Nr. 58, EbonncmentS'ltallnsungen: Bbonnfincntä- Preis prnmimeranda! ZZiertcljShrl� L.M Ml., vionatl. l.lil Ml., tvöchenllich 2» Pfg. frei WS HauS. Einjelne»iiimmer 5 Pfg. SonmagS. «uninict mit illuslricrlcr EonntagS- Beiloge ,Dic Neue äficll" 10 Pfg. Pojt» Mbonüctncnt: 1,10 Mark pro Monat. Gwgctrogen in die Poft-ZeitungS- PrciSIislc. Unter Kreuzband für Deutschland lind Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabomiemcnlS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Porluxal, kuutäiücn, Schweden und die Schweig, 28. Jahr«?' vlchilnt täglich außer meniass. Berliner Volksblnkt. Sie TnicrtionS'Grtüftf Beträgt für die scchSgespallcne Kolonet« geile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerkschaskliche Vereins- lind VersanunlungS-Anzeigen SO Psg. „Ktekne Hnreigen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die(öxpedttiatt ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „Sozialttcmslirat Rsrlin", Zcntratorgan der fozialdcmokrat» fehen Partei Deutfcblands. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 9. März 1911. Die deutschen fKoIonien im Jahre 1909/10. II. Südwestafrika. Die Kolonialfexe halten arohe Stücke auf Südwestafrika. Erstens, weil es angeblich eine Siedlungskolonie fein soll, zweitens weil es das Tiamantenland geworden ist. Man nimmt daher den Bericht über diese Kolonie mit besonderem Interesse zur Hand, um so niehr, als die Auffindung der Diamanten einerseits und die Einführung der Selbstver- waltung andererseits in den letzten zlvei Jahren sehr erregte Diskussionen hervorgerufen haben. Bei der Diamvntenfrage platzten bÄanntlich die Interessengegensätze scksarf aufeinander. Die in der Kolonie angesessenen Weihen, die sich auf die Diamantenfelder stürzten, hofften den ganzen Gewinn ein zuheimsen, und wüteten, als sie sahen, dah die Regierung dem Grohkapital in die Hände arbeitet. Es ging so weit, dah ein zelne kratzbürstige Heißsporne unter den braven Afrikandein rundheraus erklärten, wenn es so weiter gehe, wäre ihnen die englische Herrschaft lieber. Nicht minder regte die Selbstver waltung die Gemüter auf. Wer indessen hofft, zu diesen Fragen in dem Bericht interessantes Material zu finden, sieht sich ge täuscht. Zur Diamantenfrage macht der Bericht die philo sophische Bemerkung, man werde gut tun,„auf diesen Reich- tumzuwachs von noch unbestimmter Dauer nicht zu-grohe Hofs min gen zu setzen und ihn nicht zum Ausgangspunkt unserer Kolonialpolitik zu machen." Ferner werden ein paar ganz unzulängliche Angaben über die Tätigkeit auf den Diamanten seldern gemacht. Dah im Lande ein rasendes Gründungs. sieber eingesetzt hat, dah vorläufig nicht die wirklich ge. sundenen Diamanten die Hauptrolle spielen, sondern die Finanzoperationen, durch die Hinz und Kunz sich bereichern wollen und bei denen schliehlich die von Dernburg betörten Leutchen in Teutschland die Leidtragenden sind, weil die wenigsten von ihnen das Gold, das sie den Spekulanten an- vertrauen, wiedersehen werden— von alledem erfährt man nichts. In bezug auf die Selbswerwaltung muß mau sich mit der kargen Bemerkung begnügen, daß die Wahlen„naturgemäß einen gewissen Gegensatz der verschiedenen Berufs- und Jnteressenkreise zutage gefördert haben." Wir tun daher tvohl gut, diese Fragen hier überhaupt auszuscheiden und uns an das zu halten, worüber der Bericht wirklich etwas zu sagen hat. Im Vordergrunde steht also die Frage: wie steht es um die Aussichten der landwirtschaftlichen Produktion? Südwest ist ein Steppenland, das sich durch seinen Rtangel an Wasser auszeichnet. Gewaltige Strecken sind Wüsteneien, die niemals erschlossen werden können, Gebiete in denen dem Menschen und dem Vieh unfehlbar der furchtbarste Tod droht, der Tod durch Werdursten. Auf einem anderen Teil aber haben jahrhunderte- lang die Eingeborenen von der Viehzucht gelebt. Sowohl die Kaffern als die Hottentotten waren ausschließlich Viehzüchter und hielten Herden von vielen tausend Stück. Folglich— so schließen viele— muß doch auch die Viehzucht für die Weißen möglich sein. Es ist ein Trugschluß. Die Viehhaltung der Eingeborenen war durch das Nomadenleben ermöglicht. Ter Stamm blieb am Orte, bis die Weide abgegrast war, dann zog er weiter den spärlichen Wasserläufen nach. Der Weiße will nicht nomadisieren und ob eine andere Wirtschaft in diesem Lande möglich ist. muß sich noch zeigen. In der Lebensweise jener nomadisierenden Stämme ist die ganze Geschichte der Kolonisation von Südwest begründet und es lobnt, kurz darauf hinzuweisen.— Diese Stämme betrachten ihre Herden nicht nur als das Mittel zum Lebens- unterhalt, sie sind ihnen— was ein Europäer nur schwer be- greift— unantastbar. Fleisch essen sie nicht oder nur bei ganz seltenen Gelegenheiten, ihre Nahrung ist Milch und Pflanzen, die die Steppe bietet. Ein Rind schlachten, gilt als verwerflich und auch dazu, ein Rind zu verkaufen, entschließen sie sich nicht leicht. Aus diesen Zuständen heraus entstand eine besondere Art des„Handels": einzelne Stämme, z. B. die Witbois, entwickelten sich zu reinen Räuberbanden: sie raubten den anderen die Herden und verkauften dann Vieh, Häute und Hörner an die weißen Händler zu einem Spottpreis. Deshalb waren im Anfang der Kolonisaiionspcriode die eingeborenen Räuber die Protcgees der Kolonisten. Die Folgen dieses wundervollen Systems konnten nicht ausbleiben: die einge- borenen Stämme rieben sich in wütenden Kriegen unterein- ander auf, bis sie dann zur Verzweiflung getrieben, sich auf die Weißen stürzten. Dabei unterliegt es keinem Zweifel, daß das wahnwitzige und geradezu uiederträcksiige Vorgehen der deutschen Militärs die Hauptschuld an diesen Aufständen trug. Man vergesse nicht: am 12. April 1893 hat Majqr v. Fran�ois bei Hornkranz. das Lager Hendrik Witbois bombardiert, ein Lager, in dem nur Weiber, Greise und Kinder sich aufhielten, während der Häuptling mit seinen Kriegern fortgeritten war mit dem Entschlüsse, sich den Weißen zu unterwerfen. Alle Greuel, die die„Wilden" nachher verübt haben sollen, der- blassen gegen diesen„versehentlichen" Massenmord an den Weibern und Kjnd-ern der Witbois. Das zweite fluchwürdige Werbrechen an der Menschheit war dann die Kriegführung des Generals Trotha im letzten Feldguge, das Hineintreiben ganzer Stämme in die Turstwüste der Kalahari. wo die Weiber und Kinder zu taufenden in grauenhafter Qual verschmachteten. das„Einteilen in die Reservate" der niedergeworfenen und eingefangenen Stämme, wobei sie dem.Hunger und den Seuchen zum Opfer fielen. Geschah doch damals das Gräß- liche, daß Weiber die Frucht abtrieben oder ihre Neugeborenen mordeten, damit sie dem Schicksal entgehen, das ihnen der „christliche" Sieger bereitete. Das Resultat ist: die Einge- borenen sind dezimiert, ihr Reichtum an Vieh ist vernichtet und was übrigblieb, muß unfehlbar verkommen. Was setzen die Weißen an Stelle jener den natürlichen Be- dingungen angepaßten Wirtschaft nomadisierender Volks- stämme? Sie wollen die Farmwirtschaft einführen, es sollen Farmen entstehen, auf denen Viehzucht und Ackerbau getrieben wird. Tanrit sie entstehen können, muß Wasser geschafft werden. Von der Lösung dieser Frage hängt alles ab. Es sind Arbeiten in Angriff genommen: Staudämme werden er. richtet um das Negenwasser aufzustauen, Brunnen werden ge- graben. Aus dem Berichte erfährt man, mit welchen Schwierigkeiten das verbunden ist. Das Gouvernement unter- hält zwei„Bohrkolonnen", die im Lande umherziehen und Brunnen graben. Die eine von ihnen stellte 73 Bohrlöcher her mit einer Gesamtteufe von 2399 Meter: die flachste Bohrung war 2,5 Meter, die tiefste 74,7 Meter, die Durch- schnittsteufe 32,7 Meter. 18 Bohrlöckzer wurden aufgegeben, weil man auf hartes Gestein stieß, oder unbrauchbares Brack- tvasser jsand, praktisch brauchbar erwiesen sich nur 31(die übri- gen lieferten zu wenig Wasser). Die Kosten stellen sich auf das fallende Meter Bohrung mit 29,75 M. Ob die erbohrten Brunnen auch dauernd Wasser liefern tverden, ist noch fraglich. So liegen die Verhältnisse in dem größten Teile des überhaupt zugänglichen Landes. Wie bei diesem Wasser- mangel Viehwirtschaft getrieben werden soll, die sich nur dann rentieren kann, wenn Herden von vielen tausend Stück ge- halten werden, bleibt einigermaßen rätselhaft. Vernünftiger- weise muß man sich sagen, daß Erfolge nur da erzielt werden, wo die Wasserverhältnisse günstiger liegen, daß also nicht das ganze Land für Ackerbau und Landwirtschaft in Betracht kommt, sondern nur ein kleiner Teil. Für den Rest dürste der brave Unteroffizier recht behalten, der folgende Charakte- ristik des Landes gab: man bat ihn, eine Ansichtskarte heimzuschicken: er nahm eine Postkarte, bestrich sie mit Leim, streute Sand darauf und die„Ansicht" war fertig. Dazu kommen die periodisch auftretenden Viehseuchen, die Tsetsefliege, die die Pferdebestände dezimiert und ähnliche Herrlichkeiten. Im Berichtsjahre blieb das Land zwar von der Rinderpest glücklich verschont, aber es zeigte sich die an- steckende Lungen- und Brnstfellentzüiidung, von der man noch nicht weiß, ob sie sich nicht weiter ausbreiten wird und„Todes- fälle durch nicht anzeigepflichtige Seuchen, deren Ursprung zum Teil noch der Erforschung harrt, kamen unter den großen Haustieren recht häufig vor." Unter den Schafen herrscht die Räude, die„iiber das ganze Land verbreitet ist". Im Bezirk Gibeon trat Katarrhalfieber der Schafe auf und er mußte ge- sperrt werden: in anderen Bezirken Pockenseuclze. Deshalb ist auch sehr natürlich, wenn die Zahl der Farmen lächerlich gering bleibt. Im ganzen wurden 1041 Farmen im Privatbesitz gezählt. Verkauft wurden im Be- richtsjahre ganze 88. Diese Farmen sind riesengroß, und umfassen insgesamt über 19,7 Millionen Hektar, so daß über 1999 Hektar im Durchschnitt auf die Farm kommen. Von dieser Niesenfläche wurde ein lächerlich geringer Teil bebaut, nicht ganz 4999 Hektar. An Vieh wurden daraus gehalten rund 37 999 Stück Großvieh und 373 999 Stück Kleinvieh, aber- mvls ein geradezu lächerlicktos Resultat. Ob jemals die Farm- Wirtschaft in diesem Gebiete Bedeutung gewinnen kann, ist daher auch heute, 27 Jahre nach der Besitzergreifung, noch unentschieden.� Zweifellos aber ist, daß an Bauernwirtschaft, bei der zahlreiche Weiße ihren Unterhalt finden, gar nicht zu denken ist. Solche kleinen Farmer haben gar nicht die Mittel, um die Kosten der Bewässerung aufzubringen, die großen Viehherden anzulegen und laufen dabei Gefahr, daß ein ein- ziges Seuckienjahr sie unrettbar ruiniert. Wenn überhaupt, ist nur eine intensive Wirtsckwft, die aber trotzdem großen Kapitalaufwand erfordert, denkbar. Angesichts dieser Verhältnisse laboriert die Kolonialver- waltung in dilettantenhafter Manier herum,„fördert" die Viehzucht durch den Import teurer Rassetiere, die zumeist ein- gehen, � setzt Prämien aus. veranstaltet Ausstellungen. Das Glanz stück des letzten Jahres ist die Einsuhr von Karakul- schafcn. So recht ein Schulbeispiel dieser tollen Wirtschast. Es sind das Schafe, die die jetzt hochmodernen„Persianer"- Felle liefern. Diese werden in der Weise gewonnen, daß man die ungeborenen Lämmer aus dem Mutterleibe schneidet, denn geborene Lämmer liefen: schon minderwertiges Fell. Da also für ein Lammfell das Bstittertier geopfert wird, ist das jeden- falls eine sehr angebrachte Zucht für ein Land, wo cs darauf ankommt, erst einmal die Herden quantitativ in die Höhe zu bringen. Auf die Idee, diese Schafe einzuführen, ist das Gouvernement wohl gekommen, weil infolge der Mode Persianer- felle hoch im Preise stehen. Aber dieser hohe Preis bewirkt es auch, daß die Kirgisen in Buchara, die Perser, die Tataren der Krim, die seit langer Zeit die Karakuls züchten, ihre Herden vermehren. Das Angebot dürste daher stark steigen. Tritt eine Aenderung der Mode ein— und nichts ist weiter- wendischer als Damenmoden—, dann dürften die Afrikandcr, die auf diesen Leim gehen und auf Zureden des Gouvsrne. ments Karakuls züchten, lange Gesichter machen, wenn ihnen Preise geboten werden, die nicht entfernt die Mühe bezahlt machen, die unerfahrenen Züchtern entsteht. Vorausgesetzt, daß die Tiere überhaupt in dem Klima gedeihen und nicht von der Räude befallen werden. Wenn auf derartigen Experi- Expedition: 85CI. 68, Lindenstrasse 69» Fertisprccher: Amt IV, Nr. 1984. menten die Zukunft beruht, ist cs um die Zukunft windig bestellt. Neben den natürlichen Bedingungen des Bodens und Klimas spielt die„Arbeiterfrage" eine Rolle. Farmen in der Größe von 1999 Hektar können natürlich nur bewirtschaftet werden, wenn die nötigen Arbeiter vorhanden sind. An weiße Arbeiter ist nicht zu denken. Die Eingeborenen aber arbeiten um Lohn nur, tvenn sie die äußerste Not dazu zwingt. Tie Weißen schimpfen ob dieser„Faulheit". Eine lächerliche Be- griffsverwirrungl Es ist halt den schwärzen und braunen Menschen bisher noch nicht das Verständnis für die„gottge- wollte Abhängigkeit" aufgegangen, die es erfordert, daßhunderke schwer schuften, damit einer reich wird. Seit jeher haben ihre Vorfahren ein freies Leben geführt, warum soll ihnen das Leben zur Qual werden! Die Weißen zürnen ja auch nur der fremden, nicht der eigenen Faulheit: daß der Neger nicht für sie arbeitet, das wurmt sie! Dazu kommt noch verschiedenes. Dem primitiven Menschen ist die Einsamkeit verhaßt, er ist ein geselliges Wesen. Daher gelingt es einigermaßen, ihn zu bewegen, daß er sich zu Arbeiten verdingt, die in großen Trupps ausgeführt werden, z. B. beim Bau einer Eisenbahn. Auf der Farm aber, wo nur ein paar Leute, ein Dutzend vielleicht, gebraucht werden, erfaßt die Acrmstcn Trübsinn und sie laufen davon oder gehen zugrunde. Ein hohes Gouvernement sucht nun die Leute zur Arbeit zu zwingen. Sie hat die Hcreros aus ihrer Heimat gerissen) über das ganze Land verteilt, hindert sie am Umherstreifen. Da sie auf die Weise von ihren Herden— wie gesagt— nicht mehr leben können, so fügen sie sich schließlich zähneknirschend und versuchen cs mit der verhaßten Arbeit. Bei den Busch- leuten dagegen ist Hopfen und Malz verloren, sie können und wollen nicht arbeiten.„Sobald sie auf die Farmen� verteilt und keinem Polizeizwang mehr unterworfen sind, werden sie nach kurzer Zeit flüchtig"— heißt es in dem Bericht.„Ver» teilt"?,„Polizeizwang"?, was bedeutet das? Wer gibt den Beamten das Recht, die Leute zur Arbeit zu zwingen? Diese und ähnliche Wendungen im Bericht weisen dara�if hin, daß ein« Art Hörigkeit und Arbeitszwang ausgeübt wird. Hoffent- lich wird die Regierung: gezwungen, im Reichstag darüber Rede und Antwort zu stehen. Nur ein Stamm wird als„ar- beitswillig" gerühmt: die Ovambos, die im Norden der Kolonie leben, also in einem Gebiet mit heißem Klima. Diese „Willigkeit" ist indessen auch recht problematisch: es scheint, daß hier die Leute von ihren Häuptlingen verschachert werden: die Häuptlinge zwingen sie. zur Arbeit bei den Weißen zu gehen und zwar außerhalb der Heimat. So kommen ganze Trupps von Ovambos jetzt in die Diamantenfelder im Süden. Dort aber herrscht ein rauhes Klima und die Nahrung ist den Leuten ungewohnt. Folge: allerhand Krankheiten, vor allem Skorbut. Wohin dieser Arbeitszwang führen wird, kann man sich an den fünf Fingern abzählen. Es wird vielleicht gelingen, einen Teil dieser Unglücklichen an die Arbeit ztl gewöhnen, d. h. sie werden unter dem harten Druck der Verhältnisse aus ihren Stammverbänden losgerissen, werden zu Knechten, verlieren allen sittlichen Halt, ergeben sich dem Suff und allen Lastern des Sklaven. Ein anderer Teil wird immer und immer wieder von der Sehnsucht nach der Ungebundenheit erfaßt werden, wird gegen den Zwang rebellieren und es wird von neuem zu barbarischem Blutvergießen kommen. Wenn überhaupt die kapitalistische Farmwirtschaft da unten in Südwest gedeihen sollte, wird sie gedeihen auf einem Boden, der mit Blut über und über gedüngt ist. Dagegen gibt es kein Mittel. Wer kapitalistische Kolonialwirtschaft will, der muß wollen: Blutvergießen und Völkermord. 2mi fiachivahlen Ii» Böhmen. Aus Wien wird unS vom 6. geschrieben: Am Mittwoch finden in Böhmen zwei Ersatzwahlen zun, Rcichsrat statt, die eine große Bedeutung für die kommenden Neuwahlen, welche angesichts der prekären Lage des Ab- gcordnetcnhauscs rascher kommen können als man glaubt, haben»verden. Da sie überdies in zwei Gebieten stattfinden, die von einander sehr entfernt sind, und ihrer sozialen Struktur nach ganz verschieden, so werden sie über die Stimmungen der breiten Massen der Wählerschaft ohne Ziveifel wichtige Ausschlüsse bringen. Der eine Wahlbezirk ist der hochindustrielle des Warn 8« d 0 r f e r Gebietes, der die gleichnamige Stadt und den um» liegenden Gcrichtsbezirk umfaßt und zu den Hauptsitzen der böhmischen Textilindustrie gehört. Es ist einer der wenigen Bezirke, in denen uns das Wahlglück im Jahre 1997 nicht hold>var, obwohl die Partei einen ihrer besten und be- kanntesten Männer, den Genossen Peru er st orfer. kan» didicrt hatte. Das Wahlergebnis ergab bei der Hauptwahl folgende Zahlen: für Pernerstorfer 3999 Stimmen, für den Deutschfortschrittlichcn Pcrgelt. der bis dahin den Wahlkreis vertreten hatte. 3183 Stimmen, für den Christlichsozialen 737. für einen selbständigen Kandidaten(der zumeist das Programm der—„Naturhciler" vertrat) 638 Stimmen: in der Stichwahl siegte dann Pergelt mit 4557 Stimmen, gegen 4132 sozial- demokratische. Objektiv scheinen also die Bedingungen für einen sozialdemokratischen Wahlsieg nicht gerade günstig zu stehen, zumal man berücksichtigen»miß. daß sich die Wahlen im Jahre 1997 in einer sozialdemokratischen Hochkonjunktur abspielten, die für die Partei lange ftldjl toteSei-fcljrfit iv!rd. DüZ Mäiidat �'t durch das Ableben des bisherigen Maudatsinhabers Pcrgett frei ge- worden, und der vereinigte Herbann der Bürgerlichen kan- didiert nun einen Herrn v. Langcnhan, der bisher Sekretär des Bundes österreichischer Industrieller, der mächtigsten Uiiternehmerorganisation, war. und daneben noch den Lorzug genießt, Schwiegersohn eineS der größten der österreichischen Plusmacher, des Barons Stummer zu sein und über un- gezählte Millionen zn verfügen. Wir haben dort den Ge- nossen Dr. Benno Karpeles aufgestellt, der durch seine hervorragende Tätigkeit auf gcnossenschaftlicheni Gebiete auch den ausländischen Genossen ivohl bekannt sein wird. Als Zählkandidat kommt noch der Christlichsoziale Jerzabck in Betracht. Die Mehrheit der Wähler besteht in Warnsdorf ohne Zweifel aus Arbeitern, und die Frage ist nun, ob es die sozialdemokratische Agitation zuwege bringen wird, einen größeren Teil der Arbeiterschaft dem Jndifferentismus zu cnt- reißen, als es im Jahre der Neuwahlen möglich war. Eine ganz andere Struktur weist der andere Wahlbezirk, der von Hartmanitz im Böhmer wald, auf. Der Bezirk ist überwiegend agrarisch und die industriellen Arbeiter werden kaum den fünften Teil der Bevölkerung aus- machen. Es ist der Bezirk der Schlvarzcnbergschen Latifundien, in dem die sogenannten Zinspächter in einem eigentümlichen Verhältnis zu dem Fürsten Schwarzenberg leben, der geradezu nach einem Rest der Leibeigenschaft aus- sieht. Es ist nun gelungen, diese bäuerliche Schichte mit sozialistischen Ideen zu erfüllen und ganz prächtig zn organi- sieren. Im Jahre 1907 erhielt hier in der Hauptwahl der Sozialdemokrat 2433 Stimmen, der deutsche Agrarier 2343, ein anderer Agrarier 630 Stimmen, ein Teutschfortschritt- lichcr 1768, der Christlichsoziale 1700 Stimmen. In der Stichwahl siegte der Agrarier Grössl mit 5411 Stimmen gegen den Sozialdemokraten, der 2649 Stimmen erhielt. Unser Kandidat ist hier der Genosse Anton Weber in Kruman, ein junger, aber sehr tüchtiger Proletarier; die deutschen Agrarier kandidierten einen Landwirt namens Paulick, die Christlichsozialen einen Herrn Alois Winter. In beiden Wahlbezirken ist der Kampf sehr leidcnschaft- lich und eS ist zu hoffen, daß unsere Partei strn beiden Orten erhebliche Fortschritte machen wird. Ob die Fort- schritte so große sein werden, um zur Erringung der Mandate zu führen, läßt sich allerdings nicht beurteilen. politische deberllckt. Berlin, den 8. März 1911. Gegen den Kractkizismus. Nu3 dem Reichstag, 3. März. Bei der heute er- öffneten Debatte über den P o st e t a t wurde durch den Genossen Eichhorn ausführlich die fiskalische Betriebspolitik des Herrn K r a e t k e kritisiert. Eichhorn vertrat den Stand- Punkt, daß die Post nicht als ein Mittel zur Plus- macherei betrieben werden dürfe, sondern ausschließ- lich als ein Berkehrsinstitut, das seine Kosten zlvar decken müsse, auch allenfalls geringe Ueberschüsse abwerfen könne. Nicht aber dürfe sie als ein Schröpfkopf zur Blut- cntziehung für militärische Zwecke dem NeichSkörper aufgesetzt werden. Mit dem„KraetkizismuS" müsse es ein Ende nehmen. Hierdurch wurde daS patriotische Empfinden des Konservativen Dr. D r ö s ch e r schwer gereizt. Er überkugelte sich in loyalen Purzelbäumen und schloß mit dem Wunsch. Herr Kraetke solle sein Amt noch vierzig Jahre verwalten. worauf die gesamte Linke in ein ironisches Hochrufen aus- brach. Freudig erregt ob der Dröscherschen Huldigung verteidigte dann Herr Kraetke sein Plusinachersystem. Es gab noch ein Wahlkreisreden, dann wurde die Debatte auf Tonnerstag vertagt._ Scheingefecht. Als ein Scheingefecht bezeichnete Genosse Ströbel, der am Mittwoch bei der Fortsetzung der Generaldebatte zum KultuSetat als erster Redner im Abgeordnetenhause zu Worte kam, die Aus- einandersctzungen über den Modernisteneid. In der Tat dürfte unser Fraktionsredner damit daS richtige getroffen haben, denn noch mehr als am vorhergehenden Tage zeigte es sich deutlich, daß keine der bürgerlichen Parteien— von der Regierung ganz zu schweigen— den ernsten Willen hat, die Interessen des Staates gegen die Uebergrisfe Roms zu schützen. Zwar fielen noch hier und da einige scharfe Worte, aber schließlich lag sich alles versöhnt in den Armen. Rom und mit ihm der schwarz-blaue Block ist als Sieger aus dem Geplänkel hervorgegangen. Mit feiner Ironie hatte Ströbel die Abhängigkeit der Re- gierung von Rom und vom schwarz-blauen Block gekennzeichnet und da? erbärmliche Komödicnspiel enthüllt, treffend hatte er nachgewiesen, daß cS sich nur um ein Scheingefecht handele, daß aber niemand den Mut hat, auf die Herausforderung des Papstes die gebührende Antwort zu erteilen. Der sozialdemokratische Redner war der einzige, der die Konsequenz aus den ganzen Vorgängen zog und nachdrücklichst die Befreiung der Schule von der Kirche verlangte. Aber davon will selbst die bürgerliche Linke nichts wissen, ihr genügt es, wenn die höheren Schulen von dem Einfluß der Kirche verschont bleiben, das Volk aber will sie in ganz die- selbe Abhängigkeit bringen, wie ihre feindlichen Brüder von rechts und vom Zentrum es wollen. Der zweite Teil der Ausführungen unseres Redners war einer Schilderung des jämmerlichen Volks- schulwesenS in Preußen und einer Kritik der Haltung der Ratio- nalliberalen gewidmet, deren Verrat bei der Verabschiedung des VolksschulunterhaltungsgesetzcS er gebührend geißelte. Nachdem er schließlich noch das Märchen von der Freiheit der Wissenschaft- lichen Forschung gründlich zerstört hatte, forderte er alle freihett- lichen Elemente zur Errichtung eines Kulturblocks als Gegen- gewicht gegen den konfervativ-klerikalen Block auf. Sonderbarerweise erblickte Abg. Dr. P o r s ch(Z.) in der Rede EtröbelS die Aufforderung zu einem neue» Kulturkampf, eine Ansicht, die er selbst später auf Veranlassung unseres Redners als irrig bezeichnete. Im übrigen behauptet auch Herr Porsch, für die Erhaltung des Konfessionellen einzutreten, da bei einem Kultur- kämpf nur der Weizen der Sozialdemokratie blühen würde. Daß das Zentrum keine Ursache hat, mit der Regierung unzufrieden zu sein, bedarf keiner besonderen Betonung, die Regierung frißt ihm ja förmlich aus der Hand, und auch die Worte, die der Kultus- minister im Anschluß an den Zentrumsführer sprach, zeigen aufs neue die Abhängigkeit der Regierung von den Finsterlingen. Die Konservativen beteiligten sich nicht mehr an der Debatte. Wozu auch? Herr Dr. Friedberg knatl.), der ihnen anfangs einige scharfe Worte zurief, ließ am Schlüsse seiner Rede durch- blicken, wie sehr Ihm daran liegt, von den Junker» wieder in Gnaden aufgenommen zu werden, und dem letzten Redner aus dem.Hause« Keuo£& 35 g chnii e, zu erMern. IvW jZnev nicht, sveik sie ihn als ernsten Gegner Nicht belrachkelk. Zwar drohte der Fortschrittsmann mit der Streichung der preußischen Gesandtschast beim Vatikan, aber er ließ seinen Worten nicht die Tat folgen. Tic paar Witze, mit denen der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter die Drohung abtat, genügten, um Herrn Dr. Pachnicke von seinem Vorhaben abzubringen. Nach belangloser Debatte wurden noch einige Etatstitel bc- willigt und die weitere Beratung des Kultusetats auf Donnerstag vcrtagi._ Reichstags-Ersatzwahl im vierte» Berliner Reichstags- Wahlkreise. Die Ersahwahl für den von uns geschiedenen Genossen Singer ist auf den 10. April angesetzt. Ter Oberpräsident der Provinz Brandenburg veröffentlicht folgende Bekannt- machung: Nachdem der ReichStagS-Abgmdnete für den 4. Wahlkreis der Stadt Berlin, Privatier Paul Singer, verstorben ist, hat in diesem Wahlkreise eine Ersatzwahl stattzufinden. Ich setze daher den Tag, an dem die Auslegung der Wähler« listen zu beginnen hat, auf den 13. Marz d. I., und den Wahl- tenniu auf Montag, den 10. April d. I., fest. Gleichzeitig bringe ich hierdurch znr öffentlichen Kenntnis, daß ich für diese Wahl den Stadtrat Mielenz in Berlin zum Wahl- kommissar und den Magistratsrat Dr. BuIS in Berlin zu seinem Stellvertreter ernannt habe. Potsdam; den 3. März 1911. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg. In Vertretung: gez. von Wiitterfeldt. Wir werden in den nächsten Tagen im lokalen Teil des „Vorwärts" mitteilen, in welchen Lokalen die Wählerlisten zur Einsicht ausliegen._ Aus der sozialdemokratischen Reichötagsfraktion« In der Sitzung vom Mittwoch wurden die Redner zu den neu eingebrachten Gesetzesvorlagen bestimmt. Es werden sprechen: zu dein Gesetzentwurf über die NiederlassuugS- abmachungen mit der Schweiz Emmel; zu dem Gesetz- entwurf über die Kolonial- und Kriegskosten Ledebour und zu dem Gesetzentwurf betreffend die Reisegelder für Kolonialbcamte N o 3 k e. Zu der Patentgesetzabänderung iverden die Genossen G e ck und S ü d e k u m sprechen. Zur elsast-lothringischen Verfassungsfrage. Die„Köln. Ztg." veröffentlicht folgende offiziöse, vom Wolffschen Telegraphenbureau weiter verbreitete Beritner Meldung: „ES steht nunmehr fest, daß der Bundesrat sich gegen die- jenigcn Beschlüsse der Konimission erklärt hat, die Tlsaß-Lothringen z» einem vollen Bundesstaat machen und die Stellung des Kaisers in feinen Befugnissen gegenüber dem Statthalter abändern wollten. Wie daS nach der ganzen vorherigen Stellungnahme der Regierung anzunehmen war. hat der Bundesrat diese KommisstonSbeschlüsse als unannehmbar bezeichnet, dagegen betätigte er in bezug auf die von Elfaß-Lothrigen der- langten Bundesrats stimmen ein weitgehendes Entgegenkommen und hat sich damit einverstanden erklärt, daß Elsaß-Lothringen diese Stimmen unter einige» praktisch nicht viel bedeutenden Einschränkungen erhalten soll. Wenn sich für diese Vorschläge der Regierung in der Kommission und im Reichstag eine Mehrheit findet und wenn des weiteren an den sonstigen Grundzllgen derur- sprünglichen Regierungsvorlage keine wefent- lichen Aenderungen vorgenommen werden, so dürfte daS Schicksal der Vorlage gesichert sein. Wie wir hören, wird namentlich in süddeutschen BundeSratSkreisen die gefundene Lösung der Stimmcnfrage als sehr glücklich bezeichnet und sie begegnet auf dieser Seite nicht nur keinen Bedenken sondern voller Anerkennung.' Die Regierung scheint demnach damit zu rechnen, daß daS Zentrum eine neue Schwenkung vollzieht und die Regie- rungsvorlage in der neuen Fassung akzeptiert. Wenn den Aeußerungen der größeren Zentrumsblätter zu trauen ist. hat diese Hoffnung wenig Berechtigung. So schreibt z. V. die „Köln. Volksztg." heute in einem programmatischen Artikel: »ES bewahrheitet sich immer mehr, daß die Reichsregierung anstatt der Fortcntwickelung der clsaß-lothringischcn Gleichberechtigung die Stärkung der Kaisermacht beabsichtigt. Denn darauf läuft trotz alles gegenteiligen Geredes die Gewährung von Bundes- ratSstimmen hinaus, wenn nicht gleichzeitig ein selbständiger Träger der elsaß-lothringischen Staatsgewalt eingesetzt wird... Jede engere Ver« bindung mit der Kaisergewalt bedeutet das Gegenteil von der in Elsaß-Lothringen gewünschten Reform und wird nunmehr von allen elsaß-lothringischen Parteien und Abgeordneten einmütig abgelehnt. Als der Staats- sekretär von Bulach dieser Tage versuchte, den Nutzen der Bcr- bindung mit der starken Kaisennacht zu betonen, fand er im LandeSauöschuß keinerlei Anklang." Das ist, sollte man meinen, deutlich genug; doch das Zentrum besitzt eine gewisse Virtnosität in, Umfallen. Der Kriegöminister berichtigt abermals! Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 53 des„Vorlvärts" vom 3. März 1911 wird am Schlüsse des Artikels:„Der Kriegsministsr berichtigt" gesagt: „Dabei stellte sich auch die sensationelle Tatsache heraus, daß in jener Kommissionssitzung vom 8. Februar auch der Schatzsekretär Mermuth erklärte, von der nunmehr vor- liegenden wirklichen Bedarfsziffer keine Ahnung gehabt zu haben. Da» Schatzamt habe sich lediglich an die Zahlen des Entwurfs gehalten und halten müssen. So war selbst der ReichSschatzsckretär durch die famose Bedarfsberechnung dcS Kriegsministers getäuscht worden. Der Vorfall beweist eben wieder, wie sehr man der Re- gierung auf die Finger zu sehen gezwungen ist, falls die Oeffentlichkcit nicht das Opfer gröblichster Täuschungen werden soll." Die Redaktion ersuche ich im Einverständnis mit dem Schatz- sekretär des RcichStchatzamtes auf Grund des Z 11 des Reichs- Preßgesetzes, in der nach Empfang dieser Einsendung nächstfolgen- den, für den Druck nicht bereits abgeschlossenen Nummer des „Vorlvärts" nachstehende vom Staatssekretär des Reichsschatz- amtcs und mir gegebene Berichtigung aufzunehmen: Ueber die Maßnahmen zur Durchführung der Heeresvorlage hat Mischen dem KricgSministerium und der ReichSfinanzver- waltung stets volles Einverständnis bestanden. Die Wünsche der KriegSbertvaltung wegen Verteilung der Kosten auf die einzelnen Jahre waren dem Reichsschatzvrnt bekannt. Insbesondere war ihm auch der vorläufige Entwurf einer Kostenvcrteilung, welcher den bcidcn Referenten der Kommission ausgehändigt wurde, und welcher eine Gesamtsumme von III Millionen Mark ergibt, schon längere Zeit vorher mitgeteilt worden. Die Erklärungen dcS Staatssekretärs des ReichSschatzamteS in der Vudgetlommisiion bezweckten nicht» anderes als die Feststellung, daß jener Ver- tsilupgsplgu leine bln�vöds Krgst has..«». von Heering en, An dieser Denchtigung ist si e s k e lli? e n?, daß si's steft siegen, eine vorläufige Bemerkung des„Vorwärts" in der Nummer vom 3. März ivendet, aber die a u s f ü h r l i ih e und akte n mäßige Darstellung in der Nummer des„Vorwärts" com 7. März völlig unerwähnt läßt. Da die Berichtigung des KriegsminislerS vom 8. März datiert ist, hätte man doch eigentlich ein Eingehen auf unsere Darstellung vom 7. März erwarten sollen. Oder hat der Knegsminister ein Eingehen auf diese letzte, detaillierte und dokumentarische Dar- stellung der Vorgänge in der Kommission deshalb ver- mieden, weil sich die offizielle Wiedergabe der Er- klärungen des Reichsschatzsekretärs so schlecht i n E i n- klang mit der obigen Kolleklioerklärung des Kriegsministers und des Reichsschatzsekretärs bringen läßt's Das Miiffen und Dürfe» katholischer Redakteure. Daß der Katholizismus jedes freie Denken, jede selbständige Ucberzeugung verpönt, keine politische Freiheit gestattet, sondern daß der Katholik die vom Papste vorgeschriebene Meinung auch als Publizist zu vertreten hat, das enthüllen die„Canijiusstimmen" (12. Heft 1910). In einem Artikel„Die katholischen Redakteure" liest man über die Pflichten des katholischen Redakteurs: Er soll darauf bedacht fein, daß keine Irrlehre in die Zeitung gelangt..... Kein Uickraut bezüglich der Lehre darf sich in einer katholischen Zeitung finden, und das bezieht sich besonders auch auf den Modernismus. Der katholische Redakteur darf auch keine verwegenen, ge- fährlichen Meinungen bezüglich der Lehre und der Gebräuche der Kirche aufnehmen. Er darf keinen Schriftsteller und Redner loben, welcher Irrtümer lehrt, sollte er es in einer auch noch so schönen' Sprache tun; er soll auch keine solche Reden oder Artikel in seiner Zeitung anführen, ohne dieselbe sofort klar zu widerlegen, sonst bleibt im Geiste des Lehrers der Irrtum haften. Ter katholische Redakteur darf unter keinen Umständen Er- lasse der kirchlichen Autorität, des Papstes, der Bischöfe kritisieren, bemänteln oder einschränken. Die Kirche Gottes ist kein Parka- ment, über deren Entscheidungen man zu Gericht sitzen darf. Es ist eines katholischen Redakteurs unwürdig, despektierlich von „römischer Kurie", von einem„nicht gut unterrichteten Pajjste" zu reden usw., ein solches Blatt hört dadurch ipso facto auf, katholisch zu sein. Der katholische Redakteur darf im allgemeinen auch nicht Gesellschaften, Vereine und Institute empfehlen, aus denen das katholische Element ausgeschlossen ist; eS könnten sich sonst Katho- liken als Mitglieder anschließen und an ihrem Glauben Schaden nehmen. Alles, was den guten Sitten Eintrag tun. oder eine Gelegen- heit zur Sünde sein könnte, darf der katholische Redakteur nicht in die Zeitung aufnehmen. Er darf durch sein Blatt niemand in Versuchung führen. Die katholische Zeitung darf unter keiner Bedingung intcr- konfessionell sein, sondern muh offen den katholischen Charakter an den Tag legen. Die Tendenz, die spezifisch katholisckie Note in der katholischen Zeitung nicht merken zu lassen, ist eine Schmach für eine katholische Zeitung. Der katholische Redakteur muh die katholischen Prinzipien betonen auch in politischen und sozialen Fragen. Solche religiös farblose Zeitungen schwächen den Glau- beu und die Liebe zum Ucbernatürlicken und sind um so gefähr- licher, je mehr sie noch unter katholischer Flagge erscheinen. Der katholische Redakteur muß die weltliche Herrschaft de» Papstes immer wieder zurückverlangen. Leo Xlll. sagte zu den katholischen Journalisten:„Tretet ein für die Notwendigkeit der weltlichen Herrschaft des PaplleS, welche zur freien� Aus- Übung seines Amte» nötig ist." Die hl. 5toiigrcaation für die kirchlichen Angelegenheiten fordert die katholischen Redaktcure auf„im katholischen Volk die unhaltbare Lage des Papstes lebendig vor Augen zu erhalten, welche durch die Beraubung Roms geschaffen wurde." Im Kriege ist der Gehorsam die erste Pflicht; nur die Armee, welche einig ist. ist siegreich; die Einheit ergibt sich aus dem Gehorsam gegenüber den autorisierte» Führern. Wenn ein katholischer Redakteur gegen die kirchliche Disziplin fehlt, so verrät er die Sache der Kirche. Falsch ist es. zu sagen, daß eine Sache, die der Politik angehört, deswegen nicht mehr unter dem kirchlichen Einfluß steht, den» eine politische Sache kann� auch der moralischen Ordnung angehören, deren Richter die kirch-' liche Autorität ist. Dann steht es nicht den Journalisten und Parlamentariern zu, zu entscheiden und die Grenzen der kirch- lichen Autorität zu bestimmen. Ter katholische Redakteur muß auch Eifer in seinem Amte Naben. Er sündigt weniger durch zu großen als durch zu geringen Eifer, durch Lauheit und Kleinmut; bekanntlich dämpft die Menschenfurcht oft nur zu sehr den Eifer. Der katholische Redakteur muß die Wahrheit lieben, mit Eifer die Prinzipien verteidigen und die Folgerungen daraus ziehen. Er darf sie nie dem Zeitgeist anbequemen wollen. Er muß das Wahre wahr und das Falsche falsch nennen. Ohne Rücksicht auf Personen muß er den Irrtum, die Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit brand- marken. Wenn der Wolf unter der Herde ist, so verlangt es die Liebe, daß man ihn beim Nnmen nennt und die Schafe rettet: so sollen auch die Feinde Gottes bei ihrem wabren Namen genannt und so wehrlos gemacbt werden, sagt der hl. Franz v. Sales. So soll auch der katholische Redakteur die kirchenfeindlichen Schriftsteller öffentlich tadeln, wie sie es verdienen, aus Liebe zu den Gläubigen, um diese vor jenen zu warnen. Die Absicht entschuldigt die Kirchenfeinde nicht, denn das Gist ihrer Schriften mordet doch die Seelen. Der Eifer des katholischen Redakteurs reißt ihn dielleicht auch manchmal zu einem heiligen Zorn hin. wie Christus im heiligen Zorn die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel..hinausgeworfen" und Johannes der Täufer die heuchlerischen Pharisäer Schlangenbrut und„Natterngczücht" ge- nannt hat. So ergreift der katholische Redakteur im Eifer für die Sacke Gottes und seiner Kirche und aus Liebe zu den Seelen das zweischneidige Schwert der Wahrheit, das verwundet und heilt. Bei solchen Pflichten kann selbstverständlich von eigener Ueber- zeugung keine Rede sein. Da gibt eS nur Kieistessklavea des Papstes in Rom._ Ein Kompromis? zur �erusprechgebührenordnung. Zur Fernsprechgebührenordnung, die am Donnerstag in der Budgetkommifsion zur Verhandlung steht, ist«in Kompromißantrag eingebracht worden, den Konservative, Reichsparteiler. Wirtschaftliche Vereinigung und Zentrum unterzeichnet haben. Danach soll die Grundgebühr betragen: in Netzen bis zu 100 Anschlüssen 50 M.. bis zu 1000 Anschlüssen 00 M.. bis zu 5000 Anschlüssen 75 M.. bis zn 20 000 Anschlüssen 90 M.. bis zu 70000 Anschlüssen 100 M.; für jede angefangenen weiteren 50000 Anschlüsse 10 M. mehr jährlich für jeden Anschluß, der nicht weiter als 5 Kilometer von der Ver- mittelungösteUe entfernt ist. Statt der Einzelgebübr von 4 Pf. kann eine Pauichgebühr entrichtet werden, die bi« zu 3000 Verbindungen 80 M. jährlich, bis zu 5000 Verbindungen 130 M., bis zu 7000 Cet- bindunacn 170 3)1. und bis zu 10 000 Verbindungen 200 M. beträgt. Die Höchstzahl der von einem Anschlüsse auS zulässige» Gesprächs- Verbindungen beträgt jährlich 10 000. Krieg im bayerischen Zentrum. Von einem katholischen Arbeiter erhält die„Münchener Post" einen Artikel, nach dem in christlichen Arbeiterkrcisen wegen der Absägung des Reichstagsabgeordnetcn Echirmer in seinem bis- herigen Wahlkreise große Verstimmung herrscht. Diese Miß- strmmung sei in den letzten Tagen durch die Aufstellung ctncfi bürgerlichen Kandidaten üq ZLaUkreijs Jngolßadt, tüll was fcleufQlta fut cmt 3rüelfct!ahbibalüt b-Mprucht 5öHe, g?e?eMlH dcrstärkt worden. Weiter wird mitgeteilt, daß der Arbeiterwahl- verein der Zentrumspartei in München am 25. Februar ein Rundschreiben an all- in der Zentrumsagitation tätigen Arbeiter und an alle christlichen Gcwerkschastskartelle in Bayern versandt babc. dem folgender Fragebogen beigefügt war: . 1. Können es die Führer und Vertreter der christlichen Ar- beiterschaft verantworten, die gegen einhunderttausend zählenden Arbeiterwählcr der bayerischen Zcntrumspartci im Reichstage ohne jede fachmännische Vertretung zu lassen? 2. Sind Sie der Meinung, dag an der Kandidatur SchirmcrS unter allen Umständen festgehalten werden solle? 3. Wenn der Arbeiterschaft bei der Aufstellung von Kandidaten keine sicheren Wahlkreise zugestanden werden, was soll dann gc- fchehcn? a) Sollen sich die Arbeiter überhaupt noch an der Partei- arbeit beteiligen? b) Oder sollen in allen Wahlkreisen die Stimmen der Arbeiter aus einen Arbeitervcrtreter(Schirmer) bereinigt werden ohne Rücksicht auf die offiziellen Kandidaten? Schließlich enthält der Artikel noch die Mitteilung, daß in RegenSburg am 2. März eine geheime Konferenz sämtlicher christlichen GewerkschaftL- und Arbcitersekretäre Bayerns statt- gefunden habe, auf der die Kandidatcnfrage und die Frage der Gründung einer eigenen Tagespresse erwogen wurde. Zentrums-Sorge». Die katholischen Arbeitervereine Baherns faßten auf einer Bezirkskonferenz, die am Sonntag in Nürnberg tagte, eine Resolution, in der die Unzufriedenheit der katholischen Arbeiierkreise mit der Haltung der Zentrun,?- leitung zur Forderung von Arbeiterkandidaturen für den Reichstag erklärt wird. Mit Bedauern werde festgestellt, daß unter 3ö bayerischen Zentrumsabgeordnetcn sich bisher nur e i n Vertreter aus dem Arbeiterstande befunden habe. Da dessen Kandidatur nun gefallen sei, ohne daß bisher in anderen Wahlkreisen ein Vertreter aus dem Arbeiterstandc ausgestellt worden wäre, so ersucht die Bc° zirkskonferenz die mastgebenden Instanzen, der zweitgröstten Wähler- gruppe auch eine entsprechende Vertretung einräumen zu wollciy Im Grunde genommen, ist's gleich, ob katholische Arbeiter- sekretäre in die Zentrumsfraktion gewählt werden. Nie hat das Zentrum die Arbeiterimeressen mehr mistachtet, als seitdem die sogenannten Arbeitervertreter unter ihnen sind: Erst neuerdings hat das wieder die Beschlußfassung über die Rechte der Arbeiter in den Kranketilassen gezeigt._ Eine charakteristische„Warnung"! In M,«Gladbach wird den Zentrumsarbeitern alle nötige„Weis- heit" eingetrichtert. Es genügt deshalb, wenn das dort Eingepaukte „fitzt' und der christliche„Funktionär" fein Pensum ableiern kann. Deutlich kommt diese Auffassung in einer Notiz der Nummer 9 deS „Deutschen Metallarbeiter' zum Ausdruck, dem Blatt des zentrumschristlichen MetallarbeiterverbandeS. In dem Blatte werden, da„wiederholt Anfragen" gekommen sind, die Leser vor dem Kauf„von großen Druckwerken und Büchern" gewarnt. Die Form, in der dies geschieht, ist sehr charakteristisch für die zentrumschristliche Bildungsliebe. Das christ- kiche Metallarbeiterblatt meint, gewist sollten sich die Mit- glieder durch Lesen guter, aufklärender Bücher bilden, dazu sei aber in er st erLinie„die kleine soziale Literatur der christlichen Gewerkschaften" bestimmt. Darüber hin- auS sollen in den Ortsgruppen„einige größere Bücher zu einer Bibliothek vereinigt" werden, damit die Mitglieder sie, ohne die Bücher selbst zu kaufen, lesen könnten. „Einige' größere Bücher' ist gut I Der„Deutsche Metallarbeiter" setzt bei seinen„christlichen" Lesern und GewerkschastSmitgliedenl ein sehr geringes Bildungsbedürfnis voraus.„Lexika, Welt« geschichten, Revolutionsgeschichten. Klassiker usw." sollen aber auch die Ortsgruppen nicht anschaffen. Wer etwa als siebente- Weltwunder solch einen Schmöker einmal lesen will, wird aus die Bibliotheken größerer Bildungsvercine und auf die Stadtbibliotheken verwiesen, wo„dergleichen tdure Werke" leihweise zu haben seien. Es ist schon originell, in unserer Zeit von Klassikern als von »dergleichen teuren Werken" zu reden. Heute kaufen sich Tausende und wieder Tausende deutscher Arbeiter die Klassiker für ein paar Mark. Bei de» Zentrumschristen aber sind Klassiker und Welt- geschichte sogar für die Bibliotheken der Orts- gruppen entbehrlich, im übrigen genügen„einige gröbere Bücher" neben den M.«Gladbacher Zehn- pfennig-Broschüren! Man vergleiche, waS die sozialdemokratischen Gewerkschaften für ihre Büchereien aufbringen. In den großen Städten gibt es sehr wertvolle Bibliotheken, und selbst die kleinste Gewerkschaft in irgend einem ländlichen Dorf setzt alles daran, einen Schatz guter Bücher zu besitzen. Wenn man die zentrumSchristliche Genügsamkeit betrachtet, die an die bekannten Worte Reichenspergers erinnert. Ivird eS allerdings verständlich, daß dir christlichen Gewerkschaftler trotz ihrcS geräufch« vollen Mundwerks als Debattcr so jämmerlich abschneiden. Man versteht auch, datz die Presse der Zentrumschristen so oft über den Mangelausähigen Mitarbeitern klagt. Oesterreick. Das Vereinsrecht. Wien, 3. März. Der im?lbgeordnetenha»se heute einge- brachte Gesetzentwurf betreffend die Ausübung des V e r- einsrcchteS bringt mehrfache Erleichterungen und Vereinfachungen des Vereinswesens, insbesondere die Auf- Hebung der Kategorie der politisch enBereine und den Wegfall jeder Einschränkung deJ Vereins- rechtes für F r a u e n. frank,'eick. Tie Fremdenlegion. Paris, 7. März. Durch eine offiziöse Mitteilung wird eine römische Meldung bestätigt, wonach der Erlaß von 1910 über den Eintritt von Minderjährigen in die Fremdenlegion vom französischen Ministerrate am 1l. Februar dieses yahreS aufgehoben worden ist, nachdem der italienische Botschafter in einer Reklamation darauf hingewiesen hatte, daß die Weigerung des französischen Kriegsministers, einen minderjährigen Fremden- regionär freizulassen, mit den Bestimmungen der Haager Konven- tion in Widerspruch stehe. ßollauck. Die Behandlung der Rückwanderer iu Teutschland. Haag, 7. März. Auf Anfragen einiger Deputierter bezüglich der Schwierigkeiten, die sich wegen des Transports von Aus- Wanderern durch Deutschland ergeben haben, hat der Minister des Aeusteren schriftlich geantwortet, er habe von Anfang an versucht, die deutsche Regierung zu einer weniger Wort- kiche n Auslegung der Bestimmung zu veranlassen, wonach Auswanderer russischer Nationalität ohne regulären russischen Paß nicht durch Deutschland reisen dürfen. und er habe sich bemüht zu erreichen, daß Teutschland sich mit der anderen Garantie begnüge, daß diese Reisenden an der russischen «Grenze nicht zurückgeschickt würden. Gegenwärtig bestehe begründete Susjccht. to fccutjche jM feie russische Legierung t>ch Mer ffett AuMciZ cTmgTen, ffcr Eefaglctt Patz etfc&rt so?. Et sogt das Vertrauen, daß die Schwierigkeiten beendet würden. Was die Gerüchte anbetreffe, wonach auch andere Reisende, die nicht Auswanderer scien, von dem Verbot der Durchreise durch Deutschland betroffen worden seien« so habe er die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung hierauf gelenkt. Diese habe ohne jede Einwendung eine Prüfung versprochen und von vornherein zugegeben, daß, wenn ein Fall so liege, die Behörden einen falschen Weg eingeschlagen hätten und eine Wiederholung ausgeschlossen sei. Tie belgischen und holländischen Sozialisten zur Blissinger Befestigungsfrage. Der Plan der holländischen Regierung, die Scheldemündung bei Vlissingen zu befestigen, die angeblich auf das Verlangen der deutschen Rcichsregierung zur Sicherung Antwerpens gegen eine englische LandungSarmee zurückgeführt wird, hat in Frankreich und England großes Unbehagen erregt und sogar die Frage nach dem Rechte der Regierung zu solchen Anlagen auftauchen lassen. Um ein einheitliches Vorgehen der Sozialdemokratie der beiden Haupt- interessierten Länder herbeizuführen, haben sich acht Vertreter der belgischen Kammerfraklion, darunter Vandervelde, Anseele und Huy s ma ns, im H a a g mit der holländischen Fraktion zu gemeinsamer Beratung vereinigt, die ein völliges Einverständnis er- gab. Die Holländer betonten, daß das Recht ihres Landes zur Vornahme derartiger Arbeiten unbestreitbar sei. Sie bedauerten die Gcgcnagitation der westlichen Großmächte, die nur zur Förderung des holländischen ChauvinisinuS beitrage. Sie selbst lehnen aber die Pläne der Regierung ab: 1. wegen der Kosten von mindestens 78 Millionen Mark; 2. wegen der auch von vielen militärischen Autoritäten anerkannten Nutzlosigkeiten der Festung?- werke für die Landesverteidigung; weil die notlvendige Folge eine Verstärkung des holländischen Heeres sein würde. Tie Belgier erkannten gleichfalls das volle Recht deS holländischen Staates zur Anlegung von Befestigungen an.' Sie schließen sich iin übrigen der ablehnenden Haltung der holländi- scheu Genossen aus folgenden Gründen an: 1. ist in Belgien das Be- denken aufgetaucht, obnichtimFalle einer Verletzung der belgischen Neutralität die'Befestigung der Scheldemündung durch Ver- Hinderung des Einlaufens einer Hilfsflotte der Belagerung Ant- werpenS durch die»eutralitätsbrechende Armee dienlich sein werde; 2. lege man den Schlitz Antwerpens gegen eine LandungSarmee durch Befestigung der Mündung keine große Bedeutung bei, da die Scheide leicht auf andere Weise gesperrt, andererseits eine Landung leichl an anderen Punkten der Küste bewerlstelligt werden könnte; g. die geplanten Werke den belgischen Militaristen einen Vorlvand zu neuer Belastung des Volkes liefern würden. So kam man in vollem Einverständnis zu folgender Er- klärung: 1. Die geplanten Festungswerke bei Vlissingen haben keinen Wert für die Verteidigung Hollands. 2. Die Frage ist ohne Bedeutung für die Verteidigung Antwerpens. 3. Die Sozialisten haben alle Mittel anzuwenden, um ein Unternehmen zu verhindern, das nur im Interesse Dritter geplant ist. und daS zugleich neuen Vorlvand zur Förderung des Militarisnlus in den beiden Staaten und in ganz Europa zu liefem droht. Englancl. Die Entente mit Frankreich. London, 8. März. Unterhaus. I o w e t t(Arbeiterpartei) fragte Sir Edward Grey, ob während der Zeit seiner Amtsführung irgend eine Verpflichtung gegen Frankreich übernommen oder Frankreich das Versprechen gegeben worden sei, daß in gcwiffen Fällen britische Truppen zur Unterstützung der Operationen der französischen Armee entsendet werden würden. Der Unter- staatssekretär des Auswärtigen LlmteS McKinnon Wood ver- neinte die Anfrage. Marokko. Der Aufruhr gegen Muley Hafid. Paris, 8. März. Den Blättern wird aus FeS unter dem 3. März berichtet: Der Kampf der Truppen des Sultans mit den Scherardas fand am 1. März bei Hammud statt. Die Zaer nilternahmen einen Angriff, wurden jedoch g e s ck l a g e n und er- litten große Verluste. Mit ihren Toten und Gefangenen zogen sie sich in das Gebiet der Sidi Haffen zurück, während die Mahalla des Sultans den Marsch fortsetzte und gegenwärtig in Sbiet lagert. Ferner wird a»S FeS gemeldet, eS unterliege keinem Zweifel, daß der Aufstand der Stämme durch die Misse- taten des Groß wesirö El Glaui veranlaßt worden sei. El Glaui sei übrigens ein entschiedener Gegner der durch die französische Militärmission in der marokkanischen Armee vor- genommenen Umgestaltungen, da er befürchte, daß der Sultan, i'obald er sich auf starke Streitkräfte stützen könne, sich der Be« Vormund ung entziehen werde. Man sage auch offen, daß Glaui den Sultan, wenn er aegenlvärtig nicht von Frankreich gestützt würde, bereit» gefangen gefetzt hätte. Aeusterlich allerdings seien die Beziehungen des Sultans zu Glaui tadellos. Klmerlka. Mobilisiernng gegen Mexiko. Tie Nachrichten mis Mexiko lassen erkennest, daß die Ne« Volte gegen das Willkürregiment des Präsidenten Porficio Diaz ständig an Ausdehnung gewinnt. Im Innern des Reiches scheinen anarchische Zustände zu herrschen. Die Fremden fühlen sich bedroht und die Vereinigten Staaten wollen die Gelegenheit zum Eingreifen bcimtzeit. Zwanzig- tausend Mann, ein Viertel ungefähr der amerkanischen Armee werden mobilisiert und in Texas an der Grenze von Mexiko konzentriert. Zahlreiche Regimenter sind, einem Telegramm aus Washington zufolge, bereits auf dem Marsch nach den Sammelstellen. Andere sind bereit, aufzubrechen und warten nur auf ihre Verladung, für welche die Bahuverwaltungen auf so kurze Ankündigung hin die notwendigen Züge nicht alle stellen können. Die S ch i f f e im Atlantischen und im Großen Ozean sind damit beschäftigt, Kohlen und Lebensmittel einzu- nehmen zur Vorbereitung schneller Fahrten nach dem Golf von Mexiko bezw. nach den Geivässern von Südkalifornien. Die Bedeutung der Mobilnwchung ist auf die Lage in Mexiko zurückzuführen und auf die wachsende Wahrscheinlich- keit, daß die Dinge sich dort in einem wenigerbefriedk- gen den Zustande befinden, als die mexikanische Regie- runq behauptet. Es wird berichtet, daß der G e s u n d h e i t s- z u st a n d des P r ä s id e n t e n Diaz in der letzten Zeit seine Freunde beunruhigt hat. Man muß sich auf wichtige Ereignisse vorbereiten, denn von anderer Seite wird be» richtet, daß das Pearson-Syndikat, das große Interessen im nördlichen Mexiko hat, die englische Regierung um einen angemessenen Schutz für seine eigenen und andere aus- ländische Interessen ersucht hat mit Rücksicht auf die chaotischen Verhältnisse, die fast sicher dem Schwinden des Ansehens der mexikanischen Regierung geschweige� einem Zusammenbruch der Regierung des Präsidenten Diaz folgen inüßtcn. Die rege Tätigkeit, die plötzlich eingesetzt bat, scheint die Meldung zu bestätigen, daß der englische Botschafter Brycx angedeutet habe, England werde eingreifen, wenn die Vercinigten Ltsaten Mt scfe tun sofiten. Gutem Telegramm aus 5er Mexckos zufolge hat der Präsident gestern seinen gewöhnlichen Spaziergang in den Anlagen des Palastes gemacht und bis spät in die Nacht Staatsgeschäste erledigt, offenbar, ohne durch die Zusammen- ziehung der amerikanischen Truppen beunruhigt zu sein. Der mexikanische Minister des Aeußern Crecl erklärte, es sei augenblicklich kein Anlaß der Vereinigten Staaten süi: eine Intervention vorhanden._ Vom mexikanische« Aufstand. New Dort, 8. März. Wie aus E I P a s o gemeldet wird, haben die mexikanischen Revolutionäre bei einem Angriff auf die Stadt CasaL Grandes schwere Verluste erlitten. Der Wechsel im Ministerium. Washington, 7. März. Der Rücktritt des bisherigen Staats« sekretärs des Innern B a l l i n g e r erfolgt offiziell aus Gesiindheits- rücksichten. Sein Nachfolger Fischer trat seinerzeit energisch für den Gegner BallingerS, den Forstdezernenten P i n ch e t, im Ackerbauministerium ein, der als Anhänger der Roosevelischen Politik, die nationalen H i l f s g u e l l e n zu erhalten und sie nicht den Trusts auszuliefern, mit Ballinger wegen der Alaska- kohlenfelder-Konzesston in Konflikt geriet und von Taft entlassen wurde. Die Ernennung Fischers wird als ein Zeiche» einer Aen« derung der Taft schen Politik angesehen. Huö der parteL Ein Heim deS Sozialismus in Milwaukee. Die sozialistische Partei Milwaukecs hat das neueGeschäftshouA der Parteipresse, zugleich Verwaltungsstelle für Partei und Ar- beiterorganisationcn, bezogen: Brisbane Hall, genannt nach dem ersten amerikanischen Apostel deS Sozialismus, Albert Brisbane(1809—1899). DaS Gebäude hat eine Ausdehnung von 50 auf 152 Fuß(7(300 Quadratmeter) und enthält jetzt vier Stock- werke. Doch ist das Fundament für weitere 4 Stock- werke eingerichtet. In der Druckerei steht unter anderem die neue große Vierdecker- Siotations Maschine, die 32 Seiten l>cdruckt, einstweilen aber nur einen Tag in der Woche in Tätigkeit tritt.„Soc. Dem. Herald", der zu dem Festtage eine besondere, reich mit Bildern und der Nachbildung der früheren dortigen sozialistischen Organe ausgestattete Ausgabe veranstaltet hat, fordert zur Ansammlung eines Zcitungsfonds von 100 000 Dollar in Anteilen zu 10 Dollar auf. um die Umwandlung in ein Tageblatt zu ermöglichen. Auf gleiche Weise sind auch die Kosten des stattlichen Gebäudes aufgebracht worden, so daß auf das Zustandekommen des neuen Unternehmens in kurzer Zeit zu hoffen ist._ Gemeindcwlchlsiege. Bei der Bürgervorstcherwahl in Linden bei Han- nover ist zum ersten Male ein Sozialdemokrat in das Stadtparlament gewählt toorden. Es ist vermutlich überhaupt der erste Sozialdemokrat, der unter der sehr reaktionären Hannover- sehen Städteordnung in eine Stadwertretung der Provinz eintritt. In C l a d o w a. H.(Potsdam-Westhavelland) wurde am 8. März Genosse M o h mit 50 Stimmen gegen 24 konservative gewählt. Unsere Genossen hoben damit den zweiten Gemeindevertreier durch« gebracht. Im Vorjahr erhielt der sozialdemokratische Kandidat 39, der konservative 36 Stimmen— das Stimmenverhältnis hat sich also erheblich zugunsten der Sozialdemokratie verschoben. pollielliebes, Serlcbtlicbes ukw, Vorbeigelungen. Im Juni vorigen Jahres veröffentlichte unser Duisburgs» Parteiorgan eine Gerichtsverhandlung aus dem D.