Kr. 56. BbonnemcntS'Bedingungen: HBonnemcnlä- Preis pränumerando i Liertcljährl. 320 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfq. Post- ildonnemcnl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zciwngs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonncmcnts nebmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, Crfdldnt tögllch auOcr montags. Verltnev Volksblettk. eö8. Jahrg. Die TnfeHlonS'Sebübr veträgt für die scchsgespaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum KO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 80 Pfg. „KUfne Snr-ig-n". das erste fsett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiters Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis g Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdtmokrat Berlin". Zentralorgan der foztaldcmohrattfchcn parte» DeutfcMands. Redaktion t 831. 68, Lindenstrasse 6g» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. vemowaMche Probleme. In den letzten Wochen ist in H a m bu r g eine sehr leb- haste Diskussion geführt worden, die ihren Ausgangspunkt von einem Vortrage„Massen und Führer" des 6«. nossen v. Elm nahm. Der Vortrag knüpfte an die Entlassung zweier Beamten des Metallarbeiterverbandes an, die mit den Mitgliedern in Konflikt geraten waren. E l m wandte sich sehr entschieden gegen diese Entlassung, wofür er das un- begründete Mißtrauen, das in manchen Gewerkschaftskreisen gegen die Beamten herrsche, verantwortlich machte. Im An- schluß daran machte er einige allgemeine Ausführungen über das Verhältnis der Massen zu den Führern, die solvohl in der Versammlung als in der Presse auf Widerstand stießen und den Anlaß zu weiteren Erörterungen gaben, die leider nicht immer frei von persönlichen Gereizt- heiten blieben. Der Tenor des Elmschen Vorschlages ging aber auf den Vorschlag hinaus, die gewerkschaftliche Verfassung durch stärkere Benützung repräsentativer Einrichtungen auszubauen und so den demokratischen Einfluß der Mitglieder zu stärken, zugleich das beste Mittel, dem Ent- stehen von Differenzen zwischen Massen und Führern vorzu- beugen. E l m vertrat den Vorschlag in einem Artikel„Massen und Führer" in der„Neuen Zeit"(Nr. 15) und seine Ausführungen wurden wesentlich unterstützt durch die interessanten aus gründlicher Sachkenntnis stammenden Darlegungen Adolf Brauns über„Gewerkschaftliche Vcrfassungsfragen" in Nr. 19. Nun benützt Karl K a u t s k y die Gelegenheit, daß seine Schrift„Parlamentarismus und Demokratie" demnächst in neuer Auflage erscheint, um in seiner so klaren und lehr- reichen Art das Problem zu behandeln. Wir geben daher im folgenden unseren Lesern einen Abdruck dieser Ausführungen. I. Massen und Führer. „Seit einiger Zeit erstarkt wieder die Kritik des Parlamenta- rismus in unserem Lager. Man spricht von seinem Niedergang, hält ihm zwar nicht mehr die Volksgesetzgebung, wohl aber die direkte Aktion entgegen. Diese Anschauungen stützen sich auf die Tatsache, daß die Parlamente, auch die„Volkshäuser", wie das österreichische, immer weniger leisten, immer mehr versagen. Das ist eine notwendige Folge davon, daß die besitzenden Klassen politisch immer konservativer werden, daß sie sich durch jede größere Aende- rung des Staatslebens in ihrem Bestände bedroht fühlen. Bei den bestehenden Machtverhältnissen muß das auch bei der freiheitlichsten Verfassung zu einer zunehmenden Stillsetzung der politischen Maschinerie führen. Aber nur zu leicht sieht man als Schuld des Werkzeugs an, was Schuld derjenigen ist, die es handhaben. Statt vom Nieder- gang der bürgerlichen Parteien zu sprechen, der sich überall, also auch in den Parlamenten äußert, spricht man vom Nieder- gang deS Parlamentarismus auch in dem Sinne, daß die Ein- richtung des Parlaments und die Teilnahme des Proletariats an den Kämpfen im Parlament und um das Parlament für seinen Emanzipationskampf immer zweckloser werde. Da erscheint es mir nicht für überflüssig, das Interesse und das Verständnis für den Parlamentarismus wieder neu zu be- leben. Sollte es meinem Schriftchen gelingen, dazu beizutragen, dann wird es schon dadurch seinen Zweck erfüllen. In den letzten Fahren hat aber auch die Idee der Volksgesetz. gebung wieder Aktualität gewonnen, freilich in einem anderen Sinne, als zur Zeit der ersten Auflage meiner Schrift. Die Frage wird heute diskutiert nicht mit Beziehung auf die Organisation des Staats, sondern mit Beziehung auf die innere Organisation der proletarischen Organisationen, der Gewerkschaften, Ge- nossenschaften, der Partei. Je umfangreicher diese Organisationen werden, desto schwie- riger und schwerfälliger wird für sie die„direkte Gesetzgebung" durchs Volk, die in diesen Fällen allerdings weniger Gesetzgebung als Verwaltung und Kampfesführung durchs Volk Erstellt. Gleichzeitig wachsen die Aufgaben ihrer Verwaltung und Leitung, die immer weniger nebenbei, als Feierabendarbeit, neben oder nach der Erwerbsarbeit erledigt werden können, die eigene Beamten erfordern, deren ganze Zeit und Kraft diesen Aufgaben gehört. Damit erstehen Verhältnisse, die repräsentative Einrichtungen, „Volksvertretungen",„Parlamente" wünschenswert machen. Sie werden wünschenswert, nicht wie im Staate durch die Interessengegensätze der Klassen, sondern durch die psychischen Unterschiede zwischen Führern und Geführten. Fast bei jeder Kampfesorganisation sind solche Unterschiede festzustellen, nicht bei jeder sind sie die gleichen. So wurde schon oft die Beobachtung ge- macht, daß in proletarischen Organisationen des politischen oder ökonomischen Kampfes die Massen meist ungestüm vorwärts drän- gen, die Führer eher bremsen. Bei der bürgerlichen Demokratie der letzten Jaörzehnte finden wir meist das Umgekehrte. Sehr oft wollten da die Führer vorwärts, sie wurden dann aber von ihren Leuten im Stiche gelassen, eine Erfahrung, die sie freilich auch selbst wieder ängstlich und behutsam macht. Die Unterschiede hier wie dort liegen in der verschiedenen Klassenlage der Geführten. Der Proletarier hat nichts zu verlieren als seine Ketten. Er hat eine Welt zu gewinnen. Ungestüm drängt er vorwärts. Seit den Tagen der französischen Revolution, ja seit jenen der englischen der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, ist das Proletariat die revolutionäre Klasse par cxcellence. Damals unterschied es sich indessen von Kleinbürgern und Bauern nur durch diztz Wucht und Rücksichtslosigkeit seines VorwärtsstürmenS. Dienstag, den 7» März 1911. Seit dem Jahre 1848 unterscheidet es sich von ihnen— wenigstens in Westeuropa— durch das Vorwärtsstürmen überhaupt. Der Vczuer und der Kleinbürger und noch mehr der eigentliche Bourgeois unterscheiden sich vom Proletarier dadurch, daß sie etwas zu verlieren haben. Schon das macht sie ängstlich. Andererseits haben sie keine Welt mehr zu gewinnen, wie sie vor den bürger- lichen Revolutionen noch glaubten. Eine neue, bessere Welt ist nur noch zu erobern auf der Grundlage des Sozialismus, durch Auf- Hebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, also durch die Aufhebung der Grundlage der besitzenden Klassen. Etwas höher als die Masse in den liberalen Parteien stehen ihre Führer. Diese werden meist aus der Intelligenz genommen, ihre Einkommen fließen vornehmlich aus ihren geistigen Fähig- keilen, nicht aus ihrem Besitz. Sie haben also weniger zu verlieren als jene Elemente, die nur auf ihren Besitz, nicht auf ihre Per- sönlichkeit vertrauen. Sie sind aber auch durch ihre Vorbildung und Beschäftigung in der Regel weiterblickend als der liberale Philister; sie erkennen leichter als dieser manche Notwendigkeiten der EntWickelung. Daraus ergeben sich manche Disharmonien zwischen Führern und Massen liberaler Parteien, daraus folgt aber auch, daß wir uns nicht durch das Entgegenkommen täuschen lassen dürfen, das uns zeitweise manche jener Wortführer in Presse und Parlamenten beweisen; denn bei jedem ernsthaften Schritte uns entgegen, werden sie von ihrem Gefolge im Äiche gelassen. Das hat der Freisinn bei Stichwahlen und ähnlichen Gelegenheiten unzählige Male be- wiesen. Ganz anderer Art ist der Unterschied zwischen Führern und Massen in den proletarischen Kampfesorganisationen. Er entspringt vor allem daraus, daß wohl der einzelne Arbeiter nichts zu ver- lieren hat als seine Ketten, daß es aber mit seiner Organisation nicht ebenso steht. In vollstem Gegensatz zu der Geringfügigkeit des i n d i v i- d u e l l e n Aufstiegs des Arbeiters, die am Zustand der Gesellschaft gemessen ein Abstieg ist, steht der Fortschritt der proletarischen Organisationen— Partei, Gewerkschaft, Genossenschaft. Aus lächerlich unbedeutenden, zwerghaften Anfängen sind sie zu riesenhaften Dimensionen angewachsen, die an Ausdehnung und Kraft die anderen gesellschaftlichen Gebilde immer mehr über- holen und die Macht der Arbeiterklasse enorm steigern, auch wenn sie nicht immer ihr Einkommen zu erhöhen vermögen. Durch sie ist der Proletarier ein Faktor geworden, vor dem die Herren der märchenhaftesten Reichtümer, der unbesiegbarsten Armeen Respekt gewonnen haben, vor dem sie nicht selten zittern. Durch seine Organisationen erscheint ihm das Größte erreichbar, durch sie hofft er zum Herren der Welt zu werden. Man hat mich vor einiger Zeit gescholten, als ich in meinem „Weg. zur Macht" konstatieren mußte, daß in den letzten Fahren die Steigerung der Löhne von der der Lebensmittelpreise über- holt wurde. Damit hätte ich die Werbekraft der Gewerkschaften geschädigt. Aber man unterschätzt diese Kraft, wenn man annimmt, sie hänge bloß von dem Vermögen ab, die Löhne der Arbeiter zu steigern. Auch wo sie dies nicht vermag— und mit solchen Situa- tionen hat jede Gewerkschaft zu rechnen—, ist sie unschätzbar für den Arbeiter, den sie in einen anderen Menschen verwandelt, aus einem scheuen, hoffnungslosen Paria in einen aufrechten, freien Mann, der keinen Höheren über sich erkennt, der sich jedem Macht- haber ebenbürtig fühlt. Jedes wollende Wesen entwickelt aufs stärkste aus dem Willen zum Leben den Willen zur Macht, zur Kraft, sobald es auf Wider- stände stößt, die nur durch Machtentfaltung zu überwinden sind. Beim Proletarier wird naturgemäß der Wille zur Macht der Wille zur Organisation. Sein Weg zur Macht ist der Weg zur Organi- sation. Darauf beruht deren Lebenskraft, auch wenn sie dem Ar- beiter nicht sofort eine Lohnerhöhung schafft, sondern von ihm Opfer heischt, wie es ja am offenkundigsten bei der politischen Organisation der Fall ist. Die Organisation, das ist die Errungenschaft im kapitalistischen Produktionssystem, die der Proletarier zu verlieren hat. An ihr hängt er. sie gefährdet er nicht ohne Not. Dadurch wird bei jedem organisierten Arbeiter die Rücksichts- losigkeit und Unbekümmertheit etwas abgeschwächt, mit der sich der unorganisierte in den Kampf wirft, wo nur immer eine Gelegenheit dazu vorhanden. Innerhalb der organisierten Arbeiterschaft selbst aber wird sich das Bedürfnis nach Behutsamkeit wieder stärker bei jenen äußern, die die Organisation leiten, die Verantwortung für ihren Bestand und ihre Leistungsfähigkeit tragen, deren ganze Persönlichkeit der Organisation gehört, als bei jenen, die einfache Mitglieder sind, nur für sich selbst eine Verantwortung tragen und in der Organisation nur ein Stückcben ihres Tätigkeitsgebietes sehen. Der Unterschied zwischen ungeduldig vorwärtsdrängenden Massen und zur Behutsamkeit mahnenden Führern wird in dem Maße größer, als die Organisationen wachsen und die Aufgaben ihrer Leitung zur dauernden Berufsarbeit eigens dazu bestellter Beamter werden, die den psychologischen Einwirkungen dieser Arbeit natürlich viel stärker unterworfen sind als Funktionäre, die ge- lcgentlich aus der Masse emportauchen, um nach einiger Zeit wieder in ihr zu verschwinden. Je größer die Organisation, desto unübersichtlicher aber auch ihr Gebiet, desto zahlreicher und meist auch geschlossener ihre Feinde, desto mehr steht bei jedem Kampfe auf dem Spiele. Damit wächst nicht nur das Maß der Verantwortung der Leiter, es wachsen auch die Anforderungen an ihre Kenntnisse. Sie müssen sich jetzt mit Dingen vertraut machen, die dem einfachen Mitglied nicht nahe liegen, die die Masse oft nicht genügend kennt. So wird mit steigendem Wachsen der Organisationen der Unterschied im Denken und Empfinden zwischen Führern und Massen, den sie vom Anfang an im Keime in sich tragen, immer Expedition: 8M. 68, lindenstrasse 6g» Fernsprecher; Amt IV, Nr. 1984. mehr entwickelt, und aus dem Unterschied kann schließlich ein Gegensatz werden, und mitunter ein recht schroffer Gegensatz, wenn nicht starke Gegentendenzen auftreten, die diese EntWickelung hemmen. Wo es zu einer derartigen gegenseitigen Entfremdung kommt, wird sie natürlich von beiden Seiten unliebsam empfunden, und die nächste Folge ist in solchen Situationen immer die moralische Entrüstung: hier über die„ängstliche Leisetreterei", dort über den „Unverstand der Massen". Indes, wie immer, wo es sich um Er- scheinungen handelt, die nicht zufällige individuelle Besonderheiten darstellen, sondern aus den gesellschaftlichen Verhältnissen mit Not- wendigkeit entspringen, hilft auch hier die moralische Entrüstung nicht viel. Nicht ein Verurteilen, sondern ein Begreifen tut not. Das rücksichtslosere Vorwärtidrängen der Massen, die größere Behutsamkeit der Führer sind beide gleich unvermeidlich. Wer in der proletarischen Bewegung wirkt, tut gut, mit beiden zu rechnen. Und man kann auch nicht sagen, daß eine der beiden Erscheinungen schädlicher oder nützlicher wäre als die andere. Durch die harmo- nische Zusammenfassung beider hat die Arbeiterbewegung bisher ihre größten Fortschritte erzielt, wenn diese Zusammenfassung be- gleitet war von Entschlossenheit und Klarheit. Das ist aber keine so einfache Sache und gelingt oft nicht. Dann kommt es zu Friktionen, die der Sache des Proletariats nicht förderlich sind. So finden wir augenblicklich in England die Er- scheinung, daß in manchen Gewerkschaften die Mitglieder gegen die taktischen Anordnungen ihrer Führer nicht bloß protestieren, son- dern auch handeln, daß sie im Gegensatz zu ihnen streiken. Sie fühlen sich von den Beamten ihrer Gewerkschaften förmlich ver- kauft und verraten, bäumen sich mit größter Erbitterung gegen deren Abmachungen mit den Unternehmern auf, und nicht selten mit Erfolg. Aber so gerechtfertigt solche Streiks jetzt in England sein mögen, so sehr die Energie und Einsicht zu begrüßen ist, die dabei zutage trat, so ist der schroffe, unüberbrückbare Gegen- satz zwischen Führern und Massen, der sich dabei geltend macht. doch ein großes Uebel. Es herbeizuführen, kann nur dann gerecht- fertigt sein, wenn dadurch ein noch größeres Uebel. das Versagen der Führer, aufgehoben wird. Wiederholt es sich, dann bedeutet es die Vertreibung des Teufels durch Beelzebub, die Auflösung der Disziplin und der Organisation selbst. Die Lähmung der Organi- sation durch die Führer wird dann geheilt auf dem Wege der Lähmung der Organisation durch die Massen. Wo solche Differenzen vorkommen, ja schon dort, wo sie drohen, wird es dringend notwendig, nach Einrichtungen zu suchen, die verhindern, daß die Entfremdung zwischen Massen und Führern so weit fortschreitet; Einrichtungen, die eS beiden Teilen erleichtern, in ersprießlicherer Weise aufeinander und miteinander zu wirken. Aber genügen nicht schon die bestehenden Formen der Demo- kratie in den Organisationen des Proletariats dazu? Die Beamten werden von den Mitgliedern gewählt; die Anordnungen der Be- amten unterliegen oft. wenn sie einschneidender Bedeutung sind, der Bestätigung durch die Urabstimmung der Mitglieder. Genügt das nicht? Di« jetzigen Erfahrungen in England zeigen, daß diese demokratischen Formen nicht stets genügen. Sicher werden die Beamten der proletarischen Organisationen von den Mitgliedern gewählt. Aber das besagt nur, daß sie im allgemeinen vollkommenes Vertrauen genießen, keineswegs aber, daß auch jeder ihrer einzelnen Schritte allgemein ge- billigt wird. Und die Aufgaben eines Gewerkschaftsbeamten sind heute so mannigfaltige, sie erfordern so viele Spezialkenntnisse, sollen sie richtig erfüllt werden, daß man nicht wegen einer vorüber- gehenden Differenz einen eingearbeiteten Fachmann fallen läßt, um einen unerprobten Neuling an seine Stelle zu setzen. Dazu kommt noch, daß die Verschiedenheiten zwischen Massen und Führern, von denen hier d!« Rede ist, nicht zufällige sind, sondern solche, die aus der Verschiedenheit der Funktionen von Führern und Massen in der Organisation entspringen. Da so ziemlich alle Beamten übereinstimmende Funktionen und übereinstimmende Mittel der Informierung haben, stimmen sie auch so ziemlich in ihren Auffassungen überein. Durch die Volkswahl der Beamten wird daran nichts geändert. Sie kann nur die Personen ändern, nicht aber die Verhältnisse, die deren Denken und Fühlen bestimmen. Aber die„direkte Gesetzgebung durchs Volk", die Urabstim- mung? Sie ist ein ganz zweckmäßiges Mittel bei kleinen Organi- sationen, ober sie wird immer umständlicher und schwerfälliger bei großen. Die Frage, die am ehesten eine Differenz zwischen Massen und Führern hervorrufen kann, ist die, ob eine Aktion im gegebenen Falle wünschenswert ist oder nicht. Diese Frage erheischt oft die rascheste Beantwortung. Mitunter liegt die einzige Aussicht deS Erfolgs in der überraschenden Schnelligkeit des Losschlagens. Andererseits erheischt die Beantwortung dieser Frage, daß man die eigenen Kräfte sowie die des Gegners kennt, während es gleich- zeitig notwendig ist, diesen über die eigene Leistungsfähigkeit im dunklen zu halten. Endlich, daß man weiß, wie nicht nur in der eigenen Lokalität, sondern in allen Lokalitäten, die ia Betracht kommen, die Verhältnisse liegen. Bei einem großen Jndustrieverband, der zum Beispiel über das ganze Deutsche Reich verzweigt ist und mannigfache Berufe umfaßt, vermag man das nicht leicht festzustellen. Di« Massen der einzelnen Lokalitäten werden immer der Gefahr unterliegen, von lokalen Gesichtspunkten übermüßig beeinflußt zu werden. Oft fehlt die Zeit, sie über alle Verhältnisse aufzuklären, vielfach ver- bietet es sich sogar, denn nichts ist törichter, als sich am Vorabend einer Aktion vom Gegner in die Karten schauen zu lassen. Alles das bewirkt, daß die Urabstimmung als Mittel der Eina leiwng einer Aktion immer mehr versagt. So wie die Staaten. so wachsen auch die Organisationen des Proletariats, so bald sie gtoßc Massen umfassen, immer mehr aus den: Stadium der Volks- gcfetzgebung heraus. Es geht jedoch nicht an, diese demokratische Form einfach beiseite zu schieben, ohne einen Ersatz an ihre Stelle zu setzen. Es liegt ebenso im Interesse der Führer wie der Massen, dag diese nicht bloss das R-echt der Wahl ihrer Führer haben, sondern nicht minder das Recht und die Möglichkeit. Einsluss auf jede einzelne Aktion zu nehmen, deren Erfolg doch von ihrer eigenen Tatkraft, Opserwilligkeit und Einsicht abhängt. Je weniger eine solche Einflußnahme auf direktem Wege erfolgen kann, je mehr dieser durch die wachsende Größe der Organisation ungangbar gemacht wird, desto notwendiger wird der indirekte Weg durch Ausbildung des Repräsentativsystcms, durch Ausdehnung und Vervollkommnung seiner Anfänge, die ja in den Jahreskongressen und anderen In- stitutionen bereits vorliegen. Praktische Vorschläge in dieser Richtung zu machen, ist nicht meine Aufgabe. Ich darf aber darauf himveisen, daß gewerkschaftliche Praktiker bereits für Schaffung repräsentativer Einrichtungen in den Gewerkschaften eingetreten sind. Auf jeden Fall mühten die neuen Repräsentativversamm- lungen kleinere Körperschaften sein, mit etwa fünfzig bis hundert Mitgliedern, die ohne große Kosten öfter zusammentreten und in vertraulicher Weise mit den leitenden Beamten beraten, über Krieg und Frieden entscheiden könnten. Im Unterschied von den Beamten, die die dauernden Vertrauensmänner der Mitglieder bilden, hätten sie die Anschauungen der Masse der Mitglieder in jedem gegebenen Falle zu repräsentieren, wären also von diesen von Fall zu Fall oder doch in kurzen Zwischenräumen zu erlvählen. Dadurch würden sie in jedem Moment die jeweiligen Anschauungen der Masse wiedergeben können; ihre Zusammenkunft unterschiede sich jedoch von den lokalen Versammlungen der einzelnen Mitglied- schaften dadurch, daß die Vertreter der verschiedenen Lokalitäten hier Fühlung miteinander gewännen, so daß jeder Delegierte nicht bloß auf Grund lokaler Eindrücke, sondern der Gesamtlage urteilen würde. Dann aber auch dadurch, daß die repräsentative Körper- schast einen kleinen geschlossenen Kreis bilden würde, dem die leiten- den Beamten Aufschlüsse geben könnten, deren Kenntnis für die Beurteilung der Sachlage notwendig ist, deren Veröffentlichung die eigene Sache schädigen müßte. Endlich vermöchte eine solche Versammlung rasch, ja überraschend zu entscheiden, während das unmöglich ist bei Entscheidungen, die durch Urabstimmungen zu fällen sind. Eine derartige Körperschaft dürfte Wohl am«heften geeignet sein, Differenzen entgegenzuwirken oder vorzubeugen, wie sie heute in England zwischen Massen nnd Führern in den Gewerkschaften vorkommen, und ein harmonisches Zusammenwirken von vorwärts- stürmendem Enthusiasmus mit kühler Ueberlegung herbeizuführen —«in Zusammenwirken, das schwer, aber keineswegs unmöglich ist, wie die deutsche Arbeiterbewegung sehr deutlich bezeugt, die es ebensogut versteht, zu wägen wie zu wagen. nochmals die„Berichtigung" des Kriegsminifters. Der KriegSlmnister p. Heeringen hat mit seiner Berichtigung, die er dem„Vorwärts" schickte, entschieden Aufsehen erregt. Ein großer Teil der bürgerlichen Presse nnnmt von dieser höchst eigen- artigen Leistung de» Kriegsministers Notiz, allerdings wird Herrn v. Heeringen ziemlich allgemein bestätigt, daß er mit seiner ab- sonderlichen Stililbung kein Glück gehabt habe. Vielleicht sieht er allmählich selber ein, daß eZ besser gewesen wäre, er hätte ge- schwiegen. Da er nun aber unbedingt den Eindruck erwecken wollte, als ob die Militärverwaltung von vornherein mit offenen Karten ge- spielt habe, so ist es doch notwendig, an der Hand der Beratungen der Budgetkommission festzustellen, daß die Enthüllung der wirklichen Kosten der Militärvorlage nicht nur den Reichs schätz- sekretär in einen gelinden Schreck versetzt hat, sondern daß die Budgetkommission de? Reichstages nach dieser Mitteilung die Sitzung auch vertagte, um den einzelnen Parteien Gelegenheit zu Leben, zu den so plötzlich aufgetauchten Mehrkosten erst Stellung zu n e h m e n I In dem Gesetz, da-Z die Friedenspräsenzstärke des Heere-Z neu regelt, war angegeben, daß die Kosten sich auf 21,8 Millionen Mark sortdauernde und 82,4 Millionen Mark einmalige Ausgaben belaufen. Das konnte zu der Annahme führen, daß mit den 104.2 Millionen Mark die wirkliche Höhe der neuen Belastung angegeben worden sei. Wir haben von vornherein dieser Anschauuung allerdings nicht gehuldigt. ES wäre aber Pflicht der Heeresverwaltung gewesen. ausdrücklich festzustellen, daß die Ausgaben natürlich ganz erheblich über den Betrag von 104,2 Millionen Mark hinausgehen werden. In der 63. Sitzung der Budgetkommission unterbreitete der Referent Abg. v. Byern folgende Rechnung Fortdauernde Ausgaben 1011 3,7 Mill. 1012 3,7 4- 4,0— 8.6 y 1013 3,7+ 4,9+2,0= 10,6. 1914 3,7+ 4,9+2,0+3,7=14,3„ 1915 3.7+ 4,9+ 2,0+ 3.7+ 4,6 == 18,9„ Einmalige Ausgaben 4,2 Mill. 17,0. 22,1* 23,5. 14,7„ Minder« Zu» einnahmen sammen — Mill. 7.0 Mill. 0.1 0,1 0,1 0,1 25,7 32,8 37,9 33,7 Insgesamt 56.1 Mill.+ 81,5 Mill. 0,4 Mill. 138,6 Mill. Dam noch hinübergreifend in die Jahre 1916 2,6 Mill. 0.5 Mill.— Mill. 3.1 Mill. und 1017 0.3„—..