Nr. 65. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis prānumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 28. Jahrg Die Infertions- Gebühr Geträgt für die sechsgespaltene Rolonel Beile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Schergen des Zaren. Die ehrengerichtliche Verfolgung unseres Genossen Liebfnecht kommt wahrlich zur rechten Zeit. Läßt doch dieser neueste Streich das preußische System in so grellem Lichte erstrahlen, daß vor seinem beißenden Glanz selbst die treuesten Bewunderer preußischer Regierungsmethoden einen Moment lang geblendet die Augen schließen müssen. Freitag, den 17. März 1911. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Nacht geheizt werden. Der Häftling bekommt Beschlüssen erhält das Reich zur Deckung der Kosten, die ihm aus fein Wasser. Nach vierundzwanzig Stunden, während deren der Ausführung des Kaligesezes erwachsen, 500 000 M.; für die er die Lippen an die untere Türspalte preßt, um frische Luft Propaganda des Kaliabsazes im Inlande wurden 1,1 Millionen, zu erhalten, wird der bewußtlos gewordene in den Hof getragen für die Propaganda im Auslande 2 Millionen beschlossen; die und nach Erlangung des Bewußtseins wieder in den Karzer lettere Summe nach einem Antrage Gothein. Der fonservative gesperrt. Es ist vorgekommen, daß ein gewisser Mogilew in Tobolst, Antrag forderte 1,9 Millionen. Zur Vergütung an Kontrolleure als ein Wärter menschliches Rühren empfand und einen schon und Probeentnehmer stehen 100 000 M. zur Verfügung. Der einmal gezüchtigten Gefangenen, als er an seinem Körper Ge- Beitrag zu den Kosten der Untersuchung von Empfängerproben schwüre sah, nicht schlagen wollte, dem Aufseher zurief: Auf die beträgt nach einem Antrage Heim 700 000 M.; der konservative Geschwüre los! Die Folge dieser Beinigungen in Tobolsk waren Antrag forderte nur 200 000 m. Zur Bildung eines Reservefonds Aber nicht der deutschen Sozialdemokratie in erster Linie bierzehn Selbstmorde innerhalb einer Woche, wurde eine Million bestimmt, mit der Einschränkung, daß sich der wird dieses Verfahren, ganz gleich wie sein Ausgang sein wird, weitere sechs Selbstmorde im nächsten Jahre und die Tatsache, Reservefonds vermindere, soweit die Einnahmen aus den Stalieine treffliche Waffe der Aufrüttelung sein. Wir sind zurzeit daß einer dieser Gefangenen durch Harifiri sich entleibt hat. Warum fragen die Herren der Duma nicht nach den Zuständen abgaben die Summe von 4 800 000 M. nicht erreichen; der Mehrreichlich mit soviel packendem Agitationsmaterial ausgerüstet, in Alexandrowsk, wo sich selbst Aerzte zu den bestialischsten ertrag fließt dem Reservefonds zu; das gleiche gilt von den daß wir nach einer Mehrung, so unzufrieden wir sonst zu sein Unmenschlichkeiten hergeben, wo ein gewisser Golschuch, ein Minderausgaben der sogenannten Propagandagelder. pflegen, im Momente wirklich kein Bedürfnis hätten. Aber Arzt, Sterbenden eine schwere Nahrung gibt, damit sie in Durch diese Beschlüsse werden den großen land. dem unter dem fluchwürdigen Regime des blutigen Despo- fürzerer Zeit dahingehen? wirtschaftlichen Verbänden die hohen Zus tismus seufzenden russischen Volke kann dieser Warum fragen sie nicht nach den Zuständen in Orel, to tendungen aus den Kaliabgaben auch für die Vorstoß der preußischen Reaktion immerhin einigen es Gefängnisaufseher gibt, die sich im Laufe der Zeit und durch 8utunft garantiert, Zuwendungen, die der ZentrumsNugen bringen. Fordert er doch alle Welt zur erneuten viele Uebung die große Geschicklichkeit erworben haben, durch einen abgeordnete Erzberger als„ Schmier- und KorruptionsPrüfung der Frage auf, ob denn die schweren Anklagen, die fell zu zerreißen, so daß in diesem Gefängnis eine große fonds" bezeichnete. Trotzdem aber hat er für ihre Beibehaltung Liebknecht erhob, und wie Liebknecht alle, die sich noch einen Anzahl von politischen Gefangenen mit zerrissenem Trommelfall Funken Freiheits- und Gerechtigkeitsgefühl bewahrt haben, herumgeht? nicht in jedem Worte der Wahrheit ertsprechen. Und diese Nachprüfung ist um so dringender, da ja die bürgerliche Welt Deutschlands seit der Potsdamer Zusammenkunft bon einem Bündnis mit Rußland schwärmt." Warum fragen sie nicht nach Schlüsselburg, nach den Gefängnissen von Amur, wo für ein Wort des Widerspruches von einem Wächter einem Häftling mit dem Gewehrkolben mehrere Rippen gebrochen wurden? Gefängnissen, nach den Schüssen, die auf am Fenster stehende Warum fragen sie nicht nach der neuesten Mode in diesen Gefangene abgefeuert werden, daß zum Beispiel in einer Nacht nicht weniger als vierzig Schüsse zur Hehe 18 politische Gefangene gehängt, 621 erschossen und 320 bei Konflikten mit dem Militär getötet worden. Man wird in der Verfolgung Liebknechts nicht nur den Wunsch der preußischen Machthaber erkennen, sich an dem immunen preußischen Landtagsabgeordneten zu rächen, ihn Hinterrücke zu bestrafen- indem man ihn in seiner bürgerlichen Existenz schädigt, man muß darin auch einen Liebes zur Erheiterung abgefeuert wurden, die übrigens auch in der dienst, eine Aufmerksamkeit für die zarische Re- russischen Duma von freiheitlicher Seite erwähnt worden sind? Ellenbogen führte dann noch scheußliche Einzelheiten gierung sehen. Das ist eben auch eine Folge der aus der berüchtigten Folterkammer, dem Rigaer Museum" russischen Intimität: die Stärkung und gegenseitige Aneiferung der Reaktion im Innern der beiden Länder. an und gab dann noch folgende Statistit: Nach der Zusammenstellung eines gewissen A. B. Went in Nicht nur aus Gründen der äußeren, sondern auch aus den im Dezemberheft des Jahres 1910 des„ Sovremenny Mir" find in unmittelbaren Interessen der inneren Politik muß so das den baltischen Provinzen in der Zeit vom 1. Dezember 1905 bis deutsche Proletariat den schärfsten Protest dagegen erheben, 1. Februar 1906, also in zwei Monaten, daß dem deutschen Volte eine Intimität mit dem bluttriefenden, schmuzbedeckten. System zugemutet wird, unter dem das russische Volt seufzt. Gerade deshalb ist Liebknechts Rede heute wieder aktuell und man muß es begrüßen, daß die preußischen Machthaber gerade jezt zu ihrer Lektüre im Protokoll des Magdeburger Parteitages so erfolgreich aneifern. Bergehoch hat sich in der kurzen Zeit, die seit der Magdeburger Tagung berflossen ist, neues Material über die entsetzlichen Greuel gehäuft, die im Reiche des Baren Tag für Zag begangen werden. Das Verfahren gegen Liebknecht macht es wieder einmal nötig, einiges aus diesen Schreckenserzählungen herauszugreifen. Handelt es sich doch um die Beurteilung der Frage, ob es ein Wort gibt, das zu scharf, zu verächtlich oder zu haßerfüllt wäre, um dieses System und feine verantwortlichen Träger zu brandmarken. Heute wollen wir uns damit begnügen, einige Stellen aus einer Rede unferes österreichischen Genossen Dr. Ellenbogen zu zitieren, die dieser jüngst in der österreichischen Delegation gehalten hat. Die Darstellung beruht auf Briefen aus sibirischen Gefängnissen, deren Lektüre, wie Genosse Ellenbogen sagte, einem Europäer buchstäblich eine Gänsehaut verursacht. Unser Genosse führte aus: Der Verfasser berechnet die Opfer der Pogrome innerhalb fünf Jahren mit 37 398, die Opfer der Justiz mit 37 620, wovon zu atorga 8640, zu Tode 5735 verurteilt worden sind, die anderen zu" Poszelinje", Verbannung mit Aberkennung der bürgerlichen Rechte und anderen Strafen, wozu noch nach den Angaben des Ministeriums des Innern in Rußland die Zahl von 22 668 in einem Jahre administrativ Verbannter fommt. Damit Sie sehen, daß in den sogenannten höheren Klassen von Rußland solche Bestialität der Empfindung gang und gäbe ist und durchaus gebilligt wird, will ich eine Rede zitieren, die ein gewiffer Markow, der Zweite genannt, im Dezember des vorigen Jahres in der Duma gehalten hat, in welcher er auf diese Dinge zu sprechen tam und sagte( liest): Es ist nicht lange her, als es nach demselben Paragraphen des Gesezes mit den geflochtenen Peitschen zu prügeln erlaubt war. Nach dem neuen Koder ist das nicht mehr erlaubt, was ich sehr bedauere. Tatsächlich wurden bisher die Körperstrafen an den politischen Sträflingen von den Gefängnisdirektoren nicht anges wendet. Zum Glück befand sich in den Gefängnissen in Wologda und Serentuj ein Gefängnisdirektor, ein echter Mensch, ein echter Bürger, ein Vollzieher des Gesezes, welcher eine gehörige Zahl dieser Elenden auspeitschte. Baren. Seit dem Jahre 1907, wo die geschlagene russische Armee zurüdtam, haben sich die Sachwalter des russischen Absolutismus mit einer wahren Blutgier auf die Revolutionäre getvorfen, Ellenbogen schloß seine Rede mit der Forderung einer seit dieser Zeit tobt in den russischen Gefängnissen ein ununter universalallianz aller anständigen, mensch brochener ich bitte, das wörtlich zu nehmen- blutiger Kampf lich fühlenden Menschen gegen das Rußland des zwischen den Gefangenen und ihren Aufsehern. Gewohnheiten, die schon vor zwanzig Jahren in russischen Gefängnissen geübt wurden und die dann, weil sie zu Selbstmorden der Gefangenen geführt haben, abgeschafft wurden, leben in verftärktem Maße wieder auf. So sind in den Gefängnissen von Nertschinet, Tobolst, Algatschi, Akatuj, Serenhy, Orel, Aleranbrowst weit mehr als zehntausend politische Gefangene, Die Verantwortung des Baren aber hat Liebknecht in Magdeburg mit folgenden Worten festgestellt: Wir dürfen nicht vergessen, daß der Zar ein Schwarzhunderter ist, daß er für all die Vorgänge, die uns mit Empörung erfüllen, höchstpersönlich mit verantwortlich ist. Es ist eine törichte Gentimentalität, zu sagen: ach, der arme Bar ist ja unschuldig an all dem, er ist nur das zufällige Etikett auf Handlungen, die andere bie den furchtbarsten Qualen ausgesetzt werden. Geheime Erlässe Personen begehen. Er ist vielmehr ganz selbstverständlich mit der Regierung haben die Gefängnisverwaltungen aufgefordert, berantwortlich für das System, welches er durch seinen mit den schärften Maßregeln gegen die Gefangenen bor- Namen und die von ihm repräsentierte Regierungsform deckt. Er zugehen; die wildesten Verfolgungen, die blutigsten Kämpfe finden mit diesen Gefangenen statt. Wenn ich nur erzähle, bag ein bat sich bekanntlich ganz offen für die Schwarzhunderter gewisser Borodulin, ein berüchtigter Henkersknecht Henterstnecht in ausgesprochen, hat aus seiner Privatschatulle für fie Beiträge ge= Nertschinst, geben, hat das Abzeichen der Schwarzhunderter bis vor kurzem auf seiner Brust getragen.( Bfuirufe.) dreizehn politische Häftlinge geradezu maffakriert hat, wenn ich erzähle, daß er zwei Gefangene an den Füßen über die Treppen schleppen und vom ersten Stode auf das Steinpflaster des Hofes hinunterwerfen ließ, fo begreifen Sie, daß diese maßlos gepeinigten Gefangenen sich dagegen zu wehren suchen und daß dieser Borodulin schließlich getötet wurde. Warum fragen die Herren in der Duma nicht, wie es in Tobolsk zugeht, wo ein gewiffer Bogojavlenski mit geflochtenen Ruten oder eisernen Drahtpeitschen die Gefangenen schlägt, Gegen dieses Rußland des Zaren richtete sich die Brandmarkung Liebknechts, mit der er die Ehrenpflicht des anständigen Menschen erfüllt hat. Deshalb paßt der Name " Ehrengerichtsverfahren" auch in der Tat trefflich für diese neueste Verfolgung. Sie ist eine Ehre für den Verfolgten. Die Kali- Schmiergelder. gestimmt. Annahme fand auch eine sozialdemokratische Resolution, die die Regierung auffordert, dem Reichstage im nächsten Jahre eine Denkschrift über die Entwickelung der Kali- Industrie und über die Gestaltung ihrer Arbeiterverhältnisse vorzulegen. Abgelehnt wurde folgender fortschrittliche Antrag:" Den für den Bezug von Kali- Rohsalzen Abzüge festzusehen, wobei der Bundesrat zu ersuchen, umgehend gemäß§ 21 des Kaligesezes auch höchste Rabattsat bereits bei einem Bezug von 12 000 Doppelzentnern Reintali erreicht wird." Die Ablehnung dieses Antrages bedeutet, daß nach wie vor nur bie brei großen landwirtschaftlichen erbände den höchsten Rabatt erhalten, der erft beim Bezug von 500 000 Doppelzentnern Kali eintritt. Die kleinen landwirtschaftlichen Korporationen werden also auch ferner in Abhängigkeit von den drei großen Verbänden gehalten. wesens gesichert worden, verlas ein Vertreter des Auswärtigen Nachdem auf diese Weise der Fortbestand des Schmiergelder. Amtes eine Erklärung über die Verhandlungen mit den Ver einigten Staaten, die sich auf die Angelegenheit der im Naligesch festgesetzten Ueberkontigentsabgaben beziehen. In der Erklärung heißt es: Nachdem das Kaligesetz vom Reichstag verabschiedet war, hat die Regierung der Vereinigten Staaten den Vorschlag gea macht, eine amerikanische Kommission zur Besprechung der Kalis frage hierher zu entfenden. Deutscherseits hat man sich damit unter der Vorausseßung einverstanden erklärt, daß die Bestim mungen des Kaligesezes und des Bundesratsbeschlusses vom 29. Januar cr. außerhalb der Diskussion blieben. Hiergegen ist amerikanischerseits kein Widerspruch erhoben worden. Als ames rikanischer Kommissar ist Ende September vorigen Jahres Herr Davis vom Handelsdepartement in Washington hier einges troffen, zugleich mit dem Vertreter