-Ruhrorter Schöffengerichtssaale, die eine Beleidigungsklage zwischen einem Polizei wacht meist er Schroeder und einem Bureau« beamtcn G r ü t g e n zum Gegenstand hatte. Letzterer warf in seiner Verteidigung dem Polizeiwachtmeister Unehrlichkeit vor, wodurch auch einige Feldwebel und Sergeanten des Weseler Bezirkskammandos indirekt mitgetroffen wurden. Der Polizei- lvachtmcistcr, befragt über die ihm vorgeworfene Hairdlungstveise, verweigerte seine Aussage und Grütgen wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Durch die Wiedergabe dieser Verhandlung sollte nun unser Duisburger Parteiorgan das Weseler Bezirks- kommando beleidigt haben. Nicht der Polizeiwachtmeister, sondern der Weseler Bezirkskommandeur hatte Strafantrag gegen Genossen Schoch von der„Niederrh. Arbeiter-Zeitung" gestellt. Das Duisburger Schöffengericht sprach Genossen Schoch frei, indem es sich auf den Standpunkt stellte, daß die wahrheitsgetreue Wiedergabe einer Gerichtsverhandlung keine Beleidigung sei. Die Presse' sei zu dieser Wiedergabe einer Gerichtsverhandlung berechtigt. Das wollte der Staatsanwalt nicht anerkennen, und so kam am Dienstag die Sacke vor der Be- rufungsin stanz zur Verhandlung. Bevor jedoch in die ma- terielle Prüfung der Sachlage eingetreten wurde, erhob Genosse Schoch den formellen Einwand, datz et ii b e r h a u p t nicht V e t- antwortlich für den Bericht sei. Aus dem Impressum ging dann auch ganz deutlich hervor, daß Genosse Sckzock nicht als Ver- antwortlichcr gezeichnet hatte. Trotzdem bemühte sich der Staats- anwalt mit Ausdauer, den Genossen Schock als Veranttvortlichen erscheinen zu lassen, legte es unserem Genossen auch zur Last, daß dieser nicht schon in der ersten Instanz die Verantwortlichkeit ab- gelehnt hatte und wollte hieraus auf ein Schuldbewußtsein schließen. Der Liebe Mühe war indes umsonst. Das Gericht er- kannte auf Freisprechung, ohne in eine Prüfung der Frage, ob das Wejeler VczirkSkommando beleidigt fei. einzutreten. Tie Parteiprrsse vor der Revisionsinstanz. DaS Reichsgericht verwarf am 7. März die Revision deS Genossen Mehlich von der„Arbeiter-Zeitung" zu Dortmund gegen das Urteil des Dortmunder Landgerichts vom 19. November, das ihn wegen Beleidigung eines katholischen Pfarrvikars mit 6 Monaten Gefängnis belegte. «Rebakteurfreuden in Finnland. Unser sinnländischer Mitarbeiter schreibt uns: Neben einigen anderen Redakteuren der finnischen Arbeiterpresse büßt zurzeit auch Genosse K. M a n n e r in HelsingforS die sechsmonatige Gefängnis- strafe ab, die ihm wegen..Majestätsbeleidigung" auferlegt wurde. Er wurde bei den letzten LandtagSwahlen(im Januar) zum Ab- geordneten gewählt, seine Wahl wurde aber, wie seinerzeit beim Genossen N u o r t e>v a, vom revidierenden Senator beanstandet, weil er nicht persönlich seine Abgeordnetenurkunde überreichen konnte! Damals wie jetzt kam die Frage vor die Kommission für VerfaffungSfragcn, aber die bürgerliche Mehrheit stimmte der An- ficht des Senators bei! So muß denn Genosse Männer, trotz seines Mandates, im Gefängnis sitzen, und seine Wähler werden, dank der Infamie der bürgerlichen Mehrheit, vorläufig ihres Vertreters deraubt. Von einer anderen Infamie einem sozialdemokratischen Re- dakteur gegenüber erfahren wir aus Tammerfors. Tort inifl- dete die VerlagSgenossenschast unseres Blattes„Kansan Leht i" den Genossen Sa uteri Auortewa als verantwortlichen Re» dakteur an. Aber der Gcneralgonverneur beanstandete diesen Genossen und verlangte die Rominierung eines.�angenehmen" Redakteurs. Er beansprucht also ein Ge n eh m i g un g s r e cht. während die Perfassung bloß die Anmeldung vorschreibt.— Diese unversckzamte Forderung des russischen TiitatorS bildet in der ziemlich reichhaltigen Geschichte der sinnischen Preßverfolgungen ein Novum und erklärt sich nur durch den wütenden Haß, den die russischen Gewaltpolitiker gezen den Genoffen Nuortelva hegen. deffen Kcglcn schlage M Landtage ihnev Lßch frisch m Gedächtnis fitzcu. Öcwerhrcbaftlicbee. Das Retcbögericht gegen ausgesperrte Hrbeiter. Vor kurzem hat das Reichsgericht ein Urteil gefällt, das den unteren Instanzen eine bequeme Handhabe bietet, die Koalitionsbestrebungen'der Arbeiter noch mehr einzuschränken, als das bisher schon der Fall ist. Das Höchstgericht hat nämlich ein Urteil der Strafkammer I des Landgerichts Hamburg sanktioniert, wonach der Kampf der Arbeiter gegen Lohn- d r ü ck e r e i seitens der Arbeitgeber— eS handelte sich um eine Aussperrung der Bauarbeiter— zu einer B e- wegung zwecks Erringung günstiger Lohn- bedingungen gestempelt wird. Ein Teil der Bauarbeiter Hamburgs war im vergangenen Jahre ausgesperrt, weil sie sich Lohndrückereien nicht gefallen lassen wollten. Der Bauarbeiter A. forderte nun auf einem Bau zwei sogenannte„freie Männer" zum Verbands- beitritt auf, widrigenfalls die Zeutralverbändler die Arbeit niederlegen würden; auch soll er sie zur Lösung von Streik- karten animiert haben, worin die Anklagebehörde einen E r- pressungsvcrsuch zum Zwecke der Bereiche- rung des Verbandes erblickte. Wäre dieses Delikt nicht herangezogen worden, dann hätte, falls„nur" der§ 153 der G.-O. in Frage käme, das Schöffengericht als erste Instanz zu entscheiden gehabt, was zur Folge gehabt hätte, daß als Ncvisionsinstanz das Hanseatische Oberlandesgericht fungiert haben würde. Dieses Gericht hat aber, wie vor einigen Monaten berichtet, ein vernünftiges Urteil gefällt, nach dem die Aufforderung zum Verbandsbeitritt unter der Androhung der Arbeitseinstellung als ein Vergehen gegen den Ausnahme Paragraphen gegen die Arbeiter(§ 153 der Gewerbeordnung) nicht betrachtet werden könne. Die Strafkammer schob die Angelegenheit auf das frei stehende Geleise des§ 153 der Gewerbeordnung und ver urteilte den Angeklagten zu fünf Tagen Gefängnis während er von der Anklage der versuchten Erpressung frei gesprochen wurde. Das Reichsgericht schlosi sich der Begründung der Vorinstanz an: „... Dadurch, daß die Zentralverbandsmitglieder sich verabredet und vereinigt hatten, um die Ausgesperrten zu unter st ützen, ist eineVerab- redung lind Vereinigung im Sinne des ß 152 der Gewerbeordnung entstanden. Durch die Unter- ftützung mit Geldmitteln sollte die Widerstandskraft der Aus gesperrten gegen die Arbeitgeber gestärkt und denselben günstige Arbeitsbedingungen verschafft werden, sofern sie nicht aus Mangel an Unterhaltungsmitteln genötigt sein sollten, die Arbeit unter den von den Arbeitgebern aufgestellten, nach ihrer Meinung un- günstigen Bedingungen wieder aufzunehmen." Ferner führt die Revisionsinstanz aus: Die weitere Bc Häuptling der Revision, es habe sich nicht darum gehandelt, günstige Arbeitsbedingungen zu erlangen, sondern die längst erlangten sich zu erhalten, stehe mit den Feststellungen des angefochtenen Urteils in Widerspruch. „Denn selbst wenn die ausgesperrten Arbeiter, wie die Revision behauptet, lediglich die Erneuerung des Dienstvertrages unter den ihnen vor ihrer Aussperrung bereits gewährten Löhnen erlangen wollten, so konnte darin vom Vorderrichter das Be streben„günstiger Lohnbedingungen" zu erhalten, ohne Rechtsirrtuin gefunden werden. Es handelte sich nicht etwa darum, die Erfüllung der bereits vertraglich fest- stehenden Verpflichtungen durch die Arbeitgeber herbeizuführen, vielmehr hatte der Dienstvertrag durch die Aussperrung sein Ende erreicht, und deshalb konnte in einer Vereinigung, die auf den Ab- schlusi eines neuen Dienstvertrages unter Gewährung der früher gezahlten Löhne abzielte, deren Herabsetzung die Arbeitgeber nach den Feststellungen des ersten Urteils bezweckten, eine solche zum Zwecke Erlangung günstiger Lohnbcdingungen gefunden werden. Für die Arbeiter bildete nämlich die Beschäftigung zu höheren Löhnen, als die Arbeitgeber zu zahlen beabsichtigen, die Erlangung „günstiger Lohnbedingungen". So werden die spärlich bemessenen Rechte der Arbeiter immer mehr eingeengt. Nimmt eine höhere Instanz mal einen den kämpfenden Arbeitern gerecht werdenden Stand' Punkt ein, dann regnet es bald wieder eine neue höchst' gerichtliche Entscheidung, an der die scharfmacherische Aus- beuterklique ihre helle Freude hat. Die gegen Ausbeutung und für Besserstellung ihrer wirtschaftlichen Position kämpfenden Arbeiter werden sich auch mit dieser Justiz abzufinden wissen._ verlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma Nie mann. Kam- mandonteiistrahe 16, sind die Kollegen in Streik getreten. Der Be- trieb ist für alle Metallarbeiter, speziell die Angehörigen der Gelb- Metallindustrie gesperrt. Die Ortsverwaltung. Die Tarifbcwcgung der Schilderanmacher und Helfer, die vom Deutschen Transportarbeiter-Verband geführt wird, macht weitere erfreuliche Fortschritte. Auch am gestrigen Tage haben wieder mehrere Firmen den Vertrag unterschriftlich anerkannt. Die Arbeit konnte bei diesen Firmen sofort aufgenommen werden. Die Zahl der Streikenden beträgt demnach nur noch 28 Mann. Einige Firmen, die noch nicht bewilligten, haben sich bereit erklärt, in Ver- Handlungen einzutreten, was am heutigen Tage geschehen soll. Der gestrige Aufruf an die Herren Ladeninhaber sowie die organisierte Arbeiterschaft, die Streikenden moralisch zu unter stützen, ist von wesentlichen Erfolgen gewesen. Fast auf der ganzen Linie haben die Herren Ladeninhaber nicht geduldet, Schilder anmacherarbeiten von Arbeitswilligen ausführen zu lassen. Nur in einem Falle ist dieser Anregung trotz Hinweises nicht Rechnung getragen worden. Es handelt sich hier um ein Geschäft in der Matternstraße Nr. 8.— Firmen, die jedes Entgegenkommen ab- lehnen, sind folgende: Otto Grund u. Co., Masscrgasse 3; Wil- Helm Bartel, Molkenmarkt 1; Koch u. Bein, Ritterstratze 43; N. E p l i n i u s, Veteranenstratze 7; P. E p l i n i u s u. C o., Schönhauser Stratze 12; P. Sonntag u. C o., Bohenstratze 11; Brillant, Reue Promenade 4; Mar Hoff mann, Komman- dantenstratze 61; Schmidt, Nixdorf, Zietenstratze 78; Schmie- del, Linkstraße 42; Borstendorf, Schöneberg, Hauptstraße 3; R. Pö tsch, Alte Jakobstr. 72; Ro go sch, in Firma Teich ert u. Planer, Schicklerstratze 5; Paul Voigt, Neue Königstr. 42; Wilh. Rumpf, Linienstratze 154z. Vorgenannte Firmen gelten bis auf weiteres als gesperrt und sind von Arbeitsuchenden aufs strengste zu meiden. Diejenigen Anmacher und Helfer, die zum Anmachen von Firmenschildern berechtigt sind, befinden sich im Besitze von Arbeiterberechtigungskarten, die auf Wunsch vorzuzeigen sind. Wer eine solche nicht vorzeigen kann, gilt als Arbeits- williger.__ Tarifabfchluh für Fensterputzer. Bei dem Glas- und FensterreinigungSinstitut „Reform", Inhaber Gebr. Moser, NW., Waldstratze, haben die daselbst beschäftigten und im Deutschen Transportarbeiter-Ver- bände organisierten Fensterputzer aus friedlichem Wege einen Tarif- vertrag vereinbart, der die Lohn- und Arbeitsverhältnisse derart regelt, daß die Arbeitszeit eine neunstündige ist und der Anfangs- lohn 26 M. pro Woche und vom 1. Juni d. I. 27 M. ohne Abzug der Versicherungsbeiträge beträgt. Außerdem ,st eine halbjährliche Steigerung des Lohnes um eine Mark pro Woche bis zur Höhe von 83 M. vereinbart. Desgleichen werden die Ueberstunden und ge- fahrvolle Arbeiten mit einem Aufschlage bezahlt; auch ist ein Sommer- urlaub vorgesehen, der je nach Dauer der Tätigkeit 3 bis 6 Tage beträgt. Die Tarifdauer ist auf zwei Jahre festgesetzt. Zu bemerken ist, daß die obengenannte Firma dem Arbeit'geberverbande nicht an- gehört.— Wegen Abschluffes eines allgemeinen Tarifvertrages für die ge- samte Glas- und Reinigungsbranche schweben zurzeit noch die gegen- seitigen Verhandlungen, und ist es nicht ausgeschlossen, daß, wenn die Ärbeitgcberorganisation in bezug ans die Lohnverbältinsse be- friedigende Zugeständnisse macht, der Friede in diesem Gewerbe auf Jahre gesichert ist._ Achtung, Schuhmacher! Der Schuhmachermeisier Banse- m e r, N. 28, Anklamerstr. 43(Bcsohlanstalt), zahlt weit unter dem Minimallohntarif. Arbeiter, die den Minimallohn fordern, werden aufs Stratzenpflaiter geworfen. Dem Organisa- tionsvertreter, der verhandeln wollte, wurde ebenfalls brüsk die Tür gewiesen. Und dabei hat die Innung, deren Mitglied Herr Ban semer ist, den Tarn vertraglich anerkannt. Nebenbei ist Herr Bansemer noch Zwischenmeister von größeren Schuh- geschäften. Wir bitten dieses zu beachten. Zentralverband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. Die Handschuhmacher der Firma Z i n t e r, Kurfürstendamm. sind am Sonnabend wegen geringer Lohnforderungen entlassen worden. Z. lehnte jede Verhandlung mit dem Vertreter der Kollegen ab. Der Herr befürchtet gewiß, daß einige Mißstände, welche in seinem Arbeitsraum herrschen und deren Beseitigung verlangt wird, einer für ihn peinlichen Besprechung unterworfen werden. Zuzug von Handschuhmachern ist streng fernzuhalten. Zentralverband der Lederarbeiter Deutschlands, Oenbkcbes Reich. Achtung, Maschiitiste» und Heizer! Die Maschinisten und Heizer auf der Oder haben an sämtliche Dampfschiffahrlsreedereien und Dampserbesitzer Forderungen ein gereicht. In Frage kommen 533 Maschinisten und Heizer. Die Lohnbewegung erstreckt sich auf den gesamten Stromlauf der Oder. Ei» Vertragsbrüchiger Arbeitgeberverbandsvorsitzender zur Räson gebracht. Der Herr Kommerzienrat Glückert, Hoflieferant usw., In- haber einer größeren Möbelfabrik in Darmstadt, schloß im Mai 1313 im Auftrage der Arbeitcrgebervereinigung der Möbel- und Parkettindustrie einen Tarifvertrag mit dem Deutschen Holz, arbeiterverband ab. Aus Grund dieses Vertrages war eine Stundenlohnerhöhung von 2 Pf. am 12. Februar d. I. fällig. Der Herr Kommerzienrat versuchte nun, die bei ihm beschäftigten Ar- beiter um diese Lohnzulage zu bringen. Kurz vor dem 12. Februar wurden 13 Arbeiter wegen„Arbeitsmangel" entlassen. Diese Maßnahme sollte die im Betrieb verbleibenden Arbeiter einschüch- tern, denn der Herr Kommerzienrat ließen diesen sagen, wenn sie auf die Lohnerhöhung von 2 Pf. verzichten würden, könnten sie weiterarbeiten. Einigen Arbeitern wollte der Herr Kommerzien- rat„freiwillig" die Löhne aufbessern. Schon vor einigen Wochen versuchte der Herr eine Durchbrechung der Montagcbestimmungen des Vertrages, doch ließ er die Finger davon als er merkte, daß die Geschichte brenzlich wurde.— Die Arbeiter riefen nun bei der neuen Vertragsverletzung die Schlichtungstommission an, diese konnte Herrn Glückert aber nicht bewegen, die vertraglichen Bedingungen, welche er unterschriftlich anerkannt hatte,«inzu- halten. Man erklärte aber dem Holzarbeitervcrbande, daß man den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes nicht schützen könne, wenn derselbe die vertraglichen Bedingungen nicht einhalten würde.— Hierauf wurde von allen Arbeitern des Betriebes die Arbeit eingestellt, auch die Fortsetzung der Montagcarbeiten in Hamburg verweigert und die Sperre über den Beirieb verhängt. Jetzt lenkte der Herr Kommerzienrat ein und verpflichtete sich, die vertragliche Lohnerhöhung zu bezahlen und den Vertrag auch in den übrigen Punkten einzuhalten. Nur der guten Organisation können es die Arbeiter verdanken, daß dieser im öffentlichen Leben in Darmstadt und Hessen eine große Rolle spielende Mann seinen mit Brief und Siegel gegebenen Versprechungen nachgekommen ist. Die Holzarbeiter der Waggonfabrik in Hagen haben am 6. März die Arbeit niedergelegt. Im vorigen Jahre war nach der Aussperrung in der Metallindustrie von der Firma versprochen worden, die Lohnverhältnisse zu regeln. Es hat auch den Anschein, als sollte dieses Versprechen eingelöst werden. In der letzten Zeit wehte aber ein anderer Wind. Kurzer Hand teilte die Firma eines Tages mit, bei der Löhnung sollten 3 M. abgezogen werden. Zu gleicher Zeit wurde einem der ältesten Arbeiter gekündigt und ge- droht, der Vertrauensmann, der zugleich Arbeiterausschutzmitglied ist, soll ebenfalls entlassen werden. Verhandlungen waren erfolglos. Die Firma sucht nun überall Arbeitswillige. Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zuckerwarcn- und Schoko- ladenfabrik von Mahn u. Co. in Wolfenbüttel unterbreiteten am 4. März den Unternehmern eine Tarisvorlage, in der als Mindest, lohn für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen 7 M., für Arbei, terinnen über 16 Jahre 8,53 M., für Hilfsarbeiter 23 M. pro Woche verlangt wird. Allen übrigen Beschäftigten, die schon diese oder höhere Löhne verdienen, sollen eine 13prozentige Lohnerhöhung er- halten. Eine Kommission, die unter Hinzuziehung eines Organi- sationsvertreters mit den Fabrikanten unterhandeln sollte, wurde kurzer Hand abgewiesen. Ein Mitglied der Kommission, das dann um Unterhandlung nachsuchte, wurde ohne Kündigung sofort cnt- lassen, obgleich es Jahre im Betrieb beschäftigt war. Wie sehr den Arbeitern daran lag, die Angelegenheit in friedlicher Weise zu erledige», geht daraus hervor, daß trotz dieses rigorosen Auftretens noch einmal ein Mitglied der Kommission vorstellig wurde, um die Fabrikanten zu Unterhandlungen zu bewegen. Diesem Arbeiter wurde ebenfalls gekündigt, er ist seit Gründung des Betriebes— 18 Jahre— bei der Firma beschäftigt. Danach blieb den BeschSf- tigten nichts anderes übrig, als zum letzten Mittel, zum Streik, zu greifen. Die Arbeitsniederlegung war eine fast vollständige, nur fünf Rausreißer verrichten Arbeitswilligendienste.— Zuzug ist streng fernzuhalten. Ein großer Tarifkampf der Former und Gicsicrciarbeiktr ist in Chemnitz, der Stahl- und Eisenstadt, dem sächsischen Man- chester, ausgebrochen. Das ungemein schroffe Verhalten der Unter- nehmer hat ihn heraufbeschworen. Seine Folgen sind noch nicht abzusehen. Zunächst sind etwas über 3333 Arbeiter beteiligt. Die Unternehmer werden aber möglicherweise die anderen Arbeiter oder doch einen großen Teil derselben aussperren; jedenfalls sprechen Aeußerungen von Unternehmerseite dafür. Bald wird es an Guß mangeln und die Hobler, Bohrer. Dreher und anderen Arbeiter müssen denn auch seiern. Die Lohn-, Arbeits- und Bctriebsver- Hältnisse, auch die Behandlung in den Betrieben der Stadt Chemnitz sind schon seit Jahrzehnten sprichwörtlich schlechte. Bisher war es aber infolge schwacher Organisation der Metallarbeiter, nicht möglich gewesen, mit den Unternehmern ein ernsthaftes Wort zu reden. Zähe Organisationsarbeit, besonders in den letzten Jahren, stärkte die Organisation derart, daß nun endlich der Zeitpunkt gekommen war, Forderungen an die Unternehmer zu stellen. Am 23. Februar wurden sie an 33 Unternehmer gesandt, auch an den Vorsitzenden des Verbandes Chemnitzer Metallindustrieller. Ein Unternehmer bewilligte; die anderen, soweit sie überhaupt antworteten, verwiesen auf den Jndustriellenverband. Dessen Vorsitzen- der aber verweigerte die Annahme des postein- geschrieben gesandten Schreibens! Schon lange hatten die Arbeiter zum Kampfe gedrängt. Der Verband hat alle fried- lichen Mittel versucht, um dem Kampfe aus dem Wege zu gehen. Nun aster gast es keinen Hakt mehr. In IS Verfammkungen nastmen die Arbeiter Stellung; in den am 6. und 7. März abgehaltenen wurde gegen vereinzelte Stimmen in schriftlicher Ab st im- mung der Streik beschlossen; dasselbe wird in den letzten, am 8. März stattfindenden geschehen. Am Tage nach den Versammlungen standen und stehen die Gießereibetriebe still. Zu 75 Proz. sind die Former und Gießcreiarbciter organisiert. Kampf- stimmung herrscht. Die gesamte Arbeiterschaft steht auf der Seite der kämpfenden Arbeitsbrüdcr, denen bei der guten Konjunktur bald der Sieg zufallen mutz.— Zuzug ist fernzuhalten! Die Belegschaft der Zeche„Bergmann" bei Witten ist wieder angefahren. Die Verwaltung versprach, über die Mißstände und Beschwerden mit dem Arbeiterausjchuß weiter zu verhandeln. Eine erfolgreiche Lohnbewegung der Angestellten der Wach- nnd Schliefigesellschaft in Mülhausen i. Elf. erreichte vergangene Woche ihr Ende. Die Angestellten sind im Deutschen Gemeinde-. und Transportarbeiterverband organisiert. Sie erreichten durch bloße Verhandlungen, allerdings nicht ohne die Vorbereitungen zum sofortigen Ausstand, der nur durch die Zugeständnisse der Gesell- schaff noch im letzten Moment verhindert wurde, den erstmaligen Abschluß eines Tarifvertrages, der Gehaltserhöhungen von 2,50 bis 7,53 Mk. pro Monat bringt, bessere Bezahlung der Heber- stunden, Regelung der Arbeitszeit, Anerkennung des Verbandes, dessen Vertreter bei Regelung von Differenzen zugezogen werden soll usw. ZZusland. Unter den westböhmischen Steinkohlcnarbeitern macht sich eine Lohnbewegung geltend. Die Belegarbeiter fordern für Häuer einen Mindestlohn von 3 Kronen pro Tag und für Taglohnarbeiter eine zehnprozentige Aufbesserung. Die Arbeiter wünschen, bis zum 24. März eine Antwort auf ihre Forderung in Händen zu haben. Die Pariser Milchkutscher streiken. Infolgedessen waren nur wenige Wagen zur Abfuhr der auf den Bahnhöfen lagernden Milch zur Stelle. Sämtliche Pariser Bahnhöfe sind von starken Polizeiposten besetzt. Auf dem Montparnasse-Bahnhof sind von 153 Wagen nur 20 zur Stelle, auf dem Batignol-Bahnhof nur ein einziger, auf dem Ostbahnhofe von 123 nur 2, auf dem Orleans- bahnhof und dem Nordbahnhof sind überhaupt keine Wagen zur Milchabfuhr eingetroffen. Die Milch muß infolgedessen auf den Bahnhöfen liegen bleiben. Neue Kämpfe und Lohnbetvegungcn in Schweden. 733 Arbeiter, die bei dem Bau der Kraft- und Elektrizitätswerke zu Ljungafors in Nordschweden tätig waren, haben die Ar- bcit eingestellt wegen Maßregelung eines Teils ihrer Kollegen. Der Kampf richtet sich gegen die von den Unternehmern als priu- zipiell angesehene Forderung, selbstherrlich zu entlassen und ein- zustellen, wen sie wollen.— Eine allgemeine Aussperrung der Arbeiter der G r u b e n h o l z i n d u st r i e hat das Unternehmer- tum in Halmstad veranstaltet, weil die Arbeiter sich eine zehn- prozentige Lohnherabsctzung nicht gefallen lassen wollen. Die Ab- nehmer der Grubenhölzer sind englische Bergwerke und eS ist hier auch englisches Kapital, das hinter der Aussperrung steht.— Die städtischen Straßenbahnange st eilten in Malmö stehen vor einem Kampf um ihr Koalitionsrccht. Sie fordern höhere Löhne und Abschluß eines Tarifvertrages mit ihrer Organi- sation; die Verwaltung lehnt beides ab und will ihnen individuelle Arbeitsverträge aufzwingen. Die Straßenbahner haben ihrerseits die Vorschläge einstimmig abgelehnt und beharren auf ihren For- derungen.— Im Baugewerbe Stockholms haben in der verflossenen Woche für die verschiedenen Gruppen Verhandlungen stattgefunden, bei denen es sich um die allgemeinen Bestimmungen zu einem neuen Tarifvertrag handelte. Sie sind jedoch gänzlich ergebnislos verlaufen, und es lag offenbar auch gar nicht in der Absicht des Unternehmertums, sich mit den Arbeitern über irgend» welche strittigen Fragen zu einigen. Der Lohnkampf der Buchdrucker und Buchbinder Finnland?. ES scheint neuerdings Aussicht auf Beilegung des Streiks im Buchdruckgewerbe Finnlands vorhanden zu sein. Vor acht Tagen waren Vertreter des Schwedischen, Norwegischen und Dänischen Buchdruckerverbandes in Finnland, hielten dort eine Konferenz mi?ocm finnischen Verbandsvorstand ab und wirkten auch dahin, daß die finnische Regierung Verhandlungen mit den Buchdruckereibesitzcrn anbahnte. Die Skandinavischen Bruderverbände haben den Streikenden in weitestem Maße fortdauernd Unterstützung zugesichert, so daß man nicht genötigt sein wird, den Kampf wegen Mangel an Mitteln verloren zu geben. Das haben offenbar auch die Prinzipale eingesehen, die sich bisher rufs hohe Pferd gesetzt hatten und taten, als ob die Streikenden unter allen Umständen die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen müßten. Jetzt schreibt die große Helsingsorser Zeitung„Huvustadsbladet", „daß wesentliche prinzipielle Differenzen unter den Partc.en nicht mehr vorliegen". ES muß jedoch noch abgewartet werden, was bei den Verhandlungen herauskommt. Die allgemeine Aussperrung im Buchbindergewerbe dauert fort, ohne daß die Arbeit- geber sich bis jetzt zu Verhandlungen bereit gefunden haben. Sie erklärten jedoch seinerzeit, daß sie erst den Ausgang des Kampfes im Buchdruckgewerbe abwarten wollten, und jedenfalls werden sie sich, wenn es hier zur Einigung kommt, ebenfalls bald zum Nach- aeben genötigt sehen. Da sowohl die Buchbinder wie die Buch- drucker einmütig im Kampfe ausharren, können sie wohl des Sieges sicher sein. J�ctzU Mebrscbten. Die Nachwahlen in Böhmen. Wien, 8. März.(P r i v a t t e l e g r a m m des„Vor- wart s".) Die beiden heute vorgenommenen Nachwahlen für den R e i ch s r a t führten zu 3 t i ch w a h I e n. bei denen die Sozialdemokratie an erster Stelle steht. Im W a r n s- d o r f e r Wahlbezirk erhielt Genosse Dr. Bruno K a r p e l e S 4125 Stimmen, Langcnhan(Verein. Bürgerl.) 3748 Stimmen, Jerzabek(Chriftlich-sozial) 960 Stimmen. Eine glänzende Zunahme der Stimmen erzielten wir im Hartmanitzer Wahlbezirk. Auf Genossen Anton Weber vereinigten sich 4093 Stimmen, der Agrarier Paulick erhielt 274(1 und der Christlichsoziale Winter 2121 Stimmen. Bei der vorigen Wahl erhielten wir in diesem Bezirk nur 2453 Stimmen. (Siehe Artikel 1. Seite des Hauptblattes.) Englands Verhältnis zu Amerika. London, 8. März.(W. T. B.) Im weiteren Verkauf der Sitzung des Unterhauses fragte High am an, ob tiie Regierung dem von dem Präsidenten Taft ausgesprochenen Wunsch nach einem englisch-amerikanischcn Vertrag zur Regelung aller wie immer ge- arteten Streitfragen durch ein Schiedsgericht ihre Aufmerksamkeit zugewendet habe. Untersekretär des Auswärtigen Amtes Wood erwiderte, daß alle derartigen Vorschläge natürlich einer sehr wobl- wollenden Prüfung begegnen würden. Verhafteter Defraudant. Weisienfels a. Saale, 8. März.(B. H.) Der 27jShrsge Buch- Halter Beck fälschte auf den Namen seines früheren Prinzipals itbov O-x HAA<111 � � CH? n n ♦ o TCiVo-fn i/iuicc vcu mnajic auf oeu iaeuue« jvuxeö sruycren PclA�lpaxs zwei Wechsel über 25 303 M. und begab sich dann nach Monte Carlo. wo er das gesamte Geld verspielte. Bei feiner Rückkehr nach Deutschland wurde er hier verhaftet. verantw. Redakteur: Haus Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag vorwärts Buchdr. u. Perlagsansralt Paul Singer äc Co.. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Dr. 38. 28. Achgaug. i Ktilage Ks Jotiiiiirto" Kllim ilollistilstt. DoNttstag. 