—„ 0,3, Geldaufwand--- 50.0 Mill. 82,0 Mill. 0.4 Mill. 141.4 Mill. Die Wirkung dieser Darstellung war auf die Kommission eine geradezu verblüffende, und man konnte es dem Kriegsminister anmerken, daß er auch nicht gerade sehr erbaut von dieser Wirkung war. Der Abg. Erzberger bestätigte die Richtig- keit dieser Ausstellung noch ganz ausdrücklich. Auf das Verlangen des Abg. Dr. S�mler. das vom Referenten gegebene Zahlen- Material dem Protokoll beizufügen, sah sich der Schatzsekretär Mermuth genötigt, da? Wort zu ergreifen. Wir zitieren nun nach dem amtlichen Protokoll, Seite 6. Danach hat der Staats- sekretär erklärt: „Er habe nicht verstanden, von was für einer Zusammen- stellung die Referenten gesprochen haben. Wenn die gegebene Zusammenstellung eine Liste sein solle, für die vom Jahre 1012 bis 1917 erforderlichen Ausgaben, so erkläre«r. daß die Reichs- finanzverwaltung einer Verteilung der Ausgaben auf die einzelnen Jahre fernstehe. Das N e i ch s f ch a tz- a m t halte sich lediglich an d a ö. was in dem Gesetz und seiner Begründung stehe. Nach§1 solle vom 1. April 1911 die Friedenspräsenzstärke deS deutschen HeereS als Jahresdurchschnittsstärke allmählich derart erhöht werden. daß sie im Laufe des Rechnungsjahres 1015 die Zahl von 515 321 Gemeinen. Gefteiten und Obergefreiten er- . reiche und in dieser Höhe bid zum 31. März 1016 be- stehen bleibe. Nach 8 3 solle dann in den einzelnen RechunngS- fahren die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke nach Maßgabe, des soeben angeführten Paragraphen und die Verteilung jeder Er- höhung auf die einzelnen Waffengattungen, ebenso wie die Zahl der Stellen für Ossiziere, Sanitäts- und Beterinäroffiziere, Be- amte» und Unterosfiziere der Feststellung durch den Reichshaus- haltZetat unterliegen. Hiernach sei keineswegs fest- gelegt, wie die V e r st ä r k u n g ansteigen solle. Auf Seite 14 der Begründung zum Gesetzentwurf sei angegeben, daß die fortdauernden Ausgaben auf 21,8 Millionen Mark sich belaufen werden. Die Summe der einmaligen Ausgaben betrage 82 Millionen Mark. Auf weiteres habe sich die Finanz- Verwaltung nicht vorbereiten können." Wem» Worte einen Siim haben sollen, dann können sie doch nur den haben, daß auch das Reichsschatzamt die gesamten Aus- gaben auf nicht mehr als 104,2 Millionen Mark an- genommen hatte. Genau so ging es aber auch einer Anzahl der folgenden Redner. So wies der Abg. Osann snatl.) daraus hin. daß man mit dieser Militärorlage auf einen schwankenden Boden trete, denn man Wiste nicht, wie sich die Ausgaben auf die einzelnen Jahre verteilen. Die gleiche Auffassung vertrat der Abg. Dr. Wiemer(5?p.), der noch bemerlte, daß man vor einer erheblichen Ausgabe stehe, namentlich in den letzten Jahren des OuinquennatS, und daß man über die Vor- tage nicht so leichtherzig urteilen dürfe, wie da» zum Teil in der Presse geschehen sei. Schatzsekretär Mermuth, der»och einmal das Wort ergriff, wies darauf hin, daß es auch in den kommenden Fahren nur mit größter Anstrengung gelingen werde, daS Gleich- gewicht auf den bisherigen Grundlagen zu erzielen. Nicht möglich sei eS, für die einzelnen Jahre die Beträge bereits jetzt festzulegen, welche für die HeereSverstärkuiig verwendet werden sollen. Fest- stehend sei nur der Endbedarf der Jahre 1915 beziehungS- weife 1017. Abg. N o S k e führte nach dem Protokoll(Seite 4) aus: „Der Staatssekretär deS ReichSschatzamtS habe gestern und heute betont, daß die Absicht der Verbündeten Regierungen dahin gehe, sich bei Bereitstellung der Mittel für die neue Heeresvorlage streng nach der Finanzlage zu richten. Um so beachtenswerter sei es, daß gestern den Referenten von dem Kriegsministerium eine Aufstellung gegeben sei, die nach anderen Gesichts- punkten bearbeitet sei. Auch ihm sei überraschend gewesen, daß die Ausgaben der Vorlage sich auf 141 Millionen Mark belaufen. Der Kriegsminister habe sich allerdings beeilt, die Versicherung abzugeben, daß er den Darlegungen des ReichSschatzamtS zustimme, und daß die Aufstellung, die mitgeteilt sei, nur als ein Bild zu betrachten sei, daS man sich im KriegSministerilim gemacht habe. Soviel sei jedenfalls aus der Aufstellung ersichtlich, daß die Wünsche deS Kriegsministeriums über die Wünsche deS Schatzamts hinausgingen." Abg. Dr. S e m l e r erklärte ausdrücklich(Seite 5), daß die jetzige Vorlage gegen frühere den Nachteil habe, daß die Bedürfnisse für die einzelnen Jahre und die jeweilige Deckung dafür in dem Gesetz nicht festgelegt sei und fuhr dann fort: „Bei der neuen HeereSvorloge feien diese Erläuterungen erst durch den Referenten gegeben und man sei überrascht worden durch die Tatsache, daß das Kriegsmini st erinm allein deinKorreferenten bestimmteErklärungen gegeben habe, wie e s die Ausgaben au f die nächsten Jahre zu verteilen gedenke. Der Staats- sekretär deS ReichSschatzamtS habe zum allgemeinen Befremden mitgeteilt, daß er von den im Kriegsministerinm ausgestellten und von: Korreferenten vorgetragenen Zahlen nichts wisse." Damit ist einwandfrei festgestellt, daß von den wirklichen Kosten der Militärvorlage weder die Kommission noch auch daS Reichs- s ch a tz a m t Kenntnis hatte I Der KricgSminifter beruft sich dann zum Belveise dafür, daß von einer Irreführung gar keine Rede sein könne, auf die Erklärung des Vorsitzenden der Kommission, Freiherrn v. G a m p- M a s s a u n e n. Diese Erklärung kann aber dem Kriegsminister gar nichts nützen. Freiherr v. Gamp hat nur erklärt: „Er halte sich für verpflichtet, festzustellen, daß. wenn irgend- welche Mißverständnisse durch die AiiSsührungen deS Korreferenten entstanden seien, diese durch die Erklärung des KnegSministerS und deS Staatssekretärs des ReichSschatzamtS beseitigt seien." Diese Erklärung hat aber der Freiherr v. Gamp nicht etwa im Auftrage der Kommission abgegeben, es war dies vielmehr seine rein persönliche Auffassung, und diese Ausfassung stand in einem strikten Gegensatz zu der Erklärung, die am Tage vorher der Reichöschatzsekretär abgegeben hat. AuS diesen. dem amtlichen Protokoll entnommenen Zitaten geht also hervor: 1. Die w irllichen Kosten der Militärvorlage betragen nicht 104,2, sondern 141 Millionen Mark. 2. Von der Tatsache dieser erheblich höheren Ausgabe hat die Budgetkommission erst durch die Mitteilungen des Referenten erfahren. 3. Von diesen Zahlen hat daS Reichsschatzamt nichts gewußt. 4. Der Krieg? mini st er oder einer seiner Vertreter haben in der Generaldiskussion mit keinem Worte auf die er« heblich höhere Summe hingewiesen. Was bleibt mm von der Berichtigung deS' Kriegsministers eigentlich noch übrig? Nur noch die Bestreitung, daß die HeereS- Verwaltung die Absicht gehabt habe, die Oeffentlichteit irre zu führen. Daß die Heeresverwaltung diese Absicht hatte, lönnen wir nicht beweisen, wenngleich die hier zusammengestellten Tatsachen denn doch recht beben kl ich erscheinen. Die HeereS- Verwaltung hat aber auf alle Fälle nicht die genügende Ausklärung gegeben, sonst hätte sie, als in der Presse die Heeresvorlage kritisiert wurde und man die Kosten aus 104,2 Millionen Marl bezifferte, sofort erkläre» müssen, daß das nicht die ganzen Kosten seien, sondern daß die Kosten in Wirklich- keit 141 Millionen Mark betragen. Wenn der KriegSininister schon daS Gebiet der preßgesetzlichen Berichtigungen betreten zu müssen glaubt, wäre eS erfreulicher gewesen, wenn er der Darstellung, daß die Kosten 104,2 Millionen Marl betragen, damit entgegengetreten wäre, daß er berichtigt hätte, die Kosten betrügen in Wirklich- keit 141 Millionen Marli Das IIIiDlfterium Monis vor der Kammer. Paris, 6. März. Ter heutigen Kammersitzung wurde init Spannung entgegengesehen. HauS und Tribünen sind dicht besetzt. Trotz der ungünstigen Aufnahme in der Presse hält man dafür, daß dem Ministerium zunächst eine ge- schlossene radikale Majorität zur Verfügung stehen werde. Gleich nach Eröffnung der Sitzung nimmt Ministerpräsident Monis dos Wort, um das Regier, mgSprogramm zu entwickeln. Monis skizziert zunächst die auswärtige Politik, wobei er sich an das herkömmliche Schema hält. Er sagt: � Unveränderlich wie die großen Interessen, auf denen sie be- ruht, wird unsere auswärtige Politik dafür Sorge tragen, unsere Allianz und unsere Ententen zu pflegen, die es Frankreich bereits gestattet haben, wirksam zur Erhaltung des Friedens beizutragen. Ta wir von denselben Empfin- düngen getragen werden, welche die Regierungen der anderen Mächte beseelen, und da wir, wie sie, in einer zuverlässigen militärischen Organisation eine der wichtigsten Friedensgarantien erblicken, werden wir unsere Streit- kr äste zu Lände und zu Wasser zum Gegenstand unser«? besonderen Fürsorge machen. Tann wendet er sich der inneren Politik zu, die Kammer wird aufmerksamer, die Rechte unruhig. Monis führt aus: Die Regierung ist entschlossen, alle republikanischen Errungen- schaften zu behaupten, in ihrer Eickwickelung fortzufahren und ihr Vorgehen zu konzentrieren, um eine größere Wirk- s a m k e i t zu erzielen. Das Kabinett wird im Senat die Haupt- ziige des in der Kammer angenommenen Einkommen- st cuerent Wurfs vertreten und das Wahlgesetz schnell zur Abstimmung bringen, wobei sie den Entwurf in der Korn- missionsfassung zur Grundlage der Debatte machen wird. Tie Regierung wird ferner die Abstimmung über das Budget be- schleunigen und unmittelbar darauf die Vorlage zru Unter- drückung der Sabotage und des eigenmächtigen Verla ffens des Dienstes zur Abstimmung bringen sowie die Vorlage, die dem Pensionsgesetz dcr Eisenbahn- beamten rückwirkende Kraft verleiht, ebenso die Vor- lagen betreffend Kollektivverträge und das Statut für die Beamten und die Arbeiter der Staatsbahn sowie das Ber- miktclungs- und Schiedsgerichtsverfahren. Das Kabinett wird mit GüteundDuldsam keit die Verwaltung der Staatsbahnen leiten, die bereits den größten Teil ihrer wegen Vergehens während des Ausstandes gemaßregelten Le u t e wieder angestellt haben. Sie wird die Prüfung der Akten fortsetzen und diejenigen ausschließen, welche die Gerichte wegen gewalttätiger Handlungen oder anarchistischer Umtriebe bestraft'hatten. Sie wird die Anwendung dieses Systems auch von den Eisenbahngesellschaften fordern, deren Verträge nach gegenseitiger Vereinbarung einer Revision unterzogen werden können, um eine Verbesserung des Verkehrs sicherzustellen, ohne den Aktionären zu schaden. Die Re- gierung wird sich bemühen, die Anwendung des Arbeiter- Versicherungsgesetzes vom 3. Juli durchzusetzen. Sie wird endlich ohne Schwäche aber auch ohne Härte die Gesetze über die Kongregationen und über die Trennung der Kirche vom Staate zur Anwendung bringen, die Laien- schulen vor Angrissen schützen und das Werk der Verwelk- lichung der Schulen verteidigen, nötigenfalls durch neue Gesetze. Das Zentrum nahm den Passus über die Einkommen- steuer mit Hohnlachen auf, während die Linke lebhaft applau- dierte. Die Versicherung der Negierung. daß die Aktionäre der Eisenbahnen keine Einbuße erfahren sollten, wurde eben- falls seitens der Rechten und des Zentrums mit Hohnrufen begrüßt. Ter Ankündigung neuer Gesetze gegen die Kon�- gregationen zollte die Linke Beifall. Bei der Erklärung über die auswärtigen Beziehungen wurden ungemein langan- haltende Bcifallsäußerungen laut. Im Senat wurde die Erklärung vom Justizministcr unter Beifall der Linken und Protestrufcn der Rechten verlesen. Tie Debatte. Nach der Regierungserklärung nahm der konservative Deputierte Delehaye zur Begründung seiner Interpellation über die Zu- sammensetzung des Kabinetts das Wort. Nach dem Schreiben B r i a n d s an den Präsidenten Fallieres, das in Wahrheit eine Botschaft an die Nation bedeute, sei das Parka men t in Mißkredit gekommen und die Republik habe sich über- lebt. Beweis dafür sei der verfassungswidrige Druck, der von der Minorität unter Mitwirkung des Präsidenten der Siepublik aus die Mehrheit ausgeübt worden sei. Redner kritisierte sodann die Wahl jedes einzelnen neuen Ministers. Im weiteren Verlauf der Sitzung fragte B e r a r d(Demokra- tische Linke), ob die Regierung die Mitarbeit der Sozia- listen und also auch die Mitarbeit deS AllgemcinenAr» beitsverbandeS annehme. C o l I y(geeinigter Sozialist) sprach die Befürchtung aus. daß die entlassenen Eisenbahner nickt wieder angestellt werden würden. S e m da t(geeinigter Sozialist) tadelte Monis, weil er nicht dieselbe Sprach« führe, wie sie Eombes geführt haben würde. Der Minister- Präsident täusche sich, wenn er glaube, alle Welt befriedigen zu lönnen. Äeauregard(Progresstst) gab der Ansicht Ausdruck. daß das Ministerium mehr nach rechts neigen werde als das Kabinet Briand. Das jetzige Kabinet sei entgegen den Grundsätzen der Verfassung gebildet Wörde» Tie Abstimmung über die Vertrauensfrage. Paris, 6. März. Die Deputiertenkammer nahm mit 30 0 gegen 114 Stimmen eine Tagesordnung an, in der der Re« gierung das Vertrauen ausgesprochen wir!» politische Gcberlicbt Berlin, den 6. März 1911. Abgeordnetenhans. Das preußische Abgeordnetenhaus begann am Montag nach Erledigung des Etats der Bauverwaltuug die Beratung deS Etats deS Finanzministeriums. Die Debatte drehte sich im wesentlichen um den KurS der StaatSpapiere, deren Hebung den Rednern, die bisher zu Worte gekommen sind, ebenso sehr am Herzen liegt wie dem Finanzminister. Herr Dr. L e n tz e nahm den Vorschlag seines AmtövorgäugerS auf und empfahl einen Beschluß, der die Sparkassen verpflichtet, einen bestimmten Teil ihres Vermögens in Staats- papieren anzulegen. Von dieser Gewaltoperation wollen aber die Konservativen und daS Zentrum nichts wissen. Daneben wurde über da? alte und das neue Opernhaus in Berlin gesprochen. Die Konservativen wünschen in ihrer Mehrzahl, wie Herr v. Armin erllärte, den Verlauf des alten Opernhauses nicht, das Zentrum steht auf einem anderen Standpunkt. Ihm ist eS vor allem darum zu tun, daß die Stadt Berlin sowohl zu dem neuen Opernhaus als auch zur Erhaltung des Tiergarten» möglichst scharf herangezogen wird. Bis zur endgültigen Entscheidung werden die Blockbrüder sich ja wohl einigen, und da» Ende vom Lied wird eine gehörige Schröpfnng der Reichshauptstadt sein. Die Debatte wurde in später Stunde abgebrochen, sie soll erst nach Erledigung des KultnSetatS fortgesetzt werden, dessen Beratung Herr v. Bethmann Hollweg in höchst eigener Person nm DienSwg einleiten will._ Katerstimmnng. Daß sie mit den Nationnlliberalen in Konflikt geraten sind, ist einein Teil der Konservativen höchst unangenehm. Sie befürchten davon eine weitere Schwächung ihrer Frattions- stärke bei der nächsten Reichstagswahl. Graf Kanitz hat in seinem Wahlkreise aus Anlaß seiner Wiederausstellung zum Rcichstagskandidaten eine Rede gehalten und dabei auf die „Schwierigkeiten" hingewiesen, die bei der nächsten Reichstags- wähl zu überwinden sein würden. Dahin gehöre vornehmlich die bedauerliche Zwietracht zwischen den staatserhaltenden Teilen, die 1907 Hand in Hand gingen, aber jetzt auf der- schiedene Wege geraten seien. Er. Redner, beabsichtige nicht. diesen beklagenswerten Zwist zu verschärfen; er werde deshalb keinerlei Sln griffe auf diejenigen Parteien richten,„mit welchen wir uns lieber vertragen als vorfeinden sollten". wie er auch niemals im Reichstage an den scharfen Aus- einandersetzungen zwischen den konservativen und national- liberalen Parteisiihrern sich beteiligt habe. Eine Brücke der Verständigung müsse durchaus gefunden werden, widrigenfalls nur die Sozialdemokratie einen Gewinn aus der verworrenen Situation ziehen würde. Auch der Obcrpräsident der Provinz Ostpreußen hat an- läßlich des Zusammentritts des ProvinziallandtageS eine Friedensrcde gehalten und die„leidige Politik" verdamint, die gerade jetzt im Vordergründe stehe und durch die Auf- peitschung der Parteileidcnschasten das ganze öffentliche Leben zu vergiften drohe._ Tie Matrikularbeiträge. die nach dem Neichshaushaltsetat für 1911 von den Einzel- staaten zur Deckung der Gesamtausgaben des ordentlichen Etats aufzubringen sind, betragen im ganzen 21200,1700 M. Im Etat für 1910 waren 223 512000 M. angesetzt, so daß die Summe der aufzubringenden Matrikularbeiträge im neuen Etat um IßVa Millionen Mark niedriger als in dem für 1910 ist. Ten Matrikularbeiträgen stehen an Ueberweisungen aus der Branntweinsteuer 169,49 Millionen Mark entgegen, so daß 48,51 Millionen Mark ungedeckt bleiben. Für die Gesamtheit der Bundesstaaten stellt dieser Betrag eine Belastung von etwa 0,80 M. auf den Kopf der Bevölkerung dar. Im einzelnen haben die Bundesstaaten je nach ihrer Heranziehung zu den Matrikularbeiträgen einen höheren oder niedrigeren Satz zu zahlen._ Der Ausweg aus der Klemme. AuS Elsaß-Lothringen wird uns geschrieben: Im„Nouvelliste" des Abgeordneten Wetterlü wird zur e I f a ß- lothringischen Verfassungsfrage eine Lösung empfohlen, die, wie von unterrichteter Seite versichert wird, schon vor Monaten in regierenden Kreisen dcS NeichSlandeS für den Fall der Kompli- kation des Ganzen erwogen wurde: die Lösung, daß die Ver- fassungS Vorlage bei der Unmöglichkeit einer Verständigung auf der BasiS dieser Vorlage von derNegiernng zurückgezogen wird und daß nur daS Wahlgesetz für die Zweite Kammer als Entwurf eines Wahlgesetzes für den LandeSauS- fchuß aufrecht erhalten wird. DaS Organ des Abg. Wetterls meint, daß einige der hohen Staatsbeamten in Straßburg diese NückzugSlinie bereits vorzubereiten beginnen; sie könnten dieS nicht offen tun, daher würde cS ihnen recht angenehm sein, wenn der Anlaß dazu von den elsaß-lothringischen Reichstagsabgeordneten aus- ginge,— ein Gefallen, den man ihnen ja tun könnte. Unsere beiden elsässischcn Parteiblätter haben von dem wohl- begründeten Mißtrauen aus, daß sie mit Bezug auf eine Ver- fasiuitgsänderung durch die im Reiche maßgebenden Machtfaktoren beseelt, diese Anregung des„Nouvelliste" spontan aufgenommen mit der Betonung natürlich, daß das neue Wahlgesetz nur Ver- besserungen bringen darf: das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht(geheim ist das Wahlrecht schon jetzt, und auch der Entwurf eines Wahlgesetzes für die Zweite Kammer Will daran nicht tippen), ES muß geradezu als selbstverständlich erscheinen, daß eine reine Wahlrechtsreform, wenn in terfassungsrechtlicher Hinsicht allcS beim alten bleiben soll, nicht noch Verschlechterungen, wie das vorgeschlagene Alters- Pluralwahlrecht und die Wohnsitzklausel mit der Anforderung des drei- bczw. einjährigen Wohnsitzes in Wahlbezirk oder Gemeinde, bringen darf! Ter Reichstag kann und darf sich auf derartiges natürlich nicht einlassen, und es ist vielleicht erlaubt, zu hoffen, daß selbst Zentrum und Nationalliberale sich dabei auf die Seite der Erweiterung der VolkSrechtc schlagen, sobald der falsche Schein einer größeren Selbständigkeit des Landes nicht mehr nebenher- läuft. Tie Parteien, die sich früher schon für die Ein- führung des NeichStagSwahlrechteS als Wahlrecht zum Landesausschuß für Elsaß-Lothringen ausgesprochen haben, werden sich dem Sturme des Unwillens, den eine andere, rückschrittlichere Haltung in diesem Augenblick hervor- rufen müßte, nicht gerne aussetzen. Eine starke Mehrheit i m Reichstag für eine demokratische llinändernng des Wahlrechtes zum elfaß-lothringifchen LandcSausfchuß erscheint also gesichert. Die Regierung aber hat schon früher und vor wenigen Wochen wieder in der Reichstagskoinnnssion mit aller Deutlichkeit erklären lassen, daß sie mit dem heutigen Notabelnpavlament in Elsaß-Lothringen nicht mehr auskommen könne— schon wegen dessen Haltung in der Frage der Steuerreform. Die Regierung m u ß in wohlverstandenem Staatsintercsse ein anderes, fortschritt- licheres Parlament im Lande haben,— warum sollte sie diesen Ausweg aus der Klemme nicht wählen? Er ist für die„wiedergewonnenen Brüder" im Reichslande annehmbar, weil ein neues, volkstümlicheres Landcsporlament ihnen die Gewähr bietet, daß die Frage der verfassungsrechtlichen Gleichstellung Elsaß-LothringenS, die damit keine Schein« lösung erfahren, sondern einfach vertagt werden würde. mit aller Energie weiterverfolgt wird. Auch Wletterle hat das Bedürfnis, in feinem„Nouvellistc" zu betonen:„Wir würden mangels eines Bessern diese vorläufige Lösung an- nehmen, im voraus sicher, daß das neue Parlament, das auf dieser Grundlage gewählt würde, noch energischer als das alte unsere Interessen verteidigen wird." Und Wetterle ist einer der Tapfersten unter den Tapfere» im gegenwärtigen Landesaus- schußl Wenn er selber zugeben muß, daß man gerade im Interesse der el sä s fischen Sache diesen Landcsausschuß zweckmäßig zum alten Eisen wirst, warum sollten die Gegner dieser von Volk und Regierung gleichmäßig als Hemmschuh empfundenen Ver- sammlung noch länger zögern? Die e lsa ß- lo th r i ng i sche V e r fa s su n g S v o r lag e des Philosophen-Kanzlers Bethmann Hollweg ist tot— sie war eine Totgeburt, die man nur aus parlamentarischer Konvenienz wie ein lebendes Kind behandelte. Hinab in den Orkus mit ihr! Desto mehr aber ist jetzt der Augenblick, den Ruf zu erheben: Es lebe die lsah-lo thr i n g i sch e Wahl- reform I Pflichtfortbildungöschule. Dein Preußischen Abgeordnetenhause ist der Gesetzentwurf betr. die Errichtung und den Besuch von Pflichtfortbtldungs- schulen zugegangen. Der Entwurf legt den Gemeinden mit mehr als lOlOÖ Einwohnern die Pflicht der Errichtung und Unterhaltung von Fortbildungsschulen auf. Zllin Besuch dieser Schulen sind sämtliche in den betreffenden Gemeinden in chssentlichen oder privaten Diensten beschäftigten männlichen Personen unter 13 Jahren drei Jahre lang verpflichtet. Hat ein Schulpflichtiger innerhalb dieser Zeit das Ziel der Fort- bildunggschule nicht erreicht, so bleibt er bis zu dessen Er- reichung. jedoch höchstens bis zum Schlüsse des Sckiulhalb- jahres, in welchem er das 18. Lebensjahr vollendet, zum Schul- besuch verpflichtet. Arbeitslosigkeit hat innerhalb des Schnlhalb- jahres eine Befreiung vom Schulbesuch nicht zur Folge. Auf weib- liche Personen erstreckt sich also der Pslichtfortbildungsschul- Unterricht nicht, sie können lediglich durch OrtSstatut dazu an- gehalten werden. Der Unterricht soll für jeden Schüler jährlich 240 Stunden umfassen, die in der Regel auf 40 Wochen zu verteilen sind. Durch statutarische Bestimmung kann die Stundenzahl erhöht oder mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde bis auf jährlich 100 ermäßigt werden. Der Pflichtnnterricht ist auf die Werktage und in die Tagesstunden von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends zu legen. Auf einen Nachmittag dürfen für den Schüler nicht mehr als vier Unterrichtsstunden gelegt werden. Für die Verwaltung der Fortbildungsschulen sind Schulvorstände zu errichten, welche ans ernannten und gewählten Mitgliedern bestehen. Die gewählten Mitglieder bediirfen der Bestäti- g u n g durch die Aufsichtsbehörde. Also auch hier wieder jene schikanöse Bestimmung, die in der Hand der Regierung ein Mittel ist, tüchtige Leute, deren politische Gc- sinnung ihr nicht gefällt, von den Schulvorständen sernzu- halten. Für die Mitglieder der FortbildungSschuldeputationen in den Gemeinden bestand bisher kein Bestätigungsrecht. In der Begründung gibt die Regierung selbst zu, daß der bis- herige Zustand sich bewährt hat. Trotzdem verlangt sie, daß ihr ein Bestätigungsrecht eingeräumt wird. Es scheint nach- gerade unmöglich zu sein, daß in Preußen ein Fortschritt erzielt wird, wenn nicht zugleich ein erheblicher Rückschritt damit verbunden ist. Der Entwurf gibt, so sehr wir auch das Prinzip der Pflichtfortbildungsschulc billigen, im einzelnen zu sehr erheblichen Bedenken Anlaß._ Thüringisches Oberverwaltungsgericht. Der weimarische Landtag genehmigte in seiner heutigen Sitzung einstimmig den Staatsvertrag wegen Errichtung eines gemeinschaft- lichen thüringischen Oberverlvaitungsgerichles. Hierbei wurde der Wunsch ausgedrückt, daß es gelingen möge, sämtliche thüringischen Staaten zum Beitritt zu diesem Staatsverttag zu bewegen. Neuer Radau in Metz. In Metz ist es am Sonntag wieder zu Radauszeiten gekommen. Drei betrunkene Schlächtergesellen zogen, französische Lieder singend, die Straße entlang. Als Passanten eine Militär- Patrouille zum Eingreifen veranlaßten, sammelte sich sofort eine nach Hunderten zählende Menschenmenge an. Die Soldaten zogen blank. Die herbeigerufene Polizei verhaftete die drei Radaumacher. Hierbei wollen einige die Rufe„Vivo la Lorraino sportivo" und „Vivo la France" gehört haben. Man glaubte anfangs an einen neuen Zwischenfall der Dorraine sportivo, aber die näheren Er» kundigungen ergaben, daß keiner der Verhasteten Mitglied des ge- nannten Verein? war. Es handelt sich demnach um eine gewöhnliche Radauszene junger Burschen, die mit Politik nichts zu tun hat. Auch die an- gesammelte Menge zerstreute sich alsbald ohne jeden Zwischenfall. Konservative Agitationskünste. Unter dem Titel„Elendsindustrie" veröffentlicht der konser- vative„Reichsbote" einen längeren Artikel, der sich mit der Lage der Heimarbeiter beschäftigt. Bon einer gesetzlichen Rege- lung der Heimarbeiterfrage will das konservative Blatt nichts wissen. Dagegen hat das Blatt einen anderen Plan. Es schließt seinen Artikel wie folgt: „Wohl aber scheint unS hier für die staatSerhaltcnden Par- teien ein dankbare» Feld erfolgreichster Tätigkeit gegeben zu sein. Die armen Heimarbeiter bedürfen der Organisation. Das steht unzweifelhaft fest. Ohne verständige Organisation werden sie niemals eine Lohnaufbesserung erreichen, die ihnen ein men- schenwürdiges Dasem schafft und ohne solche Lohnaufbesse- rungen werden die schönsten Gesetze sür die Heimarbeiter ein Schlag ins Wasser sein. Darum empfehlen wir unseren Frcun- den dringend:„Gehet hin iw die Bezirke der Elendsindustrie, organisiert die beklagenswerten Menschen, die der umsichtigen und wohlwollenden Führung bedürfen, aber tut Geld in Euer» Beutel und fordert von den Aermsten dieser Armen zunächst nichts.. Der konservative Plan ist recht durchsichtig, eS handelt sich für die Konservativen darum, die meist auf dem Lande zerstreut wohnenden Heimarbeiter für die konservative Partei einzusangcn und zu Wahlhelfern zu machen, ohne daß man es durch gesetzlichen Heimarbeiterschutz mit den kapitalistischen Kreisen verdirbt. Hermann Tingelstad. Wie aus Münster gemeldet wird, ist dort Bischof Hermann Dmgelstad heute vormittag 10'/« Uhr gestorben. Der Verstorbene wurde 1835 als Sohn eines Sandmannes in der Nähe der Stadt Bracht geboren, studierte in Münster Theologie und war dann Lehrer in Gaesdonk; 1875 wurde er Ghmnastallchrer in Vechta und 138g Bischof von Münster. Der Papst hatte ihn zum HauSprälaten und Thronassistenten ernannt. Auch schriftstellerisch ist er tätig gewesen; 1805 hat er eine Schrift„Do Euripididis Helena" und 1800—1904 „Hirtenbriefe" erscheinen lassen. Besonders war er um den Bau von Kircken besorgt. In den 21 Jahren seiner Verwaltung sind in der Diözese Münster über 100 neue Kirchen errichtet worden. franfcmcb. Ter stiudikalistische Hanswurst. Paris, 6. März. Der Sekretär des Syndikats der ElektrizitätS- arbeiter. Patau d, richtete an Baron Rothschild ein Schreiben, worin er mit Nachdruck verlangt, daß der Baron die infolge des Ausstandes vor fünf Monaten entlassenen Mitglieder des Syndikats wieder anstelle. Er wisse, daß der Baron. ioenn er auch den Verwaltungsräten der vereinigten ElektrizitätS» gesellschaften nicht angehöre, sich doch durch seine Strolssnänner der Wiederanstellung der Elektrizitätsarbeiter wie auch der Eisenbahner widersetze. Pataud schließt mit der Drohung, daß die Arbeiter in das antisemitische Lager übergehen würden, falls Baron Rothschild ihren Forderungen kein Gehör schenke. Gleichzeitig forderte Pataud das Kabinett auf, nicht nur für die Wiederanstellung der Eisenbahner, sondern auch füx die ElektrizitätZgrbeiter einzutreten. Portugal. i Kirchenpolitische Kouflikte. Lissabon. 