Nr. 54. Nbonnemtnts-IKSInMM: SBomrementä• Preis pränumerando i »icrtcljährl. ZP0 Mk., monatl. 1,10 MI.. wöchentlich 2S Pfg, frei Ins Haus, Einzelne Nummer K Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prcislifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Poftabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. Crtcheint täglich auBer montag». Berliner Volksblntt. Die TnkrtionS'GcMfir telrSgt für die fechsgespaltene Kolond?- geile oder deren Raum BQ Pfg,, für politische und gewerlschasiliche Pereins- lind Vcrsaniinlungs-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hneelgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes Weilers Wort 10 Pfg. 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C a i l l a u x, der Schöpfer des Einkommensteuergesetzes, der vom Börsenkapitalismus und seiner mächtigen Presse wütend gehaßte Finanzpolitiker, ist wieder Schatzkanzler, B e r t e a u r, der Nachfolger des Generals A n d r 6, der dessen Werk der Demokratisierung der Armee fortgesetzt hat, von neuem Kriegsminister. Der Unterrichtsminister Steeg, der Ar- beitsminister D u m 0 n t, der Ackerbauminister M a s s 6, der Kolonialminister M e s s i m y sind führende Partei- männer von entschiedener Gesinnung. Monis selbst gehört wohl zu den gemäßigteren Vertretern der radikalen Demo- kratie, aber eben weil seine Persönlichkeit nicht gleich der Elemenceaus und B r i a n d s die Politik der neuen Regierung beherrschen kann, fällt deren Leitung der Partei selbst anheim. Das Ministerium Monis kann nur als parlamentarische Regierung leben: sein Schicksal hängt vom Verhältnis ab, das es zur Linken— und zwar die Soziali st en mit inbegriffen— bekommt. Denn daran ist kein Zweifel, daß es ohne die Unter- stützung der Sozialisten nicht lebensfähig ist. Wenn die neuen Männer nicht ihre ganze Vergangenheit verraten und ihre Pattci unrettbar vernichten wollen, müssen sie den Versuch unternehmen, das radikale Reformprogramm zu verwirklichen. Damit aber rufen sie notwendig die Opposition ihrer nächsten Nachbarn zur Rechten, der„demo- kratischen Linken", hervor, die die antikollektivistische" Politik auf ihre Fahne geschrieben hat und die Heranziehung der Progressisten zur„sozialen Verteidigung" anstrebt. Es ist offenkundig, daß Monis eine weniger klare Situation vor- gezogen hätte. Er hat sich die größte Mühe gegeben, einige Gemäßigte für sein Ministerium zu gewinnen. Der Radikale C r u p p i ist Minister des Auswärtigen geworden, nachdem der Erzreaktionär R i b 0 t und die Hoffnung des Ordnungsblocks. Herr P 0 i n c a r 6 sowie einige andere ab- gelehnt hatten. Die Mitarbeit der rechtsstehenden Politiker wäre nicht nur eine gewisse Assekuranz gegen die Attacken ihrer Freunde, sondern vor allem auch gegenüber der äußersten Linken eine willkommene Ausrede für den Wider- stand geworden, den die gemäßigten Mitglieder der Sozial- reform bereitet hätten. Bei der Bildung des Ministeriums war auch das Bestreben, die Kompetenzen und die Plätze in eine nützliche Unordnung zu bringen, unverkennbar. Wenn Herr Caillaux ein anderes Ressort erhalten hätte, als die Finanzen, wäre er da für eine weitere Verschleppung der Einkommensteuer verantwortlich gewesen? Herr Berteaux ist der alte Fürsprecher der Eisenbahner. Im Augenblick aber, da die Wiedereinsetzung der von den Gesellschaften Gemaßregelten zu einer der wichtigsten politischen Fragen wird, sitzt er im Kriegsministerium. Sicherlich, die Entstehungsgeschichte Monis mahnt zur Vorsicht. Man wird los. daß seine radikale Tugend nur ein ist, in die der Boykott der Briandisten die Radikalsozialisten versetzt hat. Wenn aber um dieser Entstehungsgeschichte willen die„Lanterne" die neue Regierung mit einer wüten- den Attacke empfängt, so ist die persönliche Empfindlichkeit des übergangenen P e l l e t a n und seines Gefolges gar zu deutlich. Von solcher Befangenheit sind die Sozialisten frei: die haben nicht daran gedacht, etwa ein ministerialistisches Experiment zu erneuern und können darum ruhig die Taten der neuen Regierung abwarten. Wohl mag der geradezu ekstatische Jubel I a u r d S' etwas verwunderlich erscheinen. Unser Genosse sieht schon die Radikalen das Werk der fiskalischen, politischen und sozialen Reformen beginnen, in der Arbeiterklasse das Vertrauen auf die Kraft der friedlichen Entwickelung von neuem erwecken und erhofft von der un- eigennützigen Mitarbeit an diesen Aufgaben Freuden, denen gegenüber ihm die der bloßen Kritik und des Kampfes bitter erscheinen. Wenn es aber wahr ist. daß nichts Großes in der Welt ohne Enthusiasmus geschaffen werden kann, so fühlt man sich doch zu einiger Vorsicht gegenüber dem gegen seinen eigenen Willen so radikal geratenen Ministerium ge- mahnt. Besonders, da es noch einigermaßen zweifelhaft ist, ob der Enthusiasmus Jaurds' den Reformwillen der Bürgerlich-Radikalen in dem Maße mitreißen kann, als er den Aerger und das Uebelwollen der Gemäßigten und ihrer Presse gegen die neue Regierung verstärkt. Die geeinigten Sozialisten werden nicht verkennen, daß die bürgerliche Demokratie imstande wäre, dem Lande noch bedeutende Dienste zu erweisen. Sie verlangen und er- warten, da{r mit dem von Briand betriebenen widerlichen System polizeilicher und gerichtlicher Verfolgungen Schluß oemacht, daß die skandalöse Parteinahme des Staates für das Unternehmertum eingestellt werde. Sie wünschen nichts mehr als daß die neuen Männer das ganze Maß ihrer de- deutenden Fähigkeiten geben. Wenn der junge Arbeits- minister Paul Boncour, ein m der Schule des re- tormistischen Sozialismus erwachsener Sozialpolitiker. den des Ministeriums den Eindruck nicht Werk der Not ins Stocken geratenen Arbeiterschutz wieder in Fluß und' anderthalbfachen gesetzt habe. Dieser Auffassung könne der seine theoretischen Anschauungen über die Besorgung der � Bezirksausschuß aber nicht beitreten. Sei ein Ortsstatut nach öffentlichen Administration durch die organisierte Beamten-;§ 3 des Gesetzes erlassen, so bleibe der bisherige, durch das Gesetz schaft zur Ausführung bringen will, wird er der Mitarbeit unmittelbar geschaffene Rechtszustand bestehen, mit der alleinigen und Unterstützung unserer Genossen nicht entbehren. Sie Modifikation, daß nunmehr nicht mehr der einfache, sondern der haben kein Interesse daran, daß die Spekulation der anderthalbfache Durchschnitt eintrete. Daraus folge, daß, wenn die Briandisten gelinge, den Radikalismus in seiner Isolierung, Steuerverhältnisse die Anwendung der gesetzlichen Durchschnitts- bei seinem Bestreben, zwischen den Mächten der sozialen berechnung ausschlössen, weil es keine Wähler in der dritten Ab- Reaktion und der sozialen Revolution einen Weg friedlichen Fortschritts zu finden, zugrunde zu richten und das Klein- bürgertum vollends zur Reaktion hinüberzuziehen. Sie werden in keinem Augenblick versagen, wenn es gilt, die Demokratie auszubauen und die Lage der arbeitenden Klassen in der heutigen Gesellschaft zu verbessern. Aber sie werden nicht eine höchstens für radikale Parteizwecke ersprießliche tcilung gebe, die mehr als den anderthalbfachen Durch- schnittsbetrag entrichten, eben von dem System des ortsstatutari- schen qualisizierten Durchschnitts kein Gebrauch gemacht werden könne. Auch bei einem solchen Ortsstatut gemäß§ 3 des Gesetzes werde nach dem Willen des Gesetzgebers der entscheidende Wert des Durchschnitts bezw. des Ueberdurchschnittsprinzips. in der Möglichkeit erblickt, Wähler, die bei Anwendung der gleich- Veranstaltung eines Kulturkampfes an Zahlungs Statt! mäßigen Drittelung in der dritten Abteilung wählen würden, einer nehmen. Ter Versuch mit dem reformistischen Radikalismus war für die Demokratie unentbehrlich, und es ist gut, daß er jetzt, wenngleich spät, ohne Verfälschung durch Clemenceausche Bizarrerie und Briandsches Abenteurertum unternommen wird._ Der IRixdorfer Ashlrechkrsud vor dem Oberverwaltungsgericht. Die Gültigkeit der im Sommer 1909 offengelegten Rixdorfer Kommunalwählerliste unterlag gestern der Nachprüfung des Ober- Verwaltungsgerichts. Schon in dem Jahr vorher(1998) war in Rixdorf eine Liste aufgestellt und von den Wahlrechtsräubern in der Stadtverordneten- Versammlung gebilligt worden, welche bereits Tausende von Arbeitern und Kleinbürgern in ihrem Wahlrecht beschränkte. Damals handelte eS sich um die gesetzwidrige Anwendung des sogenannten Durch- schnittsprinzips im Sinne des§ 2 des Gesetzes vom 39. Juni 1999, betreffend die Bildung der Wühlerabteilungen bei kommunalem Dreiklasienwahlrecht. Das Obervcrwaltungsgericht hat ja dann auch diese Liste später(18. Januar 1919) für ungültig erklärt. Gestern war nun vom Oberverwaltungsgericht über die Un- richtigkeit der Anwendung des ominösen Orts- statuts vom Jahre 1999 zu entscheiden, dessen Erlaß zu dem bekannten Sturm auf das Rixdorfer Rathaus führte. Mit dem Ortsstatut hat es folgende rechtliche Bewandtnis. An sich findet bei kommunalem Dreiklassenwahlrecht gemäß§ 1 des Gesetzes vom 39. Juni 1999 die Bildung der Wählerabteilungen nach der Dritte- lnng der von den Wahlberechtigten insgesamt aufgebrachten Steuern statt. Um zu plutokratischer Wirkung vorzubeugen, ist durch § 2 desselben Gesetzes für die Gemeinden mit mehr als 19 990 Ein- wohnern eine Ausnahme zugelassen. Nach ß 2 soll nämlich die nach § 1 erfolgte Drittelung„derart verändert werden, daß jeder Wähler, dessen Steuerbetrag den auf den einzelnen Wähler fallenden Durch- schnitt aller Steuerbeträge übersteigt, stets der zweiten oder ersten Abteilung zugewiesen wird". Ferner bestimmt§ 3, daß an Stelle des einfachen Durchschnitts im Sinne des§ 2 durch Ortsstatut der anderthalbfache Durchschnitt gesetzt werden kann. Diesen 8 3 hat die Rixdorfer Mehrheit in das Ortsstatut hineingeschrieben. Aber sie hat noch mehr getan. Sie hat gleich dem Magistrat, um die Sozialdemokraten von der zweiten Abteilung fernzuhalten, den Sinn der innig zusammenhängenden 88 � und 3 des zitierten Gesetzes einfach in sein Gegenteil verkehrt. Und zwar im Jahre 1999(jetziger Streitfall) nach demselben Prinzip wie im Jahre 1998. Im Jahre 1998 hatte man alle Wähler, die bei den eigenartigen Bevölkerungsverhältnissen Rixdorfs nach der Drittelung ohne weiteres in die zweite Abteilung gehörten, aber den einfachen Steuerdurchschnitt n ich t erreichten, in die dritte Abteilung abgeschoben. Gesetzwidrig, wie später das Oberverwaltungsgericht aussprach.— 1999 machte man es genau so mit den Wählern der zweiten Abteilung(nach der Drittelung). welche— jetzt galt das Ortsstatut— den anderthalbfachen Steuerdurchschnitt nicht erreichten. Also verschärfter Wahl- rechtsraubl Bei 38 429 Wählern betrug der anderthalbfache Steuerdurchschnitt 118 M. rund. Wer weniger an Steuern ent- richtete, wurde in die dritte Klasse verwiesen. Die Bildung der anderen beiden Abteilungen fand dann in der Weise statt, daß die hiernach für die beiden ersten Abteilungen sich ergebende Steuer- summe auf die erste und zweite Abteilung je zur Hälfte fiel. Auf die nach vergeblichem Einspruch vom Genossen Scholz angestrengte Klage erklärte der Bezirksausschuß in Pots- dam diese W ä h I e r l i st e, die im August 1999 offengelegt wor- den war, für ungültig.� Der Bezirksausschuß verwies in der höheren Abteilung zu überweisen.— Demnach sei die angefoch- tene Liste ungültig. Gegen das Urteil legte die Rixdorfer Stadtverord- netenversammlung noch Berufung ein. Ueber diese hatte gestern der erste Senat des Oberverwaltungsgerichts zu be- finden. Die Stadtverordnetenversammlung war durch 'Justizrat Gebhardt vertreten, während für unsere Ge» nossen R.-A. Dr. Behrend erschienen war. Herr Gebhardt machte den Versuch, den Senat zu einer anderen grundlegenden Interpretation hinsichtlich des 8 3 des Ge- setzes von 1999 und des auf Grund desselben erlassenen Ortsstatuts zu bewegen, als sie der Bezirksausschuß gegeben hat. Er gab sich aber, wie er selber sagte, keinem Zweifel hin, daß mit Rücksicht auf das Urteil des Oberverwaltungsgerichts über die Anwendung des einfachen Durchschnittsprinzips die Situation der Stadtverordneten- Versammlung gerade nicht günstig sei, auch im Hinblick auf die Anwendung des orts statutarischen qualifi- zierten Durchschnittsprinzips. Wegen der eigenartigen Verhältnisse in Rixdorf sähe sich aber die beklagte Stadtverordneten- Versammlung gezwungen, zu versuchen, gegen jene Auslegung anzu- kämpfen, wenigstens soweit 8 3 des Gesetzes und ein entsprechendes Ortsstatut in Frage käme. Er bitte im Sinne der Stadtverordneten- Versammlung nachzuprüfen, ob nicht der 8 3 selbständig(ohne Rück- ficht auf 8 2) zu behandeln sei. R.-A. Dr. Behrend verwies demgegenüber darauf, daß da? Oberverwaltungsgericht im Urteil von 18. Januar 1919 den Willen des Gesetzgebers hinsichtlich des Durchschnittsprinzips in absolut maßgebender Weise interpretiert habe. Hier frage es sich jetzt nur noch, wie es unter dem Ortsstatut über den anderthalbfachen Durch- schnitt sei. Zweifellos könne aber das Ortsstatut an der Gesetzes- läge nichts ändern. ES müsse sich im Rahmen des Ge- setzeshalten. Tue man das, so bleibe nichts anderes übrig, alS gleich dem Bezirksausschuß den Schluß zu ziehen, daß das P r i n- zip. welches der höchste Gerichtshof bezüglich des einfachen Durch- schnitts aufgestellt habe, auch für den anderthalbfachen Durchschnitt des Ortsstatuts gelte. Nur daß jetzt die Möglichkeit des Auf- rückenS in eine höhere Abteilung, die allein in Frage komme, an den anderthalbfachen Durchschnitt gebunden sei. Sonst sei eö genau, wie beim einfachen Durchschnitt. Er bitte des- halb, die Entscheidung des Bezirksausschusses zu bestätigen. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte denn auch das Urteil des Bezirksausschusses. Es er- klärte gleich diesem die im Sommer 1999 offen- gelegte Wählerliste für ungültig. ES wurde aus- geführt: Unzutreffend sei die Annahme der Stadtverord- netenversammlung, daß dem 8 3 des Gesetzes von 1999 eine vollständig selbständige Bedeutung zukäme, die darin läge, daß den Gemeinden bei Schaffung eines Ortsstatuts ein völlig von der Ge- sehgebung unabhängiges Recht gewährleistet würde. Daß diese An- nähme unzutreffend sei, ergebe sich, wenn man die Begründung und Entstehungsgeschichte des Gesetzes durchgehe. Daraus ergebe sich zunächst, daß die Einführung des Durchschnitts den Zweck verfolge, die Zustände aufrechtzuerhalten, die vor Erlaß des neuen Einkommccksteuergesetzes bestanden. Mit anderen Worten: es habe der plutokratischen Wirkung des neuen Steuer- gesctzes entgegengewirkt werden sollen. Was nun den 8 3 de? Gesetzes angehe, so sei bei Entstehung des Gesctzes ausdrücklich gesagt worden, daß den Gemeinden mit sehr starker Arbeitcrbevöl- kerung, wo eine Ueberflutung der zweiten Abteilung mit Ar- beitern bei Anwendung des einfachen Durchschnitts zu befürchten ist, die Möglichkeit gegeben werden müsse, dem wieder etwas entgegen- zuwirken. Deshalb sei den Gemeinden durch 8 3 Abs. 1 des Ge- setze? die Möglichkeit gegeben worden, durch Ortsstatut den ändert- Urteilsbegründung auf das Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom.. Januar 1919. daö inzwischen über das gesetzwidrige Vorgehen von; halbfachen an Stelle des einfachen Durchschnitts zu setzen für das 1998 ergangen war, und führte aus: In dem Urteil des höchsten H i n a u f r ü ck e n in die höhere Abteilung. Sei das aber so, Gerichtshofes sei ausgesprochen, es solle die Aenderung der grund-!dann sei die Voraussetzung bei Anwendung des Durch- legenden Drittelung nach 8 2 des zitierten Gesetzes nur darin schnittsprinzips immer die voraufgegangene Dritte. bestehen, daß jeder Wähler, dessen Steuerbetrag den Durchschnitts-! l u n g. n i ch t aber eine Zurückverweisung in die dritte Ab- betrag übersteige, stets der zweiten oder ersten Ab-! teilung wegen Nichterreichens des Durchschnitts. Und da 8 3 A b s. 1 teilung zugewiesen werde. Dagegen sei nach dem Urteil! mit 8 2 organisch zusammenhänge, so finde der Grundsatz un- des Oberverwaltungsgerichts vom Gesetz nicht angeordnet, zweifelhaft auch Anwendung, wo die Gemeinde vom 8 3 Absatz 1 des worden eine dahingehende Aenderung, daß alle Wühler, die nach Gesetzes Gebrauch gemacht und den anderthalbfachen Durchschnitt dem System der Drittelung der zweiten oder ersten Abteilung an-.......""" gehören, aus dem Grunde etwa, weil ihre Steuern den durchschnitt lichen Steuerbetrag nicht erreichen, in die niedrigere Ab ortsstatutarisch eingeführt habe. Deshalb sei mit dem Bezirks- ausschuß auch diese strittige Wählerliste für ungültig zu erklären. Zum Schluß bemerkte Präsident von Bitter noch, daß der Ab- teilung zu verweisen seien. Mit Rücksicht auf diese Entscheidung satz 2 des 8 3, der die Möglichkeit der Einführung der sog. Zwölfte- des höchsten Gerichts habe nun die Stadtverordnetenversammlung' lung gebe, im Gegensatz zum Absatz 1 desselben Paragraphen erklärt, daß. wenn das schon auf 8 2 zutreffen möchte, es doch nicht allerdings selbständige Bedeutung habe.— Daö richtete sich zutreffen dürfte, wenn, wie in Rixdorf. ein Ortsstatut gemäß 8 3! gegen eine Ausführung des Vertreters der Stadtverordnetenmehr- erlassen jej und dadurch an Stelle des einfachen Durchschnitts den 1 heit, welcher aus der felhständigen Bedeutung des Abf. 2 des § 3 auf eine gleiIs lselbstäMgleik?eZ Abs> I d'eZ§ 3 geschlossen hatte. Ter Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung haben nun wiederholt vom höchsten Gericht zu hören bekommen, daß sie offensichtlich entgegen dem Gesetz handeln. Ihr Vorgehen stellt sich als eine gewaltsame Hinderung einer dem Gesetz ent- sprechenden Wahl dar. Konnte man bislang vielleicht zugunsten des Rixdorfer Magistrats und der Stadtverordneten annehmen, daß ihr Jntelligenzgrad sie an der Erkenntnis der gesetzlichen Grundlagen hinderte, so ist diese Entschuldigung mangelnder Einsicht nicht mehr zulässig, nachdem das Oberverwaltungsgericht zweimal die Herren dahin belehrt hat, daß ihre Beschlüsse das Gesetz in sein Gegenteil verkehren. Ein Strafverfahren gegen die Wahlrechtsräuber ist an- gebracht und erforderlich, wenn sie fortfahren, eine dem Gesetz ent- sprechende Wahl zu hindern. polirtrcbe(Jcbcrficbt Berlin, den 3. März 1911. Militärarbeiter und Militärverwaltung. Aus dem Reichstag, 3. März. Die lange Debatte über die Lage der Militärarbeitcr kam heute zu Ende. Zu- nächst geriet darin der Christlichsoziale Behrens mit dem Genossen Hu e aneinander, da Behrens sich beikommen ließ, die Firma Krupp und die Essener Wohnungsznstände gegen Hucs gelegentlich der Marinedcbatteß gegebene Schilderungen zu verteidigen und dabei heftige Angriffe auf die Sozial- demokratie zu verüben. H n e stellte fest, daß Herr Behrens jetzt die Rolle eines Handlangers der Firma Krupp spiele, die früher in den Händen des nationalliberalen Herrn Beumer lag, und daß deshalb Behrens als„B e u m e r s seliger Erbe" die Scharfmachcrinteressen vertrete. Genosse Zubetl brachte dann zur Sprache, daß die Militärverwaltung in Spandau Streikbrecher für die A. E.-G. in Berlin anzuwerben gesucht habe, mit ihren Be- mühuugen an dem Klassenbewußtsein der Spandauer Metall- arbeiter gescheitert sei. Uebcr die Zustände in der Hanauer Pulverfabrik führte Genosse Hoch Beschwerde, während Genosse Keil(Cannstadt) rügte, daß in den Militärbetrieben in L u d w i g s b u r g die Arbeiterausschiisse ganz belanglos seien, da ihre Leitung in Händen der Beamten liege. Gegenüber der Sozialistenfcind- schaff in der preußischen Militärverwaltung stellte Keil fest, daß in Württemberg die Arbeiter in den Militärbetrieben be- reits volle Freiheit in der Betäffgung ihrer Ueberzeugnng erlangt hätten. Soweit werde es in Preußen auch noch komnien. Der Kriegsmister machte dazu ein bitterböses Gesicht, zog es aber vor zu schweigen. Bei der Abstimmung über die Resolutionen werden die Zentrumsanträge auch mit sozialdemokratischer Hilfe an- genommen, während der sozialdemokratische Antrag, der gleichlautend beim Marineetat angenommen war, jetzt von Zentrum und der Rechten nicdergestimmt wurde. Selten hat die Zentrumspartei einen so eklatanten Beweis ihrer völligen Grundsatzlosigkeit in Fragen des Arbeiterschutzes ge- geben, wie bei dieser Gelegenheit. Hoffentlich wird dieses ge- wissenlose Doppelspiel aber manchem Zentrumsanhänger die Augen öffnen. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Dann kommt der Tempel hofer Vertrag zur Erörtening. Ein Borstoß der Konservativen. Zum Etat der Bauverwaltung, dessen Beratung am Freitag im preußischen Abgeordnetenhause begann, beantragten die Konser- vativen, den Titel„Unterhaltung von Kanälen" um 200000 M. zu kürzen und mit Rücksicht darauf, daß der preußische Staat mit er- heblichen Kosten die Fahrtiefe auf der Elbe und anderen natür- lichen Wasserstraßen über das vertraglich abgemachte Ziel hinaus unterhalten hat, bis zur Lösung der Frage der Erhebung von Schiff- sahrtsabgaben die Fahrtiefe nur auf der vertraglichen Tiefe zu er- halten. Der Antrag bedeutet, so harmlos er auch aussieht, einen Vorstoß gegen diejenigen Staaten, die im Grunde genommen der Erhebung von Schiffahrtsabgaben feindlich gegenüberstehen und sich nicht ohne weiteres dem Verlangen der preußischen Junker fügen wollen. Ihnen soll klargemacht werden, daß Preußen über Repressalien ein russisches Zubilsum. (Zur Fünfzigjahrfeier der Aushebung der Leibeigenschaft in Rußland.) Feierliche Lobeshhmnen erschallen heute in allen Städten und Dörfern des russischen Reiches. Das ofizielle Rußland feiert den 00. Jahrestag der Aufhebung der Leibeigenschaft, nachdem es die sorgfältigsten Maßnahmen getroffen hat, daß nur die Stimmen der allergetreuesten Diener des Zaren: der Beamten, Geistlichen und Schwarzhundertlcr an diesem gehört werden. Vergebens hatte der wachsame Hofhund der Selbstherrschaft, Menschikoff, die Regie- rang angefleht, die Aufmerksamkeit des Volkes nicht auf dieses Jubi- läum zu lenken.„Es gibt"— fo schrieb er—„Dinge, die man lieber verschweigen sollte." Aber die Regierung beschloß dennoch, auS Furcht vor der selbständigen Feier dieses Tages durch das Volk, den Gedenktag zur Verherrlichung des Andenkens des'„Zar-Be- freierS" auszuschlachten. Die offizielle Feier soll jede Regung der Empörung, jeden Versuch einer Parallele zwischen der schmachvollen Reform und dem Elend der Eegemvart zu ziehen, schon im Keime ersticken. Die offizielle Geschichtsschreibung feiert Alexander II. als den größten Wohltäter deS russischen Volkes, der uneigennützig den Millionen der russischen Bauern die Freiheit geschenkt bat. Richtig ist aber bloß, daß dieser Zar die genügende Einsicht besaß, den Zu- sammenbruch des ganzen Reiches durch die Aushebung der Leib- eigeirschaft abzuwenden. Schon seit Ende des 13. Jahrhunderts hatte diese Frage in dem Mittelpunlt der Erörterungen gestanden. Unter Alexander I. bildete sie den Hauptanlah zur Gründung ge- heimcr Verschwörergesellschaften, die im Dezemberaufstand deS Jahres 1825 die Selbstherrschaft Nikolaus i;. zu brechen versuchten. Die wachsenden finanziellen und militärischen Bedürfnisse, die Stagnation der Volkswirtschaft, die immer häufiger werdenden Bauernrevolten zwangen auch diesen starrköpfigen Tyrannen, die Bauernreform in geheimen Kommissionen erörtern zu lassen. Aber über fruchtlose Diskussionen kam man nicht hin- aus. Die Vorschläge, die Bauern nach dem Muster der Ostsee- proHinzen ohne Land zu befreien, wurden abgelehnt, aus Furcht, eine Klasse heimatloser Proletarier zu züchten. Dagegen wurden die Vorschläge, die Bauern m i t einem Landanteil zu befreien, infolge der Befürchtung verworfen, daß dieser Schritt„die Selb- ständigkeit de» Adels vernichten und zur Bildung der Demokratie führen könnte"(Memorandum des Gr. Kisselew, 1880). Der furcht. bare Zusammenbruch der Zarenmacht im Krimkriege(1855/53) zwang endlich die Regierung, mit der Leibeigenschaft reinen Tisch zu machen. Der Krimkrieg hatte nicht nur die vollkommene Un- tauglichkeit der aus Sklaven bestehenden Arme? dargetan, er hatte auch gezeigt, daß das�Reich ohne neue Steuerquellen, ohne Eisen- bahnen, ohne zeitgemäße Reformen auf dem Gebiete der Verwal- tting, Ul vollkommene Abhängigkeit von den Nachbarstaaten ge, verfügt, vött d'enen es rücksichtslos Gebrauch mächt, sobald einmal ein Bundesstaat sich eine eigene Meinung erlaubt. Während die übrigen Redner sich im großen ganzen auf die Frage der Erhebung oder Nichterhebung von Schiffahrtsabgaben beschränkten und neue Gesichtspunkte dabei picht geltend machten, ist es das Verdienst unseres Genossen Dr. Liebknecht, die poli- tische Seite des Antrags hervorgekehrt und vor dem Lande den Nachweis von der Eemeingefährlichkeit des preußischen Junker- regiments wieder einmal erbracht zu haben. Schonungslos riß er der Gesellschaft die Maske vom Gesicht und mit beißendem Spott zeigte er, wie die junkerlichen Kanalgegner schon wieder Drohungen laut werden lassen gegen die, die es etwa wagen sollten, die Fort- führung des Mittellandkanals zu verlangen. Den Konservativen war bei den Ausführungen unseres Genossen nicht angenehm zu- mute, sie machten ihrem Aerger darüber, daß ihre wahren Absichten erkannt sind, in der gewohnten Weise Lust. Vorläufig allerdings haben sie gesiegt, die Regierung ist ein Spielball in ihren Händen, der sogenannte Verkehrsminister stimmt willig mit ihnen ein. Die Zeiten, wo jemand wegen seines Widerstandes gegen den Kanal eine Maßregelung zu erwarten hatte, sind bis auf weiteres vorbei. Heute ist die Situation so, daß die Minister froh sind, wenn sie nicht über einen etwaigen Widerstand gegen junkerliche Verkehrs- feindlichkeit stürzen. � Zu einer Abstimmung über den Antrag kam eS übrigens nicht. Der Minister gab eine so entgegenkommende Erklärung ab, daß es eines Antrags nicht bedarf; er wird auch so tun, was die Junker wollen.' Unsere Stichstmhlparole für Kempten-Jmmenstadt. Unsere Genossen im Wahlkreise Kempten- Jmmenstadt werden bei der am 7. d. M. stattfindenden Stichwahl zwischen deni Zentrum- und dem nationalliberalen Kandidaten für den letzteren ihre Stimme abgeben. Am 8. März hielten die Ver- trauensmänner des Wahlkreises Kempten-Jmmenstadt mit Vertretern des Landesvorstandes der bayerischen Sozial- demokratie und des Gauvorstandes für Südbayern eine Konferenz ab, in der beschlossen wurde, in der Stichwahl für den liberalen Kandidaten T h o m a zu stimmen. Dr. Thoma hat sich schriftlich verpflichtet, gegen jede Verschlechterung des ReichstagswahlrechtS, gegen jeden Angriff auf das Koalitions- recht, gegen jedes Ausnahmegesetz und gegen jede Einschränkung der Selbstverwaltung bei der Sozialgesetzgebung sich mannhast zur Wehr zu setzen._ Zlveckverband Groft-Berlin. Die Kommission zur Vorberatung des Entwurfs eines Zweck- Verbandes für Groß-Berlin ist auch am Freitag noch nicht mit der allgemeinen Erörterung zu Ende gekommen. Die Debatte drehte sich wieder um die Frage der Einbeziehung der Schuklasten in die Auf- gaben des Verbandes. Von einer gemeinsamen Regelung deS ge- samten Vollsschul- und SteuerwesenS, wie der sozialdemokratische Autrag es fordert, will außer dem Antragsteller niemand etwas wissen. Dagegen sind insbesondere die Frcikonservativen bestrebt, im Interesse der ärmeren östlichen und