9. Marz tSll. ver ipringencke Punkt. Noch einmal die Steuererhöhung. �„Sollen nun diese Gemeinden dem Regierungs- Vräsidenten zuliebe noch extra 10 Proz. erheben, ohne gleichzeitig über die Verwendung der Mittel Beschluß fassen zu können? Das ist der springende Punkt." So Genosse Hirsch in seinem Gegenartikel gegen meinen Artikel über die Erhöhung der Kommunalsteuern von Groß- Berlin. Wäre das wirklich der springende Punkt in dieser Frage, so wäre mein Artikel ungeschrieben geblieben. Ich muß es indes bestreiten. Erstens handelt es sich nicht darum, dem Regierungs- Präsidenten irgend etwas„zuliebe" zu tun. Der Regierungs- Präsident hat den Vertretern der Stadtverwaltungen Groß- Berlins einen Rat gegeben, den sie befolgen können oder nicht, dessen Befolgung aber im Interesse all dieser Gemeinden liegt, die zwei ganz reichen Gemeinden ausgenommen, die einst- weilen noch mit 100 Proz. Zuschlag zur StaatSeinkommen- stcucr auskommen, ohne sich in eine bodenlose Schuldenwirt- schaft stürzen und wichtige Kulturaufgaben vernachlässigen, notwendig gewordene Aufbesserungen verweigern zu müssen. Und selbst diese Gemeinden können nach den Erklärungen ihrer Bürgermeister die Erhöhung sehr gut brauchen, um ihre Finanzen auf einen Stand zu bringen, der sie allen an sie herantretenden Aufgaben gewachsen zeigt. Auch ihnen mutet der Vorschlag des Regierungspräsidenten nichts Nn- erhörtes zu. Roch kann ich zugeben, daß er besonders un- geschickt war. Er war notwendig geworden, weil die Gemeinden es nicht fertig bekomnien, durch vollkommen freie Ucberein- knnft dem unleidlich gewordenen jetzigen Zustand ein Ende zu machen. Er war notwendig im Interesse der ärmeren, überwiegend von Arbeitern bewohnten Ge- mcinden. Und tatsächlich ist der„springende Punkt" der:„Soll di e E r h ö h u n g d e r Z u s ch l a g s st c u c r einigen wenigen begün st igten Vororts- gemeinden des Westens zuliebe fallen, lvo sie doch für Berlin selbst und die Vororte des Ostens eine dringende Notwendigkeit ge- worden ist? Gewiß, das ganze gegenwärtige System der Kommunal- steuern ist voller Ungerechtigkeiten und bedarf dringend der Reform. Aber daran können wir in den Gemeindevertretungen nichts ändern. Da engt uns das Landesgesetz so ein, daß wir nicht cinnial eine noch so geringe Erhöhung der Grenzlinie für die Steuerbefreiung beschließen können, so sehr die Erhöhung aus Gründen der Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit erfordert ist. Alles, was in diese Rubrik fällt, liegt beim Landtag, und wie es dort steht, weiß Genosse Hirsch. Ich halte es für sehr zweifelhaft, ob das Vorhaben des Finanzministcrs, von dem er spricht, Annahme finden wird, bin auch der Ansicht, daß seine Verwirklichung ohne gleichzeitige Abänderung der Steuerstaffel für ganze Kategorien der unteren und mittleren Steuerzahler in Gemeinden mit hohen Zuschlagssätzen nur neue Ungerechtigkeiten zur Folge haben würde. Jedenfalls können wir nicht mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß das Gesetz in nächster Zeit und so durchgreifend geändert wird, um den Gemeinden Groß-VerlinS, für die die 100 Prozentgrenze unerträglich geworden ist, genügende Hilfe zu bringen. Kommt eine annehmbare Reform zustande, um so besser. Aber ich halte es für keine gute Politik, die Gemeinden in eine Lage zu bringen, daß sie, wie der Ertrinkende, gierig nach jedem Strohhalm greifen müssen, den man ihnen zu reichen für gut befindet. Die Durchbrechung der 100 Prozcntgrenze hat den einen Vorteil, daß sie Bewegungsfreiheit schafft, wo bisher Zwang herrschte. Sie ist bei alledem, wie ich in meinem Artikel bc- tonte, keine Lösung der Steuerfragen Groß-Berlins. Sie ist nur eine Erleichterung der dringendsten Not. Wir alle wissen, kleines femUeton. Tie kosmische Verbreitung bcö Leben?. Die Himmels- kund- hat jetzt einen rechten Hecht im Karpfenteich aufzu- weisen in der Person des angesehenen amerikanischen Astronomen See. der von seinem Sitz als Leiter des See-Observatoriums von Washington aus die wissenschaftliche und andere Welt mit außer- ordentlichen Theorien überschüttet. Dabei können nicht einmal die Gelehrten über diese Uebcrraschungcn hinweggehen, da Professor See den Befähigungsnachweis zu hervorragenden Leistungen in seinem Fach durchaus erbracht hat. In seinem letzten Vortrag hat er seine gesamten Anschauungen über die Entstehung der Welt- körper und des Sonnensystems im besonderen dargelegt. Die alte Hypothese von Kant und Laplacc findet nur zum Teil Gnade vor ihm. Nach seiner Meinung sind die Nebel, aus denen Wcltkörpcr entstehen, ihrerseits durch Staub gebildet worden, der von den Sternen ausgeht, und aus der Verdichtung der Nebel entstehen dann neue Sterne. Danach wären also die Nebel nicht die Urform des Weltenmaterials, sondern man dürfte vorläufig nur an einen Kreislauf in der Bildung der Weltkörper glauben. Die Krater auf der Mondobcrfläche hält Professor See für Narben, die durch den Aufprall ehemaliger Monde erzeugt worden sind, eine Ver- mutung, die übrigens schon von anderen Forschern ausgesprochen worden ist. Die 51ometen erklärt er für die Ueberbleibscl der Außenschicht des Nebels. auL dem unser Sonnensystem hervor- gegangen ist. Nach seiner Ansicht könnte ein Nebel nicht unpassend mit einem Haufen von Kamcten verjsiichen werden, der dicht genug ist, um ein schwaches Licht zurückzustrahlen. Auch ist Professor See davon überzeugt, daß der Neptun, dessen Entdeckung schon mit so großer Mühe und Arbeit verknüpft war, nicht der letzte und äußerste Planet sei. Das merkwürdigste an den Aeußerungen des amerikanischen Astronomen aber war seine Auseinandersetzung über die Frage der Verbreitung des Lebens. Er hält es für zweifellos, daß die um die Fixsterne kreisenden Planeten von intelligenten Wesen von irgendwelcher Art bewohnt sein müssen, und daß das Leben eine allgemeine Ericheinung im Weltall sei. Wenn er auch keine Be- weise dafür beibringen kann, die diese Auffassung von einer Glaubenssache zu einer begründeten Tatsache erheben könnten, so drückt er sich doch mit ungewöhnlicher Entschiedenheit aus. Er sagt nämlich: Entweder ist das Leben allgemein verbreitet, oder das Leben auf der Erde wäre nur ein Zufall und gewissermaßen ein Irrtum, der für Hunderte von Jahrmillionen geradezu in Verletzung der Naturgesetze bestanden hätte. Das könne kein philosophischer Kopf glauben. Infolgedessen begnügt sich Professor See nicht damit, die Planeten Mars und Venus zu bevölkern, sondern er vergleicht diesen noch nicht einmal allgemein verbrei- teten Glauben mit einem Tropfen im Stillen Ozean, denn nach seiner Meinung Wuß es„Taufende Vßn Killionen bewohnbarer daß eine befriedigende Lösung nur durch die Verwirklichung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin zu erreichen ist. Wir sind auch darin einig, daß bis diese nicht hergestellt ist, mindestens ein Steucrvcrband oder eine Ausgleichsteucr geschaffen werden müßten, um die schreienden Ungerechtigkeiten in den Steucrver- Hältnissen Groß-Berlins wenigstens in etwas zu mildern. Aber das Wissen»nd Wollen enthebt uns nicht der Pflicht, der Forderung des Augenblicks zu genügen. Denn in den südöstlichen und öst- lichen Vororten handelt es sich, wie Genosse Hirsch sehr gut weiß, nicht nur um Anleihen für„werbende Unternehmungen". Krankenhäuser und Schulhäuser werfen keine Zinsen ab. Im übrigen ist der Artikel des Genossen Hirsch nur ein weiterer Beweis, ivie notwendig es ist, daß mit der Passi- vität der Arbeiterschaft Groß- Berlins gegenüber den Fragen, die jetzt in bezug auf seine Zukunftsgcstalt und Zukunfts- bclastung zur Debatte stehen, endlich gebrochen wird. Gleich- viel wie wir uns zur Stcucrcrhöhnng stellen, notwendig ist, daß wir einheitlich auftreten. In diesen Tagen wird in den verschiedenen Gemeinden über sie entschieden, aber von einer Stellungnahme der Arbeiterschaft, die doch unter de» ver- schiedcnsten Gesichtspunkten, als Zahler und als Förderer, dabei interessiert ist, ist noch nichts laut geworden. Und doch ist es notwendig, daß die Arbeiterschaft ihre Stimme erhebt. Nur durch eine einheitliche Aktion kann erzielt werden, daß wir dem Lokalismus der reaktionären Parteien in den Rat- Häusern auch in dieser Frage ivirknngsvoll begegnen. Schöncberg, den 7. März 1911. _ Ed. Bernstein. Reichstag 142. Sitzung. Mittwoch, den 3. n a ch m i t t a ttzs 1 Uhr. Am Bundesratstisch: K r a e t k e. !ärz 1911, Zweite Lesung des Postetats. Die Berntimg beginnt mit dem Titel:„Gehakt des Staats- sckretärS 44 000 M." Abg. Gröber(Z): Wir bedauern die Unziilänglichkeit der Bo- solduugsrcform vom Jahre 1909 und müssen die Verantwortung für die dadurch entstandene Unzufriedenheit unter den Beamten der Re- gicrung überlassen, die weitergehenden Wünschen ein„Unannehmbar" entgegensetzte. Eine gründliche Reform ist freilich ohne neue Steuern nicht denkbar, an die im gegenwärtigen Moment nicht gedacht werden kann. Wir beantragen aber, atsbald einen Gesetzentwurf zur Neuregelung der Dienstverhältnisse der Rcichsbeamten vorzulegen, in welchem das Disziplinarverfahren mit ausreichenden Garantien für die Rechte der Beamten versehen und das Wiederaufnahmeverfahren geregelt wird; ferner soll entsprechend dem§ 10 des KolonialbeanitengesetzeS in den Entwurf eine Borschrift anfgcnominen werden, wonach, wenn in die Personalakten Vorkommnisse eingetragen, die dem Beamten zum Nachteil gereichen, eine Enrschädigung hierauf nur gegründet werden darf, nachdem dem Beamten Gelcgrnheit zur Acußcrung ge- geben ist. Weiter beantragen wir die Veröffentlichung einer Statistik der verheirateten und unverheirateten Reichs Beamten, der Kinderzahl ihrer Familien sowie die Sterbe fälle der Rcichsbeamten getrennt nach den Reichsämtern. Wir wollen wissen, ob eS wahr ist, was mehrfach behauptet wird, daß die Postverwaltung ihren Beamten das Heiraten erschwert. Schließlich beantragen wir noch, die Post- und Telegraphen- sekretärprüfung ausnahmsweise mit� Genehmigung des Reichspost- omts zum zweiten Male wiederholen zu lassen. Man sollte den Postbeamten diese Wohltat ebenso wie den übrigen Reichsbeamten zu Teil werden lassen.(Zustinimung im Zentrum.) Abg. Eickhoff(Vp.): Meine Freunde werden dem Antrage deS Zentrums, den der Vorredner soeben begründet hat, zustimmen.— Der Etat zeigt ein erfreuliches Bild, das ist die Folge des erfreu- lichen wirtschaftlichen Aufschwunges.— Eine dringende Reform ist die Schaffung eines WeltcinhcitsportoS. Der Begründer des Welt- postVereins. Herr v. Stephan, bezeichnete einen Tarif, der für das In- und Ausland gelte, für sein Ideal: hoffentlich bringt uns der nächste Weltpostkongreß diesem Ziele erheblich näher.— Dann möchte ich an den Staatssekretär die Frage richten, wie er sich zur Frage des Einheitstarifes von 30 Pf. für das Kilopaket stellt.— Der Redner beschwert sich dann über Belästiguugen von Privat- und bewohnter Welten geben, die für das menschliche Auge un- sichtbar um die vielen Fixsterne des Weltenraumes sich bewegen". Da der Mensch vielleicht niemals Mittel finden wird, diese Pla- ncten anderer Fixsterne zu entdecken, geschweige etwas Genaueres über sie zu erfahren, wird dieser Satz freilich wohl für immer Glaubcnssache bleiben. Ein babylonischer Hiob. Der Archäologe Fran-ois Martin bat drei Keilschrifttäfelchen aus der Zeit Hammurabis entdeckt, in denen er im„Jrnymal asiatique" das babylonische Original der biblischen Geschichte von Hiob nachweisen will. Nach seiner An- ficht ist die Geschichte noch viel älter als die erste babylonische Dynastie und wird manche Bearbeitung erfahren haben, bevor sie die Gestalt annahm, in der sie auf uns gekommen ist. Die Schrift- tafeln erzählen, wie„ein gerechter Mann" in unverschuldetes Elend fällt und als ein gottloser Mensch behandelt wird, obwohl er alle seine Pflichten gegen die Götter immer fromm und sorg- fältig erfüllt hat. Durch die Verfolgung eines bösen Dämons wird er gelähmt und ist so gezwungen, das Ende seiner Tage auf einem schmutzigen Lager abzuwarten, von dem er durch den Tod Erlösung erhofft. Die Achnlichkeit dieses„gerechten Mannes" mit dem biblischen Hiob, der im Kote liegt, ist allerdings groß, aber die weitere Erzählung der Tafeln weicht stark davon ab, denn der böse Dämon wird hier als der Geist eines Mannes geschildert, der aus seinem Grabe entflohen ist, und der mit Krankheit Ge- schlagene wird durch das Eingreifen des Gottes Marduk geheilt. Es ist also augenscheinlich einer jener babylonischen Zaubersprüche. wie sie zur Heilung von Krankheiten erzählt wurden. Interessant ist jedoch, daß der Kranke einen Traum bat,.in dem er„einen mächtigen Mann, gekrönt mit einer Tiara" ficht. Das Jubiläum eines Gassenhauers.„Mutter, der Mann mit dem Koks ist da!"— das einst bis zum Ucbcrdruß abgeleierte Ber- liner Lied, kann in diesen Tagen auf ein Alter von einem Viertel- jahrhundert zurückblicken. Kaum ein anderer Gassenhauer ist mit so großer Schnelligkeit bis in die entlegensten Teile Deutschlands gedrungen, und kein anderer ist vielleicht so populär gewesen, wie dieses Lied, das gegen Ende des Winters 1836 urplötzlich auf- tauchte, um jabrclang von alt und jung, hoch und niedrig gesungen zu werden. Vielleicht verdankte„der Mann mit dem Koks" seine Popularität der Melodie, die kein berlinisches Erzeugnis war, son- dern der damals sehr populären Millöckerschen Operette„Gaspa- rone", und zwar dem Licde„Er soll Dein Herr sein", entstammt. Berlin wachte damals eines Morgens auf, und„der Mann mit dem Koks" war da. Man besang ihn in Gesellschaften, an Stamm- tischen, auf dem Theater. Der Leierkastcnmaun gröhlte die Melo- die vom L>ofe herauf; die Kinder sangen sie auf dem Wege zur Schule; die letzten, damals gerade im Aussterben begriffenen Schufterjungen Pfiffen sie bei ihren Ausgängen. Der Schunkcl- Walzer, der vorher auf der Tagesordnung gewesen war. wurde augenblicklich verdrängt, und zur Popularisierung des Gassen- .Hauers.trug noch per Umftgich bei, daß dgkggls der Winter sehr. anstalten zur Eilbriefbeförderung durch die Poflverwaltung. dadurch diene sie nicht dem Verkehr; schließlich empfiehlt der Redner �die Einführung von Brieftelegrammen, die sich in Frankreich bewährt haben. Abg. Eichhorn(Soz.): Der Postetat schließt mit einem gewaltigen Ueberschuß. Aber die Post ist nicht da,«m die leere Staatskasse zu füllen, sondern des Verkehrs wegen. Die Post hat, freilich in langsamem Schnecken- gang, manches geschaffen, uni dem dringendsten Bedürfnis zu genügen. Aber darüber binans fehlt jeder fnsche Geist. Dem Wunsche nach Einsübrung deS 10 Pfennig- Portos für den Weltverkehr schließe ich nnch an. Es sollte doch möglich sein, wenigstens mit den Vereinigten Staaten von Europa einen Versuch zn inachen.(Zustimmung bei den Sozial- dcinokraten.) Dann frage ich. ivie es mit der Wiederherstellung deS OrtöportoS von 2 Pf. und 3 Pf. für die Postkarte steht. Bei der Finanzreform wurde das versprochen. Angebracht wäre ferner die Ausdehnung der Einrichtung verschließbarer Postfächer, zu denen der Aboiinent den Schlüssel hat.— Das billige Porto für kleine Postanweisungen sollte bis zu Postaiiweisnngen über 10 M. ausgedehnt werden. Ebenso ist eine Herabsetzung der Post- s ch e ck g eb ii h r e n erwünscht; eS würden bei dem großen Umsang diescSVerkehrsdadurchnichtimcrheblicheMchreiimahmen herauskommen. Auch die Ncuanlage von F e r n s p r e ch st e l l e n und der Ausbau deS Ferilfprechnetzes würde in diesem Sinne Wirten, ohne daß eine Erhöhung der Tclcphongcbühren nötig wäre. Verkehrter FiSkaliömuS, gepaart mit Unduldsamkeit ist es auch, der die Postverwaltung veranlaßt, gegen � die Meffenger» Boy-Institute vorzugehen. Diese Institute entsprechen einem VerkeHröbedürfniS, aber die Posiverwaltung hält Briefbeför- derung durch sie für ungesetzlich und verfolgt sie. Was ist denn nun ein Brief?' In Leipzig wurde für strafbar erklärt, daß ein Rezept in einem Briefumschlag durch den Boten eines solchen Instituts befördert wurde.(Heiterkeit.) Ii» Heidelberg wurde ein Bankbeamter bestraft, weil er seiner Braut eine eilige Nachricht durch ein solches Institut in einem Brief- Umschlag sandte. Das sind doch unglaubliche Torheiten. Vor solchen Lächerlichkeiten sollte sich die Post doch hüten, allzuviel an Renommee hat die Postverwaltting nicht zu verlieren.(Znstim» mnng bei den Sozialdemokraten.) Wäre das Rezept oder die Nachricht in eine Schachtel gesteckt worden, so wäre nichts Straf- bares daran gewesen. Es kann sich doch mir darum handeln, ob die ganze Einrichtung dem Geist des Posigesetzes widerspricht, und das ist nicht der Fall, da ein planmäßiges Einsammeln und Aus- tragen von Briefen nicht stattfindet.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Die Postverwaltung plant jetzt selbst einen solchen Botendienst, aber mit einem Tarif von SO Pf. bis zu 1,90 Mark, dann ist an eine Einbürgerung desselben natürlich nicht zu denken. Meine Freunde sind keineswegs Gegner des Postmonopols, aber das Monopol legt große Verpflichtungen und ciue große Bcrautmortlichkeit auf. Wenn eS so überspannt wird, wie von der Postverwaltung, dann muß man beinahe wünschen, daß die Konkurrenz aufrechterhalten wird, um die Post vorwärtSzudrängen. Daß die PostVerwaltung von der Konkurrenz noch lernen kann, haben wir Mitglieder der Budgetkommission erst heute erfahren. Eine wichtige Denk- schrift, die gestern früh bereits fertig war, erreichte unS mit der gewöhnlichen Post erst heute früh, so daß wir natürlich noch nicht in der Lage waren, sie zu studieren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten) Noch einige Bemerkungen zu den Personalfragen. Es ist ja schwer, ein Beamten- Heer von 100 000 Köpfen zu lenken. Die Bureaulratie aber meint, die Beamten seien um ibrer selbst willen da. Stellen müssen ge» schaffen werden, weil Anwärter vorhanden sind/ und Beförderung muß eintreten, weil sie allmählich ersessen ist. Langsam scheint die Postverwaltimg diesen Standpunkt ja aufzugeben, aber unS geht das nicht schnell genug. Seit langem herrscht auch ein Streit über die Fragen der Berechtigung zu den verschiedenen Karrieren. Dieser Streit scheint unS über- flüssig. Auch ohne höhere Schulbildung sind viele Unterbeamten in der Lage, den Dienst der mittleren Beamten zu erlernen und zu verrichten und die mittleren den der höheren. Wie man früher'sagte, jeder Soldat trägt den Mar schall st ab im Tornister, so sollte jeder Postbeamte, auch der unterste, die Möglichkeit deS AnfsticgS in den höheren Postdienst haben.(Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Dadurch würde die Arbeitöfreudigkeit ganz gewaltig kalt war, und daß man sich infolgedessen angelegentlich für KvUen und Koks injerefsieren mußte. Humor und Satire« Feindesliebe. Und immer bänger wird der Mut, die Hose immer nasser, der Patriot voll Angst und Wut heult lauter Salz und Wasser. Und schnaufend senkt er zum Gebet das Knie mitsamt dem Bauche, von seinen bleichen Lippen geht ein bettelndes Gcfauche: Herr, hilf, die rote Sintflut drohte sie wird tagtäglich schlimmer, und die Regierung, große Not� mit jedein Tage dümmer. O schick' uns eine national zugkräftige Parole, daß bei der nächsten ReichStagStvahl die Kerls der Teufel hole. Umsonst war, was wir auch erprobt, umsonst war jede Lüge, »iun hilf, dein Name sei gelobt, hilf uns zu einem Kriege. O segne unsere Hetzerei. du höchster Schlachtcnlenker, und unire Säbelrasselei und unser Kriegsgestänker. Gern woll'n wir. wenn ein Krieg erschein� die Pflicht des Christen üben und den so heiß ersehnten Feind, der unS errettet, lieben l __ Franz. Notizen. Theaier'chronik. Karl SchönherrS Tragödie eines Volkes:„Glaube und Heimat", wird im Lessing- theater am DienStag, den 14. März, zur Erstaufführung ge- langen. — Im Verein Berliner Künstler ist eine Vorstands- krise ausgebrochen, weil die Hauptversammlung die vom Vorstände getroffenen Maßnahmen für die Beteiligung an der Düsseldorfer Ausstellung nicht guthieß. Die Versammlung wünschte statt der von Düffeldorf bestimmten Delegierten eine von ihr gewählte Jury für die Auswahl der Bilder. Darauf legte der VorstaÄ» seine AeMer nieder. wachsen.— EZ ist ylc! zu viel AusstchtSPttsoual borhandeu. so dag das übrige Personal fich beengt und� bedrückt fühlen muht. Wo aber die Aufsicht am Platze wäre, da versagt sie. Gerade in Postämtern, in denen ein groger Ueberfluh an Aufsichtsbcamten vorhanden ist— für durchschnittlich 15 Beamte eine Aufsichtsperson sHört I hört!)— herrschen die allcrschlimmsteu sanitären Zustände, z. B. m Frans furt a. 27?., woselbst die durchschnittliche Krankheitsziffer unter den Post- beaniten bis 25 Proz. beträgt. Die Fabrilinspeklion ist wahrhaftig nicht mustergültig, aber in der Postverwaltting fehlt eS flberhmcht an einer derartigen Inspektion. Die PostVerwaltung setzt ihren Kampf gegen die KoalitioiiZfreiheit der Beamten, speziell der Unterbeamten, mit ungeschlvächter Kraft fort. In Königsberg i. Pr. ist der Unterbeamte Dorsch gcmaßregrlt worden, iveil er an die Spitze des Unterbeamtenvereins getreten ist. Erst wurde der Mann auf alle inögliche Art und Weise schikaniert. ES gibt ja leider Beamte genug, die sich durch Schikaniernng ,un- liebsamer" Elemente oben Liebkind zu machen suchen. In diesem Falle war es besonders der Postsckretär Brök- mann, der den Dorsch schikanierte. Herr Brokmann war noch ganz besonders auf Dorsch erbittert, weil dieser im Mieter verein sich gegen die Unterstützung Brokmanns erklärt hatte, der für die Stadtverordnetenversammlung kandidierte. Dorsch ist sckliest« lich ohne Pension entlassen worden, nachdem man ihn auf alle Weise gequält hatte; sogar seine Korrespondenz wurde überwacht.(Hört I hörtl bei den Sozialdemokraten.) Andere Vorstandsmitglieder des Vereins der Unterbeamten wurden versetzt.im Interesse des Dienstes". Was alles unter diesen Begriff gebracht ivird, haben wir im Prozeß des Landrats Schröder-Witgenstein gesehen. Diese Bor« gänge sind typisch für das koalitionsfrindliche Syste« der Post Verwaltung.v erbsmäßige Briefbeförderung durch Privatinstitute nicht zulasien. Die Gerichte haben sich unserer Auslegung des Gesetzes angeschloffen.— Der Anregung, Brief- t e l e g r a m m e einzuführen, stehe ich sympathisch gegenüber: aber die Erwägungen zwischen den einzelnen Refforts sind noch nicht ab- geschlossen.— Weiter ist angeregt, den P o st s ch e ck v e r k e h r zu verbilligen. Hiermit stehen wir noch im Versuchsstadium, erst 1912 werden wir neue Vorschläge machen. Abg. Dr. Streseuian»(natl.): Wir verlangen von der Ver- waltung kaufmännischen Geist; dann dürfen wir nicht tadeln, daß sie auch auf lleberschüsse bedacht ist.(Zustimmung bei den Natl.)— Die Post ist des Reiches größter Arbeitgeber, und deshalb ist es wünschenswert, daß sie vorbildlich ist in ihrem Verhältnis zu den Angestellten. Man sollte daran denken, die neuen sozialen Institutionen auch für einzelne Kategorien der Postbeamten nutzbar zu machen; die Kommission sür die' NeichSversicherungsordnung und die Budgetkommission haben den Gedanken zwar abgelehnt, doch hoffe ich, daß er nicht für immer begraben ist.— Die von der Budgetkommission gestrichenen höheren Postbeamtenstellen sind meine Freunde geneigt, wieder in den Etat einzustellen; bei der weit- gehenden Dezentralisierung der Postverwaltung halten wir die höheren Beamtenstellcn für notwendig.— Die Beamtenschaft er- scheint mir viel zu sehr gegliedert, sie wächst sich allmählich zu einer Beamtenhicrarchie mit Kastengeist auS. So lange das nicht von Grund aus in modernem Sinne geändert wird, wird die einzelne Kategorie stets nach höhercc Wertung ihres Ranges streben. Der Redner geht dann auf die Wünsche der einzelnen Kategorien von Beamten näher ein. Ihre Versuche, sich zu organi« steren, sollten von der Veiwaltung keine Hemmung erfahren, um so weniger, als diese Organisationen sich durchaus aus vater- ländischem Boden bewegen.— Im vorigen Jahr verlangte ein An- trag Bassermann die Schaffung eines P o st b e i r a t s; der Staats- sekretär wehrte sich dagegen. Aber von Fall zu Fall hat er Sach« verständige aus den Kreisen von Handel und Industrie hinzugezogen. Da ist eS doch besser, den Beirat zu einer ständigen Ein- r i ch t u n g zu machen. Der Staatssekretär sprach mit einem ge- wissen Pessimismus von der Verbilligung des WeltpostverkehrS. Aber in Verkehrsfragen soll man nicht pessimistisch sein, an sie soll man mit einem gesunden Optimismus herangehen. (Bravo I bei den Nationalliberalen.) Der Antrag«lbrecht ist für uns unannehmbar. Abg. Linz(Rp.) wünscht Errichtung eines Postscheckamts und einer Oberpostdirektion in Barmen, bittet die Wiedcreinsiihrung der Zweipfennigkarte im Ortsverkehr in wohlwollende Erwägung zu ziehen und spricht den Bestrebungen auf Einführung eines Welt- einheitsportoS seine Sympathie aus. Auch im Verkehrswesen muß es heißen: Deutschland in der Welt voran!(Bravo! rechts.) Staatssekretär Krnetke geht auf einzelne Bemerkungen des Vor- rednerS ein; von der Schaffung neuer Oberpostämter müsse zurzeit mit Rücksicht auf die Finanzlage Abstand genommen werden. Den Organisationen der Beamten stehe ich keineswegs feindlich gegen- über; nur Ausschreitungen bin ich entgegengetreten. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatuna auf Donners- tag 1 Uhr. Schluß 6'/. Uhr._ Hbgcordnetenbaiio. 4t. Sitzung vom Mittwoch, den 8. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch:v. TrottzuSolz. Die zweite Beratung des KultuSetatS wird fortgesetzt in Verbindung mit dem Kapitel.Gesandtschaften" des Etats des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten. Abg. Ströbel(Soz.): ES sollt« gestern einen.großen Tag" geben, man tat so. al» ob die Volksseele wieder einmal koche. Aber eS wurde nichts daraus. DaS sonst so streitbare Zentrum war außerordentlich friedlich. Und daS Zentrum weiß warum. Herr v. Heydebrand hält seine schützende Hand über dem Zentrum. Es soll fortgewurstelt werden und wenn die preußische Regierung neue Nasen- st ü b e r von Rom bekommen wird, wird sie sie ebensowenig tragisch nehmen. Die Regierung ist eben isickiS anderes als das Exekulivorgan der Konservativen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Nur auf naive Gemüter konnten die Erklärungen des Ministerprästdenlen einen gewissen Eindruck machen. Dazu scheinen allerdings die Herren Nationalliberalen zu gehören. Herr von Campe wünschte dein Ministerprästdenlen BiSmarcksche Kürassier- stiefel. Aber der Major von Bethmann Hollweg ist kein Kürassier und der Stiefel allein tut es nicht, es muß auch der entsprechende Mann darin stecken. Selbst der BiSmarcksche Kürassierstiesel ist im Sumpf de« Kulturkampfes stecken geblieben. Was gestern der kreißendefverg geboren hat, war nur ein ganz armseliges MäuSlein. Es ist nichts herausgekommen als die heroische Ankündigung, daß Geistliche, die den Modernisteneid abgelegt haben, künflig an höheren Schulen nicht mehr in Deutsch und Geschichte unter« richten würden. Der ganze Kamps war nur ein Schein- g e f e ch t. Man will eben von allen Seiten dem Uebel gar nicht ernsthaft zu Leibe gehen, man tut nur so, als kämpfe man für r e i e Forschung. In Wirklichkeit will man nur etwas mehr Freiheit für Universitäten und höhere Schulen, die Volksschule aber soll nach wir vor der Kirche miSgelicfert bleiben. Will man wirklich einen Kulturkampf führen, so muß man für Trennung von Stant und Kirche, für die vefrriung der Schule von der Kirche eintreten. Aber da» sagt man nicht, weil man die Geistesfreiheit de» Volkes fürchtet.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man will kein freies, sondern ein polisisch abhängiges Volk, da» ist der Kern der Sache. Herr v. Heydebrand meinte, für die Volksbildung in Preußen geschehe so außerordentlich viel, namentlich begrüßt er die eine Million zur Fürsorge für die entlassene Jugend. Mit Ihren BermuckeningSbestrebungen werden Sie aber bei der heranwachseilden proletarischen Jugend keinen Erfolg haben. Die Herren, die immer von der Heiligkeit der Familie sprechen, vergessen ganz, daß sie dadurch. daß sie die Kinder den Idealen der Ellern zu entfremden suchen, nur Zwietracht in die Familien trage ir.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Hevdebrand führte an, daß sich die Ausgaben 'ür die Elementarschulen seit 1900 von 140 auf 200 Mill. M. vermehrt haben. Dabei hat er aber ganz die Vermehrung der Be- völterung in dieser Zeit außer Betracht gelaffen. Buch muß inan die Erhöhung der G e i st l i ck e n- und Lehrer- g e h ä l t e r von dieser Summe abziehen. Sein Vergleich mit Eng- land und Frankreich war ganz unangebracht. In England sind zum Beispiel die Privatschulcn lehr viel zahlreicher. Um wirklich zu zeigen, was bei uns für Knlturzwecke geleistet wird, müßte man die Summen für Volksbildung mit den Summen vergleichen, die für den Militarismus ausgegeben werden. Im Deutschen Reiche werden für den Militarismus 1000 Millionen Mark jährlich ausgegeben, feit 1870 über 23 Milliarde» Mark.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Die einzelnen Kapitel des KultuSetatS sind ehr gering notiert..Kunst und Wissenschaft" mit acht Millionen, Technisches UnterrichtSwescn" mit fünf Millionen Mark usw. Wie man angesichts der llebcrfüllung der Klassen, den 36 000 Halbtagsschulen mit unseren Schulverhältnissen renommiere» kann, ist mir unverständlich. Allein das Rüdcnurlaubwesen ist eine Schmach und eine Schande für unsere Volksschulen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Neuerdings macht man in den laudivirtschaft- lichen Schulen sogar Reklame für de» Schnaps der Agrarier, der als durchaus bekömmlich hingestellt wird.