Kr. 43. Ndoimements-Neckingiingen: BBonnemeutä• Preis pränumerando i Piertcljährl. ZP0 Mi, monall. 1,10 MI., wöchenliich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Somrtags- nununcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. P'jt» ilbonnemenl: 1,10 Mark uro Monll. Eingetragen IN die Poft.Zeilungs. Preislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und»Zesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Siumänien, Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. Ctodnt Wich auOtt montags. Berliner Bolksblntk. VIe snIerNonz-Lebilh? kelrägt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschaltliche Vereins- und Versammlungs-dnzcigcn»0 Pfg. „Kleine Hnrngcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen iür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdcrnolirat Rull#" Zentralorgan der fozialdeniokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SA. 63, Lindcnstrassc 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 19. Februar 1911. Expedition: 8A. 68, Lindenstraöö« 69# Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Hn den Herrn Minister des Innern v. Dallwitz. Herr Minister I Nach dem Bericht des.Berliner Tageblattes', Wendblatt vom 19. d. M., haben Sie in der gestern stattgehabten Sitzung des Preubischen Landtages unter anderem folgendes aus- geführt: .In diesem Zusammenhang(der Anklagen der Abgg. Hoffmann und Liebknecht gegen die politische Polizei) ist auch ein Selbst- beienntniS von Wert, das der anerkannte Führer der Sozialdemo- kratie. der Abg. Bebel, erst vor wenigen Tagen im.Vorwärts' ab« gelegt hat. In einem Artikel.Erinnerungen an Paul Singer' teilt Bebel mit, daß der Partei ein Beamter des Polizeipräsidiums aus der Abteilung.Politische Polizei' für Geld Spitzeldienste geleistet hat. Herr August Bebel hat sich also nicht gescheut, staatlich an- gestellte Beamte zu bestechen und sie zur Untreue und zur Nicht- achtung ihres Diensteides zu verleiten'. Es ist mir sehr angenehm, daß. nachdem bereits ein Teil der bürgerlichen Presse glaubte, die erwähnten Mitteilungen gegen mich ausschlachten zu können. Sie, Herr Minister, mir Gelegenheit geben, Ihnen und meinen Verdächtigern die gebührende Antwort zu er- teilen. Nicht ich oder mein verstorbener Freund Singer hat sich an den betreffenden Beamten— den nachher der damalige Polizeipräsident, als dessen Handlungen ihm bekannt wurden, entsprechend maß- regelte— gewendet und ihn aufgefordert, uns Spitzeldienste zu leisten, sondern der betreffende Beamte hat sich an meine» Freund Singer gewandt und sich erboten, uns Dien st e zu leisten unter der Voraussetzung- daß wir ihm diese honorierten. Mein Freund Singer hat, nachdem er mit mir Rücksprache ge- nommen. ganz selbstverständlich dieses Anerbieten akzeptiert, denn. Herr Minister, wir wären die größten Esel gewesen, die damals der deutsche Boden trug, hätten wir dieses Anerbieten ab- gelehnt. Ich verstehe. Herr Mnister, Ihren Schmerz, daß eS uns damals gelang, einen Ihrer Vorgänger, Herrn v. Puttkamer, recht gründlich in die Suppe zu spucken und ihm das Konzept zu verderben. Aber, Sie wissen, dem einen seine Nachtigall, ist dem andern seine Eule, und ich freue mich noch heute, daß es uns damals gelang, unter Zuhilfe- nähme der Milieilungen jenes Beamten die teuflischen Pläne der Firma Bismarck-Pultkamer gegen uns zu durchkreuzen. Wir kamen dadurch aber auch in die Lage, der verbrecherischen Tätigkeit der Schröder imd Haupt und einer ganzen Reihe anderer .Ehrenmänner' als königlich preußische Polizeispitzel zu entlarven und der Welt zu enthüllen, mit welchen Mitteln die politische Polizei jener Zeit gegen unsere Partei arbeitete. Es war ferner ein Akt der Vergellung. den wir ausübten, dafür, daß die politische Polizei in einer ganzen Reihe Städte mit allen Mitteln der Niedertracht und der Korruption eine Anzahl Parteigenossen von uns kaufte, um sie als Parteiverräter gegen die eigenen Parteigenoffen zu ver- wenden, wodurch Hunderte von braven Parteigenoffen mit ihren Familien in Not und Elend gestürzt wurden. Sie werden daher begreifen, Herr Minister, daß ich für die moralische Entrüstung, mit der Sie glauben, mir und meinen Freunden aus einem Akt der Notwehr einen Strick drehen zu können, nur ein Lächeln und ein Achselzucken habe. Erst wenn eS Ihnen gelingen sollte, Herr Minister, aus der politischen Polizei ein Institut für öffentliche Moral und WahrheitS- liebe zu machen, könnte ich Ihre Entrüstung ernst nehmen. Einstweilen warten ich und Millionen darauf, ob eS Ihrem Einfluß gelingt, daß diejenigen Berliner PoUzcibcamten, die sich, wie gerichtsnotorisch feststeht, zahlreiche Vergehen gelegentlich der Moabiter Krawalle zuschulden kommen ließen, endlich zur gericht- lichen Veraniwortung gezogen werden, denn Sie sind der.höchste Lorgesetzte dieser Beamten. Hio Ehodus, hio salta! Schöneberg-Berlin, den 18. Februar 1911. ______ ST. Bebel. Die litandatsverteilung im rheinisch- weitfälifchcn Industriegebiet. Die evangelischen Arbeitervereine, die anfangs der achtziger Jahre vorigen Jahrhunderts im rheinisch-west- fälischen Industriegebiet entstanden und dann sich auch auf das übrige Deutschland erstreckten, sind bis heute ein recht kümmerliches Gewächs geblieben. Bescheiden an Zahl und be- scheiden an Ansprüchen folgen sie willig ihren geistlichen und weltlichen Gönnern, die sie je nach den örtlichen Verhältnissen an diese oder jene Partei, sei es an die Nationalliberalen, Christlichsozialen oder Konservativen ketten. Bei den Land- tagswahlen 1908 stellten sie im rheinisch-westfälischen In- dustriegebiet an die Nationalliberalen das Ersuchen, wenig- stens in einem Wahlkreis, nämlich in Dortmund-Land, einen evangelischen Arbeiter als Kandidaten aufzustellen. Der nationalliberale Wahlausschuß nahm von diesem Ver- langen„mit großem Interesse Kenntnis" und zog„die Frage eingehend in den Bereich praktischer Erwägungen". Das Er- gebnis war, daß sich„im gegenwärtigen Augenblick der Ver- wirklichung dieser Idee noch unübersteigliche Hindernisse ent- gegenstellten". 1907 haben die Nationalliberalen bei der Reichstagswahl in Duisburg einen Arbeiter aufgestellt, der aber, von den katholischen Arbeitern im Stich gelassen, im zweiten Wahlgange das Feld räumen mußte. Nach der Reichstagswahl hielt Bassermann in Duisburg eine Rede, worin er seinen Gesinnungs- und Parteigenossen zeigte, was den Nationalliberalen im Westen nottue.„Die Abschließung", so sagte er,„die vielfach in bürger- lichen Kreisen gegenüber dem Arbeiterstand vorhanden ist, muß fallen. Die Arbeiter sind vollberechtigt wie jeder andere deutsche Bürger. Wenn didles Bewußtsein in die deutsche Ar- beiterschaft hineingetragen wird aus dem Bürgertum heraus, dann ist mir nicht bange um die Niederkämpfung der Sozial- demokratie!" Durch die Aufstellung eines evangelischen Arbeiterver- einlers, der auch Mitglied der christlichen Gewerkschaften ist, im Riesenwahlkreise Bochum-Gelsenkirchen, will die national- liberale Partei beweisen, daß die Abschließung des Bürger- tums gegenüber der Arbeiterschaft fallen soll. Das Ringen um die„ A r b e i t e r s e e l e" soll beginnen. Selbstverständ- lich ist der Hauptzweck dieser nationalliberalen Arbeiter- kandidatur- den Sozialdemokraten zu Fall zu bringen, und allem Anschein nach ist das Unternehmen vorher zwischen Nationalliberalen und Ultramontanen, wobei besonders die christlichen Gewerkschaftsführer beteiligt sein dürften, verabredet worden. Als ebenso gewiß darf man annehmen, daß die Begebenheit in Bochum das Vorspiel zu weiteren Abmachungen zwischen den beiden Parteien bildet. Die Ausführungen, die die„Kölnische Zeitung" in dieser Beziehung macht, sind deutlich genug. Das Blatt schreibt nach einer Darlegung der Bochumer Verhältnisse: „Es können Verhältnisse eintreten, und sie werden aller Voraussicht nach zwischen Hauptwahlen und Stichwahlen im In- dustriegebiet bei den nächsten Reichstagswahlcn kommen, wo die ZentrumsparteifürdasJndustriegebietGaran- tie für ihre Haltung leisten muß. In der national- liberalen Vertrauensmännerversammlung am letzten Sonntag ist mit allem Nachdruck darauf hingewiesen wor- den, daß bei der nächsten Reichstagswahl vor allem der roten Flut Einhalt zu bieten und alles daran zu setzen ist, die I n d u st r i e- Wahlkreise den bürgerlichen Parteien zurück- Zugewinnen. Die bürgerlichen Parteien werden nicht ver- geffen, was sie trennt, aber sie müssen in der Sozialdemo- kratie in er st er Linie den Feind erblicken, gegen den in der entscheidenden Stunde alle bürger- lichen Parteien Stellung zu nehmen haben. Das wird die Hauptparole für die Wahlen hier im Industriegebiet sein müssen. Das Zentrum hat hier durch sein Vorgehen bei den letzten Reichstags- und LandtagSwahlen mit der Sozialdemokratie bei allen anderen bürgerlichen Parteien nicht bloß Mißtrauen, sondern auch große Erbitterung hervorgerufen; diese sind jetzt das größte Hemmnis für eine Einigung gegen die Sozialdemokratie. Seit Wochen spielen in den öffentlichen politischen Versammlungen im Industriegebiet eine große Rolle Verhandlungen, die zwischen maßgebenden Persönlichkeiten der bürgerlichen Parteien in der Schwebe seien. Für die Hauptwahl werden Abmachungen wohl nicht gut möglich sein; ob für die Stichwahlen bei der Stimmung unter den Wählermassen sich Bindungen bei den bürgerlichen Parteien für ein großes Gebiet herbeiführen lassen, sei auch heute noch dahingestellt. Nach den bisherigen öffentlichen Erörte- rungen kämen die Wahlkreise Dortmund, Bochum, Essen, Duis- bürg, Düsseldorf und Köln in Frage. In diesen sechs Wahlkreisen kommt es zweifellos wieder zur Stichwahl. Für die Jen- trumspartei gilt es. ihren Mandatsbesitz in Köln. Esse» und Düsseldorf zu erhalten; alle bürgerlichen Par- teien aber werden und müssen Wert darauf legen, die Mandate in Duisburg, Bochum und Dortmund der Sozialdemo- kratie wieder zu entreißen. Unter all diesen Verhältnissen hat die nationalliberale Arbeiterkandidatur in Bochum doppelte Be- deutung.' Für die kommenden Reichstagswahlen scheint also die schon viel erörterte Aufteilung des Industrie- g e b i e t e s zwischen Zentrum und Nationalliberalen zur Ausführung kommen zu sollen. Herr Paaschs predigt in Kreuznach: Stramm gegen rechts und Zentrum! — und seine Parteigenossen an der Ruhr proklamieren den Kampf mit links! Zum Glück hat die Sozialdemokratie bei dem sauberen Handel im rheinischmzestfälischen Industrie- gebiet auch ein Wörtlein, und zwar ein recht kräftiges, mit- zureden.___ CanduMchaftllche Kleinbetriebe, iiabrungsmittelpreife u. liiilchprodulstion Dem aufmerksamen Beobachter kann nicht entgehen, daß zurzeit vornehmlich in kleinbäuerlichen Kreisen eine starke Neigung besteht, höhere Milch- und damit auch Butter- und Käsepreise zu erzielen. Solche Bestrebungen werden von dem im Bunde der Landwirte herrschenden Großagrariertum aus politisch-demagogischen Gründen geweckt. Nach Verteuerung der Viehhaltung infolge erhöhter Futter« mittel- und Viehzölle, geschaffen im Interesse der Großgrundbesitzer. fühlen diese das Bedürfnis, die bedrängten Kleinbauern mit höheren Preisforderungen auf die städtischen Konsumenten zu Hetzen. Auf solche Art sollen einmal die unangenehmen Folgen der groß- agrarischen Politik für kleinbäuerliche Betriebe völlig auf die städtischen Konsumenten abgewälzt werden, und kommt es dabei zu dem beabsichtigten Konflikt, dann kochen obendrein am Feuer gegenseitiger Empörung die Großagrarier vergnügt ihre Agitationssuppen, mit denen sie Taufende von Kleinbauern als willkommenen Vorspann für die Ziele des Bundes der Landwirte zu gewinnen gedenken. Wenn dergestalt eine künstliche Erbitterung gegen die Städter beziehungsweise Arbeiter geschaffen wird, hofft man die konservativen Steuerpolitiker vor ihrem wohl- verdienten Schicksal zu bewahren. Es soll nicht geleugnet werden, daß dem Kleinbauern mancherlei zu wünschen übrig bleibt. Es erscheint deswegen angezeigt, die Mittel zu erörtern, durch die dem kleinen Grundbesitzer geholfen werden kann, ohne Schädigung, ja sogar zum Vorteil der städtischen Konsumentenkreise. Das ist durchaus möglich. Das Mittel ist die Aushebung der Getreidezölle! Der verständige Kleinbauer dürfte auch unschwer einsehen, daß dem so ist, muß er doch jetzt Saatgut und zugekauftes Brotgetreide erheblich teurer zahlen, als wenn Getreidezölle nicht beständen. Das gleiche gilt für alle Getreidefuttermittel, wie Kleie, Futtergerste, Hafer u. a. m. Zudem erhöhen sich infolge der Getreidezölle die Bodenpreise und mit ihnen die Gras- und Klecpachten, eine unerwünschte Erscheinung für die zahllosen Kleinbetriebe, die eigene Kleeäcker und Wiesen nicht besitzen. Aber noch aus einem anderen Grunde muß die Aufhebung der Getreidezölle sowohl dem Kleinbauern wie auch dem städtischen Konsumenten erwünscht sein. Zahlreiche Familien konsumieren täg» lich einen Laib Brot und darüber, was einer jährlichen Brot- getreidemenge von mehr als einer Tonne gleichkommt. Für dieses Quantum werden über 55 M. Zollverteuerung, wenn man alle sonstigen Mehlprodukte mit in Berechnung zieht, bis zu 70 M., rein als Geschenk an die Großgrundbesitzer gezahlt. Man befreie die Konsumenten von diesem Tribut und sie werden den ersparten Be- trag mit Vergnügen dazu verwenden, die Marktprodukte des Klein- bauern, Gemüse, Butter. Eier, Käse und Milch in weit umfang- reicherem Maße zu kaufen; Dinge, die sie heute leider als Luxus- artikel betrachten müssen, weil ihnen die hohen Brotpreise nur wenige Groschen für diese hochwichtigen Nahrungsmittel übrig lassen. Damit sind jedoch die Mittel noch nicht alle aufgezeigt, durch die dem Kleinbauern Hilfe gebracht werden kann. Es gibt eine solche Möglichkeit besonders noch auf dem Gebiete der Milchproduktion. Merkwürdigerweise, oder vielleicht erklärlicherweise, hat der Bund der Landwirte, der angeblich die Interessen der kleinen Land- Wirte vertreten will, von dieser Hilfemöglichkeit bisher keinen Ge- brauch gemacht, obgleich sie ihm nicht unbekannt sein kann. Es handelt sich um die sogenannten Rindvieh- oder Milchkontrollvereine. Ihre Wiege stand im Bauernlande Dänemark, wo die überwiegend kleinen und Mittelbauern Schutzzölle verschmähen. Die Kontroll, vereine beruhen auf dem Prinzip der Produktionsverbilligung. Man hat dadurch in Dänemark den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb rentabel gemacht. Ein Gebilde, ähnlich dem Bunde der Landwirte, richtiger Bauernfänger, kann dort nicht, zum Gaudium reaktionärer Elemente, Bauern und Städter entzweien. Der erste dänische Kontrollverein entstand 189ö für Vejen und Umgegend und zehn Jahre darauf hatte das kleine Dänemark deren über 400, eine Zahl, an die das große Deutschland auch nicht entfernt heranreicht. Viel- leicht gerade wegen des Bundes der Landwirte, dessen Bestreben in erster Linie auf Verhetzung des Bauernstandes gegen Handel und Gewerbe gerichtet ist, um dadurch die politische Vorherrschast deS ostelbischen Junkertums zu kräftigen. In Dänemark sab man ein, daß auch die besten Zuchtbullen nicht helfen, wenn nicht nebenher die Auswahl ergiebiger Milchkühe zur Zucht geht. Die dänischen Erfahrungen haben sich auch dort bestätigt, wo man in Deutschland den gleichen Weg beschritt und auffallenderweise bewegen sich in jenen Gegenden die Milchpreise unter 20 Pf. bis herab auf IS Pf. pro Liter. Durch sorgfältige Kontrolle der Futterkosteu und Erträge werden die guten und schlechten Milchkühe herausgefunden, die ersteren zur Gewinnung eines leistungS- fähigen Stammes benutzt und die letzteren als unrentable„Dünger« Maschinen' ausgemerzt. DaS erzielte finanzielle Ergebnis war aller- wegen überraschend und mag an Hand einiger Zahlen dargestellt werden. ES brachte bei gleicher Fütterung im niederrheinischen Verein Rindern-Keeken pro Jahr: Die beste Kuh.. 7020 Kilogr. Milch 28S,8 Kilogr. Butterfett Die schlechteste Kuh 1432„„ 46,4., Im benachbarten Verein Xanten-Birten wurde von zwei Kühen folgendes Jahresergebnis erzielt: Kuh Kilogr. Milch Futterkosten Gewinn/Verlust A. 4827 302,03 M. 147,27 M. Gewin« B. 2686 349,43 M. 122,75 M. Verlust Der holsteinische Verein Fitzbeck stellt folgendes JahreSergebniS von zwei Kühen fest: Kuh Milch Butter Futterkosten Nr. Kilogramm Kilogramm pro Kilogramm Butter 3 1950 64 8,78 Mark 166 5750 231 0,98.. Dieser Verein stellte fest, daß zu Beginn der Kontrolle 12 Proz. der Tiere mit Unterbilanz arbeiteten. daS heißt mehr Futter be« anfpruchten, als der Wert der gewonnenen Butter ausmachte. Zum Schluß nvch eimge Angaben über den erzielten Nutzen pro Kuh und � Jahr aus drei niederrheinischen Vereinen. durchschnitt!. Ertrag durchschnitt!. Gewinn •oerein ig Mich kg Butter Rindem-Keeken. Bestand H.!. 4 6.01 156,- 149,11 Geilenkirchen... 5 058 155,63 167,— . Reeserwaard, Best. X 5 540 169,— 193,80 Diese Ergebnisse beweisen hinlänglich, daß sich auch in klein- bäuerlichen Betrieben die Gewinne erheblich steigern lassen, wenn »um dem Inhaber die Möglichkeit schafft, nach wissenschaftlicher Methode zu produzieren. Geradezu glänzende Resultate auf diesem Gebiete erzielte der Meierhof Loga bei Leer in Ostfriesland, der einen Schlag Milchkühe mit einem durchschnittlichen Ertrage von 6580 Liter bei 3,27 Prozent Fettgehalt hexangezüchtet hat. Die beste seiner Kühe schuf einen Weltrekord mit 10 654 Liter Milch und 880 Kilogramm Butter pro Jahr. Leider besteht keine Hoffnung, daß die Regierungen oder die Kanitz, Heydebrand und Manteuffel solche Resultate benutzen werden, um den Kleinbauern bei Errichtung gleicher Vereine behilflich zu sein. Sie werden vielinchr durch neue indirekte Steuern den kleinen Landwirten das Leben sauer machen und sie dann wieder auf ihre angebliche Feindin, die städtische Bevölkerung Hetzen. Wenn dann beide streiten, werden die Junker die lachenden Dritten sein l ES liegt System in solchem Treiben. Unseren Genossen im Lande erwächst die Aufgabe, die Kleinbauern über ihre währen und falschen Freunde aufzuklären. poUtifcbe GcbcrHcbt Berlin, den 18, Februar 1911. Aus dem Abgeordnetenhause. In einer Dauersitzung hat das Abgeordnetenhaus am Sonn- abend die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beendet, Aber nicht nur durch ihre Länge zeichnete sich die Sitzung aus, sondern auch dadurch, daß sie ruhig verlief und die Geschäfte in keiner Weise gestört wurden. Das kam daher, daß der schwarzblaue Block sehr schwach vertreten war, nicht einmal S0 Mitglieder dieser Parteien, d. h. soviel wie zur Unterstützung eines SchlußantragS notwendig sind, waren erschienen. Würden die Herren immer hübsch zu Hause bleiben und sich nur zur Empfang. nähme der Diäten einfinden, so würde daS wesentlich zur Förderung der Geschäfte beitragen. Beim Kapitel.StrafanstaltSberwaltung' gab besonders Genoffe Liebknecht eine Reihe wertvoller Anregungen. Mit Recht wies er an der Hand der Statistik nach, daß man keinen Grund hat, über die zunehmende Verrohung der Jugend zu klagen, sondern, daß im Gegenteil die Sozialdemokratie unendlich viel zur Verringerung der Kriminalität beigetragen hat. Seine weiteren Ausführungen über die sozialen Ursachen des Verbrechens und über die Behandlung der Gefangenen verdienen die weiteste Beachtung. Erst wenn das, was unser Redner als Programm aufgestellt hat, in die Wirklichkeit umgesetzt sein wird, wird von einem wirklich humanen Straf« Vollzug die Rede sein können. Nach einigen albernen Bemerkungen, des Abg. Strasse*(I.) und nach einer Rede des Geheimrats Krahne, die sich wieder sehr günstig von den Reden..'abhob, wie wir sie sonst von den Regiernngsvcrtretern zu hören gewöhnt sind, wurde das Kapitel bewilligt. Die Debatte wandte sich zum M e d i z i n a l w e s e n. das zum ersten Male im.Mnisterium des Innern erscheint. Am 1. April soll bekanntlich die Medizinalabteilung vom Kultusministerium loS- gxM werden. W erster Redner volemisierte Abg., v. Armin sk.) gegen die.sosialdemokrätrschen" Krankenkassen, die den Äerzten ihren Willen aufzwingen; gleichzeitig aber wandte er sich auch gegen den Leipziger Verband, weil dieser über ein Dialonissenhaus die Sperre verhängt hat. Unserem Redner, dem G-noffen Hirsch, war eS ein leichtes, den konservativen Scharfmacher auf seine Widersprüche aufmerksam zu machen und seine Angriffe auf die Krankenkassen auf das gebührende Maß zurückzuführen. War so der erste Teil der Ausführungen unseres Genossen notgedrungen eine Abwehr, so machte er im zweiten Teil positive Vorschläge zur Be- kämpfung der> Volks kraukheiteu, insbesondere der Schwindsucht und her Säuglingssterblichkeit. Im übrigen ist aus der Debatte nur noch die Rede des Geheimrats Kirsch ner zu erwähnen, der die beruhigende Er« klärung abgab, daß die Gefahr der Verschleppung der Pest nach Deutschland so gut wie astsgeschlossen ist. Eine Herbsttagung des Reichstages. Wie verschieden konservative und rechtsnationalliberale Blätter zu berichten wissen, soll sich die Regierung entschlossen haben, den Termin für die nächsten Reichstagswahlen möglichst weit hinauszuschieben. Nach einigen Blättern soll die Absicht bestehen, die Wahlen erst im Januar stattfinden zu lassen; andere Blätter wollen wissen, daß der Wahltermin sogar bis in den Februar hinausgerückt werden soll. In Wirklichkeit dürfte über den Wahltermin noch gar keine Entscheidung getroffen sein. Nur so viel ist richtig, daß heute, nachdem in letzter Zeit, so manche schöne Spekulationen der Regierung gescheitert sind und der Riß zwischen Konservativen und Nationalliberaleu sich bedenklich erweitert hat, in den sogenannten maßgebenden Kreisen die Meinung vorherrscht. es sei vorzuziehen, die Wahlen möglichst spät anzusetzen, da- mit den Konservativen und Nationalliberalen Zeit zur „nationalen Sammlung" bleibe, und ferner die verschiedenen Lorlagen, die dem Reichstage zur Beratung überwiesen sind, möglichst erledigt werden könnten. Augenscheinlich liegt dem Bethmannschen Regime außerordentlich viel daran, sich wenigstens einiger Leistungen vor den Wählern rühmen zu können. Deshalb soll der Reichstag auch im Oktober dieses Jahres nochmals: zu einer k.ur.zen Herbsttagung zu- sammengerufen werden. Bestätigt werden diese Angaben durch die Mitteilungen einer hiesigen meist gutunterrichteten halbosfiziösen Korrespon- denz. Es heißt dort: Wie wir hören, ist ein Termin für die nächsten Reichtags- wählen noch nicht festgesetzt, doch besteht die Absicht, den Reichstag zu einer Herbstsession im Oktober ein- zuberufen, da bereits jetzt die Meinung vertreten ist, daß der vorliegende Stoff bis zum Juli nicht aufgearbeitet werden kann. Es soll versucht werden, die Strafprozeßrefonn und die kleineren Gesetze bis zur Sommerpause zu verabschieden, die end- gültige Verabschiedung des Schiffahrtsabgabengesetzes, der Reichs- Versicherungsordnung, der.Privatbeamtenversicherung und der elsaß-lothringischen VerfossungSgesetze in der Herbslsesflon vor- zunehmeu. DaS Arbeitskammergesetz gilt als gescheitert und wird kaum noch zur dritten Beratung gestellt werden. Die Neu- wählen zum Rei'chStage werden dementsprechend e r st im Januar 1912 stattfinden. Der neue Etat 1912/13 wird erst dem neugewählte» Reichstage vor- gelegt werden. Alberne Faseleien. Die.reaktionäre Presse ist eifrig bemüht, den ehrsamen Pfahl» bürger vor der Macht, der sein Eigentum, seinen Schlaf und seine Behaglichkeit störenden Sozialdemokratie bange.zu machen und zu diesem Zweck der Sozialvemokrarie Einkünfte, Besitztümer und Ägi- tatorenregimenter anzulügen, die diese— l e i d e r I— heute noch lange nicht besitzt. In welcher Weise den ehrsamen Lesern jener Blätter die»revolutionäre Macht" der Sozialdemokratie geschildert wird, zeigt folgendes Zitat aus einem»Die sozio ldemo« kratische Gefahr" überschriebenen Leitartikel der»Verl. Neuest. Nachr.": Gewaltig hat man bereits durch falsche Duldung, durch politische Gewährung und durch sozialpolitische Stärkung die Wacht der Sozialdemolratie anschwellen lassen. Mit einer Jahreseinnahme von n, ehr als 50 Millionen Mark rechnen aklein die politischen und gewerk- schaftlichen Zentralstellen der Sozialdemo- kratie. Erheblich höher noch wird man die Ein- nahmen der Lokalorganisationen ansetzen m ü s s e n. Iii 56 eigenen Druckereien läßt die Sozialdemokratie 200 politische und gewerkschaftliche Blätter und Millionen von Flugschriften und Flugblättern erscheinen. Die Zahl der sozial- demokratischen Tageszeitungen ist auf rund 80 angewachsen. Ihre Abomientenzahl erreicht bald 1>/� Millionen. Im Geschäftsjahr 1909 betrugen die Abonnementseinnahmen 6�/, g Millionen und die Jnserateneinnahmen fast 44/to Millionen Mark. Der»Bor- wärtö", der inzwischen auch noch Paul Singers Millionenerbschaft gemacht hat. zog aus Abonnements und Inseraten etwa 1«/,,, Millionen Mark in seinem letzten Geschäftsjahre. Das unsagbar witzlose Witzblatt„Der wahre Jakob" hatte 250 000 Bezieher; die„Gleichheit", die Zeit- schrift der sozialdemokratischen Frauen, hatte deren 82 000. Zwei- hundertsechzig Arbeitersekretariate und AuSkunssstellen wirken als sozialdemokratische WerbebureauS. Die Sozialdemokratie zählte im vergangenen Jahre 56 Reichstagsabgeordnete, 145 Landtags- und Burgerschaftsabgeordnete. In 300 Stadtverordnetenkollegien hatte sie 1368 Vertreter und in 1779 Landgemeinden deren 4739. In 38 Städten und in. 93 Landgemeinden ist sie auch schon in den Magistrat und in den Gemeindevorstand