Ur. 49. HbonncmentS'Bedingungeo: Abonnements■ Preis pränumerando i Licrlcljährl. 3£ü MI, monalL 1,10 Mt„ wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnemcnt: 1,10 Wart pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Wlati, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, CrfiftelDt täglich auBcr lllonvg». 88. Jahrg. Berliner BolUsblntf. Zentralorgan der fozialc|etnokratifchen parte» Deutfcblands. Die TnlertionS'Gebüftr Peträgt für die sechsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg, für politische und gewerlschasiliche Vereins. und Bersammlungs-Anzeigen»0 Pfg. „Klein« Hnzcigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stcllen-Anz eigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adrefl«! „SozialdcrnoKrat Kerl«-. Redahtton: SM. 68, Ltndenstrasse 69 Ferusprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 86. Februar 1911. SxpcdiHon; SM. 68, Lindetistraaae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Das Reicl)$tag$wal)lml)t- ein Pluralwal)lrccl)t. Die 25 grössten Wahlkreise haben zusammen 13066000 Einwohner und 25 Abgeordnete, Teltow ifftuH Ai® W5 Berfin 6 SuvAsvtii! ■.nJiMh if» �miÄ»d is3»M M ---- Bochum Hamburg 5 | ktt l fÄK t tu. (i V'° 'tck Duisburg Niederbamim Essen Leipzig Imd Berlin*1 Dorfmund München2 jWing/msen -Beuthen� =Kaffowitz= Hannover Kiel Nürnberg Chemnifz i+t+t+t+t+t+t1 •4+4+4±j±z+4�Uj T+y+T+r+r+T Die 25 kleinsten Wahlkreise haben zusammen 1787600 Einwohner und auch 25 Abgeordnete, rW M ''>T7F+'+ ■W+++ +++-f- wl+ Juhh: 4--4- �"f"- ■-f f 4- f -4++ 4 ■+>>+ WsV Sc».- Uppc Lauen- Rappolta- Wal- barg weller deck Oeb- Löwen- Deutsch- Ost- Scblett- Berlin I Slg- Reuss Frau- weiter barg Krone prlegnltz Stadt marlngen ä. L. Stadt W?? M O log au Coburg Pranken- Anger- stein bürg Alsfeld West- priegnits Leob- aebüts Güstrow Maßstab: Formell gilt für den Deutschen Reichstag das all- ' ine, direkte, geheime und gleiche Wahlrecht. Tat- kann indes längst nicht mehr von einem gleichen ahlrecht der deutschen Bevölkerung die Rede sein. Dadurch, '' Wahlkreiseinteilung für den Norddeutschen und später, nach dem deutsch-französischen Kriege n\, für den ersten Deutschen Reichstag noch heue fortbesteht, während seitdem die meisten deutschen Bindessiaaten aus Agrarstaaten sich in Industriestaaten entwickelten, in deren Gebieten die gewaltigsten Bevölke- rungsverschiebungen stattfanden, ist das„gleich e" Reichs- tagswahlrecht mehr und mehr zu dem widersinnigsten aller in Europa bestehenden Pluralwahlrechte geworden: denn tatsächlich besitzen heute die Wähler einzelner Wahlkreise ein fast dreißig-, zwanzig- und fünfzehnmal größeres Wahlrecht als die Wähler anderer in ihrer Entwickelung zurückgebliebener Wahlkreise. So wiegt z. B. heute die Stimme eines modö] 1. wo, ooo 1,210,000 1,000,000 810, 000 610,000 190,000 360.000 250,000 160,000 90, 000 000 Blnwobner Nachdruck verboten A. Kolb. Erklärung der politlscbeo Vertretung t r==5E5 □ Sozialdemokraten f-sse Fortschritt!. Volkspartei Centrum Konservativ» F++y W+i l£££l Reichspartei Polen Blsisser Einwohners von Schaumburg-Lippe 2 9 m a l soviel als die eines Bürgers des Wahlkreises Teltow-Beeskow, und ein Einwohner von Lauenburg hat das 1 6 f a ch e Stimmrecht eines Berliners, der im Norden Berlins, im sechsten Wahl- kreise, wohnt. Ebenso hat ein Berliner des ersten Wahl» krcises ungefähr das 13fache Stimmrecht eines Berliners aus dem sechsten Wahlküxise und das 8fache Stimmrecht eines im vierten Berliner Wahlkreis Angesessenen. Ein solches Mehrstimmrecht weisen selbst die verrücktesten Pluralwahlrechtssysteme nicht auf, die die Sucht, die ärmeren Bevölkerungsklassen niederzuhalten, in anderen europäischen Staaten ersonnen hat. Aber das ist nicht die einzige Ab» surdität. Während in anderen Ländern solchen Personen ein mehrfaches Stimmrecht eingeräumt wird, die höhere Steuern zahlen, akademische Bildung besitzen oder das Recht aus bestimmte Titulaturen erwarben, Grund- und Haus- besitzer sind oder ein bestimmtes Alter erreicht haben, besitzed im Deutschen Reich preußischer Nation meist jene ein Mehr» stimmrecht, die in den kulturell rückständigsten und Wirt» schaftlich unentwickeltsten Gegenden des Reiches wohnen. Denn infolge der total veralteten ungleichen Wahlkreis» einteilung haben nicht etwa die Wähler, die in den Zentren der Bildung und Kunst, in der Metropolen des Handels und der Industrie wohnen, das Pluralwahlrecht, sondern— von wenigen Ausnahmen abgesehen— gerade d i e Wähler jener Gebiete, die zu den ärmlich st en und für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben am wenigsten in Betracht kommenden Teilen Deutschlands gehören. Das deutsche Reichstags- Wahlrecht in seiner durch die veraltete Wahlkrciseinteilung bestimmten Gestalt bedeutet also direkt eine Privi» legienrcgierung der kulturellen und wirtschaftlichen Rück» ständigkeit. Schon die erste Wahlkreiseinteilung für den Norddeutschen Reichstag entsprach nicht völlig den Bevölkcrungsgrößen» Verhältnissen: denn das Wahlgesetz bestimmte zwar, daß durch- schnitllich auf je 199 999 Personen ein Abgeordneter kommen solle, aber diese Bestimmung wurde durch eine andere teilweise wieder aufgehoben, die festsetzte, daß ein lieber- schuß von mindestens 59 999 Personen der Gcsaintbevölkerung eines Bundesstaates vollen 199 999 Personen gleich gerechnet werden solle, und daß ferner alle Bundesstaaten obne Rück- ficht auf ihre Bevölkerungsziffer darauf Anspruch hätten, mindestens einen Abgeordneten w den Reichstag zu entsenden. Diese Bestimmungen, die später nach der Entstehung des Deutschen Reiches einfach aus dem Wahlgesetz des Norddeutschen Bundes in das deutsche Reichstagswahlrecht übernommen wurden, bewirkten, daß gleich am Anfang die Bewohner verschiedener Kleinstaaten Mehrstimmrcchte ein» geräumt erhielten. Doch kamen diese Ungleichheiten, da sie sich auf Wahlkreise verschiedener deutscher Gegenden und der» schiedener wirtschaftlicher Struktur erstreckten, zunächst wenig in Betracht, Nach d'er Reichsgrund'ung vollzog sich aber rasier unL rascher eine enorme EntWickelung der deutschen Industrie und des Handels. Deutschland wurde zum zweitgrößten Industrie- und Handelsstaate der Welt. Aus dem agrarischen Osten flüchtete die Bevölkerung teils nach dem industriellen Westen, in dem große sich von Jahr zu Jahr ausbreitende Industrie- «viere entstanden, teils in die großen Handels- und Ver° ckehrszentren. Eine Großstadt entstand nach der anderen. Und diese EntwickeUmg hält noch immer an, wie die Ergebnisse der letzten Volkszählung beweisen. Deutschland hat danach zur zeit nicht weniger als 48 Großstädte mit mehr als 'lOOCKIO Einwohnern— mehr als irgend einer aller anderen Staaten. Und diese Großstädte haben in den letzten fmr Jahren um rund 1,8 Millionen Einwohner zugenommen, das heißt ungesähr 42 Prozent der Gesamtzunahme der Bevölke- rung des Deutschen Reiches in den letzten fünf Jahrm enb fallen ganz allein auf die Großstädte. Die Folge dieser Enttvickelung der letzten vierzig Jahre ist, daß die Bevölkcrungsverhältnisse der verschiedenen Gegenden sich völlig verschoben haben. Einzelne Orte, die 1871 noch kleine, unbedeutende Städtchen waren, sind in- zwischen zu Großstädten geworden, während andererseits manche Ortschaften im ländlichen Osten nicht nur stehen ge blieben sind, sondern sogar an Bevölkerungszahl abgenommen haben. Die Reichstagswahlkreiseinteilung ignoriert diese ganze enorme Entwickelung der letzten vier Jahrzehnte vollständig: sie ftlßt noch immer auf den Bevölkerungsverhältnissen einer längst vergangenen Zeit. So ist es denn dahin gekommen, daß heute, nach der letzten Volkszählung, die 25 größten Wahlkreise des Deutschen Reiches rund 13 066 000 Einwohner haben, die 25 kleinsten hingegen nur 1 787 600. Es kommt also in den 25 größten Wahlkreisen nur auf rund 522 600 Einwohner ein Abgeordneter, in den 25 kleinsten Wahlkreisen hingegen schon auf 71 500 Einwohner. Demnach haben im Durchschnitt die Bewohner der 25 kleinsten Wahlkreise, die Einwohner von Schaumburg-Lippe, Lauenburg, Rappolts weiler, Teutsch-Krone, Ostpriegnitz, Westpriegnitz, Neustettin, Ltrotoschin usw. ein mehr als siebenmal größeres Stimmrecht als die Bewohner der 25 größten Wahl- kreise, als die Einwohner von Teltow-Beeskow, Berlin IV und VI, von Niederbarnim, Hamburg, Bochum, Duisburg, Essen, Dortmund, Leipzig-Land usw. Legt man die Gesetzes- bestimmung zugrunde, daß auf 100000 Einwohner ein Ab- geordneter kommt, dann würden die 25 größten Wahlkreise das Recht haben, für sich allein 130 oder 131 Abgeordnete zu wählen, während die 25 kleinsten Wahlkreise nur 18 Abge ordnete wählen dürften. Nimmt man aber die Zahl von 397 Neichstagsabgeordneten als gegeben an, die aus Gründen der politischen Geschäftsführung nicht vermehrt werden darf, so kommen, proportionell nach der durch die letzte Volks- zählung festgestellten Bevölkerungsziffer berechnet, auf die 25 größten Wahlkreise 80 Abgeordnete» aus die 25 kleinsten nur 11 Abgeordnete. Ilm das Mißverhältnis deutlich zu veranschaulichen, stellen wir nebenstehend die 25 größten Wahlkreise den 25 kleinsten gegenüber. Die Raumgröße jedes Quadrats ent- spricht genau seiner Einwohnerzahl. Schon ein flüchtiger Blick lehrt, in welchem Maße das Wahlrecht der großen Kreise durch die heutige, völlig überlebte, lediglich dem Interesse der agrarischen Reaktion dienende Wahlkreiseinteilung beeinträchtigt wird; denn die kleinen 25 Wahlkreise verfügen genau über dieselbe Anzahl Stimmen im Reichstage, haben also genau dasselbe politische Gewicht als die 25 größten Kreise. Und diese Ungerechtigkeit, diese Entrechtung der Be- völkerung der Zentren der Industrie, des Handels, der Bildung zugunsten des Kleinstädtertums und der Land- bevölkerung wirtschaftlich zurückgebliebener Gegenden steigert sich von Jahr zu Jahr: denn immer mehr strömt die Bevölke- rung in die großen Städte und die westlichen Industrie- reviere. In welchem gewaltigen Maße die meisten der 25 größten Wahlkreise allein in den letzten 10 Jahren, seit 1900, gewachsen sind, zeigt deutlich nachfolgende Zusammen stellung: Die 25 größten Wahlkreise der Reichstagswahl 1911. Die 25 kleinsten Wahlkreise der Reichstagswahl 1911.- Wahlkreis ist der- treten 1910 Ein- wohner- zahl 1900 Ein- wohner- zahl 1905 mehr in Tau send seit 190V Ein- wohner- zahl mo mehr in Tausend seit 1905 Wahlkreis Teltow Berlin VI Bochum Hamburg III Duisburg Mederbarnim Essen Leipzig Land Berlin IV Dortmund München II Düsseldorf Recklinghausen Beuthen Natlowitz Hannover Kiel Nürnberg Chemnitz Köln Land Frankfurt a. Elberfeld Dresden Land Berlin II Bremen •an. ist vertreten 1910 «oz. ®oz. 3- Pole Soz. Rp. Soz. Vp. Einwohnerzahl 1900 689 144 696 608 566 818 448 614 889 835 816 386 402 941 421 749 464 683 406 434 421 102 310 290 247 924 809 439 209 007 824 005 264 079 282 276 276 874 227 087 264 436 294 828 276 786 848 066 224 882 Einwohnerzahl 1905 959 289 786 873 660 375 659 433 601 970 434 259 474 550 409 947 527 000 484 893 468 719 870 706 327 311 863 717 359 216 354 318 322 731 316 702 813 716 283 937 302 591 314 100 304 447 337 957 263 410 9 173 697}iO 862 175 mehr in Tau send seit 1900 270 90 94 III 112 118 72 78 63 73 47 60 80 54 60 30 58 34 37 56 33 20 29 39 Ein- wohner- zahl 1910 mehr in Tausend seit 1906 1350000 860000 785 000 700 000 640 000 615 000 590 000 585 000 580 000 580 000 530 000 450000 430000 425 000 423 000 400000 390 000 360 000 360 000 360 000 340 000 340000 338 000 325 000 310 000 U 066 000 391 74 125 141 139 181 110 86 63 96 62 80 103 63 64 40 68 44 47 77 38 26 34 47 Dagegen ist die Bevölkerung der 25 kleinsten Kreise seit 1900 nur sehr spärlich gewachsen; in einzelnen Kreisen hat jogar ein weiterer Nückgang stattgefunden. Schaum.-Lippe Louenburg RappoltSweiler Waldeck (Schweiler Löwenberg D.-Krone Ostpriegnitz Schletlstadt Berlin I Sigmaringen Reutz ä. L. Fraustadt Neiiiteltin Glogau Koburg Frankenstein Angerburg Falkenberg Krotoschin Alsfeld Westpriegnitz Nordhausen Leobschütz Güstrow Rp. Vp. Elf. Bp. Elf. Bp. Rp. Elf. Bp. 3. K. Np. K. Vp. Soz. I 8- Pole K. Rp. Bp. Z. K. 43 132 51 8: 61 0 57 918 61344 60 355 63 908 67 362 68 541 81659 66 780 68 396 68 309 76 313 72 622 66 814 7 7 257 75 124 78 617 76 532 79117 76 829 72 928 84147 84 080 1 741 071 44 992 52 670 60073 59 127 61 686 61223 63 442 67 307 67 840 75 944 68 282 77 373 78 794 78 281 80475 79 023 77 604 83 722 84 921 1,8 0,8 0,3 0,9 l-5 % 73 675 VQ. � z7S400 715lärf|V. �117 000 77 739 0,1 78 000 0,1 0,1 1.7 1,3 2,2 4J 0,9 1763012 47 000 54 000 59 500 60000 62 000 62 000 63 000 67 100 68 000 69 000 69 600 73 200 73 200 75 800 79 000 83 000 83 500 84 500 ; 787 600 2.1 - 0,9 0,4 0,9 0,1 1.3 2,6 2,6 2.8 5,5 0,3 1,7 4 ,8 .4 8,0 5,4 Den meisten großstädtischen Wahlkreisen und ihren Vor orten ist demnach das Wahlrecht ganz beträchtlich verkümmert. Das Mittel, das zur Schaffung des deutschen Reiches wesent lich beitrug: das„allgemeine, geheime, direkte und gleiche Wahlrecht" ist völlig durchlöchert. Das gleiche Wahlrecht ist zu einem Pluralrccht, zu einem Privilegienrecht geworden, nur daß nicht, wie in anderen Pluralwahl- rechtssystemen, die„nach Bildung, Leistungsfähigkest und Be- sitz Maßgebenden" das Mehrstimmrecht erhalten haben, son- dem die kulturell rückständigen Bevölkerungselemente. Oder überragt etwa diewirt schaftliche Bedeutung wie die Intelligenz der Bevölkerung von Schaumburg-Lippe, D eutsch- Kr o ne, Löwen- berg, Neustettin oder Krotoschin die der Be- völkerung von Berlin, Hamburg, Essen. Leipzig, Dortmund. München, Düsseldorf und so weiter? Dennoch wollen weder die Regierung noch die Konserva- tiven, Zentrumsparteiler und Nationalliberalen etwas von einer Neueinteilung der Neichstagswahlkreise wissen. Warum nicht? Weil heute die großen Industrie- und Händelsstädte meist sozialdemokratisch wählen, und deshalb eine Neuein- teilung nach der heutigen Bevölkerungsziffer vornehmlich der Sozialdemokratie zugute kommen würde. Sie würde die An- zahl ihrer Mandate vielleicht verdreifachen. Um das zu ver- hüten, pfeift man auf Gesetz und Gerechtigkeit. Dieselben Leute, die jammernd über das sogenannte Unrecht klagen, daß der Kutscher eines Kommerzienrats dasselbe Wahlrecht hat wie sein„Herr" und darin einen Verfall aller Kultur er- hlickeu, dieselben Leute haben nicht das geringste Verständnis dafür, daß es ein soziales Unrecht ist, wenn einem Kutscher in Krotoschin nicht nur dasselbe, sondern sogar ein elfmol größeres Wahlrecht eingeräumt wird als einem im Norden Berlins wohnenden Kommerzien- oder sonstigen Rat. In diesem Falle verspüren sie nichts, gar nichts von einem Unrecht. Um so mehr ergibt sich für uns die Notwendigkeit, immer wieder die Entrechtung des Großstädters durch die heutige Wahlkreiseinteilung zu betonen. Besonders wird sich bei der Agitation für die nächsten Reichstagswahlen der Hinweis auf diese völlige Durchlöcherung des angeblich gleichen Reichs tagswahlrechts als ein gutes Agitationsmittel erweisen, 0er Fall lüichthofen hat am Freitag abend seinen Abschluß gefunden. Der Angeklagte, Inspektor Kasten, hat sich veranlaßt gesehen. Herrn v. Richthofen eine unumwundene Ehrenerklärung dahin abzugeben, daß er nach der eidlichen Aussage des Klägers, der er völligen Glauben beimesse, seine Anschuldigungen auf Steuerhinter- ziehung nichtlängeraufrechterhaltenkönneund sein Bedauern darüber ausspreche, die Beschuldigungen, wenn auch in gutem Glauben, erhoben zu haben. Der Gerichtshof verurteilte Kasten, wie bereits in unserer gestrigen Nummer tclegraphisch gemeldet wurde, zu 550 M. Geldstrafe. In dem Urteil heißt eS: ..Das Gericht hat den Angaben des Freiherrn v. Richthofen unbedingt Glauben geschenkt. Es hat nicht nur die Angaben des Angeklagten für nicht erwiesen gehalten, sondern für geradezu widerlegt. Strafmildernd stand ihm zur Seite ferne bisherige Unbescholtenheit und der ihm zuge- billigte gute Glaube. Ferner hat das Gericht ihm heute hoch angerechnet, daß er entgegen den anderweitig gestellten Anträgen seinerseits aus seinen innersten Motiven heraus öffentlich Herrn v. Richthofen eine Ehrenerklärung gegeben hat. Deshalb hat daS Gericht gemeint, den Angeklagten nicht inS Ge- fängnis schicken zu sollen. Für eine derartig schwere Ehren. kränkung war aber eine hohe Geldstrafe am Platz und es war daher auf 550 M. zu erkennen." In der Verhandlung hatte sich bekanntlich ergeben, daß sich Kastens Anschuldigung im wesentlichen darauf stützte, daß Herr von Richthofen sein Einkommen aus seiner Zuckerfabrik nicht mit- deklariert habe, während sich herausstellte, daß Herr von Richthofen nach den Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes dazu deshalb nicht verpflichtet war, weil dieser Teil seines Einkommens aus einer Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht stammte, also bereits bei dieser versteuert wurde und aus diesem Grunde einer nochmaligen Versteuerung nicht unterlag. Kasten berief sich aller- dings noch weiter daraf, daß Herr von Richthofen auch Neubauten als Reparaturen gebucht habe. Er verlangte, daß Herr v. Nicht- hosen seine Bücher vorlege, aus denen sich die Bestätigung seiner Behauptung ergeben werde. Der Gerichtshof lehnte jedoch diese Zorderung ab und begnügte sich mit den Kastens Behauptungen widerstreitenden Darstellungen, die Herr von Richthofen auch in dieser Beziehung unter seinem Zeugeneide machte. Ter Angeklagte gab darauf die erwähnte Ehrenerklärung für den Kläger ab. Nach diesem Verlauf de» Prozesses und nach der eigenen Er- Igrpng des Herrn Kasten wird stch die OejsenUichkeit der Ztzf. > fassüng des Gerichtshofes anschließen und feststellen ' müssen, daß von den Anschuldigungen gegen den Abgeordneten von Richthofen nichts übrig geblieben ist. Nicht ohne politisches Interesse war übrigens eine andere Er- klärung des Freiherrn von Richthofen. Kasten chatte behauptet, daß es wesentlich seiner Tüchtigkeit zuzuschreiben gewesen sei, daß der Ertrag aus dem Gute des Freiherrn von Richthofen sich binnen wenigen Jahren verdoppelt habe. Herr von Richthofen bestritt zwar nicht die Tüchtigkeit seines ehemaligen Wirtschaftsinspektors, führte aber die gewaltige Steigerung seiner Einkünfte auf die all ge meinen Umstände zurück, die ja überhaupt eine so be- deutende Steigerung der landwirtschaftlichen Erträgnisse zur Folge gehabt hätten. Ein Beweis dafür, welch enormen Nutzen unsere Agrarier aus dem Brot- und Fleischwucher ziehen l IRikktritf Briands. Am Montag, nach dem Leichenbegängnis de? Kriegs- Ministers Brun, wird Herr V r i a n d dem Präsidenten der Republik dieD e m i s s i o n des G e s a m t m i n i st e r i u m s überreichen. Der Entschluß ist dem Ehrsüchtigen ersichtlich schwer gefallen und die offiziellen Noten, die er über seine Haltung versenden ließ, lassen deutlich den Wunsch durch- blicken, zum Bleiben genötigt zu werden. Aber die Nötigung ist ausgeblieben und Briand erleidet das Schicksal aller Ver- räter: er hat seine Schuldigkeit getan und kann nun gehen. Die Vorgänge, die sich am Freitagabend in der Kammer abspielten, lassen erkennen, daß Briand das Vertrauen der Republikaner nicht mehr besitzt. Mit einer Mehrheit aber, zu deren Bildung Monarchisten und Klerikale unentbehrlich sind, kann ein französischer Ministerpräsident in einer Kammer, in der die Radikalen die Majorität besitzen, nicht regieren. Und so ist die Demission des Ministeriums sicher, wenn auch die Abstimmung über die Vertrauensfrage für das Kabinett noch eine schwache Majorität ergab. Zur Verhandlung standen Interpellationen über die Haltung der Regierung gegenüber den religiösen Orden. Der Abg. Paul M e u n i e r verlangte eine Vervollständigung der Gesetzgebung, um eme Wiedererrichtung der Kongregationen zu verhindern. Malvy warf dem Ministerpräsidenten Briand vor, daß er den Klerikalen Z u g e st ä n d n i s s e mache und die Wiedereirichtung einer Kongregation in St. Etiennc, seinem eigenen Wahlkreise, begünstigt habe. Bj: i and erwiderte, es seien ivegen der Eröffnung freier schulen zahl- reiche Klagen angestrengt worden. Die Kongregationen, die ini Boden Frankreichs fo starke Wurzeln geschlagen hätten, könnten nicht in einigen Monaten verschwinden. Sie würden auf alle Weise veisuchen, sich wieder zu etablieren. Die Schlvierigkeiten seien voiauszusehen gewesen. Niemand habe das Recht, der. Regierung den Vorwurf zu machen. daß sie sich durch die Schw�rigkeiten habe abschrecken lassen oder daß sie ihre Pflicht vernachlässigt habe. Wen» zwischen der Mehrheit und der Regierung eine Ver- stimmung herrsche, die es der Mehrheit unmöglich mache, der Regierung ihr volles und ganzes Aertrauen zu schenken. so möge die Mehrheit die Gelegenheit ergreifen. Die Re- gierung sei nicht gewillt, sich ständig durch kleinliche In- t r i g e n und grobe ilnterstellui. gen verletzen zu lassen. Er habe einer Verlängerung der Pacht des Kollegs in St. Etienne bis Ostern nur zu dem Zlveck».zugestimmt, daß keine Unterbrechung der Studien stattfiHdeirMzge. Die Antwort B r i a n d s enttäuscht, vermißt eine scharfe Zurückweisung der klerikalen Umtrieie. Man kommt zur A b st i m m u n g. Malvy bringt eine Tagesordnung ein, in der er volle Anwendung der Kongregrations- aesetze fordert. D r e l o n eine andere, in der die Erklärung der Regierung gebilligt und ihr das V e r t r a u�»„»Sgesprochen wird, daß sie die Kongregationsgcsetze sicher durch- führen werde. Ministerpräsident Briand lehnt die Tagesordnung Malvy ab, nimmt diejeni� Drelons an und stellt gleichzeitig die Vertrauensfrage. Die Priorität der Tagesordnung Malvy wird mit 296 gegen 221 Stimmen abgelehnt, die Tagesordnung Drelon im ersten Teile mit 262 gegen 238 Stimmen, im zweiten Teil niit 436 gegen 83 und im ganzen mit 258 gegen 242 stimmen angenommen. Die Regierung besitzt nur mehr eine Majorität von sechzehn Stimmen, die ohne klerikale Unterstützunc nicht erreicht worden wäre. Unter großer Erregung verlaff-n die Minister den Saal und die Sitzung wird geschlossen. Man weiß, daß Briand erklärt hatte, daß er nur mit Hilfe einer rein republikanischen Mehrheit regieren wolle und cMartet die Demission. Diese ist auch nach anfänglichem Zögern beschlösse worden. Offiziell wird verlautbart: Paris, 25. Februar. Die Beratung des heutigen MinIHej r a t s war kurz. Ministerpräsident Briand, dem sich die! Pichon Dupuy und G i r a r d entschieden zur Seite steü erklärte dem Präsidenten Falliöres, daß die A b b r ö ck e l un� der Mehrheil ihm angesichts der Schwierigkeit der dem lameiil gegenwärtig gestellten Probleme nicht erlaube, iir� zu bleiben Er gab weiter der Vermutung Ausdruck, daß Teil der Mehrheit nur einen Teil feines Programms annehmer würde. Der Präsident war demgegenüber lebhaft bemühtz die Demission des Kabinetts zu verhindern, jedoch schlössen sich die meisten Minister der Ansicht Briands an. Es wurde beschlosfeiz die Demission amtlich erst nach dem Leichenbegängnis ta Generals Brun am Montag bekannt zu geben. Briand fällt über das Gesetz der Trennung von Kirchc und Staat, dessen Urheberschaft seinen Ruhm ausgemacht hat Er fällt, weil er. der als Sozialist daS Werk begonnen, alt radikaler Republikaner es fortgesetzt hat, als Ministerpräsident zu dem skrupellosen Machthaber herabgesunken war. der die Arbeiterbewegung, der er seinen Aufstieg verdankte, mit Perfidie und Gewalt niederhalten wollte. Als Vertrauens- mann der sozialen Reaktion war aber Briand un- fähig, gegen den Klerikalismus den Kamps fortzusetzen. Ist doch heute überall der Klerikalismus die festeste Stütze des politischen und sozialen Rückschritts. So wurde Briand zu dem Vertreter einer Politik der Befriedigung, der Versöhnung der Gegensätze, jener Politik, die gerade den Renegaten der Arbeiterbewegung so nahe liegt. Solange die starke soziale Erregung über den Eisenbahner- streik anhielt, hatte Briand Erfolg. Aber der französische Kleinbürger ist nach der sozialen Struktur des Landes, nach seiner historischen Tradition nicht geneigt, auf die Dauer � Träger eines konsequent reaktionären Regimes zu sein. FL er sich sozial wieder sicher, so kehrt er gern zu den radika Allüren der Polittk zurück. Diesem Stimmungswechsels Briand erlegen. Mit Recht meint Jaurös m „Humanits":„Der Abenteurer hat sich selbst vermchtet. no dem er alles andere um sich her vernichtet hat; der Zonale« hat so lange die Jfhigeln in die Lust geworfen, bis sie seine:' schwankenden und müden Hand entglitten.