Ar.«4. HbonnementS'Rcdlngungeti: Wonncmcnls- Preis pränumerando; »icrtcljährl. 3£0 ÜRt, mona». 1,10 Str., wöchentlich 2B Psg. frei ins Haus. Ciiijclnc Nummer 5 Pfg, Sonntags. nummct mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- tlbomiemcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Italien. Luxemburg: Portugal, "'"nänien, Schweden und die Schweiz, 38. IahkK.' Crfchclnt Wich auOer Glontass, Verlinev Volksblnkl. Sie Insertion;-eebiihr betrügt für die sechsgespaltene Kolonef, geile oder deren Raum 50 Pfg, sür politische und gewerkschaftliche Vereins- und Vcrsaminluiigs-Anzeigcn 30 Psg. „KUfne Hnztigen", das erste fselt- gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Lnserate sür die nächste Pt«rmcr niüssei, bis SUHrnachmittagsindcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „Soziaidtmokrat Berlin", Zentralorgan der foztaldemokrati Ichen parte» Deutfcblanda. Redahtion: SÖ3. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher; Amt rv. Nr. IS8Z. Donnerstag, den I.f>. März 1911. Expedition: 8M. 68. t-indensrrasse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. Keichsläntiilches. Im Frankfurter Parlament hat der fchlesifche Junker L i ch n 0 w s k i einmal deu Ausspruch getan:„Das historische Recht hat kein Datum nicht!" Der Sah ist mit seinem stili- stischen Schnitzer viel belacht worden. Aber er bildet eines der Axiome der konservatio-junkerlichen Weltanschauung. Er führt zu dem Schlüsse, daß Macht vor Recht geht. Daraus geht wiederum hervor, daß junkerliche Politik auf historische Entwickelung und Eigenart keine Rücksicht nimmt, wenn es sich um die Völker handelt. Handelt es sich aber um die eigene Kaste, so werden die„historisckjen Rechte" mit allem Krimskram eifrig und ängstlich konserviert. Wie sehr die preußische und Reichspolitik von diesem feudalen Bazillus infiziert ist, zeigt sich ganz besonders in der Behandlung der elsaß-lothringischen Ver- fassungsfrage. Zwar hören wir bei jeder Gelegenheit von den Staats- Männern betonen, die Eigenart der Reichslande werde und müsse berücksichtigt werden. Das klingt ganz gut und Hoffnungserweckend für den naiven liberalen deutschen Spieß- bürger, der sich so gerne von oben herab erleuchten läßt. Drüben über dem Rhein aber läßt man sich mit Redensarten nicht einschläfern. Dort empfindet man recht schmerzlich, daß in Berlin und in Straßburg von den herrschenden Faktoren aus die historische Entwickelung und Eigenart der Reichs- lande keine Rücksicht genommen worden ist und auch diesmal nicht genommen wird. Es wird verfahren, als ob die Reichslande er st seit 187 0—7 1 eine Geschichte hätten. Was weiter zurückliegt, darum kümmert man sich nicht. Und doch haben die weiter zurück- liegenden Zeiten den beiden Provinzen ihre Eigenart ver- liehen! Vor nunmehr 230 Jahren, als das Elsaß an Frankreich uberging, waren nicht nur die Schwierigkeiten der„An- glicderung" geringer, die leitenden Staatsmänner Frankreichs verfuhren auch mit Geschicklichkeit und Schonung, wie sie der preußischen Junkerpolitik in solchen Fällen' unbekannt sind. Die damalige Abtrennung des Elsaß von dem alten Deutschen Reiche wurde nicht als so gewaltsam empfunden wie vor vierzig Jahren die Losreißung von Frankreich. Schon 1617 hatte Oesterreich zugunsten Spaniens auf das Elsaß verzichtet, und im Westfälischen Frieden von 1618 trat Frankreich an Spaniens Stelle, unbeschadet der reichsständischen Rechte. Das Bestreben, aus diesem Zustande herauszukommen, ward im Elsaß immer lebendiger. Lothringen fiel durch Erbschaft an Frankreich, und als die elsässischen Städte von den Fran- zosep 1681 besetzt wurden, enrpfand man dies als eine nicht unwillkommene Befreiung von der drückenden Herrschaft der buntlappigen reichsständischen Kleinstaaterei. Wie geschickt die Eigenart der neuerworbemn Provinzen von den Franzosen geschont wurde, ist bekannt. Mit der reli- giösen ZÜleranz verband sich eine kluge Schonung des deutschen Wesens, die in dem Fortbestand der deutschen Uni- versität Straßburg besonders vortellhaft erschien. Die aus der Aufhebung der Kleinstaaterei entspringenden ökonomischen Vorteile befestigten rasch die Neugestaltung, und die große Revolution, die den Feudalismus zertrümmerte, erweckte in der Bevölkerung des Elsasses den demokratischen Geist, der heute noch dort lebendig ist. In den folgenden Jahrzehnten verschmolz sich das im Elsaß erhalten gebliebene deutsche Wesen mit dem französischen. Aus dieser historisch errungenen und befestigten Stellung wurden Elsaß und Lothringen ganz plötzlich heraus- gerissen. Man kann sich denken, wie die Stimmung war in jener Zeit, als einer der ersten A e st h e t i k e r Deutschlands, der Schwabe Vischer, den Franzosen zugerufen hatte: „Eu ch unverschämter Nation soll man die Hände z u s a m m e nschnürcn, daß Euch das Blut aus den Nägeln spritzt!" Was mußten die Elsaß-Lothringer � nach dem Erguß dieses Rinnstein- Aesthetikers,' wie ihn der„Volksstaat" nannte, von den preu- stischen Junkern erwarten! Es kam eine Zeit der militärischen Diktatur init Ausnahmegesetzen, ganz den Traditionen der preußischen Politik entsprechend. Tie preußische Bureau- krafie und Junkerschaft, die sich nunmehr in der Verwaltung der„wiedergewonnenen" Provinzen festsetzte, trug ihr Teil dazu bei, die Bevölkerung die Veränderungen recht schmerzlich empfinden zu lassen. Wir wollen ohne weiteres zugeben, daß die Schwierig. keiten der Uebergangszeit für die deutsche resp. preußische Politik vor vierzig Jahren weit größer waren als fiir die französische Politik vor 230 Jahren, weil jene urplötzlich ein- griff, diese nur einem längst vorbereiteten Zustand zur Ver- wirklacksung verhalf. Um so vorsichtiger hätte man 1871 vor- gehen müssen. Aber so mußte ein klaffender Riß bleiben, und die preußisch-deutsche Polifik hat in vierzig Jahren nicht den Beweis erbracht, daß sie fähig wäre, ihn zu überbrücken. Diese Politik ist eben beeinflußt von den Traditionen der Junker, welche auf die Eigenart der Reichslande gar keine Rückficht nehmen und sie zu einer preußischen Provinz machen wollen was gerade vom elsässischen Volke mit dem meisten Widerstreben aufgenommen wird. Die rücksichtslose konser- vative Taktik hat dem schwachherzigen Liberalismus gegenüber auch diesmal den gewohnten Erfolg. Die Sozialdemokraten werden angefaucht, daß sie«alles oder nichts" wollen, während l verschiedene liberale Stimmen sich schon mit der Vertretung! der Reichslande im Bundesrat zufriedenstellen und diese als geeignete Grundlage für eine„künftige Autonomie" erklären. Die wunderbare Schieberei, daß drei Stimmen ! bei einer Bundesratsmehrhest nicht mitgezählt werden sollen, � ist doch eher geeignet, Mißtrauen zu erregen als Vertrauen. ! Diesen liberalen Hasenseelen werden die Junker zeigen, was eine Harke ist. Die Bevölkerung der Reichslande hat genug- sam zu erkennen gegeben, wie stark bei ihr die demokralischen und republikanischen Strömungen sind. Aber diese iverdcn einfach ignorieren. Statt in einen republikanischen Bundesstaat werden die Reichslande in eine preußische Provinz mit einem Herrenhause nach preußischem Muster verwandelt. Und da will man sich wundern, wenn sich der Blick der Elsaß-Loth- ringer manchmal mit schmerzlicher Resignation nach der be- nachbarten Republik wendet, deren Entstehung sie mit vor- bereitet haben und der sie angehören würden, wenn man sie nicht gewaltsam von Frankreich abgetrennt hätte. Die Proteste gegen die Annektion waren seinerzeit ver- geblich und die namentlich von Karl Marx vorgesehenen un- heilvollen Folgen sind eingetreten. Die russisch-französische Allianz und die dauernde Kriegsgefahr sind gekommen. Zwar die Annektion gehört der Geschichte an, aber solange die Leiter der preußisch-deutschen Politik keine anderen Bahnen einschlagen, werden die Wunden nicht vernarben, die die Annektion hinterlassen hat. Man denke nur: wenn einmal, was wir am allerwenigsten wünschen, das Gespenst des Revanchekrieges doch wieder lebendig und durch ein unglückliches Zusanunentreffen der Er- eignisse und Umstände Deutschland in einen europäischen Krieg verwickelt würde, so hätte das Deutsche Reich an drei Grenzen— Osten, Norden und Westen— drei Volksstämme, deren Eigenart mit Deutschland in Einklang zu bringen man nicht vermocht hat und zwischen denen und dem Reich resp. Preußen ein unüberbrückbarer Abgrund besteht. Lin echtprenkilche; IMterilikk. Soeben ist dem Genossen Karl Liebknecht ein Beschluß des ersten Zivilsenats des Kammergerichts vom 27. Februar d. I. zu- gestellt, der gegen ihn das Hauptverfahren vor dem Ehrengericht der AMvaltskammer in Berlin ohne Voruntersuchung eröffnet. Der Beschluß, dessen Wortlaut mitzuteilen uns das Gesetz unter- sagt, erklärt unseren Genossen für hinreichend verdächtig, auf dem Magdeburger Parteitag durch die von ihm eingebrachte Resolution über die Vergewaltigung Finlands und den Zarenbesuch in Deutsch- land, und durch seine Begründung zu dieser Resolution den russischen Zaren, sowie die preußische und säch. fische Regierung beleidigt, dabei auch„auf. reizende Aeußerungen" getan zu haben. Dadurch soll sich der Jnkulpat außerhalb seines Berufes der Achtung, die der Beruf des Rechtsanwalts erheischt, unwürdig gezeigt und seine Pflichten verletzt haben. Der Beschluß deS Kammergerichts ergibt, daß sowohl der Oberreichsanwalt in Leipzig, wie die Staatsanwaltschaft in Magde- bürg und die Oberstaatsanwaltschast in Naumburg mit der frag- lichen Resolution und Rede befaßt waren— auf wessen Anregung ist leider nicht ersichtlich. Alle drei Instanzen haben jedoch einen Anlaß zum strafrechtlichen Einschreiten gegen den Genossen Lieb- knecht nicht gefunden, also keine strafbare Handlung für vorliegend erachtet. Dennoch wurde nunmehr ein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet. Der Vorstand der Anwaltskammer in Berlin hat den Antrag des Oberstaatsanwalts am Kammergericht, gegen den Genossen Liebknecht die ehrengerichtliche Vorunter- suchung zu eröffnen, abgelehnt. Er hat in eingehender Be- gründung dargelegt, daß Genosse Liebknecht die inkriminierten Handlungen in Betätigung seiner politischen Ueberzeugungcn be- gangen und hierbei die ihm durch die Standespflichten gezogenen Grenzen nicht überschritten hat. Auf Beschwerde des Oberstaatsanwalts am Kammergericht ist nun der Beschluß des Kammcrgerichts ergangen. Dieser Beschluß geht sogar über den Antrag de? Oberstaatsanwalts hinaus. Dieser hatte nur die Eröffnung der Voruntersuchung beantragt. DaS Kammergericht hat sich nicht nur über die Entscheidung der Standes- genossen Liebknechts hinweggesetzt— ein vortrefflicher Kommentar zur Legende von der Unabhängikeit der Rechts- anwaltschaft!—, es hat auch unter Abstandnahme von einer Voruntersuchung sofort das Hauptvcr- fahren eröffnet. Genosse Liebknecht hatte bis zu dem Moment der Zu- stellung des Kammergerichtsbeschlusses keine entfernte Ahnung, daß irgendetwas gegen ihn im Gange war. Kein Sterbenswörtchen war ihm mitgeteilt, keine Vernehmung erfolgt. Nichts. Eine Anklageschrift hat er bis heute noch nicht. Sie ist ihm nach§ 70 der Rcchtsanwaltsordnung nunmehr post kestum nachzuliefern: natürlich ist sie nun auch völlig überflüssig. Zu einer solchen heimlichen Feme bieten die Gesetze allerdings die formellen Handhaben. Diese formellen Handhaben sind im vor- liegenden Falle gegen unseren Genossen aber auch bis aufs äußerste ausgenutzt. Schon gewiß ein halbe? dutzendmal hat man in ähnlicher Weise unserem Genossen an den Kragen gewollt; das erstemal aus Auslaß einer Aeußerung, die er als Verteidiger im Königsberger Zaren-Geheimbundsprozeß 1904 getan hatte. Wird es jetzt endlich den Machenschaften der borussischen Reaktion gelingen, den un» bequemen und verhaßten politischen Gegner wenigstens im Difc- ziplinarwege zur Strecke zu bringen? Denken die maßgebenden Instanzen in unbegreiflicher Verblendung Seide zu spinnen, in» dem sie'ihre Hand wiederum zum Schirm über den Blutzaren halten, einen deutschen Reichsbürger um Beruf und Existenz bringen? Denken sie den Zarenschutz, dem sich in Deutschland selbst die Strafgesetze versagen, im Lande der Dichter und Denker nun auf dem Wege des disziplinaren Vorgehens wenigstens in etwas zu etablieren? Sehen sie in ihrer erstaunlichen Kurzsichtig- keit nicht, wer allein aus einem solchen in jedem Kulturlande unerhörten Vorgehen Vorteil und Nutzen ziehen, wird? Wer anders als die Sozialdemokratie? Rußlands auswärtige Politik. Ju russischen Negierungskreisen werden neuerdings Nüstungspläne eifrig diskutiert. Besondere Beachtung fand eine Rede, die der Operkommandierende der Schwarzen Meer-Flotte, Admiral Skrydlow, im Ministerräte hielt, um eine Verstärkung der russischen Flotte zu begründen.„Die Entwickelung der österreichischen Flotte— so führte der Admiral aus— schreitet immer weiter; ebenso wächst die türkische Kriegsmarine. So wie China sich allmählich auf einen Krieg mit Rußland vorbereitet, so rüstet die Tiirkei. Oesterreich selbst sucht einen bewaffneten Konflikt mit Ruß- laud zu vermeiden, doch stachelt es die Türkei zu Feindselig- keiten gegen Rußland auf.... Wenn auch die Türken heute noch nicht auf dem Meere zu fürchten sind, so können wir bereits morgen den Vorsprung verloren haben, den wir über sie besitzen." Und auf die Gefahr einer inneren Revo- l u t i 0 n übergehend, bemerkte der Admiral: �„Am Tage nach der Kriegserklärung muß die Revolution im Lande aus- brechen, diesmal aber wird sie furchtbarer und! schwerer als das letztemal sei n." Wie aus der weiteren Mitteilung Abmiral Skrydlows in der PetersVütger'Zeitüng„Birshewija Wedomosti" erficht- lich ist, handelt es sich um die sofortige Inangriffnahme des Baues von s e ch s D r e a d n 0 u g h t s zur Verstärkung der Schivarzmeerflotte. Das Geld dafür müsse sofort aufgetrieben! werden. Es handelt sich hier keineswegs um einen unvor- bereiteten Vorstoß, wie er in der hurrapatriotischen Presse in den letzten Jahren so häufig war. Und daß er bei den ent» scheidenden Instanzen auf keine Schwierigkeiten stoßen würde, zeigen die soeben stattgefundenen Budgetdebatten in der Duma, die durch den Bericht des Vorsitzenden der Budget- kommission, Prof. Alcxejenko, und eine Rede des Finanz- Ministers Kokowzew eingeleitet wurden. Zum größten Mißvergnügen der Regierungsparteien benutzte unser Genosse Pokrowski diese Gelegenheit, um nach einer glänzenden Analyse des russischen Budgets die ge- Heimen Pläne der Regierung auf dem Gebiete der auswärtigen Politik in das rechte Licht zu rücken. Das Hauptargument des Finanzministers zugunsten der„glänzenden" Finanzlage Rußlands war sein Hinweis auf den freien Barbestand. der in den letzten zwei Jahren die Höhe von 3 0 7 M i l l i 0- nenRubel erreicht hat. Nun wies aber Genosse Pokrowski auf Grund der Zahlen der Budgetkommission nach, daß diese Summe künstlich beschaffen wurde: 1. aus der �Vsprozentigen Anleihe, die die Regierung 1909 unnötiger- weise zu äußerst schweren Bedingungen abschloß und die ins- gesamt 148 Millionen ergab. 2. aus der willkürlichen Er- höhung der indirekten Steuern, die in den letzten zwei Kahren einen Ueberschuß von 123 Millionen lieferten. Wenn in Be- tracht gezogen wird, daß das russische 3 Milliarden-Bridget nur auf der Unterernährung und Schnapsver» s e u ch u n g der Massen basiert und dem russischen Volke direkt erpreßt wird; daß ferner fast ein Drittel des Netto- bndgcts für den Schuldendienst draufgeht, so erscheint die künstliche Anhäufung eines„freien Barbestandes" von 300 Millionen direkt als ein Verbrechen am r u s s i- s ch e n V 0 l k e. Hier drängt sich von selbst der Gedanke auf, daß sich die russische Regierung mit Hilfe dieses„Barbestandes" von der Kontrolle der Volksvertretung vollständig emanzipieren will und vor allem auf neue kriegerische Abenteuer ausgeht. Zum Teil gibt ja das auch schon der Finanzminister in seiner Denkschrift zum Budgetentwurf selbst zu, indem er schreibt, daß der freie Barbestand zur Wiederherstellung der Verteidigungsmittel des� Landes, für die Amurbahn und das zweite Gleis der Sibirischen Bahn nötig sei. Aber die Konsequenz aus diesem halben Geständnis und der ganzen gegenwärtigen Situation zog unser Genosse Pokrowski, indem er erklärte: „Wenn die Regierung hinsichtlich deS freien Barbestandes irgendwelche Pläne oder Hoffnungen hegt, so sind sie voll und ganz auf kriegerische Maßnahmen, auf die Verwirklichung der kriege- rischcn Hoffnungen der Regierung gerichtet. 300 Millionen, so hat der Finanzminister gesagt, gleichen fast dem freien Bar- bestände von 1004, der 381 Millionen betrug. Ich glaube, daß auch die Stimmung der Regierung der von 1901, vor dem russisch-japanischen Kriege gleicht. 1005 hat die Regierung, nachdem sie auf den Feldern der Mandschurei viel verloren hatte, auch innerhalb des Landes viel eingebüßt. Jetzt trachtet sie außerhalb des Reiches wieder das Glück zu versuchen, um nach einem Siege alles im Reiche zu er- obern. Die Tatsachen sprechen ja dafür: was bedeutet denn sonst die Potsdamer Zusammenkunft? Sie bedeutet, daß die russische Regierung sich in kriegerischem Mute an den Nachbar Wt der gepanzerten Faust um Unterstützung wendet. Sie kicken CcIFe FeReinfaNe Jnleteffeff, eZ stehst sci Ms Wahl- ! a m p a g n e, ein Kampf gegen den inneren Feind bevor, darum nehmen sie ein kriegerisches Aussehen an. Wir sahen ja auch jüngst, daß Rutzland ein Ultimatum an China richtete, welches daS ganze Land in eine Erregung versetzte, die noch jetzt nicht ge- schwunden ist. Wir sahen ferner den russisch-japanischen Vertrag, der offenbar nichts anderes ist, als die Vorbereitung neuer ostasiatisdjer Abenteuer der russischen Re- gierung." � Die Ausführungen unseres Genossen! waren so ein» leuchtend, dasi sich der nachfolgende Redner der Kadetten, N. Lwo w, ihnen nicht verschliefen konnte. „Der freie Barbestand— so führte er aus— bestand auch schon früher, aber dann diente er bloß als Dekoration, hinter welcher sich die unbefriedigten kulturellen Bedürfnisse verbargen. Die Politik der Anhäufung des freien Barbestandes und der Kon- Zentrierung aller Mittel an einem Punkte führte zu einer unge- Heuren Steigerung der Flottenausgaben und zu einem eigenartigen Imperialismus. Unser Imperialismus stützte sich nicht auf einen Ucberschuß von Volkskapitalien und innerer Energie, er bedeutete bloß kriegerische Prätensionen, die von der Macht des Volksorganismus und der angehäuften Kapi- talien nicht unterstützt wurden!" Zum Schluß forderte der liberale Redner die Gin- fchränküng derRüstungen und die Reduzierung der bewaffneten Kräfte bis zu einem Grade, der für die Ver- teidigung des Reiches erforderlich ist. Ueberflüssig, zu sagen, daß weder der Finanzminister noch die Vertreter der Re- gierungsparteien auf die Anklagen und Forderungen des sozialdemokratischen Redners mit einem Worte eingingen. Dies Verlegenheitsschweigen zeigt deutlich, daß die sozialdemo- kratische Kritik die empfindlichste Stelle der herrschenden Babanque'.Politiker getroffen hat. politilcbe ücberlicbt. Berlin, den 15. März 1911. Bergarbeiterlos. AuS dem Reichstag, 15. März. Die heutigen Ver» Handlungen brachten zunächst eine Auseinandersetzung zwischen dem Zentrumsabgeordneten Giesberts und den. Sozial- demokraten Sachse. Herr Giesberts suchte nämlich die Streitigkeiten unter den katholischen Fachabteilungen und den christlichen Gewerkschaften dadurch in den Hintergrund zu drängen, daß er allerhand Meinungsverschiedenheiten zwischen Sozialdemokraten hervorzerrte. Daß das Zentrum den Ar- bettern ebenso freundlich gegenüberstehe, wie die Sozial- demokratte, wollte er durch Zitate von Bebel einer- seits und dem verstorbenen Zentrumsführer Lieber andererseits beweisen. Genosse Sachse wies nunmehr nach, daß Lieber im Unterschied zu Bebel ausdrücklich verlangt habe, daß die Unternehmer die Betätigung sozialdemokratischer Ge- sinnung auch außerhalb ihrer Betriebe nicht zu dulden brauchten. Dann erörterte er ausführlich die Schäden im Bergbau und forderte ein Reichsberggesetzgericht wie insbesondere unabhängig gestellte und von den Arbeitern gewählte Grubenkontrolleure. Die jetzt eingeführten „Sicherheitsmänner' seien ein völlig ungenügender Ersatz. In scharfer Polemik wies der freisinnige G o t h e i n die Anbindungsversuche des konservativen Grafen Kanitz zurück. indem er gleichzeitig darlegte, daß das Schutzzollsystem auch in Amerika sichtbar ins Wanken gerate. Dann plädierte er für das Koalitionsrecht der Landarbeiter. Eine unerwartete Sensation brachte zum Schluß der Sitzung eine Rede des polnischen Pfarrers Weida aus Oberschlesien. In tvarmen Worten, die von einer inneren tiefen Ergriffenheit zeugten, trug er das Elend der ober» schlesischen Bergarbeiter vor. Anschaulich schilderte er, wie sie materiell durch die Unternehmer, ideell durch die preußische Polizeiwirtschaft bedrückt und geschädigt werden. Als er unter stürmischem Beifall, auch der Sozialdemokraten, geschlossen hatte, wurde der Staatssekretär Delbrück von den Sozial- demokraten aufgefordert, doch den„selbstlosen Staat" gegen diese schweren Anklagm zu verteidigen. Er zog es vor, zu schweigen._ Kunst, Wissenschaft, Universitäten. DaS preußische Abgeordnetenhaus arbeitet mit unheimlichem Fleiße; nachdem es am Dienstag nicht weniger als 10 Stunden getagt hatte, hielt es am Mittwoch schon wieder eine Dauersitzung ab, in der eS vom KultuSetat die Kapitel„Technisches Unterrichts- Wesen" und„Kunst und Wissenschaft" erledigte. Und damit noch nicht genug, unterhielt eS sich außerdem auch noch über den Professoren- streit an der Berliner Universität. Wie es bei so hastigen Arbeiten um die Gründlichkeit bestellt ist, kann man sich denken. Insbesondere zeugte die Kunstdebatte von einem ganz»«-' gewöhnlichen Tiefstand. Zw-» gab sich Genosse Liebknecht die redlichste Mühe, die Debatten auf ein höheres Niveau zu heben, indem er anschaulich schilderte, wie Kunst und Wissenschaft in der heutigen Gesellschaftsordnung planmäßig in den Dienst deS Kapitals gestellt werden, aber die große Mehrheit der Dreiklassenleute hat hierfür kein Verständnis; für sie ist es ganz selbst- verständlich, daß die Kunst nur für die oberen Zehntausend da ist, daß aber daS Volk keinen Anteil an den geistigen Genüssen haben darf. So predigte unser Genosse beim tauben Ohren. Aber mag die Majorität des JunkerparlamentS sich auch noch so sehr gegen ihr unbequeme Tatsachen sträuben, mag sie sich auch noch so sehr durch albernes Lachen darüber hinwegzusetzen suchen, es nutzt ihr nichts: die Wahrheit bricht sich Bahn, und über kurz oder lang wird es sich zeigen, wie recht Liebknecht hatte, als er die Sozialdemokratie als die einzige Partei bezeichnete, die den Fortschritt auf dem Ge- biete von Wissenschaft und Kunst verlritt. In der Erörterung über den Professorenstreit traten neue Momente nicht zutage. Die Angelegenheit ist in der Presse so breit getreten und in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses so ausführlich besprochen, baß NeueS darüber kaum noch zu sagen ist. Der Kultus- minister nahm sich, wie er eS bereits in der Kommission getan hat. deS Tendenzprofessors der preußischen Regierung, des Herrn Bern- Hardt, an. der mit der wissenschaftlichen Vernichtung der polnischen Bewegung beauftragt ist. während umgekehrt einige Redner der Linken das Verhalten Bernhardts scharf tadelten. Dem Genossen Liebknecht wurde nach bewährter Junkerpraxis wieder das Wort ab- geschnUren. I Donnerstag: Rest des KultuSetats. Der KriegSzug gegen die Arbeiterjugend. Den Arbeiterturnvereinen im Regierungsbezirk Lieg- nitz ging ein vom 27. Februar 1L11 datiertes Schreiben der Königl. Regierung, Abteilung für Kirchen» und Schulwesen zu. in dem unter Hinweis auf die verstaubte Kabinettsorder vom 10. Juni 1824 und die ebenso verschimmelte StaatSministerialinstruktion vom S1. Dezember 1820 darauf hin- gewiesen wird, daß zur Erteilung von Turnunterricht an jugendliche Personen die Erlaubnis der Schulaufsichtsbehörde einzuholen sei. Da um diese Erlaubnis nicht nachgesucht worden sei, werde die„Fortführung dieser oder ähnlicher Uebungen mit jugendlichen Personen" untersagt,„indem wir bemerken, daß wir für jeden Uebertretungsfall eine Exekutiv st rase von 150 M.— in Worten einhundertundfünfzig Mark— an deren Stelle im Unvermögensfalle eine Haft st rase von drei Wochen tritt, gegen Sie festsetze» werden I Unterschrift un- leserlich." Folgender Vorfall illustriert, was eine königliche Regierung alles als„jugendliche Personen" ansieht. In P e n z i g(Oberlansitz) er- schien vor Beginn der Turnstunde ein Beamter und-'klärte, junge Leute bts zum Al,er von 21 Jahren Äirften nicht au der Turnstunde teilnehmen!! Bekanntlich hat das Reichsgericht iereits am 28. Inn, vorigen Jahres entschieden, daß es für die Erteilung von Turn- Unterricht an schulentlassene jugendliche Arbeiter einer Erlaubnis der Schulbehörde nicht bedarf, und unsere Genossen Liebknecht und Sttöbel haben ja bekanntlich im Anschluß daran das gesetzwidrige Vorgehen des Kultusministeriums verdientermaßen gebrandmarkt. Auch sah sich ja der Kultusminister zu der stammelnden Entschul- digung genötigt, daß das Einschreiten der Schnlbehörden in ähnlichen Fällen deshalb erfolgt sei, weil das Kultusministerium e r st später von dem Entscheid des Reichsgerichts Kenntnis erlangt habe, eine Ausrede, die von unseren Rednern im Abgeordnelenhause gebührend gekennzeichnet wurde. Auch hat der Kultusminister, Herr Trott zu Solz, die weitere Erklärung abgegeben, daß er inzwischen eine I n st r u k t i o n an die untergeordneten Bebörden erlasien habe, wonach das Vorgehen dieser Organe mit demEntscheid des Reichsgerichts inEin- klang gebracht werden solle I Und trotzdem geht die Schul- behörde noch Ende Februar genau in derselben gesetzwidrigen Weife vor. wie früher I Haben die betreffenden Behörden den Erlaß des Kultusministers noch nicht erhalten? Wollen sie ihn nicht befolgen? Oder aber ist der Erlaß derartig, daß er nach wie vor mit dem Entscheid des Reichsgerichts im krassesten Widerspruch steht? Der Kultusminister wird nicht umhin können, schleunigst Antwort auf diese Fragen zu geben!_ Ein Abkommen mit England! Das stürmische Verlangen des deutschen und englischen Volkes, dem Wahnsinn des Wettrüstens ein Ende zu machen und zu einem gegenseitigen Einverständnis über die Einschränkung der Rüstungen zu gelangen, scheint selbst auf die deutsche ReichSregierung nicht ohne Eindruck bleiben zu wollen. Die„Nord. Allg. Ztg." schreibt über die Rede Sir Edward Greys: „Das englische Unterhaus war am Montag der Schauplatz einer bedeutsamen politischen Kundgebung von selten des engli- schen Ministers des Aeußern. Die Aeutzerungen Sir Edward GreyS über die internationale Lage im allgemeinen und die deutsch-englischen Beziehungen im besonderen können wir nur mit aufrichtiger Befriedigung begrüßen. Das- selbe gilt von den Darlegungen, die der R ü st u n g s f r a g e gewidmet waren, und die auch dem deutschen Standpunkt in so hohem Grade gerecht werden, daß sich daraus erfreuliche Perspektiven für die Weiterentwickelung der deutsch-engliichen Beziehungen ergeben. Nach den vorliegenden Meldungen hat der Minister mit Nachdruck die Feststellung des Reichskanzlers im Reichslage wiederholt, daß sich Mißtrauen nicht bei den Regierungen, wohl aber in der öffentlichen Meinung beider Länder vielfach geltend gemacht gemacht habe. Wenn zur Beseitigung dieses Mißtrauens, soweit die öffentliche Meinung in England in Betracht kommt, Vereinbarungen etwas bei» tragen können, wie sie der Minister angedeutet hat, so wird man deutscherseits gern bereit sein, dazu die Hand zu bieten. Von hier zu dem ideale» Zustand eines auf daS Schiedsgerichtswesen gegründeten Weltfriedens ist allerdings, wie Sir Edward Greh selbst betonte, noch ein weiter Schritt. Wenn man auch dem Gedanken schiedsgerichtlicher Abmachungen noch so sympathisch gegenübersteht, so wird man doch darin kein Arcanum gegen alle internationalen Mißverständniffe und Mißhelligkeiten suchen dürfen. Erst in jüngster Zeit hat ein Spezialsall gezeigt, daß dies nicht der Fall ist, und daß über Anwendung des Schiedsgerichts ebenso Zwiespalt entstehen kann, wie über andere Dinge. Eine Einigung der divergierenden Regierungen wird eben in solchem Falle genau wie in allen anderen von dem mehr oder minder ver- söhnlichen Geiste abhängen, in dem die Verhandlungen geführt werden. Und gerade der versöhnliche Geist, von dem die ganze Rede des englischen Staatsmannes durchweht ist, ist es, der ihr Sympathien in aller Welt erwecken wird." Die deutsche Regieruilg erklärt sich also— und wir nehmen sie beim Wort-- zu Vereinbarungen bereit. Das ist immerhin gegenüber der bisherigen störrischen Haftung ein gewisser Fortschritt. Leider ist das Gerede über das Schiedsgerichtswesen nicht dazu angetan, die Meinung zu festigen. daß die nun hoffentlich bald b e- ginnenden Verhandlungen auch in dem Geiste ge- führt werden, der der Auffassung des deutschen Volkes entspricht. Wir wollen vor allem Vereinbarungen, die dem Weiterrüsten ein Ende machen. Ist ein solches Abkommen erst erzielt, dann wird sich auch über den Komplex der übrigen Fragen, von denen insbesondere die Frage der Bagdadbahn der gegenseitigen Regelung bedarf, viel leichter eine Verständi» gung finden lassen. Sind wir erst einmal soweit, dann wird die Friedensarbeit der proletarischen Jnter» nationale schon dafür sorgen, daß aus dem S ch i e d s- gerichtswesen, über das die„Nordd. Allg. Ztg." heute so skeptisch urteilt, ein wirksames Mittel zur S i ch e r u n g des Friedens werde._ Aus der Verfassungskommission für Elsasi- Lothringen. Eingehend erörterte die Kommission die Fragen: Wer ernennt und entläßt die Minister, der Kaiser oder der Statthalter? Ein Zentrumsantrag, der dieses Recht dem Statthalter zuerkennen wollte, wurde nach längerer Debatte mit 12 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten Zentrum, Sozialdemokraten und das polnische Mitglied. Zur Begründung unserer Stellungnahme führte Genoffe Ledebour aus, nachdem beschlossen worden sei, daß der Kaiser den Statthalter ernenne, müsse versucht werden, die kaiserlichen Bewgnisie in seinem Verhällniffe zum Statthalter möglichst einzuschränken. Nur so könne auch der Einfluß deS Parlaments gestärkt werden. Abg. Hauß sElsässer) wies u. a. daraus hin, daß der Statthalter in eine uiran- genehme Situation geraten müsie. wenn Minister gegen seinen Willen handelten und er leine Möglichkeit habe, ihnen entgegen- zutreten. Die RegierungSvertreter bekämpften den ZentrumSanttag. da- gegen sprachen sich auch die Rationalliberalen und die Kons«- vativen aus. Die§§ 1 und 2 wurden darauf in der Fassung der Vorlage mit 18 Stimmen angenommen. Eine längere Debatte entspann sich über den§ 3, in dem be- stimmt wird: Der Kaiser kann dem Statthalter landesherrliche Be- fugnisse übertragen. Anordnungen und Verfügungen deS Statthalters bedürfen zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung des Staatssekretärs, der dadurch die Verantwortlichkeit übernimmt. Hierzu wurde ein Antrag Bassermann angenommen, nach dem die Verordnungen vom Reichskanzler gegenzuzeichnen sind. Genosse Frank führte aus: Soweit dem Statthalter landes- herrliche Befugnisse übertragen seien, trage der Staatssekretär die Verantwortung, besonders gegenüber dem Landtage. Wie aber solle es in den Fällen werden, in denen der Statthalter die Verant- Wartung für Anordnungen und Verfügungen des KmserS trage? In seinem Verhältnisse zum Kaiser und zum Landtage habe der Statthalter die Stellung eines Ministers des Neichslanzlers für Elsaß-Lothringen. Bisher habe der Statt- Halter niemals an Landesausschnßsitzungen teilgenommen. Wenn diese Uebung beibebalten werde, bestehe nicht einmal eine moralische Verantwortlichkeit des Kanzlers. Hierzu erklärte Staats- sekretär Delbrück, für den Statthalter bestehe leine Verpflichtung, im Landtage zu erscheinen. Der§ 4, der die Vertretung deS Statthalters durch den Staats- sekretär regelt, wurde angenommen. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt._ Schlotjunker und Krautjunker. In den Kreisen der hochschutzzöllnerischen Großindustriellen, die von der Schwächung des Ägrariertums eine Gefährdung der heutigen Schutzzollpolitik befürchten, wird es der Leitung des Hansabundes längst verdacht, daß sie zur Eroberung bis- heriger agrarkonservativer Mandate durch Linksliberale Geld hergibt, anstatt sich gegen die dieser Richtung des Großunter- nehmertums besonders verhaßte sozialpolitische Gesetz- gebung zu wenden. Die„Deutsche Volkswirtschaft- liche Korrespondenz", das Organ dieser scharfmacherischen Sippe, fühlt sich deshalb gedrungen, mit dem Hansabund wegen seiner angeblich anti-industriellen Politik gründlich ab» zurechnen. Sie wirft dem Hansabund vor. die Groß- industriellen als nebensächlich zu betrachten und in seiner Stellungnahme zur Landwirtschaft, zur Reichsfinanzreform, zur Sozialpolitik und zur Handelspolitik viel weniger Rücksicht auf die Interessen der Unternehmer zu nehmen wie auf die Zustinimung des Linksliberalismus. So heißt es z. B. in dem Artikel: „Seine(des Hansabundes) wirlschaftSpolitische Tätigkeit war. wenn nicht direkt überflüssig, so dock mindestens kaum nötig oder besonders verdienstlich. Auf sozialpolitischem Gebiete hat dagegen der Hansabund eine auffallende Zurückhaltung geübt. Eine der dringendsten Forderungen des erwerbstätigen Bürgertums, und zwar nicht nur für die Großindustrie, sondern mehr noch für Kleingewerbe und Handlverk, ist: besserer Schutz der Arbeitswilligen. Gerade hier könnte der Hansabund auf die linksliberalen Parteien, denen er doch unstreitig an, nächsten steht, dahin einwirken, daß sie eine gesetzgeberische Aktion gegen den TerroriSmuZ, dem die Arbeitswilligen heute ausgesetzt sind, unterstützen. Die bisherige Passtvitä, deS Hansabundes gegenüber dieser für die gewerblichen Kreise wicktigstcn Aufgabe ist eine UnterlassungS- f ü n d e, welche die sozialpolitische Stellung des Hansabundes scharf kennzeichnet. Auch in den sonstigen sozialpolitischen TageSfragen vermissen wir eine entschiedene Stellung zugunsten deS von den linksstehenden Parteien als guautitö nögli» geablo behandelten Unternehmertums, das doch stark im Hansabund vertreten und daher berechtigt ist, eine tat- kräftige Wahrung seiner Interessen von einer so großen Organisation zu fordern." Und zum Schluß heißt eS: „Die Industrie wäre geradezu verblendet, wenn sie sich durch den Sirenengesang von den„gemeinsamen Interessen von Gewerbe. Handel und Industrie" bestricken ließe, sich ihre bewährten Freunde auf der rechten Seite des Reichstages zu Feinden machen und damit die weitere Entfremdung zwischen In« dustrie und Landwirtschaft fördern würde. Jeder, der auf einer höheren Warte über wirtschaftlichen und Partetkämpfen steht, muß diese Entfremdung auch im Interesse des Reichs beklagen. Weder die Finanzreform noch die angebliche agrarische Ucbe-macht sind von solcher Tragweite, daß eS sich rechtfertigen ließe, die staatStreuen Parteien zu zersetzen und damit den dunkeln Elementen zum Siege zu verhelfen, die sich stets als Todfeinde der bürgerlichen Gesellschaft erklärt haben."_ Zur Neneinteilung der ReichStngswahlkreise« Der Charlottenburger Magistrat erbat unftrm 27. September 1810 beim Reichstag ein Gesetz,„durch das der Reichstags Wahlkreis Teltow-BecSkow-Storkow» Charlottenburg in mehrere Wahlkreise zerlegt wird derart, daß der von, Wahlkreise loSgerrennten Stadt Charlottenburg zwei Vertreter im Reichstag zugestanden werden. Dieser jetzige Wahl- kreis werde bei der nächsten ReichStagswahl etwa 1300 000 Ein- wohner zählen, wovon Charlottenburg zurzeit schon 288 000 auf- weist gegen 23 000 bei de: Gründung des Reiches(also eine Zu- nähme von über 000 Proz., im Wahlkreise von über 1100 Proz.). DaS Beispiel wird gegenübergestellt der verfassungsmäßigen For- derung einer durchschnittlichen Bevölkerungszahl von 100000 für einen Wahlkreis und der zu einen, Unrecht gewordenen kontrastierenden EntWickelung im ganzen Reiche. Die Petitionskommission verhandelte am Mittwoch über die Petition. Der Vertreter der ReichSregierung erkiärte sich gegen die Petition. Referent Pauli(O.-B.) bekcimt sich zu derselben Ansicht und beantragt die llebecweisung alS Material, während Genosse Sachse als Korreferent die Ueberweisung zur Erwägung fordert, wofür auch die Liberalen eintreten. Dieser Antrag wurde mit 12 gegen die 0 Stimmen der schwachbesetzten Linken(einschließ- lich deS polnischen Vertreters) abgelehnt und der Antrag Pauli dann einstinmng angenommen. Eine Resolution, die die Re- gierung zu Erwägungen darüber auffordert, wie eine der Bs» Völkern i, gSzn nähme entsprechende Einteilung der ReickstagSwahlkreise erfolgen kann, wurde mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen. Dafür stimmten wieder die Lücke und vom Zentrum nur dir Abg. Wallenborn und Giesberts. Die Mehrheit der Zentrumsvertrctimg(Dr. Will. 0>ütz, Hauser) hat sich aus den volksfeindlichen Standpunkt der Gewaltspolitck gestellt. El» desavouierter Reichstagskandidat. Der von den Nationalliberalen im Wahlkreise Göttingen-Münden- Duderstodt als Reichstagskandidat aufgestellte Eisenbahnschlosser Gustav J ckler ist von seinen eigenen Kollegen desavouiert worden. Jckler ist Vorsitzender des Kartells deutscher StaatSarbeiterverdände, dem die Kandidatur JcklerS für die Nationalliberalen nicht genehm zu sein scheint, denn eine Konferenz deS Kartells der Staatsarbeiter- verbände in Hannover beschloß, Herrn Jckler aufzufordern, entweder seine ReichStagStandidatur niederzulegen oder vom Vorsitz im Kartell der deutschen StaatZarLeiterdervände zurllckzu- treten._ Freisinnige Arbeiterfreundschaft. In der neuesten Nummer des„Gewerkverein", des offiziellen Organs des Zentralrats der deutschen Gewcrkvereine. lesen wir: „Vom Balken im eigenen Auge. In der„Freis. Ztg." vom Sonnabend finden wir eine Notiz, dab sich die christlich organi- sierten Arbeiter bei der Aufstellung von Reicbstagskandidaturen für das Zentruri zurückgesetzt fühlen und datz sie diese Zurücksetzung anscheinend nicht ruhig hinnehmen. In einer Konferenz der christlichen GewerlschaftS- und Arbeitersekretäre in Bayern sei über die Zentrumspartei deswegen ein Femgericht abgehalten worden. Der Zweck dieser Notiz kann doch nur sein, die christlichen Arbeiter gegen das Zentrum scharf zu machen. Die„Freis. Ztg.' aber ist unseres Erachtens dazu in keiner Weise befugt. Denn gerade die Fortschrittliche Bolls- Partei, deren führendes Organ die„Freis. Ztg." ist, hat in keinem einzige» auch nur einigermaße» sicheren Wahlkreise sich dazu ver- stehen können, einen Arbeiter als Kandidaten aufzustellen. Wer aber selbst im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen." Das Zentralorgan der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine muß ja die Arbeiterfreundlichkeit des Freisinns am besten kennen!_ Kreisblatt-Jntelligcnz. Im ManSfelber Revier bemüht sich die Kreisblattpresse jetzt mit ganz besonderem Fleitz, den Bergleuten wieder königstreue Ge- sinnung einzuimpfen. Im Eifer des Gefecht? hatte der Redakteur der„ManSfelder Zeitung' die Genossen Sachse und Hue gröblich beleidigt. Er wurde darauf zu 100 2)i. Geldstrafe verurteilt. Beide Parteien legten Berufung gegen die Enlscheidung ein. In der erneuten Verhandlung vor dem Landgericht in Eislcben machte der Verteidiger des verurteilten Redakteurs geltend, wegen seiner minderwertigen Ausbildung fei dieser Kreis- blattgewaltige nicht in der Lage gewesen, die Trag- weite des Artikels zu übersehen; noch viel weniger könne er einen solchen Artikel schreiben; cS könne deshalb höchstens Fahrlässigkeit in Frage kommen. Der Verteidiger ging in der Schilderung der.Intelligenz' seine« Mandanten so weit, daß der Vertreter der Kläger, Rechtsanwalt Genosse Landsberg, ihn schließlich sogar in Schutz nehmen mußte. Das Berufungsgericht ließ es bei dem Urteil der ersten Jiistanz bewenden._ In dem Zengniszwangsverfahren zegen Redakteur Ludwig Götz von der„Straßburger Rund- chau' ist vom OberlandeSgericht Colmar der Beschluß dcS Unter- uchungSrichterS in Straßburg. durch welchen Götz als Zeuge in einer Disziplinarsache gegen einen Straßburger Rechtsanwalt zu Strafe und Kosten verurteilt und gegen ihn zur Er- zwingung des Zeugnisses die Haft angeordnet worden war. auf erhobene Beschwerde hin aufgehoben worden. Der Termin für den Haftantritt, der schon im Februar hätte erfolgen sollen, war schon vorher außer Kraft gesetzt worden. Oeftemleh. Gegen die preußische AuSweisnngSbarbarei. Wien, 15. März. I m BudgetauSschuh forderte der Abgeordnete Ncmec(tschesch. Eoziald.) die Regierung auf, zum Schutze der grundlos auS Preußen Ausgewiesenen einzugreifen. Der Abgeordnete Kot- larsen gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß man seitens des verbündeten Deutschen Reiches in so se i n d- seliger Weife gegen die tschechischen Arbeiter und Hand- werker vorgehe. Der Abgeordnete K u r a n d a beklagte sich über die grundlsse Ausweisung der jüdischen Staats- a n g e h ö r i g e n auS den östlichen Provinzen Preußens. Die österreichische und die gemeinsame Regierung täten zwar in jedem einzelnen Falle ihr Möglichstes, er glaube jedoch, daß eine generelle Regelung dieser Verhältnisse durch eine Konferenz mit den Behörden des Deutschen Reichs olleinige Abhilfe bieten könne. Abg. K r a m a r s ch erklärte, Preußen werde die bisherige Auswcisungspolitik fortsetzen, so lange Oesterreich sich alles gefallen lasse. Oesterreich brauche, wo Deutschland bedeutende wirtschaftliche Interessen habe, sich nicht als guaatitö n6p:ligeable behandeln zu lassen. Die deutschen Interessen in Oesterreich seien größer als Oesterreichs Interessen in Deutschland. Vcracltungs- maßregeln würden jedenfalls die Gegner der AuSwcisungs- Politik in Deutschland selbst stärken. Uebrigens würde eö genügen, Ernst zu zeigen, um eine menschlichere Politik zu erzwingen. Der Mi nister des Innern erklärte, selbstverständlich widme auch die österreichische Regierung der Behandlung der Oesterreichcr im Auslande volle Aufmerksamkeit und unterlasse es nicht, auS Anlaß einzelner Fälle stets an das Ministerium des Aeußern zur Einleitung einer geeigneten diplomatischen Aktion heranzutreten. Die Anregung, gegenüber der Aus- Weisungspraxis der preußischen Behörden auch deutsche Angehörige lediglich wegen ihrer Staatsangehörig- keit auszuweisen, halte er für zu weit gehend, da er es nicht richtig finde, was man auf der einen Seite als Unrecht hinstelle, auf der anderen Seite selbst zu üben. Portugal. Wahlgesetz und Abschaffung der Todesstrafe. Lissabon, 15. März. Das Amtsblatt veröffentlicht heute das Wahlgesetz für die Wahl der Abgeordneten zur gesetz- gebenden Versammlung. DaS Wahlrecht wird geheim, direkt und fakultativ fein. In dem Wahlkreise Lissabon und Oporto wird daS Proportionalsystem, in den übrigen Wahlkreisen die Listenwahl zur Anwendung kommen. Jeder koloniale Wahlkreis wird einen Abgeordneten wählen. Die Mnisier sind mit der Prüfung emeS Militär-Sttafgesetz- bucheS beschäftigt, daS die Abschaffung der Todesstrafe emhalten soll, die in Wirklichkeit schon jetzt nicht mehr an- gewandt wird. Cnglanck. Gegen die Rüstungen. London, 13. März.(Eig. Ber.)„Die Bewegung gegen l>ie riesigen, stets steigenden Flottenausgaben hat die l i b e- ralen Verbände vieler Grafschaften zur Abwehr aufgerütkelt. Besonders bemerkenswert ist der Beschluß des liberalen Verbandes der großen Grafschaft Aorkshire, die bisher eine der sichersten Festen des englischen Liberalis- mus war. in dem die Regierung aufgefordert wird, die dies- jährigen Voranschläge für die Flotte zu revidieren. Tie Linksliberalen fürchten, und zwar nicht ohne Grund, daß die ungeheuren Rüstungen eben in kurzer Zeit zur gänzlichen Einstellung der Sozialreforin und zum Z u- tammenbruch der liberalen Partei führen wirb« Einige sind auch der Ansicht, daß die konservative Parier durch ihre BetzereieK und die offenkundige Veein- flussung der rechtsstehenden liberalen Führer bewußt diesem Ziele zusteuert. Daß die Beilegung einen unmittelbaren Erfolg zeitigen wird, ist freilich ausgeschlossen. Was des Pudels Kern ist, zeigte Keir Hardie gestern in einer Rede, die er in Brad- ford hielt. Jede Sektion des Unterhauses, so bemerkte er, sei von der Regierung bestochen worden. Man habe den Links- liberalen gesagt: Wenn Ihr nicht für unsere Flottenausgaben stimmt, so wird das Veto und die Macht des Hauses der Lords nicht zerstört werden. Das bringe die Linksliberalen zum Schweigen. Ter irischen Partei sei erklärt worden: Wenn Ihr unsere Flottennusgaben nicht annehmt, so müssen wir demissionieren, und Ihr werdet die Homerule nicht bekommen. Ten Walisern sage man: Wenn Ihr in dieser Frage nicht mit der Regierung stimmt, so kann von der Trennung der Kirche in Wales nicht die Rede sein. Und der Arbeiterpartei halte man vor: Wenn Ihr bei diesem Voranschlag nicht für die Regierung stimmt, so werdet Ihr keine Osbornebill und keine Arbeitslosenversicherung erbalten. Er spreche nicht für seine Partei, sondern nur für sich, und er sei entschlossen, gegen diese verbrecherische Torheit zu stimmen, selbst auf die Gefahr hin, daß alle diese Reformen' auf eine unbestimmte Zeit verschoben würden. Es ist kein Zweifel, daß diese Taktik Keir HardieS die einzig richtige und die e i n z i g e ist, die mit den G r u n d- s ätzen der proletarischen Internationale vereinbar ist. l�ußlatid. Das Borgehen gegen China. Paris, 14. März. Der Petersburger Korrespondent des „TcmpS" meldet, daß sich bereits zwei Brigaden mit acht Artilleriekompagnicn, zwei Schützenbataillone und vier Kosaken- schwadronen etwa 100 Kilometer von Kuldscha befänden, Professorenmaßregelung. Petersburg, 13. März. Von den Professoren der Moskauer Universität, die ihren Abschied ein- gereicht haben, sind dreizehn ihres Amtes.enthoben worden. Orkei. Die Bagdadbahn. Konstantinopel, 1o. März. In einem Artikel des„Tanln' wird ausgeführt, die ottomanische öffentliche Meinung sei peinlich berührt. weil in den Erörterungen der englischen Presse über die Bagdad- bahn die Türkei gar nicht berücksichtigt worden sei. Das Blatt betont, die Bagdagbahnfrage sei nicht mit der K o w e i t- frage zu vermengen. Zwischen England und der Türkei bestehe ein Einvernehmen bezüglich der Anerkennung des statu« guo in Koweit. Sollte England die Rechte ver Türkei nicht anerkennen und verhindern, daß die Bagdadbahn ihren Endpunkt in Koweit habe, so könnte die Bahn auch an einem anderen Punkte des Persischen G o l f e S endigen. Die Türkei hätte dabei nichts zu verlieren, während England nichts gewinnen, viel- mehr jede Aussicht auf Konzessionen für andere Linien in Mesopo« tamien einbüße» würde. Amerika. Die Mobilisierung. Washington, 15. März. Das Kriegsdepartement gibt bekannt, daß keinS der in T e x a S mobilisierten Jnfanterieregimeuter an die mexikanische Grenze gesandt werden wird. Dagegen sollen sieben weitereKavallerieabteilungen die drei bereit» an der Grenze patrouillierenden Abteilungen ergänzen, um dem Waffen- und MuintionSschinuggel ein Ende zu machen. Ein japanisches Dementi. Tokio, 15. März. DaS Regierungsblatt„Kokumin' erklärt die New Dorker Gerüchte von einem GcheimbündniS zwischen Japan und Mexiko sowie von der Anwesenheit von 50 0V0 Japanern in Mexiko für völlig unbegründet. Ein Aufstand in Veracruz? New Aork, 14. März. Nach Privatmeldungen deS„New Fork Herald' aus der Stadt Mexiko ist gestern vormittag in Vera- cruz ein Auf st and ausgebrochen. Ein Amerikaner wurde getötet, sechs Polizeibcamte wurden verwundet. Die Tore eines Gefängnisses wurden geöffnet, sodatz 70 Gefangene entweichen konnten. Ein im Hafen liegendes Kriegsschiff und die Marine- soldaten unterstützen die Zivil- und Militärbehörden. Die fran- zösischen Interessen wird ein französisches Kriegsschiff wahrnehmen. Klus der partei* Neue Kämpser. In Eßlingen beschloß dieser Tage eine Generalversammlung der Produktivgenosienschast VercinSdruckerei einstimmig die Gründung und Herausgabe eines eigenen Blattes für den Bezirk Eßlingen. Das Blatt soll unter dem Titel„Eßlinger BolkSzeitung' bereits bis zum 1. Juni d. I. erscheinen. Die Anstellung eines Redalteurs sowie Expedienten wurde dem Vorstand und AussichlSral übertragen. „V o l k s w a ch t' wird sich unser neues bodisches Parteiorgan in Freiburg nennen. Es besteht Aussicht, daß die Fertigstellung deS Baues und der Druckerei zum 1. Juli möglich ist. Sammlungen für de» WahlfondS. Die Borstände der Gewerkschaften und der Parteiorganisation zu Stralsund beschlossen einstimmig, zum Besten des Reichstags- wahlsonds einen einmaligen Extrabeitrag von 30 Pf. von den Mitgliedern ihrer Organisationen zu erheben. Ein gleicher Beschluß wurde in Bergen auf Rügen gefaßt und steht in B a r t h in sicherer Aussicht._ Gerichtliche Klarstellung. Gegen den sozialdemokratischen RcichStagSkandidaten des 6. badischen Kreises(Labr-Wolfach). den ersten Be- vollmächtigten der Ortsverwaltiing Karlsruhe deS Deutschen Metall- arbeiterverbandes Genossen Heinrich Sauer, bringt die Nr. 10 deS „Deutschen Metallarbeiters'(Organ der Wiesenthaler) vom 11. d. M. zwei heftige Angriffe. Der eine(nicht redakltouellc) ist von dem Karlsruher Metallarbeiter Reinhold Odert» all) in Form eines offenen Briefes an den LandcSdorstaiid der sozialdemokratischen Partei Badens gerichtet. ES wird gefragt, ob ihm einige gegen Sauer vorgetragene ehrberletzende Bebatipwngen' bekannt sind, die früher schon öffentlich gemacht worden seien. Genosse Sauer gibt im„BolkSfrennd' die Erklärung ab, daß„die aufgestellten Bchaup- lungen jeder Grundlage entbehren' und daß er gegen „Herrn Reinh. Oderwald gerichtliche Klage erhoben habe.' Personalien- In die Redaktion deS„Volksblatt' für Halle tritt für den nach Essen gehenden Genossen Riebuhr am 1. April als Lokalredakteur Genosse ft o e n e n. Er besucht zurzeit die Parteischule in Berlin und war vorher als Lerichlirstaller in Kiel und Königsberg tätig. i pollzelUtbcfl» Oertelitttchcs ufw. Scharfmacherbeleidigung gleich MajestatSbelcidiguitg. Genosse U tz, Verantwortlicher unseres Kottbuser Partei- blattes, hatte sich wegen angeblicher Beleidigung BueckS und des Textilindu st riellenverba ndeL in Forst zu verant- Worten. Die Beleidigung wurde in einem Versammlungsbericht aus Anlaß der letzten Streikkämpfe gefunden. Der Staatsanwalt be- antragte die ungeheuerliche Strafe von sechs Monaten Ge« f ä n g n i s. Die Verhandlung wurde aber wegen nochmaliger Ver- nehmung BucckS vertagt._ Summarisches Berfahre»„zulässig". Wegen formeller Beleidigung der Halleschen Polizeibeamten. die wegen ihrer Tätigkeit bei den Wahl- rechtsdemonstrationen mit Orden und Ehren- zeichen dekoriert tvorden sind, ist am 10. Dezember v. I. der Redakteur deS.VolkSblatteS' zu Halle, Genosse Otto Nie- b u h r. vom Landgericht H a l l e a. S. zu der höchsten zulässigen G e l d st r a f e, nämlich 60t) M., verurteilt worden. In den Urteilsgründen hat das Gericht besonders betont, daß es auf die hoch sie zulässige Strafe erkannt habe und auf eine höhere erkannt haben würde, wenn das Gesetz eine solche zugelassen haben wurde.— I» der Revision des Angeklagten wurde u. a. darüber Beschwerde geführt, vaß entgegen A 244 Str.-Pc.-O. eine große Zahl geladener und erschienener Zeugen nicht vernommen worden sind. DaS Gericht war der Ausicht, daß ihre Aussage auf die Schuldfrage und das Strafmaß ohne Einfluß sein würde.— Der Reichsanwalt erkannte an, daß eine Gesetzesverletzung vorliege, welche unter anderen Umständen zur Aufhebung deS Ur- teils führen müsse; er war ober der Meinung, daß das Urteil auf diesem Verstoße nicht beruhe. DaS Reichs- gcricht hielt das e»geschlagene Verfahren für zulässig und rrkaunte auf Verwerfung der Revision!!_ Spitzelwirlschaft. Im„D o ch u ni e r Volksblatt' liest man folgende Warnung: „Der bei der politischen Polizei tätige Beamte Gustav Pichotka, wohnhaft in Bochum, Sedanstraße Rr. 7. hat versucht, in Herne einen Genossen zu Spitzeldiensten zu verleiten. Der Genosse sollte dem sehr ehrcinverten Herrn Pichotka einen Bericht über die Ver- Handlungen der DistrikSversammluiige» vom Sonntag liefern.' 8o2iales. Vom Dienstbotenberuf! Mit Beginn des neuen Quartals, zurzeit der Schulentlassung, werden wieder Hunderte von Arbeiterkindern„in Dienst" gehen. Besonders für Mädchen, glauben noch viele Eltern, sei ein guter Dienst das beste Mittel,„sich was zu versuchen" und„was Ordent- licheS zu lernen". Doch selten nur trifft dicS zu. Gerade die jungen Mädchen werden häufig von solchen„Herrschaften" an- genommen, die viel Arbeit für wenig Geld beanspruchen und eS oft auch an der nötigen Kost fehlen lassen. Sie nehmen sich unerfahrene junge Mädchen, um ihnen alles bieten zu können: ungesunde Schlafräumc, unpünktliche Lohnzahlung, Lohnabzüge aller Art, will- kürliche schlechte Zeugnisse, übermäßig lang ausgedehnte Arbeits- zeit und nicht selten ungehörige Behandlung. Dies alles veranlaßt unzählige Dienstboten, mit ihrem Beruf unzufrieden zu sein. Mäg- lich sind solche Arbeitsverhältnisse nur, weil für die Dienstboten kein Schutzgesetz besteht, welches die Arbeitszeit regelt, die Arbeits- bcdingungen vernünftig gestaltet und die persönliche Freiheit sichert. So lang die Gesinde-Ordnungcn, unter denen die Dienst- boten leiden, bestehen, wird auch die Zahl derer, die sich solchen Gesetzen unterwerfen, immer geringer werden. Diese Not ist den Herrschaften schon fühlbar geworden, daher das Bestreben der ver- schiedensten Hausfrauenvereine, sich frische Arbeitskräfte ans den Schulen zu sichern. Sie wenden sich an Pastoren und Lehrer und ersuchen, den Schülerinnen den Dienstbotenberuf wegen seiner„be- sonderen Vorzüge" zu empfehlen. Man spricht von der guten Hausfrau, zu der ein Dienstmädchen sich heranbilden kann und von den großen Sparkassenbüchern, die sie bald haben werden. Man hütet sich aber wohlweislich, von der Rechtlosigkeit und Unfreiheit zu sprechen, unter der alle Dienstboten heute schwer leiden. Um sich jugendliches Personal zu sichern, werden auch häufig Lehrver- träge abgeschlossen, wovor wir ganz besonders warnen. Bevor Eltern und Vormünder auf einen solchen Vertrag eingehen, prüfe man ihn genau. Auch unser Verband ist bereit, allen Vertrag- schließenden mit Rat beizustehen. Wie nötig die genaue Prüfung ist, ist damit erwiesen, daß es schon Lchrverträgc gab, die der Dienst- Herrschaft die elterliche Gewalt einräumten und den Eltern zu- muteten, sich während einer dreijährigen Dienstzeit(genannt Lehr- zeit) nicht in das Dienstverhältnis zu mischen. Gewiß haben auch andere Berufe ihre Mängel, und wer gleich nach der Entlassung aus der Schule Geld verdienen muß, hat wenig Wahl und ergreift den Dienstbotenberuf trotz der Erkenntnis des niederen Rechts der Dienenden. Dann aber ist es Pflicht aller Berater, ihre Schutzbefohlenen auf den einzigen Schutz zu ver- weisen, den ihnen die Organisation bietet. Alle männlichen und weiblichen Schulentlassenen, die sich dem Dienstbotenberuf widmen, müssen sich sofort ihrer Organisation, dem Zentralvcrband der Hausangestellten Deutschlands, anschließen. Der Verband gewährt Rechtsschutz, Krankenunler- stützung, Stellenvermittlung, lehrreiche Vortrüge, gesellige Zu- sammcnkünfte, Rat und Auskunft in Fragen des Beruf? und der Aus- und Fortbildung. Er sorgt so für Aufklärung und nimmt sich jedes seiner Mitglieder, welches Rat und Schutz bedarf, hilfreich an. Ave Dienstboten können sich sofort, auch vor Eintritt in die Dienst- stelle, dem Verbände anschließen. Zentralverband der Hausangestellten Teutschlands, Hauptverwaltung: Berlin, Michaclkirchplatz L( Ungültigkeit des GehaltsauLschlusses für den KUndigungsmonat. In den Prozessen von VersichcrunnSangcstellten gegen die Ge- sellschaften spielt die Gehaltsausschlußklausel für den Kündigungs- monat eine große Rolle. Während die 4. Kammer deS Berliner KaufmannSgerichtS unter Vorsitz des Assessors Depene konstant die Abmachung, daß im letzten Monat, dem sogenannten Kündigungs- monat, dem Angestellten kein Firum zusteht, für rechtsgültig erklärt, hat die 5. Kammer gestern entschiede», daß eine derartige Verein- barung keine Gültigkeit hat. Sie hat die Abmachung sogar für un- gültig gehalten, obgleich dem Angestellten für den fraglichen Monat sogar eine erhöhte Provision zugesichert war. Der Kläger K. hatte sich bei der Anstellung ftir das Bureau des Generalagenten K. W. Schneider verpflichten müssen, im KündiguNgSmöNat nur gegen eine erhöhte Provision tätig zu sein. Er verlangt jetzt 150 M. Gehalt, indem er die diesbezügliche Abmachung als rechtsungültig anfechtet. Der Beklagte bezieht sich demgegenüber auf bereits ergangene ent- gcgenstehende Entscheidungen. Das Kauftnannsgericht sprach dem Kläger die geforderten 150 M. zu. indem es den Ausführungen des Klägers folgte. Die VcrtragSbcstimmung fei als niilitig anzusehen. Auch wenn erhöhte Provision versprochen war, läuft doch d,e Vertragsklausel darauf hinaus, daß der AnstellungSvcrtrag an jedem Monatsende aufgelöst werden kann. Das widerspricht aber dem Sinne des ß Sö des Handelsgesetzbuches. Es sei auch kaum anzunehmen, daß der Ge- Hilfe angesichts des auf ihm lastenden Drucke» durch entsprechend größere Abschlüsse den Ausfall an Gehalt wieder wettmachen könnte. Die Urteilsgrüntze dürsten durchaus zutreffend teilt. GewciitfcbaftUcbe� Die Carifbewcgung im Rolzgewcrbe ffl Meder einmal in einem kritischen Stadium angelangt. Die Scharfmacherei im Arbeitgeberschutzverband scheint auf die Leitung desselben nicht ohne Einfluß geblieben zu sein, wenigstens läßt eine Kundgebung, die Herr„R."