Protestaktion" des Gewo�vercins der Metallarbeiter und um die notorische Streikbrecher- vcrmittelung des Gcwerkvereins der Holzarbeiter. Das Zentralorgan der Hirsch-Dunckerschen Organi- sationen kommt jetzt auf unsere Feststellungen zu sprechen und behauptet, wir hätten ihre Kritik, die sie an dem auch vom Deutschen Metallarbeiterverband nicht gebilligten Vorgehen einer Anzahl Arbeiter in der Bremer Waggonfabrik geknüpft habe, als „Falschspielerei" bezeichnet. Dies ist eine Unwahrheit! Wir haben es als Falschspielerei bezeichnet, daß in Berlin die Gewerk- vereinter gegen den„Terrorismus der freien Organisationen" zetern, wo zur selben Zeit in Dortmund wegen des Eintritts der Freigelverkschaftler für einen Gewerkvereinler ein harter Kampf entbrannt ist- Der„Gewerkverein" behauptet, daß, wie in Bremen, also ohne Erlaubnis der Organisationsleitung, die modern organisierten Arbeiter„oft" vorgehen! dies ist die zweite Unwahrheit! Der„Gewerkverein" leugnet ab, daß nach der Bremer Waggonfabrik, wie wir behaupteten,„truppweise" Gewerk- vereinler transportiert werden sollten. In der Protestversamm- lung des Gewerkvereins der Maschinenbau- und Metallarbeiter stellte derjenige Kollege, der die Gewerkvereinler nach Bremen vermittelt hat, fest, daß schon 10 seiner Kollegen engagiert waren! Der„Gewerkverein" hat also zum dritten Male in dem einen Artikel eine Unwahrheit gebracht! Der„Gewerkverein" behauptet weiter, daß der„Vorwärts" „als Rechtfertigung" für das Vorgehen der Bremer Metallarbeiter den Dortmunder Fall anführe, wo freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter für einen wegen seiner Organisationszugehörigkeit ge- maßregelten Hirsch-Dunckerianer eingetreten sind. Der„Vorwärts" hat aber gar keine Rechtfertigung gebracht; der„Gewerkverein" verdrehte die Wahrheit auch hier, sagte zum vierten Male die Unwahrheit. Zu der Festnagelung der fortgesetzten Streikbrecherei der Hirsch-Dunckerschen Holzarbeiter erklärt der„Gewerkverein",„in Stolpe und in Hamburg existierte kein Streik, also kann auch kein Gewerkvereinler Streikbrecher gewesen sein". Sehr einfach. dieses Verfahren, feststehende Tatsachen umzulügen. Verantw. Redakt.: Richard: Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Der„Gewerkverein" erklärt, auf die Anrempeleien des„Vor- wärts" nun nicht mehr antworten zu wollen,„denn wer schimpft, ist im Unrecht". In den beiden Notizen des„Gewerkvereins", in denen die vom„Vorwärts" angenagelten Vorkommnisse besprochen werden, befinden sich folgende Perlen an Sachlichkeit: der„Vor- wärts" tut der Wahrheit„Gewalt an";„aber darin ist die „Vorwärts"rcdaktion groß"; die„Vorwärts"redaktion kann dies „nicht kapieren";„wir bedauern nur die Arbeiter, die sich mit der geistigen Kost, die dort verzapft wird, abspeisen lassen";„das ganze Geschwafel des„Vorwärts", es ist nichts anderes als ein Gemisch von Lügen und Phrasen";„jene Elemente" muß man ungestört lassen;„jeder vernünftig denkende Mensch weiß ohnehin, was er von ihnen zu halten hat". Wie sagte doch der„Gewerkverein"? Wer schimpft, ist im Unrecht! Scharfuiacherterror. .kämpf der Eilenburger Arbeiter gegen die Koasitionsre-bts- räuverei der dorligen reicbsverbändleriicbcn Fabiikante» ilimmi immer schärfere Formen an. Die Unternehnier, die sich nicht scheuen, die Arbeiter aufs Pflaster zu werfln, weil sie sich nichl in den vom Reichsvcrband gegrüildelen nalionalen Arbeiterverein pressen lassen wollten, gehen jetzt darauf aus, die Kämpfenden auszuhungern. Sie haben an die Unternehmer eine Warnung versandt, keine aus E i l e n b u r g koniinenden Arbeiter und Arbeiterinnen einzustellen. Tie Finna hat von der bekannten Slrcikbrecheragentur Ww. Müller-Wandsbel 204 Arbeitswillige bezogen. Fiskalisch verkürzte Frömmigkeit« In einzelnen Gegenden Deutschlands hat sich unter den Berg- knappen eine eigenartige religiöse Betätigung erhalten, die weniger Kirchenglaube als philosophierendes Entsagen darstellt. Auf der fiskalischen Grube R a m m e l s b e r g im Harz, die zu vier Siebentel dem preußischen und zu drei Siebentel dem braun- schweigischcn Staate gehört, war die Betstunde der zur Grube fahrenden Bergleute von jeher ein üblicher Gebrauch. Kürzlich hatten nun die vom preußischen Fiskus wahrlich nicht verwöhnten Bergknappen eine Kürzung der langen täglichen Arbeits- zeit gefordert. Mit geradezu imponierender Geschwindigkeit ging die Bergbehörde auf die Arbeitcrwünsche ein, und verkürzte die— Pausen, so daß die Grubcnzeit für die Bergarbeiter wohl geringer, aber die eigentliche Arbeitszeit in nichts geändert wurde. Da die Behörde wohl der Meinung war, daß die Bergleute heimlicherweise ihre alten Pausen sich selbständig wieder einrichten würden, und so dem preußischen Staate ein Verlust entstehen könnte, sann man auf Schutz vor solchem Frevel. Er fand sich auch. Und zwar darin, daß die Direktion an den Arbeiterausschuß herantrat und ihn aufforderte, die übliche Betstunde gründlich zu kürzen. Die Berg- leute waren mit einer so drohenden weiteren Verschlechterung ihrer Tätigkeit natürlich gar nicht einverstanden, und lehnten die Forde- rung ab. Da es so nicht gelingen wollte, den Bergknappen die Frömmigkeit, wenigstens so weit sie auf Kosten des preußischen Fiskus ging, auszutreiben, wurde einfach verordnet. In dem Dreiklassenreiche sind ja schon ganz andere Dinge als solche lumpige Bergarbeiterbetstunde auf dem Verordnungswege„geregelt" worden. Wenn schon vor Jahrzehnten möglich war, eine ganze Verfassung zu verordnen, warum sollte es heute nicht möglich sein, einfach zu verfügen, daß statt drei Gesangbuchsversen nur noch einer ge- sungen werden soll, und daß der Vorbeter bei Verlesung des üblichen Bibelstllckes sich„nach Möglichkeit" beschleunigen soll? Es wurde verordnet und es ging. Die Bergleute sind allerdings mit dieser fiskalischen Beschleunigung der Betstunde auf dem so einfachen Verfügungswege nicht einverstanden. Sie sind der Meinung, daß der preußische Fiskus vielmehr Profit haben würde, wenn er erst an anderen Stellen, wo es notwendiger erscheint, zu sparen beginnt, aber was bedeuten die Arbeiter für die preußische Regierung? Die Bergarbeiter sind jetzt in Rammelsberg mit ihrer Bet- stunde in der halben Zeit als sonst fertig, und können deswegen früher einfahren, das heißt mit anderen Worten: auf dem ein- fachen Verordnungswege hat man die Arbeitszeit der fiskalischen Bergknappen verlängert.—— Ein gelber Werkverein für Bergarbeiter wurde am Sonntag aus Zeche Dorstefeld bei Dortmund gegründet. ES ist der erste Vernich, den Gelben auf den Nuhrgruben Eingang zu verschaffen. Am Tage vorher wurde ein Flugblatt an die Belegschaft verbreitet, das sich gegen alle Bergarbeiterorganisalionen wendet, auch gegen die christliche; die bestehenden Organisationen seien Bestandteile der polilischen Parteien: der Sozialdemokraiie, des ZenlrumS und des Freisinns. Bei Wahlen soll der bürgerliche Kandidat umerstützt iverden, der sich dem gelben„Werkverein" förderlich erweist. Das Flugblatt predigt das guie Einvernehmen zwischen Unternehmer und Arbeiter, Beseitigung des Rlaffenkampfes und Bekämpfung des Streiks. Zurückdrängung der Parteipolilik, Förderung deS nationalen Gedankens, Einrichtung von Unterstützungskasten, die bekannten „Ziele" der gelben Werkvereine. Am meisten überrascht und ent- täuscht werden die Christlichen sein, die sich schon ganz in der Rolle der Gelben zurechtgefunden haben und mit wahrem Fanatismus die Jntei essen des Unternehmertums verfochten. Ein Streik der Hüttenarbeiter ist auf dem Eisenwerk Rote Erde in Dortmund ausgebrochen, und zwar in der Abteilung Marlin- iverke. Von 120 Arbeitern streiken über 90. Die Arbeiter haben bisher die Notwendigkeit der Organisation noch nicht erkannt, es handelt sich also um einen sogenannten wilden Streik. Eine andere Lohpbercchuung. die dort eingeführt wurde, hatte die Wirkung, daß die Leute pro Schicht etwa 60 Pf. weniger verdienten als bisher. Wie'verlautet, erklärt sich die Direktion bereit, mit den Streikenden zu verhandeln._ Einen bösen Reinfall hat der Christliche Tabakarbeiter-Verband in Bergkirchen im Kreise Minden erlebt. Um Mitgliedersang zu treiben, wurde von ihm bei der Firma Janiett u. Meyer vor Weihnachten eine Lohnbewegung inszeniert. Die Firma beant- wartete-das mit Entlassung der agitatorisch tälig gewesenen Kommissionsmitglicder. Nun glaubten die christlichen Tabakarbciter in ihrem Verbände Schutz zu finden. Dock da halten sie falsch ge- rechnet. Der Vorsitzende C a m a n n und der Bezirksleiter Röös traten in Aktion. Und der Erfolg war: 17 Arbeiter blieben auf der Strecke. Zur Durchführung der Lohnbewegung wurde nicht der geringste erusthasie Versuch gemacht. Nur schade, daß an dickem glänzenden Reinfall der Christlichen keine freivrganisierten Tabak- arbeiter beteiligt waren, sonst hätte man im christlichen Lager wenigstens einen Schuldigen gehabt. Die Bewegung in der Leipziger Privatlithographie hat zum An- schlnß von 68 Plivatliihographen an die Verenibaruiigen geführt. Mit einer Anzahl Betriebe schweben zurzeit noch Verhandlungen. Wenn auch ver drohende Ausstand vermieden werden konnte, so muß doch nach wie vor auf Albeiren aus Leipziger Ateliers geachtet weiden, da eine ziemliche Anzahl Firmen noch geiperrt sind. In der Firma W. Leopold-Jlmena u sind ernste Differenzen aus- gebrochen, die zum Ausstande führen können, wenn deren Beilegung uinnijglich sein sollte.— In der Firma R o e l l e r u. Huste in Leipzig legten die Wachsmchdrucker die Arbeit nieder, weil ihnen eine Steduknon der Atlordsäye um nahezu 50 Proz. zugemutet wurde. Zuzug nach den genannten Orten ist sernzuhatten. Bei der Wahl der Arbcitervertreter zur OrtSkrankcnka,,� in Leipzig hat die Liste der freien Gewertichailen einen schönen Sieg errungen. Bei der letzte» Wahl 1903 erhielt sie 31014 und der naiionalliberale Mischmasch 3389 Stimmen. Bei der jetzigen Wahl erhielt das Kartell 36 520, die Liste des nalionalen ArbeiteraiiSichnsseS 1560 Stimmen. Der Verlust der Nationaicn beträgt also 1829, der Gewinn der Kartelliite 5506 Stimmen. "TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdr.u.Verlagsatlstalt Fischerstreik. AuS Paris wird gemeldet: Die JSlandsikcher in GravekineS sind in den Ausstand getreten, weil ihnen die Reeder den vor der Abfahrt geforderten Vorschuß von 500 Frank verweigert haben. Em ähnlicher Zwist ist zivochen den JSlandfischern Düulirchms und den dortigen Reedern ausgebrochen. Sozialce* Wer Berkäuserin und Binderin in der Hanbelsgärtnerei ist» ist Handelsangestellte. Diese zutreffende Ansicht wurde von der II. Kammer des hiesigen Kaufmannsgerichts unter Vorsitz des Magistratsassessors Liebrecht ausgesprochen. Tie Klägerin Menzel trat am 1. Oktober vorigen Jahres bei der Firma„Blumen-Hübner" als Verkäuferin und Binderin gegen monatliches Gehalt von 75 M. ein. Am 10. Oktober erkrankte Klägerin plötzlich an einer Primel-Vergiftung. Trotz sofortiger Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe ist Klägerin bis heut noch nicht ausgeheilt. Am 15. Oktober kündigte dann Klägerin ihren Posten per 1. November Beklagter weigerte sich, das Gehalt der Klägerin länger als bis zum Erkrankungstage zu zahlen, und bat gleichzeitig, die Klage wegen Unzuständigkeit des Kaufmanns- gerichts abzuweisen, da Klägerin nach seiner Ansicht � gewerbliche Angestellte war. Das gehe auch daraus hervor, daß sie nur eine vierzehntägige Kündigungsfrist beanspruchte. Ihm läge weniger am Objekt, als an einer prinzipiellen Entscheidung. Das Gericht gab als seine Ansicht kund: In erster Linie kommt es auf die Ver- tragsabmachungen an; von einer Kündigungsfrist sei beim Engage- ment der Klägerin aber nicht die Rede gewesen. Die Frage: Hand- lungs- oder gewerbliche Angestellte? ist zugunsten der ersten Alter- native zu entscheiden. Es ist gerichtsnotorisch, daß Verkäuferinnen im Handelsgcwerbe der Gärtner auch binden müssen, sonst sind sie unbrauchbar. Die Vorschriften des 8 62 des Handelsgesetzbuches, nach denen der Arbeitgeber verpflichtet ist, den Betrieb so einzu- rickten, daß der Angestellte gegen Gefährdung der Gesundheit ge- schützt ist, habe Beklagter nicht genügend beobachtet. Daß Klägerin vierzehntägige Kündigung beanspruchte, beruhe lediglich auf einen Irrtum derselben. Ans all diesen Erwägungen heraus ist das Ge- richt der Ansicht, daß Klägerin zweifellos zu den Haudlungs- angestellten zu zählen sei. Nach dieser Nechtsbelehrung zog Beklagter es vor, sich mit der Klägerin in Güte zu einigen. An den Verkäuferinnen ist es, aus dieser Entscheidung die Konsequenz zu ziehen, dem Verband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen(Neue Königstr. LS) beizu- treten. Hetzte Nacfmcbtcn. Zur elsaß-lothringischen Verfassung. Straßburg, 8. Februar.(W. T. B.) Ein von 52 Abgeord« neten unterschriebener Antrag zur Verfastungsvorlage ist dem Landesausschuß heute zugegangen, über den es morgen zur Aussprache kommen wird. Es wird die völlige Gleichstellung Elsaß- Lothringens mit den deutschen Bundesstaaten, endgültige Ausschal- tung des Bundesrats und deS Reichstags aus der elsaß-lothrin» gischen Landesgesetzgebung sowie die Verleihung von drei Bundes- ratsstimmen an Elsaß-Lothringen, das Reichstagswahlrecht für die zweite Kammer, die Feststellung der Wahlkreise durch das Ge- setz und Abstandnahme von Errichtung einer ersten Kammer, im Falle der Einführung einer solchen ausschließliche Zusammensetzung derselben aus gewählten Mitgliedern, verlangt. Zum Etat sprach als erster Abg. Jung- Metz. Er erkannte an, daß der Etat mit Mäßigung aufgestellt sei. Abg. Hautz setzte auseinander, daß die Verfassungsvorlage in dieser Form für das Zentrum unannehmbar sei. ß 1 bedeute eine Stärkung Preußens. Damit die Macht der Krone, welche die Beamten er- nenne, ebenso wie das Parlament in das Land verlegt werde, ver- lange man einen auf Lebenszeit zu ernennenden Statthalter oder Regenten. Dir Erste Kammer passe nicht für das Land. Würde sie eingerichtet, so müsse sie aus Wahlen hervorgehen, wenn auch aus indirekten, wie jetzt der Landesausschutz. Gegen die Alters- pluralstimme zur Zweiten Kammer sei man, weil sie sich gegen die Sozialdemokratie zu richten scheine und damit ein Ausnahmegesetz geschaffen werde. Die Wahlprüfungen müßten durch das Parlament vorgenommen werden. Die Wohnsitzklausel solle auf das ganze Land ausgedehnt und auf ein Jahr beschränkt und das passive Wahlrecht von 36 auf 25 Jahre herabgesetzt werden. Abg. Blu» men th al forderte volle Autonomie und sprach sich für die republi- kanrsche StaatSform aus. Die E r st e Kammer sei absolut über- flüssig. Er schlage vor, für die Verfolgung der Verfassungsfrage, die ja doch nicht völlig zur Erledigung komme, eine nationale elsaß- lothringische Gruppe zu bilden, die die Forderungen des Landes in dieser Angelegenheit vertreten könne. Aus dem englischen Unterhaus. London. 