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.)— Die Haltung der Kurie, die Herr v. Bethmann Hollweg beklagte, ist doch nicht verwunderlich angesichts der Rolle, die daS Zentrum zurzeit bei nnS spielt. 1908 war das Zentrum oppositionell. demokratisch bis zur R u p p i g k e i t, jetzt ist es m o n a r ch i f ch bis zur Knochenerweichung. Herr Heydebrand hat nur pro iorma. das Vorgehen der Kurie getadelt. Die Herren Konservativen wissen aber, welchen Dank sie dem Zentrum schuldig sind. Sie kennen das Vischofswort: „Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben". Und Herr v. Bethmann hat einen förmlichen Appell an die Parteien gerichtet, um es ja nicht zum Konflikt kommen zu� lassen. Wir sind nicht in der Lage, dieier Mahnung zum Vertuschen zu folgen. Wir hallen eine reinliche Scheidung zwischen Wissenschaft und Glaube», zwischen Staat und Kirche für dringend geboten.(Sehr wahr 1 bei den Sozialdemokraten.) Die Herren Nationalliberalen hatten gar keine Ursache, sich über den Modernisteneid aufzuregen, denn der Protcsianteneid ist genau so dogmatisch wie derKaiholizis- muS. Die angeblich freie Forschung des Protestantismus steht im krassen Widerspruch zu dem Religio nS- Unterricht. in dem die alten Dogmen gelehrt werden. Weil er dies nicht wollte, wurde ja ein Magdeburger Lehrer seines Amtes entHobe». (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie nur Geistes- freiheit verlangen für ein paar Theologieprofessoren und nicht auch für die Lehrer, sür daS Volk, ist da» elende Heuchelei.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Auf.alte Offenbarungswahrheiten" iverden die katholischen Pro- sessoren durch den Modernitteneid verpflichtet, sagte Herr Dittrich selbst. Da? nennt man dann freie Forschung! Gewiß hat die Kirche da» Recht, von ihren Anhängern die Anerkennung ihrer Glaubenssätze zu verlangen. Aber dann hat sie nicht daö Recht, StaatSkirche zn sein und die Schule untrr ihren Einfluß zu bringen.(Sehr richlig! bei den Sozialdemokraren.) Aber für die freie Bolkichule sind ja auch die Nationalliberalen nicht zu haben. Das hat ihre Haltung beim Volks i'chu lunter« Haltung Sgesetz, die einen Schandfleck in ihrer Geschichte bildet, bewiesen. DaS Volk liegt unter dem Druck der Orthodoxie und der ganze Kampf, der gestern hier geführt worden ist, war nichts alS ein Froschmäusckrirg.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Von einer wirklichen Freiheit der Wissenschaft ist bei uns keine Rede. Ich erinnere an die Fälle Dr. A r o n S und Conrad Schmidt, Dozenten, die auf marxistischen Standpunkt stehen, werden ein- fach nicht geduldet. Der Kaiser-Wilhelm-Fouds ist ein Korrupticns- fondS für die Wissenschaft. Wie man versucht die Wissenschaft einseitig in den Dienst gewisser kapitalistischer Interessen zu stellen, beweist der Fall Ehrcndcrg. Wir verlangen Freiheit der Wissenschaft, wie in der ReligionSforschung. so auch in der National- ökonomie, der Geschichte usw. Die Universiiätslehrer müssen auch daS Recht der freien politischen Betätigung haben. Heute ist ein wirklich demokratischer oder gar sozialistischer Universitälsprosessor in Preußen undenlbar. Wir verlangen auch Freiheit der spolitischen Betätigung für die Studenten. Sie müssen das Recht haben, freie DiskuffionSzirlel zu bilden, Redner aller Parteien zu Vorträgen aufzufordern und dann auch darüber zu diskutieren. Eine Bcschäfligung mit ernsten politischen Problemen wird für die Studentenschaft wertvoller sein als das Kneipenlaufen und der Saufkommcnt. Exzesse wie die der Bonner B o r u s s e n werden dann am ehesten aufhören. Um dem ganzen Volk die Möglichkeit wiss-enschaftlicher Betätigung zu aeben, verlangen wir die Einheitsschule. Nur wenn jedem die Möglichkeit gegeben wird, sich wissen- schafilich so auszubilden, wie es seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht, kann von wahrer Kultur die Rede sein. Dann muß auch die Kunst dem Volke erschlossen werden. Heute existiert die Kunst in Preußen nur für die W o h l h a b e n d e n. Die Bestrebungen der Sozialdemokratie, sie auch dem Volke zugänglich zu machen, werden nach Möglichkeit«richwert, wie daS Vorgehen gegen die freien Volksbühnen beweist. Nur durch Eiinührung einer höheren Bildung für das gesamte Volk ist eine Bekämpfung der Schundliteratur möglich. Es herrscht im Volke großer Bildungshunger, der befriedigt werden muß, es schlummern ästhelisch« Neigtliigeii im Volke, die nur geweckt zu werden brauchen. Sie(nach recklS) lachen darüber, daß hier solche Dinge besprochen werden, aber verhandeln wir nicht über den Kultus- etat?! E« ist traurig genug, daß dir Sozialdemokratie allem mit Eurrgir sür diese wichtigen Fragen der Volksbildung eintritt. Die Sozialdemokratie hat sich stetö der wahren Kunst angenommen. (Lachen rechts.) Wir haben z. B. die Bedeutung LiliencronS trotz seiner konservativen Gesinnung anerkannt, als er noch nicht berühmt war. Der Kapitalismus aber ist der schlimmste Feind der wahren Kunst.--- Wahre geistige Kultur kann nur gedeihen in einem wahr- Haft sozialen Staat. Deshalb helfen Sie mit zur Hebung des MasseuwohlstandeS, zur Verkürzung der Arbeitszeit, zur politi« ichen Entwickelung des Volkes, helfen Sie endlich mit zur Erringung eines freie» Wahlrechts. An die N a t i o n a l l i b e r a l e n sp c- ziel! möchte ich die Mahnung richten: erinnern Sie sich Ihrer alten Traditionen, treten Sie mit unS ein für die Befreiung der Schule vom Joche der Klerisei, für die Trennung de» Staate» von der Kirche. Helfen Sie un» den Kamps führen gegen den blauschwarzen Block, fügen Sie sich ein in den Block des Fortschritts, den K»lt»rblock. Wir Sozialdemokraten werden die KrinallisationSachse für diesen Kulturblock bilden, er wird sich unaufhaltsam vorwärtsschieben, und wenn Sie nicht miltu», wird er zermalmt und auch über Sie hinweggehen I(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Porsch(Z.): Wir wollen den konseisionellen Frieden, bei einem neuen Kulturkampf würde nur der Weizen der Sozial- dernokrälie blühen.(Sehr richtig! im Zentrum und rechts.) Da« Ziel unserer Wünsche ist allerdings die Wiederherstellung der Ver« dältniffe vor dein Kulturkampf. Daß das evangelilche Eefübl durch die päpstlichen Maßnahmen zur Wahrung des christlichen Glaubens sich beleidigt fühlen könnte, können wir nicht anerkennen. Sehr lebhaftes Befremden hat bei meinen Freunden die Erklärung des Ministerpräsidenten erregt, daß katholische Lehrer die den Äntimodernisteneid geleistet haben, in Zukunft nicht mehr sür den Unrerrickt in Deutsch und Geschichte an höheren Schulen an- gestellt werde» sollen. Wir würden es auf daS lebhafteste bedauern, wenn diese Ankündigung zur Wahrheit würde.(Sehr richlig! im Zeulrum. Hört! hörtl links.) Wir können nicht auerkennen, daß die Folge die Leistung des Antiinodernlstcuride« sein könnte, daß der Unterricht anders erteilt wird als bisher. Eine solche Maßnahme könnte sich das katholische Volk nicht gr fallen lassen(Ledhaste Zustimmung im Zentrum.), sie würde eine Störung des konfessionellen Friedens bedeuten. Wir haben ja doch im Westen auch atheistische Lehrer, die keiner Kircke angehören und doch in Deutsch und Geschichte unter- richten.(Hörtl hörtl im Zentrum.) Wir geben uns der Hoffnung hin. daß man solche Konflikte vermeiden wird.(Lebhaftes Bravo I im Zentrum.) Kultusminister v. Trott zu Solz: Der Vorredner hat sich sehr entschieden dagegen gewandt, daß man der Auffassung sein könne, daß ein katholischer Geistlicher, der den Äntimodernisteneid ge- schworen hat. deshalb nicht mehr für besähigt gehalten werde, an unseren höheren Lehranstalten Unterricht in Deutsch und Geschichte zu geben. Diese Auffassung hat der Herr Ministerpräsident hier nicht vertreten, denn daim hätte er sich auch dafür ausiprcchen müssen, daß auch die Geistlichen, welche zurzeit schon diesen Unter- richt erteilen, aus ihn, entlassen werden müßten. Dagegen hat er sich aber ausdrücklich gewandt. Wenn wir uns größere Zurück- Haltung bei Anstellung katbolischer Geistlichen im Staatsdienst auf- erlegen werden, so ist der Grund die Sorge um die Erhaltung de-Z konfessionellen Friedens. Wie nahe KonfliktSmöglichleilen sind. wen» katholische Geistliche zugleich im StaatSdieust stehen und wenn dann an sie eine neue Forderung gestellt wird, ohne daß darüber We eine Seite sich mit der anderen vorher in geeigneter Weiserer* ständigt, haben uns die Erfahrungen der letzten Zeit gezeigt,(«ehr wahr I tintS.) Ich nehme also an, dag auch die Freunde des Vor- redners im Interesse des konfessionellen Friedens die Haltung der Regierung in dieser Frage als richtig anerkennen werden.(Ver- cinzeltes Bravo I rechts.) Abg. Dr. Friedberg(natl.) polemisiert gegen den Mg. v. Hehde- brand. Er hat nur große Worte gemacht, uns aber schließlich nur empfohlen, die Hände in den Schoß zu legen. Seine Ausführungen waren wohl eingestellt auf die Ausführungen des Kultusministers in der Kommission, und er war erstaunt, daß die Ausführungen des Ministerpräsidenten darüber wesentlich hinausgingen. Die Konflikte mit katholischen Geistlichen an höheren Lehranstalten würden am besten vermieden, wenn wir überhaupt nur weltliche Lehrer hätten. (Sehr richtig! links.) Der diplomatische Verkehr mit der 5lurie sollte in Zukunft nur durch Ucberreichung schriftlicher Skaten erfolgen.— Den Vorwurf der konfessionellen Hetze, den neulich Herr Dr. Hahn gegen unS erhob, weisen wir entschieden zurück. Mögen die Kon- servativen von einer derart demagogischen Agitation zurückkehren zu ihren alten besseren Traditionen.(Bravo i bei den National- liberalen.) Abg. Dr. Padjuicke(Vp.): Wir sind mit den Ausführungen des Ministerpräsidenten nicht so einverstanden wie Herr Dr. Fliedberg. DaS Friedensbedürfnis kam in ihnen stärker zum Ausdruck als das Selbstbewußtsein des Staates. Diese Nachgiebigkeit wird in Rom nicht gewürdigt und wahrscheinlich auch nicht erwidert werden. Die einzige positive Maßnahme, die der Ministerpräsident ankündigte, dahin, daß in Zukunft Geistlichen, die den Antimodernisteneid ge- leistet haben, nicht mehr der Unterricht in Geschichte und Deutsch neu übertragen werden solle, ist in dem halbamtlichen Stenogramm der Rede durch die Einfügung der Worte„in der Regel' noch abgeschwächt worden.(Hört! hört! links.) Und auch in den Worten des Kultusministers haben wir eine solche Ab- schwächung gesehen. Das einzig positive Ergebnis dieser Debatten wäre die Streichung der Gesandtschaft beim Vatikan. Da diese Ge- sandlschast sich als ganz überflüssig erwiesen hat. werden wir für die Streichung eintreten.(Bravo I links.)_ Staatssekretär des Auswärtigen v.Kiderlen-Wächter weist einige An- griffe des Vorredners gegen die Gesandtschaft beim Papst zurück. Es ist dem Gesandten mangelhaste Informationen vorgeworfen, er habe die Intentionen der Kurie nicht gekannt. DaS verlangen wir von keinem unserer Vertreter, daß sie die Absichten der fremden Regie- rung vorher kennen.(Heiterkeit.) Herr Pachnicke hat dann gesagt, für Viesen Gesandten brauchen wir bloß die Post. Schließlich muß doch aber auf der Post auch jemand sein, der schreibt.(Große Heiterkeit.) Ein Schlußantrag Ivird angenommen. Der Titel.Minister" wird bewilligt, ebenso der Titel„Gesandtschaften". Abg. Ströbel(Soz.) stellt gegenüber dem Abg. Porsch fest, daß er nicht zum Kulturkampf im landläufigen Sinne aufgefordert habe, sondern gerade für die katholische Kirche das Recht proklamiert habe, ihre Angelegenheiten völlig unabhängig zu regeln. Beim Kapitel EvangelischerOberkirchenrat wendet sich Abg. Runze(Vp.) gegen die geplante Ueberwachung� des Kon- firmandemlnterrichtS in Berliit und kritisiert die Zurücksetzung der liberalen Theologen an den Universitäten. Herr Porsch sagte heute: Freie Forscbung treibt man nicht um ihrer selbst willen, sondern um zur Wahrheit zu gelangen. Demgegenüber meine ich: man kann zur Wahrheit nicht anders gelangen, alS indem man die Wissen- schaft um ihrer selbst willen betreibt.— Wie weit wir heute noch von einer Volkskirche entfernt sind, beweist der Fall Jatho, auf den meine Freunde in der dritten Lesung näher eingehen werden. Abg. Winckler(k.): Der Fall Jatho ist eine innere Angelegenheit der evangelischen Kirche, und seine Besprechung vor dem inter« konfessionellen Abgeordnetenhause bedeutet eine Ueberschreitung der Grenzlinie zwischen Staat und Kirche.(Bravo I rechts.) Hierauf wird die Weiterberalung vertagt auf Do»merstag ll Uhr. Schluß 49/« Uhr._ parlamentanfcbca. Ein kläglicher Umfall in der Arztfrage. Die gestrige Sitzung in der ReichSversichcrungSordlMNgs- kommission deS Reichstages brachte eine Ucberraschung. Die Kompromißparteien zogen ihre Anträge zur Arztfrage zurück und beantragten, daß von jedem Versuch, die Arztsrage wirklich zu regeln. Abstand genommen wird. Die Regelung der Arztfrage soll einem—„besonderen Gesetz" vorbehalten bleiben. Vis dieses Gesetz erlassen wird, sollen folgende Bestimmungen gelten: Die Beziehungen zwischen Krankenkassen und Aerzten werden durch schriftlichen Bertrag geregelt. Die Bezahlung anderer Aerzte kann die Kasse, von dringenden Fällen abgesehen, ablehnen. So- weit es die Kaste nicht erheblich mehr belastet, soll sie ihren Mitgliedern die Auswahl zwischen mindestens zwei Aerzten freilasten. Die Satzung kann jedoch bestimmen, daß der Behandelte während desselben VersicherungöfalleS oder Geschäftsjahres den Arzt nur mit Zustimmung des Vorstandes wechseln darf. Die einzige Neuerung ist die Bestimmung auS dem RegiernngS entwurf. daß die Kaste berechtigt sein soll, statt der Krankenpflege oder der sonst erforderlichen ärztlichen Behandlung eine bare Leistung bis zu zwei Drittel deS DurchschnittSbetragS des gesctz- lichen Krankengeldes zu gewähren. Dies soll gestattet sein, wenn bei einer Krankenkasse die ärztliche Versorgung dadurch ernstlich ge« fährdet wird, daß die Kaste kernen Verlrag zu angcmestenen Be> dingungen mit einer ausreichenden Zahl voii Aerzten schließen kann oder daß die Aerzte den Vertrag nicht einhalten. In solchen Fällen ermächtigt daS Oberversicherungsamt(Beschlußkammer) die jkasse auf ihren Antrag widerruflich zu jener Ablösung der ärztlichen Hilfe' leistung. Graf v. Westarp begründete diese Anträge und erklärte dabei, daß er von den früheren Kompromißanträgen nur deshalb Abstand nehme, weil für dieselben keine Mehrheit zu finden sei. Abg. Horn schloß sich dem im Rainen der National- liberalen an. Dagegen traten die Mag. Dr. Mugdan sowie Dr. Fleischer (3) ganz besonders lebhaft für die neuen Anträge ein. Dr. Fleischer wollte sogar durchaus die freie Arztwahl allen Kasten vor- schreibe», sofern die Kassen dadurch nicht zu sehr belastet würden. Unsere Genossen Hoch, Mollenbuhr und Schmidt wiese» nach, daß die Ablösung der ärztlichen Hilfeleistung allein kein genügender Schutz für die Kasten sei und die Kassenmitglieder aufs ichw'erste schädigen könne. Daher hielten sie ihren Antrag aus- recht, daß bei Streitfällen in letzter Instanz ein S ch i e d L- aml die Bedingungen feststellt, die für einen Vertrag der Kasse mit den Aerzten zu gelten haben und daß kein Arzt von den StandcSoereincn der Aerzte wegen Abschlusses eines Vertrages nach diesen Bedingungen zur Zahlung einer Kon- ventionalstrafe gezwungen werden darf. Dieses Zwangsvorrecht der Aerzte müsse beseitigt werden, wenn den Kasten die Möglichkeit zu einer sachgemäßen Verständigung mit den Aerzten erschlosten werden soll. Abg. Behrens hat zwar die neuen Kompronnßanträge unter- schrieben, weiß aber noch nicht, ob er für die Anträge stimmen soll oder nicht. Abg. K u l e r s k y erklärte sich gegen die Anträge. Nach Schluß der Generaldebatte wurde die Verhandlung auf Donneretag vertagt. Huö Induftm und Handel. Der neue Bankkrach. Man muß damit rechnen, daß die Zahlungsschwierigkeit der Bankfirma Neudurger größere Bedeutung hat, alö es zunächst den Anschein haben konnte. Mittlerweile haben nämlich mehrere Unter- nehmen mitgeteilt, daß ihre Verbindlichkeiten bei der Bank in der letzte» Zeit fast restlos beglichen worden jejen. Neuburger hat demnach in der letzten Zeit wohl versucht, durch Eintreibung der Außenstände bei den mit ihm in ständigem Verkehr stehenden indu- striellen Unternehmen. Mittel flüssig zu machen, um die drohende Liquidation zu vermeiden. Da das nicht gelang, obwohl die Werke ihre Kredite bis aus ein Minimum reduzierten, darf man an- nehmen, daß Neuburger weitgehende Verpflichtungen zu erfüllen hat. Sie sollen sich auf 10 Millionen Mark bei S Millionen Mark Aktienkapital belaufen. Seitdem die Fürsten Hohenlohe und Fürstcnbcrg ihre Kapitalien der Verwaltung Neuburgers entzogen haben, fehlten dessen Unternehmungen die sicheren Grundlagen. Auch die Umwandlung der Firma in eine Kommanditgesellschaft ver- mochte dem Unternehmen, keine neuen Mittel zuzuführen. Vergeblich wurde dann versucht, durch Errichtung von Depositenkassen neue Spargelder des Publikums heranzubekommen. In fast vierzig Orten wurden Filialen errichtet, die sehr oft nur Agenturen waren. Die kleinen Dörfer der Provinz Brandenburg, Mecklenburg, Pom- niern, Schlesien und Sachsen, aber auch in Westfalen waren Zweigniederlassungen der Firma Neuburger, die durch das Angebot hoher Zinsen die Sparkapitalien an sich zu ziehen suchten. Gleich- zeitig sollten sie den Bauern die zweifelhaften Werte der Nenburger- dank aufhängen. Was aus der Bank werden wird, steht nicht fest. DaS Schicksal der Spargelder, von denen in der letzten Bilanz mehrere Millionen vorhanden waren, im besonderen, ist vollkommen dunkel. Seit einigen Tagen werden zwar Versuche gemacht, die Firma zu halten und sie soll sich auch schon an verschiedene Banken mit der Bitte um Unterstützung gewandt haben. Ob diese ihr zuteil werden wird, ist freilich noch sehr fraglich. Man glaubt. daß der sogenannte Fürstenkonzern die Liquidation übernimmt. Die Bank veröffentlicht jetzt folgende Erklärung: Die vielfachen Angriffe gegen unsere Firma, die vor allem durch anonyme Rund- schreiben in unserer Kundschaft in Tausenden von Exemplaren verbreitet wurden, haben seit Monaten eine immer steigende Be- unruhigung in diese Kreise getragen. Wir haben mit Aufgebot aller Kräfte die dadurch an uns herangetretenen Anforderungen zu befriedigen gesucht, da aber die Komplementäre unserer Ge- sellschaft, die Herren Karl und Fritz Neuhurger, sich diesen dauernden, auch persönlichen Angriffen nicht mehr gewachsen fühlen und ihren Austritt erklärten, beschloß der Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung, eine außerordentliche Generalversamm- lung zu berufen, um dieser die Liquidation der Gesellschaft vor- zuschlagen, sofern nicht die bereits eingeleiteten Verhandlungen zwecks Uebernahme der Bank zum Ziele führen. Es sollen vor- läufig die Kassen geschloffen, bis auf weiteres Zahlungen nicht geleistet und bei den Gläubigern der Gesellschaft ein Moratorium nachgesucht werden. Bei einer ruhigen Abwickelung der Geschäfte steht zu erwarten, daß alle Gläubiger voll befriedigt werden und auch noch ein erheblicher Teil des Aktienkapitals verbleiben wird. Wir sind mit der Aufstellung eines genauen Status der Gesell- schaft beschäftigt, der nach Fertigstellung sofort veröffentlicht werden wird. Rückgang der Schlachtungen. Ans dem Schlachthofe in Berlin ist bei den Schlacknungen von Rindern, Kälbern und Schafen ein ganz bedeutender Rückgang zu konstatieren. So sind im Monat Februar dieses Jahres, wie die„Allgemeine Flcischcrzeitung" mit- teilt, gegen den gleichet: Monat des Vorjahres weniger geschlachtet worden: 2399 Rinder, 1325 Kälber und 2075 Schafe. Teure? Brot. Der gelinden Preissenkung, die in der letzten Zeit sich bemerk- bar machte, ist schon wieder eine AuswärtSbewegung gefolgt. Nach den Ermittelungen des Statistischen Amts der Stadt Berlin kostete ein Kilogramm: Januar Februar Roggenbrot... 26.41 26.42 Pfennige Weizenbrot... 61,83 62,09, DaS Weizenbrot ist also schon wieder teurer geworden. Von der Aufwärtsbewegung ist allerdings auch Roggen erfaßt, ebenso Noggenmehl, auch die Kartoffeln sind im Preise gestiegen. Weizen dagegen wurde etwas billiger. Der Preis für 1000 Kilogramm Roggen stieg von 147,66 M. auf 149,62 M, der Weizenpreis ging von 204,27 M. auf 201,63 M. zurück, Roggenmehl, das im Januar 19,27 M. kostete, mußte im Februar mit 19,60 M. bezahlt werden und der Preis für 1200 Kilogramm Kartoffeln hob sich um 1 M. aus 54,00 M. Berücksichtigt man dazu das erneute Anziehen der Fleischpreise, dann ist kaum zu leugnen, daß wir bedenklichen Ver- Hältnissen entgegensteuern. Daß die Regierung sich mit der Frage beschäftige, wie dem drohenden Notzustand entgegengewirkt werden könne, davon hört man nichts. Das ist erklärlich: Die Junker und ihre Gesellen erlauben eS der Negierung nicht, Maßnahmen zur Er« leichterung der Ernährung deS Volkes zu ergreifen. Hibenün. Der Aufsichtsrat beschloß, von dem abzüglich aller laufenden und außergewöhnlichen Betriebsausgaben sowie der Anleihezinsen von 779 740 M. verbleibenden Bruttogewinn 4 070124 M. zu Abschreibungen und 460000 M.— 4>/z Prozent Dividende auf die Borzugsaknen zu verwenden und von dem Rest die Verteilung einer Dividende von L'/z Prozent auf die Stamm- aktien der diesjährigen ordentlichen' Generalversammlung vor- zuschlagen. Letztere soll auf den 4. April d. I. nach Düsseldorf ein- berufen werden. Kali. Die Verteilungsstelle für die Kaliindustrie hat die Ge- famtabfatzmenge für das Kalenderjahr 1911 auf 9 019 400 Doppel- zentner reines Kali festgesetzt. Von dem Gcsamtquantum cnt- fallen 4 413 800 Doppelzentner auf das Inland und 4 600 600 Doppelzentner auf das Ausland. Allem Anschein nach soll der Kalistreit mit den Vereinigten Staaten noch nicht zur Ruhe kommen. Kürzlich hat Senator EurtiS ein Amendement zirm Reinnahrungsmittelgesetze angeregt, dahingehend, daß, sofern der Präsident entdeckt, daß eine fremde Regie- rung ihre durch Vertrag festgelegten Verpflichtungen verletzt, und zwar dadurch, daß sie sich bemüht, durch bedrückende, diskriminierende und konfiskatorifche Maßnahmen das von Bürgern der Vereinigten Staaten in legitimer Weise in solchem Lande investierte Kapital zu gefährden, zu benachteilige» oder zu vernichten, der Präsident befugt sein soll, anzuordnen, daß die Einfuhr auL solchem Lande in die Vereinigten Staaten ausgeschlossen werden soll. Die befür- wartete Amendierung soll dem Präsidenten vermehrte Autorität verleihen, in bestimmten Fällen zu handeln, in welchen amerikanisches Kapital, das gemäß Vertragsbestimmungen in ausländischem Besitz oder Handel investiert ist, mit Konfiskation oder mittels bedrücken- der oder diskriminierender Maßnahmen durch willkürliches Vor- gehen einer Auslandsnation bedroht wird, sofern nach Ansicht des Präsidenten diese Handlungsweise eine Verletzung von Vertrags- Verpflichtungen einschließt.— Offensichtlich ist das deutsche Kali- gesetz rcsp. der Kouslikt mit den amerikanischen Kaliintercssenten die direkte Veranlassung dieses Amendements. Hua der frauenbewegung. Die FraucnwahlrechtSsrage anf Island und in Dänemark. In dem kleinen zu Dänemark gehörenden Jnfellande Island besitzen die selbständigen Fronen von, 26. Lebensjahre ab bereits seit dem Jahre 1892 daS Wahlrecht anf kommunalem und kirchlichem Gebiete, vom politischen Wahlrecht sind sie jedoch bis jetzt noch ausgeschlossen. In der gegenwärtigen Session des isländischen Parlaments, des Altings, haben nun zwei radikale Abgeordnete einen LersaffungSentwurf eingebracht, in dem die Einführung des allgemeinen und gleichen politischen Wahlrechts für Männer und Frauen vom 21. Lebensjahre ab verlangt wird. Der Entwurf enthält im übrigen verschiedene andere Forderungen, die dem isländischen Staate größere Selbständigkeit geben, ihn von Däne- mark mehr unabhängig machen sollen. Die radikale und dcnio- kratische Richtung in der isländischen Politik macht immer stärkere Forlschritte, so daß man in absehbarer Zeit auf die Durchführung des politischen Frauenwahlrechts rechnen kann. Das d ä n i s ch e F o l k e t h i n g hat in der verflossenen Woche den Entwurf zu einer Verfassungsreform, die unter anderem den Frauen sowie den Dienstleuten das allgemeine und gleiche staats- bürgerliche Wahlrecht bringen soll, in zweiter Lesung angenommen. Das besondere und doppelte Wahlrecht, daS die Höchsth-stcuerien jetzt zum LandSlhing, der Ersten Kammer des dänischen Reichstag haben, sollen die Frauen jedoch nicht erhalten. Es war für unsere Parteigenossen selbstverständlich, daß sie dem Pluto- kranschen System des Zweiklassenwahlrechts nicht noch mehr Macht in die Hände spielen, den Leuten vom großen Geldsack durch ein neues Privilegiertcnwahlrecht ihrer Frauen noch mehr Einfluß verschaffen wollten. Gesichelt ist die Verfassungsreform mit dem Frauenwahlrecht noch nicht; wenn sie auch in dritter Lesung an- genommen wird, steht immer noch die Zustimmung des Landsthings ans und dann muß der ganze Reichstag aufgelöst werden und ein neuer die Reform abermals beschließen, um ihr Gesetzeskraft zu ver- schaffen._ Sozialed. Internationale Konsumvereinsstatistik. DaS„Internationale Genossenschaftsbulletin" hat kürzlich eine interessante Uebersicht über den Stand der Konsumsvercinsbewegung in den wichtigsten europäischen Ländern im Jahre 1909 veröffent- licht. Zum Teil liegen der Statistik amtliche Erhebungen in den betreffenden Ländern, zum Teil die Berichte der genossenschaftlichen Verbände zugrunde. Das Ergebnis ist folgendes: Großbritannien Deulschtand trankrcich.. chweiz... Dänemark.. Belgien... Schweden.. Zahl der berichtend. Konsum- Vereine 1430 1406 2683 290 300 879 376 Zahl d. Mitglieder überhaupt Umsatz pro überhaupt Verein in 1000 M. pro Mitgl. in M. 669,70 267,30 267,80 347.80 404,20 222,30 460,30 2 469 039 1726 1 406 301 1 334 444 960 366 889 762 263 296 194222 204264 704 71040 113 086 141 44 703 260 106 669 64 648 66 421 174 24 429 Großbritannien steht also in jeder Beziehung an der Spitze, mit Ausnahme der Zahl der Vereine, hinsichtlich deren es von Frankreich übertroffen wird. Es hat die meisten Mitglieder, sowohl absolut als auch pro Verein und ebenso bei weitem den größten Umsatz sowohl absolut als auch pro Mitglied. Ihm folgt Deutsch- land hinsichtlich der Mitglicdcrzahlen und des Gesamtumsatzes. Leider steht das Deutsche Reich bezüglich des Durchschnittsumsatzes pro Mitglied, der den Gradmesser für die intensive EntWickelung des Eenosscnschasiswesenö bildet, mit Frankreich und Belgien an letzter Stelle. Frankreich exzelliert, wie schon erwähnt, durch hohe Zahl der Einzelvcrcine; doch ist dementsprechend die Mitgliederzahl pro Verein recht klein. Die kleine Schweiz weist im Vergleich zu ihrer Bevölkerungsziffer eine sehr intensive EntWickelung der Kon» sumvereinsbewegung auf. Ihre Durchschnittsmitgliederziffer pro Verein und ihr Durchschnittsumsatz pro Mitglied ist ziemlich hoch. Dänemarks fast ausschließlich ländliche Konsunwercinsbewegung kommt in den geringen Mitgliederzahten der einzelnen Vereine zum Ausdruck; ziemlich h.ch ist hier der Umsatz pro Mitglied. Belgien hat weniger aber bedeutend stärkere Vereine, die Durch« schnittsumsätze sind klein._ Ter Fluch der Werks-PenssouSkaffen. In Duisburg wurde in vergangener Woche durch eine Brand« kakastrophe die Böningersche Spinnerei teilweise zerstört, während zu derselben Zeit fast das gesamte Personal der Weberei— über 300 Arbeiter und Arbeiterinnen— wegen bevorstehender Still» lcgung des Betriebes in Kündigung stand. Ob die Stillegung der Weberei geschah, weil die Einrichtung technisch nicht mehr auf der Höhe stand, oder ob ein vorteilhäfter Bertauf der Fabrik die Ur- fache ist, mag dahingestellt bleiben. Es stand jedenfalls die in» zwischen erfolgte Stillegung der Weberei bevor, als der Brand tcillvcise auch die Spinnerei lahm legte. Die Zustände in den Dr. Löningerschen Tcxtilsabriken waren für die Arbeiter die denkbar schlechtesten, die Löhne wohl die niedrigsten in Duisburg. Den- noch hatte der Betrieb wie fast alle Tcxtilsabriken eine gewisse Anzahl älterer Arbeiter und Arbeiterinnen, welche alt und grau im Betriebe geworden, und die wiederum ihre Kinder in dasselbe Joch hatten eintreten lassen. Diese alten Arbeiter, die mit dem Betriebe gewissermaßen verwachsen Ivaren, gehen nun infolge der Außerbetriebsetzung der Weberei dem bittersten Elend entgegen. Leute, die ein Menschcnalter und länger mit ihrer Hände Fleiß der schwerreichen Firma Böninger die Millionen haben schassen helfen, die bei Löhnen von Ii», 18 bis 24 M.