(Rahardt) sich in der neuesten Nummer der„Fachzeitung der Tischlermeister und Holzindustriellen Deutsch lands" leistet, darauf schließen. Er sagt zunächst, daß, wenn die Zeitung in die Hände der Leser gelangt sei,„die Würfel übe Krieg oder Frieden" gefallen sein dürften. Die zentrale Kommission sei zwar noch beisammen und versuche, den Frieden zu erhalten, aber dieses sei außerordentlich erschwert durch die Ar beitseinstellungen in Bremen, Forst, Liegnitz, Breslaw Chemnitz, Detmold, Neumünster und Kelkheim. Wenn Herr R a Hardt gesagt hätte, daß die Arbeitgeber in Liegnitz, Forst, Kelk heim und anderen Orten durch ihr unverantwortliches Verhalten die friedliche Erledigung der ganzen Vertragsbewegung in Frage gestellt haben, dann wäre dieses den Tatsachen entsprechend gewesen Richtig ist nämlich, daß nicht die Arbeiter die Arbeit in diesen Orten eingestellt haben, sondern in Liegnitz schon während der Dauer des Vertrages ausgesperrt und in Kelk heim und Forst gekündigt wurden. In Detmold wurde in einem Betriebe die Arbeit eingestellt, weil der Inhaber horrende Afr züge vornahm. Diese Arbeitseinstellung hat also mit der Tarist bewegung gar nichts zu tun. In Chemnitz und Neumünster war die Arbeit bereits wieder aufgenommen, als Herr R. seinen Kriegsru� ertönen ließ, und in Bremen ist die Arbeit am 13. d. M. wieder aust genommen, nachdem am Sonntag beide Parteien den Verehr barungen zugestimmt haben. Es lag also gar kein Anlaß vor, zu sagen: „Gelingt es der wirklich aufopferungsvollen Arbeit der Kom missionsmitglieder, der Schwierigkeiten in diesen und einigen anderen Städten Herr zu werden, so ist noch nicht alle Hoffnung auf die Erhaltung des Friedens verloren. Im anderen Falle haben sich unsere 22 Verbände ohne Aus nähme auf eine telegraphische Ordre zur Aus sperrung vorzubereiten, und zwar auch die zenigen, welche sich in Berlin schon verständigt haben!" Man droht also in dem Augenblick, wo die Verhandlungen wirk lich so standen, daß man ziemlich sicher annehmen konnte, daß der Frieden erhalten bleibt, mit Aussperrung auf telegraphische „Ordre". Was dahinter steckt, läßt sich in diesem Augenblick noch nicht sagen. Man sollte sich aber seitens des Vorstandes des Schutz- Verbandes hüten, derartig mit dem Feuer zu spielen. Wenn es den Arbeitgebern der einzelnen Orte ernst gewesen wäre mit den Ver- Handlungen, dann hätte man von der ersten Woche im Januar, wo die Forderungen übermittelt wurden, bis zum 1. März— bis dahin wurden bekanntlich die Verträge verlängert— Zeit genug gehabt sich mit den Arbeitern zu verständigen. Anstatt aber dieses zu tun. wurden die Verhandlungen immer wieder hinaus gezögert und die Arbeiter mit ihren Forderungen teilweise recht höhnisch abgewiesen Es hat wirklich eine harte Geduldsprobe und straffe Disziplin dazu gehört, die Schikane der Arbeitgeber verschiedener Städte in den Kauf zu nehmen, ohne die Arbeit zu werfen. Wenn entgegen der Weisung der Organisationsleitung einige Arbeitseinstellungen vor gekommen sind, so sind die Verfehlungen auf Arbeitgeberseite viel größer als bei den Arbeitern. Daß es da oder dort zur Arbeits- niederlegung kam, daran trägt das Verhalten der Arbeitgeber der fraglichen Orte ein groß Teil Schuld. Herr R a h a r d t hat also gar keine Ursache, mit der Aussperrung zu drohen; aber— wenn er mit seinen Mannen einen Tanz wagen will— die Arbeiter sind bereit. Nur soll er die Schuld gefälligst jemand anders zuschieben als diesen, nämlich der Zerfahrenheit und Disziplinlosigkeit in den Reihen der Arbeitgeberorganisation. Die Verhandlungen selbst sind nun in den letzten Tagen trotz aller unangenehmen Zwischenfälle von dem zentralen Schiedsgericht unter Beihilfe der Verbandsvorstände eifrig fortgesetzt und nur am Montag unterbrochen, weil wieder Vertreter der Arbeitgeber aus zwei Städten sich weigerten, an diesem Tage nach Berlin zu kommen Für eine Anzahl weiterer Städte liegen nun die Resultate vor, die allerdings teilweise auch nur durch Schiedsspruch erzielt werden konnten. Wir lassen das Ergebnis nachstehend folgen, wobei bemerkt werden muß, daß für eine Anzahl Städte eine Reihe Streitpunkte noch offen sind. Die Bedingungen für Breslau haben wir schon mitgeteilt, soweit dieselben vorlagen. Streitig war hier noch die Arbeitszeit für die Maschinenarbeiter und die Bestimmungen des Vertrages. Das Schiedsgericht hat nun entschieden. „daß die Arbeitszeit für Maschinenarbeiter, welche nach dem letzten Vertrag noch 57 Stunden pro Woche betrug, verkürzt werden soll in den Betrieben, in denen dieselbe bis 55 Stunden beträgt, ab 18. März 1911 auf S3 Stunden und in den Betrieben mit über SSstündiger Arbeitszeit ab 18. März 1911 auf 54 Stunden und ab 15. Februar 1912 auf 53 Stunden. Den Lohnausfall trägt der Arbeitgeber. Ab 1. Oktober 1913 tritt auch für die Ma> schinenarbeiter die 52stündige Arbeitszeit in Kraft." Die Kommission entschied ferner, daß der Wortlaut deS zwischen der zentralen Kommission vereinbarten Mustervertrages auch für den Vertrag in Breslau anzuwenden ist. Für Detmold ging der Schiedsspruch der Kommission dahin, daß die gegenwärtig bestehende Arbeitszeit von 55 Stunden ab I. Oktober 1913 auf 54 Stunden verkürzt werden soll. Diese Ar- beitszeit hat auch für die weitere Vertragsperiode Gültigkeit. Für Eisen ach lautet der Schiedsspruch: Verkürzung der Ar- beitszeit ab 1. Oktober 1912 von 57 auf 56 Stunden und ab 1. Ok- tober 1914 von 56 auf 55 Stunden pro Woche. An Lohnerhöhung wird gewährt ab 18. März 1911 2 Pf., ab 15. Februar 1912 1 Pf., ab I. Oktober 1912 1 Pf., ab 15. Februar 1913 1 Pf. und ab 1. Oktober 1914 1 Pf. Die Mindestlöhne steigen entsprechend der Lohnerhöhung. Bei Arbeiten im Bau, innerhalb der Stadt, wenn dieselben länger als einen halben Tag dauern, erfolgt ein Aufschlag von 2 Pf. zu dem Stundenlohn. Bei Montagearbeiten wird, falls Ueber- «achten Notwendig, 2,59 M. pro Tag bezahlt. Den Parteien wird anHeim gegeben, die Musterborlage als Grundlage für den neuen Vertrag zu nehmen. Für Forst lautet der Schiedsspruch: Arbeitszeitverkürzung ab 1. Juli 1912 von 56 auf 55 Stunden pro Woche. Lohnerhöhung ab 18. März 1911 1 Pf., ab 1. Juli 1912 2 Pf., ab 1. Juli 1913 2 Pf- Die örtlichen Montagezuschläge werden ab 1. Juli 1912 von 3 auf 4 Pf. pro Stunde erhöht. Wenn außerhalb Mittagessen erforder- lich ist, wird ein Zuschlag von 75 Pf. täglich gewährt. Die Montage- zuschlüge bei einer Entfernung, wo Uebernachten notwendig ist, werden erhöht von 2 M. auf 2,59 M. pro Tag. Für Nacht- und Sonntagsarbeit ist ein Zuschlag von 16 Pf. pro Stunde zu bezahlen. Für Helmstedt wurde vereinbart eine Lohnerhöhung von 2 Pf. ab 4. März 1911, von 2 Pf. ab 15. Februar 1912 und von 1 Pf. ab 15. Februar 1913. Der Mindestlohn wird erhöht ab 4. März 1911 auf 44 Pf., ab 15. Februar 1912 auf 46 Pf. und ab 15. Februar 1913 auf 47 Pf. pro Stunde. Die Akkordpreise werden im Durchschnitt um 12 Prozent erhöht. Für Hofarbeiter dauert die tägliche Ar- beitszeit eine halbe Stunde länger als für die Tischler. Ueber die geforderte Arbeitszeitverkürzung von 54 auf 53 Stun- den hat das Schiedsgericht»och zu entscheiden. �. Für Herford entschied die Kommission, daß eine Arbeits- geitverkürzung von 55 auf 54 Wochenstunden eintreten soll ab 1. Ok- tober 1913. Herford gilt damit als gestaffelt. ' Für Jena ging der Schiedsspruch dahin, daß eine Arbsiiszcist derkürzung von 56 auf 55 Stunden eintreten soll ab 1. Oktober 1912. Diese Arbeitszeit gilt bis zum 15. Februar 1917. An Lohn- erhöhungen sollen eintreten 2 Pf. ab 18. März 1911, 1 Pf. ab 15. Fe- bruar 1912, 1 Pf. ab 1. Oktober 1912, 1 Pf. ab 15. Februar 1913 und 1 Pf. ab 1. Oktober 1914. Die bereits vereinbarten Mindestlöhne steigen entsprechend den Lohnerhöhungen. Für Kelkheim wurde entschieden, daß eine Arbeitszeitver- kürzung von 57 auf 56 Stunden eintreten soll ab 15. Februar 1912, von 56 auf 55 Stunden ab 1. Oktober 1914. Für Neumünster tritt eine Arbeitszeitverkürzung von 56 auf 55 Stunden ein ab 1. Juli 1912 und von 55 auf 54 Stunden ab 1. Oktober 1914. Neumünster gilt damit als gestaffelt. Der Mindestlohn wird erhöht ab 15. März 1911 auf 51 Pf., ab 1. Juli 1912 auf 63 Pf., ab 16. Februar 1913 auf 54 Pf. und ab 1. Oktober 1914 auf 55 Pf. Maschinenarbeiter, wenn dieselben 2 Jahre an Maschinen beschäftigt sind, werden den Tischlern gleich gestellt. An Lohnerhöhung tritt ein ab 15. März 1911 2 Pf., ab 1. Juli 1912 2 Pf., ab 15. Februar 1913 1 Pf. und ab 1. Oktober 1914 1 Pf. Für Osnabrück lautet der Schiedsspruch dahin, daß die?lr- beitszeitverkürzung von 56 auf 55 Stunden eintritt ab 1. Oktober 1911, und von 55 auf 54 Stunden ab 1. Oktober 1914. Osnabrück gilt damit als gestaffelt. Für Posen lautet der Schiedsspruch: Arbeitszeitverkürzung von 56 auf 55 Stunden, ab 1. Juli 1913 und von 55 auf 54 Stunden ab 1. Oktober 1914. Diese Arbeitszeit soll auch für die Möbeltischler, deren Vertrag noch weiter läuft, Geltung haben. Posen gilt damit als gestaffelt. Für Stralsund lautet der Schiedsspruch: Verkürzung der Arbeitszeit von 68 auf 57 Stunden ab 1. Oktober 1911 und von 57 auf 56 Stunden ab 1. Oktober 1914. Diese Arbeitszeit gilt bis zum 15. Februar 1917. Lohnerhöhung ab 18. März 1911 1 Pf., ab 1. Ok- tober 1911 2 Pf., ab 15. Februar 1912 1 Pf., ab 15. Februar 1913 1 Pf. und ab 1. Oktober 1914 1 Pf. Für Swinemünde entschied die Kommission, daß eine Ar- beitszeitverkürzung von 59 auf 58 Stunden eintreten soll ab 1. Juli 1911 und von 58 auf 57 Stunden ab 1. Oktober 1913. Lohn- erhöhungen sollen eintreten ab 11. März 1911 2 Pf., ab 1. Juli 1911 Pf., ab 15. Februar 1912 1 Pf., ab 1. Oktober 1913 1 Pf. und ab 1. Juli 1914 1 Pf. Kerlin unck Nmgegenck. Ter Streik in der Kronlcuchterfabrik von Niemann beschäftigte am Mittwochabend eine große Versammlung der Gelbmetallarlxn- ter. Wie der Referent Behrendt ausführte, hat der Metall- arbeitervcrband im vorigen Jahre mit einigen zwanzig Betrieben der Gekbmetallindustrie eine Vereinbarung abgeschlossen, wodurch den Gürtlern ein Stundenlohn von 65 Pf., den Schleifern und Drückern ein solcher von 79 Pf. gewährt wird. Natürlich haben die Arbeiter auch in anderen Betrieben �der Branche das Verlangen, dieselben Löhne zu erhalten. An die Firma Niemann in der Wusterhausener Straße ist kürzlich die Forderung gestellt worden, die genannten Löhne ebenfalls zu bewilligen. Doch Herr Niemann änd sich nicht bereit, diese Forderung zu bewilligen. Deshalb befinden sich die Arbeiter dieser Firma seit dem 8. Marz im Streik. Wie sich inzwischen klar gezeigt hat, ist ineser Streik dadurch zu einer größeren Bedeutung gelangt, daß sich die Kühnemänner hinter Herrn Niemann gestellt haben und mit allen Mitteln die Bewilli- gung der Forderung zu hindern suchen, denn sie sagen sich, wenn Niemann erst bewilligt hat, müssen auch alle übrigen Betriebe der Branche nachfolgen. So wird denn der Kampf bei Niemann vor- aussichtlich ein schwerer und vielleicht langdauernder werden. Doch das haben die Arbeiter, als sie den Kampf aufnahmen, vorausge- dhen. Sie werden ihn trotz des Eingreifens der Kühnemänner mit aller Energie durchführen, denn es handelt sich darum, ein- heitliche Löhne auf Grund der gestellten Forderungen zur Aner- kennung zu bringen. Wie die Kühnemänner hinter der Firma Niemann stehen, so stehen hinter den Streikenden die Arbeiter der ganzen Branche. Diese Versammlung hat den Zweck, sie zur Soli- zarität aufzurufen. Insbesondere soll es strikte verweigert wer- den, in anderen Betrieben Arbeiten für Niemann anzufertigen. Durch die Solidarität aller Gelbmetallarbeiter wird und muß es gelingen, den Streikenden zum Siege zu verhelfen, die schlechten Löhne aufzubessern und die Absichten der Kühnemänner zu ver- eiteln. Vor allem kommt es auch darauf an, daß niemand den Arbeitsnachweis der Unternehmer aufsucht, um nicht in die Gefahr zu kommen, als Streikbrecher zu Niemann geschickt zu werden. Der Streik selbst steht für die Arbeiter durchaus günstig und wird ge- wonnen, wenn die Kollegen die Streikenden in der gedachten Weise unterstützen. Der Verlauf der Versammlung bewies, daß der Appell an die Arbeiter der ganzen Branche in vollem Maße befolgt werden und dem Verhalten der Kühnemänner die Solidarität der Arbeiter ent- gegengesetzt werden wird._ nationalen Aussiandskelvegung beteiligen Eerdett. Im großen und ganzen wurde England bei seiner Forderung nach einem internationalen Streik der Seeleute von den Vereinigten Staaten, Norwegen, Dänemark und Holland unterstützt, während die übrigen Delegierten sich neutral verhielten. Tic englischen Delegierten versicherten, daß in einem Jahre die Zahl der syndizierten Seeleute in England von 29 909 auf 39 999 gestiegen sein werde. Diese Zahl werde dann über die Hälfte der ge- samten Seeleute Englands ausmachen. Versammlungen. Verband der Maler, Lackierer usw. Einer der wichtigsten auf der Tagesordnung des bevorstehenden Verbandstages befindlichen Punkt? ist die vom Hauptvorstande beantragte tvinführung der Arbeitslosenunterstützung. Die Berliner Mitgliedschaft hat kürz- lich in einer Anzahl von Bezirksversammlungen zu dieser An- gelegenheit Stellung genommen und sich mit sehr großer Mehrheit im Prinzip für die Arbeitslosenunterstützung erklärt. In einer am Tonnerstag abgehaltenen Mitgliederversammlung sollten die von den Berliner Kollegen gestellten Abänderungsanträge zu der Vorlage des Hauptvorstandes beraten werden. Zunächst handelte es sich um die Beitragsfrage. Die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung erfordert natürlich eine entsprechende Beitrags- erhöhung. Ter Hauptvorstand beantragt, daß ausschließlich der Lokalzuschläge imXSommer 65 Pf., im Winter 49 Pf. wöchentlich erboben werden. Die Versammlung stimmte diesem auch von der Filialverwaltung befürworteten Vorschlage nach längerer Dis- kussion zu. Die übrigen Punkte sollen in der nächsten Versamm- lung beraten werden.— Die Wahl der Delegierten zum Verbands- tage, die gleichfalls in der Versammlung vorgenommen wurde, ergab noch kein endgültiges Resultat. Gewählt wurden Haase, Klotz und Mietz; im übrigen machte sich eine Stichwahl notwendig. Diese soll am 39. März vorgenommen werden. Zu Montag war nach den„Arminhallen" eine weitere Ver- sammlung einberufen, in welcher der Rest der Tagesordnung er- ledigt werden sollte.-Die Versammlung, die nur etwa 89 Teil- nehmer zählte, lehnte jedoch eine Beratung und Beschlußfassung über die noch vorliegenden Anträge zum Verbandstage ab, da sie sich in so schwacher Besetzung nicht für kompetent hielt, die Anträge, die zum Teil von außerordentlich einschneidender Bedeu- tung für den gesamten Verband sind, diesem als Willensäußerung der großen Berliner Filiale zu unterbreiten.— Nach Erledigung einiger interner Vereinsangelcgenheiten ging die Versammlung wieder auseinander. Eine Gruppenversammlung der Töpferträger hatte der Zweig- Vereinsvorstand des Bauarbeiterverbandes zu Dienstagabend nach dem Gewerkschaftshause einberufen, deren Zweck war, die Angehörigen dieser Gruppe wieder besser zusammenzuschließen. Die Versammlung erkannte diese Bestrebungen an und wählte sich einen Gruppenvorstand. Als Gruppenführer ging Czechmann auS der Wahl hervor. In der weiteren Debatte wurden die Mittel und Wege erwogen, wie die Töpferträger wieder zusammen- zuführen sind und der Zusammenschluß ein dauernder werde. Der Gruppenvorstand wurde ersucht, allmonatlich Zusammenkünfte zu veranstalten und zu der nächsten Versammlung jeden einzelnen Berufsgenossen mittels Postkarte einzuladen. Die Aussperrung der Tapezierer Groß-BerlinS wird nach einer hiesigen Korrespondenz am Freitag dieser Woche in Kraft treten. Im Laufe des gestrigen TageS haben sich an- lzeblich auch die Großbetriebe wie Rudolf Hertzog, N. Israel, A. S. Ball und andere zur Beteiligung an der Aussperrung bereit erklärt, so daß die in der Arbeitgeberversammlung für erforderlich erklärte Zahl von Betrieben erreicht sei. Die Kom- Mission der Arbeitgeberorganisationen hat den einzelnen Arbeit- gebern die Anweisung erteilt, daß am Freitag früh die organi- ierten Gehilfen zu entlassen sind, nachdem sie im Laufe des Donnerstags von der bevorstehenden Aussperrung unterrichtet sind. Zunächst soll sich die Aussperrung nur auf 1290 Gehilfen be- 'chränken. veutkcdes Kelch. In der Drahtwarenfabrik von Müller zu Wismar in Mecklenburg ist, wie uns ein Privattelegramm von dort meldet, ein Streik ausgebrochen. Zuzug von Drahtziehern und mistigen Drahtarbeitern ist fernzuhalten.. Arbeiterblätter werden um Nachdruck gebeten. Die BreSlauer Holzarbeiter beschlossen am Dienstag, den Streik unter allen Umständen fortzusetzen. Ein von etwa 299 Streikenden gestellter Antrag auf Aufhebung des Streiks wurde gegen 1999 Stimmen abgelehnt, obwohl die Lokalverwaltung vorher darauf hinwies, daß die Mittel der Lokal- lasse bald erschöpft und Mittel vom Zentralvorstande nicht zu er- warten seien. Angenommen wurde ein Antrag, wonach ein Mit- glied des Hauptvorstandes nach Breslau kommen soll, um das Ver- halten desselben in der Tariffrage zu rechtfertigen. Am Sonnabend wurde die erste Streikunterstützung ausgezahlt. Kuslanck. Achtung, Plattenleger! Die Plattenlcger in Zürich(Schweiz) tehen in einer Lohnbewegung. Der bisherige Vertrag, der am 1. April abläuft, wurde von ihnen gekündigt. Es handelt sich um die Abschaffung der Zwischenmeister, Lohnerhöhung, Zuziehung von Handlangern und die Lieferung von Geschirr durch die Firmen auf die Baustelle. Die Unternehmer brüsten sich bereits damit, daß sie genug Plattenleger aus dem Auslande bekommen werden. Wir er- uchen nun die ausländischen Kollegen, während der Lohnbewegung ürich zu meiden und auch dafür zu sorgen, daß kein Kollege auf ein Arbeitsangebot nach Zürich eingeht. Da die Kollegen in Zürich bis auf den letzten Mann organisiert sind, hoffen wir, daß diese Lohnbewegung bald zu unseren Gunsten erledigt ist. A l s o k e i n Plattenleger nach Zürich! Plattenlegerverein Zürich. Eine internationale Konferenz der Seeleute tagte nach Meldungen bürgerlicher Tepeschenbureaus in Antwerpen. Auf der Konferenz waren vertreten Deutschland. England und Belgien. Die deutschen Delegierten erklärten, sich augenblicklich an einer Lohnbewegung nicht beteiligen zu können, da sie erst kürzlich eine Lohnaufbesserung erzielt hätten. Die englischen Delegierten teilten mit. daß die amerikanischen Matrosen. wenigstens diejenigen der atlantischen Häfen, sich an einer inter- IvCtzU ffocbrichtcn« Die Vcrrcbacberung Kixdorfo an Creptow. Mit dieser Tagesordnung fanden gestern abend 3 überfüllt« Massenversammlungen statt, in denen die Stadtverordneten Ge- nossen Dr. Silber st ein, Wutzky und T h u r o w über die geplante Eingemeindung von Treptow referierten, die Rixdorf mit unerträglichen Lasten belegen soll, nur um die Herrschaft der Wahlrechtsräuber zu verewigen. Die Versammlungen protestierte» gegen diese Pläne der Rixdorfer Machthaber. In der größten der 3 Versammlungen sprach auch ein Treptower Gemeindevertreter ganz im Sinne des Referenten. Streik der Damenschneider WkdnS. Wien, 15. März.(W. T. B.) Ueber 7000 Gehilfen na»«r. hilfinnen der Damenschnriderbranche traten heute infolge Ablehnung ihrer Forderungen aus Erhöhung der Löhne für die Arieiteriunen in dm Ausstand. Rusikands auswärtige Politik vor der Duma. Petersburg, 15. März. Die Reichsduma beriet heute den Ekcck deS Ministeriums des Auswärtigen. Die Debatte wurde von dem Kadettenführer M i l j u k o w mit einer anderthalbstündigca Rede eingeleitet, in der er u. a. ausführte: daS von Jswolski ve» teidigte System der russischen Bündnisse und Abkommen sei in seinen Grundlagen erschüttert. Die auswärtige Lage fei gegen» wärtig geradezu bedrohlich.(Die Vertreter des Ministeriums des Auswärtigen verließen den Saal). Redner fuhr fort: die Ueber- tragung der türkischen Schuld an Bulgarien kostete den russischen Steuerzahlern zwanzig Millionen Rubel, die angeblich zur Stär- kung der Sympathien Bulgariens für Rußland dienten. DaS Ministerium deS Auswärtigen sage, daS Opfer fei auf allerhSchste Weisung gebracht worden; doch sei in den StaatSgrundgesetzen eine derartige Ordnung nicht vorgesehen. Daher müsse man auf die Gefahren solcher unverantwortlichen Handlungen der Diplo- matie hinweisen. Redner ging sodann zur Potsdamer Entrevue über. Nach der Einverleibung Bosniens fei Deutschland, der Freund Oesterreichs, als neuer Freund Rußlands erschienen, den Bismarckschen Tra- ditionen folgend. Die Potsdamer Entrevue sei ein radikaler Um- schwang der russischen Politik. Nach dieser Entrevue hätten die russischen Bündnisse ihre aggressive Bedeutung verloren und die Be» Ziehungen Rußlands zu seinen enttäuschten Verbündeten hätten ihre Festigkeit eingebüßt. Von russischer Seite seien in der Bagdadbahnfrage die früheren langdauernden Verhandlungen zwischen den betreffenden Mächten vergessen und die Interessen der Verbündeten Rußlands geopfert worden. Frankreich und Eng- land feien in eine peinliche Lage versetzt worden und fühlten sich verletzt. Die Potsdamer Entrevue weise Rußland nach dem fernen Osten hin und fessele seine Hände im nahen Osten. Die als Entschädigung ausgedachte große Jndienbahn sei ein totgeborenes Kind. Gefahr- drohend sei auch das Verhalten gegenüber China. Wenn örußland seine Rechte schütze, dürfe eS doch nicht vergessen, daß China erwacht sei. Er warne vor einem chinesischen Abenteuer. Rußland würde dort nur für Japan die Kastanien auS dem Feuer holen. Das letzte Stadium der Politik im fernen Osten gleiche völlig der russischen Politik vor dem russisch-japanischen Kriege. PokrowSki(Soz.) beschuldigte unter großem Lärm die russische Regierung der feindlichen Politik gegen China. Seine Partei fürchte eine zweite Revolutio» nicht, begrüße fie vielmehr. Die Duma nahm schließlich die einzelnen Posten deS Etats des Ministeriums deS Aeußem gemäß den Borschlägea der Kom» Mission an.__ Amerikanlsch.tNgNscher SchiedSgenchtSverirag. Washington. 15. März.(Meldung der Associated Preß.) Wie verlautet, dürfte Taft bereits im Dezember dem Kongreg einen englisch-amerikanischen Ächiedsgerichtövertrag unterbreiten, der alle Fälle ohne Ausnahme umfassen soll. tober 1913. Herford gilt damit als gestaffelt._ wenig, rens oiezenigen oer atlantischen Hafen, sich an einer inter- der alle Fälle ohne Ausnayme unisagen ,011_ verantw. Redakteur: HaaS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer i Co., Berlin SW,. Hierzu 3 Beilage»».liuterhalttutgsbl. // Nr. 64. 28. Jahrgang. 1. üfilnp des.loriBirlö" Kcrlim NolksbIM Donnerstag. 16. Uär; 1911. Keickstag. 143. Sitzung. Mittwoch, den 15. März 1311, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. Delbrück. Zweite Lesung des Etats für das Reichsamt des Innern. Vierter Tag. Die Beratung wird beim Titel.Staatssekretär' fortgesetzt. Abg. Graf v. Carmer-Ziescrwiy'sk.) begründet eine von der kon- serbativen Partei eingebrachte Zlesolution, wonach für den Betrieb eines Wanderlagers eine besondere Erlaubnis nötig sein soll. die von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig zu machen ist. Ebenso müsse dem Unfug entgegengetreten werden, dasz Staats- und Kommuualbeamte sich Waren zu Engrospreisen kommen lassen, die sie auch an Bekannte ablassen. Ebenso müßten Waren- Häuser und Konsumvereine, die dem gewerblichen Mittelstand Kon- kurrenz machen, viel stärker besteuert werden als bisher.— Einen besonderen Mißstand bildet die Schundliteratur, welche unsere Jugend vergiftet! man könnte, glaube ich, auf dem Gebiete des Gewerbe- rechtS der Verbreitung von Schundliteratur und obscönen Postkarten mehr als bisher entgegentreten.— Das Automobilgesctz hat sich gut bewährt: es sollten aber Schnelligkeitsfahrten nur auf besonders dazu angelegten Bahnen stattfinden dürfen. Ferner wäre es wünschenswert, eine Zwangsversicherung für Automobilhalter ein- zuführen. sBravo! rechts.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich stimme dem Vorredner zu, daß es unzulässig ist, daß Beamte einen Detailhandel treiben, und habe Anweisung gegeben, solchen Mißbräuchen entgegenzutreten.(Bravo I rechts.) Die Besteuerung der Waren- Häuser und Konsumvereine ist Sache der Landesgesetzgebung.— Bezüglich der Mißstände der Schmutz- und Schundliteratur hat das Reichsjustizamt Erwägungen angestellt und ist zu dem Schluß ge- langt, daß die bestehende» Gesetze bei strenger Handhabung genügen. Von einzelnen Bundesstaaten ist angeregt worden, die Kolportage einzuschränken und die Strafbestimmungen zu verschärfen. Diese Anregungen werden weiter erwogen werden. � Die Frage der Bahne» für Schnclligkeitsfahrten von Automobilen wird jedenfalls auf dem im nächsten Jahre in London stattfindenden internationalen Wegekongreß bebandelt werden und hoffentlich zu einer internationalen Regelung führen.— lieber die Haftpflichtversicherung der Automobilhalter chweben die Erwägungen noch. Abg. GicSberts(Z.): Jede a u s n a h m S w ei se Besteuerung der Konsumvereine mit dem Ziele der Erdrosselung werden wir b e- kämpfen. Der Redner begründet dann die vom Zentrum bean- tragte Resolution, die eine Zentralstelle zur Förderung der Tarif- Verträge fordert.— Dir Stellung der Regierung zum Ar- beitskammergesetz bedauern wir; sie sollte noch einmal er- wägen, ob sie es nicht doch mit den Gewcrkschaftssckretären in den Kammern annehmen soll.— Eine einheitliche Regelung der Statuten der PenfionSkasscn der industriellen Werke wäre bei der Wichtigkeit dieser Kassen sehr erwünscht. Der Abg. Fischer hat uns sozialpolitische Unfruchtbarkeit vor- geworfen. Gewiß ist Kritik der Hebel des Fortschritts, aber die Kritik, die nur negiert, erzeugt das Gegenteil.(Zustimmung im Zentrum.) Wir haben auch nicht, wie Herr Fischer unS vorwirst, die Einbeziehung der Staatsarbeiter in das Arbeitskammergesetz fallen lassen, wir wollen nur nicht das Gesetz daran scheitern lasten, wie an der Frage der Arbeitersekretäre.(Sehr richtig I im Zentrum.) Möge Herr Fischer doch die Herren von der nationalliberalen Partei veranlasten, an den Arbeitersekretären festzuhalten und ihnen sagen, daß sie anderenfalls die sozialdemokratische Unterstützung bei den nächsten Wahlen verlieren.(Gr. Heiterkeit.) Herr Fischer macht uns zum Vorwurf, wir hätten beim Militärctat nicht sür die Tarif- resolution gestimmt. Der Gedanke dieser Resolution rührt vom Zentrum her(Widerspruch bei den Sozialdemokraten) und als wir beim Marinectat dafür stimmten, wurde das in der sozial- demokratischeil Presse als Blamage für das Zentrum hingestellt. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Lüge und Schwindel!) Weiter warf uns Herr Fischer vor, unseren Einfluß nicht für die Witwen- und Waisenversichcrung eingesetzt zu haben: bei dem Zoll- tarif hat die Zentrumspartei ihren Einfluß voll und ganz eingesetzt (Abg. Fischer(Soz.j: für den Zolltarif), um den Gedanken zu ver- wirklichen. Wenn die Reichsvcrsicherung in Kraft getreten und jedem armen Teufel die Zunge gelöst ist, werden wir sehen, wo die wirk- lich Entrechteten sitzen.(Sehr wahr! im Zentrum und rechts.) Herr Fischer sagt, wir hätten die Entwicklung der Gewerkschaften gehemmt. Mir ist nicht bekannt, daß in diesem Hanse irgend jemand den Gewerkschaften Schwierigkeiten macht. (Lacken bei den Sozialdemokraten.) Die größten Gegner der Ge- werkichafren sitzen in Ihrem Lager!(Sehr richtig! im Zentrum und rechts.) In einer Sitzung der Gewerkschaftsvorslände im Jahre 1906 führte der Referent Müller aus:.Die rote Rosa habe uns Fuß- .Vitte ins Kreuz gegeben.' Deinhardt sagte, Leisetreter, Dilta- toren, Spießer hat man uns geschimpft. Bömelburg führte aus: ''Man hat in der Parteipresse und i» Versammlungen versucht, in systematischer Weise die Masten gegen die Führer aufzuhetzen:"lau hat den Masten gesagt, auf die Führer zeigend: Seht, das sind die vollgesressenen Kerle.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ölle Kamellen!) In einer Versammlung in Hamburg wurde Legten geradezu ausgejohlt und niedergebrüllt. Das geschah Männern, die eine ganze Lebensarbeit für die Gewcrk- schaftcn hinter sich haben, eine Arbeit, die mehr wert ist, als die aller sozialdemokratischen Redakteure zusammen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Trotz aller Parteilagsbeschlnsse sind Sie Gegner der Gewerkschaften geblieben und bemühen sich systematisch, den Massen Mißtrauen gegen die Gewerkschaftsführer zu suggerieren. (Zurufe bei den Soz.) Weiter warf der Abg. Fischer uns vor, daß wir Ausnahmegesetze verlangen. Das Zentrum hat das Sozialisten- gesetz abgelehnt, es hat die Zuchthausvorlage zu Fall gebracht. (Abg. Fischer[Soz.j: Damals!) Es hat gegen den Sprachen- Paragraphen beim Rcichsvereinsgesctz gestimmt und wird jedes Ausnahmegesetz bekämpfen. Fischer bezog sich auf eine Resolution meiner Parteifreunde in München, die freilich eine zweifelhafte Fassung hat. Aber 1898 führte auch Bebel i» einer Polemik mit Stöcker au?, es läßt sich begreifen, daß Unternehmer es sich nicht gefallen lassen, daß innerhalb der Betriebe sozialdemo- kratische oder ihnen sonst unbequeme politische Agitation getrieben wird. (Abg. Fischer[Soz.j: Agitation!) Da?(ist auch ganz' unser Stand- Punkt und ist es immer gewesen. Ich habe nie geliebt(Stürmische Heiterkeit) Ausschreitungen bei Streiks und ähnliche Dinge in der Oeffentlichkeit breitzutreten. Jcd freue mich, daß auch der Abg. Hoch Gewalttätigkeiten gestern ausdrücklich bedauert hat. Die Gefahr von Ausnahmegesetzen liegt nicht bei den Parteien und der Regierung, sondern in der Stimmung der nichtsozialdemokratischen Massen, die hervorgerufen wird durch die systematische Ausschließung der nichtsozialdemokratischcn Arbeiter von der Arbeit. Die Buch- d r u ck e r haben beinahe einen Monopoltarif fertiggebracht, bei den Lithographen und in der chemielithographischen Industrie wird keiner beschäftigt, der nicht in dem sozialdemokratischen Verband ist. (Abg. Fischer[Soz.j: Auf Verlangen der Untcrnchnicr!> Die .Metallarbeiter-Zeilung' schreibt, ob eS zweckmäßig ist, Mitglieder gegnerischer Organisationen von der Beschäftigung in tariftreuen Betrieben auszuschließen, muß von Fall zu Fall entschieden werden. Was heißt das anders, als es soll von Fall zu Fall den Leuten das Genick umgedreht werden.„Ohne rot kein Brot.'(Lebhafte Zu- stimmung im Zentrum und rechts.) So werden die Massen terrorisiert und müssen zum Schein sozialdemokratisch werde», um überhaupt Arbeit zu bekommen.(Sehr richtig! b. d. bürgcrl. Parteien.) Die Verantwortung dasür haben nicht die Gewerkschaftsführer, sondern Ihre Parteipresse und Ihre Parteisekretäre. Zuweilen geben auch Sozialdemokraten der Wahrheit die Ehre: so hat B e b e l auf dem letzten Parteitage ausgeführt, die Badcnscr hätten das allgemeine Wahlrecht nicht, ohne die Hilfe des Zentrums.(Sehr richtig I im Zeurrum), und sie hätten sehr häufig mit dem Zentrum stimmen müssen, nachdem ihre eigenen weitergehenden Anträge abgelehnt waren. Ich resümiere mich dahin: der Freiheit der Arbeiterschaft droht keine Gefahr, wohl aber dem gesunden gewerkschaftlichen Ge- danken, und zwar droht diese Gefahr vom sozialdemokratischen Terrorismus.(Lebhafter, anhaltender Beifall im Zentrum und rechts.) Abg. Sachse(Soz.): Herr GieSbertS sucht die Richtigkeit der Ausführungen meines Freunde? Fischer über das Stocken der Sozialpolitik zu bestreiten. Aber wie ivar es doch! Bei den Wahlen von 1997 wurden 7 christ- liche Arbeitersekrctäre, darunter 5 vom Zentrum gewählt. Damals hing der Himmel voll Geigen. Was wurde uns nicht alles erzählt vom sozialpolitischen Fortschritt I Aber wie kläglich'siud die Prophezeiungen zu Schanden geworden.(Lebh. Zustimmung b. d. Soziald.) Ueber die Reichs- Versicherungsordnung will ich an dieser Stelle nicht sprechen, aber ich muß doch erwähnen, daß die christlichen Arbbcitcrsckretäre sich dabei nicht eben in einer Weise betätigt haben, die als a r b e i t e r° kleines feuilleton. Anatole France über den Weltfrieden. Bei der Gedenkfeier für Leo Tolstoi, die am Sonntag in der Pariser Sorbonne abgehalten wurde, hielt Anatole France eine Ansprache, die er mit den nachstehenden Ausführungen über den Kampf gegen den Krieg schloß: „In dieser ernsten Frage, der ernstesten von allen, muß jeder seine Verantwortlichkeit einsetzen. Jenen allgemeinen Frieden, den der römische Adler nach sechs kriegerischen Jahrhunderten zum erstenmal der ganzen, damals bekannten Welt gebot; jene Göttin, der der Imperator- Pontifex Augustus einen Altar errichtete, dessen schöne Marmorsteine man noch in Italien verstreut sieht; jenen Frieden, den die Einbrüche der Barbaren und die langsame Organisation der modernen Nationen in Europa und der Welt bald vernichteten— den Frieden, bei, wir mit unserer ganzen Seele ersehnen, rufen wir ihn nicht mit Seufzen und Stöhnen! Er wird nicht auf den Ruf wehklagender Schwächlinge kommen. Erzwingen wir sein Konimen durch ein stetiges Bemühen in klar bewahrter Erkenntnis der Notwendigkeiten, die die Welt lenken. Wenn wir wahrhaft friedensfreundlich sind, seien wir groß und stark. Sie verstehen mich, ich meine nicht im Sinne der Syndikate der Publizisten und Metall- industriellen, die für Frankreich nur eine Größe in Eisenwaren fordern. Ich spreche vielmehr von jener Stärke, jener derben Gesundheit, die aus der gleichen und freien Entwicklung der Organe in einem Volk— von jeder nationalen Kraft, die aus den guten Bedingungen der geistigen und materiellen Arbeit erwächst. Die Nationen haben immer ihre»auze Kraft aus dem Volk gezogen. In den modernen, wissenschaftlichen Demokratien kann diese Volkökraft verzehnfacht, verhrmdcrlsacht werden. Die Nationen, die die größte wirtschaftliche, intellektuelle und moralische Macht erlangen, die Nationen, die durch ihr induslriöses Genie einen höheren Typus der Zivilisation schaffen und die das am besten organisierte, das einigste, reich st e und hochsinnigste Proletariat bc- sitzen— diese Nationen, diese allein, werden morgen imstande sein, die Ideen der Eintracht, des Frieden« und der allgemeinen Bereinigung zum Durchbruch zu bringen. Der Krieg wird nicht darum ein Ende haben, weil er grausam ist. Die Nation selbst ist gefühllos und grausam, und wir hängen von ihr ab. Er wird nicht darum enden, weil er ungerecht ist. denn nichts beweist, daß unsere Ideen von Gerechtigkeit und Liebe sich eines Tags verwirk- lichcn. Er wird enden, wenn die politischen und sozialen Ursachen z» wirken aufgehört haben werden, die ihn möglich und notwendig gemacht haben: die Autokratie, die industrielle Konkurrenz, die Unterdrückung der arbeitenden Klassen.' Theater. Lessing-Theater...Glaubeund Heimat'. Drama von K a r l S ch ö n h e r r. Die lange hinausgeschobene Aufführung von Schönherrs bereits an vielen Bühnen gegebenen Schauspiels war ein neuer glänzender Erfolg des österreichischen Dichters. Dieser schlichte, im volkstümlichen Denken und Fühlen fest wurzelnde Ge- stalter und gerade gewachsene Freilustmeusch riß durch die frischen Energien seines Könnens und durch die Kraft, mit der er an natürlich ethisches Empfinden appellierte, auch das blasierte Premierenpublikum von Berlin IV. mit fort. Am Schluß, wo sonst der Wettlauf nach den Garderoben einsetzt, blieb alles im Theater und brachte dem Autor, der wohl ein dutzendmal erscheinen mußte, stehend Ovationen dar. Der unmittelbare Reflex seelisch starker Erschütterungen, die Freude, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, einmal wieder an bedeutsam Großes, au das Heldentum einer durch keine Unterdrückung ausrottbaren llcberzcngungStreue erinnert worden zu sein, kam darin zum Ausdruck. Das Fehlen jeder Rhetorik, jeder äußeren Helden- Pose, die Darstellung des Glauvensidealismus im Rahmen ein- fachster Begebenheilen, durch naturalistisch scharf gesehene Menschentypen macht die Wirkung um so stärker. Das Geschichtliche der Ver- treibung der an dem evangelischen Bekenntnisse festhaltenden Bauern aus den österreichischen Alpenländern zur Zeit der Gegenreformation wird losgelöst von allem chronikhaften Ballast, und bildet nur den Hintergrund ganz allgemein interessierender Kontraste. Im Heimatdorf der Rotts, einer Bauernfamilie, die seit einem halben Jahrtausend auf ererbtem Boden sitzt, herrscht Jammer. Männer und Frauen evangelischen Glaubens, die den vom Landes- Herrn verlangten schmählichen Wiederrnf nicht leisten wollen und darum in Verbannung ziehen müssen, nehmen Abschied von den Nachbarn. Christof Rott und sein achtzigjähriger Vater, deffen Ahnherr selbst als Ketzer hingerichtet wurde, verharren schweigend, scheinbar teil- nahmloS; und die Rottbäuerin, Christofs Weib, bezeugt den Armen un« verhohlen ihre rechtgläubige Geringschätzung. Sie ahnt nicht, daß auch ihr das gleiche Los bevorsteht, daß Manu und Schwiegervater selbst ins geheim der neuen Lehre anhangen. Prächtig ist die Szene, da Christof, nachdem der Schwärm sich verlaufen, die versteckte Bibel hervorzieht und feierlich bedächtig dem Vater daraus vorliest. Aber was Trost gewähren sollte, verschärft nur die Stacheln des Gewissens. Wer den Herrn nicht vor der Welt zu bekennen wagt, den wird der Herr verwerfen. So steht geschrieben und Christof weist den Vater eindringlich darauf hin. Aber der Alte windet sich und marktet hart- näckig. Gott wird zufrieden sein, wenn er in seinem letzten Stüudlein ihm die Ehre gibt. Was sollte auch ein alter Bauer wohl an dem Auferstehungstage machen, wenn er, von Haus ver- trieben, irgendwo in der Fremde eingescharrt, unter lauter un- bekannten Leuten erwacht? Ein kaiserlich katholischer Reitersmann, der an der Spitze einer Sölduertruppe mit Schwert und Spieß den Ketzern zusetzen soll, klopft drohend an die Tür. Unterwürfig öffnen sie. Der Alte, der sein eigen Fleisch und Blut, den jüngeren Sohn, bereits ver- leugnet hat. schwört immer wieder, er sei schon„recht'. Die Ge- fahr scheint überstanden. Doch vor der Leiche einer jungen Nachbars- frau, die sich ihre Bibel nicht_ entreißen lassen wollte und die der kaiserliche Bluthund darum niederstach, wirft Christof die inneren Fcsscln. Scheu und Sorgen ab und bekennt sich frei und stolz zum Glauben der Gemordeten. Ich konnte nicht anders— daS ist die einzige Antwort, die der Stille beim Lamentieren seines Weibes freundlich zu bezeichnen ist.