südlichen Vororte eine ge- rechtere Verteilung der Schullasten herbeizuführen. Von konservativer Seite wurde eine Aenderung des. 8 53 des Kommunalabgaben- gesetzeS angeregt, und zwar soll diese Aeilderung Zug um Zug mit der Verabschiedung deS Zweckverbandsgesetzes einhergehen. DaS würde also ei» Ausnahmegesetz für Groß-Berlin werden. Die Regierung steht dieser Bewegung wenig sympathisch gegenüber. Indes erklärte sich der Minister deS Innern bereit, im nächsten Jahre im Zusammenhang mit der Aenderung deS Einkommensteuergesetzes und des Kommunal- abgabengesetzes die Frage zu regeln, aber nicht allein für Groß- Berlin, sondern einheitlich für alle Teile des Staates, wo die Ver- hältnisse ähnlich liegen. Auch der Vertreter des Kultusministers machte Bedenken gegen die Einbeziehung der Volksschullasten geltend. Der Redner der Fortschrittlichen Volkspartei sprach fich am schärfsten gegen den sozialdemokratischen Autrag auS; er machte u. a. dem sozialdemokratischen Mugliede der Kommission den Vor- Wurf, wie er von seinein Standpunkt aus einer Körperschaft wie der VerbandSversammlung die Regelung deS Schulwesens überweisen könne. Unser Genosse erwiderte, daß er sich für später Anträge betr. die Zusammensetzung der Berbandskörperschasten vorbehalte: von der Gestaltung deS Wahlrechts werde seine Stellungnahme im wesentlichen abhängen. Ein steikonservativer Antrag, der dem Verband auch die Auf- gäbe der Erwerbung von Grundstücken zur Beschaffung von Wohn- raten müsse. Die Regierung sah sich vor die Aufgabe gestellt, dag Land zu europäisieren, sie wollte aber daböi die Selbstherrschaft. das ärgste Ueberbleibsel asiatischer Barbarei, vollkommen unan- getastet erhalten. Sie mußte das Eigentumsrecht der adeligen Gutsbesitzer antasten, um die Existenz des Staates aufrecht zu erhalten, sie wollt- aber dabei den traditionellen Stützpunkt ihrer Macht, die Junkerkastc, unberührt lassen. Aus diesen einander zu- widerlaufenden Beweggründen ward die„große" Reform vom 10. Februar'4. März) 1881 geboren, deren Rachwirkimgen in dem Ruin der russischen VolkKwirtsck?aft. in der Verelendung der Massen, wie in den revolutionären Stürmen deZ letzten Jahrzehnts zum Ausdruck gelangten.,. Der obenerwähnte reaktionäre Schriftsteller Menschikoff schrieb kürzlich zähneknirschend:..Das Jahr 1331 hat nicht vermocht, dem Jahre 1005 vorzubeugen." ES konnte das auS dem einfachen Grunde nicht, weil cS den Grund- stein legte für den klaffenden Widerspruch zwischen den Eigentums- Verhältnissen im Lande und den Bedürfnissen der produzierende» Bevölkerungsklassen, vor allem der Bauernschaft; weil es unter der MaSke der Befreiung des Volkes von, Joche der Hörigkeit ei» nicht weniger schlimmes Hörigkeitsverhältnis zum Staate herstellte und so die Stürme der RevolutionSjahre selbst herauf- beschwor. Sowohl die Regierung wie die Gutsbesitzer betrachteten es als notwendig, daß sich die Bauern auch nach der Befreiung für die Gutsbesitzer schinden sollten. Die„liberale" Zeitschrnt „S e m S k o j e B l a g o u st r o w i st o" schrieb damals:„Wir können die Bauern nicht in einem solchen Maße mit Land ver- sorgen, daß ihre Existenz vollkommen gesichert werde. Solange die Bedürfnisse der Bauern noch unentwickelt sind, würde eine zu reichliche Landversorgung für sie in moralischer Beziehung eher schädlich sein." Die„moralischen" Sklavenbesitzer sorgten darum in ausgiebigem Maße dafür, daß die Bauern zu unerschwinglich hohen Preisen möglichst wenig Land erhielten, damit sie auch ferner in vollständiger ökonomischer Abhängigkeit von den Guts- besitzern blieben. Die Bauernbefreiung wurde nur in den pol. nischen Provinzen in annehmbarer Weise durchgeführt— nicht aus Liebe zu der Bauernschaft, sondern um die Macht des pol- nischen Adels zu brechen und die Sympathien der polnischen Bauern zu gewinnen. In den innerrussischen Gouvernements mußten die Bauern ein Fünftel des Grund und Bodens, den sie wahrend der Leibeigenschaft in ihrem Besitz hatten, an die Gutsbesitzer ab- treten. Für den Rest, der zudem auS den schlechtesten Landstücken, ohne Wald, Wasser und Weide, bestand, mutzten die Gutsbauern im Verlauf von 43 Jahren an den Fiskus, der die LoskaufSope- ratio» besorgte, 1544 Millionen Rubel oder das drei- fache des damaligen Marktwertes ihrer eigenen Ländcreien be- zahlen.(Hierzu kommen noch 1053 Willionen, die die Kronbauern, und 51 Millionen, die die Apanagenbauern zahlen muhten.) Wie perfid die„große" Reform von den Junkern durchgeführt wurde, ist daraus ersichtlich, daß die Bauern in dem fruchtbaren„Schwarz- gelegenheiien zuerteilen will, fand nur noch bei dem Sozkaldemo- kraten Zustimmung, der auf die Bedeutung der Wohnungsfrage für Groß-Berlin hinwies. Nachdem dann noch des längeren über die Srmenlasten ge- sprachen war, wurde die Debatte, ohne daß eS zur Abstimmung kam, auf Montag vertagt._ Das Schicksal des Privatbeamtenversicherungsgesetzes. Die„Rhein.-Wests. Ztg." bezeichnet in ihrer heutigen Morgennummer das Privatbeamtengesetz als gescheitert. Wie sie schreibt, ist dem Leiter ihres Berliner Bureaus von „u n t e r r i ch t e t e r" Seite mitgeteilt worden, die Regierung sei zu der Erkenntnis gekommen, daß es in Anbetracht der Uu- einigkeit der interessierten Kreise als ausgeschlossen gelten müsse, das Gesetz zustande zu bringen. Deshalb lege sie absolut keinen Wert mehr darauf, daß die«Vorlage" noch im jetzigen Reichstag zur Beratung ge, lange. Wörtlich heißt eI in der Mitteilung des Blattes der Zechenbesitzer: Das Privatbeamtenversicherungsgesetz kann heute schon als gescheitert angesehen werden, ehe es noch zur Beratung gekommen ist. Gleich nach Erscheinen des von der Regierung aus- gearbeiteten Entwurfes setzte eine derartige Agitation für und Wider das Gesetz ein, daß hierin schon eine Gefahr für den Ent- Wurf lag. Im Laufe der Zeit haben sich dann die zur Ver- sicherungsordnung geäußerten Wünsche auf Aenderung in der Ergänzung derart gehäuft, daß die Regierung zu der Erkenntnis gekommen ist, daß angesichts der völligen Uneinigkeit in den interessierten Kreisen eine Uebereinstimmung auf einer für die Staatsleitung annehmbaren Grundlage ganz ausgeschlossen ist. Auch die zahlreichen Protesiverstunmlungen mit den in diesen vorgebrachten weit über das Maß der Erfüllbarkeit hinaus- gehenden Wünschen haben mit dazu beigetragen, daß die Rc- gierung, deren Entwurf fast ganz umgestaltet werden müßte, um nur die wichtigsten Forderungen zu berücksichtigen, auf seine Durchführung kaum mehr Wert legt. So erscheint es nach dem augenblicklichen Stand der Dinge nahezu ausgeschloffen, daß da» Gesetz dem jetzigen Reichstag überhaupt noch vorgelcgr werden kann. Damit aber dürfte jein weiteres Schicksal vor der Hand besiegelt sein. Bestätigt sich dio Meldung, dann haben die Zechen- und Hüttengewaltigen vorläufig ihren Willen durchgesetzt: die Re- gierung weicht zurück. Nebrigens handelt es sich bei dem Eist- wurf gar nicht, um eine Gesetzesvorlagc, vielmehr sind nur für die Regierung unverbindliche Vorschläge! der öffentlichen Kritik msterbreitet worden. Trotzdem pfeift das Großkapital der wagemutigen Regierung bereits zurück, lieber das Schicksal eines noch gar nicht vorhandenen, dem Reichstag zur ver- fassungsmäßigen Verabschiedung auch noch gar nicht vorliegen. den Gesetzentwurfs zu streiten, wäre müßige Arbeit. Zunächst kommt es nur darauf an, daß der Bundesrat eine solche Vor- läge fertigstellt. Das aber ist es, was die Scharfmacher ver- hindern wollen, denn sie sagen sich, wenn der Stein erst soweit ins Rollen gebracht ist, kann er auch nicht mehr aufgehalten werden. Das Vorgehen der Scharfmacher ist die Antwort aus. die schäbige Haltung der antisemitischen Arrangeure des famosen„Privatbeansteiitages", der jüngst ist Berlin per- sammelt war._ Um die Feuerbestattung. Zentrum und Konservative sind sehr versckMipft über den von der preußischen Regierung im Landtage eingebrachten Feuerbestattungs-Gesetzenlwurf. Das Zentrum bekämpft die Vorlage selbstverständlich aus religiösen Gründen. Christus, erklären dig Zentrumsparteiler. habe gesagt:„Alle, die in den Gräbern sind, werden die Stimme des Sohnes Gottes vernehmen"— folglich müßten die Toten begraben werden; denn von denen, die verbrannt würden und deren Asche dann in alle Winde zerstäube, sei zweifelhaft, ob sie ebenfalls diese Stimme vernehmen würden; in der Bibel wurde ledenfalls nur von Begrabenen gesprochen. Dia Konservativen haben es mast so leicht, religiöse Gründe lx'rauszufinden; denn bekanntlich haben Generalsynode und Oberkirchenrat entscheiden, ihrerseits stünde der Feuer- bestattung nichts entgegen. So müssen sie sich mit nicht- religiösen Gründen behelfen; und die„Kreuz-Ztg." hat denn erde-Rayon". wo der Grund und Boden höher geschätzt wurde, am wenigsten Land erhielten, während sie in den Gouvernements wo sie schon vor der Reform als Industriearbeiter in die Städte und Fabrikdörfer gezogen waren und den Gutsherren einen JahreStribut zahlten, die ungeheueren Loskaufssummen eigentlich für ihre persönliche Befreiung bezahlten. Nicht genug damit, sorgte diese Reform auch dafür, daß die Gutsbesitzer mit billigen an die Scholle gefesselten Arbeitskräften versehen waren und in den zahl- reichen Zwergbauern. d,e auf das Pachten von Landstücken bei den Gutsbesitzern angewiesen waren, eme enorme BercicherunaSoucllc erhielten. Je größer die Besitztümer der Gutsherren in dem Schwarzerde-Rayon waren, desto weniger Land erhielten die Bauern bei ihrer Befreiung. Daraus erklärt sich die merkwürdige Tatsache, daß die Zahl der großen landwinschas, lichen Betriebe trotz der ste.gcnden Getreibepreise nach der Reform enorm zurück- »'."S- D,e Gutsbesitzer sahen eben in dem mit jeden, Jahre ge- steigerten Wucherzins, den sie von den Kleinpächtern em- trieben, ein bequemeres und sicheres Bereicherungsmittel, als in der eigenen Bewirtschaftung ihrer Latifundien. Da nun die Bauern, um den Pachtzins und die sonstigen Zahlungen, die ihnen aufgelegt waren, zu erschwingen, genötigt waren, auf ihren Grund- stüaen direklen Raubbau zu treiben, ohne— infolge mangelnden Kapitals»- an eine rationellere Bearbeitung des Boden» zu denken, so wurde das Eigentumsrecht der Großgrundbesitzer an ihren Landereien zur ärgsten Fessel der russischen Landwirtschaft. Genosse P. Mahlow, der bekannte Verfasser der russischen Agrarfrage, schreibt über die Ausbeutung der landarmen Bauern durch den Großgrundbesitz folgendes:„Der Arbeitslohn der land- wirtschaftlichen Arbeiter war außerordentlich niedrig, die Boden- preise, und folglich auch die Rentabilität des Bodens, stiegen mit jedem Jahre; da aber die Pachtpreise schneller stiegen als die Ge- treidepreife, so war eS natürlich, daß das Verpachten der Lände- reien immer vorteilhafter wurde, während der Profit und die Rente bei eigener Bewirtschaftung der Güter nur mit den Getreide- preisen wachsen konnten. Auf diese Weise knüpfte die Reform von 1800 ein festes wirtschaftliches Band zwisch.-» den früheren Hörigen und dem privaten Großgrundbesitz, em Band, das den Bauern in eine um so größere Abhängigkeit vom Gutsherrn stellte, je weniger er in seiner Wirtschast und in der bearbeitenden In- dustrie verdienen konnte, um seine Existenz zu fristen und die Steuern zu bezahlen. Der Bauer deS Schwarzerde-RgyonS mußte sich nolenz-volens an seinen früheren Herren wenden, um bei ihm Land zu pachten, oder auf seinem Gute zu arbeiten."(Die soziale Bewegung in Rußland am Anfang des L0. Jahrhunderts, Band I.) Einen derartigen Ausgang der Bauernreform von 1831 prophe- zeiien die„Volkstümler" schon vor der Reform. In den?0cr Jahren wies Prof. I. Janson in seinen austehcnerrcgendcn statistischen Untersuchungen nach, daß die Landanteilc der Bauern viel zu klein Hemessen und zu hoch mit Steuern belastet waren. auch bereits zwei ganz besoudiers gÄmchtlae Grüilbö sui?e?t, die gegen die Vorlage sprechen. Erstens können Verbrannte nicht erhurmert werden. eS kann also auch nicht nachträglich, wenn Verdachtsmomente auftauchen, untersucht werden, ob der Verbrannte vielleicht durch Gift um das Leben gebracht sei. Und zweiteirs, meint sie, sei der Titel„Feuer- bestattung" gairz falsch, denn eigentlich handle es sich gar nicht um eine Bestattung, sondern nur um eine Leichen- verbreimung oder um eine Einäscherung� Unzweifelhaft zwei höchst iiberzeugende, durchschlagende Gründe. Die ehrsame„Kreriz-Ztg." ist denn auch sehr erbost über die preußische Regierung, die sich in ihrem modernistischen Eifer gestattet, einen derartigen Gesentzentwurf einzubringen. Sie richtet an die Adresse des preußischen Staatsministeriums folgende vorwurfsvolle Beschwerde: Die vorgestern erfolgte Einbringung dez Gesetzentwurfs beim Landtage wird in politischen Kreisen allgemein mit Ueber- raschung, in weiten christlichen Kreisen unseres Volkes aber zu- gleich mit schmerzlichem Bedauern aufgenommen werden. Die vom Ministerpräsidenten beim Zusammentritt deS Landtages verlesene Eröffnungsrede enthielt über eine solche Vorlage nichts. Nun ist die Angelegenheit selbst seit langen Jahren öffentlich behandelt, der kurze Gesetzentwurf bietet technisch keine besonderen Schwierigkeiten, die Regierung muß auch genau gewußt haben, daß es sich um eine Frage handelt, in der das Dafür und Dawider die Gemüter und manche Gewissen lebhaft bewegt und deren Entscheidung das Empfinden weiter Volksschichten auf. das tiefst« berührt. Die Nicht- erwähnung der ohne Zweifel schon länger zur Einbringung fertigen Gesetzesvorlage in der Eröffnungsrede kann also nur die Bedeutung haben, daß sich die Regierung in der Frage der Einbringung oderNichteinbringung freie Hand wahren wollte, um darüber je nach dem Gang der politischen EntWickelung zu entscheiden. Gerad« die darin sich kundgebende Bewertung einer solchen Sache, ihre Herabwürdigung auf eine bloße Frage der politischen Taktik muß auf die Vertreter der christlichen Sitte der Bestattung kränkend ivirken und wird viele berühren, die sich von dem Streite der politischen Meinungen sonst fern halten und den Maßnahmen der Obrigkeit vertrauensvoll gegenüberstehen. Wir begreifen die„Kreuz-Ztg." nicht. Die von ihr vor- gebrachten, oben erwähnten zwei Gegengründe sind doch so schworwiegend und überzeugungsvoll, daß sicherlich der Land» tag die Vorlage mit erdrückendier Mehrheit ablehnen wird. Junkervorrechte gegen Volksrechte. Einen Beweis, wie die Regierung zugunsten uralter Junkeranmaßungen gegen das Volk Partei ergreift, liefert das Vorgehen der Stettiner Regierung. Die Fischer von Alt- tvarp besaßen seit unvordenklichen Zeiten, viele Generationen hindurch, das Fischereirecht auf dem südlichen Teil des Meinen Haffs, ein Recht, das ihnen um so wertvoller war, als sie hier auch im Winter und bei Sturnitvetter ihrem Berufe obliegen konnten. Da auf einmal trifft sie, wie vin Blitz aus heiterem Himmel, folgende Regiernngsanweisung: Königliche Regierung, Stettin, den 24. Novbr. 1910. Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten. L. F. A. Va. No. 730. Auf die Anfrage vom 20. November 1310 eröffnen wir Ihnen, daß dem Ritwrgutsbesitzer Herrn v. Gnckevort auf Bogel- sang nach dem Lehnbriefe von 1324 all« Rechte auf einem 4205,53 Meter breiten Streifen läng? der Ufer von Marsin, Vogelsang und Bellin zustehen. Wegen der Fischereirechte und der geschehenen Abgrenzung des fraglichen Streifens durch Schwimmbojen ist die Amtsblattbekanntmachung vom 21. Sep- tcmbcr 1910 ergangen. Die Fischer von Altwarp haben stch also dem Herrn v. Enckevort gegenüber als dem rechtmäßigen Eigentümer der Fischerei auf der fraglichen Strecke gegenüber zu verhalten, und Herrn v. Enckevort stehen alle gesetzlichen Mittel zum Schutze seines Eigentums und Be- sitzes zur Seite. Wegen der einzelnen Maßnahmen, die Herr v. Enckevort deswegen trifft, haben sich die Fischer gc- gebenenfalls selbst mit He cur v. Enckevort auseinanderzusetzen. Sie wollen den übrigen Altwarpcr Fischern, so weit sie beteiligt sind, von Vorstehendem Nachricht geben. _ Gez.: Unterschrift unleserlich. Diese Kalamität verschärfte sich mit der Bevölkerungszunahme immer wehr. Nach den Angaben des bekannten Statistikers F. Schtscherblna, die durch die neuesten Forschungen be- stätigt wurden, übersteigen die geringen Ausgaben einer Bauern- familie ihre landwirtschaftlichen Einnahmen um ein Bedeutendes. Die bäuerliche Landwirtschaft ist nicht imstande, die Bauernschaft zu ernähren. In demselben Sinne äußert sich Dr. Paul Rohrboch»):„Rußland l)at sich in den Jahren von 1302�1906 durchschnittlich 12 Mill. Tonnen Getreide pro Jahr, oder in Geldwert ausgedrückt mehr als eine Milliarde Marl jährlich, abhungern müssen, um die Zinsen für seine aus- wärtige Schuld bezahlen zu können. Schon seit einer Reihe von Jahren lebt darum der Bauer in einem großen Teil des Reiches in einem Zustand chronischer Unterernährung. Die Goldwährung, die Zahlungsbilanz, der europäische Kredit des Reiches— sie beruhen samt und sonders nur»ah auf dep ununterbrochenen. gewaltsamen Hinaustreibung der Getrcidevorräte, die von Rechts wegen nicht zum Verkauf, sondern zur Ernährung des eigenen Volkes da sein sollten. inS Ausland." Rohrbach, der auch der Anficht ist, daß die Reform von 1801 die Verhältnisse im russischen Bauerntum im ganzen genommen nur verschlechtert hat, zieht aus der heutigen Situation die folgende Konsequenz: „Rückgang des Getreideexportes bedeutet für Rußland die finan- zicllc Katastrophe; Aufrechterhaltung der Kornausfuhr ist aber gleichbedeutend mit der fortgesetzten Hineindrängung der Bauern- Massen in die gänzliche physische und moralische Erschlaffung oder in die Arme der R evolution... All das hat feine Grenzen, und daß kein Volk auf die Dauer eine so starke Unterernährung verträgt, wie öu der paz russische verurteilt ist, dafür zeugen die an Zahl wachsenden Bauernrevolten im Innern des russischen Reiches." Dieses Urteil hat der nattonalliberale Schriftsteller 1308 ge- fallt, als der grandiose Ansturm der russischen Bauernschaft gegen die Junlerfest« von der Mililannacht zurückgeschlagen worden war. Inzwischen ist!ms Ministerium Stolypin. Hand in Hand mit der Junkerduma, eifng an der Arbeit geivesen. uin die Bauernschaft durch Begünstigung der Dorfbourgeoisie, durch die Zertrümmerung der Dorfgemeinde usw. wirtschaftlich und politisch zu zersplittern. Dieser Versuch, die Liquidation der Ueberreste der Leibeigenschaft aufzuhalten, wird aber nichts nützen. Sobald der Vorkämpfer der revolutionären Umgestaltung Ruvlands. das Proletariat, wieder. wie in den Revolutionsjahrcn, auf dem Kampfplatz erscheint, wird auch die Bauernschaft sich erheben und mit der herrschenden Junkersippc nicht nur für die schmachvolle Reform von 1801. fondern auch für das halbe Jahrhundert der nachfolgenden Aus- beutung und Erniedrigung abrechilen. •) Dr. Bau! Rohrbach, Deutschland unter den Weltllolkern, S. 83/33. k_ Zeir v. En3e9sr! ist der gTüMche Erde der Desitzunz, der ein Ähnsbrief aus grauester Vorzeit, aus dem Jahre 1324, das Besitzrecht auf den fraglichen Teil der Meeresbucht sichern soll. Seit Jahrhunderten war niemandem etwas von diesem Besitzrecht bekannt, man sollte also meinen, daß das„Recht" zum mindesten durch Ver- jährung erloschen sei. Aber nein: der vorjährte An- spruch des Junkers wird von der Regierung anerkannt und die 70— 80 Fischer, deren Existenz z» gutem Teilvonder freien Befisch ung des strittigen Teils der Bucht abhängt, sollen eine für sie ruinöse Pacht zahlen, sofern der Herr sich überhaupt zur Verpachtung der Fischerei bereit erklärt! Natürlich werden die so schwer geschädigten Fischer die Hilfe des Gerichts in Anspruch nehmen. Aber das Vorgehen der preußischen Behörden, diese Art von„Schutz kleiner Leute", ist doch zu kostbar, als daß die Sache nicht niedriger gehängt zu werden verdiente!_ Kriegervereins-Feste. Der Landrat des Kreises Allenstein sandte an die Kriegerbereins- Vorsitzenden ein Rundschreiben, in dem es heißt: „Ich möchte das Augenmerk der Herren Vorsitzenden auf die bei vereinsfesllichkeiten veranstalteten Aussührungen richten und sie bitten. eS sich angelegen sein zu lassen, daß dabei nicht solche Ausführungen oder Gesänge zum Vortrage gelangen, die grob unsittlich sind, wie das gelegentlich vorgekommen ist.... DaS nicht zuzulassen, verlangt die Würde der Vereine ebenso. wie die möglichste Verhinderung jeder Art von Völlerei und Streitigkeiten. Um letzterem vorzubeugen, möchte ich zu erwägen geben, ob eS wirklich nötig ist, bei Kaiser« Geburtstag und anderen Bereinsfestlichkcite» oder Versammlungen um Konzesfions- Verlängerungen bis lange nach Mitternacht einzukommen. Die späte und vielfach trunkene Heimkehr deS ManneS, verbunden mit reichliche» Geldausgaben, ist nur geeignet, die gute Sache der Kriegervereine in Verruf zu bringen, zumal bei den Frauen... Es darf den Vereinen niwt mit 8iecht nachgesagt werden können. daß eS nur Kneipvereine wären.' ES muß auf den KriegervereinSfestlichkeiten recht erbaulich zu- gehen, sonst hätte sich der Landrat sicherlich die Arbeit erspart, eine solche ermahnende Epistel gegen seine lieben KriegervereinSbrüder loszulassen._ Erschwerung der Wiederaufnahme des Verfahrens. Der Essener Schwurgerichtssall hat die Aufmerksamkeit auf die Schwierigkeit der Wiederaufnahme des Verfahrens gerichtet. ES ist bekannt, welche unsägliche Mühe eS kostete, das Wiederaufnahme- verfahren im Fall Schröder und Genossen durchzusetzen. Die Wieder- ausnähme erfolgte aus Grund der Ziffer 5 deS§ 339 R.»Pr.«O. Nach dieser Borschrift ist ein Wiederaufnahmeverfahren für Schwur- gerichlssachen u. a. dann zulässig, wenn neue Tatsachen oder Beweis- mittel beigebracht find, welche allein oder in Verbindung mit den früher erhobenen Beweisen die Freisprechung des Angeklagten oder in Anwendung eines milderen Strafgesetzes eine geringere Be- strafung zu begründen geeignet find. Run soll das Wieder- ausnahmeverfahren uach dem Borschlage der Regierung und der Kommission noch erschwert werden. Essoll künftig nur noch zu- lässig sein, wenn die imzen Tatsachen oder Beweismittel.allein oder in Verbindung mit den früheren Beweisen dartun. daß kein begründeter Verdacht mehr gegen den Verurteilten vor» liegt." ES wird also im Gegensatz zum bestehenden Ge'etz und in Anlehnung an die Militärstrafgerichtsordnung fh 430) der Nach- weis der Unschuld vom Angeklagten gefordert. Wäre diese Vorschrift schon Gesetz, so hätte Schröder das Wiederaufnahme- verfahren schwerlich durchsetzen können. Der Fall Steinsatt, den wir gestern unter der Ueberschrist.Ein militärisches Essen' be- handelten, zeigte, daß durch die der Mlitärstrafgerichtsordnung ge- gebene Auslegung ein auf die erwähnte Vorschrift gestütztes Wieder- aufnahmeverfahren so gut wie ausgeschlossen erscheint. Diese Er- schwerung der Wiederaufnahme für das ZivilftrasgerichtSverfahren wird bei der zweiten Lesung der Strafprozeßordnung im Plenum der Gegenstand lebhaften Streits werden. Offiziersschulden. Mit dem LuxuS ist im deutschen Offizierskorps auch die Ver- schuldung gestiegen. Zwar ist den Ossiziere», vornehmlich den jüngeren, verschiedentlich von oben herab„militärische Einfachheit' empfohlen worden! aber genutzt haben diese Ermahnungen ebenso» wenig oder ebensoviel wie so manche anderen guten Ratschläge. Auch in betreff de« SchuldenmachenS nehmen sich die jüngeren Offiziere nicht selten ihre Vorgesetzten zum Muster, und mancher jüngste Leut- nanl hat schon.Schulpen wie ein Major'. Deshalb ist schon mehrfach in militärischen Kreisen die Frage erwogen worden, ob stch nicht eine.Entschuldung' des deutschen Offizierkorps durchführen losten. Wie eine Korrespondenz zu melden weiß, ist man endlich nach langen Erwägungen dazu gelangt, auf folgend« Weise eine Schuldentilgung zu versuchen: .Unter dem Präsidium de« Fürsten Guido v. Henckel-DonnerS- mark und des preußischen Kr�egSministerS V. Heeringen sowie mehrerer anderer hervorragender militärischer Persönlichkeiten hat stch ein Zweckverein begründet, dessen Ziel die Sanierung des deutschen Osstzicrkorps sein soll. Bekanntlich sind seit langem die verschiedenartigsten Vorschläge zur Erreichung dieses Zieles ge- macht worden; der genannte Verem will sich nun dazu des Ver- sicherungSweienS bedienen. Jedes deutsche OsfizierkorpS wird al» juristische Person eine je nach Vermögenslage verschieden- temporäre Lebensversicherung abschließen und zwar auf die Daner von dreißig Jahren. Da als Durchschnitt der Versicherungssumme 100 900 M. vorgesehen sind, so werden an die 300 Regimenter der deutschen Armee bezw. ihre Offizierskorps nach Verlauf von dreißig Jahre 30 Millionen Mark zu zahlen sein. Sofort nach Abschluß diese« Planes sollen die Palizen mit 10 Millionen bevorschußt werden, wofür die Gemeinschaft der als juristische Personen emgetragenen Offizierkorps bürgt. Diese Summe wird einzelnen verschuldeten Offiziere» oder deren Familie,, be�o. den einzelnen ON'zierkorp« m i t g P r o z. Verzinsung geliehen werden. Man hofft, diele einen bekannten Uebelstand beseitigende Einrichtung n o ch, m l au f i n d e n I„ h r e in Kraft treten lasse» zu können. BemerN muß noch werden, daß als Versicherter immer nur da« betreffende Offizierkorps, nicht aber der einzelne Angehörige gelten wird, so daß die Leitung des einzelnen Korpö auch die«ufsicht darüber in der Hand behält.' Dr. v. Daller. Der Führer der Zeiitnimsfratlion im bayerischen Landtage. Dr. v. D a l l e r ist am Frcitagmittag im Alter von 70 Jahren ,n Freising gestorben. Er lag schon seit längerer Zeit an Arterien- Verkalkung krank. Doller begann seine parlamentarische Tätigkeit im Eebruar I37l und gehörte seitdem ununterbrochen dem bayerischen andtog an, in dem er als Führer der bayerischen ZentrumLfraktion eine hervorragende Rolle spielte�_ Sngland. Annahme der Bctobill. London, 2. März. Unterhaus. Um 11 Uhr nachts wurde unter lebhafter Bewegung des Hauses auf Antrag des Premierministers A S q u i t h beschlossen, die Debatte zu schließen. Hierauf wurde das Amendement Chamberlain mit 365 gegen 244 Stimmen abgelehnt und die zweite Lesung der Vrtobill mit 368 gegen 243 Stimmen an- genommen. Marokko. Ein Aufstand gegen Mnlay Hafid. Paris, 3. März. Aus Tanger wird gerneldet, daß die Stämme der Hiaina und der Mter sich dein angeblich durch u n- erträglichen Steuerdruck verursachten Aufstande der Scherada angeschlossen haben. Man befürchte, daß die Loge sich sehr ernst gestalten könnte, falls auch bei den Zasr und Zemur, unter denen bereits feit mehreren Monaten große Gärung herrsche, eine Erhebung ausbreche. Die Streitkräfte des Sultans, die heute gegen die Aufständische» marschieren sollen, bestehen in fünf Infanterie- und drei Kavallerieabteilungen und ztvei Batterien. Amerika. Der finanzielle ErobernngSzug der Bereinigten Staaten. London, 3. März. Wie aus Guatemala gemeldet wird, hat Präsident Cabrera gestern in einer Botschaft an den Kongreß an- gekündigt, daß wahrscheinlich bald mit den B e rei ni g te n Staaten ein Abkommen über eine amerikanische Anleihe zustande kommen werde, durch welche die Schuldverbindlichkeiten Guate- m a l a s gegenüber dein Ausland geregelt werden sollen. Weiter wurde in der Botschaft von der Erteilung mehrerer Bergwerks» konzefsionen an