Mr. 36. ÜDonnementS'ßedlngungen: AboiincmcntS- Prl?>s pränumerando: Bicrtcljlihrl. 3£0 Mk., ntonall. 1,10 Ml,, wöchentlich 2s Pfg, frei WS HauS. Cinjelne Nummer 5 Psg, Sonntags. nummer mit illustrierter SoimtagS- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psa. Post- ttbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Preisliste. Unter kiceuchand sür Tcutlchland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Aumänien, Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. Vschtlvt»glich anßcr montags. Vevlinev VolKsblnkt. Ble TnlcrtionS'Geblilir kelriigt für die sechsgespaltene Kololiet« geile oder deren Raum KO Psg„ für poliiische und gcwcrlschastlichc Vereins- und Versainmlungs. Anzeigen LO Psg. „steine Sn--igen". das erste(seit. gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer mästen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden, Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöljnct. Telegramm-Adrcste: „SozialtitlnoMt Btrlia". Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktion: 633. 68, Lindcnatrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Liien und Moabit. Verbrecherisch ist im Landtage und Reichstage daS Vorgehen der beamteten Juristen im Essener Meineidsprozest genannt worden, die die Laienrichter verwirrt und aufgehetzt haben, ein Fehlurteil aus Klassenhatz zu fällen. Mit Recht hat Heine auch gesagt, daß wir es bei dieser Prozeßführung mit einem System zu tun hätten, mit jenem System, das der brutale Puttkamer zur Virtuosität ausgebildet hatte, und das da lautete:„Wer gegen einen Beamten etwas aus- sagt, ist verdächtig, und gegen ihn wird Anklage erhoben, nicht gegen den angeschuldigten Beamten". Puttkamer ist gestorben und verdorben. Schintpf und Schande ist sein Gedächtnis, aber das System lebt noch heute und wirkt noch heute fortwährend Unheil. Der Essener Prozeß hat nicht nur sieben Unschuldige ins Zuchthaus gebracht und ihr Leben zerstört. Jenes Schand- urteil— es ist nicht das einzige der deutschen Justiz— war für die Gewissenlosigkeit unserer Gegner die stärkste Bekräftigung jener infamen Legende, daß Sozialdemokraten aus politischen Gründen bereit seien, Meineide zu leisten. Immer noch fanden sich schmutzige Seelen, die die Verleumdung zu wiederholen wagten, immer wieder karrierebeflissene Richter, die Zeugen nach ihrer sozialdemokratischen Gesinnung befragten, um ihre Aussagen zu diskreditieren. Das Essener Urteil ist heute aufgehoben, aber wie viele Urteile sind gefällt, wie viel Strafen verhängt wurden, die anders ausgefallen wären, wenn Berufs- und Laienrichter nicht unter jener Suggestion gestanden hätten, die von jenem Prozeß in Essen, wenn nicht ausgegangen, so doch durch ihn verstärkt worden war. Und nichts wäre irriger zu meinen, als ob jener Geist, der im ersten Prozeß das abscheuliche Urteil gesprochen hatte, den herrschenden Schichten Preußens etwa bereits ausgetrieben wäre. Haben wir es nicht erst jüngst wieder erleben müssen, daß ein Zedlitz, dieser unermüdliche Treiber zu Ausnahmegesetzen, unter dem Schutz der Immunität die Zeugen in den Moabiter Prozessen des Meineides verdächtigte? Und was lag in jener Auflehnung der Bethmann, Veseler und I a g 0 w gegen die übereinstimmenden Feststellungen zweier Gerichts- höfe. daß die Polizei sich schwerer Mißgriffe schuldig gemacht habe, anderes als der Vorwurf, daß die Richter auch den bürgerlichen Zeugen und nicht nur den uniformierten Dienst- eidigen Glauben beigemessen haben. Nein, jener Geist, der in Essen im Jahre 1893 umging, er lebt heute noch in den Trägern der Reichsautorität, er lebt in den Bethmanns und Beselers und in ihren Auftraggebem, den preußischen Konservativen. Freilich es wird immer schwerer in diesem Geist zu judizieren. Lange genug hat er namentlich in preußischen und sächsischen Gerichten in den Köpfen von Richtern und Staats- anwälten gehaftet. Aber die Judikatur, die aus diesem Geist entsprungen, hat die Justiz so kompromittiert, die Kritik so aufgepeitscht, daß heute diese nackte und brutale Form von Klassen- justiz, wenn auch vielleicht noch nicht durchaus überwunden, so doch wenigstens ernstlich erschüttert ist. So sorgfältig auch die Auswahl der Richter gehandhabt wird, jene absolute Zuverlässigkeit, die die herrschende Reaktion ersehnt, hat sie nicht erzielt. So sucht sie nach neuen Mitteln, die ihr das Resultat, die Justiz in eine todbringende Waffe im Älassenkanipf zu vennandeln, auf andere Weise sichern soll. Kann man die Aussagen der Entlastungszeugen nicht mehr ganz ignorieren, kann man nicht jeden Zeugen der Verteidigung mit Zuchthaus bedrohen, wenn ein Dicnsteidiger ihm gegenübertiitt, dann muß man eben verhüten, daß solche Zeugen über- Haupt zu Aussage gelangen. Deshalb soll die wichtigste Garantie des Angeklagten, daß alle Beweismittel, die der Angeklagte zur Stelle schafft, erhoben werden, also auch die Zeugen, die er benennt, gehört werden müssen, dieser einzig wertvolle Schutz namentlich für den politischen Angeklagten, soll durch die neue Strafprozeßordnung b c- s e i t i g t werden. Das ist die Sorge um die Gerechtigkeit, von der die Herren Bethmann, Beseler und Lisco erfüllt sind. ES ist der Geist von Essen, der sie treibt... M ü n t e r war ein Gendarm und deshalb, wenn er auch ein Halunke war, glaubwürdig. Schröder und Genossen waren Sozialdemokraten und deshalb unglaubwürdig, obivohl sie Ehrenmänner waren. In Moabit waren die Zeugen, die die schlimmen Erzcsse der Polizei schilderten, zum Glück keine Sozialdemokraten. An einen Meineidsprozeß zur höheren Ehre der Polizei war nicht zu denken. Aber ebensowenig scheinen die maßgebenden Faktoren daran gehen zu wollen, aus den unbeziveifelbaren Aussagen endlich die Kon- sequenzen zu ziehen und der Gerechtigkeit ihren Lauf zu lassen. Was wird mit den schuldigen Schutzleutens geschehen? Welche Maßnahme» find insbesondere getroffen worden, am den Totschläger des Arbeiters Hermann zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen? Man stelle sich vor. daß Schutzleute Aussagen ge- macht hätten, die Arbeiter und Bürger schlvcrer Verbrechen beschuldigt hätten. Ziveifelt jemand daran, daß solche Aus- sagen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in fieberhafteste Tätigkeit versetzt hätten? Sind noch immer die Zeugen- aussagen von Bürgern und Arbeitern, deren Richtigkeit das Gericht mit Nachdruck anerkannt hat, für Polizei und Staats- j anwalt so minderwertig, daß sie sie zu ignorieren j sich anmaßen dürfen? Oder ist die Berliner Polizei 1 unter der glorreichen Leitung ihres I a g 0 w so un- j fähig geworden, daß sie Verbrecher, die in ihrer eigenen � Mitte zu haben der dringende Verdacht besteht, nicht aus-! sindig niachen kann? Das wird wohl niemand annehmen; wollen. Und so bleibt nichts anderes übrig als die Vcr- mutung. daß die maßgebenden Instanzen es an dem nötigen Eifer und Nachdruck fehlen lassen, daß sie nicht den guten Willen haben, Verbrecher zu ermitteln, weil diese zufällig den Polizeirock tragen. Daß diese Annahme zutrifft, ist für jeden, der den preußischen Staat in seiner Klassenschöne erkannt hat, freilich keinen Moment lang zweifelhaft. Zweifelhaft ist nur, ob die Herren wirklich so leichten Kaufes davonkommen werden, als sie sich vielleicht einbilden. Die Frage: Was i st' s mit den schuldigen Polizisten? wird nicht verschwinden. Das Gericht hat festgestellt, daß zahlreiche schwere Miß- griffe von der Polizei begangen worden sind und der Ruf nach Sühne wird nicht sobald verstummen. Sttuererhöhung in Hetiin. Der Berliner Magistrat hat gestern beschlossen, zur Balanzie- rung deS Etats der Stadtverordnetenversammlung einen Z u- schlag zur Einkommen st euer von 119 Proz. und zur G e» werbe st euer von 165 Proz. bei gleichzeitiger Erhebung der Lustbarkeitssteuer vorzuschlagen. Dieser Beschluß kommt nicht unerwartet. Bereits im Vorjahre glaubte der Magistrat mit den bisher üblichen IVO Proz. Gemeinde- steuern nicht mehr auskommen zu können und schlug deshalb vor, 195 Proz. Zuschlag zu erheben. Darob entstand in der Stadtver- ordnetenversammlung ein großes Lamento und der mit der Be- ratung des Etats eingesetzte Ausschuß wurde beauftragt, alles daran- zusetzen, um die geheiligte Grenze der 199 Proz. nicht zu über- schreiten. Der Auftrag wurde auch ausgeführt. Mit einer wahren Todesverachtung stürzten sich die Macher im Rathause auf den Etat und strichen darauf los, bis sie die 5 Proz. herausgewirtschaftet glaubten. Hatte man in den besseren Jahren noch im Hochbauetat gewissermaßen einen Spartopf, aus dem man in schlechteren Jahren zehren konnte, so stellte sich schon im vorigen Jahre heraus, daß diese Reservequclle so ziemlich versiegt war. Trotzdem strich man im Eifer die ersten Raten für neue notwendige Schulbauten, und selbst zweite Raten für ziemlich fertiggestellte Schulen fielen der Streichwut zum Opfer. Als sich aber herausstellte, daß in diesem Falle schon alle Vorbereitungen zum Bezüge dieser Schulen ge- troffen waren, mußte man diese Summen doch wieder in den Etat einstellen. Die Balanzierung des vorjährigen Etats mit 199 Proz. wurde schließlich erreicht unter Zuhilfenahme von nicht unbcdenk- lichen Experimenten, indem der voraussichtliche Ertrag der Steuern um einige Millionen höher, als der Magistrat vorschlug, eingesetzt wurde. Auch der Ertrag der kaum in Kraft getretenen Wert- zuwachssteuer wurde um eine halbe Million höher veranschlagt als der Magistrat es getan hatte, obwohl von verschiedenen Seiten da- rauf aufmerksam gemacht wurde, daß im ersten Jahre des Bestehens auf die Wertzuwachssteuer nicht allzu große Hoffnungen zu setzen seien. Von sozialdemokratischer Seite wurde bei den vorjährigen Be- ratungen darauf hingewiesen, daß diese Art Finanzpolitik grund- verkehrt sei und nur zur Folge haben müsse, daß man im kommen- den Jahre nicht nur 195 Proz., sondern 119 oder mehr Prozent werde erheben müssen. Diese Voraussage ist nun eingetroffen. Man wird ohne weiteres annehmen müssen, daß der Magistrat seinen Vorschlag nur nach reiflichster Erwägung gefaßt und nicht ohne Not 116 Proz. vorgeschlagen hat, wobei noch gar nicht gewiß ist, ob der in seinen Einzelheiten uns noch nicht bekannte Etat für 1911 nicht so knapp bemessen ist, daß wichtige und notwendige Aufgaben der Gemeinde unberücksichtigt geblieben sind. Mit der Ueberschreitung der 199 Proz. in Berlin eröffnen sich die verschiedensten Perspektiven. Einmal ist Berlin nicht mehr eigener Herr seiner Finanzgebarung. Der Etat muß der Regierung zur Genehmigung eingereicht werden. Und gerade das wollten unsere Kommunalfreisinnigen immer ver- meiden. Sie glaubten die Selbstverwaltung käme in Gefahr, wenn die Aufsichtsbehörden bei der Festsetzung des städtischen Etats mit- zureden hätten. Unsere Freunde im Roten Hause und vor allem unser verstorbener Genosse Singer haben oft darauf hingewiesen, daß auch uns das SelbstvcrwaltungSrccht am Herzen liege, daß diese aber durch die Einreichung deS Etats wirklich keine große Gefahr laufe. Zudem schwebe heute das Selbstverwaltungsrccht der Gemein- den so gut wie in der Luft. ES gibt kaum noch eine gemeindliche Angelegenheit, in der nicht die Aufsichtsbehörden sich auf Grund irgend welcher Verordnungen und Erlasse einmischen. Es ist auch gar nicht zu befürchten— selbst bei der reaktionärsten Regierung nicht, daß in der Etatsfestsetzung den Gemeinden irgend welche erheblichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden; es sei denn, daß in einer Reihe von Fällen die Gemeinden auf die Er- füllung bestimmter Aufgaben von der Regierung hingedrängt werden. Ist es doch vorgekommen, daß die Regierung die Stadt Berlin aufmerksam machen mußte, daß sie schleunigst Ersatz für Mietsschulen schaffen müsse, weil diese Schulen aus bau- und feuerpolizeilichen Gründen nicht mehr für Schulzweckegeeignetseien. Schlechter kann es nach dieser Richtung hin auch bei Genehmigung des Etats nicht mehr werden. Expedition: 83ll. 68» I�indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Von nicht zu unterschätzender Bedeutung aber ist die Ueber- schreitung der 199 Proz. auf das Verhältnis Berlins zu d e n V 0 r 0 r t e n. Es ist bekannt, daß die westlichen Vororte ein großes Anziehungsmittel für die steucrkräftigen Einwohner Berlins bilden. Bisher haben fünf städtische Vororte gleichfalls 199 Proz. Zuschlag erhoben. Erhebt Berlin 119 Proz. und bleiben die Vor- orte bei 199 Proz., so kann sehr wohl der ohnehin schon starke Fort- zug besser bemittelter Kreise nach den Vororten sich erheblich steigern und Berlins Steuerkraft schwächen. Andererseits ist nicht zu ver- kennen, daß einige große Vororte nur auf Berlin warten, um gleichfalls die 199-Prozentgrenze zu überschreiten. ES ist gar kein Geheimnis, daß manche Vororte mit den 199 Proz. nur fort- wursteln und dabei dringende Aufgaben vernachlässigen. Insofern bedeutet die Erhebung eines Steuerzuschlages von 119 Proz. in Berlin für manche Vororte die Erlösung aus ihren Finanznöten. Nun gehören wir gewiß nicht zu denjenigen, die es durchaus be- grüßen, wenn der Bevölkerung erhöhte Steuern aufgehalst werden und wir halten die gegenwärtige Steuerordnung für sehr abändc- rungsbedürftig, weil die ärmeren Klassen am schwersten belastet 'werden. Hier Whilfe zu schaffen, ist aber nicht Sache der Kom- mune. Wenn aber schon Steuern erhoben werden müssen, so muß der direkten Steuererhebung der Vorzug gegeben und es müssen die Steuern erhoben werden, die zur Befriedigung der Bedürfnisse not- wendig sind. Die Steuermisere Berlins und der Vororte hat ihre Ursache nicht nur in einer verkehrten Steuerpolitik Preußens, sondern auch in der kommunalen Zerrissenheit des zu einem ein- heitlichen Wirtschastsgcbiet verwachsenen Grotz-Berlins und würde teilweise parallelisiert werden können durch eine großzügige E i n g e»1 e i n d u n g s p 0 l i t i k, an der es leider heute mangelt. vom bankrotten lUadikaDsinns. Paris, 8. Februar.(Eig. Ber.) Die am letzten Sonntag im Departement Arddche vor- genommene Ersatzwahl, bei der die Radikalsozialisten einen ihrer Stammbezirke an einen gemäffigtereni Linksrcpubli- kaner verloren, setzt die Serie der Niederlagen des bürger- lichen Radikalismus fort. Auch die alten Blockpropheten, die die Schlappe bei den allgemeinen Wahlen im Mai in einen Erfolg umzudeuten versucht haben, geben jetzt zu. datz sich der Radikalismus in einer höchst kritischen Situation befindet. Aber bei dem Versuch, ihn zu retten, geraten sie einander in die Haare. Soll sich die Partei moralisch— durch eine energische Opposition gegen das Briandsche Regime — oder parlamentarisch— durch eine profitbringende Aussöhnung niit ihm— wieder aufrichten? Der radikale Parteitag in Rouen hatte im Oktober eine wütende Resolution gegen die Briandsche„Beruhigungspolitik" ge- faßt und den Parlamentariern die Mission erteilt,„künftig nur eine Regierung zu untestützen, die durch Worte und be- sonders durch Handlungen beweist, daß sie von rcpublikani- schem, weltlichem und sozialem Geiste inspiriert ist". Und um dieser Tendenz einen demonstrativen Nachdruck zu ver- leihen, wählte der Kongreß den alten C 0 ni b e s zum Präsi- denten des Vollzugsausschusses der Partei. Ein wuchtiger Vorstoß gegen das Kabinett— im Senat von Combes selbst geführt— sollte die Parlamentssession einleiten. Es kami aber anders. Der Ausbruch des Eiscnbahnerstrciks setzte Briand in die Lage, sich als Reter der bürgerlichen Gesell» schaft in Positur zu setzen und— die radikalen Mannen liefen mit schlotternden Knien nach allen Richtungen aus- einander. Briand ließ die gute Gelegenheit, sie ohne Stun- dnng zu demütigen, nicht vorübergehen. Das Damokles- schwert der Verhältniswahl, das über ihren Häuptern hängt, hält sie in ewiger Angst und die Einstellung der amtlichen Wahlbecinflussung zu ihren Gunsten erinnert sie an ihre schwachen Seiten. Zugleich läßt Briand die Künste der Preßkorruption spielen. Noch nie hat eine Regierung über eine so reiche Palette offiziöser Schönfärberei verfügt: es gibt konservative, gemäßigte, demokratische und ganz be- sonders radikale Reptilienblätter. Fast die ganze radikal» tuende Tagespresse von Paris wird von Vriandschen KoinmiS dirigiert. Ter betriebsame Herr Bärenger kommandiert jetzt gleich vier Zeitungen auf einmal. Der Versuch der Radikalen, sich ini„Radical" ein offizielles Parteiorgan zu geben, ist eher noch dazu angetan, die Verwirrung zu ver- größcru. In diesem Augenblick konstituiert sich die d e m 0- k r a t i s ch e Linke, die bisher nur eine parlamentarische Vereinigung war, als selbständige Partei, mit einer pro- gramniatischen Erklärung, die sich wohl in nichtssagenden! vulgär-demokratischcn Phrasen bewegt, aber den Radikalen dennoch anzeigt, daß sich die rechtsstehenden Republikaner als Herren der Situation fiihlen. Und nun bricht über die Unentwegten des Radikalsozla» lismus das allerschlimmste Unglück herein. Der Chef der alten Garde selbst kapituliert. C 0 m b e s und das Exekutiv- komitee der Partei verhandeln mit Briand über eine An- Näherung I Herr Bärenger hat, wohl nicht ohne Auftrag, aus der Schule geschwatzt und der„Rappel" bestätigt seine Enthüllung in einem Entrüstungsausbruch, worin selbst der herkömmliche Respekt vor dem„Vater" des streitbaren Anti- klerikalismus empfindlich zu kurz kommt. Aber sein Zorn drückt nur seine Ohnmacht aus. Die Feuerglocke, an der er zerrt, ist in Wahrheit die Totenglocke für den Radikalismus, der da. schon arg verwest, in die Grube fährt. politifcbe debcrHcbt Berlin, den 10. Februar 1911. Geschworenengerichte für die Presse und Lehrer als Schöffen und Geschworene. Aus dem Reichstage, 19. Februar. Zunächst kam es zu der verschobenen Abstimmung über die Zusammensetzung der Strafkammern. Ter sozialdemokra- tische Antrag auf die Bildung der Kammern durch einen Nicht'? und vier Schössen wurde abgelebnt. Dagegen wurdc i�r fortschrittliche Antrag auf zwei Richter und trei Schöffen in namentlicher Abstimmung mit 175 gegen 115 Stimmen angenommen. Damit ist auch für B e>- u f u n g s s a ch e n die Mitwirkung von Laien- uchtern vorgesehen. Wiederum nur um einige Paragraphen weiter wurde dann die zweite Lesung des Gerichtsverfassungsgesebcs ge- bracht. Bei zwei Fragen kam es dabei zu eingehenderen Auseinandersetzungen. Zunächst bei dem sozialdemokratischen Antrag, die Prcßdclikte den Geschworenen- geeichten zu überweisen, für den die Genossen Stück- l e n und Stadthagen durch Beibringung umfassenden Materials eintraten. Sie verwiesen aus dem reichen Schatze ihrer Ersahrungen, die gerade sozialdemokratische Redakteure in Preßprozessen eingeheimst haben, daß bei Geschworenen für die Presse durchschnittlich immer noch mehr Verständnis zu finden ist, als bei den Berufsrichtern. Aber diese Argu- mente halfen natürlich nichts bei der Mehrheit. Der Antrag wurde abgelehnt. Eine lebhafte Auseinandersetzung gab es dann bei der Frage, wie die Geschworenengerichte zusammengesetzt, oder ' vielniehr welche Bevölkerungsklassen vom Geschworenen. d i e n st a u s g e n o o m m e n wrden sollen. Die Regierung wünschte die V o l k s s ch n l l e h r e r von diesem Dienst fern- zuhalten. Anfangs war auch unter den Parteien der Rechten und beim Zentrum große Neigung dafür vorhanden. Mittler- weile sind aber zahlreiche Petitionen aus Lehrer- kreisen eingelaufen, in denen die Zulassung zum Ge- schworenendienft verlangt wird. Es stellte sich nun im Laufe der Verhandlung, in die a:if unserer Seite die Genossen F r o h m e und S t a d t h a ge n nachdrücklich eingriffen, her- aus. daß alle bürgerlichen Parteien sich den Lehrerivünschen anbequemt haben. Dabei kam es zu erregten Zusammen- stoßen zwischen den Konservativen, vertreten durch Dr. D i e d e r i ch Hahn, und den Fortschrittlern, da sie sich gegenseitig vorwarfen, daß sie nur Lehr er fang für die bevorstehenden Wahlen treiben. Bei der Abstimmung ergab sich dann, daß die Zulassung der Volksschullchrer zum Schöffen- und Eeschworenendienst gegen eine Stimme angenommen wurde. Am Sonnabend steht eine Interpellation K a n i tz wegen der Zulassung ausländischer Wert. n apiere auf deutschen Börsen auf der Tages- ordmmg._ Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus beendete am Freitag zunäibst die erste Leiuug des ZweckverbandSgefetzeS für Groß- Berlin. In der Debatte vertrat Abg. Hamme»(ts die �Wiintche dcS Kreises Teltow, während dn Licht'enberger Bürger- inejster Ziethen suh zum Fürsprecher der auf eine Verteilung der; Vöiklschulkasicn hinzielenden Wünsche der östlichen Vororte macht«. Letzten EndeS erklärte sich Herr Ziethen auch bereit, das ganze Volksschulwesen, nicht nur die Kosten desselben, auf den Verband zu Lderiiehmen, ein Vorschlag, der bekanntlich von sozial- demokratischer Seite ausgeht und den später der freisinnige Ab- geordnete Dr. C r ü g e r bekämpfte, weil er darin ein Stück Kommunismus erblickt. Eigenartige Anschauungen über das Wesen der Selbstverwaltung gab Abg. Graf S p e e lZ.) zum besten, als er vorschlug, dem König da» Recht der Ernennung einer bestimmten gobl von Miigliedern der Verbandsversammlung zu gewähren. Da wäre es doch wohl richtiger, gleich von vornherein zu bestimmen, daß alle großjährigen Prinzen, ebenso wie sie dem Herrenhause an- gehören, auch geborene Miiglieder der Verbandsversammlung sind. Was dabei herauskommen würde, steht freilich auf einem anderen Blatt. Die Vorlage wurde einer Kommisston überwiesen, in der die Sozialdemokratie durch Genossen Hirsch vertreten ist. Hieraus nahm das Haus den Antrag Reck und Genossen betreffend Entschädigung von Tierbesitzern für vetcrinärpolizeiliche Sperrinaßregeln in der Faffung der Budgetkommission an. Auch unsere Genossen stimmten dafür: unfern Standpunkt zu motivieren, war uns freilich dank der wieder funktionierenden Schlutzantrags- Maschine nicht möglich. Genosse Hoffmann, der als Redner be- stimmt war, mußte sich auf eine kurze Bemerkung zur Geschäfts- ordnung beschränken, Ivorin er erkärte, daß wir nur unter dem Vor- behalt dakür sind, daß nicht Maßregeln im Sinne einer einseitig ggrarisch Wirtschaftspolitik getroffen werden. Nach Kcnnlnisnahme der Denkschrift über die staatliche HilsS- aktion aus Anlaß der Hochwafferschäden im Jahre 160S vertagte sich das Haus. Am Sonnahend werden erst einige kleine Vorlagen erledigt. Dann soll die Beratung des Etats des Ministerium des Innern be- ginnen._ Konservative Vergekvaltignngsgeliiste. DaS Scherlblatt meldet, daß die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses einen Antrag vorbereitet, der den Zweck verfolgt. den sozialdemokratischen Mit- gliederndes Hauses die ihnen bis jetzt ein- geräumten Rechte einer Fraktion zu nehmen. Diese Meldung enthält nichts Neues. Bekanntlich sind die konservativen Parteien ja in einen B o y k o t d e s Seniorenkonvents eingetreten, durch den sie die Sozial- dcmokratie aus dem Seniorenkouvent hinausdrängen möchten. Die Konservativen möchten die Sozialdemokratie aber dar- über hinaus auch aus sämtlichen Kommissionen t-inausdrängen. ja ihnen womöglich sogar das Recht nehmen, bei den Debatten des Plenums in dem Umfange zu Worte zu kommen, wie das bisher der Fall war. Es fragt sich nur. ob ein T e i l des Zentrums oder der National- liberalen bereit sein wird, diese Vergewaltigung der Sozialdeniokratie mitzumachen. Die sozialdemokratische Fraktion des Abgeordnetenhauses selbst steht den Zettelmigen sehr kühl gegenüber. Wenn es die Mehrheit des Junker- und Hetzerparlaments gelüstet, sich vor aller Welt eine neue schwere Blamage zuzuziehen, mag sie dem konservativen Drängen nur nachgeben. Was die Herren dabei gewinnen, wird sich ja dann schon zeigen! Zentrumstaktik. Die KommissionSberhandlungen über den BerfasfungSentwurf für Elsaß-Loihringen veranlaßten unS schon gestern zu der Ver- mutung, daß die Zentriimsporiei ans Furcht vor dem Abfall eines Teiles ihrer reichsländischen Gefolgschaft in der elsaß-lvthriiigischen VerfassungSfrage eine oppositionelle Schwenkung zu unternehmen gedenkt. Die Kommentare, die einige ZentrumSbläiter sich zu den gestrigen Verhandlungen in der Reich-iagSkoinmission leisten, be- stätigen diese Vermutung. So schreibt die.Köln. Bolksztg.": „Gewisse Verdächtigungen nach der Rede des Freiherrn v. Hertling, als ob zwei Richtnng.m in der Fraktion vorhanden seien, als ob der Fraktionsvorsland die Wünsche der Elsaß- Loibringer unierdrücken würde, werden jetzl endgüliig verstummen müssen. Das Zenirum hat mit seinen Aniräge» diese eindrucks- Vollen Mehrheitsbeschlüffe der Kommission erreicht. Die National- liberalen und selbst die Sozmldemobalen verzichteten ziigiinsien der Zenlruinsanlräge auf ihre eigenen und stimmten' dafür, wenigstens zum Teil. Das eiiasplothringische Volk aber kann aus der heutigen Kommisfiousiitzmlg und aus der Slelluiignahme des Zentrums wieder einmal erkennen. waS von den Hetzereien gegen daS Zentrum zn halten ist. Frhr. v. Hertling hatte sicherlich nicht anders gesprochen wie der Abg. Boiiderscheer, desse Nuge und erilichiedene Ansfiihnmgen auch von der gegnerische» Presse anerkannt worden sind. Das Zentrum wird nur der Vorlage zu- stinimen, wenn sie wirklich dauernde Verbesierunge» dem jetzigen Zustande gegenüber bringt. Davon werden auch die weiteren Anträge und Beschlüsse cn der Kommission Zeugnis geben. Die heutigen Kvmmissionsbeschlüsse haben bereit« über die Wünsche des Reichstages Klarheit geschaffen. Das weitere hängt von der Hallung des Bundesrats ab." Das Zentrum will also, um daS„elsaß-lothringische Volk" von seiner politischen Zuverlässigkeit zu überzeugen, auf der linken Seite kämpfen. Die Frage ist nur:„Wie lange?" Die gestrige Lesung des Entwurfs war die erste— bis zur dritten lassen sich noch manche Rück- und Vorwärtsschicbungen vollziehen. Ein Mufter-NationaMveraler. Die Nationalliberalen Schleswig- Holsteins stehen auf dem äußersten rechten Flügel der nationalliberalen Partei. Sie haben deshalb bis jetzt auch alles Liebeswerben der Forlichrillspartei