der amerikanischen Inters essenten( Nordtrust und Dependence usw.), die mit der Schmidtmanngruppe Verträge befizen und sich im Gegensatz zu den mit dem Südtruft vereinigten Interessenten mit dem Kalisyndikat noch nicht geeinigt hatten. Herr Davis, der von dem hiesigen amerikanischen Botschafter als ein mit dem Studium der Angelegenheit beauftragter Spezialfommissar ohne diplomatischen Charakter angemeldet worden war, ist mit dem Herrn Handels. minister Sydow und durch ihn mit dem Vertreter des Kalisyndi fats in Verbindung gebracht worden, und man hat den Versuch gemacht, durch Verhandlungen mit dem Vertreter des Syndikats einerseits und Herrn Davis und den amerikanischen Inter essenten andererseits zu einem Ausgleich zu gelangen. Die Berhandlungen haben indessen zu feinem Ergebnis geführt. Ende Dezember hat die amerikanische Regierung auf Grund der Berichterstattung des Herrn Davis die Frage auf diplomatischem Wege zur Sprache gebracht und geltend gemacht, daß das Raligesetz in Verträge, die von Amerikanern abgeschlossen seien, eingegriffen und sie in ihrem Werte beeinträchtigt oder gar zunichte gemacht hätten. Darauf ist am 31. Januar vorigen Jahres der amerikanischen Regierung durch die kaiserliche Botschaft in Washington ein ausführliches Memorandum überreicht worden, in dem verschiedene auf amerikanischer Seite bestehende Irrtümer richtiggestellt und unser Rechtsstandpuntt ausführlich dargelegt, und in dem Vorschläge zur Beseitigung der bestehenden Diffe renzen gemacht worden sind. Eine Antwort der amerikanischen Regierung auf das deutsche Memorandum ist Ende der Woche dem kaiserlichen Botschafter in Washington zugegangen; der Wortlaut liegt hier noch nicht vor. Nach den furzen telegraphischen Meldungen des Grafen v. Bern. storff scheint die amerikanische Regierung dem Gesichtspunkt Rechnung tragen zu wollen, daß die bestehenden Differenzen am besten durch private Verhandlungen der beiderseitigen Inter. essenten beizulegen sein möchten. In vertraulichen Verhandlungen wurde über den Kaliabiat nach Amerika debattiert. Machträgliches zur englischen Marinedebatte. Aus den ausführlichen Berichten über die bedeutsamé wo er auf die Gefangenen Feuer geben läßt, wo er sie mit Die Budgetfommission sette gestern ihre Verhandlungen Flottendebatte des englischen Unterhauses sind noch einige roh geschmiedeten Retten behängt, darunter Schwertranfe, sogar über die Kali- Schmiergelder fort. Es fonnten endlich die Ab- bemerkenswerte Momente hervorzuheben. In der Debatte Sterbende, denen die Ketten die Haut durchschneiden und Stimmungen über die sehr zahlreichen Anträge borgenommen eiternde Wunden erzeugen? Warum fragen sie nicht, was es denn mit dem berüchtigten eisernen Karzer ist, von dem mir sibirische werden, die während der Kalidebatte eingegangen waren. Der mit dem berüchtigten eisernen Karzer ist, von dem mir sibirische schwarzblaue Block, unterstüßt von den Nationalliberalen, einigte Häftlinge folgende Schilderung übermittelt haben( liest): " Der eiserne Karzer" ist eine fleine niedrige Kammer, in sich in der Hauptsache auf den konservativen Antrag, der in drei ber der Eingesperrte nicht aufrecht stehen kann und deren Positionen durch Anträge der Abgg. Heim und Gothein durch langs der Wand angebrachte Oefen Tag und Einsetzen höherer Zahlen abgeändert wurde. Nach den gefaßten sprach auch Genosse Steir Hardie, und seine Ausführungen enthielten im Gegensatze zu den liberalen Opponenten auch sehr praktische Vorschläge, um fünftighin solchen Etatsüberschreitungen vorzubeugen. Keir Hardie forderte die Einsetzung einer parlamen tarischen Kommission, wie sie in Deutschland und Frank reich besteht, die de» F l o t t e n e t a t zu prüfen hätte, ehe er dem Parlament unterbreitet würde. Hätte eins der- artige Kommission im Jahre 1809 bestanden, so'wären dem Lande 25—30 Millionen Pfund Sterling erspart worden. Auch verlangte er. daß alle Vertrag e mit anderen Nationen dem Parlament vorgelegt werden sollten, ehe sie rati- fiziert würden. Er klagte die Regierung an, datz sie bei der Auf- stellung deZ FlottenetatZ die wachsende Friedens- bewegung, wie sie in Deutschland und Oesterreich durch die grohen sozialde in akratischen Parteien dargestellt würde, nicht berücksichtigt habt. Sollten die Rüstungs- ausgaben eingeschränkt werde», so sei eS vor allen Dingen nötig, daß die L i n k S l i b e r a l e n, die die Sozialreform wünschten, in Zukunft etwa» mehr Mut zeigten. Soweit unser Genosse. Merken mutz man sich aber auch noch einige Stellen ans der Rede des M i n i st e r s des Aeustern, die im Munde eines Ministers ebensowenig ge- wohnlich ist wie die ihnen zugrunde liegende Erkenntnis. Sir Edward Grey führte nämlich bei Besprechung der Rüstungslast folgendes auL: »Diese große Last wird in Zeiten des Friedens aufgebürdet. Wen» sie sprunghaft zunimmt wie in der vergangenen Generation. so wird sie mit der Zeit unerträglich werden. Einig? glauben, daß sie den Krieg hcrnufbeschwören wird, gerade weil sie unerträglich wird. Ich glaube, eS ist viel wahrscheinlicher, daß der Zweck der Last durch eine inucre Revolution beseitigt werden wird, nicht dadurch, daß die Nationen gegen einander kämpfen, sondern durch die Revolte der Mass« der Menschen gegen die Besteuerung.... Ich sprach von der Revolte gegen die Flotten- und HecreSanSgaben. Die Revolte wird erst kommen, wenn die Steuern direkt auf diejenigen Klassen drücken, deren Leben ein Kampf ist. Wenn man ansäugt, durch die Stenern den'Hmigcr zu erzeuge», wie es früher oder später jedes Land tun wird, wenn die Flotten« und Heereß- ausgaben beständig wachsen, dann wird man in absehbarer Nähe der Revolte sein, die ihnen ein Ende bereiten wird. Es gibt eine größere Gefahr als die Gefahr de? Krieges und da» ist das Verbluten in FriedenSzeiten." Diese Ministerworte werden zweifellos gerade in Deutsch- land, wo man mit der letzten Finanzreform bereits an- gefangen hat,»durch die Steuern den Hunger zu erzeugen", tiefen Eindruck machen. politileke(leberllcbt. Berlin, den 16. März 1911. Abrüstungsantrag. Die sozialdemokratische Frattion stellte heute im Reichstag folgenden Antrag: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, er möge im Hinblick darauf, daß die französische Deputiertenkammer und das englische Unterhaus die Bereitwilligkeit zu Rüstungsbeschränkungen ausgesprochen haben, sofort Schritte tun, um eine internationale Berständigimg über die allgemeine Einschränkung der Rüstungen in Verbindung mit der Abschaffung des Seebeuterechts herbeizuführen. Wirtschaftspolitik und Wahlreden. Aus dem Reichstag, 16. März. Bei der Fort- führung der Debatte über die einzelnen Etatstitel kam es zu Auseinandersetzungen über eine Anzahl wichtiger Wirtschafts- fragen. So hatte der konservative Abg. v. Kaphengst eine Resolution eingebracht, in der die Unterstützung des »Vereins für soziale innere Kolonisation" zum Zweck der Fürsorge für vorübergehend Arbeitslose verlangt wurde. Aus der Debatte ergab sich, daß der An- tragsteller und der Staatssekretär in der Auslegung der Resolution weit auseinandergingen. Der Staatssekretär meinte, es sollten die Wanderarmen zur Kultivierung von Oedland herangezogen werden, während der Antragsteller nur die dauernd Arbeitslosen im Auge hatte. Genosse Severing erklärte darauf, daß die Sozialdemokraten, so sympathisch ihnen auch der Grundgedanke des Antrages sei, doch wegen seiner Viel- deutigkeit nicht dafür stimmen würden. Könne er doch zur Drangsalierung wandernder Handwerksburschen den Vorwand liefern. Im weiteren Verlauf der Sitzung brachte eS der Dr. Diederich Hahn fertig, drei Wahlreden zu halten. die erste durch Empfehlung des Fis ch z o l ls, womit er die Fischer seines Wahlkreises zu ködern denkt. Genosse Metzger trat ihm entschieden entgegen, da die Verteuerung der Fische auf eine neue Belastung des Volkskonsums herauskomme. Auch der Freisinnige Sp et hm an n sowie ein Regier ungs- kommissar bekämpften den verderblichen Fischzollplan. Dann gab eS eine lange Debatte über die M o o r k u l t u r, bei der Herr Hahn mit den Freisinnigen W e g n e r- Labia» und Gothetn aneinander geriet. Zwischendurch wurde über die Gefahren der Monopolisierung der Elektri- zität geredet. Angeschnitten wurde.die Frage durch den Freisinnigen O e s e r. der staatliche Maßregeln zum Schutze des Publikums gegen den drohenden Elektrizitätstrust ver- langte. Herr Hahn und Herr Pfeiffer vom Zentrum legten das triumphierend als einen Angriff auf die Gewerbe- freiheit aus, wogegen die Freisinnigen sich mit Recht wehrten. Vom Zentrum war noch eine Resolution eingebracht, w der Untersuchungen zur Förderung der Textilindustrie gefordert werden. Praktische Erfolge sind sehr wenig von solchen Untersuchungen zu erwarten; sie schaden allerdings auch nichts und deshalb stimmten auch die Sozial- demokraten dafür. Morgen geht die Debatte weiter. Univerfitäten. Das Abgeordnetenhaus beriet am Donnerstag das Kapitel »Universitäten' vom KultuSetat. Die Debatte stand nicht geradeaus einer besonderen Höhe, von grundsätzlichen TnSsührungen war nux ganz vereinzelt etwas zu spüren, die meisten Redner beschränkten sich auf die Vorbringung einzelner Wünsche. So wurde u. a. die Ver» mchrung der Professuren für Kolonialrecht und Sozialpolitik sowie Abhaltung von Kursen in Theorie und Praxis des sozialen Rechts für die Angestellten vvn Handelskammern angeregt. Eine längere Zeit nahm die Beratung eines konservativ-nationalliberalen Antrag? in Anspruch, der die Regierung ersucht, die Errichtung einer nicht- staatlichen Universität in Frankfurt a. M. nicht anders als auf Grund eines Gesetzes z» genehmige». Der Antrag, für den sich auch der Minister aussprach, gelangte zur Annahme. Namen« unserer Fraktion ergriff Genosse Liebknecht das Bort, um für die freie wissenschaftliche Forschung einzutreten und sich gegtil» jede Bursaukratisieruitg llltd Neglementieruitg sowie gegsi« die ProtcltionSwirtschaft auf den Universitäten zu wenden. Mit treffenden Gründen wie? er nach, daß weder für die Studenten noch für die Dozenten eine wirkliche Freiheit besteht. Interessant war seine Schilderung der amerikanischen UniversitätZverhältnisse, die uns zeigen, welch tiefer Gegensatz zwischen den Zuständen in dem reaktionären Preußen und dem verhältnismäßig freieren Amerika besteht. Bemerkenswert ist es übrigens, daß selbst von bürgerlicher Seite zugegeben werden mußte, daß einzelne Professoren die Wissenschaft als melkende Kuh betrachten— ein wertvolles Zugeständnis für uns Sozialdemokraten. Am Freitag wird die Beratung des Kultusetats fortgesetzt. „Hunde sind»vir ja doch!" Den„leitenden nationalliberalen Kreisen", die mit dem schwächlichen Beschluß des Gießener nationalliberalen Wahl- komitees, der Entscheidung aus dem Wege zu gehen und die Abstimmung in der Stichwahl freizugeben, nicht zufrieden waren, weil sie das unbedingte Eintreten für den antisemitischen Reaktionär, den Schützling des Bundes der Landwirte und des blauschivarzcn Blocks wollen, ist Freude widerfahren. Der schreckliche Beschluß dcS Gießener Wahlkomitees ist umgestoßen, die„geordnete Wahlkreisvertretung" ist gehorsam eingeschwenkt. Der Draht meldet: Gießen, 10. März. Der nationalliberale WahtlreiSvorstand hat gestern beschlossen, bei der ReichstagSstichwahl den deutsch- sozialen Kandidaten Werner gegen den Sozial- demokraten zu unter st ützen. So hat also die Drohung der„Deutschen Tageszeitung". daß die Nationalliberalen aus der Reihe der„nationalen" Parteien gestrichen werden möchten, gewirkt, so kräftig gewirkt, daß die tapferen Herrschaften sich bedingungslos unterworfen haben— sie sollen den Antisemiten wählen, ohne auch nur erst von ihm zu fordern, er solle sich für die freundliche Kenn- zeichnung entschuldigen, die er ihnen angedeihen ließ, als erste eine„Partei von Schurken" nannte. Und warum auch? Auf ein paar antisemitische Fußtritte mehr oder weniger kommts ja nicht an— die Herren, die den Beschluß gefaßt haben, kennen doch das bekannte Wort eines ihrer Führer: „Hunde sind wir ja doch!" Uebrigens wäre eS falsch, für diese würdelose Handlung allein den hessischen Nationalliberalismus und den Heylsamen Einfluß der„Wormser Ecke" Veranttvortlich zu machen. DaS offizielle Parteiorgan, die in Berlin erscheinende„National- liberale Korrespondenz" und die hinter ihr stehenden„leitenden Kreise" waren die eifrigsten Rufer gegen den ersten Gießener Beschluß. Wenn einige nationalliberale Blätter ihn verteidigt haben und sich jetzt erregt gegen den zweiten wenden, so zeigt das nur die furchtbare Zerfahrenheit der Partei Drehscheibe. Daß der Gießencr Umfall diese Zerfahrenheit noch steigern wird, versteht sich. Alles, was sich im Nationalliberalismus noch etwas politischen Instinkt bewahrt hat, wird sich dagegen sträuben, daß die Partei ihr Schicksal an den sterbenden Schnapsblock kette— aber offenbar vergeblich. Und wer die Geschichte dieser Partei kennt, wundert sich nicht weiter über die würdelose Art. in der sie jetzt an ihrer Selbstvernichtung arbeitet. Und bedauert es ganz gewiß nicht. Die Sozialdemokratie jedenfalls sieht diesem Schauspiel mit