Amerikaner Mitteilung gemacht. Ablehnung einer FriedenSresolntion. Washington, 3. März. DaS Repräsentantenhaus hat eine Resolution abgelehnt, wonach der amerikanische Delegierte bei der Internationalen Friedenskonferenz an- gewiesen werden sollte, für den Abschluß eines inter- nationalen Abkommens einzutreten, das sich gegen Kriege richtet, die zum Zwecke der Erwerbung neuen Ge» biet es geführt meiden._ Gegen deu Kaffeewncher. Washington, 2. März. Das Repräsentantenhaus hat eine Resolution angenommen, den Chef des Justtzdeparte- mentS zu befragen. welche Erhebungen er angestellt habe, um festzustellen, ob irgendeine fremde Regierung oder ein von einer solche» abhängiger Staat sich in eine B e r s ch w ö- rung zur Monopolisierung. des Kaffeehandels eingelassen habe, und ob irgendwelche VorbeugungSmaß« nähmen auf Grund des AiUiirustgesetzes getroffen worden seie». Hus der Partei. Rumänische Barbarei. Bekanntlich hat die rumänische Regierung vor einigen Jahren den Genossen Dr. R a k o w s k i, weil er sozialistische Propaganda treibt, als Ausländer erklärt und über die Grenze gebracht, obgleich SkatowSkiS Rumänentum nach dem von Europa garantierten Berliner Vertrage ganz unzweifelhaft ist und durch seinen Rang als Militär- arzt genügend erhärtet ist. Nun ist unser Geiioffe, der zur Depu- tierlenkammer kandidiert, noch Bukarest zurückgekehrt und hat sich der Staatsanwaltschaft wegen Banubruchs angezeigt, um eine Heber- Prüfung des mitlisteriellen RechlSbruchs durch' die Gerichte herbei- zuführen. Die Regierung sucht der peinlichen Situation dadurch aus- zuWaich?», daß sie die unwahre Behauptung aufstellt, die seiner- zeitige Ausweisung sei RakowSki nicht bekannt gegeben, sie sei also nicht rechlskrästig geworden; der Staatsanwalt hat deshalb auch die Verfolgung von Rakowskis Selb st'anzeige abgelehnt und die Regierung hat unserem Genauen eine neue Ausweisungsorder zustellen lassen. RakowSki muß also, um die richterliche Ueberprüsung des Bojarenstreiches zu er- mögliche», Rumänien verlassen, und nun nochmals in das ihm verbotene Baterland zurückkehren. Eine Massenversainmluiig der Bukaresier Arbeiter hat gegen die Kulturschande dieses osteuropäisch- balkanischen Vorgehens Protest erhoben. Kommunale Subvention des AibeiterbildmigSwesmS. Die Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt a. M. bewilligte am Donnerstag nach langer und heftiger Debatte zum ersten Male 1000 M. für den Arbciterbtldungsausjchuß. polizeiliches, Omchttühea ukw. Ein ehemaliger ReichsvcrbnndShcld. Im Dezember v. I. berichteten wir über die Verurteil»»» de« Genossen Dahl von der„ T r i b ü n e" in Erfurt zu SV M. Geldstrafe durch das Schöffengericht wegen Beleidigung des Dr. med. Bösser in Weimar, der sich durch einen aus der„Leipziger VolkSztg.' übernommenen Gerichtsbericht beleidigt fühlte. Dr. Bösser war früher in Chemnitz und hat dort i» dem bekannten Orts» krankenkassenstreit eine hervorragende, aber unrühnilichc Roüe ge- spielt. Seine Kompfcöweise gegen die Sozialdemokratie zeichnete sich durch besondere Gehässigkeit aus. wobei nur an die Schnbertbroschüre erinnert werden braucht. Schließlich wurde er selbst wegen Ucber» Vorteilung der Ortskrankcnkasse Chemnitz durch z» hohe Honorar» forderungen auf Grund eine« Schiedsspruches des Chemnitzer Stadt- ratS auf drei Jahre von der KassenpraxiS ausgeschlossen. Weil nun in dein Artikel gesagt worden»var, er habe die Krankenkasse al« melkende Kuh betrachtet, klagte Dr. Bösser. BemerkcnSivert war bei dieser Gelegenheit ein von Dr. B. an unseren Genossen Dahl gerichteter Brief, in dem er diesem »ütteilte, er sei schon seit zwei Jahren aus dem Reichsverbando ausgetreten und habe jegliche Be- ziehungen zu seinen Kreisen abgebrochen, nachdem i h n der Verband schniählich im Stich« gelassen habe; er sei froh, wenigstens seine baren Aus- lagen mit Müh und Not von ihm zurückerhalten zu haben. Gegen das Schöffengerichtsurteil war vom Ge- »offen Dahl Berufung eingelegt worden, die am Montag zur Ver» Handlung kam. Dabei ivurdc Herr Dr. Bösser von dem Angeklagten und seinem Verteidiger derart zugesetzt, daß er schon sein Spiel vor dem Urteilsspruch verloren gab und die Verkündung nicht ab- wartete, das deshalb dahin lautete: Die Privatklag« gilt durch den Privaikläger Dr. Bösser zurückgezogen, das SchöffengerichrSurteil gegen de» Beklagten Dahl lvird aufgehoben und dem Privatkläger werden sämtlich« Kosten auferlegt. E« ist schwer zu begreifen, weshalb der ReichswahrbeitSVerband diese unschätzbare Kraft nicht mehr beschäftigt. Jugendbeiivegung. Der Kamps gegen den„Unterricht". Am Mittwochabend sollte in einer öffentlichen nichlpolitischen Versammlung ein wissenschaftlicher Vortrag gehalten werden. �Die Potsdamer Regierung, Abteilung für schulsawen. hatte jedoch mit ihrem bekannten Scharssinn vorausgesehen, daß das eine Unter- r i ch tS e rt ei lun g werden wllrve. und zwei Polizeibeamte be- auftragt, sich den hierzu angeblich erforderlichen Erlaubnisschein vor- legen zu lassen oder den Vortrag zu inbibieren. Die Bcbörde hatte jedoch ein Loch in ihrer Instruktion gelassen. Und so kam eS denn daß der Reserenl Davidsohn trotz alledem einen Wissenschaft- lichen Vortrag halten konnte, nur daß er an Stelle deS uriprllnglich beabsichtigten ein anderes, nicht minder lehrreiches Thema wählte. � Das ist der Humor der Geschichte— das widerrechtliche Ver- fahren der Behörde, das eine glatte Nichtachtung der Enlscheiduna des Reichsgerichts ist. wird dadurch natürlich um nichts besser. öewerhrcbaftlicbcB# Die„Mästung" durch Hrbcitcrgrofcben. Zu den ständigen Verleumdungen der Arbeiterbewegung gehört die, daß ihre Führer nur deswegen Hetzen und Un- frieden stiften, weil sie durch die Arbeitergroschen ein der- gnügtes Leben führen wollen. Nicht nur die übelste Provinz- presse der rechtsstehenden Parteien, auch die Minister, be- sonders Preußens und des Deutschen Reiches, singest hin und »bieder dieses Lied, wenn sie nicht gerade über— die hohen E-ewerkschafts- und Parteisteuern zetern. i Wie sieht es nun niit der„Mästung durch Arbeiter- groschen" in Wirklichkeit aus? Die Verträge des Vereins Arbeiterpresse, der Interessen- und Unterstützungsorganisation der in der modernen Arbeiterbewegung tätigen Angestellten sehen für Redakteure ein Anfangsgehalt von mindestens 1800 M., für Berichterstatter 1500 M. vor; für die Angestellten der Parteigenössischen Verlage und Buch Handlungen sind Mindestlöhne von 1800 und 2000 M festgelegt worden. Dabei muß beachtet werden, daß die Arbeitszeit des Partei- und Gewerkschaftsangestellten in vielen Fällen in ihrem Umfang durch die vorhandene Arbeit bestlinmt wird, und deswegen oft genug länger als acht Stunden dauert. Wie es in dem Haushaltsbuch eines Partei ange st eilten aussieht, zeigt jetzt eine Veröffentlichung der Mitteilungen des Vereins Arbeiterpresse. Der Mann bezieht als Angestellter der Parteiorganisation 2000 M. Jahresgehalt, dazu kommen 100 M. für ein Nebew amt, Prozente vom Konsum- und einem anderen Geschäft (82,52 M. und 4,60 M.) also 37,12 M., des weiteren Verdienst der Frau durch Wäsche usiv. 10,16 M. und Zimmermiete für einen Schlafgänger 115,20 M. Da am 1. Januar 1910 noch vom vorjährigen Gehalt 93,86 M. vorhanden waren. so standen der Familie, Mann, Frau und zwei kleinen Kindern insgesamt 2365,34 M. zur Verfügung. Die Ausgaben setzen sich nun ivie folgt zusammen: Brot und Flühstücksbrvtchen. 100.69 M., pro Monat 8,38 M. Fleisch und Wurst.... 180.99 ,.., 15,08„ Konsumvereinseinkäufe... 492,69„„„ 41,05„ Milch......... 116,51..„ 9,70„ Fett und Butler..... 70,10„„„ 5,84„ Gemüse. Kartoffeln.... 103,86„„„ 8,65 Lebensmittel zusammen 1064,84 M., pro Monat 88,70 M. Dies sind an Lebensmitteln pro Tag 2,92 Pf., also pro Kopf 73 Pf. l Die weiteren Lebens b e d ü r f n i s s e wurden wie folgt bestritten: Miete........ Licht und Heizung... Kleider, Anschaffungen.. Bügeln der Wäsche... Steuern....... Literatur, Vereine, Beiträge Sonstiges...... Taschengeld des Mannes. 325,00 M., pro Monat 27,03 M. 80,51.,. 6,70. 411,39„„. 34,29. 16,29„ j?. 1,38„ 92,93„„, 7,74.. 80,45. 6,70„ 51.26„„. 4.27„ 135,93„„. 11,27. Gesamtausgabe 2257,93 M.» pro Mon.>88, ll M. Die Ausgaben für Anschaffungen erscheinen etwas hoch, weil Kleider für Mann, Frau und Kinder notwendig waren und auch ein Bett angeschafft werden mußte. Das Taschen- geld des Mannes enthält zugleich Ausgaben für Festlich- keiten usw., es beträgt pro Tag 37 Pf. l So sieht das Budget eines Angestellten der sozialdemo- kratischen Partei aus, der sich nach der Meinung vieler Gegner der Arbeiterbewegung von den Arbeitergroschen mästet. Uns erscheint es so. als wenn der Genosse bei seinen Einnahmen nicht besonders fett geworden sein kann. Aber unsere Gegner werden es ja besser wissen. Berlin und Qmgcgcnd. Tarifbewegung im Tapezierergewerbe. Eine von zirka 1800 vis 2000 Mitgliedern besuchte Versammlung in den„Saphiensälen" nahm Stellung zu den bisherigen Tarifverhandlungen mit den Unternehmern, worüber der Vor- sitzende Zitzewitz in ausführlicher, sachlicher Weise berichtete: Die Verhandlung der Kleber, die am 16. Februar stattfand und an welcher je sieben Unternehmer und Gehilfen teilnahmen, sei im großen und ganzen zufriedenstellend verlaufen. Man unter. handelte dort auf der Grundlage des Tarifes von 1907, welcher fast durchweg angenommen wurde. Wenn man daS als günstiges Vorzeichen für die weiteren Verhandlungen der anderen Branchen glaubte betrachten zu dürfen, so hat diese Annahme einer gründ- lichen Enttäuschung Platz machen müssen. Schon die Verhandlung der beiderseitigen Vertreter für die Magazinbranchc, die am 23. Fe- bruar stattfand und an der neun Unternehmer und acht Gehilfen teilnahmen, zeitigte ein wenig erfreuliches Bild. Es hatte sich hier flugs ein„Verein der Polster- und Ledermöbelfabrikanten" ge- gründet, der einfach durch den Mund des Herrn L i e p m a n n erklären ließ:„Gar nichts bewilligen wir! Förmlich heraus- gepreßt mußten Worte und Zugeständnisse werden, und schließlich wurden von den Unternehmern Vorschläge zu einem Mindest-Ein- heitstarif gemacht, die als völlig unannehmbar bezeichnet werden mußten. Mit einem Ledermöbel-Mindesttarif rückten die Herren Fabrikanten gar erst heraus, als die Verhandlung schon vertagt worden war, weil man sich, obgleich die Gehilfen, zum Entgegen- kommen bereit, schon Reduzierungen vorgenommen hatten, absolut noch nicht verständigen konnte oder wollte. Eine am 24. Februar tagende Sitzung der 32er.Kommission. je 16 Vertreter der Unter- nehmer und Gehilfen, verhandelte ausschließlich die drei Kardinal- fragen: Tarifdauer. Lohn- und Arbeitszeit. Auch hier konnte eine Einigung noch nicht erzielt werden. Auch hier hatten die Arbeiter im Laufe der Verhandlung ihre Forderungen reduziert, um Ent- gcgenkommen zu zeigen und waren bereit, auf einen vierjährigen Tarif einzugehen mit einem Stundenlohn von 75 Pf., ab 1913 80 Pf., und mit einer Arbeitszeit von 49 Stunden, ab 1913 48 Stunden. Die Unternehmer aber wollten nur einen fünfjährigen Tarif mit einem Durchschnittslohn von 70 Pf., nach 2 Jahren 73 Pf., nach 4 Jahren 75 Pf. und mit einer Arbeitszeit von 50 Stunden. Wo aber gemischte Betriebe bestehen und 51 Stunden üblich sind, sollte dieses auch für die Tapezierer bindend sein. Für AüSgelernte will man zwei Jahre lang den Lohn der— freien Vereinbarung überlassen, wie auch für alte und invalide Ge- Hilfen. Nach längerer Diskussion wurde auch hier die Verhandlung auf Montag, den 27. Februar, 5 Uhr. vertagt.— Die Diskussion zu diesem Bericht nahm einen oft stürmischen Verlauf. Der Per- Handlungskommission wurden Vorwürfe gemacht, daß sie Reduzie- rungen vorgenommen hatte, ohne erst eine Versammlung darüber zu befragen. Auf der anderen Seite redete man aber auch der Weiterverhandlung das Wort, und diese Stimmung gewann die Oberhand. Zum Schluß wurde ein Antrag angenommen: die An- erbietungen der Unternehmer zurückzuweisen, zu weiteren VerHand. lungen aber bereit zu sein. Zu den weiteren Verhandlungen wird eine weitere Mitgliederversammlung Stellung nehmen. Die Tarifbewegung der Schildermacher und Helfer wird allem Anschein nach einen normalen Verlauf nehmen. Am 1. März wurden die Tarifverträge 91 Unternehmern zugestellt. Bis Sonn- abend, den 4. März, sollen die Verträge unterschrieben zurückge- sandt sein. Bereits am Freitag, den 3. März, sind eine ganze Anzahl Verträge unterschrieben an die Organisation eingesandt worden. Unter den Firmen, die bewilligten, befinden sich auch solche, die als tonangebend gellen. In allen denjenigen Betrieben, wo Sonnabend abend der Vertrag nicht anerkannt ist, darf am Montag früh die Arbeit nicht aufgenommen werden. Die Streiken- den haben sich am Montag, i>en 6. März, vormittags im„GeWerk- schaftshaus", Engelufer 15, Saal 3, zur Kontrolle zu melden. Die- jenigen Anmacher und Helfer, die bei Firmen beschäftigt werden, die bewilligt haben, erhalten zum Zwecke des Ausweises eine Berechtigungskarte, die am Sonnabendabend im Bureau des Transportarbeiterverbandes, Engelufer 15 II, Zimmer 42, nach Vorzeigung des Verbandsbuches ausgestellt wird. Wer am Mon- tag nicht im Besitze einer solchen Karte ist, von dem ist anzu- nehmen, daß derselbe bei einer bestreikten Firma seine Tätigkeit ausübt. Transportarbeiterverband, Bezirksverwaltung Groß-Berlin. Dcutrcbe» Reich. Zur Tarifbewegung tut Holzgewerbe. Am Donnerstag, den 23. Februar, trat die Zentralschlichtungs- kommission, die gebildet ist vom Deutschen Holzarbeiterverband und dem Arbeitgeberschutzverband für das Holzgewerbe, zusammen, um sich über den Stand der Ortsverhandlungen zu informieren und um zu vereinbaren, in welcher Form insbesondere über die Frage der Arbeitszeit weiter verhandelt werden soll. Schon am Tage vor- her hatten die Zentralvorstände eine gemeinsame Sitzung, in der beschlossen worden war, die zentralen Verhandlungen sofort auf- zunehmen. Daraufhin wurden die Ortsvertreter aus Bremen, Breslau und Stuttgart zum 24. Februar nach Berlin geladen. Wegen der Arbeitszeitfrage wurde vereinbart, daß diese aus den Sonderverhandlungen einer Anzahl Städte von vornherein ausgeschaltet werden sollte und daß hierüber die zentrale Verhand- lungskommission nach Anhörung der Ortsvertreter endgültig ent- scheiden sollte. Die Verhandlungen sind dann am 24. Februar für die ge- nannten Orte und am 25. Februar für Chemnitz, Elber- feld, Aachen, Stralsund und Swinemünde, am 26. Februar für Jena, Eisenach, Forst und E l b i n g, am 23. Februar für Osnabrück, Kirchheim und F i n st e r- walde, am 1. März für Detmold, Herford, Posen und Helmstedt und am 2. März für N e u m ü n st e r aufgenommen worden. Die zentralen Verhandlungen spielten sich in derselben Form ab, wie in den letzten Jahren. Jede Stadt verhandelte zu- nächst über die Frage der Arbeitszeitverkürzung vor dem Forum der zentralen Kommission im Beisein der Verbandsvorstände. Im Verhandlungsplenum haben die Ortsvertreter zu erklären, ob sie sich einem Schiedsspruch unterwerfen; diese Erklärung haben bisher alle Ortsvertreter ohne Vorbehalt abgegeben. Die zentralen Verhandlungen gestalteten sich äußerst schwierig. Am 28. Februar waren alle Verhandlungen gescheitert und die Ortsvertreter verließen abends noch Berlin. Die zentrale Ver- Handlungskommission trat dann am 1. März nochmals zusammen, um daS Schlußprotokoll aufzusetzen. Bei dieser Gelegenheit ver- einbarte die Kommission dann, zunächst über die Städte B r« m e n, Breslau und Stuttgart einen Schiedsspruch wegen der Arbeitszeitverkürzung zu fällen. Nachdem dies geschehen, sollten die.Verhandlungen für alle Orte sofort wieder aufgenommen werden. Auf Beschluß der Kommission traten am nachmittag des- selben Tages die Pcrbandsvorstände unter Hinzuziehung der noch anwesenden Ortsvertreter zu einer Plenarsitzung zusammen und dort wurde der für die genannten Städte gefällte Schiedsspruch über die Arbeitszeit bekanntgegeben. Die abgereisten OrtSvertreter sind dann telephonisch wieder nach Berlin beordert worden, so daß gegenwärtig wieder auf der ganzen Linie verhandelt wird. Donnerstag vormittag war ein endgültiges Resultat noch für keine Stadt erzielt, doch läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß in den nächsten Stunden die Entscheidung für einige Großstädte kommen mutz, wovon der Fortgang der Verhandlungen überhaupt abhängt. In Bremen häben inzwischen die Tischler die Arbeit allgemein eingestellt, auch in Chemnitz und B r e s lau ruht in einer Anzahl Betrieb« die Arbeit. Trotzdem werden die Ver- Handlungen vorläufig fortgesetzt, und wenn nicht weitere Zwffchen- fälle eintreten, ist zu hoffen, daß die Verhandlungen für eine größere Anzahl Orte zu einem endgültigen Resultat führen werden._ Erfolgreiche Lohnbewegung im Schuhgewerbe. Der Zentralverband der Schuhmacher leitet« in Burg bei Magdeburg eine Bewegung zur Erringung des neunstündigen Arbeitstages ein. Die Verhandlungen, die von der Organisation der Arbeiter mit den Fabrikanten geführt wurden, waren erfolg- reich. Der neunstündige Arbeitstag wurde den Arbeitern gewährt, außerdem ein Ähnaufschlag von 10 Prozent(gefordert waren 25 Prozent) für Ueberstunden. DaS ist die dritte Lohnde- wegung, die zugunsten der Schuhmacher in Burg auf dem Wege friedlicher Vereinbarung erfolgreich erledigt werden konnte. Diesen Erfolg haben die Schuhmacher ihrer guten Organisation zu verdanken; von 2073 am Orte beschäftigten Schuhmachern ge« hören 1954 der Organisation als Mitglieder an. Tarifabschlutz in der Breslauer Metallindustrie. Zwischen dem Metallorbeiterverbande und den Arbeitgebern in der Zentral-HeizungS-Jndustrie in B r e S l a u ist ein neuer Tarif abgeschlossen worden, der mit dem 1. April 1911 eine Erhöhung der Löhne aller beteiligten Arbeiter mit sich bringt. Von den Arbeit- gebern im Schlossergewerbe ist der mit dem Melallarbeiterverbande abgeschlossene Minimallohntaris nach zweijähriger Dauer gekündigt worden. Achtung, Tabakarbeiter! Jn'Schönaich und Stuttgart (Württemberg) befinden sich die Tabakarbeiter im Abwehrstreik und im Kampf um Aufbesserung ihrer traurigen Lage. Um letzteres zu erreichen, schlössen sich die Arbeiter dem Deutschen Tabakarbeiter- verband an. Die Firma Gotthilf Schrägle entließ darauf 10 bis 15 Jahre lang beschäftigte Arbeiter, 14 an der Zahl, darunter den Ortsvorstand der Organisation. Durch diesen Terrorismus glaubte die Firma die Organisation am Orte sprengen zu können. Die gesamten Kollegen der Entlassenen erklärten sich mit diesen solidarisch, forderten Zurücknahme der Maßregelung, Wiedqrein- stcllung der Entlassenen und außerdem 75 Pf. Lohnerhöhung für ?igarren mit Wickel pro Mille. Bei der Firma G. Boden- e i m e r, bei der die Löhne noch niedriger sind als bei Schrägle, stellten die Arbeiter Lohnforderungen. Beide Firmen lehnten Unterhandlungen und Entgegenkommen ab. die Arbeiter reichten ihre Kündigung ein und legten nach Ablauf der Kündigungsfrist die Arbeit nieder. Durch die Gauleitung angebahnte Unterhandlungen wurden ebenfalls abgelehnt. Beide Orte und die Betriebe beider Firmen sind seitens der Organisation gesperrt; die Kollegen wollen sich dieses merken. Alle, beide Firmen betreffende Mit- teilungen über ProduktionSerweiterung oder Absatzgebiet wolle man umgehend an untenstehende Adresse melden. Im Ausstand befinden sich 245 Personen, darunter viele Familienväter. Ad. Heising, Gauleiter, Stuttgart 13, Florianstr. 81. Der Stuttgarter Fliescnlrgertarif, der im Jahre 1903 abge- schlössen wurde, läuft mit dem 3t. März d. I. ab. Die im Ver- band württembergischer Plattengeschäfte organisierten Firmen haben den Arbeitern mitgeteilt, daß sie bereit seien, den ablaufenden Tarif- vertrag auf zwei Jahre zu verlängern. Die Fliesenleger haben hierzu am 1. März Stellung genommen in der Weise, daß sie eine Kommission einsetzien, die die Wünsche der Arbeiter formulieren und demnächst einer weiteren Versammlung unterbreiten soll. Die KonfettionSschneider in Jchenhausen(Schwaben) haben sämtliche im Verband der Schneider und Schneiderinnen organi- sierten Konfektionsschneider— durchweg Heimarbeiter— die Arbeit niedergelegt, nachdem die Verhandlungen mit den Unternehmern gescheitert waren. Den Unternehmern wurde durch die verräterische Haltung der Christlichen der Rücken gesteift, die hinter dem Rücken der übergroßen Mehrheit einen eigenen Tarif abschlössen und sich mit einem ganz minimalen ZugesmndniS begnügten. In Bewacht kommen rund 160 Streikente, 4 Christliche arbeiten weiter, ebenso ein halbes Dutzend Unorganisierte. Da die Unternehmer voraus« sichtlich ihre Arbeit nach auswärts zu vergeben suchen, wird gebeten, genaues Augenmerk auf solche Arbeitsangebote zu richten. Zustand, Die holländische Getverkschaftsbewegung. Die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Gewerkschaften Hollands haben im verflossenen Jahre mit Erfolg an ihrer Weiterentwickelung gearbeitet. Ihre Zentrale, der Per- band der Fachverbände, bestand am 1. September 1909 aus 27 Ver- bänden mit 39 640 Mitgliedern, und am selben Datum des Jahres 1910 waren es bereits 28 Verbände mit 42 679 Mitgliedern. Das ist zwar kein besonders starker Zuwachs, jedoch viel in einem Lande, wo die Gewerkschaftsbewegung von Anfang an so zersplittert war und noch jetzt ist wie in Holland. Die konfessionellen und interkon» fessionellen christlichen Organisationen spielen dort noch immer eine gewisse Rolle, während es mit den anarchistischen oder antipoliti- scheu Organisationen immer mehr zurückgeht. Das Nationale Arbeitssekretariat, das vor 16 Jahren 15 728 Mitgliede'' zähuc, wird jetzt wohl kaum 4000 haben. Uebrigens ist diese Zenirale jetzt mehr und mehr von ihrem alten Grundsatz, jede Beschäftigung mit politischen Dingen abzulehnen, zurückgetreten und hat zum Beispiel beschlossen, gegen die staatliche Zwangsversicherung und für die Staatspensionierung der Arbeiter Propaganda zu machen. Der grundsätzliche Abscheu vor der Politik, durch den man die Daseins- Berechtigung dieser Sondcrorganisationen bislang zu rechtfertigen suchte, ist also gewissermaßen preisgegeben. Die modern organisierten Arbeiter haben im verflossenen Jahr in verschiedenen Berufen mit mehr oder minder gutem Er- folg Lohnbewegungen durchgemacht. Großes Aufsehen erregte die Bewegung im Baugewerbe Amsterdams, die jedoch von den Anarchisten hervorgerufen worden war. Die anderen Organisa- tionen des Baugewerbes hatten seit 1903 einen Tarifvertrag mit den Unternehmern und keinerlei Neigung, diesen Vertrag zu brechen, die anarchistisch organisierten Bauarbeiter legten auf Ar- beitsplätzen, wo sie die Mehrheit hatten, mitten im Winter die Arbeit nieder und suchten damit auch ihre modern organisierten Kollegen in den Kampf zu zwingen, somit zum Tarisbruch zu nötigen oder stempelten sie zu Streikbrechern. Das Unternehmer- tum veranstaltete eine allgemeine Aussperrung. Daß bei dieser Bewegung in der ungünstigsten Zeit des Jahres nichts erreicht werden konnte, ist selbstverständlich.— Ein weiterer großer Kampf des verflossenen Jahres war die allgemeine Textilarbeiteraussper- rung in Enschede, die von den Fabrikanten wegen eines kleinen Streiks bei einer einzigen Firma veranstaltet wurde. Ter Kampf wurde von der Arbeiterschaft mit rühmenswerter Einmütigkeit auf- genommen, jedoch vorzeitig und ohne sicheren Erfolg aufgegeben auf Verlangen der christlichen und sogenannten freien oder anarchi- stischen Organisationen. Der mooerne Textilarbeiteverband, der eine gute Stütze in der Zentrale der Fachvcrbände hatte, hätte den Kampf gerne noch weiter durchgeführt, was jedoch ohne die Hilfe der anderen Organisationen aussichtslos gewesen wäre. Einen Einblick in die Zersplitterung der holländischen Fach. organisationen gibt der soeben erschienene Bericht des staatlichen Zentralbureaus für Statistik vom 1. Januar 1910. Danach hatte an diesem Datum das Nationale Arbeitssekretariat 3454 Mitglieder, der Verband der Fachverbände 40 660, die nationale Federation 6587, und das Bureau für die römisch-katholische Fachorganisatton 11650 Mitglieder._ Soziales* „Ms ins dritte und vierte Glied". Im„Neurologischen Zentralblatt"(1910 Nr. 14, Leipzig, Veit u. Co.) hat Dr. Max Sichel. Assistenzarzt an der Städtischen Irren- anstalt zu Frankfurt a. M., die Ergebnisse einer Untersuchung ver- öffentlicht, die sich auf 303 in die genannte Anstalt in den Jahren 1907/08 aufgenommene alkoholbelastete Personen bpzog. Von ganz besonderem Interesse sind dabei die Angaben, die sich auf die Nach- kommcnschast der aus Trinkerfamilien stammenden Kranken/also die Enkelkinder der dem Trunk ergebenen Individuen beziehen. Dq sie sich im großen ganzen auf die Mitteilungen der behandelten Kranken selbst bezw. ihrer Angehörigen stützen, bleiben sie hinter der Wirklichkeit icdenfalls noch zurück. Por allem fällt der große Prozentsatz der Ehen, die unfruchtbar blieben, auf: bei 130 verhei- rateten Kranken waren 22 Ehen ohne jeglichen Nachwuchs(auch keine Mißfälle, keine Totgeburten). Pon 10 Ehen ließ sich über die Nachkommenschaft nichts Sicheres ermitteln, so daß das nachfolgende Ergebnis sich lediglich auf die Nachkommenschaft von 98 Familien erstreckt. Während 205 Kinder aus diesen als gesund bezeichnet wurden und bei 118 hinsichtlich ihrer Gesundheitsverhältnisse nichts Näheres bekannt geworden ist, wurden 52 nicht ausgetragen, 20 kamen tot zur Welt. 75 starben kurze Zeit nach der Geburt, 21 an Krämpfen, 32 an Jnfektionskrankheitcen. Störungen der Per» douungSorgane usw.— also im ganzen 200 Individuen, die vor. bei oder kurz nach der Geburt zugrunde gingen. Unter den Ueber« lebenden traten bei einem nicht geringen Prozentsatz frühzeitig Erkrankungen des Nervensystems. Krämpfe, Schwachsinn, Hysterie usw. in Erscheinung.„Wir gehen wohl nicht fehl in der An- nähme", bemerkt Dr. Sichel,„daß gerade über diesen Punkt unsere Tabelle nicht den wirklichen Sachverhalt wiedergibt, daß die Zahl der an Krankheiten des Zentralnervensystems leidenden Jugend» lichen sich bei weitem höher stellt, als dieS in unserer tabellarischen Ucbersicht zum Ausdruck kommt. Von einigen wurde berichtet. daß sie bereits Bekaurrlschaft mit einer Erziehungsanstalt gemacht haben; andere Hutten das Elternhaus in jungen Jahren verlassen und waren verschollen." Dr. S. fügt noch verschiedenes bei, was die geistige und sittliche Entartung des Nachwuchses der Trinker- familien in betrübendster Weise veranschaulicht. So interessant die Sichelsche Arbeit ist, dürfte der Schluß, daß die traurigen Folgen allein auf den Alkohol zurückzuführen seien, sehr einseitig sein. Die wirtschaftlichen Perhältnisse, unter denen die Beobachi- teten lebten, dürften zum mindesten zum Teil die Ursache des übermäßigen Alkoholgenusses und seiner Schädlichkeit sein. Ueber die Frage deS ReichSeinigungSamt» spricht der frühere preußische Handelsminister Dr. Freiherr v. Berlepsch am 8. März, abends 8 Uhr, im Biirgersaale deS Per» liner Rathauses in einer von der Gesellschaft für Soziale Reform, Ortsgruppe Berlin, veranstalteten öffentlichen Versammlung. letzte ffoebriebten. Die Bernsteiu-Skandale. Paris, 3. März.