Ur. 46. flbonncmentS'Bedingungcn: Abonnements■ Preis pränumerando! Liertcljährl. 3�0 OT(., nionatl. 1,10 Mt., wöchentlich 23 Pffl. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- nmnmer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Well' 10 Psg. Post- slbonnenicnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Vreisiislc. Unter Arcuzband sür Deutschland UN» Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monut. Postabonnemcnls nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Numänien, Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. crtWiit täglich außer Glontags. 5�� Verlinev VolKsblelkt. Me sn!erNon5-eed0hf veirügt sür die sechsgespallene Kolonel- geile oder deren Rauin 50 Psg., für politische und gcwerlschafllichc Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigcn 30 Psg. �Ulelne?n--ig-n", das erste ssctt- gcdrucklc) Wort 20 Psg., jedes weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort S Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmillagsinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SszialiitincKrat kerli«". Zcntvalorgan der rozialdemohrattfchcn Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68. Linden Strasse 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984* IRci(l}sfinanzen und Militarismus. 11. Die im vorigen Artikel gemachte Aufstellung würde kein vollständiges und auch kein richtiges Bild ergeben, wenn man die Ausgaben für die Marine außer acht lassen wollte. Die Ausgaben hielten sich in den ersten Jahren des Bestehens des Reiches in vergleichsweise bescheidenen Grenzen. Das änderte sich bald nach dem Regierungsantritt Wilhelms II. Von da ab gingen die Ausgaben für die Marine sprunghaft in die Höhe, im kommenden Etatsjahre betragen sie 458 263 756 M., mit den üblichen Etatsüberschreitungen wird also die halbe Milliarde voll. Die Marineausgaben haben sich in folgender Weise entwickelt: Dauernde Einmalige Außerordentliche Betrag in IVOS Mark 1 Das ergibt eine Summe von rund 5157 Millionen Mark. In dieser Summe sind allerdings auch die Ausgaben für das Schutzgebiet Kiautschou enthalten, die bis jetzt die Höhe von 150 Millionen Mark erreicht haben, so daß an reinen Marine- ausgaben, das Etatsjahr 1911 eingeschlossen, sich 5 Milliarden Mark ergeben. Schließlich kommen noch hinzu die Kosten für das im Jahre 1900 errichtete Reichsmilitärgericht im Betrage von 6688 400 M. Die Totalausgabcn für militärische und maritime Zwecke seit 1872 ergeben somit die ungeheuerliche Summe von 28 177 771 600 M. Wie stellen sich nun diese Ausgaben zu den Einnahmen des Reiches? Die Haupteiunahmen, die fortgesetzt eine Ver- mehrung und eine Steigerung erfahren haben, sind Zölle, Steuern und Stempelabgaben. Die Entwickelung dieser Ein- nahmequellen bietet, nach Jahrfünften berechnet, folgendes Bild: 1872-1875 Zölle... 432 403,4 Millionen Mark Steuern.. 482 670,7.» Stempel.. 22 912.4._ Summa Zölle... Steuern.. Stempel.. Summa Zölle... Steuern.. Stempel.. Summa Zölle... Steuern.. Stempel.. Summa 917 986,5 Millionen Mark 1876—1880 634 915,1 Millionen Mark 698 248,4 35 051,6„, 1368 275,1 Millionen Mark 1881—1885 1 043 611,8 Millionen Mark 755 516,6 98 925,5 1 898 053,9 Millionen Mari 1886—1890 1485 469,2 Millionen Mark 960 527,0 167 957,9 2 603 944,1 Millionen Mark 1891—1895 1 821 036,2 Millionen Mark 1 356 391,8 200 037,8._. Zölle. Steuern Stempel_ Summa 3 387 405,4 Millionen Mark 1896—1900 tölle... 2 278 096,7 Millionen Mark leuern.'. 1 565 197,1,, Stempel.. 331 627,6.. Summa 4 174 921,4 Millionen Mark 1901—1905 aßlle... 2 616 635,4 Millionen Mark teuern.. 1 632 442,6., Stempel.. 263 929,3 Summa 4 512 407,3 Millionen Mark 1906—1910 Zölle... 3 009 273.3 Millionen Mark Steuern.. 2 170 485,8.„ Stempel.. 312 204.0 Summa 5 491963,1 Millionen Mark Bemerken wollen wir dabei, daß die Stempelabgaben, die den Einzelstaaten überwiesen werden, außer Ausatz geblieben sind. Das Reich hat seit 1872 eingenommen an Zöllen, Steuern und Stempelabgaben 24 355 016 800 Mark. Sonach hat das Reich 3 822 754 800 Mark für Rüstungszwecke mehr ausgegeben, als es aus seinen drei Haupt-Einnahmequellen eingenommen hat. Deutschland hat in derselben Zeit 5000 Millionen Mark Schulden gemacht, die fast völlig für Rüstungszwccke verwendet worden sind. Zu den mannigfaltigen Kulturaufgaben, die das Reich lösen und fördern soll, fehlen die Mittel. Selbst im Etat des Reichsamts des Innern waren einige Jahre hindurch Aus- gaben enthalten, die angeblich wissenschaftlichen Zwecken dienen sollten, in Wirklichkeit aber militärischer Natur waren. Für Kulturaufgaben stehen die sehr schwankenden Ueberschüsse der Reichspost, der Reichseisenbahnen, die Einnahmen aus dem Bankivesen usw. zur Verfügung, lauter Einnahmen, die auf unsicherem Boden stehen. Kein Wunder, wenn das Reich für Kulturzwecke keine Mittel hat. Die Ausgaben für Militarismus und Marinismus haben aber die Tendenz, fortgesetzt zu steigen. Jede Erhöhung der Zölle verteuert die Ernährung der Mannschaften, ver- teuert die Fourage, verteuert schließlich auch die Be- kleidung und den sonstigen Unterhalt. Die neue Militär- Vorlage ist ein Schulbeispiel, wie der Militarismus wirtschaftet. Nach der amtlichen Vorlage kostet die neue Hceresvermehrung 104 Millionen Mark, nach den Berechnungen, die dem Referenten der Budgetkommission vorgelegt werden mußten, belaufen sich die Kosten auf 141 Millionen. Die Heeresverwaltung war sich darüber von allem Anfang an klar, trotzdem ließ sie die Oeffentlichkeit in dem Wahn, daß die Vorlage„nur" 104 Millionen Mark Kosten verursache. Wohin, so lautet die nüchterne Frage, treiben wir, wenn diesen ungeheuerlichen Rüstungen nicht endlich Einhalt getan wird? Der Militarismus ist das Unglück nicht nur des deutschen Volkes. Diese Ockonomie ist die Wirtschaft eines Bankrotteurs. An den blitzenden Bajonetten hängt der Fliich darbender Massen. denen man den letzten Bissen Brot verteuert hat, um diesen Rüstungen frönen zu können. Dem Abgrund zu— geht die Fahrt, wenn das deutsche Volk sich nicht endlich ermannt und einen Reichstag wählt, der den Mut hat, der Regierung zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Das liegt gleicherweise im Interesse der Kultur, im Interesse des deutschen Volkes, im Interesse der Bewegung, die zum Völker- frieden führen soll und muß.» ein ßauchrutfclier-tilo. Mit Stangen und Spießen sind die protestantischen Theologen ihren Getreuen in den Tagen des Kulturkampfes vorangegangen, um den«römischen Feind des deutschen Wesens", den.PapiSnius" und.UltramontaniSmuS" zu bezwingen. Im Andenken an«unseren Martinus Luther" durchfochten die evangelischen GottcsmSnner lärm- volle Schlachten mit den«uliramontanen Reichsseinden", riefen sie das«ganze evangelische Volk" auf gegen die„Römlinge". Und ruhten nicht eher, als bis sich der unbeteiligte Zuschauer sozusagen in die Zeiten der heftigsten mittelalterlichen' Religionskämpfe zurückversetzt fühlte. In dem Kulturkampfgetöse aber wuchs da? Zentrum heran zu seiner jetzigen Machtstellung. Kein Wunder, daß jetzt ein Blatt folgende überlegene Abfertigung der„Antirömlinge" vornehmen kann: «Wir leben wieder in der Zeit des ödesten Kultur- kampfphrasentums. Dem lendenlahmen Frei- sinn wie auch dem blutarmen Nationalliberalis» m u S soll das«evangelische Bewußtsein" frisches Leben zu- führen. Deshalb gehts Tag für Tag gegen den schwarz-blauen Block, deshalb schließt Naumann jede seiner Reden mit der Aufforderung zum Kampf gegen«Ritter und Heilige", gegen «Junker und Pfaffen". Wie oft habe ich in den letzten Wochen aus liberalem Munde Urteile über das Zentrum gehört, die daS Maß des Erlaubten weit überschreiten. Kein gutes Haar findet man am Zentrum, alles schlecht, alles vernichNmgswürdig, da hört man: das Zentrum ist eine kulturfeindliche, internationale vom Papst und den Pfaffen dirigierte Partei, eine Partei mit vaterlandsfeindlichen Tendenzen und vaterlandsverräterischen Plänen.— So redet der Liberalismus heute über das Zentrum. Und wie urteilt er über die Parteien, die, wie die Kon- fervativen, Deutsch- und Christlich- Sozialen eine solche elende heuchlerische Hetze nicht mitmachen, hier und da, wo eS die Verhältnisse gebieten, taltiich mit dem Zentrum wie mit jeder anderen nationalen Partei zusammengehen? DaS sind «Hörige, Vasallen, Schleppenträger und Knechte dcS Zentrums und der Ultramontanen". Man muß zugeben, daß der Verfasser den Standpunkt des Zentrums mit Geschick vertritt. Selbst die programmgemäße An- kündigung des neuen Kulturkampfes fehlt nicht. Unsere Leser werden nun zweifellos der Meinung fein, das Blatt sei ein waschechtes Zentrumsorgan. Tatsächlich aber ist das Blatt, das so geschickt den ZentrumSstandpunkt vertritt,«Die Arbeit", ein Organ der evangelischen Stöcker» p a r t e i I«Die Arbeit" ist das Sprachrohr des evangelischen Lic. Mumm, der evangelischen Abgg. Behrens und Burk» h ar d tl «Daß du die Nase im Gesicht behältst!" würde«Entspekter" Bräsig erstaunt ausrufen. Eine Zeitung der Jünger des«teueren Gottesmannes Adolf Stöcker", den seine Verehrer den«zweiten Martin Luther" genannt haben, besorgt die Geschäfte des„papistischen" Zentrum?, als habe die«Lerche von Wittenberg" niemals einen Kampf gegen Rom geführt. Nach einer jahrzehntelangen Aufstäche» lung der konfessionellen Leidenschaften endet der«Kultur« kämpf" mit einer vollendeten Kniebeuge der«Po« s i t i v e n Evangelischen' vor dem Zentrum I Ein famoser Treppenwitz der Weltgeschichte. Vielleicht werden wir demnächst lesen, daß die Herren Lic. Mumm, Behrens und Burkhard! in den Schoß der allein wahren, alten Kirche zurückgekehrt sind. «Aus purem Mandatshunger", so behauptet die»Arbeit", schürten die liberalen Kulturkämpfer den konfessionellen Streit. Mag stimmen. ES gibt aber auch böse Menschen, die behaupten, nur «aus purem Mandatshunger" poussierten zurzeit die evangclijchen Stöckerlinge den„römischen Erbfeind". In S i e g e n ist nämlich Herr Lic. Mumm, in Wetzlar Herr Behrens, im W e st e r» wald Herr Dr. Burkhardt aus die— �ZentrumSstimmen angewiesen, wenn sie in den Reichstag gewählt werden wollen! Und wenn Paris eine Messe wert war. so sind drei ReichstagSmandate doch mindestens daS Bauchrutschen vor dem Zentrum wert. Es muß außerordentlich erhebend ans die jahrzehntelang gegen den«ultramontanen Reichsfeind" aufgepeitschte» Evangelischen wirken, nun zu sehen, wie«selbstlos" die Nachfahren Martin Luthers ihr Schild über das Zentrum halten. Von den Blüten, die bisher schon die Wahlangst zeitigte, ist diese eine der lieblichsten. Zum rliMh-chiiMche» Konflikt. Trotz des orientalisch-höflichen Tons und der scheinbaren Bereitwilligkeit, den Wünschen entgegen zu kommen, gibt doch die Antwort Chinas auf die bekannte Note Nußlands ganz deutlich zu verstehen, daß die Nachgiebigkeit Chinas ziemlich beschränkte Grenzen haben wird. Zwar anerkennt die chinesische Regierung manche Forderungen Rußlands als berechtigt an und erklärt sich bereit, alle vertragsmäßigen Vorrechte und Privilegien Rußlands in China austecht zu erhalten,— so die Exterritorialität der russischen Untertanen, die russische Tarif- autonomie an der chinesischen Grenze, das Recht Rußlands, in gewissen Gegenden Chinas und unter bestimmten Be- dingungen neue Konsulate zu gründen. Die chinesische Ant- wort betont jedoch scharf, daß die chinesische Regierung einer Erweiterung der russischen Vorrechte nicht zustimmen werde und daß bei der Erneuerung des allgemeinen Ver- träges eine Revision der Verhältnisse und Bestimmungen stattfinden müsse, da in der letzten Zeit neue Bedürfnisse entstanden seien— namentlich infolge des Ausbaues der russischen Eisenbahnen und der Ausdehnung des chinesischen Handels im allgemeinen. Diese Nebenbemerkungen über die Revision der alten Bestimmungen sind für die russische Regie- rung das unangenehmste. Denn gerade eine Beschränkung der russischen Vorrechte in China wollte man durch jene Droh- note verhüten. Im Jahre 1881, als der letzte allgemeine Vertrag mit China geschlossen wurde, war Rußland inistande dank den Siegen in Zentralasien die nördliche Grenze Chinas zu besetzen und der chinesischen Regierung Bestininiungen zu diktieren. Allein der Vertrag ist auf 30 Jahre geschlossen und muß im laufenden Jahre erneuert werden. Die bevor- stehende Revision des Vertrages mit China hat eine gewisse Rolle in der Annäherung Rußlands an Japan gespielt. Nachdem die Vereinbarung mit Japan zustande gekonimen, glaubte sich Rußland von nettem stark genug, um der chinesi- schen Regierung gegenüber drohende Töne anschlagen und durch kleinere Vorstöße gegen die chinesische Grenze auf China einwirken zu können. Nur eins fehlte noch. um unmittelbar nach der Schließung des Vertrages mit Japan schärfer gegen China vorzugehen: man wußte noch nicht. wie sich Deutschland im Falle eines ernsten Konfliktes verhalten werde. Die Potsdamer Zu» sammenkunft brachte auch in dieser Hinsicht Beruhigung. Daß neben der persischen Frage auch die chinesische w Pots- dam besprochen wurde, bestätigt jetzt auch ein Teil der offi- ziösen russischen Presse. Herr S a s 0 n 0 f f träumte bereits von neuen Begünstigungen und Erweiterungen der Handels- Privilegien in China; man hoffte im fernen Osten Revanche für die im nahen Osten erlittenen Verluste nehmen zu können, als sich Gerüchte verbreiteten, daß die chinesische Regierung ein Vertragsprojekt ausgearbeitet habe, das bestimmt sei. die Rechte Rußlands in China bedeutend zu beschränken, und daß sie entschlossen sei, bei den Vee- Handlungen mit Rußland den Grundsätzen dieses Projekts zu folgen. Nun suchte man durch die Drohnote die chinesische Regierung einzuschüchtern, jedoch wie es scheint, ohne vollen Erfolg. Tie„patriotische" russische Presse ist über die Antwort Chinas empört. Man nennt sie sogar„eine direkte Provo- kation". Die„Nowoje Wremja" bedauert, daß die russische Diplomatie von Anfang an so„milde" und zurückhaltend vorgegangen, daß man sich mit einem„Halbultimatum" begnügt hat. Viel besser wäre es gewesen, ein richtiges Ulti- matuni zu stellen und demselben eine wirksame„Aktion" folgen zu lassen. Wie leicht wäre zum Beispiel, Kuljdscha zu besetzen. Kuljdscha ist übrigens nicht das einzige:„Gibt es denn so wenig Gegenden, die direkt an unserer unendlichen Grenze liegen und China gehören?"„Was hindert denn, anstatt mit einem„Halbultimatum" zu operieren, bloß ein paar ganz kurze Zeilen an das Militärkomnmndo in Turkestan abzuschicken?" „Ja. was hindert denn?" Nun, das weiß Herr Sasonoff sehr gut und auch die„Nowoje Wremja" könnte> es wissen. Alle Mittel des Staates müssen doch zur Bekämpfung des inneren Feindes— z. Z. der Studentenschaft— verwendet werden, zum Teil auch das Militär selbst. Für den äußeren Feind bleibt nichts mehr übrig. Man wird sich also wohl hüten, bei der gegenwärtigen Lage einen Krieg zu riskieren. Politische Qcbcrlicbt. Berlin, den 22. Februar 1911. Brandmarkung der Klassenjustiz. Ans dem Reichstag, 22. Februar. Die Weiter- siihrung der Justizdebatte steigerte sich heute zu einer Brand- markung der gesamten Klassenjustiz in einer mehrstündigen Rede des Genossen S t a d t h a g e n. An dem Schicksal der unglücklichen Mutter, die wegen Schulversäumnis ihrer Kinder in Haft gesetzt und da verbrannt war, zeigte er,. welche furchtbaren Folgen die Nichtbeachtung sozialer Verhältnisse in unserer Rechtspflege haben muß. Der Feldzug, den das preußische Kultusministerium gegen die sozialdemokratischen Turnlehrer eröffnet hat, ist ein neuer Beweis dafür, wie diese Verwaltungsbehörde in der Verfolgung politischer Gegner sich selbst über Richtersprüche hinwegsetzt. Die letzteren Ausführungen mußten das Gebiet der Verwaltungsgerichtsbarkeit streifen, auf die der Staats- sekretär des Reichsjustizamtes keinen Einfluß hat. Das ver- anlaßte den Präsidenten Spahn wieder einmal, einen Versuch zur Einschränkung der Debatte zu machen. Doch gelang es Stadthagen, nachzuweisen, daß er nicht aus dem Nahmen der zulässigen Erörterungen herausgeraten war. Nachdem Stadthagen dann noch an einer Fülle politischer Tendenzprozesse die Voreingenommenheit der Verwaltung besonders gegenüber der Sozialdemokratie erwiesen hatte, forderte er zum Schluß energisch, daß beamtete Verbrecher nicht straflos ausgehen dürften und daß auch deren Be- günstiger in Amt und Würden zur Verantwortung gezogen werden müßten. Der Präsident Schultz erteilte ihm deshalb einen Ordnungsruf. Als nun aber der Staatssekretär L i s c o den Ordnungsruf zum Vorwand nahm, um sich der fachlichen Beantwortung der Stadthagenschen Angriffe zu entziehen, protestierten die Sozialdemokraten entrüstet über diese„D r ü ck e b e r g e r e i", welchen Ausdruck der Präsident Schultz auf Anweisung Liseos abermals mit einem Orb- K U n g s r u f quittierte. � t Die Anklageliste gegen die Rechtspflege wurde dann noch durch den Polen Senda vervollständigt, der die. tatsächlich -in den östlichen Provinzen bestehende Rechtsungleichheit der polnischen Bevölkerung alS einen Beiveis dafür anführen tonnte, daß die„Justiz eine Dienerin der Politik" ist. Selbst der Freisinnige Dr. Müller- Meiningen. fand schwarze Flecke in der Rechtspflege. Schließlich ging die Debatte ohne einen ernstlichen Verteidignngsversuch der Regierung zu Ende. Morgen beginnt der M i l i t ä r e t a t. Scharfmacher Breitenbach. Der preußische Eisenbohnminister von Breitenbach ist ein Herr völlig nach dem Wunsche der Schlot- und Krautjunker, ein Herr, dessen soziale Einsicht etwa den Anschauungen des Mittelalters entspricht, der. anstatt den Arbeitern und Unterbeamten ausreichende Löhne zu zahlen und ihnen ihre staatsbürgerlichen Rechte zu ge- währleisten, ängstlich darüber wacht, daß nur ja und ja nicht Löhne gezahlt werden, die die der Industriearbeiter übersteigen, und auf der anderen Seite den Arbeitern willkürlich ihre Rechte nimmt und sie als Ersatz dafür mit Wohltaten abspeist. Diesen Standpunkt nahm er auch am Mittwoch wieder ein, wo da? Junkerparlament sich über die Verhältniste der Beamten und Arbeiter der Staatseisenbahnverwaltung unterhielt. Die Zahl de« Personals ist eine so gewaltige, daß es dem Minister ein leichtes wäre, vorbildlich zu wirken. Aber das tut er nicht; einmal deshalb nicht, weil ihm das soziale Verständnis fehlt, und zweitens tut er es nicht wegen der„gottgewollten" Abhängigkeit vom preußischen Dreiklastenparlament. Erlauben ihm doch die Agrarier noch nicht einmal die Einstellung von Landarbeitern in den Eisenbahnbetrieb, damit ihnen keine Arbeitskräfte entzogen werden I Kein Wunder, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse allmählich so schlechte geworden sind, daß selbst Vertreter der bürgerlichen Linken lebhafte Klogen erheben. So tadelten die Abgeordneten Schroeder(natl.) und D e l i u S(Vp.). daß noch Löhne unter dem ortsüblichen Tagelohn gezahlt werden und daß manche Kategorien von Unterbeamten und Arbeitern gar zu schlecht gestellt sind. Die beiden konservativen Parteien freilich stimmen in diese Klagen nicht ein, ihrer Ansicht nach hat der Eisenbahnminister in erster Linie die Aufgabe, die Politik der Scharfmacher zu betreiben, was denn Herr v. Breite nbach auch bereklwilligst tut. Er stellt die Eisen- bahnen in den Dienst des Kampfes gegen Polen und Sozialdemo- kraten. Die Klagen des Abg. Korfanty(Pole) über die Nadelstichpolitik in den Ostmarken und über die zum KorruptionSfondS ausgestaltete Ostmarlenzulage tat er ebenso leicht ab wie die zahl- losen Beschwerden, die unser Genoste Leinert in l'/z stündiger Rede vorbrachte. Es ist charakteristisch, daß die Eisenbahner sich. seitdem Vertreter der Sozialdemokratie ihren Einzug in den Landtag gehalten haben, an sie als die Männer ihres Vertrauens wenden. Alle Beschwerden, die unS aus den Reihen der Beamten und Ar- beiter der Eisenbahnverwaltung zugehen, auch nur in gedrängter Kürze vorzutragen, würde, wie unser Redner treffend bemerkte, seine physischen Kräfte übersteigen. Leinert beschränkte sich deshalb auf das äußerste, aber auch in dieser Kürze bildet seine Rede eine ge- wältige Anklage gegen das System Breitenbach, jenes System, das guf Kosten der Arbeiter und Beamten hohe Ueberschüffe erzielt. Die Erwiderung des Ministers war schwach. Er hielt eine seiner bekannten Scharsmacherreden, die darauf hinausläuft, daß er sein Personal bor der Berührung mit den Feinden der staatlichen Orb- nung bewahren müffe und daß im übrigen alles in bester Ordnung sei. WaS braucht sich der Minister auch Mühe zu gebenl Was hat er ins- besondere nötig, auch nur den Versuch einer Widerlegung derBehauplungen des sozialdemokratischen Anklägers zu machen I Weiß er doch, daß die Mehrheit des Landtages— nicht etwa die Mehrheit des Volkes— auf seiner Seite steht und seine scharfmacherische Haltung billigt! Der beiden konservativen Parteien ist er ebenso sicher wie des Zentrums. Er stützt sich auf den schwarzblauen Block, der im Notsall auch noch von einem Flügel der Nationalliberalen Ver- stärlung erfährt. Am Donnerstag soll der Eisenbahnetat zu Ende geführt werden. Die Statthalterfrage in Elsaft-Lothringcn. Der jetzige Statthalter von Elsaß-Lothringen hat gestenr ein großes Souper gegeben, zu dem auch 41 Abgeordnete des Laichesausschusses erschienen waren. Im Verlause des Abends ergriff Graf von Wedel das Wort zu einer Kaiserrede. Er meinte: „Und nun. meine Herren, lassen Sie uns des Kaisers gedenken, der bald auf eine 23jährige Regierungs- zeitzurückblicktundderebensolangedieStaats- gewalt in Elsaß-Lothringen ausübt. Da es der ritterlichen, zielbewußten und pflichttreuen Auffassung seines Be- rufes entspricht, hat Seine Majestät vom ersten Tage seiner Re- gierung an unserem Lande seine volle und warme Sympathie und seine hingebende Fürsorge gewidmet, und so ist es denn ebenso begreiflich als hocherfreulich, daß die Bevölkerung dieses Streben richtig erkennt und daß die Liebe zum Kaiser feste Wurzeln geschlagen hat. Beweis dafür ist der wirk- lich spontane und herzliche Empfang, der Seiner Majestät be- reitet wird auf seinen Pfaden durch das Land in allen Orten seitens der Einwohnerschaft. In dem geraden, jedem Gemachten abholden Charakter des Volkes aber liegt die Bürgschaft für die Echtheit dieser Kundgebungen. Hierin erblicke ich zugleich aber auch den Ausdruck der Erkenntnis, daß es ein unschätz- barer Vorteil nach innen und außen ist, unter dem unmittelbaren Schutz und der fürsorgenden Obhut eines mächtigen Staatsoberhauptes zu stehe n." An sich bietet diese Rede wenig Bemerkenswertes; sie er- hält ihre Bedeutung erst durch den Kommentar, den die halb- offiziöse„Straßburger Post" diesen Aeußerungen hinzufügt: ein Koinmentar, der zweifellos nicht in der Redaktion dieses Blattes, sondern in den Bureaus der elsaß-lothringischen Regierung versaßt wo-rden ist: „WaS mit besonderem Nachdurck am Schluß der kurzen An- spräche zum Ausdruck gelangte, war die feste Ueberzeugung, daß der unschätzbare Vorteil unmittelbar unter dem Schutz und der fürsorgenden Obhut des Kaisers als Trägers der Landeshoheit zu stehen, nicht preisgegeben werden wird, daß Elsaß-Lothringen auch in Zukunft unter der Hoheit des Kaisers als Vertreters des Reiches stehen wird. Mag im übrigen kommen was will, das eine steht heute schon fest: Die verbündeten Regierungen werden jedemVersuch, den Kaiser als den Legatar des Reiches in Ausübung der Staatsgewalt in Elsaß-Lothringen zu beseiti- gen und ihn durch einen lebenslänglichen Statt- Halter zu ersetzen, die Zustimmung versagen. Auf der anderen Seite hoffen wir auf ein weites Entgegen- kommen in der Frage der Bundesratsstimmen, für die sich eine Lösung in irgend einer Form finden muß. Was sonst an Zu- geständnissen im einzelnen, etwa bei der Zusammensetzung der ersten Kammer und beim Wahlgesetz, zu erreichen sein wird, ist nben diesen beiden Hauptpunkten von geringerer Bedeutung." Ter Artikel konstatiert, daß jetzt alles auf die Haltung des Zentrums ankomme, und fragt, ob der Kaiser, wenn er künstig ins Land komme, Gast eines von ihm unabhängigen Statthalters von Bundesratsgnaden sein solle, der wohl Höflichkeiten bean- spruchen könne, aber kein« Rechte auszuüben habe. Der Artikel schließt:„Die Rede des Statthalters Hai gezeigt, wo die Grenzen der parlamentarischen An- sprüche liegen. Sie finden ihre Schranke in der ver- fassungsrechtlich begründeten Macht des Kaisers, der im Namen des Reiches unser oberster Schutzherr ist, und dem wir auch hier au der südwestlichen Grenzmark Treue halten wollen." Versprechen und Halten ist zweierlei. Der Minister v. Breitenbach empfing die Lohnkommisflon des dem Kartell Deutscher Reichs- und Staatsarbeiterverbände an- geschlossenen Verbandes Deutscher Eisenbahnhand- werker und«Arbeiter. Der Minister erkannte, wie der „Lokal-Anzeiger" meldet, die Wünsche nach einer ollgemeinen, durch- greifenden Lohnerhöhung an, indem er den Mitgliedern der Kommission erklärte:„Ich bin mit Ihnen der Meinung, daß die Lohnerhöhungen durchaus nicht als abgeschlossen zu betrachten sind." Der Minister stellte ferner eine Vermehrung der Stellen der Lokomotivheizer und-führer und damit die Ueberführung einer größeren Anzahl von Eisenbahnhandwerkern und-arbeitern in das BcamtenverhältniS in Aussicht; auch die Ueberführung der Güterbodenvorarbeiter— ein- schließlich der älteren Arbeiter— in die Ladeschaffnerstellen wäre vorgesehen. Ebenso erklärte der Minister zur Frage der Beseitigung des Aklordshstems, daß zur Minderung der sich ergebenden Härten Erhebungen im Gange seien._ Aus der sozialdemokratischen ReichstagSfraktton. Die Fraktion beschloß, zum Etat des Reichsschatzamtes folgende Anträae einzubringen: Zur Gewährung von Beihilfen an Hausgewerbetreibende und Arbeiter, die wegen Aenderung des Tabaksteuergesetzes arbeitslos geworden sind, einzusetzen 1 009 000 M. Zur Gewährung von Beihilfen an Arbeiter, die infolge des Zündwarensteuergesetzes arbeitslos geworden sind, einzu- setzen 400 000 M.