Nr. 55. flDonnementS'Bcdingungen: tlionnementS> Prciz pränumerando j Tierleljöhrl. Z�v Mk., nionatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Kummet 5 Pfg, Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- ilbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 38. Jahrg. vlcheliit täglich außef Gcntägs. Berliner Volksblnll. Die TnlertionS'Gebflbr beträgt für die scchsgespaltene Kolonet» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» »ind Versammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Rtekne Hnicigcn", das erste tfett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes wcitcrs Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort K Pfg, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialddiioiirat ktrliv". Zcntralorgan der fozialdemohratt feben Partei Deutfchlandd. Redahtion: SM. 68, Lindetistrasse 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 198S. Sonntag, den 5. März 1911. Sxpeditton: SM. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt lV, Nr. 1,984. Selbttvewaltung und Cinkoinmenfteuer. Aus verschiedenen Gemeinden Groß-Berlins kommen Mit- teilungen in die Presse, wonach bürgerliche Fraktionen— hier Liberale und dort sich unabhängig titulierende Konservative— beschlossen haben sollen, der Erhöhung der kommunalen Ein- kommensteuer von 100 auf 110 Proz. Zuschlag zur Staats- einkommensteuer Widerstand entgegenzusetzen. Soiveit Liberale in Frage kommen, wird als Grund ihrer Gegner- schaft die Meinung angegeben, daß das Nebcrsckzreiten der 100 Proz. Zuschlag„das Selbstverwal- tungsrecht der Gemeinden gefährde". Da- neben wird auch gesagt, es müsse dem Regierungspräsident, von dem die Anregung zur gemeinsamen Erhöhung der Zu- schlagsrate in Grotz-Berlin ausgeht, deutlich gezeigt werden, daß sich die Bürgerschaft nicht vorschreiben lasse, welche Steuern sie ausschreiben solle oder" nicht. So u. a. der liberale Stadtverordnete R 0 s e n 0 w in der Sitzung der Stadtverordneten Berlins vom 2. März. In der gleichen Sitzung hat aber unser Genosse Bruns als Redner der sozialdemokratischen Fraktion sich grundsätzlich für jene Er- höhung der Zuschlagsrate ausgesprochen und erklärt, er halte die Gefahren, die der Selbstverwaltung aus ihr erwachsen könnten, für nicht bedeutend genug, als daß man sich dadurch von der Aufstellung eines vernünftigen Ansprüchen nach- kommenden Etats abhalten lassen dürfe. Diese Erklärung entspricht der Auffassung, die vom ersten Jahre an, seitdem Sozialdemokraten ihren Fuß ins Rote Haus von Berlin gesetzt haben, dort von unseren Rednern vertreten worden ist. Es möchte also leicht für überflüssig erscheinen. auf sie noch einmal zurückzukommen. Indes hat durch das Eingreifen des Regierungspräsidenten von der Schulcnburg die Frage in der Tat eine etwas verwickelte Gestalt erhalten und daneben ist die Stcuerhöhung durch das Konkurrenz- Verhältnis von Berlin zu seinen großen Vororten und dieser zu einander eine so brennende Angelegenheit geworden, daß auch weitere Kreise der Arbeiterschaft alle Ursache haben, sich mit dem Gegenstand etwas genauer ver- traut zu machen. Denn es handelt sich unter anderem auch darum, ob nicht die Sozialdemokratie alle Ur- fache hat, in den Gang der Erörterungen über diese Frage und was damit zusammenhängt, etwas kräftiger einzugreifen. als es bisher geschehen. Erledigen»vir zuerst die Frage der Einmischung des Re- gierungsvertreters. Aus ganz selbstlosem Interesse des Staates an einer gesunden Finanzpolitik der Gemeinden ist sie kaum erfolgt. Schon das Anleihcbedürfnis von Staat und Reich, insbesondere der ungünstige Kursstand ihrer Anleihen wirken als Antrieb auf die Regierung, der Vermehrung der Gemeindeschuldcn und dem damit verbundenen elvigen Auftreten der Gemeinden als Mitbewerber auf dem Kapitalmarkt nach Möglichkeit entgegenzuwirken. Sehr materielle Konknrrenzrücksichten schon machen den Staat zum Gegner der Anleihenwirtschaft der Gemeinden. Dann aber— und das ist hier von größerer Bedeutung— ist für den Schritt des Regierungspräsidenten sicher auch die Rücksicht auf den von der Regierung betriebenen Zweckverband Groß-Berlin maßgebend gewesen. Kommt dieser Zweck- verbaiid in der Gestalt und mit den Verpflichtungen zustande, wie sie die Regierung vorsieht, so wird er die Ausgaben Berlins und der Vorortsstädte so steigern, daß die Erhöhung des kommunalen Einkommensteuerzuschlags unvermeidlich»vird. Da ist es denn unter denk Gesichtspunkt der Regierung sehr wünschenswert, wenn die prinzipielle Frage des Hinausgehcns über die 100 Prozent schon jetzt in ihrem Sinne entschieden wird und nicht späterhin die den Zlveckverband betreffenden Entscheidungen erschwert. Ich gebe also zu, ganz so harmlos, wie er sich gibt, ist der freundschaftliche Rat des Regierungspräsidenten an die Finanzvertvaltungen der Stadtgemeinden Groß-Berlins nicht gewesen. Seine Verbindung mit den Zweckverbandsplä.'.en macht ihn nicht gerade sehr anniutend. Trotzdem wäre es grundverkehrt, an diesem Punkt mit der Bekäinpfung der üblen Seiten der Ziveckverbandsvorlage einsetzen zu wollen. Es»väre eine Demonstration würdig des klugen Mannes, der sich die Hand abhacken ließ, um einer Operation am Daumen zu entgehen. Durch die Weigerung. die Zuschlagsstcuer zu erhöhen, wird doch das Zustande» kommen des Zwcckverbandcs um keinen Tag verschoben, keine seiner Rücken und Tücken aus der Vorlage ausgemerzt. Es würden nur die notwendige Sanierung des Steuerwesens von Groß-Berlin und die von ihr abhängigen Verbesserungen in den Gemeindeeinrichtungen zwecklos hinausgeschoben. Welches auch die Beweggründe des Regierungspräsidenten für seinen Schritt»varen, sachlich geht sein Rat nicht über das hinaus, was die Sozialdemokratie und vorgeschrittene bürger- liche Sozialpolitikcr Groß-Berlins längst für notwendig erklärt haben. Mit dem sklavischen Festhalten an der Regel, nicht über 100 Prozent Zuschlag zur Staatseinkommensteuer hinaus- zugehen, muß endlich gebrochen werden. Nicht durch den Bruch mit dieser Regel, sondern durch das krankhafte An- klammern an sie schlägt man der Selbstverwaltung der Ge- meinden die schwersten Wunden. Wie liegen die Dinge? Nach§ 55 des preußischen Kommunalabgabengesetzes bedürfen Zuschläge der Gemeinden über den vollen Satz, d. h. 100 Proz. der Staatseinkommen- steucr, der Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden. Das heißt, es erhalten, sobald die Geineinden mehr als 100 Proz. Zuschlag beschließen, die Regierungsbehörden ein Einspruchsrecht, dürfen diesen oder jenen Ausgabeposten bean- standen. Das ist gewiß unangenehm, aber unter dem Gesichts- Punkt der Freiheit der Gemeinden in bezug auf ihre Ausgaben nicht schlimmer, als wenn die Geineinden uin der mög- l i ch e n Beanstandungen willen sich 100 Prozent als Höchstgrenze des Zuschlages bestiinmen. Wer freiwillig in die Zelle kriecht und die Falltür hinter sich zuschlagen läßt,»vird dadurch nicht freier wie der. der von anderen in die Zelle eingesperrt worden ist. Im Gegenteil, der andere kann noch durch sein Verhalten zeigen, daß er die Freiheitsberaubung als»viderrechtlich betrachtet. Mit der Bindung an die 100 Prozent-Grenzen binden sich die Geineinden selbst die Rute der Regierungseinmischung, machen sie die Rcgierungs- einmischung in ihre Finanz zur chronischen Ein- richtung. Nicht äußerlich sichtbar. aber der Sache nach um so fühlbarer tanzt dann die Regierungs- fuchtel auf den Rücken der kommunalen Finanz- beamten und Finanzausschüsse und nötigt sie zu allerhand abgeschmackten Steuerkunststücken und Budgetabstrichen, zur Sparsamkeit am falschen Ort und Vernachlässigung von Kulturaufgabcn. Es ist als ob ein Fronvogt die Peitsche in der Hand hätte und unter Absingen des Kehrreims„Nicht über 100 Prozent Zuschlag",„nicht über 100 Prozent Zu- schlag" beständig»nit ihr über den Köpfen der Städte- Verwaltungen herumfuchtelte. Diesen holden Fronvogt, mutet man uns zu, ins Endlose schalten und walten zu lassen, bloß weil, wenn wir ihm den Abschied geben, die Regierung möglicherweise irgend- welchen Posten unserer Ausgaben beanstanden könnte. Eine mehr eingebildete als»virkliche Gefahr. Soweit sind wir nun heute doch, daß die Regierungsbehörden es nicht leicht riskieren werden, ohne triftige finanzpolitische Be- gründung ein Gemeindebudget zu beanstanden. Fühlen sie sich aber doch einmal dazu bemüßigt, dieses finanzpolitische Genehmigungsrecht zu politischer Einmischung in die Ge- meindeangelegenheiten zu mißbrauchen, nun, so würde so ein akuter Konflikt, der sich alsdann entspinnen würde, immer noch tausendmal besser sein, als das jetzige chronische Uebel des freiwilligen Duckens unter die Fuchtel des§ 55. Er wäre das heilbringende Aussprechen, was ist, im Gegensatz zum jetzigen Vortäuschen dessen, was nicht ist. Wir haben keine volle Selbstverwaltung der Gemeinden in Preußen. An allen Ecken und Enden ist das Selbst- bestimmungsrecht der Gemeinden durch Gesetze des Staates und Verfügungsrechte wie Einspruchsrechte der Staats- behörden eingeschränkt. Das Wort Selbstverwaltung ist die größte Selbsttäuschung, die es nur geben kann. Rudolf Gneist, der es seinerzeit bei uns einbürgerte, bezog sich dabei auf das englische Wort„Selfgovernment". Aber dieses Wort wird in England nur zur Bestiinmung des Grundsatzes der Selbstregierung der Nation als ganzes gebraucht. Von der Gemeindeverwaltung spricht der Engländer und das Gesetz Englands bescheiden nur als„Local Government", obwohl die Gemeinden in England zehnmal mehr Selbstbestimmungs- recht haben als in Preußen. Wir haben das Maß von Freiheit der Gemeinden, das beim heutigen Stande der Kultur und unter den heutigen Wirtschaftsbcdingungen vernünftigerweise gefordert werden kann und muß, erst noch zu erkämpfen. Aber man erkäinpft es nicht dadurch, daß man sich zeitgemäßen Vorschlägen eigensinnig entgegenstemmt. In der Frage der Festsetzung der steuerzuschläge sind wir in Groß-Berlin an einem Punkte angelangt, wo jeder Einsichtige sich sagen muß: so kann es nicht weiter gehen. Mag die Einmischung des Regierungs- präsidentell formell noch so unerwünscht gekommen sein, viel schlimmer ist, daß sie nicht nur innerhalb seiner gesetzlichen Vollmachten liegt, sondern auch sachlich berechtigt war. Die steuerpolitischen Beziehungen der Stadtgemeiuden Groß-Berlins zueinander, das Wettjagen der westlichen Ge- meinden um die großen Steuerzahler und die damit ver- bundene Tendenz der möglichen Unterbietung in den Steuer- sätzen, wachsen sich allmählich zu einem gemeinschädlichen Unfug aus, für den der Ausdruck steuerpolitische Schmutz konkurrenz nicht zu scharf ist und der auf die weniger begünstigten Gemeinden Groß-Berlins lähinend zurückwirkt. Der Vorschlag des Regierungspräsidenten, die Städte sollen sich auf die gleichzeitige Einführung der Zu- schlagssteuer von 110 Proz. einigen, trifft das Uebel nur wohl halb, aber er bedeutet wenigstens einen Schritt in der richtigen Richtung� einen Schritt, der— ob der Zweck- verband Groß-Berlin kommt oder nicht— in kurzer Zeit doch getan werden ni u ß, und den es daher ehrenvoller und vernünftiger ist, jetzt zu tun. als wenn erst völlig unerträglich gewordene Verhältnisse dazu zwingen. Ihn ablehnen, schützt uns nicht vor dein Zwcckverband Groß-Berlin: es kann nur die Wirkung haben, ihn noch schlechter ausfallen zu machen, als er ohnehin zu werden droht. Je weniger Groß-Berlin sich fähig zeigt, aus freier Initiative das zu tun, was zur Herstellung gesunder Entwickelungsverhältnisse für das Leben seiner Einzelglieder notwendig geworden ist, um so mehr Recht gibt es denen, die jetzt daran gehen, ihm neue Ruten aufzubinden. Bis zum 12. März sollen die Stadtgemeinden Groß- Berlins über die Festsetzung des Steuerzuschlages endgültig beschließen. Mögen sich daher diejenigen, die in den Ver- waltungskörpern und deren Steuerausschussen sitzen, klarmachen, welche Verantwortung in diesem Moment auf ihnen lastet I Die Steuererhöhung wird auch einen Teil der Arbeiterschaft Groß-Berlins treffen, auch Tausenden von Arbeitern, die schwer für ihr Leben kämpfen, die Steuerlast erhöhen. Aber die Arbeiter wissen, was sie der Allgemeinheit schulden. Sie wissen, daß ohne gesunde Gemeindefinanz keine gesunde Ge- meindepolitik möglich ist: sie werden unbekümmert darum, daß auch sie Opfer zu bringen haben, der Pflicht nachkommen, die ihnen aus den Grundsätzen der Sozialdemokratie in bezug auf das Steuerwesen erwächst. Schon bloße Lau- heit hieße in diesem Moment Unterstützung der Reaktionäre in den Gemeinden, von denen die einen sich aus Protzen- Hochmut, die anderen aus eingeschworener Gegnerschaft gegen jede durchgreifende kommunale Sozialpolitik der Erhöhung der direkten Steuern widersetzen. Sie, nicht die Regierung, sind im Augenblick die größten Feinde. In Wilmersdorf, in Charlottenburg haben sie ihr Haupt schon erhoben, ander- wärts rüsten sich Verbündete, sich ihnen an die Seite zu stellen. Erlaube man ihnen nicht, durch den doktrinären Hintveis auf den§ 55 des Kommunalabgabengesetzes, sich womöglich noch als Wächter des Selbstverwaltungsrechtes aufzuspielen. Auch ohne die Bestunmungen dieses Para- graphen können die staatlichen Aussichtsinstanzen in die Fest- setzung der Gemeindebudgets sich einmischen, da sie den Ge- meindeanleihen die Genehmigung verweigern können. Nicht der Buchstabe, der Geist, der in den Gemeinden herrscht, ist es, auf den es in den Kämpfen um das Recht der Gemeinden ankommt._ Ed. Bernstein. Die preulMe Husweifungspraxis vor der Delegafloo. Aus Wien wird uns vom 3. März geschrieben: Der tiefe Unmut, der sich nun aller österreichischen Parteien wegen der preußischen AustveisuirgspraxiS bemächtigt hat, kam in der gestrigen Delegationssitzung zum deutlichen Ausdruck. Zwar wurde der tschechische Antrag, die Regierungen Oesterreichs und Ungarns zu Vergeltungsmatzregeln, nämlich zu Ausweisungen reichsdeutscher Staatsangehöriger aus Oesterreich aufzufordern mit erheblicher Mehrheit(mit 28 gegen 16 Stimmen) abgelehnt, aber diese Ablehnung galt wirklich nur der zweischneidigen Forderung, die die Nachahmung der preußischen Barbarei wäre. Keinestvegs bedeutet sie, daß die seltsame Betätigung freundnachbarlichcr Ge- fühle, wie sie in der schändlichen Behandlung öfter- reichischer Arbeiter in Preußen liegt, in Oesterreich irgend- wie auf ein billigendes Verständnis, geschweige denn auf Zustim- mung rechnen könnte. Das»var schon darin zu sehen, daß sich in der ganzen Delegation, in der es an Bedientennaturen»rahrlich nicht mangelt, zur Aeußerung einer Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Grafen Aehrenthal nicht eine einzige Stimme erhob— mit Ausnahme des deutschradikalen v. Stransky, dessen Auffassung zu der preußischen Austveisungspraxis allerdings treff- lich paßt und dessen rohe Verteidigung nur geeignet ist, die preutzi- fche Praxis noch mehr zu kompromittieren. In Wahrheit ist man der systematischen Verletzungen des Rechtes und der Menschlichkeit. die in dem verbündeten Reiche an österreichischen Staatsbürgern begangen werden, satt und überdrüssig; und dauernd wird sich der Minister des Aeußern auf die Ausrede nicht zurückziehen können, daß die Duldung und Ausweisung von Ausländern ein HoheitSrecht wäre, dessen Anwendung und Ausübung zu kontrollieren ihm ver- sagt sei. Denn daß die österreichischen Staatsbürger in Preußen rechtlos seien und rechtlos bleiben müssen, steht in zu schroffem Widerspruch mit den Normen des sittlichen Völkerrecktes, als daß die preußische Maxime widerspruchslos hingenommen werden könnte. Insbesondere hat die Sozialdemokratie allen Anlaß, dieser AuswcisungSpraxis in der schärfsten Weise entgegenzutreten. Denn daß die Staatsgewalt mit den Ausweisungen ausländischer Arbeiter den kapitalistischen AuSbcutungstendenzcn Vorschub leistet, unter- liegt keinem Zweifel, wenngleich sie sich natürlich vor der Welt auf „nationale Ertvägungen" ausreden möchte. Die Schätzung, die der Ausbeuter der ausländischen Arbeitecinvasion entgegenbringt, ist nicht schwer zu erklären: Der eingenxmderte Arbeiter ist dem Or- ganisationsgedanken fremd, ist gewerkschaftlich nicht angegliedert und schon darum, und wegen seiner nationalen Isoliertheit, zur» Ausbeutung ein sehr dienliches Objekt. Er fungiert als Lohn- drücker, läßt sich leichter gängeln und ist im Notfalle auch auf Streikbrecherdienste zu dressieren. Aber allmählich wird seine Jso- liertheit überwunden, der ausländische Arbeiter wird politisch und gewerkschaftlich assimiliert, er empfängt das Betmißtsein der Seß- haftigkeit, der Zusammengehörigkeit mit den heimischen Arbeitern; und der ursprüngliche Vorteil der Unternehmer, billigere und willen- lose Arbeitshände an ihnen zu erwerben, geht dem Ausbeutertum verloren. Hier nun setzt die Auswcisungspraxis der preußischen Staatsgetvalt ein und setzt sich in greifbare Vorteile für das Ausbeutertum um. Denn diese tückische Methode, die die Arbeiter wie Viehherden hin und hertreibt, raubt dem ausländischen Arbeiter jede Rechtssicherheit, läßt ihn bor der gewerkschaftlichen Orgmii- sation scheu zurückweichen, hält seine soziale Vereinsamung aufrecht, kurz sie ist das Gegengewicht gegen die aufstrebende EntWickelung des ciligcluanderfcii Proletariats. Was zwei Jahre Arbeiierlcdcn etwa erreicht haben: daß der eingewanderte Arbeiter seine lohn- drückerische Eigenschaft abstreift, wird durch die AuLwcisungspraxiS vernichtet; die dem Organisationsgedanken zugeführten auHlän- difchcn Arbeiter werden einfach abgeschoben und frische Massen unorganisierter Arbeiter dem Ausbeutertum neu zugeführt. Für die österreichische Volkswirtschaft entsteht abev hierdurch ein be- foirders ernster Uebelstand, denn in Zeiten der guten Konjunktur werden ihr die yottvendigen Arbeitskräste von der ausländischen Industrie entzogen, wogegen sie in Zeiten wirtschaftlicher De- Pression wieder: mit einer Wassenrückkehr zu rechnen hat. die die bittern Formen des ungünstigen Arbeitsmarktes noch verschärft Darüber kann sich vielleicht ein alldeutscher Schwätzer mit hohlen Phrasen hinweghelfen, aber die öffentliche Meinung Oesterreichs ist darin einig, daß die preußische Polizeiwillkür, die das Wirtschaft- liche Problem noch mit Unrecht und Unmenschlichkeit vergiftet auf die Tauer nicht zu ertragen ist und alles andere denn bundes- freundlich sei. Auch hier zeigt es sich, daß der Respekt vor dem Deutschen Reiche durch die Monieren und Gewohnheiten des preußischen Junkerstaates ans das stärkste beeinträchtigt wird. Tatsächlich wäre das Bündnis mit Deutschland in Oesterreicht-Ungarn von jeder ernstlichen Anfechtung sicher, wenn die preußische Barbarei dem Gegner nicht immer neue und willkommene Angriffspunkte böte. Wohl rst das Bewutztfein der Staatszusammengehörigkeit in Oester- reich schwächer als überall, aber allmählich fängt man an, in allen Kreisen zu fühlen, daß aus Preußen nicht nationale Angehörige, sondern österreichische Staatsbürger ausgewiesen werden, und fängt man an zu begreifen, daß die sogenannte Großmacht recht jämmer- lich dasteht, wenn sie es trägt und erträgt, daß ihre Angehörigen in dem verbündeten Staate, wohin sie die kapitalistische EntWicke- lung gerufen hat, wie chinrsijche Kulis behandelt toerden. Darüber werden die ewigen Deklamationen von„Nibelungentreue" und „schimmernder Wehr" niemanden täuschen, denn staatliche Bund- niffe haben nur Wert, wenn sie in den Empfindungen der Völker Wurzel fassen. Preußische Methoden werben aber keinem Staate Freunde. ein neuer Keformveriuch der Cords. London, 1. März.(©ig. Ber.) Die Debatten über die Parlamentsbill erregen mir wenig Interesse. Die Argumente für und gegen die Vor- läge sind schon so häufig wiederholt worden, daß es äußerst schwer ist, dem behandelten Gegenstand neue Gesichtspunkte abzugewinnen. Im Unterhause selbst sind die Bänke meist nur spärlich besetzt. Von der Opposition sind häufig nur zwei oder drei Mann anwesend. Dieser Zustand veranlaßte den Genossen L a n s b u r y letzten Montag, sich beim Speaker scherzhast darüber zu bciklagen, daß die Gegner der Revolution, die ja im Gange sein soll, nicht zur Stelle seien, um den Umsturz zu vereiteln. Biel mehr Interesse wird augenblicklich den Reform- Plänen geschenkt, mit denen Lord Lansdowne in den nächsten Tagen iin Hause der Lords herausrücken wird. Nach langem Zögern und inneren Kämpfen haben sich die Konservativen endlich über die von ihnen einzuschlagende Taktik verständigt. Die jungen„Tory Temocrats" der- langten die gänzliche Abschaffung der bestehenden Zweiten Kammer und Ersatz derselben durch eine auf demokratischer Grundlage fußende Kammer: sie werden in ihrem Verlangen von einer Reihe mächtiger konservativer Zeitungen unter- stützt. Der anders Klingel der konservativen Partei, dem die alten Führer angehören, wollte jedoch das erbliche Prinzip nicht ganz fallen lassen und bekannte sich zu dem Reformplan Lord Curzons. Gestern fand nun im Parlamentsgebäude eine Konserenz der eiieslußreichsten konservativen Parla- mentarier und Parteimänner statt, auf der ein Kompromiß zustande gekommen sem soll. Es heißt, daß der Iiesormplan. den die Lords in den nächsten Wochen dislutieren werden, eine vollständige Umgestaltung der Zweiten Kammer bezwecke. Diese Kammer soll aus Äst Mitgliedern bestehen. von denen weniger als die Hälfte von den Lords gewählt werden soll. Die grobe Mehrheit der Senatoren soll nach einem demokratischen System gewählt lverdcn pnd alle Schichten der Bevölker«ng vertreten. Bei einem Konflikt zwischen der Ersten und der Zweiten Kammer sollen gemein- schaftliche Konferenzen stattfinden und in letzter Instanz soll der direkte Appell ans Volk, das Referendum, entscheiden. Man kann sicher sein, daß die Lords versuchen werden, der Parlamentsbill ein Referendum einzuverleiben. Ein solcher Vorschlag hätte aber keine Aussicht, von der Regierung äuge- nommen zu werden. Denn gestern erklärte der Unterstaats- sekretär für die Kolonien im Unterhaus im Namen der Ne- gierung klar und deutlich, daß die Liberalen das R e f e r e n- dum n i e u n d nimmer annehmen würden. Die Ur- fache, weshalb die Liberalen gegen das Resereirdum sind, ist nicht schwer zu ergründen. Es ist sehr fraglich, ob irgend eine ihrer vom nonkonfonmitischen Geiste getragenen Maßregeln beim Volke eine Mehrheit finden würde. Prinzipiell hat sich eine Anzahl fortschrittlicher Mitglieder der Regierungspartei zugunsten des Referendums ausgesprochen: aber taktijck� Be- denken haben augenblicklich in ihnen die prinzipielle Ueber- zeugung erstickt. Auch in der Arbeiterpartei, deren parlamem larischer Führer sich grundsätzlich gegen das Referendum er- klärt hat. gibt es Freunde dieses Abstimmungsmodus. So versicherte letzten Montag der zweite Vorsitzende der Arbeiter. Partei(Brace) im Unterhause, daß er für das Referendum stimmen werde, wann auch die Arbeiterpartei bei der Ab- sassung der Fragen, die dem Volke unterbreitet würden, ein Wort mitzureden hätte. Die Konservativen versuchen durch ihre verwirrende Taktik offenbar, die Regierung mm Abschluß eines Kompromisses zu zivingen. Daher auch ihr Verlangen, daß die Beratungen der Vetokonferenz des latzten Jahres veröffentlicht tverden sollten, damit das Voll sehe, in welchen Punkten die Ansichten der leitenden liberalen und konservativen Parteimänncr aus- einander gingen. Durch eine versöhnliche Haltung wollen sie den Liberalen den Wind aus den Segeln nehmen, sollten diese später versuchen, einen Druck auf die Krone auszullbem Sie werden in dieser Taktik vielleicht weiter gehen als aus dem obeu skizzierten Resormplau ersichtlich ist, und man kann getrost annehmen, daß sie� am Ende ihres Lateins angelangt, bereit sein werden, die ganze Sippschaft der Lords über Vord zu werfen.__ Politische Clcberficbt Berlin, den 4. März 1011. Abgeordnetenhaus. Da» Abgeordnetenhaus beendete am Sonnabend die General- debatte zum Etat der Bauverwattung. Da die Frage der Schiff. fahrts abgaben bereits besonders grlrdigt war. verlor sich die De» batte iil Einzelheiten, teils rein örtlichen Charakters. Herborzü- heben ist die Rede unseres Genossen Hirsch, der die Frage des Bauarbciierschutzes, der Führung schwarzer Listen in der Bauver- waltung und der Verschandelung des Tempelhofer Feldes be- handelte. In bezug auf den Bauarbeiterschutz forderte er nach- ürücklichst die Anstellung von Arbeiterkontrolleuren und du gesetzliche Regelung der Materie. Was er über die schwarzen Listen sagte, dürfte geeignet sein, auch den geistigen Arbeitern endlich die Augen darüber zu öffnen, daß die Regierung gegen sie. sobald sie sich mißliebig machen, genau so rigoros und terroristisch vorgeht, Ivie gegen die Arbeiter im engeren Sinne. Ueber das Tempelhofer Feld konnte unser Genosse nur soweit sprechen, als es sich um die Bebauung handelt; die Erörterung des Verkaufs ließ Präsident v. Krqcho» nicht zu. Genosse Hirsch kritisierte die für das Tempel- hofcr Feld vorgesehene Bauordnung, die aus die Gesundheit der Bevölkerung keine Rücksicht nimmt, sondern einzig und allein der Profitwut des Fiskus gerecht wird, der so wüst in Grund und Boden spekuliert, daß die Privatspekulanten noch von ihm lernen können. Wie vorauszusehen war.„widerlegte" der Minister v. Breitenbach alle Behauptungen unseres Genossen. Auf dem Gebiet des Ba narbeiterschutzes ist nach ihm alles in bester Ordnung; schwarze Listen kennt er nicht; er weiß in seiner Unschuld nicht einmal, was das ist, und in der Angelegenheit des Tempelhofer Feldes sind seiner Ansicht nach die öffentlichen Interessen genügend gewahrt. Montag: Fortsetzung der Etatsheratung, Unsere kostspielige«» Kolonie»». Die„Rheinisch-Westfäkische Zeitung" wendet sich gegen die in der„Tenkschrift über koloniale Kriegskosten" vertretene Aus- sassung, wonach es unmöglich sei. die Kolonien für die durch die Kolonialkriege entstandenen Kosten durch direkte Besteuerung heranzuziehen. Der südwestafrikanische Krieg, so führt die„Rhein. Wests. Zeitung" aus, habe OOS Millionen Mark gekostet, ferner habe er dem Reiche eine neue Last von 4 Millionen Mark jährlicher Pensionen aufgebürdet. Da sei es dach wirklich am Platze, wenig- stens die großen Gesellschaften in etwas zur Deckung dieser Kriegslasten heranzuziehen. Die Borschläge differierten zwischen 36 und 61 Millionen, für die die Diamant- und sonstigen Erwerbsgesell- schaften Südlvestafrikas herangezogen werden sollten. Eine solche Heranziehung sei etwas durchaus Billiges. Hoffentlich werde der Reichstag eine andere Stellung einnehme», als die Regierung in der dem Reichstage in den letzten Tagen zugegangenen Denkschrift vertrete. Aus diesen Angaben ergibt sich, welch kolossale Lasten sich das Reich durch seine Kolonien aufgebürdet hat! Der für die Kolonien zu leistende Reichszuschuß beläuft sich für das Jahr 19U aus 26 Millionen Mark. Rechnen wir dazu die Verzinsung der 466 Millionen, die der südwestafrikanische Krieg unS an Anleihen aufgebürdet hat, mit 16 Millionen Mark— die Reichsanleihen der letzten Jahre sind ja sämtlich mit 4 Proz. zu verzinsen— und die 4 Millionen jährlicher Pensionen, so kommen wir damit bereits auf den Betrag von 46 Millionen, den nnS unsere Kolonien jährlich kosten! Diese Summe wächst noch ganz bedeutend an, wen» wir die Verzinsung der Anleihen für den chinesischen Krieg und die Marineausgaben hinzurechnen, die dem Reiche lediglich aus seinem Kolonialbesitz erwachsen. Es ergibt sich dann, daß wir fürjedenDeutschen.dersichinunseren Kolonien aufhält, jährlich eine Summe von weit über 16 066 M. zu zahlen haben! Ein brillantes Ge- schäft. das auch dadurch kaum für ein einziges Jahr Profi- tabler gestaltet würde, wenn es wirklich gelänge, den Diamant- gesellschaften usw. eine Kriegssteuer in der oben erwähnten Höhe aufzuerlegen I_ Heraus mit der Sprache. In der von Herrn Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift„Dia Aktion" richtet der Herausgeber einige seltsame Fragen an Herrn von Bethmann Hollweg. Nach diesen Fragen scheint eS sich um Konferenzen von bekannten Scharfmachern zu handeln, die unter Hinzuziehung von Vertrauenspersonen aus der Regierung das saubere Planchen ausgeheckt haben sollen, einen künstlich anzuzettelnden chauvinistischen Rum- mel zur Wahlparole zu machen. Herr Pfemfert fragt unter anderem den Reichskanzler: "Ist Ihnen, Herr Bethmann Hollweg, bekannt, daß in Berlin kürzlich tznjeimal, dreimal)„vertrauliche Besprechungen zwischen einigen„maßgebenden" Politiker» stattgefunden haben zwecks Dichtung einer Wahlparole für die Regierung? Mit Vertrauensleuten der Regierung? Waren diese Vertrauensleute als„Privatpersonen" zugegen? Und wenn auch als Privatpersonen: sind Ihnen die Resultate der Ver- Handlungen bekannt geworden? Haben Sie in irgendeiner Form (als Kanzler oder als GescllschaftSmcnsch) dazu Stellung genommen? Ist Ihnen der Wink geworden, daß eigentlich unser Vaterland dock?