Dr. VS. Bbonncmenfs-Bcdingungsn: Nbonncnients- Preis pränumerando z Wicrtcljnhrl. ZM Mi., monatl. 1,10 Ml, wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Ewzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. nuninier mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Weit" 10 Pfg. Post. tlbonncment: 1,10 Marl pro ivlonat. Eingetragen in die Post-Zeikmas. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 28. Iahrg? eMliiit ls-siich aaScr montags. * ♦ Berliner Volksblnlk. Sie Insertion;-Sedilh?- beträgt für die scchsgcspaltene Kolonel« geile oder deren Raum 00 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- u»d Versanimlungs-Anzeigen M Psg. „Kleine Unztigen", das erste(feit. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf» stcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 0 Psg. Worte über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuninier Müsjen bis S Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abendS geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozialöcmoHrst ll-rl!»". Zentralorgan der fozialdemohratt(eben Partei Deutfcbtands. Redaktion: SM. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 14. März 1911. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Amerikas Mobilisierung gegen Mexiko. Die Mobilisierung der Vereinigten Staaten wirft die Fracje nach den eigentlichen Beweggründen der Washingtoner Regierung auf. Will sie das Land annektieren oder— dessen Oberhaupt für seine unzähligen Verbrechen an Gut und Men- schen bestrafen? Augenscheinlich keines von beiden. Denn Mexiko ist seit langer Zeit, wenn auch nicht politisch, so jeden- falls wirtschaftlich der Vasallenstaat des Onkels Sani, tributpflichtig, zwar nicht dem amerikanischen Volke, wohl aber seiner herrschenden Kaste, den Trustmagnaten. Was Mexiko an Naturschätzen besitzt, und das ist sehr viel, ist im Besitz amen- konischer Kapitalisten. Durch alle Kanäle seines Wirtschaft- lichcn und gouvernementalen Lebens rollt der amerikanische Dollar. Ueber 900 Millionen Dollar haben die amerikanischen Kapitalisten in Mexiko angelegt; seinen gesamten Vorrat an Kupfererz kontrolliert oder besitzt die Gruppe Morgan- sGuggeicheim; über allen seinen großen Schmelzhüttcn und Minenwerken hängt die Firma: Guggenheims Söhne; der Weitaus beste Teil der sehr ergiebigen Oelquellen schöpft der Etandard-Oeltrust unter dem Aushängeschild Waters-Pierce aus; der amerikanische Zuckertrust hat kürzlich von der Re gierung Diaz' so weitgehende Konzessionen für Rübenplanta gen und Zuckerproduktion erhalten, daß sie in einem Jahr zehnt ein komplettes Monopol bedeuten; die amerikanische Wells-Fargo-Expreßkompagnie, deren einflußreichster Teil- Haber der junge Rockefeller, der Sohn des Oelkönigs ist, besitzt den größten Teil des für Gummiproduktion geeigneten Bodens; die gleiche Kompagnie hat sich das Monopol der Eil frachtbeförderung Mexikos gesichert; der Harrimansche Eisen bahnkonzern hat in Mr. jE. N. Brown einen ergebenen Agenten im Direktorium des wichtigsten Geldinstituts Mexikos, der Bvnca Nacional; die Southern Pacific ßisenbahngesellschaft befitzt oder kontrolliert drewiertel der Länge der mexikanischen Haupteisenbahn, ein Vorteil, der für die gegebenen Verhält- nisse einem absoluten Monopol gleichkommt. Daß die amerikanischen Trusts eine solche allmächtige Stellung in Mexiko erringen konnten, ist eine Geschichte für sich, und eine recht korrupte obendrein. Dem an Naturschätzen und willigen Arbeitskräften so reichen Lande mangelte das Geld. Was an Barmitteln vorhanden war, verschlangen die inneren Fehden und der Krieg gegen die den Kaiser Maxi- milian bewegenden Mächte. Die Geldverlegenheit der Herr- schenden Cliquen in Mexiko war die günstige Gelegenheit der amerikanischen Kapitalisten. Sie brachte diesen Wirtschaft- liche Vorteile und damit auch politischen Einfluß. Und was die Geldnot nicht bringen wollte, wurde durch Bestechung von Beamten, auf krummem Wege zwar, aber doch unfehlbar er> reicht. Man muß wissen, daß Mexiko das Paradies der V e a m t e n k or r u p t i 0 n ist. Es hat an günstigen Gelegenheiten nicht gefehlt, Mexiko ohne viel Aufsehen und ohne große Gefahren politischer Kom- plikationen an die Vereinigten Staaten anzugliedern, es unter irgendeiner Verbräinung zu annektieren. Wenn die politische Geschäftsexekutive der Trusts, die Regierung in Washington, von der Fruktifizierung dieser Gelegenheiten Abstand zu nehmen für gut fand, so tat sie es aus wohlver- standenem Interesse ihrer Herren. Die Vernichtung der Selbständigkeit Mexikos konnte nach Lage der Dinge dem amerikanischen Großkapital keine Vorteile, sondern nur Nach- teile bringen. Denn was das Land an Schätzen birgt, hatte die Regierung des Diaz willig und billig, gegen geringfügige Aequivalente für den Staat abgegeben, und hätte sie weniger Geneigtheit gezeigt, so hätte der„große amerikanische Handschlag", die Bestechung, ohne weiteres zum Ziel geführt. Zu einer Acnderung dieses profitbringenden Zustandes lag für die Machthaber in Washington nicht der geringste An- laß vor. Wäre die Aneignung der Reichtümer Mexikos so billig und ohne Gefahr und Verantwortung möglich gewesen, wenn es vollständig zu Amerika gehört hätte? Niemals. Aber noch mehr. EineEinverleibungMexikoshätte die Ausdehnung der Rechte, Freiheiten und Schutzgarantien der amerikanischen Bürger auf d i e 16 Millionen rechtloser, zu einem Drittel total versklavter Mexikaner nach sich ziehen müssen. Denn Amerika hätte nicht zweier- lei Recht, zweierlei Bürger, politisch Herrschende und politisch Beherrschte unter dem Sternenbanner der„Freiheit" bestehen lassen können, wenn es nicht den Spott und Fluch der zivili- fierten Welt ernten wollte. Das Land, das sich mit seinem Kriege gegen die Sklaverei so sehr brüstet, wäre gezwungen gewesen, die versklavten Untertanen des Diktators Diaz als freie Bürger und schutzberechtigte Menschen zu behandeln und ihnen für ihr Landesgebiet und ihre staatlichen Einrichtungen freies Selbstbestimmungsrecht einzuräumen. Das aber war es gerade, was die amerikanischen Kapitalisten bis in die innersten Schächte ihrer Ausbeuterseele verabscheuten. Denn dadurch hätten sie ja ihr in Mexiko garantiertes Recht auf unbegrenzte Ausbeutung der Menschen und unbeschränkte Herrschaft über die Bodenschätze des Landes, als auch ihren großen Einfluß auf die Regierung mehr oder weniger einge- büßt. So lange das Land von außen kontrolliert, seine Ar- beitskräfte ausgebeutet und verwüstet, seine Reichtümer fast «nentgeltlich angeeignet werden konnten, und die Privilegien sicher gestellt waren, lag kein Anlaß vor, eine Acnderung der politischen Konstellation Mexikos zu veranlassen oder auch nur zu wünschen. Die Selbständigkeit Mexikos sicherte den amerikanischen Kapitalisten die fettesten Profite; für deren Garantierung hatte die mexikanische Regierung selbst zu sorgen. Diese hatte im Interesse der Plusmacherei die Arbeiter zu unterdrücken, das arbeitende Volk rechtlos zu machen, und der Oeffentlich- keit gegenüber die Verantwortung für die Missetaten des Kapitalismus zu tragen, und sie hatte auch die Flüche, den Haß des infam ausgesogenen Volkes, als auch die Gefahren, die die kapitalistische Mißwirtschast im Land und in der Ra gierung heraufbeschwor, auszustehen. Kurz, das bestehende Verhältnis brachte den Trusts nur Vorteile, dem Volke nur Nachteile, der Regierung Flüche und die Pflicht Henkerarbeit zu tun. Was Wunder, wenn der Imperialismus an der mexikanischen Grenze Halt machte. Soviel Gründe nun die Washingtoner Regierung für ihre Zufriedenheit mit dem existierenden Verhältnis zu Mexiko bis jetzt hatte, soviel hat sie auch jetzt für die Mobilisierung der Armee: Porsirio Diaz, der Präsident Mexikos, die willfährige Kreatur der Trusts, der bluttriefende Unterdrücker vieler Streiks und Aufstände, ist dem Ende seiner Verbrecherlauf bahn nahe. Seine Herrschaft wankt. Was dieser Schurke vom Jahre 1877 an, wo es ihm gelang, sich zum Präsidenten auszuwerfen, bis zum heutigen Tag an Schandtaten geleistet hat, ist in den letzten zwei Jahren aus den Millionen Kehlen des mexikanischen Volkes ohne Unterlaß in die Welt hinaus geschrien worden. Dieser indianische Bastard hat politische Gegner barbarisch verfolgt, Leute wegen Versammlungsreden einkerkern lassen, die persönliche und politische Freiheit be seitigt, seinen politischen Widersachern Sicherheit des Lebens und der Rechte skrupellos genommen. Hunderte haben ihre Gegnerschaft zu Diaz mit dem Leben bezahlen müssen, Tausende büßen für ihre freie Meinung in feuchten Verließen, Aber tausende irren ruhe- und heimatlos im Ausland oder in den Felsxnklüften der Gebirge umher, ein Drittel des Volkes seufzt in der Peonage, eine Art Sklaverei, ivie sie so brutal nirgends bestanden hat. Fünf Millionen Menschen, die Peons, werden geboren, leben und sterben in der Leibeigenschaft. Sie er halten keinerlei Lohn, müssen aber unmenschlich schuften. Eni springt einer von ihnen, so wird er von den Schergen des Diaz zurückgebracht und für seine Verwegenheit unbarmherzig ge prügelt. Die Jndustriebevölkerung hat es nicht viel besser. Man erinnert sich noch, wie. vor ein paar Jahren ein Haufen streiken der Arbeiter vor der Fabrik von der Soldateska erschossen wurde. Dem Industriearbeiter werden Hungerlöhne gezahlt, die dann noch weiter gekürzt werden durch den Zwang, Waren aus dem Laden des Unternehmers zu entnehmen. Er ist an Händen und Seele gefesselt dem zumeist ausländischen Aus beutertum ausgeliefert. jTine Arbeiterorganisation wird nicht gestattet, Streiks werden unbarmherzig im Blute erstickt. Das Volk trägt das Joch knirschend. Oft und oft loderte die Flamme' des Aufruhrs empor— und wurde von Diaz wieder gelöscht. Die beiden letzten Jahre: brodelt der prole- tarische Acheron immer lauter und drohender. Jetzt scheinen die Unterdrückten mit der Formierung ihrer Phalanx fertig zu sein und zu einem kühnen Schlage ausholen zu wollen. Die amerikanischen Kapitalisten sind besorgt um ihren Protektor und Agenten. Das Ende seiner Herrlichkeit kann ihre Interessen gefährden, ein Sieg der Revolution ihre Privi- legten für immer vernichten. Darum die Mobilisierung der Truppen. Von der Stärke der revolutionären Bewegung in Mexiko und ihren Erfolgen wird es abhängen, ob die Washingtoner Regierung, wie einst auf.Kuba,„im Namen der Menschlich- keit" ihre sengende und schießende Soldateska über die Grenze schickt und auch, ob ihr die„Interessen der Zivilisation" ge- bieten, das politische Verhältnis Mexikos zu Amerika so zu ändern, daß es auch weiterhin den amerikanischen Trusts tributpflichtig bleibt. » Panik in Nordmexiko. New Aork, 13. März. Nach einem Telegramm auS EI Paso herrschen in Nordmexiko panikartige Zustände. Die Insurgenten in den Staaten Chihuahua und Sonora zerstörten Eisen- bahnen und Telegraphenleitungen und belagern zahlreiche Städte, in denen sich Tausende von Frauen und Kindern ohne Nahrung und in hilfloser Lage befinden. Nach einer Meldung aus anscheinend zuverlässiger Quelle sind in dem letzten Kampfe bei Casas Grandes fünfzehn Amerikaner getötet und siebzehn gefangen genommen worden. Telegramme aus der Haupt- stadt Mexiko geben Gerüchte wieder, nach denen die Landpolizei am Sonnabend 129 Insurgenten bei San Bartolito aufgerieben habe, von denen 59 Mann gefallen seien. Die Lage in Chihuahua ist sehr traurig, zahlreiche Industrien stehen still. Nach einem Telegramm aus Douglas lArizona) hat bei Aguprieta in Mexiko am Sonntag ein Gefecht statt- gefunden. Fünfhundert Aufständische tauchten aus einer Berg- schlucht auf wurden sofort von einer 399 Mann starken Truppen- abteilung angegriffen, die sich schließlich zurückzog. In dem Gefecht sind 35 Mann gefallen. Die Absichten der Regierung. New Nork» 13. März. Die„Times" melden aus Washington, eS könne positiv erklärt werden, daß die Vereinigten Staaten nur im Falle großer, ihre Interessen gefährdender Un- ruhen in Mexiko intervenieren würden. Nachdem Mexiko geklagt habe, daß die Insurrektion nur durch Zuzug aus Amerika wachgehalten werde, solle dies mit allen Mittel verhindert werden. Nach einem Telegramm der„Tribüne" aus der S t a d t M e x i k 0 sind die Geschäfte dort durch den Aufstand nur wenig gestört, sehr dagegen im Norden des Landes. Libt es eine HilsIienZuM? Aus Kiel wird uns zu den beiden schon tclegraphisch mit« geteilten horrenden Urteilen der Kieler Strafkammer über den Ge« nassen H e n s ch e l von der„S ch I e s w i g- H 0 l st e i n i s ch e» Volkszeitung" geschrieben: Am 29. November v. I. war Genosse Herm. Brecour wegen Beleidigung der Bonner Nichter zu 699 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. In den kritischen Anmerkungen zu dem Prozcßbericht der „Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung" war die Verurteilung eines betrunkenen Bauarbeiters zu einem Jahre zwei Monaten Zuchthaus, weil er nach einem Streite mit Bahnarbeitern Steine auf die Schienen eines Bahnstranges gelegt hatte, mit dem Urteil gegen die Bonner Borussen in Vergleich gestellt worden. In einer anderen Stotiz in einer anderen Nummer der Zeitung war gleichfalls cir Vergleich gezogen worden zwischen dem Urteil gegen die Bonne Borussen und der Verurteilung eines geistig minderwertige: Mädchens zu einem Jahre drei Monaten Gefängnis wegen Brand stifwng. Die Staatsanwaltschaft erhob wegen beider Artikel Ar klage. Die Eröffnung des Hauptvcrfahrens wegen des zweiten zu Verurteilung stehenden Artikels hatte die Beschlußkammer de, Landgrichts abgelehnt, aber durch Beschluß des Oberlandesgcrichte wurde auch in diesem Falle die Eröffnung des Hauptvcrfahrens angeordnet. Die Anklage ging davon aus, daß den Richtern der Vorwurf der bewußten Rechtsbeugung, der Klassenjustiz gemacht worden sei. Genosse Hcnschel setzte dem Gericht aus- einander, daß die Staatsanwaltschaft den Begriff Klassenjustiz ganz falsch auslege. Er sage nicht, daß die Richter bewußterwcise gegen Angehörige der besitzlosen Klasse schwerere Strafen verhängen als gegen Angehörige der besitzenden Klasse. Die verschiedene An« Wendung der Gesetze erfolge unabhängig von dem Willen der Richter aus ihrer ganzen sozialen Lage und ihrer Unkenntnis der Lage der Arbeiterklasse heraus. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ließ hierauf seine De- finierung des Wortes Klassenjustiz fallen, beantragte indes, mehrere Artikel der„Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung" zu verlesen, aus denen hervorgehen sollte, daß die Tendenz der Volks- zeitung dahin gehe, alle Autoritäten hcrabzu» setzen. Dieser Antrag sowie der des Genossen Henschcl, das von ihm dem Gerichte eingereichte Material(Erläuterungen des Be- griffs Klassenjustiz durch sozialdemokratische Redner und Zeitungen und Anerkenntnisse des Bestehens von Klassenjustiz durch bürgerlich« Zeitungen und Parlamentarier) zu verlesen, wurde abgelehnt. Der Staatsanwalt hielt den Vorwurf der Rechtsbeugung gegen die Bonner Richter und Staatsanwälte für erwiesen. Er beantragte für jeden Artikel eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis. Er verlangte ausdrücklich, nicht auf Geldstrafe zu erkennen, weil diese doch nicht vont>em Angeklagten getragen werde. Sollte aber das Gericht dennoch Geldstrafe verhängen, so sei eine Geldstrafe von 2099 M. angemessen. Und nun kam das Ungeheuerliche: Der Genosse Henschel ist bisher unbestraft. Der Staatsanwalt erklärte, die bisherige Straf- losigkeit des Angeklagten könne nicht in Betracht gezogen werde». Wenn er sich bereit finde, für eine Zeitung wie die Bolkszeitung zu zeichnen, müsse er auch die Strafen der Zeitung mit übernehmen, dadurch gelinge es vielleicht, einen anderen Ton in die Zeitung zu bringen.(!) Die Ausführungen des Verteidigers, daß dem Redakteur das Recht zustehen müsse, Urteile, die er für falsch halte, zu kritisieren, und die Verwahrung des Angeklagten dagegen, daß ihm die Vor- strafen der früheren Redakteure mit angerechnet werden, blieben anscheinend auf den Gerichtshof wirkungslos. Anders ist das Urteil nicht zu verstehen: es lautete bekanntlich auf vier Monate Gefängnis! Noch ungeheuerlicher ist das Strafmaß des zweiten Urteils. Der Prozeß hatte folgende Unterlage. Ende Juli lief in der Stadt Kiel das Gerücht um, auf dem großen Kreuzer„Blücher" fei eine Meuterei vorgekommen. Es nahm so eine bestimmte Gestalt an, daßdie „Volkszeitung" einen Artikel veröffentlichte, in dem es im wcsent- liehen wiedergegeben war. Danach wäre der Kreuzer„Blücher" am 23. Juli abends von Norwegen in den Kieler Hafen zurückgekehrt und habe an einer Boje festgemacht. Am andern Morgen sei das Schiff unter Eskorte eines anderen Kreuzers nach der Strender Bucht gedampft und sei dort vor Anker gegangen. Niemand habe von Bord dürfen. Die Rückkehr und Bewachung des„Blücher" fei auf meuterische Vorgänge an Bord zurückzuführen, bei denen der an Bord befindliche Admiral und der erste Offizier arg bedrängt worden seien. Die Ursache der Auflehnung sei schlechtes Essen gewesen. 89 Mann der Besatzung seien in Haft genommen worden. Alles das war nicht als bestimmte Tatsachen hingestellt worden, vielmehr wurde besonders betont, daß es sich um ein Gerücht handele und daß Aufklärung von der maßgebenden Stelle verlangt werde. Die Folge dieses Artikels war die Anklage wegen Beleidigung der Offiziere und der Mannschaft des Kreuzers„Blücher". Im Termin erklärte Genosse Henschel, er habe durch die Veröffent» lichung des Artikels im Interesse der Angehörigen der Besatzung des»Blücher" Aufklärung herbeiführen wollen, Ihm fei bekannt gewesen, kaß über bis Verhältnisse auf„Blücher" schmt früher ungünstig berichtet wurde, das Schiff sei verschiedentlich in Marine- kreisen sogar als„Verbrecherschiff" und„Piratenschiff" bezeichnet worden. Tie Beweiserhebung verlief zu Ungunsten des Angeklagten. Die Belastungszeugen erklärten, daß alles, was in dein Artikel ge- sagt ist, unwahr sei. Die Entlastungszeugen konnten sich nur auf Gerüchte berufen. Immerhin ist doch einiges aus den Zeugen- aussagen der hohen Offiziere bemerkenswert, danach ist im ersten halben Jahre nach der Indienststellung des„Mucher" die V e r- pflegung nicht so gewesen, wie es wünschenswert gewesen sei. Das habe aber daran gelegen, das} in dieser Zeit außer der Mannschaft noch LM bis 300 von der Werft aus„Blücher" kom- mandierte Arbeiter mit verpflegt werden mutzten. Auch die Zahl derDisziplinar st rafenseianfangshö hergewesen als auf anderen Schiffen, im Mai habe s i e sogar 8 Proz. der Besatzung betragen. Tatz sei aber darauf zurückzuführen, datz„Blücher" bei seiner Indienststellung recht viele schlechte Elemente von anderen Schiffen überwiesen erhalten habe. Tas Urteil lautete in Uebercinstimmung mit dein Antrage des Staatsanwalts auf K Monate Gefängnis. Die hohe Strafe wurde damit begründet, datz der Inhalt des Artikels geeignet sei, das Ansehen der Marine im Jnlande und Auslande schwer zu schädigen. Die famose staatsanwaltschaftliche Theorie, datz dem Angeklagten die. Strafen seiner Vorgänger angerechnet, datz die Strafen des Blattes ihm als seine Vorstrafen anzurechnen seien, wurde diesmal nicht wieder vorgetragen. Der Staatsanwalt hatte wohl aus dem Ergebnis des ersten Prozesses ersehen, datz das Gericht in dieser Hinsicht mit ihm einig sei. Das ungeheuerliche Urteil zeigt jeden- falls, datz seine Anschauung beim Gericht Anklang gefunden hat. Im ersten Prozeß handelte es sich um die Frage, ob es eine Klassenjustiz gibt. Durch ihre beiden Urteile haben die Kieler Richter dafür gesorgt, datz neue Scharen deutscher Bürger die richtige Antwort auf diese Frage beifällt l Sie KonfeniottaDiierimg der Hrmce. Die Armee ist auf dem allerbesten Wege, in konfessionelle Lager getrennt zu werden. DaS Zentrum hat dazu seinen Teil sogar in einer eigenen Schrift festgelegt, die vor einiger Zeit im Volksvereinsverlag München-Gladbach zum Preise von 1 M. er- schienen ist.") Man kann nicht behaupten, datz die Sache dumm angefangen ist. Im Gegenteil: ans jeder Zeile der Broschüre guckt der ge- wandte Organisator hervor. Um so mehr ist es nötig, datz man der Angelegenheit volle Aufmerksamkeit zuwendet. Selbstverständlich fällt es dem Zentrum nicht ein, Politik in die Kaserne zu trogen. Nein; es trägt nur Frömmigkeit oder besser gesagt Orthodoxie hinein und denkt sich dabei:„Duckt er da, folgt anderswo er UNS auch." Dabei baut eS ganz langsam und geduldig auf. Nach der Entlassung aus der Schule werden die jungen Leute für den katho- tischen Jugendverein durch Betschwestern, Pfarrer und Kooperator gekapert. In den Jngendvereinen geht eS ganz lustig zu; da werden Ausflüge, Spiele veranstaltet, und das Geld dafür wird„nn allen möglichen Seiten zusammengebettelt. Auf dem Lande schickt man den Beamten, sonstigen Honorationen, Geschäfts- leuten usw. Bettelbogen inS Haus. Da zahlt dann aus Geschäftsrücksichten und sonstigen Gründen auch gar mancher Libe« r a l e unter der Etikette Jugendfürsorge grimmigen Angesichts für die Zentrumssache. Es gibt freilich auch Liberale, die so duinm sind, datz sie den Braten nicht riechen. Raht für einen Teil der katholischen Jugendvereinler die Zeit zum Eintritt in die Armee, so werden die betreffenden militärisch unterrichtet. Man könnte geradezu meinen, Christus sei ein bc- gcisterter Verehrer des Krieges gewesen und habe niemals das Wort gesprochen, datz der Fromme, der auf die linke Wange geschlagen wird, auch noch die rechte bieten soll. Die Broschüre gibt für die militärische Vorbereitung sogar Aus- züge aus den militärischen Vorschriften, zum Beispiel aus der Schietzvorschrift. ES werden also den frommen Jünglingen allerlei unfromme Dinge beigebracht, z. V. Zielen, Schieben, Distanzschätzen. Märsche werden unternommen; es wird geturnt, selbst das Nähen geübt. Unmittelbar vor dem Eintritt in die Kaserne taucht die Frömmigkeit nochmals mit Vehemenz auf. Es sollen die Rekruten zu Exerzitien veranlaßt werden. Darunter versteht man drei- tägige AudachtS-und Butzübungen. die in eigenen Häusern und in vollkommener Abgeschlossenheit von der Außenwelt zur Durchführung gelangen. Danach aber kommt der gefürchtete Moment, wo der junge Mann in die Kaserne tritt und also die Gefahr besteht, datz er dem Zentrum entlvischt. Aber die ZentrumSmänner sind gewiegte Organisatoren und daher wissen sie sich auch hier zu helfen. Das Werkzeug ist natürlich auch da der Herr Pfarrer, der Herr Kaplan oder der HcrrKooperator. Die Broschüre