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Herr GieSbertS hat uns aufgefordert, wir sollen doch die Na- tionalliberalen bewegen, für die Zulassung der Arbeitersekretäre zu den Arbcitskannnern zu stimmen. Wir sind nicht mit den National- liberalen versippt und verschwägert wie das Zentrum mit den Kon- servaiiven.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Möge also nur das Zentrum dasür sorgen, daß der Widerstand der Konservativen gegen die Zulassung der Arbeitersekretäre gebrochen wird. Dann wird die Zulassung mit großer Majorität beschlossen werden, selbst wenn die Natioualliberalen noch weiter dagegen sein sollten. Vielleicht sorgt dann das Zentrum auch noch dasür, daß der vom scharfmacherischen Zentralverband der Industriellen diktierte Widerstand gebrochen wird. Das Zentrum hat unsere Resolution betreffend die Tarif- Verträge usw. beim Postetat und beim Militäretat abgelehnt. � Beim Marineetat hatte es dasür gestimmt. DaS macht, beim Marineetat war die Abstimmung namentlich.(Hört I hört! bei den Sozial- demokraten.) Wenn in unserer Fraktion so etwas vorgekommen wäre, wie hätte die Zentrumspresse es festgenagelt, natürlich nur unter Hinzusügung ausschmückender Lügen. Herr GieSbertS behauptet, daß die belgischen Sozialisten für ein Kraukenkassengesetz eintreten, welches die Beiträge und die Verwaltung halbiert. Wenn dem so ist, so nehmen unsere belgischen Parteigenossen wohl darum diese Stellung ein, weil von dem in Belgien herrschenden Klerikalismus zurzeit nicht mehr zu er- halten ist. Herr GieSbertS hat auch wieder einmal in daS alte Terro- risumsflcschrei eingestimmt. Er täte wirklich besser daran, vor der eigenen ZcntrumStiir zu fegen. Alle diese Anrcmpclungen der freien Gewerkschaften sollen wohl nur die Aufmerksamkeit von den anmutigen innerlichen Streitigkeiten im Zentrum ablenken. Die christlichen Gewerkschaften und die katholischen Fachabteilungen belegen sich ja gegenseitig mit Ausdrücken wie„Räubcrsynodc"(Heiterkeit) und ähnlichen christlichen Koseworten. Da versteht man es, wenn Herr Giesberts sich auS dieser unangenehmen Situation mit München-Gladbachscher Geschick- lichkeit herauszuwinden sucht, um keinen anderen Ausdruck zu ge- brauchen. Es bleibt bestehen, daS bayerische Zentrum hat den Ausschluß von Sozialdemokraten aus dem Eisenbahiidicnst verlangt. Es hat verlangt, daß sozialdemokratische Eiicnbahnarbeitcr nicht angenommen werden, ja, daß bereits im Dienst befindliche entlasse» werden(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten) und da bringt Herr Giesberts das unglaubliche Kunststück fertig, sich zur Rechtfertigung dieser Scharf- macherleistung auf Bebel zu berufen. Selbstredend haben wir stets die Agitationsfreiheit außerhalb der Betriebe für uns in Anspruch genommen. So hat auch Bebel erklärt, innerhalb der Betriebe möge Ruhe herrschen, aber um die Betätigung der Arbeiter außerhalb der Betriebe habe sich der Arbeit- geber nicht zu kümmern. Statt sich auf Bebel zu berufen, möge sich Herr GicSberts lieber mit dem nur zu bekannt gewordenen Worte des Bischofs Heule beschäftigen:„Der Knecht muß Knecht bleiben."(Lärm im Zentrum.) Ich fürchte, die Worte werden bald zur allgemeinen Parole dcS Zentrums werden und tver sich ihr nicht fügt, Ivird fliegen. Es ist eine Unwahrheit, wenn uns Gegnerschaft gegen den paritätischen Arbeitsnachweis nachgesagt wird. Wenn Herr Giesberts hier allerlei Reibereien, wie sie in einzelnen Be- trieben zwischen den verschiedenen Organisationen vorkommen, in ausführlicher Breite vorträgt, so könnte ich darauf mit tage- laugen Ausführungen antworten. Ich würde dann nachweisen, daß auf katholischer Seite massenhaft die Dinge vorkommen, die Herr GieSbertS, wenn sie anderwärts vorkommen,„Verbrechen' nennt. Jahre hindurch war das Verhältnis der Arbeiterorganisation unter einander gut, sie gingen namentlich im Westen gemeinsam vor. (Zuruf rechts: Die christlichen Arbeiterorganisationen gehorchten dem sozialdemokratischen Diktat!) Der Zwist ist namentlich dadurch ver- stärkt worden, daß die christlichen Organisationen in entscheidenden Fragen sich von der übrigen Arbeiterschaft getrennt und auf die Seite der Untcrurhmer geschlagen haben.(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun verlasse ich dieses Thema.(Lärmende Rufe rechts und im Zentrum:_ Sie ton gut daran I) Ich verlasse dies Thema wahrlich nicht, weil ich kein Material mehr habe, damit bin ich reichlich versehen, sondern weil ich der Meinung bin, daß der Etat des ReichsamtS des Innern nicht dazu da ist, daß die Arbeiterorganisationen sich gegenseitig zerfleischen, statt gemeinsam findet. Wie sie in ihrer robusten Art, so unbegreiflich ihr die Tat des Mannes dünkt, sich doch in Not und Elend zu ihm findet, ja, wie ihr schließlich eine ahnende Bewunderung seiner Scelenhohcit aufgeht, das ist ebenso wie der Charakter Christofs mit tiefer Seelenkunde durchgeführt. Ein Höhepunkt in diesen Seclcnbildern ist das Gespräch, in dem— da ein neues Dekret protestantischen Eltern das Mitnehmen von Kindern in die Verbannung ver- bietet— Christos seine Frau ersucht, beim Knaben in der Heimat auszuharren und ihr seine Herzenswünsche für deS Jungen Erziehung einprägt. In den farbig-reichen Episoden klingt mannig« fach variiert das gleiche Grundmotiv wieder: Die mit dem Acker- grund verwachsene bäuerliche Heimatliebe, der die Verbannung ärger als jedes andere Uebel scheint. Die Verfolger häufen Schimpf aus Schimpf. Da der Alte hört, daß wer nicht als richtiger Katholik stirbt, fortan auf dem Schindanger begraben werden soll, und so auch noch die letzte Hoffnung auf ein Stückchen geweihter Heimat- erde fehlschlägt, reißt ihm die Empörung sein Geheimnis aus der Brust, wird auch er noch vor dem letzten Stündlein zum Bekenner. Zu eminent dramatischer Bewegung erheben sich die letzten Szenen. Als Christofs lustiger Junge, der Spatz, vom Reiters- mann in den Tod gejagt ist, wallt in dem ruhigen Mann urwüchsig grimmer Zorn auf. Er springt dem Peiniger an die Gurgel und wirft ihn würgend nieder. Die Frau reicht ihm daS Beil zum Schlage. Aber schon ebbt die Leidenschaft. Er läßt von dem Bezwungene», ja er tut mehr, er verzeiht ihm. Der Schubkarren, auf dem die Leiche des Jungen geborgen ist, hält vor der Tür, und der Zug der Heimatlosen setzt sich in Bewegung. Eine symbolische letzte Wendung faßt die Tendenz deS Stücks zusammen: Der von so viel Güte beschämte Kriegsknecht zerbricht sein blutbeflecktes Schwert vor dem MuttcrgotteSbilde. Die Aufführung wetteiferte an Echtheit mit dem Werke. Die hartkuochig eckige Bäuerin Mathilde S u s s i n s, M o n n a r d S in sich gekehrter, bei aller Sanftmut doch kraftvoll männlicher Christof, und R e i ch e r S zwischen der Sorge un, sein Seelenheil und die Begräbnisstätte zitterud hinjund her geworfener Greis, waren Leistungen ersten Ranges. Die weniger psychologisch ausgeführte, mehr in dekorativem Stil gehaltene Figur des kaiserlichen Reiters hatte in Herrn M a r r einen vortrefflichen Repräsentanten. dt. Notizen. Vorträge. In der Deutschen N at urWissenschaft- liche„Gesellschaft spricht am 17. März(i. Rathaus, Zimmer 169) um 8'/« Uhr Herr Eugen Fredvric über:»Der Champignon und seine Zucht'. Eintritt frei.— Im S ch i l l e r s a a l dcS Charlottenburger S ch i l l e r t h e a t e r S spricht Eugen Zabel am Sonnabend, den 18. März, 8>/z Uhr, nach eigenen Beobachtungen über daS Thema:.Vom Kreml zur Newa"(Moskau— St. Petersburg). — Muflkchronik. Bisher find wir es gelvöhnt. daß ge- legentlich Schauspieler zum Vanetö gehen. jetzt wird sich einmal auch das Umgekehrte ereignen. Der Humorist O t t o R e u t t e r wird als Styx in der Neueinstudierung des„Orpheus in der Unter- Welt", die die.Komische Oper" plant, mitlvirken. für das Wohl der Arbeiterschaft zu wirken. lLebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Nun zu den anderen Diskussionsrednern. Herr v. G a m p, der wieder einmal nicht im Saale ist(Heiterkeit und Sehr gut! links), hat gestern die alte Behauptung von der glänzenden Besserung der Lage der Arbeiterschaft wiederholt. Die dürren Zahlen der Statistik widerlegen dies Märchen. Ich erinnere namentlich an das Siuken der Bergarbeiterlöhne in verschiedenen Revieren, z.B. in Niederschlesien.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Weiter hat.Herr v. Gamp behauptet, daß die deutsche Arbeiter schaft ihre Bildung dem heuligen Staate und den herrschenden Parteien verdankt.(Sehr richtig! rechts, Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Im Gegenteil: Der heutige Staat und die herrschenden Partein tun alles Mögliche, um die Bildungsdestreöungrn der Arbeiterschaft z» hemmen und zu unterdrücken. Aber trotz aller Schikanen schreitet dank der unverdrossenen Arbeit der Partei und der Gewerkschaften die Bildung der Arbeiterschaft fort und zeitigt immer glänzendere Resultate.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial demokraten.) Herr v. Gamp hat wieder einmal über Terrorismus geklagt. Ich möchte Herrn v. Gamp ersuchen, sich einmal mit den Zuständen in den Elberfclden Farbwerken zu beschästigen, an denen er meines Wissens stark beteiligt ist. Dort werden nicht nur keine Mitglieder der freie» Gewerkschaften, sondern auch keine Hirsch-Dunckerschen geduldet.(Lebhaftes Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) In die Klagen über Terrorismus haben auch die Herren Riese- berg und Stresemann eingestimmt. Herr Rieieberg täte besser, sich um das Boykottsystem zu kümmern, das das Hcfesyndikat gegen wider- strebende Bäckermeister ausübt. Ich will hier ferner erinnern au den Terrorismns des Kalisyudikats.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Herr GieSbertS sprach auch wieder von der Vergewaltigung der Arbeitswilligen. Reibereien zwischen Streikenden und Arbeits- willigen kommen überall vor. Auch die christlichen Gewerkschaften wissen davon zu erzählen. Eben erst finde ich wieder eine Notiz in der«Kölnischen Volks-Zeitung", in der im Anschluß an einen Streik christlicher Ardeiter vor der Herbeiholung von Arbeitswilligen ge- tvarnt wird. Dadurch werde die Situation gespannt und bedenklich.(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die Arbettswilligen sind oft wenig rmpfchlcnswerte Elemente. (Erneutes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) � Und wenn Herr Stresemann über„sozialdemokratischen" Terrorismus klagt, so möchte ich wiederum auf eine Notiz der„Kölnischen Bolls- zeimng" verweisen, die sich gegen den Terrorismus wendet, den »ationulliberale Unternehmer in Bochum gegen christliche Arbeiter üben.(Erneutes HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Und nun erst der Terrorismus des Bundes der Landwirte! Die Klagen der liberalen Presse über die Boykotticrung von Kausleuten und anderen Geschäftsleuten durch den Bund der Land- Wirte reißen noch immer nicht ab. Es find, wie wir sehen, nicht nur die Arbeiterorganisationen. gegen die Terrorismus geübt wird. Die Unternchmcrorganisationcn kämpfe» bekanntlich seit Jahren gegen alle Organisationsbesttebungen der tech»isch-i»dustricUcn.Brn»lten und Angestellte» an und handhaben unnachsichllich das System der schwarzen Listen. Ueberhaupt gehören diese schwarzen Listen zu den Hauptwaffen de? TcrroriSmuS, wie ihn die Unternehmerorganisationcn gewerbs- mäßig üben. Selbst der deutsch-nationale Handlungsgehilfenverband sieht sich dem Unternehmer-TerroriSmuS preisgegeben.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS System der Boykottierung und Aechtung, kurzum des Terrorismus im schlimmsten Sinne dcS Wortes, wird auch gchand- habt, wenn die Arbeiter von dem Wahlrecht z« öffentlich-rechtlichen Körperschaften Gebrauch macben. Neulich ist erst wieder ein Knappschaftsältester in Schlesien, Batrr von sechs Kindern, gcmaßrcgelt worden, nur weil er zum Knappschaftsältesten gewählt worden war, nur, weil er der Mann de« Vertrauens seiner Kameraden ist.(Lebhaftes Hört I börtl bei den Sozialdemokraten.) Und wie oft werden in Westfalen Berg- leute gemafiregelt, die 20, 30 Jahre in Arbeit gestanden haben. Was sagen die Herren Nieseberg, v. Gamp, Strewmann zu diesem Terrorismus?(Lebhaftes Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Herr Rieseberg ist auch ein wütender Gegner des Genossen schaftSwesenS. Selbstredend nur, wenn die Arbeiter Genossen- schaften gründen. Gegen Handwerkergenossenschaften hat Herr Rieseberg nichts einzuwenden. Ebensowenig hat Herr Rieseberg etwas gegen die Honorierung der Sekreiäre der christlichen Arbeiterorganisationen und der Untemehmerorganisationen einzuwenden. Aber den Beamten der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften wirft er vor, von Arbeitergroschen zu leben. Das ist Niesebergsche Gerechtigkeit! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich ivende mich nun zu anderen Fragen. Wir lehnen selbst redend auf das allerentschiedenste alle Bestrebungen ab, die darauf hinausgehen, die Hausierer zu schikanieren und zu ruinieren. Christ- lich ist übrigens dieser Kampf des Zentrums gegen die Aermsten der Armen eben nicht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das System des Hochschutzzolles, daS noch verschärft wird durch die famosen Einfuhrscheine, führt mit Naturnotwendigkeit zur schwerste» Schädigung der unteren Klassen. Man kann ohne jede Uebertreibung erklären, daß z. B. die furchtbare Säuglings- und Kindersterblichkeit, wie sie speziell in den Revieren der Textilindustrie herrscht, auf daS Konto der sogenannten Politik deS Schubes der nationalen Arbeft zu setzen ist.(Lärm bei den Schwarzblauen, lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) ES ist bezeichnend, daß der Bäckermeister Rieseberg die Politik der Brotverteucrung munter mitmacht. Zum Schluß wende ich mich zu unserer Resolution, die ein einheitliches Reichsbcrgrecht verlangt. In erster Linie verlangen wir den MaximalarbeitStag von 8 Stunden für die Bergarbeiter. ES ist bezeichitend, daß von allen Kulturländern Europas nur Rußland und Deutschland keinen gesetzlichen Marimal- arbeitstag für Bergarbeiter haben.(Hört I hört I)— Ferner ver- langen wir eine reicksaesetzliche Einfühning von Grubenkontrollcuren. Bayern. Sachsen und Preußen haben sogenannte Sicherheitsmäimer. Aber diese stehen in Arbeit und sind vom Bergkapital abhängig. Das preußische Abgeordnetenhaus hat dafür gesorgt, daß die preußischen Sicherheitsmäuner„weiße Salbe" sind und weiße Salbe bleiben. Wer für unabhängige Arbeitersekretäre in den AlbeitS- kammern eintritt, muß auch mit uns unabhängige Gruben- kontrolleure verlangen. Heute werden die Sicherheitsmänner, die ja abhängig' sind, in jeder Weise geschuriegelt und gemaßregelt; den Beamten ist Anweisung gegeben, mit den Sicher- heitSmännern die Strecke recht schnell zu durchjagen.„Ich will die Kerle schon zum Schwitzen bringen", schreibt ein Grubenbarou. und die durch die Strecke gehetzten und in Schweiß gebadeten Männer werden dann an die Arbeit in der zugigen Wettcrstrecke gestellt und noch verhöhnt. Diese Schikanierung richtet sich gegen die christ- lichen Sicherheitsmäimer genau so wie gegen die unseres Verbandes. — Die Enquete über die Verhältnisse der KnoppschaftSverhältntsse liegt unS nicht im Druck vor: der Staatssekretär meinte, das werde zu teuer sein. Aber ich meine, soviel sind die deutschen Bergarbeiter wohl noch wert, daß man ein paar tausend Mark ausgibt, um diese Enquete im Druck erscheinen zu lassen. Wie verschieden die Zustände in den KnappichaftSkassen sind, zeigt der Umstand, daß die jährlichen Durchschnillsrenten von 82 bis 325 M. schwanken. Deswegen allein ist schon ein einheitlicher Knappschaftskaffcnvrtband für das Reich, wie wir ihn in unserer Resolution verlangen, notwendig. Weiter verlangen wir, daß die Beschäftigung jugrndlichcr Arbeiter unter Tage gänzlich verboten wird. Selbstverständlich verlangen wir auch daS geheime, gleiche Wahlrecht für die Knappschaftskassen.— Sollte die Erfüllung unserer Forderungen der Bergwerksindustrie Kosten verursacheit, so können diese auch sehr leicht getragen werden. Der'StaatSsekretär möge seine Aufmerksamkeit auch den Realabgaben zuweudeen, die grundbesitzenden Fürsten und Grafen ziehen Unsummen aus ihrem Besitz, die Familie Arenberg allein hat in einem einzigen Jahre 1 393 000 M. erhalten.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Zum Schluß noch ein Wort über die Kohlenrinfuhrzölle, die von der rheinisch- westälischen Kohlenindustrie verlangt werden. Not- wendig sind sie schon deshalb nicht, weil unsere Kobleneinfuhr sinkt, unsere Kohlenausfuhr steigt. Außerdem würde durch einen Kohlen- zoll die schlesische Kohlenindustrie stark geschädigt werden. Ich schließe mir der Bitte an den Staatssekretär, daß er nicht bloß den Wünschen von rechts Gehör geben möge, sondern auch unseren Wünschen; jedenfalls kann man nicht sagen, daß ich hier unerfüllbare Forderungen vertreten habe. Abg. Schwadach(natl.): Der fortschrittlichen Resolution, das Reichsvereinsgesetz möge seinem Wortlaut und Sinn entsprechend ausgeführt werden und allgemeine Verbote öffentlicher Aufzüge mögen unterlassen werden, stimmen meine politischen Freunde zu. dagegen werden wir dem weiter gehenden Antrag des Zentrums, dag der Spracheuparagraph aufgehoben werde, nicht zustimmen; die Gründe für den Sprachcnparagraphen bestehen heute ebenso wie bei seiner Einführung. lBravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Gothein(Vp.): Herr Stresemann betonte, die gesamte nationallibcrale Partei halte am Zolltarif unbedingt fest. Sie hat sich unter dem Druck von bestimmten Stellen eben an die Zölle gewöhnt. Ich möchte das bezeichnen als die Gewöhnung an das Scheußliche.(Heiterkeit links.) Auf die Dauer ist ein Ausrecht erhalten unseres Hochschutzzollsystems gor nicht möglich; sogar der Zentralverband deutscher Industrieller hat diese Möglichkeit zu� gegeben. Unser Hochschutzzollsystcm verteuert die Produktion, ver- teuert aber auch den Grund und Boden und schädigt daher auch die Landwirtschaft. In der ganzen Welt macht jetzt wieder der Frei Handelsgedanke Fortschritte. Auch daü deutsche Volk wird eS müde werden, sich die Lebensmittel andauernd verteuern zu zu laffen. Die letzten Wahlen haben gezeigt, daß die Parteien an Stimmen zunehmen, welche gegen die Zölle sind. Die National- liberalen werden gut tun, den Sammlungsrufen des Reichkanzlers nicht zu folgen. Die Partei würde in den Armen der Rechts Parteien sanft entschlafen. Was die Aufforderung des Grafen Kunitz an uns betrifft, in die große Zollphalanx einzutreten, so gibt er sich einer ttiigerischen Illusion hin. Mit den Nationalliberalen können wir jetzt ein gut Stück zusammenmarschieren, hoffentlich ändert die nationalliberale Partei auch ihren unklaren Standpunkt zur Frage des Koalitionsrcchts der Landarbeiter. Noch immer ist daS Versprechen nicht erfüllt, das Bismarck vor dem Feldzug von 1863 gegeben hat: die Gleichstellung der landwirtschaftlichen Arbeiter mit den gewerblichen Arbeitern in der Koalitionsfreiheit. Auch die Gcsinbeordiiungcn müssen beseitigt werden. Die Vor bedingung für jeden Fortschritt ist natürlich die Zertrümmerung deS fchwarz-blaucn Blocks, und diese Zertrümmerung ivird uns bei den nächsten Wahlen gelingen.(Lebhafter Beifall links). Wenn dann eine andere ReichStagSmehrheit freiheitliche Beschlüsse faßt, dann werden auch die Regierungen nach- geben müssen. Der Staatssekretär hat uns von seiner vollkommenen Unabhängigkeit gesprochen. Tatsächlich besteht doch eme gewisse— ich will einmal sagen gottgewollte Abhängigkeit der Regierung von den Junkern und Schlotbaronen. (Sehr richtig! liitks. Zurufe: Und von den Pfaffen l) DaS Zenttum macht eS sich ja belm NeichSamt dcS Innern bequem. ES schickt seine Arbeitervertreter vor und läßt hochtönende sozialpolitische Reden halten. Wenn eS aber dann zur Abstimmung kommt, dann kommandiert es gerade so viel Leute ab, wie notwendig sind, um einen fortschrittlichen Antrag zu Fall zu bringen.(Sehr richtig! links.) Seinen Einfluß benutzt das Zentrum nur dann, wenn eS sich darum handelt, agrarische Fragen durchzudrücken. Wir wünschen, daß die Freiheit des Individuums nicht untergeht in der Herrschaft der Massen. Aber sie darf auch nicht untergehen in der Herrschaft der Bureaukratie.(Sebr richtig I links.) Wir wollen diese Freiheit des Individuums auch schützen gegen den von Gewerk- chaften ausgehenden Zwang zum Eintritt in eine Organisation. Die Gewerkschaften hätten alle Ursache, die Beispiele des Zreiherrn v. Gamp auf das genaueste zu untersuchen. Gerade weil >ie Sozialdemokrane eine Kulturpartei sein will. darf sie sich nur solcher Mittel bedienen, die vor der Forderung der Sittlichkeit standhalten. Aber mit vollem Rechte hat der Abg. Sachse hervorgehoben, daß auch von den Arbeitgebern gesündigt wird. Wir geben dem Frhr». v. Gamp recht darin, daß eS ein Zeichen von niedriger Gesinnung ist, wenn mau gegen jemanden Zwangsmittel und den Boykott anwendet, nur weil er sich einer be- timmten Organisation nicht anschließt. Wir wenden uns aber vor allem auch gegen eine solche niedrige Gesinnung, wenn sie sich beim Arbeilgeber zeigt. Auch der preußische FiskuS alö Arbeitgeber steht vielfach noch auf einem anderen Standpunkt. Hat der preußische Oberbergrat Vehlsen nicht gesagt: Wer Sozialdemokrat ist, der fliegt? DaS ist derselbe TerroriSniuS, der Ihnen(nach rechts) so wenig vehagt.(Sehr wahr l links.) Am 7. August 1910 schrieb die„Kreuz-Zeitung:«Ohne Zweifel, der politische Boykott ist unanständig'. Das ist— Theorie, natürlich. (Heiterkeit links.) Aber der frühere konservative Landtagsabgeordnete Ring- Düppel hat direkt dazu ausgefordert, nur bei den Hand- werkern und Kaufleuten zu kaufen, die eine blaue Karte � vom Bunde der Landwirte— baben.(Hört! hört! links.) Und der Bundesvorsitzende Herr v. Wangcnheim forderte 1901 öffentlich auf, diejenigen Landwirte gesellschaftlich zu boykottieren,«daß kein Hund ein Stuck Brot von ihnen nimmt", die sich der Organisation nicht an- 'chließen.(HörtI hört! link«.) Vielleicht sagt Herr v. Gamp, der nichts Niedrigeres kennt als solchen politischen Boykott, nun Herrn v. W a n g e ii h e i m einmal gründlich seine Meinung.(Heilerkeit links. Ruf: Er wird sich hüten!) Wenn Sie— nach rechts— so legen Boykott und Terrorismus fiub, warum sind Sie denn in Preußen gegen daS geheime Wahlrecht?(Sehr gut! links.) Was ist denn der Grund ftir Jbre Begeisterung für die öffentliche Wahl, als daß Sie die Wähler kontrolliere» und denjenigen wirtschaftlich chädigeu wollen, der nicht so wählt, wie Sie wünschen.(Sehr vahr! links.) Deshalb haben Sie ja auch nichts qegen Zigarrenkisten als Wahlurnen bei den ReichStagSwahlen.i Heiterkeit links.) Bon einer Abhängigkeit deS Mittelstandes vom Großkapital kann in der Allgemeinheit, wie eS oftmals gescbieht, nickt gesprochen werden; wohl aber besteht eine an Hörigkeit grenzende Abhängigkeit von den Syndikaten. Hier wäre Gelegenheit für den Staat, für die Freiheit des Individuums zu sorgen. Aber die ganze Frage der gesetzlichen Regelung der Syndikate und Kartelle ist, dank der Rechten und dem Zentrum, auf ein totes Geleise geraten. Den Handwerkern wird am besten geholfen, wenn man mit der Politik der Bertciicrung der Lebensmittel bricht.(Sehr wahr! links.) Als Freunde deS sozialen Friedens sind wir warme Anbänger und Befürwotter der Tarifverträge. DaS Arbeitsverhältnis muß aus einem Macht- ein Rechtsverhältnis werden. Selbst Berg- direkloren aus dem Rnhrrevier haben die Möglichkeit von Tarif- Verträgen auch für de» Bergbau zugegeben. Vieles, waS heute durch die Reicksgesetzgebung geregelt wird— die Gewerbeordnung wird durch dieS komplizierte Detail immer unübersicktlicher— läßt sick viel besser und praktischer durch direkte tarifliche Abmachungen zwischen den Beteiligten regeln.(Sehr wahr! bei den Liberalen.) Graf Kunitz, der übrigens vom Bankwesen sehr viel mehr ver- steht als der frühere Bankbeamte Dr. Hahn(Heiterkeit und Sehr gut! links), klagt über die SpetulationSÜicht. Auch diese Erscheinung hängt mit dem immer teuerer werdende» Leben zusammen. Dadurch werden manche kleine Rentner, Pensionäre usw., die sich früher nnt den geringen, aber sicheren Zinsen der StaatSpapiere begnügten, zu Spekulationen in unsicheren Papieren verführt.(Lachen rechts.) Der sozialdemokratischen Resolution betr. Erlaß eines Reichs- gesetzeS st i m m e n w i r z u. Es ist wahrlich kein Ruhmestitel für Deutschland, daß die Verhältnisse des Bergbaues noch immer nicht reichsgesetzlich geregelt sind.— Eine gute Gesetzgebung hat zwei Hauptaufgaben zu erfüllen, sie hat für Brot und für Freiheit zu sorgen. Brot und Freiheit! muß die Losung der Sozialpolitik lauten.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Waida(Pole)(sehr schwer verständlich) klagt über die niedrigen, zum menschenwürdigen Dasein nicht ausreichenden Löhne, die im oberschlesiicken Bergwerksrevier, zum Beispiel auf der Donnersmarckshütte(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten) gezahlt werden.— Mit furchtbarer Rachsucht schlägt das oberschlesische Grubenkapital alle Bergsflaven, an den Kelten zu rütteln, nieder. Nach einem mißglückten Streik dielten die Bergherren Musterung unter den blutarmen Bergleuten, warfen Familienväter, die seit Jahren aus der Zeche gearbeitet, erbarmungslos auf die Straße und sorgten dafür, daß die Gemaßregelten nirgendswo mehr Arbeit finden.(Lebhaftes HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Und mit den elenden Hungerlöhnen vergleiche man die glänzenden Dividenden der oberschlesiichen Kapitalisten! Eine Gesellschaft zahlt 120 Proz. und darüber.(Stürmisches Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) Ein abgelegter alter schwindsüchtiger Arbeiter wurde von der Zechenverwaltung bei strömendem Regen aus seinem Mietshause vertrieben!(Bewegung. Stürmische Zurufe. Ruf bei den Sozialdemokraten: Pfui!) Und wenn nun die geplagte polnische Bevölkerung Oberichlesiens versucht, die verfassungsmäßige Versammlungs- und BereinSsreiheit zur Besserung ihrer elenden wirtichafrlichen Lage zu benutzen, dann werden alle möglichen Schikanen angewandt, um das oberschlesische Volk an der Ausübung seiner Rechte zu verhindern. Jetzt rächt sich auch, daß der Freisinn dem Sprachenparagraphen zugestimmt hat. Ich bin überzeugt, daß der Freisinn jetzt nicht wieder einem solchen Paragraphen zustimmen würde. Ich bitte das hohe Haus, unserer Resolution zuzustimmen, die eine Aushebung dieses Paragraphen verlangt.— Der Fusel ist fast noch die einzige Lebensfreude der oberschlesische» Arbeiterschaft.(Lebhaftes Hört! hört! bei den So- zialdemokraten.) Ick möchte schließen mit einem Wort des Professor Sohnrey: Mit Waffengewalt kann man wohl ein Land erringen. aber ein Volk nicht. Ein Volk gewinnt man nur. indem man Rück- ficht nimmt aus seine Bedürfnisse und seine Eigenart.(Lebhafter Beifall bei den Polen und Sozialdemokraten. Zuruf bei den So« zialdemokraten: Und waS lagt Herr Delbrück dazu?) Hierauf wird ein Schlußanttag angenommen. Abg. Hengsbach(Soz.): Durch den Schlußantrag ist es mir umnöglich gemacht, die Re- soluttonen betreffend Werkspensionskassen und Hüttenarbeiterschutz zu begründen. Wir ziehen sie daher zurück, um sie bei der dritten Lesung aufs neue einbringen und dann begründen zu können. Es folgt die Abstimmung über eine Reihe der vorliegenden Re« soluttonen. Angenommen wird eine Resolution aller Parteien auf Herbei« führung einer deutschen Einheits stenographier Resolutionen der Nationalliberalen, betreffend Gleichstellung der Gehilsen der Rechtsanwälte. Notare, Beamten der Krankenkassen usw. in bezng aus Arbeitszeit, Kündigungsfristen usw. mit den Handels- angestellten; betreffend Uebertragung der sozialen Bestimmungen deS Handelsgesetzbuches auf die technischen Beamten; betreffend Unfallfürsorge bei Arbeiten, die freiwillig zur Rettung von Personen vorgenommen werden; Eine Resolution v. Normann betr. Zuweisung von Aufträgen der Neichsbetriebsverwaltung an das Handwerk; Resolution Ablaß und Gen.