-. Briands Beseitigung reinig! die politische Atmosphäre. Sein Abgang weckt kein Bedauern, sondern erneuert nur die Einsicht, daß auch hohe Intelligenz und glänzende äußere andere Gaben in der Politik scheitern müssen, wenn sie kein fester Charakter in den Dienst ernsten Wollens stellt. Ministerkombinationen. Paris, 25. Februar. Mehrere Mitarbeiter Briands haben die Absicht geäußert, mit ihm zurückzutreten, wie auch das künftige Ministerium zusammengesetzt sei. Besonders der bis- herige Minister des Auswärtigen P i ch o n scheint fest entschlossen zu sein, seinen Abschied zu nehmen. In den Wandelgängen der Kammer nennt man als künstigen Ministerpräsidenten Poincars, N o n i s v a l l S oder Leon Bourgeois. Obgleich man nicht an- nimmt, daß Präsident Fallisres Delcassö mit der Bildung deS neuen Ministeriums beauftragen wird, so scheint man doch über- zeugt zu sein, daß Delcasso gute Aussichten habe, dem neuen Mi- uisterium anzugehören._ politifcbc GcberHcbt. Berlin, den 25. Februar 1911. Sozialdemokratie und Heer. Aus dem Reichstag. 25. Februar. Im weiteren Verlauf der Debatte über den Heeresetat nimmt das Ver- hältnis der Sozialdemokratie zum Heere auch diesmal einen immer größeren Teil der Auseinandersetzungen in Anspruch. Zunächst brachte der konservative Abg. Gans Edler zu P u t l i tz in einer Rede, die den ödesten junkerlichen Kasernengeist atmete, es mit Entrüstung zur Sprache, daß in Baden Soldaten offen für die Sozialdemokratie agitiert hätten, und der Antisemit Liebermann v. Sonnenberg faselte von sozialdemokratischen„Putschversuchen", die mit der Feuerspritze niedergeschlagen werden sollten. Genosse Stückle n wies die Anzapfungen mit einigen kräftigen Worten zurück und wandte sich dann gegen den Unfug, daß eine Anzahl auf Kosten der Steuerzahler lebender Generale a. D. und z. D. gleich dem General v. Liebert sich der Be- kämpfung der Sozialdemokratie mit den abgedroschenen Ver- leumdungen des„Reichsverbandes" widmen. In der Haupt- fache wandte unser Genosse sich aber gegen die gestrigen Ausführungen des K r i e g s m i n i st e r s. Gegenüber dem Versuch dieses Herrn, die Offiziere, die sich der Soldaten- Mißhandlung schuldig gemacht haben, halbwegs zu decken, be- tonte Stücklen. daß das Unwesen der Soldatenmißhandlungen nur auszurotten sei, wenn sämtliche Mißhandler rück- sichtslos aus dem Heer entfernt würden. Als die Offiziere, die sich der Mißhandlung wehrloser Soldaten schuldig machen, von Stücklen als feig und ehrlos gekennzeichnet wurden, gaben die Sozialdemokraten ihrer Zustimmung durch kräftigen Beifall Ausdruck. Trotzdem diese Beifallsbezeugung nur in der parlamentarisch zulässigen Form erfolgte und obendrein von ganz kurzer Dauer war, ergriff der Präsident Spahn zur Klingel, um den Beifall niederzubimnieln. Offenbar verwechselte er auch diesnia! wieder den Reichstag mit einer Ge- r i ch t s st u b e, in der er als Oberlandesgerichtspräsident allerdings berechtigt gewesen wäre, sich jeden Beifall zu ver- bitten. Der Reichstag darf aber doch wohl erwarten, daß seine Präsidenten, welchen bürgerlichen Beschäftigungen sie sonst auch nachgehen, sich in den Geist des parlamentarischen Lebens einzugewöhnen wissen. Ter schwächliche Versuch des Generals v. Heeringen, den Bissingschen Erlaß derart umzudeuten, alS ob er auf die Sozialdemokratie nicht Bezug hätte, wurde dann von Stücklen in seiner ganzen Fadenscheinigkeit entlarvt. Schließlich stellte er der Hecringenschen Behauptung, das Heer sei das„Rückgrat des Staates", die Auffassung entgegen, daß die gesamte werktätige Bevölkerung dieses Rückgrat bilde. Ter freisinnige Abg. Gothein nahm sich die merk- würdigen finanzpolitischen Daten des Kriegsministers vor und gab auch dem Unmut des freisinnigen Bürgertums über die Rechtsungleichheit Ausdruck, unter der die Juden im Heere zu leiden haben. Als dann von sozialdemokratischer Seite zu- gerufen wurde': Und doch bewilligen Sie die Gelder, ver- teidigte er sich mit der wenig glücklichen Wendung: Wenn einmal eine Mehrheit ftir die Nichtbeivilliguug vorhanden sei. werde auch seine Partei dabei, sein; jetzt sei das nur eine Demonstration. Die Verteidigungsrede des K r i e g s m i n i st e r s war auch diesmal überaus schwach und bewegte sich völlig in den hergebrachten Formen. In bezug auf die Judcnfrage war nur neu, daß er die Nichtbcförderung der Juden zu Offizieren offen dem antisemitischen Geiste im Offizierskorps zuschrieb, den er übrigens selbst mißbilligte. Dann wurde das Haus mit einer plumpen Jndenhetzrede des Antisemiten Raab regaliert, dessen trivialer Stammtisch- klatsch wachsendes Unbehagen selbst bei den ihm nahestehenden Parteien und am BundesrntStisch bewirkte. AlS darauf in später Stunde ein Schlußantrag vom Prä- sidenten Graf S ch w e r i n verlesen wurde, protestierten die Freisinnigeli; und die Nationalliberalen und sogar für das Zentrum Herr v. H e r t l i n g zogen„wegen der eben ge- haltenen Rede" ihre Unterschrift zurück. Die Debatte geht also am Montag weiter._ Dieselbe Nummer. Zum ersten Male nahm der neue Finanzminister Dr. L e n tz e in der Soimabendsitzung des Abgeordnetenhauses Gelegenheit, sich auch über Fragen zu äußern, die nicht direkt zu seinem Ressort ge- hören. C?r erwies sick> dabei als würdiger Ngchfolger Rbeinbabens, den er in de� Verherrlichimg Preußen« sogar noch zu übertrumpfen suchte. Wenn man hört, was Herr Lentze in Erwiderung auf die Ausführungen Strobels über die Eiukommensteuerverhältiiisic sagte, dann muß man beinahe glaube, i. der preußische Staat ist für die Arbeiter daS Paradie», aus dem freilich die bösen Gewerk- schasten und die noch bösere Sozialdemokratie sie wieder ver- treiben möchten. Was preist der Minister nicht alle« als soziale Tat an I Die ArbelterversichcrungSgeseye. die Aufhebung des Schulgelde« für Volksschulen, die Arbeiterschutzgesetznovelle. ja sogar die Miquelsche Steuerreform— all da? sollen Taten ersten Ranges sein l Die Arbeiter mit geringem Einkommen haben nach Herrn Lenye in Preußen an den Staat keine Steuern zu zahlen, wohl ober erheben die Gewerkschaften von ihnen ungeheuer hohe Steuern, und zwar behauptet der Minister unter anderem: der Verband der Gemeindeorbeiter erhebe Wochenbeiträge, die zwischen 45 Pf. und , 20 PI. schwanken. In Wirklichkeit beträgt der Höchstbeitrag in diesem Verbände pro Woche 55 Pf., und diesen Beitrog zahlen von den über 40000 Mitgliedern nur 200 bis 800. Da» ist nur ein Beispiel für die Art. wie Herr Lentze polemisiert, eine Art �die er seinem Vorgänger abgeguckt hat und die nur auf' ein so schleckt unterrichtete» Parlament wie das preußische Junkerporlament Eindruck macht. Während der Rede de» Minister» leistete sich der Präsident v. K r ö ch e r wieder eine herrliche Probe semer Unparteilichkeit. Herr t Dr. Lentze gebrauchte gegenüber unserem Redner das Wort„frivol", und als wir uns diese unparlamentarische Wendung verbaten, erklärte Jordan v. Kröcher in aller Seelenruhe:„Der Mnister übt nur sein verfassungsmäßiges Recht aus." Was hätte der Präsident wohl getan, wenn die Sache umgekehrt gewesen wäre? Unserem Genossen S t r ö b e l fiel es nicht schwer, sowohl die Angriffe des Ministers, als auch die des Zentrumsredners GieS- Berts zurückzuweisen, der ihm Worte in den Mund legte, die er gar nicht gebraucht hatte und nun gegen ihn zu Felde zog. Genosie Hirsch, der die Absicht hatte, die Angriffe des Ministers aus die Gewerkschaften zurückzuweisen, wurde durch den Schluß der Debatte daran verhindert; es war ihm nur noch möglich, in einer Be- merkung zur Geschäftsordnung Herrn Lentze zur Richtigstellung seiner Behauptungen aufzufordern. Warten wir ab, ob der Minister es tut. Montag: Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung. Gefälschte Berichte. Aus der Budgetkommission wird uns geschrieben: Gefälschte Berichte über die Verhandlungen, betreffend die Auslieferung des Tempelhofer Feldes an die hinter Tempelhof stehenden Grundstücksspekulanten versendet da« offiziöse Wolffsche Bureau, die von einer Reihe Blätter sin Berlin z. B. vom„Lokal-Anzeiger" und dem„Berliner Tageblatt" in gleichem Wortlaut) gebracht werden. Darin werden unsere Redner zu einer Art Antisemiten gestempelt. Aus der DonnerstagSsitzung weiß eS z. B. aus einer Rede LedebourS nur von einer„rein talmudistischen' Auslegung(durch Anführungszeichen auch vom„Tageblatt hervorgehoben) zu berichten" und in der FreitagSsitzung läßt es Fischer sagen: „Es wäre auch für das Zentrum Gelegenheit gegeben, dem spekulierenden wucherischen Berliner Judentum entgegenzutreten." DaS„Berk. Tageblatt" hebt mit Rücksicht auf seine Leser diesen Satz durch Fettdruck hervor; wir wollen aber doch konstatieren, daß e» sich hier um eine direkte Fälschung handelt, denn Fischer hat. das Zentrum und die Konservativen ob ihrer Unterstützung des Herrn Hoberland und seine Hintermänner verhöhnend, sich direkt an das Zentrum und die Konservativen mit den Worten gewandt: „Hier wäre Gelegenheit gegeben gewesen, die wucherischen Bodenspekulanten zu treffen, die Sie(vom Zentrum und den Konservativen!) sonst immer als da» Boden- wucherische Berliner Judentum zu nennen belieben." Diesen Angriff gegen den blauschwarzen Block macht da« Wolffsche Bureau zu einem sozialdemokratischen Hilferuf an das Zentrum, zu einem antisemitischen Kampf gegen da« Judenwml Da« ist, wie gesagt, eine direkte Fälschung. Und sie ge- winnt an Jnterreffe durch den Umstand, daß der Berichterstatter für da» Wolffsche Bureau der ZentrumSabgeorduete Sittart ist. DaS ist der Humor bei diesem Reinfall de»„Berliner Tageblatt»'. Salomo Bethinann. Herr Theobald v. Bethmann Hollweg kann sich wieder einmal rühmen, das deutsche Staatsschiff glücklich durch einen ge- fährlichcn, klippenstarrenden Engpaß gesteuert zu haben. Seit einigen Wochen schon regte sich die liberale Presse über die wichtige Frage auf, ob der Kaiser den König von Italien besuchen werde oder nicht. Das italienische Königreich feiert demnächst das 50jäh- rige Jubiläum seiner Einigung und Unabhängigkeit. Wie das in neuerer Zeit so üblich geworden ist, werden sich als Gratulanten einige Staatsoberhäupter persönlich einfinden, wodurch nach bürger- licher Legende die Beziehungen der„befreundeten Staaten" erheb- lich gefestigt werden. Der Präsident der französischen Republik kommt nach Rom und wird versuchen, Italien dem wackeligen Drei- bund zu entfremden und in die Arme der Westmächte zu ziehen. Die Konkurrenz und die freundschaftlichen Gefühle für Italien for» der», daß Deutschland etwas für die Festigung de» Dreibunds tue. Das kann natürlich nur durch einen Kaiserbesuch am römischen Hofe geschehen. Gewiß wäre Wilhelm II. und der Reichs- kanzler zu solcher Reise gern bereit. Aber die Sache hat einen bedenklichen Haken. Der Papst, der ja ver- pflichtet ist, das Königreich Italien als ein Werk deS Teufels zu hassen, hat die Welt wissen lassen, daß er den Besuch eines Souverän« zu diesem Jubiläum als eine schwere Kränkung auffassen wird. Run ist das Hau» Hohenzollern zwar nicht katho- lisch, aber— Bethmann Hollweg ist der Gefangene des blau- schwarzen Blocks, der Gefangene des Zentrums. Soll die Reichs- regierung die Schwierigkeiten im Innern vermehren, um die Ziele der äußeren Politik zu fördern?-Die arme Reichsregierung saß in arger Klemme und die liberale Presse wird nicht müde, den Schraubstock anzuziehen und über die Schädigung der deutschen Beziehungen zu Italien zu jammern. Nicht bloß um dieser Be- ziehungen willen, sondern vor allen Dingen, um zu zeigen, daß der kulturfeindliche schwarzblaue Block selbst schon solch erhabenen Objekten, wie Kaiscrfahrten mit ihren weltbewegenden, Völker- schicksale bestimmenden Folgen gefährlich wird. In Italien ant- wartete dem entrüsteten Chorus der deutschen liberalen Presse ein Echo Geistesverwandter, die über den Affront klagten, der Italien zugefügt werden solle. In dieser heiklen Lage hat Seth- mann Hollweg einen Einfall gehabt. Er versucht sowohl Italien wie den Papst, sowohl die Liberalen wie die Schwarzen zufrieden zu stellen. Der Kaiser wird nicht zum Jubiläum gehen, doch wird ein Hohenzoller in der Schar der Gratulanten nicht fehlen. Der Kronprinz wird den König von Italien besuchen! Wir fürchten aber, daß die Italiener mit dem Entscheid »inseres blauschwarzcn Salomo nicht ganz zufrieden sein werden. Denn um Wilhelm II. beneiden uns ja alle anderen Völker. Von dem Kronprinzen aber haben das foftzustellen die Offiziösen bisher versäumt.'__ Ei« neues Gelächter. Das offiziöse Telegraphenbureau verbreitet folgende Kundgebung � als würdigen Abschluß der famosen Kronprinzenreise: Kalkutta, 25. Februar. Der Gesandte v. Treutler er- klärte einem Vertreter des Reuterschen Bureaus im Namen des Kronprinzen, Seine Kaiserliche Hoheit bringe aus Indien die interessantesten und erfreulichsten Eindrücke mit. Besonders schätze er die licbenNvürdige Gastfreundlichkeit und die freund» lichen Gefühle, die ihm, wo er auch reiste, privat sowohl, wie öffentlich in der Presse, bezeigt worden seien. Diese höchst an» genehmen Erfahrungen werde der Kronprinz niemals vergessen, und Indien werde in seinem Herzen«inen hervorragenden Platz behalten. Die Reise sei durchaus erfolgreich gewesen. Ganz besonder» habe sich der Kronprinz für die Nord- grenze interessiert, und hier namentlich für die Gegend am Khaibanpaß und dafür, wie wenige Briten hier in dem wilden Grenzlande die Ordnung aufrechterhielten. Auf seinen Jagden habe er Einblick genommen in da» Leben der Landbewohner. Er sei allen Problemen der Zivilverwaltung rege nachgegangen und habe sich mit Zahlreichen Beamten der Regierung über die Hungersnot, den Unterricht und die öffentlichen Einkünfte eingehend unterhalten und alle Bauten von historischem und archi. tektonischem Interesse besichtigt. Er habe da» militärische System genau studiert und Hege die größte Bewunde» rung für die glänz enden britischen Truppen in Indien. In gesellschaftlicher Beziehung habe der Kronprinz die größten Er- folge erzielt, und alle Klassen seien erfüllt von seinem Höf- lichen. bezaubernden, natürlichen und doch würdigen Wesen. Auch seine deutsche Reisebegleitung habe sich sehr beliebt gemacht. Der herzliche Empfang deS Kronprinzen sowie der Besatzungen der deutschen Kriegsschiffe sei dazu an- getan, die Freundschaft«der Engländer und Deutschen in Kalkutta zu festigen. Man wird dieses Gemisch von Eigenlob. Byzantinismus und Tolpatschigkeit. das den Namen des Treutler mit einem Schlage berühmt macht, in der ganzen Welt mit un- gemischter Heiterkeit aufnehmen, in das wir Deutsche als erste einzustimmen uns nicht entgehen lassen werden. Denn soweit kennt man uns draußen doch auch, daß man nicht etwa Deutschland aufs Konto schreiben wird, was Höflinge ver- brechen. Aber zweierlei zu erfahren, wäre noch interessant. Ein- mal, hat der Kronprinz diese Erklärung, die in seinem Namen hinausgeht, auch vorher gelesen? Und zweitens, wird man Herrn v. Treutler, dieses Unikum diplomattscher Geschicklichkeit, auch bestimmt in Castans Panoptikum zu sehen bekommen?_ Die Kranzschleife als Verkehrshindernis. In Hettstedt im Mansfeldischen trugen zwei Genossen bei der Beerdigung eine» Porteigenossen Kränze mit roten Schleifen. Ein Polizeikomniisfar forderte sie auf, die staatsgefährlichen Schleifen zu entfernen. Sie weigerten sich, widersetzten sich aber nicht der Beschlagnahme der Kränze. Trotzdem kam eS wegen Uebertretung einer Kreispolizeiverordnung, die sich mit— der Sicherheit de» Ver- kehrs beschäftigt, zu einer Anklage. In der Verhandlung erklärte der vmtsanwalt, die Beschlagnahme der Kränze hätte.au» verkehr»- polizeilichen Gründen" erfolgen müssen, weil es früher einmal beim Begräbnis eine« Sozialdemokraten zu einer Schlägerei gekommen fei.(Sogenannte Neichstreue hatten die Leidtragenden belästigt und angegriffen!) Das Schöffengericht sprach beide Angeklagte frei. Schon wieder die Meiueidsbezichtiguug. Als in Essen da» Meineidsurteil gegen die Bergarbeiterführer Schröder und Genossen aufgehoben wnrde, schienen auch bürgerliche Blätter so etwas wie Scham zu empfinden, daß der Sozialdemo- kratie vorgeworfen worden war. sie hielt im politischen Interesse ihrer Partei den Meineid für zulässig. Man bedauerte, daß solche Erwägungen zu den ersten, dem Fehlurteil, beigetragen hatten. Wir dachten gleich, daß bei einem Teil der bürgerlichen Presse die Besserung nicht lange anhalten und daß bald wieder ein Rückfall in die alte gewisseiilose Verleumdungssucht erfolgen würde. Die„Dortmunder Zeilimg", das Blatt der konservativen Groß- industriellen, ärgert sich in ihrer Nummer 100 vom 23. Februar über„eine neue sozialdemokratische Lüge", die darin bestehen soll, daß ein Sozialdemokrat in der Budgetkommission de» Reichstage» von der im Ossizierkorps viel verbreiteten sozialdemokratischen Ge- sinnung gesprochen habe. Dadurch gerät das Dortmunder Unternehmerblatt rein au« dem Häuschen. Unter anderm erhebt c» wieder den Vorwurf, daß die Sozialdelnokratie den Meineid für zu- lässig halte. Es heißt da: „Wenn es die Sozialdemokratie bereit» dahin gebracht hat, den Meineid im Dienste ihrer Parteizwecke für zulässig zu erachten, so kann man sich nicht mehr wundern, daß sie sich die Lüge leistet, zu ihren Anhängern gehörten deutsche Offiziere." Es genügt, diese Gemeinheit niedriger zu hängen. Aus seinem stinkenden Sumpf kann dies Preßgesindel nun einmal aicht herau». Die preußische Regierung für Vermehrung der Kindersterblichkeit! Zu§ 212 der ReichsversichernngSordnung tnar von der Kommission bekanntlich in erster Lesung beschlassen, den versicherten Ehefrauen Hebammendienste und ärztliche Geburt»- Hilfe zu gewähren. Die preußische Regierung hat erklärt, dieser Beschluß sei für fie unannehmbar, ebenso der fernere KommissionS- befchlnß. die Rente derjenigen Jnvalldenrentenen»psäoiger. die Kinder unter 15 Jahren zu unterhalten haben, etwas(um'/,« der Rente für jedes Kind bis zum anderthalbfachen Betrage der Rente) zu er» höhen. Und da«, wiewohl die Beschlüsse geeignet wänen, die Kinder» sterblichkeit und die Leiden und Krankheiten der Mürter etwa« zu vermindern. Der Staatssekretär des Innern hat sich außerstande erklärt, den Widerspruch der preußischen Regierung gegen Ge» Währung der Hebammendieuste und ärztliche Hilse zu drecken, viel» leicht, meinte er. lasse sich eine Umslinmumg der preußischen Re- gieruna rücksichtlich der Erhöhung der Invalidenrente durchsetzen. Daraufhin ist, wie wir bereit» gestern mitteilten, leider in der Roimnisfion die Gewährung von Hebammendiensten u»d ärzt- licker Hilfe wieder gestrichen. Die preußische Regierung hat also mit Erfolg für Vermehrung der Kindersterblichkeit imb der Leiden der Ehefrauen sowie für Verminderung der Geburtenhäufig- keit gekämpft. Und da« tut dieselbe Regierung, die die betlageus- werten Erscheinungen eines Rückganges in der Geburtenhäufigkeit und einer Vermehrung der Kindersterblichkeit häufig insbesondere unter Betonung der militärischen Interessen al» eine ernste Gefahr bezeichnet hat. Das Plenum des Reichstags wird hoffentlich dem kulturwidr»gen Andrängen Preußen« mehr Widerstand entgegensetzen wie die Kommission und den ersten Beschluß der Kommission trotz de» preußischen Widerspruch« wiederherstellen. Abgelehnte„Liebesgaben". Seit mehr al» 100 Jahren herrscht in Mainz wie i» vielen anderen rheinischen Städten der Brauch, daß die Stadt zur Be- soldung der katholischen und evangelischen Geistlichen einen jährlichen Zuschuß von 3000 M. leistet. Auf Antrag de» Genossen Adelung beschlossen die Stadtverordneten in Mainz, den Beitrag von jetzt ab abzulehnen._ Bayerische Anarchisten-Aengste. Wie der M ü n ch e n e r Polizeibericht mitteilt, wurdm im An» schluß an die polizeiliche Aufhebung einer.Anarchistengruppe" zwei Schweizer und vier Oesterreicher au« Bayern ausgewiesen. fVanKmcK. Eine antimilitaristische Kundgebung. Paris, 25. Februar. Im Bahnbof Pontoise veranstaltete eine Anzahl Gestellungspflichtiger antimilitaristische Kund» gedungen, unter anderem durch Abfingen der Jnter» nationale, und mißhandelte die einschreitende Gendarmerie Die Bahnbeamten und Oktroibeamten weigerten sich, der Gendarmerie Hilfe zu leisten. Erst al» die Gendarmen Verstärkungen erhielten, gelang cS ihnen, einige der Ruhestörer fest- zunehnien. Gegen die Etfenbahn» und Oktroibediensteten ist Straf- anzeige erstattet worden. Hmerikz. Annahme de» Vertrage» mit Japan. Washington, 24. Februar. Der Text de» Vertrage» mit Japan ist bekannt gegeben worden. Er umfaßt 18 Artikel. Der erste räumt den Bürgern der vertragschließenden Länder gegen- fettige Rechte em. Der Vertrag wurde durch Japan an- geregt, das versprach, die Auswanderung wie bisher zu kontrollieren. Der Senat hat.nunmehr den Bertrag mit Japan an» genommen. GewerkfcbaftUcbee* Die Zecben&arone unter dem Schutz des Zentrumsgewerkrerems. Der Essener Bergwerksverein König Wilhelm macht be- kannt, daß er 1910 einen Reingewinn von 1 781 474 M. er- zielte, gegen 1308039 M. im Vorjahr. Er kann deshalb die Dividende für die Stammaktien von 10 auf 13 Proz., für die Vorzugsaktien von 13 auf 20 Proz. erhöhen. Der durch- schnittliche S ch i ch t v e r d i e n st der Arbeiter fiel dagegen 1910 abermals um 6 Pfennig! Außerdem wurde die Belegschaft um 193, auf 3222 Mann verringert! Starke Dividcndensteigung bei gleichzeitiger Lohnkürzung und Erhöhung der Arbeitsleistung. Welchem Kapitalisten sollte über dieses„glänzende" Resultat das Herz nicht lachen? Und daß an dieser Wirtschaft nichts geändert wird, dafür will der fürtreffliche„Gewerkverein christlicherBerg leute" sorgen. Seine Sekretäre haben den Jndustrieorganen die mühselige Arbeit, die Lage der Kohlenherren als eine traurige zu schildern, abgenommen. Seine Sekretäre drohen mit einem »vohlorganisierten Streikbruch, wenn sich jemand einfallen ließe, die bedauernswerten Kohlenhcrren in ihrer schweren Arbeit der Dividendenerhöhung und der Lohnkürzung zu stören. Unter dem Schutz des„Gewerkvereins christlicher Bergleute" können sich die Zechenbarone seelenruhig ihrem fegcnspendenden Geschäft widmen. Daß aber des Lebens ungetrübte Freude nun einmal keinem Sterblichen zuteil wird, müssen auch die Kohlenherren und ihre Gewerkvereinssekretäre erfahren. Vergangenen Sonntag nahm die Belegschaftsversammlung der Zeche Karl Funke Stellung zu der Lohnbewegung. Auf dieser Zeche be- steht der Arbeiterausschuß wie auch der größte Teil der organisierten Arbeiter aus christlichen Gewerkvereinlern. Da ist es geschehen, daß die Belegschaftsversammlung in geheimer Abstimmung die Lohnbittschrift des Gewcrkvereinsvorstandes verwarf und die löprozentige Lohnforderung des Bergarbeiter- Verbandes guthieß! Dieses Ereignis ist bezeichnend für die Stimmung der Bergleute. Wie lange noch, und auch die übergroße Majorität der Arbeiter, die heute noch dem Zentrumsgewerkverein anhängen, werden erkennen, was ihre Führer für ein frivoles Spiel mit den Arbeiterinteressen gespielt haben. Beriin und Umgegend. Die Aussperrung in der Mützenbranche des Kürschner» gctverbes, die ja eigentlich schon am letzten Montag durchgeführt werden sollte, ist vermieden worden. Eine außerordentliche Generalversammlung �, e �rlin des Kürschnerverbandes, die am Freitag in den Mustkersalen stattfand» erklärte sich mit der Aufhebung der Sperre 5?,'.. �er Firma S. Gärtner u. Co einverstanden, wodurch für die Mutzensabrikanten der Grund für die Aussperrung beseitigt ist. Maßgebend für diesen Beschluß war, daß der Streik, wenn auch sachlich durchaus berechtigt, im Widerspruch mit dem Verbands- statut stand und man unter dem Unrecht, das hierin liegt, nicht die große Masse der Kollegenschaft leiden lassen wollte. Uebrigens waren in- zwischen von dem Arbeitgeberverband der Rauchwarenzurichtereien Schritte getan worden, um in holdem Einverständnis mit den Mützenfabrikanten Berlins dem Kürschnerverband die Kassen zu leeren. Der Vorsitzende Fritze war in der Lage, der Versamm- lung folgendes Schreiben mitzuteilen: Verband vereinigter Rauchwarenzurichterei- und Färbereibesitzer Teutschlands(Für. Person), Fernsprecher 557. Leipzig, den 18. Februar 1311. Markt 11. III. An den Arbeitgeberverband deutscher Mützenfabrikanten Berlin. Aus den Zeitungen haben wir entnommen, daß Sie vom 20. d. M. ab sämtliche dem Kürschnerverband angehörigen Arbeit- nehmer auszusperren beabsichtigen. In der Annahme, daß die Aussperrung sich gegen die Mitglieder des Deutschen Kürschner- Verbandes, Hamburg 36, Kaiser-Wilhelmstrahe 76, richtet, bitten wir Sie, davon Kenntnis zu nehmen, daß der unterzeichnete Verband augenblicklich in Leipzig und Umgegend, Berlin und an zwei Arbeitsstätten in Hamburg sämtliche organisierten Kürschner ausgesperrt hat. Selbstverständlich haben wir das größte Jnter- esse daran, mit Ihnen gemeinsam vorzugehen. Je mehr Kürschner- gehilfen ausgesperrt sind, um so rascher wird der Streikgelder. fonds des Verbandes erschöpft sein. Wir bitten deshalb, falls auch Sie ein gemeinsames Vorgehen für erwünscht halten, um- gehend um weitere Nachrichten. Wir bemerken, daß auf Be- treiben der Gehilfenschaft bereits Dienstag, den 21. Februar 1911, im Rathause zu Leipzig, Zimmer 171, eine Einigungs- Verhandlung stattfindet. Es ist für den unterzeichneten Verband von der größten Wichtigkeit, noch vor diesem Termine bestimmte Nachrichten über die von Ihrem Verbände erfolgte Aussperrung, über die Aussichten dieser Aussperrung und über die Zahl der ausgesperrten Kürschner zu erhalten. Denn selbstverständlich wird sich der unterzeichnete Verband auf keinen Vergleich ein- lassen, falls er durch gemeinsames Vorgehen mit Ihnen darauf hoffen kann, dem Uebermute der im Kürschnerverbande tätigen Agitatoren die Spitze bieten zu können. Leider sind schon einige Tage verloren gegangen, da wir in Leipzig nirgends die Adresse Ihres Verbandes erfahren konnten. Wir bitten, uns sofort nach Erhalt dieses Briefes und zwar in den Vormittagsstunden zwischen 8 und 1�19 Uhr und in den Nachmittagsstunden zwischen 3'A und 8 Uhr anzurufen. Hochachtungsvoll Verband vereinigter Rauchwarenzurichterei- und Färbereibesitzer Teutschlands. Dr. Schiller. Wie verlautet, ist die telephonische Antwort aus Berlin nicht besonders ermutigend ausgefallen. Gleichwohl mutzte damit ge- rechnet werden, daß die Leipziger Arbeitgeber bei ihrer unter schmählichem Tarifbruch veranstalteten Aussperrung eine gewisse Stärkung in dem Vorgehen der Berliner Mützenfabrikanten fanden. Für den Kürschnerverband galt es nun. diesen Plan zu durch- kreuzen, und das war ein Grund mehr, der Sperre bei S. Gärtner ein Ende zu machen. Der ungünstige Ausgang des Streiks hat jedoch keineswegs entmutigend auf die Arbeiterschaft gewirkt, son- dern vielmehr nur die gute Lehre gegeben, daß man in Zukunfr bei solchen Differenzen etwas mehr Ucberlcgung und unter Be- achtung des Verbandsstatuts vorgehen soll. Die Versammlung, an der auch der Verbandsvorsitzende Leisler aus Hamburg teilnahm, faßte schließlich mit allen gegen eine Stimme folgende Resolution: „In Erwägung, daß unter der eigenartigen Arbcitsnieder- legung der Kollegen von S. Gärtner u. Co. und unter dem Ge- sichtspunkt der ausgesperrten Kollegen in Leipzig und Umgegeno es ein Gebot der Pflicht war. es in Berlin zu keiner Aussperrung kommen zu lassen, erklärt sich die heutige außerordentliche Gene- ralversammlung mit der Aufhebung der Sperre bei der Firma S. Gärtner u. Co. einverstanden..