— in 14 Tagend) ein Leben voll Sorge und Entbehnmg zurückgelegt haben, sie sahen sich plötzlich arbeitslos auf die Straße gesetzt, weil es dem Inhaber des Betriebes nun mal aus diesem oder jenem Grunde einfällt, den Betrieb still zu legen. Allerdings, die Kündigungsfrist hatte man gewahrt— o ja, man handelt gesetzlich! WaL hat denn die Arbeiter veranlaßt, bei einer so jämmcr- lichen Bezahlung sich und ihre Familienangehörigen an einen sol- chen Betrieb zu ketten? D:e„Pensionskaffe" heißt es sicherlich in 90 von 100 Fällen. In vielen Fallen lag cS auch wohl so, daß die Weber, von denen ein großer Teil Oesterreicher waren, deshalb aushieltcn, weil sie kein Geld zur Rückfahrt hatten und im übrigen so dastanden, daß es ihnen zwmlich gleich war, wo sie schafften, weil sie einsahen, daß sie trotz aller Arbeit doch nicht aus dem Elend herauskamen. Nun lebten diese Leute bis zum Ablauf der Kündigungsfrist in dem Wahne, daß die Stillegung deS Betriebes auch die Auflösung der PensionLkassc im Gefolge haben müsse. Aber das tvar ein schwerer Irrtum. Da der Betrieb der Abteilung „Spinnerei" vorläufig noch bis auf unbestimmte Zeit weiter be- steht, so wird auch die Pensionskasse, in der sich etwa 60 000 M. befinden sollen, allein für die Spinnerei fortbestehen. Und jeder, der nicht die ziemlich hohen Beiträge selbst weiter bezahlt, ist seiner Mitgliedschaft verlustig. Das dürfle so ziemlich für alle zutreffen. Das Ende vom Liede stt also, daß die armen Teufel, die ein Leben voll Not und Entbehrungen hinter sich haben, schließlich nnerbitt- lich auf das Straßenpflaster fliegen, nachdem sie schon die Hand nach der„Pension" glaubten ausstrecken zu können. Zum Fluch ist ihnen daS Liebäugeln mit der PensionLkasse geworden! Möchten sich doch andere das Beispiel zur Warnung dienen lassenl Daß die Arbeiter im Böningersckien Betriebe der Organisa» tion leider noch fernstanden, ist nach Vorstehendem wohl selbstver» ständlich._ Schuldner von Unfallberufsgenosscnschaftcn. „Streng vertraulich! Nur für die Mitglieder der Rheinisch- Westfälischen Baugcwerks-Bcrufsgenosscnschaft bestimmt!" ist ein Verzeichnis derjenigen Mitglieder der Sektion III der Bauberufs- gcnossenschaft überschrieben, die noch Beiträge aus 1908 oder auS früheren Jahren an die Genossenschaft schulden. Aufgestellt ist das Verzeichnis am S. Juni 1910. Die Bauberufsgenossenschaft muß es wohl als eine Blamage empfinden, daß sie mit einem solchen Schuldkonto sozialer Verpflichtungen an die Oeffentlichkeit geraten konnte, wie es das mit dem Signum„Streng vertraulich!" ver- sehene Verzeichnis darstellt. Nun, wir sind so frei, ebenso wie früher von ähnlichen Schreiben, von dem Material Gebrauch zu machen, das uns ein günstiger Wind in die Rcdaktionsstube geweht hat. Es trägt dazu bei, der Oeffentlichkeit darüber Klarheit zu geben, wie cS mit der so vielgerühmtcn sozialen Pflichterfüllung in gewissen Untcruchmerkreisen bestellt ist, die sich so gern au| ihre sozialen Leistungen noch etwas Besonderes zugute tun. Insgesamt umfaßt die Liste SS3 Firme», die im einzelnen Berufsgenossenschaftsbeiträge bis zu 1SS7,28 M. aufwärts schulden. Die darin enthaltene Gesamtsumme nicht gezahlter Beiträge be- ziffert sich auf insgesamt K6 70S,16 M. Dieser Betrag verteilt sich auf die der Nheinisch-Westfälischen Bauberufsgenossenschaft Sektion III angeschlossenen Kreise wie folgt: tV*»*«-- Kreis Elberfeld.... 11 702 SZ M. „ Barinen..... 5 600,70 Mettmann Lennep.. Solingen. Remscheid. Eisen sStadt) Essen(Land) Duisburg. Dinslaken. Oberhausen Mülheim. Rees... 2 847,63 266,44 5 492,76 1491,17 10 507,41 4358,89 2 359,63 6 362,79 5 163,04 1 859,61 6 640,37 Regie-Bauunternehmer aus den verschiedenen Kreisen schulden zusammen außer obigen Summen noch 2021,90 M. Die höchste Summe(1575,28 M.) schuldet ein Unternehmer in Essen(Stadt); die niedrigste Summe beträgt 1,12 M. und entfällt ebenfalls auf Essen. Soweit uns die in dem Verzeichnis aufge- führten Namen bekannt sind, handelt es sich um mittlere und kleinere Unternehmer aus den verschiedensten Berufen des Baugewerbes Ein verständiges Urteil. Wiederholt haben wir an dieser Stelle das Bestreben der Schiedsgerichte für Arbciterversicherung und des Reichsversicherungs mntcs, die Rechtsprechung nach rückwärts zu revidieren, an der Hand von Entscheidungen kritisieren müssen. Immer und immer wieder wird von den Genossenschaften versucht, einmal festgesetzte Renten herabzusetzen. Gegenüber diesem zur ständigen Praxis gewordenen Verfahren sticht eine vor kurzer Zeit ergangene, mittlerweile rechts- kräftig gewordene Entscheidung des Schiedsgerichts für Arbeiterver sicherung zu Altenburg vorteilhaft ab. Der Fall ist folgender: Der Fleischergeselle K. erlitt am 13, März 1902 dadurch einen Unfall, daß er mit einer Mulde Speck, die er trug, zu Fall kam. Hierbei riß er einen Kollegen mit um. Der andere Kollege hatte ein großes Messer in der Hand und schnitt damit K. in die linke Wade. Einige Muskeln und ei» Nerv wurden durchgeschnitten. Auch stellte sich BluV Vergiftung ein. Für die Folgen des Unfalls erhielt K. eine Rente von 75 Proz. Diese wurde von der Fleischerei-Berufs- genossenschaft auf 50 Proz. herabgesetzt. K. legte Berufung ein. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung Alten bürg borte den Vertrauensarzt, Sanitätsrat Dr. W., der die Folgen auf mindestens 60 Proz. schätzte und ausführte, daß sich K. noch weiterer Operationen unterziehen müßte. Auf Grund dieses Gutachtens wurde dem Verletzten die bis herige Rente zugesprochen. Das Schiedsgericht sagt unter anderem Inwiefern sich bei dieser Sachlage die Er� werbsfähi gleit des K. gebessert haben soll, ist dem Schiedsgericht nicht erklärlich gewesen; eS hat es vielmehr für selbstverständlich angesehen, daß ein Mann, der um Heilung zu suchen und zu finden, von einem Krankenhaus in das andere wandern muß, eine auch nur einigermaßen lohnende Beschäftigung nicht finden kann. Wieder Arbeitgeber wird sich vielniehr hüten, einen derartig leidenden Menschen zur Arbeit anzunehmen." Nach dieser Entscheidung übernahm dann die Genossenschast das Heilverfahren und gewährt- die Vollrente. Diese Feststellung ist für den Arzt der Genossenschaft nicht gerade schmeichelhaft._ Leider sehen wir immer und immer wieder, daß Aerzte und auch rechtsprechende Instanzen Verletzte um 20. ja um 10 Proz. für arbeitsfähig erklären. Ob der Verletzte derartige Arbeiten finden kann, darauf wird keine Rücksicht genommen. ES gibt ja genug gesunde Arbeiter; der Arbeitgeber hütet sich daher, Arbeiter ein- zustellen, deren Arbeitskraft nach Ansicht der Aerzte nur noch 20 oder 10 Prozent beträgt.__ Gerichts-Zeitung» Abgemilderte Klassenjnstiz. Anfang Dezember 1910 berichteten wir über ein Streit urteil des Hamburger Amtsrichters von L ö h l. Dasselbe wurde auch von verschiedenen bürgerlichen Blättern als ein Ausfluß der Klassenjustiz bezeichnet. Ein Werft- arbeiter D ü ß l e r war von dem Forum dieses Richters, das sich in„solchen Dingen" immer als scharf erweist, aus§ 153 der Gewerbeordnung zu dem Straf maximum von dreiMonatenGefängnis verurteilt worden, nachdem zwei Belastungs- und zwei Entlastungszeugen vernommen worden waren. Mit Rücksicht auf die Strafhöhe glaubte von Lößl, den verheirateten, bisher unbestraften Angeklagten in Haft nehmen zu sollen, wie auch die beiden sTntlastungs- zeugemwegen VerdachtsdesMeineidsinHaftge- rieten. In der schriftlichen Urteilsbegründung führt der schneidige Richter aus,„die anderen Entlastungszeugen, die bereit waren, dasselbe zu beschwören-(wie die Zeugen Graf und Brandt), sind nicht vernommen worden, um sie vor einem Meineid zu bewahren." Gegen dieses horrende Urteil legte Düßler Berufung ein, die ain Dienstag die Strafkammer I in mehr als fünfstündiger Sitzung beschäftigte. Erinnert sei daran, daß die drei Ver- hafteten bereits am folgenden Tage auf freien Fuß gesetzt worden sind, da der zuständige Richter die Voraussetzungen des Amtsrichters von L. nicht als vorliegend erachtete und daß die Staatsanwaltschaft die Erhebung einer Meineidsanklage ablehnte. Während der Angeklagte wie die Zeugen Graf und Brandt behauvteten, daß die inkriminierten Worte— Streikbrecher, Heidelberger, Halunken— seitens der Angeklagten nicht ge- fallen seien, bekundeten zwei Arbeitswillige das Gegenteil. Das Gericht hob nach langer Beratung das merkwürdige Urteil auf und erkannte nur wegen B e l e i d i- g u n g auf eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Sämtliche Zeugen seien glaubwürdig, nur hätten die Entlastungszeugen sich nicht in unmittelbarer Nähe des rufenden Angeklagten aufgehalten, so daß sie bei dem Tumult dessen Worte nicht verstanden hätten. Aitf Gefängnis müsse erkannt werden mit Rücksicht aus die Situation, in der sich die Arbeitswilligen befanden. Das Urteil erster Instanz ist somit beseitigt. Aber auch das jetzt gefällte Urteil ist mit dem allgemeinen Ztechtsenipfin- den des Volks unvereinbar. Selbst wenn die beleidigenden Worte gefallen sein sollten— wie läßt sich die auch jetzt noch bestehende Strafhöhe rechtfertigen? Mißt man der Gesamtsituation eine auf das Strafmaß erhebliche Bedeutung bei, so könnte sie doch nur straf mildernd ins Gewicht fallen. Und dennoch— Freiheitsstrafe! Wie viele, weit schwerer wiegende Beleidigungen, die Studenten, Gutsbesitzer oder Beamte sich zu schtilden komnten ließen, sind mit einer geringen Geldstrafe gesühnt. Auch das Straf- kammerurteil atmet den Geist der Klassenjustiz. Wie in einer als Festschrift zum K0jährigen Jubiläum des Professor Lißt jüngst erschienenen Zlbhandlung des R e ch t s a n w a l t s D r. Siegfried Wcinberg�„Die wirtschaftlichen Kämpfe der Arbeiter und die Strafrechtspflege", treffend dargelegt wir!', die Richter verfallen, iveil und soweit sie die Wirtschaft- lichen Kämpfe der Arbeiterklasse nicht objektiv zu beurteilen vermögen. Das ist der Grund, weshalb die Strafmilderungs- gründe, die für die Beurteilung einer Straftat vorliegen, die anläßlich eines Streikes begangen ist, so ist oft als Straf- schärfungsgründe erachtet werden. Zur Feuerbestattung. Schon vor zwei Jahren hat das Reichsgericht sich dahin aus- gesprochen, daß die Beisetzung von Aschenrosten in einem Erb- begräbnisse nicht mit Rücksicht auf die strengen religiösen Gefühle anderer untersagt werden kann. Und zwar ist davon ausgegangen worden, daß die Feuerbestattung von den meisten Religionslchren anerkannt und im allgemeinen nicht als unreligiös empfunden werde. In den jüngst vergangenen Tagen hatte sich das Reichsgericht mit einer ähnlichen Frage zu befassen. Es handelt sich um zwei gegen die Deutsch-Jsraelitische Gemeinde in Hainburg erhobene Klagen; die eine hat der Testamentsvollstrecker eines gewissen H. erhoben mit dem Antrage, daß die Aschenreste des im Hamburger Krematorium verbrannten H. auf dem Jüdischen Friedhofe in Ohlsdorf neben dem Grabe seiner Frau, auf dem vom Verstorbenen schon zu Lebzeiten reservierten Platze beigesetzt werden, die andere haben die Kinder einer verstorbenen T. mit dem Begehren erhoben, daß die Aschenreste ihrer Mutter wunschgemäß neben dem Grabe des Vaters ruhen. Die beklagte Jüdische Religionsgemeinde weigerte sich, die Beisetzung an den bezeichneten Stellen zuzulassen, weil sie für eingeäscherte Leichname einen besonderen Platz vor gesehen habe und damit dem Religionscmpfindcn ihrer Gläubigen Rechnung trage. Das Landgericht und Oberlandcsgericht Hamburg haben in beiden Fällen den Klagen entsprochen und die beklagte Religions- gemeinde verurteilt, in die Beisetzung der Aschcnreste an den ver- traglich ausbedungenen Stelle» zu willigen. In den Entscheidungsgründen führt das Oberlandesgericht zunächst aus, daß das Reglement, auf Grund dessen der Erwerb der Bcgräbnisstellen stattgefunden habe, über die Beisetzung von Aschenrcstcn allerdings nichts enthalte. Angeordnet sei aber auch nicht, daß der Bcgräbnisplatz ausschließlich zur Beisetzung von Leichen, d. h. unverbrannter Körperteile zu dienen habe. Es sei nur bestimmt, daß er zur Beerdigung von Angehörigen der Deutsch-Jsraelitischen Gemeinde zu dienen habe. Danach kann die Beisetzung von menschlichen Ueberresten verlangt werden ohne ein Erfordernis über die Beschaffenheit der Ueberreste. Mit dieser vertraglichen Erledigung ist aber, wie das Oberlandesgericht weiter erklärt, die Frage noch nicht vollständig entschieden. Mit Rücksicht auf die rituellen jüdischen Gebräuche kann ein Recht zur Ver- sagung der Beisetzung auch dann bestehen, wenn die Gemeinde eine Beerdigung als gegen ihre geheiligten Sitten verstoßend an- sieht. Das Gericht erachtet sich jedoch zur Entscheidung über diese Frage enthoben. Denn die beklagte Gemeinde hat selbst einen Teil ihres Friedhofes für die Bestattung von Ueberresten eingeäscherter Leichen zur Verfügung gestellt, ohne zum Ausdruck zu bringen, daß diesem Teil irgendwie ein minderwertiger Charakter anhafte. Mithin müsse im Widerstreit der Gefühle derjenigen, die die Afchenreste zwischen den übrigen Ueberresten nicht dulden wollen, mit den Gefühlen der Ehegatten, die gern nebeneinander ruhen wollen, der Vertrag den Busschlag geben. Deshalb habe die beklagte Jüdische Gemeinde in die Beisetzung der Aschenreste zu willigen. Gegen diese Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamburg hat die Deutsch-Jsraelitische Gemeinde noch das Reichsgericht an- gerufen. Dies ist am 4. d. M. dem OberlandeSgericht beigetreten und hat in beiden Klagesachen auf Zurückweisung der Revision erkannt. Die Entscheidungen des Reichsgerichts heben sich von der be- kannten Oberverwaltungsgerichtsentscheidung, die das Hagener Krematorium betrifft, dadurch vorteilhaft ab,'daß es die Tüftelei, Beerdigung" sei mit Feuerbestattung unvereinbar, nicht mitmacht. Steuerfreiheit im Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Die Nathenower Schützengilde war vom dortigen Magistrat ordnungsgemäß wegen verschiedener Gartenkonzerte, Kinderfeste und des Schützcnballs zu der Lustbarkeitssteuer herangezogen wor- den. Sie weigerte sich aber, die Lustbarkeitssteuer zu zahlen, weil aus diesen Veranstaltungen weder die Schützengilde noch der Pächter Gewinn erziele; im übrigen werden diese Feste nur aufrecht er- halten, um die sozialdemokratische Maifeier und die Volksfeste ab- zuschwächen. Der Potsdamer Bezirksausschuß wies die Klage ab, da in dem betreffenden Statut die Gründe, welche eine Steuer- freiheit bedingen, genau angegeben sind. Der Schützengilde wurde noch vom Rathenower Magistrat versichert, daß sie in ihren Be- strebungen gegen die Sozialdemokratie selbstverständlich seine Unter- siützung fände, es frage sich aber noch, ob Volksbelustigungen, Fest- essen usw. ein besonders wirksames Mttcl im Kampfe gegen die Sozialdemokratie sei. Dabei führten die Schützen in ihrer Be- aründung noch an, daß zu diesen Festlichkeiten nur geladene Gäste Zutritt haben. Die Rathenower Schützen huldigen anscheinend dem Grundsatz:„Patriotismus ist steuerfrei." Drei Monate Gefängnis wegen— 15 Pfennige. Wegen Diebstahl von Holz stand der Rentengutsbcsitzer Schwarz aus Fuchskamp, Kreis Bütow, vor der Strafkammer in Stolp. Er hatte eine Portion Buchenreiser aus dem Walde gekauft und wollte sie nach Hause bringen, als sein Sohn eine Buchenklobe liegen sah. Er lud sie auf und fuhr nach Hause. Als ihm der Förster begegnete und ihn darauf aufmerksam machte, daß das Diebstahl sei, warf er das Stück Holz fort. Trotzdem erstattete der Förster Anzeige. Mit Rücksicht darauf, daß die Klobe Holz einen Wert von 15 Pf. hatte und ein Schaden nicht entstanden ist, erkannte das Gericht auf die gesetzlich mindeste Strafe wegen Rückfalldiebstahls von drei Monate Gefängnis. Ein sehr empfehlenswerter Hüter der Ordnung hatte sich gestern in der Person des früheren Nachtwächters, jetzigen Arbeiters Wilhelm Abdeln aus Charlottenburg unter der Anklage der Kuppelei vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten. Der Angeklagte war bei der Wach- und Schließ- gcsellschaft in Charlottcnburg als Wächter angestellt gewesen. Trotz seiner verhältnismäßig geringen Einkünfte mietete er in der Rosinen- straße eine Wohnung für 1200 M. Miete, die er zu einem Ab- steigequarticr einrichtete. Da er des Nachts aus der Straße zu tun hatte, fiel es ihm nicht schwer, sich genügend„Kundinnen" zu verschaffen. In zahlreichen Fällen soll er sogar auf der Straße Herren angesprochen und ihnen seine Vermittelung angeboten haben. In anderen Fällen öffnete er fremde Häuser und ließ die Mädchen mit ihren„Kavalieren" hinein, während er draußen Posten stand und darauf achtete, daß das Liebesidyll keine Störung erlitt. Die Anklage behauptet ferner, daß der Angeklagte eine 14jährige Arbeiterin H. unter dem Hinweise, daß sie viel Geld verdienen könne, verleitet habe, das Elternhaus zu verlassen und zu ihm zu ziehen, wo er dann die Bekanntschast mit einem bei ihm wohnhasten Bankbeamten vermittelte. Die Wohnung des An- geklagten wurde als bordellmäßiges Quartier benutzt. Mit Rücksicht auf das höchst verwerfliche Treiben des Auge- klagten beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von VA Jahren. Das Gericht erkannte ans ein Jahr Gefängnis, be- schloß auch die sofortige Verhaftung des Angeklagten. Eine außerordentlich hohe Strafe beantragte gestern der Staatsanwalt gegen den Gastwirt Paul Henze, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Mit ihm faß der von ihm verletzte Arbeiter Friedrich Sohla auf der Anklage- bank. Letzterer war eines Tages in das Henzefche Lokal getreten, hatte sich ein Glas Bier bestellt und dann sich sehr unangemessen benommen, so daß der Wirt diesen Gast am liebsten wieder aus dem Lokal herausgehabt hatte. Als Sostla trotz wiederholter Er» Mahnungen des Henze mit dem Unfug nicht aushörte, forderte dieser den unliebsamen Gast zum Verlassen des Lokals auf, erhielt aber eine, mit einer schweren Beleidigung gegen seine Ehefrau durchsetzte Antwort. Nun riß dem Wirt die Geduld, er ergriff einen Knüppel und schlug nach Sohla. Dieser wehrte sich, es kam zum Handgemenge und als Sohla schon am Boden lag, ließ Henze sich dazu hinreißen, ein WeißbierglaS zu ergreifen uni> damit aus den Kopf seines Gegners zu schlagen, so daß es in Scherben ging. Sohla hatte blutige Kopfverletzungen davongetragen, die seine Ucberfübrung in ein Krankenhaus notwendig machten. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage aus jj 224, indem sie annahm, daß der Verletzte infolge der Schläge aus seinen Kopf in Geisteskrankheit verfallen sei. Obgleich dieses erschwerende Moment nach dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Hossmann wegfiel, beantragte Staatsanwalt Ludwig doch gegen Henze zwei Jahre Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Rechtsanwalt Posner be- kämpfte diesen Strafantrag. Er gab zu bedenken, daß Henze durch das Verhalten des Sohla und dessen schwere Beleidigung der Ehe- frau in äußerste Erregung versetzt worden sei und sich gewisser- maßen in der Notwehr befunden habe.— Das Gericht berücksichtigt« auch die Erregung des Henze und verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis und zu einer an Sohla zu zahlenden Buße von 200 M. Letzterer wurde wegen Beleidigung zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Euq aller Mclt. Die 8tucUeiirdre. Die gute Presse hatte lebhaft bedauert, daß in den Berichten über die indische Kronprinzenreise so sehr viel von Festen, Spielen. Jagden und Empfängen, aber nur wenig von ernsthaften„Studien" die Rede war. Diesem Mangel soll jetzt zur besonderen Freude aller Patrioten abgeholfen werden. In dein letzten Berichte heißt es: „Sehr interessiert zeigte sich der Tbonfolger bei diesem Be- suche(einer Jutefabrik) für die Verhältnisse der eingeborenen Arbeiterschaft. In dem Betriebe waren in großer Zahl Frauen und Kinder beschäftigt und der Kronprinz ließ sich genaue Daten geben über die Länge der Arbeitszeit und die Höhe des Lohnes der verschiedenen Arbeiterkatcgorien. Die Verhältnisse sind größten- teils von den europäischen sehr verschieden, und die Löhne selbst für orientalische Verhältnisse erstaunlich niedrig.... Der Kronprinz unterhielt sich mit mehreren der Arbeiter über ihre persönlichen Verhältnisse, scherzte mit den kleinen schwarzen Hand- langern, die fast ganz nackt in den weiten Maschinenhallen herumtollten. Einige von ihnen erfreute er mit Geldgeschenken. Nach mehr als einstündigcm Aufenthalt in den Fabrikanlagen verabschiedete sich dann der Kronprinz von den Fabrikleitern, sehr befriedigt von seinem Besuch, der ihm einen äußerst interessanten und lehrreichen Einblick in das innere Getriebe des indischen Wirtschaftslebens verschafft hotte." Wer bisher glaubte, daß die Reise nach Asien eine Ver« gnügungsfahrt gewesen sei, wird nun hoffentlich eines besseren belehrt sein. Es kann doch nicht verlangt werden, daß ein Prinz den ganzen Tag studiert; um so weniger ist ein solches Verlangen zu stellen, als die fast sprichwörtlich gewordene Intelligenz aller Prinzen eS ihnen ermöglicht, durch den einstündigen Besuch einer Fabrik einen Einblick indaS innere Getriebe deS Wirt» schaftslebens zu erhalten. Hurra du stolzes schönes Weib... Am letzten Sonntag veranstaltete der Kriegerverein in H«» ringen im Kreise Sangerhausen eine»„patriotischen" Abend, zu dem folgendes illustre Programm' aufgestellt wurde:.Der Krieg von 1870/71",„Vor dem Sedantag oder ich habe den Kaiser ge« sehen" und„Manöverliebe". Alle Einlvohner deS Städtchens, denen noch ein patriotisch Herz im Busen schlägt, hatten sich im Festlokale eingefunden, um sich an den versprochenen Meisterwerken zu er« bauen. Der Vorhang geht in die Höhe und den Staunenden präsentiert sich im ersten Bilde die Germania, wundervoll dargestellt durch eine der Schönen der Stadt. Nur einer ist's, der ob des Anblicks sich nicht freut. Ihn— nämlich den Herrn Bürgermeister— erfaßt ein Grausen und nach dem Erscheinen des ersten Bildes löste er den patriotischen Abend auf mit der Begründung, daß eS keine patriotische Beran» ialtung sei, sondern Klimbim. Alles mußte geräumt werden, der Saal und alle übrigen Räume der Gastwirtschaft. Selbst die reguläre Polizeimacht genügte nicht, und so wurde noch ein zufällig anwesender Unteroffizier requiriert. Die Gefahr muß wirklich groß gewesen sein. Den H e r i n g e r Kriegern aber erscheint seit dieser Zeit der Herr Bürgermeister sehr verdächttg. Was nicht alles die Dame Germania zuwege bringt!_ Der Harem des Stationsvorstehers. Eine höchst sonderbare Entdeckung wurde auf der russischen Eisenbahnstation Taschkent gemacht. Wie dem.B. T." gemeldet wird, wurde durch eine Revision der Bahn festgestellt, daß der Stationschef sich auf Staatskosten einen Harem von zweiundzwanzig jungen, hübschen Mädchen auf der Station hielt. Die jungen Mädchen waren als Tele» graphistinnen. Dienerinnen und sogar als Beamtinnen ein- getragen und bezogen ein stattliches Gehalt, obgleich sie einzig und allein zum Amüsement des Stationschefs dienten, der fröhliche Feste mit ihnen veraltstaltete. Der Stationschef und die meisten Beamten ivaren auch an zahlreichen Bah ndieb stählen beteiligt. Der Stationschef nahm bei der Teilung deS Raubes stets die Manu- fakturwaren, namentlich die Wäsche und Damenkleider stir seinen Harem. Die Revision stellte ferner fest, daß der Wartesaal der ersten Klasse vom StatiouSchef zur Veranstaltung seiner Festlichkeiten be- nutzt wurde, daß die Bahubeamlen ein herrliches Leben führten und die Eimiahmen der Bahn für sich verbrauchten. Kleine Slotlze». Nugctrener GcwcrkschaftSbcamtcr. Der Geschäftsführer Bertin a der BezirkSkasie Wiesbaden des Verbandes Deutscher Buchdrucker ivurde von der Strafkammer wegen Veruntreuung von 21000 Mark zu I'/i Jahren Gefängnis und füitf Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Bürgermeister als Riiuberhauptmann. Ei» würdiges Ober- hanpi hatten die Einwohner der Ortichaft M o t g a w i tz a in der Bukowina. Gestern wurde der ehrenwerte Herr Bürgermeister unter dem dringenden Verdachte, Anführer einer weitver» zweigten E i» b r e ch e r b a n d e zu sein, verhaftet. Erdbeben haben in den Bezirken Orchomeno» und Libadia in Griechenland großen Schaden angerichtet und die Bewohner in Schrecke» gesetzt. Trotz Regen und Schnee kampieren viele Menschen im Freien. Im Kampfe mit Räuber». In der Nähe der russischen Stadt Neu-Alexandrija überfielen vier Räuber, die nach einem von ihnen verübten Raube über die Weichsel flüchtete», einige Vieh- bändler, töteten einen davon und verwundete» und beraubten die anderen. Sie wurden von der Landpolizei verfolgt, wobei sie einen Landwächter schwer verwundeten. Während sie über die Weichsel zurückschwammen, wurden alle vier erschossen. erintlMicr Marktberichr der chldlilchui Mar.'Idaücn.Dtrettlon il'Ht den Mrohbaiidel in den Zentral-Mmktballen.'.'ztarktlngc: l c i s-b: Zufuhr schwach, Mc'chnsl slill, Preise unverändert. SS tt d: Znsndr ohne Bedeutung, Geichäst Icbhajte Nachfrage, Preise gut. Geflügel! Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise fast unverändert. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preiie wenig verändert. Lu I t e r u n d 5k ä! e: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüfe, Obst und Süd» s r ü ch t«: Zufuhr genügend, Gcichält flau, Preise wenig verändert. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für deqJnseratenteil verantw.i Th.Glocke.Berltn. Drucku-Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u.Eo., Berlin LW» St. 58. 28.IahtgMg. 2. KeilU des Jotmäiis" Aerlimr llolliotlalt. AsNmIas.g.Märilgll. für die StadtverordDeten-Griatzwablen, die in zwei Bezirken dritter Abteilung— im 11. Wahlbezirk und im 13. Wahlbezirk— am lo. März vorzunehmen sind, darf auf eine lebhaftere Beteiligung gerechnet werden, als man es sonst bei Ersatzwahlen gewöhnt ist. Am Dienstag wurde für beide Bezirke wieder eine öffentliche Wählerversammlung ard"-Brot hat eine mehr gräulich-bräunliche Farbe und schmeckt so vorzüglich, daß man sich allgemein wundert, weshalb man nicht früher auf den Gedanken gekommen ist, dem Volke un- verfälschtes Brot vorzusetzen. VasserstandS-Nachricvte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlkna Wetterbureau. K-b bedeutel Wucb»,— ch Einzelne SiSlchollen, treibend. Fall.—*) llmerpegel.—•) Eissrei. Todes-Anzeigen! ............................ 6. Bert. Relelistais-Walilknjlses. Todes- Anzeige. Am S. März verstarb unser Mitglied, der Maurer Fritz Schulze Turiner Slvche 37. Ehre seinem Andenkeu! Die Beerdigung findet Freitag, den 10. März, nachmitlagS B'/t Uhr, von der Leichenhalle des städtischen FriedhosS in der Rüller- strahe auS statt. Um rege Beteiligimg ersucht 22S/20 Ter Äorstand. MMw Baiiarfeeiterverliaol Zwclgvorcln Berlin. Sektion der Putzer. Unseren, sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer hiermit zur Nachricht, dag unser Mitglied Fritz 8«lmlz (Bezirk Wedding) verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freilag, nachmiliags 3% Uhr, von der Halle der Pbilippu-Z. Gemeinde aus dem städtischen Friedhofe in der Müllerstratze aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 127/1 via örtl. Verwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Kollege, der Tischler Karl Lctiittuixer am 6. März gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den S. März, nach» mittags t Uhr, von der Halle de» SimeonS-KirchhoseS in Britz auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 60/1 Tie Ortsvcrwaltnng. Montag, den 7. März, mittags, verstarb meine herzensgute, inmg- geiiebte Frau Emma � LQdemann wenig« Tage nach der Geburt Misere» ersten Töchterchens im 24. Lebentjahr«. Um stilles Belleid bittet Edwin Trapp, 5626 Waldenserftr. IS. DI« Beerdigung findet Freitag nachmittag 2'/, Uhr von der.Wapelle der Heilands< Gemeinde, Plötzen- I««, Donaugestell, auS statt. Nach kurzem, schwerem Leiden «ntritz unS heute«in sanster Tod mein» lieb« Frau. Mutter, Tochter und Schwester Hermine Kühne geb. Bacrmann. Die» zeigt mit der Mite um stille» Beileid an verlin. den 7. Mär, Illll. PäiiI Kühne im Namen der Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 10. März, nachm. 