„gar zu selbstsicher träumt?" Ja? ist Ihnen vielleicht auch schon der Wink geworden, unsere Auslands- Politik aufmerksamer denn je belauern zu lassen, um(das wurde dem Unterbewußtsein gesagt) eine Wahlparole zu entdecken? Kennen Sie Acußerungen wie:„Wir können der VolkSver- hetzung, die von Liberalen und Sozialdemokraten mit allen Mitteln betrieben wird, nur entgegenwirken, wenn wir an die nationale Ehre des Volkes appellieren?" Oder ähnliche? Kennen Sie den Satz:„Das deutsche Volk muß wieder an seine Ideale, für die seine Väter ihr Leben einsetzten, erinnert werden, soll es von den kleinlichen Interessen, die ihm von Ler- sammlungsdemagogen ans Herz gelegt werden, abschen?" Und diesen:„Wir können des inneren Feindes, der immer dreister wird, nur Herr werden, wenn wir das Voll zur Selbstbesinnung aufrufen, wenn wir aus den äußeren Feind die Blicke und Gedanken lenken?" Wissen Sie, Herr Reichskanzler, baß schon die Drohnote an Serbien der Stimmung Rechnung getragen hat. Weiter: Ist Ihnen. Herr, der Vorschlag gemacht worden, im Sommer(wenn die Vorarbeiten zur Uebcrrumpelung weit genug gediehen wären) den Reichstag nach Hause schicken zu lassen(auch der Borwand ist schon er- wogen!) und sofort die Neuwahlen(„der Augenblick muß Taten zeitigen") auszuschreiben?... Diese wenigen Fragen für heute. Sie werden, Herr Reichs- kanzler, sich schon die Mühe geben müssen, eine deutliche Antwort zu geben." Wir wissen nicht, welche tatsächlichen Unterlagen Herr Pfem- fert für seine Fragen in Händen hat. Aber wir zweifeln, daß Herr von Bethmann Hollweg eine Antwort geben wird. Darum heraus mit der Sprache, heraus mit den Beweisen! Tann wird ja der Regierung schon die Zunge gelöst werden! Oie Opfer kolonialer Beglückung. Amtlich wird gemeldet: Der älteste Offizier der vor Ponape versanmtelten deutschen Scestreitkräste. Fregatteulapitän Vollerthun, meldet aus QJuain: Die Operationen gegen die Aufrührcr von Ponape sind am 22� Februar beendet worden. Der ganze Stamm der Dschokatsch ist ge- sangen, 15 Mörder, die am Blutbade vom 18. Oktober ve- teiligt waren, sind auf Grund des Urteil« des Bezirksamtmanns vom A. Februar sland rechtlich erschossen worden. Alle übrigen Aufständischen, zusammen 426 Menschen, sind nach Aap verbannt und werden dorthin von„Titania" übergeführt. Fast alle im Besitze von Eingeborenen befindlichen Gewehre sind ab- geliefert. Die schnelle und gründliche Erledigung hat nach- Halligen Eindruck gemacht. Die Eingeborenen, bei denen starke Friedensneigung vorherrscht, empfinden die verhängten Strafen als gerecht. Der Bezirksamtmann und die Weißen der Kolonie halte» die Anwesenheit von„Condor" für ausreichend, und die übrigen Schiffs sind daher hier entbehrlich. 130 Mann der Polizeitruppe bleiben zurück.„Nürnberg" geht nach den Trukinseln (Karolinen), um dort Urteil und Strafe bekannt zu geben. Alle Ve r w un d e t en befinden sich auf„Emden" zur Ueberführuiig nach Tsingtau. Ihr Befinden ist gut. Sie befinden sich in der Geneiung und werden völlig wieder hergestellt werden mit Ausnahme des Obermatrosen Meyer, dessen linkes Bein amputiert werde» mußte. Bekanntlich war die Ursache der Erhebung auf Ponape die Heranziehung der Eingeborenen zu übermäßiger Zwangs- arbeit— die Aufständischen hatten in einein Jahre gleich Zwangsarbeit für zwei Jahre zu leisten! Diese Zwangsarbeit sollte die Ablösung sein für die Be- freiung der Eingeborenen von feudalen Lasten ihren Stammes- hänplingeu gegenüber. Man wollte den Eüigeborenen also eine Wohltat erweisen. Diese„Wohltat" wurde so rück- sichtslos durchgeführt, daß sie die aufs höchste erbitterten Ein- geborenen zur blirttgeu Rebellion trieb. Die 15 Hinrichtungen vollenden nun die kolonialen«Wohltaten", die man den da- für so unbegreiflich unempfänglichen Eingeborenen zugedacht hatte. Koloniale Eingeborenerlbeglückung! Ter Kampf um die Fe»»erbestattung in Bayern. Nachdem Preußen endlich seinen Widerstand gegen die Zulassung der Feuerbestattung aufgegeben hat, wird, wenn der vorgelegte Gesetzentwurf Annahme findet, Bayern noch der einzige deutsche Bundesstaat sein, der sich gegen diese Bestattungsart ablehnend verhält. Die Staatsrcgierung ist der Anschauung, daß sür den Be- trieb von Leichenverbrennungsanstalten die staatliche Genchmi- gung notwendig sei, für die aber die notwendigen gesetzlichen Grund- lagen fehlen. Mit anderen Worten, es müßte erst ein Landes- gesetz geschaffen werden, das die Feuerbestattung zuläßt, woran aber bei der dermaligen Zusammensetzung des Landtages nicht zu denken ist. Die Regierung stützt sich bei ihrem Standpunkt darauf, daß das bayerische Polizeistrafgesetzbuch die Leichenverbrennung nicht regle. Als das Gesetz geschaffen wurde, war nämlich von Leichenverbrennungen in Deutschland noch nicht die Rede. Der beschränkte Untertanenberstand hat eine andere Ansicht wie die hochweise Zentrumsregierung in Bayern; er sagt sich, was vom Gesetz nicht ausdrücklich verboten ist, muß erlaubt sein. Die stüdiischen Kollegien in Nürnberg haben sich schon mehr- mals entschlossen, die Frage zum Austrag zu bringen. Im vorigen Jahre wurde der Beschluß gefaßt, ein Krematorium zu erbauen und die Mittel hierfür in das Anlehensprogramm aufzunehmen. Als dann ein halbes Jahr später weiterer Beschluß über die in- zwischen ausgefertigten Pläne gefaßt wurde, schlug die schwarze Presse Lärm und befahl dem Ministerium, einzuschreiten. Da die bayerischen Minister dem Zentrum zu unbedingtem Gehorsam ver- pflichtet sind, richtete der Minister dcS Innern an den Stadt- Magistrat eine Drohnote, worin er ankündigte, daß die Genehmi- gung zum Betriebe eines Krematoriums nicht erteilt werden könne, falls aber, wie die„Zeitungsnachrichten besagen", beabsichtigt sei. das Krematorium ohne Genehmigung in Betrieb zu sehen, werde die polizeiliche Schließung veranlaßt werden. Noch radikaler ging die mittelfränkische KreiZregierung vor. Sie verbot dem Magistrat tn ihrer Eigenschaft als Aufsichtsbehörde, zum Bau eines Krematoriums Mittel aus Anlehen, deren Genehmi- gung ihr unterliegt zu verwenden. In ihrem Eifer, dem Zentrum zu dienen, hatte aber die gute Kreisregierung ganz vergessen, daß sie das gesamte Anlehensprogramm. in dem auch der Posten für das Krematorium enthalten ist, schon sechs Monate vorher ohne dje leichteste Beanstandung genehmigt hatte. Der Magistrat erhob dagegen Beschwerde wegen Verletzung de? gemeindlichen Selbstverwaltungsrechts sowohl beim Ministerium als auch beim BerwaltungZgerichtShof. Die Beschwerde ist je- doch bis jetzt noch nicht erledigt. Das Gemcindekollcgium hat nun beschlossen, in den Etat für das Jahr Igll den Betrag von 32 000 M. für Erbauung eines Krematoriums einzusetzen, und zwar soll das Geld aus kaufenden Mitteln genommen werden, so daß die Regie- rvng nichts in den Bau dreinzureden hat, da die Verwendung der laufenden Mittel ihrer Genehmigung nicht untersteht. Wenn das Ministerium seine Drohung wahr macht und nach Fertigstellung der Einäscherungshalle deren Inbetriebnahme duckh polizeiliche Schließung verhindern will, soll die Sache auf dem Prozeßwege ausgefochten werden. Im Meminger Landtage wurde am Freitag die Regierungsvorlage über Aenderung der Be- soldnngS- und Rnhegehaltsverhältnisse der volksschnllehrer und Lehrerinnen einstimmig angenommen. Nach den neuen Bestimmungen beträgt doS Grundgehalt der Lehrer 1250 M., die«lterszulagen bis 1750 M., so daß daZ Endgehalt in Zukunft auf 3000 M. steigt. Die Lehrerinnen erhalten 1000 M. Grundgehalt, ihr Endgehalt steigt in neun Stufen bis auf 2170 M. Da» Gesetz tritt am 1. Januar 1611 in Kraft. Zentrums-Arbeiterfang. Das süddeutsche Organ der katholischen Arbeitervereine»Der Arbeiter"(Nr. 6 vom 2. März) widmet der letzten Miiitärbcwilli- gung im Deutschen Reichstage unter anderem folgende Epistel: „Bomben, Türken und Granaten— cS gibt nix mehr als wie Soldaten, so hat schon vor 40 Jahren ein urwüchsiger Volkssänger seinen Zuhörern auf den ländlichen Märkten ver- kündet. WaS würde der Mann sagen, wenn er heute noch einmal auf die Welt käme, was da alles„zur Sicherstellung des Vater- landes unbedingt notwendig" ist. Ein mehr oder weniger gütiges Geschick hat uns nämlich eine Militärvorlage beschert, die nun die Budgetkommissioii und der Reichstag, letzterer mit einen« klein wenig Augenrollen, geschluckt hat. Drei Zentrumsabge- ordnete stimmten gegen die Vorlage und zehn weitere enthielten sich der Abstimmung, weil sie wohl die Berechtigung der Regie- rnngSvorlage anerkannten, aber die Deckungsfrag« ans den Er- trägnisscn der gegenwärtigen Steuern nicht für sichsr gelöst erachteten. An Mannschaften sind notwendig 11 000 Mann(auf 515 3211), an erstmaligen Ausgaben 8 Millionen Mark; dabei kommt freilich da» dicke E»he noch mit rund 100 Millionen nach. Allerdings verteilt sich diese Sumine aus 4 Jahre. Wen»«««an vergleicht, wia rasch dieses Geld bewilligt war und wie lange man um die einzige Bcsitzsteucr auf den unverdienten Wert- zuwachS im Reichstage gekämpft hat. so drangt sich einem doch unwillkürlich der Gedanke auf, daß es recht, recht notwendig ist. den Gaul der Militärfrommheit etwas zu zügeln. Jedenfalls haben wir die Zusage der btegierung zur Verbesserung der Aete-. rancnsürsorge arg teuer erkauft..' Mit solchen eckünstelt-bied-ren Redensarten wird de» katho- tischen« Arbeitern der Glaube beigebracht, da» Zentrum kämpfe gegen die stetigen HeereSvcrmehrungen und die aus diesen cr- wachsenden«reuen Stcuerlolte«. In Wirklichkeit hat meist nach einigen kleines AbstriAen dgs ZeitteW bewilligt, mi. vgg ici Regierung zur»Verteidigung des VaierlandeS' verlangt Kurde—' unbekümmert um die erforderlichen Deckungsmittel. Und die Jen- trumsblätter, die. wie der„Arbeiter", vorher mit dem Aufgebot der schönsten Entrüstungsphrasen gegen die Militärwirtschaft und die„vielen Soldaten" geeifert hatten, wußten dann regelmäßig hinterher mit verlogenem(Leschwätz ihren Lesern zu beweisen, daß die Mehrbewilligungcn durchaus nötig waren, da sonst das Deutsche Reich wehrlos und ein Opfer seiner bis an die Zähne gerüschsen Nachbarstaaten geworden wäre. Zweierlei Recht. ' Die Arutalitäten der preußischen Ausweisungspraxis sind so massenhaft, daß„Mißgriffe" natürlich nicht zu vermeiden sind. Unter den Personen, die sn der letzten Zeit aus Berlin ausgewiesen wurden, befindet sich, wie die Wiener„Neue Freie Presse" erfährt, auch der Sohn des Generaldirektors einer der größten ungarischen Jndustrieunternehmungen. Die Ausweisung wurde, wie verlautet, auf direkte diploma- tische Intervention auf ein Jahr inhibiert. Wenn die Ausweisung„nur" einen Arbeiter getroffen hätte, so wäre es natürlich kein„Mißgriff", sondern die Ausübung des„staatlichen Hoheitsrechtes" gewesen; die österreichische Diplo- matie hätte sich mit geringerem Eifer der Sache angenommen und der Ausgewiesene wäre bereits jenseits der Grenze. Die Metzer Staatsaffäre. Metz, 4. März. In der Angelegenheit der Lorraine spar- tive ist dem Angeklagten Sa main und seinen acht Genossen nunmehr die An k l a g e s ch r i f t zugestellt worden. Die Anklage lautet nach dem„Le Lorrain" gegen drei Angeschuldigte auf Haus- friedensbruch, gegen Samäin außerdem ans öffentliche Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und gegen Anordnungen der Behörden sowie aus unerlaub te Veranstaltung eines öffentlichen Konzerts. Im iibrigen erstreckt sich die Anklage auf Beran staltung von Straßenkundgebungen und Beteiligung daran. Der gestutzte Mittellandkanal. Im Anschluß an die gestrigen Verhandlungen des Abgeord- netenhauses über den Rhein— Hannoverkanal und die Drohung, den Kanal 10 Kilometer vor dem festgesetzten Endpunkt endigen zu lassen, wenn die Stadt Hannover sich nicht bald cnt- schließe, den Bau der Häfen in Angriff zu nehme», erklärte Stadt- direktor Tramm in der heutigen Sitzung der städtischen Kollegien, daß der Stadt Hannover keine Vernachlässigung gesetzlicher Auf- gaben vorgeworfen werden könne. Die Regierung habe die Stadt Hannover vier Jahre über ihre Absichten im Unklaren gelassen und dann Bedingungen gestellt, denen Hannover nicht zustimmen könne. Die Stadt Hannover habe kein Interesse an dem Umschlaghafen und könne ihn deshalb nicht allein bauen, sondern es müsse ein Ausgleich darin gefunden werden, daß der Staat in Gemeinschaft mit den übrigen Interessenten den Hasen baue. Diese Forderung müsse die Stadt um so mehr erheben, als ihr niemand garantiere» könne, daß der Kanal auch bis Magdeburg weitergeführt werde. Ucbrigens betonte der Redner, daß der Minister erst das Gesetz ändern müsse, wenn der Kanal nicht bis zum festgesetzten Ende durchgeführt werden solle. In diesem Falle würden aber die ganzen Kanalgarontien hinfällig sein; der ganze Vertrag sei auf die Erklärung des Ministers hin auch von den Städten Hannover und Linden bereits wegen Irrtums angefochten worden, um zu betonen, daß man nicht geneigt sei, auf garantierte Rechte zu ver- zichten. m__r fVaiifcrdcb. Die neuen Herren. ' Pariß, 4. Mqrz. Der„Matin" berichtet: Der neue Minister des Aeußeren C r u p p i hat gestern verschiedenen Botschaftern Be- suche abgestattet und' ihnen dahe» gesagt, daß er den Wunsch habe, die Bündnisse und Freundschaften Frankreichs eifrigst zu erhalten, zu entwickeln und zu betätigen, und andererseits die guten Be- Ziehungen zu allen Regierungen, besonders in wirtschaftlicher Hin- ficht, zu befestigen und zu entwickeln. Dasselbe Blatt meldet, daß der neue KdegSminister Berte a u x am Tage vor dem Rücktritt des Kabinetts Brtand folgendes geäußert habe, er betrachte den A e r o p l a n als ein wunder- vollesKricgs Werkzeug in den Händen der Franzosen für Aufklärungszwecke. Frankreich sei eine große Militär- und See- macht, müsse aber die größte LustmgchL werden. England. Eine offiziöse Stimme über die auswärtige Politik. London, 4. März. Die.. W e st m i n st e r Gazette" sagt in einem Artikel unter der Ueberschrift:„Rußland und Europa" über die Zusammenkunst in Potsdam, der mißergewöhnliche Gang der Diplomatie, der zu diesem Ergebnis geführt hat, ist viel- leicht von Unbequemlichkeiten und Ueberraschungen für andere Regierungen begleitet gewesen, aber wir können das Ergebnis selber nicht für ein schlechtes halten. Wir Engländer können Rußland unmöglich grollen darum, daß eS mit seinem mächtigen Nachbar in guten Beziehungen zu leben versucht, und können nur bedauern, daß die Verhältnisse die Herstellung dauernder ähnlicher Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland verhindern. Wir haben ferner nicht da» gering st e Interesse aneiner Isolierung Deutschland« und es ist eine Unzuträglich- keit für ganz Europa England eingeschlossen daß Deutsch- land sich in dieser Beziehung mit oder ohne Grund beschwert fühlt. Wir hoffen, daß die Verhältnisse, die jetzt geschaffen werden. nicht nur für Rußland und Deutschland sondern auch für ihre beiderseitigen Freunds und Nachbarn eine Rückversicherung bedeuten werde. Rußtand. Blutige Statistik. Das Wüten der Ordnungsbestien in Nußland wird durch folgende Zahlen, die von der Wirklichkeit noch weit entfernt sind, illustriert: Im Jahre 1905 wurden mit und ohne Gerichtsspruch hingerichtet 900 Personen,!906: 1605 Personen, 1907; 1139 Personen(1692 Todesurteile). 1908: 983 Personen,(2131 Todesurteile), 1909: 717 Personen(1551 Todesurteile), Januar— Oktober 1310: 150 Personen, oder insgesamt mehr als 5509 Persouen. Bei Zusammenstößen mit der Polizei und den Truppen wurden 1905 getötet 22630 und verwundet 3Z52ä Personen. Außerdem forderten die Pogrome im Oktober 1905 zirka 8600 Tote und Verwundete. 1906 belief sich die Zahl der Opfer der Strafexpedttionen in den Ostsee- Provinzen allein auf 1200. Vom 1. September 1905 bis 1. September 1906 fanden 638 Pogrome statt, bei denen die Polizei ihre Hände mit im Spiel hatte. ES wurden von den Pogromen betroffen 37 075 Familien, bestehend aus 153101 Köpfen, von denen 937 Personen getötet und 1190 schwer verwundet wurden. Hierzu kommt noch der von den aufgehetzten Truppen organisierte Pogrom in Siedlec, bei welchem zirka 700 Personen Mötct und verwundet wurden. Während derselben Periode wurden Hunderttausende von Personen in die Gefängnisse geworfen. Zehntausende in die Verbannung geschickt. Die Zahl der Gefangenen erreicht jetzt die Höhe von 225 000. von denen zirka 45000 auf die Äatorgagefangenen entfallen I Die Lage der Gefangenen wird grell illustriert durch die Zahl der S e l b st m o r d e in den Gefängnissen, die sich allein im Jahre 1903 auf 112 belicf. Rumänien. Die Wahlen. Bukarest, 4. März. Bei den KammerKahten aus dein zweiten Distriktswahlkollcgium wurden gewählt: 57 regierungsfreundliche Konservative, 5 Mitglieder der geeinigtcn O p po- s i t i o n, und zwar 3 konservative Demokraten und zwei Liberale, Acht Stichwahlen sind erforderlich. Tie S o z i a l i st e n und N a- tiona listen, die sich zum ersten Male bei den allgemeinen Kammerwahlen um Mandate bewarben, vermochten nur wenige Stimmen aufzubringen. Wie uns demgegenüber ein Privat telegramm aus Bukarest meldet, haben die sozialdemokratischen Kandidaten, in Anbetracht des Umstandes, daß die Sozialisten sich überhaupt zum erstenmal gn den Wahlen beteiligten, gut abgeschnitten. Auf die in Bukarest aufgestellten Genossen entfielen 200— 300 Stimmen. Die höchste Stimmenzahl erreichte Genosse R o k o w s k i mit 310 Stimmen, während der siegreiche bürgerliche Kandidat etwa 1000 Stimmen erhielt, Orkei. Der ewige Belagerungszustand. Konfiantlnvpel, 4. März. Die Regierung beabsichtigt, gleich nach der Budgctberatung der Kammer einen Geletzentwurf zwecks Ver- l ä n g e r u n g des am 30. März ablaufenden Belag erungs- zustandes um ein Jahr zu unterbreiten. Eine Majorität da- für ist gesichert. Amerika. Die Handelspolitik. Washington, 4. März. Präsident Taft hat den Kongreß zu einer Sondersession einberufen; diese ist notwendig geworden, da der Senat den Vertrag mit Kanada unerledigt gelassen hat. Der demokratische Führer Champ Clark hat den Präsidenten formell benachrichtigt, daß die D ein ok raten beabsichtigen, die außerordentliche Session dazu zu benutzen, um eine Revision des Zolltarifs in die Wege zu leiten. Aus den Verhandlungen des Senats über das Budget ist bemerkenswert, daß ein von C u l b e r s o n(Texas) vorgeschlagenes Amendement, wonach das Tärifamt alle ihm zur Verfügung stehen- den Informationen bezüglich der Wolle. Baumwoll-, Eisen- und Stahltabellen des Tarifgesetzes dem Kongreß im Dezember mit- teilen sollte, mit 43 gegen 40 Stimmen abgelehnt wurde, worauf Culberson sofort beantragte, daß das Tarifamt nur über die W o l l- t a b e l l e n berichten solle. Hiermit erklärte sich der stellvertretende Sekretär des Staatsdepartements Hyle einverstanden, Hus de* Partei. Wie man es nicht machen soll. In dem Käntonsstädtchen Be'nfeld(Kreis Erstein, Unter- clfaß) fand kstzteit Sonntag eine G e mfe i» d er a t s'e r s a tz w a h l statt, die unseren Parteigenossen allenthalben zeigen mag, wie man cä nicht machen soll."Dirörtliche Parteileitung scheint der Meinung zu sein, daß es ohne Kompromisse im Kommunalwahlkampse nicht geht. Sie schloß bei den Hauptsahlen zum Gcmeinderat im Jahre 1008 ein Wahlbündnis mit dsu-Liberalen, wobei jedoch ihre beiden Kandidaten unterlagen, wenngleich sie einen schönen Achtungs- erfolg erzielten. Jetzt hatten 7 liberale Gemeinderatsmitglieder infolge von schweren Differenzen mit dem Bürgermeister und dem Gemeindeschreiber ihr Amt niedergelegt, indem sie jedoch an die Wählerschaft appellierten und sämtlich wieder neu kandidierten. Diesen Zeitpunkt hielt unsere örtliche Parteileitung für geeignet, um nach neuen, diesmal erfolglosen Kompromihverhandlungen mit den Liberalen ins s ch w a r z e Lager abzuschwenken. Auf der kleri- kalen Kandidatenliste wurden ihr 2 Sitze zugestanden. Die Wahl am Sonntag ergab die Wiederwahl aller 7 Liberalen mit 240 bis 307 Stimmen, während die schwarz-rote Liste mit im Maximum 217 Stimmen unterlag. Die beiden sozialdemokratischen Kandi- daten, die von den klerikalen Bundesgenossen massenhaft gestrichen worden waren, erhielten 30 bezw. 37 Stimmen, während sie bei der Hauptwahl von 1008 auf der libe- ralen Liste wenigstens 168 bezw. 158 Stimmen erzielt hatten. Hoffentlich hilft die Lektion— sie ist blutig genug! Das Bor- gehen dieser kompromihtollen Genossen steht obendrein im direkten Widerspruch mit einem auf der letztjährigen Landeskonferenz der Partei gefaßten Beschlutz, der den Genossen das selbständige Vorgehen beim ersten Mahlgang im Gemeindewahlkampfe überall zur Pflicht macht._ Gemeindcwahl. Bei einer Nachwahl in Frankfurt-Sachsen Hausen wurde am Donnerstag im ersten Wahlgang eine Wahlbeteiligung von 80 Proz. erzielt. Der sozialdemokratische Kandidat erhielt einen ?;uwachs von 60 Stimmen, erlangte aber trotzdem nicht die Mehr- eit. Es muß Stichwahl stattfinden. Der Gegenlandidat. mit dem die Stichwahl stattfinden sollte, ist am Donnerstagabend verstorben._ Ein Zentrumsreinfall. In der vaherischen Zentrumsprcsse wurde in diesen Tagen das „Bayerische Wochenblatt" einer Beschimpfung der Bauern bezichtigt, iveil eS den Zeiitrumsabgeordneteu Ranner, Vertreter von Rosen- heim im Reichstag als.Schublarrenfahrer" verhöhnt habe. Die Zentrumsprelse stellte eS so hin. als sei das eine Beschimpsting der Bauernarbeit, und suchte die Bauern mit der Behauptung gegen die Sozialdemokratie aufzuhetzen, daß unser Parteiblatt über ihre vom Schublarrenfahren schwieligen Hände höhne. Jetzt llärt die „Münchener Post" die hereingefallenen Zentrumsorgane auf, daß die Bezeichnung„Schublarrenfahrer" deshalb auf den Zentrums- abgeordneten angewandt wurde, weil er im November 1000, als er sich im Trunk übernommen hatte, auf einem Schubkarren nach Hause gefahren wurde. Die ZentrmnSpresse hat also mit ihrem Äser, der Sozialdemokratie etwas am Zeuge zu flicken, dem Herm Zentrumsabgcordneten einen bösen Bärendienst geleistet. Die p-lnisch-sozialdemokratische Partei Oesterreichs für den Zentralismus. Die Exekutive der polnisch-sozialdemokratischen Partei von Galizicn und Schlesien beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung auch mit dem tschechischen Separatismus. Sie beschloß u. a. folgende Rc- solution: „Die Exekutive der polnisch-sozialdemokratischen Partei befchäf- tigte sich in ihrer Sitzung auch mit den von den tschechischen Ge- nassen verbreiteten Gerüchten über separatistische Tendenzen der polnisch-sozialdemokratischen Partei auf dem Gewerlschaftsgebict. Sie protestiert gegen ein Operieren mit derartigen Gerüchten und erklärt, daß sie, wie bisher, auch weiterhin auf dem Prinzipder tntcr nationalen zentrale n Gcwerkschaftsorgani- sation beharrt." Eine sozialistische Agitationsbibliothek. Die Mailänder Wochenzcitung„Battaglia" hat die Herausgabe von Ägitglsimsbrosthürm. iüf feie ia feer italienischen'Parte j ein großes Bedürfnis besteht, unternommen. Bis jetzt ist eine Brö- schüre über das Kommunalwesen, eine andere über den ökonomischen Konflikt in der illomagna und schließlich eine Parlamentsrede Turatis über die Verteuerung der Lebensmittel erschienen. Ein Heft über die italicnisch-österreichisch-ungarische Zusammenkunft, die am 0, und 10. April in Rom stattfinden soll, ist in Borbereitung. Die Annahme des Eisenbahnercntwurfs. Rom, 1. März.(Eig. Ber.) In dritter Lesung hat die Kammer am 28. Februar den Entwurf Sacchi für die Eisenbahner angenom- men. Fast alle von unserer Fraktion vertretenen Abänderungen, die darauf hinausliefen, vor allem die Gehälter der am schlechtesten bezahlten Kategorien zu erhöhen, sind durchgegangen. An Stelle der 22 Millionen jährlicher Gehaltsaufbesserungen, die der ur- sprüngliche Entwurf vorsah, sind deren beinahe 24 Millionen vor- gesehen worden. Eine dem Personal verhaßte Neuerung, die für die ersten drei Krankheitstage das Krankengeld wegfallen ließ, ist von der Kammer aufgegeben worden. Das Gesetz entspricht somit den Minimalforderungen, die die Eisenbahner aufgestellt hatten, so daß vorläufig die seit Jahren inszenierte Agitation in eine Periode des Stillstands treten wird. Wieviel übrigens die drohende Haltung oes organisierten Personals vermocht hat, geht daraus hervor, daß die Frage der Dezentralisierung des Verwaltungswesens kMes- wegs die in dem Entwurf vorgesehene Lösung gefunden hat. Wicr haben die reaktionären Elemente die Ucberhand behalten und die Ucbcrweisung an eine Kommission durchgesetzt, was bei einem Gesetzentwurf einem ehrlichen Begräbnis gleichzusetzen ist. poUreUuius, ßerithtivebes ufw. Abgeblitzt. Im Oktober v. I. hielt Genossin Luxemburg ein Referat in einer stark besuchten Versammlung in Stuttgart. Bürgerliche Zeitungen ärgerten sich über den lebhaften Beifall, den die Ausfüh- rungen der Genossin, insbesondere über die Vorgänge von 1848. über die Ereignisse in Portugal und über die Kaiscrreden aus- gelöst hatten. Diese Auslassungen vcranlahten die Staatsanwalt- schaff, ein hochnotpeinliches Verfahren wegen M a j e st ä t s- beleidig» n g gegen die Genossin einzuleiten. Am 11. Januar wurde sie verantwortlich vernommen. Jetzt hat die Stuttgarter Strafkammer die Erhebung der Anklage abgelehnt, weil sich der Wortlaut der Aeußerungen, aus denen der strafgesetzliche Strick gegen die Genossin gedreht werden sollte, nicht mehr genau fest- stellen lfisie.. Soziales. Boykott der internationalen Ausstellung gegen Hygiene. Per Druck, den das Unternchmertum auf die sächsische Negierung und das Koniitee der Internationalen Hygiene- Ausstellung zu Dresden zugunsten einer Vertuschung der Wirklichkeit ausgeübt hat, hat bekanntlich die General- kommission der Gewerkschaften veranlaßt, von einer Be- teilignng an der Ausstellung Abstand zu nehmen. Dem sind dann die Konsumvereine gefolgt. Auch andere Kreise sind durch das gegenüber der Geiuersschaftskommission betätigte tendenziöse Verhalten des Ausstellungskomitees veranlaßt, ihre dem Komitee gemachte Zusage zurückzuziehen. So hatte ein bekannter Kulturgeschtchtsforscher dein Komitee bereitwillig zugesagt, 3—400 Bilder aus früheren Zeiten zur Verfügung zu stellen, die insbesondere hygienische Verhältnisse früherer Zeiten veranschaulichten. Das Bekanntwerden der auf die Heimarbeit bezüglichen Vorgistige hat ihn zur Zurück- nähme seiner Zusage veranlaßt. Diese motivierte er durch ein die Situation treffend beleuchtendes Schreiben, dessen wesentlichsten Inhalt'wir nachstehend wiedergeben: „Nach Eintreffen Ihres Verzeichnisses der Bilder, die Sie aus meiner Sammlung für die hygienische Ausstellung lvünschen, habe ich meinen Sekretär mit dem Heraussuchen der Blätter beauftragt. Nun leso ich heute aber in den Zeitungen den Bericht über die Verhandlungen, die zivischen der. Ansstellungsleitung und der Generalkommission der deutschen Gewerkschaften statt- gefunden haben und die zu dem Ziele führten, daß der den Ge>v erks ch asten u rsp r ü-n glich zugebilligte Pavillon z n r Veranstaltung einer A u s st e l- I u n g ü b e r„ h y g i e n i s ch e" Z n st ä n d e d e r H e t m- arbeite r wieder verweigert lvorden ist. Diese Tatsache muß meiner Ansicht nach die Stellung jedes anständigenAtenschen zu der hygienischen Ausstellung beeinflussen. Ausstellungen sollen doch nicht nur dazu da sein, das hohe Lied zu singen nach dem Thema:„Wie herrlich iveit haben wir es doch gebracht", sondern sie sollen vor allein das soziale Gelvissen aufrütteln und das Verantwortungsgefühl von Staat und Gesellschaft steigern. Und das gilt vor allem bei einer hygienischen Ausstellung, bei der wiederum die nnhygienischen Lebensbedingungen des Proletariats obenan stehen müssen. Die unhygienischen Verhältnisse, unter denen das arbeitende Volk zu leben gezwungen ist, zu bessern, das sollte die Haupt- ausgäbe einer hygienischen Ausstellung sein. Wer über Macht und Besitz verfügt, gelangt von selbst zu den wichtigsten hygienischen Lebensbedingungen, denn wer Geld hat, verfügt über genügende Erholungszeit und vor allem über genügenden Wohnraum. Wenn nun also eine hygienische Ausstellung sich dazu herbeiläßt, dieMöglichkeitzu verhindern. dieun- hygienischen Lebensbedingungen derAcrmstcn der Armen objektiv(wormitcr ich freilich augenfällig verstehe) darzustellen, so wendet sich ihr a n- geblicher Zweck in das direkte Gegenteil. Ver- tuschen des VerdammenSivürdigen heißt in diesem Fall aber noch mehr, es heißt nichts weniger als: billigen des entsetzlichen Elends, deshalb, iveil auf diesem Elend eins lukrative Profitrate gewisser Kapitalistcnkrcise sich aufbaut. Ich kann unter diesen Umständen nicht unihin, Ihnen zu sagen, daß durch diesen Akt die geplante Ausstellung in meinen Augen in ihrer letzten Konsequenz geradezu zu einer Aus- stellung für Un Hygiene gestempelt wird. Wer aber bei einer solchen Ausstellung mitmacht, und vor allem dann noch mitmacht, wenn er die Sachlage kennt, erklärt sich ohne weiteres solidarisch mit solchen Tendenzen. Bei mir aber ivürde dies meinem gesamten Leben und Streben ins Gesicht schlagen, und so überläuft mich ein Gefühl brennender Scham, wenn ich mir vorstelle. auch nur mit dem kleinsten Beitrag die Zwecke derer zu fördern, die den Aermsten nicht nur nicht helfen wollen, sondern deren entsetz- liches LoL verheimlichen und dadurch auch zu verewigen beitragen. .Ich sehe mich also veranlaßt, meine Be- reitwilltgkett, die von Ihnen in meiner Sammlung a u s g e>v ä h l t e n 3— 400 Objekte zur Verfügung zu stellen, zurückzuziehen.. DaK Ausstellungskomitce hat in seinem Antwortschreiben darzulegen gesucht, daß ein berechtigter Druck der Regierung vorliege. Selbstverständlich ist der Forscher bei seinem ab- lehnenden Standpnnkt geblieben. 