(Vp.) betr. Sicherung des Dahl- geheimnisseS gegen die Stimmen der Konservativen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sie wollen weiter mogeln l) Antrag der Polen betr. einheitliche Regelung deS Bergrechts usw. Resolution v. Carmer(k.) betr. die Wanderlager. Abgelehnt wird eine Resolutton des Zentrums betreffend Einschränkung des Hausierhandels, ferner ein Antrag der Sozialdemokraten auf Schaffung eines ReichSberggeietzeS. Die Abstimmung über weitere Resoluttonen wird bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Hierauf vertagt daS Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 1 Uhr._ Schluß 8 Uhr. Mgeoränetenbaus. tv. Sitzung vom Mittwoch, den IS. März» vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Trottzu Solz. Die zweite Beratung deS KultuSetatS wird fortgesetzt beim Kapitel Technische« Unterrichts tvefen. Abg. v. W o y n a(fk.) beantragt, die Regierung zu ersuchen, im nächstjährigen Etat Mittel für die Errichtung eines Labora- t o r i u m s zur Erforschung der industriellen Verwertung der preußischen Moore in Angliederung an die Technische Hochschule in Hannover vorzusehen. Abg. Bell(Z.) wünscht vermehrte Hinzuziehung von Technikern in der Berwaltung. DaS Kapitel ivird bewilligt, der Antrag v. Woyna geht an die Budgettommission. ES folgt das Kapitel Kunst und Wissenschast. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): Die Dotierung dieses Kapitels reicht bei weitem nicht aus. Es muß der Ehrgeiz der preußischen Volks- Vertretung sein, Berlin zu einer hervorragenden Stätte künstlerischen Schaffen« und Schauen« zu machen, wie es heute München ist. Der Kunst nmß die Freibeit der EntWickelung gewahrt bleiben. DicS erkannt zu haben, bildet gerade den Ruhm des SOjährigen Prolektors der Künste in Bayern.(Sehr gut I link».) Die Besuchszeit der Museen muß den Bedürfnissen des Publikum» Keffer angepaßt werden. Die Ausgrabungen frühgeschichtlicher Funde müssen vom Staate organisiert werden; durch ihre Ueberlaflung an Private ist viel wertvolles Material verloren gegangen. Das Privatkapital sollte nach dem Muster von Amerika sich daran gewöhnen, größere Opfer für Kunstzwecke zu bringen.(Bravo I links.) Abg. Dr. Äagner(fk.) schließt sich dem Vorredner in ollen Punkten an und wünscht die Einsührung eines Befähigungsnachweise» für Musiklehrrr. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): ES fällt nicht leicht, in einem Hause über Kunst und Mffenschaft zu reden, das bemüht ist, alle küifftlerischen Bestrebungen, die aus dem Volke heraus entstehen, zu unterdrücken, wie sich das bei dem Vorgehen gegen die Freien Volksbühnen und wieder bei der Debatte gestern abend gezeigt hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Vorurteilslosigkeit des bayerischen Regenten in Sachen der Kunst hat neulich selbst die«Deutsche Tageszeitung" im Gegensatz zu dem Verhalten der maßgebenden Stellen m Preußen hervorgehoben, wo bedeutende Künstlernamen an höchster Stelle noch immer kaum auSges>"'ochen werden dürften. ES muß wohl ein heimlicher Eozicaoemokrat sein, der sich da in der«Deutschen Tageszeitung" für die süddeutschen demokratischen Prinzipien und für die«Rinnstein- kunst" begeistert.(Helterkeit.) Wir wünschen die freie Entwickelung in der Kunst wie in der Wissenschaft. Herr Porsch stellte neulich den Satz auf: das höchste Prinzip ist nicht die freie Forschung, sondern die Wahrheit. DaS bedeutet die Proklamierung der Ueberleaenheit deS Dogmas über den Ver- st a n d. Wir sind nicht töricht genug zu behaupten, daß wir in irgend einem Punkte die Wahrheit besäßen.«ir erkennen an, daß gewisse Grundprobleme für den menschlichen Verstand unlösbar sind. Aber wir meinen, daß nichts als wissen- schaftliche Wahrheit akzeptiert werden darf, was nicht mft den Methoden der exakten Forschung festgestellt ist. Diesen Methoden dürfen keine Grenzen gezogen werden durch irgend eine Dogmatil(Zurufe). Der Marxismus ist kein Dogma, jedenfalls wünschen wir nicht, daß er ein Dogma werde, er ist auch in vieler Beziehung bereits durch die wissen- schaftliche Forschimg korrigiert.— Kennzeichnend für die heulige Kunstentwicklung ist cS. daß ein Verwandlungs- künstler, wie Herr von I a g o w, der aus einer„Hose" einen„Riesen" macht(Heiterkeit), als geeigneter Ober- Zensor über die preußischen Theater angesehen wird.(Sehr wahr: bei den So�ialdemokraren.) Ein satirisches Blatt hat mit Recht ge- sagt, die Künstler müssen in Preußen auch eine Art Modernisteneid leisten, wenn sie für würdig des Ordens xour lo rnch-its befunden werden wollen. Ich erinnere auch an die neulich publizierte Aeußerung Spielhagens, daß eine Art Gardemaß für die Künstler für notwendig gehalten wird, bevor man sie zu den Hofiheatern zuläßt. In bezug auk die Beteiligung des Kapitals an der Förderung künst- irischer Bestrevungen muß ich Herrn Pachnicke widerspreche». Selbstverständlich sind auch wir der Meinung, daß es Pflicht der besitzenden Klassen ist, die Wissenschaft und Kunst mit ihren Kapitalien zu unterstützen, aber es liegt dabei die große Gefahr vor, daß die Zu�cke der betreffenden Institute durch diese Art der Finanzierung beeinflußt werden können. Di« Bibliotheken, dre in Amerika von Carnegie gestiflel werden, müssen überall seinen Namen tragen, das ist eine Reklame für ihn. und bei Stiftung von Lehrstühlen wird von solche» Kapitalisten vielfach die Richtung vorgeschrieben, die gelehrt werden soll. Der Zweck dieser Millioncnstiftungen in Amerika ist vor allem, die für die so schnell aufgeblühte Industrie notwendigen Intelligenzen im Eiltempo zu produzieren, dafür spricht auch die Tatsache, daß dort die Institute für angewandte Wissenschast viel reicher dotiert werden als die für reine Wissenschaft. Eine ähnliche Beeinflussung der Richtung ist auch bei der K a i s e r- W i l h e l m- Stiftung in Deutschland keineswegs ausgeschlossen.— Natürlich finden sich rm Kulmsetat auch mancherlei sehr erfreuliche Posten. Für die Museen, für wissenschaftliche Expeditionen könnte noch viel mehr gefordert werden. Auf dem Gebiete der Erhaltung der körper- lichen und geistlichen Ueberreste alter Kulturen geschieht längst nicht genug. Bon großer wissenschaftlicher Bedeutung wäre eine Neu- katalogisierung der königlichen Bibliothek im größeren Stile. Das Aeußere der königlichen Bibliothek schlägt dem primitivsten Geschmack ins Gesicht. Dem gegenüber machen die Bibliotheken in Bonon und Washington einen geradezu überwältigenden Eindruck. Dabei ist die erste eine öffentliche Leihbibliothek für die große Masse des Volkes. Kunst und Wissenschaft müssen mehr popu- larisicrt werden. Sehr geeignet hierzu sind kinemaw- graphische Vorfiihrungen. Die Regierung tut auf diesem Gebiete nichts, sie bereitet im Gegenteil z. B. den Hochschulkursen noch Schwierigkeiten. Das Volk hat das größte Bedürfnis danach, an den höchsten Gütern der Wissenschaft und Kunst teil- zunehmen, und die wissenschaftlichen und künstlerischen Kräfte, die in ihm selbst fchlummern, zu betätigen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Daß dies heute nicht möglich ist, ist ein Zeichen für die tiefinncr- lichc Barbarei unserer heutigen Gesellschaftsordnung.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wie auch das Theatcrwejen unter der Fuchtel der Herr- schenden Klassen steht, beweisen die O r g a n i s a t i o n s b e st r e- düngen der Schauspieler und Schauspielerinnen, die wir nur begrüßen können. Es macht sich bei uns in Kunst und Wissen- schaft eine Tendenz zur Amerikanisierung bemerkbar. Kunst und Wissenschaft stehen«in Dienste des Kapitals und werden ausgenützt zur Verbreitung der Gesinnungen und Anschauungen, die den Herr- schenden Klassen genehm sind. Den Fortschritt auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst vertritt allein die Sozialdemokratie. ES wird den finsteren Gewalten in Preußen nicht möglich sein, die geistige EntWickelung im Volke zu hemmen. Die Masse des Volkes. geführt von der Sozialdemokratie, wird auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft das erfüllen, was die größten Meister des Men- schengcschlcchts geträumt und gewünscht haben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Eickhoff(Bp.) wünscht die Reformierung der Zustände an der Kunstgewerbeschule in Berlin. Abg. Heine(natl.) befürwortet die Bereitstellung größerer Mittel für die staatlichen biologischen Anstalten. Abg. Menke iVp) verlangt Vorlegung eines Gesetzes gegen die Zerstörung von Naturdenkmälern. Abg. Runze(Vp.) spricht sich für Erhaltung prähistorischer Denkmäler aus. Präsident v. Kröcher schlägt vor. die Weiterbcrahmg auf eine Abendsitzung zu vertagen. Auf Antrag des Abg. Eickhoff(Vp.) wird beschlossen, davon abzusehen und den sogenannten Professorenstreit noch zu erledigen. Abg. Schmedding(Z.): Wir sehen ab von der Frage, wer die Hauptschuld an dem peinlichen Streit trägt. Uns genügt es fest- tustelleii, daß wir gegen den Minister aus diesen Vorgängen keinen lorwurf erheben können, insbesondere auch nicht aus dem Grunde, weil er gegen den Herrn, dem wiederholt Wortbruch vorgeworfen ist, kein Disziplinarverfahren eröffnet hat. wenn wir auch für diesen Herrn wenig Sympathie empfinden. Es hat sich bei dieser Gelegenheit wieder das alte Cliquenwesen an der Universität offen- bart, gegen das der Minister energisch einschreiten sollte.(Bravo! �bg.� Eickhoff(Vp.): Nach unserer Auffassung hat das Mini- sterium m dieser Affäre nicht immer eine glückliche Hand bewiesen. Der dem Professor Bernhard vorgelegte Revers ist von chm unter- schrieben, aber in der Tat nicht gehalten worden. Das hat man ihm mit Recht alS Wortbruch vorgeworfen. Prof. Bernhard hat sich dann zuerst bereit erklärt, ein Schiedsgericht anzuerkennen, lehnte es dann aber am nächsten Tage ab. Man kann vermuten, daß er zu dieser nachträglichen Ablehnung durch das Ministerium veranlaßt worden ist. Wäre das nicht geschehen, so wäre der ganze Streitsall innerhalb der Mauern der Universität erledigt worden. Der Streit ist heute noch nicht beigelegt, ja, wird kaum noch zu schlichten sein. Wenn der Minister die Sache ernstlich prüfte wird sich sicher Herausstellen, daß der eine oder andere seiner Rate iw dieser Angelegenheit nicht richtig vorgegangen ist. Die Nichtein- Haltung des Reverse» durch Prof Bernhard beurteilt der Minister doch wohl zu milde. Ueber das Urteil der Fünferlommission, die aus Koryphäen der Wissenschaft besteht, durfte man nicht so leicht hinweggehen und ebensowenig über die Eingabe der gesamten Fa- kultät. ES ist mir unverständlich, daß danach Prof. Bernhard noch zweifeln konnte, daß feines Bleibens in der philosophischen Fakul« tat in Berlin nicht mehr sein tonnte. Ist doch auch seine B e» rufung seinerzeit gegen den Willen der Fakultät aus politischen Gründen erfolgt. Möge der Minister olles tun, um diese das Ansehen der deutschen Wissenschaft so un- gemein schädigende Angelegenheit endlich aus der Welt zu schaffen. (Bravo! link».) Kultusminicher Trott zu Solz: Der Gesichtspunkt der Wahrung de» Ansehens der Universität und der Professoren ist für mich von vornherein der ausschlaggebende gewesen. Daher mußte das Ziel die Herbeiführung einer Verständigung sein. Dies ist nach mühevollen Verhandlungen seinerzeit auch gelungen. Was ist nun nachher geschehen, daß dies Ergebnis wieder in«iroge gestellt wurde? ES ist ein Artikel ocr..Vossischcn Zeitung", der unter Mit- Wirkung des Prof. Bernhard zustande gekommen ist. Dieser Artikel war aber lediglich eine objektive Darstellung des Streitfalles, ein Vorwurf gegen die Herren Prof. Sehring usw. brauchte nicht her- ausgelesen zu werden. Die Herren haben sich zu empfindlich ge- zeigt, ihnen hätte das Ansehen der Universität höher stehen sollen. (Sehr richtig! rechts.) Ein Wortbruch des Prof. Bernhard ist von Fünferkommission nicht anerkannt worden, sonst wäre gegen Prof. Bernhard ein Disziplinarverfahren eröfftcet loorden. Das Recht Prof. Bernhard zu versetzen, steht mir nicht zu. Dies Er» suchen hätte daher die Fakultät nicht an mich richten dürfen.(Sehr richtig!) Unrichtig ist. daß das Ministerium sich irgendwie an der Preßpolemik beteiligt hätte, es hat auch nichts derartiges nachge- wiesen werden können. Ich hoffe, daß diese sachliche Debatte zur Beruhigung beider Teile beitragen wird und daß die Zeit heilen wtkd. wg»'jetzt noch zwischen ihnen steht. So eng sind doch die Pili sönlichen Beziehungen in einer Fakultät von 6» Mitgliedern nicht, daß ein Verbleiben Prof. Bernhards in der Fakultät für die Pro- fessoren v. Schmoller. Sehring und Wagner unerträglich wäre. Das Ziel muß die Verständigung bleiben.(Bravo! rechts.) Abg. Rewold(frkons.): Ein begründeter Angriff gegen hie Re- gierung ist nicht erhoben worden. Auch bei der Anstellung Prof. Bernhards befand sich die Regierung auf dem Boden des Rechts. Es ist Sache der Professoren. Differenzen unter sich auszugleichen. Nicht haltbar ist die Eingabe der Fakultät mit dem Ersuchen um Versetzung Prof. Bernhards. Wir müssen von der Selbstzucht der Beteiligten erwarten, daß sie im Interesse der Universität und der Erziehung der Jugend den Streit aus der Welt schaffen.(Bravo! rechts.) Abg. Lohmann(natl.): Der Professorenstreit bedeutet eine schwere Schädigung des Ansehens der Universität. �Entscheidend ist das Urteil der Fünferkommission, der das ganze Material vorge- legen hat und die überwiegend Prof. Beruhard die Schuld gibt. Indirekte Beeinflussung der Presse hat Prof. Bernhard nicht in Abrede stellen können. Das Kultusministerium hat die Fakultät zu sehr unter dem Gesichtswinkel der unterstellten Behörde in der ganzen Sache behandelt und es hätte die Unterwerfung Prof. Bernhards unter das Schiedsgericht nicht verhindern dürfen. Ein dauerndes Verbleiben Prof. Bernhards in einer Fakultät, die ihn einmütig ablehnt, dürfte nicht möglich sein. Kultusminister v. Trott zu Solz: Ein Widerspruch zwischen meinen Erklärungen besteht nicht. Ich habe in beiden Fällen be- stritten, daß sich das Ministerium an irgendlvclcher Polemik in der Presse beteiligt habe. Ich habe lediglich der Redaktion des„Lokal- Anzeigers" meinen W"nsch ausdrücken lassen, man möge die An- griffe gegen Prof. Semliig einstellen, was dann auch geschehen ist. Abg. Graf Clairon d'Haussonville(kons.): Meine Freunde billi- gen das Verhalten des Ministers. Daß ein Wortbruch des Prof. Bernhard vorliegt, erscheint uns nicht erwiesen. Auch wir hegen den Wunsch, daß eine Verständigung zwischen den Parteien gelingen möge. Auch die Fakultät sollte die Hand zur Versöhnung bieten. Abg. Korfanty(Pole): Meine Freunde haben ja gewissermaßen das Sprungbrett für die Karriere des Prof. Bernhard abgegeben. Wollten wir schadenfroh sein, könnten wir die Entmickelung dieses Falles nur begrüßen. Die Strafe für die Berufung Prof. Bern- hards aus politischen Gründen ist aus dem Fuße gefolgt. Besou- derc wissenschaftliche Leistungen hat Prof. Bernhard nickt aufzu- weisen. Er hatte aber gnte Protektion in den Oberpräsidentcn der Provinz Posen und Schlesien. Das Buch Bernhards über das Polentum hat lediglich feuilletonistischen Wert. Die Statistik hat er in dem Buche völlig entstellt. Unwahre Angaben hat er bis heute nicht berichtigt. Um Material zu erhalten, kam er zu den Führern unserer Genossenschaften, genoß tagelang ihre Gastfreundschaft und stellte sich als bester Freund der Polen hin. In seinem Buche hat er dann die Tätigkeit dieser Genossenschaften als staatsgefährlich bezeichnet.(Hört! hört! bei den Polen.) Wir müssen nach solchen Erfahrungen daran zweifeln, ob dieser junge Mann fähig ist, sein Wort zu halten.(Bravo! bei den Polen.) Präsident v. Kröcher: Dieser Ausdruck geht zu weit. Ein Schlußantrag wird angenommen. Abg. Liebknecht stellt fest, daß seine Partei die einzige sei, der die Möglichkeit genommen werde, sich zu diesem Falle zu äußern. Die Weitcrberatung des Kultusetats wird auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Schluß: 6-/0 Uhr._ parlamentanlchee* Aus der Budnetkommission des Reichstages. Am Mittwoch setzte die Kommission die Kalidebatte fort. Unterstaatssekretär Richter erklärte, bei den Kaliabgaben handle es sich nicht um eine Steuer oder um Einnahmen, über die das Reich nach Gutdünken verfügen könne. Die Abgaben würden von der beteiligten Industrie aufgebracht und müßten nach dem Kali- aesetz zur Propaganda für den Kaliabsatz verwendet werden. Diese Verpflichtung, die Verwendung zu kontrollieren, erkenne die Regierung an. Bestimmt« Organisationen, wie z. B. den Bund der Landwirte, wegen ihres angeblichen politischen Charakters vom Empfang von Propagandageldern auszuschließen, sei nicht angängig. Es sei für die Regierung sehr schwer, festzustellen, was an solchen Verbänden politisch und nichtpolitisch sei. Abg. H u e führte dazu aus, die Regierung sei doch sonst nicht so zaghaft. Bei den Jugendvereinen und Gewerkschaften sei die Regierung immer sehr schnell mit einer Entscheidung da. die den„politischen Charakter" ausspreche. Die Neuerrichtung von Werken müßte eigentlich vom Nachweis der Bedürfnisfraae ab- hängig gemacht werden. Nachdem die sozialdemokratischen Anträge auf Errichtung eines ReichsHandelsmonopols bei Schaffung des KaligesetzeS abgelehnt worden feien, müsse bei sachlicher Be- trachtung anerkannt werden, daß die Propaganda nur von den Organisationen betrieben werden könnte, die mit dem Absatz von Kali zu tun hätten oder ihn fördern könnten und wollten. Ihnen müßten dann die Propagandagelder aber auch unterschiedslos zu- fliegen. Abg. Hue stellte ferner fest, daß weder die Konservativen noch die Führer des Wundes der Landwirte beim Kaligesetz etwas versucht oder getan hätten, den Lanltzvirten zu billigeren Kali- preisen zu verhelfen. Solche Bestrebungen hätten allein die Sozialdemokraten und Freisinnigen verfolgt. Abg. Erzberger warf der Regierung vor, bei der AuS- führung des Kaligesetzes habe sie nicht ihre Pflicht getan und dadurch die jetzige Situation verschuldet. Keineswegs sei das Zentrum umgefallen. Al>g. Heim wies darauf hin, daß die Neue Kali-Bezugsgenossenschast über ein Kapital von 250 000 Mk. verfüge, wovon die großen landwirtschaftlichen Verbände 177 000 Mark� 26 andere lcnrdwirtschaftliche Korporationen nur 123 000 Mark besäßen. Da für je 1000 Mark Stammkapital eine Stimme abgegeben werden könne, hätten die drei großen Verbände stets die Mehrheit. Auch aus den VertragSbestimungen dieser Gesellschaften gehen hervor, daß der Gewinn auch zu anderen(politischen) Zwecken verwendet werden könne. Die allgemeine Debatte ist damit erschöpft. Am Donnerstag wird über spezielle Fragen debattiert werden, außerdem soll die Abstimmung über die sehr zahlreichen Anträge erfolgen. Ingendbeweginig. Literatur. Im Verlag der Buchhandlung Borwärt«, Berlin, erschien: Der gesetzliche Arbeiterschutz für Jugendliche. Von Robert Schmidt. Herausgegeben von der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands. Preis 40 Pf. Der wirtschaftliche Schutz der arbeitenden Jugend nimmt unter den Aufgaben, die unseren Jugendousschüssen gestellt sind, eine der ersten Stellen ein. Nach der letzten Berufs- und Gewerbezählung waren im Jahre 1907 nicht weniger als 8'/3 Millionen jugendlicher Erwerbstätiger im Alter von 14—18 Jahren vorhanden. Diese breiten Massen jugendlicher Proletarier werde» wir erfahrungsgemäß am ehesten für die allgemeinen Ziele unserer Bewegung gewinnen, wenn wir ihnen zeige», daß wir uns auch um ihr materielles Wohlergehen energisch kümmern. Das geschiebt einmal, indem unsere Vertreter in den Parlamenten den gesetzlichen Jugendschutz kontrollieren und nach- drücklich auf die Verbesserung der geltenden Bestimmungen drängen. Noch wirksamer ober wird diese Aufgabe erfüllt durch die Ueber- wachung der Durchführung der bestehenden Schutzbestimmungen. Zu diesem Zwecke haben denn auch die Jugendausschüsse vielfach be- sondere Komnnisionen(Jugendschutzkommissioneni eingesetzt. Gerade diese« TätitgkeitSgebiet ist aber besonders schwierig zu bearbeiten. ES ist andererseits auch vielleicht das dankbarste Feld, insofern in all den einzelnen Fällen, in denen wir helfen können, ein unmittel- barer Erfolg unserer Bemühungen zu konstatieren ist. Unseren Jugend- ansschiissen diese schwierige, ober dankenswerte Aufgabe zu erleichtem, dazu soll die Schrift des Genossen Robert Schmidt dienen. Sie stellt die geltenden gesetzlichen Bestimmungen, die für den Jugendschutz in Betracht kommen, übersichtlich zusammen und erspart so den Ge- nossen das oft mühevolle Nachschlagen in den für den Jugendschutz in Betracht kommenden Gesetzen und Verordnungen. Ein eingehendes Sachregister erleichtert den Gebrauch des Büchleins. Kein Tag ohne Auflösung. Auflösung folgt auf Auflösung. Die Wirkung des an alle Negierungspräsidemen und» Polizei- Präsidenten vom Polizeiminister ergangenen Schreibens macht sich mehr und mehr bemerkbar. Die Freie Jugendorganisation Schöne- berg, die am Sonnabend noch durch dieses Blatt eine Versammlung publizierte, hatte dieser Bekaiintmacbung den Besuch der Polizei am Sonntag zu verdanken. Unter polizeilicher Ueberwachung hörten die Jugendlichen einen Vortrag über„Henrik Ibsen". Du der Herr WactMneister nun wohl auch beim besten Willen nichts Politisches an diesem Vortrag finden konnte, mußte er ohne Feststellung von Jugendlichen das Feld räumen. Aber— die Sache war damit nichc erledigt. Die Polizei hatte jetzt den Namen des Vorsitzenden ermittelt und was hinderte sie nun noch, ein Auflösungsdekret auf Grund des OberverwaltungSgcrichtsurteils an seine Adresse zu senden. Am Dienstagnachmittag ging dem Genossen Lauschke folgendes Schreiben zu: Der Polizeipräsident. Journ. Nr. 11. J. 25/11. Schöneberg, den 13. März 1911. Hauptstr. 107. Der Verein„Freie Jugendorganisation Schöneberg" wird ge- maß ß 2 des ReicbsvereinsgesetzeS vom 19. April 1903 aufgelöst, weil lein Zweck den Strafgesetzen zuwiderläuft. Der Verein ist init Rücksicht darauf, daß er für die Be- strebungen der Sozialdemokratie unter der Jugend Propaganda macht, als ein solcher anzusehen, der eine Einwirkung auf politische Augclegrnheiten bezweckt. Da nach ß 17 des ReichsvereinsgesetzeS Personen, die da« 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nicht Miiglieder von politischen Vereinen sein dürfen und dies in§ 18 Ziffer 5 a. a. O. mit Strafe bedroht wird, die„Freie Jugendorganisation Schöneberg" aber junge Leute unter 13 Jahren als Mitglieder aufnimmt, so ist die Auflösung gemäß§ 2 a. a. O. gerechtfertigt. Sie werden in Ihrer Eigenschaft als Vorsitzender aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, daß von jetzt ab jede weitere Vereins- tätigkeit eingestellt wird, widrigenfalls gegen Sie und die Vereins- Mitglieder mit polizeilichen Zwangsmaßregeln eingeschritten werden wird. gez. d. Lüdinghausen. Ebenso wie in den anderen AuflösungSorten wird die Polizei auch in Schöneberg erlebe», daß die fteie Jugendbewegung auch ohne Jugendorganisation weiter lebt und gedeiht. Dafür werden die Jugendgenossen und-Genossinnen, dafür werden auch die prole- rarischen Eltem sorgen!_ Huö Industrie und Kandel. Eine verhängnisvolle Formel. Am 7. Dezember 1909 ereignete sich auf dem damals noch im Bau befindlichen Gaswerk Grasbrook in Hamburg ein furchtbares Unglück. Der mit zirka 200 000 Kubikmeter gefüllte große Gas- behälter— der größte des Kontinents— dessen Herstellung die Berlin-Anhaltinische Maschine nbau-Aktien-Ge- s e l l s ch a f t in Gemeinschaft mit der Firma F. A. N e u m a n n in E s ch w e i l e r übernommen hatte, geriet plötzlich in Brand. Eine kolossale Flammensäule schlug empor. Zugleich mit der Flamine überschüttete eine riesige Wasserwelle den Platz, die aus dem Innern des Be- hälters hervorquoll. Innerhalb weniger Sekunden war die Zerstörung des großen Gasbehälters beendet. Die ungeheure Flamme setzte dann noch einen Holzschuppen und das Holzdach des kleinen Gasbehälters in Brand, worauf auch die darin enthaltenen 45 000 Kubikmeter Gas innerhalb weniger Sekunden herausbrannten, in der Dunkelheit eine riesige Feuersäule bildend. Durch die Ka- tastrophe wurden 20 Personen getötet.— Die Staatsanwalt« schaft leitete eine Unlersuchung gegen Unbekannt ein, um die Ursachen und die eventuell Schuldigen der Katastrophe zu ermitteln. ES wurden mehrere Sachverständige vernommen, darunter Dr. K r 0 h n in Danzig und Gaswerksdirektor Schimming in Berlin. AuS deren Gutachten, die kürzlich erstattet wurden, geht nun hervor, daß nicht, wie ursprünglich angenommen, eine Explosion deS GaseS statt» gefunden hat, sondern daß der große Gasbehälter zusammen- gebrochen ist. weil die Trägerkon st ruktion nicht wider st andsfähig genug war, um den Druck auSzuhalten. Ein strafbares Verschulden war jedoch nicht nachzuweisen, weil die Konstruktionsfehler auf der Anwendung der sogenannten Eulerschen Formel beruhen, die zwar von der technischen Wissenschaft als fehlerhaft erkannt ist, aber trotzdem allgemein Verwendung findet und unter anderem auch vom preußi- scheu Ministerium der öffentlichen Arbeiten für zu- lässig erklärt ist. Dem Konstrukteur der ausführenden Firma war deshalb kein Verstoß gegen allgemein anerkannte Regeln der Bau« kunst nachzuweisen, weShalb der Staatsanwalt selbst die Einstellung deS Verfahrens beantragte, die nun auch erfolgt ist. Es entsteht nun die Frage, ost die Behörden fernerhin noch bei derartigen Konstruktionen die Verwendung einer Berechnungsformel zulassen wolle», von der erwiesen ist, daß sie zu schwersten Katastrophe» Anlaß geben kann. Jlse-Divideude. Die Ilse, Bergbau-A.-G., hat es trotz der angeblich schlechten Lage deS Kohlenmarktes fertiggebracht, für das Jahr 1910 einen um fast 700000 M. höheren Rohgewinn zu erzielen, als das Jahr vorher erbracht hatte. Der Nettogewinn pro 1910 beträgt 2 805 493 Mark(2 629 554 M.) und erhöht sich durch den Vortrag aus dem Vorjahre, der 184 931 M.(167 044 M.) beträgt, auf 2 990 425 M. (2 797 499 M.) Hieraus sollen 24 Proz.— 1 920 000 M. Dividende (wie im Vorjahre) auf das alte Aktienkapital von 8 Millionen Mark und 12 Proz.— 240 000 M. auf 2 Millionen Mark junge Aktien ausgeschüttet werden.— Neben dem LebenSmittelwucher ist der Kohlenwucher bei uns am üppigsten ins Kraut geschossen. Preußische Schmierölpolitik. Unter Berufung auf§ 11 des PreßgesetzeZ hat das Preußische Eiseubahn-Zentralamt der Welt verkündet, warum cS sich von neuem unter die Fuchtel des Ei senbahnachsenöl- Kartells gestellt hat. Das Zcntralamt versteigt sich dabei zu der Behauptung. die Beteiligung des KarlcllS an den Lieferungen fei erfolgt, weil von ihm Rohöl deutscher Herkunft verarbeitet werde, und die Staats» eisenbahnverwaltnng ein Interesse daran habe, die deutsche Oel- industrie lebensfähig zu erhalten. Durch die Berichtigung soll der Eindruck erweckt werden, als ob die Lieferung deutschen Rohöls nur durch das Kartell erfolgen könnte; die nationale Schleppe soll wieder verdecken helfen, was sachlich nicht zu verteidigen ist. Nach unwidersprochen gebliebenen Mitteilungen wurden bei der letzten Submission an die Mineralölwerke von Albrccht u. Co. in Ham» bürg und da« Eisenbahnachsenöl-Kartell Lieferungen von je 9 Millionen Kilogramm Schmieröl vergeben. Die Firma Albrecht u. Co. in Hamburg repräsentiert die sogenannte ruisische Gruppe, die sich mit der Lieferung russischer Oele befaßt. Mit Albreßbt u. Co. halte das Schmierölkartell im Jahre 1907 einen Vertrag gUchloffen, nach dem sich die russische Gruppe verpflichtete. bei den Submissionen der Staatsbahnen keinerlei Offerten für Mineralwaggonöle in Deutschland direkt oder indirekt abzugeben, noch Mineralöle, die zur Lieferung für diese Submissionen oder zur Anfertigung von für diese Submissionen bestimmten Oelen-dienen sollten, direkt oder indirekt zu liefern. Als Gegenleistung der- pflichtete sich sich das Kartell der Firma Albrecht u. Co.«inen be» stimmten Anteil von dem Gewinn zu zahlen. Die russischen Im porteure sollen jährlich eine Summe von etwa 2 Millionen Marl aus diesem Abkommen bezogen haben. Nun ist bei der Erneuerung des SchmieröllartellS im August 1910 der Vertrag mit der russischen Gruppe zwar nicht verlängert worden, doch daS schlieft aber nicht aus, dasi zwischen den beiden früheren Freunden weitere Vereinbarungen über ein gemeinsames Vorgehen bei Sufr Missionen bestehen. Für die preugische Verwaltung hätte»ach Kenntnis derartiger Praktiken des Schmierölkartells alle Ver- anlasiung vorgelegen, diesem gegenüber das denkbar größte Miß trauen zu bezeugen. Aber daS Gegenteil war der Fall. Anfang Januar berichtete der„Hannoversche Courier", dem man eine besondere Abneigung gegen das Großkapital doch auch in der preußischen Verwaltung nicht nachsagen kann, daß bei der voin preußischen Eisenbahnzentralamt veranstalteten beschränkten Submission die Mitglieder des Eisenbahnachsenöl-KartellS Preise für Mineral Schmieröl gefordert hätten, die die bisher erzielten hohen Preise noch um 0,50 M. überschritten, dagegen hätten die vielen Outsider des .A-7.iells, unter denen sich neben verschiedenen leistungsfähigen beut- scheu Fabriken Großimporteure befinden, große Mengen angeboten, die die Preise des Kartells um 4—5 M. unterbieten. Nachträglich hat das Kartell, als ihm bekannt wurde, daß die Konkurrenzofferten erbeblich billiger seien, die Preise um 2 M. pro 190 Kilogramm er- mäßigt, immer aber ständen sie noch 2—3 M. über den Preisen der Out- sider. Eine Ucbertragung der Lieserunaen an die außenstehenden Werke. führte das Blatt weiter ans. würde für den preußischen Staat nicht nur eine Ersparnis von jährlich 809 999 bis 1 Million Mark bedeuten, auch die Rohölproduzenten würden endlich wieder den für die Ge- fundung des Marktes notwendigen Wettbewerb verschiedener Ab nehmer haben, während jetzt ein übermächtiges Kartell Preise diktiert, die man als„Hungerpreise" bezeichnen könne. Während das Kartell also von der preußischen Verwaltung für Schinieröl förmliche Liebhaberpreise bekam, drückte es beim Einkauf die Preise für Siohöl nach Kräften herab. Dieses System hat aber nicht verhindert, daß der Fiskus dem Kartell unverbrüchliche Freund schaft bewahrte, obloohl die Kartellpolitik doch wahrlich nicht die Stärkung der deutschen Rohölproduktion gefördert haben kann. Zu der den Rohöl markt beherrschenden Stellung kanr das Kartell durch Zusammenfassung der Raffinerien, auf die die Rohölproduzenten wohl oder übel an- gewiesen waren. Nachdem einzelne Raffinerien mit Rohölgesell schaften verbunden worden sind, haben die gemischten Betriebe, die Vereinigten Norddeutschen Mineralölwerke, die zum Konzern der Deutschen Tiesbau-Gesellschaft gehören, und die Firma F. S a i g g e u. C o. G. m. b. H. es durchgesetzt, daß die dem Kartell angehörenden Raffinerien Rohöl überhaupt nur von den beiden genannten Rohölunternehmungen beziehen. Dadurch wurden die außerhalb des Kartells stehenden Rohölproduzenten in eine noch stärkere Abhängigkeit gebracht, das Kartell diktierte ihnen die Preise ganz willkürlich. Unter diesem Druck trat bei den Nohölproduzenten das Verlangen der Abwehr stärker hervor, sie verbanden sich zur Gründung einer eigenen Raffinerie, in der Nähe von Harburg auf preußischem Gebiet. Auch diese neue Raffinerie hatte bei der letzten Ausschreibung des preußischen Zentralamts ihre Offerte ein- gereicht, die erheblich billiger als das Kartellangebot war. Warum diese kartellfreie Raffinerie unberücksichtigt blieb, ist bisher Geheim nis der preußischen Verwaltung. Wäre der Abschluß des jüngsten Vertrages mit dem Schmieröl- kartell nur den» Verlangen entsprungen, die deutsche Oelindustrie lebensfähig zu erhalten, fo hätte das Zentralamt doch vor allem die billigeren deutschen Offerten der direkten Produzenten bevorzugen müssen, die sich dabei immer noch besser gestellt hätten als bei ihren Lieferungen an das Kartell. Oder vürfen deutsche Unter nehmungen, die nicht zum Schmierölkartell gehören, nicht der deutschen Oelindustrie zugerechnet werden? Sehr zuungunsten der preußischen SchmierölprariS spricht auch die Tatsache, daß die Reichsbahnen ihre Aufträge diesmal nicht mehr dem Kartell gegeben haben. Von den bayerischen StaatSeisenbahnen hat eine ringfreie Raffinerie, die in Würzburg neu erbaut wird, einen LiefernngSvertrag auf fünf Jahre erhalten, auch die anderen nicht- preußischen Verwaltungen haben sich mit großer Energie von der Diktatur deS Schmierölkartells befreit. Bei dem Berichtigungseifer deS Preußischen Zentralamts muß erwartet werden, daß es schleunigst zahlenmäßige Angaben über die dem Kartell in den alten und neuen Verträgen ge- zahlten Preise veröffentlicht, außerdem müssen selbstverständlich auch die Forderungen jener kartellfreien Firmen bekannt gegeben werde», die mm, abzulehnen für zweckmäßig erachtete. Noch sind die Wncherverträge in frischer Erinnerung, die sich die preußische Eiienbahilverwaltung im Jahre 1997 von dem Stahlwerksverband und dem Kohlensyndikat auferlegen ließ. Eine uneingeschränkte Klar- lcgung der Vertragsverhälrnisse mit dem Schmierölkartell müßte von der Verwaltung unter diesen Umständen in ihrem eigenen Jnter- esse als Notwendigkeit empfunden werden.