gibt hier folgende Anleitung: „Den jungen Leuten wird bei ihrem Abschied aus der Heimat beziehungsweise aus dem Ezerzitienhaus eine bereits adressierte und frankierte Postkarte mitgegeben. Inden ersten Tage» nach der Ankunft wird in der Garnisonstadt die Karte an den Vereins Präsides beziehungsweise an daS Exerzitien hauS zurückgeschickt des Inhalts: Meine jetzige Sdresse ist: N. N. in Metz. Truppengattung(soll wohl heißen Truppenteil. D. R.), Bataillon, Kompagnie. So kommt man am schnellsten und sichersten zu den Adressen; etwaige Säumige mahnt man selbst oder noch besser durch die Eltern. Sind alle Namen aus den verschiedenen Garnisonen eingelaufen, so werden dieselben in einzelnen Liften nach Garnisonen geordnet und zusammengestellt. Je eine gedruckte Liste mit den Namen sämtlicher Vereinsmitglieder bezw. Exerzitanten einer Garnison schickt man den einzelnen Soldaten der betreffenden Garnison zu. Auch ist ein kurzes Begleitschreiben vorgedruckt, daß diese Liste dazu dienen soll, s i ch einander leichter kenne» zu lernen, um sich dann öfter zutreffen undtreuzusammenzuhalten. Am besten wird da» Vereinslokal des katholischen Gesellen- Vereins den Ort der Zusammenkunft bilden. ES sei darum auch in dem Begleitschreiben Straße und Nummer des VereinShauseS beigefügt. Alle katholischen Soldaten, auch NichtMitglieder, sind im Gesellenvereiu stets willkommen." So wird möglichst dafür gesorgt, datz die uniformierten Zentrums- fchäflein an den dienstfreien Tagen nur wieder mit Zentrumsfchäflein verkehren. Auch entsprechende Lektüre ist vorgesehen, denn allen ehe« maligen katholischen Jugendvereinler» wird im Monat zweimal ein frommes Blatt zugeschickt. Und damit auch der Leib nicht zu ") Wie man einen NekrutenvorbildungSkursus einrichtet. Vorschläge und Erfahrungen nebst einem praktischen Lehrgange und Skizze» zu Vorträgen herausgegeben von W. G u r tz, iJugendvereiiiSpräseS und L e h r e r D e s a in a r i, Lizefeldwebel d. L. kurz kommt, erhalt jeder dieser ehemaligen Jugendvereinler nn Jahrs einmal ein Paket mit Würsten, Zigarren und Tabak. Dabei befindet sich auch ein Brief des Jugendverein-präseZ, also ein Brief deS Herrn Pfarrers oder KooperatorS. Auch Soldaten-Spar» und Soldaten- Unter- st ü tz u n g S k a f f e n hat das Zentrum gegründet. Dies sind die Mittel, mit denen das Zentrum seine Angehörigen auch während der aktive» Militärzeit zu fesseln sucht. Auch hier mutz, wie schon bemerkt, die Religion als Deckmantel dienen. Und nun zu einigen Details der Schrift. Sie fängt mit der Be- hauptung an, datz für die Soldaten in den letzten Jahrzehnten viel und vielerlei von verschiedenen Seiten geschehen sei. Diese„ver- schiedenen Seiten" sind in Wirklichkeit nur eine, die Sozial- demokratie heitzt. Sie ist allein gegen die Soldaten- schindereien energisch aufgetreten, sie hat allein dafür ge- sorgt, datz die Hände verschiedener Vorgesetzter nicht mehr so leicht beweglich sind. Das Zentrum hat hier gar kein oder nur wenig Verdienst. Und wer hat den Soldaten die Lebens- und Genuß mittel ver- teuert und dabei dennoch ihnen die lumpige Solderhöhung von 8 Pfennig pro Dekade abgeschlagen? Das war das Zentrum! Zun, Schlüsse wollen wir noch eine Stelle der Schrift wörtlich zitieren. Es heißt dort: „Auch das wäre von guter Wirkung, wenn unsere Jünglings- bezw. Gesellenvereine de» Soldaten, einerlei ob Vereinsmitglieder oder nicht, bei derartigen Zusammenkünften ein b'ens tun würden, etwa daS Bier, Schnittchen usw. billiger verabreichten und der- gleichen mehr. In evangelischen Soldatenhäusern ge- schieht dies schon längst, ja es wird zuweilen ganz kostenlos Kaffee wie Abendessen jedem dort weilenden Soldaten gegeben." Die Geschichte steht also wie folgt: Die katholischen Soldaten sollen also am Sonntag in ihre konfessionellen Lokale gehen, und ebenso sollen nach dem Wunsche der Herren Pastoren die protestantischen Soldaten an Sonntagen nur protestantisch essen und trinken. DaS trägt natürlich sehr zur inneren Einheit der Armee bei. Wen» es dem Herrn KriegSminister recht ist, uns kann es auch recht sein. politiscde deberllckt. Berlin, den 13. März 1911. Die Sozialpolitik der Regierung. Aus dem Reichstag. 13. März. Der Staats- sekretär Delbrück ergriff im Laufe der heutigen Sitzung zwar das Wort, eine ausgiebige Darlegung des sozialpolitischen Programms der Regierung ist er indes schuldig geblieben. Er begnügte sich mit einer Erwiderung auf einige kritische Ausführungen der Diskussionsredner. Was die von ver- schiedenen Seiten verlangte gesetzgeberische Initiative zur Durchführung der gewerblichen Tarifgemein- s ch a f t e n anbetrifft, so hat Herr Delbrück grund- sätzlich nichts dagegen einzuwenden; tatsächlich aber will er nicht an diese Frage heran, weil seiner Ansicht nach eine Vorbedingung für gesetzliche Regelung der Tarif- gemeinschaften die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine ist, da- mit die vertragschließende Organisation für finanzielle Schäden infolge der Nichtinnehaltung der Tarife haftbar gemacht werden könne. Mit anderen Worten: Es lvürde diese Regelung der Sache die Gewerkschaften den bedenklichsten finanziellen Schädi- gungungen aussetzen. Für solch eine Lösung der Frage werden die Arbeiterorganisationen sich aber schönstens be- danken. Gegen die Fischcrsche Kritik brachte Herr Delbrück nur vor, daß man doch unmöglich gegen die Regierung den Vor- wurf der Verkümmerung der Sozialreform erheben könne; habe sie doch so viele sozialpolitische Vorlagen dem Reichstag unterbreitet, daß sie sich kaum bewältigen ließen. Der gute Herr vergaß nur hinzuzufügen, daß gerade aus dem Inhalt dieser Vorlagen der Vorwurf der Verkümmerung der Sozial- reform sich ergebe. Sein Verhältnis zunr Zentralverband der Industriellen überging der Herr Minister mit zartfühlendem Schweigen. Sonst redeten noch der Nationalliberale Stresemann und der Antisemit R i e s e b e r g. Beide begegneten sich in dem Versuch, der Sozialdemokratie„Terrorismus" nachzusagen. Sonst machte Herr Rieseberg in Mittelstandsretterei, Herr Stresemann erörterte die Handelspolitik, wobei er gegen die Trusts, natürlich nur die amerikanischen, nicht die deutschen, zu Felde zog. Morgen geht die Debatte weiter. Schulreaktion und Gesetzwidrigkeiten in Preuften. Das preußische Abgeordnetenhaus hat am Montag neue Proben seiner reaktionären Gesinnung abgelegt. Die konservativ-llerikale Mehrheit hat zwei bemerkenswerte Resolutionen gefaßt, die so recht deutlich zeigen, datz der Geist des Muckertums und des Pfaffentums im Dreiklassenpartament umherspukt. Die eine Resolution ersucht die Regierung, dafür Sorge zu tragen, datz bei Einführung einer Vermehrung von Turnstunden in Volksschulen die idealen Fächer, insbesondere Religion und Deutsch,»ich» gekürzt werden, und die andere Resolution fordert die Regierung zu Erwägungen darüber auf, wie auch bei vermehrter Einführung der Rektoren an Volks- sckmlen der Einfluß der Kirche auf die Schule sicher zu stellen ist. Besonders lebhast ging es bei Beratung der Frage der Schul- aufsicht zu. Zentrum und Konservative traten eifriger als je für die geistliche Schulaufsicht ein. wenn sie auch ihr letztes Ziel, die Klerikalisierung der Volksschule, ableugneten. Ebenso eiftig, freilich mit besseren Gründen, verlangte die Linke die weltliche Schuloufficht. Das grötzte Interesse aber beanspruchte die Rede unseres Genossen Liebknecht, der sich nicht begnügte, unsere prinzipielle Stellung zur Schulaufficht darzulegen, sondern an der Hand eines umfangreichen Materials den Mißbrauch schilderte, den die Regierung mit der Schulaufsicht zu politischen und religiösen Zwecken treibt. Den ungesetzlichen Kampf gegen die Arbeiterturn- vereine, die Bekämpfung der sozialdemokratischen Jugendvereine, die schikanösen Matzregeln gegen die Arbeiterbildungsbestrebungen, all das zog er in den Kreis seiner Erörterungen, um zum Schluß— gestützt aus die Rechtsprechung des Reichsgerichts— den Minister des Mitzbrauchs seiner Amtsgewalt und der Uebertretung des Gesetzes anzuklagen. Den Schluß seiner Rede bildete die Aufforderung an den Minister, der von Rechts wegen vor den Staatsanwalt gehöre, sich zu verteidigen. Der Kultusminister, der die ganze Zeit über mit verlegenem Lächeln dagesessen hatte, stammelte in der Tat einige Worte der Verteidigung. Materiell mutzte er zugeben, datz die ganze bis- herige VerwaltnngspraxiS eine ungesetzliche gewesen ist, datz diese Ungesetzlichkeit bis jetzt angehalten hat und datz er erst Jahre nach der ReichSgerichtsentscheidung die untergeordneten Organe durch einen Erlaß zur Befolgung einer anderen Praxis an- gerufen habe. Auf die einzelnen, von Liebknecht angeführten j Falls ging er überhaupt nicht ein, und doch hat unser Genosse durch seine Enthüllungen, namentlich aus Oberschleiien, einen Skandal an das Tageslicht gebracht, wie er selbst in Preutzen seines- gleichen suchen dürfte. Um ihn vor einen neuen-Niederlage zu be- wahren, schlössen seine Freunde alsbald die Debatte und machten es dadurch Liebknecht unmöglich, den Münster völlig auf den Sand zu setzen. Der Präsident v. Kröcher wollte wieder eine Abendsitzung ab-- halten, doch scheiterte sein Plan diesmal an dem Widerspruch der Linken. Zum Ersatz dafür beginnt die Dienstagssitzung schon um IV Uhr früh. Der Etat soll mit Gewalt durchgepeitscht werden. Die Nationalliberalen in der Gießener Wahl. Die nationalliberale Presse verzeichnet mit betrübter Miene den kläglichen Zusammenbruch ihrer Partei im Wahlkreis Gießen-Nidda. 1903 konnte sie noch das Mandat in der Stichwahl erobern, jetzt ist sie zur schwächsten Partei des Kreises herabgesunken.' Diejenigen Blätter der National- liberalen, die es mit Bassermann halten, benutzen die Gc- legenheit zu einem Vorstoß gegen die„Wormser Ecke", gegen die Richtung Hehl. Der Lederkönig von Worms ist bekanntlich trotz seines notgedrungenen Ausscheidens aus der national- liberalen Reichstagsfraktion noch immer Mitglied der national- liberalen Partei, übt auf sie in Hessen noch einen großen Einfluß aus und das krampfhafte Bestreben der Gießener Nattonallibe- ralen, mit dem Bund der Landwirte gut Freund zu bleiben, das von den Bündlern mit einem kräftigen Fußtritt gelohnt wurde, ist der Ausfluß der Taktik, die das Heßl-Organ, die„Wormser Zeitung" empfiehlt. Der Fußtritt der Bündler hat aber die Gießener Nationalliberalen doch etwas geschmerzt. Ihr Wahlausschutz will den Agrariern jetzt zeigen, was eine Harke ist. Er hat einen männlichen Entschluß zur Stichwahl gefaßt, nämlich den— keinen Entschluß zu fassen. Aus Gießen wird der„Franks. Ztg." vom 13. März gemeldet: Der Wahlausschuß der nationalliberalen Partei hat mit 13 gegen 5 Stimmen für die Stichwahl zwischen dem Anti- semiten Werner und dem Sozialdemokraten Beckmann Stimmenfreigabe beschlossen. Wie verlautet, sollen die für die bisherige Politik dieser nationalliberalen Vereinigung verantwortlichen Herren ihre Vorstandsämter niedergelegt haben. Es ist trotzdem wohl ziemlich sicher, daß der größere Teil der Wähler des Herrn Gisevius für den Antisemiten stimmen wird. Unsere Genossen werden ihre Sttchwahlarbeit mit Auf- gebot aller Kraft verrichten, zumal ja auch nicht feststeht, wieviel von den Wählern, die für den gemäßigten Schutz- zöllner Korell gestimmt haben, einer eventuellen Parole des Fortschritts: Für den Sozialdemokraten! folgen werden. Sozialdemokratischer Stimmenzuwachs. Die beiden letzten ReichStngSersatzwahlen haben der sozial- demokratischen Partei wieder einen beträchtlichen Stimmenzuwachs gebracht. Seit der Gründung deS schwarzblauen Blocks zeigen alle ReichstagSnachwahlen, insgesamt 19, ein beträchtliches Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmenzahl, wie die nachstehende Auf- stellung beweist, in der wir dem Stimmengewinn die schätzungs- weise berechnete Gesamtzunahme der Wahlberechtigten hinzugefügt haben: Im Durchschnitt ergibt sich demnach eine Vermehrung unserer Stimmenzassl um 21 Proz., und zwar übersteigt in den meisten der 19 Wahlkreise die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen bei weitem die Zunahme der Wahlberechtigten: ein Beweis, datz die Sozialdemokratie nicht nur aus den Reihen der inzwischen wähl- berechtigt gewordenen neuen Wähler großen Zuzug erhalten hat, sondern auch auf bisherigem konservativen, klerikalen und liberalen Terrain neue Anhänger gewinnt. Aus dem Reiche Schtlda. Eine der lusttgsten Possen, die in den letzten Jahren auf der politischen Bühne aufgeführt worden sind, ist das mccklen- burgische Verfassungsreform- und Versteckspiel. Ohnehin wurde bisher im übrigen Teil des Deutschen Reiches über die Regiererei in Mecklenburg viel gelacht und gespöttelt, die hochkomische Rolle, die seit mehreren Jahren die mccklen- burgische Regierung in ihrem Verfassungsgeplänkel mit den „Rittern" des Obotritenlandes spielt, hat aber Mecklenburg zum Gespött der ganzen zivilisierten Welt degradiert. Doch in kurioser Selbstüberschätzung hält das die Mecklenburg- schwerinsche Regierung nicht ab. nach dem bekannten Busch- schen Spruch zu verfahren: Dieses war der letzte Streich; Doch der nächste folgt sogleich. Ein Reskript folgt dem andern— daS eine immer noch genialer als das andere. Jetzt ist wieder so ein Ding fertig. Die großherzogliche Regierung erläßt wieder mal an die Land- tagskommissare ein Reskript und dazu eine Anlage, welche die Grundzüge einer anderweitigen Zusammensetzung des Landtages enthält. In der diesem Reskript angeschlossenen Anlage wird unter anderem über die Zusammensetzung deS Landtages ausgeführt: Der Landtag besteht für Mecklenburg-Schwerin aus 92 Ab- geordneten, nämlich aus 21 Abgeordneten der Nitterschast, aus 21 Abgeordneten der Landschaft und der beiden Seestädte Rostock und Wismar, auS 7 Abgeordneten des ländlichen Grotzgrund- besitzeZ, aus 12 Abzevronelen des ländlichen Kleingrundbesitzes und der übrigen ländthen Bevölkerung, auS zehn Abgeordneten der pSbHfäen Bllrsttschaften unb Sdt Fleckengemeinde», aus 1 Abgeordneten der Landcsunidersität, 1 Abgeordneten der Geistlichen, S Abgeordneten der übrigen wissenschaftlichen BcrufSstände mit Hochschulbildung, 2 Abgeordneten der Handelskammer, 2 Ab- geordneten der Handwerkskammer, 2 Abgeordneten der Landwirt- schaftskammcr und 4 vom Großherzog zu ernennenden Ab- geordneten. Das Großherzogtum soll für die Wahlen des ländlichen Großgrundbesitzes in sieben Wahlkreise eingeteilt werden. In jedem Wahlkreise wird ein ländlicher Abgeordneter gewählt. Die Wahl erfolgt unmittelbar und öffentlich. Der Sitz des Amts- gerichts ist in der Regel der Wahlort.— Hierzu heißt es iir einer Anmerkung: Zu erwägen wird sein, ob die Wahl nicht durch Ausfüllung und Zurückreichung eines dem einzelnen Wähler von dem Wahlkommiffar übersandten Stimmzettels erfolgen kann. Die Kleingrundbesitzer wählen 12 Abgeordnete. Zu dieser Wahl werden folgende Vorschriften als grundlegend aufgestellt. Das Großherzogtum wird in zwölf.Wahlkreise eingeteilt. In jedem Wahlkreise wird ein Abgeordneter gewählt. Die Wahl er- folgt hier nicht unmittelbar, sondern durch Wahlmänner, die von den Urwählern in den einzelnen Wahlbezirken gewählt werden. Urwähler ist, wer ein im Wahlbezirk gelegenes Grundstück als Eigentümer. Nutzeigentümer, oder kraft bäuerlichen Rechts besitzt und bewohnt. Zum Wahlmamr kann nur gewählt werden, wer zu den im Bezirke stimmberechtigten Urwählern ge- hört. Den Urwählern werden angegliedert alle Personen, die mindestens zwei Jahre ihren Wohnsitz oder Hausstand in dem Bezirke haben, und zwar ein Gewerbe der Landwirtschaft, oder eine Wissenschaft oder eine Kunst als Haupterwerbsquelle betreiben und ein Einkommen von � mindestens 1200 M. haben. Gewählt wird von ihnen in mehreren Abteilungen. Wir finden, daß diese Verfassungsreform in Anbetracht der besonderen mecklenburgischen Verhältnisse lange nicht kom- pliziert genug ist. Warum teilt man nicht auch noch obendrein die Bevölkerung nach dem Alter, der Haarfarbe und der Nasenlänge in Alters-, Rassen- und Nasen-Wahlklasscn ein. Wenn einer Gravpen in'n Kopp hett, Denn kämmt bat doch up'n bäten mehr oder wen'ger»ich an! Ein konservativer Antrag zur Steuerreform. Wie der.Frankfurter Zeitung" zufolge aus Berlin verlautet, bereitet die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses einen Antrag vor, in dem die StaatSregierung ersucht wird, bei der nächst- jährigen Steuerreform die DeklaratiönSpflicht auch auf die Ver- mögenssteuer auszudehnen._ Eine schäbige Tenunziantenkeistung. Die ehrsame«Tägliche Rundschau", die sich, seit sie von einem Großkapitalistenkonsortium aufgekauft worden ist, mehr und mehr vom Konservatismus zum Nationalliberalismus hinüber gemausert hat, leistet sich in ihrem blinden Haß gegen den KlerikaliSmuS ein vecht widerliches Denunziantenstückchen. Der Zentrumsabgeordnete General z. D. Häusler hat gegen die Militärvorlage gestimmt. Gründe dafür hat er nicht angegeben, denn seine Fraktion hatte ihn für die Beratung der Militärvorlage einfach kaltgestellt. AuS der Tatsache heraus, daß der Abg. Häusler als General z. D. noch An- gehöriger des Offizierkorps ist, soll ihm nun ein Strick gedreht werden. Die«Tägliche Rundschau" veröffentlicht ein Schreiben eines angeblich höheren bayerischen Offiziers, der ziemlich offen die Entfernung des Generals Häusler auS dem Ofsizierftande verlangt. Man keimt den Vcrfaffer der Denunziation nicht; man kann nicht nachprüfen, ob er wirklich ein höherer bayerischer Offizier ist, wahr- scheinlicher ist jedenfalls, daß er zu den Redakteuren oder Mit- orbcitern des Blattes gehört. Ei»„höherer bayerischer Offizier" müßte doch mindestens den Mut haben, mit feinem Namen für fein Verlange» einzutreten, statt seine Giftpfeile aus dem Hinterhalt der Anonymität abzuschießen. Wäre Herr Häusler preußischer General. er hätte bereits daö Schicksal des bekannten Oberst Gädke geteilt; in Bayern aber herrscht das Zentrum, und wenn diese Partei dem General auch nicht gestattete, im Reichstage seine Meinung zu ver- treten, so wird sie doch sicherlich für ihren Parteiangehörigen eintreten. Es handelt sich um den offenen Versuch, auf dem Wege des ehrengerichtlichen Verfahrens einen Ncichstagsabgeordneten für fein Verhalten im Reichstage zur Verantwortung heranzuziehen. Gesinnungsschnüffelei. Wie wir bereits meldete», ist gegen eine Anzahl Dresdener Lehrer ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, weil sie sozial- demokratische Versammlungen besucht haben, in denen die Schul- frage erörtert wurde. Ten Lehrern sind, wie das«Leipziger Tage- blau" erfährt, von der vorgesetzten Behörde folgende Fragen vor- gelegt worden: 1. Wie sind Sie in die Versammlung gekommen? 2. Kennen Sie das sozialdemokratische Flugblatt? 3. Haben Sie im Auftrage des sächsischen Lehrervereins ge- handelr? 4. Wie haben Sie sich bei der Ehrung SingerS verhalten? 5. Haben Sie sich an der Leitung beteiligt? t». Sind Sie exlra eingeladen worden? 7. Haben Sic einen re>ervierten Platz gehabt? 8. Haben Sie sich schon vorher zum Worte gemeldet? 9. Was haben Sie gesagt?(NB. Ein von dem überwachenden Beamten aufgenommenes„Stenogramm" wurde vorgelesen.) 10. WaS haben Sie dazu zu sagen? 11. Welche Stellung haben Sie zur Resolution eingenommen? Bei dem Verhör wurde durch einen Beamte» des Dresdener Schulamts jedes Wort stenographisch festgelegt. Fast sollte nian aimehmen, der Erfinder dieser Fragestellmigen hätte sei» Muster dem berüchtigten„Hexenhammer" entlehnt. Pech! Die„Deutsche Tageszeitung" hat Pech. Nicht nur hat sie in ihrem Festartikel zum 90. Geburtstag des Prinzregenten von Bayern den Prinzen Luitpold, was Kunstsinn und politische Klugheit an- belangt, höher gestellt als Wilhelm II., sondern die in dem Artikel enthaltene Behauptung, nach der bekannten Eintragung Wilhelms II in das Goldene Buch der Stadt München: rniprema lex regio voluntaa(des Königs Wille ist höchstes Gesetz)— habe Prinz Luitpold eingeschrieben: salns publica suprerna lex(daS öffentliche Wohl ist höchstes Gesetz), ist obendrein unwahr. Die.Münchener Post" stellt fest, daß die Mitteilung der «Deutschen Tageszeitung" auf einer Erfindung beruht. Das Goldene Buch ist dem bayerischen Prinzregenten gar nicht vorgelegt worden. ES haben sich nach dem Kaiser so viel mindere Größen eingeschrieben. daß uwn es nicht mehr wagte, dem Regenten das Buch vorzulegen. Die Härten des Militär-Strafgesetzes. Ein Urteil, daS geradezu nach einer Reform des Militär-Straf- rechts schreit, wurde vom Kriegsgericht in Dresden gesprochen. Der Schmied und Reservist Lehn er erhielt im Sommer 1910 einen Gestellungsbefehl, wonach er sich zur Ableistung einer 14tägigen Reicrveübung beim Tratnbataillon Nr. 11 in Meiningen einzufinden hatte. Bis zum Beginn der Uebung wurde er jedoch arbeitslos und e» gelang rhm nicht, in feinem Wohnort Arbeit zu erhalten. Um mit seiner Familie nicht völlig ins Elend zu gerateff, beschloßt er eines Tageö, sich auswärts Arbeit zu suchen. Er kam nach Chemnitz und Dresden, wo er vergebens nach Arbeit suchte; in einem kleinem Ort endlich erhielt er vorübergehende Beschäftigling. Den größten Teil seines Verdienstes schickte er seiner Familie. Als der Tag des Eintreffens herangerückt war, befand sich Lebner wieder in einem erbarmungswürdigen Zustande; er war aber- mals arbeitslos, ohne Geldmittel und körperlich sehr herunter. In dieser Situation versäumte er dann die Uebung. Das Kriegsgericht verurteilte den bedauernswerten Mann zu— 43 Tage» Gefängnis!! ES führte auS, auf eine ge- ringere Strafe habe man nicht erkennen können, weil sechs Wochen ein Tag nach den» Gesetz die M i n d e st st r a f e ist! Das Gericht erklärte sich aber bereit, ei» Gnadengesuch zu unterstützen. 