kühler Gelassenheit zu. Der Erfolg ihrer Arbeit hängt nicht am Gießener Mandat. Aber selbstverständlich werden unsere braven Genossen in Oberhcssen alles aufbieten, der Rechten den Sitz zu entreißen; der elende Umfall der Nationallibcralen wird ihren Eifer verdoppeln�_ Gegen die Heylsgarde. Obgleich Freibm v. H-Yl, der Lederlönig von Worms, aus der nationalliberalen Partei offiziell ausgeschieden ist, übt er doch noch immer, da es ihm seine Mittel gestatien, mehrere Blätter z» aliinen- tieren und politische Agente» zu besolden, eine» beträchtlichen Ein- fluß auf den hessischen NationalliberaliSmuS aus. Auf seiye An- regung hin ist denn auch vor allem im Wahlkreise Gießen-Nidda der Professor GiseViuS als nationalliberaler Kandidat aufgestellt und Fühlung mit dem Bund der Landwirte gesucht worden. Die Agitation auf den« Lande wurde vornehmlich durch Agitatoren aus der sogenannten„Wormser Ecke' besorgt, und in der letzte» Zeit vor der Wahl ging auch die Leitung deS Wahlkampfes fast völlig in die Hände der Hehlsagenten über. Der Erfolg dieser Bemühungen der HeylSarmee besteht be» kanntlich darin, daß die Nationalliberalen des Wahlkreises Gießen- Nidda zwei Drittel der 1907 für den nationalliberalen Kandidaten abgegebenen Stimmen an die Fortschrittliche Volkspartei verloren haben. Dieses schöne Ergebnis der Heylschen Bemühungen um die politische Sanierung des Nationalliberalismus scheint doch endlich die nationalliberale Parteileitung, die bisher, da sie selbst ein Gemisch verschiedenartigster Tendenzen ist, den Heylschen Treibereien hilflos zusah, zu einem Eingreifen in die total zer, riitteten nationalliberalen Parteizustände Hessens bewogen zu haben, Sie hat den Abg. Stresemann nach Hessen geschickt, der gestern abend in einer Mainzer nationalliberalen Parteiversammlung ziem- lich grob mit dem Freiherrn v. Hehl und seiner auchliberalen »Wormser Zeitung' abrechnete. Er wies die Bevormundung und die Beschimpfungen der nationalliberalen ReichStagSfraktion durch die.Wormser Zeitung' auf das nachdrücklichste zurück, und zwar nicht als Einzelperson, sondern im Namen de» GesamtanSschusseS der nationalliberalen Partei, der einstimmig der Ansicht sei, daß die Sufsasiung der Parteileitung gerade in Hessen einmal entschieden zum Ausdruck ge« bracht werden müsse. Man sei nicht länger gesonnen, sich fortgesetzt angreifen zu lassen, ohne seinerseits Stellung gegen diese Angriffe zu nehmen, und werde auch in Zukunft sich in diesem Sinne betätigen. Wenn die Wormser den engsten Anschluß an den Bund der Landwirte suchen und wenn dort in einer nationalliberalen Versammlung der Vorsitzende Komnierzienrat Trumpler den Führer de» Bundes der Landwirte Dr. Diederick Hahn den besonderen Dank der Bersammlung ausgesprochen habe, obwohl doch gerade Hahn in Hannover erklärt habe, er wolle nicht rasten und nicht ruhen, bis der letzte Nationalliberale aus der Provinz verschwunden sei, so sei dies Borgehen mit der Selbstachtung der nationalliberalen Partei nicht in Einklang zu bringen. In der Debatte wies Rechtsanwalt Pagenstecher darauf hin. daß man gegenüber der„Wormser Ecke" lang genug geschwiegen habe, obwohl doch gerade die Herren in WorniL lange nicht mehr zur nationalliberalen Partei gehörten. Die fortschrittliche StichtvnhlParole in Giehen-Nidda. Gießen, 16. März. Die heutige Vertrauensmänner. Versammlung der Fortschritthchen BolkSpartei, die auch vom Lande zahlreich besucht war, beschloß, den Wählern zu empfehlen, in der Stichwahl für den Sozial- demokraten Beckmann zu stimmen. So hat also die Fortschrittspartei den einzig richtigen Weg eingeschlagen� der.iZr offen stand. Sie hat de» Mut zur Entscheidsing gefunden und' so selbstoerständlich das sein fcfflke, man darf das als einen Fortschritt buchen. Wenn jetzt die fort- schrittlichen Wähler ihre Pflicht tun, so wird dem Schnapsblock wieder ein Mandat entrissen werden. An der Sozialdemokratie Oberhessens wird es nicht fehlen. Mecklenburgische Verfaffungsmogelei. Der in Malchin tagende mecklenburgische Landtag hat sich heute mit den kürzlich von uns veröffentlichten kuriosen BerfassungSvor- schlagen der mecklenburg-schwerinschen Regierung beschäftigt, die, wie neuerdings verlautet, im wesentlichen einem alten auS der mecklenburgischen Pfahlbautenzeit stammenden Dokument entlehnt sein sollen: eine Herkunft, die zur Genüge den fossilen Charakter der Borschlöge erklären würde. Trotzdem nahm in der heutigen Sitzung die„Landschaft", das heißt die Gesamtheit der von den Städten entsandten Bürgermeister, die „Grundzüge" der Regierungsvorschläge über eine StmideSvertretling prinzipiell' an, und zwar nach den Erklärungen, die ihre Deputierten schon abgegeben haben. Sollte eine Ver- ständigling mißlingen, so hält sie an ihren früheren Beschlüssen fest. Die Ritterschaft lehnte den Borschlag des Erblandmarschalls von Lützow ob, welcher die Regierungsvorschläge direkt ablehnt, und erklärt sodann, sie halt« prinzipiell an dem ständischen Standpunkte fest. Sie wolle jedoch nach Möglichkeit dazn beitragen, daß etwas zustande komme, und sie lehne daher die.Grundzüge" der Regierung als Grundlage zu weiteren Verhandlungen nicht ab im einzelnen behalte sie sich eine Einschränkung vor und betone schon jetzt, daß sie den vorgesehenen allgemeinen Wahlen und der Verteilung der Abgeordneten- sitze nicht zustimme. ES ist doch etwas Schönes um den deutschen Liberalismus, be- sonders um jene Spielart, die in den mecklenburgischen Stadt- inagistraten gedeiht. Ob das Junkertum seine heutige übermächtige Stellung in Mecklenburg behält oder der verspießerte, bornierte AuchliberaliSmuS einen etwas größeren Einfluß im Landtage er- langt, das kann der mecklenburgischen Arbeiterschaft völlig Wurscht sein._ Tie Linksliberalen und das deutsch-englische Flottenabkommen. Die Auslassung der„Nordd. Allg. Ztg." über die AbnistungS- rede des englischen Staatssekretärs des Aeußern lvird vom„Berl. Tageblatt" freudig begrüßt und als eine Aussicht auf greifbare Vereinbarungen erklärt, die dem weiteren Anschwellen der Riistnngshochflllt Einhalt tun. Daö„Tagebl." sagt, daß die Regierung bei diewr prinzipiellen Aenderung ihres bisherigen Standpunkts die große Mehrheit der Nation hinter sich haben werde und hofft und wünscht, daß man auch im Parlament ihrem Beginnen lauten Bei- fall zollen werde. Dann folgt der Ausdruck des Bedauern» darüber, „daß selbst auf entschieden liberaler Seite diesen Gesinnungen bisher schon im Parlament nicht stärkerer Ausdruck verliehen, die Regieren- den nicht lebendiger zu dem allein vernünftigen Ziele hingedrängt worden sind. Wir hätten dann vielleicht doch schon früher auf den sicher Frucht versprechenden Boden gelangen können, dessen Betrete» wir heute mit Freuden begrüßen". Das„Tageblatt" färbt etwas zu schön, wenn eS bedauert, daß die Fortichrittler diese» Gesinnungen bisher schon im Parlament nicht stärkeren Ausdruck gegeben haben. Es hätte bedauern messen, daß der Fortschritt im Jahre 1909 der Arbeit für diese Idee direkt Hindernisse in den Weg gelegt hat. Am 29. März jenes Jahres wurde die sozialdemokratische Resolution, die den Reichskanzler aufforderte, Schritte„für eine internationale Verständi- gung der Mächt« zur gegenseitigen Begrenzung der Rüstungen zur See.sowie zum Verzicht auf doS Seebeuterecht" zu unternehmen, von allen bürgerlichen Parteien, einschließlich der Fortschrittler, niedergestimmt. Der Abgeordnete Nanmamr war der einzige Bürgerliche, der sich zu ihr zu bekeiM» wagte 1_ Allerlei Kleinigkeiten aus dem preußischen Staatshaushalt. Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigt sich zur Zeck nzit dem„Etat", das heißt der Festlegung der Einnahmen und AuS- gaben des preußischen Staates für dqs EtatLjghr vom 1. April 1011 bis 31. März 1912. Unter der Menge der aufgeführten Zahlen be- finden sich auch solche, die nach mehr als einer Richtung Jntepesse beanspruchen und die hier herausgegriffen werden sollen. Da ist z. B. der Etat der„General-Ordenskommission". Nicht weniger als 890 000 M.— im Vorjahre 220 000 M-— werden für die An- schaffung und Unterhaltung der Ordensinsignien verlangt. Es fehlt zwar nicht an Einnahmen— der Wert der zurückgegebenen allen Ordensinsignien ist mit 10 400 M. angegeben— doch sind diese recht niedrig/ Tie Steigerung der Ausgaben für diesen eigeg- artigen Zweck beweist, daß die Leute, welche Wohlgefallen an Orden haben, noch nicht im Aussterben begriffen sind. Sprechen doch die Erläuterungen zu der Ausgabeposition von den»stets zunehmende» Geschäften dieser Behörde". Der AuSgabeetat des Herrenhauses beläuft sich auf etwas über 300 000 M. Dagegen erfdrdert das HauS der Abgeordneten einen Betrag von fast 2 Millionen Mark. Die Reisekosten und Tagegelder für die 443 Abgeordneten sind auf 1050000 M. veranschlagt. Für „Geheime Ausgaben im Interesse der Polizei" ist der Betrog von 300 000 M. vorgesehen, für daS»Geheime Zivilkabinett deS Königs" sind 200 000 M. ausgeworfen. Da in dem Kabinett auch Reichs- angelegenhciten erledigt werden, beteiligt sich das Deutsche Reich an den VerwaltungSkosten mit 10000 M. Von den erzielten Ueberschüssen verschiedener Unternehmungen seien folgende aufgezählt: Porzellanmanufaktur 151 600 M., Tier- garten in Berlin 105 725 M..»Deutscher Reichs- und Preußischer Staatsanzeiger" 143 260 M., fiskalische Weingüter 447 000 M. usw. Der Justizverwaltung fließt aus Kosten und Geldstrafen ein Betrag von 109 245 000 M. zu. die Beschäftigung der Gefangenen bringt 6 624 000 M. ein. Die Reingewinne des Hauptgestütes Grabitz— auch auf solche Geschäfte wirst sich der preußische Staat— sind mit 400 000 M. veranschlagt. Die Lotterieverwaltung hofft 20 000 M. ans nicht abgehobenen Gewinnen einzunehmen. Der§ 1936 d�Z Bürgerlichen Gesetzbuches, welcher dem Staat die herrenlosen Erb- schaflcn zuweist, soll 82 000 M. einbringen. Da« Kriegsministerium will lediglich für„Aufwendungen für das Berliner Zeughau«" in«- gesamt zirka 200 000 M. haben. Diese auffällig« Bescheidenheit hat ihren Grund darin, daß das Reichsheer ja au» Reichsmitteln er- halten wird._ Die Pest in Dentsch-Ostafrita. Aus Dcutsch-Ostafrikcr wird vom Gouverneur telegraphisch gemeldet, daß in Muansa am Vittoriasee neuerdwgs die Pest auftritt. Nach den eingegangenen Berichten sind bisher vier Todesfälle vorgekommen._ Ter Landtag für Oldenburg erledigte nach dreitägiger Debatte die Novellen zum Einkommen- und Vermögenssteuergesetz in erster Lesung. DaS Gesetz von 1906 hatte statt der befürchteten Mindereinnahme von 600 000 M. gleich im ersten Steuerjahre einen Ueberschutz von 636 000 M. erbracht. Die Regierung beantragt« deshalb eine weitere Hinauffetzung der Lteuergrenze von 400 auf 450 M. Unsere Genossen forderten: die Grenze auf 500 M. festzusetzen, die Steuersätze bis zu 2000 M. zu «nnäyigen und den Kinderparagraphen wesentlich zu bcrvessern. Unsere Anträge wurden abgelehnt, nur wurden auf Grund des Kinderparagraphen etwas höhere Abzöge zugestanden.— Anstatt der Besteuerung nach Haushaltungen wurde die Emzelbesteuerung beschlossen. Ein Antrag, der von der LandtagSmehrheit angenommen wurde, bezweckt die Steuerfreiheit der landwirtschaftlichen Genossenschaften und die Besteuerung der Konsumvereine. Unsere Genossen kündigten für die zweite Lesung einen Antrag auf Steuerbefreiung für samt« liche Genossenschasten an. Die Regierung erklärte, sie werde sich dagegen nicht ablehnend verhalten. Mit 19 gegen 15 Stimmen wurde die Regierung ersucht, die Einführung einer.Ledigensteuer" zu prüfen. Ferner wurde ein An- trag angenommen, bei der Steuerveranlagung der Kriegsveteranen 300 bis 500 M. nicht anzurechnen. Unsere Genossen wairdten sich gegen diese Anträge. Bei der Novelle zum Vermögenssteuergesetz wurde der Ne- gierungsantrag, nach dem die Steuer schon bei 70 000 M. anstatt erst bei 100 000 M. mit 1 für das Tausend einsetzen soll, gegen sieben Stimmen abgelehnt. Unsere Genossen stimmten für den Antrag._ Der„Jrrlehrer". Am Mittwoch fand in Köln die Repräsentantenwahl der evan» gelischen Gemeinde statt. Die Kirchlich-Liberalen erhielten 3200 und die Positiven 1410 Stimmen. Damit fällt der Jatho-Partei die Dreiviertclmajorität in der Kirchenvertretung der evangelischen Gemeinde zu. ES wird angenommen, datz das Wahlergebnis nicht ohne Einfluß auf das gegen den Pfarrer Jatho schwebende Hochnot- einliche Jrrlchreverfahren bleiben werde. „Minderwertige" Kricgervereine. Der Bezirkslommandeur in Kreuznach hat einen geheimen Erlaß ergehen lassen, in dem den O f f i z i e r e n die Teilnahme an den Monatsversammlungen solcher Äriegervereine geradezu verboten wird, deren Vorsitzende nickt Offiziere find. Von der Maßregel sind vier Vereine betroffen worden, darunter auch der Kriegsvereranenverein. der unter der langjährigen Leitung dcS LandtagSabgcordneten für Kreuznach steht. Die von dem Geheim- erlaß betroffenen Vorsitzenden sollen sich an das Koblenzer General- kommando gewandt haben, um die Aufhebung der Maßregel zu er- langen, die in so vornehmer Art die Untcrsckeidung zwischen.voll- wertigen" und �minderwertigen" Kriegervereinen trifft. Der Selbstmord eines Rekruten. � Vor mehreren Wochen