__ Preußische Rechtsgleichheit. Justizrat Dr. L. Flatau schreibt dem„Berliner Tageblatt": „Die Generalversammlungen des Bundes der Land- Wirte nötigen stets von neuem zu einer die Rechtsgleichheit in Preußen berührenden Frage. Es ist bekannt, daß die Reichs- regierung gerade mit Hilfe der konservativen Parteien seinerzeit jene Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches durchsetzte, die die Polizeibehörden zum Einspruch dagegen berechtigen, daß ein„poli- tische, sozialpolitische oder religiöse Zwecke" verfolgender Verein durch Eintragung in das Vereinsregister Korporationsrechte er- lange, die ferner einen schon„eingetragenen Verein", der seiner offiziellen Satzung zuwider„politische, sozialpoli- tische oder religiöse Zwecke" verfolgt, mit B e r l u st der Rechtsfähigkeit bedrohen. Man weiß ja auch, welche Fülle polizeilichen und juristischen Scharfsinns gelegentlich aufgeboten wird, um diesen politischen Charakter bei sozialedemokra- tischen, polnischen oder sonstigen oppositionellen Gesangvereinen, Pfeifenklubs. Keglerbünden nachzuweisen, von Freidenkervereincn gar nicht zu reden. Dagegen scheinen die zuständigen Behörden ganz zu übersehen, daß als unpolitischer(!) Verein unter Nr. 77 des Vereinsregisters beim Amtsgericht Berlin-Mitte der — Bund der Landwirte eingetragen ist. Seit seiner Eintragung hat sich der Bund auch ohne jede behördliche Anfechtung der pellen KorporaliouSrechte erfreuen dürfen, Allem Anschein nach erblicken die maßgebenden Instanzen\\t GeneraköersammIuNgS- reden, wie sie früher und gestern wieder im„Sportpalast" gehalten wurden, nichts als philosophische Kollegien und theoretisch-wissen- schaftliche Vorlesungen."_ Keine Wahlreform in Gotha. Die gothaische Regierung ist gegen das direkte LandtagSwahl« recht. In einer früheren Periode hatte der gemeinschaftliche Landtag für die Herzogtümer Koburg und Gotha einen Antrag an- genommen, die Regierung möge einen Gesetzentwurf vorlegen, wonach die indirekte Wahl durch Wahlmänner alS nicht mehr den Zeit- verhälrnisien entsprechend beseitigt werde. Am Dienstag trat nun der gemeinschaftliche Landtag aber« mals zu einer Tagung zusammen, um verschiedene Gesetzentwürfe der Staatsregierung zu beraten. Unter den Eingängen befand sich auch eine„Mitteilung", die Bezug nimmt auf jenen Beschluß des Landes- Parlaments. In längere» Ausführungen begründet die Regierung ihren yblehnenden Standpunkt. Sie ist der Meinung, daß ein Wahl- system, das 60 Jahre sich gut bewährt habe, auch noch weiter be- stehen kann. Deshalb sei sie„nicht in der Loge", dem Wunsche des Landtage? nachzukommen. Es habe bei den Beratungen des Mini- steriwns keine Lösung der Wahlfrage gefunden werden können. Man habe deshalb schließlich Abstand von der Ausarbeitung eines neuen Wahlgesetzes genommen, zumal bei der Schwierigkeil der Materie und bei der jetzigen Zusammensetzung des Landtages keine Aussicht vorhanden sei. ein den Verbältnissen entsprechendes besseres Gesetz zustande zu bringen. Auch in Koburg-Gotha soll also alles beim Alten bleiben. Einer aus dem Talltvitzschen Moralinstitut. Aus Posen wird der.Germania" berichtet: „Vor einigen Tagen bemerkte die Gattin des Schriftführers des polnischen Straz-Vereins, daß sich jemand an dem außerhalb der Wohnungstüre angebrachten Brieflasten zu schaffen machte. Durch das in der Tür angebrachte Guckloch bemerkte sie einen Mann, der den B r i e f k a st e n aufschloß und auftäumte, die darin befindlichen Zeitungen zurücklegte und sehr aufmerk- sam die Briefadressen, besonders die Poststempel studierte, wobei er sich Nottzen machte, worauf er alles wieder in den Kasten zurücktat. Dieselbe Beobachtung machte dann später der Schriftführer des Vereins, Dr. Schröder, der davon verständigt wurde, persönlich. Es wurden nun zwei Männer beauftragt, den Briefkasten im Auge zu behalten, und Dienstag früh um 8 Uhr gelang es. den Neugierigen festzunehmen. Er kam noch vor der ersten Briefbestellung, öffnete den Briefkasten und wollte ihn, da er noch leer war, schließen. In diesem Augenblicke wurde er festgenommen, in die Wohnung gebracht und durchsucht. Auf telephonischen Anruf kam ein Polizeibeamter. der aus dem Portemonnaie des Ertapptem unter anderem auch die Legitimationsmarke der politischen Polizei zutage förderte. Bis zur Mittagszeit hatte die Polizei angeblich noch nicht den Namen des Agenten feststellen können." Bebel bat in der letzten SonntagSnummer des„Vorwärts" den Herrn Minister des Innern von Dallwitz aufgefordert, bevor er im preußischen Landtag gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf der Verleitung zur Untreue erhebe, zunächst aus der politischen Polizei ein„Institut für öffentliche Moral und Wahr- heits liebe" zu machen. Vielleicht beginnt Herr von Dallwitz seine Ethisienmgsarbeit mit dem Briefkastenkontrolleur der posenschen politischen Polizei._ Preußische Gastfreundschaft. Für die Tschechen im preußischen Staatsgebiet gelten nach den vom Minister des Innern erlassenen neuen Vorschriften folgende Be- stimmungen: 1. Die im Jahre lütv aus dem Auslände neu zuge- zogenen Handwerksgesellen und Lehrlinge müssen bis längstens 1. September isil in ibre Heimat zürllckkehrcn. Den übrigen tschechischen Handwerksgesellen und Lehrlingen kann der wettere Aufenthalt im Jnlande wicderruflich gestattet werden, solange sie sich nicht persönlich lästig machen. 2. Die in den Jahren 1609 und 1910 zugezogenen tschechischen Arbeiter haben bis sp ä testen S 20. D ez e m b e r 191 1 das Inland zu verlassen. Ihre etwaige Wiedereinstellnng ist nicht vor dem 1. Februar lv12 und nur in den für sie freigegebenen Betrieben und bei Arbeitgebern gestattet, die die dazu erforderliche Genehmigung des zuständigen Landrats für das betreffende Jahr erholten haben. Die vor dem Jahre 1909 zugezogenen tschechischen Arbeiter dürfen vor- läufig weiter im Jnlande bleiben. Diese neuen Bestimmungen sollen künftighin„unnachsichtlich" durchgeführt werden. Aus ihrer Heimat neu zuziehende tschechische Handwerker sind fortan nicht mehr einzustellen. Die Privatbeamten und das aeplante Penfions- versicherungsgefctz. Der Deutsche Privatbeamten-Verein ist mit seinen 30 000 Mitgliedern aus dem Hauptausschuß für staatliche Pensions- Versicherung der Privatangestellten, der am kommenden Sonn» tag in Berlin tagen wird, unter scharfem Protest ausgetreten. Ueber die Gründe wird mitgeteilt. Die im Hauptausschuß für staatliche Pensionsversicherung der Privatangestellton organisierten Vereine umfassen etiva ein Viertel der Gesamtheit des Privatbeamtenberufes. Während die im Hauptausschuß organisierten Vereine sich widerspruchslos auf den Boden der Regierungsvorlage stellen, erheben zahlreiche große Verbände und Korporationen, wie der Deutsche Privatbeamten-Verein, der Deutsche Bankbeamten- Verein, sehr viele Werks-Pensionskassen und Fabrikkassen, der Zentralverband deutscher Industrieller, der Zentralausschuß der Prinzipalverbände und andere mehr, die schwersten Bedenken, die sich besonders gegen die zehnjährige Wartezeit, die U n z u- länglichkeit der gebotenen Leistungen, den un- geheuren Verwaltungsapparat, die fast völlige Aus- schaltung des Prinzips der Selbstverwaltung, die Nichtzulassung von Ersatzinstituten und Vernichtung der bestehenden Versorgung»- lassen, sowie gegen andere Punkte ver Regierungsvorlage richten. Bedaüerllcherweise hat nun der Hauptausschuß die Ver- fügung getroffen, daß für die von ihm am Sonntag geplanie Versammlung in der Hasenheide allen Interessenten der Zutritt ausdrücklich verweigert wird, die sich nicht auf den Boden der HanptauSschlußbeschlüsse stellen und die verdächtig erscheinende Einwendungen erheben. Der Hauptaus- schütz hat sogar Vereine, die ihm selbst angeschlossen find, jedoch bezüglich der Regierungsvorlage anderer Ansicht waren, mit dein Ausschluß bedroht._ Belgien.• Die WahlrechtSpropagauda. Brüssel, 20. Februar.(Eig. Bor.) Der Generalrat der belgischen Partei hat beschlossen, für den 15. August eine Wahlrcchtskundgebung in Brüssel zu veranstalten. an der sich die Sozialdemokratie ganz Belgiens beteiligen wird. In einem vom Parteisekretär an die Födc- rationen gerichteten Zirkular wird angeregt, schon jetzt Reise- lassen einzurichten, um auch den Aernisten zu ermöglichen, an dem Tage der großen nationalen Kundgebung für die politische Grundforderung des Proletariats: ein reines, unverfälschtes Wahlrecht, an der Demonstration in der Hauptstadt des Landes teilzunehmen.— Die Jßor- arbeit für diese Massenkundgebung soll sofort mit einer Serie von Demonstrationen und Versammlungen mit der TageS- ordnung des allgemeinen Wahlrechts in allen Provinzen einsetzen. DaS Zirkular empfiehlt den Orgam- sattonen dringendst, sich bei dieser Versammlungspropaganda von der„deutschen Taktik" inspirieren zu lassen und zur selben Stunde mehrere Meetings in den Städten zu der- anstalten und die Versammlungen sowie die Namen der Redner zu plakatieren._ Cnglanä. Die Iren und die Krone, London, 22. Februar. Die irische Partei hat gestellt in einer Versammlung eine Resolution gefaßt, in der die Mit- glieder erllären, sie bedauerten, aussprechen zu müssen, daß die Zeit noch nicht g e ko m m e n sei, wo sie sich entschließen könnten, gemeinsam mit den übrigen Vertretern der Untertanen des Königs die Krönungsfeier zu begehen. Inzwischen gäben die Mitglieder ihren herzlichsten Glückwünschen für König Georg Ausdruck. Sie seien überzeugt, daß das irische Volk den König bei einem Besuche Irlands mit der herzlichsten Eastfreund- schaft empfangen würde. ltalUatid. Die Verlumpung der Bureaukratie. Moskau, 22. Februar. Infolge der Revision des Senators Garin sind auf Befehl des Kaisers zwei Generale, 51 Offiziere und 8 Beamte des Jntendanturressorts dem Milltärbezirksgericht überwiesen worden. Die chinesische Antwort. Petersburg, 22. Februar.„B i r s h e w i j a W j e d o m o st i* glaubt in bezug auf die chinesische Note Anzeichen eines großen Erfolges der russischen Diplomatie feststellen zu können. Eine Voraussagung sei ober nicht möglich, da man mit der spitzfindigen, Seiteneinfliilsen zugänglichen chinesischen Diplomatie zu lun habe.— „R j e t s ch" hört, daß sich die russische Regierung mit einer halben Antwort nicht begnügen werde. Der„N o w o j e W r e m j a" erscheint die aus der europäischen Presse bekanntgewordene Antwort Chinas wie ein Hohn, aber nicht wie eine ernste Antwort auf eine ernste Forderung. Die Angelegenheit kehre wieder zum An- fangspunkt zurück wie vor der Ueberreichung der Note. Tie Ausnahmegesetze gegen die Juden. Petersburg, 22. Februar.(W. T. B.) Die Reichsduma beriet den von IM Mitgliedern der Opposition und des Zentrums ein- gebrachten Antrag über die Aufhebung derBeschränkung des Ansässigkeitsgebietes für Juden. Die Duma beschloß mit 208 gegen 138 Stimmen, sich weder für noch gegen den Antrag auszusprechen und die Frage, ob die Durchführung dieser Maßregel wünschenswert sei, der Kam- Mission für die Unantastbarkeit der Persönlichkeit zi; übergeben, welche binnen Monatsfrist berichten soll. China. Die neue Verfassung. Das chinesische Parlament, dessen Eröffnung ur- sprünglich für 1917 vorgesehen war, soll infolge des Drängens der Reformer, die seine sofortige Berufung fordern, nach einem Erlaß vom Oktober 1910 1913 zusammentreten. In einer Schrift:..Grundelemente der neuen chinesischen Staats» form" von v. Nusym-Pruszinski werden die ziemlich ver- wickelten Wahl- usw. Vorschriften dargestellt. Danach werden bestehen: Gemeindevertretungen, 23 Provinzialparlamente, ein Reichsparlament. Zur Gemeindevertretung wählen in Städten Männer über 25 Jahre, die etwas schreib- kundig sind(volle Beherrschung der Schrift ist Gelehrten- fache) oder 5 Jahre wohnhaft sind und einen Besitz von etwa -1000 M. haben: aus dem Lande(auch in kleineren Städten), wenn sie 4 M. Steuer zahlen. Zu den P r o v i n z i a l p a r l a m e n t e n(30 bis 200 Mitglieder) wählen im Bezirk geborene Männer mit Hochschulbildung oder pensionierte höhere Beamte(aktive wählen nicht) oder mit einem Vermögen von 10 000 M. (wenn sie nicht im Bezirk geboren oder unter 25 Jahren: 10 Jahre Ansässigkeit und 20 000 M.). Ausgeschlossen: Analphabeten, Opiumraucher, Leute, dw„nicht einwandfrei leben" oder- sich mit„verwerflichen Dingen" befassen(auch Gottesleugner u. ä.), Personen aus„verachteten Familien", Söhne von Prostituierten, Schauspielerinnen, Gruben- arbeiterinnen u. a. Das R e i ch s p a r l a m e n t hat ein Herrenhaus von 48 Prinzen und Adligen, 32 hohen Beanüen, 10 Per- tretcrn der Wissenschaft, 10 des Großkapitals, 100 der Provinzparlamente, die von den Goiwerneuren aus 200 Vor- geschlagenen ernannt werden«: ein V o l k s h a u s, das ganz von den Provinzparlamenten gewählt wird, aber nur b e- ratende Stellung haben soll. � Tie Wahlbeschränkungen schließen wohl das Proletariat, nicht aber die Masse der in China überwiegenden Kleinbauern und Handwerker aus. Sonst sind sie nicht viel reaktionärer, teilweise noch liberaler als in Preußen. Klassenwahl besteht nicht. Wählbar sind Wahlberechtigte, die 30 Jahre alt und 10 Jahre im Bezirk an- jässig sind. Indien. Ein politisches Attentat. Wie aus Calcutta gemeldet wird, wuröe in der Dienstagnacht ein Offizier der politischen Ab- teilung der Hindupartei von bengalischen Nationalisten erschossen. Die Täter sind trotz der von der Polizei sofort vorgenommenen Absperrungen und Nachforschungen entkommen. Ter Vorfall erregt großes Aufsehen, da man infolge der längeren politischen Ruhe glaubte, die Nationalisten! seien der Propaganda müde. Amerika. Es beginnt zu tagen. New Jork, 9. Februar.(Eig. Ber.)' Als Samuel G o m p e r s sich bei der kürzlichen Jahressitzung der Civic Föderation im Verein mit den Erzsckfarsmachern des Landes mit Eifer bemllhre, die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit zu fördern, und lvährend der Verhandlungen mit der ihm eigenen Bescheidenheit in seinem und der anderen anwesenden Gewerkschaftsbeamten Namen verkündete, s i e seien die wahren Vertreter der Arbeiter, ahnte er kaum, wie rasch er von den eigenen Leuten Lügen gestraft und wie bald sein Tun und das der„Führer" seines Kalibers desavouiert werden sollte. Bevor sie noch das üppige Mahl verdaut, das die Jahressitzung abschloß und bei welchem sie in ihren Reden gemeinsam mit Roosevelt, Carnegie und ähnlichen«„Arbeitersreundcn" den Sozialisfrms vernichtet hatten, wurden schon Proteste gegen ihr Treiben laut. Und zwar waren es nicht böse Sozialisten, die pro-iestierten, sondern recht konservative Leute, die stets nach der Gonrpersschen Pfeife getanzt und denen seine Worte bisher, als Evangelium gegolten haben. Der erste Protest kam von der in ihrer Majorität stock- konservativen und sozialistenfeindlichen Central Federated Union(Gewerkschaftskattell) von New Jork, die sich m einer schärfen NesoMion nach einer hestigen DeBatie, ist welcher Gompers, Mitchell usw. der Kopf gehörig gewaschen wurde, gegen den niederträchtigen« Beschluß der Civic Föderation wandte, durch ein vom Gouverneur zu ernennendes Schieds- gericht jede Streikbewegung der Arbeiter von vornherein un- möglich zu machen. Noch entschiedener lautete das Urteil des Konvents der mehr als 300 000 Mitglieder zählenden United Mine Workers(Bergarbeiterverband). Der Konvent, der unmittelbar nach der Jahressitzung der Civic Föderation in Columbus, Ohio, tagte, bezeichnete in einer mit gewaltiger Mehrheit angenommenen Resolution die Civic Fede- ration als eine im Interesse der Kapita- listen geschaffene Einrichtung, dazu be- stimmt, die Arbeiterschaft einzulullen. Und gleichzeitig stellte der Konvent John Mitchell, den lang- jährigen früheren Präsidenten der United Mine Workers und jetzigen Vizepräsidenten der American Föderation os Labor (Gcwerkschaftsbund Amerikas), vor die Alternative, entweder bis zum 1. April seinen mit 25 000 M. Jahresgehalt be- fordeten Posten als Leiter der Schlichwngsabtcilung der Clvic Federation niederzulegen oder aus dem Bergarbeiter- verband auszuscheiden. Und aus Chicago kommt heute die Kunde, daß auch das dortige Gewerkschaftskartell die Civic Föderation aufs entschiedenste verurteilt hat. Ja, es beginnt zu tagen! Auch die Gompers und Mtchell erfahren jetzt die Wahrheit des amerikanischen Sprichwortes, daß man alle Leute eine Zeitlang an der Nase herumführen, einzelne Leute sogar stets nasführen, aber nie alle Leute dauernd düpieren kann._ Das Marineprogramm angenonuncu. Washington, 21. Februar. Das Repräsentantenhaus hat das Flottenbauprogramm für 1912, das den Bau von zwei Schlachtschiffen, zwei Kohlendampfern, pcht Torpedoboot- Zerstörern und vier Unterseebooten vorsieht, angenommen. Ein Handelsvertrag mit Japan. Wafhington, 22. Februar. Präsident Taft hat dem Senat den Entwurf zu einem neuen Vertrage mit Japan zu- gesandt, durch den der Handelsvertrag von 1891 ersetzt werden soll. Der neue Entwurf soll jede Beschränkung der japani« schen Einwanderung beseitigen.. Parlamentarisches. Aus der Budgetkommission des Reichstages. Um ein Wahl manöver zu versuchen, hatten die Nationalliberalen am Dienstag die Streichung von zwei Armee. inspekteuren und einigen Gouverneuren und Kommandanten be- antragt; sie hofften darauf, daß der schwarzblaue Block die Streichung ablehnen werde und sie selbst sich dann als Vertreter jener„Sparsamkeit" aufspielen könnten, die auch nicht davor zurückschreckt, in die„höheren Regionen" hinaufzugreifen.— In der Mittwochsitzung mußte Herr Semler. der den National- liberalen diese Suppe eingebrockt hatte, den Umfall der National liberalen begründen. Der Kriegsminister habe so beachtliches Material gegen den Antrag vorgebracht, daß die Nationalliberalen in ihrer notorischen Militärfreundlichkeit und Bewilligungslust, in der sie sich auch in Zukunft von keiner Partei übertreffen lassen wollten, ihren Antrag zurückzögen. Semler jammerte dann noch, daß der Kriegsminister die armen und braven Nationalliberalen so ungnädig behandelt habe. Mit der Zurück- ziehung ihres Antrages glaubten die Nationalliberalen weiteren Erörterungen entgangen zu sein; aber sofort nahm Gröber den Antrag wieder auf, damit Erzberger. gestützt auf Beweis- Material, den Nationalliberalen noch einige Nackenschläge versetzen kennte. Erzberger wies ihnen nach, daß sie 1905 einen ähnlichen sozialdemokratischen Antrag abgelehnt hätten; später kündete dann B a s s e r m a n n an, die Nationalliberalen würden den abge- lehnten sozialdemokratischen Antrag wieder aufnehmen; kurz darauf erklärte aber Graf Oriola, Bassermanns Fraktions- kollcge, die Nationalliberalen verzichteten auf die Streichung. Und jetzt, 1911, beantragten sie, was sie bisher nicht tun wollten und auch schon abgelehnt hätten. Ausgesprochenere Schaukelpolitik kann eine Partei allerdings kaum treiben. Erzberger betonte zum Schluß, das Zentrum lasse sich ebenfalls von keiner Partei in Militärfreundlichkeit und Bewilligungslust übertreffen.— Sofort nach der Erzbergerschen Rede zog nun auch das Zentrum den auf- genommenen Antrag zurück, den nun Genosse Ledebour wieder aufnahm, um eine sachliche Erörterung und Erledigung herbei- zuführen. Ledebour sagte den Nationalliberalen, sie hätten den Antrag zurückgezogen, um sich aus einer fatalen Klemme zu ziehen und beantragte, getrennte Abstimmung über die einzelnen Forde- rungen des Antrages. Im Verlaufe der Debatte kam es zu Aus- einaudersetzungen zwischen Ledebour und dem Kriegsminister über die Prinzen in den höheren Kommandostellen. Abg. Osann ver- suchte schließlich, den nationalliberalen Antrag so umzudeuten, als sei mit ihm nur beabsichtigt gewesen, Klarheit zu schaffen und vom Kriegsminister zu hören, baß die Besetzung der angegriffenen Stellen an militärischen Interesse notwendig gewesen. Da unsere Genossen darauf beharrten, daß über den nationallibe- ralen Antrag abgestimmt werde, ergab sich das erbauliche Schauspiel, daß die Nationalliberalen ihren eigenen A» tr a g n i e d e r st i m m t e n; nur in einem Falle enthielten sich die Abgg. G ö r ck e und Weber der. Abstimmung. So endete das nationalliberale Wahlmanöver mit einer gründlichen nationalliberalen Blamage. Die Volksparteiler kün- deten an, daß sie den Antrag in anderer Form event. im Plenum wieder aufnehmen würden. Dann wurde die Beratung des Militäretats zu Ende geführt. Am Donnerstag soll endlich mit der Erörterung über den Per- kauf des Tempelhofer Feldes begonnen tverden. Das sollte schon am vorigen Freitag geschehen. Aber offenbar war hinter den Kulissen ein neuer Handel im Gange, denn nur so ist die Verschleppungstaktik zu verstehen, die geübt worden ist. ES muß endlich auch öffentlich ausgesprochen werden, daß die Ver- schleppung der Kommissionsarbeit in diesem Jahre einen ganz außergewöhnlichen Umfang erreicht hat.__» Hus der Partei. ►- B-n ber BrcSlauer Justiz. Die Breslauer Justiz, die durch ihre harten Urteile tzegen unser dortiges Bruderblatt schon weit über die Grenzen des Reiches berechtigtes Aufsehen erregte und die erst im Reichstage von den Genossen Frank und Stadthagen nach Gebühr gewürdigt wurde, saß am Dienstag wieder einmal über den Verantwortlichen der„Volkswacht", Genossen Wolfs, zu Gericht. Zwei Beleidi- gungen sollte Wolfs begangen haben. Nach den bisherigen Er- fahrungen, die Genosse Wolfs und seine übrigen Kollegen mit den Brcslauer Richtern gemacht hatten, ließen es diesem ratsam er- scheinen, die Mitglieder der 2. Breslauer Strafkammer wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Be- gründet wurde die Ablehnung mit einer Bemerkung, die der•Qoi». sitzende der Kammer, Landgerichtsdirektor Mundry, in einem der letzten Prozesse gegen den Genossen Wolff in der Urteils- begründung sich leistete. Er sagte: Daß bei den vielen Vorstrafen der Angeklagte überhaupt nur zu Gefängnisstrafe» verurteilt werden könne; ferner wegen der bekannten Aeußeruna in dem Prozeß gegen den Genossen Schiller über die„Ehrlosen Schweillehnnds" twd dritlens gegen der Poreiyge. noLtMenhel! gegest Lis sozial demokratisch ctt Redakteure, die er zwinge, gleich gewohnheitsmäßigen Ver- brechern in die A n k l a g e b a n k zu treten, weil sie ja g e w o h n- heitsmätzig beleidigen. Die in öffentlicher Sitzung erfolgte Begründung war den ab- gelehnten Richtern sehr unangenehm, und vergeblich bemühte sich der Vorsitzende, den Genossen Wolfs zur Zurücknahme seines An- träges, die Richter für befangen zu erklären, zu bewegen. Da aber Wolsf nicht gewillt war, durch Zurückziehung seines Antrages der Breslauer Justiz sein besonderes Vertrauen auszusprechen, mußte eine neue Kammer gebildet werden. Diese entschied, nachdem die abgelehnten Richter auch amtlich erklärt hatten, nicht befangen zu sein, selbstverständlich: die abgelehnten Richter sind unbefangen. Nach einstündiger Pause wurde die Verhandlung fortgesetzt. Diesmal sollte Wolfs das Schöffengericht Liegnitz und einen Amts» Vorsteher in Laurahütte beleidigt haben. Im erstercn Falle war das gegen einen Gutsbesitzer, der seinen Knecht aufs schwerste ge- mißhandelt und mit dem Totschlag bedroht hatte, auf 6 M. lautende Urteil als„lächerlich" gering, als eine„Prämie für Miß- Handlungen" bezeichnet worden. Außerdem enthielt das Urteil folgende Kritik:„Würde der Knecht, wenn er dem rohen Patron in der Notwehr mit gleicher Münze heimgezahlt hätte, ebenso billig davongekommen sein? Wir befürchten, nicht." Hierin sah der Staatsanwalt, der natürlich wieder den angeblich Beleidigten die „Volkswacht" zur„gefälligen Kenntnisnahme" über- sandt hatte, den Vorwurf der bewußten Rechtsbeugung(!) und stellte Sträfantrag! An zahlreichen Beispielen von der stock- reaktionären„Arbeitgeber-Zeitung" bis zur„Germania" und „Volks-Zeitung" konnte Wolfs aber nachweisen, daß solche Kritiken eines Urteils in der gesamten Presse üblich sind, ohne daß sich ein Staatsanwalt— außer dem Breslauer natürlich— findet, der deshalb Anklage erhebt. Aber trotzdem wollte der Staatsanwalt dieses„Verbrechen" mit 150 M. gesühnt wissen. Das Gericht erkannte auf 30 M., weil in der Kritik eine Beleidigung nicht gefunden werden könne, dagegen sei die Spitzmarke:„Eine Prämie für Mißhandlungen" beleidigend. Im zweiten Falle hatte Wolff eine verpuffte Staatsaktion der Polizeiverwaltung in L a u r a h ü t t e als einen verdienten Reinfall bezeichnet, und dies war nach Ansicht des Breslauer Staatsanwalts auch wieder sehr schwer beleidigend und sollte 150 M. kosten. Das Gericht erkannte auf 50 M. Beide Urteile stechen von den früheren gegen Genossen Wolff und seine Kollegen ergangenen Urteilen, was das Strafausmaß betrifft, vorteilhaft ab, wenn auch das Schuldurteil selbst im scharfen Widerspruch zu dem Rechtsempfinden des Volkes steht. Erst vor 14 Tagen wurde Wolff wegen einer leichten Bespöttelung eines Waldenburger Polizisten zu der harten Strafe von 2 Mo- naten Gefängnis verurteilt._ NeichstagSkandidatur. Eine Parteikonferenz für den 2. pfälzi- schen Wahlkreis stellte für die kommende Reichstagswahl ein- stimmig den gegenwärtigen Vertreter des Kreises im Reichstage, den Genossen Huber. wieder auf. Nmsturz-Aengste. AuS Mainz wird mitgeteilt, daß der Provinzialausschuß die Wahl von vier Genossen, die bei der Ge» meinderatswahl in Bretzenheim gewählt worden waren, für ungültig erklärt hat. Eine Ssterrrichifch-italienische Friedensdemonstration, wie sie von der Triester Konferenz der sozialdemokrqtischen Parteien beider Länder beschlossen worden ist, findet am v. April statt, an welchem Tage in allen größeren Städten und Orten beider Staaten Arbeiterversammlungen gegen den KricLsmoloch und seine Agenten demonstrieren werden. Ein Drutsch-sozialdemokratischer Berein wurde anfangs Februar in Bergen in Norwegen gegründet. In der konsti- tuierenden Versammlung wurde der Beitritt zur Norwegischen Arbeiterpartei beschlossen. Bei den Vorstandswahlen wurden die Genossen I. Schied als Vorsitzender, A. Schröder als Kassierer und K. Förster als Schriftführer gewählt.— Die VereinSadresse ist: ,.Deutsch-sozialdemokratischsr>Bercin", Bergen (Norwegen), FolketS hus._ Sozialed« Wer ist ber Arbeitgeber? Den Versuchen im Baugewerbe, den Arbeiter um seinen Lohn durch Schiebungen zu prellen, muß das Gericht wiederholt cnt« gegeniretcn. 1. 