3luf Lebenszeit hinter Gefängnismauern. Das Reichsmilitärgericht hat kürzlich über den Fall Naumann, der allgemeines Aufsehen hervorruft, das entscheidende Wort ge- sprachen. Naumann ist ein begeisterter Anhänger der Sekte der Adventistcn vom siebenten Tag. Mit größter Hartnäckigkeit bleibt cr den Vorschriften seiner Sekte treu. An jedem Sonnabend ver- weigert er den Gehorsam und tut keinen Dienst beim Militär. Naumann wurde bald vor das Kriegsgericht gestellt und zunächst zu strengen Arreststrafen verurteilt. Aber das half nichts. Es folgten Gefängnisstrafen, die von Fall zu Fall empfindlicher wurden, bis sie schließlich die Gesamthöhe von 6 Jahren und sechs Monaten erreichten. Aber auch dadurch ließ sich der Advcntist keineswegs von seiner Idee abbringen. Er blieb bei seinem Vorsatz und ver- weigert auch heute noch im Spandauer Fcstungsgefängnis an jedem Sonnabend strikte den Gehorsam. Unerschütterlich bleibt er bei seiner Erklärung:„Ich darf am Sonnabend nicht arbeiten!" Nau- mann behauptet, in erster Linie sei Gott als Obrigkeit anzusehen und dann komme erst das Militär. Auf das Vorhalten, daß cr bei seinem hartnäckigen Widerstand voraus- sichtlich das ganze Leben hinter Gefängnismauern zubringen müsse, erwidert Naumann ruhig, er werde trotzdem den Prinzipien seiner Sekte treu bleiben. Mit Rücksicht auf die grundsätzliche Bedeutung der Entscheidung für die Aufrechterhaltung der heiligen Disziplin wohnte der vorgestri- gen Verhandlung der Präsident des Reichsmilitärgerichts Exzellenz von Linde bei. Der Vertreter der Militäranwaltschaft wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß nach Z 48 des M. St. G. B. die Entschuldigungen des Angeklagten, er müsse nach seinem Ge- wissen und nach seiner religiösen Ueberzeugung handeln, nicht be- rücksichtigt werden dürfe. Die Revision des Angeklagten Naumann sei deshalb zu verwerfen. Der Senat folgte den Ausführungen des Militäranwalts und verwarf in den Hauptpunkten die Revision. Er hob lediglich das Urteil insoweit aus formellen Gründen auf, als der Angeklagte zur Ehrenstrafe der Degradation verurteilt worden ist. Nach dem ent- scheidenden Spruch des Reichsmilitärgerichts ist also für Naumann vorläufig keine Aussicht vorhanden, jemals das Gefängnis wieder zu verlassen. *« « Vom religiösen Standpunkt hat Naumann zweifellos recht. Er- kennt man eine durch Gott geoffenbarte Religion an. dann stehen die göttlichen Satzungen dieser Religion zweifellos höher als die Satzungen der Militärbehörde. Aber Naumann übersieht, daß im heutigen Klassenstaat, so oft er auch als„christlicher Staat" be- zeichnet wird, der Religion nur soweit Berechtigung zuerkannt wird, als sie die staatlichen Interessen stützt und diese religiös sanktioniert. Richten sich die religiösen Anschauungen gegen diese Interessen und die aus ihnen geborenen staatlichen Institutionen, dann pfeift der Staat auf alle religiöse Ueberzeugung. Das„milde" Oberkriegsgevicht. DaS Oberkriegsgericht des 9. Armeekorps(Altona) fällte in seiner letzten Sitzung ein Urteil, das geradezu nach einer schleu- »igen Revision des Militärstrafgesetzüuchcs schreit. Der Musketier I., den von sämtlichen Vorgesetzten das Zeugnis eines ordentlichen und nüchternen Soldaten ausgestellt wird, ließ sich zu Weihnachten 1910 verleiten, scharfe Getränke zu genießen. Als cr taumelnd auf der Straße(in Rendsburg) einer Militärpatrouille begegnete. ignorierte er deren Führer, einen Sergeanten, der den Trunkenen aufforderte, cr solle in die Kaserne gehen. I. remonstrierte gegen den Befehl und setzte dann seiner Verhaftung tätlichen Widerstand entgegen, wobei er auch den Patrouillcnführer berührte. Da er sich wie ein wildes Tier benahm, nahm das Kriegsgericht der 18. Division an, daß der wegen einer Reihe schwerer Militärdelikte Angeklagte nur den ersten, milderen Teil der Exzesse in zurech- nungsfähigem Zustande verübt habe. Gegen das auf drei Monate lautende Urteil legte der Gerichtsherr Berufung ein. Das Oberkriegsgcricht glaubte im Interesse der schwer gefährdeten Disziplin auf eine Gefängnisstrafe von fünfzehn Monaten erkennen zu sollen, obwohl es dem Angeklagten die weitestgehenden MilderungSgründe(schwere Trunkenheit und bisherige tadellose Führung) zubilligte. Es wird angenommen, daß I. auch den zweiten Teil der Ausschreitungen nicht in einem, die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustande begangen habe. Oeftermcb. Eiue internationale Kundgebung. Die Wiener„Arbeiterzeitung" veröffentlicht in ihrer Sonntagsnunimer einen Aufruf gegen die Vermehrung der Kriegs- und Marinerüstungen. die auch mit der Notwendigkeit des Schutzes gegen Italien begründet wurden. Am 9. April werden die Vertreter der sozialdemokratischen Partei und der freien gewerkschaftlichen Organisationen Italiens und Oesterreich- Ungarns in Rom zusammentreten, um gemeinsam gegen die Kriegsriistungen und die Kriegshetze zu protestieren und den Fricdcnsbmtd der Arbeiterklasse zu befestigen. Zu derselben Zeit sollen in allen Städten und Industriegebieten diesseits und jenseits der Alpen. in ganz Oe st er reich, Ungarn und Italien, die Arbeitermassen selb st ihre Stimmen gegen die Rüstungen erheben. Gleichzeitig kündigt unser Parteiorgan an. daß am Frauentag(19. März) in Wien eine große Straßen- d e m o n st r a t i o n der Frauen für die politische Gleich- berechtigung stattfinden wird. frankreicb. Truppen gegen Streikende. Paris, 13. März. Wie aus B a h o n n e gemeldet wird, kam es daselbst vorgestern nachmittag wiederholt zu ernsten Zu- sammen stoßen zwischen ausständigen Dockarbeitern und Truppen. Die Verhaftung einiger Rädelsführer, darunter ein aus Bordeaux entsandter Agitator, verursachte große An- sammlungcn vor dem Polizeikommissarias. Kavallerie trieb die Menge mit blanker Waffe auseinander. Die Ausständigen wehrten sich mit Knütteln, bewarfen die Soldaten mit Steinen und feuerten mchrcrp Rxvolverschüjse ab, Niemand wKche verletzt. � Belgien. Pokittscher Demonstrat!ottssirc?. Brüssel, 13. März.(W. T. B.) Die Bergarveiter ficS zentralen Kohlengebiets begannen heute einen � Dcmon- strationsstrcik von 24 Stunden Dauer zugunsten einer aus- reichenden Altersrente. Bis zum Abend war die Ruhe nirgends gestökt. England. En liberaler Rebell- London, 49. März. Tie Flottenausgabeii für das kommende Jahr haben in der liberalen Presse Londons großen Zwiespalt hervorgerufen. Während die rechtsstehenden Blätter(„Westmüffter Gazette" und„Daily Chronicle") mit der Admiralität durch dick und dünn gehen, unterziehen die „Daily News", der„Morning Leader" und der nachmittagsi erscheinende„Star" den Voranschlag einer scharfen Kritik. Besonders der„Star" geberdet sich sehr rebellisch. In dem heutigen Leitartikel heißt es:... „Die Sparer sind im Amt, aber die Geldverschwenoer haben die Macht. Das ist unser Kommentar zu den Flottenausgaben. Zur Bestätigung sehe man sich die Presse der To�oS an. Herr McKenna hat die Chauvinisten noch ül�ertroffen. Er hat die Kriegshetzer durch seine Maßlosigkeit erstaunt. Er hat unsere Millionen den Töchtern des Habgierigen gegeben, ohne daß sie danach zu fragen brauchten. Er hat die Organi- satoren der Panik übertroffen und sie atemlos binter sich ge- lassen.... Was werden die Liberalen Schottlands und Nord- cnglands sagen? Werden sie diesen gänzlichen Zusammenbruch aller ihrer Hoffnungen hinnehmen?... Alles, waS sie sagen können, ist: Wenn dieser verbrecherische Voran- s ch l ag von der liberalen Partei angenommen wird, so werden Massenaustritte aus der Partei, die Folgen sein. Zkorthumber- land und Durham entsenden nur zwei Mitglieder der Torypartei ins Parlament. Man hat uns berichtet, daß die Berg- arbciter Arbeitcrkandidaten gegen die Libc- ralen aufstellen werden, die diesen wahnsinnigen Vor- anschlag unterstützen werden. Was wird sich ereignen? Die Torys werden gewinnen und die Liberalen, die vor dem Chauvinismus kapitulieren, werden für ibre Untreue mit ihrmr Mandaten zahlen.... Wird dieses Komplott gegen den Liberalismus erfolgreich sein? Wird die Partei ihrem Unter- gange entgegengehen? Wird sie unter der Last der Rüstungen der Vernichtung cntgegenwanken? Wird sie bei den Wählern einen Ekel erzeugen, bis diese aus Verzweiflung in der Ouack- salberei des Schutzzolls Erlösung suchen?" Das Blatt fordert dann zu einem energischen Kampf gegen Mc Kenna auf. der die Partei schon einmal in bezug auf die notwendige Verstärkung der Flotte gewaltig irregeführt habe, und schließt mit dem Satze:„Wenn Reih und Glied der liberalen Partei dies hinnimmt, ohne zu mucksen, dann: ade Liberalismus!" Man ist bei dem„Star" schon an eine schärfere Sprache gewohnt als bei den meisten anderen englischen liberalen Blättern: die Sprache des oben zitierten Artikels ist jedoch etwas ganz Neues._ Gegen die RüstungSvermehrung. London, 13. März. Unterhaus. Der Abgeordnete" Murray Macdonald(Liberal) beantragte die folgende? Resolution:„Das Haus betrachtet mit Beunruhigung' das enorme Anwachsen der Ausgaben für daS Hee.� und die Flotte während der letzten Jahre und ist der Ansicht daß diese Ausgaben vermindert werden sollten." so Macdonald wies bei der Begründung seiner Rests« lution auf das fortschreitende Anwachsen der Ausgaben füio Flotte und Heer während der letzten sechzehn Jahre hin und fragte, welcher Art die vom Auslande drohende Gefahr sei,' daß sie die Fortsetzung solcher Ausgaben rechtfertige. Murray Macdonald— nicht der Arbeiter- Vertreter Ramsey Macdonald— führte weiter aus. daß die Flotte stärker sei, als es der Zweimächte-Standard erfordere. Groß-Britannicn sollte in der Verminderung der Rüstungen ein Beispiel geben. Der Radikale P o n s o n b y unterstützte die Resolution und erklärte, daß alle nicht zu recht- fertigenden Ausgaben für Rüstungen nicht nur eine Be- lostung der Steuerzahler, sondern eine ernste Herausforderung an fremde Nationen seien. Das ganze Machwerk der Berechnungen Mc Keimas im Jahre 1999 sei zusammengebrochen, aber die darauf begründete Politik sei geblieben. Gerade die Tatsache, daß trotz des Schreckens Deutschland in so freundlichen Beziehungen mit England geblieben sei, beweise, daß Englands freundliche Beziehungen mit Deutschland tief eüigehjurzelt und gesund seien. Er freue sich, daß Aussicht vorhanden sei, die Be- Ziehungen mit Deutschland auf einen besseren Fuß zu bringen. P o n s o n b y nahm ans die kürzlichcn Reden des Admirals v. Tirpitz und des Abgeordneten Schräder bezug und richtete die dringende Aufforderung an Sir Edward G r e y. er möge jede Gelegenheit ergreifen, um Deutschland Freundlichkeiten zu zeigen Der Liberale King beantragte hierauf das folgende Amendement:„DaS Haus bedauert das Fortbestehen der Notwendigkeit der Aufrcchterhaltung großer Rüstungen und würde die Herbeiführung einer inter» n a t i o u al e n V e r e in b a r u n g für die Beschränkung der Rüstungen willkommen heißen." Der erste Lord der Admiralität, M c K e n n a sagte. Ponsonby hat das Bezugnehmen auf Deutschland und"die deutsche Flotte gemißbilligt. Ich kann ihm die Versicherung geben, daß es absolut unmöglich ist, auf an mich gestellte Fragen zu antworten oder die Politik der Admiralität zu cr- läutern, wenn nicht auf fremde Flotten bezug ge- nomnicn wird. Wir geben den Rat, Schiffe in solcher Zlnzahl zu bauen, daß die britische Flotte in den Stand gesetzt wird, in allen möglichen Fällen unsere Freiheit auf der Hochstraße des OzeanS zu sichern. IVIarohlto. Eine neue Niederlage der Ncvellen. Tanger, 12. März. Nachrichten ans Fes vom 7. und 8. März besagen, daß die r e b e l l i s ch e n, S t ä m m e am 7. d. M. eine neue Niederlage erlitten haben. Die Wiederherstellung der regelmäßigen Verbindungen mit Danger stehe zu erwarten. Die französische Militärmission hat den Befehl erteilt, den Feinden gegenüber Menschlichkeit walten zu lassen!» Kmerika. Gute Freunde. New Bork, 13. März.(SB. T. 23.) Der Staatssekretär des Krieges erklärte, zwischen Mexiko und den Vereinigte» Staaten be. ständen die freundschaftlichsten Beziehungen. Mexiko verite.h- die Msbilisicryng hollkomWW, Protest der städtischen Arbeiter Berlins. ®et Allsschuß, ben die Stcidtverordneteilversamlulung voriges Jahr eingesetzt hatte, um über eine Neuregelung der Nrbeiterlöhne flu beraten, hat sich monatelang mit der Lösung dieser Aufgabe be schäftigt, aber er hat sie nicht gelöst. Die Arbeiter haben gehofft, dasi ihnen endlich eine den Zeitverhällniffen entsprechende Lohn aufbesscrung gewährt werde. Doch diese Hoffnung ist völlig cnt täuscht worden. Bescheiden genug waren die Forderungen der Arbeiter, welche die sozialdemolratischell Mitglieder des Stadt- verordnetenausschusscs vertraten. In der Hauptsache wurde von dieser Seite ein Mindestlohn von 4,25 M. für ungelernte. 5 M. für gelernte und?,7ü M. für Gasretortenarbeiter gefordert. So sehr sich auch unsere Parteigenossen im Ausschusz bemühten, den gerechten Forderungen der Arbeiter Anerkennung zu verschaffen, scheiterten doch alle ihre Versuche an dem Verhalten der bürger- lichen Mehrheit. Nichts ist bei den Beratungen des Ausschusses für die Arbeiter herausgekomni-n. Der Ausschuß ist nicht hinaus- gegangen über die Vorschläge, welche der Magistrat, dem Drängen der Arbeiter folgend, bereits im vorigen Jahre gemacht hat und die einem Teil der städtischen Arbeiter vom 1. April d. I. an geringe Lohnaufbesserungen bringen, die aber den Arbeitern in keiner Weise genüge», können. Gestern abend tagte in Keller? Saal in der Koppenstraße eine ungewöhnlich stark besuchte Protestversanunlung der städtlschen Arbeirer, die zu dein Verlauf der Ausschuszberatungen Stellung nahm. Stadt- verordneter August Hintze gab eine sachliche Darstellung der Verhandlungen im Ausschuß. Die Versammelten konnten daraus entnehmen, daß die Hoffnungen, die sie auf die Arbeiten des Aus- schuffes etwa gesetzt hatten, nicht erfüllt werden, denn eS ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Stadtverordnetenversammlung den Beschlüssen des Ausschusses beitreten wird. Dem Referat folgte eine rege Diskussion. Allgemein war der Unwille darüber, daß die Stadtverwaltung die Gehälter der Be- amten und Lehrer wesentlich erhöhte, für die Arbeiter aber nichts übrig hat. Als eine Verhöhnung der Arbeiter wurde dieses Ver- halten bezeichnet. Mit Naachdruck wurde darauf hingewiesen, daß auch die städtischen Arbeiter sich durch den Druck ihrer ge- iverkschaftlichen Organisation bessere Arbeitsbedingungen ver- schaffen müssen. Arbeiter aus den verschiedenen städtischen Betrieben traten als Redner auf, um die Mißstände zu schildern, unter denen sie zu leiden habe»». Unter anderem sagte ein Arbeiter der Rieselfelder, daß der Stundenlohn dieser Arbeiter jetzt 12 Pf. betrage. Dazu komint allerdings noch das Deputat, lvas aber zum größten Teil von schlechter Beschaffenheit ist. Von den 60 Zentnern Kartoffeln die die Arbeiter bekmnmen, sei höchstens ein Drittel genieß- bar. Die übrigen zivei Drittel seien so schlecht, daß sie selbst die Schweine nicht fressen möchte»». Zum Schluß wurde die nachstehende Resolution«instimmig angenommen: Mit dem größten Befremden nimmt die Versammlung der städtischen Arbeiter Berlins Kenntnis von dem Resultat der Ver- Handlungen in der Stadtverordnetenkommisston über ihre Forde- rungen. Die Versammelten verurteilen eS auf das Entschiedenste, daß die Kommission nicht das nötige Verständnis für die so notwendige einheitliche Regelung des Entlohnungssystems und die Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation aufzubringen vermocht �hat. Demgegenüber versichern die Versammelten, daß die Arbeiter trotzalldem an ihren durchaus berechtigten Forderungen festhalten werden und erwarten mit Bestimmtheit eine gerechte Beurteilung derselben im Etatausschuß. Sollte es auch hier der sozialen Ein- ficht ermangeln, so werden die städtischen Arbeiter Mittel und Wege zu finden wissen, um zu ihrem Rechte zu kommen. SexverKscKaftiicbes. ßerUn und Umgegend* Nochmals der Zersplitternngsversuch Wiesenthals. Der Allgemeine Metallarbeiterverein bringt in seiner Zeitung einen Artikel von Meilenlänge über die Versammlung vom 8. d. M. Der größte Teil des Artikels besteht aus Schimpfereien und Be- keidigungen gröbsten Kalibers. Soweit die Sache selbst geschildert wird, ist alles verdreht und auf den Kopf gestellt. Doch das fest- zustellen ist nicht der Zweck dieser Zeilen; bei diesem Vergnügen wollen wir die Herrschaften nicht stören. Nur eine Bemerkung ist es, die mich zu diesen Zeilen veranlaßt, nämlich die Bemerkung, daß der Vorstand des Allgemeinen Vereins die Schritte beraten wird, die notwendig sind, um der schweren Beleidigung entgegen- zutreten, die in meiner Erklärung vom 8. d. M. enthalten ist. Durch diese Bemerkung, die doch nur eine Drohung sein soll, angeregt, fordere ich hiermit den„Allgemeinen" auf, mich wegen Beleidigung zu verklagen. Ich werde an Gerichtsstelle den Wahrheitsbeiveis für nieine Behauptung er- bringen. Ja, ich werde sogar noch mehr als das,»vas ich in der Erklärung sagte, beweisen. Sollte der„Allgemeine" seine Drohung nicht ausführen, dann nehme ich an, die Herren geben �die Nichtigkeit meiner Behauptung zu. Nun mögen sie wählen. Adolf Cohen, Charitestr. 3. Die Arbeiter in ben Eisenkonstruktionsbetrieben gehören zu den am schlechtesten gestellten Arbeiter»rder Metallbranche. Die Vor- bedingung für eine Bewegung zur Verbesserung ihrer Lage, näm- 'ich die Erkenntnis des Elends und der Wille dasselbe zu be- ämpfen, ist bei den Eisenkonstruktionsarbeitern crnxicht. Der un- ewohnlich starke Besuch einer am Sonntag abgehaltenen Branchen- ersaminlung bewies es, noch mehr aber das allgemein ausgc- .prochene Verlairgen, eine Lohnbewegung ins Werk zu setzen. Die oon verschiedenen Rednern vorgetragenen Einzelheiten über ihre Arbeitsverhältnisse ergab im ivesentlichen folgendes Bild. Die Aus- Übung der Arbeiten ist schon an sich mit großer Unfallgefahr ver- knüpft. Diese Gefahr wird dadurch noch erhöht, daß die Arbeiter zu den höchsten Leistungen angetrieben werden und bei solcher Hetz- arbeit natürlich nicht an die Beobachtung der erforderlichen Vor- sichtsmaßregeln denken können. Bis zu welchem Grade die Aus- Nutzung der Arbeitskraft in den Eisenkonstruktionsbetrieben schon gediehen ist, dafür wurde ein Beispiel angeführt: Bei Steffen u. Nolle werden an einer Arbeit, die früher von 40 Mann ge- macht wurde, jetzt nur noch 10 Mann gestellt.— Wo die Antrei- berei nicht direkt durch Vorgesetzte betrieben wird, da tut die Akkord- arbeit zu niedrigen Preisen, bei denen die Arbeiter kaum den üb- lichen Lohn verdienen können, dieselbe Wirkung wie der Antreiber. Von einer geregelten Arbeitszeit ist in den meisten Fällen keine Rede, denn immer, wenn reichlich Arbeit vorliegt, müssen zahlreiche Ueberstunden gemacht werden, für die nicht einmal ein Lohnzuschlag gezahlt wird. Die Löhne stehen in gar keinem Verhältnis zu der anstrengenden und gefahrdrohenden Arbeit.. Häufig kommt es vor, daß gelernte Arbeiter noch nicht einmal 60 Pf. Stundenlohn erhalten. Ja, bis zu 36 Pf. gehen die Löhne der Schlosser in manchen Fällen herunter, während ungelernte Arbeiter gar nur 32 Pf. er- halten. Einzelne Arbeiter, die um eine Lohnerhöhung voir 2 Pf. ersuchten, bekamen statt der Zulage ihre Entlassung. Auch durch schlechte Behandlung seitens der Vorgesetzten haben die Arbeiter zu leiden. Besonders wird in dieser Hinsicht über einen Meister der Firma Druckenmüller geklagt. Auch von der Firma Steffens u. Nölle heißt es, daß Lohn und Behandlung viel zu wünschen lassen. Besonders wurde hervorgehoben, daß Arbeiter dieser Firma, wenn sie eine Krankheit durchgemacht haben, nicht mehr beschäftigt werden. Die Arbeiter, welche im Betriebe der Firnra Unfälle erlitten hatten, und dann mit leichten Arbeiten beschäftigt wurden, seien sämtlich entlassen worden, weil die Firma nur noch vollkräftige Arbeiter beschäftigen wolle. Der Verlauf der Versammlung zeigte, daß die Eisenkonstruk» tionsarbeiter entschlossen sind, sich bessere Lohn- ui»d Arbeitsverhält- nisse zu erringen. Eine rege Agitation ist im Gange ur»d hat gute Erfolge gehabt. Mehrere Redner verlangten, daß möglichst bald in eine Lohnbewegung eingetreten werde. Dazu erklärte die Branchenleitung, daß alle Vorbereitungen für eine Lohnbewegung im Gange seien und daß man vorgehen werde, sobald der geeignete Zeitpunkt gekommen sei. Damit war auch die Versammlung voll- kommen einverstanden. Ter Streik der Tapezierer. Am Sonnabend hatten die Arbeiter in den Magazinwerkstätten den Unternehmern einzeln ihre Forderungen unterbreitet, nochdein alle Bestrebungen, mit den vereinigten Unternehmern einen Tarif- vertrag abzuschließen, gescheitert ivaren. Eine Reihe Firmen be- willigten die verlangte Verkürzung der Arbeitszeit von 50 auf 48 Stunden die Woche sowie eine Erhöhung des Stundenlohnes um 5 Pf. oder eine entsprechende Erhöhung der Akkordsätze. Wo die vorgelegten Forderungen abgelehnt wurden, brach der Streik aus. Etwa 400 Arbeiter waren an» Montag morgen am Streik beteiligt; davon hatten 170 im Laufe der letzten Woche die Arbeit schon niedergelegt.— Das rasche und energische Vorgehen der Gehilfen- schaft hat bei den Unternehmern eine große Wirkung hervorgerufen, denn sie drohten sofort eine allgemeine Aussperrung aller-vape- zierergehilfen in Groß-Berlin an, soweit das Gebiet der Tapezierer- zwangSinnung reicht. Die Innung, der Schutzverband für das Tapezierergewerbe und der Verein der Polstcrmöbelfabrikanten Würden gemeinsam vorgehen und alle Gehilfen aussperren, wenn nicht innerhalb 24 Stunden alle Streiks und Sperren von dem Ver- band der Tapezierer ausgehoben werden, so drohten sie schon am Sonntag durch die„Volkszeitung" an. Die Beschlüsse darüber sollten»n einer Versammlung der genannten Unternehmcrorgani- sationen gefaßt werden, die gestern, Montagabend, stattfand. Die Gehilfenschaft sieht den Maßnahmen der Unternehmer mit großer Ruhe entgegen und fürchtet auch eine Aussperrung nicht. Die Gehilfen werden ruhig abwarten, welche Wirkung die Be- schlüsse der Unternehmer zeitigen werden, um dann die notwendigen Gegenmaßnahmen zu treffen. War es nicht möglich, durch einen Tarifabschluß allge»i»ein eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erringen, so müssen die Arbeiter jetzt versuchen, sich die ge- wünschte und notwendige Aenderung der Verhältnisse in den ein- zclnen Betrieben zu verschaffen, und da sind es hauptsächlich die Magazinpolsterer, die gegenwärtig den Kampf führen, weil in ihren Werkstätten die Verhältnisse am ungünstigsten liegen. Achtung, Tapezierer! Folgende Werkstätten sind wegen Lohn differenzen, auch für Sattler, gesperrt: Weigt, Friedrickstr. 16; Rothe, Große Frankfurterstr. 88; Birnbaum, Fliederftr. 4; Stephan u. Helft ig, Andreasstr. 43; Wolf u. Krebs, Holzmarktstr. 69/70; Dreher, Dennewitzstr. 29; Dittmar, Molkenmarkt 6 und Cadiner Straße 20; Beyer, Buckowerstr. 6; Petrie, Waldemarstr. 52; Stielte, Eharlottenburg, Berlinerstr. 49; Heß u. Rom, Charlottenstr. 6; Domcyer, Brunnenstr. 52; Herzog, Breitcstraße; Müller, Lebuser Straße 15; Groß, Lindenstr. 92; Unger, Straßburgerstr. 54; Sempf, Greifenhagenerstr. 13; D. Dwinatzke, Andreasstr. 30; Caspari, Marienfelde; Richter, Cöpcnick; Heymann, Adalbertstr. 