(W. T. B.) B e r n st e i n hak sein Stück „Apres moi" freiwillig vom Theatre Francaise zurückgezogen. Bekanntlich hat es wegen des Dichters, der vor einigen Jahren sich seiner Militärpflicht durch Desertion entzogen hatte, in den letzten Tagen allabendlich im und vor dem Theater Skandalszenen gegeben._ Schweres Unglück bei ciuer Flngveranstaltnng. Madrid, 3. März.(W. T. B.) Während des SchauflugeS eines französischen AviatikerS streifte sein Flugzeug daS Publikum. Eine Frau wnrde hierdurch getötet, virr Zuschauer schwer und drei leicht verwundet. Der Aviatiker selbst blieb unverletzt. Opfer der Pest. Eharbin, 3. März.(W. T. B.) Gestern sind hier fünf Personen an der Pest gestorben._ Rnssisch-chinefischer Konflikt. Eharbin, 3. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentur.) Auf der Bahnstation I r e k t e i überfielen chinesische Soldaten eine Anzahl Chinesen, welche für eine russische Holz» konzesjionSgesellschast arbeiteten. Die Soldaten verjagten die Ar, bester und beschädigten die Schienen einer Zweigbahn. worden. Unter den Firmen, die bewilligten, befinden sich auch mit einem ganz minimalen Zugeständnis begnügten. In Bettacht beiter und beschädigten die Schienen einer Zweigbahn._ veränlwTRedäkteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.; Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt PaulSinger& Co..Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterbaltnngstt. 9t. 51. 28. Iahrgimg. t Irilnjf Ks ,, ZollNllbeitd, L März 191L Reichstag» 14 0. Sitzung. Freitag, den 3. März 1011, nachmittags 1 Uhr.---- Am BundeSmtstisch: v. Heeringen. Znieite Beratung des Militäretats. Siebenter Tag. Die Beratung der Kapitel„Artillerie und Waffenwesen" und ..«.echnische Institute" nebst den dazu gestellten Resolutionen wird fortgesetzt. Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Die uneingeschränkte Koalitions- freiheit der staatlichen Arbeiter verlangen wir nicht; das Beispiel Frankreichs zeigt, wie gefährlich das für den Staat und das gesamte Wirtschaftsleben sein kann. Auf keinen Fall dürfen Or- ganrsationen Eingang finden in den staatlichen Betrieben, die in letzter Linie sich gegen die Grundlagen des Staates richten.— Den beiden vom Zentrum beantragten Resolutionen werden meine Freunde zustimmen. Dagegen lehnen wir die sozial- demokratische Resolution ab; so sympathisch uns die darin ent- haltenen Forderungen sind, so ist die Resolution doch überflüssig; die Zentrumsresolutionen genügen. Die sozialdemokratische Resolu- tion hat Herr H u e beim Marineetat begründet, aber dabei hat er ganz falsche Ausführungen über die Wohnungsvcrhältnisse bei Krupp und in der Madt-Essen gemacht, die ich hier richtigstellen will.(Vizepräsident Spahn verhindert den Redner an diesen Ausführungen, als nicht zur Sache gehörig. Abg. H u e(Soz.): Lassen Sie ihn doch reden!) Abg. Freiherr v. Gamp(Rp.): Herr Potthoff hat gestern über das unnütze Reden geklagt. Tatsächlich gibt es in der ganzen Welt kein Parlament, das sich mit solchen Lumpereien beschäftigt und soviel Zeit vertrödelt, wie der Deutsche Reichstag. Den Ar- beitern dürfen in den staatlichen Betrieben nicht andere Bedin- gungen gewährt werden, als in privaten Betrieben gleicher Art. Die Resolutionen würden am besten zurückgezogen werden; viel steckt nicht drin, und es ist ziemlich gleichgültig, ob sie mit 00 gegen 40 Stimmen angenommen werden. Abg. Dr. Becker-Köln(Z.): Herr Potthoff hat gestern unsere Resolution zu einem späteren Titel betr. der Versorgung invalider Arbeiter und der Witwen und Waisen getadelt; dabei haben seine Freunde im preußischen Abgeordnetenhause für die Staatsarbeiter. ebenfalls Resolutionen eingebracht.(Hört! hörtl im Zentrum.) Der Redner befürwortet dann in weiteren Ausführungen die Zen- trumsresolution über den Ausbau der Arbeiterausschüsse in den Militärbetrieben. Abg. Zubeil(Soz.)': T' Es war ein Schauspiel für Götter, hier einen Arbeiter zu sehen, der gegen die unbeschränkte Organisationsfreiheit der Arbeiter«intrat. Es ist die heiligste Pflicht der Arbeiter, ihre Organisation auszubauen. Me ihre Organi- sationen, auch die freien Gewerkschaften, Herr Behrens, stehen auf gesetzlichem Boden und sind nicht als staatsfeindlich zu be- zeichnen.— Herr v. Gamp meinte, der Deutsche Reichstag be- schäftige sich mit Lumpereien; wir halten die Beschäftigung mit Arbeiterfragen für mindestens ebenso wichtig, wie neue Militär- vorlagen und Vorlagen wegen des Baues neuer Schiffe. Die Arbeiter der Geschotzfabrik Siegburg bitten, in der Unterschlagungssache bei der Krankenkasse noch einmal eine un- parteiische Untersuchung zu veranstalten und einen un- beteiligten Offizier damit zu betrauen, statt des Oberleutnants Alem, der die Aufficht über die Krankenkasse zu führen hatte und daher daran interessiert war, daß die Untersuchung über die Un- regelmästigkeiten. die er doch hätte entdecken und verhindern müssen, picht zu viel ans Licht brachte. Die Arbeiter be�m Feuerwerkslaboratorium in Spandau beschweren sich darüber, daß einerseits Arbeiter mit 0,40 M. Tagelohn eingestellt werden, während andererseits Ar- beiter, die schon 20—30 Jahre dort beschäftigt sind, nur auf einen Höchstlohn von 4,80 M. kommen; sie bitten, sie doch wenigstens auf 5 M. kommen zu lassen. Man sollte überhaupt statt der vielen Lohnklassen nur deren zwei oder höchstens drei einführen. Dann habe ich noch eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen. die im vorigen Jahre großes Aufsehen erregt hat. Am 7. April war in den Betrieben der Heeresverwaltung in Spandau folgende Bekanntmachung angeschlagen: „Ein Vertreter der A. E. G. wird nachmittags eintreffen, Rlemes Feuilleton. Sprechend« Tiere. Der„sprechende Hund' aus der Letzlinger Heide wurde dieser Tage im Hamburger Zoologischen Garten von dessen Direktor Prof. Vosseler einem engeren Kreise vorgeführt. Herr Vosseier brachte das angebliche neue Weltwunder von von;- herein in den rechten Zusammenhang, indem er von anderen „sprechenden" Tieren ausging. Bekanntlich haben unter den Vögeln die Papageien eine außerordentliche Fähigkeit zur Nach- ahmung menschlicher Töne und Worte. Neben den Papageien zeichnen sich die Rabenvögel(Elstern, Krähen. Dohlen und vor allen; die Stare) durch gelehriges Nachplappern häufig vorgesprochener Worte aus. Zum Nachpfeisen vorgesungener Melodien lassen sich außerdem noch Wellensittiche, Gimpel und Kanarienvögel abrichten. Unter den Säugetieren scheint die Fähigkeit, menschliche Laute hervorzubringen, weit weniger ausgebildet. Zwar hat schon im Altertum Plinius von einem sprechenden Hund berichtet, doch ist seine Ueberlieferung weniger glaubhaft als die Beobachtungen, die von dem Philosophen Leibniz und dem Philologen Perty gemacht wurden. In neuerer Zeil ist mehrfach von sprechenden Seehunden. Wal- rossen und Hirschen berichtet worden, ohne daß diese Nachrichten als verbürgt gelten könnten. Auffällig ist, daß man bisher bei den Affen, den menschenähnlichsten Tieren, noch keine Sprechvcrsuche beobachtet hat. Immerhin ist anzunehmen, daß die Affen eine eigene Verständigungssprache haben. Der Hund hat offenbar den besseren Willen, vielleicht auch bessere Organe zu Sprechübungen. Zwar fehlen ihm die Lippen und seine Zunge ist wenig gelenkig, aber dafür besitzt er ein ausgezeichnetes Gehör, das ihn befähigt, Laut und Tonhöhe nachzuahmen. Dagegen ist die Länge seines HalseS wieder ein Hindernis, was zur Folge hat, daß sein„Sprechen" so undeutlich wird, wie beim Menschen, wenn dieser durch eine Röhre spricht. Ueber den Hund Don erfuhr man, daß er 7'/z Jahre alt ist und seit längerem von selbst menschliche Laute nachgeahmt habe. Später suchte man dann nicht durch Zwang, sondern durch Be- lohnungen seine Talente zu entwickeln. Sein„Sprechen" ist also im Grunde nichts weiter als eine durch Nachahmungstrieb erreichte Ver- vollkommnung der Laute, mit denen sich die Tiere von jeher dem Menschen verständlich zu machen suchen. Und wenn nicht ein Zeitungsmann, der sich mit der Tochter des Hundebesitzers verlobte, dazu gekommen wäre, würde Don wohl der Letzlinger Heide vorbehalten geblieben sein. Der„Donsche Sprach- schätz" wird also geschildert:„Don" beantwortet die Frage nach seinem Namen mit einem Laute, �der wie„ong" klingt. Das„D" hervorzubringen, ist ihm nicht möglich. In buntem Wechsel kamen dann, als das Fräulein ihm den Futterteller vorhielt, die ziemlich deutlich vernehmbaren Worte:„haben",„Kuchen",„Hunger" heraus. auch„Ru-he" sagt er mit deutlicher Silbentrennung, was ihm nicht geringe Anstrengung verursacht. Professor Vosseler wies auf diese Anstrengung besonders hin als Beweis dafür, daß das.Sprechen" um sich bei den Arbeitern zwecks Einstellung in die A. E. G. über ihre Fertigkeiten zu unterrichten. Samtliche gekündigte Arbeiter haben sich um 2 Uhr bereit zu halten; die Vorstellung erfolgt im Sitzungszimmer." In der A. E. G. waren damals 600 Arbeiter ausständig, die sich einen Abzug der Akkordsätze nicht gefallen lassen wollten. Die Berliner Verwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes richtete am 11. April an den Kriegsminister eine Beschwerde dar- über, daß den Arbeitern, die sich auf den Anschlag hin vorstellten, verschwiegen wurde, daß in der A. E. G. gestreikt wurde und daß sie als Streikbrecher dienen sollten.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Es kommt der Militärverwaltung in keiner Weise zu, sich in die Lohnkämpfe privater Betriebe einzumischen. Unterm 29. April traf die Antwort des Kriegsministeriums ein, die dahin lautete, daß zur Zeit der Bekanntmachung im Feuerwerkslaboratorium von dem Streik nichts bekannt war; die Arbeiter sollten nicht als Streikbrecher dienen, sondern die A. E. G. hatte mit- geteilt, daß 200 Arbeitern bei ihr gekündigt war, und daß sie dafür Ersatz such«. Es ist doch sehr, sehr sonderbar, daß die Leitung der Königlichen Betriebe in Spandau gar nichts von dem Streik wußte, der damals in Berlin so großes Aufsehen hervorrief; das ist um so merkwürdiger, als sie verlangte, die Arbeiter sollten sich für den Vertreter der A. E. G. bereithalten, der sich über ihre Fertigkeiten unterrichten wollte. Als die Spandauer Arbeiter in Berlin erfuhren, wozu sie mißbraucht werden sollten, da hatten sie soviel gesunden Sinn, es abzulehnen, als Streikbrecher ein- zutreten, und nunmehr verständigte sich die A. E. G. mit ihren eigenen Arbeitern sehr schnell und bewilligte deren Forde- rungen. In Zukunft möge die Militärverwaltung ihre Finger da- von lassen, wenn ein Kampf zwischen Unternehmern und Arbeitern besteht, in irgendeiner Weise helfend für die Unternehmer einzu- springen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Generalmajor Wandel: Der Abgeordnete Döhle behauptete gestern, daß die Arbeiter in den Militärwerkstätten vielfach sozialdemokratisch seien. Ich bin überzeugt, daß die Ar- beiter mit diesem Urteil nicht einverstanden sind.(Zustimmung rechts.) Herr Bühle bemängelte auch die Löhne der Militärarbeiter in Straßbury. Sie betragen dort 3,40 M., während im übrigen Straßburg der durchschnittliche Lohn 3,33 M. ist.— Ueber den vom Abgeordneten Zubeil angeführten Siegburger Fall weiß ich nichts.— Bei den Leuten in Spandau, die zu einem höheren Lohn eingestellt werden, handelt es sich um Leute mit besonderen Ge- schicklichkeiten.— Bei den von ihm zuletzt angeführten Fall habe ich dem Bescheide, der seinerzeit vom Kriegsministerium erteilt ist, nichts hinzuzufügen. Es war tatsächlich im Feuerwerkslaborato- rium von dem Streik nichts bekannt. Abg. Sommer(Vp.) bringt Wünsche der Feuerwerks- und Zeugoffiziere vor; sie wünschen namentlich bessere Avancementsverhältnisse. Generalmajor Wandel: Wir sind bestrebt, die Avancements- Verhältnisse dieser Offiziere aufzubessern. Abg. Schwarze-Lippstadt(Z., sehr schwer verständlich) pole- misiert gegen die Abgeordneten Zubeil, Bühle und Potthoff. Abg. Hue(Soz.): Ein paar Worte zur Begründung unserer Resolution. Mr verlangen in ihr von der Militärverwaltung, daß sie Arbeiten nur an Firmen vergibt, die die gesetzlichen Borschriften in bezug auf die Arbeitsbedingungen befolgen und die zum Abschluß von Tarif- Verträgen bereit sind, und wir verlangen ferner, daß die Fesffetzung und Neuordnung von Arbeitsbedingungen in den Militärbetrieben unter Mitwirkung der Arbeiterausschüsse erfolgt. Mir haben eine entsprechende Resolution bekanntlich schon beim Marineetat gestellt, und ich beziehe mich im wesentlichen auf das, was ich damals aus- geführt habe. Gegenüber den Beanstandungen, die meine damaligen Ausführungen von verschiedenen Seiten gefunden haben, will ich nochmals betonen, daß bei den wichtigsten Firmen, die für die Staatslieferungen in erster Linie in Betracht kommen, Herabsetzung nicht nur der Akkordlöhne, sondern auch der Zeitlöhne stattgefunden hat.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.). Wie nötig die Zu- ziehung und der wirksame Ausbau der Arbeiterausschüsse ist, die jetzt bielfach nur auf dem Papier stehen, ist häufig auch von feiten des Zentrums anerkannt worden. Darin, daß Arbeiter- ousschüsse Schattenbilder sind, wenn nicht auf Grund der vollen Koalitionsfreiheit kraftvolle Arbeiterorganisationen dahinter stehen, eine gewisse Willensanstrengung des Hunde? erfordert, die dieser aber völlig freiwillig leistet. Ueber den Sinn der hervorgebrachten Laute ist er sich nicht immer klar. Von einem Sprechen im mensch- lichen Sinne kann also gar keine Rede sein. Der Kampf um einen Rcmbrandt. In England spielt sich zur- zeit ein Vorgang ab. der charakteristisch ist für die Abhängigkeit des Kunstbcsitzes eines ganzen Landes, von den Geldbedürnisien der zu- fälligen Besitzer und dem zufälligen Luxusbedürfnis irgend eines Amerikaners. Ein Meisterwerk Rembrandts, eine der herrlichsten Landschaften, die er geschaffen, die berühmte„Mühle", die dem Lord Lansdowne gehört, entfesselt einen aufgeregten Kampf, in dem die Freigiebigkeit des englischen Volkes dem Angebot eines amerika- nischen Millionärs gegenüberstehen soll. Aus dem Lande der Dollars ist nämlich Lord Lansdowne für das Gemälde die Summe von zwei Millionen Mark geboten worden, und wenn er auf diesen Antrag eingeht, ist die köstliche Perle von Rembrandts lichtdurchfluteter Raum- kunst für England, für ganz Europa verloren. Der Lord hat der Verwaltung der National Gallery von dem Gebot Mitteilung ge- macht und ihr da? Vorkaufsrecht für das Bild zugesichert, wobei er zugleich erklärte, daß er bei einer öffentlichen Subskription mit der Zeichnung von 100 000 M. den Anfang machen werde. In einem Interview erklärte der Direftor der National Gallery, daß er die „Mühle" für ein« der schönsten Bilder in ganz England halte. Die große Frage sei nur, wie man das Geld für ihre Erwerbung aufbringen könne. Als es gegolten habe, HolbeinS„Herzogin von Mailand" England zu erhalten, da habe ein öffentlicher Aufruf kaum ein Viertel der geforderten Summe von 1 200 000 M. eingebracht, und nur durch die Spende eines anonymen großherzigen Kunstfreundes fei es möglich gewesen, die anderen drei Viertel auf« zubringen. Holroyd hofft, daß sich auch jetzt wieder einige patriotische Männer finden werden, die diesen Schatz dem Vaterlande erhalten; denn für doS Museum würde die„Mühle" die wundervollste und unersetzliche Bereicherung bedeuten. Das Dorf der Hosenröcke. Während der von den Pariser Schneidern mit soviel Elan lancierte Hosenrock in allen Kultur- staaten der Gegenstand eifriger Diskussion ist, erinnert ein italieni- sches Blatt daran, daß diese Neuheit in einem freundlichen Schweizer Dorfe im Kanton Wallis seit Jahrhunderten und ohne die Hilfe der Reklame bei den Frauen Sitte und Brauch ist. 1952 Meter über dem Meeresspiegel liegt zwischen grünenden Wiesen und lauschigen Wäldern das anmutige Dörfchen Ehamperh. Einige hundert Meter höher entspringt in den Bergen eine alkalische Schwefelquelle- Die 090 Menschen, die die Gcmeindy- Champery bilden, ernähren sich fast ausschließlich durch Viehzucht, das Amt der Hirten ist ihr Lebensinhalt. In>den Sommermonaten verlassen die Leute das Dorf und ziehen hinauf auf die benachbarten Berge. den Winter wiederum vereinigen sich alle im Tale. Die Frauen von Champery aber tragen seit unvordenklichen Zeiten den Hosen- rock, ja sie sind konsequenter als die Pariser Schneider, suchen ihre Tracht nicht unter Stoff und Chiffondrapierungen diskret zu ver- hüllen, sondern tragen einfqch Männerhosen, ohne ldaraus be, werden, glaube ich, die Vertreter aller gewerkschaftlichen Organi- sationen hier im Hause mit mir übereinstimmen. Herr Behrens bestreitet neuerdings sehr nachdrücklich den in Staatsbetrieben be- schäftigten Arbeitern das Recht auf volle Koalitionsfreiheit. Es gab eine Zeit, da diese Anschauung in der christlich-nationalen Ar- bcitcrschaft nicht die herrschende war. 1903 auf dem Kongreß der christlich-nationalen Arbeiter erklärte unser jetziger Kollege Schiffer, dos; es gegen die elementarsten Grundsätze des Rechtsstaates verstoße, wenn den in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeitern die volle Koalitionsfreiheit vorenthalten werde. �(Leb- Haftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Ich weiß, daß Herr Behrens und sein Freund Schock(Heiterkeit) auch da- mals eine andere Stellung eingenommen haben. Wem: aber Herr Behrens sich jetzt auf seinen Patriotismus, auf seine Königstreue beruft und uns als antinationale Staats- und Volksfeinde de- nunziert, so will ich ihn daran erinnern, daß vor noch nicht langer Zeit die Dillenburger Handelskammer in einem amtlichen Bericht von der„Verhetzung" sprach, die durch„christlich-soziale" Agitatoren getrieben werde unir durch die dßs gute Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbennehmcr gestört, die_ Königs- und Staatstreue vernichtet werde usw.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Also Herrn Behrens werden da dieselben Vorwürfe gemacht, die er uns macht.. Man hat mir auf Grund meiner Ausführungen zum Marine« etat den Vorwurf gemacht, daß ich in gehässiger Weise gegen eine einzelne Firma, die Firma Krupp, vorgegangen sei. Ist mir gar nicht eingefallen! Was wir bekämpfen, das ist das kapita- listische System, nicht die einzelne Firma, die selbstredend sich nicht von den Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise eman- zipiercn kann. Was ich angeführt habe von den schauderhaften Essener Wohnungsverhältnissen, das stützte sich auf amtliches Material.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist mir gar nicht eingefallen, für diese Wohnungsverhältnisse die Firma Krupp verantwortlich zu machen. Wohl aber mache ich für diese Zustände das ganze System verant- wortlich, dies System des Militarismus» das Milliarden über Milliarden für den Militarismus und Marinismus verschlingt und nichts übrig läßt für Kuliuraufgabcn.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Vertreter der Firma Krupp hier im Hause, Herr Behrens(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) hat auch die Richtigkeit meiner Angaben angezweifelt. Demgegen- über habe ich zu erklären, daß sich das, was ich ausgeführt habe, im Einklang befindet mit einem auf genauen, eingehenden und objektiven Studien beruhenden Buche, das zum Verfasser den Dr. Lorenz Pieper hat, den Bruder unseres Kollegen Pieper vom Zentrum(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten). Geradezu schauerliche Einzelheiten werden in diesem Buche enthüllt. Da-werden Fälle angeführt, in denen 0 Personen gemeinsam ein Bett bcuützen.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.— Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Schwcrin-Löwitz: Herr Abgeordneter, ich muß Sie doch bitten, sich mehr an den Militärctat zu halten(lebhafte Zustimmung im Zentrum und rechts) und sich nicht so ausführlich über die Essener Wohnungsverhältnisse zu verbreiten. Abg. Hue: Ich wäre nicht so ausführlich auf diese Dinge ein« gegangen, wenn ich nicht von Herrn Behrens dazu provoziert worden wäre.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber den Angriffen der parlamentarischen und außerparlamentarischen Vertreter der Firma Krupp hatte ich das Recht, die Richtigkeit meiner Angaben nachzuweisen und u. a. mich auch auf das Piepersche Buch zu berufen.(Sehr richtig! bei den So- zialdemokraten. Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Schwcrin-Löwitz: Es ist etwas anderes, auf einen Angriff kurz zu antworten und mit solcher Ausführlichkeit auf Dinge einzugehen, die wirklich mit dem Militäretat nur in sehr losem Zusammenhange stehen.(Lebhaste Zustimmung rechts.— Slbg. Dr. Arendt ruft überlaut: Sehr rickstig!) Abg. Hue: Ich glaube schon, Herr Arendt, daß Ihnen Aus- führungen über Folgeerscheinungen des Kapitalismus nicht ge« fallen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.)— Im übrigen stehen diese Dinge allerdings im engsten Zusammen» hange mit unserer Resolution, die wir zum Militäretat gestellt haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die amt» lichen Berichte der Wohnnngsinspektion beweisen, daß die Verhält- nisse seit 1905 nicht besser, sondern schlechter geworden sind. so ist das ein Beweis für die Notwendigkeit der Erfüllung unserer Forderungen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich habe sonders stolz zu sein. Sie benutzen sogar die gleichen Stoffe wie ihre Gatten, in der Regel blauen Cheviot, und die einzige fröhlichere Farbennote in dieser durch das Alter geheiligten Frauentracht ist das rote Tuch, das um den Kopf geschlungen wird und dessen Ende malerisch über die Schulter herabhängt. So lange die Frauen von Champery denken können, haben ihre Mütter und Großmütter diese blauen Cheviothosen getragen, wie auch ihre Enkel und Ur- cnkel sie wohl tragen werden. So besitzen die Bewohner jenes weltabgeschiedenen Schwcizerdärschens schon lange das, was die Launen der Pariser Schneider dem eleganten Europa bescheren wollen, nur daß die Schönen von Champery keine Gründe ästhe- tischen Reizes in die Rechtfertigung dieser Tracht einschmuggeln» ja sie grübeln über den Hosenrock nicht einmal nach, sie tragen ihn. weil er für ihr Hirtenleben in Berg und Tal praktisch ist.(Es gibt natürlich außerdem in manchen anderen Gegenden und Be- rufen arbeitende Frauen geug, die Hosen tragen. ES sei nur an die Senmrinnen und die Bergarbeiterinnen erinnert.) Humor und Satire. Eigenhändig. Wächter du im Sittenreich, Jagow, das war'mal verständig, gabst dir einen Backenstreich eigenhändig. Das Plakat, so oft zittert. kennt ihn in- und außerwendig i Jagow hat eS stilisiert eigenhändig. Neulich griff er Flaubett an. weil er(wer?) zu unanständig, und verbot den ganzen„Pan" eigenhändig. Jagow ist trotzdem ein Mann und er liebt die Kunst— lebendig, pflegt sie gerne, wo er kann, eigenhändig. Einer Dame neigt er zu und er schreibt und fleht inständig: „Gerne sah' ich näher zu eigenhändig." Doch die Dame war nicht so, Antwort schrieb ihr Mann postlvendig — aber nichts von wann und wo � eigenhändig. Ueber dich, den sie nun kennt, lacht die ganze Welt unbändig, Beifall klatschend. Präsident! tausendhändig. gronz. urchgehende Reform der Löhne in den Militärwerkstätten ein. Abg. Hoch(Soz.): Die Abgeordneten der einzelnen Wahlkreise müssen hier für die Wünsche der Arbeiter eintreten, das' ist ihre Pflicht. Arbeiter ausschüsse sind zwar bewilligt, aber ohne die Stütze der Gewerkt schaftc» haben sie keinen Wert.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo traten.) Das sollte auch die Militärverwaltung erkennen und Verhandlungen mit den Gewerkschaften»icht ablehnen.— In der Bezahlung macht die Militärverwaltung einen Unterschied zwischen Spandau und anderen kleineren Orten; dabei sind auch dort die Lebensverhältnisse nicht billiger. Es sollte daher überall eine angemessene Bezahlung Platz greifen. Ueberhaupt sollte die Militärverwaltung sich Mühe geben, den berechtigten Beschwerden der Arbeiter abzuhelfen; mit Grund klagen vielfach die Arbeiter über Ungerechtigkeiten bei der Verteilung der Zulagen usw. So wurde einem 63jährigen Arbeiter, der schon 31 Jahre beschäftigt war, plötzlich gesagt, von morgen ab arbeitest Du als Hofarbeiter und bekommst damit einen gerin- gcren Lohn. Dem Mann war es nicht möglich, mit seiner schwerde durchzudringen, eS blieb bei dem Lohnabzug. Aber die Militärverwaltung hätte allen Anlaß, solchen berechtigten Be- schwerden abzuhelfen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Giesberts(Z.) polemisiert gegen die Kritik, die der Abg. Hue an den Essener Wohnungsverhältnissen, speziell denen der Kruppschen Arbeiter, geübt hat. Vizepräsident Schultz: Ich finde in Ihren Ausführungen keinen Zusammenhang mit dem Militäretat. Abg. Giesberts(Z.): Herr Hue hat über diese Dinge sprechen dürfen; ich stelle fest, daß ich hier nicht ausreichend zu Worte kommen kann. Vizepräsident Schultz(erregt): Ich verbitte mir die Kritik der Präsidialgeschäfte. Wenn während der Führung der Geschäfte durch einen anderen Herrn ein Abgeordneter in einem kurzen Satze ab- schweift, ist es etwas anderes, als wenn lange Ausführungen über nicht zur Sache gehörende Dinge gemacht werden. (Abg. Schirmcr(Z.): Er hat ia noch nicht fünf Minuten ge- fprochen.) Abg. Keil(Soz.): Die Selbständigkeit der württembergischen Militärverwaltung ist freilich nur fiktiv. Aber man sollte doch verlangen, daß, so- lange sie besteht, der württembergische Bundesratsbevollmächtigte über die Verhältnisse in den württembergischen Militärbetrieben unterrichtet ist. Vizepräsident Schultz(erregt): Das ist eine ungehörige Bemerkung. Wozu wollen Sie sprechen? Abg. Keil(Soz.): Zu unserer Resolution. Uebrigens sollte der Präsident wissen, welcher Gegenstand zllr Beratung steht._ Vizepräsident Schultz(sehr erregt): Das ist wieder eine ganz ungehörige Bemerkung: es stehen drei Resolutionen zur Beratung; also war meine Frage wohl berechtigt. Abg. Keil(Soz.): Ich spreche zu den Resolutionen, speziell zu der von uns beantragten. In den württembcrgischen Betrieben. speziell bei denen in Ludwigsburg, heißt es in der Arbeitsordnung: ..Gewerkschaftsmitglieder dürfen nicht beschäftigt werden," wenig. sten« ist dies der Sinn der Bestimmung, daß sozialdemokratische und staatsfeindliche Bestrebungen von den Arbeitern nicht der- treten und nicht gefördert werden dürfen.(Zuruf rechts: Selbst. verständlich!) Rein, das ist nicht selbstverständlich, und diese Be- stimmung würde nicht bestehen, wenn, wie wir es in der Resolu- tion fordern, di» Arbeiter die Möglichkeit hätten, auf die Gestaltung der Arbeitsordnung und die Statuten der Arbeiterausschüsse ein- zuWirken. Der württembergische Bevollmächtigte sagte, sozialdemo- kratische„Agitatoren" würden in den Betrieben der Militärver- waltung nicht geduldet: er fügte hinzu, wie auch in den übrigen staatlichen Betrieben. Nun, dle Zeit wird kommen, wo auch die Heeresverwaltung sich damit abfinden muß, daß in ihren Betrieben die Arbeiter sich offen zur Sozialdemokratie bekennen, wie es in den übrigen Staatsbetrieben bei uns im Süden bereits der Fall ist,— ich betone das, wenn auch dem Kriegsminister die Haare darüber zu Berge stehen.