3'/, Uhr, von der Halle des St. Georgen- Kirchhoses, Land». berger Allee, aus statt. 5676 Für die vielen Beweise und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung mewer lieben Frau FrlÄ» Baatz sage ich allen Beteiligien. Insbesondere den Mitgliedern deS 506. Bezirks de» Sozialdrmokiatsschen ZLahlvereiii» und dem Männerchor„Norden" den beste»« Dank. Panl Baatz. Für dir Teilnahme Danks agnng. vielen Beweise herzficher sowie die überan» zahl- reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung meine» lieben Mannes Berraaiin Böhm tage ich allen Beteiligien, insbesondere dem Wahloerein des 6. Kreises sowie dem Berein selbständiger Kohlen- Händler im Norden Berlins meinen herzlichsten Dank. 32852 Witwe Karoline Böhm ge». Qebriske. Uiiserm werten Genossen$ Franz Gteinert Z zu seinem 60. GeburtStSage � die herzlichsten Glückwünsche. ZZ Bis Lonoeeon 6. Bezirks Togo im 6. Wahlkreise. Mll-Avjer�h«ngskafft f. Buchbinder u. verw.Gewerbe zu Berlin. General- Versammlung am lÄ.d.M, vorm. lOUHr, Melchiorst.lö. Tagesordnung: 1. Beriesung der Protokolle. 2. Bericht des Siendanten und Decharge-Ertellung. 3. Statilteiiändening tzK 3, 5, 21. 4. Ersatzwahl etneS Vorstands- Mitgliedes. 5. Ver/chredene Kassen-Angelegen« hetten. 5616 Der Borstand. I. Sü.: IH. Herzhoff, Vorsitzender, Rixdorf, Reuterstr. 72. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Miigiieder nötig. im mm am Nettelbeckplatz Aul Jeiizahlung Deutscher Tabakarheiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Freitag, de» 10. Mörz 1911, abends' ,v Ufir, im«Rosenthaler Hof», Roscnthalcr Ttr. Il/IL: orSentliche lilitglieller-yei'iöininlllng. Tages-Ordnnng: 1. Kassenbericht. 2. Jahresbericht. 3. Wahl der Bevollmächtigten und der Kontrollkommission. 4. Wahl der Agitationskommission. 5. Lertliche BerbandSangelegenheiten. 187/3 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist pünktliches nnd zahl- reiches Evscheiaeu Pjlicht. Die LrtSverwaltung. ülitliil-IlsSliliöiillszze„Clliiillsleili Einigkeit" 1 r: Zahlstelle Lichtenberg. Freitag, den 10. März ct., abendS 8 Uhr: Außerordentl. Mitgliederversammlung im Lokal von Plellenhatpen, Tcharnlvcbcrstr. 60. TageS-Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zur Generalversammlung. 2. Der- waliungSangelegenheiten. 3. Verschiedenes. DaS Erscheinen jcdeS Mitgliedes ist unbedingt notwendig k 14S/4 vle ürtllcho Verwaltung. tfaZ*- Konlirmation Einsegnun js- Anzöge Einscgnungs- und Prufnngs Kleider ' Fertige Wäsche l Kleiderstoffe Unterröcke utvr Gratis kerbtN jeder Knabe»leyanten Hut,! ßdet Mädchen dem. Taecüche# Auf KREDIT Herren-a Damen« Garderoben mit firatiszugaben H»rran elegant Kid oder Stosk, D omon it. Lsdsrwsrea Anawafal koloasal! BUIlg.e« Preiset msWgstoAn��. Wockearot« nur B> ALLE TAGE ANDERS grOsstcs Haus direkt �.| am Nettelbeckphtz Pank-. Oericht-, and Krinicken- darlcr Sirauen-Ccne Parterre,>. II.. III., IV. \.VO't.i fei ig?' Einziges �Abzahlung#- Geschäft,� welches Mitglied des Rabattsparvereins „NORDEN" Ist. �e�inÄeitsküSg» LGotäfarb. Health snuff tobacco. Tabac ä ppisee de sanft. fabaka do zazywania dla zdrowfa labacco da naso alia Salute. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ 1':' Teilzahlung liefert bequ« bei klclnater Anzahlung In bekannter Güte* (mit grBfiter Rücksicht bei Krankheit und Arboitslusigkeit) E.Cohn,Gr.Fraii![Iiirterstr.58 Warnung! Trots wiederholten Hinweises sind in letster Zeit{ Nachahmungen meines Kapitän. Kautabak« in[ Umlauf. D«r Kapitän-Kautabak w»»i echt mit Zottoloinlage und Etikette mit der Aüisehrift: (?«». ereachtttzt 7S 658). Meine werte Kundecbaft bitte ich, KspitSn-Kan- 1 I tabak ohne obige Bezeichnungen als unecht zurückzuweisen and mir Fülle von Nachahmungen mitzuteilen, damit ich dagegen einsohreiten kann. Karl Röcker, Tabakfabrik, Berlin 0. 27, Ordner Weg IIS.(TU. 3801.) Dr. Simmei Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,««z, 10—8. 5—7. Sonntags 10— 12. 2—4 Möbel kaufen Sie am billigsten direkt in der Fabrik Ztallschrriber- straße 57 (Moritzplatr). Verkauf im Fabrikgebäude Zt. 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SSnigl. QpernhauS. Sinfonie« lonzert. Mittags 19 Uhr: Sinfoniematinee. Ztonigl. Schauspielhaus. Ge- fchlossen. Neuro königl. Operu-Theater. Sefchlvifer.. Teutfchr». Minna von Darnhelm. Anfang» llhr. Kammerspiele. Lanzelot. Lesstng. Die Ratten. ötrues StNauivielbaud. DaS kleine Schokoladenmädchen. «-milche Oper. Der Troudadour. «keines. Der Lcibgardift. Viearo Operette». Die fchüne Rifette. Berliner. Bummelswdenten. Weste». Die lustigen Nibelungen. NeueS. Mein«ritmchter Ahnherr. Trianon. Hippolytes Abenteuer. Neftdenz. Pariser Menü. Thalia. Polnijche Wirtfchaft. Schiller t» r�uuner- uealet.) Ein idealer Gatte. Schi»»Lbariottendurg. Maria und Magdalena. Friedrich. WilhetmftSdtische». S x 2-- S. Bolksoper. Die Dollarprinjeffin. (Anfang S>/, Uhr.) Snittpirlliaus. Meyer». Luisen. Ums goldene Kalb. Modernes. Der Feldhermhügel. (Anfang S>/, Uhr.) Nachm. 3 Uhr- Der ideal« Gatte. Note Robert und Bertram. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Er, Li« und Er. Folie« Eapric«. 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Uhr, v«i> Feldherrnhttgel. Berliner Volksoper »elle-Allianceftrabe 7/8.-'/,l> Uhr: Die Dollarprinzessin. Lustspielhaus. Abend» 8 Uhr: üley er». Residenz-Theater. Direklion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Pariser Menu. Drei Gänge vou Georges Feydeau und Bcber-Abric. 1 Gang:.52 Meter über Paris« l Akt von Beber-Abric. 2. Gang:.Eine Rachtsitung', 1Akt von George» Feydeau. 3. Gang:.Nach dem Mäuschen- ball', l Akt von George» Feydeau. Morgen und folgende Tage: Pariser Menü. ftleltriMilhölmstMüseties Schauspielhaus. Domiersiag, den 9. März, 8 Uhr: 2 X Ä= 5. Freitag: 2 x 2= 6. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Wilhelm Till. Abends 8 Uhr: Hofgunfl. Jlketropot- Theater. Hurra! Wir leben uoch! Große AuSftattunaSrevue in 7 Bildem v. I. Freund. Musik o. B. Hollaender. I» Szene gesetzt von Dtr. R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. Tlraul». �iLseneakaktliottes Itteater DsvbenstraÜ« 48/49. Tbsnäs 8 l7>rr: Im Fimenglanz des Ober-Engadtn. Hörsaal 8 Uhr: Prot Dr. F. Rathjren: Kallilm und Rlatrlnm. Kaiser-Panorama. Besuch von Heidelberg und Neckartal. Letzte Woche. Steiriechee Salzkammergut. Eine Reise 20 Pf., Kinder 10 Pf. Abonnement» 1 M., Taus. Abonnent. Luisen-Theater. AbctidS S Uhr: Ums goldene Katb. BolkSslück in 3 Akten von Schade. Freitag: Au» erster Ehe. Sonnabend 4 Uhr gr. Kindervorst.: Rübezahl. 8 Uhr: Au» erster Ehe. Sonntag 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Aus erster Ehe. Montag: Der jüngste Leutnant. lOSE�THEATE Große Frankfurter Str.>32. Bei aufgehobenem Abonnem. Einmalige Ausführung: Ktodort u. Ucrtram. Posse mit Gesang und Tanz in 4 Alten von Räder. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Freitag u. folgende Tage: Liselotte. Sonnabend nachm.: Die 7 Raben. Sonntag nachm.: und Bettelstab. Lorbeerbaum DaS neue Koloffal-Programm! 10 Mtltstad�-AttrMmeu. Abend» 9'/, Uhr: Berlins Sensation! Alwin Neoß. Tony TetzIafT in BerezrlH:— Hüte Dich! SensationSdrama in 1 Akt. Neues Programm I Olga Desmond Robert Steidi und eine Auslese hervorragender Kunstkräfte! Hauchen gestattet_ ULM Ans. 8 Uhr. Borverlaus 11—3 Uhr. Zwei Schlager: Blne verlorene Nacht. Er, Sie und Er mit Anton und Sonnt Hermseid in den Hauptrollen. Abends 8 Uhr: Hedi Herdina. LoieHoi»Tschen Chineeentruppe und das grase neue Mtrz- Programm. 14 Varletd-Neahelten. Passage-Panoptikum. Die zusammengewacbscacn Schwestern Biazek and Ihr Kind! Zwri nuttcr— ein Kindt l.ebend zu«eben! Täglich von II I u. von 3-10 Uhr. Ohne Extrn-Entreo! Eintritt 60 Pf. Kinder, äoldneen 23 Pf. Ait-noablt 47/48. Donnerstag, den 9. Mär, lSll: Sudermann-Abcnd! Johannisfeuer. Schauspiel in 4 Ausz. v. Sudermann. Passepartouts haben feine Gültigkeit. Kafleuerössn. 7 Uhr. Ans. 8'/« Uhr. Nach der Vorstellung: ----- Tanz.----- Mchlller-Tlieater. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Tbeal.) Donnerstag, abend» 8 Uhr: Plln ld<-nlsr«Zntto. Schauspiel in 4 Akten v. Osfar Dllde. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abend» 8 Uhr: £in Idealer Gatte. Sonnabend, abend» 3 Uhr: Ver Band der Jngend. Schiller-Theater Charletlenburg. Donnerstag, abend« 8 Uhr: Barla nnd Magdalena. Schauspiel in 4 Akten v Paul Lindau. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abendSVUhr: Wallentstcins Tod. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Ble Tee Caprlce. OOHPHIA Pieustag, 31. Slfirz 1911, im großen Saale der„Neuen Welt", Hasenhcide KONZERT Elisabeth Ohlhoff, Sopran, liebrocbt Goedecke, Kontrabaß, _ Franz Veit, Violine._ Eintrittskarten a 40 Pfennig sind zu haben in den Wgnrrengesob&ffcen von Horsch, Bngelofer 15- Voigt, Cliaritisti-. 3; G. Schulz, Kottbuser Tor; E. Schulz, Mittenwalderstr.2; K. Bielefeld, Graefestr. 35; BBttger, Skalitzer Str.107 and Zossener Str. 30; M. Kämmerer, EUsabethufor 37; Anna Köhler, Urbanstr. 134; Kolhin, Bülowstr. 56; H. Koppe, Tilsiter Str. 45; G. Kuhring, Jahnstr. 1; Pareke, Büschingstr. 2; A. Rensky, Choriner Str. 28; W. Seidel, Bergmannstr. 59; Gölterl, Yorlcstr. 40; P. Opitz, Rixdorf, Pflügerstr. 74; A. Rietdorf, Pannierstr. 40; A. Abraham, Donaus tr. 25; K. 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Die Stelle ist neu zu kesetzen, weil der bisherige Inhaber die redakttonelle Leitung des in Freiburg zu gründenden Parteiorgans über- nimmt. Offerten sind bis zum 2V. März d. I. unter Angabe der Gehalis- anspräche usw. zu richten an den Verlag deS„Volksfreund", Luisenftr. 24 in Karlsruhe. 288/18 GtjWsMm für den KrtlSMhlvmm Mrimr III (Jena> Neustadt) zur Leitung des WahlkampseS sür die Zeit vom 1. April 1911 biS 31. Mär, 1912 gesucht. Offerten mit Gehalts an- sprüchen und der Ausschrist: „Bewerbung" find bis zum 20. d. M. an Unint Otto in Jena, Schlostgafle IS. einzureichen. 288/17 Aclitung! Holzarbeiter. Wegen Streik und Lohn, differenzeu sind gesperrt: Tischlerei Dislm«, Steglitz, Birkbufchstr. 11. Kisteufabrik Diu«-poro, Mühlen- strafte 73«. Schlesischestr. 31. Bantischlerct Konrad, in Hennigsdorf. Kuopffabrik Kaal A Thlc» mann, Nixdorf, Pflügerstr. Pianofabrik Is. Soph u. Mohn in Schmölln, für Mafchinenarbciter Breslau Da» Berliner Arbeitswilligen- vermittclungsbnreau d. gelben »HandwcrkerschuNverbandes". Die OrtSvcrwaltnng Berlin des Deutsch. Holzarbeiterverbaudes. Lcrantwortlicher Redakteur: KgnS Weber, Berlin, Zur den Lnleratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanitalt Paul Singer».Co.. Berlin SW. Hr. 58. 28. Iahrgaug. partei- H�clegenbeiten. Verband sozialdeni okratis ch er Wahlvereine Berlins«nd Umgegend. Der Kursus für die wciblichcu Mitglieder findet heute, DoniierStagabcud, wiederum im Gcwerkschuftshause, Saal 3 statt, worauf wir die Hörerinneu besonders aufmerksam mache». Das Bcrbandsbureau. Wauusee. Sonnabend, den 11. März, abends 8 Uhr, im .Fiirstenhos": Wahlvereinsversammlung. Der Borstand. Nicder-Schönhausc». Heute Donnerstag, den 9. März, von 7 Uhr abends ab, von den bekannten Stellen aus: Handzettel- Verbreitung. Die Bezirksleitung. Bernau. Heute Donnerstag: Kombinierter Zahlabend im Lokale des Genossen Salzmann. Basdorser Straste. Tagesordnung: Kreis- berichk. Bericht von Grost-Berlin, Diskussion über Montagsausgabe des„Vorwärts" usw., Lercinsangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Falkcnhagcii-Scegcfcld. Sonntag, den 12. März, nachmittags 5 Uhr: Funülienabend im Lokal Nicolai. Vortrag des Herrn Dr. Schütte über„Schiller als deutscher Dichter". Kostenlose Enttrittskartcn bei den Mitgliedern. Der Vorstand. berliner jHacbncbtcn. FrühlingSsonue. Die Dampfpfeife gellt einen langgezogenen, schrillen Pfiff. Es ist Mittagspause. Das Rattern der Maschinen verstrimmt. Und bald klappern eilige Füße in Holzpantoffel«, hallen hastige Schritte über den Hof. Dann Stille, die fast sonn- täglich wirkt. Es ist auch ein Sonnentag, einer von denen, wo die Sehnsucht hinausslüchtct in die neuerstehcnde Lenzes- weit, wo die eng zusammengedrängten Mauern der Stadt er- drücken wie Kerkerwände. Auch in den dunklen Hof, den ans aus allen Seiten die rotziegeligen Fabrikgebäude umfassen, verirrt sich der lebenlockcnde Sonnenschein. Er zittert in den kleinen Rinnsalen, die in den tiefen Löchern des Asphalts vom letzten Gujz zurückgeblieben sind, er huscht über die Köpfe der Arbeiter, die vorübereilcn, er durchleuchtet die durchsichtig klare Frühlingsluft wie eine goldene Welle, und tänzelt hin- auf zu den staubigen Fabrikfenstern, die noch nicht von der grofien Frühlingswäsche geklärt sind. An einer der viereckigen kleinen Scheiben verschmilzt sein glitzerndes Gold mit dem goldfunkelnden Blond eines jungen Franenkopfes, aus dem blaue Augen sinnend hinabschauen in den staubigen und doch frühlingsatmenden Hof. Ein hoch- aufgestapelter Stoß gefalzter Albumkartons liegt neben der Frau auf der Tischplatte, ihre gewöhnlich so flinken, regsamen Finger ruhen lässig im Schoß und umspannen eine Brotschnitte, die ihren ganzen Mittagsimbiß bildet. Unter der weiten Reform- schürze verrät die schwellende Rundung ihres Leibes eine Hoff- nung. die sie mit viel neuer Sorge erfüllt. Sie sinnt hinaus in die Lenzcssonne. Wie schön es draußen ist! Wie lachend schön! Schwerer lastet an solchen Tagen die unerbittliche Notwendigkeit der immer gleichmäßigen Arbeit auf ihr, und sie sehnt den Sonntag herbei, in der Hoffnung auf eine Stunde der Muße, auf einen Spaziergang im Freien.... Aber sie weiß, auch der Sonntag wird ihr diese Muße nicht bringen. Da muß die Stube gründlich gesäubert werden. mutz sie flicken und stopfen, was sich die Woche über an- gesammelt hat, und dann Hemdchcn und Windeln nähen für das Kleine, das in die Welt kommen wird, wenn der Frühling sich ganz durchgerungen hat, ganz Sieger geblieben ist über den Winter I Mechanisch kaut sie an ihrem Brot und verfolgt die Stäubchen, chie im Sonnenschein ihren flimmernden Atomen- tanz aufführen. Ach, das Kleine l Warum kann sie es nicht nur mit jauchzender Glückseligkeit erwarten, warum mutz ihr die bittere Sorge auch diese Freude verdunkeln? Sicherlich wird sie nach der Entbindung lange Zeit nicht in der Fabrik arbeiten können, denn das Kind braucht Pflege, und dann heißt es, mit dem bescheidenen Lohn des Mannes allein auskommen I Von 24 Mark leben, Miete, Schulden bezahlen, die noch auf den Möbeln ruhen l Sie streicht sich mit den schlanken Händen das blonde Haar aus der Stirn, als wollte sie die lastenden Gedanken tvegwischen. und sieht hinab in den Hof. Ans dem Tor des Fabrikgebäudes tritt eben, am Arm eines Herrn im korrekten Straßenanzug, eine elegante junge Frau. Ihr weiter, über- aus faltiger Scidenmantel kann nicht ganz die überquellenden Formen ihres Leibes verbergen, dessen Bürde sie mit müden. schleppenden Schritten trägt. Wie sie zu dem blasierten, ge- langweilten Gesicht ihres Mannes aufschaut, leuchten ihre Augen in strahlender Daseinsfreude. Die blonde Frau am Fabrikfenster sieht dem Paar mit einem herben Lächeln nach. Jene Frau dort kann ohne Nahrungssorgen ihrer Entbindung entgegensehen. Ihr Mann, der reiche Fabrikbesitzer, ist in der Lage, ihr jede menschen- mögliche Erleichterung für die schwere Zeit zu verschaffen. Er hat Zeit genug, sie jetzt im Frühlingssonnenschein spazieren zu führen, weil regelmäßige Bewegung in frischer Luft für ihren Zustand notwendig ist. „Wie gut auch mir das täte!" denkt die blonde Frau, und zum ersten Male steigt eine Bangigkeit in ihr auf vor dem Bevorstehenden. Wenn Karl doch hier wäre, er weiß ihr so gut Mut zuzusprechen! Ihre Blicke schweifen zum.Himmel, der in wundervollem Blau mit leichten, silbrigen Wölkchen über den schwarzen Fabrikschornsteinen zu sehen ist. Dies Stückchen Himmel, ob es nun so sonnendurchfchimniert war, ivie jetzt, oder grau verhangen, es hat sie immer getröstet bei der eintönigen Arbeit des Falzens. Wenn sie doch oben auf dem Dach sitzen und mehr sehen könnte von dieser klaren, durchsichtigen Frühlingsbläue! Alle Sorgen verblassen in solchem Schimmer! Da schrillt in ihre Träumereien hinein die Danipfpfcife ihren langgezogenen Pfiff! Die Mittagspause ist zu Ende. Die Maschinen rattern wieder mit lautem Gestampf, die blonde Frau hat das Falzbein ergriffen mid faltet mit flinken Händen die Albuinblätter zu hohen Stößen.— Und draußen glitzernde Frühlingsfonne. Die Stellrnvcrmittler für Hauspersonal sind seit dem Erlaß des neuen Gesetzes über die Stellenvermittelung eifrig bemüht, Mittel und Wege zu finden, um die Bestimmungen des Gesetzes zu umgehen. Bon den.Neinigungsinstituten, die immer noch � 50 und 73 Pf. pro Tag von den Wasch- und Scheuerfrauen für jede Vennittelimg nehmen, ist im„Vorwärts" schon öfter die Rede gewesen. DaZ Gesetz erlaubt nur für jeden V c r- mittelungSfall, der sich auch über mehrere Tage erstrecken kann, die� Erhebung einer Gebühr von 30 Pf., und diese Gebühr ist außerdem noch zu teilen zwischen der an- gestellten Frau und der Herrschaft, so daß die Frau nur 15 Pf. Gebühr für eine vermittelte Reiiiinachcsiclle zu zahlen brauchte. Die Vermittler, denen sich die Frauen trotz- alledem zahlreich zur Vcrsügung stellen, haben nun den Ausweg gc- sunden, daß sie in ihren Reinigungsinstituten die Frauen schein- bar anstellen wie andere Arbeiter, zum Beispiel die Fensterputzer usw.. und sie bei der Krankenkasse anmelden sowie gegen Unfall versichern. Diese Versicherungen müssen die Frauen aber bezahlen und Lohn erhalten sie nicht i sie sind also nicht angestellt und werden genau so vermittelt wie früher, müssen dieselbe Ge- bühr bezahlen und Kaution stellen(1,30—2 M.) wie früher. Das Gesetz, das die Ausbeutung durch Vermittler verhindern wollte, schützt diese Frauen nicht. Man könnte sich nun lvnndern, daß die Frauen sich auf die Bedingungen der Rcinigungsinslilute einlassen, während ihnen der ZcutralarbeitSnachwcis in der Rückerstraße 9 kostenlos zur Ver- sügung steht. Das kommt daher, daß der Zcntralarbeitsnachweis in den Kreisen der H a u s f r a u en nicht genügend bekannt ist und oeöhalb nicht so in Anspruch genommen wird. Außerdem müßten Nebenstellen in den verschiedenen Stadtvierteln eingerichtet iverdcn. Man sollte auch erwarten, daß für alle städtischen und staatlichen Gebäude in Berlin die Reinmachefrauen nur aus dem Städtischen Nachweis bezogen werden. Die Stellenvermittler für die Dienstmädchen find mit dem neuen Gesetz, das seit dem 1. Oktober 1010 Geltung besitzt, ebenfalls sehr unzufrieden. Die Vermittelungsgebühr ist auf 6 M. festgesetzt, 3 M. für die Herrschast, 3 M. für das Mädchen. Früher richteten sich die Vermittler die Preise nach eigenem Ermessen ein, schröpften beide Teile erheblich mehr oder sie nahmen von den Mädchen eine geringere Gebühr, wenn die Nachfrage recht groß Ivar. Jetzt müssen sie mit der vorgeschriebenen Gebühr rechnen und zu ihren, größten Aerger auch mit den städtischen Nachweisen, die von dem Gesetz nicht ge- troffen werden und die von den Mädchen keine Gebühr lind von den Herrschaften nur 2 M. erheben, wie im Bureau Linkstr. 11, am Potsdamer Platz.— Einer der größte» Vermittler für Dienst- mädchen in Verlin hat jetzt den Herrschaften folgendes bekannt- gcuracht: „Zu gefälliger Kenntnisnahme! Bis auf weiteres siud wir mit Oi ü ck s i ch t auf die über- aus starke Nachfrage nur da»» in der Lage, den Herr- fchafteu weibliches HauSperfonal zu vermieten, wenn sie die g e- setzlich vorgeschriebene Gesamtgebühr von KM. zu zahlen bereit sind. Quittung wird, falls etwas Gegenteiliges nicht ausdrücklich verlangt wird, im Interesse der Herrschaften jedem der Konttahenten über die Hälfte der Gebühr erteilt. Erste Berliner Dienst- und Arbeitsbörse Jnh. Amadeus JcSke, gewerbsmäßiger Stellenvermittler." Dies Vorgehen entspricht nicht den Bestimmungen des Gesetzes, aber es scheint den Mädchen günstig zu sein, indem der Ver- mittler von ihnen nicht die 3 M.Gebühr erhebt. In Wirklilbkeit überträgt der Vermittler die Erhebung der Gebühr, die sein Geschäft stört, auf die Hausfrau, Die Hausfrau erhält zwei Quittungen über je 3 M,, und eS bleibt ihr überlassen, die eine Quittung ihrem Mädchen später zur Zahlung vorzulegen. Der Vermittler denkt: Die beiden mögen sich darum streiten, wer die 3 M. bezahlt. Er wäscht seine Hände in Unschuld, sein Geschäft geht flott weiter, Auch hier kann man den Hausfrauen tvie den Dienstmädchen nur empfehlen, die städtischen Nachweise, die kein Geschäft aus der Stellenvermittelung machen, vorzuziehen. Hilflose Helfer! Die„sozialeHilfSarbeit" wohltätiger und gemeinnütziger Vereine und Vereinchen wird je länger je mehr in all ihrer U n z u- l ä n g l i ch k e i t erkannt. Sic ist ein duftiges Surrogat für eine pflichtgemäße Sozialpolitik, gegen deren Ausbau in Staat und Ge- meinde die besitzende und darum herrschende Klasse sich wehrt. Unzulänglich muß die Hilfe jener sogenannten„freien Liebcstätig- keit" schon deshalb bleibe», weil es ihr am n ö t i g st en. dcni Gel d e, fehlt. Die Frage, wie das Geld zusammengebracht werden soll, das zur Linderung auch nur des ärgsten Elends erforderlich ist, bildet eine ständige Sorge solcher Vereine. Nach immer neuen Wegen wird da gesucht, und mancher Verein schreckt nicht vor den gewagtesten Mitteln zurück, um dem„warmen Herzen" die„frei- willigen" Spenden abzuringen. Die Wo hltätigkeits- amüsementS. bei denen der größte Teil dem Vcrgiiügmigs- bedürfnis der„Wohltäter" geopfert werden muß. sind längst als unrentabel erkannt. Aber in jedem Winter sehen wir sie wieder- lehren, weil ohne ihren Ertrag bei all seiner Kärglichkeit die Helfer selber hilflos daständen. Das Thema der Geldbeschaffung für die„soziale Hilfs- arbeit" wird gerade jetzt in VereinSkreisen wieder sehr lebhast er- örtert. weil der Plan aufgetaucht ist, Berlin aufs neue mit einem der Kiudcrhilfe dienenden„B l u m e n t a g" zu beglücken, an dem durch eine sensationell aufgeputzte Masfcubcttelci die gesamte Be- völkcrung zur Hergabe milder Spenden bewogen werden soll. Der ,, Ki nd erh i lf§ t a g", den wir vor einer Reihe von Jahren in Berlin erlebten, brachte seinen Veranstaltern, an deren Spitze Herr Abraham von> Kindervolksküchenvercin stand, eine bittere Enttäuschung. Gegen eine Wiederholung jenes Experimentes, das diesmal von der Preußischen Landeszentrale für Säuglings- schütz und verschiedenen mit ihr gehenden Vereinen— unter dem„sachverständigen" Beirat wieder jenes Herrn Abraham— gemacht werden soll, haben aus aus aus anderen Vereinen sich ab- ratende Stimmen erhoben. Zu einer Aussprache hierüber kam eS in einer Konferenz, die von der Deutschen Zentrale für private Fürsorge einberufen worden war und unter Beteiligung sehr zahlreicher Vertreter von Vereinen und Behörden in einem Saal des Nieichstagsgcbäudes stattfand. Zum Gegenstand der Erörtermig war„Die Aufbringung der Mittel für WohlsahrtSzlvecke" bestimmt worden, aber in ihrem Mittelpunkt stand der geplante „Blumcntag". In drei Referaten wurden die Wege der Mittelanfbringung erwogen: von dem Geh. Admiralitätsrat Felisch, dem Ehrenvorsitzenden deS Freiwilligen Erziehungsbeirats für schulentlassene Waisen, von Dr. Levy, dem Bürgcrdepulicrtcn der Ber- liner Armcndirektion und Lorsitzenden der Zentrale für'private Fürsorge, von dem Prediger Freiherrn v. Soden, dem stell- vertretenden Vorsitzenden der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge. Herr Felisch schilderte die zahlreichen kleinen Mittel, mit denen die Vereins bettelet betrieben wird. Zu den tollsten Aus- wüchsen, die er zum besten gab, gehört die in Amerika aus- geführte Idee, dgß an einem Tage alle Straßenbahnlinien einer Stadt von einem Wohltätigkeitsvercin für einen der Gesellschaft zu zahlenden Pauschbctrag gemietet und dann die Wagen mit jungen Damen in Schaffncruniform besetzt wurden, die grundsätzlich— nicht Herausgaben. Am.Blumentag" sollen ja in ähnlicher Weise die Taschen der Wohlhabenden und auch der Minderbemittelten er- leichtert werden durch junge Damen, die allüberall in Straßen und Häusern Blumen zum Kauf aufdrängen wollen, Felisch verwirft die Auswüchse der VereinSbettelei, er ist aber nicht unbedingter Gegner deS„Blnmentages", den er nur nicht ans die Landeszentrale für Jugendschutz und die ihr angeschlossenen Bereine beschränkt sehen will. Im Gegensatz zu ihm wies Dr, Le v h alle derartigen Wohl- tätigkeilsveraiistaltungen ab. Eine Möglichkeit, auch ohne sie eine Hergäbe von mehr Geld zu erreichen, sieht er darin, daß innner wieder der Versuch gemacht werde, in den Wohlhabenden das GefühldersozialenPflichtzn stärken. Prediger v. S o d e n MlrtW. k-mn-w, 9. M«1 1911. möchte nicht alle Wohltäiigkeitsveranstaltungen missen, im besonderer« nicht den„B lu m e n t a g", an dem ihm daS„A n mutige" ge-- fällt. In der Diskussion, die sich bis gegen Mitternacht hinzog,. wurde das Für und Wider weiter erörtert. Auch Stadtrat S a m t e r- Charlottenburg sieht in einem„Blumentag" ein annehmbares Mittel, der Bevölkerung sozusagen eine W o h It ä t i g k e i t s st e u er aus- zulegen, die alle Kreise erfaßt und auch dem Unbemittelten Gelegenheit zur Beitragleistung gibt. Herr Abraham, der gleichfalls da war und mitredete, jammerte� darüber, daß man die Ausführung seiner Idee auch jetzt wieder so wenig unterstütze. Aus den abschließenden Ausführungen der Referenten sei hier nur ein Wort des Herrn Felisch wiedergegeben. Er weist den Be-- sitzenden die Pflicht zu, Hilfe zu leisten, den Besitzlosen aber die Pflicht, sie mit Dank anzunehmen. Deutlich klang aus seinem Gerede die Klage heraus, daß alle„soziale Hilfsarbeit" nicht um einen Schritt näher bringt zu dem Ziel, das ihm vorschwebt, zur sogenannten Versöhnung des K l a s s e n g e g». a s a tz e S. Auch in diesen: Punkte müssen die„Helfer" sich als hilflos bekennen. Das Obdach der Stadt Berlin war in der Abteilung für nächtliche Obdachlose im Februar 1911 von 125 63 3! Männern besucht. Eine gleich hohe Frequenzziffer ist bis-- her noch in keinem Februar beobachtet worden. Auch der Januar 1911 übertraf mit einer Frequenz von 133544 Männern die Jannarfrequcnz aller früheren Jahre. Im Januar wurde diesmal nur noch an einem einzigen Tage eine Frequenz von lvcniger als 4000 ermittelt, 3318 am Ncnjahrstage. An allen übrigen Tagen des Januar ging die Frequenz über 4000 hinaus, und das. Maximum war 4580 Männer. Im Februar brachte kein einziger Tag lue niger als 4000. Hier war das Minimum 4033, das Maximum 4711. Der Durchschnitt: pro Tag war im Januar 4308, im Februar sogar 4487. In den drei Wintermonaten Dezeniber, Januar, Februar wurden diesmal zusammen 373 736 Männer beherbergt, gegenüber 355183sim vorigen und 340799 im vorvorigen Winter. In den Verwaltnngsjahren 1908/09 und 1909/10(immer von April bis Marz folgenden Jahres laufend) stellte die Gesamt-- zahl der im Nachtobdach aufgenoinmeneu Männer sich anfi 858 085 und 961 986, In dem noch laufenden Verwaltungsjahr 1810/11, das mit 31. März endet,. wird wohl zum ersten Male eine volle Million erreicht lverden.