verursachte die Mitteilung der Ver- ßweiflungstat des Grenadiers Rietz vom 3. Garde-Regiment großes Aussehen. R. hatte sich aus der Mannschaftsstube zum Fenster «uf den Kasernenhof hinuntergestürzt. Wie es hieß, war er durch Mißhandlungen in den Tod getrieben worden. Gestern wurde der Fall vor dem Kriegsgericht der 1. Garde- tnvision verhandelt. Angeklagt war der Unteroffizier Neuenseld, der Korporalschaftsführer des Rietz. Er hatte sich wegen vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zu verantworten. Die längere Beweisaufnahme sollte Klarheit darüber er- geben, ob der Angeklagte die Schuld an dem Selbstmord des Grenadiers Rieß trägt. Rieß war ein guter Soldat, der sich alle Mühe gab, den Anforderungen des Dienstes nachzukommen. Im Januar bekam er eine Furunkel am rechten Arm. Er wurde deshalb auf Revier geschickt und dann vom Außendienst lusvendiert. Eines Morgens traten die. Mannschaften der Neuenfeldschen Korporalschaft auf dem Korridor zum Stiefel- putzen an. Neucndorf befahl dem Grenadier Grosse, in die Stube an den Ofen zu gehen und dort zu putzen. Die Tür schloß N. hinter, sich, und während die anderen Diannschaften draußen weiter putzten, befahl er dem G. fortwährend, die Stiefel und hie Bürste niederzulegen und wieder aufzuheben. G. will in dieser Weise etwa funfzignial behandelt worden sein. Hierauf mußte er btt Stiefel mit Wichse einschmieren, blank machen, dann wieder ein- "schmieren und dies mehrere Male wiederholen. Sodann wurde auch Rieß ins Zimmer gerufen, mit dem das gleiche vorgenommen wurde. Als er dem Unteroffizier erklärte, er könne nicht putzen, da er eine Furunkel habe, erwiderte ihm N. er solle mit der linken Hand putzen. Die beiden Rekruten wurden von den Anstrengungen schließlich ganz rot. Terfi R. wurde die Sache schließlich doch zu viel. Er warf plötzlich dem Unteroffizier den Stiefel und die Bürste vor die Füße und rief: „Jchputzenichtweiter. Jchbindochni cht verrückt!" In tzißsepi Augenblick trat der Unreroffizier Clause in die Stube. Er erklärt? oem N., dieser müsse die Sache zur Meldung bringen, er werde sich doch nicht noch ins Gefängnis bringen wollen. Darauf fragte N. den Rieß, ab er ihn melden solle, R. er- widerte nichtZ; er eilte aus die Nebcnstube und stürzte sich aus dem Fenster. Ter Unglücklicke starb noch an demselben Tage an den schweren Verletzungen, die er sich bei dem Sturz zugezogen hatte. Der Vertreter der Anklage war der Meinung, daß der Ange- klagte die Hauptschuld an dem Selbstmord trage, und er bean- t ragte deswegen eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Das Kriegsgericht war der Ueberzeugnng, daß den Angeklagten ein mittelbares Verschulden an de in Tod des Grena- diers treffe. Zwrsck�n der vorschriftssvidrigen Behandlung und dem Selbstmord bestehe jin Kausalzusammenhang und die zufällige Folge der vorschriftswidrigen Behandlung müsse erfchwe- rcyd bei Abmessung der Strafe ins Gewicht fallen. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte ein noch junger, unbestrafter Unter- offizier ist, wurde von einer Gefängnisstrafe Ab- stand genommenundauf sechs Wochen Mittelarrest erkannt. Sechs Wochen Mittelarrcst für die brutale Vernichtung eines Menschenlebens! Eine unbegreifliche Leistung der Militär- justiz. Und die Leute, die für diese Justiz schwärmen, entrüsten sich über die Gerichtszustände in der französischen Fremdenlegion! Oeftemich. Preußische«ud sächsische Schmach vsr dem Budgetauüschnsi. Wien, 15. März. BudgeiauSschuß. In der Fortsetzung der Be- ratung des Budgets des Ministeriums de« Innern im Ausschuß besprach Malit die Frage der AuSwersungen aus dem Deutschen Reiche und wandte sich gegen die von Kramarsch vorgeschlagenen Vergeltungsmatzregeln. Bei einer gegenseitigen An- Wendung der Ausweisungen würden die Oesterreicher im Deutschen Reiche sehr schlimm wegkommen.— P a ch e r erklärte, die Aus» Weisung slaviicher Einwanderer ouS Oesterreich durch die preußisch« Regierung würden durck die feindselige Haltimg der Tsckecken gegen das Deutsche Reich und gegen dessen Bündnis mit Oester- reich gewiß mit veranlaßt. Warum frage kein tschechischer Redner nach dem Schicksal der österreichischen Staatsangehörigen in der französischen Fremdenlegion? Beer(Sozialdemokrat) sprach sich gegen den im Staats. Voranschlag, eingestellten Posten für die Internationale Ausstellung für Hygiene in Dresden aus. ES handle sich um eine tendenziiisr Ausstellung, da die sächsisch» Re- girrung den deutschen Gewcrtschaftcn die Ausstellung van Gegen- ständen der Heimindustrie untrrfagt habe.— Rem er(Sozial- demokrat) erklärte sich für den weitestgehenden Schutz d erArbeiter gegen dieAusweisung auSDeutsch- land. doch sei« gegen jede Vergeltungsmaßnahmen. Portugal. Streikbewegung, Lissabe», 16, März. Die Arbeiterbelvegung nimmt einen großen Umfang an, da viele Arbeiterklassen sich mit den Strei- keii den von Setubak solidarisch erklären wollen. Es werden «roße Mgnifeststionkst erörtert. Sfiglancks Das Flottenbudge?. Lonbolt, 16. März. Im Unterhaus erklärte der erste Lord der Admiralität McKenna bei der Einbringung des Flotten- budgets, die Debatte am Montag mache es unnötig, sich heute mit der internationalen Politik zu beschäftige». Das Budget belaufe sich auf 4 4 Millionen Pfund und man könnte an einem solchen Zeitpunkt eine Anleihe vielleicht für ein nützliches Hilfs- mittel halten, aber er müsse darauf hinweisen, wie schädlich eine solche Politik wäre; England müsse eineallen überlegene Flott e nicht nur ein Jahr hindurch erhalten, sondern so lange, als das britische Reich bestehen bleibe, eine Anleihe sei aber nur ein zeitweiliges Hilfsinittel. Das Budget entspreche den Bedürfnissen der Flotte für ein Jahr und seine Ausgaben müßten daher aus den Einkünften des Jahres be- st r i t t.e n werden.(Beifall der Ministeriellen.) Rußlaucl. Ein echtrussischer Bube. Im Laufe der Abendsitzung der Duma vom Mttwoch wurde die Interpellation über die Vorgänge an den Hoch- schulen erörtert. Das Mitglied der äußersten Neckten O b r a s s o w sprach Über die F r a n e n h o ch s ch n l e n und beschirm, sie die Höre- rinnen, indem er behauptete, daß sie während der Revolutionszeit sich zu Hunderten triinkenc» Matrosen angedote» hätte», um ihre Propagandn erfolgreicher zu betreibe». Diese Worte riefen leiden- schaftliche Proteste auf der linken Seite des HnnseS hervor. Man hörte die Rufe: Herunter mit dem Schuft! und es entstand ein furchtbarer Lärm, der sich irotz aller Beschwichtigungsversuche des Präsidenten immer mehr steigerte. AIS Obrasiow weiter zu reden versuchte, forderte ihn der Präsident auf. die Tribüne zu verlassen, da die einstündige Redcsrist verflossen sei. Dies rief auf den Bänken der Rechten einen Sturm hervor. Der Präsident schloß die Sitzung unter großem Lärm, Mitglieder der Linken und der Rechten eilten zur Rednertribüne, dock die Beamten des Hauses stellten sich da- zwischen und verhüteten«inen Zusammen st oß, Erst als die elektrische Beleuchtung abgestellt wurde, verließen die Deputierten allmählich den Saal. Ckina. Ter Konflikt mit Rußland. Peking, 16. März. Die Regierung kündigte an, daß sie bereit sei, der Errichtung der Konsulate unabhängig von der Regelung der Zölle zuzustimmen, die gesondert erörtert werden können. Ebenso werden sie bemüht sein, die unangenehm empfundenen Monopole einzuschränken. Tie Bevölkerung beginnt sich mit der Führung der auswärtigen Politik unzufrieden zu zeigen. Die Provinz ialverfamm» lungen verlangen dringend die Einberufung einer Reichsvers ammlung. die zahlreichen Anhänger von Uuanfchikai befürworten feine Rückberufung. Bmerika. Bcrschlcchteruna der amerikanisch-mexikanischen Beziehungen. London, 16. März. Tie offizielle Antwort Mexikos auf ein Verlangen nach Auslieferung zweier auf meri- konischem Boden verhafteten Amerikaner liegt noch nicht vor, doch verlautet, sie werde ablehnend sein. Beide Regierungen stijdcn ihre Haltung auf offizielle Berichte. Augenscheinlich ist auch die Landeszugebörigkeit des Gebiet?, wo die Verhaftilngen vorgenommen» wurden, strittig. Angel-- lich befinden sich viele andere Amorikan er in mexikanischen Gefängnissen. Viele davon sollen unschuldig sein. Die Blätter erklären, die Hin r ich» tung der gefangenen Amerikaner, wie Liman- tour angedeutet habe, würde einen solchen Entrüstungssturm entfachen, daß die Truppen nicht diesseits der Grenze zu halten wären. Die Lage in Mexiko. New Birk» 16. März. Nach einem Telegramm auS per Stadt Mexiko hat der permanente Ausschuß des Kongresses einstimmig die Vorlage angenommen,, welche die konstitutionellen Garantien für die Dauer von sechs Monaten aufhebt. Mexiko, 15. März. Die Regierung veröffentlicht eine» Bericht über die N i e d e r l a g e der Insurgenten bei Casas Grandes. der besagt, dqß 57 Mann gefallen seien. Die gefangenen AuS- ländcr würden human behandelt werden. Die Aufständischen nahmen nach zweitägigem Kampfe Tarn» ei». Soziales. Ausbeutung von AnSliinderni Zu Tausenden strömen jetzt wieder die polnischen „Sachsengänger" ins Land, und an der Grenze ist der Sklavenmarkt in vollem Gange. Tie Hauptperson auf diesem Markte ist der Agent. Alle Sachkenner sind sich darüber klar, daß diese Agenten eine wahre Plage sind. Das zeigen auch die Ausführungen des durchaus konservativen v. Stofenkin, der die Frage der Saisonarbeiter in der Landwirtschaft gründlich bearbeitet. Dabei treiben diese Element? ihr Wesen unter den Augen der preußischen Behörden! In Gakizien und Rnssisch-Polen grassieren diese Agenten heute schon viel weniger. Der Hauptgrund ist, daß die Ar- beiter mit der Zeit etwas Erfahrung gesammelt haben und in der Heimat sich nicht mehr so leicht für das Elend in Preußen-Teutschland einfangen lassen. Es ist vorgekommen, daß Agenten, die gar zu frech logen, in den polnischen Dörfern von erfahrenen Sachsengängern überführt und windelweich geschlagen wurden. Deshalb wenden sie heute ein anderes Shstem an. Sie werben keine Arbeiter jenseits der Grenze an, sondern lassen sie ohne Vertrag nach De,>tschland locken und warten, bis die Leute nach Preußen kommen. Der Zustrom ist gewaltig. Viele Tatlsende von Arbeitern kommen nach den Grenzorten und die Agenten, die schon im voraus Bestellungen auf die Menschenware erhalten haben, suchen sich nun„das Material" aus. Auch soweit die Unternehmer sich an die durch die Legitimationskartengeldcr gespeiste Feld- arbeiterzentrale wenden, geschieht die Anwerbung durch Agenten, die Zentral? arbeitet jihfrgll mit diesen. Co bleiben die Agenten Herren der Lage, und nur der immer, hin geringe Teil von Arbeitern, die auf die gleichen Gutshöfe zurückgehen, auf denen sie im vorigen Jahre arbeiteten, kann sich diese Elemente vom Halse halten. Das Legitimations- kartensystem hat das Uebel in hohem Grade verschlimmert. Denn jetzt ist der Arbeiter gar nicht mehr in der Lage, sich in Deutschland Arbeit zu suckzen, wo es ihm paßt: der Gendarm läßt ihn den Grenzort nicht passiereir, bevor er die Kgrte hat, und diese ist stur durch den Agenten zu haben. Marktplätze dieses Menschenhandels sind fast alle Grenz- orte. Die Hauptstapelplätze aber sinh die Knotenpunste der EisenBaIllMt MhZIsW, Kailowitz, KmlMrg, SftrvM, Thoxn.. Im dringenden Interesse der auSländi- scheu Arbeiter selb st liegt es, Deutschland fernzubleiben, denn die Versprechungen der Agenten sind in vielen Fällen lediglich Vorspiegelungen und die ausländischen Arbeiter, die sich zur Annahme von Arbeit in Deutschland haben verleiten lassen. fühlen sich hernach recht- und schutzlos. Entgegen den Staatsverträgen anerkennen die Behörden ein Rocht der ausländischen Arbeiter auf Aufenthalt in Deutschland nicht. Verlust des sauer erarbeiteten Verdienstes, Verhaftung und Ausweisung ist in vielen Fällen das Los von Arbeitern gewesen, die im Vertrauen auf Recht und Gerechtigkeit sich nach Deutschland locken ließen und denen der Arbeitgeber das nicht zahlte. wozu er nach Ansicht der Arbeiter auf Grund des Ver- tragcS verpflichtet war. Die ausländischen Arbeiter werden in Deutschland als rechtlose Lohndrücker gegen die Bestrebungen der deutschen Arbeiter nach besseren Lohn- und Arbeitsbedingungen mißbraucht. Ausländische Arbeiter, deren Rechte in Deutschland miß- handelt wurden, haben die Kunde von der rechtlosen, traurigen Lage der ausländischen Arbeiter nach ihrer Heimat gebracht. ES mißlingt infolgedessen und dank der Aufklärung der Ar- beiter durch die Sozialdemokratie der Versuch, Arbeiter aus den Grenzdistrikten nach Deutschland zu locken. Sie werden jetzt auS entfernter liegenden Gegenden nach den Grenzorten gelockt und find— dort angekommen— der schlimmsten Ausbeutung preisgegeben. Dringend i st deshalb erneut vor dem Zu- zug nach Deutschland zu warnen. Die aus- ländischen Arbeiterbrirder sollten ihre aufklärende Arbeit nicht auf die Grcnzdistrikte beschränken. Haben Arbeiter Verträge, wie sie von der deutschon Feldarbeiterzcntrale benutzt tv erden, ab- geschlossen, so sind sie in Deutschland völlig rechtlos, weil entgegen den Staatsverträgen ihnen sofort die Ausweisung droht, sobald sie mit ihrem Arbeitgeber in Konflikt kommen, und weil die