„, Dw Versammlung bestreitet dem Arbeitgeberverband zedeS Siecht, sich in Arbeitsangelegenheiten wie z. B. die Arbeitszeit bei der Firma S. Gärtner u. Co. zu mischen, und protestiert energisch gegen sein brutales und diktatorisches Vorgehen. Des- halb gelobt die Versammlung, aus dieser Saat des Scharfmacher- gelüstes reiche Früchte der Organisationsarbeit zu ernten." Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw. Deutfebca Reich. Z«r Tarifbewegung im Holzgewerbe. Nachdem durch Schiedsspruch der zentralen Schlichtungskom- Mission die Frage der Vertragsdauer entschieden, war anzu- nehmen, daß die Verhandlungen auf der ganzen Linie in schnellerem Tempo fortschreiten würden. Das ist nun leider nicht eingetroffen. In einzelnen Städten haben sich die Unternehmer nur nach langem Widerstreben zu Verhandlungen herbeigelassen, bei denen dann nichts herausgekommen ist. Die Stellung der Unternehmer ist nicht in allen Städten die gleiche; es scheint, als wenn sie wenigstens in einigen Orten das Bestreben haben, zu einer Einigung zu kommen, während in anderen, wie z. B. in Bremen und Neumünster, bisher Zugeständnisse überhaupt nicht gemacht wurden. Die meisten Schwierigkeiten bereitet jetzt die Frage der Ver- kürzung der Arbeitszeit. Auf der Generalversammlung des Arbeit- geberschutzverbandcs war von dem Vorstand desselben in bezug auf die jetzt zur Verhandlung stehenden Städte erklärt worden, daß in diesen Städten die verkürzte Arbeitszeit als gestaffelt zu betrachten sei. Das sei in Leipzig im Jahre 1998, als die jetzt zum Ablauf kommenden Verträge unter Vorsitz des Herrn v. Berlepsch ver- einbart wurden, festgelegt worden. Der Vertreter des Holzarbeiter- Verbandes, B e ck e r- Stuttgart, hat damals erklärt: „Falls in der Staffelung der deutschen Städte hinsichtlich der Arbeitszeit eine Einigung erfolgt, so sollen die dann festge- setzten Arbeitszeiten für die nächste Vertragsperiode Geltung haben dergestalt, daß bei einer künftigen Neuberatung der jetzt abzuschließenden Verträge der Punkt Arbeitszeit ausscheidet." Nun ist es aber wieder gelungen, die in Aussicht genommene Staffelung in Leipzig, noch später durchzuführen. Trotzdem lehnen die Arbeitgeber für alle in Leipzig verhandelten Städte jede Ver- kürzung der Arheitszeit während der neuen Vertragsperiode ab, selbst für solche Städte, die damals gar keine Verkürzung erhalten haben, weil man diese sämtlichen Städte als gestaffelt bezeichnet. Nun geht aber aus dem Leipziger Protokoll ganz deutlich hervor, daß eine Staffelung der Städte hinsichtlich der Arbeitszeit nicht stattgefunden hat, daß eine gemeinsame Beratung darüber späteren Zeiten vorbehalten bleiben sollte. Trotz dieser klaren Sachlage behaupten die Arbeitgeber und ins- besondere der Vorstand des Ärbeitgeberschutzverbandes immer wieder, die Städte sind gestaffelt. Sie weigern sich, über die Verkürzung der Arbeitszeit überhaupt zu verhandeln. In einzelnen Orten sind die Arbeitgeber sogar so weit gegangen, die Verhandlungen auch über die Lohnfrage solange abzulehnen, bis die Arbeiter auf die ge- forderte Arbeitszeitverkürzung verzichten. Das konnten die Arbeiter nicht, und darum scheiterten in einer Anzahl Städte die örtlichen Verhandlungen. Zwischen den Verbandsvorständen war bekanntlich vereinbart, daß die alten Verträge bis zum 1. März gelten sollten. Auf die Disziplin in der Arbeitgeberorganisation wirft es ein bezeichnendes Licht, daß die Arbeitgeber in Liegnitz die Tischler trotzdem aus- sperrten, und in Forst und Kelkheim die Arbeiter kündigten, so daß auch in diesen Orten die Aussperrung in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Daß durch dieses Vorgehen der Friede auch in den anderen Städten aufs höchste gefährdet wird, ist selbstverständlich. Wenn die Arbeitgeber der Meinung sind, daß die Holzarbeiter sich diese Provokation ohne weiteres gefallen lassen, befinden sie sich auf dem Holzwege. Die Zentralvorstände in Gemeinschaft mit der zen- tralen Schlichtungskommission sind nun in den letzten Tagen aufs neue zusammengetreten und haben vereinbart, daß nunmehr die Ortsparteien zu zentralen Verhandlungen nach Berlin berufen werden sollen. Tie Vertreter einiger Städte sind bereits einge- troffen und haben die Verhandlungen unter Beihilfe von Vertretern der Verbandsvorstände aufgenommen. Von den Fortschritten dieser Verhandlungen hängt es nun ab, ob der Friede auch nach dem 1. März gesichert bleibt. Die Entscheidung muß in wenigcki Tagen erfolgen._ Ein Stadttheater für Chorsänger gesperrt. Der Allgemeine deutsche Chorsängerverband(Sitz Mannheim) hat über das Stadttheater in Mülhausen i. Elf., Direk- tion Heinrich Schwantze, die Verbandssperre verhängt. Ueber die Gründe, die ein grelles Schlaglicht auf die Z u st ä n d e an dieser Provinzbühne unter klerikaler Stadt- Verwaltung werfen, teilt der Verbandsvorstanv in einem Flug- blatt mit, daß die Chormitglieder von dem Kapellmeister Camilla Hildebrand ungehörig behandelt worden wären. Es heißt in dem Flugblatt: ..Als die Damen darüber hinter der Szene unruhig wurden, schrie Herr Hildebrand auf die Bühne:«Die Frauenzimmer fallen ruhig sein!" Wir verhielten uns demgegenüber äußerst ruhig und verabredeten nur, sehr sachlich vorzugehen und be- riefen nach Schluß der Probe eine außerordentliche Versammlung ein. In derselben wurde einstimmig beschlossen, gegen die BeHandlungsweise Hildebrands bei der Direktion Einspruch zu erheben und geschah dies ordnungsgemäß wie die beiliegende Abschrift zu erkennen gibt. Am 17. d. M. teilte uns die Direktion mit. daß sie die An- gelegenheit dem Bürgermeister zur Entscheidung übergeben habe. Die Mitglieder haben sich nicht daS geringste zuschulden kommen lassen; im Gegenteil, einige von uns waren krank, was sie der Direktion durch ärztliches Attest angezeigt haben, und kamen dennoch, um die Vorstellung zu ermöglichen. Wir waren über diese schmachvolle Beleidigung so erregt, daß wir die Direk- tion um Lösung unserer Verträge für nächste Spielzeit ersuchten." Auf das letztere Verlangen erhielt der Chor die folgende Antwort: Bürgermeisteramt der Mülhausen i. E., 21. Februar 1911. Stadt Mülhausen i. E. Die Beschwerde der Mitglieder des Chores gegen den ersten Kapellmeister, Herrn Hildebrand, ist in der heutigen Sitzung der Theater-Kommission besprochen worden. Die Kom- Mission hat zwar den Entschluß der Unterzeichne r der Eingabe an den Herrn Theaterdirektor vom 15. 2. 1911 b e- dauert, im übrigen aber in die erbetene Lösungder Ver- träge für 1911/1912 eingewilligt. � Ich stelle ergebenst anheim. die in Betracht kommenden Mit- glieder entsprechend davon zu verständigen. Der Bürgermeister: I: A.: A. Wolsf. Kein Wort des Bedauerns über die Ausschreitungen des Kapellmeisters! Der Verbandsvorstand bemerkt hierzu, unter sol- chen Umständen sei nichts anderes übrig geblieben, als über die>e Bühne mit ihren absurden Anschauungen von Recht und Gerechtlg- keit die Verbandssperre zu verhängen. Christlicher Arbeiterverrat. In dem Orte Jchenhausen in Schtvaben haben die dort zahlreich beschäftigten Schneidergehilfen— fast durchweg Heim- arbeiter— einen Lohntarif eingereicht, der neben anderem auch eine Lohnerhöhung von 15 Proz. vorsieht. Die dort beschäftigten Arbeiter sind bis auf wenige im Verband der Schneider organisiert. nur vier sind Mitglieder des christlichen Schneidervcrbandes. die sich aber mit den Forderungen einverstanden erklärt hatten. Um eine friedliche Einigung herbeizuführen, fanden dann auch zwischen der Lohnkommission der Gehilfen und den Unternehmern Unterhandlungen statt. Die Unternehmer hatten sich schon bereit erklärt, eine 12prozentige Lohnerhöhung zu gctoähren und eine friedliche Regelung stand außer Frage. Da erschien plötzlich der christliche Gewerkschaftsführer Becker aus Aschaffonburg auf dem Plan und hinter dem Rücken der freiorganisierten Arbeiter schlössen die Christen einen�von der funkelnagelneuen Zahlstelle christlicher Schneider und Schneiderinnen eingereichten Tarif ab. Die Arbeiter erfuhren diese Leistung der Christlichen erst durch folgenden Artikel der Lokalpresse JchenhausenS: „Nachdem der bestehende Tarif von jeiten des freien Ber- bandeS zum 1. März d. I. gekündigt wurde und sich in der ; TH.Glocke, Berlin. Druck u.BecIag:VorwärtsBuchdr.u.VerIagsanstah Zwischenzeit ei»e Zahlstelle deS christlichen SchneiderverbanbeS gegründet hat, reichte dieselbe, nachdem der freie Verband ein gemeinsames Vorgehen ablehnte, selbständig einen Tarif ein. Die ersten Unterhandlungen, die am letzten Montag und Dienstag mit den Arbeftgcbern, dem christlichen und freien Verbände stattfanden, verliefen resultatlos. Die gestrigen Unterhmrd- jungen, die zwischen den Arbeitgebern und dem christlichen Ver- bände allein stattfanden, endigten zur Zufriedenheit der Ar- bester. Es wurde dabei eine Lohnerhöhung von 7— 19 Proz. erzielt. Da der freie Verband wiederholt erklärte, daß die christ- liche Organisation nicht in Frage komme, so Knnen wir mit Stolz auf dieses Resultat zurückblicken. Wir dürfen wohl an- nehmen, daß die ruhig denkende Arbeiterschaft sich mit dieiem auf friedlichem Wege erzielten Erfolge einverstanden erklart. Verband christlicher Schneider und Schneiderinnen» Zahlstelle Jchenhausen." Wie aus diesem �Bericht" selbst hervorgeht, ist die Behauptungvon .der versuchten Ausschaltun? der Christlichen purer Schwindel. Man hatte den Christlichen im Gegenteil einen Sitz in der Lohnkom- Mission in Aussiebt gestellt. Bezeichnend für die Taktik der Christ- liehen ist es aber, daß sie von den Unternehmern die Zusage ver- langten, daß. wenn die Freiorganisierten höhere Löhne erkampten, diese dann auch den christlichen Schneidern bezahlt werden müssen. Etos der Partei. Die Porteiverhiiltnisse in Südtirol haben auf einer dieser Tage in Trient abgehaltenen Konferenz eine Klärung gefunden. Sie ergab eine völlige Abkehr von den Treibereien der separatistischen Richtung des Barm, es soll eine feste politische Organisation nach deutschem Muster geschaffen und nur jene Gewerkschaften anerkannt werden, die der Wiener Kommission angehören. Die Konferenz forderte den sozialdemokratischen Abgeordneten von Trient, Ge» »ossen A v a n c i n i, einstimig auf, das Mandat zu behalt««. poUzeilichta, Gerichtliches ufw. Ter beleidigte Hauptmann. In Diedenhofen war am 16. Juni 1919 der Schiffer Linder aus Gräfrath(Kreis Solingen), der damals bei der 7. Kom- pagnie des in Diedenhofen stehenden Infanterieregiments Nr. 135 eine vierzehntägige Uebung machen sollte, an den Folgen eines Hitzschlages gestorben. In der Solinger Gegend verbreitete sich das Gerücht, daß der Hauptmann Kühl den Linder während eines Marsches nicht habe abtreten lassen und auch nicht geduldet habe, daß ein anderer sein Gewehr trage, obwohl sich Linder krank ge- meldet habe. Infolgedessen widmeten Freunde des Verstorbenen, darunter auch solche, die die militärische Uebung mitmachten, dem Verswrbenen in der„B e r g i s ch« n A r b e i t« r st i m m e" eine Todesanzeige, in der sie bemerkten,„daß Linder das Opfer des Militarismus, vielleicht auch der Brutalität einzelner geworden sei". Infolge dieser Anzeige war gegen den Hauptmann Kühl von der 7. Kompagnie des Regiments ein kriegsgerichtliches Verfahren eingeleitet worden, daS indes mit der Freisprechung endete. Das geschah, trotzdem in dem Termin folgendes festgestellt wurde. Der Hauptmann bemerkte, daß ein Nebenmann des Linder dessen Ge- wehr trug. Er fragte nach dem Grunde. Linder antwortete, er sei krank. Der Hauptmann hat darauf unwirsch gesagt:„Ach was, Linder ist der stärkste Mann der ganzen Kompagnie, der kann sein Gewehr selbst tragen." Bei der Untersuchung des Verstorbenen ist festgestellt worden, daß Linder schon längere Zeit an einer ziemlich jchweren Nierenentzündung gelitten, die nicht ohne Einfluß auf den Hitzschlag gewesen sein soll. Vom Obersten des Regiments wurde fth den Hauptmann gegen den Verfasser der Todesanzeige, den Schiffer Mutz von Gräfrath und gegen den für den Anzeigenteil verantwortlichen Geschäftsführer Schaal der„Belgischen Arbeiter- stimme" Strafantrag gestellt. Die Strafkammer verurteilte beide wegen angeblicher Beleidigung des Hauptmanns zm je 100 M. Geldstrafe. Von Rechts wegen! Kreiche im Zentrumuurm. Reichstags-Ersahwahl in Jmmenstadt-Llnda«. Kempten, 25. Februar.(Privattelegramm Se8 „Vorwärts".) Tie heute vorgekommene Ersatz. wähl für den verstorbenen Zentrumsabgeordneten Schmitz führte zu einer Stichwahl zwischen Zentrum und Liberalen. Es erhielten Eurin- g e r(Z.) 11 83k Stimmen, T h o m a(lib.) 19 388 Stimmen und Gölzer(Soz.) 3898 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war außer- ordentlich stark. Bei der Wahl im Jahre 1907 erhielt das Zentrum bei der Hauptwahl 12 013 Stimmen, die Liberalen 19 633 Stimmen und der Sozialdemokrat 1999 Stimmen. In der Stichmahl fiel der Kreis dann dem Zentrum zu. Ter Zug nach links ist unaufhaltbar! Mit Klauen und Nägeln suchte das Zentrum die gefährdete Position zu halten, der Erfolg aber ist: Verdoppelung der'sozieldemokratischen Stimmen, Rückgang der Stimmen des Zentrums! Die Sozialdemokratie gibt den Ausschlag, sie wird ihn geben, indem sie gegen den Kandidaten des schwarzblauen Blockes votiert! Die Bedeutung der Wahl ist unverkennbar, sie zeigt augenfällig, daß die Zentrunisgctreuen ez zum Teil satt haben, sich werter von ihren Parlamentsvertretern verraten und verkaufen zu lassen. Alle Mittel des brutalsten Terrors fruchteten nichts, durch die Abstimmung haben die Wähler bewiesen, daß sie ihre Hoffnung ausschließlich auf eine frei- heitlich gerichtete Politik setzen. Einer solchen Politik freie Bahn zu schaffen, wird Ausgabe der kommenden allgemeinen Wahl sein, deren Parole lautet: Nieder mit den Rittern und Heiligen! letzte �foeKHeKteti. Ter Wunsch nach Abrüstung. Vudapest. 25. Februar.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung der österreichischen Delegation wurde unter anderem eine Reso- lution angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, alle auf die Abrüstungsfrage bezüglichen Anregungen nachdrücklichst ,u unterstützen und zu fördern. Revolutionäre Bewegung in Paraguah. Buenos Aires, 25. Februar.(W. T. B.) Wie die hiesigen Zeitungen melden, soll in Paraguay abermals eine Bewegung gegen d»e Regierung ausgebrochen sein. Liebesdrama. München, 25. Februar. Heute vormittag tötete der ledige Maschinenmeister Aß mann in seiner Wohnung die ledige Fabrikarbeiterin Niederer durch einen Schub in» H"S- Tann erschoß er sich selbst. Ter schwarze Tod. Chatbin, 25. Februar.(W. T. B.) In den letzken 24 Stunden sind acht Chinesen und«in«itroptUscher SanitätSbeaiincr an der Pest gestorben.___ Paul Singer 4 Co.. Berlin SW. Hierzu 5 Bei lagen. Hr. 49. 28. Iahrgllllg. 1. Keilte drs Jotmötts" Krlim Zonntag. 26. Febrnar 1911. GeD«ralszulagci)! Aus militärischen Kreisen wird uns geschrieben: Bekanntlich hat Herr v. Tirpitz den Schisfsheizern ihre Zu- lagen um 10 Pf. pro Tag gekürzt. Wenn man sich nicht scheut, aus mageren Portemonnaies im Tage einen Groschen heraus- zuholen, so sollte man auch-lnS eines weisen, ach so weise gewordenen Verstehens über rt,..? und Böse. Geburt und Sterben golden strahlen, leise und fern »i naen ließ. Er war den Kindlein gleich; das war es, was ihm die Herzen der Männer gewann. R. Br. svielhagen ist Sonnabend gestorben— einen Tag nach -. unllendctcn 82. Lebensjahre. Noch kurz vor Weihnachten seinem i«llc Serie seiner„Ausgewählten Romane" hatten wtr AM V. � Meister des historischen und sozial- �«.UckenRmanS dahingegangen. Bis an seinen Tod hat er gesellschaftllchen-n behaupten vermocht infolge der nach- � MÄng A die ein großzügiges Bild der gleichen Gebührnissen zählt die deutsche Armee etwa 230. Daher wäre hier eine Ersparnis von 207 000 M. im Jahre möglich. Wir haben also die Möglichkeit einer Ersparnis von im ganzen 180 000 M. + 315 000 M.+ 207 000 M.— 702 000 M. aufgezeigt. Dabei kann man nicht behaupten, daß wir streng und schundig verfahren wolle», denn selbst den Brigadekommandeuren würde noch eine Barein- nähme von 11 500 M. bleiben, obwohl keiner von ihnen älter als 56 Jahre ist. Rechnet man die von uns außer Betracht gelassenen Ueberschüsse bei den Jnspektions- und Aushebungsreisen hinzu, so blieben den Brigadelommandeuren mindestens 12 000 M. bar im Jahre. Auch an den in Hofftellen befindlichen Generälen ließe sich ohne Härte eine schöne Summe durch Streichung und Kürzung der Dienstzulagen ersparen, so daß man mit Leichtigkeit auf dem erwähntep Wege an den Generälen allein jährlich nahezu 800 000 Mark sparen könnte. Würde im Reichstag ein unseren Vorschlägen entsprechender Antrag eingebracht, so gäbe es ein auch bei den kommenden Wahlen vortrefflich zu benutzendes Schauspiel für Götter: Die nämlichen „Volksvertreter", die den Heizern ihre Zulage um 10 Pf. pro Tag gekürzt haben, würden sich schützend vor die Geldsäcke der Generäle stellen, und Herr v. Heeringen wird diese Geldsäcke mit dem näm- lichen Eifer verteidigen, mit dem Herr v. Tirpitz die Kürzung der Heizerzulagen beschönigt hat. belehrendes Schauspiel für das Volk! �.eicdstag. 135. Sitzung. Sonnabend, den 25. Februar 1911, vormittags 11 Uhr. Am BundeSratStisch: v. Heeringen. Zweite Lesung des Militäretats. Zweiter Tag. Abg. GanS Edler v. Putlitz(k.): Der Etat ist unstreitig mit großer Sparsamkeit aufgestellt worden, so daß Abstriche nicht möglich find, wenn wir unsere Wehrkraft nicht erheblich schwächen wollen. Die Militäranwärter müssen auskömmlich gestellt werden; entgegen Herrn N o s k e behaupte ich, daß sie sehr gern Kleinbauern werden wollten.— Von einer Bevorzugung des Adels kann beim Avancement in unserer Armee gar keine Rede sein.(Heiterkeit links.) Politik soll unserem Heer fern bleiben; aber die S o z i a l d e m o- kratie, die die Grundlage unseres Staatswesens angreift, muß rücksichtslos bekämpft werden. Um so verwerflicher ist es, daß in Baden Angehörige der Armee für die Sozialdemokratie agitiert haben.(Hört! hörtl rechts.) Das zeigt, welche Ver- wirrung der Großblock angerichtet hat.(Zustimmung rechts.)— Im Kern ist unser Heer gesund. DaS Gefühl der persönlichen Gefolgschaft zum Monarchen, daS im Offizierkorps lebt, hat unser Volksheer groß gemacht; hierum beneidet uns das Ausland.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Paasch«(natl.): Den gestern vom Abg. Müller- Meiningen angeführten Erlaß des Kriegsministers bedaure ich. Mit dem Grundgedanken, daß der aktive Offizier sich bei Parlaments- Mitgliedern nicht beschweren soll, kann man einverstanden sein. Aber andererseits brauchen wir die Informationen über unsere Heereseinrichtungen, die wir nur von aktiven Offizieren erhalten können. Daß Offiziere mit Parlamentariern über militärische Dinge nicht sprechen sollen, steht in dem Erlaß nicht drin und kann auch gar nicht gemeint sein; aber eö kann so aufgefaßt werden, und dagegen müßte das Parlament sich entschieden verwahren. (Zustimmung links.) Achtung vor dem Parlament zeigt sich auch darin nicht, daß Jahr für Jahr dieselben Klagen wiederkehre» müssen. Für die von der Volkspartei eingebrachte Resolution können wir aber nicht stimmen, denn wir können nicht zugeben» daß ein Sozial- demokrat Offizier wird.(Zustimmung rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Sehr viel ist von Sparsamkeit die Rede; aber das viele Beiwerk und der Putz an den Uniformen— Dinge. die mit der KriegStüchtigkeit nichts zu tun haben— lassen von Sparsamkeit nichts merken.— In den Militärwerkstätten sollte man nur das herstellen, waö man auch wirklich billiger herstelle» kann; alles andere sollte man der Privatindustrie überweisen. Millionen könnten auf diese Weise erspart werden. Der Redner rühmt dem Offizierkorps und dem Unteroffizierkorps nach, daß sie Soldatenmißhandlungen streng ver- urteilen. Einzelfälle dürfe man nicht in der Art. wie der Abg. Entwickelungskämpfe vornehmlich des Bürgertums und des oft elbischen, richtiger pommerischen Junkertums während der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts geben. Gleicherweise hat er die Kämpfe des emporsteigenden„vierten" Standes: des sozialistischen Arbeiterproletariats, dichterisch zu meistern versucht. Romane, wie „Hammer und Amboß",„In Reih und Glied".