9; Berschak, früher Rothe, Mehncrstr. 4; E. E. Lehmann, Wilhelmstr. 42-»; Bieske, Chausseestr. SO; Fastrupp, Chausseestr. 36; Krause, Hede- mannstr. 15; Grotzicky, Kochstr. 7; Römer u. Böttcher, Saarbrücker Straße 30; Parthi, Friedrichsberg: Fleischer, Rixdorf, Pannier- straße; Dubach, Pallisadenstr. 76; Ehrlich, Alte Schönhauserstr. 2. Die dekannte Handelsfirma LeiserS SchnhwarenhauS, die»». a. auch in der Königstr. 34 eine Filiale unterhält, wird irrigerweise mit der von den Schuhmachern bestreikten Schuhwarenfabrik Leiser u. C o. in der Neuen Königstr. 39 verwechselt. Die Firma LeiserS Schuhwarenhaus ersucht uns deswegen um die Mitteilung, daß sie mit der Fabrikationsfirma Leiser u. Co. keinerlei Verbindungen habe. Da die Aehnlichkeit der Namen, die rein zufällig, nicht einmal auf verwandtschaftliche Beziehungen zurück- zuführen ist, zu Verwechselungen leicht Anlaß geben kann, kommen wir dem Ersuchen der Firma nach. Veuttesies Keich. Lohnbewegung der Oderschiffer. Die Oderschiffer haben in außerordentlich starken Mitglieder- Versammlungen in Kosel, Breslau, Fürsteilberg, Stettin und Berlin einstimmig beschlossen, sofort eine Lohnbewegung einzuleiten. Sie fordern eine zehnstündige Arbeitszeit beim Löschen und Laden(bis jetzt wurde im Sommerhalbjahr elf Stunden gearbeitet), für Steuer- leute 120, 125 und 130 M. Monat-Zlöhne je nach Größe der Fahr- zeuge, für Dampfersteuerleute 120 M. und für Bootsleute 110 M.; Ueberstundenarbeit soll nach Zeitabständen von zwei zu zivei Stunden mit 50. 60 und 75 Pf. bezahlt werden, SonntagS- und Feiertagsarbeit beim Löschen und Laden mit 50 Pf. pro Stunde. Das Kohlenübernehmen außer der Tageszeit soll„ach den Ueber- stundenlöhnen vergütet werden. Einbehalten von Lohn soll nicht statthaft»ein. Ferner wird verlangt, daß den Schiffsmannschaflcu das Reisegeld von und nach der He»mat und der Reisetag vergütet werden soll. Die Forderungen sind äußerst minimale und die Löhne stehen noch bedeutend hinter den Löhnen, die auf der Elbe gezahlt werden, zurück. Forderungen wegen Einführung der Sonntags« und Nachtruhe wurden nicht gestellt, weil nach den Vorschlägen des Beirats für Arbeiterftatistik eine gesetzliche Regelung der Sonntagsarbeit zu er- warten ist. Deshalb hat der Transportarbeiterverband eine solche Forderung in den Tarifentwurf nicht aufgenommen.— Die Ein- reichung der Forderungen ist bereits an, 9. März erfolgt. Die Organisationen verlangen bis zum 20. März eine Antwort. Auf der Oder herrscht jetzt ein regeS Leben. Die Schiffs- Mannschaften sind in regster Tätigkeit, um die welligen der Organisation noch fernsieheuden Schiffer dem Verbände zuzuführen. Tie Reederpresse har bereils Stellung zu der Bclvegung ge- nommen. Ohne die Forderungen zu kennen, erklärt sie diese für unannehmbar. Zwar können die reichlichen Profite der Reeder nicht geleugnet werden, trotzdem erklären diese eine Erhöhung der Löhne für unmöglich. Der Transportarbeiterverband hat am Donnerstag, den 9. d. M. eine große Flugblattverbreitung über das Stromgebiet der Oder und der märkischen Wasserstraßen, wie ailch ans der Elbe vor- genominen. In den Flugblättern wird allen Mannschasien die Einreichung der Forderungen bekannt gemacht und die Tarifvorlage im Wortlaut wiedergegeben. Das war neben den Versammlungen nötig, weil viele Mannschaften sich zur Zeit der Versammlungen auf Fahrt befanden. Es sind bereit? Anzeichen vorhanden, daß die Unternehmer an allen Stationen mit Hochdruck gegen die Bewegung Front inachen. Es»vird deshalb gebelen, etwaige Vorkommnisse in den Umlade- und Hafenplätzen, die mit der Lohnbewegung der Oderschiffcr in Be- ziehung stehen, dem Borsitzenden der Binnensch iffer Wilh. Schüning Berlin L., Neu-Kölln am Wasser 1. zu melden. Bei dem Streik der Zinkhüttenarbeiter i« Dortmund stoßen wir auf ein Schauspiel, wie wir-S m der Zeit der„Ab- schwachung der Klassengegensätze" des öfteren erlebt haben. Durch das provokatorische Auftreten der herangeholten Streikbrecher kommt es zu Menschenansammlungen und turbulenten Auftritten. Die Gewerkschaftsführer der Metallarbeiterverbände sind beim k Oberbürgermeister borsteMg gelvorbSti. Aach�im SkaMe?orssne?ett- I kolleginm ist die Angelegenheit von den Sozialdemokraten zur ! Sprache gebracht worden. Die Arbeitswilligen haben sich Brutali- � täten selbst gegen nichtstreikende Arbeiter anderer Berufe und gegen die Bewohner des betreffenden Stadviertels zuschulden kommen lassen, was die Erregung fortwährend steigerte. Tis lokale Prcße bringt warnende Hinweise. In der„Arbeiter- Zeitung" wird erwähnt, daß das große� Polizeiaufgebot zum alleinigen Schutze der Arbeitswilligen aufregend auf die Be- völierung wirke. Die„Arbeiter-Zeitung" erklärt weiter, daß sie bisher von den Dingen aus dem Grunde nichts erwähnt habe, um der Gefahr zu entgehen,„daß man uns, wie eS kürzlich m Berlin dem„Vorwärts" geschehen ist, nachher die Verantwortung auf- bürden könnte." Die Partei- und Gewerkschaftgenosscn wert en dann gebeten, auf die Indifferenten einzuwirken, damit auch die Frauen und die Kinder ferngehalten würden. Bei den bedroh- lichen Vorgängen selbst ist auch schon der Revolver wiederholt gebraucht worden. Der Oberbürgermeister hat versprochen,!>aß die Polizei unparteiisch handeln soll. Daß die Zinkhüttengcsellschaft den streikenden Arbeitern � sehr Wohl entgegenkommen könüte, beweist der vor kurzem veröffent- lichte Jahresbericht der Gesellschaft. Danach beträgt der Roh» gewinn für das Jahr 1910 3 164 964 Mk. gegen 1 969 948 Mk. im Jahre vorher. Als Reingewinn bleibt die Summe von 1 955 169 Mk. gegen 744 955 Mk im Vorjahre. Trotzdem sollen»nur" 5 Prozent Dividende verteilt werden, wohl aus dem Grunde, um in der Streikzeit die Arbeiter nicht noch mehr in Bewegung zu bringen. Für diese Dividende wurde die Summe von 845 940 Mk. ausgeworfen, die Riesensumme von 917 459 Mk. wurde dafür dem «Dividendenergänzungsfonds" zugewiesen. In Wirklichkeit hätte also die Dividende mehr als verdoppelt werden können, da auch noch 315 497 Mk. dem Reservefonds überwiesen wurden. Im Jahre 1909(die Zahlen für das Jahr 1910 sind uns nicht zur Hand, sie werden aber kaum diel abweichen) bat die Zink- hütten-Aktiengesellschaft zu Stolberg und in Westfalen auf ihren Erzgruben, Hütten, Walzwerken und im Kohlenzechenbetrieb ins- gesamt 4784 Arbeiter bcsck>äftigt. Jeder Arbeiter hat also im Durchschnitt im Jahre 1910 zum Nohgewinn zirka 662 Mk.. zum Reingewinn zirka 409 Mk. mit beigetragen! Das heißt ein Geschäft! Die Arbeiter aber werden mit den „schlechten Zeiten" vertröstet, ihre bescheidenen Forderungen werden nicht erfüllt. Hoffentlich bringen die schioer geplagten Zinkhütten- arbeitcr ihre Sache doch zum Siege, hoffentlich halten sie aus und lassen sich nicht provozieren. Zur Tarifbewegnng in der Holzindustrie. Am Sonntag nahm eine von über 6000 Personen besuchte Versammlung des Deutschen Holzarbeiterverbandcs. VerwaltungS- stelle Hamburg, Stellung zu dem bereits mitgeteilten Ergebnis der Verhandlungen mit den Unternehmern. Nach stundenlanger, sehr lebhafter Debatte, in der wiederholt betont wurde, daß der Minimallohn 63 Pf. betragen müsse, zumal die meisten Kollegen schon jetzt über 64 Pf. verdienen, gelangte gegen eine Stimm? diese Resolution zur Annaahme: „Tie Versammlung ist mit der vorgeschlagenen Regelung der Lohnfrage nicht im vollen Umfange einverstanden, behält sich jedoch die cntgültige Beschlußfassung hierüber bis nach er- solgter Verständigung über die Akkordtarife vor. Die Ver- sammlung bedauert, daß trotz des dringenden Wunsches unserer letzten Versamlung die Verhandlungen über die Akkordtarife nicht schon stattgefunden haben. An der vertraglichen Regelung der Arbeitsnachweisfrage hält die Versammlung unbedingt fest. Sofern der Arbeitgeber» Schutzverband bei der strikten Ablehnung des paritätischen Ar» beitsnachweises beharrt, sind weitere Verhandlungen völlig aus- sichtlos. Für diesen Fall wird die Verwaltung ermächtigt, alle er- forderlichen Maßnahmen zwecks Durchführung unserer Forde, rungen unverzüglich in die Wege zu leiten." Letzte IVachricbtcn. Eine demokratische Kandidatur in Teltow-Beeskow. In einer am Montagabend stattgefundenen Sitzung der ver- trauensleute der Dcmokralischen Partei„ahmen die Versammelten Stellung zu einer Kandidatur für den Wahlkreis Teltow» BeeSkow-Storkow. Nach längerer Aussprache wurde alS Kandidat der Demokrat»� für dicsel, Kreis der Architekt Wilhelm Schubert aus Groß-Lichterfelde aufgestellt. Das Häuflein der Deniokraten wird nach der Wahl wohl zu der Ucberzeugung gelangen, daß ihr Bemühen vergeblich war. Zwei Beförderungen. Berlin, 13. März.(W. T. B.) Zum Oberpräsidenten der Pro- vinz Westfalen an Stelle des verstorbenen Staatsministers von der Recke von der Horst ist der Regierungspräsident Tr jur Prin» von Ratibor und Corvey, Prinz zu Hohenlohe-Schillinasfürit in Coblenz und zum Regierungspräsidenten in KSsli» an Stelle des tn den Ruhestand tretenden Freiherrn von Funck der Geheime Oberrogierungsrat und Innern Dr. jur. TrewS vortragende Rat im Ministerium' des in Berlin ernannt worden. Das Wettrüsten zur See. London. 13. März.(W. T. B.) Im Unterhause führte iverantw. Redakteur: HanS Weder» Berlin. Inseratenteil verantw.; ZH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.». Verlagsanstalt Paul Singer st Co.. Berlin s\v. � c Ken na in der Debatte über den Antrag Macdonald-»veiter aus: W.r können unsere Freiheit auf der Hockstraße des Ozeans aber nicht sichern wenn unsere Flotte nicht jeder fremden Flotte überlegen»st. und zwar jeder denkbaren und wahrscheinlichen Kom- binat.oa, der w.r vielleicht allein entgegentreten müssen. Nachdem Mc Kenna betont hatte, daß diese Politik keine Feindseligkeit gegen T M mT faflte« weiter, wie kann ich die '*enn n�t bestimmter Weise auf die sich tft Vorbereitungen bezog nehme. Natür» stärkste> � aU3maf,le' diejenige, welche die zweit- Lfcrer 5 H darum muß ich die Stärke und Vermehrung unserer flotte mit derienigen der deutschen vergleichen In Er- wwerung auf d.e Beschwerde der Radikalen, daß es der Regierung �..�""Sen sei. d,e Ausgaben zu vermindern, wies McKenna $ d«e 1906 und 1908 beschlossenen Abänderungen des deutschen Flottengesetzes d.e Bestimmungen für die deutsche Flotte SCcbcn?Qbrcn in Zweifel ließen. Ponsonby. er- larte McKenna, hat mich in die Lage versetzt, zu meiner Ver» m>!0iin0£b!C iu erklären, die ich bei der Einführung de? �udgets für 1909 gebraucht habe. Er hat meine Worte angeführt, um zu beweisen, daß, entgegen meiner Annahme. Ende 1910 wurden neun deutsche Dreadnoughts vollendet sein, tatsächlich nu- 1»�!, ��eudet waren, und daß, während ich voraussetzte, im Herbst 91- würden 17 Schiffe vollendet seien, ich nunmehr zugebe, dag nach mir gemachten offzicllen Erklärungen, die ich als absolut richtig ansehe, die 17 Schiffe von den deutschen Werften nicht vor »cm Frühjahr 1913 abgeliefert sein werden. Er klagt sich an, da» Haus im Jahre 1909 irregeführt zu haben. (Siehe auch unter England. 3. Seite des Hauptblattes.) Hierzu I Beilagen o. Unterhaltungzhl, Nr. 62. 28. Jahrgang. 1. Stilnif des Jirniiitte" Snliiin KlkslilM Dienstag, iL Mar; 1911. Reichstag lärz 1911, 146. Sitzung. Montag, den 13. nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Präsident Gca Schwerin mit, das; er gestern dem Prinzregenten Luitpold von Bayern zu seinem 99. Geburtstage telcgraphiich im Namen des Reichstages gratuliert habe; der Prinzregent habe telegraphisch gedankt Während der Präsident die Antwortdcpesche verliest, erheben sich die Abgeordneten mit Ausnahme der sozialdemokratischen Abgg. Geck und Stadthagcn von den Plätzen. Prätident Graf Schwerin: Sie haben sich von den Plätzen er- hoben, um der Ehrerbietung vor dem Jubilar Ausdruck zu geben lZuruf: Stadthagen nichl.) Ich stelle das fest. Zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Jnilertt Zweiter Tag. Abg. Dr. Strcscmann snatl.) bittet den Staatssekretär darauf zu achten, datz der deulsäie Handel nach Finnland keinen Schaden dadurch erleide, dajj Finnland ins russische Zollgebiet einbezogen wird, und würdigt dann daS kanadisch-amerikanische Zollabkommen in seiner Bedeutung für den deutschen Handel, und fragt den Staatssekretär, ob es richtig sei. daß Kanada Be günstigungen erhalten habe, die der deutsche Handel nicht erhält.— Unser Handel mit Portugal hat sich günstig für Portugal einwickelt im portugiesischen Handels- vertrag sind eben Portugal große Zugeständnisse gemacht.— Daß unsere Zollpolitik im Kerne richtig ist und die Kaufkraft unserer ländlichen Bevölkerung gesteigert wird, was auch der Industrie zugute kommt, beweist der Umstand, daß das frei- bändlcrische England 10. wir nur 2,7 Proz. Arbeitslose hatten. Die Bekämpfung des Heidelberger Programms der Nationalliberalen durch die Rechte und den Bund der Landwirte ist ganz unverständlich; die gan�e nationallibcrale Partei steht auf dem Boden des Schutzes der nationalen Arbeit durch Schutzzölle. Aber der Schutzzollgedanke darf nicht überspannt werden, weder in der Landwirtschaft noch in der Industrie. Es ist nicht mehr Schutz der nationalen Arbeit, wenn durch Syndikate nach dem Auslände die Rohstoffe billig geliefert werden, daß der deutsche Unternehmer nicht mehr konkurrieren kann.(Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um der Ausplünderung des deutschen Konsumenten durch Rockefellcr und die Standard OU Compagnir ein Ende zu wachen. Der Petroleumtrust wird nicht von ethischen Gesichtspunkten, sondern nur vom nacktesten Geschäftsinteresse geleitet. Der jubelnd begrüßte Sieg der aincrika uilchen demokratischen Partei, der Gegnerin der Trusts und Hoch schutzzolle, dürfte der geeignete Moment zu dem Versuch sein, das Monopol Rockefellers zu brechen. Wir haben eine in dieser Rifr rung sich bewegende Resolution eingebracht und bitten den Staats' sekretär, sich darüber zu äußern. In der Sozialpolitik steht Deutschland unbestritten obenan. Eine halbe Milliarde Mark wird alljährlich von Reich und Arbeit- gebern zugunsten der Arbeiterversicherung aufgebracht. sHört! hört! bei den Nationalliberalen.) Wenn es dem gegenüber von sozial- demokratischer Seite heißt:„Die Arbeitgeber bilden sich etwas darauf ein, daß sie die Arbeiter nicht mehr verhungern, sondern nur noch hungern lassen", so ist das nicht nur Ucbertreibung, sondern Unehrlichkeit. Ein sozialdemokratischer Führer, Herr Fräßdorf, hat anerkennen muffen, daß die Sozialpolitik des Auslandes weit hinter der deutsche» zurücksteht. ES ist unwahr, daß der gegenwärtige Reichstag auf dem Gebiete der Sozialpolitik nichts geleistet hat. Freilich, die Sozialdemokraten verstehen unter Sozialpolitik in erster Linie die Schaffung neuer Institutionen und neuer Bestimmungen der Gewerbeordnung. Die bürgerlichen Parteien wollen Sozialpolitik im BiSmarckschen Sinne der positiven Unter pützung wirklich Bedürftiger treiben.— Ich kann m,ch den Ausführungen des Kollegen Linz über den Unfug, den die Sozialdemokraten mit Boykott und Koalitionszwang treiben, nur anschließen. Der sozialdemokratische Koalitionszwang muß auf da« allerschärsste bekämpft werden(Bravo! rechts), allerdings nicht durch Ausnahme- gesetze.— ES wäre wünschenswert, daß die Privatbeamtcn- Versicherung noch in dieser Session zustande kommt. Freilich stört die Ungewißheit über die Dauer dieses Reichstages alle Dis- Positionen. Mit der Privatbeamtenversicherung darf nicht gewartet kleines feuilleton. Die Vereinigten Staaten im Lichte der Bevölkerungsstatistik. „Amerika, du hast es beffer als unser Kontinent der alte"— dieses Dichterwort paßt für das heutige Amerika schon lange nicht mehr. Die unerbittlichen Zahlen beweisen es. Die Entwickelung von einem Agrarstaat mit unermeßlichem Länderreichtum, wo ein jeder Lohnarbeiter jederzeit sich zu einem Farmer aufschwingen konnte, zu einem Industriestaat mit dem ganzen Jammer und Elend des Kapitalismus— spiegelt sich mit unheimlicher Deutlichkeit in den Zahlen deS 13. amerikanischen BcvölkcrungS- zensus wider, der am 15. April 1910 stattgefunden hat. Von den Ergebnissen dieser Zählung, die H. Wichmann in einer statistischen Studie im 3. Heft der„Petermanns Mitteilungen" zusammengelaßt hat, seien hier die wichtigsten mitgeteilt. Die Gesamtbevölkcrung der Union(ohne Kolonien) beträgt 92 027 000 und ,st in der Zeit von 1905 bis 1910 um 21.1 Proz. gewachsen,-mn der Flächenausdehnung von 7 839 000 Luadral- kilometer macht das rund 12 Menschen auf 1 Quadratkilometer auS. Vci:gliB9en mit der Zunahme der Bevölkerung in dem Jahrzehnt 1890 bis iggg(20,7 Proz.) ist der Zuwachs im letzten Jahrzehnt fast auf derselben Höhe geblieben. Wendet man sich nun der Betrachtung einzelner Landesteile zu, so bemerkt man gleich den hervorstechendsten Zug der Entwickelung: die Be- völkerung verschiebt sich von Osten nach Westen. Da sind die westlichen Staaten wie Idaho und Washington, die ihre Einwohnerzahl verdoppelt haben, wie überhaupt der pro- zcntuale Zuwachs der Bevölkerung in den Weststaaten 66,1 Proz. gegen nur 17 Proz. in den Nordstaaien ausmacht. Es ist der sich stark entwickelnde Handel mit Ostasien, der aufblühende Bergbau sowie die kapitalistische Landwirtschaft, die die Menschenmaffen nach dem Stillen Ozean locken. Auch die südlichen Staaten, die ihre Wirtschaft zuerst aus der Sklaverei gegründet hatten, schienen sich jetzt mit dem„freien" Kapitalismus ausgesöhnt zu haben. <�enii auch sie haben einen größeren prozentualen Zuwachs zu verzeichnen(21,7 Proz.) als die Nordstaaten.. Betrachtet man nun die Verteilung der Bevölkerung zwischen Stadt und Land, so bemerkt man wohl zum ersten Male in der Geschichte der Union mit einer solchen Deutlichkeit die Er- scheinung. die unsere Agrarier nicht müde werden, als deutsche Spezialität hinzustellen: die Landflucht. Diese Landflucht ist im letzten Jahrzehnt so stark in Erscheinung getreten, daß von »968 Grafschaften des Landes nicht weniger als ein Viertel(760) eine Abnahme der Bevölkerung hatten, wie andererseits viele Maaten nur dadurch zu einem Zuwachs der Einwohnerzahl ge- «Vmmen sind, weil gleichzeitig ihre städtische Bevölkerung bedeutend benommen hat. Dabei ist zu berücksichtigen, daß bisher d.e z.ÄirtiVni Ergebnisse nur die Ortschaften mit mehr als 25 000 »?1imiWrn betreffe». Rechnet man nach vollendeter Bearbeitung � Äluna Ä kleinere Ortschaften- mit mindestens 20 000 Anwohner» � den Städten zu, so wird dos Schwinden der lsnd- werden, bis volle Einigkeit unter den Interessenten erzielt ist.— Die nationalliberale Partei wird auch in Zukunft in Politik, Sozial- und Wirtschaftspolitik die Stellung einer auf Ausgleich wider- streitender Interessen gerichteten Mittelpartei einnehmen.(Lebhaftes Bravo! bei den Natioualliberalen.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich werde heute nicht auf alle im Laufe dieser Debatte ausgeworfenen Fragen eingehen. Meine Rede, die ohnehin lang werden dürfte, könnte sonst gar zu lang ausfallen. (Große Heilerkeit.) Der Abg. Fischer hat zu meiner großen Freude am Sonn abend anerkannt, daß Deutschland auf dem Gebiete der Sozial- Politik positive Leistungen aufzuweisen hat. Freilich schätzt Herr Fischer diese Leistungen, die durchweg gegen den Widerstand der Sozialdemokratie zustande gekommen sind, zieinlich gering ein. Er stellte Rechnungen an, die teilweise schon der Abg. Stresemann richtiggestellt hat. Herr Stresemann hat schon ansgesührt, daß rund eine halbe Milliarde jährlich für Zwecke der Arbeiterversicherung verausgabt wird. Ich gebe zu, es ist schwierig, den jährlichen Ueberschuß des Nationalvermögens genau zu veranschlagen; aber auf keinen Fall ist eine halbe Milliarde alS eine Kleinigkeit zu bezeichnen.(Sehr wahr! rechts und bei den Nationalliberalen.) Herr Fischer hat von der sozialpolitischen Unfruchlbarkeit der letzten Jahre gesprochen. Die Regierung hat dem Reichstage eine solche Fülle von sozialpolitischen Gesetzentwürfen vorgelegt, daß es bekanntlich z w e i f e l h a s t ist, ob der Reichstag sämtliche Vorlagen wird in dieser Session erledigen können. Wenn die Reichs- versicheriingsortuniiig nicht zur Erledigung gelangen sollte, so ist das wirklich nicht die Schuld der Regierung und ebensowenig die Schuld der ReichstagSkommission. Die Erledigung des Arbeits kammer- g e s e tz e S stößt ja auf Schwierigkeiten, aber die anderen Vorlagen sind nach meiner Meinung noch sehr wohl in dieser Session zu erledigen. Der Abg. Fisch e,r>Hat auch darüber Klage geführt, daß in den letzten Jahren weniger BundeSratSverordnungen betreffend die Arbeitsverhälmisse in einzelnen Gewerben erschienen sind. Die Tat- fache ist an sich richtig. Sie erklärt sich aber einmal daraus, daß die Zahl der für solche Verordnungen in Betracht kommenden GewerbSzweige naturgemäß immer kleiner wird, weil eben für eine große Anzahl Gewerbszweige Verordnungen erschienen sind.(Sehr wahr I rechts.) Außerdem hat sich vielfach herausgestellt, daß die Reglementierung für das ganze Reich für Arbeitgeber und Arbeiter vieler Gewerbe außerordentlich unzweckmäßig ist.(Lebhafte Zu stimniung rechts.) Von manchen Seiten wird darüber geklagt, daß die Reichs regierung noch immer nicht die Aufgabe der gesetzlichen Rege- lung der Tarifverträge in Angriff genommen hat. Ich halte die Tarifverwcgsbewegung für eine außerordentlich berechtigte. wichtige, ja notwendige. Aber der Zeitpunkt für eine gesetzliche Regelung scheint mir doch noch nicht gekommen. Der sprmgende Punkt ist die mangelnde Bollstreckbarkeit der Tarifverträge. Um diese durchzuführen, wäre die erste Vorbedingung die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine. Aber diese Sache hat auch ihre großen Schwierigkeiten. Die Lösung, die von vielen Seiten gewünscht wird, daß den Berufsvereinen die Rechte, aber nicht die Pflichten der juristischen Personen verliehen werden. halte ich für unangängig.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Ich persönlich würde durchaus bereit sein, die Verleihung der Rechts fähigkeit an die Berufsvereine gesetzgeberisch zu regeln, müßte dann aber auf die Einfügung einer Bestimmung bestehen, daß die Berufsvereine für die Durchführung der Vertage mit ihrem Vermögen haften müssen.(Sehr richtig! rechts.) Ohne eine solche Haftbarkeil ist eine Vollstreckbarkeit der Tarifverträge unmöglich auf dem Wege der Gesetzgebung ein- und durchzuführen. Ich halte es aber auch gar nicht für so schlimm» daß die Tarifverträge vorläufig der gesetzlichen Durchführung ermangeln. Mit den Tarifverträgen verhält es sich so wie mit den angeblich auf ewig geschlossenen StaatSverlrägen. (Heiterkeit): sie werden solange gehalten, als es den Jntcreffen beider Vertragschließenden entspricht.