(Große Heiterkeit.) In Württem- berg bekommen neuerdings die Arbeiter staatlicher Betriebe, welche von uns in die kommunalen Vertretungskörper gewählt werden, für die Zeit, die sie deswegen versäumen müssen, ihrsn Lohn genau so ausbezahlt, wie die Beamten in gleicher Lage. Die Militär- Verwaltung, auch die preußische, wird sich an das g l e i ch e V e r- fahren gewöhnen müssen, und dazu soll die Reorganisation der Arbeiterausschüsse beitragen.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Württembergischer BundeSratsbevollmächtipter Generalmajor v. Staads: Schon jetzt können die Arbeiterausschüsse die Forde- rungen und Beschwerden der Arbeiter vertreten, und den bcrech- tigten Wünschen wird auch nachgegeben. Damit schließt die Debatte. Abg. Hengsbach(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich war noch zum Wort gemeldet(Vizepräsident Schultz: Hier ist nichts davon bekannt.), dann werde ich in der dritten Lesung meine Ausfüh- rungen machen. Geschenkt wird Ihnen nichts. Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.)(zur persönlichen Bemerkung) versucht, dem Abg. Hue falsches Zitieren vorzuwerfen, was Abgi Hue(Soz.) an der Hand der Berichte, die er verlesen hat, zurückweist. Abg. Giesberts(Z.)(zur Geschäftsordnung): Ich konstatiere nochmals, daß ich über die Essener Wohnungsvcrhältnisse nicht habe sprechen können, während der Abg. Hue dreiviertel Stunden dar- über gesprochen hat. Vizepräsident Schultz: Wenn bei diesen ausgedehnten Debatten der Präsident jede Abschweifung rügen wollte, würde das sehr oft vorkommen.(Heiterkeit.) Ich betone noch einmal, daß es etwas anderes ist. ob ein Abgeordneter einen Gegenstand streift oder aus- fuhrlich darauf eingeht. Uebrigens hat der Abgeordnete Hue im ganzen nicht Stunden gesprochen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Die beiden Kapitel werden angenommen, ebenso die beiden Resolutionen des Zentrums, die sozialdemokratische Reso- lution wird abgelehnt.(Sie ist gleichlautend mit der beim Marineetat in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit angenommenen Resolution, für die das gesamte Zentrum mit Ausnahme des Abg. v. S a v i g n h gestimmt hat.) Beim Kapitel„Verschiedenes" begründet Abg. Schirmer(Z.) die Resolution des Zentrums, der Reichskanzler möge erwägen, in welcher Weise die Versorgung der invalide» Arbeiter der Militärbetriebe und der Witwen und Waisen besser gpisgebaut werden kann. Die Resolution sei so borsichtig abgefaßt, weil über den besten Weg zum Ausbau der Pensionsverhältnisse unter der Arbeiterschaft selbst Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die Resolution wird angenommen, der Rest der ordent- lichen Ausgaben wird debattelos bewilligt. Bei den außerordentlichen Ausgaben erklärt nach unwesent- licher Debatte der württembergische Generalmajor v. Dorrer: Bei Herrn Keils Rede war ich nicht zugegen. Seine Angriffe auf das württembergische Kriegsministerium weise ich mit Entschieden- heit zurück, sie beweisen nur. wie leicht er sich über verfassungs- mäßige Grundlagen hinwegsetzt.(Beifall rechts; Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Beim Titel„Festungen" klagt Abg. Trimborn(Z.) über die Benachteiligung der FestungSstädtc durch einen Erlaß des Kriegsministers, der das Ueberfliegen dieser Städte verbietet. Da- durch werden diese Städte von den Vorteilen der Luftschisfahrt ausgeschlossen. Generalmajor Wandel sagt wohlwollende Prüfung dieser Frage zu. Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Keil(Soz.): Der Generalmajor v. Dorrer hat mir Ausfälle gegen das württembergische Kriegsministerium untergeschoben und mir ein leichtsinniges Hinwegsetzen über verfassungsmäßige Institutionen vorgeworfen. Beides ist unzutreffend. Ich habe weder Ausfälle gegen das württembergische Kriegsministerium gemacht noch mich über verfassungsmäßige Institutionen hinweggesetzt. Ich habe lediglich die Frage aufgeworfen, ob das württembergische Kriegs Ministerium die Kosten, die es macht, wert ist. Wir in Württenr berg bemerken sehr wenig von der Existenz unseres Kriegs Ministeriums. Nicht bemerkt zu werden, ist übrigens noch das beste, was einem Kriegsministerium passieren kann.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dicns- tag, 2 Uhr. Schluß 6% Uhr._ Mgeorclnetenbaus. 40. Sitzung: Freitag, den 3. März, vormittags 1! Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Zunächst wird ein Gesetz betr. die Erweiterung deS Stadtkreises Stettin nach kurzer Debatte an die Gemcindckommisswn verwiesen. Es folgt die zweite Lesung des Etats der Bauverwaltung. Mit den Einnahmen an den Verkehrsabgaben ivird der Ausgabentitel von Kanälen usw. verbunden. Hierzu begründet Abg. v. Pappeichcim(!.) einen Antrag, 200 000 M. von diesem Titel abzusetzen und mit Rücksicht auf die Tatsache, daß der preu- ßische Staat mit erheblichen Kosten die Fahrtiefe auf der Elbe und anderen natürlichen Wasserstraßen über das vertraglich abgemachte Ziel hinaus unterhalten hat, bis zur Lösung der Frage der Er- Hebung von Schiffalirtsabgaben die Fahrtiefe nur auf der vertrag- lichen Tiefe zu erhalten. Redner wendet sich des weiteren gegen einen Weiterbau des Rhein-Weser-Kanals. Ihm sei bekannt ge- worden, daß eine Bewegung im Gange sei, die den Verdacht ent- stehen lasse, daß der Kanal weiter fortgeführt werden solle. Seine politischen Freunde würden solche Maßregel ui i t Energie bekämpfen. Redner befürwortet einen Kommissionsantrag, wo- nach die Regierung eine Denkschrift vorlegen soll über die Per- Wertung der elektrischen Energie von Talsperren. Abg. Rieren(Z.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit beiden Anträgen und betont die Notwendigkeit der Kanalisie- rung der Mosel und Saar. Der Jnteressenkampf der niederrheini- scheu und westfälischen Eisenindustrie dürfe diese dringende Kultur- aufgäbe nicht verhindern. Minister v. Breitenbach: Ich kann eS nur begrüßen, wenn der Landtag erneut bekundet, daß er mit überwiegender Majorität die Einführung von Schiffahrtsabgaben für notwendig hält und bin daher mit dem Antrag v. Pappenheim einverstanden. Ferner er- kläre ich, daß irgendwelche Vorkehrungen für die etwaige Fort- setzung des vor einem geschlossenen fiskalischen Walde endenden Kanals über Hannover hinaus nicht getroffen werden. Ich habe sogar abgelehnt, daß im Osten Hannovers auf Staatskosten eine Schleuse hergestellt werde, die allerdings zur sachgemäßeren Ausgestaltung eines städtischen Osthafens zweckdienlich sein würde. Es soll auch der Schein vermieden werden, als würde der Anfang einer Kanal-Fortsetzung- Mittelbahn gefördert.(Bravo! rechts.) Ein Schlepp- Monopolgesetz wird dem Hause in der nächsten Session zu- gehen.— Als fanatischer Anhänger der Moselkanalisierung ist Herr Dr. Röchling in der Propagierung dieses Projekts außexhalb dieses Hauses soweit gegangen, vaß er die preußische Re- gierung dem Ausland gegenüber als eine solche gekennzeichnet hat, der Die r man kein Vertrauen entgegenbringen könne.(Hört! hört!) ie Rentabilität der Moselkanalisierung ist durchaus nicht sicher- gestellt. Abg. Dr. Röchling(natl.): Die Bemerkung des Ministers mir gegenüber stach der Form nach wohltuend ab von dem Tone des Herrn v. Pappenheim. Wir sind es ja gewohnt, daß Herr v. Pappen- heim hier nicht nur der Regierung Rügen erteilt, sondern sich auch als Zensor des Hauses ausspielt.(Sehr wahr! links.) Die Frage der Schifsahrtsabgaben ist für uns keine grundsätzliche, sondern eine Frage der Zweckmäßigkeit. Der betr. Entwurf wird jetzt nach dieser Richtung hin im Reichstag eingehend geprüft. Eine glückliche Hand hat die Regierung in der Behandlung dieser Frage jedenfalls nicht bewiesen. Man hätte zunächst den Artikel 64 der Verfassung, der Schiffahrtsabgaben ausschließt, abändern müssen. Statt dessen hat man auf Drängen dieses Hauses eine Politik der starken Hand betrieben und die Schiffahrtsabgaben in den§ 19 des Kanal- aesetzeS aufgenommen. Das nachher eingeholte Gutachten des Reichsjustizamts über den Sinn des§ S4 der Reichsverfassung hat man nicht veröffentlicht. Kluge Leute haben daraus geschlossen, daß dies Gutachten nicht im Sinne der preußischen Regierung aus- gefallen ist.(Hört! hört! links.) Redner tritt für die Mosel-Saar- Kanalisierung ein. Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) begrüßt die Erklärung des Ministers über das Schleppmonopot. Der Moselkanalisierung hat Herr Röchling mit seiner Entgleisung nicht genützt.(Sehr richtig! rechts.) Die Schifsahrtsabgaben sind auch für uns die verbürgte, unerläß- liche Grundlage für den Ausbau der natürlichen Strome. Es ist ein völliger Irrtum, daß ein solcher Ausbau auch beim Scheitern der Vorlage rm Reich erfolgen werde.(Sehr richtig! rechts.) Im Interesse des Kanals sollte das Gefetz also noch in dieser Session verabschiedet werden.(Bravo! rechts.) Abg. Waldstein.(Bp.): Die Mosel-Saarkanalisieruug wird schließlich doch kommen müssen. Der Antrag Pappenheim fordert die Regierung zu einem ganz unsachlichen Verhalten auf.(Sehr wahr! links.) Die Regierung hätte ihn daher ablehnen müssen. Wir lehnen die Schifsahrtsabgaben prinzipiell ab. Der Antrag Pappenheim ist wohl der Ausdruck der Angst, daß die Schiffahrts- abgaben vom Reichstag doch abgelehnt werden konnten. In der Reichstagskommission hüllen sich die konservativen Vertreter in völliges Schweigen, halten aber die Zeit dieses Hauses nicht für so kostbar, um hier ihre Gegenaktion zu betreiben. Daß die Na- tionalliberalen ihre Unterschrift unter seinen Antrag nicht gegeben, bat Herr v. Pappenheim in der Kommission sehr unwirsch bemerkt. (Zuruf des Abg. v. Pappenheim.) In diesem Ausdruck liegt durch- aus nicht Verletzendes.(Widerspruch rechts.) Dann sind wir ver- ' liedcner Meinung darüber.(Zuruf rechts.) Herr v. Pappenheim. j muß es ablehnen, von Ihnen Belehrung über gesellschaftliche Formen anzunehmen.(Bravo I links.) Es handelt sich bei den Schifsahrtsabgaben um einen Eingriff in altaewordene historische Verhälinisse der in allen Kreisen der zunächst Interessierten, in den Kreisen von Handel, Industrie und Schiffahrt immer schärfere Ab- lehnung erfährt. Ich kann mich einer Aeußerung des national- liberalen Herrn Bäumer nur anschließen, daß die Aufhebung der Abgabenfreiheit auf unseren Strömen der größte Rückschritt des Jahrhunderts wäre.(Bravo! links.) Der§ 19 des Kanalgesetzes bedeutete einen Eingriff mit rauher Hand in unsere Beziehungen zu Oesterreich und Holland.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Der Verkehr unserer Binnenschiffahrt hat sich unter der Ab- gabenfreiheit der Ströme außerordentlich ent- wickelt. Die kleinen Leute sind dabei von dem Großkapital, das sich in der Binnenschiffahrt immer mehr konzentriert hat, an die Wand gedrückt worden. Sie arbeiten vielfach mit D e f i z i t. Gegen die Bevorzugung des Großkapitals durch daS Borschleusenrecht wenden[ich die kleinen Schiffer mit Recht. Eine Reihe anderer Beschwerden der kleinen Schiffer habe ich neulich bereits vorgetragen. Aus Anlaß meiner Bemerkungen über das Sckzmiergeloerwesen habe ich zahlreiche Zustimmungszuschristen bekommen. Man hat eZ auch von behördlicher Seite begrüßt, daß dies Wespen- nest endlich einmal aufgestochen worden ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In einer Beziehung könnte uns wieder Amerika zum M u st e r dienen. Dort hat man die Fort- schritte der Technik benutzt, um die großartigsten Be- Wässerungsanlagen und Landmeliorationen durch- zuführen. Das wäre auch bei uns sehr gut möglich.— Interessant war mir, wie entschieden Herr Röchling in der Frage der Mosel-Saarkanalisierung dem Minister die Leviten gelesen hat. Freilich er vertrat dabei ausschließlich großkapitali- stische Interessen, und wenn es sich um den Profit, um grob materielle Interessen handelt, verstehen die Herren ja immer sehr gut, eine entschiedene Sprache zu führen. So gut wie die Herren von der Rechten die Minister am Kragen haben, per- stehen es aber die Nationalliberalcn noch nicht.(Heiter- keit.) Interessant war ferner, daß der Minister sowie auch Herr Röchling es für ganz selbstverständlich hielten, daß das Kapital, lvenn es ihm paßt, ins Ausland geht. Ganz unsere Meinung, aber dann werfe» Sie nicht immer mit patriotischen Phrasen um sich, die kein Vernünftiger ernst nimmt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was die Schifsahrtsabgaben anlangt, so haben die Konservativen die Regierung durch den sj 19 des Kanal- gcsetzes iir eine Schraube eingezwängt und sie ist nun genötigt, auf irgend eine Weise die Schifsahrtsabgaben zu erhalten. Tie Herren der Rechten wollten eben seinerzeit das Kanal- gesetz möglichst unschädlich machen, daher haben sie ihm dieses Gift des 8 19 infiziert.— Die Verkehrsabgaben wurden natürlich vom Kapital abgewälzt auf den Konsum. Die kleinen Binnenschiffer, die das vielfach nicht können, würden dar- unter am in ei st en zu leiden haben. Die angebliche Mittel- standssreundlichkeit der Konservativen und des Zentrums ist mit dem Verlangen nach Schifsahrtsabgaben unvereinbar. Bei diesen Parteien siegt eben schließlich immer das agrarische Interesse(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). Durch das blinde Interesse. Ihre agrarischen Interessen zu fördern, ebnen Sie in der Schiffahrt der großkapitali st ischen Ent Wicke- lung immer mehr die Wege. Wenn man von Regierungs- seite einer genossenschaftlichen Vereinigung der kleinen Schiffer das Wort redet, so haben wir dagegen nichts, man propagiert da- durch nur eine sozialistische Idee. Herr v. Zedlitz behauptete ja. die Schifsahrtsabgaben dienen dem Verkehr. Gewiß, wenn man davon ausgeht, daß für solche Kanäle, ehe sie gebaut werden, die Garantie geschaffen werden muß, daß sie sich gut verzinsen. Aber nach unserer Ausfassung kommt dieses Profitinteresse bei den Ka- nälen nicht in er st er Linie in Betracht, sondern solche Anlagen müssen errichtet werden im Interesse der Allgemeinheit. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Außer dem agrarischen Interesse leitet die Rechte auch die Rücksicht auf die Eisenbahnen. Solche fiskalischen Rücksichten müssen wir ablehnen. Die Ein- mütigkeit, die im Bundcsmt erhielt ist. war nur dadurch möglich, daß man die widerstrebenden subdeutschen Staaten mit Zuckerbrot und Peitsche zur Ruhe gebracht hat. Politisch und wirtschaftlich sind die Schifsahrtsabgaben ein weiterer Schritt zur Verpreutzung Teutschlands.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und wie steht es mit dem Ausland? Der österreichische HandelSminister hat erst kürzlich erklärt, daß Oesterreich unentwegt aus seinen ver- traglichen Rechten besteht und auch Holland verhält sich dauernd ablehnend. Wir begrüßen diese Haltung. Diese Re- ierungen sind bessere Freunde der deutschen ultur und des Verkehrs als Sie!(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag ist eine schroffe Repressalie gegen den Reichstag, das hat ja auch Herr v. Zedlitz gesagt, man will ihm zeigen, daß so nicht weiter gearbeitet wird mit der Ab- ibenfreiheit; aber auch gegen die ausländischen Regierungen. uch als Herr v. Pappcnheim das Kriegsbeil gegen Hessen beim Eisenbahnetat schwang, da zeigte sich der preußische Partikularis- mus. So schaut die heilige deutsch-österreichische Nibelungentreue aus! Mit den preußischen Juntern ist nicht gut Kirschen essen (Sehr richtig! rechts)— ober mit unS auch nicht!(Lachen rechts, Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ihre Maxime ist hier: Willst Du nicht mein Bruder sein, schlag ich Dir den Schädel ein! Repressalien wollen sie ja auch gegen Hannover anwenden. Das hat ja der Minister in der Budgetkommission auf Befehl des Herrn v. Pappenheim schon angekündigt. Die Staats- rcaierung hat Gelände an den zukünftigen Kanälen gekauft, wir sehen sie also auf den Pfaden der Bodenspekulanten wandeln. (Oho! rechts.) Denken Sie an den Botanischen Garten.— Sie sind „Freunde des fteicn Verkehrs"— frei mit dem Strick um den Halsl Auch diese wichtige Verkehrsfrage liegt in den Händen des rückschrittlichsten preußischen Ministers, des Lan dwi rtscha f ts m i n i ste r S. Es ist so wie mit der Ab- hängigkeit deS Justizministers vom Minister de» Innern. Inder ganzen M i t t e l l a n d ka n a l f ro g e haben Sie sich den Teufel geschoren um dir militärischen Interessen, die die Regie. rung so hochstellte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Kommission hat Abg. v. Pappenheim über die Bewegung ge- klagt, di? den Mittellandkanal über Hannover hinaus fortsetzen wolle. Wer ist diese Bewegung gewesen? Vielleicht der König von Preußen? Da werden Sie gleich Kanalrebellen! Und die Ant- wort des Ministers bewies, daß er Ihnen sozusagen aus der Hand frißt.(Lachen rechts.) Das mutz man sich gefallen lassen in einem hochiudustriellen Land! Damit ist bewiesen, daß das deutsche Volt beberrscht wird von einer kleinen selbstiüchtige» Clique und daß die Regierung ihre Pflicht und Schuldigkeit nicht tut. Wir werden alles tun, um dieses System zu stürzen!(Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Zischen rechts.) Abg. v. Alaltzahn(k.): Wir werden alles aufbieten, damit die letzten oft gehörten Worte des Vorredners nicht in Erftillung gehen und den Kampf, wir wissen wogegen, mit aller Energie weiterführen.(Beifall rechts.) Wir müssen es bedauern, daß die Abgeordneten Waldstein und Liebknecht hier das Ausland zum Protest gegen die Schiffahrts- abgaben aufgerufen haben.(Sehr richtig! rechts.) Den Antrag von Pappenheim ziehen wir im Hinblick aus die Erklärung de» Minsstcrs zurück. Wir hoffen auch, daß die Nationalliberalen im Reichstag für die Schiffahrtsabgaben stimmen werden. Abg. Ltppmanu(Vp.) erklärt, daß eine kleine Minderheit seinor freund« nicht unbedingt die Schifsahrtsabgaben ablehne, insofern ie nur gefordert würden, da wo die Schiffahrt wirklich verbessert ei, insofern sie weiter tctal abgeführt würden an die zuständigen Stromkassen und auch nur verwanot würden zur weiteren Verbesse- rung der Schiffahrt. Nach weiterer Debatte, in der nur lokale Wünsche vorgebracht wurden, wird ein Schlußantrag angenommen. Abg. v. Pappcnheim(k) protestiert gegen den Borwurf des Abg. Röchling, daß er sich«As Zensor aufgespielt habe. Dazu sei er viel zu bescheiden.(Große Heiterkeit linls.) Die Mgg. Liebknecht(Soz.) und Waldheim(Vp.) weisen die Behauptung des Abg. v. Maltzahn zurück, datz sie das Ausland gegen Preußen aufgerufen haben. .Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 10 Uhr. Schluß V Uhr._ parlamcntanfcbe� Aus der Budgetkommission des Reichstages. Am Freitag hat die Kemmissionsmehrheit zugunsten der P o sta s s i st en t e n eine Resolution angenommen, die für einen Teil dieser Beamten eine Zulage von 300 Mk. fordert. Die Sozial- demokraten, die schon am Donnerstag erklärten, in erster Linie müssen die Unterbeamten bedacht werden, falls die BesoldungS- ordnung von 1909 durchbrochen werden soll, brachten am Freitag folgende Resolution ein: den Reichskanzler zu ersuchen, eine Re- Vision des Beamten-Besoldungsgesetzes in der Richtung vorzube- reiten, daß den Unterbeamten eine angemessene Erhöhung ihrer unzulänglichen Bezüge gewährt wird. Abg. Eichhorn(Soz.) wies darauf hin, daß tagelang über die Assistenten geredet worden ist, viel notwendiger sei eine Reform der Bezüge der Unterbeamten, denen in Zukunft doch mehr und verantwortungsvollere Arbeiten zugewiesen werden sollen. Ebenso sei anzustreben, daß den Unterbeamten ein ausreichender Urlaub gewährt wird. Schatzsekretär Mermuth verweist dar- auf, daß er bei der Assistentenfrage auf die Gefahren hingewiesen habe, die aus der nationalliberal-freisinnigen Resolution erwachsen müßten. Der sozialdemokratische Antrag beweise, wie recht er ge- habt habe. Di« Regierung lehne daher bestimmt jedes Eingehen auf die Resolution ab. Die bürgerlichen Parteien, die sich für die Assistenten zwei Tage lang ins Zeug gelegt hatten, um sich Agitationsstoff für die Reichstagswahl zu schaffen, gerieten in nicht geringe Verlegenheit durch den sozialdemokratischen Antrag, der doch nur ein Akt aus- gleichender Gerechtigkeit war, um den Unterbeamten zu gewähren, was den Assistenten zugebilligt wurde. Die Fortschrittler brachten, veranlaßt durch das Vorgehen der Sozialdemokraten, eine Resolution ein, die„die unbeabsichtigten Härten in der BesoldungS- ordnung" beseitigen will und das Zentrum beeilt sich ebenfalls, hinter der Sozialdemokratie herzulaufen und fordert« in einer Resolution die Beseitigung von Unstimmigkeiten, die sich bei der Neuregelung der WohuungSgeldklaffen herausgestellt haben. Na t> o na l l i b e ra l e, Ko nservative und Anti- s e m i t e u erklärten sich gegen die sozialdemokratische Resolution und damit gegen eine Besserstellung der Unterbeamten, für die Genosse Eichhorn in längeren Ausführungen eintrat. Die Ab- stimmung ergab folgendes Resultat: Die sozialdemokra- tische Resolution wurde gegen die sozialdemokratischen und frei» finnigen Stimmen abgelehnt; desgleichen die freisinnige Resolution, Der Ze n t r u in s a n trag, der die Regierung zu nichts verpflichtet, iourde schließlich einstimmig angenommen. Bemerkt sei noch, daß der Antisemit La tt mann versehentlich für die sozialdemokratische Resolution gestimmt hatte und nach der Abstimmung erklärte, erbedauere seine Ab st immun g. Eine lebhafte Debatte entwickelte sich weiterhin über 2 Fonds für Hilfsleistungen bei den.Verkehrsanstalten und im Unter- bcamtendienstc, die zusammen eine Summe von 31,7 Millionen Mark erfordern. Tie Weiterberatung wurde auf Dienstag vcr- tagt._ Aus> der Reichsversichcrungsordnungs-Kommissiim. Sitzung am S. März. Die Kommission setzte die Beratung der Dienstordnung für die Beamten der Ortskrankenkassen usw. fort. Vor Ausstellung der Dienstordnung hat der Vorstand die An- gejicjltcn zu höre». Die Kompromihparteien beantragten hierzu, daß sowohl im Borstand als auch im Ausschuß die Arbeitgeberver- treter und die Vertreter der Versicherten über die Dienstordnung getrennt abstimmen sollen. Also auch hier eine Entrechtung der Arbeitermehrheit, denn sie ist nach dein geltenden Recht in diesen Fragen entscheidend. Die Sozialdem�okraten wendeten sich cutschieden gegen die Verschlechterung. Sie wurde aber von den bürgerlichen Parteien angenommen. Kassenbeamte als Staatsbeamte. Der Vorstand einer Orts-, Land- oder JnnungSkraukenkasse kann mit Genehmigung des Obervcrsicherungsamts Beamte auf Lebenszeit oder mit Anrecht auf Ruhegehalt anstellen. Für Orts-, Land- und Jnnungskrankenkassen mit mehr als I0l)lX> Versicherten kann das Oocrversicherungsamt nach Anhören des Nassenvorstandes anordnen, daß mindestens die Geschäftsleiter in dieser Weise an- gestellt werden. Den Beamten, die in dieser Weise angestellt sind, kann die Landesregierung die Rechte und Pflichten der staatlichen und gemeindlichen Beamten übertragen. Die Sozialdemokraten sprachen sich mit allem Nachdruck gegen diese Bestimmung aus, die die Beamten noch mehr drücken und in einen direkten Gegensatz zu den Vorständen und Mitgliedern der Kassen bringen werde. Die bürgerlichen Parteien stimmten auch dieser Vergewaltigung zu. Ein kläglicher Notbehelf. Abg. Becker(Arnsberg), der— Arbeitersekretär des Zentrums, der die Entrechtung der Arbeiter mitgemacht hat, kam am Schluß des Abschnittes über das Beamienrecht mit dem Antrage nachgehiuft, daß die Bestimmung gegen politische oder religiöse Hebelgriffs der Kasscnbeamten auch aus die Angestellten der Betriebskrankenkassen angewendet werde. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Fälle werden aber sehr selten sein, in denen der Vorsitzende einer Betriebskrankenkasse, also der Unternehmer, eilten Uebergriff seines Beamten gegen die Arbeiter entdecken wird. Hierauf wendete sich die Kommission der Arztfragc zu. Die Konservativen, Nationalliberalen und das Zentrum haben Anträge eingebracht, die folgende Regelung der Arztfrage vor- schlagen: Die Verträge zwischen den Krankenkassen und ihren Aerzten müssen mindestens auf ein Jahr geschlossen werden. Sollen sie geändert werden, so müssen sie mindestens ö Monate vorher ge- kündigt werden. Dann haben beide Parteien zunächst den Versuch zu machen, sich direkt zu verständigen. Ist dies nicht möglich und findet die Kasse nicht genügend Aerzte unter den von ihr vor- geschlagenen Bedingungen, so entscheidet das Schiedsamt. DaS besteht aus drei Beamten, drei Vertretern der Kassen und drei Ver- tretern der Aerzte. Das Schiedsamt fällt einen Schiedsspruch. Keiner Kasse und keinem Arzte darf es verwehrt werden, das Schicdsamt anzurufen, vor ihm zu verhandeln und Verträge auf der Unterlage von Bedingungen zu schließen, die das Schiedsgericht als angemessen anerkannt hat. Entgegensiebende Vereinbarungen sind nichtig. Schließlich ist die Kasse berechtigt, wenn sie sich dem Schiedsspruch unterwirft und dennoch nicht die nötige Zahl von Aerzte,, anstellen kann, den Kranken eine besondere Entschädigung zu zahlen, wofür sie selbst sich den Arzt zu besorgen haben. Abg. Dr. M u g d a n erhob gegen diese Vorschläge Einspruch. Er erblickt in der Bestimmung die Beseitigung des Koalitionsrechtes für die Aerzte. Die Fortschrittler würden geschlossen dagegen stimmen. In demselben Sinne sprach sich Abg. T r i m b o r n vom Zentrum aus. Er sprach aber nur für einen Teil der Zentrums- abgeordneten. Ihnen antwortete Genosse H o ch, daß sie auch einmal denselben Eifer für das Koalitionsrecht der A r b e i t e r betätigen sollten. Die Sozialdemokraten würden für die Anträge stimmen, wenn sie auch an den Einzelheiten hier und dort etwas geändert haben wollen. Der Staatssekretär des Innern, die Konserva- tivcn und Abg. Horn(nationalliberal) sprechen ebenfalls für die Anträge. Letzterer erklärte aber, daß im Plenum ein Teil seiner Partei anders stimmen werde. Schließlich wurde die Debatte auf Mittwoch Verlags. Bis dahin wollen die bürgerlichen Parteien versuchen, ob sie nicht doch noch einen anderen Ausweg finden. Serickts- Leitung. Verhängnisvolles Versehen eines Arztes. Wegen fahrlässiger Körperverletzung ist am 3. Oktober V. I. vom Landgericht Frankfurt a. M. der Arzt Dr. med. Georg Berg zu 399 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Der Nebenkläger I. litt an Blasenbeschwerden und ließ sich vom Angeklagten behandeln. Im November 1998 nahm dieser eine Operation vor und behau- delte ihn noch längere Zeit. AM 7. Januar 1903 überreichte der Angeklagte seine Rechnung über 1599 Mk., die sogleich bezahlt wurde. Die Behandlung wurde fortgesetzt. Der Angeklagte durch- suchte im Januar die Blase mit der Steinsonde und erklärte, er habe einen Stein gefunden. Am L7. Januar wiederholte er die Untersuchung mit der Sonde, am 29. mit dem Zystoskop und sagte, er ljabe den Stein gesehen. Er zog nun einen Gynäkologen hinzu, der schon der Operation beigewohnt hatte, und dieser sah auch den„Stein". Der Angeklagte riet zu einer neuen Operation, der Steinzertrümmerung, und sprach auch im Mai noch davon. I. sah aber davon ab. Am 13. August ließ sich nun I. endlich von einem anderen Arzte, dein Dr. M., untersuchen. Dieser fand in der Blase ebenfalls einen harten Gegenstand, den er für einen Stein hielt, und riet zur Operation, d. h. der Steinzertrümmerung. I. ließ sich von ihm operieren. Als Dr. M. aber den„Stein" faßte, merkte er, daß es kein Stein war. Er mußte noch einen Chirurgen hinzuziehen und dieser holte nach Oeffnung des betreffenden Körperteiles— einen Sprihenansaii heraus. Diesen hatte der Angeklagte am 19. Januar 1999 versehentlich in der Blase des I. zurückgelassen, ohne es zu merken. Als er dann einige Zeit später einen Gegenstand in der Blase fühlte, erinnerte er sich nicht daran, daß ihm der Spritzenansatz abhanden gekommen war, und hielt den Gegenstand für einen Stein. Der Angeklagte gibt an, er habe das Ansatzstück öfters verloren und seine Wirtschafterin habe es oft nachträglich gefunden. Er habe viel über das Ver- schwinden des Ansatzstückes nachgedacht, die Sache aber schließlich für harmlos gehalten. Das Urteil sagt: Das Verschulden des Angeklagten liegt in dem Liegenlassen des Fremdkörpers in der Blase. Er hätte sofort nach dem Bemerken des Verlustes den Fremdkörper, den er in der Blase fand, entfernen müssen. Eine Hinausschiebung. heißt eS im Urteil, ist nur auf einige Zeit zu- lässig. Spätestens Ende Februar hätte er die Operation vor- nehmen müssen. Da der Metallkörper sich inkrustiert hatte, wirkte er wie ein Stein. Der Kranke hatte daher eine Stein- krankheit davongetragen. Der Begriff der Gesundheitsschädigung ist gegeben durch die Hervorrufung einer Krankheit, sowie durch die Unterlassung der Entfernung des Fremdkörpers. Körperliche Mißhandlung ist nicht festzustellen, da I. keine Schmerzen hatte. Der Angeklagte mußte das Vorhandensein eines Fremdkörpers in der Blase erkennen. Er wußte auch, daß er sofort eingreifen mußte, um den krankhaften Zustand zu beseitigen. Als er daran dachte, das Ansatzstück könne im Körper zurückgeblieben sein, mußte er gründlich danach suchen. Röntgenuntersuchung wäre das Ge- eignetste gewesen. Eine Fahrlässigkeit des Angeklagten liegt darin, daß er bei Auffindung de»„Steines" nicht auf den Ge- danken gekommen ist, dieser„Stein" könne vielleicht das bereits inkrustierte metallene Ansatzstück sein. ES mußte ihm höchst auf- fällig sein, daß er einen so großen Stein bei den vielen Unter- suchungen nicht bemerkt hatte.