Ur. 38. HbonnemenfS'Bcdlngungsn: CEormcmcmS• Prcis pränumerando s Lierlcljährl. 3�0 Mä, monall. 1,10 Mk,. wöchentlich 2o Psg, frei in- Haus. (tiliocilic Numricr 5 Pfg, Gönnt ag 4. nummer mit iUustricrler EonntagS. Beilage»Die Neue Welt" 10 Psp, Pojt- ilbonnenicnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs, Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Atarl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonniniems nehmen an: Belgien. Dänemarks Holland. Italien. Luxenibnrg, PorNigal, tluoiänien. Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. Cllchiini täglich auBcr Ricntass. Derllnev Volksblatt. Die TnlerHons-GcbOfo- velrägt für die sechSgcspaltene Kolonel- zcile oder deren Raum SO Psg., für politische und gcwcrlschastliche LerelnS- And BersammIungS-Anzcigen 80 Psg. � kleine?ni«ig«n", daS erste sielt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weiter- Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg.» jcd-S weitere Wort 5 Psg. Worte über »5 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssei, bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition ist tiS? Uhr abends geöfsuet. Telegramm- Adresse: „SHUIdenuKrat Birlia*. Zentralorgan der rozlaldemokratifchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: 831. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der folizeiminifter auf der Hnklagebank. Die Beratimg des Etats des Ministeriums des Innern, die am Montag im Abgeordnetenhanse begann, hatte ein charakte- ristisches Vorspiel. Da der Seniorenkonvent infolge des Streiks auf dem Kupferschen Kohlenplatze die Horde der Hintzeschen Siebenmonatskinder über Verhaftete herfiel und sie in der rohesten Weise mißhandelte. Tie drastische, aber die Scheuß- lichkeit der wirklichen Vorgänge kaum erreicksende Säiilderung tat es dem freikonservativen Abgeordneten Student derart an, daß er wütend aufsprang und den Sitzungssaal in schleu- nigster Flucht räumte. Die Herren seines Schlages scheinen es immer noch nickst fassen zu können, daß jetzt endlich auch die Rednertribüne des Abgeordnetenhauses zur Stätte ge- der konservativen Fraktionen vorläufig nicht zusanimentritt, 1 worden ist, voll der aus die Ordnungsbarbareien der Polizei waren die Mebrheitsparteien mit dem Präsidenten m einer Sonderbesprechung dahin überein gekommen, die Etats- berarungen zu kontingentieren und die Redefreiheit möglichst einzuschränken. Diesem löblichen Vorhaben sollte der Vorschlag dienen, die zum Etat gestellten sozialdemokratischen An- träge aus den Verhandlungen auszuscheiden. Genosse Hirsch erklärte, daß seine Freunde nur dann daniit einverstanden sein könnten. lvenn ihnen die Gewähr gegeben würde, daß die Anträge später gesondert zur Beratung konimen. Die Konservativen wollten sich darauf nicht einlassen, sie meinten, man könne doch die Sozial dcmokraten nicht vor den anderen Parteien bevor zugen. Unsere Redner erwiderten, daß die Sozialdemo traten das auch gar nicht verlangen, daß sie aber andererseits gegen Vergewaltigungen geschützt werden müßten. Wohl oder übel mußten wir schließlich unseren Einspruch zurückziehen, nachdem uns die Zusicherung gegeben war, daß die Mehrheit nicht daran denke, unsere Fraktionsrcdner zu hindern, das auszuführen, was sie für notwendig halten. In der Generaldebatte zum Etat befleißigten sich die bürgerlichen Redner, soweit sie bisher zum Worte kamen, einer sichtlichen Kürze. Beinahe konnte man den Eindruck gewinnen, als sei in Preußen alles in bester Ordnung. Herr v. G 0 ß l e r(k.) sprach dem Minister ausdrücklich das Ver- trauen seiner Freunde aus, Abg. Linz(Z.) wetterte in der HauptDche nur gegen den„Äxnalbazillns". der angeblich immer weiter wuchert, und verlangte eine neue Lex Heinze. Selbst der Nationalliberale L 0 h m a n n befleißigte sich einer großen Zurückhaltung, ganz zvschweigen von'Octavio v. Zedlitz, der wieder die Moabirer Vorgänge besprach und sich natürlich ganz auf die Seite der Polizei stellte. So wäre die Debatte in der für das Dreiklassen- Parlament typischen Oede verlaufen, wenn nicht durch einen Zufall unser Redner Genosse Hirsch uiunittelbar nach Zedlitz zu Worte gekommen wäre. In einer zweieinhalbstündigen Rede ließ der sozial- demokratische Redner das ganze reaktionäre Verwaltungs- system des Polizeiministeriums Revue passieren. Wenn, so führte er aus. bei unserem Justizwesen immerhin leise An- sähe einer Besserung zu entdecken sind, wehrt sich das Ministerium des Innern aufs äußerste gegen jede Reform. Wenn der Freiherr v. Zedlitz meinte, der Lawdrat dürfe sich politisch nicht als Agent der Regierung fühlen, so ist diese Besorgnis ganz unbegründet, denn die R e g i e r u n g ist um- gekehrt der A g e n t d e r L a n d r ä t e. die ihrerseits wieder die Agenten der Konservativen sind. Eine lächer- liche Politik kleinlichster polizeilicher Bevormundnngssucht zeigte sich bei dem Verbot, die Genossen I a u r d s. und Vandervelde nach dem Internationalen Kongreß in Kopenhagen in Frankfurt am Main in französischer Sprache sprechen zu lassen. Kleinlich und zum guten Teil direkt kindisch sind auch die Schikanen der Theaterzensur. die sich die Polizei obendrein, nach der Ansicht bedeutender Rechtslehrer, verfassungswidrig anmaßt. Diese Zensur treibt die lächerlichsten Blüten in ihrer Sucht, die Stutzen von Thron und Altar, die Geistlichkeit oder gar die hohe Polizet, vor einer theatralischen Darstellung zu schützen. Venallen diese Schikanen durch sich selbst schon der Lächer- lichkeit, so spielt sich big Polizei andererseits als direktes Hemmnis der Kulturverbreitung auf, wenn sie, direkt im Gegensatz zu einem Erkenntnis des Oberverwal- tun.gsgeruhts die Berliner„Freie Volksbühne" der polizeilichen Bevormundung unterstellen will. Unerhört ist auch die Art, wie sich die V e r w a l t u n g s b«e h ö r d e n über die Gesetze, speziell über das Vereinsgesetz, hinweg- setzen dunen, �zn unzähligen Fällen ist im Widerspruch zu den Absichten des Vereinsgesetzes die Abhaltung von Ver- sammlungen unter freiem Himmel verboten worden. Das Oberverwaltungsgericht hat jedesmal zugunsten der be- schwerdefübrenden Versammlungsveranstalter entschieden. Das hat aber noch ni-mals die Landräte und Bezirksaus- schüsse abgehalten, immer wieder die Bestimmungen des Ver- einsgesetzes mit Fußen zu treten und dem Volke ein ihm zu- stehendes Recht zu unterbinden. Schneidende Kritik übte Genosse Hirsch aber vor allem an dem Verhalten der Polizei in Moabit und den empörenden Beschönigungsversuchen des ! e r r n v. Jag ow. Unser Redner gab an der Hand der durch die Reden der sozialdemokratischen Abgeordneten die verdiente Brandmarkung finden. Ter gute Mann und wackere Zeitgenosse des Freiherrn v. Zedlitz nimmt Anstoß an einer wahrheitsgemäßen Darstellung solcher Vor- kommnisse. Das ist bezeichnend für diese Sorte von Politikern. Würde sich ihre Entrüstung statt in solch abgc- schmackten Protesten gegen eine entsprechende Kritik der- artiger Ausschreitungen in einer Mißbilligung der Ausschreitungen selb st Luft mackien, so würde der Sozialdemokratie die Möglichkeit genommen sein, solch em pörende Tatsachen zur Sprache zu bringen I Genosse Hirsch richtete an den Minister des Innern immer wieder die dringliche Frage, welckse Stellung denn e r nun eigentlich den unglaublichen Beschönigung s versuchen des Berliner Polizeipräsidenten gegenüber einnimmt. Wolle auch er sich noch iminer die un glaubliche Ansicht Herrn v. Jagows zu eigen inachen, daß sich die Polizei in ihrer Gesamtheit keiner gröblichen Ueber schreitung ihrer Amtspflicht schuldig gemacht, sondern nur nach besten Kräften ihre Schuldigkeit getan habe? Werde er wirklich den Mut haben, Herrn v. Jagow in S ch u tz zu nehmen angesichts der Tatsache, daß das Gerichts- erkenntnis wörtlich erklärt habe, daß in großem Umfange die schwersten Astisschreitungen zahlreicher Polizei- beamten vorgekommen seien und diese Ausschreittmgen namentlich in wüsten Schimpfereien, aber auch in tat» lichen Mißhandlungen bestanden hätten?! Herr v. Dallwitz, der neue Polizeiminister, blieb am Montag die Antwort darauf schuldig. Für die furchtbaren Anklagen des sozialdemokratischen Redners fand er einstweilen kein Wort der Erwiderung. Damit wird er natürlich nicht durchkommen, er wird Rede und Ant- wort stehen müssen. Er wird erklären m üs s e n, ob er die Kundgebungen des Berliner Polizeipräsidenten, durch die dieser sich in schroffsten und schneidend st en Gegensatz zu dem gesetzt hat, was das Gericht in seinem Urteil für fe st gestellte Tatsachen erklärte, billigt oder nicht. Er wird sich auch nicht durch d i p l 0 m a- tische Ausflüchte über den Fall Jagow hinwegzuhelfen vermögen. Er wird rund und klar bekennen müssen, ob er die ungeheuerliche Auffassung des Berliner Polizeipräsidenten teilt oder ob er die Feststellung des Gerichts respektiert! Wenn aber der preußische Polizeiminister die Fest- stellungen des Gerichts respektiert, wird er nicht nur Herrn v. Jagow preisgeben, sondern auch die Zu- slcherung abgeben müssen, daß gegen die an den gerichtlich sie st geste ll�on Ausschreitungen zahlreicher.Polizeibeamter beteiligten Schutzleute die pflichtgemäße Untersuchung eingeleitet werden wird! Hinreichende Handhabe dazu liesern ihm ja die Zeugenaussagen während des Mvabtter Prozesses, durch die eine ganze Anzahl bestimmter Polizelbcamter belastet wird. Erfolgt keine Untersuchung. so beweist der Polizeiminifter damit, daß auch er gleich H e r r n v. J�a gow seine schützende Hand üb er � � l?en Polizeibeamten breitet! Welche ischkusse die Oeffentlichkeit aus einer solch ungeheuer» lichen Tatsache ziehen würde, kann Herrn v. Dallwitz ja nicht verborgen sein. Bon der Erklärung des Herrn v. Dallwitz, die am Mittwoch stattfinden wird, hängt das Ansehen nicht nur der Po l l z e l b eh ö r d e, sondern auch der deut- s ch en u st l z a b! Eröffnet die Polizeibehörde nicht end- lich ein ernstliches Verfahren(wohlgenierkt ein ernst» liches Verfahren, kein billiges S ch e i n verfahren) gegen die schuldigen Polizccheamten, so erklärt sie damit die ge- r i ch t l i ch e n Feststellungen, sofern sie P 0 l i z e i> b e a m t e betreffen, für belanglos, für absolut gleichgültig! Sie bekundet dann eine Mißachtung gegen unsere Gerichte, wie sie schlimmer gar nicht gedacht werden kann!___ Die„gemeililamen Satzungen" von Fulda. Ende vorigen Jahres sind die deutschen Bischöfe in Fulda der- �________„——___ sammelt gewesen, um über die Nöte, die in der letzten Zeit den gerichtlichen Feststellungen ein Bild von denr Vorgehen der Katholizismus bedrücken, zu beraten. Sie haben sich auch mit der Polizei. Er schilderte, wie zahlreiche Polizeibeamte sich die'katholischen Arbeiterbewegung, namentlich mit dem abscheulichsten Ausschreitungen gegen völlig friedliche und an jetzt ein volles Jahrzehnt währenden Kampf der christlichen den Unrichen gänzlich linbeteiligte Staatsbürger zuschulden Gewerkschaften und der katholischen Fachabtei. kommen ließen. Er zeigte, wie manche Polizeibeamte in der! langen beschäftigt. Sie haben, wie man aus dem Brief des brutalsten Weise friedliche und schutzlose Bürger mit dem Papstes an Kardinal Fischer erfuhr,„Vorsorge getroffen, daß die Säbel traktiert haben, wie sogar harmlose Bürger durch den Eifersucht und die heftigen Streitigkeiten zwischen den beiden Polizeisäbel tödliche Verletzungen erhielten. Er j Arten von Arbeiterverbänden beseitigt werden", sie haben weiter brandmarkte die Tatsache, daß Polizeiorgane es duldeten, daß'den beiden Organisationen. gewisse gemeinsameSatzun. Expedition: 8M. 68, Lindcnstraeae 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. gen auferlegt, die sie zu befolgen haben, damit jede in ihrem Tätigkeitsbereich fortfahre, für den wahren Nutzen der Arbeitgeber und Arbeiter, für Förderung der Religion und des StaatswohleS zu wirken". Während im Jahre 1900, wo sich die Bischöfe ebenfalls in Fulda mit der christlichen Arbeiterbewegung beschäftigten, das Er- gebnis ihrer Beratungen in dem sogenannten Fuldaer Pastorale bekanntgegeben wurde, hört man diesmal, außer den wenigen Worten des päpstlichen Briefes, nichts davon. Weder die Bischöfe lassen etwaS verlauten, noch die beteiligten Organisationen, und das«Zentralblatt" der christlichen Gewerkschaften, das m seiner letzten Nummer einen Artikel zu der Angelegenheit bringt und dabei über alles Mögliche und Unmögliche redet, sckweigt sich über die Verhandlungen der Fuldaer Bischofskonfercnz völlig aus. Bezüglich der„gemeinsamen Satzungen" oder„allgemeinen Vor- schriftcn" begnügt sich das Blatt, ohne sich auf Einzelheiten ein- zulassen, mit der Versicherung,„daß die Fuldaer Bischofskonferenz keine Vorschriften aufgestellt hat, die etwa für die christlichen Gewerkschaften eine Aenderung ihrer Grundsätze oder ihrer seitherigen organt» satorischen und gewerkschaftlichen Praxis 3 UV Folge haben könnten oder werden". Damit stellt das„Zentralblatt" an die GlaubenSwilligkeit derer, die nicht alles, ivaS aus Christenmunde kommt, unbesehen als wahr hinnehmen, etwas zu starke Ansprüche. Zunächst einmal bedeutet der Befehl, daß die beiden Organisationen Frieden mit- einander halten sollen, an sich schon einen schweren Eingriff in die grundsätzliche und taktische Haltung der christlichen Gewerk» schafteu. Sie haben die katholischen Fachabtcilungen unter steter Betonung der prinzipiellen Gegensätze zehn Jahre bekämpft wegen ihrer konfessionellen Einseitigkeit, ihrer Unterordnung unter die Kirche, ihrer Ablehnung des wirtschaftlichen Kampfes. Sie haben geschworen, den Kampf fortzuführen bis zur Vernichtung des Gcg- ners. Wenn die christlichen Gewerkschaften jetzt Frieden mit den Fachabteilungen schließen, dann möchten wir wissen, wie das mög- lich wäre ohne gewisse Zugeständnisse in grundsätzlicher und taktischer Beziehung. Und nun die„gemeinsamenSatzungen". Sie betreffen daS Verhältnis der Organisation zum Staat, zur Kirche und zum Unternehmertum, also Dinge, die grundlegend in prinzipieller und taktischer Hinsicht sind. Will uns das„Zentralblatt" glauben machen, daß hierbei nur die katholischen Fachabteiilungcn die Leidtragenden und die christlichen Gewerkschaften die Triumphierenden gewesen find? Nein, dazu haben die katholischen Fachabteilungen unter den Bischöfen zu viele und zu starke Freunde. Und dann, was man von der Berliner Richtung auch sagen mag. die größere grundsätzliche Folgerichtigkeit und die größere Entschiedenheit in der Verfechtung ihrer Prinzipien ipuß man ihnen lassen. Die christlichen Gewerkschaften weichen eher drei Schritte, als die katholischen Jachvereine einen zurück. Die christlichen Gewerk» schafteu haben die„gemeinsamen Satzungen" gebilligt, und man darf annehmen, daß das nicht ohne Zugeständnisse in prinzipieller und taktischer Hinsicht geschehen ist. Die katholischen Fachabteilungen gewähren, wie das etn Artikel in der letzten Nummer ihres OrganS„Der Arbeiter" erkennen läßt, nicht den Eindruck, als ob sie Verpflichtungen ein- gegangen wären oder eingehen würden, von ihrem bisherigen Weg« abzulenken. Mit Genugtuung weist das Blatt zunächst darauf hin, „daß der hl. Vater zur Prüfung und endgültigen Er- ledigung der Gewcrkschaftsfrage neue und ein« gehende weiter« Berichte eingefordert habe". Und dann entwickelt das Blatt in bekannter Weise das katholische Gewerkschaftsprogramm, das auf der UnlvSbarkeit des Wirt» schaftslebens mit Religion und Moral,-auf der Unterordnung jeder sozialäg�Aktion unter das G.bot de'' Kirche beruht. Unter diesen Umständen kann man sich denken, welche von den beiden Richtungen die größeren Zu g e stän d wi s s e an die „gemeinsamen Satzungen" hat machen müssen. Und läßt man die letzten Taten der christlichen Gewerkschaften(Ruhrgebiet, HauS» ham,. Eilcnlmrg usw.) an sich vorüberziehen, so erkennt man, wie sehr sie sich bereits der Taktik der Fachabteilungen angepaßt haben. die sie vor kurzem noch als„gewerbsmäßige Streik- b r e ch e r",„gewerkschaftliche Brunnenvergifter" usw. zu drand» marken liebten. Da; siecht auf Arbeit. London, 11. Februar.(Eig. 5Scr.T Die Arbeiterpartei brachte gestern in der Adreßdckatte folgendes Amendement ein: „Und wir drücken ehrerbietigst unser Bedauern darüber aus, daß keine Vorlage versprochen worden ist, in der daS Recht auf Arbeit anerkannt wird, indem dem Staate die Ver- antwortlichkeit auferlegt wird, für die wirklichen Arbeitslosen direkt Arbeit oder Unterhalt zu schaffen." O' G r a d y begründete das Amendement in einer Rede, die Beachtung verdient. Er führte aus. daß die versprochene Versicherung gegen Arbeitslosigkeit nur einen Teil der Arbeiterschaft berühre und der großen Masse der ungelernten Arbeiter, die von dem Uebel am lschwersten mitgenommen werde, gar nichts nütze. Die Arbeitslosigkeit sei eine permanente Erscheinung unserer Wirtschaftsordnung Die Zeitschrist„Engiiieer" habe neulich konstatiert, daß ein Unternehmer kein Angebot machen könne, wenn er nicht sicher sei. daß mindestens 2*4 Prozent der 2l r b e i t e r in der Branche a rbeitSlos seien. Wenn nun m der bestehenden Wirtschaftsordnung die Arbeitslosig. keit eine Notwendigkeit sei, so müsse die Gesellschaft danach fcfjen, Pol Ipt'e Vpser nW Per 97o! iinb" Om? vuZgeW würden. Ob der Staat es wolle oder nicht, die Arbeitslosen müßten auch heute unterstützt werden. Heute aber unterstütze man sie in Arbeitshäusern, durch Hausunterstützungen und Private Mildtätigkeit. Kein System habe mehr Verzweislung und Hosfnungslosigkeit in die Herzen des Volkes gepflanzt als das System der Arbeitshäuser. Nationalökonomen möchten über die Kosten der Anerkennung des Rechts auf Arbeit die Hände über dem Kopf zusammenschlagen; sie sollten aber bedenken, daß ein Arbeitsloser mit Frau und drei Kindern, die man ins Arbeitshaus schicke, heute den Steuerzahlern LO Schilling die Woche kosteten. Das Eni- wickclungsgesetz vom Jahre 1909 sehe die Inangriffnahme von Arbeiten zur Aufforstung, zum Bau von leichten Eisen- bahnen, zur Zurückgewinnung des vom Meere verschlungenen Landes usw. vor; aber erst das Recht auf Arbeit werde dieser Maßregel, die jetzt ein toter Buchstabe sei, Lebenskrast mit- teilen. Tie Trunkenheit sei nicht die Ursache der Arbeitslosigkeit. Auch werde die Arbeitslosigkeit nicht durch den Mangel an technischer Bildung hervorgerufen, wie manche Sozialrcformer glauben. Das Schicksal gelernter Arbeiter. die nach Vollendung des vierzigsten Lebensjahres jeden Augenblick gewärtig sein müßten, aus die Straße gesetzt zu werden, lege darüber beredtes Zeugnis ab. hu demselben Punkte sprachen auch noch die Arbeiter- Parterler Clynes und Lansbury. Für die Regie» ru:rg entgegnete der Minister B u r n s, der das alte Lied von dem Elend der Notstandsarbeiten sang und den Armen vor allen Dingen die Selbstachtung bewahren möchte. Dieser ehemalige Sozialdemokrat hat die banalen Gemeinplätze bürgerlicher„Staatsmänner" so vollständig in sich aufge- uommen, daß sich eine Wiedergabe seiner Ausführungen er- übrigt. Aubein erlaubt es ihm seine abnorm enttvickelte Selbstgefälligkeit nicht einmal, den alten Ladenhütern auch den kleinsten neuen Gesichtspunkt abzugewinnen. Seine Rede klang mit einem großen Lob auf seine eigenen Heldentaten und die der Regierung aus. Interessant war das Benehmen der„arbeiterfreund- iichen" Linksliberalen. Ein Vertreter dieser Gruppe(Pickers- gill), den die Londoner Liberalen bei jeder Gelegenheit als einen Freund der Arbeiter auftanzen lasten, machte die qualvollsten Anstrengungen, um sich radikal und oppositionell zu gebärden, glaubte aber, bei dieser Gelegenheit noch einmal umkippen zu müssen, und fiel denn auch, der Anziehungskraft des liberalen Parteisäckels gehorchend, nach der Seite der Regierungsmehrheit. Nur die Arbeiterparteiler stimmten für das Amendeinent. An dieser stelle muß ein Ereignis erwähnt werden, daß sich vor einigen Tagen in dem Wahlkreise des verstorbenen Linksliberalen Sir Charles D i I ke abspielte. Die Vertreter der Gewerkschaften waren zusammengekommen, um über die Aufstellung eines Kandidqten für die kommende Nachwahl zu beraten. Der Wahlkreis(Forest of Dean) gehört seiner sozialen Struktur nach der Arbeiterpartei. Sir Charles Dilke verdankte seine Wahl und seine politische Rehabilitierung in erster Linie den Bergarbeitern Großbritanniens und gestand dies als ehrlicher und ausrichtiger Mensch, der er wahr, auch immer ein. Stach seinem Tode glaubte man allgemein, daß die Bergarbeiterföderation den Wahlkreis für sich in An- spruch nehmen würde. Es wurden zwei Personen genannt, die als Kandidaten in Aussicht genommen worden waren: Harry Twist, das frühere Parlamentsmitglied für Wigan, itnö Robert Smillie. der Vizepräsident der Bergarbeiterföderation, beide Sozialisten. Smillie wurde in der Versammlung der Gewerkschaftsvertreter vor- geschlagen. Die Gewerkschaftsvertreter beschlossen aber, von einer Kandidatur Abstand zu nehmen und den liberalen Kandidatm. einen Bergwerksverwalter, der ein Arbeiterfreund sei, zu unterstützen. Hoffentlich haben diese Gewerkschaftler mit ihrem Liberalen mehr Glück als die Londoner Arbeiter mit ihrem Pickersgill. Die Forderung, die die Arbeiterpartei in ihrem Amendement erhebt, wirft ein interessantes Streiflicht auf die theoretischen Auffassungen dieser Partei. Das Recht auf Arbeit wird von allen ihren Mitgliedern anerkannt, von Sozialisten wie Nichtsozialisten. Leute, denen es vor dem Sozialismus graut, treten mit Feuer und Flamme für eine Forderung ein. die doch, wie das Regierungsorgan, die„West- minster Gazette", heute richtig bemerkt, nur durch die sozialistisch Organisation der Gesellschaft verwirklicht werden kann, was sie aber nicht hindert, mit gleichm Eifer die homöopathischen Tosen der liberalen Sozialpolitik hinunter- zuschluckcn, die eher zu einer chinesischen Konservierung der bestehenden Gesellschaftsordnung als zur Abschaffung der Arbeitslosigkeit führen können. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Arbeiterpartei bald zu einer klareren theoretischen Erkenntnis der bestehenden Gesellschaft gelangen würde, wenn sie sich mit diesem Problem intensiver be- schäftigte._ politifcbc CUberficbt. Berlin, den 13. Februar 1911. Ter Marineetat. All? PeM Reichstag, 18. Februar. � Die zweite Lsfung deZ Etats begann hellte mit dem Marineetat. Das ist an sich ein ungewöhnlicher Anfang. Nach der Reihenfolge der Etats sollte die Etatsberatuirg sofort mit dem Reichs. kanzler- und dem Auswärtigen Amt beginnen. In den letzten Jahren wurde es aber immer so gedeichselt, daß diese beiden Etats an das Ende der Etatsberatung, und zlvar un- nrittelbar vor der dritten Lesung, in der auch die nämlichen Materien behairdelt werden könnten, gesetzt wurden, so daß auf �diese Weise die Gelegenheit zur Beratung großer politischer Fragen im Reichstag möglichst verkümmert. Nun bietet sich auch beim Marineetat oder beim Militäretat die Gelegen- freit zur Erörterung der auswärtigen Verhältnisse. Min Redner kann auch tatsächlich umhin, sie wenigstens zu streifen. ES ist aber bezeichnend, wie der Reichskanzler sich um jede Gelegenheit, bei der er Rede und Antwort zu stehen hätte, sorgfältig herumdrückt, daß heute weder er selbst noch der Minister des Auswärtigen zur Stelle waren. Es bestand also offenbar die Absicht, die auswärtigen Beziehungen möglichst auszuschalten und' die Verhandlungen auf bloße marilletech- uiscys und Budgetfragen zu beschränken. Diesem Zwecke diente auch eine Anregimg, die der Präsident Graf Schwerin im Einvenrohmen mit den Mehrheit»- Parteien ergehen ließ, die Erörterung der Frage der Ge- h a l t S z u l a g e n mit der allgemeinen Erörtenlng, die beim Titel„Staatssekretär" srattfindet. zu verdindem Lede- bour erhob Widerspruch dagegen, da eS klarer und auch zeitersszarcnd fei, wenn biv Fragen getrennt debattiert würben. Die Mehrheit ztrnttnlc aver?em PrSfiScfiTcfr M Der Äerlauf der Verhandlungen� in dem wegen dieser Häufung der Ma- terie nur drei Redner zum Wort kamen, bewies, wie verkehrt dies Verfahren ist. Zunächst überhäuften Herr Crzberger vom Zentrllm und der Konservative Herr D r ö s ch e r um die Wette den Marimminister mit Schmeicheleien. Herr Erzbergcr beson- ders suchte die Entwickelung der deutschen Kriegsflotte und die erreichten Resultate im rosigsten Licht darzustellen. Bei der Frage der Heizerzulage suchten sie beide die Kürzung auf die Hälfte zu rechtfertigen, und bemühten sich auch beide, durch Angriffe auf die Sozialdemokratie, ihre schwache Po- sition zu decken. Dem neugebackenen Großadmiral v. T i r p i tz waren die Lobeserhebungen der beiden konservativ-klerikalen Bundes« brüder eingegangen wie Honigseim. Gerührt stattete er seinen Tank ab und bemühte sich dann, die alte Versiä>ernng zu wiederholen, daß nur lauterste Friedensliebe die deutsche Regierung zu Rüstungen antreibe. Auch er erging sich dann in einen langen Rechtfertigungsversuch für die Kürzung der Heizerzulageir. Genosse Ledebour trat dann dem Marineminister und seinen beiden Sekundanten mit dem Nachweis entgegen, daß das forcierte Wettrüsten nicht den? Frieden diene, soirdern die Kriegsgefahr heraufbcsckzwöre und daß deshalb ein allein wirksames Mittel zur Sicherung de» Frieden» das seit Jahren von der Sozialdernokratie empföhle??« internationale Abkommen betreffs der gege??seitigen R e d u k H o n der Rüstungen und der Abschaffung des Sve- beuterechts sei. Ledebour kam im weiteren Verlaus seiner Erörterll??gen auch aus die vom Großadmiral Prinzen Heinrich vor einen? Kriegerverein gehaltene Rede zu sprechen, in der er zum Kampf gegen den„inneren Feind" bei den bevorstehenden Wahlen auf. gefordert hatte. Ueber die Kritik geriet der Marinemi?rister v. T i r p i tz in große Erregu??g und erklärte, daß der Groß- admiral nichts gesagt habe, tvogegcn sich etrva» einwenden ließe. Ledebour wahrte in einer persönlichen Bemerkung seinen Standpunkt. Dann wurde die Debatte alif Diens- t a g vertagt._ Ein Bergesilicher. Herrn Diederich Hahn, ReichstagSabgeordneker, Direktor und Wanderredner des Bundes der Landwirte, ist schon wiederholt vorgeworfen worden. daß sei??e Behauptungen meist nicht stimmen und auf Wahrheit?venig Anstich haben. Auch wollen manche Psychologen unter den Reichstags- abgeordneten entdeckt haben, daß Herr Hahn die besondere Fähigkeit besitzt, unangenehme Dinge, wenn er danach gefragt wird, plötzlich zu vergessen. Daß Herr Hahn in der Tat manchmal außerordentlich vergeßlich ist, zeigt folgender von der„Berl. Volksztg." erzählte Vorfall: Bei den Verhandlungen deS Reichstages über die Znlasiung der Volksschullehrer zum Laienrichteramt hatte Herr Hahn den Auftrag auszuführen, den Umfall seiner Partei zu verteidigen. In der Kommission hatten Konservative und Reichspartei gegen die Zu- lassung der Lehrer gestimmt und jetzt beanspruchten die Konservativen die„Priorität" für ihren Antrag, der diese Zulasiung forderte. Herr Dr. Hahn suchte durch einen großen Wortschwall die Aufmerlsamkeit der Hörer von der Hauptsache aus Nebendinge abzulenken und sprach darum von„LehrerbeiotdungSkasien", vom„Deutschen Lehrerbtart", vom„Reuen Preußischen Lehrerverein' und von der politischen Stellung der Landlehrer. Dabei spielte sich folgende Episode ab: Abgeordneter Hahn: Heute liegt die Sache nicht mehr so wie früher; wir haben einen Reuen Preußischen Lehrerverein mit einen? eigenen Blatt, dem„Deutschen Lehrrrblatt".(Zuruf links: .Wa» zahlen Sie dafür?') Der Abgeordnete Fischbeck macht mir den parlamentarisch doch recht ungebräuchlichen Zwischenruf: Was zahlen Sie daiür? Oder die Lehrer an uns? Gar n i ch t S I W»r zahlen nicht» dafür!(Ach? l links.) Nein, meine Herren, wir zahlen nichts dafür, sondern dies Blatt wird durch die Zu- saminenwirkung der Lehrer und eines hiesigen, den Agrariern nahestehenden Verlages herausgegeben.'(Zuruf links.) Nicht einen Pfennig, meine Herren, diese unerhörte Jnvektive weise ich zurück(Bravo! rechts, Un- ruhe links)-- als ob der Bund d/r Landwirte dafür etwas zahlte!' Was aber schrieb der Direktor deS Bundes der Landwirte, der- selbe Herr Dr. Diederich Hahn am 14. Dezember IVOS in einem vertraulichen Briefe an die konservativen Abgeordneten und Ver- trauensmänner des Bundes? Folgendes: „Sollen aber die Aufwendungen, dir von feiten des Bundes der Landwirte u n d der. Deuts ch. TageSztg.' für das „Dtsch. Lehrerblatt' gemacht worden sind, nichl umsonst gemacht worden sein, soll die für uns so günstige und unsere Bestrebungen unterstützende Bewegung der Landlehrer von Dol?er sein, so muß die Möglichkeit gegeben werden, ihnen in unserem neuen Organ außer den Artikeln, die ihre Interessen ver- treten, auch andere wirtschaftspolitische Kost vorzusetzen.' Wann hat nun Herr Hahn eigentlich die Wahrheit»» der« schwiegen?_ Nationalliberale Arbeiterkandidatur in Bochmn» Gelsenkirchen. Im Wahlkreise Bochum-Gelscnkirchen hat nach langen. schweren Wehen die nationalliberale Zechenpartei endlich die Notgeburt einer Arbeiterkandidatur zur Welt gebracht. Es hat sich schließlich doch ein leibhaftiger Bergmann bereit ge- funden. sich als nationalliberalen Kandidaten aufstellen zu lasten: der Bergmann Hoekmann, der seit vorigem Herbst von Gnaden des Boch?lmer Vereins Stadtverordneter in Bochum ist. Die Aufstellung erfolgte gestern, am Sonntag. in einer nationalliberalen Vertrauensmännerversammlung. die von tausend Personen besucht war. Eine dumme Drohung. Staatssekretär v. K i d e r l e n- W ä ch t e r hal sich?n der Schiffahrtsabgabenkommission über die ablehnende Haltung Hollands und Oesterreichs ausgesprochen. Die„Norddeutsche Allge- meine Zeitung" kommt am Sonnabend darauf zurück und zwar sagt sie: „Die Berichte, die in einigen Blättern über diese Erllä- rungen auf Grund von Indiskretionen veröffentlicht?vorden sind, sind vielfach sinnentstellend.� Im besonderen hat sich die Wen- dung, daß der Staatssekretär die Opposition gegen den Gesetz- cntwurk im Auslande nicht tragisch nehme, lediglich auf die Protestkundgebungen ausländischer Interessentenkreise bezogen. Erklärungen auswärtiger Regierungsstellen hat der Staatssckre- täc hierbei nicht berührt." Jin Anschluß daran führt daZ Regierungsblatt aus; „Wir wollen hierzu bemerke??, daß sich die Vertreter der Verbündeten Ragierungen. wenn sich die Gewohnheit solcher In- diskretwnen fortsetzen sollte, in den Kommissionen eine sehr viel größere Zurückhaltung bei de« aujerlegeg müßten« was sie sonst zu jageo t&SÜ Diese Bemerkung lst so duntmLrelfl, daß einige Worke Rrzv gesagt werden muffen. Die llebung, selbst Ausführungen ganz allgel??einer Art als vertraulich zu bezeichnen, artet geradezu in groben Unfug aus. Dinge, die die Spatzen von den Dächern pfeifen, werden als vertraulich erklärt und damit der Besprechung im Plenum, in der Presse und in der Agitation el'.tzogen— die denkbar bequemste Art. Schwächen und Blößen der Regierung vor der öffentlichen Kritik zu bewahren. Hat?nan doch im vorigen Jahre in der Budgetkomlnission versucht, selbst die Tatsache, daß die Militärverwaltul?g enorme Tuchvorrätc auf Lager hat, als ver- traulich zu bezeichnen. Die bürgerlichen Parteien fühlen sich durch das„Vertrauen", das man in sie setzt, ungeheuer„geehrt" und merken gar nicht oder wollen nicht merken, daß man ihnen unter den? Stecnpel der Verschwiegenheit die gleichgültigsten Dinge anver- traut. Im Interesse der unbeeinflußten Kritik muß gegen Res- ganze Geheimnistuerei, hinter der in Wirklichkeit gar nicht? sicckt« mit allem Nachdruck protestiert werden. Schon wieder eine Hohenzollernrede. Prinz Heinrich. Bruder Wilhelms II., ist bisher ke? Hohenzollernreden meist der leidende Teil ge??zesen. Irre?? wir nicht, so war er das Objekt, an den die Reden Wilhelms II. von der„gepanzerten Faust", von dem„Dreizack, der in unsere Faust gehört" lind andere gerichtet waren. Aber das familiäre Redetalent scheint doch auch in ihm ziemlich stark zu sein. ?lnd so ist denn jetzt der Prinz ebenfalls aktiv als Redner aufgetrete??. Ms Anfänger hat er sich zunächst eine Krieger- vereillsveranstaltung zuin Versuchsobjekt erkoren. In Festes- stilnmung sprach Prinz Heinrich also: „Liebe Kan?erodenl Ich freue mich von Herze» darüber, daß Sie Zeit und Kosten nicht geslbeut, und meiner Aliregcing zu dem heutigen Abend und zu einem Beisammensein beim Glase Bier Folge geleistet haben. Es ist mir die» um so erfreulicher, als wir in einer über- aus ernsten und schlveren politischen Zeil leben. Trotz eines 40jährigei? Friedens erfreut sich das Deutsche Reich nach außen unverändert seiner von allen Seiten geachteten Machtstellullg. Sieh? man so keinen Aitlaß, um den äußeren Feind, die Neider Teulschlands in aller Welt, zu fürchten, so haben wir alle Ver- anlassung, um so ivachsatner zu sein und olS alte mid junge Soldacen zu unicrem Kaiser und allerhöchsten Kriegsherrn zu stehen uild sich um ihn zu scharen im Kampfe gegen den rmmer drohender werdenden iimeren Feind. Wir find weit entfernt, irgend jemandem seine politische Meinl?ng wie deren Betätigung auf gesetzlichem Wege zu verargen. Wo aber der Boden des Gesetzes verlassen wird, da hat ein jeder von uns die Pflicht, die Obrigkeit zu unterstützen und dafür zu sorgen, daß Recht und Ordnung nicht verletzt werden. ES ivird sich, wie wir alle wisien, im tomlnenden Jahre in nicht zu ferner Zeit Gelegenheit bieten. königötreue und staatserhaltende Gefinmuig bei aller sonstiger Verschiedenheit der Meinungen zu beweisen. Die festeste Stutze des Staates ist und bleibt die Armee unter ihrem allerhöchsten Kriegsherrn. Ihm gelte unser erste» Hoch. Se. Maj. der Kaiser Hurra 1" Da Prinz Heinrich als Redner viel weniger geübt kst als sein Bruder, so ist auch seine Ausdrucksweise nicht ganz klar. Es ist also kein Wunder, daß die Worte gegen den inneren Fciitd in der befangenen bürgerlichen Presse auf die Sozial»' demokratie bezogen werden. Aus den? ganzen Zusa?nmen- hang geht aber hervor, daß unter dem drohenden innere?? Feind, der den Boden des Gesetzes verlassen hat, jedenfalls jene Elemente unter den Mannen des Herrn v. Ja g o w ge?neint sind, deren verbrecherisches Verhalten vor Gericht bereits gebrandmarkt tvorden ist. Die Ailffassung des Prinzen Heinrich. die sich der richterlichen Autorität beugt, steht also in einen? erfreulichen Gegensatz zu dem verstockten Trotz der Bethmann. Beseler und Jagow. Wenn unsere Auffassung dieser Rede, woran wir nicht zweifeln, die richtige ist, dann muß man i?nmerhin zugestehen, daß diese Hohenzollernrede sich in erfreulicher Weise über jenes Niveau erhebt, das sonst aus Kriegcrvereinssesten üblich ist.__ Was wird aus der Strafprozeßreform? Heute begann im Reichstag, außergewöhnlich spät, die Meile Lesung des Etats, die sich mindestens bis zum Eintritt der Oster- ferien hinziehen wird. Dann erst kann die unterbrochene Beratung der Strafprozeßreform fortgesetzt werden. Wann sie zu E?idc kommt, läßt sich heute noch gar nicht übersehen. Tie Regierung droht aber bereits offen mit dein Scheitern des Entwurfs, wenn die in zweiter Lesung gefaßten Beschlüsse, daß als Strafrichter nur ständig angestellte Richter verwendet werden dürfen und daß Laie» auch?n der BerufurigSinstanz zugezogen ivcrden müssen, in der dritten Lesung aufrecht erhalten werden sollten. Besonders in der letzteren Frage will die Regierung unter keinen Umständen nach- geben, womit die ganze Reform ziemlich wertlos gemacht würde. Zwischen der zweiten und dritten Lesung wirb also ei» umfassender Kuhhandel stattfinden. Maiumzug und Oberverwattungsgericht. Zu dem Bericht über die Verhandlung vor dem Oberberlval- tungSgericht gegen den Polizeipräsidenten von Köln wegen Per- sagung der Genehmigung eines Umzuges am 1. Mai wirb unS aus Köln geschrieben: '„Wenn man den Bericht liest, so möchte man fast zur Kritik der Begründung des abweisenden Urteils die Worte darunter setzen, die in der neuesten Nummer dcS„SimplicissünuS' Roda Roda den Polizeipräsidenten von Wien bei dem Verbot eines Stückes sprechen läßt:„Die amtliche Entscheidung enthält doch nur die Ausreden; die Gründe behalten wir immer für unS!" Alle Erfahrungen, alle Hinweise auf andere große Städte, wo Maiumzüge genehmigt wurden und ohne Eintreffen irgend- einer der.vom Kölner Polizeipräsidenten, vom Bezirksausschuß und vom Oberverwaltungsgericht angeführten angeblichen Be- fürchtungen sich vollzogen haben, alle Berufung auf die Bestim- mungcn des Gesetzes und den Willen der Gesetzgebung— alles dies hat auf die drei Instanzen nicht den mindesten Eindruck gemacht. In der Stadt des alljährlichen Karnevalszuges, der den ganzen inneren Straßenbahnverkehr stillegt und hunderttausend Menschen auf die Beine bringt, so daß jeder Verkehr auf den Straßen stundenlang stockt, in der Stadt, die den ganzen Sommer hindurch allsonntäglich in den einzelnen Vierteln große Psarrprozessioneii sieht, die den Verkehr einige Stunden lahmlegen, in der Stadt, die den Eucharistischcn Kongreß?i?it seiner beispiellosen Riesen- Prozession beherbergt hat, als deren Begleiterscheinung mehr als fünfhundert jawohl: mehr als fünfhundert Ohn- machtSanfälle und Verletzungen zu verzeichnen waren— in dieser Stadt dürsen die Anhänger der modernen Ar- beiterbewegung am 1. Mai nicht für ihre Kulturforderungen, nicht für den Weltfrieden demonstrieren! Was die Herren vom Ober- vcrwaltungsgericht über die ihnen gewiß ziemlich fremden beson- deren Kölner Verhältnisse und über Umzüge im allgemeinen in der Urteilsbegründung behaupten, ist alles durch die Erfahrung längst widerlegt; es zeigt nur. wie sehr j?e sich bei du.Begründung' iü Lerlegmcheit bqandea," m flBrTeen BaBcn ftir Tm Rechtsstaat" Preußen au] diese\ solchen Gesetzentwurf tm Unier�aufe einzubringen, tvozu sie nach Ostern Gelegenheit haben werden. Einbringung der Gesetze gegen das Oberhaus. London, 13. FÄbruar. Im Unterhaus teilte Premierminister Asquith heute mit, er hoffe, daß die Adretzdebatte Mittwoch abend beendet werden würde. Am Donnerstag würde die Rc- gierung dem Haufe eine Resolution unterbreiten, nach der alle Sitzungen bis zu Ostern der Beratung der Regierungsvorlagen zugelviesen werden sollen. Am nächsten Montag beabsichtige die Regierung, die Parlamentsbill einzubringen.(Lebhafter Beifall bei den Ministeriellen.) Rußland. Gegen China. Petersburg, 12. Februar. Die offiziöse„Rossija" zählt in einem langen Leitartikel eine Reihe von Verletzungen des Petersburger Vertrags aus dem Jahre 1881 durch die cht» ncfifche Regierung auf. Das Blatt meint, die ange- führten Tatsachen riefen den Verdacht hervor, die chinesische Regierung werde von dem Hintergedanken geleitet, die Bedeutung der Rechte und Vorrechte Rutzlands.zu untergraben. Die Haltung Chinas sei um so v e r d ä ch t ig e r, als der Vertrag im August 1811 außer Kraft trete, sobald auch nur eine Seite eine Revision verlange. Sollte die chinesische Regierung die Warnungen unbeachtet lassen, so werde die russische Regierung wirksame Mittel zum Schutze ihrer verletzten Rechte und■ Interessen zu finden wissen. Die Verantwortung für die Folgen falle aus» ichlietzlich auf die chinesische Regieruiig. perNen. Zurückziehung der rufsischen Truppen. Petersburg, 12. Februar. Die russische Regierung hat den Beschlutz gefaßt, ihre seit 1303 in K a s w i n in Persien befindliche Truppenabteilung zurückzuziehen. hserwaltungsgerichtliche Bestätigung des Volksurteils unsere Rechtszustände ja nicht zu warten brauchen. Neue Unruhen in Deutsch- Tüdwestafrika. Aus Dcutfch-Südwestafrika wird amtlich gemeldet, daß nach er Mitteilung der englischen Grenzpolizei ein Teil der imon-Kopper-Leute bei Palla nnd Ramarsdrift die lutsche Grenze zu überschreiten sucht. Der Polizei- »sten von Ramarsdrift hörte am Abend des 7. Februar Gewehr- »uer. Da auch auf deutsche in Gebiet eine bewaffnete Bande estgestellt ist und sämtliche Eingeborenen und Vieh- v ä ch t e r in der Gegend von Steinkops verschwunden sind, wurde das Kommando des Südbezirks angewiesen, die Bande energisch zu verfolgen und die Bondels zu überwachen. Eine Verbindung zwischen den Simon-Kopper-Leuten und den Bondels bei Stcinlopf erscheint nicht ausgeschlossen, Ein toleranter Antisemit. In Halle a. S. erscheint ein antisemitisches Skandalblättle, .Resorni" geheißen, dessen Redakteur Schröder dieser Tage in einer SchwuigeriebtSverhandlung wegen betrügerischen Bonirons eines jüdischen Kaufmanns als Zeuge vernommen wurde. Dabei stellte sich heraus, daß der leutsche Antisemitenhäuptling frisch und froh als Sachwalter des Bankrotteurs fungiert hotte. Während er am Tage in seiner.Reform' die Juden friiajsierte, fürchterlich über die Unmoral des jüdischen Kapitals schimpfte und Skandalgeschichten aus jüdischen Geschäften erzählte, führte er am Abend dem jüdischen Kaufmann die Bücher und.brachte sie in Ordnung'. Wie doS geschah, geht daraus hervor, daß sich zahlreiche Eintragungen für.Max und Moritz' fanden oder Buchungen auf de» 3l1. Februar 1808! Für seine solcher Art beschaffene Bemühung erhielt der Antiscmitenführer 120 M. Dem Gericht versicherte er. daß er sich nur deswegen mit dem Juden eingelasien. weil er herausgefunden, daß dieser.ein guter Mensch' sei. Ter Bankrotteur erhielt 1'/, Jahre Gefängnis. Mandatsmüde. Der fortschrittliche Abgeordnete Schräder, der Verlreier für Dessau, hat sich endgültig entschlossen, nicht wieder zu kandidieren Im Wahlkreise Dessau-Zerbst wurde Schräder 1807 als Block kandidat mit 19183 gegen 13 322 sozialdemokratische Stimmen ge� wählt. Als sozialdemokratischer Kandidat ist bekanntlich im Dessauer Wahlkreis Genosse Heine aufgestellt. Wie ein Agrarier die �leischnot beseitigen will. Ter.Praktische Landwirt', ein in Halle a. S. erscheinendes kandwirtschaftliches Organ, macht zur Beseitigung der Fleischteuc rung folgenden erbaulichen Vorschlag: »Die Fleischteuerung hängt, wie von anderer Seite schon dargelegt wurde, damit zusammen, daß die Landwirte zur Pflege de» Viehes nicht mehr genug Gesinde erhalten... Wenn sozusagen ein gewisser Eindämmungsversnch(der Landflucht der Dorsjugend) von Erfolg sein soll, wird vor allem die Schaffung eines Fonds nötig sein, aus den jungen Leuten, die sich zur Land Wirtschaft und Viehzucht verdingen, eine jährliche Gratifi kation von beiläufig 50 Dt. jährlich gewährt werden kann, die dem Burschen beim Eintritt zuoi Militär, dem Mädchen bei ihrer Verheiratung, im allgemeinen bei Vollendung des 20. Lebens- jahrcS ausbezahlt wird. Bei beiden Lebensabschnitten werden diese 300 M.(von der Konfirmation an gerechnet) eine hochwill» kommen« Beihilfe bilden und gewiß viele junge Leute bis zum gegebenen Zeitpunkte an die Landwirtschaft und Vieh- z u ch t fesseln... Und woher die Mittel nehmen? Gar kein Kunststück! Ter Landwirt kann sie selbstverständlich nicht aus bringen. Da die großstädtischen Vergnügungen aber einen wesent- lichen Faktor der Landflucht mit bilden, sollen diese auch quasi die Zeche bezahlen, und zwar in der Weise, daß jede Eintrittskarte zu irgend welcher Vergnügungsanstalt mit einer Steuer von 5— 20 Pf. belegt wird... Außerdem könnte aber auch wenigstens ein Teil jener Summen, die alljährlich für Studium bewilligt und gespendet wird, mit zu dem Zwecke Verwendung finden. Dem bildungS- und vcrgnügungsfeindlichen Verfasser dieser Vojiz gebührt ein Ehrenvorsitz im Bunde der Landwirte! Soldatenschinderei. vor dem Kriegsgericht der 15. Division stand der Unteroffizier Mahlburg vom Füsilierregiment Nr. 40 in Koblenz unter der Anklag«, in den Jahren 1807 und 1308 gewohnheiiSmäßig die R« kruten durch Schläge mit dem Seitengewehr mißhandelt zu haben. Einen Soldaten schlug er mit dem Gewehrkolben auf den Kopf. Infolge der fortgesetzten Mißhandlungen ist dieser Soldat desertiert. Als er mit blutendem Kopfe auf der Stube saß, kam der Hauptmann hinzu! aber aus Furcht vor weiteren schweren Mißhandlungen hatte er nicht den Mut. die brutale Mißhandlung zu melden. Cr zog eS vor zu desertieren. wofür er mit fieben Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse bestraft wurde. Auch von allen anderen Sol» daten hat keiner trotz der langandauernden Mißhandlungen. Quälereien und Schikanierungen den Mut gehabt, den Schinder zu melden. Erst infolge der Desertion deö erwähnten Soldaten kamen »ach dessen Ergreifung die Schandtaten des Mahlburg heraus. Er wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. England. Die Ausländerfrage vor dem Unterhause. Man schreibt uns aus London: Als erste parlamenta» rischo Folge der„Schlacht von Sidney Street' kam die Ein- wanderun�ssrage im Unterhause zur Sprache. Ein konservativer Abgeordneter frasgte den Minister des Innern, ob er Gesetzesmatznahmen vorschlagen werde, um die Einwanderung unbemittelter Personen zu verhindern. Churchill antwortete, daß ein solches Gesetz bereits bestehe, und daß er weitere Gesetzesvorschlöge über diesen Punkt nicht vorschlagen werde. Auf eine weitere Frage teilte Churchill mit, daß im Jahre 1910 610776 Ausländer nach England eingewandert und 597 506 von � hier ausgewandert sind: der Ueberschuß betrug also 12 270. Diese Zahlen sind nicht ganz zuverlässig, und der Ueberschuß schließt Besucher, Durchwandernde und See- lcute ein. Auf eine Frage über die ausländischen Per- breche? antwortete Churchill, daß die Zahl der Ausländer die Zahl der Lerbrcchen nicht merklich beeinflußt, wie die Gefängnisstatistiken beweisen. Der höchste Prozent- satz der ausländischen Gefangenen war im Jahre 1904 er- reicht, als dieser 2,22 Proz. betrug. Seitdem ist die Zahl der ausländischen Gefangenen um mehr als die Hälfte zurück- g e g a n g e n. und das Verhältnis ist jetzt 1,20 Proz. Diese Zahlen weisen an sich nicht auf die Notwendigkeit, das Gesetz strenger zu ge st alten. Es sei wahr, daß die auf Grund eines Gerichtsurteils ausgewiesenen ausländischen Verbrecher häufig dennoch wiederkehren, aber es liege an den Gerichten, solche Leute streng zu bestrafen. Die vorsichtig formulierten Antworten Churchills lassen nicht den zuversichtlichen Schluß zu, daß die Gefahr reaktio- närer Gesetzgebung aus Anlaß der Houndsditch-Asfäre völlig Gefeitigt ist. Die Konservativen haben beschlossen, selber einen Hus der Partei. Ei» Gedächtnisblatt für Paul Singer bietet der„Wahre Jacob" in seiner soeben erschienenen 20 Seiten starken Nummer seinen Lesern. Ein warmherziger Nachruf, dem ein gutes Porträt beigegeben ist, entstammt der Feder Eduard Bern st einS. Außerdem wird ein Brief Singers aus den ersten Tagen des Sozialistengesetzes, der einen Einblick in die damaligen Verfolgungen der Parte» gewährt, im Faksimile veröffentlicht. Im übrigen präsentiert sich die Nummer als eine Spezial- nummer»zur Bündlerparade', die bekanntlich diesmal nicht im Zirkus Busch, sondern un Eispalast zu Berlin stattfindet. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir: Bilder: Der Junkcrhut. Von M. Vanselow.— Eine ostpreutzische Idylle. Von Erich Schilling.— Clown Elard im Eispalast. Von M. Vanselow.— Fleischnotrummel. Von H. G. Jentzsch.— Aus dem Berliner Straßenleben. Von E. Erl und anderes mehr. Text: Der Notleidende. Bon Lehmann.— Aus dem preußischen Abgeordnetenhaus. Von Balduin.— Der Reichsverband rückt an. Von Tobias.— Japan. Von Balduin.— Von der Kronprinzenreise. Von T.— Das närrische Berlin.— Der römische Skandal. Von Tobias.— Der Preis der 20 Seiten starken Nummer ist 10 Pf._ Reichstagskandidatur. I» der am Sonntagvorinittog abgehaltenen Delegiertenversannn« lung für den dritten Hamburger ReichstagSwohlkrei» sprach Genosse Wilhelm Metzger, der den Kreis feit 1880 ununierbrochen im Reichstage vertritt, über.Die kommenden ReichStagSwahlen'. Der Antrag, Genosse Metzger. wieder mit der Kandidatur zu betrauen, fand einstimmige Annahme. Daß dieser auS den Vororten und dem Landgebiet« bestehende Kreis zu den Hochburgen unserer Partei ge> hört, braucht nur ea passant erwähnt zu werden. SlrbelderenS Sozialökonomik. Unter diesem Titel hat unser Genosse Puntcrvold, der an der sozialdemokratisck)en Abendschule zu Kristiania als Lehrer tätig ist, eine Nationalökonomie für Arbeiter herausgegeben, die an dieser Schule als Lehrbuch benutzt wird. In dem engen Rahmen von 102 Druckseiten gibt die Schrift eine llcbersicht über die Ge- schichte der Nationalökonomie und ihrer verschiedenen Systeme sowie eine Darlegung der Grundlehren des wissenschaftlichen So- zialismus: Das Buch soll dem strebenden Arbeiter die Kenntnisse vermitteln, die zu einem gründlichen Verständnis des Klassen- kampfes und seiner Bedingungen notwendig sind, und ist dazu auch offenbar in hohem Maße geeignet, um so mehr, als es ja zur Grundlage fiir den Unterrichtskursus dient, der dem Lernenden Gelegenheit bietet, sich immer wieder über Dinge, die ihm nicht hin- reichend verständlich sein sollten, Aufklärung zu verschaffen. Nach einer Einleitung über das Wesen und die Bedeutung des Lehr- gegenständes werden die verschiedenen Systeme und Richtungen der Nationalökonomie in ihren Zusammenhängen kurz und treffend geschildert. Was der Verfasser dabei über die deutschen Katheder- sozialistcn sagt, könnte vielleicht zu einer Ueberschatzung dieser Leute führen, wenn dergleichen auch dem Verfasser gänzlich fern- liegt. Er schreibt von dem Berliner Professor Adolf Wagner: „Gleichwie die Sozialisten fordert er, daß das jetzt herrschende pri- vatkapitalistische Rechtssystem aufgehoben werde, aber will hierbei nur die Hilfe der Gesetzgebung haben." Der Satz muß den Ein» druck erwecken, daß Wagner die Grundlagen des Kapitalismus ernsthaft erschüttern will. Besser wird die Richtung durch den dar- auf folgenden Satz charakterisiert�„Wagner meint, daß er im Der Arbeiter Merl Siss., 1839 geboren, stellte bei der LanstS?� Versicherungsanstalt Berlin den Antrag auf Bewilligung der Alters« rente. Sch. hatte den Nachweis über 740 geleistete Bettrage(resp. als solche anzurechnende Krankheitswochen) geführt. Der Autrag- steiler wurde abgewiesen, weil er in den ersten funs Jahren nur 181 Beitragswochen nachweisen, aber eine Bescheinigung über Beichafi»- gung in den Jahren 1883. 1888 und 1830 nicht beibringen konnte. Die ermäßigte Wartezeit, in unserm Fall 725 Wochen, kam nicht in Betracht. Sch. sollte vielmehr 1200 Wochen Wartezett zurücklegen. Nach vieler Mühe gelang es Sch., festzustellen, wo er in den Jahren 1888 bis 1890 gearbeitet hatte. Es wurde gegen den ablehnenden Bescheid der Landes-Versicherungsanstalt Berlin Berufung beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherung eingelegt und nun. gestutzt aus die von Sch. beigebrachte Bescheinigung, der Nachweis geführt, daß Sch. ein Anrecht auf die Ermäßigung der Wartezeit habe. Das Schiedsgericht verurteilte darauf die Landes-Versicherungsanstalt zur Zahlung der Rente. �...„. Je mehr Zeit seit dem Inkrafttreten des Jnvalidenversicheruitgs- gesctzes vergeht, um so schwerer dürfte es den Versicherten werden, sich Arbeitsbescheinigungen aus den Jahren 1888, 1389 und 1830 zu beschaffen. Der vorstehende Fall darf daher als Mahnung gelten, daß sich die Versicherten, sosern sie derartige Bescheinigungen nicht besitzen, derartige Bescheinigungen beizeitcu zu beschaffen, um etne Altersrente erlangen zu können. Merkwürdige Praktiken im Submissionswcsen. Am Mittwoch verhandelte die Strafkammer II des Landgerichts Hamburg in zwolsstündigcr Sitzung gegen sieben Inhaber großer Baufirmen(gegen zwei erkrankte bezw. verreiste Angeklagte soll später verhandelt werden), die sich des Betruges schuldig ge- macht haben sollen. Die Verhandlung gewährte einen tiefen Ein- blick in die„übliche Praxis" im Submissionswesen. Eine Frau L. hatte sieben Baufirmen aufgefordert. Offerten zum Bau eines Speichers einzureichen, wobei sie sich vorbehielt, die Auswahl unter den Mindestfordernden zu treffen. Die Unternehmer sind vorzüglich organisiert. Denn sie wußten sofort, welche Firmen zu submittieren beabsichtigten. Die neun Inhaber der sieben Firmen traten also zu einer Sitzung zusammen, setzten den Minimalpreis für den Bau auf 160 000 M. fest, übertrugen dessen Ausführung der Firma Gebrüder Haupt, schlugen 21 000 M. hinzu, in welche Summe sich die„ausfallenden" sieben Firmen teilten, so daß jede, ohne einen Handschlag getan zu haben, 3000 M. erhielt. Die„ausgefallenen" Offerten waren entsprechend höher gehalten. Durch einen Architekten, der in Unfrieden von der einen Firma schied, erhielt Frau L. Kenntnis von dieser Submissions- k o m ö d i e. woraus sie eine Zivilklage gegen Gebrüder Haupt an- strengte, die verurteilt wurden zur Zahlung eines Teiles der ctnge. klagten Summe. In diesem Prozeß, der alle Instanzen beschäftigte. wurden die sauberen Praktiken der zum Teil Millionen- schweren Firmen aufgedeckt, und nun wanderten die Alten an die Staatsanwaltschaft. Tie Angeklagten weisen entschieden zurück, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben, weil das von ihnen beobachtete Ver- fahren überall geübt werde: es handle sich um die„übliche Praris" zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz, eine andere Mög- lichkeit gebe es nicht, um sich vor Schaden gegen Unterbietungen zu schützen. Die Sachverständigen, darunter der Vorsitzende des Ar« beitgeberverbandes, H o l st, und Obermeister L u m m e r t, hatten gegen diese Praktiken durchaus nichts einzuwenden, die Unternehmer mußten sich schützen vor unlauterer Konkurrenz, die„Entschädigun- gen' bildeten nur ein Aequivalent für die Mühen und Kosten bei einer Submission, im übrigen Deutschland werde es zum Teil ebenso gemacht, wo es noch nicht durchgeführt sei. müsse es mit Hilfe der Organisation angestrebt werden usw. Ein Sachkundiger erklärte, die Unternehmer hätten Millionen an solchen Sub- missionsbeteiligungen verloren. Wie in der Verhandlung erörtert wurde, haben in der Sitzung der Unternehmer nur drei„Kalkulationen" vorgelegen, die anderen Unternehmer erhielten durch Los die Summe zugeteilt, die sie ihren Offerten zugrunde legen mußten. Der Staatsanwalt bezeichnete diese Submission als etne F a r c c, die in dem Zivilprozch gegen die Firma Haupt vom Ober- landesgericht als gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnet wor- den sei. die Angeklagten hätten sich einen Vermögensvorteil er- schlichen, aber trotzdem müsse er aus subjektiven Gründen Freisprechung beantragen, weil die Angeklagten sich nicht be- wüßt gewesen seien, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil ver- schasft zu haben. � Das Gericht schloß sich nach längerer Beratung d i e se m A n t r a g e a n. Die„Komödien" im Submissionsberfahren können also unge- stört weiter aufgeführt werden. Den Bauarbeitern bieten sie einen guten Fingerzeig für ihre Dispositionen; sie werden die stereotypen Erklärungen der Unternehmer:„Wir können der Konkurrenz wegen keine höheren Löhne bewilligen," gebührend einschätzen. Staatsso�ialismuS den goldenen Mittelweg zwischen Liberalismus und Sozialismus gefunden habe." Den breitesten Raum nimmt selbstverständlich der wissenschastliche Sozialismus ein. dessen Lehren dem Leser klar und leichtfaßlich vorgeführt werden. Dabei kam- wen auch die theoretischen und talttschen Differenzen, wie sie ja am deutlichsten innerhalb der deutschen Sozialdemokratie hervor- getreten sind, nicht zu kurz. Der Verfasser widmet ihnen nicht weniger als 14 Seiten seines Buches und gibt namentlich eine Uebersicht über die Polemiken zwischen Bernstein und KautSkh. Puntervold wendet sich entschieden gegen den Revisionismus und schreibt über dessen Vertreter unter anderem:.Ihrer Politik fehlt nicht allein Ziel, sondern auch Potnt,— die Revisionisten sind schon auf der Schwelle zu allgemein wässerigem Liberalismus angelangt; noch stehe» sie schwankend, aber verlassen sie den Programmpunkt: Ucbernahme der Produktionsmittel durch die Gesellschaft, so haben sie damit das Recht verloren, sich Sozialdemokraten zu nennen." Daß in den gcschicksslichen Angaben Lassalles„Arbetterpro- gramm" und sein„Offenes Antwortschreiben" in das Jahr 1853 verlegt werden, ist offenbar nur ein Druckfehler; eS sollte heißen 1862 und 1863.— Den Schluß des Buches, dem ein zweiter Band folgen soll, bildet ein«„Sozialhistorie", eine Uebersicht über die Ge- schichte der sozialen Verhältnisse tn ihrer Abhängigkeit von den Produktionslveiscn,__ Soziales. Ermätzigung der Wartezeit beim Anspruch auf MterSeente. Nach den Bestimmungen des JnvalidcnvcrficherungsgesetzeS be- trägt die Wartezeit zur Erlangung der Altersrente 1200 Beitrags- wachen. Diese Wartezeit ermäßigt sich jedoch für diejenigen, die beim Inkrafttreten des Gesetzes<1. Januar 1891) daS 40. Lebens- jähr erreicht hatten um je 40 Wochen für jedes Jahr, um das das 40. Lebensjahr überschritten war. Voraussetzung für die so herab- gesetzte Wartezeit ist jedoch, daß der Versicherte in den drei Jahren vor vem Inkrafttreten deS Gesetzes, also 1888, 1889 und 1880, be- russmäßig, wenn auch nicht ununterbrochen, Arbeiten verrichtet hat. Dieser Nachweis wird jedoch erlassen, wenn der Antragsteller in den ersten fünf Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes mindestens 200 1 Beitragsmarlen auf ötuni der BersicherungSpflicht geleistet hat. Hus der frauenbewegung. Tu Homisexualitätsparagraph und die Frauen. T« HomssuualitatSparagrapy und die srauen. Unter ker großen Zahl rückschrittlicher.Bestimmungen, die der neue Regie- rungSentwurf zum Strafgesetzbuch borsieht, befindet sich auch die Ausdehmmg des Homosexualitätsparagraphen auf die Frau. Ein« Protestkundgebung gegen die geplante Gesetzes« Verschlechterung veranstaltete dieser Tage der Bund für Mutterschutz. DaS einleitende Referat hielt Dr. Helene S t ö ck e r. Obwohl— nach ihren Worten— der Bund eine seiner Aufgaben darin erblickt, der normalen Liebe zwischen Mann und Weib jede Förderung zu erwirkei», hält er cS doch für angezeigt, jetzt für die neu und schwer bedrohte» Frauen einzutreten, die von den Gesetzesbestimmungen der ZK 175 resp. 250 getroffen werden könnten. Die Rednerin verurteilt unsere gesamte heutige Geschlechtsmoral und fordert zur Abwehr der staatlichen Einmischungs- versuche auf. Dann sprach Dr. Magnus Hirschfeld vom Stand. Punkt des Spezialarztes und Naturforschers zum Thema. Es gibt zwischen den Geschlechtern Zwischenstufen, die vom Durchschnitts- typuS abweichen. Die Natur bringt nicht selten volle und halbe Zwitter hervor, die nicht normal empfinden können. Da eine riesige Zahl von Vergehen gegen den K 175 geheim bleibt, so ist nicht die Tat straffäll'g. fondern das Pech, daS einer hat. Im übrigen hofft der Redner von den kommenden ReichStagSwahlen eine Niederlage der Reaktion. Professor Bruno Meyer erörterte das Thema von rcchtswissenschaftlichen Gesichtspunkten aus und kam gleichfalls zur unbedingten Verwerfung der Vorlage. Er hält jede staatliche oder gesetzliche Einmischung in geschlechtliche Ding« für verfehlt, so» lange kein Rechtsgut geschützt werden muß. Verletzungen von Rechtsgütern wären z. B. Mißbrauch jugendlicher, bewußtloser oder nicht verfügungsfähiger Personen. Gewaltakte oder Körperver- letzungen. Di« Bestimmungen über Sittlichkeitsverbrechen im Str.-G.-B. bilden überhaupt einen Komplex, der zertrümmert werden sollte, um so mehr, als die höchsten Rcchtsgüter der Frei« heit nicht genügend geschützt sind. Zum Schluß hielt Dr. med. Heinz Stabe! eins Nachlese. In einem kurzen kulturhistorischen Rückblick kam er zu dem Schluß, daß wir es in der Verfemung der Homosexuellen mit einem Niederschlag der Moraltheorie des Mittelalters zu tun haben, die jeden Geschlechtsakt für unsittlich erklärte, der nicht der Zeugung dient. Normal geworden ist noch kein Homosexueller durch de» § 175. Wohl aber trägt die geltende Rechtsauffassung zu ihrer Ver- mehrung bei, indem sie die Unglücklichen zur Verehekichung zwingt. Eine getvaltige Zunahme homosexueller Akte durch incht abnorm Veranlagte haben ztveifellos auch die bekannten Staiidalprozesss verursacht. Redner betont am Schluß, wie Dr. Stöcker im Ein« gan�Sreferat, daß der Bund für Mutterschutz nur aus reinen und sittlichen Gründen an die Behandlung dieses heiklen Themas ge» i gangen sei. Eine im Sinne der Referate gehaltene Protestreso, j littion fand Annahm�.,— GcwcrhrcbaftUchce* Carifbewegung der Buchdrucker. Der Tarif der deutschen Buchdrucker läuft mit Ende dieses Jahres ab, und rüsten sich daher die Buchdrucker aller- orts, um Anträge für die neuen Tarifverhandlungen zu stellen. Die Berliner Buchdruckergehilfen nahmen am Sonntag, den 12. Februar, in den Niesenräumen der „Neuen Welt" Stellung dazu. Schon lange vor Beginn der Versammlung waren alle Säle der„Neuen Welt" drückend gefüllt. Die Zahl der Anwesenden dürfte mindestens 8— 10 000 betragen haben und viele Hunderte mußten im Garten oder in anschließenden Lokalen warten, bis die denk- würdige Tagung ihr Ende erreichte. Selten sind Massen von Arbeitern von dem Ernst der Situation so erfaßt gewesen, wie in diesem Falle. Kein Mißton regte sich bei den Aus- führungdn des Referenten und der Diskussionsredner, sondern stürmischer Beifall griff Platz, als die Anwesenden alle für die Tarifrevision gestellten Anträge vernommen hatten. Die Anträge gipfelten in der Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung des Lohnes und der Grundpositionen, Beseitigung der Ueber- st u n d e n a r b e i t, Ausbau der Lehrlingsskala und des Arbeitsnachweises. Der Referent wies in überzeugender Weise nach, wie in den letzten Jahren nicht nur alle Lebens- mittel, Wohnungsmiete und Abgaben sich um 20 bis 30 Prozent durch die famose Steuer- und Wirstchaftspolitik der Regierung erhöht hätten, sondern �uch wie sich die Ausgaben durch die gewerblichen Arbeitsverhältnisse immer drückender gestalten. Die Arbeitslosigkeit unter den Berliner Buchdruckern hat eine Höhe erreicht, wie sie in anderen Ge- werben nicht üblich ist. Von 10 500 Gehilfen waren im vergangenen Jahre 4300 wiederholt arbeitslos, und zwar nickt nur auf wenige Tage, sondern monatelang, dabei grassiert im Gewerbe die üppigste Ueberarbeit, unter der nicht nur die Gehilfenschaft, sondern auch die Lehrlinge zu leiden haben. Nicht weniger denn 4 bis 5 Stunden kamen auf jeden Lehrling pro Woche bei einer in den Monaten April uich Mai im vergangenen Jahre aufgenommenen Statistik. Aus den Berichten der Berliner Ortskrankenkasse ist ersichtlich, daß die Tuberkulose immer mehr unter den Lehrlingen um sich greift, und— kaum Gehilfe geworden— sind viele dem Tode geweiht.— Von den 10 500 dem Berliner Berein angeschlossenen Gehilfen wohnen 3933 Gehilfen in 81 Gemeinden, 2963 in den verschiedensten Himmelsrichtungen Berlins und nur 2172 Gehilfen in der Nähe der Betriebe: 8466 arbeiten in Berlin und nur 602 in den Vororten. Die Ausgabe für Fahrgelder beträgt über 10 000 Mk. pro Woche für diejenigen Gehilfen, die außerhalb oder in den ver- sck,iedensten Himmelsrichtungen wohnen, um nach der Arbeits- stelle zu gelangen.— Ein weiterer Mißstand in den Berliner Buchdruckereieu ist der, daß die Arbeitspausen fast nie ein- gehalten, sondern immer versckzoben werden oder durchgearbeitet wird. In Staub und Schmutz müssen viele Gehilfen ihre Mahlzeiten einnehmen. Kein Wunder seien daher die vielen Erkrankungen der Lungen und Atmungsorgane.—„Hin- reichender Schutz unserer Gesundheit, auskömmlicher Lohn. Unterbringung der Arbeitslosen, dies sind die Haupt- aufgaben, die wir zu erfüllen haben." Mit diesen Worten schloß der Referent seine Ausführungen.— Die Vorschläge des Gauvorstandes wurden darauf ein- stimmig angenommen unter Zugrundelegung folgender Resolution: Die am 12. Februar 1911 in den überfüllten Sälen der „Neuen Welt" versammelten mehr als 10 000 Buchdrucker Berlins erklären sich mit den Ausführungen des Referenten und den Anträgen des Gauvorstandes, sowie der Antragsteller zur diesjährigen Tarifreoision in jeder Beziehung einverstanden und bezeichnen eine den herrschenden Teuerungsverhältnissen entsprechende Lohnaufbesserung, sowie eine Bekämpfung der er- schreckend hohen Arbeitslosigkeit durch Verkürzung der Arbeits- zeit und wirklich durchgreifende Maßnahmen gegen das Ueber- stundenunwesen als unbedingt erforderlich. Die Bersammlung verlangt für Berlin die durchgehende Arbeitszeit und spricht die feste Zuversicht aus, daß der bevorstehende Verbandstag in Han- nover den ernsten Willen unseres größten Gaues mit zirka 12 000 Mitgliedern gebührend würdigen und die Gehilfenvertreter be- auftragen wird, die volle Schwerkraft unserer großen Gesamt- organisation für die Verwirklichung dieser unumgänglich not- wendigen Forderungen einzusetzen. Ferner gedachte die Versammlung der um die Ver- kurzung der Arbeitszeit kämpfenden Londoner Buch- dr ucker. Sie verurteilte das Gebaren der verschiedensten Berliner bürgerlichen„tariftreuen" Blätter, namentlich der „Morgenpost" und des„L o k a l- A n z e i g e r s", durch Aufnahme von Inseraten, durch die sie den kämpfenden Londoner Buchdruckern in den Rücken fallen, auf das ent- schiedendste und nahm folgende Resolution an, die sie der Londoner Setzergesellschast per Telegramm übermittelte: Tie am 12. Februar 1911 zum Zweck der Stellungnahme zur Tarifrevision versammelten 10 000 Buchdrucker des Gaues Berlin gedenken bei dieser Gelegenheit auch ihrer um die Ver- kürzung der Arbeitszeit kämpfenden Berufsgenossen in London. Die Versammelten erblicken ebenfalls in der Verkürzung der Arbeitszeit eine dringende Notwendigkeit, die aus den Verhält- nissen der heutigen Produktionsweise entspringt und in ihrer Hauptsache die ungeheuer um sich greifende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen geeignet ist. Die versammelten Berliner Buchdrucker drücken daher ihren Londoner Kollegen die wärmste Sympathie zu ihrem gerechten Kampfe aus und wünschen ihnen einen vollen Erfolg. Ter Vorsitzende schloß hierauf die Vtztsammlnng mit einem dreifachen Hoch auf die Tarifbcwegung und den Ver- band der deutschen Buchdrucker. Berlin und Qmgegenck. Da? Zentralschiedsgericht für das Bangewerbe tritt am 16. Februar d. I. zu seiner ersten Tagung in Berlin (Reichstagsgebäude) zusammen. Vorgesehen sind drei Verhand- lungstage: Donnerstag, Freitag und Sonnabend. Ob es in dieser Zeit den vorliegenden Stoff bewältigen wird, ist allerdings frag- lich. Auf der Tagesordnung stehen 106 Beschwerdeschriften, die zusammen 145 Streitpunkte umfassen. Von den den Verbänden bis jetzt vorgelegenen 67 Beschwerdeschriften sind 42 vom Arbeit- geberbund für das Baugewerbe eingebracht. 