Verträge, wie wir wiederholt dargelegt haben, geradezu eine Prämie auf Vertrags- b r u ch des Arbeit g e b e r S setzen. Arbeitsverdienst und Lebenshaltung. Zu den Hilfstruppcn dcS Unternehmer- und Agvariertums, die dieses in seinen arbeiterfeindlichen'Bestrebungen nach Kräften unterstützen, zahlt neben einer Reihe von superklugen ErnährungS- Physiologen eine ganze Schar von GewcrbcauflichtSbeamtcn, über deren tiefgründige volkswirtschaftlichc Weisheit in Arbeiterfragen man sich oft genug schon gewundert hat. Der Unternehmer ruft staatliche Hilf« mit Maschinengewehren herbei, wenn die Arbeiter durch die künstliche Belastung der Lebenshaltung infolge der in- direkten Steuern und besonders tiefe Löhne zu einem Sjreik ge- trieben werden. Mancher Ernährungsphysiologe und Gewerbe- aufsichtsbeamte wartet ihn als ergebenster Diener auf. Solche Kräfte preist dos Unternehmertum als unfehlbare wissenschaftliche Größen oder hervorragende Fachleute. Diese Herren sollen dartun, mit wie wenig ein Arbeiter auskommen kann. Da wird in einer vom kaiserlichen Gesundheitsamt herausgegebenen Schrift eine An» Weisung gegeben, wie der Arbeiter durch größere Sparsamkeit im Essen sich seinen Hungerlöhnen anpassen kgnn, Man schlägt ihm folgende Kost vor, die den Nähxpedärf eines Mannes pro Tag mit 58 Pfennig decken syst! 600 Gramm Roggenbrot, 500 Gramm Mager- milch, 460 Gramm Kartoffeln, 150 Gramm mittclfcttes Rindfleisch, 156 Gramm Erbsen, 40 Gramm Reis, 35 Gramm Schmolz, 20 Gramm Magerläse. Es ist zum Glück nicht gesagt,(pclche Qualität beim Einkauf zu bevorzugen ist: man kann sie sich bei einem Ge- samtkostenaufwand von 58 Pfennig bei diesen teuren Zeiten un- gcfähr denken. Die Herren im kaiserlichen Gesundhe tsguft wüxdcn bei dieser Art„Nahrung" wahrscheinlich nicht lange gesund bleiben, aber für den Arbeiter muß natürlich zu Nutz und Frommen der Unternehmer irgend«ine tiefe Lebenshaltung ersonnen werden. Womit soll man denn sonst die plausiblen Klagen von sozialistischer Seite im Parlament und in der Presse widerlegen? Etwas ver. nünsliger ist schon der Physiologe Paul Mombcrt, der in seinem Buche„Das Zlahrungswesen" sich doch immerhin schon auf 62 Pf. im Durchschnitt für den Ernährungstag eines Erwachsenen auf» schwingt. Ja er gewinnt es sogar über sich zu ert'tären, daß dabei nur die„Berücksichtigung der allernotivendigsten Stoffe erfolgt und die Ausgaben für Genußmittel, wie Kasse, Bier, ganz außer acht gelassen" seien. Er gibt auch ferner zu, daß bei einer Ausgabe von 74 Pf. der„Fleischkonsum stärker" werde I Da? stellte er 1904 fest. Und wie verhält sich diese schöna theoretische Darlegung zu den heutigen Preisen? Die Beantwortung dieser Frage müßte daS Unternehmertum schon matt setzen. Aber wir wollen nur einmal fragen: Wie verhalten sich dies« Nohrungsmittelvorschläge zu den heutigen Erwerbslöhnen? Nach einer uns vorliegenden Statistik über den Wochenverdieust von Ehe- niännern in HildeSheim verdienten über 24 M. nr.r 0,8 Prozent von den Arbeitern, von 21—24 ganze 2,1 Prozent, 18—21 verdienten erst 5,7 Prozent, in der Klasse von 15— 18 M, befanden sich 13,1 Pro« zent Ehemänner, dann steigt die Prozentzahl rapide mit dem Gc« ringerwerden des Lohnes: 12— 1B M. Wochenverdieust erzielten 85,1 Prozent, bis 12 M. aber 48,2 Prozent I Also die überwiegende Mehrzahl dieser Ehemänner verdient nur bis zu 12 M. die Woche, das sind pro Tag noch nicht 1,72 M. Kinder sind bekanntlich der „Segen des Himmels". Besitzt die Mehrzahl der mit dieser Be» soldung Abgefundenen diesen Segen blas in einfacher Gestalt, dann muß ex selbst bei dem Rezept des kaiserlichen Gesundheitsamtes Hungers sterben! Es bleibt ihm tatsächlich nicht einmal zur Be- friedigung des allcreinfachsten, des notwendigsten Existenzbedürf- nisseö, der Nahrung, der erforderliche Unterhalt. Wo bleiben nun Wohnung und Kleidung? Wo bleibt die geringste Rücklage für die Zeit von Not und Krankheit? Bei der vorstehenden Rechnung ist der Satz von 12 M. zu» gründe gelegt. In verschiedenen Industriezweigen der Oppelner Gegend aber schwankt der Wochenlobn zwischen 6,72 M. bis 11,25 Mk. Wie ist es möglich, bei einem derartigen Verdienst überhaupt zu existieren? Für 6.72 M. frißt ja unter Umständen der Jagdhund eine? Großagrariers pro Woche! Aber man täuscht sich, wenn man glaubt, das kaiserliche Gesundheitsamt habe mit seinen 58 Pf. einen Rekord nach unten hin aufgestellt. Dies Ver» dienst, gebührt einem Gewcrbeinspektor für den Bezirk KottbuS, der die notwenpigesi Jahresausgaben für eine Familie von vier Personen auf 837 M. berechnet«, und zwar Miete jährlich 82 M.. Feuerung 50 M., Kleidung und sonstige Ausgaben 80 M. Essen und Trinken pro Person wöchentlich 3 M.. also pro Tag noch nicht ganze 43 Pf. DaS sind Zahlen, bei denen einem schwindlig werden kann vor lauter Hunger, die aber zugleich auch den fürchterlichen Beweis erbringen für die unglaubliche Auspowerung der arbeitenden Klassen, deren Unterernährung in Anbetracht der heutigen exorbitant hohen Nahrungsmittelpreise bei diesen Löhnen gar seine Frage fein kann. Und 42 Proz. der preußijchcn Ctaatz, bürg« hohen gar ein Einkommxn pntex M M. OcwcrhrcbaftUcbc«. Die Behandlung des ausländ! fchen Landarbeiters In Deuticbland. Es lohnt sich, hin und wieder die amtlichen Zeit schriften der preußischen Land Wirtschafts k a m m e r n durchzublätteru. Wenn sie in der Regel auch nicht gerade Dokumente der Kultur sind,„Kulturdokumente sind sie doch oft. Behandelt wird heute der landwirtschaftliche Arbeiter immer noch am liebsten wie der chinesische Kuli; nur daß er noch etwas mehr Lohn bekommt und nicht allein mit der Reitpeitsche kommandiert werden kann, tut den Herren von Ar und Halm leid. Aber im übrigen genießt, wie schon gesagt, der Landarbeiter genau dieselbe Wertschätzung wie der Kuli, der entrechtetste und ausgebeutetste aller Proletarier der Welt. So steht in der neuesten Nummer des Organs der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg das folgende schöne Inserat: Land- und Industriearbeiter wie polnisch-russische, Ruthenen und G a« l i z i e r liefert die i r m a Pcpinski u. Co. Kommanditgesellschaft Pommern. Die„Lieferung" von polnisch-russischen, ruthenischen und galizischen Land- und Industriearbeitern scheint demnach in der Redaktion der amtlichen Zeitschrift der brandenburgischen Landwirtschaftskammer etwas Alltägliches zu sein. Es kann nicht einmal an genommen werden, daß es sich hier um eine einmalige Enk gleisung handelt, diese Behandlung des Landarbeiters ist Selbstverständlichkeit. Dies beweist auch die folgende schwarze Liste „kontraktbrüchiger" Landarbeiter, die in der selben Nummer des amtlichen Organes, das noch nicht eim mal zu den ostelbischsten seiner Art gehört, veröffentlicht wird. Das Schriftstück sieht folgendermaßen aus: ' Nachweisung der im Januar 1911 zur Kenntnis de? Arbeitsamtes der Landwirtschaftskammer gelangten Kontraktbruch- fälle in la ndwirtschaftlichen Betrieben der Pro- vinz Brandenburg. Die Polizei- und Gemeindebehörden werden ersucht, geeignete Maßnahmen zur Ermittelung der Personen mit unbekanntem Aufenthalt zu treffen und Nachrichten darüber sogleich an das Landratsamt und an das Arbeitsamt, Koppen- straße 94, Berlin, gelangen zu lassen. Die Herren Landwirte wollen in eigenem und öffentlichem Jntereffe jeden vorkommenden Fall von Kontraktbruch dem Arbeitsamt mitteilen, welches das weitere veranlaffen wird.> Berlin. Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg. So Wird dann hinter 18 und 20 jährigen jungen Leuten hergejagt, die erst aus einer weltfernen Gegend„geliefert" worden sind, und natürlich in der Regel gar keine Ahnung von der verzwickten preußischen Antiausländergesetzgebung haben, die nur zu dem Zwecke eingerichtet worden ist, die Landarbeiter zu Sklaven ihrer Herren zu machen. Berlin und Clmgegend. Die Holzarbeiter in der Tischbranche, Tischler, Poliere?, Ma- schinenarbeiter, Teilarbeiter sowie die ungelernten Hilfsarbeiter, versammelten sich am Sonntag vormittag im„Englischen Garten" zur Besprechung der Lage im Gewerbe. K l i n g n e r referierte über die Bestrebungen der Tischfabrikanten, in den eigenen Reihen eine Ordnung, die durch die Schmutzkonkurrenz bedroht ist, aufrecht- zuerhalten. Sie wollten grundlegende Preise für die gangbaren Muster durchsetzen, was sich aber praktisch als nicht durchführbar erwies. Sie haben auf ihrer kürzlich abgehaltenen Tagung einen „Arbeitsausschuß" eingesetzt, der Borschläge machen soll, was am besten zu tun sei. Früher wurden die Tagungen der Unternehmer hauptsächlich mit Schimpfereien über die Gesellen ausgefüllt. Das hat aufgehört, man hat eingesehen, daß die Gesellen den Gang der EntWickelung nicht verschulden, die auf der einen Seite große Be- triebe mit allen modernen Einrichtungen hervorbringt und auf der andern die vielen kleinen Meister mit einem oder zwei Gesellen und mit Lehrlingen übrig läßt. Der Krieg mit den Möbelhändlern hat die Lage für Berlin verschärft. Berlin wird von den Händ- lern boykottiert; maffenhaft kommen Möbel aus der Provinz, die sonst hier hergestellt wurden. Die Zahl der Arbeitslosen ist da- durch sehr groß geworden. Die Arbeiter sind durch die EntWicke- lung der Dinge ebenfalls in eine schwierige Situation geraten, wie aus dem Bericht der Branchenkommission, den R e ck l i n g erstattete, hervorging. Durch die immer weiter schreitende Teilarbeit mehrt sich die Zahl der ungelernten Arbeiter in den Fabriken. Gelernte Tischler tverden vielfach entlasten und Teilarbeiter dafür eiuge- stellt; die Arbeitslöhne sinken. Mit der Frauenarbeit, die häufig zur Verwendung kommt, müssen die gelernten Arbeiter wie die ungelernten rechnen. Da sich manche Gegensätze dadurch ergeben haben, daß die gelernten Arbeiter dem Holzarbeiterverbande, die ungelernten aber dem Transportarbeiterverbande angehören, haben die Verbände eine Verständigung miteinander gesucht. Vertreter des Transportarbeiterverbandes waren anwesend. In einer An- spräche begrüßte ein Vertreter die Anbahnung einer Verständigung und wies auf die Metallindustrie hin, in der auch die Hilfsarbeiter eine große Rolle spielen. Man werde hoffentlich zu einer Rege- lung der Verhältnisse kommen können, die im beiderseitigen Jnter- esse liegt.— Die gemachten Vorschläge zielten darauf hin, daß ein Mindestlohn eingeführt werden sollte, daß der Arbeitsnachweis regelmäßig in Anspruch genommen werde und daß der Beitrag Tum Holzarbeiterverband für diejenigen ermäßigt werde, die nur oder 24 M. pro Woche verdienen. Diese Vorschläge wurden der eingesetzten Kommission überwiesen, die auch in bezug auf Ver- Handlungen mit den Unternehmern Vollmacht erhielt. Berichtigung. Zu dem Bericht über die Versammlung der in der Gelbmetallindustrie beschäftigten Arbeiter ist richtig zu stellen, daß die Firma N i e m a n n ihren Sitz nicht in der Wusterhausener Straße, sondern in der Kommandantenstraße hat. Deuischer Metallarbeiter-Verband. Ortsverw. Berlin. Der Streik der Schildcranmacher und Helfer dauert unverändert fort. Eine zufriedenstellende Verständigung bei den Firnren Otto Grund u. Co., Wassergasse 3; Wilhelm B a r t e l. Molken- markt 1; Koch u. Bein, Ritterstr. 49; P Ep l i n i u s, Schönhauser Straße 12; P, Sonntag u. Co., Boyenstraße 11; Schmiedel, Linkstr. 42; Borstendorf, Schöneberg, Haupt- straße 9; R. P ö t s ch, Alte Jakobstr. 72; Rogosch m Firma Teichert u. Planer, Schicklerstr. 8; Paul Voigt, Neue Königstr. 42; Wilh Rum p ff, Linienstr. 154a; Otto Krause, Dresdener Straße 77, konnte bisher noch nicht herbeigeführt werden, abgesehen von einigen unverbindlichen Aussprachen, die bin und wieder bei einigen Vereinsmitgliedern stattgefunden haben. Bei den Firmeir Otto Grund u. Co., Wilh. B a r t e l und R. P ö t s ch ist die„Hintze-Garde" in Aktion getreten. Da General H i n tz e be kanntlich durch eine längere Uebung vom Wirkungsorte ferngehalten wird, so wird er bei diesem Streik von dem Öbergelben K a c z marek vertreten. Sämtliche Arbeitswillige dieses Schlagessollen mit Revolvern, Gummischläuchen und Schlagringen ausgerüstet sein. Die Polizei gibt sich wie üblich die erdenklichste Mühe, diese Helden zu schützen. Die Schilderanniacher ersuchen die organisierte Arbeiterschaft und die Herren Geschäftsinhaber und vor allem die Herren Nestau rateure nochmals, doch darauf zu achten, daß Schilderarbeiten nur von organisierten Arbeitern ausgeführt werden. Anmacher und Helfer, die bei Firmen arbeiten, die den Lobnvertrag anerkannt haben, befinden sich im Besitze einer roten Legitimationskarte. I Zur bevorstehenden Lohnbewegung in der Damenkonfektion. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen entfaltet in den verschiedenen Stadtteilen Berlins eine lebhafte Agitation, um endlich einmal auch unter den Arbeitern und Arbeiterinnen der Damen konfektion der Organisation die Stärke zu verschaffen, die zu einer gründlichen Regelung und Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse notwendig ist. Diesem Zwecke diente auch eine öffent- liche Versammlung der Bügler auf dem Wedding, die am Montag bei Haffmann in der Paiewalker Straße stattfand.