(Sehr wahr!) Unter solchen Um- ständen halle ich zurzeit eine gesetzgeberische Regelung der Tarif- verwäge für unangebracht, so sehr eine solche Gesetzgebung auch einen tatcnlustigen Minister reizen könnte.(Heiterkeit und Hört I hört I) Redner verbreitet sich sodann— bei seiner leisen, zum Teil bis zum Flüstern herabsinkenden Stimme in Einzelheiten völlig unver- ständlich— über zahlreiche Fragen der Mittelstands- und allgemeinen Wirtschaftspolitik. Er hebt hervor, daß er als preußischer Handels- minister nach Kräften im Interesse deS Handwerks tätig ge- wesen sei, und erörterte die Schwierigkeiten, die der vom Zentrum und von der Rechten geforderten reichsgesetzlichen weiteren wirtschaftlichen Bevölkerung noch krasser hervortreten. Gleichfalls ist jetzt schon die Abnahme der ländlichen Bevölkerung bei sieben Staaten— meistenteils sind es Nordstaaten— festzustellen. Aber auch die anderen Nord- und Zentralstaaten, die bisher zu den landwirtschaftlichen Staaten zählten, zeigen einen sehr geringen Zuwachs an Landbevölkerung. Nur die Weststaaten zeigen eine stärkere Vermehrung, die übrigens, wie auch in den zwei anderen Staatsgruppen, an den allgemeinen Zuwachs nicht heranreicht. Es betrug demnach;' � in Prozent , die Zunahme Zunahme tn den der Bevölkerung der Land- ..., überhaupt bevölkerung Nordstaaten..... 17,0 7.2 Sudstaaten..... 21,7 17,7 Weststaaten..... 064 bb'b .©aya»"bets steht es mit dem Wachstum der Bevölkerung in den Städten. In dem Zeitraum von 20 Jahren(von 1890 bis 1910) hat sich die stadtische Bevölkerung von 13,1 Millionen auf 28,5 Millionen vermehrt, d. h. mehr als verdoppelt, während die gesamte Bevölkerung nur um 47 Proz. zugenommen hat. Den Löwenanteil an der Zunahme haben, wie überall in den kapitalisti- schen Landern, die Großstädte. Man zählte im Jahre 1910 50 Groß- städte(mit mehr als 100000 Einwohnern), die insgesamt 20,3 Millionen Menschen umfaßten. 59 Mittelstädte(50 000 bis 100 000) mit einer Gesamtbevölkerung von 4.2 Millionen und 119 Kleinstädte mit 4,0 Millionen Gcsamtbcvölkerung. Die meisten Städte entfallen auf die Nordstaaten, die über 80 Proz. der städtischen Bevölkerung des ganzen Landes zählen. Hier liegt auch das Treigestirn der Riesenstädte der Union: New Dork mit 4,767 Millionen Einwohnern. Chicago mit 2.185 Millionen und Philadelphia mit 1,549 Millionen. In den letzten zehn Jahren haben diese drei Städte nicht weniger als zwei Millionen Zuwachs aufzuweisen. WaS in einem Kolpartageroman alleS vorfällt. Der Dürerbund veranstaltet eine Ausstellung zur Bekämpfung der Schund- litcratur. Augenblicklich ,st ste in Dresden zu sehen. Auf einem der sechs großen gedruckten Plakate: Inhalt und Verbreitung der Schundromane, Wirkung der Schundliteratur, Wie es in guten Büchern ergeht usw., findet sich folgende originelle Statistik: In Karl Mays Roman W aldröschen oder die Verfolgung rund um die Erde, Enthullungsroman über die Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft— erschienen in 109 Lieferungen. 2612 Seiten—(Verlag von H. G. Munchmeher. Dresden-Niedcrsedlitz) werden 2 2 93 Menschen getötet. Davon werden erschossen rund 1600, skalpiert 240. vergiftet durch Gift oder Gase 219, er- stachen 130, mit der Faust niedergeschmettert 61. iuS Wasser geworfen 16, dem Huiidertod preisgegeben 3. hingerichtet 4. den Krokodilen lebend zum Fraß vorgeworfen 3, an einem Baum über dem Krokodilteich aufgehängt(zwei Männer und eine Frau) 3, durch Gift Nahnsmstig gemacht 0, dyrch Aufschneiden des Iguches Einschränkung des Hausierhandels, der Wander« lager usw. entgegenstehen. Der Abg. Fischer hat bemängelt, daß die Reichsregierung noch nicht die gesetzliche Regelung der S Y n d i k a t e in Angriff ge« nommen hat. Selbstredend verfolgt die Reichsregicrung diese Frage mit der gespanniesten Aufmerksamkeit und die Ueberzeugung. daß ein ncsctzgeberisches Einschreiten erfolgen wird, wenn die Interessen der Nation es dringend verlangen, wird sicherlich nicht verfehlen, einen Einfluß auf das Verhallen der Syndikate zu üben. Einen gefetz« lichen Eingriff in diese Materie halte ich angesichts der ungeheueren Schwierigkeilen, die hier zu überwinden sind, mindestens vorläufig für unangebracht.— Herr M ü l l e r- M e i n i n g e n hat im borigen Jahre an« gelündigt, er werde so lange Interpellationen über die Handhabung des neuen Vereinsgesetzes einbringen, bis eS im Sinne deS Gesetzgebers ausgeführt wird. Ich freue niich, daß er sich diesmal auf eine Anfrage bei meinem Etat beschränkt hat; ich schließe daraus, daß die Beschwerden über Mißgriffe, wie sie anfangs vor- kamen, erheblich zurückgegangen sind.(Lachen links.) ES entspricht das auch meinen eigenen Beobachtungen. Der Abg. Müller-Meiningen har ja einige Beschwerden über Schikanen vor- geiragen und ein Einschreiten dagegen verlangt. So lange ich mit den Zenlralbehörden über die Grundsätze der Ausführung des Vkr- eiuSgefetzeS einig bin, habe ich zum Einschreiten keinen Anlaß. Die Erörterung von Schikanen, die entgegen den Anweisungen der Zentralbehörden vorkoinmen, gehört in die Parlamente der einzelnen Bundesstaaten.(Sehr richtig! rechts.) Herr Müller- Mciningen ver» weist nun aber auf das generelle Verbot öffentlicher Aufzüge in Preuße», das eine Verletzung des Gesetzes fei." Er hätte Recht, wenn ein solches generelle Verbot ergangen wäre; der preußische Minister des Innern hat aber nur unter Hinweis auf bestimmte Vorgänge darauf auf« merksam gemacht, daß. wie die Dinge liegen, jeder öffentliche Aufzug eine öffentliche Gefahr bilden kann und daher«in der Regel' ver- boten werden soll, er hat also die Möglichkeit der Genehmigung zu« gegeben(Lachen links), und ich hoffe, daß die nachgeordneten Be- Hörden mir die mißverständliche Auffassung, als ob jeder öffentliche Aufzug zu verbieten sei, aufgeben werden.(Emeutes Lachen links.)— Weiter verlangte der Abg. Müller-Meiningen die Lieferung ein- hcitlicher Wahlurnen zur Wahrung des Wahlgeheimnisses. ES ist unanständig, wenn Wahlvorsteher und Wahlvorstände sich dazu hergeben, durch künstliche Manipulationen daS Wahlgeheimnis zu durchbrechen. Aber die Zahl der Fälle, in denen eS geschehen, ist doch zu gering, um daS Gesetz zu ändern, llnregelmäßigkeiten bei der Wahl kominen auch auf anderer Seite vor; so haben in Bremen bei der letzten ReichslagSwahl 72 Personen nach den Listen gewählt, die„un- bekannt wohin' verzogen waren.(Hört! hört! rechtS.) Man könnte erwägen, ob nicht aus dem Wege der Gesetzgebung mit all solchen Dingen reiner Tisch gemacht werden soll; daS kann aber nicht mit einem überlasteten Reichstage und kurz vor seinem Schlüsse geschehen. Jedenfalls werde ich vor den Neuwahlen Anweisung geben, daß die mit der AuS» führung der Wahlen betrauten Behörden dafür Sorge tragen. daß als Wahlurnen nicht Gefäße verwendet werden, die durch ,hre Beschaffenheit zu Mißbräuchen Beranlaffung gebe», und daß auch sonst das Wahlgeheimnis gewahrt werden soll.(Bravo I links.)— Weiter wünschte Herr Müller-Meiningen, daß Ortschaften mit einer geringen Zahl von Wählern zur Sicherung des Wahlgeheim« nisseö mit benachbarten Ortschaften zu einem größeren Wahl« bezirk vereinigt werden. Zum Teil geschieht dies, aber man darf nicht vergessen, daß ein zu weiter Weg daS Wahlrecht illusorisch machen kann.(Sehr richtig! rechts.) Angeregt ist auch die Frage der Frist der Ersatzwahlen. Ich habe von einer gesetzlichen Regelung Abstand genommen, aber die Bundesregierungen darauf aufmerkiam gemacht, daß die Fristen bei einer Ersatzwahl ebenso zu erledigen sind wie bei Neuwahlen. Von mehreren Bundes« regierungen ist mir bereits die Zusicherung zugegangen, daß so verfahren werden soll. Weiter fragte der Abg. Müller- Melningen, wie eS mit einem Theatergesetz stehe. ES sind Gutachten von den Bundes» regierungen eingefordert. Preußen hat bestimmte Vorschläge ge- macht, über die demnächst mit den Interessenten verhandelt werden soll. Ich will daher für heute schließen mit der JnauSsicht» st e l I u n g eines Thcatergesctzes.(Heiterkeit.) Abg. BrcjSki(Pole) klagt darüber, daß eS den polnischen Arbeitern außerordentlich schwer gemacht werde, die ihnen nach den VersicherungSegeietzen zusteheiide» Renten zu erhalten; oft werden ihnen die Renten auch wieder zu Unrecht entzogen. Eine Folge der preußischen Polenpolitik ist das A b w a n d e r n der polnischen Ar» getötet 2, den Ratten zum Fraß vorgeworfen 1, geblendet und auf ein Floß gebracht 1. lebend in die Erde gegraben 1, erdrosselt 1. Ferner werden Menschen als Sklaven nach Afrika verkauft 2, durch Faustschläge betäubt 23, durch Würgen betäubt 12, durch Kolbenhiebe betäubt 12. durch Fußtritte verletzt 30. geknebelt 10. mit dem Dolche gestochen 6, Menschen Hände abgeschlagen 2, eine Frau gcnotzüchtigt 1, Frauen verführt 4, einem Menschen 50 Stockhiebe erteilt 1, Männer gefoltert 3, geblendet 3. bis zum Wahnsinn gekitzelt 2, am Kronleuchter erhängt 1, ein Kranker im Schnee zuin Sterben ausgesetzt 1, einem Manne ein Loch in den Kopf gebohrt 1, einem Manne bei lebendigem Leibe Nase und Ohren abgeschnitten und die Kopfhaut abgezogen 1. Weiter kommen vor: Ohrfeigen 26, Raub und Diebstahl 11, Leichen» schändung und Loichenraub 8, Selbstmorde 6, Menschenraub 2, Meineid 1, eine genau beschriebene Steinoperation 1. Heilung eines Rippenbruchcs durch Fußtritte 1. Humor und Satirr. DaS Zentrum als Verwand! ungSkün st ler. Als Aristokrat:«Die Heiligkeit der Person deS Monarchen, des von Gott gefetzten Lenkers unserer Geschicke; die Schlag» fcrtigkeit unseres Heeres, dem die Blüte unserer Nation angehört; die Aufrcchterhaltung der überlieferten Ordnung der Dinge, der Menschen und Stände gegen den zersehenden Geist usw. usw." AlS Volksmann:«Der solide Geist unseres Bürgertums, da? den Männerstolz vor KöuigSlhronen mit der Sorge um den ge- säbrdeten Mittelstand verbindet, der den Grundstock unserer Nation bilden muß; die Gleichberechtigung aller Staatsbürger im Staate; ihre berechtigte Forderung, daß alle Stellen allen zugänglich fein sollen, in Würdigung des Verdienstes und nicht des Namens— woran es namentlich die Besetzung der höhere» Stellen in der Armee mangeln läßt usw. usw." Als Bauernbündler:»Die Ausgaben in Heer und Marine Hamm sich in unsinniger Weife gesteigert. Das Heer trägt recht eigentlich die Schuld an der üblen Lage der Landwirtschaft, an der Laiidfluckit unserer Dienstboten, die wo wenn sie einmal während deS Militärdienstes die Freuden der Großstadt und von ihren Kameraden das verderbliche Gift der sozialistischen Theorien ge- schleckt Hamm, nicht mehr auf das Land zurück wollen, die Malefiz« saubuam usw. usw." Ucberhaupt:«Zum Schluß ersuche ich das p. t. Publikum, mir jede beliebige Rolle zu bezeichnen. Sie werden sehen, daß ick allen Wünschen gerecht werden kann." _(»Simplieissimu«'.) Notizen. . v-f* e L* t'** zur Liter aturkon den ti on. Die zweite Holland, sche Kan.mer nahm den Gesetzentwurf an. in dem der beitritt j?" Niederlande zur Berner Literarkouveiition erklart wird. Dw Rechte auslandlicher Autoren, deren Werke in das Holländische übersetzt wurden, sind nunmehr geschützt. veiter; so findet mnn in Berlin mehr polnische Namen als in Posen, auch in die Bergwerke und Fabriken des westlichen Teiles der Monarchie werden die Polen gedrängt, ein preußischer Negicnings- rat scheute sich nicht zu sagen, der Westen sei von Polen durchseucht sHört! hört! bei den Polen!) Das ist eine Unverschämtheit gegen das polnische Volk. sLebhafte Zustimmung bei den Polen.) Präsident Graf Schwerin: Flir diesen Ausdruck gegen einen Bel amteil rufe ich sie zur Ordnung. Abg. BrjeSki �fortfahrend): Die Löhne der Arbeiter sind nicht so gestiegen, wie die Fleischprcise und die Preise der sonstigen LebenS- mittel, der Konsum des Fleisches unter der Arbeiterbevölkerung ist daher zurückgegangen.(Sehr wahr! bei den Polen und den Sozial- demokrateu.) Bei der Beratung deS Vereinsgesetzes haben wir vor- ausgesagt, daß die polnischen Gewerkschaften als politische Vereine behandelt werden würden. DaS ist auch eingetroffen. Un- achörig ist auch, daß die Negierung und die Arbeitgeber die Arbeiter in die gelbe» Gewerkschaften zu zwingen suchen; die Arbeiter müssen Freiheit haben, sich zu organisieren, wie sie wollen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten und den Polen.) Ganz schlimm sind auch die Schikanen gegen unsere politischen Vereine, die Ehre Deutschlands erfordert es. daß mit dieser Schikanierungs» Politik gebrochen wird.(Lebhafter Beifall bei den Polen.) Abg. Ricsebcrg(wirtsch. Vg.) fordert die G i e ß e n e r Rationalliberalen auf, in der Stichwahl antisemitisch zu stimmen, beklagt die Lage des Mittelstandes, den Handelsvertrag mit Portugal und die Nichtzuziehung von Handwerksvertretern zum wirftchaftlichen Ausschuß, begrüßt dagegen die Berufung des Klempner« meisters Plate in das preußische Herrenhaus, die im ganzen deutschen Handiverk Freude, Jubel und Entzücken hervorgerufen habe.— Die Tarifverträge werden von der Sozialdemokratie parteipolitisch mißbraucht. Ich lebe nicht von Arbeitergroschen, sondern von meinem Geschäft.(Große Heiterkeit bei den Sozial demokraten.) Sie. Herr Fischer, haben sehr holprige Ge- dankcngänge in Ihrer Sonnabcndrede vorgebracht.(Vizepräsident S ch u l z: Bitte keine Zwiegespräche!> Ich muß mich doch schützen vor den Zwischenrufen.(Heiterkeit links.) Die Sozialdemokratie stellt nur agitatorische Anträge.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Den Blödsinn glauben Sie ja selbst nicht!— Vizepräsident Schulz bittet die Zwischenrufe zu unterlassen.) Redner verbreitet sich sodann über die Schädigungen, die ein Bäckermeister Lude durch die Sozialdemokratie erlitten haben soll. Die Sozialdemokraten sollten rot vor Scham werden!(Zuruf bei den Sozialdem.: Wir find ja schon rot! Große Heiterkeit.) Ueberschätzen Sie sich nicht. Herr Brey I(Abg. Brey: Die Ueberschätzung ist auf Ihrer Seite I Zu- stimmuna bei den Sozialdemokraten. Heiterkeit.)— Redner ver- breitet sich sodann über allerlei Mittelstandsfraaen. Man kann kann nicht gleichzeitig Konsnmvereias- und Mittelstandsfrcund sein.— Wenn man die Mißhandlungen der Arbeitswilligen sieht, dann kann man nicht mehr sagen, daß man in einem freiheitlichen Staatswesen lebt.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich habe furchtbar schwer unter dem Boykott gelitten.(Bedauernde Zurufe.) ES foll und muß etwas für das Handwerk geschehen.(Bravo I bei den Antisemiten.) Abg. Brnhn(6. k. Fraktion, Ant.(Die Linke verläßt den Saal. ES sind ungefähr nur je ein Dutzend Abgeordnete vom Zentrum und von der Rechten im Saales) verbreitet sich über Mittelstandspolitik und die Resolutionen. Hierauf verlagt das HanS die Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr.,_ Schluß 87« Uhr. )Zbgeorcinetenkaus. 47. Sitzung vom Montag, den 13. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch:v. TrottzuSolz. Die zweite Beratung des Kultns-Etats wird beim Elementar- Unterrichtswesen fortgesetzt. Zum Kapitel Turnlehrer-BildungSwesen beantragt die Kommission, die Regierung zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß bei Einführung einer Äermehrung von Turnstunden in Volksschulen die idealen Fächer, insbesondere Religion und Deutsch. nicht gekürzt werden. Abg. Tchcpp(Vp.) betont die Bedeutung des Turnunterrichts für die Heranbildung einer wehrfähigen Jugend. Zu Gunsten des Turnunterrichts(könnte am ehesten eine Stunde im Schreiben aus- fallen. Von dem Werte der Militärspielerei der Jugend sei man erfreulicherweise wieder zurückgekommen. Abg. v. Campe(natl.) erklärt unter Berufung auf die General- debatte, daß seine Freunde dem auf Antrag des Zentrums in der Komniisfiö» angenommenen Antrag nicht zustimmen könnten. Abg. Glattfelter(Z.) bittet um Annahine des Antrages der Kommission..„, In der Abstimmung wird der Antrag der Kommlsslon gegen die Stimmen der Freikonservativen, Nationalliberalen. Frei- sinnigen und Sozialdemolraten angenommen. Es folgt das Kapitel Schulaufsicht. Die Kommission beantragt, die Regierung zu ersuchen, in Er- wägung darüber einzutreten, wie auch bei vermehrter Einführung der Rektoren an Volksschulen der Einfluß der Kirche auf>die Schule sicher zu stellen ist;.. und ferner eine Petition um Uebertragung der geistlichen Schulaufsicht nur an Fachmänner im Hauptamt der Regierung als Material zu überweisen. Abg. Hoff(Bp.): Gegen diesen Vorstoß deS Zentrums mit Unterstützung der Konservativen auf weitergehende Klerikalisierung der Volksschule müssen wir entschieden protestieren. Wir stellen dem- gegenüber die Forderung auf völlige Beseitigung der geistigen OrlS- ichulinspektion und auf Ersetzung der nebenamtlichen Kreisschul- inspeltion durch die hauptamtliche. Hierbei muß ein beschleunigteres Tempo eingeschlagen werden als bisher.(Sehr richtig I links.) Als hauptamtliche Kreisschulinspektion sollten in erster Linie im Dienst der Volksschule erfahrene Männer berufen werden.(Bravo! links.) Die preußische Volksschule ist von vornherein als Staatsschule ge- dacht gewesen. Daher steht auch dem Staate allein das Aufsichts- recht zu. Gegen die Schulanssicht durch Geistliche spricht schon das Bestehen des Aiitimodernistcneides.(Sehr richtig l links.) Möge die Regierung die Konsequenz aus der durch dreien Eid geschaffenen Situation ziehen.(Bravo I links�) Die Konservativen mochte ich an das Wort erinnern:»Wer von Rom frißt, stirbt daran."(Lachen rechts.) Sie haben ja hier auf Grund des Dreiklassenwahlrechls die Mehrheit, aber die Meinung deS Volkes wird nicht zum Ausdruck kommen, wenn der Antrag der Mehrheit der Budgetkommission hier angenommen wird.(Bravo I links.) Abg. Dittrich(Z.): Wir halten an der geistlichen Schulaufsicht fest. DaS Recht der Kirche auf die Schule ist historisch begründet. es wurzelt in der Pflicht der Kirche zur religiösen Unterweisung und Erziehung der Jugend.(Bravo I im Zentrum.) Daß ein friedliches Nebeneinanderarbeiten von geistlichen OrtSschulinspektoren und Rektoren möglich ist, beweisen die Verhältnisse in Aachen und Tner. Der Geistliche muß sich davon überzeugen, ob der rechte religiöie christliche Geist den gesamten Schulunterricht durchweht und ob nicht andere Lehrer das niederreißen, was der Religionsunterricht muhiam geschaffen hat. Wir verlangen nicht eine Klerikalisierung der Schule (Lachen links), aber wir verlangen für die Kirche auf dem Gebiete der Schule den ihr gebührenden Platz an der Sonne.(Bravo l»m Zentrum.) Abg. v. Campe(natl.): Wir wünschen, daß im Jntereffe der Schule niit der hauptamtlichen KreiSsckulinspektion voller Ernst ge- macht werde und zwar im rascheren Tempo als bisher.� Die Konservativen sollten sich in dieser Frage dem Strom der Zeit nicht ent- gegensetzcn, er geht doch über s,e hinweg. Den Antrag der Kam- Mission lehnen wir ab, denn wir können eine Gefahr für die religiös- sittliche Erziehung in unseren Volksschulen nicht anerkennen. Von einem Recht der Kirche auf die Schule ganz allgemein können wir nicht anerkennen, das würde in der Tat eine Klerikalisierung der Schule bedeuten t(Bravo! bei den Nationalliberalen.)< 1_ Abg. Graf Clairon d'Haussonville(k.): Eine Klerikalisierung der Schule wollen wir nicht, aber wir wünschen, daß auch bei der Aus- brcitmig des Rektorentums die Kirche aus dem Organismus der Schule nicht ganz herausgenommen wird. Kirche und Schule müssen Hand in Hand gehen zum Heile der Jugend deS Volkes. Dem Urteil des Volkes, auf das uns Herr Hoff verwies, sehen wir un- beirrt entgegen, für uns handelt eS sich hier um ein heiliges Prinzip. (Bravo I rechts.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fk.) erklärt, daß seine Freunde gegen den ersten Antrag der Kommission stimmen würden. Abg. Schwarzen der Schule gelehrt werden, der Genehmigung bedürfen. DaS Reichs- gericht hat doch wohl nicht alle tatsächlichen Umstände, d»e hier u: Frage kommen, in Bettacht gezogen und brauchte daS wohl auch bei dem zur Entscheidung stehenden konkreten Falle nicht. Das Reichs- geeicht hat außer acht gelassen, daß von den schulent- lassenen Jugendlichen der größte Teil in den Städten verpflichtet ist, eine Fortbildungsschule zu be- suchen. Für diese gilt ganz dasselbe, was das Reichsgericht bezüglich der höheren Schulen gesagt hat.(Abg. Liebknecht: Aber nicht bis zum 21. Jahr l) Ich kenne also daS Reichsgerichts- urleil und seine Tragweite sehr wohl. ES ist auch nicht richtig, daß die Schulbehörden init Vorbedacht gegen dies Erkenntnis gehandelt haben. Die 80 Jahre hindurch bestandene Praxis der Schul- Verwaltung konnte aber unmöglich sofort umgeändert werden, die Schulbehörden mußten sich nach Bekanntwerden des Urteils erst auf die neuen Gesichtspunkte einstellen. Ich habe eine allgemeiue Anweisung herausgegeben, um die Praxis der Behörden in Einklang zu bringen mit dem Reichsgerichts- erkenntniS. Die Fälle in Oberschlesien haben vor Bekanntwerden der Entscheidung gespielt.(Abg. Liebknecht, der wiederholt Zwischen- rufe macht, wird vom Präsidenten zur Ordnung gerufen.) Uebrigens handelte eS sich dabei nicht um harmlosen Gesanguntcrricht, sondern, wie aus dem Text der Lieder hervorgeht, um politische Bestrebungen. Wir wollen die Politik aus dem Unterricht fernhalten, vor allem die sozialdemokrauschen Tendenzen. Ich hoffe, daß dieses Haus die Schulverwoitung in diesem Bestreben unterstützen wird.(Lebhafter Beifall rechts.) Präsident v. Kröcher schlägt vor, eine Abendsitzung abzuhalten. Abg. Hirsch(Soz.): Ich erhebe Widerspruch gegen diesen Vorschlag. Nicht etwa mit Rücksicht auf uns selbst, aber mit Rücksicht auf die Beamten und Diener des Hauses und die Presse, an die durch die fortgesetzten Tagungen ganz unerhörte Anforderungen gestellt werden. Außer- dem haben wir eS erst neulich erlebt, daß von den Herren der Rechten, die eine Abendsitzung beschlossen hatten, am Abend selbst fast niemand erschien.(Hört I hört l) Es müßte dann mindestens am Anfang der Abendsitzung durch Namensaufruf festgestellt werden, ob die Herren, die die Sitzung beschlossen haben, auch da sind. (Heiterkeit und Sehr gut! linkS.) Die Abendsitzung wird hierauf abgelehnt. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird die Resolution der Kommission gegen die Stimmen der Freikonservativen und der Linken angenommen. Abg. Liebknecht(Soz.)