8. Februars In der heutigen Sitzung des Unter» Hauses stellte der Abgeordnete Robert H a r c o u r t eine Reihe von Fragen bezüglich des deutschen FlottenprogrammS. Der Erste Lord der Admiralität Me K e n n a sagte im Laufe seiner Beantwortung: Es sei nicht anzunehmen, daß irgend eines der vier deutschen Schiffe des Bauprogramms 1909-1910 im laufenden Jahre vollendet sein wird. Ich erwarte nicht, daß 21 Dreadnoughts im Kalenderjahr 1913 von den Wersten abgeliefert sein werden. Bei der Wiederaufnahme der Adreßdebatte beantragte Austen Chamberlain das gestern von der Opposition an- gekündigte Amendement. Er betonte ausdrücklich, daß keinerlei Absicht vorliege, an dem Vorgehen Kanadas und der Vereinigten Staaten Kritik zu üben. Auf der Regieruxig laste eine schwere Verantwortlichkeit dafür, daß sie die dem Mutterlande gemachte» Anerbietungen bezüglich einer Einführung von Vorzugs. zöllen unbeachtet gelassen habe. Es sei dringend notwendig, daß man mit den anderen großen Kolonien zu einer Verständigung gelange, bevor sie von auswärtigen Liebhabern umworben würden. Toppelranömord. Hirschberg. S. Februar.(W. T. B.) In dem benachbarten Orte Langwasser wurden in der vergangenen Nacht die Handelsfrau Siebeneicher und deren Schwester in ihrem Kramladen ermordet. Die Leiche der Frau Siebeneicher wurde mit zertrümmertem Schädel im Brunnen, die Leiche der Schwester im Laden selbst gefunden. Der schwerhörige Mann der Sieben- eicher schlief während der Tat im Obergeschoß und hörte nichts. Die Behältnisse des Hauses waren durchwühlt und ausgeraubt. Vom Täter fehlt jede Spur. » Bamberg, S. Februar.(B. H.) Heute mittag wurde in Königsberg i. Franken der dortige Bürgermeister, Baron v. Seelig. Hauptmann a. D.. in seinem Arbeitszimmer mit durchschnittener Kehle tot aufgesunde«. Drohende Hungersnot. Konstantinopel, 8. Februar.(W. T. B.) Aus Aleppo wird berichtet, daß die Stadt infolge eines seit 25 Tagen andauernden Schneefalles von der Außenwelt faßt völlig abgeschnitten sei. Der Eisenbahnverkehr stockt, der Ausbruch von Hungersnot und Unruhen wird befürchtet. Baul'Singer�Eo..BerlinLVV. Hierzu Z Beilagen u-Unterhaltungsbl. |t. 34. W-IchMg. IJfilüjt des.Kmärls" Kcrlim MM Donnerstag. 9. Febrilür 19l!. l�eickstag. 122. Sitzung. Mittwoch, den 8. Februar 1S11, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. L i S c o. Die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. Aenderung des GerichtsverfassungsgesetzeS und der Strafprozeßordnung wird sortgesetzt. Die Beratung beginnt mit der Abstimmung über den Antrag Dr. Dahlem tZ.), in Z 63 zu bestimmen. daß die Geschäfts- Verteilung beim Landgericht durch das Präsidium in»gemeinsamer Sitzung" zu geschehen habe. Der Antrag wird angenommen. Bei§ 62 begründet Abg. Heine(Soz.) den Antrag, folgenden Absatz einzufügen: .Die Geschäsisverteilung muß so geregelt sein, daß die Zu- ständigkeit der Slraskamniern nach den Anfangsbuchstaben des Namens der Angeklagten und bei mehreren Angeklagten nach dem Anfangsbuchstaben des Namens deS ältesten Angeklagten bestimmt ist. Maßgebend ist der Zeitpunkt der Einreichung der Anklage- schrist. Für nachträglich verbundene Strafsachen bestimmt sich von der Verbindung an die Zuständigkeit so, als wenn sie von vorn- herein als eine einheitliche Anklage erhoben wären." Wir müssen durch das Gesetz Normativbestimmungen geben, wie das Präsidium die Geschäfte zu verteilen hat. Heute steht es dem Präsidium frei, wie es die Geschäfte verteilen will, es würde nichts im Wege stehen,«ine Kammer für alle politischen Pro- zesse zu bilden. Ich erinnere daran, daß in den 90er Jahren bereits schwebende Prozesse umbenannt wurden, um sie vor eine bestimmte Kammer, die sogenannte Brausewetter-Kammer zu bringen. In Berlin schien schließlich jedem Mißbrauch durch die Verfügung vorgebeugt zu sein, daß die Geschäftsverteilung nach dem Anfangs- buctistaben des Namens der Angeklagten erfolgen solle, und daß bei mehreren Angeklagten der erste Buchstabe des Alphabets entscheidend sein solle. Aber bei den Anklagen wegen der Vorfälle in Moabit fand die Staatsanlv altschaft einen anderen Ausweg. Sie erhob lauter Einzelanklagen und behandelte alle späteren als Nachtragsanklagen zu der zufällig als erster erhobenen Anklage gegen Hagen. die vor die dritte Kammer gehörte. Die Eröffnungskammer lehnte dies Verfabren ab und verwies die einzelnen Sachen vor die zuständigen Kammern. Dann aber beantragte die Staatsanwaltschaft, die Sachen sämtlich mit der gegen Hagen zu verbinden, und diesem Antrage wurde stattgegeben. So kamen die Sachen doch vor die dritte Kammer. Warum die Staats- anwaltschaft so handelte, weiß ich nicht. Wenn sie glaubte, die Kammer würde besonders gefällig sein, so hat sie sich ge- täuscht. Aber die bloße Möglichkeit, daß die Staatsanwaltschaft eine bestimmte Kammer sich aussuchen kann, ist eine Gefahr für die Rechtssicherheit, deshalb haben wir den Antrag gestellt. Ein Regicrungskommissar: Mit der Tendenz, die Möglichkeit oder auch nur den Anschein eines Mißbrauches bei der Geschäfts- Verteilung zu verhindern, müßte man einverstanden sein. Aber dieser Antrag will dem Präsidium vorschreiben, wie die Geschäfte zu ver- teilen sind. Das wäre eine Dcgradierung des Präsidiums des Landgerichts. Geh. Oberjustizrat Supper: Der preußische Justizminister hat bereits im preußischen Abgeordnetenhause die Behauptung, daß bei den Moabitcr Prozessen eine Schiebung stattgesunden hat, ent- schieden zurückgewiesen. Der Redner schildert das Verfahren der Staatsanwaltschaft. Abg. Heine(Soz.): Der Bericht des Vertreters des preußischen Justizministers Ve- flätigt meine Darstellung, widerlegt mich also nicht. Frei- lich steht in dem Bericht nicht, daß die Staatsanwaltschaft die Ab- ficht halte, die Sacken vor die dritte Kammer zu bringen, aber sie war sich darüber klar, daß der Effekt ihres Verfahrens fein mußte, die Sache vor die dritte Kammer zu bringen. Sie erreichte dadurch die Erhebung von Nachtrogüklagen. Das war aber falsch. Zu einer Anklage gegen Müller, der am 23. September eine» Exzeß begangen hat, kann eine Anklage gegen kleines f cuilUton. Der Füllfederhalter eine deutsche Erfindung. Wie es mit so manchen Erfindungen geht— man denke nur an den Fernsprecher— in Deutschland werden sie gemacht, erlangen aber erst Geltung, wenn sie von Amerika lanciert und ausgebeutet werden, so ist es auch mit dem Füllfederhalter gegangen. Es ist das Verdienst des kenntnisreichen Feldhaus, darauf hingewiesen zu haben, daß ein Dentscker, der Mechaniker Schcller in Leipzig, schon 1730 dieses Gerät dem„tintenklexenden Saeculo" schenkte. Er nannte es Reiseschreibfeder und verkaufte das Stück einschließlich einer Messingkapsel für den billigen Preis von 10 Groschen. Die Konstruktion war im wesent- lichcn schon dieselbe wie heute. Die Reiseschreibfeder bestand aus einer sich verjüngenden Röhre von Metall und Horn, die am dünneren Ende die Feder, freilich eine Pose, leine Metallseder, trug, am dickeren durch einen eingeschraubten Deckel verschlossen war. Hier wurde die Tinte eingefüllt und floß durch ein ganz kleines Loch der Feder zu. Heute verwendet inan, um das Rosien zu vermeiden, goldene und vergoldete oder Jridiumsedern, aber auch diese Verbesserung rührt nicht von den Amerikanern her. Denn schon im Jahre 1824 wurden goldene Federn verwendet. Noch im Jahre� 1843 kannte man den Füllfederhalter unler dem Namen.sclbstschreibende Feder", aber dann geriet er in Vergessenheit, bis die Dankees über ihn kamen imd Millionen damit verdienten und noch verdiene». Theater. Deutsches Theater: Wieland. Märchen von Karl Vollmoeller. Vollmoellcr, dessen„Gräfin von Armagnac" und„Deutscher Graf" seinerzeit hitzige Bewunderer fanden, hat den ästhetischen Zeichendeutcrn, die in dem verschnörkelt Wunder- lichcn immer wieder Spuren geheimnisvoller Genialität entdecken wollen, einen üblen Streich gespielt. Aus der Art, wie die marionettenhaste Unnatur so mancher Wedekindschen Stücke, z. B. des„Hidallah", als Ausfluß einer ganz besonderen Originalität gefeiert wurde, mochte er schließen, daß dem Kühnen, der die Kon- fufion zum Gipfel steigert, der schönste Ruhmeskranz gewiß sei. Oder er wollte vielleicht auch nur in parodistischer Laune einmal erproben, wie weit das Bluffen mit derartigen Mitteln wohl ge- trieben werden kann. Jedenfalls ist es erfreulich, daß das Publi- kum, das in langmütiger Geduld die ersten Akte über sich ergehen ließ, dann später gegen die Düpierung kräftig zischenden Protest erhob. Ter Sensationsspektakel der letzten Szene in der Luftschiff- Halle konnte nur mühsam zu Ende gespielt werden. Ein Schimmer irgendwelcher Idee läßt sich im Stücke nicht entdecken— außer einer fixen Idee des Helden. Weil er den Vatersnamen Wieland trägt und eine Oper„Wieland" komponiert hat, möchte er die Taten dieses sagenhaften Schmiedes aus der Edda ins Moderne übersetzen. Sa ernennt er eine verschrobene Gouvernante zur Schwanenjungfrau, eifert seinem Vorbilde, das nach dem MythoS fliegen konnte, durch die Erfindung einer Flug. Maschine nach und behandelt seinen Chef, den englischen Groß- tatzmstxi essen Sfctlß, wie der Schmied der Sage den tyrannisch«» Schulze, der am 27. September einen Exzeß begangen hat, nickt eine Nachtragsanklage sein. Das hat die Eröffnungskammer auch eingesehen und bat sich geweigert, die späleren Anklagen vor der 3. Kammer zu eröffnen, sondern hat sie an die einzelnen zuständigen Kammern abgegeben. Hätte die StaatSanwallschaft den bösen Schein vcrnieiden wollen, so hätte sie die Verbindung, die im Interesse der Sache lag, vor allem in dem der Verteidigung, vor derjenigen Kammer beantragen müssen, vor welche die ganze Sache gehörte, wenn sie von vornherein als eine einheitliche behandelt worden wäre. Weshalb das nicht geschah, weiß ich nicht, doch kann ich eine Vermutung aussprechen: Dir dritte Kammer stand in dem Rufe, ungewöhnlich hohe Strafe» zu verhängen, und der Staatsanwaltschaft wäre es angenehm gewesen, wenn die Sache niit hohen Strafen geendet hätte, weil sie dadurch einen Effekt auf die nachfolgende Schwurgerichtsverhandlung ans- geübt. Es wurden ja merkwürdigerweile die leichteren Fälle vor den schwereren verhandelt. Hierbei war offenbar das Bestreben, den Geschworenen ein Freisprechen unmöglich zu machen, indem man durch eine Straf- kammer die geringer belasteten Angeklagten schon zu hohen Strafen verurteilen ließ. Ich glaube nicht, daß der Oberstaatsanwalt einen solchen Sckritt, der zu so peinlichem Aufsehen führen muß, tut, ohne etwas Bestimmtes zu wollen, oder ohne daß er einen Auftrag dazu erhalten hat. Ich nehme das letztere an, ich habe die Ueber- zeugung. daß man ihm von oben Aufträge oder wenigstens Winke gegeben hat. Der erste Regierungsvertreter hat anerkannt, daß die Absicht unserer Anträge lobenswert sei. Dann sollte sie das ReichS- justizamt doch nicht beläinpfen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.) Geheimer Ober-Justizrat Supper: Neben dem Justizminister könnte nur ick in Frage kommen, um einen solchen Auftrag zu er- teilen. Der Justizminister hat im Abgeordnetenhause bereits erklärt, daß er einen solchen Auftrag nicht erteilt hat und auch ich erkläre auf das bestimmteste, daß ich irgendwie nicht in das Verfahren eingegriffen habe. Es war rein zufällig, daß in der Sache Hagen die Voruntersuchung zuerst abgeschloffen war. Abg. Dr. Heinze(natl.): Ich möchte davor warnen,'Stiren einzelnen Fall zun, Ausgang einer Geseyesänderung zu machen. Der Antrag ist auch deshalb nicht annehmbar, weil dann jede Ver- teilung der Geschäfte nach dem Inhalt der Anklagen unmöglich ist und eS könnte doch sein, daß für bestimmte Sachen bestimmte Kammern besonders geschickt sind, z. B. für Sachen, bei denen es sich um unlauteren Wetlbewerb handelt. Abg. Heine(Soz.): Gerade diese Ausführungen beweisen die Notwendigkeit des Antrages. Der Vorredner erwähnte, eS könnte eine Kammer für den unlauteren Wettbewerb besonders wünschenswert sein. Will er vielleicht auch eine bestimmte Kammer für Preßdelikte und vielleicht auch eine be st immte Kammer für politische Vergehen?(Sehr gut! links.) Daß die Regierung hierfür besonders geschickte Richter finden wird, ist nicht zu be- zweifeln.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was wir in Preußen seit einem halben Jahrhundert an politischen Prozessen erlebt haben, was wir heute noch alle Tage erleben, muß uns mit größtem Mißtrauen erfüllen und sollte auf allen Seiten des Hauses, wo Gefühl für Gerechtigkeit und die Würde des Richter- standcs zu finden ist, zur Zustimmung für unseren Antrag nötigen. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Geh. Justizrat Supprr: Bestimmte Unterlagen für seinen Antrag hat der Abg. Heine nicht erbracht, er bringt nichts weiter vor, als sein Mißtrauen.(Bravo rechts.) Abg. Heine(Soz.): Wer sich Vertrauen verdient, der findet eS, wer seit 60 Jahren nichts anderes tut, als Mißtrauen zu säen, kann sich nicht wundern, wenn das Mißtrauen auch aufschießt. (Lebhaste Zustimmung links.) Abg. Dr. Heinze(natl.): Ich muß dem Abg. Heine erwidern, daß die moderne Entwickelung auf Spezialgerichte hingeht. Abg. Heine(Soz.): Das ist eine total andere Frage, da handelt es sich um Spezialgerichte, die durch das Gesetz geschaffen und mit allen Kantelen einer unparteiische» Recht- sprechung ausgestattet werden.