6ewerhrchafrlicbc�. Mas Gronowski erzählte. Den Fuchs als Moralprediger markierte der Zenkrums- landtagsabgeordnete Gronowski-Dortmund, als er im Parla- ment herausstrich, wie Zentrumsleute in Münster das Ver- hältniswahlsystem bei der Gewerbegerichtswahl eingeführt hätten. Gronowski hat da wieder eine Not zur Tugend um- gekrempelt, wie wir jetzt erfahren. In Münster, wo Zentrum und Zentrumsgcwerkschaften dominieren, haben diese ge- rechten Christen zehn Jahre lang nicht an die Einführung der Verhältniswahl gedacht. Ein katholischer Arbeiter- sekretär von Münster, Holle, hat in einer Versammlung der Christen, in der wegen der Einführung der Verhältnis- wähl Vorwürfe erhoben wurden, ausgeplaudert, daß die christlichen Arbeiterführer im Stadtverordnetenkollegium nur gezwungen zustimmten, als„auf Anregung höheren Ortes" der Magistrat eine Vorlage unterbreitet hatte. So ist es also nicht das Verdienst der Zentrumschristen, wenn vor kurzer Zeit in Münster nach dem Verhältniswahlsystem zum Moerbegericht gewählt wurde. Tie„gehorsamen Katholiken" mmstten, ob sie schon nicht wollten.— Uebrigens ist das schwarze Münster in Westfalen gar nicht mehr so schwarz. wie die Zahlen bei der jüngst erfolgten Gewerbegerichtswahl beweisen. Die„Christen" erhielten 1397, die freien Gewerk- schaften 839 Stimmen. Es tagt also auch im frommen Münster._° Oeutfehes Reich. Zur Tarifbewegung im Holzgewerbe. Die zentralen Verhandlungen über die einzelnen Städte wurden in den letzten Tagen in Berlin fortgesetzt. Mit AuS- nähme von Kalkheim ist nun über alle Orte verhandelt. Die Lieg- nitzer Arbeitgeber weigern sich, vor dem Forum der Zentralvor- stände und der zentralen Schlichtungskommission zu erscheinen und wird dir Vorstand des Arbeitgeberschutzverbandes, weil die Arbeit- gefai dieser Stadt den verlängerten Bertrag gebrochen und die sllrbeiter aussperrten, die Konsequenzen zu ziehen haben. Die Ar- beitgeber in Forst und Kalkheim, welche den Arbeitern gekündigt hatten, haben sich verpflichtet, die Entlassung zu verschieben, um das endgültige Resultat der Verhandlungen zunächst abzuwarten. In Finsterwalde hat der Unternehiner Weise eine grössere Anzahl Arbeiter entlassen, weil sein Vorschläge bei den Verhandlungen nicht akzeptiert wurden. In Neumünfter haben die Arbeiter den Betrieb des ArbeitgeberverbandSvorsitzenden verlassen, weil dieser den Weg zu Verhandlungen nicht finden konnte, sondern diese immer wieoer verzögerte. Am weitesten vorgeschritten sind die Verhandlungen für die Städte Stuttgart, Aachen, Chemnitz, Helmstedt, Elberfeld, Ebbing und Breslau. Ueber Neumünster, Herford. Posen, Kirchheim und Forst wird gegenwärtig noch weiter verhandelt, während die Ver- Handlungen für Bremen wegen der Arbeitseinstellung stocken. Von den übrigen Orten sind die Vertreter grösstenteils nach Hause ge- reist, um iveitere Vollmachten einzuholen oder aber von den Orts- Parteien beschlietzen zu lassen, dah die noch vorhandenen Diffe- renzen dem Schiedsgericht überwiesen werden sollen. Die zentrale Schlichtungskommission wie die Verbandsvor- stände sind augenblicklich dabei, für die Orte, wo die Verhandlungen unterbrochen, eine neue Basis zu finden, oder die notwendigen Schiedssprüche, die insbesondere in bezug auf die Arbeitszeit für die meisten Städte notwendig sind, vorzubereiten. Mit Sicherheit darf jetzt angenommen werden, dah für die meisten Orte eine Ver- ftändigung möglich ist. Aus diesem Grunde hat die zentrale Schlich- tungskommission den dringenden Wunsch ausgesprochen, dass weitere Aussperrungen und Streiks in den i» Frage kommenden Orten nicht stattfinden, solange die Verhandlungen fortdauern. Für Mitte dieser Woche dürfte das endgültige Resultat zu erwarten sein._ Die Arbeitsverhältnifse der Oderschiffer. Vor kurzem find die statistischen Erhebungen über die Rege- lung der Arbeitszeit abgeschlossen worden; vom Beirat für Ar- beiterstatistil wurden dem Reichskanzler entsprechende Vorschläge unterbreitet, die allerdings die Wünsche der Schiffer bei weitem nicht erfüllen. Unter den Arbeitsverhältnissen auf den verschiede- nen Stromgebieten gehören die der Oderschiffer zu den un. günstigsten; hier treten Missstände zutage, die man kauni für möglich halten sollte. Die überlange Dauer der Fahrzeiten führt zu vollständiger Erschöpfung der Schiffsmannschaften. So wie auf der Oder wird auf keinem anderen Stromgebiete mit der Arbeitskraft der Schiffsmannschaften gewirtschastet. Unmenschlich lange Arbeitszeiten sind nicht nur auf der Fahrt, sondern auch beim Laden und Löschen der Frachten allgemein üblich. Die Lohn. Verhältnisse sind die denkbar traurigsten. Die Schiffahrtsperiode beträgt»—10 Monate. Die Bootsleute erhalten im Durchschnitt monatlich 95 Mk. Lohn, die Steuerleute 100-�-llö Mk. Dafür haben sie die Verantwortung für die Ladung, für das Schiff usw. zu tragen. Ueberstunden werden nur selten und dann mit 25 Pf. für die Stunde vergütet. Vom Monatslohn werden 3— 6 Mk. ein. behalten, der sogenannte Nachschuss, der erst bei Schluss der Schiff- fahrtsperiode zur Auszahlung gelangt, wenn sich der SchiffSmann gut geführt hat. Dies System niacht begreiflicherweise viel böses Blut. Auch sonst gibt es noch eine Unmasse von Missständen, die das Arbeitsverhältnis unerträglich machen. Kein Wunder, dass die Schiffsmannschaften jetzt zur Selbsthilfe greifen wollen, nachdem die Schiffsgesellschaften durch ihr« Dienstvorschriften ein wirkliches Sklavenverhältnis geschaffen haben. 3000 Oderschiffer haben sich dem deutschen Transportarbeiterverbande angeschlossen. Durch rege und intensive Agitation während der letzten beiden Winter und während der verflossenen Schiffahrtsperiode ist eine straffe Organisation geschaffen worden, der erfreulicherweise nicht nur Bootsleute sondern auch die Schiffsführer angehören. Die letzten Winterversammlungen im Odergebiete waren rcindrucksvolle De- monstrationen, gegen die miserablen Arbeitsverhältnisse in der Binnenschiffahrt. Jetzt drängen die Mannschaften auf eine Rege- lung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Der Vorsitzende der Binnenschiffer der Elbe. Oder und der märkischen Wasserstrassen, Genosse S ch ü n i ng« Verlin, hält diese Woche»n allen grösseren Umladeplätzen Versammlungen ab, in denen über weitere schritte beraten werden soll. Binnen kurzem wird es zeigen, ob die Oder« schiffer durch eine Lohnbewegung die unleidlichen Arbeitsverhält- nisse ändern wollen. Bei einer Lohnbewegung kämen 3000 Deck- Mannschaften und ausserdem 400—500 Maschinisten und Heizer in Frage, die im Zentralverbande der Maschinisten und Heizer organisiert sind._ Streik der Zinkhüttenarbeiter in Dortmund. Seit dem 17. Februar stehen zirka 200 Arbeiter der Zinkhütte im Streik. Das Werk gehört der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikaiion zu Stolberg und in Westfalen mit dem Sitz in Aachen. Die Arbeiter fordern eine Abänderung des Lohn- fystems und die Einschränkung der Sonntagsarbeit. Wo die Sonn« tagsarbeit als notwendig hingestellt wird, soll ein Lohnzuschlag ge- währt werden. Die Firma betonte früher immer, dass es unmög- lich sei, die Sonntazsarbeit abzuschaffen, da die Oesen dann be- schädigt würden. Als aber vor einem Jahre die Arbeiter in einen wilden Streik eintraten, standen die Oefen sechs Tage still und hatten doch keinen Schaden erlitten. Die Werksverwaltung hatte den Arbeitern damals versprochen, dass die Löhne wieder steigen sollten, wenn die Zinkpreise stiegen. Die Preise sind nun mit der Zeit wiederholt erheblich gestiegen, aber eine Besserung der Löhne wurde nicht vorgenommen. Die Arbeiter sahen ein, dass sie sich organisieren mussten. ehe sie Forderungen stellen konnten. Jetzt erklart die Verwaltung des Werkes in Dortmund, dass sie die Sonn- «erantw. Redakteur: Haus Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: tagsruhe einführen wolle, wenn die Arbeiter dafür sorgen könnten, dass sie in anderen Staaten auch abgeschafft werde! Ten Arbeitern der Koloniewohnungen sind zum 3. März die Wohnungen gekündigt worden, indes haben sich die Arbeiter deshalb bis jetzt nicht einschüchtern lassen. Das Lohnsystem will die Gesellschaft nicht änidcrn, da sie angeblich befürchtet, dass sonst nicht mehr sparsam gearbeitet werde. Jetzt herrscht ein indirektes Lohnsystem, das es den Arbeitern unmöglich macht, zu erfahren, wie sich der wirklich verdiente und der bezahlte Lohn zueinander verhalten. Die Arbeii in den Zinkhütten ist nach der in den Bleihütten die gesundheitlich mit am gefährlichste. Einheimische Arbeiter sind meist nicht dafür zu haben, so dass von weither Leute herangeholt werden. Einen Sonntag kennen die Zinkhüttenarbeiter nicht. Nun sind auch diese geplagten Proletarier in einen Kampf um besseren Lohn gedrängt worden. Hoffentlich führen sie den Streik siegreich durch. Scharfmacherfreunde. In der„Deutschen Bergwerks-Zeitung" sNr. 49 vom 26. Februar) wird die jüngste Landtagsrede des christlichen Arbeitersekretärs Gronowski und die Reichstagsrede Giesberts gegen H u e sin der Frage der Lage der Hüttenarbeiter) einer bemerkenswerten Betrachtung unterzogen. Mit Genugtuung wird zunächst konstatiert, dass der Spalt zwischen dem allen Bergarbeiterverband und dem christlichen Geiverkverein immer tiefer klafft und die Stimmung zwischen den Vertretern der beiden Richtungen immer gereizter werde. Es sei bedeutungsvoll, waS Gronowski in folgenden Worten seiner Rede gesagt habe: „Wir wollen uns durch die Verhetzung der Sozialdemokratie nicht von einer gesunden Sozialpolitik abhalten lassen. Wir wollen auch nicht die Gefälligkeitsschwätzer der Arbeiter sein. Nicht die Wünsche der Masse, sondern dasWohl des Vater» landes muss massgebend sein.* Hieran knüpft die„Bergwerks-Zeitung* folgendes an: „Das find Töne, die seit Jabren nicht mehr auS den Reihen der christlichen Gewerkvercine erklungen sind, Töne, die in der Tat in erfreulichem Gegensatz stehen zu der Kampfesweise. die Sierr Efferts und seine Freunde noch vor kurzem, besonders aber eim Bergarbeiterstreik des Jahres 1905 sich gegen die Arbeit- geber zu eigen gemacht hatten.* Also, was heisst nach Gronowski noch Masse I Das sind doch nur gewöhnliche Arbeiter, und deren Wünsche zu berücksichtigen. ist kaum noch nötig I Die Masse steht ja nach Gronowski wohl ausserhalb des Begriffes Vaterland, hat mit diesem nichts zu tun! Wem es gut geht, d. h. wer zu den Satten gehört, der hat ein Vater- land und repräsentiert es! Also eS lebe das Glück der Satten— ihr Wohl ist matzgebend! Nun weiss man. warum die christlichen Arbeiter- ekretäre so besorgt sind, loeiut es sich darum handelt, Junker und Schlotbarone zu stützen und zu schützen, ihnen Millionen und Milliarden zuzuschanzen und der Masse Recht und Brot zu ver» kümmern. Die Masse sind die Arbeiter, zu denen sich zu rechnen sehr bald als Schande bei den christlichen Heerführern� gelten wird. die hier und da früher einmal gezeigte Klassensolidarität ist nur als christliche Entgleisung aufzufassen. Sehr beifällig wird Giesberts in dem Scharfmacherorgan beurteilt, wie er Krupp und andere Hüttenbarone gegen H u e ver- teidigt: „Ich will hier nicht untersuchen, ob die Firma Krupp und die anderen beteiligten Unternehmen zu viel verdienen. Ein hervor- ragendes Mitglied dieses Hauses hat einmal gesagt: Ohne Profit raucht kein Schornstein. Es ist gewiss richtig, daß nicht bloss Krupp, sondern auch andere Firmen hohe Gewinne erzielen. Aber die Gerechtigkeit gebietet doch auch zu sagen, dass diese Millionen auf das ganze Industriegebiet befruchtend wirken.* So Giesberts. Das Kohlensyndikatsorgan schnalzt mit der unge wie folgt: „Solche Aeusserungen aus dem Munde eine? den christlichen Organisationen nahestehenden Arbeiterführers wären noch vor wenigen Jahren unmöglich gewesen. Im Wettbewerb mit den Sozialdemokraten um die Erfüllung der„Wünsche der Masse*, wie sich Herr Gronowski oben ausdrückr, un, die Gunst der Wählermassen im Ruhrrevier gingen die Christlichen in ihrer Agitationsweise und in ihren KraftauSdrücken gegen die Arbeitgeber oft genug über die Leistungen der Sozialdemokraten hinaus. Wir begrüssen den Umschwung, der sich praktisch bei der jüngsten Lohnbewegung am deutlich st en be» merkbar gemacht hat, mit Freuden und hoffen. dass er auf innerer Ueberzeugung und nicht etwa auf politischen Erwägungen beruht und von politischer Taktik diktiert ist.' Die„BergwerkS-Zeitung* bcgrüsst die Herren„Arbeiterführer* aufs herzlichste, praktisch fuhren solche Anschauungen ja zu allen chmutzigen Verrätereien gegen die um ihre Rechte kämpfenden Arbeiter. Wie das auch die letzte Lohnbewegung der Ruhrberg- leute gezeigt hat. Die überschwenglichen Lobesbezeugungen der Scharfn, acher haben die christlichen Getverkschaftssuhrer reichlich verdient. Ein Streik jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen der Textil- industrie ist vor zehn Tagen in Mülhausen i. Elf. auSge- brachen. Es sind die Aufstecker und Aufsteckerinnen(SpinnereihilfS- arbeiter) der Baumwollspinnereien Dreyfus-Lantz u. Cie., Spin- nerei und Weberei der Cite und Charles Mieg u. Cie., ferner die Aufstecker der Kammgarnspinnerei Schwartz u. Cie., die sich im Streik befinden. Sie fordern Lohnerhöhung. Die Löhne sind zur- zeit derart, dass beispielsweise bei DreyfuS-Lantz u. Cie. die Jugendlichen 1,20 bis 1,40 M. täglich verdienen,— sie verlangen ganze 30 Pf. täglich mehr! Die Firma aber die in den letzten Jahren glänzende Ucberschüsse gemacht hat. hofft der Bewegung Herr und Meister zu werden: Zur Strafe dafür, dass ihre Kinder streiken, wurde am letzten Lohntage den erwachsenen Arbeitern, welche von der Firma Kohlen für den Haus haltbezogen hatten und mit der Bezahlung noch im Rückstände waren, der re stierende Betrag rücksichtslos ganz vom Lohn abgezogen, so dass es vorkam, dass ganze Familien an dem Tage ohne einen Pfennig Lohn bliebe»! Die Direktion dieser Spinnerei gilt als besonders„christlich*, was sie aber lediglich durch Begünstigung der christlich Organisierten dartut. In einem anderen Stadtviertel greift die Polizei zugunsten des Fabri- kanten in den Streik ein, indem sie mehrere Jugendliche als„Rä- delsführer" aufs Revier-Polizeikommissariat zitiert hat. In zwei von den vier Fabriken haben die Streikenden am Frei- tag die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen. Die Bermitt- lung des Bürgermeisters, die die Streikenden nachgesucht hatten und die vom Bürgermeister zugesagt worden war, wurde von den Fabrik- besitzern zurückgewiesen. Immerhin hat der Deutsche Textilarbeiter- verband aus der Bewegung durch eine erfreuliche Anzahl von Bei- trittSerklärungen Nutzen gezogen. Huslanci Schwedische Scharfmacher. Unier der Ueberschrift„Das Zwangsregiment im Arbeitgeber- lager* veröffentlichte kürzlich das„Svenska Morgenblad*. ein reak- tionäres Blatt, das die Interessen des Unternehmertums rücksichtS- los zu vertreten pflegt, einen Artikel, in dem das terroristische Gebaren des zentralen Arbeitgeberverbandes schonungslos ausge- deckt und scharf verurteilt wurde. Es handelt sich hier um den Terrorismus, den die Unternehmer der Bauberufe, die jener Ver- band umfasst, in ihrem eigenen Lager ausüben, um einen unvcr- brüchlichen Organisotionszlvang durchzuführen. Ueber Bauten, mit denen sich unorganisierte Unternehmer oder Handwerksmeister be- fasst haben, wird ohne weiteres die Sperre oder, wie es in dem Verband heißt das..Arbeitsverbot* verhängt, und wie gegen miß- liebige organisierte Arbeiter, so geht das Unternehmertum im eigenen Lager gegen die mißliebigen unorganisierten' Arbeitgeber auch mit s ch w a r z c n L i st e n vor. um ihre Existenz zu vernichten. Das genannte Blatt veröffentlicht unier anderem ein Arbeits- verbotszirkular, wie sie an die Mitglieder versandt iverden, um die unorganisierten Unternehmer zu boykottieren. Mit den Liefe- Th. Glocke, Berlin. Druck u. Per lag: Vorwärts Buchdr. u-Verlazsanstalt� ranken von Baumaterial hat man ein Uebereinkommen getroffen, das ihnen verbietet, an unorganisierte Arbeitgeber irgendwelches Material zu liefern. Geld ist für einen solchen Unternehmer auch sehr schwer aufzutreiben, da die Banken mit dem Kreditgeben an unorganisierte Unternehmer äusserst vorsichtig sind. Nebenbei werden der zentrale Verband und die ihm unterstellten Berufs» organisationen zu rücksichtslosen Preistreibereien ausgenutzt. Ein Baumeister, der sich hierüber äußerte, erklärte, dass die Unterneh- mer und Handwerksmeister jetzt glauben, sie könnten für die Ar» beit verlangen, was sie nur wollten. Er führt unter anderem ein Beispiel an, wie für eine Arbeit, die bei gutem Unternehmcrgewinn für 15 000 Kronen hergestellt werden konnte, nicht weniger als 25 000 Kronen verlangt wurden, und wie der Unternehmer, der das um 10 000 Kronen billigere Angebot gemacht hatte, dafür von der Organisation zu schweren Geldstrafen verurteilt wurde. Der zentrale Arbeitgeöerverband ist es, auf dessen Befehl jetzt im ganzen Lande die Lokaltarife in den Bauberufen gekündigt worden sind, die danach zum 1. April ablaufen. Aian will in einer Reihe von Orten die Arbeitszeit verlängern und die Löhne wo» möglich herabsetzen. Verhandlungen haben an verschiedenen Orten begonnen, aber der Zcntralvorfitzende der Arbeitgeber erklärte be- reits im voraus, daß sie schwerlich zur Einigung führen würden. Offenbar liegt ein allgemeiner Kampf in der Absicht des Unter- nehmertums, wobei man sich wahrscheinlich über den bestehenden Rcichstarif hinwegsetzen wird, der noch bis zum 1. Januar 1812 Geltung hat._ Versammlungen. Die Arbeiter aus den Schulthcißbetriebcn von Berlin, Nieder- schöneweide und Pankow beschäftigten sich in einer Versammlung im Gewerlschaftshaus mit allgemeinen Betriebsangelegenheiten. Unter anderem wurde energisch protestiert gegen dos Ansinnen der Brauerei, auch in diesem Jahre wieder den Urlaub bereits im Mo- iiat März beginnen und im November beenden zu lassen. Als der Arbeiterausschuss hiergegen Einwendungen erhob, wurde von einem Direktor gesagt, die Wintcrmonate seien die geeignetsten für den Urlaub, da sei die Luft am reinsten. Treffend Ivurde erwidert, doch jedenfalls nur für die, die in den Harz, nach der Schweiz oder an die Riviera fahren könnten. Dies würde allerdings für die in�den Schultheissbetrieben beschäftigten Arbeiter keinesfalls zutreffen. Dieselben siyd vielmehr der Meinung, daß der Urlaub für sie nur Erholung sein kann, wenn Gelegenheit vorhanden ist, denselben in den Sommermonaten bei warmem, schönem Wetter wahrzunehmen. Eine dahingehende Resolution fand einstimmige Annahme. Von einigen Kollegen wurde alsdann der Haustrunk, der nach den tarif- liehen Abmachungen aus gutem, ausstossfähizem Bier bestehen soll, einer scharfen Kritik unterzogen. Die Schultheissbrauerei hat im vorigen Jahre die Brauerei Pfeifferhof in Breslau käuflich über- nommen. Einen Teil des übernommenen Bieres ließ man in die Oder laufen, der andere Teil wurde den Berliner Arbeitern als Haustrunk offeriert und diese mussten sich das Zeug bis in diese Woche hinein herunter ekeln. Einige dieser Kollegen sind dabei unfreiwillig Abstinenten geworden. Weiter wurde auf die ungleichmäßige Behandlung hingewiesen, die den organisierten und unorganisierten Arbeitern zuteil wird. Auf der Abteilung II wurde während der Arbeitszeit dem organi- sierten Brauer P a w l i tz von dem Bundesmitglied Jung der Schlauch weggerissen, dabei fiel P. und verletzte sich erheblich. Die Krankenkasse klagte gegen I. auf Erstattung der entstandenen Kosten und I. wurde auch verurteilt. Inzwischen hatte die Direk- tion erklärt, wenn I. verurteilt werde, solle er ohne weiteres ent- lassen werden, aber wer nicht entlassen wurde, war I.— Auf der Abteilung I kamen vor längerer Zeit die unorganisierten Fassfahrer zusammen, um zu beratschlagen, wie sie ihre Mitfahrer, nxlcte organisiert sind, loS werden können. Die Mitfahrer erfuhren davon und protestierten in der Gruppenversammlung des Brauerei» und Mühlenarbeiterverbandes energisch dagegen. Hierbei wurde von dem Fahrer Jakob gesagt, datz er besser täte, an seine Vergangen. heit zu denken, statt zu versucben, Leute bei der Direktion anzu- schwärzen. Eine Beleidigungsklage gegen den Mitfahrer Boy seitens Jakob war die Folge und Boy wurde von der Direktion erklärt, dass er sofort entlassen würde, wenn er verurteilt sei. Auf eine Frage, was denn mit Jakob geschehe, wenn ihm das Be- hauptete bewiesen würde, antwortete man, dann werde dieser entlassen. Jakob wurde nun sowohl vom Schöffengericht als auch vom Landgericht mit seiner Klage unter Ueberbürdung sämtlicher Kosten abgewiesen, da ihm einwandftei nachgewiesen wurde, dass die Beschuldigungen gegen ihn zu Recht erhoben seien. Wer nun aber glaubt, dass I. entlassen sei. obgleich seit dem Urteilsspruch bereit, 3 Wochen vergangen sind, befindet sich im Irrtum. Den Organi. sierten hätte man HSchsUoahricheinUch schon noch dem Urteil de» Schöffengerichts entlassen. Ein Antrag, die Hilfsarbeiter künstig bei Ausschusswahlen in den Sparten wählen zu lassen, in denen ste arbeiten, fand einstimmige Annahme, letzte ffediricbtcm Schmiergelder für französische Beamte. Paris, 4. März.(W. T. B.) Aus Rochefort wird berichtet, dass der Bauunternehmer B a g n i o l unter der Beschuldigung ver- haftet worden sei, dass er bei Gelegenheit der Ausführung ver- schiedener Bauten für das Ministerium dem Marineingenieur Giraud BestechungSgrlder bezahlt habe. Bagniol soll bereits ein Geständnis abgelegt haben. Auch Giraud wurde trotz entschiedenen Leugnens in Hast genommen._ Verurteilung der royalistischen Lärmmacher. Paris, 4. März.(W. T. B.) Die wegen der letzten Ruhe- störungen vor dem Theatre Franqaise verhafteten Demon- strantcn hatten sich heute vor dem Strafrichter zu verantworten. MauricePujo wurde zu einem Monat Gefängnis und 25 Frank Geldstrafe verurteilt. Sechs andere Ruhestörer erhielten Geld- strafen von 25 oder 16 Frank und Freiheitsstrafen von einem Monat «der acht Tagen mit Strafaufschub. Ein Angeklagter wurde zu acht Tagen Gefängnis verurteilt._ Gendarmerieattacken in Frankreich. Cancale(Frankreich), 4. März.(2B. T. 59.) Zwischen hiesigen Reedern und Fischern sind Streitigkeiten ausgebrochen. Es kam infolgedessen zu Unruhen, die zu einem Zusammenstoß mit de» Gendarmerie führten. Eine Frau wurde getötet, zehn Seeleute verwundet. Verstärkungen der Gendarmerie sind unterwegs. AuS Unvorsichtigkeit die Mutter erschossen. Mannheim, 4. März.(W. T. B.) Im Stadtteile F e u d e n. heim hat sich gestern ein schweres Unglück ereignet. Der Lehrer D u e n ck e r war mit dem Putzen seines Revolvers beschäftigt, ohne zu wissen, daß noch eine Patrone in dem Laufe steckte. Plötzlich entlud sich die Waffe und der Schuß ging der, ihrem Sohne gegen- übersitzrnden Mutter in die Brost, die schwer verletzt zu Boden sank. Sie wurde in das nächste Krankenhaus übergeführt. Die Lage auf Haiti. Eap Haiti, 4. März.(W. T. B.) Hier droht eine Hungersnot auszubrechen, da die Landbewohner aus Furcht vor Gewalttätig. keiten keine Lebensmittel mehr in die Stadt bringen. Infolge der fortgesetzten Verhaftungen von Revolutionären, die paarweise an» einander gefesselt werden, sind die Gefängnisse� überfüllt. Nur Militärpersonen und Fremde werden auf den Strassen geduldet. Von den einheimischen Bürgern halten sich die meisten aus Furchh vor den Repressalien der Machthaber verborgen.____ Paul Singer Je Co., Berlin SW. Hierzu ü Beilagen." lt. 55. 28. Jahrgang. 1. Krilage Ks J Süimldg, 5. Uar; 1911. Mgeoränetenkaus. Tl. Sitzung. Sonnabend, den 4. Marz. vormittags 10 Uhr. Am Mnistertisch: v. Breitenbach. Die zweite Beratung des Bau-Etats wird fortgesetzt beim Titel„Minister". Abg. Freiherr v. Maltzahn(k.) begrüht die Stellungnahme des Abg. Lippmann in der Frage der Schiffahrtsabgaben; seine Freunde seien mit seinen Ausführungen hierzu durchaus einver- standen. Redner tritt weiter für die Herabsetzung der Schiff- fahrtsabgaben im Stettiner Hafen ein. fordert mehr Leuchtfeuer an der Ostseeküste und eine Förderung der Fischerei. Minister v. Breitcnbach erwidert, es solle erneut geprüft wer- den. ob die Abgaben im Stettiner Hafen zu hoch seien. Der Ver- kehr in Stettin habe allerdings in wenigen Jahren um 37 Proz. zugenommen. Abg. Faßbender(Z.) bringt Beschwerden über Mihstande bei Vergebung staatlicher Arbeiten an Privatunternehmer vor, bleibt aber im einzelnen unverständlich. Abg. Röchling(natl.) geht auf die EntWickelung der Aviatik ein und ersucht die Regierung um weitgehendere Unterstützung dieser Bestrebungen. Den Riesensummen gegenüber, die Frankreich für den Ausbau der Flugtechnik zur Verfügung stellt, nimmt sich das, was bei uns in dieser Beziehung geschieht, geradezu kläglich aus. (Sehr richtig! links.) Dem Deutschen Luftschifferverband, der eine wiffenschaftliche Kommission zum Studium aller einschlägigen Fragen, des Luftwiderstandes usw. eingesetzt hat, sollten reichliche Mittel vom Staate zur Verfügung gestellt werden.(Bravo! links.) Abg. v. Woyna(k.) betont die Notwendigkeit des Baues eines oldenburgischen Kanals zur Verbindung von Hannover und Ham- bürg. Die Beschaffung ausländischer Arbeiter für die Kanalbauten sollte besser zentralisiert werden. Die von den kommunalen Ar- beitsnachweisen für solche Bauten nachgewiesenen inländischen Arbeiter hätten sich meist nicht bewährt.(Hört! hört! rechts.) Bei den Baubeamten sollte mehr auf ästhetische Erziehung gesehen werden. Abg. Lippmann(Vp.) wünscht bessere Berücksichtigung der Interessen Stettin? und will Beschwerde führen gegen den Verkauf deS Tempelhofer Feldes. Präsident v. Kröcher: DaS hat mit dem Etat der Bauverwal» tung nichts zu tun.(Widerspruch link. Allgemeine Zurufe links: Der Bebauungsplan gehört doch hierher!) Herr Hoffmann, Sie find doch nicht der Vormund des Herrn Lippmann.(Abg. Hoff- mann: ES wird ja allgemein gerufen. Warum greifen Sie mich denn heraus!) Herr Hoffmann, ich rufe Sie zur Ordnung! Abg. Lippmana(Vp.): Dann will ich nur noch sagen: Die bauliche Ausgestaltung Berlins wird erheblich darunter leiden, wenn das Tempelhofer Feld von privaten Händen bebaut wird und nicht in großzügiger Weife von der Stadtgemeinde Berlin selbst. (Bravo! links.) Minister v. Lreitenbach: Wir können für das Flugwesen nicht mehr als geschehen, zur Verfügung stellen. Ausländische Arbeiter verwenden wir nur, wo inländische fehlen. Die Oderregulierung unterhalb Breslau steht im Projekt fest, aber die Durchführung ist von den Schifsahrtsabgaben abhängig. , Abg. Hirsch(Soz.): " In bezug auf die Verwendung ausländischer Arbeiter bei Kanalbautcn teilen wir die Anschauungen deS Abgeordneten Wohna nicht. Die von kommunalen Arbeitsnachweisen nachgewiesenen Arbeiter haben jedenfalls zu hohe Lohnforderungen nach Meinung deS Herrn v. Woyna gestellt. Wir haben an sich nichts gegen die Verwendung ausländischer Arbeiter, aber nur unter der Voraus- fetzung. daß sie dieselben Löhne erhalten wie die inlän» bischen Arbeiter. Die Bauverwaltung als einer der größten Arbeitgeber kommt ihren sozialen Verpflichtungen ebensowenig nach wie den ästhetischen. DaS beweist der mangelhafte Bau- arbeiterschutz. Wir stehen nach toie vor auf dem Standpunkt, daß der Bauarbeiterschuh gesetzlich geregelt werden muß.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Re- gieruag scheint ja selbst zu der Einsicht gekommen zu sein, daß der bisherige Bauarbeiterschutz nicht ausreicht. Das beweist ein Er- laß des Ministers, der vor allem auch darauf hinweist, daß die Strafen für Uebertretung von Bauarbeiterschutzbestimmungen im kleines feuiUeton. � Bekommen wir ein warmes Frühjahr? Wie vor Jahresfrist, so ist auch diesmal ungemein frühzeitig borfrühlingshafte Er- wärmung eingetreten. Die zweite Februarhälfte verlief unter an- dauerndem, ungemein mildem Regenwetter, und bei heftigen, viel- fach stürmischen Südwestwinden erreichten die Temperaturen zeit- weilig schon eine Höhe, wie sie für den Anfang des Monats April, nicht aber für den Februar normal sind. Es hat auch nicht den An- schein, als ob sobald eine Aenderung der herrschenden Wetterlage zu erwarten wäre; erfahrungsgemäß dauert dieses unruhige Wetter fast stets bis zur Tag- und Nachtgleiche, um dann durch eine mehr oder minder lange Periode ruhigen und sonnigen Hochdruckwetters abgelöst zu werden, bei dem die Tagestemperaturen unter dem Ein- flusse der Sonnenbestrahlung hoch emporsteigen, während nachts das Thermometer oftmals noch bis an den Gefqerpunkt sinkt. Nur sehr feiten dagegen kommt cS vor, daß der März bereits wirklich warmes und von Rückfällen freies Frühlingswetter bringt. Wohl kommen einzelne derartige Tage vor, aber zusammenhängende Wochen be- sonders warmen Märzwetters hatten wir in Deutschland seit dem Jahre 1903 nicht mehr. Nun sind allerdings nach langjährigen meteorologischen Beobachtungen die Aussichten auf ein warmes Frühjahr um so günstiger, je milder die zweite Hälfte des Winters gewesen ist. Denn es liegt auf der Hand, daß die Wiedererwärmung des Kontinents schneller und leichter vor sich geht, wenn er vorher bereits Wochen und Monate hindurch frostfrei war. Allerdings bietet ein milder Nachwinter und Vorfrühling keine Gewähr für den frühzeitigen Eintritt des eigentlichen warmen Wetters. Erst im vergangenen Jahre hat man gesehen, daß nach vier Wochen außer- ordentlicher Milde zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche ein Rück- schlag eintrat, der im Grunde genommen mit seinem rauhen und naßkalten Wetter bis zum 10. Mai andauerte. Dann setzte aller- dings eine ungemein jähe und starke Erwärmung ein. Aus den gleichen Gründen wie im vergangenen Jahre wird man auch dies- mal auf ein warmes Frühjahr rechnen dürfen, ob- wohl sich über den Zeitpunkts zu dem diese Erwärmung einsetzen wird, nichts Bestimmtes sagen läßt. Ihr Beginn ist nämlich abhängig von dem Aufhören der kalten Nordwestströmung, die im Frühjahr niemals ausbleibt, und die stets einmal früher und einmal später die vorher schon beträchtlich gestiegenen Temperaturen wieder hinabdrückt. Denn der Atlantische Ozean, dessen tiefe Sturmwirbel aus subtropischen Gebieten zurzeit so viel Wärme zu uns führen. bewirkt durch die langsamere Abkühlung der Wassermassen, daß erst sehr spät, bereits an der Schwelle des Frühjahres, das Kältegebiet zu seiner vollen Wirksamkeit gelangt, das sich im nördlichen Teile des Atlantik ausbildet. Ihnen haben wir den Märzenschnee, die weißen Ostern, das naßkalte Aprilwetter und die frostigen Maitage zu verdanken, die so oft bis tief hinein in den Wonnemonat dauern. Ts wäre deshalb eine Selbsttäuschung, anzunehmen, daß das gegen- wärtig herrschende milde Wetter allmählich zu völliger Erwärmung Verhältnis zur Zahl der festgestellten Verstöße meist außer- gewöhnlich milde ausfallen. Das ist es ja gerade, worauf wir seit Jahren hingewiesen haben. Durch solch milde Bestrafung werden die Arbeitgeber geradezu angereizt, die gesetz- lichen Schutzbestimmungen außer acht zu lassen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wie weit mutz es damit gekommen sein, wenn sogar die Regierung sich entschließt, darauf in einem Erlaß hinzuweisen. Sie hat durch diesen Erlaß unsere fortgesetzte Kritik als berechtigt anerkannt. Nach unserer Anschau- ung ist eine wirklich wirksame Durchführung des Bauarbeiter- schutzcs nur möglich unter Heranziehung von Arbeitern zur Bauten- kontrolle.