nach einem Zusanniiengehen bei der kommenden Reichstagswahl abgelehnt. Trotz der starken bündlerischen Neigungen der schleswig-holsteinischen Nationalliberalen hat ihnen die im Januar d. I. in Kiel statt- gefundene Provinzialkonserenz des Bundes der Landwirte den Krieg bis aufs Messer erklärt, und es sind auch schon in zwei rein ländlichen Wahlkreisen(Oldenburg- Plön und Tondern- Husum) den dem Landwirte seltzc- nahestehenden national- liberalen Reichstagskandidaten besondere bündlerische Kandidaten gegenübergestellt werden. Auch im Wahlkreise Schleswig- Eckeritförde, den jetzt der mit Hilfe der Sozialdemokraten gewählte sreisinnige Buchdruckereibesitzer Spelhmann-Eckernförde im Reichstage vertritt, betrieb der Bund der Landwirte eine selbständige Kandidatur. Der Vorsitzende des ProvinzialverbandeS des Bundes der Landwirte, Graf Reventlow-AIienhof, legte sich sowohl in der Versammlung des Nationalen Wahlvereins für den Kreis Schleswig, wie in der Ver- sammlung des Nationalen Wahlvereins für den Kreis Segeburg(beides Kreise des rechten Blockes) stark für eine eigene Kandidatur des Bundes der Landwirte ins Geschirr. Aber der ReichstagSkandidat der Nationalliberalen, Hofbesitzer Mattsen-Steinfeld, der den Kreis schon einmal im Reichstage vertreten hat. schlug alle Bedenken der Bündler wieder. Er gab nicht nur das Versprechen ab, daß er sich in der nationalliberalen Fraktion keinem Fraktionszwange fügen werde, wenn diesem Fraklionszwange bündlerische Interessen ent- gegenständen, er erklärte auch, daß er für einen Zoll auf Milch, Rahm und Garten Produkte eintreten werde, um so die noch bestehenden Lücken deS Zolltarifs zu be- s e i t i g e n. Das sei schon nötig auS finanziellen und GerechtigkeitS- gründen. DaS schlug durch, und die Bündler sahen von einer eigenen Kandidatur ab. Warum sich Herr Mattsen wohl noch nationalliberal nennt? Allem Anscheine nach hofft er damit bei der Wahl noch Dumme zu fangen, denen die Finna Bund der Landwirte doch schon etwa» anrüchig erscheint. Von solchem Nationalliberalismus aber eine Bekämpfung des schwarz-blauen Blocks zu erwarten, ist eine lächerliche Illusion._ „Schutt der nationalen Arbeit." Wie die Schutzzölle auf Rohmaterial die Weiterverarbeitung schädigen, illustrierte nach den Mitteilungen deS Handelsvertrag«- Vereins der Direktor der Mannheimer Schiffswerft, Blümcke, in der dritten Generalversammlung deS Verbandes Südwestdeutscher In- duftrieller am 22. Januar in Mannheim durch folgende An« gaben: Die rheinischen Walzwerke fördern den hollän- dischen Schiffsbau zu in Nachteil der deutschen Werften. Um 25 bis 28 M. für die Tonne liefern die deutschen Eisenindustriellen daS Rohmaterial billiger ans Ausland als der heimischen Industrie. Bis 1910 wurden auf holländischen Werften 21S8 Schiffe für deutsche Rechnung gebaut und 76 355 000 M. wan- derten dafür über die Grenze. DaS ist antinational. Die Holländer haben mit diesem Gelde Hypothekenbanken gegründet und beleihen Rheinschiffe, um ihren Werilen Arbeit zu verschaffen. AuS dieser Praxis erklärt sich die ganze Misere der Rheinschiffahrt. Lehrermangel in Preußen. Tie preußische Unterrichtsverwaltung hat in einer Verfügung die Klassenfrequenzen in den Pröparanden-Anstalten mit dem Hin- weis daraus neu geregelt,«daß in der letzten Zeit der Lehrermangel zurückgegangen, ja in einzelnen Provinzen ein Ueberschuß an Schul- amtsbewerbern eingetreten ist". Zunächst scheint also nach dieier amtlichen Feststellung die Lehrerbesoldung doch von größerem Einfluß aus die Beseitigung des Lehrermangels gewesen zu sein, als dieselbe Behörde— im Gegensatz zur Lehrerschaft und zur Mehrheit des Abgeordnetenhauses— früher zugeben wollte. Leider ober stehen die Nachrichten aus einigen Gegenden Preußens in krassem Widerspruch zu der Anffassung, daß ein Ueber- schuß an Lebramtsbewerbern vorhanden sei. Dasür nur einige Bei- spiele. Der Bezirk Oppeln hatte im Jahre 1910 für 7178 Klassen mit 434 656 Schülern nur 6545 Lehrende, so daß in diesem LandeLteile auf jede Klasse 60, auf jeden Lehrer aber 66 Schüler kamen und 633 Klassen eine eigene Lehrkraft entbehren mußten. Im Bezirk Liegnitz waren für 4325 Klassen sogar nur 2903 Lehrkräfte vorbanden. Hier war z. B. im Kreise Sagau die Differenz so groß, daß 68 Schulen mit 203 Klassen nur 436 Lebrende besaßen, mithin 67 Klassen, also an jeder Schule durchschnittlich eine volle Klasse keinen Lehrer hatten. Der Kreis Teniplin, Provinz Brandenburg, zählte unter 60 Landschulen mit einem Lehrer 13 mit über 70(bis hinauf zu 108) Schülern. Nach einer Erklärung des KreiSschulinspektorö waren in Dortmund von 176 katholischen Lehrerstellen 70 unbesetzt. In oem Dorfe Wandlitz, vor den Toren Berlins, müssen 2 Lehrer zusammen 170 Schüler unterrichten und die Regierung ztz Potsdam hat die Anstellung eines dritten Lehrers abgelehnt. In Hennigsdorf bei Trebnitz, Bezirk Breslau, mußte ein Lehrer in einem einzigen Räume seit Jahren eine zwischen 130 und 150 schwankende Zahl von Kindern ganz allein unterrichten, bis er jetzt erklärte, er fei mit einer Kraft zu Ende.• Journalifienstreik. Im elsaß-lothringischen LandesauSschnß kam es, wie aus Straß- bürg gemeldet wird, gestern nachmittag gelegentlich der Besprechung des Verfassuugsreformantrages Vlumcnthal und Genossen zu einer außerordentlichen Szene. Als der Abgeordnete Fustizrat Preiß-Colmar den Abgeordneten Wetterlä gegenüber gewissen Augriffen in der Presse, namentlich in der„Frankfurter Ztg." und in der„Straßburger N. Ztg." in Schutz zu nehmen luchte, bezeichnete er im Laute seiner Angriffe den hiesige» Vertreter der.Frank'urter Ztg." als P r e ß b a n d i t e n wo- raui sämtliche Journalisteii ihre Tätigkeit einstellten und einmütig die Tribüne verließen. Erst als der Präsident v. Jaunez das Wort ergriff, um die seitens des Abgeordneten Preiß gefallene Beleidigung gegenüber der Presse z» bedauern und zu erllären, daß Preiß ent- schieden zu weit gegangen sei, traten die Vertreter der Presse wieder ein, um ihre Tätigkeit im Interesse der Oeffentlichkeit wieder aufzunebinen. Auch der Abgeordnete Wctterle, bekanntlich selber Journalist, bezeichnete den ieiiens des Kollegen Preiß gefallenen Ausspruch als nicht am Platze, wenn auch vrellerchl durch die Er regiveit des Redners einschulbbar. Herr Preiß selbst hielt eS nichr für nötig, sich zu entschuldigen._ „Krenz-Zcitnitgö"-Weisheit. Eine kuriose Anseinanderietzung leistet sich im heutigen Morgen- blatt die ehrsame„Krenz-Zectuiig", das Spezialorgan der Herren v. Heydebrand, Kröcher u. dergl. Das sich stets als beste Kenneri!! der politischen Parteiverbälttilsse ausspielende Blatt nimmt.nämliä, aus eine Laudesversanunlung der nationalliberalen Partei NasiauS Bezug, in der der bekannte nationalliberale Kommerzienrat Bartlirrg eine lange Rede gehalten hat und kommentiert dessen Ausführungen folgendermaßen: Wozu soviel Worte? Bartling hätte einfach erkären können: wenn die nalionalliberalen Kandidalen nicht in die Stkchwr/ l kommen, dann stimmen ihre Anhänger tür den sozialdemokratischen Konkarrenten. Und mit solchen Drohungen wollen sie sich uni.r Mißbrauch der„nationalen Phrase" die konservative Hilse er- zwingen. Der Redner machte allerdings ein Zugeständnis— ein etwas kurioses Ziigesländnis—, indem er bemerkte, der Bund derLand- Wirte, dem er selbst angehöre, verfolge keine polilischen, sondern gleich dem Hansabmide nur wirtschaftliche Zwecke. Beide müßir n zusamnienarbeiten und sich nicht bekämpfen. Und trotz dir ketzerischen Anschauungen ist Bartling offizieller Kandidat t. Nalionalliberalen? So ist es! Mandat hier ein Au> r zugedrückt: denn der Wiesbadener Wah kreis wird gegenwärtig von dem aus der nationalliberalen Reichstagsfraktion heraus- gedrängten Abgeordneten Lehmann vertrete- lind um diesen auszumerzen, gelten al! Mittel. Da i st e S selbst dem Bunde der Land lo i r t e gestattet, g e n, e i n s a m mit dem Hans. bunde für die Wahl Bartlings sich ins Zer' zu legen. Welchen Wert dieses Geschwätz hat, ergibt sich schon daran.. daß der Abgeordnete, der heute im Reichstage Wiesbaden vertriii, zwar Lehmann heißt, aber nicht nationalliberal ist, sondern l sozialdemokratischen ReichslggSfraklion angehört, und daß ferner d- „Krenz-Zig." diesen Abgeordneten einfach mit dem in Jena gc wählten Gutsbesitzer Paul Emil Lehmann verwechselt. Richtige Auslegung des Bereinsgesetzes. In Wolfshagen(Braunschwcig) war eine Aersammlui- einberufen worden, um für die Verbände der Landarbeiter, Stcir arbeitxr und Fabrikarbeiter Mitglieder zu werben. Sie war d. Ortsbehörde nicht gemeldet worden, weil sie nicht als öffenUtri politische, sondern als gewerkschaftliche �Leransiaitung gedacht wa. Die Veranstalter und Leiter erhielten darauf einen Strasbesel[ wegen llebertretung des Vereinsgesetzes. Ter Einspruch hatte den Erfolg, daß das S ch ö s s c n g e r i ch t in Lütter a. B. die Auge- klagten freisprach. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß der Referent in der Hauptsache die großen wirtschaftlichen Ecignisse deS Jahres 1910 besprach, die einseitige Stellungnahme der Polizei bei Lohn- kämpfen und bei den Wahlrcchtsdemonstrationen in Braunschweig kritisierte. Das Gericht kam aber gleichwohl zu der Auffassung, daß die Versammlung keine öffentliche politische war; daß eine politische Angelegenheit in einer gewercschaftlichen Versaiiimlung kurz besprochen werde, vermöge den Charakter derselben nicht zu ändern. Es komme nicht darauf an, was in der Versammlung tat- sächlich erörtert werde, sondern ob der Veranstalter eine öffentliche Versammlung zur Erörterung politischer Angelegenheiten abhalten wollte. Ein in der fraglichen Versammlung verbreitetes politisches Flugblatt sei ohne Wissen und Willen deS Leiters an die Versaulin- lungsbesucher abgegeben; dies könne den Charakter der Versamm- lung ebenfalls nicht ändern._ Fortschrittlicher Wahlantrag. Die Fortschrittliche VolkSpartei deS Abgeordneten» Hauses hat einen Initiativantrag auf Annahme eines Ge- setzes betreffend Einführung der geheimen Abstimmung bei den Gemeinde wählen eingebracht. Nach diesem Gesetz- entwurf sollen die Wahlen zu den Gemeindevertretungen in Stadt- und Landgemeinden r» geheimer Abstimmung stattfinden und zwar nach der für die Ausübung deS ReichstagSwahlreckits gellenden gesetzlichen Vorilbrist. Das Gleiche soll gellen für die Wahl der Bürger- meister. Magistralsmitglieder, Eemeiiidevorstehcr, Schöffen und ionstiaen Mitglieder der Geineindcvorstände, soweit diese Wahl nach den bestehenden Vorschriften durch die wahlberechtigten Gemeinde angehörigen unmittelbar erfolgt. Bankbeamten«nd Pensionsversicherungsenttvnrf. In Berlin nahm am Donnerstag eine stark besuchte Versamm- lung der Berliner Bankbeamten zu dem Entwurf über die PcnstonS- Versicherung der Privatangestellten Stellung. ES wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der eS heißt: «Die Versammlung erklärt einmütig,.daß sie in dem Re- gierungsentwurf zur Staatsversicherung der Privatangestellten eine Lösung der bedeutsamen sozialpolitischen Aufgabe nicht erblicken kann. Namentlich hat die Stellung deS Entwurfes zur Frage der Z u l a s s u n g v o n E r s a tz i n st i t u t e n die Bank- oeamten schwer enttäuscht, und die Versammlung erhebt gegen die betreffenden Bestimmungen nachdrücklich Einspruch. Wenn dieser Entwurf-Gesetz werden sollte, dann würde einer großen Zahl von Angestellten die Möglichkeit einer besseren Alters-»nd Jnvalidenveriorgung. als die Staatskasse in Aussicht stellt, ohne zwingenden Grund genommen, mindestens aber. erheblich verteuert."_ Kleinliche Angriffe. Durch die unanständige bürgerliche Presse wandert eine der ganzen Aufmachung nach vom Reichsverband gegen die Sozial- dcmokratie stammende Notiz, in der es nach einem hämischen Angriffe ans Stadthagen heißt: „Von einem anderen Stern am Himmel der sozialdemokra- tischen Advokatur, dem Abg. Liebknecht, hat jetzt eine als Zeugin im Essener Kaiserdelegierten-Prozeß vrrnonlinene Frau unter Eid ausgesagt, daß er ihr einst 80 M. Honorar abgenommcn habe, zum Termin aber überhaupt nicht erschienen sei." Genosse Dr. Karl Liebknecht sendet uns hierzu folgend« Er« klänmg: Es handelt sich«m eine Strafsache gegen Nordtmann und Genossen: In dieier Sacke stand Hauptverhandlungstenilin anz 29. Januar 1907 vor dem Amtsgericht Weißensee an, demjenigen Amtsgericht in der näheren Umgebung Berlins, daß am unbequemüeii zu erreichen ist. Mit Rücksicht hieraus ist für die Vertretung oer Äng?Nagten im Vorverfahren und in der HmiPtberhanMung der für Berliner Verhällnisie normale Satz von 80 M. Honorar vereinbart worden. Die Anfteklaqte ist von meinem Bruder in der Hauptverhandlunq vertreten worden. Allerdings ist mein Bruder etwas venpätel erschienen, was sich bei den zerrissenen Berliner Gerichtsverhältnissen vielfach nicht vermeiden länt. Soweit jedoch die Beweisaufnahme schon vor seinem Erscheinen stattgcsunden hatte, wurde sie nach seinem Erscheinen in den wesentliche» Punkten rekapituliert. Mein Bruder hat den Schlußvorlrägen beigewohnt! und selbst plädiert. Wir haben gegen das verurteilende Erkenntnis Berufung ein- gelegr. Am s. Februar 1907 traf in unserem Bureau ein Schreiben der Angeklagten ein, in dem uns das Mandat gekündigt wurde, „weil der Berlreter erst»ach dem Urieilsipruche gekommen iei". Im Schreiben vom II. Februar 1907 winde dem sofort widersprochen und nnter anderem bemerkt:„Ich habe der Beweis- aufnähme beigewohnt, plädiert und, nachdem der AintSanwalt er- wideri, das Schliistwort erhalten/' Dem Schreiben wurde die lliestliquidation über 3,4ö M. bei- gefügt. Diese Liquidation ist unter dem 13. Februar von der Angeklagten aiistandslos beglichen worden. Irgend eine Einwen- duiig gegen das Schreiben vom 11. Februar hat die Beklagte nicht erhoben. Danach ist der erhobene Vorwurf unbegründet. Insbesondere hatte i ch mit den hier in Frage siehenden Vor- gängen persönlich nicht da§ geringste zn tun. Ich habe nicht ein- nial Kenntnis von ihnen gehabt bis zu dem Augenblick, wo ich mich gegenüber den jetzigen Presseangriffen orientierte. Die Handakten in der Sache Rprdtiiiann und Genossen sind bereits im Februar>907 der Angeklagten ausgehändigt. Mir steht nur noch eine kleine Anzahl in einem sogenaimteil Nelent zusammengefaßter Schriftstücke zur Verfügung. Ich hoffe, daß diese Sachdarstellung für die gesamte an- ständige Presse zur Klarlegtuig hini eichen wird. Im übrigen er- hebe ich gegen das Kreisblatt des Kreises Ostbavelland, das die Reichsverbandsnotiz auch gebracht hat, Privatklage. _ Dr. K. Liebknecht. Oeftermcb. Nationale Hochschulprobleme. Wien, 9. Februar. Die Forderung der Italiener nach einer Universität hat bekanntlich zu den wildesten Stürmen geführt. Die Regierung wollte aus Angst vor der Jrredenta die Uiliversilät nicht im italienischen Siedlungsgebiet eriichien, die italienische Rechts- fakultät in Innsbruck wurde aber eines TageS von den Deutsch- nationalen demoliert. Nun hat sich der Budgeiausschuß endlich auf eine.Lösung' geeinigt, die leine ist. Angeiiommen wurde nämlich ein Rompromißantrag Siedl, daß die italienische Fakutlät vom Wintersemester 1911/12 ab provisorisch sür vier Jahre in Wien errichtet, sodann in einem Ort des italienischen Sprachgebietes verlegt werden soll. Die Bestimmung der Regierungsvorlage, daß einzelne Lorträge auch in deutscher Sprache gehalten werden können, ebenso die Bestimmung, daß bei.. der Prüfung der Kandidaten die volle Kenntnis der deutschen Sprache sicher zu stellen ist, wurde auf Antrag der Italiener abges-rhnt, dagegen die Resolution Korosetsch betreffend die Rezipr�zstät der Agramer Studien und vorbereitende Maßnahmen sich' Errichtung einer sloveni- s ch e n U n.i v e rjs i t ä t airg«,«mmen. ffcmhmch. Für Durand. Paris, 10. Februar. Der sozialistifckie Verband des SeinedepartembntS erließ einen Aufruf, in dem er aber- mals in heftigen Warten die sofortige Freilassung Durands vcrlatigt, da dieser, wenn er noch länger im Gefängnis bleibe, vom Wahnsinn bedroht sei. Gleich- zeitig wird für morgen eine große Arbeiter- Versammlung einberufen, in der mehrere sozialistische Deputierte zugunsten Durands sprechen werden. Eine OffizierS-Gewerkschaft. Pari?, 10. Februar. Dem„Journal' zufolge hat eine Gruppe von Offizieren, die von der Pike auf gedient haben,' ihre a»S den Militärichulen von St. Maixent, Versailles und Sanmur hervor- gegangenen Kameraden aufgefordert, eine Vereinigung zum Schutze threr beruflichen Jntereffen zu bilden, da die letzte BeförderuugS- liste gezeigt habe, wie geringes Wohlwollen sie bei den Vorgesetzten finden. Lelgien. GesiiiniiiigSschniiffelei! Brüssel, 10. Febrar. In der Kannner gelangte heut« die Jntcr- pellation des Sozialdemokraten B e r t r a n d zur Beratung betr. die Erkundigungen, die vom Kriegsministerium über die politischen Anschauungen der Rekruten eingezogen werden. Der Interpellant bekämpfte die Einführung dieser Maßregel und wies daraus bin, daß die Gendarmen, die meist mit diesen Erkundigungen beasestiagt würden, nur ungern diese Spionage betrieben. Der Kriegs- miii»!-te'r. der diese Erkundigungen zu rcchlsertigen sucht, wird von Mitgliedern der Linken wiederholt unterbrochen. Der Minister beme.ll�'bdh dieke Maßnabme durch die von den Sozialisten be- tr>«d>ne Propaganda, durch welche die Rekruten zur Fahnenflucht u»d lGrhvrsamsverweigeruug verleitet werden sollten, notwendig ge- wotden sei, um so den Einlritt unliebsamer Elemente in die Armee »m-oechindern. ES handelte sich hierbei um die Lebensinteressen der Gngland. Die Zolldebatte. London, 0. Februar. Bei der Fortsetzung der Debatte über daS z o l l p o l i t i s ch c Amendement der Opposition erklärte Premiernlinister Asquith, das Amendement bedeute einen Tadel nicht nur für die Regierung, sondern auch für die Wähler. welche die Regierung wiederum zur Macht berufen hätten. Er ö c st r c i t e, daß Länder mit Schutzzöllen sich einen besseren Zutritt zu auswärtige ii Märkten ver- ichaffen könnten als Großbritannien. Es existiere tein Beweis für diese Behauptung der Opposition. ES sei ebenfalls nicht richtig, daß die Kolonie n an die Tore des Mutterlandes angeklopft und um Vorzugszölle gebeten hätten. Ter zollpolitische P an der Opposi- tion sei der größte politische Betrug der modernen Zeit. Er bestreite ferner, daß ein System von Vorzugszöllen innerhalb des Reichs das Abkommen zwischen Kanada und den V e r- einigten Staaten verhindert oder verzögert haben würde. Eine Verhinderung des Abkommens würde weder dem kanadischen noch dem britischen Volke zum Vorteile gereicht haben. Balsour erwiderte, der Unterschied zwischen der Opposition 'lind der Regierung sei der, daß dw Regierung die Kolonien nicht bcffcr behandeln wolle als die fremden Länder, während die Oppo- m glaube, daß es sür das llieich als politisches und ökonomisches gze vorteilhaft sein würde, die Kolonien mit Selbstverwaltung er zu behandeln als die fremden Länder. Amendement wurde mit 324 gegen 222 Stimmen ab- N o I e h n t. Die Mitglieder der A r b e i t e r p a r t ci und die p, a t i o n a l i st e n stimmten mit der Regierung. Die Nationalisten haben sich bisher der Abstimmung über Zolltariffragen enthalten.! RiiKlanä. Zu den Studentenunruhe«. Petersburg, 10. Februar. Aus maßgebenden Regiernngs- kreisen erfährt der Korrespondent der„Frankfurter Zeitung', daß man gesonnen ist, mit äußerster Strenge in der Sliidentenaugelegenheit vorzugchen. Hier und in anderen Hochschulstädteii finden zahtreicheVerhaftungen statt. Orkei. Lockspitzelei. Das in Poris erscheinende Organ der„radikalen otto- manischen Partei",„Mescherutjet" veröffentlicht— zum Teil im Faksimile— zwei Dokumente, die das Lockspitzeltum und die Beeinflussung der Justiz unter dcni jungtürklschen System beweisen.— Kurze Zeit nach der Verkihidigimg der Verfassung hatte sich in Konstantinopel eine Vereinigung „Fedakaran-i-Mijet"(Verband der der Nation Ergebenen) gebildet, die die Rechte der in die Heimat zurückgekehrten Exilierten verteidigen wollte. Dieser unpolitische Verein er- regte aber beim Komitee„Einheit und Fortschritt" Verdacht und dieses beschloß, sich seiner zu entledigen. Ein gewisser Fethi Bey wurde nebst anderen Personen seinesgleichen in den Verein hineindirigiert. Sie verschafften sich den Ver- einsstenipel und setzten dann ein Schriftstück auf, das„be- weisen" sollte, daß der Verein eine Revolte, den Sturz des Komitees und die Ermordung der Gesandten zur Herbei- führung einer europäischen Intervention vorbereitet hätten. Tiefes Dokument wurde im Vereinslokal gelassen, wo die Polizei pronipt eine Hausjüchung vornahm. Das Dokument wurde natürlich„gefunden", worauf die gewünschten Ver- Haftungen vorgenommen werden konnten. Nach zweimonat- licher Untersuchungshaft wurde die Unschuld der Verhafteten und die Schuld Fethi Beys und seiner Spießgesellen nachge- wiesen.—„Mescherutjet" bringt nun zwei Briefe zum Ab- druck, die die Beeinflussung des Verfahrens zugunsten des Lockspitzels illustrieren. Der erste ist an den Polizei- präsekten Sami Pascha gerichtet und hat Enver Bey, den berühmten„Freiheitshelden", zum Verfasser. Er lautet: Verehrte Exzellenz! Ich bitte Sie, Fethi Bey, den Ueberbringer meiner Karte. nicht verhaften zu lassen, denn er kennt die Frage bis in ihren Kern und außerdem ist er einer unserer Anhänger. Sie werden mich also er- freuen, wenn sie sich nach dem Obigen richten. Bewahren Sie die strengste Diskretion und geben Sie ihm meine Karte zurück. Der zweite Brief ist von Dr. Bahaeddin Schakir, einem führenden Komiteemitglied, an den Unter- suchungsrichter Nihad Bey gerichtet. Sein Wort- laut ist: Lieber Bruder! Ich weiß, daß es nötig war, um der öffentlichen Meinung Genugtuung zu geben. Fethi Bey, einen unserer Freunde, der in die Affäre Fedarakan-i-Miljet ver- wickelt ist, p r o v i s o r i s ch zu verhaften. Da wir uns aber die notwendigen Dokumente dank ihm und Riazim verschaffen konnten, haben die beiden uns große Dienste erwiesen. Darum ist es der Befehl des Zentralkomitees, ihre Uns ch u ld zu proklamieren und sie in Freiheit zu setzen. Die Order des Komitees ist bereits dem Generälprokurätor des Appellhofes und Sami Pascha telephonisch bekanntgegeben worden.— Ich bitte um Rückstellung dieses Briefes und bin usw. Die Jungtürken scheinen, nach diesen Proben zu schließen. nicht nur von der deutschen Armee, sondern auch van der prenßischcn Polizei Jnstruktoren bezogen zu haben. In ihrer tvaldursprünglichen Barbarei betreiben sie die Spitzelzncht und Richterbceinflussung freilich noch weit gröber als die Jagow und Bethmaun Hollweg. Amerika. Die Revolution in Mexiko. Tie vor einigen Wochen verbreitete offizielle Mitteilung. daß die revolutionäre Belvegung in Mexiko beendet sei, scheint etivas verfrüht gewesen zu sein, angesichts der Tatsache, daß alle neueren Nachrichten von Stegen der Aufständischen über die Regiernngstruppen melden. Die Revolutionäre sind sieg- reich in den drei nördlichen Provinzen Chihuaöna, Sonora und EoaHuila siegreich gewesen. Sie hätten auch die Haupt- städte dieser Provinzen einnehmen können, aber sie haben nicht genug Soldaten, um Garnisonen hineinzulegen, so verzichten sie darauf. Die revolutionären Führer sind auch der Meinung, daß diese Städte um so mehr revolutionäre Rekruten liefern, je länger sie in der Gewalt der Regierung bleiben, weil die Un- zufricdcnheit die Bürger in die Reihen der Aufständischen treibt. Diaz hat alle Truppen, die er entbehren konnte, nach den nördlichen Provinzen gesandt, so daß die südlichen Pro- vinzen fast von üsoldaten entblößt sind. Die versklavten Landarbeiter, wahrhafte moderne Leibeigene, werden diese Gelegenheit benutzen, um sich der revolutionären Bewegung anzuschließen. Genosse Joch-London,' der berühmte amerikanische Schrift- steller, ist an der Spitze einer Freilmlligeuschar nach Mexiko gegangen. Das Generalstabsquartier der Aufständischen ist in Los Angelos, wo die Genossen Villareal und Magoon die„Re- generaciou", eine sozialistisch-revolutionäre Zeitung, herausgeben. Diaz hat noch einmal die amerikanische Regierung um Intervention gebeten. Bus der partei Parteiliteratur. Im Verlag des Deutschen Arbeiter-Abstinenten- Bundes(Joh. Michaelis. Berlin S.O. 16, Engclufer 19) erschien: Albert Röhn, Arbeiterversichcrung und AlkoholiLmus. 23 Seiten. Preis 30 Pf. B i l l i g c A u s g a b e. Preis 10 Pf. 100 Exemplare 8.23 Mk.. 300 37.30 Mk.. 1000 70 Mk.. inklusive Porto. Ter Reichsverband, Nationale Zeitung zur Bernichtnng der Sozialdemokratie, betitelt sich eine soeben im Verlage von G. Birk u. Co. m. b. H. in Mjnchen erschienene illustrierte Faschings-, nummer, die die Bestrebungen des Reichsverbandes und aller anderen Scharfmacher in Wort und Bild der verdienten Lächer- lichkeit ausliefert. Der Preis beträgt 10 Pf. Aus den Orgauisationc«. In der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Erankfurt a. M. wurde mitgeteilt, daß dt« Mitgliederzahl imj tzten Halbjahr um 328 gewachsen ist. Der Mtgliederstand ist 7433,> barunker find 387 welblsche Mitglieder. Da« bierie Quarta! brachte eine Einnahme von 16 268.59 M., gegen 11 238,19 M. 4m dritten Quartal._ Folgen des Gewerkschaftsstreits in Oesterreich. Charakteristisch für die unleidlichen Verhältnisse, die der Kampf der tschechischen sozialdemokratischen Partei gegen die Einheitlichkeit der Gewerkschaften herausbeschworen hat. ist der folgende Flug- zettel, der jetzt von den Zentratisten in Brünn herausgegeben wird. Er lautet: An den Pranger! Arbeiter! Genossen! In dem uns aufgezwungenen Kampfe um die Einheit der gewerkschaftlichen Organisation haben sich in Brünn jüngst wieder Dinge abgespielt, die so unerhört sind, daß kein ehrlich denkender Arbeiter zu ihnen schweigen darf.— Arbeiter, höret und richtet! Am 18. Januar l. I. fand in Brünn eine Plenarversammlung der Fabrikvertraucnsmäuner der auf internationaler Grundlage organisierten Arbeiterschaft statt. 