eingedrungen; in diesen Instanzen sitzt sie bereits mit 151 Vertretern tn den Städten und mit 159 Vertretern in den Landgemeinden. In den Wanderkursen deS letzten Jahres wurden 8969 Männer und 666 Frauen für die Agitation ausgebildet. Zählen wir die sozialdemokratischen Angestellten aller Kranken- und Hilfskaffen, aller Konsumvereine, aller politischen und gewerk- schaftlichen Organisationen zusammen, so rechnen wir nach Dr. Lohan 80 000 besoldete Agitatoren der Partei heraus. Wir wollten, die„Berl. Neuest. Nachrichten" hätten recht. Be- sonders würden wir uns freuen, wenn dem„Vorwärts" die angekündigte Millionenerbschaft Singers zufiele. Aber leider ist es damit nichts: erstens weil unser verstorbener Freund nie Millionen besessen hat, zweitens weil Singers angeblicher Reichtum durch die Ausgaben für die Partei beträchtlich zusammengeschrumpft ist, und drittens weil, so viel wir wissen— das Testament ist noch nicht geöffnet—, der „Vorwärts" überhaupt nicht zu den Erben Singers gehört. Der Liebertsche Reichsverband und die bevorstehenden Reichstagswahlen. Den Mannen des Reichsverbandes zur Tötung der Sozialdemokratie wird die Erfüllung ihrer„inneren Mission" immer saurer gemacht. Je mehr Lügenbroschüren und Flug- blätter sie gegen die rote Bande loslassen, desto stärker ver- mehrt sich diese. Auch die im vergangenen Jahre versuchten Lichtbildervorträge zur„Festigung des monarchischen Bewußt- seins" vermochten die„mächtigen Gewalten" des Sozialismus, wie eS im letzten Flugblatt des Reichsverbandes so schön heißt, nicht zu vernichten. Alle Wahlen der letzten Monate und Wochen haben im Gegenteil der gehaßten Partei des Prole- tariats neuen Zuwachs gebracht. Unter solchen Aussichten war es dem Gesamtausschuß des Reichsverbandes bei seiner Tagung vom 16. und 17. Januar in Berlin, auf der er die Richtschnur für die bevorstehenden Reichstagswahlen festlegte, nicht besonders wohl zu Mute. Die Situatton von 1907 hat sich gründlich geändert. Das kommt auch in der Einleitung zur beschlossenen Wahl- Parole, die wir einem den Mitgliedern des Reichsverbandes zugehenden Flugblatt entnehmen, recht deutlich zum Ausdruck. Es heißt darin: »Die Uneinigkeit der staatserhaltenden Parteien und die daraus entspringende politische Verbitterung im deutschen Bürgertum erschweren dem Reichsverband gegen die Sozial- demokratie die Erfüllung seiner in ß 1 seiner Satzungen festgelegten Aufgabe, alle treu zu Kaiser und Reich stehenden Deutschen ohne Unterschied ihrer religiösen und politischen Stellung zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie zu einigen. Die sozialdemokratische Gefahr aber wächst zusehends.... Die zunehmende Erfüllung der Massen mit aufrühreriickem Geiste bedroht den Bestand des Deuffchen Reiches und die Zukunft des deutschen Volkes. Der Reichsverband hält es daher für feine Pflicht, getreu seinem Programm nach wie vor gegen die auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung ge- richtete Tätigkeit der Sozialdemokratie anzukämpfen. In Ausübung dieser Pflicht wird er auch bei den kommenden allgemeinen Reichstagswahlen, trotz der Zersplitterung der bürger- lichen Parteien, eine nachhaltige und umfassende Wahlarbeit leisten. Er hofft dabei, daß daS gemeinsame Wirken an der gleichen Auf- > gäbe das Bewußtsein von der festen Geschlossenheit des gemein- samen Gegners und die Erkenntnis, daß ein sozialdemokratischer Sieg unser Vaterland den schwersten Erschütterungen aussetzen würde, die heute noch hadernden Brüder wieder zusammenführen wird zu einträchtiger nationaler Tat." Der Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie soll nach folgender vom Gesamtausschuß beschlossener Norm geführt werden: »Schon bei der Hauptwahl sollen diejenigen aufs tatkräftigste unterstützt werden, die als einzige bürgerliche Kandidaten der Sozialdemokratie gegenüberstehen." Der Neichsverband wird schon in der Hauptwahl denjenigen Kandidaten seine Unter- stützung gewähren, die bereit find, sich zu verpflichten. ihr« Wählerin einer unzweideutigen Erklärung zur Wahl des in der Stichwahl verbleibenden bürgerlichen Kandidaten aufzufordern. Der Reichsverband wird in der Stichwahl zwischen einem bürgerlichen Kandidaten und einem Sozialdeinolraten jenem Wahlhilfe leisten. Sollte aber eine, bürgerliche Partei ein offizielles Wahlbündnis mit der Sozialdemo« kratie eingehen, dann wird der Reichsverband den Kandidaten einer solchen Partei in dem betreffenden Wahlkreise ebenso bekämpfen, wie einen Sozialdemokraten. Der Reichsverband wird in geeigneter Weife und m ent- sprechenden Kundgebungen allen vaterländisch gesinnten Wählern an» Herz legen, die Parteintereffen nicht über das Baterland zu stellul und der Verärgerung nicht durch Wahlenthaltung Ausdruck » zu geben, sondern Mann für Mann für die bürgerlichen Kandidaten zu stimmen in der Erkenntnis, daß von dem Ausfall der Wahlen hauptsächlich die Entscheidung abhängt über das'Glück und Wohl- ergehen unseres Vaterlandes." Wir ersehen daraus, daß alle Knappen des ReichSver- bandes aufgeboten werden sollen, alle, deren Lenden, wie es in dem Flugblatt heißt,„gegürtet sind mit dem Schwerte des Geistes". Die bisherigen Leistungen der Liebcrtgarde haben den Gebrauch dieses Geistesschwertes allerdings noch nicht erkennen lassen. Wie das Zentrum für„Aufklärtmg" sorgt. Es ist eine an zahlreichen Beispielen zu erweisende Erfahrung, daß das Zentrum nur da etwas für die politische Schulung seines Gefolges tut, wo ihm die Sozialdemokratie auf den Pelz rückt. Sonst handelt es nach dem Satze, daß ihm der dümmste Wähler der liebste ist, weil ein solcher der Partei am wenigsten Arbeit macht und getreulich dem Rufe des Herrns Pfarrers folgt, wenn dieser zur Wahl ruft. Vor den Toren des heiligen Kölns liegt z. B. der Wahlkreis Sieg-Waldbroel, einer von den„bomben- sicheren", in dem bei der letzten Reichstagswahl noch nicht ganz 500 sozialdemokratische Stimmen fielen. In dem im übrigen fast rein ländlichen Wahlkreise liegt ein industrielles Städtchen, Hennef, wo vor einiger Zeit ein« Zentrumsversammlung statt- fand. Diese Versammlung hält die„Kölnische Volkszettung" aus folgendem Grunde für„sehr bemerkenswert': „Seit Mai 1908 hat hier keine Zentrumsver- sammlung mehr getagt. Auch von einer Tätigkeit der anderen katholischen und sozialen Vereine war nichts zu merken. Wohl hat der Volksverein für das katholische Deutschland oftmals Versuche gemacht,' hier Wurzel zu fassen. Während er in der näheren und weiteren Umgebung gedieh und erfolgreiche Arbeit durch Versammlungen, Verbreitung von Flugblättern'usw. leistete, hat im Zentrum der hiesigen industriellen Be- völkerung, in Hennef und Geistingen, alles geschlafen. Arbeitervereine ins Leben zu rufen, war bisher unmöglich. Von deren segensreichen Einrichtungen, den Unterrichtskursen, den Unterstützungskassen, der sozialen und religiösen Standesbelehrung war hier nichts bekannt. Von Gewerkschaften kann überhaupt '' keine Rede sein, trotzdem viele Versuche, dieselben'hier einzu- führen, gemacht worden sind. Die ablehnende Haltung der Arbeit- geber trägt daran die Hauptschuld." Also in einem Orte, den die„Kölnische Volkszeitung" selber das Zentrum der industriellen Bevölkerung" nennt. haben die Ultramontanen seitfastdreiJahrenkeinepoli- tifcheVersammlungabgehalten. Wenn auch sonst nichts für die Arbeiter geschehen ist, wenn nicht einmal ein Arbeiterverein oder eine christliche Gewerkschaft dort eingeführt wurde und die„Köl- nische Volkszeitung" das auf die ablehnende Haltung der Arbeitgeber zurückführt, so ist es interessant zu wissen, daß diese Arbeitgeber zum größten Teil stramme ZentrumSlcute sind. Jetzt soll es dort anders werden. Die erwähnte Zentrumsver- sammlung kündet die Wendung an. Und weshalb das Erwachen des ultramontanen„Aufklärungs"eiferS? Die„Kölnische Bolkszeitung" verrät eS mit folgendem Satze: „Die Sozialdemokratie hat hier im fftillen ge- arbeitet und mit welchem Erfolg? Eine große Anzahl Arbeiterin Hennefer Fabriken ist für die s o z i a I d e m o k r a- tischen Kassen und auch füx die Ideen der Sozialdemokratie gewonnen morden." Da istS allerdings die höchste Zeift daß daS Zentrum die M.-Liladbacher mobil macht!_ Tie beleidigte Majestät. Gegen den Genossen Münsinger in Rathenow ist ein Verfahren wegen Majestätsbeleidigung eingeleitet worden. Am 22. Januar. dem Wahlrechtssonntag, kam er in seinem Reftrate mehrere Male auf den König als den höchsten Diener des Staates zu sprechen. AIS geborener Schwabe sprach Münfinger das Wort:„höchsten": „höcksteu" aus. Die Ueberwachenden, ein Gendarm und ein Amts- diener, wollten statt„höchsten Diener"—„Hexendiener" verstanden haben und erstatteten Anzeige. Der Angeschuldigte wehrt sich ganz entschieden dagegen, so unsinniges Zeug gesagt zu haben. Wir find neugierig, ob sich die Staatsanwaltschaft wirklich bertst finden wird, den kuriosen»Hexenprozeß" weiter zu verfolgen. Warum solche Vertuschung? � Die„Deutschen Nachrichten", das Berliner Beanttcnblatt, be- schäfttgen sich in Nr. 42 vom 18. Februar mit den Heizerzulagen. Vollständig zutreffend wird ausgeführt, daß die maßgebenden Stellen der Regierung wohl besorgt sind für die Zulagen an höhere Seeoffiziere, um diesen ein glänzendes, mitunter sogar üppiges Leben zu ermöglichen, daß aber Sparsamkeit eintritt, dort, wo ohne- hin schwere körperliche Arbeit nur notdürftig entlohnt wird. Das Blatt berichtet dann weiter: daß in namentlicher Abstimmung der volksparteiliche Antrag auf Wiedereinsetzung der vollen Heizerzulage mit einer Mehrheit von 7 Stimmen abgelehnt wurde. Ueber die Stimmcnverteilung auf die Parteien sagt das Blatt: „Der Antrag der Bolköpartei, der in der Abstimmung von dem größeren Teil der Nationalliberalen und wohl auch von einem Teil de« Zentrums unterstützt worden ist, wollte den Heizern die ganze Zulage wieder gewähren." Verschwiegen wird, daß dieser Antrag in der Budgetkommisfion zuerst von den Sozialdemokraten gestellt wurde, verschwiegen wird auch, daß die gesamte sozialdemokratische Fraktion in der nament- lichen Abstimmung für den Aulrag stimmte, oerschwiegen wird end- lich— und das ist eine direkte Fälschung—, daß der Antrag auf Wiedereinsetzung der vollen Heizerzulage gar nicht von der Bolls- Partei, sondern von der sozialdemokratischen Partei ausging und die namentliche Abstimmung auch nur über den sozialdemokratischen An- trog vorgenommen wurde. Was das Beamtenblatt mit seiner Ver- tuschung bezweckt, ist nicht recht ersichtlich, denn die Wahrheit ist doch in allen ParlamentSberichtcn nachzulesen. Korruption in der preußischen Eisenbahnverwaltung. Im Juni vergangenen JahreS wurde, wie unseren Lesern erinnerlich, der Fabrikbesitzer Hans Engel in RieSky(Ober-Laufitz) von der Görlitzer Sttafkammer von einer Anklage wegen Beleidigung, die in Eingaben an die Eisenbahndirektion liegen sollte, freigesprochen, weil das Gericht annahm, die in der Eiugabe deS Angeklagten auf- gestellte Behauptung einer Bestechung durch die Firma Unwerth sei erwiesen. ES lehnten nämlich der Werkmeister Spieweg und der Besitzer v..Unwerth die. Beantwortung der Frage, ob Bestechungs- gelder gezahlt seien, ab, weil die Beantwortung ihnen die Gefahr sirafgerichtlicher Untersuchung zuziehen würde. Dadurch, daß die angeblich beleidigenden Eingaben an. die Eisenbahndirektionsin�BrcSlau und Berlin gerichtet waren, hat der Gerichtsberichterstatter das Ver- sehe» begangen, als die Bestochenen Mitglieder der Eisenbahn- direktionen selbst zu bezeichnen. In Wirklichkeit stand die Eisenbahndirektion mit der BestechungSaffäre nicht in Verbindung. Bestochen hatte vielmehr die Finna v. Unwerth den Werkmeister Spieweg. Da die irrige Berichterstattung auch bei unS Eingang gefunden hatte und»ns der tatsächliche Sachverhalt von zuverlässiger Seite mit- geteilt ist, geben wir diesen hiermit ivieder. Ostelbische Ordnnngshelden. Ein umfangreicher Beleidigungsprozeß beschäftigt gegtttwZrtig die Tilsiter Strafkammer. Die Angeklagten, unter denen sich auch der Polizeibeamte Hoffmann befindet, haben dem Gemeinde» Vorsteher und Amtsanwalt K y w i l uS aus Kaukehmen vorgeworfen, er habe einen Ortsarmen auf der Straße erfrieren lassen, mit der Tochter eines NachtwächierS und mit Kellnerinnen intimen Verkehr gepflogen und Zeugen dieser Verfehlungen zu falschen eidlichen AuS- sagen AU verleiten gesucht. Jn der Verbandlung bezeichnete der beleidigte Gemeutdevorstthtr den Polizeibeamten Hoffman» als eigentlichen Ur- Heber der Nmchuldhlmgen. Als Vorgesetzter des Polizisten gab er folgende Charakteristik des Ordnungshüters: Hoffmann habe sich fortgesetzt der Zechprellerei schuldig gemacht. Sämtliche Kellnerinnen hätten ihm zu Willen sein müssen. Widerstrebende habe er aus ihrer Stellung zu bringen versucht. Gastwirte seien von ihm schikaniert worden. Drohenden Strafanzeigen sei er durch Anzeigen zuvorgekommen und habe auch in vielen Fällen den Erfolg gehabt, datz die Leute bestraft wurden, weil ihm vor Gericht mehr Glauben als den Beschuldigten geschenkt worden sei. Ferner liege der Verdacht nahe, daß Hoffmann bei einem Getreidcdiebstahl Schmiere gestanden habe. Als der Gemeindevorsteher vom Borsitzenden des Gerichts ge- fragt wurde, ob er selbst mit Kellnerinnen intim verkehrt habe, sagte er in einem Falle, er glaube das nicht, in einem anderen Falle be- stritt er es._ Aus Kamerun. Wie telegraphisch aus Kamerun gemeldet wird, hat in Buea, am Sitze des Gouvernements, der in der ersten Dienstperiode stehende Sekretär Kerner in einem Anfall von Geisteskrankheit den Bezirks- leiter Biernatzky und den Sekretär Gnietz erschossen, die Sekretäre Nagel und Schnäbele leicht verletzt und dann sich selbst erschossen. Berichtigung. Der„Vorwärts" veröffentlichte in Nr. 86 vom II. Februar eine Notiz, die überschieben ist:„Kleinliche An- griffe". Darin wird behauptet, dast ein durch verschiedene bürger- liche Blätter gegangener Artikel betreffend den Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht, der beschuldigt wurde, einer Zeugin im Essener Kaiserdeleaierten-Prozetz 80 M. Honorar abgenommen zu haben. jedoch im Dermin nicht erschienen zu sein, vom„Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" herstamme. Diese Behauptung ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß jene Nachricht in keiner einzigen Veröffent- lichung des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" ent- halten ist. Die Hauptstelle des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie". Also unschuldig! Bei der ganzen Aufmachung des Artikels, der die Runde durch die reaktionäre Presse gemacht hat, war die Von uns gezogene Schlußfolgerung freilich sehr naheliegend. Oestemicb. Die passive Resisteuz. Wien, 18. Februar. Wie aus T r i e st aemeldet wird, wendet sich die öffentliche Meinung wegen der wachsenden wirtschaftlichen Schädigung in Handel und Verkehr immer mebr gegen die passive Resistenz und die Deputation des Börsenrates sprach heute beim Statthalter vor, um ein energisches Eingreifen des Staates zugunsten des Erwerbs- standes zu erbitten. Ein Nachgeben der Regierung wird wegen des Interesses der Staatsautorität für ausgeschlossen gehalten. Die neuen Schiffsbauten. Budapest, 18. Februar. Der Heeresausschuß der Delegationen hat den Marineetat mit allen gegen 3 Stimmen an- genommen. Nunmehr soll der Bau der ersten zwei österreichisch- ungarischen Schisse derart beschleunigt werden, daß dieselben bereits vom nächsten Jahre ab im Wasser schwimmen. Sodann wjrd an den Bau der wejlcren zwei Dreadnougths geschritten. franhmeb. Eine türkische Anleihe in Paris. Paris, 18. Februar. Nach Mitteilungen aus Börsenkreisen sind die seit einiger Zeit schwebenden Anleihevcrhandlungen der türtischen Regierung und der Gruppe der von dem früheren MluijrelPrchideuteu ölouvicr geleiteten„Banque frangaise pour le commerce ct l'industrie" dem Abschluß nahe. Der ur- sprünglichc. mit vierzig Millionen Frank in Aussicht genommene Betrag sei auf fünf Millionen türkische Pfund erhöht worden. Die Anleihe werde eine sprozentige und in 45 Jahren rückzahlbar sein. Die französische Bankgruppc werde die erste Hälfte im Frühjahr und den Rest später ausgeben. Ter„Liberte" zufolge sollen als Bürgschaft die Zoll- einnahmen mehrerer klein-asiatischen Wila- jetS dienen. Ter Erlös werde zu Straßenbauten verwendet werden. Einberufung einer internationalen Gesundheitskonferenz. Paris, 18. Februar.(W. T. B.) Die Regierung hat die Regie- rungen der fremden Staaten eingeladen, im nächsten Mai in Paris eine JnternationaleGesundheitskonferenz abzuhalten. Nach der Choleraepidemie, die im vorigen Jahre in gewissen Bezirken Italien« aufgetreten, und infolge des verheerenden Auftretens der L u n g e n p e st in der Mandschurei, er- scheint eine neue Beratung notwendig. Auf Ansuchen der Regierung hat der Präsident des permanenten Ausschusses des Internationalen Gesundheitsamtes zur Vorbereitung der zur Diskussion zu stellenden Fragen den Ausschutz zum 8. März zusammenherufen, Rußland. Der Studcntenstreik. Petersburg, 18. Februar. Die Studenten machten sich den Umstand, daß heute die Polizei aus dem Innern der Universität zurückgezogen worden war, zu nutze, um die V o r- l e s u n g e n durch pfeifen zu störe n.- In dem Hauptflur wurde eine derart auf die Augen wirkende Flüssigkeit aus- gegossen, daß der Rektor und der Prorektor ihre Absicht, zur Beruhigung der Studenten den Flur zu betreten ausgeben mußten.# Petersburg, 18. Februar. Die Reichsduma hat mit 155 gegen llö Stimmen einen von den Sozialdemokraten ein- gebrachten D r i ng l ich k e i t s a n t ra g für die Jnterpella- tion über die Unruhen an den Hochschulen ab- gelehnt.. Petersburg, 18. Februar. Auf Anordnung des Ministers wurden ZS2 Studenten der Universität wegen Teilnahme an den Unruhen am 13. Februar ausgeschlossen. Asews Lebenswerk. Bor wenigen Tagen ist, wie die„Rußkoje Slowo" meldet, der bekannte Historiker und Spitzetentlarver W. Burzeff vor dem Pariser russischen. Konsulat erschienen und ließ seine Unterschrist unter einem offiziellen Schreiben beglaubigen, da« er an den Justiz- minister Stscheglowitow abgesandt hat. In diesem Briese verklagt er ganz formell den berüchtigten Spitzellönig Asew wegen einer ganzen Reihe von verbrecherischen Aktionen. Der betreffende Brief gewinnt dadurch an Interesse, daß in ihm die Gesamtleistungen SiewS nicht nur aufgezählt, sondern auch im Hinblick auf seine aktive Rolle genau umgrenzt' find.„Asew — schreibt darin Burzeff—„hat zur sozialrevolutionären Partei Von ihrer Gründung angehört, er hat vom Attentat auf den Charkower Gouverneur Fürsten ObolenSki slövll) gewußt und an den Borbereitungen zur Ermordung des Gou- vtzrneurS von Ufa, B o g dan o w it sch,'einen Anteil ge- genommen. Seit dem Herbst 1903 hat_ er die terroristische Kampfabteilung(der sozialrevolutionären Partei) geleitet und«Wen dementsprechendm Anteil genommen an der Er- mordung von P l e h w e. an den Attentaten auf das Leben des Petersburger Generalgouverneurs T r e p o w, des Kiewer General- gouverneurs Kleigels, des Gouverneurs von Nischni-Nowgorod Unterberger, des Moskauer Generalgouverneurs D u b a s s o w, des Ministers des Innern D u r n o w o, deS Generals M i n und des Obersten Riem an n(welche beiden auch tatsächlich er- mordet worden sind sowie deS bekannten R a t s ch k o w s k y(deS ehemaligen Chefs der politischen Polizei), er hat sich beteiligt an der Ermordung G a p o n s, am Anschlag aus das Leben des AdmiralS T s ch u ch n i n(der auch getötet worden ist) und des Premiers Stolypin(sowie anderer hochgestellter Personen. Außerdem war er vor der Ausführung der Tat von den Ermordungen Tatarows(eines berüchtigten Spitzels und gleich- zeilig Mitgliedes des Zentralkomitees der sozialrevolutionären Partei), des Generals SacharowS in Saratow, des Peters- burger Stadthauptmanns v. d. Launitz, des Generalprokureurs des Kriegsgerichts Pawlnw u. a." Nach Aufzählung dieses langen Registers gkaubt Burzeff, müsse Asew als Kriminalverbrecher vor Gericht gezogen werden. Dieser Ansicht ist auch der bekannte Jurist Maklakow, wie er sich einem Interviewer gegenüber geäußert hat. Anders dürfte jedoch darüber der Justizminister Ascheglowitow denken. CUrftei. Hiobsposte». Saloniki, 19. Februar. Ein englischer Dampfer hat hier vier- hundertfünfzig für Tripolis bestimmte arabische Truppen ausgeschifft, die unterwegs gemeutert und die sie begleitende türkische Eskorte getötet hatten. Bulgarische Grenzsoldaten haben die Wachtmannschast de» türkischen Karakals Pepitsch beschossen und zwei Mann tödlich verwundet. Die Türken erwiderten die Schüsse und verwundeten drei Bulgaren, worauf das Feuer eingestellt wurde. Nachrichten aus V e m e n fehlen, da die Drahtverbindungen mit H o d e i d a gestört sind._ Gegen die serbischen Schulen. Belgrad, 18. Februar. Ueber 100 serbische Schulen im Bilajet Kossowo sind behördlich geschlossen worden; auch wurden mehrere serbische Lehrer iv Kaft ge- noigmen._ Huö der Partei. Neue Ehrungen SingerS. Die Havesche Militärbehörde ist nicht die einzige Amtsstelle in Deutschland, die unseren verstorbenen Genossen Singer durch den Boykott der kinematographischen Darstellung seines Begräbnisses ehrt. Nicht bloß über die Angehörigen deS Heeres wacht die irdische Vorsehung, die sie vor dem Anschauen solches staatsgefährlichen Greuels bewahrt. Auch die Zwilbevölkerung einiger deutscher Städte steht unter treusorgender Bormundschaft. Für sie wird sie natürlich ausgeübt von der hochwohltöblichen Polizeil In einem preußischen Orte hat diese erleuchtete Be- Hörde, da fie e» nicht so einfach hat, wie die Militärbehörde, die den Soldaten den Besuch der Kinematographenthearer verbietet, den staatSgefährlichen F if m, der den Untertanen die Ehrung Singers durch die deutsche Sozialdemokratie vor Augen führen sollte, auf Grund ihrer— Zensurgewa� verbotenl Sie hat die Bewilligung zur Vorführung des Films nicht erteilt. So wurde aus dem soeben in Berlin tagenden Kongresse derKine» matographeninteressenten mitgeteilt. In einer anderen Stadt hat die Polizeibehörde gleichfalls das Verbot ausgesprochen, als aber das sozialdemokratische Parteiblatt die Sache zur Sprache brachte, sich doch geniert und den Film freigegeben. Leider sind die Namen der beiden Orte, die diese tüchtigen Polizeibehörden be- sitzen, im Bericht nicht genannt. Separatistische EntWickelung in Oesterreich. Die t s ch e ch i s ch e n Sozialdemokraten separatistischer Richtung werden von de» Nationalgelben der Richtung Klofatsch nicht mehr lange zu unterscheiden sein. Wie jene beginnen fie jetzt schon sich mit den— Dentschuationale« gegen die wirklichen Sozialdemokraten zu ver- binden, die ihnen wegen ihrer Haltung gegen die Zersplitterung der Gewerkschaften allerdings minderwertig erscheinen. So hat jetzt bei den Wahlen in der Brünn er Bauirankenkasse eine gcmcinschaft- liche Kandidatenliste der Separatisten und der Deutschnationalen ge- siegt und für die Wahlen zur Bezirkskrankenkasse scheint sich Aehn- licheS vorzubereiten. In Brünn wohnt allerdings— V a n j e k l polireilicbes, Ocricbtltehta ukw, Die beleidigten Metallindustrielle». In Lüdenscheid wollten die Metallindustriellen einen Zwangsarbeitsnachweis errichten. Unser dortiges Parteiblatt, die„Vollsstimme", nahm dagegen den Kampf auf. Die Metallinduftriellen strengten wegen einiger Artikel gegen den ver- antwortliche» Redakteur die Privatbeleidigungsklage an. Bor dem Schöffengericht wurde Genosse Böttcher zu zwei Monaten Gefängnis(!) verurteilt. Privatkläger und Privatbetlagter legten gegen das Urteil Berufung ein mit dem Erfolge, daß die Berusungs- Instanz das Urteil gegen den Beklagten auf einen Monat Ge- fängnis herabsetzte. Die Verteidigung führte Genosse Heine. Im Laufe der Verhandlung wurde eine Menge Material über den Terror der Unternehmerverbände zutage gefördert. 8o2iales. Protest gegen Verhinderung des vorbeugenden Heil- Verfahrens. Die Vertreter sämtlicher deutschen Landesversicherungs- gesellschaften traten gestern zu einer Vollversammlung in Berlin zusammen. Die Versammlung besckiäftigte sich ein- gehend mit dem schmachvollen von der Reichstagskommission für die R e i ch s v e r s i ch e r u n g gefaßten Beschluß, wonach die Ausgaben der Landesversicherungsanstalten für die vor- beugenden Heilverfahren auf sieben Prozent der Bei- tragseinnahmen beschränkt werden sollen. Die Versamm- lung faßte einstimmig folgenden Beschluß: „Der von der Komniission zur Vorbereitung der Reichs- Versicherungsordnung beschlossene Zusatz zu 8 1341 betreffend die Einschränkung der vorbeugenden Krankenfürsorge der Versicherungsanstalten führt iwtwendig zur völligen Aufhebung der Selbstverwaltung der Träger der Invalidenversicherung, beseitigt den maßgebenden Einfluß, der dem Ausschuß angehörenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die Verwaltung und damit die A r b e i t s f r e u d i g k e i t des für die Durch- führung der Invalidenversicherung so wichtigen Organe. Die vorbeugende Krankenfürsorge bildet gegenwärtig einen der bedeutendsten Faktoren bei der Durchführung der Invalidenversicherung und läßt keinerlei Einschränkung zu, soweit nicht die Leistungsfähigkeit der Versicherungsanstalten auf dem Gebiete der Rentenzahlungen direkt gefährdet wird. Die am 18. Februar 1911 in Berlin zu einer Lollver- sammlung einberufenen deutschen Versicherungsanstalten sind daher e i n m ü t i g der Ansicht, daß der von der Kommission beschlossene Zusatz zu§ 1341 die Durchführung der Invaliden- Versicherung in der schwersten Weise gefährden würde und bitten um Streichung dieses Zusatzes." Wird dieser einmütige Protest das Zentrum, die Konser- vativen und die Nationalliberalen veranlaffen, ihren von uns seinerzeit niedriger gehängten Beschluß fallen zu lassen, der nur als Ausfluß brutalster Nichtachtung der Gesundheit der Arbeiter erklärlich ist? Geradezu infam ist es, durch Gesetz hindern zu wollen, daß Arbeitergroschen� in hinreichendem Maße zur Vorbeuge gegen Erwerbsunfähigkeit von Arbeitern Verwendung finden._ Unentgeltliche Probebeschäftigung als Verstoß gegen die guten Sitten. Einen durch Gratisbeschäftigung eines jungen Mädchens be- gangenen Verstoß gegen die guten Sitten stellte in ihrer letzten Sitzung die 4. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts fest. Gegen die Maschinenfabrik von Odhner klagte die Kontoristin Alice M, auf Zahlung von 30 Mk. Die Verhandlung ergab, daß die Klägerin auf vier Wochen zur Probe eingestellt wurde, ohne daß sie dafür die geringste Entschädigung erhielt. Nach Ablauf der sogenannten Probezeit wurde sie zwar mit 60 Mk. Monats- geholt angestellt, ausgezahlt erhielt sie indessen nur 30 Mk. Außer- dem hatte sich das junge Mädchen verpflichten müssen, einen Kursus zur Ausbildung in der Kontorpraxis zu nehmen, der 180 Ml kostete. Diese 180 Mk. hatte die Klägerin bezahlen müssen. Wegen der restlichen 30 Mk. Gehalt muhte sie nun den Klageweg be- schreiten, und das Kaufmannsgericht sprach ihr auch diese Summe zu. In der Urteilsbegründung heißt es, daß das Gericht erstaunt darüber ist, daß ein Geschäftsherr eine Angestellte mit solchen Fähigkeiten umsonst beschäftigt. Das entspricht nicht der allgemeinen Verkehrssitte und verstößt auch gegen die guten Sitten. Laiibarbciterrcchtc. Der Landarbeiter B. auf Hof Stralendorf bei Holthusen in Mecklenburg war invalide geworden und bekam neben der geringen Invalidenrente Armenunterstützung vom Gutsbof in Gestalt von Wohnung und Acker. Weil davon eine Familie von zwei Er- wachsenen und fünf Kindern im Alter von 3 bis 13 Jahren nicht zu leben vermag, nahm die Frau bei Bauern Arbeit, die besser als auf dem Gutshof bezahlt wurde. Als sie der Aufforderung des Gutspächters, auf dem Hof zu arbeiten, nicht nachkam, er» stattete dieser Strafanzeige, und das Grotzherzogliche Amt diktierte der armen geplagten Frau 5 Tage Freiheitsstrafe zu. Auf ihre Einsprache mutzte das Schöffengericht in Schwerin über den Fall verhandeln. Die Frau gab an, sie habe den Gutspächter um Brot gebeten. Dieser habe gesagt, sie sollten erst die Invalidenrente des Mannes verbrauchen. Auch die Abgabe von Holz habe er verweigert. Sie sei dadurch genötigt gewesen, sich das zum Leben Notwendige anderweitig gebsn zu lassen. Dafür habe sie dann bei den Leuten gearbeitet, wo sie mehr bezahlt be- komme als auf dem Hof. Das Schöffengericht ermäßigte die Strafe auf 2 Tage Freiheitsentziehung. Nach der Frau mußte ihr Mann, der Invalide, auf die An- klagebank. Er hatte das Verbrechen begangen, den Gutspächter Mann der Lüge zu zeihen. Der Gendarm hatte eines Tages zu ihm gesagt, er werde ins Landarbeitshauö gebracht, weil seine Frau nicht mehr auf dem Hof arbeite. Tatsächlich hatte die Frau aber zu jener Zeit noch aus dem Gutshof gearbeitet. Die Drohung mit dem Arbeitshaus habe ihn so in Erregung gebracht, daß er gesagt habe, der Guispächter lüge. Wenn dies eine Beleidigung sei, nehme er das Wort zurück, bleibe aber dabei, daß der Guts- Pächter die Unwahrheit gesagt habe. Der Amtsrichter ersuchte den GntSpächter, den Strafantrag zurückzunehmen, weil der Angeklagte bei seinem schweren Herz- leiden nicht imstande sei, eine Gefängnisstrafe zu verbüßen und eine Geldstrafe ihn sehr hart treffen würde. Wegen et,. es schweren Anfalles des Kranken mußte die Verhandlung zeitweilig unter- brocheit werde«. Der Gemütsmensch Wm"Kläger bestand-dbch auf Durchführung der Klage mit der Bemerkung: Der Angeklagte verstelle sich nur. Das Urteil lautete auf 10 M. Geldstrafe ev. 2 Tage Gefängnis. Nun drehte der arme Invalide den Spieß um und erhob Privatklage gegen den Gutspächter wegen der beleidigenden Aeuße- rung während der Verhandlung. Sein Armenrechtsgesuch wurde aber mit der Begründung abgewiesen, der Gutspächtcr habe lcdig- lich in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, als er den Ausspruch tat, und deshalb werde ein Strafverfahren nicht ein- geleitet. Aber in Deutschland gibt eS Klassenjustiz so wenig wie un- verschuldete Not._ Arbeiter-Baugenossenschaft in Chemnitz. Eine Allgemeine Baugenoffenschaft für Chemnitz und Umge- bung wurde von Partei- und Gewerkschaftsgenoffen gegründet. Es handelt sich bei dieser Gründung um ein gemeinnütziges Unternehmen, dessen Ziel ist:„Der Bau, Erwerb und die Verwaltung von Wohnhausern zur Beschaffung von gesunden, zweckmäßig ein- gerichteten Wohnungen und deren möglichst billige Vermietung an Genossenschaftsmitglieder, die in ihrer Mehrzahl Versicherte der Landesversicherungsanstalt sein müssen",(tz 2 des Statuts.) Für die minderbemittelten Bevölkerungsschichten will die Genossen- schaft gesunde und geräumige Wohnungen zu ver- hältnismähig billigen« Mietszins schaffe», für die Kreise, die am schwersten unter Wohnungsnot und-elend und unter dem Miet- druck der stramm organisierten Hausbesitzer leiden. Diese Grün- dung wurde eine Notwendigkeit. Ueber hundert Genossen hatten sich nach und nach der Garten st adtgenosscn schaft ange- schloffen, die erst große Versprechungen gemacht, als sie diese aber einlösen sollte, gezeigt hatte, daß die Verwaltung, bestehend aus lauter bürgerlichen Herren, nicht eine blasse Ahnung von dem Wohnungsbedürfnis und der finanziellen Leistungsfähigkeit der Arbeiter und kleinen Beamten hatte und auch keine entsprechende Belehrung annahm. Da zogen die Genossen die Konsequenz, kündigten der Gartenstadtgenossenschast und kamen so zur Grün- dung einer Arbeiterbaugenoffenschaft. Der Anteil für den ein- �elncn Genossen wurde auf 100 Mk. festgesetzt. Damit möglichst icder Arbeiter sich beteiligen kann, ist in dem 4 Monate zuvor ins Leben gerufenen Bausparverein eine Spareinrichtung geschaffen worden, durch die kleine Beträge allwöchentlich kostenlos bei den Genossen abgeholt und aufgespart werden. Durch diesen Spar- verein soll weiter bezweckt werden, die zu Hunderten hier be- stehenden Klimbim-Sparvereine zu schwächen, die die Arbeiter aus- nutzen und von der Vertretung ihrer wirtschaftlichen und politischen Interessen abhalten. Der Sparverein zählt bereits über 800 Mit- tliedcr, der Genossenschaft sind sofort 220 Genossen beigetreten. wrch eine großzügige Agitation soll die gesamte Arbeiterschaft für die Baugenossenschaft interessiert werden, damit man dem Ziele, dem Bau von Arbeiterwohnhäusern mit Hilfe der Kommune und der Landesversicherungsanstalt, bald näher treten kann, Mieterbewcgung in Wien. Die Gemeinde Wien hat anläßlich der Eröffnung der neuen (zweiten) Hochquellenwasserleitung nicht nur ein Riesenbankett veranstaltet, sondern auch die Wassergebühren erhöht, was zahlreiche Hausherren zu einem weiteren Hinauftreiben der infolge der 48prozentigen Hauszinssteuer enormen Wohnungsmieten be- nutzt haben. Es zeigt sich nun eine stürmische Protestbewegung und es ist auch viel von einer großen Mieterorganisation die Rede, die aber bekanntlich nirgendtvo allzuviel bedeutet. In einer der vielen Versaminlungen gegen die Wohnungsteurung formu- lierte Genosse Dr. Deutsch das Programm der Bewegung folgen- dermaßen: Die Mietzinssteigerung wird einfach nicht bezalstt, erkühnt sich der Hausbesitzer, alle Parteien zu kündigen, dann wird üiss seine Häuser kr Boykott verhängt.— GewcrkrcbaftUcbes. Die Verhandlungen des Zentral-öchiedsgencbts für das Baugewerbe fimtben am Donnerstag, den 16. d. M., im Reichstagsgebäube be- gönnen. Ueber die Zusammensetzung dieses Schiedsgerichts ist be- reits früher berichtet worden, für heute ist nur nachzutragen, daß für den Genossen Bömelburg Genosse Silberschmidt als Arbeitervertreter mit eingetreten ist. Der grosse Kampf im Baugewerbe wurde bekanntlich durch die don Unparteiischen geleiteten Verhandlungen, die mit dem Dres- dener Schiedsspruch ihren Abschluß fanden, beendet. Der Schieds- spruch entschied über die Erhöhung der Stundenlöhne und über die tägliche Arbeitszeit, wobei nur für wenige Bezirke eine Verkürzung der Arbeitszeit gewährt wurde. Die sonstigen Streitigkeiten über örtliche Vertragszusätze wurden an die örtlichen Schlichtungskom- Missionen verwiesen, die bis 8. Juli eine Einigung herbeiführen sollten. Wo dies nicht gelang, sollte die zweite Instanz(örtliches Schiedsgericht) die Angelegenheit bis 15. Juli endgültig entscheiden. Gegen diese Entscheidung ist in bestimmten Fällen eine Berufung an das Zentralschiedsgericht möglich. Die Vertragsparteien haben in etwa zwei Dutzend Fällen von diesem Recht Gebrauch gemacht. Weiter liegen Anträge vor aus Bezirken, in denen eine zweite In- stanz nicht zustande kam und von Organisationen, die sich bisher ver- geblich bemühten, einen Vertrag fertigzustellen, oder wo die Gegen- Partei es überhaupt verweigerte, einen Vertrag zu schließen. Die Anträge berühren fast alle Gebiete des Vertrages und noch einiges, das ausserhalb des Vertrages liegt, z. B. die Frage: dürfen die einseitigen Arbeitsnachweise der Arbeitgeberverbände von den Arbeiterorganisationen gesperrt werden? Am ersten Verhandlungstage wurden einige grundsätzliche Fragen erledigt. Es waren Verträge angefochten, die zwischen ört- lichen Arbeiterorganisationen und einzelnen Mitgliedern des Arbeit- gcberbundes geschlossen worden sind. Grundsätzlich sollen die ört lichen Organssationen die Vertragsträger sein. Es wurde ent- schieden, daß in Fällen, wo nur ein Mitglied des Bundes am Orte vorhanden ist, mit diesem ein Vertrag zulässig, aber die örtliche Or- ganisation, der das Mitglied angehört, den Bertrag mit zu unteo zeichnen hat. In einem anderen Falle wurde entschieden, dass Ar- beitgcberverbände den Abschluß eines Vertrages nicht verweigern können, wenn die Gegenpartei nur einen geringen Teil der Bcschäf tigten umschließt. Ebenso unzulässig ist, sich damit begnügen zu wollen, Löhne und Arbeitszeit dem Schiedsspruch gemäss zu ge- währen und den Vertragsschluß abzulehnen. Die Vertragsbedingungen und der Abschluß eines Vertrages sind ein unteilbares .Ganzes. Eine weitere Anzahl Anträge befassen sich mit der Auslegung einzelner Teile des Vertragsmusters und wieder andere wollen das Muster ändern, oder den Vertrag durch Zusätze ergänzen. Die Beratung dieser Anträge konnte nicht erledigt werden; nur 16 Anträge wurden aufgearbeitet.— Die Vertreter der Parteien verfechten mit Zäbigkeit und Ausdauer die Interessen ihrer Organi sationen und die Unparteiischen versuchen ihr Bestes, die Gegensätze auszugleichen; doch hei den Entscheidungen gab es nur ein Hüben und Drüben. Am zweiten VcrhandlungStag wurde die Beratung über Ergänzungen und Zusätze zum Vertragsmuster fortgesetzt. Das Schiedsgericht entschied, daß in der Regel nur den Be- rufungen stattzugeben sei, wenn die örtlichen Organisationen über die in Frage kommende Ergänzung oder über den Zusatz eine Ver einbarung nicht getroffen haben. .Es liegen aus. 25.Lohnbezirken. Beschwerden von Arbeitnehmerorganisationen vor, weil in diesen Bezirken die Arbeitgeberorganisa- tionen sich weigern, Verträge abzuschließen. Hierzu wird grundsätzlich entschieden, daß in allen Fällen und in jedem Gebiet, in dem ausgesperrt worden ist oder wo vor der Aussperrung ein Vertrag bestund, ein Tarifvertrag abzuschließen ist und die Bedingungen des Dresdener Schiedsspruches zu erfüllen sind. In jedem Falle, wo eine.zweite Jnstan» nicht. Hesteh�.ssind die, beteiligten Parteien ver- pflichtet, sich an bestimmte Personen oder Institutionen außerhalb ihrer Organisationen zu wenden und diese zu bitten, die Bildung einer zweckentsprechenden Instanz vorzunehmen. Innerhalb dreier Wochen sollen die Verhandlungen beendet und der Vertrag abge- schlössen sein. In einigen Fällen, in denen den Arbeitnehmern die Unter- zeichnung der Verträge verweigert worden ist, wird festgestellt, daß die noch bestehenden Differenzpunktc dem Dresdener Schiedsgericht zur Entscheidung nicht vorgelegen haben. Die Verträge sind daher abzuschließen. Einige andere Beschwerdefälle wurden teils an die zweite Instanz zurückverwiesen, teils sollen noch weitere Fest- stcllüngen gemacht werden. Eine weitere Entscheidung geht dahin, daß ein Ort nur zu einem Vertragsgebiet gehören darf und weiter, daß jeder Unter- nehmer die Vertragsbedingungen desjenigen Vertragsgebietes zu erfüllen hat. in welchen er die Arbeiten ausführt. Eine. Berufung richtet sich gegen die Entscheidung einer zweiten Instanz, nach der an Stelle der lltägigen Lohnzahlung die acht- tägige einzuführen ist. Die Berufung wird verworfen. Es war beabsichtigt, die vorliegenden Berufungen und Be- schwerden in drei Tagen zu erledigen. Dieser Vorsatz wird sich nicht erfüllen lassen, es wird noch eine weitere Tagung erforderlich werden._ Berlin und Umgehend. Dritter deutscher Privatbeamtentag. Unter dieser Bezeichnung veranstaltet der Hauptausschuß für die staatliche Pensionsversicherung der Privatangestellten morgen eine Kundgebung in der Pensionsversicherungsfrage. In den Ein- ladungen wird programmatisch erklärt, daß die Privatangestellten- schaft des ganzen deutschen Vaterlandes vertreten sein solle. Jeder Uneingeweihte muß danach annehmen, daß diese Veranswltung von allen Angestelltenorganisationen getragen wird. Das ist aber nicht der Fall. In Wirklichkeit sind an der Kundgebung nur die dem Hauptausschutz angeschlossenen Verbände beteiligt und nur ihren Angehörigen ist gegen Vorzeigung einer Legitimation die Beteili- gung an dem sogen. Privatbeamtentage gestattet. Alle anderen hat man ausgeschlossen. Besonders die Vertreter des Gedankens, die Pensionsversicherung durchweinen Ausbau der bestehenden Invaliden- Versicherung zu lösen, sollen nicht zu Worte kommen. Auf diese Weise muß dann in der Oeffentlichkeit der falsche Eindruck entstehen, als ob die große Masse der Angestellten mit dem vorgelegten Gesetz- entwurf einverstanden sei. Die an der Veranstaltung nicht betei- ligten Verbände protestieren auf das energischste gegen diese Zweifel- los irreführende Taktik des Hauptausschusses. Bei der unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit tagenden Versammlung in der Neuen Welt handelt es sich um keinen.Deutschen Privatangestelltentag", sondern um eine einseitige Veranstaltung der Anhänger einer Sonderver- sicherung. Dagegen findet gleichzeitig in Happoldts Brauerei, Hasenhaide, eine von der Freien Vereinigung einberufene öffentliche Kundgebung zur Pensionsversicherung statt, zu der jeder Angestellte freien Eintritt hat und jedem volle Redefreiheit gewährt wird. Ein Erfolg der Bäcker. Die langjährigen Differenzen zwischen dem Zentrakverbanb der Bäcker und Konditoren und.Blottners Großbäckerei", Inhaber Otto Blottner, der etwa 12 Filialbäckereien und eine große Zahl Verkaufsstellen in Berlin und Umgegend besitzt. sind nun beigelegt. Herr Blottner hatte im Jahre 1307 den damals geforderten Lohntarif ursprünglich anerkannt, hatte dann aber dem Drängen der Jniiungsscharfmacber nachgegeben und seine Bewilligung zurück« gezogen. Lange Zeit wollte es der Organisation nicht gelingen, in 1 die Bkottnerschen Bäckereien einzudringen. Nun endlich kam eS vor kurzer Zeit zu neuen Verhandlungen zwischen der Organisation und der Firma und schließlich zum Abschluß eines neuen Tarifes. der den Arbeitern außer Lohnerhöhungen eine tägliche Arbeitszeitverkürzung von zwei Stunden(Zehnstundentag) und den w ö ch e n t lichen Ruhetag brachte. Die Arbeiter der Blottnerichen Bäckereien sind nun ebenfalls vollständig organisiert, und aller Voraus- ficht nach wird die Organisation nun auch dauernd festen Fuß be- halten. ES verdient anerkannt zu werden, daß die Firma bestrebt war, durch möglichstes Entgegenkommen die Verhandlungen zu fördern und den Tarif zum Abschluß zu bringen. Damit sind die Differenzen, die zwischen dem Bäckerverband und der Firma„Blottners Großhäckerei" seit etwa Z'/z Jahren be- standen, endgültig erledigt und die Organisation der Bäcker hat einen schönen Erfolg._ Deutsches Reich. Der Achtstundentag für die Lichtdrucker! Durch die einmütige Kündigung der Berliner Lichtdruckgehilfen veranlaßt, hatte der neubcgründete„Verband der Licht- druck creibefitzer Deutschlands" der Berbandsleitung der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe, denen die Lichtdrucker angehören, Verhandlungen zwecks Abschluß eines Zentraltarifes angeboten. Diese fanden am 27. und 28. vorigen Monats statt, führten aber zu keinem endgültigen Abschluß, da die Prinzipale nur unwesentliche Zugeständnisse machten, denen die Gehilfenvertreter nicht zustimmen konnten, dies umsoweniger, da zweierlei Arbeitszeit(854 Std. für Drucker und 3 Std. für die übrigen Sparten) vorgesehen war. Es wurde daher beschlossen, die provisorischen Beschlüsse den Gehilfen im Reich zur Abstimmung zu unterbreiten. Die Ab- stimmung ergab die Ablehnung der Vorschläge mit über Y» Ma jorität, auf Grund deren es den Gehilfenvertretern in der am Sonntag im Berliner Papierhaus fortgesetzten Beratung möglich war, weitere Zugeständnisse zu erzielen und den Abschluß eines „Zentraltarifes für Deutschlands Lichtdrucker auf fünf Jahre zu vollziehen. Derselbe bringt den Gehilfen nach einem Uebergangsstadium, laut welchem zum 1. Juli 1911 die 85-4 st ü n d i g e Arbeits- zeit für alle Sparten eingeführt sein muß, ab 1. Januar 1913 die achtstündige Arbeitszeit für das ganze Reich! Es ist dieser Erfolg um so höher zu bewerten, als er einen prinzipiellen Vorstoß darstellt, ist es doch die erste Gruppe im Druck- gcwerbe, der es gelang, den Achtstundentag zu erreichen und tariflich festzulegen. Ferner wurde die Lehrlingsskala verbessert(auf 5 Gehilfen ein Lehrling) und der Minimallohn um 2 M. erhöht. Damit ist auch die Bewegung der Berliner Lichtdrucker beendet. Der Streik auf der Zeche„Lukas" forderte nachträglich noch feine Opfer. Vor einigen Tagen Wurde ein Bergmann der Zeche zu 30 M. Geldstrafe verurteilt, weil er einen Streikbrecher beleidigt haben sollte. Jetzt sind wieder zwei Bergleute, die Streikposten gestanden haben, zu je drei Wochen Gefängnis verurteilt worden wegen angeblicher Bedrohung von Streikbrechern, die sich von Schutz- leuten von und zur Arbeitsstelle bringen ließen. Der Streikposten als Verkehrshindernis. In Braunschweig streikten im November vorigen Jahres die organisierten Buchbinder in den Buchdeuckereien. Zu den Strei- kenden, die vor einer Firma Streikposten standen, gesellte sich ein nicht am Streik beteiligter, aber organisierter Kollege, um mit seinen Kollegen einige Worte zu sprechen. Eine Frau, die des Weges kam, machte einen Umweg, wo die Gruppe stand und verließ den Fußweg. Etwa 80 Meter davon stand ein Schutzmann, der den Vorgang beobachtet hatte, brachte die Streikposten wegen Ver- anstaltung eines Verkehrshindernisses zur Anzeige. Mit vier Straf- Mandaten in der Höhe von je 15 M. sollte dieses Vergehen gesühnt werden. Die beantragte gerichtliche Entscheidung aber brachte die Freisprechung der vier Missetäter. Die Frau als Zeugin mußte zu- geben, daß sie nicht unbedingt den Fußweg zu verlassen brauchte, um weitergehen zu können._ Die Textilarbeiter in Glauchau-Meerane hatten an die Unter- nehmer Forderungen gestellt. Die Unternehmer hatten daraufhin eine Lohnaufbesserung von 2— 4 Proz. zugestanden. Wegen der schlechten Konjunktur, so erklärten sie, könnten sie nicht mehr zahlen. Die Arbeiter nahmen die Aufbesserung als Abschlagszahlung an, erklärten aber ausdrücklich, daß sie ihre Forderungen bei Einsetzen einer günstigen Geschäftslage wiederholen würden. Die Glauchauer Textilarbeiter dagegen lehnten das Angebot der Unternehmer ab mit der Erklärung, daß sie auf derartige Lohnaufbesserungen ver- zichten. Zu einem Kampfe wird es gegemoärtig nicht kommen; sowie aber eine bessere Konjunktur einsetzt, werden die Forderungen er- neuert._ Christliche Denunziation. Der„Staats- und Gemeindearbeiter", das Organ des christ- lichen Hilfs-, Staats- und Transportarbeiterverbandes, berichtete kürzlich über eine von der Ortsgruppe Graudenz veranstaltete Kaisergeburtstagsfeier und leistete sich dabei ein sauberes Denun- ziatiönchen„gegen diejenigen Militärarbeiter, welche sich an der Feier nicht beteiligten". Es heißt dort: „... denn wer es nicht für nötig hält, cm der allgemeinen Ge- burtstagsfeier des Landesherrn ein bißchen patriotische Gesinnung zu zeigen, bei dem kann die Liebe zum Vaterlande nicht weit her sein. Solche Leute würden sich bei den„Roten" wohl be- deutend wohler fühlen, denn von uns wollen sie nichts wissen, angeblich, weil wir nicht genügend leisten; und solche Leute werden in Staatsbetrieben beschäftigt?" Gleich dahinter steht ein Bericht aus Nürnberg, in dem mitgeteilt wird, daß der Vertrauensmann des freien Gemeinde- arbeiterverbandes im Kgl. Proviantamt als eifriger Freigewerk- schaftlcr tätig ist, der,„so viel uns bekannt, auch Mitglied des sozial- demokratischen Wahlvereins ist." Diese Denunziarion gewinnt erst die richtige Bedeutung, wenn man weiß, daß auf der letzten Tagung der Zentrumspartei in Bayern ein Beschluß gefaßt worden ist, der sich gegen die Be- schäftigung freigewerlschaftlicher oder sozialdemokratischer Arbeiter in Staatsbetrieben ausspricht._ Der Streik in der Rastatter Waggonfabrik ist nun in ein ver- änderteö Stadium getreten: die Hamburger Einguartie- r u n g(Slreikbrecherbesatzung) hat das„Fort Waggonfabrik" ver- lassen, um sich ihrer Malrone Müller für den ferneren Bedarf zur Verfügung zu stellen. Der Abschied von der Stalte des ruhmvollen Wirkungskreises der Hintze-Gardisten von der Korporalschafl„Langer Toni" vollzog sich unter Milwirkuug der bewaffnete» Staats- macht genau so feierlich wie der Empfang; da es sich um ein halbes Hundert Abschiednehmender handelte, war das Schauspiel noch pompöser. Die Direktion beförderte die ihr lästig gewordenen früheren Lieblinge im Auto. Deu Sicherheitsdienst im Bahnhofe leitete, wie bei Fürstenreisen, eine große Zahl Polizisten und Gendarmen, als deren Vor- gesetzter sich der Fabrikingenieur zu betrachten schien. ES fehlte noch. daß der Bahnhofsvorstand im feierlichen Ornat und bedeckt mit dem Schiffhute erschienen wäre, um den scheidenden Nothelsern des Groß- Unternehmers Jakob die stille Anerkennung der kapitalistischen Staats- obhut anzudeuten. Und die badische Staatsgewalt blieb ihrer Unternehmer- freundlichen Haltung treu bis zuletzt. Sie hat durch den Mund des .Heidelb. Tagebl," inoffiziell verkünden lassen, daß die nunmehr beendete Untersuchung, welche im Austrage des Ministers v. B o d« man durch den OberregierungSrat Glad borgenommen wurde, „dem Genossen Kolb und seinen Gewährsmännern u n r echt gebe und den Ra st atter Polizeiamtmann als völlig gee rechtfertigt aus der Angelegenheit hervorgehen lasse". Nachdem nun die Hamburger Lagerware des arbeiterfeindlichen Unternehmertums die Waggonfabrik verlassen hatte, verordnete die Direktion, daß für die trauernden Hinterbliebenen Streikbrecher aus der ländlichen Umgebung Rastatts nunmehr die schönen Tage von Aranjuez durch Aufhebung der eingeräumten Meist- begünstigungen in Wegfall kommen sollen. Jetzt stellten weitere 70 Arbeitswillige ihre schmachvolle Tätigkeit eül. Nun ist die Situation den Streikenden erst recht günstig. Kusland. Die Lohnbewegungen und Lohnki�mpfe in Dänemark. Es wrrd zwar in Dänemark noch immer verhandelt zwischen den Parteien über die in den verschiedenen Berufen und Gruppen vorliegenden Konflikte, aber es ist nur in wenigen Fällen eine Einigung erzielt. Die Metalldrücker bei den Gürtler- innungsmeistern in Kopenhagen stehen schon seit mehreren Wochen im Streit; Verhandlungen sind in den letzten Tagen wieder angeknüpft worden; ob sie zum Frieden führen werden, ist noch sehr zweifelhaft. Die Elektrizitätsarbeiter der In» stallationsgeschäfte haben ergebnislos mit ihren Arbeit- gebern verhandelt. In der T e x t i l i n d u st r i e Dänemarks haben weder die Verhandlungen in Odense noch die in Kopenhagen Erfolg gehabt. Der Vorstand der Dänischen Arbeitgebervereinigung hat auf Verlangen der Textilsabrikanten dem Gesamtverband der Gewerkschaften bereits die allgemeine Aussperrung in dieser Industrie angekündigt, die binnen 14 Tagen durchgeführt wird, falls es bis dahin nicht zur Einigung kommt. Im Klempnergewerbe Dänemarks soll die allgemeine Aussperrung schon am Montag durchgeführt werden. Eine' weitere allgemeine Aussperrung hat die Arbeitgebervereinigung für die Holzindustrie, das heißt, für die Sägewerke uno� Hobelwerke angekündigt, wobei es sich, wie in der Textilindustrie, um die erste Ankündigung handelt, der, entsprechend dem 1899: abgeschlossenen Uebereinkommen, nach sieben Tagen eine zweite folgen muß, worauf dann nach Verlauf einer weiteren Woche der Kampf beginnen kann. Die Zimmerer Dänemarks, mit Aus- nähme des Kopenhagener Lohngebietes, hatten am 8. Januar den Streik beschlossen, haben den Beschluß jedoch vorläufig zurück- gezogen, da noch ein wenig Hoffnung auf friedliche Beilegung