— Die Revision des Angeklagten wurde am Donnerstag vom Reichsgericht verworfen. Das Ver» schulden des Angeklagten sei einwaudsfrei festgestellt. Er hätte bei genügender Aufmerksamkeit erkennen können, daß der Patient nicht einen Stein, sondern das Ansatzstück in der Blase hatte. Graf Pfeil. Zu dem Bericht vom 1. März über die Privatklage des Ge- Heimen Hofbaurats Heim gegen D» Leipziger seilt uns der Herausgeber der Zeitungskorrespondenz„Deutsche Journalpost", Paul Schweder. mit, daß er wegen der von Dr. Leo Leipziger in öffentlicher Gerichtssitzung aufgestellten Behauptung, die„Deutsche Jourualpost" habe falsche Mitteilungen des Geheimrats Heim über die Pfeil-Affäre gegen Bezahlung verbreitet, durch seinen Rechts- beistand Malter Bahn(Berlin) Strafantrag gegen Dr. Leipziger wegen Beleidigung gestellt hat. Ter Journalist Scksioeder knüpft an die vorstehende Mitteilung die schon in der Verhandlung abgegebene Erklärung, daß er den Geheimrat Heim niemals in seinem Leben gesehen und mit ihm verhandelt habe, und daß er niemals Geld von Herrn Geheimrat Heim für die Verbreitung von Stachrichten über die Pfeil-Affäre erhalten habe. Ebenso selbstverständlich sei es, daß er weder von Herrn Geheimrat Heim, noch von der Gräfin Pfeil Artikel zur Veröffentlichung oder Honorar für die Veröffentlichung erhalten habe. Sämtliche Artikel über die Pfeil-Affäre seien vielmehr auf Grund der zivil- und militärgerichtlichen Akten von der 5lvr- respondenz selbständig verfaßt und auf ihre Kosten verbreitet wor- den. Wegen dieser Artikel sei niemals von dem Grafen Pfeil oder dessen vorgesetzter Behörde Klage erhoben worden, und dieser Um- stand im Verein mit der inzwischen erfolgten Verabschiedung des Grafen sei der beste Beweis für die Richtigkeit der in den Artikeln im einzelnen behaupteten Tatsachen. Ein sonderbarer Heiliger. der fortgesetzt Damen und Mädchen auf der Straße belästigt hatte, mußte sich in der Person des Ingenieurs Ludwig Mertens unter der Anklage der Erregung öffentlichen Aergernisses und der Beleidigung vor dem Strafrichter verantworten. Im Dezember vorigen Jahres wurden im Südwesten Berlins und in Schönoberg alleingehende Krauen und halbwüchsige Mädchen von einem mit einem Havelock bekleideten Manne angesprochen, der sofort die allcrgemeinsten Redensarten führte. Wenn die Bc- treffenden sich die Belästigungen verbaten und mit der Polizei drohten, erklärte jener Mann mit zynischem Lachen, daß ihm nichts passieren könne, da er einfach sagen würde, er selbst sei angesprochen und belästigt worden. Die Polizei habe ihm dies schon mehrfach geglaubt, so daß ihm nichts geschehen sei. Schließlich schlug der unheimliche Begleiter seinen Mantel auseinander und beging auch noch eine Erregung öffentlichen Aergernisses. Hierauf ergriff er gewöhnlich die Flucht und entkam auch, ehe sich die belästigten Frauen von ihrem Schrecken erholen konnten. Schließlich gelang es. den sonderbaren Heiligen in der Person des jetzigen An- geklagten zu ermitteln. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, daß er wisse, sich straf- bar gcmackt zu haben, daß er aber einem unwiderstehlichen Zwange folgen müsse, etwas Derartiges zu tun.— Da der Angeklagte, der auch schon auf seinen Geisteszustand untersucht worden war, bisher noch nicht vorbestraft ist, ließ das Gericht Milde walten und er- kannte auf nur 2 Wochen Gefängnis. Ein verurteilter Reichsverbändler. Vor dem Schöffengericht in Muskau in der Oberlausitz fand eine interessante Gerichtsverhandlung statt, in der ein Jünger des Reichs— wahrheits— Verbandes, der„vaterländische" Arbeiter- sekretär Robert Müller eine gehörige Abfuhr erhielt. Im Juli vorigen Jahres hatte in Muökau eine Fahnenweihe des so- genannten vaterländische» Arbeitervereins stattgefunden. In einem Bericht in der„Deutschen Treue" war nun das Fest in be- kannter'Aufschneiderei verherrlicht und dabei eine Reihe Schauer- märchen über angebliche sozialdemokratische Störungen berichtet worden. Eine Reihe Genossen waren in dem Artikel namentlich angeführt, die als Störenfriede beschimpft wurden. Während aber die angegriffenen Genossen es vorzogen, die Auswürfe reichsver- bändlerischer Wahrheitsliebe zu ignorieren und zu den übrigen zu legen, strengte ein Glasmacher Privatklage an, dem nachgesagt wurde, er habe die.auf offenem Marktplatz gehaltene Festrede des Muskauer Bürgermeisters durch fortgesetztes Tuten auf einer Auto- hupe gestört. Die Klage richtete sich gegen den Arvcitersckretär Müller als Verfasser, da cr den Bericht mit seinem Signum ge- zeichnet hatte. Der mutige Herr bestritt aber die Verfasserschast» bis sie ihm unwiderleglich nachgewiesen wurde. Tann versuchte er den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Ter mißlang völlig. Als cr so seine Felle davonschwimmen sah, denunzierte er gar den Privat» kläger— eine Zeugin zum Meineid verleitet zu haben. Selbstver- ständlich mißlang ihm auch dies. In seinem Plädoyer kritisierte der Vertreter des Privatklägers, der Vorsitzende des national- liberalen Vereins, Rechtsanwalt Hartmann, so recht das mutige Verhalten des Angeklagten und den„keinewegs vorbildlichen Ton"' des Artikels. Selbst vom Gerichtsvorsitzenden mußte der Angeklagte des öfteren streng zurechtgewiesen werden, weil er ihn fortgesetzt durch öde Bierbankreden in der Verhandlung unterbrach._ Er wurde schließlich zu 39 M. Geldstrafe verurteilt. Das Gericht billigte ihm in sehr vernünftiger Weise den Schutz des § 193 zu, obwohl das von sonstigen Entscheidungen der Presse gegen- über abweicht. Der Angeklagte sei aber weit über die Grenzen der berechtigten Kritik hinausgegangen; der Wahrheitsbeweis sei nicht erbracht.,' Wird der Reichsverbandsjünger trotzdem weiter verleumden und als Hüter des guten Tons sich aufspielen? )Zus aller Welt. Der Rchlaimrhandal der Mleltauslltellvng. Aus Brüssel wird uns geschrieben: Die Ziffern über das gegen ein und eine halbe Million umfassende Defizit der Brüsseler Welt- ausstell ung, wovon der Staat eine Million zu tragen hat, haben bei einem Teil der belgischen Presse lebhaste Anfechtungen erfahren. Im Zusammenhang damit wurde insbesondere an den auffallend hohen Summen für die AuSstellungSreHame scharfe Kritik geübt. Diese Summen beziffern sich nämlich aus rund ein und eine halbe Million Frank, einschließlich der Kosten für die A u S st e l l u n g s l o t t e r i e, die ja ein und nicht sehr erbauliches Kapiiel für sich darstellt Diese Lotterie, mit der durch eine überreichliche Auflage von Serien skrupellos in die Taschen der kleinen Leute gegriffen wurde, hat zwar dem Komitee viel eingetragen, das Publikum aber etwas weniger befriedigt. So wurde ein Haupttreffer von 299 999 über« Haupt nicht gezogen, ein anderes Los mit einem Haupttreffer von gleichfalls 299 909 Fr. nicht ausgezahlt, weil angeblich ein Bergmann aus Lüllich mit ausgepichter Bosheit das Los mit ins— Grab genommen haben sollte. Die Exhumierung, zu der man allen Ernstes schritt, brachte das allerdings nicht ganz unerwartete Resultat: es wurde außer dem Leichnam nichts gefunden. Außerdem ist über de» Gewinn eines Loses von 59 999 Fr. keine Klarheit vorhanden. WaS nun die selbst für eine Weltausstellungsreklame horrende Summe von l'/z Millionen betrifft, so knüpft sich auch an diese Tatsache ein Anhang von skandalösen Vorgängen. Das Reklame- wesen war zwei Herren, einem ehemaligen Redakteur des„Journal de BruxelleS", dem derzeitigen Annoncenagenten Heeg und einem Reporter namens Rotier übergeben worden. Die beiden Herren haben es mit der Ausstellung nun offenbar sehr gut gemeint— wenigstens nach der Summe zu urteilen, die sie für die Rellame verrechnet haben I Von den 1 199 999 Franken für„Publizität" entfällt für die Presse die Hälfte der Summe. Auf die Angriffe in der Presse hin suchte nun in einem öffentlichen Schreiben einer der Direltoren der Brüsseler Weltausstellung, Baron Janffen, diese Summe ziffernmäßig, d. h. mit Angabe der Zeilen zu rechtfertigen. Herr Baron Janssen aber teilt nur mit, wie diese Zeilen ver- ö f f e n t I i ch t, nicht aber, wieviel bezahlt wurden. Da aber sitzt der Hase im Pfeffer. In dieser Zeilenverrechnung figurieren auch die A r t i k e l der deutschen Blätter, die im Texte als un- abhängige Artikel über die Ausstellung erschienen waren. Die hiesigen Vertreter der deutswen Presse, ohne Unter« schied der Parteistellung, haben beschlossen, gegen diese Verdächtigung, als ob sie für ihre Artikel vom Reklaniebureau bezahlt worden wären, energisch zu protestieren und die Einberufung einer Sach- verständigenkonfeienz zu verlangen, wobei sich dann herausstellen wird, wie die verrechnete Zeilenzahl zustande gekommen ist. Ein hiesiges klerikales Blatt, das sich von Anfang an gegen die Riesen- summe für Reklame gewendet hat, teilte mit, daß ihm auch nicht alle Reklameartikel gezahlt wurden. Es habe 29—25 mal mehr veröffentlicht, als ihm bezahlt wurden. Ferner erklärte ein Antwcrpener Blatt, daß es für seine Lobcsartilel keinen Sou er- halten habe. Aufklärung tut aber not und dieS umsomehr, als die Ehre der Vertreter der ausländischen Presse durch die Machinationen des ReklamebureauS angegriffen erscheint. Königs, bayerische Normalwurst. Die M ü n ch e n e r Metzgermeister sind in große Verlegenheit geraten, weil Stierhoden. Geschlechtsteile, Tragsackel(Trachten). stinkiges Fleisch, alte schmierige Würste, Darmzipfel u. dergl. nicht mehr zur Wurst verarbeitet werden dürfen. Sic baten deshalb den Magistrat in München, der Innung einen Entwurf vor- zulegen für eine in München oufzu st eilende Norm, welche Fleischteile zur Wurstfabrikation verwendet werde» dürfen oder nicht I! Es soll dieser Entwurf sogar eine ortSpolizeiliche Vorschrift werden. Der Entwurf wurde auch der Innung zugestellt, nur sind verschiedene Meister nicht ganz damit einverstanden, jedenfalls diejenigen, denen das Tragsackel, die Stierhoden. Geschlechtsteile usw. allzusehr ani Herzen— Pardon l— am Geldbeutel liegt, den Kon- sumenten aber liegt's im Magen. Es wurde scharf diskutiert, und schließlich erllärten die braven Meister. daß sie im w e s e n t- l i ch e n(II) die Verwendung von Geschlechtsteilen und Därmen, mit Ausnahme des Kalbsgekröses, die Wicderverarbeitung von unverkauft gebliebenen geräucherten Würsten und Wurstabsälleu, die Verwertung von geräucherten Schwcineschwarten und stichigem Fleisch usw. als unstatthaft bezeichnen 1 1! In bestimmten Fällen sollen also dennoch Geschlechtsteile und ähnliche Delikatessen in die„Normalwurst" verarbeitet werden. Schöne Aussichten für die Münchener! Eine verdiente Abfuhr. Der abgegangene B r i a n d erhielt gerade vor dem Ende seiner Ministerschaft noch einen Brief, der ihn hübsch kennzeichnet, von einem Z imm e rm a nn, der auS dem Ministerium eine Belobigung wegen Rettungsarbeilen bei der vorjährigen Ueberschwemmung er- halten hatte. Dvrin heißt eS:„Sie freuen sich, mir„ein verdientes Lob im Namen des Präsidenten der Republik aussprechen zu dürfen". Ihr Schreiben hat mir keine solche Freude bereitet. Ich habe keinen Geschmack an Ehrentiteln, seien eS Briefe oder Ordeiisflitter. Auf solche Dinge verzichtet man am besten, wo es sich um Betätigung der Menschlichkeit gehandelt hat. Sparen Sie sie auf für solche.�die sie von Ihnen wünschen und deren Ehrenhaftigkeit der Ihren gleich ist. Schicken Sie sie nicht an Leute, die darauf verzichten und sie als Beleidigung ansehen, wenn sie von Ihnen kommen. Einpfangen Sie gleichzeitig mit der Rücksendung Ihres Briefes die revolutionären Grüße eines derer, die Sie ver» raten haben."— Das ist grob, aber deutlich und ehrlich. Kleiue Notizen. Spiele nicht mit Schießgewehr. Im Beuthener Gymnasium hantierte gestern während der Frühstückspause ein Tertianer mit einer Browuingpistole. Plötzlich entlud sich die Waffe und eine Kugel tras den 16jährigen Sohn des Oberbürgermeisters Brüning. Der junge Mann wurde schwer verletzt. Die schwarzen Pocken in Duisburg. Nachdem längere Zeit in den Pockencrkrankungen ein Stillstand eingetreten war, sind Donners- tagnachnnitag wiederum fünf Personen in das Seuchen- Haus überwiesen worden. Es handelt sich um schivarze Pocken. Erdbeben in der Türkei. In L e r i n(Florina), K i t ch e v o und Elba» fan wurden gestern wieder mehrere Erdstöße verspürt; sie richteten aber keinen erheblichen Schaden an. Dandorf&(s Belle-Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Sovtii Varrat Gervelat- od. Salamiwurst..... �1.25 Thüringer Knoblauchwurst? 1.25 Teewurst......................«w.« 1.25 ff. Leberwurst.............. 1.05 Hausmacher Leberwurst FMnd 95 � MettWUrSt(6raniiscb«elgerArt)Ffasil1B00 Jagdwurst..................... Ptod 95� Botwurst I..................... Pfund 75 pf- Zwiebelieber- o.Rotwurst Pfund 48 Schinkenspeck.............. p� 1.10 Nusschinken............... pfu-a 1.25 Mischnng II III IV Apfelsinen... DutZend20, 28, 35 pf- Blut-Apfelsinen Dutzend 20, 40? Messina Blut-Apfelsinen Dutz. 80? Citronen............ Dutzend 20, 30? Kalif. Tafei-Aepfel......... pfmd 35?'- Mandarinen.................. Pfund 28? Teltower Rübchen............ pwnd 9pf- Sellerie........................... �°?f 9pf- Maltakarfoffeln............... Pfund 11 pt RQchenfett Liesen.......... .Pfand .Pfand 55 65 Schweizer Käse........... pfmd LO Tilsiter Käse(voiuett)..... Pfand 68 Pf. Brie-Käse..................... Pfund 48? Romaf our-Käse(schnetzeostck. 27?f- Camembert, Neuchatelier st°°k 19 pt. Spitzkäse................. 3 stock 20 frisdtes Fleisth i*s=so Schmorfleisch..... Pfund 90?f Schabefleisch..... Pfund 90pt Roulade................ Pfund 95 pt Fehlrippe............ Pfund 75pf. Querrippe........... Pfand 65?A Goulasch.............. Pfund 65 pt GehacHtes............ Pfund 55pf. Sardinen m oei. Dose 20, 38, 48?f- Delikatess-Herlnge..Dose38, 63?f Bismarck- o.Bratheringe Dose 42? Schweine-Kottelets oa ä im Ganzen................... Pfund Ovf V SchinHeU im Oanzen..Pfund 70pf. Kdinm im Qanzen....�...Pfund 70pf.. Bauch................... Pfund 65 pt. HammelKeule�Ä 75?t Dicke Rippe.......-Pfund 7V?t<> Dünnung............. Pfund 65 pt —:<>•,—!»£=;»£=: Sardinen o. Anchovis....... Gi«20?t Brat-Heringe....°» 4 uter-Do»« 98?t Sardellen...........«. i pfund-Dos« 58?f> Kösseln Rippespeer„.68 Pf. Pflaumen mit Stein........ Vi Dos« 45?'■ filmen velss oder rot........'Ii Dose 65?t Kirschen mit Stein.......... Dose 65?t Stachelbeeren............ vc°° 65 Preisseibeeren, Mirabelleni)ozo68?t Brdbeeren.................. v. Dose 88 pt Stangenspargel Do.1.20, 1.35 Stangenspargel......... Dose 1,45 Bruchspargel ohne Kopf.....'/.Dose 72? Bruchspargel mitsopf.......>/,vose95?t Gemischtes Gemüse>/1Dose45 65?f. Gemischtes Gemüse extrav,Dose 95 Suppenschoten.............'/,!>«.« ZZpt Junge Schoten..............',.Doss45?t Feine Junge Schoten......-/.Dose55pf. Feinste junge Schoten. Dose 95 pt Pfefferlinge.................-,.00°- 50?' Spinat.........................'h Dose 42?t Kohlrabi In Scheiben mit Grttn>1, Pose 28?f Broch- od. Schnittbohnen�"- 28?t Brech- od. Schnittbohnen ec3osed42?f- Erbsen(VlctorU).............. Pfund 17 Pt Erbsen(geseUlt).............. Pfand 23 Pt Erbsen(Imlbe)................. Pfund 19 Pt Bohnen(volsse)........ Pfund 17, 22 Pt Linsen........... pf«nd 11, 14, 17 pt Reis............. Pfund 16, 19, 22» Verkaufsstelle für Abonnements-Marken der Grossen Berliner Strassen- bahn und der Allgemeinen Berliner Omnibus Aktien- Gesellschaft Bmiiniiilz».58 Specke 68 s78 28 billlne Cane! Während dieser Zeit Seuoltli herabgesetzte Extra-Preise eines passen Postens unserer bewahrten Schuhwaren. Darunter zelanzen folgende Artikel nur tadelloser Qualität zum Oerkouf: Kinder Mädchen Damen Melton- Hausschuhe co—«o-tq Cordelsohle OO Pf. OO Pf. f O Pf. r- stärke Leders, kl. 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März, vormittags 10 Uhr, im Märkisiben Hos, Admiralstr. 18c: Außerordentlich« Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 6. Sonntag, den 5. März, vormittags 10 Uhr, bei Scniitfc, Ackcrstr. 123: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 7. Sonntag, den 5. März, vormittags 10'/, Uhr, bei Hoff- mann, Pasewtükcr Str. 3: Mitgliederversammlung. Hilfskaflc der Graveure, Ziseleure und verwandten BerufSgenoffcn in Berlin tagt jeden 1. Montag im Monat Restaurant Braunert, Luisen- user 1, abends 8—10 Uhr. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Marrtdalleii-DtreNton über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage r Fleiich: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise unverändert. Wild: Fufuhr sehr mäßig, Geschäst lebhast, Preise gut. V e j l ü g e l: Zusnlhr in Hühnern reichlich, sonst genügend, Geschäst schleppend, Preise säst unverändert. Fische: Zusuhr mäßig, Gelchäjt ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig. Prell« unverändert. Gemüse, Obft und Südsrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäst wenig besriedigend, Preise lvcnig verändert. Weiser Einsegnungs-Stiefel Vorzugliche Qualität für Knaben und Mädchen □ Elegante Paßform a Reichhaltige Auswahl Schuhhaus größten Stils Zentrale u. V ersand Oranien-Strafie 34 Ldpslger Strafte 65 Kftnlgatrafie 34 Oranien strafte 47a Ztizdorl, Berftstr. 7-8 K&llerstrafte 3a Neu eröttaeti Tanentzienstr. 20 Ecke Passaaer Strafte flhstrierter Katalog kostenlos und portofr*'. 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März 1011, Vormittags IV Uhr: Fortsetzung luOmklltliihen Gkveriil-NnfWmlilNg unserer Verwaltungsstelle i« grohen Saale der Brauerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 1V/SZ. TageS« Ordnung! Stellullguahm zur Genrral-Utrslimmlung des Gesamt- Verbandes in Manuheim. Mft kollegialem Gruß: Die OrtsTerwaltang, Besondere Einladungen werden zu dieser Generalversamm- lang nicht verschickt. Als Legitimation gilt die LegitimatiouS- karte für BertrauenSleute und Mitgliedsbuch. Vertretungen sind nicht zulässig. Montag, den 6. März 1911: Bezirks- Versammlungen für die getarnte Oerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: HOI'lIßNI Phni"08- Stile, Müllerstrafte 14«, abend» S's, Uhr. NOFflCB* Ob'ff0* �chwedtrr Strafte SS, abends NllrOkN l rrnnkes PestslUe, Badftr. 1». abends 8>,, Uhr. TamaI» Wohlfahrt* Festsftle. Reintckendorf.rsest. Elchborn» IcQcl. ftrnße 18, abends 6 Uhr. Neutvahl der Besirkölettung. Praehtnftle Norck-Wsst, Wiclefstrafte 34. abends Vesien and Sciiöneberg; Ä Osten und Llchienberg: Stralau u. Rummelsburg: ZlS-"!-S SDdenbezirke; S.T"'"""'"'*""" 76' WfiiRoncno• Peakrrts Kcstanrant, Berliner«Uee SSI. n ClIlCilöCC. ghendS 8»/, Uhr. Rildorf: Hoppes Festsme, Hermannstr. 49, abends 81/, Uhr. Charioltenburg: VolUshans, moflnenftr. s. abends 8',. Uhr. etaaUt,' Restaurant Wahreia«tork,«roft-Lichterfelde. Barke- dlcylllZ. strafte SS, abend? 8'/, Uhr. Köpenick u. Friedrichshagen: abend» 81/, Uhr. Ober-ScMnewelde: Spandau: Bestanrant D»hle, Havel ftr. SO. abend» 8'/, Uhr. Tagesordnung w allen Dersammlungm i 1. Bericht von der ausserordentlichen Generalver- samnilung. 2. Stellungnahme zur nächsten ordentlichen General- Versammlung. aiitclledsbiicb IccIHmiert. 112/20 gahlreichea Besuch erwartet vis OrtsverwaUang. Deutscher Holzarbeiter-Verband. —===== Terwaltnniu Dcrlln.-> Tountag, den S. Mörz 1011, nachmittags S Uhr, in den Naunyn- täten. Naunynstr. v: OeffcntllclK lugcDdvcrfatnmlung aller in der fjolzindurtrie Berlins befchäftlgtcn Lehrlinge, jugendlichen Hrbelter und Hrbeltcrlnnen. TageS-Ordnnng: 1. Wer schützt wahrhaft die Interessen der tngendliche» Hol». arbetter? Reserent: Kollege Langhammer- 2. Diskussion. TgMg 3. VerlchicdeneS. Tic Werkstattvertrauensleute werden ersucht, die Lehrlinge und jugendlichen Arbetter auf diese Bersammlnng aufmerksam zu mache». Die OrtSverwaltuua. wöchentliche Teilzahlung liefere elegante HerrenModen Fertig und nach MdB Oarantfe für tadellosen Sitz und feinste Verarbeitung J. Kurzberg MaB- Schneiderei Rosenthaier Strasse 40-41 direkt am Hackeschen Markt. II. Geachftfl:~__ Frankfurter Allee 104, prt., Ecke Friedenstr. p a Pfand i.iiiiirsh.20M. Gr. geräucherte Wänseteulen, z. Rohessen, ff. Bäusrschmalz, garanllert rein, a Psd. 1.80 M., empsiehll 3l,17 Dorlln»»« und 8000. Lagerplatz 1: O., Rüdersdorter Str. 71(am Küstriner Platz. alt.Ostb.). 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Judith. Kanimerspiele. Lanzelot. (Ansang 8 Ahr.) Ansang 8 Uhr. Neues SchauivielbauS. Das kleine Schokoladrnmädchcn. Nachm. 3 Uhr: Die Hosen des Herrn v. Bredow. Lcssiug. Wenn der junge Wein blüht. Komische Oper. Tosca. Kleines. Der Lcibgardist. Neues Operette». Die schöne Nisetic. verliuer. Bummelsiudenten. Nachm. 3'/, Uhr: Nathan der Weise. Westen. Die lustigen Nibelungen. (Ans. VI, Uhr.) Neues. Mein crlauchler Ahnherr. Trianou. Hippolytcs Abenteuer. Resideuz. Pariser Menü. Thalia. Polnische Wirljchast. Schiller«».(Wallner- Dbeater.) Ein idealer Gatte. TchlUer lkharlottrnbnrg. Maria und Magdalena. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Urtedrich- WilhelinstädtischeS. Krieg im Frieden. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Bolksopcr. Der Wassenschmied. (Anfang S'/j Uhr.) Luftinielbnue. MeycrS. Luisen. Das grohc Licht/ Nachm. 4 Uhr: Der brave Peter und die Puppenprinzessin. Modernes. Der Feldherrnhügel. (Anfang 8'/. Uhr.) Roie. Liselotte. Nachm. 4 Uhr: Rübezahl. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Er, Sie und Er. Kolirö Caprice. Der Feldwebelhügel.(Ansang 8'/, Ubr.) Metrouol. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Julie Wippchen. Apollo. Spczialitälcn. lvaliage. Svczialitäten. Voigt. Geschlossen. Ncichsballe». Stcltiner SZnger. Karl Haverland. Svezialitälen. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo I Dacapo!(An- ialtg 8»/, Uhr.) Jutiu.es. Das Mädchm ailS Paris. (Ansang 8',, Uhr.) Wrdding. Lichtspiele. Kaiser-Pauoraura. Eine Tour in Slegypten von Trieft nach Aleran- drien.— Wanderung im Stei- rischcn Salzkammcrgut. Urania. Taudeustraste 48/4S. Nachm. 4 Uhr: Von San Nemo nach Florenz. Abends 8 Uhr: WaS unS der Mond erzählt. Hörsaal abends 8 Uhr: Pros. Dr. Donath: Vom Radium. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. �essinx-IKester. 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Sonntag 3 Uhr: Hedda Gabler. 8 Uhr: Anatol. Montag 8 Uhr: Tie Ratten. berliner �Keatei*. Abends 8 Uhr: Bamnielstadcnten. Morgen; Vummelstudenten. Modernes Theater ((rdher Hebbeltheater). Abends 8>,, Uhr: � Per FeldherrnhUgel. Neues Theater. Zum 25. Mal: Hein MM Mm. Ansang 8 Uhr. Sonnlag n. folgende Tage: Mein erlauchter Ahnherr._ Berliner Volksoper -/.» uhr- Dm Waffenschmied. Theater des Westens. Abends T'/s Uhr zum erstenmal: Tie lustige» Nibelungen. Sonnt. 3'/, U.: Tas PupPenmädel. TriHh-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Sonnabend, den 4. März, 8 Uhr: Krieg im Frieden. Nachm. 3 Ubr: Wilhelm Tell. Sonntag 3 Uhr: Faust. 8 Uhr: » X 2 � 5._ Residenz-Theater. Direltioi»: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Pariser Menu. Drei Gänge von Georges Feydeau und Beber-Abric. l. Gang: ,52 Meter über Paris", > Alt von Veber-Abric. 2. Gang:.Eine Nachtsihung', lAkt »on Georges Feydeau. 3. Gang:„Nach dem MäuSchen- ball", 1 Akt von Georges Feydeau. Morgen und soigende Tage: Pariser Menu. Abends 8 Uhr: Meyer». Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Von San Remo nach Florenz. Abends 8 Uhr: Was ans der Jlond erztthlt. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. Donath: Vom Badlam. Kaiser-Panorama. Neu. Ein Tour in Aeg/plon i von Triest nach Alexandrien. ' Letzte Woche. Wanderung im Steirischen Salzkammergut. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Kcnes Programm! Ida Füller, Phantasie-Tänzerin. Noblette, mimisch. Transfqrm.-Akt. O'Brien, Operettensängerin. Cook and Rothe rt, amerik.Excentrics Sunshine girls, engl. Tanz-Truppe. Lala Seidini, amerikanische Strandschönheit._•-r,... Boganny-T ruppe: Die lustig. Bäcker. Garcia, jonglierende Silhouetten. Kelly u. G i leite: Ein Spaß im BiUard- Salon. Biograph, neueste Aufnanmen. Morgen 3 Uhr: Slachmlttags- Vorstellnng. Kieme Preise. Hchlller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeat.) Sonnabend, abends 8 Uhr: iEIa tdosler Schauspiel in 4 Alien v. Oslar Wilde. Ende 10'/, Uhr. Sonntag. nachm.3Uhr: VI« Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Xathaa der Weise. Montag, abends 8 Ubr: Ber Bund der Jugend. Schiller-Theater Charlollenburg, Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Ausz. von Friedrich Schiller. Ende 6 Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: iflaria and Magdalena. Schauspiel in 4 Alten v. Paul Lindau. Ende 10'/, Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Sonntag, abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag, abends 8 Uhr: Der Bimmel ani Erden. Friedrich- straße 165 Castan5 Panoptikum Die Schonen Samoas. So Personen. Ohne Extra-Entree. o'ÄSr1! Sport- Palast Potsdamer Sir. 72. K.'nSLs«. An Wochentagen von 1-4 Uhr: Eintritt SO Pf. Feerie: Am Nordpol. Sonnabend, den 4. März 1911, abends 7'/, Uhr: Grand Soiree high life. xcai Johnley Freres akrobatisch-equilibristischer Akt. Original-Perezoft-Truppe, 8 Personen. Austreten der beliebten Schill- reilerin Frl. Tora Schumann. Antonet& Grock die Urkomischen. Dir. Alb. Schumann mit seinen neuesten Kreationen «o«!» d. übrig, neuen Spezialität. Der große Coup 9'/, Uhr. der 9-/, Uhl. Scbmuggler. �Morgcn�onntag��wei�orst� Alt-noabit 47/48. Sonntag, den 5. März 1911: Auf allgemeinen Wunsch! Ner Ojiodifnpf;;u fSrrolau. Historisches Schauspiel in 3 Abteilung. (9 Bildern). Konstantin Helm, Giockengiebermstr.: Dir. Hans Reitz. K asseneröffn. 