(Lebhafte» Sehr richtig! linls.) Damit schließt die Dislussion. Der Antrag wird gegen die König. Seine Wielandmission verlangt eS, daß er den Sohn Sir Marks, indem er ihn bei einem wahnsinnigen Flugversuche unter- stützt, ums Leben bringt und die Tochter kraft seiner Zaubermacht verführt. Das Ganze ist nichts als ein plumper, grotesk zusammen- gestoppelter Kolportageroman, der durch den glitzernden Besatz von Märchenanalogien den Anschein einer tieferen Bedeutung borgen inöchte. Keine Hintertreppengeschichte kann mit bunteren, lächerlich unwahreren Effekten arbeiten. Da gibt's z. B. eine schöne Dame, die zwei Jahre bei dem Industriellen wohnt»nd von jedermann für seine Geliebte gehalten wird, bis sich an dem ereignisreichen?lbend, an dem Wieland nach Ueberquerung des Kanals triumphierend wiederkehrt, eine furchtbare Seelentragik enthüllt. Die Dame verhieß einstmals dem Mr. Marks, der auch an der Erfindung von Flngmafchinen arbeitet, sie würde nach dem ersten gelungenen Aufstiege die Seine werden. Der arme Mensch hat sich an ihrer Seite so lang abgemüht, bis sie es mit dem Warten satt bekam. Nun will er das Versäumte nachholen. Zu spät. Sie weiß, er hat Bankerott gemacht und stößt ihn fort. Er ringt mit ihr und fällt, vom Herzschlage getroffen, bumstot zu Boden. Die Flammen einer Brandstiftung ergänzen stimmungsvoll das düstere Bild. Das sind so Kleinigkeiten nebenher, wenn Wie- land nicht gerade selbst auf der Bühne zu tun hat. Seine Chancen scheinen sich glänzend zu gestalten. Eine Aktiengesellschaft gründet ihn. Unzählige Scharen harren auf die neue Fahrt deS Luftschiffes. Er feiert unterdes eine Licbesnacht mit Ethel Marks und gesteht ihr seine Angst, das Wagnis noch einmal zu wiederholen. Der Motor surrt, er klettert auf die Maschine, klettert wioder runter und schießt sich tot— aus Todesfurcht. Bas s e r m a n n legte sich mit Feuereifer, aber vergebens für die unmögliche Figur ins Zeug. W i n t e r st e i n gab den Industriellen in vornehm-würdiger Haltung. In Episodenrollen hatten Herr Biensfeldt als Manager der Gründung und Fräulein Sidonie Lorm als ewig entrüstete Schwanenjungfrau-Gou- vernante einen Heiterkeitserfolg. Die Inszenierung war von Rein- Hardt selbst. � dt. Humor und Satire. Konservativ. Was immer mir das Schicksal Gutes sendet: Na, wie Gott will I Wenn Seine Majestät mir Orden spendet: Ich halte still. Auch den Minister mag ich gerne haben, Vorausgesetzt, . Daß er mein Reckt auf reiche Liebesgaben Nicht dreist verletzt. Daß man deS Bauern Menschenwürde schone, Ist Onatsch und Onaln«. Ich respektiere nur Agrarbarone Mit Ar und Halm. Kein Junkersproß ist durchs Gesetz gezügelti DaS ziemt dem Knecht. Glaubt der nicht dran, wird eS ihm eingeprügelt— Und zwar nicht schlecht. Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen und der Pole» abgelehnt. Zu§ 69 beantragen die Abg. A l b r e ch t und Genoffen(Soz.) hinzuzufügen:„die richterlichen Geschäfte an den Landgerichten dürfen in Strafsachen nur von ständig angestellten Richtern wahr- genommen werden." Abg. Miiller-Meiningen(Vp.) beantragt, dem Z 77 hinzuzufügen: „das Amt eines Mitgliedes einer Strafkammer darf nur von einem ständig angestellten Richter wahrgenommen werden." Abg. Stadthagen iSoz.): DaS Hilfsrichtertum ist selbst von der Regierung verurteilt worden, und in der Kommission wurde hervorgehoben, daß in Bayern durch die Landesgesetzgebung die Zuziehung von Assessoren zu den Straf- kammern ausgeschlossen ist; um so weniger ist Grnnd vorhanden, im übrigen Deutschland nicht dasselbe zu tun. Schon in den 70er Jahren bei Schaffung des Gerichtsverfassungsgesetzes war man überzeugt, daß dos Hilfsrichtertum nur ein Notbehelf sei. Es ist also jetzt Zeit, völlig damit aufzuräumen; ist nicht die genügende Anzahl von Richtern vorhanden, so mag man sie schaffen. Wir bringen nicht diesem oder jenem einzelnen Richter Mißtrauen entgegen, sondern jedem, dem die Voraussetzung fehlt, daß er ein unabhängiger Richter i st. In der Be- schränkung auf die Landgerichte ist die Sache durchführbar, und wenn die preußische Verwaltung daS Gegenteil meint, so hat der Reichstag die Pflicht, ihr zu zeigen, daß Kräfte vorhanden sind, die eine rückständige Verwaltung vorwärtszwingen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): Unser Antrag ist nur eine Konsequenz des gestern angenommenen Z 22 a, der bei den Amts- gerichien die Hilfsrichter in Strafsachen ausschließt. Staatssekretär Dr. LiSco: Da ich hoffe, daß derZ22»i»der d ri tten L e lun g wieder entfernt werden wird, so bitte ich, auch hier die Anträge abzulehnen. Abg. Dove(Vp.): Jetzt sind ja die meisten Strafkammern mit Richtern besetzt. Das ist ein Erfolg der hier an dem HilfSrichternnn so häufig geübten Kritik. Ich erinnere aber an den Prozeß W a l d e ck und ähnliche politische Prozesse. Deshalb wollen wir das Hilfsrichtertum gesetzlich unmöglich machen.(Zustimmung links.) Abg. Gröber(Z.) tritt, im einzelnen schwer verständlich, für den Antrag Müller-Memingen ein. Abg. Stadthagen(Soz.): Ich möchte dringend um Annahme der Anträge bitten. Affefforen in Strafkammern bedeuten eine schwere Gefahr für die Rechtssicherheit. So bestand z. B. die Königsbergcr Strafkammer, die meinen Parteifreund M a r ck w a l d aburteilte, aus dem Vor« sitzenden und sage und schreibe vier Assessoren.(Lebhaftes Hört I hört! links.) Wir müssen die Assessoren aus den Strafkammern herausbringen. Das bezweckt unser Antrag sowie der Antrag Müller-Memingen, der sich nur redaktionell von ihm unterscheidet. Nehmen Sie beide Anträge oder mindestens einen von beiden an. (Beifall bei den Sozialdeniokraten.) . Abg. Bassermann(natl.) spricht sich im Sinne deS Abg. Gröber, d. h. für den Antrag Müller-Meiningen aus. Der Antrag Müller-Meiningen wird gegen die Stimmen der Rechten angenommen, der Antrag Albrecht wird zurück- gezogen. Zu§ 73 liegt ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) und«in nur redaklionell verschiedener Antrag Ablaß(Vp.) vor, im Gegensatz zu den Kolninissionsbeschlüffen die Verbrechen im Amt, Urkunden- fälschung und betrügerischen Bankerott nicht den Strafkammern zu unterstellen, d. h. bei den Schwurgerichten zu belassen. Abg. Zietsch(Soz.): Für unseren Antrag spricht schon der Umstand, baß im Prinzip die Strafkammer nur über Verbrechen urteilen sollen, auf die als Höchststrafe 5 Jahre Zuchthaus stehen, ivährend die oben genannten Verbrechen mit weit höheren Höchststrafen bedroht sind. Es wird nun gesagt, daß eS sich beim betrügerischen Bankerott usw. um sehr schwierige Materien handelt. Da» stimmt; aber dem gegenüber ist zu bemerken, daß sich manch- mal unter den Geschworenen bessere Kenner der Materie finden, als unter den Richtern. Namentlich aber würde die Be« lassung dieser Fälle bei den Schwurgerichten den vorteil haben, Nun gar erst die verfluchten Demokraten! Schockschwerenot: Am liebsten schlüg' ich diese Teufelsbraten Mit Keulen tot. Gibt mir nicht bald der Staat für fie den Knebel, Gerb' ich ihm's Fell Und werde, schlimmer noch als August Bebel, Ein Mordsrebell. Aus ganz Ostelbien ruf' ich zur verteid'gung Den letzten Mann l Auf eine saft'ge MajestätSbeleid'gung Kommt's mir nicht an... Michel. Notizen. � Theaterchronik. DaS Marionetten-Theater Münchener Künstler bringt am Sonnabend„DaS Eulen- schloß" von Pocci zur e r st e n Aufführung, hierauf neu ein- studiert: Mozarts„Bastien und Bastienne".— Im Kleinen Theater ist die Premiere von Franz M o l n a r S bis Mitte nächster Woche verschoben. Am Sonnabend geht dafür Thomas.1. Klaffe" und MannS„VarietS" und„Die verflixten Frauenzimmer" von Burckhard in Szene. Im Kampf gegen die Zensur. Die Neue Freie Volksbühne hat gegen die Entscheidung des Bezirksausschusses, die ihre Stücke der Zensur unterwarf. Klage beim OberverwaltungS« gericht eingereicht. — Ein Theaterdirektor ohne Konzrssion. Herr Zickel, der bisherige Direktor deS LustspielhauseS, dessen Konzession gefährdet ist, hatte als event. Nachfolger Harry Molden erwählt. Aber die Polizeidirektion hat ihm wegen mangelnder Zuverlässigkeit die Konzession nicht erteilt. Der Bezirksausschuß wird zu ent- scheiden haben, ob dieser Beschluß ausrecht zu erhalten ist. — Die Nürnberger Stadtmauern entzückten bisher Heimische und Fremde durch das frische Wachsen und Blühen von Baum und Gesträuch, das sie malerisch umgab. Da aber irgend welche Wissenschaftler entdeckt hatten, daß die historische Treue darunter leide, ließ der Magistrat das unbotmäßige Zeug beseitigen. Die historische Treue ist jetzt wieder hergestellt, aber wenn der Frühling ins Land kommt, wird man finden, daß kahle Mauern reizlos sind und daß neues Leben alten Ruinen, auch wenn sie noch so gut erhalten find, erst ihre Schönheit gibt. — In der F am i l i e Tolstoi sind Kämpfe um die Herausgabe des Nachlasses und die Verwendung der daraus zu er- wartenden Einnahmen entbrannt. Auch über das Schicksal von Tolstois Gut wird in der russischen Presse lebhaft debattiert. Der Ertrag der ersten Ausgabe von Tolstois letzten Werken soll zum Ankauf des Gutes(nach einer anderen Fassung von anderem Land) für die Bauern verwandt werden. Auch wird dem bisher bekannt gewordenen Testament ew anderes entgegengestellt. daß weniger ItrtelTe gefällt werden, die dem gesunden Volksempfinden direkt ins Gesicht schlagen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Volksrichter möchten doch weniger als gelehrte Richter geneigt sind, gerissene Schwindler laufen zu lassen.— Für die Belassung der Verbrechen im Amte bei den Schwurgerichten sprechen die allcrgewichtigsten Gründe. Gerade, weil die Beamten nur zu leicht in die Meinung verfallen, etwas Besseres zu sein als„untere" Volksschichten, müssen sie, wenn sie das auf sie gesetzte Vertrauen täuschen, der Rechtsprechung der Volksgerichte unterstehen. sSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In einer Zeit wie der unserigen, in der das Schwurgericht sich von so vielen Seiren den heftigsten Angriffen ausgesetzt sieht, ist es doppelt notwendig, allen Ab- bröckelungsversuchen entgegenzutreten. Die Re- gierung hat zu unserer Freude erklärt, dasi sie nicht an die Ab- schaffung der Schwurgerichte denke. Aber das genügt nicht. Die Abbröckelung ist ebenso schlimm wie die brutale Abschaffung. Darum heiht es: den Anfängen widerstehen, die Gelüste zur Abbröckelung zu bekämpfen, wo immer sie auftreten. Darüber hinaus beantragen wir, wie ich hier schon vorweg bemerken will, eine Erweiterung der schwurgerichtlichen Kompetenz aus Preßvcrgehen. Der Angr'ks ist die beste Wehr und den Bestrebungen auf Be- schränkung, Abbröckelung oder gar Abschaffung der Schwurgerichte treten wir am wirksamsteu entgegen, wenn wir die Kompetenz der Schwurgerichte ausdehnen. Und ganz sicher ist es, daß die Schwurgerichte, wie mangelhast auch in unseren Augen ihre Zusainmensetzung sein mag, immer noch durchweg den ent- schiedenen Vorzug vor den gelehrten Gerichten verdienen. Bei einem Schwurgericht wäre es denn doch wohl kaum vorgekommen, dajj ein Redakteur unserer Partei zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wäre, weil er das preu bische DreiklassenhauS beim richtigen Namen genannt hat.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Auch Schwurgerichte können Fehlurteile fällen: ich erinnere an jenes Urteil, das vor 16 Jahren, in Essen ge- fällt worden ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- dcmokraten.) Aber die Fehler des Schwurgerichts tilgt man nicht, indem man e« abschafft. Immerhin ist das Schwurgericht, selbst wie es heute ist, die populärste Gerichtsinstitution und wir werden uns seiner Abbröckelung wie seiner Abschaffung mit allen unseren Lkräften widersetzen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Abg. Dr. Ablas)(Vp.): Ich kann mich den wirklich vorzüglichen Ausführungen des Vorredners vollinhaltlich anschliesien. Unser An- trag bezweckt ja sachlich dasselbe, wie der sozialdemokratische An- trag; wir möchten allerdinc>S die Faffung unseres Antrages vorziehen. Mit dem Vorredner sage ich: principiis obsta I laßt unS den An- sängen widerstehen I Wir. die wir daS altgermanische Schwurgericht, dessen Wiederherstellung in moderner Form eine der wichtigsten Errungenschaften des Liberalismus gewesen ist, unter allen Umständen zu verteidigen und zu erhalten entschlossen sind, wir müssen jedem AbbröckelungSversuch entgegentreten.(Lebhafter Beifall links.) BundesratSkommiffar OberlandgerichtSrat Schulze: Mit Rede- Wendungen wie„Abbröckelungsversucbe",„Principiis obsta" usw. kann man diese ernste Frage denn doch nicht lösen. Die Stimmung der Fachleute ist entschiedenge gen dieSchwurgerichte; wenn die Regierung nicht entschlossen gewesen wäre, die Schwurgerichte bei- zubehalten, so hätte sie wahrlich nicht mit der Abbröckelung kommen brauchen, sondern wäre gleich aufs ganze, auf die Abschaffung ge- gangen. Die Regierung will aber die Schwurgerichte beibehalten und die Einführung des Schöffenprinzips in die Strafkammern ist durchaus nicht gedacht als ein Versuch, daS Geschworenenprinzip zu untergraben. Die Kommissionsbeschlüsse, um deren Aufrecht- erhaltung ich dringend bitte, bedeuten keine Abbröckelung, sondern eine Sanierung der Schwurgerichte.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Barenhorst(Rp.): Ich bin ein warmer und entschiedener Freund der Schwurgenchtei deren Erhaltung ich durchaus wünsche. Wir, die wir die Schwurgerichte zu entlasten, von ungeeigneter Ver- Wendung zu befreien suchen, wir sind die wahren Freunde der Schwurgerichte, denen dagegen Herr Zietsch mit seinen Anträgen im Grunde einen schlechten Dienst erweist.(Lebhafter Beifall rechts.