25 Bauarbeiter, die auf einem Bau der Aktiengesellschaft für Bauausführung beschäftigt waren, haben die Arbeit eingestellt, lveil sie für die letzten sieben Arbeitstage keinen Lohn erhalten haben. Sie klagten deshalb am Dienstag gegen die Gesellschaft beim Jnnungsschiedsgericht auf Zahlung deö rückstäudigcu Lohnes mit je 50 M. Die Beklagte wendete ein, daß sie nicht Arbeitgeber der Kläger sei. Sie habe mit dem Akkoroputzer M., der nicht unter den Klägern ist, Vertrag geschlossen und diesem die Arbeiten im Akkordlohn übergeben. M. habe die Kläger angenommen und die Akkordkolonne gebildet; sie müßten sich an den Putzer M. halten. Die Kläger hätten auch absichtlich langsam gearbeitet und deshalb nicht so viel verdient. Das Schiedsgericht stellte daraufhin fest, daß die Kläger den Vertrag nicht unterschrieben haben, sondern nur der Putzer M. Tagegen ist von den Klägern eine von der Beklagten vorgelegte Arbeitsordnung unterschrieben worden. Auch ist nicht allwöchentlich von der Beklagten an M. eine Abschlags- summe gezahlt worden, sondern sie bat stets eine Lohnliste für sämtliche Arbeiter geführt und den M. mit der Auszahlung der Löhne beauftragt. Für die in Klage stehenden sieben Tage hat M, lveder Gold noch Auftrag zur Lohnauszahluug bekommen. Das Schiedsgericht hatte aus diesen Umständen die Ueber- zeugung gewonnen, daß die Beklagte Arbeitgeber der Kläger ge- Wesen ist und M. nur ihr Vertreter. Der Einwand, daß die Kläger absichtlich wenig gearbeitet hätten, wies das Schiedsgericht mit der Bemerkung zurück, daß ja dann die Beklagte berechtigt war. die Kläger zu entlassen und nicht erst drei Wochen lang zu beschäftigen. Da den Klägern 8 M. pro Tag garantiert worden ist, so sei der Klageanspruch begründet. Die Kläger ermäßigten alsdann, um der Beklagten entgegenzukommen, ihre Forderungen auf je 50 M. Die Beklagte wurde zur Zahlung dieser Summe verurteilt. 2. Gestern klagten vor der Kammer 3 des Gewerbegerichts ztvei Bauarbeiter gegen den Baustellenbesitzev und Weinhändler Teßmer. Die Kläger waren mit Polierdiensten beschäftigt und sind fristlos entlassen worden. Sie fordern noch 25,38 M. bezw. 10 M. schuldigen Lohn und je 90 M. Entschädigung für die vierzehntägige Kündigungsfrist. Der Beklagte ließ durch seinen Vertreter ein- wenden, daß nicht er, sondern der Bauunternehmer Schmidt, dem die Baustelle gehört und der sie bebaut, der Arbeitgeber der Kläger sei. Die Kläger hatten diesen auch ursprünglich mitverklagt, aber, da er in Charlottenburg wohnt und sich somit die örtliche Un- Zuständigkeit des Gewerbegcrichts ergab, die Klage gegen ihn wieder zurückgenommen. Die Kläger behaupten, daß Schmidt so gut wie nichts zu bestimmen gehabt hat. Der Beklagte habe vielmehr allein die Aufträge erteilt. Er habe auch ihre Lohnbezüge herabgesetzt. indem er sagte, er könne ihnen ni«ch-t mehr 4b M. die Woche zahlen. Auch die angelieferten Materialien wurden auf Anweisung des Be- klagten mit seinem Stempel versehen. Der Beklagte habe sich eben um alles gekümmert. Die Lohnzahlung sei durch ihn erfolgt. Sie haben selbst für den genannten Schmidt den Lohn von ihm erhalten und diesem mitbringen müssen. Der. Vertreter des Beklagten er- klärte dies alles dadurch, daß der Beklagte durch eine Hypothek daran interessiert war, daß der Bau sobald als möglich fertig werde. Schließlich ermäßigten die Kläger, um dem Beklagten entgegen- zukommen, ihren Entschädigungsanspruch um eine Woche. Das Gericht verurteilt« den Beklagten, an die Klüger 70,36 M. bezw. 60 M. zu zahlen, weil es aus Grund der unstreitig gewordenen Angaben die Ueberzeugung erlangt hätte, daß der Beklagte der Arbeitgeber der Kläger gewesen ist; der Schmidt jet mehr i&Stt, führer, also Beaustragt ex des Beklagten gewesen. t CewerfefcbaftUcbee. Ctotemcbtricr-CctTomtnus. schein, als ob sie auS den Vorgängen nichts gelernt bätten, sondern on ihrem starren Dogma des»Herrn im Hause" festhalten. Die Arbeiterorganisation ist sich dessen sicher, daß diese rülkständigen Ansichten am allcrlvenigsten dazu angetan sein können, bei der be- s» m T.««.jM.«-»-. w°«. nicht über den Terronsmus der organlsierten Arbeiterschaft x�ktionären Verhalten keine Lorbeeren ernten können. xetert und die Staatsanwaltschaft und Gerichte mobil macht. Letzteres ist allerdings vollständig überflüssig, denn wo man insbesondere einem Streiksünder etwas anhängen kann, selbst wenn er einen Arbeitswilligen nur schief ansieht, ist die Klage- crhebung sicher zu erlix rten. Und die Gerichte sind in solchen Fällen allzu gern bereit, recht scharf zu strafen. Wir er- innern nur an einen Fall der jüngsten Zeit. Der frühere Vor- sitzende des Holzarbeiterverbandes der Zahlstelle Kaisers- läutern, Willing, welcher seit einigen Jahren aus bestimmten Gründen nicht mehr Mitglied des Verbandes, wurde beim Streik der Tischler Arbeitswilliger. Ein Arbeiter überreichte dem Willing einen Lorbeerkranz mit den Worten:„Für her- vorragende Dienste." Der Staatsanwalt erhob Anklage, und der Spender des Kranzes wurde zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt, und zwar auf Grund des berüchtigteir 8 153 der G.-O. Wie viele Fälle von Unternehmerterrorismus sind nun insbesondere in den letzten Jahren in unserer Presse be- kanntgegeben, ohne daß die Staatsanivaltschaft sich veranlaßt gesehen hat, diesen nachzugehen. Ja, Bauer... Ein besonders krasser Fall kommt durch den folgenden Brief, der uns in die Hände fiel, ans Tageslicht: Deutscher Arbeitgeberschutzverband für die gesamte Tonindustrie, Geheim- Aertrauensstelle Dortmund.— Mitgliederzahl 15 000 Firmen der Tonindustrie. Schötmar, den 14. Januar 1911. Herrn Stellmacher....... Schötmar. Sie haben von der Firma Ruthe drei Gesellen in Arbeit genommen. Das Benehmen dieser Leute bei genannter Firma wird von uns durchaus getadelt. Wir ersuchen Sie, sowohl im Juteresse des Verbandes als auch zu Ihrem eigenen pekuniären Nutzen, diese sofort, spätestens innerhalb 14 Tage, wieder zu entlassen und nicht wieder einzustellen. Erhalten wir von unse rem Bielefelder Vertrauensmann Nachricht, daß dieses nicht ge schehen, müssen wir zu unserem Bedauern unseren Mitgliedern anheimgeben, von Ihnen Waren nicht zu kaufen und solch eventuell nur von Ruthe zu beziehen. Dasselbe geschieht auch, wenn Sie einen Arbeitnehmer von der Existenz unseres Verbandes wissen lassen. Hochachtungsvoll Deutscher Arbeitgeberschutzverband für die gesamte Tonindustrie. gez. Zatermann, Langen. Tie Firma Niithe fabriziert Ziegelkarren, und stellten die bei ihr beschäftigten 3 Stellmacher am 25. November die Arbeit ein, weil der Lohn so niedrig bemessen>var, daß damit die Arbeiter beim besten Willen nicht auskommen konnten Zwei verheiratete Arbeiter fanden nun Beschäftigung in einem Konkurrenzbetrieb der Firnm Ruthe, und offenbar mi Betreiben der letzteren haben die Ziegeleibesitzer resp. deren Organisation, der„Arbeitgebersckmtzverband für die gesamte Tonindustrie", der Firm« den Ruin angedroht, wenn sie nicht die Arbeiter entläßt oder auch nur von der Existenz dieser llnternehmerorganisation redet. Die beiden Arbeiter, welche verheiratet sind, wurden dann auch am 28. Jamiar tatsächlich entlassen. Die Firma Ruthe sowohl wie die Ziegelprotzen werden nun von der Brotlosmochung der beiden Mitglieder des Holzarbeiterverbandes keinen Vorteil haben, dafür wird gesorgt werden. Wir flennen auch nicht darüber, daß man in dieser brutalen Weise zu Werke geht und Familienväter auf die Straße wirft, weil sie der früheren Fron entflohen und nicht mehr für Hungerlöhne arbeiten wollen. Aber not wendig ist es iinmer wieder, zu zeigen, was Unternehmen brutalität sich ungestraft leisten darf. Daß der Staatsanwalt Anklage erhebt, daran glauben wir nicht. Ter Fall ist auch ein schönes Beispiel dafür, daß die Sozialdemokratie den Mittelstand„ruiniert". Wenn die Hmidwerksnieister sich dem Kommando der Großunternehmer nicht fügeir, wird ihnen die„Kehle zugeschnürt". Nichtsdesto weniger wird auf die Sozialdemokratie geschimpft,„weil sie den Mittelstand beseitigen will". Nur so weiter, der Arbeiterbewegung schadet es nichts! Berlin und Nmzegend. Achtung, Friseurgehilfen! Wegen Tarifstreitigkeiten find für die Verbandsmitglieder folgende Firmen gesperrt: Hoppe, Char- lottenbura. Kaiser-Fricdrichstraße 25; Moll, Beusselstrahe 64. Verband der Friseurgehilfen. Oeutkcdeg KeuK. Der korporative Arbeitsvertrag im Bäcker- und Konditorgewerbe. Die Bäcker- und Konditormeister gehören mit wenigen Aus- nahmen zu denjenigen rückständigen Unternehmern, die sich durch Beschlüsse ihre Vereinigungen mit aller Macht gegen die tarifliche Regelung der Lohn»- und Arbeitsbedingungen sträuben. Von den Jnnungsführern wird der Tarifvertrag als eine Schraube ohne Ende betrachtet. Auch in anderer Beziehung haben die rückschritt- Iichen Elemente im Unternehmerlager ihr möglichstes getan, um den Eingang des Tarifvertrages im Gewerbe zu vereiteln. Er- mnert sei hierbei an die Errichtung eines Zentralarbeitsnachweises durch die Unternehmer zu dem ausgesprochenen Zweck, Arbeitswillige. nach Streikorten zu vermitteln. Diese Einrichtung trug den Todes- keim in sich. Als sie zum erstenmal in Funktion treten sollte, fanden sich keine derartigen Elemente, die sich zu diesem Gewerbe hergaben. Dann probierten die Führer der Unternehmer ihr Glück mit der Gründung einer gelben Streikbrechergarde. Dieser Luxus kostete den Herrschaften marichen harten Taler; aber der beabsichtiure Erfolg blieb selbstverständlich aus. Jir dieser Zeit hat der Zcntralverband der Bäcker und Kon- ditoren die größten Fortschritte gemacht, sowohl in der Mitglieder- zunähme, wie auch in Abschlüssen von Tarifverträgen. Bon 1905 bis 1910 wurden 215 Verträge mit den Unternehmern oder ihren Organisationen vereinbart. Die Zahl der daran beteiligten Be- russkollegen beträgt Rj054. Allein im vorigen Jahre, wo die Unternehmer gegen die Arbeiterorganisationen alle Minen springe» ließen, wurden 62 Verträge für 2 339 Personen vereinbart. Nach einer vorliegenden Zusammenstellung war die Organisation am Jahresschluß an 134 Tarifabschlüssen, die 5125 Beiriebe und 13 478 Arbeiter und Arbeiterinnen umfassen, beteiligt. Darunter befinden sich außer einem Neichstarifverirag. vereinbart mit dem Zentval- verband deutscher Konsumvereine, 67 Lokaltarisc, mit Unternehmer- organisationen abgeschlossen, und 66 Verträge mit einzelnen Unter- nehmern vereinbart. Nach dem Mitgliederstand der Organisation berechnet sind von jeden hundert Mitgliedern 59 zu tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen beschäftigt. Das ist der beste Beweis dafür, daß die Unternehmerorganisationen mit ihrer tariffeindlichen Politik elend Schiffbruch litten, daß dagegen der Tarifgedanke sicher sich Bahn bricht. Dieses Jahr kommen 30 Betriebsverträge zum Ablauf. Dazu kommen noch eine Anzahl Städte, wo jetzt erst die Organisation imstande ist, zrm> erstenmal an die Unternehmer Forderungen zu stellen. Ob die Unternehmer nun einen anderen Standpunkt in der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen einnehmen werde»:, als das in früheren Jahren der Fall war. ist sehr zweifcl- hast. Nach den Aeutzerungen in ihrer Presse gewinnt es den An- Tarifabschlust im Baugewerbe. Zwischen den Bauunternehmern und dem Zweigverein des Deutschen Bauarbeiterverbandes in L ü b b e n i. Lausitz ist ein Tarifvertrag abgeschlossen worden. In Lübbe» wurde im Vor- jähre ebenfalls ausgesperrt. Mit den Bauhilfsarbeitern kam dann ein Vertrag auf Grund des zwischen den Zentralorganisationen vereinbarten Vertragsmusters zustande. Mit den Zimmerern und Akaurern kam ein solcher Vertrag nicht zum Abschluß. Die Zimmerer verlängerten dann im Laufe deS Sommers den früheren einfachen Ortsvertrag und veränderten nur die Lohnhöhe. Für das Maurergewerbe ist jetzt das gleiche geschehen. Der Lohn be- trug bis 1. April 1910 42 Pf. die Stunde und beträgt nun bis zum 31. März 1911 45 Pf. und von da ab bis zum 31. März 1913 4? Pf._ Aufgehobener Einhaltsbefehl. Das Landgericht Plauen i. V. beschäftigte sich in zwei. tägiger Verhandlung mit der Berufung des Bczirksleiters Ge- nossen Stöcklein vom Brauerei- und Mühlenarbeiterverband und des Genossen Breslauer gegen die vom Amtsgericht er- lassene Verfügung, wonach beide bei Vermeidung einer Strafe von 1500 M. für jeden einzelnen Fall jeden Hiniveis und jede Auf- forderung zum Boykott des Bieres der Brauerei Hammer in Plauen zu unterlassen hatten. Nachdem Herr Hammer den Ver- gleichsvorschlag des Vorsitzenden des Landgerichts zurückgewiesen hatte, nachdem er sich vom Gericht sagen lassen mußte, daß sein ablehnender Standpunkt nur Rechthaberei sei, wurde die Ver- kündung des Urteils auf den 17. Februar festgesetzt. Das Urteil ging dahin, daß der Einhaltsbefehl aufgehoben und Herrn Hammer sämtliche Kosten auferlegt wurden.— Der Kampf gegen die Brauerei Hammer entstand wegen Maßregelung und Unter- drückung des Koalitionsrechts.— Nun schwebt noch eine von der Brauerei Hammer gegen die genannten Personen erhobene Eni- schädigungsklage._ Die braven Gewerkschaftschristen. Unter den Textilarbeitern Augsburgs und der Vororte ist zurzeit eine Bewegung im Gange, die die Einführung des freien Samstagnachmittags anstrebt, wie er schon geraume Zeit in der Metallindustrie besteht. In sämtlichen vom Deutschen Textilarbeiterverband einberufenen Versammlungen, zu denen sämtliche Arbeiter eingeladen wurden, fand die Forderung des fraien Samstagnachmittags allseitige Zustimmung. Eine Eingabe an die Textilunternehmer ist bis heute noch nicht erfolgt, was die Fabrikanten jedoch nicht hindert, durch einen Anschlag in den Fabriken den Textilarbeitern zu eröffnen, daß von der Ein- führung des freien Samstagnachmittags auf absehbare Zeit hin- aus keine Rede sein könne. Als Gründe der Ablehnung- der noch gar nickst offiziell gestellten Forderung wird die Konkurrenz ins Feld geführt, dann die schlecht« Lage der Textilindustrie und der Widerstand der außerbayerischen, hauptsächlich der norddeutschen Textilunternehmer. In den Betriebsversammlungen, in denen die Frage der Ein- führung des freien Samstagnachmittags ventiliert worden war, hatten auch die Mitglieder des christlichen Textilarbeiterverbandes sich für die Forderung ausgesprpchen. Auch die Leitung des christ- lichen Verbandes war davon unterrichtet. Trotz dieser Tatsache findet sich in der„Haunstetter Zeitung", die in einem Vorort Augsburgs erscheint, folgende Erklärung: „Laut Anschlag in der hiesigen Spinnerei und Weberei hat der„Deutsche Textilarbeitervcrband" eine Eingabe an die Direktion gemacht um Freigabe des Samstagnachmittags. Der allergrößte Teil der hiesigen Arbeiterschaft ist der Meinung, daß diese Eingabe vom christlichen Verbände ausgehe. Wir erklären deshalb, daß wir dieser Eingabe vollständig fernstehen und daß unter dem Namen„Deutscher Textilarbeiterverband" der sozial- demokratische Verband zu verstehen ist. Der christliche Textil- arbeiterverband wird niemals über die Köpfe der Arbeiterschaft hinweg solche Forderungen stellen, wie das hier vom sozial- demokratischen Verband geschehen ist. Zentralverband christlicher Textilarbeiter Deutschlands. Ortsgruppe Haunstetten." Soweit die Erklärung der tapferen Christen. Sie zeigt die Wahrheitsliebe dieser Herren wieder einmal in hellem Lichte; sie zeigt aber auch, daß die christlichen Gewerkschaften schon unter das Niveau der Gelben gesunken sind. durch weiteres Entgegenkommen der Unternehmer möglich wurde, einen neuen Tarifvertrag abzuschließen. In der Textil« industrie haben die wiederholt abgebrochenen, aber von neuem angelnüpften Verhandlungen endlich doch noch zum_ Abschluß eines neuen Tarifvertrages für das ganze Land geführt, der namentlich den schlechtest bezahlten Arbeilskrästen Lohnerhöhung bietet. Der Tarif gilt auf fünf Jahre. Die Akkordpreise sollen für verschiedene Tcxtilfäbrikei, allerdings noch geregell werden, jedoch ist Vorsorge getroffen, daß in Fällen, wo die Verhandlungen nicht zur Emigung führen, ein Schiedsgericht entscheidet, so daß es darüber nicht zu Kämpfen kommen kann. Die Aussperrung im Klempnergewerbe dauert fort und eine Aussicht aui Einigung ist in diesem Beruf noch nicht vorhanden. Zu den bevorstehenden allgemeinen Aussperrungen in der Holzindustrie, in den Jnsialla'lionsgeschäften und in der M e t a l l w a r e n i n d u st r i e hat die Arbeitgebervereinigung die zweite Ankündigung am Freitag erlösten; sie sollen am 27. Februar, alio am nächsten Montag durchgesühri werden, wenn es bis dahin nicht zur Einigung kommt. Die Gefahr, daß eS zu größeren Kämpfen kommt, ist also noch iinmer nicht beseitigt, wenn auch der Verlauf der bisherigen Verbandluiigen schon gezeigt hat, daß die Arbeitgebervereiniguiig sich dock nicht stark genug fühir, die geplanten Massenaussperrimgen in dem Umfange durchzuführen, wie sie eS von Anfang an beabsichtigte. Versammlungen. Ausland. Aussperrung der Lithographen, Steindrucker und deren Hilfspersonal in Böhmen. Der allgemeine Ausstand in allen Steindruckereien Böhmens dauert bereits seit 10. Dezember und nimmt seinen unveränderten Fortgang. 700 Arbeiter sind am Streik bezw. an der Aussperrung beteiligt. Nur eine ganze kleine Anzahl Arbeitswilliger haben sich bisher von auswärts gefunden, die aber für die allgemeine Bewe- gung nicht in Betracht kommen. Die Ausständigen dagegen halten est zusammen, so daß die Unternehmer von einem Tag zum anderen die Beendigung dieses Kampfes erwarten. Allein aber können die Unternehmer nicht abschließen, weil sie als Sicherstellung auf jeden ausgelernten Gehilfen 50G Kronen in einem Sickstwechsel dem Ver- ein der Steindruckereibesitzer von Böhmen. Mähren und Schlesien zu hinterlegen hatten. Während die Arbeiterschaft die tzl-stündige tägliche Arbeitszeit, Erhöhung der Mindestlöhne, Ferien, Bezahlung eines Zuschlages bei Ueberstunden usw. fordert, haben die Unter- nehmer nach wiederholten Verhandlungen bis jetzt die Zuständige tägliche Arbeitszeit unter Fortfall einer Frühstücks- und Vesper- pause angeboten, dagegen lehnen sie jedoch jede Lohnerhöhung und Ferien ab. Und ohne dieses will die Arbeiterorganisation keinen Tarrs abschließen, zumal in den anderen österreichischen Krön- ländern hedeutend bessere Verhältnisse tariflich festgelegt sind, die 8 und 8zhstündige Arbeitszeit(in Ungarn allgemein 8U Stunden) usw. Die Gehilfenorganisation(der Oesterreichische Scnefelderbund) erhebt jetzt neben seinem regelmäßigen Wochenbeiirag noch über eine Krone Extxabeitrag, zusammen pro Mitglied und Woche über 2% Kronen. Damit rüstet sie sich auf einen größeren Kampf und ist nicht gewillt, nachzugeben; außerdem stehen der Gehilfenorgani- ätion größere Reserven zur Verfügung. Auch hat die österreichische Zentrale aller Gewerkschaften moralische und materielle Unter- tützung zugesichert.— In Anbetracht dieses Kampfes, der für die Berufskollegen� aller Länder von größter Bedeutung ist, hat jetzt auch der Internationale Bund der Lithographen, Steindrucker und verioandien Berufe, der seinen Sitz in Berlin hat und dem fast alle Landesorganisationen der Welt angeschlossen sind, die weitgehendste Unterstützung beschlossen. Für alle angeschlossenen Landesverbände hat das internationale Sekretariat jetzt einen obligatorischen wöchentlichen Extrabcitrag ausgeschrieben, der für olle Mitglieder bindend ist. Die deutsche Organisation(der Verband der Litho- gvaphen, Sieindrucker und verwandten Berufe) stiftete aus ihrer Verbandskasse für diesen Zweck den erstmaligen Betrag von 10 000 Mark. An Mitteln zur Unterstützung der ausständigen graphischen Arbeiter in Böhmen ist also hinreichend Sorge getragen, so daß hieran der Kampf niemals scheitern wird. Die Lage in Dänemark hat sich fetzt etwa? srieMickier gestaltet, als noch vor wenigen Tagen zu erwarten war. Der Lohnkampf in der Herrenkonfektion Kopenhagens ist endgültig beendet, nachdem es auch den Zuschneidern Deutschlands Lebensbedingungen lautete das Thema einer vom 1. Berliner Reichsiagswahlkreis ein- berufenen, sehr gut besuchten öffenrlichen Versammlung, über das Reichstagskandidat D ü w e l l referierte. Nachdem Redner� in interessanter Weise die wirtschaftspolitischen Fragen und Vorgänge beleuchtet hatte, erklärte er: sei das deutsche Volk diesmal bei den Wahlen nicht auf dem Posten, so werde es so wuchtige Schläge er» halten, wie nie zuvor. Die Versammlung, die den Ausführungen des Referenten mit großem Interesse gefolgt ivar, gab ihre Zu- stimmung durch starken Beifall zu erkennen. Gegner meldeten sich trotz wiederholter Aufforderung nicht. In der kurzen Diskussion sprachen die Genossen Z a d u ck und S t r e h l. Der erstere ging noch aus die Maßnahmen ein, die das Ausland unserer Zollpolitik entgegenstelle, während der letztere wünschte, daß in einem künftigen Vortrage die Frage der Trusts, Kartelle und Syndikate behandelt würde. Der Vorsitzende stellte ein solches Thema in Aussicht und Genosse Düwell ging noch kurz auf die angeregte Frage ein. Nach einem anfeuernden Schlußwort des Vorsitzenden Täterow war die Versammlung zu Ende._ Im dritten Wahlkreis sprach am Dienstagabend der Reichs- tagskandidat Wilhelm Pfannkuch über das Thema:„Wer treibt Katastrophenpolitik?" Der große Saal der„Arminhallen" war von den Besuchern dicht besetzt, und mit großer Aufmerksamkeit folgten alle dem anderthalbstündigen Vortrage. Ost wurden während des Referats zustimmende Rufe aus der Versammlung laut und reicher Beifall lohnt« auch zum Schluß den Redner. Der Vor- sitzende August Pohl forderte die etwa anwesenden Gegner auf» ihre Ansichten vorzutragen, aber es meldete sich niemand. Frau S t e i n k o p f hielt eine kurze Ansprache, in der sie sich an die zahlreich anwesenden Frauen wandte und zu reger Beteili» gung an dem allgemeinen Frauentag, am 19. Marz, aufforderte. Genosse Pohl schloß sich der Rednerin an mst der Mahnung zu einer recht eifrigen Agitation für den Frauentag. Er legte den Genossen dann dringend nahe, für die Organisation im dritten Kreise mehr Tätigkeit zu entfalten. Jeder Umzugstermin läßt große Lücken in der Miigliederzahl des Wahlvereins entstehen. Diese Lücken müssen gefüllt, neue Kräfte herangezogen werden. Genosse Pohl gab der Erwartung Ausdruck, daß der Appell nicht vergebens sein werde und schloß die Versammlung mit einem be- geistert aufgenommenen Hoch auf unsere Partei. Im sechsten Berliner ReichStagSwahlkreise lestet bereits der Abgeordnete des Kreises. Genosse Georg Lede« bour, die Agitation zu den bevorstehenden Reichstagswahlen mit einer Vortragsserie ein, in der die verschiedenen Verfassung?- kämpfe, in die wir zurzeit in Deutschland verwickelt sind, geschildert werden. Am Dienstag behandelte er vor einer öffentlichen Ver- kammlung in der Berliner Bockbrauerei die Verfassungssrage in Elsah-Lothringen. Wer da glaubte, daß sich die breiten Massen des Volkes für diese Frage, die doch zunächst unsere Landsleute im südwestlichen Winkel unseres Vaterlandes angeht, weniger inter« essieren würden, sollte durch diese Versammlung eines anderen belehrt werden. Obgleich die Versammlung erst um ZZH Uhr an- gesetzt war, lvar um diese Zeit der Saal, der schon keine Tische,. sondern nur dicht aneinander gereihte Stuhlreihen aufwies, so stark besetzt, daß auch noch die Fortschaffung der Stühle erfolgen mußte, um die noch Einlaschegehrendcn aufnehmen zu können. Kurz vor 9 Uhr nahm Ledebour das Wort zu seinem Vortrage. Er verstand es ausgezeichnet, die große Zahl seiner Zuhörer für die an sich etwas trockene Materie zu interessieren. Obwohl der Aufenthalt in der schwülen Atmosphäre des Saales keineswegs zu den Annehmlichleiten zu rechnen ist, lauschten die Versammelten mit gespannter Aufmerksamkeit in fast lautloser Ruhe, die nur hin und wieder durch ihre Beisallsäußerungen unterbrochen wurde, den fünfviertelstündigen Ausführungen des Redners, die mit der Ver- sicherung schlössen, daß auch hier die Vertreter der Sozialdemo. kratie im Reichstag dafür einstehen werden, daß den Elsaß- Lothringern eine freie Verfassung und ein freies Wahlrecht werden wird. Mit der Aufforderung des Vorsitzenden zu reger Beteiligung an den Agiiationsarbeiten für die Partei und dem üblichen Hoch auf die Partei schloß die Versammlung. Letzte IHacfirichtcn« Schweres Brandnnglück. Eupen» 22. Februar.(B. H.) Eine Feuersbrunst zerstörte heute früh die Papierfabrik der Firma Witwe Nissen. In der Fabrik wurde Tag und Nacht gearbeitet. Zur Zeit des Aus- bruchs des Feuers waren 70 Personen in der Fabrik beschäftigt. E s entstand eine große Panik. Eine Arbeiterin ist in den Flammen umgekommen. Trotz aller Anstren- gungen der gesamten Feuerwehren der Stadt brannten auch einige der benachbarten Häuser nieder. Ränbcrischer Ueberfall. Lugansk(Gouv. Jekaterinoslaw), 22. Februar.(95. T. 53.) Auf dem Schilorschen löergwerk wurde der Baulieferant Dulin von fünfVerbrechern überfallen und ausgeraubt. Bei der Verfolgung wurde ein Schutzmann getötet, drei weitere wurden verwundet. Einer der Räuber erschoß sich, zwei wurden festgenommen, zweien gelang es, zu entkommen. Rückgang der Pestepidemie. Eharbin. 22. Februar.(W.T.B.) In Fusiadjatt. nimmt die Pestepidemie weiter ab. Durchschnittlich sterben täglich 20 Personen. Durch die Energie des Leiters der, Pest. bekämpfung, Dr. Uljando, ist die Stadt von Leichen gereinigt. Die neuen Leichen werden verbrannt, unter Leitung von Dr. Uljando werden alle Häuser besichtigt und desinfiziert. Verantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singers Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.UntrrhaltuugSbl. Dr. 46. 28. Jahrgang. 1. Stilojf des Amüls" Kerlisn NslksdlR Daunerstag, 23. Febrnar Ml. R.eickstag. t82. Sitzung. Mittwoch, den 22. Februar 1S11. nachmittags 1 Uhr. Hm Bundesratstisch: Dr. Lisco. Zweite Beratung des Justizetats. Zweiter Tag. Die Beratung wird beim Titel.Gehalt des Staatssekretärs 44 000 M." fortgesetzt. Abg. Dr. Wagner sk.): Der Abg. Ablah hat gestern 2Vz Stunden lang den Prozesj Becker behandelt, der schon genug breit getreten war. Der Staatssekretär hat ihm die beste Antwort gegeben, nämlich gar keiue i die Sache hat ja auch gar nichts mit dem Staatssekretär des vieichsjnstizamts zu tun.(Sehr richtig! rechts.)— Der Redner polemisiert dann, im Zusammenhang auf der Tribüne unverständlich, gegen den Abg. Frank. Abg. Dr. Junck snatl.): Der Staatssekretär des Reichsjustiz- mnts ist für den allgemeinen Gang unserer Justiz verantwortlich und deshalb find bei dem Etat des Reichsjustizamts allgemeine Beschwerden und Bemerkungen über unsere Justiz angebracht.