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahl der Unfälle ist sehr groß. Dazu kommen die Berufskrankheiten der auf Bauten beschäftigten Arbeiter wie die Bleivergiftungen— die Durchführung der betreffenden Verordnung wird von den Unter- nehmern sehr häufig vernachlässigt— und die besonders häufigen Vergiftungen durch Kohlenoxyd infolge der offenen Koksfeucr. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir denken natürlich nicht daran, die Hinzuziehung von Arbeiterkontrolleuren, wie das einer der Herren der Rechten im vorigen Jahre behauptet hat, lediglich zur Stärkung der Macht der Gewerkschaften zu fordern, sondern wir halten diese Hinzuziehung dringend für geboten im Interesse des Schutzes von Leben und Gesund- heit der Arbeiter.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Im borigen Jahre ist ein Erlaß an die Regierungspräsi- denten herausgegangen, wonach allen Bauunternehmern, die in Konkurs geraten sind und den Offenbarungseid ge- leistet haben, die B a u e r l a u b n i s zu entziehen ist. So berechtigt der Erlaß an und fiir sich ist, so große Härten würde seine schablonenhafte Durchführung zur Folge haben. Es mutz von Fall zu Fall untersucht werden, welches die Ursachen des Konkurses sind. Den sogenannten Bauschwindlern muß natür- lich mit aller Energie zu Leibe gegangen werden, aber man darf nicht unglücklichen Handwerkern, die vielleicht durch betrügerische Manipulationen Dritter in Konkurs geraten sind, jede Möglichkeit nehmen, sich wieder aufzurichten. Das würde schlecht passen zu der �gerühmten Mittel st ckndsfreundlichkeit der Regiorung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sehr wichtig ist dann die Frage der schwarzen Listen für Bautcchniker. Diese schwarzen Listen werden von höchster Stelle in der Verwal- tung planmäßig gefördert. Es werden geheime Personalakten über die Leute geführt. Sehr häufig kehrt in den vor mir liegen- den schwarzen Listen die Wendung wieder, der Betreffende sei „nach seinem Verhalten" zur weiteren Beschäftigung im Staats- dienst nicht geeignet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Manchmal heißt es auch„wegen ungehörigen Verhaltens", in einem Falle„wegen fortgesetzt ungebührlichen Benehmens gegen den Kreisbauinspektor". Was heißt das„nach seinem Verhalten". Das könnte auch bedeuten, daß jemand, der einmal liberal ge- wählt hat, als ungeeignet erachtet wird, noch ferner bei der Bauverwaltung beschäftigt zu worden. Es mutz doch jeder einzelne Fall untersucht werden, vor allem muß dem Betreffenden, der so verfehmt wird, der Grund seiner Entlassung mitgeteilt werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Es muß ihm gesagt werden, daß er aus dem und dem Grunde niemals mehr auf Anstellung bei der Staatsbauverwaltung rechnen könne. Aber das ist ja gerade das Wesen der schwarzen Listen, daß die Unglücklichen überhaupt nichts davon wissen und es nur ahnen, daß sie auf der schwarzen Liste stehen, weil sie keine Anstellung mehr finden. Das sind Zustände, wie wir sie bei dem profitgierigsten Unternehmertum antreffen, die man aber bei einer Staatsverwaltung nicht für mög- lich halten sollte. Uns wundert das ja weiter nicht, aber weite Kreise des sogenannten neuen Mittelstandes, die bisher an «inen solchen Terrorismus einer Staatsverwaltung nicht geglaubt haben, werden nun eines besseren belehrt werden. Unter denen, die auf den schwarzen Listen stehen, befindet sich nur einer, der wegen wiederholter Sittlichkeitsverbrechen mit Zuchthaus bestraft war. Dagegen läßt sich natürlich nichts sagen, daß man solche Leute nicht wieder beschäftigt, aber wie kommt man dazu, Ange- stellte, die einmal mit Vorgesetzten in Konflikt geraten sind, auf dieselbe Liste mit Zuchthäuslern zu fetzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß die Regierung solche schwarzen Listen zuläßt, zeigt, daß sie jeder sozialen Regung bar ist. Will die Regierung einfach die Verantwortung übernehmen, wenn einer der auf solche Weise brotlos gemachten Leute aus Verzweiflung Selbstmord verübt?! Es bedeutet einen ungehörigen Mißbrauch der wirtschaftlichen Ucbcrmacht der Negierung, wenn sie Leute aus und zu einem durchaus frühlingshaften Witterungscharakter führt. Der alljährlich mit Sicherheit zu erwartende Rückschlag wird nicht ausbleiben: man darf aber hoffen, daß er sich nicht allzu spät einstellen und von nicht zu langer Tauer sein wird. Der Verlag B. G. Teubner in Leipzig beging am S. März da? Fest seines hundertjährigen Bestehens. Die Firma wurde von dem auS dem Erzgebirge stammenden Buchdruckergesellen Benedikt Gotthelf Teubner durch Uebernahme einer kleinen Druckerei bc- gründet, die bald rasch zu einer der ersten in Leipzig heranwuchs. Seit 1823 wurde der Buchverlag betrieben, in dem seitdem über 10 000 Werke erschienen. Heute ist der Verlag eines der größten Verlagsunternehmen der Welt, an dem lehrreich die kapitalistische Entwickelung der Bücherproduktion(im geistigen und materiellen Sinne) und des Büchervertriebes studiert werden könnte. Der Teubnersche Verlag ist ein kombinierter Betrieb. Er umfaßt Verlag und Herstellung des Buches. Aus der prächtig ausgestatteten und musterhaft gedruckten Geschichte der Firma, die zum Jubiläum erschienen ist, ergibt sich, daß der technische Betrieb Maschinen von 180 und 300 Pferdekräften benutzt und mitdem DresdenerZweiggeschäft zusammen 950 Personen be- schäsiigt und 41 Schnellpressen und 120 Hilfömaschinen verwendet. Mit der Setzerei und Druckerei sind Schriftgießerei, Stereotypie, Gal- vanoplastik und Buchbinderei verbunden. In Berlin wird eine besondere Vertretung �unterhalten, die dem Publikum Potsdamer Straße 129/30 einen öffentlichen Leseraum mit Bibliothek zur Ver- fügung stellt. Das Verlagsgeschäft umfaßt verschiedene Gebiete hauptsächlich wissenschaftlicher Art. Seit langem hat sich eine Art Monopol für die griechisch-römischen Autoren herausgebildet, von denen jetzt 250 Autoren in 550 Bänden vorliegen. Auch auf mathematischem Gebiet ist der Verlag führend, neuerdings hat sich dazu eine stark entwickelte Pflege der Pädagogik gesellt. Dem Buchverlag steht zur Seite— eine allgemeine Erscheinung der»eueren Verlags- entwickelung— eine stark betonte ZeitschristenherauSgabe für die gleichen Zweige. Große wissenschaftliche Untersuchungen von inter- nationaler Bedeutung sind der„Gesamtsprachschatz der lateinischen Sprache und eine Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften. Neuerdings wird auch populäre Literatur emsig gepflegt. Die von uns öfters besprochene Sammlung„Aus Natur und Geistes- weit' umfaßt jetzt 350 Bändchen und die künstlerischen Stein- zeichnunge», die für die häusliche Kunst viel Gutes geleistet haben, sind bis ans 200 angewachsen. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß dieses Riesenunternehmen, das heute einem Enkel und einigen Urenleln des Begründers gehört, längst ein gesellschaftlicher Betrieb in kapitalistischer Form geworden ist, der auf der Jntelllgenz und Tüchtigkeit aller seiner Ardeiter, darunter zahlreicher wlsseiischaftllcher. beruht. Humor und Satire. Lehrfreiheit. Der Lehrer Alfred Schavan in Plotzkh bei Gommern im Regierungsbezirk Magdeburg ist von der Regierung solch nichtigen Gründen auf die schwarze Liste setzt. Das muß jeden empören, der noch einen Funken Rechtsgefühl hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ueber den Terrorismus, den die Regierung gegen Arbeiter ausübt, redet man ja heute gar nicht mehr, die Arbeiter wissen, daß die Regierung von ihnen K a- davergehorsam verlangt. Nun werden durch dies Verhalten der Regierung aber auch weiten Kreisen des neuen Mittel- standes die Augen geöffnet werden, sie werden der Regierung die Antwort bei den nächsten Wahlen erteilen. Auf die Frage des Tempelhofer Feldes will ich nur ein- gehen, soweit der Minister der öffentlichen Arbeiten zuständig ist, das heißt auf die Frage der Bauordnung. Bis zum Jahre 1907 bestand für das Tempelhofer Feld eine strenge Bauordnung. Diese ist zugunsten einer anderen, die den Bau von Mietskasernen zuließ, auffallendcrweise in dem Momente von der Regierung auf- gegeben worden, als die Regierung selbst mit ihren Plänen zur Nutzbarmachung des Tempelhofer Feldes auftrat. Das macht den Eindruck, als ob die Regierung selbst hier als Spekulant auftritt. Die gerissensten Bodenspekulanten können noch von ihr lernen. (Sehr waht! bei den Sozialdemokraten.) Berlin war bereit, einen Bebauungsplan zur Durchführung zu bringen, der den gesund- heitlichen Anforderungen Rechnung trägt und sogar noch einen Zuschuß von 7 Millionen dabei zu leisten. Der Ansiedelung S» verein für G r o ß- B e r l i n hat die öffentliche Anfrage an den Minister gerichtet, warum er es für angezeigt gehalten habe. die skandalöse und der Volkshygiene direkt ins Gesicht schlagende übertriebene Ausnutzung des wc st lichen Tempelhofer Feldes, die der Militär- fiskus im Sinne hatte, durch eine Verschlechterung der Bauvorschriften zu unterstützen, statt ihr ent- gegenzutreten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Verein hat die Abgeordneten dieses Hauses gebeten, dafür einzutreten, daß die Bauordnungsvorschriften für das Tempelhofer Feld im Sinne wenigstens der dringendsten gesundheitlichen und sozialen Bedürfnisse abgeändert werden und daß der Bebauungs- plan so ausgestaltet werde, daß die Verwendung des Tempelhofer Feldes sich in die großen Gesamtpläne für Groß- Berlin einfüge. Diese Bitte möchte ich im Namen meiner Freunde unterstützen. Es dürfen bei dieser Bebauung nicht Profitinteressen ausschlaggebend sein, sondern matzgebend darf alleitf sein die Rücksicht auf die Bolksgesundheit.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Minister v. Vreitcnbach: Gegen die Anstellung von Baukon- trolleuren aus Arbeiterkreisen haben wir nach wie vor große Bedenken. In Bayern ist trotz Anstellung solcher Kontrolleure die Unfallziffer nicht gesunken.(Hört! hört! rechts.) Schwarze Listen gibt es bei der Bauverwaltung nicht. Wenn aber grobe Disziplinarvergehen oder strafrechtliche Vergehen vorliegen, müssen wir das Recht haben, solche Angestellte nicht wieder zu beschäftigen. Ich habe aber angeordnet, daß die Entlassung nur erfolgen darf, nachdem der betreffende Angestellte vernommen ist. Diese Frage hat also der Abg. Hirsch in einer Weise dargestellt, die den tatsachlichen Verhältnissen nicht entspricht.(Hört! hört! rechts.) Die Bauordnung für das Tempelhofer Feld mußte abgeän- d e r t werden, damit es derselben Bauweise unterliegt, wie das übrige Gebiet innerhalb der Ringbahn. Es war ein Fehler, daß dies früher nicht der Fall war. Uebrigens sind durch den Bebauungsplan 43 Proz. der gesamten Fläche frei- gelassen worden, das ist mehr als in den meisten großen Provinzial- städten. Abg. Strosser(k.) wendet sich gegen die Auswüchse im Auto- mobilverlehr. Abg Dr. Bell(Z.) bespricht die Frage der Bebauung de» Tempelhofer Feldes. Man sollte nicht so sehr Gewicht auf breite Zierstraßen mit schönen Vorderhäusern legen als darauf, daß die Hinterhäuser genügend Licht und Luft haben. Abg. Dr. Schröder-Kassel(natl.) erörtert daS SubmissionS- wefen der Eifenbahnverwaltung und wendet sich gegen die An- stellnng von Baukontrolleuren aus Arbeiterkreisen. Zur Bekämp- fung der Automobilraserei habe der Automobilklub selbst sehr viel getan. Minister v. Breiteubach betont, daß se,t Jahren eine große Verbesserung der Zustände im Automobilwesen eingetreten seien. Ein Vertreter des Ministeriums des Innern erklärt, daß der Polizeipräsident eine scharfe Ueberwachung des Automobil- Verkehrs in Berlin angeordnet hat. Abg. v. Wolf-Metternich(Z.) hebt hervor, daß die Hauptfach- lichsten Exzesse von Automobilisten auf dem Lande vorkämen. aus seinem Schulamte entlassen worden, weil er auS der evangelischen Landeskirche ausgetreten war. Diese Maßregel der Regierung muß als eine höchst bedauerliche bezeichnet werden. Der p. Sckiabon war trotz seine? Austritts durchaus fähig, die Kirche zu fegen, die Glocken zu läuten, die Kinder des Patronats und Gutsherrn auszuführen, seine Schafe zu weiden, seine Gäule zu striegeln, die Nonnen und andere Baum- schädlinge zu vernichten, Maikäferlarvcn zu sammeln, konservative Wahlzettel auszutragen, Menschen- und Viehzählungslisten aufzu- stellen, Gesellschaftseinladungen für den Patron zu schreiben und die Wirtschastsrechiiuug der Frau Pastorin zu führen! ES würde durch- aus genügt haben, wenn die Regierung da» Subjekt nur von seinen Unterrichtsfunktionen suspendiert Hütte. Staatsbürgerliche Erziehung. Da man sich nicht einig werden kann, ob man das geplante Werk über dies hochwichtige Thema auf dem Wege des Preisausschreibens oder durch Znsammen« wirken von Autoritäten erlangen soll, hat sich der königl. preußische Landrat Schnappe entschlossen, das Buch kurzerhand selbst lsu ver- fassen, und zwar in möglichst gedrängter, aber doch erschöpfender Form. Eö lautet: Stillgestanden I Maulhalten l Amen l _(.Jugend.') Notizen. — Vorträge. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Montag der Vortrag„Im Firnenglanz des Ober« Engadin' zur Aufführung gelangen. — Musikchronik. Im Schiller-Theater(Ehar- lottenbnrg) findet Sonntag, mittags 12 Uhr, das letzte Sonntags- konzert statt. Das Programm bringt ausschließlich Werke von Franz Schubert. — Gegen das Verbot der Eifenacher.Jefu»'« Spiele, das auf Betreiben der Orthodoxen erfolgte, haben der Verfasser, der Weimarer Oberregisseur Weiser und der Eisenacher Oberbürgermeister Schmieder Beschwerde erhoben. — Wann wurde d tr Revolver erfunden? Ge« wohnlich hält man die Erfindung dieser verbreitetsten Handfeuerwaffe für eine technische Leistung der Neuzeit. Daß aber der Revolver nicht neuen Datums ist, ergibt sich klar aus einer italienischen Novelle des Straparola(1550), in der erzählt wird:„Darauf zog er(Sforza) ans seiner Hosentasche eine kleine Schußwaffe mit fünf Läufen, die sich einzeln oder zugleich entladen konnten, wie man eS wollte." DaS dänische Kriegsministerium hatte auf die erste große Weltausstellung nach Paris eine Flinte mit acht Läufen tesandt, auf deren einem die Jahreszahl 1597 eingraviert war. )er sogen. Erfinder deS Revolvers, der Amerikaner Colt, hat sich lange und energisch dagegen gewehrt, anzuerkennen, daß seine Er- findung früheren Jahrhunderten angehört, aber schließlich hat er sich gezwungen gesehen, das Gewehr zu strecken. N Abg. v. Bülow-Homkurg snatl.) wende! sich gegen die im- hygienische Berliner Bauart der Quer- und Seitenflügel. Ter Minister sollte die Bauordnung ändern. Ein Vertreter des Ministers des Innern erwidert dem Abg. Wolf-Metternich. daß dafür gesorgt sei, daß Exzesse von Auto- mobilisten nicht ungerügt blieben. Ein Schlutzantrag wird angenommen. Nach weiterer unwesentlicher Debatte vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 12 Uhr.(Außerdem für den Etat des Finanzmini st eriums.) Schluß 5 Uhr.'_ Sericbw- Leitung. Rektor Bock. Tie Verhandlung gegen den Rektor Robert Bock und den Lehrer Anton KnSfel begann gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsifc des Landgerichtsdirektors Dr. Forst- mann. Rettor Bock ist, wie behannt, beschuldigt, in 14 Fällen, Lehrer Knöfcl in 5 Fällen sich gegen Schülerinnen der 40.(katholischen) Gemeindeschule in der Gneisenaustraße im Sinne der ßZ 174 1 und 176 des Strafgesetzbuches vergangen zu haben. Nach Z 174 l des Strafgesetzbuches werden mit Zuchthaus bis zu S Jahren bestraft: „Vormünder, welche mit ihren Pflegebefohlenen, Lldoptiv- und Pflegeeltern, welche mit ihren Kindern, Geistliche, Lehrer und Er zieher, welche mit ihren minderjährigen Schülern oder Zöglingen unzüchtige Handlungen vornehmen." Nach§ 176 Absatz 3 wird mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren bestraft, wer mit Personen unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vornimmt, oder dieselben zur Perübung oder Duldung unzüchtiger Handlungen verleitet. Rektor Bock, ein 4öjähriger Mann, dem man die überstandene Krankheit noch ansieht, sitzt seit Ende Juli vorigen Jahres in Unter suchungshaft. Der zweite Angeklagte ist nicht verhaftet. Die An klage vertritt Staatsanwalt Braut. Bock wird von den Rechte anwälten Abramrzyk und Dr. Alfred Solomon, der Angeklagte Knöfel vom Justizrat Wronker verteidigt. Die Zahl der vor geladenen Zeugen beträgt zirka 100, die bei dem Zeugenaufruf in dem Verhandlungszimmer 303 kaum Platz finden. ES befinden sich darunter zahlreiche Schülerinnen, Verkäuferinnen, Kontorist- innen, Buchhalterinnen, Dienstmädchen und ehemalige Schülerinnen des Angeklagten Bock, die sich inzwischen verheiratet haben, ferner zwei Pfarrer, vier Rektoren, sechs Lehrer, zehn Lehrerinnen und die Kriminalkomissare Toussaint und Dr. Kopp. Als Sachver ständige sind Stabsarzt Dr. Stier von der Charit« und der Ge richtsarzt Medizinalrat Dr. Hoffmann geladen. MS Vertreter des ProvinzialschulkollegiumS bezw. der Schuldeputation wohnen Re> gierungSrat Zacher» Provinzialschulinspektor Jaenig und Stadb schulrat Dr. Fischer der Verhandlung bei. Sofort nach Aufruf der Zeugen beantragt Staatsanwalt Braut den Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Sittlichkeit. Die Verteidiger schließen sich dem Antrage an. Nach kurzer Beratung beschließt der Gerichtshof, die Oeffentlichkeit während der Dauer der Verhandlung, für die drei Sitzungstage in Aussicht genommen sind, auszuschließen. Den drei Vertretern der Schulverwaltung wird die Anwesenheit im Saale gestattet. Der Angeklagte Bock toar seit etwa 12 Jahren Rektor an der 40. Gemeindeschule. Er bestreitet jede Schuld, ebenso behauptet der Lehrer Knöfel, die Anschuldigungen der Anklage, soweit sie ihn angehen, seien unbegründet. Wir werden das Urteil nach Schluß der Verhandlungen mib teilen, die voraussichtlich bis zum Mittwoch dauern werden. Die Dresdener Polizeiverordnung gegen den Boykott nicht rechtSbestSndig. Am 29. Mai 1894 erließ die Dresdener Polizeidirektion eine Bekanntmachung, wonach, falls nicht§ 360 Ziffer 11 deS Straf gesetzbucheS(grober Unfug) in Anwendung kommt, mit Geldstrafe bis zu 1b0 M. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft wird,»wer den Gewerbebetrieb eines anderen dadurch zu stören oder zu be- einträchtigen sucht, daß er öffentlich durch Reden, Verbreitung von Schriften oder durch Anschlag oder sonst in öffentlicher Weise auf fordert, aus einem bestimmten Geschäftsbetrieb keine Waren.an zukaufen oder dort zu bestellen, beziehentlich in einem bestimmten Geschäftslokale nicht zu verkehren." Wir hatten wiederholt, so im Jahre 1907, unter Aufforderung, solcher Polizeiverordnung keine Folge zu geben, die Ungültigkeit dieser und ähnlicher Verordnungen dargelegt. Jetzt endlich hat daS Oberlandesgericht Dresden unsere Ansicht für zutreffend erklärt. Es hat ein den Bezirlsleiter Stücklein des Brauereiarbeiterver bandeö verurteilendes Erkenntnis aufgehoben. Stücklein hatte während des Merbohkotdö gesagt:„Lassen Sie die Biere deS Plauenschcn Lagerkellers so lange ungetrunken, bis sich Direktor Riemer besonnen hat." In einem später erschienenen Flugblatt wurde auf die gefaßten Beschlüsse der Versammlung aufmerksam gemacht und gesagt:„Laßt die Biere des Plauenschen LagerkellerS die Direktoren und ihre Hintermänner allein trinken, bis auch hier die Forderungen der Arbeiterschaft erfüllt find." Hierin sollte grober Unfug und Verstoß gegen die Polizei Verordnung liegen. Das sollte Slücklein mit 2V M. büßen. Das DberlandeSgcricht hat nun das verurteilende Urteil auf- gehoben und den Angeklagten kostenlos freigesprochen. Begründend wird gesagt, daß die RechtSbestöndigkeit der Polizeiverordnung nicht mehr anerkannt werden kann. Es wird ferner erklärt, daß die bloße öffentliche Aufforderung zum Boykott kein Unfug ist und erst recht kein grober Unfug; deshalb kann auch von einer An- Wendung des§ 360 Ziffer 11 des Strafgesetzbuches keine Rede sein. Ein verständiges Urteil. Schade, daß erst jetzt das Oberlandes- gericht zu unserer Ansicht sich bekannt hat. Aehnliche ungültige Polizeiverordnungen bestehen noch in einer Reihe sächsischer Kreis- hauptmannschaften._ Wer hat die Streupflicht? Die vielumstrittene Frage, ob nach der jetzigen Rechtslage die Berliner Hausbesitzer von der Polizei gezwungen werden können, die Bürgersteige vor ihren Grundstücken von Schnee und Eis zu befreien und eventuell mit Asche oder Sand zu bestreuen, beschäftigte gestern die Strafkammer 8 c in einer vollen Tages- sitzung. Zur Aufklärung über diese Frage waren etwa 2S Berliner Hausbesitzer als Zeugen geladen. Slngeklagt war der Hausbesitzer Joseph Görg, der in 6 Fällen zur Verantwortung gezogen worden war. weil er gegen jene, diese Reinigungspflicht statuierende .Polizeiverordnung gefehlt haben sollte. Diese Strafsache zieht sich bereits durch einige Jahre hin und hat schon zweimal das Kammergericht beschäftigt. Gegen die ihm ungünstige Entscheidung einer Ferienstrafkammer hatte der Ange. klagte mit Erfolg Berufung eingelegt. Die Strafkammer hatte angenommen, daß nach§ 68 und 127 der Berliner Straßenord- nung vom Jahre 1899 die Hausbesitzer verpflichtet seien, die ge- forderte Reinigung der Bürgersteige von Schnee und Eis vorzu- nehmen, weil observanzmäßig die Unterhaltung des Bürgersteiges den Anliegern obliege. Das Kammergericht hob das Urteil der Strafkammer auf und führte u. a. aus: Die Strafkammer habe den Unterschied zwischen Unterhaltung und polizeimäßiger Reim- «ung des Bürgersteiges verkannt. In Berlin liege die Polizei- mäßige Reinigung nicht den Anliegern, sondern der Gemeinde fihj die§§ 93 und 127 der Straßensrdnung. die die Verpflichtung den Anliegern auferlegen, Ovaren nur dann rechtsgültig, wenn sich bereits vor Erlaß oer Straßenordnung eine besondere, dahin gehende Observanz gebildet hätte.— In der neuen Verhandlung erkannte sodann die Strafkammer 8 c auf Freisprechung des An- geklagten und stellte sich dabei auf den Rechtsstandpunkt, daß eine Verpflichtung der Hausbesitzer, bei Schneefall die Bürgersteige vor ihren Grundstücken von Schnee und Eis zu befreien und zu bestreuen, nicht vorliegt. Eine solche Polizeiverordnung habe in dem bestehenden Recht keine Stütze, eine solche Polizeiverordnung könnte vielmehr nur durch einen besonderen Rechtssatz den An- liegern auferlegt werden, denn die Polizei habe nur die Aufgabe, bestehende gesetzliche Bestimmungen im einzelnen zu regeln und ihre Richtbefolgung unter Strafe zu stellen. Ein Gesetz fehle, ebenso ein vom Bezirksausschuß bestätigtes Ortsstatut und schließ- lich bestehe auch keine Observanz, d. h. eine auf gemeinsamer Ueber- zeugung beruhende, lang andauernde und gleichmäßige Hebung der Hausbesitzer. Durch Gesetz fei diese Verpflichtung der Hausbe- sitzer nicht festgelegt worden, denn von den bis aus das 18. Jahr- hundert zurückreichenden 7 landesherrlichen Verordnungen behandeln 6 lediglich die Säuberung der Straßen von Müll, Kehricht, Mist, Schmutz und Unflat. Auch die Gassenordnung von 173S ordne nicht das Wegfegen frisch gefallenen Schnees an und unter„Unflat" könne nur liegengebliebener, mit Schmutz vermischter, nicht aber frisch gefallener Schnee verstanden werden. Auch die zuletzt er- lassene Gassenordnung enthalte keine Vorschrift über die Weg- schaffung frisch gefallenen Schnees durch die Hauseigentümer.— Auf die vom Staatsanwalt nunmehr gegen das freisprechende Erkenntnis eingelegte Revision beschäftigte sich daS Kammergericht abermals mit dieser Frage. Es schloß sich den rechtlichen AuS- führungen der Strafkammer 8 c ganz an. hielt jedoch die Gründe, durch welche das Vorhandensein einer Observanz verneint wurde, nicht für ausreichend, verlangte in dieser Beziehung weitere Be- Weiserhebung und verwies daher die Sache nochmals an die Vor- instanz zurück.— Gestern wurden nun 25 Hausbesitzer vernommen. Sie bekundeten in der überwiegenden Mehrheit, daß sie die Säuberung von Schnee und Eis vorgenommen haben, nicht in der Ueberzeugung, damit eine Rechtspflicht zu erfüllen, sondern nur unter dem Drucke des polizeilichen Zwaoges und um sich nicht Weite- rungen und Unbequemlichkeiten zu bereiten. Nach dieser Beweis aufnähme verneinte die Strafkammer abermals das Vorliegen einer Observanz, wiederholte ihre früheren Rechtsansichten und sprach den Angeklagten in allen Fällen frei. Schutz vor Schutzleuten! Der Königliche Schutzmann Karl Seth aus Obcrhausen wurde von der Etraftommer zu Duisburg am 2. März d. I. zu 4 Monaten 1 Woche Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte ist im April 1905 vom Regierungspräsidenten von Trier als Vollschutzmann für Saarbrücken angestellt worden, trotzdem er schon wegen Sachbe- schädigung, gefährlicher Körperverletzung und öffentlicher Be- leidigung vorbestraft war. Der Herr„Schutzmann" bestritt aber dreist vor den Richtern die Vorstrafen. In Oberhausen gelandet, hat er am Abend des 26. und in der Nacht zum 27. März v. I. 1. den Postaehülfen Joh. Weiß durch Kneifen in den Arm, Stöße in den Rücken und Fußtritte i»S Gesäß mißhandelt; 2. den Leh» Hauer Ernst Hesselmann mit der Faust in den Rücken und mit dem Säbel auf dem Kopf geschlagen. Ferner hatte er befreundete Personen des H. und letzteren selbst mit Worten wie„Lump", Straßenräuber".„Lausbuben" usw. beleidigt. Der Angeklagte bestritt einfach die ihm zur Last gelegten Roheiten. Die Beweisaufnahme zeitigte folgendes Ergebnis: Der An- sieklagte traf am CharfamStag 1910 abends auf der Marktstraße in Oberhausen den Postgehülfen Weiß mit einem Mädchen auf dem Bürgersteig stehend an. Seth befahl dem Weise mit dem Bemerken, er solle keine Damen belästigen, weiter zu gehen. Der unge Mann ging darauf, unter Protest über das Verhalten des öcamten, weiter, verfolgt von dem Angeklagten, der ihn nun am Arm faßte, durcheinanderschüttelte wie einen Schulbuben, dann verhaftete und mit zur Wache nahm. Auf Befragen deS Richters, weshalb er denn den Weiß mit zur Wache genommen, erwiderte der Angeklagte:„Zur Aufrcchterhaltung der BcrkehrSsicherheit". Durch weitere Zeugen wurde festgestellt, daß der Beamte betrunken war. An einer anderen Stelle rempelte der Königliche„Schutzmann" wieder eine Gruppe harmlos plaudernder junger Leute an, die in einer Haustürnische beisammenstanden, um sich von einem der Beteiligten zu verabschieden. Sie sollten weitergehen, war� der des Sch Wille Hutzmannes. der Stelle AlS sie da? aber nicht auf taten, zog der Ordnungshüter seinen Säbel und hieb damit wie ein Irrsinniger auf die jungen Leute ein. Er spaltete dem Lehr- Hauer Hesselmann den Schädel, so daß H. in ernster Lebensgefahr schwebte und zeit seines Lebens an den Folgen der Verletzung zu tragen hat. Selbst auf den bewußloS am Boden liegenden H. hieb der Hüter der öffentlichen Ordnung ganz nach Moabiter Muster ein. Die übrigen jungen Leute konnten sich nur durch die Flucht vor Mißhandlungen retten. Selbst ein als Zeuge geladener Schutzmann namens Deschonski bekundete, daß gar kein Grund vor- gelegen habe, in solcher Weise gegen die jungen Leute einzuschreiten. Ter Staatsanwalt fühlte sich veranlaßt zu sagen: Der Auge» klagte habe einen Exzeß begangen, wie er schlimmer von einem Schutzmann s i ch nicht ge- dachtwerdenköune. Er billigte ihm aber dennoch mildernde Umstände zu und beantragte nur 2 Monate 2 Wochen Gefängnis. DaS Gericht ging, wie erwähnt, etwas über den Antrag hinaus, In diesem Falle wäre der rniohlgezielte Schuß", von dem Landgerichtsdirettor Unger im Moabiter Prozeß sprach, wohl an- gebracht gewesen. Cttocbcn-Spielplan der Berliner Cheater. KSuial. Opernhaus. Sonntagnachmittag: Die Fledermaus. Abends Mignon. Montag: Tannhäuser. Dienstag: Die Zauberflöte. Mttwoch Die KöntgSkwder. Donnerstag: Einsonickonzert. Freitag: Die Meister lngcr von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Sonnabend: Maria, die Tochter !