8 von dem Deutschen Bauarbeiterverband und Zimmererverband gemeinsam, 6 vom Deutschen Bauarbeitervcrband allein, 8 vom Zimmererverband allein, 2 vom Christlichen Bauarbeiterverband allein und 1 vom Deutschen Bauarbeiterverband und vom Christlichen Bauarbeiter- verband gemeinsam. In den überwiegenden Fällen(42 von 67) sind also Arbeitgeberverbände Beschwerdeführer. Daraus darf man jedoch nicht schließen, daß in allen oder auch nur in der Mehr- zahl dieser Fälle die Arbeiter die Bockbeinigen wären, sondern im Gegenteil, in der Mehrzahl dieser Fälle werden Zumutungen an Lerantw. Redakt.: Richard Lartj, iöeWü�Znferatenteil verantw.; 5le. Arbeiter gemacht, die man als Hohn auf einen paritätischen Tarifvertrag bezeichnen kann. Achtung, Maler! Bei der Firma Seerig u. Jvens, Rei- nickendorf, Eichbornstraße, haben die Kollegen keinen Lohn erhalten und warnen wir unsere Kollegen davor, dort in Arbeit zu treten. Die Bauten sind Grünthaler Straße S6 und Transvaalstraße 21, _ Die Ortsverwaltung. An die organisierten Arbeiter von Grost-Berlin! Die unterzeichnete Ortsverwaltung Berlin III(Bierabzieher) des Verbandes Deutscher Gastwirtsgehilfen ersucht die Arbeiter Groß-Berlins. in allen ihren Verkehrs- und Vereinslokalen darauf zu achten, daß die dort beschäftigten Bierabzieher auch organisiert sind. Es ist dies um so notwendiger, als infolge der Einzel- arbeitsnachweise der Bierabzieher dieselben für die gewcrkschaft- liche und politische Organisation schwer zu haben sind, es doch aber Pflicht eines jeden zielbewußten Arbeiters ist, die indifferente Masse aufzuklären. Die Verbandskarten sind in diesem Viertel- jähr rot mit schwarzem Druck, und müssen die Beitragsrubriken ordnungsmäßig abgesiempelt sein. Die in Groß-Berlin erschei- nendcn Gewerkschaftsblätter werden um Abdruck gebeten. Verband Deutscher Gastwirtsgehilfen, Ortsverwaltung Berlin III (Bierabzieher). veutkcbes Kelch. Achtung l Steinsetzer, Pflasterer! Warnung vor Arbeitsannahme nach Casablanca (M a r o k k o). Ein Unternehmer B. in Hamburg oder Altona sucht Steinsetzer nach Casablanca. Wir müssen unsere Kollegen dringend vor Annahme dieses Angebots warnen, da der betreffende Unternehmer die Arbeit zweifellos nur als Subunternehmer über- nommen hat und den Namen seines eigentlichen Auftraggebers trotz wiederholter Erkundigungen verschweigt. Der Unternehmer B. bietet jedoch keinerlei Garantie, daß die Arbeiter, die nach Cosa- blanca gehen, ihren Lohn erhalten, da dieser schon bei Arbeiten in Deutschland wiederholt erst auf gerichtlichem Wege zur Zahlung der schuldigen Löhne veranlaßt werden konnte. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß nun unter anderem Namen Steinsetzer zu cnga- gieren versucht werden. Wir warnen unsere Kollegen deshalb dringend vor Annahme irgendwelcher Angebote. Jedenfalls empfehlen wir ihnen, vorkommendenfalls sich unter allen Um- ständen zuerst an ihren Verbandsvorstand zu wenden; er gibt auch unorganisierten Kollegen in dieser Frage gern Auskunft. Zcntralverband der Steinsetzer. Berlin NW., Wiclefstr. 17. Zur Lohnbewegung der Bergarbeiter im Ruhrrevier. Am 12. Februar fand in Bochum eine von den drei Organi- sationen, alter Verband. Polnische Berufsvereinigung und Ge- werkverein der Bergarbeiter(H.-D.) einberufene allgemeine Revier- konferenz der Schacht delegierten statt. Der Zweck der Konserenz war, die Berichte über die stattgesundenen Sitzungen der Arbeiter- ausschüffe entgegenzunehmen, in welchen über die von den drei Verbänden gestellten Forderungen verhandelt worden ist. An- wesend waren 419 Delegierten, welche 260 Schachtanlagcn ver- traten. Aus den Berichten über die Arbeiterausschußsitzungen ist fol- gendcs für die Ocffcntlichkeit von Interesse: Die Forderung nach einer löprozentigen Lohnerhöhung wurde von allen Gruben- Verwaltungen abgelehnt. Ihre ablehnende Haltung begründeten die Werksvertreter mit der augenblicklichen immer noch ungün- stigen Geschäftslage in der Montanindustrie. Ferner hindere sie die englische Konkurrenz, die geforderte Lohnerhöhung zu be- willigen. Letztere zwänge sie, ihre Kohlen zum Teil unter den vom Kohlensyndikat festgesetzten Richtpreisen zu verkaufen. Die meisten Grubenverwaltungen haben aber versprochen, bei steigender Kon- junktur auch die Löhne entsprechend steigen zu lassen. Eine Anzahl Grubenverwaltungen haben aber auch Ber» sprechungcn gemacht, die Löhne sofort aufzubessern. Unter anderen hat die Zeche Zweckel versprochen, die Löhne um 30 Pf. pro Schicht zu erhöhen. Viktoria Mathias will die besonders niedrigen Löhne aufbessern. Die Verwaltung von Eulenbaum und der Tanne it- baumschächte versprach, die Betriebsführer anzuweisen, die Ge- dinge so zu regeln, daß die Arbeiter auskömmliche Löhne verdienen könnten. Die Verwaltung der Zeche versprach, die Löhne ab 1. Februar zu erhöhen, auf einen bestimmten Prozentsatz wollte ie sich aber nicht festlegen. Slehnliche Zugeständnisse haben eine Anzahl anderer Grubenverwaltungen gemacht. Mehrere Gruben» verlvaltungen wollten durch den weiteren Ausbau ihrer„Wohl- ährtseinrichtungen" zu Hilfe kommen, um dadurch der allgemeinen Teuerung entgegen zu wirken. Daß die Arbeiter unter der Herr- chenden Teuerung leiden, haben mehrere Grubmwerwaltungen anerkannt, aber betont, an der Teuerung seien sie nicht schuld, öndern die Parteien� welche für die hohen Zölle gestimmt hätten. Der Direktor der Zeche Rheinpreußen meinte, die Arbeiter sollten sich wegen der Teuerung beim Zentrum beschweren. Besonders hervorgehoben verdient aber noch, daß sich die Herren Werksver- treter bei der Ablehnung einer 15 prozentigen Lohnerhöhung auf den„christlichen Gewerkverein" berufen haben. ES wurde ange- führt, alle Arbeiter wollten ja gar nicht eine IS prozentige Lohn- erhöhung, besonders die„christlichen" nicht, diese hätten nur ge- beten, das Zahlen von Löhnen zu vermeiden, die weit unter dem Durchschnitt stehen. Herr Grubendirektor Höh von Consolidation benutzte sogar zur Begründung der Ablehnung einer 15 prozentigen Lohnerhöhung ein vom„christlichen Gewerkverein" herausgegebenes Flugblatt! Punkt 2 der eingereichten Forderungen kommt nur für etwa die Hälfte der Gruben in Betracht, da auf den anderen das Per- bauen der Strecken und sonstige Nebenarbeiten besonders bezahlt werden. Die Mehrzahl der Grubenverwaltungen, denen diese For- derung gestellt war, lehnten dieselbe ab. Eine Anzahl haben aber auch in dieser Beziehung Zugcständn-sse gemacht. Unter denen. welche diese Forderung ablehnten, gehört auch Zeche Amalia in Werne. Merkwürdig ist aber die Begründung mit der das geschah. Die Grubenverwaltung ist der Ansicht, daß, wenn die Neben- arbeiten nicht bezahlt werden, die Sicherheit in der Grube größer sei. Wenn jetzt ein Stempel gebrochen sei, gingen die Hauer von selbst hin und setzten einen anderen. Würde es aber besonders bezahlt, täten sie das nicht, sondern warteten, bis der Steiger kommt und es ihnen befiehlt. Das glaubt den Herren kein Mensch, der die Verhältnisse kennt, denn das Gegenteil ist richtig. Die Forderung bezüglich des Zwangsarbeitsnachweises ist von allen Grubenverwaltungen abgelehnt worden. Die Werksherren behaupten, der Arbeitsnachweis sei eine WohlfahrtSeinrichtung, d-e sie mit großen Opfern für die Arbeiter geschaffen hätten. Da- für sollten ihnen letztere eigentlich dankbar sein. Sämtliche Konferenzteilnehmer waren einmütig der Anficht. daß die ablehnende Haltung der Wcrksbesitzer nicht berechtigt ist und, soweit Zugeständn'sse gemacht sind, wurden dieselben als un- genügend bezeichnet. Einstimmigkeit herrschte aber auch darüber, daß die Werksherren eine wesentlich andere Haltung eingenommen hätten, wäre der„christliche" Gewerkvcrein gemeinsam mit den anderen Organisationen vorgegangen. Er ist daher dafür mit vev- �Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. tz-Verlggsanstgl) antwortlich zu machen, daß bei der Bewegung bisher nicht u erzielt wurde. In der ausgiebigen Diskussion, an der sich Delegierte aller 1 Organisationen beteiligten, sprachen sich die meisten Redner r Rücksicht auf die schofle Handlungsweise der„Christlichen" geg einen sofort gen Streit aus. Der Kampf solle vertagt werden, u abzuwarten, ob die Werksbesitzer ihre gegebenen Versprechen eii lösen werden. Aber es soll auch den„Christlichen" der Haupt vorwand genommen werden, der sie angeblich hindert, sich der Lohn bewegung anzuschließen. Sie behaupten ja, der Verband habe die Lohnbewegung inszeniert wegen der bevorstehenden Retchstagswahl. Es wurde beschlossen, von den drei Organisationen ein gemein- sames Flugblatt herauszugeben, worin die Bergarbeiter über die Verhältnisse aufgeklärt werden sollen. Folgende Resolution wurde mit 349 gegen 69 Stimmen an- genommen: „Die heute in Bochum tagende Konferenz der Schachtdelegier» ten der drei Organisationen nimmt mit Bedauern Kenntnis von der den Arbeitern so wenig entgegenkommenden Haltung der Werksherren in den Arbeiterausschußsitzungen. Die Konserenz erkennt die von den Werksvcrtrrtern angeführten Gründe für ihre ablehnende Haltung nicht als berechtigt an. Sie ist viel» mehr der Ansicht, daß bei einigermaßen gutem Willen die Forde- rungen bewilligt werden konnten. Neben der Ablehnung der Forderungen durch die Werks- besitzer verurteilt die Konferenz aufs schärfste die verräterische Haltung der christlichen GewerkvcreinSleitung, wodurch die Werts- Herren mit veranlaßt wurden, den Forderungen der drei anderen Verbände wenig Entgegenkommen ju zeigen. Die Konferenz erwartet von den Mitgliedern des chrstlichen Gewerkvereius, daß sie auf die Leitung ihrer Organisation in dem Sinne wirken. daß selbige ihre arbeiterschädigcnde Handlungsweise unterläßt. Denn nur durch einiges und geschlossenes Vorgehen aller Berg- arbeiter können deren berechtigte Forderungen durchgesetzt werden. Die Konferenz hält nach wie vor die von den drei verbündeten Organisationen gestellten Forderungen aufrecht und erwartet von den Grubenbesitzern, daß sie dieselben erfüllen. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige, durch die Matznahmen der Gewerkvereins- leitung für die Arbeiter ungünstig gestalteten Situation be- schließt die Konferenz, den Bergleuten zu empfehlen, zunächst eine abwartende Haltung einzunehmen, um zu sehen, ob die Werksbesitzer ihr Versprechen, die Löhne steigen zu lassen, ein, lösen werden. Die Konferenz erklärt aber, daß der Kampf nur als vertagt zu betrachten ist, wenn die Versprechungen, welche den Bergarbeitern seitens der Werksbesitzer gemacht worden sind, nicht erfüllt werden. Er soll in diesem Falle zu einer gelegenen Zeit mit aller Energie aufgenommen und nötigenfalls mit den äußersten Mitteln weiter geführt werden. Die Konferenz beauf» tragt die Vorstände, in diesem Sinne zu handeln." Der Rastatter Streikbreibcrführer, der unter dem Namen „langer Toni" sich einer romantischen Berühmtheit erfreut, ist vom dortigen Schöffengericht wegen groben Unfugs und Be. drohung zu 4 Tagen Gefängnis verurteilt worden, welche durch die Untersuchungshaft verbüßt sind. Er gibt selbst zu, den Streiken- den mit Niederschießen gedroht zu haben, wenn sie etwas wollten. Es waren unheimliche Situationen in Rastott, als der Toni vor seinen mit Dolchen ausgerüsteten Hintzemännern unter den Auge» der bewaffneten Staatsmacht für die Aufrechterhaltung der„Ord- nung" in Rastatt sorgte. Jetzt kann der sehr brauchbare Banden- führer wieder in die Waggonfabrik als Platzkommandant zurück- kehren, wo er eine Zahl Arbeiter, insbesondere aus dem christ- l i ch e n Lager finden wird, die aus der Umgebung Rastatts als Streikbrecher herbeikamen und unter der Leitung dieses Banditen sich in richtiger Gesellschaft befinden. Die Aussichten für die Streikenden werden dadurch nicht schlimm. Hetzte Nadmebten. Bon Kneipkuuipanen erschlagen. Zavrze, O.-Schl., 18. Februar.(B. H.) Nach einer Kneipe« rei kam es zwischen Beteiligten zu einer furchtbaren SchlSgerei, wobei ein Arbeiter so entsetzlich mißhandelt wurde, daß er kurz darauf starb. DaS Gesicht des Toten war bis zur Unkenntlich, lichkcit zerfleischt. Der Täter ist verhaftet. Unter den Rädern der Straßenbahn getötet. Bamberg, 13. Februar.(B. H.) In der Hauptwachstraße wurde die 24jährige Bauersfrau Büttner von einem Straßenbahnwagen überfahren und getötet. Eine Skandalaffäre in Pola. Bola, 13. Februar.(B. H.) Hier erregt eine Skanbalaffilre großes Aufsehen. Unter dem Verdacht der Engelmacherei wurde< eine Hebamme und neu» kompromittierte Personen verhafte� Massnahmen gegen die Pestgefahr. Petersburg, 13. Februar.(W. T. 93.) Wie der medizinische Generalinspektor aus Wladiwostok meldet, sind bisher im Küstengebiet keine Erkrankungen an Pest festgestellt worden. In den Stationen Pogranitschnaja und Nikolsk, Ussuri» i s k sind Krankenhäuser und an den belebten Fahrstraßen ärztliche Beobachtungsstationen eingerichtet worden, so in Chuntschun, P o l t a w a und I m a n. Zur Zeit der Eröffnung der großen Schiffahrt wird die ärztliche Beobachtungsstation in Wladiwostok erweitert werden. ES ist beabsichtigt, die koreanische Vor» stadt von Wladiwostok, welche auS einer Anzahl eng,zu» sammengedrängter und dichtbewohnter Baulichkeiten besteht, niederzulegen und die Bevölkerung an einer anderen Stelle wieder anzusiedeln. Zur schleunigen Feststellung des ersten p e st- verdächtigen Falles ist ein umfassender sanitärer Kundschafts» dienst organisiert worden. In Charbin sind gestern neunzehn Todesfälle an Pest zu ver- zeichneu gewesen._ Soldatenrevolte in der Türkei. UeSküb, 13. Februar.(B. HO Ein zum großen Teil aus Alba» nesen bestehendes Redisfbataillon in Ghilane erklärt. revoltieren zu wollen, wenn man eS zwinge, nach dem Auf- standSgebiet im Femen zu gehen. Auch die Reservisten aus Prechewo und Kalkandele haben, als sie in Saloniki ein- geschifft werden sollten, dagegen Protest erhoben. Nur mit großer Mühe gelang eS den Offizieren, die Disziplin aufrecht zu erhalten._ Vorbereitungen der türkischen Flotte. Konstantinvpel, 13. Februar.(B. H.) Alle türkischen Kriegsschiffe haben in diesen Tagen Befehl erhalten, ihre Ausrüstung bis spätestens Anfang Frühjahr zu vollende«. Meh» rere Schiffe der Marmaraflotte werden zurzeit in den hiesigen Docks repariert. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltungSbU Ziellstag, Ii Febttlkl 191L Reicbatag« 126. Sitzung. Montag, den 13. Februar 1911, nachmittags 2 Uhr. 0m DundeSratStisch: v. Tirpitz. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Mariueetats. Die Beratung beginnt bei Kapitel 45(Reichsmarineamt und Marinekabinett) Titel 1(Gehalt des Staatssekretärs). Präsident Graf Schwerin schlägt vor, das Zulagewesen hier gleich mit zu bebandeln. Abg. Lededour(Soz., zur Geschäftsordnung): das Zulagewesen ist sehr umfangreich und es wird deshalb einfacher sein, es ge- sondert bei Kapitel öl(Geldverpflegung der Marineteile) zu be» handeln. Abg. Dr. Stnive(Vp.. zur Geschäftsordnung) wünscht das Zulagewesen erst in Kapitel 51 bei den Titeln S— 16(Zulagen für Offiziere. Löhnungszuschüsie für Mannschaften und persönliche Zu- lagen) behandelt zu sehen. Die Abg. Bassermann(natl.) und Erzberger schließen sich dem Wunsch des Präsidenten an, da bei dem Titel Staatssekretär doch niemand verhindert werden könne über die Zulagen zu sprechen. Präsident Graf Schwerin will das Haus über seinen Vorschlag abstiinmen lassen. Abg. Lededour(Soz.,' zur Geschäftsordnung) erhebt hiergegen Widerspruch, da niemand verhindert werden kann, wenn jetzt auch über das Zulagewesen gesprochen werde, bei den betressenden Titeln wieder das Wort zu nehmen und auch Anträge zu stellen. Abg. Baffrrmanu(natl.) beantragt, die Beratung des Kapitel öl Mit der des Titels Gehalt des Staatssekretärs zu verbinden. Dieser Antrag wird angenommen. Präsident Gras Schwerin schlägt vor, auch das Kapitel ö2(In- diensthaltungen) gleich mit zu verhandeln, da auch hierbei das Zu- lagewesen eine Rolle spielt. Abg. Lededour(Soz., zur Geschäftsordnung) widerspricht diesem Vorschlag: das Kapitel 52 hat gar keinen Zusainmcnhang mit dem Zulagewesen, außer daß ein sozialdemokratischer Antrag vorliegt, einen darin enthaltenen Titel zu erhöhen, um den Heizern die bis- herigcn Zulagen zu lassen. Abg. Dr. Strnve(Vp., zur Geschäftsordnung) schließt sich dem Lorredner an. Abg. Basscrmann(natl.) beantragt, die Beratung der ersten Titel des Kapitel ö2, die ebenfalls mit dem Zulagewesen zusammenhängen, Mit der des Gehalts des Staatssekretärs zu verbinden. Dieser Antrag wird angenommen. Hierzu liegt der Antrag A l b r e ch t und Genossen(Soz.) vor: „Für das Maschinen-, Funkentelegraphen-, Artilleriemechaniker- Mechaniker-, Feuermcister- und Heizerpersonal, dem durch die New regelung des Zulagewesens die Stellenzulagen entzogen sind, werden die Zulagen m der bisherigen Höhe wieder hergestellt und hierzu wird in Kapitel ö2 der Titel 2a(Stellenzulagen) statt 2 908 000 M. eingesetzt: 3 228 000 M." Abg. Erzberger(Z.s: Die deutsche Flotte ist keineswegs auf Schulden gebaut, der Schiffsbauwert unserer Flotte ist größer als der auf Anleihe genommene Teil, und dies Verhältnis wird von Jahr zu Jahr besser. Wir waren also mit unserem Flottengesetz vnd semer Bindung auf dem richtigen Wege. Die französische Re- gierung nimmt sich jetzt unser Flottenprogramm zum Vorbild und selbst im englischen Unterhaus hat man unser Flottengesetz fast als ,»ust»rgültig bezeichnet; fast als einziger Fehler wurde feine Elastizität bezeichnet, die wir gerade als einen beionderen Vorzug bettachten. Jetzt muß der Haupwachdruck auf den inneren Ausbau der Marine gelegt werden, auf die Heranbildung tüchtiger Mannschaften und Offiziere, die s i t t l i ch- r e l i g i ö s fein müssen: dann find auch ihre Nerven widerstandsfähiger und sie meiden dann auch leichter den Alkohol. Auch die technische Vervollkommnung darf nicht versäumt werden— übrigens hat sie durch die Bindung deS Flottengesetzes nicht gelitten.— Wir haben aus unfern Wunsch eme Denkschrift über das Zulagewesen erhalten. Es ist anerkennenswert, daß es dem Staatssekretär gelungen ist. hier durch die Neuregelung eine Ersparnis von 1,4 Millionen Mark zu erzielen. Es ist zu billigen, daß in Zukunft.blinde Tafelgelder' nicht mehr gezahlt werden. Aber ich bekämpfe alle Zulagen prinzipiell, das Gehalt soll auskömmlich sein. Gegen die neuen Zulagen wird kaum jemand etwas einzuwenden haben. Ein Streit ist entstanden bei den Zulagen des Maschinen- und Heizer- (Personals. Sie erhielten bisher 20 Pf. pro Tag. die ge- strichen wurden. Die Kommission hat sie ihnen für die Tage wieder bewilligt, au denen sie aktiven Dien st als Heizer mn, d. i. . ungefähr die Hälfte der Tage des Jahres. DaS ist ein weitgehendes (Entgegenkommen. Der weitergehende Antrag der Sozialdemokraten hat mich überrascht, da die Sozialdemokraten ja am Schluß wieder den ganzen Etat ablehnen(Lachen bei den Sozialdemokraten), wie sie ja auch jüngst wieder eine Bcsitzsteuer, die ReichswcrlzuwachS- steuer abgelehnt haben.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. Dröfchcr(k.): Der Etat hält sich im Nahmen des Flottengcsetzes und vermeidet alles nicht ganz Notwendige. Für dies Entgegenkommen, das dem Staatssekretär sicher nicht leicht geworden ist. sprechen meine politischen Freunde ihm Dank aus.(Zustimmung rechts.) Die Flottenpolitik unseres Flottengesetzes hat sich durchgesetzt und allseitige Anerkennung errungen. Nach dem Zeugnis französischer Fachmänner— die sich sehr scharf gegen die Flottendilettantenpolitik der ehemaligen Minister Lockroy und Pelletan wenden— ist die französische Marine ganz außerordentlich von der deutschen Marine überflügelt worden. Die Kieler W e rftvorgänge sind völlig ungerechtferterweise verallgemeinert worden.(Sehr wahr! rechts.) Auf weitere Vercinfachungen kann vielleicht der Rechnungshof hinwirken, der immer sich bewußt bleiben muß, daß er um des Etats und der Etat nicht um seinetwillen da ist. Die Marineverwaltung muß stets in der Lage sein, günstige Konjunkturen auf dem Arbeits- wie auf dem Warenmarkte auszu- nutzen.— Falsch und nur zu durchstchttgen agitatorischen Zwecken aufgestellt ist die Behauptung, daß auf Kosten der Mannschaften zu- gunsten der Offiziere gespart worden sei. Was die Heizer betrifft, so sind wir prinzipiell der Ansicht der Marineverwaltung, daß die Heizer so wenig wie andere Kategorien einen Anspruch auf besondere Entschädigung für die Erfüllung ihrer Dienstpflicht haben. Ans praktischen und aus Billigkeitserwägungen heraus sind wir aber für Gewährung einer Zulage für die Tage, an denen sie wirklich als Heizer Dienst tun, lehnen aber alle weitergehenden Anträge ab. Wir lehnen daher den agitatorischen sozialdemokra- tischen Antrag ab, der an die B e g e h r l i ch k e i t d e r H e i z e r appelliert. Natürlich möchten die Sozialdemokraten den Geist nationaler, uneigennütziger Pflichterfüllung ersticken. Wenn dieser Geist aber erstickt wird, dann werden Marine und Armee zu stumpfen Waffen.(Lebhaste Zustimmung rechts.)— Mit Recht verbietet sich der Staatssekretär Einmischung außerhalb der Verwaltung stehender Verbände in die Ar- beitsbedingutigen der ihm unterstellten Betriebe. Diese Ablehnung bedeutet durchaus keinen Eingriff in die gesetzliche Koalitionsfreiheit.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Möge der Staatssekretär erfolgreich weiter arbeiten an der segensreichen Entwickelung unserer glänzenden Seemacht l(Lebhafter Beifall rechts.) Staatssekretär des RcichSmarineamts v. Tirpitz: Die beiden Vorredner haben unser Vorgehen nach dem Flottengesetz gebilligt. Auch ich glaube, daß es nur auf Grund des Flottengesetzes möglich war, die Flotte so auszubauen, wie eS geschehen ist. Daß unsere Flotte nicht aggressiven Zwecken dienen soll, ist für jeden Deutschen selbstverständlich.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Das geht auch klar aus der Begründung des Flotten- gesetzes hervor.— Der Unglücksfall des Unterseebootes bei Kiel ist in sehr eigentümlicher Weise erfolgt. Wäre das Boot einfach gesunken, so hätten die Mannschaften noch für 48 Stunden Luft gehabt und eS wäre völlig Zeit zum Heben gewesen. Nun hat aber das Boot eine eigentümliche Schräglage an- genommen und dabei entwickelten sich erstickende Gase im Schiffsraum, so daß sofort mit der Rettung der Mannschaft»» vorgegangen werden mußte. Wäre zufällig das Hebeschiff der .Vulkan' zuerst zur Stelle gewesen, und wäre das Boot erst auf den Grund gesenkt und dann gehoben worden, so wären vielleicht die drei Leute im Turm gerettet worden, von den 28 Leuten im Schiffsraum aber wäre ein großer Teil zugrunde gegangen. Es ist also bei der Rettungsaktion durchaus richtig verfahren worden.