300 Vertrauensmänner waren versammelt. Vertrauensinänner, die früher so oft zusammengekommen waren, um über die Kämpfe der Arbeiterschaft gegen die Ausbeuter und die bürgerlichen Par- teien zu beraten. Diesmal waren sie zusammengetreten, um für ihre Genossen einzutreten, deren Existenz durch Vanck und Tusar vernichtet worden war. lind da geschah nun das Unerhörte und Unfaßbare: Der Landtagsabgeoronetc Vanek telcphonierte aus der Allgemeinen Arbeiter-Krankenkasse um die Polizei! Diese Schandtat vermag er nicht zu leugnen. Er ist ihrer überwiesen und mutz sich den entehrenden Vorwurf in? Gesicht schleudern lassen, daß er als angeblicher Arbeitervertreter die Polizei, das Werkzeug der Herrschenden, gegen die Arbeiter zu Hilfe ge- rufen hat! Arbeiter! Lehnt sich nicht Euer proletarisches Ehrgefühl gegen diesen Bubenstreich auf? Ihr dürft diese Schandtat nicht ruhig hinnehmen I— Vanek hat ein für allemal das Recht verwirkt, sich ein Vertreter der Arbeiter zu nennen! Arbefter! Denket daran! Vergeht auch nicht, daß der Helfershelfer Vaneks. der Redakteur der..Rovnost", Tusar es ist. der gemeinsam mit Vanek den Bruderkrieg unter der Arbeiter- schaft entzündet und geschürt hat. Eure proletarische Ehre muß Euch gebieten: Weg mit Vanekl Weg mit Tusar! Die vereinigten Korporationen der sozialdemokratischen Partei Mährens. Die Versammlung der Vertrauensleute galt der Abwehr von unerhörten Maßregelungen, durch die Vanek die zentralistifch gc- sinnten Angestellten der Krankenkasse aus Lohn und Brot gebracht hatte. Um die Aktion der Zentratisten zu verhindern, rief Vanek die Polizei zu Hilfe! Pfui Teufel! Soziales. Habt acht bei Kauti-nssiellung! Der angeblich sehr wohlhabende Hippodrombesitzer Gleich suchte mittels Inserat in der TageSpresse einen Kassierer oder Kassiererin. In der Person der Frau R. fand sich auch eine Beirerberin, die allen Anforderungen entsprach und vor allem auch kautionSsähig war. Das Unternehmen war nach den Angaben des Besitzers ein sehr großes. Unter den Klängen einer Musiikapelle laufen dort sieben Pferde, und 300- 500 M. Kasse würden täglich gemacht. Daß die Kassiererin da auch genügende Sicherheft bietet, sei erforder- lich. Gegen Stellung einer Kaution von 300 M. kam das Engage- ment zustande. Die Kassiererin fand sich denn auch pünktlicher als nötig zu der verabredeten Zeit zum Dienstantritt ein. Sie ivar jedoch nicht wenig erstaunt, als sie anstatt des ihr geschilderten riesigen Unternehmens nur ein winzig kleines Zelt vorfand. Von der Musikkapelle und von Pferden ivar auch nichts zu sehen. Tos Gartenlokal, in dem das Hippodrom stand, war vollkommen leer sd daß also jene fabelhafte Tageseinnahme, von der beim Engagement geredet wurde, absolut nicht zu erwarten war. Die Kasstercrin fühlte sich infolgedessen um die Kaution geprellt. Ihr verdutztes Gesicht ob der Enttäuschung entging auch dem „wohlhabenden" Arbeitgeber nicht. Unter allerhand Borwänden bemühte er sich, ihr die Geschichte zu erklären. Doch ihr einmal erwecktes Mißtrauen wollte nicht weichen, so daß der Unternehmer schließlich die Sache bündig machte und zu ihr sagte:„Es ist besser, Sie fangen gar nicht erst an. wenn Sie ein solches Gesicht«lachen, kann ich tein Geschäft machen, denn da graulen sich ja die Kunden." Erfreut, auf so bequeme Weise mit diesem Ardeitaeber wieder auseinander zu kommen, stimmte Frau R. zu, und das Arbeits- Verhältnis wurde im beiderseitigen Einvernehmen gelöst. Bon der Kaution erhielt sie jedoch nur 190 M. zurück, die restlichen 200 M. behielt der..wohlhabende' Hippodrombesitzer ein, weil ihm durä» die infolge des Verhaltens der Kassiererin fristlose Lösung des ArbeftSverhältnisses ein Schaden in dieser Höhe erwachsen sei. Mit dem„Geschäft" war Frau R. natürlich nicht einverstanden. Sie wandte sich hilfesuchend an das Gewerbegericht, Ivo die Sache gestern vor der Kammer 6 unter Vorsitz des Magistratsassessors Dreyer zur Verhandlung kam. Der Beklagte wurde zur Rückzahlung der 299 M. verurteilt, weil der Schaden, den er gehabt haben will, weder näher substantiiert noch nachgewiesen werden konnte und den Anschein der Wahrheit nicht für sich hat. Das Urteil wird aber der Klägerin wenig nützen, denn der Beklagte dürfte jedem PfändungSversuck Kapitalmangel entgegenhalten. Wer sich vor Schaden bewahren will, übe die größte Vorsicht bei Kautionsstellungen. Diese Mahnung muß immer wieder wiederholt werden._ Rur ein Schönheitsfehler. Ter Tischlcrlehrling Walter Ä. hatte am 26. August 1998 durch Betriebsunfall einen Bruch der rechten Hand erlitten. Tie Bruch- stücke der Mittelhandknochen der vier dreigliedrigen Finger ivqreu in leichter Verstellung ancinandergehcilt. Die Norddeutsche Holz- Berufsgenossenschaft gewährte dem Verletzten nach Beendigung des Heilverfahrens— vom 20. Februar 1009— eine Rente von 30 Proz. Durch Bescheid vom 24. März 1910 wurde dw Rente mit dem 1. April 1910 aufgehoben, weil die Unfallfolgen bis auf die unwesentliche Behinderung der Streckung in den Mittelgelenteii des recvten Mittel-, Ring, und kleineu Ringers beseitigt und eine „Anpassung und Gewöhnung an den Zustand" eingetreten sei.— Ter Vater des Verletzten legte gegen den Bescheid der Norddeutschen Holz-BcrufSgenossenschaft beim Schiedsgericht für Arbciterversiche- rung. Städtkreis Berlin. Berufung ein. Er führte u. a. aus, i»- folge der Verletzung' und der dadurch erfolgten Vcrbildung der rechten Hand habe sogar das Lehrverhältnis gelöst werden müssen. Indessen die Spruchkammer des Schiedsgerichts unter dem Vorsitz des Regierungsrats Herrn v. Harting wies die Berufung zurück. Im Verhandluugstepmin war die ver'ctzte rechte Hand durch den Vertrauensarzt Herrn Geh. Rat Dr. Becker untersucht, und dieser Sachverständige betrachtete die Vorbildung der rechten Hand als„Tchöiiheitsfehler" und hielt eine Erwerbsbehinderung nicht mehr für vorliegend. Und das, wiewohl die rechte Hand starten Schweiß absondert, die Mnsknlatur des rechten Armes nur die gleichen Maße wie der linke Arm aufwies, das physiologische lieber- maß. das bei einem Rechtshänder vorhanden sein muß, also fehlte! Gegen das Urteil rekurierte der Vater des Verletzten beim Ncichsverfichcrungsamt. Ter Rekurs hatte Erfolg. Ter erkennende Senat des Reichsversicheruiigsamtes höh das Urteil des Schiedsgerichts auf und verurteilte dir BerufSgenossru- schaft, dem Kläger vom 1. April 1910 ab eine Reute von 15 Proz. zu zalsten. Ter erkennende Senat vermocktc sich durch die AugensSein- »ahme davon zu überzeugen, daß die Uufallfolgen keineswegs be- scitigt sind. Tie Rcichvversicheruugsorduuug will bekanntlich das Neichsver- sicherungsamt als Retursinstanz beseitigen. Zum Schaden der Ar beiter. Wie notwendig die RekurSinstanz istz damit der Verletzt � zu feinem Siechte gelangt, beweist der vorliegende Fall. Gcwerfercbaftlicbce. Das Hrbeitöhammcrgcrctz und die Sifenbabncr. Das Reichskartell der christlichen Verbände der Unter- beaniten und Arbeiter staatlicher Verkehrsanstalten(Sitz Elberfeld) hat folgende Eingabe an den Reichstag gelangen lassen: „Der Hohe Reichstag wolle anläßlich der Beratung des Ar- beitskammergesetzentwurfes beschließen, die Verbündeten Regie- rungen zu ersuchen, den Eisenbahnhandwerkern und-Arbeitern in Werkstätten, Betrieb und Bahnunterhaltung der Reichs- und Staatseisenbahnen, den Post- und Telegraphenarbeitern, wie auch den Militärarbeitern und den sonstigen Staatsarbeiter- gruppen, falls diese nicht dem Arbeitskammergesetz unterstellt werden, durch Ausbau und Zentralisation der schon bestehenden Arbeiterausschüsse in den Staatsbetrieben, eine die Arbeits- kammern ersetzende gesetzliche Standesvertretung zu geben. Auf die bereits im März 1910 dem Hohen Reichstag durch ein Mitglied desselben übermittelte Petition nebst ausführlicher Begründung des Zentralverbandes deutscher Eisenbahnhandwerker und Arbeiter wird ergebenst verwiesen. Ehrerbietigst: Reichskartell der Verbände der Unterbeamten und Arbeiter staatlicher Verkehrsanstalten. I. A.: Wilh. Gutsche, Elberfeld." Obgleich der Minister v. Breitenbach im vorigen Jahre mit aller Bestimmtheit erklärt hat, daß die Regierung die Arbeiterausschiisse nicht weiter ausbauen werde und kein In- teresse an der Zentralisation der Arbeiterausschiisse Jyabe, obgleich also das Reichskartell der christlichen Staatsarbeiter weiß, daß an einen weiteren Ausbau der Arbeiterausschüsse vorläufig noch nicht zu denken ist, tritt diese Organisation in dem Augenblick mit solchem Wunsche hervor, wo die Re- gierung das Arbeitskammergesetz als unannehmbar erklärt, wenn auch die Eisenbahner dem Gesetz unterstellt werden sollen. Mit dieser Eingabe hat das christliche Staatsarbeiter kartell dem Zentrum eine goldene Brücke gebaut und ihm den Umfall bei der Abstimmung im Reichstage wieder recht leicht gemacht. 1. ist die zentrumschristliche Interessen Vertretung der Eisenbahner. Schlimmer noch als der christliche Verrat ist der vom Verband der Eisenbahnhandwerker und-Arbeiter(Sitz Berlin, früher Trier) geübte Verrat an den Interessen der Eisenbahnarbeiter. Wegen der Unterstellung der Arbeiter in den Werkstätten und Nebenbetrieben der Staatscisen- bahnen schreibt das Organ dieses Verbandes: „Die Regierung hält diese Forderung der Kommission für unannehmbar. Wir können sagen: Gott sei Dank, denn die größere Mehrzahl der Kollegen, soweit sie im Betriebe beschäftigt sind, wäre von diesem Gesetz ausgeschlossen worden!" Weil also die Kommission nicht auch zugleich die Be- triebsarbeiter dem Arbeitskammergesetz unterstellen wollte, sollen„Gott sei Dank!" auch die Werkstattarbeiter und alle sonstigen in den Nebenbetrieben beschäftigten Arbeiter diesem Gesetze nicht unterstellt werden. Das ist eine Logik, die nur der verstehen kann, der auch die Beweggründe der Trier- Berliner Drahtzieher kennt. Der Trier-Berliner Eisenbahner- verband ist das Schoßkind des Ministers v. Breitenbach. Es ist dies derselbe Verband, dessen Vertreter am 13. Dezember vorigen Jahres zur Eisenbahndirektion Berlin geladen waren. Es wurde behauptet, daß sie dort eine Verwarnung erhalten hatten. Das Verbandsorgan schreibt darüber: „Das ist natürlich unwahr und völlig aus der Luft ge- griffen! Der Herr Präsident hat mit den Mitgliedern unseres Zentralvyrstandes lediglich Fragen allgemeiner Natur, die die Berbandsleitung und unsere Zeitung betresfen, besprochen. Er hat auch Mitteilungen gemacht über eventuelle Lohnerhöhungen und über den Urlaub der Bahnunterhaltungsarbeiter." War das keine Verwarnung, so war es doch zum min- besten eine Direktive, die sich der Vorstand vom Direktions- Präsidenten erteilen ließ. Die Organisation, die dieser Vor- stand vertritt, umfaßt etwa 90 000 Mitglieder, das ist nahezu der dritte Teil der preußischen Eisenbahnarbeiter. Wäre es den Leitern dieses Verbandes Ernst mit der Vertretung der Arbeiterinteressen, dann hätten sie eine Petitionsbewegung zugunsten der Unterstellung der Eisenbahnarbeiter unter das Arbeitskammergesetz eingeleitet. Die Unterstützung aller Eisenbahnarbeiter, auch der in anderen Verbänden organi- sierten, wäre ihnen sicher._ Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma H e n s ch e I u. Co., Neuenburger Straße, haben die Kollegen die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb ist gesperrt. Die Firma sucht durch den Nachweis der Metallindustriellen Arbeits- willige zu erhalten und gibt sich dieser Nachweis resp. der Leiter desselben, Herr Dr. Kose, auch alle erdenkliche Mühe, der Firma in ihrer Bedrängnis beizuspringen. Bisher allerdings ohne Erfolg. Wir ersuchen die Kollegen, jedes Arbeitsangebot dieser Firma strikte abzulehnen. Es zeigt sich bei dieser Gelegenheit übrigens mit aller Deutlichkeit, was der eigentliche Zweck diofes Unternehmernachweises ist, nämlich: Die Vermittelung von Arbeitswilligen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Maßregelung eines Kellners im Reichstagsrestanrant. Die Hotel-Betriebs-Aktien-Gesellschaft hat die Bewirtschaftung de« Reichstogsrestaurants übernommen. Sie beschäftigt eine größere Anzahl von Kellnern, die aus der Kasse des Reichstage» besoldet werden. Ter Lohn der Kellner ist wöchentlich zu zahlen. Am letzten Dienstag fragte nun der Abg. H e ck s ch e r, der Vorstandsmitglied ist und als solches die Restaurantkontrolle mit zu versehen hat, einen tüchtigen älteren Kellner, Vater von zwei Kindern, ob er seinen Lohn schon erhalten habe. Die Antwort lautete:.Nein". Der Lohn von der vorige» Woche war am Dienstag noch nicht ausgezahlt worden. H c ck s ch e r wandte sich daraufhin an den Geschäftsführer und ersuchte ihn um pünktlichere Lohnzahlung. Der Geschäftsführer nahm eine Unifrage vor, wer die verspätete Lohnzahlung mitgeteilt habe. Der Kellner meldete sich und wurde sofort entlassen. Auf Intervention des Abgeordneten H e ck s ch e r wurde die Matzregelung zurückgenommen. Der Geschäftsführer versprach auch, den Mann auf indirektem Wege nicht hinauSzubringen. Dann aber griff der Direktor E l k a n von der Betriebsgesellschaft ein und erzwang die Matzregelung, weil ein disziplinarwidriges Verhalten nicht geduldet werden könne. Ein Einspruch des Abgeordneten H e ck s ch e r war vergeblich. Der Reichstagspräsident will jetzt eine Vermittelung versuchen. Der gematzregelte Kellner ist der älteste im Reichstags- restauraitt und gehört dem sogenannten Genfer Verband an. Achtung, Fleifchergeselten! Die Firma Thomczik(Fleisch- und Wurst-Zentrale„Südwest"), Zossener Straße 37, die vor einigen Tagen zwei organisierte Gesellen maßregelte und dem Organisationsvertreter, der zwecks Beilegung dieses Konflikts vor- sprach, das Geschäft verwies, hat von ihren Gesellen unterschriftlich verlangt, daß sie nie der Organisation beitreten oder, falls sie Mit- glieder sind, sofort austreten. Als die Gesellen sich weigerten, ein derartiges Schriftstück zu unterzeichnen, wurden sie sofort entlassen. Dem Erstgesellen wollte man zum Zwecke der Spitzeltätigkeit bre Zugehörigkeit zur Organisation gestatten. Ms dieser die ihm zugedachte Verräterrolle ablehnte, war auch er nicht mehr zu gebrauchen. Die Firma sucht jetzt bei allen Stellenvermittlern Arbeits- willige. Erfreulicherweise hat sie wenig Erfolg, obgleich der Jnnungsarbeitsnachwcis in der Mulackstraße sich alle Mühe gibt, Streikbrecher zu werben. Zuzug ist streng fernzuhalten. Zentralrerband der Fleischer. Die streikenden Hausdiener und Packer der Tcppichfabrik von G. Fcibisch, Treptow, beschäftigten sich am Donnerstag mit der augenblicklichen Situation. Es sind keine Berufskollegen der Streikenden, die in diesem Betrieb Arbeit angenommen haben, sondern Leute, die man unter normalen Verhältnissen niemals auf- genommen hätte. In der Diskussion schilderten die Streikenden auch die polizeilichen Maßnahmen zur Unterstützung des Unter- nchmcrs. So ist ihnen bis auf 900 Meter von der Fabrik ent- fernt das Streikpostenstehen untersagt. Auch beschwerten sich die Streikenden über die Lügenberichte, die seitens der Arbeitswilligen über sie verbreitet werden. Als einer der Arbeitswilligen am Tage nach dem Arbeitsantritt nicht mehr erschien und durch einen Polizisten nach der Arbeitsstätte gebracht wurde, erzählte er, er wäre durch die Streikenden belästigt worden, was aber nicht der Fall war. Dieser, ein früherer Rollkutscher, 22 Jahre alt, mit Namen Karl Jestrich, wohnhaft Warschauer Straße 48, Seiten- flügel, Part., bei Bierwirth, tritt überhaupt den Streikenden in recht provokatorischer Weise entgegen. Unter den anderen noch im Betrieb Beschäftigten befinden sich ein Fahrstuhlführer L a s k e, Treptow, Äeermannstraße 6/7, wohnhaft, sowie die Hausdiener Jungmtnn, Markgrafendamm 29, Seitenfl. III., Willi Grau, bäum, Soldiner Straße 109, bei Wegener, Karl H o f r i ch t e r, Cuvrystratze 36, und Schmidt, Stralauer Allee 20. Es sind zirka 16 Personen im Betrieb beschäftigt. Die Streikenden ersuchen die organisierte Arbeiterschaft, auf diesen Betrieb aufmerksam zu machen und Ununterrichtete vor Zuzug zu warnen. Mitgeteilt wurde in der Versammlung noch, daß der Wirt, bei dem das Streikbureau tagt, eine Karte nachstehenden Inhalts erhalten hat: Herrn Wanslick, Restaurant, Treptower Landstraße 27. Aug' um Aug'— Zahn um Zahn. Da von ihrem Lockal aus, fortgesetzt Belästigungen und Ueberfalle stattfinden auf Arbeitswillige, ist ihr Lockal von heute ab, für Alle Arbeitswilligen gespert. Weitere Masnahmen behalten wir uns vor. Sämtliche Arbeitswillige. Man versucht durch derartige Mittel, den Wirt zu veranlassen, den Streikenden das Lokal zu verweigern. Deswegen ersuchen die Streikenden um Solidarität. Oeutkches Reich. Znr Tarifbcwegung im Holzgewerbe. Nachdem die örtlichen Verhandlungen in den in Frage kommen- den 22 Orten vollständ'g ergebnislos verlaufen waren, haben zwischen den Zentralvorständen wiederum Besprechungen stattge- funden und zwar in der Zeit vom 3.— 6. Februar. Zu diesen Besprechungen war auch die von beiden Parteien eingesetzte zentrale Schlichtungskommission zugezogen. In erster Linie handelte es sich wieder um die Frage des Ablauftermins der Verträge, ferner aber auch um die künftige Tauer der Arbeitszeit in den einzelnen Orten, die bemessen werden soll auf Grund des seinerzeit zwischen den Verbandsvorständen vereinbarten Regulativs. Zwischen den Aentralvorständen konnte auch dieses Mal eine Einigung über diese Streitpunkte nicht erzielt werden, doch hofft man, wenigstens eine Grundlage für die Fortsetzung der örtlichen Verhandlungen ge- funden zu haben. Diese sollen nun auf der ganzen Linie sofort aufgenommen werden. Am 13. Februar sollen die örtlichen Per- haichlungsprotokolle bei den Vorständen eingeliefert sein. Da es unmöglich erscheint, bi« zu diesem Tage— wo die alten Verträge ablaufen— eine endgültige Verständigung in allen Städten herbei- zuführen, ivurde zwischen den Zentralvorständen vereinbart, das? alle Verträge bis zum 1. März weiterlaufen sollen. Die Aussichten für eine Verständigung sind auch heute noch recht trübe und ungewiß; die allernächste Zeit aber wird Klarheit schaffen._ Z« den bevorstehenden Tarifvcrhandlnnge» im Schneidergewerbe. Für die Herrenmaßschneiderei ist mit dem Allgemeinen Deut- schen Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe, der sich kurz- weg„Adav" nennt, und dessen Hauptvorstand seinen Sitz in Mün- chen hat, 1907 ein Vertrag abgeschlossen, der die Arbeitsverhältnisse für diese Branche regelt. Es besteht noch kein Reichstarif, sondern die Tarife werden örtlich vereinbart und dann von den beider- seitigen Hauptvorständen übernommen, denen nur das Recht der Kündigung zusteht. Diese Tarifverträge sind sämtlich auf unbe- stimmte Dauer mit gegenseitiger dreimonatlicher Kündigung abge- schlössen. Die Partei, die den Vertrag kündigt, ist verpflichtet, am Tage der Kündigung dem anderen Vertragskontrahenten eine neue Tarifvorlage zu unterbreiten, die dann selbstverständlich die neu aufgestellten �Forderungen enthält. Für die Reihenfolge und Be- nennung der einzelnen Positionen ist für das ganze Reich ein Schema, Lohntarifmuster genannt, vereinbart, das auf alle Fälle benutzt werden mutz. Infolge der am 1. Januar d. I. erfolgten Kündigungen ist der „Adav" in folgenden 50 Orten beteiligt: Barmen, Bernburg, Blaukenburg, Braunschweig, Bremen, Cassel, Chemnitz, Coblenz, Coburg, Danzig, Darmstadt, Eisenach, Elberfeld, Erfurt, Frankfurt a. M., Freiburg i. Br.. Fürth. Glogau, Görlitz, Greiz, Güstrow, Hamm, Hameln, Hildesheim, Hirschberg, Jena, Kiel, Königsberg, Leipzig, Ludwigshafen. Mainz, Mannheim. Metz, Münster, Neuwied, Nürnberg, Osnabrück, Pforzheim, Regens- bürg, Reichenbach i. V., Schwäb.-Gmünd, Schwerin i. M., Sonneberg, Stendal, Stettin, Stuttgart, Wernigerode, Wiesbaden, Wil- helmshaven und Zittau i. S. Insgesamt sind in diesen 50 Städten in der Herrenschneiderei zirka 15 000 Gehilfen nach Tarif beschäftigt, davon bei Mitgliedern des„Adav" zirka 9000. Von den Arbeitern sind insgesamt 60 Proz. im Zeprtalverband organisiert, in einigen Orten sind es aber 90 bis 100 Proz., auch Christliche und Gewerkvereinler(H.-D.) kommen rn Frage, doch ist deren Zahl nicht bekannt. Nach dem Uebereinkommen der Hauptvorstände sind die Ver- Handlungen über die Neugestaltung der Lohntarife zunächst örtlich zu führen, und zwar zunächst 14 Tage nach erfolgter Kündigung. Es soll über die Klasseneinteilung der Geschäfte, Verarbeitung der einzelnen Stücke in bezug auf Hand- und Maschinenarbeit, Zahl der Taschen und Regelung sonstiger Extraarbeiten, sowie ferner die Lieferung oder Entschädigung der Hand- und Maschinenzutaten /Fournituren), Wertstättenfrage und besondere Entschädigung an die Heimarbeiter beraten werden. Nach weiteren 4 Wochen— für die diesjährigen Tarifverhand- lungen am 12. Februar— beginnen die Verhandlungen über den materiellen Inhalt der Tarife: Stücklöhn, Zeitlohn, Bezahlung der Extraarbeiten, Entschädigung für Ueberstunden, Nacht- und Sonn- tagsarbeit. Wenn die Parteien am Orte sich einigen, so wird der Lohntarif neu vereinbart und von den Hauptvorständcn übernom- men. Einigen sich die Parteien nicht oder nicht vollständig, so werden die strittigen Punkte den Hauptvorständcn zur Entscheidung überwiesen. Zu der Zusammenkunft der Hauptvorstände, die in der vorletzten Woche vor dem Ablauftermin(31. März) stattfinden muß, werden außerdem noch je 2 Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus den beteiligten Orten hinzugezogen. Ist diese Zusammenkunft nicht imstande, die Differenzen auszugleichen, dann steht es beiden Teilen frei, auf dem Wege des Streiks oder der Aussperrung ihrem Willen Geltung zu verschaffen. Für die sich aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis ergebenden tariflichen Streitfragen— wobei es sich meistens um die Auslegung des Tarifs oder einzelner Positionen handelt— ist ab 1. Januar d. I. ein Schiedsgerichtsverfahren vereinbart worden, da« Ork«- schiedsgcrichte, Gauschiedsgerichte und das Schiedsgericht der Gau- vorstände vorsieht. Die beiden letzten tagen unter einem unpartei- ischen Vorsitzenden. Außerdem sind ab 1. Januar d. I. in allen Geschäften dieser Branche Lohnbücher eingeführt, die eine Kontrolle über den verdienten Lohn, wie über die Einhaltung tariflicher Bezahlung ermöglichen. Die Verhandlungen über paritätische Arbeitsnachweise haben sich, wenigstens vorläufig, zerschlagen. Der Streik der Steinsetzer in Kolberg ist mit vollem Erfolge für die Arbeiter beendet worden. Der Unternehmer Krause war gezwungen, den Lohnabzug von 10 Pf. für die Stunde rückgängig zu machen. Wegen der höchst ungünstigen Jahreszeit ist der Erfolg um so höher anzuschlagen._ Der Streik in den Papierfabriken Blankenberg-Roscnthal ist beendet. Verhandlungen des Gauleiters und zweiten Vorsitzenden des Fabrikarbeiterverhandes ergaben die Einstellung sämtlicher entlassenen Arbeiter und Anerkennung des Koalitionsrechts durch die Firma. Tinsland. Die Finanzen des Schweizerischen GcwerkschaftsbundeS. DaS Bnndesloiiulee des Schweizerischen Gcwerk>ch>iftsbttndeS hatte im Jahre 1910 eine Gekamteiimahme von 43 453 Fr., wovon Ä 919 Fr. Beilräge der Verbände, 7920 Fr. Ergebnisse von Eanrmlungen, 6267 Fr. Saldo usw. Die Ausgaben beliefen sich auf 39 259 Fr., so daß ei» Ueberschutz von 4194 Fr. verblieb. K-ctztc rfccbricfrtcti« Zur Befreiung Durands. Paris, 10. Februar. In der heutigen Sitzung der Depu� tiertenkammer stellte der Abgeordnete Paul Meunier an den Just'zminister eine Anfrage bezüglich des Standes der Angelegenheit Durands, des Sekretärs des Syndikats der Kohlen- arbeiter in Havre. Er erklärte, die Unschuld Durands sei in An- betracht der festgestellten neuen Tatsachen unbestreitbar. Durand sei verurteilt worden, weil er nicht die Mittel gehabt habe, Ent- lastungszeugen vorladen zu lassen.(Beifall.) Meunier verlas sodann den Bericht der Polizei, in dem gesagt wird, eS sei nie- mals eine Abstimmung über die Tötung des Kohlenarbeiters Dange erfolgt. Er erinnerte zum Schluß daran, das Clcmenceau nach der Verurteilung von Dreyfus durch den Gerichtshof in Rennes im Jahre 1899 das Todes- urteil gegen den Unschuldigen zerrissen habe. Er fordere, daß man sich nicht weigere, ähnliche Maßregeln zu ergreifen, weil Durand nur ein Kohlenarbeiter sei. Justizm'nister G i r a r d erwiderte, der Antrag auf Revision des Prozesses Durand werde seinen regelrechten Verlauf nehmen. — Paul Meunier trat nochmals zugunsten Durands ein und verwies mit Nachdruck auf den Präzedenzfall der Affäre Dreyfus. Die äußerste Linke ersuchte R e i n a ch, in die Erörterung einzu- greifen. Joseph Reinach wollte sprechen. Der Präsident aber er- klärte, daß die Anfrage erledigt sei. Andre Hesse beantragte darauf die Umwandlung der Anfrage in eine Jnter- pellation. Ministerpräsident v r i a n d führte aus, die Revision des Prozesses Durand müsse«Gsvi Regelrechten Gang gehen; dabei habe noch keine Verzögerung stattgefunden. Zur äußersten Linken gewandt, erklärte Briand: Sid7 sollten a m allerwenig» st e n wollen, daß die p» bt-tzi»ch e nVersamm lungen Recht sprechen. Andererseits kann man von einem Minister nicht verlangen, daß er seine V�rrtirdrilichkeit einsetzt bei einem Gnadengesuch, das dem Präsidenten,»pr Republik vorliegt, dem dieses Recht verfassungsgemäß vorbehalten ist. Der Justizminister erklärte, die, K a mm e r dürfe die Befugnisse nicht verwirren/ die Regierung könne keine Umwandelung der Anfrage in eine Interpellation zulassen. Der Sozialist V a i l l a n t bestand auf der Umwandelun«. Briand sagte, er würde die Interpellation später annehmen, aber nicht jetzt. Pugliesi Conti von der Rechten rief: Der Prä» s i d e n t der Kammer hätte das vor Ihnen sagen müssen.(Lärm.) Der Präsident B r i s s o n erklärte, die seit langer Zeit wieder» holten Präzedenzfälle bewiesen, daß Interpellationen in betreff einer Ausübung des Begnadigungsrechts gestattet seien.(Be- wegung.) Briand erwiderte: Man kann keine Interpellation über einen Akt zulassen, der noch nicht vollendet ist und dessen Ausübung durch die Verfassung vorbehalten ist. Ich stelle die Ber- trauensfrage.