>eS Regiments. Sonntag- Die Zauberflöte. Montag: Königskinder. Königl. Tchauspielyaus. Sonntag: Goldfische. Montag: Der Störenfried. Dienstag: Zvvs und Schwert. Mittwoch: Ein Schritt vom Wege. Donnerstag: Gkschloflen. Frettag: Strandkinder. Sonnabend: Der Störensried. Sonntag: Die Welt, in der man sich langweilt. Man- tag: Die OuthowS.(Ansang?'/, Uhr.) Reue» tgl. OPerii-Dheater. Sonntagnachmittag: Schi Der HerrgottSschnitzer von Ammergau. AbendS: Anno dazumal. Montag: Anno dazumal. Dienstag: Baucrnvolitik. Mittwoch: Bauernpolittk. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Dorsg'hoamniS. Sonnabend: Ge- chlossen. Sonntagnachinittag: Dorsg'haaumiS. Abends: Jägerblut. Moll« ag: Anno dazumal.(Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Don Carlos. Montag: Sin SommernachtStraum. Dienstag: Othello. Mittwoch: Judith. Donners- tag: Minna von Barnhelm. Freitag: Faust. Sonnabend; Don Carlos. Sonntag: Hamlet. Montag: Ein SommernachtStraum.(Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater(Kamm erspiele). Sonn mg: Komödie der Jirungen. Dt« Heirat wider Willen. Montag: Aglavaine und Selysette. Dienstag: Lanzelot. Mittwoch: Frühlings Erwachen. DomierS- tag: Lanzelot. Freitag: Komödie der Irrungen. Die Heirat wider en. Sonnabend: Lanzelot. Sonntag: Der Graf von Gleichen. Man- tag: Gawän.(Ansang 8 Uhr.) Lessiiia-Theater. Sonntagnachm 3 Uhr: Hedda Gabler. Abends: Anatol. Montag: Die Ratten. D-enStag: Die Wildente. Mittwoch: Anatol. Donnerstag: Di« Ratten. Freitag: Einsame Renschen. Sonn- abend: Anatol. Sonntagnachmittag S Uhr: TantriS der Rarr. AbendS: Die Ratten. Montag: Die Ratten.(Ansang 8 Uhr.) KlciueS Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Das Kind. Abends bis Sonnabend: Der Leibgardist.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Da» Kind. AbendS: Der Leibgardtst. Montag: Der Leibgardist. (Ansang 8 Uhr.) ReueS Schauspielhaus. Sonntag: DaS kleine Schokoladenmädchen. Montag: Iphigenie aus TauriS. Dienstag: Faust I. Teil.(Ansang 7'/, Uhr.) Mittwochnachmitiag: Maria Stuart. Abends: DaS Heine Schokoladenmädchen. Donnerstag: Das llcine Schokoladeimtädchen. Freitag: Faust I. Teil.(Ansang 7'L Uhr.)«onnabend und Svirnlag: DaS klein« Schotoladenmädchen. Montag: Iphigenie auf TauriS.(Auf. 8 Uhr.) S uh?r* Mabrndlich; Mein erkwchter Ahnherr.(Ansang Berliner Theater. Gonntagnachmittag 3 Uhr: Taifun. AbendS und Montaa und Dienstag: Lummclstudentcn. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Natban der Weise. Abends und solgende Tage: Bummelstudenten. Sonn- abendnachmiltag 3 Uhr: Nathan der Weise. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Einer von unsere Leut'.(Ansang 8 Uhr.) � Modernes(Hebbel) Theater. Allabendlich: Der Feldhermhügel (Aniana 8'/. Uhr.) Donnerstagnachmittag: Der ideale Gatte. Komische Oper. Somiiagnachtn. 3 Uhr: Tiefland. Abends: Figaros Hochzeit Montag: Die Fl-dermuuS. Dienstag: Traviata. Mittwoch: Aonmanns Erzählunzen. Donnerstag: Troubadour. Freitag: Tiefland. Sonnabend: FiqaroS Hochzeit. Somitagnachmittag 3 Uhr: Hossmanns Er» zäblung-n Abends: Traviata. Montag: Die Boheme.(Anfang 8 Uhr.) Ausstellungstheater am Zoo. Montag biS Somitag: Meyers. �"�Thalia-Theater. Bis auf weiteres täglich: Polnische Airtschast. An- �'�SchUler- Tlieater O. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Die Ehre. Wends: Nathan der Weise. Montag: Der Bund der Jugend. Dienstag: Em idealer Gatte. Mittwoch: Natban der Weise. Donnerslag und Frei- tag- Ein idealer Gatte. Sonnabend: Der Bund der Jugend. Sonnlag- nachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Wends: Ein idealer Gattc. Montag: Nathan der Weise.(Ansang 3 Uhr.) Schmer- Theater Eharlottenburg. Sonntagnachinittag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Ein idealer Gatte. Montag: Der Himmel ans Erden. Dienstag: Maria und Magdalena. Mittwoch: Der Himmel auf Erden. Donnerslag: Maria und Magdalena. Freitag: WallensteinS Tod. Sonnabend: Die Fee Caprice. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Abends: Maria und Magdalena. Montag: Die Fee Caprice.(Ansang 8 Uhr.) Friedrtch.ESithelmstädlisches SchauipielhauS. Sonntagnachmittag: Faust. Abend« und Montag und Dienstag: 2X2— 5. Mittwoch: Krieg im Frieden. Donnerstag und Freitag: 2X2— 5. Sonnabendnachmittag 3 Ubr: Wilhelm Tell. Abends: Hosgunst. Sonntagnachmittag: Die Räuber. Abends: Wilhelm Tell. Montag: 2X2— 5.(Ansang 8 Ubr.) Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der Glücksengel.(La, Mascotte.) Allabendlich: Die schöne Risette.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten SonMagnachmstlag 3 Uhr: Der Glücksengel.(La Mas- cotte.) Th ater deS Westens. Sonntagnachmtttag 3'/, Uhr: Das Pupven- mädel. Abends und solgende Tage: Die lustigen Nibelungen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmiltag: Die geschiedene Frau. Trlanon'Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der selige Toupinel. AbendS und bis nächsten Montag: HippolyteS Abenteuer. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmiltag 3 Ubr: Der heilige Hain. Nesidenz-Tveaier. Allabendlich: Pariser Menü. Anfang 8 Uhr. Berliner BolkS-OPer. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Undine. Abends: Die Dollarprinzesfin.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Der Freischütz. Dienstag: Martha. Mittwoch: Di« Jüdin Donnerstag: Die Dollar« Prinzessin. Frettag: Zar und Zimmermann Sonnabend: Undme.----- tagnachmtt"" Uhr: Martha. Abends: Die Asrikanerin. sonn- (Ansang Letzte ! Ps. agnachmtttag S'/j 8 Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der jüngste Leutnant. Wends: Aus erster Ehe. Montag: DaS große Licht. Dienstag: Aus erster Ehe. Mittwoch und Donnerslag: Ums goldene Kalb. Freitag: Aus erster Ehe. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Rabezahl. AbendS: Aus erster Ehe Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Dofl und Stadt. WendS: Aus erster Ehe. Montag: Der jüngste Leutnant.(Ansang 8 Uhr.) LustspielhauS. sonntagnachmtttag 3 Uhr: Der Herr Senator. Allabendlich: Meyers.(Ansang L Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Senator. Meiropot> Theater. Allabendlich: Hurra!— Wir leben noch! Ansang 8 llhr. Hcrrnfcld-Theater. Täglich: Eine verlorene Nacht. Er. Sie und Er. (Ansang 8 Uhr.) Kaiser-Panorama. Besuch von Heidelberg und Reckartal. L> Woche: Wandenmg im Steirischen Salzkammergut. Elite Reise 20 Kinder nur 10 Pf. Urauta-Thrater, Taubenstr. 48/49. WaS uns der Mond erzählt. Montag und Dienstag: Im Fimenglanz deS Ober-Engadiu.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—82. Rose-Theater. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Lorbeerdaum und Bettel- ftab. Abends und Montag, Dienstag und Mittwoch: Liselotte.(Ansang 8'/, Uhr.) Donnerstag: Robert und Bertram. Freitag b!S Sonntag: Liselotte. Montag: Leutnant der Reserve.(Ansang 3 Uhr.) Folies Eapricr. Allabendlich bis aus weiteres: Der Feldwelelhügel. Ansang 8'J4 Uhr. Apollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang S Uhr. Sonn- tagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialttaten. Casino-Theatrr. Sonntagnachmtttag S'l, Uhr: Hätz und Liebe. Allabendlich 8 Uhr: Juli« Wtppchen. Nächsten Sonntagnachmtttag 3'/, Uhr: Der Obergauner. WendS: Juki« Wippchen.(Ansang» Uhr.) Pasiage- Theater. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Speztalttäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Sieichsballen- Theater. Täglich: Steltiuer Säuger. Ansang 6 Uhr, Sonntag« 7 Uhr. Walhalla> Theater. Somitagnachmittag S'l, Uhr: Unsere Don Juans. Allabendlich: Bravo I Da capo I Spezialitäten, r Earl-Haverlond- Theater. Täglich: Spezialitäten. Ansang S'L Uhr. Ansang 8 Uhr. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, Är*, 10—2, 5—7. Sonntaga 10—12, 2— 4 Kluma- und Kralnbmdtttl von Aug. Meier, mir Wassertorstr. 37a. Arnds'sches Zahninstitut, Dresdener Str. 105, das. 1892 gegr.. "" ematze emps. zu solld. Preisen, au. W plattenlose Zähne, Porzeljänplomben usw. Schonendste Behandlung. 33/20 m M m Alls der SJule. (Wahrcö Geschichtchen.) Der Lehrer will erklären, Was Gut und Böse sei. »Gut ist... nun laßt mal hören, WaS denkt ihr euch dabei?" Da hebt die ganze Klasse Die Finger in die Höh'- „Nun?"--„Gut ifi eine Tasse— Katbreiners Malzraffee!" Qbu.'tyJudX tnac'fv&f M>"•s Todes-Anzeigen ISozislfleinGkratisElierY/ililyereiD für den I. Beri. Reiebstap-Vaiilkreis. Stralaner Viertel. BeM 354, ScU n. Den Mitgliedern zur Nachricht, das unier Genosse, der Drechsler Llto«e85ei'Ledmlat Warschauer Straße 11 gestorben»st. (i-l)te seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den S.März.nachmiilags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Ärrchhoses in Ahrensscide aus statt. Um rege Belelligung ersucht 216/8 Der Vorstand. SomtaolraliseliJalilYEreiD für den KUnenickcr Viertel. Bezirk 215, IL Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Putzer XuKU8t Obst Lübbener Str. 6 gestorben ist. Ehre seinem Andenke« 1 Die Beerdigung findet am Montag, den 6. März, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des EmmauS« Zricdhoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/7 Ter Vorstand. öeatseher BMarteitemrliaiit Zwcigvcrein Berlin. Sektion der Putzer« Allen Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Mitglied August Obst Bezirk SO. am Freitag, den L. März, der- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, dcn6. Mörz, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des EnrmauS- KirchhoseS(RiLdors, Hermann- straße) aus statt. Der Grab- gcsang ist, da ein Prediger bei der Feier nicht gewünscht wurde, verboten. 136/20 Um recht reg« Betelligung bittet Tie örtliche Verwaltung. SoziaMeinokratlscherWaUvereii! für den 8. Herl. ReicbstapaliH. Am 2. März er. verstarb unser Mitglied, der Klempner Julius MQller Oderberger Straße 85. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindei morgen Montag, dm 6. Marz, nachmittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirchhoss in Nieder- Schö,»Hausen(Nordend) auZ statt. Um reg« Betelligung ersucht Ter Vorstand. Danksagung. äür die Beweise herzlicher Teil- me bei der Beerdigung meine» lieben Sohne» sag« ich den Herren Stcinträgern, Maurern, Zimmer- leuten vom Bau Eichbornstraße sowie vom Bau de» Bauunternehmer» Gcnsow, insbesondere dem Bauherrn Dibr, Maurermeister Kraul und Bau- Unternehmer Gensow meinen herz- lichsten Dank. Stettin, KobelSberger Str. 11. Wwe. Atadlow. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Manne» sag« ich hiermit allen meinen ausrichligstcn Dank. Jn»> besondere dem.SangerchorWedding", Herrn Handle sowie dem Deutschen Metallarbeiter- Verband und dem 6. Wahlkreis Bezirk 707a. 496b WU»« Agne» Frlcfca aed»» SShwen. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, meine gute Mutter Frida Baatz g-b. Fett nach langem schweren Leiden verstorben ist. 511b Um stilles Belleid bilten Paul Baatz und Sohn. Di« Beerdigung findet Montag nachmittags 4'/z Uhr von der Leichenhalle des Städt. Friedhoss in Friedrichssclde aus statt. 8ozjaMenoUcder Mereia des 6. Berl. Reichstags- ff aMfrEises. Am 2. März verstarb unsere Genossin Frau ITHd» Baatz Prenzlauer Allee 202. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mdntag, den 6. März, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 225/17 Ter Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzelgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mlgtied, der Metall- arbeitcr Robert Gramz gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, sden 5. März, nach- mittags 2'/, Uhr, svon der Leichen- balle des Borsigwalder Kirchhofes in Borsigwalde aus statt. Ferner starb unser MttgNed, der Dreher ttermarm Fixe! am 2. d. Mts. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. März, nach. mittags 3'/, Uhr, von der Leichen. Halle des Elisabeth- Kirchhofes, Prinzen-Allee aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Klempner Julius Müller am 2. d. Mts. an Brustetterung. Die Beerdigung findet am Montag, den 6. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Gethsemane-Kirchhos-z in Nieder-Schönhauseu(Nordend) aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schmied Bernhard Koch am 2. März an Nierenleiden. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 7. März, nach. mittags 3'j, Uhr, von der Leichen. balle des Neuen St. Pauli-Kirch- hoseS in Plötzensee aus statt. Ehre ihre« Andenken! Rege Betelligung erwartet Tie Oetsvcewnltnng. 113,2 Verband der Denieinde- und Staatsarbeiter. Filiale Cirofi- Berlin. Durch dm Tod ist«mS ewer unserer Mitkämpser, der Kollege Ulbert Simon von der Gasanstalt Gitfchtner Straß» entrissen worden. Wir werden ihm ein«hrmdeS Andmlcn bewahren. 85/11 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unsere» lieben Sohnes Willi Seidel sagen wir allen Freunden und vi- lanntm, tnSbeionbere dem Gesang- verein.Liederschatz und dem Metall- arbeiter-Berbande unseren innigsten Dank. Familie Seidel. Ilcsern »selbe mit 50 M. Anzahlung und bequemer iizahluna. Anlernen arati«. 251LL' — Streng reelles Unternehmm.— 8trIcIi!». Richard ßonneck"--».t. bekft»nt- koloual. Warenlager eiseoe, not. seiner persönl. Leilenp stehende Ohren- n. 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Wahlbezirk dritter Abteilung, der aus Teilen des dritten und vierten Reichs- tagswahlkreises besteht und die Stadtbezirke 8» bis 88 umfaßt(vom Luisenstädtischen Kanal ostwärts� bis Heinrichs- und Mariannenplaß). Singer vertrat in der Stadtverordnctenver- sammlung den 13. Wahlbezirk dritter Abteilung, der im vierten Reichstagswahlkreise liegt und die Stadtbezirke Sä bis 184 einschließt(vom Marianncnplatz ostwärts bis zur Eisen- bahnstraße und einem Teil der Zeughofstraße). Die Ersatzwahlen sind für beide Wahlbezirke aus den 15. März anberaunit. Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Genosse Boehm für den 11. Wahlbezirk und Genosse Mann für den 13. Wahlbezirk. Mit einer für beide Wahlbezirke einberufenen gemeinsamen W ä h lcr v e r sa mm lu n g, die am Freitag bei Graumann (Naunynstraße) stattfand und sehr gut besucht war, ist die Wahl- agitation eröffnet worden. Ein Referat des Stadtverordneten Genossen Dr. Wehl gab einen Ueberblick über die Tätigkeit der Sozialdemokratie in der Stadtverordnetenversammlung. Durch mancherlei Vorkommnisse im kommunalen Leben, die in der letzten Zeit die Bevölkerung lebbaft beschäftigt haben, sei das Interesse für unser Stadtparlament und gewiß auch für die Stadtverord- netenwahlcn gesteigert worden. Zu nennen seien da die Frage der Steuererhöhung, der Handel um das Tenrpelhofer Feld, der Plan einer Zusammenfassung Groß-Berlins in einen: Zlvangszwcckver- band. Wehl erinnerte daran, Mß gerade der Genosse Singer schon vor zwei Zahrzehutcn mit aller Entschiedenheit die Forderung vertreten habe, der Zersplitterung Groß-BerlinS und den daraus sich ergebenden, die Bevölkerung schädigenden Zuständen ein Ende zu machen. Aber der Stadtfreisinn habe die Gelegenheit zu einer großen Eingcnieindung, die sich damals bot, in gewohnter Kurz- sichtigkeit verhaßt. Referent zeigte dann in einer die Baupolitik unserer Gemeindeverwaltung erörterirden Betrachtung, daß nur die Sozialdemokratie bereit und fähig ist, eine der» nünftige Kommunalpolitik zu treiben. Trotz aller Schwierigkeiten, die das Dreiklassenwahlshstem und das Haus- bcsitzervorrecht ihr bereiten, hat sie im Laufe der Zeit sich immer mehr Einfluß auf die Gemeindeverwaltung verschafft. Die Ge- wißhcit, daß hinter den Vertretern der Sozialdemokratie im Rat- Haus die große Masse der Bevölkerung steht, hat schließlich auch den Freisinn gezwungen, in so mancbe unserer Forderungen zu willigen. Im Schulwesen und in der Gesundheitspflege sind Besse- rungen erreicht worden, die den Einwohnern der Stadt zugute kommen. Viel bleibt freilich auch da noch zu tun, aber nur von der unermüdlich vorwärts drängenden Tätigkeit der Sozialdemokratie sind weitere Fortscbritte zu erwarten. Die Fürsorge der Gemeinde für ihre eigenen Arbeiter läßt leider noch sehr viel zu wünschen übrig; noch sind die eigenen Betriebe der Stadt weit davon ent- fernt, Musterbetriebe zu sein. Und gegenüber dem Problem der Arbeitslosenfürsorge durch Unterstützung oder Versicherung ver- harrt der Stadtfreisinn in Verständnis- und Tatenlosigkeit. Auch auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge ist noch gar nichts erreicht, weil der Berliner Freisinn unter dem Kommando der HauSagrarier steht. Unserer Geineindeverwaltung ist hier eine Aufgabe gestellt, die von größter Bedeutung für weite Kreise der Bevölkerung ist. Ihre Lösung muß dem Freisinn noch durch die Sozialdemokratie abgerungen werden. Die Erfüllung all solcher Forderungen kostet Gäd, dafür wird sie aber der Bevölkerung bis in den sogenannten Mittelstand hinein reichen Segen bringen. Referent schloß mit einem Appell an die Wähler, in deren Hand es liege, Stärke und Einfluß der sozialdemokratischen Stadt- verordnete nfraktion zu wahren und zu mehren. Nach dem Referat ergriffen zunächst unsere Kandidaten das Wort. Genosse Mann gedachte der Verdienste Singers, der durch seine bahnbrechende Führung wesentlich dazu beigetragen habe, daß die sozialdemokratische Stadtverordnetcnfraktion jetzt geachtet und gefürchtet dasteht. Er schilderte die Mängel des Gcmeindewahl- rechts, die skandalöse Entrechtung der Wähler aus der minder- bemittelten Bevölkerung, die in die dritte Abteilung hineingepfercht wird. In der Erörterung einzelner Zweige der Gemeindeverwal- tung hob er die Bedeutung des Schul- und Bildungswesens be- sonders hervor. Genosse Boehm wies in seiner Ansprache darauf hin, daß er lange genug in dem Stadtteil wohnt und in der Partei tätig ist, um den Wählern hinreichend bekannt zu sein. Auch er geißelte das dreiklassige Gemeindewahlrecht, mit dessen Beseitigung sofort die ganze Macht des Freisinns in der Berliner Stadtver- tvaltung gebrochen werden würde. In dem guten Besuch der Ver- sammlung sah Boehm einen Fingerzeig, daß das Interesse für diese Ersatzwahlen ein ungewöhnlich reges sei. Beide Kandidaten fanden lebhaften Beifall. In der Diskussion nreldete si-h kein Gegner zum Wort. ES sprach dann noch Stadtverordneter Genosse Gottfried Schulz, der ein paar drastische Proben freisinniger Arbeiterfürsorgc vor- trug. Der Vorsitzende. Genosse Gierke, erörterte in einem Schlußwort die Ergebnisse früherer Wahlen in den beiden Bezirken und mahnte an die Pflicht eifrigster Agitation. Gewählt wird am 15. März noch nach den L i st c n vom Juli IV 10. Es darf also jeder, der damals in den Listen für den 11. und den 13. Wahlbezirk stand, an den Wahlen teilnehmen. Das möge auch von denen beachtet werden, die inzwischen aus diesen Bezirken verzogen sind und durch die Flugblatt- oder Versammlungsagitation nicht mehr erreicht werden können. Auch sie dürfen noch mitwählen und müssen es als ihre Pflicht ansehen. bei der Wahl nicht zu fehlen. 5Zus der Frauenbewegung. Zentrumsnöte. Je länger, je mehr wird dem Zentrum die sozialdemokratische Frauenbewegung unheimlich. Notgedrungen muß es seinen Ursprung- lichen Standpunkt, der da lautete: die Frau gehört ins Haus, auf- geben und für immer umfassendere Tätigkeit der Frau im öffentlichen Leben eintreten. Noch auf dem Essener Katholikentage 1986 sagte Herr Seminar- präseS Lausburg: „Nach christlicher Auffassung hat Gott der Herr die Frau als ein ergänzendes Element in die menschliche Gesellschaft eingeführt, als die Genossin und Gehilfin des ManneS. Damit ist ihr natür- licher Beruf, der Schwerpunkt ihres Lebens und Wirkens, zunächst, wenn auch nicht ausschließlich, in das Haus, in die Fannlie ge- legt. Den Standpunkt der absoluten Gleichberechtigung mit dem Manne vertritt die christliche Frauenbewegung. Sie beansprucht nicht darun: auch nicht den uneingeschränkten Zutritt zu allen Aemtern des öffentlichen Lebens; sie bleibt vom politischen Gebiete fern und geizt nicht nach dem politischen Frauenstimmrecht.— Die Arena der politischen Kämpfe sei den Männern überlassen.� Mausbach, der ultramontane Professor in Münster, urteilte in seinem im selben Jahre im Verlage des Volksvereins für daS katholische Deutschland erschienenen Buche über die Stellung der Frau schon ein klein wenig anders über die politische Betätigung der Frau. Zwar muß ihr die Sphäre der Gesetzgebung, der Recht- spreckung, der abstrakten Erledigung von Vcrivaltungssachen ver- schlössen bleiben, weil auf diesem Gebiete das Genie, die spezifische Begabung der Frau nicht liege. Anders schon urteilt Mausbach über die Gewährung des Stimmrechts für die Frau. Er sagt: „Wenn auch unsere ganzen Borstellungen von weiblicher Art, Tugend und Schönheit für die Vermeidung des politischen Ge- triebes sprechen, so ist doch schwer zu sagen, welche Grundsätze unserer Moral die Ausübung eines solch' allgemeinen Bürgerrechts verbieten sollte." Seitdem ist die rote Flut immer höher und höher gestiegen: in fast»rein katholischen Gegenden, wie dieser Tage in Jmmenstadt, wankt der Zentrumsturm. So muß denn das Zentrum seine Stellung zur Frauenfrage fortgesetzt revidieren und so ist es dann schließlich nicht verwunderlich, wenn nun auch der Ruf nach poli- tischen Frauenorganisationen für das Zentrum ertönt. Der „Münsterische Anzeiger" vom 23. Februar bespricht die Orga- nisation und Agitation der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands und meint zum Schluß: „Mögen den Flutwellen einer sozialistischen Ueberschwcmmung der Frauenkreise widerstandsfeste Dämme entgegengesetzt werden und möchten doch alle Schichten der Bevölkerung unseres Vater« landes einsehen lernen, daß angesichts der dräuenden roten Ge- fahr es geradezu ein Frevel an der Nation ist, untätig die Hände im Schoß haltend, abseits des Weges der politischen Ent- Wickelung zu stehen und zuzusehen, Ivie immer neue Tausende von deutschen Frauen und Müttern dem Sirenenruf der religivnS- und vaterlandsfeindlichen Sozialdemokratie folgen." DaS Zentrum wird sich also wohl ein schwarze? Am izonenkorpS zulegei:, ohne damit den Vormarsch dcS sozialistischen Gedankens aufhalten zu könucn._ Leseabend. Erster Kreiß, Hansaviertel. Montag, den 6. Märzj bei Rothe, Flensburger Straße 24. Vortrag:„Die Schule". Bnefhaftcn der Redabtion. Tic(uHfttfifie SVrrilistunde fittkei£ i n 1 1 n ft r o tz e 69, vor» vi« Treppe» — F a I> r st u Ii l—, loochcntögllch von VA bis 7% Uhr avcnds, Tonnabriid« von V/i bis 6 Uhr abends stait. Jever fiir vc» Briefkasten bestimmten Anfrage ist ci» Buchstabe uud eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt, lfiligr»ragen trage man i« der Sprechstunde vor. K- P. 1911. Ihre Ansrag« ist unter dem IS. Februar beantwortet. — A. T. 145. Ihre Anfragen find unter der damals angegebenen Chifire Sl. S. 85 unter dem 10. Februar beantwortet. Wir ersuchen die Fragesteller, den Briefkasten nach Stellung einer Frage aufmerksam zu lesen. 7(neu). Durch Antrag aus Pfändung und Ueberweisung bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner seinen Wohnsitz hqt. Die Gesellschaft erfahre» Sie, wenn Sie den Schuldner zum Oficnba«ngscid zwingen.— G. Z. LS. Ja.— B. B. 75. 1. Bei Uebungen sind an Unterstützungen zu zahlen: für die Ehefrau 30 Proz.. sür jedes Kind 10 Proz., aber zusammen nicht ü'.chx' 00 Proz. deS ortsüblichen Tagelohnes. Dieser beträgt sür Nixdori ü,S0„ M. W. P. LS. 1. Die Angaben reichen nicht aus. Kommen Sic im die �stunde. 2. Ja.— Sä). B. 100. 1. Das ist möglich, adew, Schwester den Kindern Unterhast gewährt, nicht wahrscheiv>ü.l/ Die HauShalwngSgegcnftände müssen nur dann den« überlebenden Ehe- gaste» ganz verbleiben, wenn keine Kinder vorhanden find. 2. Ja. mit Zustimmung deS BormundschastsgerichtS.— Z. Nein. Würftl KtUM ö versucht minderwertige Nachahmungen, zum Teil zu billigeren Preisen, als Cd)iC ÜtOnCU-Bomtlon-IDÜrfct zu verkaufen. Weisen Sie derartige Angebote im eigensten Interesse unbedingt zurück. UtOtlCtt-Bonillim-lDfitlCl sind allein echt mit unserer gesetzlich geschützten Krone. Wenn unsere Annonce, die am nächsten Sonntag an dieser Stelle erscheint, ani einen Hundertmarkschein gedruckt würde, dann wäre sie nicht wertroller als die Mitteilung, die sie enthalten wird! Theater und Vergnügungen Theater Cbarlottenburg: Prinz Friedrich von Homburg. Neues Theater: Tartüsf.— Die Geschwister. Neues Operetten- Theater: Der Glücksengel. Mctropol-Theater: Mamsell Nitouche. Kleines Theater: Das Kind. Modernes Theater: Der Feldherrn- Hügel. Slbcnds S'l, Uhr: Neues VolkS-Theater: Sonntag, Mitt- woch, Sonnabend: Die Schmetler- lingSschlacht. Montag, Dienstag, Donnerstag: Gnadenbrot.— Die Hasenpsote. Freitag: Der Gewissens- wurm. Bolls-Oper: Montag: Der Freischütz. Freitag: Zar und Zimmermann. �essinx-Ideater. 3 Uhr: Hcdda Gabler. S Uhr: Anatol. Montag 8 Uhr: Die Natten. berliner Abends 8 Uhr: Ilaninielstailenten. Morgen; Bummelstudenten. Modernes Theater (früher Hebbeliheater). Abends 8'l4 Uhr: Der Feldhcrrnhügel._ Neues Theater. Täglich: in erlaiiiei Ansang 8 Uhr. Berliner Volksoper Nachm. S'/s Uhr: Undlnc. Abends 8 Uhr: Ple Dollarprinzessin. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustigen Nibelungen. Heute 3'/t U.: Das Puppenmadel. friedrich-Wilhelmsfödtisclies Schauspielhaus. Sonntag, den 5. März, 8 Uhr: 3 x Ä= 5. Nachm. 3 Uhr: Faust. Montag: 2 X 2= 5. Dienstag: 2 X 2— 5._ Residenz-Theater. Dircltion: Richard Sllexander. Ansang 3 Uhr. Pariser Menu. Drei Gänge von Georges Fcydeau und Veber-Zibric. 1. Gang: ,52 Meter über Paris*, 1 Alt von Veber-Abric. 2. Gang:»Eine Nachtfitzung', 13lkt von Georges Feydcau. 3. Gang:.Nach dem Mäuschen- ball", 1 3lkt von Georges Fcydeau, Morgen und solgende Tage: __ Pariser Menu._ Luisen-- Theater. Nachmittag? 3 Uhr: Der jüngste Leutnant. 3lbcnds 8 Uhr: Ans erster Ehe. Schauspiel in 5 3lkten nach einer Er- zählung von H. Eourths-Mahler, von Ernst Ritterseldt. Montag: DaS große Licht._ OSE=THEATE Große Franksurtcr Str. 132. Nachm. 3 Uhr halbe Preise: LoMaunuLBettelstai] Schauspiel in 4 Sitten von Holtet. Abends 8 Uhr: Lustipiel in 4 Sitten v. H. Stobitzer. Montag bis Mittwoch: Liselotte. Lustspielhaus. 1 Nachm. 3 Uhr: Der Herr Senator. TvT: Meyers. Karl Haverland- Ansang Thea ton Kommandant en- prä». T'/j U. IlltlllCl. straße 77/79. Gastspiel des Dir. Ulartlntu» Burlesken- Ensembles sowie d. neuen Spezialitäten. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Was uns der Tlond erzählt. Montag 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Schwahn: Gletscher und Eiszeit. Kaiser'Panorama. Besuch von Heidelberg und Nckckartal. Letzte Woche. Steirisches Salzkammergut. Eine Reise 20 Ps., Kinder 10Ps. Abonnements 1 M., Taus. Abonnent. Passage-PanopliKum. Die zusammengewachsenen Schwestern Blazek und Ihr Kind! Zwei Mütter— ein Kind! liebend zu sehen! Täglich von 111 u. von 3-10 Uhr. Ohne£xtra-Entrcc! Eintritt 50 PI. Kinder, Soldaten 25 Pf. Heute, Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachmittags 1 3—7 Uhr(kleine Preise).| Abends 8 Uhr: Hedi Herdina. 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Zucker.• LlHlüttpsUhchir Siiialtcuti' üaat Wtitx, gtiUru 2üt icn3n�rfl!fntniCftanttt�l!©Iotf�Sethir£t�u.!C«loa:Sottoöttä Äuchdrückere�.BerlagSmiitalt PaulEinger u.Eo., Ar. 55. 28. Jahrgang. 3. Keilaze des Lmärls" Knliiicr KcksdlÄ. Zoiiirtflg> 5. Wily 191t lültttlftand und keichsverkicherung!