„Problematische Naturen",„Sturmflut",„Was will das werden", sind charakteristisch für sein Schaffen sowohl, als für seine sozialkritische Anschauung. Spielhagen war einer von den„Aufrechten", den demokratischen Idealen des Bürgertums von 1848 blieb er treu, ohne sich zu wan- dein. Das war jedenfalls seine schwächste Seite; doch nahm er immer auch gegenüber dem Sozialismus eine mit der Arbeiterschaft sympathisierende Haltung ein. Die Parteipresse ist es bis in unsere Tage hinein gewesen, die Spielhagcns bedeutendste Romane in ihren Spalten veröffentlicht hat. Man kann daher mit einiger Bercchti- gung sagen, daß der Dichter in den Reihen der proletarischen Leser wohl am besten verstanden und am nachhaltigsten gewürdigt worden ist. Seine erzählenden Werke füllen 29 Bände. Außerdem hat er kernige Gedichte— zwei Bände—, verschiedene Schauspiele geschrie bcn. Dazu kommen literarkritische Aufsätze und Studien, Ueber setzungen amerikanischer Poesien, vermischte Schriften. Eine Art Kanon haben seine scharfsinnigen Untersuchungen über die Technik des Romans sowie der Epik und Dramatik gebildet. Mancherlei in ihnen wird anregend weiter wirken, wie denn Spielhagen selber als Mensch und Charakter, als Künstler und Kämpfer noch lange im Gedächtnis des Volkes fortleben wird. e. k. Berühmte Theaterskandale. Die laufende Theatersaison konnte in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Theaterskandalen ver- zeichnen. Erst kürzlich wurde im Berliner Deutschen Theater ein Stück von Karl Vollmöller unter Lärmen und Zischen begraben und bei der Premiere eines Werkes von Eulenberg, die gleichzeitig in Hamburg und in München stattfand, kam es zu peinlichen Szenen. Bei der Uraufführung deS neuen Stückes von Henry Bernstein in Paris war die Comedie Franeaise der Schauplatz wüsten Lärms. An diese Begebenheit inüpft.,Tout Paris" im„Gaulois" an, um allerlei Interessantes von Theaterskandalen zu erzählen. Einen wilden Thcatersturm entfesselte ,m Jahre 1865 die Komödie„Hen- riette Maröchal" der Brut«r Goncourt. Der derbe Prolog mißfiel dem aristokr St. 16. 1. Magistrai, Lbcrvosldirckiion. Eisenbahndirektion. 2. Nicht imbedingt erforderlich.— Emmi. 1. Die Zahlungspflicht bestebt. 2 u. 3. Das deutsche Konsulat muß angegangen werden.— L. 81. Sie lönnen Auseinandersetzung verlangen, auch das Nachlaßgericht anrufen.— 9t P. 20. 1. Der Prozeß wäre zweiselhast. 2. Zu melden bei dem zu- ständigen Polizeirevier»der dem Polizeipräsidium.— W. W.. Tempelhof. 1. Geldstrase bis zu 600 M. oder Hast oder Gefängnis bis zu einem Jahre. 2. Ja. 3. Der neue Termin muß abgewartet werden.— St.(9. 18. Fragen Sie selber bei der.Ardeiter-Zeitung», Wien. Wicnftr. 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Sie sah doch, daß alle bisherigen Maßregeln gegen dieverhaßteSozialdemo- kratie sich in das Gegenteil verwandelten, das erste Sozia- listcngesetz seligen Angedenkens sogar direkt agitatorisch für die Partei wirkte, und immer wieder neue Versuche, Aus» uahmegesetze gegen die Partei zu schaffen. Mit Ausnahme. gesehen kann bekanntlich jeder Esel regieren, hieß es schon damals, und die Regierung lechzt förmlich danach, das zu dokumentieren. Dabei hat sie gar keinen Grund, neue Un- Zufriedenheit zu schaffen. Rüttelt doch die letzte Steuerpolitik die denkfaulsten Wähler auf und läßt ein„Gottesgericht" die nächste Reichstagswahl erwarten. Doch die Katze läßt das Mausen nicht. War der Entwurf der Reichsversicfcerungs. Ordnung nicht schon reaktionär genug, die„Verlzandlungen" in der Kommission brachten noch neue Hintertüren und Fuß- angeln für die Kassenvertvaltungen. Ohne Scheu erklärt man ja heute, daß das neue Gesetz in erster Linie gegen die Ortskrankenkassen und Hilfskassen ge» richtet sei, und findet gar nichts nwhr dabei, daß man mit Ausnahmegesetzen gegen eine bestimmte Partei erst recht den der brave Caspar und seine Helfer da raucht. Dies Scham ist zu den Hunden geflohen. Die Vorlegung der Reichsversicherungsordnung mit all ihren Schikanen war der erste Streich, doch der zweite folgte gleich. Was man mit dem Entwurf nicht treffen konnte oder wollte, versucht man jetzt mit dem„Einführungs- «esc tz" noch fertig zu bringen. Fürwahr, ein starker Tabak, den der brave Kaspar und feine Helfer da raucht. Dies kommt in erster Linie in der Beamtenfrage zur Geltung. Wie sich doch die Zeiten ändern. Als die Krankender- sicherung geschaffen war, kümmerten sich organisierte Arbeiter »venig um die Verwaltung dieser Zwangskassen, und die Unternehmer seufzten und jammerten über die Gleichgültig- keit der Arbeiter, für die doch in erster Linie die ganze Gesetz- yebung geschaffen worden sei. Unternehmer und ihre Unter- offizim mußten daher im ersten Jahrzehnt deutscher Krankenkassentätigkeit die Verwaltung fast allein führen, und auch die Behörden tadelten die Arbeiter, daß sie so teilnahmslos zur Seite standen. Als sich dann die Arbeiter nach und nach mehr um ihre Krankenkossen bekümmerten, war es wieder die Regierung, die gerade in der Beamtenfrage zu tadeln hatte. Es ist ein offenes Geheimnis, daß viele Ar- bester den Krankenkasienbeamten anfänglich nicht viel bessere .Lölme und Arbeitsverhältnisse gönnten, als sie im Dienste es Kapitals selbst zu erkämpfen hatten. Mußte nicht erst ein Preußischer Minister die Kassenvcrwaltungen extra ermahnen, doch feste Anstellungsverhältnisse für ihre Beamten zu ''chcffen? Hieß es nicht im damaligen Entwurf zum ersten Sozialistengesetz in„Kassenpaaung" zur neuen Novelle vom Jahre 1901 aus der Feder des bekannten Dr. Hoffmann: „Die Ortskrankenkassen lassen sich wegen mangelnden amt- lichen Charakters in dre Behördenorgonisationen nicht ein. rangieren und den bisherigen Beamten kann. da sie, von wenigen Kassen abgesehen, lediglechausKündigungundohnePensions. ansprüche angestellt sind, das volle Pflichtgefühl der Staatsbeamten leicht fehlen." Nach Hoffmann fehlte also zum„vollen Pflichtgefühl" nur die „feste Anstellung mit Pensionsberechtigung". Und im August 1838 mußten sämtliche Aufsichtsbehörden in Preußen an die Vorstände der Ortskrankenkassen berichten, daß nach dem Erlasse des Herrn Ministers für Handel und Gelverbe vom 9. Juli 1898 die Vorstände darauf hinzuweisen seien, wle es nicht»mr dem Interesse der Existenz zahlreicher in den Geschäften der Krankenkassen erfahrener Personen, sondern auch im Interesse der Kassen selbst, denen an der Erhaltung eines ordentlich vor- gebildeten Personals und eines gleichmäßigen Geschäfts- ganges gelegen sein müßte, entspreche, daß.mit den Kassenangestellten gehorrge Dlen stver- trägeabgeschlossen werden, in denen die Gründe der ttülldigung und angemessene Kündigungsfristen bestimmt werde»».„Dabei empfiehlt es sich, In den Dienstver- trägen die Bestrmmung vorzusehen, daß die Kündigung des Personals durch den Vor- standnurbeigrobcr oder wiederholter Verletzung der Dienstpflichten zulässig sei und daß über die Frage, ob diese Vormrssetzungen zutreffen, im Streitsalle e» n Schiedsgericht oder die Aufsichtsbehörde zu entscheiden habe" Damals mahnte man also amtlich die Kassenvorstände ausdrücklich, solche Verträge mit ihren Angestellten abzu- schließen, und jetzt, nachdem dies nach vielen, vielen Mühen endlich mehr und mehr geschehen ist, sucht man wieder diese amtlich verlangten Verträge durch einen Gewaltakt einfach zu vernichten.... Sonderbare Käutze. Wie die Geschichte der deutschen Krankenkasseubewegung lehrte, wurden erst nach langen Kämpfen die«festen An- stellungen" ohne Pensionsberechtigung geschaffen. Man er- innere sich nur an die Debatten auf den Jahresversammlungen der deutschen Ortskrankenkassen in Breslau, München, Dresden usw. bis zu Düsseldorf. Die bürgerliche Presse sprach vom„Herreilstandpunkt" der Arbeiter als Arbeitgeber in den Kassenvcttvaltungen usw.. bis endlich doch die Tanffrage L»sjie Formen erhalten hat und nach und nach größere Gruppen von Krankenkassen sich zu einem Vertrag»lach diesem System begüemten. Man sieht hieraus, daß die Ar- heiter in den Kasse», Verwaltungen gar nicht dafür zu haben sind, ihren„Gesinnungsgenossen"„fette" ui»d..eintragliche VersorgungSposten" zu schaffen. w,e die Meute der Gegner zähnefletschend heult. Zuerst also d,e Vorwürfe der braven Leute, daß die Arbeiter als Arbeitgeber„Hungerlöhne" ihren Kassenangestellten zahlen, wie a»ich de»» Konsunwercinen heute noch von den Gegirern vorgehalten»oird. und jetzt die neuen Vorwürfe, daß sie„fette Posten" usw. geschaffen habe. Wie S trifft i Mau kann es also den Burschen nie recht machen, und wird die Arbeiterschaft wohl auf dm Versuch verzichten müssen, dies zu tun. Ohne eigentliche Begründung wird nun der Entwurf des yinführirngsgesetzes den Volksvertretern serviert und schlägt dessen Inhalt Wohl dem Fasse den Boden aus. Die„Deutsche Krankeukassen-Zeitung" schreibt in der letzten Nummer darüber: „Niemand hat eS anders erwartet, als daß mit dem Ein- fiihrungsgesetz sich die buieaukratische Reakijon vollends demas- kieren würde. Das ist ihr in denkbar brutalster Offenheit pröch- tig gelungen. Als Einführungsgcsetz in bieler Beziehung von kläglicher Dürftigkeit, präsentiert es sich eigentlich als Haus- k n e ch t s v o l l m a ch t. um unbequme Elemente im Kassenwesen hinauswerfen zu dürfen." Ausführlich bespricht schon der bekannte Sozialpolitiker Professor S t i e r- S o m l o aus Bonn das ganze Machwerk in der neuesten Stummer seines Blattes, dem„Zentralblatt der Reichsversicherungsordnung". Professor Stier-Somlo findet die Absichten,„die das Einftihrungsgesetz bezüglich der dienstlichen Verhältnisse der Kassenbeamten und Kassen- angestellten vorschlägt, für höcksst bedenklich".... Er führt dann an, daß der Entwurf einem„dringenden Bedürfnisse" dreen»vill, wenn die Hausknechtsbestimnmngen alsbald in vollem Umfange durchgeführt und„deshalb auch auf alle die- jenigen Angestellten angewandt werden, die beim Jnkrast- ttreten der Reichsversicherungsordnung und der Dienstord. nung bereits im Kassendienst stehen". Das geht natürlich einem ernsten Sozialpolitiker wie Stier-Somlo auch über die Hutschnur, und da er auch Gesetz und Recht kennt, so ruft er aus:„Wir halten dies für absolut ungesetzlich, denn die gegenseitigen Beziehungen dieser Angestellten u»,d der Kassen »varen bisher durch privatrechtliche Verträge geregelt, deren Bestimmungen nicht durch Gesetz aufgehoben werden können, solange sie auf Grund des den Kassen gewährten Selbstver- »valtungsrechts mit den Kassenbeamten abgeschlossen worden sind, auch für die Zeit nach Inkrafttreten der Reichsversiche- rungsordnung." Sehr richtig. Doch was kümmert sich unsere„»veise" Staatsregierung um Gefetz und Recht? Stier- Somlo findet es weiter hart, daß die Kündigung der bis- herigen privatrechtlichen Verträge vorgesehen ist, weil diese zu„neun Zehnteln bei den Kassen nur eine Formalität ist". „Außerdem handelt es sich um Beamte m,d Angestellte, die sich auf die besonderen Kemttuisse und Notwendigkeiten der Kässenverwaltung eingearbeitet haben und nunmehr unter Umständen ihr Brot verlieren müsse»»." Doch was künnnert dies unsere Machthaber? Preußische Unteroffiziere„lernen" dies ja bckanutlich in 24 Stunden, und der Schutzmann aus Gumbinnen verfügt über jede Bildung und Gesetzeskenntnis. Sehr geschickt verweist nun Stier-Somlo unsere Regierung darauf hin, daß sie doch„sonst so ängstlich— Reichsregierung und Reichstag— ist in der Schonung wirtschaftlicher In- teressen solcher Kreise, die zum Mittelstände im politischen Sinne gehören oder gar unter dem Gesichtspunkte der aktiven Wählerschaft einer besonderen Berücksichtigung teilhaftig werden. Für die Kassenbeamten und Angestellten hat man solche Rücksichten offenbar nicht nötig." Ja. es ist sehr kurz- sichtig von der Staatsgewalt, zumal die Mehrzahl der Kassen- beamten sich heute auch zum sogenannten„Mittelstand" zählen und jetzt erbarmungslos abgeschlachtet werden sollen. Man trifft eben„Freund und Fernd", nur um zu„treffen".� Pro- fessor Stier-Somlo geht dann weiter auf die„Materie" ein und meint, daß wohl einzelne Anstcllungsverträge„Bedenken" erregen, doch nicht auf diese Weise einfach erledigt werden könnten und führt aus:„Wenn privatrechtliche Abmachungen in Frage stehen, die sich als grober Mißbrauch darstellen und es soll durchaus nicht geleugnet werden, daß derartiges vor- kommt, so wird der Schutz des Nichters für solche Verträge nicht eintreten." Sehr richtig. Auch der weitere Einwurf ist richtig, daß ja heute schon die Verträge von den Aufsichtsbehörden nachgeprüft werden —„diese beiden Mittel: die zivilrechtliche Ungültigkeit des Vertrages und di« Eingriffsmöglichkeit der Aufsichts- be Hörde reichen aber vollkomme i» aus, um bedenkliche Verträge auszuschalten". Der Entwurf greife aber„radikal durch", meint Professor Stier- Somlo weiter und lasse durch das Oberversicherungsamt einen bestimmten Endtermin festsetzen, bis zu dem den Angestellten die„nötigen Eröffnungen" gemacht werden müssen. ,.W e n n das keine Verletzung wohlerworbener Rechte bedeutet, so ist schwer ein Fall solcher Per- letzung überhaupt ausfindig zu mache n," ruft der Gelehrte entrüstet aus. Es sei„geradezu ein Hohn", wenn weiter der Entwurf anführe, daß kein Angestellter„gegen seinen Willen unter dienstlichen Verhältnissen arbeiten soll, die seillein Anstellungsvertrags nicht entsprechen" und des- halb das Kllndigungsrecht begründet wurde. Der Angestellte „hat also die Befugnis, daß, wem» er die Verletzung seines von Rechts Wegen gültigen privatrechtlicheu Vertrages nicht erdulden will, brotlos zu werde n". Dies gelte auch für die lebenslänglich Angestellten, denen man eine Kündigungsfrist von 6 Monaten garantieren will, nur um sie besser loszuwerden. Doch hören wir den konser- vativen Universitätsprofessor in seinem markigen Schlußworte, welches wir wörtlich zum Abdruck bringen wollen, um dessen Wirkung nicht abzuschwächen: „Faßt man alles zusammen, so stellen die behandelten Artikel 29— Z2 des Einführungsgesetzes RVO. nicht nur die Nichtigkcits- erklärung der vielleicht mit Recht gerügten Bestimmungen des Düsseldorfer Anstellungsvertrags dar, sondern unterschiedslos aller Vertraasrechte, die nicht in dem Rahmen der aufzustellenden und zu genehmigenden Dienstordnung vorgesehen sind. Sie sollen gekündigt und die Bezüge nur noch bis zu dem Ablaufe von zwei Jahren nach Inkrafttreten der Dienstordnung gewährt werden. Die Fortdauer der Pensionsberechtigung soll davon ab- hängig sein, ob sie der Kassenvorstand beantragt und das Ober- versicherungsamt sie genehmigt. Ein dahin gehender Antrag der kassenvorständc w,rd aber in der Regel unterbleiben, weil mit der Pensionsberechtigung die Verleihung der Rechte und Pflichten der staatlichen und gemeindlichen Beamten verbunden ist, was den Kassen durchaus nicht immer recht ist. Die sämtlichen Bestimmungen sind offensichtlich Son der Absicht beherrscht, oie sozialdemokratischen Kassenbeamten zu treffen. Wir wollen die Berechti» gung, die einer bestimmten Partei angehörenden Angestellten mit"einem Privilegium odio»um— einem gehässigen Privileg— zu belegen, dahingestellt sein lassen. Worauf es uns jedoch am meisten ankommt ist, daß tatsächlich die Reichs- rcgierung sich vollkommen im Irrtum besmdet, weil die bezcich- neten Kassenbeamten meist nur untergeordnete Stellungen mit mäßiger Besoldung bekleiden, so daß sie hinsichtlich der Bezüge am wenigsten getroffen werden. Man kann nicht behaupten, daß gerade die sozialdemokratischen vorstände übermäßig« Gehälter festgesetzt haben, weit eher ist tzas Gegenteil richtig. Es werden also, wenn hje Artikel sü— 28 Gesetz werden, in erster Reihe zu leiden haben die den bürgerlichen Parteien angehörenden Kassenbeamten, weil die sich in gehobenen Stellungen befinden. Es ist sehr fraglich, ob das Vcr- sicherungsamt von dem ihm zustehenden Genchmigungsrechte be- züglich der Fortdauer der Gehälter Gebrauch machen wird. Das hängt von dem persönlichen Wohlwollen des Versicherungsamt- niannes ab. Persönliche Animositäten können dabei leicht eine Rolle spielen. Ebenso unbegreiflich ist die Bestimmung, daß das Oberversicherungsamt Angestellte, deren Fähigkeiten angeblich nicht ausreichen, im Dienste der Kasse einer anderen Stelle zuweisen eventl. des Dienstes entlassen kann. Die Anordnung des Obcrversicherungsamts soll endgültig sein, so daß also die Anrufung des ordentlichen Gerichts, dessen Schutz allein als unparteiisch angesehen werden könnte, ausgeschlossen ist. Alles in allem genommen ist die ungeheure Erregung und Bestürzung, die sich der Kassenbeamten be- mächtigt hat, sehr wohl zu verstehen. Es gibt nur einen einzigen. mit dem Gedanken des Rechtsstaats und der Idee, daß Verträge gehalten werden müssen, vereinbaren Rrchtsstandpunkt: Die sämtlichen Bestimmungen der Artikel 29— 33 finden aus bestehende Verträge keine Anwendung, sondern nur auf diejenigen. welche nach dem Inkrafttreten der RVO. und seines Einführungs- gesetzes abgeschlossen werden; eventl. könnte man, um nicht jetzt noch den Abschluß von Verträgen, die über den Termin des In- krafttretens der ganzen RVO. dauern sollen, geradezu heraus- zufordern, bestimmen, daß die erwähnten Artikel 23— 32 auf alle Verträge Anwendung finden, die nach Bekanntmachung des Entwurfs des EinführungSgesctzcS, also nach dem 23. Januar 1011 geschlossen worden stich." Sehr wichtig ist die Feststellung des bürgerlichen Ge- lehrten, daß man nach diesem„gehässigen Prinzip" eigentlich sehr kurzsichtig die den„bürgerlichen Parteien angehörenden Kassenbeamten in erster Reihe" treffen wird, weil eben die „sozialdemokratischen Kassenbeamten" meist nur untergeordnete Stellungen mit mäßiger Bezahlung bekleide»»". Von der„ungeheuren Erregung und Bestürzung" unter allen Kassenbeatitten merken natürlich die Gelvalthaber gar nichts. Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie bekanntlich mit Blindhett. So werden sie in ihrer blinden Wut auch die gut bürgerlichen Kassenangestelltcn noch zu Sozialdemokraten machen, zumal auch diese mannhaft gegen jede Verschlechterung des Selbstverwaltungsrechts der Krankenkassen, in dem ja einzig und allein die Rechte der Beamten ruhen, sich wehren werden« Versammlungen. Der Sieg des Zeutralverbandcs der Handlungsgehilfen vei der KaufmannSgerichtSwahl hat die unterlegenen Deutschnationalen in hochgradige Raserei versetzt. In diesem Zustande haben die Führer des deutschnationalen HandkungSgehllfenverbandes allerlei Phantasie- gcbilde zutage gefördert. Um sich und anderen Leuten einzureden, der glänzende Sieg des sjentralverbandes sei nicht mit rechten Dingen errungen worden, ist von deutschnationaler Seite die Be- hauptung verbreitet worden, für dir Liste des Zentralvcrbandes hätten Leute gestimmt, die gar keine Handlungsgelnlfen seien. Die Phantasiegebitde der Deutschnationalen zu zerstören und die von ihnen verbreiteten Unwahrheiten richtigzustellen war die Aufgabe, deren sich Genosse Martin Meyer in einer vom Zentral- verbände der Handlungsgehilfen einberufenen Versammlung unter- zog, die am Freitag den großen Saal der Arminlallcn füllte. An der Hand von Tatsachen wies der Referent nack, daß niemand für die Kandidaten des Zentralverbandes gestimmt hat, der nicht wähl- berechtigt gewesen wäre. Wenn die Dcutschnationalen behaupten, für den Zentralvcrband hätten Bier-, Milch- und Brotkutscher in großer Zahl gestimmt, so ist das nicht wahr. UebrigenS sind solche Kutscher,»venn sie die Ware au die Kundschaft verkaufen, nach der herrschenden Rechtsprechung Handlungsgehilfen im Sinne des Ge- sehcs und deshalb auch wahlberechtigt. Die Behauptung der Deutsch- nationalen, daß Schlosser und Monteure den Versuch gemacht hätten, für die Liste des Zcntralvcrbandcö zu stimmen, entbehrt jedes tatsächlichen Grundes. Richtig ist dagegen, daß in einigen Wahlburcaus Wähler zurückgewiesen wurden, die in städtischen Be- trieben nicht als Beamte, sondern als.Handlungsgehilfen beschäftigt sind und eine hierauf bezügliche Legitimation des Magistrats vorwiesen. Einer dieser zu Unrecht zurückgewiesenen Wähler antwortete auf eine Frage des Wahlvorstehers, er sei früher Monteur gewesen. DaS scheint die einzige tatsächliche Unterlage der unwahren Be- hauptung zu sein, Schlosser und Monteure Hütten versucht, die Kandidaten des Zentralverbandc? zu wählen. In anderen Wahl- bureauS sind übrigens diese beim Magistrat als Handlungsgehilfen beschäftigten Personen unbeanstandet zugelassen worden. Die für den Zentralverband abgegebenen Stimmen würden noch zahlreicher gewesen sein, wenn nicht die Versicherungsgesellschaft„Viktoria" ihren für den Außendienst Angestellten, die zweifellos als Hand. lungSgehilfen anzusehen sind, die Wahllegitimation verweigert hätte, Dadurch hat sich die„Viktoria" ebenso handlungSgehilfenfeiichlich erwiesen»vie der dcutschnationale HandlungSgehilfenverband.— Der Sieg des Zcntralverbandes und die schmähliche Niederlage der Dcutschnationalen erklären sich sowohl aus den allgemeinen poli» tische» Verhältnissen wie aus der wirtschaftlichen Entwickelung, die bei den Handlungsgehilfen mehr und mehr die Erkenntnis weckt. daß nicht der deutschnationalc, sondern der Zentralverband die wohlverstandenen Interessen der Handlungsgehilfen vertritt. Schon während des Referats machten sich die in der Vcr- sammlung anwesenden Anhänger des dcutschnationalen Verbandes durch Zwischenrufe bemerkbar, die für die Unerfahrenheit und Urteilslosigkeit dieser Leute zeugten. Diesen Eindruck bekräftigten sie auch durch unglaublich einfältige Diskussionsreden, die nur Heiterkeit auslösten und von Mitgliedern des ZenjralvcrbandcS so abgefertigt wurden, wie es ihnen gebührt. Nmtticher Marktbericht der Nädiiichen MarktSallen-DirrMon über den Grogbandel in den ZenNal-Marktblillen. Marktlage: Fl ei Ich: gusuhr gtnüaend, GelchSs» ruhig, Preise unverändert. Bild! Zufubc geling,(»rickäst lebliast, Preise fest. Geilügel: Zusuhr auSretcheiid. vicschäsi lebhast, Preise wenig verändert. Fisch«: Zusuhr sehr mäßig, See- fische knapp. Gelchält ruhig, Preise wenig verändert. Butter und K a s«: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Kemflse, Obs» und Südsrücht«: Zujuhr genügend, Ecschüjt ruhig, Preise wenig verändert. /, Uhr: Die weihe Dame. Abends 8 Uhr: ver Trompeter von Säckingen. Theater des Westens. Abends VI, Uhr: Wohltätigkeitssest. Konzert der österreichischen Militärkapelle des t u. k. Jns.-RegtS. Nr. 42 in Unisorm(56 Musiker). Welle Guilbert Ein Walzertraum(II. Akt) Oscar Straus, Die geschiedene Fra«(II. Akt) unter persönl. Leit. I on Fall bei Komponisten Heute nachm. 3'/4U.: Ein Walzertrauin. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Anscuor 8 Uhr. Pariser Men«. Drei Gänge von Georges Fehdeau und Veber-Abrtc. I. Gang:„52 Meter über Paris«, 1 Akt von Veber-Abric. 2. Gang:„Eine Nachtsitzung', l Akt von Georges Fehdeau. 3. Gang:„Nach dem Mäuschen- ball', I All von George» Fehdeau, Sonntag, 5. März, nachm. 3 Uhr: Der Unterpräfekt._ Friedrich-Wilhelmstödtisches Schauspielhaus. Sonntag, den 26. Februar, 8 Uhr: Cyrano von Bergerac. Nachm. 3 Uhr: TVillrelin Teil. Montag: Einheirat. Dieustag: Figaros Hochzeit. Opcrnanfsührung._ Luisen-Theater. Nachmittag 3 Uhr: Die Hosen des Herrn von Bredow. Abends 8 Uhr; Der jüngste Fentnant. Montag: Der jüngste Leutnant. Dienstag: UmS goldene Kalb. Mittwoch: Uraufführung: AUS erster Ehe. Donnerstag: AuS erster Ehe. ZKstropol-Tksstsr. Nachm. 3 Uhr: Mamsell Nitouche. AbendS 3 Uhr: Rauchen gestattet. Hurra! 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Fanther Kasseneröffnung 5 Uhr. Ansang 6 Ubr. Von 5 Uhr ab: Großer Rali. Avis! Jcd. Donnerst.: HoffmannS Sänger. Direktor: Fr. Fanther. Nach der Soiree: - Frci-Tanz.- Alhambra Wallner-Theaiet straffe 15. Großer Ball Jeden Sonntag: EroffeS Orchester..Anfang Sonntags 6 Uhr. A. Zamcitat. N., Chausseesir. ttO. Karl Richter. Jeden Sonntag?: Paul Mantheys Lustige Sänger (stet» wechselndes Programm) Ansang«>,, Uhr. Ei» ritt 5V Pf. Nachdem: Familien> Kränzchen. Bon 5 Uhr ab im weiffen Saale: Cr. Call.— Jeden Mittwoch: Faul Mantheys Lustige Sänger u. Freitanz. BorzugSkarten gelten.* Paul Petri's Festsäle, Rixdorf, Knesebeckstr. 113, Den verehrten Genossen stelle ich meinen vollständig neurenovierten Parkettsaal,(500 Personen sass., mit Theaterbühne zu BereinSfeft- lichkciten, Bersammlungen usw. auch Sonnabends und Sonntags unentgeltlich zur Verfügung, ebenso für die Sommersaison meinen 1000 Personen saffenden herrlichen Naturgarten mit Theaterbühne.