ver- handen zu sein scheint. Im Maurergewerbe scheint das störende Eingreifen der Zentrale des Unternehmertums, die be» kanntlich vor allem einen fünfjährigen Tarifvertrag durchsetzen will, eine Zersplitterung unter den Maurermeistern hervor- zurufen, wenigstens sind sie in einer Stadt, in Korsör, aus der "lentralvereinigung ausgetreten und haben einen zweijährigen ärifvertrag mit Erhöhung der Stundenlöhne von 44 auf 47 Oere und Verkürzung der Arbeitszeit abgeschlossen. In der Eisen- i n d u st r i e Dänemarks stehen die ungelernten Arbeiter in der Lohnbewegung; die Verhandlungen zwischen dem ArbeifSmanns- verband und dem Verband dere Eisenindustriellen sind gescheitert; es soll jedoch' zwischen den Hauptorganisationen der Arbeiter ustd Arbeitgeber weiter verhandelt werden. In der H e r r e n k o n f e k t i o n ist es nun doch in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag zu einer Einigung zwischen den Vertretern der beiden Parteien gekommen, wenigstens für die Schneider und Schneiderinnen, während der Lohnkampf für die Zuschneider noch fortdauert. Das neue Unternehmen, das auf fünf Jahre gelten soll, bietet Erhöhungen der Akkordpreise um 5 bis 8 Proz. und für die auf Werkstätte beschäftigten Lohn- arbeiterinnen Erhöhung des Wochenlohnes um 1 Krone. Der Minimallohn der Bügler wurde von 26 bis 27 Kronen auf 28 Kronen erhöht, und ein Zuschlag für Ueberzeitarbeit von 50 Proz., für Nachtarbeit von 100 Proz. festgesetzt. Die' General- Versammlung der Schneider hat den neuen Tarifvertrag mit 967 gegen 145 Stimmen gutgeheißen. Die Arbeit ist am Sonnabend. wieder aufgenommen worden, soweit das mit Rücksicht auf den noch andauernden Zuschneiderstreik möglich war. Die Eisarbeiter Kopenhagens haben kürzlich durch Ver» Handlungen mit den Unternehmern eine Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsberhältnisse erreicht. Eine Firma, Großhändler Madsen, hat sich dem Tarifvertrag jedoch nicht angeschlossen und arbeitet jetzt mit Streikbrechern. Als die streikenden Arbeiter der Firma kamen, um sich die Streikbrecher einmal anzusehen, war der Platz an dem See, wo die Leute arbeiteten, in weitem Um» kreis von der Polizei abgesperrt. Ein großer Teil der Streik- brecher stellte darauf die Arbeit ein, weil sie nicht unter Polizei- bewachung arbeiten wollten. In allen Konflikten bemüht sich die Arbeiterschaft, wenn irgend möglich auf friedlichem Wege zu einem annehmbaren Uebereinkommen zu gelangen; sie kann sich jedoch nicht, angesichts des zu erwartenden industriellen Aufschwunges, auf fünf Jahre mit ganz unzureichenden Löhnen an Tarifverträge binden, wie es durckigehends die Absicht der Dänischen Arbeitgebervereinigung ist, die sie jetzt, wo es mit der Arbeitsgelegenheit noch immer sehr schlecht bestellt ist, mit aller Gewalt durchzusetzen sucht. Die Arbeitslosigkeit ist gegenwärtig ebenso groß wie vor einem Jahre. Die Gewerkschaften haben dieser Tage in Kopenhagen eine allgemeine Arbeitslosenftatistik aufgenommen, und und das Ergebnis ist, daß in der Hauptstadt in 98 Gewerkschaften von 42 385 Mitgliedern 8966 oder 21,15 Proz. arbeitslos sind. Von diesen sind 41,8 Proz. nicht oder nicht mehr unterstützungs- berechtigt. Um ihnen zu helfen, hat man innerhalb der Gewerk- schaften eine Sammlung außerordentlicher Unterstützungsmittel veranstaltet, die jetzt bereits über 20 000 Kronen ergeben hat. Um sie möglichst nutzbringend anzuwenden, werden die Unter- stützungen meist in Naturalien gegeben. Es erhält jeder, der dafür in Betracht kommt, eine Fleisch- oder Spcckkarte im Werte von 2 Kronen, eine Brotkarte im Werte von 1 Krone samt L Kronen in bar. UebrigenS wird die Stadtverordnetenversammlung Kopen- Hagens demnächst auf Vorschlag des Magistrats abermals 100 000 Kronen zu weiterer Hilfe für die Arbeitslosen bewilligen. Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantM,: Th.Glocke, Berlin. Drucku.Verlag:VorwärtsBuHdr.u.VerlaLsanstalt Paul Singer a Eo., Berlin LW. Hetzte Nachrichten« Ausdehnung der passiven Resistenz. Wien, 18. Februar.(W. T. B.) Wie die„Neue Freie Presse" aus T r i e st meldet, haben sich außer den Gerichtsbeamten das Per- sanal der Statthalterei, die Lotsen und das Personal der Südbahnen der passiven Resistenz angeschlossen. Die Lage im Staatsbahnhof sowie in den Magazinen ist sehr schwierig. Ein Zollbeamter, der vor einer behördlichen Kommission streng nach den Dienstvor- schriften berfuhr, wurde wegen seiner Weigerung, rascher zu ar- beiten, auf einen anderen Posten versetzt. Von Schutzleuten erschossen. Ludwigshafen, 18. Februar.(B. H.) Der 27 Jahre alte Tagelöhner Karl Hehl von hier, ein vielfach vorbestrafter Mensch. wurde heute nacht, nachdem er zuerst auf seine 17jährige Geliebte vier Rcvolverschüsse abgegeben hatte, die aber nicht trafen, und dann bei seiner Verfolgung einen verheirateten Installateur durch einen Schuß in die Schläfe schwer verletzte, von drei Schutzleuten, auf die er gleichfalls Schüsse abgegeben hatte, erschossen. 30iK> Wollkämmer im Streik. Brüssel, 18. Februar.(W. T. B.) In V e r v i e r s sind 3000 Arbeiter der dortigen Wollkämmereien in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung und eine Verkürzung der Arbeitszeit. Hierzu 4 Beilage». it. 43. 28. JalMvz. 1. Ktikze te.loroitte" Kerl« KoMntt Somtag. 19. Ifbntut 1911 Hbgeordnetenbaus. SO. Sitzung vom Sonnabend, den 18. Februar. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. D a l l w i tz. Das Haus ehrt zunächst das Andenken des verstorbenen Abg. d. Lücke(k.) in der üblichen Weise. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Entscheidung deS Hauies über den schriftlichen Einspruch des Abg. Leinert(Soz.) gegen den ihm vom Präfidenten v. Kröcher wegen der Anwendung des Ausdrucks„Reichslügenverband" auf den Reichsverband zur Be- kampsung der Sozialdemokratie erteilten Ordnungsruf. Der Ordnungsruf wird gegen die Stimmen der Frei- sinnigen, Polen und Sozialdemokraten für gerecht- sertigt erklärt. sZuruf bei den Sozialdemokraten: Auch das Z e n t r u m I Zentrum und Reichsverband I) Hierauf wird die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern beim Kap. Strafanstaltsverwaltung fortgesetzt. Abg. Rahardt(frk.) wünscht eine Einschränkung der Gefängnis- arbeit. Abg. Rosenow» Gefängnissen. Durch Gesetz sind die Gefangenen in dieser Beziehung viel un- günstiger gestellt als freie Arbeiter, obwohl zweifellos auch die gewerblichen Betriebe in Gefängnissen Gewerbebetriebe im Sinne der Gewerbeordnung sind. Bei der Fürsorge für entlassene Sträflinge sollten alle religiösen Organisationen ferngehalten werden; ihre Mitwirkung führt nur zu unliebsamen Konsequenzen. Diese Für- sorge sollte viel»»ehr der Staat selbst energisch in die Hand nehmen, um wenigstens zum Teil die große Schuld der Gesellschaft an den Verbrechen wieder gut zu machen.(Bravo l bei den Sozial- demokraten.) Abg. Strosser(k.): Herr Dr. Böhmer hat sich nur für schärfere Bestrafung von Roheitsvergehen der zu lebenslänglichem Zuchlhaus verurteilten schiveren Verbrecher gewandt. Die religiösen Organi- sationen haben für die entlassenen Gefangeneu Großes geleistet. Die geisteskranken Verbrecher sollten in geschlossenen Staatsanstalten, nicht in den Provinzialirrenanstalten untergebracht werden. Geheimrat Krahne: Der Unterschied der Todesfälle in den Gefängnissen hängt nicht mit den hygienischen Verhältnissen in den Gefängnissen zusaininen, sondern daniit, daß in den einzelnen Ge- fängnissen die älteren schon wiederholt bestraften Sträflinge aufgenommen werden, in anderen die jüngeren, zum erstei»mal Be- straften. Natürlich ist die Sterblichkeitsziffer in der ersten Art von Gefängnissen höher. Auf Tuberkulose wird jeder Gefangene bei der Aufnahme untersucht, Desinfektion findet im weitesten Umfange statt. Die mit Tuberkulose Behafteten werden zusammen untergebracht in möglichst hellen und lustigen Sälen, für sie sind auch besondere Spazier- gänge im Freien angeordnet, wo sie sich er- gehen und auch hinsetzen können.— Was die A e r z t e in den Strafanstalten betrifft, so würden sie wohl selbst wenig einverstanden damit sein, wenn man ihnen jede freie Praxis unter- sagen wollte; sie würden das nlit Recht als Einschränkung ihres Gesichtskreises ansehen. Im übrige» haben die Aerzte großen Ein- fluß. Es kann keine Disziplinarstrafe, keine Kostentziehung verhängt werden ohne Hinzuziehung des Arztes. Ihre Entschädigung ist aller- dings nicht groß, aber wir haben iminer gefunden, daß die Herren Aerzte diese Aufgaben als nobils officium(Ehrenpflicht) ansehe». so daß die Gesängnisverwaltung den Herren Aerzten großen Dank schuldig ist.— Die Versicherungsbeiträge für die Uirfall- Versicherung werden meist von ver Verwaltung bezahlt.(Bravo!) Bei der Fürsorge für entlassene Sträflinge können die religiösen Organisationen nicht ausgeschaltet werden. Ihnen werden alle entlassenen Gefangenen, die in irgend einer Weise Beziehungen zu ihrer Kirche haben, zugewiesen. Die anderen werden an freie Vereinen, die in großer Zahl bestehe»», verwiesen. An die Frermde des Hern» Liebknecht möchte ich die Bitte richten, daß sie, wenn sich solchen entlassenen Gefangenen die Pforten der Arbeitsgelegenheit wieder auftun, auf die Arbeiter einwirken, damit sie solche gefallene Kameraden wieder aus« nehmen in ihre Mitte, ihnen helfend die Hand reichen und nicht dem Arbeitgeber sagen: der hat gesessen, »nit dem arbeiten wir nicht.(Lebhafter Beifall.) Ein Schlußantrag wird angenoinmen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich bin leider durch den Schluß- antrag verhindert, darauf hinzuweisen, daß die letzte Anregung des Herrn Geheimrat Krahne von ui»s sicherlich sehr gern aus- hat sich der eifersüchtige Liehhaber ein Mittel ausgedacht, das ihm unfehlbare Gewißheit geben muß, ob ihm sein Schatz die Treue wahrt. Doch kaum hat er das Experiment begonnen, so bekommt er vor der Wahrheit eine solche Angst, daß er es swleunigst aufgiebt, froh, wenn sie die Koniödie»nit ihn» weiter spielt. Der Ungar Molnar hat sein Stück, das aus die nämliche ironische Pointe loS- steuert, zu drei, den Abend füllenden Akten ausgewalzt; eine Be- lastung, der der Einfall nicht gewachsen ist. Der Dialog hat vielerlei, die possierliche, zugleich naive und raffinierte Verlogen- heit des Miinenvölkchens, witzig persiflierende Wendungen. indeS, »nan wird nicht warm dabei, man fühlt zu deutlich überall die Absicht. Der Schauspieler, der seine auf eine recht bewegte Vergangen- heit zurücksckauende Freundin gefreit hat»ind. nach sechs Monaten verdächtige Symptome der Abenteuerlust bei ihr bemerkt, stellt seine Frage an das Schicksal vermittelst eines von ihr selbst erfundenen Lcibgardisten. Unter dessen Namen schenkt er ihr Blumen und Brieschen mit der Bitte, sie besuchen zu dürfen. Die Probe, die er anstellt, soll zugleich ein Meisterstück schauspielerischer Kunst sein. Er nimmt pathetisch Abschied und erscheint da»»» als fader Offizier im Strahlenglanze unbezwinglich eleganter Uniform vor seiner Frau, die den Courmacher in ihre Opcrnloge ladet. Das Rendezvous in dem Theater ist mit erklügelten Wendungen herausgeputzt, doch fehlt eine unmittelbare Kon»ik. Dafür erhält man die über die Logen- brüstung hereinklingende Opern, nusik der Puccinischen Bohöme als Gratiszugabe, ein für die Mache bezeichneuder Trick. Zur Genug- tuung des falschen Don Juan markiert Madame erst eine gewisse Zurückhaltung, die leider zum Schluß wie Butter in der Sonne schmilzt. Sie tragiert die große Leidenschast. Der Eroberer wider Willen muß ein neues Stelldichein versprechen. Die volle Klarheit, die er haben wollte, ist geschaffen. Nun gilts nur noch die Elende in schmerzlichem Triumph gebührend zu zer- schmettern. Aber sie lügt, sie lügt so treffend, so großzügig imposant, daß der verliebte Komödiant sich schließlich selbst in ihr hübsches Märchen, sie habe ihn sofort erkannt und durch ihr Spiel nur necken wollen, hineinphantasiert. Herr Abel in der Hauptfigur erschien mir diesmal weniger farbig, als man es sonst an»hm gewohnt ist. Der pathetischen Geschwollenheit des Miinen hätte»» sich ivohl noch stärkere Drolerien abgewinnen lassen. Am besten war er wie seine Partnerin, Claire Wallentin, im letzten, dem gediegensten Akt. Eine Glanz- leiftung war Jlka G r ü n i n g s kainpflustige Theaterniama. fit. Friedrich-Wilhelm st ädtischeS Schauspielhaus: .Einheirat", Schwank von Alexander Engel»md Julius Horst. Mit dem Riesenerfolg ihres wirklich originellen SchwankS »Die blaue Maus" scheinen sich die beiden Verfasser vorläufig be- geführt werden wird, und daß alle Mißstände, die sich in dieser Beziehung etwa irgend wo gezeigt haben sollten, von uns nicht gebilligt werden, daß wir vielmehr unseren ganzen Einfluß in der Richtung ausüben werden, die der Herr Regierungskommissar angedeutet hat.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Das Kapitel wird bewilligt; ebenso einige weitere Kapitel nach unwesentlicher Debatte. Es folgt das Kapitel„Medizinalwesen". Abg. v. Arnim-Züfedom(k.): Den Zusammenschluß der Aerzte zur Abwehr der Bedingungen, die ihnen vielfach von sozial- demokratischen Krankenkassenverwaltungen aufgezwungen werden, begreife ich durchaus. Aber wir müssen bedauern, daß es dabei zu Auswüchsen und zu Schwierigkeiten gekommen ist, wodurch öffentliche Interessen geschädigt wurden. Es sollte ein Schiedsgericht für solche Fälle eingesetzt werden. Es ist Pflicht der Medizinalverwaltung, die Interessen der leidenden Menschheit gegen Uebergriffe des Leipziger Verban- des sicherzustellen.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Friedbcrg(natl.) äußert Bedenken dagegen, ob die Selbständigkeit und der wissenschaftliche Charakter der Medizinal- abteilung nach ihrer Abtrennung vom Kultusministerium ge- wahrt sei. Abg. Wallenborn(Z.) wünscht eine beruhigende Erklärung des Ministers über die Gefahr der Einschleppungder Pestaus China und befürwortet vermehrten Bau von Krankenhäusern in kleinen Orten und auf dem Lande. Geheimrat Kirchner: Bei der Ausbreitung der Pest spielen die Wohnungsverhältnisse die Hauptrolle. Der Gefahr ihrer Einschleppung durch die transsibirische Bahn widmet die russische Regierung die größte Aufmerksamkeit. Haare wer- den allerdings in einer Menge von 8000 Doppelzentnern jährlichnachEuropaeingeführt. Aber sie werden vorher ausgekocht, entfärbt, dann mit Anilin gefärbt usw., so daß die Pestbakterien dabei zugrunde gehen. Das Reichsseuchengesetz gibt uns genügend Handhaben, um einer Ausbreitung der Pest, wenn wir das Unglück hätten, sie bei uns vorzufinden, in ganz kurzer Zeit wirksam entgegenzutreten.(Bravo!) Abg. Rosenow(Vp.): Diese Erklärungen werden in weiten Kreisen beruhigend wirken. Wir bedauern, daß es nicht zur Bildung eines selbständigen Medizinalmini st eriums gekom- men ist. Zum mindesten müssen wir verlangen, daß der Vorsitzende der Medizinalabteilung und der Wissenschastlichen Deputation ein Arzt ist und nicht, wie jetzt, ein Jurist.(Sehr richtig! links.) Größerer Wert sollte auf die Ausbildung der Aerzte in der sozialen Gesetzgebung gelegt werden.(Bravo l links.) Minister v. Dallwitz betont, daß zur Verwirklichung des von dem Abg. v. Arnim gewünschten Schiedsgerichts eine Novelle zur Gewerbeordnung nottvendig wäre. Abg. v. Niegobwski(Pole) führt Beschwerde über die mangelnde Hinzuziehung polnischer Aerzte bei der Durchführung der sozialen Versicherung in Posen. Abg. Hirsch(Soz.): Auch wir wünschen die Schaffung eines besonderen Medizinalmini st eriums, das allein hieße ganze Arbeit machen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch halten wir es für richtig, daß die Leitung dieser Abteilung in der Hand eines chemisch vorgebildeten Arztes steht. Weiter wünschen wir Ein- führung der obligatorischen Leichenschau und die Uebernahme der Kosten auf die Gemeinden resp. den Staat.— Die Aeußerung des Herrn v. Arnim über den an- geblichen Terrorismus der Krankenkassen gegen die Aerzte müssen wir zurückweisen. Es ist charakteristisch, daß bisher die Herren Konservativen stets die Interessen des Aerzteverbandes vertreten haben und sich erst jetzt gegen ihn wenden, wo er gegen ein ihnen nahestehendes Krankenhaus vorgegangen ist. Wir erkennen natürlich auch für die Aerzte das Koalitionsrecht an, verlangen aber, daß die Regierung sich in die Konflikte zwischen Aerzten und Krankenhäusern nicht einmischt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ucbrigens sind die Abmachungen zwischen den Aerzten und Krankenkassenvorständen vielfach von Arbeit» gebern in diesen Kassen abgeschlossen. In dem Augenblick, wo die Sozialdemokraten das Uebergewicht in Kassen- Verwaltungen erhielten, sind die Aerzte besser gestellt worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Namentlich in den Großstädten und Industriezentren ist die Bezahlung der Krankenkassenärzte sehr gut. In D r e s d e n hat die Ortskrankenkasse sogar eine Pensums- lasse für ihre Aerzte gegründet. Aber gerade der Leipziger Aerzte- verband hat sich gegen eine solche Kasse als für die Aerzte nicht standesgemäß gewandt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herrn v. Arnim verweise»ch darauf, daß der Aerzteverband sich auch gegen Betriebskassen gewandt hat.(Hört! hört!)— Ich habe im letzten Jahr ausführlich auf die Aufgaben der Gemeinden auf gesundheitlichein Gebiete hingewiesen. Eine Hauptaufgabe ist die Bekämpfung der Tuberkulose. Nach einer neueren Mitteilung aus scheiden zu sollen; denn auch ihre neueste Kompagniearbeit ist so seicht als schwächlich. Beabsichtigten sie, das heiße Beinühen gelvisser Bourgeoissöhnchen, sich durch eine reiche Geldheirat daS.Recht" auf Faulpelzerei er»vorben zu haben, satirisch oder wenigstens parodistisch zu belichten, so durfte» sie nicht mit fader Witzelei und komisch sein sollenden, aber jeder Komil entbehrenden SituatiouSmätzchen kommen. Obendrein ist die Idee: daß nicht der alte Schwiegerpapa. sondern der Eidam sich durch seine Einheirat in die Konservenfabrik„zur Ruhe" setzt, nicht einmal besonders neu. Auch die Schwerenöterei des Alten und die Schürzenjägerei des Schwiegersohnes, die sich beiderseits auf ein und dasselbe„Objekt", die sattsam abgebrauchte „Tippmamsell" kaprizieren, blickt auf ein achtbares Alter zurück. Was dann noch übrig bleibt, ist kaum der Rede»oert; und das ganze Geplänkel mit verblaßten Kalauern und Schwanksurrogaten läßt keine ungebundene Lustigkeit auskommen, so emsig auch Alfred S ch m a s o>v, Ludwig Barg und Erna S y d o w sich um die Autoren bemühten. e. k. Im Münchener Residenztheater erlebte Herbert Eulenbergs neue Komödie„Alles um Liebe" bei ihrer Uraufführung eine grausaine Niederlage. ES gab einen kleinen Theatersknndal, da sich die Enlenberggeineinde gegen die Zischer und Lacher erhitzte. Das Stück möchte in bizarrer Form die verschiedenen Stadien der Liebesdämonie vorführci», verirrt sich aber bei dem Bcr- such, den partiellen Irrsinn zu illustrieren, selbst in BcrwirrungS- zustände. Oft glaubt man vor einem Narrenspiel zu sitzen, dann wieder scheucht ein sogenannter TiefsinnSsatz alle milderndcn Um- stände hinweg, und wir sehen unter der Geschwollenheit und der Phantasieorgle deS Verfassers nur noch ein krampfhaftes Beinühen, ein Richtköiluen genialisch zu maskieren. ra. Notizen. Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag Prof. N. W o l t e r e ck über die biologische Erforschung deS Meeres. Freitag Dr. W. Vogel über die Leistungsfähigkeit der deutschen und britischen Handelsflotte. � Theaterchronik. Die Nene Freie Volksbühne bringt von Sonntagnachmittag ab im M e t r o p o l- Theater Hervös Operette Mamsell Nitouche zur Ausführung. — Zur K l ä r ,» n g der Schriftfrage beruft die Berliner Typographische Gesellschaft auf Dienstag, den 21. d. MtS., 9 Uhr abends, ins Papierhaus, Dessauerstraße 2, eine Vcrsainmlung von Fachleuten ein. Zutritt frei. TerMrelseri sollen eine Anzahl llsn V o l k k s H u t l e h r e r N, z. D. im Bezirk Düsseldorf. an offenerTuberkulose leiden.(Hört! hört!) Zur Abwehr wird verlangt eine sorgfältige Untersuchung beim Eintritt in die Seminare, ärztliche Kontrolle und Ausscheidung der später tuberkulös befundenen Lehrer, weil in der Tuberkulose der Lehrer eine sehr grohe Gefahr für die Schulkinder liege.— Die S ä u g l i n g s st e r b l i ch k e i t hat 1W8 gegen das Vorjahr wieder zugenommen, während sie vorher abgenommen hatte. Auch die Zahl der bei der Geburt gestorbenen Mütter hat zugenommen. Das be- weist, wie notwendig eine weitergehende Förderung des Hebammen- Wesens ist. Die Regierung sollte auch für den Fall der Dienst- Unfähigkeit der Hebammen eintreten durch Zuweisung bestimmter Summen an die Hebammenkassen. In den Berichten der Medizinal- abteilung sollten in Zukunft die Gewerbekrankheiten besser berück- sichtigt werden. Im übrigen sind die Berichte sehr ausführlich und lehrreich. Ich will mich auf diese wenigen Anregungen beschränken. Für die Bekämpfung der Krankheiten muh in einem Kulturstaate Geld vorhanden sein. Die Summen, die hierfür ausgegeben werden, werden reichlich Früchte tragen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Pcltasohn(Vp.) wünscht Uebertragung der gerichtlichen Medizin an das Justizministerium. Abg. Roscnow(Vp.) führt Beschwerde darüber, dah so selten jüdische Aerzte als Kreisärzte angestellt würden. Der Rest des Etats wird nach weilerer, unwesentlicher Debatte bewilligt. Nächste Sitzung: Montag 12 Uhr(Eisenbahnetat). Schluh 5% Uhr. Berichtigung. Genosse Hoffmann bittet uns, mitzuteilen, dah der in seiner Rede vom Donnerstagabend erwähnte Kriminal- kommissar nicht Böse, sondern Bösel heißt. Hu9 Induftm und ftandel. 4 Prozent Reichsbankdiskont. Der Zentralausschuß der Reichsbank hat am Sonnabend den Diskont um% Prozent ermäßigt. Der Herr Retchsbank- Präsident äußerte sich über die besonderen Verhältnisse, sowie über die Lage des internationalen Geldmarktes folgender- maßen: Der Status der Reichsbank hat sich in der letzten Zeit günstig gestaltet, so daß die Bedenken, die das Direktorium am 1l). Februar davon abgehalten haben, den Zinssatz gleich um ein volles Pro- zent zu ermäßigen, in den Hintergrund getreten sind. Nach dem letzten Ausweis weift der Status der Bank eine wesentliche Kräf- tigung auf. Der Bestand an fremden Geldern, der bisher ge- ringer war als im Vorjahre, hat beinahe den vorjährigen Stand erreicht, die Metall- und Goldbestände gehen über die vorjährigen hinaus. Der Betrag der steuerfreien Notenreserve ist unter Zu- grundelegung des früheren Zustandes, also nach Kürzung des um 78 Millionen Mark erhöhten steuerfreien Notenkontingents, um 96 Millionen Mark größer als vor einem Jahre. Von wesentlichem Einfluß aus die Besserung des Status ist auch der Umstand ge- Wesen, daß die Bestände an Schatzscheincn bedeutend geringer sind als im Vorjahre, wie überhaupt das Reich die Bank in diesem Jahre in erheblich geringerem Maße in Anspruch genommen hat als im Vorjahre. Ferner haben auch die Anforderungen zu An- fang dieses Monats, die speziell in Berlin größer als im Vorjahre waren, nachgelassen, so dah auch am Berliner Platz die Verhält- nisse sich durchaus normal gestaltet haben. In den Verhältnissen des internationalen Geldmarktes ist eine fortschreitende Besserung «ingetreten, die einzelnen Geldmärkte stehen im Zeichen der Geld- flüssigkeit, und der Privatdiskont hat sich überall nach unten ge- senkt. Da auch die fremden Wechselkurse bei uns eine nach unten gerichtete Tendenz zeigen, so besteht für die Reichsbank kein Anlaß mehr, mit der Ermäßigung der Diskontrate länger zurückzuhalten. Daraufhin beschloß der Zentralausschuß einstimmig die Herabsetzung._ Gasthausvcrtrustung. Die„Hotelbetriebsgesellschafk", die auch den Restaurationsbetrieb des Deutschen Reichstages gepachtet hat, gehört mit zu den„Großbetrieben" im Gasthaus- gewerbe, das, wie jede andere Industrie, fortgesetzten Konzentra- tionsprozessen unterworfen ist. Die..Hotelbetriebsgesellschaft" be- sitzt das Z e n t r a l h o t e l in Berlin und hat auch den Restaura- tionsbetrieb des Zoologischen Gartens, das Hotel und Eafe Bauer übernommen, und jetzt ist die Gesellschaft eifrigst dabei, neue Fusionen durchzuführen. Sie hat auch die Grundstücke neben dem Hotel der„oberen" Zehntausend, Adlon, Unter den Linden, erworben, um so für diese Gesellschaft eine Ausdehnung unmöglich zu machen, wenn sie später einmal nicht fusionieren will. In den letzten Tagen entrierte die Hotelbetriebsgesellschaft eine andere Fusion. Für S Millionen Mark ist das Hotel Bellevue am Potsdamer Platz in ihre Hände übergegangen. Damit sind die Fusions- und Ausdehnungsprojeckte natürlich nicht zu Ende. Ueber- dies hat es auch einen Versuch gegeben, die Hotelbetriebsgesellschaft mit der Berliner Hotelgesellschaft zu verbinden. Der Plan ist fehl- geschlagen. Eine derartige Verschmelzung würde einem Hotel- t r u st die Wege geebnet haben. Die Berliner Hotelgesellschaft be- fitzt nämlich den Kaiserhof- Berlin und das Atlantic- Hotel in Hamburg. Früher gehörten ihr in Bremen und in Heringsdorf große Hotelbetriebe, in Berlin das Continental-Yotel, Savoy-tzotel, Monopol-Hotel, das TerminuS-Hotel und die Admi- ralsgartengesellschaft. Als aber Eberbach, der Leiter der Projekte, in der kritischen Zeit des JahreS 1967 dies ganze Bündel fufionierter Großhotels nicht mehr halten konnte, da flog dieser Hoteltrust auf. Wie die Hotelbetriebsgesellschaft zeigt, ist damit der Fusionsprozeß nicht zu Ende. Nachdem sich die Verhältnisse etwas gebessert haben, geht es fröhlich auf dem Wege der Konzentrierung im GroßgasthauS- gewerbe weiter.