5. März. Wie ein republikanisches Blatt au» O p o r t o meldet, sind Truppen aufgeboten worden, um die von dem dortigen Bischof angeordnete Verlesung des Hirtenbriefes durch die Pfarrer zu verhindern. An verschiedenen Orten ist eZ zu Kundgebungen gekommen, mehrere Pfarrer sind ver< hastet, und zahlreiche Exemplare des Hirtenbriefs sind beschlag- nahmt worden. � Rußland. Die Budgetdebatte. Petersburg, 6. März. Die Reichsduma begann heute die Beratung des Staatsbudgets für 1011. Die Vorlage des Finanzministers sieht einen Ueberschuß von II 376 384 Rubel vor. Nach dem Bericht der Budgetkommission balanzieren die Gc- samteinnahmcn und Gesamtausgaben mit 2 712 100 000 Rubel, wobei die Einnahmen die Ausgaben um 43 400 000 Rubel übersteigen. Die Kommission schlägt vor. den Ueberschuß zur Tilgung von Staatsschulden zu verwenden. Die für das laufende Jahr erwarteten ordentlichen Einnahmen übersteigen die ordentlichen Ausgaben um 178 Millionen. In seinem Kommissionsbericht kon- staiie.rt der Berichterstgtiep Abgeordneter Ajexeicnko beim.Etat für da» Krleg-Snnnistörium, daß dieses MinisteriüK bei den Krcd?!- forderungen ohne feststehenden Plan gehandelt habe, vom vorgezeichnetcn Programm abgewichen sei und die Kredite nichtbxstimmungsgemäß verwendet habe. Das erkläre sich wohl durch die enorme Arbeit der Reorganisation der Armee. immerhin sei das Vorgehen der Verwaltung inkorrekt. Zu Beginn der Nachmittagssitzung ergriff der Finanzminister das Wort zu einer eingehenden Rede über das Budget. Nachgiebigkeit Chinas. London. 6. März. Tie„Times" meldet ouS Tienisin: Tie russische Erwiderung auf die Antwortnote Chinas fordert dem Vernehmen nach eine Erläuterung, wie China den Freihandel für die Mongolei nach den Bestimmungen de» Ver- träges von 1881 auffasse. Tie chinesische Regierung hat der russischen nunmehr offiziell mitgeteilt, daß sie keine Revision des Vor- trageS wünsche, weil andere Mächte, die jetzt keine Vorrechte besäßen, die Gelegenheit der Revision benutzen könnten, um ähnliche kommer- zielle Vorteile zu verlangen, wie sie speziell Rußland zugesichert seien. Die Tatsache, daß zede Revision des auf die Mongolei bezüg- lichen Vertrages notweudigerweise eine Diskussion der Zollbestim- mungen für die nördliche Mandschurei in sich schließt, läßt China fürchten, Japan möchte sür die südliche Mandschurei dieselbe n Vorzugsrechte verlangen. Dadurch, daß die russische Regierung jetzt anscheinend eine versöhnlichere Haltung gegenüber China an- nimmt, zeigt sie den Wunsch, eine Aktion zu vermeiden, die den xtatus cxuo in der Mandschurei berühren könnte, Rumänien. Tic Kammcrwahlen. Bukarest, 6. März. Bei den Kamm erWahlen im dritten Distriktswahlkollegium wurden 35 5tonservative und 1 Lide- raler gewählt. Eine Stichwahl ist erforderlich. China. Hungersnot. Schanghai, 5. März. Die Hungers»tot in Anhui und Kiangfu wird i mmcr größer und ist ernster als die de» Jahres 1000, zumal die geleistete Hilfe nur einen kleinen Teil des betroffenen Gebietes umfaßt. Die Bevölkerung wandert aus dem Hungcrgcbict vielfach südwärts. Eine etwa 2000 Menschen zählende Menge ist bereits in der Nähe von Schanghai erschienen,__ Hus der parte!« Enrico Fern berichtigt. Rom, 1. März.(Eig. Ber.) Der„Avanti" vom 1. März veröffentlicht einen Brief Enrico Fcrris, in dem er sich gegen die Kritik des Parteivorstandes an seiner Stellung auf dem Land- arbeitcrkongreß von Mantua verteidigt. Fcrri setzt auseinander, daß er keineswegs an die Zusammenarbeit der Klassen im Sinne Turatis glaube, sondern weiter aus dem Standpunkt des Klassen- kampses stehe. Wenn er annähme, daß die Grundbesitzer durch Einsicht und guten Willen diesem Kampfe mildere Formen per- leihen könnten, so glaube er sich damit nicht im Gegensatz zu den sozialistischen Prinzipien zu befinden. Was die„ländliche Demo- kratie" betrifft, von der in Mantua die Rede gewesen ist, so erklärt Ferri, daß es sich dabei keineswegs um eine Vereinigung von Ar- beitcrn und Grundbesitzern handle, sonder» vielmehr um die aus- schließlich aus modern denkenden Grundbesitzern bestehende Partei, deren Gründung übrigens bis jetzt noch ein frommer Wunsch sei. Ter„Avanti" bekämpft in einer Anmerkung die Ausfassung Fcrris und bezeichnet sie als im Widerspruch zu den sozialistischen Prin- zipien stehend. An anderer Stelle weist das Zentralorgan daraus hin, wie sehr die sozialistische Bewegung in Mantua zurückgegangen sei, und macht dafür die Verquickung von gewerkschaftlicher und politischer Organisation, die in Mantua durchgeführt ist, verant- wortlich. Die eigentlich politische, der Zentralvartei angeschlossene Parteiorganisation sei in der Provinz Mantua ganz in den Hinter- grund gedrängt worden, so daß wir in einigen Orten die Stadtvcr- waltung in Händen der sogen, sozialistischen Gewerkschaften sehen, ohne daß in dem Ort überhaupt eine Parteiorganisation existiert, Weiter wird der sozialistischen Tageszeitung von Mantua der Vor- Wurf gemacht, Ferri durch Dick und Dünn die Stange zu halten und all seine Wandlungen mitzumachen, was die theoretische Konfusion in den Köpfen der Parteigenossen der Vrovin» notwendig er- höhen muß._ WaS alles„politisch" ist. Wegen Beleidigung der Essener Polizei wurde Geiiosse Stein- Hüchel von der„Essener Arbeiterzeitung" zu 600 M. Geldstrafe, ein Mitangeklagter jugendlicher Arbeiter wegen lieber- tretung dcS Vereinsgesetzes zu 50 M. Geldstrafe verurteilt, ein zweiter freigesprochen, da angenommen wurde, daß er nicht die erforderliche Einsicht zur Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlung gehabt habe. Die„Arbeiterzeitung" hatte das Vorgehen der Polizeibehörde gegen Jugendliche kritisiert, die an Vorträgen des Genossen Rühle teilgenommen hatten. Die Polizei behauptete, diese Vor- träge seien politischer Natur, Jugendliche dürften ihnen also nicht zuhören. Der Kriminalkommissar Leschnik hatte eines AuendS nach dem Vor- trage die Personalien der beiden jugendlichen Teilnehmer festgestellt, die jetzt der VercinSgesetzübertretung angeklagt waren. Der Kom- missar, als Zeuge vernommen, berief sich zur Rechtfertigung seiner Behauptung, daß die Lorträge Rühles, die von der WirtschaftS- geschichte handelten, politische gewesen seien, auf die Berichts seines „Gewährsmannes aus der Sozialdemokratie". Den Namen des Spitzels zu lieniieii. weigerte sich der Herr Kommissar— seine vorgesetzte Behörde hätte ihm die Nennung verboten. Die Angaben. die der Spitzel über den Inhalt der Bor- träge gemacht hatte. wurden durch das Zeugnis des Vortragenden leibst, dcS Genossen Rühle, total widerlegt, so daß selbst der Staatsanwalt erklärte, daß er auf die Belundungen des „GeivährmaiineS" kein� Gewicht lege. Aber er hielt trotzdem er« wiesen, daß die Vorträge politischen Inhalt gehabt hätten. Denn obgleich»nr wissciischastlich verfahren sei, hätten die Vorträge doch die Tendenz, sür sozialdemokratische Zwecke zu werben. Er be- antrage gegen Steinbüchel sechs Wochen GefäiigniS, da eine Geld- strafe doch von der Parteikasse gezahlt werde. DaS Gericht schloß sich der Ansicht des StaatSanivalls an und erkannte auf die oben gegebene Geldstrafe. Die Begründung der Annahme, daß die Vorträge politischen Inhalts gewesen seien, mit der Behauptung, sie hätten die Tendenz aehabt, sür� sozialdemokratische Zwecke zu werben, ist mehr als billig. Natürlich veranstaltet die Sozialdemokratie solche Wissenschaft- lichen VortragSknrse, weil sie weiß, daß daS Wissen über daS Werden der heutigen Produktionsverhältnisse zu der Erkennlnis befähigt, daß der Sozialismus die Konsequenz unserer wirtschaftlichen Entwickelung ist. Aber da» beweist noch lange nicht, daß die Vorträge politisch sind. Schließlich kann man mit solcher Begründung lvie sie in Essen beliebt wurde, auch Kurse in Lesei» und Schreiben für politisch erklären, weil Leute, die lesen und schreiben können, eher den Sozialismus erfassen können, als Analphabeten und also, wenn Sozialdemokraten solche Kurse veranstalten, daraus geschlossen werden müsse, daß sie so für sozialdemokratische Zwecke werben wollten. Iiigendbetpegiiug. Der Kampf gegen den„Unterricht". In der mit dieser Stichmarke versehenen Notiz in Nr. 54 des „Vorwärts" fehlte infolge eine« Versehen» die Ortsangabe. Wir tragen deshalb nach, daß das ungesetzliche Vorgehen der Polizei und der ergötzliche Hereinfall der Behörde in Lichtenberg» Friedrichsfelde vorgekommen ist. GewerkfcbaftUcbee. Die belgifcbe Hrbeitcrdelcqation, bort 1913 ab 80 Pf. Den obligatorifchen Arbeitsnachwels haben? Die Singer Co. Nähmaschlnen-Aktieugesellschaft, Filiale Nürn« die Unternehmer rundweg abgelehnt. Es ist also, wie der Referent berg, hat ca. 30 Angestellte ausgesperrt, die mit dem Verkauf von betonte, durch die erneuten Verhandlungen nichts erreicht worden. Nähmaschinen und dem Inkasso der Teilzahlungen beschäftigt Eine Konferenz der Vertrauensmänner hat sich auf den Stand- werden, weil die Angestellten eine Aufbesserung des geringen "~-... Äermittelungsversuche .,■, verbleibt ein Neingewinn von 15 997 895 M. oder gegen das Vorjahr rund 3 Mill. M. mehr. Aus 130 Mill. M. Kapital werden 10 Proz. Divi- dende verteilt und auf 26 Mill. M. 6 Proz., zusammen 14 560 000 M. dirigierte Kapellmeister Max Gabriel die nicht leichte Partitur mit Schwung und Temperament. A. N. Theater. Freie Volksbühne(im Neuen Schauspielhaus):„A g u e S B e r n a u e r" von Friedrich Hebbel. Die romantische, nichts« deftoweniger ivahre LiebeSgeschichte zwischen eine», Bayernherzog und der„ehrsamen Frau Agnesen der Bernauerin", nämlich der schönen Tochter(oder Magd) eines AugSburger BaderS dieses Namens ist noch beute nach vierdreiviertel Jahrhunderten ziemlich lebendig. Bollscrzählimgen und Romane handeln von ihr; und wie viele Male der„Engel von Augsburg" in Rühr- und Spektakel- stücken StrömeZ von Tränen hat fließen machenj müssen, das läßt sich nicht mehr genau feststellen. Dramen ernsterer Gattung existieren eine ganze Anzahl. Sie alle haben Agnes als Märtyrerin ver- herrlicht, ihren Mord, vielleicht mit historischer Glaubwürdigkeit, als eine Tat der Rachsucht, des Patriotismus, oder des grausamen Standeshochmuts hingestellt. Hebbel genügte das nicht. Bei ihm muß Agnes dem„Staatsiiiteresie", richtiger dynastischen Interessen geopfert werden. Wenn wir die Monarchie als bestehende StaatSsorm hinnehmen, so hat Hebbel dem an sich simplen Stoff eine ungleich tiefere Auffassung und künstlerische Tragweite verliehen. So entstand eine fünfaktige Tragödie mit allem Drum und Dran einer„Staatsaktion" großen Stils in ihren zwei letzten Aufzügen. Ob die hier von Hebbel mit persönlicher Betonung vorgetragene Philosophie vom imltelalterlichen Staat nnd der absalutcn Pflicht der„Untertanen", das ihnen aufgenötigte Gesetz zu respektieren, einem sozialistischen Publikum noch verständlich sei, ,nag unerörtert bleiben. Daß aber in den beiden Schlußakten mehr geredetz als gehandelt nsird: das darf unbeschadet der Bedeutung Hebbels denn doch gesagt werden. Aufgebote von geharnischten Rittern und Edlen mit Feldzeichen, Trompetengeschnicttcr, Hurrageschrei und Standarten sind nun einmal das Requisit dramatisierter Historien. Die Schanlust profitiert dabei auf Kosten dessen, was echte Menschendarstellung lind wirkliche Kunst heißt. Ein zyklopisches Aufeinandertürmen offenbart sich auch hier. Aber wenn wir auf Agnes hinsehen, so gelang eS Hebbel diesmal ebenso wenig, daS spezifisch weibliche Fühlen in seiner Urtiefe zu erfassen, wie bei einer der früheren Fraucngcstalten. Die Aufführung muß dessen ungeachtet verdienstlich genannt lverden,. hauptsächlich in szenischer nnd dekorativer Beziehung. AlleS verrät hier den Stempel des Zeitgemäßen. DaS Landichaftsmotiv ist geradezu von idealer Schön« heit. Die weibliche Hauptrolle wurde von Margarete Reff ge- geben. Sie machte ihr alle Ehre, wenn sie ihr auch weniger als Schauspielerin gerecht wurde. Dann sind Aurel Nowotny (Herzog Albrecht), Ha»S Siebert(Herzog Ernst), Erich Ziegel (Kanzlet) und Franz Herterich(Graf Törring) zu nennen. Daß die Wechselreden der Staatsoberhäupter mit stärkster Lungenkraft über die Bühne kollerten, daß die geharnischten Ritter und Kriegs« knechte ungeschlacht umherstolperten, das bringt das historische Drama so mit sich.«. fc. Im vergangenen Jakjre wurden nur 11.7 Mill. M. verteilt.� Als Beteiligungen bei anderen Gesellschaften werdeil 29 1 964 Mark ausgewiesen. Die Gesamtausgaben fiir Neuaulagen in 1919 betragen 31 632 634 M. Die Bergwerksanlagen stehen mit 12S,3(123,6) Mill. M. zu Buche, der Aachener Hiitteiivcrein mit 67,4(52,6) Mill. M., darunter die Adolf-Emil-Hütte Esch mit 12,9 und die Hochofenanlage Esch mit 13,4 Mill. M., ferner der Schalker Gruben- und Hütlen-Vcrein nm 23,2(21,2) Mill. M., die gesamten Anlagen mit 222,4(292,8) Mill. M. Die Förderung betrug 8 489 869(8 293 S69) Tonnen, die Durchschuittsselbstkosten je Tonne 8,792(3,879) M., der Arbeitslohn je Tonne geförderter Kohle 5,416(5,374) M. und die Arbeitsleistung je Schicht 9,895 (9,893) Tonne. Die DurchschmltSverkaufSpreise je Tonne stellten sich auf 19,59(19,76) M., der Durchschnittslohn aller Arbeiter je Schicht auf 4,81(4,76) M. und die JahreSlohnsumme eines Arbeiters auf 1495(1443) M. Es betrug auf sämtlichen An- lagen im Jahre 1919 die Zahl der Arbeiter 45 649(44 589), die Zahl der Beamten 1941(1369), der gezahlte Arbeitslohn 63 719 263 <65 959235) M., die Förderung an Kohlen 8 489 869(8 293 569) Tonnen, die Herstellung an Koks 1971 299(1626 534) Tonnen, die Herstellung an Brikett? 165 522(183 612) Tonnen, die Förderung an Erzen 2 165 128(1 971 588) Tonnen, die Herstellung an Roheisen 1 025 835(894 149) Tonnen, die Herstellung an Rohstahl 545 453 (502 950) Tonnen, die Herstellung an Walzprodukten 453 763(416 853) Tonnen und die Herstellung an Gießereicrzeugnissen 199793 (191 949) Tonnen. Es entfallen auf den Kopf der beschäftigten Arbeiter: 1909 1919 M. M. Rohgcwiun.... 836 954 Reingewinn... 292 359 Abschreibung... 249 289 Dividende.... 262 319 Die Arbeiter haben nur einen kleinen Teil von den erhöhten Gewinnen erhalten, den Löwenanteil stecken die Aktionäre ein. Vom Trust-Thratcr. Wie aus Cleveland gemeldet wird, hat die Regierung beim Gericht beantragt, das; der National Electric Lamp Company verboten wird, auf Grund ihres Besitzes an Aktien von über 39 Gesellschaften, die sie erworben hat und kontrollieren soll, durch ihre Stimme Entscheidungen herbeizuführen oder von diesen Gesellschaften Dividenden zu empfangen, ferner dah der General Electric Conipany, die, wie die Regierung be- hauptet, die Holding Company beherrscht, verboten wird, ihren Aktienbesitz in dieser Company auszunutzen und dasi den angegliederten Gesellschaften verboten werde» soll, eine Kontrolle über die fremden Patente auszuüben oder sie zu benutzen. In dem Antrag« der Regierung wird ferner erklärt, das; die An- geschuldigten die detitschen Patente für Glühlampen angekauft haben und das deutsche Fabrikat nicht verkaufen wollen, wofern nicht die Käufer einwilligen, auch Kohlenfadenlampen zu kaufen, sowie serner, daß die Kombination noch in anderer Weise bei der Be- schränkung des Handel« vorgegangen sei mir dem Ergebnis, dasi ge- wisse Lampen in den Vereinigten Staate» 17 Cents kosteten, während sie im Auslande für 19 Cents verkauft würden, endlich, daß die Kombination 97 Proz. aller Lampen in den Bereinigten Staaten verkauft._ Nmerika in Deutschland. Während sich die niederländischen Petroleummächte, wie der .Vorwärts" vor einige» Tagen schon berichtete, zum Kampfe gegen den Staudard-Oil-Trust vorbereiten, müssen die Oesterreichcr auf dem deutschen Markte Schritt um Schritt vor den Amerikanern zurückweichen. Alle Propaganda der deutschen Klein- und Mittel- Händler, und andere Versuche,.das Vordringen des amerikanischen Trustpetroleums in Deutschland aufzuhalten, hat nicht verhindern köimen, dasi 1919 der Anteil Oestcrreich-UngarnS au der Einfuhr von Leuchtpetrolcnm wieder zurückgegangen ist. Eine Zusammen- stelluiig des Imports nach den wichtigsten Länderanteileu gewennt, zeigt für die letztvcrgangcnen Jahre das folgende Bild: Herkunftsland 10�°"" ViK» 1997 Oesterreich-Ungarn.. 124 663 131 181 13:033 81995 Rumänien..... 42 249 81 480 8 750 25 698 Asiat. Rusiland.... 35 967 41403 45 189 66 196 Vcr. Staaten v. Amerika 787 165 744 749 828 650 813 823 Gesamteinfuhr 989335 952 335 l0iS33t 9944,4 Besonders beachtlich erscheint, dah die unabhängige österreichische Petroleuinindnstrie ihre Einfuhr nach Deutschland, die von 1997 zu 1998 stark in die Höhe schnellte, nicht zu halten vermocht hat. Die r u m ä n i s ch e ii P e t r o l e u i» l i e f e r u n g e n zeigen eine besonders beachtliche Steigerung. Dies ist aus dem Grunde inter- effant, weil in Rumänien die Petrolenminteressen der Deutschen Bank— Steaua Romana und Deutsche Petroleum-Aktiengcsellschaft — liegen. Die Deutsche Bank gehört mit ihrem Petroleum- eigentum der Europäischen Union an, zu der noch die bedeutendsten russischen Petroleumproduzenlen ge- hören. In England kämpft die europäische Petroleumunion Schulter au Schulter mit dem holländisch-englischen Konzern, der scharf gegen die Amerikaner vorgeht; in Deutschland hat sie dagegen schon vor Jahren mit dem amerikanischen Oiltrust Vereinbarungen getroffen. Im Zusammenhang steht die stark ge- stiegene rumänische Einfuhr an Petroleum. ' Mit dem Januar 1911 sind die Detailistenverträge fällig, welche die Deutsch-Amerikanische Petroleumgescllschaft vor zwei Jahren gleich für diese ganze Zeit niit seinen Abnehmern festlegte. ES bleibt abzuwarten, ob bei Ablauf dieser Abmachungen die uuab- haugige Pctroleumindustrie wieder auf dem deutschen Markte Fort- schritte macht._ Ruq der frauenbei-vegung. Frauenarbeit. In den letzten Monaten hatte es den Anschein, als habe das Eindringen der weiblichen Arbeitskraft in die gewerbliche Tätigkeit ein stilleres Tempo angenommen. Augenscheinlich war die Zunahme der männlichen Arbeitskräfte wieder auch relativ über die der weib« lichen gewachsen. Man glaubte das als Folge besserer Wirtschasts» konjunktnr ansprechen zu können. Weil die ErwcrbSverhältniffe sich bessern, die Unternehmer wieder stärker den höher bezahlten Arbeiter in Anspruch nehmen, treten viele Frauen, die an die Stelle des arbeitSoS gewordenen Mannes den Unterhalt der Familie erwerben mußten, wieder von der Erwerbsarbeit zurück I So dachte man. Die Bewegung des Mitgliederstandes der Krankenkassen im Januar läßt eine solche Schluß- folgeruug nicht zu. Oder man müßte dann auch an- nehmen, daß wieder ein starker wirtschaftlicher Rückschlag eingetreten sei. Der Monat Januar brachte nämlich eine erhebliche Abnahme der Zahl der männlichen Mitglieder, bei einem starken Anschwellen des Anteils der Frauen am Gesamtbestande. Während die Zahl der männliche» Mitglieder vom 1. Januar bis 1. Februar um 14 985 auf 3 454 032 sank, erhöhte sich die der weib- lichen Mitglieder um 3325 auf 1 716 532. Sonach gehören Va der Mitglieder dem weiblichen Geschlechte an. Seit 1994 ist dessen prozentualer Anteil von 29.1 aus 32,2 Proz. gestiegen. Tie Wer- änderung zeigt die Tendenz I Und alle Anzeichen sprechen dafür, daß das Eindringen der weiblichen Arbeitskraft in die Güterproduktion. in den Gewerbebetrieb noch längst nicht abgeschlossen ist. Daraus ergeben sich soziale und politische Konsequenzen, die dauernd kein individueller Egoismus verhindern kann. Dieser verweigert dem iveiblicheu Geschlecht, das alle Lasten der Gesetzgebung trägt, alle Pflichten des Staatsbürgerrechtes zu erfüllen hat, mit fanatischer Hartnäckigkeit die politische Gleichberechtigung. Das ist ein unhalt- barer Zustand. Ihm muß ein Ende bereitet werden. Di» Frau hat auf dem Plane zu erscheinen, sie hat daS Wahlrecht zu fordern, sie muß es fordern, und sie darf kein nur irgend gesetzlich und moralisch anwendbares Mittel verschmähen, um der Regierung, um der herrschenden Sippe das ihr so lange räuberisch vorenthaltene Recht abzutrotzen._ Tie Frauen der Staatsarbciter. „Wir müssen unsere Frauen bewundern, die mit solchen Löh- nen auskommen," rief ein Arbeiter in einer kürzlich in der„Neuen Welt" abgehaltenen Ricsenversammlung der Eisenbahnhandwerker und Arbeiter von Berlin und Umgegend. Daß der Redner mit diesen paar Worten die Lage blitzhell beleuchtet Hatte, bewies die Haltung der Anwesenden. Ein einziger Schrei aus sechstausend Kehlen, ein Schrei des Grimmes und der Zu- stimmung, war die Antwort, die hier elementar zum Auedruck kam. Tatsächlich muffen denn auch die Frauen und Mütter wahre Fi- nanznenies sein, die bei einem Stundenlohn des Mannes von sage »nd schreibe 29 bis 28 Pf.(der Höckfftlohn von 4 M. pro Tag wird erst nach Ibjähriger Tätigkeit erreicht) es verstehen, ihre Lcbensbc- dürfniffe zu bestreiten. Wer die herrschenden Lebensmittel- und Mietspreise in Betracht zieht, wozu noch eine Unmenge anderer Ausgaben wie Steuer, Kleider, Bersicherungsabzüge, Fahrgeld usw. kommen, der muß sich wirklich ivundcrn, daß eine oft mehrköpsige Familie dabei existieren kann, dazu in einer Zeit, wo eö Haus- halte gibt, die mit 16 Millionen Mark im Jahr nicht mehr die ge- wohnten Bedürfnisse bestreiten können. Herr LandtagSabgcordneter R u n z c, der hingekommen war und glaubte, die Versammlung mit ein paar salbungsvollen Phrasen beschwichtigen zu können, be- kam die Erbitterung dieser nicht„sozialdemokratisch verhetzten" Staatsarbciter zu spüren, und mußte sich zu Versprechungen vcr- stehen.„Wir haben genug gehungert I" Wie schön paßt dieser cle- mentare Schrei der patriotischen Staatsarbeiterfamilien Preußens' zu dem prahlerischen Wort des geleckten BülowS:„Preußen in Deutschland, Deutschland in der Welt voran!" Daß viele Frauen mit zum Unterhalt beitragen müssen und sich nicht die..National- heilige Luise",„den preußischen Engel", zum Borbild nehmen können, ist selbstverständlich. Das traurigste an der Sackte aber ist der Umstand, oaß gerade hier infolge erbärmlicher Hungerlöhnc die Kinderausbcutuug gezüchtet wird. Es wurde gar kein Hehl daraus gemacht, daß die bedauernswerten Kleinen mit zugreifen müssen, wenn daS Einkommen auch nur zum Allernotwenoigstcn reickieu soll. Die Sozialdemokratie bekämpft die Kinderarbeit als einen Schandfleck der Kultur, der Vater Staat aber züchtet sie förmlich! Und die Mehrheit im Gcldsackparlamcnt und im Reichs- tag mißbraucht ihre Macht, um das Volk zu plündern, sich die Taschen zu füllen, dicweil die Armut sich in Hungerkräinpfeii windet und Tausende von Arbeiterfamilien buchstäblich darben müssen. Immerhin, die Saat, die die Reaktion sät, schlägt kräftig Wurzeln — die Früchte ernten wir! Darüber ließ auch die Versammlung keinen Zweifel. Und wie gewöhnlich, geht auch hier die Rebellion in erster Linie von den Frauen aus.