• Großer Gasthof mit Saal. 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Bockbierfest in den bayerischen Alpen. Baron Muck'ls D'Defreggers Neue-Welt- Bauernkapelle. Tirolertruppe. Orchester. Florentinischer Mandolinen-Chor. I Voranzeige t Dienstag, den 28. Februar 1911: Prämiierung der H ähnlictisten Damenzwillinge I 3 bare Geldpreise: 50, 30, 20 M. Legitimation mitzubringBn. Im neuen Licht- Prunk-Saal s Gr. Fastnacbta-Ball. Voranzeige t Donnerstag, den 2. März 1911: Prämiierung des ungleichsten Ehepaares DiegrößteFrao,«! kleinste Mann 8 bare Geldpreise: 50, 30, 20 M. Legitimation: Trauschein. mUa-�äle Schönhauser Allee 130, Miiastr. 3. Jeden Donnerstag und Sonntag: Gr. Kavalier-Ball. Großes Orchester. Anfang 8 Uhr, Sonntags 5 Uhr. Donnerstags haben Vorzugskarten Gültigkeit. • Gart Eisner. Markgrafen-Säle 34, Idarkgrafen-Dainin 34. = An der Stralauer Allee.------ Jeden Sonntag: Greßer Ball. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ff Viere u. Weine. Billard u.Kegelbabn H«"» in. Berliner>"■ 8538 umor-flunftett 6g. Treuer'CKmsnlenilleeiO Anfang 4 Uhr. S Kapellen. Entree 50 Pf. ii-ner M tt Heute Sonntag, de» LS. Februar 1011. abends S Uhr, in den Sophien-Sälen. Sophienstraffe 13: Großer Lichtbilder-Vortrag: Der Spreewald und seine Bewohner. 150 farbenprächtige Kunstlichtbilder nach eigenen Ausnahmen des Vor« tragenden, Genossen Ferd. Krause.— Nach dem Vortrage: Tanz. Eintritt 40 Pfennig._[1/2]_ Garderobe frei. Jnh.: Emil Geyer empfiehlt den geehrten Vereinen seinen Saal und Garten zu Ber- sammlungen und Vereinssestlichkeiten zu den kulantesten Bedingungen. ÜS. 1. Oster« und L Psingstseier- tag noch frei.* Saal 150-800 Personen umständehalber für Sonnabend, den 18. und 25. März unter günstigen Bedingungen zu vergeben. 275b Gromon« Salon, Oranienstr. 170. €5 v?ar eiy A)al eine Dame, die wußte nicht, wohin vor Kopfschmerzen. Alle Mittel hatte sie versucht, nichts half ihr. 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Möbelstoffe 1 Wachstnch-Leitimgsschoner 10« 1 Wachstuch-Spindstreifen 10« 1 Wachstach-Tablettdecke 10?/ Schreibwaren 1 grosse Flasche Eaisertmte 10« 6 Dutzend Reissnägel Ar 10« 1 Kaiser-Diarinm 32 bl stark 10?/ 3 Bromsilber-Postkarten 10?/ Parfümerie 1 Probefl. Bau de Gelegne Harke.Alt-Berlin............ Ar IQp/ 1 grosse Bandbürste...Ar 10« Handarbeiten 1 Mtr. Küchenkante 10« 1 Topflappen vorgerelebnet Ar 10?/ 1 Knaul Häkelgarn 10« 1 Prühstttoksbentel.LWt 10« 1 Spielkörbchen......... Ar 10?/ 0 Weisswaren 1 Tnrbanband............. at 20« 1 Batist-Plisse-Bäffchen 20?/ 1 Kinderkragen.......... Ar 20?/ 1 Damen-Selbstbinder.-Ar 20?/ 1 Schifferknoten Ar Kinder 20?/ 1 Ball-Krawatte weiss Batist 20?/ 1 Paar Herren Socken graumeliert................. Ar fcU?/ 1 Paar Kinderstrümpfe Grösse 1-2, sebware o.lederfarb. Ar 1 Paar Ersatzfüsse Damen- strttmr/e, sobwarz o. lederfarb. Ar 20?/ 20« Kurzwaren 3 Dtzd. Drnckknöpfe... Ar 20?/ 2 Dtzd. Kragenstäbe....Ar 20« 1 Paar Spiral-Korsettschllessen 1 Meter Gummiband..... Ar 20?/ 6 Paar Stiefelsenkel.... Ar 20?/ 2 imit. Leder- oderPoliertücher 1 Herren-Taschentnch"enKlnten Schreibwaren 100 Bogen Briefpapier Ar 20?/ 1 Dtz. Bleistifte............ Ar 20« SO Papierservietten weiss, gesackt 20 Berl. Ansicbts-Karten.. bnnt oder acbwarz............ Ar»0« Parfümerie 1 Flasche Haaröl......... Ar 20?/ 3 Pakete Waschpulver nr 20?/ 3 Dosen Schnhpntzcreme 20?/ 3 Paar Stiefelsenkel 20« Handarbeiten 1 Teelöffelkörbchen mit vorcezelcii neter EiAlag« für 2T?k 1 Tablettdecke vorgezeldhnet 20?/ 1 Nacbttischdecke g«z!°-bnet 20?/ Va Pfd. gemischte Bonbons 20?/ Wirtschaftsartikel 1 Schrubber............... Ar 20?/ 1 Messerputzbrett....... Ar 20?/ 1 Büchse Schmirgel....nr 20« 1 Büchsenöffner......... nr 20?/ 1 Korkenzieher.......... nr 20« 1 Starzflasche............ nr 20?/ 1 Teekanne«rz-ua»..... nr 20?/ 2SpeiBeteller Ue/oderflaehAr 20« 4 Eierbecher?oizeiiaa,... Ar 20« 1 Kindermarkttasche... Ar 20?/. 1 Prisirkamm............... Ar 20?/ 1 Bilderrahmen............ Ar 20?/ 1 Gardinenhalter Ar 20« 2 Holz-Gardinen-Rosetten 20?/ � Wirtschaftsartikel Baumwollwaren 1 Küchenbrett.............«r 80?/ 1 Esslöffel Alpaka....... Ar 20« 1 Möllschippe............. Ar 30?/ 1 Spirituskocher......... Ar 30?/ 1 emaillierte Kasserolle Ar 30?/ 1 emailliert. Maschinentopf 30?/ 1 Taschenmesser........ Ar 30?/ 1 Kl&iderriegel mit s Haken 30« 1 Knchenteller porzIuS, Ar 30?/ 1 Kaffeekanne Poneiian, Ar 30?/ 6 Kompotteller........... nr 30?/ 1 Butterdose.............. Ar 30?/ 1 Essig- u. Gelflasche?ekAr 30?/ 10 Meter Wachstucbspitze 30« 1 Wacbstuch-Wandschoner Ar 30?/ Lebensmittel Dose Gelsar dinen..... Ar20?/ Dose Äppetit-Sild..... Ar 20?/. Glas Sardinen oder Anchovis Dutzend Apfelsinen... Ar 20« 1 Dutzend Zitronen...... Ar 20?/ Verlangen Sie Zephir� Cln Posten In sehr hübschen Streifen QA grosses Sorliment Meter 0Upl Weisswaren 1 Pierrot-Kragen......... Ar 30« 1 Spltzon-Bäftchen...... Ar 30« 1 Damen-Wäsche-Kragen 30« ca. 11 Meter ecbinale Va on r,. nUpOU lencienneapltze...... Ar SV« 1 Mtr. reinseidenes Changeant- Band........................ Ar30« 1 Korsettschoner wem«st Banddurchzug.............. /kr ÖW« 1 Paar Herren-Socken.. meliert oder buntfarbig Ar ÖU?/ 1 Paar Kinderstrümpfe ,ftpf echwars o. lederfarbig: Grönse 4-5-6 BU* L 1 Paar Damenstrümpfe dentsoblang, schwarz od. leder- m_. /arbig, Fuss ohne Naht...... Ar®U« Herren-Artikel 1 Paar Hosenträger 80« 1 Knaben Matelot-Kragen,. weiss oder bunt.............. AröO« 1 Sport- Mütze ArBerrea... Ar 30?/ Kurzwaren 4 Meter breite Besenborte 80?/ 1 Paar Reform-ArmblätterSO« 1 Stück Nahtband ioueter Ar 30« IMetRüscben-Gammiband 30?/ Baumwollwaren 1 Meter Lonisianatnch oder Hewdentuch........ 1 Meter Züchen.....«... 1 Scheuertuch 1 Abwaschtuch 1 Poliertach „Ar 80« .Ar 30?/ attsarnmea zy„ Schreibwaren 1 eleganter Tischläufer ca. 3 Meier lang............. Ar öü« 1 Karton Federn gtmuchff� 80?/ 1 Rolle 10 Meter Schrankpapier 1 Postkarten- 8 Ibum"mg0"- 1 Paar Trikot-Handschuhe,. Ar Bamon, /arbig, 2 Drackknöpte 9v?'■ 30« 2 Stück Oberschalseife 1 Glasdose Zahnpasta Ar 30« Handarbeiten 1 Topflappentasche gani»rt ,n w und vor�ezeichnet........... ittr•" 1 Küchenspindstreifen garniert und vorgehe.ebnet, Ar»U« 1 Kissenplatte 1 Staubtuehkorb Bastgenecht 30?/ 2 Tafeln Stollwerk-Schokolade bei Einkäufen Rabattmarken! 1 Meter MoltOn In TielenFarb«! 40« 1 MeterHemdenbarchent Ar40« 3 Abwaschtücher.......... Ar40« 1 Frottierhandtuch........ Ar 40« 1 Meter Greise oder Pique- Barchent................... Ar40« 1 PaarHerren-Schweiss- socken Fuss ebne N»bt...Ar40« 1 Paar Damenstrümpfe lang, schwarz-, leder- cd.bnnt/arblg wl)?/ 1 Docke Strickwolle 100 Gramm, schwarz oder zieltet mV« Weisswaren 1 Ballfächer.................Ar 40« 1 Spitzen-Jabot............ Ar 40« 10 Motor Klöppel-Spitze imitiert 1 Haarschleife 40?/ Herren-Artikel 1 Paar Berren-Manscheften 40?/ 1 Servitenr wein od« bsst..jiii 40« 1 Spazierstock............. Ar 40« 1 Begatte oder Schleife Ar 40« Wirtschaftsartikel 1 Paar Bestecke.......... at 40« 6 Aluminium-Teelööel. Ar 40« 1 Tee-Ei 1 Aluminium.. 1 Teesieb/"Mmrom..... Ar�o« 1 Tablett Setau..........«..Ar 40?-. 6 grosse Pakete Scheuerpulver Blitz-Blank............... Ar 40?/ 1 Kaffeekanne esMuuert«nr40« 1 KüchenscböBSBleacmienlO« 3 Dessertteller dekmort...Ar 40?/ 1 Kaffeekanne Ponenaa...Ar 40« 1 Wasserflasche und 2 Gläser 1 Salatschüssel--------- Ar 40« 1 KartoöelschösselPorzeiiM Ar 40« 4 Teebecher mit BonAre Ar 40« Höbelstoffe 1 Kokos-Matte............ Ar 40« 1 Tüll-Läufer.............. Ar 40?/ 1 Kissenplatte__________ Ar40?/ 100 weisse gezacktePapier- Servietten.............. Ar 40?/. 1 Poesie-Album.......... Ar 40?/ 1 Schreibmappe /ar 40« 1 Tagebach................ Ar40?<. 1 Federhalter-Etal BederimitauoB Parfümerie 1 Flasche Ean de Cologne Ar 40« 1 Büchse Nagelpasta... Ar40« 1 Paar Trikot-Handschuhe für Damen, farbig, 2 Druck knöpfe 40?/ 1 Paar Strick-Handschnhc Ar Ulmen, weDa, reine Welte Ar 40?/ 1 Paar Damen-Pantoffel Ar 40?/ Handarbeiten 1 Taschentuchbehälter 1 Klammerscbürze�ratobnet 40?/ 1 Frflhstflcksbeatel 40« Wäsche 2 Erstling sbemden----- Ar 50?/ 3 Lätzeben........—..«.Ar 60« 1 Knabenhemd im Grossen Ar 50« 1 Mädchenhemd w« oroesen 50?/ 1 Mädchenbeinkleid orween 50?/ 1 Kissenbezug mltLingnetten..50« 1 Gummi-Unterlage.......Ar 50« 1 Knabenschürze inSGrosse» 50 p/ 1 Tändelschürze SSS.«Ar 50« 1 Kinderhänger in s Gro-«» 50« Welsswaren 1 Tfill-JabOt drettdllg....... Ar 60« 1 Kupon Wäsche-Stickerei c-a. 2 Meter, viele Muster..... Ar 60« 1 Matrosen-Garnitur bm- weiss, Kragen and Msnschotten Ar 50?/ 1 Servitenrweins, Ar 50« 1 Matrosen-Mütze für Knsben oder JUdctai �.LorMFÜ Baumwollwaren 6 imit Leder- oder Poliertücher 3 Geschirrtücher«50« 1 Meter Schürzenstoff_ doppeltbrcit................... ÜrBO�t 1 Meter Inlett 1 Meter Kleidersatin ��50« 1 Meter Orleaa m rtePaH». 50« 6 Taschentücher Ar o»»« 50« 1 Paar Damenstrümpfe breeben,»chwsrs oder ledorierMg SO?/ 1 Paar Damenstrümpfe bqstiftxbig öiieleimoAiej o, betUekl«v Wirtschaftsartikel 1 Haarbesen..........— Ar 60« 1 Teppichhandfeger..... Ar 50?/ 1 emaillierter Schmortopf 50?/ 1 emaillierte Kasserolle Ar QQp/ 1 Käseglocke.........««.Ar 50« 1 BntterdOSe dekoriert...... Ar 50« 3 Paar Katfeetassenm. Goid. band und Unis.............. Ar«0?/ 1 Wasserkaraffe gMciiiffen Ar 60« 6 Frühstücksteller------ Ar 50?/ 1 Küchenlampe........... Ar 50« 2 Gasglühlichtstrümpfe Ar 50« 1 China-Matte............ Ar 50 pt IKammgarnitur«tcuis....Ar 50p/. 2 Bilderrahmen.......... Ar 50?/ IPaar Trikot-Handschuhe /Dsmsn, farbig, mit imitiertem Schweden- r» Atter, 2 Druekknöpfe........ für•»« IRasier-Apparat......«.Ar 50« 3 Stück Lanolinseife....Ar 50?/. 1 Büchse Bohnerwachs Ar 50« 1 Paar Herren-Pantoffel Ar 50« 3 Simplicissimns- Sammelhefte enthaltend je 6 Nummern 3 grosse Rollen Toilettepapier Handarbeiten 1 Leitnngsschoner giTTd„t.. und voreezei bnet........... Ar OwPf. 1 Tischläufer vorgezeietanet... 50 Pt 1 Paradehandtuch lehnet.. 50« 1 Mittendecke ,erg«eickuet. 50?/ Mxraniwortlicher Redakteur� KanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Glscke, Berlin. Druck». Verlag:- Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u.Co., Berlin ZU.' Kr. 49. 28. Iahrgaug. 3. Keiiage des„ " Ittliitet Sonntag. 26. Kbrnar 1911. Hus Indurtrie und Handel Große Berliner Straßenbahn. Der Aufsichtsrat der Großen Berliner Straßenbahn beschloß. der zum 24. März d. I. einzuberufenden Generalversammlunc, die Verteilung einer Dividende von 8'/z Proz.. Eine Uebersicht über die Ergebnisse der letzten sechs Jahre ergibt die folgende Zusammenstellung: 1810. 1909. 1903. 1907. 1906. 1805. Die Gesaniteiunahme einschließlich der auf Betriebsrechnnng derbu-bten Nebenerträge beläuft sich auf 4l 463 325 M. gegen 38 610 757 M. und die Gesamtausgabe auf 23 044 656 M. gegen 21 164 732 M. im Vorjahre. Für Gehälter und Löhne wurden ins- gesamt 13 256 175 M. gegen 12 546 623 M. aufgewendet. Die Westliche Berliner Vorortbahn erzielte einen Bruttoüber- schuß von 1.5 Millionen Mark oder 273 949 M. mehr als im Vor- jähre. Bei der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn belief sich der Bruttoüberschutz auf 1,079 Millionen Mark, er war 133 882 M. höher als im Vorjahre. Die Südliche Berliner Vorortbahn ergab einen Betriebsverlust von 289 M. gegen 48 389 M. im' Vorjähre. Der Ueberschuß der Nordöstlichen Berliner Vorortbahn stellt sich auf 161 593 M., das sind 51 656 M. mehr als im Vorjahre. Hus der Frauenbewegung. Germamsierung der Geburtshilfe. In den polnischen Landesteilen führt die preußische Regierung bekanntlich seit langem einen ebenso brutalen wie kostspieligen und nutzlosen Kampf gegen die Ausdehnung des Polentums. Es ist noch in frischer Erinnerung, wie u. a. in Wreschen der groteske Versuch gemacht wurde, polnischen Schulkindern im Religions- Unterricht die Liebe zur Muttersprache heraus- und dafür Begeiste- rung für die ihnen bis dahin fremde deutsche Sprache hineinzu- prügeln. Aehnlichen teils lächerlichen teils empörenden Maßregeln zur„Förderung des Deutschtums" reiht sich würdig die G e r m a n i- s i e r u n g der lK e b u r t s h i l f e an, die in den polnischen Pro- vinzen neuerdings in Flor gekommen ist. In der 30. Sitzung des Abgeordnetenhauses berichtete der pol- nische Abgeordnete von Niegolewski, daß polnischen Hebammen- schülerinnen das Bestehen der Prüfung in hohem Maße erschwert würde. Di? Hebammenkurse mit polnischem Unterricht, die lange bestanden hatten, sind eingestellt worden. Die Teilnahme der pol- nischen Hebammenschülerinnen am deutschen Unterricht wird aber dadurch gehindert, daß jene der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind. Infolgedessen ist die Zahl der polnischen Hebammen erheblich zurückgegangen. Für die gebärenden Polinnen aber er- gibt sich'.ataui die Ungeheuerlichkeit, daß sie in ihrer schweren �nicht" Beistand deutscher Hebammen suchen müssen, die sie stelle f; und die von ihnen nicht verstanden werden. Man Nomente vor, zu welchen verzweifelten Situationen das in ' erständn' t"�en muß, wo Tod und Leben zweier Wesen von dem b''n a6hQteDoUen Zusammenwirken der Kreißenden und ihrer Helfe- t'i 28ieh'��* ncn. erum aus politischen Gründen werden polnische Heb- am? der Besetzung von amtlichen Hebammenstellen fast aus- nah:.. übergangen; auch sonst bereitet man ihnen alle erdenk- lichen �'vierigkeiten und verfolgt sie polizeilicherseits mit aller- Hand Schikanen. Die deutschen Hebammen werden häufig dahin instruiert, daß sie nur deutsche Äerzte als Geburtshelfer hinzu- ziehen. Diese Praktiken bedeuten denn doch den Gipfel des Polen- lollers! Wie will die preußische Regierung ein solches Vorgehen mit den einfachsten Geboten der Menschlichkeit in Einklang bringen? Gerade in den in Frage kommenden LandeSteilen haben die Heb- ammenpfuscherinnen von jeher eine verhängnisvolle Tätigkeit ent- faltet. In den Kreisen Posen und Bromberg z. B. entbehrten noch vor kurzem zirka 30 Proz. aller Entbindungen des Beistandes einer geschulten Hebamme. Jenes Pfuschertum mutz unter den geschilderten Umständen verstärkten Zuspruch erhalten und die Folge davon ist Fortbest«nd oder gar Zunahme der in den polni- schen Landesteilen so außerordentlich hohen Zahl von Todesfällen im Kindbett. Es ist eine Schande für den„Kulturstaat" Preußen, mit solchen nichtswürdigen Drangsalierungen Germanisierungs- Politik machen zu wollen!_ Leseabcnde, Montag, 27. Februar. 1, Kreis. Bei Kutzner, Schützenstr. 18. Vortrag des Genossen Woldt über:„Heimarbeit". Rcinickendorf-Ost. Im Restaurant Sadau, Residenzstr. 124. Vortrag:„Mutterschafts-, Witwen- und Waisen- versichcrun g". Köpenick. Im Lokale von Stippekohl, Schönerlinde Straße. TageS- Ordnung:„Der bevorstehende Frauentag". Pankow. Bei Grotzkurt Nachfolger, Berliner Straße 27. Vortrag. Baumschulenwrg. Jugendheim, Ernststr. 22. Stfl. pt. Vortrag. « Riederschöncweibe. Dienstag, den 23. Februar, beim Genossen Bengsch, Britzer Straße 17. Johannisthal. Dienstag, den 28. Februar, bei Artner, Kaiser- Wilhelmstr. 48. Vortrag der Genossin Juchacz über:„Bürger- liche und proletarische Frauenbewegung". Friedenau. Mittwoch, den 1. März, im Lokale von Mcchelke, Hand- jerystr. 60/61. Tegel. Mittwoch, den 1. März. Vortrag:„Die Witwen- und Waisenversicherung"._ Versammlungen— Veranstaltungen. Zevtralverband der Hausangestellten. Sonntag, den 26. Februar, abends 7 Uhr, in Beckers Festsälen, Kommandantenstr. 62. Vortrag von Frau W. Köhler über:„Heinrich Heine". Nach- dem Gemütliches Beisammensein. Genchts-Zeituncf. Preußischer Streikbrecherschutz. Vor Halleschen Gerichten spielten sich dieser Tage drei typische Prozesse wegen angeblicher Streikvergehen ab, die so recht dartun, daß wir im herrlichen Kulturstaat Preußen auf den von jedem Scharfmacher ersehnten Zustand hinsteuern, daß jedes Streikposten- stehen in Strafe genommen wird. Im ersten Falle hatte der Streikposten vormittags 400 bis 500 Meter von dem bestreikten Betriebe entfernt an einsamer Stelle gestanden. Etliche arbeits- lose Kollegen waren auf der Arbeitsuche vorübergekommen und hatten mit ihm einige Worte gewechselt. Das sah ein Polizist aus der Entfernung, eiste hinzu und sistierte den Arbeiter auf menschenleerer Straße, denn— so gab der Ordnungshüter bor Gericht wörtlich an:„Die Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit stand nahe bevor." Diese Polizeiaktion brachte ganze 2 M. Geldstrafe ein. In zweiten Falle wurde der Angeklagte verurteilt, weil der Polizist gesehen haben wollte, daß um ihn„Passanten hätten herumgehen müssen"! Mit grimmigem Humor meinte dieser Sünder zu seinen 3 M. Geldstrafe, daß er sich wirklich nicht gedacht habe, Fußgänger, die um ein Dutzend behelmter Arbeitswilligen- schützer herumlavieren mußten, hätten in ihm noch ein Verkehrs- Hindernis erblicken können. Am interessantesten gestaltet sich der dritte Fall, der seinen Ausgang von dem Streik in einer außerhalb Halles, in Döllnitz, gelegenen Mühle nahm. Der Streikposten hatte am 17. Januar früh 6 Uhr in tiefer Dunkelheit und an völlig menschenleerer Landstraße mutterseelen allein gestanden. Ein besonders eifrig veranlagter Gendarm war ihm jedoch gefolgt und mußte erst mit einer elektrischen Taschen- lampe leuchten, damit er den einsamen nächtlichen Verkehrsstörer „feststellen" konnte. Weil dieser nicht nach dem Kommando des königlich preußischen Landgendarmen wie ein geölter Blitz der- schwand, mutz er 3 M. als Entgelt für die heroische Staatsrettung zahlen. Solche Vorgänge lassen immer mehr die Frage gerechtfertigt erscheinen, ob denn in Preußen überhaupt noch von einem Koali- tionsrecht die Rede sein kann. Eine Rempelei zwischen Streikenden und einem Arbeitswilligen brachte die Fabrikarbeiter Otten, Rehnert, Weinhold und Scherer auf die Anklagebank des Schöffengerichts Berlin-Tempelhof. Die Angeklagten waren an einem Streik in der Norddeutschen Gummi- Warenfabrik am Tempelhofer Ufer beteiligt. Als der in der Fabrik tätige Arbeitswillige Fabinski abends nach Hause ging, kam es zu einem Zusammenstoß zwischen ihm und den Angeklagten. Nach An- gäbe der letzteren hat Fabinski den Anlaß zu dem Zusammenstoß dadurch gegeben, daß er die Angeklagten im Vorbeigehen anrempelte. Fabinski behauptet dagegen, er sei ohne Veranlassung von Otten und Rehnert geschlagen und von allen vier Angeklagten„Streik- brecher" geschimpft worden. Ein unbeteiligter Zeuge hat gesehen, daß Fabinski und Otten sich gegenseitig schlugen. Der Amtsanwalt beantragte gegen Otten und Rehnert wegen Körperverletzung eine Geldstrafe von je 150 M. und gegen alle vier Angeklagten je 50 M. wegen Beleidigung.— Der Verteidiger, Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, plädierte für mildernde Umstände und eine geringere Strafe.— Das Gericht verurteilte Otten und Rehnert wegen Körperverletzung, den elfteren zu 50 M., den letzteren zu 20 M., außerdem alle vier Angeklagten wegen Beleidigung zu je 10 M. Geldstrafe._ Dämon Alkohol Spielte wieder einmal eine Hauptrolle bei einer Familientragödie, deren(Schlußakt gestern das Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Liebcnow beschäftigte. Der Angeklagte, Schuhmacher Karl gtosentretcr, ein bejahrter und in- folge des Trunkes siech und erwerbsunfähig gewordener Mann, wurde beschuldigt, einen Mord an seiner Ehefrau versucht zu haben. Der Angeklagte hatte sich im Jahre 1878 verheiratet und betrieb in der Provinz ein kleines Schuhwarengeschast. Seine Frau war eine energische, fleißige Frau, die die Wirtschaft in Ordnung hielt, aber mit ihrem Ehemann ihre liebe Not hatte, da dieser dem Trünke sehr ergeben war. Das Ehepaar verließ seinen Wohnsitz und siedelte nach Berlin über. Aber auch hier ließ der Angeklagte vom Alkoholteufel sich fesseln. Das Geschäft ging immer schlechter und der Unterhalt der Familie mußte von der Frau durch ihrer Hände Arbeit bestritten werden. Schließlich konnte es die Frau bei dem Ehemann nicht mehr aushalten und trennte sich von ihm. Heber sieben Jahre blieb sie mit ihren Kindern allein und ernährte sich durch Näharbeiten. Da machte der Ehemann im Jahre 1905 eine Erbschaft von etwa 1800 M. Dies veranlaßt? die Frau, seinen Bitten zu entsprechen und sich mit ihm wieder zu vereinigen. Besserung trat aber nicht ein. Der Angeklagte pro- zessierte jahrelang um die Erbschaft und erlangte schließlkch nur die Summe von 1200 M. Außerdem aber trank der Angeklagte wieder darauf los und legte einen Teil der Erbschaft in Nordhauser mit Rum an. Seine Frau verließ ihn wiederum, sie ließ ihm alle Wictschaftssachcn und nahm nur has mit, was sie zu des Lebens Notdurft und Nahrung unbedingt gebrauchte, nämlich ihre Näh- Maschine, ein Bett, einen Tisch und einen Stuhl. Sie zog nach der Reinickendorfer Stvaße 32. Nicht weit davon mietete sich der An- geklagte eine Stube und verbrachte die Tage mit Trinken und Schlafen. Den noch übrig gebliebenen Rest seiner Erbschaft hatte er zu einem Freunde gebracht, der ihm davon in wöchentlichen Raten bestimmte Beträge zum Lebensunterhalt auszahlte. Anfang September vorigen Jahres wurde ihm das letzte Geld ausgezahlt und ihm gleichzeitig mitgeteilt, daß die Erbschaft nunmehr ans- gebraucht sei. Der Angeklagte kaufte sich nun einen Revolver, an- geblich, um sich selbst zu erschießen, und suchte am 6. September seine Ehefrau auf, um womöglich 50 M. zurückzuerhalten, die er seinerzeit einem seiner Söhne geborgt hatte. Er mußte unver- richteter Sache wieder abziehen, kehrte aber am Sonntag, den 11. September, abends nach 9 Uhr wieder, wo er seine Frau mit Näharbeiten beschäftigt vorfand. Als diese nach einer kurzen Unter- redung ihn zum Weggehen aufforderte, zog er plötzlich den Re- volvcr aus der Tasche und gab einen Schuft ab, der eine gefährliche Halsverletzung verursachte. Unmittelbar darauf wollte er nochmals schießen, die Frau schlug ihm jedoch kurz entschlossen mit einem Kleiderbügel auf die Hand und sie erhielt nur einen leichten Streif- schuß. Als er dann zum dritten Male den Revolver auf sie richtete, fiel sie ihm in den Arm und hinzueilenden Personen gelang es, den Revolverhelden zu entwaffnen.— Die verwundete Ehefrau mußte nach dem Virchow-Krankenhause gebracht werden, wo sie 3lh Wochen zugebracht hat. Sie schwebte einige Zeit in Lebens- gefahr; die Kugel steckt noch jetzt in ihrem Hälse.— Staatsanwalt Assessor Gallenkamp hielt den Angeklagten des versuchten Mordes für überführt, während Rechtsanwalt Dr. Denick ausführte, daß die Tat ohne Ueberlegung ausgeführt sei.— Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des versuchten Totschlages unter Aus- schluß mildernder Umstände schuldig. Das Gericht erkannte auf 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust und rechnete 4 Monate dem Angeklagten als verbüßt an. Zum Jrrenrccht. Der mehrfach erwähnte Entmündigungsprozeß des Direktors a. D. Karl Wahl, der seinerzeit aus einer Privatirrenanstalt ent- flohen ist, beschäftigte gestern abermals das Landgericht III in Eharlottenburg, nachdem kürzlich das Kammergericht in tzer Sache eine wichtige prinzipielle Entscheidung gefällt hatte. Das Lorch- gericht Ivar der Ansicht gewesen, daß einstweilige Verfügungen, die den Schutz der Person und des Vermögens des Entmündigten be- zwecken, erst dann gesetzlich zulässig seien, wenn bereits in der Hauptsache ein noch nicht rechtskräftiges Urteil erster Instanz ge- fällt ist. Einen ganz entgegengesetzten Standpunkt, der auf baldige Beseitigung der nachteiligen Wirkungen einer ungerechtfertigten Entmündigung abzielt, vertrat das Kammergericht. Dieses sprach dem Direktor Wahl durch Urteil nicht nur die nötigen Unterhalts- mittel zu, sondern billigte ihm auch die freie Wahl seines Aufent- Haltes zu und schuf damit einen wirksamen Schutz gegen Wieder- einsperrung.