� Mg. Heine(Soz.): Die Regierung und die Mehrheit der Rechten versichern ihre Freundschaft gegen die Schwurgerichte, sie haben sie eben zum Fressen lieb(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Wo herrscht eine besondere Mißstimmung gegen die Schwurgerichte? In den Amts st üben. Aber da hat sie geherrscht von dem Tage an, wo diese Errungenschaft politischer Freiheit geschaffen wurde. Es ist nicht der geringste Anlaß vorhanden, den Schwur- gerichten Mißtrauen entgegenzubringen. Praktische Juristen wissen, daß die Schwurgerichte von allen Gerichten relativ am besten funktionieren. Wo wirklich ein Fehlspruch vorgekommen ist, wie in dem unglückseligen Essener Prozeß vor 1b Jahren, sind die Juri st en die moralisch Verantwortlichen, die Ge- schworenen hätten nicht einen so fürchterlichen Fehlspruch getan, wenn sie nicht systematisch von den Juristen gerade in unjuristischem Sinne bearbeitet worden wären, im Sinne der Aufpeitschung der politischen Leidenschaften (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). Es ist nicht einzusehen, warum die Schwurgerichte nicht über betrügerischen Bankerott und über die Fälschung einer öffentlichen Urkunde urteilen sollen. Grundsätzlich ist daran festzuhalten, daß den Schwurgerichten nichts weggenommen wird. Geh. Oberlandesgerichtsrat Schulz: Daß nur Bureaukraten- seelen Gegner der Schwurgerichte sind, ist nicht richtig, auch unter den Professoren und Rechtsanwälten sinden sich solche Gegner. Abg. Wellstein(Z.): In der Kommission hat nur ein einziges Mitglied für die Ersetzung der Schwurgerichte durch die großen Schöffengerichte gestimmt? dort bestand also keine Animosität gegen die Schwurgerichte, und die Anträge der Kommission, bestimmte Sachen den Schwurgerichten abzunehmen, entspringen rein fach- lichen Erwägungen. Abg. Bassermann(natl.): Von einer Animosität gegen die Schwurgerichte kann keine Rede sein, aber man sollte ihnen mög- lichst nur Sachen mit einfachen Tatbeständen überweisen, nicht der- artig komplizierte Sachen, wie betrügerischen Bankerott. Abg. Graf(Wirtsch. Vg.): Ich glaube doch, daß in der Kom- Mission noch mehrere waren, die nicht Freunde des Schwurgerichts sinv, es wollte nur keiner mit bestimmten Anträgen vorangehen(Heiterkeit links). Ich erinnere an den Fehl- spruch des Essener Schwurgerichts; glücklicherweise war es ein Schwurgericht, nicht ein gelehrtes Gericht, das den Fehlspruch tat. Freund des Schwurgerichts ist natürlich die Presse, darüber hinaus aber eigentlich niemand(Widerspruch links). Die Schwur- gerichte sind nicht eine altgermanische, sondern eine französische Einrichtung(Widerspruch links). Abg. Werner(Antis.): Die Urteile der Schwurgerichte ent- sprechendemVolkscmpfinden mehr als die der gelehrten Gerichte. Sollten sie wirklich aus dem Ausland stammen, so würden wir eben einmal etwas Gute? auS dem Ausland genommen haben. Abg. Dr. Ablaß(Vp.): Den Essener Prozeß kann man doch nicht den Geschworenen allein zur Last legen, wie es Herr Gräf tut; die gelehrten Richter waren nicht der Meinung, daß ein Fehl- spruch vorlag, sonst hätten sie den Spruch aufheben müssen. Auch die Eröffnung des Verfahrens geschah von gelehrten Richtern, ebenso war der Staatsanwalt ein Jurist.— Die Vor- läge der verbündeten Regierungen enthält eine Einengung der Kompetenz der Schwurgerichte, darüber helfen alle JreundschastS- beteuerungen nicht hinweg. Abg. Heine(Soz.): Herr Gräf meint, der Essener Prozeß müßte den Leuten die Lust an den Schwurgerichten nehmen. Der ganze Prozeß ist eingerührt von Juristen, und zwar durch den Borsitzeuden in der SiMffachc gegen den Redakteur Markgraff; dieser gehörte zu den Juristen, die nicht Begreifen, daß ein Mann, her Uniform an hak, etwas Unrichtiges aussagen kann. In der Verhandlung gegen Schröder und Genossen waren der Staatsanwaltschaft schon die ewichtigsten Bedenken gegen die Glaubwürdig- eit des Munter bekannt, trotzdem sagte er:„Die Glaubwürdigkeit des Munter ist nicht anzuzweifeln. Wenn er selbst einmal einen Pufs zuviel ausgeteilt haben sollte, so kann man ihm das nicht zur Last legen".(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Er beantragte daS Schuldig mit der Begründung: „AuS dem Grundsatz heraus: Prvlclarirr aller Länder, vereinigt Ench! find die Meineide entstanden." In dieser Art hat die Staatsanwaltschaft die Leiden- schaften der Geschworenen ausgestachelt, und auf ihr bleibt eS hängen, wenn diese den Fehlspruch taten.(Sehr ricbtig I bei den Sozialdemokraten.) Das ist aber nichts Neues, das ist in Preußen Verwaltungspraxis. Als im Jahre 1886 Singer die Taten des Jhring-Mahlow im Reichstage zur Sprache brachte und das ganze Haus zwischen Entrüstung und Entsetzen schwankte, da erklärte der Minister v. Puttkamer, der Jhring-Mahlow sei ein glaubwürdiger Man», und bat den Abg. Singer, ihm die Zeugen zu nennen, auf die er sich berief, damit er sie zur Verantwortung ziehen könne, und er fügte hinzu, die Untersuchung werde wohl nicht zum Vorteil dieser Gewährsmänner ausfallen. DaS ist eben das Puttkamersche Prinzip: Wer gegen einen Beamten etwas aussagt, ist verdächtig, und gegen ihn wird Anklage erhoben, nicht gegen den angeschuldigten Beamten. Ein solches Verfahren mutz Früchte tragen, und wenn die Ge- schworenen dadurch wirklich irre gemacht werden und in der Leidenschast ein falsches Urteil fällen, so will ich die Verantwortung dafür den einzelnen Geschworenen nicht abnehmen, sie trifft aber nicht das Institut, sondern die Juristen, welche von ihrer juristischen Gewandtheit und ihrer Fähigkeit zu reden einen geradezu ver- brrcherischen Gebrauch gemach« haben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Zietsch(Soz.): Der RegierunaSkommissar sagte, eine Abbröckelung der Ge- schworenengerichte sei nicht beabsichtigt, sie sollen vielmehr gegenüber dem bisherigen Zustand gefestigt werden, wir sollten nur kein Miß- trauen haben. Dieser Appell wird ungebört an uns vorübergehen. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir haben Mißtrauen und haben es um so mehr, als wir ja wissen, daß eine organisierte Bewegung vorhanden ist, die sich nicht nur gegen die Schwur- gerichte richtet, sondern gegen die Zuziehung des Laien- elemenreS überhaupt.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokr. — Der Abg. Gräf hat es so dargestellt, als ob man nur deshalb in der Kommission nicht radikal gegen die Schwurgerichte vor- gegangen sei, weil die Mehrheit nicht reaktionärer scheinen wollte, als die Regierung. So steht eS aber denn doch nicht. Bei mehr als einer Gelegenheit hat die Kommission durchaus kein Bedenken ge- tragen, dir Regiennigsvorlage noch reaktionärer zn verschlimmern.— Bon antisemitischer Seite wendet man gegen die Schwur- gerichte ein, sie seien nur scheinbar eine altgermanische Institution, in Wirklichkeit eine Ausgeburt der französischen Revotuiion. Es ist sonderbar, daß dieselben Nrteulschen so gar keine Einwände gegen die durch und durch französische Institution der Staatsanwaltschaft erheben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Stadthagen(Soz.): Alle Mängel, die dem Schwurgerichte anbasten, stammen nicht von der Institution als solcher, sondern hängen zusammen mit dem Klassencharakter, den man dem Schwurgerich« gegeben hat. Wo immer befremdliche Urteile von den Geichworenen gefällt werden, da find die Urteile eben nicht gefällt worden von Volksrichtern, sondern von Laienrichtern, die als Klaffenrichter fungierte» (Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ueber den Klassencharakter der Geschworenen, wie er in der Art ihrer Auswahl begründet ist, wird sich bei späterer Gelegenheit noch reden lassen. An dieser Stelle möchte ich nur dem Irrtum entgegentreten, daß da» Schwur- gericht keine altgermanische Institution sei. Wenn irgend etwas in der Rechtögeswichte feststeht, so ist eS der urgermanische Charakter der Schwurgerichte. Im alten Deutschland gab es keine gelehrten Rilbter, das Recht zu finden war Sache des Voltes beziehimgsweise vom Volk erwählter Richter. Dagegen möchte ei Herrn Gras interessieren, zu erfahren, daß die von ihm so sehr geliebten Schössen eigentlich he- bräischen Ursprungs sind.(Große Heiterkeit.) Gerade die Befürworter des Deutschtums in der Rechtspflege sollten für unsere Anträge stimmen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gräf(Wirtsch. Bg.j: Ich lehne eS ab, von Herrn Stadt- Hägen Belehrungen über deutsches Recht entgegenzunehmen.— DaS Schwurgericht ist so wenig deutsch wie der Abg. Stadthagen. (Heiterkeit rechts, Lachen links.) Abg. Müller- Iserlohn(Vp.): Ich bin ein aufrichtiger Anhänger der Zuziehung der Laien, ein Freund der Schwur- wie der Schöffengerichte, muß aber mich doch gegen die scharfen Angriffe wenden, wie sie von sozialdemokratischer Seite gegen die Berufs- lichter gerichtet werden. Die Diskussion schließt. Präs. Graf Schwerin-Löwitz: Der Abg. Heine hat am Schluß seiner Busführniige» Wendungen gebraucht, die nur so zu verstehen sind, daß er den am ersten Essener Prozeß beteiligten Juristen einen verbrecherischen Gebrauch ihrer größeren formalen Bildung usw. vorgeworfen hat. Wegen dieser Aussührungen rufe ich den Abg. Heine zur Ordnung.(Lebhafter Beifall rechts.) Sämtliche AbänderungSanträge werden— gegen Sozialdemo- kraten und Fortschrittler— abgelehnt,§ 78 in der Fassung der Kommission angenommen. Nach debaneloser Erledigung einiger weiterer Paragraphen ver- tagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr._ Mgeorclnetenbaus. 22. Sitzung vom Mittwoch, den 8. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Dallwitz. Tagesordnung: Erste Lesung de« Gesetzentwurf» über den Zweckverband Groft-Berltn. Minister v. Dallwitz: Es hat sich als notwendig erwiesen, für Groß-Berlin einen besonderen Gesetzentwurf borzulegen, weil onst eine Menge Spezialbestimmungen in das allgemeine Gesetz hätten hineingearbeitet werden müssen und weil aus freiwillige Ver- einbarungen zwischen Berlin und seinen Vororten nach den bis- herigen Erfahrungen in nennenswertem Umfange nicht zu rechnen war. Eine früher geplante weitgehende Eingemeindung von Vororten in Berlin konnte infolge des Widerspruchs des Magistrats von Berlin nicht durchgeführt werden. Inzwischen haben sich die Vororte zu leistungsfähigen Gemeinden ausgebildet und es bleibt nur noch der Weg der Bildung eines Zweckverbandes übrig. Natürlich kann dabei nur vorsichtig, tastend und zögernd vorgegangen werden und es können nur solche Ausgaben dem neuen Verbände zugewiesen werden, welche tatsächlich für eine e i n h e i t« liche Verwaltung reif sind und deren Regelung im Interesse der Allgemeinheit liegt. DaS gilt vor allem für daS Verkehrswesen, für die Erhaltung von Wäldern, Parks, Wiesen. Schmuck-, Spiel- und Sport- Plätzen, sowie für die Feststellung einheitlicher Bebau ungs- Pläne. Die Organisation ist im wesentlichen der der Provinzialverbände nachgebildet. Bon einer Knechtung der freien Selbstverwaltung durch diesen Entwurf, wie in der Presse behauptet worden ist. kann gar keine Rede sein. Man müßte denn freie Selbstverwaltung mit kommunalem Egoismus und PartikulariSmuS verwechseln. Ich hoffe daher, daß der Entwurf als geeignete Grundlage für die Beratung angeschen werden wird.(Bravo! rechts.) Abg. v. Brandenstein(k.): Seit einem halben Jahrhundert hat der preußische Staat ohne jeden praktischen Erfolg an der Aufgabe, um die es sich hier handelt, gearbeitet. Es bleibt nunmehr nur der Weg des Zweckverbandes übrig. Daran, daß die K r e i s e als Ganzes beitreten, halten wir fest. Dagegen ließe es sich viel- leicht machen, daß als Vertreter nur Mitglieder von Gemeinden ge- wählt werden können, die nicht soweit von Berlin entfernt sind, daß sie gar kein Interesse mehr an dem Ziveckverband haben. An dem Drittel der Stimme n muß ebenfalls festgehalten werden. Bedenken kann erregen, daß die Berechnung der Vertreterzahl lediglich nach der Einwohnerzahl erfolgen soll. Es muß auch die Steuerlei st ung irgendwie dabei berückstchngt werden. WeS- halb bei der Aussicht auch der LandwirtschastSminister mitwirken soll, ist mir nicht recht verständlich. Für Bauten deS ZweckverbandeS sollte als begutachtende Körperschaft eine Sack- ver st ändigenkom Mission resp. ein Beirat im Gesetz fest- gelegt werden. Bedenklich erscheint weiter, daß die Kosten stir Er- Werbung von Wäldern gleichmäßig verteilt werden sollen, weil die ganze Bevölkerung daran interessiert sei. Erstens hat die ärmere Bevölkerung daran weit mehr Interesse als die Kreise, die große Teile des JahreZ sich in St. Moritz, m der R i v i e r a usw. aushalten, und schließlich haben doch die Anwohner der betreffenden Gegend, wo der Wald, Park) Spiel- platz usw. liegt, auch ein großes finanzielles Interesse daran. Der Wunsch verschiedener Petitionen, daß die schweren Lasten, welche einzelne Gemeinden durch die Volksschulunterhaltung haben, aus den Verband übernommen werden möchten, scheint uns sehr erwägenswert. Wir machen aber davon unsere Zustimmung zu dem Gesetz nicht abhängig.(Bravo I) Abg. Linz(Z.): Nachdem von einer Eingemeindung der Vor« orte in Berlin nicht mehr die Rede sein kann, ist der Zweckverband der einzige Weg. Wir sind mit der Vorlage im allgemeinen ein« verstanden. Abg. Keil(natl.) kritisiert einzelne Bestimmungen des Entwurfs. Man sollte nicht die ganzen Kreise in den Zweckverband nehmen, sondern nur die Teile, die wirtschaftlich heute schon mit Berlin zu- sammenhängen. Dem Verbände selbst darf nicht daS Recht gegeben werden, seine Kompetenzen zu erweitern. Es soll eine schritt« weise Entwickeln ny angebahnt werden. Wir werden in der Kommission gern an dem Zustandekommen der Borlage mitarbeiten. (Bravo!) Abg. Cassel(Vp.): ES ist sehr bedauerlich, daß die betroffenen Gemeinden nicht vor Einbringung dieser Vorlage gehört worden sind. Daß der Magistrat von Berlin seinerzeit die EingemeindungS- frage etwas lässig behandelt hat, gebe ich zu. Er hatte allerdings dazu gewisse Gründe und eS geht doch auf keinen Fall an, 0t die Berliner für die Sünden ihrer Väter büßen zu lassen. Das te wäre heute die Bildung einer Körperschaft wie der Graf- schaft London mit von den Angehörigen des Verbandes zu wählenden Vertretern. Geht dies nicht an, so ist allerdings der Zweckverband der einzige Weg. Die Erwerbung eineS Wald- gürtelS um Berlin wäre allerding» durch fteie Vereinbaruno sehr wohl möglich, wenn der FisluS nur angemessene Preise fordern wollte.