«ind s i e es doch, die unter dem Elend doppelt und dreifach zu leiden haben, als Hausfrau, als Mutter und Verdienerin. Die Frau muß rechnen und sich den Kopf zerbredhen, wie sie mit dem horrenden Lohn des Mannes von 14 bis 24 M. die Woche auskommen soll. Sie muß die Wirtschaft führen, muß selbst angestrengt mitschanzcn und nicht zuletzt mit- ansehen, wie ihren armen, unterernährten Kindern der spär- liche Soiincnschein der Jugend geraubt wird, indem auch sie ihre schwachen Kräfte im Gelderwerb erproben müssen. All das sind Momente, so aufreizend, so empörend, daß sie selbst bei den rück- ständigsten Prolelarierinnen die Milch frommer Denkungsart in gärend Trachengift verwandeln muß. Und hier ist auch der Punkt, wo die sozialistische Aufklärung einsetzen kann. Sie, die das schreiende Unrecht der heutigen Wirtschaftsznstände am eigenen Leibe in schmerzlichster Weise fühlen, sie müssen von der frucht- losen Erbitterung zur Tat gelangen. Nur der Kampf gegen die Freibeuter und Brotwuchcrer, gegen die gesamte Reaktion kann zum Ziele führen. Die Frau muß das treibende Element in diesem Kampfe sein. Sic muß den Man« unterstützen und anfeuern, ihn au seine Pflichten bei den Wahlen erinnern, sie muß ihre Kinder im Geiste einer neuen befreienden Weltanschauung, des Sozialis- muS erziehen. Tie Prolctarierfrau mutz mithelfen an der Er- zwingung der Volksrechte, muß vor allem helfen, die Rechte ihres eigenen Geschlechts zu erringen. Diesen Willen wirkungsvoll zum' Ausdruck zu bringen, bietet sich gerade in nächster Zeit Gelegen- heit. Die sozialistischen Frauen Deutschlands und Oesterreichs rüsten zu einer imposanten Kundgebung. Heerschau und Massen- Protest zugleich soll der am 19. d. M. stattfindende Frauentag sein. So2iales. Idyllische Wohnungsverhältnisse. Vor zirka drei Jahren brachte die Dortmunder„Arbeiter- zeitung" einen Artikel, in dem sie die Kolonie Radbod mit einer Wohnstätte für gewisse Haustiere bezeichnete. Die Verwaltung von Zeche Radbod(Herr Andre?) fühlte sich hierdurch beleidigt und strengte Klage an. Mehr wie 14 Tag« beschäftigte sich daS Gericht mit dieser Sache. Weit über hundert Zeugen gaben unter ihrem Eid ein geradezu trostloses Bild von den Wohnstätten dieser Ko- lonic. Die von der Zeche benannten Sachverständigen, darunter auch der Stadtbaurat Kraft auS Hamm, bezeichneten die von den Zeugen vorgetragenen Mißstände als übertrieben. Soweit aber Nässe vorhanden sei, sei es Baufeuchtigkeit,«»der von den Bewoh- nern selbst verschuldete, weil sie nicht genügend geheizt oder nicht genug gelüftet hatten. Wie immer, wenn wir das Kind beim rech- ten Rainen nennen, so lvurdc auch hier der Redakteur der„Ar- beiterzeitung" bestraft. 599 Mark Strafe und die nicht uncrheb- lichen GerichtSkostcn muhte die„Arbeiterzeitung" auf sich nehmen. trotzdem Professor Sommerfeld, der Hie Kolonie selber in Augen- schein genommen, ein geradezu vernichtendes Urteil über die Wohn- stätten der Kolonie Radbod fällte. Daß dies Gerichtsurteil die Berwaltung von Radbod nicht ver- anlaßte, irgendwelche Verbesserungen an den bereits bewohnten Häusern vorzunehmen, versteht sich eigentlich von selber. Nach dieser Zeit hat man bereits wieder einige hundert neue Häuser gebaut. Nach der alten Baumethode in einen Sumpf. Nicht kanalisiert, keinen Graben geworfen, keinen Weg gebaut. In den ersten Tagen im März sah cS von weitem aus, als wenn dieie Häuser im Nieere ständen. Diesen Winter hat»ran wieder zirka 199 Häuser gebaut, die bereits alle bewohnt sind, weil Privatwohnungen für Gelb und gute Worte nicht zu haben sind. Einer, der der Kolonie Ende Februar einen Besuch abstattete, schreibt hierüber: Direkt an der Zeche bog ich in die Hohenhöbclerstraße, die zwar recht holprig war, immerhin konnte man sich hier noch mit Schuhen angetan vorwärts bewegen, ohne direkt Gefahr zu laufen, daß das Schuhzeug im Dreck stecken blieb. Kanin war ich diese Straße fünf Minuten entlang gegangen, da stand ich vor einem großen Schlammteich, aus dem zirka 199 Ein- und Zweifamilienhäuser empor ragten. Daß in diesen Häusern Leute wohnten, bemerkte ich erst, als ich in die Häuser eintrat. Gardinen, auch die primi» tivsten, sah man an keinem einzigen Fenster. Die Häuser bestehen aus drei und sechs Zimmern im Erdgeschoß und einem und zwei Bodenzimmern, die nur zum Wäschetrocknen benutzt werden können. Ein kleiner Stall und Keller ist unmittelbar an die Wohnung ge- baut. Trotzdem die Keller in derselben Höhe wie die Wohnungen liegen, fand ich doch, daß in mehreren Kellern Wasser stand. An einigen Häusern waren Schilder angebracht, die darauf schließen ließen, daß man beabsichtige, hier Straßen anzulegen. Unter anderem sah man auch ein Schild Eitelstrahc. Hier und dort ragte auch ein Häufchen Schutt aus dem Schlamm. Diese, so sagen die Leute, erhöhen am Abend die Gefahren. Gardinen verfaulen in einigen Wochen an den Fenstern. In den Erdgesckwßwohnungen. die alle aus drei Zimmern br- stehe», wurde in zwei Zimmern geheizt. Trotzdem war es bei der milden Witterung nicht besonders gemütlich in den Zimmern. Zu bemerken ist hierbei, baß man sich über Propertät und Lüftung nicht zu beklagen brauchte. Hierauf legten die Leute, in deren Häusern ich war und von deneu ich schreibe, einen großen Wert. Die meisten dieser Familien wohnen erst seit zwei, drei und vier Monaten aus der Kolonie. Von den Frauen I)örte man nur eine Stimme: Ach wären wir doch nickst nach hier gekommen, oder wären wir erst wieder von hier fort. Die Betten standen einen halben Meter von der Wand fort, und doch war das Bettzeug und die Matratzen der Fäulnis anheim gefallen. Ohne Aufforderung gewährten mir die Leute einen Blick in den Kleiderschrank, wo die schönen Sonntagskleider mit Schimmel bedeckt waren. Den Frauen kamen hierbei die Tränen in den Augen. Man hat Tag und Nacht gearbeitet, um sich deS Sonntags auch mal sehen lassen zu können, und nun locrden einein die Sachen im Schrank faul. So und ähnlich hörte man in fast allen Häusern die Frauen sagen. Dia Männer erzählten, wenn wir des Abends um 11 Uhr von der Ar- beit kommen, dann sitzen wir oft bis an den Knien im Schlamm und Wasser und wissen nicht, wie wir nach HauS kommen sollen. Die Schule liegt zirka eine Viertelstunde von diesen Häuser» rnt- In einem Hause traf Schreiber dieses in der Familie zwei Mädchen in; Alter von acht und elf Jahren. Auf meine Frage, wie denn die Kinder zur Schule kämen, erzählte die Aelteste: wir haben jeden Tag, mit Ausnahme van Mittwoch und Samstag zweimal Schule, wer nicht da ist, wird bestraft. Wir sitze» während der ganzen Schulzeit mit nassen Füszcn in der Schule. Der Vater warf da ein. für den Mittag bekommen die Kinder eine Butterstulle mit und bleiben dann während der Mittagszeit (1 Vi: Stunde) in der Schule. In der Schule? Nein, antwortete das Mädchen, da jagt man uns heraus. In den l�b bis 2 Stunden während der Mittagspause müssen wir uns draußen im Freien die Zeit vertreiben. Wenn es regnet, dann dürfen wir in den Schul- sluc gehen, dieser wird aber nicht einmal geheizt. Als Schreiber die Kolonie verlassen, da jähen seine langen Stiefel aus, als wenn er den ganzen Tag Gräben ausgeworfen hätte. Schlimmer ist es doch in Ostelbicn auf diesem Gebiete auch nicht? Ob auf Radbod immer noch alles in bester Ordnung ist? Der Knappschaftsälteste auf dieser Kolonie hat in der ganzen Umgebung die meisten Kranken in der Liste. Genau so geht es mit den Frauen ttnd Kindern. Gerichts-Zeitung Die gehetzte Zeitungsfrau oder die„feste HanbelSstelle". In der Jnvalidenstraße an der Ecke der Chausseestraße betreibt die Händlerin Klara Fuchs den Verkauf von Zeitungen. Sic tut das in der Weise, wie man cö bei allen Berliner Zeitungshändlern beobachten kann. Mit einem Pack Zeitungen im Arm geht Frau Fuchs eine kurze Strecke, vielleicht ein paar Häuser weit, hin und her und bedient in dieser Weise ihre Künden. So hat die jetzt 63jährige Frau den Straßenhandel mit Zeitungen seit 19 Jahren, ungestört durch die Polizei und ohne daß sie eine Anzeige erhalten hat, betrieben. Erst in allerneustcr Zeit fiel es der Polizei ein, anzunehmen, daß die Zeitungsfrau, die sich mit ihrer Ware in ständiger Belvcgung befindet, eine„feste Handelsstelle" einnimmt und dadurch gegen die Polizeiverordnung verstößt. Frau Fuchs wurde durch die Polizeibcamten des RcdicrS, besonders durch den Wachtmeister Fleischinann, scharf beobachtet. Eine Flut von Straf- anzeigen lvar die Folge dieser polizeilichen Tätigkeit. Doch das Schöffengericht hatte über den Begriff„feste Handelsstelle" andere und zwar zutreffendere Anschauungen wie die Polizei. In neun Fällen, die kürzlich unter Anklage standen, wurde Frau Fuchs freigesprochen, weil das Schöffengericht in dem Hin- und Hergehen nicht das Einnehmen einer festen Handelsstelle erblickte. Die Staatsanwaltschaft legte gegen alle freisprechenden Urteile Berufung ein. So kam die Angelegenheit am Montag zur VerHand- lung vor der 8. Strafkammer. Hier erfuhr man durch die Aussage des Polizeitoachtmeisters Fleischmann, daß schon wieder 46 bis 50 neue Anzeigen gegen Frau Fuchs erstattet sind, so daß also ebcnsovielc Strafverfahren gegen sie schweben.—„Aber"— bemerkte hierzu der Porsitzende des Gerichts—„wohin soll denn das führen? Läßt sich denn das gar nicht in anderer Weise regeln?" Wachtmeister Fleischmani, meinte, in anderer Weise ginge das nicht. Nach einem Urteil des Kammergerichts sei die Auffassung der Polizei zutreffend, Frau Fuchs lasse sich aber nicht bewegen, ihre„feste Handelsstelle" auf- zugeben.— Da» polizeiliche Vorgehen gegen Frau Fuchs erregte auch am Richtertische Verwunderung. Ein Richter meinte, so wie die Angeklagte betreiben doch, wie man täglich sehen kann, alle Zeitungshändler ihr Gewerbe.„Ja"— sagte Polizeiwachtmeistcr Flcischmann—„in dem einen Revier geht man gegen den Straßen- Haiidel vor und in dem anderen Revier tut man gar nichts. Zu- lästig ist es nicht, so zu handeln."— Wachtmeister Fletschmann ist jedenfalls sehr scharf gegen den Straßenhandel, wenigstens aber gegen Frau Fuchs vorgegangen, denn, wie auch im Laufe der Ver- Handlung erwähnt wurde, hat aus Anlaß des Vorgehens gegen Frau Fuchs sowohl gegen diese wie gegen den Wachtmeister Fleisch. mann ein Verfahren wegen Körperverletzung geschwebt, auch hat Frau Fuchs eine Schadenersatzklage gegen Flcischmann anhängig gemacht. Gegenüber dem Staatsanwalt, der die polizeiliche Auffassung über die„feste Handelsstelle" vertrat, führte Rechtsanwalt Theodor Liebknecht aus, daß der Straßenhandel mit Zeitungen seiner Natur nach und Mit Rücksicht auf die Käufer gar nicht anders betrieben werden könne als so, wie es die Angeklagte tat und wie es alle Zcitungshändler tun, und daß jemand, der sich unausgesetzt hin- und herbewcgt, unmöglich eine feste Handelsstclle einnimmt. DaS Gericht stellte sich auf den Standpunkt der Polizei. ES hob die freisprechenden Urteile auf und verurteilte die Angeklagte für jeden Fall der Uebertretung zu je 1 M. mit der Begründung. die Angeklagte sei zwar hin- und hergegangen, doch nur auf dem verhältnismäßig engen Raum von ein oder zwei Häusern; sie sei immer wieder auf ihren ursprünglichen Standort zurückgekehrt, habe also eine feste Handelsstelle eingenommen. Dem Laicnverstande wird es ein Rätsel bleiben, daß jemand, der sick hin- und herbewcgt, einen festen Standpunlt einnimmt. Die Polizei aber hätte doch wichtigere Aufgaben zu lösen, als armen Händlern auf solche Weise das Leben sckpver zu machen. Der Erlaß von Polizeivcrordnungen, die derartige Nefultate zeitigen, sollte in einem Kulturland unmöglich sein. Erziehung Jugendlicher zu Polizeivigilantcn und Lockspitzelek. An die schlimmsten Taten polizeilicher Lockspitzeleien erinnerte ein Prozeß, der am letzten Sonnabend vor der Strafkammer in Posen stattfand. Tort hatte sich ein Arbeiter Franz Michalczak wegen versuchten Einbruchsdiebstahls zu verantworten. Nach der Darstellung des Angeklagten und eines Zeugen Wrobel tvollte Michalczak, da er arbeitslos war, am 27. November vorigen Jahres nach Westfalen reisen. Er traf den ihm bekannten Wrobel und beide gingen in ein Lokal, in dem sie ein Gla» Bier tranken. Bald gesellte sich hier zu ihnen ein dritter Mann, den sie nicht kannten. Spät in der Nacht gingen nun die drei nach der Bäckerstraße und der Dritte blieb vor einer Haustür stehen. M. drückte auf die nur eingeklinkte Tür, und als diese aufging stürzten einige Kriminal- beamte heraus und verhafteten Michalczak und Wrobel wogen ver- suchten schweren EinbruchSdiebftahls, während sie den Schmiere stehenden Dritte» unbehelligt ließen. Wrobel war schon früher deswegen abgeurteilt worden. M. gab nun an, daß ihm jede Absicht eine» solchen Verbrechens gefehlt habe, und er nur von dem Tritten dazu animiert worden sei. Dasselbe bezeugte auch Wrobel. Iu dieser Angelegenheit hatten bereits drei Verhandlungen stattgefunden, bei denen der Posener Polizeipräsident die von dem Angeklagten beantragte Vcr nchmung des Dritten, von dem die Polizei angab, von ihm von dem Vorhabe» der beiden erfahren zu haben, unter Berufung auf das Dienstgeheimnis verweigerte. Zur jetzigen Verhandlung war die Genehmngung erteilt und ein siebzehnjähriger Stefan Brzycz kowöki stellte sich dem Gericht bor. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er M. zum Einbruch überredet habe, verweigerte er die Antwort, gibt aber auf energisches Befragen des Verteidigers, Rechtsanwalts Bock, zu, dah er sich oft vom Polizeipräsidium Geld geholt habe, und zwar hätten ihm dieses die Kriminalbeamten Wiesenhüter und der Kommissar Molbcnhauer verabfolgt. Auch habe man ihm einmal das Reisegeld nach Berlin gegeben. Auch sonst habe er mehrfach der Polizei Anzeigen erstattet und dafür Geld erhalten. Eine Wohnung habe er nicht gehabt, sondern sich des Nachts auf den T»rasten, in Kellern und Kneipen herumgetrieben. Die Polizei habe ihm später eine Stelle als Kellner verschaffen wollen. Vor dem versuchten Einbruch habe er Wrobel einen Dietrich in die Hand gegeben. Er gibt an, diesen von dem Angeklagten M. er- halten zu haben. Als M. dieses jedoch lebhaft bestritt, bekundete der Vigilant, daß er ihn von einem Schlosserlehrling habe. Der Zeuge wurde vereidigt. Der anwesende Polizeibeamte sagte aus, dah dem Brzyczkowski wiederholt Geld gegeben worden sei, aber nur als Geschenk, weil er ohne Arbeit war. Der Staatsanwalt beantragte gegen M. 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Der Verteidiger ersuchte um Freisprechung und be° tonte, dah statt des jetzigen Angeklagten der siebzehnjährige Polizei- vigilant auf die Anklagebank gehöre. Das Gericht nahm mildernde Umstände an und verurteilte Michalczak zu 9 Monaten Gefängnis. Die Aussage des Siebzehnjährigen beweist, dah die Polizei die Not oder ArbeitSunlust eines jugendlichen Menschen gegen Entgelt benutzt hat. und daß die von dem Mkordarbeiter der Polizei ge- leisteten Dienste lediglich in Bigilanten- und Lockspitzeldiensten be- standen. Eine köstliche Gesellschaftsordnung: Arbeiter-Jugendvereine mit hohen sittlichen und kulturellen Tendenzen werden aufgelöst und unter Anklage gestellt, und für die schmutzigsten Dienste eines Jugendlichen, die ihn unrettbar dem schwersten Verbrechertum in die Arme treiben, verwendet die Polizei die Steuergroschen. Wird der Spitzel und seine Auftraggeberin ohne Anklage bleiben? Einer der 25 schwebenden A. O. Wcberprozesse oeschäftigte gestern nach schon einmaliger Vertagung nochmals das Schöffengevicht Berlin-Mitte unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wollncr. Als Kläger trat A. äD. Weber, vertreten von Rechtsanwalt Bah» gegen den vcrantivortlichen Redakteur der„Wahrheit" Otto Weber auf, der von Rechtsanivalt Dr. Puppe verteidig wurde.— Gegenstand der Anklage bildete ein in Nr. 36 der„Wahrheit" am 3. September v. Js. unter der Spitzmarke ,.A. O. Weber und die TagcSpresse" erschienener Artikel. In diesem wird das Verhalten des Klägers während des Allensteiner Prozesses in Beziehung auf die vom„Weberhaufe" erlassenen Inserate einer scharfen und zum Teil formell beleidigenden Kritik unterzogen. Es wird unter anderem gesagt, dah der Kläger seine Verbindung mit der Frau von Schönebeck und dem Allensteiner Prozeh ausschlachte um für sich und seine Werke Reklame zu machen. Der Kläger wird ferner als ein völlig„brüchiger Charakter" bezeichnet, auch wird ihm „bodenlose Unverschämtheit" vorgeworfen. Die Verhandlung, in welcher auch das dem Prjvatklägor nicht günstige kamniergcrichtliche Urteil in dem Vermögensverwaltungs-Streite verlesen wurde, endete mit der Verurteilung des Augcllagtcn nur lvegcn formaler Beleidigung(§ 185) zu 60 M. Geldstrafe«ventl. 6 Tagen Gefängnis. Der Vorsitzende verkündete ferner, dah das Gericht eine Bestrafung auch aus 3 156 nicht für angängig erachtet habe. Das Gericht er- achte es für dargetan, daß für di-e Werte des Klägers zur Zeit des Allensteiner Prozesses tatsächlich eine erhebliche Reklame gemacht worden ist und hat ein gewisses Verschulden des Klägers darin erblickt, dah er, lvcim er so auherordentlichcn Wert auf eine völlig weihe Weste legt, gerade in jener kritischen Zeit, wo seiire Ehefrau unter dem furchtbaren Verdacht des Mordes stand, diese Reklame nicht verhindert hat. Im übrigen hat das Gericht unter Würdigung der Gründe des KammcrgerichtS die Art und Weife, wie Kläger die Gelder seiner Frau verwendet hat, nicht als zu Ungunsten des An- geklagten erachtet. Bei der Strafabnressung ist berücksichtigt worden, dah tatsächlich in weiten Kreisen der Bevölkerung das Verhalten des Klägers verurteilt worden ist. Aus diesem Grunde hat das Gericht eine erhebliche Strafe nicht für angezeigt erachtet. Gegen des Schutzmanns Majestät beim Streikpostenstehen. . �Während des Streiks der Ctrastenbahuangcstelltcn wurde Krüger aus der Gegend eines Strahenbahndepots polizeilich weggelvicsen. Er kam aber wieder und wurde deshalb später in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er der Vor- schrift der Strahen-Polizciverordnung, wonach auf öffentlichen Ströhen den dem Verkehr dienenden Anordnungen von Polizei- lbeamten Folge zu leisten ist, zuwider gehandelt Hab«.— Das Kammergcricht hob dieser Tage das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht mit folgender Begründung zurück: Der» artige Verordnungen könnten sich nur auf rechtlich-öffeutliche Ströhen beziehen, nicht auf Privatstrahen, über die sich nur tat- sächlich ein öffentlicher Verkehr bewege. Da das Landgericht nicht festgestellt habe, dah es sich hier um eine rechtlich-öffentliche Straße handelte, so müsse es dies nachprüfen.— Andererseits sei aber auch noch nicht genügend festgestellt, ob es sich wirklich um eine Aufforderung zur Erhaltung der Sicherheit des öffentlichen Verkehrs handele. Denn vorläufig stehe nur fest, dah der Beamte gesagt habe:„Da ist Streik, da kann ich Sie nicht stehen lassen." Wenn der Beamte nur der allgemeinen Meinung war, es dürfe niemand stehen, wo gestreikt werde, dann wäre seine Aufforderung noch keine zur Erhaltung der Sicherheit des Verkehrs. Auch das müsse noch näher nachgeprüft werden.— Haftung für Fahrstuhlunfälle. Infolge eines Fahrstuhlunfalles� find unlängst die Norddeut- scheu Eiöwerke zu RummelSburg bei Berlin zur Schadloshaltung des Verunglückten verurteilt worden. Die Beklagte hatte an eine Firma ttühlräume vermietet, an deren Außenseite sich ein Fahr- stuhl befindet, der aber nicht von einem Schacht eingcfaht ist. Als eines Tages der Kläger ein 10 bis 12 Zentner schweres Faß mit Fischen vom dritten Stocktverk aus nach dem Fahrstuhl schaffen wollte, kam er dadurch zu Unglück, dah er beim Ziehen des Fasses ausglitt, von innen gegen die nach außen sich öffnenden Türen des Fahrstuhles fiel, so daß diese aufsprangen und er drei Stockwerke tief in den Hof hinabfiel. Nach den Aussagen verschiedener Jougen war der Verschluh der Türen mangelhaft, so daß sie mitunter schon beim Niedersetzen schwerer Lasten von selbst aufsprangen. Das Landgericht Berlin hat den Kläger abgewiesen, das Kammergcricht zu Berlin dagegen hat die beklagten Norddeutschen EiSwerle zur Schadloshaltung verurteilt. Die EntschciduugSgrllnde des Kammergerichts führen aus, dah die beklagte Gesellschaft ver- pflichtet gewesen sei, für einen genügenden Verschluh der Fahr- stuhltürcn zu sorgen. Die Vertreter der Gesellschaft hätte» un- bedingt davon erfahren müssen, daß bein, scharfen Niedersetzen von Lasten der Fahrstuhl sich scntte und die Türen aufsprangen; fest- gestellt sei auch, daß die Türen durch einen heftigen Druck zu öffnen waren. Die Revision durch die Polizei habe die beklagte Gesellschaft nicht von der Pflicht befreit, den Fahrstuhl selbst zu prüfe». Ein»ütioirkendcs Verschulden dcS Klägers verneint das Kamniergericht und kommt damit zur Verurteilung der beklagten Norddeutschen Eiswerkc. Das Reichsgericht hat die Revision der Beklagten am 4. d. M. mit der Begründung zurückgewiesen, dah es der Auffassung des KammergeriHts im wesentlichen beigetreten ist. Versammlungen. Der Berkauf des Tempelhofer Felde?» besonders die Art, wie der Knegsminister in dieser Angelegenheir zu Werke gegangen ist, nimmt begreiflicherweise das lebhafteste Interesse weiter Kreise der Bevölkerung in Anspruch. Dah dem so ist, daS zeigte der starke Besuch einer am Freitag in der Vik toriäbrauerei abgehaltenen öffentlichen Versammlung, wo Richard Fischer über die Auslieferung des Tempelhofer Feldes an die Bodenspekulanten sprach. Der Redner verwies dar- auf, daß es sich hier um eine Angelegenheit handelt, die nicht nur für die Berliner, sondern für'das ganze Reich von Interesse ist, denn gleichartige Vorgänge wie hier könnten sich auch an anderen Orten wiederholen. Eingehend besprach Genosse Fischer den Hergang der Sache, wie er erst kürzlich in der Budgetkommission erörtert Ivorden ist. Scharf kritisierte er das Verhakten des Kriegs- Ministers, der durch den eigenmächtigen Vcrkaufsabschluh das Recht des Reichstages verletzte und einer Spekulantcngcscllschast das Tempelhofer Felo auslieferte, wodurch eine Bebauung nach hygie- nischen und sozialen Grundsätzen ausgeschlossen ist. Bei Be sprechung der Verhandlungen in der Budgetkommission kam der Redner. auf eine Aeuherung zurück, die er dort über Herrn H a- berland gemacht hat. Ich habe gesagt— bemerkte Genosse Fischer— Herr Haberland habe die Kenntnisse, die er als Stadtverordneter und Mitglied des Verkehrsausschusses erlangte, zur Förderung seiner privaten Interessen beziehungsweise der Jw terejsen seiner Gesellsck)aft benutzt. Nach den mir gewordenen Mid teilungen hatte ich keinen Anlaß, an der Nichtigkeit dieser Ansicht zu zweifeln. Nachträglich hat mir nun Herr Haber land mit- geteilt, er habe sich icit 1967 um den Erwerb des Tempelhofer Feldes nicht gekümmert, weil er erfahren habe, daß die Stadt Berlin auf den Ankauf reflektieren würde. Erst als im April 1969 feststand, daß auf eine Eingemeindung des Tempelhofer Feldes nicht zu rechnen sei und somit ein Ankauf durch die Stadt Berlin ausgeschlossen erscheine, habe er sich für den Ankauf des Feldes durch die Deutsche Bank intereisierl und kein Hehl daraus gemacht, sondern seine Absicht im VerkehrSausschuh in Gegenwart des Ober- bürgermcisters zur Kenntnis gebracht.— Nach diesen Erklärungen des Herrn Habcrland kann ich meine in der Budget- kommission ausgesprochene Behauptung und die Schlußfolgerung, welche ich daran knüpfte, nicht mehr aufrechterhalten.— Doch für uns und für unsere Beurteilung vcr ganzen Angelegenheit ist es gleichgültig, ob tz a b e r l a n d oder irgend ein anderer die Hand im Spiele gehabt hat. Es bleibt dabei, dah die öffentlichen In- tercssen preisgegeben sind im Interesse einer Handvoll Spekulanten Regierung und Reichstag sind im Begriff, ein soziales Verbrechen zu begehen durch die Genehmigung des Vertrages, den der Kriegs- minister abgeschlossen hat. Doch dem Reichstage, der schon so viele Sünden begangen hat, ist auch das noch zuzutrauen. Reichstag und Regierung haben ihre Pflicht in der schnödesten Weise verletzt. Das müssen sich die Wähler für die nächste Wahl merken. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Die Versammlung nahm eine Resolution an, welche den Berliner Magistrat auffordert, alles u tun, was nach Lage der Sache noch getan werden kann, damit ür das Tempelhofer Feld ein Bauplan durchgeführt wird, der cn sozialen und hygienischen Forderungen gerecht wird. Hue aller Tlelt. Sin Rchordflug Uber das JMecr. Einen sensationellen Flug, der die verschiedenen Flüge über den Kanal zwischen Frankreich und England weit hinter sich läßt, hat der französische Flieger Leutnant Bague am Sonntag in Nord italien unternommen. Leutnant Bague stieg mit einem Vloriot- apparat gegen ö Uhr morgens in N i z z a in die Lust und landete gegen Mitlag auf der Insel Gorgona bei Livorno. Beim Niedergehen des Apparats erlitt das Fahrzeug einen Defekt, so dah der Flieger bei der Landung leichte Verletzungen davontrug. Der Apparat ging in Trümmer. Leumant Bague hat auf seinem Fluge 209 Kilometer des Ligurifchen Meeres überflogen, den größten Flug über das Meer, den ein Aviatiker bisher vollführte. Bei seiner Ankunft auf der Insel wurde der kühne Flieger von einer großen Menschen- menge jubelnd bcgrüht. Ueber seine Reise erzählte Leutnant Bague folgendes:»Ich bin heute morgen um S Uhr in Nizza aufgestiegen und hatte die Absicht, bis zur Hälfte meiner Reise der Küste zu folgen, dann nach Süden abzuschwenken und Korsika zu erreichen. Aber schon eine halbe Stunde nach meiner Abfahrt muhte ich erkennen, daß dieses Borhaben undurchführbar war; der herrschende starke Wind trieb mich sofort direkt nach Süden zu und ich verlor bald die Küste aus den Augen. Oftmals glaubte ich, durch starke Windstöße ins Wasser yetvorfen zu werden. Nach siebenstündiger Reise entdeckte ich zum erstenmal ein Stück Land und ohne Zögern lenkte ich meinen Slpparat direkt darauf zu." Mord und Mordversuch im Gefängnis. der Abteilung für Geisteskranke im Landes- g o f ä n g n i s zu Bruchsal hat sich am Sonntag früh eine schtvere Bluttat zugetragen. In der Abteilung ist ein Russe namens F i l i p s o n untergebracht, der wegen eines an einem Mannheimer Rechtsanwalt am Glaswaldsee im Schwarzwald verübten Raubmordes zum Tode vcr- urteilt und zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden war. Als am Sonntagmorgen der diensttuende Aufscher Schmidt die Zelle des Filipson betrat, stürzte ihm dieser in einem Anfalle von Tobsucht mit einer spitzen Schere ent- gegen. Bei dem sich entspinnenden Kampfe brachte der Rasende dem Wärter mehrere schwere Verwundungen bei. Durch den Lärm aufmerksam gemacht, eilte der erste Aufseher Kaufmann seinem Kollegen zu Hilfe. Der Tob- üchtige stürzte sich nun auf den neuen Gegner, der durch einen Stich ins Herz getroffen tot zu Boden sank. Den übrigen mittlerweile hinzugekommenen Auf- sehern gelang es nur schwer, den wild um sich Schlagenden zu überwältigen._ Aus 1900 Meter Höhe abgestürzt. Turin ist am Sonntag der Ballon„Albatros" mit sechs Insassen zu einer Freifahrt aufgestiegen. Bald nnch der Auffahrt erreicht« der Ballon eine Höhe von 1900 Meter. Plötzlich bemerkten die entsetzten Zuschauer, dah d»s Fahrzeug mit rasender Geich ivindigkeit der Erde zustrebte. Da der Ballon bei seinem Abstürze auf eine Baumgruppe fiel, kamen die fast schon verlorenen Insassen verhältniZmähig glimpflich davon. Fünf von ihnen wurden zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt, nur der Zustand dcS sechsten Fahrtteilnehmers gibt zu Besorgnissen Anlaß. 90 Personen im Kino-Theater umgekommen. Ein entsetzliches Unglück hat sich in cincr Ortschaft nahe Bologoje im russischen Gouvernement Nowgorod zu- getragen. In einem vollbesetzten Kinematographentheater brach während der Vorstellung ein Brand aus. der in kurzer Zeit große Dimensionen annahm. Unter den Be- suchern, meist Kindern, k a m e s zu einer Panik, viele wurden in dem entstehenden Wirrwarr totgetreten oder erlitten schwereVerlctzungcn, eine größere Anzahl ist v e r b r a n n t. Insgesamt zählte nrnn 00 Tote und 40 Verletzte. In Im Schnee eingeschlossen. Aus Domodossola wird gemeldet, dah auf dem S i m p l o n seit einigen Tagen der Schnee in so großen Massen fällt, wie eS seit langer Zeit nicht mehr vorgekommen sei. Beim Lötschberg- tunnel liegt der Schnee auf schweizerischer Seite bereits über drei Meter hoch. Die Arbeiten am Tunnel mutzten infolge- dessen eingestellt werden. 4000 Arbeiter, meistens Italiener, die während der Durchbohrung des Tunnels beschäftigt waren, sind da- durch in große Not geraten und befinden sich jetzt in dem Dorfe Goppenftein eingeschlossen. DaS genannte Dorf verschwindet fast vollständig unter der Schneedecke, man hat keinerlei Nachricht von den Eingeschlossenen. Nur soviel ist bekannt, daß ein Arbeiter, der sich erbot, nach Brigg vorzudringen, um dort Hilfe für die in bitterster Not befindlichen Arbeiter herbei- zuholen, i ni Schnee u in g e k o m m e n i st. Seine Leiche wurde gefunden. Hilfskolonnen sind auf dem Wege, um zu den ein- geschlossenen Arbeitern vorzudringen. Kleine Notizen. LicvcStragödicn. In dem Kurort Gohrisch in Sachsen hat ein zur Kur weilender Referendar anS Danzig d a S ihn be- d i e n e n d e H a u S m ä d ch e n und sich s e l b st e r s ch o s s e n. Beide unterhielten ein Liebesverhältnis, das daS Mädchen lösen wollte.— In N i e d e r w i n z e r in Bayern hat der Oekonomie- bcsitzersohn Straubinger auf der Straße seine Braut er- schösse n. Der Mörder eilte dann an die Donau und brachte sich im Wasser einen tödlichen Schuß bei. Drei Kinder erstickt. Gestern morgen brach in einer Mansarden- Wohnung in Bamberg ein Brand aus. Die in das Zimmer ein- dringenden Hausbewohner fanden in dem dicht mit Rauch an- gefüllten Zimmer dreiKindervoulbiSlVzJahrener- st i ck t vor. Ein schwerer Eiscitbahnunfall ereignete sich gestern morgen auf dem Nordbahnhof in Paris. Ein aus Köln a. Rh. eintreffender Schnellzug fuhr mit solcher Heftigkeit ein, daß die Loko- motive den Prellblock umriß und in ein neben dem Bahn- steig befindliches Gepäckbureai» eindrang. Ein Beamter wurde bei dem Unglück getötet, zwei andere Bahn- beamte sowie einige Reisende wurden mehr oder weniger verletzt. Uilwcttcr auf Sizilien. Die Insel Sizilien wurde in den letzten Tagen von furchtbaren Stürmen heimgesucht. In Messina wurden mehrere Baracken zerstört, in C a st r o entwurzelten zahl- reiche Bäume; drei Personen wurden dadurch erschlagen. Das Segelschiff„Petra" ist auf der Höhe von Alfio gesunken, die gesamt- Besatzung in Stärke bon UMann ist dabei ums Leben gekommen. Ei» homosexueller Skandal. Die Budapester Polizei hob in der Wohnung eines Juweliers Kurs eine auS 60 halbwüchsigen Burschen bestehende Gesellschaft Homosexueller auS. Der Wohnungsinhaber und acht Mitglieder der Gesellschaft wurden verhaftet._ ' Brnfhaften der Redaktion. II H. Wiederholen Sie die Anfrage unter Hiuzusügung der Angabe. au» welchem Grunde Sic den sallchen Namen genannt haben und wem gegenüber.— I. L. IVO. Jiivalldcnstr. 100.— Landwehr II. 1. 2,50 M. 2. 30 Pro,., jedes Kind 10 Pro,., Hüchstbetrag ,us. 60 Proz. 3. Ja.— Schöneck, Schwedcustr."..... — I. 90. Fragen Sie bei der Schellingstr. 4 an,— A. B. 2. Ardeiter-Bildungsschule. Vors.: H. licrnrne, Nixdorf, Stcinnietzstr. 51, Literatur, die Sie in der Buchhandlung Vorwärts erhallen.— P. H. 44. 1. Bei einem beliebigen Notar. Die Kosten richten sich nach dem Objekt. 2. Schristlichen Antrag a» den Vorsitzenden der VeraulagungSkommission. — R. W. 87. Reichstag: Nach Zurücklegung des slhisimdzwauzigstm LebenSjahrcS, Landtag: Vollendung dcS dressiigsten Lebensjahres.— F.«. 75. 1. Nein. 2. Etwa 6 M.- O.®. Steglitz. 1. Die®t. schwifter sind Mtrrbm. Zum Zwecke der Löschung der Hypothek muß ein Erbschein bcschasst werden, wozu die genannte» Pcrsonalurkundcn nötig sind. Die Geschwister müssen die löschuugSsäbige Quittung mit- — St. H. 87. 1. Rur dann, wenn im Vertrage vereinbart. 2. Geht aus den Käufer über. Der Gesellschaft muß aber Mitlelluug gemacht werden. — fl)l. W. 57. Ohne Vorlegung dcS Urteils nicht zu beautw orten.— I.®. 1877. 1. Für ein Kalenderjahr 1 wt., für das erst« Quartal de» lausenden JahrcS 50 Ps. 2. Im Voraus, kann aber auch innerhalb zweier Jahre nachgesordert werden.— D. W. 98. Außenseiter(Lokalorganl- sation).— S. L. 81. 3,50 Mark.— kündtgnug. 1. Alltägllch, auch mündlich, sofern derselbe von der Direktion Aujtrag hat. 2. Auch mündlich, jedoch am zweckmäßigsten der Dlreltion gegenüber.— B. N. 30. 1. Waß- mannstraße 11. 2. P. Bergmann, Elisabeihstr, 11, v. I. 3. Eduard Bern- stein, 1902 bei der Ersatzwahl, dann von 1903 bis 1906.— Aiummcrt- Unfall. DaS zweckmäßigste ist, Sie wenden sich an das Arbcttersolretarint, Engelufer 13._ ?1>n»Itcher Marktbericht der städltiche» Markthallen-DtrekNon über den(»roßhandel tn den Fentral-Marktballen. Marktlage: fflellch: Zufuhr stark, Geschäst schleppend, Preise für Hammel- und Schweine- fleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zusutzr ohne Bedeutung Geichäst rege, Preise fest. Geflügel: Zusuhr gering, Geschäst still Preise behauptet, Fische: Zusuhr inäßig, Geichäst ruhig, Prciie wenig verändert, Butter und Kä je: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob» und Südfrüchte: Zusuhr geuügend, Geschäst schleppend, Preise wenig verändert. lln. Simmel Spezlal-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,«tllÄ 10— 2. 5— 7. Sonntaps 10—12, 2— 4 Kege-MIfner, wranticrt junge, beste Leaer, Stck. ill, Mk,, cmpsiehlt F. Wognop, Berlin HO., Mariannenstr. 34. fi.Pfau.Biiiglsl '"c.'t" Dirckseuslralie 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium,- Amt VII. 13799. 5llr Damen Frauen-Bedienung.* Lieserant jür alle Kraiikeukasse». 'challpia Verleih-Institut tuchtuoh»uswäxts. Proep.erat Karl Borbs, Berlin 50 Neu* KenlgetraM* SS- wöchentliche Teilzahlung lieterc elegante Herren Hoden Fertig und nach Matt Oarantie tür tadellosen Sitz und telnste Verarbeitung J. Kurzberg Matt- Schneiderei Rosenthaler Strasse 40-41 direkt am Hackeschen Markt 11. Ocsctaüft: Frankfurter Allee 104, prt », Ecke Frlcdonstr. fSÜül Todes�AMi�en�DM� Sozialdemokratischer Waiilverein Ripdorf. Den Parteigenossen zur Nach« richt, datz unser Mitglied pauline /Nökrinx Jdeal-Passage(5. Bezirk) am 3. März verstorben ist. Ehre ihrem Nndenken k Die Beerdigung sindet am Mitt- woch. den 8. d. MtS., nachmittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Gemeinde-Friedhoses am Mariendorser Weg aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Ferner verstarb plötzlich ani 27. Februar die Genossin �uise Ktewitt Maybach-User 2(1. Bezirk). Die Beerdigung sand bereits am 4. d. Mts. statt. Ehre ihrem Andenken! 234/12 Der Vorstand. freie luraersckskt �ixctork- Brit?. Hierdurch die traurige Mit- teilung, dasi unsere Turnschwester Frau Pauline Möhring am 3. März nach kurzem schweren Leiden durch den Tod uns ent- rissen wurde. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des Rixdorser FriedhoseS, Mariendorser Weg, aus statt. Treffpunkt sür Vereinsmitglieder um'/,3 Uhr bei Felsch(Restaurant) Knesebeckstrasie. 288/15 Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Vorstand. VeM der taerel-uod (IRMeiler SÄ».',. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Brauer jiagu8t Nenlwig (Brauerei EnderS) am 4. d. Mts. im Alter von 27 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Mitt, woch, den 8. d. Mts., nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle des katholischen Kirchhr,s in derWörth- straffe in Weiffensce auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 42/8 Die Ortsverwaltung. Am 5. März starb nach kurzem schweren Leiden im 80. Lebens- jähre mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Groffvater unn Urgroffvater Lorenz Ryneck Schöncberg, Luitpoldstraffe 12. Dies zeige», um stille Teil- nähme bittend, an Die trauerndert Hinterbliebenen. Pantine Ryneck geb. Matz. Familie Karl Berlin, Niederschön- hauscn. Familie Gustav Lehmann, Schöneberg. Familie Paul Ryneck, Berlin. Familie Emil Ryneck, Treptow. Charlotte Ryneck. 542& Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem neuen Schöneberger Ge- meindesricdbos(Blanke Hölle) statt. Alle» Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daff mein lieber Mann, unser guter Bater, der Eisendreher Reimann im 50. Lebensjahre saust ent- schlasen ist.' Witwe Auguste Reimann nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. d. MIS., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-Fricdhoscs in Fricdrichsfelde auS statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daff Meine liebe Frau und Mutter, unsere teure Schwester Martda Luickhardi geb. Künig am Sonntag früh nach schwerem Leiden im 29. Lebensjahre sanst entschlasen ist. 542b Dies zeigt tiesbetrübt an Rae! I�nickkaz-dt nebst Tochter. Johanna König, Marie König. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 3'/, Uhr von der Leichenhalle de? städtischen Friedhoss, Gerichtssiraffe 37/38, aus statt._ Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Kollege Richard Schumann am 4. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am DienStag, den 7. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle deS Lichtenberger Gemeinde- FriedhoseS(Marzahn) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 79/20 Die Ortöverwaltung. Oeutsclier Metalfarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todos-Anzclgen. Den Kollegen zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Echleiser Joseph Stransky am 5. März an Lungenleiden gestorben ist.« Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. März, nach- mittags 4'/, Uhr. von der Leichen- halle des St. Marien-Liebsrauen- Kirchhofes in Nixdors, Marien- dorser Weg, aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Gurller Paul Nischke am 5. März an Lungenleiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. März, nach- mittags'/z3 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorser Ge- meinde-FriedhoseS, Mariendorser Weg in Rixdors aus statt. Ehre ihrem Andenken k Rege Beteiligung erwartet 113/4 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten und Be- kannten zur Nachricht, daff am 5. März, morgens 53/, Uhr mein geliebter Gatte und Vater, der Tischler Juiius Vinter nach schwerem Leiden entschlafen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Witwe Ottilie �Vinter nebst Sohn. Die Beerdigung sindet am Mitt- woch. den 8. Marz, nachmittags 3 Uhr, von der Halle deS Aus- erstehungS-FriedhofeS, Weißenseer Weg, aus statt. 2365L Allen Genoffen zur Nachricht, daß mein Mann, der frühere Vorsitzende und Begründer, deS Arbeiier-SängerbundeS �.doit Neumann am 4. d. M. in der Irrenanstalt Eberswalde gestorben ist. Beerdi- gung daselbst beute nachm. 3 Uhr. Ww. Mathilde Heumann geb. Klebe, Berlin, Bernauerstr. 32. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, deS Stukkateurs ItVrdiimnd Fnhrmann sage ich allen Beteiligten meinen besten Dank. 543b Wwe. Riaca Fährmann. piiiiimiiiiiiiniiiniuiiiiiiiininiiiiiitiiniiiiiuiniiiiiiiiiiiiniui�riiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiufini liilll I wtmWrwM OerttVK II dIM. in apoüjeken,X>rogerien u. JH.&P. Udert Iterlln SO. 16, Sngel-Clfer 5. Tabak-Großliandlmig und Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten.-WM Vortoilliafteste BezugsqueUe für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren In allen Preislagen. kannten Marken ÄgArkttSN su Orlginalpreiwen. WW Amt 4,3014. WWWWWWW Achtnng! UdltC Aclitnng! DiensiilS, de« 7. MÄ?, alieiids 8 Uhr: 6 Wl. Wlksirrsammliiege«. Obiglo, Schwedter Str. 23/24. I Frankes Festsäie, Badftr. 19. KWinemünderGeseUschaftshaus Pharns-Säle, Müllerstr. 142. Swinemünder Str. 42. Woakiter GesellschaftshanSz Kornsfia, Ackerstr. 6/7. i Wiclefstr. 24. Tages-Ordnung: Fort mit dem Zadattvereinsunsug. Arbeitersekretär E. Brückner, Stadtverordneter Düffel!, Referenten: Reichstagsabgeordnete Göhre und Knnlze, Stadtverordneter Ritter, Verbandsvorsitzender Stühmer. Die Proxagandakommisstyn für das Genossenschaftswesen. veuticher Qansportardeiter-verband Bezirk GroßsBerlin. Bureau: Engelufer 14/15. Fernsprecher: Amt IV. 2382, 4747. Arbeitsnachweis- Engeluser 15. IV, 3348.1935. Alt- Leipziger Str. 1. 1,2532,9390. Mgliecker aus alle» ISranchen und Diftribte» des Bezirhs Groß-ßerlln. Donnerstag, den 9. März 1911, abends 8V2 Uhr, bei Keller(Freyer), Koppenstraße 29: Ordentliche Lenerai-verlammiung. Tages-Ordnung: t. Mitteilungen. 2. a) Ausschlußanträge und Bericht der Kommission, b) Anträge. 3. Jahresbericht: a) des Bezirksvorsitzcnden; b) des Kassierers; c) des Arbeitsvermittlers; d) des Bibliothekars. 4. Neuwahl der Bezirksverwaltung und der Revisionskommission. 5. Neuwahl zweier Revisoren für die Hauptkasse. 6. Geschäftliches. 66/14 NB. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und als Legitamation vorzuzeigen. Wer über 10 Woche» mit seinen Beiträgen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Bezirksverwaltnng. I. A.: A. Werner. Dritter und vierter Wahlkreis. Dienstag, den 7. März, abends 8'/z Uhr, bei Graumann, Nauntinstr. S7: Oeffentliche Kommwtalwählerversammhmn für den 11. und 13. Bezirk. Tagesordnung: 1. Die Tätigkeit unserer Vertreter im roten Hause. Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 216/6« Die Dorstiiudt der soDideulllkratislhen Ullhivtreillt. I.A.: Paul Hoffmann» Stralauer Platz 1/2._ Kim»?»- und Kransliindert! von Roherl Hefer,' uut MlMlUlnen-Zirllßt 2. ArbeitSna Niw-iS: Hoj l. Amt 3. 123S. BerwalningSftelle Berlin. Hau ptburen«: CharitbstraBe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Donnerstag, S. März, abends 8'/, Uhr. im Gewerkfchaftshaus, Engelufer IS, Saal 1: verlammlung der kauanichlllger. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Kollegen Bahn über:„NtirsEatUrmo". 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegcnheiten. 4. Verschiedenes. ——_ Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet 113/3_ Die Ortsverwaltung. •I sr rer. (E. H. Nr. Ä, Hamburg.) Ocrtl. Verwaltung Berlin. Donuerstag. S. März. abeudS«'/, Uhr, im Gewerkschafts hause, Engel, ifer 15, Saal 3: Mglieäer Versammlung. TageS-Ordn u ng: 1. Abrechnung vonck4. Quartal 1910. 2. Wahl der Revisoren. 3. Vcr- schicdene Kasscuaiigelegeiiheitc». 253/3« Der Vorstand. I. A.: Richard Schröder, Berlin O, Tilsiter Str. 7, v. IV. Die reellsten uml billigsten Möbel und Polstorwarcn auf Tcilzahlun-' zu Kassenpreisen und Zins« vorgiitTOg erhält man in der seit 32 Jahren bestehenden Möbelfabrik unter lOj ähriger Garantie> CäUiiIw Relchenbcrger 64L* i. Schulz, StraBe 5. Bekanutmachung. Am 4. November 1910 ist der Kuh. sütterer, frühere Hutmachergeselle Gustav Klaube, geboren 7. Juni 1859 zu Berlin, hier verstorben, dessen Erben unbekannt sind. Hinterlassen 541 M. Die Erben des Verstorbenen werden ausgesordert. sich bei mir zu melde». Der Nachlaffpfleger 544b Bartclt, _ Gnevezin bei Anklam. Hygienischer Vortrag. Am Donnerstag, den S. März, abendS 8 Uhr, im Turnsaal der Gemeindeschule l, Brandenburgische Straffe, Ecke Gieselerstraffe, spricht Herr Dr. A. Nathan über „Die Qeseiileebtliebe lnlektiou imd ibre FoIgeD." Der Eintritt ist sür Dame» und Herren unentgeltlich. Da der Vortrag für alle Schichten der Bevölkerung von aufferordent- licher Bedeutung ist, bitten wir im Interesse der Ausllärung um recht zahlreichen und pünktlichen Besuch. Her Var«iti»nd 271/2 der gemeinsamen Ortskrankenkasse (iir Dt.-Wilmersdort und Umgegend, Arbeiter-Wanderbund „Die Naturfreunde" Bezirk Rixdorf. Donnerstag, 9. März, abends 81/, Uhr, bei Hoppe, Hermannstr. 49, gr. Saal: Großer Lichtbilder-Vortrag .Märkische Wanderungen-. 125 farbige Kunstlichlbilder nach eigenen Aus- nahmen des Vortragenden: F e r d. Krause.— Entree 20 Ps. Gäste willkomme». 1/4 £ofasto||e Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Pacfaf Slocquetts. PlDjch-ilCwlC. Sattettaschen. »W»WWW» Muster bei näherer Angabe franko. EinilLefbyre,o?aerde1n°,r.15B. Syphilis- Nachweis in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft Fäll, durch wissenschastl. Untersuchung. sesort; desgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Fäden) u. Sputum-Analhfen. Or. Homeyer& Co., Spezial-Laborat., Friedrichstr. 189, zw. Kronen- und Mohrenftraße), I. 8724. Pers. Rückspr. diskr. u. kostenl. Geöffnet von S— 8 Sonntags von 12— 1._• MHhj polltnanns wSandagett- Oekcbäft, nebft Hrtihel zur Gesundheits- u. Krankenpflege, Verbandstoffe, Gummiwaren etc. Berlin X., Lothringer Str. 60. Lielerant(iir Krankenkassen. Eigene Werkstatt. Stoffe Garantiert.Original-Englisch« sür Anzüge, Ulster Meter 3 u. 4,50 M. Dnchlager Koch A Seeland G.m.b.H Gertraudtenstr. 20-21 ÄnS: Zur Einsegnung! Anzüge aus schwarzen Kammgarnstoffen 14. 17, 19, 21 25, 28, 40 m. Anzüge aus dunkelblauen Cheviotstoffen 16, 18, 20, 2h, 28, 32, 25« Prüfungs-Anziige in größter Auswahl. HL Schulmeister BERLIN SO. 26, Dresdenerstr. 4 verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin LW» it. 56. 28. Illhtgavg. 2. Stiliiot ks.lotiüätlü" Sttliiifr Dienstag. 7. März Partei- 5Zngelegenkeiten. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins«nd Umgegend. Zu dem morgen Mittwoch stattfindenden Zahlabende, an welchem die Frage des M a i f o n d s sowie der Montags- Ausgabe des„Vorwärts" besprochen werden soll, ist das allseitige Erscheinen der Mitglieder besonders notwendig. L�urze Informationen finden die Leiter der Zahlabende in den beiden Artikeln der Märznummer des„Mitteilungs- blatts" und in den im Zentralvorstande bezw. der General- Versammlung über beide Themata gepflogenen Diskussionen. Der geschäftsführende Ausschuß. Steglitz. Da auf dem am Mittwoch stattfindenden Zahlabend die gewerlichaftliche Zugehörigkeit nachgewiesen werden soll, wollen die Genossen ihre gewerkschaftlichen Mitgliedsbücher mitbringen. Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Die Genofien wollen wegen der Erledigung besonders wichtiger Angelegenheiten morgen, Mittwoch, abends pünktlich 3 Uhr, in ihren Zahllokalen erscheinen. Der Vorstand. Johannistal. Mittwoch, den 8. März, abends 8�/z Uhr: Außerordentliche Mitgliederversammlung bei Sensllebcn. Friedrichstr. 48. Tagesordnung: Zweiter Vortrag des Genossen Max G r o g e r über „Die Programme der politischen Parteien". Der Vorstand. Marienfelde. Der Zahlabend am Mittwoch findet, da das Lokal von Adolf Berger gesperrt ist, bei Aug. Schuster, Kirchstr. 78. statt. Der Borstand. AdlerShof. Heute, Dienstag, den 7. März, abends 8l/a Uhr. im Lokale von Kaul, Bismarckstr. 16: Mitgliederversammlung des Wahlvercins. Tagesordnung: Bericht von der Berbands-Geueral- Versammlung, Stellungnahme zur Schaffung eines Maifonds und zur Herausgabe einer Monlagsausgabe des„Vorwärts". Der Zahl- abend am Mittwoch, den 8. März, fällt aus. Beiträge werden in der Versammlung entgegen genommen. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Der Leseabend des Wahlvereins fällt am heutigen Dienstag aus; derselbe findet am Dienstag, den 14. d. M., statt. Eichwaldc-Zeuthcn-Micrsdorf. Der diesmalige Zahlabend findet gemeinsam in Eichwaide bei Witte, Waldschlößchen, mit folgender Tagesordnung statt. Bericht von der Generawersammlung Groß« Berlins, Diskussion, Beschlußfassung, Bericht der Gemeindcvertreter, Aufstellung des Kandidaten für die Gemeindevertretcrwahl und Ber- schiedenes. Der Borstand. Bohnsdorf. Am Mittwoch, den 8. März, abends 3'/« Uhr. in Villa Kahl: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. TageSord- nung: 1. Bericht von der Kreisgeneralveriammlung. 2. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. 3. Vereinsangelegenheitcn und Verschiedenes. Der Vorstand. Friedrichsfelde. Morgen: Gemeinsamer Zahlabend bei Bausdorf, Berliner Str. 13. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet am Mittwoch, den 3. März, abends 8Vz Uhr, bei Wilhelm, Kaiser-Wilhelm-Straße, statt. T.-O.: Bericht von der Kreisgeneralversammlung; Maifeier; Frauentag. Pankow. In dem gemeinschaftlichen Zahlabend bei Rösler, Kaiser-Friedrichstr. 