— Aus den Urteilsgründen des Kammergerichts ist der folgende Passus von allgemeinem Interesse:„Ein geistig ge- sunder Mensch, der bereits wegen Geisteskrankheit in einer ge- schlossenen Irrenanstalt interniert gewesen ist, kann, gleichviel ob er geisteskrank gewesen ist oder nicht, durch die ständige Furcht, wieder eingesperrt zu werden, in Geisteskrankheit � verfallen oder wieder verfallen. Deshalb ist im Wege der einstweiligen Verfügung zunächst angeordnet, daß der Kläger in der Wahl seines Aufent- Haltes frei ist. Es ist ferner nicht zu verkennen, daß die voll- ständige pekuniäre Abhängigkeit des Klägers von seinem Vormund geeignet ist, die körperliche und geistige Gesundheit des Klagers zu gefährden, sofern ihm nicht Unterhaltsgelder in einem Maße zugänglich gemacht werden, welches ihn in den Stand setzt, sich nach den Aufregungen der letzten Zeit gut zu verpflegen, in einer fernem Stande eittsprechenden Weise gesellschaftlich aufzutreten und die zu: seiner Rechtsverfolgung erforderlichen Kosten für ärztliche Gut-- achten, Rechtsbeistmrd und Reisen zu bestreiten."� In dem gestrigen Termin vor dem Landgericht III, dem auch Vertreter des„Bundes für Jrrcnrechts-»!efvrm" beiwohnten, war: Direktor Wahl persönlich erschienen. Sein Prozeßbevollmächtigte� Rechtsanwalt Dr. Ehrcnfricd, verlangte die Aufhebung der Ent-- mündigung. Unter•anderem verlas er eine Erklärung des an- wesenden Lormundes, wonach dieser es als mit seinen Pflichten als. Vormund für unvereinbar erklärte, die Vormundschaft über emen vollständig geschäftsfähigen Mann weiter zu behalten und um baldige Aufhebung der Vormundschaft bat.— Das Gericht verkündete nach längerer Beratung: Die Aufhebung der Entmundr» gung im gestrigen Termin kann nur deshalb nicht erfolgen, weft der Formvorschrift der Anhörung des Klägers durch den Richter gemäß§ 654 Zivilprozeßordnung nicht genügt ist. Zur Erfüllung dieser Formalität ist ein neuer Termin anberaumt worden. Mocken-Spielplan cler Lerliner Chezter. KSnigl. Opcrntzaus. Soimtag: Die Zauberslote Montag: König«« linder.(Ansang 8 Uhr) Dienstag: Madama Butterflh. Mittwoch: Die: tauberflöte. Donnerstag: Der Eoangelimann. Freitag: Die Konigsnnd«.. onnabcnd: Die Zauberstöte. Joimtagnachmiltag: Die Fledermaus. Abends:: Mgnon. Montag: Tanndäuser.._. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Storensned. Montag: Die Jounialislen. Dienstag: Der Störensried. Mittwoch: Der Krampus». Donnerstag: Die Rabensteinerin. Freitag: Der Kausnmnn von Venedig. Sonnabend: Die Ouitzows. Sonntag: Goldstsche. Montag: Der Stören» sried.(Ansang Uhr.) v Neues tgl. Opern-Theater. Sonntagnachmittag 2'/, Uhr: Zops und Schwert. Abends: Die Rabensteinertn. Montag: Boheme. Dienstag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntagnachmittag: Terosals schnerseer. Der Hervgottsjchnitzer von Ammergau. Abends: Anno dazumal.(Ans 8 Uhr.j- Deutsches Theater. Sonntag: Judith. Montag: Ein Sommer» nachtstraum. Dienstag: Othello. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: Der Arzt am Scheidewege. Freitag: Faust. Sonnabend: Judith. Sonntag: Don Carlos. Montag: Ein Sommcrnachtswaum. � Deutsches Theater( K a m m e r j p i e l e). Sonntag: Der Riese. Montag: Eawön. Dienstag: Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen Mittwoch: Der Riese. DonnerStagnachinittag: Scheftbart. Matinee. Abends: Lanzelot. Freitag: Frühlings Erwachen. SonnWend: Lanzelot. Sonntag: Komödie der Irrungen. Die Heirat wider �Millen. Montag: Aglavaine und Selysctte.(Anfang 8 Uhr.)?! Lesiiug Tlieater. Sonntaguachmiltag 3 Uhr: DaMM-HAt. AbendS: Die Kinder. Montag: Anatol. D-cnstag: Die Kindeö 1 Mittwoch: Dre Ratten. Donnerstag: Die Kinder. Freitag: D!« lltchlen.»»Sonnabend: Die Kinder. Sonntagnachm. 3 Uhr: Hedda Gabler,- M«ldSf-Dle Kinder. Montag: Die Ratten.(Ansang 8 Uhr.).IÖL02.C.. Kleines Theater. Soimtagnachmittag 8 Uhr:"ad Kind. MendK bis Sonnabend: Der Lcibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag. 3 Uhr: Das Kind. Abends: Der Lcibgardist. Der Leibgardist. (Ansang 8 Uhr.)----- Neues Schauspielhaus. Sonntag: Dah kleine schokoladcnmadchen. Montag: Iphigenie aus Tauris. Dienstag: D»S»jlleiiie Schokoladen. mädchen. Mittwoch: Faust l. Teil.(Ansang 7-/, Nhö.)'Donnerstag: Das kleine Schokoladenmädchen. Freitag: Faust. 1. Teil.(Ansang 7 l2 Uhr.) Sounabcudnachmittag 3 Uhr: Die Hosen des Herrn v. Bredow. Abends. und Sonntag: Das kleine SchokoladenmädcheN. Montag: Iphigenie aus TauriS.(Ansang 8 Uhr.) Berliner' Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Einer von unsere Leut'. Abends und folgende Tage: Bummelstudenten.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabendiiachmittag 3 Uhr: Nathan der Weise. Nächsten Sonntagnach» mittag 3 Uhr: Taisun. Abends und Montag: Bummelstudenten.(An- sang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Mein erlauchter Ahnherr.(Ansang 8 Uhr.) Modernes(Hebbel-) Theater. Allabendlich: Der Feldherrnhügel. (Ansang 8'lt Uhr.) Komiichc Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Abends: Tosca. Montag: Die Fledermaus. Dienstag: Tiefland. Mitt« woch: Hostmarnis Erzählungen. Donnerstag; Die Boheme. Freitag: Figaros Hochzeit. Sonnabend: Tosca. Sonntagnachm. 3 Uhr: Tiefland. Abends: Figaros Hochzeit. Montag: Die Fledermaus.(Ansang 8 Uhr.) Ausstellungstheater am Zoo. Montag bis Sonntag: MeyerS. Ansang 8'/, Uhr. üt,y«dg,ftj.. Thalia-Theater. BiS aus weiteres täglich: Polnische Wirtschast. Ansang 8 Uhr._ Schiller> Tbeater O. Sonntagnach«»a«W Uhr: Die Ehre. crWimtmm' Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Der- c Jugend. Dienstag: reitaa: Die Fee ds: Maria und ivich von Hombuqg. ans Erden.(Ab» Egmont. Mittwoch u. Donnerstag: Ein ideale»�alte., Freitag: Husaren» fieber. Sonnabend: Ein idealer Gatte. SolmmHutthnrittag 3 Uhr: Die- Ehre. Abends: Nathan der Weise. Montag: Vc».'«unv-der Jugend.(Au- sang 8 Uhr.)* Schiller- Theater Eharlottenburg.' �MUttwnachmittag 3 Uhr: Pttnz Friedrich von Homburg. Abends: NaMaVlchr- Weise. Montag: Die Macht der Finsternis. Dienstag: Der Hium� aus Erden. Mittwoch: Nathan der Weise Donnerstag: Maria und Mn~"' Caprice. Sormabendnachmiltag 3 Uhr: W Ihelm Magdalena. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Prp Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Der: sang 8 Ubr.).. Friedrich-Wilftelmstndtisches Tchauspielhaits. Sonntagnachmittan Wilhelm Tcll. Abends: Chrono von Bcrgerac. Montag: Einhcirqt. Dienstag: Figaros Hochzeit. Mittwoch u. Donnerstag: 2X2—6. Freitag!: Wilhelm Tell.«onnabciidnachmittng 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Krieg im Frieden. Sonntagnachmittag: Faust.'Abends und Montag: 2X2--b. (Anfang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. Allabendlich: Die schöne Risette.(Ansang 8 Uhr.) Nächsven Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Glücksengel. Th ater des Westens. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Ein Walz, er- träum. Abends: Wobllätigkcitssest.(Anfang Tl, Uhr.) Sonntagabend 6 es Freitag: Die lustige Witwe. Sonnabend: Die lustigen Nibeümgeil.(An- sang 7'/, Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Pitppenmüdel. Abends und Montag: Die lustigen Nibelungen.(Ansang T/3 Uhr.) Trianon-Thcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Touplnrl. Abends und bis nächsten Montag: Hippolhtes Abenteuer. Ansang 8 Ilhr.. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der selige Toupinel. iliesidenz-Thcaler. Allabendlich: Pariser Menn. Ansang 8 Uhu Berliner Bolls-Oper. Soimtagnachmittag 3'/, Uhr: Die weiße Dame. Abends: Der Trompeter von Säkkingen.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Waffenschmied.(Ansang 8fl, Uhr.) Dienstag: Der FreiPhütz. Mittwoch: Die Dollarprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Rigulctto. (Ansang S'/o Uhr.) Freitag: Die Dollarprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Sonn- abend: Jasmin. Der Waffenschmied.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachnaiitag 31/, Uhr: Undine. Abends: Die Dollarprinzessm.(Ansang 8 Uhr.) Montag.: Der Freischütz.(Ansang 81/, Uhr.) Luisen-Theater. Soimtagnachmittag 3 Ubr: Die Hosen des Herrn von Bredow. Abends' Der jüngste Leutnant. Montag: Das große Licht. DicnStag: Ums goldene Kalb. Mittwoch bis Freitag: Aus erster Ehe. Sonnabend: Das große Licht. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das große Licht. Abends: AuS erster Ehe. Montag: Das große Licht.(Ansang 8 Uhr.) Lustipielhnus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Leutnantsmündel. Abends bis Sonnabend: Meyers.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Der Herr Senator. Abends: Meyers. Me»ropol> Theater. Allabendlich: Hurra l— Wir leben noch 1 Ansang 8 Uhr. Herrnfcld'Thcatcr. Täglich: Eine verlorene Nacht. Er, Sie und Er. (Ansang 8 Ubr.) KaUer-Panorama. Eine Tour in Aegypten, von Tftest nach NIer.an- drien. Letzte Woche: Wanderung im Steirischen Salzkammergut. Eine Reise 20 Ps. Kinder nur 10 Pf. Nrauin-Thenrer, Taubenstr. 48/49. Täglich: WaS UNS der Mond erzählt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—61 III. Wahlkpeis. Dienstag, den 28* Februar, abends SVä Uhr: AtzmMIlicht Gwml-Dechmlmß in lellers festZäleo. Koppensttaße 29. TageS-Ordnung: i. Die bevorstehende Reichstagswahl. Referent: Otto Büchner. 2. Aufstellung des Kandidaten zur Reichstagswahl. s. Aufstellung der Kandidaten für dm 11. und 13. Gemeindewahlbezirk. 216/3' Sechster Wahlkreis. Dieustaz, den 28. Februar, abends 81/, Uhr: Oeffentliche politische Versammlung in den„Borussiasälen". Ackerstr. 6/7, TageS-Ordnung: l Ale Utrschacherllug des steiell Geläudes m der Zimgegeud voa Kerlm. Referent: ReichStagS-Abgeordueter IevÄ«ld«ARr. 2. Freie Diskussion. 225/8*_ Der Etuberufer; Wilhelm Baumann, Bernauer Str. 9. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Vor Toratand. r ii Verwaltung Berlin* Achtung! Lehrlinge u.jugendlicheArbeiter der Holzindustrie! Tonntoguachmittag von 3—8 Uhr abcuds ist der ArbestSlosmsaal im Gewerkschastshaose, Engeluser 14/15, als Lesesaal für dl« Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeitschriften der ksugendbwliothei liegen zur freien Benutzung aus. SMF* Die Kollegen der Jugendabteilung.Südost' treffen sich pünktlich Mittags 1 Uhr im Gewerkschastshause. Die Werkstittoertrauensleute«erde» gebeten, die Lehrlinze ans de« Besuch des Lesesaales aufmerksam zu mache». Achtung, Vertrauensleute! Die Zahlstelle KS Marian neuftrafte 4» ist von Skaliber Strafte 90«ach bei 8cbo0tac verlegt worden. der Die Zahlft«lle44 ist von der Dtlstter Strafte 27«a Zorndorser S t r a ft e S. Ecke Löweftrafte, bei Paol Lieber' mann«erlegt._ - Sonnabend, den 4. März: s Winterfest _ eu Welt", Sasevhtide 198/114. BillrttS a SS Vf. Verden von den Beitrogsammlern und im Bureau ausgegeben. luI szch- � � den 1* März: NeckMUmerDersatWlmM Das Lokal für die VcrtrauenSmänoer-Dersammlung deS Bezirks Osten II ist nach Warschauer Straße NN bei Riet» verlegt«vordcn. Rahm enmach er. Montag, den 27. Februar 1911. abends 6 Uhr: Kranchen Nersammlung im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 5. TageS-Ordnung: t. V o r t r a g de« pienoffe» Ha»«rdUtte. 2. Branchenangtleemheiten. Am Montag, im 1 Mitgli Ros Tlscider, IVorden. _ brnar 1911, abendS S'/, Uhr, Schwedter Str. LS: -Versammlung . Bezirks Norden. und Schönhauser Borstadt Sautischler Bezirk III. Toh«»-Ordnung: t. Vortrag deS Kollegen I.anghttmn�r über:.Organisalion fittb Verwaltung der Zahlstelle Berlin. 2. Berbandsangelegenheiten. köllimitlös-, liolii-, SleinnuB-KnopfaMer und-Meilerinnei. Mittwoch, den 1. März 1911, abends 7 Uhr: Branchen- Versammlung im GewerkschaftShaiise(Saal IV. Arbeitslosen. Saal). Engetuser 14. TageS-Ordnung: t. Vortrag deS Kollegen Richard lieopold. 2. Velbandsangelegeiiheilen. 3. Wahl der Branchenleilung.__ l» liar ArvettsnaaiwetS: BerwaltungSstelle Berlin. Haiipidnreau- Hol l.«ml 3, 1239. charlte»tr«8* 8. Hof lll Amt 3, 1987. DionStag, den 28. Februar 1911, abends 6 Uhr: Versammlung Reste* | Damentuche, schwarz u. farbig, KostBmstoffe,imtcfl.ä)iuft.,Seide, I Sammele, Besätze, Futterstoffe, | PlfisohezuMänteln.Che»-Kammgarne zu Knaben-Anzügen. Konfektion: Paletots, Jacketts, Staubmäntel, Kostüme, Koslümrdcke. Stets Gelegenheitskäufe! Pani Karle, Warsckiauerftr. 18.[+ Schöneberg. Sozialdemokratischer Wahlverein. Dienstag» de» 28. Februar 1911, abends S'/o Uhr: Mitglieder-Versammlung Neue Rathaussäle, Meininger Strafte 8. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS ReichStagSabgeordneteu Genoffm M�ranR-MaNNhelM über KeiehspoMih und Wahihampf. 2. Bericht der Geueralverfammlullg GroH-BerlinS und des«reffe». S. VereMSangelegenHetten. 4. verschiedene». Die nächste Aufführun statt- Alle diejenigen, die no 9. März beun Genossen i Billetts, die bis 9. März«Ich 15/00 deS Theaterstückes.Kasernenluft findet am 8. April in der Schloßbrauerel Zelt vom 9. biS i umzutauschcn. berückiichtigt werden. Rcr Vorstand. der Mittwoch, den 1. März, abends 8'/, Uhr, in den Kontordtasätcn. Andrea sftr. 64: Merordenlliche Generalversammlung. TageS-Ordnung: t. Bortrag des Landtagsabgeordneten Senoffe« U-olnort. 2. Erstattung de» JahreSberichlS pro 1S10. S. Neuwahl der Beschwerde» und AgttattouStommisfionen. 4. verschiedene». 189/5 Wir erwarten in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung, dotz jeder Kollege an dieser Versammlung teilnimmt._ Die OrtSverwattnng. Verband der Sattler und Portefeuiller. ■ Ortsverwaltung Sertin.- Di« nächsten Branchen-Versammlungen finden an nachsolgendeu Tagm statt: ' Donnerstag, den 2. März, abend» 8'/, vhr, im GewerkschaftShause, Engeluser IS. Porteftmiin- und Reiseartikklbrallche fällt diesmal aas. Militär-Kranche: Mtwoch, dm i. Mär,,-»mds« n?r, im Englischen Garten. Mexanderstr. 27 c. Fivolevmlegtr u. Tkppichnäher: bei Weihnacht, Grünstr. 21.* Wagtv-Kravche: MMwoch. dm L Mirz, avmdS e>l, Uhr. h»«C- werkschastShauseS, Engeluser 15. Sise-m-Nl. d.{rttrWllplflmi: im GewerkschaftShause. Engeluser 15. Sektio« Kharlotteaburg: MUtwoch. t M«,. abmds sv. uh». im Bolkshause, Rofinenstr. 3.» Zahlretchm Besuch dieser Versammlungen«rwartm 156/10__ Die Pranchenlettnngen. Ach taug! Achtung! Montag, den 27. Februar, abends 8 Uhr, Kr. öffentiiclie Volksversammlung bei Obiglo, Schwedter Str. 2Z— 21. TageS-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Cohn:.Die Stellung der Anarchisten zu den hrvorstehende« RetchStagswaHlen«. 2. Freie Aussprache. M?" Proletarier! Protestiert durch zahlreichen Besuch gegen die am Montag, den 20. Februar, erfolgte Austösung I 4K} 3816 Propagaudaverein der föderierten Anarchisten Berlins. I. A.: stöbert tilliler, Anllamer Str. 21. 79/10 aller in den Geldschrankfabriken beschäftigten Kollegen in Frankes Festsälen» Badstrabe Nr. 19. TageS-Ordnung: 112/13 t Stellunonahme zu«userem neue« Tarif. 2. Diskusiion. yn Anbetracht der äußerst wichtige» Tagesordnung ist da» Erscheinm aller Kollegen dringend notwendig. Die Ortoverwaltnogr* t wöchentliche Teilzahlung liefere elegante HerrenHoden Fertig und nach MaS Garantie iür tadellosen Sitz und ieinste Verarbeitung J. Kurzberg Mafi- Schneiderei Rosenthaler Strasse 40-41 direkt am Hackeichen Markt. Achtung: Bewilligte Säckerei Hiermit meiner geehrten Kundschaft zur Nachricht, daß ich die Bäckerei deS Herrn Kailer läufiich übeniommen hnbo sowie die Forderungen des Bäcker- und Konditorcn-Verbande» bewilligt habe. ES wird mein Bestreben fein, das geschätzte Publik«« reell unh pünktlich zu bediene«. 3206 Enut Trotz, Bäckermeister, Reichmberger Str. III. flF�Tfixdnrfl"1*6 1. er Dienötag, den 28. Februar, abcuds S'/a Uhr, bei Paul Gebert, Steiumetzstraßc 93: MsUeder-Versammiung. TageS-Ordnung: I. Abrechnung vom vierten Quartal l3l0. 2. Vortrag über:„Arbettrrverstchcruug<'.s 3. verschiedenes. 253/2_ Der Voratand. med. Karl Reinhardts spezial-ärztliche Institute fQr Geschlechtskrankheiten Hant-, Harnleiden. | NsandnslraSg PtMann StraSi IIT � Für Franeu von 3 Iiis'AS Ui'1 Vollkommenstes kombiniertes Heilverfahren. eichte Dauere mäSIg kurzer Zelt. NaGfrwetslich unerreichte Dauererfolge in »erhfKBU- Um sich vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zu»chf verlange man ausführliche Broschüre in meinen Insti| oder durch die Post(verEchloas. Kuvert) gratis und L' j Ehriieh- Hata »er nächste Herren-Vorlrag findet sta««n| Donnerstag, den 2. März, abends'/,10 Uhr, im Kestaurant{ Potsdamer Straße 45. über; Harnleiden and Ehrlich- Hat« 006, mit Demonstrationen von naturgetrenec 1 Wachsmodellen. 240/07| Eintritt fTel! Fragebeantwortunc! Verloren Paket in grau WochStuchleinm oder Packvapier, enlhaltend VerficherungS- dokumentc am Donnerstag, den IS. h. 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Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des ZionS-KirchhoseS in Nieder-Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht >36/18 Der Vorstand. SoziiüdeiDokratiseberWalilifereiD des 6. BerL Reichstags-WaMkrelses. Kachraf. Am Mittwoch, den 22. Februar, verstarb in der Heilanstalt zu Lankwitz unser Genosse, derMaurer Friedridi Merker. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgesunden. 22S/9 Oer Toratand. Sozialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Den Parteigenossen zur Räch» richt, daß unser Mitglied Otto Schönknecht Bergstrahe 56(17. Bezirk) am Montag, den 20. Februar, aus der Fahrt zur Arbeitsstätte beim verlassen dcS Zuges tödlich ver» unglückte. Ehre seine» Andenke«! Die Beerdigung findet heute Tonntag, nachmittags 3'/« Uhv. von der Leichenhalle dcS Rix. dorser Gemeinde-FnedhoseS am Mariendorscr Weg aus statt. Zablreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Waitd der Fabrikarbeiter fleatseblaoiis (Zahlstelle Berlin.) Gruppe der KunsUteinerbeiter. Den Kollegen zur Nachricht, dah am Montag, den 20. Februar, unser Mitglied Otto Schönknecht durch Uebersahren aus dem Ring- bahnhos Tempclhos gelötet wurde. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. Februar, nach- mittags g>/, Uhr, von der Halle des Rlxdorser FncdboseZ, Marien- dorser Weg. auS statt. Rege Beteiligung erwartet 63/8 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Rachrichl, dag mein heißgeliebter, unvergeßlicher, sorgsamer Mann und Vater. Schmie- gersohn, Bruder und Schwager. der Arbeiter Otto Schönknecht im 33. Lebensjahre durch einen Unglülkssall am Montag srüb plötzlich verschieden ist. W/we. Anna SchOnbneeht und Kinder. Die Beerdigung findet Sonn- tag, nachmittags 3'/, Ubr. von der Leichenhalle des Rirdorsei Gemeinde- Friedboses, Marie». dorser Weg. aus statt. 3S,i> Oeutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltunpsstelle Berlin. Todes- Anaelce. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglieo, der Schleiser kalter Julitz am 24. Februar an Lungenleiden gestorben ist. . Ehre ketuem Andenken k Die Beerdigung findet am DienZtag, den 23. gcbniar, nach mittags 4'/, Uhr. von der Leichen- Halle des Gemeinde-Kirchhojcs in Oberschöneweide auS statt. Rege Beteiligung ermartet 112/14 Die Ortsverwaltung. (Hetzelschc Kasse). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Begründer und j Ehrenvorsitzende unserer Kasse. Herr «Julius Hetze! am 24. d. M. im Alter von 85 Jahren nach kurzem Leiden verstorben ist. 361b Wir verlieren in dem Entschlafenen einen eifrigen Förderer unserer Kasse und werden sein Andenken stets i» Ehren bewahren. Die Beerdigung findet am Montag, den 27. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS städtischen Fried- Hofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Uer Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzstcher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen, lieben Mannes sage ich aus diesem Wege allen Ver- wandten, Freunden und Bekannte». besonders den Herren Beicr u Leh- mann, den Kollegen obiger Firma. den Kollegen der Maschinensabrik Cyllop, den Kollegen dcS Deutschen Mctallarbeitcrverbandcs, dem Lotterte- verein meinen herzlichsten Dank. Im Namen der ticstrauernden Hinterbliebenen Z96b Witwe Renate Dublaski. Nach lurzem, schwerem Leiden verstarb am 24. d. MtS. unser langjähriger Kastenbeamter .Julius Hetze! im sechsundachtzigsten Lebensjahre. Derselbe war stets ein gewistcn- haster und pflichttreuer Beamter, dessen Andeuten wir in Ebrcn halten werden. 364b Der Borstand der Ortskranken- lasse der Maschincnbau-Arbciter und verwandten Gewerbe zu Berlin. F. A.: Franz Schuldt, Vors. Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Februar, nach. mittags 4 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoies in Friedrichs- selbe aus statt. Sozialdemokratischer WahiTereta des 6. Herl. Reichstags-Wahlkreises. Am 24. Februar verstarb unser Mitglied, der Maurer ßtsad Schulz (RhetnSberger Str. 16). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Man- tag, den 27. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des ZionSlirchhoseS. Nieder- Schönhausen-Nordcnd, aus statt. Um rege Beteiligung ei sucht 225/10 Der Vorstand. Dentselier Baiiarbeiterrerbaiid. Zwelgveroin Berlin. Zahlstelle Norden ll. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maurer Ksid Schulz am 24. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Monlagnachmitlag 3 Ubr von der I tafle des Zions-Kirchhoscs in V ieder-Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht I 136/17 Der Vorstand, j Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Grob Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Haus- dicner Oustav Härtel am 24. d. MtS. im Aller von 26 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag. den 23. d. MIS., nachmittags 3st, Uhr, von der Leichenhalle deS Gethsemane-Kirch< hoseS, Nordend- Nieder» Schön- Hausen, aus statt. Den Mllaliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Knr! Neugebauer am 23. d. MtS. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Man. tag. den 27. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Geo, gen- KirchhoteS. Weißensee, Rölkeitraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 66/l2 Gle Bezirksverwaltung. Berl. KraokeB-OBterstatzongs- UBd Begräbflisverein iiirFraueB OBd MädefieB. Am 23. Februar 1911 verstarb unser treues Mitglted, Mit- begründcrln deS Vereins. Frau fwoufse Baum im 69. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, 26. Februar, nachmittags 2'/, Uhr. auf demThomaS-Kirchhos. in Rixdorj statt. 288/8 Der Vorstand. Am Freitag, den 24. Februar cr., verstarb nach kurzem Kranleulager unser langjähriger Kollege .Julius Hetze! im 86. Lebensjahre. 3636 Der Verstorbene war immer ein aufrichtiger und entgegen- kommender Kollege und werden wir sein Andenken stets in Ehren hallen. Die Beamten der Gris-Kranken- kasae der Maschinenbauarbeiter und verw. Gewerbe zu Berlin. iermit die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter Kdt« janst entschlafen ist. Die Beerdigung findet Montag nachmittag 2'/, Uhr von der Leichenhalle des KranlenhauseS am Friedrichshain aus statt. ftüiard Zom nebst Frau Reich enbcrger Str. 97a. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann und mein guter Bater, der Markt- hallenarbeller Otto Beticke! | sonst entschlasen Ist. Auguste Henckel nebst Sohn. Die Beerdigung findet am I Montagttachmittag 41/, Uhr aus dem Zionstirchhos inNiederschönhausen- I Nordend statt. Inraliijen-UBtersth'tziiBgskasse d.SteiBdnickerD.LitbographeB. Die Beerdigung deS am 24. Fe- bruar verstorbenen SteindruckerS Franz Könicke findet am Montag, den 27. Fe- bruar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Pantower Ge- meinde- Kirchhofes, Spandauer. straße aus statt. 288/9 Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz sicher Teilnahme beim Begräbnis meines geliebten Mannes und unseres BaterS Oswald Schal« sagen wir allen Freunden, Kollegen, Genossen und Bekannten unseren innigsten Dank. 352b krau Wwe. Uise Schulz nebst Sohn. Danksagung. Ür die zahlreichen Beweise herz» sicher Teilnahme bei dem Begräbnis meines lieben ManncS, und meiner Kinder liebevollem Vater, sage ich allen Kollege« und Kolleginnen, Gc- nossen und Genossinnen und Bclann- ten meine» herzlichsten Dank 376b krau Thlomann nebst Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner innigst- geliebten Frau Hedvrig Rücker sage allen Verwandten, Freunden und Bclannten sowie den Kollegen der A. E.-G., Sickingenstraße, und den Mietern dcS Hause» für ihre Ausopserung meinen Innigsten Dank. 328b Hnxo KUcker. Danksagung. Sage hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma Herberg u. Co. siir die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herzlichsten Dank. 31402 Frau Sachse nebst Kindern. Danksagnng. Fllr die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau RIl8SbelIl Rrenie! age ich allen Beteiligte» meinen gstm Dank. Karl üreozel. Dr. Sirnmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Primensir. 