- ordnung. Aus MittMandskreisen wird uns geschrieben: Wie bereits im„Vorwärts" ausführlich betont wurde, hat der konservative Gelehrte Pros. Dr. Stier-Somlo zu Bonn der Regierung öffentlich den Vorwurf gemacht, datz sie in blinder Wut gegen die Sozialdemokratie in der Beanrdenfrage bei den Ortskrankentassen das Gegenteil einer Mittel- standspolitik treibe. Er führte aus, daß die„Reichsvegierung sonst so ängstlich ist in der Schonung wirtschaftlicher Interessen solcher Kreise die zum Mittelstand im politischen Sinne gehören", in der Beamtenfrage jedoch das Gegenteil vorhabe usw. Unsere Regierung hat aber bisher für den unterdrückten Handwerker, welcher doch die grösste Zahl des Mittelstandes stellen soll, herzlich wenig getan. Nur Worte und Paragraphen, welche nichts kosten und auch keinen Einfluß auf die ökonomischen Verhältnisse des armen Kleinmeisters haben, und reichlich neue Steuern und Be- lastungen aller Art, welche die Lage des Mittelstandes erheblich verschlechtern. Auch in der Reichsversicherungsordnung suchte man dem Hand- werker neue Lasten aufzuladen, obschon er heute kaum in der Lage ist, die vorhandenen zu tragen. Wir erinnern nur an den Plan, die Beiträge zur Ortskranlenkasse zu halbieren. Den Kleinmeiftern wä'-n dadurch große Mehrbelastungen— wenn auch nur in Form der Vorauszahlung eines Teils des Lohnes an die Kassen, denn die Beiträge der Arbeitgeber sind nur ein im voraus feststehender Teil des Lohnes— aufgebürdet. Dafür nur ein Beispiel. Ein Schuh- machermcistcr, welcher sich heute noch stolz zum„Mittelstände" rechnet, auch dazu gerechnet wird, beschäftigt 3 Gesellen. Er hat heute dafür jeden Monat 12 M. an Kassenbeiträgen zu zahlen, gleich 144 M. pro Jahr. Heute kann er seinen Gesellen hiervon den Be- trag von 96 M. vom Lohn in Abzug bringen und zahlt selbst nur 48 M. hinzu. Künftig soll er aber die Hälfte der Summe bezahlen, also 72 M., eine Steigerung seiner Ausgaben um 24 M. pro Jahr. Die Beiträge sind oft noch höher und diese Steigerung ist eine schwere Mehrbelastung des Mannes, welcher heute schon um seine Existenz kämpft. Als einzigen Trost gab man ihm die Versicherung daß ev mit seinem höheren Beitrage ein„Scherflein zum Kampfe gegen den Umsturz" beigetragen habe. Man sucht ihn auch noch stärker zu treffen. Der Meister ge- hört einer freien H i l f s k a s s e an, da er gewöhnlich schon als Geselle in diese eingetreten war. Aber auch wenn er seine Mit- glicdschaft bei der Ortskrankenkasse freiwillig fortgesetzt hat, wird er als Mitglied gleich dem Arbeiter rechtloser gemacht, da die Ge- setzgebung seinen Einfluß auf die Selbstverwaltung der Orts- krankenkasse zu brechen sucht. Die Mehrzahl der Kleinmeister ist aber ,in freien Hilfkasscn versichert. Viele sind die Leiter derselben und mit der Geschichte und EntWickelung ihrer Kasse eng verbunden. Große Opfer haben diese Leute gebracht, um die seit Jahren be- drohten Kassen aufrecht zu erhalten. Denn sie kämpften ja um ihre eigene Existenz. Wird heute eine Hilsskasse, welche dem Z 75a des Krankcnversicherungsgesetzes genügt, in eine Zuschußkasse umgewan- de lt. so sind gewöhnlich die Kleinmeister die Leidtragenden. Die Hilfskassen leiden an sich schon an Mitgliederflucht; ein Nachwuchs ist kaum noch vorhanden. Und trotzdem ein scharfes Vorgehen der Behörden zum Zwang der Kassen, sich in eine Zuschuß- kasse umzuwandeln. Für die in der Hilfskasse versicherten Arbeiter ist diese Maßregel nicht besonders fühlbar. Denn dieser ist ja auf Grund seiner Beschäftigung entweder schon in der Zwangskasse der- sichert oder hat jeden Tag die Gelegenheit sick» von seinem Unter- nehmcr zur Ortskrankenkasse anmelden zu lassen, sobald seine Hilss- ckasse dem§ 75a des K.-V.-G. nicht mehr genügt. Anders ergeht es dem Kleinmeister. Dieser kann nicht leicht Mitglied einer Zwangskasse werden.' Ist er alt oder kränklich, wird er nicht mehr als Mitglied in die Ortskrankenkasse aufgenommen. Hat er gar ein Einkommen von über 2009 M. pro Jahr, so muh auch seine Auf- nähme abgelehnt werden. Und wenn er sich zum„Mittelstand" noch rechnen will, so muß er doch über 2000 M. Einkommen haben. So- bald die Hilsskasse, die ihm ein Menschenalter als Stütze diente, in eine Zuschußkasse umgewandelt wurde, war dieser Kleinmeister den Aerzten und Apothekern, sowie auch den Armenbehövden oft aus- geliefert. Im Krankheitsfalle erhält er dann eben nur Krankengeld in bar und muß mit 12 oder 15 M. pro Woche Krankengeld seinen Arzt, die Apotheke und Krankenhaus selbst bezahlen. Wer Arztrechnungen kennt, wird wissen, was diese Maßregel zu bedeuten hat. Eine Krankheit von nur 10 Wochen kann ihm eine Rechnung von 100 bis 300 M. bringen. Kommt noch eine Operation hinzu, so erhöht sich die Ausgabe ganz gewaltig. Blinddarmoperationen berechnen unsere Acrzte sehr oft mit 300 bis 400 M. Nach der Ge- nesung zahlt der in Schulden geratene Kleinmeister dann nach und nach dem Arzte die Rechnung ab und bittet den Apotheker um Zahlungsfrist. Die Pflegekosten für das eventuell notwendig ge- wordene Krankenhaus werden ihm als„Privatmann" berechnet; die für die Krankenkassen ftüher geltenden ermäßigten Sätze fallen fort. Sehr oft mutz dann die Armenbehörde eingreifen und ver- langt später vom kränklichen Meister Ratenzahlungen, die dieser leisten muß, um nicht seine politischen Rechte zu verlieren. Die Regierung verlangt aber nun vom Kleinmcister, daß er sich politisch betätigt und mit„Gott fiir König und Vaterland" streitet, kümmert sich aber den Teufel darum, ob dieser auch dauernd in der Lage bleibt, seine politischen Rechte zu wahren. Daher ist es auch be- greiflich, daß in den Versammlungen der Hilfskassen, auf deren Tagesordnung die„Umwandlung der Hilfskasse in eine Zuschuß- kasse" stand, gerade die Kleinmeister sich erbittert wehrte,: und von den Arbeitern verlangten, daß sie höhere Beiträge zahlen sollen, nur damit sie sich noch eine Versicherung erhalten können, die ihnen im Krankheitssalle auch freie ärztliche Hilfe, Arznei usw. sichert. Wer die Vorgänge in den Hilfskassen in den letzten 10 Jahren nur einigermaßen verfolgt hat, wird zugeben, daß sich in diesen Ver- sammlungen ein erbitterter Kampf oft abgespielt hat und die Um- Wandlung in eine Zuschußkasse oft nur durch vollzähliges Erscheinen der Kleinmeister, Kleinbauern usw. verhindert wurde. Stolz gehen dann die Kleinmeister aus der Versammlung, wenn sie das Schlimmste verhütet haben und arbeiten emsig an der Erhaltung ihrer Hilfskasse weiter, der neben Vater und Sohn, auch oft der Großvater iwch als Mitglied angehört. Gerade in Kleinstädten und auf dem Lande spielen die Hilfskassen eine große Rolle und wäre es doch eigentlich ein Stück„Mittelstandspolitik" diese zu erhalten. Wer tritt heute nur für die Erhaltung dieser Hilfskassen noch energisch ein? Nur die— Sozialdemokraten, die doch bekanntlich — den Mittelstand vernichten wollen." Doch unsere„weise" Staatsvegierung geht in der Reichsver- sicherungsordnung noch ein Stück weiter. Während man die Zwerg- kassen der Innungen ruhig weiter fortwursteln läßt, jedem Unter- nehmer eine eigene Betriebskrankenkasse gründen lassen will, um ja die Zersplitterung der Kräfte zu erhalten, ja noch zu vermehren, jeden gesunden Ausbau der Ortskrankenkassen zu verhindern sucht sollen nach dem Plane der Scharfmacher alle Hilfskassen unter 1000 Mitglieder einfach verschwinden. Damit wird die Mehrzahl dieser Hilfskassen vernichtet und gerade dem Kleinmeister der größte Schaden zugefügt. Nach der vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegebenen Statistik existierten im Jahre 1908 1444 eing. und landesrechtliche Hilfskassen mit einer Gesamtmitgliederzahl von 948 828. Hiervon zählten allein 16 Kassen mit über 10 000 Mit- gliedern insgesamt 474 832 Mitglieder. Es verbleiben somit für 1428 Kassen 473 996 Mitglieder, das sind im Durchschnitt pro Kasse 332 Mitglieder. Große Auftegung herrscht deshalb heute in den Kreisen der Kleinmcister, Kleinbauern usw., die ihre Hilfskasse, mit welcher sie seit Jahrzehnten eng verwachsen waren, dem sicheren Untergange geweiht sehen. In vielen Orten ist es unmöglich durch Zusammen» schluß der Kräfte, Verschmelzung der etwa vorhandenen vcrschie» denen Hilfskassen die Zahl von über 1000 Mitglider zu gewinnen, um so auch den Mitgliedern die alten Rechte zu sichern. Die Ver» wirrung ist daher in diesen Kreisen sehr groß und arte* immer mehr in Bestürzung aus, jemehr die Beratungen in der Kommission für die Reichsversicherungsordnung vorschreiten. Man hoffte immer noch, daß das Einsührungsgesetz hier eine Hilfe bringen würde. Wenn dies auch nach Lage der Dinge ausgeschlossen war, so iklam- Merten sich viele Kleimneister und Kleinbauern an den Strohhalm der Schonung alter Rechte. Doch der Entwurf zum Einführangs- gesetz zerstörte auch den letzten Rest dieser trügerischen Hoffnungen, Kaltblütig wird da verfügt, daß der Zeitpunkt, an dem die Beschcm» gungen der Hilfskassen nach 8 75a d. K.-V.-G. ihre Gültigkeit ver» lieren, um etwa auf ein Jahr hinausgeschoben werden soll. In dieser Galgenftist soll es den Hilfskassen möglich gemacht werden, entweder sich in eine Zuschußkasse umzuwandeln oder neuen Antrag auf Zulassung zu stellen, wenn sie eben mehr als 1000?Nitglicder besitzen. Aber auch für die Kleinmeister und Kleinbauern, welche heute fteiwillige Mitglieder einer Zwangskasse noch sind,, will man künftig neue Gefahren schaffen. Ist auch der Kleinmeister 25 Jahre Mitglied der Ortskrankenkasse gewesen, so mutz er nach den Plänen der Scharfmacher seine Mitgliedschaft aufgeben, werm sein Ein» kommen sich über 4000 M. erhöht hat. Ob er aber die vielen Jahre ein geringes Einkkommen hatte und trotzdem seine Beiträge zahlen mutzte, ob er auf erworbene Rechte pocht od« die Garantie ver- langt, daß er m kurzer Zeit dieses Einkommen von über 4000 M. wirklich noch verdient, ist ganz egal. Er muß einfach aus der Kasse austreten, um den Aerzten als Privatpatient KU. dienen und ist schutzlos, wenn er später weniger verdient. «asseeftandS.Nachrtcbte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M- m» i. Stirn Brezel, Jnfterburg Weichsel. Thor« Oder, Ratibor , Krosien , Frantwrt Warthe, schrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden , Sarby , Magdeburg Wasserstand Saal», Grochlih Havel,«dandauK _, Rathenow') Spree, Svremberg') , Beeslow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximilian Sau , Kaub Köln Neckar, Heilbvan» Main, Wertheim Mosel, Trier am 3.3. om 293 158 189 202 189 216 308 452 332 480 200 348 223 s-tt 2. 2. omK +1 —3 —1 +30 +10 —8 —24 —29 +5 — 23 +15 »)+ bedeutet Wuchs,— RaO.—•) Unierpegel.—•) EiSstund. —*) Eisfrei.—•) Eisfrei, am 4. tnorgenS Wasserstand: 438 cm.—•) Am 4. morgens 312 cm.' Apotheker Kumbier's Bequeme Hauskur ohne Diät seit«a Jahre» von bewährter Heilskraft bei Blutarmut, Bleichsucht, Nervenleiden, Mag-«., Darm», Leber., Gallenstein� Stiere«'«. vlaseul-tde»,«henma» tiSmus, Gicht, Ischias, Luugenkatarrh, Atembeschwerden» Herzleiden, Leiden der Wechseljahre, Gpilepfie, Schlaqader-Bertalkunq, Znitertrankheit» Aaalraei Hatrlnmehlorid 1.202, VatriosuiUtst 2.920. KeUnrnraUat 0.172, UacsMtomaallat 1.160, UasguuaUat 0.14, BUt&karbonat 2,197 I» 10 000 TeUca. •ßttHt: SO?l.«. lO ptitu tut gl. vi. 17 veäa. ISO gl.«. SO Prä»,»artfttfaog: 80 gl. vi. 8; OO gl. Vi. 15. Stdnung der g lasch»» fü» das ttabtimut*(inftda, tti tu«tadtäast»,»ob die näher»» Vorort» 30 gl. ,»sa»««»(glalch-r�g-mdi.- Mach»uSwärt», Klst» 30 Fl. st» pb Bad» vi. 15,» Kiste» Vi.»7. Fortsei,»»«: 1 Kiste vi. 13. ssü, fraukieri pnücki-seudt,«st« verd« ch vi. iiBerliiisep Stahlbpunnen'1(Apothekor Kumbier'e Erben).a m. b. h, Berlin NW! Marienstrasso 30. ffabrit fleorünbfi 1885, Aerusprech-Anschlüsse: Amt III, 5031 und 4832. Neue Erfolge. VWNS Flima nrbQrgt sich dafür, dass alle Erfolgtiestätl- gungen genau dei Wahrhail antsprecim leb UM»alt lue« Seit u heftigem Itopf—huengn nnrt Blirt- ■mn«. nach 60 gwsche» von 35, a» vorzllglichen eialjlbtunnoi bl» leb»»»» lieb Wied« f riech nad Bieter und loun ihn daher der leidend» SlenschdeU nur empftdltn. verli». I. Januar I»". Frau K Oller. »ommaudanicnllr 60. Or„Berits« Ktiklbrauea". von dem ich«»der 90 Masch»«evranchie. le» mtr»ehr»et bekommen, leb litt»elt meinem I». Lebenejehre in cpllepilechen KramptnnfClU'n, die sich den Tag 8— 4 mal wieder- douen. diu nachl« au» dem fetic geiallen. blieb tcflnnungllo» liegen>md dalle mir Immer die Zunge«Ulla gebissen. Seit dem Jahre 1908. da Ich die ereleu 80 Daeehea eon Ihrem Braene»»etrunken habe, let die epileptleelie Srenhbeit»ani»B»icebHeb«n. Ktlberl, 16. Dezember 1010. Hermanustv 211—219. .. Be» 1 A-dren d-tte ich bedeutende Bletreeleele Weeheelsabrem Mi denn tu«ollta mochte tch d» versuch mU Ihrem Eladl' Emil Gntteeh. Weil ich anch den brnnue«. welcher mir rer»6»Ileb eeholfen bat. Ich bade da»< 60 Mosch» getraut» Siebt blou VerdanonH tmO StahlBnn davon bald ___ aw»lad (»nnelt. ee kommen aaeb keine StOrunne" der Wenatmaelmn mekr rer, von denen siele 1» den Jadren geauaU weiden und die andere Leiden dervorrns» Nein(anter K8rper let wlderetandafihlrer gewornon, al*« trüber war. Ich habe trleehe Carba, gatea kustebea. wihrend frlher Jeder mel» echleebtea Aaeiebea bedauett«. Köln. Kl.«ovember 101V. � eiernengafle L Fr»» LBIrem-aUa. ... Main Leide» bat aleb a.oh dem Oebraueh tob W Claaeken de. deatead gebeeeort. lob bta nerve», und halaleldeBd. behau aaeb dem«akrteeh TM 16 Plaaehea rerepäri. Ich elae weieatllohe BeMerang, fa bot ich den Braun» allen leidend» grau» empfehlen lann. «Berlin, 15. Nobemde» 1910. varwsßrade 1.__ Frau BeBtesberg. .., Ur Btahlbraanen hat aleh bei mtr aofe beete bewährt. Ich war TM Oebraneh dceaelben Immer milde nnil ndo epnnnl. Nach Terbraueh der«OFIaacheo Stahlhrnnnca fühle ich mich kriech uail kräftig. «Berlin, 15. November 1U1U. tfinunftroB« 10. Emil GOppert. leb UM eehr u WervenlaldeB. Kcptaehmeraen, Manen- mmd Knterlellaabeaehwerden. Du alle» bat aleb, aaehdoa M naeehaa„Berltaer blablbrmaaaa** gMnakm habe, gehobra... Sofia bei Warze», 10. Oktober 1010. Fr»» B. Baaler. Bai meia« Kar emdetrlft 1» deal» Ich Z»n» derzllch. et» hat ml» t,r Bl»»» Wta IWawen augeaeiebaata Dleaate getaa, so bat Ich Ot« zu jeder Z-U empfehlen lann und werde. Ich selds werde alle Jahre die Idar wiederholen. ftSeiftcnftt, 1. Sevtemder 1010. «ledanftr. 79. Fran Breeaeblie, lbr Ntahlbrnnaea bat aleb bei meinem BervOaem Magenleiden and b«r«nOefalwer StBhlveratmpfinen ente baete bewahrt. ■eine aicl.wIndcl.afSUe«lad ganallah rordber ud(Skia Iah mlek wieder geeand. habe st-Uich auch 120 Masch» getrual» Herzlichk» Den! -.gel. 10. An»»ft 1910. gen» M�derG BrimawKrabe 23 t Tor Jahrea war leb rnckcrlrrnnk, ward» daaa eehwer bert. Ifigerlfl ud mala gaater Körper bedeekte«Ick alt«esehwNren, dabei«ailte» mich daaernd heftige Sebmeraea... Kui Empsehlung habe tch nun Ihr» Berliner Slahldrnun» gelrunleu und san» Ihn» zu meiner grab» Freude mUteilen. bat Ich aaeb Terbraaah tob M Flaaehea TO» dea Ge. aehwlrea befreit bta und da» Bett»ich! mehr zu htit» brauch»: aeeh alle Bohrnenn»lad t«eck wo. dea... Ich«u seht 60 Iadr, alt. ««Ii»,«9. 0»« 18 10. Beinriota Nenbart. Mernclet Strade 55.__ Ich ha« de» Ihrem Berliner klahlbrnun» seil 12 Jahren aUsädrNch 60 Masch» getrunken und diu je»i 54 Jahre all leb litt frSher an Stnhl- trSjhelt. Magenleiden wnd II lUnorrholdnlb rech wert! en, waa aleb la dleaer Zeit durch ihren Urannan alle» gebe.aert bat, an Kisiper- gewicht habe ich in dieser ZeU 30 Pfund zugenommen Aneh 1» dea Weebael- jahren bat der Brnaaern mir groeee Dleaete galalatet. Berti»«, 87. Juli 1010. Otäfesttade 8._ Frau Wehtborg. ... Ol-ichzeUig teile Ich Ihn» mit, daß aaeb die»«» Rai Ihr»Rerllaer Stablhreaaea" mich TOlIatäadlg wiederkergeateUt hat. lab litt a» Isehla» und war die Krankheit dieiu Sa]»ehr hartnäckig, acht Wochen lang Wae ich geniltgl, an eiüpen zu lauf». Cliarloitenburg. 87. Juli 1910. Laifeiin-Augufia-Allee 15-18. Krau Marta LoeUch. ... Ich litt aalt»tw» 16 Jahna g» hetflirwm I Hmrnlalden ud Blntnrrnat, hatte gfter hettlHc Selimeraen In der Brne! und Sllcbc In der linkem gelte, kuiaerdem litt Ich Jahre- lang aa hotelgcn Moploehmcraen. Maak Gabramch res M Raacko» ron Ihrem htahlbrannea bla leb au gkaallek TOB meinaa Sekaceraen hafkati, Berlin O 17, 0.(Rai 1910. Fruchtstt. 51. Ul. Otto Borgmr, Ith habe Ibra„Berliner Htahlbrnnnen* mit»ehr gntem■rfblre gegen Blateurinnt, ebronlaeben Rarhankatarrh ud Katarrtl der Lntlwwge getraaken,»o da»» loh 1km äkalleh Leideade» mit gutem Gewiseea empfehlen kann. Berti» SO, H,(Rai 1010. flnatmw m___.__ Mutlauer Ctt. 47. BB»t«w Taaehe,»nimaM. y- leb UM u BervttneB WBWibiiaebarewdeB wie Markar Btahl- veratopTanp. Parmkollk, annlcn und Halabrachwerdea konata keine aaeb ea leicht« Spelle mehr rertragen, hatte Jedeamal farebtbare sohmenea la Loiba ud Magern,[ob habe Ihren Stahl- brau» 4 MOBata go tranken I Jetxt kann ich wieder alle» aaeen ud trlaka» obaa Beacbwerdaa. Berlin. 0. Mal 1010, «ngelnfer 2o. IT. *•**. Reine Frau leidet in d» WeehBeI|nhren/a Uhr, bei Graumann, Naunynstr«»7: Oeffeutliche Kommunalwähierversammiittia für den 11. und IB. Bezirk. Tagesordnung: 1. Die Tätigkeit unserer Vertreter im rote» Hause. Referent: Reichstagsabgeordneter Frih Zubeil. 2. Diskussion. 216/6* Die Norstimde der sonaldmoliratifcheu Wahlvettillt. __ I. A.: Paul Hoffmann, Stralauer Platz 1/2. IM N- Arbeitsnachweis- Hol l. Amt 8. I2ZS. Berwaltungsstelle Berlin. Hanprburca«- okarttöilr-lSo 8. Hol III. Amt 3, ISS? Montag, den tt. März 1911: Bezirks- Versammlungen für die geiswte Verwaltungsftellc Berlin in folgenden Lokalen: Korden: Phaiun Müllerstrafte 14«. avends 8»/, Uhr. KOrden* 0bi."los Schwedter Strafte«3, abends Norden: Frankes Feststtle, Badstr. 19, adends 8'/, Uhr. Tansi• Wohlfahrt« Feststtle, Reintckendorf-Weft. Eichborn. I CUvi. stratze 18. abend« 6 Uhr. Neuwahl der Bezirksleitung. p,"n<'htsäle Kord'West, Wiclefstrafte«4, abends Westen und Schöneberj; Osten und Ucblenberg:®"5S".'eÄ,.i»n,te' Stralau u. Rutnmelsburg: Südenbezirbe: SrJStXtä'"*1*"""""" �mn' ,0- Ufaißanrna» Penkert« Kcstanrant, Berliner Allee SSI. nCillCllSCv. abends 8'/, Uhr. RlldOrf: Hoppe« Fe»t«ttle, Hermannstr. 49, adends s>/, Uhr. cdarlollenburg: volkshan«, Roslnenpr. 3. abends 81/, Uhr. Clatilifv* Restaurant Wahrendort, Groft-Ltchterfeldc, Baeke- OieyiUZ. strafte SS. abends 8'/, Uhr. Nöpeniel U.friedricbsliagen: �PLNst�«: abendS 3ft, Uhr. Ober-ScbBnewelde: Spandau: Restaurant BUhle, Havelstr. so, abends 8-/, Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht von der außerordentlichen Generalder- sammlung. 2. Stellungnahme zur nächsten ordentlichen General- Versammlung. nitgllcdsbaeli legltlmicrt, 113/1 Zahlreichen Besuch erwartet Die OrtsverwaUang. Dr med. Karl Reinhardts spezial-irztliohe Institute(Dr Geschiechtskrankheiten Haut-, Harnleiden, Schwäche. ' Neanderstrafie i2 Jaonowit«br«cke Potsdamer Straße 117, 11,1 dar I'fltaoWH/,t0 Uhr, in den Armin- Hallen, Kommandantenstr. 58/59, mit Demonstrationen an naturgetreuen WachsmodellOD, über kurpfusoherhafte I Behandlnngswclse, 211/16] Syphilisst£08ser reinseiden. Loulslne Helvetla glattes Gewebe, grosses Sortiment in heilen, mittleren und IOC dunkleren Farbentonen, auch schwarz. 50 cm breit jetzt Mtr. II■ i w Posten0886* gestreifter Blusenleinen imit, m heubuo und mittelblau, mit weissen Streifen, O O O Q ca. 63- 70 cm breit....... Meter OO Pt. n. 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FricdrichShagcn. Am Montag, den 6. März, im.Lindengarten", Friedrichstr. 74: Fünfter Vortragsabend des Genofien Piek.— Des weiteren findet heute die Urania-Vorstelluug statt. Abfahrt von Friedrichshagen um 12.04 bis Bahnhof Friedrichstraße. Stralau. Der Zahlabend findet diesmal für alle Bezirke ge- meinfain abends 8 Uhr bei Steinicke, Alt-Stralau Nr. 5 statt. Nach dem Zahlabend Mitgliederversammlung. Pankow. Am Mittwoch, den 8. März, gemeinschaftliche Zahl- abende für die Abteilung Nord iin Lokal von Rozicky, Lkreuz- straße 3—4, für S ü d im Lokal von Rösler im Türmchen, Kaiser- Friedrichstr. 15. Die Bezirksleitung. NowaweS. DieMitgliederversammlungdeS Wahlvereins fällt wegen der am Mittwoch stattfindenden Gemeindeverordneten- wähl aus, dieselbe findet am Mittwoch, den 15. März, im Partei- lokal Schmidts Festsäle. Wilhelmstr. 41-43 statt. Der Vorstand. Wilhelmsruh-Niederschönhausen-West. Die Mitgliederversamm- lung am Dienstag fällt aus, dafür am Mittlvoch abend 8 Uhr: geineinfchaftlicher Zahlabend im Lokal von Barth, Viktoriastraße 7. Die Bezirksleitung. Falkcnhagen-Seegefeld. Mittwoch, den 8. Mhrz, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn Nicolai: Mitgliederversammlung. Es ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Der Vorstand. ßerllner JVacbncbten. Bodelschwinghs„Segen". Zu unseren Ausführungen(in Nr. 53) über den Zustrom von Obdachlosen nach Berlin, die darauf rechnen, vom Obdach auf Kosten der Stadt nach Bodelschwinghs Arbeiterkolonien„Hoffnungstal" und., Gna- dental" überwiesen zu werden, schickt uns Pastor Onnasch, der geistliche Vorsteher von.Hoffnungstal", eine Erwiderung. Er schreibt: „Berlin zahlt wohl für 150 Leute pro Mann und Kopf 70 Pf., überweist hierher aber weit mehr als die doppelte An- zahl. So zahlte Berlin pro Januar 1911 für 4650 Verpflegungs» tage, aber nicht für 5739, die auch auf die von Berlin Ueber- wiesenen kommen. Nicht durch die Zahlung dieses Pflege- geldcs— denn der Mann kostet an Verpflegung, Invaliden- beitrögen und Lohn mehr als 70 Pf.— war eine Erweiterung der Kolonie möglich, sondern durch freiwillige Gaben privater Personen." Hier ist uns einiges unklar geblieben. Mindestens im Januar Hüll kann von„doppelt" nicht die Rede sein, da 5739 Verpflegungs- tage doch wohl nicht das Doppelt« von 4650 Verpflegungstagen sind. Warum gibt Paswr Onnasch nicht die Zahlen für ein ganzes Jahr? Er teilt auch nicht mit, wieviel ein Pflegling da draußen über- Haupt kostet. Bei seiner Angabe„mehr als 70 Pf." kann man sich alles mögliche denken. Daß„Hoffnungstal" auch private Spenden einheimst, ist bekannt. Wir glauben aber nicht, daß der Verein aus eigenen Mitteln samt Privatspenden, doch ohne einen Zuschuß der Stadt, seine Arbeit hätte erweitern oder auch nur in dem bisherigen Umfang fortsetzen können. Konnte er das, so hätte die Stadt längst die Verbindung mit »hm lösen und ihr Geld sparen sollen. Pastor Onnasch schreibt weiter: „Gnadental" ist für 80 Alte bestimmt, während Berlin im Januar z. B. nur für 20 bezahlte, für die anderen zirka 60 das Geld durch private Gaben aufgebracht wurde. Wieder ganz ab- gesehen davon, daß ein Alter pro Tag nicht 70 Pf., sondern 1,50 M. kostet." Will Herr Onnasch sagen, daß ohne den Zuschuß Berlins auch noch die 20, durch die die Kolonie„Gnadental" erst ihre volle Belegung erreichte, aufgenommen worden wären? Dann gilt auch hier, was wir oben erwiderten: die Stadt Berlin hätte längst ihren Zuschuß sparen sollen. Endlich schreibt der Herr Pastor noch: „Gerade die„Nachfolger" Bodelschwinghs haben keine Mit- hclferheftchen mehr ausgegeben, auch nicht auf eindringliche Bitten hin. Wohl ist die Anfrage um Aufnahme von Leuten von außerhalb sehr groß. Jedoch werden diese Leute niemals an das städtische Obdach Berlins verwiesen, sondern an die Arbeiterkolonie der betreffenden Provinz. Nur im Ausnahme- fall werden Leute aufgenommen, dann aber immer direkt gegen eine Verpflichtung der jeweiligen Wohnsitzbehörde oder privater Personen. Wie gering auch diese Zahl ist. beiveist die Tatsache. daß von unseren 410 Leuten zirka 350 von Berlin überwiesen sind." Wir nehmen Kenntnis von der bestimmt ausgesprochenen Be< hauptung, daß Bodelschwinghs Nachfolger„keine Mithclferheftchen mehr" ausgegeben haben. Wohl- gemerkt:„keine mehr". Daß sie ausgegeben wurden, wird nicht bestritten. Und auch das wird durch Stillschweigen eingeräumt, daß diese Mithelfcrhcftchen den Arbeitslosen"der Provinz den Weg über das Obdach der Stadt Berlin nach Bodelschwinghs„Hoff- nungstal" wiesen, zum Schaden unseres Stadtsäckels, der für Bodelschwinghs Kolonien alljährlich um 45 000 M. erleichtert wird. Wenn Bodelschwinghs Nachfolger„keine Mithelferheftchen mehr" ausgaben, dann hat wohl schon der alte Bodelschwingh den Einfall gehabt, die ihm untersagten Annoncen über das Obdach und über sein„Hoffnungstal" durch Mithelferheftchen zu ersetzen? Warum mag dä das Obdachkuratorium erst jetzt beschlossen haben, wegen der Mithelferheftchen den Magistrat uin Lösung jeder Ge- meinschaft mit dem Verein„Hoffnungstal" zu ersuchen? Wahrscheinlich sind die Heftchcn so massenhaft aus- gegeben worden, daß der Vorrat noch immer nicht erschöpft ist. Herr Onnasch hebt hervor, daß„von unseren 410 Leuten zirka 350 von Berlin überwiesen" sind. Warum sagt er nicht, wie viele der „zirka 350" noch durch Mithelferheftchen auf den Weg über das Obdach nach„HoffnungStal" ge- wiesen wurden? Das ist doch der Punkt, auf den es ankommt, Herr Pastor!_ Tie Ausstellung billiger Jugcndschriftrn im Gewcrkschaftshaus ist heute, Sonntag, von 5 bis 8 Uhr geöffnet. In der Ausstellung liegt ein Verzeichnis der Stellen aus, an denen die Bücher aus- gegeben werden._ Der Tod auf dem Berliner Polizeipräsidium. Im„Berliner Tageblatt" lesen wir:„Ein peinliches Vor- kommnis beschäftigt jetzt die Behörden. Der Kaufmann Rubin- stein aus Charlottenburg, Kaiserdamm wohnhaft, verließ vor einigen Tagen in den Nachmittagsstunden seine Wohnung und äußerte zu seiner Gattin, daß er zum Abendessen gegen 8 Uhr zurück sein werde. Rubinstein kam jedoch nicht zurück, und spät am Abend erkundigte sich die geängstigte Familie auf der Char- lottenburger Polizeiwache, ob irgendeine Meldung von dem Ver- mißten borliege. Die Polizei gab den Bescheid, daß eine Mel- dung über den Vermißten nicht eingegangen sei, und daß die Poli- zei in der Sache augenblicklich nichts tun könne. Am folgenden Tage vormittags kam plötzlich ein Polizeibeamter vom Revier und überbrachte der Gattin des Verschwundenen dessen Legitimations- Papiere mit dem Bemerken, daß sich Herr Rubinstein im Polizei- Präsidium zu Berlin befände. Man habe ihn abends zuvor gegen 8 Uhr besinnungslos auf dem Alexanderplatz gefunden, und, da der Polizeibeamte annahm, daß der Aufgefundene„betrunken" sei, habe man ihn in eine Zelle des Polizeipräsidiums gebracht. Als man am Morgen nach dem Inhaftierten habe sehen wollen, sei er to t gewesen. Die Familie des Verstorbenen ist über das Vorkommnis empört; sie behauptet, daß Rubinstein niemals in seinem Leben dem Trunk gehuldigt habe und lediglich infolge einer Krankheit besinnungslos umgefallen sein könne. Der Polizei wird der Vorwurf gemacht, daß sie— ganz gleich, ob der Aufgefundene betrunken oder besinnungslos in das Polizeipräsidium eingeliefert wurde— die Familie nicht sofort benachrichtigt und keinen Arzt geholt hat, sondern den Kranken die Nacht über seinem Schicksal überließ. Die Familie des verstorbenen Rubinstein hat bean- tragt, daß die Leiche obduziert wird, um die genaue Todesursache festzustellen. Die Angelegenheit wird, wie wir hören, von der Familie der Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung über- geben werden; die Hinterbliebenen sind der Ansicht, daß Rubinstein am Leben geblieben wäre, wenn der Polizeibeamte für ärztliche Hilfe Sorge getragen oder, da Rubinstein Legitimationspapiere bei sich trug, der Familie rechtzeitig Bescheid gegeben hätte." Selbst wenn der Aufgefundene, wie die Polizei annahm, betrunken gewesen sein sollte, so gehörte er nicht in eine Zelle des Polizeipräsidiums. Nach Abmachungen zwischen dem Polizeipräsi- dium und der Stadt Berlin sollen Betrunkene nicht ins Polizei- gewahrsam, sondern nach den Rettungswachen gebracht werden. Leider scheint nach diesen Abmachungen nicht verfahren zu wer- den. Sind die Schutzleute nicht informiert, wie sie sich Betrunkenen gegenüber zu verhalten haben? Der Mordverdacht gegen den Krankenpfleger Griehl aus der Blumenlhalstr. 1 hat sich so weit verdichtet, daß G. gestern nach' mittag dem Untersuchungsrichter zugeführt wurde, der darüber ent scheiden wird, ob G. in Untersuchungshaft zu nehmen ist. Es ist schon der dritte in der Mordsache Hoffmann schwer Verdächtigte. Ueber die praktische Tätigkeit de? Charlottenburger städtischen Wohnungsamtes, das mit dem 1. d. M. ins Leben getreten ist, machte gestern der zum besoldeten Wohnungspfleger gewählte Re- gierungsbaumeistcr Guth im kommunalen Frauenvcrein folgende Mitteilungen: Neben der systematischen Wohnungskontrolle sollen auch außer- ordentliche Besichtigungen von Wohnungen und Schlafstellen statt- finden. Diese erfolgen auf Anzeigen von Mietern, Vereinen usw. Die Anzeigen können auch anonym sein; nachgeprüft werden sie in jedem Falle. Anfangs werde man sich mit Ratschlägen und Ver- mahmungen zur Abstellung von Mißständen begnügen, aber auch kontrollieren, ob die Zusagen erfüllt worden seien. Geschehe dies nicht, erfolge nochmalige Warnung und bei hartnäckiger Weigerung das Eingreifen der Polizei. Mit dem 1. März ist auch die Poli- zeiverordnung bezüglich der Anmeldepflicht-für leerstehende Klein» Wohnungen in Kraft getreten, welche die Grundlage für den allge. meinen städtischen Wohnungsnachweis bilden soll. Mit dem Nach- weis hängt die Wohnungsstatistik zusammen, die erst ergeben soll, ob besondere Ntoßnahmen zur Beschaffung billiger Kleinwohnungen von der Stadtverwaltung getroffen werden müßten. Wann wird die Stadt Berlin endlich auf dem Gebiete des Wohnungswesens etwas tun? Auf der Mannschaftsstube erschoß sich vorgestern der Gardekürassier Krill vom Gardekürafsierregiment. Der Lebensmüde jagte sich, während die anderen Kameraden im Dienst waren, mit seinem Karabiner ein Geschoß in die linke Brustseite. Als andere Kürassiere hinzueilten, fanden sie den Kameraden leblo» am Erdboden liegend auf. AuS einer großen Wunde sickerte daS Blut heraus. Da der Selbstmörder noch schwache Lebenszeichen von sich gab, rief man schleunigst den Regimentsarzt herbei, der aber nur noch den in- zwischen eingetretenen Tod konstatieren konnte. Die Leiche wurde nach dem Garnisonlazarett in Tempelhof übergeführt. Wie ver- lautet, soll eine Untersuchungsaffäre, die sich nach einer bestimmten Richtung hin erstreckte. daS Motiv zum Selbstmord gewesen sein. K. gehörte der vierten Schwadron an. BerzwciflungStat einer Mutter. Zusammen mit ihrem Kinde hat sich am gestrigen Abend gegen 10� Uhr die 31jährige Frau Prem, Großbeeren Straße 10, wohnhaft, zu vergiften gesucht. Frau P.. die von ihrem Manne getrennt lebt, befand sich in recht ungünstigen Verhältnissen. Am Freitagabend bemerkten Flurnach- barn, daß aus der Wohnung intensiver Gasgeruch herausdrang. Man benachrichtigte sofort die Polizei und die nächste Unfallstation, von der ein Heilgehilfe herbeieilte. Als die Korridortür erbrochen worden war, fand man die lebensmüde Frau auf ihrem Bett liegend vor. Das Kind, ein sechsjähriges Mädchen, hatte offenbar versucht, von seinem Bett aus sich zu seiner Mutter zu begeben, war jedoch in der Mitte der Stube besinnungslos zusammen- gebrochen. Mit Hilfe von Sauerstoffapparaten gelang es, die Frau und das Mädchen nach mehrstündigen Bemühungen wieder ins Leben zurückzurufen. Mutter und Tochter wurden in das Urban- Krankenhaus übergeführt, wo sie an einer Gasvergiftung schwer darnicderliegen. Ein Strahenbahnunfall, bei welchem zwei Personen verletzt wurden, ereignete sich Freitag nachmittag gegen 2 Uhr vor dem Kri- minalgcricht in der Rathenower Straße. Dort wollte die in der ThomasiuSstraße 19 wohnende Frau Marossow mit einem � zwei- jahrigen Mädchen, das sie an der Hand führte, kurz vor Heran- nahen eines Motorwagens der Linie 23 über das Gleis laufen. Beide Personen wurden von dem Vorderperron des Triebwagens umgestoßen und gerieten unter den Schutzrahmen. Frau M. erlitt Hautabschürfungen, das Kind eine leichte Gehirnerschütterung. Die Verletzten erhielten die erste Hilfe in der Rettungswache im Kran- kenhause Moabit und wurden dann mittels Droschke nach der Wohnung gebracht. Bin einem Postautomobil überfahren wurde gestern nach- mittag gegen 6 Uhr das vierjährige Töchterchen Rita des im Hause Franseckistratze 13 wohnhaften Schneider? Rainowitz. Die Kleine geriet beim Spielen auf dem Damm vor dem elterlichen Hause unter das Automobil Nr. 20, dessen Räder ihr über den Unterleib und beide Beine hinweggingen. In schwerverletztem Zustande wurde das Kind von der einige Minuten später herbeieilenden Mutter zur Anlegung eines Notverbandes einem Arzt zugetragen. In eine Juwelen- und Goldwarenbörse hatte sich gestern vor- mittag das Zimmer 95 der Kriminalpolizei am Alexanderplatz ver- wandelt. Unsere Mitteilung von dem großen Fund in einem Hehler- neste in Alt-Berlin veranlaßte viele Geschäftsleute, die in der letzten Zeit in Berlin und Umgegend bestohlen worden sind, sich einmal daS beschlagnahmte Lager anzusehen, in der Hoffnung, wieder in den Besitz ihres Eigentums zu gelangen. Viele sahen auch diese Hoff- nung erfüllt. So befand sich unter den beschlagnahmten Sachen u. a. ein großer Teil der Beute, die Einbrecher am 5. Dezember v. I. in der Uhrengroßhandlung von Schulz in der Kommandantenstr. 