(Beifall und lebhafte Bewegung.) Andre Hess« forderte, daß der erkrankte Durand in Freiheit gesetzt werde. Briand antwortete: Die Initiative muß dem Gewissen und der Humanität der Regierung überlassen bleiben. Die Umwandelung der Anfrage in eine Interpellation wurde darauf mit 340 gegen 153 Stimmen abgelehnt und die Sitzung so- dann aufgehoben. Die neue Zkitbestiminnng in Frankreich. Paris, 10. Februar.(W. T. B.) Der Senat nahm in zweiter Lesung den Gesetzentwurf an. welcher die gesetzliche Zeitbestim- mung für Frankreich abändert, um sie mit dem in Europa herrschenden Zeitsystem in Einklang zu bringen.— Ferner wurde der schon in der Deputiertenkammer genehmigte Gesetzent» wurf über die Bezeichnung der Champagnerweine an> — Abandermiss des österreichischen Bereinsgesehr». Wien, 10. Februar.(W. T. B.) Nachdem das APgeeßrv- netenhaus das Hausiergesetz in der zweiten und ch r itten Lesung mit einigen Abänderungen angenommen hatte» Teferinte Perner st orfer über seinen Antrag betreffend die Abtndg- rung des Bereinsgesetzes, durch die auch den Frauen die TeUttchMe an politischen Bereinen gewährt werden soll. Tie Studentenbewegung in Petersburg. Petersburg, 10. Februar.(W. T. B.) Die Universität und die höheren Frauenkurse sind für zwei Tage geschlossen worden. Das technologische I n st i t u t hat den Ausstand der Studierenden durch Abstimmung abgelehnt. Die S t u d i e n an der, übrigen Hochschulen dauern fort. Tie Pest in der Mandschurei. Peking, 10. Februar.(Meldung des Reuterschen Bl> reaus.) Die Pest breitet sich über die ganze Mandschurei aus. In Nordchina ist die Verbreitung noch gering. In Kwang. tschocng-tzse hat sich die Lage verschlimmert, in Charbin läßt jedoch die Seuche nach, da die Bakterien eine geringe Gr. fährlichkeit zeigen. Eine weitere leichte Zunahme hat in Tieutsin und Tschifu stattgefunden, aber in anderen Städten ist die Lage unverändert. Tie Regierung hat den Bo» trag von etwa 750 000 Taels für Maßregeln zur Bekämpfung der Pest ausgeworfen. Petersburg, 10. Februar.(W. T. B.) Die rusfis Regierung entsendet auf Wunsch und Kosten der chir scheu Regierung zur Erforschung und Bekämpfung der eine wissenschaftliche Expedition nach China, an deren Spitze Professor Sabolotny steht. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verants..:?H.Giolke,Berliy.Trnckn.Berlag:VorvärtsBnchdr.u.Verlaösaujlalt Paul: Die Auffassung deS Vorredners wird in weilen Kreisen Süddeutschlands nicht geleilt. Auch in Süddeutschland kommen die meisten politischen Vergehen nicht vor die Schwurgerichte, sondern vor die Scköffengericbte, weil sie auf dem Wege der Privatklage verfolgt werden. Die Schwurgerichte haben für die Presse wesentlich nur Bedeutung bei religiösen Ver- ficht der vorläufig berechneten Ziffern für die gesamte Schweiz und für die einzelnen Kantone. Danach zählt das Gebiet der Eid- genoffenschaft auf einer Fläche von 41 324 Quadratkilometern eine Wohnbevölkerung von 3 736 685 Seelen. Die Zunahme im letzten Jahrzehnt belauft sich auf 12,7 v. H., ein recht hoher Betrag, die Volksdichte auf 99 für das Quadratkilometer. Der Fläche nach ist der größte Kanton Graubünden, nach der Einwofmerzahl aber steht der zweitgrößte, Bern, mit 649 399 Seelen weitaus voran. Dann folgen Zürich mit 599 455, Waadt mit 315 428, Sankt Gallen mit 391 141 und der Aargau mit 229 859. Alle übrigen Kantone haben weniger als 299999 Einwohner. Der kleinste Kanton nach der Fläche ist Zug mit nur 239 Quadratkilometern, wenn von Basel-Stadt abgesehen wird. Die geringste Einwohnerzahl aber hat der viel größere Kanton llri mit 22 955. Von Bedeutung ist dann noch der Vergleich der Kantone nach Nationalität und Sprache. Tie übctioiegend deutschen Kantone umfassen noch nicht ganz die Hälfte der Fläche, aber fast zwei Drittel der Einwohnerschaft. Die Volksdichte beträgt in ihnen 129 auf 1 Quadratkilometer gegen nur 77 in den überwiegend französischen und 26 in den über- wiegend italienisch-romanischen Kantonen. In den letzten aber ist die Zunahme der Bevölkerung um einiges größer gewesen als in den deutschen Kantonen. Theater. Lust spielhauS: DaS Objekt, eine Anwaltsgroteske von Fritz Selten. Die Groteske ist Erzeugnis eines Rechtsanwalts und wurde von den zahlreich anwesenden Kollegen mit überschweng- lich kollegialem Wohlwollen aufgenommen. Jeder winzige, an den Haaren herbeigezogene Witz enlfesielie die ungestümsten Heiterkeils- deliwilstrationen. Wer nicht vom Fach war oder sonst des Solida- riiälSgcfühls ermangelt«, der stand vor einem Rätsel. Eine plumpere Mache, eine gequäliere Gewaltsamkeil ging selten über die Bühne. Die ursprünglich wohl beabsichtigte Saure aus die frivol- eitle Sensationsiucht des Publikums bei Skandalprozessen löste sich in ein verworrenes Durcheinander sinnlos turbillenter Uebertrcibun- gen auf. Der küil'tige kommerzienrälliche Schwiegervater des jimgen Rechtsanwalts, der von einem des Raubmords angetlagien richtigen Baron mit der Verteidigung beauftragt wird, ist von diesem Ruhm auss höchste entzückt. Um das Objckt bis zum Verhandlungstag bei guter Laune und Gesundheit zu er- halte», schickt er ihm täglich Austern und Champagner ins Gefäugnis. Der Herr Angeklagte bat das, als er einmal ausbrach und dem Kommerzicnrat seinen Beiucki abstattete, als Gegenleistung verlangt, ohne die er in die ungemütliche Zelle überhaupt nicht mehr heim- kehren werde. So su pikant als Zukost zu einer endlos laugen Reihe schaler Spaße gibbs im zweiten Akt, der in Moabit spielt, ein Todesurteil. Der allzu siegesgcwisse Advokat hat die üble Stimmung der Geschworenen durch seine Dauerrede noch ver- schlechtere Indes die Gefahr, daß er durch den Mißerfolg die Tochter des in seinem Ehrgeize gekränkten KommerzienratS verliert, wird glücklich überwunden. Denn die von dem Baron angeblich gemordete Halbweltlerin meldet sich nach einer Spritztour in das Ausland als Zeugin für das Wiederaufnahmeverfahren, in welchem gehen und bei pornographischen Darstellungen, und hier haben sich die Schwurgerichte nicht bewährt.(Hört! hört l rechts und im Zentrum.) Daß sie sich auch bei MajestätsbeleidigungS- klagen nicht bewährt haben, geht gerade aus den Aus- sührungen des Abg. Stücklen hervor.(Sehr richtig! rechts.) Die anständige Presse hat gor kein Interesse daran, daß die Schwur- gerichte ein Asyl für Pornographie und dergl. werden. (Beisall rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Marcour(Z.): Als Norddeutscher und Journalist muß ich mich ebenfalls gegen die Anträge Miiller-Meiiiingen und Albrecht aussprechen. Der letzte Antrag ist gar nichl zu verstehen, da ersuch die kleinsten Lappalien dem Schwurgericht überweisen will.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Abg. Graf-Weimar(Wirtsch. Vg.): Der Mangel der Schwur- gerichte liegt vor allem daran, daß die Geschworenen keinen Ein- fluß auf daS Strafmaß haben, aber die Ausdehnung ihrer Kompetenz auf Preßvergehci« ist nicht zu empfehlen.(Zu- stimmung rechts.) Abg. Dr. Müller- Meiningen(Vp.): Wir glauben eS ja ganz gern, daß Herrn Mayer- Kaufbeuren und anderen Herren vom Zentrum die Rechtsprechung der Geschworenen in Preßangelegen- heiten nicht gefällt. Aber'wir können doch nichts dafür, daß dem Zentrum die unierschiedlichen„ S i»t_p licissimuS"-Prozesse schwer im Magen liegen.(Sehr gut I und Heiterkeit links.) Es mögen Fcblsprüchc von Schwurgerichten vorgekoinmen sein, aber auf das schärffte ist gegen die Verallgemeiileruiig zu protestieren, in der sich Herr Mayer-Kaufbeuren gefiel. Ueber den Begriff des „Pornographischen" sind die Ansichten sehr geteilt. Im Interesse der ganzen Presse ohne Unterschied der Parteirichtung bitten wir um Annahme unseres Antrages.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Stadthagcn(Soz.): Es sind in keiner Weise durchschlagende Gründe für die Not» wendigkeit ins Feld geführt worden, die Preßprozesse nicht den Schwurgerichlen zu überweifeu. Olms weiteres gebe ich zu, daß auch Laienrichter»ehr befangen sein können. Dagegen Hilst das von uns immer vorgeschlagene Mittel: man entnehme die Geschworenen allen Kreisen der Bevölkerung und die beklagte Einseitigkeit wird verschwinden. Die Schwurgerichte, wie sie jetzt sind, sind K l a s s e n g e r i ch t e. Wir haben oftmals über die Klassenjustiz der Schwurgerichte Klagen führen müssen und wir werden, fürchte ich, solche Klagen noch oftmals erheben müssen, wenn die Schwurgerichte bleiben, wie sie sind. Und trotzdem ziehen wir die Schwurgerichte selbst in ihrer jetzigen Gestalt den Strafkammern vor. Daß, wie wir es so oft bei Strafkammern sehen, Angeklagte verurteilt werden, obwohl ihnen der Wahrheitsbeweis gelungen war, besser, weil ihnen der Wahrheilsbeweis gelungen war(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten), ist denn doch bei Schwurgerichten eine seltene Erscheinung. Ich nehme allerdings die Schivurgerichte jener östlichen Provinzen aus, die fast ausschließlich aus Großgrundbesitzern be« stehen. Hier sollen unsere Abträge über die Auswahl der Ge- schworenen Abhilfe ichaffen. Hoffentlich werden die Herren vom Zentrun: dafür stimmen. Ich muß auf einige Fälle näher eingehen, um di: Notwendig- keit nachzuweisen, die Preßprozesse vor die Geschworenen zu ver- weisen. Ich will dabei bemerken, daß wir naiürlich nicht alle Ouisquilien vor das Schwurgericht bringen wollen. Wir beantragen ausdiücklich, daß nur Verbrechen und Vergehen, die durch die Presse begangen werden, vor die Geschworenen kommen sollen, nicht aber Uebertretungen. WaS bei der Rechisprechung der Strafkammern in Prozeßsachen herauskommt, haben wir bei den nur zu berühmt gewordenen Brausewrttcr-Prozcsscn gesehen. Bekanntlich handelte eS sich dabei um die Vorgänge bei den Arbeitslosenversammlungen von 1394. Die Polizei hatte bei diesen Versammlungen künstlich Unruhen gestiftet (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten); sie hatte, wie objektive Beobachter wie Herr v. Eg idy erkläiten, einen Haß gegen das eigene Volk gezeigt, wie er ärger nicht im Kriege von 1879/71 zwischen Deutschen undFranzosen zutage getre teil war.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Durch allerhand Scviebnngen gelang eS, die Sachen vor die Kammer des nachher in Wahnsiim verstorbenen Landgerichtsrat Brausewetter zu bringen. Das Verfahren gegen die Ängeklaglen— eS waren übrigens nicht bloß Redakteure des„Vorwärts", nun dem Auwalt ein glänzender Triumph winkt. Harry W a l d e n mimte den alkoholisch krächzenden, total idiotischen Baron, wie nicht anders möglich, in forciertem Karikaturstil. Sonst wäre etwa noch der rotbäckige, verschmitzt dreiiischaueude Kommerzicnrat Arnolds und der verlumpte, zu jeder Zcugenschaft allzeit bereite Portier des Herrn Cornelius zu nennen. dt. Humor und Satire. Wie Karle das Luftschiff beschreibt. Aus Eisenach wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Die Bewohner der Wartburgstadt hatten, als„U HI" in Gotha verankert lag. tag- täglich iiacki dem kiihnen Segler sehnsüchtig ausgeschaut und als dann endlich am Dienstag früh der Luftriese in herrlichem Fluge über der Wartburg erschien, da kannte die Begeisterung der Eiie- nacher keine Grenzen. Natürlich besprach man das denkwürdige Er- eignis auch in den Schulen, und manchem Lehrer schien eS ein pasiendcs Aufsatzthema. In einer hiesige» Bürgerschule lieferte ein Achtjähriger folgende in Briefform gehaltene Beschreibung des Luftschiffs: „Liebe Tante. Enbschnltige Tante, das ich heute morgen den Luitballong von Gota aus gesehen habe. Das hatte so eine Form wie'n Schwein oder wie ue Zigarre, nur die Ohren nich so lang raus, es stäkte in ein Nütz mit Stricken und unten horte man den Mongtär schnurren. Die Pubillcr machten allen Wind hintennaus— es fuhr mit die Hörschel(gemeint ist das Flüßchen Hörscl. D. Red.) und bei der Wardbnrg hat eS sich geduckt. Von Städtfäld fährt es nach Mätz und wird dann frisch gebumpt. Härzlichen GruS von Karle."_ Notizen. — Theaterchronik. Weitere Wiederholungen des „OedipuS" im Zirkus Schümann finden Freitag, den 24., und Montag, den 27. d. M., statt. Vorverkauf nur bei A. Wertheim, Leipziger Straße, von Montag, den 13., an. — Die Neue freie Volksbühne bringt vom nächsten Sonntagiiackmiittag ab im Neuen Operettentheater AudranS Operette „Der GlückSengel" zur Aufführung. — Eine neue GewinnungSmethode radioaktiver Stoffe. Der Professor Otto Hahn hat im chemischen Institut der Berliner Universität eine Entdeckung gemacht, die unieren Radium- Vorrat aus billigere Weise zu vermehren erlauht. Unter den Ver- wandlungsprodukten deS Thoriums, eines zur Herstellung von Glüh- strümpfen verwendeten Elements, fand er radioaltive Elemente, darunter das Mesothorium. Dieses läßt sich aus den bisher wert- losen Rückständen der Thoriumverarbeilung zu einem Drittel der Herstellungskosten von Radium gewinnen. Man hofft dank einer be- sonderen Slistung in einigen Monaten lli Gramm des neuen Prä- parates für wisienschaftliche Zwecke zu gewinnen. Aus dem jährlich verarbeiteten Thorium wäre in Deutschland eine Menge des ncuen Stoffes zu gewinnen, die an Wirksamkeit etwa 19 Granrm Radium- salz entsprächen, d. h. unserem gesamten bisherigen Vorrat. sondtrn mich bürgerliche Journalisten angesagt-- Nef hinaus auf offenbare Rechtsbeugung. (Lebhafte Zustimmung bei den Sonaldemolraten.) Ein Mann, so allgemein als ruhiger Mann belannter Jonriialist, unser Kollege Schmidt, damals Redalleur des.Vorwärts", wurde wegen eines objektiven, lediglich referierenden Artikels jju sechs Monaten Ge fängniö verurteilt.(Hört! Hort! bei den Sozial- demokrateu.) Tie Herren vom Zentrum beklagen fich über die Angriffe, die der.Simplicislimus" gegen sie richtet. Ack, das bitzcheu„Simpli- cissimiis" I Wenn die sozraldemokraiiiche und polnische Presse auch so empfindlich sein wollte I Gegen sie weiden noch ganz andere Beleidigungen und Beschimpfungen gerichtet. Die Staatsanwaltschaft schreitet aber nicht gegen die Beleidiger und Beschimpfee ein. fondern gegen die Beleidigten und Beschimpften, wenn sie sich ibrer Haut zu wehren trachten. Geradezu uugsanblich ist eS, wie da vorgegangen wird. Unser Kollege K u n e r t wurde wegen Verbreitung unzüchtiger Schritten verurteilt, weil er gegen dir Schwetuerei eines konservativen Blattes polemifier» hatte und dabei natürlich genörigt gewesen war, di-ie Twiveinerei abzudrucken. Gegen den wirkliche» Schweinigel(Grosie Heiterkeit) wurde nickt vorgegangen, wohl ober gegen den Sozialdeinokraren, der den Schweinigel bckämpsr hatte. Straffrei blieb die Schweinigelei. bestraft wurde die Bekämpfung� der Schwein- i g e l e i.(Heiterkeit und lebhaftes Hört I hört I links.) Alle diese mehr als befremdlichen Urleile, deren Zahl ich nach Belieben vermebren lönnte, wären von Schwurgerichren denn doch nicht gefälll worden. So bitte ich Sie denn, unseren Antrag anzunehmen.(Leb hafler Beifall bei den SozieM.nokraten.) Die Diskussion s ch l t e si r. Der Antrag Albrecht wird gegen die Stimmen der Antragsteller, der Antrag Müller- Meiningen gegen die Stimmen der Fortschrittler, Polen und Sozialdemokraten abgelehnt. Di« Ausdehnung der Kompetenz der Schwur- gerichte auf Prehprozeffe ist also abgelehnt. § 8l ist von der Kommission unverändert gclaffen. Er lantet: .Die Schwurgerichte bestehen aus drei richterliche» Mitgliedern mir Einschluß des Vorsitzenden und aus zwölf zur Entscheidung der Schuldsrage berusenen Geschworenen." Abg. Stadthage«(Soz.) begründet hierzu kurz einen Zusatzantrag, wonach als richterliche Mitglieder bei Schwurgerichten nur ständig angestellte Richter fungieren dürfe». Der Antrag ist nur eine Konsequenz des vom Hause schon angenommenen Antrages, wonach in Strasi fachen nur ständig angestellte Richter Recht sprechen dürfen. A& hängige Assessoren gehören geradeso wenig in die Schwurgerichte wie in die Strafkammern.(Lebhafter Beifall links.) Der Antrag vlbrecht wird durch die Stimmen der Sozlab demolrate», Fonichrittler, Polen und eines Teils der Nationalliberale» und des Zentrums angenommen. § gg. l der Kommiifionsvorlnge bestimmt, daß bei den Land> aerichtep Beru'uugSienate gegen Urleile der Straskammern zu bilden sind, die mit drei, in der Hauptverhandlung mit sünf BerusSrichlern zu besetzen sind. Die Abg. Alb recht und Genoffen(Soz.) beantragen, die BeruflingSsenale mit zwei Richtern und fünf Schössen zu besetzen. Die Abg. Dr. Müller- Meiningen und Genoffen(Vp.) be- antragen, die Berufungsienate bei den Oberlondrsgcrichten zu bilden und mit zwei Richtern und drei Schössen zu besetzen. Abg. Bassermann(natl.) besürwortet den Antrag Müller MeiNingen bezüglich der Besetzung der Berusungssenate, der nur eine Konsequenz des früheren BeichluffeS bei§ 77 sei. Aber die Bildung der Berufungssenate wird besser Lei den Landgerichten erfolgen als bei den Oberlandesgerichten. Abg. Dr. Barcnhorst �Rp.j: Wir haben schon bei§ 73 unsere Stellung zu der Frage. Laien zur BerufungSiustanz hinzuziehen) dargelegt und beharren auch hier auf unserem ablehnenden Stand- Punkt. Staatssekretär Dr. Lisc» bittet, die Berufungssenate, bei den Landqerichten z» bilden. Abg. Dr Müller-Meiningen(Vp.): Die BerufunaSsenate werden doch besser bei den OberlandeSgerichten gebildet, ihre Bil- düng bei den Landgerichten, gegen deren Strafkammerurteile die Berufung erfolgt, wülde bald zu allgeineiner Unzufriedenheit führe». Sollte das abgelehnt werde», so nehme» Sie wenigstens den Eveutual- anirag an. den wir stellen, es dem Ermessen der Landesjustiz- verwaltuiig zu überlassen, ob die Berusungsseuate bei den Laudgerichten oder bei den OberlandeSgerichten zu bilden sind. Falls Sie auch diesen Antrag ablehnen, stellen wir den Subeventualantrag, wenigstens die richterlichen Mitglieder der BerufnngSsenate aus den Mitgliedern der Oberlandesgerich'.e zu nehmen, um ihnen eine höhere Autorität zu geben. Abg. Stadthagen(Soz.): Wir gehen noch über den Antrag Müller-Meiningen hwaus und beantragen, die BenisnngSsenate mit zwei Richtern und fünf Schöffen zu besetze». Hoffentlich nehinen Sie unseren Antrag an. (Bravo I bei den Sozialdeinokrateii.) Abg. Gröber(Z.) schließt sich den Ausführungen des Abg. Basserniaii» an. Abg. Müllcr-Jierlohn(Vp.) befürwortet namenS eines Teiles seiner Freiinde die Errichtmig der Benifui'gSsenate bei den Land- aerichien; dies sei für da« Publikum enischreden bequenier. Abg. Graes(Wirtsch. Vg.) tritt sür die Bildung der BerufungS- senate bei den Landgerichte» ein. Abg. Dr. Wagner-Sachie»(t.): Prinzipiell würde die Bildung der Berusungsseuate bei den Laiidgerichten vorzuziehen sein. Aber dagegen spricht, daß, wenn die Znziehiing des Laieneleinems zu den Benmiiigssenatcn beschlossen wird und sogleich die Berufssenate de» Landgerichten angegliedert werde», Straitaininern und Berusungs- senate genau dieselbe Zusamiliensetzung aufweisen würden. Und das sollte auch für Anhäfiger der Laienzuziehung unangängig sein. Die Diskussion schließt. Die Anträge Müller- Meiningen auf Errichtung der Be- rusungssenate bei den OberlandeSgerichten und derAnirag Albrecht auf Besetzung der BernfungSscnate mit 2 Richtern und S Schöffen werden abgelehnt. Ueber den Antrag Müller-Meiningen. die BerufnngSsenate mit S Richtern und L Schöffen zu besetzen, wird n a m e n t l i ch ab- gestimmt Der Antrag wird mit 166 gegen 122 Stimmen bei v Sttmm- enthaltimgen angenommen.(Bravo l links.) Bei Titel 7a„Scböffe» und Geschworene" beantragen die Ab- geordneten Albrecht u. Gen.(Soz.) diese Ueberschrist durch die Ueberichrift.Volksrichter" zu ersetzen und auch weiterhin»Volks- dichter" statt»Schöffen und Geschworene" zu sagen. Abg. Frohme(Soz.): Unser Vorschlag bedeutet eine Vereinfachung des Gesetze», die auch der deutsche.Haiidwerksfreund" besürwortet. In die Rechts- literatur ist daS Wort Volksrichter längst eingedrungen; eS bezeichne» auch weit besser das Wesen deS ZuziehenS des Laien zum Richter» amt als die Worte.S-böffen" und.Geschworenen". Irgend welch? durchichlogenden Bedenken können gegen unseren Vorschlag nicht geltend gemachf werden. Nehmen Sie also den Antrag an.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Bundesratskommissar Geh. OberlandeSgerichtSrat Schultz bittet, den Antrag abzulehnen. Der Antrag wird abgelehnt. ß 118 erster Absatz lantet nach dem Kommlsstonsvorschkag«: „Schöffenamt und Eeschworenenamt find Ehrenämter. Nur ein Deusicher kann Schöffe oder Geschworener sein." Die Abgg. Alb recht und GenosienlSoz.) beantragen zu sagen: »nur ein Deutscher oder«ine Deutsch« kann Schöffe ober Ge- schworen» sein." Ein weiterer Antrag Albrecht und Genossen(Soz.) berkangt in dem nächsten Absatz dieses Paragraphen, daß die Wahl der Schöffen aus Grund allgemeiner, gleicher, geheimer. direkter Wahl durch die volljährigen Einwohner des Amts- genchtsbezirks nach den Grundsätzen der Verhältnis- lv a h l erfolgt. Abg. Frohme(Soz.): Für uns handelt es sich hier um eine grundsätzliche Frage. Auch auf anderen Gebieten steht die Frau dem Manne gleich, es ist nicht einzusehen, worum sie ibm nicht auch hierin gleich stehe» soll und das Amt eines Schöffen und Geschworenen bekleiden soll. Der Einwand, daß die Frau als Hausfrau und Multer ins Haus und nicht in den Gerichissaal gehöre, ist angesichts unserer ganzen Entwickelnng ganz unhaltbar. Namentlich wenn erne Frau als Angeklagte vor Gericht steht, empfiehlt eS sich, daß auch Gcschkcchtsgenosssinnrn als Schöffen oder Geschworene über sie zu Gericht sitzen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Frau ist in der Gewerbeaussicht tätig und überhaupt an der Lösung der öffentlicbe» Anfgabe» in weit höherem Maße beteiligt als srüher. Weshalb will man ihnen da den Zutritt zum Schöffen- und Geichworenenamt verwehren. Kommen wird die Zeit, wo die Gesetzgebung nicht vor den Frauen halimackien wird, wenn es gilt, dem Volke eine gute Recknopflege zu sichern. Dr eißig Gewerkschaften petitio- nieren um Zulassung der Frauen zum Schössen- a m t e.— Einer der Herren vom Zentrum meinte in der Kom- Mission: man könne die Frauen nichl lo ohne weiteres zum Scböffen- amre zulassen, man müsse erst eine Vorstuse schaffen. Wir nehmen den Herrn beim Wort Er stimme mit uns. wenn wir bei passender Gelegenheit das aliive und passive Wahlrecht der Frauen zu den Gewerbegerichten beantragen werden.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Geiviß wird es noch vieler Kämpfe bedürfen, um den Frauen die Gleichberechtigung zu erkänipfen: aber die Gleich bercchiigimg kommt und muß kommen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokralen.) Was unseren Antrag bettifft, die Schöffen aus ollgemeiner, gleicher, geheimer, dirckler Wahl nach dem Proportionalsystem hervor gehen zu lassen, so entspricht dieser unser Antrag unserem allge- meinen demokratischen Prinzip. Der aex Reichstag wird diesen Antrag ablehnen, ober die Zukunft wird mrS auch hierin recht geben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Anträge Albrecht werden abgelehnt. § IIS, S Absatz 6 schließt die Dienstboten von dem Amte der Schöffen und Gcschioorenen ans. Hierzu liegt ein Antrag A l b r e ch t(Soz.) auf Streichung dieses Absatzes vor. Abg. Frohme(Soz.) begründet diesen Antrag. In der AuSsch ließung der Dienst- boten liegt eine durch nichts begründete Heravseyung und Be- nachteiligung einer Berussklasse, die auch in anderer Beziehung— ich eriiinere an die Gesiudeordnung— der Rechtsgleichheit embehrt, wie sie in einem Kulturstaate herrschen sollle. Ich bilte dringend. um Annahme unseres Antrages.(Beifall bei den Sozialdemo traten) Der Antrag A l b r e ch t wird gegen die Stimmen der Antrags steller abgelehnt. Zu A 118,4 hatte die Kommission beschloffen, daß Volks- k ch u l l e h r e r nur bei Jugendgerichten als Schöffen zugelassen werden sollten. Hierzu lügen Anträge von allen Parteien vor, die Volksschub lehrer allgemein als Schöffen zuzulassen. Ferner liegt vor ein Autrog Träger(Dp.), be! Jugendgerichten auch Frauen als Schöffen zuzulassen. i Abg. Dr. Hahn(k.) begründet den konservativen Antrag auf all gemein« Aulassiing der Bolksschullehrer. Gegen die Znlassinig der Lehrer siiid von seilen der konservativen Vertreter in der Kommission und von seilen der Regierungsvertreter Bedenken erhoben worden, die nicht eine Herabsetzung, sondern eine Würdigung des Lehrerberuis bedeuteten. Nachdem uns von feiten der Land- und Kleinsiadtlehrer berechtigte Vorstelliliigen gemacht worden sind, sind ich und viele meiner Freunde zu einer anderen Ansicht in dieser Frage gelangt.(Große Heiterkeit links.) Wir Konservativen sind keineswegs mit unserem Antrage aus allgemeine Zulaffung der Lehrer hinter anderen Parreien gehinkt oder gehumpelt. sondern sind als die ersten auf dem Platze gewesen (Stürmische Heiterkeit links.) Daß»Deutsche Lehrer-Biatl' hat diese Haltung der Konservativen ausdrücklich anerkaiint. (Laute Heiterkeit links. Zurufe bei den Fortschnitlern: Da« Blatt wird ja ausgeholten vom Bund der Landwirte l Lärm rechts.) Das ist eine ganz unerhört» Jnveklive I(Vizepräsident Dr. Spahn rügt d'eien Ausdruck.) Ich muß so sprechen, den» Herr Fischbeck und andere Leute, die in Gemeinschaft mit Sozialdeniotrateu den großen Fürsten Bismarck bekämpsl haben,(Zuruf links: Das Zentruin war auch dabei I Sehr gut! links) drücken das Niveau des RcichSlags auf das Niveau deS roten Hau'es herab.(Lärm, tobender Beifall rechiS, Unruhe, Zuruf und Lachen links.) DaS»Deutsche Lehrer-Blatt" ist kein Organ deS Bundes der Landwirte.(Lautes Lachen links l sondern ein Organ deS Neuen deutschen LehrervereinS I(Zuruf liuls: Also einer Filiale des Bundes der Landwirte!) Unier Anlrag bezengt, daß wir vollauf die Interessen der Lehrerschaft wahr- nehmen I(Lebhafter Beifall rechts, anhaltende minutenlange Heiler» keit links.) Abg. Kopsch(Vp.): Die Ausführungen deS Herrn Dr. Hahn be- stSiigen, daß der Neue deutsche Lehrerverein eine Filiale deS Bundes der Landwirte ist.(Sehr wahr I links.) Im übrigen freue ich mich über die konservative Bekehrung. Die Lehrer haben sich hier als erfolgreiche politische Erzieher eriviesen.