(Sehr wahr! links.) Die Hast, mit welcher der Entwurf eingebracht ist, läßt den Schluß zu, daß fiskalische Jnter- essen dabei im Vordergrunde stehen. Es gibt im Ministerium ganz geriebene Kaufleute und der Satz'fiseu» non erubesoit(Der FiskuS errötet nicht) gilt auch heute noch.(Sehr gut! links.) Die BerkehrSkalamität in Groß-Berlin ist erst durch beklagenswert« Maßnahmen früherer Minister geschaffen worden, namentlich durch die Kon« zesstonSverlängerung für die Große Berliner Straßenbahn bis ISIS hinter dem Rücken der Stadt Berlin durch den Minister v. Thielen.(Hört! hört! links.) Dadurch ist die Monopolstellung der Großen Berliner herbeigeführt worden. Und wie kommt der Polizeipräsident von Berlin dazu, den Beginn der Nord-Südbahn abhängig zu machen von der E i n i g u n g m i t T« m p« l h o f I(Sehr wahr links.) Damit handelt da» Polizei« Präsidium allein im Interesse der Gesellschaft, die das Tempelhofer Feld gekauft hat und ihrerseits ver- tragSmäßig verpflichtet ist, für gute Anschlüsse nach Berlin zu sorgen. (Hört! hört! links.) Den Vorrednern danke ich für ihre objektive Stellungnahme im Interesse Berlins.(Abg. Hoffmann(Soz.): Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!) Gewiß, Herr Hoff- mann, aber ich bin nicht so politisch prasoocupisrt(voreingenommen), daß ich nicht an die Loyalität dieser Erklärungen glauben sollte (Bravo I recht«), wenn ich auch durchaus nicht mit allen«euße- rungen der Herren übereinstimme. Die vorgesehene spätere Ent» schädigung der Gemeinden, deren Eigentum und Rechte auf den Verband übergehen sollen, widerspricht der Bestimmung der Verfassung, wonach das Eigentum unverletzlich ist und nur im dringenden Interesse des öffentlichen Wohl« gegen vorher geietzlich festgelegte Emichädigung übertragen werden darf. Mit der Ver- tretung Berlins auf der Verbandsversammlung können wir keinesfalls einverstanden iein. Die zwei Millionen Berlin« tragen zwei Drittel des SteuersollS. Wir verlangen nicht eine den Steuerlasten entsprechende Vertretimg. aber sie muß zum mindesten der Einwohnerzahl entsprechend erhöht werden. Die Verschuldung de» ZweckverbandeS wird sehr bald über eine halbe Milliarde, nach zehn Jahren sicher eine ganze Milliarde be- tragen.(Hört! hört! link».) Daher muß Berlin auch der genügende Einfluß gesichert werden.— Der Gedanke der Uebernahme der S ch u l l a st e n auf den Zweckverband wird gewiß von den Herren der äußersten Linken aufgenommen werden, aber ich glaube, die Herren Sozialdemokraten werden eben- ulls nur dann dafür sein, wenn auch in der Tat die Schul- Verwaltung eine einheitliche ist(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) und wenn e» sich nickt nur darum handelt, daß der Ziveckverband zahlt. Auch im BerbandSauSschuß muß Berlin besser vertr»ten sein. Wir erwarten, daß der Entwurf so gestaltet wird, daß er den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit nach jeder Richtiiiig hin entspricht.(Bravo I links.) Minister v. Dallwitz geht auf die Geschichte der EingemcmdungS- stage ein und betont, daß der Nachfolger des Ministers Herrfurth noch vier Jahre lang mit dem Berliner Magistrat über die Ein- gemeindungSfrage verhandelt habe, die dann erst gescheitert sei. (Hört! hört! rechtS.) Gegen die Uebernahme der Kreise im ganzen in den Ziveckverband dürften um so weniger Eiiiwendungen zu er- heben se»n. da SO Pcoz. der Einwohner der betreffenden Kreise schon jetzt in den Interessentenkreis von Groß-Berlin gehören. Minister v. Breitcnbach: Der Fiskus brauch! allerdings nicht zu erröten, weil er nur da» Gute will.(Heiterkeit.) Die Broye Berliner Straßenbahn hat zweifellos Ausgezeichnetes für den Berliner Verkehr geleistet. Hemmend gewirkt hat dabei nur der Streit mit der Stadt Berlin über die Auslegung von Verträgen. Ich begrüße eö, daß der kommend« Zweckverband endlich einen Vergleich zwischen Berlin und der Straßenbahn zur Folge gehabt hat.(Hört! hört! rechts.) Es ist zu erwarten, daß die Hoffnungen, die Berlin auf diesen Vergleich setzt, in Erfüllung gehen werden, denn ich erkenne an, daß Berlin die große Nährmutter des Kranzes von Vororten gewesen ist und sein wird.—- Was die Verlängerung der Konzession an die Große Berliner Straßenbahn bis 1940 anlangt, so lag eine Verpflichtung für den Minister v. Thielen, die Stadt zu benachrichtigen nicht vor.(Lebhaftes Oho! links. Zuruf: Moralische Verpflich- tuiig!) Die Verlängerung war unbedingt notwendig, weil die Ge- seUschaft vor der Elektrisierung ihrer Bahnen stand, die nicht durch- zuführen war ohne die Sicherheit, daß das investierte Ka- pital amortisiert wurde.— Auch bei der Rord-Süd» Bahn kann von einer feindliche» Haltung de» Eisen» vahmninifleriumS gegenüber Berlin keine Rede sein. Die Konzession ist nicht abhängig gemacht worden von einer Einigung Berlins mit Tempelhof, sondern es ist nur daraus hingewiesen worden, d a tz e s nützlich und notwendig sei. wenn Berlin mit Tempelhof in Verhandlungen eintrete. Abg. Frhr. v. Zedlitz AI: Herr Cassel hat mehr die Interessen Berlins vertreten, anstatt objektiv zu dem Entwurf Stellung zu nehmen. Berlin sollte sich F r a n l f u r t a. M. zum Muster nebmen. wo bei der Auswahl der Sladtvertretung nur nach der Tüchtigkeit s-iehen wird, während in Berlin mehr politische Gesichts- Punkte ausichlaggcvend sind.(Sehr richtig! rechts.) Das Recht feine Kompetenzen zu erweitern, müfzte dem Zweckverband doch wohl gegeben werden, denn die wirtschaftliche Eilt- Wickelung schreitet sehr rasch vorwärts. Bor allem mutz ein Aus- gleich zwischen den östlichen und westlichen Bororlen endlich herbei- geführt werden durch U e b e r n a h m e der Schullasten auf den Zweckverband. Berlin eine etwas gröbere Stimmenzahl zuzu- billigen, find auch wir bereit. Abg. v. TreSlow« vuuchüchreil." Genosse Harndt gab darauf den Kassenberisht für das zweite Halbjahr 1910. Am Zv. Jun, war ein Bestand von 5063,88 M. vorhanden. Ein- schließlich dieses Bestandes betrug die Gesamteinnahme 13 145,87 M. Ihr stand gegenüber eine Gesamtausgabe von 9662,65 M. Dem- nach verblieb am 1. Januar 1911 bei beiden Kassierern ein Be- stand von 3483,22 M. Darauf wurden die Delcgqertea zur SerbandS-Generalversammluus gewählt. Im Hinbknk auf die allgemeine Erhöhung der WahlvereinS- beitrüge auf 40 Pf. wurde im„Verschiedenen" beschlossen, vom 1. April ab dem Eitrabeitrag von 10 Pf. vierteljährlich nicht mehr zu erheben. Tann lag noch der Antrag eines Genossen vor, welcher be- zweckt, die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins an» zuregen, von neuem zu beantragen, daß der Friedhof der Märzgefalleuea angemessen ausgestaltet wird, daß er namentlich einen würdigen Zaun und ein würdiges Tor erhält und den Märzgefallenen em würdiges Denkmal gesetzt werde. Nach einer Debatte wurde be- schlössen, den Antrag den Stadtverordneten als Anregung zu überweisen. Ein Genosse kritisierte dann noch, daß der„Vorwärts" am Montag keine Extraausgabe herausgebracht hat. Vierter Wahlkreis. Die Generalversammlung des Wahlvereins für den vierten Berliner Reichstagswahlkreis, die in Ffretzers großem Saal in der Koppenstraße tagte, erfreute sich yines sehr guten Besuchs. Saal und Galerien waren voll besetzt. Der Vorfitzende, Genosse H o f f m a n n, eröffnete die Ver- fammlung mit folgender Ansprache: „Parteigenossen und-Genossinnen! 85 Mitglieder hat uns im letzten halben Jahre der unerbittliche Tod entrissen. Sie alle, der eine mehr, der andere weniger, ein jeder nach seiner Kraft und Fähigkeit, haben für die Partei gewirkt und gekämpft. Alle unsere toten Kämpfer wissen wir zu schätzen. Sie alle sollen uns in steter Erinnerung bleiben. Der Tod hat uns aber auch die Träger dreier Mandate geraubt. Emil Voigt vertrat unS ein Jahrzehnt als Stadt- verordneter im 11. Bezirk. LängeralSzweiJahrzehnte hat er in unserer Mitte gestanden, mit uns gewirkt und gekämpft. Emil Voigt gehörte ebenfalls zu jenen opfer- freudigen Genossen, die die Partei vor alles setzten. Verfolgt von Unglück und Mißerfolgen hat er trotzdem mutig seinen Mann gestanden. Er gehörte zu jenen ungezählten Tausenden, denen nie die Sonne des Glückes geschienen. Aber noch von einem schmerzlichen Verlust sind wir betroffen. Der Tod hat uns einen Mann geraubt, der in der ganzen Welt einen klangvollen Namen hat. den Träger unseres Stadtverordneten- und ReichstagsmandatS, Paul Singer. Länger als ein Vierteljahrhundert hat er uns vertreten. Mit ihm ist eine markante Persönlichkeit dahingegangen, die wobl der vierte Kreis nie wieder wird aufzuweisen haben. Es war Paul Singer, der als reicher Mann in der Stunde der schlimmsten G e- fahr zu uns kam und bis zum Grabe sie Treue gehalten hat. Seine Werke, die er für die Partei, für die unterdrückte Menschheit geschaffen hat, sind in der Presse Deutschlands und in der ganzen Welt gewür- digt worden. Das vorgestrige Leichenbegängnis hat Zeugnis abgelegt von der gewaltigen Liebe und Verehrung, hat Zeugnis dafür abgelegt, was wir in unserem Abgeordneten verloren haben. Paul Singer wird uns unvergeßlich bleiben." Die Versammelten, die sich bei den ersten Worten zu Ehren deS Gedächtnisses der Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben hatten, nahmen die Ansprache von tiefer Trauer erfüllt mit ernstem Schweigen auf. Alsdann nahm die Versammlung den Vorstandsbericht entgegen, der von eifriger Parteiarbeit Zeugnis gab. Der Vorstand erledigt« seine Geschäfte in 13 Sitzungen. Mit den Abteilungsführern teutkn 4 Sitzungen üBge�alfeft unid Stet Ateiskonfetenzen fönten erforderlich. Versammlungen wurden 4S veranstaltet und ab- gehalten, und zwar 4 Generalversammlungen. 11 Viertelsversamm- lungen, 6 Frauenversammlungen. In B Versammlungen wurde gegen den F.'eischwucher und in 4 gegen die Po'izeitaten in Moabit protestiert. 5 Versammlungen beschäftigten sich mit dem Kinder- schütz und O mit dem allgemeinen Wablrecht. Zur Förderung der Bildungsbcstrebungcn wurden in allen sechs Vierteln für die Funktionäre Vortragskurse veranstaltet, für die der Genosse Grunwald als Lehrer gewonnen wurde. Auch finanziell wurde die Organisation zu stärken gesucht. Ter vielseitig empfundenen Notwendigkeit einer Beitragserhöhung suchte der Vorstand durch Vornahme einer Urabstimmung der Mitglieder selbst zu entsprechen. Diese wurde in den Bezirken vorgenommen. Von den 8878 Mitgliedern, die sich an der Abstimmung beteiligte», stimmten 8181 für die Beitragserhöhung und nur 2264 dagegen. Tie Generalversammlung von Groß-Berlin beschloß daraufhin, die Beiträge von 30 auf 48 Pf. zu erhöhen. Der Mitgliederbestand, der am 1. lsuli 18lv 22 927 betrug, veränderte sich in der Berichts- zeit wie Hgt: Neueingetreten 3883. Uebertritte aus anderen Ver- einen 878. macht ein Zugang von 4279 Mitgliedern. Wegen Resten gestrichen 1184, verzogen 2198, ausgetreten 141, gestorben 85 und ausgeschlossen ö Mitglieder, so dah der gesamte Abgang 2713 Mit- glieder beträgt. Es hat sich also der Mitgliederbestand auf 24 493 erhöht, was gegenüber dem 1. Juli 1918 eine Zunahme von 1588 Mitgliedern bedeutet. Tie Vereinskasse hatte einschließlich des Bc- standeS vom 1. Juli 1918 von 8869,58 M. eine Einnahme von 82 535,04 M. zu verzeichnen, davon allein 34 903,50 M. aus Beiträgen. Tie Ausgabe belief sich auf 68 638,74 M.. wovon 33798,65 Mark an die Verbandskasse abgeführt wurden. Es blieb somit am 1. Januar 19! I ein Kassenbestand von 1896,38 M. An Beitragsmarken ivurden im verflossenen Halbjahr 15 III mehr abgesetzt als in dem vorangegangenen Semester. Dagegen blieb die Ein- nähme aus Bons um 1165,68 M. hinter der damaligen zurück. Eine Diskussion über den Vorstandsbericht wurde nicht beliebt, sondern sofort zur Beratung der vorliegenden Anträge zur BerbandSgeneralversammlung geschritten. Genosse Walter begründet einen Antrag, der bereits vom Nieder-Barnimer Kreisverein angenommen worden ist und besagt:: „Die Zeitungskommissionen sollen auch für die Zukunft als Beschwerdekommissionen bestehen bleiben respektive wieder ein- geführt werden." Bethke und Hackelbusch wenden sich gegen den Antrag. Sie halten die Wiedereinsetzung der Zeitungskommission nicht für zweckmäßig und notwendig, weil ja die Preßkommission all die Be- schwerden, denen die Spediteure nicht selbst abzuhelfen vermögen. mit erledigt. Die meisten Beschwerden werden über verspätete Zustellung der Zeitung geführt. Tie Ursache hierfür sei aber in tech- nikchen Ursachen zu suchen. Die Maschinen schassen die jetzt so hoch gestiegene Auflage nicht mehr rechtzeitig. Hieran können aber auch Die Zeitungskommissionen nichts ändern. Zuständig hierfür ist allein die Preßkommission. Die jetzt einzusetzende Zeitungskom- Mission würde auch nickt mehr all die Aufgaben und Befugnisse haben als frühere Kommissionen dieser Art. Nachdem jedoch R e t t- schlag und W i t t h a u s noch warm für den Antrag eingetreten waren, wurde derselbe angenommen. Genosse Davidsohn beantragte alsdann, sich dem Beschlüsse Niodcr-Barnims anzuschließen, der das Erßckeinen einer M o n- tagabend-Ausgabe des„Vorwärts", insbesondere während der Rcichstagswahlkampaync. verlangt. In seiner Begründung sagt Redner, daß durch das Montagabendblatt die Dienstagmimmer wesentlich entlastet würde und den Genossen würden wichtigere Ereignisse früher berichtet. Wenn jetzt in der Nacht vom Sonn- obcnd zum Sonntag etwas passiert, so erfahrest es die Genossen durch ihr Organ erst 52 Stunden später. Die Dntckkoften würden, wenn die Dienstagnummer um einen Bogen verkleinert wird, fast dieselben bleiben, und an den Zeitungsfrauen sollhe die Sache nicht scheitern; sie werden bei entsprechender Bezahlung keine Schwierig- keilen bereiten. Büchner sPreßkommissionsmitglied), der mit Rufen „Bremser" empfangen wird, wendet sich gegen den Antrag. Aus finanziellen Gründen habe die Herausgabe eines MontaaSblattcS von der Prcßkommission wiederholt abgelehnt