5'/, Uhr. Ans. 7'/, Uhr Nach der Vorstellung: Tanz.= Üeutseher Heute Sonnabend, den 4. März 1911, in der„Neuen Welt", Hasenheide 108/114 (jetzt 7000 Personen fassend): Kirmes in Berchtesgaden ErSffnnng 8 Uhr. Eröffaudg 8 Uhr. Herrliches Alpenpanorama Bayerischer Hochwald s? Wasserfall Alpenglühen& Gewitter ,*? Rodelbahn. Mitwirkung der ober bayerischen Musikkapelle unter Leitung des Barons Muckl, und der Tiroler Alpenkapelle. c SroPes Haberfeldtreibew.= J Zwei Ball«Orchester. Es gebeten. In Sommer-Toilette oder Alpen-Kostflm zn erscheinen. B tar�an t zTh r«n d? �reau-v80wii bei den KoUegen Schwemke, Schönleinstr. 34(Ecke Boeckhstraße) und im Kestaurant Behrendt, gegenüber der„Neuen Welt5, und am Sonnabend von 7 bis 9 Uhr in den Zahlatollen aasgegeben. ■ eckhstraße) den Zahl- 79/12* TpÄ ��SscMUcImB >- r MM], P Aufsehenerregende Aktuellität: ie Pest Arnold Scholz Ihre Ursachen, Verbreitung u. Bekämpfung. (Ein populär-wissenschaftlicher Beitrag zur allgemeinen Aufklärung Ober die augenblicklich in Ostasien wütende Lungenpest.) VortUhrnng alletündllch ab 5 Ehr. ]\ewie Welt Täglich das beliebte Hasenheide 108—114 Bockbier� Pest. Dienstags, Donnerstags and Sonntags: Großer Ball. Anfang 7 Ehr. 3 Kapellen. Entree SO Pf. SonntagH 4 Ehr. 5 Kapellen. Entree 50 Pf. oeoooooooosoooooooooooooDooooeooooooooee s 'Excelsior-Lichtspielliaus' Rixdorf, Bergstr. 151/152(RiÄreaBe)# Tom 4.—10 Bllrz einschließlich: O :Die Jugendsünde Avochho•* Surfing, der Nationalsport der Hawaianer. Phllemon und Baude. Farbenkinemathographie. Moritz als Bauernfänger(humorist.) usw. d Anfang; Wochentags 6 Uhr abends./ »•••••••••••eoooooooooßoooootoooooooooo 8» CLOU" BERLINER KOXEERTRACS Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Eintritt 50 Pf. Gastspiel Joh. Strauß ans Wien mit seinem vollständigen Orchester. — Anfang 8 Uhr.— Morgen, Sonntag: Matinee von 12'/,— 3 Dhx. Außerdom: Zwei Konzerte b/firu�d Da uns gestern durch die Fürsorge eines freundlichen Nachbars der Bierausschank verboten wurde, so werden wir, um unsere werten Gäste nicht dursten zu lassen, bis auf weiteres jedem Besucher(mit Ausnahme von Kindern) ein Glas Bier oder eine Flasche Sehers oder eine Flasche Limonade gratis verabreichen. Bons erhalten Sie an der Kasse. ExcelsiofBLichtsplelhaus» Rixdorf, Bergstr. 151/152(Passage Riohardstraße). i Sonntag, den 5. MUrz: f| DP Erster großer Ball 1 Uvl. im neudclori erteil Saale. wozu ergebcnsl einladet im aeudcloricrteii Saale, Bei- Alte Frcnnd. Zirkus Busch. Sonnab., 4. März. abds. 7'/, Uhr: Grande soiree dqnestre. Wiederauftreten d. berühm. Oress. Hrn. Ernst Schumann. Hr. Georg Burkhardt-Footit, d. bedeutendste Schulreiter der Gegenwart. Herr Dir. Pierre Allhofl u. Frau Direktor Adele Althoff, Freiheitsdressur. In dies Vorstell. gelang, ca. 200 Freiheits-Schul- u. Springpferde zur Vorlühr. D. urk. Fratellinis. Um 9'/, Uhr zum 72. Male: Armin." Gr. Volks-Manege-Sohanstück Gnl Vorher großes Passage-Panoptikum. Die znsammengewaebsenen Schwestern Blazek nnd ihr Kind! ZwciBttttcr— ein Kind! Lebend zn.eben! Täglich von ,1-1 u. von 3-10 Uhr. Ohne Extra-Entree! Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Hedi Herdina. Löfs Hol'Tschen I Chinesentrappe und da« groBe neue Hirz- Programm. 14 Varleld-Neuhelfen. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Das grosze Licht. Schauspiel w 4 Allen v. F. Philippl. Sonntag nachm. 3 Uhr: Groges Kindermärchen: Ter brave Peter und Tie Puppenpri.zessiv« 8 Uhr: AuS erster Eh«. Montag: Das große Licht. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr:.. Hippolyten Äbeuleuer. Reielishallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluft: Kuhllckea Varletd- Theater. Burleske von Meysel. Ansang wochentags « Uhr Sonntags 7 Uhr. Aketropol- Theatsr. Hurra! Wir lebe» noch! Grotze AusstattlmaSreou« in 7 Bildern t,«J. Freund. Musil o. V. Hollacnder. In Szene geletzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag nachm. 3 Uhr: Mamsell Ritouche. Ab 8 Ubr: Vollständig neues Programm k 1» Weltsladt-NoTillien! 9'/, Uhr: Tensationellcr Erfolgt Alwin Nenß in Beregis. SensaiionSdrama in 1 All. TxeatePtt 1 Wedxltngy! Vom 4. bis 7. März: Der Todeskampf zwischen Sherloh tfolmes and Ars�ne Eupin. Jetzt von der Zensurbeh örde MB freigegeben.-TBE Sowie das übrige fScnzation®- Programm. KöDigstadt-Kaslno. Holzmarllstr. 72. Gänzlich neues Programm. Elsa Lüsohon, Soubrette. Ernat Kleiner!, Humorist Ciaire u. Marlha Budzinska. Alfonse Agagllo Gebr. Brunner, Sport-Akrobaten. KFrunz Hobanukl.-Mtzg sor. 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Die Beerdigung findet morgen Sonnlag, den 5. März, mittags 12 Uhr, vom Trauerhause aus nach den, Nazareth-Kirchhos, Neinickendors« West, Blanlestrajze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/15 l>or Vorstund. Deutschet Metailarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Todes- Anzeisre. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Wickler Otto Zernickow gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 5. März, nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemeinde-Kirchhoses in Wcigensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 112/19 Die Ortsverwaltung. Hierdurch die traurige Nach- Vicht, daß mein herzensguter Mann, der Slultateur Ferdinand Fuhrmann im 62. Lebensjahre am Mittwoch verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet 413b Klara Fuhrmann. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4'/, Uhr, von der Halle d er Simeonsgemewde, Britz, aus statt. Am 1. März verstarb Mitglied, der Kollege unser 173/2 Ferdinand Fuhrmann im 63. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. März, nach- mittags>/,5 Uhr, von der Halle des Simeon-Lukas-Kirchhoses in Rixdors, Mariendorser Weg(Ger- maniastraße) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortöverwaltung des Zentralvcrbandcs d. Stukkateure Filiale«erlin. Deutschst Tabakarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zigaretten arbeiter /�doik Teimann am 28. Februar im Alter von 45 Jahren an der BerusSlrantheit verstorben ist. Ehre sewem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 2 Uhr. von der Leichenballe des judischen Fried- hoses in Weißensee, Lothringen- straße, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 187/3��Di«�rtZverwalt«n�. Am 2. März verstarb nach schwerem Leiden mein geliebter Mann, unser unvergeßlicher Vater Ludolf Oüntker. Die» zeigen tiesbetrübt an die trauernden Hinterbliebenen Frau Emilie(giinther, Franz Günther, Richard Günther. �Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. März, nach- mittags 2 Uhr. von der Halle des Rixdorser Friedhofes am Marien- dorfer Weg aus statt. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Be- weise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, unvergeß- lichen Mannes, des Gastwirtes WNKelm Wacsch sage ich hierdurch allen meinen herz. lichsten Dank. 453b Witwe Anna Waesch. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Todes-Anzelee. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege IHmst Nitschke am 2. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. März, nach- mittags 4'/zUhr, aus dem Georgen- Kirchhos, Landsberger Allee 21/23, statt. Zahlreich« Beteiligung erwartet 169/6 Der Borstand. Todes-Anzeige. Am 2. März mittags 12'/, Uhr verstarb nach langem schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, mein guterVater, unser Schwieger- vater, Großvater, Bruder und Schwager, der Kohlenhändler ttennaim Böhm im 65. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Eiaro!. Dohm geb. Gehricke und Familie Schwenk. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 5. März, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhause Garten. straße 63 aus, nach dein St. Goigatha-Kirchhos(Barsus straße) statt. 32250 I Die Beerdigung unserer Mt- arbeiterin, der Falzerin Frau kuise Kiewitt findet fjClltC nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Rixdorser Ge- meinde-FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Vorwärts Bachdrockerel Paul Singer dfc Co. Dentscher Buchbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, daß unser langjähriges, treues Mitglied, die Kollegin Luise Kiewitt plötzlich verstorben ist. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Ionnabendmittag 2 Uhr aus dem Rixdorser Gemeinde- Friedhose, Mariendorser Weg, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 23/9 Oie Ortsverwaltung. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters, des Maschinenmeisters 45öb Fritz Schulze sagen wir allen Beteiligten unseren / besten Dank. Witwe Schulze und Kinder. ■■■ I» „Vorwärts"- Leser aufgepaßt!» kaust man in der Hlslhs Prinzen-Str. 34 t Treppe((ein Laben) wie allbekannt Jackettanzüge, Rockanzüge, Paletots, Hosen für jede Figur passend. wwwwwwwwww wwwch Zentralhaos Biene Frl neben Z liefert an j Lerreu- «neh Anv tadellosen Sitz lieh« Tellishlan! Zuichiieiderci u.S---- Auf Wunsch Besuch. mit neuesten St Sonntn�S�eoffn Dr. Simmel Spezial-Arzl �* für Haut- and HarnleTdea. Prinzenstr. 41, 10—3, 5—7. Soantags 10 Danksagang. Für die Bielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- ipenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS und unseres guten Baters Otto Zernikow sagen wir allen Beteiligten hiermit unseren innigsten Dank. 3226L Wwe. Zernikow nebet Kindern. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei Oer Beerdigung unserer lieben Tochter und Braut 462b .A-ium Wicke sagen wir allen Berwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Wahl- verein, den Genoisinnen und Genossen vom 98. Bezirk, dem Deutschen Buch- binderverband, dem technischen und Kontorpersoual der Verlagsgesell- schast Union, wie auch dem Genossen Schenk sür die trostreichen Worte am Sarge der Entschlasenen unseren innigsten Dank. Wilhelm Ribbe und Fruit. Hugo Rasch. Die Vonflge der Salantadefetlefel«kfd elcM Zufall, eoodero ein Ergebala aorgtlltlger Horetollung Einheitspreis ML 12.50 tflr Damen n. Herren Luzua- Ausführung M. 16.80 Fordern Sie Mooterbneh V Salamander Scbuhgei. m. b. H., Berlin Zentrale: W 8, Frledrlch-Slrasse 182 W. Friedrich-Strasse 182 SW. Friedrich- Strasse 221 N. Friedrich-Str. 118/19 C. König-Strasse 47 W. Potsdamer Strasie 5 C. Rosenthaler Tor W. Tauentrien-Strasse 15 N. Bad- Strasse 20 NO. Gr. Frankfurter Str. 102 (am Strausberger Platt) 'NW. Wilsnaeker Strasse Ecke Turm strass« 9 Charl., Wflmersdorler Strasse 135 Steglitz, Schloss-Strasse 20 Spandau, Breite Strasse 80 Potedem, Nauener Straeae 24 Verantwortlicher Aedatteur: Hans Weber. Kerlin. Lür den Inseratenteil berantw.t Tb- Glocke, Berlin. Drudu. Verlag: vorwärts iöuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Co.. 9r.54. 28. Zahrgavy. Z. SciUt Ks.Hwäck- Kerlim WIKsdlÄ. Sonnabend. 4. Marz!M Huq Induftrie und DandcU Die Reichsbank. Nach dem Geschäftsbericht der Reichsbank wurde im Jahre 1910 ein Ueberfchuß von 27 728 627 M. erzielt gegen 23 081 500 M. pro 1909. Der Ueberschtch für 1908 stellt sich auf 37 036 432 M. Die Reichskasse erhält als Gewinnanteil 16071470 M. gegen 12506132 M. resp. 23 052 324$?., die Anteilseigner erhalten 11 657 156 M. gegen 10494 000 M. resp. 13 986 000 M. Die Gesamtumsätze bei der Reichsbank im Jahre 1910 betrugen 354 150 399 800 M.(1909: 331 032 004 700 M.). Die Haupt-Einnahme- und-Ausgabeposten während der letzten Vier Jahre waren folgende: 1909 M. 53411854 30 330 344 23 081 510 1908 M. 65 614 595 28 578 162 37 036 432 1907 M. 82 550 413 30 263 762 52 313 651 1910 M. Bruttogewinn 57 432 618 Ausgaben 29 703 990 Reingewinn 27 728 627 Von letzterem werden gezahlt an M M. M. M. die Reickskasse 16 071470 12 586132 23 052 324 34 510 238 die Aktionäre f 11664 000 10 495 377 13 993 419 17 803 412 als Dividende/ 6,48 Proz. 5,83 Proz. 7,77 Proz. 9,89 Proz. Der Metallbestand betrug Ende 1910 insgesamt 924(i. V. 615) Millionen Mark, davon entfielen auf Gold in Barren und fremden Münzen 309(l V. 360) Millionen Mark, auf Gold in deutschen Münzen 351(i. V. 320) Millionen Mark. An Zweiganstalten bestanden Ende 1910(wie i. V.) 493. LlS Eigentümer der Reichsbankanteile waren Ende 1910 eingetragen 16 628(16 562) Inländer mit 29 791(23 819) Anteilen zu 8000 M. und 58 560(58 567) Anteilen zu 1000 M.. 2120(2129) Ausländer mit 10 209(10181) Anteilen zu 2000 M. und 1440(1433) Anteilen zu 1000 M. Im Geschäftsbericht liest man: «Obgleich das Jahr 1910 in wirtschaftlicher Hinsicht den Er- Wartungen nicht voll entsprach, war ein ziemlich allgemeines, wenn auch nicht überall gleichmäßiges Erstarken der Geschäftstätigkeit nicht zu verkennen. Der hieraus hervorgehende Mehrbedarf an Zahlungs« Mitteln findet in den an die Reichsbank gestellten Ansprüchen seinen deutlichen Ausdruck. Aus allen für die Beurteilung dieser Ansprüche maßgebenden Konten haben sich die Umsätze zum Teil sehr erheblich erhöht. Dem gegenüber kam das Nachlassen der Kreditbedürfnisse deS Reichs erleichternd in Betracht. Die starke Besserung der deutschen Handelsbilanz befestigte die Unabhängigkeit des deutschen Geldmarktes dem Susland gegenüber und ermöglichte eS der Bank- Verwaltung, im Frühjahr und Spätherbst störende Rückwirkungen der Vorgänge aus dem Londoner Marli lediglich durch devisenpolitische Maßnahmen von Deutschland fem zu halten.'* Da» Geldbedärfui» der Bänke«. Die Industrie und der Handel haben im vergangenen Jahre von den Geldinstituten riefige Summen entnommen. Da daS Geld wieder billiger geworden ist. benutzen die Bankinstitute jetzt die günstige Gelegenheit, fich mit neuen Geldmitteln zu versehen. Welchen Umfang diese Ansprüche darstellen, zeigt die folgende Tabelle. Seit dem 1. Januar 1911 beschlossen ihr Akttenkapital zu erhöhen: Grundkapital Beabsichtigte Ende 1910 Erhöhung in Millionen �iSkontogesellschaft..... 170,0 �uitionalbank für Deutschland. 80,0 V/nteldeutsche Kreditbank... 54,0 M�Xeldentsche Privatbank... 50,0 Bern ttch-Markische Bank... 75,0 Essene' Bankverein..... 20,0 Aadhene- x Bank für Handel und Gewi xf,t....... 2,5 Dürener'�olksbank..... 3,0 Kreditverefi �viges.... 2,1 Hildesheimer' Bank..... 9,0 Chemnitzer äK'••• �'9 Voigtländische> Kreditanstalt.. 2,5 Holstenbank..\: i'' Handels- und Ver ehrSbank, Hamburg..•.•••• Mecklenburger Spar, l�nk... 4.0 Norddeutsche Kreditb«.•• 18,0 Königsberger Vereins!'link.. 6,0 Straßburger Bank..... 8,0 Comptoir d'Escompte.• 20.0 30,0 10,0 6,0 10,0 5,0 5,0 0,5 1,5 0,9 1,0 5,0 1,0 2,0 0,5 1,0 6,0 4,0 2,0 8,0 540,6 Mill. M. 99,4 Mill. M. 100 Millionen in run� Zwei Monaten nehmennach dieser Aufstellung allein 19 Bankii.'vlwte auf. Die Ziffer laßt er- kennen, wie mächtig die Geldbanken Industrie und Handel find. Nach ihren Wünschen muß sich die Jnd �stne richten. Hu9 der frauenb�egung. Vom politischen Fraucnwal, �cht. Die schwedische Regierung erteilte im Jahr,.' 1209 dem Professor Reuterskiöld in Upsala Austrag zu einer Untersuchung über die Frage des politischen Frauenwahlrechts im Au stand. Der Pro- fessor hat diese Arbeeit jetzt vollendet und ein Buch' �on 368«eilen herausgegeben, das den langen Titel trägt:..Ueber' ow Entwicke- lung und Anwendung der Idee des politischen Frauen'Wahlrechts tm Auslande". Das Buch beginnt mit einem Kapitel üi" me theo« retische Grundlage und praktische Propaganda. Als e.i Ver theore- tischer Vorkämpfer für das Frauenwahlrecht wird der' Franzose Condercet(1787) genannt. Sodann der Engländer ivtuar t Mill, der 1868 seine Schrift über die unterwürfige Stn�tnace�Co- LaiulsbergBr Str. 95, linTfrn 1"--1—--r- u. I,innjn a(i.-Fabrik tHUin, TUae/str. 41. T.A.7,8176. $3. 8««« allcobsl- AZ. AZ freies Getränk. dri(lor.str. 43, Pankon, Plorastr. 80. 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Partei- Hncfelegenbeiten* verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Auf Antrag der Propagandakommission für das Ge- noüenschaftswesen findet morgen. Sonntag, den 5. März, von früh 8 Uhr beginnend, eine Flugblattverbreitung statt. Der jähe Zusammenbruch des Rabattsparvereins Norden legt uns die Verpflichtung ob, sofort einzugreifen und die Berliner Arbeiterschaft zum Eintritt in die Konsumvereine zu veranlassen. Das Flugblatt wird verbreitet in den sechs Berliner Kreise« und in den Orten Adlershos, Alt- Glienicke, Baum- schulenwea, Bernau, Borfigwalde, Britz, Charlottenbnrg, Erkner, Friedenau, Friedrichsfelde, Friedrichshagen, Grünau, termsdorf, Johannisthal, KarlShorst, Königs-Wusterhausen, öpeuick, Lichtenberg, Mariendorf, Nieder- Schöneweide, Nowawcs, Ober-Schöneweide, Oranienburg, Pankow, Rcinicken- dorf zogen und nach allen Einzelheiten geftagt. Die Beantten wollten eben auch das erfahren, was die Leute selbst vielleicht für ganz nebensächlich hielten. Es kam besonders auch darauf an, zu ermitteln. wo jedermann auS dem Hause sich in der kritischen Zeit aufgehalten hatte. Bei solchen Unterhaltungen machte nun«est spät eine Frau aus dem Hinterhause eine sehr bedeutsame Mitteilung. Sie hatte gerade zu der Zeit, wo der Mörder die Wohnung der ermordeten Frau Hoffmann durch die Hintertür verlassen haben muß, Griehl die Hintertreppe hinuntergehen sehen. Die Frau hatte das auch ihren Angehörigen gleich erzählt, der Kriminalpolizei aber keine Mitteilung davon gemacht, weil sie glaubte, baß diese es schon wisse und daß sich die Sache aufgeklärt habe. Griehl bestreitet, auf der Hintertreppe gewesen zu sein, die Frau bleibt aber trotz aller Vorhaltungen bei ihrer Behauptung. Sie sagt, daß sie, aus welchem Grunde weiß sie selbst nicht mehr, ihre Korridortür geöffnet habe. Da habe sie von ihrem Flur aus Griehl die Treppe hinuntergehen sehen. Er habe fie ebenfalls gesehen und im Vorbeigehen einen„Guten Tag" geboten. Sie habe den Gruß erwidert. Die Kriminalpolizei stand dieser verspäteten Mitteilung sehr skeptisch gegenüber. Die Nachprüfung ergab jedoch, daß die Frau zu ihrer Familie schon gleich über diese Begegnung gesprochen hatte. Es war also kein Einfall aus späterer Zeit. Eine Gegenüber» stellung der Beteiligten beseitigte den Widerspruch nicht. Beide Teile bleiben bei ihrer Darstellung. Von einem Verdacht gegen Griehl war dabei noch keine Rede. Eine Zeitlang schien es nun, daß die Aussage der Frau nicht richtig sein könnte: denn nach den ersten Bekundungen wollte man zu einer Zeit, als Griehl schon an der Frau vorbei- gegangen sein mußte, in der Wohnung der Frau Hoffmann noch eine Stimme und Geräusch gehört haben. Jetzt steht aber fest, daß die Frau doch richtig gesehen haben kann. Daß Griehl mit der Hoff- mann bekannt war, ist nicht bestritten. Er wohnte ihr gegenüber, und die alte Frau unterhielt mit seiner Familie nachbarliche Be- Ziehungen. Sie ersuchte die Leute auch öfter, wenn sie verreiste, auf ihre Wohnung zu achten. Uebcr seinen Aufenthal hat Griehl An- gaben gemacht, die nach anderen Bekundungen nicht richtig sind. Auf Grund von Zeugenaussagen stellt die Kriminalpolizei folgende Kombination auf. Griehl ist gesehen worden auf der Hintertreppe und kann aus der Wohnung der Frau Hoffmann ge- kommen sein. Er ist dann gesehen worden, wie er den Vorder- aufgang hinauf hing, um zu seiner Wohnung zu gelangen. Dazu kommt noch eins. Der Mörder hat nach der Tat abends die Pförtnerfran Miska 1 zu einem benachbarten Schlächtermeister an den Fernsprecher gerufen und ihr mitgeteilt, daß Frau Hoffmann krank und anderswo unter- gebracht sei. Bald nach diesem Gespräch, gegen 6% Uhr abends, kam Griehl in Hut und Mantel nach Hause und klopfte bei der Pförtnerfrau an mit der Frage, was denn nun mit Frau Hoffmann geworden sei. Das legt den Gedanken nahe, der Täter habe sich erkundigen und überzeugen wollen, wie das Telephongespräch im Hause gewirkt babe. Griehl bestreitet diesen Vorgang. Er be- hauptet, weder geklopft noch nach Frau Hoffmann gefragt zu haben. Alles das sind Widersprüche, die durch eingehende Ver- nehmungen aufgellärt werden müssen. ES dürfte gut fein, erst weitere Untersuchungen abzuwarten, bevor von einem Mordverdachte Griehls ernsthaft die Rede sein kann. Bei der Verhaftung des Sattlers Mielke war es ebenso, bis sich die Unschuld des Mannes herausstellte. Der Fall Bergmann. Unter diesem Titel veröffentlicht Dr. med. Bergmann eine 121 Seite starke Broschüre, in der er feine Erlebnisse mit Richtern und Gerichten in dem bekannten Strafprozeß gegen seine Frau wegen Mißhandlung ihrer Stieftochter schildert und darzulegen sucht, seiner Frau sei bitter Unrecht geschehen. Den Beweis hierfür enthält die Broschüre keineswegs. Die Zeuginnen— Dienstmädchen und Hausgenossinnen— sowie die Mißhandelte werden als überaus leichtgläubige und verlogene Menschen gezeichnet. Selbst wenn diese Schilderung zutreffend wäre— der Verfasser unterläßt die Beibringung hinlänglich nachprüfbaren Materials— wäre die von dem Verfasser gezogene Folgerung durchaus noch nicht ge- rechtfertigt. Die Darlegungen über allerlei mißglückte Erziehungs- versuche des Verfassers mit seiner Tochter zeigen vielmehr, daß die Fähigk'it, das Innenleben eines in der Entwickelung stehenden jungen Mädchens zu erfassen, ihm in einer bei einem Arzt über- laschenden Weise abgeht. Der Teil der Broschüre, der die religi- öscn und spiritistischen Ansichten deS Verfassers streift, mag im besten Fall zu dem Ergebnis führen, daß beide Eheleute zur Er- ziehung unfähig sind und daß die verurteilte Ehefrau eine mindere moralische Schuld als den Verfasser selbst trifft. Aber einen Be- weis der Unschuld der verurteilten Ehefrau enthält die Rcchtferti- gungsschrift durchaus nicht._ Französische Extrablätter in Berlin. Eine Neuheit im B:r- liner Weltstadtlcben konnte man Donnerstagabend beobachten. Die Ereignisse in Frankreich interessieren besonders die französische Kolonie in Berlin, ebenso die hier weilenden Fremden. Die hier erscheinende französische Zeitung„Journal d'Allemagne" kam daher aus den Gedanken, ein Extrablatt herauszugeben, daS die ihr durch den Fernsprecher übermittelten Auszüge aus den Pariser Abendblättern der Einwohnerschaft Berlins und dem Fremden- besuch in französischer und deutscher Sprache sofort bekanntgab. In zahlreichen Exemplaren wurde die Ausgabe von 9Z-4 Uhr abends bis vier Uhr morgens an den Straßenecken verteilt. Ein Militärautomobil in eine Militärkolonne hineingefahren. In der Nähe des Bahnhofes Heerstraße im Grunewald ereignete sich Donnerstag abend ein Automobilunfall. Ein Kraftfahrzeug der Verkehrstrnppcn fuhr von hinten in die letzte Sektion der 8. Kom- pagnie des Kaiserin-Elisabeth-GardegrenadierregimentS. Der am Schluß marschierende Offizier, Leutnant von Cornberg, der Sanitäts- Unteroffizier Voß, der Gefreite Jentzsch und der Rekrut Eckinann wurden verletzt. Das Königin-Elisabeth-Gardegrenadierregiment befand sich auf Festungsübung in der Nähe des Hahnen- berges bei Spandau und marschierte Donnerstag abend auf der Döberitzer Heerstraße zurück. Bor dem Bahnhof Heer- straße fuhr ein Automobil der Verkehrstruppen hinter der 8. Kompagnie, deren letzter Mann eine Laterne trug. Die Straße war vollständig dunkel und das Automobil schleuderte sehr. Der Chauffeur sah nur die Laterne: er glaubte, eS fei die Laterne eines Automobils, daS ihm entgegenkomme, bog nach rechts aus und fuhr in die letzte Gruppe der marschierenden 8. Kompagnie hinein. Als er den Unfall bemerkte, bremste er sofort. Doch waren die Folgen nicht mehr zu vermeiden. Leutnant v. Cornberg erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. Der SanitätSunterosfizier Boß hat einen leichten Schlag gegen den Kopf bekommen, der Gefreite Jentzsch eine Einknickung des Nasenbeins, und der Rekrut Eckmann ist nur ganz leicht verletzt. Im übrigen haben noch sechs Mann Kontusionen davongetragen, die aber so leicht waren, daß sie gestern ihren Dienst versehen konnten. Für 3000 M. Handschuhe erbeuteten Einbrecher in der Nacht zu gestern in dem Geschäft von Doerksen in der Stralauer Straße Nr. 39. Wie sie in das Haus hineingekommen sind, weiß man nicht. Die Tür zu den Geschäftsräumen, die im zweiten Stock des Vorder- Hauses liegen, öffneten sie mit einem Nachschlüssel. Im Kontor und in den Lagerräumen richteten die Einbrecher arge Ver- Wüstungen an. Trotzdem hat niemand im Hause etwas von ihnen gehört. Ihre Warenbeute besteht aus Damen- und Herrenhand- schuhen verschiedener Farbe. An barem Gelde fanden die Ein- brecher nur 25 M. Wechselgeld im Spinde. Ans dem Wege zum Frühstückholcn wurde gestern morgen die 82 Jahre alte Arbeiterwitwe Minna Müller aus der Grena- dierstraße 35. die sich durch Zimmervermieten ernährte, vom Tode überrascht. Schon vor der Tür ihrer Wohnung brach die Greisin, die schon längere Zeit an Atemnot litt, plötzlich zusammen. Ein Hausbewohner, der sie auffand, holte einen Arzt. Dieser aber konnte nur noch den Tod feststellen, der wahrscheinlich auf einen Herzschlag zurückzuführen ist. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein Bauunfall hat sich, wie uns nachträglich berichtet wird, dieser Tage auf einem Bau in der Großen Hamburger Str. 16 er- eignet. Der Bau ist bis zum Dach gediehen. Beim Ausschalen des Balkons fiel von der vierten Etage ein Brett herunter und traf einen bei der Kalkbank beschäftigten Arbeiter so unglücklich, daß die Rippen bloßgelegt wurden; er wurde nach dem nahen Hedwig- Krailkenhause gebracht. Der Unfall wäre vermieden worden, wenn das Schutzdach nicht vorzeitig abgenommen worden wäre. Ein schwerer Straszenunfall ereignete sich Donnerstagabend gegen 8 Uhr an der Ecke der Wall- und Roßstraße. Dort versuchte die neunjährige Tochter Charlotte des Friedrichsgracht 24 wohnen- den Schneidermeisters Konitzki vor einem Omnibus der Linie 15 der Allgemeinen Berliner Omnibus-Gesellschaft über den Straßen- damin zu laufen. Auf den Anruf des Kutschers erschrak die Kleine und lief in der Aufregung in das Gespann hinein. Das Mädchen wurde umgestoßen und geriet unter das schwere Gefährt, dessen Vorderräder über die Bedauernswerte hinweggingen. In be- sinnungslosem Zustande wurde das verunglückte Kind nach der Unfallstation am Spittelmarlt gebracht, wo schwere innere Ver- letzungen, eine Gehirnerschütterung und eine Kopfwunde fest- gestellt wurden. In bcdcnllichem Zustande mußte das schwerver- letzte Mädchen nach dem Urban-Krankenhause übergeführt werden. Selbstmord im Stadtbahnzuge. Bei der Revision eines gestern morgen in Potsdam eingetroffenen Frühzuges der Stadtbahn wurde von einem Beamten in einem Abteil dritter Klasse ein Reisender er- schössen aufgefunden. Dem Befund nach zu urteilen, muß der Selbst- mörder die Tat zwischen Wannsee und Potsdam verübt haben. Der Lebensmüde ist der am 10. Juni 1881 zu Königsberg geborene Kaufmann Kurt Ijjfotlfcfiaf aus Berlin, der zuletzt Lei einer Firma im 38. Polizeirevier beschäftigt war. In den Taschen des Lebens« überdrüssigen fand man eine Barschaft von 55 Pf. Die Leiche deS I. wurde nach der Leichenhalle gebracht. Bon einem Gcfchäftswagen überfahren und getötet wurde gester» nachmittag das etwa acht Jahre alte Kind des Arbeiters Janock, Skalitzer Str. 147 wohnhaft. Dasselbe hatte beim Spiel nicht das Herannahen des Wagens beachtet; es wurde von dem Gefährt er- faßt und geriet mit dem Kopf unter die Räder. Auf der Unfall- ftation. wohin man das Kind gebracht hatte, starb eZ an den schweren Verletzungen. Für 80000 M. Brillanten, Schmucksachen. Uhren und Silber- zeug, die in der Hauptsache aus einem großen Edelsteindiebstahl in der Grünstraße herrühren, wurde gestern in einen, Hehlernest in Alt-Bertin von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Vorort- JVacbricbtCtts Schöneberg. Reichspolitik und Wahlkampf war das Thema, daS In der letzten Wahlvereinsvcrsammlung Reichstagsabgeordneter Dr. Frank behandelte. Das Hinausschieben der Wahlen sei, so betonte der Referent, ein Zeichen des schlechten Gewissens der Regierung. Sie warte auf eine günstige politisch: Situation, vielleicht auf einen kleinen internationalen Konflikt, der die ersehnte Wahl- Parole bringen solle.