41, ÄÄ 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12, 2—4 Otowierungen entkernt Spezialarzt Dr. SchUnemanii, Berlin, Oranienstralle 139. Strahl'«1 Institut. 1 Operationslose Beband- j lung ohne Berussstörung Ueber 2500 Dank- schreiben. Prospekt gratis. Sehr billige Kur-� kosten. Omltt.lb« bei Lfllptlgcr. ma rriatrllfe nr-i. Sbwlmii 800.1«. ,U 10-! s. Fro-pebt p.11,. Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. 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Deter feine Unterschrist zurückgezogen. Das Lokal ist mithin für organisierte Arbeiter gesperrt. Folgende Lokale stehen der Partei und den Gewerkschaften zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In Neu-Zittau das Lokal von Patzenhofer, Jnh. Rich. Kieselbach, Hauptstr. 87. In Charlottenburg der Vergnügungspark, Tegeler Weg. Wir bitten die Lokalliste streng zn beachte». _ Die Lokalkommission. Charlottenburg. Dienstag, den 28. Februar, abends S'/a Uhr: Versammlung der zweiten Gruppe im Volkshause. Mitgliedsbuch legitimiert. Steglitz, Friedenau. Der heitere Abend am nächsten Sonnabend. den 4. März, abends 1lß9 Uhr. in den Räumen des Hotel«Rhein- schlosi", Friedenau, Rheinstr. 60, ist die letzte gröstere Veranstaltung des hiesigen Bildungsaiisschusses im Winterhalbjahr. Der Eintritts- preis beträgt nur 30 Pf. Nach dem Programm: Ball. Karten sind für Steglitz noch beim Obmann F. Fütterer, Fichtestr. 8, für Friedenau bei K. Eulert, Kaiser-Allee 90, zu haben. Am Montag, den 27. Februar, im selben Lokal(roter Saal) der vierte Abend des Vortragskursus Ulm:»Ueber den praktischen Teil des Erfurter Programms". Der Bildung?- und Jugendausschuß. Wilmersdorf- Halcusee. Am Dienstagabend 8'/, Uhr im GesellschastShausc, WilhelmSaue IIS: Versammlung des Wahlvereins. Genosse Dr. Rosenthal spricht über:.Gewerbekrank- Helten"; außerdem steht eventuell die wichtige Angelegenheit deS M a i s o n d s auf Tagesordnung. Der Vorstand. Biesdorf. Dienstag, den 28. Februar, abends 8'/, Uhr: Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Str. 24. Auf der Tages- ordnung steht u. a.: Gemeindeangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Siieder-Schönhausen-Nordrnd. Dienstag, den 28. Februar, abends SV, Uhr. im.Lindengarten". Lindenstr. 43: Mitgliederversammlung des Wohlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Vereinsangelegen- Helten. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Spandau. Am DienStag, den 28. Februar, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Gottwald. Scbonwalder Straße 80: Außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Giebel» Berlin. 2. Bericht von der KreiSaeneral- Versammlung. 3. Verschiedenes. Der Borstand. berliner JVachrichten. Borfrühling. In diesen Tagen haben heftige Stürme und warme Regen» sse uns in ungewöhnlich eindringlicher Weise den Kampf der emente vorgespielt, wie sie den Rückzug des Winters und das Vordringen des Frühlings regelmäßig zu begleiten pflegen. Der Januar, uuser kältester Monat, wenigstens nach alten Ueberlieferungen, wenn auch neuerdings nicht immer in der Wirklichkeit, ist in den tropischen Ländern der heißeste. Mit dem Vorrücken des Jahres greifen die Wärmewellen weiter und weiter nach Norden, bis sie schließlich auch die norddeutschen Gefilde von Schnee und Eis befreien. Der Dichter schafft sich das Bild von dem schönen Knaben Frühling, der von Süden her. Schalmeien blasend und Blumen streuend, den Norden erobert und die Sonne an seine Sohlen fesselt. Aber besser paßt das Bild eines wohlmeinenden, aber rauhen Mannes in fester Wehr und Waffen, dem mit dem Steigen der Sonne täglich der Mut wächst und der in schwerem, immer wieder erneuertem Kampfe, bei dem er manchmal zu erliegen droht, schließlich den grimmen Wintersmann besiegt. Einem Knäblein liegt die Rolle nicht, zu der das Brausen der Frühlingsstürme die Melodien bilden. Auch ein etwaiger Rückschlag des Wetters kann aber nichts mehr daran ändern, daß der Kampf für diesmal entschieden ist. Der erwärmte Boden hat ungeheure Mengen Wassers aufgenommen, so daß die kommende Vegetation an Durst nicht zu leiden haben wird. Der Boden ist aber auch bereits zu stark erwärmt und die Sonne schon zu hoch, als daß eine Schnceschicht oder Kälteperiode sich lange halten könnte. Und obwohl uns noch einige Wochen vom kalender- mäßigen Beginn des Frühlings trennen, will es uns doch scheinen, als wären wir mitten im März oder weiter. Auch wer die Ausflüge noch nicht aufgenommen hat oder noch nicht aufnehmen konnte, hat an den Schneeglöckchen, Weidenkätzchen und blühenden Haselästen der Blumenverkäufer längst erkannt, was die Glocke geschlagen hat. und er braucht nur durch die nächsten Anlagen zu gehen, dann sieht er die neuen Blattriebe der Schwertlilien schon spannenlang aus dem Boden ragen und die Gebüsche mit grünenden Knospen beperlt. Da draußen haben sich die Frühlingsgewässer aufgestaut zu überrandvollen Gräben, � überschwemmten Aeckern und see- artig verbreiterten Teichen. Wenn der Erdboden sich wie ein Schwamm vollsaugt, wird er der Gefahr eines zu heißen Sommers am besten vorbeugen. Um die Ränder des Wassers herum regt sich das Leben zuerst. Lange zurückgehalten, treiben die grünenden Keime nun mit wachsender Energie durch das nasse Erdreich. Und im Schlamme Hörens die Frösche im Winterquartter. Bald werden sie sich die Augen reiben und ans Licht steigen, um dem Frühling auf ihre Weise ihre Huldigungen darzubringen._ Die Ausstellung billiger UuterhaltungSschriften im Gewerk- fchaftshans ist heute Sonntag von 5—8 Uhr geöffnet. Ein- gang Portal B, Erdgeschoß rechts. Die Bauarbeiten am Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin sind im Westlichen Teil, dem Havelgebiet, soweit vorgeschritten, daß schon zum 1. März die neuen Schleusen bei Spandau und Plötzensce dem öffentlichen Verkehr übergeben werden sollen. Im östlichen Teil, dem Odcrgebiet. sind die Schleusenbauten noch weiter zurück. Ihre Vollendung ist erst zum Frühjahr 1912 zu erwarten. Die Her- stcllung des Kanalprofils ist auf weiten Strecken beendet, auf anderen Strecken wird noch mit Hilfe von zahlreichen Baggern daran gearbeitet. Besonderer Anscrengungen wird es noch be- dürfen, die Tondichtungen in der 25 Kilometer langen zu dichten- dq» Scheitelstrecke rechtzeitig einzubringen, da diese AMitey sehr : Morgen Montag, von der Gunst der Witterung abhängen. Bei Regenwetter läßt sich der Ton nicht walzen. Von den zu erbauenden 38 Brücken sind die meisten fertiggestellt und dem Verkehr übergeben. Die Kanalüberführung über die Berlin-Stettiner Eisenbahn bei Eberswalde und die drei Sicherheitstore— große Tafeln, mit denen das ganze Kanalprofil in einer halben Minute abgesperrt werden kann— sind noch im Bau begriffen. Beendet ist die 28 Meter hohe Dammschüttung durch das Ragöser Tal, auf welcher der Kanal das Tal überschreitet. Zum bevorstehenden llmzugstermin und Frühjahrsreinemachen bringt der Zentralverein für Arbeitsnachweis seine kostenlose Ver- Mittelung von zuverlässigem Wasch- und Reinmachpersonal in Er- innerung. Bestellungen werden erbeten durch Postkarte C. 54, Rückerstr. 9 oder durch telephonischen Anruf Amt 3, 3791— 3797. Das Bureau ist geöffnet von 8— 1 Uhr vormittags. Die Auszahlung erfolgt direkt an die Arbeitenden. Es findet kein irgendwie ge- arteter Abzug statt, der sich bei den Privat-Reinigungsinstituten auf 50—75 Pf. pro Arbeitstag beläuft. Eine Gebührenerhöhung für die städtische« Friedhöfe in Friedrichsfelde, Gerichts- und Müllerstraße hat der Magistrat beschlossen. Es handelt sich um eine Erhöhung um IVO Proz. Eine Subvention des Philharmonischen Orchesters hat der Magistrat beschlossen und beläust sich die Beihilfe auf 60 000 M. Bedingung ist, daß 20 Voltskonzerte veranstaltet werden, der Ein- trittsprcis soll dann äußerst mäßig bemessen werden. Diese Kon- zerte sollen natürlich hauptsächlich im Sommer stattfinden, weil im Winter populäre Konzerte in Berlin nicht selten sind. Das Orchester hat sich bereit erklärt, bei städtischen künstlerischen Feiern mit- zuwirken und Bolls-, Jugend- oder ähnliche Konzerte zu ver« anstalten. Ein Spielplatz soll auf dem städttschen Gelände Lands- berger Allee, Ecke Deutsch-Kroner Straße, eingerichtet werden, das zur Erweiterung des städtischen Viehhofes bestimmt, aber für diesen Zweck vorläufig noch nicht gebraucht wird. Sturm auf den Rabattsparverei« Norden. Am Freitag war in einigen Berliner Zeitungen folgende handelsgerichtliche Mit- teilung zu lesen: ..Nr. 1725. Rabatt-Spar-Verein..Norden" Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Die Gesellschaft ist aufgelöst. Liquidatoren sind Kaufmann Albert Metcke in Berlin und Kaufmann Max Stiebitz in Rummelsburg." Schnell verbreitete sich im Norden Berlins die Kunde von dem ungünstigen Stande des Rabattsparvereins und eS dauerte nicht lange, so wurde das in der Brunnenstraße 169 belegene Bureau des Vereins von Inhabern von Nordenmarken geradezu gestürmt. Es wurden auch Guthaben ausgezahlt, aber die Kassen um 6 Uhr geschlossen. Um die angesammelten Menschenmassen fortzuweisen, wurde sogar die Polizei in Anspruch genommen. Am gestrigen Vormittag kam eS wiederum zu außerordentlich erregten Szenen, die mehrmals bedrohlichen Charakter annahmen. Diejenigen Sparer, die am Freitagnachmittag noch nicht von der Krisis des Vereins vernommen hatten, eilten am gestrigen Vor- mittag an die Kassen und verlangten ihre Spareinlagen zurück. Da bereits am Freitagnachmittag die Kassen vollständig erschöpft waren und die Verwaltung in so kurzer Zeit größere Kapitalien nicht flüssig machen konnte, wurden die Kunden angewiesen, ihre Rabatt- und Sparbücher durch die Post einzusenden. Es wurde zugleich allen mitgeteilt, daß zu Befürchtungen gar kein Anlaß vorliege und daß genügend Reserven vorhanden wären, um alle Ansprüche zu befriedigen. Ueber die Gründe, die den Verein veranlaßt haben, zu liquidieren, hüllt sich die Direktion in tiefftes Stillschweigen. Gerüchtweise verlautet, daß der Rabattverein durch gewagte Spekulationen seiner. Geschäftsführer große Summen ver- loren hat und deshalb gezwungen worden ist, seinen Betrieb ein- zustellen. Die Sparer werden beschwichtigt mit dem Hinweis, daß kein Schaden erwachsen werde, sondern daß alle Ansprüche aus den Reserven, die in Hypotheken angelegt seien, gedeckt werden könnten. Die Nordenmarken sind in der Schönhauser und Rosenthaler Vorstadt, auf dem Wedding und in Moabit sehr im Gange. In der letzten Zeit haben verschiedene Rabattsparvereine Fiasko gemacht und manche Hausfrau ist um ihre Hoffnungen betrogen worden. Das kann denen nicht passieren, die Mitglieder der Konsumgenossen- schaft werden. Einmal bekommen die Mitglieder da reelles Gewicht und preiswerte Ware und zum andern kommt ihnen das was sie im eigenen Geschäft kaufen, in Form einer Rückvergütung selber zugute._ Folgenschweres Bauunglück in Reinickendorf-West. Ein schweres Bauunglück, bei dem ein Arbeiter seinen Tod fand und zwei andere Arbeiter schwer verletzt wurden, ereignete sich gestern vormittag kurz nach 8 Uhr in der Eichbornstraße 48 zu Reinickendors-West, direkt am Bahnhof Eichbornstraße der Velten— Kremmenerbahn. Der dortige Neubau ist bis zum vierten Stock gediehen. Als zu der angegebenen Zeit drei Arbeiter damit beschäftigt waren. Kalk und Steine nach dem Obergeschoß zu schassen, brach wahrscheinlich infolge Ueberlastung die Rüstung im vierten Stock des provisorischen Treppenhauses plötzlich zusammen und stürzte mit den drei Männern in die Tiefe. Durch die Wucht des Falles gaben auch die Rüstungen in den unteren Etagen nach, so daß die Verunglückten bis in den Keller fielen, wo sie von den Trümmern der Rüstungen verschüttet wurden. Auf daS Krachen und die Hilferufe hin eilten bald andere Arbeiter herbei, um die schwerverletzten Kameraden aus ihrer gefährlichen Lage zu be- freien. Einer der Verunglückten, der 25jährige Arbeiter Machnow aus Berlin, konnte nur als Leiche hervorgeholt werden. Die beiden anderen Arbeiter sind der Steinträger Wilhelm Baehm und der Maurer Richard Beyer. Baehm hatte bei dem Sturz gefährliche Kopfverletzungen, eine große Nascnwunde und einen Beinbruch davongetragen. Er wurde in besinnungslosem Zustande mit einem Krankenautomobil des Verbandes für erste Hilfe nach dem Reinicken- dorfer Kranienhause gebracht. Der Maurer Beyer hatte gleichfalls schwere Kopfverletzungen erlitten und fand im Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße Aufnahme. Die Leiche des Arbeiters Machnow wurde von der Polizei beschlagnahmt. Die amtliche Untersuchung ist sofort eingeleitet worden._ Beim Fcuermimachcn schwer verbrannt hat sich die etwa 9 Jahre alte Pflegetochter Grete Z i e g e n h a g e n des in der Landsberger Allee 128 wohnhasten Straßenkehrers Jahn. Die Kleine wollte gestern nachmittag durch Hinzugießen von Petroleum das ver- glimmende Feuer in der Kochmaschine wieder anfachen. Hierbei explodierte die Petroleuinkanne und fingen die Kleider des Mädchens Feuer. Durch herbeieilende Nachbarn wurden zwar die Flammen erstickt, doch trug daS Kind sehr schwere Brandwunden da- von, die eine Uebersührung in das Krankenhaus notwendig machten. den 27. Februar« Krankheit und Arbeitsunfähigkeit haben den 56 Jahre alten Dienstmann Albin Tautenhagen aus der Johannisstr. 3 in den Tod getrieben. Nachdem er vor 14 Tagen zum vierten Male das Krankenhaus verlassen hatte, erhängte er sich gestern nachmittag an seiner Stubentür. Als sein Sohn, mit dem er zusammen wohnte, ihn auffand, war er schon tot. Schwerer Unfall. Freitag ist die im 80. Lebensjahre stehende Witwe Robert Schweichels in ihrer Wohnung, Wartburgstraße in Schöncberg, von einem schweren Unfall betroffen worden. Wahr- scheinlich infolge eines Schwindelanfalles stürzte sie von einem Fuß- bänkchen, auf welches sie gestiegen war, und brach beide Arme. Außerdem verletzte sie sich das linke Auge. Ihr Zustand ist sehr be- denllich. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich gestern, Sonn- abend früh, in der Müllerstraße. Gegen 947 Uhr versuchte dort der in der Malplaquetstr. 36 wohnende 34jährige Klempner Schrepel vor dem Hause 143 den Vorderperron des Anhängewagens eines nach Britz verkehrenden Straßenbahnzuges der Linie 29 während der Fahrt zu besteigen, kam jedoch dabei zu Fall und geriet unter den Anhänger, dessen Räder ihm den rechten Unterschenkel unterhalb des Knies glatt abtrennten. Der Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande nach dem nahe belegenen Paul-Gerhardt- Stift übergeführt; sein Zustand ist. da er anscheinend auch innere Verletzungen davongetragen hat, sehr bedenklich. Durch den Sturm verunglückt ist gestern nachmittag der 12 Jahre alte Knabe Camilla Höfel aus der Frankfurter Allee 120, als er gegen 394 Uhr an dem Neubau in der Frankfurter Allee 123 vorüberging, warf der Sturm einen Teil des Bretterzaunes um. Dieser traf den Knaben und begrub ihn unter sich. Arbeiter be- freiten den Verunglückten, dem auf der Hilfswache in der Koppen- straße mehrere Kopswunden verbunden werden mutzten. Durch einen Sprung aus dem Fenster hat sich Freitag nach- mittag der 25 Jahre alte Hausdiener Walter Kertz, der in der Kirchstr. 2 bei seiner Mutter wohnte, das Leben genommen. Der junge Mann hatte seit 4 Wochen keine Arbeit. Er beschloß des- halb, seinem Leben ein Ende zu machen. Nachdem er auf einem Stück Papier einen Kranz mit Schleife gezeichnet und..Ruhe sanft" hineingeschrieben hatte, sprang er aus dem zweiten Stock auf den Hof hinab und verletzte sich so schwer, daß er schon auf dem Wege nach dem Krankenhause starb. Berliner Asyl-Bercin für Obdachlose. Wenn der Verein seine Aufgaben erfüllen soll, ist es nötig, ihm neue Mitglieder zuzu- führen. Der Verein bittet seine Freunde, ihn hierbei zu unter- stützen. Wer Helsen will, lasse sich das neue Mitgliederverzeichnis von Herrn Alfred Boehm, Mohrenstr. 54/55, kommen. Marz-Feier. Am nächsten Sonntag, abends 6 Uhr, begeht die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Arbeiter-Abstinentenbundes ihre Märzfeier im große Saale des Gewerkschaftshauses. Zur Mit- Wirkung sind hervorragende Kräfte gewonnen: Gesangverein Liberte sChormeister Joseph), Eduard v. Wintcrstein(Rezitation), Ledcrer-Prina(Gesang), Heinrich Schulz(Festrede), Leo Kesten- bcrg(Flügel). Der Eintrittspreis beträgt 40 Pf. Abendkasse findet nicht statt. Gastkarten geben die Genossen: E. Geisler, Kuglerstr. 41, R. Adam, Admiralstr. 17, G. Davidsohn, Pasteur- straße 13, P. Frenze!, Bürgerheimstr. 94 und die Geschäftsstelle Engel-Ufer 19, ab. Gegen die geplante Aufhebung der Jahrmärkte werden sich die Berliner Händler ganz energisch zur Wehr setzen. Die bestehenden interessierten Bereinigungen und Verbände haben einen Ausschuß aus ihrer Milte mit den hierzu erforderlichen Arbeiten betraut. Derselbe hat zum Montag, den 27. Februar d. I, abends 8V, Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29, eine öffentliche Protestversammlnng mit der Tagesordnung:„Die Aufhebung der Berliner Jahrmärkte und ihre Folgen" einberufen. Referent ist Stadlverordneter O. Cohn. Ein Flugblatt, welche« zu diesem Zwecke verbreitet ist. spricht sich scharf gegen die Aushebung der Märkte aus. In demselben werden die Gründe, welche vom Magistrat für die Aufhebung angeführt sind, widerlegt. Sodann wird daraus hingewiesen, daß die sich aus Märkten beschäftigenden Personen durch Aufhebung derselben brot- und existenzlos gemacht werden und somit das Heer von Arbeits- losen um Tausende vergrößern. Auf Veranlassung der Zentralkommisfion der Krankenkasse« spricht am Montag, den 27. Februar, Herr Dr. Jacobsohn in der 91./101. Geineiiideschnle in der Gneisenaustr. 7 über daS Thema: Die geschlechtlichen Folgen der Ansteckung; in F r i e d e n a u- S t e g l i tz am Montag, den 27. Februar, Dr, 81. Pinkuß im Sitzungssaal der Gemeindevertretuna, Gyumaslum am Maybach-Platz, in Friedenau über das Thema: Zur Erkennung und Bekänlpfulig der Krebskrankheit der Frauen. Nur für Frauen. Zeugen gesncht. In einer Nnfallsache ist von großer Wichtig» keit, den Namen und die Wohnung bes Zlrbeitsburschen festzustellen, der vom April bis ungefähr Juni 1908 bei Max Brandenburg Aktiengesellschaft, Treptow, Kiefholzstraße 19/20 in der Revision beim jetzigen Meister Hämmerling beschäftigt war. Auslagen werden vergütet. Nähere?lngabcu sind zu richten an Gustav Klüncr, Rixdors, Herrfurthstraße 30, vorn 4 Treppen. Arbciter-Samariter-Bund. Kolonne Berlin. In dieser Woche werden folgende Lehrabende abgehalten: 2. Abt. Brunnenstr. 154, am Montag, den 27. Februar; 5. Abt. Rixdors, Erkstr. 8, am Milt- woch, den 1. März; 3. Abt. Schöneberg. Borbergstr. 9 und 4. Abt. Lichlenberg, Scharrnwcberstr. 60, am Donnerstag, den 2. März; in allen Abteilungen: Borträge über gefahrdrohende Krankheits- zustände mit nachfolgenden praktischen Uebungen. Gäste will- kommen. Vorort- l�acdricdten. Lichtenberg. Stadwerordneteusitzung. Ein Antrag deS Magistrat» auf Be« seitigung der Michaelisklassen an der hiesigen höheren Mädchenschule wurde, nachdem Genosse Linke in Anbetracht der geringen Schülerinnenzahl in einzelnen Klassen unsere Zustimmung erklärt hatte, angenommen. Ein weiterer Antrag befaßt sich mit den von der Versammlung in einer der letzten Sitzungen beichlossenen Ver« giinstigungen für die Volksschullehrer und Lehrennneil. Danach soll nach 25 Dienstjahren eine Ermäßigung von zwei Stunden und nach 31 Dienstjahren eine solche von vier Stunden eintreten. Der Magistrat beantragt nunmehr, den Beschluß dahingehend abzuändern, daß diese Bergiinstigung nur den Lehrpersone» gewährt wird, welche keine besonders bezahlte Nebenbeschäftigung ausüben. Nach kurzer Debatte erklärte sich die Mehrheit für die Magistrats- vorläge. Eine längere Debatte rief der vorgelegte Entwurf für die Anlegung resp. Erweiterung des Stadtparkes hervor. Nachdem ans eine' Ausschreibung hin ein den örtlichen Verhältnissen genügend Rechnung tragender Entwurf nicht eingegangen war, lag der Ver- sammlung ein vom Stadtbauamt angefertigter Plan vor. dessen Durchführung einen Kostenaufwand von 90000 M. erfordert. Unsere Genossen Brühl und Grauer erklärten sich mit Rücksicht darauf. daß noch in diesem Jahre mit Anpflanzungen begonnen werden solle, für die Vorlage. Trotzdem beschloß die Mehrheit, den Entwurf Ott ebie Kommission zu verweisen, der auch die Genossen Brühl und Elias angehören. Beschlossen wurde ferner die Ncuverpachtnng des zurzeit leerstehenden Ratskellers an Herrn Rich. K n o p auS Rixdorf, sowie für die Instandsetzung der Restaurationsräume des Raiskellers 2700 M. zu bewilligen.— Die Kosten für einen Leichen- aufzug in Höhe von 2200 M. auf dem städtischen Friedhofe in Marzahn wurden ebenfalls bewilligt. Hierbei wurde von unserem Redner darauf hingewiesen, daß dieser Einbau bereits bei der Er- bauung der Leichenhalle hätte vorgenommen werden müssen, des- gleichen sei es nunmehr notwendig, durch Petitionen der städtischen Körperschaften an die Eisenbahnverwallung dahingehend zu wirken, daß endlich eine bessere Zugverbindimg nach Marzahn geschaffen wird.— Die Auslosung und Neuwahl der Veranlagungs kommission ergab die Wiederwahl sämtlicher ausgelosten Herren, u. a. auch die des Genossen D ü w e l l.— Alsdann wurde der Etat für 1911 ohne weitere Beratung an die Etats� kommission überwiesen. Derselben gehören die Genossen Brühl, Düwell, Grauer und Spiedermann an. Bürgermeister Ziethen verwies alsdann darauf, daß bereits seit längerer Zeit eine Anzahl größerer Borortgemeinden für die nächsten Jahre.nichl mehr mit einem Steuerzuschlag von 100 Prozent auskommen.' Auf Veranlassung des Herrn Regierungspräsidenten habe daraufhin eine Besprechung von Vertreten! der Stadtkreise Groß-BerlinS statt gefunden, um in dieser Frage einheitlich vorzugehen. Auch Verlin sei an dieser Besprechung beteiligt gewesen. Von sämtlichen, auch den westlichen Vororten, sei anerkannt worden, daß eine Erhöhung des Kommunaisteuerzuschlages notwendig ist. Empfohlen wurde, den Zuschlag auf 110 Prozent sestzusetzen und bis zum 12. März d. I dementiprechende Beschlüsse in allen Stadtgemeinden Groß-BerlinS herbeizuführen. Alsdann soll dieser Satz nicht nur für sämtliche genannten Städte in Kraft treten, sondern die Aufsichtsbehörde will auch versuchen, die größeren Landgemeinden zu bewegen, sich diesem Vorgehen anzuschließen. Zu dem Gerücht von einem Berbrechm gab ein Leichenfund Ver- anlassung, der vorgestern gegen 11 Uhr abends in der.Rathausstraße gemacht wurde. Dort fanden Passanten die Leiche eines Mannes in einer großen Blutlache liegend vor. Obwohl der Körper des Ver- storbencn keinerlei äußere Verletzungen aufwies, rechnete man doch mit der Möglichkeit eines Verbrechens und benachrichtigte die Polizei, die den Mann als den 33jährigen Schuhmacher A. Schrade aus der Wilhelmstraße 87 rekognoszierte. Die Leiche wurde polizeilich be- schlagnahmt und nach der Leichenhalle in der Rathausstraße über- geführt. Die hier vorgenommene ärztliche Untersuchung ergab ztveifelsfrei, daß der Schuhmacher einem Blutsturz erlegen ist. Am DienStag, den 28. d. M., abend« 8'/z Uhr, findet im Lokal Von Paul Schwarz. Liib�-nberg, Möllendorffstr. 