70 machten, nachdem sie durch die Decke in den Laden eingedrungen waren. Auch andere Bestohlene fanden ihre Schmuck- und Wert- fachen wieder. Noch immer bleibt jedoch ein erheblicher Teil Sachen aller Art übrig, deren Eigentümer noch nicht bekannt sind. Im Laufe des Nachmittags wurden noch weitere Beutestücke bon den bestohlenen Eigentümern erkannt. Sie stammten aus Ein- brüchen, die bei Felsing, Unter den Linden, bei einem Geschäfts- mann in der Kurfürstenstraße, hier schon im Mai v. I., und an anderen Stellen verübt wurden. Der Berein zum Schutze der Tiere und gegen die Vivisektion schreibt uns: Infolge Erhöhung der Hundesteuer von 20 auf 30 M. ist es vielen nicht mehr möglich, ihren oft einzigen Freund und Lieb- ling zu behalten. Wir richten daher an alle diejenigen, die ihre Hunde abschaffen müssen, die dringendste Bitte, die Tiere nur dann am Leben zu lassen, wenn die Besitzer sie Freunden übergeben können. Persönlich oder durch Zeitung sich meldende Liebhaber für Hunde, selbst wenn sie die Tiere kaufen wollen, bitten wir im Jnter- esse der Hunde, die ja zu Hunderten in den Folterkammern der Vivi» sektion nach teuflischen Martern ein qualvolles Ende finden, grund- sätzlich abzuweisen. Die völlig schmerzlose Tötung geschieht am besten, wenn nicht durch einen Tierarzt, durch den Deutschen Tier- schutzverein, 0. 27, Schicklerstraße 4. Der Preis beträgt 0,75 M. 8 bis 9. 2 bis 3 Uhr. Durch Erschießen Selbstmord verübt hat ein junger Mann, dessen Leiche am Donnerstag früh am Schlachtensee gefunden wurde. Neben ihm lag der Revolver, mit dem er die Tat verübt hatte. ES handelt sich um einen Mann von etwa 20 Jahren, der äugen- scheinlich den besseren Ständen angehört. Er ist bartlos, hat röt- liche Haare und ist etwa 1,70 Meter groß. Als Kleidung trug er einen grau gestreiften Ueberzichcr, braunes Jackett und Weste sowie graue Hosen. Von der Leibwäsche ist ein grün gestreiftes Ober- Hemd mit den Buchstaben F. P. gezeichnet. Außerdem trug ergraue Strümpfe und schwarze Schnürstiefel, sowie einen schwarzen steifen Hut, der die Firma F. Karl Wittenberg, Steglitz, führt. Eine Poliklinik für Zahn- und Mundkrankheiten hat der Zahn. arzt Heinrich Strauß in der Luisenstr. 19 eröffnet, in der er abends von 6—7 Uhr für unbemittelte Zahnkranke u n e n t g e l t- l i ch zu sprechen ist. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Bor- orte veranstaltet auch in dieser Woche hygienische Vorträge, die, wie nachstehend aufgeführt, stattfinden. Der Zutritt zu diesen Vor- trägen ist für jedermann frei. Am Montag, den 6. März 1911, spricht Herr Professor Dr. Neu haus im Bürgersaal des Berliner Rathauses'"«ber das Thema:„Frühdiagnose des Krebse S". Ebenfalls am Montag, den 6. d. M., spricht Herr Dr. W. Holdheim in der Ge- meindeschule Gneisenaustraße 7 über das Thema:„Ursachen und Verhütung der Schwindsucht". Am Donnerstag, den 9. März, sprechen über das Thema:„Ver- dauung beim Gesunden und Kranken" Herr Dr. E. Schlesinger in der 247.1252. Gemeindeschule, Rigaer Straße 81/82, Herr Dr. G. Jo» seph in der 240./254. Gemeindeschule, Waldcnserstr. 25/26, Herr Dr. Sanberg in der 117./173. Gemeindeschule, Eberswaldcr Straße Nr. 10, Herr Dr. Ratkowski in der 115./237. Gemeindeschule, Ska- litzer Straße 55/56. Am Freitag, den 10. März, sprechen über das Thema:„Frauen- krankheiten und ihre Verhütung"(nur für Frauen) Herr Dr. Zadel in der 81./109. Gemeindeschule, Tilsiter Straße 4/5, Herr Dr. Falk in der I18./127. Gemeindeschule, Pankstraße 17, Herr Dr. P. Meyer in der 228./S279. Gemeindeschule, Pasteurstraße 5. In Boxhagen-Runimelsburg spricht am Dienstag. den 7. März, Herr Dr. N. Braun in der Neuen Schule in der Markt- straße über das Thema:„Die chronischen Beinleiden und ihre soziale Bedeutung".(Mit Demonstrationen.) In Charlottenburg in der 2. Gemeindeschule, Sophie- Charlottenstraße 69/70, spricht am Mittwoch, den 8. März, Herr Dr. Byk über das Thema:„Ernährung". In Cöpenick in der Mädchen-Mittelschule, In der Freiheit. spricht am Dienstag,'den 7. März, Herr Dr. Wegscheidel über das Thema:„Alkohol und Gesundheit". Für Friedenau und Steglitz spricht am Montag, den 6. März, Herr Dr. F. Großmann über das Thema:„Verhütung und Bekämpfung von Ohrenleiden" im Sitzungssaal der Gemeinde» Vertretung, Gymnasium am Mahbach-Platz. Friedenau. In Lichtenberg in dtr Gemeindeschule Kronprinzenstr. 10 spricht am Donnerstag, den 9. März, Herr Dr. Baur über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen.) Für M a r i e n d o r f und Tempelhof spricht am DonnerS- tag, den S. März, Herr Dr. P. Richter über das Thema:„Verhütung und Bekämpfung der Tuberkulose"(mit Demonstrationen) im Restaurant Löwenhagen, Mariendorf, Chausseestraße 27. In P a n k o w in der 2. Gemeindeschule, Grunowstraße, spricht am Donnerstag, den 9. März, Herr Dr. A. Simon über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen.) In Reinickendorf in der 3. Gemeindeschule, Pankowcr Allee, spricht am Mittwoch, den 8. März, Herr Dr. Chajes über das Thema:„Verhütung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten". In R i x d o r f spricht am Freitag, den 10. März, Herr Dr. Fuld in der 9./I0. Gemeindeschule, Kaiser Fricdrichstraße 4, am Hermannplatz, über das Thema:„Verhütung der häufigsten Magen- krankheiten". In S ch ö n e b e r g in Ler tO./ll. Wemeindeschule, Feurlgstr. 57, spricht am Dienstag, den 7. März, Herr Dr. Heinsius über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung".(Nur für Frauen.) In Tegel in der Gemeindeschule, Treskowstr. 26/31, spricht am Dienstag, den 7. März, Herr Dr. I. Friedeberg über das Thema:„Die Ursache und Verhütung der Schwindsucht". In W e i ß e n s e e in der Gemeindeschule, Langhansstraße 126, spricht am Freitag, den 16. März, Herr Dr. Eiler über das Thema „Schutz und Pflege des Auges". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich um 3 Uhr abends. Aus Barietsprogrammen. DaZ Ap ollo-Theater bringt in seinem Märzprogramm ein Gastz spiel Alwin Neuß' in dem Sensationsdrama:„Bete gis". Der Einakter von Andre de Corde und Pierre Chaime spielt in einem Obsnadre separä in Paris. Im Mittelpunkt steht ein russischer General— von Neuß dargestellt— der in seinem früheren Wirkungskreis ein Scheusal an Grausamkeit war und an seinen Schellßlichkeiten gegen Unschuldige Freude fand. Die Schwester eines seiner Opfer nähert sich ihm unter der Maske einer Halbweltdame. Im Separee sucht der rohe Bursche mitder hübschen Blondine geheime Freuden; aber seineHoffnung wird nicht erfüllt. Er betrinkt sich auf Zureden und schließlich läßt die Rächerin die Maske fallen, nötigt ihn, die Freilassung des Bruders zu unterschreiben und erwürgt ihn dann. Mit Hilfe falscher Detek- tivs entzieht sich das Mädchen der Ergreifung durch die Flucht. Alwin Neuß versteht es mit Hilfe seiner Partnerin Toni Tetzlar nervenerschütternde Wirkungen zu erzielen. Diesem ernsten Stück ging ein kleines Liebesspiel von Käthe Jansen:„Liebesabenteuer" voraus, das einige ganz nette von Einödshofer vertonte Liedchen enthält. Neben diesen Gaben enthält das Programm noch gute Spezialitäten, als da sind die Violinvirtuosen Geschwister Taubert und das Duettistcnpaar Wilkens-Schubhoff. Im Wintergarten sind wieder einige alte Bekannte ein- gekehrt. Da ist der bewegliche Robert S t e i d l. der mit neuen Schlagern sein Publikum amüsiert und in seiner Parodie auf den Humpelrock oder seiner Satire auf Karin Michaelis die Lacher auf seine Seite bringt. Olga DeSmond wirbelt im Schleiergewand über die Bühne und Ida Füller produziert sich als Phantasietänzerin von prachtvollen Lichteffekten eingerahmt. Auch der Gesang hat eine respektable Vertreterin in Alice O'Brien von der Komtschen Oper in Paris._ Arbeiter Samariter-Kolonne Grost-Berlin. Montag, den 6. März, abends 9 Uhr, 1. Abteilung, Dresdener Str. 46, Vortrag von Herrn Dr. Arensberg über Vergiftungen. Hieran anschließend Verbandübungen.— Am Sonntag, den 26. März, vormittags, in Pankow, Wendelstraße, Turnplatz Fichte, Geländeübung aller KursuSteilnehmer und Mitglieder der Kolonne, evtl. mit Bc- Nutzung der Zelte._ Vorort- JVacbricbten. Ein abgekartetes Spiel. Wie sehr die wahlrechtsräuberische Mehrheit im Rathause in ihrem Tun das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen hat, zeigte sich wieder deutlich am Tage ihrer zweiten schmählichen Niederlage; an dem Tage, wo den Nixdorfern durch das Oberverwaltungsgericht nachgewiesen wurde, daß sie gegen Gesetz und Recht ihre Herrschast ausüben. Just an diesem Tage sollte dieses ungesetzmäßige Treiben eine eigenartige Beleuchtung erfahren. Die WahlrechtSräuber schmiedeten neue Pläne zum— weiteren Segen Rixdorfs. Doch leider— die Regie klappte nicht k Am Freitag, den 3. März, sollt« die in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung gewählte Kommission, welche die wichtige Frage prüfen soll, ob Nixdorf seinen Namen ändern oder behalten soll, zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Pünktlich zur festgesetzten Zeit fanden sich die sozialdemokratischen Mitglieder der Kommission ein. Kein Bürgerlicher, kein Magistratsvertreter war weit und breit zu entdecken. Lange warteten unsere Genossen vergeblich. Endlich nach langem Harren kamen die Herren. Fein säuberlich, einer nach dem anderen. Feierlich begrüßten sich dieselben, als ob sie sich seit langem nicht gesehen hätten. Und doch kamen sie alle erst aus einer gemeinsamen Sitzung; d. h. die Kommission tagte vor der fe st gesetzten Zeit unter Ausschluß der Vertreter der größten Partei Rixdorfs, der Sozialdemokratie. Nach den ein- leitenden Worten des Oberbürgermeisters trat dann eine lange Ver- legenheitSpause ein, als von unseren Genossen keiner das Wort nahm. Nach kurzen Bemerkungen der Vertreter der Bürgerlichen, denen man daS Gemachte ohne weiteres anmerkte, gaben unsere Genossen die folgende Erklärung ab: Daß sie eS mit ihrer Würde nlcht für vereinbar halten, an dieser Komödie mitzuwirken, nachdem die Koni Mission unter Ausschluß der drei Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion sich bereits verständigt und Vereinbarungen erzielt haben. EisigyS, verlegenes Schweigen folgte dieser Erklärung. Betroffen schwiegen die Herren, da sie ertappt und ihre Schleichwege aufgedeckt waren. Erst nach Schluß der Sitzung, als es manchen: zum Bewußt- sein kam, welche unfaire Rolle er gespielt haben könnte, gab es Entschuldigungen. Nachdem die Beute verteilt war und unsere Genossen rechtzeitig den Plan entdeckten, versuchten die beteiligten Verschwörer die heimliche Zusammenkunft als ganz harmlos und völlig belanglos hinzustellen. Mit derselben Heimlichkeit wurde der Wahlrechtsraub eingeleitet, der dann ein so unrühmliches Ende für seine Väter nehmen mußte. Wer vermag zu sagen mit welchen Plänen die Attentäter auf Recht und Gesetz schwanger gehen. liebet all' diesen heimlichen Konferenzen, die allem Anschein nach daS Licht der Oeffentlichkeit doch scheuen müssen, schwebt der Geist deS liberalen Oberbürgermeisters Kaiser, der den Kampf gegen die Sozialdemokratie organisatorisch zu leiten scheint. Hoffentlich blüht ihm und seinen Getreuen' bald der verdiente Orden I_ Ein Ueberfall ist in der vergangenen Nacht auf die 22 Jahre alte Frau deS MalerS Kuhrt aus der Herrfurthstraße 13 verübt worden, die Verwandte in Berlin besucht hatte. Als sie ans dem Heimwege um 11»/, Uhr auf dem Herrfurthplatz vorbeiging, sah sie einen Menschen dort sich bewegen, der ihr Furcht einflößte. Der Fremde schien die Schillerpromenade entlang gehen zu wollen, dann tauchte er plötzlich an der Ecke der Lichtenrader- und der Herrfnrth- stratze wieder auf. Jetzt sprang er auf die junge Frau zu und per- fetzte ihr einen tiefen Stich in den Rücken. Die Gestochene schrie laut auf, während der Kerl die Flucht ergriff und in großen Sätzen davoneilte. Paffanten, die auf die Hilferufe herbeieilten, nabmen sich der Frau an und machten fich an die Verfolgung des Unholdes, tonnten ihn aber nicht einholen. Die Verletzung ist schwer, aber nicht lebensgefährlich. Sie rührt anscheinend von einer Feile hex. Frau Kuhrt kann den Täler nur unvollkommen beschreiben. Hiernach ist er ein kleiner Mensch mit anscheinend dunklem Haar, der eine Schirmmütze und einen langen Uebcrzieher trug. Einen schreckliche» Tod fand der 49 Jahre alte Kutscher Friedrich Lehmann. JuIiuSstr. 54. L. hatte eine Fuhre Dung vom Grundstück Weigandufer 49 abholen wollen. Er stürzte beim Besteigen des Fuhrwerks vom Bock herunter und da die Pferde bereits angezogen hatten, gingen die Räder des schweren Wagens den« Unglücklichen über die Brust hinweg. Der Vorfall war leider nicht bemerkt worden, und so mußte der Verunglückte einen elenden Tod unter dem Wagen finden. Erst einige Zeit später fand man den Leichnam Er wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Charlottenburg. Das Charlottenburger Kaufmannsgericht hat im Geschäftsjahre 1910 565(nicht, wie irrtümlich mitgeteilt, 265) Streitiachen er- ledigt. Charlottenburg als Millionenerbin. Die verstorbenen Eheleute Raussendorff, haben die Stadt Charlottenburg zur Erbin ihres Vermögens eingesetzl, das sich nach Abzug der Legale bei günstigem Ver- lause der Nachlatzgrundstücke auf rund 2'/3 Millionen belaufen wird. Noch de» Bestimmungen der Erblasser soll mit 5/» des Geiamlnach- lasseS ein Allersheim begründet werden, für männliche und weibliche Angehörige gebildeter Stände christlicher Konfession, insbesondere Maler, Bildhauer, Musiker beiderlei Geschlechts, ferner Lehrerinnen. die in Familien oder an Privatanstalten tätig waren, sofern die Aufzunehmenden das 60. Lebensjahr nicht überschritten haben, nicht mehr erwerbsfähig sind und sich in wirtschaftlich bedrängter Lage befinden. Charlottenburger und Berliner sollen, falls sich aus beiden Städten gleich viel Bewerber melden, in ungefähr gleicher Anzahl aufgenoinmen werden. Vom Gesamtnachlaß sind serner für die Charlottenburger Ferienkolonien ein Achtel und zugunsten der Armen und Hilfsbedürftigen zwei Achtel bestimmt worden. Wilmersdorf-Halensee. Die Stichwahl zur Stadtverordnetenversammlung in Halensee I, bei der unsere Parteigenossen in Ermangelung eines eigenen HauS- besitzet-Kandidaten für den Demokraten Ludwig Engel mann eintreten, findet am Donnerstag dieser Woche, vormittags von 9 bis 2 Uhr und nachmittags von 4 bis 8 Uhr, im Restaurant Kurfür st enpark statt. In einer Volksversammlung, die. Montagabend 8»/, Uhr im Kurfürstenpark abgehalten wird, hält der Schriftsteller v. Gerlach einen Vortrag„Rechts oder Links", worin auf die Bedeutung der Stichwahl hin- gewiesen wird. Die Leiche eines neugeborene» Kinde? männlichen Geschlechts wurde vorgestern vor dem Hause Johannisberger Straße 110 in einem Schutthaufen aufgefunden. Allem Anschein nach hat die kleine Leiche an dieser Stelle schon 10 bis 14 Tage gelegen. Spuren äußerer Gewalt waren an dem Körper des Kindes, der allerdings stark in Verwesung übergegangen war, nicht bemerkbar. SchönederK« Ein vildlcdcrncS graues Portemonnaie nebst Inhalt hat ei» Arbeiter aus dem Wege von der Kolonnenstr. 5 bis zur Siegsried- straße 4 verloren. Da der Arbeiter durch den Verlust empfindlich getroffen ist, wird der ehrliche Finder gebeten, das Portemonnaie gegen Belohnung bei Glagow. Siegfriedstr. 4, abzugeben. Tempelhof. Während in der Einwohnerschaft das Gerücht Verbreitung fand, die Gemeinde bewerbe sich um den Ankauf des historischen Grundstücks von Kreideweiß, unternahm die Gemeinde in aller Stille vorbereitende Schritte zum Ankauf eines anderen Terrains. In Aussicht genommen war das den Bredereckschcn Erben an der Berliner Straße 91—98 gelegene, 954,62 Ouadratruten große Grundstück, auf welchem nunmehr der Bau eines Rat- " a u s e S geplant ist. Slachdem der Ankauf in der letzten geheimen itzung vorbcratcn war, erfolgte jetzt in einer außerordentlichen Sitzung die Beschlußfassung. In dieser Sitzung wurde auch ein- mal Opposition getrieben— eine im Dorfparlament sehr selten wiederkehrende«Erscheinung. Von langer Dauer war diese Oppo- ition freilich nicht. Aus dem Geplänkel, das diese bürgerlichen Herren führten, ging nämlich hervor, daß zu den Bredereckschcn Erben der vor kurzer Zeit geivahlte Schöffe, iserr Bankier Grunack, owie eine Frau Dr. Schmidt(vermutlich die Gattin des neu ge- wählten Vertreters gleichen NamenS) gehören. Während der letz- tere Herr auf ein Mißverständnis in den Verkaufsbedingungen hindeutete, erklärte Herr Grunack für seine Person, daß er gar keine Veranlassung habe, auf ein Recht, welches für die Gemeinde eine Last darstelle, zu verzichten. Es handelt sich um einen 65 Zen- timeter auf 20 Zentimeter auslaufenden Landstreifen. Ein Ver- treter bezeichnete eine derartige Handlungsweise als nicht an- tändig und hoffte, daß Herr G. sich beugen werde, wenn hier das öffentliche Interesse in Frage komme; seine Eigensinnigkeit möchte er doch aufgeben. Unter diesen Verhältnissen sei es besser, wenn die Gemeinde überhaupt auf den Ankauf verzichtete. Schöffe Gru- nack verbat sich diese Aeuherungen und bemerkte, daß e r es gerade aewesen sei, der auf dieses Grundstück aufmerksam gemacht habe. Der Gemeindebaumeister erklärte diesen Streifen Land zwar für entbehrlich, aber für einen unerwünschten Zustand, da die Post zur Legung der Kabel diesen Streifen zu beanspruchen habe. Von anderer Seite wurde erwähnt, daß der Kaufpreis nicht sehr er- mäßigt und auf ein größeres Entgegenkommen gerechnet worden sei. Geschäft sei eben Geschäft. Ein Aermittelungsvorschlag wurde eingebracht, den der Vorsteher befürwortete. Dieser Borschlag besagt, daß der Lanrstreifen Herrn Grunack belassen wird. solange die Gemeinde diesen nicht braucht. Die Opposition ver- stummte und die streitenioen Herren beschlossen einstimmig den Ankauf des Grundstücks zum Preise von 470 000 M. Auf die Frage. ob denn die 70 000 M. betragenden Ankaufsgelder vorhanden seien, mußte der Vorsteher, der erst in der vorigen Sitzung die günstige Finanzlage schilderte, zugeben, daß nicht nur die 400 000 M. ge- liehen, sondern auch die 70 000 M. durch Anleihe gedeckt werden müssen. In der nachfolgenden geheimen Sitzung werde diese Frage besprochen werden. Jedoch mache er kein Hehl daraus, daß auch an eine Erhöhung des Zuschlages zur Einkommensteuer gedacht werden müsse. Boxhagen»Rtlmmelsburg. Die Kanfmannsgerichtswahl für Handlungsgehilfen findet am nächsten Sonntag, den 12. März, abend» H7—H8 Uhr, im Nestau- rant Gustav Schneider, Sonntagstraße 1, statt. Wahlberechtigt ist jeder Handlungsgehilfe, der in Box.hagen-RummelS- bürg beschäftigt ist. bis zum IL. März daS L5. Lebensjahr vollendet hat und nicht über 5000 M. jährlich verdient. ES ist zu erwarten, daß alle Handlungsgehilfen, die ihre Interessen erkannt haben, der Liste II des Zentralverbandes ihre Stimme geben, so daß wie bei allen Wahlen, die in letzter Zeit in Groß-Berli» stattfanden, der Zentralverband der Handlungsgehilfen und-gehil- sinnen Deutschlands auch aus dieser Wahl mit einem erfreulichen Siege hervorgeht. Jeder Leser trag: dazu sein Teil bei. Jede Auskunft erteilt die Geschäftsstelle Berlin, NO. 43, Neue König- straße 36(VII. 1622). Johannisthal. Eine sogcnlutute Opferpener von 10 Pf. fordert der Pfarrer der benachbarten Gemeinde Rudow, der avsonntäglick nach Johannistal kotümt, um in der Aula der hiesigen Gemeindeickule den GotteS- dienst abzuhalten. Die Einwohner, die in der Mehrzahl innerlich bereits mit der Kirche gebrochen haben, können eS sich nicht erklären, weshalb ihnen neben den Kirchensteuern noch 10 Pf. extra am An- fang des JahreS abverlangt werden. Wenn schon der Herr Pfarrer einen besonderen Obolus fordern zu müssen glaubt, sollte er diese Forderungen auf diejenigen ausdehnen, die ein Bedürfnis nach der sonntäglichen Predigt haben. Bei dieser Gelegenheit kann nur wiederholt werden, daß der- jenige, der solchen Scherereien entgehen will, seinen Austritt aus der Landeskirche erklären muß. Sten-Zittau(Kreis Beeskow). Bor einer gilt besuchten BoNSversammlung im Gasthof zum Oder-Spree-Kanal in Wernsdorf referierte Genosse Schulze- Neu- ' Zittau über das Thema:„Sin sterbender Reichstag und die Volks« Meinung." In der Diskussion unterstützten besonders die Genossen Fiedler und Petter die Ausführungen des Referenten. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Mit einem begeisterten Hoch auf die Partei ging die vom besten Geist beseelte Versammlung auseinander. Nieder-Schönhausen, Nordend. Ueber deutsche Geschichte referierte in der letzten Versammlung des Wahlvereins Genosse Hiege. Sodann wurden 7 neue Ge- nassen vom Orte und 4 aus Blankenfelde aufgenommen. Der ver- waiste Posten einer Beisitzerin in der Bezirksleitung wurde auf Antrag des Frauenleseabends am 21. Februar durch Frau Petri besetzt. Den Bericht über die Kreisgeneralversammlung erstattete Geiwsse Vieth. An der folgenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Grnmmow, Buchweiz, Hiege, Hellrich, Vieth und Müller. Unter Verschiedenes wurde bekannt gegeben, daß der Beamten- Wirtschciftsverein demnächst eine Verkaufsstelle am Orte eröffnet. Den Arbeitern werde hiermit der Weg der Selbsthilfe gezeigt. Durch die Errichtung einer neuen Verkaufsstelle der Konsum- genossenschaft in Pankow werde es den Genossen ermöglicht. Mit- glieder der Genossenschaft zu werden und ihren Bedarf aus der- selben zu decken. Zum Schluß gab Genosse Hellrich einen eingehen- den Bericht von der Gemeindevcrtretersitzung. Hus aller Alelt. Oer Zuchthäusler als pollzelpräflcleiit. Einen recht repräsentablen Herrn hatten sich die biederen Bürger der Stadt D a n v i l l e im Staate Virginia vor einigen Jahren als Polizeipräsidenten erkoren. Wie ein Telegramm meldet, ist der Brave, der seit fünf Jahren die polizeilichen Geschicke der Stadt lenkt, jetzt als ein dem Zuchthaus Entsprungener entlarvt worden. Vor 14 Jahren hatte der jetzige Polizeichef, Morris ist sein Name, einen Mord verübt und wurde deswegen zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt. Bald gelang es ihm. aus dem Zuchthause zu entfliehen, ohne daß über seinen Verbleib etwas ermittelt werden konnte. Nach einer Entlarvung wurde Morris festgenommen, öffentlich degradiert und dann wieder nach dem Zuchthause abgeführt. um seine Strafe weiter zu verbüßen. Uebrigens soll der Expolizeiches der Auffassung sein, daß er als Hüter der öffent- lichen Ordnung nicht schlechter gewesen sei. als mancher seiner Berufskollegen._ Schweres Unglück bei einer Flugderanstaltnng. Ueber das gestern gemeldete schwere Unglück, daS bei einer Flugvorführung in Madrid sich ereignete, liegen heute Meldungen vor, wonach die Unvorsichtigkeit der Zuschauer die Schuld an dem Unglück trägt. Als der Flieger sich etwa zwei oder drei Meter vom Erdboden erhoben hatte, riß die Menge, im Glauben, daß der Abflug bereits bewerkstelligt sei, die Schranken um und drängte in die Bahn. Plötzlich senkte sich das Flugzeug wieder herab und geriet in die Menge, wobei durch die Flügel der Schraube einer Frau der Kopf fast abgerissen wurde. Zwei Militärpersolien, ein Priester und ein hoher Beamter wurden am Kopse schwer verletzt._ Schmiergelder für die Polizei. Ungeheuerliche Zustäilde bei der New U o r k e r Polizei wurden nach einem Telegramm deS„New Aork Herald" durch folgende Affäre entbüllt: Herr v. Arcovy, der unlängst unter der falschen Anschuldigung, zwei Platinretorten gestohlen zu haben, ver- haftet worden war, ist nunmehr wieder in Freiheit gesetzt worden. Er erzählte, daß die Polizei ihm während seiner nur kurzen Hast von 24 Stunden furchtbar viel Geld gekostet habe. So habe er u. a. einem Polizisten, der ihm einen Mann suchen sollte, um die für seine Freilassung nötige Kaution zu stellen. 200 Dollar zahlen müssen. Weitere 100 Dollar mußte er zur Verteilung unter andere Schutzleute hergeben. Er er« klärt: Ich kann daS New Voller Polizeisystem. da, jährlich 17 Millionen Dollar kostet, nur verachten; ich muß sagen, daß e» nach Trinkgeldern und BestechungSgeldern stintt._ Hochwasser in Belgien. «uS Lüttich wird berichtet, daß die MaaS und ihre sämtlichen Nebenflüffe seit vorgestern wiederum Hochwasser führen. Di« KaiS find bereits zum großen Teile überschwemmt. Such in N a m u r droht das Wasser die KaiS zu überfluten. Ferner wird gemeldet, daß daS Waffer der Curthe über Nacht stark gestiegen ist. sodaß ein- ganze«nzahl Fabriken überschwemmt wurde. Das Waffer überflutete die Walzwerke von S a u h e i d und DuMonseat, wo die Arbeit völlig eingestellt werden mußte. Das Stauwerl von Gilleppe ist derartig mit Waffer angefüllt, daß fast jede Minute amlähernd 1500 Kubikmeter Wasser sich über die Staumauer ergießen und das Tal überfluten. Die Schifi- fahrt auf der Scheide ist bereits erheblich beeinträchtigt, und es ist wahrscheinlich, daß der Verkehr auf diesem Fluß vollständig ein» gestellt werden muß._ Kleine Notizen. Ein« Gräfin al, Urkundcnfälscherin. Wie«in Telegramm aus Budapest meldet, ist dort die Frau deS Grafen Ladislaus Stadnicki in Untersuchungshaft genommen worden. Die wohledle Dame wird beschnldigt, Urkundenfälschung und Betrug begangen zu haben. Die Revolverspirlerei im Beuthener Gymnasium, über die wir gestern berichteten, hat den Tod des schwer verl-tzten Gymnasiasten herbeigeführt. Der junge Man», Sohn de« Ober- bürgermeisters der Stadt, ist gestern morgen im Krankenhause ge« storben. Schwere Brandkatastrophe. Eine FeuerSbrunst hat zu Santo T h i r s o in Portugal«ine Spinnerei zerstört. Der Bau stürzt» zusammen und begrub unter den Trü»iniern zahlreiche Arbeiter, von denen zwei tot und acht tödlich verletzt geborgen wurden. Bon einem Stier aufgespießt. In Nach«ringen an der französisch- luxemburgischen Grenze wurde der Landwirt T r i p t e n von einem plötzlich wütend gewordenen Stier aufgespießt. Der Un- glückliche erlag kurze Zeit darauf seinen schweren Verletzungen. Zwei seinerSöhne sowie ein deutscherStolllnecht namens Müller, die dem Landwirt zu Hilfe eilen wollten, wurden ebenfalls erheblich perletzt. Die Verletzungen des Stall- knechtes sind derart, daß an seinem Luslommen gezweifelt werden muß. Keinr Ehrung für den„Nordpolentdecker". Der amerikanisch» senat hat den Antrag, P e a r y in Anerkennung seiner Nordpol» fahrt den Rang eines Konteradmirals zu verleihen, abgelehnt. Offenbar steht die Nordpolentdeckung nach den Schwindeleien Cook«, des Rivalea P e a r y s, bei den Herren Senatoren»cht allzuhoch im Kurse._ «mlltcher Marktbericht der ftSdltschen KarHSanai-DtrefHon Met den»roichandel in den Zentral-Marttballen. Marttlaae: Flett«. Zujlchr schwach. Geschäst rubig, Preist unverändert. Wild: 3ul»dr tevr gering. tScichüst l-bhast. Preist gut. Wurde di» i. unser««hrordentlichr» Ornirulurrlammlun,»um 2Z. IZril 1810 drschlofiene Sihodung unfetts Vitien. utitnia um 20 Million,» auf 200 Million!» Morl durids-stihrt und u»t-r d-m 1Z. M»i 1810 i» d»Z Hondrliritiftrr«°» Driidrn ,inz«t>«sen. Jnsol«, d« sufioni- wdsen Uedernohm« der Breilourr Wechilrrdonl und der Würitemderzischen Landet- donl wurden unsere neuen Niederlaffunsen i» Breilan, Lu«»itz, Gleiwitz»nd Bunilou sowie in Stuttgart, Heilbronn und Ulm erdssner idleichteilig wurde unsere Vir- rindaruna mit drr Alurngesillschos! Vonou« I. vllord S Ei« in Poris dersell. an weich« wir u»i mit«rnem nambosien Vlliendett beteiligt baten! unsere Erwartung, bat wir in dirsr» Beteiligung«ine» werlvallen Stützpunlt siir unser ausländisches Sljchäsl gewinnen würde», Hai sich vollaus bestätigt. Der Buchgewin»«US de» Fufioni» u»d dag Vgio des an ei» Lonsorlium begebenen Zeilei der jungen Aliien ist»ach Adiug der durch diel, Traaialiionen erwachsenea Koste» go»j dem geietziichen liieserdesondz zugesubil worden. Unier« bilontmäßigen Reserden werden sich, wenn die sstr die dreijährige Gewinnderteilung gemochlen Vorschläge zur ilbrundung der beiden stieservcsondj genehmigt werden, auf 61 Mrllionrn Marl= 30%% d-S AllienlaviialS stellen. Auch abgesehen vo» der liapiialirrhöhnna drachi« UNS das Berichtsjahr «ine Weiler« etsreuilch« SnSdthnung unjerer SeschäliStäligleit, di« dadurch»er- »nschaulicht wird, dab untere Gesamlnmsätz« um 14,4 Milliarden aus Uber 34 Mil» liarden, die unS anoeetraure» jremden Gelder«n und Kredrloren) wiederum »m ca. ZO Million«» gestiegen stnd, dag Ertragnis des ProvistvnS-lianlo! stch um «a. 1,3 Milli»»en aus M. 12 184 04I!.0k vermehrt und dir Bruilogewinn aus Zinsen, und Ivechsel-Konlo rund 10% d-S vlirentapitals betragen Hai. Zu diesem brirrrrigende» Resultat hat»i« Auigestaltung unteres gilialnetzei beigetragen, und wir lonne» in diesem Zusammenhang« hervorheben, tah stch von unseren neuen Zliederlassungen namentlich Leipzig und Brrilgu in anSfichtSreich-r Snlwiäwng h«> finden. Ml habe» ,ng daher SU einer weiwre»«nSdihnnng unseres gilialnetzei enlschloffe». Schon«m Echhiff« de, BerichtSjohreS habe» wir na» Eintritt drr ZahlunaSsiockung hei d« mit unserer««»st-n'ch-IIS-dteilung In V-rbindnng ge- stonbenen V-r-i»Sha»k in granksurl». o., um dem uns alt gm dtlannlen Kunden- treiie- derfelde» dienlich tu sein dort»in« OeschäsiSstelle errichtet, gern» habe» wrr di« Selchäst, der Oberschleinch«» Bant in v-uthen,«Snigihütte und Tarnowih. an welcher wir hereitg durch«Ilienhesttz intrrelsterl waren, sthernommen und an den genannte» Plätzen eigen« Ri-derlaßunge»««richtet. Endlich erossnen wir dem. nächst aus»nregung nnserer Slettinet grrunde w diese» gtästien denlichin Handelt. »laste an der Osts-, eine yilial«. woh«! wir au»>m«uae haben, dah der daetige verleh» durch die bedarstrhend« g-rligstelluag»et Gevtlchistahriiwege« Berlru-Siettiri sehr an Bedrulung g, Winnen wird........... Der«dschiutz der TreSd«»« v-nl fstr de» Jahr 1810 ergiht, nachdem «hschreihnnge» und Riutftellungen»«'»eg gemach, sind, ei»«» Bruttogewinn»nn M. 38 158 835.88 gegen M. 84 182 787.80 im«»'iahre.'