— Bei den Zulagen wünschte der Reichstag eine Revision mit dem Ziel der Ersparung. Sollte das erreicht werden, so konnte man nicht einfach von den Zahlmeistern aufwärt? an den Zulagen streichen, sondern mußte auch bei den Mann schaftSzu lagen st reichen. Bei den Kapitulanten war eS nicht möglich, denn deren Zahl dürfen wir nicht verringern, sie sind das Knochengerüst der Marine. So blieb»ur übrig, die Zulagen der Heizer zu beschränken. Gewiß haben auch die Heizer einen schweren Dienst, aber doch nur zeitweise, nur wenn mit voller Fahrt gefahren wird. was schon ouS ökonomischen Rücksichten selten geschieht. Es kommt hinzu, daß die Arbeit der Matrosen in vieler Hinsicht der der Heizer kleines feuilleton. Theater, Presse und Kapitalismus. Aus Paris wird uns geschrieben: Der Verfall des öffentlichen Geschmacks, die Ueber- schwemmung der als kapitalistische Unternehmungen geleiteten Tbealer »nit verrohenden, auf die niedrigsten Instinkte spelulierenden Mach- werken, die betrügerische KurStreiberei auf dem Markt der Kunst- werte, die Verdrängung der Freude am Schönen und Erhabenen durch blöde Sensationsgier treten in der heutigen Gesellschaft so brutal zutage, daß sogar die bürgerliche Presse sich ab und zu zu einigelt Protestversuchcn gedrängt sieht. In Paris stt ein findiger Dichter darauf gekommen, daß sich die Begierde der eleganten Welt,„überall dabei' zu fein, wo irgend etwas im Bereich der.Gesellschaft" los ist, ausgezeichnet zu Münze schlagen läßt. Bisher waren die.Generalproben' der neuen Stücke tatsächlich Premieren, die vor einem geladenen Publikum ab- gehalten wurden, unter dem sich außer den Kritikern die schniarotzende Horde der Sensationshyänen befand. Der Direktor hat nun be- schloffen, die Plötze zu diesen.Proben', mit Ausnahme der der Presse vorbehaltenen Sitze, zu verkaufen und zwar zu einem vervielfachten Toril Umsonst lvird fortan der Eintritt nur zur sogenannlenl.Schneideriiinen-Probe' sein— borläufig wenigstens, bis ein Direktor den Entschluß faßt, das ganz besondere Interesse, das die Damenwelt an den Kostüme» der Novität haben muß, entsprechend zu besteuern. Wenn es so weiter geht, werden besonders Kapitalkräftige das Recht erkaufen dürfen, die Schauspieler bei den ersten Bühnenproben und schließlich bei der Leseprobe zu beobachten. Abmachungen für die Künstlerinnen- garderobe bleiben wohl Privatsache. Das aufgeführte Werk wird ja ohnehin immer mehr Nebensache. Das Theater ist eine Unter- nehmung. die ihre Aufgabe darin sieht, zahlendes Publikum gleichviel durch welche Mittel anzulocken. Als Anreißer dient dabei die Presse. Ein sonst des Puritanismus in Finanzfragen durchaus nicht verdächtiges Blatt, der„Gil Blas", schreibt darüber:.Eine gewisse Presse hat die Ausbeutung solcher Geschäfte möglich gemacht, indem sie ihnen täglich UM teueres Geld Retlame macht, ohne sich darum zu kümmern, ob die empfohlenen Werke enipfehlenswert sind. Wir find noch weiter gegangen und haben auf die Zeitungen die famose Theorie der Plakatmänner angewendet, die von den Administratoren an Finanzleute. Industrielle und Händler jeder Sorte vermietet wird. Ja. wir sind tief herabgestiegen. In gewissen Organen gibt eS keine einzige Spalte. die keine ver- kleidete Reklame enthält. Der Leitartikel: Reklame; die Theater« und Krinstkritik: Reklame; die Buchkritik, der Finanzbericht, die Ratschläge an Abonnenten und Leser. Die Nachricht von einer Heirat, einem Diner, einem Begräbnis, selbst das Lob für bekannte und unbekannte Persönlichkeiten: Reklame. Reklame. Reklame! Der Hauptverantwortliche für dieses Hinab- gleiten unserer Theater in den Pfuhl ist die Zeitung, die sich nicht respektiert, die ihre Klientel wie die Strolche in den Weltstädten nach berühmten Lasterstätlen führt. Es muß auch bemerkt werden. daß die Mehrzahl der dramatischen Autoren nicht, wie man sagt, von unten auf begonnen hat. Sie haben als reicbe Leute debütiert und die Mittel geliefert, um das schwächliche Leben ihrer ersten Stücke zu fristen und ihren jungen Nuhin in gewissen Zeitschriften verlüuden zu lassen' Auf diese Art ist z. B. ein Pariser Rothschild ein„erfolgreicher" Autor geworden. Ueber die finanziellen Abmachungen zwischen Direktoren und Stückeschreibern ivarcn vor einigen Tagen in der.Libre Parole' interessante Details zu lesen, die. von den einseitig antiseniitischen Schlußfolgerungen dieses Blattes abgelöst, diese Sorte geistiger Nahrungsmittelverfälschung trefflich illustrieren. Ein Trick, der be- sonders die dummen deutschen Bourgeois angeht, die auf die Pariser .Erfolge' hereinfallen, ist folgender: Da die Tantiemen aus den Anfführungen im Ausland bei der Fruktifizierung von Theaterstücken eine wachsende Bedeutung be- kommen, gibt es Autoren, die, um den Export zu sichern und mög- lichst gcwinnreich zu machen, ihren Pariser Direktoren die Tantieme- zahlung erlassen oder sie selbst am Verkauf im Ausland mitinter- essieren. Das Werk wird dann— mit gleichzeitiger Reklame in der Presse— solange.geschleppt", bis es als„Pariser Zugstück' über die Grenzen verschleißt werden kann. Man könnte freilich einwenden. daß die Inhaber der Export- agenturen selbst zn gerissene Handelsleute sind, um sich durch solche Schliche foppen zu lassen. Aber sie düifcn eben dainit rechnen, daß die Suggestion des durch eine so lange Pariser Lkorriere bezeugten Triumphs auf die andächtige Einfalt ihrer Landsleuie ihre Wirkung üben wird. So sind es zuguterletzt in der Hauptsache die deutschen Spießer, die den Pariser Erfolg von Stücke» machen, die sie dann einige Monate später in einer ihrer Atmosphäre cnt- sprechenden Vergröberung als Quintessenz französischen Esprits be- wundernd genießen. Eine Ausstellung des Häßlichen. Mit einer de« Anlasses würdigen Feierlichkeit ist in Amsterdam die.Fünfte Jahresausstellung der Häßlichkeit' eröffnet worden. Das Unternehineil liegt in den Händen einer Reihe von Kunstfreunden»nd Pädagogen, die sich das Ziel gesetzt haben, den Geschmack des Publikums zu läutcnt und zu dielen, Zwecke alljährlich eine Ausstellung veranstalten, die für den guten Geschmack allerdings eine wahre Schreckenskammer ist. Unter den Pro- duklen moderner Kunst, deS Kunstgewerbes und der modernen Industrie wird eine sorgfältige Auswahl getroffen und alle charakteristischen Beispiele moderner Entgleisungen deS Geschmackes sind in der Ausstellung vertreten. Eine besondere Gruppe bilden die sogenannten Kunst- gewerbestücke und die Jndustrieprodukte, die mit falschem Material arbeiten; eine zweite Gruppe stellt grobe KonstriiklionSfehlcr an Möbeln und dergleichen zur Echan, und eine besondere Sammlung grotesker Ornamente läßt erkennen, wie sonderbare Pfade manche Künstler, die sich als Führ» des gutev Geschmacks fühlen, in der Praxis wandeln.' gleichwertig ist und die Matrosen keine Zulage haben. Der Antrag, den Heizer» die volle Zulage wieder zu gewähren, verlangt Summe», die aus dem Marine-Etat nicht herauszuholen sind. Die Kommission hat die halbe Zulage wieder hergestellt; auch diese Summe war schwer herauszuholen, doch wird das durch rationellere Wirtschaft aus den Wersten möglich sein.(Bravo I rechtS, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Abg. Lededour(Soz.): Die Vorredner babe» den Staatssekretär mit Lob überhausf, und dieser hat zum Dank dafür sie wieder gelobt. Er hat sich benoinmen, wie ein oller, ehrlicher Seebär, der, nach dem Orient verschlagen, dort von zwei Orientalen gelobt wird und in un- geschickter Weise die Lobhudeleien erwidert.(Heiterkeit.) Die Fragen, die mit der Kriegsmarine zusammenhängen, sind gar nicht zu er« örlern, ohne daß auf das Gebiet der auswärtigen Politik übergegriffen wird. Deshalb müssen wir verlangen, daß bei solchen Gelegenheiten der Reichskanzler und der Minister des Auswärtigen hier Rede und Antwort stehen.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Da« ist um so notwendiger, als es immer mehr Brauch wird, das Budget des Reichskanzlers und des Ministers des Auswärtigen an das Ende der Be- ratung zu schieben, wo„die Rücksicht auf die Geschäfts« läge des Hauses' ernsthafte Debatten verbietet.(Sshr richtig I) Uebrigens ist die heutige Rosenölverzapfung (Heiterkeit und Sehr gut l bei den Sozialdemokraten) auch keine ernsthafte Debatte.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Voraus- schicken will ich, daß lvir bei allem Widerstand gegen das System der Flottenpolitik es selbstverständlich anerkenne», wenn Männer. die im Dienst der Flotte durch unglückliche Zufälle in Todesgefahr geraten, sich als Männer bewähren, wie es bei dem Unfall des Unterseebootes geschehen ist. Diese Anerkennung für den Beweis männlichen Mutes hat aber mit der Frage, ob wir eine Flotte in diesem Umfange haben müssen, nichls zu tun.(E.hr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger erklärt das Flottengesetz für ganz au?« gezeichnet. Nur in einer Nebenbemerkung ließ er einfließen, er tvolle kein sachmäniiifchcs Urleil über die Leistungen im Rahmen des Flottengesetzes abgeben, er verstehe das nicht. So geht es mir auch. (Heiterkeit im Zentrum.) Der Unterschied ist-nur der, daß Herr Erzberger über diese Leistungen nicht zurückgehalten hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich dagegen kritisiere nicht, ob das Flottengesetz so zur Ausführung gebracht ist, daß alles erreicht ist, was erreicht werden sollte, sondern für uns liegt die Frage so, daß alle Argumente für die Aufrechterhaltung und Weiterentwickelung einer so großen Kriegs« flotte nicht zutreffen, um dem deutschen Volke Jahr für Jahr solche Opser aufzuerlegen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger sagt, die Flotte ist notwendig, damit der deutsche Handel ein gleichberechtigter Faktor werde mit dem anderer Länder. Aber die Entwickelung des deutschen Handels hänjst nicht von einer großen Kriegsflotte ab, sondern von der Lelstmigs- sähigkeit des deutschen Volkes, von der Entwickelungs« sähitzkeit unserer Industrie, von der hohen technischen Ausbildung des deutschen Arbeiters.(Lebhaftes Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Weiter wird gesagt, die Kriegsflotte sei nötig zum Schutz des Handels. Aber man kann nicht jedem Handelsschiff ein KriegSsahrzeug zur Seite stellen, im Krieg ist das Handelsschiff stets der Kaperei ausgesetzt. Um den Handel zu schützen, müssen Kriege überhaupt verhindert werden, und wenn sie doch ausbreche», müssen sie in einer Form geführt werden, daß die Handelsschiffe nicht so gefährdet sind wie bei dem heute gel« tenden Seerecht. An der Verhinderung der Kriegsgefahr haben die Arbeiter aller Länder das größte Interesse, und die Sozialdemokraten aller Länder arbeiten darauf hin.(Sehr wahr l bei den Sozial- demokralen.) Aber Ihre Politik trägt dazu bei, die Kriegs» geiahr zu entflammen und zu verstärken.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger und auch Herr Tirpitz sagen: die Flotte ist nicht zum Augriff da. Ach, das ver» sichern die Minister in allen anderen Ländern auch. Aber daS Rüsten ist eine Schraube ohne Ende und beseitigt nicht die Kriegsgefahr, sondern erhöht sie. Um sie zu beseitigen, haben wir die patriotische Pflicht, die Kriegshetzer im eigenen Lande zu bekänipfen.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Tirpitz mag ja ein Friedensengel sei. Wer gibt aber den Engländern und anderen Völkern die Bürgschaft, daß nicht morgen schon ein kriegslustiger Reichskanzler und eine kriegslustige Regierung daran zu denken be- � ginnt, ob_ man nicht lieber mit der gepanzerte» Faust eingreifen soll. Dann nützt der friedenslüsterne Tirpitz nichts.(Große Heiterkeit.) Notizen. �-DaSMarionettentheaterMünchenerKllnstler brachte Sonnabend ein neue« Suick heraus, das zwar recht alt ist, aber immer noch durch seine Mischung von Humor, Ironie und Satire wirkt: PocciS Puppenkomödie.Das Eule»schloß". Die Hmiplsache sind natürlich, wie in allen Poccischen Sachen, Kaspert Larifaris seltsame Abenteuer, derbe Meinuiigeii und lustigen Taten. Wenn auch manche Anspielungen veraltet sind, man uulcr» hält sich doch noch gut bei dem Stücke dabei, zumal es in der reizendsten und echt künstlerischen Weise dargeboten wird.— Mozarts Schäfcroper. B a st i e n und B a st i e n n e die darauf folgte, ist für die Marioncttcnbühne wie geschaffen, die zarte Musik(Spinett I) und die harmlos-naive Handlung wirken in der Verkleinernng(mit ihrer leisen Parodiernng) erst recht. — Vorträge, lieber das Thema„Was können wir aus der rassei, hygienischen Bewegung in England lernen?" spricht Dr. Kaup in der Berliner Gesellschaft für Rassenhhgiene am Donnerstag, den 16. Febr., ab. 8�/« Uhr, im Hygienischen Institut, Dorotheenstr. 35. Emtrilt frei. — Der Streit um T o I st o i S Nachlaß. Ilm die hinter- laffencn Maiiuskripte Tolstois wird ein lebhafter Kampf geführt. Tolstois Gattin, der das Wesen des Toten auch zu Lebzeiten fremd war, will einfäch die Originale, die sie i» einer Bank zur Auf» bcwahrung deponiert hat, ihrer Tochter Alexandra nicht heraus« geben. Die Testamentsvollstreckerin erklärt jedoch mit Kopien sich nicht begnügen zu können, da sie befürchtet, daß dabei textliche Aenderungen vorgenommen werden könnten. Gemein» scbaftlich niit Tichcrlkow wendet sie sich in aller Oeffent« lichkeit mit einem geharnischten Protest gegen die Vergewaltigung durch ihre Mutter. Tschcrtkow scheut sich nicht. eS offen auszusprechen, daß man Gefahr lause, die Stellen über den letzten Lebensabschnitt Tolstois, die die hinterlassenen Memoiren besonders wertvoll machen, in verkürzter oder entstellter Form zu erhalten; bedenklich wäre die eigentümliche Tatsache, daß das Notizbuch. daS Tolstoi kurz vor seinem Tode benutzt hat, verschwunden sei. Alexandra Tolstoi erhielt die kaiserliche Genehmigung zum Druck aller Tolstoischen Schriften, doch dürfen die verbotenen Schriften nur in der Gesamtausgabe er- scheinen, die natürlich nicht in die Kreise dringt, aus die es Tolstoi ankam. — Der Papierberbrauch der Kulturvölker wächst in einer die Wälder aufs schlimmste bedrohenden Weise weiter. Die Vereinigten Staaten allein verbrauchen nach dem„Prometheus" im Jahr 2,73 Millionen Tonnen Papier, d. h. etwa 32.5 Kilogramm auf den Kopf der Bevölkerung. Deutschland folgt in sehr weitem Abstände mit einem Verbrauch von 937 000 Tonnen, d. h. ctiua 14,5 Kilogramm für de» Kopf. Etwas größer als in Deutschland ist der Papierverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung in England. wo er etwa 76,3 Kilogramm beträgt. Der Franzose verbraucht dagegen nur 10.5 Kilogramm Papier im Jahr und der Oesteueicher 7 Kilogramm. Clrtft toitTMjä Beseitigung der Kriegsgefahr liegt in dett Einschränkung der Flotte, und daraus arberten wir hier und uniere Gesinnungsgenossen in England hin. Und weiter wirken wir darauf hin. dag für den Fall des Ausbruchs eines Krieges das See- beuterecht abgeschafft wird. In dieser Beziehung leistet nicht die deutsche Negierung Widerstand, sondern die englische: aber die englische Regierung beginnt, diesen Widerstand nur noch als ein Kompensationöobjekt zu betrachten für die Einwilligung der deutschen Regierung zur Einschränkung der Rüstungen, und schon deshalb hallen wir es für notwendig, inliner wieder darauf zu drängen, dah Verhandlungen eingeleitet werden. sZustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staatssekretär hierzu beiträgt. wird er nicht bloß schön geredet haben, sondern dann hat etwas getan zur Verhinderung des Krieges.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ueber die Frage der Zulagen wird einer meiner Partei- freunde sprechen. Darum meinerseits heute nur ein paar Worte, wesentlich in Abwehr der bei dieser Gelegenheit gegen unsere Partei »rrichteten Angriffe.— Den Kapitulanten, sagt der Staatssekretär, te,..« die Zulage nicht genommen werden. Den armen Dienst- Pflichtigen aber soll sie genommen werden. Und ein offiziöses Blatt, das in der einen Aufmachung.Lokal-Anzeiger', in der anderen „Tag" heißt, hat sich die unerhörte Berdrehnng geleistet, als ob der Reichstag auf Streichung der Heizerzulage ausgeht. Aber ich glaube, daß selbst der rosenölige Erzberger sHeiterkcil) und der nioch rosenöligere D r ö s ch e r(Er- neute Heiterkeit) es ablehnen, diese Streichung angeregt zu haben. Reichsschatzamt und Rcichsmarineamt möchten die Per- antwortung von sich abwälzen und leisten sich verschleierte offiziöse Veröffentlichungen, wobei es auf ein bißchen Vergewaltigung der deutschen Sprache auch nicht ankommt. Ich habe ja dos Reichsmarineamt stark in Verdacht, daß die Sache von ihm ausgeht und finde es nicht schön, daß sich Herr v. T i r p i tz, der olle ehrliche Seemann(Stürmische Heiterkeit), so gar nicht über den Ursprung der Idee ausläßt. Um so redseliger war er heute im Anführen Von Gründen, die für die Streichung der Zulage sprechen sollen. Auch andere Kategorien, sagt er, haben unangeilehmen Dienst. Das haben wir nie bestritte». Die Heizer, führte er weiter aus, lernen bei der Marine soviel, daß sie eigentlich noch etwas drauf bezahlen möchten.(Große Heiterkeit.) In Konsequenz dieser Ausführungen könnte man ja weiter folgern: Die Offiziere der Marine bis zum Admiral und Staatssekretär herauf lernen so viel bei der Marine, daß nachher, wenn sich rrüher oder später der Zylinder aus sie herabseukt lGroße Heiterkeit), der Zylinder nur hingehalten zu werden braucht, um von Ballin oder dem Norddeutschen Lloyd mit Gold gefüllt zu werden: also brauchen sie eigentlich gar keinen Gehalt, sondern müßten noch eine Prämie an die Marine draufzahlen, die ihnen so schöne Aus- sichten eröffnet.(Große Heiterkeit.) Wohl verstanden: nicht wir argumentieren so, wohl aber wäre dies die logische Folgerung aus den Argumentationen des Staatssekretärs.: Stur eine eingehende Begründimg und Erörterung der Etatsresolutionen soll nicht erfolgen. Selbst» verständlich ist nicht beabsichtigt, die Berührung der Themata von der Debatte auszuschließen. Abg. Schiffer(natl.): Wir schließen uns dem Antrag v. Zedlitz an. legen aber Wert darauf, daß die Anträge später zur Verhandlung kommen. Abg. v. Heydebrand(k.): Eine wichtige Folge der Zurück- stellung der Anträge ist für uns auch die, daß wir nicht genötigt sind, aus ihren Inhalt ausführlich einzugehen und wir können auch nicht erwarten, daß die Vertreter der Regierung sich im einzelnen ans Gegenstände jetzt einlassen, deren demnächstige ausführliche Er- örterung bei Verhandlung der Anträge in Aussicht steht. Abg. Hirsch(So,.) zieht mit Rücksicht auf die letzten AuS- führungen des Abg. Freiherrn v. Zedlitz seinen Widerspruch gegen besten Antrag zurück. Alle zum Titel.Minister- vorliegenden Anträge werden hierauf von der Tagesordnung angesetzt. Abg. v. Goßler(k.) spricht dem Minister daS Vertrauen seiner politischen Frennde aus und verbreitet sich über die Tätigkeit der Landräte. Die Linke betrachte die Tätigkeit der Landräte nur von politischen Gesichtspunkten aus und verkenne ihre wirtschastlichen und kulturellen Aufgaben.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Linz kommt auf die Kaisergcburlslagsrede desBerliner Polizeiprätidenten zu sprechen. Nachdem das Gericht im Moabiter Krawallprozeß festgestellt hatte, daß Miß- griffe der Polizei in nicht verein zelten Fällen vorgekommen seien, machte eS einen peinlichen Eindruck, daß der Polizeipräsident erklärte, nach der von ihm veranstalteten eingehende» Unlersuchung sei das Schild der Polizei intakt.(Sehr wahr! Nnks.) Redner keslltlvortet des weiteren energischere Vs« känipfung deS Schmutzes iu Wort und Lild. Es sei bedauerlich. daß der um diesen Kampf hochverdiente katholische Klerus in den modernen Stücken vielfach als verlotterte Lumpen dargestellt werde. (Sehr ricktig! i. Z.) Minister v. Dallwitz: Tie Rede des Hern: Polizeipräsidenieu liegt mir nicht im Wortlaut vor. Von dem Gerichtsurteil ist darin, soweit ich mich erinnere, nicht die Rede. Andererseits erscheint es mir natürlick, daß der Herr Polizeipräsident sich bewogen gefühlt hat, auch der Oeffeutlichkelt mitzuteilen, daß die von ihm eingeleitete Untersuchung einen Anhalt für die gegen die Polizei erhobenen Be- schuldigungen nicht ergeben habe. Es hätte zweifellos als Ver- säumnis angesehen werden können, wenn der Herr Polizeipräsident gegenüber den schweren Verunglimpfungen und Beschimpfungen, denen die Polizei ausgesetzt gewesen ist, einfach geschwiegen hätte. (Lebh. Zllstimmung rechts.) Abg. Dr. Lohma»»(natl.): Die Polizei sollte energischer vor- gehen gegen die Ausstellung der die Jugend vergiftenden Schmutz- l i t e r a l u r in Schaufenstern. Sehr zu begrüßen ist ein Boykott gegen solche Läden, wie er jetzt häufig von Privaten und auch von Schulen ausgeübt wird. Redner kommt nochmals ausführlich auf den Becker-Prozeß zurück und fordert de» Minister auf, für die Durchführung seiner bei der freisinnigen Interpellation über diesen Prozeß dargelegten Grundsätze bei der Besetzung der Staats- ämter Sorge zu tragen. Die Billigung deS Verhallens des Land- rats v. Maltzahn durch den Minister spreche nicht dafür, daß er gewillt sei. jedem Mißbrauch der Amtsgewalt entschieden entgegenzutreten. Auch die Bevorzugung des Adels bei Besetzung der höheren Seamtenstellen sei nicht widerlegt. Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Der Landrat muß eb»nso Politik treiben dürfen wie jeder Staatsbürger, nur darf er nicht von Amts wegen Politik treiben, er darf sich nicht fühlen als politischer Agent der jeweiligen Regierung.(Sehr richtig I links.) Um die tüchtigsten Kräfte für diese Stellen heranzuziehen, niuß die Stellung der Landräte eine möglichst selbständige wirtschaftlich sichere sein.(Bravo l rechts.) Herr v. I a g o w ist i.i dem berech- tigten Bestrebe», die Polizei gegen die Verunglimpfungen von sozial- demokratischer Seile zu verteidigen, etwas zu weit gegangen, seine Aeußerung macht in der Tat den Eindruck, als wollte sich die Verwaltung über das Gericht setzen. Natürlich hat diese Absicht Herrn v. Jagow durchaus fern gelegen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Angriffe gegen die Orden«- Verleihungen an Polizeibeainte während deS Moabiter Pro- zeffes sind ganz unberechtigt, den» die Polizei befand sich nicht auf der Anklagebanl.(Widerspruch bei den Sozialdemolraten.) DaS ist lediglich sozialdemokratische Suggestiv».(Sehr richtig l rechts.) Abg. Hirsch(Soz.): Von der Verwaltung des Innern müssen wir daS Gegenteil behaupten. wie von der Justiz. Nicht der leiseste Ansatz zur freieren Ausgestaltung ist hier zu verzeichnen: gegen alle Refornipläne sträubt sich daö Ministerium de» Innern auf das äußerste. Mit einem Wust von überlebten Gesetzen schleppen wir uns in Preußen herum. Ich erinnere an die G e- sindeordnung, das Vagabundengesctz, da? Plakat- g e s e tz. Im vorigen Jahre hat das Hau» einen Antrag aus Be- seitigung dieses Plalatgesetzcs angenommen, die Regierung hat brSher zu diciem Beschluß keinerlei Stellung ge- nomine».