• Die Hochblnidcpntotion bewilligte in ihrer Sitzung vom Mittwoch die Kesten einer EuteiseiiungSonloge für die Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke und stimmte einer Vorlage auf Erneuerung der zylindrischen Gasösen durch gußeiserne Gasradiatoröfen in der 2l, Geineindeichnle Waldemarstr. 77 zu. Ein Kosienvoranschlag über 288 000 M. für die Ausführung des RnndstrangkanalS auf dem Gelände der vierten Irrenanstalt Buch wurde zurückgestellt da noch nicht feststeht, daß die neue Irrenanstalt an dte Zentrale angeschlossen wird. Ferner wurden die Kosten. für die Errichtung von Schulküchen in fünf Gemeinde- schulen sowie für Nenovierung deS Falk-RealgymnasiumS, Lützow- straße, bewilligt.— Bei Beratung der seit 1911 zu vergebenden Porllaiidzcmeiillicferungen wurde ans eine Anfrage über die Ursache der in diesem Jahre auffallend niedrig abgegebenen Preise mitgeteilt, daß der für die Zementindustrie bestehende Ring für Berlin ans- eiuandergcgangen sei niid von feiten der Ntiiigbelriebe durch Abgabe sehr niedriger Preise versucht werde, die dem Ring nicht genügenden Betriebe nicderzurinae«. Auf Anregung unserer Genossen wurde eine Beschlverde des Dachdeckerverbandes besprochen, in der festgestellt war. daß der Dachdeckermetstcr Atthaus, dem Dachdeckerarbciten in Buch übertragen waren, nicht die durch den im Dachdeckevgewerbe be- stehenden Tarifvertrag festgelegten Löhne � bezahle. Gleichzenig wurde von unseren Genosien darauf hingewiesen, daß es doch Pflicht der Bauräte, die den Hochbauänitern vorstehen, sei. bei Vergebung von Arbeiten noch besonders aus die von den Gemeindebehörden dahingehenden Beschlüsse hinzuweisen. Im Fall AlthauS wurde festgelegt, daß bei Aufnahinc der Bauarbeiten tu diesem Jahre nach Prüfung der einschlägigen Verhältnisse Herr AlthauS angehalten werden sollte, die tariflichen Löhne zu zahlen. Um die 3. Tnriistuiide. Auf Anordnung des Kultusministers ist in der Ober» imd Mittelstufe der Gcincindeschiilen an Stelle der früheren 2 Turnstunden noch eine 3. Turnstunde eingeführt worden. Für diese Stunde war der Fortfall einer Unterrichtsstunde im Deutschen angeregt worden. Die städtische Schnldepiitonon hält eS� indessen für richtiger, daß dafür in der Oberstufe der Gemeindeschule in den Knabenschulen eine Geometrie- und in den-Mädchenschulen eine Handarbeitsstunde, und in der Mittelstufe eine ReligionSstunde in Fortmll käme. Diesem Lorschlage ist betr. der Oberstufen vom Provinzial-Schulkollegmin stattgegeben worden, betr. der Mittelstufe sollten andere geeignete Vorschläge gemacht werden. Die städt. Schiildeputation hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, dem Proviuzial-Schullollegium vor- zuschlagen, daß in der Mittelstufe der Gemeiudeschiilen für die dritte Turnstunde eine Schreibstunde abgesetzt und infolgedessen in der I. Klasse keine Viundschrisl mehr gelehrt wird. Wenn die ReligionS- stunden in Fortfall kämen, würde nichts verloren gehen, im Gegen- teil viel gewonnen werden._ Der Haudtaschendieb, über den wir früher schon einmal be» richteten, macht immer noch die katholischen Kirchen unsicher. Er tritt in der Maske eines gläubigen Katholiken auf und stiehlt die Handtaschen dann, iveuu die Frauen, die sie auf den Sitzplätzen liegen lassen, zum Beichtstuhl oder Kommunion gehen oder auch in gewissen Augenblicken ihre ganze Aufnierksamkcit auf den Gottes- dienst richten. Der Dieb wechselt in der Kirche häufig seinen Platz. Er ist etwa 35 Jahre alt, 1,75 Meter groß und kräftig gebaut, hat hellbraunes Haar und Schnurrbart, helle Augen und ein bleiches, schmales Gesicht mit stark hervorstehenden Backenknochen und einer Hakennase. Sein schwarzer Uebcrziehcr ist schon abgetragen. Als Leiche wiedergefunden wurde gestern morgen die 23 Jahre alte Arbeiterfrau Anna Böttcher vom Wcigandufcr 37, die seit dem 4. v. Mts. verschwunden war. Die Frau litt seit längerer Zeit an einer unheilbaren Krankheit und äußerte wiederholt Selbstmord« gcdanken. Am 4. Februar ging sie unter einem Vorwande von Hause weg und kam nicht wieder zurück. Gestern niorgen landete man sie am Kölnischen User aus den: Rixdorfer Schiffahrtskanal als Leiche._ Ein Scchzigjiihriger. Von befreundeter Seite werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß am hnitigai Tage der alten Berliner Genossen bekannte Genosse Franz G lel n ert seinen sechzigsten Geburtstag begeht. Wenn auch wir imS zu den Gratulanten gesellen, so geschieht es aus dem Grunde, iveil Genosse Gleinert zu den aufrechten Männern gehört, die während der laugen Zeit des Schandgesetzes ihr Bestes der Partei und insbesondere der Berliner Bewegung gegeben. Wer da lveiß, mit welchen vielen Mühen und Opfern von Geld und Gesund- heit die Parteitätigkeit unter der schweren Zeit des Ausnahmegesetzes verbunden war, wc» weiß, was die damals tättgen Genossen anfS Spiel setzten— alles für die Partei— der wird berstehcii. wenn auch wir an dieser Stelle die Gelegenheit benutzen, am heutigen Tage des opferfreudigen Genoffcn Erlvähnung zu tun. Bom Tage des Sozialistengesetzes an arbeitete der frühere Modell« ischler Franz(STclnert für unsere Ziele. Im Jahre 1882 trat er innere Bewegung Berlins ein und hielt tapfer Stange, allen Polizei- lichen Schnüffeleien und Verfolgungen Trotz bietend. Aus dieser Zeit ist ein Borfall besonders tragischer Natur. Vor der Reichstags wähl 1887 waren die Genossen des sechsten Kreises in einer Gast Wirtschaft„Zum Schweinekopf* in der Nähe der jetzigen Putlitz brücke versammelt. Um sich den Nachhauseweg zu verkürzen, ver- suchte der Genosse Otto Lachmann über den kaum zugefrorenen Kanal zu gehen; er brach aber ein. Zwei Genossen, Robert Nauen und Paul Hcnsel. eilten zur Rettung herbei, aber auch diese ver sanken in den Fluten. Die anderen Genossen, die vorausgegangen waren und zur Hilfeleistung herbeieilten, kamen zu spät. Drei Genossen wurden als Leichen aus dem Wasser gezogen. Genossen Gleinert im Verein mit einigen anderen Parteigenossen war der schwere Auftrag geworden, den jammernden Witwen der auf tragische Weise in Ausübung ihrer Parteitätigkeit umS Leben Ge kommenen von dem Unglück Mitteilung zu machen. Franz Gleinert hat in ruhiger, stiller Weise für die Partei gewirkt und ist bis heute semen Idealen treu geblieben. Hoffen wir, daß der Jubilar noch recht lange der Partei dienen kann. Die Deputation für daS städtische Turn- und Badcwesen hat eine Vermehrung der städtischen Badeanstalten in folgender Weise in Aussicht genommen: Im Nordosten der Stadt soll zwischen den Volksbadeanstalten Schillingsbrücke und Oderberger Strotze eine gröbere Anstalt mit Schwimmbassins und außerdem zwischen den großen Anstalten noch mehrere kleine Anstalten ohne Schwimmbad, also nur für Wannen- und Brausebäder, errichtet werden. In Er wägung gezogen ist ferner die Errichtung einer am Ufer der Spree belegenen Sommerbadeanstalt, die mit filtriertem Sprecwasser ge speist wird. Ein Opfer dcS Alkohols ist der 66 Jahre alte Zettelverteilcr Karl Hausdorf geworden, der früher Schmiedegeselle war. HauS darf lebte von seiner Frau und drei Kindern getrennt für sich allein in der Arndtstraße 21. Er kam oft nachlS so schwer betrunken heim daß sich daS ganze HauS über ihn ärgerte. In der vergangenen Nacht um IIV2 Uhr fand ihn ein junges Mädchen hilflos auf dem Treppenabsatz liegen. Hausgenossen brachten ihn_ nach seiner Wohnung und überliehcn ihn dort seinem Schicksal, weil sie glaubten, daß er sich, wie immer, bald wieder ausnüchtern werde. Als man sich jedoch gestern morgen nach ihm umsah, log er tot au dem Fußboden. Nach dem Gutachten eines Arztes hat ein Herz schlag infolge des übermäßigen Alkoholgenusses feinem Leben em Ende gemacht. DaS Opfer einer Gasvergiftung ist in der Nacht zum Mittwoch daS ungefähr 16 Jahre alte Wirtschaftslehrmädchen Therese Grajek aus der Priuzessiiinenstsaße Nr. 16 geworden. Die Verunglückte, die Tochter eines HofverwalterS aus der Provinz Posen, lernte seit einem halben Jahre in der Familie des Fabrikanten P. die Wirt« schaft. Sie hatte ein kleines Schlafzimmer für sich, da« mit einem GaSoken geheizt wurde. Weil sie mit diesem nicht Bescheid wußte. so mußte auf Anordnung der Dienstherrschaft daS Dienst mädchen, daS ebenfalls einen besonderen Schlafraum für sich hat, jedesmal die Heizung besorgen. Bei der milden Witterung wurde jetzt nicht mehr geheizt. Vorgestern abend scheint es dem Mädchen, nachdem es gute Nackt gewünscht hatte, doch zu kühl ge- Wesen zu sein. Nach dem Befund hat eS wohl versucht, den Ofen anzuzünden, ist aber damit nicht fertig geworden, weil ein Streiche holz versagte. Die Unglückliche setzte sich dann zum Häkeln an de» Tisch, ohne den Hahn wieder zu schließen, und legte sich endlich ins Bett. Gestern morgen war sie tot. Wiederbelebungsversuche, die ein Arzt anstellte, blieben erfolglos. Dem nur halbgeöffneten Hahn war so viel Gas entströmt, daß das Mädchen ersticken mußte. Gegen den Alkohol. Freitagabend 9 Uhr im Gewerkschaftshause, Saal 6, spricht als sechster Redner tm Vortragszyklus über„Die Alkoholfrage' Genosse August Neumann über:„Alkohol im Arbeiter- Haushalt".— Kein Getränkeausschank I Eintritt 10 Pf.. Vorort- JSfadmcbtem Wilmersdorf-Halensee. Die Stichwahl zur Stadtverordnetenversammlung im Bezirk Halen see I findet heute, Donnerstag, vormittags von 9—2 Uhr und nach' mittags von 4—3 Uhr, im Restaurant Kurfürstenpark, Kurfürsten- dämm 119, statt. Da wir über einen Hausbesitzerkandidaten nicht verfügen, werden unsere Parteigenossen unterschiedslos für den Kan didaten der Demokratischen Bereinigung, den Hausbesitzer Kaufmann Ludwig Engelmann, Fasanenstr. 65, stimmen. Nur bei größter Kraftanstrengung kann der Reaktionär geschlagen werden Tempelhof. Der Krach in der Genossenschaftsbank. Zwischen den abgesetzten Aufsichtsratsmitgliedern der Genossenschaftsbank Tempelhof und Um- gebuna und den jetzigen Vorstandsmitgliedern der Bank werden zur- zeit Verhandlungen darüber geführt, ob sich die AufstchtSratS- Mitglieder bereit erklären, den nach Ansicht der Genossen durch ihre Unachtsamkeit entstandenen Schaden von fast 150 000 M. zu decken, Wie berichtet wird, haben sich bereits einige bereit erklärt, erhebliche Summen zu zahlen. Für den Fall, daß die Verhandlungen mit den Aufsichtöräten zu keinem Resultat führen, soll sofort die Schaden- ersatzklage angestrengt werden. Obgleich die Anzeige gegen Kranz bereits vor vierzehn Tagen erstattet worden ist, ist eine Verhaftung bisher noch nicht erfolgt. Kranz bestreitet übrigens jede Schuld. Er stellt jede strafbare Handlung in Abrede und behauptet, daß die Bank vielleicht gegen ihn zivilrechtliche Ansprüche gellend machen könne. Friedenau. Die feindlichen Brüder. Innerhalb ver Gemeindevertretung und des Gemeindcvorstandes kriselt es schon seit längerer Zeit ganz bedenklich. Daß Schöffen gegen Vorlagen des Gemeindevor- standcS in öffentlicher Sitzung ganz entschieden Stellung nehmen, konnte man bei jeder Tagung in der letzten Zeit beobachten und in den internen Beratungen soll es schon zu stürmischen Zwischen- fällen gekommen sein. Unsere Genossen verhalten sich diesem Treiben gegenüber ziemlich passiv. Sie sehen in dem Bürger- meister den Mann, der noch manchmal gegen den Willen dcS HauS- und GrunddesitzervereinS zu regieren versucht, der dann aber, wenn dies aussichtslos ist. sich durch irgendeine reaktionäre Maß- nähme wieder bei denselben in empfehlende Erinnerung zu bringen sucht. In Zuschriften im hiesigen Lokalbiättchen wurde gegen das Ortsoberhaupt sowohl wie auch gegen einige Haus- besitzervereinsgrößen etwas scharf vorgegangen. Einer dieser Gekränkten, der bekannte Herr v. Wrochcm, glaubte unter dem Voranschlag: Allgemeine Verwaltung bei der Position: Amtliche Bekanntmachungen dem Verleger des Blättchens, welcher auch der Gemeindevertretung angehört, Vorschriften darüber machen_ zu sollen, welche Zuschriften er aufzunehmen habe und welche nicht. DieS veranlaßt? den letzteren zu einem geharnischten Protest, indem«r unter anderem auch die Worte gebrauchte:„Was meine Zeitung bringt, geht Herrn v. Wrochem absolut nichts an." Wegen dieser Wort« bot nun der Frcisinnsheld v. Wrochem laut klagend um den Schutz des Vorsitzenden, der denn auch Herrn Schulz eine Rüge erteilte. In der nächsten Sitzung verlangte Herr Schulz eine Abstimmung darüber, ob ihm die Rüge zu Recht er- teilt worden sei. Der Bürgermeister erklärte. Laß er auf Grund der Geschäftsordnung eine Abstimmung darüber nicht zulasse. Ge- nasse R i ch t e r bedauerte bei dieser Gelegenheit lebhaft, daß die Geschäs i gorbnunfl kein� Handhabe bi�te, um die einseitige Stellung-- � nähme des Herrn Walger gebührend zu brandmarken. Für Herrn Wrochem hatte er nur ein paar Worte des Bedauerns. Der Abschluß des ordentlichen Etats bringt diesmal eine Steigerung von 251000 M.. er beträgt 2 449 800 M. Der außerordentliche Etat beträgt 1 500 000 M., das ist gegenüber dem Vor- jähre ein Mehr von 485 000 M.. so daß der Gesamtetat sich auf 3 949 800 M. beläuft. Um den Etat zur Balaucierung zu bringen, sind 73 200 M. aus den Uebcrschüssen des Jahres 1909 eingestellt worden, das sind 81 990 M. weniger als im Vorjahr. Bei Beratung des Voranschlages für die Volksschulen beantragte Genosse Richter, der am Orte bestehenden„Freien Tnrnerschaft" eine Gcmeindeturnhallc zur Verfügung zu stellen. Nach eingehender Begründung durch den Antragsteller wurde der Antrag gegen vier Stimmen angenommen. Adlershof. In der Schöffenwahlangclcgenheit hat nunmehr antü der Bezirks au«sch»ß als Beschwerdeinstanz— wie nickt anders zu erwarten— der Versagung der Bestätigung unserer Genossen Hildebrandt und Perrich durch den Landrat seine Zustimmung erteilt. Wieder ein Lorbeerblatt mehr im Kranze preußischer RegierungSkunst. Waltcrsdorf-Schulzsndorf. Bekanntlich steht der Arbeiterschaft in diesen Orten kein Ver' sammlungslokal zur Verfügung. Am Sonntag fand deshalb auf dem Grundstück des Genossen Weber in Waltersdorf zun, ersten Male eine VoUsnersammlung unter freiem fünimel statt. Vor einer statilichen und andgchrig lauschenden Versammlung behandelte Genosse K u b i g das Thema„Die politische Lage und die bevorstehenden Reichslagswahten." Der Redner erntete für seine AuSfübrungen lebhaften Beifall. In der darauf folgenden Diskussion meldeten sich Gegner trotz Aufforderung nicht zum Wort. Nach einem kernigen Schlußwort des Genossen K i m m r i tz und einem be- geisterten Hoch auf die Sozialdemokratie fand die Versammlung ihr Ende. Nack und nach fanden sich sämtliche Versammlungsbesucher vor dem Lokal des Herrn Huck ein, daS der Arbeiterichast n i ch l zur Verfügung steht. Nunmehr unternahmen die Genossen Kimm ritz und Mohr nochmals mit dein Wirt über die Freigabe seines Lokals zu verhandeln. Das Ergebnis war leider ein negatives. Herr Huck meinte, daß ihm der größere Vorteil durch die Bewirtung der eingesessenen Bauern und Besitzer erwächst. Nach Bekanntwerden des Resultats zogen alle VersainmlungSbetucher ohne einzukehren weiter.— Auch in diesem Teil unseres Kreises ist daS Samenkorn des Sozialismus gesät. Jetzt heißt eS weiter arbeiten bis zum '"'wähl. Erntetag— der ReichStagSwa! Zeesen-Körbiskrug. In einer gut besuchten Gemeindewählerversammlung referiert« Gen. Kaiser(Königs-Wusterhausen) über die Tätigkeit der Sozialdeino« kratie in den Gemeindeveriretungen. Redner beleuchtete i» seinem Vortrage daS Jahrzehme lange, jedem Fortschritt fremde Wirken der alteingesessenen Bauern in den Gemeindevertretungen. An ver- chiedcnen Beispielen wies alsdann der Redner nach, wie die Sozial- deniokratie, nachdem sie in den Gemeindevertreiungen festen Fuß gefaßt, wesentliche Verbesserungen auf allen Gebieten des kommunalen Lebens zu erringen verstanden habe; daß auch in der Ge- meinde Zeesen für die Sozialdemokratie viel zu hm ist, zeigte Redner an den traurigen Verhältnissen jämmerlicher Wege, keine Straßenbeleuchtung, so daß des Abends bei Regenwetter nur unter Lebensgefahr die Straßen zu passieren sind: desgleichen liegen die Schulverhältnisse sehr im argen, zirka 90 Kinder werden von einem Lehrer unierrichtet, ein Zustand, den man vor den Toren Berlins bei ISO Proz. Gcmeiiideeinkommensteuerzuschlag nicht mehr für möglich halten sollte. Der Redner erntete am Schlüsse seines Vor träges lebhaften Beifall. In der Diskussion ergänzten noch einige Genossen die Ausführungen des Referenten. Trotzdem einige Ver- treter der Bauern anwesend waren, meldete sich niemand zum Wort. Hierauf wurden die Genossen Büdner Otto D 0 mm isch-KörbiS- trug in der dritten und Gastwirt Paul Behrendt- Zeesen in der zweiten Klasse von der Versammlung als Kandidaten aufgestellt. Genosse Kaiser ersuchte zum Schluß, nun auch dafür zu sorgen, daß die Kandidaten mit großer Mehrheit gewählt werden. Die Ge- meindeioahlen müßten bereits als Vorpostengefecht für die nächsten Reichstagswahlen gelten. Neinickendorf. AuLwandrrcrclend. In völlig erschöpftem Zustande wurden tn der Residenzstraße drei galiziiche Frauen aufgesunden. Sie gaben an, daß sie auf Veranlassung eines Agenten vor etwa drei Wochen aus ihrer Heimat nach Deutschland ausgewandert und feit dieser Zeit ständig unterwegs gewesen seien. Da der Agent mit den Papieren und dem wenigen Gelde der drei heimlich verschwand. >erieten die Bedauernswerte» in bitterste Not. Hungernd und rierend wanderten sie tagsüber und suchten während der Nächte in Scheunen und Wäldern notdürftige Unterkunft. In Reinickendorf versagten den Bemitleidenswerten, deren Füße vollständig wund und angeschwollen waren, die Kräfte. Die drei Personen— eine etwa vierzigjährige Frau und zwei achtzehn- und zwanzigjährige Mädchen— fanden zunächst i» dem Gemeindeheim Aufnahme, wo ihnen ärztliche Hilfe und Unterstützung zuteil wurde. Die Uir glücklichen sollen nach ihrer galizischen Heimat zurückgebracht werden. Nieder- Schönhausen Die Einverleibung Nieder-SchönhauscnS in die Gemeinde Pankow lautete die Tagesordnung der am Montag stattgefundcnen stark be- 'achten Versammlung der hiesigen HauS- und Grundbesitzervcreine. Wer da glaubte ein großzügiges instruktives Referat über diese« Thema zu hören, wurde arg enltäuschl: wohl sprachen ein halbe« Dutzend Redner über die Einverleibung, jedoch auf den eigenilicken Kern dieser Frage wurde nickt eingegangen. Für die Hausbesitzer spielt die Frage die größte Rolle: welche Vorteile erreichen wir durch die Verschmelzung für unsere Grundstücke. Der Vorsitzende Herr Frantzen wies darauf hin, daß schon vor mehreren Jahren die Verschmelzung angeregt worden sei, damals fei man jedoch mit einem Lächeln darüber hinweggegangen. Er persönlich stehe heute noch auf dem Standpunkt, daß die Vereinigung beider Orte nur Vorteile für Schönhausen bringen könne. Beide Orte seien oft gleich groß. Was Schönhausen bei der Verschmelzung mitbringe, sei der viele unbebaute Boden, den«Z noch auf- zuweisen hat, der nach der WertzuwachZsteuer großen Gewinn abwerfen werde. Von Pankow bekomme man ein Krankenhaus, vor- zügltche Schulen, Kaufmanns« und Gewerbegericht, gewerbliche Fort- bildungSschulen, ein Rieselgut und eine bessere Bauordnung. Ferner könnten die VerkehrSverhältnisse nur mit Hilfe Pankow« gebessert werden. Es fei zwar ein langer Weg. den die EingemeindungSftage zu laufen habe, um die in Frage kommenden Behörden dafür zu gewinnen, aber er hoffe, daß er zum'Wohle beider Gemeinden übren möge. In der hierauf folgenden Diskussion waren sämtliche Redner für die Eingemeindung. Von den anwesenden hiesigen bürgerlichen Gemcindevertretcrn ergriff nur Dr. Pralsch daS Wort, der sich als Opponent vorstellte und der mehrmals bei seinen AuS- iührlmgen von der Versammlung stürmisch unterbrochen wurde. Redner nieinte, daß die Verschmelzung für die Gemeinde Schön- Hansen sehr verhängnisvoll werden könne. Bürgermeister Kühr aus Pankow solle erklärt haben, wenn Schönhausen die Eingemcm- dung nicht mitmachen wolle, dann müsse es überrumpelt werden. Ferner habe er gehört, daß daS Gehalt des Pankower Bürger. meisterö mit der Einwohnerzahl des OcteS steige. Außerordentlich schwierig werde«S mit der AbsindungSsumme für den Bürger- meister Abrahain-Nieder-Schönhausen, der jedenfalls nicht unter einem Vorgesetzten weiterarbeiten werde; was also an Verwaltungs- kosten gespart werde, müsse auf der anderen Seite zugegeben lvn»«n. Er sei Wohl für eine Eingemeindung aber nur mtt Berlin. Redner beantragte die Bildung einer Kommission zur Anbahnung von Verhandlungen mit Berlin. Schöffe Pradel-Pankow trat den Ausführungen Dr. Pratschs scharf entgegen; er habe die Auf- fassuug. daß Dr. Pratsch sich zum Sprachrohr des Bürger- meisterS Abraham gemacht habe. Nachdem noch einige Redner für die Verschmelzung gesprochen hatten, wurde zunächst über den An- trag von Dr. Pralsch abgestimmt, der abgelehnt wurde. Hierauf gelangte folgende Resolution fast einstimmig zur Annahme: Die heute im Restaurant Karl Liedemit tagende Versammlung erklärt ihre volle Sympathie für eine Verschmelzung mit Pankow, sie bittet vie Gemeindcvertreter beider Orte zum Zwecke der Einverleibung in gegenseitige Verhandlungen einzutreten. Am Freitag, de» 10. März, wird die gesamte Einwohnerschaft ihre Meinung in der EingemeindungSfrage zum Ausdruck bringen. Oranienburg. Reiche Beute machten Gekdschrankeinvrecher. in der gestrigen Rächt bei der Firma Dinmann in der Lehnitzstr. 15. Dort fiel ihnen eine eiserne Kassette in die Hände, die eine große Menge Geld und GeldeSwerl enthielt: l5 Einhiindertmarkscheine, für 845 M. Zwanzig-, Zehn- und Fünsinarkstllcke, einen größeren Posten Brieftnarken zu IS, 20 und 50 Pf., Jnvalidenmarkcn zu 60 Pf., Weckselstempcl- marken, zehn Kronen, die sich mit einem Brief in einer kleinen Blechbüchse befanden, und einen Hypoihekenbries über 24000 M. Die gestohlene Kassette ist 42 Zentimeier lang. 27.6 Zentimeter breit und 10 Zenriineler hoch. NowaweS. Die ErgmizmigSwahlen für die Gemeindevertretung, die während der drei letzten Tage vorgenommen wurden, endeten mit einem vollen Erfolge unserer Partei. ES wurden gewählt die Genossen Max Singer, Hermann Hänchen und Ernst Zöllner mit 1437 Stimmen. Trotzdem die Gegner allen möglichen Terroris- mus anwandten, um die städtischen Beamte» zur Wahl zu zwingen, brachten sie es doch nur auf 264 Stimmen, worunter sich noch 65 Forciisen befinden. Potsdam. UeberbrückungSprojekt der Havel im Zuge der Packhofflraße. Eine Entlastung der Kaiser-Wilheln,. Brück», die zurzeit die einzige Ver- bindung des alten Staditeiles von Potsdam und desien nördliche» Hinterlandes mit dem Bahnhof und dem südlichen Stadtteile nebst Hinterland bildet, ist ie» Jahre» eine Forderung der Verkehrspolizei. Der hohen Kosten ivegen ist dieses Projekt bisher immer zurück- gestellt worden. Mit dein Erwerb der FrenndichastSinsel durch die Stadt ist das Projekt wieder in Fluß gekommen. Da der Wasser« banfiskus als Besitzer der Kaiser-Wilhelm-Brücke ein lebhaftes Interesse an der Entlastung derselben hat. will der RegierungS« Präsident als Chef der Verwaltuiig der niärkischen Wasserstraßen eine StaatSbeihilfe von 400 000 M. beim Minister der öffentlichen Arbeiten beantrage». Für die Ueberbrückung kommen drei Linien in Betracht. 1. Von der Heiligen Geislkirche über die Ostsp'tze der FreundschaftSinsel nach der dein EisenbahnfiSkuS gehörenden Melchior- Wiese, 2. eine Verlängerung der Packhosslraße über die FreundschaftS« iniel hinweg nach der Melchior-Wicfe. und 3. eine Verbindung vom Blücherplatz über die FreundschaftSinsel»ach der nördlichen Ecke deZ Güterbahnhofes bezw der diesen umgebenden Babelsberger Straße. Der Magistrat wird den Stadtverordneten das unter 2. genannt« Projekt vorlegen, da eS die zweckmäßigste Lösung darstellt. Als Breite des neuen Straßenznges sind 18 Meter vorgesehen; � da die Packhofstraße nur 11—12 Meter Gesamtbreite hat. müßt« sie um 6—7 Meter verbreitert werden. Diese Verbreitcriuig wird erst vor- genomnien, wenn der Berkehr die« dringend erfordert. In der Burgstraße müßten die Grundstücke 22—23 erworben werden. Von den Grundstücken Burgstraße 21 und 24 werden außerdem bei der Fnndieruug des nördlichen BrückenwiderlagcrS einige Quadrat- Nieter benötigt. Außerdem müsse» erworben werden Grundstücke der Ftscherinnung auf der FrelindschaftSinsel von zusammen 0,1866 Hektar, ein Grundstück deS WasserbaufiskuS auf der FreundschaftSinsel und ein Teil eines Grundstücks des EisenbahnfiSkuS. Ferner mackt sich der Ankauf deö kleine» Vorgartens vor dem Hanse Am Kanal 7 not- wendig, da hierdurch die Einfahrt in die Packhofstraße vom Berliner Tor aus besser gestaltet würde. Der Bau«iuer neuen Brücke über den Stadtkonal Im Zuge der Packhosstraße macht sich hierbei eben» falls notwendig. Die Bauzeit dürfte l'/z Jahre betragen. Sämtliche Arbeiten sollt» durch Unternehmer ausgeführt werden. Arbeiter-Waiiderbnud„Die Nntursrennde". Wanderfahrten am Sountag, de» 12. März: 1. Thyrow-Älauer verge.Beclitz. Abfahrt: An- balter Bahnhos 6.15 lldr vv'.'iniitagS. 8. StrauSScrg-Blnnienthal-Leucnbera. Abfahrt: Schlcsgchrr Bahnhof S.2V Uhr vormiltag». 8. Grunewald-PichclS- werder-Aeftend. Treffpunkt- Bahnhos Grunewald(am Waidhau») 1'/, Uhr nachmittags. Gäste willkommen. eingegangene Drucfcrdmfwti. Peter Michel. Roman von F. Buch. S M., geb. 8 M. M. Möricke, München. Der MonieniuS. Nr. 57. Heransgeber Dr. Körber und Dr. Joh. Unold. Verlag Berlin IV. 57. Einreihest 40 Pf. Neclams Univerial-Bibliothek. Nr. 5285. Kabarett. Eine Sammlung llelncr Stücke. Szenen und vortrüge. Don&. R. Kruse.— Nr. 5267. Ter KafseufchlUfsel. Lullfpiel von R. venedtx. Jede Nummer 20 Ps. PH. Reclam, Leipzig.__ ßniflurten der Rcdahtion. C. K. 20. Ja.— Bellach 38. Nein, wenn die Zahlung vor Zu» flellung des Zahlungsverbot» erfolgt ist.— W. Frledrtchstraste. Nein. - iVl. R. Anspruch aus Erstattung der Hälfte besteht nur dann, wenn zur Zeit der Verheiratung mindesten» 200 BcitragSwochcn geleistet waren. — G. H. 0. 1 und 2. Allein nicht. 3. Nur für die Kinder. 4. Soweit zum Unterhalt erforderlich: ja. 5. Durch Erklärung zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll, das alsdann dem Amtsgericht zur Publikation ein« »ureichen ist. 6. und 7. Der gegnerische Anwalt kann Vorschuß, ahlung ver- langen, auch eme dabwgehende einstweilige Verfügung erwirke».— t». 20. Im allgemeinen kein Unterschied.— H 85. Wen» im L_•an. R. 10«. WW»>«» find stempel» pflichtig.— H. B. 30. Sie löuncn zur Sicherheit für das Darlehen Gegenstände übereignen.— T. M. 71. Ein solches Abkommen ist tn Deutschland unseres ErachtenS rechtsunivlrkfam. — B. L- 24. 1. Gesetzlicher Anspruch beftebt nicht. L. Mit Zustimmung deZ Vormundes an das BormundschaftSgericht« nach der Verheiratung. 3. Etwa'25. M. wöchentlich find zu belasscu. 4. In vier Jahren. 5. Ja, so» lange nicht ein Fünstcl de» JahrcsarbeitSverdiclistes eingebüßt ist. AlSdann mu« ein Antrag an den Bor-sitzcndcii der VcranIagungStommission gerichtet werden.— E. S. 1. Nicht bekannt. 2. Nein. 3 Ja.— I.®. 49. Etwa 1000 M.— M.«1. Führen Sie Beschwerde beim ReichSverfiche- rungSamt.— W. 6. 100. 1. Das ist zweckmäßig. L. und 3. Wir empsehlen keine bestimmten Keselllchaslcii.— Sch. 08. I..Neichsanziiaer", Berlin, Wilhelmstr. 32. L. Pro Bericht 30 Pf. 3. Unseres ErachtenS nicht. SiZitternnqSüderiickl vom 8. März 4911. Stationen »II II 68 Ii c y Letter irowetndt bamkmrg Serliv 762 Still 762WSD 762 SW zrauks.a M' 762 NO Tünche» Wien 1 763 SW >764 Still bedeckt 2 bedeckt 1 bedeckt l wolkig 2 balb od. heiter >»« e» 1 2 0 2 _ 2 -1 L! «tattonen S £ 5 «f Saparanda 76251 etersburg 761 Still Sctlly 1 762 43| -lberdeen Bans 759 223 762 91 ■ I Netter *1* B1* Ii üi 2 wolkig Schnee 2 bedeckt 1 bedeckt 3 bedeckt Lerantwortlicher Nebakteur: HanS Deber. Bexlm. Für deaJnferatenteil verantw.: Ty. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. VertagSanstalt Pauk L inger u. Co' «etlemagnos« für Touiierötag. den 9. VUr» liNI- stich trübe mit geringen Niederfchläaeir, mäßigen westlichen L3u! etwas wärmerer Nacht und toenia veränoener Tages:emperatur. Berliner Wetterbureau. Berlin LW.