— Wir fürchten, man wird schweigen, oder mit viel Worten nichts sagen, genau so, wie bisher in der Angelegenheit der Kali-Propagandagelder an die Agrarierverbände._ Huö der frauenbewegung. Die RcichSpost als Arbeitgeberin. Die neuesten Bestimmungen über die Beschäftigung weiblicher Personen bei den Postämtern dritter Klasse, die daS Reichspostamt soeben erlassen hat, lauten: In den nachgeordnete!» Stellen der Postämter dritter Klasse sollen ausschließlich weibliche Personen für den Innendienst beschäftigt werden/ Die Personen müssen gesund und rüstig und unbescholten sein und eine angemessene Schulbildung haben. Bei der Einstellung müssen die Bewerberinnen mindestens 16 Jahre alt sein. Eine obere Altersgrenze wird nicht festgesetzt. Vom dritten Beschäfrignngsmonat ab erhalten die Gehilfinnen Vergütungen, deren Höhe sich nach dem Umfang der Leistungen und den örtlichen PreiSverhältnissen richtet und 599—799 M. jährlich beträgt und durch jährliche Zulagen von 59 M. bis auf 1999 M. steigt. Nach mehrjähriger Beschäftigung können die Bewerberinnen— vorausgesetzt, daß sie den Anforderungen voll entsprechen— in das Verhältnis als Post- oder Telegraphengehilfinnen bei einer Ober- postdirektion oder bei einem größeren Postamt etatsmäßig angestellt werden. Die Reichspostverwaltung verlangt also nur gesunde, rüstige und unbescholtene Personen, die auch eine angemessene Schul« bildung haben müssen und gewährt ihnen— nachdem sie 2 Monate lang umsonst Dienste getan— das königliche Gehalt von rund 42—53 M. monatlich. Wie man mit diesem Einkommen seine Ge- umoheit erhalten, sich standesgemäß kleiden und seine Bildung fördern kann, darüber sagen die Bestimmungen nichts. Fängt man mit 42 M. monatliches Gehalt an, so bringt man eS nach 19 Jahren auf das Doppelte, also auf 84 M. Und nach 29iährigcr Dienstzeit kann man es auf die schwindelnde Höhe von 126 M. Monatsgehalt bringen. Damit ist Schluß! Auch den Postgehilfinnen müssen solche Einrichtungen die Augen öffnen. Uns soll's recht sein._ Lc'�abende. Steglitz. Freitag, den 17. März, abends 8>/z Uhr. Wilmerödorf-Halensee. Freitag, den 17. März, abends 8Vz Uhr, rm Lokal von Schilling, Lauenburger Straße 29, Vortrag. Genosse Oskar Riedel:„Kommunale Tagesfragen."— Sonntag treffen sich die Genossinnen zum Abmarsch nach der um 2 Uhr in den Neuen Rathaus sälen, Marstn-Luiher- straße 51, in S ch ö n e b e r g stattfindenden Versammlung im Lokal von Fischer, Wilmersdorf. Durlacher Straße 8. Versammlungen— Veranstaltungen. Pankow. Sonntag, 2 Uhr, im Lokal von Rozicki, Krenzstraße 3/4: Oeffentliche Frauenversaminlung Gerichts-Zcituncf* Wegen Beleidigung deS livländifchen Barons von Nolcken schwebt seit einigen Jahren eine Privatklage gegen den Genossen Hans Weber, der ein am 14. Februar 1996 im„Vorwärts" unter der Ueberschrift„Das Schreckensregimcnt in den Ostsee- Provinzen" erschienener Artikel zugrunde lag. Gestern hatte das Schöffengericht in Alt-Moabit über die Klage zu entscheiden. Die vom Angeklagten angetretene Beweisaufnahme siel für ihn ungünstig aus. Der eine der von ihm angeführten ausländischen Zeugen war nicht aufzufinden, der andere war zwar in Riga ver- nommen worden, hatte jedoch ausgesagt, daß er nichts bekunden könne. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Karl Liebknecht erklärte, daß nach dem Mißlingen der Beweisaufnahme die gegen den Kläger gerichteten Behauptungen nicht aufrecht- erhalten werden. Bei den massenhaften Hinfchlachtungen offenbar unschuldiger Menschen müsie man dem Angeklagten zugute halten, daß die Behauptungen— ob nun der Beschuldigte von Nolcken oder anders heiße— jedenfalls nicht von vornherein als außer- halb der Wahrheit anzusehen seien, da sie von einem Vertrauens- würdigen Mann berichtet worden sind. Das Urteil des Gerichts lautete auf die enorm hohe Strafe von— 509 M. Geldstrafe. In der Begründung wurde ausgeführt, daß die Anschuldigungen sehr schwere seien, daß man jedoch mit Rücksicht auf die politisch erregte Zeit, in der der Artikel er- schienen ist, von einer Freiheitsstrafe Abstand genommen habe. Eine Episode im Kampf zur Erlangung von Versammlungslokalen gab dem in Nauen erscheinenden„Osthavclländischen Kreisblatt" Anlaß zu einer Verunglimpfung unserer Parteifunktionäre im Kreise Spandau-Osthavelland. Es war am Sonntag, den 39. Ok- tober v. I.. als der Vorsitzende des Kreiswahlvereins Genosse Schubert-Spandau in Begleitung von mehreren Funktionären des Wahlvereins bei dem Gastwirt Nikolai in Seegefeld erschien, um ihn zu bewegen, daß er sein Lokal der Arbeiterschaft zu Vcrsamm- lungen zur Verfügung stelle. Nikolai, der das Lokal nur in Pacht hatte, berief sich darauf, daß der Besitzer die Hergäbe desselben nicht gestatte. Es blieb also dabei: Das Lokal sollte unseren Parteigenossen gesperrt bleiben. Als diese Unterredung mit Herrn Nikolai stattfand, war gerade Tanz in seinem Lokal. Der Saal war mit Gästen gefüllt, die eine gute Zeche gemacht hatten. So- bald die Gäste hörten, daß sich Herr Nikolai geweigert hatte, sein Lokal der Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen, verließen sie wie ein Mann das Lokal und Herr Nikolai blieb mit dem langen Gesicht allein. Er erzählte dies Vorkommnis dem Gendarm und dem Gemeindediener. Auf diesem Wege gelangte die Geschichte zur Kenntnis des„Osthavelländischen Kreisblattes", wo sie mit einigen sehr wesentlichen aber unwahren Zugaben aufgeputzt, den Lesern vorgesetzt wurde. Das Kreisblatt behauptete nämlich, die sozialdemokratischen Vertrauensleute hätten Herrn Nikolai 19 999 Mark geboten für den Fall, daß er sein Lokal hergebe, aber der brave Mann sei fest gebleiben und habe den Lockungen der Roten widerstanden. Darauf hielten unsere Genossen in Nauen eine Versammlung ab. wo die Angaben deS KreisblatteS als völlig unwahr gekennzeichnet wurden.— Trotzdem brachte das Kreisblatt einen zweiten Artikel, der nicht nur die unwahre Behauptung wiederholte, sondern noch Beleidigungen der betreffenden Partei- genossen hinzufügte. So wurde unter anderem gesagt, die armen geknechteten, unter der Parteiknute seufzenden Arbeiter würden wohl andere Saiten gegen die Obergenossen aufziehen, wenn sie erführen, wie dieselben mit den sauer verdienten Groschen der Ar- beiter umgehen. Gcnosie Schubert und die übrigen durch diese unwahren Be- hauptungen betroffenen Parteifunktionäre forderten den Redakteur Freyhoff vom„Osthavelländischen Kreisblatt" wegen Beleidigung vor das Schöffengericht in Nauen. Gestern fand die Verhandlung statt. Der einzige Zeuge, Gastwirt Nikolai, machte über die Ent- stehung der 19999 M.-Geschichte folgende Angaben: Vor dem 39. Oktober sei ein ihm völlig unbekannter Herr, von dem er nicht wisse, ob derselbe mit der Sozialdemokratie in Beziehung stehe, zu Frau Nikolai gekommen und habe gesagt, ihm ständen 19 999 M. zur Verfügung, oder er könne Herrn Nikolai 19 999 M. zur Ver- fügung stellen, damit dieser das Lokal kaufe, sich von dem der- zeitigen Besitzer unabhängig mache und dann nach eigenem Ermessen den Arbeitern das Lokal überlassen könne. Als Herr Nikolai dann am 39. Oktober mit den sozialdemokratischen Vertrauensleuten ver- handelte, habe er das Anerbieten des Unbekannten erwähnt, aber von den Vertrauensleuten sei keiner darauf eingegangen. Als er dann nach der Besprechung mit den Vertrauensleuten in den Saal zurückkam, habe ein unbekannter Mann zu ihm gesagt, warum er denn sein Lokal den Arbeitern nicht zuv Verfügung stellen wolle, es seien ihm doch 19 999 M. dafür geboten warben. Rechtsanwalt Dr. Kurt Roscnfeld, der die Kläger vertrat, be- antragte, den Angeklagten nach§| 185 und 186 zu bestrafen. Der Angeklagte berief sich auf die Mitteilungen der erwähnten Beamten, denen Nikolai die Sache so dargestellt haben soll, wie sie im Kreisblatt geschildert ist. Das Gericht vertagte die Verhandlung und beschloß, zum nächsten Termin die beiden Seegefelder Beamten sowie einen Be- sucher der Nauener Versammlung zu laden. Auf Antrag des Rechts- anwalts Rosenfeld soll auch Frau Nikolai geladen werden. Revision Tippe verworfen. DaS Schwurgericht beim Landgericht II in Berlin hat be- kanntlich am 26. Januar den 29 Jahre alten Gärtner Paul Tippe wegen Diebstahls und Totschlags in zwei Fällen zu lebensläng- licher Zuchthausstrafe verurteilt. Tippe war am 6. November v. I. in die Wohnung des Damenschneiders Tetzke im Hause Potsdamer Straße 33 eingebrochen. Als er in voller Arbeit war, kamen die Eheleute Tetzke nach Hause und überraschten ihn. Beide wurden von dem Einbrecher ohne weiteres mit einem Revolver erschossen. Tippe floh, wurde aber bald danach festgenommen. Die Anklage lautete auf Mord, jedoch hatte schließlich der Staats- anwalt nur die Anklage wegen Totschlags aufrechterhalten.— Die Revision des Angeklagten kam am Dienstag vor dem Reichs- gericht zur Verhandlung. Gerügt wurde unter anderem, daß der Eröffnungsbeschluß durch Hinzufügung der Worte:„Zu Berlin im Hause Potsdamer Straße 33" ergänzt worden ist. Weiter rügte der Beschwerdeführer, daß nach Ausschluß der Oeffentlichkeit(die übrigens nur für kurze Zeit erfolgt ist) mehrere Personen(es waren nichtausgcloste Geschworene) sich im Zuschauerraum befunden haben. Das Reichsgericht verwarf die Revision als un- begründet. Das Gesetz verbietet nirgends die Ergänzung des Eröffnungsbeschlusses und eine größere Oeffentlichkeit kann nicht die Interessen des Angeklagten schädigen. LanbfricdenSbruchprozeß in KottbuS. Im Anschluß an einen Lohnkampf des Holzarbeitervervandes in Finsterwalde wurde am Dienstag und Mittwoch vor dem Schwurgericht in Kottbns ein Landfriedcnsbruchprozeß verhandelt. Im November 1919 legten die Möbeltischler der Firma Schütze die Arbeit nieder, weil die Firma die Anerkennung des Tarifs verwei- gerte. Mit Ausnahme des frühereu Maurers Dieck schlössen sich alle Arbeiter dem Streik an. Dieck bemühte sich dann, auf den um- liegenden Dörfern Streikbrecher anzuwerben. Es ist begreiflich, daß sein Verhalten die kämvfcndcn Arbeiter empörte. Einige der Streikenden und ein paar andere Holzarbeiter verabreichten eines Tages dem Streikbrccheragenten Dieck einen empfindlichen Denk- zettel. Die Staatsanwaltschaft erkannte an,'daß bei einem Lohn- kämpfe, bei dem die wirtschaftlichen Interessen ganzer Arbeiter- kategorien ans dem Spiele ständen, die Erregung der Arbeiter be- bnders groß sein könne. Er beantragte deshalb auch die Unter- 'rage auf mildernde Umstände zu bejahen. Rechtsanwalt Heine orderte in seinem Plädoyer für seine Klienten mildernde Um- tände in weitestem Matze. Das Urteil lautete gegen Matschke auf 6 Monate, Klingmüller(„Rädelsführer") 8 Monate, Richter 9 Mo- nate, Redemann 8 Monate. B. Hunger 8 Monate. K. Hunger 4 Wochen, Gotzlau Freispruch, Sitzy 4 Monate, Pudenz 4 Monate, Herndeck 4 Monate, Hermann 4 Monate. L. Richter 8 Monate, Bönisch 6 Monate, Kipping 4 Monate Gefängnis, außerdem wurd� nock ein Angeklagter freigesprochen. Die Urteile entsprechen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verurteilten sind meist junge Leute bis zu 29 Jahrem_ Aufhebung der Entmündigung der Amtsgerichtsrätin Burchardi. Das Oberlandcsgericht Jena hat gestern nach längerer VerHand- lung das Urteil des Landgerichts Meiningen vom 9. Mai 1919 und damit die Entmündigung der Frau Amtsgerichtsrat Burchardi auf- gehoben. In den Gründen wurde ausgeführt: Der Senat steht durchaus auf dem Standpunkt, daß die medizinisch-technischen Fragen von den beteiligten Psychiatern durchaus r.chtig erkannt worden sind. Er steht auch auf dem Standpunkt, daß die Frau Klägerin in Halle geisteskrank gewesen ist, und zwar nicht nur in der Hallenser Klinik, sondern auch zur Zeit, als sie ihre öffentlichen Vorträge über die ihr widerfahrene Unbill hielt, so daß, wenn damals bereits die Entmündigung beantragt worden wäre, der Ausgang des Prozesses ein anderer gewesen wäre. Aber allerdings ist der Senat soweit den Gutachtern, besonders Geheimrat Flechsig nicht gefolgt, als er Bedenken trägt, zu sagen, schon die Möglichkeit, daß die noch nicht genügend korrigierten Wahnideen wieder wirk- sam werden könnten, rechtfertige die Entmündigung. Der Senat erkennt vielmehr an, daß auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Be- tätigung nichts erfolgt ist, was gegen Frau Burchardi und ihre Geschäftsfähigkeit spricht, daß sie im Gegenteil auf vielen Gebieten korrekt und zweckmäßig gehandelt hat. Auch das ist hervorzuheben, daß sie manche Vorgänge, die zuerst unverständlich erschienen sind, nunmehr eine durchaus glaubhafte Erklärung, die die Sachen in einem andren Lichte erscheinen läßt. Die Nutzanwendung aus unserer Entscheidung ist klar: Wenn wider Erlvarten die Frau Klägerin ihren etwa noch vorhandenen Wahnvorstellungen Raum gibt und etwa dazu übergehen sollte, anormale Handlungen zu be- gehen, wie früher durch ihre Vorträge in Halle usw., so wird sie unser Urteil weder direkt noch indirekt vor einem erneuten Ent- mündigungsverfahren schützen. jüllll Todes-Anzeigen WM SomltaMeiiJablYereiD für den UerlinerReiebstapaliH. Frankfurter Viertel. Bezirk 292. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maler (Zustav tlirsinx Krautstr, 51 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Andreas-Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt, 216/15 Der Vorstand. ÄmtöeWMebIadlvn Bohnsdorf u. Umgegend. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, dag unser Genosse, der Metallarbeiter ltetar Freitag am Montag, den 1Z. d. M,, nach- mittags, plStzlich am Herzschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenke«. Die Beerdigung findet morgen, f reitag, den 17. d. M,, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle deS BohuSdorfer Friedhofs aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht 202/5 ver Vorstand. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsttella Berlin. Todes- Anseiec. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Metallarbeiter Osksr Freitag am 13. März am Herzschlag ge- starben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Bohnsdorser Gemeinde- Friedhofes in Bohnsdorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet vis Ortsverwaltung. Zentralverband d. Mascbinisten u. Heizer sowie Berofsgenossen Oentscblands. Verwaltungsstelle GroB-Berlin. Am 13. März verstarb unser Mitglied, Kollege August Grescat. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. d. MtS.. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Pauls-Kirchhoses bci Plötzensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung«sucht 145/12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Beerdigung meines inniggelicbten Mannes sage ich allen Teilnehmern herzlichen Dank, besonders dem Gesangverein Scne- seider, den Vertretern der OrtS- krankenkasse, dem Sencseldcr Bund, dem Wahlocrein des 6. Wahlkreises, dem Verein der Krankcnkassenange- stellten sowie seinen lieben Kollegen, Witwe Helene Schulz. Zentral-Verband der Steinarbeiter. Zahlstelle Berlin. Am 13. März starb unser Kollege Varl Memmer im Alter von 47 Jahren an der BerusSlrankheit. 171/7 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen, Freitag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhoses(.Blanke Holle") aus Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. lodes-�llieixe. Nach langem, schwerem Leiden entschlief plötzlich am Herzschlag mein inniggeliebter Mann, unser herzensguter Bater, der Restau» rateur Faul Reimann im 46. Lebensjahre. Schöneberg, 14. März. In liefet Trauer: Hulda Relmann geb. Holz. Frida Reimann. Paul Heimann Jan. Otto Relmann Jnn. Die Beerdigung findet nt Freitag, den 17. März, nachmittags 5'/, Uhr, von der Kapelle des Städttschen Friedhofes in der Maxstrafic aus statt. 3409L Am 14. März, nachmittags 3'/, Uhr, verstarb«ach langem, mit großer Geduld ertragenem, schwerem Leiden meine innig- geliebte Frau, unsere herzensgute Mutter Anna Hartwig geb. Grofimann. Um stilles Belleid bittet Der trauernde Gatte nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. März, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Swinemünder Str. 75, aus nach dem Friedens-Ktrchhof, Nieder- Schönhausen-Nordend statt. 6S6b Für die vielen Beweise ausrichiiger Teilnahme und Kranzspenden bei dem unersetzlichen Verlust meiner hingeschiedenen Frau und Mutter Klara Schwarz Pallaska sage ich allen Belannten und Ver- wandten sowie den Genossen der Zahlstelle 373 und den Kollegen der A. E.-G. meinen tiesempsundcnm Dank. Berlin O., Mirbachstr. 58. 34082 Karl Schwarz. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tcünahme sowie die überaus zahl« reichen Kranzspenden bei der Beer» digung meines lieben Mannes August Lckrolter sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Verband der Freien Gast- und Schank- Wirte Deutschlands, dem 3. Berliner RcichStagsivahlkrciS, dem Verein der Bauanschlägcr Berlins und Umgegend sowie dem Sängerchor.Fichtc-Gcor» ginia" meinen herzlichsten Dank. Emma Schröder geb. Lpatz 681b Sebastiaiistraßc 50. Dp. Simmel Spezial-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, Ä,"«, 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Kranzspenden sowie sämtl. Blumenarrangements liefert schnell und billig Panl Gross, Lindenstr. 69(„Vorwärts"-Haus). Tel. IV 7203 5896* Lerantwortlichir Redakteur: Hau» Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 8r.61. Z8.Zch.M-.% Ktllüge des.ImW" Kttlim WIKslilÄ. w mnrmaaEaaaBxsmmmamBgmB��MBmam�mM�a��BaBBBSBamBmmmmmasBmmmmmBaBmaamBmaBmaBEaaBBaamm Partei-?Zngelegendeiten. Zur Lokalliste! In Steglitz T.-B. hält cm 18. d. M. die Freiwillige SanitätZ- koloiilie im Lokale„Nlbrechtshof" ihr Stiftungsfest ab. Das Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung; wir bitten deshalb, an- gebotene Billetts in Arbeiterkreisen zurückzuweisen. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß das Lokal„Schlobpark� und im Südender OrtSteil die Lokale Schultheß, Dahl und Bredereck nach wie vor gesperrt sind. Wir bitten, die Lokalliste streng zu beachten. _ Die Lokalkommission. Rixdorf. Der Frauenbersammlung wegen wird der Anfang der Operetlenvorstellung„Die Dollarprinzessin* am nächsten Sonntag aus nachmittag 3>/� Uhr verlegt. Billetts sind in den Partei- speditionen: Neckar Strohe 2, Siegfriedstr. 28/29 sowie in den Lokalen von Hoppe, Hermannstr. 49/50, Meier, Prinz-Handjery-Str. 3 nd Kränke, Jdealpassage, zu haben. Der Bitdungsausschuh. Groß-Lichterfclde. Morgen, Freitag, abend: Flugblattverbreitung über den ganzen Ort von den bekannten Stellen aus. Zchlendorf sWannseebahn). Morgen, Freitag, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung in allen Bezirken. Der Borstand. Treptow- Baumschulcnwcg. Morgen Freitag, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Um Z'/z Uhr: Oefsentliche Versammlung iin„Spree-Garten*, Alt-Treptow 10—13. Referent: Stadtverordneter Eduard B e r n st e i n- Schöueberg über: Was lehrt uns die Denkschrift. Diskussion. Der Bdrstand. Tcmpclhof. Morgen Freitag: Flugblattverbreitung. Johannisthol. Freitagabend 7>/z Uhr: Flugblattverbreitung von Gobin, Roonstr. 2, aus. Trebbin. Am Sonnabend, den 18. März, abends 8'/z Uhr, im GesellschastshauS: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Anträge, von der Kreis- und Verbands-Generalversammlung. 3. Parteiangelegenheiten. Karlshorst. Zur Flugblattverbreitung am Freitag wollen sich alle Genossen sür die Nordseite beim Genossen Bertram, Treskow« allee 83, für die Südseite im„Fürstenbad* einfinden. Pankow. Morgen Freitagabend von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreitimg. Tegel. Freitag, den 17. März, 7 Uhr abends: Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen aus. Franz.- Buchholz. Morgen, Freitag, abends von 6'/z Uhr ab: Flugblattverbreitung bei Kähne. Spandau. Am Freitag, den 17. März, abends 6'/z Uhr, von allen Bezirlslokalen aus: Flugblattverbreitung. Der Borstand. berliner JVacbricbtem Versehte Stadtväter. Unter den Vätern der Stadt herrscht eine gewisse Unzu» friedenheit. Die Schuld daran soll der Magistrat haben. Er hat die Kommunalwahlbezirke neu eingeteilt. Und weil bei der bisherigen Ordnung der Dinge große Ungleichheiten in der Wahlkreisgeometrie bestanden, war es ganz naturgemäß, daß bei einer solchen Aenderung außerordentliche Verschie- bungen eintreten mußten. Viele Stadtverordnete mußten deshalb wandern und wurden versetzt. Eine Aenderung zog neue nach sich. Aber jeder Stadtverordnete mußte doch einen Bezirk haben, nachdem kleine Bezirke zusammengelegt und große getrennt werden mußten. So kam es, daß ein lustiger Revierement eintrat und Stadtväter aus dem Innern der Stadt schließlich einen neuen Bezirk an der Peripherie zu- geteilt erhielten. Für die Sozialdemokraten war es gleich, in welche Gegend sie verschlagen wurden, betrachten sie sich doch allgemein als Vertreter der Bürgerschaft, und zwar des größten Teiles derselben, der Arbeiterschaft. Nicht so die bürgerlichen Stadtväter. Sie waren bisher mit ihrem Bezirk eng verwachsen und sahen in diesem Bezirk ihre Domäne. Sie kannten genau die Macher im Bezirke und sorgten auch nach 5kräften dafür, daß das Straßenpflaster und die Laternen in gutem Zustande erhalten wurden. Manche taten für ihren Bezirk noch mehr. Die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Erleuchtung mußten in erster Linie dem Bezirke zugute kommen. Ging's nicht mit dem elektrischen Licht, so mußte es mindestens Preßgasbeleuchwng sein, und man braucht bloß einmal den Beleuchwngsstadtrat zu fragen, welche Wünsche gewisse Stadwerordnete in dieser Hinsicht an ihn stellten. Leider kann der Mann nicht alle Wünsche erfüllen, weil man andererseits ihm die zu diesemZwecke nötigen Mittel teilweise vorenthält. Wieder andere Stadtverordnete, die mit Grundstücksverkäufen viel Geld verdient haben, sorgen noch in anderer Weise für ihren Bezirk. Sie machen Mittel flüssig für Wohltätigkeitsvereine des Bezirks, geben auch selbst zu solchen Zwecken, aber im Bezirk muß das Geld bleiben. Und bei all denBezirksveranstaltungen ist dann der Stadtverordnete des Bezirks obenauf, der erste Mann an der Spritze. Direkt und indirekt sorgt er für seinen Bezirk, selbst als Stellenvermittler versucht er sich, bind wer hinter die Kulissen sehen kann, er- fährt noch, wie Geschäfte gemacht und manchem Freunde zuge- schanzt werden. Und nun kommt der Magistrat und greift mit rauher Hand in das Räderwerk ein. Er zerreißt in der grausamsten Weise die harmonischen Beziehungen zwischen dem Stadtverordneten und seinem Bezirk. Und dabei hat der Magistrat noch die Dreistigkeit, so nebenbei auf die Städte- ordnung zu verweisen, nach der der Stadtverordnete Ver- treter der gesamten Bürgerschaft sei. Man widerspricht dem zwar nicht, kann aber doch seinen geheimen Unmut nicht ver- bergen und nach dem Karnickel suchen, das all das verschuldet hat. Und dabei büßen die Herrschaften an ihrer gesamten Machtstellung im Roten Hause nichts ein, im ungünstigsten Falle kann höchstens eine andere Person an die Stelle eines versetzten Stadtvaters treten. Das Dreiklassenwahlrecht und das Hausbesitzerprivileg sichern diesen kurzsichtigen, eng- herzigen Stadtvätern nach wie vor die Mehrheit im Stadt- Parlament. Nur etwas mehr Ordnung bringt die Neu- einteilung der Bezirke, und die versetzten Stadtväter würden klug tun, ihren Aerger etwas weniger öffentlich merken zu lassen, denn sie kennzeichnen sich dadurch nur als echte, rechte Kirchturmspolitiker, deren Interessen nur dem Bezirk und ihrer eigenen Persönlichkeit gelten. Stratzenvcrbrcitcrunge«. Die Tiefbaitdeputation beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit den Verkehrsderhältnissen in der Prenzlauer Straße. Die Breite dieser Straße entspricht schon heute nicht den Bedürs- nissen des Verkehrs. Die Schwierigkeiten werden sich zweifellos in absehbarer Zeit erheblich steigern, da ine Straße die Verbindung für ein großes, jetzt in der Bebauung begriffenes Gelände jenseits der Ringbahn mit dem Zentrum der Stadt bildet. Die Deputa- I tion hält deshalb eine Fluchtlinienfestsetzung, die eine Breite von «24 Metern vorsieht, für erforderlich und hat demgemäß beschlossen, den städtischen Behörden die neue Festsetzung der Fluchtlinien für die Prenzlauer Straße zu empfehlen. Ferner wird mit der Zeit eine Verbreiterung der Neuen Promenade vom Bahnhof Börse bis zum Hackeschcn Bdarkt im Interesse des Verkehrs erforderlich. Die Deputation beschloß deshalb, auch hier eine Neufestsetzung der Fluchtlinien auf der östlichen Seite in Anregung zu bringen, wo- durch eine Verbreiterung der Straße aus 23 Meter erreicht wird. Der Verkehr in der Stromstraße hat sich mit der Zeit erheblich ge- steigert und wird noch wachsen, sobald die Putlitzbrücke, welche im Zuge der Stromstraße liew, dem Verkehr übergeben ist. Die Straße hat bis aus den Teil zwischen Turm- und Perleberger Straße eine Breite von 30 Metern. Dieser Teil ist um zirka 7 Meter enger, weil auf der östlichen Seite das zur Straße erfor- derliche Land noch im Besitz der Patzenhofer Brauerei ist. Die Tiefbaudeputation hat deshalb beschlossen, das zur Verbreiterung der Straße noch fehlende Gelände zu erwerben. Durch Herstellung eines provisorischen Brückenbauwcrkcs soll eine Verbindung der Norweger mit der Behmstraße geschaffen werden. Ausnahmen von der Vorschrift des K 139c der Gewerbeordnung über Mmdestruhezeit und Mittagspanse der Angestellten für das Jahr 1911. Der Polizeipräsident teilt mit: 1. Auf Grund des§ 1396 Ziffer 3 der Gewerbeordnung sowie unter Bezugnahme auf Ziffer V der landespolizeilichen Anordnung vom 10. Oktober 1903, betreffend den Achtuhrladenschluß, setze ich hierdurch nach Anhörung der Gemeindebehörde und von Ver- tretungen der beteiligten Geschäftsinhaber und Angestellten für den Ortspolizei bezirk Berlin die Bestimmungen des Z 139c der Gewerbeordnung über die den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Berkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(Kontoren) und Lagerräumen zu gewährende Mindestruhezeit und Mittagspause für folgende Tage des Jahres 1911 außer Anwendung: 1. Bei den Blumenhandlungen für den 8. und 15. April, 24. und 25. November, 2., 9., 23. und 30 Dezember 1911. Bei den Spielwarenhandlungen für den 4. bis 9., 11. bis 16., 18. bis 23. Dezember 1911. 3. Bei den Buchhand- langen für den 8. und 9., 11. bis 16., 18. bis 23. Dezember 1911. 4, Bei allen übrigen offenen Verkaufsstellen für den 15. April (Sonnabend vor Ostern), 3. Juni(Sonnabend vor Pfingsten), 15. und 16., 13. bis einschließlich 23. Dezember 1911(8 Wochentage vor Weihnachten)., 2. Ausnahmetage mit Neun uhrladenschluß. Unter Bezugnahme auf Abschnitt ll der oben erwähnten landes- polizeilichen Anordnung über den Achtuhrladenschluß in der Fassung des Nachtrages vom 26. Januar 1910 wird hiermit für den Ortspolizeibczirk Berlin bestimmt, daß im Jahre 1911 alle offenen Verkaufsstellen am 15. und 18. bis einschließlich 22. Dezember für den geschäftlichen Ver- kehr bis 9 Uhr abends geöffnet sein dürfen. Bei der für alle Sonnabende bereits nach Nr. I der Achtuhrladen- schlußanordnung bestehenden Ausnahme(Neunuhrladenschluß) be- hält es sein Bewenden. Zwei Betriebsstörungen haben gestern vormittag den Straßen- bahnverkehr erheblich gehindert. Um 8� Uhr vormittags trat im Bereiche des Speisepunktes 40a(Spittclmarkt) und 78(Schloßplatz) ein Kabelbrand' ein. Infolgedessen schlug der Maschinenauiomat in der Zentrale in der Spandauerstcaße heraus und waren samt- liche Speisepunkte der gesamten Zentrale von 3 Uhr 15 Minuten bis 8 Uhr 23 Minuten stromlos. Das Störungsgebict erstreckte sich auf Schloßplatz, Werderscher Markt, Obcrwallstraße, Hausvogtei- platz, Leipzigerstraße, Jerusalemerstratze bis Spittelmarkt, Ger- traudten- und Breitestraße. Durch Ausschalten der Speisepunkte 40a und 78 konnte die Zentrale wieder in Betrieb genommen werden. Die zweite Störung entstand durch Kabelbrand der Speise- punkte 44 und 81. In der Unterstation in der Pallisadenstratze fiel der Hauptautomat, sodaß sämtliche Speisepunkte auf drei Minuten stromlos waren. Durch Wiedereinschalten des Automaten stellte sich heraus, daß die Speisepunkte 43. 