(Sehr gu)! linls.) Man hat davon gesprochen, daß die Zuziehung zum Schöffeiiamte die Interessen deS Unterrichts schädige. Aber die Unter- richtsinteressen werden viel mehr durch die kirchliche Nebenbeschäfligiing und durch agrarische Kartoffelernteferien»iw. geschädigt.(Lebhaste Zustimmung links.) Man führt die«inklaffigen Sckmlen an, um zu beweisen, daß die Schule geschädigt wird, wenn der Lehrer Schöffe sein kann. Die eiilklaisigen Schulen bält man künstlich anfrechl durch Ueberipannung des konfessionellen Prinzips lSehr richtig! bei der VolkSpariei) zum Schade» der Kinder, znin Schaden der schule und aurd, wie wir sehen, znin Schaden der Rechtspflege.(Lebhaite Zu- stimmung bei der Bolkspartei) Ueber die Wandlung der Konier- vativen würde ich mich noch mehr freuen, wenn sie von innen heraus erfolgt wäre und nicht durch die erziehliche Wirkung des allgemeinen, gleichen, direkien und geheimen Wahlrechts und deS nahe» Termins seiner Ausübung.(Sehr richtig! linls.) Abg. Wetzel(natl.): Auch wir sind grundiätzlich dafür, die Lehrer ganz allgemein zum Schöffen- und Geschworenenamt ziiznlassen: der gegenteilige Beschluß der Kvinniission. der die Lehrer nur bei Jugend- gerichte» als Schöffen zulassen will, ist nur durch einen Zujall zu- stände gekoininen. Ein BuiidrSratskowviiffar: A»S sachlichen Gründen, nicht ouS Ab- neigung gegen die Lehrer sind sie bisher nicht zum Schöffenamt heran- gezogen worden. Diese sachlichen Gründe bestehen auch heute noch und sogar in verstärktem Maße, denn die Ausgaben der Lehrer sind größer als früher, und die Zahl der Schöffen und Geschworenen wird durch die Reform erheblich vermehrt. Wenn Sie de» Wünschen der Lehrer durchaus eiiigegenkommen wollen, so könnte man viel- leicht den Mittelioeg einschlagen und die Lehrer zum Schöffenamt zulassen, nicht aber auch zu dem d«S Geschworenen. Wenn die Lehrer auch zum Geschworenenauit zugelassen werden sollten, so müßte mindeste»» noch bestnnmi werden, daß ans Antrag der VerwaltiiiigSbehörde davon abgesehen werden muß, wenn sie erklärt, die Schule würde darunter leiden. Inzwischen ist ein Antrag Zietsch-Frohme(Soz.) eiw gegangen, den Antrag Träger, die F r als Schöffen zuzulassen, dahin zu Schössen zugelassen werden. v in» tauen bei den Jugendgerichten indern, daß sie überhaupt als Wg. Frohme(Soz.); Daß die Stellung der Konservative» grundsätzlichen Erwägungen entspringt, wird niemand glauben; bei ihnen handelt es sich lediglich nm parteipolitische Spekulationen.(Sehr richiig I links.) Aber gerade bei dieser Gelegenheit sollte man nicht Wahl- reden zum Fenster hinniiShasten. Die Lehrerschaft kann sehr Er« heblickeS in der Rechtspflege leisten. Wir müssen alles tun, daß ein Zustand nicht weiter existiert, der nicht zur Ehre unseres Rechlslebens gereicht, sondern dos Ansehen unserer Gerichte beeinträchtigt.(Bravo! bei den Sozialdeinokrateii.) Abg. Dr. Fleischer(Z.): Der Vorredner hat Recht, daß wir bei dieser Gelegenheit nicht Wahlreden halten sollten. Eine reine Wahl- rede war die des Herrn Ropi'Ä(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum), führte er doch sogar für die Zulassung der Lehrer zum Schöffen- und Geschworenenamt an, sie würden dann eine bessere Stütze des Deutschtums in den östlichen Provinzen bilden. Herr Kopsch mit der Fortschrillsparlei auf hakaiistischen Pfaden! 0 jeram, jerum, jerum! 0 quae mutatio rerum!(Lebhafte Zustimmung und Heiterkeit im Zentrum und rechiS.) Abg. Linzvie möglich und brachten nichts, was nicht schon seither der Oeffentlichkeit bekannt war. Unsere Genoffen vertraten in der Debatte nachdrücklichst' den Standpunkt, daß die ganze Weiterverhandlung zwecklos sei, solange sich Oesterreich und Holland ablehnend Verhalten, jedoch be- schloß die Mehrheit der Kommission, die Beratungen trotz der durchaus negativen Auskünfte des Vertreters des Auswärtigen Amtes fortzusetzen. Am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche will die Kam- Mission die Rheinhäfen Frankfurt am Main, Mannheim, Mainz, Köln und Duisburg besuchen, um sich an Ort und Stelle über die in Frage kommenden Verhältnisse zu informieren. Serickts-�ettung. Die Zuverlässigkeit von P-lizistenanSsagrn erscheint den Gerichten nur zu oft als zweifellos. Wentt ein Schutzmann schwört:«Ein Irrtum ist ausgeschlossen!", dann kann der Angeklagte sich schon gvf eine Merurteilung einrichten, Ate fem bedauerlichen Berlrauen?er Richker auf kle Sicherheit der Wahr» nehmungen und Beobachtungen von Polizisten hatte der Arbeiter Paul Wiebold aus Steglitz es zu danken, dass er im April 1910 zu 20 M. Geldstrafe verurteilt wurde. Im Oktober 1909 sollte ev in Steglitz vor der in der Jahn- strasse gelegenen Schule ohne Erlaubnis der Polizei Zettel verteilt haben, durch die die Fortbildungsschüler zum Besuch von Ver sammlungen der Freien Jugendorganisation aufgefordert wurden. Gegen einen Strafbefchl» den die Polizei ihm schickte, erhob er Widerspruch. Vor dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg behauptete Paul Wiebold, er habe keine Zettel verteilt und sei überhaupt nicht zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort gewesen. Da auch die Zeugen ihn nicht sicher wiederzuerkennen schienen, so wurde er frei- gesprochen. Auf Berufung des Amtsantvalts kam die Sache vor das Landgericht II Berlin. Hier wurde angenommen, dass durch die Aussagen zweier Kriminalbeamten, die ihn damals festgestellt zu haben meinten, seine Schuld erwiesen sei. Paul Wiebold wurde trotz seiner Beteuerung, dass eine Personenverwechselung vorliegen müsse, zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Später erst erfuhr der Verurteilte von seinem Bruder, dem Tischler Wilhelm Wiebold, dass e r es sei. den damals die Kriminal beamten festgehalten und aufgeschrieben hatten. Daraufhin liess Paul Wiebold durch Rechtsanwalt Dr. Josef Herzfeld das Wieder- aufnahmeverfahren betreiben. Am Tonnerstag stand Paul Wiebold vor dem Landgericht II Berlin(Strafkammer 3), um im Wiederaufnahmeverfahren nochmals eine Entscheidung über jene vom Amtsanwalt eingelegte Berufung gegen das freisprechende Schöffenurtetl entgegenzu- nehmen. Der jetzt als Zeuge vernommene Wilhelm Wiebold er- klärte, warum er nicht schon früher mit seiner Angabe hervor- getreten sei. Er sei damals mit dem Bruder entzweit gewesen, darum habe er ihm, obwohl beide zusammen mit ihren Eltern wohnten, nichts von seinem Erlebnis an jenem Oktoberabend er- zählt. Angehalten hatte die Polizei den Tischler Wilh. Wievold, weil er in der Nähe des Schulhauses umherspazierte und wohl bei dem vor der Tür stehenden Rektor den Verdacht weckte, Zettel verteilen zu wollen. Vor Gericht bekundete Wilh. Wiebold, erst nachher habe er selber(Wiebold) sich einen Zettel geben lassen und ihn dem gleichfalls vor der Tür umherstehenden Schuldiener überreicht mit den Worten:„Hierl Sie brauchen sie nicht erst von der Strasse aufzulesen." Nach seiner Darstellung, die von dem Zeugen Fort- bildungsschüler Tetzlaff unterstützt wird, wäre diese Uzerei alles, was gegen ihn vorlag. Aufgeschrieben habe man ihn aber schon vorher, ohne dass ibm gesagt wurde, wessen er sich schuldig gemacht haben solle. Der Strafbefehl, durch den die vermeintliche Zettel. Verteilung geahndet werden sollte, wurde hinterher, wie schon ge- sagt, seinem Bruder Paul Wiebold zugeschickt. Wie diese Verwechselung möglich war, liess im Wiederauf- nahmeverfahren sich nicht aufklären. Wilh. Wiebold versichert, dass ev dem Kriminalbeamten, der ihn an die nächste Laterne führte und die Personalien aufschrieb, den Familiennamen„Wiebold" samt dem richtigen Bornamen„Wilhelm" und dem Beruf„Tischler" gesagt habe. Tetzlaff, der zugegen gewesen ist, kann hierüber nichts angeben. Kriminalwachtmeister Johann Wagner, der die Fest- stellung vorgenommen hat, glaubt sich zu erinnern, dass ihm der Vorname„Paul" gesagt worden sei. Wilhelm Wiebold bestreitet da« sehr entschieden. Auf eine Frage des Verteidigers erklärt Wagner, die Notizen feien nicht mehr aufzufinden. Nach den Ge- burtsdaten hat er überhaupt nicht gefragt, weil er Wiebold ohne. dies zu kennen meinte. Bei der Feststellung war auch Kriminal- bramter Wilhelm Krrnzke zugegen. Er erinnert sich, dass ein Vor- name angegeben wurde, kann aber nicht sagen welcher. Der Strafbefehl richtete sich gegen Paul, und in dem Straf- verfahren gegen Pank Wiebold bekundeten beide Beamten unter Eid. er sei es, den sie angehalten hätten. Im Wiederaufnahme- verfahren erklären beide mit verlegenem Gesicht, sie seien der festen Ueberzeugung gewesen, in dem damaligen Angeklagten Paul Wiel-old den Richtigen vor sich zu haben. Der Vorsitzende lässt die beiden Brüder sich nebeneinanderstellen. Wagner möchte noch jetzt annehmen, dass er Paul angehalten habe. Er findet, die Brüder seien„zum Verwechseln ähnlich", aber der Augenschein zeigt, dass die Aehnlichkeit keineswegs so sehr gross ist. Wilhelm ist ein junger Mann, der im Oktober 1909 erst 19 Jahre alt war, während Paul damals bereits im 30. Lebensjahr stand. Damals wird der Alters- unterschied gewiss noch mehr als heute aufgefallen sein. Ten Zeugen Wiagner fragt der Verteidiger: Hatte der, den sie fest- hielten, einen Anflug von Schnurrbart?— Zeuge: Ja.— Verteidiger(indem er auf Paul Wiebolds recht hübsch entwickelten Schnurrbart zeigt): Na, daS nennt doch kein Mensch einen An- flngl— Zur Sprache wird noch gebracht, dass mindestens der jüngere Bruder den Beamten schon bekannt sein mutzte. Wilhelm hat öfter auf der Polizei wegen Anmeldungen zu tun gehabt. Beide Beamten geben zu. dass sie ihn in der Tat von früher kannten. Dem Antrage des Staatsanwalts, hiernach das verurteilende Erkenntnis gegen Paul Wiebold für aufgehoben zu erklären und den Angeklagten freizuspreckien, schlieht der Verteidiger Rechts- anwalt Dr. Jofcf Herzfeld sich an. Der Verteidiger hebt hervor, in dem früheren Strafverfahren gegen Paul Siebold fei von beiden Kriminalbeamten mit Bestimmtheit gesagt worden, dass Paul Miebold der sei. den sie angehalten hätten, und dass ein Irrtum unmöglich sei. Unmöglich habe, wie man jetzt sehe, eine Verwechse- lung der Brüder sein müssen; nur aus grober Fahrlässigkeit der als Zeugen vernommenen Beamten könne man sie sich erklären. DaS Urteil lautete selbstverständlich auf Freisprechung. Wtv hören, dah durch Anzeige gegen die beiden Kriminal- beamten die Staatsanwaltschaft zu näherer Prüfung jener im ersten Verfahren gegen Paul Wiebold gemachten Aussagen auf- gefordert worden ist. Revolverschießerei, eines herheirateten Mannes, der ausserdem Vater von drei un- mündigen Kindern ist. beschtntigte gestern das Sckwurgerickt des Landgerichts III. Aus der Untersuchungshaft wurde der 36jährige Kesselschmied Otto Steindorff vorgeführt, der besckuldigt wurde, seine Geliebte, die Arbeiterin Emilie Runge vorsätzlich und mit Ueberlegung zu töten versucht zu haben.— Den Vorsitz führte LandgerichtSdirektor Liebenow. Der auf versuchten Mord lautenden Anklage liegt folgendes zugrunde.— Der Angeklagte, welcher seit mehreren Jahren per- heiratet und Vater dreier Kinder ist. lernte im Oktober 1909 auf einem„Witwenball" in dem Lokal„Marienbad" in der Badstrassc die ledige Arbeiterin Emilie Runge kennen. Da er sich als un- verheiratet ausgab, ging die R. mit ihm ein intimes LiebcSver- Hältiiis ein. Ivelcbeä bis zu Ostern v. I. dauerte. Uin diese Zeit erfuhr die R.. dah Steindorff verheiratet war. Sie löste deshalb ihre Beziehungen zu dem Angeklagten, der darüber in eine Art Liebesraserei geriet. Er verfolgte die R. von nun an auf Schritt und Tritt. Als die R. sich trotzdem ablehnend verhielt, kaufte sich der Angeklagte einen Revolver, den er der Runge und ihrer Mutter zeigte. Bei dieser Gelegenheit äusserte er, wenn die R. nicht zu ihm zurückkehre und wieder das Verhältnis mit ihm aufnehme, sckiesse er sie tot. wo er sie treffe. Als ihr der Angeklagte dann wiederholt mit dem Revolver schon gegen 6 Uhr morgens vor ihrer Arbeitsstelle auflrnierte, lief die R. schliesslich ig ihrer Todesangst zur Polizei und erstattete gegen Meindorff Anzekge wegen vtz« drohung. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht Wedding nahm einen recht eigenartigen Verlauf. Die Runge war anscheinend vorher von dem Angeklagten gebeten worden, ihn nicht unglücklich zu machen. Dies hatte zur Folge, dass die R. vor Gericht sich als Verlobt? des Steindorff ausgav und demgemäss von dem Zeugnis- verwcigerungsrecht Gebrauch machte. Dem damaligen Vorsitzenden entging es, dah es sich nur um eine Scheinverlodnng handelte, der die R. mit dem Angeklagten als verheirateten Manne überhaupt kein Verlöbnis eingehen konnte. Die Folge war, daß Steindorff in dieser Sache freigesprochen wurde. Diese Freisprechung muhte den Angeklagten wohl besonders mutig gemacht haben, denn einige Tage nach dem Termin lauerte er der R. von neuem auf. Am 19. August v. I. lief Steindorff mit einem Revolver in der Faust hinter der flüchtenden Runge her. Er wurde von Passanten au- gehalten; ein Arbeiter Malchert entritz ihm den Revolver und verhütete so weiteres Unheil von feiten des schiesswütigen Lieb- Habers. Von der Runge wurde nunmehr zum zweiten Male An- zeige wegen Bedrohung erstattet, welche zur Folge hatte, dah St. zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Während dieses Ver- fahren schwebte, verübte dann der Angeklagte die jetzt zur Anklage stehende Tat. Er schaffte sich einen neuen Revolver an und suchte damit eine Tanzfestlichkeit auf, an welcher auch die Runge teil- nahm. Als ihm diese beim Tanzen einen„Korb" gab, äusserte der Angeklagte zu einem Bekannten, dass heute noch„etwas passiere". Kurz vor Schluß der Festlichkeit verließ der Angeklagte den Saal und ging voraus, um der R. vor ihrer in der Schnlstrassa gelegenen Wohnung aufzulauern. Als die R. mit einer Freundin ahnungslos die Strasse entlang kam, trat der Angeklagte plötzlich auf sie zu und gab vier Schüsse ab. Einr Kugel verletzte die R. leicht am Halse, eine zweite Kugel ging durch das Kopfhaar, durch- schlug den Hut und einen Haarkamm, so dass die R. lediglich da- durch, dass die Kugel zufällig einen Zentimeter höher ging, vor dem Tode bewahrt blieb. Nach dieser Tat ergriff der Angeklagte die Flucht. Er ging in seine Wohnung, wo er am nächsten Tage ver- haftet wurde. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, dass er stark angetrunken gewesen sei und überhaupt nicht wisse, wie er eigent- lich dazu gekommen sei, zu schiessen. Eine Absicht, die Runge zu töten, habe er nicht gehabt, er habe ihr nur einen Schreck einiagen wollen, um sie dadurch zu veranlassen, ihm wieder Liebe zuzu- wenden.— Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach ver, suchtem Totschlag und billigten dem Angeklagten mildernde Um- stände zu. Der Staatsanwalt beantragte unter Einbeziehung der 5 Monate Gefängnis, zu denen der Angeklagte bereits verurteilt ist, eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis. DaS Gericht erkannte auf eine Zusatzstrafe von 1 Jahr i Monate» Gefängnis._ Ein beleidigter Reichsbote. Wegen öffentlicher Beleidigung des Reichstagsabgeordneten Linz(Elberfeld-Barmen), verurteilte das Schöffengericht in Barmen am Dienstag den politischen Redakteur der liberalen „Neuesten Nachrichten" in Elberfeld, Wilhelm A m m a n n, zu 200 Mark Geldstrafe. Die Beleidigung wurde gefunden in einem in dem genannten Blatte veröffentlichten Bericht über eine von der Freien evangelischen Volksvereinigung anfangs Oktober 1910 einberufene öffentliche Versammlung, in der Reichstagsabge- ordneter Linz eine Rede gegen die Sozialdemokratie unddenAbgeordnetenDr. Naumanngehaltenhat. Der Artikel war überschrieben„H i m m e l s st ü r m e r" und nannte Linz einen Fanatiker, der in der Versammlung„geflucht und gewettert habe wie ein besserer Fuhrman n." Der Ange- klagte wandte ein, dah er ihn persönlich auch gar nicht habe beleibi- gen wollen, sondern nur eine Satire auf seine politische Tätigkeit habe schreiben wollen, wie sie Männer aller politischen Parteien in den Organen ihrer politischen Gegner über sich ergehen liehen. Das Gericht erblickte in den erwähnte» Ausdrücken aber eine schwere formelle Beleidigung und erkannte, obgleich A. noch nie bestrast ist, auf die genannte ungewöhnlich hohe Strafe.— Gegen seine politi- schen Gegner ist Herr Linz durchaus nicht zimperlich, weshalb seine Älagerei um so unverständlicher ist. Unicrem Kämpfer S0d FritZ SchuIZ Rrant die herzlichsten Glückwünsche zur Vermählung. Die Genossen R., K., n., R, K. 1 Unscrm BezirkMhrer Ernst Steudel J die beste» Glückwünsche zum» heutigen Tage. S3b i» Der 148» Bezirk.» Kunitiiopferei von FrauKolotly Schlachte»!«, Kuritratze 8 III._ Nationale Krankenkasse der Deutsclien Golii- und Silberarbeiter und verwandten Berofsgeoossen (E. kl.) zu Schw.-Qmfind Montag, de« 13. Februar, abends präzise 8'/» Uhr! Mitglieder-Versammlimg (s 28 de« Statuts) im Gewerkschaftshans, Engelufer 15, Saal t. TageS. Ordnung: 1. Jahres« und Recheiischasisberlcht vom Jahr« 1910. S. Diskussion. 3. Wahl sür die nach Z 23 des Statuts ausscheidenden Mitglieder des BorstandeS. 4. Verschiedenes. . Das Kassenbuch legitimiert.——■■■■ Um zahlreiche« und pünklilches Erscheinen ersucht Zßb _ Ter Borstand. I. Zl.: E. Holtkamp, Vors., Admiralstr. 18 b! a Pfand -|.iliirSIl.20M. Gr. geräucherte Gänsckcule», z. Rohessen, ss. Gänseschmalz. garantiert rein, a Psd. 1.20 M.. empjiehlt 21/11 Uormnn» I oiRnor Berlin C., Kloetterstr.»5. klvsstlolssl Lclullcl) Eckhaus Kaiser-WIIbelm-Strahe. Gegründet A.B. 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Ztr. mmmmm franko ds» 4 Treppen lukhuive»Her Unkosten liefere, mmmwm MNl! Todes-Anzeigeu WMs Verbslilj ller Zsttlör iinci poMeuillks. Ortsderwaltunft Berlin. Am 9> Februär verstarb nach langer Kraiilheit unser Mitglied, der Kollege Hermann Hertramph (Werkstatt Frz. Eoban). C-Hre seine», Andenken! Die Beerdigung erfolgt am Montag, den 19. Februar, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Friedhos der Irrenanstalt zu Wittenau. Um rege Beteiligung ersucht 156/7 vis Ortsverwaltung. f" ierniit die traurige Nachricht, am Donnerstag nach kurzem Krankenlager mein lieber Mann und guter Vater, der Schristsetzer Ulbert l.oeper Im 41. Lebensjahre sanst cnt- schlasen Ist. 52b Um stille Teilnahme bitten kort» lioeper nebst Kind. Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 2 Uhr auf dem neuen Rixdorser Friedhos am Marien dorfer Weg statt. Am 9. Februar verschied Plötz- lich unser lieber Kollege, der Schristsrtzer Ulbert lioeper im 41, Lebensjahre. 51b Er war uns ein braver Kollege. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Möge ihm die Erde leicht sein I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. Februar, nach- mittags 2 Uhr, aus dein Neuen Rixdorser Gcmcinde-Friedhos am Mariendorfer Weg statt. Die Kollegen der Druckerei Otto Eigner. VeM der finerei-ooil Mitariititer ar, Ortsverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, daß am 8. Februar, nach langem schweren Leiden der Kollege, stallmann (Zottkriec! �mlinx (Gabriel u, Jäger) verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zions-Kirch- Hofes in Niederschönhausen-Nord- end aus statt. Rege Beteiligung erwartet 42/3 Der Borstand. mi Beplmiste der Seifensieder u. Berufsgen. (E. H. 17 zu Berlin.) Nach kurzem aber schweren Leiden verstarb.unser langjähriges Mitglied WiHielm Bethge. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet ani 11. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes in Weißensee aus statt. Um rege Beteiligung bittet 287/16 Der Borftaud. Iii». Limmvl Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,„tlX, 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4 l» Arbeitsnnmweis: Hof I. Amt 3. 1239. BerivalningSsirlle Berlin. Hauptdureau: Charitistrafie 3. Hos III. Amt 3, 1987. Achtung! Gürtler! Achtung! Montag, den lS. Februar ISIt, abends« Uhr: Allgemeine Versammlung aller ia Giirtlrreitu btschästigtell ßolltgen u. Kolleginneit im Gewerkschaftshaus, Engclufer 15, großer Saal. Tage». Ordnung: 1. Bortrag des RcichstagSabgeordneten Kollegen Karl Tevering: „Die Bedeutung der nächsten Neichstagswahlcn für die Gewerk- fchafte»�. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswahl der Kommission. 4. Ber- bandsangelegenhesten und Verschiedenes. 111/17 Es wird erwartet, daß die Kollegen in dieser Versammlung zahlreich vertreten sind: niemand dars fehlen I Die OrtSverwaltuug. ytMt? „Freier Hund" Sinkaufs- u. �rodukfivgenossenschaft freier dast- und Schankwirte Berlins und Umgegend. Eingetragene Qenossenscbalt mit beschränkter Haftpflicht in Berlin. Dienstag, den 28. Februar 1911, nachmittags 5 Nhr, beim Genossen Friti Wille, Scbaftiauftraße 39: öriientl. KeneralvernmmlMg. TageS-Ordnung: 1, Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung. 2. Geschästsbericht vom Vorstand und Aussichtsrat. 3. Veröffentlichung der Bilanz und Gewinnverteilung. 4, Festsetzung eines Tennins zur Auszahlung der Mitgliederguthaben über 20 Mark. 5. Festsetzung der Entschädigung sür Vorstand und Aussichtsrat. 6. Ergänzungswahlen zum Aussichtsrat und Vorschläge zum Vorstand. 7. Vortrag des Kollegen Münzcr.über:„Genossenschastlicher Einkaus und deren Vorteile". ver Torstand. 103/8_ F. Matthes. Joh. Greth. ffli Iii1 ir Zahlstelle Charlottenburg. Sonntag, den 12. Februar 1911, vormittags 10 Uhr: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Umänderung der Unterstützungssätze. 2. Delegiertenwahl zur Ber- liner Generalversammlung. 3. Gewcrljchastliches und Verschiedenes. 79/1 Die OrtSvcrwaltung, neuttcher Hol�arbeiter-verbaiiS. Zur Beachtung! Die Zahlstelle 45 ist von ZemkuS, Kottbufer Damm 23, nach Kottvuser Damm 32 bei Zemkus verlegt worden. 19/20 F. A.: Die Ortsverwaltung. Nur Tür Herren welche Wert auf elegante Garderobe legen, bietet sich Gelcgenbcit, sich in dem Kaufhaus für Monats-Garde- robe». Grosie Frankfurter Straffe 93. mit gebrauchter moderner Kieiduiig zu versehen. Wir beziehen unsere Anzüge, Paletot»:c. teils aus ersten Abonnements- Häusern, teils von Herrschaften, Doktoren, Kavalieren-c.» die nur bei erste» Schneidern arbeiten lassen. Es bieten sich daher für jedermann ganz enorme Borteile, da sich unsere Garderoben durch besonders gute Berarbeitung svielfach auf Seide) und tadellose« Sitz aus- zeichnen. Wir empfehlen getragene Mast° Slnzüge « M., 14 M.. 18 M. Maff-Paletots S ivt., IS M.. 1K M.:c. Gefellschafts-Anzüge werden billigst verliehen. ksukdsus kür Monats-liaräervbea nur CiroDo Frankiarter Str. 93 nar Bitte im eigenen Interosse auf Hausnummer zu achten. ————— Keine Filialen am Platze.———« Abteilung 11 Kene Garderoben. Xnr Große Krankt nrter Straße 93 SlUbelfabrlk Berolina (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastp flicht.) Sonntag, den 26 Februar 191t, vor- mittags 9 Uhr, im Gcschästsiokal: General-Bersammlnng. Tagesordnung: 1. Bilanz. 2. Wahl des Vorstandes u. des AussichtSrateS. 3. Geschäftliches. Die Bilanz liegt zur Einficht in unserem Geschäftsraum aus. i03li0 Oer Vorstand: H. KrebS. Karl Müller. (Eingetragene Genossenschaft mft be» schränkter Haftpflicht.) Sonntag, den 26. Februar 1911, nachmittags 2 Uhr, im Lokale von Fritz Schumann, Dilfiter Str.«: 103/11 General-Vercaminliing. Tages. Ordnung: 1. Vorlegung der Bilanz. 2. Neuwahl. 3. Anträge. Der Borstand. 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Berlin LW. i,.36. 28.ww 2. Keililge des„Nmiirts" Kerliker KslksblÄ. Sonnabend, 1l. Februar. Slnwng V\, Uhr. Königl. CVt'ntfinus. Lohengrin. (Zlnfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Der Störensricd. Dcursches. Othello. K a m m e r s p i e l«. Lanzelot. (Ans. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. ReueS königl. Lperu-ZHeater. Geschlossen. Skrurs Sctonspielfmus. Das kleine Schokoladenniädchen. Nachm. 8'/. Uhr: Maria Stuart. Lessiua. Die Ratten. 5toiniiche Over. Die Bohöme. Kleines. Die verflixten Frauen- zimmer. I. Klasse. Variete. Neues Operetten. Die schöne Risette. Berliner. Bummelstudenten. Nachm. 31/, Uhr: Nathan der Weis«. Westen. Die lustige Witwe. Neues. Mein erlauchter Ahnherr. Trianon. Hippolytes Abenteuer. Residenz. Pariser Menü. Thalia. Polnische Wirtschasl. Schiller o. WaUnci• ioutlct) Die Fee Eaprice. Sch l it e! Charlottenbnrg. Husaren- sieber. Friedrich. Wilhelmstädtisches. Cyrano von Bcrgerac. Volksoper. Das kluge Felleisen. Der Troubadour.(Ansang 8',, Uhr.) Luftlpirlbaus. Das Objekt. Ausstellungs-Theater. Mctzer». (Ülnsang 8'/, Uhr.) Luise». Durchgegangene Weiber. Nachm. 4 Uhr: Rotkäppchen. Modernes. Der Feldherrnhügel. (Ansang 8'/, Uhr.) Roie Lorbeerdaum und Bettelstab. Nachm. 4 Uhr: Prinzessin Edel- traut. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Er, Sic und Er. FolieS Gnprirc. Der Feldwebel- Hügel.(Ansang 8'/. Uhr.) Mctrvvol. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wippchen. Apollo. Spezialitäten. PaNage. Svczialitäten. Boigt. Geschlossen. Sieichsvallrn. Steitiner Sänger. Sanssouci. Spezialitäten.(Ansang 8-/. Uhr.) Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo l Dacapo l(An- sang 91, Uhr.) Wedding. Lichtspiele. Urania. Taudenftrafte 48/4S. Rachmitiags 4 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Abends 8 Uhr: Die neue Tauern- und Karawankenbahn. Hörsaal abends 8 Uhr: Professor Dr. Donath: Die Entstehung der Röntgenstrahlen. Sternwarte, Invaliderer. 57— 62' Theater und Vergnügungen I Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 ühr; Von San Remo nach Florenz. Abends 8 Uhr: E. v. Paska: Die neue Tauern- und Karawanken-Bahn. Hörsaal 8 Uhr; Professor Dr. Donath! Die Entstehung der Röntgenstrahlen. Lessing-Theater. 8 Uhr: Die Ratten. Sonntag 3 Uhr: Rosenmontag. 8 Uhr: Die Ratte». berliner Ttieater. Täglich 8 Uhr: Bummelstudenten. Neues Theater. Täglich: Kein eHler Mim. _ Ansang 8 Uhr._ Theater des Westens. 8 Uhr: Die Inntlfe Witwe. Sonntag nachm. 