(HörtI hörtl bei den Sozialdemolraten.) Von An« gehörigen der konservativen Partei wird dabei das Plakat« qesetz fast täglich übettreten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo- kraten.) Dabei möchte ich feststellen, daß eine große Reihe von "egierungspräsidenten insgesamt 2500 Exemplare des vom Reichsverband herausgegebenen Werls»Die Sozialdemo- lrotie als Arbeitgeberin- angeschafft hat. Wir müssen gegen diese Art von Verwendung von Steuergeldern entschieden protestieren. Wenn wir dagegen Flugickristen zur Bekämpfung der Schmähschriften unserer Gegner verbreiten wollen, twb»" uns von der Polizei die größten Schwierig ketten in den Weg gelegt. Redner führt einzelne Fälle dieser Art an. In Hagen, dessen Bürgermeister Mitglied der Freisinnigen Volks- parlei ist, wurde die Verteilung von Handzetteln.wegen ihres auf- reizenden Inhalts- verboten, die einen Aufruf enthielten, der bereits in Hunderttaulenden von Exemplaren in der sozialdemokratischen Presse veröffentlicht war.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Zedlitz sagte, der Landrat dürfe sich nicht als Agent der Regierung fühlen. Heute ist«s allerdings mehr umgekehrt, die Regierung ist der Agent der Landräte, diese ober find d»e Agenten der Konservativen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) DaS beweist vor allem die Handhabung deS Verein«- und Bersannnlungs- rechts. Aufsehen erregt hat da« Verbot der Versaimnlung in Frankfurt a M. im Anschluß an den Internationalen Kongreß m Kopenhagen, wo I a u r ö s und G a» d e r v e l d e in französischer Sprache sprechen sollten. Sie sollten nur sprechen dürfen, wenn sie nicht« über den Zaren sagen würden.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Erfolg deS Verbots ist übrigens gewesen, daß Jauräs und Vandervelde nun deutsch gesprochen haben, also um so bester verstanden worden sind. Die Regierung hätte doch lernen können aus der Erfahrung, die sie bei dem früheren Verbot des Auftretens Jaurös in Berlin gemacht hat. Damals erschien die Rede, die er halten wollte, im Wortlaut im.Vorwärts-, war also damit nicht nur einigen Tausenden Bersammlungsbesuchern, sondern Hunderttausende» Lesern zugänglich gemacht werbe».(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) . Auf die Zensurfrage kann ich sa etwa? ausführlicher eingehen, da wir dazu znkälliz keine» Antrag gestellt haben. Eigentlich ist ja nach Ansicht einer Reihe von Autoritäten die Zensur bei uns ausgehoben, in der Tat aber besteht sie.— Gute Stücke, in denen Gei st liche als Lumpen hingestellt find, kenne ich nicht. Meint Herr Linz etwa Anzengrubersche Stücke? In diesen richte, sich der Kampf doch nur gegen Institutionen, nicht gegen Personen. In Berlin übrigens wacht ja schon die Polizei darüber, daß der Geistlichkeit nicktS angetan wird. So durfte die .Dame von Maxim- nicht aufgeführt werden, ehe nicht der Geistliche darin in einen Lehrer verlvandelt war.(Heiterkeit links.) Weiter erinnere ick an da» Verbot der Aufführung von WedetindS»Frühlings Erwachenin Königsberg. In Berlin hat die Polizei ein sonst un- beanstandet gegebenes Stück verboten, wo� ein S o l d a t e n» f ch i n d e r auftrat. Auch Gesänge sibirischer Ge» fangener im Kostüm durften in Berlin nickt vorgeführt werden. (Heiterkeit.) Eine solche.Darstellung des staatlichen Strafvollzuges in Rußland- sollte bei uns die Ruhe und Ordnung stören.(Heiter- keit.) Das kann nur lächerlich wirken, ebenso lächerlich wie die Um- änderung eines Satzes in einem Stück: Der Weg zu meinem Schlafzimmer geht nur.durch die Kirche' in.durck die Küche'(Heiterkeit), oder das Verbot deö AuktrctenS eine» Gendarmen in einem Lustspiel in der Uniform eines preußischen Gendarmen. Wie kullurseindlich dlefe Bestrebungen find, beweist das Vorgehen gegen die Freie Volksbühne. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Das fege�Zreiche Wirken dieies Instituts ist von allen Einsichtigen anerkannt, sie übermittett den Arbeitern klassische Stücke in guter Aufführung, die sie sonst nie zu sehen bekommen würden..Seil mehr als 20 Jaheen leiste, sie wirkliche Kulturarbeit, die ihr den Beifall aller Gebildeten eingetragen hat-, so urteilt Hermann Bahr von ihr.(Hört I hört!) Seit 1895 ist es keiner Behörde eingefallen, ihre Zensursteibett anzutasten. DaS bleibt Herrn v. Jagow vorbehalten. Er erklärt einfach, ihre Mitgliederzahl sei so groß, daß ihre Vorstellungen nicht mehr als private, sondern als öffentliche angesehen werden mußten. Wir werden ja abwarten, ob daS Obetverwaltungsgerichl das lnltur» femdliche Vorgehen billigen wird. Herr v. Jagow bat wieder eilt» mal bewiesen, daß deutsche Kultur und Sei sie«fr e i h e it ».ur»och bei der Sozialdemokratie Schutz findet Ich freue mich, datz der Minister aus Anlaß einer Verurteilung ,r Kindesmörderin eine Verordnung erlassen, die die ei�llgigkeit silbern sollte. Wir sind ja so beidbeiden .enüber dein Ministerium des Innern, daß uns das eben freut. . aber auch gegen den damals scbwer angeschuldigten egierungspräsidentendasDiSziplinarverfahren ingeleitet worden? Die Praxs vieler Gemeinden in der Qndhabung des Gesetzes über den Unter st iitzungSwobnsitz ;eöt mit dem so gern betonten Christentum vielfach in schärfstem Liderspruch. Man duldet die Leute nur ein Jahr und schiebt sie sann ab.... Eine derartige Praxis von Großgrundbesitzern ist hier sogar schon von konservariver Seite scharf verurteilt worden. Dieses grausame Gesetz muß beseitigt werden. Es wird gellagt über eine Ueberlastung des Ober- Verwaltungsgerichts. Das liegt nur daran, daß die unteren Behörden die Gesetze nicht achten und wir dadurch ge �wungen find, an die oberste Instanz zu gehen. So werden vielfach Leute infolge des Kinderprivilegs bei der Steuerzahlung nicht in die Wählerliste aufgenommen, obgleich das HauS ausdrücklich das Gegenteil beschlossen hat. lHört! hört! linlS.) In einem Salle hat sowohl der Kreis- wie der Bezirksausschuß eine Beschwerde gegen eine solche ungesetzliche Maßnahme des Gemeinde Vorstandes zurückgewiesen. lHört I hört! links.) Das Ober- verwallnngsgericht hat unserer Klage natürlich stattgegeben; hoffentlich werden sich nun die Gemeinden danach richten. Wie man nickt davor zurückschreckt, das Recht zu beugen, um Sozialdemo- kraten vom Wahlrecht auszuschließen, hat sich in R i x d o r f gezeigt. Nach einem Beschlutz des Abgeordnetenhauses sollen alle die Steuerzahler, die mehr als den Durchschnitt zahlen, in der ersten und zweiten Klasse sein. Der Magistrat in Rixdorf aber hat bestimmt, daß alle Wähler, die weniger als den Durchschnitt zahlen, in die dritte Klasse kommen. lHört! hört! b. d. Soz.) Die Liste ist dann vom Oberverwaltungsgericht fü� ungültig erklärt worden und ebenso die Rixdorfer Wählerliste vom Jahre 1909. Trotzdem hat 1919 der Rixdorfer Magistrat wieder eine ungesetzliche Liste aufgestellt. lHört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Natür lich verlangen wir kein Einschreiten des Ministers. Dazu steht uns die Selbstverwaltung zu hock, aber wir werden solange an die höheren Instanzen gehen, bis uns das gesetzliche Recht gewährleistet ist.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten. l Auch Landräte legen das Gesetz falsch aus. so Herr V.Osten in Königsberg in der Neumark. Er bat eine Versammlung wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verboten, weil nach dem Bericht eines Amtsvorstehers nach einer anderen Vedammlnng ein Ueberfall statb gesunden habe und die Versammlung geeignet sei, die Gemüter wieder zu erregen. lHört l hört!) Da« OberverwaltungSl gericht hat die Beschwerde für gerechtfertigt erklärt, weil die Gründe nicht angeführt seien, aus welchen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit von der Polizei befürchtet werde. lHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es liegt unS eine große Reihe solcher nachträglichen Rektifizierungen der unteren Verwaltungsbehörden durch das OberverwaltnngSgericht vor, aber waS nützt das schließlich, die Versammlungen sind dock nun einmal unmöglich gemacht. lSehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) ES macht fast den Eindruck, als ob die Landräte sich verabredet hätten. Gründe für das Verbot von Versammlungen nicht anzugeben. Durch dies Vorgehen machen die Landräte ja nur immer weitere Kreise zu Sozialdemokraten, sie sind in diesem Sinne Agenten der Sozialdemokratie, unsere be st en Agitatoren. lSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vielfach kommt die Polizei auch heute noch zur Uebcrwachung in sozialdemokratische Vereinsversammlungen, trotzdem eine solche Ueberwachung durch das ReichsvereinSgeietz ausgeschlossen ist. Ja man überwacht sogar G e w e r k s ck a ft s v er« sammlungen und begründet das damit, dos OberverwaltungS- gericht habe noch nicht entschieden, ob da« nach dem RcickSvereins- gesetz zulässig sei. lHört! hört!) Sogar sozialdemokratische F e st v e r s a m m l u n g e n. wie z. B. eine Freiligratb-Gedenkfeier, werderr. zu öffentlichen politischen Versammlungen erklärt. lHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Saalabtreibea durch die Polizei un« gegenüber ist nach wie vor an der Tagesordnung. In Greifswald-Grimmen haben ja auch die Sreisinnigen ähnliche Erfahrungen mit der Polizei machen müssen. In Oberschlesien ist ein solcher ffall durch eidliche Aussage eines Geheimvolizisten gerichtlich festgestellt. Aber selbst vor den Toren Berlin«, in S t e g l i tz. ist erst kürzlich ein solcher Fall passiert. Der betr. Gastwirt erklärte uns, er stehe vor seinem ge schüft- kicken Ruin, wenn er die bereit» gewährte Erlaubnis zur Ab- Haltung einer sozialdemokratischen Versammlung in seinem Lokal nicht zurücknehme. lHört I hört! bei den Sozialdemokralen.) E» werden direkt schwarze Listen über Gastwirte, die ihr Lokal der Sozialdemokratie zur Verfügung feslelll haben, von der Polizei geführt. Das ist eine Ge- r n n u n g s s ch n ü f f e l e i. die fast schlimmer ist al» in der vor- marzlichen Zeit. sTehr wahr I bei den Sozialdemokraten. Unruhe reckts.) Ich höbe mein Material schon auf das geringste Maß ein- geschrankt. Wollte ich alles uns zugegangene Material vorbringen, mugle ich 24 Stunden reden. Die Herren, denen e« nicht patzt, wenn ich so lange reden muß. mögen dafür sorgen, daß da» Sündenregister des Ministeriums deS Innern nicht ein so große« ist. lSehr gut I bei den Sozialdemokraten.) SuS dem intereffanten Kapitel des Bestätigungsrechts will ich nur auf die Nicktbestätigung de« Grafen Matuschka als Mitglied der Schuldeputation in Schöneberg hinweisen. lHört! hörtl links.) Die ausländischen Arbeiter werden in Preußen noch genau so rechtlos behandelt wie früher; insbesondere trifft dieS für die tschechischen Arbeiter zu. Hierher gehört auch die Ausweisung deS französischen Zeitungsvertreters wegen einer kritischen Aeußerung über die Worte des Reichskanzlers zu der Haltung der Polizei in Moabit. Unsere Achtung im Auslände kann durch ein solches kleinliches Vorgehen nicht gehoben werden. platz wurden sie wie wilden Tieren vorgeworfen. DaS ist vor Ge richt eidlich erwiesen.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten. Gegen anständige Frauen sind von Polizeibeamte» die g e mein st e» Schimpfworte gebraucht worden. Selbst Polizei major Klein, Leutnant Folte haben ihr früheres Urteil über die Polizei noch den Ergebnissen des Prozesses nicht aufrechterhalten können, aber der oberste Vorgesetzte der Schutzmann schaft bat es noch nicht fiir nötig gehalten, sein Urteil zn revidieren. Der Minister protestiert dagegen, daß man im allgemeinen Voo würfe gegen die Polizei erhebe, aber er selbst schreckt nicht davor zurück, der Sozialdemokratie ganz allgemein die Schuld an den Moabiter Vorgängen zuzuschieben gon, unbekümmert darum, ob die Angeklagten in Moabit überhaupt mit der Sozialdemokratie zu tun hatten oder nicht. Die Frage, ob in Moabit Lockspitzel 9 tätig gewesen sind, läßt das Urteil offen, aber nach den Aussagen einer ganzen Reihe bürgerlicher Zeugen unterliegt die Tat fache keinem Zweifel. Wir iverden in dem Prozeß gegen den.Vorwärts" den Nachweis führen, daß in Berlin Krimiiiab beamte als Lockspitzel tötig gewesen find.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Vorgänger deS Ministers hat nicht be- stritten, daß Spitzel tätig sind, aber vom Spitzel zum Lock� spitze! ist nur ein Schritt.(Sehr wahr I bei den Soziall demokraten.) Der Minister wird sich ja damit ausreden, daß die Mehrheit de? Landtages seinen Standpunkt teilt. Gewiß, aber die Mehrheit des Landtages ist nicht die Mehrheit de« preußischen Volkes.' Eine wirkliche Volksvertretung wird der Landtag erst darstellen, wenn die Wahlreform durchgeführt ist. Der Minister will anscheinend erst daS Ergebnis der Reichstagswablen abwarten. Wenn aber die Reichstags wählen, wie ich hoffe, vernichtend ausfallen für die Rechte und daS Zentrum, dann wird man keine Wahlreform machen wolle» um den preußischen Landtag als reaktionäres Gegengewicht gegen den Reichstag zu erhalten, und fallen die Wahlen etwa zugmisten der Regierung aus, so wird sie erst recht nicht an«ine Wahlreform denken.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden im Kampfe um ein freies Wahlrecht nach wie vor bahnbrechend voran- gehen, dem reaktionären Dreigestirn Jagow, Bethmann und Dallwitz zum Trotz.(Lebhaftes Bravo l bei den Sozialdemo kraten.) Präsident v. Kröcher ruft den Redner nachttäglich wegen des Ausdruck« zur Ordnung, daß die Polizei in.niederttächtiger Weise" Sistiert« auf der Polizeiwache mißhandelt hat. Abg. Frhr. v. Zedlitz: Herr Hirsch bat mir Mißbrauch der Redefteiheit vorgeworfen, weil ich auf die Minderwertigkeit der Zeugenaussagen hingewiesen habe, die von sozial- demokratischem Haß eingegeben, von der sozialdemottatischen Presse beeinflußt waren.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Unwahrheit l) Ich werde mich durch sozialdemokratische Angriffe nicht abhalten lassen, die Wahrheit zu sagen. Abg. Hirsch(Soz.): Ich halte meinen Vorwurf vollkommen auf- recht. Iva« ich gesagt habe, entspricht den Tatsachen. Von dem, WaS Herr v. Zedlitz gesagt bat, steht nicht ein Wort im Urteil. Nächtte Sitzung Dienstag 11 Uhr.(Fortsetzung der Beratung des Etat« des Ministeriums des Innern.) Schluß 4'/, Uhr._ Aus Inckuftne und ftandel Kruppsche Arbeiterfürsorge. Dcr jetzige Besitzer der ftruppschm Werke ist bekanntlich ein Herr v. Bohlen- Halbach. Selbstverständlich fühlt er sich als Brotgeber der insgesamt 67(XX) Arbeiter und Angestellten, die den Betrieb in den Kruppschen Werken aufrecht erhalten, ohne daß es der Mitwirkung des ehemaligen Leutnants be- dürfte. Trotzdem gelüstet es diesen, als Wohltäter und weit- sichttgen Nattonalökonomen zu brillieren. Dieser Tage gab es in Essen wieder die alljährliche Jubilarfeier. Alle die Arbeiter. die 25 Jahre bei Krupp tätig sind, werden dabei geehrt. Diese Gelegenheit benutzte Herr v. Bohlen-Halbach zu einer großen volkswirtschaftlichen Rede. Die staunende Welt kann daraus lernen. Die industriellen Fusionen und Angliederungen haben nicht den Zweck, die Gewinne zu steigern, die Pro- dukttonSkosten zu ermäßigen— sondern der Arbeiterfreundlich- teit zu dienen. Es sprach der Herr nämlich folgendes: Allen Angehörigen unserer Werke dauernde Arbeitsmöglichkeit zu schaffen, ist nach wie vor die Hauptsorge der Verwaltung wie meiner selbst. Auch die nähere Verbindung mit der Westfälischen Drahtindustrie in Hamn» ist in erster Linie dem Wunsche ent- sprungen, durch Sicherung unseres Absatzes für Halbzeug unseren Hüttenarbeitern Arbeitsgelegenheit für Jahre hinaus zu wahren, ohne durch Neubauten den bereits bestehenden Werken eine bei der Knappheit der Marktlage auf diesem Gebiete eine für weitere Kreise verderbliche Erschwerung der Konkurrenz ins Leben zu rufen. Diese Wohlfahrtsreklame muß unangenehm wirken. Jeder nur halbwegs mit wirtschaftlichen Verhältnissen Vertraute' weiß, daß die Werksvergrößerungen lediglich kapitalistischen Interessen entspringen und daß sie mit Ärbeiterfreundlichkeit absolut nichts zu tun haben. Eher könnte man vom Gegen- teil sprechen, denn durch die Betriebsvereinignngen wird nicht neue Arbeit geschaffen, sondern ein Teil unproduktiver Arbeit erspart. Was die Arbeiter bei Krupp als Wohltat empfinden sollen, müßte nach den Intentionen des Herrn v. Bohlen- Halbach Gehässigkeit gegen die anderen Arbeiter sein, denen die Arbeit fortgenommen werden soll. Oder sollte der Besitzer des größten Unternehmens im Montangewerbe der Ansicht sein, durch Betriebsvereinigungen werde die Arbeitsgelegenheit vermehrt? Für einen solchen Dilettanten halten wir ihn denn doch nicht. Aber man sieht, der Herr der 67(XX) Lohn- sklavcn besitzt nicht einmal die Geschicklichkeit, um eine richtige Melodie auf der Wohlfahrtsorgel zu spielen— aber er darf jährlich 20 Millionen Mark und mehr Gewinn aus der Arbeit der anderen einstecken. Und das soll man als vernünftige, erhaltenswerte, ja, sogar göttliche Weltordnung respettieren. Obstkultur. Um die in Preuße» so arg vernachlässigte Obst- kultur zu heben, mackt der.Gordian" einen beachtenswerten Vor- schlag. Er nimmt Bezug auf eine Verfügung des Eisenbahn- minister« betreffend die Ueberlassung von Gartenland an die Angestellten und bemerkt dazu:.Wenn aus dieser Verfügung sich ein.Hand-in-Hand-arbeiten" de« Landwirtschaftsministers mit Eisenbahn(und Post) ergeben sollte, dann wäre Aussicht, daß unsere schon seit Jahren aufgestellte Forderung,� alle Bahndämme, alle Chausseen und Wege in Deutschland mit Obstbäumen zu bepflanzen und die Erträge zu an« gemessenen Preisen durch die Kommunen an die Städter ob- zuführen, verwirflicht würde. Die Bahndämme gehören dem Eisen» bahnfiSkuS; er kann sie also durch seine Arbeiter und deren An- gehörige(oder durch Veteranen) bepflanzen, hegen und abernten lasten. Ungeheuere Werte sind dann der deutschen Ernte durch deutsche Arbeiter(Veteranen, Krüppel usw.) zu entnehmen. DaS Geld, das heute inS Ausland gehl für AuslandSfrüchte, kann im Lande bleiben und wieder der deutschen Jndusttie zugute kommen." Untere Junker werden mit dem Borschlag wohl nickt einverstanden sein, sie fordern lieber hohe Obstzölle, damit sie für die Bernach- lässtgung der Obstkultur— Liebesgaben schlucken können. )Zus cler frauenbewegiing* Ter Zweck heiligt dir Mittel. Die Skrupellosigkeit der Ultramontanen bei der Agitation tritt besonders sinnenfällig in die Erscheinung, wenn man die Sorte Presse, die im allgemeinen nicht über die Zentrumskreise hinaus bekannt wird, etwas unter die Lupe nimmt. Und ganz hervor- ragend gilt das von den katholischen Organen, die vorwiegend die „Aufklärung" der Arbeiterinnen besorgen. Da man deren kriti- schen Geist und politisches Wissen noch erheblich niedriger einschätzt als der Männer Urteilsfähigkeit, läßt man ihnen gegenüber alle Rücksicht fallen. Die politischen Vorgänge und die Haltung des Zentrums in den gesetzgebenden Körperschaften werden nach Be- dürfnis konstruiert und beleuchtet, so daß das Zentrum immer im Lichte lauterer Arbefterfreuudlichkeit erstrahlt. Auf diesem Ge- biete hat.Tie Arbeiterin", das Organ des süddeutschen katholi- scheu ArbeiterinnenveoeinS, schon manchen Rekord der Demagogie geschlagen. So auch bei der Schilderung der Verabschiedung der Reichswertzuwachssteucr. Um die verräterische Zentrumspartei be- lobigen, die Sozialdemokratie verleumden zu können, h i d: Zuiuvr ausreichend, Geichäst ziemlich rege, Preise behauptet. Geflügel: Zusuhr mäßig, Ge- schäst lebhast, Preise fest, in Hühnern nachgebend. Fischet Zusuhx, mäßig, Geschäst ziemlich lebhaft, Preise besriedigend, außer sür Schleie, Karpfen. Luiter und Käse: Geschäst ruhig. Prelle unverän, Gemüie, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst, los, Preise gedrückt. WasterstandS.Rachrtlhte» der Landesanstalt sür Eewnssertunde. mitgeteilt vom Derllner Wetterbureau. vasserstand M e m e l. Tilstl P r e g e l, Jniterburg Weichsel, Tboru Oder, Ratibor . Krossen . Frantiurt Warthe, Schrmno , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Bardo . Magdeburg am ieu 12 2. 11. 2. cra l) —10 0 +8 +6 228«) -11») 152») 154») 204») i—17 225»)-8 32»)+4 --—12 +1 +2 ---3 —13 -14 18») 16») 2 -118' 177') 150') Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandaust , Ratbenorv») Spree. Svremberg») , Lecslow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximllianSau , Kaub , Köln Neckar, Hciibrona Main, Berihen» Mosel, Trier am 12.2. am 86») 106 136') 116 194 —50 32 300 141 141 66 seit 11. 8 am 1 _ 2 —4 —1 +4 0 +6 —8 +2 —3 — 5 +8 72+3 «) 4- bedeutet Wuchs.— ikall.—*) tlnierveael.—•) Eisstand— 4) Grund eis.—») Starkes Grundeis.—») Grundeisgang.—'} Eis- treiben.—') Eissrei. Schmmzelnd beachten Monöre.............................. sich ganz wesentlich reduzieren! Die erprobten Bruno- Glühstrümpfe lassen sich bequem handhaben, besitzen eine fast unverwüstliche Lebensdauer, sparen auch erheblich Steuern, geben ein brillantes Licht und sind zudem sehr preiswert! 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Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- lalle des Auferstehungs- Kirch- ZeiMeM {der MascbinisteD und Heizer {sowie Berulspossen Deutsehl. Verwaltungsstelle Grot-Berlin. Am Sonnabend, 11. Februar, | verstarb unser Mitglied, Kollege Alex Troyke. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 15. Februar, nach- mittags 3»/, Uhr, von der Leichen- | Halle des Neuen Städtischen Kirch- Hofes in Rixdorf, Mariendorjer Weg, aus stalt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 1 145/8 Die Ortsverwaltung. B aoses in Wcißcnsee, Lichlenberaer Str. 110/123, aus statt. Rege Beteiligung erwartet ll2/l Oie Ortsverwaltung. Am 11. Februar entschlief nach schwerem Leiden unser lieber Kollege, der Buchdruck-Maschinen- mcister 119b Huxo Schröter im 59. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Boxhagen. Rummels- burger Kirchhojes auS statt. Oie Kollegen der tietkuehiirucllerei Julius Sittenfeld. Stukkateure! Am 11. Februar verstarb unser I langorganisterter Kollege Xuxust(iolsck im 32. Lebensjahre an Gehirn- crkrankung. Die Beerdigung findet am! Mittwochnachmittag um 4 Uhr I von der Halle des städtischen l Friedhofes in Friedrichsjeld' aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- 1 sucht 173/1 1 Die OrtSverwaltung des Zeniralverbandes d. Stukkateure! Sonnabend srüb 2>/, Uhr ver- 1 starb nach schwerem Leiden mein I lieber Mann, der Maschinenschlosser j Albert Pauli 35 Jahre alt. Emma Pauli. Beerdigung Mittwoch nachmittag j 2»/, Uhr von der Leichenhalle! Muller-, Ecke Seestraße, aus. I Allen Verwandten. Freunden I und Bekannten zur Nachricht, daß j unser lieber, einziger Sohn Allen Freunden und Kollegen I zur Nachricht, daß am 11. Februar| der Kollege Gottlob Bänke| im Alter von 78 Jahren ge- slorben ist. 114b| Uermann PUschel, Johanuiterstr. 