werden müssen. Bei dem im Antrag verlangten provisorischen Erscheinen des Montags- blattcS würde es nicht bleiben; denn wenn es erst eiue Zeitlang erschienen ist, würden die Genossen auch dessen ständiges Erscheinen verlangen, und das ist zurzeit nicht durchführbar. Mit. der ver- langten Abendausgabe würde auch daS vorbanden? Bedüqfnis nicht befriedigt werden, denn eS würden die wichtigen Geschehnisse schon durch die vorhandenen MontagSblätter bereits am Morgen bekannt. Ueberdies könne diesem Antrage auch deshalb schon nickt entsprochen werden, da der„Vorwärts" gleichzeitig das Zcntralorgam der Partei sei und demzufolge der Parteitag darüber zu cntsthcidcn hätte. Er bittet um Ablehnung deö Antrages. Adolf Hoff mann meint ironisch. Davidsohn habe bei der Aufzählung der MontagSblätter noch die Nachtausgabe der �Frei- sinnigen Zeitung" vergessen. Er, Redner, stehe auch auf dem Wand- jninkt, daß die Berliner Genossen mit ihrem Organ nicht rückwärts, sondern vorwärts gehen müßten. Aber Bückner babe recht; solange unser Organ Zentralorgan der Partei ist, haben wir mich dem Parteitag die Entscheidung zu überlassen. Tie Berliner Gemossen können aber unabhängig vom„Vorwärts" ein Montagsblatt grün- den. das früh erscheint und durch die Straßenhändker vertrü-ben wird. Das Feuilleton, welches uns die vorhandenen Montags. blätter bieten, entspricht nicht unserem Gesckmack. Wir müsßcn eine andere Kost verlangen. Jeder Genosse sollte sich aber var- pflickten, auch jeden Montag das Blatt zu kaufen. Mit eii*t solchen Gründung belasten wir weder den Etat, noch haben Ntir uns mit den Botenfrauen darum auseinanderzusetzen. Bethke bält auch die Herausgabe eines Montagabendblattes für unzweckmäßig. S ch ä f s e r begreift den Wunsch der Genossen nach einem eigenen Montagsblatt. denn die vorhandenen Montagsblätter tragen dem Bedürfnis nicht genügend Rechnung. Er würde auch erwartet haben, daß Bückner als PreßkommissiynSmitglied stich-. ha'tigere Gründe gegen den Antrag vorgebracht hätte. Redner spricht sich für Ueberweisung deS Antrages zwecks nochmaliger. Prüfung an die Preßkommission aus. Es geht ein von Adolf Hoffmann, Bethkc und Büchner, unterzeichneter Antrag ein, durch den der Verbandsvorstand ersucht. wirS, die(Gründung eines selbständigen MonkagSblatieS in die Wege zu leiien. Nachdent noch Schmidt, Ruff und Sassen zu den vor- liegenden Anträgen gesprochen haben, wird zur Abstimmung ge- schritten. Der Antrag Hoffmann-Bethke-Büchne�r wird abgelehnt und der Antrag Davidsohn angcnoinmen. Ein An- trag, den Äntrag Hoffmann-Bethke- Büchner als Eventualantrag der Generalversammlung Groß-Berlins einzu- reichen, wird ebenfalls abgelehnt. Bethke, der zuvor nochmals dazu sprccken wallte, wurde von der Versammlung nicht mehr zum Wort gelassen. Taraufhin bestätigte die Versammlung die in den?lbteilungen erwählten 167 Delegierten zur Verbandsgenera'versammlung. Ten Anträge» der Bcschwerdekommission auf Ausschluß der Mitglieder Kadolf, Landow, Buchheister, Harzmann und W o ck o w S k i wird nach kurzer Debatte zugestimmt. Mit einem Hinweis des Vorsitzenden auf die Bedeutung der Beisitzerwahlen zum Kaufmannsgerickt und die Notwendigkeit regster Beteiligung wird die Versammlung geschlossen. Fünfter Wahlkreis. Tie Generakversammlung tagte in den„Königssälen"(Nene Königstraße i. Der Vorsitzende. Genosse Friedländer, gedachte in tief empsiindenen Worten des schmerzlichen Verlustes, den die Partei durch den Tod Paul Singers erlitten bat Stehend hörte die Versammlung den Nachruf an. Auch des jüngst verstorbenen Bereinsmiigliedes Plath gedockte der Vorsitzende. Die Drgesordnung der Versammlung l egann mit dec Erstattung des VorftandSbrrichteS durch den Vorsitzenden Jriedländcr. Ter Bericht erstreckt sich auf das Halbjahr Juli-Januar. Diese Geschästsperiode— sagte der Redner— bietet ein erfreulicheres Bild als die früheren. Während in den früheren Generalversammlungen über die große Fluktuation der Mitglieder geklagt werden mußte, kann jetzt kon- statiert werden, daß endlich eine Festigkeit der Mitgliederzahl eingetreten ist. Ani Schluß der vorigen Berichtsperiode zählte der Verein 1688 männliche und 195 weibliche Mitglieder. Jetzt gehören dem Verein 1888 männliche und 238 weibliche Mitglieder an. Da- mit ist der Verein auS dem unangenehmen Stadium, in dem er sich früher befand, herausgetreten und in die Zeit der gesunden Entwickelung hineingekommen. Das darf die Genossen natürlich nicht zur Ruhe in der Werbung neuer Mitglieder veranlassen. Mit der Steigerung der Mitgliederzahl hat auch die Zunahme der „Aorwärts"-Nbonnenten gleichen Schritt gehalten. Ihre Zahl ist von 2588 aus mehr alh 3888 gewachsen. Es wird jetzt, wie in anderen Kreisen, so auch im fünften, eine systematische Agitation für den„Vorwärts" betrieben, die überall, wo sie bis jetzt vor- genommen wurde, gute Erfolge gebracht bat. Die Leserzahl der „Gleichheit"� und des«Wahren Jakob" hat sick auf dem bisberigen Stande erhalten. Natürlich spricht bei den Erfolgen des Vereins auch die allgmeine politische Situation mit. ES gilt, die Stimmung auszunutzen, welche diese Situation unter der Bevölkerung erzeugt hat. Das hat die Vereinsleitung denn auch getan, indem sie in Versammlungen und Vorträgen aktuelle Fragen behandeln ließ. Es sind auch mehrere Versammlungen veranstaltet worden, welcke in erster Linie der Propaganda unter den Frauen dienten. Dies« Versammlungen hatten gute Erfolge. Ter Rednev gab einen Ueberblick über die Versammlung und sonstigen Veranstaltungen des Vereins, sowie über die Tätigkeit des Vorstandes, und schloß mit dem Ersuchen an die Genossen, im Hinblick auf die Reichstags- wablen für weitere Ausbreitung der Organisation und der Partei- presse zu sorgen. Die vom Kassierer K i r st e erstattet» . Abrechnung schließt mit einer Einnahme von 6898,13 M., einer Ausgabe von 5754,29 M. und weist einen Bestand von 343,84 M. auf. Die Berichte gaben keine Veranlassung zur Diskussion. Genosse Robert Schmidt schilderte dann iu großen Zügen die gegenwärtige politische Situation. Darauf machte der Vorsitzende Friedländer im Namen der Vereinsleitung den Vorschlag, den Genossen Robert Schmidt wieder als ReichStugSkandibaten auszustellen.— Die Versammlung nahm den Vorschkag mit leb- basiem„Bravo!" auf und billigte ihn einstimmig und ohne Dis- kussion. Robert Schmidt dankte für das ihm aufs neue bewiesene Vertrauen und bemerkte, er werde, wie bisher so auch ferner, seine Kräfte im Dienste unserer gemeinsamen Sache einsetzen. Die Versammlung bestätigte die von den Abteilungen vor- geschlagenen Delegierten zur Vertzandsgeneralversammlung. Zum Schluß machte Friedländer einige geschäftliche Mitteilungen. Er verwies auck auf die am 12. Februar stattfindenden Wablen der Arbeitgeberbeisitzer zum Kaufmannsgericht und er- suchte die Genossen, welcke mit HandelSangestrllten tn Berührung lammen, für die Wahl der vom gentralverband der Handlungs- gehilfcn aufgestellten Kandidaten zu wirken. Sechster Wahlkreis. Die Generalversammlung, die den großen Saal des Moabiter GescllschaftShauseS füllte, ehrte zunächst daS Andenken deS Genossen Paul Singer sowie der im letzten Halbjahr verstorbenen 71 Genossen aus de» Reihen der Mitgliedschaft des Wahlvereins. Sodann bestätigte die Versammlung die in den Abteilungen gc. wählten Delegierten zur Berbandsgeneralversammlung. Hieran schloß sich der Lericht deS Vorstandes. Der Vorsitzende Genosse H e n f ch e k wicS einleitend darauf hin, daß daS verflossene Jahr dem neuen große und wichtige Auf. gaben zu erfülle» hinterlassen hat. Nicht allein der preußische Wablrechiskampf ist mit allen Mitteln energisch fortzusetzen, sondern es ist auch vor allem eine gründliche Abrechnung mtt dem Block der Heiligen und der Ritter zu vollziehen, das persönliche Regiment muß beseitigt werden, und ferner gilt es nach wie vor. da» in- direkte Steuersystem zu bekämpfen und auch mit aller Kraft für die Fortführung der Sozialgesetzgebung zu wirken. Diese» und vieles andere sind Aufgaben, bei denen die Sozialdemokratie ganz auf ihre eigene Kraft angewiesen ist. und darum muß vor allem dafür ge- sorgt werden, die eigenen Reihen immer mehr zu stärken. Der Redner gedachte sodann der wichtigsten Ereignisse de» verflossenen Halbjahrs Und der damit kn Vervinbllng siehmden Massenver» sammlungen. Die Königsberger Kaiserrede, dazu die Fleischnat und der Brotwucher hatten die Entrüstung der breiten BolkSmaffe» aufs äußerste gesteigert, und dann kamen die Moabiter Krawalle, zu denen in 7 überfüllten Versammlungen Stellung genommen wurde. Was damals, am 9. Oktober, schon bemerkt wurde, daß diese Vorgänge zu einem großen Teil auf die Tätigkeit von Polizei- spionen zurückzuführen waren, haben ja später auch die Gerichts- Verhandlungen deutlich ergeben. Ferner erwähnte der Redner die Versammlungen, die sich mit der Frage des Kinderschuhes befaßten. sowie auch die Stellungnahme zum Parteitag und namentlich zu der Budgeibewilligung und Hofgängerei der Badischen Landtags- fraktion, die bekanntlich von den Genossen des Wahlkreises aufs schärfste verurteilt wurden. An den Wahlen der Delegierten zu den drei Verbandsgeneralversammlungen, die in der Bcrichtszeit stattgefunden haben, beteiligten sich in den 13, Mitgliedervcrsamm- lungen am 19. Juli 3868 Mitglieder. Versammlungen mit gc- selligcm Beisammensein wurden 6, und zwar an 5 Sonntagen ab- gehalten. Sie waren sehr zahlreich besucht und hatten auch eins große Anzahl von Aufnahmen in den Wahlvercin zur Folge. Ferner wurden 5 Kunstabcnde und 5 Untcrhaltungsabcnde verau- staltet. Lebhaftes Interesse ist auch dem wissenschaftlichen Vor- tragskursuS entgegengebracht worden, in dem Baege über das Thema:„Vom Urtier zum Menschen" sprach. An dem� Kursus nahmen 649 Personen, unter ihnen 177 Frauen, teil. Ständige Leseabcnde für die weiblichen Mitglieder haben 5 stattgefunden, und eS beteiligten sich daran in den 13 Abteilung?» im Durch- schnitt 658 biS 788 Genossinnen. Außerdem wurden in 7 Ab- teilungcn 27 außerordentliche Leseabcnde und Bezirksversamtn- lungen abgehalten, zu denen unorganisierte Frauen durch Hand- zettel und kleine Flugblätter eingeladen worden sind. � Die Zahl der Funktionäre und Vorstandsmitglieder deS WahlvercinS ist 451. An der Abstimmung über die mit dem 1. Januar in Kraft getretene Beitragserhöhung hatten sich 11 862 Mitglieder beteiligt, und dafür stimmten 8827, dagegen 2629 Mitglieder. Die Mitgltedcrzahl deS Wahlvereins ist im Laufe des Halbjahrs von 28 981 auf 38 315 gc- stiegen, und zwar die Zahl der männlichen Mitglieder von 25 472 aus 26 666. die der weiblichen von 3589 auf 3849. Das Partei- schiedsgrricht in Sachen deS Lagerhalters Hoppe hat diesem eine scharfe Rüge erteilt; der Vorstand und die Kreiskonferenz ist jedoch zu dem Entschluß gekommen, eS nicht dabei bewenden zu lassen, sondern der Versammlung zu cmpiehlen, die Berufung an de» Parteitag zu beschließen.— Der Redner schloß seinen Bericht mit der Mahnung an die Mitglieder, ibre ganze Kraft den Arbeiten für die Partei und daS weitere Wachstum der Organisation einzu- setzen.— Der Kassenbericht, den Genosse H. Müller verlas, zeugt ebenfalls von dem starken Fortschritt der Organisation. Die Einnahmen beliefen sich auf 88 991.53 M.. das sind 14 869,78 M. mehr als im zweiten Halbjahr 1989; ausgegeben wurden 78342,48 M.. und davon flössen 58 389,25 Mark in die Verbandskasse. Der Bestand betrug am Jahresschluß 2649.13 M. Die Zahl der verkauften männlichen Beitragsmarken ist 133 331. um 26 316 höher als im zweiten Halbjahr 1989, die dec weiblichen 19 284. daS sind 5216 mehr als in jenem Zeitraum. Gc- nasse Müller bemerkte dazu, daß dieser starke Fortschritt nur ein weiterer Ansporn sein könne, noch eifriger als bisher für die AuS- breitung der Organisation zu wirken und zu streben. Eine Diskussion knüpfte sich an den Bericht nicht. Der Vor- schlag, in Sachen Hoppe Berufung an den Parteitag einzulegen, wurde gegen eine Stimme angenommen. Hierauf erfolgte die Aufstellung de» Kandidate» zur bevorstehenden Reichstagbwahl. Der Vorschlag des Vorstandes und der Krciökonfercnz. den bisherigen Vertreter des KrciseS, Ec- Nossen Lcdebour, wiederum als Kandidaten aufzustellen, wurde einstimmig gutgeheißen. Genosse Ledebour. mit lebhaftem Beifall begrüßt, gab hierauf tn kurzen, kernigen Worten eine Ucbcrsicht über seine Tätigkeit im Reichstag und den Kommissionen, sowie über die speziellen Aufgaben, die ihm bei der notwendigen Arbeitsteilung in der Fraktion vor allem anheimgegeben sind, und versprach im Falle der Wiederwahl, die ja als sicher zu betrachten ist, auch ferner mit voller Kraft und ohne Rücksicht aus die Gegner den Kampf fortzusetzen. ES wurde dann noch auf die am Sonntag stattfindenden Kauf- mannSaerichtSwahlen aufmerksam gemacht und um eifrige Mit- arbeit für die Liste 3 des ZentralvcrbandeS der Handlungsgehilfen ersucht. Tie Versammlung schloß mit kräftigen Hochrufen auf hie Partei,___ Amtlicher Marktbericht der städstlckcn MarNdallin.DtretNon über den«wehdandet I» den.stentral-Marktballen. Marti läge: Fl»i Ich: Zujudr schwach,«elchüst still, Prelle nnverönderl.»II 9: Zilfudr gc» n Ilgen d,««eledäU nicht lebbast geling, Preise fast nnverSndert. Nellligel: Znlichr ausreichend,«eicdäii rufiin, Prelle bebauplei. sttlch«: Zuhihr mätzla. Gelchäj» ruhig. Pteiie wenig verändert. 8 u l i er und«äse: iNcschäsi rufiig, Preiie unverändert,«ernüfe, Cdf» und Süd» jrüchte: Zufuhr schwach, iLeschäst sehr still, Preise fast unverändert. WasterftandS»«achrtch»eM der LatideSanstalt sllr Gewässerkunde, mitgeieilt vom Berliner Setterbureau. vasserttand Memel, TillU P r« g« l, Jnsterburg S e> ch I» l. Tboro Oder, Ratibor , Krassen , Arantiurl S a r t h e. Sckrmn» , Lanvsberg Netz«, Poroanu» Eide, Letnnrrttz , Dresden , Bardo , Magdeburg 4. bedeutet Wncds.— San."—«) Nniervevel.—•) CiJssand.— 1 Eistrelben.-°) Eisbewegung.-«) Eisbewegung, am S. um 11 Uhr nachts höchster Wasserstand: 2S2 am. 5 t-S---— . 5 5-"2. a 9) Pl| » S.§?•«'S. " 5.S.Z-£| Vorteilhaftes Angebot für die Loser! 