(persönlich): Der Kultusminister hat behauptet, ich hätte daS Reichsgerichts- urteil falsch zitiert. Demgegenüber stelle ich fest, daß ich wörtlich daS ReichsgerichtSerkenntniS vorgelesen habe. Weiter habe ich nicht gesagt, daß daS Fortbildungswesen über- Haupt der Schulaussicht entzogen sei, sondern betont, daß innerhalb der Fortbildungsschulen in den betreffenden Gegenständen nicht Unterricht erteilt werde und daß sich der FortbildungSunterricht höchstens bis zum 18.. nie ober bis zum 21. Jahre er- st r e ck t. Durch den Schluß der Debatte ist es mir leider un- möglich gemacht, ausführlich nachzuweisen, daß der Minister in vollem Umfange besten schuldig ist, wessen ich ihn bezichtigt habe. Die Weilerberatung wird auf Dienstag Ist Uhr vertagt. Schluß S Uhr. parlamcntarifcbcö� Aus der Budgetkommission des Reichstages. f Am Montag beendete die Budgetkommission die Beratung über / den Etat des Reich Samts des Innern bis auf einige Peti- tionen und die Kalioeldcrfrage. Es wurde eine bessere Ausgestal- jung der amtlichen Nachrichten für Handel und Industrie gefordert, die vor allem viel aktueller werden müßten. Lebhafte Beschwerde wurde auch an der Verzögerung der statistischen Arbeiten tzeübt. Unterstaatsfekretär Richter gab die Berechtigung der Kritik zu. Eine lebhaste Debatte zeitigte die Forderung der Bekämpfung der ReblauSkrankheit, an die sich die Forderung schloß, das Reich solle auch mehr Mittel zur Bekämpfung der Maul- und Klauen- ieuche aufwenden. Für diesen Ziveck verlangte«in freisinniger Antrag erst Sll lXXI M. und dann 30 000 M.; der Antrag wurde aber aus etatsrechtlichen und finanziellen Gründen bekämpft. Dagegen wurde ein Antrag Arendt angenommen, das Reich möge in Zutun st Mittel zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche in den Etat einstellen. Für den Bau von Kleinwohnungen wurden rund 2 Millionen Mark im Etat angefordert. Die Sozialdemokraten forderten die Einstellung von 4 Millionen. Staatssekretär Mermuth bekämpfte den Antrag; für solche Zwecke ständen keine wei- leren 2 Millionen zur Verfügung. Der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt, trotzdem alle bürgerlichen Parteien im Vorjahre erklärt haben, sie seien bereit, für den Bau von Kleimvohnungen größere Mittel zu bewilligen. Em der parteL Parteiliteratur. Soeben erschien im Berlage d«„58 0 Iis stimme" zu Frankfurt a. M.: Soziale Kämpfe in Frankfurt a. M. vom Mittelalter bis an die Schwelle der großen Revolution von Max Quarck. Preis 40 Psciinig. ..Dieses Schrifichen will, wie der Verfasser im Vorwort sagt, ein gc'chichtliches �esebuch für alt und jung sein. ES führt in das soziale Werden urch Kämpfen einer mittelalterlichen Stadt ein, in � 1 ber Städteentwickelung verkörperte, die der ersten Periode der deutschen Geschichte eigentümlich ist. An einem hervorragenden Muster dieser EntWickelung lernt der Leser das Spiel der gesellschaftlichen Kräfte kennen, die das ganze deutsche Mittelalter beherrschen. Den Inhalt der Schrift kennzeichnen folgende Kapiteluberschristen: 1. Die Entstehung der Stadt; 2. Die sozialen Klassen des mittelalterlichen Frankfurt. 3. Die Mittelalter- liche Stadtverfasiung. 4. Die erste Handwerker-Rebellion. b. Die gewerbliche EntWickelung„ach dem Ausstand. 6. Die Älassengegen- sähe der Reformationszeit. 7. Die Erdrosselung der Industrie- ansänge. 8. Der izettmilchausstand. 9. Die HerrschaftSansänge des Zwischenhandels. 10. Die kleinbürgerliche Revolution. 11. Frank- furt an der Schwelle der großen Revolution. Die Ausstattung ist geschmackvoll. Im selben Verlage ist die 2. Au flage der wegen anaeb- lichcr Majestätsbeleidigung konfisziert gewesenen Broschüre herausgekommen: Hie Fleischwucher.' Hie Gottesanabentum! von Herm. Wen- bei. Preis 10 Pfennige. Im Geleitwort sagt der Verfasser: Habent sua fata libelli! Zu deutsch: auch Broschüren haben in Preußen ihre Schicksale. DaS Schicksal der vorliegenden Schrift war in das Räderwerk der preußischen Justiz hineinzugeraten, ohne darin zerquetscht zu werden. Die Sammlung nicht unintercffan- ter Dokumente, die in dieser zweiten Ausgabe dem Text voran- gestellt ist, g'bt darüber hinreichenden Aufschluß. Das ganze Trum und Dran der Hetze und der Justizaktion gegen..Hie Fleischwucker! Hie Gottesgnadentum I kann nur ge- e.anet sein, dem Ruf in den Rede und Broschüre ausklingt:„Es lebe die deutsche Republik!" ein« bessere Akustik zu verschaffen, wie «u«b dem Schriftchen selbst eine Verbreitung, deren Ziffer die 25 000 abgesetzten Exemplar: der ersten Auflage wohl noch übertreffen wird. Darum möchte ich die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen. den Herren, die sich in sehr selbstloser Weise um diesen doppelten Erfolg gemüht haben, an dieser Stelle meinen so ausrichtigen wie tiefgefühlten Dank abzustattei,: nämlich: meinem konservativen Gegenkandidaten im 0. sächsischen Reichstagswahltreis. Land- gerichtsrat Dr. Wagner, dem Reichstags- und Landtagsabgeord- n«ten Dr. v. Heydebrand und der Läse und Nicht zuletzt wm Herrn Oberstaatsanwalt in Frankfurt a. M. Ein neues Heim der Bremer Arbeiterbewegung. Am Sonnabend ist unser Breiner Parteiblatt, die Bremer „Bürgerzeitung" in das neue Partciheim übergesiedelt, das sich die Bremer Sozialdemokratie in der Straße Am Geeren 0/8 erbaut hat. Das neue Haus steht auf eigenem Grundstück, hat Vorder-, Mittel- und Hinterbau, die sämtlich Erdgeschoß und drei Oberge- schösse umfassen. In diesen großen, sreunMichcn Räumen sind die Zeitung, die Druckerei, die Buchhandlung, das Parteisekretariat, die Bureaus verschiedener Organisationen, auch das der Jungen Garde untergebracht. Ein Versammlungssaal faßt 400 Personen, außerdem enthalten die Gebäude mehrere Wohnungen. Die neuen großen Räume entsprechen dem Wachstum der Bremer Arbeiterbewegung, der es in der alten allmählich zu eng geworden war. Die Bremer„Bürgerzeitung" hat sich kräftig ent- wickelt— in der neuen Druckerei sind zwei Zwillingsrotations- Maschinen für den ZettungSdruck tätig, in den Setzersaal hat die Setzmaschine Eingang gefunden. Mögen die Bremer Arbeiterbewegung und ihr Kampfblatt im neuen Heim stetigen Fortschritt und neue Siege zu buchen haben. Ein Ausschluß. Der Unterstützungsverein der Parteiangestellten Oesterreichs „Die Gewerkschaft" hat aus seiner Generalversammlung vom 11. Mörz zu Wien den Beschluß des Vorstands bestätigt, wonach der Landtagsabgeordncte V an ek- Brünn, Mitglied der tschechischen Sozialdemokratie, aus dem Verein wegen unehrenhafter Handlung ausgeschlossen wurde. Die unehrenhafte Handlung wurde darin erblickt, daß Banek gegen zentralistisch gesinnte Arbeiter die Polizei herbeirief. Seine Mitgliedsbeiträge werden ihm voll zurückerstattet._ Aus dem Klassenkampf in Italien. Rom, 9. März.(Eig. Ber.) Genosse B r a g a ist als Redak- teur des Parteiblattes von E m p o I i(Toskana) zu 10 Monaten Gefängnis und 600 Lire Strafe verurteilt worden wegen Be- lcidigung des Heeres. Als beleidigend sind die Bemerkungen über das Verhalten der Karabinieri bei dem Blutbad von Bari ange- sehen worden. Vor dem Gericht von R a v e n n a sind am 8. d. M. 112 s o z i a- I i st i s ch e Frauen, die aus ein Feld gedrungen waren, um Streikbrecher an der Arbeit zu verhindern, wegen Vergehens gegen die Freiheit der Arbeit verurteilt worden. Gegen die volljährigen Angeklagten wurde auf 6 M o n a t e, gegen die minderjährigen auf 5 Monate Gefängnis erkannt. Nur für die minder- jährigen wurde die bedingte Verurteilung verfügt. Unwillkürlich fällt einem ein, daß gerade dieser Tage eine Prinzessin in F lo- re nz, die ihre Schneiderin um 900 Lire betrogen hatte, von einem Florentiner Gericht auch zu 0 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, wobei aber bis Richter die Dame der bedingten Verurteilung wert hielten._ Jugendbewegung. Noch eine Auflösung. Der polizeiliche ,.VernickstungS"kampf gegen die freie Jugend� bewcgung greift immer Wetter um sich. Nach Berlin, Köln. Essen folgt nun Frankfurt a. M. Der dortige Polizeipräsident ist den Wünschen von Berlin nachgekommen und hat dem früheren Vorsitzenden der Frankfurter Jugendorganisation folgendes Schreiben gesandt: Der Kgl. Polizeipräsident. Frankfurt(Main), den 10. März 1911. Die hiesige Freie Jugendorganisation ist im Hinblick auf ihre Ziele und den engen Zusammenhang mit der sozialdemokratischen Partei als politischer Verein im Sinne des§ 3 des ReichSvereinSgesetzcs vom 19. 4. 1903 anzusehen. Die Bestrebungen bei der Organisation! und Leitung dieses Vereins bezwecken in der Hauptsache, auf jugendliche Mitglieder unter 18 Jahren politisch einzuwirken. Die Organisation verstößt somit gegen die Bestimmungen der ßß 17 und 18 des Reichsvereinsgesetzes, wonach Personen unter 18 Jahren nicht Mitglieder von politischen Vereinen sein dürfen und Zuwiderhandlungen strafbar sind. Der Verein wird deshalb, da er einem Strafgesetz zuwider- läuft, gemäß§ 2 des ReichsvereinSgesctzeS hiermit aufgelöst. gez. Scherenberg. Der Frankftirjer Polizeipräsident kommt mit seffiem„Auf- losuiigS'dekret leidekr reichlich spät. Es geht ihm wie seinem Kölner Kollegen, der ja auch eine Jugendorganisation aufgelöst hat, die gar nicht bestand. Die Frankfurter freie Jugendorganisation tat sich vor kurzem selbst aufgelöst, es besrebt kein Verein mehr. Die Zahl der Abonnenten der„Arbeiter-Jugeno" vermehrt sich aber täglich, und der UkaS des Polizeipräsidenten wird sicherlich reiche Früchte tragen. Die Jugend bewegung wird stärker und stärker werden. Und darum könnte man dem preußischen Polizeiininister für seine Fürsorge um die Arbeiterjugend nur dankbar sein. ?Zug Industrie und f)andel. Die Großbanken. In der nachfolgenden Tabelle sind die Großbanken der Höhe ihres AktenkapitalS nach zusammengestellt, wie sie� eS Ende 1910 besaßen. Zugleich sind die entsprechenden wenig veränderten Zahlen für 1909 angegeben. Wichtig zur Beurteilung der Bank ist weiter der Reservefonds und der Umsatz. Aktienkapital Reserven Umsatz 19l0 1000 1910 1909 1910 1909 Millionen M. Millionen M. Milliarden M. Deutsche Bank.. 200 200 106 104 112 102 Dresdner Bank. 200 180 02 52 84 70 Diskontogesellschaft 170 170 00 58 53 47 Dannstädter Banh 160 154 32»l'/z?? Schaaffhausen.. 145 145 84 34 19 15 Berliner Handels- gesellschaft.. 110 110 34'/a 24'/, 15 14 Kommerzbank.. 85 85 13 13 23 25 Nationalbank.. 80 80 14 13 19 15 Mitteldeutsche Kreditbank.. 54 54 8 8 9 8 Von den einzelnen Banken werden im laufenden Jahre ihr Aktienkapital noch erhöhen die Diskontogesellschaft un, 80 Millionen Mark, die Nationalbank um 10 Millionen Mark und die Mitteldeutsche Kreditbank um 0 Millionen Mark. Nicht ausgeschlossen ist, daß auch bei der Darmstädter Bank noch eine Erhöhung im Laufe de» Jahres 1911 erfolgen wird. Die neun Großbanken haben zusammen ein Aktienkapital von 1250 Millionen Mark und werden mit de» Reserven zusammen weit über l'/z Milliarden Mark direkt zu ihrer Verfügung haben. Die Summe der in ihnen arbeitenden Gelder dagegen wird sich auf fast 5 Milliarden Mark belaufen. Im Umsatz zeigt sich ein gewaltiger Unterschied zwischen den verschiedenen Bankeil. Ins- gesamt sind 330 Milliarden Mark bei ihnen umgesetzt worden, nicht viel weniger als bei dem deutsche» Zentralnoteninstitut, dem die Regelung der ganzen deutschen Geldwirtschost obliegt. Vergleicht man nun die einzelnen Banken nach ihrem Ergebnis in den letzte» beiden Jahren miteinander, so erhält man dir folgende Tabelle: Rohgewinn Reingewinn Dividende Proz. (in Millionen Mark) 1910 1900 igio 1909 1910 im Deutsche Bank.. 63,9 69,3 32.5 82,3 12'/, 12'/, Dresdner Bank. 89.2 34,2 26.1 22,1 8'/, S'/ä DiSkontogesellsch.. 35,2 34,6 23,6 23,8 10 9'/, Darmstädter Bank 23.0 22,2 11, l io,7 6'/, 6'/, Schaaffhausen.. 19,9 19,5 14,9 14,8 7'/. 7'/, Handelsgesellschaft 16,4 16,9 13,2 13,9 9 9 Commerzbank.. 12,0 12,0 0,2 6,1 6 S Nationalbank.. 12,4 11,5 8,0 7.8 7 0'/, Mitteldeutsche.. 8,0 7,0 4,5 4,0 6,5 0,6 Danach haben alle Banken, die eine Kapitalserhöhung vor» genoiiinien haben, im letzten Jahre auch ihre Dividende erhöht. Der Rohgewinn der neun Banken ist von rund 217 Millionen Mark auf 229 Millionen Mark gestiegen, der Reingewinn stieg von 135� Millionen Mark aus 139'/z Millionen Mark. Das ist ein Teil deS KapitalprvfitS, den die schaffende Arbeit für die Nichtstuer auf- bringen muß, denn soweit die Erträge an Dividenden und Zinsen verbraucht werden, steht ihnen keinerlei Leistung der Empsäliger gegenüber.__ Hapag-Dividende. Die Hamburg-Amerika-Linie, wie wohl noch in Erinnerung bei der letzten Regelung der Arbeitsverhältnisse auf den Werften sich am meisten gegen eine geringsiigige Verbesserung wehrle, schüttet für das letzte Jahr 8 Proz. Dividende auS, 2 Proz. mehr als im Vorjahre. Der Betriebsgewinn ist von 33 Millionen Mark auf 39,9 Millionen Mark gestiegen. Von dem Ueberschuß werden 2P/3 Millionen Mark zu Abschreibungen verwendet. Die Gesellschaft hätie eine viel höhere Dividende zur Verteilung bringen können. Man unterläßt es, um die„Begehrlichkeit" der Arbeiter nicht an- zuregen._ Riesenprofite i» der chemischen Industrie. Die Höchster Farbwerke haben ein Zirkular an die Apotheken herausgegeben, wonach daS neue Heilmittel Dioxydiamidoarscnobenzol (Ehrlich-Hata 600) jetzt unter dem Namen„Salvarsan" in Gläschen zur Versendung kommt, die 00 Zentigramm enthalten und 7 Fr. 50 Ctm. für Apotheker, 12 Fr. 50 Ctni. im Wiederverkauf kosten sollen. DaS bedeutet pro Kilogramm 12 500 Fr. für Apotheken und 20 833 Fr. für den Wiederverkauf. Die Erzeugungskosten werden aber von den Chemikern auf 4,50 Fr. pro Kilo berechnet. Der Welt- Marktpreis des Benzols ist 1 Fr. pro Kilogramm, arsenige Säure kostet etwa 1,00 Fr. pro Kilogramm. Also Ausgaben noch nicht 5 Fr. und Einnahmen 12 500 Fr. pro Kilogramm. DaS ist ein Geschäft. Die Arbeiter aber haben kaum 35 Pf. pro Stunde. Lage des deutschen Arbeitsmarktes. Obwohl die Bautätigkeit im Februar mehr als im Vorjahre von der Witterung begünstigt wurde, so hat sich doch die Erleichte- rung am gewerblichen Arbeitsmarkt gegenüber dem Vorjahre im Februar nicht mehr in dem gleichen Grade erhalten lönnen wie im Januar. Bei de» an den„Arbeitsmarkt" be- richtenden öffentlichen Arbeitsnachweisen kamen im Durchschnitt auf je 100 offene Stellen im Februar d. I. 129,9 Arbeitsuchende gegen 142,3 im Februar vorigen Jahres. Die Erleichterung beträgt 12,4. tm Januar hatte sie dagegen 15,4 betragen, und so ist auch die paiiming gegenüber den Hochkonjunkturjahren 1900 und 1907, die sich schon kräftig zu vermindern schien, wieder größer geworden. Be- wirkt wurde die keineswegs bedenkliche Ermattung dadurch, daß die Zunahme der Nachfrage gegenüber dem Borjahre längst nicht so kräftig war wie im Januar. Ging die Zahl der offenen Stellen, nach der auf die ArbeitSgelegenheil zu schließen ist, im Januar noch um 27>/z Proz. über die voriährige hinaus, so wieS sie im Februar nur eine Zunahme von knapp 17 Proz. auf. Wenn nicht zugleich auch die Zunahme des Angebotes nachgelaffen hätte, so würde die Besserung noch mehr geschwunden sein. Am ArbeitSmarlt für Männliche und an dem für Weibliche war die Entwicklung ziemlich gleich- artig; bei beiden wurde die Abnahme deS Andranges im Vergleich zun, Lorjahre etwas geringer. Nach den eingegangenen Berichten zu urteilen, hat sich vornehmlich in den Provinzen Schlesien. West» falen und Hessen-Nassau, im Rheinland, in, Königreich Sachsen so» wie in Baden-Württeiilberg eine kräftige Besserung gegenüber dem Vorjahre erhalten; in Brandcnburg-Poinmern dagegen, in Sachsen» Thüringen nnd in Bayern ist die Erleichterung nicht mehr sehr groß und in den Ostprovinzen geht der Andrang sogar ein wenig über den vom Vorjahre hinaus. Versammlungen. Tabakarbeiterverbanb. In der Mitgliederversammlung am Freitag erstattete der zweite Bevollmächtigte Schulze den Jahres- bericht für 1910. Die Kassenabrechnung zeigt in Einnahme und Aus- gäbe die Summe von 13 49V M. Der Bestand am Jahresschluß betrug 1477 M. Für die verschiedenen Uiiterstützungszweige wurden 7142,18 M. ausgegeben. Davon kommen auf Arbeitslosenuntcr- stützung 3292 M., auf Krankenunterstützung 3193 M. Die Mit« gliederzahl betrug am Anfang des Jahres 909, am Schluß des Jahres war sie auf 808 zurückgegangen. Die Fluktuation war außerordentlich groß. Zwar sind im Laufe des JahreS über 600 Mitglieder eingetreten, aber 585 traten wieder aus, oder vielmehr, sie mußten meistenteils gestrichen werden, weil sie mit dem Beitrag im Rückstände blieben. Daß dies in so unverhältnismäßig großer Zahl geschah, ist em Deweis für die ungemein schlechte Lage der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen. Die Betreffenden waren eben beim besten Willen nicht in der Lage, ihren finanziellen Pflichten dem Verbände gegenüber nachzukommen. So weit ist die Lebens- läge der Tabakarbeiter herabgedrückt durch die Erhöhung der Tabak- steuer in Verbindung mit den sonstigen Lasten, welche die so« genannte Neichsfinanzreform den Arbeitern auferlegt. Die großen Fabrikanten haben ihre Betriebe nach außerhalb verlegt, und die am Orte verbliebenen Kleinfabrikanten drücken die Löhne in der unglaublichsten Weise. Die Summen, welche der Verband an Kranken- und Arbeitslosenunterstützung ausgab, haben eine Höhe erreicht wie nie zuvor. Würden nicht die kranken und arbeitslosen Mitglieder die Unterstützung deS Verbandes gehabt haben, so wäre das ohnehin schon große Elend der Tabakarbeiter noch entsetzlicher gewesen. So hat also die durch die Finanspolitik des Reiches ver« schuldete überaus schlechte Lage im Tabakgewerbe auch auf die Ver- Hältnisse des Verbandes ungünstig eingewirkt. Der größte Tiefstand ist im zweiten Quartal 1910 erreicht worden. Von da an beginnen sich die Verhältnisse ein wenig zu bessern und die Zahl der Mit- glieder langsam zu steigen. Ob der beginnende Ausstieg anhalten wird, läßt sich noch nicht sagen. Es hängt eben alles davon ad, ob sich die allgemeine Konjunktur bessert. Nachdem die Versammlung den Bericht entgegengenommen hatte, vollzog sie die Neuwahl der Ortsverwaltung mit folgendem Ergebnis: 1. Bevollmächtigter Walter, 2. Bevollmächtigter S ch u l z e, 8. Bevollmächtigter K r u m n o w, Kontrolleure M e n z, Börner, Marie Ostinde, Ratajczak. Als HilfSiassierer wurde S p i e l v o g e l bis auf weiteres bestätigt. Tie Versammlung beschloß nach längerer Diskussion, eine AgitationSkommission einzusetzen. In diese wurden gewählt für die Zigarrcnbranche Matschke, Grünbeck, Nachirei, Tietze, Hassenpflug, Lewack, Werner. Für die Zigaretten« brauche Minut, Lange, Hermann. Em der Frauenbewegung. Ein internationaler Frauentag. Auf der Fraueiikonferenz in Kopenhagen beantragte Genossin Zetkin, nach Möglichkeit in allen Ländern alljährlich sogenannte Frauentage zu veranstalten. Dadurch sollte die Agitation für das Frauenwahlrecht als allgemeine proletarische Forderung mehr in den Vordergrund gerückt werden. Genossin Linchcn Baumann beantragte dann auf dem deutschen Partei- tage, in Deutschland Frauentage abzuhalten. Dem ent- sprechenden Beschlüsse des Parteitages gemäß ist für den ersten Frauentag der 19. März 1911 bestimmt worden. Die Genossinnen in Oesterreich-Ungarn beschlossen daraufhin, ebenfalls am 19. März für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren. In ähnlicher Weise am gleichen Tage mit dem gleichen Ziele rauentage abzuhalten haben nunmehr auch die Genossinnen in der Schweiz und in Dänemark beschlossen. Damit wird die Forderung der Fvauftt sicherlich an Wucht und Bedeutung gewinnen! Versinnmlungen— Veranstaltungen. ArLnail-BohnSdorf. Miltwoch, den 16. Mnrz, S1/« Uhr, Im Lokale von Ehrhardt(Jägerhaus). Bahnhofstr. 1: Oeffentliche Ber« sammlung. Vortrag. Schriftsteller Kurt Heinig:„Frauen und Politik". Lcrcill für Frauc» und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 16. März, SVg Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Vortrag:„Mutter und Kind, ihre Rechte und ihre Pflichten". Referent: Dr. OSIar Cohn. Gäste willkommen. Hub aller Melt. 6tn Kulturbüd aus Ungarn. Aus Sztropko im Zempliner Komitat wird dem Budapester Blatte„As Est" von einem Mitarbeiter geschrieben: Herr Thomas M a l o n y a y, Oberstuhlrichter des Sztropkoer Bezirkes, erhielt am 27. Februar mit der Frühpost einen Brief aus der KomitatS- Hauptstadt; darin teilte ihm sein Schwager, der Chef der Komitatsverwaltung, Vizegespan Julius Dokus, freundschaftlichst mit, dah sich der Szttopkoer Buchdrucker Samuel Anzelm be- schwert habe, der Oberstuhlrichter hatte die seit zwei Jahren gelieferten Amtsdrucksorten trotz wiederholter Mah- nungen und Bitten nicht bezahlt. Da nun der Herr Oberstuhlrichter— so hieß es in dem Schreiben des Vizegespans und Schwagers weiter— daS Kanzleipauschale stets pünktlich behoben habe, so bleibe nichts anderes übrig, als daß er dem Juden die geforderten 84.Kronen 60 Heller zukommen lasse. Dieser freundschaftlichen Aufforderung gehorchend, beschied Herr Malonhay den Buchdrucker sofort zu sich und zählte ihm das Geld auf den Tisch; aber kaum hatte der Kleinbürger das Geld ein- gesteckt, so sprang der Oberftuhlrichter mit den Worten:„Jetzt werde ich Dir zeigen, wie ein Herr zahlt!" auf ihn zu, um- krallte mit der linken Hand seinen Hals und hieb mit der rechten Faust wütend auf den Kopf seines Opfers los, bis es dem Mißhandelten mit schwerer Mühe gelang, sich loszureißen und aus dem Zimmer zu flüchten.