3'/, Uhr: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (frflher Hefabeltheaier). Abend« 8 Uhr: _ Doppelmcnuch. Residenz-Theater. Direltion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Pariser Menn. Drei Gänge von Georges Feydea» und Vcber-'Abric. l. Gang:.52 Meter über Paris- 1 Akt von Veber-Abric. L. Gang:.Eine Nachtsitzung', l Akt von Georges Feydeau. 3. Gang:„Nach dem Mäuschen- ball", 1 Akt von Georges Fehdeau. Sonntag, den 19. Februar, nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amölie. I OSE=THEATE Grosie Franksurter Str. 132. Nachmittags 4 Uhr: prinzesfi» Edeltravt. I Kaiser-Panorama. Z.I.Male: IV. Wanderung in Venedig. L. Woche: III. Tour im südlichen Schwarzwald. Eine Reise 20Pf. Kind nur 10PI. Abonnements 1 M. Tausende Abonn. friedrich-Wilhelmsfädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 11. Febr., abends 8 Uhr: Czrano von Bergerac. Sonntag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. 8 Uhr: Wilhelm Tcll. Montag: Wilhelm Tell. T-uisen° Theater. Nachmittags 4 Uhr: Grosie Kindervorstellung. Rotkäppchen. Abends 8 Uhr: Dnrchgkgiulgene Ueiber. Sonntag 3 Uhr: Hamlet. 8 Uhr: UmS goldene Kalb. Moatag: Ums goldene Kalb. K.us'tspivlksus. Abends 8 Uhr: Das Objekt. Abends 8 Uhr: Ein»en»»tlenellei- Erfolg: ? WALDON? 8 Tschin Maa's<2 heilige Chnnsaacn~ 9'/, Uhr: Lnchen! I,achcn! T.achcn! Otto Reutter. Jffetropol' Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstattungsrevue in 7 Bildern o. I. Freund. Musik v. B. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Pariser Leben. Die berühmte chinesisch» Tragödin Md. Chung mit ihrem chines. Schausp.-Ensemble „Im Reiche des Drachens" Chines. Schauspiel(nach einer alten Legende) in 2 Akten. sowie das drollige Faschingsprogramra. Hlorgen nachm. 3 Uhr: VoTMellunjj. Kleine Preise. Passage-Panoptikum. 1 1 in Eine Kolonie kE:- in ihr. Leben, Sitten u. Gebrauch. Zum 1. Male in Ucrlia! in ein. eigens erbauten Polardorfe, Ohne Extra- Entree: Marcheu mit Gesang und Tanz in 5 Akten. Abend» 8 Uhr: Forbterbauul und Kettelffab. Schauspiel in 4 Akten von Holte!. Sciinlag nachm.: Der Glüifs- schmird. Abends u. Montag: tztor- deerdaum nnd Bettelstab. ItiRi'KthieateA'- �estsäle und Kinematozrapb vorm. Groterjan. Jnbab.: Rud. Kerz, Schönhauser Allee 12». Tel 3, 9353 Eehenele Eh«t«nrnphlen. Einlritt 30 �u. 40 Ps., Kinder die Halste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Verzugskarten, nur wochent. gültig. LS Ps. aus allen Plätzen. Stets wechs. Programm. Wallialla-Ikealer. I(Rolenth.Tor.) Weinbergsw. 20 1 Allabendlich 8'/, Uhr: Bravo! Da Capo! Eine AllerweltS- Revue. Sonntagnaohm. 3>/, Uhr: Enaere I>on Jnan.. Kleine Preise. Scli III er Schiller-Theater 0.(Wallncr-Tdeal). Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Fee Caprlce. Lnstspicl in 3 Akten v. C. Blumenthal. Ende 10'/, Uhr. Sonntag, nachm. 3llhr: Die Ehre. So nntag, abends 8 Uhr: Hnnarcntieher. M o n l a g, a b e n o s 8 Uhr: Die Fee Fapricc. Theater. Schiller-Theater Chartottenburg. Sennobend, abends 8 Uhr: Hnsarenfiober. Lustspiel in 4 Akt. o. Gustav Kadelbnrg u. J)lid)nrb Skowronnrk. Ende lO'/i U. Sonntag, nach m. 3 U h r: Prinz Priedrich von iionidurg. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Kaiser. Montag, abends 8 Uhr: UiAthan der Welse. Berliner Volksoper Belle- Alliaiicestraße 7/8.—'/29 Uhr: Das kliinge Felleisen. Hieraus: Der DrouVadour._ 99 CLOU" BEREITER KOXZERTSIArS Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Eintritt SO Pf. Gastspiel v. Johann SM ans Wien. Anfane 8 Ehr. Morgen, Sc, nntag: Matinee und Gastspiel Ton Johann StranB. Montag zum Besten des Invalidendank: Monster-Konzert. Brauerei Friedrichshain. 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Pfand 1.05 Landleberwurst............. Pfand 95 pl Zwiebelleber- o.Rotwurst pf»d 48 Apfelsinen Dutzend 20, 28, 35 pf BlUt-ApfeiSlnen Dutzend 35, 45 Pf. Arnerik. Aepfel............. Pfand 30 pl Kalif. Aepfel................. Pfund 35 pf- Citronen............ Dutzend 25, 35 Pf- Ananas......................... Pfund 75 pf- Teitower Rübchen............ Pfund 9 pr. Sardinen in Gel dos» 25, 38, 48p Bismarck- O.Bratheringe vo-e 42 pf Delikatess-Heringe dos« 38, 83 pf Apetit-Süd...... Dose 28, 38, 48 pf Sardellen..........««. 1 Pfond-Dosa 58 pf- Sardinen oder Anchovis oias 20 pf Mixed-Pickles................. gi»s 88 pe Cornichons..................... 88 p Senfgurken.................... Gias85pf. Zuckergurken................ 01.« 70pf. Gemischte Marmelade 0* 5�1.15 Zuckerhonig KaS�ncsZ Pfund 75 pl HEUTE Schluss- Verkaufs-Tag il&iiJ B C unserep Spitzen- u. Gardinen-Woche 1. Ziehung 2. Kl. 224, Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung Tom 10. Februar 181t,-rormiltags. Kur die Gewinne über 96 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Los« beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck rerboten.) . 247 345 427 1 285 131 679 2075 269 970 13001 3043 95 112 227 32 466 559 707 72 83 820 4.03(1 183 282 433 5231 43 418 500 991 6072 7 9 218 78 732 813 7017 166 262 324 479 573 061 737 8466 594 99 691 793 9183 223 98 531 689 10314(200] 93 676 709(200] 32 1 2013[200] 376 811 f40 000| 74 1 3789 1 4131 297 1 51.36 7 9 420 558 8t 16187 531 720 933 170.37 981 18204 71 535 724 1952« 897 20 472 865 985 212.'>3 350 813 22166 287 790 23025 ISt 4.36 657[200] 709 915 24158 257 320 424(300[ 964 25116 89 247 332 44 77 519 75[200] 76t[500] 992 94 2 6010 68 124 63 281[500] 438 723 979 2 7164 ,387 409 520 775 80 872 2 8310 441 738 29.17 39 262 307 17 459 91 672 711 89 30111 921 29 31090[300] 242 522 628 58 702 831 37 45 945 3 2 209.329 465[ 200] 33100 10 220 626 81 799 3 4002 97 298 349 177[ 290] 721 923 42 3 5-101 445 627 806 3 6574 77 742 938 3 7018[300] 190 327 93 451 783 38321 522 609 813 3 9 003 181 93 258 691 40162 352 600 993(300] 41020[JOOO] 67 487 93 511 »90 4 2 001 ,300 440 96 599 733 892 43057 322 512 42 48 818 705 7 73 92« 927 4 4009 117 296 692 4 5188[ 200] 338 742 988 4 6119 409 516 87 4 7025 123 348 64 711 856 48170 237 49122(200] 70 213 350 504 827 5O004 304 29 85 473 86 834 922 5 1 413 641 813 44 52041 100 638[ 200] 771 88 5 3 345 818 963 64 54030 301 432 715 96 5 5012 SO[200] 170 236 377 452 606 10 905 61 56140 209 318 403 46 807 988 57126 831 975 5 8067 III 49 200 53 776 809 16 5 9 281 60016 633 36 67 784 61)91 471 85« 940 M 62245 SSO 513 707 34 938 6 3)78 219 480 64)83 381 742 805 6 5 276 806 927 6 6041 166 380 536 6« 769 6 7353 441 750 68229 472 840 51 906 6 9073 149 54 230 882 532 659 850 W0 7 0235 447 60 5»1 99 606 987 9z 71812 48 827 72401 505 968 7 3030 43 52 186 1<00] 400 18 80 577 7 4615 773 75151 404 548 639[200] 76021 494 541 5» 86 743 47 84 77599 810 78474 79054[ 200] 431[200| 735 8O080 86 149 518 481 603 28 759 882 904 68 8114» 289 454 914 8 2119 205 410 881 83068 112 259 7 7 835 408 344 731 803 8 4083 98 153 78 564«34 790[ 200] 834 85056 187 830 530 663 98 8 6347 8 7158 70 342 545 831[200] 88335 741 885 8 9320 410 836 90164 825 85 90 91139 591 888 92163[200] 203 878 93055 56[ 200] 164 330 533 37 778 982 94 138 21« 78 524 96 840 948 9 5101 250 407 509 54 745 829[300] 66 96132 53 650 97060[200] 006 10 52 9 8013 14 75 11» 387 44!) 502 706 99 803 9 9052 282 598 907 59 1OO040 447 833 1OX0S3 48 243 70 889 419 789 102118 829 99 766 1O3026 74 84 174 801 50 809 X 04003 loa 204 16 1200] 62]SOOJ 72 881 907 1 05172 201 310 20 602 X 06835 44 71[200] 602 797 X 07 131 349 419 643 XOSlSO 511 13 615 37 862 72 XO900B 89 169 83 408 64 710 XXOnei 422 556 706 42 XXX369 413 544 94« 12001 56 XX 2030 386 431[300] 657 848 91 974 81 X 13003 346 489 625 960 114085 183 261 525 793 812 87 986 115011 500 116070[200] 340 474[SOOJ 917 117259 448 99 619 743 902 118215 300 452 11O022 262[ 300] 362 436 638 120096 220 26 586 622 710 808 1 2 1 273 853 575 92 764 1 2 3 280 676 615 1 24091 93 143 1200) 557 854 729 869 907 1 2 5064 140 874 9(58 77 98 1 23193 400 517 51 666 719[ 200] 808 916 1 2 7 300 592 765 1 28280 324 424 535[500] 44 902 59 1 20186 898 130019 410 636 877 966 1 3 1 079 198 406 551 681 804 132008|300J 246 55 331 521 642[500] 736 60 13 3 494[ 4001 724 35 1 3 4010 171 308 417 540 58 13 5002 201 15 336 500 96 734 1 3 6023 389 416 45 626 92[300] 137123 231 542 818 14001 43 1 38255 87 349 508 23 37 60 54 845 1 3 9357 575 650 68 831 140231) 563 91 007 65 1 41110 20 574[ 200] 702 29 832 1 4 2000 179 311 35 61[200] 65 415 78 572 388 999 143011 61 326 414 643 50 717 1 44567 706 8 845 145 106 36 247 535 610 58[ 20 000] 146909 172 313 741 51 147162 30» 148261[300] 99 303 80 427 576 724 90 806 77 1 49 472 150003 211 381 470 519 744 847 1 5 1 003 45? 75« 839[ 200] 152116 59 405 27 657 1536(61 301»88 545 72? 949 1S4,'>»5 99 788 86» 978 155038 185 812 19 417 751 73 848 905 79 1 56051 548 624 885 944 93 1 57 006 783 929 1 58361 565 601 835 1 3 9 246 97 304 501 809 913 160056 80 126 231 33 341 608 779 1 61.52 69 376 609 716 38 809 18 943 96 1 62688 791 879 1 63101»53 164099 433 974 1 65.39 755 1 66073 312 541 89 695 16 7019 283 306 962 67 79 1 68081 232 325 935 1 69 235 427 72 18 535 843 170010 658 326 941 171059 328 365 984 172051 92 176 300 2 7 49 982 88 1 73100 221 342 404 68 629 [200] 17 4037 600 932 1 7 5447 740 51 843 1 7 6343 628 900 1 7 7 081 506 618 810 1 70154 242 392 543 815 95 993 1 7 9 259 505 12001 706 18 0270 93 328 409 525 636 960[5000] ISllOB 71 229 876[200] 614 81 750 878 84 1 8 3020[SOOJ 212 53 342 6 7 489 630 1 83061 276 317 143 773 856 89 99» 184100 582 1200] 726 185115 ZOO 548 832 1 86272 47? 557 975 85 1 87 126 2.9 559 491[2001 898 904 [200] 23 34[ 2001 50[200] 52 188118|20u) 254 321 474 514 729 84 837 75 91)6 33 1 89.69 262 497 9» 633 46 864[500] 1. Ziehung 2. Kl. 224. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 10. Februar 1911, nachmittags. Nur die Gewinne Uber 96 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lose beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck rerboten.) «3 68 166 512 42 806»99[200] 1345 545 705 909 2010 86 236 342 66 734 3162 420 548 4103 213 473 599[200] 811 5286 419 620 41 774 858 953 6334 65 782 87 90 7028 [400] 221 358 598 648 726 863 933 8019 366 469 549 66 847 965 9 522 59 75 10251 92 397 555 11157 881 49 81[200] 12085 544 75 608 89 782 928 74 1 3080 541 695 807 18 91 14255 333 83 800 1 5310 853»54 1 6095 102 240 579 908[1000] 17349 75 658 80 1 8282 308 29«74 84 875 96 1 9105 253 SOS 20024 91 611 39 21048 101 810 22518«04[200] 40 975[200] 2 3 710 849 2 4 747 838 2 5072[200] 411 502 651 804 095 2 6073 156 727 2 7021 75 323 404 603 11 779 627 2 8611 927 2 9192 204 845 30)34[200] 713 36 87 90 3 1 226 633 753 804 3 2029 188 501 715 852 55 93 3 3651 34153 274[200] 701 912 3 5060 123 25 67 283 85[200] 311 3 6249 536 702 922 3 7000 174 389 489 619 743 369 3 8076 220 22 97 561 604 890 3 9029 461 902 40226 370 4 1 345 76 769 830 30 975 4 2045 71 101 291 700 72 823 910 87 43133 48 349 536 45 71 808 937 4 4047 105 4 5313 22«9 484 662 4 6052 47? 83» 87 950 4 7 211 93 492 628 915 4 8042 164[200] 264 81[300] 627 [20»'] 605 4 9052 54 135 231 62» 901 5021)3[500] 488 754 5 1 350 522 52 5 2034 57 154 444 57 93! 53217 620 75 5 4(27[200] 256 670 Sil 63 995[200] 5 5004 45 143 348 69 570 93 650 709 5 6104 32 385 803 39 57006 509 19 956 9 4 5 8242 327 590 072 59144 727 75 Ji» 941 60364»90 511 61021[200] 198 278 331 970 6 1097 468 547 54 681 747 6 3134 538 74 64)01 27 41 221 38 714 61 061 78 6 5067 312 925 87 66124 333 409 12[200] 43 [200! 660 809 6 7018 59 376 442 6 8049 388 460 528 56 905 42 6 9023 987 90 97 7O130 815 403 81 549 71188 589 707 72101 418 50 854 913 7 3082 487[ 400] 837 7 4046 158 362 577 705 28 823 63 85 75078 146 211 385 477 583 862 7 6014 275 366 477 697 848 7 7169 232 310 539 69» 728 843 58 926 2« 78120 73 806 12 654 759 7 9027 51» 706 73 876 SO05«.87 299 440 591 749 8 1 020 75 613 71 82 480 81 83 240 629 793 961 84132«72 8 5 229 300 475 517«12 862 86137 483 98» 87324 47« 815 74[200] 88105 378 58» 721 321 8907? 160 63 326 733 951 94 9010« 337 9 1 050 127 788 826 33 9 2027[200] 271.326 691 710 910 9 3069 134 546 619 917 9 4161 367 426[200] 547[200] 03 885 9 5362 418 626 9 6306 415 30 630 9 7048 176 318 590 765 829 9 8302 592 880 9 9047 81 165 86 553 706 87 821 100014 151 659 842 61 928 101130 342 61 6««57 753 1 02 267 533 705 1 03372 436 552 686 839 1 04027 459 649 913 1 0 5221 38 316 429 621 729 80 954 74 1O609S 379»18 30 82 624 731 884 92 929 59 1 0718?[300] 602 74 81 770 912 20 1O8130 237[ 300] 306 5» 431[5000] 594 696 822 924 1 09087»70 95[200] 908 110032 319 66 522[1000] 600 29 780 78 87 111054 362 72 601 1 12048 103 91[200] 252 77 567 113136 204 41 684 721 818 1 4301 773 85 SSO 949 63 115180 116423 582 117008 214[ 3000] 467 92 687 633 894 118651 84 752 119057[200] 153 72 353 467 598 720 888 12 0048 170 87" 211 605 603 1 2 1 578 652 1 22134 69 228 96 689 973 1 23124 326 639 386 945[300] 124038 596 604 1 25079 350 96 460 570 908 1 26X62 356 94 556 1 2 7237 86 341[200] 477 1 28040 109 7» 458 53» 764 1 29181 570 71 678 735 820 130289 392 557 87 894 1 31152 858 1 3 2056 95 IST 309 456 512 683 835 1 3 3296 445 628 99 976 1 34048 14 7 213 1 9 2 1 65 376 490 681 135191 241 450'2001 517 913 136022 579 81 917 137110 322 77 47» 692 723 850 76 138058 139 203 444 682 92[ZOO] 841 942 139000 80 173 297 646 861 950 140094 428[400]«14 1 4 1 098 104 23« 39 70 313 422 41[»00] 058 77 823 41 945 55 1 4 2014 33 118 694 OOS 143219[200] 223 931 144.44 211 673 1 45065 66 67 197 244 59 490 1 4 6294 356 82 425 512 69 615 78 147123[ 200] 480 533 685 Sil 148412«02 39 83 811 71 14 9 219 616 74 742 944 15 0246 312 461 535 4 8 695[200] 980 151027 387 407 63 500 755 1 5 2332 423 646 942 laai82 542 644 709 24 7 7 847 974 1 54 214 41 445 537 92 1 5 5036 6« 127 346 440 87 724 888 935 15 6090 817 430 586 602 782 1 57144 341 468 780 818 915 1 5 8206 301 403[»00] 580 618 27 740 1 5 9 205 379 608 09 699 716 822 16608' 215 343 68«07 827 1 6 1 069 882 985 1 6 2035 28 535 44 85«15 888 1 63051 91 259»48 982 164255 307 SSO 633 707 28 47 SOS 16 71 88 1 6 5 276 437 49 86 588 719 97[200] 166105 88» 442 4« 509 611 94» 167008 143 391 453 538 623 853 978 1 68157 279 90« 169102 [200] 436 650 170296 396 414 518 856 171246 6« 73 83 523 720 17 2253 338 7 7 91 474 881 971 17 3051 288 91 514 804 174085 296 697 725 828 1 7 5012 4SI 93 573 76 82» 176033 885 790 177038 192 813 1200) 17804« 412»4 856 929 60 179110 48 341 80 584 860 180199 218 413[200] 514 822»58 18133« 182035 [ZOO]»92 1 83115 357 860 1 84014 523 63 720 23 1 8 5092 20» 517 58 70 803 907 1 8 6033 194 354[400] 532 97 18 7370 611 955 95 1 88317 59» 668 816 40 43 988 189234 330 58 427 50« Verantwortlicher Redakteur: Richard Barth, Berlin. Jür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Me. 28.ww 3. Ktilllge des Jöiiä" Kerlim NslksblM. Sounabend. 11. Februar 1911. Kandlumehilfen! Wählt am IS. Februar, 10 bis 3 Uhr: Partei- Hngclcgcnbeitcn.' Zweiter Wahlkreis.(4. Abteilung, Bezirk 31 und 32.) Sonntag, den 12. Februar: FamilicimuSfiug nach Heiligen- s e e über Tegel. Treffpunkt 8'/, Uhr früh bei Weniger, Koch- straffe 33. Gäste willkommen. (ü. Abteilung.) Morgen, Sonntag, den 12. Fe- bruar, abends 6 Uhr: Familienabrud bei Habel, Bergmann- straffe 5/7. Vortrag der Genossin Frau Wurm über„Genossen- schafl-wesen". Nachher: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Die Abteilungsführer. WIlmersdorf-Halensee. Sonntag vormittag 8 Uhr bei Senge- Kusch, Ecke der Karlsruher und Heilbronuer Straffe in Haleniee: Handzettelverteilung. Der Vorstand. Treptow-Baumschiilcuweg. Morgen, Sonntag, früh 8>/z Uhr in beiden Ortsteilen von den Bezirkslokalen aus wichtige Flugblatt- Verbreitung. Der Vorstand. Mariendorf. Sonntag früh 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Dienstag abend 8 Uhr bei Preuh, Kurfürstenstraffe: Oeffentliche Lersammlung. Tagesordnung:„Von Bülow bis Bethmann Hollweg und von Bassermann bis SBtemer." Referent: Genosse Zubeil. Diskussion._ Berliner JVacbricbten. Bolks-Wallfahrt. Liebling des Volks zu sein...! So steht's auf deni Papier, zwischen den Noten, schallt's in aufdringlichen Tönen aus der blechernen Janitscharenniusik, wird es seit Jahrzehnten automatcngleich aus patriotischen Kehlen bis zum Ermüden gesungen beim Anblick auch nur des leisesten Schattens eines Gekrönten. Ach nein, die Liebe des Volkes wird heute nicht mehr erworben mit dem angeborenen Purpur. Sie ist ein Juwel, das verdient werden niuß. Und je tiefer der Mensch hinabsteigt zum Menschen, je mehr er sich, mag er auch Millionen besessen haben. im Sinnen und Trachten eins fühlt mit den Entrechteten, desto höher werden ihm entgegenschlagen die Herzen des wahren Volkes. Das ist die echte Volksliebe, die sich langsam und zähe entwickelt aus Wollen und Können, aus unvergänglichem Schaffen, um zu dauern über Tod und Grab.... Man hat in blauschwarzen Blättern gefaselt, die unver- geffliche, imposante Volkstrauer am vorigen Sonntag sei be- stellte Arbeit gewesen, eine Demonstration großen Stils. SohlkSpfe, ihr! Euch geht ja von jeher die Innigkeit des mpfiudens völlig ab. Ihr geschworenen Volksfeinde schließt in blinder Wut von euch auf andere und laßt alle Register der Heimtücke spielen, wenn ihr seht, wie das Volk seine großen Toten mit dem Herzen ehrt.... spontan, treu, überwältigend. Noch schlief Paul Singer in Frieden kaum eine Nacht unter der märkischen Erde, und schon strömten die Taufende, Zehn- tausende von neuem zu seinem Mausoleum, aus Sandschollen gebaut. Nichts war zu sehen von dem Heimgegangenen als ein Häuflein Erde neben den Ruhestätten seiner beiden großen Borgänger im Tode. Nur der breite, blumige Riescnteppich, den die VolkSliebe mit Millionen von Herzfäden gewebt, gab Zeugnis, daß man einen ungekrönten Großen der Erde zu Grabe getragen. Und magisch zieht es die Tausende. Zehn- tausende seit Dienstag nach dem Gewerkschaftshaus, wo in der großen Trcppcnhalle. in zwei dichten Reihen übereinander und rings um die Säulen, die sprechenden Liebeszeichen aus- gebreitet hängen, wohl an tausend Kranzschleifen, in deren goldenen Lettern das Volk noch einmal, zum letzten Male redet zu seinem wahren Freunde. Nicht Neugier ist es. die die Massen lockt,— eine abermalige, aus der Volksseele wallende Huldigung. Am Sonntag das ernste Traticrklcid, heute das schlichte Proletaricrgewand. Vom frühen Vormittag bis in den späten Abend währt des Volkes Wallfahrt. Viele, wie sie gehen und stehen mit dem Rüstzeug der Arbeit unter dem Arm, so ziehen sie schweigend vorbei an der Aus- stcllung des Todes. Die karge Mittagspause haben sie ge- opfert, um den Manen des toten Führers nahe zu sein, sich zu berauschen an dem Geist des Zusammenhalts, der die schaffenden Millionen bis zum letzten Mann beseelt. Und als sich die Schleier der Dämmerung senken über die Millionenstadt, die Arbeitsstätten sich leeren, nimmt der Zu- drang beängstigende Diniensionen an. Das ist die Defilier- cour des Proletariats. Wen des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr fernhielt vom Tage der Volkstraucr, will noch nach- träglich seine Verehrung zollen dem unermüdlichen Vorkämpfer für das Recht des Volkes. Ernste Frauen prägen dem jungen Nachwuchs an der Hand die Bedeutung der Stunde ein. Greise. denen der Weg nach dem Friedhof nicht mehr weit ist, schleppen sich her, um zu staunen, was der Wille der Volksmacht vermag. Wctterharte Arbeiter erneuern im stillen das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue zum Verntächtuis des Toten. Und in der kampfsrohcn Jugend, unserer Hoffnung, steigt glühend der Wunsch auf. so zu werden und zu wachsen wie der da. dem all diese Liebe und Ehre gilt weit über das Leben hinaus. Du bist ja uicht tot. Paul Siuger, nur fern, vereint mit den Lieben. Großen. Uubergeßlichen. denen vor Dir das Schicksal den Daseinsfaden zerriß. Dein Gedenken lebt fort und fort im Volke, wird weiter leben, wenn längst die Inschriften der Schleifen verblaßt sind, die Seide vermorscht und vermodert ist.... Mählich leert sich der Säulengang. Es ist spät geworden. D'e Lebcliden haben Recht, müssen heimwärts wandern und darum sorgen, daß der neue Tag neue Arbeit, neue Kämpfe, neue Opfer bringt. In dem satten Rot, dem blitzenden Gold der Schleifen bricht sich der Widerschein des Abendlichts. Und neben dem Tode, der im rastlosen Weltlauf ewiges Leben be- deutet, schreitet an den Spenden der Volksliebe vorüber hoch- ausgerichtet, kühn, verheißungsvoll das Glück der Zukunft... die stolze Freiheit. Die Ausstellung ist nur noch bis heute, Sonnabend. mittags 1 Uhr. geöffnet, da der Raum für nicht abzusagende andere Zwecke gebraucht wird. Schätzungsweise wurde sie bis Freitag abend von weit über hunderttausend Menschen be- sucht. Zeitweise mußte viertelstuudenlang abgesperrt werden. Bis in die Melchiorstraße hinein standen die geduldig harren- den Tailsende. Die Haltung der Straßenpolizei gab zu Klagen keinen Anlaß. Erlogen ist die Meldung mehrerer Blätter, allen voran der um Volksgunst buhlenden„Allgemeinen Zeitung", daß zahlreiche Schleifen gestohlen worden sind. Das ist einfach nicht möglich, weil einer auf den anderen aufpaßt, und es könnten auch nur Leute gewesen sein, die der Sozial- demokratie fernstehen. Tatsächlich fehlt nicht eine einzige der zur Ausstellung gebrachten Schleifen. Die Handlungsgehilfen-Beisitzer zum Kaufmannsgericht werden morgen, Sonntag, den 12. Februar, 1Y—3 Uhr, neu gewählt. Der Wahlkampf wird immer heftiger, je näher die Stunden der Entscheidung rücken, der Entscheidung darüber, wie weit nun endlich die unablässige Agitation des Zentralverbandes der HandlungS- gehilfcn und Gehilfinnen Deutschlands Früchte getragen hat, wie weit die Handlungsgehilfen für die gewerkschaftliche Liste 3 gewonnen sind. Die Handlungsgehilfen brauchen Vertreter, die das Klassen- interesse der Gehilfen begriffen haben und bereit sind, dafür rücksichtslos einzutreten. Hierfür sind die bürgerlichen Kandidaten ohne Unterschied nngeeiguet. Sie sind bewußt oder unbewußt Hörige der Unternehmer. Die Vertreter sämtlicher bürgerlichen Vorschlagslisten scheuen sich nicht, mit den schäbigsten und niederträchtigsten Mitteln gegen die Liste 3 zu arbeiten. Wer aber der Gesamtheit der Handelsangestcllten eine rückgratfcste Interessenvertretung im Kanfmannsgcricht sichern will, der wirke für Liste 3. Auskunft erteilt boS Zentral-Wahlbureau des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands, Bezirk Berlin, Neue Königstr. 