„Was können die Bügler für die bevorstehende Lohnbewegung in der Damen- konfektion tun?" so lautete die Frage, über die der Referent S a b a t h sprach. Es ist ja bekannt, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in der Damenkonfektion so erbärmlich sind, daß eine Verbesserung und tarifliche Regelung dringend notwendig ist. In anderen Branchen ist es dem Schneiderverband in den letzten Jahren in immer größerem Unifange gelungen, solche Verbesserung und Regelung zu schaffen, z. B. in der Herrenmaß- brauche, in der Kostüm'chneiderei und auch in der Herrenkonfektion, sogar in großen Bezirken mit zum Teil ländlicher Bevölkerung, wie im südwestdeutschen Lohngebiet, wo es im verflossenen Jahre gestützt auf die Macht der Organisation gelang, ohne Kampf einen neuen Tarifvertrag abzuschließen, der recht ansehnliche Verbesserungen der Lohnverhältnisse brachte. An anderen Orten waren die Lohnbewegungen mit großen Kämpfen verknüpft, aber auch in diesen Fällen blieb der Erfolg auf seilen der Arbeiterschaft. In mancher Hinsicku bilden die Zustände in Berlin ein Hindernis des Fortschritts im Reiche, wo die 'eklionäre bei Lohnforderungen der Arbeiterschaft immer wieder ren, daß sie die Arbeit in Berlin viel billiger hergestellt er« n. Hier in Berlin haben die Preisdrückereien einen solchen mg angenommen, daß sich auch unter den Zwischenmeistern die rzeugung geltend gemacht hat, daß es so nicht weitergeben e, und daß sie gemeinsam mit der Arbeiterschaft für eine Re- rg der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sorgen müßten. Die idbedingung, um etwas zu erreichen, ist natürlich eine starke misation auch unter den Arbeitern und Arbeiterinnen Damenkonfektion. Der Schneiderverband kann eine Lohn- guug nur dann mit vollem Erfolg durchführen, wenn ein ernstes Sie sind vermöge ihrer Stellung im Uroduktions- Prozeß am besten in der Lage, die Arbeiterinnen untMibrigen Ar- beiter der Damenkonlektion auf die Notwendigkeit der Organisation aufmerksam zu machen, und sie haben ein persönliches Interesse daran, weil auch die notwendige Verbesserung ihrer eigenen Verhältnisse nur in gemeinsamem Streben mit der großen Masse der KonfeklionS- arbeiterschaft erzielt werden kann.— Diese Ueberzeugung wurde auch in der Diskussion lebhaft hervorgehoben, und es zeigte sich. daß die Versammelten ernstlich entschlossen waren, mit aller Kraft ur die Sache einzutreten._ Zur Aussperrung&ej Rauchwarcnzurichter. Die» durch einen schnöden Vertragsbruch des Arbeitgeber� Verbandes herbeigeführte Aussperrung der Rauchwarenzurichrer in Berlin, Lindenau, Markranstädt. Röthau und Schkeuditz dauert fort. In Hamburg gelang es, eine Einigung zu erzielen, und wurde dort am 7. März die Arbeit wieder aufgenommen. Die Zurichtereibesitzer werden bei dieser Aussperrung von den Rauchwarenhäudlern insofern unterstützt, als deren Vorstand seine Mitglieder aufgefordert hat, mit Rücksicht auf die zurzeit bestehende Aussperrung möglichst lange Lieferungsfristen zu gewähren. Wenn auch die Rauchwarenhändler sters auf schnelle Erledigung ihrer Aufträge drängten, so benutzen sie die diesjährige Aus- Perrun g zu doppeltem Zweck. Einmal, um sich ihren Älassengenosscn im Arbeitgeberverbande der Rauchwarenzurichtereibesitzer gegenüber solidarisch zu zeigen, dann aber auch, um möglichst zu verineiden. )aß frische Ware auf den Markt kommt, um so den in letzter Zeit ast allgemein eingetretenen Preisrückgang der Rauchwaren abz». et) wachen und dadurch in die Lage zu kommen, die durch den schlechten Geschäftsgang des letzten Winters unverkauften alten Läger ohne Ver- lust umzusetzen. Unier Vorsitz des Herrn Stadtrat Zopff-Leipzig fanden am 21. Februar die ersten Einigungsverhandlungen statt, die aber zu keinem Resultat führten. Auch bei der weiteren Verhandlung am 2. März wurde eine Einigung nicht erzielt, weil die Arbeitgeber es rundweg ablehnten, die Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen in das Ver- tragsverhältnis einzubcziehen und weil sich der Vertrag nach Ansicht der Arbeitgeber nur auf sdie Betriebe erstrecken soll, in denen nicht mit Zurichlemaschinen gearbeitet wird. Die ausgesperrten Gehilfen erschien es für ihre Ehrenpflicht, nicht ohne die Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen einen Vertrag abzuschließen resp. die Arbeit aufzu- nehmen. Da die Ausgesperrten� fest zusammenstehen und Arbeitswillige sich bis heute in der elften bezw. achten Aussperrungswoche sehr wenig gefunden haben, so wird es auch gelingen, das brutale Vor- gehen der Unternehmer abzuschlagen. Die Aussperrung erstreckt sich auf zirka 80 Proz. aller Rauchwarenzurichter Deutschlands. Der Streik der Schuhmacher bei der Firma Leiser u. Co.. Neue Königstr. 39, ist durch neue Verhandlungen beigelegt worden. Diese wurden herbeigeführt durch die Arbeitsniederlegung der Ball- ichuhmacher, welche sich mit den übrigen Kollegen solidarisch er- klärten und ebenfalls Forderungen einreichten. Da diese nur mini- maler Natur waren, wurden dieselben zum größten Teil bewilligt. Im Anschluß an diese Verhandlung wurden die Lohnforderungen der anderen Kategorien einer nochmaligen Prüfung unierzogen. Am meisten drehten sich die Verhandlungen um die Lohnforderungen der Zwicker. Diesen sollte eine Gesamrzulage von 20 Pf. pro Dutzend gewährt werden, doch konnten sie sich hiermit nicht zustiedenstellen. Bei einer weiteren Verhandlung erklärte sich der Inhaber der Firma bereit, für die Zwicker bessere Einrichtungen zu schaffen, indem er diesen sehr zeitraubende Nebenarbeiten, wie beispielsweise das Bc- ziehen der Brandsohlen, abnehmen und von anderen Arbeitern auS- führen lassen wolle. Darin erblickten die Streikenden eine wesent- liche Besserstellung und stimmten den diesbezüglichen Abmachungen zu. Die Arbeit wird daher am Montag wieder in vollem Umfange aufgenommen. Oeulkebeo Reich. Zur Lohnbewegung der Oderschiffer. Der Arbeitgeberverband für Binnenschiffahrt und der verwandten Gewerbe(Ortsgruppe„Oder") hat dem Deutschen Transportarbeiter- verband mitgeteilt, daß er zur Verhandlung bereit sei. Die Ver- Handlungen finden am 24. März in B e r I i n statt. Achtung, Steinsetzer I In Lehe, Geestemünde und Bremerhaven sind wegen des Tarifabschlusjes ernste Differenzen ausgebrochen.— Die Kollegen werden deshalb dringend ersucht, diese Orte so lange zn meiden, bis die Differenzen beigelegt sind und dies vom Unter» zeichneten bekannt gegeben wird. Der Zentralvorstand. Die Aussperrung der Cyomuitzer Metallarbeiter. Eine Verschärfung des Tarifkampfes der Former und Gießerer« arbeiter in Chemnitz ist durch folgenden Aussperrungsbeschluß der Chemnitzer Metallindustriegewaltigeu herbeigeflihrt worden, der am Dienstag gefaßt wurde. Er hat folgenden Wortlaut: „Wenn die Former und Gietzereiarbeiter Montag, den 20. d. M., früh die Arbeit nicht in vollem Umfange wieder aufgenommen haben sollten, werden zunächst 5 0 Proz. der Belegschaft am gleichen Tage abends ausgesperrt, soweit nicht einzelne Firmen wegen Gußmangels zu größeren Aussperrungen genötigt sein sollten." Der Wortlaut des Beschlusses läßt sorecht den Herrenstandpunkt erkennen, den die Judustriegewaltigen von Chemnitz bisher immer eingenommen haben und der die Arbeiter der Metallindustrie in Scharen dem Metallarbeiterverband und schließlich auch zur Forde- rung besserer Lohn- und Arbeitsverhältnisse getrieben hat. Da etwa 28 000 Arbeiter in der Chemnitzer Metallindustrie beschäftigt sind, so kommen bei der beabsichtigten Aussperrung 14—1500 Arbeiter in betracht. Die Arbeiterschaft wird sich aber durch diesen Schreckschuß der Unternehmer nicht beirren lassen; damit wurde schon gerechnet. Der Beschlutz bestätigt nur die Richiigieit der Rechnung der Arbeiterschaft. — Auch die Wohnungsfrage wird bei dieser Bewegung mit berührt. Die Sächsische Maschinenfabrik hat ein sogenanntes.Arbeiterheim", eine Kolonie von Arbeiterwohnhäusern gebaut und in Verwaltung, in dem einige„ihrer" Arbeiter die„Wohltat" genießen, zu wohnen. Sie hat nun damit begonnen, die dort wohnenden Ausständigen mit der Kündigung der Wohnungen kirre zu machen; sie wirft also die Arbeiter auS dem„Heim", die Wohltat wird sonach zur Plage und das Verhallen der Verwaltung verweist die Arbeiter auf die Nichtig« keit dieser Wohltat hin, die selbstverständlich im Unternebmerinteresse ausgenutzt wurde und wird.— Die Fabrik- und Modelltischler haben zu der gegenwärtigen Lage Stellung genommen und den Streikenden ihre Sympathie ausgedrückt; auch sie gewinnen indirekt, wenn die Bewegung zugunsten der Streikenden endet. HusUnd. Das zweite Osborneurteil. London, 13. März 1911.(Eig. Ver.) Vor einiger Zeit gewann Herr O s b o r n e, wie hier berichtet wurde, in zweiter Instanz einen Prozeß, den er gegen die Gewerk- schaft der Eisenbahner wegen seines Ausschlusses und der Auflösung seiner Sektion angestrengt hatte. Es handelte sich eigentlich nur um die vorhergehende Entscheidung, ob seine Angelegenheit vor den Ge- richten des Landes nach den Bestimmungen des Gewerkschafts- gesetzes klagbar sei. Die zweite Instanz bejahte dies, und damit war die Klage so ziemlich zu seinen Gunsten entschieden, wenn nicht die Law Lords den Beschluß der Richter umstoßen sollte. Der Exekutivausschuß der Eisenbahnergewerkschaft hat nun beschlossen, von einem Rekurs abzustehen. Damit kommt Herr Osborne in eine wenig beneidenswerte Lage. Wie erinnerlich sein wird, sprachen damals die Richter die Ansicht aus, daß Herr Osborne wohl wegen seine« unrechtmäßigen AuSirblusseS klagen könne, aber wie alle anderen Mitglieder der Gewerkschaft kein gesetzlich gewähr- leisteteS Recht auf Unlerstlltzungen besitze. Die Eisenbahner geben Herrn Osborne nun die Wahl: entweder tritt er au§, oder er bleibt Mitglied, bezahlt seine Beiträge und bezieht keine Unterstützungen. Man fragt sich nun, was wird der nächste Zug der Besitzer der vollen Kassen sein, auS denen Herr Osborne so reichlich schöpfen kaun. Letzte Nachrichten« Die Nachwahlen in Böhmen. Wien, 10. März.(Privattelegramm d'eS„Vor» wärt S".) Die heutige Reichsratsstichwahl in den beiden böhmi«' schen Wahlbezirken Warnsdorf und Hartmanitz endete mit dem Siege der bürgerlichen Kandidaten. In Warnsdorf wurde der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien Langen» hau mit 4736 Stimmen gewählt, in Hartmanitz siegte der Agrarier P a u l i k mit 4984 Stimmen. Mann für Mann stimm- ten die bei der Hauptwahl ausgefallenen Christlich-sozialen für die in der Stichwahl stehenden deutsch-bürgerlichen Kandidaten. Unse» ren Genossen gelang es, die in der Hauptwahl aufgebrachten Stimmen auS eigener Kraft noch um ein Beträchtliches zu ver- mehren. In Warnsdorf stieg unsere Stimmenzahl von 4123 auf 4240, während in Hartmanitz gegenüber 4090 Stimmen bei der Hauptwahl diesmal 4293 Stimmen auf unseren Kandidaten entfielen. Der Stimmenzuwachs ist um so erfreulicher, als die Gegner den stärksten Terrorismus ausübten. In dem industriellen Warnsdorf versuchten es die Fabrikanten, in dem agrarischen Hart- manitz Fürst Schwarzenberg, der größte Grundbesitzer des Landes, durch wirtschaftlichen Druck die proletarischen Wähler zu beeinflussen. Kriegerische Erfolge der Türken. Frankfurt a. M.. 16. März.(W. T. B.) Die„Franks. Ztg." meldet aus Saloniki: Dem Zentralkomitee wird vom Kriegs- fchauplatz in Jemen gemeldet: Die Truppen gingen gegen Uschehir, Epha und Huajeile vor und trieben die Araber überall in die Flucht. Die Maschinengewehre richteten unter den Arabern große Verheerungen an. Die Araber verloren in den letzten zwei Gefechten zweihundert Mann, die türkischen Truppen vierzig Tote. Der Scheich Jahia soll auf englisches Gebiet geflohen sein. Die telegraphische Verbindung zwischen Hodcida und Sanaa ist wiederhergestellt._ Aus der französischen Arbeitcrbcwegnng. Paris, 16. März.(B. H.) Der Ausstand der Dockarbeiter ist. nachdem eine Verständigung zwischen beiden Parteien eine Ver- ständigung erzielt worden ist, beendet worden. Die Arbeit ist bereits wieder aufgenommen worden. Dagegen droht in Brest der Aus- bruch einer Streikbewegung, wo die Arbeiter wegen der Entlassung einer Anzahl Hilfsarbeiter Einspruch erhoben haben. Es hat bereits eine Kundgebung vor der Marinepräfcktur stattgefunden. Verhaftung einer internationalen TiebeSbande. Paris, 16. März.(W. T. 33.) Tie Sicherheitspolizei hat eine Bande von sechs internationalen Dieben festgenommen, die seit langer Zeit von den Staatsanwaltschaften in Paris. Brüssel, Mailand und Berlin gesucht waren. Der Führer der Bande, ein gewisser Brock, besaß eine ganze Falschmünzerwerkstatt. Die Bande hatte im Auslande, namentlich in der R h e i n p r ov i n z, bedeutende Diebstähle ausgeführt und die erbeuteten Wertgegen- stände durch ihre Genossen in Frankreich verkaufen lassen. Unfall eines französischcn Unterseebootes. Rochefort, 16. März.(W. T. B.) Das Unterseeboot „Loutre", das auf der Höhe von La Pallice getaucht hatte, wurde von einem Fischerboot gerannt und leck gestoßen. Das Untersce» boot kam an die Oberfläche deS ZDasserS und geriet an der Küste auf Grund. Die Mannschaft blieb unversehrt. ES sind Maß- nahmen getroffen, die„Loutre" wieder flott zu machen. Die„polnischen Racher". Warschau. 