— Am selben Abend fand im Hotel„zur Krone" in Sztropko eine Tanzunter- Haltung der gewerblichen Jugend statt. Der Tanzsaal befindet sich im ersten Stockwerk, am anderen Ende des Korridors des Kasinos. Dorthin begab sich abends der Oberstuhlrichter Malonhay. Vor der offenen Tür des Tanzsaales stand der Kljährige HauS- k n e ch t Andreas Tovarnyenszki und sah dem Tanze zu. DaS mißfiel dem Oberstuhlrichter; er packte den Tovarnyenszki beim Kragen und schleuderte ihn mit dem Rufe:„Was suchst Du hier, Du HundskerlI" die Treppe hinunter. Der alte Mann blieb am Fuße der Treppe regungslos liegen, bis man ihn in das benachbarte Badegebäude trug. Dort bettete man hin und überließ ihn bis zum nächsten Morgen seinem Schicksal. Der Oberstuhlrichter hatte sich keinen Augenblick weiter um das Opfer seiner Brutalität gekümmert, sondern war zum Kartenspiel ins Kasino geestt. Am nächsten Tage sah der Badeigentümer Szalek nach dem unglücklichen Tovarnyenszki, mit dem es sehr übel aussah. Gegen Mittag kam der Kreisarzt, kon- statierte an Tovarnyenszki schwere innere Verletzungen und ber fügte dessen Ueberführung zur nächsten, zweiundfünfzig Kilometer entfernten Eisenbahnstation, damit man ihn in einem Spital unterbringe. Aber als der Bauernwagen im dritten Torfe ange- kommen war, hatte Andreas Tovarnyenszki ausgelitten; der Tote wurde nach Sztropko zurückgebracht und der Kreisarzt„konstatierte" als unmittelbare Todesursache— Altersschwäche! Obwohl fünf Sztropkoer Einwohner: Johann Krajnik, Stephan Hezko, Johann Csurilla, Michael Fischer und Lazar Goldmann, Zeugen der mörderischen BrutaNtät des Oberstuhlrichters waren. Ter Berichterstatter des„Az Est" begab sich hierauf nach Satoralja- Ujhely zum Obergespan des Zempliner Kvmitats Julius Metzner, um ihn seine Sztropkoer Wahrnehmungen mitzuteilen und des Herrn Obergcspans Meinung darüber zu vernehmen. Der Oder- gespan erzählte, ein gewisser Tkacs aus Sztropko habe ihm die Tötung des Tovarnyenszki telegraphisch gemeldet, aber der Mann werde wegen Verleumdung geklagt werden, denn die Meldung des Oberstuhlrichters besage, daß Tovarnyenszki in betrunkenem Zu- stand die Treppe hinuntergestürzt sei. Auf weitere Fragen erklärte der Obergespan unter anderem:„Es ist manchmal ganz gut, wenn der Oberstuhlrichter eine Sache mit etlichen Ohrfeigen erledigt."— Solchem Verbrecher- gcsindel ist Ungarns Bevölkerung in den Komitaten auf Gnade und Ungnade preisgegeben._ Teilweiser Einsturz des Vesuvs. Arn Sonntagnachmittag erfolgte am Krater des Vesuvs ein großer Einsturz. Das Gestein stürzte in einer Länge von 300 Meter 80 Meter tief ab. Das Ereignis war von einer Erderschütterung begleitet und rief donnerähnliches Getöse hervor. Der obere Bahnhof der Drahtseilbahn und das FührerhauS wurden beschädigt, die Bahn mußte den Betrieb einstellen. Im Augenblick des Einsturzes war eine Gesellschaft von 20 Fremden mit ihren Führern im Begriff, den Krater zu ersteigen. Ob- wohl der Erdrutsch sich unmittelbar vor ihnen vollzog, kamen sie mit dem bloßen Schrecken davon. Dem großen Sturz folgten noch eine Anzahl kleinerer Gesteinsstürze. Infolge des Ereignisses er- scheint der Krater niedriger, der Besuch macht den Eindruck, als wäre sein Haupt abgeschlagen. Tie Waisen von Messtna. Wie uns aus Rom gemeldet wird, wurde in Palm! am 8. März ein junges Mädchen verhastet, das mit einem sechs- jährigen Kinde bettelte. DaS Kind, das furchtbar elend aussah, erregte die Aufmerksamkeit eines Präfektur- und eines Polizeibeamten, die von ihm angebettelt wurden. Die Herren nahmen das Kind beiseite und erstchren von ihm, daß eS bei einer' stemden Frau wohnte, die es und seinen Bruder zum Vetteln an- hielt. ES handelte sich um zwei Kinder, die am 28. Dezember 1908 ihre beiden Eltern unter den Trümmern von Messina verloren und dann von einer Frau aufgenommen wurden, die sie zum Betteln auSsandte, fie hungern ließ und täglich 1 Lire von jedem forderte. Di« Frau ist verhastet worden. Da die Kinder S und 8 Jahre alt sind, zu identifizieren._ dürfte es nicht schwer sein, fie Kleine Notizen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern auf der Chaussee zwischen Viersen und Dülken. Das Automobil des Direktors der Viersener Aktienspinnerei rannte in voller Geschwindigkeit gegen einen Baum. Dem Führer des Wagens wurde der Brustkorb eingedrückt, der Direktor wurde auS dem Wagen geschlendert und erlitt ebenfalls schwere innere und äußere Ber« letzungen. Grubenunglück. Auf dem Vitztum- Schacht bei Eis leben wurden durch einen zu früh losgegangenen Dynamitschub ein S teigejr und zwei Bergleute getötet. Untergang eines griechischen Segler?. An der Küste von Sizilien ist während eines Sturmes ein griechisches Segelschiff untergegangen. Vier Mann der Besatzung und ein Passagier sind ums Leben gekommen. Rache genommen. Wie aus Saloniki gemeldet wird, hat ein Soldat aus der Wachtmannschast der Villa, in der Abdul Hamid untergebracht ist, den Leutnant Osman Efsendi er» schössen. Die blutige Tat geschah, weil der Leutnant den Sol« baten wegen ungebührlichen Benehmens geohrfeigt hatte. Eingegangene vrucklckrisiten. Der„Wahre Jacob« hat seine soeben erschienene Nummer S4Z unter dem Motto„Von GottcS Gnaden« erscheinen lassen, da in ibr die neuzeitliche Form des GottcsgnadentumS in einer grohen Anzahl bildlicher und textlicher Beiträge behandelt wird. AuS dem Inhalt der 16 Seiten starken Nummer heben wir solgendcS hervor: Bilder: Der boshafte Spiegel. Von M. Vanselow.— Im Himmel. Von Rud. Wols.— Serenissimi Meinung. Von Rich. Rost.— Wie sich die Zeiten ändern. Von Emil Erl.— Das neue Kommando. Von Rud. Wols. — Die vernachlässigte Jubiläumshenne. Von M. Vanselow.— Das Martyrium dcS GottcsgnadentumS. Von H. G- Jentz'ch.— Auf dem Wohl- tätigteitssest. Von Emil Erl. U. a. m. Text: Das GotteSgnadenwm. Von Balduin.— Dunkle Punkte. Von Lehmann.— Aus der vaterländischen Geschichte. Von Leopold.— DaS Denkmal in der Schorfheide. Von Tobias.— Die Stützen des Gottes» anadentums. Von Balduin.— Von Gottes Gnaden. Historische Skizzen. Von Paul Enderling.— Die Verbündeten usw. Von der„Gleichhett«, Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 12 des 21. Jahr» gangS zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Unser Märzentag.— Die Hinterblicbenenvcrsicherung eine Gefahr für die Moral der Arbeiterinnen. Von Johannes Heiden.— Frauenwahlrccht oder Damcnwahlrccht. Von Luella Twining.— Frauenarbeit. Von Rita Hart. — Die Lehrerinnen und das Frauenwahlrecht. Von bl. Lt.— Um Wissen und Bildung. Von Berta Selinger. sowie die Beilagen Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder. Das Evangelium. Von R. Schüller. Eine Nachdichtung. Geheftet 2 M.— Hexensabbat. Von Regina MirSky. Tauber. 296 S.— Die voUö- und ftaatswirtschaftliche Bilanz der Rüstungen. Von Pros. Dr. St. Kobatsch. 80 S.— Lachtauben. Vortragsbuch von Dr. v. Radler. 96 S. C. Koncgen, Wien. 8. Bericht des ArbeitersekretarlatS und Gewerkschaftskartells in Harburg ISIS. 22 S. Selbstverlag in Harburg. Jahrbuch der Kölner Gewerkschaften tSIV. 158 S. Verlag des Kartells der freien Gewerkschaften Kölns und Umgegend. SozIaideinokrstischerWaiiifereii! de* 6. Herl. Reicfislags- Wahlkreises. Tode«• Ancelce. Am 11. März verstarb unser Genosse, der Steindrucker Ulbert Ldinfc Brunnenstraße 103. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. März, nach- mittags 3'lt Uhr, von der Leichen- halle desRudols-Virchow-Kranken- Hauses aus aus dem städtischen Friedhose, Müllerstratze, Eck« See- flratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 226/4 Der Borstand. Verband derBureanangestellten und der Verwaltangsbeamten der Krankenkassen und Berufssenossenscbatten Deutschlands. Ortsgruppe GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur gefl. Kenntnis, datz unser Kollege Ulbert Lditite am 11. d. MtS. an Herzschwäche verstorben ist. AIS langjähriger Vertrauens- man» hat er stets die Interessen deS Verbandes vertreten und sich dadurch weiteren Kollegenkreisen als treues Vcrbandsmitglied er- wiesen. 289/3 Sein Andenken werden wir in Ehren halten I Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 31/, Uhr. von der Leichenhalle deS Rudolf Virchow-KrankenhauseS auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsgruppenleitung. Verbami der Iii Steindmeker o. verw. Bernte. (Deutscher Senefelder-Bund.) Am lt. März verstarb unser Mitglied, der Kassenbcamte Schulz im Alter von 62 Jahren an Herz- schwäche. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 14. März, nach- mittags 3>/, Uhr, von der Halle des Rudolf- Virchow> Kranken- Kaufes ans nach dem städtischen Friedhos, Mnllcrstratzc, stalt. 289/4 Die Verwaltung der Filiale I. Sozialdemokratischer WahlrereiD de« 6. Herl. Heichstags-Wahlkrelses. Tode«- Anselme. Am Sonnabend, den 11. März, verstarb unser Genosse, der Metall- schleiser Rudolf Jasikowski Hochstädterstratze 13. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den 14. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Nazareth- Kirch- hoseS, Reinickendorf, Kögelstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der B> 226/3 sorstand. Ooutsciior Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anaeigcn. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Dreher Paul kersck am 10. März gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 14. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen. Halle deS KirchhoseS in Ahrens- selbe ouS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Mechaniker Ilieodor Schnippa am 12. März an HalSIeiden. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. März, nach- mittags 6 Uhr, vom Trauerhause. Kiesholzsir. 181 auS, nach dem Gemeindesriedhos Treptow statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Paul �iouse am U. März. Die Beerdigung findet am DienStag, den 14. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Wittenauer Kirchhosts in Wittenau auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 113/10 Die OrtSverwaltnng. Am 11. März, abends t0 Uhr, verstarb nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Putzer Heinrick Pfarr im 60. Lebensjahre. Dies zeigt tiefbetrübt an um stille Teilnahme bittend Frau Ann» Pfarr geb. Pietsch nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. d. Mts., nach- mittags VL Uhr, aus dem Städt. edhof, Müller- Ecke Seesüatze, des Beiilseher fiauarbeiterverbaod. Zwelgveroln Berlin. Tektion der Puber. Unseren, sowie den Mitgliedern ' Gesangverein» der Putzer hiermit zur Nachricht, datz unser langjähriges Mitglied HStiur. Pfarr «m Sonntag, den 12. März, nach langem, schwerem Leiden im 60. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. März, nach- mittags i'U Uhr, aus dem städii- scheu Friedhose, Müller- und See- sttatzen-Ecke, statt. Um recht rege Beteiligung ersticht 137/5 Die Seil. Verwaltung. I. A.: H. Neumann. Allen Verwandten, Freunden al» auch Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter .Anns Statin geb. Preufiler am Sonnabend verstorben ist. Die» zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an 661b Max Stabn nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des städtischen Fried- HoseS in Friedrichsseide ans statt. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil» nähme beim Begräbnis meines ge- liebten Mannes und guten Bater» JnUn« Winter sagen wir allen Verwandten und Be- kannten sowie dem 4. Berlüier Reichs- togswahlkreis unser» innigsten Dank. Ottilie Winter mbst Sohn. und 652b Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit zur Nach- richt, datz am Montag früh unsere liebe Mutter, Schwieger. Großmutter Anna ßublitz au den Folgen einer Krebs- oMatton gestorben ist. Im Namen der Hinterbliebenen Carl Bnblltz. Friedenau, Rubcnsstratze 5. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr. von der Kapelle des KirchhoseS der St. Lucas- Gemeinde, Britz, Tempelhoser Weg, aus statt. SeziaidemekratischerWahM sür Treptow-Baumschulenweg. Ortsteil Baumschulenweg. Um Sonntag, den 12. März, starb der Genosse Ikeodor Schnippa. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle deS Gemeinde- Friedhoss, Neue Krug-Allee, aus statt. Um rege BAeiliaung bittet 202/4 Bor Vor-tond. Sterbekasse der Metallarbeiter H. Nr. 29, Filiale Bäumst (E, amburg). ulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Mitglied Theodor Schnippa verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 15. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- hall« des Gemeinde- Friedhofs, Neue Krug-Allee, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 113/12 Der Äorstaud. . Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Putzer Heinrich Klimpel am 10. März plötzlich verstorben ist. Dies zeigt tiesbetrübt an Airno» KUimpoI geb. Welze! nebst Tochter. 649b Die Beerdigung findet Mittwoch, den 16. d. M., nachmittag» 3'/, Uhr, von der Halle deS Gethsemane- Kirchhofe» in Nordend auS statt. Für die zahlreichen Beweise her,- licher Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter Adelheid Schutt sage ich allen Beteiligten, insbesondere den Hausbewohnern, den Genossen und Genoisinnen vom 10. Bezirk und meinen SangeSbrüdern meinen besten Dank. 658b Wilh. Schutt. Danksagung. Für die zahlreichen«lumenspenden sowie sür die rege Teilnahme dn der Beerdigung meines lieben Mannes Otto Kttmmer sage ich allen Verwandten, freunden und Bekannten, insbesondere dem Chef und dem Personal der Finnen Tietz und Karfunkelstein u. Thie, dem Deuischen Viichbinderverband und dem 4. Berliiier ReichsiagSwahlkr., Abt. 34 meinen herzlichen Dank. 3387L Marie Kammer, ges. »»»SKSA W Unserem allen Freunde und langjährigen Verbandskollegen Peter Koppel zu seinem 70. Geburtstage am 14. März die herzlichsten Glück- Wünsche. 80/7 g, ll. lt.. A, F., H L., S., SP Mitgl. d. Holzarbeneroerband. »»»«eeeee Blumen« und e««» Kranzbinderei von Rndolf Hapke nur Rathenower Str. 49 bSerstr0" Spitzen, Tülle, Besätze, Tressen. Stets Nenhelten, allerbllliest Alte Schönhauser Straße 47, _ nnr 1. Etage._* Wir haben beute eine Poliklinik fUr Francn in der Alexander• Str. 8 eröffnet. Sprechet. woohentaKS 11— 12 Uhr. 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Typisch ist, daß in zwei dieser Fälle nicht die„Schutzleute", sondern ihre Opfer angeklagt wurden. 1. In Bochum nahm der Landwirt Schlüter als Angeklagter Platz. Er ist von Polizisten brutal mißhandelt, daraufhin ist er wegen— Widerstandes gegen die Staatsgewalt angeklagt. Die Beweisaufnahme ergab folgendes Bild: Im letzten Sommer war infolge Blitzschlages das Gehöft des Angeklagten in Brand geraten. Man sah bald ein, daß sich die brennende Scheune nicht halten ließ und daß es das geratenste sei, die benachbarten Wohngebäude vor dem Uebergrcifen des Feuers. zu schützen. Der Hofbesitzer bat den Chef der Feuerwehr, die Schlauchleitung auf das Dach des Wohnhauses zu richten. Diese Maßnahme wurde von den Wehrleuten und allen anderen Anwesenden für zweckmäßig und richtig gehalten. Der Polizei- sergcant Nabe war anderer Meinung. Er forderte Schlüter auf, sich wegzuscheren, er habe nichts zu sagen. Der Hofbesitzer gab das Kompliment zurück, und nun wurde er von dem Vertreter der öffentlichen Gewalt an der Brust gepackt, gestoßen und ge- schüttelt. Schlüter stürzte zu Boden und zerriß im Fallen die leichte Sommer-Litewka des Polizisten. Dieser schlug ihm mit der geballten Faust ins Gesicht, so daß das Blut hervorquoll. Der Gendarmeriewachtmeister Zabel trat hinzu. Schlüter wurde ins Haus geschoben, und dort setzte der Polizist seine Handgreiflich- keiten fort. Mehrere Zeugen folgten der Gruppe ins Haus. In der Küche wurde Schlüter von Rabe wieder zu Boden geworfen. Ter Gendarmcriewachtmeister Zabel hatte blank gezogen. Als die achtzehnjährige Schwägerin Schlüters sich über diesen warf, um ihn zu schützen, versetzte ihr der Polizist Rabe einen Faust- schlag ins Gesicht; dann packte er das Mädchen an beiden Armen. Schlüter riß sich los und wollte ins Schlafzimmer. Der Wacht- meister verhaftete ihn. Schlüter wurde wie ein gemeiner Ver- drecher gefesselt und mußte blutend und barhänptig, eskortiert von zwei Gendarmcriewachtmeistern, de» Weg zur Wache antreten, während sein Besitztum brannte. Der Staatsanwalt gab zu, daß die erste Abwehr Schlüters gegen des Polizisten rechtswidrigen Angriff berechtigt und nicht strafbar gewesen sei. Aber, meinte er, in seinem weiteren Per- halten gegen die Polizisten habe eine strafbare Widersetzlichkeit gelegen. Er beantragte 15 M. Geldstrafe. Das Gericht folgte dieser Anschauung nicht— es sprach den Angeklagten frei. Werden nun die Polizisten angeklagt werden? 2. Am Sonnabend stand der Malermeister Matern vor der Strafkammer in Bochum, weil er ruhestörenden Lärm erregt haben sollte. Der Angeklagte war eines Nachts in der Nähe seiner Wohnung von zwei Polizcibeamten angehalten worden, weil er an seinem Rade keine Laterne führte. Matern nannte seinen Namen und seine Wohnung, weigerte sich aber, seine Radfahrkarte zu zeigen, da er annehmen mußte, daß er den Beamten persönlich bekannt sei. Die Polizeibeamtcn gewannen, wie sie in der Verhandlung bc- bauptcten, den Eindruck, daß Matern übermäßig laut gewesen sei, sie nahmen ihn fest, fesselten ihn mit einer Kncbelkette unv schlugen in einer Seitenstraße auf ihn ein. Trotz seiner Bitten wurde er nicht nach der nächsten Polizeiwache geführt, wo er be- kannt war, sondern nach einer entfernteren. Wie der Angeklagte behauptete, haben die Beamten unterwegs die Knebelkette fo stark angezogen, daß er um Hilfe rufen mußte.—?n der Beweis- aufnähme wurde festgestellt, daß der Angeklagte sich absolut nicht übermäßig laut benommen, sondern nur klar und deutlich seinen Namen genannt hatte.— Das Gericht kam zu der lleberzeugung, daß keineswegs ruhestörender Lärm stattgefunden habe, der das Publikum belästigte. Infolgedessen wurde der Angeklagte frei- gesprochen. Werden diese Polizisten unter Anklage gestellt und verurteilt tverden? 3. Ebenfalls ein Fall von Ucbergriffen eine? Polizisten im Amte lag einer Verhandlung zugrunde, die sich vor der Düffel- dorfer Strafkammer abspielte und die sich gegen den Polizei- sergeanten Wiemer richtete. Der Angeklagte wird beschuldigt, einen Arbeiter Becker und einen Arbeiter Sturmhövcl mißhandelt zu haben. Die Beweisausnahme ergab, daß Wiemer zusammen mit seinem Kollege» Heise den Becker, der Skandal machte, verhaftet hatte. Auf der Wache schlug er den Becker ohne jede Ursache vier- bis fünfmal mit einem Stock über den Kopf, daß Becker taumelte und noch jetzt Schmerzen verspürt. Den Sturmhövel, der be- trunken auf die Wache eingeliefert wurde, und in seinem trunkenen Zustande die Beine eines anderen Polizeibcamten umklammerte, hieb Wiemer so auf die Finger, daß es„knackte" und der Mittel- finger gebrochen wurde. Auf hie Frage des Vorsitzenden an den als Zeugen vernommenen Polizeisergeanten Heise, weshalb er keine Anzeige gegen Wiemer wegen der Mißhandlungen erstattet habe, antwortete der Zeuge, es sei ihm„peinlich" gewesen und außerdem habe er dienstliche Nachteile für sich befürchtet. Das Gericht sah als erwiesen an, daß im Falle Becker Mißhandlung im Amte vorlag. Im Falle Sturmhövel konnte der Beklagte an- nehmen, daß dieser seinen Kollegen angreifen wollte. Es lag also Notwehr vor, wenn er die Angriffe auf den Kollegen abwehren wollte, aber diese Notwehr sei ohne Grund überschritten worden. Das Urteil lautete auf insgesamt drei Monate Gefängnis, eine recht geringe Strafe gegenüber der an den Tag gelegten Roheit und Feigheit. 4. Eine unglaubliche Polizeiaffäre wurde durch eine Schöffen« gerichtSverhandlung in Rheine in Westfalen aufgedeckt. Angeklagt war ein SO Jahre alter Arbeiter Stein wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Die Ver- Handlung ergab folgendes: Der Angeklagte hatte im Januar d. I. eines Abends auf der Straße an den Polizisten Nolte eine Frage gerichtet. Nolte wies den Frager sckroff ab. Als dieser seine Frage wiederholte, forderte Nolte ihn auf zum Weiter» gehen, und als da? nicht schnell genug vonstatten ging, schritt Nolte zur Verhaftung. Der Polizist schob den alten Mann vor sich her, so daß dieser zur Erde fiel. Nun kam noch der Polizist Schneiders dazu. Der Verhaftete wurde gefesselt und auf dem Bauche liegend mit dem Gesicht aus derErde etwa Ivo Meter weit zurWache gc» schleppt. Der Vorfall war von mehreren Zeugen, die sich über eine solche Behandlung empörten, bemerkt worden. Der also Miß- handelte stellte gegen die Beaniten Strafantrag mit dem üblichen Erfolg: der Staatsanwalt lehnte die Verfolgung ab. Dagegen wurde auf die Anzeige der Polizei gegen den Mann vorgegangen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Aber der AmtSanwalt selbst beantragte die Freisprechung deS Angeklagten, nachdem sechs Zeugen das unerhörte Borgehen der Beamten bekundet hatten. Dem Antrage deS Anitsauwalts gemäß wurde auf Freisprechung erkannt. Hoffentlich wird nun der Staatsanwalt pflichtgemäß noch nach« t r S g l i ch die Anklag« gegen die beiden Polizisten erheben. Der mißhandelte und freigesprochene Invalide wird seinen Strafantrag erneuern.; Soziales. Vom Jnnungsschiedsgericht. lieber die Zwangsvollstreckung aus den Schiedssprüchen des Schiedsgerichts des Jnnungsausschusses der vereinigten Innungen zu Berlin herrscht noch vielfach Unklarheit. Ebenso wie aus den Urteilen des Gewerbcgerichts findet auch aus den Schiedssprüchen des Jnnungsschiedsgerichts, welche rechts- kräftig oder für vorläufig vollstreckbar erklärt sind, sowie aus Vergleichen, welche nach Erhebung der Klage bor dem Schieds- gericht geschlossen sind, die Zwangsvollstreckung statt. Die Voll- streckungsbehörde ist aber eine andere als in gewerbegerichtlichen Sachen. Die Zwangsvollstreckung aus Urteilen des Gewerbegerichts ist bei dem Gerichtsvollzieher sin Berlin bei der Gerichtsvollzieher- Verteilungsstelle) zu beantragen und wird vom zuständigen Ge- richtsvollzieher ausgeführt. Der Antrag auf Zwangsvollstreckung aus den Schiedssprüchen des Jnnungsschiedsgerichts ist bei diesem selbst zu stellen. Dies überweist ihn dann der Vollstreckungsbehörde des Polizeipräsidiums zur Ausführung. Bei Stadtverordnetcnwahlen muß die Zahl der zu wählenden HanS- bcsitzer ziffernmäßig in der Wahlbekanntmachung mitgeteilt werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht am 7. März in einer prinzipiellen Entscheidung ausgesprochen. In allen preußischen Städteordnungen, die ein Hausbesitzerprivileg kennen, so in denen für die sieben östlichen Provinzen, für die Rheinprovinz, für West- falen usw., ist bestimmt, daß der Magistrat sin der Rheinprovinz der Bürgermeister) jederzeit die nötige Bestimmung zur Ergänzung der erforderlichen Anzahl von Hausbesitzern zu treffen hat.