44 und 81 nickst hielten. Durch Zuschalten der Speisepunkt« 39, 42a, 45, 4Sa und 81 wurde die Störung gehoben. Der Speiscpunkt 43 war von 8 Uhr 50 Mi- nuten bis 10 Uhr 50 Minuten, der Speisepunkt 44 von 9 Uhr 50 Minuten bis 10 Uhr 44 Minuten, der Speisepunkt 81 von 9 Uhr 50 Minuten bis 10 Uhr 27 Minuten stromlos. Das Störungs- gebiet erstreckte sich auf Holzmarktstraße, Alexanderstratze bis Schlesischen Bahnhof, Andreasstreße, Kleine und Große Frankfurter. straße, Grüner Weg und Blumenstraße. Die KnsiS der Frankfurter Tor-Bank enthüllt eine Reihe recht eigenartiger Tatsachen. Es hat sich eine Kommission von Mit- gltedern der Bank gebildet, die vor der Generalversammlung, welche am 20. d. M. stattfindet, und die noch einmal die Verhältnisse genau prüft. Bei diesen Untersuchungen, die unter der Leitung des Rechtsanwalts Hans A. Meyer vor sich gehen, hat sich nun herausgestellt, daß die Verschleierungen und Bücherfälschungen etwa zehn Jahre zurückliegen. Die Kommission hat den Eindruck ge- Wonnen, daß der verstorbene Kassierer Wulff nicht der einzige Schuldige gewesen ist, und daß der alte Vorstand wahrscheinlich auf dem Wege der Rcgreßklage für ein« bedeutend höhere Summe wird haften müssen, als er bisher freiwillig opfern wollte. Die Durchsicht der Bücher hat ergeben, daß niemals eine ordentliche Prüfung stattgefunden hat, und daß in jedem Jahr bedeutende Summen von Wechseln, die vollkommen wertlos waren, auf neue Konten Vorgebvicht worden sind. Es wird ferner dem Aussichts- rat und Vorstand vorgeworfen, daß er die Sanierung der Bank dem Magistratssekretär Wege übertragen, welcher, wie festgestellt worden ist, die Hauptgläukngerin der Bank, eine Frau Schleue, welche von Wulff seinerzeit für etwa 400 000 M. Kredit erhielt. vertritt. Erstochen hat fich gestern vormittag der 36 Jahre alte Maler- meister Ferdinand Matzdors aus der Bergstraße Nr. 10. M. war sehr nervös und wurde lebensüberdrüifig. Gestern ging er nach seiner Werkstatt in der Bergstraße Nr. 80; hier brachte er sich einen Stich in die Herzgegend mit seinem Taschenmesicr bei. Dann wollte er sich nach seiner gegenüberliegenden Wohnung begeben; aber auf dem Hofe brach er blutüberströmt zusammen. Ein Arzt, der sofort hinzugezogen wurde, konnte nur den Tod feststellen. Ein Strastenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Mittwoch Vormittag gegen%12 Uhr vor dem Hause Frankfurter Chaussee 93. Dort versuchte der 20jährige Hausdiener Schwarz, Frankfurter Allee 105 wohnhast, während der Fahrt den Hinterperron des Motorwagens 1903 zu besteigen, kam jedoch zu Fall und geriet unter den Vorderperron des Anhängewagens 859. Man schaffte den Verletzten, der eine Gehirnerschütterung sowie eine Fleisch- wunde erlitten hatte, nach der nächsten Unfallstation und von dort aus nach dem Rummelsburgcr Krankenhaus. An der Quelle sah der Knabe. Es war die 28. Bierquelle des A s ch i n g e r bornes, die am Potsdamer Platz unversiegbar fließt. Am Mittwoch früh, bald nach 1 Uhr, wimmelte es noch von er- holungsbedürftigen Gästen und neue suchten einzutreten. Da flog ein hutloser Zeckver vor die Türe, sanfter wohl, als der berühmte HanSknecht aus Nubierland im schwarzen Walfisch zu Askalon den Wurf besorgt hätte. Ein Begleiter sprang dem Beförderten nach. der über diese rapide Expedition schimpfte, obschon er seinen Durst über alle Maßen gestillt zu haben schien. Die Rückkehr in das Re- staurant machte der junge Flieger dadurch zu einer Hochdramati- schen Szene, daß er mit seinem Stock die große Scheibe zertrüm- merte; darauf betrat er durch die Bresche den Ouellenvaum wieder und randalierte, bis ein Schutzmann den Erregten ohne Stock und Hut zur Wache brachte._ t Gegen den Alkohol! Den letzten Vortrag im Zyklus über die Alkoholsrage hält Ge- nasse Conrad Hähnisch-Dortmund über„Sozialdemokratie und Abstinenzbewegung" am Freitag, den 17. März, abends 0 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal 5. Kein Getränkeansi- schank. Eintritt 10 Pf._ Vorort- JHacbricbtetn Charlottenburg. Ein erschütterndes Familiciibrama hckt sich am gestrigen Mittwoch- vormittag in dem Hause Kaiser-Friedrich-Str. 62 abgespielt. Dort versuchte die 26jährige Frau Anna Jackisch geb. Halka ihre beiden Kinder mit Lysol zu vergiften und erhängte sich dann selbst. Ueber die Gründe, welche Frau I. zu dieser Tat getrieben haben, wird folgendes gemeldet: Der Schlosser Jackisch, der bei dem Charlötten- burger städtischen Gaswerk als Rohrleger angestellt ist, wohnw seit etwa zwei Jahren mit seiner Gattin und zwei Kindern, einem fünfjähtigen Mädchen Anna und einem dreijährigen Knaben Emil in der dritten Etage des obenerwähnten Hauses. Die junge Frau, die in den ersten Jahren mit ihrem Manne in glücklichster Ehe gelebt hatte, war vor etwa drei Jahren in eine schwere Krankheit ver- fallen, welche eine schwere Melancholie zur Folge hatte. In solchen Zuständen pflegte sie ihrem Manne Borwürfe zu machen. Am Dienstagabend fand zwischen den Eheleuten wiederum ein Streit statt, doch söhnten sie sich wieder aus. Als der Mann sich am gestrigen Mittwochmorgen gegen 7 Uhr auf seine Arbeitsstätte begab, verabschiedete sich Frau I. von ihm und ging dann in eine Drogerie, wo sie ein viertel Liter Lysol kaufte. In ihrer Wohnung an- gelangt, goß sie das Gift in einen Tassenkopf und flößte den Kindern die ätzende Flüssigkeit ein. Offenbar haben sich die Kleinen gewehrt, das Gift zu nehmen, da sich an den Backen und am Kinn der Kleinen Brandflecke finden. Da die Kinder jedoch furchtbar schrien, erhängte sie beide mit einer Wäscheleine an den Bettpfosten. Dann trank die Frau selbst den bedeutenden Rest des Giftes und hängte sich an dem Kleiderspind auf. Das Schreien und Wimmern der Kleinen hatte jedoch die Aufmerksamkeit der Nachbarn erregt. Man nahm zuerst an, daß der Knabe und das Mädchen in Abwesenheit ihrer Mutter erkrankt seien, oder daß sich ei» anderer Unfall zugetragen habe. Man eilte nach der Arbeitsstätte des I. und benachrichtigte ihn, daß in seiner Wohnung etwas passiert sein müßte. Nichts Gutes ahnend stürzte der Schlosser nach Hause und öffnete gewaltsam die von innen verschloffene Eingangslür. In dem Schlafzimmer bot sich ihm ein entsetzlicher Anblick. Seine Frau war unter der Einwirkung des Giftes bereits ver- schieden, während die Kinder noch schwache Lebenszeichen von sich gaben. Man rief von der nahebelegenen Unfallstation einen Arzt herbei, der durch künstliche Atmung und durch Auspumpen des Magens sowohl den Knaben als auch das Mädchen wieder ins Leben zurückzurufen vermochte. Dagegen erwiesen sich die Versuche bei Frau I. als vergeblich. Die Kinder wurden sodann nach dem Krankenhause Westend geschafft. Es besteht die Hoffnung, beide Patienten am Leben zu erhalten, wenn auch der Zustand des Knaben außerordentlich ernst ist. Der unglückliche Vater, der durch die Katastrophe vollkommen gebrochen ist, weilte während des gestrigen Nachmittags am Krankenlager seiner Kinder. Die Leiche der Frau I. wurde nach dem Schauhause gebracht. Rixdorf. Ueber den Leichenfund im Teltowkanak, über den wir vor einigen Tagen berichteten, wird gemeldet, daß der Tote als der 34 Jahre alte Arbeiter Semrau aus Rixdorf ermittelt worden ist. Semrau war in Mariendorf an Kanalbauten beschäftigt und verschwand schon zu Weihnachten, ohne daß jemand über seinen Verbleib nähere An- gaben machen konnte. Es wurde zwar die Polizei benachrichtigt, aber auch diese vermochte nichts zu ermitteln. Nack) ärztlichem Gut« achten hat Semrau schon seit Weihnachten im Waffer gelegen. Die Obduktion der Leiche fand Montagnachmittag auf dem Tempelhofer Gemeindefriedhof statt. Da die Leiche schon stark in Verwesung übergegangen war, konnte die Todesursache mit Bestimmtheit nicht festgestellt werden. Die Verletzung geht durch die Schädeldecke, berührt aber nicht das Gehirn, so daß die Annahme, daß die Wunde durch einen Bootshaken hervorgerufen wurde, sich zu bestätigen scheint. Die Schädcldecke selbst wurde zur näheren Untersuchung von der Mordkommission nach Berlin geschickt. Ein tödlicher Unfall ereignete sich gestern nachmittag um 5 Uhr in der Manitiusstraße, Ecke Liberdastratze. Dort versuchte der 49 Jahre alte Gewerbereiscnd« Loreuz den Stratzendamm zu über» schreiten, als plötzlich ein Fuhrwerk um die Ecke kam und L. über- fuhr. Schwer verletzt wurde Lorenz nach der Unfallstation am Görlitzer Bahnhof gebracht, wo er bald darauf starb. Groft-Lichterfelde. Der einzige Gegenstand von Bedeutung auf der Tagesordnung der letzten Gcmeindevertretersitzung betraf den Bau einer elektrischen Straßenbahn vom Händelplatz über Steglitzer. Drake«, Ring-, Carstennstraße nach dem neuen Friedhofe bis Bahnhos Lichterfelde- Süd. Nach dem Referat des Schöffen Dr. L e n g n e r wird die Bahn vom Kreis Teltow gebaut imd zwar nach Vertragsabschluß innerhalb zwölf zum Bau geeigneten Monaten und n o r m a l s p u r i g. Die neue Bahn erhält Anschluß an die bereits bestehenden ört- lichcn Linien und nach Stahnsdorf. Außerdem hat sich der Kreis verpflichtet, möglichst bald eine Abzweiglinie sowohl nach dem Bahnhof der kilnftigen Dahlemer Untergrundbahn, wie nach dem Grunewald zur Ausführung zu bringen. Der Fahrpreis sür die ganze Strecke Händelplag— Bahnhof Süd soll 15 Vf. betragen. Teilstrecken zu 10 Pf, werden eingerichtet: Berliner Straße— Bahnhof West, Friedhof— Bahnhof Botanischer Garten, Homöopathisches Krankenhaus— Händelplatz. Umstcigekarten zum Uebergang auf die anderen im Ort befindlichen Linien werden abgegeben. Monats-, Schüler- und Arbeiter- Wochenkarten zu ermäßigten Preisen werden eingeführt. Es ist 10 und 20 Minutenverkehr vorgesehen, jedoch soll auf der Strecke Friedhos— Süd min- bestens 40 Minutenverkehr aufrecht erhalten werden, solange ein Teil jener Gegend noch nicht anbaufähig hergestellt ist. Der Vertrag mit dem Kreis läuft bis zum 31. Juli 1944, an welchem Zeitpunkt auch die übrigen örtlichen Kreisbahnen in das Eigentum der Gemeinde übergehen. Es wird dann von der Gemeinde lediglich der Materialwert der Anlage dem Kreise vergütet. Die Gemeinde zahlt am Tage der BetriebSeröffnung an den Kreis einen einmaligen Betriebskostenzuschuß von 390 000 Sit. Die beteiligten Terraingesellschaften leisten ihrerseits einen Zuschuß von 200 000 M., so daß effektiv 190 000 M. aus die Gemeinde entfallen. Gemeindevertreter Engelmann forderte eine andere Trace der Bahn und zwar durch die Moltkestraße. Gemeindevorsteher Schulz erklärte diesen Anttag für völlig indiskutabel, worauf derselbe ab- gelehnt wurde. Hierauf wurde der Vertrag mit dem Kreis en bloc gegen die Engelmannsche Stimme angenommen. Strausberg. Auf die Schätze der Steuerkasse des hiesige» Rathauses hatten eS Einbrecher in der vorgestrigen Nacht abgesehen. Die Verbrecher gelangten unbehelligt bis an bis Tür des SteuerllureauZ� die sie mit einem Stemmeise» aufgebrochen hatten. Sie machten sich dann daran, den großen Geldschrank aufzubrechen. Mit Hilfe einer Hand- bohrmaschiue bohrten die Diebe Löcher in die starke Tür des Panzer- schrankes, worauf sie die Seitenplatteu aufbogen. Es sollte aber trotz der eifrigsten Bemühungen der Täter diesen nicht glücken, den Schrank zu sprengen. Die inneren Stahlwände widerstanden den Einflüssen. Unverrichtcter Sache mußten daher die Berbrecher wieder umkehren. Sie sind anscheinend bei der„Arbeit" gestört worden, denn sie ließen die EinbruchSwerkzeuge am Tatort zurück. Adlershof. Eiue glltbrsuchie Mitgliederversammlung des WahlbereinS nahm am Dienstag zunächst vom Genossen Horlitz den Bericht der Verbands- Generalversammlung entgegen. Ilebcr den Punkt: Einführung einer Montngsausgabe des„Porwärts" entspann sich eine rege Dis- kussion! die übergroße Mehrheit stimmte gegen die Einführung einer solchen. Zur Frage des Maifonds hat sich die Versammlung der Auffassung des Zentralvorstandes angeschloflen, daß jeder gewerk- schaftlich oder politisch Organisierte, der den l. Mai nicht feiern kann, moralisch verpflichtet ist. eine Maimarke zu kaufen, und zwar die Männer mindestens eine Marke im Werte von 1 M., die Frauen mindestens eine Marke im Werte von öv Pf. Der Umsatz der Marken geschieht durch die Organisationen und beginnt mit dem 1. Mai. Ein Antrag deS Genossen Schwarzlose, den Vorstand hier am Orte als Zeitungskommission gelten zu lassen, wurde an- genommen. Alt-Glieuicke. Bei der Gcmeindcverireterwahl der dritten Abteilung wurde unser Genosse B a r t e l mit 22o Stimmen von 706 eingeschriebenen Wühlern wiedergewählt, gegnerische Stimmen wurden nicht ab- gegeben. Zwar wurden einige getreue Anhänger unseres Spießer tumS im Wahllokal bemerkt, dieselben zogen jedoch, als sie sahen, daß das Wahlbureau sich in Händen der Sozialdemokratie befand, ohne eine Stimine abzugeben, von bannen. Der Gemeindevorsteher hatte diesmal eine ganz andere Taktik wie in früheren Jahren geübt. Die Abschreibung der Wählerliste versprach er unserem Ge- nassen Winkelmann auf das bestimmteste; auf wiederholtes Anfragen erklärte sogar der Bureauvorsteher Bornholz. Winkelmann möge sich beruhigen, da die Liste in der ersten Woche des März fertiggestellt sein werde. Als aber zum Sonntag, den 6. März, von unseren Genossen eine Wählerversammlung einberufen wurde, erhielt der Genosse Winkelmann kurz vorher ein Schreiben des Gemeinde« Vorstehers, worin er mitteilte, daß er dem Wunsche um Abschreibung der Liste nicht nachkommen könne, weil die Gemeindevertretung es abgelehnt habe, einen weiteren Sekretär im Gemeindedienst an- zustellen, und ferner, weil nach Befragen das Bureaupersonal nicht gewillt sei, für den sozialdemokratischen Wahlverein schriftliche Arbeiten zu verrichten. Unsere Genossen betrauten hierauf zwei arbeitslose Genossen mit der Abschreibung der Wählerliste im Gemeindebureau. Wohl oder übel mußte nun der Gemeindevorsteher unseren Genossen einen Platz einräumen. Selbstverständlich wird dem Herrn Genieinde- Vorsteher klargemacht werden, daß seine Ablehnung sich mit dem Ministerialerlaß von 1908 nicht vereinigen läßt. Des weiteren wurde auch unterlassen, den Wählem eine Wahlkarte zu übermitteln, auf welcher die laufende Nummer der Wählerliste verzeichnet war; dies veranlaßte eine Verzögerung der Wahlhandlung um zwei Stunden, so daß die Wahl erst um 10 Uhr abends ihr Ende erreichte. Bei der Wahl in der zweiten Abteilung wurden von 117 ein- geschriebenen Wählern Fabrikbesitzer Schneider und Landwirt Höft mit 56 bczw. 55 Stimmen gewählt, auf zwei andere bürgerliche Kandidaten wurden 15 bezw. 14, und auf unsere Genossen Neue und Uhlig 4 bezw. 3 Stimmen abgegeben. An Wahlbeeinflussungen und Verleumdungen wurde gegen die Sozialdemokratie, die sich zum erstenmal an der Wahl in der zweiten Klasie beteiligte, das mög» lichste geleistet. Natürlich war jeder konservative Wähler mit der nötigen Anzahl Forensenstimmen ausgerüstet, um sie gegen den Feind ins Treffen zu führen. Köpenick. Am Dienstag, de» 21. März finden die Delegierienwahlen zur »Allgemeinen Unterstützungskaffe für Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen der Gemeinde Köpenick" statt. Arbeiter, sorgt dafür, daß von allen Fabriken Vertreter gewählt werden, die auch die Jnleressen der Mit- glieder wahrzunehmen wissen. Reinickendorf. Aus der GemeindevertretersttzuNg. Wie heilsam der Einfluß der öffentlichen Kritik auf gewisse Praktiken mancher Bodenspeku- lanten wirkt, zeigt die in der vorigen Gemeindevertretersitzung be- schlossene Vorlegung der Akten über die Anlegung der Seepromenade und des Hohenzollernplatzes. Wurde doch in aller Oeffentlichkeit behauptet, daß die Anlage der ersteren ganz und die des Hohen- zollernplatzeS teilweise unmöglich sei durch die Weigerung des Eis- Werksbesitzers und Gemeindevertreters Thater, das zur Anlage er- forderliche Land zu einigermaßen annehmbaren Bedingungen abzu- treten. Vielmehr hat er, wie ihm von interessierter Seite vor- geworfen wurde, Ländereien, die zur Anlage der Seepromenade ge- braucht werden, an sich gebracht, ehe die Interessenten, die bereit waren, es der Gemeinde zu überlassen, es erwerben konnten. Wie sehr er davon überzeugt war. dabei ein für sich Profi- tables Geschäft zu machen, beweist, daß er einen Kaufpreis be- willigte, der betrachtlich Höher war als der zwischen dem früheren Besitzer und der Grundstücksgesellschaft Berlin-Nord vereinbarte. In den Verhandlungen mit der Gemeinde zwecks Hergabe der zur Straßenanlage benötigten Flächen stellte Herr Thater zunächst Be- dingungen, die die Gemeinde nicht akzeptieren konnte. Infolge der schon geübten und noch zu erwartenden Kritik hat er es doch vor- gezogen, andere Saiten aufzuziehen, wenigstens hinsichtlich der See- Promenade. Er offerierte nunmehr(einen Tag vor der zu er- wartenden Abrechnung in der Gemeindevertretung) das erforderliche Gelände zum Selbstkostenpreise; dieses Angebot wurde von der Ge- meindevertretung angenommen. Jni Gegensatz zu den bürgerlichen Herren erklärten unsere Genoffen durch den Genossen D o m n i ck, daß sie durch das neuerliche Angebot des Herrn durchaus nicht be- frjedigt seien, um so mehr als Herr Thater bezüglich der erforder- lichen Fläche zum Ausbau des Hohenzollernplatzes gar keine Kon- Sessionen gemacht habe, was Herrn Becker veranlaßte zu wehklagen: „Es kann doch keinem Privatmann zugemutet werden, sein Eigen- tum zum Wohle der Allgemeinheit zu opfern." Die bisherige Ge- bührenordnuug für die Benutzung der Kanalisation veranlaßte all- jährlich eine umständliche Abschätzung zur Feststellung des Gebäude- und Nutzungswertes, nach dem die Gebühren zu erheben sind. Es soll an Stelle dessen künftig der amtliche Gebäudesteuernutzungswert als Maßstab angenommen werden mit der Maßgabe, daß für Fa- briken ein Zuschlag von 20 Prozent hinzutritt. Die Vorlage wurde nach kurzer Debatte genehmigt. Die EtatSberatungen in der letzten GemeindevertretersttzuNg leitete der Bürgermeister mit dem nun schon seit Jahren gewohnten Klageliede ein: Wir haben kein Geld; nur das Allernotwendigste konnte berücksichtigt werden. Viele gewiß berechtigte Wünsche müssen zurückgestellt werden. Der Etat ist überhaupt nur zu balancieren, wenn sich die Gemeindevertretung der größten Sparsamkeit be- fleihigt. Ohne Erhöhung des Kommunalzuschlages dürfte nicht aus- zukommen sein. Wie hoch er zu bemessen ist, hängt von der Höhe deS Zuschusses ab, den die Gemeinde dem Krankenhauszweckverband zu leisten habe. Doch dürfte nach vorläufiger Schätzung ein voraus- sichtlicher Fehlbetrag von 21 000 M. durch erhöhte Kommunal- zuschlüge zu decken sein. In dasselbe Horn blies auch Herr Pohl. der aufforderte, nach Ausgabepositionen zu suchen, bei denen noch Abstriche möglich sind. Wie sehr sich die bürgerliche Mehrheit be- mühte, dies Verlangen zu erfüllen, und wie sehr die allernotwendig- sten Kultur- und sozialen Aufgaben darunter leiden müssen, zeigte die sofort einsetzende Beratung des Voranschlages 1: der Amts- und Gemeindeverwaltung. Dieser Entwurf schließt in der Einnahme mit 04000 M-(02 000 M. im Vorjahre) und in der Ausgabe mit 417 000 MO 000� mxh erforderj glso ejgen Zuschuß 323 000(304 000) Mar?, isosor? steWwen die Herren, Becker un? Hofs, 5enen Herr Nikolaus glaubte sekundieren zu müssen, mit ihrer neuen Spar theoric. Ter Besoldungsetat.der Beamten weist infolge New einstcllungen und ganz besonders der regulär steigenden Alters zulagen eine Erhöhung um 21 638,33 M. auf. Da gegen die Alters- Zulagen nichts zu machen war, mußte die Zahl der Hilfsarbeiter vorhalten. Unser Genosse Kühn forderte Aufbesserung der Ge- hälter dieser Beamtenkategorie und ganz besonders ein schnelleres Aufrücken in Assistentenstellen. Darob natürlich großes Halloh bei den Bürgerlichen und demnächstige Ablehnung. Ferner forderten unsere Genossen, daß die Desinfektion bis zur Einkommensgrenze von 2400 M. frei ausgeführt werden sollte. Genosse O h l bemängelte gewisse Härten, die sich beim Eintreiben dieser Forderungen bemerk- bar gemacht haben und die ganz im Widerspruch zu den bekannten Erklärungen des Bürgermeisters bei Erlaß der Gebührenordnung stehen. Ter Bürgermeister bestritt jede Härte und forderte auf, ihm solche Fälle eventuell mitzuteilen. Der Antrag wurde abgelehnt. — Bei den Zuschüssen für die freiwillige Feuerwehr wünschten unsere Genossen, daß die Hausbesitzer eventuell zwangsweise zu Beiträgen für das Feuerlöschwesen herangezogen werden könnten. Obgleich sich viele Hausbesitzer ihrer Pflicht entziehen, glaubten der Bürger- meister und Herr Pohl, daß eine solche Maßregel nicht erforderlich sei. Ein heißer Streit entbrannte um die Errichtung zweier Melde- wachen auf dem Hausotterplan und im westlichen Ortsteil. Der Ge- meindevorstand und die Finanzkommission hatte ihre Errichtung der erforderlichen Kosten wegen(einmalig 2000 M. und laufend 10 000 M. pro Jahr) abgelehnt. Genosse Ohl und der Schöffe Ret- necke legten sich besonders für die Wache im Westen in? Zeug. Diese ist besonders notwendig, da das Rathaus keinerlei Verkehrsverbin- dung nach dem Westen aufweist und wegen Fehlens der Wachen jeder wegen der kleinsten Amtshandlung nach dem Rathaus muh. Auch hier stimmten nur unsere Genossen und Herr Reinecke für den Antrag. Der Voranschlag 2:„Grundbesitz der Gemeinde", schließt in Einnahme und Ausgabe mit 331 000 M. Hierbei enthüllte der Gemeindevorstand, wie er sich die Tilgung des im Laufe der Jahre aufgelaufenen Fehlbetrages von 630 000 M. denkt. 213 000 M. will man dem bestehenden Kanalisationserneuerungsfonds entnehmen. Der Rest soll durch Anleihen gedeckt werden. Dieser Betrag ent- spricht ungefähr den im Laufe der Jahre durch den Grundbesitz der- ursachten Schulden(Zinsen, Verwaltungskosten und Amortisation). Ferner hofft der Gemeindevorstand, Grundhesitz zu veräußern und hieran einen Gewinn von 277 000 M. über den Erwerbungswert zu erzielen. Hiervon sollen 81 000 M. einem Schuldentilgungsfonds überwiesen und der Rest sofort zu laufenden Ausgaben verwandt werden. Gegen beide Pläne wandte sich ganz energisch Genosse Köhn. Ganz besonders aber dagegen, daß man die Bedingungen für den Verkauf erleichtern wolle. Die Gemeinde dürfe ihren Besitz nicht verschleudern. Ungeheuerlich sei aber die Auflösung des Kana- lifationsfonds, stelle er doch von den Anliegern geleistete Vorschüsse für Erweiterung des Kanalisationsnetzes dar. Es nützte jedoch nichts, der ominöse schuldenmachende„Schuldentilgungsplan" wurde angenommen. Zum Voranschlag 3:„Volksschulen" gelangten die Anträge der Lehrer auf Erhöhung der Alterszulagen zur Beratung. Unsere Genossen waren die einzigen, die dafür stimmten. Genosse D o m n i ck bemängelte die Verweigerung der Turnhalle für den Arbeiterturnverein. Der Landrat habe es so angeordnet, war die kurze, lakonische Antwort des Beigeordneten Reichhelm. Daß dem Jünglingsverein die Turnhalle sogar unentgeltlich zur Verfügung sieht, war ihm unbekannt. Genosse D o m n i ck erkundigte sich, ob die Anregungen der Schulärzte bezüglich der Badegelegenheiten usw> im Etat Niederschlag gefunden haben. Herr Reichhelm behauptete, einiges käme zur Ausführung, anderes müsse noch zurückgestellt werden. Die Anstellung weiterer Spezialärzte sei vorläufig noch nicht möglich. Die zu hohe Klassenfrequenz, besonders in den unteren Klassen der 5. Schule, wurde von unseren Genossen noch einer besonderen Aufmerksamkeit empfohlen. Sodann gelangte der Etat mit 71 000(67 900) M. in Einnahme und 522 000(487 750) M. in Ausgabe zur Annahme. Der Etat der höheren Schulen war den Gemeindebertretern erst am selben Tage nachmittags nach Schluß der Bureaustunden zugegangen. Unsere Genossen, die direkt von der Arbeit zur Sitzung gekommen waren, hatten ihn überhaupt noch nicht zu Gesicht bekommen, und doch wollte ihn der Gemeindcvor- stand beraten haben. Gegen diesen Ueberrumpelungsvcrsuch pro- testierten energisch unsere Genossen mit dem Erfolg, daß die Be- ratung des Voranschlages ausgesetzt wurde. Nach der Unterbringung der Fürsorgezöglinge erkundigten sich unsere Genossen beim Vor- anschlag 4:„Armen- und Wohlfahrtspflege". Leider hat die Ge- meinde da gar nichts mitzureden, sondern das ist Sache des Landes- direktors. Weiter bemängelten unsere Genossen die Art. wie der Armenarzt Dr. Berliner seine Patienten abfertigt. Dem Gemeinde- vorstand sollen Klagen bisher nicht zugegangen sein. Ueber die Ein- richtung der Säuglingsfürsorge brachten unsere Genossen berechtigte Klagen vor. Ter Gemeindevorstand will mit den Aerzten wegen Ab- Hilfe konferieren. Die in Reinickendorf bestehenden Kinderhorte werden von der Gemeinde subventioniert, stehen aber unter der Leitung der Kirche. Unsere Genossen verlangten, die Einrichtung von Kinderhorten durch die Gemeinde, ein Antrag, für den sich bei unseren Bürgerlichen gar kein Bedürfnis zeigte. Genosse Ohl wünschte, daß nach dem Danziger Muster auch den hiesigen Orts- armen Gemeindeländereien zur Bepflanzung zur Verfügung ge- stellt werden. Geradezu klassisch war die Antwort des Gemeinde- Vorstandes. Wir haben ans ihre früheren Wünsche hin den Armenhäuslern das angeboten, sie haben aber davon keinen Gebrauch gemacht, auch können unsere Ortsarmen solche Arbeiten nicht leisten. Genosse O h l erwiderte ganz treffend, daß der Ge- meindevorstand allerdings nichts Ungeschickteres machen konnte, als den Armenhäuslern das anzubieten. Ungeeignetere Obi:kte als diese armen alten, im Lebenskampfe zermürbten und aufgeriebenen Leute gibt eS allerdings kaum. Diese hätten recht daran getan. daS zurückzuweisen. Man solle sich nur an die wenden, die noch solche Arbeit zu leisten in der Lage seien. Auch in bezug auf die Auswahl und Ausrüstung der in die Ferienkolonie zu entsendenden Kinder brachte der Genosse Ohl Wünsche zum Bortrag. Doch scheinen sie kaum Aussicht auf Erfüllung zu haben. Auch dieser Voranschlag ge- langte schließlich zur Annahme. Er schließt in Einnahme mit 33 000 <27 745) Mark und in Ausgabe mit 131 000(106 275) M.. erfordert mithin einen Zuschuß von 08 000 M. Hierauf wurde die Weiter- beratuug deS Etats vertagt. Einige Punkte in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen die Tagesordnung. Potsdam. Stadtverordnetenversammlung. Zugestimmt wurde den B r ü ck e n- Projekten im Zuge der Packhosstraße. Für eine Linienführung vom Bliicherplntz fand sick nicht die genügende Unterstützung. An Kosten entstehen 947 000 M.. und zwar für die Brücke über den Stadlkanal 61000 M., für die Brücke über die alte Havel 165000 M., iür die Brücke über die Sckiffabrtshavel 186 000 M. und für Grunderwerb und Entschädigungen 350000 M. Die Bauart der Brücken ist im Berhälwis zur Kaiser- Wilhelm- Brücke reckt einfack. Da gesetzlich eigentlick der Fiskus zum Brückenbau über Schiffahrtswege verpflichtet ist, die Stadt aber dann zu den Kosten herangezogen wird, will die Stadt den Bau der Brücken selbst übernehmen und setzt große Hoffnungen auf den zu- gesicherten staatlichen Zuschuß von 400 000 M. Man will den Fiskus aber vorher verpflichten, den Zuschuß vertraglich zu zahlen und die Unterhaltungskosten dauernd zu übernehmen. Das Real- ghMnasium soll zu einer Doppelanstalt erweitert werden. In den Neubau soll gleickzertig eine Direktor Wohnung ausgenommen werden. Die Kosten mit 126 000 M wurden bewilligt. Beraten wurden die Etats der Kapitel Bauwesen, Gemeindeabgaben <1 796 000 M. Einnahmen und 5600 M. Ausgaben) und Gemeinde- sckulen. Bemerkenswert ist, daß das Verhältnis der höheren Sckulen 40 Proz. und das der Gemeindcschulen 60 Proz. der Geiamtscküler» zahl beträgt. Für Beschaffung von Schulunterrichtsmitteln sür arme Kinder find 21 M. weniger eingesetzt.(Weil sich die Schülerzahl etwas verringert hat!) Stadtverordneler Horstmann be- dauerte bei dieser Gelegenheit, daß die Einrichtung einer Schulzahn- klinik für die Gemeindeschnlen abgelehnt worden sei. ttotzdem die eingesetzte Kommission sie vom berwaliungs- und medizinisch« technischen Standpunkt aus dringend.empfahl.�(Die � Mehrzahl der Stadlväter wollie den Eltern diese Aufgabe nicht ab- nehmen; ob diese aber die Mittel dazu haben, kümmert den Stadt- Vätern nickt.) Nachdem kaum die Hälfte der Tagesordnung erledigt war, mußte die Sitzung wegen B e s ch l u ß u n sä h i g ke it ad- gebrochen werden. DaS kommt eben davon, wenn man mit einer Versammlung arbeitet, in der sieben Mandate nicht besetz b s i n d. Vön ganz besonderer Bedeutung ist aber noch, daß man die Bürgerschaft, ohne daß sie die ihr gesetzlich zustehende Venretung voll ausüben kann, mit einem Millionprojekt nach dem anderen über- rennt(Flugplatz, Brücken usw.) Die städtische» Elcktriziläts- und Wasserwerke als Zeutrale. Nachdem jetzl an das Eleltrizitätswerk 14 Vororte(u. a. NowaweS, Neubabelsberg, Wannsee) angeschlossen sind, soll auch der Wasser« absatz auf die Vororte ausgedehnt werden. Da hier verschiedene größere Gemeinden aber bereits versehen sind, sollen vom Wasser- werk 2 in der Teltower Vorstadt mehrere Gemeinden im Kreise Zauch-Belzig an das Potsdamer Netz angeschlossen werden. Für größere Rohrlegungen werden die Mittel bereit gestellt. Die gewerb« lichen Unlernehmniige» stellen jetzt mit ihren Ueberschüssen eine wesentliche Einnahme sür den ftädiische» Etat. Jngendveranstaltunge». Tchsneverg. Freitag, den 17. März, abends von 8— flff, Uhr. bei Poschmann, Vorbergur. g: Spiel» und UaterhaltungSabend. Der Ausschuß. Die Freie Jugeudorganisatio» Treptow veranstaltet am Sonn- abend, den t8. März, abends 8 Uhr. im großen Saale von Ludwigs „Viktoriogarten«. Am Treptower Park 25/26, eine Reuter-Feier, beftebend aus Konzert, Festvortrag. Rezitationen, Chorgelang(Mannerchor»Vor- wärts") und Tanz. Eintrittskarten zuin Preise von 25 Pf. sind im Jugendheim, Kiesholzstr. 6, bei Blascheck zu haben. Die Jugendlichen sowie die er« wachsene Arbeiterschast werden sreundlichst eingeladen. Eingegangene Vrucksckriften. Geschichte der Revolutionen. Vom niederländischen Ausstatid bis zum Vorabend der sranzösischen Revolution. Von Dr. A. Conrad v. Reich illustriert mit Bildern und Dvlnmeiiten aus der Zeit. Die Hefte 16 und 17 sind zur Ausgabe gelangt Jede Woche erscheint ein Heft zum Preise von 20 Ps. Mit dem Abonnement kann jederzeit begonnen werden. Bestellungen nehmen alle Spediteure. Kolportcure und Buchhändler ent- gegen. Aus Wunsch versendet ausjührliche Prospelle und Probenummcrn der Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. ßmfkaften der Redaktion. Tie juristische Lprechsiunde sindet LIndensirahe 6?, vor» vier Treppen — Fahrstuhl—, wochentiiglich Dan his 7'/, Uhr abends, Sonuadrad» von t>2 bis 6 Uhr abends statt. Jeder sür den Brieskasten bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteile. Eilige Fragen trage man in»er Sprechstunde vor. C. W. LS. Es liegt Verjährung vor. falls nicht in der Zwischenzeit b:e Einziehung versucht ist.— Bt. F. 77. 1. bis 3. Wenn am 1. April die Gebrauchsabnahme noch nicht ersolgt. können Sie den Mietsoertrag per sofort auslösen. Es empfiehlt sich, vorher bei der Baupolizei anzusragen, ob die GebrauchSabnahme bis zum 1. April zu erwarien ist oder nicht. 4. Die Verlegung des Wohnsttzcs, auch aus b>ruslichen Gründen, löst nicht den Vertrag. Das vorzeitige Kündigungsrecht steht nur den Staats« und Gemcindebeamten zu.— Teschke. Oblsgatorischcs Verbot besteht nicht. Die Beamten müssen aber die Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde einholen.— L. D. 5. 1. Ja. 2. Ausweis von der Heimatbehördc über die Staatszugehörigkeit. 