(Leb- baftes Sehr richtig! links.) Der Abg. Ablatz hat daher mit vollem Recht sich über den Fall Becker ausgelassen. Und damit vergleiche man das Urteil gegen die Bonner Borussenl Will Herr Varenhorst da noch vom gleichen Recht für alle sprechen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Bei dem Prozeß traten noch verschiedene andere charakteristische Merkmale der Klassenjustiz zutage. Die Beweis- aufnähme wurde brüsk geschlossen und eine Reihe Zeugen vom Vorsitzenden durch die Drohung, im anderen Falle sofort wegen Meineids verhaftet zu werden, zu falsche» Aussagen gedrängt.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) In einem anderen Fall behauptete ein Ham- burger Staatsanwalt schlankweg, die Sozialdemokratie predige den Meineid. Das„Hamburger Echo" kritisierte diese Unverschämtheit, wie es sich gebührte. Der Staatsanwalt klagte und es kam zur Verhandlung. Der Staatsanwalt wurde als Zeuge geladen und erklärte nunmehr, er könne unter seinem Eide die Behauptung nicht aufrechterhalten, daß die Sozialdemokratie den Meineid predige. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdeinolratcn.) Woraus erklären sich alle diese Vorgänge? Woraus erllärt es sich, daß ein Breslauer Richter von Schweinehunden spricht, aber den Rechtsanwalt in Ordnungsstrafe nimmt, der auf das Un- gebührliche solcher Ausdriicksweisc aufmerksam macht?(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS kommt daher, daß die armen, überlasteten, überarbeitete» Richter(Große Heiterkeit bei den Sozial- demokraten) das Opscr der infamen Halunken, der feilen Spitzel werden, die im Auftrage des NcichsverbandeS die offiziösen Zeitungen mit Berlcumdnngcn der Sozialdemokratie füllen. (Lebhafte Zustimmimg bei den Sozialdemokraten.) Wir richten an den Staatssekretär die Aufforderung, diesen Ueber- griffen der Richter, die oftmals direkt einen Mißbrauch der Amtsgewalt darstellen, entgegenzutreten. Das gehört durchaus zu den Aufgaben und zu den Pflichten des Reichsjustizamts.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ueber. die Moabitcr Urteile will ich mich hier nicht verbreiten. Ich will noch erklären, daß wir keineswegs die Urteile als milde cnschrn. Im Gegenteil, sie sind drakonisch hart.(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) ES ist eine geradezu ungeheuerliche Härte, wenn ein Arbeiter wegen des Rufes„Bluthunde" zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber man ist so gewöhnt an die drakonischen Urteile der Klnssenjusliz, daß man sich über solche Strafmaße gar nicht mehr ausrezt. Und nun denke man an die Bonner Boruffen, deren Treiben uns Herr Varenhorst als harmlosen Budenzauber hinzustellen sucht. Es hantelte sich um einen tätlichen Angriff auf einen Unteroffizier. Man denke, wie viele Jahre Gefängnis ver« hängt worden wären, wenn Proletarier im Soldatenrock sich dieses Vergehens schuldig gemacht hätten.(Sehr wahr! links.) Auch an anderen Universitären sind gegen Studenten wegen der gröbsten Ausschreitungen nur kleine Geldstrafen verhängt worden. Wir haben nichts gegen Geldstrafe wegen groben Unfugs. Aber wie kommt man dazu, bei Arbeitern den groben Unfug zum L a n d f r i e d e n s b r u ch zu stempeln und schwere!. a fen zu verhängen? Ist daS g l e i ch e S R e ch t, Herr Varenhorst? Wir wollen keine Gnade, sondern Reckt. Einer der erhebendsten Momente bei der Essener Tragödie war, daß die Frau eines Ver- urteilten es zurückwies, ein Gnadengesuch einzureichen, ihr Mann verlange nicht Gnade, sondern Recht zso denkt jeder Arbeiter. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir halten das Begnadi- giingSrecht überhaupt für überflüssig.(Sehr wahr! bei den Soz.) Auch bei Gutsherrschafren und Gutsarbeitern und Gesinde finde» wir dasselbe, namentlich im O st e n. Ein Gntsverwaller, ein verheirateter Mann, verführte eine 20jährige Wirtschafterin und miß» handelte die Verführie, als sie Muller geworden, aufs schwerste. Das Schöffengericht verurteilte ihn nur zu drei Wochen G e» s ä n g n i s und 65 M. Geldstrafe. Selbst gelehrte Richter waren hier einsichtiger— die Berufuiigsinstanz erkannte auf sechs Monate neuen Verfahrens, durch ein über den Zylinder schleifendes Messer von den in der Ebene des Messers liegenden Stellen des Druck- Zylinders ganz, von den tieferen nur zum Teil oder gar nicht ent- fernt. Eine Gummiwalze drückt nun das Papier— gewöhnliches Zeitungspapier— gegen den rotierenden Druckzylindex. Die flachen Stellen erscheinen dann auf dem Bilde, weil frei von Farbe, weiß oder fast weiß, die tieferen mit Farbe gesättigteren dunkler und ganz dunkel. Die Mertens-Druckmaschinc ist mit einer gewöhnlichen Rvtationsmaschine zwangsläufig gekuppelt, die den Eindruck des Textes übernimmt. Die erzielten Bilder sind von außerordentlich künstlerischer Wirkung, mit schönen Uebergängen und ähneln im Charakter Kreidezeichnungen. Das neue Jllustrationsdruckverfahren ist geeignet, in der Herstellung illu- strierter Zeitungen und Zeitschriften geradezu revolutionierend zu wirken. Boin Schwinden der deutschen Bolkstracht. Die deutschen Volkstrachten bilden in ihrer bunten Farbigkeit, in ihrer Mannigfaltigkeit der Formen eine der schönsten Blüten in dem Kranz der deutschen Volkskunde; sie sind eigentlich die einzigen Kostüme, die nnfere Kultur selbständig gejchafscn oder zum mindesten umgeschaffcn hat. Denn die maßgebende Modetracht haben wir Toiitsclien immer von fremden Vorbildern entlehnt, und erst ckls die aus Byzanz, aus Spanien und Frank- reich eingeführten Kleidungsstücke in den vornehmen Kreisen un- modern wurden, als sie herabsanken zum Volk und von diesem aufgenommen wurden, fanden sie eine eigenartige Aus- und Um- gestaltung. Auf diesen Zusammenhang der Volkstracht mit der städtischen Modetracht- weist ein Kenner der volkstümlichen Kleidung, der Pfarrer Karl Spieß, in einem Büchlein über die deutschen Volkstrachten hin, das er in der Teubnerschcn Tamm- lung„Aus Natur und Gcisteswclt" erscheinen läßt. So ur- sprünglich und persönlich die ländlichen Trachten auch erscheinen mögen, so ist doch bei genauer Betrachtung überall in ihnen die Kleidung der höheren Stände zu erkennen, wie sie uns nur in alten Bildern noch vor Augen tritt. Würdevoll und steif, wie die Bauern heute in ihrer Tracht erscheinen, ebenso trugen sich einst die Stadtherrcn und-damen nach französischen und spanischen Vorbi'dern. Dieser altfränkische Zug der Volkstracht erweist zugleich auch ihren großen kulturgeschichtlichen Wert, da hier noch Mächte des Geschmacks und der Form lebendig sich darbieten, die in der allgemeinen Kultur längst dahingegangen sind. Aber da diese Volkstrachten im rasch dahinflutenden Strom des modernen Lebens nur eine kleine Jnsc! längst verflossener Vergangenheit sind, so ist auch der tiefste Grund für ihr Verschwinden in der Gegenwart gegeben. So lange der Bauer noch fest wurzelte in den Anschauungen früherer Jahrhunderte, war auch die Kleidungs- weise dieser versunkenen Epoche ein trefflicher Ausdruck seines inneren Wesens. Seitdem aber das Landvolk immer engeren An- schluß an die allgemeine geistige EntWickelung gefunden, mußte die Beibehaltung der altfränkischen 5lleider der Bäter zu einem Widersinn werden. So existiert denn schon heute in weiten Gebieten des Deutschen Reiches eine Voltstracht im eigentlichen Sinne nicht mehr. Sie ? bat sich nur noch in einigen Gegenden erhalten, vor allem in Hessen, im Schwarzwald, dem Sprecwald, in Oberbahern und Tirol. Einzelne Trachteninseln ragen aus weiten Landgebictcn, in denen auch der Bauer schon unsere moderne Tracht angelegt hat, hervor, so auf Rügen, in Hinterpommern, in der Lausitz, in Altenburg, ini bayerischen Franken und im Elsaß. Das Volk sagt � sich instinktiv los von der Tracht der Ahnen, weil sie ihm als ein trauriges Wahrzeichen seiner eigenen Rückständigkcit erscheint, und die Begeisterung, die die Städter für die alten Kostüme an den Tag legen, trägt nur dazu bei, sie dem Bauern innerlich mehr und mehr zu entfremden. Neben diesem allmählichen Schwinden j der bäuerlichen, in sich abgeschlossenen Eigenart und des bäuerlichen Selbstgefühls sind eS Ursachen mehr lokaler Art, die das Aus- sterben alter Trachten bewirken. Die Herstellung einzelner Trachtenstücke wird nicht selten ängstlich als Geheimnis gehütet, und mit dem letzten Kenner, der letzten Kenncrin ihrer Kunst- fertigkeit sinkt ein solcher Teil des Kostüms für immer dahin. Aber der alte Spruch:„Selbst gesponnen, selbst gemacht,— Ist die beste Bauerntracht", verliert überhaupt immer mehr an Geltung. Das Spinnen und Weben zu Hause ist der leistungsfähigeren Maschine unterlegen; die billige Fabrikware siegt über das selbst verfertigte Kleid. Der Hausierer bringt wohlfeile Dutzendsachen ins HauS, und seine bunten Tücher, seine Bänder und Mode- stoffe verdrängen den Schmuck, den noch die Großmutter mit fleißigen Händen sich selbst zu schaffen wußte. Diese Entwicklung ist heute im wesentlichen vollendet. Humor und Satire. Epilog. Groß war die Zahl der Bekenner, Wie dehnte sich der Zug ins Weite! An dreimalhunderttauscud Männer Die gaben Singer das Geleitc! Grell leuchtete die Wintcrsonne Dem Masscntritte der Verneinung, Sechs Stunden lang zog der Kolonne „Vorübergehende Erscheinung". Kunst und Hof.„Ich lernte hier den... preußischen Minister Bethmann Hollweg... kennen und geriet mit ihn» in nähere Besprechung meiner Tendenzen bezüglich des Verhält- nisses der Kunst zum Staate. Als es mir gelungen war, den Minister hierüber in das Klare zu bringen, erfolgte sofort auch die desperate Erklärung, daß mit dem Staatsober Haupte eine ähnliche Verständigung stets unmöglich bleiben werde, weil für diesen die Kunst stets nur in das Gebiet der Belustigung gehöre".— Donnerwetter noch mal! sollte Bethmann wirklich so eine schneidige Lippe riskiert haben? Zweifellos. Jenes Zitat ist authentisch. Es stammt ans dem Jahre 1861 und befindet sich in der Autobiographie Richard Wagners. Seitdem hat sich freilich mancherlei geändert; bo- sonders der Bethmann Hollweg und das Verhältnis der Kunst zum Hofe.(«Lustige Blätter".) EefängniS. Wenn die Schöffen, wie wir eS verlangen, anZ allen Schichten der Bevölkerung genommen würden, so wären solche Ur- teile, die geradezu eine Prämie auf die Roheit setzen, undenkbar. sSehr wahrl bei den Sozialdeniokraten.) Ein anderer Fall. Ein Gutsbesitzer bearbeitete einen Ar beits jungen, der faul sein sollte— die Faulheit kommt dochautb bei Gutsbesitzern vor— nütF ä u st e n ,B e s e n ,P e i t s ch e, schlug ihn blutig, warf ihn auf den Mist.(Hört! hört! bei de» Sozialdemokraten.) Die Strafkammer aber verurteilte den mciiscbeu- freundlichen Gutsbesitzer zu— 50 M a r k G e l d st r a f e.(Lebhaftes Hört I hört l links.) Damit vergleiche man nun die Urteile gegen die Moabiter Arbeiter, Urteile, die den reaktionären Parteien viel zu niilde erscheinen, so daß sie Sturm laufen gegen unsere Rechtspflege.(Lebhaftes Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Behandlung der Reichen und der Armen durch die Gerichte ist den Reaktionären eben noch nicht ungleichartig genug. Wie aber kann angesichts solcher Urteile ein Herr Varenhorst die Tatsache leug»-."", daß wir zweierlei Recht in Deutschland haben?(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Varenhorst wollte gestern auch nicht die Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne auch seinerseits der Verteidigung in den Moabiter Prozessen etwas auszuwischen. Er sprach von den Zeugen, die von der Verteidigung aufgeboten seien. Die von der Verteidigung aufgebotene Zeugenschar reduziert sich auf Rull, Komma. nichts. Die Verteidigung hat gar nicht nötig gehabt, Zeugen auf- zubieten. Von selbst haben sich Zeugen in unübersehbarer Fülle der Verteidigung angeboten. Durch diese Zeugen ist unwiderleglich bewiesen worden, daß die Polizei auf die Anklagebank gehörte. DaS mag ja den Konservativen sehr unangenehm sein, denn die Konservativen sehen es nicht gern, daß die Polizei aus der Anklagebank sitzt. Aber alles Geschrei der Reaktionäre kann nichls an der Totsache ändern, daß ein alter Arbeiter, der Arbeiter Her- mann, der sich im Vertrauen aiif die Polizei auf die Straße begeben hat, unter den Schlägen der Polizeisäbel sein Leben ausgehaucht hat. (Lebhaftes Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Warum wird gegen die Mörder nicht vorgegangen und warum nicht gegen diejenigen. welche den Mord bcgünsngcu, gegen den Polizeipräsidenten und de» Minister des Junern? Haben diese das Recht der Begünstigung des Mordes? Ich denke, gleiches Recht für alle, Herr Varenhorst.(Leb hafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Große Unruhe rechts.) Wenn die Behörden, welche verpflichtet find, den Spuren der Mörder nachzugehen, sich hinstellen und die Polizei für ihre Mordtaten noch belobigen, so ist es berechtigt, zu fragen. warum diese Herren nicht angeklagt werden. Steht eS in Preußen schon so, daß die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage ist, unter der Polizei» ma nnschast die Mörder herauszufinden?' Wir haben ja oft darüber zu klagen, daß trotz Mordkommission die Polizei nicht in der Lage ist, die Täter schwerer Verbrechen ausfindig zu machen. Wo aber der Täter in einem so kleinen Kreise zu suchen ist, sollte auch da die Staatsanwaltschaft in Preußen so ohnmächtig sein, den Mörder nicht zu finden, soll sich hier wiederholen, was wir in B r e s l a u bei dem Hand- abhackrr erlebt haben. Ist die Justiz wirklich so ohumächtig gegenüber der Polizei. Der Staatssekretär ist dazu da, um dafür zu sorgen, daß die fich häufenden Brutalitäten und Verbrechen der Polizeibeamten vrr» folgt werden. Was nützt denn eine Strafrechtsreform, wenn wir in einem Polizei st aat leben, wo der Schutzmann dasun» beschränkte Recht hat, den Säbel nach Willkür zu gebrauchen. Die Schande, dir Schmach, die auf jeden fällt, der sich zu Mördern gesellt, und Mörder begünstigt, der Polizeipräsident, der Ministerpräsident.... Vizepräsident Schultz: Sie erheben gegen die höchsten Beamten Preußen«, den MiiiisterprSsideuten, den Minister drS Innern, den Polizeipräsidenten, den schweren Vorwurf, Mörder zu begünstigen. Das sind grobe Beleidigungen. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. (Beifall rechts, Zurufe bei den Sozialdemokraten: Es sind Tat» fachen.) Abg. Stadthagen(fortfahrend): Ich muß mich dem Ordnung?» ruf des Präsidenten fügen, aber er ist kennzeichnend für unsere Rechtszustäude. Ich habe hervorgehoben, daß die Forderung er- hoben werde» muß, daß auch gegen Beamte, wenn sie Ausschreitungen begehen, Anklage erhoben wird. Daß aber, wenn man bei der Staatsanwaltschaft einen solchen Antrag stellt, man in Gefahr kommt, wegen Beleidigung der Beamten angeklagt zu werden. Ich danke dem Herrn Präsidenten, daß er diesen Zustand unter» strichen hat.(Lebhaftes Sehr gut I bei de» Sozialdemokraten.) Aber warum wird gegen die Mörder nicht eingeschritten, und was plaubt der Staatssekretär, daß gegen sie geschehen müsie? Die �stiz soll sein Wahrer!» der Gerechtigkeit, ohne Ansehen der Person. Deshalb richte ich noch einmal meinen Appell an den Staats- fekretär: Sorgen Sie dafür, daß gegen die Mörder vorgegangen wird, nicht aber gegen die, die nichts begangen haben.(Lebhaftes, anhaltendes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Lisco: Nachdem der Herr Präsident dem Abg. Stadthogen einen Ordnungsruf erteilt hat, habe ich in der Sache nichts mehr zu sagen.(Bravo! rechts. große Unruhe links. Abg. Ledebour(Soz.) ruft: Drückebergerei!) Vizepräsident Schultz: Wegen dieses Ausdrucks rufe ich den Abg. Ledebour zur Ordnung. Abg. Scyda(Pole): Das Grundübel, an dem die deutsche Justiz, namentlich im Osten, krankt, ist, daß man sie herabwürdigt zur Dienerin der Politik.(Lebhafte Zustimmung bei den Polen und Sozialdemokraten.) In den östlichen Provinzen kennt ja meist der Richier gar nicht die Sprache der Bevölkerung, der er Recht sprechen soll. Zu den Suahelis, zu de» Chinesen schickt man Richter, die iöre Sprache kennen, aber den Polen verweigert man unter Bruch feierlicher Versprechungen früherer preußischer Könige Richter, die ihrer Sprache mächtig sind. Ja. die Richter, die polnisch verstehen, sind im Oslen im Aussterben begriffe».(Hört l hört! bei Polen und Sozialdemokraten.) Blau sucht auch mögliaist die Polen vom Schöffen- und Geschworenenamt auszuschließen. Durch Dolmetscher muß der Richier mit den Prozeßparteien verkehren und zu Dolmetschern nimmt man nicht Polen, sondern Ostpreußen usw., die der polnischen Sprache nicht mächtig find, dafür aber den Vorzug haben, politisch .zuverlässig" zu sein. Da kommen dann die t o l l st e n und verhängnisvollsten Verwechslungen zu st and e.— Manche— nicht alle— Richter treten offen als Hakatistische Agitatoren auf. Wie soll die polnische Bevölkerung zu solchen Richtern Vertrauen haben? Nicht nur von den unteren Instanzen werden ungeheuerliche Urteile gefällt, die mehrfach die Entrüstung der großen Mehrheit deS Reichstages hervorgerufen haben, wndern«uch die Judikatur des ReichSgerichtS zeigt si» mehr und mehr hakati st isch angekränkelt. Die paneiü che Justiz muß zum Ruin deS Staates führen.(Lebhafter Beifall bei den Polen.) SraatSsekretär Dr. Lisco wendet fich gegen die Angriffe deS Bor» redners auf d»e Rechtsprechung des ReichSgerichtS. Abgeordneten Aög. Dr. Müller-Meiningen(Vp.): DaS Schlagwort von der Weltfremdheit der Richter und von der Klassenjustiz hat auch gestern und heut- hier eine große Rolle gespielt. Man soll sich_ aber vor unzulässigen Verallgemeinerungen hüten. Wenn wir uns gegen die ungerechten Verallgemeineningen wenden, so will da? natürlich nicht besagen, daß nicht auch wir eine ganze Reihe von Gerichtsurleilen zu kritisieren haben. So hat ein und dasselbe Gericht die Verteilung von Flugblättern am Sonntag durch Sozialdemokraten mit Strafe belegt, die Verteilung durch Agrarier freigesprochen.(Hört! hört I links.) Sonderbar ist es, daß Hochrufe aus das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht von verschiedenen Gerichten als aufrührerisch verurteilt worden sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ebenfalls sehr merkwürdig ist es. daß der Bund der Landwirte als unpolitischer Verein eingetragen ist.(Hört! hört!) Die soviel beklagte und sehr verschieden erklärte Unzufriedenheit, die in den iveitesten Kreise» gegenüber der Justiz herrscht, geht nicht zum wenigsten auch auf die uiilibersehbare Masse, den schreckliche» Wulst von Polizeioerordiningcn zurück.— Berechtigtes Aufsehen hat der Fall der FreiheitSderoubung der galizischc» Dicustmagd Ciagon gemacht. Der preußische. Minister des Innern hat im preußischen Abgeordneteuhause eine Darstellung gegeben, ivonach die ganze Schuld auf die nachgeorditeleii Behörden fällt. Diese Darstellung ist nach den mir vorliegenden Akten nicht zutreffen d. lHörl! hört!) Der Fall bedarf noch weiterer Klärung, zumal er nicht nur in Deutsch- land, sondern in ganz Europa größtes Aufsehen gemacht hat.(Sehr wahr! links.) Der Fall Schönebeck weist manche hochinleressante Momente auf. Ich erinnere an die eigentümliche Rolle, die der Kriiuinallommissar Wannowski in diese»! Prozeß als Mittelsmann zivischen K riegSminister und Staats- a n w a l t spielt. Vor allem aber zeigt der Fall Schönebeck wie auch andere Fälle die Notwendigleir einer gründlichen Reform unseres Irre»rechts. Im Falle Becker haben alle Parteien mit Ausnahme der Konservativen und Antisemiten das hohe Strasinaß bedauert, und in den weitsten Kreisen versieht man das nicht. Ein Zuhälter, der zum Auswurf der Menschheit gehört, wird nur zu IV Monaten Gefängnis verurteilt, aber ein Ehrenmann wie Becker zu einem Jahr. Ernstes Befremden muß auch die Leitung des Prozesses erregen. (Sehr wahr! links.) Für alles, was dem Angeklagten zur Entlastung dienen konnte, wurde d e r B e w e i s abgeschnitten. In der Behandlung der Zeugen zeigte sich der ganze Maugel an Takt und Objektivität bei dem Borsitzciidcn. Gerade diesen Mann zum Vor- sitzenden zu wählen, war ein schwerer Fehler, er ist eine Partei- politisch sehr exponierte Persönlichkeit, der zur Leitung eine» politischen Prozesses ungeeignet war. Diese Prozeßführung muß das Ber- traue» zu de» Richtern untergrabe» und aus weite Kreise aufreizend wirken.(Sehr richtig! links.) Das ist um so bedauerlicher, als kein Reich und Staat auf die Dauer ohne Vertrauen zu den Richtern be- stehe» kann.(Bravo I b. d. Vp.) Damit schließt die Debatte. Der Titel wird bewilligt und dabotieloS der Rest des Etats. Die von der Kommission beantragte Resolution, eS mögen in die Strafrechlskommission mindestens drei Rechtsanwälte, die Kriminalisten sind, als ständige Mitglieder berufen werden, wird nach kurzer Befürwortung durch den Abg. Kirsch(Z.) a n- g e n o m in e n. Hierauf vertagt sich daS HauS auf Donnerstag 1 Uhr.(Mi litärclat.)_ Schluß'/J Uhr. Mgeorcinetenbaus. 83. Sitzung vom Mittwoch, den 22. Februar, vormittags 10 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Nach Vereidigung einiger neu gewählter wird die zweite Lesung des Eisendahnctats bei der Besprechung der Beamten- und Axbeiterwünsche fortgesetzt. Abg. Dr. Schröder- Kassel(natl.) tritt für Besserstellung der Eiseubahiiassisteiiten, Betriebssekretäre und Weichensteller ein. Auch von Arbeitern seien ihm vielfach Wünsche unterbreitet worden. Löhne unter dem ortsüblichen Tagelohn solllen überhaupt nicht vorkommen. In den Betriebswerkstätten ist gar keine Lohn- erhöhung erfolgt, andererseits wird über die große Ungleichmäßigkeil in den erfolgten Aufbesserungen geklagt. Da? Verlangen des Eisenbahnminislers in der Kommission, daß Abgeordnete nicht in Arbeirerversammlungen gehen solllen, ist nicht gerechtfertigt. Auch im E i s p a I a si sind ja Abgeordnete gewesen I(Sehr richtig! links.) Tie Arbeiterausschüsse solllen mehr gehört werden. Der Urlaub sollte allen Urlaubsberechtigien gewährt werden; auch die Bahnunterhaliungsarbeiter haben ihn not- wendig. Ein ReglcrungSkommissar aus dem Finanzministerium erklärt, daß in den nächsten Etat eine Summe eingestellt werden solle, um die Härten der verschiedenartigen Besoldung der Eisen- bahiiassistcnten in Preußen und im Reiche abzustellen. Doch müsse an den Bestimmungen der Besoldungsordnung dabei festgehalten werden. Eisenbahnminister v. Brcitenbach: Die von den Herren Bor- redncrn geäußerten Wünsche sollen alle wohlwollend geprüft werden. Die Aufbesserung der Beaintengehälter durch die BesoldungSorduung ist recht erheblich gewesen.— In der Kommission habe ich lediglich betont, daß aus der Anwesenheit von Abgeordnelen der bürgerlichen Parteien in Arbeiterversammlungen von den beteiligten Arbeitern zu weitgehende Schlüsse gezogen werden könnten. Den Beschwerden über das Akkordsyslem soll gründlich nachgegangen werden.(Bravo!) Zu diesem Zwecke wird eine Kominissioii gebildet, der auch S a ch- v e r st ä ndlge auS den Handwerkern und Arbei t« r n angehören sollen.(Bravo!) Auch die A r b ei t e r a u S s ch ü s i e sollen über Lohufragen gehört werden. Redner macht zahlenmäßige Angaben über die Steigerung des durchschnittlichen Einkommens der Eiseubahnarbeiter seit IVOS, die auf der Tribüne unverständlich bleiben. Abg. Viereck(frk.): Der Verkehr auf unseren Eisenbahnen ist pünktlich und zuverlässig, wir können der Pflichttreue der Beamten und Arbeiter nur volle Anerkennung aussprechen. Dieser gute Geiu konnte nicht gepflegt werden ohne Disziplin. Minister v. Budde hat es verstanden, ordnungswidrige Bestrebungen von der Ellen- bahn fernzuhalten und hat andererseits die Fürsorge für die Eisenbahner angebahnt, die jetzt weiter auSgestaltel wird. Ein Slreikrecht können wir den Eisenbohnern nicht zu- erkennen. Erfreulich war die Erklärung des Ministers bei der ersten Lesung, daß ein Streik der Eisenbahner wie in Frankreich bei unS ausgeschlossen ist.(Bravo I rechiS.) Abg. DeliuS(Bp.) befürworter Besserstellung einzelner Kategor, en von Beamten und Arbeitern. Die Ruhetage sollten verniehrl werden. Nicht einmal die Bestimmung, daß jeder Beamte im Monat mindestens zwei Ruhetage haben muß. wird innegehalten. Die Löhne der BahnunlerhaltungSarbeiter betragen noch viel- f a ch 2 M. b i s 2,20 M.(Hörl! hört!> DaS entspricht unter keinen Uniständen den teueren Lebeiisverhältnisien. Ein Bahnmeister, an den sich die Arbeiter um Lohnerhöhung wandten, berichtete an seine Direktion, das sei nicht notwendig, er bekomme in seinem Bezirk noch Arbeiter genug zu den alten Löhnen. Und ein Regierungsrat erwiderte einer Deputation von Arbeitern: Was wollen Sie, von einer Teuerung ist keine Rede, das ist doch nur Zeitungs schreib erer. ErwaS mehr soziales Empfinden sollten solche Beamte dock haben,(Bravo l links.) Abg. v. HennigS-Techlin(k.) schließt sich den Wünschen auf Besierstellung einiger Beamtenkategorien an. Die Petitionen au? Beamtenkreisen sollten aber auf ihre Berechtigung genau geprüft werden. Der Vorredner hat offenbar die Mehrzahl der von ihm vorgetragenen Wünsche nicht kontrolliert; die Art. wie er sie vor- getragen hat er sprach u. a. von menschenunwürdigen Verhält- niffen— kann nicht zum Friede» dienen. Sie kann nur die U n« zufriedenheit in die Beamtenkreise tragen, woran ja die Freunde des Vorredners- bei den Wahlen ein gewisses Interesse haben.(Sehr richtig I rechts.) Wir siud der An- ficht, daß unser Beamtenbeer mit einem Wohlwollen von dem Mi- iiister behandelt werden, wie wir es nicht besser wünschen können. Wir wollen den Beamten helfen, so weit es geht, aber� sie müssen sich auch bescheiden im Hinblick auf die Interessen anderer Steuerzahler.(Bravo! rechts.) Minister v. Brcitenbach betont gegenüber dem Abg. DeliuS, daß bei den vorgesehenen Lohnerhöhungen gerade an die Bahnunterhaltungs- arbeiler in erster Linie gedacht sei. Abg. Korfanty(Pole) wendet sich gegen die widerruflichen O st m a r k e n z u l a g e n an Eisenbahubeamte in den polnischen Provinzen. Ein Beamter wurde mit 1V M. Geldstrafe beleqt. weil er sein Frühstück in eine polnische Zeitung gewickelt halte.(Hörr! hört!) Eine solche Nadelstichpolitik ist unlvürdig einer großen Verwaltung.(Sehr wahr! bei den Polen.) Der Minister hat mir offen erklärt, wenn wir die Wahl hallet zwischen einem gleichbefähigten Polen und Deutschen, so wählen wir natürlich den Deutschen.