12. spricht Genosse Pötzsch über: März- g e d a n k e n. Außerdem stehen noch die von Groß-Berlin den Kreisen überwiesenen Anträge auf der Tagesordnung. berliner rfacbncbtcn. Auf Kosten der Allgemeinheit. Der Brandebburgische Provinziallandtag hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den bisherigen Landesdirektor Freiherrn v. Manteuffel, dem Präsidenten des Herrenhauses, sein volles Gehalt(18 000 M.) als Pension zu gewähren. Außerdem wurde der Provinzialausschuß beauftragt, dem scheidenden Landesdirektor im Nmnen der Provinz ein Ehren- geschenk zu überreichen, dessen Kosten aus den bereiten Mitteln der Provinz zu decken sind. Da hat man leicht Geschenke machen, wenn man aus den Mitteln der Allgemeinheit schöpft. Dazu sind diese Mittel aber nicht da. Wer Geschenke machen will, soll in sein eigenes Portemonnaie greifen. Die„gutunterrichtete" bürgerliche Presse. Unsere Leser find am Sonnabend durch einen eingehenden, fach« lich unaMastbaren Bericht darüber unterrichtet worden, daß das Ober-Verwaltungsgericht am Freitag die Rixdorfer Kommunal- Wähler liste für 1909 für ungültig erklärt hat. Es weiß nun jeder. der auch nur die Anfangsgründe des Kommunalwahlrechts kennt. daß dieser Spruch an sich noch nicht die Ungültigkeitserklärung von Wahlen bedeutet. Die Ungültigkeit von Stadtverordneten« Wahlen kann nur in einem besonderen Verfahren aus- gesprochen werden. Ein solches Verfahren, die Gültigkeit von Nix- dorfer�Wahlen betreffend, schwebt jetzt bei der ersten Instanz, dem Bezirksausschuß, der dieser Tage darüber befinden wird. Was hat nun ein größerer Teil der bürgerlichen Presse, die.Morgenpost" an der Spitze, über die Entscheidung deS Ober-Verwaltungsgerichts vom letzten Freitag berichtet? Jene Berichte, die von jemand stammen, der gar nicht der Verhandlung beigewohnt hat und nicht zu den ständigen Berichterstattern beim Ober- Verwaltungsgericht gehört, sprechen von einer UngültigkeitS- erklärung der Rixdorfer Stadtverordneten wählen durch das Oberverwaltungsgericht und sagen, der Magistrat müßte jetzt Neuwahlen ausschreiben. sWohlgemertt: Tatsächlich ist nur die Liste für ungültig erklärt worden.) Die Unverfrorenheit, mit der manche Leute über Dinge be> richten, die sie nicht kennen und nicht verstehen, mußte hier einmal festgenagelt werden. WaS die auf Grund der ungültigen Liste vorgenommenen Wahlen betrifft, so sind wir allerding« der Meinung, daß der Bezirksausschuß sie für ungültig erklären wird und daß das ObcrverwaltungSgericht. das als letzte Instanz erst n a ch M o n a t e n darüber wird befinden können, ebenso entscheiden wird. DaS wird aber erst geschen; es ist n o ch n i ch t der Fall. Ueber den Stand der Treptower Eingemeinduagsfrage wird uns aus Treptow berichtet, daß nach monatelangen Ver- Handlungen hinter verschlossenen � Türen die Eingemeindungskommission von Treptow eine Denkschrift zusammengestellt hat, die nunmehr das Licht der Oeffentlichkeit erblicken soll. Die Denk- fchrift ist zugeschnitten auf eine �Eingemeindung Treptows nach Rixdorf. Genaue Bestimmungen über die Durchführung der Per- tragsbcdingungen sollen noch aufgestellt werden. Die Denkschrift soll an olle Treptower Vereine und sonstigen Interessenten ob- gegeben werden. Ob durch den Inhalt dieser Zusammenstellung ein Umschwung in der Ansicht der Mehrheit der Treptower Bevölkerung über diese Verschacherung der Bewohner herbeigeführt wird, darf 1 bezweifelt werden. Von Interesse dürfte sein, daß in der ver- flossenen Woche die gesamtD Gemeindevertreter von Treptow nach Rixdorf geladen waren, um die werbenden Anlagen und sonstige öffentliche Einrichtungen von Nixdorf in Augenschein zu nehmen. �Jn einer Anzahl von Automobilen, ging die Fahrt von einer Stelle zur anderen. Ein Elektrizitätswerk ist im Entstehen begriffen; an der Gas- anstatt ist nichts auszusetzen; für die höheren Schulen scheint auch in Rixdorf viel mehr gesorgt zu werden als für die Volksschule, deren Klassenfrequenz eine bedeutend höhere ist als die Berlins und auch Treptows. Das Krankenhaus in Buckow liegt für Trep- tow viel ungünstiger als das Kreiskrankenhaus in Britz, zudem ist es überfüllt und soll erweitert werden. Treptow wäre nur mit einem Krankenhause am eigenen Orte gedient. Zuletzt wurde die Feuerwehr vorgeführt, bei deren Uebungen die Rixdorfer Jugend in undurchdringlichen Scharen ein dichtes Spalier bildete. Die Wehr befindet sich in einem Uebcrgangsstadium von der freiwilligen zu einer Berufsfeuerwehr. Inzwischen war es vollständig dunkel geworden und die Teilnehmer an der Besichtigung kehrten zum Rathause zurück, wo, nach einer kurzen Ruhepause und nach Be- sichtigung verschiedener Räumlichkeiten, im Sitzungssaale des Ma- gistrats unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Kaiser eine Be- sprechung der Eingemeindungsbedingungen stattfand. Von Rixdorf war nur der Magistrat vertreten, und der Ober- bürgermeister erklärte, daß die Treptower Vertreter genügend an Zahl vorhanden seien, um sich sofort zu entschließen; er, Kaiser, sei ermächtigt und bereit, wenn eine Verständigung. zwischen den beiderseitigen Vertretungen zustande käme, den Eingemeindungs- vertrag sofort zu vollziehen, also ohne vorherige Zustimmung der Stadwerordneteuversaimnlung. Sollte auch in diesem Falle ohne Wissen der größten Partei in einer geheimen Sitzung der Majori- tätsparteien eine solche Bollmacht erteilt worden sein? Doch es kam nicht dazu. Die wichtigste Forderung der Treptower Hausagvarier war das Verlangen nach einem Steuerprwileg auf 20 Jahre, d. h. es sollten in 20 Jahren die gegenwärtigen Steuersätze Treptows nicht über- schritten werden bis auf die Steuer auf den unbebauten Grund und Boden, die aus den Rixdorfer Satz erhöht werden könnte: 6 Mk. von 1000 Mk. des Grundlvertes. � Rixdorf wollte nur ein Privileg auf 10 Jahre bewilligen, das wäre das äußerste, was die Perle Groß-Berlins wert sei. Man ging bis auf 1b Jahre zurück. doch der Punkt blieb unentschieden. Gesetzlich ist eine solche Be- stimmuna übrigens unzulässig. Weiter sollen zwei Bahnhöfe im Zuge der Görlitzer Bahn auf Treptower Gebiet durch Rixdorf errichtet werden. Anschluß Trep- tows an die durch das der Bebauung zu erschließende Gelände zu führende Schnellbahn. Die Siemensbahn soll ausgeschattet werden. Dafür soll eine andere Straßenbahn im Zuge der Reichenberger und Heidelberger Straße über die über den Landwehrkanal zu erbauende Brücke mit Umgehung der Siemensbahn vermittels einer Schleife (von der Großen Berliner) bis zur Kiefholzstraße und von da aus weiter nach Baumschulenweg auf Kosten Rixdorfs gefuhrt lverden. Alle im schlechten Zustande sich befindenden Straßen Treptows, dar- unter auch die Köpenicker Landstraße, soll Rixdorf nach Verein- barung regulieren und pflastern lassen. Es bleibt nur noch fest- zustellen, bis zu welcher Zeit alle diese Bedingungen erfüllt werden müssen. Wenn alle diese Bedingungen wirklich innerhalb und vor Ablauf der Frist, für welche das Steuerprivileg für die Treptower Grundbesitzer festgesetzt werden soll, zu erfüllen sind, dann haben die armen Steuerzahler in Rixdorf nichts zu lachen. Die sozial- demokratischen Gemeindevertreter Treptows haben wiederholt er- klärt, daß sie nicht nur in Rücksicht auf den bestimmten nahezu einstimmig ausgesprochenen Willen der Bevölkerung Treptows für einen solchen Kuhhandel nicht zu haben seien, sondern auch in Rück- ficht auf die viel weniger steuerkrästige Bevölkerung Rixdorfs es für einen groben Unfug halten, wenn die besser situierte Ein- wohnerschaft Treptows sich von der ärmSren Rixdorfs geradezu aushalte» lassen wolle. Von der Eingemeindung Treptows nach Berlin kann einst- weilen Abstand genommen werden, bis die Verhältnisse für eine allgemeine Eingemeindung sich günstiger gestalten. Der Aufrecht- erhaltung der Selbständigkeit Treptows droht nicht die geringste Gefahr, zumal die Stadt Berlin ihr in Treptow gelegenes Ge° lande der Bebauung erschließen will, womit das einzige erhebliche Bedenken gegenstandslos geworden ist. In einer am Sonnabend, den 4. März, stattgehabten Sitzung ist es gelungen, gegen einen starken Widerspruch der agrarischen Freunde der Eingemeindung nach Rixdorf den Termin, bis zu welchem die Oeffentlichkeit zu der Denkschrift Stellung nehmen und bevor die endgültige Entscheidung durch die Gemeindevervrdneten erfolgen kann, bis zum 24. März hinauszuschieben. In der da- zwischen liegenden Zeit wird es notwendig sein, die lichtscheuen Pläne der verwandten Seelen so zu beleuchten, daß diese Pläne endgültig als abgetan gelten können. Ueber die Einschränkung der Sonntagsarbeit in offenen Verkaufsstellen hafte die Stadtverordnetenversammlung vor- geschlagen, folgendes Ortsstatut zu erlassen: In offenen Ver- kaufsstellen des Handelsgewerbes dürfen Gehilfen,. Lehrlinge und Arbeiter— abgesehen vom ersten Weihnachts-, Öfter- und Pfingsttage, an welchen ihre Beschäftigung überhaupt untersagt ist— an Sonn- und Festtagen in der Zeit vom 1. Mai bis 1. Oktober nur von 8— 10 Uhr vormittags und in der Zeit vom 1. Oftober bis 1. Mai nur von 12— 2 Uhr mittags beschäftigt werden, soweit nicht Ausnahmen durch die hierfür zuständigen Behörden festgesetzt werden. Diese Ein» schränkung soll auf den Handel mit Nahrungs- und Genuß- Mitteln sowie auf den Handel mit Blumen keine Anwendung finden. Der Magistrat ist diesem Beschlüsse der Stadtverord- netenversammlung beigetreten mit der Maßgabe, daß die an Berlin grenzenden Vororte eine gleiche Regelung der Sonn tagsarbeit treffen. Die eigentümliche Entmündigungssache der Arbeiterfrau Martha Ulbrich, über die wir in Nr. 46 des„Vorwärts" vom 28. Februar berichteten, führte gestern im weiteren Verlauf vor dem Amlsgericht Berlin-Mitte zu effekivollen Szenen. Gewöhnlich werden solche Fälle im Verfahren vor dem Amtsgericht, das im wesentlichen ein Geheimverfahren ist, ohne Anwalt erledigt. Der zu Entmündigende ist dabei von vorn- herein im Nachteil, weil eS zu einer öffentlichen Verhandlung, wie es notwendig wäre, gar nicht kommt. Gegen Frau Ulbrich war von der Polizei der Verdacht sittlicher Verfehlungen erhoben und jähre- lang aufrechterhalten worden, worauf sich dann naturgemäß die infolge der fortgesetzten Drangsalierungen stetig gesteigerte Erregung und Empörung der gequälten Frau ansbaute. Im neulichen Termin war der gerichtliche Sachverständige, der auf sein Gutachten der- eidigt werden sollte, zur festgesetzten Stunde nicht erschienen. Die Verteidigung setzte daraufhin durch, daß die Vereidigung aufgeschoben wurde, bis an den gerichtlichen Sachverständigen eine Reihe wich- tiger Fragen, die sein ungünstiges Gutachten erschüttern sollen, ge- stellt sind. Besonders beachtenswert war die Erklänmg deS beauftragten Richters, daß die Frau Ulbrich, obwohl er sie mehr- mals stundenlang vernommen habe, auf ihn persönlich einen durchaus normalen Eindruck mache. Im gesttige» Termin fungierten als Verteidiger wieder Rechisanwalt Dr. Ehrenfried und mit Terminsvollmacht der Redakteur der Zeitschrift„JrrenrechtS-Reform". Auf die Frage des Dr. Ehren- fricd, ob der Sachverständige irgendwelche beeidigten gerichtlichen Zeugenaussagen und Urkundcubeweise für die Annahme habe, daß die Beschwerden der Frau Ulbrich Wahnvorstellungen seien, ant- wartete Geheimrat Straß niann, solche Beweismittel seien aller- dingS nicht vorhanden, es sei sogar ein gewiffer berechtigter Kern an ihren Beschwerden. Aber die Art, in der diese Be« schwerden vorgebracht wurden, sei ein Zeichen von Geisteskrankheit. Die Frage des Redakteurs der„Jrrenrechts- Reform", ob Frau Ulbrich ein Recht gehabt habe, sich gegen den von der Polizei jähre- lang aufrechterhaltenen Verdacht sittlicher Verfehlungen zu wehren und ihre beleidigte Fraueuehre zu verteidigen, beantwortete der Sachverständige zustimmend; er müsse jedoch auch hier aus der Art, wie die Empörung der Frau Ulbrich sich äußere, auf Ouerulantenwahn schließen. Ebenso wurde vom Sachverständige» die Frage bejaht, ob ihm vor Erstattung seines ungünstigen Gutachtens das Vorhandensein von zahlreichen ärztlichen Attesten, welche die völlige geistige Klar- heit der Frau Ulbrich bescheinigen, bekannt gewesen sei. Interessant war das Verhalten des Sachverständigen aus die Frage, ob ihm be- kannt sei, daß es vor dem Jahre l879 einen Ouerulantenwahnsinn überhaupt nicht gegeben hat und dieser Wahn erst zum Zwecke der Entmündigung entdeckt worden sei, als in diesem Jahre die Be- stimmungen der allgemeinen Gerichtsordnung, nach welchen Oneru- lanten mit Geldstrafe eventuell Haft bestraft wurden, aufgehoben worden sind. Geheimrat Straßmann antwortete ausweichend, dies sei eine schiefe Darstellung. Trotz der gestellten Fragen nahm der Sachverständige sein Gut- achte» auf seinen Diensteid. Wird auch das Gericht, wie der gericht- liche Sachverständige, die sechs günstigen ärztlichen Gutachten über Frau Ulbrich unter den Tisch fallen lassen? Mit ihrem einzigen Kind in den Tod gegangen ist in der ver- gangenen Nacht die 26 Jahre alte Kistenmacherfran Hedwig Brandt, geborene Zernicke, aus der Hufelandstratze 39. Frau Brandt war mit ihrem Manne, der ein Jahr jünger ist als sie. seit zwei Jahren verheiratet und Mutter eines ein Jahr alten Töchterchens Edith. Sie klagte oft, daß ihre Ehe unglücklich sei. Die Stimmung der Frau wurde immer trüber. Sonntag abend um 7 Uhr wurde sie im Hause noch gesehen. Als Brandt gestern morgen um 4 Uhr nach Hause kam, fand er seine Frau mit dem Kind im Arme in der mit Gas angefüllten Stube angekleidet auf dem Sofa liegen. Aerzte, die sofort gerufen wurden, machten Wiederbelebungsversuche, die aber weder bei der Mutter noch bei dem Kinde Erfolg hatten. Die unglückliche Frau hatte den Hahn der Gaslampe geöffnet, sich dann mit der Kleinen auf das Sofa gelegt, um den Tod zu erwarten. Unter einen Straßenbahnwagen geriet gestern abend in der achten Stunde ein etwa 25 Jahre alter Mann an der Königsberger Straße, Ecke Frankfurter Allee. Um den Unglücklichen unter dem Wagen hervorzuholen, mußte die Feuerwehr in Tätigkeit treten, der das Rettungswerk auch nach einiger Zeit gelang. Dem jungen Manne waren beide Beine abgefahren; er wurde sofort nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt. Der Einbrecher als„Kriminalbeamter". Ein Ehepaar in der Anllamer Straße ging gestern nachmittag aus und ließ die Wohnung ohne Aussicht. Als die Frau nach kurzer Zeit zurückkehrte und die Flurtür ausschloß, stieß sie aus einen Mann, der sich ihr als Kriminalbeamter vorstellte und erklärte, er habe die Wohnung dienstlich durchsuchen müssen und sie deshalb von einen, Schlosser öffnen lassen. weil er niemand zu Hause getroffen habe. In der Tat war in der Wohnung alles durchsucht worden, aber nach einer polizeilichen Haussuchung sah es gerade nicht aus. Die Frau ließ sich nicht verblüffen und verlangte die Erkennungsmarke. Als der„Kriminalbeamte" Aus- flüchte machte, schlug sie Lärm und ließ ihn festnehmen. Jetzt ver- lor der Mann ganz und gar die Ruhe, die er bisher be- wiesen hatte. Nach einem vergeblichen Fluchtversuch wurde er nach der Wache gebracht. Hier stellte er sich als Herr von der Lahr vor und verlangte seinem Namen entsprechend be- handelt zu werden. Von hier wurde er nach dem Polizeipräsidium gebracht und dem Erkennungsdienst vorgeführt. Als er photographiert werden sollte, schnitt Herr von der Lahr die graulichsten Gesichter. Mit Hilfe der Fingerschau wurde er bald als ein früherer Schuq- macher Heinrich Groß, ein schon wiederholt mit Zuchthaus vor- bestrafter gewerbsmäßiger Einbrecher, festgestellt. Eine weibliche Leiche wurde am Sonnabend an der Adlervilla am Heiligensee angeschwemmt. Nach dem Gutachten deS Kreisarztes ist der Tod durch Ertrinken eingetreten. Am Körper sind keine Spuren äußerer Gewalt erkennbar. Im Besitz der An- geschwemmten fand man ein Portemonnaie mit 87 M. Inhalt, ferner trug sie einen goldenen Ring mit kleinen Brillanten, eine goldene Brosche mit drei Türkisen und ein goldenes Herz. Drei Taschen« tücher wiesen das verschnörkelte Monogramm L auf. Die Tote ist von untersetzter Gestalt, hat volle» Gesicht, schwarze» Haar und schwarze Augenbrauen, stumpfe Nase, mittelgroße Ohren, kleinen Mund und aufgeworfene Lippen. Sie war bekleidet mit schwarzen hohen Schnürstrefeln, schwarzen Strümpfen, grauem Trikothemd und weißem Linnenhemd, brauner Tuchbluse mit Samtbesatz und Stickerei» einlage, schwarzem Samtjackett, langer schwarzer Boa. Eine Kopf- bedeckung fehlte. DaS Alter der Toten wird auf 25 bis 85 Jahre geschätzt. Ein Scheusal, dessen Treiben doppelt verbrecherisch war, ist von der Krimmalpolizei unschädlich gemacht worden. Ein Händler Her- mann Groß, der in gewissen Kreisen den Spitznamen„Fanny" führt, mißbrauchte und verkuppelte junge Burscheu. Er machte sich besonders an Jungen heran, die aus einer Fürsorgeerziehuugs- anstatt entwichen waren, gab ihnen Unterschlupf in seinem Keller in der Fehrbelliner Straße und hatte sie nun ganz in seiner Ge- walt. Uns Furcht, sonst der Polizei in die Hände zu fallen, waren die„Entwichenen" nicht nur dem Verbrecher selbst zu Willen, sondern ließen sich auch von ihm verkuppeln, wie er es haben wollte. Am Sonnabend hatte Groß wieder mehrere Jungen nach dem City-Park in der Fricdrichstraße, einem berüchtigten Sammelpunkt für dieses Gelichter, bestellt, um sie von dort für seine unsauberen Zwecke mit- zunehmen. Jetzt erwachte ihn die Kriminalpolizei und setzte ihn hinter Schloß und Riegel. AuS der Selbstmordchronik. Arbeits- und Obdachlosigkeit haben den 32 Jahre alten Maler Emil Möbius in den Tod getrieben. Der Mann hatte wegen eines Herzfehlers keine Arbeit mehr und wohnte bei seinem Bruder in Rixdorf in der Emser Straße. Dort ging er vor vier Wochen weg, weil er seinem Bruder, der selbst Frau und zwei Kinder zu ernähren hat. nicht mehr zur Last fallen wollte. Seitdem hatte er kein Obdach mehr. Vorgestern abend erschoß sich der Unglückliche auf dem Abort des Schlesfichen Bahn- Hofes.— Mit Gas vergiftete sich die 27 Jahre c'.ft Verkäufern. Gertrud Nieder aus der Fehnrarnstraße 8. Das verwachsene Mäd» che» hatte ein Verhältnis mit einem Handwerker, fürchtete aber. daß dieser sie wegen ihrer körperlichen Mängel doch nicht heiraten werde. In der Nacht zum Sonntag drehte sie den Haha eines Gas- kocherS auf und nahm den Schlauch in den Mund. Als man sie morgens auffand, war sie tot.— Ein Augenleiden»rächte den 23 Jahre alten Hausdiener Walter Wiek ans der Britzer Straße 1 zur Verzweiflung. Das Leiden, das von den Masern zurückgeblieben war, verschlimmerte sich nach einer Erkältung so sehr, daß der jmige Mann seit drei Monaten nicht mehr arbeiten konnte. Cr äußerte wiederholt Selbstmordgedanken und war seit sechs Wochen verschwunden. Gestern landete man seine Leiche am Elisabethufer aus dem Luisenstädtischen Kanal.— Der 47 Jahre alte aus Heils- berg gebürtige Arbeiter Gustav Lehmann aus der Zietenstraße 4g zu Rixdorf sprang Sonntag nachmittag um 1 Uhr auf dem Grund- stück Prinz Handjerhstraße 55 aus dem Flurfenster des 8. Stocks auf den gepflasterten Hof hinab und brach sich das Genick und war sofort tot. Not soll das Motiv sein.— Aus dem Wasser gelandet wurde bei Heiligensee die Leiche einer unbekannten 25 bis 35 Jahre alten Frau. Die mittelgroße Tote trug einen schwarzen Tuchrock, eine braune Tuchbluse mit Samtbesatz, schwarze Schnür» schuhe und einen goldenen Ring mit einem kleinen Brillanten. Ihr Portemonnaie enthielt 87 M. Ihr Taschentuch ist L. gezeichnet� Unbemittelte MaM« und Darmkranke werden in der Poliklinik, Karlstr. 20s, nach Rückkehr deZ Leiters wieder wochentäglich 10—11 unentgeltlich behandelt. J»r Zoologischen Garten isl kürzlich eine Sumpfantilope geboren morden, die unter der Pflege der ebenfalls in Berlin geborenen Mutter vorzüglich gedeiht. Diese stattliche westafrika- nische Art ist dadurch besonders auffallend, datz der Bock nicht nur etwa die doppelte Größe des weiblichen Tieres hat, sondern auch ganz anders gefärbt ist, und daß außerdem bei dieser Form nur das Männchen gehörnt erscheint, während bekanntlich bei sehr vielen Antilopenartcn die Geschlechter sich sehr ähnlich sind. Der junge Bock hat zunächst die rote Farbe seiner Mutter und wird erst später schwarzbraun. Im Zoologischen Garten kostet an diesem ersten Sonntag im Monat März der Eintritt während des ganzen Tages mir 25 Pf. pro Person,_~ Vorort- JVacbncbtem Schöneberg. Zum RathauSneubau. Durch das Grundstück, das die Stadt- gemeinde Schöneberg für den Bau deS neuen Rathauses vorgesehen hat, zog sich der alle Mühlenweg, dessen Fluchtlinien zwar schon vor Jahren aufgehoben worden sind, der aber bisher noch dem Vor- kehr diente. Die von der Polizei nunmehr eingeleitete Einziehung des alten Weges, soweit er durch das RaihauSgrundstück geht, war von der Berlinischen Bodengesellschaft angesochten worden. Am 2. März hat jedoch das OberverwaltnngSgericht»mter Vorsitz des Senats- Präsidenten Dr. Schultzensteil» endgültig dahin erkannt, daß der Einspruch der Bodengesellsckast gegen die Einziehung dieses Teiles deS alten Mühlenweges unberechtigt ist, weil die Vorteile, welche dieser GrundstückSeigentümerin durch die Neuanlegung anderer breiterer Straßen im Westgelände erwachsen, die etwa eintretenden Nachteil« der Einziehung weit übertreffen. Die Stadtgcmeinde Schöneberg ist nunmehr in der Lage, mit dem RarhauSneuban un- derzüglich zu beginnen. Die Bestellung der Materialien ist bereits erfolgt. Die Grundsteinlegung wird jedoch voraussichtlich, ohne daß die Bauarbeiten dadurch aufgehalten werden, erst in einigen Wochen erfolgen, nachdem der neugewählte Erste Bürgermeister sein Amt angeirete» haben wird. Steglitz. ?n der Gcmeindevertretersitzung am Freitag teilte der Vorsteher aß die abgehaltenen Fisch-Kochkurse reges Interesse er» weckt hätten und daß sich deshalb der Deutsche Seefischereivercin entschlossen habe, mit den Veranstaltungen fortzufahren. Die 5kurse werden wieder in der neuen Gemeindeschule am Play g) stattfinde» und zwar am 1(5., 17.. 23., 24.. 30. und 31. März, nachmittags 5 Uhr. Zur Einrichtung eines Zimmers im Gymnasium für Lichtbilder- Vorführungen zu Lehrzweckei, wurden 1500 M. und der gleiche Betrag zur Anlchaffung eines Projeklions- apparates bewilligt. In diesem Frühjahr soll der durch den „Schülerspielplatzverein Grunewald" auf forstfiskalischem Gelände an- gelegte Schülerspielplatz in Benutzung genomnien werden. Diel cm Verein, der von Groß-Berliner höheren Lehranstalten ins Leben gerufen ist sähnlich wie der Schülerruderverein Wannsee), sind auch unsere höheren Sckulen mit einem Jahresbeitrag von 1200 M. beigetreten. Bei Bewilligung dieses Beitroges im vorigen Jahre sprach die Gemeindevertretung den Wunsch aus, daß der Spielplatz Sonntags und mindestens an einem Wochentage auch den hiesigen FortbildungS- und Volksschülern über- lassen werden möge. Dieses Zugeständnis ist erzielt worden. Auf Antrag deS Gemeindevorstandes wurde nun be- schloffen, den VolkS- und FortbildungSi'chülern, die in Begleitung der Lehrer den Spielplatz besuchen und dazu die Grunewaldbahn benutzen wollen, den Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt an Wochentagen auf je 5 Pf. zu ermäßigen. Weiter wurde einem U eb erg an g S t a ri fe zwischen den Kreis- Bghnen und der Grunewaldbahn zugestimmt, der sich jedoch nur auf MonatS-, Schüler- und Arbeiter-Wochenkarten bezieht. Die Ausdehnung auf Einzellarten ist u. E. ebenso dringend not- wendig. Die jetzt in Berlin domizilierende Steuerveranlagungs- lommission des Kreises Teltow wird nach unserem Orte übersiedeln und in einem von unserer Gemeinde aus dem ehemaligen„Kirchen- acter* zu erbauenden Dienstgebäude Unterkunft finden. Die Mittel hierzu, und zwar 35 000 Mark Krunderwerbs- und 165 000 Mark Baukosten, wurden bewilligt. Ein Antrag betreffend Versorgung von Steglitz mir frischen See- fischen wurde von der Reckten zunäckst bekämpft. schließ. lich aber doch der Markitommissio» überwiesen; aller Boraus- ficht nach wird er dort sein seliges Ende finden, weil die Mehrheit eine Schädigung des Mittelstandes befürchtet. Zum Schluß wurden abermals 2000 M. zu einer EinlveihungSfeierlichteit bewilligt, und zwar des neuen Elektrizitätswerks, das am 1. April in Betrieb genommen werden soll. Unsere Genossen bekämpften niit Rücksicht auf die ungünsttge Finanzlage die Verwendung von Ge- ineindemittel» zu F e st g e l a g e n und vertraten die Ansicht, daß man mit viel geringeren Mitteln auch eine würdige Eröffnungsfeier veranstalten könne. Die Versammlung glaubte jedoch auf die kulinarischen Genüsse bei solcher Gelegenheit nicht verzichten zu können und bewilligt« gegen die Stimmen unserer beiden Genossen die 2000 M. Lichtenberg. Ueberfall eines Geisteskranken auf ein junges Mädchen. Gestern früh gegen 7 Uhr wurde in der Caprivi-Allee die achtzehn- jährige Gertrud Würiemberg, die Milch ausgetragen hatte, von einem Manne, der ihr schon längere Zeit gefolgt war, hinterrücks überfallen und zu Bode» geworfen. Als der Fremde das Mädchen zu vergewaltigen versuchte, entwickelte sich zwischen der sehr kräf- tigen W. und ihrem Angreifer ein heftiger, verzweifelter Kampf, im Verlaufe deffen das Mädchen zahlreiche wuchtige Faustschläge in das Gesicht erhielt und schließlich die Besinnung verlor. In diesem kritische» Augenblick nahte ein Fuhrwerk, bei dessen An- Näherung der Wüstling die Flucht ergriff, während sein Opftr von Passanten nach Hause geschafft wurde. Zwei Stunden später wurde an der Oschahnbrücke ein Arbeiter von einem Manne über- fallen, der dabei jedoch an den Unrechten kam und von erjterem nach der Polizeiwache gebracht wurde. Hier stellte es sich heraus, daß der Eingelieferte identisch war mit dem Manne, der das Sittlichkeitsattentat auf die Gertrud Würtemberg verübt hatte. Der Täter ist ein geisteskranker 46jähtiger Arbeiter Karl Wolf ays der Caprivi-Allee 43 in Lichtenberg, der bsr�its wiederholt in Irrenanstalten interniert gewesen ist. i Treptoiv-Baumschulenweg. Ein folgenschwerer Banunsall ereignete sich gestern mittag aus dem Grundstück der Teppichfabrik von Feibisch, Kiefholzstraße 23/29. Dort wird gegenwärtig ein Erweiterungsbau des Fabrikgebäudes vorgenommen. Gestern brach Plötzlich, wie man uns mitteilt, infolge von Ueberlastung das Gerüst zusammen. Dabei wurden zwei auf dem Bau beschäftigte Maurer und ein Steinkarrer so schwer verletzt, daß sie mittelst Krankenwagen nach dem Krankenhause gebracht werden wüßtem Lankwitz. bebauten betragen.