3. Taufschein. 4. Eine Verpflichtung besteht nicht.— H. H. 100. 1. Die Steuerbehörde ist im Recht. 2. In Preußen nicht.— Anna 20. Die Rente ist weiter zu zahlen.— L. B. 28. Nein.— OS. W. 90. Bei der StaaiSeinkommensteucr zulässig.— SS. C. P. 1. Der Wirt ist nicht verpflichlet,«ie zu entbinden. 2. Ein Jahr. D. 178. Leider ist uns die Paarungswissenschast nicht bekannt. Fragen Sie bei einem Vogeihändler a».— C.<9. 48. Die Untersuchung läßt sich nicht herbeisühren. Die Veröffentlichung nützt nichts. Der Mann soll zu einem Notar gehen und der Frau die sogenannte Schlüsselgewalt entziehen.— H. Z. 4 Wir raten, sich mit dem Patentanwalt Adalbert Müller, Gilschincr Str. St, in Verbindung zu setzen.— Genossin M. T. 20. Ihre Fragen sind unverfländlich. Kommen Sie ln die Sprechstunde.— K. D. Gisenbahiiwesen. Fragen S!e bei der Eiscnbabndirekiion an.— Strafbefchl 1 und K. K. 33. Einspruch erscheint aussichtslos.- G. K. 48. Nein.— BZ. Z. 83. Aus Befragen kann wahrheitsgemäße Auskunst erteilt werden.— H. P., Karlshorst. 1. Ja, die Hälfte des Anteils der übrigen Geschwister. 2. Vier vom Hundert.— V. B. Z. 07. 1. Sämtliche Mitglieder müssen klagen. 2. Durch Abtretungsurkunde, die von sämtlichen Mitgliedern vollzogen werden mutz. 3. Dann haften sie persönlich mit ihrem Gesamt- vermögen. 4. Vom Vater als gesetzlichen Vertreter.— X. Nein. — Testament. Die Worte.Nießbrauch" und„Verwaltung" könnten zu Zweifeln Anlaß geben und das Versügungsrecht einengen.— F. B. 81. Sie sind an den Vertrag bis zun, Ablaus gebunden.— N. O. 80. 1. DaS Reichsgericht hat entschleden, daß derartige Erstattungsansprllche der vier- jährigen Verjährungsfrist unterliegen(Entscheidungen deS Reichsgerichts in Zivilsachen, Bd. 72, S. 334). 2. Es ist angebracht, bei Gcrichi einen Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Berfllgung zwecks Hinterlegung des Betrages zu stellen.— P. B. 78. 15 bis 30 M., für jeden Tagesbeiuch besonders 1 bis 2 M.— D. 32. 1. u. 2. So lange, wie der Unterhalt überwiegend von den Eltern bestritten wird.— Sch. II. Der Vertrag ist gültig, wenn die Frau zur Un>erschristslelstung von den Eigentümern ermächtigt war.— U. VO. DaS Gesetz läßt noch die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu,»wenn ein störendes Natinereigins, ein unabwendbarer Zufall oder ein ähnlicher, außerhalb des Willens der Partei liegender objektiver HinderungS» grund, der die Versäumnis zu entschuldtgen geeignet ist. nachgewiesen wird". Amtlicher Marktbericht der städttlchen Marktballen-DIreMon über den Großhandel in den Zentral-Maritballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Gelchäst still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ohne Bedeutung, Geschäsl ruhig, Preise fest. Geflügel: Zufuhr nicht ausreichend, Geschäst etwas lebhaster, Preise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geiwäst schleppend. Prelle wenig verändert. Butterund Käse: Geschäft ruhig. Prelle unverändert, Gemüle. Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft ausfallend still, Preise wenig verändert. v>itterunqSüderf,chi vom 15. März 1011. 4°° Letter Swuiemdr 752 SO 4 bedeckt Hamburg 748 SSO 4 bedeckt vcrlir 751 SO: 2 bedeckt Franks a M 749SW j 4 Schnee München 1 752 B! 3 bedeckt Wien 743 W 1 Schnee 2» all Hi 2 3 1 ■ l — 0 ■ l löai ? S|« S IS C tattonen jjj sH � ia Letter S t- M HavaranDa 763 W Petersburg 766 SO Sctllp 756 NNW -lberoeeu 754 N ParG 752 W ! i 2 Nebel—7 4 Nebel—7 kbeveckt 6 4 bedeckt I 4 2 Schnee| 1 Wetterprognose für Donnerstag, de« 16. März 1911, Kühl und vorherrschend wolkig oder nebelig mit Niederschlägen und mäßigen nördlichen Winden. Berliner W« t t er b u r r a» Wasferstan»».«ochriGteu der LandeSanstalt jür Gewäsierkundc. mitgeteilt vom Berline» Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tllllt V r e g e l. Jnstcrbtlrg Weichsel, Tboru Oder. Rattbor , Krollen . Frankfurt Warthe, Schrnnm , Lanosberg Netze, vorbamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 14 3. cm IIÖ5) 178 386 212 319 326 300 311 147 103 —3 342 294 «eU 13.3. ora'> -38 _ 22 —16 —2 —8 -6 -2 —6 -4 —10 —11 —18 -15 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Stand au*) , Rathenow') Spree, Svremberg') ,«eeskow Weser. Münden „ Minden Rhein. MaHonIiansau , Kaub » Köln Neckar, Heilbronn Main, Werlheim Rosel. Trier 1 dedeutet Wuchs.— Fall.—») Uuterprget. � 14. Von S'/i—B'lt morgens Eisgang, dann SiSkeihW. Thealer und Vergnügungen llllOrasS,' DDO □□□ Donnerstag, 16. März. Zlnsang Tl, Uhr. SSnigl. QpernbauS. Fidelio. König!. ZchauspirlhauS. Der Mennonit. Deutsches. Faust. 2. Teil.(Atisang 5 Uhr.) Ansang 8 Uhr. NeueS königl. Lpern-Xheater. Bauernpolitik. Kammerspiele. Der Gras von Gleichen. Lessing. Glaube und Heimat. Neue? Schauspielkaus Das kleine Schokoladenmädchen. Komische LPer. Figaros Hochzeit. Kleines. Der Leibgardist. Neues Lperetten. Die schöne Risette. Berliner. Bummelstudenten. Weste». Die lustigen Nibelungen. Neues. Mein erlauchier Ahnherr. Drianon. Hippolytes Abenteuer. Residenz. Fernands Ehekontrakt. Thalia. Polnische Wirlschast. Schiller«»- Tvealer.) Nathan der Weise. Schill. Gliarlotteuburg. Ein idealer Galle. Friedrich- WilhelmstiivtischeS. Pagenstreiche. Aolksoper. Der Maskenball.(An fang 8'/, Uhr.) Sustipielliaus. MeyerZ. Luilen. UmS goldene Kalb. Modernes. Der Feldhernihügel. tHuir. Liselolle. Herrufeid. Eine verloren« Nacht. Er, Sie und Er. Folies lkaprire. Der Feldwebel- hugel.(Zlnsang B'l, Uhr.) Mrtrui'oi. Hurra— Wir leben noch! Kasino. Julie Wippche». Apoll». Sveziatilälen. Baöage. Svezialitätcn. Voigt. Mein Herzenssritz. Roack. Almenrausch und Edelweiß. (Ansang B'l, Uhr.) Reichsuallen. Steltiner Sänger. Karl Haverland. Sveziatilälen. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Bravo I Dacapo!(An- sang S'l, Uhr) Intimes. Das Mädchen ans Paris (Anfang 81/, Uhr.) Wedding. Lichtspiele. Kaiser- Panorama. Reise in der französischen Rivtera, Nordtirol— eine Tour über den Fernpaß nach Jmst. Urania. Daubcnstrafte 48/4». Abends 8 Uhr: WaS uns der Mond erzählt. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. F. Rathgen: Kalium und Natrium. Sternwarte, Jnvalidenstr.$7—62. Lessing-Theater. 8 Uhr; Glaube und Heimat. Freltag 8 Uhr: Glaube«.Heimat. Sonnabend 8 Uhr: Glaube und Heimat. berliner Tliester. Abends 8 Uhr: Vaiuinelatotlontvii. Morgen: Bumuielftnventen. Neues Theater. Täglich: Mi euer iwerr. _ Anfang 8 Uhr._ Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Dle lustigen Nibelungen. Sonntag 3'/, U.: Ein Walrertraum, Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Abends 8>/, Uhr: Va!w KvISKee-rsÜtl»«!. berliner Volksoper Belle-Alliancestraße 7/8.—>/,g Uhr Amelia(Der Maskenball). Lustspielhaus. Abend« 8 Uhr: Meyers. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, den 16. März, 8 Uhr: Zum 1. Male�: Pageustreiche. ?osse w 5 Akten von A. v. Kotzevue. Freitag: Pagenstreiche. Ullillölü-IIiöZles. DireMmi! Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. TernandL Ehekontrakt. Schwank In 8 Allen von Georges Feydeau. In deutscher vearbeimng von B's-no Jacobson. Liesette Gautier: Frl. Hernia Tally vom Leipziger Zladt- Theater a. G. Sonnlog, lg. März, nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrollenr. Morgen und folgende Tage: Fernands(Shetontrakt pulsen- Theater. MendS S Uhr: ms goldene Kalb. reiiag: GenoflenschasiSsest, Bor- ung, Kabarett. Ball. iounabend S Uhr große Kinder- stellung: Ter brave Peter und Puppenprinzrssin. 3 Uhr: De: tenbesthcr. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Aber.ds 8 Uhr: Was uns der Mond erzählt. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. F. Rathgen: Kalzium und Xutrium. Kaiser-Panorama. Reise in der franz. Riviera Nordtirol— eine Tour über Sslss? den FempaB nach Imst.— Eine Reise 20 Ps.,Kinder 10Ps. Abonnements 1 M.. Taus. Abonnent. osc-THBttc! Große Franks urter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende>,,,1 Uhr. UlseRette. i>I Lustspiel in 4 Alten v. H. Stobitzer. Freitag: Leutnant der Reserve. «onnäbend nachm.: Die 7 Raben Abends: Liseloite. Sonntag 3 Uhr: Liselotte. 8 Uhr: Der Störensried. Teiles Programm! Olga Desmond Robert Stteidi und Auslese eins hervorragender Kunstkräfte! _ Rauchen gestattet._ Ansang 8 Uhr. Man muß das große komische Pro- gramm gesehen haben! 19 Mkltstlidt.Attraktiontn. 9'/, Uhr: Ganz Berlin spricht uou Alwin Nenß Tony Tctzlaff in dem Sensalionsslück: Bereylw. jftetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große Ausstattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V Hollaender. yn Szene geletzt von Dir. R. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestaltet. MMN llnr noch diese Woche! Sonntag letzte Aufführung von Line verlorene I�acht und Der Derby-Sieger. Montag: Premiere Dagr' der drei Novitäten-WUT Ans Schridungs-Souptt von Julius Horst. Ein Zlerloduugsgrschiift von An Ion und Donai Herrnseld. Die Bar-Schwester von Anton und Donar Herrnseld. Premierenbtlletts ab heute zu haben. Ahencls 8 Uhr: Hedl Herdina. LolsHoi=Tschen Ohinesentruppe { und das groBe neue März- Programm. 14 Varletc-Neahelten. oachs Theater. Direktion: Robert Olli. Berlin N., Brunnenstraße 19, Deborah oder: Christ und Jüdin. Schauspiel in b Akt v. S. Mosentbal. Ansang 8'/. Uhr. Dorzugskart. güllig. Freitag! StaatSanw. Alexander. Sonnabend erster Kiassiker-Abend: istnui-t. RurKTboator- Pestsäle und Xlnematograpli vorm. 0ro,»rlan. Jnhab.! Rod. Merz, Schönhauser Alle« IL». Tel. S. 93ö3 Lcdondo Photocraphlon. «"IrmM u. 40 B(., ftinöer di- Halste. Ans. 7 U.. Sonnt. 4U. Verzugsiearten, nur wochent. gAttg. 23 Pf. auf allen Wßm. StetS wechf. Programm. Seh iller-Tlieater. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theal.) Donnerstag, abends 8 Uhr: ZVatliuu der Welse. Ein dramatisches Gedicht in fünf Aus;, v. G. E. Lessing. Ende 11 Uhr. Freitag, abends L Uhr: Zum erstenmal: IZadriello d. Fischer. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zluri« und Magdalena. Schiller- Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hin idealer Gatte. Schauspiel in 4 Akten v. Uslar Wilde. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Kabalo und Liebe. Sonnabend, abends 8 Uhr: j_ Ein idealer Gatte. Dienstag, 2t. März 1011, im großen btaale der„Kenen Welt", Hasenheide KONZERT Elisabeth OhlbolT, Sopran, Lcbrecht Gocdecke, KontrabaB, Franz Veit, Violin». Einlrlttskarten a 40 Pfennig sind zu haben in den Zigarrengeschäften von Mörsch, Engelufer 15: Voigt, CharitAstr. 3; G. Schulz. Kottbuser Tor; E. Schulz, Mittenwalderstr. 2; K.Bielefeld, Qraefestr. 35; BSttger, Bkalitzer Str.107 und Zossener Str.30; M. Kämmerer, Elisabethufer 37; Anna Köhler, ürbanatr 134: Kolbin, Bnlowstr. 56; H. Köppe, Tilsiter Str. 43; G. Kuhring, Jahns tr. 1; Parske, Bäschingstr. 2; A. Rensky, Ohoriner Str. 28; W. Seidel, Bergmannstr.59; Gelfert, Yorkstr. 40; P. Opitz, Rixdorf, Pflügerstr. 74; A. Rietdorf. Pannier3tr.40; A. Abraham, Donaustr. 25; K. Schönebeck, Sohöneberg, ßrunhildstr. 7. 60/8 Anfang 8 Ehr KaasenUlTnang 7 Ehr Eintritt 50 Pf., Kinder 20 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt 88 CLOU" BERLEVER KOXZERTBAES Mauerstr. 82 Zimmerstr. 90-91 Rente: Gastspiel des K. K. Hofball-Muslk-Dlrektors C M Ziehrer mit seinem ans 65* Wiener Künstlern bestehenden Orchester. - Eintritt SO Pf. von ißfauerei Friedrichshain Am Könlgstor - Größter Konzertsaal Berlin Rente, Donnerstag: CffUStSpid Johann Strauß wTen mit seiner vollständigen Kapelle. Preisgekrönte Walzer der„Woche". Anfang Vssi Uhr. Entree 50 Pf,. Reserv. Platz 78 Pf. »« Excelsior-Liclitspielliaiis ; Rixdorf, Bergstr. 151/152(ÄW Apizalh, die Priesterin der Tanit. Tontolinis Autofahrt.— Der alle Schauspieler, Drama.— Die Bibel als Talisman.— Ein« Begebenheit aus den Kolonialkriegen.— Max hat eine Braut gefunden usw. usw. Folies Capricer Täglich SV, Uhr: Die abgetreteue Frau. Neuer bnnter Teil. felöwebelhügel. Passage-PanoptikunK Die zusammengewachsenen Schwestern Blazek nnd Ihr Kind! Zwei Jlüttcr— ein Kind! Lebend zu sehen! Täglich von 11-1 u. von 8-10 Uhr. Ohne Extra- Entroe! Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Casino Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: llnr noch bis 30. Mich: Julie Wippchen. Ab 31, März; Zwei Wanfpen von Blumenthal und Kadelourg. Sonnt. 3'/, Ubr: Der Obergauner. Karl Haverland- Ansang Thabfon Kommandanten« p'.a,.7'/.U. IllcSGl. ftraße 77/79. Heute zum erstenmal: Amor in der Muiktlkommer sowie neu»« Spezialitäten-Progr. Nach der Vorstellung: Rem, Ion. Lichtspiele Erttfftinng IS. März-va Kottbuser Straße 6 Hochbahn, Kottbascr Tor, Faffungsraum 1500 Personen. Valhalla-Theater. I ßRosenth.Tor.) BewdcrgSw.ZO 1 Allabendlich 81/, Uhr: Bravo! Da Capo! Eine Allerwelis- Revue. LonntagnaSlim. 3'/, Uhr: Ensere Ron duans. Klein« Preis«. 240/11 Donnerstag, den 16. März 1911, abends 7,/> Uhr: Original-Perezoff-Truppe. »Et» Souper bei Maxim.« „Apachen zu Pferde", ger. von Frl. Tora Schnman» und Herrn Karl Hetz. Antonet& Brock mit ihrem musikalischen Akt. Dir Alb. Schumann mit seinen neuesten Kreationen. sowie die übrigen neuen Spezial. Her grolle Coup 0'!, Uhr d» 9'/, Uhr Schmuggler. Gr. rem. Pantomime in 4 Akten. Zun, Schluß: Die koloffale Wafferkatastrophe. Bei- Torstand. I. V.: G. Winiler. Zirkus Busch. Donnerst., 16. März.abds. 7'/, Uhr: GroOer Gala-Abend. Nordini�SI unter der Erde! Dcbttt! Debüt! The 3 Claorcs. Herr Georg Burkhardt-Foottit, Schulreiter. Herr Ernst Schumann, Freiheitsdressuren. Franz Steidler, radfahrender Bauchredner. Um 9'/, Uhr zum 86. Male: „Armin." RSnigstadt-Sasino. Holzmarltstr. 72. Novität! Der Novität! Weltmeister-Boxer. Gesangsposse von Ely und Schlothen. Originell I Itoxkampf Originell! jroijch.BertaHofmannu.FranzSobanski. Neue Spezialitiiten. Ansang 8 Uhr, Sonntags'/,7 Uhr. ReiehshaHeu-Thealei'. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Kiihltcbes Tarletö-Theater. Burleske von Meysel. Ansang wochentags « Uhr Sonntags 7 Uhr. V olgt-Theater Gesundbruimen, Badstraße 68. Donnerstag, den 16. März 1911: Gastfp. in Trapp S Feftsälen, Tegel. Mein Herzenssritz. VolkSoperette in 3 Akten von D. Mannstaedt und H. Willen. Kaffenerösfnung 7, Anfang 8 Uhr. Alt-Hoablt 47/4». DonnerStag, den 16. März 1911: IIIkllMölll!»«.» HeinziuS... Dir. HanS Reist. Kafsetieröffn. 7 Uhr. Ans. S'/« Uhr. Nach der Vorstellung: =- Tanz.= Trianon-Theater. Abend? 8 Uhr: Hippolyten Abenteuer. Sport-Palast Potsdamer Straße 78. ■.fÄUfiSU. Größter Eispalast der Welt. ÄKÄ'SS'pr. Eeerle„Eisfest an der Newa". Unter MllwtrlcoBg von ca. 200 ElslaufkUnstlern und zwei KOnstlsrkipsllsn. AuBeraewOhnllehe luxurlBse AssstaUung imd unerreichbare Uohteffekte. Bengalieohe Beteachtung der Vorstellung, ►d Gedding» Arlzath T- (dramatisch). In der Titelrolle spielt: Mllo. Glsble Graviip vom Reiiaissance Theater in Paris. Die Kapelle steht unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Mar Ncumann aus Wie«. LIGHTSPIELE MOZART- SAAL. Nollendorf-Platz. veglnst 6 Ubr. »«>«»»«««»««»«»»»««» IM Heute i Das große Spezialitäten: Programm. Anfang 6 Uhr. KassenerSffnnng 4 Uhr. Von 11-2 Uhr:-q TANZ. � Rila-�äle Schönhauser Alles 130, Milastr. 3. Jeden Donnerstag und Sonntag; Gr. KavaIier=Ball. GroOes Orcnestcr. Anfang 8 Uhr, Sonnoogs 5 Uhr. Donnerstags haben Vorzugskarten Gültigkeit. • Carl Eisner. Für de« Inhalt der Inserate übernimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Sabak-�abrikcn I. Golösarb PmWMrzM »»«»»», gegvün.üet 1833. »'"'—■■■■!.'..g» Tabac russe a priser. goöt de üowno. o.p.D«o�n«n>on'O.D'0'D,c>ooO'0 Prawdziwa tabaka do zazywania„Kownoer' •u*ö Neicrall zu habe» in Dos»»»»» and 2« Pf. Sabril- iUid->z-�u»Id A Co., Berlin> Ltcht«ub»rs. 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Delegiertenkarte und Mitgliedsbuch legitimiert.'VS Achtung! Werkstattvertrauensleute! Die Kollegen, welche noch leinen Jahresbericht erhalten haben, können ihn durch die Vertrauensleute vom Bureau abholen lassen, 80/8 >M' Schirmmacher,"feg Sonnabend, den 18. März, abends 8>/, Uhr: Mitglieder-Bersammlung im Gewerkschastshause, Engelufer M/15. Eingang U parterre(Arbeitslosensaal). Achtung! fapeziepePa AchtunS! Freitag, den 17. März, abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung In Bösels Festsälen, Neue Friedrichstrahe Nr. SS. Tages-Ordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung. Referent: Kollege Zitzewitz. 2. Diskussion. 178/5 ES ist Pflicht jedes Kollegen, in dkeser Versammlung zu erscheinen. Sielte Sänlenanschlas am Freitag I r- WW- hochelegante aus feinsten Maßstoffen, jetzt 20— lO M. Anzug nach HaB 50 Zl. Billige Hosenwoche. Versandhaus Qertnania Unter den Linden ZI. Orts- Kraukenkass band-, Obstbaum- u. Iloeb�aid- Parzellea direkt am Bahnhos �sssenbeide von M. 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Berlin 0 27, OrUnor Weg 11» Kram- and Slumenbiuderti Barl Sommer Wrangelstr. 44. Ami IV 12 066. der Alssehinenhsu-Arheiter u. verivanilten Selverde zu Berlin. 1. Die Wahlen von 151 Vertretern der versicherungspflichtigen und 8 Vertretern der freiwilligen Mitglieder sür die Generalversammlungen pro 1911 bis 1912 gemäg I 44 des Statuts finden statt am Sonntag, 26. März 1911, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uh» »adimittags. Es wählen: Abteilung I. Die ans Grund des§ 2 des Statuts der Kasse an- gebärenden Mitglieder(Versscherungs- Pflichtige) in den nachstehend aus- gesührten süns Wahllokalen: 1. Wilhelm Telschow, Lünowstr. 107/108, 2. Johannes Peinert, Rittrrftr. 123, 3. Jalins Hielacfe, Bluineustr. 38, 4. Hermann Kabelita, Fennstr. 21, 5. Franz Schnldt, Putbuser Str. 25. Die Mitglieder sind berechtigt, sich eins der vorgenannten fünf Lokale auszuwählen, in welchem sie ihr Wahlrecht ausüben wollen. Abteilung 11. Freiwillige Mit- glieder. Die Mitglieder wählen im Lokale von Fmll Schüler, Lottumstr. 15, Ecke Choriner Strasse. Die Wahlen sind geheim. Abgabe der Stimmzettel von 10 bis 1 Uhr. Die Stimmzettel dürsen nicht mehr Namen enthalten, als in einzelnen Abteilungen Vertreter zu wählen sind. Ferner müssen die Stimmzettel enthalten: Vor- und Zuname, die genaue Wohnung und die Buchnummer der zu Wählenden. Stimmzettel, welche obige Angaben nicht oder mehr Namen enthalten, als in der betreffenden Abteilung zu wählen sind, sind ungültig. Um 1 Uhr nachmittags wird der Wahlakt geschlossen. Wahlberechtigt und wähwar sind nur Mitglieder, welche das 21. Lebens- jähr erreicht haben und sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Das LegilimattonSbuch oder die Legitimationskarte ist am Eingange des Wahllokals und bei Abgabe der Stimmzettel vorzuzeigen. Die Herren Arbeitgeber bezw. Betriebsunter- nehmer werden dringend ersucht, die zum Zwecke der Wahlen besonders angefertigten Legitiniationskarlen zuvor im Kassenlokal abheben oder aber den Mitgliedern ihre Legiti- mationsbücher— mit dem Tages- stempet des Wahltages versehen— an diesem Tage aushändigen zu en. m recht zahlreiche« und pünkt- liches Erscheinen wird gebeten. 2. Die ordentliche General- Versammlung der Vertreter der Strbeitgeber und Arbeituedmer findet am Montag, den 27. März. abends 8>/, Uhr, in.Schulz' Prachtsäle Am Königs- graben 11, statt. Tagesordnung: I. Bericht des Vorstandes üb« das abgelaufene Geschäftsjahr. 11. Bericht der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung und Erteilung der Decharge. III. Antrag des Vorstandes aus Verlängerung deS Vertrages mit dem Verein d« jrei» gewählten Kassenärzte. IV. Verschiedenes. Nach Schluss dieser General- Versammlung findet in demselben L o t a l eine Generalversammlung der Vertreter der arbeitnehmenden Mitglieder behuss Vornahme der Wahlen von zwei Vorstands- mitglieden statt. 3. Die ordentliche General- Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber findet am Mittwoch, den 22. März, abends 8 Uhr, im Brrttnrr Ratskeller(Fraltions- zimmer), Jlldenstrafte, statt. Tagesordnung: Wahl von einem Vorftandsmi.._____ sür die Zeil vom 1. April 1911 big lassen hl von einem VorstandsmiigNkde Je Zeil vom 1........"" zum 31. März 1914. Nach Schluss dies« General» Versammlung findet in demselben L otal um 9 Uhr die Wahl- Versammlung der Arbeitgeber zur Wahl der Vertreter zu den General- Versammlungen vom 1. April 1911 bis zuni 31. März 1912 statt. Zu wählen sind 76 Vertrel«, S 44 des Statuts. Die Wahlen find geheim und findm mittels Stimmzettel statt. Ansragen und B e s ch w e r d e», zu welchen die Einsicht in die Kassen- bücher notwendig ist, müssen bis zum Sonntag, den 19. März, mündlich oder schristltch behuss Beantworwng derselben in der Generalversammlung dem Vorstande mitgeteilt werden. Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. Mb Das Mandat legitimiert. Berlin, de» 15. Mär, 1911. Her Verstand. Fr. Schuld!. W. Heidenhain. Ruderboote Mk. 89, 95, 125,— Segeljollen Mk. 129, 140, 190,— dauerhaft und gekuauchsserlig. Prospekt frei. 151/9 Havelwcrbe, Berlin W.50. JVIöbcl-Hngebot. SoNdeS Möbelgeschäft liefert bürgerliche Wohmmgselnrichtlmgen sowie einzelne Möbel gegen massige Zinsvergütung bei kleiner Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anfragen unter Posllagerkarte 16, Postamt 103, Kein Hbzahlungageachäft. 676b* Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer».Co., Berlin LW. |t. 64. 28. ZahtMg. 3. KnlU Ks Jommtj" Kcrlm WIKsdlM Donnerstag. 16. Mar; lM Für die Sie StsätverorÄneteii-eMMShIen, die gestern bollzogen wurden, haben das Ergebnis gehabt, das zu erwarten war. Gewählt sind: 'im 11. Wahlbezirk unser Genosse Paul Boehm, im 13. Wahlbezirk unser Genosse Wilhelm Manu. Im 11. Wahlbezirk(Stadtbezirke 80—86) nahmen von 4282 eingeschriebenen Wählern nur 1818 an der Wahl teil. Genossen Boehm wurden 1810 Stimmen abgegeben, übrigen 8 Stimmen zersplitterten. Bei der letzten Wahl, die hier im Jahre 1907 stattfand, waren noch 4579 Wähler eingeschrieben. Davon nahmen 2381 an der Wahl teil, und von diesen stimmten 1779 für Genossen Voigt und 602 für den Freisinn. Tie Freisinni- gen hatten damals noch einen Kandidaten aufgestellt, während sie diesmal solchen Luxus sich von vornherein verkniffen haben. Aus dieser Enthaltsamkeit unserer Gegner erklärt sich die starke Ab- nähme der Wahlbeteiligung im 11. Bezirk. Die Zahl der nur für unfern Kandidaten abgegebenen Stimmen ist noch gestiegen, ob- wohl die Gesamtzahl der eingeschriebenen Wähler sich sehr merklich verringert hat. Ter 13. Wahlbezirk(Stadtbezirke 95—104) hatte diesmal 6632 eingeschriebene Wähler, wovon 3058 an der Wahl teilnahmen. Auf Genossen Mann fielen 3055 Stimmen, 3 Stimmen zer- splitterten. In diesem Bezirk, der für uns zu den sichersten in Berlin gehört, macht der Freisinn schon seit einer langen Reihe von Jahren nicht mehr mit. Bei der letzten Wahl, im Jahre 1909, hatte der 13. Bezirk 6642 Wahlberechtigte, von denen 3145 sich an der Wahl beteiligten. Für Genossen Singer wurden 3127 Stimmen ab- gegeben, 18 Stimmen zersplitterten. Die Stimmenzahl für unfern Kandidaten ist hier bei der Ersatzwahl etwas geringer geworden, offenbar deshalb, weil hier längst auf keinen Gegenkandidaten mehr gerechnet wird. Bei Ersatzwahlen ist ziemlich regelmässig die Beteiligung ge- ringer als bei Hauptwahlen. Es braucht nicht so zu sein, aber es ist leider so. Für die im Herbst kommenden allgemeinen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung mutz eine sehr viel stärkere Wahlbeteiligung erreicht werden. Soziales. ,Aus dem Musikerberufe. 1. Der Musiker M. war mit dem Kapellmeister Wilk ein Engagementsverhältnis eingegangen, welches bis zum 1. Dezember v. I. abgeschlossen und vorher unkündbar war. Am 7. November wurde er jedoch fristlos entlassen. Er klagte beim Gewerbegericht auf Zahlung einer Entschädigung von 116,34 M. Der Beklagte wandte gestern ein, er habe den Kläger wegen seiner mangelhaften Leistungen auf Verlangen des Lokalinhabers, bei dem er mit seiner Kapelle spiele, entlassen müssen. Nach dem vereinbarten Vertrage sei er auch berechtigt, den Kläger zu entlassen, wenn er den Anforde- rungcn nicht genüge. Die mangelhaften Leistungen sehe er darin, dass der Kläger beim Einsetzen zu schwach und unsicher ist. Dies bestritt der Kläger. Wenn er zuweilen etwas schwach gewesen sein sollte, so sei das auf Ermüdung zurückzuführen. Das Gericht hatte als Sachverständigen über die Leistungen des Klägers den Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Musiterver- bandes geladen und auch ein schriftliches Gutachten von ihm er- fordert. Der Beklagte lehnte den Sachverständigen ab. Das Ge- richt wies den Ablehnungsantrag als völlig unbegründet zurück. Das Gutachten ging dahin, dass Kläger ein guter Bläser und für eine Kapelle, wie die des Beklagten, durchaus geeignet sei. Das schwache Einsetzen sei in der Tat auf Ermüdung zurückzuführen, was bei einer täglichen Arbeitszeit von 9 Uhr abends bis 4 Uhr morgens und Sonntags von 4 Uhr nachmittags bis 5% Uhr morgens bei ver- hältnismähig kurzen Pausen und dem Verweilen in schlechter und überhitzter Luft nicht weiter verwunderlich sei. Das Gutachten wurde noch durch Zeugnisse, die der Kläger über seine bisherige Tätigkeit aufwies, unterstützt. Nach wiederholten vergeblichen Einigungsvcrsuchen verurteilte das Gericht den Beklagten zur Zah- lung der eingeklagten Summe. Der als Zeuge vernommene Lokal- inhabcr hatte bestritten, den Beklagten zur Entlassung des Klägers angehalten zu haben. 2. Der Musiker S. forderte vom Kapellmeister Birat, wegen fristloser Entlassung eine Entschädigung von 270 M. Er war gegen Tagesgage von 10 M. als Geiger beschäftigt. Das Arbeitsverhältnis war nur mit 14tägiger Frist vom 1. zum 15. oder vom 15. zum 1. des Monats kündbar. Am 1. Februar mutzte der Kläger wegen eines Krankheitsanfalls der Arbeit fernbleiben. Am nächsten Tage wurde er deshalb, obwohl er sich durch Rohrpostbrief entschuldigt hatte, entlassen. Das Gericht verurteilte den Beklagten unier Anrechnung eines Vorschusses von 34,50 M., den der Kläger erhalten Hatte, zur Zah- lung von 235,50 M. Eue aller Melt. Unwetter im Süden. Meldungen aus Via R e g g i o zufolge ist in S ü d i t a l i e n gestern ein von einer Flutwelle begleiteter Zyklon niedergegangen, der im Hafen grossen Schaden angerichtet hat. Zahlreiche Fischerboote sind zerstört worden. Der Sturm be- chädigte auch eine grosse Anzahl Wohnhäuser. Viele Personen sind sauf offener Strasse zu Boden geschleudert worden. Eine Fabrik, in welcher 105 Arbeiter beschäftigt waren, ist zum Teil ein- gestürzt, 15 Arbeiter wurden schwer verletzt Unter der Bevölkerung entstand eine grosse Panik. Truppen sind mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt und errichten Hilfs- stationen. » Auch in verschiedenen Teilen Frankreichs hat ein orkau- artiger Sturm grossen Schaden angerichtet. In Paris schlug ein Gerüst um, das zu Reparaturarbeiten am Jussizpalast angebracht war und begrub eine vorübergehende Person unter s i ch. Verschiedene andere Personen sind durch herabfallende Ziegel verletzt worden. In L e V a l l o i s, einem Vorort von Paris, brach ein Baugerüst zusammen, auf dem sich mehrere Arbeiter be- fanden. Drei Arbeiter sind lebensgefährlich ver- letzt worden. In D i e p p e konnte der Postdampfer, der den Ver- kehr mit England versieht, nicht auslaufen. Der Sturin hat an den Hafenaulagen grossen Schaden angerichtet. Man befürchtet auch ernste Schiffsunfälle auf hoher See. In H a v r e wurden mehrere Fischerboote als in Gefahr stehend signalisiert. Der englische Drei- master„Sunday" musste mit schweren Beschädigungen nach dem Hafen zurückkehren. In Hazrebrouck wurde durch die Gewalt de? Sturmes ein Wagen unigeworfen. Ein Kind, welches neben dem Wagen herging, wurde so schwer verletzt, dass an seinem Auf- kommen gezweifelt wird._ Doppelmord und Selbstmord. Ein furchtbares Familiendrama hat sich gestern mittag in Mannheim abgespielt. Der Negistrator Heidt erschoß seine beiden Kinder, ein Mädchen von L'/e und einen Knaben von 8 Jahren. Darauf erschoß sich Heidt selbst. Die beiden älteren Kinder von 12 und 17 Jahren entgingen dem gleichen Schicksal nur dadurch, daß sie von Hause abwesend waren. Das Motiv der Tat dürfte darin zu suchen sein, daß die Frau Heidts vor wenigen Tagen wegen Geistesgestörtheit in eine Nervenheilanstalt gebracht werden mußte._ Geborstene Ordnungssäulen. August Höpfner, der Vertrauensmann der National» liberalen im Siegener Laude, ist wegen Unterschlagung von 12 000 M. zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Es handelt sich um die Veruntreuung von GenossenschaftSgeldern. Ausserdem hat der Vertrauensmann auch noch Witwen und Waisen um Gebühren geprellt; deswegen wird er sich später zu verantworten haben.— Damit die Parität gewahrt bleibt, hat sich heute, Donnerstag, eine andere Ordnungsstütze deS Landes, der Siegerländer christlichsoziale Gewerkschaftsbeamte Will, wegen Unterschlagungen zu verantworten, die er bei dem Sieger- länder Gewerkschaftskonsum begangen hat. Kleine Notizen. Ei» scheußliches Verbrechen verübte am Sonnabend der Gelegen» heitsarbeiter Gustav G r ü n w a l d in K ö s l i n. Er war mit dem Tischler Robert Klähn nach reichlichem Alkoholgenuss in einen Streit geraten, ergriff ein Beil und schlug auf Klähn ein, der sofort blut- überströmt zusammenbrach. Die Schädeldecke war ihm zer- trümnicrt, so dass der Tod eintrat. Ter Täter ist verhaftet. Ein 84jähriger junger Ehemann. In Heidelberg fand gestern die staudesaintliche Trauung des 84jShrigen Pandektisten Geh. RatS Prof. Dr. Ernst Immanuel Belker mit der Witwe des Chemikers Dr. Dorn, Sophie geb. Sulter, statt. Die in der Mitte der vierziger Jahre stehende junge Frau ist eine ehemals preis- gekrönte Schönheit. Von polnischen Arbeitern erschlagen. Im Dorfe Bretz bei Dannenberg überfielen Dienstag abend zwei polnische Eisenbahn- arbeiter einen Hofbesitzer und versuchten ihn auszurauben. Auf seine Hilferufe eilte ein benachbarter Hofbesitzer herbei. Die Räuber griffen zu ihren Waffen und töteten beide. Die Mörder wurden verhaftet. Eiscnbahnunfall. Bei der Station L e G a v r e der französischen Staatseisenbahn entgleiste Mittwoch nachmittag ein Güterzug. Zwei Personen wurden getötet, eine verletzt. HERMANN T LEIPZIGER STRASSE Donnerstag Freitag Sonnabend Butter und Käse THsIter......... Pfd. 50, 75 pf. Schweizer.......... prd 80 pt. Edamer............ pid 75 pk Emmenthaler...... Pfd. I10 Steinbuscher....... Pfd. 85 pf Romatour......... stock 28 pt. Camembert...... z stuck 35 pf. Molkerei-Butter____ ptd I30 Ess-Butter......... ptd I20 Koch-Butter....... Ptd l05 ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Lebensmittel Fleisch- und Wurstwaren besonders preiswert Soweit Vorrat Pastetenleberwurst. ptd. I00 Feine Leberwurst.. ptd 95 pf. Landieberwurst____ pfd 85 pf. Rotleberwurst...... Pfd. 95 pf. Jagdwurst........ Pfd95pf Sülzwurst ZuntenL.,. Pfd 75 Pf. Blut-u.Zwiebelwurst pfd 50 pf Cervelat u. Salami pfd I15 Teewurst RUgenwalderArt Pfd. 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