(Hört! hörr I) DaS wider- spricht der Verfassung, die nicht Deuliche und Pole», sondern nur Staatsbürger kennt.(Sehr wahr! bei den Polen.) Auch gegen die Protestantisierungspolilik der Eisenbah iverwaltung muß ich protestiere». So wird bei der Bewerbung»ni Stellen in den polnischen Provinzen von den Bewerbern der Nachiveis ver- langt, daß sie eine protestantische Frau haben.(Hört I hört! im Zentrum.) Minister v. Breitenbach bestreitet, daß auf feiten der Eisenbabn- Verwaltung Proteslaulisierungsbestrebungen vorlägen und verteidigt den Ostmarkeiisonds. Bon einer Ausmerzung der polnischen Sprache in den Familien der Beamten könne keine Rede sein. Abg. Leinert(Soz.): Wenn ich alle meiner Fraktion aus Eisenbahnerkreisen zugetragenen Wünsche vorbringen wollte, würde das meine physischen Kräfte über- steigen. Den Ausführuiigen deS Herrn DeliuS kann ich mich nur anschließen. Durch die Kritik des Herrn H e n n i g S find diese Ausführungen nur unlerslrichen worden. Von den Rechten der Sleueizahler reden die Herren Konservativen nur, wenn es sich um Beschränkung der Beamten- und Arbeiter- wünsche handelt.(Sehr wahr! links.) Die uns vom Herrn Minister gütigst erteilte Erlaubnis, unter gcwiffen Umständen in Be- ainten-»nd Arbeiterversammlungen zu gehen, lehnen ivir ab. Wir stehen nicht unter der Disziplin des Herrn Ministers und werden solche Versammlungen stelS aussuchen, wem, wir es für an- gebracht halten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahl der etatmäßigen Beamten ist in diesem Etat um 3228 vermehrt. Unter den 180 775 vorhandenen Beamten sind nach einer Aeußerung de« Ministers 115 000 Unterbeamte. Im ganzen gibt es etwa 325000 Hilfsbedieustete und Arbeiter bei der Eiseubahnverwaltung. Die Hoffnung der Arbeiler, in Unterbeamtenstellen zu kommen, ist s e h r g e r i n g, pro Jahr sind es etwa 6000. Alio es ist keine Rede davon, wie der Minister ein- mal sagte, daß alle Arbeiter die Hoffnung hätten, Unterbeamte zu werden. ES ist das vielmehr ein Lotteriespicl, daS alle Leidenschaften eines solchen unter den Arbeitern der Eisen- bahn aufwühlt. Die Hilfsbediensteten verrichten übrigens genau die- selben Arbeiten wie die Beamten, sie werden nur schlechter als diese bezahlt. All diese Stellen sollten in Beamtenstellen umgewandelt werden. Landarbeiter sind überhaupt von der Einstellung in den Eiseubahndienst ausgeschlossen. Lieber zieht man AuS- l ä n d e r heran, als daß man Landarbeiter der Fuchtel der Agrarier entzieht. Immer schlechter werden die Verbältnisse der H i l f S s ch a f f n e r. Zwölf Jahre müssen sie auf An« stellung warten, ihr Lohn beträgt 2 M. bis 2,60 M. Die meisten gelange» überhaupt nicht zur Anstellung. In diesem Arbeiten mit Hilfsarbeitern liegt das Geheimnis deS billigen Betriebes der Eisenbahuverwaltnng; die vorgesehenen Höchstgehälter werden meist überhaupt nicht erreicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kralen.) Ueber die vorgesehenen Lohnerhöhungen ergibt der Etat kein klares Bild. Sieben Millionen sollen vorgesehen sein für Lohn« erhöbungen an Hilfsbedienstete und Arbeiter. Das bedeutet pro Mann 45 Mark im Jahre. Etwa drei Millionen sind vorgesehen für BahniinterhaltmigSarbeiter; die WerlstäNenarbeiter icheinen überhaupt nicht bedacht zu iein. Pro Tag beträgt die ganze Lohnerhöhung für die Arbeiter und Hilfsarbeiter im Durchschnitt zehn Pfennig. DaS bedeutet ein reines Almosen gegenüber den etwa zweihundert Mark pro Jahr durchschniltstcher Gehalts- zulage für die Unterbeamten. Die unübersichtliche Dar- stellung der Lohnerhöhungen für Arbeiter ist danach sicher ab- sichtlich erfolgt. Nur die Sllere» Arbeiter find überhaupt mifgebeffert worden durch Einfügung neuer Lohuklaffen, die die meisten Arbeiter aar nicht erreichen. Die höchste Lohnzulage beträgt 20 Pfennige pro Tag.(Hört! hört! bei den Soztaldemo- traten.) Bei den Beamten hielt man gerade die Aufbesierung der AufangS�ehälter für notwendig, bei den Arbeitern sind die Anfangs- löhne saft ganz unverändert geblieben. DaS verstehen die Arbeiter nicht. Bon einem gerechten Ausgleich angesichts der Verteuerung der Lebensmittel kann dabei keine Rede sein. Wenn man dem König von Preußen 3'/2 Millionen bewilligt hat. empfiehlt man den Arbeitern, sich nach der Decke zu st recken,«ber der Zentrumsarbeiter Herr Beyer hat nicht» Besseres zu tun. als sofort dem Herrn Minister seinen tiefgefühlten Dank auszusprechen. Dabei sind teil- weise sogar Lohnherabsetzlingen vorgekommen.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten. Solche Fälle sind mir, B aus S a a r- berichte,. Zum Teil sollen die Lohnkürzungen dort 7 bis 12 M. pro Monat beiragen.(Hön! hörtl bei den Sozialdemo- kraten.) Die Beschwerden über die Akkordarbeit bat der Minister noch nicht berücksichtigt. Die Art. wie jevt der Akkord be- rechnet wird, ist nicht gerecht. Die älteren Arbeiter erhalten Zu- läge», vre den lungeren abgezogen werden.(Hört! hörl! bei den «ozialdemokralen.) Die Stückpreise sollen nach Verstellung von Probearbetten unter Aufsicht herabgesetzt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Löhne sollten nicht ohne Muwirkung der«rbe.re�ausichuffe regulier, werden. Der Minister freilich spricht d.eien die«achveritand.gkeit in dieie.. Dinge» ab.(Hört! hörl! bei den Sozialdemokraten.) DaS richtigste wäre die völlige Beseitigung der Akkordarbeit bei der Eisenbahnverwaltung. Nicht einmal die ortsüblichen Tage- lohne wtll der Munster nmer allen Umständen zahlen. Aber diese 5.odne werden doch durch die Behörde festgesetzt für gewöhnliche TageSnrbetter unter Anhörung von Arbeitern und Arbeiterinnen. Daher verlangen wir diese Löhne als Mindestlöhne. Werden doch 1 rV? e- bis herab zu 26 Pf. gezahlt. (Hort I Hort! be, den Sozialdemokraten.) Unerhört ist e». wenn dann noch um Lohnerhöhung petitionierenden Arbeitern, wie daS in« ®' 0 8 a." pa'Ncrl'st. gesaal wird: Wenn sie damit nickt auskommen. sollten sie ihre grauen miiarbciten lasten.(Hör, I bort I bei den Sozialdemokraten.) Zu den Löhnen werden übrigens auch Reise« e n r s ch a d i g u n g e n für VorstaiidSmitglieder von Wohl- sahriSvereinen und ähnliche Dinge, über die wir Nähere» gar nicht-«fahren, gerechnet.(Höri! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Wir wiederholen unsere Forderung nach einer ganz genaue? Lohnnachweisung. Auch mit den Ruhetagen für Beamte und Arbeiter ist«3 nicfit bester geworden. Die Lokomotivführer haben bei ivrem anstrengenden, gefahrvollen Dienst noch Unierricht an Ruhetagen. auch ihre Vernehmungen über Vorkommnisse im Dienst«erden a u) Ruhetage verlegt.(Hört! hört! bei ven Sozialdemolrai�n.) Ihre ArbeiiSzeit soll ö'/j Stunden pro Tag betragen, aber man rechnet dabei den Monat zu 30 Tagen und die Dienstzeit wird um die Ruhetage verlängert. In der Tat müssen sie 2o treust» tage mit etwa 1t Stunden Arbeitszeit im Monat leisten. tHört l hörll bei den Sozialdemokraten.) Die Festtage, die in die Wockie fallen, sollten den Arbeilern bezahlt werden. Eine solche Petiiion aus der Gegend von Hannover hat der Minister mit RScksicht auf die Großindustrie und die Agrarier abgelehnt.affner Spiller in Buch auf, daß eine von einem Passagier dort abgegebene Fahrkarte eigentümlich gelocht war und aus der Rückseite deutliche Spuren zeigte, die darauf hindeuteten, daß auf der Einlochung gekratzt worden war. Er machte sofort einem Unterassistenten Mitteilung. und es wurde festgestellt, daß die Karte doppelt gelocht sein mußte: einmal in Buch und ein zweites Mal auf dem Stettiner Bahnhof. Man paßte nun auf und stieß bald darauf noch auf 4 Fahrkarten, die in dieser Weise doppelt gelocht waren. Ueberall war der Datumsstempel der ersten Einlochung in Buch weggekratzt, und die vier Karten waren dann mit der Lochung des Stettiner Bahnhofs versehen worden. Die Fahrkarten waren auf dem Stettiner Bahn- Hof mit einer Zange gelocht worden, deren Nummer auf die Tätig- keit des Angeklagten hindeutete; es wurde dessen Fahrkartenkastcn nachgeprüft, und es konnte festgestellt werden, daß der Angeklagte sich ein System ersonnen hatte, um den Eiscnbahnfiskus zu be- trügen und sich zu bereichern. Er mutz eine Anzahl der von den Reisenden nach Beendigung der Fahrt abgenommenen Fahrkarten, anstatt sie in den Sammelkasten zu werfen, an sich genommen und diese zum Zweck der Vertauschung mit noch unbenutzten Fahr- karten sorgfältig vorbereitet haben. Wenn dann ein Reisender, der vom Stettiner Bahnhof abfahren wollte, sein gelöstes und noch ungestempeltes Billett vorzeigte, mutz er mit großer Geschicklichkeit den Tausch vorgenommen und dann die Lochzange in das Loch- zeichen der von ihm in Bereitschaft gehaltenen schon benutzten Fahrkarte gesteckt und so das Fahrzeichen des Stettiner Bahnhofes gerade auf das frühere Lochzeichen gedrückt haben. Der Angeklagte bestritt seine Schuld, machte geltend, daß er in einzelnen Fällen selbst getäuscht sein, in anderen ein Versehen seinerseits vor- liegen müsse und hatte durch Rechtsanwalt Klibanski mehrere Entlastungszeugen vorladen lassen.— Die Geschworenen sprachen ihn der Urkundenfälschung und des Betruges schuldig. DaS Urteil lautet« auf 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus und 150 M. Geld- strafe bei sofortiger Verhaftung des Angeklagten. Aus einer Gemeindeschule. Etwa 40 Gemeindeschüler verweilten zwei Tage lang als Zeugen gegen ihren Lehrer im Kriminalgerichtsgebäude. Die vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte Anklage wegen Vergehen gegen die Sittlichkeit richtete sich gegen den Gemeinde. schullehrer Franz Kremser. Die Verhandlung füllte zwei Sitzungs- tage aus und fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Dem Vernehmen nach war der Angeklagte beschuldigt, sowohl in der Klasse als auch beim Baden in undezenter und Anstoß erregender Weise Schülern allerlei Andeutungen, die auf sexuellem Gebiete liegen, gemacht zu haben. Der Staatsanwalt beantragte nach Ver- nehmung zahlreicher Zeugen selbst die Freisprechung des An- geklagten, dem von seinen Kollegen das beste Zeugnis gegeben wurde. Der Gerichtshof erkannte denn auch auf Freisprechung. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Versammlungen. Maßnahmen der Arbeitgeber gegen die Organisationsbestrebnngei» der Arbeiter, lautete die Tagesordnung einer Betriebsversammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Ludwig L o e w e, die am Dienstag den großen Saal des Moabiter Gesellschaftshauses bis zum letzten Stehplatz füllte. Dieser außerordentliche Massenbesuch bildete einen Beweis dafür, daß die terroristischen Mittel, womit man seit einiger Zeit auch in jenem Großbetrieb den Metallarbeiterverband tot und den gelben Werkverein lebendig zu machen sucht, keinen Erfolg haben. Diese Tatsache wurde auch weiterhin durch den ganzen Verlauf der Versammlung bestätigt. Cohen, der Be-- vollmächtigte des Deutschen Metallarbeiterverbandes, schilderte jene Matznahmen der Arbeitgeber und ihrer Obergelben zur Vernich- tung des Koalitionsrechtes der Arbeiter in verschiedenen großen Betrieben der Metallindustrie. Es werden alle möglichen Zwangs-- mittel angewandt, um die Arbeiter durch Drohung mit Entlassung oder Verweigerung der Einstellung und allerlei Schikanierungen zum Eintritt in die gelben Vereine zu zwingen. Diesen Vereinen werden große„Schenkungen" gemacht, die dann nachträglich, wie das unter anderem besonders kratz bei der Aktiengesellschaft Bur- bacher Hütte hervorgetreten ist, zu ungeheuren Lohnherabsetzungen ausgenützt werden, während das Unternehmertum nach außen hin mit seiner Humanität prahlt. Von den hiesigen Großbetrieben haben solche„Schenkungen" gemacht z. B. die Firma Siemens u. Halske 20 000 M., die A. E. G. Oberschöneweide 5000 M., die Firma Flohr 3000 M. Daß derartige Machenschaften nicht ver- fangen, haben die letzten Arbeiterausschutzwahlen bei Flohr wieder einmal bewiesen. Es wurden dort 438 Stimmen abgegeben und diese sämtlich für die Kandidaten der freiorganisierten Arbeiter- schaft. Der gelbe Sumpf ist also bei der Firma gründlich trocken» gelegt. Wie die gelbe Agitation betrieben wird, zeigt unter ande- rem ein Entlassungsschein der Firma Siemens u. Halske aus ihrem Betriebe am Nonnendamm. Er gibt folgende Auskünfte über den Entlassenen: Führung: gut. Leistungen: gut. Grund der Ent- lassung: Vertrauensmann der Roten. Ist die Wiedereinstellung in unserem Werk zu empfehlen: Nein. Ist die Wiedereinstellung in einem anderen Werk der S. S. W. oder der S. H. zu empfehlen: Nein. In solcher Weise wird also der Raub des Koalitionsrechtes betrieben, und die Firma Ludwig Loewe macht es offenbar nicht besser.„Geschenkt" hat sie ihrem gelben Werkverein auch schon etwas, nämlich die Zinsen eines Kapitals von 25 000 M. unter der Voraussetzung, daß die Mitglieder jährlich mindestens 1000 M. an Beiträgen aufbringen, die Mitgliederzahl nicht weniger als 100 beträgt und der Verein den in§ 2 der Satzungen vorgeschriebenen Zwecken treu bleibt. Dieser Paragraph besagt: Zweck des Vereins ist 1. den nationalen Gedanken zu pflegen; 2. seine Mitglieder in geistiger, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu heben; 3. das gute Einvernehmen zwischen der Firma und ihren Arbeitern zu erhalten.— Jeder denkende Arbeiter erkennt aus dem hier Ge- sagten deutlich genug, daß der eigentliche Zweck dieser gelben Gründung die Knebelung der Arbeiterschaft ist. Die Firma will jetzt offenbar mit aller Gewalt vorgehen, um den Arbeitern den Werkverein aufzuzwingen. Die Werkmeister und höheren Ange- stellten, die sich zu solcher Gewaltsagitation hergeben, suchen ein- ander in ihrem Eifer zu übertreffen, um zu zeigen, daß der gelbe Verein endlich festen Fuß faßt. Die Agitatoren der Gelben laufen mit Mappen und mit dem„Bund", dem gelben Bundesblatt, herum und verdienen ihr Geld, ohne entsprechende Arbeit dafür zu leisten. Tüchtigkeit in der Arbeitsleistung gilt offenbar nichts, wenn eS sich um freiorganisierte Arbeiter handelt; ihnen werden die am wenigsten einbringenden Arbeiten zugewiesen, während die Gelben, man weiß nicht auf Grund welchor Leistungen, hohen Verdienst ein- heimsen können. Dazu kommen die gänzlich ungerechtfertigten Ent» lassungen freiorganisierter Arbeiter. Ein solcher Fall beschäftigte am 17. Februar den Arbeiterausschutz, und die Vertreter der Direktion gaben dabei laut Protokoll folgende Erklärung ab: „Die Frage des Arbeiterausschusses, ob die Direktion damik einverstanden sei, daß Arbeiter, die sich weigern, dem Werk- verein beizutreten, entlassen werden, wird von Herrn Dr. Wald- schmidt verneint. Herr Hubn bemerkt hierzu erläuternd, daß die scheinbare Ausnahme, die in dieser Hinsicht vorgekommen sei, sich daraus erklärt, daß ein Mann, der vor der Einstellung erklärt hat, er werde dem Werkverein beitreten, hinterdrein sein Wort nicht gehalten hat." Obwohl die Direktion somit nicht einverstanden damit ist, wird die Agitation mit denselben Zwangsmitteln weiterbetrieben, und Entlassungen wegen Weigerung des Beitritts zum gelben Verein sind seitdem schon wieder vorgekommen.— Der Referent sagte zum Schluß mit aller Deutlichkeit, daß. wenn dieses Treiben sich so weiter entwickelt wie in den letzten Wochen und Monaten, die Firma sich darauf gefaßt machen mutz, daß einmal gründliche Ab- rechnung mit ihr stattfindet; denn die Arbeiterschaft habe nicht ein Vicrtcljahrhundert an ihrer Organisation gearbeitet, um sich schließ- lich zu Heloten machen zu lassen.— Stürmischer Beifall bewies, daß dies auch die Meinung und der Wille der Versammlung war. Die Diskussion wurde besonders interessant dadurch, daß der Vorsitzende des Loeweschen Werkvereins, ein Herr Hagemann, das Wort nahm. Er stellte sich vor als das Scheusal aller Scheusale, als was ihn Cohen gekennzeichnet habe, meinte aber selbst, daß er und die Gelben doch weit tugendhaftere und bessere Leute seien als die Roten, deren ganze Tendenz dahin gehe, Unfrieden zu stiften, was ja auch die Führer tun mutzten, um nicht den Ast abzusägen, auf dem sie säßen. Die Gelben wollten, daß die deutsche Industrie nicht ruiniert werde, wie der Metall- arbeiterverband es mit der Feilenindustrie in Remscheid gemacht habe. Die ewigen Hetzereien müßten aufhören..„Wenn wir oder die Firma," sagte er weiter,„scharfe Maßregeln anwenden, Re- verse, die unterschreiben mutz, wer nicht entlassen werden will, kann man das der Firma nicht verdenken. Sie haben Ihr gutes Auskommen bei Loewe. Wer nicht zufrieden ist. mag die Pforten verlassen!" Trotz der provozierenden Redensarten, die allerdings lebhaften Widerspruch hervorriefen, konnte der Hagemann ruhig ausreden und später noch ein paarmal zu Worte kommen. Natürlich blieb man ihm die Antwort nicht schuldig. Das Beispiel aus Remscheid war ja besonders schlecht gewählt. Handelte es sich doch dort um eine Arbeiterschaft, die trotz Mitarbeit der ganzen Familie die allererbärmlichstep Löhne verdiente. Das offene Eingeständnis, daß die Firma und ihre Obcrgclben durch Drohung und Nötigung die Arbeiterschaft in den Werkverein hineinzuzwingen suchen, wurde mit dem richtigen Verständnis aufgenommen, und ebenso das sattsam bekannte Geschwätz von der nationalen Industrie. Cohen hielt dem Herrn Hagemann einen Spiegel vor, wie die Arbeiterschaft über die Qualifikation der Obergelben denkt, und aus der Mitte der Versammlung wurde ihm nicht minder deutlich die Meinung gesagt, bis er es schlietzlich vorzog, hinauszugehen. Seine Redereien hatten offenbar eine starke agitatorische Wirkung für den Metallarbeiterverband ausgeübt. Lriefkakten der Expedition. Patienten in Beelitz. B»ch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer»Iboimenlen, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben. wollen uns wegen der Uebcrweisung von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werde». Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werde». «mtiittzrr-vtarktberich» der städttliben Narktbatten-DIrektion aber den»rohbandel in den Zenlral-Marttballen. Marktlage: Fleilch: Zusubr schwach. Gefchäst still, Preise unverändert. Wild: Zufudr mäbig, «Selchäst ruhig, Preise befriedigend. Geflügel: Zufuhr ausreichend, Geschäst etwas belebt, Preise behauptet. Fische: Zufuhr mäßig, tSeschäst ruhig, Preise wenig verändert. Sutter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Oda und Südfrüchte: Zujutzp genügend, Geschäft sehr füll, Preis« fast unverändert.__ Suchdruckerei». Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berkin SW. i,«. 28. 2. Mm des Jormsrls" Stllim NslkstlM.>26. l.« Partei- Ungelegenkeiten. .'Steglitz. Freitag, den 24. Februar, abends 8'/z Uhr: Extra- Zzahlabend. Tagesordnung: Der Entwurf zur Regelung der Maifeier- frage. Die Bezirke I— VII bei Schellhase, VlII— XÜ bei Schlager, Albrechtstratze. Der Vorstand. Schönrrlinde(Bez. Pankow). Sonntag, 26. Febr., nachm 4>/z Uhr bei Herrn Karl Szperlinski: Volksverl amnilnng. Tagesordnung � Der politische Kampf. Referentin: Frau Wulff-Bcrlin. Eichwalde-Zeuthen-Miersdors. Heute Donnerstag, 23. Februar, abends 8>/z Uhr, im Lokal von Lindemann: Außerordentliche Mit- gliederverlamnilung. ES stehen wichtige Punkte auf der Tages- ordnung. Der Vorstand. Trebbin. Sonnabend, den 26. Februar, abends LV- Uhr, im Schützenhause: Wahlvereinsversainmlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Stellungnahme zum Entwurf zur Regelung der Maifeierfrage 3 Wahl zweier Delegierter zur Verbandsversammlung von Groß-Berlin. 4. Parteiangelegeuheiten. berliner JVacbncbten. Die Hasel blüht. Wenn der Februar sich seinem Ende, zuneigt, dann pflegt uns der Frühling seine erste Botschaft, selbst wenn er sie so stürmisch gibt wie gegenwärtig, zu bringen: die Hasel blüht. Schon seit Beginn des Monats kam ein Strecken und Be- lebtsein in die schlanken Ruten des baumartigen Strauches. Von den vorjährigen Zweigen hängen raupenartige, roß- braune Gebilde, bald in Büscheln, bald paarig, bald einzeln stehend. Das waren die männlichen Blütenkähchen. Die wuchsen zusehends. Nicht Frost, nicht Schnee vermochte ihrem Wachstum Einhalt zu gebieten. Fingerlang, rauhgerollt schwangen sie bald im Winde. Und als in diesen letzten Tagen hier und da ein warmer Mittagsstrahl sie umblinkte, da flimmerten sie wie goldüberpudert; und leichte, gelbe Staub- Wolken gingen von ihnen aus, wenn der Wind sie nach lustigem Belieben hin» und hcrpeitschte. Dicht neben ihnen aber standen die weiblichen Blüten. Das waren kleine, unscheinbare Knöspchcn. Aus harten, grünbraunen Knospenblättern schickten sie dann, als die Sonne mehr und mehr an Kraft gewann, die roten Blüten- narben, die lcnzfroh den goldigen Staub der männlichen Kätzchenblüten auf sich hernicderregnen ließen. Das gab eine erste Befruchtung im erwachenden Frühling, den nun kein Wintersturm mehr zu bannen vermag.. Eine Woche noch, vielleicht auch zwei oder drei, wird die Hasel ihre goldenen Wimpel hissen. Dann werden sie sparrig und verbraucht am schwanken Geäst hängen, ein- trocknen und abfallen, um neuen Frühlingswundern Platz zu nwchen, daß sich die Blicke darauf lenken. Aber noch prangen sie in ihrer vollen Schönheit. Im Unterholz unserer großen Parkanlagen, in den Hausgärten unserer Vororte lassen sie sich beobachten. Noch will kein Blättlein, sprießen. Kein Hälmchen zeigt sich. Am schwanken, schwarzbraunen Geäst aber pendeln trotz Sturm und Eisschauern gelbüberstäubte Kätzchen: die Hasel blüht!_ Auch eine Wahl. Im zehnten Wahlbezirk der ersten Abteilung wurde an Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Seeger Herr Profesior Dr. Nernst gewählt. 20 Wähler aus dieser privilegierten Wöhlerklasie beteiligten sich an dieser Wahl, die eher einer Er- nennung gleichkommt._ Hungerfirafc für Vergeßlichkeit. Gemeindeschüler, welche der durch die städtischen Schnlverwaktnng eingerichteten Schulspeisung teilhaftig werden, erhalten seit etwa Jahresfrist in der Schule eine Karte ausgestellt. Die sechs Ab- schnitte dieser Speisekarte werden in der Speiseanstalt bei Ver- abfolgung der MittagSmahlzeiten abgetrennt. Das Miltelstück mit Name des Schülers und Nummer der Schule soll am Montag in der Schule wieder abgegeben werden, worauf die Aus- händigung der neuen Karte erfolgt. Es soll nun häufiger vorgekommen sein, daß Schüler das Mittelstück verloren haben oder vergaßen, eS am Montag zur Schule mitzunehmen. Jeden- falls will»unsere AufsichtSdame" dergleichen festgestellt haben. Diese Kinder haben— man denke!