* Einem Antrag der Kirchengemeinde, die Lehrer- stelle von dem Kllsteramt zu trennen, wurde zugestimmt. Eine Intechellation des Genosse» Teurig wurde m nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Dieselbe brachte die Vergebung von Stein- setzerarbeiten zur Sprache, bei welcher sich drei Firmen verbunden hatten, um höhere Preise zu erzielen; die Firmen sollen in Zukunft von Gemeindearbeiten ausgeschlossen werden. In den VerwaltungS- rat für die Fortbildungsschule wurden die Genieindevertreter Hilde brandt und Teurig, sowie Tischlermeister LobS, Direktor Geier und Buchdrucker Müller gewählt- Ober-Schöneweide. Bom ftaisersteg in die Spree gesprungen. Die Verzweiflungstat eines Selbstmordkandidaten rief vorgestern hier Anstehen hervor. Ein in den dreißiger Jahre» stehender unbekannter Mann stürzte sich von der höchsten Stelle deS KaiserstegS in die Fluten der Spree hinab. Es wurden sofort vom Ufer aus Rettungsversuche unter- nommen, die auch Erfolg haben sollten. Der Lebensmüde wurde geborgen und in völlig besinnungslosem Zustande nach dein Kranken- hause gebracht. Tempelhof. Die hiesige Genoffenschaftsbank» der etwa 200 Mitglieder an- gehören, befindet sich gegentt'ärtig in einer schweren Sltuation. Schon jetzt, so wird berichtet, steht fest, daß der Kassierer der Bank, Kaufmann Kranz, die Geschäfte in einer überaus liederlichen Weise geführt hat. Die Bank soll um 140—150 000 M. geschädigt sein. Kranz ist bereits verhaftet. Mi» der Grundsteuernrimuitg, die nicht die Genehmigung beS KreiSauSschusies gefunden hatte, hatte sich nochmals die letzte Ge- meindevertretersitzung zu beschäftigen. Der Paragraph derselben lautete:„Die Grundsteuer soll bei unbebauten Grundstücken höher sein als bei bebauten." Der Kreisausschuß verlangte nun. daß für die unbebaulcn Grundstücke ein Höchstsatz angegeben werde; eS ist diese« zwar nicht GesetzeSpflicht, aber der Ausschuß hat bisher in der Praxis danach gehandelt. Aus Zweckmäßigkeitsgründen beschloß die Vertretung, sich dem Wunsche zu fügen und hinzuzusetzen:„Die Steuer darf für unbebaute Grundstücke höchstens das Dreifache der Friedrichshagen. Gemcindcvertretersitzullg. Zu dem Bebauungsplan für den ölt- lichen Gemeindcbezirk teilte Bürgermeister Dr. Stiller mit, daß derselbe infolge EinspluchS eines Anliegers und durch das Abkommen mit dem Rentier Goldmann Abänderungen erfahren habe. Die Ver- legung der Straße 66 weiter östlich sei notwendig geworden. Der Plan sei nun fertiggestellt und die Vennestungen beendet. Der Regierungspräsident habe seine Zustimmung gegeben, so daß die polizeiliche Genehmigung erfolgen könne. Das ZusannnenlegungS- verfahren nehme seinen Fortgang und eS werde nach Ziistinunung der Gcnernlkommission niit den Anliegern wegen der Vmteilnng der Parzellen verhandelt. Die Vertretung stimmte der Abänderung des Bebauungsplans debattelos zu.— Die PflasterungS kosten der MyliuSgartenstraßc belausen sich inklusive der Erwerbökosien des für die Durcklegung angekauften Grund slückS auf insgesamt 27 664.32 M. Der Gemeindevorstand schlägt vor, die Kosten nach folgendem Plan zu verteilen: Die Erwerbs- kosten deS angekauften Grundstücks gehen mit Rücksicht aus das vor- liegende BerkehrSinlereste zu Lasten der Gemeinde. Zu den Pflasterungskosten sind die Besitzer der alten Grundstücke mit 50 Proz. und die Besitzer der durch die Durchlegung erschlossenen Grundstücke mit 75 Proz. heranzuziehen. Die Gemeinde hat somit 13045,16 M. und die Anlieger 14 549 M. zu zahlen.— Zum Ersatz des vor dem neue» Knabenschnlhause schadhaft gewordenen Pflasters empfiehlt die Tiefbaukommiision, mit geräuschlosen, Pflaster einen Versuch zu mache», um Störungen des Unterrichts durch den Wägern verkehr zu vermeiden. Die Komniission schlägt vor, hierzu Teerbeton seine Mischung von Steinen und Tecrinastej zu verwenden. Die Koste» würden zirka 7l00M. betragen. Der Vorschlag der Koinmissioli wurde jedoch nach längerer Debatte abgelehnt, da über die Haltbarkeit deS vorgeschlagenen Pflasters nock nicht genügende Erfahrungen gesainmelr sind. Der Gemeindevorsiand wurde beaufttagt, einen neuen Kostenanschlag vorzulegen, nach welchem gutes Steinmaterial zur Pflasterung ver- wendet werden soll.— Der Geineindevorstand beantragt, aus dem Sport- und Spielplatz eine UnterkunflShalle zu errichten, da in weitem Umkreis kein Schutz gegen plötzlich eintretendes Unwetter vorhanden sei. CS soll ein Schuppen von vier Meter Breite auf einer 62 Ouadratmeter großen Fläche errichtet werden. Di« Er- richtung deö Schuppens soll arbeitslosen Zimmerern übertrage» werden. Benoste Sonnenburg ersuchte um Zustimmung deS Antrages, gleichzeitig auf den unbrauchbaren Zustand der auf den» Sportplatz befindlichen Brunnen hinweisend. Der Bürgermeister sagte die ordnungsniäßige Herstellung der Brunnen zu. Ebenfalls soll in dem neuzuerrichtende» Schuppen ein Brunnen ausgestelli werden. Auch soll im Frühjahr auf dem Plag ein« Halle für alkoholfreie Getränke, Milch usw. eröffnet werden. Der Antrag des Vorstandes wurde einstimmig angenmnmen.— Von dem Jahres- bericht des Armen« und Krankenpflegevereins, der von der Gemeinde jährlich subventioniert wird, nahm die Vertretung unter Anerkennung der hilfreichen Tätigkeit deS Vereins Kenntnis. Der Bürgermeister empfahl, bei der ftarken Inanspruchnahme der Krankeniossen die Armen- und Waisenpflege einer Reform zu unterziehen. Genosse Sonnenburg wünicht, in Zukunft auch Frauen in die Armen- kommisfionen hineinzuwählen. Der Bürgermeister sagt« dies zu Er werde demnächst den Gemeinbevertrelern einen Vortrag hallen, zu welchem auch der Armen- und Krankenpflegeverein eingeladen werde.— Alsdann teilte der Bürgermeister mit, daß der Zahnarzt Bodlaender den Ort verlassen bat und dadurch das Äbkoinmen hin- fällig geworden, was zwischen ihm und derZGemeinde getroffen. ES sei deshalb mitdem Zahnarzt WeSky verhandelt, derberen sei, die Schulkinder zu untersuchen und unbemittelte Kinder unentgeltlich zu behandeln. Vertreter Dr. Behling und Genosse S o n n e n b u r g beaw tragten, für die Zahnpflege der Schulkinder Mittel in den Etat ein- zustellen. Die Schulhygiene auch auf die Zahnpflege auszudehnen, fei eine soziale Pflicht der Gemeinde. Der Antrag wurde zur Etat- beratnng zurückgestellt.— Der Bürgermeister gibt noch bekannt, daß zum erstenmale die Sbitiirientenpriifung an, Realgymnasium stattgefunden habe. Sämtliche Prüflinge haben das Reifezeugnis erhalten. Dadurch sei das Gymnasium als Vollanstalt anerkannt. Trebbin(Kreis Teltow). Die Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer letzten Sitzung, die Summe von 2822,77 M., die infolge der Nachzahlung auf die Lehrergehälter als Mehrausgabe entstanden fft, in den Etat «inzustellen. Ter Kämmereikassen« sowie Wassernxrtseiat wurde auf Zlntrag deS Genossen Richter vertagt. Bei der Verlesung eines von der Stadt in der„Arbeitgeberzeitung" aufgegebenen Inserats, das alle vier Wochen eingerückt wird und jedesmal 12 M. kostet, nahm Genosse Richter das Wort. Redner betonte: Daß die Stadt auf diese Weise für Heranziehung von Industrie und Unter- nehmungen sorge, sei ja ganz schön, aber in der Bürgerschaft wirke es befremdlich, daß gerade Herren aus der Verwaltung ihre Betriebe nach außerhalb verlegen. Vor Jahren habe das damalige MagistratSmitglied Herr Wer' ermann seinen Betrieb nach Zülllchau verlegt. Derselbe habe zwar versucht, hier zum Aufbau einer neuen Fabrik Land zu kaufe», mußt« dies aber aufgeben, weil zu kolossale Preise dafür gefordert wurden. Dieser Zustand werde auch in Zukunft nicht beseitigt werden, denn die Stadt selbst habe kein Land und die Kirchengemeinde sowie die günstig ge- legencn Besitzer forderten sehr hohe Preise. Jetzt habe sogar der Beigeordnete Herr Zigarrenfabrikant Schurig einen neuen Betrieb in Süddeutschland errichtet. Ter Bürgermeister meinte hierzu, daß er mit Herrn Schurig sehr eingehend über diese Sache ge- sprachen habe. Derselbe habe sich ihm gegenüber auch geäußert, baß er gerne am Ort seinen Betrieb vergrößern würde, wenn er Arbeiter bekommen könnte. Da ex aber auf seine Annonce keine Arbeiter erhielt, habe er sich anderwärts niederzulassen entschlossen. Genosse Richter betonte demgegenüber, daß es nicht an Arbeits- kräften gefehlt habe, sondern die Verlegung geschehe der billigeren Löhne wegen. Herrn Schuria seien in großer Zahl Tabakarbeiter und«Arbeiterinnen vermittelt worden, die er aber nie eingestellt habe. Nachdem noch deZ längeren über den etwaigen Vorortverkehr gesprochen worden war, trat Schluß der Sitzung ein» Adlershof. Die nächste Sitzung der Gemeindebertretuiig am Donnerstag wird sich u. a. mit der Lnstellung eines Gemeindedesinfektors, der Vergebung des Anschlagwesens sowie der Uebernahme von Kreis- chausseen beschäftigen. Deutsch-Wusterhausen. Die letzte Geiileiudevertreiersitztmg veschäftigte sich mit dem Etat 1911. Derselbe schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 10 150 M. gegen 9174 M. im Vorjahre ab. Die Einkommensteuer- zuschlage sind von 200 Proz. auf 260 Vroz., Grund- und Gebäude- steucr von 300 auf 390 und Gewerbestener von 300 auf 890 erhöht worden. Die Entschädigung des Gemeindevorstehers ist von 400 auf 600 M., die des SteuererheberZ von 150 auf 200 M. erhöht worden. Ein Antrag eines Vertreters der ersten Klasse, über Etat und Titel 1: Entschädigung deS Gemeindevorstehers und Steuer- erHebers getrennte Abstimmung vorzunehmen, wäre mit fünf gegen fünf Stimmen angenommen worden, wenn nicht der Gemeinde- Vorsteher durch seine Stimme die Ablehnung des Antrages herbei- geführt hätte. Genosse Schuft zog gegen die Borberater beS Etats zu Felde. Trotz der Finanzmisere deS OrteS werde für den Gemeinde- Vorsteher und Sieuererheber eine höhere Entschädigung eingesetzt. Durch die hohen Steuerzuschläge würden die zahlungsfähigen Mieter voi» Ort ferngehalten. Es fei eine Schande, daß auch diesmal die bereits zlveimal beantragte Anschaffung einer Lampe für das SitznngSzimincr unterbleibe. So werde man auch später bei dem dürftigen Licht, welches die geborgte Lgmpe des Schullehrers aus- strahle, tagen müssen. Der Etat wurde mit 6 gegen 3 Stinnneir unserer Genossen angenommen. Bemerkenswerterwcise verließ der Antragsteller für die getrennte Abstimmung vor der Abstimmung daö Sitzungszimmer. Die Arbeiterschaft erfleht hieraus, wie notwendig es ist. daß bei der stattfindenden Geineindevertreterwahl in diesem Monat unser Kandidat, der Genoffc Schuft mit großer Mehrheit gewählt wird. Weiftensee. Zur Frage der Einführung der Arbeitslosenunterstützung kann berichtet werden, daß für das laufende Etatsjahr wohl noch keine Mittel im Etat bereit gestellt werden. Die Etatskommission hat sich von dem mit der Durchdcarbeitung vertmuwn Assessor Dr. Brandt Vortrag halten lassen. Danach ist der von unseren Genossen eingereichte Entwurf zu weitgehend, weil die Einrichtung der Ge- meinde jährlich 15 000 M. kosten würde. Das von dem Herrn vor- gebrachte Material wurde von den Genossen Fuhrmann und Taub- mann swrk angezweifelt, und«ine letzte gemeinsame Beratung ver- langt. Unsere Genossen mußten einige Aendcrungcn des Entwurfs zugestehen, wollte man nicht die ganze Vorlage zu Fall bringen. Es wurde das Vcvsprechen gegeben, die Vorlage nicht fallen zu lassen; nur die Kürze der Zeit gestatte es nicht, schon jetzt Mittel im Etat vorzusehen. Potsdam. Der Bericht der Schulärzte gibt einen interessanten Einblick in den Gesundheitszustand der Gemeindeschüler. Leider gibt der Magistrat denselben für die Oeffentlichkeit in seinen Einzelheiten nicht bekannt, Er teilt nur mit. daß nichts Auffallendes zu be- richten sei. allerdings auch nichts Abschließendes, denn die Tätig- keit ist noch eine sehr kurze. Erst seit April 1909 sind acht Schul- ärzte angestellt, früher waren es nur drei. Zur Hebung des Er- n ä h r u» g s z u st a n d e s hat der Magistrat verschiedentlich ein- greifen müssen. Es sind viele Rückgratsverkrümmungen festgestellt, so daß man in diesem Zusammenhange an die Ein-, führung deS orthopädischen Turnens denken will. Von den Einzel- heiten wird nur mitgeteilt, daß Stabsarzt Dr. Rummel, der an der 6. Gemeindeschule tätig ist, sich die Mühe genommen hat, alle Kinder zu untersuchen. Merkwürdigenveise ist die Konstitution dieser Kinder durchschnittlich besser als die aller anderen Ge- meindeschüler. Die Kinder kommen aus der inneren Stadt. Aber auch da sind sehr viele Rückgratsverkrümmungen. Wie wögen erst die Befunde an den anderen Schulen sein. Die Einrichtung einer Zahnklinik wurde von den Stadtverordneten abgelehnt. Kaufmanns- und Gewerbegericht. Im Jahre 1310 sind beim Kaufmannsgericht 38 lim Vorjahre 35) Klagen angestrengt worden. Erledigt wurden durch Vergleich 13. durch Anerkenntnis 1, durch Zurücknahme 6, durch AersäumniSiirteil 5, durch Endurteil 6, auf andere Weise 8.— Beim Gewerbegericht sind in derselben Zeit 124(135 im Vorjahr) Klagen anhängig gemacht worden und zwar von Arbeitern 108, von Arbeitgebern 16. Die meisten betrafen Objekte unter 20 M. Es sind durch Endurteil nur 29 von den 124 Klagen erledigt, durch Vergleich wurden 54. durch Versäumnisurteil 16. auf andere Weile 22 erledigt. Zu ihrer Erledigung bedurften weniger als eine Woche: 9, 1 bis 2 Wochen: 16, 2 Wochen bis 1 Monat: 4 Klagen. Kpanda«. Die Leiche eines»eugeborenc» Kindes ist vorgestern aus einem Spreearm nahe dem Abzugsgraben der Gewehrfabrik gelandet worden. Ein Arbeiter der Militärwerkstätten, der an der Berliner Chaussee spazieren ging, bemerkte im Wasser«inen Gegenstand, der darin auf- und nicdertauchte. Er holte ihn an« Ufer;«» war eine alte Markttasche, die ein Paket enthielt. Als dessen auS leichtem Stoff bestehende llmbnllung, die zusammengenäht und mehrfach verschnün war. geöffnet wurde, erblickte man die Leiche eines neu- geborenen Kindes, daö ungefähr ein« Woche im Master gelegen hatte. Der Leichnam ist nach der Friedhofshalle an der Gatower Straße geschafft worden. Kanfmänuische Kranke»- Dienstag, de» 7. Februar, fwatze IS/IS- Sitzimg, und Tterbekasse von 1888.(E. abends tz Uhr, im Reftanrant », 71,) Tide»- «vitter, ingöNderil.Ii, vom 6. März 1011. Setter Swmemre 7S6WNS Hamburg verlw Arantl,a VI München Wien 760 WNW UaüW 762 NA j i 764 JB! 1761 WNW U looltig 3 wollig 3 wollig 1 wolkig 8 wolkig 4 heiter »tt B» Ii CMUaea «iiäl'l y ii i taoaranda 756 N »ter-burg 748 NO Sctlly 762 NW tO-eroeev| Baris Setter tt s 757«ZW 764 NO 2 bedeckt—7 I Schnee 0 S wollig l 7 1 N egen 4 Ihalbbd,—0 Wettrrvrognyfe für Dienstag, den 7. März 1011, Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit germgm Niederschlüget, und mäßige,, westlichen Winden. Berliner Wetterburea«. «aiferftandS.Nackrlcktev der LandeSanstalt für GewSsserlunde. mitgeteilt vom Berliner Wetterdureau. vasserstimd Memel, Tlllit S r e g e l, Jnstervurg Deichsel, Tboru Oder. Ratibor » krollen , Aranliurt Warthe. Sckrilmn , LandSberg Netz«, DoroaulM S l b e. Leilmerttz , DreSde» , varby , Magdeburg Wasierftand Saale, Brochlitz Havel, Spandau , Natbenow') Spree, Svrrmbergl , Beeslow Weier. Münden , Minden N h« i o. MarimiIianSau » Kmck Köln Neckar, Heilbrom» Main, Wertheiw R» I« l. Trier '1 4- SedeiUet Wuch».- Kall.—*) Unlerveael.— H Seit 110, Uhr .------------«Äffet. nsscritandi vormittags EiSgang.— EiStreiben.—'•) Eisfrei, am 6. morgens Waf ferst and: 410 cm.—•) Am 6. morgens! 316 erg.— Hö'""' 417 cm am 5. um 4 Uhr morgen». Turnverein Mitgl. des Arbeiter- Gegründet am S. Aug. ISA). „Ficlrte" Turner- Bundes. Geschäftsstelle: Koppenftr. 24. Tonnerstag, den 9. März d. I., abends 8 Uhr: Lnaffnimg der 5. Frauenabieilung iu der 83. 33. Gemeindest, ule, Dieffenbachstr.«V/Kl. DM" Einschreibegebühr 33 Ps.— Monatlicher Leitrag KV Pf."Mg Im Beitrag ist die monatlich ericheinende BundcSschrist„VI« Voraerli»" sowie daS„SlittelJiuigsblatt" des Vereins mit einbegriffen. 288/14 Tumeiten: Kontag and Donnerstag, 8—10 Ulir- abends. Mitglieder, welche sich am Eröffnungsabend anmelden, sind vom Einschreibegeld befreit. Ausnahme neuer Mitgsieder in der Tun, Halle. Iaht der VSesie der Gegenwart cXU}enitl xu fial'en Nur echt in roter Packung Teilzahlung ister Anzahlung in beliefert auf bequeme bei kleinster Anzahlung in kannter Güte• (mit größter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.Colin, Gr. Franklurtepstr. 58 V. Rnbe's Festsäle, um Feuerstein, Alte Jakobitrasie 75, Fernsprecher Amt I Nr. 857. Empfehle meine Säle zu Versammlungen und Festlichkeiten. Oster- feiertage und Gonnabende im April zu vergeben. Prachtvoller Garten mit Bühne zu Eommersesten. GrnpeS ranzschule. MSL" ' � � l ■■:\-.< •'.Sk;/- C qaretten Beste Qualitäten Thealer und Vergnügungen Dienstag, den?. März. Ansang?>/, Uhr. Königl. Opernhaus. Die Zauber- siöte. Königl. ZchausPiclhauS. Zopf und Vchweri. Neues löiiigl. Opern-Thealer. Bauernpolitik. Deutsches. Othello. Seffing. Die Wildente. Neues Schausptelhau». Faust ll. Teil). Oammerlpiela. Lanzelot. (Ansang S Uhr.) Ansang« Uhr. Homilche Over. La Traviata. .Kleines. Der Lcihgardift. Neues Operetten. 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Friedrlclt-Wiltielmstddtisclies Schauspieltiaus. ir�8 Uhr, 2 xS Mittwoch: Krieg im Friede». Donnerst, u. Freitag-2X2— 8. Sonnabend: Hvsgunst VarKthSater- Festsäle und Klnematograpli norm. Groterjan. Jnbab.: ftud. Merz, •ebönbauice OtUee 120. Tel. 8. 0353 I-ebendu Photographien. Eintritt 80 u. 40 Ps.. Kinder die Hälfte. Ans. 7 U.. Sonnt. 4 U. Vorzugekarten, mir wochent güWg. 23 Ps. aus allen Plätze»,«tet« wechf. Prsgram». Ab 8 Uhr- 10 Meitstlldt-Attrllktiovka. Abend« 0-/, Uhr: Berlins Sensation t Alwin Ne n ß Beregta;— Hüte Dich! in Wetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große Nu»Nattung«revue in 7 Bildern o. I. Frumd Musil v. B Hollaender. In Szene gesetzt von Dir. R Schnitz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. MM» Ans. 8 Uhr. Boroerlaus U— 2 Uhr. Zwei Schlager: Line verlorene I�acdt. Lr, Sie und Er mit Anton und Donal Herrnseld in den Sauvlrollen. KöaigstadMUsino. Hvlzmarltstr. 73. Gänzlich neues Programm. Elsa LOeehon, Soubrette. Ernst Klelnert, Humorist. CJaire u. Mariha Budzlnska. 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Manm'lädt. Musik v.©. Steffens. Kassenetöffming 7, Anfang 8 Uhr. Reicbsliallen-Tlieater. Stettinar Sänger, Zum Schlich: Knhllcke« Variete-Theater. Burlesk« von Meysel. Ansang Wochentag» « Uhr Sonntag» 7 Uhr. Sport-Palast Zirkus Busch. Dienstag, 7. März, alids. 7'/, Uhr; flrande solree tquestre. Großer Gala-Abend. Auftreten des berühmten Schuir. Herrn Georg Burkhardt-Foattil m. seinen brillanten Freiheltsdress. flsstapiel d. Horm Dir. Pierre Althaff und Frau Direkter Adele Althaff mit ihren»l.gemtan rreiVi.itsdressuren. 8 Gebr. Fratelliala, urk. Clowns. Um O'j, Uhr zum 76. Male: „Armin." Gr. Volks-Manege-Sohaustück Vorhor Casino-Theaten Laidrwger Straße 37. Täglich 8 Uhr |lur noch kurze Zeit: Der große Sehlager der Saison! Julie Wippchen, Semit. 31;, Uhr: Der Oberg«»,, er. LICHTSPIELE. MOZART- SAAL. Nollendorf-Platz. Beginn 4 Uhr. Folies Capriee. Täglich«'/. 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Verlag- Vorwärt�d�k���" i.«»Mwi. z Stilajt ilcs„itontärte" Sttlintt öplkülilülf.>-»»>>>,» DEUTSCHE BAU K. Geschäftsbericht für das Jahr 1910. Wir berichteo Ober das einundvierzigste Geschäftsjahr unserer Bank. Die günstige Konjunktur, von der wir in unserem vorjährigen Berichte sprechen konnten, hat weitere Fortschritte gemacht. Aber die Entwicklung vollzog sich nicht ohne Störungen. Nach der schweren Welt-Handelskrisis von 1907 bedurfte das wirtschaftliche Leben zu seiner Gesundung einer längeren Periode relativer Schonung und Ruhe. In Eurona verlief diese Rekonvaleszenz mit der wünschenswerten Stetig keit; in den Vereinigten Staaten jedoch war bereits 1909 ein verfrühter Optimismus zum Durchbruch gekommen, dem im Berichtsjahre eine starke Ernüchterung folgen musste: über zwei Milliarden Dollars betrug die Summe der an Shares erlittenen Wertverminderung auf dem New Yorker Kurszettel während des ersten Halbjahres 1910. Die durch die angedeuteten Vorgänge erzwungene Einschränkung und die Besserung der Handelsbilanz der Vereinigten Staaten scheint jetzt auch das amerikanische Wirtschaftsleben, von dem das europäische in zunehmendem Masse beeinflusst wird, auf eine gesündere Grundlage gebracht zu haben Deutschland blieb von so gewaltsamen Bewegungen verschont. Eine gute Getreideernte und steigende Absatzmöglichkeiten für die deutschen Erzeugnisse auf fremden Märkten förderten die wirtschaftliche Tätigkeit auf dem inländischen wie auf dem ausländischen Markte, wenn auch die meisten Warenpreise dem Erzeuger nur einen bescheidenen Nutzen gelassen haben. Der Kapitalreichtum Deutschlands ist allerdings noch nicht so gross wie der Grossbritanniens und Frankreichs; aber das deutsche Nationaleinkommen steht in Europa nur noch dem englischen nach, und auch die Ersparnisse haben Zahlen erreicht, an welche die vorige Generation nicht zu denken wagte Die Einlagen bei"deutschen Sparkassen haben sich seit 1875 verachtfacht; sie betragen jetzt zwischen 15 und IC Milliarden Mark. Der deutsche Effektenmarkt nimmt alljährlich für erheblicl mehr als drei Milliarden Mark neue Werte auf, darunter 10 bis 20% ausländische. Diese ausländischen Anlagen sind für die deutsche Volkswirtschaft zu einer Notwendigkeit geworden. Sie dienen häufig und gerade in Zeiten hoher Zinssätze zur Ausgleichung der deutschen Zahlungsbilanz. Trotz einiger bedauerlichen Verluste, die vor mehr als zwanzig Jahren das deutsche Kapital infolge Nichterfüllung der von auswärtigen Staaten eingegangenen Verpflichtungen betroffen haben, ist das durchschnittliche Ergebnis deutscher Anlagen in ausländischen Werten ein überaus erfreuliches gewesen und hat das deutsche Nationalvermögen nachweisbar um viele Hunderte von Millionen vermehrt. Obgleich unsere Emissionstätigkeit hauptsächlich und vorzugsweise auf die Ausgabe inländischer Wertpapiere gerichtet ist, hat auch die Deutsche Bank, unter sorgfältiger Prüfung und Erwägung jedes einzelnen Falles, an dieser Einfuhr fremder Werte in massvollen Grenzen teilgenommen und darf darauf hinweisen, dass seit einer langen Reihe von Jahren kein von ihr an die deutschen Börsen gebrachtes ausländisches Effekt notleidend geworden ist. Aber sogar an Effekten, die vor zwanzig Jahren notleidend waren, hat die deutsche Volkswirtschaft grossen Gewinn erzielt: wir erinnern an die Werte der Northern Pacific Bahn, die längst zum grösseren Teil mit bedeutendem Gewinn für die deutschen Erwerber in das Heimatland zurückgeflossen sind oder dahin jederzeit verkauft werden können. Nach den vorläufigen Ausweisen hat d'e dentschc Einfuhr(ohne Edelmetalle) im Berichtsjahre um 82 Millionen Mark zugenommen, die Ausfuhr um 872 Millionen. Die Statistik zeigt, dass Deutschland im Welthandel die zweite Stelle einnimmt. Ft betrug im Jahre 1910(in Millionen Mark, ohne die Edelmetalle): (Die Berechnung setzt M. 20,40— 1 Lstrl., M. 4.50— 1 Doli., M. S1L0— 100 Fs.. die Durchfuhr— in Orossbritannien allein 104 Millionen LstrL ausmachend— nicht berücksichtigt.) Die deutsche Eisenproduktion ist annähernd ebenso gross wie die Gross* britanniens und Frankreichs zusammengenommen; sie wird dagegen von der nordamerikanischen in normalen Jahren allerdings um das Doppelte übertroffen. Auch die deutsche Zahlungsbilanz war eine befriedigende; es sind Aber 110 Millionen Mark Gold mehr eingeführt als ausgeführt worden. Der im vergangenen Jahre so viel besprochene Rückgang des Kurses der deutschen Staatsanleihen hat seit einigen Monaten einer langsamen, aber um so gesünderen Besserung der Rentenkurse Platz gemacht, dank einer zweck- mässigeren Behandlung des Marktes und der Ankündigung, dass keine neuen Emissionen von Reichsanleihe und Preussiscbcn Konsols im laufenden Jahr an die Börsen kommen sollen. Der deutsche Effektenmarkt würde übrigens eine solche Neuemission auch gut vertragen können, wie die leichte Aufnahme einer Reihe deutscher Staats- und Kommunalanleihen beweist, wenn nnr weiter geeignete Massregeln ergriffen werden, Käufer in den Markt zu bringen: in erster Linie durch die Tilgungskäufe, die wenigstens im Reichsetat in an gemessener Höhe vorgesehen sind, in zweiter Linie und namentlich durch die Sparkassen. Es wäre vergeblich und ein Fehler, die Erreichung besserer Rentenkurse durch Zwangsmassregeln gegen die Banken zu versuchen. Die den Banken anvertrauten Gelder müssen vielmehr im wesentlichen in flüssigeren Aktiven angelegt werden, in Wechseln, kurzfristigen Vorschüssen und dergleichen Noch verkehrter würde es sein, nach dem russischen Vorbild die Aktiengesellschaften aller Art anzuhalten, ihre Reserven ganz oder teilweise In Staatsanleihen festzulegen; erreicht würde damit nur, dass eine grosse Zahl der 5000 bis C000 deutschen Aktiengesellschaften Schulden aufnehmen oder ihr Kapital vermehren raüssten, um Staatsanleihen zu kaufen. Dagegen führt der von einzelnen Bundesstaaten schon früher, wenn auch zum Teil ohne die erforderliche Konsequenz, bcschrittene Weg durch gesetzlich vorgeschriebene Arvlagekäufe der Sparkassen sicher zu dem Ziel der Hebung der deutschen Rentenkurse. Die deutschen Sparkassen verwalten den dreifachen Betrag fremder Gelder, wie die in Frage kommenden Banken zusammengenommen. Wenn nur ein erheblicher Teil der jährlichen neuen Sparkasseneinlagen von jetzt durchschnittlich 600 Millionen Mark in Staatsanleihen angelegt werder müsste, würden nicht nur die Sparkassen allmählich die dringend erforderliche bessere Liquidität erlangen, sondern diese Käufe würden auch, wie im gesamten Ausland, die wesentliche Stütze für die Rentenkurse werden. Der starke Preisfall der englischen Konsols ist nach- gewiesenermassen. ausser der Schuldenvermehrung durch den Transvaalkrieg, hauptsächlich auf das Nachlassen der Käufe des Savings Bank Fund zurückzuführen. Diese Käufe betrugen 1896 noch über 15 Millionen Pfund Sterling und fielen in den nächsten Jahren bis auf Null, weil höher verzinsliche Koloaialanleihcn etc. als Anlage der Spargelder gestattet wurden. Mit dem Fallen des Kurses der englischen Konsols ist dann auch der Zinsfuss für alle Kommunalanlelhcn, Pfandbriefe u. s. w. gestiegen, genau wie in Deutschland. Die Deutsche Bank besass am Jahresschlnss nominal M. 127 745 500.