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Modernes Theater (früher Hebbeltheater), Abend» 8 Uhr: Doppelnienncli._ 8. Gang:„Nach dem Mäuschen- ball''. 1 All von George» Fehdeau. Sonntag, den 12. Februar, nachm. 3 Uhr: Kümmere D»ch um Amblir. frieljfieh-WilhsImtSltiieehsz Schauspielhaus. Donnerstag. 0. Febr., abends 8 Uhr; _ Zum 1. Male: Willielm Teil. Freitag: Hofgunst. Sonnabend: Eyrano v Bergerae. Lustspielhaus, AbcndS 8 Uhr: Das Objekt. keledsk»!ten-Ihe»lef. Stettiner Sänger. Zum Sehtust, neu! Kubllckea Vor lote- Theater. Burleske von Mcyscl. Ansang wochentags « Uhr Sonnlag» 7 Uhr. Urania. WissenschaftlicheB Theater Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Was ans der Tlond erzählt. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. F. Ratbgen: _ l>as Wasser. Kaiser� Panorama. i. l.Malc: I?. Wanderung in ienethg. C. Woche: III. Tour im lüdlichen Lebsarrssid. blnc Heise 20 PI. Kind nur tOPI. Abonnements 1 H. Tausende Abonn. Luisen■"Theater. Abends 8 Uhr: Das grosze Licht. Schauspiel in 4 Akten v. F. Philipp!. Freitag Benefiz des Kapellmeisters E. Ublig: UmS goldene K> lb. Sonnabend 4 Uhr: Roltäppchen. 3 Uhr': Durchgegangene Weiber. Schiller- Sehlller-Theeter 0.(Wallncr-Tbeal). Donnerstag, abends 8 Ubr: Wer llsnnd der.Taxend. Lustipiel in b Ausz. v. Henri! schien Dcnijch von Sä. Lange. Ende lO1/. Freitag. adcndS ti Uhr: Der Kaiser. Sonnabend, abend« 8 Uhr: I>ie Fee Caprice. Theater. Schiller. Theater Charlottenhurg. Donnerstag, abend» 8 Uhr: I>er Himmel anf Erden. Schwnak in 3 Akten von Julius Horst. Ende lv Ubr. Freitag, abends 8 Uhr: h'athaa der Welse. Sonnabend, abend« 8 Uhr; Hnssrenfleber. 88 CLOU" Plcucä Schauspielhaus Monna Vunna. fienovera, OSE=THEATE Große Frankiurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11'/, Uhr. Don Carlos. Schauspiel in 5 Akten v. Fr. v. Schiller. Freitag und Sonnlagiiachm.: Der Gliirksschmicb. Sonnabend nachm.: Prinzessin Gdcltraut. Sonnabend bis Montag: Sorbcerbaum und Bettelstab. ZKetropol-Tkeater. Hurra! Wir leben noch! Grotze Ausstattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Mufil v. B Holländer. 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Abend» 8 Uhr: Hippolyts Abenleuer. tzochbahnstation Kotlbuscr Tor. 8 Uhr: Die von da drüben. Drohe Gcsangspass« von L. Eitz. Mufil von Scholtlimd. W'ÄA'StSr. LIGHTSPiELE. MOZART- SAAL Noilendorf- Piatz. Beginn 6 Uhr. Anfang: Sonntage 3 Uhr nachm., wochentags 6 Uhr abends,• Sport-?ata8t Berlins größtes Tergnilgunss-Gtablisseineiit. Donner» tag, den 0. Februar, abends T'/a Uhr: Reu I Heros Ren! augcrgewöhnlich. Krastjongleurakt. Neu! Antonet„. Grock die besten musitalischcn CloivnS der iSegenivart. Arconls, 4 Perlenen, Schleuderbreitakrobaten. Dir. Zl l b. 2 ch u mann mit seinen nettesten Kreationen sowie die übrige« neuen Attraktionen. Oer große Coup 9'/: Uhr. der 9'/, Uh:. Schmuggler. Gr. AuSstatlnngSpaiit. in 4 Akten. Karl Haverland- Ansang Thnsfon stommandaiitcn- präz. Tj. lt. lUtalCl. strahe 77/79. TaS vielseitige amüsante F-ebrnarprogramm. Ueiie ersthl. Zpemiitäten. Bassage-Panvplikum. v!e Sensation des Tages! Das sprechende Pferd ..HAns'chen" Lebend! Lebend! 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E. Raupach Preise 00—100 Ps. Aus BorzugSfarie» billiger. Jnseraie gellen als Vorzugs. karten.— In Vorbereitung: Der Störenfried. VvZKt-TIiSutvr Gciundbrunnen, Badstrage 58. Donnerstag, den 9. Februar 1911: Gailip. in TrappS Feftsälcn. Tegel. Ein Rabenvater. Schwank in 3 OTttn v. HanS Fischer und Joses Farno. Kassennösstning 7, Anfang 8 Uhr. Bosporus am Moritzplatz. 8 Uhr: Das neue Vaiietö- Programm. Das Varlelt-Konsum System. Entree frei. Sie lösen nur 1 Programm pro Person 20 Pf., damit haben Bio 1 Glas Bier bezahlt. Von 11-2 Uhr: Bockhiertrubel, Tanz. Casino-Theater Loi dringer S trage 37. Täglich 8 Uhr: Nonaielnnz total ausverfaust l •Inllo Wippchen t Em echtes Berliner Bollsstüch «fnllo Wippehen! Man lacht Tränen über älnlle Wlppchon! Tsmilag lst/, Uhr: NN unS Liebe. Populäre Lieder im Itlttthneraaal Sonntag, 12. Februar, nachm. 4'/. Uhr: Heitere Sieder und Rezitationen Helene Lieban-Globig, 1 KgL Ilofopems., ein de- kannter Rezitator, Marnar. Clomenu. Wilh. Beeker, 6. Lazarus. I Kart.O.SOu l U. bei Bote u.1 ■ Bock, K. d.W. u. a. d. Lasse.> f iehtung!| " r«2Lüi Berliner iüJ™ nmor-flaarletl i Gg. Treuer �(gEastamenalleell) ausgestaltet mit stet» neuestem' Humor, Original° Satire, gut j gepfiegtem Ouartett, wie Solo- gesang, bringt als Neuheit vom 15. Avrll er. B. Lutiutette jür 5 Zug.! Üosaunen. Ganz uen für Europa k Die lndisohe Röiuen- Orgel und 4faches Marimbophon. *nbcm wir auf diese unsere! I Neuheit freundlichst aufmertsam machen, bleiben wir, wie immer. daS sidele 2öb\ itarl. Humor- Qnartctt. I Treuer, Wutzky, Zander, Schwarz u Wilhelm. rwwwvi A fluf zur Raumbläte! Donnerstag, d. 0. Februar 1911, in Karl Nistles Festsälrn» Deimewitzstr. 13: vn. KookdiSV'» Jubsl u. T�udol! Um Iii Uhr: Gr. Pfannknchen- Polonäse mit Ueberrnschiingen. (Ein goldener Damcnring in einem Psaniiluchen.) Tür Speisen und Getränke bestens gesorgt. Ultmßltru usw. am Büsctt zu haden. Ivb" ES lade! sreuiidlichst alle Freunde und Belannle ein Karl F! ißle. Mila= Säle Schönhauser Allee 130, Milaatr.8. Jeden Dienstag, Donnerstag und eonntag: SW Kavalie r Rull rfpB bei grellem Sireichorchester. Tanz und Enl.ree: Herren 50 Pf., Damen 30 Pf, Vorzugskarten haben Galligkeit. Anfang: Wochen tars 8 Uhr, Sonntage 5 Uhr. Carl Elsner. | Äüt den Inhalt der Znierate ! äderntmint die Redaktion dem � Publik«« gegenüber teinrrle Verantwortung. ■-■-.■: V'' /l'f/.C'••-�1.--.' -V'. � ii-.--«'•.•....•- -i'- i N dh oniner nee»neuer. Sonntag, den 12. Februar, vorm. Pntlkt 10 Uhr: Bereins-Bersammlung in der Neuen Welt, Hasenheide. Tages-Ordnung: Beschsnfjfassnng über die vom Ganvorstand gestellten Hanptanträge zur Tarisberatung. fSiF" Alle{ii diesem{Imilit hob den Mitgliedern gestellten Antrüge Kommen mit{nr Keratling."WD vbne AlitgUeilsdueb Kein Sinlaß."MI Für den Gauvorstand: 27,» Albert Massini, Vorsitzender. WWieÄs ürbsitör-DilllullgszedUe. LonolZg, äen 12. Februar, im KGnlgstadt-KasJno. Holzmarkfstr. 72: Vortrag des Herrn Ferd. Krause: „Wanderfahrl zur Markiscben Schweiz". Mit ca. tZS farbenprächtigen Kunst-Lichtbildern nach eigenen Aufnahmen des Vortragenden. Der Saal wird vor llt 7 Uhr nicht geöffnet.— Beginn'/» 8 Uhr. Nachdem: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 30 Pf. Garderobe frei. 6/5* ;#•.-WMWWH Illgend-Iiisschiiß siir Groß-Kerliii. Sonntag, den tS. Februar, abends K tthr: in den Pharussälen tgrofter Saal). Müllerstrafte 142. LilohtbllilcrTortrag;: Entmilkeliing der dildenden Knnst nnserer Zeit." Reserent Dr. Max OSborn. Nach dem Vortrag Le§e!iigez öe!8ammsn8sin sfanz). Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu dieser Versammlung sreundlichlt eingeladen. Der Eintritt ist frei!* Dr.Simmei Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2, 6— 7. Sonntags 10— 12. 2— i Tischlerei, Kundentverkstatt, 5 Bauke. Nähe Moriftpl., sof. ca. 500 M. zu verkaufen.»Ettck«?!', Charlotteuburg, Philippistr. II. Karl Frnst (Inhaber HH'IIII Ernat) jetzt: KdpenickerStr.SSb, I. 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Trotz wiederholten Hinweises sind in letzter Zeit 1 Nachahmungen meines Kapitän- Kautabake in| Umlaut Der Kapitän-Kautabak i-t echt mit Zetteleinlage und Etikette mit der Anlschrift: nur (gca. gCHchUtzt 75 658). Meine werte Kundschaft bitte ich, Kapitän-Kan- tabak ohne obige Bezeichnungen als unecht zurückzuweisen und mir Fälle von Nachahmungen mitzuteilen, damit ich dagegen einschreiten kann. Karl Röcker, Tabakfabrik, Berlin 0. 27, Gruner Weg 112.(VU. 3801.) 7ni*n A O HA 10 Jahre Garant. Teilz. wöohentl. 1 M. Plomben CaCXlalltS£■■■■l.SOM. Fast»ollk. schmerzlo». Zahnziehen. Umarbeitung schlecht sitzender Gebisse Ileparaturen sofort.* Zahn-Arzt IVolf, Potsdamer Str. SS.(Hochbahnst. Bulowstr) 8—7. 20 Säle und Vereinszimmer mit modernen Bühnen, in allen GrUßen sowie 8 neu renovierte Kegelbahnen an Wochentagen (auch einige Sonnabende und Sonntage) noch frei. Sophien-Säle Pracht-Säle Alt-Berlin 0. 54, tSophlentttr. 17-18 Blnmcnxtr. 10 Tel Hl 2783 Tel. 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Richard Barth, Berlind Kür de» Jnseratenteisveräntw.: Th. Glocke, Berlin. Demi u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstult Paul Singe,». Eo� Berlin SW. unsneicbt! It. 34. N. Zahrglmg. 3. Stilajf des Jatmärfs" Kerlim lolMM. Dlnmttstas. 9. fftrwr(99. Wählt am 13. Februar, 10 bis 3 Nhr: e 3. vie Rran�lpencken bei* der Beerdigung Singers. Im Gewerkschaftshause sind seit DienStag die Schleifen von den Kränzen ausgestellt, welche dem Genossen Singer auf seinem letzten Gange nachgetragen wurden. Hier, wo man die Zeichen der Ehrung des Toten in einem Raum vereint sieht, gewinnt man erst einen vollständigen Ueberblick über ihre grosse Zahl und kann daraus schlichen aus die Liebe und Verehrung, die unserem Paul Singer überall, wo die Herzen klassenbewusster Arbeiter schlagen, in reichem Masse entgegengebracht wurde. ES sind gegen 800 Kranzschleifen, die im Gewerkschastshause aufgehängt wurden. Rund 300 Kranzspenden stammen von Arbeitern einzelner Be- triebe und Werkstätten, über 200 sivd von Parteiorganisationen. annähernd ebenso viele von Gewerkschaften und der Rest von sonstigen Arbeitervereinen und anderen Korporationen gespendet worden. Wir lassen hier eine Uebersicht über die Stifter der aus- gestellten Schleifen folgen. 'Vom)Zuslan, Betriebssteuer 36 000 M. <35 000 M.). Hundesteuer 180 000 M.<162 000 M.). Wert- zuwochSsteuer(die im Vorjahre noch nicht erhoben wurde) 300 000 Mark. An den Mehrerträgen sind alle Steuer- arten bis auf die Gemeindemnsaysteuer beteiligt, bei der mit einem Minderertrage von 250 000 M. gegen das Vor- jähr gerechnet wird. Die Beträge der Wertzuwachssteuer, die mit 300 000 M. eingesetzt sind, werden dem Bestände deS Ausgleichfonds zugeführt. Die Mehrerträge aus Steuern insgesamt belaufen sich gegenüber dem Vorjahre auf 1 033 050 M. Die Gemeindeeinkommensteuer bleibt bei dem Zuschlag von 100 Proz.; Einkommen unter 900 M. sind wie bisher steuerfrei. Di« Zunahme des GemeindeeinkommensteuersollS. ist durch den wieder kräftiger werdenden Zuzug von Zenstien und durch die fottdauernde Besserung der wirtschaftlichen Lage zu erklären. Selbstmordversuch einer Krankenschwester. Aus bisher unbekannten Gründen versuchte vorgestern die 23jährige Kranken- schwester Karoline Kling ihrem Leben ein Ende zu machen, die seit einigen Monaten bei zwei alleinstehenden Damen in dem Hause Leonhardtstr. 7 tätig war. Das junge Mädchen war vorgestern nach- mittag allein zu Hause geblieben, angeblich, weil es sich nicht wohl fühlte. Als die beiden alten Damen gegen 8 Uhr abends nach Hause zurückkehrten, fanden sie die Pflegerin in besinnungslosem Zustande in ihrem Zimmer auf dem Sofa liegend. Ein sofort hin- zugerufener Arzt stellte Sublimatvergistung fest und veranlatzte die Ueberführuna der K. nach dem Krankenhause Westend, wo sie in bedenklichem Zustande darniederliegt. Der städtische Arbeitsnachweis Charlottenburg macht darauf auf- merkiam. daß in seiner Zweigstelle am Wittenbergplatz Nr. 4 zahl- reiche weibliche Lehrkräfte für Nachhilfe- und Privatunterricht sowie Engländerinnen und Französinnen zur Erteilung von Sprochstunden gemeldet sind. Anmeldungen offener Stellen können mündlich, schrift- lich oder durch Fernsprecher(Amt Charlottenburg 1487) erfolgen. Der Nachweis ist vollständig kostenlos. Rixdorf. Aus der Magistratssitzung. Die Annahme von Kostenvorschüffen von Selbstzahlern bei der Krankenhausaufnahme soll in Zukunft nach den Vorschlägen der Armendeputation erfolgen.— Der Magistrat beschloß iveiter die Veranstaltung von drei Volkssinfonie- konzcrten mit dem Blüthner-Orchester in der Saison 1911/12. DeS weiteren wurde der Bau eines Anschlußgleises für Boddinsfelde nach Maßgabe des vorgelegten Vertragsentwurfs beschlossen.— Die Herrichlung von Räumen des Erdgeschosses in der Schule Thomasslraße zu Amtszimmer und Bibliolhek wurde genehmigt. Die Kosten sollen auö den Mitteln des Kostenanschlags für die Schule Jonasstraße entnommen werden. Zur Aufnahme eines weiteren Darlehens von 6 500 000 M. in Anrechnung auf die bereits genehmigte 33 Millionen- Anleihe be- aulragt der Magistrat die Zustimmung der heute nachmittag 5 Uhr im Rathaus tagenden Sladiverordnetenversainmlnng. Die Aufnahme des den Jahresbedarf an Anleihegeldern für 1911 dar- stellenden Darlehns, welches mit 4 Proz. jährlich verzinst und mit 2 Proz. jährlich getilgt«verde» soll, erfolgt u. a. mit Rücksicht auf die beabsichtigte Durchführung von Verkehrsprojekten, Fertigstellung des Elektrizitätswerkes, Ausführung des Erweiterungsbaues der städtischen Gasanstalt. Erweiterung der Kanalljationsanlagen. Fortführung deS SchrffahrtSkanalS. Treptow-Baumschnlenweg. Die Wahlen der Beisitzer für da? zu errichtende Gewerbe- g e r i ch t finden für Arbeitgeber am Mittwoch, den 22. März dieses JahreS, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, im Rathause, Neue Krugallee 1�3. Zimmer 50, für Arbeitnehmer am Sonntag, den 2 6. M ä r z d. I., von mittags 12 Uhr bis nachmittags 6 Uhr. im Restaurant zur Rennbahn, Elsen- straße 115/116, statt. Die Wählerlisten der Arbeitgeber liegen vom 13. bis 20. Februar 1911 iin Rathause, Neue Krugallee 1— 3, Zimmer 52, in den Dieuslstuiiden von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, am Sonnlag von 0— 10 Uhr vormittags zur Einsichtnahnie öffentlich aus. Einsprüche gegen die Richtigkeit derselben, insbesoudere wegen nicht erfolgter Eintragung, sind während der Zeit der Auslegung beim Gcmeindeborstande zu erheben. Die Arbeitnehmer haben ihre Wahlberechtigung am Tage der Wahl durch ein Zeugnis des Arbeitgebers oder der Polizei- behörde nachzuweisen. Fonnulare zu diesen Zeugnissen werden unentgeltlich im Rathause, Neue Krugallee 1—3, Zimmer 1/2, verabfolgt. Ahrensfelde. Eine öffentliche, gut desuchte Versammlung tagte am Sonntag im Lokal von Schneider. Auch aus den umliegenden Octeu, wie Blumberg, Falkeuberg, Mehrow usw. waren Velsammluugsbeiucher anwesend. Für den durch das Leicheiibegäuguis Singers ver- hinderten Abgeordneten des Kreises Genossen Sradlhagen halte Genosse L i e s e g a n g das Referat übernonimen. An der Ver- sanimlung nahmen außerdem eine große Anzahl Genossen aus Över- Schöncweide teil, welchen die Agitationsarbeit in diesem Bezirk ob- liegt. Der Verlauf der Bersanniiluiig sowie das Forlschreiren. der Organisation im Bezirk sind ein gutes Zeichen für die nächsten Wahlen. AowaweS. Am Sonnabend, den 11. Februar, findet im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhelmstratze 41—43, die Aufführung des Schauspiels „Ueber unsere Kraft" von Björnson statt. Das Stück wird vom Märkischen Wandertheater unter Leitung des Herrn D. Geyer auf- geführt. Der Chor wird von Mitgliedern des Männergcsangver- eins..Freier Männcrchor", sowie vom Thcatervcrein„Volksbühne" gestellt. Beginn der Vorstellung pünktlich Si-H ITHt. Karten zum Preise von 60 Pf. sind in den bekannten Stellen zu haben. An der Abendkasse 70 Pf. Eine Wiederholung der Vorstellung kann nicht stattfinden.