— trotzdem in der Schule die neue Karte erhalten. Aus diesem Grunde soll die Schilldeputation durch eine Verfügung noch besonders ernstlich darauf hingewiesen haben, daß neue Karten nur abzugeben sind, sofern das wichtige Mittel stück auch wirklich präsentiert wird. Es mag pädagogisch richtig sein, auch bei dieser Gelegenheit Erziehung zur Ordnung zu üben. Seit wann aber, Herr BnreaukratiuS, ist die Hungerstrafe unter die Erziehungsmittel aufgenommen? Ohne die Kontrollkarte gibt'S kein Mittagbrot! Jeder normale Mensch weiß ohne weiteres, daß an jeder Schule ein bestimmter Prozentsatz dieser Kartenreste verloren oder vergessen wird. Dafür sind's Kinder. Man denke an die Sechsjährigen I Versügungsfabrikanten haben alles fein säuberlich in ihrem Verstandskasten rubriziert und numeriert; sie vergessen nichts. Dazu setzt man sich mit der bei Einführung der Schulspeisung ergangenen Anweisung in Wider- spruch, wonach selbst wegen sittlicher Verfehlungen und Mängel die Speisung nicht versagt werden soll. Mit welcher Seelenruhe doch in Berlin am Schreibtisch Verfügungen ausgeheckt werden von Leuten, die ihre Kinder sicher nicht der Volksschule anvertrauen! Man sollte meinen, eine Schulbehörde müßte u. a. auch ein Herz im Leibe haben. Wird übrigens, was wir früher einmal wünschen mußten. jetzt gestattet, vergessenes Frühstück von Hause zu holen, damit Schüler nicht von früh bis ein Uhr ohne jede Nahrung bleiben? Nun haben ja die Berliner Lehrer selbst mit der Siadt Berlin einige böse Ersahrungen gemacht, und sie werden sich nicht gern zu Sachwaltern solcher Engherzigkeit erniedrigen. Es paßte das auch schlecht zu dem Geben mit der rechten Hand, von dem die linke nichts weiß. Aber es soll auch buchstabenselige Lehrer geben, die unter den Anregungen ihrer mannigfachen Borgesetzten dergleichen.Erziehliches" vielleicht doch fertig bringen könnten. Viel- leicht wird in der Stadtverordnetenversammlung nach der Existenz besagter Verfügung einmal Nachfrage gehalten. Polizeikampf gegen«ine Arbeiterfrau. Eine sonderbare Entmündigungssache beschäftigt seit einiger Zeit das Ämtsgericht Berlin-Mitte. Die bis ISOb in Halle ansässige, dann nach Berlin verzogene, jetzt 42 Jahre alte Atbeiterehefrau Martha Ulbrich war im Jahre 1901 in Halle auS unbedeutender Veranlassung mit einem Polizeibeamtcn in Konflikt geraten. Aus dieser Episode hat sich im Laufe der Jahre eine wahre Sceschlange von vielfach berechtigten Beschwerden seitens öer Frau und mit dem bekannten„umgedrehten Spieß" von Verfolgungen seitens der Polizei Mitwick:lt. Es muß ouf- feöen, daß unmittelbar nach dem Konflikt Frau Ulbrich, die sich I scit Jahren des allerbesten Leumundes erfreut und über Fleiß 'und Tüchtigkeit vorzügliche Zeugnisse aufzuweisen hat, plötzlich in der unangenehmsten Form von Sittenbeamten behelligt wurde. Diese Beobachtungen und Belästigungen, die sich mit merkwürdiger Zähigkeit bis in die neueste Zeit fortsetzten, obwohl die Frau stets Arbeit hat, und sich bis zum nächtlichen Eindringen in die mit den Kindern geteilte Wohnung steigerten, haben niemals, wie aus den Akten feststeht, auch nur im geringsten den ein Jahrzehnt lang seitens der Polizei gehegten Verdacht bestätigt. Wohl aber haben sie mit der Zeit die eheverlasiene und so gut wie wehrlose Frau in eine berechtigt erregte Stimmung, die oft an Verzweiflung grenzte, versetzt. Man fand schließlich im Jahre 1906 aus dieser erst durch die Umstände hervorgerufenen gereizten Stimmung einen leichten Grund, um Frau Ulbrich, die damals in der Neuen Königstraße wohnte und sich mit ihren Kindern anständig ernährte, nach der Irrenanstalt Herzberge bringen zu lassen. Von hier kam sie nach der Provinzial-Jrrenanstalt Nietleben in Sachsen, später nach der- jenigen in Alt-Scherbitz. Von letzterer Stelle ist die Entlassung, der sich die Polizei mit aller Macht widersetzte, erst auf Befehl des Landeshauptmanns der Provinz Sachsen erfolgt. Nach der Eni- lassung war Frau Ulbrich unter dem Druck dieser scheußlichen Ver- Hältnisse so ziemlich vogelfrei. Man hatte der Mutter die Kinder eittzogen, was zu neuen Beschwerden Anlaß gab. Auch die Polizei- liche Beobachtung in sittlicher Beziehung setzte prompt wieder ein. Wohlgemerkt gegen eine Frau, die täglich 8—10 Stunden als Rein- macbefrau arbeitete, um 2,60 M. zu verdienen! Da Frau Ulbrich die erneute Jnternierung befürchtete, beschaffte sie sich im vorigen Jahre von sechs angesehenen und praktisch erfahrenen Berliner Herzten �Sanitäts- und Geheimen Sanitätsräten) mit Geldmitteln, die Verwandte opferten, sechs Atteste, die sämtlich übereinstimmend ihre völlige geistige Gesundheit bescheinigen! Im Herbst 1910 wurde wegen erneuter Beschwerden über ungerechtfertigte Beobach- tung und andere Dinge aus rlntvag der Staatsanwaltschaft das Entmündigungsverfahren eingeleitet. Nebenher gingen aber- inalfge Jnternierungsversuche, die jedoch an der Wachsamkeit der Verfolgten und der aus ihrer Seite stehenden Hausbewohner scheiterten. Vielleicht geht man nicht fehl in der Annahme, daß mit der Jnternierung, zu der absolut kein Rechtsgrund vorlag, die Entmündigung innerhalb der Anstalt, also im bekannten Wege des Geheimverfahrens, bezweckt war. In diesem Stadium erfuhr der„Bund für Jrrenrechts-Re- form" von der Sache und veranlaßte den Rechtsanwalt Dr. Ehren- fried zur Uebernahme der hier dringend notwendigen Rechtshilfe. Es ist ein noch weit verbreiteter Irrtum, daß man im Entmündi- gungsverfahren, so lange man noch die Freiheit genießt, völlig schutzlos ist. Vielmehr gestattet die Zivilprozeßordnung ein Ein- greisen der Verteidigung. In dem kürzlich stattgehabten Entmün- digungstermin, in dem Geh. Medizinalrat Dr. Straßmann als ge- richtlicher Sachverständiger auf sein natürlich„Querulantenwahn- sinn" annehmendes Gutachten vereidigt werden sollte, erschienen zur Ueberraschung des beauftragten Richters drei bevoll- mächtigte Verteidiger, nämlich außer dem genannten An- walt noch der Redakteur der Zeitschrift„Jrrenrechts-Reform"� und Justizrat von Unruh. Geheimrat Straßmann ließ auf sich warten. Die Verteidigung bewirkte Aussetzung der Verteidi- g u n g, auch wenn der Sachverständige noch nachträglich sich ein- finden sollte, und behielt sich das Recht vor, in einem neuen Ter- min, der auf den 6. März festgesetzt ist, an den gerichtlichen Sach- verständigen eine Reihe von Fragen zu richten. Gleichzeitig wurde von dem„Redakteur als Verteidiger" betont, daß der gehetzten Frau, die sich aus Furcht vor der Polizei in fremder Wohnung ver- borgen hält und jeden Tag mit Zittern und Zagen ihre Arbeits- stelle aussucht, gerichtlicher Schutz gewährt werden müsse. Aus den »eiteren Gang der Sache darf man in der Tat gespannt sein. Zehntausend Postkarten und Platten wurden gestern von der Zentralstelle zur Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild im Norden der Stadt entdeckt und beschlagnahmt. Durch eingehende Nachforschungen bei den Händlern gelang es, auch die Quelle zu er- Mitteln, aus der sie ihre Ware bezogen. Die Druckerei befand sich in einem Fabrikgebäude am Wedding. Die Zentralstelle führte, wie bei allen solchen Sachen, einen Gerichtsbeschluß zur Beschlagnahme der Waren und zur Durchsuchung der Druckerei herbei. Daraufhin wurde» die dort lagernden 10 000 Postkarten mit Nachbildungen aus dem Salon de Paris und die Platten zur Vernichtung beschlag- nahntt. Zu dem Morde in der Blumenthalstraße 1 an der Witwe Hoff- mann ist mitzuteilen, daß durch die weiteren Nachforschungen der Krimiualpolizei und den, gestern an den Untersuchungsrichter und Staatsaiiwallschaft abgegangenen Bericht die Haftentlassung Mielkes erfolgen soll. In den letzten Tagen ist durch weitere Zeugen er- mittelt worden, daß Mielke am Mittwoch, den 7. Dezember, mittags. von Schöneberg koinmend, in einem Lokal in der Bergmannstraße grüne Bohnen mit Hammelfleisch gegessen hatte. Diese Zeugen konnten im Gegensatz zu den bisherigen genauere Zeitangaben mache». Eingehend wurden diese nachgeprüft, so daß ein Irrtum völlig ausgeschlossen erscheint. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Ein schwerer Straßenbahnunfall trug sich gestern mittag in der Rathenower Straße zu. Dort betrat vor einem heraniiaheiiden Straßeiibahnlvagen der Linie 24 ein etwa 40jähnger Herr, dessen Personalien bisher nicht festgestellt werden konnte», das Gleis, wurde umgestoßen und geriet zwischen den Wagen der Linie 24 und eine» aus entgegengesetzter Richtung konimendei» Zug der Linie 16. Der Verunglückte erlitt einen Bruch des linken Oberschenkels und eine klaffende Kopfwunde und wurde in besiiniiingslosem Zustande nach dem Ärailkenhaus Moabit geschafft.— Ein Zusamiiieiistoß zweier Straßenbahnwagen, bei dem zwei Personen verletzt wurden, er- eignete sich gestern an der Ecke der Grunewald- und Klixstraße. Dort fuhr ein Straßenbahnwagen der Linie 6 in die falsche Weiche und stieß infolgedessen gegen den Vorderperron des Motorwagens Nr. 36 der Linie EI. Bei dem Zusammenprall erlitt Fräulein Anni Jatke aus der Goltzstr. 13s und Herr Walter Voigt aus der Babels- berger Straße 43 in Wilmersdorf Hautabschürfungen im Gesicht und an den Händen, konnten sich jedoch allein nach ihren Wohnungen begeben. Die Bahnwagen wurden unerheblich beschädigt. Ein anderer Unfall ereignete sich gestern vormittags gegen 10 Uhr in der Dorckstraße. Der 16jährige Miftalirer Karl Herriiiann, Joachimstr. 4 wohnhaft, hatte oben auf den Kisten Platz genommen und war offenbar eingeschlafen. Als�der Wagen in ziemlich flottem Tempe die Eiienbahiiüberiübrungen paisierle, schlug H. mit dem Kopf gegen das Eiseiigerüst und wurde vom Wogen herunter- geschleudert. Der Veruiiglückte, der eine Gehirnerschütleniiig, Verstauchung des rechten Armes, Bruch des Nasenbeines, sowie innere Verletzungen davoiigelrage» hatte, wurde nach einer nahegelegenen Unfallstation geschafft, wo er die erste Hilfe erhielt. Wege» DarlchnS- und VcrsichcningSschwindcls wird der 22 Jahre alte Kaufliiaiin Sally Sachs aus der Calvinstr. 26 von der Kriminal- Polizei gesucht. Sachs versprach Darlehiissuchern Geld auf Ver- sicherungspolicen und Wechsel. Er veranlaßte die Bewerber, eine Lebensversicherung zu nehmen, und verdiente dabei die VcriiiittclungS- gebühr. Die Wechsel, die er sich geben ließ, machte er zu Geld, um den Erlös selbst einzustecken. Die DorlehnSsuchcr erhielten nichts, mußlen vielmehr auch die Wechsel noch einlösen, die nach und nach fällig wurden. Der Schwindler hat auf diese Weise verschiedene Leute um 3000 bis 6000 M. betrogen und ist jetzt verschwunden. Beim Brennen der Haare schwer verunglückt ist das 19 Jahre alte Kinderfräulein Hedwig Thiel, das bei einer Herrschaft in der Nürnberger Straße 67 zu Charlottenburg in Stellung war. Das Mädchen ging mit einem Spiritusapparat, den es zum Wärmen der Bremischere benutzte, unvorsichtig um. Der Inhalt geriet in Brand. und eine Stichflamme verletzte die Unvorsichtige am Hals und an der Brust, daß sie mit einem Koppschen Wagen nach dem Kranken- hause auf Westend gebracht werden mußte. Großfeuer i» der Neuen Photographischen Gesellschaft. Durch Sirenensignal und einen hellen Feuerschein wurden in der letzten Nackt die Feuerwehren von Steglitz, Friedenau, Lichterfelde, Lankwitz, Marienfelde mid Mariendorf nach dem Gelände der Neuen Photo- graphischen Gesellschaft an der Siemensstrabe in Steglitz genisen. Es brannte nicht die Fabrik selbst, sondern der Tachstuhl des drei- siöckigen Beamteilhanses. Bei Ankunft der Weyrcn stand die Hälfte des Dachstuhles schon in Flammen. Die Wehren griffen daher im Berein mit der Fabrikwehr mit mehreren Schlauchleitungen ein und richteten ihr Augenmerk hauptsächlich darauf, die Fabrik zu schützen. Die Bewohner des Beamteiihmises hatten sich sämtlich in Sicherheit gebracht. Nach ziveislündigem Wassergeben war die Ge- walt des Feuers gebrochen, doch zog sich die vollständige Ablöichung bis in die vierte Morgenstunde hin. Der Dachstuhl ist in einer Länge von etwa 20 Meter eingeäschert. Mit den Aufräumungs- arbeiten hatte die Fabrikfeucrwchr noch bis zum Vormittag zu tun. Die Brandursache ist unbelannt. Durch das Feuer wurden sämtliche Telephonleituilgen der Firma zerstört. Unfall im Wintergarten. Während der gestrigen Abendvorstellung ereignete sich im Winlergarten ein Unfall auf offener Bühne. Bei einer Reilnummer stürzte ein Artist vom Pferde. Der Verunglückte wurde von der anwesenden Sicherheitswache der Feuerwehr von der Bühne getragen und von dem Theaterarzt in Behandlung genommen. Er erholte sich auch bald wieder und hat anscheinend �keine schweren Bei letzungen erlitten. Das Piiblikum blieb ruhig. DaS vierte Thema im Vortragszyklus über die Alkoholfragc, „Alkohol und Strafrecht unter Berücksichtigung des neuen Strafgesetz- entwurfs" behandelt Dr. S i e g f r i e d Weinberg am Freitag, den 24. Februar, abends 9 Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 5. Kein Getränkeausschank. Eintritt 10 Pf. Vermißt wird seit dem 12. Februar der 22 Jahre alte Student Waldemar Botta aus Tempelhof. Derselbe hatte die Absicht, nach dem Wannsee zu fahren, um dort Schlittschuh zu laufeii, und es be- steht daher die Vermutung, daß er dort verunglückt ist. Botta war mittelgroß, hatte kurz geschnittenes dunkelblondes Haar, Anflug von Schnurrbart und braune Augen sowie zwei goldene Zähne. Bekleidet war er mit hellgrauem Jackett, dunklen Kniehosen, langen grauen Strümpfen. leiiieiiwcißeni Hemd gez. IV. B., Trikothemd, Schnürstiefeln und weißbraun gestricktem Pudel.— Mitteilungen über Botta nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminalpolizei, Zinimer 346a. III, entgegen zu 663 IV/5 11. Zcugeilgcsuch. Zeugen, die dem Straßenbahnunfall Sonnabend, den 4. Februar 1911, abends 10 Uhr, in der Danziger Straße(Ecke Senefelderstraße) beigewohnt haben, wollen ihre Adresse bei Mar- kowsky, Garlenstr. 37. vorn EU, abgeben. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Freitag, viel- fachen Wünichen entsprechend. Herr Direktor Franz Goerke seinen Vorlrag„Märkische LandschaftS- und Gartenpoesie" mit photo- graphischen Aufnahmen in natürlichen Farben nach dem Lumidreschen Autochromverfahren noch einmal wiederholen. Am Sonnabend und Sonntag gelangt dann wieder der szenisch ausgestattete Vortrag „Was wir vom Monde wissen" zur Darstellung. Quittung. Für den Verein Slrbeiter-Jugendhcim gingen bei i»m Unterzeichneten ein! 19,95 M. aus der Zehnpfennigkasse der Abt. A.-E.-G., Nahrstcdt, Brunnenstraße. K. Rojenseld, An der Spandauerbrücke la. Vorort- JVachricbtem Tchoneberg-Rriedenau. Z« den KaufmannSgerichtSwahlen, welche am kommenden Sonntag stattfinden, hat der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Ge« hilfinnen eine L i st e A aufgestellt. In die Wählerliste sind 419 Handlungsgehilfen aufgenommen worden; nur diese dürfen am Sonntag ihre Stimme abgeben. Am heutigen Donnerstag, abends 8l/z Uhr, findet im„Schwarzen Adler", Hauptstr. 144, eine öffentliche Versammlung des Zentral- Verbandes statt, in welcher der Genosse Reichstagsabgeordneter Eichhorn über das Thema„Auf zur Wahl!" referieren wird. Es wird erwartet, daß in dieser Versammlung, in welcher zu den Listen der bürgerlichen Verbände Stellung genommen werden soll, die Handliingsgehilfen und Gehilfinnen, ob wahlberechtigt oder nicht,'zahlreich erscheinen. Wenn auch die Versammlung in erster Linie für Handlungsgehilfen bestimmt ist, können auch die Partei- genossen daran teilnehmen; letztere werden gebeten, für zahlreichen Besuch agitieren zu wollen. Lichtenberg. Ueber moderne Schulkämpfe referierte in der am Dienstag statt- gefundenen Generalverianimlimg des WahlvereinS Genosse D ü v e l l- Dresden. Die Ausführullgen wurden mit großem Beifall auf- genommen. Bei den hierauf vorgenommenen Ersatzwahlen zur Bezirksleitung wurde als zweiter Bezirksleiter Genosse Turm und als zweiter Schriftführer Genosse Heiiizelinann gewählt. Ein von den mir der Landagilation betrauten Genossen gestellter Antrag, wonach der bisberige Leiter als Obmann der Landagitation weiter bis zu den Reichstagswahlen fungieren soll, wurde abgelehnt lind diese Funklion wie bisher dem zweiten Vorsitzenden übertragen. Ein weiterer Antrag verlangt, daß bei Wahlverciiisveraiistaltuiigen die Kosten für Billetts nicht höher wie 26—30 Pf. bemessen sein sollen, wurde nach eingehender Aussprache abgelehnt. Charlottenburg. Der hiesige Schwimmverein„Freie Schwimmer" hält am komineiideii Sonnlag, den 26. Februar, nackimittags 3 U hr, im Slädlilchen Vollsbad, Krummestr. 10, sein sechstes Schwimmfest liiiler Mitwirkung der Vereine des Kreises I(Provinz Brandenburg) des Arbeiler-SchwlinmerbtmdcS ab. Eintrittskarten a 60 Pf. sind zu haben bei Franz Schmidt, �igarrengeschäst, Wilmersdorfer Str. 130, und in der Badeanstalt. Zossen. Noch glänzender wie die am 3. Februar stattgefundene Volksversammlung, in der das Thema:„Die Wahrheits- liebe der Diener GoiteS und der christliche Volksverein" zur Ver- Handlung sUind, gestaltete sich die am 17. Februar tagende Bersamm- lung. Wegen vorgerückter Nachtzeit mußtc die am 3. Februar statt- gesliiidene Volksversaninilung vertagt werden. ES waren diesmal wobl über 500 Personen, die den Ausführungen des Genossen Unger lauschten. In der Diskussion sprachen noch im Sinne des Referenten die Genossen Reichert, Rönnebeck, Bndues und Walter, welche als Protest gegen das Gebaren des hiesigen Superintendenten Schmidt zum Austritt aus der Landeskirche aufforderten. Gegner meldeten sich trotz mehrmaliger Auitorderung nichl zum Wort. Am Schluß richtete der VersaiiiinlungSleiter. Genosse Lies, an die Veriammelten die Ausforderung, sich der gewertschaftlicheil wie der politischen Or- ganisation anzuschließen. DaS Fazit der Versammlung war, daß eine Anzahl Personen den Austritt aus der Landeskirche erklärten. Auch war eine staatliche Zahl Ncuaustiahmen in den Wahlverein zu verzeichnen. Bohnsdorf. Die Wahl unseres Genossen Paul Schiffke als Gemeinde. Vertreter: am IS. April vorigen Jahres, die aber von der Gemeinde» BerfrcTung für ungültig erklärt wurde, ist nun vom Bezirksausschust für g ü l t i g erklärt worden. Schiffke, dem als Berwaltungsmitglied der Baugenossenschaft„Paradies" die Interessenvertretung von 142 Morgen Land und 7 bebauten Grundstücken übertragen wurde, imd deshalb als Angesessener zu betrachten war, erhielt bei der Wahl 50 gegen 2ö gegnerische Stimmen..Die Mehrheit des Wahlvorstandes er- klärte nach Auszählung der Stimmen die auf unseren Kandidaten entfallenen für ungültig und proklamierte den Büdner Koch als ge- wählt. Eine Beschwerde Lei der Gemeindevertretung wurde ab- schlägig beschieden. Der hierauf angerufene Bezirksausschuß er- klärte den Beschluß des Wahlvorstandes und deshalb auch den der Gemeindevertretung für ungültig. Die Gemeindevertretung be- antragte nun mündliche Verhandlung, welchem Antrage der Bezirks- ausschuß erst nach Beifügung einer entsprechenden Rechtfertigung stattgab. Dem kam der Gemeindevorstand nach. Die hierauf er- folgte Verhandlung führte zur Gültigkeitserklärung der Wahl unseres Genossen. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde Genosse Schiffke bereits eingeführt zum Leidwesen der sozialistenfeind- lichen Vertreter, die den idyllischen Zustand auch weiterhin auftecht erhalten taollten. Die Vertertung hatte sich mit der Wasserversorgung des Ortes zu beschäftigen. Hierzu hielt der Direktor des Charlottenburger Wasserwerks einen einleitenden Vortrag. Nach seinen Ausführungen verpflichtet sich die Gesellschaft gegenüber der Gemeinde,- die Legung der Leitung auf eigene Kosten zu bewerkstelligen. Der Preis für den Kubikmeter Wasser betrage bei einem Verbrauch bis 100 Kubik- meter 80 Pf., bei 100— 300 Kubikmeter 15 Pf. und über dieses Quantum hinaus 10 Pf. pro Quartal. Im übrigen beständen die vorgeschlagenen Bedingungen bereits in 20 Vororten. Die Ge» meindevertretung stimmte den Vorschlägen zu. Außerdem wurden noch einige interne Angelegenheiten erledigt. Adlershof. Die heutige Gemeindevertrctcrsitznng wird sich u. a. mit einem Autrage unserer Genossen beschäftigen, welcher eine größere Siche- ruug des Selbstverwaltungsrechtes der Gemeinden anstrebt, außer- dem steht ein Antrag auf der Tagesordnung, welcher die Bestrebungen für Errchtung einer Arbeitslosenversicherung und eines Arbeitsnachweises Groß-Berlin unterstützt. Dieselbe TageS- ordnung sollte schon in einer vor acht Tagen einberufenen Sitzung verhandelt werden, doch glänzten die Vertreter der ersten Abteilung mir Abwesenheit, so daß Beschlußunfähigteit vorlag. Unsere Anträge scheinen den Herren unangenehm zu sein und so glauben sie nichts Besseres zu tun, wenn sie einer bestimmten Stellungnahme durch Abwesenheit ausweichen. Man ersieht auch hieraus die Arbeiterfreund- lichkeii dieser Herren. Die Konsumgenossenschaft von AdlerShof und Umgegend hat an den letzten Sonnlagen in Grünau und Adlershof Warenansstellungen arrangiert, welche von Mitgliedern als auch NichtMitgliedern recht gut besucht waren. Besonders erweckten die in den Eigen- produktionSsiätten der Großeinkaufsgesellschaft hergestellten Produkte. welche in einer Spezialabteilung von der Gesellschaft unter ihrem Warenzeichen gelieferten Waren gemeinsam ausgestellt waren, das größte Interesse aller Besucher. Der Hauptzweck der Ausstellung lag in der Gegenüberstellung von Waren aus Privatgeschäften und solchen der Genossenschaft. Nicht weniger denn je 85 verschiedene Artikel waren in zwei Berliner und fünf Adlershofer resp. fünf Grünauer Geschäften aufgekauft und in übersichtlicher Weise mit Angabe des erhaltenen Gewichts und des gezahlten Preises gegenübergestellt. Bon allen Besuchern, auch von den anwesenden Geschäftsinhabern mutzte auerkannt werden, daß sowohl in Qualität als auch im Preise die Genossenschaft jede Konkurrenz und Kritik aushalten kann. Beim Gewicht stellte es sich heraus, daß die Genossenschaft durchweg Nettogewicht verabfolgt hatte und für weniger Geld 100 bis 800 Gramm Mehrgewicht als die Privatgeschäfte erzielte. Zieht man die jährlich erfolgte Verteilung der Rückvergütung mit in Betracht, dann sind die Vorteile, welche die in der Organisation be- findlichen Konsumenten gegenüber den Nichtorganisierten haben. wirtschaftlich von größter Bedeutung. Auf dem Gebiete der Waren- Verteilung hat der aenossenschastliche.Zusamn»«pschluß der flatv sümcnten unzweifelhaft eine Zukunft. Dazu gehört aber, daß alle Konsumenten, besonders aber die Arbeiterschaft und nr erster Linie die politisch und gewerkschaftlich Organisienen den Genossenschaften beitreten und als Mitglieder in den Geschäften der Genossenschaften ihren gesamten Bedarf decken. Trebbin(Kreis Teltow). Großes Aufsehen rief hier die gestern avend erfolgte Verhaftung des Lehrers Arndt von Gadsdorf wegen EittlichkettSverbrechen hervor. A. soll mit mehreren Schülerinnen unzüchltge Handlungen vorgenommen haben. Er ist verheiratet und Bater von fünf lebenden Kindern, Die Untersuchung wird erst das Nähere ergeben. Dabendorf bei Zossen. Die letzte Mitgliederversammlung deS Wahlvereins wähste als Delegierte zur Verbandsgeneralversammlung die Genossen Seile und Schunack. Nachdem einige Redner die hiesigen Steuerverhält- nisse einer scharfen Kritik unterzogen hatten, wurden ein Genosse und vier Genossinnen in den Wahlverein, aufgenommen. Eggersdorf. Moabit und die Reichstagswahlen lautete das Thema, über welches der Genosse Käming in einer gut besuchten Versammlung bei Tübbccke referierte. Der Referent beleuchtete in seiner fast zweistünd'gen Rede das Auftreten der Berliner Polizei sowie auch das Verhalten der bürgerlichen Presse während des Streiks. Am Schluß seiner Rede ermahnte er die Anwesenden, bei der nächsten Reichstagswahl ihre Stimme nur für den Kandidaten der Sozial- demokratie abzugeben. Reicher Beifall lohnte den Redner für feine trefflichen Ausführungen. Genosse Stimming forderte die An- wesenden zum Schluß aus, sich in den hiesigen Wahlverein aus» nehmen zu lassen. Hohen- Schönbausen. Ucbcr dir Mißstände der Nordöstlichen Vorortbahn sowie über die Eingemeindung deS Gutsbezirks in Hohenschönhausen verhandelte vor einigen Tagen eine von etwa 800 Einwohnern des Ortes im Wirtshaus am Orankesee tagende Versammlung. Gen. Rein unterzog die seit zehn Jahren bestehenden Zustände bei ber Straßen- bahn einer eingehenden Kritik. Infolge der von früheren Gemeinde- Vertretern bei Abschluß des Vertrages mit der Straßenbahngesellkchast gemachten Fehler könne die„Große Berliner" nach eigenem Ermessen handeln. So habe die Gesellschaft bisher die Ausgabe von Arbeiter- Wochenkarten sowie jeden Ausbau der Linie abgelehnt. In einer hieraus angenonimenen Resolution sprachen die Versammelken ihre Mißbilligung darüber aus, daß die Siraßenbahngesellschast, trotzdem die Bevölkerung sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat, eine Berkebrsverbesierung nicht vornimmt. Namentlich sei die arbeitende Bevölkerung durch die Einziehung resp. Einschränkung der Wochen- karten in Mitleidenschaft gezogen worden. Durch die mangelhafte Verkehrsverbindung werde der Ort an der weiteren Entwickelung ge- hindert und die hiesige Geschäftswelt geschädigt. Am Schluß der Resolution werden die Komiminalvextreter Berlins, Lichtenbergs und Weißensees ersucht, mit zur Beseitigung der geschilderten Zustände beizutragen. Ueber die Eingemeindungsfrage referierte Genosse Hintze. Seit Jahren bestehe der Wunsch, den 3600 Einwohner zählenden GutSbezirk mit der 1300 Einwohner aufweisenden Dorfgemeinde zu vereinigen. Ein zwischen dem Gutsvorfteher Grasse- Leege, dem Gemeindevorstand und dem Landrat abgeschlossener EingemeindungSvertrag biete der kleinen Gemeinde Hohenschönhausen große Vorteile, sogar dein stellvertretenden Gut?vorstand sollen 80 000 M. Entschädigung gezahlt werden. Der Gemeindevorsteher sei nun für die Erhaltung des alten Bauernparlaments eingetreten, da er glaube, daß durch eine Neuwahl die Interessen deS Ortes nicht genügend gewahrt würden. Auf diesen Wünsch sei dem Guts- bezirk eine Vermehrung von drei Gememdeverttetern zugebilligt worden. Es müsse unbedingt Neuwahl der Gemeindebeiireiung gefordert werden. In der lebhaften Diskussion, an der sich Fabrik- besitzer Graf, Dr. Goldberg, Genosse Thiele und Genosse Rein be- teiligten, wurde den Ausführungen des Redners zugestimmt und der Meinung Ausdruck gegeben, daß eine Neuwahl der Gemeinde- Vertretung erzwungen werden müßte. Am Schluß der Versammlung wurde eine in diesem Sinne gehaltene Resolution angenommen. Weißensee. Zur StadtwerdrnigZfrage. Bereits vor zehn Jahren hatte die Gemeindevertretung den Bestbluß gefaßt, die Städterechte beim Ministerium zu beantragen. Der Gemeindevorstand erhielt darauf eine Reihe Fragen vorgelegt, deren teilweise Beantwortung heute erst interessant erscheint. Als gemeinnützige Anstalten wurden erwähnt: ein Gemeindehaus(Armenhaus) in der Göbenstraße, eine Kranken- baracke(die zur Zeit der Cholera zwangsweise errichtet werden mutzte), eine Zentesimalwage und ein Desinscktionsapparat. Die Frage nach den Schulanstalten ist dahin beantwortet worden, daß eine ganze Reihe von Volksschulen und je eine private höhere Knabenschule(bis Tertia) und eine private höhere Mädchenschule vorhanden seien. Als Wohltätigkeitsanstalten wurden erwähnt eine vom Frauenverein unterhaltene Diakonissenstation, eine Krankenheilstation zur heiligen Elisabelh, das St. Josephsheim für arme Kinder, eine Kinderbewahr- anstatt in der Wilhelmstraße, die Stifte Bethabara und Beth Elim. Der Minister erklärte hiernach den Ort noch nicht für reif, die Stadt- rechte zu erteilen. In den letzten Jahren hat der Ort in seiner Ber- waltung sowohl als auch in den öffemlichen Einrichtimgen ein anderes Bild erhalten, so daß der ländliche Charakter ver- schwunden ist. Die zirka 44 000 Einwohner zählende Gemeinde beschäfttgt drei Juristen mit mehr als 100 Beamten, für das Hoch- und Tiefbauamt je einen Regierungsbaumeister und die entsprechende Anzahl von Architekten, Ingenieuren, Technikern und Landmessern, einen Schulrat im Nebenamt, einen Gemeindearzt und drei Gemeindeschwestern. Das Wohlfahrtsamt umfaßt die Säuglingsiürsorgestelle. Lungenfürsorge, Trinkerfürsorge, Ferienkolonie, Schulspeisung usw. Vorhanden sind: ein Fleischschauamt und ein Elektrizitätswerk. Das Schulwesen weist sieben Volks- schulen, eine Hilfsschule, eine kaufBiämiische und gewerbliche Fort- bildungSschule, eine Realschule, eine Oberrealschule, ein Real- gymnasium, eine höhere Mädchenschule und ein höheres Lehrerinnen- Seminar auf. Die Gemeinde besitzt em Rieselgut von 2500 Morgen und verfügt im Ort über ein unbebautes Terrain von 250 Morgen. Das am Ort befindliche Krankenhaus wird in Zukunft von der Gemeinde übernommen, das SäuglingSkrankcnhaus soll im Laufe deö JahreS seinen Zwecken übergeben werden. Von 175 Proz. Zuschlag vor 10 Jahren ist der Zuschlag jetzt aus IIS Proz. herabgesetzt. Wesentlich ist, daß im Falle der Sladtwerdung die Zahl der Kommunal- Vertreter von 24 auf 42 steigen würde. Das Stimmrecht des HauS- besitzes würde von zwei Drittel auf die Hälfte herabgesetzt. Die Wähler der dritten Abteilung wählen jetzt 8 Vertreter, darunter 6 Hausbesitzer: nach der Slädteordnung aber 14 Vertreter, und zwar 7 Hausbesitzer und 7 NichtHausbesitzer. Der letztere Grund veranlaßt namentlich auch unsere Genossen, sich für die Stadt- werdung zu erklären. Nieder-Schöneweide. In der letzten Mitgliederversammlung des WahlvereinS sprach Genosse Groger über das Thema: Die politischen Parteien und ihre Programme. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen. Diskussion fand nicht statt. Hierauf wurde mitgeteilt, daß ein vom Vorstand an die hiesige Gemeindevertretung gerichteter Antrag, die Gemeinde- sitzungen von S aus 5 Uhr zu verlegen, angenommen worden ist. Den Genossen ist nunmehr die Möglichkeit gegeben, die Sitzungen zu besuchen. Der Leseabend der Frauen findet am 23. Februar beim Genossen Bengsch, Britzer Straße, statt. Tegel. In der Gemeindeverterterfitznng teilte der Gemeindevorsteher intt, daß in dem bekannten Seeuferprozeß die Gemeinde ein ob- siegendes Urteil vor dem Kammergericht erstritten habe: die Ge- meinde bleibt somit Eigentümerin des Seestraßengeländes.