16. Die Beerdigung findet am I Mittwochnachmittag 4 Uhr von I der Leichenhalle des Heilig-Kreuz- l Kirchhofes in Mariendors aus statt, j Nlax im vollendeten 21. Lebensjahre uns durch den Tod entrissen ist. Um stille Teilnahme bitten Hermann Kuhlmey nebst Frau. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Auserstehungs- Gemeinde in Wcißcnsee, Lichten- bcrger Straße, aus statt. ll6b Gesangverein Kaiserscher Männerchor. Am 11. d. MIS. verstarb nach langem Leiden unser Freund und Sangesbruder «Joseph Kessels. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet amMitt- woch, den 15. d. Mts., nachm. 3»/, Uhr, von der Halle des Zenwal-FriedhoseS in Friedrichs- selde aus statt. oeutscliek' vuedbivller-Vei'bSlll!. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur ttaurigen Nachricht, daß unser Mitglied, die Kontobucharbesterin Kattie Klingsporn gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. Februar, nach. mittags>/,4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Zenwal-FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/7 Oie Ortsvsrwaltung. Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Berta Höpfner geb. Ehlen am 13. d. M. Infolge Gehirn- blutung verstorben ist. 120b Die Beerdigung findet am t6. Februar, nachmittag» 3'/, Uhr, aus dem Friehose der Sebastian- Gemeinde in Reinickendorf statt. Um stilles BeUeid bitten Paul tlöpkner oedst Tocdter Danksagnug. Für die tröstenden Worte, den reichen Blüteuschmuck und die rege Beicilignng bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hier- mit allen, die daran teilgenommen haben, meinen herzlichsten Dank. Klara Hannow als Gattin nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beiociie herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mamies und guten Baters .Jean Schindiing sage ich allen Teilnehmern meinen herzlichsten Dank. Wwe. SdiincHiux nebst Kindern. Danksagung. Für die reichen Blumenspenden sage allen Freunden und Bekannten. insbesondere der Firma Otto lllsner und den Kollegen meinen lief- gefühlten Dank. 99b LeJowsky-Ligaretten Boleroi[ Carusoi( Zenifli als erstklassig anerkannt! �•- 4■'«5'" 3».'/>. J - 1-■>;- %' i Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, 10— 2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4 Klnmen- ottb grfliijbinbrrfi m Robert Mejer,' aar Wnrianara.Straße 2. •PifuiitHitiaiinniiiwoiniiiitniiiiiiiittiiiniuiHigwuinuiiDnimiii�iiiiiiiiiiKuiiunH MeskrASstrmcaoderM ÄM.in Qwftehcn.'Drogerien a.Ächnmg?mMi�ciMen� Lege Hühner, garantiert junge, beste Leger, Stck. 2»/, Mk., empfiehlt P. Wegner, Berlin SO., Mariannenstr. 34, Für Mllilhkm empfehlen wir: Silva■Wanderkarten Obrripree Potsdam Rheinsberg Scharmüyelfee Strausberg Tegel Tenpit, Märkische Schweiz Starbig Mit Orts- register und Wege- beschrcibung Preis p. Karte 75 Pf. 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Vorwärts Buchdruckerei u. BerlasSanjtalt Paul Eruger u. Co.. Berlin LW. Ar. 38. 28. Iahrgavg. ([lion MM. Dir!ls!ag,U.ktI>rmr>Sll. Die IKaufinannsgerIcljtswablen in Berlin. Die Arbeiwehmerwa�len zum Kaufmannsgericht in Berlin haben am Sonntag unter lebhafter Beteiligung stattgefunden und, wie vorweg bemerkt werden mag, mit einem glänzenden Erfolg des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen geendet. Nicht weniger denn 12 verschiedene Vereinigungen hatten Listen eingereicht. In den der Wahl vorhergehenden Wochen hatte eine lebhafte Agitation eingesetzt. Am schäbigsten und niederträchtigsten führte wie immer der Deutsch-nationale Verband den Wahlkampf. Verleumdungen und Beschimpfungen der Gegner, vor allem des Lentralverbandes, der von ihnen als sozialdemokratischer Verband denunziert wurde, lvaren die Kampfesmittel der Deutsch-natio- nalen. Noch am Tage der Wahl liehen es sich die Schackjünger etwas kosten, indem sie Automobile mit Fahnen und Transparenten ausgestattet hatten, auf denen für ihre Liste Reklame gemacht wurde. Auch andere Verbände waren in der Agitation nicht mühig. Das Resultat all dieser Bemühungen war eine grohe Zu- nähme der für den Zentralverband abgegebenen Stimmen und eine grohe Abnahme der Stimmen für die Deutsch- nationalen und den Verein Deutscher Kaufleut-e. Der Zentralverband hat 16 Beisitzer gewonnen, er hat jetzt 40 Beisitzer, gegen bisher 24, während die Deutsch-nationalen und der Verein Deutscher Kauf- leute je 8 Beisitzer verloren haben. Im einzelnen stellt sich das Resultat wie folgt: Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen beträgt 15 527(14 338). Auf die einzelnen Listen verteilen sich die abgegebenen Stimmen: Stimmen Liste 1 Deutsch-national... 4333(4516) Leipziger Verband... 1433(1546) Fentralverband.... 345!(1951) Verein von 1853... 1465(1117) Verein Deutsch. Kaufleute.s.,,. ,044,, (Hirsch-Duncker) XUSo Katholischer Verein.. 272( 219) , 7") Deutsche Bankbeamten. 823 , 8 Versicherungsbeamte.. 193 » 0 Verein junger Kaufleute 215( 433) „ 10 VuckhandlungSgehilfen. 198{ 231) , 11*) Berliner Bantbeamte.. 256 „ 12 Kaufmännisch. Hilfsverein 993( 962) (Die eingeklammerten Zahlen bedeuten das Ergebnis der Wahlen lm Jahre 1908). Das Wahlresultat ist Um so glänzender für den auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Zentralverband der Handlungsgehilfen, wenn man die wüste Agitation der Deutsch- nationalen in Betracht zieht, und um so ungünstiger für den letzt- genannten Verband. In der Geschichte der Handlungsgehilfen- bewcgung dürfte eine solche Niederlage der grohmäuligen Deutsch- nationalen noch nicht zu verzeichnen sein. Aber auch der Berein der Deutschen Kaufleute hat am Sonntag schlechte Geschäfte ge- macht. Dieser Verein steht auf Hirsch-Dunckcrschem Badem Es zeigt sich, dah das Vertrauen in Handlungsgehilfenkreisen auch zu ihm immer mehr im Schwinden begriffen ist. DaS Gesamtresultat dürfte nicht zuletzt zurückzuführen sein auf die gegenwärtige politische Situation und gliedert sich den Erfolgen bei den letzten Gewerbegerichtswahlen in Berlin und den politischen Wahlen konsequent an. Die in weiten Kreisen herrschende Mihstimmung über die politischen Zustände kommt bei allen sich bietenden Gelegenheiten deutlich zum Ausdruck und ist für uns ein gutes Zeichen für die zukünftigen großen politischen Kämpfe. * Zunächst aber gilt es für unsere Parteigenossen, für die morgen— Mittwoch— stattfindende» Arbeitgeberwahlen Propaganda zu machen, und zwar für die Liste S (sozialdemokratische Arbeitgeber). Die Bankbcamtenvereine hatten im Jahre 1908 eine gemein- same Liste auf die insgesamt 915 Stimmen und 12 Beisitzer entfielen. Beisitzer 49(57) 17(19) 40(24) 16(14) 23(31) 8( 3) 10 o(bisher nicht beteiligt). 3( 5) 2( 3) 3 12(12) Die Wahlen finden von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr nach- mittags statt, und zwar wird in folgenden W a h l st e l l e n gewählt. Hinter den Wahlstellen ist der Name des Lokals der- zeichnet, von dem aus die Agitation betrieben wird. Nr. der Wahl- stelle Umfaßt Siavt- bezirke ! ahlstelle iarteilokal 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 13 19 20 21 22 23 24 1. 2. 7 u. 8 3, 4 u. 201 5 u. 6 9—11 12-14 u. 19 15 iL 16 17,18, 20 u, 21 22-25 26— 30 iL 117—118 31—42 u. 50 43—49 u. 51—62 63—80, 114— 116 u, 123—125 81— 113B u. 138—139 119— 122 u. 126—127 128-185 136— 137 u. 140—144 145-162 163-186 187— 200 u, 202—204 205—215 218-260 216— 217 u, 261 A— 278 279—295 29Q-826D Rathaus, Eingang Jüde»- straße, 3 Tr., Zimmer 109 In den Turnhallen: Berlinisches Gymnasium zum Grauen Kloster, Neue Friedrichstr. 86 21./24. Gemeindesib., Hinter der Garnisonkirche 2 51./l30. Gemeiudeichule, Niederwallstr. 6/7 Dorotheenslädlisches Real- gymnafium, Eingang Dorothecnstr. 13/14 Friedrich Werdersche Ober- realschule. Niederwallstr. 12 27./44. Gemeindeschule. Wilhelmstr. 117 4./5. Gemeindeschule, Alte Jakobstr. 127 131./169. Gemeindeschule, Tempelhofer Ufer 2 107. Gemeindeschule, Genthiner Str. 4 108./ll6. Gemeindeschule, Hagelbergerstr. 34 23./2l7. Gemeindeschule, Wilmsstr. 10 20. Gemeindeschule, Walde- marstr. 77 112./ 129. Gemeindeschule, Wassertorstr. 31 47. Gemeindeschule, Stall- schreiberstr. 54 62. Gemcindeschule, Schmid- straße 33 Filiale der 12. Gemeinde- schule, Blumenftr. 63 s. 23 Gemeindeschule, StrauS- berger Str. 9 139./l61. Gemeindeschnle, Georgenkirchstr. 2 8./6S. Gemeindeschule, Gips- sl raste 23a 15./171. Gemeindeschnle, Kastanienallee 81/82 260. Gemeindeschule, Acker- stratze 67 113./128. Gemeindeschule, Turmstr. 86 70./202. Genieindeschule, Ravenostr. 12 Bost, Mosterstr. 101 Nitz, Neue Friedrichstraste 83 Boß. Klosterstr. 101 Weihnacht. Grün- straste 21 Dorn. Mtttelstr. 39 Weihnacht, Grün« straste 21 Raeck.Wilhelmstr.121 Löser. Alte Jakobstr. 7 WitweHans.Tcmpel- hofer Ufer 4 Schulz, Lützowstr. 51 Keufner, Uorkstr. 61 Hemp, Bärwald» straste 63a Voigt, Naunhnstr. 67 Lindemann, Moritz straste 9 Manz,S:allschreibev straste 6 Simon, Michaelkirch platz 19 Merkowski, Andreas' straste 26 Otto Schnndt, StrausbergerStr. 7 Spät, Georgenkirch- straste 65 Wirth, Auguststr. 51 Obiglo. Schwedter- straste 23/24 Rein, Ackerstr. 63 Sichert, Alr-Moabit 110 Kaczorowski, Ravensstr. 6 Beste Legitimation— wenn solche verlangt wird, ist die Wahl- karte oder Benachrichtigung des Magistrats, sonst Gewerbesteuer- oder sonstige Steuerquittung. Die Wahl ist geheim! Kein Anhänger der Partei darf bei der Wahl fehlen. Jede Stimm� zählt. Wir erwarten, daß die Parteigenossen, namentlich aber diejenigen, welche sich wirtschaftlicher Selb- stäudigkeit erfreuen, zur Stelle sind und die wenigen Stunden der Wahl, wie stets, Bei Hilfe leisten. Der Aktions-Ausschuß. Sericbts- Leitung. Etsch, wir machen eine Landpartie? Der Maler Louis Lewin und der Arbeitsbursche Felix Lewin beteiligten sich am 23. Oktober an einer Kartoffel- und Herings- Partie nach Kiekcmal. Der Maler Lewin steuerte dazu ein Papp- schild bei. welches die schöne Aufschrift trug:„Etsch, wir machen eine Landpartie!" und an welchem mehrere Salzheringe und rohe Kartoffeln befestigt waren. Unter Voraustragung dieses Schildes zogen die Angeklagten mit etwa 30 jungen Leuten durch die Strasten zum Schlesischen Bahnhof. In diesem Tatbestand fand ein eifriger Schutzmann— groben Unfug und Veranstaltung eines öffentlichen Aufzuges ohne Polizei- liche Genehmigung, sistierte die Gebrüder Lewin, und heute standen sie auf der Anklagebank. Der Schutzmann bekundete zum höchsten Erstaunen der Zu- Hörer, daß er auf die telephonische Nachricht: ein Zug marschiert mit einer Fahne durch die Strasten! eingeschritten sei, obgleich nur ein Pappschild zu sehen war. Ter Amtsanwalt liest die Anklage wegen Veranstaltung des Aufzuges fallen, beantragte aber wegen„groben Unfugs" Verurtei. jlung der beiden Missetäter zu 20 Mark resp. Verweis. Der Verteidiger Dr. Kurt Rosenfeld beantragte Freisprechung beider Angeklagten und Uebernahme der den Angeklagten erwach- senen notwendigen Auslagen der Verteidigung auf die Staatskasse. Es liege weder ein Aufzug vor, noch hätten die Angeklagten eine Gefährdung des Publikums verursacht, höchstens hätten sie zu dessen Erheiterung beigetragen, und das sei doch noch nicht strafbar. Das Gericht schloh sich diesen Ausführungen an und sprach beide Angeklagte frei, lehnte aber ab, die Verteidigungskosten der Staatskasse aufzuerlegen, weil die Angeklagten durch den Ulk, den sie gemacht hätten, an der Einleitung des Strafverfahrens schuld seien._ Die„Wahrheit" vor Gericht. Ein Artikel der„Wahrheit" unter dem Titel„HarSen uod seine Freunde moralisch geohrfeigt" hat Anlast zu einer Privat- klage gegeben, die gestern vor der 145. Abteilung des Schöffen- gerichts unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wollner verhandelt wurde. Privatkläger war der Verleger des„Hannoverschen Cou- riers", Dr. M. Jänecke. Angeklagt war der Redakteur der„Wahr- heit", Otto Weber. Der inkriminierte Artikel war in der sattsam bekannten, auf sensationslustig geisiesarmer Philisterart, auf- gemacht, die blöde Leser in den Glauben versetzen soll, die„Wahr- Seit* sei Wächterin der Moral und habe rege Beziehungen zu so- genannten hochstehenden Kreisen. In dem Artikel war die Be- hauptung aufgestellt, dast der Privatkläger, der Reserveoffizier war, durch seine Beziehungen zu dem Schriftsteller Maximilian Hardcn seine Ehre als Offizier verletzt habe und deshalb durch den Oberst Engclbrccht veranlaßt worden sei, seinen Abschied einzu- reichen. Auf Grund dieses Artikels hat Dr. Jänecke die Privat- klage angestrengt. Der Klatschartikel teilte unter heftigen Aus- fällen gegen Maximilian Harden mit, dast dieser in Hannover, wo er öffentliche Vorträge hielt, im Hause des Dr. Max Jänecke freund- schaftlich verkehrt habe und dast Jänecke, der Reserveoffizier der Kavallerie gewesen, gezwungen worden sei, den Offiziersrock aus- zuziehen.— Der Angeklagte Weber, der den Artikel nicht selbst ge- schrieben, erklärte, den Wahrheitsbeweis führen zu können. Er behauptete, das Material sei von„hochstehender" Seite mitgeteilt worden.— Der Privatkläger Dr. Jänecke bemerkte u. a., daß Maxi- milian Harden seinerzeit doch auch bei dem Regierungspräsidenten Grafen Wilhelm v. Bismarck in Hannover drei Tage lang logiert habe. Er befinde sich daher in recht guter Gesellschaft.— Der als Zeuge vernommene Oberst Engelbrecht bekundet, er habe sich infolge des Besuches des Herrn Maximilian Harden den Privatkläger kommen lassen und dieser habe gleich nach dieser Unterredung sein Abschiedsgesuch eingereicht. Die Besprechung sei eine dienstliche ge- Wesen und habe unter vier Augen stattgefunden; er sei nicht be- fugt, über diese dienstliche Unterredung Aussage zu machen ohne vorherige Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde.— Dr. Jänecke erklärte, daß er 40 Minuten nach dieser Unterredung sein Abschieds- gesuch eingereicht habe, weil er dem Bezirkskommandeur das Recht nicht habe zusprechen können, in sein Privatleben einzugreifen. Auf eine Frage an den Zeugen Oberst Engelbrecht, ob letztere es mit der Ehre eines inaktiven Offiziers für unvereinbar erklärt habe, einen Herrn wie Maximilian Harden freundschaftlich in seinem Hause zu empfangen, erklärte der Zeuge, er wühte nicht, daß er außerhalb seiner dienstlichen Unterredung in diesem Sinne sich ausgesprochen habe. Er habe das Stillschweigen bewahrt.— Der Privatkläger wünschte vom Zeugen zu wissen, ob nach seiner Met- nung er gezwungen worden wäre, seinen Abschied einzureichen, wenn er ihn nicht freiwillig engerecht hätte.— Oberst Eogelbrecht: Tatsächlich sei er nicht befugt, einem Untergebenen den Befehl zu geben, seinen Abschied einzureichen. Wenn er aber sich gezwungen gesehen hätte, ein Ehrengerichtsverfahren einzuleiten, dann würde er es sicher getan haben, ohne lange Zeit verstreichen zu lassen und würde ein freiwilliges Abschiedsgesuch des Herrn Jänecke gar nicht angenommen haben. Der Schwerpunkt bei jener Unterredung sei gar nicht die Aufnahme des Herrn Harden im Hause des Privat- klägers gewesen, sondern der Vortrag des Herrn Harden, der in der Hauptsache gegen seine Majestät den Kaiser gerichtet gewesen. Der Privatkläger erklärte, daß eine Verlesung jenes Vortrages diese Ansicht nicht bestätigen würde.— Das Gericht verurteilte nach längerer Beweisaufnahme den Angeklagten wegen verleumderischer Beleidigung aus 185 und 186 Str.-S.-B. Erwiesen sei vur, dast Oberst Engelbrecht dem Privatkläger Vorhaltungen über seinen Verkehr mit Harden gemacht hat. Die Strafe wurde auf 900 M. Geldstrafe eventuell 60 Tage Gefängnis normiert. Eine im Jähzorn verübte Tat, durch welche ein blühendes Menschenleben vernichtet worden war, bildete den Gegenstand einer Verhandlung, mit welcher gestern die dritte diesjährige Schwurgerichtsperiode bei dem Landgericht 1 unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Göbcl eröffnet wurde. Wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange war der Kisten- machcr Hermann Thiele angeklagt. Der Angeschuldigte war seit Oktober 1909 in der Kistenfabrik von Gramsch in der Dresdener Straße beschäftigt. Im Juni V. I. trat der Bruder des Inhabers, der Kaufmann Paul Gramsch, als Mitinhaber in die Firma ein. Anfangs Oktober v. I. untersagte Gramsch den Arbeitern, sich einer elektrischen Pcndelsäge zu bedienen. Dieses Verbot wurde von dem Angeklagten wiederholt übertreten. Als der Angeklagte am Nach- mittage des 5. Oktober wieder von G. dabei betroffen wurde, wie er die Pendelsäge benutzte, kam es zwischen beiden zu einem Streit, in dessen Verlauf der Angeklagte plötzlich drei zusammengebundene Bretter nach seinem Arbeitgeber schleuderte und diesem am Kopfe traf. Gramsch nahm ebenfalls einige Bretter und schleuderte sie nach dem Angeklagten, der aber nicht getroffen wurde. Gramsch suchte am Abend dann noch eine Schankwirtschatfi auf, wo ihm nicht das Geringste anzumerken war. Bald darauf stellten sich bei G. Kopfschmerzen ein, die immer stärker wurden. Er verfiel schließlich in einem völlig apathischen Zustand und wurde nach dem Bethanien- krankenhaus geschafft, wo er bald darauf verstarb. Bei der von dem Geh. Medizinalrat Prof. Straßman» und dem Medizinalrat Dr. Hoffmann vorgenommenen Obduktion ergab sich als Todes» Ursache ein Schädelbruch und Gehirnblutung. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde der Angeklagte unter Zubilligung mildernder Umstände zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. „Weise" Frauen. Ausschluß der Oeffentlichkeit beantragte gestern der Staats- anwalt bei der Verhandlung einer Anklage wegen Verbrechens gegen das keimende Leben, di« das Schwurgericht des Landge- richts III beschäftigte. Der Gerichtshof, unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektors Licbenow, lehnte diesen Antrag ab. DaS Gericht war der Meinung, dast eine solche Anklage in einer Form erörtert werden könne, ohne daß eine Gefährdung der Sittlichkeit zu be- fürchten sei. Im Gegenteil sei es angebracht, daß die Frauen und Mädchen, die die«weisen Frauen" aufsuchen, aufgeklärt werden über die Strafbarkeit ihrer Handlungsweise und über die Gefährlichkeit solcher Verbrechen. Die Verhandlung fand da- her in voller Oeffentlichkeit statt. Die Anklage richtete sich gegen die Maurerfrau Margarete Lehmann geb. Pudlich in Charlotten- bürg, die sich des Verbrechens gegen§ 219 St.-G.-B. und der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat. � Die Angeklagte, die Not in keiner Weise zu leiden hatte, hatte sich dazu hergegeben, an der Arbeiterin Bertha B., die die Folgen eines Fehltritts besciti. gen wollte, gegen Zahlung einer Summe von 15 Mark Eingriffe vorzunehmen, die gegen das Strafgesetzbuch verstosten. Die � B. hatte, um das Geld aufzubringen, zunächst einige Betten ber- setzen müssen. Bald nach der an ihrem Körper vorgenommenen Prozedur wurde das Mädchen so krank, daß sie in das Kranken- haus Westend transportiert werden mußte. Dort ist sie nach etwa 14 Tagen an einer citrigen Gehirnhautentzündung gestorben. Nach dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Pfleger, des Prof. Dr. Dietrich und des Assistenzarztes Dr. Lind stand der Tod in ursächlichem Zusammenhange mit den körperlichen Eingriffen, die die Angeklagte ausgeführt bat.— Auf Grund des Spruches der Geschworenen verurteilte der Gerichtshof die Angeklagte zu 2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust, TarlehnSschwinbler. Eine seit 4 Tagen vor der 2. Strafkammer deS Landgerichts I geführte Verhandlung gegen den Hypotheken« und Darlehnsver- mittler Carl Nasch und den Hypothckenmaller Mar Ebel ist gestern zu Ende gekommen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Rasch in sieben Betrugsfällen die Freisprechung, dagegen in allen übri- gen Fällen die Verurteilung. Die Verhandlung habe gezeigt. welchen Charakter und welche Sinnesart Niasch besitze. Sein Vor- gehen sei ganz ungeheuerlich, insbesondere jener Hauptmanns- witwe gegenüber, die er durch Eintausch ihres Hauses gegen ein minderwertiges um ihr ganzes Vermögen gebracht und der er sich mit Erfolg auch noch geschlechtlich genähert habe, um sie auf diese Weise in die Hand zu bekommen und eine Strafanzeige ihrerseits zu verhindern. Der Staatsanwalt beantragte gegen Rasch 3 Jahre 6 Monate Gefängnis, gegen den in einem Falle Mitangeklagten Ebel 2 Monate Gefängnis.— Das Gericht verurteilte Rasch zu 3 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 4 Mo- naten Untersuchungshaft und sprach den Angeklagten Ebel frei, Neun Jahre Zuchthaus wegen SittlichkeitIverbreche«. Nach zehntägiger Verhandlung ist vor dem Heidelberger Schwurgericht ein Prozeß wegen Verbrechen gegen die Sittlichkeit zu End« geführt worden, der nach seinem Umfange wie seinem Strafmaß als wohl einzig dastehend bezeichnet werden kann. Auf der Anklagebank saß der jetzt 57 Jahre alte frühere Leiter der Großherzoglichen Taubstummenanstalt, Johann Hollcr. Er ist be- schuldigt, sich in einer sehr großen Anzahl von Fällen an den seinor Obhut übergebenen weiblichen taubstummen Zöglingen in schwerster Weise vergangen zu haben. Die Verfehlungen Hollers reichen bis in das Jahr 1907 zurück und sind nur durch einen Zufall ans Licht gekommen. Entsprechend dem Milieu des Pro- zesses, der von Anfaang an unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ge» führt wurde, befanden sich unter den Zeugen überwiegend jetzige und ehemalige Zöglinge der Taubstummenanstalt, die Holler zu seinen unsittlichen Zwecken mißbraucht habe» sollte, meist im Alter von 12 bis 15 Jahren. Der Angeklagte befand sich seit ca. einem Jahre in Haft. Die Untersuchung zögerte sich deshalb so lange hin, weil ein umfangreiches Anklagematerial zu bearbeiten war und die Verteidigung verschiedentlich den Antrag gestellt hatte, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand hin untersuchen zu lassssen. Hollcr wurde dann auch eine Zeitlang in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch interniert, und der dirigierende An» staltsarzt soll auch zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß bei Holler eine schwere Gehirnerkrankung vorliege, die die freie Willensbestimmung bei Holler ausgeschlossen habe. Neorn diesem Anstaltsarzt waren noch eine Reihe anderer medizinischer Sach- verständiger geladen, darunter der Leiter der Heidelberger pshchi» atrischen Universitätsklinik Professor Dr. Nissel. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde so streng gehandhabt, daß nicht einmal einem von der Verteidigung beauftragten Stenographen der Zu- tritt gestattet war, lediglich einige Assistenzärzte der psychiatrischen Klinik wurden zu den Verhandlungen zugelassen. Das Urteil lautete, wie bekannt, auf neun Jahre Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Würzburger Hühneraugenmittel von Dp. H. Cnger.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Ps. Anweisung frei. Ohne Zweiscl die bequemste u. wirksamsteHilfe. Der Schmerz istin 5 Min. sort. DaS Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicnlsäure und indischeu Hanfextrakt.) Dr. H. Unger in Würzburg. In Berlin(20 Ps.): Salomon-Apotheko, Charlottenstraste 54. Grelt- Apotheke, Barnünstrasze 33.— München t Schützen-Apotheke.— Stutt. gart: Hirsch-Apotheke.— Breslau: Victoria-Apotheke. 113/8 Theater und Vergnügungen nun □DD DOO Dienstag. Ii Februar. Ansang VI, Uhr. KSnigl. Opernhaus. Migno». König!. Schauspielhaus. Der Kaufmann von Venedig. Deutsches. Avdith. ftammerfoiele. Lanzewt. (Slnf. 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neues königl. Operu-ZHeater. Geschlossen. Neues SriiauipielbauS. DaZ klewe Schotoladenmädchm. Sefsing. Die Raiten. Komische Over. Die Bohöme. kleines. Die verflixten Frauen- zimmcr. I. Klasse. Varietä. 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Ammer- gau._ Lessing-Theater, 8 Uhr: Die Ratten. Mittivoch 8 Uhr z. 50. Male: Wen» der junge Wein blüht, Berliner Theater. Täglich 8 Uhr: Bummelstudenten. Neues Theater. Täglich: lier Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. 8 Uhr: Die lästige Witwe. Sonntag nachm. 31/« Uhr: Bis geschiedene Frau. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8 Uhr: _ Berliner Volksoper Abends FV, Uhr: AerTronipktkro.Silckmgkil, Lustspielhaus. Abends 8 Uhr; Das Objekt Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Pariser Men«. Drei Gänge von Georges Feydeau und Veber-Abrie. t. Gang:„53 Meter über Paris«. 1 Alt von Veber-Abrtc. 2. Gang: ,Ewe Nachtsitzung-. lAkt von Georges Feydeau. 3. Gang:.Nach dem Mäuschen- ball', 1 Akt von Georges Feydeau. Sonntag, den 19. Februar, nachm. 8 Uhr: Kümmere Dich um Amblie. Msfek-WIhlmMiselisi Schauspielhaus. Dienstag, 14. Februar, abends 8 Uhr: Hofgunst« Mittwoch: Die Räuber. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag zum erstenmal: Einheirat. Sonnabend: Figaros Hochzeit. Lxiisen-Tkeater. Abends 8 Uhr; Zasemmis Töchter. Mittwoch: Die Hosen des Herrn von Bredow. Donnerstag und Freitag: Das große Licht Sonnabend 4 Uhr große Vorstellung: Max und Mvrii Da» große Licht. 10 grandiose SperiaMtSten. U. a. 8 Heiiige Ghunpsen 8 unter Leitung ihres Oberpriesters Tschin Maa. 9'/, Uhr: Das Tagesgespräch Berlins R e u 1 1 e r. Anfang 8 Uhr. Kassenerölfnung 7 Uhr JTCetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstattungSrcvue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. B Holländer. In Szene gesetzt von Dir. 3t. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet Die berühmte ohines. Tragööin Md. Chung m. Ihrem chinee. Schausp.-Ensemble „Ini Reichs des Drachens" Chines. Schauspiel(nach einer alten Logende) in 2 Akten. MiS Orfords, Elefantendressurakt. La belle Leonora, span. Tänzerin. The Kellinas, ein Fest in Venedig. Tha 6 Geishat, jap. Qesg.-Tanz-Tr. Fred Marion, Instrument-Imitator. Floreuse and Lillian, Musikal-Akt. Le» Pissiultis, Gladiatoren a. 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Er, Sie und Er mit Anton und Donat Herrnseld in _ den Hauptrollen._ Mernes Weddings UcbtMplel-Palsst Mülletslr. 182 183— Sellerstr. 38 Paul Singers Begräbnis. Im Anto dnreb die SavoyeV Alpen(Naturaufnahme). Oer lilinde König(Illoatral zur Ublandschen Ballade). Voranzeige: Mittwoch, 15. Febr., S'/s» 9 Uhr: Vortrag des Herrn SobriftsteU. Walter Hoen-Bafdnt,a*tt Mittwoch, den 13. Februar, abends 8'/, Uhr: Für RlZdOrf bei Geliert, Dteinmetzftr. 93. Mittwoch» den 15. Februar, abendS 8 Uhr: Für Spandau bei Gottwald, Schönwalder Ttr. 80. Donnerstag, den 16. Februar, abends 8>/z Uhr: Für Norden bei Wernlcke, Ackerst?. 183. Donnerstag, den 16. Februar» abeuds 8'/z Uhr: Für Nordwest Bei Klrschkowstl, Beusselstr. 9. Donnerstag, deu 16. Februar, abends 8'/, Uhr: Für Osten bei Zlctc, Warschauer Straffe 61. Donnerstag, den 16. Februar» abends 8'/z Uhr: Für SebSneberg bei Franz, Tcmpclhofer Str. 18a. Sonntag, den 19. Februar, vormittags 9'/s Uhr: Gruppe der Kunststeinarbeiter bei Haberland, Linienstr. 73. Sonntag, den 19. Februar» vormittags 9'/, Uhr: Für Reinickendorf bei Wohlfahrt, MWomt. 18. Sonntag, den 19. Februar, vormittags 9'/, Uhr: Für zdlersbof bei Hanl, Bismarckitr. 16. Sonntag, den 19. Februar, nachmittag? Sb'/a Uhr: Für Tegel bei Häkle«, Berliner Str. 98. Sonntag, den 19. Februar, nachmittags 3 Uhr: Für KÖpeniCk im Stadttheater(II. Saal), Frtedrichstraff«. Sonntag, den 19. Februar, nachmittags 4 Uhr: Für Ober-Scböneweide M Rabe, Wilhelmweuhofstr. 43. Sonntag, den 19. Februar, nachmittags 4 Uhr: Für Johannistbai 6ti««»»in,«o»«?«?. 8. Sonntag, den 19. Januar, nachmittags 4 Uhr: Für Weißensee im PrMaten, König-Chaussee 48. Sonntag, de« 19. Februar, nachmittags 5 Uhr: Für Cbarlottenburg im Volksliaaze, Rostuenftr. 3. Sonntag, den 19. Februar, nachmittags 5 Uhr: Für Rummeisburg U. Omg. bei Blnme, Alt.Boxhagcu 56. Tonnerstag, den 23. Februar» abends 8 Uhr: Gruppe der Schallplattenarbeiter (fresser, Sehleifer und Stoffarbeiter) im„Rosenthaler Bereinshaus". Rosenthalerstr. 57. TageS-Ordnung in allen Versammlungen- Vortrag. Beckcht von der Generalversammlmig. Verbandsangelegenhetten. >WU- Zwecks Ausübung einer Kontrolle über Teilnahme an den Bezirks Versammlungen wird daraus ausmerksam gemacht, dag die Mitglieder ihre Bücher mitbringen sollen, um den Besuch der Ver allwüuug durch Stempel im Mitgliedsbuch eintragen zu können I Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwarten 63/4__ Die Bezlrhslelter. Mittwoch, deu 15 Februar er., abends S1/, Uhr: Gemeinsame General Versammlung für dik Uftmallutijisjflltti im Sf tlinti{»(jojttitl im Crcwerkuchaftuhans, Engeluscr 14/15, Tages-Ordnung: 79/3 Die Umänderung der Unterstützungssätze im Berliner Lohagetirt. Delegiertenkarte und Mitgliedsbuch legitimiert. «"■ M" Llehlblldenorlräge««-w- „Die historische Entwickclung der Künste »nd die modernen Bestrebungen im Handwerk". / KImIzaI«.■>__________.w. r. cif 6. Wahlkreis! Dienstag, den 14. Februar, abends 8V2 Uhr: 1« öDIicht Frmi-NkchmIiM» in folgenden Lokalen- Obiglos Festsale. Schwedtcr Str. 23/24. Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 23. Konzcrthallen Süstmilch. Bornholmerstr. 7. Borussia-Säle, Ackerstr. 6/7. Swinemnader Gcsellschaftshaus, Swine- münder Str. 42. Franke? FeftsSle, Badstr. 19. Cranz' Festsäle, KöSliner Str. 6. Bock-Brauerei(Abt. 2). Chausseestr. 64. Pharns-Säle, Müllerstr. 142. Stadt Theater Moabit. Alt-Moabit 47/49. TageS-Ordnung: „Renten für Witwen und Waisen oder Zwangs- erziehung für Arbeiterkinder?" Freie Diskussion. Referentinnen: Ottilie Baader. Regina Friedlander. Marie Greifenberg, Gertrud Hanna. Luise KShler. Anna Matschke. Martha Tietz. Mathilde Wurm. Klara Weyi. Luise Zietz. 224/17* Für die Einberuser: Blehard Renscbel, lleckermünder Mr. 17. Sichere Existenz der Kiesbranche* Suche kapitalkrästigen Unternehmer, der mein 34 Morgen großes Kiesiagcr bei der ausblühenocn Kreisstadt Templin durch Fabrikation von Röhren und Platte» ausnutzt. IMF* Sehr gute Lage.*MU J. Abraham. slllbb Berlin. Linienstr. 148(HI. 8135). Feit ohne Schwarte und ohne Magerfleisch 69 Pf.. 2 Pfund 1.15 Mark. Pol». Bratwurst 00 Ps., als Beigabc zum Rot- und Grünkohl. Vorzügl gewürzte Rot- und Leber» wurft. Psd.»9 Pj.. 2 Psd. 93 Ps. Jeden Dienstag- und Jrcitagabcnd: Frische Blutwnrst. Psd. 89 Pj. Leberwurft, Stück 19 Ps. FHintooh rrledrlchslraSe 245, - HlClbCll, Wllhefmstr. 109-J10. + Hygienische Drogerie Zareniba. BSelnbergSwegl. dir. a. Rosenthaler Tor. � Billigste Bezugsquelle I Versuch s. zur dauernden Kundschaft. IM Ä W w Iii M« ieutscb snds. lmbi»««»« aeeim.) TeÄrksverssmmwngen: Bvslrle 1: Bezirk 8: Bealrk 8: Bealrk 4: Bezirk 5: Bezirk•: 74/8 Nächste Versammlung Mittwoch, den 15. Februar, nachm. 5 llbr, beim Kollegen Abraham. Norduser 10. Nächste Versammlung Donnerstag, den 16. Februar, nachm. 5 Uhr, beim Kollegen Kramer. Hussttenstr. 40. Nächste Versammlung Mitiwoch, den lS. Februar, beim Kolldgen Grunze. Ichöubauser Allee ISS. Nächste Versammlung Mittwoch, den tS. Februar, nachm. 5 Uhr, beim Kollegen Merkowsktz. Vortrag des Genossen Klüfi. Nächste Versammlung Mittwoch, den 15. Februar, nachm. 5 Uhr. beim Kollegen Karl Golliez. Dritzer Str. 13. Mittwoch, den 16, Februar, nachm. 6 Uhr, beim Kollegen ------- bastic■"........ Fritz Witte. Sebastianstr. 33: Mitgliederversammlung. Die Ortzverwaltang. 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X Anfang pgnktlich um S Uhr. ?fiS Lcaitimation dient eine«inlaffkartr. welche die Kollegen für ihre Kinder hei den Beitragssammlern und im Bureau erhalten. Die«arten wften nicht», jedoch wild nur eine beschränkte Zahl ausgegeben werden. BV Kirchcr unter S Jahre» löoneu nicht zugelassen werden.-MW i für die Konfirmation CZLnzüge h dm aaaoottn IRodetten von gan» vorzügl,'Paßform 15*0 20 r~ 25m vl ja- 55.— w.—m, 0Qeider nur gejcfvnackvofte HeufieHen 19.- 25.- 32.- m. 38.- ys.-m. „——........... efeßuße--------- aazerltztnt formen and trete QuaH täten |{Kompf, �äseße- Ausstattungen l für(Knaben und IJlädcfien tn ßöcfister fretsvürdigfielt iiiuiuniiitiiuiiiiiiuimiiH L fjoinrict) Weltmann am Stefan ösders (Kaistr- Wilfjelmstr. 41-42 Werlin C. 6cke öpandauer öirasst Syphilis-Nachweis in allen frisch, n. veraltet, rweifelhatt Fäll, durch wissenschastl. Untersuchung. sosort: desgl. Harn-(spcz. aus Go» norrhoe-Fädcn) u. Sputum-Anaihsen. lir. 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Wenn wir von einer Toilettenfrage in den Berliner Cafehäusern sprechen, so haben wir nicht jene schwierige Frage im Auge, welche die ständige Sorge der vornehmen Damen von Berlin W. bildet. In den Streit zwischen Korsett und Reformkleid wollen wir uns beileibe nicht mischen. Es handelt sich vielmehr um einen Mißstand, der sich in den Cafös bei der Benutzung der Klosetts herausgebildet hat. Die Reinigung dieser Toiletten, ihre Reinhaltung während des Betriebes gehört— so sollte man meinen— zu den selbstverständMsten Pflichten des Lokal- inhabers. In der Tat, die Cafsiiers und Restaurateure der Großstadt Berlin wissen, was ihnen zukommt und erfüllen diese Pflicht mit einer geradezu peinlichen Gewissenhaftigkeit; jede der zahlreichen Toiletten ist mit Reinemachefrouen bezw.-Männern besetzt. Und aus diesem menschenfreundlichen Entgegenkommen ziehen die Wirte reichlichen Gewinn. In den meisten Fällen übergibt der Cafötier die Toilletten einem Generalpächter. Dieser verpachtet die Toiletten wieder an andere; meistens sind es kleine Leute, Invaliden, Witwen usw., welche oft ihre letzte Habe hingeben, um die geforderte Kaution aufzubringen, in der Erwartung, eine Existenz zu finden. Ein anderer Teil der Cafstiers verpachtet die Toiletten unter Ausschaltung der Zwischenpächter und nur wenige bleiben übrig, die aus dieser bis- treten Angelegenheit einen Gewinn nicht herauswirtschaften. Ueber die horrenden Gewinne, welche die Berliner Herren Cafstiers aus der Toilettenverpachtung erzielen, gibt eine soeben erschienene Schrift »Das Berliner Cafbhausgewerbe— die wirtschaftliche Lage der An- gestellten" verwischen, indem er die Vertreter der Presse,.die Zehlendorf lieb haben", bat, darüber nicht zu berichten. Aber selbst Herrn Hammers Darlegungen können das Bild nicht besser machen. Zeigten fie doch. dah schon 1999 ein Fehlbetrag von 75 999 M. vorhanden war. ob« ivohl nach auhen die sogenannten Ueberschüsse den Zustand ver- schleicrten. Aus der Debatte ging noch der unerfreuliche Zustand einer Beamtenivirtschaft hervor, wie sie ihresgleichen vergeblich sticht. Aus 72 Einwohner kommt in Zehlendorj bereits ein Beamter. Die Verwaltung allein verschlingt 295 999 M. Bei einem Ort von 17 999 Einwohnern jedenfalls ein hübsche? Sümmchen. Die an» schließende Spezialberatung konnte nicht zu Ende geführt werden. Weiftensee. Eine Zweimillionenanleihe wird von dem Landwirtschaftlichen Kreditinstitut für Sachsen in Dresden aufgenommen. Die Zinsen betragen 4, die VerwaliungSkosle» V20 Proz., der KurSverlust 9,89 M. Die Tilgung der Anleihe erfolgt vom 1. April 1913 ab mit!>/, Proz. Die Verwendung derselben ist folgende: 359 999 M. zur Ablösung einer Hypotheleuschuld auf dem Elektrizitälswcrk, 259 999 M. für die Erweiterung des Elektrizitätswerks, 169 999 M. zur Tilgung einer schwebenden Anleihe, 51 599 M. zur Erstattung der Mehrkosten bei dein Bau der Gcineiudelurnhalle, 12 599 M. zur Erstattung der Mehrkosten bei dem Vau des Verwaltungsgebäudes, 1999999 M. zur Finanzierung des GrunderwerbSfondS, 159009 M. zur Regulierung von Ströhen. 26 999 M. zur Deckung der Koste» bei der Aufnahme der Anleihe. Eine noch nicht zur Verwendung gekommene Summe von l'/» Millionen Mark von der im Jahre 1398 auf- genommene Siebemnillionenanleihe soll erst vom 1. April 1912 ab zur Amortisation kommen. Lanke. Eine imposante Versammlung fand am Sonntag um 3 Nhr nachmittags in Lanke im Schlohpark-Gasthaus statt. AuS der Umgegend, Pankow, Sophienstädt, Ruhlsdorf, Marienwerder, waren über 399 Personen', insbesondere aus den ländlichen Kreisen zu- sammengeströmt, um dem Vortrag des Abgeordneten Stadthagen über das Thema:.Nieder mit der Reaktion!" beizuwohnen. In den 99er Jahren und 1996 war es.Patrioten" unter Führung deS Amisvorstehers Seeger und einer Reihe Forsteleven gelungen, die Versammlung zu sprengen. Auch diesmal wurden die größten An- strengungen gemocht, dasselbe Ziel zu erreichen. Der aus der Waudlitzer Versammlung weiteren Kreisen bekannt gewordene Ober- förster F i n st e r w a l d e r hatte die Lokalinhaberin, eine Witwe, wiederholt bestürmt, ihre Zusage zurückzuziehen und ihr gedroht, er werde ihr das Geschäft zerschlagen, die Holzauktionen entziehen u. dgl. Es war die Aeuherung gefallen, nicht zehn Mark solle die Frau verdienen. Lanke und Umgegend wurden mit Zetteln vom patriotischen Verein belegt, in denen mitgeteilt war, der Revier- förster Finsterwalder.plane eine Gegendemonstration" gegen die zur Wahlagitation einberufene»sozialdemokratische Versammlung". Aus den Wunsch des Herrn Finsterwalder wurde»den patriotischen Männern" nahegelegt,.sich zur Stärkung dieser in Vaterland- freund! chem Sinne geplanten Gegenbewegung um Vä3 Uhr nachmittag» in Lanke auf der R evier förster et einzufinden". Diejer Appell fiel auf steinigen Boden. Luch eine große Anzahl von Mitgliedern des Bundes der Landwirte und von Kriegervereinlern fanden sich in der Versammlung ein, ohne vorher beim Oberförster zum Appell angetreten zu sein. Gegen 3 Uhr ruckte die Finsterwalder Schar— der als antisemitischer und konservativer Wauderredner bekannte Redakteur Döring aus Berlin mit 3 Berliner Begleitern und etwa 25 Mann— an. Herrn Finsterwalder wurde der Eintritt aus den oben angeführten Gründen verwehrt. Die übrigen erhielten selbstverständlich die Forst» boomten nach Ablegung ihrer Hirschfänger— Zutritt. Genosse Kno etschke sorgte als Versammlungsleiter für Aufrechterhaltung der Ordnung, die zu stören vergeblich versucht wurde. Der häufig von lebhaftem Beifall unterbrochene Vortrag lieh u. a. die Finanz» reform, die ZiviUiste, die Kanalvorlage, das SchiffahrtSabgabengesetz, die Reichsversicherungs ordnung, die Moabiter Vorgänge, die Rechtspflege, di« Wahlrechtsentrechtung Revue passieren und legte die Not» wendigleit deS Zusammenschlusses zur Riederringung der den Mittel» stand, die Arbeiterklasse und daS Baterland so schwer schädigender- !jnseratenteil verantw.:Th.Gl,cke/Berlin. Druck».Verlag: Vorwärfl i Reaktion dar. Großer Beifall burchtoste den Saal, als Redner mit einer Darlegung des Endziels der Sozialdemokratie und mit dem Appell. unaufhörlich durch Aufklärung für Beschleunigung des Sieges der Arbeit zu agitiere«, geschlossen halte. Nach ihm erhielt R ed alte ur Döring daS Wort. Der Vorsitzende wußte trotz der oft pro- dozierenden Wendungen des Redners ihm vollste Redesteiheit zu verschaffen, nachdem dieser versichert hatte, er werde bis zum Schlich der Versannnlmig bleiben. Seine unter lebhaftem Widerspruch, insbesondere auS Landarbeiterkreisen, gemachten Darlegungen erzielten die entgegengesetzte Wirkung, als von ihm beabsichtigt war. Heiter war seine Klage darüber, dah die bürgerlichen Parteien den Kampf aufgegeben hätten, und seine Drohung, der Erreichung des sozialdemokratischen Endziels würden die Eigner der ProdulnonSmittel Gewalt entgegensetzen. Mehrere Genossen und der Referent führten den Wanderredner unter lebhafter Zustimmung den Versammlung ab. Nach einem Appell, der politischen Organisation der Sozialdemokratie und dem Landarbeiterverbande beizutreten, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem begeistert auf- genommenen Hoch auf die Sozialdemokratie. Unter dem Gesänge „Wer schafft das Gold zutage?' leerte sich langsam der Saal. Fester Fuß ist jetzt in dieser schwarzen Ecke des Rieder- barnimer Kreises gefaht. Die Aeuherungen Angehöriger des Mittelstandes liehen klar erkennen, datz ihnen die Augen über die junker- liche Mißwirtschaft aufgegangen und sie nicht mehr Willens sind, dem Bunde der Ritter und Heiligen Heeresfolge zu leiste«. Eue aller Melt. Tie Pest. Nach dem letzten amtlichen Telegramm des Gouvernements Kiautschou auS T s i n g r a u ist das deutsche Schutzgebiet p e st f r e i. AuS T s ch i f u waren nach Tsingtau zweihundert, aus der Provinz Schamung 259 Todesfälle gemeldet. Letztere Angabe stammt von den im Innern der Provinz lebenden Europäern. So- mit hat die militärische Absperrung deS Stadtgebietes und die Ueberwachung der SchutzgebietSgrenze die erhoffte Wirkung gehabt. Zur wirlsamen Aufrechterhaltung der militärischen Absperrung, die an die Besatzung große Anforderungen stellt, werden von den Offizieren und Mannschaften, die am 22. Februar mit dem Dampfer.Neckar" die Heimreise antreten sollten, zwei Offiziere und 288 Mann in T s i n g t a u zu- rückbleiben, um nicht zu sehr auf die neu herausgekommene junge Mannschnft, die sich erst eingewöhueir soll, angewiesen zu sein. Beim Ostasiatischen Marinedetach�ment in Peking findet ein Personalwechscl vorläufig nicht statt. Auch bei diesem Marineteil sind bisher Pest» sälle nicht vorgekommen. Infolge einer pe st verdächtigen Erkrankung in der Nähe der russischen Grenze hat der Generalgouverneur deS Amur» gebietS die Absperrung der Grenze durch Truppen an» geordnet._ Kapitalistischer Mord. Der Abbau der Mannorbrüche von C a r r a r a findet noch heute unter ganz primitiven Verhältnissen und ohne jeden zeitgemäßen Schutz der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter statt. Wie der .Avanti' erfährt, sind im Jahre 1919 1519 Arbeiter Opfer eines Betriebsunfalls geworden. Von diesen sind 19 gestorben und über 299 waren mehr als drei Monate arbeitS« unfähig. Die Zahl der dauernd Verstümmelten ist nicht an» gegeben. Der Abbau wird von zahlreichen Gesellschaften betrieben, unter denen sich auch eine grohe englische und eine französische Aktiengesellschaft befindet. Viele Gefahren könnte eine vermehrte Verwendung der Maschinen herabmindern, aber die Maschine» sind noch immer kostspieliger als Arbeiterleben. Der Herzog als Schwindler. Ein großer GesellsibastSskandal bereitet sich gegenwärtig in Madrid vor. Der.PaiS" meldet, dah der Herzog von M 0 n t e m a r. ein spanischer Grande 1. Klasse, demnächst wegen Betruges verfolgt werden wird. Ter Herzog hotte sich mit einer Komtesse de loS AndeS, die ihm eine reiche Mitgift, namentlich in Liegenschaften im Gebiet von TereS in die Ehe brachte, verheiratet. Kurze Zeit nach der Vermählung trennten sich die Ehe» galten und der Herzog von Montemar verzichtete aus die Mitgift gegen eine monatliche Penston von 300 Pesetas. Dieser Betrag war natürlich bei der luxuriösen Lebensweise deS Herzogs nicht ausreichend und der Herzog lvandte sich an einen Wucherer, der von ihm verlangte, dah er ein Dokument von seiner Gattin beibringe, waS ihm gestatte. Hypotheken auf deren Besitzungen aufzunehmen. Der Herzog von Montemar versprach dem Wucherer, dieses Schriftstück beizubringen und fand bald eine Frau, die dem Alter nach als seine Schwiegermutter hätte gelten können, ebenso zwei Männer, die ihm dabei als Zeugen dienen sollleit. Alle vier begaben sich zu einem Notar, wo daS verlangte Dokument ausgestellt wurde. Bevor sich der Herzog von Montemar nach der Republik Argentinien auf Reisen begab, machte er von dieser Affäre andere» Personen Mitteilung, wodurch die Mutter seiner Gattin, Gräfin de los AndeS, von den Betrügereien ihres Schwiegersohnes erfuhr und bei der Staats» anwaltSschafr Anzeige erstattete. Man erwartet sensationelle Ver- Haftungen._ Kleine Notizen. Selbstmord zweier Sergeanten. In Heilbronn haben sich zwei Sergeanten vom Infanterieregiment Nr. 122 gemeinsam das Leben genommen. In einem Patrouenmagazin des Re- gimentS erschossen sie sich in der Sonntagnacht aus bisher unbe- kannter Ursache; nebeneinander sitzend, wurden sie gestern morgen tot aufaestinden. Beim Fischfang ertrunken. Auf einem Wasser bei W reden« Hägen in Meckleuburg-Schwerin find am Sonnlagnachmittag beim Fischfang der Tagelöhner Reinke und der zu Besuch beurlaubte Grenadier B l a s e m a n>1 ertrunken. Ein l7jährigeS Mädchen, das mit ihnen im gekenterten Kahn sah, konnte sich retten. Opfer des Eissports. Beim Schlittschuhlaufen auf dem See bei Neustadt in Mecklenburg-Schwerin ertranken zwei Schüler deS dortigen Technikums, der 29 Jahre alte Techniker G r a b k e und der 19 Jahre alte Techniker Wulff.— Auch auf dem Luckower See bei S t e r n b e r g in Mecklenburg-Schwerin ereignete sich ein tödlicher Uilfall. Ei» 19jühriger Knabe brach beim Schlitt» schuhlaufen ein; herbeieilenden Technikern gelang e8 nicht. den Knaben zu retten, da sie selbst einbrachen und an ihre eigene Rettung denken muhten. (Lftte.ninftSHberftdit vorn 13. Februar 1911. m 8 Uhr. ffXttenxagnafe für tlnttag, den 14. Februar 1911. Zunächst kälter, vtelsach dciler bei ziemlich snschcn südöstlichen Winden; später wieder zunehmende Erwärmung und Bewöltung»hne erhebliche Niederschläge.__ Berltoer Wetterbureau. hckjboitfctei u. BerlagSanstält Paul Singer Co.� Bttttn SW,