__ Wirtschaftlich-technische Jnformationsvvrtriige. Die Ortsgruppe Berlin des Deutschen volkswirtschaftlichen Ver- b a n d e s hat ihr Arbeitsprogramm ausgestaltet, indem sie über wirtschaftlich-technische Spezialgebiete Borträge von praktischen Volkswirten halten läßt, die durch Lichtbilder nach Aufnahmen der Referenten selbst veranschaulicht werden. Den ersten Vortrag dieser Art hielt am 16. d. M. Syndikus Dr. R. B ü r n e r. Gemäß der Be- deutung der Montanindustrie für unser Wirtschaftsleben war als erstes Thema gewählt:„Der Betrieb eines Steinkohlenberg- Werkes unter und über Tage". Die technischen Ausführungen zeigten, unterstützt von mehr als hundert Lichtbildern, alle Einrich- tungen und Vorgänge zunächst für den Betrieb unter Tage, ange- fangen von der Abteufung eines Schachtes, der Seilfahrt usw. bis zu den Vorsicktsmaßregeln gegen schlagende Wetter und alle anderen Gefahren des Betriebes; dann folgte die Schilderung der Maschinen- anlagen über Tage, der Kohlenwäsche, der Kokerei mit Reben- Produktgewinnung usw. Mit der Darstellung der technischen Vor- gänge verknüpfte Dr. Bürner eine Reihe instruktiver Mitteilungen. Zu den Vorträgen haben auch NichtMitglieder Zutritt. Hua der frauenbewegung* Verhöhnung der Dienstmädchen. Mit welcher Unverfrorenheit Blätter, die sich gelegentlich auch mal gern den arbeiterfreundlichen Mantel umhängen, Dienstmädchen zu verhöhnen sich erlauben, davon lieferte kürzlich die„Berliner All- gemeine Zeitung"(das Deutsche Blatt) einen recht anschaulichen Be- weis. Tlls witzig verzapfte es eine Schilderung aus einem Miets- kontor, eine verlogene Mache, darauf berechnet, daö Wohlgefallen der Mnädigen zu erregen. U. a. liest man da: An de Wände lang saßen laute Jräfinne« in Zivil, immer eene Mlichter wie de andre. De Röcke unten janz eng, det se kaum tvüßketi, tvs se de Beene lassen sollten, in seidNe Blusen mit reich- lichem Oberlicht, und n Riesentopphut derartig in de Visage jedrickt, det man vont Jesichte man bloß noch n Hals sehn konnte. „Uuuch!" stöhnte da de Zahlmeestern,„soville reiche Damens warten hier uff Mächens, da wcrd ick als eenfache Frxw woll keene kriejen." „Wat?" sagte ick,„die„reichen" DomenS, wo hier sitzen, find doch allens Mächens, die n Dienst suchen."— Jetzt war de Padden aber plat-t und meente:„So jeht bei uns in Ostpreußen ja nich mal de Frau Superintendent anjezogen." „Det kann ick mir denken." lachte ick,„denn for't Moderne derf die nich sind, sonst Wirde ihr Mann bald schlechte Jeschäfte machen." Endlich hatte sich de Padden doch n Herz jefaßt und sprach eene von die Damens an:„Se suchen n Dienst, nich ivahr, Fräu- leinche»?" „Ach so," war de Antwort,„Se sind Herrschast. Ich jloobte, Se wollten sich als Ufstvaschfrau vermieten."- „O noin!" versetzte de Frau druff so elejant wie möglich.„Ick bin die Frau Zahlmecster Padde",— wodruff det Mächen mit n höhnschen Blick meente:„Bloß Zahlmeestern, und denn ooch noch Padde, det is schon faul! Se haben woll ooch noch kleene Kinder?" „Jott sei Dank!" sagte de Frau Zahlmeistern dadruff.„Zwee dralle Bengels von vier und sechs Jahren und... „Na, die hängen Se sich man in Siooch!" unterbrach ihr de holde Fee und rauschte uff ihren Sitz zurick. Nanu kam Nummer zwee dran, wat'ne reene Kürassier-Juno war, mit n Turban uuf n Kopp, in dem man bequem n janzet Rejiment Mäuse unterbringen konnte. Wie die Ivat von„Zahl- meester" hörte, winkte se jleich ab, indem se sagte:„Mein vorijer war n Rittmeester, und bei dem jings mir ooch schon zu knapp zu, und nu soll ick noch mehr runter. Nee! Ick danke for Obst!!"— Nummer drei sah sehre hibsch aus, wie son Wachskopp in' Fri- sörschaufenster. Se hatte lange Schweden an de Aerme und echt amerikanisch« Treter uff de Pedale.—„Wieviel Kubikmeter Raum hat ihr Mädchen-Schlafzimmer?" frug sie jleich de Padden, wodruff die janz verdutzt antwortete:„Ja, det weeß ick wirklich nich. Et is zwar nich sehr jroß, aber doch sehr« jemietlich."— „Ach so!" unterbrach ihr det Mächen,„'ne Kabuse is et, da können„Sie" drimi schlafen, aber n Berliner Mächen sowat zuzu- muten, is denn doch n bißken happig!" Nu kam Nummer vier dran, een Elcfantenküken, bei mindestens zweehundert Pfund Lebendjewicht hatte. Jetzt war de Padden aber schon so jedrickt, det se janz kleenlaut sagte:„Welche Winsche haben Sie, wenn Sie bei mir in Dienst treten?" „Na," meente de dralle Fee,„erschtens n Haus- und n Korri- dorschlissel, zwcetens Mitbenutzung von't Klavier, drittens Raum fir mein Fahrrad, viertens alle Woche zweemal Ausjang und Sonn- tags natierlich extra, finstcnS Erlaubnis, det mir mein Bräutjam besuchen ders ,'n Bräutjam, det is mir aber nich anjenehm," unterbrach ihr d« Padden janz bescheeden, wodruff se de Antwort kriegte:„Na, na,»rächen Sie't man hallweje. Sie haben—„Ihren"— ja ooch nich in Tischkasten jefunden l Na, und wat n Lohn betrifft, so werd ick't mit Ihnen mal billig machen:„dreißig Mark uuf n Monat." „Wat, dreißig Mark," stotterte da de Padden.„in Ostpreußen Hab ick bloß fünfzehn bezahlt, det kann ick denn doch nich jeben."— „Nanu?" sagte da det Mächen,„ick Hab Ihnen ja ooch schon zwee Kinder erlaubt, von die Sie vorhin sprachen. Det is doch schon Entjejenkommen jenug."— „Fa, et is mir aber doch zu viel!" jammerte da de Padden. „Und ick muß doch unbedingt n Mächen haben, wo jetzt mein Sohn nach Berlin kommt."— „Wat!" schrie da det Mächen,„n Sohn haben Se mir ooch noch unterschlagen. Se scheinen mir in de Falle locken zu wollen. Wie alt is'n der Junge? ..Vierundzwanzig Jahre," seufzte de Padden.„Er will jetzt bei de Maikäber sein Jahr abdienen." „Also Soldate," rief dadruff det Mächen, jänzlich umje- stimmt,„und der soll bei uns wohnen? Na, wenn't so is. denn werd ick mal n Ooge zudricken und n bißken billijer jehn, denn n Soldate kost Jeld, det weeß ick aus Erfahrung. Also ick mach et for finfundzwanzig uff'n Monat. Nu sind Se doch zuftieden, nich wahr?" Also, wat soll ick Ihnen sagen, de Padden schlug zu und mietete det Mächen, indem se heilfroh war, ieberhaupt eene jefnnden zu haben.— Na, ihr Junge wird woll n janz Ende zufrieden mit ihr ind, wie de Madame selber,-- aber wat jeht det mir an? Meinswejen soll se ihr schon n zwecten Dag an de Lust setzen. Noch mal jeh ick mit ihr keen Mächen suchen,— nich in de Hand!— Eenmal und nich wieder!!! Wie ick zu Hause kam, frug mir meine Olle mit'n irtumphie- renden Blick:„Na, Willem, Du hast ja son roten Kopp,— wie war et denn?" „Mehr wie haarsträubend?" sagte ick bibbernd.„Ick bin bloß froh, det ick keene Berliner Hausfrau bin.. Diese„Bekenntnisse einer schönen Seele" genügen. Vorsicht, damit der giftige Geifer nicht das Heim unserer Arbeiter beschmutzt! Leseabend« RiederschSnhaosen-Norbend. Montag, den 29. Februar, bei Weber, Uhlandstr. 58. Vortrag. Rommelsburg. Montag, den 29. Februar, bei Blum, Mt-Box- Hagen 56. Vortrag. Gen. John:«Die Witwen- und Waisen- Versicherung." Nswawcs. Donnerstag, den 23. Februar, im Lokal des Genossen Hiemke. Vortrag._ Gerichts-Zeitung Sink die auf Rennwetten gezahlte» Beträge tückfotSerbat? Das Strafgesetzbuch verbietet in seinem Z 284 jedes gewerbs- mäßige Gilücksspiel. Als gewerbsmäßig gilt ein Spiel dann, wenn jemand aus ihm regelmäßig Gewinn zieht. Solche Spielverträge verstoßen auch gegen die gute« Sitten und find als nichtige Rechts- geschäfte zu betrachten. Das Oberlandesgericht Dresden hat in einem am Freitag vom Reichsgericht bestätigten Falle entschieden, daß der Gelegenheitsspieler den Einsatz vom gewerbsmäßigen Buch- macher zurückverlangen kann. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Kläger hatte bei dem Kaufmann L. in Leipzig schon mehrfach Wetten über Pferderennen abgeschlossen. Am 39. April 1998 hat er 5006 Mark auf ein Pariser Pferderennen gesetzt. Nunmehr verlangte er im Klagewege diesen Betrag von S. zurück. Dieser bestritt die Pflicht zur Rückzahlung, zumal er das Geld teilweise schon an andere Buchmacher weitergegeben habe. Das Landgericht Leipzig wie? den Kläger ab, weil ein gegen das Strafgesetzbuch verstoßendes, klagloses Geschäft vorliege. Da» Oberlandesgericht Dresden dagegen hat den Beklagten zur Rück- zahlung verurteilt. Es erwog, daß der Beklagte das Spielgeschäft, das an sich nicht gegen die guten Sitten verstößt, gewerbsmäßig betrieb und damit gegen§ 284 des Strafgesetzbuchs verstoßen habe. Der gleiche Charakter der Gewerbsmäßigkeit fei aber nicht auf den Kläger auszudehnen, weil dieser nur als Gelegenheitsspieler in Betracht komme. Infolge des gewerbsmäßigen Spiels des Be» klagten sei der mit diesem abgeschlossene Spielvertrag als nichtig zu bezeichnen und der Beklagte, der durch das Empfangene be- reichert sei. zur Rückgabe der 5099 Mark verpflichtet. Ei« EindruchSdiebstahl in dem Warenhanse A. Wertheim in der Oranienstraße lag einer Anklage zugrunde, welche gestern unter Borfitz des Land- gerichtSrat Kode die 10. Strafkammer des Landgcrickts I beschäf- tigte. Wegen schweren Diebstahls bezw. Hehlerei waren der„Ar- beiker" Emil Strauß, der frühere Schlosser Ernst Schulze und der Händler Jgnaz Gwisdek angeklagt. Die Angeklagten Strauß und Schulze find schon mehrfach vorbestrafte polizeibekannte Einbrecher. Schulze wurde erst vor kurzem nach Verbüßung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe aus dem Zuchthause entlassen.— In der Nacht zum 23. November v. I. verübte der Angeklagte Strauß, der ebenfalls schon erhebliche Vorstrafen erlitten hat, einen Einbruchsdiebstahl. Er schlich sich gegen 10 Uhr abends in ein Haus am Moritzplatz ein, öffnete dort die Bodentür mittels Dietrichs und kletterte auf das Dach hinaus. Ueber mehrere Dächer hinweggehend, gelangte er nach verschiedenen recht waghalsigen Kletterpartien auf das Dach des in der Oranienstraße gelegenen Warenhauses A. Wertheim. Von diesem aus kletterte der verwegene Einbrecher an einem Schornsteinrohr auf ein kleines Zwischendach und von dort wieder an einer Negengosse bis zu einer Tür empor, die er mit eine»! Dietrich öffnete. Die Hoffnung des Diebes, in den Kontorräumen nares Geld vorzufinden, erfüllte sich nicht. Statt dessen räumte er das ganze Uhrenlager aus und trat dann mit zirka 180 Uhren im Werte von 3000 M. bepackt, den gefährlichen Rückweg an. Die Kriminalpolizei ermittelte, daß sich ein Teil der Uhren bei dem Mitangeklagten Gwisdek befinde. Eine bei diesem vor- genommene Haussuchung förderte jedoch nur fünf Uhren zutage, die dieser in gutem Glauben von dem Angeklagten Strauß er- warben haben wollte. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß Strauß für einige Tage in der Adalbertstraße ein Zimmer gemietet hatte, unc dort die Diebesbeute unterzubringen. Tie Kriminal- Polizei beschlagnahnite hier fast die Hälfte der gestohlenen Uhren, während der Verbleib der übrigen Uhren nicht zu ermitteln war. Nach seiner Festnahme„verpfiff" Strauß den Mitangeklagten Schulze, der eine für ihn ungünstige Aussage gemacht hatte. Da- nach sollte Schulze einen anderen Einbruchsdiebstahl ausgeführt haben. Nach der eingehenden Beweisaufnahme konnte jedoch Schulze nur der Hehlerei überführt erscheinen, während die An- klage wegen Diebstahls fiel. Bezüglich des Angeklagten GwiSdek ergab die Beweisaufnahme nichts Belastendes, so daß dieser dem Antrage des Staatsanwalts gemäß freigesprochen wurde. Gegen Strauß lautete das Urteil auf 3 Jahre Zuchthaus untz b Jahre Ehrverlust und gegen Schulze auf 1 Jahr Gefängnis. Hakatisten-Vcleidigung. Wegen Beleidigung des Deutschen Ostmarkenvereins sink» am 3. Oktober v. I. vom Landgericht Bochum der Schneidermeister Johann Bloch zu 500 M. und der Redakteur des„Wiarus Polski", Stanislaus Kurca, zu 120 M. Geldstrafe verurteilt worden. Bloch hatte in dem Bochumer Polenblatt eine Reklame veröffentlicht. welche durch ein Bild illustriert wurde. Ein polnischer Junge hielt in der Hand eine Hose, die ihm zwei Hunde zu entreißen suchten. Die polnische Unterschrift des Bildes lautete:„Streng Dich nicht an, Du Hunde-Hakatist, die Hosen von Bloch zerreißt Du doch nicht." Hakatisten nennt man nach den Anfangsbuchstaben der Begründer des Ostmarkenvereins— Hansemann, Kennemann und Tiedemann — die Anhänger der antipolnischen Bestrebungen dieses Vereins. Durch die hervorgehobene Unterschrift fühlten sich die Mitglieder des Vereins beleidigt, stellten Strafantrag und erzielten die Ver- urteilung. Das Reichsgericht erkannte am Freitag auf Verwerfung der Revision. Wer so empfindlich ist, daß er durch einen wenn auch wenig geschmackvollen Witz zum Kadi läuft, zeigt weniger Verständnis als Furcht bm einer drastischen Kritik. £Ius aller Melt. Bcbaurpklcnnnenclcnd. Vor dem Münchener Schöffengericht kam am Fr�jtag ekne Beleidigungsklage zum Austrag, die der Reda7t?nr Geckosse Gruben von der.Münchener Post" gegen den Redakteur der Wochenschrift „Kleines Journal" angestrengt hatte. Den Anlaß dazu gab eine Kritik über die Verhältniffe hinler den Kulissen des Mllnchencr Kleinen Theaters und über die Paschawirtschaft, die der frühere Direktor Hermann Wagner gegenüber seinen weiblichen An- gestellten ausübte. Als Antwort auf die Artikel erschien in der Wochenschrift ein Artikel, der gröbliche Beschimpfungen enthielt. Die Beweisaufnahme ergab ein erschreckendes Bild von der Pascharolle, in der sich der Herr Thcaterdireltor gefiel. Eine Schauspielerin bekundete bei ihrer kommiffarischen Ver- nehmung, sie sei mit 200 M. engagiert worden. Die Direktion Hobe jedoch die Gage bald auf 150 und 120 Mark herabgedriickt. Oester habe sie an einem Abend in verschiedenen Rollen sechsmal auftreten müssen und die dazu nötige Garderobe selbst beschaffen müssen. Der Direktor habe sie so lange mit Liebeserklärungen verfolgt, bis sie sich ihm schließlich hin- gegeben habe, da er erklärte, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. AuS dem Verhältnis sei ein Kind entsprossen. D a Wagner für das Kind nichts zahlen wollte, geriet sie in tiefe Not. Die Mutter dieser Zeugin bekundete, daß Mitglieder des Theaters erzählt hätten. Wagner habe 14 außerehelich« Kinder, im Theater habe er eine Schauspielerin vergewaltigt. Eine andere Schauspielerin bekundete, daß Wagner ihr früher Schauspiel- Unterricht erteilt habe, für den sie 50 bis 70 Mark monatlich bezahlen mußte. Schon während dieser Zeit sei Wagner zu ihr in Beziehungen getreten, dir auch noch fortgesetzt wurden, als sie am Kleinen Theater mit einem Monatsgehalt von 100 Mark engagiert wurde. Der Direktor habe ihr erzählt, daß alle Schauspielerinnen seineSTHeaterS seine Geliebten seien und ihr auch mitgeteilt, daß er Vater mehrerer außerehelicher Kinder sei. Wieder eine Zeugin beeidete, daß sie sich in den intimen Verkehr mit Direktor Wagner fügen mußte, weil sie in jeder Beziehung von ihm abhängig war. Herr Wagner be- stritt natürlich bei seiner kommissarischen Vernehmung in Frankfurt am Main, sich gegen die Mitglieder seines Theaters ungeeignet be- nommen zu haben. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Redakteur Baurrnfreund zu einer Geldstrafe von 75 M. Das Gericht war der Ansicht, daß die Behauptungen der „München er Po st" wahr seien. Der Verlauf des Prozesses zeigt deutlich, baß unsere gelegent- lich des Falle? Zickel ausgesprochene Behauptung, daß die Pascha- Wirtschaft Zickels bei deutschen Theatern nicht alleiusteheud sei, durchaus zutrifft._ Ein pestverdächtiges Schiff. Im Hafen vom Antwerpen ist am Freitag ein Dampfer .Vuntly' eingelaufen, an besten Bord sich zahlreiche Pest- verdächtige Natten befanden. Die davon benachrichtigten Sanitätsbehörden haben sofort für eine eingehende D e S- infizierung de« Dampfers und für Berrnichtung der Ratten gesorgt. Die Mannschaft deS Schiffe« darf dasselbe vorläufig nicht verlassen. � � Der„New Dort Herald" meldet aus Peking: Nach den letzten Informationen ist als sicher anzunehmen, daß für den Moment die Lag« im Prstgebiet keine Gefahr für Europa bildet. ES find zwar noch einige Pestfälle in Peking und Tienlsin vorgekommen. es steht aber fest, daß die Seuche durch chinesische Kulis aus Sharbin eingeschleppt worden ist. In E h a r b i n selbst hat sich die Zahl der Todesfälle bedeutend vermindert, ihr Durch- schnitt belauft sich aus 159 täglich. Die Schuldigen. Noch am Tage des schweren EisenKahnunalüZS bei Tourville hatte der Direktor der Dahn seiner Ueber- zeugung Ausdruck gegeben, dad die Schuld an der Katastrophe dem Zugführer und dem Stationsvorsteher zur Last falle. Wie einseitig und im Interesse der Verwaltung liegend diese Auffassung war, haben wir schon betont. Wie jetzt ein Telegramm aus Paris meldet, ist der Ausschuß der technischen Eisenbahnbeamten auf Grund der eingeleiteten Untersuchung zu der Ueberzeugung gelangt, daß daS Eisenbabnunglück von Tourville dem schlechten Zu- st and der Gleise zuzuschreiben sei. Die Schuld treffe die Bahnverwaltung, weil ste die bereits für 1909 vorgesehene Aus- besserung der Gleise noch nicht durchgeführt habe. Man glaubt, daß der Ministerrat infolge dieser Feststellung die nötigen Maßnahmen beschließen werde._ 16 Menschen im Schneesturm umgekommen. Wie erst jetzt bekannt wird, stürzten am 6. Februar wäh- rend eines S ch n e e st u r m s in der Ansiedelung P s y r t s ch a kn Transkaukasien viele Häuser ein, wobei 16 Menschen itn». viel Vieh umgekommen sind. Menschen und Vieh sino vielfach unterwegs im Schnee stecken geblieben. Die Bevölkerung leidet Not. Ein Unmensch. Ein furchtbares Verbrechen ist am Freitag in der nordamerikani- scheu Stadt R e a d i n g verübt worden. Ein bekannter Kaufmann der Stadt namenS Van am an, der zu einem jungen Mädchen in jntime Beziehungen getreten war, wollte sich von Frau und Kind auf gewaltsame Weise trennen, um die Geliebte heiraten zu können. Er schloß Frau und Kind in daS Schlafzimmer ein und steckte das Gebäude in Brand. Beide wurden mit schweren Brandwunden nach dem Hospital gebracht, wo sie kurz nach ihrer Einlieserung starben. Der Verbrecher wurde verhastet. Kleine Notizen. Während des Sturmes am Freitag ist der aus Holz erbaute Turm des Rathauses der Stadt Nauen eingestürzt. Das Mauer- werk an beiden Sesien des Rathauses ist schwer beschädigt worden. Grotzfeuer im Hafen von Geestemünde. Im Handelshafen von Geestemünde kam in der Nacht ein Brand aus, bei dem 1S09 Ballen Baumwolle im Werte von 600 000 Mark vernichtet wurden. Durch ein abstürzendes Dach erlitten vier Feuerwehrleute zum Teil schwere Verletzungen. Unwetter in Oesterreich. Am Freitag und Sonnabend durch- brauste ganz Oesterreich ein heftiger Weststurm, der vielfachen Schaden anrichtete und zahlreiche Unfälle verursachte. In der Nähe der nördlich von Graz gelegenen Ortschaft Stübin kam am Freitagabend ein Waldbrand aus, der infolge des Sturmes einen solchen Umfang annahm, daß die Ortschaft schwer ge» fährdet ist. Militär ist nach der Brandstelle abgegangen. Folgenschwere Explosion. An Bord deS im Hafen von Toulon ankernden französischen Panzerschiffes»Edgar Ouinet" explodierte eine Lötlampe. Fünf Maschinisten wurden durch Brand- wunden schwer verletzt. Eine Carnegiestiftung für Dänemark. Der amerikanische Mil- liardär Carnegie hat der Regierung von Dänemark die Er« richtung einer Stiftung für heldenmütige Leistungen mit einem Kapital von 100 000 Dollar angeboten. «lmHichn Marktbericht der stZdMch«, Marktdallen-VlreM«, ade» den«Nrotzbandel tn den Zentral-Marktballen. Wtarktlage! Flei'ch: Zusubr schwach. Geschält still, Preise unverändert, wild! Zufuhr mäßig, Geichäst etwas lebhaster, Preise wenig verändert, Metlügel: Zusubr ...— k.-Ii,-*,-.—«..•vr—-- ftt— m-v—l""NUgend, ..äse: Geschäst Südfrüchte: verändert. I_____________________________________ id ruhig, Prelle unverändert. Gemüse, Odit und Zusuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise fast un- eSasserstandS-Nachrtchte« der Landetanstalt sllr EewSsserkundt. mitgeteilt vom Lersiner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, TIM« v r e g e!. Jnsterdmg Weichsel, Tboru Oder. Ratibor » Kroffen , Aranklurt Warthe, Zchrimm , LandSberg Netz«, vordamm Elbe, Letnneritz , Dresden » Bardo » Magdeburg 1 4- bevenlet wuchs,— Fall. •) eisfrei.—') Eisbewegung. vasserstand Saale. Grochsttz Havel, Spandau') Rathenow') Spree. Sorembergl , BeeSlow veser, Münden , Minden Rhein. MaximiltanSau , Kaub . Köln Neckar, Heiibrom» Main, werlhetm Mosel, Trier am 17. L. am 04 113 123 118 193 -62 32 296 186 129 64 164 66 lest 16. 2. cra') +8 +4 —2 +6 4-1 -12 +4 —1 0 —1 +1 +2 •—3 — 0 Unierpegel.«•> 0 EiSsiand. 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Cfsge □nzigas rAbzahlung8-G0schlfO welches Mitglied des Rabattsparvereins „NORDEN" ist SJmntoprtlidjer Nchakteijr: Richard Narfh, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei u. Verlagsanstglt Paul Singer u. Co., Berlin LW. st«. 28.3.SW 2. leilöjc des Dmiilts" Kerlim WldsdlM. Die Bebauung des Cempelbofer Feldes. Endlich, nach einem langen, grausamen Interregnum lernt man den Städtebau wieder als ein soziales Problem begreisen. Wächrcnd all der verlorenen Jahrzehnte, die hinter uns liegen, gab es keinen Städtebau, nur eine Exekutive der Bodenspekulation und der Baubureaukratie. Zu all� Zeiten Ivaren die Städte die steinernen Projektionen der jeweilig herrschenden wirtschaftlichen und politischen Macht. Die Städte sind die ewigen Zeugen für die materialistische Basis aller Geschichtsentwickelung. Wie der Petcrsplatz in Rom eine einzige Offenbarung von der Weltmacht des Papstes im Zeitalter des Barocks ist, wie sich aus dem Tuillerien- platz zu Paris der Absolutismus der Sonnenkönige ablesen läht, so starren und dräuen die Proletarierviertel der modernen Groß- stadt als Produkte und Werkzeuge aller fleischfressenden Tendenzen des Kapitalismus. Wenn irgendwo, dann ist es an den Strassen und Höfen, an den Plätzen und ddm Grünland der grossstädtischen Massenquartiere offenkundig geworden, wie die Wirtschaftsform sich auch in der Kunstform ein Spiegelbild schafft. Oder, um der Wahrheit näher zu kommen: die gierige Unförmigkeit unserer Wirtschaftsform, der vom Gesetz geschützte Bodenwucher und die gerade an den kleinsten Mieten sich. am meisten bereichernde Micts- spekulation, sie verrät sich in ihrer ganzen Grimasse an den steinernen Wüsten, den freudlosen gähnenden Schlünden, den ewig grauen Kasernen und den ungelüftcten Luftschächtcn zwischen Ouergebäuden und Seitenflügeln. Und wiederum: all dies Elend der formalen Bildung von Häusern und Strassen wurden hin- genommen solange, bis daß der Instinkt der Massen zur Menschheitswürde die Fesseln sprengte. Heute sind wir soweit, dass es einfach nicht mehr möglich ist, die Wohnviertel der Arbeiter nach dem System der Heringsftapelung zu produzieren; heute hat die Macht des Sozialismus bereits Einfluh genug, dem frei- beutenden Kapital wenigstens um ein Geringes die Krallen zu beschneiden. Noch aber Haben gar viele nicht begriffen, wie ent- schieden der Wille des Volkes den Bau der Stadt zu beeinflussen vermag. Wenn solcher Wille eben wirklich will. Das ist es, warum der Kampf um das Tcmpelhofcr Feld, nicht nur um seinen Besitz, auch um seine Bebauung, so überaus kennzeichnend und wichtig ist. ES geht nicht mehr an, dass eine bedeutsame Stadterweiterung allein nach den Absichten der Besitzinhaber, des Fiskus und der Bodengesellschaften, allein nach den Absichten derer, die Rente gewinnen wollen, vollzogen wird. Tie öffentliche Meinung ver- langt eine Kontrolle über den Neubau eines Wohnviertels, dessen Anlage für Jahrhunderte die Gesundheit oder Unzulänglichkeit der Lebensführung von Zehntausenden entscheidet. Bei dem Kampf um die Bebauung des Tempelhdfer Feldes handelt es sich um mehr als um die Eitelkeit einiger Architekten, oder um den Sieg irgendwelcher ästhetischer Effekte. Darum handelt es sich: ob Bodenwucher und Baubureaukratie noch immmer das Recht auf gesundes Wohnen vergewaltigen können; oder ob die Zeit reifte, da der Fülle an theoretischer Arbeit, an statistischen Rechnungen an Versuchen, die Hygiene mit der Schönheit und dir Technik mit dem Rhythmus zu einen, nun nicht endlich eine Tat, ein Beispiel folgen könne. Am Tempelhofer Feld soll es sich erweisen, dass die Tage eines neuen Städtebaues gekommen sind; einfach darum, weil die Wirtschaftsfaktoren, die den Kultur- wert der Gegenwart ausmachen, zum Bewusstsein erwachten und ihre Stadt m>t dem gleichen Rechte bauen wollen, mit dem einst Augustus Rom und Ludwig XIV. Paris bauten. Mit dem Recht aus eigener Macht. Dabei sind wir keineswegs so optimistisch, an- zunehmen, dass es heute schon möglich wäre, die Verwaltung und die Banken dahin zu bringen, eine in jeder Beziehung ideale Planung auszuführen; aber das dürfte vielleicht gelingen, ihnen wenigstens einen halbwegs erträglichen und sozial zulänglichen Neubau dieses Stadtviertels aufzuzwingen. Wir dürfen dies um so mehr hoffen, als selbst so mancher Baubcamte von der Not- wendigkeit einer Reform längst überzeugt wurde. Als Beispiel hierfür verlohnt es sich, einige Worte wiederzugeben, die der Stadtbaurat Berg aus Breslau gelegentlich des Verbandstages deutscher Vororte zu einer Versammlung von Bürgermeistern ungestraft und unwidersprochen sagen konnte:„Es ist ein Unrecht, wenn von dem