— Wegen llebernahme des Gaswerks sind mit der Gaswerks-Aktten- Gesellschaft Verhandlungen angeknüpft.— Von mehreren Bezirksvereinen der Gewerbetreibenden war der Antrag«ingegangen, eine Verkürzung der Verkaufszeit im Kleingewerbe an Sonntagen, wie dies jetzt in Berlin beschlossen sei. nicht vorzunehmen. Der Ge- meindevorsteher entdeckte sein gutes Herz für die Gewerbetreibenden und sprach sich entschieden gegen eine Verkürzung der Sonntags- Verkaufszeit aus. Immerhin hatten sich bei einer vom Gewerbe- schutzverein vorgenommenen Umfrage von 208 Geschäftsinhabern 36 für eine solche ausgesprochen. Es wurde gegen die Stimmen unserer Genossen an der fünfstündigen Verkaufszeit an Sonntagen fest- gehalten.— Von der Gemeinde Tegel tvar beschlossen worden, die Schlotzftraße nach Schloß Tegel grade zu legen und die alte Schloß- traße einzuziehen. Dazu hatte die Aktiengesellschaft Humboldt- mühle, welche Anliegerin ist, ein neues Projekt emgeveicht, in welchem die alte Schloßstraße bestehen bleiben sollte; die Vertretung lehnte das Projekt jedoch einstimmig ab. Ein vom Gartenbau- direkter Rother in Berlin vorliegender Plan für die Seeufergarten- anlagen fand allgemeine Zustimmung. Einstimmig genehmigt wurde das Projekt der Herstellung einer Verbindungsstraße von der Hermsdorferstraße, nahe der Kreisbahn, über Fließ, Forsthaus Dohnlake nach Herinsdorf, die Feststellung des Bebauungsplans zwischen Schloß-, Hermsdorferstraße und Jndustrieanschlußgleis anstelle des Königsweges, sowie die Pflasterung der Wilkestraße.— Ein alter Streitpunkt zwischen zwei Dorfgewaltigen bildet die Gemarkungsgrenze zwischen Wittenau und Tegel beim Berliner Gaswerk. Doch blieb die Gemeindevertretung bei der früheren Ansicht bestehen wonach das Gasanstaltslaborawrium zu Tegel ge- hört.— Zum Schluß lagen drei Einsprüche gegen die Gemeinde- Wählerliste vor. Während die Vertretung zwei Einsprüche als be- rechtigt anerkannte, wurde über den dritten Einspruch, den Genosse Arendsee erhoben hatte, noch nicht entschieden. Der Gemeinde- vorstand erhebt von letzterem zwar die Gemeindegrundwertsteuer, bringt diese aber sonderbarerweise in der Wählerliste nicht zur Anrechnung; für ihn besteht noch immer das Kreisausschutzurteil, während der Bezirksausschuß das Urteil des Kreisausschusses um- gestoßen und Arendsee als Ansässigen im Sinne der Landgemeinde- ordnung erklärt hatte. Der Beschluß über diesen Einspruch wurde vertagt, da in den nächsten Tagen in der Angelegenheit Arendsee da» Oberverwaltungsgericht verhandeln wird. In einer gut besuchten Versammlung in W. Trapps Festsälen referierte Genosse Stadthagen über daS Thema:„Nieder mit der Reaktion". In seinem zweistündigen Vortrag geißelte der Re- ferent treffend das reaktionäre Verhalten der Regierung Preußen- Deutschlands, seine rückschrittliche, antisoziale Gesetzgebung aus der einen, und die Ausbeulung des Volkes auf der anderen Seite. Ost durch Zurufe unterstützt, gab der Redner einen kurzen Ueberblick über den Moabiter Prozeß, er erinnerte an alle die aussehen- erregenden Prozesse in letzter Zeit und bezeicknete es als ein reaktionäres Machwerk, die jetzt in der Verhandlung scbwebende Strafprozeßordnung noch schlechter zu gestalten, als die schon be- stehende. Der unsinnigen KriegSpolitik, der fortgesetzten Ausplünderung der großen Masse durch indirekte Steuern müsse eine unab- lässige Aufklärungsarbeit � für die Gleichberechtigung und Freiheit aller durch Anschluß an die politische Organisation entgegengestellt werden. Tosender Beifall lohnte dem Redner für seine recht treffenden Ausführungen. Die lebhafte Diskussion klang immer wieder in der Aufforderung aus, der Organisation beizutreten. Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokatie schloß der Vor- sitzende Genosse Mafia die imposante Versammlung. Potsdam. Aus der Stadtverorduelciiversammlimg. Bei Beratung des Etats der F r a u e n b a d e a n st a l t. die mit 1250 M. Ueberschuß ab- schließt, regte der Stadtv. Kiesche an, diese Anstalt an einzelnen Nachmittags- oder Abendstunden den Unbemittelten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Anstalt ist im Borjahr aus den Zins» Überschüssen der stäbtischen Sparkasse erbaut worden. Beim Magistrat fand der Redner keine Gegenliebe damit. Stadtrat Lamm befürchtet einen kolossalen Bndrang; Bürgermeister Rodig gab zu, daß die Stadt keine Uebcrschüsse damit machen will, glaubt aber, daß dann die Privatbadeanstallen tot gemacht würden. � Nur eine Stimme erhob sich für die Anregung. Das glciche Slbicksal ereilte den An- trag Wiedemann, das Projekt der Errichtung einerWarmbadeanstalt energischer zu betreiben, das bereits seit 20 Jahren in der Schwebe ist. Nur 3 von den anwesenden 31 Stadtverordneten stimmten dafür, alle übrigen erklärten sich mit dem Vorschlag des Bürgermeisters einverstanden, die jährlichen Zinsüberichüsse der Sparkasse nach fünf Jahren, wenn bis dahin nichl dringendere(!) Aufgaben zu erledigen sind, zu einem Baufond zu dem bereits schon vor Jahren dafür be- willigten Betrag von 70 000 Mark zu sammeln. In weilereu zehn Jahren wird wohl die„Elitestadt" nock, keine Warmbadeanstalt haben. Der Etat deS Schlachthofes schließt etwas niedriger ab wie im Vorjahr. Die Aufhebung der Schlachtsteuer bat also den erwarteten Zustrom nicht gebracht. Größere bauliche Schwierigkeiten sind beim Bau der Kühlzellen eingetreien, die schon zum 1. April 1910 fertig sein sollten, nach einem Zuruf ans der Versammlung aber überhaupt nicht fertig zu werden scheinen! Die Kapitel Feuerwehr(Siraßen- rcinigung) und Entwässerungsanlage schließen gegen das Vorjahr .günstiger ab, weil zum ersten Male die auch den Mietern aus- gebürdete Müllabfuhr- und Kanalisationsgebühr in die Erscheinung treten. Bei Verhandlung der Bebauungspläne der Bertiner und Brandenburger Vorstadt muß die Verhandlung abgebrochen werden, weil in der neben dem SitzungSsaale gelegenen Telephonzelle durch Kürzschluß Feuer entstanden war. Der VerwaltungSbericht deS Oberbürgermeisters bringt zum Ausdruck, daß Potsdam, obwohl an Einwohnerzahl wenig verändert, sich finanziell gut entwickelt habe. Daß die Elnkoinmensteuercrlräze sich aus allen Arten Erhöht haben und nur aus Handel und Ge- werbe zurückgegangen sind, sei zwar bedauerlich, aber zeige deutlich, daß die kleineren Existenzen immer mehr durch die größeren ver- drängt werden. Vom Standpunkt eines Kommunalpolitikers sei das nur zu begrüßen.(Um die Tatsache, daß Potsdam dadurch zur teueren Stadt für die Lebenshaltung werden muß, icheint man sich nicht zu kümmern.) Die Schuldenlast der Stadt belrägt ISYi Millionen Mark. Eine neue Anleihe von 4—5 Millionen Mark soll für den RathauSneubau, Brücken- und Straßenprojekte aufgenommen werden. Alle diese Anleihen sollen bei dem gleichen Prozentsatz der Einkonimcnsteuer(100) verzinst und amortisiert werden, wozu neben den Steuereinnahmen nicht un- wesentlich die Ueberschüsse des Elektrizitätswerks und der Straßen- bahn beitragen. Es sei ein Glück für Potsdam, daß eS nicht in den Zweckverband hineingezogen sei. Vielleicht sei es in vier bis fünf Jahren möglich, mit diesem zu konkurrieren. Aus dem Bericht geht hervor, daß bei einer solchen Entwickelung zur„Elilestadt" die Arbeirer- schaft hinausgedrängt werden muß. Daß dies tatsächlich geschehen ist. zeigt sich an folgendem: Die Zahl der Personen mit Einkommen bis zu 900 M. ist von 27 139 im Jahre 1903 auf 21 642 zurück- gegangen; die Zahl der Gemeindeschüler im gleichen Zeitraum von 6595 auf 4605. Ebenfalls lassen die Ausgaben im Armen- etat nach. Spandau. Einem Schwindler, ber sich mit Porträtverkäufen,„Liebknechts» Porträts" befaßt, sind eine Anzahl Genossen in die Hände gefallen. Er gibt an, von der Firma„Erich Rumpf". Beriandgeschäst, als Reisender engagiert zu sein und stellt Garantiescheine mit dem Stempel der Firma Rumpf versehen aus. Den Betrag von 4,50 M. läßt er sich sofort ausbezahlen, um damit bei Uebersendung durch die Firma die Nachnahmekosten zu sparen. Der Schwindler nennt sich. E w e r l i n g", Berlin 17. 39. Boyenstr. 17. wohnhaft. Er arbeitete früher bei der Firma Schwarz, Porzellansabrik in Pichcls» dorf und zwar bis 1. April t910. Der Schwindler ist 1,60 bis 1,65 Meter groß, hat rundes Gesicht, kleinen schwarzen Schnurrbart und trägt schwarzen Ueberzicher und steifen Hut. Eine Anfrage bei oben genannter Firma ergab, daß ein Reisender g.etchen Namens dort nicht engagiert sei. Hiis aller Sielt« Klerikale Verhetzung. Rom, 20. Februar.(Eig. Ber.) In Nola, dem Geburtsort Giordano Brunos, sollte am 19. d. eine Gedenkfeier für den Märtyrer deS freien Gedankens stattfinden. Als Festredner war Genosse Podrecca, der Heraus- geber des.Asino", eingetroffen, aber die Klerikalen hatten alles dazu vorbereitet, um die Feier zu unterbrechen. Die Stadt war mit klerikalen Manifesten bedeckt, auf denen unter anderem zu lesen stand, daß der Tod Giordano Brunos wohlverdient war. Kaum begann Podrecca zu reden, so stürmten die Klerikalen unter der Führung v o n d r e i G e i st l i ch e n auf den Platz und störten durch Geschrei und Steinwürfe die Versammlung. ES kam zu einem Handgemenge, bei dem die Polizei sich ziemlich passiv verhielt und schließlich drei Genoffen verhafteten, während die Klerikalen in ihrem Toben nicht behindert wurden. Die Menge war so fanattsiert, daß ein Zug, in dem man den Abg. Podrecca vermutete. ausgehalten und durchsucht wurde, in der Absicht. Podrecca zu lynchen. Da dieser nicht im Zuge war, trösteten sich die Gläubigen durch Mißhandlung mehrerer Reisenden, darunter auch eines jungen Mädchens. Nicht umsonst schwärmen diese Leute noch für den Scheiterhaufen. Sie möchten dieses System nicht nur rechtferttgen, sondern auch noch heute beibehalten. Ein brennender Eisenbahnzug. Sieben Fahrgäste verbraunt. Eine schwere Brandkatastrophe hat sich in der vergangenen Nacht in einem Eisenbahnzuge auf der Strecke W j a t k a» Tschelsabinsk zugetragen. In der Nähe der russischen Station Wosneschensk geriet während der Fahrt infolge Entzündung ätherischen Oels ein vollbesetzter Personenwagen in Brand. Sieben Fahrgäste kamen in den Flammen um, weitere 32 erlttten Brandwunden._ Ein betrügerischer Polizeikommiffar. In Erfurt wurde am Dienstag der Polizeikommissar Toennigeö wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in Höhe von über 9000 Mark verhaftet und inS Untersuchungsgefängnis übergeführt. T. hat die Veruntreuungen, die sich aus die letzten 1'/, Jahre erstrecken, durch Fälschung von Quittungen und unbefugter Erhebung von Geldern auf der städtischen Sparkasse begangen. Der erst seit drei Jahren in Erfurt angestellte Kommissar hatte ein jährliches Einkommen von etwa 5000 Mark, da er außer seinem Gehalt noch eine ziemlich hohe Pension als früherer Marineangestcllter bezog. Ueber dm Verbleib des Geldes verweigert der Beamte jede Auskunft. Ehrliche Kapitalisten. Ein kleines Seitmstück zu dem Alkoholskandal hat sich in Genua abgespielt. Die dortige Union des Gas, eine französisch- belgische Gesellschaft, ist dabei ertappt worden, daß sie den Oktroi systematisch hinterzog. ES wurden über 5000 Tonnen unversteuerter Koks beschlagnahmt, wo für eine Buße von 86000 bis 432000 Lire verhängt werden kann. Diese Summe wird zu sieben Neuntel unter dem Ottroipersonal, das die Sacke entdeckt hat. verteilt, die letzten zwei Neuntel fließen der siterskasse der Oktroiwächtu zu. Im Gefängnis verbrannt. Vor ewigen Tagen machten wir davon Mitteilung, fcöfc in dem oberschlesischen Orte S ch a r l e y eine Witwe, die wegen Schul- Versäumnis ihrer Kinder zu einer Geldstrafe verurteilt war, die sie nicht zahlen konnte, bei der Abbüßung zur Strafe im Polizei- gefängnis verbrannte. In einer öffentlichen Erklärung wendet sich jetzt der Gemeindevorstand von S ch a r l e y gegen die in der Presse erschienene Sachdarstellung. Nach der Erklärung ist die Witwe Last nickt verbrannt, sondern e r st i ck t. Der Strohsack habe auf eine un- erklärliche Weise zu glinnnen angefangen, die Frau habe das Fenster öffnen wollen, aber hierzu nicht mehr die Kraft gehabt. Der im Gefängnisgebäude schlafende Wä-titer hat keine Hilferufe gehört. Erst als am Morgen die Tiir geöffnet wurde, entstand durch die frisch hereindringende Luft Feuer, das sofort gelöscht wurde. Die Witwe Last habe nicht neun, sondern nur drei Kinder hinterlassen, von diesen befindet sich das eine in Fürsorgeerziehung, die beiden andern im Alter von 8 und 13 Jahren sind im Waisenhause unter- gebracht worden. Unsere Bemerkungen zu dem unerhörten Bor- kommniö werden dadurch in keiner Weise abgeschwächt. Wahnsinniger Luxus. Ein Mllionär aus den amerikanischen Südstaaten erwarb für 48000 M. einen Motorwagen. Die Einrichtung war jedoch nicht nach seinem Geschmack und er bestellte für den Wagen Wohn- und Schlafraum, ein kleines Bad mit Warm- und Kaltwaffereinrichtung und eine kleine Küche, wodurch sich die Kosten auf 72 000 Mark stellten.— Die Frau eine? Multimillionärs, die eine Hals- kette im Werte von 2>/z Millionen Mark trägt, gebar jüngst einen Sohn. Es wurden schleunigst vier Slerzte und ein ganzer Stab von Bedienten engagiert, die sich nur um das Baby zu kümmern hatten. Die Aerzte unter» suchten das Kind viermal täglich und gaben jedesmal ein Bulletin heraus.— Ein anderer Millioukir kaufte sich in New Jork ei» HauS, wofür er acht Millionen Mark ausgab. Um sich einen Garten zu schaffen, kaufte er das nebenliegende Grundstück für eine halbe Million und gab dann für Anlagen usw. weitere zwei Millionen auS. Das Bett des Millionärs ist aus geschnitztem Ebenholz und Elfen- bein mit eingelegtem Golde hergestellt; die Wände deS Schlafzimmers kosten eine Biertelmillion, die Decke 80 000 M. und von den 10 Paar Bor- hängen ein jedes Paar 8000 M. Der Kleiderschrank kostet die Kleinigkeit von 000 000 M., der Ankleidetisch 280 000 M., der Wasch- tisch 1S2 00V M.. die Bettvorhänge 250 M. per Meter und die vier Türen im Schlafzimmer 40 000 M.— DaS Kostbarste jedoch ist ein Hut. den sich ein Nebraska-Millionär ganz auS Papiergeld hat anfertigen lassen und der nicht weniger als 80000 M. kostete. Wie viel Schönheit und Segen gäb'S dafür in der schwerringenden Welt? I Kleine Notizen. Gescheiterttt Dampfer. In der Nähe von Gibraltar ist während eincS SturnreS der Dampfer„MoritparlS* gesunken. Die auS 17 Mann bestehende Besatzung soll um- gekommen sein, Einzelheiten über die Katastrophe fehlen noch. Fromme Justiz. DaS Landgericht Bozen im heiligen Land Tirol hat in der lctz.en Zeit eine Anzahl charakteristischer Urteile ge- fällt. Ein Bauernsohn und ein Bauernknecht, die einen in eine leere Feldhütte zum Uebernachten eingedrungenen Hungerleider tot- geschlagen hatten, wurden zu drei und vier Monaten Kerker verurteilt, dagegen erhielt ein Arbeiter für den Diebstahl eines Hundes im Werte von zwei Kronen zehn MonateKerker. Ein Arbeiter, der eine Prozession nicht gegrüßt hatte, wurde zu sechs Wochen Kerker verurteilt. Eine unmenschliche Mutter. In dem böhmischen Dorfe Chrzin entdeckte der Lehrer während deS Unterrichts bei einer siebenjährigen Schülerin, daß ihre Blufe mit mehreren Stichen in daS bloße Fleisch des Rückens eingenäht war, was be- greiflicherweise dem Mädchen große Schmerzen bereitete. AIS Täterin wurde die Mutter verhaftet, die das Kind erst jüngst aus der Findelnnstalt zurückerhalten hatte. Sttaßenkämpfe. Am Dienstagabend wurde in der russisch- polnischen Stadt Kielce ein Mann aus der Straße erschaffen. Bei der Berfolgung der Täter ivurden die Polizisten von dem Dach- räum eines Hauses beschossen. Ein Polizist wurde verwundet, einer der Täter blieb tot auf dem Platze liegen, zwei entkamen. Kranken und Sterbckasse der Z'avakarveitcr Berlins.(E.H.Nr.??.) Seute abend 8'/, Uhr, bei Treher(stüher Feind), Weinftr. 11: Gcneral- ersammlung._ ßrlcfharten der Redahtfon« C. B. 15. Schriftlich oder persSnlich an da« Borniundschaftsgericht. — St.<1n Heiden Fällen 2 Mark.— Show ISU. 1. Ortspolizei- bchörde. 2. Einige Wochen. Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vor- liegen, ist daraus zu rechnen. 3. Zwischen Z und 500 Mark, je nach der Gewerbesteuerklasse. 4. Stach vorheriger polizeilicher Genehmigung ja. — Strumpf. 1. Wahricheinlich würde der Witt mit einer RäumungS- klage durchdringen. Die Wirkungen des Urteils erstreiken sich auch aus die Familie. 2. Die Polizeibehörde. 3. Fa.— F. W. V. Fragen Sir bei dem Zenttalverbaiid der Handlungsgehilfen usw., Nene Königstrahe»6, an. — H. S. 25. Fachschule sur Wagenbauer und Stellmacher, Albrechtstraße 20.— Runge 10. Zwei Mark.— St. St. Rein. — g. 31. 7. 1. Ja. 2. Ja. Der Scheidungsklage muß aber die Klage auf Wicdxiherstellung vorausgehen und, falls Urteil auf Wiederherstellung ergebt, nach RechtSlraft dieses Urteils ein Jahr verstreichen.— St. St. 88. Im Reichstag zu erreichen.— P. M. Wenn im Mietsverwage tein Vor- behalt gemacht ist. läßt fich nichis dagegen tun.— Paul 18. Sprechen Sie beim Arbeiterfekretariat. Engelufer 15, in den Abendstunden zwischen k und Tl, Uhr vor.— W. H. 1884. Wenden Sie sich an daS Deutsche Konsulat.— P. 20. Lotterie. VolkSlefehalle. Adalbettftr. 44.— S.. Wilhelmsruh. Anweifilnzat und äfentlert l stichiulkgifchelkke. die durch d!t Post zur Zahlung präfentlerk werden.— R. K. III» Hamburg- Amerika- Linie w Hamburg. Norddeutscher Lloyd in Bremen.—(?.<8. 100. Ausliesern nicht, wohl aber ausweisen.— B. E. 81. In 30 Jahren.— M. 70. Leider nicht.— ffi. St. 1. Nein.— O. R. 17 und Sch. 10. Auch mit Hilst des Adreßbuchs nicht zu ermitteln.— B. B. 45. Ansrage an die Polizeibedörde.— H. 180. Ja.— I. B. In Friedrichshagen bc- steht ein solches Kinderheim unter der Leitung von Dr. Lskar Roseuthal, Oranienburger Straße 40/41, an den Sie sich zunächst wenden wollen. WitterungSüdersilht vom 22. Februar 1V11. morgens 8 Ilbr. Stattoaen Llvmenid» 750 SSW Hamburg 749 SW ß er sin 1754 TW Franks.« 33 759 SA München j?S4SW Wien 754 Still «tattonen Haparanda 740 SSO 2 bedeckt ,—20 Petersburg 758 SSO 2 bedeckt—15 ntttn tt Ii Ectllh Werveev Parts 758 W jkbalbbd. 739 WSW 3 heiter 751 SSW 5 bedeckt i I I «etterprognake fflr Donnerstag, den 28. Februar 1911. Mild und zeilweist ausstarend, vorwiegend trübe mit Negensällcn Uttd sehr lebhasten westlichen Winden. Berliner Deltervtireaa. WasserstandS-Naibrtchtea der LandcZanstalt für Gewässerkunde, mitgekeilt vom Berliner Wettelbureau. st+ dedeutei Wuch».— Kall.— st st In der Nacht zum 21. höchster Wasserstand: 2S7 cm. 2_Uhr nachts SNllstand mit 120 cm. Die Oder ist nach Unierveael.— st ElSstand. — st Am 21 um telegraptscher Meldung bei Ratibor bis heust vormittag auf 393 om gefallen und fällt weiter; auch bei Lrlcg, wo in der letzten Nacht Mitlclhochwasstr gejähr begann erreicht wurde, hat die Oder um S Uhr morgens wieder zu Zegonnen, un- lallen 3 Tage. Viele der geehrten Hausfrauen haben unsere vorzügliche Milka extra TafeUMargarine noch nicht probiert. Um diese zu einem Versuch zu veranlassen, verabfolgen wir an Orts-Krantenkasse für das TaptfierergkMlbk m Kerlin. DlenStag,»en 28. Februar 1911. abend» 8>/, Uhr, im GewertfchaftShauS.Engelustrlll, Saal 3: ölusierordentliche VeverAl-VerssmmIiiiis, wozu die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergeh enst ctiigeladen werden. Tagesordnung: 1. Statutenänderung der ZK IL, 13, 20, 30, 31 und SS. 2. Verschiedene». Das Erscheinen der Delegierten in dieser Versammlung ist in Anbewacht der wichtigen Tagesordnung dringend notwendig. 271/10 Der Vorstand. M. Lobltr, Vorsitzender. folgenden 3 Tagen; oder nach Wahl zusammen für Pfennig | Donnerstag, den 28., Freitag, den M., Sonnabend, d. 25. Febr. er. 1 Pfund Hilka CXtra Isfel'Usrgsrine und l Dose Malzbonbons 1 rtoa 1 Pfund Kunsthonig 2 Pfund Hilka extra 7sfel-»srgsriue «.a 1 Flasche alter Südwein u... i« (geliefert von 0. Linzel, Weingroßhandlung, Berlin).......... zusammen für Um gefl. Zuspruch bitten die Inhaber der MSiLKA-Verkaufsstellen im Horden, Süden und Riidorf, welche durch nebenstehendes Alllka a Schild gekennzeichnet sind. teppdecken Spezialhaus Emil Leime BeB"" Oranienstr. 158 Hier zu haben I Steppdecken B«Äre StalllsddalÄÄlP'buJl"1 Wollatlas(ÄiU'Vlr Daunendecken 25°° bis W°° Schlafdecken 350 bi8 43°° Inventur- Extraliste enorm billiger Sonderangebote �gratis and franko. Achtung!! Sumatra-Deckblatt erste Länge Vollblatt, lebhafte Farben, vorteilhaft deckend und sehr gut brennend, per Pfund 31. 3,00 Hamburger Rohtahak-Haus, Filiale: Berlin N. Bronnen• Straflc 95. >____________■ 295/3* Teltow! Allen Parteigenossen. Gewirk. schalilerii. Freunden und Bekannten die Mitieilung, daß ich am 1. März dieses Jahres das Lokal in Ta» H J.____ Berliner I 0 ITOWy StroUe 16 übernehme und dasselbe der Pattel zu allen Veranstaltungen zur Per» sügung steht. Um regen Zuspruch bittet Wilhelm Bonow. Großer Laden mit 2 Settaufensiero und anschließender Wohnung zum Apttl billig zu vermieien Höchste. 48 Ebenda kleine Wohnungen. 161/11 Kilimen- mid Krau;!iindkrkll von Meier, nur Wassertorstr. 37a. j 20 Säle und Vereinszimmer mit modernen Bühnen, In allen OrOBen sowie 8 neu renovierte Kegelbahnen an Wochentagen (auch einige Sonnabende und Sonntage) nooh frei. Pracht-Säle Alt-Berlin Sophien-Säle 0. 54, Sophlcnatr. 17-18 Blnmonatr. 10 leL III 2783 Tel. VII 8095 Inhaber; Panl Bants. Möbel 3 kaufen Sie am billigsten direkt in drr Fabrik Sfkllschreiber- Mf 57 (Moritzplatz). Berkanf Fabrikgebäude A. Kavnack Tischlermeister* ZahlungSerleichtcrungen, Todes-Anzeigen SoziaWraoMschertfaMferelii des 6. Der Am 80. Fevmar verstarb unser Nenoss«, der Monteur frMvkh Tbiemann Waldstr. 56. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Februar, nach- mittags 3 Uhr, vom Traucrhause aus nach dem städtischen Friedhos, Eeestraße, Ecke Müllerstraße statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/5 Der Vorstand. TodeL-Anzeiae. Allen Freunden und Bekannten die tiejtraurige Nachncht, daß uns unser innigslgelicbter und Hofs- nungsvoller Sohn Alax Brandt im Alter von 15 Fahren durch den plötzlichen Tod entrissen wurde. 31022 Dies zeigen tiesbettübt an tHte trauernden Eltern Bich. Brandt und Bruder, Gubener Sttaße 16. Die Beerdigung findet am Freitag nachm. 3>/, Uhr von der Leichenhalle des Zenttal-Ftted- böses in Friedrichsseide aus statt. Mud dtr Brauerei- Iii Mm«er XirzSZ. Zahlstelle Berlin. Nachruf. Den Mitgliedern FZ ittr Nach- ruar der richt, daß am 15. Kollege, Mitfahrer kejntioll! ScMi, Katscrbrauerei, an der Proletarier- krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 42/7 VI» Ortsverwaliung. Dr. Simmel Spciial-Arzt" für Haut- und Harnleiden. Prlmenslr. 41, Ä"«. 10—2. 6— 7. Sonntags 10—12. 2—4 »ardlnenhautz Bernhard Echwartz Wallstr. 18 Stoffe Garantiert„Ortginal-Engkisch« für Anzüge, Ulster Meter 3 u. 4,50 M. Duchlagcr llooh& Seeland G.m.b.H. ßeflraudtenstr, 20-21 Siga ßucbhandlung Vorwärts Berlin SW. 68, Lindenstraße 69(Laden). Neuerscheinungen: Bon nnten auf. Ein»cueS Buch der Freiheit. Gesammelt und gestaltet von Franz Dicderich. — Mit 2ö Bildern.— PreiS gelunden 2 Bände K M. In 1 Band 5 M.» einzeln pro Band Z M. Die Bakterien. Eine Einführung in das Reich der Mikroorganismen. Von Dr. Adolf Reil,. (10. Bändchen der Kleinen Bibliothek.) PreiS broschiert 75 Pf., geb. 1 M.(Vereinsausgabe 50 Pf.) Der industrielle Großbetrieb. Eine Einführung in die Organisation moderner Fabrikbetriebe. Von Richard Woldt. (11. Bändchen der Kleinen Bibliothek.) PreiS broschiert 75 Pf., geb. 1 M.(V-reinsauSgabe 50 Pf.) Leo Tolftoi-Briefe (1848— 1010). Gesammelt und herausgegeben von P. A. Zlergejeuko. Preis broschiert 0 M. Protokoll über die Berhandlungen der Konferenz der sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gcmcindevertreter, deu Zwangszweckverband für GraH- Berlin betreffend. Abgehalten am 13. Januar 1911. Preis 75 Pf. 245/6' WarmuiK! Trotz wiederholten Hinweises sind in letzter Zeit I Nachahmungen meines Kapitän- Kantabakei in[ Umlauf. vor Kapitän-Kautabak ist nur i echt mit Zetteloinlage und Etikette mit der Aüfsohrift: « n ,»• (gcs. Bcachtttzt 75 658). Meine werte Kundschaft bitte ich, Kapitän-Kan- I tabak ohne obige Bezeichnungen als unecht zurüolau- I weisen und mir Fälle von Kachahmungen mitzuteilen, da- | mit ich dagegen einschreiten kann. Karl ftöcker, Tabakfabrik, Berlin 0. 27, Grüner Weg 112.(TU. 8861.) Schluß diesen Sonntag' Ausnahme-Angebote Tausender moderner Knaben-Anzüge, Selten günstige Kaufgelegenheit Soweit Vorräte reichen L j Erstkl. Modell- Anzüge| I Norfolk- Anzüge ri-u»». 1 | Feine»Reüe-Muster«. Fflt 8— 8 Jahre.; j Feiten• Formen. Für 8— 8 Jehre. Somt b!» 20 Mk. c ert Q nOMlr■'•?6nrt■•••-. 6.50 Mk. A Eft MV! - Jetzt durdiweg..O.OUu y.UUMK-: j jetzt durdiwefl......«♦.DU MIC.; « i re. eee ee eee.eeee.e ee reeee t teee.• u eeeeea ea res e eeee■ e,S••••••••••••eeeceiee**ee/, Uhr.) Luisen. Das große Licht. Modernes. Der Feldherrnhügel. (Ansang S'l, Uhr.) vioie. Lorbeerbaum und Bettelstab. Hcrrufrld. Eine verlorene Nachl. Er, Sic und Er. Folies i5apric«. Der Feldwebel- Hügel.(Ansang 8'/, Uhr.) Metrvuo.. Hurra— Wir leben »och l Kasino. Julie Wippchen. slpollo. Spezialitäten. liatiage. Svczinlitüten. Aoigt. Gcschlosien. Reichsliallen. Stcltiner Sänger. Kari Haverland. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo! Dacapo I(An- sang 8'i, Uhr.) Intimes. Das Mädchen aus Paris. (Ansang 8'/, Uhr.) Weddiug. Lichlspicle. Kaiser- Panorama. Stelrischcs Salzkammergut. Urania. Tanbenstrafte 48/40. Abends 8 Uhr: Was uns der Mond erzählt. Hörsaal abends 8 Uhr: Proscsior Dr. F. Rathgcn: Verdichtung der Gase, Kohlensäure, flüssige Lust. Stcrnmartc, Jnvalidenslr. 57— 62. Lessing-Theater. Donnerst. 8 U.: Eiusame Menschen. Freitag 8 U. z. 25. Male: DieRaiten. Sonnabend 7'l, Uhr zum 1 Male: Die Kinder. Komödie in drei Allen von Hermann Bahr._ Berliner Theater. Täglich 8 Uhr: Bummelstndenten. Neues Theater. Täglich: Hein MM Wim. Ansang 8 Uhr. Tdeater des Westens. Abends 8 Uhr: Die liiHtijfe Witwe. Sonntag 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Modernes Theater (trüber Hebbeltheater). Abends 8'/4 Uhr: VeldherrnhUeel. Berliner Volksoper Belle, Alliancestraße 7/8.—'/,9 Uhr: Die Dollarprinzessin. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dsvnerstag, den 23. Februar, 8 Uhr: Einheirat. Freitag Sonnal Wilhelm Tell. onnabend: Hosgunst. Ansang 8 Uhr. Letzte Woche des Kolostai-ProgrammS. ( Waldon? Taehln Maa't 8 heilige Chungusen 9'/, Uhr: Berlins Sensation l Oito Reutter mit{einen Schlagern. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Wan nn« der Mond erzilhlt. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. F. Rathgen: Verdichtung der Gase, Kohlensäure. flüssige Luft. Kaiser-Panorama. Z. l. Male:. Wanderung im Steirischen Salzkarnrnergut- Bcqnemer Besuch von Rom. Eine Reise 20Pf. Kind nur lOPf Abonnements 1 M. Tausende Abonn. Scliiiler- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Kaiser. Eine Tragödie in 5 Akten von Hans von Kahlenberg und H. Oldcn. Ende 1Ö3/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Dan Urbild des TartUfT. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: Kl» Idealer Gatte. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Xatlinn der Welse. Ein dramatisches Gedicht In fünf Aufz. v. G. E. Lessing. Ende 11 Uhr. Freitag, abends L Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomlni. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Prinz Priedricd von Homdnrg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Maria un«! Magdalena. Lustsplelhaus. Abends 8 Uhr: Meyers. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Pariser Men«. Drei Gänge ro» Georges Feydeau und Vcber-Abric. 1. Gang: ,52 Meier über Paris3', 1 Akt von Vcber-Abric. 2. Gang:.Eine Rachtsitzung", 1 Akt von Georges Feydeau. 3. Gang:.Nach dem Mäuschen« ball". 1 Ali von Georges Feydeau. Morgen und folg ende Tage: Pariser Mcnit. ChOV Morgen: | An allen Woc' von 4— 7 Uhr: B£RM\ER KOXZEHTHAUS Mauerstr. 82 Zirnrnerstr. 90-01 Eintritt 50 Pf. Gastspiel v. Johann Strauß aus Wien mit seinem vollständig. Orchester. — Anfang 8 Uhr.— Gastspiel von Job. Stranß. Promenadenkonzert 1 Luisen-Theater. 23., 24., 25. und 27. Februar. 8 Uhr: Das groye Licht. Schauspiel in 4 Akten v. F. Philipp!. Sonnabend 4 Uhr zum 1 Male: Der brave Peter u. Tie Puppen- Prinzessin. Sonntag 3 Uhr: Die Hosen des Herrn v. Bredow. 8 Uhr: Der jüngste Leutuant._ Sport-Palast Entree 1 M. Potsilaraor Strajle 72-72a Entree 1 M. Größter Eisgialast der Weit. Feerie„Karneval am Nordpol". '' 200 Eislaufkünstlor X Prachtvolle Ausstattung. Unerreichbare Lichteffekte. X 2 Musikkapellen. Raum für 10 000 Personen. X Unterricht im Eislauf. VormittagH-Knn/.ci'tc.——— Sonntags 4 Uhr: Xacluuittagx- Vorstellung. OSE= THEATED Rixdorf, Bergstr. 151/152( Excelsior-Lichtspielliausll Große Fraufsurtel Str.>32. Ans. 8 Ubr. Ende 10'/,, Uhr J Lorheerbamiiu. Bettelstab Schauspiel in 4 Aften von Holtet. Freitag: Der Herrgottschnitzer von Ammergau. Retropol-Tkeatsr. Hurra! Wir leben noch! Große Ausstattnngsrcvue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz, j Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet.' Rassage\ .RichardstraBe/ Ab 18. Februar und rollende Tage: Atlabendl. von 7— 8'/« 9I/I— 11 Uhr(in der übrigen Zeit ab S'/j Uhr Die weiße Sklavin 2. Serie. Gänzlich unabhängig von der 1, Serie gleichen Titels.][ 1. Orig.-Aufführung f GroB-Berlin. Vorzugskarl u. Freibilletts ungültig J| Kindern unter 14 Jahren ist der Bintritt nicht gestattet. Arnold Scholz .Wiie Welt Hasenheide 108—114 mit Ihrem chinesischen Schauspiel- Ensemble: „Im Reiche des Drachens" und weitere RA Attraktionen 12 dos drolligen Faschings-Programms! Donnerstag/, den 88. Februar 1011: Bockbierfest in den bayerischen Alpen. Rente: Prämiierung; der engsten Taille.l 1. der Kamen v. 120— 140 Pf d, 2. der Kamen v. 140— 160 Pfd., 8. der Kamen von 160 Pfd. und mehr. DM- Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Im neuen Lichtprunksaal: Großer Ball! Anfang: 7 Uhr. 5 Kapellen. Fntrcc 30 Pf. Doppel-Jubilännis.Abend. Zum 150. Male der größte Schlager der Theatersaison: Line verlorene Nsckt. Zum 50. Male: Er, Sie und Er mit Anton und Donat Herrnseld in _ den Hauptrollen. Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 23. Februar 1911: Klassiker-Abend. Minns von Barntielm. Lustspiel tu fünf Auszügen von G. E. Lessing. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: = Tanz.= Brauerei Friedrichshain. Am Königstor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Morgen Freitag: Elltetag:. Gr. Kapellmeister=Wettstreit. Der berühmteste FeUwirt Lekorsek Lkrengruder mit seiner Truppe(60 Personen) aus München. GraMosimg von 100 VeilaegenstäniieD. Jeder Besucher erhält ein Los gratis. Ansang 8 Uhr. Entree 80 Ps. Passierfarten haben volle Gültigkeit. Abends 8 Uhr. Sgr. Ordona der spanische Caruso. Scbneider-Duncker Les Vlgnacs und das kolossale Februar- j Programm. 14 neue Varietö- Attraktionen laiz: Beachten Sie das Variets- Konsum-System! Täglich das Riesen- Variete-Programm. ü. a.: „Die Parade der Zinnsoldaten." Text von Hermann Frey. Bis 2 Uhr nachts: — ball= Berlins größtes Verpüpgs-EiahlinDt. Donnerstag, de» 23. Februar, abends VI, Uhr: Original-Perezöff-Truppe, 2 Damen, 5 Herren, in ihrer Szene Ei» Touper bei Maxim. Ilvr«», Krasljonglcur. An tonet A Gi-ocb, die Urkomischen. Droika, ger. v. Hni. Karl Heft. Alb. Schumann mit seinen neuesten Kreationen u. die übrigen neuen Attraktionen. Der große Coup 9>l, Uhr. der O'/t Uhi. Schmuggler. Große romantische Pati stanlomime. Zirkus Busch.! Donnerst, 23. Febr., abd8.71/lUhr: Gala- Abend. Gastspiel der Schwimm- und Tauchkünstlerin Miß Serene Ncrd. Käti Sandwina, Lady Herkules. Herr Dir. Pierre Althoff und Frau Direktor Adele Althoff, Freiheitsdressuren. Kie Bradnas. Die Fredianis. Fräulein Martha Mohnke, Schulreiterin. 3 Gebrüder Fratellinis, urkomische ital. Clowns. Um 91/« Uhr zum 63. Male: „Armin.64 Gr. Volks-Manegeschaustück. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr Monntclaug total auSvcikaust! Julie Wippeben! Ein echtes Berliner VoltSstück. Julie Wipivehent Man lacht Träne» Uber Julie Wippchen! Sonntag 3'/, Uhr: Haft und Liebe. Psszsge-Psnopliltiim. Ii Eine Kolonie S in ihr. Leben, Sitten u. Gebrauch. Zum 1. Male in Berlin! In ein. eigens erbauten Polardorfe. Ohne Fxtrn-Kntree! V olgt-Theater Gelmidbrunneii, Badstraße 53. Donnerstag, den 23. Februar 1911 Gastsp. in Drapps Festsälen, Tegel. Gefesselte Liebe oder: Befreit aus Sklavenkette«. Hist. Schanlp. in 5 Akt. v. Bnch-Pseisfer. Kassenetöffnung 7, Ansang 8 Uhr. Reiclistiallen-Tlieater. Stettiner Sänger. Zum Schluft. neu! Knhllcke« Vavlets-Theater. Burleske von Mcysek. Ansang wochentags « Uhr Sonntags 7 Uhr. tturgthratcr- Festsäle und Kinematograph vorm. Groterjan. Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353 liebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Pf., Kinder die Halste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochent. gültig. 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechs. Programm. Ksii Haverland- Ansang Thnßfon Kommandanten- prä». VI, U. lUBflltr. straße 77/79. Em Stnsntionsprogrnmi». Karl Groth 1 Fred Itollon J Almenrausch u. Edelweiß 1 Alles Schlager! LIGHTSPIELE. MOZART- SAAL Nollendorf- Platz. Beginn 6 Uhr. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Hippolyte� Abenteuer. Folios Capriee. Täglich 8'/. Uhr: Die abgetretene Frau. Neuer bunter teil. felÄmbelhugel. Königstadt-Kasino. Holzmarltstr. 72. Täglich: Spezialitäten und Theater. Fraa« 8obaanlrl. Leop. Rosser, Elsa de la Senta, Geschwister Bernhardy, The Oumbars, _ akrobatische Tänzer. DV Immer lldcl.-Wßg Schwank ni. Ges. in tAkt v. O. Richter. Ans. 8 Uhr. Sonntags 67, Uhr. Hj&SlL&PcI WecLdinqy 2iBESEB335iiSEUKi�SB Neuer N Spielplan. Edel sei der Mensch (Drama). Verspieltes Glück (dramatisch). Nachmittags von 6— 8 Uhr wird jedem Besucher eine Probe- taeae Biooker« Kakao gratis verabreicht. Karl Nissle's Festsäle Dcnncwitzstr. 13. Hente Donnerstag: Vavhhivi'» Tosi (Baumblüte in Werder). Um 12 Uhr: Gr. Schrippen-Polonaise sür Herren.(Eine Bulennadel.) Entree 30 Pf. 141b Karl Nl»«le. mia-Säle Schönhauser Allee 130, Milaslr. 3. Jeden Donnerstag und Sonntag: Gr. Kavalier-Ball. Große« Orchester. Anfang 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Donnerstags haben Vorzugskarten Gültigkeit • Carl Eisner. Für beu Jnliat« der Jinerate «ibernimmt die Nedattion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis: NO. 43, Barnimstr. 21. Tel.: Amt VII ö78g Am Freitag» den S4. d. M.» abends präzise 8 Uhr» in den Musiker-Sälen. Kaiser-Wilhelm-Str. 18b: MemMicIiö Generalversammlung, Tages-Ordnung: 1. Die Aussperrung in der Miitzenbranche und unsere Stellungnahme. 2. Diskussion. 3. verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht jeder Kollegin, jedes Kollegen, zu erscheinen, ganz besonders aber sind die Kolleginnen und Kollegen, welche bei den Arbeitgebern arbeiten, die dem Arbeitaeberverbande angehöre», verpflichtet, in der Ver- sammlung anwesend zu sein. 102/S Die Ortoverwaltnnit. Eigene Fabrikation im Hanse! Möbelfabrik Julius Apelt, Tiscliler-Meister 6. Adalbertstraße No. 6 Hochbahnhof Kotlbuser Tor Komplette Wohnungs-Sinrichtungen Moderne Musterzimmer ÜJ 0"a � �e�ganVeTten stehen zur Ansicht zo soliden Preisen in meinen grollen Fabrik- and Verkaufsräumen.— Auf Wunscb Zablungserlcichterung. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Heute Tonnrrstag. den»Z. Februar ISii. abeudS S Uhr: : Große öffklltliche Uersammlullg: w Hoppes Festsiilen, Hermannstr. 4S. Tages-Ordnung: i. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Fr. Brnhne. 2. Diskussion. 3. PerschicdeneS. 288/6 Ter wichtigen Tagesordnung wegen ist eS erforderlich. dost Mann für Mann in dieser Versammlung erscheint!-MH _ Der Einberufcr. Meinen werten Parteigenossen und Gewerkschaften zeige ich ergebenst an, daß ich liönigzmg 8 ein Restaurant mit Vereins» zimnier eröffnet habe. Um zahlreichen Besuch bittet Karl Ädam. Karl Ernst Inhaber Willi Ernat) ctzt: KäpenickerStr.55b,t. Am! IV, 14089. Gr. Auswahl! Bill. Preise! Vorzeiger dieser Annonce er» bält lvProz. Preisermäßigung. fatOiruihtitstahA L.Koläfard. sr An diesem Schild sind die Läden erkennbar, E in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. üfaatorgilltfg In Konstruktion and Aasfilhrnng, gleich vorzüglich fär Hausgebrauch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. -s BF.RI/l V, Leipziger Straße OS. r- > 1 Läden in den verschiedenen Stadtteilen. I< Healih snuff fobacco. fabac ä priser de sanfl labaka do zazywania dla zdrowia. Tabacco da naso aita saluts. Kolonie Nonnendamm. Wohnungsuohende finden in diesem aufblühenden Stadtteil günsllgö Ulllingölkgelldkl!. = Billige Mietspreise!>= Geräumige luftige Zimmer, Schule, Kirche, Arzt, Apotheke, Geschäfte aller Branchen vorbanden. Auskunft bei den Yerwaltem und der Hlärkischen Bodengesellsohaft, Berlin W., Leipaigar Straße 123a. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) ZO Pfg. Stellengesuche und Schlaistellen- Anaeigen 5 rMo-: das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zahlen doppelt. j Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nichste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-E\pedition, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(xfarbenfehfer)(Seiegen. beitsfauj. Fadriklager Mauerboss, Nur Große ffrankfiirferstratze 9, �lur. eingang. Gegründet 1874. Vorwärts- leiern lO Prozent. Sonntags geöffnet. Htippdeifen billigst ftabrit Grohe Krantturterttrahe 9. Flureingang (SardinenhanS. Grog- Frank furleiilrahe 9, Flureingang. 2491Jt* �iitfwaichfäiier. Zober. Sitz Wanne», Badewannen. Spezialiabrik Reich enbergerstrabe 47. Lesern 5 Proz. Teopiche! fsebterbaste) m allen Trotzen, soft für die Hütsle des Werte» Teppichiager Brünn. Hatke�cher Marfl 4. Bahnboi Börse.(Leier des »Vortvörts' erhallen 5 Prozent Rabatt.) SonnlagS geöffnet!' Bilder kanicn Sie dircft i bei Bogdan, Weininctilerslratz« sabrif Grundbegriffe der Politit. von Friedrich Stauu'ier. Gebunden 3M. Buchhandlung Vorwärts, Linden- ftratze 69(Laden)._ Borwartsteirr erbalfen fünf Prozein Selrarabatt, selbst bei Ge- leg enheitSfäusen._ Teppiche�oorjährige Muster, für halben Wert. Thomas, Oranien- siratze>60, Oranienplatz. Rosenthaler- ftratze 64. Gardinen, Restbestände, bis drei Fenster, statt 6— 3, statt 8— 5, statt 12— 8. Thomas, Oranien- straße 160, Oranienplatz. Rosenthaler- ftratze 64._ 2t63K» Herniannpla« ö Vsanöleih- haus. Staunendbillige Jaifetlanzüge. Gebrockanzüge. HerrenpaletotS. tzerrenboien. gxtrabilliger Bellen- verlaus. Wätcheoertaits Teppich« verlaus. Garbmenverfauf. Siepp- deifen. Plülchtiichdecken. RiesenanS- wähl Schmucksachen. Tastdeiiudren. Wandubrcn. Vorteilhaste Einkaufs- quelle. Pjanbleihhaus Hermannplatz. Auch Sonnlag« geöffnet._+20» Geschichte der Revolutionen, A. Eonrady, von wöchentlich ein Hest o 20 Pf. Bestellungen nehmen die Ausgabestellen de».Vorwärts" ent- gegen. Probehefte gratis. Reichgestickte Portieren,... 3.85. Plüsch 6,36, ganze Dekoration. LnventuriRäumungspreiS. Teppich- haus Emil Lefsvrc. Oranienslr. 168. Teppichhans Lefsbre. Oranien- ftratze 158, jetzt Jnventur-Räumungs- preise.(RstrcUste grali». 199651* Hchönhanler Allee 114(Ring- dahnhos). Grotzherlins spottbilligste EinkausSquelle. Niedagewesene Näu- MungSpreise. Psänderberkäufe.Taschen- uhren. Freischwinger. Go.dwaren- lagcr. Maganzüge. Paletots. Daunen- Helten. Ggrdinenvertaus. Aussteuer- Wäsche. Pvrliersnlagcr. Steppdecken- lager._ 2042ft* Moriffplaff68a im Leihhaus lausen Sie enorm billig, alS: von Kavalieren getragene Jackettanzüge, Rockanzüge, Palelot», grötztenleil» an! Seide, 9—18 Mark. Gelegen- heitSfänse in Damenjackett»(auch in Plüsch), Kostümen. Kleidern, Pelz- stolas, früher bis Ivo Mark, jetzt 10 bt« 20 Mark(hochelegant). Gelegen- hcitSkäuse in Uhren, Ketten, Ringen, Wäsche, Letten, enorm billig. Moritz- platz 68 a. 2087R* Billige Hoienwoche. Hochelegante Herrenboien auS seinsten Matzstoffen 7—16 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Vorjährige eleganleHerrenanzüge und PalelolS au» iemsten Matziwffen 20— tvMart. Verlandhau» Germama. Unter den Linden 21. lLS8Sf "Ttepptchei Die Restbestände einer Teppichfabrit kommen zum schleunigen Verlauf. Preife bedeutend herab- gesetzt. Plüschteppiche. ganz schwere Qualität: Stubengrötz«. früher>8.60 jetzt 12,00: Wohnzimmergrötze, früher 32,75 jetzt 24.60; Salongrötze, früher 43,60 Zetzl Lange. 36,00. TeppichhauS auffeeftratze 73/74. Portieren, Plüsch und Fllz, Rest. bestände 1—4 Fenster bedeutend unier Preis._ Grbstii II-Store», ein grotzer Posten mil Bolam, volle Breite und Länge 4.76. Steppdecken, eigene richtige Grötze. 3.76. 4,60, 6.60."7.1. TeppichhauS Georg Lange, Ebaussce. ftratze 73/74._ 2076K' Verbrechen und Prostttutton als soziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Pret» 2,— Mark, geb. 2,50 Mari. Expedition Vorwärts. L>ndenftratze 69._ Betten, eleganter, Stand 11,00, zweischlästig 16.00. bochseine 21,00, Gardinen, Steppdecken, Plüichtisch- decken, Teppiche, spottbillig Leihhaus Osten, Königsbergerstr. tS. 2ll7K' Milchgeschäftseinrtchtungen! Milchverkaussgesätze, Milchkannen, Butter- billigst. ~i*r 211 Milchmatze, Maschinen, Spezialjabrik ftrane 21. Milchstebe, Eisschränke� Jordan, Littauers Nähmaschinen ohne An- zablung, gebrauchte spottbillig I Ska- litzerftratze 99. Warschauernratze«7.* Bronzogaskronen» Jnveniur- Räumungsverlauf. Zugampeln, Wand- arnte, Stehlicht, Hängelicht, Gaskocher, Preise bis 30 Prozent ermützti Schröder. Hochstratze 43. ätzigt. 2b' OesctiÄllLverkSule. Restauration. Destillation sofort billig zu verlausen, krankheitshalber, 10 Jahre in eigener Hand, passend für Genossen, Stephonstratze 47.' Restauration» billige Miete, Biauereihilse. wegen Aller und Gicht- leiden billig verkäuflich. Karl Leben, Jagowstratze 14. f65 Parteilokal. Zahlstelle. Werk- stötlen, Wahlvercin, verlauft. April oder Jull, Witwe Kürbis, Luisen- ftratze 26._ j89 Seifengeschäft(Krankheit) prei»- werl Rixdoif, Boddinstratze 9. 28lb' 4.ÄS prachtvolles Bett. 10,00. ganzer Stand, rotrosa gestreist. Prinzen- Psandleihe, Prinzenstratze 34. B Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläsrig, 16,00, grotze Laien 90 Pfennig. Damaftbezüge 3.80. Steppdecken. Prinzenstratze 34. Bauerndeckbett. Unterbett, zwei Kissen 27,00 nur in der billigen Psandleihe, Prinzenstratze 34. I. Annonceiivorzeigern vergüte Fahr- g-ld._ Plüschportieren. Spottbilliger Inventur- Verlaus! Hochelegante ' 7,50, Gloria. WWWWWWW 3.60. Reich. bestickte Erbställstore» 3,35. Wolfs Teppichhaus. DresdenerftratzeÜ(Kott- busertor.) 2086K Teiferthähne und Weidchen kauft Prinzessinncnstratze 12, HI vir- IWlS. Jnventnransverkanf zu Spott- prcisem__ Teppiche, Farbenscbler, jetzt sabel- hast billig. Riesen-Fabrillager, Grotze Franffurterstratze 126, im Hauie der Möbelfabrik: billiger wie überall. Vorwärtslesern noch extra 10 Prozent Rabatt Sonntags geöffnet._ Gardinen, 1.65, 2.36, 2.85, ,50. 4.50, 6.7 tzenster > usw. Totalansverkanf von an- geschmutzten Gardinen, Störet, Bettdecken staunend billig. Grotze Frank- surlerstratzc 126._ Tuch- und Plüschportteren. Gar- nilur 3.86, 4.60. 6.26, 6.60, 8.26, 10.60. Fabriklager Grotze Franksurter- ftratze 126.__ Steppdecken billigst, Fabrik Grotze Franksurter'ltratze 125._ Tuch-ulih Plüsch decken mft kleinen Fehlern zu Spottpreisen." ftranffnrterftratze 126. Rur im der Möbelsabrtk. Grotze IHaw» 21 AK' Roloitialwaren-.Dclikalessen- und Grünkramgeschäft mit halber Kon- zession ist sofort billig zu verlausen durch C. Grabon, Rixdorf, Walter- ftratze 1, I. f60 Zigarrengeschäft Bernauerstratze 43. Möbel. Teilzahlung, Möbelelnrichwng, Stube und Äiiche l5 Marl. Ver- liehen geweiene Möbel spottbillig. Gebrauchte Möbel nehmen in Zahlung. Berolina, Kaffanienallee 49. 2161K' Gnetlenanstr. 10. Ecke Nostizstr. S. Grau, bekannt al» beste Bezugs- auclle. Kaffa und Teilzahlung. Mäbel-Lechner. Brunnenstratze 7, am Rosenthaler Tor, WohnungSein- richwngen auf Kredit und gegen bar. Riesen-AuSwahl. Stube und Küche Anzahlung von 16 Mark an. Einzelne Möbelstücke von 6 Mark Anzahlung an. Hervorragend schöne Muster in bunten Küchen. Wochen-, Monats- oder vierteljährlich« Raten nach lieber» elnfunst. Liefere auch nach auswärts. Borzeiger diese» Inserats erhält beim Kauf 6 Mark gutgeschrieben. ♦ Mäbel-GelegenheifSläufe in aller» grötzter Auswahl; einfache sowie oeffcre Wohnungseinrichtungen br- deutend billiger wi« regulär. Er, gänzunaSmöbel. Büfette. Schreib- tische 46, Sofa« 46, Garnituren 65, TrumeauS 87, Schränke, Vertiko» 27. Kronen, Teppiche, Bilder, Küchen- mibel, Klubsessel, Lcdersosas. Um- baue, Lidrrstübte usw. spottbillig. LelniertS Möbelspeicher. Lofhrmgcr» ftratze 66, Rosenthaler- Tor. Die Möbel ftnd u> vier Etagen auf- gestellt. 2067K' Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit lleinster Anzahlung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebersorteilung daber ausgeschlossen. Bei Krankheit»- fällen und ArbeitSloligkeit anerlannt grötzte Rücksicht. Möbelgeschäft M. Gotdstaub, Zosfenerftratze 38. Ecke Gnetienauilratzc. Kein AbzadiungS. geschäftl 290 lK' Maedel- Borbet. Morttzviatz 68. In meinem seit 32 Jahren beftebenden Möbelkansbause stehen in füns Etagen tompletle Sohnnitgseinrtchtiingen zu äutzerst niedrigen Preisen zum Verlaus. AIS Spezinlilät liefere: Ein- und Zwei- zimmer-Einrichtungen. 1 Zimmer und Küche 194,—, 360,—, 422.—. modern 479,—, 2 Zimmer und Küche modeni 601.—, 667.—, 721,—. Schlafzimmer, englisch 199.—, mo- dern. echt Eiche. 347,—. Wohnzimmer, modern, 297.—. Speisezimmer 366,—, Herrenzimmer 200.—, englische Bett- stelle mit Matratze 44,—, Kleider» spind 30,—. Trumeau, geschliffen 34,—, Schlastosa 36,—, Vlülchiosa 55,—, Umbau 50,—, Teppiche. Riesenlager. Besichtigung erbeten. Transport und Lagerung kosten- frei Eventuell ZahInngSerleichle- rungen. Geöffnet 8—8. Sonntag« 8—2 Kein Laden. Verkält! nur im Fabrikgeliäude. Musterbuch F. gratis und jviuito._ 190üit* Möbelangcbot. gm Anhalter Bahn- und Möbelspeichex Möckerti- strptze 25, Anhalter Jnneiibahnhos, diretl Hochbahlistation Möckernbrücke. stehen wieder verschiedene prachtvolle Zimmer, und ganze WobiiutigS. Einrichtungen zum schleunigen Vertans. Ganz besonder« billig für HolclS, Pensionate, Brautleute paffend find Schlafzimmer 200,00, Speise» »immer, Herrenzimmer, Salons, schöne, 400,00, hübsche Kuchen 50, CO an, einzeliie Büfette, Bücherschränke, Kleiderschränke, Vertiko», Anlletde- schränke mit Spiegel. Sawngariij. turen, Ruhebetten mit prächtiger Decke 22.60, PancelsosaS, Plüschlosas, Schreibtische schon 28,00, �eitstellen, Epeisezimmertilche,_ Salontische, Stühle, prächtige SäulenwumeauS 30.00. Lederstühle. Klubsessel 86,00, Flurgarderoben 17,60. hochelegante Salonlcpviche mit kleinen, kaum sicht baren Fehlern schon 30.00, Zimmer. teppiche 8,00 an. reichgeslickte Plüsch. Portieren 7,60» Oeigemälde. Stepp. decken, Erbstüllftore«, Plüschtisch. decken 6,00, Gas krönen, Salonbilder mit elegantem Rahmen, Tüllgardinen, Tullbettdecken 2,00 an. Standuhren spottbillig. Perschieden« Gelegen- betten fehlerbiister, zurückgesetzter Möbelstücke, Tevpiche, Freischwinger 12,00. Ganze Warenlager, Konturj. Massen, Wirtschaften, Nachläffe über- nehme zum schnellen Verlaus und Versteigerung. Otto Ltdecke, Ztuktions- und Möbelipcicher, Möckentstratze 26. Kostenloser Transport. Lagerung. Dante verkaust Rusibaummöbel. wi« neu, darunter hochelegante» Um- bausosa, Küchenmöbel, Belten.Teppich, Küchengeschirr. zusammen 200,—, Büfett. Rur Privatleuten. Alte Echönhauserstratze 19 I._ 2826 Möbel ohne Geld bei ganz kleiner Anzahlung geben Wirtschaften und einzelne Stucke aus Kredit unter äutzerster Preisnotierung; auch Waren aller Art. Der ganze Osten kaust bei uns. Kretschmann u Co.. Kopven- strotze 4, Schtesischer Bahnhof. t96iK Billige, abgcschlofiene Wohnungen 24, 32 Marl, Maler bevorzugt, Pete- ranenstratze 20._• Sf i eine Hojmohnung zu vermieten Zimmcrstratze 71. 284b padfrSder. Hrmnsahrrad. Damensahrrad. einmal benutzt, 86,—, Holz, Blumen- stratze 366. LUWK' Grichaftsdreirad. äutzeri! iwöil. 50,00 an Holz, Blumenüratze 366.' Fahrradvertrieb Verkaufsstellen: IM Grotz- Berlin, 8 Verkaufsstellen: Reue Schönhauser Siratze 9. Brunnen- Siratz« l46. Bad-Strahe 9. Schönbauser Allee 146. Müller-Strah« 13. Turm-Stratze 26. Maatzen-Sttahe 20. Chartottendurg Spandauer Berg 29. Billigste, beste Bezugsquelle, neue Fahrräder 46,00, 43.00. 65,00, Laufdccken von 2 60 an, Laternen von 0,65 an. Ausführung lämtltcher Zteparaturen in eigenen Werlstätlen. 1634K' Mobrtt tickt Irret. Harnack.Tilchler- meifter, gegründet 1901,Stallichreiber- ftratze 67(Moritzvlatz), liefert kam- Pleite Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabrilpreiieit. Unüber- troffene Leiftungsfäbigfcit. Enorme Auswahl. Zahlungserleichterung. VorwärlSIefer 3 Prozent. Kein Laden, Berkaus Fabrilgeoäude. Mödelangedot! SosaS. Garni- turen. Kleiderspinde, VertttoS.Btisetts, Schrriblische, Spiegel, Bettstellen, Äüchcnmöoel, PianinoS, ganze Ein- richtungen spottbillig, grotze Gelegenheit, Rieienanswahl, 6 Etagen. Möbelipeicherei Reue Königftr. 6/6, Fabrikgebäude. SotnttagS geöffnet. Teilzahlung gestattet._ 240/19* Brrwaleer verlaust umständehalber schleunigst 2 Zimmer Nutzbaum- möbel, Küchenmöbel, Piüichgarnttur. Teppich. Krone 220, nur Privatleuten. Wcintneisterstratze 1.1 d— 2. 27/14 /Nusik. Nnstbiiumpiano mit Säulen und reicher Schnitzerei, erstklassige» Fabri- kal, st'üher 475.- jetzt 376,—. M. Hirschowitz, Slalitzerstratze 26 au der Hochbahn. 19/6' Versdiiedeues. Patentanwalt Wessel, Gitschiner- ftratze 94a. Kunststopferei von Frau Kokoslh Sch lachtensee, Kurstratze 8 III. Patentanwalt Müller, Gitschiner- ftratze 81�_ ISäbK* Techuikum. Berlin, Reanderslratze3 (Lchinkel-Aladeniie), Inhaber Artnr Werner, Maschinenbau, Elettrotechnik, Hochbau, Tiesbau, Jngenieurkurse, Technikerlurse, Werkmeister-, Monteur- lurse, Jnnungsmeister-, Polierlurse, Architektur, Tageskurse, Abendkurse.' Zahugebtffe. Zahn bi« 70 Pfennig, Koldsachen, Platwa, Psandscheine, höchstzahlend Kohn, Reue König. stratze 76._ 204/18* Köpenicker- 2886 Komiker Schwartz, ftratze 147. Platinabfälle. Gramm 4,60, Zahngebisse, Silber, Altgold kauft Blümel, Auguslsiratze 19. III..789» Limmer, Möblierte Schlafstelle für 2 Herren zu oermieten Aletrandrinetiftratze 8, vorn II links, nahe am Halleschen Tor. 28� Schlafstelle für Mädchen Oranien- ftratze 46, Seitenflügel III. 280b Teilnehmer zum möblierten imnier, Miete 10,60. HermankuS, Uierinacherstratze 11 I.+100* Mietsgesuche. Kleines möbliertes Zimmer, Nähe Schlesifcher Bahnhof, von Jung- gesellen in 40er Jahren zum I.März gesucht. Offerte» postlagernd unter II. I». 46 Postamt 17. t86 Arbeitsmarkt. Stellenangebotes Töpferlehrling Franzslratze 5. verlangt Prause, _ 2896 verlangt 2796 Faibigmachertnnen Fvrsterpratze 46, L_ Blusen. Säumchenstepperinnen und Zusammensctzenmicn, Dutzend 6,00, im. autzemt, verlangt Szezepanfki, Swinemünderstratze l2._ 2836 Lehrfräuleiu sucht Pntzgeschäst Chausseestratze. Meldungen Funk. Müllerslratze 163, zweiter Eingang. I. Privaten tbindungsheim sucht Dienstmädchen. Hebamme Zühlsdorf. Dunckerftratze 81. f37' Zeitungsfrauen für Berlin und Pankow verangl. Bornholmerstratze 1, Ecke Schönhauser Allee. 27/6 Im SUbettsmarkt durch besouderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Vermietungen. Wohnungen. Geräumige 2, ZimmerwvHmmg, April 36.00. Charlottenburg, Span- dauerberg 21/22. 29186* Marstliusftraft, Bstimenstratze, 5 Z zu vermieten 1. Ap.... paffend zur Schneiderei oder anderen Geschäften. 164b' c 12 II, an der _ immer und Küche zu vermieten 1. April, auch früher, takhiug! Die Tonwarensabrik von Krüger in Pankow ist wegen Streiks für Arbester aller Branchen ge- sperrt. 288/6« Verdlivb derPonellau- usw. Arbriter. Achtung! Holzarbeiter. Wegen Streit und Lohn- bifferenzen sind gesperrt: Tischlerei Bftbulsch dfc Co., Fnirfititr. 35. vanttschleret iavurad, ist Hennigsdorf. Kiiopffabrik Baal cht Dbl«. uiaua, Rirdorf, Pftügerstr. Pianofabrik F. Soph u. Sohn in Schmölln, für Maschinenarbeiter Breslau Das Berliner Arbeitswilligen- vermittelungsdurean b. gelben »HandwerkerfchntzverdandeS--. Tie Qrtsvernialtung Berlin heS Deutsch. HolzarbeiterverbanbeS. Verantwortlicher Redalteur: Sans Meber, Berlin. Kür deaJnjeratenteilverantw.:TH. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei Verlagsanstalt Paul Singer st. Co., BerlinSW.