— in deutschen Schatzanweisungen, sowie Anleihen des Reiches und der deutschen Bundesstaaten; je noch ihrem Charakter s'nd diese Anlagen unter Wechseln. Schatzanweisungen. Effekten oder, sofern sie noch in einem Syndikat gebunden sind, unter den Konsortialbeständen verbucht. Die Bautätigkeit litt im Berichtsjahre schwer unter der Drohung der Reichs- Wertzuwachssteuer. Wir befürchten, dass der Ertrag dieser Steuer nicht im richtigen Verhältnis stehen wird zu den Schwierigkeiten ihrer Erhebung und der Beeinträchtigung des Grundstückverkehrs, ferner auch, dass dem Reich mehr durch Verminderung der Umsätze entgehen wird, als die Wertzuwachssteuer In ihrem Reinerträge einbringt. Auch dieses neueste Steuergesetz dürfte zur Erdrückung der schwächeren Existenzen beitragen, wie es das Börsengesetz getan hat. Die Deutsche Uebersselscne Bank hatto abermals ein gutes Jahr, verteilt 9% Dividende und wird sidh nächstens1 auch in Brasilien etablieren, wozu die Vorbereitungen schon seit längerer Zeit getroffen waren. Die Zahl unserer K o n t o ko r r e n t v e r b« n d u n g e n bei der Zentrale, einschliesslich der bei unseren Depositenkassen in Berlin und seinen Vororten geführten Rechnungen, betrug am Schlüsse des Berichtsjahres 172 995 gegen '67 661 im Vorjahre. Die Einwirkungen des Schcckotempels sind noch nicht überwunden. Allein bei unseren Berliner Depositenkassen wurden 220 C00 Stück Schecks weniger eingelöst als im Vorjahr, auch die Zahl der durch Verrechnung eingelösten Schecks zeigt einen ähnlichen Rückgang und beweist, dass die Abnahme des Scheckverkehrs nicht etwa nur bei unserem Institute stattgefunden hat. Die Zahl der bei unserer Bank überhaupt geführten Konten belief sich beim Jahresschluss auf 238 701 gegen 227 985 Ende 1909. Die in regelmässigen Abständen von zwei Monaten stattfindende Veröffentlichung des Status der führenden Berliner Bankinstitute ist auch von vielen Provinzbanken eingeführt worden. Uebcr Vereinheitlichung des Schemas dieser Veröffentlichungen und Einfügung weiterer Einzelheiten in die Zwischenbilanzen schweben Verhandlungen Der Reichsbankdiskont betrug im Durchschnitt 4,346%, gegenüber 3,92% in 1909, also mehr 0,426%; der Berliner Prlvatdistxjnt erhöhte sich von 2,87% in 1909 auf durchschnittlich 3,54% im Berichtsjahre. In dem höheren Zinssatz drückt sich die grössere Lebhaftigkeit des Geschäftsganges und die dadurch bedingte Steigerung der Nachfrage nach Kapital aus. Während des Berichtsjahres gingen bei der Zentrale an Wechseln ein und aus 3 956 702 Stück im Gesamtbeträge von M. 15 778 671 322.08; ein Abschnitt betrug somit im Durchschnitt M. 3 087.83 gegen M. 3 985.74 im Vorjahre. Die Zahl unserer Beamten hat sich abermals gesteigert, und swar von 5384 auf 5816 am Jahresschluss. Die neuen Filialen Konstantinopel und Brüssel haben zu diesem Zugang erheblich beigetragen. Der Beamten-Fürsorge-Verein ist auf dringenden Wunsch seitens der Beamten unserer ausländischen Niederlassungen auf diese ausgedehnt worden. Ausserdem wurde den Beamten der Deutschen Ucberseeischen Bank sowie der Deutschen Treuhand-Gesellschaft der Beitritt ermöglicht. Insgesamt gehören dem Verein zurzeit 5593 Versicherte an. Der Beitrag der Deutschen Bank für das erste auf elf Monate beschränkte Geschäftsjahr betrug M. 928 808.62 und wird sich nach der jetzigen Mitgliederzahl in 1911 auf mehr als M. 1200 000.— stellen. Mit der Errichtung des Vereins hatten wir zurückgehalten. bis durch die zweite Denkschrift des Reichsamts dis Innern zu dem Gesetz betreffend die Versicherung der Privatangestellten in Aussicht gestellt war, dass Hauskassen neben der für das Deutsche Reich zu errichtenden Reichsversicherungsanstalb a's Ersatzkassen anerkannt würden. Im Widerspruch mit der Denkschrift macht der kürzlich veröffentlichte Gesetzentwurf den Fortbestand der Hauskassen unmöglich, auch wenn sie, wie unser Verein, auf versicherungstechnisch solidester Grundlage und in der Hauptsache auf freiwillig übernommenen Opfern des Arbeitgebers aufgebaut sind. Der Entwurf lässt Hauskassen zwar dem Wortlaut nach bestehen, enthebt aber ihre Mitglieder nicht von der Versicherung bei der Reichsversicherungsanstalt und nötigt die Hauskassen, aus ihren Mitteln entsprechende Beiträge an die Versicherungsanstalt abzuführen. Da nun die Versicherungsanstalt bei ihrem kostspieligen Verwaltungsapparat nicht gleiche Leistungen wie Hauskasaeo gewähren kann, würden, falls der Entwurf Gesetz wird, die Versicherten(an beiden Stellen zusammen) für die gleichen Beiträge geringere Renten erhalten, wie bei alleiniger Versicherung bei der Hauskasse. Durch das Gesetz in der eingebrachten Form würde unseren Beamten also nichts gegeben, nur genommen; sie empfinden die drohende Massnahme als eine zwangsweise Entziehung erworbener Ansprüche ohne Entschädigung. Um die Wirkungen ziffernmässlg zu illustrieren, hat unser versicherungstechnischer Beirat in einer Aufstellung die Pensionen berechnet, die ein Beamter erhielte, wenn er allein bei unserem Verein und wenn er dem Entwurf gemäss gleichzeitig bei dem Verein und der Reichs Versicherungsanstalt versichert wäre. Er hat für den Eintritt in die Versicherung ein Alter von 20 Jahren und M. 1500 als Anfangsgehalt angenommen, welches sich jährlich um M. 100 erhöht. In diesem Falle würde die Kürzung, wenn die Invalidität unmittelbar nach der zehnjährigen Wartezeit eintritt, auf mehr als 50 Mark pro Jahr, bei Eintritt der Invalidität in höherem Alter auf bis über 700 Mark jährlich sich stellen! Mit unseren Beamten hoffen wir, dass das Gesetz derartige Wirkungen vermeiden nnd, in Würdigung der sozialen Bedeutung von Hauskassen als Bindeglied zwischen Chef und Angestellten. Ersatzinstitute insoweit zulassen w'rd, als sie ohne Einschränkung der Freizügigkeit ihre Aufgaben erfüllen. Die Abschreibungen auf Immobilien haben wir höher greifen müssen als fki Vorjahr, da der bei der Zentrale und verschiedenen Filialen zur Errichtung erweiterter Bankgebäude erworbene Grundbesitz durch den Abbruch alter Gebäude eine Wertverminderung erfährt. Im öffentlichen Interesse Hessen wir uns, gleich anderen Instituten, bereit finden, für die notleidenden Gläubiger der Niederdeutschen Bank ein Opfer von zirka M. 120 000.— zu bringen; der genaue Betrag steht noch nicht fest, Ist aber von uns in runder Summe abgeschrieben worden. �„Für Steuern u r d Abgaben hatten wir M. 3 352 181.59 zu zahlen; für Stempel sind ausserhalb des Unkosten-Kontos zu Lasten der betreffenden Rechnungen ausserdem erlegt worden M. 4 537 538.23. ,,*us dcm Reingewinn des Berichtsjahres wiederum M. 400 000.—• für Zahlung der Talonsteuer reserviert. Auf unsere einzelnen Geschäftszweige übergehend, berichten wir folgendes Unser Bruttogewinn ist abermals beträchtlich gewachsen, namentlich die Provisionserträgnisse Aber auch die Unkosten zeigen eine dauernde und be deutende Steigerung. Im Berichtsjahre sind die Unkosten noch in ausser gewöhnlicher We'se vermehrt worden durch den Hinzutritt der Filialen in Konstantinopel und Brüssel; auch erscheinen unter Unkosten erstmals unsere Beiträge zu dem Beamten Fürsorge- Verein in Höhe von M. 928 808.62, während Im vorigen Tahrc ein ähnlicher Betrag(M. 909 000.—) für den Siemens-Fonds erst dem Reingewinn entnommen wurde. In dem beigefügten Gewinn- und Verlust-Konto geben wir neue Einzelheiten ül>er die an die Leiter unserer Geschäft« geflossenen und für die Beamtenschaft aufgewendeten Beträge. Wir proponleren die Verteilung der gleichen Dividende von 1214% unter Erhöhung des Vortrages um M. 901 428.83. Unser Gesamtumsatz betrug 112.1 Milliarden Mark gegen 101,78 Milliarden im Vorjahre. Die uns von Kreditoren und Einlegern anvertrauten Beträge sind im Berichtsjahre bedeutend gewachsen, ebenso unser Akzept. Demgegenüber haben wir Sorge getragen, auch unsere jederzeit leicht greifbaren Aktiven entsprechend zu erhöhen, so dass durch diese letzteren etwas über 67% unserer gesamten Verpflichtungen gedeckt sind(prozentual etwas mehr als im Vorjahre); unt�r der üblichen Einrechnung der Vorschüsse auf Waren und Warenverschiffungen zu den jederzeit realisierbaren Aktiven beträgt die Deckung sogar über 77%. Am Ende dieses Berichts geben wir eine graphische Darstellung, welche die Entwicklung der Deutschen Bank veranschaulicht und namentlich auch die Wiederau f steigende Kurve nach Erholung von der allgemeinen wirtschaftlichen Krisls vrn 1907 gut erkennen lässt Das überseeische Geschäft war lebhaft. Unsere sämtlichen alten Filialen haben sehr gute Ergebnisse gebracht. In Wiesbaden erwarben wir das seither gemietete Grundstück unserer Depositenkasse nebst einem Nebenhause, auf dem ein Vergrösserongsbau für die gewachsenen Bedürfnisse unseres Geschäfts aufgeführt wird. Die Filiale Konstantinopel entwickelt sich, wie wir erwartet hatten, nnr langsam, aber auf gesunder Grundlage; sie bezog im Berichtsjahre fhr definitives Heim in Oalata. Die Brüsseler Filiale hat ihre Organisation ausgebaut und ihren Kundenkreis erweitert. Die erheblichen Ein- rkhtungakosten der Filiale baten wir abgeschrieben. Ertrag unserer.»Dauernden Beteiligungen" enthält die Dividende für 1909 auf unseren Besitz an Aktien der Deutschen Ueberseeiscben Bank(9%), der Bergisch Märkischen Bank(S%%), des Scblesischen Bankvereins(U/4%), der Hannoverschen Bank(U/4%)» der Essener Credit-Anstalt(8�4%), des Essener Bankvereins(7%). der Rheinischen Creditbank(7%). der Deutsch-Ostafrikanischen Bank(9%%), der Privatbank zu Gotha(7%), der Württembergischen Vereinsbank(7%), der Kiedcrlausitzer Kredit- und Sparbank A.-G.(5%), der Oldcnburgischcn Spar- und Lcih-Bank(6%), der Süddeutschen Bank(6%). der Mecklenburgischen Hypotheken- und Wechsclbank(14%) und der Deutschen Treuhand-Gesellschaft(15%). Diese Institute haben sich ohne Ausnahme erfreulich und kräftig weiterentwickelt. Unsere Anlagen erhöhten sich durch Ausübung des Bezugsrechts auf einige Ncuausgabon einzelner Institute, die wir als bekannt hier übergehen dürfen, und verminderten sich durch Verkauf einiger Teilbestände. Insgesamt ergibt sich hiernach eine Verminderung unserer Dauernden Beteiligungen" um rund zwei Millionen. Unsere Eisenbahn-Unternehmungen in der Türkei hatten ein gutes Jahr zu verzeichnen. Dank einer glänzenden Ernte in Kleinasien, aber auch infolge der freieren Bewegung unter dem neuen Regime, hoben sich die Steuercingänge wie auch die Eisenbahn-Einnahmen, während sich die Zuschüsse der türkischen Regierung zu den garantierten Einnahmen der Bahnen entsprechend verminderten. Im Falle der Makedonischen Eisenbahn-Gesellschaft erhielt die Regierung für das Berichtsjahr, an Stelle der früher erheblichen, allmählich entbehrlich gewordenen und verschwundenen Subventions-Rechnungen, einen nennenswerten Gewinnanteil. Die Anatoliscbe Bahn-Gesellschaft wird wiederum 5% Dividende verteilen und in der Lage sein, ihre durch drei vorangegangene Missjahre geschwächten Reserven aufzufüllen. Das Rollmaterial sowie die Speicher- und Hafenanlagen in Haidar-Pascba vermochten kaum dem grossen Verkehrsbedürfnis während der Erntemonate zu genügen. Ein von uns geführtes Konsortium unternahm im Berichtsjahre die Konvertierung der 5% igen Obligationen der Gesellschaft von über 150 Millionen Francs auf-»14 die Operation wurde mit vollem Erfolge durchgeführt, und das Syndikat konnte sich im neuen Jahre auflösen. Die Bewässerung der Ebene von Konia an der ersten Teilstrecke der Bagdadbahn schreitet rüstig voran. Die türkische Regierung hat uns mit den Vorstudien zur Lösung einer ähnlichen, noch f rösseren Aufgabe in der kilikischen Ebene betraut. Während im Deutschen Ceichc rund der vierte Teil des Bodens mit Wald bestanden ist, und deshalb völlige Missernten kaum zu befürchten sind, drohen dem türkischen Bauer abwechselnd Regenmangel und Uebcrschwemmung; nur durch künstliche Bewässerung kann diesem Ucbclstand wirksam begegnet und das auf grosse Strecken verödete Land wieder früchthar gemacht werden. Die Bagdad-Baugesellschaft nahm die Ausführung ihrer Aufgaben an verschiedenen Punkten auf: von Bulgurlu, dem jetzigen Endpunkte der Bagdadhahn, wurde die Strecke über den Taurus vorgetrieben, und die Schienen haben den höchsten Punkt des Gebirges bereits überschritten; von Adana, in der kilikischen Ebene, wird nach Westen auf den Taurus zu und nach Osten gegen den Amanas gebaut. Dagegen konnte der Bau von Aleppo aus erst im letzten Quartal des Berichtsjahres begonnen werden, weil die Behörden immer wieder Aenderungen an der Linienführung wünschten, so dass die definitive Trasse erst zweieinhalb Jahre nach Abscbluss des Vertrages über den Weiterbau festgestellt werden konnte. Die 4%. O 1 1 o m a n i s c h e B a.g dad-Anieihe Serie II wurde im Berichtsjahre mit gntem Erfolg emittiert, und die Bahngcscllschnft verfügt jetzt bei uns über ein bedeutendes Guthaben, das erst in zwei weiteren Baujahren crsQhüpft sein dürfte. Die Eisenbahn- Gesellschaft Mcrsina-Tarsus-Adana war sowohl infolge des allgemeinen Aufschwunges in der Türkei, als auch durch den Bagdadbau bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Die Betriebsgesellscbaft der orientalischen Eisenbahnen nahm ottomanische Nationalität an und verlegte ihr Domizil nach Konstantinopel; sie hat überaus erfreuliche Einnahmen zu verzeichnen. Im November übernahm ein von uns geführtes Syndikat, dem fast! sämtliche ersten deutschen und österreichisch-ungarischen Institute und* Ranfcflrmen angehören, Sie rleJumstriflcne, 9areK IIa Zetta vaa Konstantinopel g a r a n t i e idUe 4% Türkische Staats« anlcihe. DUj Gesellschaft für elektrische Hock-« a 4 Untergrundbahnen in Berlä.n erfreute sich günstiger Entwicklung und wird eine etwas höhere Dividende verteilen. Die in unserem vorjährigen Bericht erwähnten nenex)- Linien befinden sieh in der Ausführung. Der Bau der De utsch-OsMtrlkaaifehen Baha alhesi sich Tabora. Seit Jahren waren wir an der Kaligewinnung im ObereUaas durch die Gewerkschaft Amölie hieteiligt. Die günstige Entwicklung dieser Gesellschaft hat ein uns beftipundetes führendes Unternehmen der Kaliindustrie, die AktiengesellschaEt Deutsche Kaliwerke, veranlasst, sich den massgebenden Eipfiusa bei den elsässiscben Kaliwerken zu sichern. Gegen Ende des Berichtsjahres beschloss der Aufsichtarat der Deutschen Kaliwerke den Erwerb«der Kuxenmajorität der Gewerkschaft Amalie zu für die Vorbesitzer sehr günstigen Bedingungen. Die Steaua Romana A.rG. für Petrolenmindnairfta verteilte wieder 8% Dividende und befindet ich In guter Finanzlage. Die Deutsche Petroleum A.-G. brachte, wie im Vorjahre. 5% Dividende zur Ausschüttung und hat eine Beteiligung an dem Kasbek-Syndikat in Grosny(Kaukasus) mit erhebliphem Nutzen abgestossen. Angesichts des wieder einmal von der amerikanischen Monopol-Gesellschaft provozierten Petroleumkrieges hielten wir es nicht für richtig, die Im Übrigen emissionsreifen Aktien der Deutschen Petroleum A.-G. an den Markt ra bringen, und haben das dafür vor Jahren gebildete Syndikat unter Verteilung der Stücke aufgelöst. Von dem Gründungsfiebcr für Petroleum- und Kautschuk-Unternehmungen, das im Berichtsjahre in anderen Länden grassierte, blieb Deutschland verschont. Von neuen K 0 n s o r t i a 1 g e s c h ft f i e b, an welchen wir nas im. Berichtsjahre als Eauptbeteiligte oder Emittenten interessiert haben und die zum grössten Teil im Berichtsjahre abgewickelt worden sind, erwähnen wir die folgenden: Uebernahme von 4% Anleihen des Deutschen Reiches und Prenatena, 4% Anleihe der deutschen Schutzgebiete, 4% Bayerischer Anleihe und Bayerischen Sehatieeheftncn, v4% Anleihe des Hamburger Staates, 4.% Anleihe der Provinz Pommern, 4% Schuldverschreibungen der Herzog!. Landeskreditanstalt Gotha, 4% Anleihen der Städte Dortmund, Düsseldorf, Dresden(durch die Dresdner Filiale), Elberfeld, Leipzig(durch die Loipsiger Filiale), Liegnitz, München(durch die Münchener Filiale), Posen. Schöneberg, Deutsch-Wilmersdorf und der Emschec Genossenschaft, 4% Pfandbriefen der Grundrenten- nnd H ypotheken- AnftaM der Btedl Dresden, 4% OesterreichiscbOT Staater Renten- Anleihe von 1910, 5% Anleihe der Republik Argentinien, 5% Ergänzungsanleihe der Tientsin-Pukow Eisenbahn, 4% äusserer Mexikanischer Konversions-Anleihe von 1910, 5% Denver& Rio Grando R R Co. Bonds. 5% 8t Louis San Francisco R. R. Co. Bonds, 4% Anleihen der Ges. für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen, 414% Anleihen der ElektöcU-äts-Lieferungs-Gesellsch&ft, der Sächsische« Elcktricitäts-Lieferu�gs Gesellschaft, der Boecker k Co., Kom- mandit-Ges., C. XleckiTnatw A.-G., Duisburger Maschinen A.-G., .Stahlwerke Richard Lindenberg A.-G., Steffens k Nolle A.-G., Dydcerhoff k Widnuum A.-G.. der A.-G. vormals Seidel k Naumann(durch die Dresdner Filiale), der Anhaltiscben Kohlenwerke, der Gewerkschaften des Steinkohlenbergwerks Graf Schwerin, Victofia-Lünen, der Aplerbecker Hütte B rügmann, Weyland& Co. A.-�., Neuen Senftenbcrger Kohlenwerke A.-G, 5% Anleihen der Gewenkachaften Moni Cenis, Heldburg, Sachsen« Weimar, Siegfried I, Volkenroda, Wcidtmannshall, der Kallwerke FriedrichshaK, der Gewerkschaft Neuhof Kaliwerke, deg Kaliwerke Niederstichsen, Aktien der Aschersleibener Maschinenbau A.- G. vom. W< Schmidt k Co. Aktien der Internatioq�den Camcra-A.-G. und Junge Aktien de« Speicherei- und Spdlitions-Ges.(durch die Dresdner Filiale), Aktien der Tränkner k* M'ürker Nachf. A.-G.(durch dio Lcipzigeg Filiale)./ Gründung � der Tempelhofer Feld Au-G. für Grundstücks-Verwertoag, „ Terrain A.-G. Holzbausenpark(durch die Frankfurter FOUI� Einführung von 4% Anleihe der Stadt Jena, 4% Pfandbrie/en der Neuen Westprenssischen Landschaft, v 4% Kommunal-Obligatfcmen der Kur- und Neum&rkischen Bfttefw schaftlichen Darleb nakassc, 4% Pfandbriefen iler Prouss. Bodcn-Crcdlt Act.-Bank nnd deg Hypothckcn-Bauk in Hamburg, Aktien Serie II der JSlektrische Licht- und Kraftanlagen A.-G� Aktien der Hohealohei«?rke A.-G. und der Gebrüder Gocdhard A.-G» KapitalerhöPvng der Commerzbank in XAhöpfc. M?? der Danzicer Privat-AkUie.v-iBank, der Deutschen Hypothekenbank in Itelnlagea, 4 der Deutschen Vereinsbroik� der Essener Credit- Anstatt, der Hannoverschen Bank der Bank für elektrische glnternehmungcn, der Russischen Bank für a uswftirtlgen Handel, der Sibirischen Handelsban/t der Allgemeinen Elektricitä Is-GescIIschaft, der Bergmann Elektricitäts--Werke A.-G., der Brown Bovcri Co. A�-tl.. der Compaöia-Barccloncsa tjo Elcctricidad. der Deutsch-Uebersecischcn Elektricitäts-Gesellschaft, der Ges. für elektrische Beleuchtung vom Jahre 1886 St. PetersfeintM des Rhein.-Wcstf. Elektrizl'ötswerks, des Bochumcr Vereins für Bergbau und Gassstahlfabrikation, der Braunkohlen- und Brik>?twerko Roddergrube A.-G., der Deutsch-LuxemburgisclF« Bergwerks- und Hüttcn-A.-G., der Gebhard. Co. A.-G., der Maniiosmannröhren-WeifV»e. der Nlcderlauzitzer Kohlemverke, der Phönix A.-G. für Bctrßjiau und Hüttenbctrieb, der Rheinischen Stahlweidie, der Rombacher Hüttenwecke, der Deutschen Kaliwerke und verschiedener anderer. Von älteren Konsortialgteohaften sind Im Berichtsjahre abgcrccluMl worden: 4% Württcmbergischo Staatsanleihe, j*•("• 4% Kaiserlich Otiomaniscbtt Staatsanleihe von 1909, � Aktien der Mitteldeutschen Privatbank. 5% Dcbcntnres der Viciorrn Falls& Transvaal Power On., Aktien der Kraftübertraeumtswcrke Rheinfcldcn, 4% Anleihe der A.-G. für IHüttcnbetrieb Meiderich, 4%% Anleihe des Georg Mhtxien Bergwerks- und IlÜtton-VercIns, Aktien der Hubertus Braun�aohlcn A.-G., Aktien der Maschinenfabrik Buckau, Aktien der Deutschen Tiefbolir-A.-G,, des Vereins Chemischer Fabrik e», der Varzincr Papierfabrik, der F. H. Hammersen A.-G. und der Voigt& Haeffner A.-G.(durch die Frankfurter Filiale), Aktien der Allianz Versich erungs-A.-G. und der Münchener Rück« versicherungs-Gescllschal i Unser Konsortial-Konto(Zentrale und Filialen) bestand am Jahreft- achlussc aus; 46 Beteiligungen an Staats- und Kommunal-Anicihen und Eisfmbahn-Gcschäften... M 14,076,603.46 255 m an Aktien und Obligationen ver- schicdena.r Gesellschaften mit..„ 17,329,370.38 24„ an Grundstftcksgeschäften mit.. ,, 7,569.211.40 zusammen mit M. 39, 175, 185.13 Das Konto eigener Effekten(Zentrale und Filialen) setzt sich zusammen aus: Staats- und Kommunal-Papieren sowie Deutschen Pfandbriefen in 131 Gattungen......... M. 42,042,713.11 Eisenbahn- u. industriellen Obligationen in 57 Gattungen„ 1,544,598.54 Eisenbahn-, Bank- u. Industrie-Aktien in 109 Gattungen„ 4,275.291.43 Diversen«................... 44.443.48 zusammen M. 47,906,846.56 Das Lffekten-Konto enthält deutsche Staatspapiere im Buchwerte �on M. 37,199,843.70. Upser ganzer Effektenbesitz besteht aas börsengängigen W-ten, indem wtr/ wie früher einige wenige nicht börsengängige Effekten durch entspreeheetzde Rcservestellung kompensiert hüben. proriweinung ziehe umztehen«! Der Aufsichtsnt hatte mit t'ss im Berichtsjahre drei Todesfälle und eines weiter im neue Jahre UU beklasren. Herr Geheimer Komme r i i e r r r"" h. M e t- I Dresden Herr Kommerzienrat Georc: Lücke, Hannover, uiad Herr Adolf Ootllnc, Hamburg. ferner das Uitglic' des Brcayj-r Lokalausschusses, Herr Konsul Johann S: idt. wurden zu unserem schmerzlichen Bedauern abberufen. Eir ehrendes Andenken bleibt>'-v Herren in unserem Kreise gesichert, in dem sie seit einer mehr- oder weniger langen Leihe von Jahren zum Gedeihen der Deutschen Back mitgewirkt hatten. Einen weiteren Todesfall in unserem Kreise brachte der erste Tag des neuen Jahres, indem Herr Minist rOar'xes'a,.'Mitglied des Lokaiausschusses in Kon- stantinopel. s-dnen Teidon erlag. Nach einer ruhmvollen Laufbahn im deutschen diplomatischen Dienst wAg er als deutscher Delegierter in den Verwaltungsrr er Dettc V» biique» Ottomane und in die"Verwaltungen unserer türkischen Gesellschaften■eingetreten. Unsere Unternehmungen haben seiner Erfahrung, seinem Rad und Urteil Ausserordentliches zu verdanken. Sein Andenket wird unveirgessen bleiben. Herr E!°- n' badi-- tji-Präsident a.D. Paul Jonas, 1P81 bis 1886 Vorstandsmitglied, dann seit beinahe 54 Jahren Mitglied de Aufsichtsrats, hat zu seineit Kollegen und unserem schmerzlichen Bedauern aus Ait'rsrücksichtcD im Netzten Monat des Berichtsjahres sein Amt niedergelegt, In d-• I okalausschuss in Bierdtan sind neu eingetreten Herr Konsul George Albrecht(Firmn, Job. Lange Lohns- Wwe. fc Co., Bremen)--d Herr Friedrich C! a�r I Biermann, Mitglied der Handelskammer(Firma Leopold Engelhard Ic Biermann, Bremen). Fh- London wurden die bishcrigjm Stollvertretcr IL A. Smart und Wilhelm Pannenborg zu Direl tionsmitgliedern der Filiale ernannt. In Brüssel wurde Herr Herman'i Dufer, seitheriger Prokurist, zum Stellvertreter leu Direktor der Filiale befördert. Mit"Wiikuag ab 1. Januar 1911 wurde Herr Berthold Kanhtali, seither stellvertre>ndes Vorstandsmitglied, den Vorstand der Zentrale berufen. Zu-n stellvertretenden Direktor wurde Herr Carl Spactb, unser bewährter Mitarbeiter in Wiesbaden, ernannt. Einschliesslich des Vortrages aus 1909 von M. 1,160,961.11, nach Vornahme der Abschreibungen auf Bankgebäude und Uobllien im Betrage von M. 3,239,805.06 uud Elickstollung von M. 400,000.— ■ r alonst er belauft sich das Erträgnis des Jahres 1910 auf........... Hierren erhaiien zunächst die Aktionäre 6% Dividende auf M. 200,000,00-—(nach§ 36b der Satzungen)■.• Von den verbleibenden........... beantragen wir...„.....„ der ordentlichen Beserv B 10% mit,.. M. 2 Ooo 098,28 für AbsobluM• Oratittkationsn an die AngestsilUn.........����2450�000—� zu(iberweieeo. Von dem übrig bleibenden Betrage von....... abzüglich M. 2 067 369.04 Vortrag auf neue Rechnung, erhalten(nach§ S6d der Satzungen) der Aufsichtarat und die Lokalausschüsse 7% Gewinnanteil mit,... M. 32,550,983.84 „ 12,000.000.— M. 30,550,933.84 4 503 098.28 U. 16 045 884.5« »78 494.62 Wir schlagen vor, von den restlichen....... M. 15 067 389.94 8�% Superdividcnde auf M. 200 000 000.— mit.„ 13 000 000,— zu verteilen und den Uebcrschuss von 5 06T 389,94 auf neue Rechnung vorzutragen. Es würde demnach erhalten: jede Aktie von Nom. M. 600,—; M. 75,—> „.,.,.,„ 1200,—:., 150,— i-» 12 Vi% Dividend«, „ ,, 1600,-;„ 200,-) Wenn die Generalversammlung unsere Anträge genehmigt, so würden sich unsere bilanzmässigea Reserven erhöhen auf: L Ordentliche Reserve A.............. 66 388 031,30 2...., B.R.K»», N.,,» ,, Lt'ZIO 579.37 Z. Kontokorrent-Reserve....." 016 653.28 zusammen M. 107 731 263,95 »- 53,59% des Aktienkapitals von M. 200 000 000,—. D s r i i n, in. Februar 311. Der Vorstand der Deutschen Bank, A. von Gwirner E. Heinemann. Dt. K Helflerich. C. Klönn». P. Mankiewilz, C. Michalowky, B. Haphtali. G. SchiStez. 2 bimse Pelerinen-Angebote Loden-Pelerinen für Herren, Damen, Knaben und Mädchen Pos. 1®MU oc'er grdnlloker imprägnierter ■ i.— Strichloden, vorri�glich im Tragen Längen: 70 80 90 cm Preis: 4.50 Mk. 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