Durchschnitt der Grohstadtbevölkerung 30 Proz. des Einkommens für Wohnzwecke ausgegeben werden. Eine spätere Zeit wird auf die heutige Ausbeutung unseres Volkes durch das Privatbodenmonopol zurückblicken, wie wir auf die Sklaverei und die Leibeigenschaft. Tie Ueberspannung des Jndividualitäts- Prinzips, die Scheu vor der Antastbarkeit des Privateigentums an Grund und Boden, die Verständnislosigkeit in breiten Massen unserer gebildeten Bevölkerung geht so weit, dass ein Geschäft, wie der Tempelhofer Handel, möglich war; so weit, dass sich nicht eine allgemeine Entrüstung erhoben hat, nicht über Berlin, sondern über den Fiskus. Dieser Handel ist eine Karikatur auf die Auf- fassung vom Staatswohl. Der Fiskus hätte die Pflicht gehabt, das Tempelhofer Feld der Gemeinde Gross-Berlin zum Erwerbs- preise oder für eine verhältnismässig geringe Summe zur Ver- fügung zu stellen, unter der Bedingung, dass Grünanlagen ge- schaffen werden. Die Jugend dieser engbebauten Gegend hätte die Freiflächen so bitter nötig. In wie kurzer Zeit weiss man von den 72 Millionen nichts mehr; aber die enge Bebauung und die Zinslast ist für alle Zeiten da." Von solchen Gedanken hat sich der Kriegsminister, als er den Tempelhofer Handel vorbereitete, herzlich ferngehalten; die Vc- bauungspläne, die er der Finanzierung zugrunde legte, kannten nur ein Prinzip: das der Ausschlachtung. Einer dieser Pläne schien auch nach der Usurpation des Feldes durch die Haberland- Gesellschaft zur Ausführung bestimmt. Er soll jetzt, wie man hört, durch bessere ersetzt werden; immerhin, dass der Kriegs- minister sich nicht wehrte, ihn als einen diskutablen Vorschlag anzusehen, ferner die Tatsache, dass auf dieser Planung die Namen zweier von der Baubureaukratie anerkannter Städte- fabrikanten zu lesen waren, das berechtigt, an diesem Dokument sozialer Blindheit die Impotenz solch kricgSministerlicher und gchcimrätlicher Bebauung, solcher Ausschlachtung im Dienste des Kapitals nachzuweisen. DieS gelingt um so eher, als von anderen Städtebauern, von nicht beamteten und nicht kapitalistisch ver- wirrten, Planungen vorliegen, die der neu zu bauenden Stadt erheblich mehr Wohnlichkeit und mehr allgemein nützliche Werte bestimmen. Ein Blick auf die hier nebenstehend abgedruckten Teil- Pläne wird genügen, um zu zeigen, welcher Gesinnung und Form allein ein Recht auf die Bebauung des Tempelhofer Feldes zu- kommt. Der im Auftrage des Kriegsministers gefertigte Gerlach- Stübbensche Entwurf zeigt die ganze Gedankenlosigkeit des üblichen Schemas. Das Terrain ist aufgerissen und in gleich- wertige Strassen gespalten. Es wurde keine Rücksicht darauf ge- nommen, dass es sich hier hauptsächlich um Wohnviertel handeln soll; wahlos wurde das ganze Gebiet einem wilden Verkehr er« schlössen. Kreuz und quer können die Wagen fahren; auch an allen Plätzen können, ja müssen sie vorüber. Es gibt hier keinen einzigen gesicherten Hafen, keinen Wohnplatz, auf dem Erwachsene rasten lisid Kindel spielen■ föuticn.'" Neberalt herrscht der � Rangierbahnhof. Und auch der vorgesehene svon unserem Teil- plan nicht mehr erfasste) Park dürfte nichts weniger als ein Erholungsheim des Volkes sein; er wurde als eine Erziehungs- Maschine zum Spazierengehen, als eine artige Kunstgärtnerei ge- plant. Was aber das schlimmste ist, die Baublocks verlangen nach der Berlinischen Unsitte der Hofbebauung; sie sind so kurz geschnitten und vergeuden dadurch soviel Stratzenland, dass die Rentabilität nur durch das Hinterhaus balanciert werden kann. Ganz anders steht es um den Plan von Hermann Jansen. Da wurde fürs erste der Verkehr reguliert, in bestimmte Haupt- ädern gezwungen und so von den zwischen diesen Hauptadern gelagerten Wohnvierteln ferngehalten. Man versuche einmal, in der Vorstellung auf dem Jansenschen Plan per Auto zu fahren; man wird nie in die Versuchung kommen, von den Hauptwegen abzuweichen; es sei denn, dass man in den Nebenstrassen etwas zu suchen habe. Besonders gesichert vor überflüssigem Verkehr wurde das Grünland; diese Organisation des Grünlandes ist über- Haupt das Rückgrat des Jansenschen Vorschlages. In einem breiten Schlauch zieht sich das Grün anschliessend an den Viktoria- park durch das ganze Gelände bis hinunter zu dem begrenzenden Bahndamm, bis zum Tempelhofer Park. Dieser grüne Strang, dcy in seinem breitesten Teil 180 Meter enthält(die Linden sind 60, Meter breit), hat eine Gesamtlänge von 1600 Metern. Zählt man das Stück von der Feldgrenze bis zum Viktoriapark hinzu, so ergibt sich ein Spaziergang von 2� Kilometer, von etwa einer halben Stunde durch grünes Land. Wobei nicht übersehen werden darf, dass dies Grüngebiet nun wirklich der Benutzung, der Be- Wohnung bestimmt ist; dass es nicht in Teppichbeete und Zierplätze zerpflückt wurde, vielmehr Spielwiese, Sportwiese, Lagerplatz sein soll. Und nun die Baublocks; sie sind langgestreckt, gewähren den Strassen glatte EntWickelung und sparen an Strahenland.(Die Strassen sind trotzdem breit genug, nie unter 20 Metern.) Für weitaus die meisten dieser Blocks hat nun Jansen die reine Rand- bebauung vorgesehen; das System des Hinter- und Querhauses wurde radikal verworfen. Die Vorteile der Randbebauung sind offenbar, sie wurden von den Hochbauten der Baugenossenschaften schon oft erprobt. Alle Wohnräume'sind von Luft und Licht um- spült; der umbaute Hof. für einen ganzen Block einheitlich aus- gebildet, gewährt den Kindern Spielaufenthalt, den Erwachsenen Spaziergang. Es bedarf keines Wortes darüber, daß die reine Randbebauung grosser Blocks die einer sozialen Kultur allein würdige ist. Noch ist alles in der Schwebe, noch läht sich nicht versprechen, dass das Tempelhofer Feld ein erstes Beispiel für den wieder erwachten Bauwillen des Volkes sein wird. Soviel aber steht schon heute fest: an den Bebauungsplänen für das Tempelhofer Feld haben sich zum erstenmal vor aller Oeffentlichkeit die Geister ge- trennt; die engbrüstigen und profitsüchtigen des Bodenwuchers und der Baubureaukratie von den hoffnungsfreudigen, weitblickenden des jungen Geschlechts, dass auch die Stadt als ein Ausdrucksmittel, als eine durch die Jahrhunderte bleibende Form für die Lebensart und die Kulturhöhe der Zeit begriff. Robert Breuer. □□□ Thealer und Vergnügungen (Siehe Wochen-Spielplan.) Freie Volksbühne- Sonntag, 1», Februar. nachmittags 3 Uhr, NeueS Schauspielhaus, 2. Abteilung (Gruppe 5—8): Manna Vanna, Herrnscld-Thcater, 5./6. Abt,(Gruppe 20—23): An des Reiches Psorien, Thalia-Theater, 4./5. Abteil,(Gruppe 18—20): Die schöne Helena. Montag, den 20, Februar, abends 8 Uhr: Neues Schauspielhaus, 11,(I,) Abend- abteilung: Iphigenie auf TauriS. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 13, Februar. nachm, 2'/- Uhr: Deutsches Theater: Die Räuber. Kammerspiele: Gawan, Nachm. 3 Uhr: NcueZ Volks-Theater: Der G'wiffenS- wurm, Schiller-Theater O.: Die Ehre. Schiller« Theater Charlottcnburg: Prinz Friedrich von Homburg, Neues Theater: Tartüff.— Die Ge- schwister, Neues Operetten- Theater: Der Glücksengcl. Metropol-Theater: Mamsell Nitouche. Kleines Theater: Das Kind. Modernes Theaer: Der Feldherrn- Hügel. Abends 8-/, Uhr: Hochschule sür Musik(3 Uhr): Heinrich Heine Leben in seinen Dichtungen. Neues Volks- Theater: Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Die Schmetterlingsschlacht. — Dienstag: Hanneies Himmel- fahrt. LollS- Oper: Montag: Die weiße Dame,— Dienstag: Der Massen- schmied. l.essinx-Ikeater. Sonntag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Montag 8 Uhr: Die Ratte». fterlmer Theater. Täglich 8 Uhr: Bummelftndenten. Neues Theater. n»«» Täglich:, Ansang 8 Uhr. Modernes Theater (früher Hebbelthoater). -tt'-o. Ab«»d»M«'Mk»�".'' f'Per Feldheirnhflgel, Berliner Volksoper Nachm. S'/i U.: Zar und Zimmermann. Abends 8 Uhr: Die PollarprtngeaBln. Theater des Westens. 8 Uhr: Das PappcnmUdel. ■ Sonntag nachm. S'l, Uhr: Die ge- ■ehiedene Frau. Residenz-Theater. ' Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Pariser Menu. Drei Gänge von Georges Fehdeau und Veber-'Abric. t. Gang:.52 Meter über Paris«, t Akt von Pcber-Abric, 2, Gang:.Eine Nachtsitzung'. IM von Georges Fehdeau, 3, Gang:.Nach dem Mäuschen- ) ball-, 1 Akt von Georges Fehdeau. Morgen und solacnde Tage: Pariser Menu. hieM-WIhelmstälttisLhes Schauspielhaus. Sonntag, den 19. Februar, S Uhr: Einheirat. Nachm. 3>/, Nhr: Krieg im Friede«. Montag: Wllhelm Teil. Dienstag: Einheirat,_ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Das Objekt. Nachm. 3 Uhr: Der Herr Senator. Montag 8 Uhr: Das Objekt. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: De« Milli'onenjunge. AbendS 3 Uhr: Der jüngke Leutnaut. Posse mit Gesang von Jacobsohn. Montag und folgende Tage: _ Das große Licht._ OSE=THEATE 1 Große Frantsurter Str. 132. Nachm 3 Uhr halb« Preise: Don Carlos. Abends 8 Uhr: Der Herrgottschuitzer von Ammergau. Montag: Der Herrgottschnitzrr von Ammergau.__. jßetropol- Theater. Nachm. 3 Uhr: Mamsell Nitouche. AbendS S Uhr: Rauchen gestattet. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstatlungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund, Musik v. B. Holländer. 8« Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Craula. Wissenschaftliches Theater. Taubonstraße 48/49. SonntaeS Uhr: Was ans der Mond erzählt. MontagS Uhr: Was ans der jlond erzählt. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Schwahn: Valkanlsmns der Erde. Kaiser- Panorama. !. 1. Male:. Wanderung im iieiriseken Salzkammergut- Beauemer Besuch von llom, Eine lleiseZOi'i. Kind nur, OPt Abonnements 1 M. Tausende Abonn. im. mm/Kuuno � ncf/r/wi/rj' Passage-Panoptikum. I Eine Kolonie S in ihr, Leben, Sitten u. Gebrauch. Xnm 1. lllale In Berlin! in ein. eigens erbauten Polardorie. Ohne Extra-Entree! | Heute, Sonntag; 2 Vorstellungen. Nachmittags 3—7 Uhr(kleine Preise) abends 8 Uhr. Sgr. 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Zohillor-Thsstsr 0.(Wallner-Theal). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ble Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Himmel auf Erden. M o n t a g, abend? 8 Udr: Ha» Urbild des TartiilT. Dienstag, abends 8 U b r: Her Hand der ckasead. VlKSAtVI'. Sohiller-Theater vharlottenburg. Sonntag, nachm.3Uhr: Prinz Friedrich von ttomdurg. Sonntag, abends 8 Uhr: Harla nnd Magdalena. Montag, abends 8 Uhr: Nathan der Welse. Dienstag, abends 8 Uhr: Her Halse-. Castan* Panoptikum Äit Die Schonen Samoas. Ä5 Personen. Ohne Extra-Entree. "V Bunter Abend. Heute Sonntag, den 19. Februar,?>/, Uhr Im„Oewerkschaltshause4*, Engelufer 15. Mitwirkende: Dr. Sibel(Violine), königl. Kammermusiker Manke(Oello), Frl. Schumann(Sopran), Berthold Rusch(Bariton), Margarete Walkotte, Erwin Feustel(Pianist), Emil HeB(Schauspieler). 50 Pfennig im Vorverkauf bei Herrn H o r a c b, Engelufer 15. Abendkasse 60 Pfennig.» Sonntag, 19. Februar 1911: 2 groll« n Vorstellungen l Nachm. S>,,llhr. abds.7>,z Ubr. Nachm. 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Wir bitten, die Lokalliste streng zu beachte». _ Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Heute, Sonntag früh, von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. Am Dienstag, den 21. Februar, abends 8 Uhr, findet in den.Arminhallen", Kommandantenstr. 58/59, eine Volksversammlung statt. Genosse Wilhelm Pfannkuch spricht über:„Wer treibt Katastrophenpolitik?" Rixdorf. Die Broschüre.Karsli, Die Brandschatzung', ist für die Kursusteilnehmer am Montagabend in der Bibliothek zu haben. Der Bildungsausschutz. Wilmersdorf-Halensee. Ueber„Arbeiterschaft und Dichtkunst' spricht Genosse Georg Davidsohn in einer Versammlung für Männer und Frauen heute Sonntag, nachmittags 5 Uhr. in den WilmerSdorser Festsälen. Johann-Georg-Straße 19 in H a l e n s e e. Der Vorstand. Friedenau. Am Dienstag, den 21. Februar, abends S'/z Uhr, im Lokal Rheinschlofi, Rheinstr. 60: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Vorwog des Genossen E u l e r t über:„Der deutsche Bauernkrieg.' Der Vorstand. Groß-Lichtcrfelde. Dienstag, den 21. d. MtS., abends 8'/g Uhr. im Lokal' von Fritz Wahrendorf. Bäkestr. 22: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Vortrag des Genossen C. Wenzel über:„Die Reichsverfassung". Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Dienstag, den 21. d. M., abends 8>/z Uhr, Vereinsversammlung bei Mickley, Potsdamer Strasse. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Ulm:»Unsere Gemeinde- Vertretung und der Etat von 1911". Lankwitz. Mittwoch, den 22. Februar: Sitzung des Wahlbereins im Restaurant Ebel, Mühlenstrahe, Referent Genosse E. Unger: „Religion und Sozialismus". Diskussion. Bericht von der Kreis- generalversammlung. Wahl von Delegierten zur Generalversammlung von Gross-Berlin. Vereinsangelegenheiten. Steglitz-Friedenan. Morgen, den 20. d. MtS., abends 8'/z Uhr, im„Rheinschloss", Friedenau. Rheinstr. 60(kl. Saal): 3. Vortrags- abend des Genossen Ulm über den praktischen Teil des Erfurter Programms. Da jeder Abend in sich abgeschlossen ist, können noch Genossen am Kursus teilnehmen. Die Teilnehmerkarten zum „Heiteren Abend" am 4. März mit anschliessendem Ball sind zum Preise von 30 Pf. jetzt in allen Bezirkslokalen zu haben. Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, den 21. Februar, abends Uhr, Mitgliederversammlungen des Wahlvereins im„Sport- restaurant' sRennbahn), Elsenstr. 115/116 und„Speers Festsälen", Baumschulenstr. 78. Tagesordnung: Bericht von der Kreis-General- Versammlung. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Der Vorstand. Lichtenberg. Am Dienstag, den 21. d. M., abends 8lU Uhr, im Lokale von Paul Schwarz, Möllendorffstr. 25/26: Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen D ü w e l l über„Moderne Schulkämpfe'. 2. Er gänzungswahl des Vorstandes. 3. Anträge. Johannisthal. DimStag, den 21. Februar, abends S'/» Uhr: Mitgliederversammlung im Lindenhof, Friedrichstr. 61. Tages- ordnung: Vortrag deS Genossen Max Groger über:„Die Pro» gramme der verschiedenen politischen Parteien." Der Vorstand. FriedrichShagen. Am Mittwoch, den 22. Februar, abends S'/g Uhr, in LercheS Festsälen, Friedrichstr. 112, Mitglieder« Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Tornow über:„Die historische Rolle des preussischen Junkertums". 2. DiS« kussion. 3. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 4. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Am Montag, den 20. Februar, im Lindengarten, Friedrichstr. 74, dritter Vortragsabend deS Genossen Piek. Der BildungSanSschuss. Karlshorst. Heute, Sonntag, bei SabrowSki: UnterhaltungS- abend. Anfang 7 Uhr. Am Dienstag, 21. Februar, abends 8Va Uhr: Mitgliederversammlung bei Bartels.Fürstenbad". Vortrag deS Genossen Georg Schmidt:»Aus der Zeit des Sozialistengesetzes'. Die Bezirksleitung. FricdrichSfelde. Dienstagabend 8'/z Uhr Mitgliederversammlung bei Haberland, Wilhelmsttatze. Teltow. Am Dienstag, den 21. d. M., abends 8 Uhr, im Lokale des Genossen W. Bonow, Zehlendorfer Sttatze 4: Mitglieder« Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung; Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Die bevorstehende Bürgermeisterwahl. Der Vorstand. Reinickendorf-West. Dienstag, den 21. d. MtS., abends 8Vz Uhr. in den„Eichhorn-Sälen", Eichhornstr. 60: Mitgliederversammlung deS Bezirks-WahlvereinS. Tagesordnung: Bericht von der Kreis- Generalversammlung. Bericht der Gemeindevertreter. Vereins« angelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Tegel. Morgen, Montag, den 20. Februar, abends 8V, Uhr, in W. Trapps FestsSlen(Jnh. M. Gamm), Bahnhofstr. 1: Oeffent« liche Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Artur Stadthagen über:»Nieder mit der Reaktion." _ Die Bezirksleitung. Berliner Pfacfmebten. Die Nord-Südvahn. Der Magistrat hat am 4. Dezember 1910 beim Polizeipräsidenten die Genehmigung zum Bau der Nord-Südbahn von der Seeswasse bis zum Belle-Alliance-Platz nachgesuch: mit der Bitte, unabhängig von dem alsbald»inzuleitenden'Planfeststellungsverfahren bei dem Minister die Genehmigung zum Beginn der Bauarbeiten zu er- wirken. Darauf ist jetzt von dem Minister der öffentlichen Arbeiten solgender Bescheid beim Magistrat eingegangen: „Auf die gefällige Eingabe vom 24. v. M.— Nr. 2222. V. 10.— erwidere ich dri» Magistrat ergebenst, dass ich zurzeit keinen Anlass finden kann, den hiesigen Herrn Polizeipräsidenten und die hiesige königliche Eisenbahndircktion im Aussichtswege anzuweisen, die nachgesuchte Genehmigung zum Bau einer Untergrundbahn Seeswasse— Friedrichstrasse—Beue-Alliance-Platz zn erteilen. Die Stadt Berlin ist in, Besitze der Genehmigung für eine Schnellbahnlinie Seestrasse—Friedrichswasse— Kreuzberg. Ueber den jetzt gestellten Genehmigungsanwag für eine nur bis zum Belle- Alliance-Platz reichende Linie ist von den Aufsichtsbehörden eine Ent- scheidung, gegen die die Beschwerde an mich zulässig wäre, noch nickt getroffen. Nach den mir erstatteten Berichten konnte eine solche zunächst schon deshalb nicht ergehen, weil die notwendige Prüfung der neuen technischen Unterlagen des Antrages, namentlich soweit fie die schwierige Unterfahrung der Weidendammer Brücke betreffen, noch nicht beendet ist. Des weiteren aber haben die Anfsichtsbehörden ihre Entschliessung ausgesetzt, um den städtischen Behörden Gelegenheit zu geben, mit den Gemeinden, nach deren Gebiet die Nord-Südlinie eine Fortsetzung finden kann, in Verbindung zu weten. Hierzu gaben Veranlassung die Erklärungen, die von den Vertretern der Vtadt Verlin bei der mündlichen Erörterung im Polizeipräsidium abgegeben worden sind. Diese Erllärungen gingen dahin, dass Berliir bereit sei, nament- lich mW Tenipelhof wegen eines Anschlusses an die Nord-Südbahn zu verhandeln, und dass das eigene Interesse Berlins dazu nötige, für diese Bahn durch eine Fortführung nach Norden und nach Süden oder durch Verbindung mit Zubringerbahnen überhaupt erst die Möglichkeit einer Nentabilwät zu schaffen. JmHinblick hierauf kannich es nichtfürun- angebracht halten, dass die Aufsichtsbehörden das Ersuchen gestellt haben. sofort in Verhandlungen mit den Nachbargemeinden insbesondere mit Tempelhof, einzutreten. Im Falle einer Verständigung würde, was ausserordentlich erwünscht erscheint, erreicht werden, dass von vorn- fierein eine Anlage zustande käme, die die hier in Bewacht ommenden Verkehrsinteressen Berlins und der beteiligten Vororte voll befriedigte. Aber selbst wenn man die Verkehrs- beziehungen zu den Vororten ganz ausser Betracht lassen wollte, würde eine Nord-Südbühn, die am Belle-Alliance-Platz endet, nicht einmal den dringenden VerlehrSbedürfnissen innerhalb des Berliner Weichbildes entsprechen. Der Stadtteil vor dem Halleschen Tor mit seiner zahlreichen Bevölkerung wird den Anspruch erheben können, dass eine nordsüdliche Schnellbahn sofort über das Tor hinausgeführt wird. Ich kann daher den schon an anderer Stelle ge- machten Vorschlag, die Bahn bis zur Gneisenaustrasse vorzuswecken, und über ihre Fortsetzung mit den Vororten zu verhandeln, den städtischen Behörden nur erneut zur Erwägung anheimstellen. Dabei würde auch der nicht zu unterschätzende Vorteil einer Entlastung des Halle- scheu Tores erreicht, während die auch nur vorläufige Anlegung der Endhaltestelle auf dem Belle-Alliance-Platz die dort bestehenden miss- lichen Verkehrsverhältnisse in unerwünschter Weise steigern würde. Die KleinbahngenehmigungSbehörden werden unter dem Gesichtspunkt der Wahrung der öffentlichen Verkehrsinteressen bemüht sein, die Angelegenheit nach Möglichkeit zu fördern. Ich ersuche daher, den Herrn Polizeipräsidenten von ihren Entschliessungen und den Er- gebnissen der etwa bereits geführten Verhandlungen alsbald in Kenntnis setzen zu wollen' Im Interesse der Förderung deS dringenden Verkehrsbedürfnisses liegt der Bescheid des Ministers nicht, zeugt auch in keiner Weise von dem so viel gerühmten Wohlwollen gegen die Stadt Berlin. Die Jahrmärkte will der Magistrat aufheben, weil der Verkehr und die gärtnerischen Anlagen auf den städtischen Promenaden und Plätzen ihre Unterbringung nicht mehr zulassen. Der feinfühlige Polizeiminister. Bitte, regen Sie sich nicht auf, Herr v. Kröcher! Wie ein hiesiges Lokalblatt berichtet, hat der Mi- nister des Innern die Regierungen in einem Runderlah ersucht, bei den Armendirektionen, Waisenräten, Armenkommissionsvorständen, Stadtärzten usw. vorstellig zu werden, im Verkehr mit den Klienten ganz besondere Rücksicht darauf zu nehmen, datz bei Mitteilungen jeder Art die Diskretion streng gewahrt werde. Insbesondere soll das im postalischen Verkehr zur Geltung kommen, wo Postkarten nur zu verwenden sind, wenn es sich um Mitteilungen handelt, die jeder Dritte unbedenklich erfahren kann. Verschlossene Briefe sind auch an alle Personen, die eine Unterstützung erbeten haben, zu richten. Schnurrig ist es, dass diese gewiss sehr löbliche Verfügung gerade von dem Polizeiminister ausgeht, der doch sonst nicht von Rücksicht gegen die Armen und Bedrückten überfliesst. Wir vermissen aber die Hervorhebung, dass diese Verfügung sich auch auf den Verkehr der Polizeiorgane mit dem Publikum bezieht. Vom Berliner Polizei Präsidium wurden bisher Postkarten indiskreten Inhalts zu vielen Tausenden verschickt. Die Berliner Armendirektion wird sich das hoffentlich ebenfalls ad notam nehmen. Hier und in anderen städtischen Ressorts ist selbst bei geschlossenen Briefen die Aufschrift „An den Almosenempfänger...." noch vielfach üblich. Eine gleichartige strenge Verfügung sollte der Justizminister an die ihm unterstellten Behörden ergehen lassen. Wir haben wieder holt geschlossene gerichtliche Briefe gesehen, auf denen ganz über flüssig links am Kopf des Umschlags stand:„Betrifft Entmündigung (folgt der Name des Adressaten)". Der Briefträger kann also bei der Bestellung sofort erkennen, daß hier etwas vorliegt, an dessen.Ge- Heimhaltung der Adressat ein dringendes Interesse hat. Endlich sei allen privaten Wohltätigkeitsinstitutionen äußerste Feinsühligkeit im schriftlichen Verkehr mit Bittstellern empfohlen. Auch hier wird noch sehr viel gegen das Ehrgefühl der Armut ge- sündigt. Die Berliner Grundbesitzer für die Eingemeindung der Vor- orte. In der am Freitag veranstalteten Protestversammlung der Berliner Grundbesitzer gegen den Zweckverband kam eS zu einer bemerkenswerten Stellungnahme des Grundbesitzes in der Ein« gemeindungsfvage. Während früher die Grundbesitzervcreine sich fast durchweg gegen die Eingemeindung erklärten, ist jetzt an- scheinend ein vollständiger Umschwung eingetreten. Sowohl in den Referaten, die vom Rektor Liverenz und den Stadtverordneten Flatow und Schulz gehalten wurden, wie auch in dem Beschluß kam das deutlich zum Ausdruck. In der Resolution wird der Zweckver- bands-Gcsetzentwurs abgelehm, weil er eine Schädigung Berlins und eine Gefährdung der Selbstverwaltung bedeutet. Dann heißt es wörtlich zum Schluß:„Als einzig ausreichendes Mittel zur Be- ieitigung aller aus dem Widerstreue der Groß-Berliner Interessen sich ergebenden kommunalen Uebelstände fordern wir nach wie vor eine Eingemeindung im großen Stile." Die Bierkutscher als Handlungsgehilfen. Die Frage, welcher Berufsgattung die Bierkutscher angehören, wird gegenwärtig im Hinblick auf die am borigen Sonntag in Berlin stattgefundenen Wahlen zum KaufmannSgericht in der Presse und in den Hand- lungSgehilfenverbänden eifrig diskutiert. Es scheinen da schlechte Berater vorhanden zu sein, denn sonst hätte diese Frage gar nicht akut werden können. Die Bierkutscher sind ganz selbstverständlich Handlungsgehilfen und waren berechtigt, an den Kaufmanns- gerichtswahlen teilzunehmen. Vor etwa zlvci Jahren ist in diesem Sinne vom Oberverwaltungsgericht entschieden worden. In einem Spezialfälle stellte das ÖberverwaltungSgericht ausdrücklich fest, daß die Bierkutscher infolge ihrer Tätigkeit als Verkäufer von Bier und Einkassierer zu den Handlungsgehilfen zu rechnen seien. Vor etwa einem halben Jahre war diese Frage auch in Magdeburg eine „brennende" geworden. Den Bierrutschern war vom Magistrat für die Kaufmannsgerichtswahl ein Ausweis verabfolgt worden und alle Proteste dagegen waren vergeblich. Die Berliner Kaufmanns» gerichtswahlen find daher nur dort für ungültig zu erklären, wo Bierkutscher, die ihr Wahlrecht ausüben wollten, zurückgewiesen wurden. Die städtische Straßenbahn, die das Virchow-Krankenhaus bezw. Stettiner Bahnhof mit dem Zentralvrehhof bezw. der Warschauer Brücke und Görlitzer Bahnhof verbindet, hat eine EntWickelung ge- nommen, die selbst Optimisten sich nicht haben träumen lassen. Wäh- rend bei der Gründung der Bahn Stimmen laut wurden, die sich gegen den Bau der Bahn wendeten und dieselbe als„Wüstenbahn" bezeichneten, steht es jetzt so, daß die Linie den Verkehr kaum noch bewältigen kann. Zu Zeiten müssen die Wagen zahlreiche Halte- stellen passieren, ohne das wartende Publikum zu befördern. Dieser Uebelstand hat sich in letzter Zeit so sehr verschlimmert, daß be- stimmte Kreise sich um Abhilfe an die städtischen Behörden gewandt haben. Wir hoffen, daß möglichst schnell den berechtigten Vorstellun- gen NechnMg gelrggen vixd.- ,i Zur Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild hat das hiesige Polizeipräsidium eine Zentralstelle eingerichtet, die vorläufig der Kriminalpolizei angegliedert ist und von dem Kriminalkommissar von Behr geleitet wird. Veranlassung dazu gab die Ueberhcrndnahrns der Verbreitung von anstößigen Bildern mit und ohne Text. In der Königlichen Kunstschule, Klosterstr. 