äbzug der v-nd. luugZunlvsten«>-»«'» usw.»erdieidl«in Reingewinn van M. 25 107 410.75 <»»»«« M.*8 131 863.60 im Vorjahre), welcher aus da» um»0 Millionen«art «hihi«»klienlodiial di, Verteilung einer Dididend«»»» roiederuiu 8%% gestaltet Di««ezieUeu Gewiaue betragen Wechsel-Nouto. Bestand am 81. Dezember 1808! Stück 67 188 Wachtel im Beirage von« . 4 10!«88 Wechsel........... Sllirl 4 1B8BJ7 Wechsel im Betrage»VN...... 4 0B6 447 Wechsel. ,., M. 257 622758.10 «wgang. 8 827 löst 851.2> ... M. 10 lol 77, reu 3> gutgantz■ 8 878 1 13 281.55 Der am Zl. De>«mb«r l8I0 Iwrhli-bene Bestand von et«« 72 2» Wechsel im P-irog- von......... Wt, 806 654427.75 «gad laut viion» einen eis aktiven Werl»MI., 8lL 601 372.65 davon M 258331014.70 in Wechsel» aui deutsche Plähe . 60270 357.85 in fremden Paluteu zus. M 318 60l 372.65 mithin einen Sur», und Zinsen-Gewin» von M. 11886 844.80 Die AinSiähe stellten stch höher als im Vorjahre. Di« Digionlrate der Reich». banl war im Jahreidurchschniil 4.�,"i grgen S.n'l, in 19 8 und i,nicl, U 18rL, der PrivatdiSlonl 3,«,'1, gegen 2«,'lo tu 1808 und 3«,% in 1908. Effekte»- und RePort Konto. Bestand am 81. Dezember 1308............ Eingang................ «. 247332009.85 , 8 15 481 2 9.55 RuSgang ist 838! 81 3 3«.40 . 8 1460011832.75 Et ergab stch demnach Kit den am 81. Dezember 191V»er. bllebenen Bekond ein Saldo von.......... laut Bilanz einschl. de«»ui diese«»oniv, wie digber, llberlragen«, Ergedniste« de» tlnnsattialaeieMgnngg-KonivD) im Wette von� so dab ein Ueierschnt verbleibt»an...........~ wovon all Gewinn ans EsseUen» und stonsottial.Smiio,» i." emiallen und der«est voll.............. dag Erträgnis unserer dauernde» Beteiligungen an fremde» Banken ausmacht «. 251752446.65 . 25788046185 6"75 Lindertank fUtnfsthrung), !W NU. I..-IJ 4 458 478.35 1621 53485 ans Sotten- und«ouhoat-stonto.>> ».................... , WechsrI-Kani«........ » Provision'............ . SsseiltN und»onsotttal-steni«.. • Skonio der bouernben Beteiligungen Der Gesamlumsatz aus 1910 gegen 1808 St 285756.—'s K. 239826.48 . 8 138 466 95. 7858 225.60 . Jl 038 944.90. 8855 502.45 . 12 I84045i 5. 10865 421 65 . 4 456 47835. 4 293 978.1 6 . 1621 538 85. 1466833 85 Seite de» HaupIbucheS stellte stch auf «4 1�088�-7.,?« eo 738 141 IICSO in 1809, dieSahld.. bei 5«; Bank gefllbrlen Konlen auf 144 833 Ungestallleu beliaf sich am"' Daß*■'-- jeetn 124 729 in 1808. Di« Zabi unserer aus 4008 gegen 3449 im 3afcre 1909. Zabr 1910 Wae sue ta« Benig, schisi«>- sü» Handel und A»>>u»r>i. eil, Jahr ruhiger und gesunder Rntwickeiung, zusriedenstelleud mehr durch 7s"ch' mäbig« Steigerung de, regulär«, Umsätze als durch besonders»"?'d''brrngrud« «inz-lgelchäsie. Es hat-»Irmistil»« Hoilnungeu aus da» da d,»- a>nl-tz«n«rn.r ururn H-chtonjunInrr weder im Inland« noch IM guslande crsulll,-der s-m B'r. laus rechiseriigt die an ieiuem echluff« gehegt« und durch die wahruihmunge» der rrstru Mvual« d«g neuen z-dre» gesirdett, Erwartnnz, Hab da» nnu Zahl «int weitet« allmähliche vertehrSsteigeeung ohne die Seiahr«ine» nahen Ruck- ss.ooe, beingen d-rsi«. Di« gnten Eentze». de«» stch dl« h-imil«, oandwirtsch,«! t» den lehren Jahren zu erseeueu hall«, trugen t»t Hebung der Kauslias, de» Inlandes weientlrch bei. Währen» Manche«ranchen der Industrie»arnenllrch die letzt il-Zudustri«, ruet«, hen stark,» Schwanlungen d-e im Durch chnrii hoh-u Pr-is« der«»hmalerlgli«» zu leide» hatien. gestaliele stch der guheudandel Drnlschlan»! t» allgemeiue» r«cht»rsriedigrnd. Di««infnhr<»d» Evelmelakl«) stieg unr mäbig vau 62 998 558 Da»«» im W«rt«»«» 9. 8 520 126 000.— tm Jahre 1909 aus 64 48« 583 Daunen im Wette«an«. 8 609 181 000.- im Iah« 1010. Dagegen stieg die«»gsuhe lohn, Edelmttall«)»an 48 754 891 r»»»«, im werle von M. 6 582 242 000.— IM Z.hr, 1008 ans 54 186 984 Donnen im Wert« »«»®. VJ7««T i» Zahre 1910. Der Ueterschub der«insuhr Uder die AuSsndr«eil« stch als, nur aus 10 809 598 Donnen und aus eine» i, der Zablunzlidilan,»Ntzuglestbenve, Selddeirag»»» M. 1 142 078 000.—»rgen Ist. 1 887 888 000.— in 1909. Dementiprechend war die ZahInngSdilan,»esenlkich S Instig«, iudem die«insudr g» Sdelmelglle» die gui'uhr um 211.4 Millionen lark««"»>«« 6ei«» nur 73,8»ili.n«. Mar, in 1900. � ntei'f' l" uul'm schwer« Industrie in der Lage, de» den In. tzWNdSbedars lldersteigend«, Deis ihrer Produkeran mi» Hils« ihrer verdaudg, organisatronnr ml gutlan» ad,»st»ben. Der H-Uplsach« nach»der ist der günstig« Gold« der, Zahlu n,»d ilan, den Summe» welch« da» gutlond»»serem Zwischen- bandel, unserer Schmähe! und unseren sonstigen BeetehrSanstatten schuldig wurde. nd mi all-w d-n»evenutn zu verdanken, welch« Deulichland«ul seinem Best» g,»»»ländlich»* TOertvaplertn dezietzi. Wenn lxmgegenüder„enerdingt llder»ine .Uedeeschwemmunz Deutschland, ms,»„llndischen Werien geNagt und di« gvrde- „ng UNigestelli wird. wir vritft«, nu, in Zeiten der«eldsllll, und aerrnger gp- Drucke de» ialändrschen Matttes«avilal na» tm«Mini».tzvoeiiereu, ist zu, u geben,»«b<'»» jd-al«- Zustand wä„. wenn Deutschland di« voeterle einer einslubrrrchen Padttaa im Wellverlehr ohne ib>« Rochilil««inbeimsen und«in, Au, nahm«»o» der Regel bilde» Ibnnle. da», wer nedme«, will, auch geben muh. S»> emheimriche» Perkehr»Urb« adet«in«eldinstiiul sei» Ansehe» ver- Neren. wenn L"»ttb-düeln'ls« seiner«Hörtel NN« in Zeiten hesttedtge» wo!!!-, wo««�» ip»»V»«» ikchrtnl Anlag« sich«, in schl-rbwn Zeiten dagegen, wo ihm»I« ,?'ibl>«schasfung»nheguem ist. versagen würde. Räch diel v-isrdlwr »nd v«rhing,ig»,I«e wäre tt» svlchrs Perhallen im internationale» versehe. So. bald auch n»r«ntseritt« An, eiche» basllr bemerkbar würden, dast aus Deutschland» Hill, zur Besttrdiguno von»rrdlibedürsnisten der>bm desr-uadeien Lindrr wrnize, Verlab sei. Idi« aus vre stric Hilstderrilschasi von England, granlreich nnv viel. fach auch-VN �'bam'rila. wstrde Deutschland» voliiisch«,»nd«ietschasilicher»in. „üb, Handel. Schillabtt nnd«rvort«inen durch»>, mächiigst, glatt« nicht au». ,uo!-i»-nd. 1*6 autschliestlich unter dielen»estchltvunll st« deiressen A», flit... ouZlind. scher Staaten tRubland, Ballanstaaien. Oesterreich Chin» Zovan Südamerika, an brnen»entschlond»ch beieilizen mustt«, wenn e» nicht lein«»vIU MAt Stellung und sern« Handelgbezi-bungen gesttrde» wall!«. � Rachstehend»ig«»«che»«rlinterange» Uder»ig«rnzeton Hostti.aen stgt Pil-nzl ftaffaafloiU«. »ft-nh.M ,1. Deö-I»»»» l«».........«•• R. 86981758,76 ......................•■. 17 87? 367 271,70 luloang ,♦«•-•»•»'••»»•••... 17 889 824 808.65 ■ verblieb demnach tri einem»esamiumsa» von m II Xxgosbn 1910 laal Bilanz e>» Bestand»o, in 8". 74'■92(�14 R. 38 474 ÖUjÖ Sorte««««st Souvo»S.Ko»to. .h mi 81 Drtctalft 1000 ,ch»»»»Ochch«wg Ä. W(B4 4*6.75 ............■.. 62« 760 273� *U9 8 �gggnz-..............■■■ 621 163 398.65 J«'««i» M de-«»« fü-»-» a««- M ambNebene» Bekond-in Saldo........... K' hat Bilanz im Wette.................. «« 21281206.15 . 21«7 f 52.15 K- 2EEC: Eigene estekten waren gm il. Dezember MO voehimd»»: l. gestverzinSUche Wette a) Ctaoil-, Piovinzial. Eommnual», landjchasiiiche vbiigattonen und Werie anderer slaattiche,»or> »oraiionen...... st) Hnooidetc». Psandbrirs,, Eisen- bann» alrabendahir- u. Industrie- Obl�aNonen....... D. Bltcn van Eisen da hn-, Slrotendahn- und Trandpou-Unternedwungen 8. Ruten von Bänke» und Lerstcherunga- geiellichaslen..... 4. Derrain«kiie»...... 5, Intusttt-.il ttwl.,.,. 566 Posten mck R. 56076 5l3ll>0 Di« Slselten find, soweit börsengängig, ,u UebetnahmSdeeisen dezw. zum Tageskurs vom 31. Dezember 1910, wenn dieser nirdriger war, ausgenommen worden. Dauernde Beteiligungen bei stemden Banle»: M. 40 142 582.00 Die Deutschi Orlentdanl hat im»bgelaiisenen Jahre ihren SeschäsiSlreii weiter auidcbnen können und In Rllckficht hieraus eine Erhöhung ihres gstientapiial» von 16 auf 32 Millionen Marl vorgenommen: die jungen Alrie» sind zunächst mi! 22%«inaejohii und die Weileren Einzahlungen sollen nach Bedors eingesordett werden. Auch die Denisch-Südamerilanisch- Bank hat stch in zusriedenftellender Weise entwickelt und jüngst de» Beschlub gesahl, ihre Diligteit durch Errichtung einer Niederlastnng in Rio de Zanriro auch auf Brastlie» auszudehnen, gär Heid, Jnstiiulc wird pro 1010 ein, Dividend« von 5% erwartet. DI, wetteten Erhohun-en diese» Soni«» r-sullier-n h-uplsächlich aus der vertraglichen Uedernahm« der dither im Lefitz de» A. Schaasshausen'schen Banl' verein» gewelenen Aliien der Alt.'Grs. von Speyr ch Co.. Basel, ferner an» unserer Beteiligung an da«anque I. Allord ch die. iu Pari». Dagegen deittnge«, stch da» ztout».»dgeiehen von«inigen kleinere» Paste», durch den Ausgang eines gröberen Betrage» von Aklien»et auf uni übergegangenen Wlltttemberai'chen Vandegbank. Die i»»nlerem Patteieuill« besindlichen Altie» bet Oberschlefische» Bank, Beulhen V.-S., di« mil dem Beginn de! neuen Jahres t» uul ausgeht, werde» erst alZdanu zur Abduchung gelange». Restort-R»»»»: UM»« Dezemde. 1010 od», srüh«, hneingen-wm«»««w an spätere» Xtim\»ca abzulxfernde Effekte» SQL 159 511 355.75 Konjortialbkteiligungö-Konto. Wir haden tei solgende» Geschälten»IS E»»tt-He»to» mltgrwtrku 4% Deutsche«eichs-gnleide. 4% Pteubische Ivulalidietl« ElaalS.Tateihch 4% Babetische« Sis-nd-hn,gnl«h«». 4% BaderischeS Allgemeines Aul, Heu, 4% Bamdurgis«, amd-lisadle Eio-Iiauleih, von MOV, Sr. Serw, 4% Mm Sochfilchen Staat« gargniieel««nleih» der Weibetttztglsstgrgm, 4 7�H?nnö°ttsch« Prodi», ial-Anleih» vo» 1910,* na M 4% Schüldverlchieidungen, Serie 23, der LandeStreditka?«>» Eafiel(Einführnng), 5% innert«egeo.i.i.e«old-Anleih. v». 1910, 4U.% Gold-Anleihe der Provinz BurnoS Aires»»» 1910, 5%«.is-rlich CHtn, fische Dientfin.Pulo» St-aUeisendagn-ErgäNtzNngS.Rnleih« 4 �M-tztt�nische änstere Sold-gnleih« von 1910, 4%�gni«>dI.VirrinS, Setie 47 4%�dd»ihesen-!ljtgnddti«se des grauttutter Hvvotheken-Rredlt.BeteinS, Serie 50 4 39 vwltoationen de« Hefiischeu LandeS.Hdvaihelenhtzuk, Darmfiadt, 4% Psandbrirs« der Seüüdrenze»'»Nd Hädcit-lrn. Anstalt der Siadt Druiden, 4 st�Hvvoid/len-Psanddttese der Pre«b>lch«n P!anddrlef-Bank sEinsllhrung), 4% Hvva'ttt�- Psaudb.i-f. der«h.iuisch. Weftsilisch.» Baden.«redil. Bank, 4 3�d°chtt.n?i'«Äi' der Schiefische» B°d«».Er«dtt-gttie»-B»nk. Sett, 4b4�b�Ionvttittrtt'«»Id-OMUotio»«* der«nawlischr»«srnhahn-Sestlschalt. -vs.....»lbare Obligotian«»« IM sgoti-nea der Uttiangrselst-Il vorm. Seidel htzvoihek arisch« Anleihg heg BiSmarckhütt« hhvothei-ttsch« Arrleih, Ut«geman-Befigheimer »et Deutsch-Lutzemburgischen Berg- 4)4%* 102% rücki-did-r- h Naumann, Dresden, 4H%* 103% rückzadldat« »smgeckhstttg, 4)4% a 103% tstck, ah lbare Lelsadeike»,-. 4)4%«»»vertierte bgvortekartsch,«»leih, werlt. und HÜ>t<».A«ttB-rgwttli-S«Inuna«n.A>ii«»................ st. gllni Beieiligunaen an BanI-AIlien........... 810243.10 4. Zwei Leieiligunar» an Berstcherunas-Sesellschasie»...... 402718.70 5. Eechjebn Brieiliounir» NN Derraintz und Terrnin.GesglichastgN« 8249 218.25 6. vierzehn Beleiliaunoen an lldetieeischen Nnlernehmunge».., 2915750.16 darunter befinde» fich Mise«« veieiiigungeu bei: General Minina an» stinanee Corporalion Ltd. «ch-niuna Bargdan-Geiellichalt 7. Acht Betetltaunnen an«lektriiiben und»aiel-Unternehmunge«, 4904489— 8. Sieben veteiNaungen anverawerl»- undHüilen-Untrrnedmunge»» 1486 995.79 9. Zwanzig BcteUignnge» an anderwititgeu UMerncbmungen.... 3 52l7Z3.io M. �4,«1909.76 Unser Essekten- und Konsortial-Sonto hat auch i» diesem Jahre ansehnlich« Gewinn« erbracht, von denen wir, wi« eingangs«rwähnt, einen nicht undeirachtliche» Teil in den bei uni üblichen Abschreibungen und Rückstellungen verwandt haben. Unser, Bestände, aus zahlreichen Posten fich zusammen'rtzend. find sehe oorsichtia dewertet und bieten daher für die Zuknnst aussichtsreich« Gewinnchancen. Die Erträgnisse ui der verinehmna der.dauernden Beteiligungen' treten in dem diesjährigen Gewinn: nicht in die Srschrinnno. da dieser nur di« Dividende» pro 190S-Nthiit. während die sür 1910 zur Ausschüttung kommenden,«Ntsprechenv der von UNS beobachielen PtatziS, der v-rtechnung im nächsten Jahre vgedehaUe» bleiben. «onto-Korrem Kout». Bei einem Umsätze in Detei von........,«■ (ctnid b(tf«lp( im Ätcbll............. so Hab NN« am 8l. Tezember 1910 ein Sllihabe» verblieh von. M. 3 88U07.0S Sit 36670281.45 verlügigre Gulhäben bei ersten Banken und BankbeM Debttog»« «n Trebbe» TO. 28 521«14.45 . Berlin. 209 152 534.16 »rt de» Malt»- 301>09 216.40 M. 538788 iS4.S5 vertcM-Uli IS 697 zionte». hiervon TO. 68 456 799.86 Banken und Bankiers, durch Estelten gedeckt. .»52268 141.60 sonstige Dediiareii. dar»«stellen und oatxie( hetiea gedeckt. «geditore»: TO. 571 579888.35 verteilt ouf 283»«imteii, hiervon»s fest« Termjao M. 271 7H7 299.40. «I Milien gewonnen an vrovifion ahzllglich gezadlier Provisionen... TO 12184 045.05 » Zinse» sinil. ver Zinsen aus Lombard-. Sffrkien-. Report- und Sonsortial-Sonlo, abzüglich cg. z-HIl-r Zinsen).......... M. 8139466.95 via Zahl dm shonto�kogreut-verdinbungen belrögi 46047 gegen 89 824 in 1909. Wortsetzung von dorftehcoder Seite.) Lombard-Konto. Am Zl. Dezember ISIO waren an Lombard-Tarlehe» «»Dresden........... M. 1457 657.H0 Franlfurt a. M. » London.... » Hamburg... » Bremen... » Hannover... . Zwickau t. La.. . München... . Leipzig.... , glullgint... bei anderen Filialen 1402 642.70 9396750.— 6019523.85 829902.95 690 491.75 755 840 30 1 129 521.85 311 633 75 426 489.95 629 904.20 verbiieben........'......... M. 23050858.90 Waren Report-Konto Ullimo Dezember 1910 waren in Dresden und Hamburg hereingenommen zu ttzilteren Deruiinen abzuliescrnde Waren für......... M. 4 931 019.90 Vorschüsse auf Ware« und Waren-Verschiffungen. Am 31. Dezember 1910 waren in Dresden. Berlin, London. Hamburg. Bremen, Mannheim. Cassel, Leipzig, Breilau und Tiuitgart Waren zulammcn mit M. 66 705298.85 beporjchubt, hiervon M. 43 377339.30 gedeckt. <« Chemnitz . Emden. . greiburg . Zwickau . München. . Leer. . Cassel.. , Zittau , Augsburg . Eschwege , Breslau, , Sietwitz. . Liegnitz. , Lunzlau. Eiuttgart M. 500000.— 40000— 1(0000.- 500(0.— 1 800»XI.— 49000.— 400000.— 101«».— 213089.25 78 954.10 50009).— 55 im— 100000.— 40 000.— 34->000.— , Heildrona..........,, 225000.— SR. 19 806189.95 2. Neubau-Konto. Neubau resp. bauliche Beränderunzen in Berlin. Dresden. Nürnberg, Blauen. Freiburg. Leer. Zittau. Frankluri a. M., Harburg, Hamburg, Fulda, Zwickau, Breslau, iöleiwitz und Augsburg.. SR. 8729518.25 3. Diverse Immobilien. Kaiser-Wilbelm-Strab«....... M. 195 995.45 Diverse Grundstück-......... Bi. 2 167 504 20 JR. 2363 49965 Slkzcpt- und Echeck-Konio. Am 31. Dezember 1909 befanden fich Drallen und Schecks aus UN» Im Umlaus SR. 195 877 263.25 Irrner wurden ausgeschrieben auf Dresden....... M. 66 450357.15 Berlin unsere Filialen 1017 298 916.55 2220 739 874.25 8 804489147.95 SR. 3500 366 41120 SR. 8 287 519 084.75 « wurden eingelöst In Dresden....... SR. 66058755.05 , Verlin......... 1 014 541 458.15 bei unseren Filialen...., 2186918871 55 daß am 31. Dezember 1910 in Zirlulalion verblieben aui Dreiden....... SR. 8 348 855.75 „ Berlin......... 46 925 307.75 „ unsere Filialen...... 177 573 162 95 SR. 232 647826.45 Immobilien- und Mobilien Konto. 1. Banlgebäude. Auf diesem lkonlo erscheinen die Banlgebäude r. in tz. S. Mä- von Hei Verband.� Pankow, KursuStei' Nutzung dt Wie chrem D wieder k dem T' nachge' auSii� in Dresden , Berlin... , Frankfurt a. M. Hamburg.. , Bremen... . Nürnberg.. . Fürih.... . Hannover.. . Bückedurg.. Detmold... Mannheim.. . Vlauen t. V.. SR. 1804146.60 . 6000000.— , 1400000.— . 2100000.— . 1500 000.- . 650000.— . lOOOOO.— . 750(00.— . 120000.— . 1(00(0.— . 500000.- . ICO 000.— ER. 25699207 85 Unser gesamter JmmobMrnhesttz Ist zurzeit mit M. 2375 204.05 Hhvotheieu belastet, deren Abstobuug nach den bestehenden Beiträgen bisher nicht tunltch war. 4. Mobilten-Sonto. Die Neuanschassungen in Höhe von........ SR. 559 505.95 die in der Hauptsacke die Errichtung neuer Wechseiiluben in Berlin und den JUiab Plätzen beireffen, find, wie in den Bor!ahren. abgeschrieden worden. Der Neubau Freiburg r. Br. ist iui BerichtSiabr fertig gestellt und In Betrieb genommin worden. Der Neubau Berlin wird vorauisschtiich im Sommer, das monu> meniale Gebäude, da» von der Unioersttät Leipzig ausgeilldri und uniere dortige Filiale aufnebmen wird, im Herbst vollendet weiden. Für Breslau ist gleichsalli ein Sleubau in Aussicht genommen. Auch bei unserer Niederlassung in Dreiden wird Infolge Platzmangel» ein Er- wellerungSbau notwendig, die hierzu erforderlichen Grundstücke haben wir uns gesicher!. Verzinsliche Tepositen. SS wurden bei uns zur Verzinsung hinlcrlegl Gelder im Betrage von................... SR. 2 249 659 627.50 hiervon sind zurückgezahlt worden............ 1963382 321.35 und verblieben somit am 31. Dezember 1910........ SR. 286 277 306.15 verteilt auf 98 786 Lonieiü und(war: M. 151721501 10 in 79140 Konten mit täglicher Beriügung, . 144 555 805.05. 19646,, 1 bis 12 monailtcher Kündigung, M 286 277 306.15 In 98 766 Konten. Sic Zahl der Depositen-Konten Ist von 84905 in 1909 auf 98 786 gestiegen. Haudlungs-Unkosten Konto. Handlung S-Unlosten............. M. 11599634.60 Eieuern.................. 1884 41970 Die Kielgerung der Unkosten ist auch in diesem Jahre zu einem Teil aus die durch die Eröffnung neuer Filialen und Wechselstuben sowie durch die Ausdehnung der Geschäfte bedingie Vermehrung des Personals zuritckzuillhren. zum anderen Dell aus da» sukzessive Ausrücken unserer Beamten in die höheren Sehaltiklaffeu. PensionS-FondS-Konto. Das Guthaben des im Jahre 1879 begründelen PenfionS-Fonbl betrug am 31. Tezemder 1909............. SR. 8200000.— hierzu kamen Zinsen im Jahre 1910........ hiervon ab gewährte Pensionen in 1910 SR. 139 775 9S 3 339 775.95 17» 965 40 SR. 8 168 701.55 121 605 45 durch die Uebernahme de» Vensionskondz der BreSlauer Wechsler- baut erhöhl sich derselbe um........ aus.................... ER. 8 29» 396.— durch die bin uns beantragte Zuweisung von.......... 309 604— wird er die Höhe von.........-..... SR. BBQOOOa— erreichen. Sie von uns int April 1905 begründe! e. UnIersiützungSzvecken dienende ktönig-Friedrich-Zlugust- Stiftung wies am 31. Dezember 1909 einen Bestand von....... Bt 101 493— aus, hierzu lamen In 1910 au Ziusen........... 8 75».— hiervon ab gewährte Unterstützungen w 1910 mllhin bleibt ew Bestand von...... SR. 105 243.- 2248— SR. Reserve-Fonds-Konto. Nachdem dem ordentlichen Reserve-Fonds aus der Emission junger Aktien von 191» JR. 8 837 237.65 zugeflossen sind, deirägt derselbe am 31. Dezember 1910............ SR. Ter Reserve fonds B belauft sich am gleichen Tage aul Zur Abrundung der Fonds beantragen wir aus dem Gewinn jahreS dem ordcniitchen Relerve�fondS die Summe von M. 362 782.35 und SR. 300000— zuzukühren; durch diese Zuweisungen wird sich erstcrer aus M. letzterer aus SR lOOCOOOO.— erhöhen. Die Gesamireserven belauien sich alsdann aus SR. 61 000 000.— unseres Aliienkapitais. Ais Ueberschuß der Aktiva über die Passiva kaut Gewinn- und Berluü-Konio ergibt sich ein Reingewinn von........ SR. In Ueberelnillmmmig mit dem«usstchlSrate beantragen wir. denselben wie folgt zu verwenden! Zuweisung an Reserve-Fondi A... SR. 352 7(2.35 Zuweijung an Reierve-Fondi B..» 300000— Abschreibung aus Bankgebäude..., 6000 0.— Zuweisung an den PeunonS Fonds,. 309604— RiicksteUunq für die Talonsteuer.., 200000— 4%, Dividende auf SR. 200000 000.. R»ym—. 102 995.- 50 837 237.65 9700 000— de» BeriivtS- dem Fonds B 51 000000—, gleich 80,5 ft 25107410,7» 9772 388 88 Taniibme an den ZlufsichtSrat... BerlragSmädige Daniidme an die Direktoren.steUverlreiendenDireftoren und Direktoren der Filialen... Graiistkaltonen an die Beamten 4i/,«l-Suverdivid. aus M. 200 000000 Vortrag........... SR. 1129297.- . 2963340.— . 1975000— . 9000000— . 267 407.40 SR. 15 335 044.40 15335 044.40 TreSden, im März 1911. vis virsktion. L.«Zutmsnii. k. von Klempevev lißuellei'. ltstlisn. JIM. Herbert M Gutmann. £5 Var siy ht)z\ ein Herr, der klagte stets über Müdigkeit, schon morgens nach einstündiger Tätigkeit fühlte er sich matt und abgespannt, sein Gedächtnis versagte, er wurde unlustig zur Arbeit und mußte befürchten, seine Stellung zu verlieren. Jetzt ist alles anders, er trägt richtig angepaßte Optal- Gläser, kann arbeiten von morgens früh bis in die späte Nacht ohne zu ermüden, dabei fühlt er sich wohl und frisch und ist sicher, vorwärts zu kommen in seinem Beruf. Brillen und Kneifer mit Optal-Gläsern in Nickel von M. 2.50, in Gold-Double von M. 5.50, in echtem Gold von M. 12»— an. Besuchen Sie eines meiner 11 Geschäfte, Sie werden überall gut bedient und sorgfältig werden Ihre Augen und Sehkraft geprüft Zögern Sie nicht, bis emstliche Beschwerden eintreten! Sie werden bestimmt zufrieden gestellt, dafür garantiere ich, oder Sie erhalten Ihr Geld zurück. 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Die Hcrstellnng unserer Fabrikate erfolgt in eigenen BetriebSWerkStätteil unter den von' unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten 103/1* der Kon.am-GenoA.cnachaft Berlin n-Umgesrend, des Charlottenburger Konnum- Vereins sowie des Arbeltcr-Badfahrcrbnndeti. i NB. Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur für, eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem anderen Geschäft zu haben sind. Brrantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlins�. Nr. 55, 28. Jahrgang. 5. Keiltzt Ks Jotmärls" gttliUK MsW. 1,5. Hus Induftrie und bandet P Wie steht es mit der Fleischversorgung Teutschlands? Die Bündlerversammlungen, die im Laufe des Februar statt- fanden, machten es sich mit der Frage der Fleischversorgung be- quem. Sie bestritten einen Mangel an Vieh und hofften, die Schweineproduktion werde den Ausfall beim Rindvieh wettmachen. Aber— der hinkende Bote kam schnell nach. Die Zentrale für Viehverwertung, die doch wohl einen Einblick in die Viehproduktion hat. erließ einen Aufruf an die Schweinezüchter, worin sie darauf hinweist, daß wegen der geringen Kartoffelernte und der Seuche vielfach die Ferkel verschleudert und die Schweinezucht cinge- schränkt werde. Es stehe daher zu befürchten, daß es im Früh- jähr an Ferkeln und späterhin an Schlachtschweinen fehlen werde. Die Hoffnung, durch Vermehrung der Schweinemast den Mangel an Schlachtrindern auszugleichen, werde sich nicht in erwünschtem Maße erfüllen. Die Viehzentrale richtet daher an alle Züchter die dringende Aufforderung, die Zucht und die Mast von Schweinen nicht einzuschränken, sondern immer mehr auszudehnen. Die un- genügende Kartoffelernte, die Nachgiebigkeit des Marktes und die drohende Seuche könnten noch keineswegs als ausreichende Gründe angesehen werden, um daraufhin gleich Maßnahmen in der Vieh- Wirtschaft zu treffen, deren Folgen sich an der Landwirtschaft eines Tages vielleicht bitter rächen könnten. Unterdessen macht die Teuerung des Großviehes Fortschritte. Es sind bereits wieder die höchsten Preise des vorigen JahrcS erreicht, obgleich Frankreich und Dänemark liefern, was zu liefern ist. Im Januar führte Frankreich 2784 Ochsen, 791 Bullen und k>26 Kühe ein, Dänemark 11912 Stück Großvieh gegen 19721 Stück; im Januar 1919 dagegen lieferte Oesterreich nur 137 Stück gegen 3183 im Vorjahre. Frankreich hat also Oesterreich ersetzt, und da Oesterreich noch lange Zeit für den Import ausscheidet, klammerte sich alle Hoffnung an Frankreich, daß die dort sporadisch aufgetretene Seuche keine Ausdehnung gewinnen möge, die die Einfuhr gefährde. Württemberg hat die Einfuhr allerdings schon wieder verboten und deshalb richtet man neuerdings wieder stär- keres Augenmerk auf Schweden, mit dem wir in Handelsvertrags- Verhandlungen stehen. Aber Preußen ist zu verstockt agrarisch, um Hoffnungen in die Halme schießen zu lassen. Noch immer ist die vor Monaten schon in Aussicht gestellte Aufhebung der Tuber- kulinprobe gegenüber dänischem Vieh nicht erfolgt., Abschluß der Deutsche» Bank. Nach dem vom Aufsichtsrat vorgelegten Abschluß soll für das letzte Jahr eine Dividende von 12>/2 Prozent verteilt werden. Die Gesamtumsätze beliefen sich auf 112,19 Milliarden Mark fgegen 191,73 Milliarden im Vorjahre). DaS Jahreserträgnis betrug brutto 6 1 825 388 M.(1999: 58 156 431 M.), wozu der vorjährige Gewinnvortrag von 1 165 961 Mark tritt. Der Reingewinn stellt sich auf 32 559 983 M. gegen 32 271 617 Mark. Die Dividende beansprucht 25 Millionen Mark. An Tantiemen usw. erhalten Vorstand und Direktoren nicht weniger als 3 452 346 M. Das ist so viel, als ungefähr 3990 besser entlohnte Arbeiter jährlich an Einkommen erzielen. Von der Dividende und den Tantiemen könnten ca. 39909 Familien existieren. Dresdner Bank. Der Abschluß für 1910 weist einen Brutto- gewinn von 39 158 935,85 M. aus. Das find rund 5 Millionen Mark mehr als im Vorjahre. Nach Abzug von 13 484 954,39 M. (im Vorjahre 11 595 965,99 M.) Handlungsunkosten und Steuern, von 567 479.89 M.(i. B. 455 769,39 M.) Abschreibung auf Mobilienkonto verbleibt ein Reingewinn von 2S 107 410,75 M.(im Vorjahre 22 131 953,59 M.). Der Gesamtumsatz stellte sich auf 84 138 989 642,— Mark gegen 69 738 141 111,30 M. in 1999, die Zahl der bei der Bank geführten Konten auf 144 833 gegen 124 729 in 1999. Die Zahl der Angestellten belief sich am Jahresschlüsse auf 4993 gegen 3449 im Jahre 1999. Die Dividende soll mit 8Vz Proz. ausgeschüttet werden. Tantiemen und Gratifikationen absorbieren zirka 4 Millionen Mark. Lohnende Fabrikation. Die Deutschen Waffen- und Muni« tionsfabriken Berlin-Karlsruhe schließen das letzte Geschäftsjahr mit einem Bruttogewinn von 5 629 944 M.(i. V. 5 335 714 M.) Nach Abschreibungen und Rückstellungen in Höhe von 3 699 999 M. soll eine Dividende von 24 Proz.(i. V. 22 Proz.) zur Verteilung gelangen._ WitterungSüberticht vom 4. März 1911. Swtnemd«. Hamburg Berlin Arcmtl.a M. München Wien LZ fü i Z- s= o s B- if 762<3 SB 762 WSW 764 SW 766 SW 769 SW 747 WNW «8 tön 4 Regen 2 Nebel 2 bedeckt 3 Nebel 3 Nebel 4 halb 6b. WK U» ü «tattonen si « 5 = 3 if ffleön -Zi S-» 5» *k ßaparanba 747 S 2 bedeckt Petersburg 759 SW 1 bedeckt Scillh.767 WSW 5 bedeckt überdeev>761 WSW 1 wolkig Paris 770 W I 2 wollig -8 _ 2 8 s 7 Wetterprognose für Sonntag, den 5. März 1911. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit leichten Regensällcn und lebhaften westlichen Winden, später zeitweise ausklarend und langsamer Ab» kühlung. Berliner Wetterbureau. »Isdss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(tettgedruckt) 20 Pfg. 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