__ Der Bildukigsausschuß. Hu 9 alkr Melt. Die peft in Oftarien. Die Lage in der von der Pestepidemie befallenen Zone wird immer trostloser. Auch die heute vorliegenden Meldungen über das Wüten des„schwarzen Todes" entrollen grauenvolle Bilder des physischen und moralischen Elends der Bevölkerung. Nicht nur, daß der fürchterliche Tod den Eingeborenen in jedem Augenblick entgegenstarrt, die Seuche und die gegen ihre Weiter- Verbreitung notwendige Absperrung der Seuchenherde hat u n- geheure Arbeitslosigkeit und in Verbindung damit Hungersnöte hervorgerufen. So ist es denn bereits in ein- zelnen Orten zu gewaltsamen Erhebungen der durch ihr Elend zur Verzweiflung Getriebenen gekommen. In Hulan- t s ch o n g überfielen Arbeitslose im Verein mit Tschungusen die Stadt und plünderten sie vollständig aus. Die zur Hilfe entsandten drei Kompagnien chinesischer Soldaten kamen zu spät. Selbst das letzte Rettungsmittel, durch Verbrennen der P e st l e i ch e n der Weiterverbreitung der Epidemie zu steuern, ist in C h a r b i n, respektive in Fudsjadjan, dem chinesischen Vororte der Stadt, unmöglich geworden. Bisher sind dort zwar etwa 3800 Leichen verbrannt worden, weitere Tausende liegen umher; ihr« Verbrennung ist zur Unmöglichkeit geworden, da es an Petroleum mangelt, um die Leichen da- mit zu begießen. In der Enteignungszone der Ostchinesischen Bahn sind nach einem Telegramm der russischen Telegraphen-Agentur seit Ausbruch der Pest am 26. Oktober vorigen JahreS bis zum 4. Ja- nuar dieses JahreS 1202 Chinesen und 44 Europäer an der Pest erkrankt und 1192 Chinesen und 40 Euro- p ä e r gestorben. Die Zahlen beweisen, daß fast alle von der Pest Befallenen der Seuche zum Opfer fallen.— Eine große Kalamität liegt in der durchaus ungenügenden Zahl von Aerzten und Krankenpflegern; von den wenigen Helden rafft die Pest täglich einige fort. In C h a r b i n sind von den RettungS- Mannschaften bisher drei Aerzte, ein Student, zwei Feldscherer und 12 Kranken pf leger gestorben. In den Bildern des Grauens bildet ein bewundernswürdiges Element der Heldenmut, mit dem eine Reihe von europäischen Aerzten dem Hilferuf der chinesischen Regierung Folge geleistet haben und nun ihre Kunst inmitten der drohenden Gefahr aus- üben. Die chinesische Regierung hat der Familie jedes Arztes, der bei der Ausübung seines Berufes ein LPfer der Pest werden sollte, 20 000 M. ausgesetzt. Die Aerzte hatten in ihrem Kampf gegen die Pest auch den Widerstand der untergeordneten Beamten zu überwinden, aber sie haben doch Hospitäler einrichten können, in denen die Kranken isoliert werden, und sie haben in den Stadtteilen, in denen die Pest wütet, weitgehende Desinfektionen durchgeführt, wobei sie unermüdlich, oft sechzehn Stunden am Tag, in den schmutzigsten Straßen arbeiteten. Als Dr. M e S n h. der das erste Opfer der Pest unter den Aerzten wurde, den Todeskeim in sich fühlte, wies er jede Hilfeleistung von seinen Kollegen zurück und behandelte sich selbst. � um nicht einerseits den Keim der Ansteckung weiterzutragen. Dr. I a ck s o n, der gleichfalls an der Pest gestorben ist. hatte freiwillig die Pflege der Kulis in Mulden übernommen, deren Lebensbedingungen einen besonders geeigneten Boden für die Ansteckung bilden, und er hat Wunder ausdauernder Tätigkeit vollbracht, ehe die todbringende Krankheit ihn ergriff. Auch ein chinesischer Arzt, Dr. W u, der in Cambridge studiert hat, zeichnet sich durch seine Energie und einen Todesinut aus, die ihn mit unermüdlicher Kraft immer wieder an die gefährdetsten Posten eilen lassen. Die Aerzte be- handeln täglich Hunderte von Erkrankten und arbeiten unter Be- dingungen, die für europäische Begriffe undenkbar erscheinen. Schneestürme. Aus den verschiedensten Teilen des Reiche? und Auslandes werden heftige Schnee st ürme gemeldet, die im Gefolge zu großen Verkehrsstörungen führten. In Hinterpommern und West Preußen liegt der Schnee bis zu einem Meter hoch. Auch Sachsen und Bayern hat unter Verkehrsstörungen, ver- ursacht durch Schneeverwehungen, erheblich zu leiden. Ein Tele- gramm aus Wien berichtet, daß in G a I i z i e n und der V u k o- w i n a mehrere Menschen erftoren find, viele Personen haben Er- frieren von einzelnen Gliedmaßen, Nase, Ohren, Hände und Füße erlitten. Auf den westlichen Linien der Transkaukasischen Eisenbahn ist der Verkehr wegen ungewöhnlichen Schneefalles eingestellt worden. Mehrere Züge stecken im Schnee, welcher eine Höhe von zwei Metern erreicht. In verschiedenen Dörfern des Gouvernements K u t a i s sind die Dächer der Hänser eingestürzt. Da die Winterweiden vom Schnee bedeckt sind, so verhungert das Vieh. Die Lage der Dorfbewohner ist wegen der ungewöhn- lichen Härte des Winters verzweifelt. Sin Elendsbild a«S Ostelbien. In der Gemeinde Nandel bei Bentschen wohnt seit etwa 25 Jahren der Arbeiter Bürger. Er bat sich dort verheiratet und regelmäßig seine Abgaben an die Gemeinde entrichtet. Zuletzt wohnte er drei Jahre in einem Haine der Gemeinde und zahlte dafür jährlich 45 M. Miete. Im Herbst vorigen Jahres wurde ihm die Wohnung gekündigt, und da er nicht gleich eine andere Wohnung finden konnte, wurde er im Wege der E x m i s s i o n am 9. Dezember auf die Straße gesetzt. Trotz aller Bemühungen fand er keine Wohnung. Ein guter Freund stellte ihm vorläufig die Scheune zur Verfügung. So wohn: nun der 56 Jahre alte Mann mir feiner kräukliche» Frau und seiner völlig gelähmte» zweiundzwanzigjährigen Tochter noch jetzt in dieser Scheune. Nim ist auch der Main« noch krank geworden und liegt im Krankenhauie. Bis dahin arbeitete er bei einem Tagelohn von 1,70 M. in der Stärkefabrik in Bentschen. Um die Kosten der Exmission usw. einzuziehen, bat man ihm seine beiden Schweine gepfändet. Da in Nandel niemand bieten wollte, siud die Tiere in Bentschen versteigert worden. Auch die K n u i n ch e n hat man ihm gepfändet und verkauft. Ebenso erging es mit einem beträchtlichen Teil seiner Kartsfjein. Nur einen kleinen Rest hat man den Armen gelassen. Nachwehen der Houndsditsch-Affäre. Gestern früh uiitcrnahinen Polizeimannichaften, von denen eine große Anzahl mit Revolvern bewaffnet war. eine unvorher» gesehene Absperrung bestimmter Straßen im Osten von London. Fast schien es, als ob cS wieder zu einer Bel'geruiig wie der in der S y d n e y st r a ß e kommen würde. Jedoch wurden die Polizeimannschaflen gegen 3 Uhr morgens zurück- gezogen, nachdem ein junger Russe sowie eine Frau ver- haftet ivorden waren,»äch der schon seit Ende Dezember vorigen Jahres im Zusammenhange mit dem Mord in Houndsditsch'ge- sucht wird._ Eine Mutter von 27 Kindern. Der italienischen Zeitung„Corriere della Sera� wird ans R i v a L i g u r e an der Riviera di Ponente von einem Ehepaar berichtet, daS in fünfzigjähriger Ehe 27 Kinder in die Welt g e s e tz t h a t. Bei der Eheschließung war der Mann 24, die Frau 2t. DaS letzte Kind wurde im 47. Jahre der Mutter geboren. Die Frau hat die meisten Kinder selbst gestillt. Unter den Geburten befand sich eine Zwillings-, eine Drillings- und eine Vierlingsgeburt. Die Vierlinge starben aber gleich nach der Geburt. Wie viele der Kinder heute noch am Lebe» sind, sagt daS Blatt nicht, DaS fruchtbare Ehepaar befindet sich in Wirtschaft- lich guter Lage und ist anscheinend völlig gesund und auch mit seiner Leistung sehr zufrieden._ Kleine Notizen. Ein gebildeter Rowdy. In der letzten Nacht mußte in D a r m° st a d t ein Student wegen seines Betragens gewaltsam aus einer Bar entfernt werden. Aus Aergcr darüber holte er aus seiner Wohnung einen Revolver, drang in die Bar ein und gab auf den Wirt einen Schuß ab. Schließlich verhaftete die Polizei den Studenten, ehe er Unheil anrichten konnte. Testainentsschiebunge». Der Siotar Thabaud wurde in der französischen Stadt Chäteau Veillant unter der Be- schuldigung verhaftet, zwei Testamente gefälscht zu haben, wodurch Generalrat Bcguin zum Universalerben �eines 1909 verstorbenen Tierarztes eingesetzt wird, der ein Vermögen von 409 000 Frank hinterlassen hat. Bombenattcntate. Auf der russisch-polnischen Eisenbahnstation C h e l m erschossen in der letzten Nacht unbekannt gebliebene Per- sonen einen sie verfolgenden Polizeibeamten. Auf der Flucht warfen sie dann eine Bombe, durch deren Explosion eine Person getötet und vier verwundet wurden. Einer der Verwundeten, der im Verdacht steht, die Bombe geworfen zu haben, liegt im Krankenhaus. Wirbelsturm in einer franzSfischcn Kolonie. Nach einem im französischen Kolonialministerium eingetroffenen Kabeltelcgramm wütete auf der Insel R e u n i o n ein heftiger Wirbelsturm, der drei Tage und zwei Nächte anhielt. Die Schätzung des Schadens ist unmöglich, da sämtliche Verbindungen unter- brachen sind._■( Berliner Rrbritcr-Schachklud. Osten I: jeden Donnerstag'1,9 Uhr bei Böhl, Rüdersdorser Str. 26. , II: jeden Donnerstag'/jö Uhr bei Voß, Wcbcrstr. 6. Eiidost: jeden Freitag'L9 Uhr bei Nitschke, Rcichenberger Straße 86. Süden: jeden Freitag>1,0 Uhr bei Urbcleise», Waisertorstr. 8. Weste»! jeden Freitag>1�9 Uhr bei Päßlcr, Kailsbad l7. Ecke Flottwellstr. Norden l: jeden Freitag'/:9 Udr bei Lachenich, Maxslr. l3b. „ II: jeden Freitag'/jd Uhr bei Fritsch, Droiitheimer Zw. 4 , III: jeden Freitag'1,9 Uhr bei Baganz, Gnudystr. 3. lV: zeden L-onnabcnd>/,S Uhr bei Kcrsten, Bernauer Str. 19. Boxhagen: jeden Freitag Uhr bei Blume, Ali»Boxhagcn 56. Charlottenburg: icden Doniierstag>/,g Uhr bei Brunn, Spreestr. 17. Lichtenberg: jeden Freitag>1,9 Uhr in Müncheberg, Giidrniistr. 13. Ober-Schönewetde: jede» Freitag'/,g Uhr bei Nodcnbusch, Witheluiinenhoj» straße 64, Ecke Rathcnauitraße. Rixdorf I: jeden Freitag ff, 9 Uhr bei Stahmann, Reutcrstr, 46. „ II; jeden DomierStäg ff.S Uhr bei Weihe, Sermannstr. 160. , NI: jeden Freitag ff, 9 Uhr bei Ran, Wildcnbriichstr. 56. Köpenick: jeden Donnerstag ff, 9 Uhr bei Bcwart, Rudow« Str. 2& Bnefkaften der Redahtion. R. T. 34. 1. Es ist zweckmäßig, einen schristltchen Vertrag zu schließen. 2. AiiSkllnst über Kapitalanlage lehne» mir ab.— A.®. Ä4. 1. Nein. Lassen Sie sich aber den Schuldtitcl(vollstreckbare Urteilsausscrtigung) auS- händigen. 2. An die Firma.— G. B. 7. Sie müssen die Höhe Ihrer Miete angeben.— L. S. 78. Ja.— 91. Ä. Wenden Sie sich an die Zentralkominission der Ortskrankentassen, Engeluser 15.— H. H. 18. 1. Nein. Damit fallen die übrigen Fragen.— F. O. Nr. KS. Der Standesbeamte kann von der Beibringung Abstand nehmen. Sprechen Sie mit demsetben.— G. S. Gesuch an die P lizcibchörde.— 8. 68. Die Zuber: itung w dem Raum ist statthast. Nur die Waschgesgße dürfen dabei nicht verwendet werde».— Martha N. IVO. Das Stammbuch genügt in der Regel.— G 119. Antrag ans Pvljzcipräsidium. — H. L. 103. 1. und 2. Die Doppelvcsteiicrung gestaltet das Gesetz, tofim tatsächlich die Abmeldung verspätet eingegangen ist. ES wird hierbei wiederholt daraus hingewiesen, daß Verziehende zwecks Vermeidlüig der Doppelbesteuerung ihren Umzug selb e'r bei der Gemeindebehörde und, soweit sie kirchenstcuerpflichtig sind, bei dcr.Kirchciigciiieinde anzeigen. Die Abmeldung durch den Hauswirt bei der Polizei gänügt nkcht.— Genosse Mich. H. 1. Die sür Berlin übliche Zeit Ist alltäglich— einschließlich Sonntag— zwischen 10 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags. Ist im Mletsvertraae etwa? andere« vemiibart, so ist daS maßgebend. 2. Leider ja.— P. M. 80. 1. Nein. 2. Zunächst müssen Sic Rückkehr fordern. Dann können Sie aus Wiederherstellung der ehelichen Geineinschast klagen. Erst, falls ein dahingehendes Urteil ergeht ilird die Frau binnen Jahres- srist nach Rechtsirast deS Urteils nicht zurückkehrt, liegt ScheidungSgrund vor. — W. G. Lichtenberg. Nein. Sic»rüsten aber reklamieren.— G. L> 82. Einen„lustigen Verein" müssen Sie sich schon selber ermitteln.» Wittern ngSüderNch' vom 8. Februar 1911. morgen» 8 Udr. eSettervrogiiose Gr Donnerötag, de» 9. Februar 1911. Zunächst vielfach heiteres Frostwetter mit ziemlich frischen westlichen «luden: spät« neue Erwärmung, Trübung und gering« Niederschläge. Berliner»etterbure«» An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Sfnciterirtiltls; In Konatrobtlon und Anaftihning, gleich vorzüglich für Hauttgc brauch o. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Qes. -• BERI/1X. leipziger Strnöo OS. i— ' I Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I i LlGgläsarb. c.R.wz.ioa.'iz Healih snuff fobacco. Fabac ä priser de sanfl Tabako do zaiywania dta zdrowt». labacco da naso afla salufa. Peek& Cloppenburg Kaufhaus für moderne Herrens Knabenbekleiduns Gertraudtenstraße 25, 26, 27 Roßstraße 1 u. la Teppiche(gaibeiiiefilet) Gelegen. heildknuf. gabrlflsger Mauerboft, Nur Große Froiiksiirlerstrotze g. Flur. eingang. Gegründet 1874. Borwarls» lesern 10 Prozent. LonniagS geöffnet. 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