38._ Früh- und Spätverbindung mit Friedenau-Schöneberg. Die Große Berliner Straffenbahn errichtet am 15. Februar eine gute Früh- und Spätverbindung mit dem Friedenauer Stadtteil von Schöneberg. Es geschieht dies dadurch, daff die Linie bis zur Renn- bahnstraffe in Weiffensee durchgeführt wird. Dafür gehl die Linie 81 jedoch in Weiffensee nur noch bis zum Schloff Weißensee. Die Linie 60 verkehrt werktags von der Nennbahnstrahe morgens von 5,08 an. Der letzte Wagen geht von der Rennbabnstraffe abends 11,21, so daß er 12,41 in der RubenSstraffe eintrifft. Der erste Wagen von der Rubensstraffe geht morgens 8,37, der letzte nachts 12.52. SonntogS ist Verkehr ab Rennbahnstraffe von 8,13 bis 11,28, von der RubenSstraffe von 7,45 bis 1,00. Hat die Berliner Stadtverordnetenversammlung«in Mit- wirkungSrrcht bei der Wahl der Bolksschullehrer und-Lehrerinnen? In einem Termin, in welchem das Gericht noch zu keinem Er- gebnis kam, beschäftigte diese Frage vor einiger Zeit das Ober- verwaltungSgericht. Der 8. Senat macht« bamals von der in unsere moderne Zeit absolut nicht mehr hineinpassenden Befugnis des genannten Gerichts Gebrauch, zu beschließen, die Entscheidung nach ihrer Fällung nur durch schriftliche Zustellung an die Parteien— nämlich Provinzialschulkollegium und Stadt Berlin— zu' verkünden. Wie wir jetzt hören, hat das Oberverwal- tungsgericht verneint, daß der Stadtverordneten- Versammlung ein Recht der Mitwirkung bei der Wahl des Lehrpersonals der Berliner Volksschulen zukomme. Es ist endlich an der Zeit, daß auch beim Oberverwaltungsgericht an Stelle des sogenannten„Aussetzens der Entscheidung", wie die in diesem Falle als auch in vielen anderen Fällen geübte Praxis bezeichnet wird, Publikationstermine treten. Allerdings ist eine Gesetzesänderung bonnöten. Unsere Landtagsabgeordneten können sich auch in dieser Richtung verdient machen. Bereinigung von Schöneberg und Wilmersdorf. Uns wird berichtet: Zwischen den Magistraten von Schöne- berg und Wilmersdorf haben in den letzten Tagen vertrauliche Verhandlungen stattgefunden, die nicht mehr und nicht weniger als die Vereinigung beider Gemeinden zu einer Stadt zum Ziele haben. Wenn auch die Angelegenheit noch nicht über allgemeine Erörterungen hinausgekommen ist. so steht doch soviel fest, daß die Behörden beider Gemeinden in Anbetracht der großen Vorteile eines Zusammenschlusses grundsätzlich den Vereinigungsgedanken zu fördern entschlossen sind. Man will sogar wissen, daß die Wahl eines Oberbürgermeisters für Schöneberg, die bekanntlich für die nächste Zeit in Frage kommt, durch die Eingemeindungs- frage beeinflußt werden könnte. Da außerdem auch die Ge- meinden Friedenau und Schmargendorf sich in der letzten Zeit mit der Frage des kommunalen Anschlusses an Wilmersdorf be- freundet haben, so eröffnen sich dem kommunalen Leben der west- lichen Vororte ganz neue Perspektiven. Eine schwerwiegende Frage ist allerdings, wie die Regierung sich zu der Angelegenheit stellen wird. Doch hegt man in den Kreisen der beiden Städte die Ansicht, daß auch hier die Schwierigkeiten nicht unüberwindlich sein werden. Ein Scheusal wurde in der Person eines Friseurs Alfred Sasse von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Der Unhold nahm unter der Vorspiegelung, daß er sich im Frisieren weiter ausbilden wolle, das fünfjährige Töchtcrchen eines Schankwirts, bei dem er Verkehrte, ein sehr hübsches Kind, mit sich in ein anderes Zimmer und verging sich dort an ihm, anstatt sich in seiner Kunst zu üben. Als das Kind sich endlich weigerte, noch weiter mit ihm zu gehen, wurde mau aufmerksam. Sasse packte jetzt seine Koffer, konnte aber gerade noch festgenommen werden, als er nach Hamburg abreisen wollte. Der Verhaftete ist schon mehrfach vorbestraft. Feuer in einem photographischen Atelier. In der siebenten Abendstunde wurde gestern die Feuerwehr nach der Leipziger Straße 8, Ecke Wilhelmstraße, gerufen, wo in dem Atelier des Hofphotographen und Porträtmalers C. B rasch Feuer aus- gebrochen war. Als der dritte Löschzug aus dem nahen Depot in der Mauerstraße anrückte, stand das im Dachgeschoß befindliche Atelier schon vollständig in Flammen. Durch kräftiges Wasser- geben gelang es der Wehr, den Brand auf das Atelier zu be- schränke». Der Schaden ist beträchtlich, doch tritt eine Betriebs- störung nicht ei». Das Feuer ist durch Kurzschluß entstaudeu. Beim Einschalten einer elektrischen Birne sprang ein Funken über und setzte eine Gardine in Brand. In wenigen Augenblicken brannte dann das ganze Atelier lichterloh, da leicht brennbare Stoffe den Flammen reiche Nahrung boten. Die vollständige Ab- löschung und Aufräumung zog sich mehrere Stunden lang hin. Durch Gas vergiftet. Der freikonservative Landtagsabgeordncte Emil Schmidt(Rakel) ist in der letzten Nacht in Berlin das Opfer eines verhängnisvollen Unfalles geworden. Der 62 Jahre alte Abgeordnete, der sich zur Zeit der Tagung des Abgeordneten- Hauses in einer Pension in der Wilhelmstraße 43 aufhält, wurde gestern vormittag kurz nach 11 Uhr in seinem Zimmer bewußtlos aufgefunden. Das Zimmer war vollständig mit Gas angefüllt, das einem offenen Hahn an der Lampe entströmte. Schmidt lag in seinem Bett und gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Die Pensionsinhaberin benachrichtigte sofort Polizei und Feuerwehr. Bald erschien von der Feuerwache in der Mauer- straße ein Wagen mit Samaritern der Wehr, die den Verunglückten mit dem Sauerstoffapparat in Behandlung nahmen. Nach längeren Bemühungen fing der Abgeordnete an, Atembewegungen zu machen und erlangte schließlich das Bewußtsein wieder. Er wurde dann in einem Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe nach dem Elisabethkrankenhause geschafft, wo er in bedenk- lichem Zustand niederliegt. In der Pension war inzwischen ein Polizeihauptmann erschienen, der das Bureau des Abgeordneten- Hauses von dem Unfall in Kenntnis setzte. Daraufhin erschienen noch im Laufe des Vormittags mehrere Abgeordnete der Frei- konservativen Partei, um sich nach dem Befinden des Verunglückten zu erkundigen. Es hatten sich Gerüchte verbreitet, daß Schmidt einen Selbstmordversuch unternommen habe. Nach eingehender Prüfung der Sachlage erscheint dies aber zweifellos ausgeschlossen. Es ist sicher, daß der Gashahn nur durch ein Versehen offen gelassen worden ist._ LiebcStragödie. Die Vermutung, daß es sich bei dem Vorfall in einem Hotel in der Jiivalidensteaffe 118 um eine Liebestragödie handelte, hat sicki bestätigt. Die Personen der beiden Toten sind jetzt festgestellt. Der Mann ist ein 32 Jahre alter Schlächter Friedrich Freitag aus Danzig, seine Begleiterin die 32 Jahre alte Gastwirts« frau Berta Nicolai aus der Triftstraße 38. Freilag war verheiratet und Vater von vier Kindern im Alter von 2 bis 9 Jahren. Vor einem halben Jahre kam er nach Berlin und ließ seine Familie in Königsberg i. Pr. zurück. Er wohnte in der Triftstraffe� 87 und ernährte sich als Handlungsreisender. Vor einigen Monaten»nachte er die Bekanntschaft der Frau Nicolai. Während vorgestern nachmittag der Gastwirt Nicolai schlief, ver- schwand seine Frau und traf sich mit Freilag. Dieser mochte wohl schon deshalb lebensüberdrüssig geworden sein, weil er mit seinen Waren, Barbier- und Toileiteartikeln, nur wenig Absatz fand. AbendS besuchte das Paar daö Hotel. Dort erdrosselte Freitag Frau Moolal mit einem Handtuch und erhängte sich dann mit demselben Tuch an einem Kleiderbaken. Die Leichen wurden gestern spät abends nach dem Schauhause gebracht. Geldschrankeindrecher erbeuteten in der vorletzten Nacht im Kontor einer LnxuSpapierfabrik am Tcmpelhofer Ufer 500 Mark in Gold und Silber, eine Rolle mit 100 Einmarkstücken, zwei Einhundertmarlscheine und 450 Krone» in österreichischem�Papiergeld. Ein neuer Fall schwerer Kindcsmißhandlnng. Seit drei Wochen befindet sich im städtischen Waisenhause in der alten Jakobstraße ein 4�jähriges Mädchen in Pflege, dessen furchtbare Leidensgeschichte ein hiesiges Blatt erzählt. ES handelt sich um die Tochter des Fabrikarbeiters Friedrich Schettat aus der Frankfurter Allee 197 aus erster Ehe. Als Schettat nach dem Tode der ersten Frau, die ihm zwei 5linder hinterließ, eine neue Ehe ein- ging, begann für die beiden Kinder eine LeidcnSzeit. Besonders schlimm erging es der viereinhalbjährigen Rosa. Zwei Jahre hin- durch hat das Kind die Wohnung nicht verlassen und weder den Hof noch die Straße gesehen. Nackend mußte es in einer mit Sand gefüllten Kiste liegen, ohne sich rühren zu dürfen. Wurde es unruhig oder wimmerte es vor Schmerzen, so wurden ihm seine Llrme am Leibe festgeschnürt. Endlich fand die Kleine Be- freiung durch die Polizei, die von dem weiblichen Vormund Fräu- lein v. Ottersbach zum Einschreiten veranlaßt wurde. Als man in die Schettatsche Wohnung eindrang, fand man das Kind völlig abgemagert in einem unbeschreiblichen Zustande. Es glich au Größe und Gewicht einem Säugling und war vollständig ver- blödet. Obgleich es eigentlich nach Lichtenberg geHorte, wurde es doch vom Berliner städtischen Waisenhause aufgenommen. Hier hat sich das Kind inzwischen einigermaßen erholt, so daß es wenigstens sitzen und auch allein essen kann. Indessen erscheint es auch jetzt geistig noch verblödet. Gegen die Stiefmutter ist Strafanzeige erstattet worden. Zwei räuberische Ncberfälle werden vom Donnerstagabend gc- meldet. Die 31 Jahre alte Frau Gertrud des Steuererhcbers Riß- mann aus der Wisbyer Straße 1 pflegte öfter für ihren Mann, wenn dieser abgespannt und etwas leidend nach Hause kam, das ein- kassierte Geld für die Steuerkasse nach dem Postamt 113 in der Schönhauser Allee zu bringen. Das muß ein Verbrecher beobachtet haben. Toimcrstagabend um TA Uhr wollte die Frau 1100 M. weg- bringen. Sie hatte das Geld in einen« Lederbeutel in ihre Ein- kausstasche gesteckt, die sie an der Hand trug. Als sie aus ihrer Wohnung im dritten Stock die Treppe hinunterging, stand im Flur ein Mann, der scheinbar den stillen Portier einsah. Dieser wandte sich plötzlich um, warf der Frau Pfeffer in die Augen und entriß ihr die Tasche. Er nahm dann den Beujel heraus, steckte ihn ein. warf die Tasche weg und entfloh über den Hof des Eckhauses durch den Ausgang an der Schönhauser Allee 90. Auf die Hilferufe der Beraubten und das Gebell ihres kleinen Hundes, der sie begleitete, eilten Leute herbei und nahmen die Verfolgung des Raubers auf, holten ihn jedoch nicht ein. Frau Rißmann erlitt unterdessen einer» l?hnmachtsanfall und mußte von Hausgenossen nach der Wohnung gebracht werden. Sie kann den Räuber nur unvollständig be- schreiben. Er ist etwa 30 Jahre alt und mittelgroß, hat einen kleinen schwarzen Schnurrbart und trug ein dunkles Jackett und eine Schirmmütze.— In der vergangenen Nacht kurz vor 1 Uhr wurde ein 24 Jahre altes Fräulein Franziska Wilczack aus der Flottwellstraße auf der Haustreppe von einem unbekannten Manne überfallen und gewürgt und auch mit einem Messer an der rechten Backe vecivundet. Der Mann raubte ihr dann eine Steiumarderboa, die 500 M. wert ist, ergriff damit die Flucht und entkam. Dieser Räuber ist 1,70 bis 1,75 Meter groß, hat einen blonden Schnurv- bart und war gewöhnlich gekleidet. Er trug einen dunklen lieber- zieher. Noch ein dritter Raub beschäftigt die Kriminalpolizei. I» der Aachi zum 3l. v. M. folgten zwei Männer einem angezcchten Fabrikanten durch die Brandenburgstraße. Zwischen der Wassertop, und Rüterfiratze kam plötzlich ekn Lrlkker dazu, fireckts 5en Ae� trunkenen durch Faustschläge auf den Kopf zu Boden, so dag er be- täubt wurde. Die Wegelagerer schleppten dann ihr Opfer auf einen Hausflur und raubten ihm dort 96 M. bares Geld und eine silberne Uhr. Die Täter sind»och nicht ermittelt. Warnung. Mit der fettgedruckten Ueberschrift„199 Mark für Tie!" veröffentlicht eine Ceylon-Tea-Company Dept 2 in London, New Bridge«treet. in den deutschen Feitungen Anzeigen, in denen sie jedem Abnehmer ihres„direkt importierten Ceylon-Tees la Qualität"(5,50 M. per 2 Pfund„anstatt" 10 M.) bei richtiger Lösung eines gleichzeitig veröffentlichten ZahlenrätselS, sofern nur die Einsendung des Geldes und der Lösung bis zum 15. März er- folgt, einen Barbetrag von 190 M. verspricht. Die Nachforschungen haben ergeben, dag das Unternehmen, das hinter der Firma Ceylon- Tea-Company sich verbirgt, in einem kleinen Kontor im 4. Stock- werk eines Hauses der angegebenen Straße nur in ganz geringem Umfange betrieben wird, und die Haupttätigkeit scheinbar im Annoncieren besteht. Eine Garantie oder auch nur Wahrscheinlich- keit dafür, daß die Barprämien ausgezahlt iverden, besteht nicht. Das deutsche Publikum sei daher zur Vorsicht angehalten. Die züchtige Polizei. DaS offiziöse Wolfsche Telegraphenbureau verbreitet folgende Notiz: „Durch die Presse geht die Nachricht, daß die im Zirkus Busch auftretende Sckwimmkünstlerin sich bei der ersten Borstellung eine von der Polizei vorgeschriebene Bekleidung der Brust ab- gerissen habe, da sie dnrch diese in ihren Arbeiten gehindert worden sei. Das ist vollkommen unrichtig. Die Polizei hat vielmehr— wie das für alle Variriökiinstleriniien üblich ist— nur eine U in- hüllung des Unterkörpers vorgeschrieben. Verboten hat ihr die Polizei lediglich eine Entkleidungs szene vor ihren Schwimmprodukiionen. die aber mit ihrer Schwinimknnst nicht das mindeste zu tun hat und wohl nur eine gewisse Stimmung im Publikum erzeugen sollte." Eine bessere Reklame konnte die Polizei iiir die Schwimm» lünstleri» gar nicht machen als datz sie feststellen läßt, daß sich ihre Anordnung auf die Umhüllung des Unterkörpers bezog und darauf, sich vor ihren Schwimmpcodultionen nicht zu entkleiden. Wer ist der� Tote? Am 3. Februar 1911 vormittags gegen 9 Uhr wurde auf der Jugangstreppc zum Bahnhof Putlitzstraße die Leiche eines anscheinend dem Kellnerstande angehörenden un- gefähr 49 bis 45 Jahre alten Mannes aufgefunden. Der Unbe- kannte ist 1,62 Meter groß, hat dunkles, volles Haar, ebensolchen Schnurbart, länglich-blasscS Gesicht und spitzes Kinn.— Betleidet ist die Leiche mit einem dunklen Jackettanzuä. dunklem Ueberzieher mit Monogramm Ä. O.. schwarzem steifen Hut, schwarzen Schnür- stiefeln, grauen Strümpfen, grauem Normalhemd, weißleinenem Kragen, Stulpen und Vorhemd.— Außerdem befand sich bei der Leiche ein weißes Taschentuch gez. A. B., ein Klapportemonnai« mit 51 M. und eine tombakene Uhr mit ebensolcher Kette.— Personen. welche über die Person des Toten Angaben mächen können, werden gebeten, sich in den Vormittagsstunden im König!. Polizeipräsidium, Zimmer 346, zu melden, oder ihre Wahrnehmungen bei irgendeinem Polizeirevier zur Nr. 635 IV 55 11 mitzuteilen. Vorort- JVadmcfeUm Rixdorf. Soll Rixdorf seinen Namen ändern? Diese mehr als müßige Frage wird seit einigen Wochen in angeblichen Zuschriften im„Rixdorfer Tageblatt" behandelt. Im Anfang schien es, als hätten einige Rixdorfer Spießbürger die Frage aufgeworfen, um sich in Stilübungen zu versuchen und damit ihre Zeit totzuschlagen. In besonderen Zuschriften, die den Stempel interessierter Kmsck trugen, wurde die Namensästderäng Oxtev"utit�d.er Eingemeindungsfrage Treptow- R i�d o c,f iy Verbindung gebracht. Da Rixdorf dem Nachbarort, b'tt'(«tn»/Ätb� ständigkeii aufgeben wollte, gleich einem Galan den Hof machte, ihm aber besondere Reize nicht zu bieten vermochte, so wollten gewisse Kreise dem Liebeswerber schnell noch einen wohlklingenden Namen umhängen. Inwieweit die„Braut" aus die Reize eines „standesgemäßen" Namens reagiert hat. konnte bei der geheimnis- vollen Arf, in der die Eingemeindungsfrage bisher behandelt worden ist, nicht ermittelt werden. Ter größte Teil der Treptower Einwohnerschaft zeigt keine Neigung, in Rixdorf eingemeindei zu werden, weil eS sich von einer solchen Eingemeindung erhebliche Nachieile verspricht. Der Rixdorfer Magistrat mit dem Oberbürgermeister Kaiser an der Spitze scheint der„Freiin" jedoch nicht von der Pelle zu gehen, und die Tatsache, daß in der letzten Stadtverordneten- Versammlung auf Antrag des Magistrats eine Kommission für eine Namensänderung Rixdorfs eingesetzt worden ist, läßt ver- muten, daß man die Möglichkeit einer Heirat zwischen Treptow und Rixdorf noch nicht für abgeschlossen hält. Wir haben wiederholt der Meinung Ausdruck gegeben, daß, wenn Treptow seine Selbständigkeit aufgeben will, eine Ein- gemeindung desselben in Berlin das richiigsie wäre, schon weil Berlin als größter Grundbesitzer und Steuerzahler der Gemeinde das erste Anrecht hierauf hat. Nach der Meinung, die in re- gierenden Kreisen hierzu herrscht, scheint man die Gemeinde Treptow eher mit Rixdorf zusammenkoppeln zu wollen, als daß einer Eingemeindung Treptows in Berlin stattgegeben würde. .Und es ist der in letzter Zeit aufgetretene Gedanke, daß durch die Eingemeindung Treptows nach Rixdorf politischeMotive eine Hauptrolle spielen, nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisem Das ausschließlich mit Arbeiterbevölkerung be- wohnte Nixdorf wird, wenn der schamlose WahlrechtSraub der bürgerlichen Mehrheit in Gemeinschaft mit dem Rixdorfer Magi- strat durch das obsiegende Streitverfahren illusorisch gemacht ist, über kurz oder lang eine sozialdemokratische Mehrheit erhalten. Das scheint bereits die bürgerliche Stadtverordnetenmehrheit mit dem Magistrat vorauszuahnen, weshalb so gewaltige Anstrengungen gemacht werden, um das materiell besser gestellte Treptow als Retter in der Not zu Hilfe zu holen. Andererseits haben die Wahlrechtsräuber durch ihre reaktionäre Tat den Namen Rixdorf in aller Welt geschändet, weshalb hie und da Neigung zu bestehen scheint, den geschändeten Namen Rixdorf durch einen anderen, eiwa durch„Friedrichshöhe",„Cölln a. d. Spree",„Boddinsfelde",„Richardsdorf",„Groß-Treptow" zu ersetzen. Dieses Bestreben wird nicht minder gekennzeichnet dadurch, daß alle diese klingenden Namen in dem Organ des den Wahl- rcchtsraub mitbeschlossenen Herrn G l a s e m a n n, dem„Rixdorfer Tageblatt", in Vorschlag gebracht werden.# Die Arbeiterschaft hat kein Interesse daran, daß der schäm- lose Rechtsbruch des reaktionären RathauSklüngels durch eine Namensänderung des Ortes irgendwie verwischt wird. Wenn dieser Name, unter dem der Ort sich zu einem blühen- den Gemeindcwcsen entwickelte, einen schlechten Ruf erlangt hat. so ist sie hieran schuldlos. Sie hat daher an einer Namens- änderung kernerlei Interesse. Stadtverordnetenversammlung. Da« mitunter, besonders in den Sommermonaten, ciniretendc Fernbleiben vieler Mitglieder der Verwaltungsdeputationen von den Sitzungen Hai den Magistrat — wie er in seiner Begründung sagt— veranlaßt zu beantragen, daß künftig in den Deputationen die Anwesenheit von einem Drittel der Mitglieder als zur Beschlußfassung ausreichend ange- sehen Eerden soll. Die Skadtö. Serno unS Groger VSoz.T sprechen sich gegen die Vorlage aus; letzterer sieht in derselben eine Beschränkung der Rechte der Stadtverordnetenversammlung und schlägt vor, die Anwesenheit der Hälfte der Mitglieder festzusetzen. Bürgermeister Dr. W e i n r c i ch zieht jedoch die Borlage zurück.' Ter Wahlausschuß erstattet Bericht über die Neubildung der Verwaltungsdeputationcn, Kommissionen und ständigen Ausschüsse. Unter Genehmigung einiger grundsätzlichen Aenderungcn werden die Wahlen der Stadtverordneten und Bürger- deputierten nach den Vorschlägen des Wahlausschusses vollzogen. Tie Versammlung genehmigt dcbattelos den spezialisierten B o r a n s ch l a g des städtischen Krankenhauses für das erste Halbjahr 1919. Dieser weist eine Einnahme von ISS 949,40 M. u5d eine Ausgabe von 269 456,98 M. nach; demnach ist ein Zu- schuß von 114 497,49 M. erforderlich. Den im städtischen Krankenhausc in Buckow wohnhaften A e r z t e n und Beamten desselben soll für ihre Person freie ärztliche Behandlung und Arznei nach Maßgabe der in der Anstalt vorhandenen Einrichtungen gewährt werden. Der Antrag des Magistrais, auf dem Gelände der„Brufen- dorfer Fichten" in Boddinsfelde versuchsweise eine Abwässer- Rein ig ungsan läge nach dem Filterfeldverfahren zu crrich- ten, wird, nachdem sich der Stadtbaurat W e i g a n d des längeren über das letztere verbreitet hatte, einstimmtg genehmigt. Bei einer Reinigunasfähigkeit von täglich 1999 Kubikmeter städtischer Ab- Wässer sollen die Kosten der Anlage auf eiwa 25 000 M. sich stellen. Die Etatsposition für die Unterhaltung des Schiff- fahriskanals wird um 3599 M. verstärkt. DaS gleiche ist um 8899 M. beim Etat für den städtischen O m n i b u s b e t r i c b notwendig, da die Einstellung der Treptower Linie nicht— wie beabsichtigt— schon am 1. April, sondern erst am 26. August 1919 erfolgen konnte. Tie Mehrkosten sind infolgedessen durch eine Mehr- einnähme von 14 999 M. gedeckt. Um Steuerhinterziehungen von Terrainspekulanten, welche sich in Gesellschaften m. b. H. zusammengefunden haben, unmöglich zu machen, ist nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 5. Januar d. I. eine Abänderung des 8 der llmsatz- steuerordnung nötig. Die vom Magistrat vorgelegte neue Fassung wird debattelos genehmigt. Ter Abschluß eines Versicherungsvertrages mit der Akkumula- torenfabrik Aktiengesellschaft zu Berlin über die Instand- Haltung der A u t o m o b i l b a t t e r i e n für die Feucrlosch- gerate und den Krankenwagen findet die Zustimmung der Ver- sammlung. Nach Ansicht des Magistrats ist die Frage der Namens- Änderung der Stadt in der Bürgerschaft wieder so lebhaft erörtert worden, daß eine Beratung am Platze wäre. Selbst hat er nicht Stellung dazu genommen, sondern ersucht um Einsetzung einer gemischten Kommission von 3 Magistrotsmitgliedern und 9 Stadtverordneten zur Prüfung der vorliegenden Anträge und Vorschläge. Die Kommission wird beschlossen; derselben gehören u. a. auch die Genossen Groger. Iben und Tr. Silber- st e i n an. Zur Erweiterung des Krankenhauses, zum Bau des Elektrizi- tätswerkes und von neuen Schulhäusern, zur Fortführung des Schiffahrtskanals, zur Erweiterung der Kanalisationsanlagen, zur Durchfühurng von Verkebrsprojekten. zum Erweiterungsbau der Gasansialt sind im Jahre 191 l Anleihemiitel in Höhe von 9 499999 Mark notwendig. 3 159 999 M. sind bereits davon begeben, so daß noch 6 259 999 M. fehlen. Nach dem Vorschlage des Magistrats wird daher beschlossen, in Anrechnung auf die 33 Millionen-Anleihe rund 6/3 Millionen Mark zu den vorgelegten Bedingungen aufzunehmen.. Die Versammlung trat hierauf in eme längere geheime Sitzung ein. Schöuederq. Ein» städtische Schulwrnhallc kann dem Arheiier-Turiwerein NlO zur Verfügung gestellt iverden. so hat der Magistrat auf ein orzicuies Gesuch deS Vereins geantwortet. Als Grund werden dw VeissügUÜgei: det Regierung vom 16. Juli und 25. Okiober v. I. angegeben. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß diese Ber- fügungen sich nicht in Gegensatz zu dem ReichsgerichiserkenniniS vom 28. Juni v. I. stellt, denn in diesem Erkenntnis sei davon, ob Arbeitcrturnvereinen Schulhallen zur Verfügung gestellt werden dürfen, gar nicht die Rede, sondern es werde nur ausgesprochen, daß die Erteilung von Turnunterricht in den Arbeiterturnvereinen an nicht mehr schulpflichtige Personen von einem Unterrichts- erlaubnisschcin nicht abhängig gemacht werden könne, da in Preußen der den jugendlichen Arbeitern erteilte Turnunterricht nicht zum Unterrichtöwescn gehört. Damit ist den Arbeiterturnern bis aufs Ungewisse hinaus cine Turnhalle vorenthalten. Der Vor- Wurf kann dem Magistrat nicht erspart werden, daß er stets reak- tionären Einflüssen zugänglich gewesen ist. denn sonst wäre eine städtische Turnhalle schon längst errichtet worden. Der Bebau- ungsplan im Südgelände braucht, da sich anderweitig geeignetes Gelände für den Bau einer Turnhalle findet, nicht erst abge- wartet zu werden. Der Demokratische verein Schöneberg-Friebenau. schickt uns unter Bezugnahme auf den in der Donnersiagnummer erschienenen Bericht über die Etatdebatte eine Erklärung, daß Mitglieder des Demokratischen Vereins Schöneberg-Friedcnau an der von Ge- nossen Bernstein erwähnten Geburtstagsfeier des Kaisers nicht teilgenommen haben. Das wird Genosse Bernstein auch nicht behauptet haben. Grost-Lichterfelde. Mehr Nationalgesühl' Kaum hat sich die Gruft über den Mann, den am Sonntag Hunderttausende freiheitlich gesinnter Bürger Groß-BerlinS in dank- barer Verehrung zur letzten Ruhe geleiteten, geschlossen, als auch schon die Hyänen erscheinen, um nockimals über den Mann herzu- fallen. In einem unter oben angegebener Spitzmarke verfaßten Artikel, der auch im hiesigen„General-Anzeiger" Unterschlupf ge- funden hat, versucht noch einmal ein elender Federheld die Lügen über Singer zusammenzutragen, die noch bei Lebzeiten über ihn ver- breitet wurden, um die unaufgeklärte Arbeiterschaft vor der Sozial- demokraiie graulich zu machen. Der Verfasser des Pamphlets kann es offenbar nicht begreifen, wie Hunderttausende, darunter auch nichtsozialdemokraiische Bürger, hinter dem Sarge eines Mannes folgen konnten, der sein Leben lang der Sache der Freiheit geweiht hatte. Er verlangt mehr Nationalgesühl van den Bürgern und Arbeitern. Doch jedem an- ständigen Menschen muß beim Lesen der Zeilen der Gedanke kommen, daß dem Verfasser deS Lügenartikels mehr Schamgefühl not tut. Wilmersdorf-Halensee. Aus der Ungültigkeitserklärung von Stabtverord'netenwahken scheint das Wilmersdorfer Ortsparlament nicht herauskommen zu sollen. Wie bekannt, wird am 16. Februar von neuem um das Mandat im 1. Bezirk.Halensee gekämpft werden. BaS dahin hat aber die Stadtverordnetenversammlung noch zu entscheiden, ob das Mandat des Demokraten Lazarus ihrer Meinung nach zu Recht vesteht. Herr Lazarus ist gemeinsam mit unserem Parteigenossen Riedel im 9. Wahlbezirk gegen die Kandidaten der vereinigten reaktionären Parteien gewählt worden, und zwar als Haus- b c s i tz e r. Nachdem seine Hausbesitzerqualitäten durch den Ein- spruch des Bürgers Lauck angefochten und auch andere Gründe, die sich gegen die Gültigkeit beider Wahlen richteten, erhoben wor- den waren, hat die Stadtverordnetenversammlung beide Mandate beanstandet. Der mit der Prüfung der Angelegenheit betraute Wahlausschuß schlägt nun der Stadtverordnetenversammlung vor, die Wahl unseres Parteigenossen Riedel für gültig, die des Herrn Lazarus hingegen jüx ungültig zu e.rklären. Herr Lazarus ist Nießbraucsser eines Grundstücks, und der Protest gegen seine Wahl bestreitet, daß aus der Art des Nießbrauchs sich die nach der Städteordnung erforderliche Eigenschaft des Hausbesitzers herleiten lasse. Am Mittwoch nächster Woche wird die Stadt- verordneienversammlung in ihrer abends 6 Uhr in der Viktoria- Luisenschule stattfindenden Sitzung über diese Angelegenheit die Entscheidung zu fällen haben. Huq aller Kielt* Die pcft. Nach einer Meldung des„New Dork Herald" sind am Donners tag in Tfchang-Tschu 899 Leichen verbrannt worden. Da auch sämtlich« Totengräber der Pest zum Opfer» gefallen sind, war es bisher unmöglich, diese in der letzten Woche ver- storbenen Personen zu bestatten. Die Epidemie hat in der Pro- vinz Tschang-Tschu ihren Höhepunkt erreicht, in dem am Donnerstag 149 Tote zu verzeichnen waren. Infolge der aus russischer Quelle kommenden Meldungen, daß Hunderte von Pest« leichen die Straßen und Felder in der Nähe der Städte und Dörfer im Norden und Osten von Charbin bedecken, hat das diplomatische KorpS gestern bei der chinesischen Regierung sehr ernste Vor- stellungen erhoben und sie gebeten, Kavallerieabteilungen nach diesen Gebieten abzusenden, um die Leichen zu bestatten. Der ganze Norden der Mandschurei ist nunmehr von der Seuche heimgesucht. Rußland verbietet den Chinesen die Zuwanderung nach den Seeprovinzen, ebenso hat Japan Militär- wachen an der ganzen koreanischen Grenze aufgestellt. Nach einem Bericht des Gouverneurs von Pensa(Europäisch Rußland) ist Freitag früb in einem von Sibirien dort angekommenen Zuge ein pe st verdächtiger Kranker entdeckt worden. Der Waggon mit dem Kranken und fünf andere Waggons, in denen sich 124 Arbeiter befanden, die mit dem Kranken in Berührung ge- kommen waren, wurden außerhalb der Station von Militär- Posten isoliert. Der Erlrankte kam aus dem Küstengebiet und hatte während des Aufenthalts in Charbin den Waggon nicht verlassen. Eine mikroskopische Untersuchung ist vorgenommen worden._ Frischer Mohr. Gegen den Inhaber der Firma I. H. M o h r, G. m. b. H.. Altona ist von der Staatsanwaltschaft Anklage wegen Na h run g S mit te lfä l sch ung und fahrlässiger Körper- Verletzung erhoben worden. Der Verteidiger Landtags- abgeordneter Justizrat W a l d st� i n ist der Ansicht, es müsse eine Freisprechung deS FicmeninhaberS erfolgen, da ein Verschulden nur die C h e m i l e r der Fabrik treffe, die die Aufgabe hatten, die zur Verarbeitung von Margarine dienenden Rohstoffe auf ihre Bestand- teile zu prüfen. Die angeblich schuldigen Chemiker sind von der Firma entlassen worden. Und das trotz der maffenhaften Berichtigungen der Firma, wo- nach niemals Erkrankungen nach dem Genuß ihrer Produkte vor- gekommen seien._ Erstickt! Wie auS H u kl gemeldet wird, find im Kielraum deS ans Ditn« kirchen dort eingetroffenen französischen Dampfers„Hera" die Leichen dreier Hafenarbeiter gefunden worden, die offenbar durch Einatmen von KohlengaS getötet worden sind. Neben den Leichen lagen halbgeleerte Champagnerflaschen. Wahrscheinlich handelt eS'fich um sogen, blind« PaffagkerSs die sich st, den Kielraum eingeschlichen hatten, um lostenloS die Heber- fahrt über den Kanal zu erreichen. Kulturbild aus einer Universitätsstadt.