75, ereignete sich am Freitag einige Minuten nach 9 Uhr vormittags ein Vorfall, der leicht zu einem schweren Unglück hätte führen können. Die Anstalt zeigt infolge der Unterm: nierung zum Zweck des Untcr- grundbahnbaues in der letzten Zeit allerorts zentimetcrbrciie Risse an den Decken, die immer bedrohlicher auftreten. Freitag vormittag nun stürzte plötzlich während des Unterrichts ein fast quadratmetergroßes, schweres Stück Dcckenstuck von der 7 Meter hohen Decke herab, durchschlug das dicke Reißbrett eines Mal- schülers und verletzte diesen an der Hand. Nur dadurch, daß der Betreffende sich zufällig nicht über das Brett gebeugt hatte, blieb er vor einer schweren Verletzung, wenn nicht gar vor dem Tode bewahrt.— Wir meinen, daß dieser Vorfall Anlaß geben sollte, alle Vorkehrungen zu treffen, damit ein etwaiges Unglück per- hütet wird._ Liebestragödie in der Uhlandstraße. In der Uhlandstraße 183 hat sich in letzter Nacht eine LicbcS- tragödie abgespielt, der eine junge' Zahnärztin zum Opfer fiel, während der Täter, ihr Bräutigam, in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause Westend gebracht werden mußte. In der zweiten Etage des Hauses Uhlandstraße 188 unter- hält eine Frau Eckert ein kleines Pensionat und vermietet einzelne Zimmer auf Tage und Wochen. Am vergangenen Montag mietete ein junger Mann ein Zimmer zunächst auf einen Tag. Er äußerte den Wunsch, nicht polizeilich gemeldet zu werden. Er behauptete, aus Halle a. S. zu kommen und Hermann Kersten zu heißen. Wider Erwarten seiner Wirtin blieb er auch noch die folgenden Tage in der Wohnung, zahlte die Miete pünktlich, wollte aber auch jetzt noch nichts von einer Anmeldung wissen. Gestern abe..d kurz vor Mitternacht kehrte er in Begleitung einer jungen Dame in die Wohnung zurück. Unmittelbar neben seinem Zimmer, nur durch eine dünne Wand getrennt, wohnte ein anderer junger Mann, der gegen Z�4 Uhr morgens durch ein lautes Stöhnen ge- weckt wurde. Er versuchte, in das Zimmer einzudringen, fand aber die Tür so verschlossen, daß er sie nicht öffnen konnte. Er holte infolgedessen die Wirtin und den Hausverwalter, die dann durch eine andere Verbindungstür nach dem Zimmer des vcr- meintlichen Kersten vordrangen. Bei ihrem Eintritt bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick dar. Im Bett lag ein völlig ent- kleidetes junges Mädchen, das kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Große Blutlachen im Bett deuteten darauf hin, daß der Toten die Pulsadern geöffnet worden waren. Auf dem Sofa lag, nur notdürftig bekleidet, der angebliche Kersten. Vor dem Gesicht trug er eine Chloroformmaske. Er war besinnungslos, gab aber noch schwache Lebenszeichen von sich. Es wurde sofort die Polizei benachrichtigt. Unter der Behandlung eines Arztes erlangte der Lebensmüde allmählich das Bewußtsein wieder. Die Polizei be- schlagnahmte zwei Briefe, die aus dem Tisch lagen und an An- gehörige gerichtet waren. Die Briefe gaben Aufschluß über die Personalien der beiden Unglücklichen. Es handelt sich um den neunundzwanzigjährigen, aus Breslau gebürtigen Studierenden der Zahlheilkunde Helmut Apt und um die aus Gumbinnen stammende zweiundzwanzigjährige Zahnärztin Helene Löwinsohn. Apt konnte einem Polizeibeamten bald nähere Mitteilungen machen. Er gab an, daß er und seine Geliebte beschlossen hätten, ge- meinsam in den Tod zu gehen, weil ihrer ehelichen Verbindung Schwierigkeiten von feiten der Eltern in den Weg gelegt wurden. Er habe deshalb seine Braut narkotisiert und ihr dann die Puls« ädern geöffnet. Um sich dann selbst mit Chloroform zu ver- giften, habe er eine Maske aufgesetzt. Nur die borzeitige Ent- deckung seines Planes habe seinen Tod vereitelt. Er wurde als Polizeigefangener nach dem Krankenhaus Westend gebracht. Die Leiche der Aerztin wurde nach dem Schauhause übergeführt. Die Eltern und Angehörigen der jungen Leute sind sofort tele- graphisch von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden. Als Abonnentenfang schlimmster Sorte kennzeichneten wir in einer in der Nummer vom 18. Januar enthaltenen Notiz die von einigen Zeitungen und Familicnolättern eingerichtete Abonnenten- Versicherung und belegten den Wert dieser Versicherung durch einen besonderen, neuen Fall. Daraufhin gingen UNS von einigen solchen Versicherungen, die mit Zeitungen in Verbindung stehen, Schreiben zu, mit dem kategorischen Verlangen um Veröffentlichung, in denen uns zugemutet wurde, für diese Versicherungen Retlame zu machen. Dazu hatten wir nicht die geringste Ver- anlassung. Gewendet hatten wir uns in unserer Notiz weniger gegen die Versicherungsgesellschaften, sondern gegen die Zeitungen mit der Abonnentenversicherung. Und wer die vor einigen Jahren im Deutschen Reichstage geführten Erörterungen über diese Art des Abonnentensanges verfolgt hat, wird wissen, daß sich die Regierungsvertreter und die Vertreter fast sämt- sicher Parteien im gleichen verurteilenden Sinne wie wir ausgesprochen haben. Wenn wir heute auf die Sache zurückkommen, geschieht eS, um einige Worte über den von uns veröffentlichten Fall zu sagen. Wir hatten mitgeteilt: „Eine Wittve in Spandau, deren Ehemann gestorben war, macht der Gesellschaft pflichtschuldigst von dem Sterbefall Anzeige. Darauf erhält sie die Mitteilung, die genauen Adressen der Aerzte anzugeben, bei denen der Mann vor seinem Eintritt in die Behandlung des letzten Arztes gestanden hat. Als ob es nicht genügt hätte, datz der Tod des ManneS in beglaubigter Form nach- gewiesen ist. Tot bleibt er, auch wenn die Gesellschaft weitz, datz der Mann noch ein halbes Dutzend Aerzte vorher konsulttert hat. Sechs Tage später erhält die Witwe eine Aufforderung, die Police einzureichen. Nicht jeder Abonnent achtet darauf, datz er auch eine Police haben mutz; nach den Reklamen nimmt er an, datz er ohne weiteres versichert ist, wenn er Abonnent ist. Und schlietzlich erhält die Witwe nach Westeren drei Wochen Wartezeit die Nachricht, daß die Ansprüche hätten abgelehnt werden müssen, weil der Ehemann bei Eingang der Versicheruna bereits das 55. Lebensjahr überschritten hatte. Voraussetzung sei aber, datz der Abonnent bei Ausstellung deS Versicherungsausweises diese Altersgrenze noch nicht überschritten habe. Wenn die letztere Behauptung richtig ist, warum hat man denn nicht gleich der Frau diese Mitteilung gemacht." Jetzt erhalten� wir einen eingeschriebenen Brief. auS welchem hervorgeht, datz die in obiger Notiz genannte Witwe nachträglich doch noch die 100 M. erhalten hat. Die Versicherungsgesellschaft„Deutschland", um die eS sich handelt, ist infolge unserer Veröffentlichung der Sache nochmals näher getrete» und hat nachträglich den Anspruch der armen Frau für berechtigt gefunden. Die Schuld daran, datz der Anspruch zuerst abgewiesen worden sei, soll an dem Reisenden liegen, der bei der Aufnahme unkorrekt vorgegangen sei. Das stimmfi mit dem an die Frau gerichteten Schreiben nicht überein, auch nicht mit einem an uns unftrm 23. Jamigr adressierten Briefe, IN dem eS miZdrücklich heißt: „fcle ordnungSgemähe Bearbeitung des SterdefalleS muhte daher bediugungsgeinäß zur Ablehnung des Anspruchs führen/ Warum gehtS nun? Freuen wir uns, daß wir der armen Frau zu den 100 M. verholfen haben, sie wird sie gut gebrauchen können. An unserer Ansicht über das Wesen der Abonnentenversicherung wird durch Auszahlung einer Prämie in diesem oder jenem Falle nicht das mindeste geändert._ Die Kn-chenteile zweier Menschenhände wurden gestern morgen an verschiedenen Stellen im Osten der Stadt gefunden. Als die Pförtnerfrau Klopstock aus der Frankfurter Allee 80 um Uhr Frühstück holen wollte, fand sie auf dem Hofe, dicht an der Ein- gangstür zum Borderhause, ein Paket liegen, das in graue Lein- wand eingewickelt war. Sie löste dies etwas und sah nun, daß sich darin Handknochen mit Fleischfasern befanden, die in Zeitungs- Papier eingeschlagen waren. Frau Klopstock übergab den unheim- liehen Fund dem Viehhofsarbeiter Brochnow, der ihn der Polizei des 65. Reviers überbrachte, ebenso drei kleine Knochen, die lose neben dem Paket lagen. Die nähere Besichtigung ergab, dag es sich wahrscheinlich um eine linke Frauenhand handelt. Eine zweite Hand in deniselben Zustand« fand man zwischen 6— 7 Uhr in einem Abteil 2. Klasse eines Stadtbahnzuges auf dem Bahnhof in Lichtenberg. Eine Untersuchung hat inzwischen ergeben, daß es sich um medizinische Präparate handelt, die ein Studierender weggeworfen hat. Das ist ein schon oft gerügter grober Unfug. Beim Milchaustragen erhängt hat sich der 1ö Jahre alte„Bolle- junge" Johannes Behringer, der bei seinem Stiefvater, einem Bäckermeister in der Ackerstraße, wohnte und seit dem I.November in dem Bolleschen Ziveiggeschäft in der Alten Sck>önhauser Straße 4/5 tätig tvar. Ter Junge bestellte die ganze Zeit über in Moabit und kam so jeden'Tag auch nach dem Hause Flemming- straße 12. Dort fand ihn gestern morgen um 8 Uhr ein Haus- bewohner im zweiten Stock des. Vorderhauses tot am Treppen- geländer hängen. Er hatte sich mit seinem Leibriemen erhängt. Was Behringer in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt. Er war ein bescheidener und fleißiger Junge, der zur vollen Zu- friedenheit des Geschäftes seinen Dienst versah. Daß er von dem Stiefvater hart behandelt worden sei, wird nicht nur von diesem und der Mutter, sondern auch von allen Hausgenossen be- stritten. Möglich ist, daß er sich die Krankheit seiner Mutter sehr zu Herzen genommen l)at. Die Frau geht an Krücken und lag vor kurzem erst wieder zehn Wochen im Krankenhause. Um Irrtümern vorzubeugen, wollen wir richtig stellen, daß der wegen denniiziaiorischer Gelüste gestern gekennzeichnete Tapezierer Zabel nicht Wichertstraße 51, wie mitgeteilt, sondern Wichertstr. 161 ün Beamleuhaus bei seinem Vater wohnt. Eine Begehung der Brandstelle in der Prinz-Albrccht-Straße zeigt jetzt, daß der Schaden am Kunstgewerbe- Museum und die Ausdeh- iiiuig des Brandes nicht so erheblich ist, als es von verschiedenen Blätiern dargestellt wurde. Nur ein Teil von dem Dachstuhl de« Mittelbaus ist vernichtet. Die Vorder- und Ouergebäude haben überhaupt nicht gelitten. Die Ateliers zeigen nur ganz ge- ringen Schaden von dem Eindringen des Wassers. Sie konnten schon gestern wieder in Benutzung genommen werden. Kunstgegen- stände sind überhaupt nicht beichädigt worden. Von den Mann» � schafien hat sich niemand krank gemeldet. Der Dachstühl soll iosort erneuert werden und dürfte m kurzer Zeit der ganze Schaden repariert sein. Zu dem Baunnfall in der Magazinstraße wird unS noch mit- icteilt. daß dabei unvorhergesehene Zufälle mitgewirkt haben. Zum Befestigen des Trägers seien zwei Böcke aufgestellt gewesen, auf die Bretter gelegt waren. Auf-dieien Brettern standen die Arbeiter mit den Trägern. Da eins der Bretter durchästet war, brach eS und die Arbeiter fielen mit den Trägern ab. Aus geistiger Umnachtung hat sich der Schriftsetzer Kohrs, Gerichlstr. 2, das Leben genommen. Familienangehörige des K. bitten uns. im Hvtbtickulmf-wisÄdlWeidtrNg'ÄübevlFrettdgsnuinmer mitzuteilen, daß K. ein fleißiger, ordentlicher Mensch war. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Bororte veranstaltet auch in dieser Woche wiederum hygienische Vorträge, die nachstehend aufgeführt sind. Der Zutritt ist für jedermann zu diesen Vorträgen unentgeltlich. Am Montag, den 20. Februar er., spricht H«rr Prof. Dr. Gra- bower in der S1./101. Gemeiudeschule, Gneisenaustr. 7, über das Thema:„Gesundheitspflege von Nase und Ohr". Am Donnerstag, den 23. Februar er., sprechen in den Aulen der nachbenannten Gemeindeschulen über das Thema:„Schutz und Pflege des Auges" Herr Dr. Tobias in der 247./262. Gemeinde» schule, Rigaerstr. 81/82, Herr Dr. Lasker in der 240./254. Ge- meindeschule, Waldenserstr. 26/26, Herr Dr. H. Levin in der 117./178. Gemeindeschule, Eberswalderstr. 10 und Herr Dr. Gurau in der 115./237. Gemeindeschule, Skalitzerstr. 55/56. Am Freitag, den 24. Februar er., sprechen über daS Thema: »Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen" Herr Dr. Adler in der 81./10g. Gemcindeschule, Tilsiterstr. 4/5, Herr Dr. Bod- ländcr in der 118./127. Gemeindeschule, in der Pankstr. 8, Herr Dr. Kuhn, in der 228./279. Gemeindschule, in der Pasteurstr. 5. In Boxhagen-Rummelsburg spricht am Dienstag, den 21. Februar cr., Herr Dr. Siefart in der Neuen Schule, Marktstraße, über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Ver- hütung".(Nur für Frauen.) In C h a r l o t t e n b u r g, in der 2. Gemeindeschule, Sophie Charlottenstr. 69/70, spricht Herr Dr. M. Lovy über daS Thema: „Hygiene des Ohres" am Mittwoch, den 22. Februar. In Köpenick spricht Herr Dr. M. Jakobsohn am DienStag, den 21. Februar cr., in der„Freiheit" über das Thema:„Verhütung von Geschlechtskrankheiten". In Friedenau-Steglitz, Sitzungssaal der Gemeinde- Vertretung, Gymnasium am Maybachplatz in Friedenau, spricht am Montag, den 20. Februar cr.. Herr Dr. A. Bernstein über das Thema:„VolkZernährung und Volkökrankheit". In Lichtenberg, Genieindeschule in der. Kronprirrzen- str. 10, spricht am Donnerstag, den 23. Februar cr., Herr Dr. Lilienthal über das Thema:..Geschlechtskrankheiten, ihre Entste- hung, Verhütung und Bekämpfung". Für Mariendorf-Tempelhof spricht am Donners- ckag. den 23. Februar cr., Herr Dr. Laserstein im Restaurant <1/ Löwenhagen, Mariendorf, Chaufseestr. 27, über das Thema: «.Krebs und Syphilis".(Nur für Frauen.) In Pankow, in der 2. Gemeindcschule, Grunowstraße, jspricht am Donnerstag, den 23. Februar cr., Herr Dr. Grosser lliber das Thenm:„Geschlechtskrankheiten und deren Folgen für die Ehe". In Reinickendorf, in der 3. Gemeindeschule in der tankower Allee, spricht am Mittwoch, den 22. Februar cr., Herr r. Löwenheim über daS Thema:„Hygiene der Atmungsorgane". In Rixdors, in der 9./10. Gemeindeschule in der Kaiser Friedrichstr. 4, gleich am Hermannplatz, spricht am Freitag, den 24. Februar cr., Herr D. M. Keil übe das Thema:»Welche Krank- heilen verbieten das Eingehen einer Ehe?" In Schöneberg, in der 10./11. Gemeindeschule in der Feurigstr. 61/62, spricht am Dienstag, den 21. Februar cr., Herr Prof. Dr. Rosin über das Thema:„Nierenkrankheiten". In Tegel, Gemeindeschule in der Tresckowstr. 26/31, spricht am Dienstag, den 21. Februar cr., Herr Dr. N. Brann über das Thema:„Die chronischen Beinleiden und ihre soziale Bedeutung". In W e i ß e n s e e, in der Gemeindeschule Langhansstr. 120, spricht am Freitag, den 24. Februar cr., Herr Dr. E. Levin über vas Thema:„Geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 8 Uhr. Wer ist die Tote? Am 14. d. M. sprang eine bisher unbekannt gebliebene Frauensperson am Bahnhof Tiergarten in den Land- wehrkanal und ertrank. Die Leiche wurde sofort gelandet und nach dem Schauhause geschafft. Beschreibung: 20—25 Jahre alt, 1,60 Meter groß, dunkles Haar, dunkle Augenbrauen, graue Augen, Nase und Mund gewöhnlich, rundes Gesicht, untersetzt. Das linke Bein ist steif und dick, am Oberschenkel befindet sich eine große Operationsnarbe. Die Verstorbene hat jedenfalls gelahmt.— Bekleidung: schwarzes Plüschjackett, graugestreifte Bluse, schwarzer Rock, schwarze Strümpfe, schwarze, halbe Lackschuhe, Weiße Wäsche ohne Zeichen, Barchentbeinkleid, braune Handschuhe.— Mitteilung nimmt jedes Polizeirevier sowie das Polizeipräsidium, Zimmer 346, zu 763 IV 55. II entgegen. Arbeiter-Samariterbund.— Kolonne Berlin. Montag, den 20. Februar, abends 9 Uhr, Uebungsstunde, 1. Abt., Dresdener Straße 45.— Freitag, 24. Februar, Monatssitzung der aktiven Mannschaft. Materialausgabe von 3 Uhr an.— Alle Gesuche betr. Ueberweisung von Samaritern zu Vereinsfestlichkeiten sind nur an den 1. Vorsitzenden P. Krause, Rix darf, Oker- st r a ß e 46, zu richten. Di« Vereinsvorstände bezw. Vergnügungs komitees wollen sich obige Adresse notieren, um Irrtümer zu ver meiden. Zur Bekämpfung der Schundliteratur und zur Förderung des Vertriebes guter Uuterhaltungslektüre. hat die Verwaltung des Gewerkschaftshauses folgende Ein- richtungen getroffen: 1. Anerkannt gute Jugendschriften zum Preise von 10 Pf. und in kleinerem Umfange auch zum Preise von 20 und 30 Pf. sind in größeret Anzahl angeschafft worden und werden leihweise gegen Deponierung des Preises zur Verfügung gestellt. 2. Die Ausgabe der Bücher erfolgt in den weiter unten an- geführten Ausgabestellen. Weitere Ausgabestellen werden noch er richtet, so daß die Bücher in allen Stadtgegenden zu haben sind. 3. Jedermann erhält ohne Legitimation so viele Bücher, wie er will. Er hat entweder den Wert der Bücher zu deponieren, oder ereitsfrüherentnommeneBücherzurückzugeben. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben. 4. Wer die Bücher behalten will, hat dazu das Recht, er hat dann bei Entnahme neuer Bücher wiederum den entsprechenden Br trag zu deponieren. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, gute Unterhaltungsschriften aus billige und bequeme Weise zu erwerben. Es sind folgende Ausgabestellen eingerichtet, deren Bekannt» gäbe wir heute teilweise noch einmal wiederholen wollen: Gewerkschaftshaus: Zigarrengeschäft von Horsch. Von 8—6 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Gewerkschaftshaus: Gewerkschaftskommission. Von 9— 1 und 4—8 Uhr. GewerkschastshauS: Verband der Bäcker. Von 9 bis VA Uhr. GewerkschastshauS: Verband der Glaser. Von 8—11 und 5—8 Uhr. GewerkschastshauS: VerbandderSattler, Mittwoch und Freitag von 4— TA Uhr. Blankenfelde-Straße 10; Verband der Schuhmacher. Dienstag und Mittwoch von 5— TA Uhr. Gewerkschaftshaus: Verband der Tapezierer. Von 10—1 und 5—8 Uhr. Brunnenstraße 115: Arbeiter-Jugendheim. Von 6 bis 10 Uhr. Elisabethstr. 11: Verband der Fleischer. Von 10—1 und 5— 7 Uhr. Große Frankfurter Straße 126: Arbeiter-Jugend- heim. Von 6—10 Uhr. Gartenstr. 101: Verband der Kupferschmiede. Von 10—11 und 6—7 Uhr. Linienstr. 73: Verband der Schmiede. Von 0�—12 und 654—8 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Linienstr. 215: Verband der Fabrikarbeiter. Von 9— 12 A und 4— 7�4 Uhr mit Ausnahme des Sonnabends. Melchiorstr. 28: V e rba nd d e r Ma l e r. Von 9— 1 Uhr. Sebastianstraße 37/38: Verband der Schneider. Von S-,1.Uhr. �. Verein der Frauen und Mädchen der arbeiten- den Klassen. Vor und nach jeder Versammlung. » Eine Ausstellung der zur Ausgabe gelangenden Bücher befindet sich im AuSstellungS- räum des Gewerkschaftshauses(Eingang B, Erdgeschoß, neben den Bureaus des Holzarbeiterverbandes). Diese Ausstellung ist bis auf weiteres jeden Sonntag von 5—8 Uhr geöffnet. JÄermann hat freien Zutritt. Vorort- JSadmebtem Rixdorf. Emen Elteruaiend veranstaltet am Sonntag, den 26. Februar, abends 5>/, Uhr, im Gesellschaftshause von Felsch, Knesebeckstraße, der Jugendausschuß der Arbeiterschaft Rixdorss. Einwittskarten für Jugendliche unter 13 Jahren a 10 Pf. und für Erwachsene a 20 Pf. ind im Jugendheim in der Jdeal-Passage, bei Bergmann, Aller- straße 46, und bei Frau Frieda Schulte, Niemetzstr. 1?, zu haben. Lankwitz. Aus der Gemeindevertretung. Da der Gemeindevertreter Berlinicke wieder unentschuldigt fehlte, wurde beanwagt, den- selben zur Niederlegung seines Mandats zu veranlassen. Der Ge- meindevorsteher versprach, sich mit dem Herrn in Verbindung zu setzen. Bei der Besprechung des ZwangSzweckverbandeS wurden verschiedene Wünsche ausgesprochen, dieselben sollen durch den Gemeindevorsteher an maßgebender Stelle unterbreitet werden. Das Rechnungsjahr 1909 weist eine Einnahme von 543 563,63 M. und eine Ausgabe von 545 234.89 M. auf. Die Gebührenordnung der Gemeindekanalisation wurde abgeändert; es soll die Personensteuer ganz fallen gelassen und die Beiwäge in Zukunft nach dem GebäudesteuernutzungSwert berechnet werden. Für 1911 gelangen 88/« Proz. zur Erhebung. Die Ausgaben im Etat für 1911 sind gegen daS Voriahr um zirka 100 000 M. gestiegen, wovon die Schulden den größten Teil (580 000 M.) beanspruchen. Die Ausgaben beim Gymnasium haben sich um 14 000 M. erhöht, bei einem Mehr von 20 Schülern. Die höhere Mädchenschule erfordert eine Mehrausgabe von 24 000 M.. bei einer Erhöhung von 120 aus 140 Schülerinnen, ttotzdem dieselbe in Räumen der Gemeindeschule untergebracht ist. Bei der baldigen Er- bauung eines eigenen Heims werden sich diese Ausgaben noch bedeutend vermehren. Die Straßenverwaltung erfordert 10 000 M. mehr infolge Erschließung neuer Gebietsteile; auch sollen die Löhne der Swaßen- arbeiter ausgebessert werden. Bei der Festsetzung der Löhne versuchten unsere Vertreter, dieselben auf eine einigermaßen aus- kömmliche Höhe zu bringen. Es wurden jedoch alle«nttäge, auch die auf Verkürzung der Arbeitszeit. Einführung von Wochenlöhnen und später auch Erhöhung der vorgesehenen Stundenlöhne, abgelehnt. Bei dieser Gelegenhnt tat sich besonders der bürgerliche Vertreter der dritten Klasse, Herr Wulf, hervor. Der Herr erklärte, die Arbeit der Swaßenarbeiter sei nicht so schwer. Luch dem Antrage auf Gewährung von Ferien wurde nicht zugestimmt; man will erst Erkundigungen bei anderen Gemeinden einziehen. Nach dem Antrag der Finanzkommission sollen erhalten: Vorarbeiter und Gärtner im ersten Jahre 45, vom dritten Jahre 47, vom sechsten Jahre 49 und vom neunten Jahre ab 52 Pf. pro Stunde, Swaßenarbeiter mt ersten Jahre 40, vom zweiten Jahre 42. vom vierten Jahre 44. und vom siebenten Jahre ab 46 Pf., die Spülkolonne im ersten Jahre 43. vom zweiten Jahre 45, vom vierten Jahre 47 und vom siebenten Jahre ab 49 Pf. pro Stunde bei täglich zehnstündiger Arbeitszeit. Der Polizei» etat erhöht sich gegen das Vorjahr um 6600 M. Die Anstellung von zwei Polizeisergeanten wurde von der Mehrheit gutgeheißen. Genosie R a d t k e wandte sich hiergegen und verlangte dafür die Einstellung von mehr Nachtwächtern, da die bisherigen drei für den ausgedehnten Ort zu wenig seien. Genosse T e u r i g kritisierte daS Verhalten eines Polizeibeamten» welcher sich mit Gewalt Eingang in das geschlossene Vergnügen des Arbeiterturnvereins verschaffen wollte. Der Gemeindevorsteher erklärte, daß er das Vorgehen des Beantten in dieser Art nicht gutheiße. Mariendorf. Bon Bülow bis Bethmann Hollweg, von Bassermann bis Wiemer, lautete das Thema, über das Genosse Fritz Z u b e i l in einer bei Preuß tagenden überfüllten öffentlichen Versammlung referierte. Besonders zahlreich waren die Frauen vertreten. Der Referent beleucbtete in seiner fast zweistündigen Rede in vorweff- licher Weise das schamlose Treiben der Blockgesellschaft, wodurch Arbeiter wie Mittelstand so schwer betroffen werden; immer weitere, den Aermstcn treffende Steuerlasten seien im Anzüge. Wem bis zur kommenden Reichstagswahl die Augen nicht aufgehen, meint der Referent, dem ist nicht mehr zu helfen, der habe nichts anderes ver- dient als die Knute. DaS Referat lohnte reicher Beifall. Zum Schluß fand eine vom Genossen Jeserich verlesene Re« solution, die u. a. die Aufforderung zum Abonnement auf den.Vor« wärtS", sowie zum Eintritt in die politische wie gewerkschaftliche Organisation enthielt. Annahme. Ncu-Zittau(Kreis Beeskow). In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins wurden zunächst als Delegierte zu der heute stattfindenden Kreisgencral- Versammlung die Genossen Schulz und Lyahn gewählt. Nach einer regen Diskussion über die zukünftige Agitation wurde beschlossen, am 26. Februar in Wernsdorf, im„Gasthof zum Oder-Spree- Kanal", eine öffentliche Versammlung abzuhalten. Eine anrc- gende Diskussion rief die Frage„Partei- und Gewerkschaftsorgani» sationcn" hervor, in deren Verlauf ein inniges Zusammenarbeiten beider Organisationen gewünscht wurde. Nikolassee. Die Eisenbahndirektion hat. wie in der Gemeindevertretung mit« geteilt wurde, eine VerkchrSverbesserung zugesagt. Eine solche liegt im Interesse aller westlichen Vororte hinter Zehlendorf, die bei weit« gehenden Beziehungen mit Berlin an verschiedenen Tageszeiten direkt unter einer Verkehrsmisere zu leiden haben. Es sollen noch Verhandlungen gepflogen werden, um weitergehende Verbesserungen zu erzielen. Zu dem erwäbnten Rathausbau lagen zwei Entwürfe vor, von denen die Vertretung den dcS Professors Möhring wählte. Dieser soll zur Ausführung gelangen, wenn sich die Herstellung für 130 000 M. ermöglichen läßt. Die Heimstälten-Aktiengescllschaft stellt dazu am Hohenzollernplatz ein lft, Morgen großes Gelände zur Verfügung und gewährt 75 000 M. Zuschuß. Es wurde ein OrtS» statut beschlossen über die Reinigung der Straßen und Plätze durch die Gemeinde. Die Kosten in Höhe von 21 000 M. sollen von den Grundbesitzern durch Umlage bei einem Preise von 80 Pf. jährlich pro laufenden Meter gedeckt werden. Potsdam. Mit mehr als 7 Millionen Mark schließt der Etat für das neue Etatsjahr vom 1. April 1911 ab. Davon entfallen auf den ordent- lichen Etat(einschl. der Stiftungen) 6 596 490 M. Die Einnahmen aus den sämtlichen Gemeindcabgaben, bei den gleichen Sätzen wie im Vorjahr, sind angesetzt mit 1796 300 M. Von den gewerblichen Unternehmungen, die das Rückgrat des neuen Etats bilden, sollen ein Mehr einbringen: Das Elektrizitätswerk 91 700 M., die Straßen» bahn 38 000 M. und das Wasserwerk 5000 M. Nebensche Kranken, uud Sterbckasse Nr. S, gegründet 17SS. Heute von 2 bis 7 Uhr Zahl- und Aufnahmetag bei Römer, Elisabethktrch» swaße 14. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für de» Reichstags» Wahlkreis Züllichau-SchwirbuS- Krassen-Sommerfeld.(OrtSvereü» Berlin.) Dienstag, 21. Februar, abends ö'/« Uhr, bei Böhm, Koppe» straße 47: Versammlung._ Bnefkaften der Redahtion. Dt« fttClfttfd» Soreibfinnv« f.nvti ijiudea Ur» h» Nr. 69. bor» »ter Trcvven— Kadrftulil—. wockitniäalia, vo»?>/, Ildr abtnv?, Coimobcnb« von-l'/ä bis 6 Uh> nachmitiaaS ftutt. Jeder für den Briefkasten bestimmten ilnfraa- ist ein Bnibftad» nud eine Zahl als Viert» «riibev veuntüften. Brieflich« Slutwar» wird nicht erteilt. Eilig» Krage» trag» man in der Svrechstnud« vor. K. S4. 1. Ja. 50 Pf 2. Frauenleiden und deren Verhütung, mit einem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschast, von Dr. Zadel, er» hälllich in der Buchhandlung Vorwärts.— F. P. 1911. 1. Nein. Zu» ständig dürste die englische Gesandtschast, Säilbdmstr 70, sein. 2. Gesandtschast, Kursürstenstr. 106. 3. Gesandtschaft, Lützowstr. 33.— F. G. 90. Zulässig außer Sonnabends. An diesem Tage darf die Arbestszeit höchstens Stunden dauern und muß spätestens b Uhr nachmittags endigen.— Dh. P. 15. Richten Sie die Ansrage an die Berliner Handelskammer, Dorothccnstr. 7/8.— S. 90. 1. und 2. DaS zweckmäßigste ist, sich an den Bund für Mutterschutz, GeschästSstelle: WilmerSdors, Trautenaustr. 20, Gh. zu wenden. 3. Der AdoptionSoerttag ist zu notariellem oder aerichllichem Protokoll zu erklären. Die Kosten richten sich nach dem Obzekt. 4. Ja, wenn sie großjährig ist. S. KeburtSurlunden und Militärpaptere. ES kann auch ein Ausweis über die StaatSzugehörigheit gefordert werden.— H. S. 801. 1., 2. und 4. Können Sie Probe tauf nachweisen, so können Sie aus Rückzahlung und Abnahme Nagen. 2. Bei stehendem Gewerbe: nichts. — M. D. 775. ES besteht wohl die russische Kolonie— Tegel, Tegeler Landstraße—. die wir aber nicht empfehlen können.— 31. I.». In der Buchhandlung Vorwärts„DaS VeccinSgesetz, erläutert von Wolsgang Heine", Preis SO Ps, geb. 75 Ps., erhälllich.— Auguste 20. Wcnn die cherige Zustimmung des KassenvorsiandeS nicht eingeholt ist, hat die sse nur die statutarischen Mindestleistungen zu gewähren.— L. III. Dazu reicht der Raum deS BrieskastenS nicht auS.— 0 G. B. Polizei- Präsidium.- P. S. 100. 1. Aus 1908 verjährt. 2. Ja.— E. B. 35. 1. D. Bitter. Zentrum. 2. 1903: Kons. 2213, Nall. 8997, Soz. 6371, Welse 12373, Stichwahl: Nall. ,4S6l. Welse 14133. 1907: Natt. 13909, Zentr. 13559, Soz 6471, Welse 544, Stichwahl: Zentr. 18059, Natl. 17036. — 8. G. 28. Wenden Sie sich an Herrn Zepmeisel, Rixdors, Hermann- straße 177.— I. T. 25. Wenn daS Mädchen tündigl, ist die Kürzung des Lohnes um den entsprechenden Betrag zulässig.— 8. Bö. 37. Nein. — M. B. 2. 1. Ja, wenn Nachlaß der Mutter vorhanden war. 2. Mit Vollendimg des 21. Lebensjahres. 3. An den Vormund, eventuell an das VormundschastSgericht.— Miuke. An daS Polizeiprästdium.— G. D. 100. Die Kosten mußten zu Lasten des Gesamt nachlasse» gehen.— F. G.. Weitzensee. Nein.— R. S. K. An daS deutsche Konsulat.— Ebel 13. Befragen Sie einen Fachmann.— E. K. 1. 1. Die Befragung ist möglich. Richten Sie vor dem Termin an da» Gericht ein Gesuch um Abstandnahme. 2. Wenn Ihr persönliches Erscheinen an- -ordnet ist: ja. 3. Etwa 30 M.— Y. 274. 1. Der Vater als gesetzlicher Zertteler de» Sohnes muß intervenieren. 2. und 4. Ja. 3. Nein.— Ober-Schönewetde Nr. 5. Mund.— AdlerShof VI. Der Zögling ist unsere» ErachtenS an den Vertrag über daS 21. Lebensjahr hinaus nicht gebunden.— W.®. 100. Ihr Mann muß an den Vorsitzenden der Ver- anIagungSkommission einen Antrag aus Erlaß der Steuern richten.— K. 8. 200. Die Kündigung ist wirksam.— O. E. 10. 1. Ja. wenn eS eigenhändig ge- und unterschrieben und mit Ortsbezeichnung und Datum versehen ist. 2. Zwecks Erüsfnung muß eS dem Nachlaßgcricht eingereicht werden. 3. Reim— I. K., 8ichtenberg. Die Frau soll die Sache dem VormundschastSgericht vortragen.— G. M. 3. ES ist Aussicht auf Er- halt des Scheines.— 35. 2. Di- Kasse ist zahlungspflichtig.— B. S. Leider nicht.— N. Sch. 793. Sie müssen Bescheid erhalten. Reichen Sie ein Gesuch ein.______ «itterunaSuberNwi vom 18. Februar 1911. moraeu» 8 Uvr. p— Sf iamtmti"51 Still Hamburg 1752 33 »erlw'752 S« jJtanfl.a-K 761 SW München 176633 Wien'76033 Bettei — Regen 5 Regen 3 bedeckt 7 bedeckt 6 bedeckt 8 Regen «ÜB ä* 5» w« Ii S_ w-si Iii Bf 21 Ä Ii Havaranda 742 N Petersburg 726 NW Scrllh ,764 WSW Werde« Parts 745 SSW 767 SSW 2 heiter 3 Schnee 5 Nebel 1 Regen 3 bedeckt —13 10 8 9 «ettrrvrognofe für Sonntag, den 19. Februar 1911. Etwas kühler, zeitweise aufklarend, aber vorwiegend noch trübe mit geringeren Niederschlagen und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterburea» Acht»»!,: i, WaUkreis. Acht.».«? Dienstag, den 31. Februar, abends 8'� Uhr, in TräselsFcstsälcn, NcneFriedrichstr.SS: Große öffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: l.„Deutschlands Lebeusvedingungeu". Referent: ReichstagSkaudidat Siiciailiij Wrls Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, .....(Laden).------------ " iL Mir empfehlen: Wilhelm Düwell. 2. SUIuirion. 3. Verschiedene». Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Petermann, Nitterstr. 49. 3. Wahlkreis. Dienstag, den 31. Februar 1911, abends 8 Uhr: Große Kolks Versammlung in den Kommandantenstr. 58/59. Tages-Ordnung: 213/7» t. Wer treibt Katastrophenpolitik? Referent: Reichstagskandidat HVUl». Pfannkitcli. 2. Freie Aussprache. _ Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Einberufer: 6ug. P»KI, Naunhnstr. 30. Seehster Wahlkreis. Sonntag, den 1». Februar, abends S'/z Uhr: lm\ öffentl. politische Yersanimluntjen für Männer und Frauen 1. In den Pharussälen, Müllerstr. 142: Dortrag b. Genossen Redakteurs Düvell-Dresden über: Moderne TchulkÜMpse. 2. Im Swineumuder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42: Bortrag des Genossen Redakteurs Georg Schmidt über: FttgettderAiehUNg. Nach den Dersammlungets: Gemütliches Beisammensein und Tanz. 225/14 Die Einberufer: Theodor Buchholz, Brüsseler Str. 47. _ Julius Marschner, Swinemünder Str. 70. Seehster Wahlkreis. Dieustaa, den 31. Februar, abends 8V2 Uhr, in der Berliner Bock-Branerei(Abt. II), Chauffeestr. 94: Seffentliche politilche Versammlung. Tages-Ordnung: i Die Uerfaffungsfrage'»Glsaß-Kothringen Referent: ReichStagS-Abgeordneter I�edSÜDOUr. 2. Freie Diskussion. 225/3»___ Der Einberufer: S. I o s e p h, Tieckstr. 34. Pitt einem Tlnhang; Die Verhütung der : Sehwangersehaft: Von Dr. Z. Zadek. sviir zahlreichen Illustrationen. Preis 50 Pfg., ungekürzte Volksausgabe 20 Pfg. Wie sehr diese Schrisl einem Bedürf- niscntipricht, zeigt die Talsache, dah bereits Exemplare abgesetzt sind. Up. Timmel Zpeziai-�rU* für Haut- und Harnleiden. PrinzenstF. 41, 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 WM Homokord doppelseitig bespielt. Ornastes Repertoire in Starkton- Platten nach unserem neuen System: Dreiiacbe Lautstärke. Detailpreis... M. 3.— „Rubin-Records" doppelseitig bespielt. Oetallprela.. IM. 2.— Man verlange überall„HOMOKORD. PLATTEN" und„BU8IN.REC0RD S". Katalog gratis und iranko durch die Homophon-Company Benin c. so 6. m. b. N. KlostsrstrasseS 6 Soeben erschienen: Neue Arbeiter-Lieder (Männer-Quartetts.) SoiHraUer WM CHifciig. Am Dienstag, den 21. Februar, abends 3'/, Uhr, sindct im großen Saale des Bolkshauses, Rosinenstr. 3, die ��KütglicdGN-Vs-'sammlunN�T des WahlverciuS statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Simon äatesostöia über:„Die Arbeiter- bcwcginig und ihre Feinde- t 2. Berichterstattung von der Kreis- Generalversammlung. 3. Wahl der Delegierten zur Perbands-Gencial- Versammlung Grosi-Berlins. 4. Verschiedenes.__ 2öo;ö SjQT* Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Eischcinen erwartet Her Vorstand. OOiil!. politische Ukchmmlling. Wir laden hiermit alle Haudwerker, Gewerbetreibende und Gcschiiftöteute zu einer 223/4 Versammlung: ein. die am Dienstag, de" 31. Februar, abends 8'/- Uhr, in den„Sophiensälen", Sophien- strafte 17/1&, staltfindet, in der der Reichstags-Abgeordnete des 3. Serlmer Unhibreises Robert Schmidt über das Thema referieren wird: Ürniiilttkliier- und Mittkißandssnist«. Nach dem Vortrage: Freie Aussprache. Zahlreichen Besuch erwartet Ner Einbernfcr. W. Fröbel, Marienburgcr Stratze 3/4. Achtung! Ächtung! Montag, den SO. Februar, abends 8 Uhr: kroße öffentliehe Volksversammlung in I bei Obiglo, Schwedter Str. 23—24. TageS-Ordnung! t. Vortrag deS Genosicn»erthold«ahn:»Die Stellung der Anarchisten zu den bevorstehenden Rcichstagswahlen.« 2. Freie Aussprache. 228b Um zahlreiches Erscheinen ersucht !anda-Verein der föderierten Anarchisten. it.: ködert«Ulier, Berlin, An'tamer Str. 21. propa�s 226b AHIIiuitSusaeliS 5 Renheltt Schlager! STcnhelt! *mmmm 10-Pf.-lllassenartlkel. ma�mnn Biesenmnsatz für Straßoniiiiidlerl KoSoelageroi Prenzlauer Allee 10. Filiale Berlin. Dienstag, den St. Februar 4914, abends SVa NHr, in den PrachtsSlcn„Alt-Berlin", Blumcustr. 19: General-Berfammlung. TageS-Ordunngi 1. Kassenbericht. 2. Jahresbericht. 3. Neuwahl der OrtSv erwallung. 4. Antrag der Funktionäre: Anstellung eines dritten GeschästSsührerS. 5. Auistellung eines Kandidaten zum Internationalen TexUlarbeiterkongreg. ö. Verschiedenes. - Mitgliedsbuch legitimiert.. 137/3 Um zahlreiches Eischeinen ersucht Per Vorstand. med. Xsrl kelnbardts sperlsl-äretiieiis Institute tiir Iii' Geschlechtskrankheiten Hant-, Harnleiden, SchwUche- "ä» Neanderslialie II""» v°""°".'s'al''ckc PolsJamai Slraße 117~ Für Frauen von 3 bis»/,s utr. VollkommeRstes kombiniertes HcilvorfahreR. Nachweislich unerreichte Oanorcrfolgc in Verhältnis- rnäSig kurzer Zeit. Um sich vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zu schützen, verlange man ausführliche Broschüre in meinen Instituten oder durch die Post(yerschloss. Kuvert) gratis und fnmto, Ehrlich- Hata I »er uachste Herren-fortrag findet statt am I Donnerstag, den 23. Februar, abends'/»'O Uhr, in den Armin- hallen, KommandantenstraOe 58/59, mit Demonstrationen von naturgetreuen Waohsmodellen über: 241/10 Harnleiden und Syphilis(Ehrlich-Hata 606) Eintritt Fragcbeantwortnng! Verwaltung Berlin. Lichtbildervorträge über „Die historische EntWickelung der Künste und die modernen Bestrebungen im Handwerk". Montag, SO. Februar, in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5/7. Dienstag, Si. Februar, im tZewerlesehattsbause, Engcluier 14/15. Mitttooch, 22. Februar, in Frcyers Festsillen, Koppenstr. 29. Nnfang pünktlich 8'/, Uhr. Eintrittskarte» werden nicht verkauft. Zutritt habe« alle Mitglieder und ihre Frauen. �— Mitgliedsbuch legitimiert.=====1 Die Kollegen werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Donnerstag, den 23. Febr., im Gowerkschaitsdaas, Engelufer 14/15: Cici)tbildervortrag für Kinder. Zum Vortrag kommen:„Wanderungen durch die Alpen" mit Ivo besten Bildern. Zum Schlug: Märchen, Erzählungen«. humoristische Darbietungen. Eröffnung um«'/, Uhr. X Ansang pünktlich um 3 Uhr. MS Legitimation dient eine Einlastkarte, welche die Kollegen für ihre Kinder bei den Beilragssammlern und im Bureau erhalten. Die Karten losten nichts, jedoch wud nur eine beschränkte Zahl ausgegeben werden. Mp- Kinder unter i) Jahren können nicht zugelassen werden.*VMi Um recht rege Beteiligung wird ersucht. sf»TS;: Großes Blinterfeit VwÄÄ' BillettS a 50 Pf. werden von den Beitragsammlcrn und im Bureau ausgegeben. Achtung, Vertrauensleute! Die Zahlstelle 55 ist von Skalister Straste 55 nach Mariannen st raste 41 bei Schofitag verlegt worden. MgUsäer Versammlungen. Kistenmacher. Mittwoch, den SS. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Booker, Weberstraste 17. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2, VerbandSangelegenheit«. 3. Brai.chenangclegenheiten. Kamm- und Zelluloidarbeiter. Mittwoch, de» SS. Februar, abendS 8 Uhr. im Gcwcrkschatts- hanso, Engelnfer 44/45(ArbeitSivsensaul). wtiid Tagesordnung: t. Bericht über die Tätigkeit der Branchen« leitung. 2. Verbands« und BrauchenangelegenHciten. Bürsten- und Pinselmacher. Mittwoch, de» SS. Februar, abendS 8'/, Uhr, bei PreoB, Holzmarktstraftc 65. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Eanghammcr über:.Die wirtschaftlichen Bestrebungen der Arbeiterschaft und wer nnterstüstt dieselben.« 2. Vcrbandsangelegenheiten. Jalousienarbeiter. Mittwoch, den SS. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Boeker, Webcrftraste 17. Tagesordnung: 1. Vortrag dcS Kollegen Fendel über' »Politische Streiftichtcr.« 2. Branchcnaiigclcgenhciten. Bodenleger. Mittwoch, den SS. Februar. abendS 8 Uhr. im Gcwerksehafts- hause, Engelnfer 14/15(Saal 3). Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der Branchen- leitung. 2. VerbandSangelegenhctten. Stellinacher. Donnerstag, den LS. Februar, abendS 8'/, Uhr, im Rosea- thaler Hof, RofeutHaler Str. 11/13. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Hildebrandt über:»Die Ursachen der Teuerung.« 2. VerbandSangclegenheiten. 73/4_ Die Ortsverwaltung. Zentralwerein der Bildhauer. Montag» den 20. Februar, abends 8 Uhr, im Restaurant Fürstenhof, Köpenicker Straste 137/438: Außerordentliche Generalversammlung. TageS-Ordnung: 1. Wahl des ersten Vorsitzenden. 2. Zustellung unserer Zeitung und Aenderung der Abendburcaustimden. 3. Verschiedenes. 20/3 Zahlreichen Besuch erwartet_ Per Vorstand, Bauhandwerker- Krankenkasse für Berlin und Umgegend.—(Eingeschriebene HilsSkasfe Nr. IIS.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der. Ausschuß sich nach der Neutvahl gebildet und zum Vorsitzenden Gustav' Lehmann, 0. 112, Schreinerstraße 16, 4 Treppen, gewählt hat. 38/2 An denselben sind alle Beschwerden gegen Entscheidungen des Vorstandes nach§ 18 Absatz 4 der Kasscnsatzungcn zu richten.___ Der Vorstand. Charlottenburg» SHjyf t-mmnrnn ÜVIlmersdorter Straße 19 ■ noifmann,=== Eoke schuistraße= empfiehlt sein reichhaltiges Lager von Kinse�nnngs- Anzügen, so1ngÄ|äbst Herren- und Knaben-Bekleidang, Maß- Anzüge aus den modernsten Stoffen von 45 M. an In eigener Betrlebswcrkstatto. ZentralveriiandderHausangesteilten Sonntag, de» 19. Februar, in Kudes Feftsälen(Irühe�fillorzisla), Alle Jakobstrafte 73 I: VSenstboten»Versammlung. Vortrag von Herrn Redakteur Paul Joh» über daZ Thema: �Vt«, ver- »««nei'n vetr«»»«»'« �rdvlt»vvi'l,irltiil!«»v? Freie AuZIprache. Nachdem: vW" Gemiittiches Beisammensein. Saalöffnmig 6 Uhr. sSSS/Ls_ Anfang 7 Uhr. Steinarbeiter. Spnntag. de» 19. Februar, nachm. S Uhr, im Englische» Garte«, Alexanhcrstr. 27 a: Kombinierte Bersammlnng mit Frauen. Tagesordnung: Vortrag dcS Genossen Willi. Slerlng über„Die politische liOgC". Räch dem Vortrag GeMliMeS SeiSAMMellSöj» Tanz. Rege Beteiligung erwartet[17J/5*] Dia Orttverwaltnng Verband der Brauerei- und Mühlenarbeiter und verwandter Berufsgenossen. Geschäftsstelle: 0. 54, Mulackstr. 10 I. Zahlstelle Berlin. Fernsprecher: Amt 3, 4518. Gruppen-Versammlungen. Handwerker, Maschinisten, Heizer, Handwerkerhilfsarbeiter, Kohlenschieber und Mschmierer! Montag, den 20. Februar 1911, abendS 8 Uhr, im GewerkschaftShauS. Engeluser IS, Saal III. Tage»»Ordnung: 1. Vortrag. 2. Sah! der Cruppenteltung. S. VervandSangelegenheiten._______ Flaschenkellerarbeiter und Verschiedene! DienStag, den Sl. Februar, abendS 8 Uhr. im Englischen Garten, Alexanderstr. S7o, großer Saal. T ages. Ordnung r l. Vortrag. 2. Wahl der Gruppenleitung. ». VerbandZangelegenhelten._ Fahrpersonal, Hofarbeiter u. Stallente! Donnerstag, de» 83. Februar, abends 8 Uhr» im Getverkschaftshans, Engeluser 15, Saal I. TageZ-Ordnung: Aussprache über die bei der Behörde de- aniragte:„Einschränkung des Bierausfahrens an Tonntagen.« 2. Wahl der Gruppenlettung. 3. Verbandsangelegenhelten. Weiß- und Malzbierbranereiarbeiter! Freitag, de» 81. Februar, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShauS, Engewfer 15, Saal XI. Tage». Ordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl der GruPPenleltung. S. Verbandsangelegenheiteu._______ Brauer nnd Hilfsarbeiter im inneren .Betriebe! Sonntag, de» 8«. Februar, nachmittags 8 Uhr, bei Boeker, Weberstr. 17. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des VerbandSvorfltzendea Koll. Etzel über:„Geschichtliches auS der Eutwtckelung der Brauerei- arbeiteroraanisationen«. 2. Wahl der GruPPcnleitung. 3. Verbands- angelegenhetten._ Miihlenarbeiter!"MW Montag, de» 87. Februar, ab endS 8 Uhr. im Gewerkschaftshaus, Engeluser 15, Saal III. TageZ-Ordnnng: 1. Vortrag des stellvertretenden Verbands- Vorsitzenden Koll. K ä p p I e r über:„Uuternehmer-Berbände«. 2. Wahl der Gruppenleit"ng. S. VerbandSangelcgenhclten. 42/S Kollegen! Die wichtige Tagesordnung macht eZ Euch allen zur firengstcn Pflicht, Mann für Manu in diesen Bersammlungen zu rr- scheinen._ Die OrtsTenraltnng. erger Organ deS Arveiter. Stenographenverems.GabelSberger"(Reichsverein. Gegr. 1895), einziges Arbeiterblait in GabelSbergerscher Stenographie. Er- scheint monatlich 16 Oktavseiten stark, sehr ichitne Autographie. Jeder stcnographiekundiae Parteigenosse sei Abonnent. Jahresabonnement 8,59 9)1.(auch tu Briefmarken). Abonnement-Anmeldung übeniimmt die Administration: Wim 7, Wimbergergasse 39, Oesterreich(Franz Stubianek). Lrietlleker Stenographie-Untemebt wird erteilt und find Anfragen zu richtm an Leopold Podrazil, Wim 15, Märzstr. 124, Oesterreich. l7n,5nsaI neueste Fassone b. 155 cm lang, eokl Stander riUlIiluiflüIcl onolUah. Saal. Veleura, Wellplüech, Aelrachan, aut Seide und Halbseide gefertigt, zum Teil für den vierten Teil der traheten Preise: 122, SS, 71, 41 M, tssr iSMMei Mehrere Ständer Mahreia Ständer stände? FtaBeniäQtel ä Mehrere Ständer äSa'PlII-KlllfcBilll'pÄSIÄSS B «on 15 M. aoiaogend bis 820 M,(»aisenpreie das Vlartaoha I)— WdtaMieida xZZ * O.-» I o ar 5<2 o Iii ZT- letzt a. T. für 78.62.45. 26.18.12.9, 6.50 1 Neue Frühjahrs- Modelte 1911 1 □ ia allen AbtellaogeD) e.T. bedeutend unter Preis I 1[*1 Einsegnangs-KIelder Sonntag geOltael 8—10, ht— 8. u. entsprechende Kenlshtien Wr Damen jeden Allen! IBBBBBBBBBBBBBBBBBHBBBBBBBBBEh —p——————— miioi umiyoic, on ony«ooid r t oisd.-------——■- i----■- i.——,»» b. . verantwortlicher ftetaftejjr; SiKord VartS» Berlin. Sür den LnjergtkLtsil vsrsvtw.1 ZA.VloLe.Verliv. DrllckikBttlag; Korwartz BuSdrwZerei» Berlagsanjlalt IkauI Siog« Berlin SM, Pr. 43. 28. Zahrgaas. 4. Stilaic des Jotmärfs" Knlim MUlott Sonntag, 19. Ftbrvnr 1911 dochai-8p{clplan der Berliner Cbeater. KSnigl. Opernhaus. Sonntag: Königskinder. Montag: Die Zauber« flöte.(Ansang 7'/, Uhr.) Dienstag HDer Barbier von Sevilla. Mittwoch: Königslinder. Donnerstag: Die Zauderflöte. Freitag: La Traviata. Sonn- abend: Tristan und Isolde.(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Die Zauberslöte. Montag: Königskinder.(Ansang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Stbrensried. Montag: Ein Schritt vom Wege. Dienstag: Der Ztrampus. Mittwoch: Der Störenfried. Donnerstag« Die Räuber.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Ew Schritt vom Wege. Sonnabend: Der Kausmann von Venedig. Sonntag: Der Stören- sricd. Montag: Die Journalisten. Deutsches Theater. Sonntag: Hamlet. Montag: Ein Sommer- uachtstraum. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch: Der Arzt am Scheide- wcge. Donnerstag: Othello. Freitag: Faust. Sonnabend: Don Carlos. Sonntag: Judith. Montag: Ein Sommernachtstraum. Deutsches Theater(K a m m er i p i e l e). Sonntag: Der Riese. Montag: Gawän. Dienstag: Der Riese. Mittwoch: Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Donncrstagnochmittag: Scheerbart, Matinee. Abends: Lanzelot. Freitag: Der Riese. Sonnabend: Lanzelot. Sonntag: Der Riese. Montag: Gawlln.(Ansang 8 Uhr.) Lrssing-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Wenn der junge Wein blüht. Montag: Die Ratten. Dienstag: Anatol. Mittwoch: TantriS der Narr. Donnerstag: Einsame Menschen. Freitag: Die Ratten,«onnabcnd: Die Kinder.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonn- tagnachmittag 3 Uhr: Das Konzert. Abmds: Die Kmder. Montag: Anatol.(Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Rind. Abends bis Sonnabend: Der Lcibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Kind. Abends: Der Leibgardist. Montag: Der Leibgardist. (Ansang VI, Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sonntag: Das kleine Schokoladenmädchcn. Montag: Iphigenie aus Tauris. Dienstag: Das kleine Schokoladen- mädchen. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Faust I. Teil.(71/» Uhr.) Donnerstag: Alt-Heidelberg Freitag, Sonnabend und Sonntag: Das kleine Schololadenmädchen. Montag: Iphigenie aus Tauris.(Ansang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Einer von unsere Leut'. Abends und jolgende Tage: Bummclstudcntcn.(Anfang 8 Uhr.) Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Nathan der Weise. Nächsten Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Der Veilchcnsresser. Mends und Montag: Bummel- sludenten.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang Modernes(Hebdel-) Theater. Allabendlich: Der Feldherrnhügel' (Ansang 8>,. Uhr.) .Komische Oper. ToSea. Mends: Die Bohbme. Montag: Tiefland. Dienstag: Die FlederniauS. Mittwoch: Hoffmanns Erzählungen. Donners- tag: Tiefland. Freitag: Die Fledermaus. Sonnabend: Die Boheme. Sonntagnachmittag 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. AbendS: Tosca. Montag: Tiesland.(Ansang 8 Uhr.) Ausstellnngstheater am Zoo. Montag bis Sonntag: McherS. Ansang 8ff, Uhr. Thalia-Theater. Bis aus weiteres täglich: Polnische Wirtschaft. An- sang 8 Uhr. Schiller- Theater«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der Himmel ans Erden. Montag: Das Urbild des Tartüff. Dienstag: Der Bund der Jugend. Mittwoch: Der Himmel aus Erden. Donnerstag: Der Kaiser. Freitag: Das Urbild des Tai tüff. Sonnabend: Ein idealer Gatte. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Der Bund der Jugend.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlotteuburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Maria Magdalene. Montag: Nathan der Weise. Dienstag: Der Kaiser. Mittwoch: Maria Magdalene. Donnerstag: Nathan der Weise. Freitag: Wallcnstcins Lager. Die Picco- lomini. Sonnabendnachmittag: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Maria Magdalene. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Hom- bürg. Abends: Nathan der Weise. Montag: Die Macht der Finsternis. (Ansang 8 Uhr.)! Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Krieg im Frieden. Abends: Einheirat. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Einheirat. Mittwochnachmittag: Kriemhilds Rache. Abends: Cyrano von Bcrgcrac. Donnerstag: Einheirat. Freitag: Einheirat. Sonnabend: Hosgunft. Sonntagnachmittag: Wilhelm Tell. Abends: Cyrano von Bergerac. Montag: Einheirat.(Ansang 8 Uhr.) NeueS Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. Allabendlich: Die schöne Risetle.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengcl. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die geschieden« Frau. Sonntagabend bis Dienstag: Das Puppcnmädel. Von Mittwoch bis Sonnabend: Die lustige Witwe. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein Walzertraum. Abends: Wohltötigteitsfest.(Ansang 8 Uhr.) Trianon-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der heilige Haw MendS und bis nächsten Montag: Hippolhtes Abenteuer. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupincl. Nesidenz-Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Kümmere Dich um Amelie. Allabendlich: Pariser Menu. Ansang 8 Uhr. Berliner Bolls-Oper. Sonntagnachmittag S'l, Uhr: Zar und Zimmermann. AbendS: Die Dollarpnuzessin.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Waffenschmied. Dienstag: Die weihe Dame. Mittwoch: Das Pen- flonat von Sorrent. Donnerstag: Die Dollarprinzesfin. Freitag: Jaemi». Der Troubadour.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Die Hugenotten. Sonntag- nachmittag 3>/, Uhr: Die weihe Dame. AbendS: Der Trompeter von Sättingen.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Waffenschmied.(Ansang Luisen. Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Millionenjung«. Abends: Der jüngste Leutnant. Montag bis Sonnabend: Das groh« Licht. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Hosen des Herrn von Bredow. Abends: Der jüngste Leutnant. Montag: Das grohe Licht.(Ansang 8 Uhr.) Lnftspiclhans. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends bis Donnerstag allabendlich: DaS Objekt. Freitag und Soun- abend: Meyers.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Leutnantsmündel. Abends: Meyers. Metropol- Theater. Allabendlich: Hurrat»» vir leben noch! Ansang 8 Uhr. Herrufeld-Theater. Täglich: Eine verlorene Nacht,«r, Sie und Er. (Ansang 8 Uhr.) Nose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Don Carlos. MendS und Montag: Der Hcrrgottsschnitzcr von Animergau. Dienstag: Lorberbaum und Bettelstab. Mittwoch: Der Herrgottsschnitzer von Ammergau. Donners- tag: Lorbeerbaum und Bettelstab. Freitag: Der Hcrgotlschnitzer von Ammcrgau. Sonnabend: Lorbeerbaum und Bettelstab. Sonntag und Montag: Der Herrgottschnitzer von Ammergau.(Ansangst Uhr.) JolicS Eaprice. Allabendlich bis aus weiteres: Der Feldwebelhügel. Anfang 8'/« Uhr. Zlpollo-Tbeater. 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