16. März.(B. H.) Ter Gymnasialdirektor Atanasiew in Kielce wurde in der Direktionskanzle, von dem volnilcken Studenten der 3. Klasse Mrzesniew skr erschossen. polnischen Studenten der 3. Klasse Der Student soll dem Geheimbund der hören. .Polnischen Rächer" ange« Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glvckc, Berlin. Drucku.Berlag:BorwärtsBuchdr.u.Verlagsanstalt PaulSingerS:Co,.BerlinLlV. Hierzu 3 Beilage««.Unterhaltungsbl." r. 65. 28. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt 149. Sigung. Donnerstag, den 16. März 1911, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrüd. Zweite Lesung des Etats für das Reichsamt des Innern. Fünfter Tag. Die Beratung wird fortgesetzt beim Kapitel Allgemeine Fonds". Abg. Dr. Pfeiffer( 3. beschwert sich über die ZentralisierungsBestrebungen des Direktors v. Tichudi in München. Abg. Gräf( wirtsch. Vg.) befürwortet eine von Mitgliedern aller bürgerlichen Barteien unterzeichnete Resolution, nach welcher bis zur britten Lesung 10 000 Mark zur Unterstützung der Nationalfestspiele für die deutsche Jugend in Weimar in den Etat eingestellt werden sollen. Abg. Dr. Pfeiffer( 8.) beschwert sich, daß bei den Schülerfahrten zu den Festspielen von einigen Lehrern in Hurra patriotismus gemacht und gegen den schwarzblauen Block geeifert werde. Abg. Heckscher( Vp.) schließt sich dem Vorredner an; man folle die Jugend mit den Stämpfen der Tagespolitik verschonen. Bei dem Titel„ Einrichtung eines wettertelegraphischen Dienstes" spricht sich Abg. Dr. Pfeiffer( 3.) für die Errichtung eines Höhenobservatoriums in Bayern aus. Beim Titel„ Beitrag zu den Kosten der internationalen Drgafation der Luftschiffahrt 4000 m." fragt Abg. Bassermann( natl.)" an, wie es mit dem Bau einer Reichsanstalt zur Förderung der Luftschiffahrt steht, für die sich der Reichstag im vorigen Jahre ausgesprochen hat. Abg. Frhr. v. Richthofen( t.): Für den Bau einer neuen Reichsanstalt tönnen meine Freunde sich nicht erwärmen. Freitag, 17. März 1911. Natürlich hat er zu erwähnen vergessen, daß weite Streise der Be- sympatisch. Doch fönnen wir einige Bedenken nicht untervölkerung wegen der agrarischen Verteuerung des Fleisches zur Fisch- drücken, die unserer Zustimmung zu der Resolution entgegenstehen. nahrung übergehen.( Zustimmung links.) Die Stadt Wilmersdorf Ganz besonders ist es uns bedenklich, daß ein bestimmter Verein hat neulich eine Verkaufshalle für Seefische errichtet. Es wäre sehr unterstützt werden soll, ohne daß autelen für die Verwendung zu wünschen, daß recht viele Gemeinden diesem Beispiele folgen. von Reichsmitteln geschaffen werden. Herr v. Saphengit Die erhöhte Bedeutung, die die Seefische für die Voltsernährung wünscht eine Mainbrücke zwischen Stadt und Land. Am besten wird gewonnen haben, ist für uns eine weitere Veranlassung, allen Be an einer solchen Mainbrücke gebaut, wenn die Herren auf der strebungen auf Einführung eines Fischzolles mit aller Entschiedenheit Rehten für eine entgegenzutreten.( Bravo! bei den Sozialdemokraten.) beffere Bezahlung der Landarbeiter Die Resolution Dröscher wird einstimmig angenommen sorgen wollten.( Burufe rechts.) Herr v. Raphengst scheint ja ein Der Titel wird bewilligt, ebenso nach unwesentlicher Debatte fehr humaner Arbeitgeber zu sein; aber ich fürchte sehr, er ist ein eine Reihe weiterer Titel. weißer Rabe unter seinesgleichen.( Buruf rechts: Halten Sie nur Beim Titel„ Beitrag zur Zentralstelle für Wolfswohlfahrt" be- den sozialdemokratischen Arbeitgebern diefe Vorlesung!) Ach, meine gründet Herren, wenn Sie die Löhne der Vorwärts"-Buchdrucker ihren LandAbg. v. Kapphengst( t.) eine Resolution, in der der Reichskanzler arbeitern zahlen wollten, würde von einer Landflucht teine Rede ersucht wird, bei den Landesregierungen dahin zu wirken, daß sie sein.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und noch eins: wenn dem" Verein für soziale innere Kolonisation Deutsch die Rechte so sehr die innere Kolonisation und die Urbarmachung lands" zum Bived der Fürsorge für vorübergehend Arbeitslose der Dedländereien wünscht, so hat sie ein bequemes Mittel an der nachhaltige Förderung und Unterſtügung zuteil werden lassen. Sand, um ihren Wunsch zu erfüllen: sie sorge für Augenblicklich fann ja von einer ausgebreiteten Arbeitslosigkeit nicht gesprochen werden. Aber es fann leicht kommen, daß das Gespenst Einschränkung der Rüstungen. der Arbeitslosigkeit uns wieder angrinst. Darum muß vorgebaut Dann find reichliche Mittel da für innere Stolonisation!( Beifall werden. Es gilt, die zur Zeit der Arbeitslosigkeit überschüssig bei den Sozialdemokraten.) werdenden Kräfte nugbringend zum allgemeinen Besten, namentlich Abg. Behrens( Wirtsch. Vg.) sucht die Bedenken des Borredners zur inneren Kolonisation, zu verwenden. Durch Anlagen von Moors als unbegründet hinzustellen und tritt für die Resolution Kapfolonien usw. können Millionenwerte geschaffen werden. Nuz hengst ein. bringende Arbeit statt Almofen. Gezwungen soll niemand werden, aber es wäre schön, wenn wieder eine innigere Verbindung zwischen Stadt und Land hergestellt würde. Die Frage ist teine Parteifrage; es gilt, eine Brücke zwischen Stadt und Land zu schlagen, alle Parteien können an diesem Brückenbau mitarbeiten.( Lebhaftes Bravo! rechts.) Die Diskussion schließt. Der Titel wird be willigt und die Resolution aphengst gegen die Stimmen der Sozialdemo fraten angenommen. Beim Titel„ Aufwendungen für Einrichtungen und Veranstal tungen, weiche allgemeinen Interessen des deutschen Handels und Gewerbes dienen, 80 000 m." begründet -Abg. Bassermann( nail.): Wir stimmen dem Antrag zu. Die Abg. Schiffer( 8.) eine von Mitgliedern aller bürgerlichen BarFrage der Arbeitslosigkeit ist eine außerordentlich wichtige. Die teien eingebrachte Resolution, welche im Interesse der heimischen Wohlfahrtspflege soll ein neutraler Boden sein, auf dem Mitglieder Textilindustrie die Errichtung einer Zentralstelle zur Hebung und Staatssekretär Dr. Delbrück: Eine Zentrale zur Förderung der aller Parteien gemeinsam arbeiten können. der heimischen Textilindustrie verlangt Eine Erhöhung Förderung und die Luftschiffahrt wird allgemein für notwendig gehalten, über den des Beitrags zur Zentralstelle für Volkswohlfahrt sollte von der Reichs- Regierung ersucht, die zur Hebung der Produktion Umfang ihrer Aufgaben und ihrer Organisation aber gehen die regierung dringend erwogen werden.( Bravo! bei den National Textilrohstoffen in den deutschen Schutzgebieten geeigneten Meinungen noch auseinander. Daß eine Reichsanstalt notwendig liberalen.) Maßnahmen zu treffen. Die beteiligten Kreise wünschen sein wird, halte ich nicht für wahrscheinlich. Staatssekretär Delbrück: In einer Zeit, in der mit Recht auf dringend die in der Refolution geforderte Reichszentralstelle, Zum Titel Förderung der Seefischerei 350 000 m." begründet Sparsamkeit gedrungen wird, muß auch bei an sich sehr an- von den bestehenden Landes- Zentralstellen haben sie nicht den ges Abg. Dr. Dröscher( t) eine Resolution, wonach der Reichsfangler gebrachten Unterstügungen Beschränkung geübt werden. Doch wünschten Nugen. Von der Förderung der Baumivollfultur, welche eine Vereinbarung der deutschen Ostseeuferstaaten über gemeinsame foll versucht werden, in den nächsten Etat eine höhere Summe ein- die Resolution ebenfalls fordert, hängt in erster Linie der wirtschaftpolizeiliche Vorschriften zur Regelung der deutschen Ostsee tüsten- zustellen. Nun, zur Resolution Kaphengst. Es ist schwer, für die liche Wert unserer Kolonien in Afrika ab. Zum Schluß betone fifcherei und zum Schuße des Fischbestandes an der deutschen Wanderarmen zu sorgen, weil die Unterscheidung zwi- ich noch die Interessensolidarität, die in der Textilindustrie zwischen Ostseeküste herbeiführen und ferner ein internationales Abkommen schen Arbeitsscheuen, Arbeitswilligen und Arbeitsunfähigen Arbeitern und Arbeitgebern besteht und die sich auch darin zeigt, über die Befischung der Ostsee unter sämtlichen Ostseeuferstaaten an- meist nicht leicht ist. Dazu kommt, daß an manchen daß die Vertreter der christlichen Arbeiter die Resolution mit unterbahnen soll. Stellen für die Wanderarmen gut gesorgt wird, während zei net haben.( Bravo! bei den bürgerlichen Parteien.) Abg. Erzberger( 8.) spricht sich für die Resolution aus; er habe man anderswo sie auf andere Gemeinden abzuschieben fucht. Abg. Deser( Wp.): Ein erheblicher Teil meiner Freunde hält auch im vorigen Jahre zu diesem Titel gesprochen und das habe sich Schwerlich wird die Gefeßgebung allein hier Hilfe schaffen können. die Errichtung einer neuen Reichsanstalt nicht für angebracht und rentiert, es sei ihm ein Faß Seefische zugeschickt worden, die fehr hier ist eine große Aufgabe für gemeinnügige, für wirtschaftliche wird gegen die Resolution stimmen. Vor allem habe ich das Wort wohlschmeckend waren.( Heiterkeit.) Gesellschaften, für Gemeinden und Einzelstaaten zu erfüllen; aber ergriffen, um die drohende Monopolisierung bei der Materiallieferung Abg. Dr. Görde( natl.) stimmt der Resolution zu und bittet, das Reich kann dabei nur in beschränktem Maße mitwirken. Sehr für die Installationen von Ueberlandzentralen zur Sprache zu bringen. die vom Deutschen Seefischerverein eingerichteten Samariterkurse für zu erwägen wird sein, ob bei einer Reform des Strafvollzugs In der Elektrizitätsindustrie vollzieht sich eine Monopolisierung, die Fischer zu unterstützen. die Gefängnisarbeit nicht häufig durch gemeinnützige dem Geist der Gewerbeordnung widerspricht. Was gedenkt der StaatsAbg. Dr. Hahn( f.) ist für die Förderung der Hochseefischerei und 3wangsarbeit zu ersetzen sein wird.( Bravo! rechts.) sekretär zu tun zum Schutz der Gewerbefreiheit gegen das koalierte Großdie Erschwerung der Einfuhr. Auch einen 8oll auf See Abg. Dove( Vp.): Wir stimmen der Resolution Kaphengst zu fapital? fische sollte man in Erwägung ziehen.( Bravo! rechts.) und ebenso der bortrefflichen Begründung, die Herr v. Kaphengst ihr Neben ihm bestehen in der Elektrizitätsindustrie die HandwerksAbg. Spethmann( Bp.) spricht sich ebenfalls für die Resolution gegeben hat. Wenn die tonfervative Weltanschauung immer so mäßigen Installationsbetriebe in die elektrotechnischen Spezialbetriebe, Dröscher aus. Vor dem Fischzoll wird uns hoffentlich der ge sympatisch hier vertreten würde, wie von Herrn v. Kaphengst, ließe die ebenfalls den Großbetrieben gegenüber den Mittelstand darstellen. funde Sinn der Bevölkerung bewahren, damit nicht noch sich schon eher eine Brüde zwischen Links und Rechts In den Ueberlandzentralen treffen alle drei Arten von Betrieben auch dies wichtige Nahrungsmittel berteuert wird.( Bravo! links.) schlagen. Aber es gibt leider sehr viel unsympathische Kon zusammen; die Großbetriebe versuchen aber nicht nur das LeitungsGeheimrat v. Jonquières: Die beste Propaganda, die die See- erbative.( Lebhafte Zustimmung und Seiterfeit lints.) ir net herzustellen, sondern die gesamte Installation in der Ueberlandfischerei für ihre Produkte machen kann, ist, daß fie für gute Ware fönnen auch den Ausführungen des Staatssekretärs durchweg zustimmen. zentrale in ihre Hand zu bekommen, was natürlich zu einer Be mäßige Preise fordert.( Sehr richtig! links.) Wir würden auch Jedenfalls läßt sich über die Frage der Verwendung von Straf- und Unterdrückung der anderen führt. Eine Ueberlandzentrale braucht gern den Fonds zur Förderung der Seefischerei erhöhen; bisher gefangenen zur inneren Kolonisation eher reden als über die De- aber eine Konzession wegen des Wegerechts, und deshalb kann man berhinderten die beschränkten Mittel eine folche Erhöhung. Die ge- portation.( Lebhafter Beifall bei den Liberalen.) dieser Monopolisierung entgegentreten.( Sehr gut! rechts.) Redner wünschten Erhebungen über die Maßregeln des Auslandes zur Fischlegt unter andauernder Zustimmung der Rechten dar, wie die Kontrolle werden wir veranstalten. Monopolisierung fortschreitet und ihr entgegengewirkt werden müsse. An die Großindustrie ist die Warnung zu richten, daß fie den Bogen nicht überspannen möge und auch den Kleinen Licht und Raum zum Leben lasse. Sonst kann die Zeit kommen, in der die Gesetzgebung sich zum Einschreiten zugunsten der Kleinen genötigt sehen wird.( Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Metzger( Soz.): Der Resolution stimmen wir zu. Daß Dr. Hahn die Gelegenheit benutzt hat, um für einen Fishaoll Stimmung zu machen, wundert uns nicht. Es ist ja bekannt, daß Herr Dr. Hahn feine Rede halten kann, ohne daß der agrarische Pferdefuß zum Vorschein tommt.( Sehr richtig! linfs.) Dabei hat Herr Hahn selbst mit Recht die hohe Bedeutung der Fischnahrung hervorgehoben. Kleines feuilleton. Abg. Gröber( 8.): Auch wir stimmen der vortrefflichen Resolution Raphengst bei. Auf dem Gebiete der Fürsorge für Wanderarme hat sich die freie chriftliche Liebestätigkeit fiets glänzender bewährt als der Bureaukratismus.