� Der Polizeichcf und zweite Bürgermeister von Jena Dr. Müller hat, wie wir den„M. N. 31." entnehmen, an eine Anzahl Gastwirt« ein amtliches Schrifistück versenden lassen, worin eS heißt: „Es ist lebhaft Klage geführt worden über den Unfug und yrotze Trunkenheit, der man in den Morgenstunden jetzt in Jena begegnet, sowie über die mancherlei höchst unliebsamen Begleiterscheinungen. ES läßt sich die Empfindung nicht unter- drücken, daß hier teilweise eine greuliche Völlerei eingerissen ist. Betrinken kann fich schließlich jeder einmal. aber alles hat seine Grenzen; und wenn diese Grenzen über- schritten werden und die Oeffentlichkeit in so erheblichem Maße belästigt wird, wie es jetzt oft geschieht, so muß die Polizei ein- schreiten. Die Lokale, welche als Quelle dieser Belästigung in Betracht kommen, sind ganz besonders zu nennen �folgen die Namen von drei Wirtschaften). Die Polizeiverwalwng nimmt Veranlassung, den Betreffenden ans Herz zu legen, Wandel zu schaffen, sonst mutz die Polizei annehmen, daß in dem Lokale der Völlerei Vorschub geleistet wird und demgemäß die Konsequenzen ziehen."/ Die Herren Siubenien, denn um diese handelt eS sich natürlich, scheinen demnach den kaiserlichen Ermahnungen zur Enchalrsamkeft wenig Wert beizulegen._ Kleine Notizen. Ein Einbrecher erschossen. In Oderberg ist in der letzten Nacht der Einbrecher Karl Sorga von der Gendarmerie bei einem Einbruch überrascht worden. Zwischen den Beamten und dem Spitz- bubcn entspann sich ein Kampf, bei dem Sorga erschossen wurde. Ein Zusammcnsteß zweier Straßenbahnwagen erfolgte gestern morgen in Leipzig in der Nähe des Bahnhofes Stötteritz. Mehrere Personen wurden verletzt, einige davon schwer.. Einbruch in eine Ortskrankenkasse. Die OrtSkrankenkaffe in F ü r st e n w a l d e a. d. Spree wurde in der Nacht vom Freitag von Einbrechern heimgesucht. Die Diebe erbeuteten 1699 M. Bcrgwcrkskatastrophe in Zlordamerika. In einem Bergwerk bei Cokedale im Staate Kolorado sind infolge einer Explosion 17 Mann verschüttet worden. Bisher gelang es nur zwei von ihnen zu retten. Man befürchtet, daß die übrigen tot sind._ ßriefhalten der Rcdahtfon. Meier 1000. t Der Roma» ist w Buchform nicht erschienen;«fr wissen auch nicht, ob nnd wann er erscheint. 2. Zur Ermiticlung von twrichtunystagen fehlt u»S die Zell. Wir, bitten, uns mit derartigen. ragen zu verschonen. 3. Äenau so. 4. Rem.—<8. H., Cannstatt. Nicht zu ermitteln.— L. 55. 1. Vier Wochen nach Fälligkeit des Dar- Ichcnö. 2. Nein. ES mutz aber die öss.ulliche Bekauulinachung in einem anillichen Publikattonsorgan erfolgen. 3. Nein. 4. Dem Bervländer. Der Mehrerlös tan» von demselben bei der Armenverwaltung himerlegt und dort binnen Jahresfrist von dem Verpsäuder abgeboben werden. 5. DaS ist «ulässig.— M. 53. ES laiin nur die»Namensänderung beanlragt werden. Ist die Dame in Berlin ioohnoast. so ist der Antrag, an daS Polizei«. prästdiui» zu richten.— Ah. S. O. 100. Wetten entscheiden wir nicht. — I. 100. Die Ebcschbeßung kann in Kolberg nicht stalländen. Das Gefetz besagt, daß derjenige Standesbeamte zuständig ist, in dessen Bezirk einer der Verlobten seinen»Wohysitz oder seinen gewöhnlichen Slnjeiitball hat. »ilk. H. 5. 91. Toussaint, Bornholmer Straße 84.— 91. Z. 100. Sie können in einem neuen Prozeß Ennä igung verlangen. Jdren jetzigen EuikommenSverbältnissen entiprechend. Unaüiistige Folgerungen in dem Scheidungsprozeß können nur aus einer böslichen»Verletzung der Unter- haltspsticht gezogen werden.— G. 101. ES wird sich um die Rechts- anwallstosten des ZwangsoollstreckungSocrjahrciiS handeln, die uns aller- dingS zu hoch erscheinen.— v£. 101). Fragen Sie brieflich bei dem Genossen AronS, Brückenallce 3, an.—(£. Rixdorf. Das erstere ja, daS andere uns nicht bekannt.— X. N 3- Rein. H 8f | W £ Z Pfennig Können Sie fleh 20 raffen eines gefunden und ujohlfdimechenden Getränkes bereiten, und zuar ohne jeden Zufafj!— Lie braudien fich nämlich nur ein 10 Pfennig-Paket Kathreiners Maizkaffee zu Kaufen! Sie bekommen ihn bei jedem Kaufmann! Meine Filialen sind nur: Berlin Friedrichstraile 108 ■ Friedrichstraße 138 Königstraße 52 Rosenthaler Str. 72 a Reinickendorfer Str. 4 am Weddingplata Schöneberg: Hauptstraße 19 Rixdorf Bergstraße 151-152 in der Passaga Fahrstuhl feranlaßt llmd die große RscMrage gehe icb M einmal jedem Umsonst vom Sonntag, den 12. 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Für fcffl Jnlerateuteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Dr»andel Branereidividenden. Im Dezember 1910 haben 269 deutsche Brauerei-Aktiengesell- schaften ihre Abicbliisse so veröffeiiilichi, das; ein Vergleich der in den beiden letzten Geschäftsjahren gezahlten Dividenden möglich war. Im Geschäftsjahre 1998-09 besahen diese Aftiengesellschaslen ein dividendenbercchligtes Aktienkapilal von 346 298 999 M., im letzten Ge>chäft-.jahre. 1999/19, war dieses bis auf 347 232 999 M. angewachsen. Ein bedeutend stärkeres Wachstum als dos Aktien- iapital zeigte die au die Aktionäre zur Verteilung gelaugte Dividenden- summe. Während im vorigen Geschäftsjahre 22 792 112 M. Dividende verteilt worden waren. betrug die verteilte Summe im letzten Geschäftsjahre 25 106 673 M. Die Durch'chnittsdivideude derjenigen Brauereien also, die im Dezember ihre Abschlüsse ver- öfscntlichten, stieg somit von 6,6 auf 7,2 Proz. Etwas weniger günstig erscheint das Resultat, wenn man die Zahl aller Aktien- gesellschaflen des Brauereigewerbes berücksichtigt, die in den Jahren 1999 und 1919 ihre GeschäftSergebnisfe für die beiden letzten Ge- schästsjahre veröffentlichten. � ES kamen dann für einen Dividenden- vergleich 472 Aktiengesellschaften in Betracht, die im vorletzten Ge- schäftSjahr ein Aktienkapital von 579 352 999 M. und im letzten Geschäftsjahr ein solches von 589 366 999 M. repräsentierten. Die von diesen Gesellschaften ausgezahlten Dividenden beliefen sich 1998/99 auf 34 455 999 M. und 1999/19 auf Zü 198 000 M.. so dah sich die Durchichnillsdividende auf 5,9 bew. 6,2 Proz. belief. In der folgenden Tabelle sind die von einzelnen größeren Braue- reien gezahlten Dividenden enthalten. Die Zusammenstellung umfaß» außer dem Aktienkapital der beiden letzten Geschäftsjahre in 1999 M., die in den beiden letzten Geschäftsjahren gezahlten Dividendenftnumen in 1000 M. und die Dividenden in Prozent des Aktienkapitals: Aktienkapital Dividende Brauereien in 1999 Mark in Proz. 1998/99 1999/19 1998/99 1999/19 98/99 99/19 Schultheiß... 14999 149U9 1960,0 1960,0 14 14 Patzenhofer.. 5679 5679 623,7 689,4 11 12 Berliner Bock. 5259 5259 219.9 262.5 4 5 Brauh. Nürnberg 5299 5299 468.9 468,9 9 9 Lindener Aktien. 3924 3924 362.9 362,9 12 12 Dortmund. Union 3999 3999 699,9 699,9 29 29 Die von diesen größeren Brauereien gezahlten Dividenden find recht ansehnlich und bei keiner einzigen von ihnen ist im letzten Jahre, das dazu noch teilweise unter dem Drucke hoher Roh- marerialpreise stand, ein Dividendenrückgang zu konstatieren ge- Wesen. Die neuerliche Hausie in Brauereiaktien kann jedoch nicht ollein darauf zurückgeführt werden, daß dies eine Jahr günstig überstanden ist. Vielmehr hofft man wohl in Börsenkreisen auch für die Zuftlnft Gutes für die Brauereien. In das Bransteuergesetz hat bekanntlich eine Bestimmung Aufnahme gesunden, durch die das Brauereigeiverbe in gewissem Maße kontingentiert wird. Das heißt, der Neuerrichtung von Brauereien ist ein Riegel vor- geschoben. Von dieser Einrichtung müssen die bestehenden Brauereien ihren Vorteil haben, insofern das stetige Wachstum der Bevölkerung einen steigenden Konsum erwarten läßt. Dadurch wird es den Brauereien möglich, ihre Einrichtungen vollkommen auszunutzen und ihr Kapital in möglichst hohem Maße zu beschäftigen. Damit wächst natürlich die Aussicht auf eine weitere Profitsteigerung. Auch eine Wirkung beS SchnapSbohkottS. Um den Junkern jirotz des Konfumrückganges die Schnapsliebesgabe zu sichern, setzte sie das Kontingent um zirka% Million Hektoliter herab und ordnete eine Ausdehnung des Denaturierungszwanges'an. Die Absetzung des größeren Quantums vergällten Branntweins scheint der Spirituszentrale einige Schwierigkeiten zu machen. Diese hofft sie nun durch eine geringe Preisermäßigung zu überwinden. Wie das„B. T." erfährt, soll, außer für Berlin, der Literpreis des denaturierten Spiritus um 2 Pf. ermäßigt werden. Bei den Konsumenten der Reichshauptstadt wird die Nachricht sicher jfreudigcn Gefühle für die Zentrale auslösen. Heber die Einfuhr und Qualität deS französischen Viehes wird geschrieben: Wird auch der Kontingent nickt vollständig ausgenutzt, so kommen dock erhebliche Posten über die Grenze, und was das er- freulichste ist: qualilariv und gesundheitlich in einem Zustand, der mustergültig genannt werden mutz, und der auch den deutschen Bundesregierungen Anlaß geben sollte, die Frage der Zucht- und Stallhygiene erneut und ernstlich zu prüfen. Aus Slraßburg wird berichtet, daß durch die Zulasiung des französischen VieheS eine Entlastung der Freibank eingetreten sei. In München waren von 2774 bis zum 19. Januar eingeführten französischen Rindern nur ein einziges tuberkulös und nur ein Ochse war finnig, während sonst in München auf je 179 Rinder bereits eine Ganzbeanstandung entfällt. Gleiche Erfahrungen hat man in allen Plätzen gesammelt, die die Erlaubnis zur Einfuhr französischen BieheL haben. Allerdings— wesentlich billiger als das deutsche Vieh ist das französische nicht, wenigstens nicht mehr, wenn es in Deutschland aus den Markt kommt, weil auf jedes Tier mindestens 129— 159 M. Spesen kommen, wodurch daS Fleisch um 15—29 Pf. verteuert wird. AuS der Textilindustrie. Die mit dem Weihnachtsgeschäft in Zusammenhang stehende Belebung der Textilindustrie war diesmal nur von kurzer Dauer. Die Beschäftigung hat wieder stark abge- nommen. Nach dem„Rcichsarbeitsblatt" kamen 1919 auf 199 offene Stellen 219 Arbeitslose, gegen 157 im Jahre 1999. Die Kapital- bewegung und die Bewertung des Textilkapitals an der Börse be- ftätigt die Verschlechterung der Lage. Besonders stark sind tue Produktionseinfchränkungen in der Baumwollindustrie. Eine Besserung steht für die nächste Zeit nicht zu erwarten. Neben geschwächter Kaufkraft der Konsumenten in den verschiedenn Län- Peru sind als Ursachen der Misere Unsicherheit in der Rohstoffoer- sorguug und Ueberproduktion an Spindeln zu bezeichnen. Die 19 699 999 Ballen betragende Baumwollernte der Vereinigten Staaten des vorigen Jahres wurde von der Wollindustrie über- nommen und außerdem aus den Vorräten noch 1 Million Ballen verarbeitet. Die Baumwollpreise standen infolgedesien im ganzen Jahr hoch. Der New Uorker Middlingspreis betrug am 1. Januar vorigen Jahres 16,75 Cents und behielt diese Höhe unter fort- gesetzten Schwankungen bei bis zum Jahresende, wo er 15,15 Cents betrug. Das sind Preise, wie sie nur zur Zeit des Cotton Famine existierten. Die hohen Preise und die Unsicherheit des Marktes mußten auch die Industrie ungünstig einwirken. Die Hoffnungen aus einen Ausgleich durch eine hohe Ernte in diesem Jahre wurden zuschanden. Trotz erhöhter Anbaufläche wird Nordamerika kaum 12 999 999 Ballen liefern. Dazu kommt eine Mißernte in Ost- iitdien. Ten 5�4 Millionen Ballen vom vorigen Jahre sollen dieses Jahr kaum 4>i Millionen Ballen entgegenstehen. An niedrige Preise und Sicherheit der Lage ist deshalb nicht zu denken, wenn l>er Stand der demnächst beginnenden Neupflanzungen Schlüsie auf die kommende Ernte zuläßt. Produktionseinschränkungen, Arbeiter- entlasiuugen und Not der Arbeiter wird auch die nächsten Monate zu melden sein. Ende 1919 betrug nach Schätzungen der Jnter- csienten die Betriebseinschränkung der Baumwollindustrie in Deutschland 19 Proz., in England 14 Proz., in Italien 18 Proz., in Frankreich 4 Proz., in der Schweiz 19 Proz.. in Indien 3 Proz. und in Spanien 15 Proz. Auch die im Januar gemeldete Besserung in England hat nach neueren Berichten aus Manchester wieder sehr nachgelassen. In Lodz(Rußland) haben nach Mitteilungen der Fachpresie 17 Baumwollfabriken ihre Zahlungen einstellen müssen. Gesamtpassiven 39 999 999 M. Die Kalamität wurde gesteigert Kurch eine enorme Ueberproduktion an Spindeln. Die Spindelzahl Großbritanniens bccrug 1991 46 199 999, 1998 53 471 999 und 1919 57 731529; die Veieinigten Staaten zählten 1991 29 299 999, 1998 27 864 999 und 191l! 29 999 999 Spindeln; Deutschland steigerte seine Zahl von 7 919 990 im Jahre 1991 auf 19 389 999 im Jahre 1999. Aehnlich in Ostindien, Rußland usw. Die Spiudelzahl der Welt stieg seit 1891 uir 59 Proz., von 87 176 999 auf 133 384 794. Auch .die Lage der Wollindustrie hat sich verschlechtert. Den .„fetten" Jahren scheinen dürre zu folgen. Das Fett haben selbst- verständlich die Unternehmer abgeschöpft, nicht die Arbeiter. Der Niedergang in der Wollbranche ging von Amerika aus. Hier setzte er etwa im Mai vorigen Jahres ein. Amerika fehtte seitdem an den Wollmärkten als Käufer. Dafür sandte es große Posten Roh- wolle an die Wollmärkte zurück und brachte die Preise zum Weichen. Am Ende des Jahres waren die Preise in den Kolonien um etwa 17 Proz. gefallen. London eröffnete am 17. Januar mit 7 Proz. Abschlag. Seitdem haben sich die Preise wieder erholt. Höchst- wahrscheinlich wurde das durch künstliche Manipulationen erreicht. Die Beschäftigung in der Wollbrauche deutet nicht auf Besserung. Sowohl in Der Tuchbranche wie in der Kleiderstossbranche stehen viele Stuhl« still und müssen Arbeiter sehr viel auf Ketten warten. Die Flachs- und Leinenbranche ist zurzeit noch gut be- schäftigt. Die Branche lleidet momentan infolge ungenügender Flachsernte. Die Spinner planen Betriebseinschränkung. Die S a m t i u d u st r i e ist zwar momentan infolge Musterwechsels weniger gut beschäftigt, doch dürfte die große Samtmode des vorigen Jahres auch dieses Jahr noch andauern und flotte Beschäftigung bringen. Hus der Frauenbewegung. Zur Lage der Krankenpflegerinnen. Eine von dem Verein„Frauenwohl" nach dem Architekten- hause einberufene Versammlung erörterte am Mittwoch abend zwei der traurigsten Kapitel aus dem an düsteren Seiten so reichen Leben der Krankenpflegerinnen: die Rechtslage und die Ge- sundheitsverhältnisse des weiblichen Pflege- Personals. Die erste Lieferentin, Fräulein Reichel, besprach kurz in den Hauptzügen die ungeklärten Rechtsverhältnisse der Kraukenpflegerinnen, die sie zu Stiefkindern der Sozialpolitik machen. Ob und wann das Pflegepersonal der Versicherungs- Pflicht oder der Gewerbeordnung untersteht, ist völlig unsicher; auch fehlt es gänzlich an Gerichtsentscheidungen, die etwas Licht über die rechtliche Seite des Arbeitsverhältnisses verbreiten könnten. Dies kommt zum Teil daher, daß die Krankenpflege als Erwerbs- beruf erst neueren Datums ist, seit die kirchlichen Gemeinschaften den Bedarf an Pflegerinnen nicht mehr decken können. Es fehlt noch jede Regelung der Arbeitszeit, so daß in diesem schweren Be- rufe eine Ueberbürdung herrscht, die der ferner Stehende sich kaum vorstellen kann. Eine Arbeitszeit von 14— 15� Stunden ohne Essenspausen, und verlängert durch regelmäßige wöchentliche Nacht- wachen ist allgemein üblich; es wird aber auch 17 Stunden, ja gelegentlich auch 33 Stunden ohne Pause gearbeitet und das in städtischen Anstalten. Unter solchen Umständen ist besonders Jrrenpfkege ein Martyrium. Ja, es ist vorgekommen, daß eine Schwester 6 Nachtwachen hintereinander leisten mußte, weil die vor ihr abgelöste Pflegerin 89 Stunden nicht aus den Kleidern ge- kommen war. Schlimmer noch steht es in den katholischen Ordens- Häusern. Dort dauert die Arbeitszeit durchschnittlich von 6 Uhr früh bis 9 und ZH19 Uhr abends bei drei- bis viermaligem Nacht- dienst in der Woche. Auch das Rote Kreuz, das sich seiner befände- ren Humanität gegenüber den Schwestern noch rühmt, nützt die Arbeitskraft der Pflegerinnen aufs äußerste aus. Jede Nach- lässigkeit aber, die diese sich zuschulden kommen lassen, bedroht das Gesetz mit Gefängnisstrafe. Inhumane Arbeitgeber sind oft auch die Aerzte in Privatkliniken. Als tzygieniker hätten sie übrigens in Wort oder Schrift längst für das Pflegepersonal eintreten müssen. Von allen diesen Dingen weiß man in der Oeffentlichkeit so gut wie nichts, denn oas Schweigegebot der Mutter- und Ordens- Häuser verschließt den Schwestern den Mund. Aus den Verbänden ausscheidenden Schwestern wird das Fortkoiitmen noch durch die Konkurrenzklauseln erschwert. Konkurrenzklauseln verstoßen recht- lich gegen die guten Sitten. Trotzdem verlaugt z. B. das Marien- heim des Roten Kreuzes von seinen Angehörigen, daß sie sich während 19 Jahren nach ihrem Ausscheiden weder als Kranken- noch als Wochenpflegerinnen im ganzen Kreise Teltow nieder- lassen. Diese Schwestern beziehen im Dienst ein Monatsgehalt von— 29 M. Sodann gab Schwester Agnes Karll, die Vorsitzende der„Be- rufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands", ein Bild von den entsetzlichen Gesundheitsverhältnissen der Pflegerinnen, von der unendlichen Vergeudung von Menschenleben, die hier herrscht. Eine Reichsstatistik über Erkrankungen und Sterbefälle der Pflegerinnen fehlt bis heute. Aus den abgeschlossenen Kreisen der Ordens- und Mutterhäuser erfährt man nichts. In Oesterreich hat die Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose in den Ordens- Häusern Erhebungen veranstaltet hinsichtlich der Tuberkulosesterb- lichkeit. Nicht weniger als S&ho Proz. der Schwestern erlagen ihr. In Skandinavien beträgt die Schwindsuchtssterblichkeit 34 Proz., in einigen anderen Ländern durchschnittlich 79 bis 199 Proz. des Pflegerinnenpersonals. Schuld ist nicht so sehr die Ansteckung am Krankenbett, als vielmehr die Aufnahme zu jugendlicher oder sonst nicht geeigneter Personen, wozu noch ungenügende WohnungS- und Nahrugnsverhältnisse, sowie ungeeignete Kleidung kommen. In England erfolgt die Aufnahme der Pflegerinnen erst mit 23 Jahren nach sorgfältiger Prüfung. Zweckmäßige Kleidung und eine vor- nünftige Diensteinteilung bewirken außerdem, daß hier der Ge- sundhe,tszustaud zufriedenstellend ist. Für Deutschland liegen nur einige Zahlen aus Privaterhebungen vor. Aber auch sie zeigen durchweg steigende Tendenz. Beim Roten Kreuz betrug die Tuberkulosesterblichkeit im Jahre 1991 zirka 39 Proz., bei den freien Schwestern in letzter Zeit 33 Proz. Dazu kommt eine hohe Beteiligung an Unfällen, die sich aus der ständigen Uebermüdung der Pflegerinnen erklärt. Die Hauptsterblichkeit der Schwestern liegt vor dem 37. Lebensjahre. Eine Erhebung, die die Berufs- organisation innerhalb ihres Schwesternkreises vornahm, ergab, daß der Durchschnitt nach 8!4 Dien st jähren verbraucht war. Kein Wunder, denn Ueberanstrengungen und die Folgen der außerordentlich zahlreichen Infektionskrankheiten werden im Krankenpflegeberuf nie verwunden. Wer die Schuld an diesen Zuständen trägt? In erster Linie die Schwestern, die immer ge- schwiegen haben, einmal, weil sie schweigen mußten, dann aber auch, weil die furchtbare Ermüdung sie gar nicht zur Besinnung, zum Denken kommen ließ. Den ungesunden Idealismus, der unsaren Pflegerinnen so verhängnisvoll geworden, kennt man in England und Amerika nicht, wo es nie eine religiöse,„um Gottes Lohn" arbeitende Krankenpflege gab, wo eine andere Wirtschaft- liche Auffassung von vornherein andere Arbeitsbedingungen schuf. Auch unsere Pflegerinnen müssen zu wirtschaftlicher und geistiger Selbstänoigkeit kommen. Schuld tragen auch die Aerzte an der Ueberbürdung der Pflegerinnen, dann das Publikum und nicht zuletzt die Verwaltungen, die es an den Mitteln fehlen lassen, um mehr Personal einzustellen. In England kommen auf eine Pflegerin 5 Betten, in London sogar nur 2% Betten und der Ge- sundheitszustand des Personals ist vorzüglich. In Deutschland sollen auch nur 5 Betten auf eine Pflegerin entfallen, aber selbst in Berlin mutet man ihr 19 bis 29 Betten zu und in kleinen Krankenhäusern in der Probinz nicht selten die doppelte Anzahl. Körperlicher und geistiger Zusammenbruch lassen dann nicht lange auf sich warten. Von 43 Todesfällen, die die Berufsorganisation innerhalb einer kurzen Zeitspanne unter ihren Mitgliedern registrierte, entfielen nicht weniger als 13 auf Selbstmorde. Einige Schwestern legten in geistiger Umnachtung Hand an sich, die meisten in Verzweiflung, weil sie mit ihrer Gesundheit und Arbeits- kraft zu Ende waren. Die Rednerin erwartet Besserung dieser trostlosen Zustände vor allem durch das Eingreisen der Gesetzgebung und durch den Zusammenschluß der Schwestern, von denen erst ein kleiner Teil» etwa 3999, der von ihr gegründeten Berufsorganisation angehört. Die Versammlung forderte in einer Resolution die Veranstaltung ! einer Reichsenquete über die Lage des Krankenpflegepersonals. , Der Reichstag soll ferner aus Grund eines eigenen Gesetzes oder ! als Novelle zur Gewerbeordnung die Verhältnisse so regeln, daß der Dienstvertrag modernen Anschauungen entsprechend ausgebaut wird. Auch die Stadtverwaltungen werden in der Resolution er- sucht, die Verhältnisse des Pflegepersonals mehr als bisher zu be- rücksichtigen. Von sozialdemokratischer Seite sind bekanntlich seit langem gründliche Reformen auf diesem arg vernachlässigten Gebiete ge- fordert worden, nicht zuletzt im Interesse des Gemeinwohls, das durch eine mangelhaft organisierte Krankenpflege schwer ge- fährdet wird._ ' Fortschritte des Frauenstimmrechts. Das Komitee des Unterhauses von Kansas, das die Frage des Franenwahlrechts zu prüfen hatte, beschloß einstimmig, eine Gesetzesänderung zugunsten der Frauen vorzuschlagen. Im Land- tag von Arkansas wurde ein Gesetzentwurf, der den 21 Jahre alten Frauen, deren Männer Bürger sind, das Wahlrecht ver- leihen will, mit Beifall aufgenommen. Danach scheint es, als sollten nur verheiratete Frauen wahlberechtigt werden, während man anderwärts umgekehrt nur ledigen Frauen das Stimmrecht verleihen will. Die Cntwickeluna geht schließlich überall auf die Beseitigung derart willkürlicher Unterscheidungen. Kreireltqtöse Gemeinde. Sonntag, den 12. Februar, vormittags 9 Uhr, Pappel-AHee 15—17 und Rirbori, Jdealpaffage- Freireligiöse Vorlesung— Vormittags 11 Uhr. Kleine Fraulsitrter Straße 6- Vortrag von Herrn Prof. Dr. Sl. Gehrke:.Vorstufen des Modernismus". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Eingegangene DrucKscKntten. Ruhen und Schaden unserer Vögel von R. Zimmermam». 1 M. ZH. Thomcis, Leipzig. ' Arbeiter- Stenograph. System Gabelsberger. Organ deS Arveiter- Stenograpbcnoercins. Nr. 1. Selbstverlag in Wien. Die Bagdadbahr, von Dr. P. Rohrbach. 1,59 M. Wiegandt u. Grieben, Berlin L1V. 11. Die Rechtsverhältnisse der freireligiöse« Gemeinde» i« Preußen. Von Dr. H. Heimerich. 1,50 M. Neuer Franljurter Verlag, Frankfurt a. M. Geschäftsbericht und Jahresabrechnung der OrtSverwaltung Berlin des ZeutralverbandeS der Schmiede 1S10. 62 s. Selbst- verlaa._ Die finanzielle und wirtschaftliche Lage Japan?. Von Dr. G. Galli. 75 Pj. I. Bielefeld. Freiburg(Baden).__ �. Ter Gott i» der Kugel von C. Kirchner. 90 Pf. v. Volger, ���Balzacs Menschliche Komödie. 12-15 Band. Mnzelband i M., geb. 5 M. Insel-Verlag. Leipzig. m �.... Die Leichenverbrennung und daS bayerische Recht von Rechts- anwalt Dr. K. H. Fischer. 1,20 M. U. E. Sebald. Nürnberg. Soziale Kultur. 2. Heft. Vierteljährlich 1,50 M. Volksverein, M.-Gladbach. Ter Rheingauer Wiuzerkrach. Bon Fr. C. Jung. 75 Pf. Berlag H. Rauch. Wiesbaden.. Das alte Bild von Mia WroblewSka. t M. Kurt Benekendorff. Berlin V7. Lv.„ Handbuch für Heer und Flotte. Herausgegeben von®. v. Alten. Lieferung 32 u. 33. Lief. 2 M. Bong u. Co., Berlin W. 57. DaS eiierne Jahr. Roman von W. Blocm. 5 M., gebunden I M. Grettein u. Co., Leipzig. Der Monismus.(Nr. SS.) Zeisschrtst für einheitlich- Wellanschauung und Kulturpolitik. Selbstverlag, Berlin V/. 57. Amtlicher Marktbericht der ftädttlchen MarNbalsen-Direktton über den Großbaiidel in den Zenwal-Marktballcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft ruhig,.Preise unverändert. Wild: Zufubr ausreichend, Geichäft nicht Icbhast genug, Preise säst unverändert. Geslügel: Zujuhr genügend, in Hühnern reichlich, Geschäft ruhig, Preise anziehend. («iiche: Zufuhr etwas lebhafter, Geschäft etwas belebt. Prelle besriedigend, für Hechte anziehend. Butter und Käse: Geschäft rubig, Preise im. verändert. G e m ü» e, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend» Geschäft im allgemeinen still, Preise fast unverändert. «vitternngaUverN-t" vom 10. Februar 1011. morgen» 8 Uhr. Ctattoneii I te- J,= c r LZ �wmembe 770W Hamburg! 779 SO S-rli» 1771 Still Franks. a M 769 SO Münch«» i774SW Wien l 77� Still fSettrr 2 bedeckt 2 bedeckt bedeckt *4 »II i? —0 —2 —5 Statt« itt« X S 8 C XI o � Ii Bf Haparanda 766 S Petersburg 765 SO Scilly 759 SSO .'lberd«» 757 S 766 SO ! ** C »II 2 bedeckt—10 1 Schnee—12 5 bedeckt 8 5 bedeckt 8 1 heiter 2 wölken!— 6______ 2 woltenl i— 16. Pari» Nebel!— 5 t tvetterprognoie iür Sonnabend» deu 11. Februar IV11. Ein wenig wärmer, veränderlich, vielfach wolkig oder mebeltg mit ge> ringen Niederschlügen und mäßigen südlichen Winden. «tasserstandS-Stachrtchte» der LanbeSanstalt für Gewässerkunde, mltgetcllt vom Berliner Wetterbureau. Sass erst and M e m e l, Tilsit P r e g e I. Jnl'terbmg Weichsel. Tborn Oder. Rattbor , Krossen , Frantmrt Warthe, Schrinn» , LanoSberg Netze, Bordaouu Elbe, Leinneritz , Dresden » Bardo . Magdeburg >>+ bedeutet Wuchs.— kiall. «) Eisbewegung.—°) ElStrciben. —•) Unterpegei.—•) MSstand.— Wäsche, Trikotagen Schneiderei'Artikel aufgenommen: Margarete DietriclijMiriiacte 25 Zur Einsegnung! Anzöge aus schwarzen Kammgar n- Stoffen 14, 17, 19. 21. 25, 28, 40 m aus dkl. blauen CheviotstofFen 16,18,20,24, 28.82.56°°» Pröfungs-Anzüge in giösster Auswahl M. Schulmeister BERLIN SO. 26, Dresdener Str. 4 Zentral-Markthalle Telephon: Ri. 711 U. 71S Telephon: Ri. 711 u. 71S Bergstr. S«1X110»? Bergstr. 5 Zwiebelleberwnrst.... Rotwurst........ Psd.45Pf. 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