— In dem fraglichen Streitfall, Wahlen in Weißenfels betreffend, stand nun zur Entscheidung, welches Verhältnis diese Bestimmung zur Bekanntmachung der Wahlen hat. Bei den Wahlen der dritten Abteilung, die in Weißenfels am 22., 23. und 24. November 1909 stattfanden, war die Sozialdemokratie stark engagiert. Ihre vier Kandidaten hatten die meisten Stimmen. Der Wahlvorstand erklärte aber nur zwei sJunghans und Winzens) für gewählt und ordnete zwei Stichwahlen an, indem er die für die Sozialdemokraten Kiesel und Demberger abgegebenen Stimmen für ungültig erachtete, weil die Wahl von noch zwei Hausbesitzern erforderlich gewesen wär>-, damit die dritte Abteilung zur Hälfte aus Hausbesitzern nach der gesetzlichen Vorschrift bestand, Kiesel und Demberger aber keine Hausbesitzer seien. In der Stichwahl wurden nun zwei bürgerliche Kandidaten s.Hausbesitzer) gewählt. Tie Mahl dieser beiden wurde von sozialdemokratischer Seite angefochten. Die Wahl dieser Herren sBarbierobermeister Laue und Loko- motivführer a. D. Kuhn) wurde denn auch vom Bezirksausschutz mit folgender Begründung für ungültig erklärt: Der Magistrat habe es bei der Bekanntmachung der Wahlen seinerzeit unterlassen, die zu wählenden Hausbesitzer beziehungsweise Nichthausbesitzcr Ziffern- mäßig anzugeben. Er habe sich vielmehr darauf beschränkt, die Bestimmung der Städtcordnung anzuführen, wonach in jeder Ab- teilung die Stadtverordneten zur Hälfte Hausbesitzer sein müßten. Letzteres genüge aber nicht. Diese Bestimmung sei ja den Wählern hinlänglich bekannt. Wenn die Städteordnung dem Magistrat auf- gebe, jederzeit die nötige Bestimmung zur Ergänzung der erforder- lichen Anzahl von Hausbesitzern zu treffen, so habe sie ihm ein MchrereS aufgegeben. Der Sinn fei, daß den Wählern bekannt gemacht werden solle, wieviel Hausbesitzer im gegebenen Falle dabei sein müßten. Wen» der Magistrat das bei der Bekanntmachung nicht sagte, dann ziehe das die Ungültigkeit der Wahl nach sich. Hier könnten aber nur die Stichwählen für ungültig erklärt werden, weil die Mandate der beiden in der Hauptwahl Gewählten nicht angefochten worden seien. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte am Dienstag das Urteil und erachtete aus den gleichen Gründen die beiden angefochtenen Wahlen für ungültig. Bor der Wahl müßte Mitteilung davon gemacht werden, wieviel Hausbesilicr unter den zu Wäylendcn sich befinden müßten. Das sei ein wesentlicher Bestandteil der Ein- ladung zur Wahl(der Bekanntmachung). Fehle er, so habe das die Ungültigkeit der Wahlen zur Folge, soweit sie ordnungsmäßig angefochten seien._ Gencbtö- Zeitung. Die Parteiorgauisation von, Niederbarnim und das Vcreinsgcsctz. Im Kreise Niederbarnim besteht nur ein zentralisierter Wahlverein, der sich über den ganzen Kreis erstreckt, in den einzelnen Bezirken des Kreises— es sind deren 28— seine Organe hat. welche lediglich die Anordnungen« des Vorstandes bezw. die Beschlüsse der Generalversammlung durchzuführen haben. Der Amtsvorsteher von Pankow will aber den dortigen Bezirk des Kreiswahlvereins als einen selbständigen Verein angesehen wissen und verlangte deshalb von dem Bczirksleitcr, Genossen Spiekermann, die polizeiliche Anmeldung der Bezirksleitung. Da die Ansicht des Pankower Amtsvorstehers in den tatsächlichen Verhält- nissen keine Stütze findet— denn in Pankow besteht kein selbständiger Wahlvercin—, so erstattete Spiekermann die Anmeldung nicht. Das Schöffengericht Pankow stellte sich auf den Standpunkt des Amtsvorstehers und ver- urteilte Spiekermann wegen Uebertretung des Vereins- gesetzes zu 3 M k.— Infolge der Berufung Spieker- manns hatte gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts III die Frage zu entscheiden, ob der Bezirk Pankow als selb- ständiger Verein anzusehen sei. Der einzige vernommene Zeuge war der Borsitzende des Kreiswahlvereins, Genosse Brühl. In llebereinstimmung mit dem Angeklagten führte Brühl alle die Tatsachen an, welche dafür sprechen, daß es sich nicht um einen selbständigen Verein handelt. Der Kreisvorstand kann den Mitgliedern, die sich im Bezirk zur Aufnahme melden, die Aufnahme ver- sagen. Der Bezirk hat von den Beiträgen einen bestimmten, und zwar den größten Teil an den Kreiskassierer abzuliefern und selbst über die Verwendung des dem Bezirk verbleibenden Teiles kann der Kreisvorstand unter gewissen Voraus- setzungen Bestimmungen treffen' Die Bezirksleitung unterliegt der Bestätigung durch den Kreislvahlverein und ist lcdig- lich ein ausführendes Organ desselben. Sie nimmt Wünsche und Anträge der Mitglieder entgegen, um sie dem Kreisvor- stände zu unterbreiten, hat aber keine selbständige Eni- scheidung darüber. Unter Berufung auf diese Tatsachen und den s)Lwen- bergschen Kommentar zum Vereinsgesetz wies Rechts» a n w a l t Dr. Heinemann nach, daß alle Kennzeichen des selbständigen Vereins hier fehlen. Es komme darauf an, ob der Vereinszweck in örtlich abgeschlossener Wirksamkeit er- reicht werden solle. Davon aber könne hier keine Rede sein. Denn die Zentralisation des Kreiswahlvcreins sei so straff, daß die Mitglieder in den Bezirken über mangelnde Selb- stäudigkcit ihres Vereinslcbens klagen. Wenn der Bezirk in diesem Rahmen eine gewisse Betätigung entfalte, so könne ihn das ebensowenig zu einem selbständigen Verein stempeln wie etwa den Vorstand irgendeines Vereins, der ja auch eine gewisse Betätigung aus eigenem Entschluß auszuführen habe. Der Bezirk Pankow führe kein selbständiges Vcreinsleben, er sei nur eine geschäftliche Hilfsstelle des Vorstandes. Das Gericht verwarf indes die Berufung und bestätigte das erste Urteil mit folgender Be- gründung: Der Bezirk stehe ja in großer, starker Abhängig- keit vom Vorstände des Kreiswahlvereins. Aber das sei nicht das wesentliche Merkmal des selbständigen Vereins. Es gebe auch unselbständige Vereine. Eine Vettvaltungsstelle des Vorstandes würde der Bezirk nur dann sein, wenn er lediglich zu tun hätte, was der Vorstand vorschreibt. Aber der Bezirk Pankow führe auch ein eigenes Vereinsleben. Er wähle selbst seine Leitung, er habe das Recht, Mitglieder, die sich zur Auf- nähme, melden, abzuweisen, er könne mit dem ihm verbleiben- den Teil der Einnahmen machen, was er wolle, er wähle seine Vertreter zur Kreiskoufereiiz, er halte Zahlabende ab und Sitzungen, wo die Wünsche der Mitglieder vorgebracht werden, welche das Vereinsleben in Pankow betreffen. Aus diesen Gründen müsse das Bestehen eines selbständigen Vereins an- genommen werden. Die Leitung desselben sei verpflichtet, ein Verzeichnis der ihr angehörenden Personen einzureichen. Gegen dies Urteil wird selbstverständlich Revision eingelegt werden._ Wäschediebstakst aus Wollust. Vor dem Göttinger Schöffengericht hatte sich am Sonnabend de�,28 Jahre alte HUfSredakteur Heinrich Müller aus Wiesbaden wegen Diebstahls zu verantworten. Er war nachts in einem Garten dabei abgefaßt worden, wie er Damenwäsche von der Leine stehlen wollte. In seiner Wohnung wurde für etwa 600 MI. Damenunterwäsche beschlagnahmt lind festgestellt, daß er große der nnter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Verhandlung behauptete Müller, er sei pervers veranlagt und habe die Damen- wasche unter dem sexuellen Drange entwendc» und verbrennen müssen, um sich in pervers sexueller Weise zu befriedigen. Diese Behauptung wurde zum Teil durch die Wahrnehmungen eines Kriminalschutzmannes bestätigt. Zur Spruche kam auch, daß Müller mit einer Protistuierten in Frankfurt a. M. verlobt ist, die auch als Entlastungszeugin für ihren„Bräutigam" auftrat. Ein als Sachverständiger vernommener Psychiater bezeichnete krankhafte Geistestätigkoit(§ 51) nicht für vorliegend. Infolge- dessen wurde Müller zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, zu- mal er schon einmal wegen Diebstahls und in Stuttgart wegen Urkundenfälschung und mehrerer Betrügereien vorbestraft ist, zu« letzt weil er an Zeitungen Artikel verkauft hatte, die nicht sein geistiges Eigentum waren. Müller war früher langjähriger Mengen Damenwäsche in seinem Stubenofen verbrannt hat. In Privat sekretär des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Schack(Tri- olen-Schack) und später Redakteur an bürgerlichen Blättern in Stuttgart, Wiesbaden und Frankfurt a. M. In Wiesbaden soll er in hvmosexuellen Kreisen verkehrt haben. Mordprozeß Knitelius. Am 18. Oktober 1993 wurde bei dem Apotheker Rathge in Magdeburg von zwei Latten eingebrochen. Der Apothekenbesitzer Rathge wurde durch einen Einbrecher erschossen. Eines Einbrechers wurde man habhaft. Es war ein gewisser Nittner, ein Mann der wie er als Zeuge bekundet, in lebhastestem Geschäftsverkehr mit der Polizei stand. Seine Geschäflsbeziehungen suchte er zu straflosen Einbrüchen zu verivenden. Nittner ist wegen des Einbruches schon vor längerer Zeit zu Zuchthausstrafen' verurteilt. Als seiuen Komplice», der den Apotheker erschossen hatte, gab er Otto Knitelius an. Dieser befand sich in Rio de Janeiro. Nittner nahm an, Knitelius sei da in Sicherheit., Nach der Ansliefirnng des Knitelius durch die brasilianische Re« gierung wurde beim Magdeburger Schwurgericht Anklage wegen Mordes gegen Knitelius erhoben. Die Verhandlung endeten gestern nach siebentägiger Verhandlung mit Frei- s p r e ch u n g von der Anklage des Mordes und Ver« urteil»ng zu 14 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust wegen vorsätzlicher Tötung, begangen um ein bei Begehung eines Verbrechens entgegenstehendes Hindernis zu bc- seitigen oder sich der Bestrafung ans frischer Tat zu entziehen. Die Verhandlung wurde dadurch interessaitt, daß Nittner zunächst nunmehr bestritt, daß Knitelius der Mileinbrechcr gewesen sei. das sei„der schwarze Artur" gewesen. Dies Bestreiten veranlatzte ein näheres Eingehen auf die Beziehungen der Berliner Kriminalpolizei zu Nittner und der Verbrecherwelt. Aus dem hierüber Vorgetragenen darf man entnehmen, daß gewiegte Einbrecher wie der„Privat- detektiv" Nittner in engster Beziehung zur Polizei stehen, die die Polizei sucht, um Fühlung mit den Verbrecher- kreisen zu haben, und die Verbrecher suchen, um die Polizei anszuholeir, hinters Licht zu führen und ohne Polizei- liche Kontrolle tiefe Eingriffe in fremdes Eigentum zu tun. Offen- bar machen hierbei die Verbrecher bessere Geschäft als die Polizei. Nittner und Knitelius verwendeten die dmch die Polizei ihnen ge- wordene Kenntnis für ihr Geschäft. Als Nittner im Laufe der Ver- Handlung gegen KniteliuS sah, daß sein Leugnen der Mittäterschaft dem KniteliuS nichts nütze, da eine Reihe von Aussagen beider lvidcrlegt waren, gaben er und Knitelius den Sachverhalt im Sinne der dann bejahten Schuldfrage zu. Knitelius brstritt aber, daß er die Tötung mit Vorsatz und Ueberlegung ausgeführt, also einen Mord, begangen habe. Der Staatsanwalt wollte trotz des Mangels tatsächlicher Unterlagen die Frage wegen Moides bejaht wissen.__ Amtlicher Marktbericht der städtlschen MarMallen-Dlrektlon über den Krotzhandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft ruhig, Preise für Hammelfleisch anziehend, sonst nn» verändert. Wild: Zusudr mäßig, Geschäft still, Preise fast unverändert. G e i l ü g e I: Zufuhr ungenügend, Geschäft still, Preise behauptend. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft rubg, Preise besonders sür Seefische nachgebend. «utter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse. Obi» und Südfrüchte: Zujuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. KrUfliarten der Rcdaktton. Tie laristische SprechNundc stndet Lind-n st raste 69, ve»» Met Treppen — F a l) r st u li l—, wochcntii glich nun 414 Ms 714 Ustr abends, Sonnabends von 414 bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Bricflasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzrichcn beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. S. W. 1. n. 4. Ja. 2. Unseres Erachtcns nicht. 3. Nur, soweit der eigene und der standesgemäße Unterhalt der Familie nicht gefährdet wird. — K. B. 40. 1. Die Klage ist dadurch nicht hinfällig. Sie können nur, wenn Sie im ersten Termin vor streitiger Vcrhandliiiig anerkennen, sich gegen die Kostcnlast schützen. 2. Soweit die Ansprüche länger als vier Jahre sechs Wochen zurückliegen, sind sie verjährt. 3. Das ist von der Lohnhöhe abhängig. 4. Ja.— R. K. 1G8. Sehen Sie im Adreßbuch nach.— M. B. 8. 1. Ja, wenn derselbe einen besondere» Raum benutzt. 2. Dann nicht. 3. Der Polizei Mitteilung zu machen, ist nicht erforderlich. — Schemel, Aolonicstraße. ES empfiehl sich die Weiterversicherung ohne Abhebung.— E. M. 77. Sie sind bis 1. 4. 12 gebunden, wenn Ihre Frau mit Ihrer Einwilligung die Abrede getroffen hat.— Ober» Dchöncweide. Sie sind nicht zahliingspstichtig.— E. H. 54. Nur dann, wenn die Töchter Vermögen oder größeres Einkommen besitzen.— W.0. Nein. — Würzburg if. Mit dem 21. Lebensjahre.— H. M. 888. Slin 1. — 51. B. 30. Wenn Sie vorzeitig ausziehen, bleiben Sie sür die Miete bis einschließlich März haslbar.— 51. M. 100. Wiederholen Sie die An- ftage und sagen Sic hinzu, wie hoch der MiciSwert der Wohnung gesondert ist.— Deuster Obcrknufiingen. Der Gefangene hat Anspruch aus ärzt- liche Behandlung.— R. S. KS. Unseres Erachtens nein.— H. S. 4. Die vorherige Anmeldung zum Patent empfiehlt sich.— 51. S. 80. 1. Wenden Sie sich an das Bormundschajtsgericht mit dem Antrag aus Volljährigkeitserklärung. 2. Ja.— Böttgerstr. S. 1. Leider nicht. 9. Nur dann, wenn in Berlin Unterstüchung verlangt wird. 2. Freiwillige Meldung 6tim Regiment.— M. D. 31. Wenn das Kind in Berlin geboren ist und hier erzogen wird: ja.— P.©. 41. Erst dann, Isen« Klage und Urteil aus Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft vorausgegangen sind, nach Ablauf eines weiteren AahreS, von der Rechtskraft eines solchen Urteils ab gerechnet.— F. H. W. 5. 1. Ja. 2. Der unterliegende Teil. S. Nein. — R. vi. 45. Die Geschwister erben mit, wenn nicht durch Testament anders bestimmt ist. DaS Testament kann vor einem Notar oder Gericht oder mittels eigenhändig ge- und unterschriebener, mit Ortsbezeichnung und Datum versehener Schrift errichtet werden. Für die gesetzliche Erbfolge kommt das Güterrecht, in dem die Ehegatten leben, in Betracht.— O. I. 100. Es muß vorher ein DispcnS von dem gesetzlichen Eheverbot nach- gesucht werden. Der Llntrag ist an das Gericht, das die Ehe in erster Instanz geschieden hat, zu richte».— P. P. 3. Ja, wenn die Älushilse länger a!S 1 Woche andauert.— R. S. 35. 1. und 2. Ja, bis zur Höbe der Gebühren, die ein Rechtsanwalt zu verlangen berechtigt wäre, das sind etwa 10 M. 3. Bis das Urteil erlassen ist. Es muß alsdann Festletzung beantragt werden. 4. Sie können das beim Gericht vortragen.— P. G. Zur Zeit 51.— P. B. 78. 15 bis 30 M.— Schmidt. GropiuSstrafte. 25. LIpril.— B. L. Am Datumstage morgeuS.— Künnicke. Richten Sie ein Gesuch an das Vornmndichastsgericht.— E. L. 14. 1. Ja. ?. Da auZgellagt, fawi«sine neue Klage gepfäitM werben. Verjährung liegt nicht vor 3. Berechtigt wohl,. aber nicht verpflichtet.— — W.®. 203. Sic können unter Jnnekmltung der gesetzlichen Kündigungs- sriit kündigen. Dasür, welches die gesetzliche Frist lit. ergibt Ihr Schreiben nichts.— I. L. 4. 1. Eine Anfechtungsklage, soweit der gesetzliche Pslichl- teil verletzt ist. erscheint durchsühibar. 2. Nicht bekannt.— 21. F. 100. Verband der Hausangestellten, Michaelkirchvlatz 1.— Alter Abonnent R. Unseres ErachlcnS: nein.— C. 8. 100. Sie haben nur Anspruch aus Beseittgung der Mängel. Erst dann, wenn eine dahingehende Aujsorderung unter Setzung einer angemessenen Frist mit der Androhung der Räumung ersolglos ist, können Sie ziehen, auch alsdann Schadenersatz verlangen.— F. R. 44. An das VormuudschastSgericht.—Wnline>. Theater.) Der Bund der Jugend. Schlilei Gliarlottenburg. Ein idealer Gatte. Kricdrich» Wilhelmstädtisches. 2X2-5. Bolksoper. Die Dollarprinzessin. (Ans. 8-/, Uhr.) LiisispielbauS. Weher». Luisen. HaasemannS Töchter. Modernes. Medusa. Note. Liselotte. Hcrrnfeld. Eine verlorene Nacht Er, Sie und Er. Folies Enprice. Der Feldwebel- Hügel.(Ansang S'/, Uhr.) Metrovot. Huna— Wir leben noch I Kasino. Julie Wippchen. Apollo. Spezialitäten. Pufiogc. Ebezialitäten. Voigt. Rein Hcrzenssritz. Noack. Das Mädel ohne Geld.(An- sang 8>/, Uhr.) RcichsimUen. Steltiner Sänger. Karl Haverlaud. Svezialitülen. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo l Dacapo l(An- sang 8'!, Uhr.) Intimes. Das Mädchen aus Paris. (Ansang 8'/, Uhr.) Weddtng. Lichtspiele. Kaiser- Panorama. 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März, nachm. 3 Uhr: Ter Schtafwageilkontrolleur. NWW Ans. 6 Uhr.«ervetfeuf 11-3 Uhr. Zwei Schlager: Line verlorene I�adit. Er, Sie und Er Kit Slntcn und Donat Herrnicld in pcnHgup trollen. Tlrtti»!«. V�iessnsekuktllosiss laudönstraLo 48/49. 4bsncks 8 lotir: lm kiroenglallr äe- oder-ünxackill. Lörsaal 8 Ilsir: Drokssvor vr. S. v o n a t d: Elektrische Beleuchtungstechnik. Kaiser-Panorama. Reife in der franz. Riviera Nordtirol— ein« Tour über den ssernpaS nach Imst.— Eine Reise SV Pf., Kinder l l> Pf. SlbonnemcniS 1 M., Taus. Abonnent. Berliner Volksoper Belle-Alltancestraße 7/3.—>/,9 Uhr: Die Dollarprinzessin. FriedriGh-WilhelfnstddtisGhes Schauspielhaus. Dienstag, den 14. März, 8 Uhr: äxa=5. Mittwoch: Die Erbtante. Donnerstag z. etstenmal: Pagen- streiche. Freitag! Pagenstreiche. Sonnabend: 2 X 2--- 5._ Lusispielhaus. Abend» 8 Uhr: Meyers. Luisen-- Theater. Slbends 8 Uhr: ijastmauns Tochter. Volksstück in 4 Akten v. A. L'Arronge. Mittwoch: Aus erster Ehe. Schauspiel in 5 Akten von Enlst Ritterseldt, nach einer Erzählung von Eourths- Wahler. Donnerstag: Ums goldene Kalb. i�eWIIer-'TkesUer. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theat.) Dienstag, abends 8 Ubr: Dor Bund der Jugrend. Lustspiel in 5 Aufz. v. Henrik Ibsen. Dentsch von W. Lange. Ende 10'/,. Mittwoch, abends b Udr: Du» Urbild de» TartUfT. Donnerstag, abends 8 Uhr: Zkulbau der Weise. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 U hr: Bin idenler Butte. Schauspiel in 4 Akten v. Dskar Wilde. Ei, de 10'/, Uhr. Mittwoch, abends 8Ubr: ülnrla und ISagrdalena. Donnerstag, abends 8 Uhr: Bin idealer t»atte. Meiter-Liiliungsseimie. Tonntag, de» 19. März, abeudö 7 Uhr. im Gewerkschaftöhause, Engelufer 15(großer Saal): üidivig Thonia-Abend. Vortrag: Friedrich Stampfer. Rezitaiian: Fritz kiedard vom Deutschen Theater. Nach dem Vortrag LemlHüedes Beisammensein ran». _ Eintritt 50 Pf. 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HW- Es ist nötig, dah sämtliche in dieser Branche Beschäftigten, auch die augenblicklich arbeitslosen Kollegen und Kolleginnen in dieser Versammlung erscheinen. 113/11 Vlv OrtsTervraltniig. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rlxdorf. Donnerstag, 16. März, abends 8 Uhr, bei Hoppe, Hermannfir. 49; General-Versammlung. Tages-Ordnung: 80/5* 1. Der Zusammemchlnst Grost-Berlins. Referent: Kall. ronNvl- Weiffensee. 2. Verbandsangelegenhettcn. vle Ortsverwaltung. Horben Mittwoch, den 15. Miirz 1911. abends N'/jUhr» in den 8oplilcii-SiUen, Sophicnsw. 17—18: Allgkmiiit Milgliedtr-Nersiiilimlnug. Tages-Ordnung: 192/7 1. Vortrag des Landtagsabgeordneten Genossen Melnrlch Strubel über:..Die Bedeutung; der bevorstehenden Rcichstagswahlen für die Gewerkschaften**. 2. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. rief ZE Mittwoch den 13. Mörz, abends 8 st, Uhr, in den Pracht-Sälen.Alt-Bcrlin", Blumeustraste 19: Versammlung der Zuschneider und Stanzer. Tages-Ordnung: 1. Die Ergebnisse der lohnstatistischen Ausnahmen von feite» der Branchenkommission und unsere nächsten Ausgaben. 2. Verschiedenes. DV Kein Kollege darf fehlen!"TpQ 169/7. Die Ortsverwaltung. V. Knbe's Festsäle, Feuerstein, Alte Jakobitrastc 75, Fernsprecher Amt I Nr. 867. Empfehle meine Säle zu Veriammlungen und Festlichkeiten. Oster» feiertage und Donnabcnde im April zu vergeben. Prachtvoller Garten mit Bühne zu Sommersesten. Grupcs Tanzschule. 50792' piasmo»l/z Uhr, in einer im Spandauer Dock stattfindenden Volksversammlung Reichstags- abgeordneter Severing behandeln wird. Es wird ersucht, für diese Versammlung eine umfassende Agitation zu entfalten. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung erklärte sich nach reger Dis- kussion mit den auf der Kreisgeneralversammlung gefaßten Be- schlüssen einverstanden, insbesondere mit der Beitrags«!» h ö h u n g. Die Art der Beitragserhcbung soll in dem nächsten Zahlabend(22. März) besprochen werden. Zur Maifeier wurde, nachdem sich alle Redner für die Arbcitsruhe als würdigste Feier aussprachen, folgende Resolution angenommen:„Der Wahlvcrein erachtet es für notwendig, einen bestimmten Betrag von denjenigen Genossen zu erheben, welche nicht in der Lage sind, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Die Höhe desselben zu bestimmen, überläßt derselbe dem Gewerkschastskartell, und erwartet, daß sich die politisch Organisierten den Beschlüssen fügen. Ferner erwartet der Wahlverein eine nähere Verständigung mit den Gewerkschaften.' Wie in den früheren Jahren geschieht die Veranstaltung gemeinsam mit dem Gewerkschaftskartell: vormittags findet die Versammlung bei Wilhelm, Kaiser Wilhelmstraße, statt. Aufgenommen wurden 16 neue Mitglieder._ Fleischergcsellcn! Mittwoch, den 15. März, abends 3 Uhr: Große öffentliche Versammlung in Keller« Festsälen(gr Saal), Koppenstraße 29. Tagesordnung: 1. Warum müssen die Fleischergesellen bei der Delegierten- wähl zur JunungSkrankenkasse die Liste des ZeiitraloerbandeS wählen? Res«, ent: Kollege Paul Bergmann. 2. DaS Komödicuspiel im JnnungS- arbettSnachweiS und Dräbert al» Agitator der„Gelben'. Rcscrent: Kollege Joj. Oo ermann, Mitglied deS Gesellenausschusses. 3. Freie Aussprache. zvtt«rrnnqSul>erN-t» vom 13. März 1911. Mamburg Berlin Wien «wtlonen ~ S V- £= i51 Wetter ** C"* f- Savaranda 756323 2 bedeckt—2 eterSburg—— Sctllh|7569!N2B; 7woMg 6 �lderdeev 75» NNW 4 Schnee 2 VarrS 740 W i 8 bedeckt 4 Ii Ii «vettrrvrognose für Dienstag, den 14. März 1911. iemlich mild, vorherrschend wollig mit Niederschlägen und lebhastm südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. «»afferttanvs-Raltiricd»»» vafferstand M e m« l. Tilsit Bregel, Jnfterbmg Weichsel, Tbom Oder. Rattbor , Kroffen , Frantlurt Warth«, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elb«, Leitmcritz , Dresden « Bardo Magdeburg am 123. am 465') 218') 412«) 220 329 '34 303 318 153 124 20 377 324 'eil 11.3. am') -14 —19 —16 0 —1 —1 +1 0 0 -10 —17 —15 -10 Wasserstand Saal«. Grochlltz Havel. Svandau') , Ratbenow') Spree. Svrcmberg') , BeeSlow Weser, Münde» , Minden R h e i u, MaximllianSau » Kaub » Köln Neckar, Heilbrom, Main, Wertheim Mojel. Trier 1+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel.—•) ____ «Udl«-"»-eou-<* Iwr ia roter Packung -L M Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Ungcr.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweifung frei. Ohne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in S Min. fort. DaS Hiihnerailäe selbst in 3 Tagen.(Enthält Salicylsäure und indischen Hansextrakt.) Vf. H. Unger in Würzburg. In Berlin(20 Pf.)! Salomon-Apotheke, Charlottenstraße 54. Grell- Apotheke. 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