— Tie demokratisierende Wirkung der be- vorstehenden Wahlen zeige sich selbst bei den rechtsstehenden Par- teien: Konservative bemühten sich z. B. bei der Beratung der Strass Prozeßordnung, Lehrer als für das Schöffenamt beionders ge- eignet zu empfehlen, im Herrenhause sogar verlangte mau Aufschluß über die Wirkung der Steuern. Die Regierung sei nun bestrebt, die Abgeordneten nicht ohne genügende Empfehlung zu ihren Wählern zurückkehren zu lassen. Der Vortragende ließ nun die vom Reichstag erledigten und noch zu beratenden Borlagen Revue passieren, deren Ausbeute für eine zugkräftige Wahlparole der Regierung er als gering erachtete. Der lebhaft applaudierte Vortrag wurde ohne Diskussion entgegengenommen.— Genosse Däumig und Genossin Worm berichteten dann über die General- Versammlung des 5lreises und des Verbandes. In der Diskussion hierüber sprachen sich die Genossen Petri und Grundmann für einen obligatorischen Beitrag zur Bildung des Maifcierfonds aus. Genosse Grundmann wandte sich noch gegen eine Erhöhung des „Vorwärts"-Abonnementspreises iin Falle einer Montagsausgabe. — Die der Propaganda des Frauenstimmrechts gewidmete Ver- sammlung findet am 19. März in den„Neuen Nathaussälen" statt. — Eine weitere Aufführung des Theaterstücks„Kasernenluft" ist zum 8. April in der..Schloßbrauerei" vorgesehen. Inhaber noch unbenutzter Billetts können dieselben gegm Platzkarten beim Ge- nossen Heiter, Grunclvaldstraße 30, umtauschen. In der letzte» Sitzung der Gewerkschaftskommission gab Ge- nosse Kosanke zunächst den Bericht aus der NachweiSdeputation. ES ist beschlossen worden, die Arbeitsvermittelung für weibliches Per- sonal zu verlegen, da der Andrang zu stark und zu dem Vermitte- lungsraum nur ein Eingang für männliche und weibliche Arbeit- suchende vorhanden sei, was zu Unzuträglichkeiten geführt hätte.— Zur Arbeitslosenversicherung hätte man sich in der Deputation dahin verständigt, daß auch Ausländer ein Recht hätten, sie in An- spruch zu nehmen, Der deutsche Werkmeiswrverband habe bei der Deputation einen Antrag eingereicht, in dem verlangt w-urde, daß für die arbeitslosen Mitglieder dieses Verbandes eine andere Kon. trolle, als wie für die übrigen Gewerkschaften eingeführt werden soll. Der Antrag wurde abgelehnt. Zur Durchführung der Kon- trolle ist folgende Regelung getroffen worden: von morgens SVj bis 9 Uhr, die Holzarbeiter; von 9 bis 10 Uhr, die Werkmeister. Tech- niker, Kaufleute und Architekten: von 11 bis 2% Uhr alle übrigen Berufe. In der Diskussion wurde von einzelnen Delegierten diese Feststellung der Zeiten kritisiert, da doch ursprünglich die Meldezcit für den ganzen Tag vorgesehen gewesen sei. Jetzt sei eS für viele Arbeitslose recht umständlich; da sie sich täglich in Berlin und am Orte zur Kontrolle melden müsseil, sind sie gezwungen, immer hin und her zu fahren. Sodann berichtete Genosse Henkel auS der Sitzung der Berliner Gewerkschaftskommission, die sich mit den Anträgen zur Regelung der Maifeier zu beschäftigen hatte. Hierzu soll in der Sitzung nach den Zahlabenden Stellung genommen werden. Die au« dem öffentlichen Wettbewerb hervorgegangenen Ent- würfe zu einem Bebauungsplan für das Südgelände der Stadt Schöneberg werden vom 5. bis einschließlich 19. März in der Aula der HohenAollernschule, Martin Lutherftraße 22/23 öffentlich aus» gestellt. Die Besichtigung kann Sonntags von 10 bis 6 Uhr, Wochen- tags von 2 bis 7 Uhr erfolgen. Rixdorf. Gegen die Grünbung einer Jnnungskrankenkasse sprach sich vor einigen Tagen eine Versammlung der Friseurgehilfen Rixdorfs aus. Genosse Heller erläuterte in kurzen Zügen Zweck und Aufgabe der Krankenkassen, betonte die notwendige Zentralisation derselben und warnte vor Zersplitterungen. Am Orte sind an. nähernd 300 Geschäfte, welche ungefähr 100 Gehilfen und 40 Lehr- linge beschäftigen; schon die geringe Zahl der Versicherungspflich. tigen gewährleistet einer Kasse unmöglich die Existenz. An der Diskussion beteiligten sich die Kollegen Licre. Krause. Weidenthal. Hanna, Meinert. Folgende Resolution fand einstimmige An- „ahme:„Die Versammlung der Barbiere, Friseure und Perrücken- machergehilfen protestiert gegen das Bestreb«' einzelner Unter- nehmer. die Gründung einer Jnnungskrankenkasse für das Bar- biergewerbe in Rixdorf in die Wege zu leiten. Die Bersammel- t«n ersuchen den Magistrat als Aufsichtsbehörde, seine Zustimmung zu einer derartigen Gründung zu versagen. Die Versammelten betrachten eine Dezentralisation in der Krankenversicherung als den Interessen der Versicherten zuwiderhandelnd, da hierdurch die Leistungsfähigkeit der Kassen eingeschränkt wird. Sie beauf- tragen die Leitung als Vertretung der Versicherten, dafür ein- zutreten, daß die Zentralisation in vollem Umfange gewahrt wird." Alsdann beschäftigte sich die Versammlung mit der Antwort der Zwangsinnung betreffs Freigabe der drei zweiten Feiertage. Der Gehilfenausschuß hatte auf Beschluß einer Versammlung diesen Antrag der Innung unterbreitet. In der Jnnungsversammlung wurde auf Antrag des Herrn Breitfeld, Thüringer Straße 5, Ueber- gang zur Tagesordnung beschloffen. Der Referent Kollege Liere behandelte in längeren Ausführungen den Wert einer verkürzten Arbeitszeit, insbesondere den Schluß an den drei zweiten Feier- tagen. Redner empfahl die Organisation au stärken und auszubauen, um bei einer Lohnbewegung der Förderung mehr Nach- druck verleihen zu können. Nach reger Diskussion fand eine in diesem Sinne gehaltene Resolution Annahme. Rummelsburg. Der Zusammenbruch des Rabattsparvereins„Norden" hak auch eine hiesige bürgerliche Ortsgröße, den rücksichtslosesten Vertreter von nur Hausbesitzerinteressen. den Führer des Boxhagener Grund- besitzervereins, Gemeindeschöffen Stiebitz, von seinem Thron herabgeschleudert. Stiebitz, der langjähriger erster Vorsitzender des Rabattsparvereins„Norden" ist und somit in erster Linie als Schuldiger und Verantwortlicher für die Vorkommnisse in Frage kommt, hat die freiwillige Niedcrlegung feines Schöffenamtes einer Amtsentziehung vorgezogen. Als sich Stiebitz vor etwa drei Jahren von seinen Getreuen gewissermaßen durch einen Trick zum Gemeindeschöfsen erheben ließ, da ahnte wohl keiner, daß der er- strebte �chösfentitel in der Hauptsache Herrn Stiebitz zur Reprä- sentation für seine Transaktionen im Rabattsparverein dienen sollte. Die Wahl von Stiebitz zum Schöffen konnte von seinen Anhängern seinerzeit aber nur möglich gemacht werden, indem ein amtierendes Schöffenmitglied zur Amtsniederlegung veranlaßt wurde. Um diesen Zweck nun zu erreichen, wprde der sozialdemo- kratische Antrag:„Gemeindevertreter und Schöffen dürfen sich an Arbeiten und Lieferungen für die Gemeinde nicht beteiligen", trotz sonst ständiger einmütiger Ablehnung seitens der bürgerlichen Vertreter, nun eigens von den Boxhagener Grundbesitzervertrctern in den Teil, der die Schöffen betrifft, selbst eingebracht. Der Zweck war durch die Annahme des Antrages auch sofort erreicht; ein Schöffe, welcher für die Gemeinde Lieferungen und Arbeiten aus- führte, legte sofort nach Annahme des Antrages sein Amt als Gemeindeschöffe nieder und somit war der Platz für Stiebitz frei geworden. Große Freude haben aber die Grundbesitzer an ihrem Stiebitz als Schöffe nicht erlebt, derselbe glänzte im Gemeindevor- stand wie in der Gemeindevertretung und in den Kommissions- sitzungen seit seiner Wahl als Schöffe faßt ständig durch Abwesen- heit. Angeblich soll die Verwaltung der Petroleumgruben des Rabattsparvereins viele Reisen seiner Person ins Ausland er- forderlich gemacht haben. Das ständige Fehlen veranlaßte denn auch unsere Vertreter, vielfach scharfe Kritik an die„Nichttätig- keit" dieses Herrn Schöffen auszuüben und gleichzeitig zu ver- langen, daß derselbe sein Amt niederlegen sollte, leider fanden die bürgerlichen Vertreter nicht den Mut, dieses berechtigte Ver- langen tatkräftig zu unterstützen. Zchlendorf(Wannseebahn)' Wie steht es mit dem Bau der zweiten Gemeindeschule in der Wilhelmstraße'? Diese Frage wird gegenwärtig in den Kreisen der Einwohnerschaft erörtert. Der Bau der Schule war vor etwa zwei Jahren von der Gemeindevertretung beschlossen worden. In allen Gcmeindewahlkampagnen der letzien zehn Jahre hatten unsere Ge- »ossen auf die Notwendigkeit des Baues dieser Schule zur Hebung des südlichen Orlsteiles hingewiesen. Außerdem sollte den Kindern der Bewohner dieses OrtsteileS mit Schönow und Machnow durch diese Schule der ungeheuer weite Schulweg etwas verkürz' werden, Augenscheinlich aus Wahlrücksichien hatte man plötzlich vor etwa zwei Jahren in der Gemeindevertretung Stellung zu der Angelegenheit genommen und den Bau der Schule beschlossen. Bewundernswert war der Ernst, mit dem man diese Angelegenheit diskutierte. Pläne wurden vorgelegt und verworfen, bis man sich auf ein Projekt einigte, das einerietts das helle Entzücken der Ge- meindevertreter hervorrief, andererseits aber bei einigen sogar Ge- fiihlsregungen auslöste, die dem Neid sehr ähnlich sahen. Verstieg sich doch einer der Herren zu der Bemerkung, daß man damit für die Gemeindeschüler ein Werk schaffe, so daß die Eltern, die ihre Kinder in die Gemeindeschule schicken müßten, fortan neidlos auf die höheren Lehranstalten blicken könnten. Jetzt, nach fast zwei Jahren, »nissen wir nun die Frage auswerfen: Wird die Schule gebaut? Seit einiger Zeit gehe» nämlich Gerüchte im Ort, daß wenn die Schule gebaut wird, sie aus dem südlichen Ortsteil gar nicht zu füllen sei und noch Kinder aus dem nördlichen OrtSteil zugezogen werden müßten. ES verlautet sogar, daß man aus diesen Erwägungen heraus von dem Bau der Schule überhaupt Abstand nehmen will. Dieses Gerücht hat sich bereits so weit verdichtet, daß in der letzten Ge- meindeverwetersiyuna selbst ein Gemeindevertreter darauf zu sprechen kam und die Frage stellte, wie es mit dem Bau steht. Vom Vor- standSlisch wurde eine Erklärung hierzu nicht gegeben. Nach den Darlegungen von Bewohnern deS Südens ist bis heute noch nicht ein Spatenstich auf dem Terrain erfolgt, obwohl die Schule bereits zum Oktober 1910 bezogen werden"sollte. Der Gemeindevorstand und die Vertretung werden nicht umhin können, zu den Gerüchten Stellung zu nehmen. Tun sie es nicht, so wird demnächst die Zehlendorfer Oeffentlichkeit erneut zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen, Grünau. Sein Mandat als Gemcindevertreter niedergelegt hat der Vor- sitzende des Bürgervereins Herr K e r g e r. Wie uns mitgeteilt wird. hat Herr Kerger in der Jägerstraße emen Bau aufgeführt, wobei er in Konkurs geraten ist. Weiheusee. Aus der Gemeindevertretung. In einer früheren Sitzung wuvde bekanntlich beschloffen, eine VokkSschulküche einzurichten. Diese Küche war aber nur für eine Schule gedacht; unsere Genossen be- fümvorteten, so viel Mittel zur Verfügung zu stellen, daß sämtliche Schülerinnm der ersten Klassen diesen Unterricht erhalten könnten. Es sollen nunmehr statt Jahreskurse vorläufig vom April ab in allen Mädchenschulen Halbjahrcsturse eingeführt werden. Für die künstlerische Ausgestaltung eines RegenwasserauslasscS in den Weißen See werden 5100 Mk. bewilligt.— Auf dem Gemeinde» ttnedhof macht sich bereits Platzmangel bemerkbar; da der neue Frredhof nach Wartenberg verlegt wird, herrscht eine große Nach- nach Wahlstellen. Es wurden daher die Gebühren von 30 auf 90 M. und für eine auf 20 Jahre vorbehaltene Stelle von 40 auf 120 M. erhöht. Unsere Genossen stellten zugleich folgenden Untrag: Grabstellengebühren werden für solche Personen und deren vlrekte Angehörige, welche zur Staatssteuer bi» einschließlich 900 Mark veranlagt find, kein Vermögen besitzen und zwei Jahre hintereinander im Orte wohnen, auf Antrag nicht erhoben. Nach »wzer Diskussion wurde der Antrag einstimmig angenommen.— 3>je Regulierung des Bürgersteiges in der Lichtenberger Straße am Eingänge der Berliner Allee kann nur auf der linken Seite vorgenommen loerden, weil auf der rechten Seite«in Anlieger sich streng weigert, das erforderliche Stvaßenland zur Regulierung freizugeben, so daß das Verfahren auf Enteignung in Anwendung gebracht werden muß. Genosse Fuhrmann kennzeichnete das Gebaren des Herrn in gebührender Weife. Der betreffende Eigen- tumer, Abbruchsunternehmer Kretschmer, kann im Grundbesitzerver« ein Alt-Weißensee den Mund nicht voll genug nehmen über die Matz- nähme» der Gemeindevertretung, aber persönlich zeigt er nicht das aeringst« Entgegenkommen.— Einer Polizeiverordnung betreffend bw Entwässerung der Grundstücke wurde zugestimmt.— Für das wlettrizitatswerk wird ein Reklame- und Jnswllationsbureau ein- genchtet; es ist hierzu ein Laden in der Berliner Allee gemietet, wo eine ständige Ausstellung von Beleuchrungs- und sonstigen Gegenstanden stattfindet. Aus dem Dache des HauseS Berliner und Tassostraßen-Ecke wird eine leuchtende Retlame für da» Elektrizitätswerk angebrackst.— Das Abfuhr- und Borspannwesen wird auf fünf Jahre dem früheren Unternehmer verpacktet; die zu zahlende Summe erhöht sich von 17 500 M. auf 22 000 M. pro Viahr. Unsere Genosse» beantragten das Abfuhrwesen in eigene Regie zu übernehmen, die Mehrheit konnte sich jedoch hierfür nicht erwärmen.— Der Wochenmortt, der bisher in eigener Regie ge- fuhrt wurde, wurde an einen Unternehmer für 7000 M. verpachtet. Für zwei einzulegende Markttage sollen weitere 3000 M. gezahlt wevden. Für die Beibehaltung der eigenen Regie stimmten nur un,ere Genossen i�nd der Vertreter der Gewerbetreibenden. Herr Leß.— Zur Arrondierung des Rieselgelänbes in Birkholz wurden weitere Ländereien im Betrage von 200 000 M. angekauft, ebenio eme Hofstelle mit allem lebenden und toten Inventar für»1 000 Mark.— Die Gebühren» und Beitragsordnung zur Kanalisation, welche nach den jetzt festgestellten Kosten zur Erhebung kommen ,oll und von den Hausbesitzern zu tragen ist. gab Anlay zu einer langen Diskussion, weil ein großer- Teil von.Hausbesitzern 35 M. für den laufenden Meter Hausfront nackzahlen müssen, die in früheren Jahren zu wenig erhoben wurden. Nach den neuen Fest- stellungen betragen die Gesamtkosten für den laufenden Meter 50 M.. während immer nur 15 M. erhoben worden sind. Die HauSbesiber lehnten eine sofortige Beschlußfassung ab und bean. tragten Vertagung, um in ihren Grundbcsitzerversammlungen die ganze Angelegenheit zu erörtern Der Bürgermeister gab«ine Bedenkzeit von acht Togen zu. dann müsse aber die Frage ent. ichieden fem, weil der Etat fertiggestellt werden muß. Dw Perre» sollen sich entscheiden, ob es ihnen lieber ist, den Beitrag einmal zu erhöhen oder dauernd erhöhte Gebühren zu zahlen. Diese Maß- nahm« übte auf dh Vertretung der Hausbesitzer eine so große Wirkung auS, daß sich der Saal zur Halste leerte. J«gendvera«staltungen. Freie Jngeiidvereiuiguiig ttövenick. Sonnlag, den mittag» 2'/, Uhr. im Raiferhof, Srünstr. 11: ZPlgucdtlverlammlu.ig. Vortrag des Kollegen S. Scholz-verlin über:»Die»eutrale Jugend. _____.___________ verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Aerlist. gür de? Jnjergtenteil vergnttv.: Th. Gsocke, Berlind DrÄ it. Verlag: Vorwärts BüMrpckerei». Verlagsanstalt Paul Singer u- Etz., Berltv SÜL, Spanda». Stadtverorbnetenversaminlung. Die In borboriger Sitzung bö?« genommene Wahl des zweiten Stadtbaurats war vom Regierungs- Präsidenten aus dem rein formalen Grunde, weil die engere Wahl nicht schon beim zweiten Wahlgange, sondern erst beim dritten Wahlgang erfolgte, beanstandet worden. Tie Versammlung wird auf Vorschlag des Vorstehers Lud icke die Angelegenheit dem Bezirksausschuß vorlegen.— Das Gut Gartcnselde, welches die Stadt jetzt an die Siemens-Schuckert-Gesellschaft verkauft hat, war auch an dem Architekten Heinel zu Friedenau unterstellt worden, dieser hatte eine Kaution von 10000 M. hinterlegen müssen. Er verlangt jetzt die Kaution zurück und außerdem noch eine Ent- schädigung. Die Versammlung lehnte die Zahlung einer Ent- schädigung ab und stimmte nur für die Zurückzahlung der Kaution. Vor länger als Jahresfrist hatte die Versammlung einmal be. schlössen, im Stadtwalde einige Restaurants zu errichten und zu verpachten. Es war zu diesem Zwecke eine gemischte Kommission eingesetzt, die auch in dieser Angelegenheit verhandelt hat. Das Resultat dieser Verhandlungen ist, daß der Magistrat der Ver- sammlung jetzt eine Vorlage gemacht hat, wegen der zu hohen Kosten von der Verpachtung von Stadtforstgelände zu Nestau- rationszwecken Abstand zu nehmen. Vom Referenten, Stadtver- ordneten Hülsebeck, wurde jedoch beantragt, 10 000 M. für eine Erfrischungshalle in der Nähe des Johannesstifts zu bewilligen. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, die Vorlage nochmals an die Kommission zurückzugeben. Zur Herstellung einer Gasleitung zur Versorgung von Gartenfelde mit Gas erteilte die Versammlung ihre Genehmigung und bewilligte die Mittel in Höhe von 20 000 M. Dieses Geld soll von der Gasanstalt mit 4 Proz. verzinst und in vier jährlichen Raten von je 5000 M. zurückgezahlt werden.— Die Versammlung erteilte ihre Zustiin- mung dazu, daß von den a Conto der Anleihe Gartenfelde aufgc- nommenen Mitteln 500 000 M. dem Kapitalrermögen und der Rest der Anleihe zum Erwerb von Grundstücken verwendet werden. Aufgenommen sind etwa 2s4 Millionen Mark.— Ihre grundsätz- liche Genehmigung sprach die Versammlung für die Vergrößerung der Kühlhallen auf dem Schlachthof einschließlich Einrichtung von Pökelhallen und zur Errichtung einer Eishcrstellungsanlage. Für die hierzu erforderlichen Maschinen werden 154 785 M. bewilligt. Man hofft, dadurch die Lage des Schlachthofes, die durch den Rück- gang der Schlachtungen eine sehr prekäre geworden ist, zu heben. Die Maschinen sollen nicht mehr wie bisher mit Dampf, sondern mit Elektrizität betrieben werden.— Für den Erweiterungsbau der Nonnendammbahn nach Gartenfelde und Fürstenbrunn ein- schließlich der Beschaffung des erforderlichen Wag-nmaterials wurden 250000 M. gefordert. Die Mittel sollen durch eine be- sondere Anleihe aufgebracht werden. Zu dieser Erweiterung ist man durch den Vertrag, den die Stadt mit der SiemenS-Schuckert- Gesellschaft beim Verkauf des Gute? Gartenfelde geschlossen, ver- pflichtet, sonst würde man sich auch wohl schwer gehütet haben, für diese Bahnstrecke, die sich absolut nicht rentiert und schon jetzt große Zuschüsse erfordert, noch Mittel aufzuwenden. Der Verkauf von GartenHde dokumentiert sich imiwer mehr als ein sehr schlechtes Geschäft für die Stadt. Bei Beratung dieser Angelegen- heit wurde auch vom Genossen Pieper einer Verbilligung der Arbeiterfahrkarten, die man eben von 60 auf 90 Pf. pro Woche verteuert hat. das Wort geredet. Der Stadtverordnete Justizrat Dr. Baumert, dessen Arbeiterfreundlichkeit sich bei anderen Gelegenheiten schon glänzend gezeigt hat, verstieg sich auf einen Zuruf, daß die Arbeiter nicht mehr fahren werden, wenn die Wochenkarten nicht verbilligt würden, zu dem Ausspruch:„Wenn die Arbeiter nicht fahren, dann werden wir auch keine Zuschüsse mehr leisten brauchen? Viel- leicht käme die justizrätliche Leuchte doch mal zu einer anderen Ansicht, wenn die Arbeiter die Spandauer Straßenbahn nicht benutzt. Eine ganze Anzahl von Vorlagen wird vertagt. NowatveS. Die Uiirentatikität der Müllabfuhr, die früher sehr im argen lag und deshalb im vorigen Jahre von der Gemeinde in eigens Regie genommen wurde, sucken die Hausbesitzer ihren eigennützigen Jitteressen dienstbar zu machen. In einer vom HauS- und Grund- besitzerverein(Neuendorfj einberufenen Versammlung, zu der etwa 70 Hausbesitzer erschienen waren, wurde die Frage erwogen, waS zu geschehen habe, wenn, waS mit Bestimmtheit zu erwarten sei, die Gemeinde die versuchsweise fakultative Müllabfuhr zum 1. April d. I. aufgeben sollte. Nack eingebender Diskussion einigte ma,, sich dahin, eine Müllabsuhr-Genossenschast zu gründe". Ein Ausschuß von sieben Mitgliedern soll die vorbereitenden Schritte in die Wege leiten und eventuell vom 1. April bi» zu dem Zeitpunkt, wo die Genossen- schaft Rechtskraft erlangt, die Müllabfuhr regeln. Interessant_ ist dabei die Tatsacke, daß die zukünftigen.Genossen" bei der Mull- abfuhr die der Gemeinde bi« jetzt 3—4000 M. Zuschuß gekostet hat, sogar ein.GeschSsichen" machen wollen; sie rechnen mit ca. 6 Proz. Reinqewinn. der dann dem«etriebsfond« zugute käme. Als selbst« verständlich wird e» angesehen, daß der Genossenschast nicht nur der Abladeplatz, sondern au» die unter erheblichen Kosten von der Ge- memde angeschafften staubdichten Wagen unentgeltlich zur Verfügung aestellt werden.— Hoffentlich macht die Gememdevertretnng den Herren einen dicken Strich durch die Rechnung. Potsdam« Der Voranschlag der Stadt PotSda« für 1911 schließt an- nähernd mit der gleichen Summe ab wie 1910, nämlich mit etwas über 7 Mill. M. Dabei erhöht sich der ordentliche Erat um '/, Mill M. auf 6V, Mill. M.. der außerordentliche dagegen ver» mmdert sich um dieselbe Summe aus annähernd»/, Mill. M. Beim Polizeiwesen sind, nachdem im Vorjahre bereits 24 600 M. mehr eingestellt sind, weitere 3200 M. nötig. Ob die angesetzte Summe von 131 000 M. für die Ausgaben reichen wird, ist noch fraalich. da bereits die Regierung im Vorjahre aus Grund des neuen NolireitosiengesetzeS die Summe von 146 000 M. gefordert hat. Die Stadt hat nur 125000 M. gezahlt. Wegen des Restes schwebt die Klage, da die Stadt aiininunt. daß offenbar Fehler bei der Fest« setzung der Witwen- und Waisengelder und bei der Verteilung für Potsdam und Bornstedt vorgekommen sind. Bei den Ge« meindeabgaben. die 15 000 M. mehr bringen sollen bei den gleichen Prozentsätzen aller Steuerarten, sind 1796 000 M. in Einnahme gestellt. Gegen das Vorjahr sind ans diesem Kapitel 130000 M. bei Straßenreinigung»nd Entwässerungsanlage als Müllabfuhr<60 000 M s und KanalisalionS.gebühr"<70 000 M.) übernommen worden. Beim Elektrizitätswerk ist der lieber- ich»ß gegen daS Vorjahr um VI 700 M. höher eingestellt<«bsckluß in Einnahme und Ausgabe 854 000 M.j. ebenso ist der Gewinn der Straßenbahn um 38000 M. höher angesetzt(630 000 M.), die Wasserwerke erhöhen den Ueberschuß um 5000 M. gegen da» Vorjahr<239 900 M). Die Vermögens« und Schulden« Verwaltung erfordert eine Ausgabe von 1095 000 M., der eine Einnahme von 740000 M. gegenübersteht. Dieser günstige Abschluß wird teilweise durch die 8prozentige Verzinsung de« Anlagekapital» des Schlachthofes erreicht. Im übrigen ist man seit einigen Jahren bemüht, die Balancierung des Etats immer weniger auf die in u t« maßlichen Ueberfchüsse des neuen Etats zu stützen, sondern rechnet vielmehr mit den tatsächli chen Ueberschüssen des Vorjahres. TodeSsturz eines Kinde». Vorgestern stürzte der fünfjährige Sohn de» Kutschers Rudolph aus der vier Stockwerke hoch gelegenen Wohnung in der Stiftstr. 1 aus die Straße. Die Mutter hatte kurz vorher dw Wohnung verlassen. Der Knabe war auf der Stelle tot. Nr. 54. 28. Jahrg. KeilU to Jontiürls"° Injrip fit Mn, Sübtn, WM 4. Pitt im Gcricbta-Zeitung. Setflof gegen die guten Sitten» wenn der Boykott aus Gehässigkeit � zurückzuführen ist. Schon wiederholt hat das Reichsgericht dargelegt, dah der Boy- kott nur dann gegen die guten Sitten verstößt, wenn er mit un- lauteren Mitteln oder aus Gehässigkeit geführt wird. Unlängst ist vom Reichsgericht folgender Rechtsfall entschieden: Der beklagte Inhaber einer bekannten Bierbrauerei in Baden stand mit dem Inhaber einer Weingroßhandlung in B. in engster freundschaftlicher Beziehung, die sich auch geschäftlich vorteilhaft für beide Teile ge- staltete. Im Frühjahr 1907 verwandelte sich diese Freundschaft in erbitterte Feindschaft, die nach der Behauptung des Klägers ihren Grund in seiner ablehnenden Haltung hatte, dem Beklagten und seiner Ehefrau eine unrichtige Tatsache gerichtlich zu bezeugen. (Der Beklagte hatte bei einer Festlichkeit eine Dame, mit der er infolge von Annäherungen in Streit geraten war. beschimpft; der Kläger sollte wahrheitswidrig bezeugen, daß diese Dame sich auf- fällig benommen und selbst Annäherungen bezweckt habe.) In- folge der feindschaftlichen Beziehungen kam es auch zu Beleidigungs- klagen zwischen den Parteien. Um sich gehörig abzufinden, legte der Beklagte allen seinen Pächtern und Unterpächtern von Wirt- schaften die Bedingung auf, keinen Wein mehr vom Kläger zu beziehen. Der Kläger, der dadurch Schaden erlitten hat, hat nun- mehr die vorliegende Klage auf Verurteilung des Beklagten zum Widerruf der Verbotsbestimmungen und Schadloshaltung erhoben. Das Landgericht Konstanz und Oberlandcsgericht Karlsruhe haben den Kläger mit seinen Ansprüchen abgewiesen. Das Ober- landesgericht führt zur Begründung aus. daß nicht so sehr die Ab- ficht des Beklagten, den Kläger zu schädigen, als die Sorge um seinen Ruf ihn zu dem Verhalten veranlaßt habe; denn er bestreite, von dem Kläger mehr als die Bekundung der Wahrheit verlangt zu haben. In B., einem kleinen Orte, wo der Streit der Parteien Tagesgespräch geworden sei, würde der Beklagte überall in Miß- kredit verfallen sein, wenn er nicht gegen den Kläger vorgegangen wäre. Von einem Verstoß gegen die guten Sitten könne erst dann die Rede sein, wenn die Schädigung des Klägers vorwiegend aus Rachsucht erfolgt wäre, ohne wesentlichen anzuerkennenden Zweck in der Verfolgung seines Rechts. Auf die Revision deS Klägers hat das Reichsgericht am 24. Fe- bruar das Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe aufgehoben und die Sache zur Feststellung über das Verhältnis der geschädigten Kunden an das Oberlandesgericht zurückverwiesen. In der Be- gründung erklärt der anerkennende Senat, daß er im vorliegenden Falle das Verhalten des Beklagten als ein gegen die! guten Sitten verstoßendes ansehe. Auch würde er endgültig entschieden und den Beklagten verurteilt haben, wenn nicht noch eingehendere Fest- stellungen nötig wären. mm ZurPriifimg und Einsegnung Anzüge für die jungen Herren Sämtlich« Anrufe sind eigene Konfektion ned von besonderem Schick Ob«rw»it« 82-88 71-50 Satin-Kammgarn halbw... M. 13 M. 11 Aachener Kammgarn... M. 17 M. 15 Diagonal-Cheviot oebwan. 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