25/26, die General» versamnilung der Verc..zuna.Jugendheim' statt. Neben einem Vortrag des Reichstagsabgeordneten Eichhorn über:.Der Kampf gegen die Schundliteratur in der Arbeiterschaft' soll der Bericht des Vorstandes gegeben werden. Die Mitgliedskarte legitimiert. Charlottenburg. Der Magistrat der Stadt Charlottenburg hat der Stadt- verordnetenversammlung eine Vorlage zugehen lassen, in der er diese um ihre Zustimmung ersucht. den Zuschlag zur Gemeindeeinkommensteuer auf 110 Prozent festzusetzen, falls auch die Stadt- gemeinden Berlin, Schöneberg, Wilmersdorf. Rixdorf und Lichten- berg bis zum 12. März einen entsprechenden Beschlutz fassen. Das dadurch erzielte Mehrauflommen an Gemeindeeinkommensteuer soll zur Verringerung des Anleihebestandes oder Bedarfs verwandt werden. Der Etat für 1911 tst unabhängig von dem durch den höheren Einkommensteuerzuschlag aufkommenden Einnahmebetrag festzustellen. Schöneberg-�riedenau. Am heutigen Sonntag, nachmittags von 214 bis 4 Uhr, finden die Kaufmansgerichtswahlen im Rathause, Kaiser-Wilhelmplatz 3, statt. Versäume kein wahlberechtigter Handlungsgehilfe, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen und für L i st e A zu stimmen. Am vergangenen Donnerstag tagte im Schwarzen Adler eine vom Zentralverband der Handlungsgehilfen einberufene Versamm- lung, in welcher Genosse Abg. Eichhorn referierte. Derselbe setzte in seinem Referat den zahlreich erschienenen Wählern aus einander, daß nur die Kandidaten der Liste A die wirklichen Interessen der Handlungsgehilfen vertreten. Reicher Beifall lohnte den Referenten. Rixdorf. Die Freie Turnerschaft Rixdorf-Britz eröffnet am Dienstag, den 23. Februar, die dritte Franenabteilung und am Mittwoch, den 1 März 1911, die dritte Lehrlingsabteilung. Turnzeiten für beide Abteilungen: abends 8— 10 Uhr. Turnlokal: Restaurant Karls garten zu Rixdorf, Karlsgartenstraße. Anmeldungen werden in den Turnstunden entgegengenommen. In Britz, Lokal Rosenseeterrasse, turnt die zweite Lehrliugsabteilung jeden Mittwoch und die zweite Frauenabteilung jeden Donnerstag von VaO— Va1* Uhr. Friedenau. Die Mitgliederversammlung des WahlncreinS nahm nach An- hörung eines Vortrages des Genossen Dr. E.-lert über den.deutschen Bauernkrieg', den Bericht deS Genoffen Swinke von der Kreis- generalverfammlung entgegen Sodann wu-� über die vom Zentral- Vorstande von Groh-Berlin empfohlene Resolution diskutiert. Nach längerer Debatte wurde die Resolution abgelehnt. Als Delegierte zur Generalversammlung wurden die Genosse Steinke und Dietrich fiewähli. Des Weiteren wurde vom Vorstand auf den am 1. März tatlstndenden Frouenleseabend hingewiesen. Aufgenommen wurden v Genossen und l2 Genossinnen. Der Borfitzende ersuchte zum Schlug die Genossen, recht rege neue Genossen für die Partei zu werben. Grofs-Lichterfelde-Ost und Lankwitz. Unseren Abonnenten zur gefl. Kenntnis, daß wir vom 1. März d. I. ab die Zustellung des„Vorwärts" durch unsere Expedition besorgen lassen. Wir ersuchen deshalb, bei unserem Spediteur B e r n s e e. Steglitz, Schloßstr. 119, Hof I, Frau C o n z. Hoch. straße 16, oder im Restaurant„Kaiserhof", am Kranoldplatz, das Abonnement nach erfolgter Abbestellung beim jetzigen Spediteur anzumelden. Die von unserem Spediteur bezogenen Zeitungen find nur an diesen zu bezahlen. Die Hauptexpedition. Grost-Lichterkelde. Vom Gemeindevorstand wurde der letzten Geme'ndebertreter- fitzung der Etat 1911/12 zur Prüfung und Beschlußfassung vor» gelegt. Gemeindevorsteher Schulz bemerkte in seinem einleitenden Referat, daß der Entwurf an sich zwar ein günstiges Bild der Finanzverhältnisse des Orte? biete, aber leider nicht balanciere. Zur Balancierung habe man den Steuerausgleichfonds heranziehen müssen; es sei jedoch sicher zu erwarten, daß die tatsächlichen Ein- nahmen den Voranschlag erheblich übersteigen würden. Die Defizit? der beiden Jahre 1907 und l908 im Betrage von 110 000 M. seien bis auf die Summe von 67 000 M. gedeckt. Der Gemeindevorsteher ist der Auffassung, daß der bevorstehende ZwangSzweckverband der Gemeinde neue große Ausgaben verursachen werde.—Daß der Ort von dem Zweckverband nicht nur Vorteil habe, sondern daneben auch noch finanziell zu den Lasten beitragen müsse, sei eigentlich selbstverständlich. Die Zuschüsse der Gemeinde zu den Kosten der höheren Schulen pro 1910 waren enorm; sie betrugen 292 629 M. Die Gesamtkoften der Gemcindeschulen sind nur um 42 000 M. höher! Der Gehc'mrat Jäger legte den üblichen„Protest" gegen die fortgesetzte Mehrbelastung des Grundbesitzes ein, während der Millionär Meyer treuherzig zugab, daß kein anderer Vorort den Grundbesitz so niedrig einschätze wieJBichter» f elfte! Nach dieser„Generaldislussion" wurde der Etat, her ' mit Forsserungen sozialer Natur nicht beschwert ist, an die Etats- kommission zurückverwiesen. Der Hauptetat schließt in Einnahmen und Ausgaben ab— unter Berücksichtigung der aus dem Steuer- ausgleichfonds zur Gleichstellung eingesetzten 76 000 M.— mit 3 793 650 M.— Die Kosten für Besoldungen und sonsl ge persönliche Ausgaben betragen 224 668 M., die sächlichen Kosten der Ver- waltung 43 375 M. Für die Polizeiverwaltung betnagen die Auf- Wendungen für Besoldungen und sächliche Kosten 136 987 M. bezw. 14 805 M. Die Unterhaltung der Straßen erfordert 21253 M., die Beleuchtung 60 611 M., der Armenetat verursacht eine Ausgabe von 97 250 M.. gegen 81720 M. 1910. Die Gemeindeschulden be- tragen 10 Millionen 476 700 M. Der Steueretat weist auf an Ein- nahmen: Einkommensteuer(inkl. Kreissteuer) 941600 M., Grundsteuer 699 000 M., Gewerbe- und Betriebssteuer 64 800 M. Die Umsatzsteuer ist mit 120 000 M., die Wertzuwachssteuer mit 50000 M., die Bier- und Brausteuer mit 22 000 M. in Anrechnung gebracht. Die höheren Schulen erfordern einen Zuschuß von 363621 M., während die Gesamt kosten der Gcmeindeschulen auf nur 347 398 M. veranschlagt sind. Der Zuschuß der Gemeinde für einen höheren Schüler beträgt durchschnittlich 177,60 M-, für einen Gemeindeschüler 100,37 M.! Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Die Gemeindevertretung hatte sich zunächst mit der Beschlußfassung über die Gültigkeit der letzten Ersatzwahl zur Gemeindevertretung und über die erhobenen Ein- sprüche zu beschäftigen. Einspruch gegen die Wahl wurde erhoben weil dieselbe auf Grund der alten Wählerliste erfolgte und weil die Bekanntmachung der Wahl selbst in der„Mariendorfcr Zeitung" eine falsche Terminsangabe enthielt. Die erste Wahl mußte für un- gültig erklärt werden, weil der Wahlvorstand dancals Forensen, die aus dem Ortsteil Mariendorf vorgelegt wurden, ohne amtliche Beglaubigung anerkannte, hingegen Forensen aus dem OrtSteil Südcnde zurückwies, weil dieselben keine amtliche Beglaubigung trugen. Die Einsprüche bei der jetzigen Wahl wurden zurück- gewiesen mit der Begründung, daß die am 28. Januar statt- gefundene Wahl noch der alten Wählerliste vollzogen werden mußte, da die neue Wählerliste bis zum 30. Januar auslag und erst nach diesem Dermin als korrekte Wählerliste angesehen werden könne. In bezug auf die falsche Terminsberichtigung der„Mariendorfer Zeitung" wurde festgestellt, daß die Zeitung nicht als offizielles Publikationsorgan zu gelten habe, wenn auch tatsächlich Publi- kationen darin stattfinden und die Leitung dafür eine jährliche Subvention bekomme. Die durch Landgemeindeordnung vorge- schrieben« Form der Bekanntmachung sei richtig ausgeführt worden. Die Vertretung schloß sich diesen Gründen an und erklärte die Wahl für gültig.— Danach lag der Antrag der Kircbengemeinde in Mariendorf vor, zwei Gemeindeschwestern anzustellen. Von den Gesamtkosten— 2700 M. pro Jahr— soll die Gemeinde Marien- dorf die Hälfte tragen. Die beigefügte Begründung des Antrages triefte von Nächstenliebe und Menschenpflicht. Von unseren Ver- tretern. die sich nicht gegen die Anstellung von Krankenpflegerinnen erklärten, wurde berechtigtes Mißtrauen dagegen erhoben, daß diese Anregung gerade von der Kirchengemeinde ausgeht. Genosse Weber warf dabei di« Frage auf, ob denn die Krankenschwestern auch zu solchen Leuten geschickt werden, die einer Airchengemeinde nicht angehören. Von dem Gemeindevorsteher sowohl als auch von einem dem Kirchenrat angehörenden Gemeindevertreter wurde nach- drücklichst versichert, daß der Zweck und die Aufgabe der Schwestern nur se:, Hilfebedürftige bei Krankheit zu pflegen. Ebenso soll die Gemeindevertretung mit als Aufsichtsbehörde gelten. Unter der Festsetzung, daß der Vertrag mit der Kirchengemeinde vierteljähr- lich kündbar ist, stimmte die Gemeindevertretung der Anstellung zu. Beim Gymnasium wurden für Anschaffung von Lehrmitteln 15 150 M. gefordert und bewilligt. Hierbei wurde von einem bürgerlichen Vertreter betont, daß nach seiner Berechnung der Ghmnastalschüler der Gemeinde bald 200 M. koste, weil der rund 16 000 Einwohner zählende Ort nicht soviel Schüler aufbringe, um das Gymnasium in den einzelnen Klassen zu besetzen. Gegen den Antrag des Herrn, den Direftor des Gymnasiums in die Gemeinde- Vertretung zu bitten, um einmal genauen Bericht über den Stand der Dinge zu bekommen, kämpfte der Gemeindevorsteher ganz entschieden; wenigstens wünsche er dafür die geheime Sitzung. Dem wurde schließlich stattgegeben. Für die am 29. März stattfindende Einwe-hungsfeier des Gymnasiums wünschte der Gemeindevorsteher die Bewilligung von 1200 M. Genosse Reichardt wandte sich ganz energisch hiergegen. Wenn an sich gegen eine Einweihungsfeier nichts KU sagen sei, sei eS noch lange nicht notwendig, auch dabei Frühstück usw. KU geben, eS lasse sich auch so eine würdige Feier gestalten. Sei in der Gemeinde mit einem Mal soviel Geld vor- Händen, so möge man zunächst zu allererst den Armen geben, auch seien noch die Löhne der Gcmeindearbeiter aufzubessern. In namentlicher Abstimmung lehnte denn auch die Vertretung mit großer Majorität den Vorschlag des Gemeindevorstehers ab und stimmte für eine einfache Feier.— Hierauf wurde über die Inte» pellation unserer Genossen zu der Frage des Zweckverbandes ver handelt. Der Gemeindevorsteher betonte hierzu, daß in der letzten KreisauSschußsitzung alle anwesenden Herren mit dem Vertreter des Kreises im Abgeovdnetenhause, Herrn Hammer, jede Beratung dieser Frage für zwecklos erklärt hätten, da die Regierung gewillt sei, das Zwangszweckverbandsgesctz durchzuführen. Er persönlich stehe wohl auf dem Standpunkt des Zweckverbandes und erkenne vollauf die Borteile eines solchen an, aber irgend welches Vorgehen bitte«r abzulehnen. Die bürgerlichen Redner stimmten der Met nung deS Gemeindevorstehers zu. Genossen Reichardt blieb nur übrig, die bedauerliche Tatsache festzustellen, daß vom Bürgermeister und Gemeindevorsteher bis hinauf zum Landrat niemand wage. einmal Opposition gegen die Regierung zu treiben, um nicht„oben" anzustoßen. Sonst ließe sich wohl etwas in dieser Frage tun. Bei der nichtöffentlichen Sitzung wurde die Regelung der Arbeiterlöhne und der Beamtengehälter vorgenommen. Grüna«. Dir außerirbentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins beschäftigte sich mit der Stellungnahme zur Maifeier. Der von der Kommission vorgelegte Entwurf wurde nach recht reger AuS- spräche abgelehnt. Die Genossen vertraten die Meinung, daß durch die in dem Entwurf vorgesehenen Beiträge eine Förderung des ideellen Gedanken« der Maifeier nicht eintreten würde. Die Versammelten erwarten einen Aufschwung der Maifeier erst dann, wenn die Gewerkschaften eine andere prinpielle Stellung zu dieser Frage einnehmen. Im übrigen sei es nötig, daß solche Beschlüsse nicht von Kommissionen oder Delegationen gefaßt, sondern erst allen organisierten Arveitern Gelegenheit zur grünftluhen Aussprache gegeben würde. FriedrichShagen. Heber dir historische Rolle deS preußischen Junkertums referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins unter großem Beifall Genosse Tornow. Nach Entgegennahme des Be- richts über die Kreisgeneralversammlung beschloß die Versamm- lung. am internationalen Frauentag auch für den hiesigen Ort eine Versammlung einzuberufen. ES erfolgte alsdann die Abrechnung des ZeitungSspediteurS für April— November. Diese ergab eine Einnahme von 4436,33 M., der eine Ausgabe von 4296.47 M. gegen- übersteht. Die Abonnentenzahl ist in dteser Zeit von 468 aus 606 gestiegen. Nachdem noch im besonderen über unseren Arbeitsnach- weis bezw. Arbeitslosenversicherung verhandelt wurde, kam ein An- trag zur Regelung der Maifrage zur Abstimmung. Der Antrag bezw. Vorschlag vom Zentralvorstand wurde mit 29 gegen 18 Stim- men, bei einer Anzahl von StiumienthaUungen, angenoauuea. Rosenthak-Wilhelmsrnh. In der letzteu Gemeindevertreterfitzung wurde nach Einführung deS Schöffen Herrn RemmsrS die Aufnahme eines Darlehens von zirka 20 000 M. zu 4 Proz. beschlossen. Die Beteiligung an einer von der Gemeinde Grunewald beschlossenen Petition betreffend das Zweckverbcmdsgesetz wurde abgelehnt. Der Antrag aus Trennung de? Amtsbezirks wurde vertagt. Da sich die Anstellung einer tech. mschen Lehrerin notwendig macht, schlug der GemcmftevocpeHer« um Kossen zu ersparen, bor, die Lehrerin provisorisch anzustellen; man brauche der Anzustellenden dann nicht daS Grundgehalt von 1000 M., sondern nur 800 M. zahlen. Unser Genosse Hascheck be- antragte 1000 M. Gehalt festzusetzen. Die bürgerliche Mehrheit hielt jedoch 800 M. für genügend. Wo bleibt da die soziale Gerechtig- keit, die man kurz vorher bei anderen vermiß hatte? Von einer Klagoerhebung gegen den Tiefbauunternehmer Epner wegen Mangel- hafttgkeit der verwendeten Rohren wurde Abstand genommen, da die Prüfung durch das Materialprüfungscnnt orgeben habe, daß in dem Kanal-sationsschlamm 64,8 Proz. Kupfersalze enthalten find. Hierars geheime Sitzung. Potsdam. Burfchenselbstmord. Gestern morgen kurz nach 0 llhr erschoß sich auf dem Mühlenberg unweit der Villa Roon der 21jShrige Soldat Schaumwcber von der Gardemaschinengewehrabteilung in Potsdam. Schaumweber war Bursche beim Leutnant v. KeSzycki, Angustastr. 13. Wie gemeldet wird, sollte er wegen irgendwelcher Borkommnisse in letzter Zeit abgelöst werden. Schaumweber nahm die Browningpistole seines Herrn und jagte sich eine Kugel ins linke Ohr und in die rechte Backe. Sterbend wurde er nach dem Garnison- lazarett gebracht. Bernau. Ein familiSre» Beisammensein mit der schulentlassenen Jugend veranstaltet das hiesige Gewerkschaftskartell heute nachmittag ö Uhr im Gewerkschaftshause._ Hud aller Welt. Soldatenschindereien in Italien. Rom, 23. Februar.(Eig. Ber.) Dem„Avanti' ist aus F o r n o C a n a l e an der Tiroler Grenze ein Protest zugegangen. ES wird darin geklagt, daß die Soldaten vom 7. Regiment Alpini in unerhörter Weise geschunden würden. Am 20. d. MtS. mußten fie einen Marsch machen biö zu 2000 Meter Höhe. Bei der grimmigen Kälte blieben die armen Burschen 17 Stunden unterwegs, ohne irgend eine andere Verpflegung als eine Tasse schwarzen Kaffee vor dem Aufbruch und Va Schachtel Konservenfleisch pro Kopf. Die Folgen der Ueberansttcngung zeigten sich in der schweren Erkrankung von 39 Mann, die WS Hospital gebracht werden mußten. Von einem anderen Regiment an der Grenze find vier Artilleristen wegen Ueberanstrengung de« s e r t i e r t. Die Sache wird w der Kammer von einem Sozialisten zur Sprache gebracht werden._ Ins Meer getrieben. Wie ein Telegramm aus Reval meldet, löste sich bei der Insel Lewensari eine große Eisscholle los. 500 Fischer, die auf der Scholle dem King oblagen, wurden mit ihr in den Finnischen Meerbusen getrieben. Es wurden sofort Hilfs« expeditionen ausgesandt, jedoch ist es bisher nicht gelungen, den Aufenthalt der treibenden Scholle zu ermitteln. Pocken- und Masernepidemie in London. In den letzten Tagen ist in London eine Pocken- und Masern» epidemie ausgebrochen. Die Masern herrschen schon seit einiger Zeit und haben in sechs Wochen achthundert Opfer gefordert. Die Pocken sind vornehmlich im Ostendviertel ausgebrochen und haben innerhalb 24 Stunden 25 Personen dahingerafft. Diese Epidemie beschränkt sich augenblicklich auf das Judenviertel. dessen Bewohner vornehmlich auS orientalischen Juden bestehen, die alle Regeln der Hygiene mißachten und da» daher eine Brutstätte für derartige Epidemien bildet. Im Jahre 1902 sind in dem ge» nannten Viertel innerhalb drei Monaten 1400 Personen an den Pocken gestorben._ Menschliche Bestien. In A r o s o bei Mailand ist ein furchtbares Verbrechen verübt worden. Mehrere Personen drangen in den dottigen Friedhof während der Nacht ein und öffneten zwei Gräber, darunter dasjenige einer jungen Arbeiterin, die erst vor einigen Tagen an Lungenentzündung verstorben war. Sie schleppten die Leiche mit fort uud vergingen sich in der scheußlichsten Weise an ihr. Alsdann knüpften sie die Leiche an einem Baum mit dem Kops nach unten auf. schnitten die Brust auf, nahmen Herz und Leber heraus und warfen diese weit sott. Bisher ist es der Polizei« behörde nicht gelungen, die Verüber der unmenschlichen Tat zu ver- hasten._ Kleine Notizen. I« den Grnvenschacht gestürzt. Auf der Wolfgangarube bei Z a b r z e in Oberschlesien stürzten vier Bergleute m den 295 Meter tiefen Valentinscvocht; drei wurden als zerschmetterte Leichen zutage gefördert, der vierte wurde durch einen glücklichen Zufall gerettet. Explosion iu einer Dynamitfabrik. In der Ddnamitfabrik zu Rummenohl in Westfalen ist am Sonnabendvormittag das Ritrierhaus in die Luft geflogen. Durch die Explosion wurden zwei Erdarbeiter getötet, mehrere andere trugen leichte Verletzungen davon. Gestrandeter Fischereidampfcr. An der schwedischen Küste ist der Fischereidampfer„Brema" aus Bremerhaven gestrandet, von der Besatzung sind sieben Mann umgekommen, unter ihnen alle Ossiziere des Dampfers. Schweres Unglück bei FelSsprengungen. In der Nähe de? belgischen Dorfes Gravelange waren Arbeiter mit dem Sprengen von Felsblöcken mittels Dynamit beschäftigt. Da verschiedene Pattonen nicht rechtzeitig wirkten, näherten sich die Arbeiter, um die Ursache festzustellen. In diesem Augenblick erfolgte die Explosion. Drei Arbeiter wurden in einer Eiiffernung von 10 Metern schrecklich verstümmelt aufgefunden, während mehrere andere schwer verletzt wurden. Schwere Srubenkalastrophe. Wie ein Telegramm au» New York meldet, wurden bei einen, aus der Grube Belmonte in Tonopar Nevada) auSgebrochenen Brande zwölf Bergarbeiter ge« tötet. Sine größere Anzahl Arbeiter erlitt Verletzmigen. WasterftandS-Stachrtchtea der LandeSanstalt für Gewässertunke, mitgeteilt vom Berlin« Witterbureau. Wafferttand » e m« l. Tilstt V r« a e l, Inilerburg Weichsel. Thor» Oder. Ratibor . Lkofie» , gronffurf Warthe, schrimm , Land«berg Netz«. Vordamm Elb«, Leitmerttz . DrrSdeo » Bardo , Magdeburg am 24.2. am 295») 267») 25«') 333 261 269 201 151 115 200 90 387 310 >elt 23.2. nra') +25 +89 -74 -7 +18 —1 +10 +28 +1 +6 —26 +29 +23 vafferüand Saal«,«rochlttz fcaoel, svandau») , Statbenow») Spro», Svremberg») . BeeStow Weier, Münden » Rinden St b e i a, RaximiltanSau . Kaub « Rdln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Roiel, Tri« ')+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unlerpegel.—•) Eisstand. — MS treiben. Nach telegraphischen Meldungen betrug der Wasserstand der O d e r bei Rattbor heute morgen 410 am ohne weitere» Steigen. Dt» Aller und Leine habe« heut» vormittog Mittelhochwosser. Gartenstadt M Mtautta direkt mm Bahnhof Saagafeld _ Charlottenburg tÜSSX SO MInatan a» Lehrter Bahnhot CHamBurtarBann) W«sder«ebfiBei Landieheftsblld mit bewaldeten B&baniUgeD am Brleeelang, an den seböneten u. grfisateo Lanb- u. Ifadeiwald aoacblleseend. Direkter StadtbahnTerkehr etehl In naher Ana- eiehl. IM« DABerltxer Beere traae« liegt tat nfiehster NBbe. Daher groaae Wertetelgerung! Nieschalke& Nitsche Barila HO, Hema ESmlgatzaeae U Fernepr.; Amt TU, 887®. IIIIII1IIIJIBIIIJIIIIIII Buchhandlung Vorwärts LlndenstraBe 69(Laden). Soebes erschien: Hl Erweckt W Ein Roman aus dem Proletarierleben von A. Ger. Preis in Leinen gebunden 1.25 M. 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Hest 15. Geschlechtliche Erziehung iu der Slrbeiterfamtlie. Von Dr. I. Mariuse. Heft 16. Zähne und Zahnpfleg«. Von Gertrud Rewald. Hest 17. Bau und Lebenstätig- fett de» menschliche» Körper». Von Dr. Christeller. Heft IS. Der Geschlechtstrieb. Von Eduard Bernstein. H- i 19. Die Krankenpstege im Hanfe, von Loh. Rauier.Mann« i eim. He t 20. Die Proletarier-Krank« heit. Von Dr. I. Zadel. Het 21. Atemgymnastik. Von Otto Kühle. Hest 22. Haut, und Haarpflege. Von Dr. ChajeS. H-st 23. Wie hüte« wir unS vor erzerkrankungeu? von Dr. ugen Rehiii�. Hest 24 Di. Pchgicne»er Arbeiter« Wohnung, von Hugo t)iaifl.Hom« birg. Dt««chmar»her«e» Menschen. Von Dr. Ä. Lipschuy. ----Jedes Nett kostet Z» PI.----- in befferer AuLftattnng 54» Pf. FupDllitiQii des„Vorwärts" Berlin»W.• Lindenstr« 69 Laden, O WsiwrtüQi Iii Od Nj)tos Joskey O2 Pfj. TCrk. Tabak- iCIgaretten-Fabrlk„Klos" o E.Robert Bühnte, Dresden. 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Bohmtdorr und Falkenbcre: Alois Laus, LohnSdors, 9t» nossenschajtshau«.Paradies". Chnrlottenburg: Gustav Scharnb erg, Selenbeimerstratze 1. Eiehwaide, Zeuthen. BierMdorf und llanbela Ablaxe: Oskar Mahle, Eichwalde, Stubenrauchstr. 99. Erkner: Ernst Hossmann, Friedrichshagener Chausiee. Eredersdopf-PeterahNBen: E. H ö s e 1 b a r t h, PeterShagea. I'riedennu-diteg;Iita»btüdende-Pir.-Idehterkeide.We»t» I.unkn itz: H. B e r n i e e. Alsenftr. 5 in Sieglitz. Friedrichshagen: Ernst Werlmann. Köpenicker Straße IS. Grünau: Franz Klein, Bahnhosslr. 5 III. duhanni-thai: Pielide, Kaiier-WilHelm-Platz 4. Barlahvrat: Richard Küter. Rödelslr. 9, U. Könie«- W naterhauaen: Friedrich B a u m a n N, BaHnbolstr. 13. i» jipeniek: Emst W i tz l e r. Kictzcrstr. 5, Laden. Ldclitenbcrg, FrledridiHfelde, Wllhclmaberc: Ott» Settel, Kronpriiijenstratze 4, I. IlalilHdorf, KauiNdorf: Scheibe, MablSdors, Waldersecstr. 14, nafiendorf: August Leip, Cbausseestr. 295. Hos. Barienreide: Emil W e i n e r t, Dorsstr. 14. Itzeueahatreu: Johann Hübscher, Wolterstratze. > ieder-Siehiinetveide: Max P r i e b k e, Britzerstr. 14 II, X owawea: Wilhelm Joppe, Friedrich jtr. 7. Ober-Schünewelde: Bader, Wiihelmmmhosstr. 17. Pankow-BiiedentehUnhanscn: Ritz mann, Mühlen str. SO. tteinickcndorr• Ost, Wilhclmsrah und Sctaünholn* P. Gursch, Kamekeftr. 12. L Rix dorf: M. H e i n r i ch. Neckarstr. 2, im Laden; Rohr. Siegfried« staage 23/29. � Runinielaburg;, B»xhag;en: A. R o s e n kr a n». Alt-Borhaaen 5«. «ehtineberx: Wilhelm Baumler. Martin Lutherstr. 51 im Laden. Spandau, Konnendamm, Staaken, Seegefeld und Falkenhagen: Kappen, Jagowstr. 9. Tegel, Uurs.iSWaIde, Wittenau. Waidmanniilaat, Hermadorf und Reinickendorf- Weat: Paul ttienast, Borngwatdc. Räuschstratze 10. Teltow: Wilhelm Bonow. Teltow. Zehlendorfer Str. 4. Ten-pelhuf:«wert Thiel. Berlin» Stratze 41/4T Troptow: Rod. Grame uz. Kiejholzstratze 412. 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Die Abstimmung ergab mit l-t gegen oö Stimmen Annahme des Antrages auf drei Angestellte. Als besoldet sollen angestellt sein der I. Vorsitzende, der 1. Kassierer und der 2. Vorsitzende. Die Wahl des Vorstandes findet am Sonn- tag. den 12. März, vormittags von 10 bis 12 Uhr. in den Bezirken statt. Die bereits gewählten Mitglieder der Wahlkommission wurden von der Versammlung bestätigt. Sodann gab Hin- ri eisen Bericht von der Schiedskommission, die im verflossenen Jahre 10 Sitzungen abhielt und eine Reihe von Streitfällen und dergleichen erledig- e. Nach kurzer Diskussion folgte die Neuwahl der Schiedskommission; gewählt wurden: Hinrichsen, Som- Merfeld, Kirchhof. Mcnk, Rautcr, Hühner und Schneider. Von der Tätigkeit der Gewerkschaftskommission im verflossenen Fahre berichtete Engelhardt. Als Delegierte zur Gcwcrkschaftskommissicm für das laufende Jahre wurden gewählt: Knüpfer. Witt. Engelhardt. Hinrichsen nnd�Ka, bitzki.— Die Beratung über das Regulativ wurde zur nächsten ordentlichen Zahlstcllenversammlung vertagt. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.)- Allgemeine Foiniliensterbekaise..Heule Sonntag von 3— ö Uhr, Zahltag Zleferstr. 123 bei Wcrnicke und Manannenslr.-sg im Restaurant. Sozialdemokratischer Zentrnlwahlvercin für den Reichstags- Wahlkreis Arnswalde- Friedeberg, Ortsverein Berlin. Heute nachmittag 3 Uhr bei Thimm, Tilsiteritr. 73: Milgliederversavnnlung. «Jscles Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(tettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.j das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaöen zählen doppelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme« stellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 69, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(Farbensehler) Gelegen- orttskaus. 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