( Beifall im Zentrum.) Staatssekretär Delbrück: Jedenfalls verdient die Resolution Raphengst den Vorzug vor den Vorschlägen schematischer gefeßlicher Regelung der Wanderarmenfrage. Abg. Severing( Soz.): Beim damit einer Humor und Satire. Nationalliberal. Werner, Werner, teutscher Mann, fieb', was leberwindung kann: 8war bekämpftest Du uns schmutzig, aber wir, wir sind nicht trugig. Sag' nur, daß es leid Dir tut und wir woll'n für Dich voll Mut bei der Stichwahl uns ereifern; darfft nachher auch weiter geifern. Ueberhaupt, Du kannst uns nennen, da Du uns ja doch tust kennen, wie Du willst, zu jeder Zeit, aber fag', es tät' Dir leid! Selber wenn Du vor uns spei'st, aber dies formell bereu'st, wollen wir die Bunge blecken und besagten Speichel lecken. dt. Staatssekretär Delbrück wiederholt feine in der Generalbebatte abgegebene Erklärung, daß er bereit sei, sich mit den in Betracht Wir begrüßen die Anregung des Herrn v. Raphengst durchaus kommenden Faktoren in Verbindung zu setzen, um die Errichtung Ehrgeiz, den Tert des Dichters möglichst unverkürzt zu bringen. des greisen Faust mit der Sorge, ebenso wie feine Partnerin zum Um 4 Uhr begann die Aufführung und dauerte mit einer einstündigen großen Teile unverständlich; und mit den himmlischen Heerscharen Unterbrechung bis Mitternacht. Am Schlusse gab es stürmischen des lieben Gott fann selbstverständlich kein Theater fonkurrieren. Das Land ohne Heimkehr. In einer foeben erschienenen fünstlerischem Wagemut gelten, aber ganz und gar nicht einen bringen. Elfe eim's war eine anmutig Hoheitsvolle Helena, Applaus. In diesem Falle konnte die Ehrung aber nur Reinhardts Mehr als ein Weihnachts- Kinderhimmel läßt sich eben nicht herausSchrift„ Das Land ohne Heimkehr"( Stuttgart, Deutsche Verlags- richtigen Maßstab für den Stimmungseindruck, der zurückblieb, Baffermann ein geistreich betveglicher Mephisto, besonders anstalt) untersucht Professor Friedrich Delisch die Gedanken geben. Man war betäubt, doch nicht ergriffen, und die Eigenart charakteristisch in der Betonung des Zynisch- Sinnlichen. der Babylonier- Assyrer über Tod und Jenseits. Delitzsch glaubt, ber in allegorisierende Einfälle sich zersplitternden Dichtung, der aus den babylonischen Vorstellungen über die Unterwelt, das Land jede Spur dramatischer Bewegung und Entwickelung, mangelt, ließ ohne Heimkehr, die Herkunft der althebräischen wie der griechischen ein anderes Resultat von vornherein nicht erwarten. Das Streben Totenwelt nachweifen zu können. Während die toten Leiber in der nach Vollständigkeit der Wiedergabe mußte die Unübersichtlichkeit Erde begraben werden, hausen die abgeschiedenen Geister in einem und damit die Verwirrung der Zuschauer nur noch steigern. Die finsteren Reich des Staubes, in einer dunklen Wüste, in der alles wundervoll zarten Strophen, die das Elfenvöllchen vor dem au Staub wird, in der die umherflatternden Schatten von Erde sich schlafenden Faust singt, und der grandios erhabene Monolog des in nähren und trübes Wasser trinken. Schon bevor Jesaias die Ohn einsamer Gebirgswelt Erwachenden, diese Einleitung und die bemacht der Könige verhöhnte, indem er schilderte, wie sie in der deutsam großen Stellen des Schlusses, vor allem der Dithyrambus Unterwelt ins gleiche Nichts sinken, ist schon in dem anderthalb auf das freie Bolt auf freiem Boden", sind Schätze, deren Jahrtausend älteren babylonischen Epos von Gilgamesch dargestellt, wie die Könige und Mächtigen alle hinab müssen in das gleiche Land Glanz durch keine Darstellung gesteigert werden kann. ohne Heimkehr, in dem alles zu Staub wird. Neben dieser An- Fehlen des dramatischen Zusammenhanges und schauung von dem einen Totenreich entwidelt sich aber in der bertieften Charakteriſtik kann die Bühne überhaupt nur von der babylonischen Mythologie die Auffassung von einem anderen Reich, dekorativen Seite an das Stück heran, indem sie die Gruppen und in dem die Gestorbenen sich an flarem Wasser laben. Neben der Hintergründe dem Auge malerisch veranschaulicht. Daß hierin ReizTotenwüste für die Bösen die Totenoase für die Guten. Also Himmel bollftes geboten wurde, versteht sich bei Reinhardt von selbst. und Hölle, von welcher Scheidung weder die alten Hebräer noch die Goethe lehnt sich im zweiten Teile vielfach an die überEr entnimmt dem Griechen etwas wissen, die dann aber die christliche Kirche und den fommenen Züge der alten Sage an. Islam entscheidend beherrscht. Delitzsch möchte durch den Nachweis Original, daß Faust einen fürstlichen Hof aufsucht, durch seine des heidnischen Ursprungs dieser Vorstellung von Himmel und Bauberkünfte vor dem Herrscher die griechische Helena, die Hölle die Erneuerung des Christentums als einer reinen Dies schönste aller Frauen, heraufbeschwört und selber mit der seits Religion der werktätigen Nächstenliebe fördern. Heidin einen Liebesbund eingeht. Doch diese Liebe Fausts, die in der Sage seinen Untergang besiegelt, soll im Goetheschen Werke Ein neuentdeckter Roman Balzacs. Der lange Ratalog der umgekehrt eine der Entwickelungsetappen bedeuten, in denen Faust Balzacichen Werte ist durch die Herausgabe eines bisher unbekannten fein Wesen läutert. Die Schönheit Helenas repräsentiert zugleich Romans bereichert worden. Dieser ist im Verlag von Gillequin symbolisch die Schönheit flaffisch griechischer Kunst. Nur im Lichte u. Cie., einem Haus, das sich durch mustergültige, populäre Aus- einer solchen Deutung besteht zwischen der ersten Hälfte des zweiten gaben der wichtigsten franzöfifchen Literaturschöpfungen sehr verdient Teils, die sonst in eine Folge seltsamer Abenteuer auseinanderfiele, macht, soeben erschienen und führt den Titel:" Die Liebe in der und der Idee des Ganzen, die in dem Aufwärtsstreben Fausts und Maste"( Amour masqué). Das Manuskript war seinerzeit von seiner schließlichen Erlösung durch die befreiende Macht uneigenBalzac der Herzogin von Dino gewidmet worden. Der foftbare nügigen Schaffens gipfelt, ein denkbarer Zusammenhang.( Diese Einband ist von Balzacs Buchbinder signiert. Der Sekretär des freilich im Stücke selbst mur dünn gesponnenen Fäden werden im jetzigen Herzogs von Dino, des Sohnes der Empfängerin, machte Bühnenlicht über dem aufdringlichen Bomp des Anschaulichen vollends anlaßlich der von Gillequin in Angriff genommenen prächtigen Ge- unsichtbar. samtausgabe, die den Subskribenten die Balzacichen Werke gebunden -Rarl Gutows Werte liegen in zwei Neuausgaben Im Malerischen und Plastischen stellt sich die Aufführung neben vor, die beide eine Auswahl geben. Beide bieten außer einem um 30 Frants liefert, den Verleger auf den Roman aufmerksam. die bewundertsten Leistungen Reinhardtscher Regie. Der Karneval Lebensbild wesentlich die bekannteren Dramen( darunter" Bopf und Besonders anzuerkennen ist, daß der Verlag das Buch sofort zum im Kaiserschloß war ein strahlendes Farbenfest, die klassische Schwert"," Das Urbild des Tartüffe", Uriel Acosta"," Der KönigsSpottpreis von 45 Centimes nicht einmal 40 Pf.-verkauft, Walpurgisnacht mit den tierischen, gurrend- quietschenden Lauten, dem leutnant") einige Erzählungen und Novellen, ferner Stüde aus seinen ohne mit der literarischen Sensation, wie man derlei im gebildeten" Herenreigen, ein Sput von wild gespenstiger Phantastit. Den un autobiographischen Schriften und kritische und kulturelle Auffäße. Deutschland tut, vorerst à la hausse zu spekulieren. mittelbarsten Eindruck machte die Episode Euphorions, des jugend- Die Ausgabe des Verlages Mar Hesse( 4 Bände) besorgte der um schönen Knaben, der jubelnd übermütig einherstürmt und in Jfarius die Guytow- Forschung verdiente H. H. Houben. In der goldenen begeisterung himmelan eilt, dem tödlichen Sturze entgegen. Hier entfaltete Klassiker Bibliothek( Bong u. Co., Berlin) erschien die zweite AusGertrud Gyfoldt siegreich fortreißend wieder einmal ihre ganze wahl gleichfalls in 4 Bänden, herausgegeben von R. Gensel. Kraft. Die berühmten von Schumannscher Musik umrankten Schluß Der große neunbändige Roman, Die Ritter vom Geist" soll zenen blieben hinter der Wirkung, die sie bei einsamer Lektüre und ebenda neu aufgelegt werden, ferner veranstaltet F. A. Brockhaus, der im Konzertsaal ausüben, zurüd. Herr Sayler, der den einleitenden alte Verleger Gutkows, eine billige Volksausgabe des Kulturromans Monolog glänzend herausgemeißelt hatte, blieb in der Zwiesprachel, Der Zauberer von Rom" in zwei Bänden. Theater. Deutsches Theater:" Faust", II. Zeil von Goethe. Schon öfter sind Versuche unternommen worden, den zweiten Teil des" Faust", den" Faust" des alten Goethe für die Bühne zu erobern, doch kaum einer, der sich an erfinderischer Phantasie der Inszenierung mit dem Reinhardts vergleichen könnte. Damit verband sich der Sei der ganze Wahlkreis Gießen Beuge, wie Du uns mit Füßen trittst, doch mußt Du Dich entschuld'gen, und wir werden gern Dir huld'gen. Krümmt der Wurm sich, den man tritt, frümmen wir uns eben mit: Steiß empor, gesenkt den Nabel, national und miserabel! Notizen. Franz. einer Institution für die Textilindustrie, wie sie von den Antrag- stellern gewünscht werde, in Erwägung au ziehen. Zu oen Ausführungen Oesers sagt der Staatsselretär: Eine so revolutionäre Rede, wie die des Vorredners, habe ich hier noch nie gehört. sBewegung.) ES ist unfraglich, dast die schrankenlose Gewerbefreiheit, wie sie rcichSgesctzlich festgelegt ist, allerhand wenig erfreuliche Begleiterscheinungen mit sich geführt hat. Hier Witt nun die Frage an uns heran: waS hat zu geschehen, mn solchen Folgeerscheinungen entgegenzutreten? Welche Madregeln aber auch getroffen werden, überall ergibt sich dir Schwierigkeit, diese etwaige» Maswegel» mit den Grundsätzen der unbedingten Gr- wcrbefrcihrit in Einklang zu bringe». Wenn man z. B. eine Prüfung der Installateure einführt, was ist das anders als Einführung eines partiellen Befähigungsnachweises. fSehr richtig I) Wir haben die Wahl zwischen verschiedenen Wegen. Wir können ans den, Wege der Neichsgesetzgebung Einschränkungen der Gewerbefreiheit beschlieden. Wir können z, B. ein besonderes NeichSeletlrizitätsgefetz beschließen. Wir können ein Monopol einführen.(Abg. Bebel: Hört I hört!) Ein solches Monopol würde allerdings wahrscheinlich ein Landes- Monopol und kein RcichSmonopol sein.(Hört! hört I und Beifall rechts.) Es bleibt aber auch die Möglichkeit, den ElekwizitätS- gesellschaften oder den Kommunen, die Elektrizitätswerke errichten, durch Gesetz Vorschriften zu machen, die ihre Bcrtragsfrethcit bedeutend einschränken. Jedenfalls bewegen wir uns hier auf einem außerordentlich schwierigen Gebiete, auf welchem jeder gesetzgeberische Schritt nur mit der allergröstre» Vorsicht unternommen werden kann.(Lebhafter Beifall.) Abg. Wallenborn(Z.) bleibt unverständlich. Er wünscht Be- fördenmg des Obstbaues. Abg. Dave(Vp.): Heute geht eS hier sehr interfraktionell her. Der Konservative v. Kaphengst fand auch auf der Linken großen Beifall und mein Parteigenosse Oescr auf der Rechten.(Große Heiterkeit.) Aber trotz des' Beifalls, den Herr Oeser auf der Rechten erhielt, ist nicht zu befürchten, daß er sich die Verkehrs» und Wirt» schaflSpolitischcu Anschauungen der Rechten zu eigen macht.(Heiter- keit.)— Bei allen Fragen, bei denen eS sich um Eingriffe in die Gewcrbefreiheit handelt, kann gar nicht vorsichtig genug vorgegangen Iverden. ES heißt ja, daß Kollege Spahn seit langem ein Kartell- grsetz in seinem Pulte hat.(Heiterkeit.) Ich kenne die Arbeit deS Kollegen Spahn nicht, aber ich mißbillige sie(Große Heiterkeit.), denn ich fürchte, das Gesetz wird Eingriffe in die Gewerbefreihcit enthalten, die wir nicht mitmachen können.— Redner äußert sich dann ziemlich skeptisch über die interfraktionelle Resolution zugunsten einer Zentralstelle zur Förderung der Textilindustrie. Abg. Behrens(Wirtsch. Bg.): Die Rede des Kollegen Oeser bewies, daß der Fortschritt recht erhebliche Fortschritte in der Richtung macht, in der sich die Mittrlstandspolitik der Rechte» bewegt. sWiderspruch bei der VolkSpartei.) Redner befürwortet sodann die Resolution auf Errichtmig einer Zentralstelle für die Textilindustrie und bittet unter Hinweis auf die Bedeutung des ObsteS für die VolkSgesundheit um Unterstützung deS deutschen Pomologenverein». Abg. Dr. Hahn lk.): Selten hat mir eine Rede so großes Ver- gnügen bereitet, wie die Rede des Abg. Oeser. DaS war eine Rede im Sinne der Konservativen, da wir prinzipiell für den Schutz der Kleinen eintreten.(Stürmische anhaltende Heiterkeit links). Der lliedner verbreitet sich dann über Moorkultur unter besonderer Be- ziehung auf L a b i a n- W e h l a u.(Große Heiterkeit links.) Abg. Wagncr-Labiau(Vp.): Labia» ist ja Herrn Hahn begreif- licherweise nicht in angenehmer Erinnerung.(Abg. Hahn sk.J: Das nächste Mal kommt es anders I— Schallende Heiterkeit links.) Horm Hahns Liebe zur Moorkultur ist nur platonisch, Mittel Ivill er nicht dafür bewilligen. Aber was nützt mir eine platonische Liebe.(Große Heiterkeit.) In unserem Milliardenetat sollte man auch etwas für Kulturaufgabcn übrig haben.(Sehr richtig I links.) Der Redner verbreitet sich ausführlich über die Moorkultur. Vizepräsident Dr. Spahn: Der Titel lautet, zur Beförderung wissenschaftlicher, technischer und ähnlicher allgemeiner Be- strebungen auf den, Gebiete der Landwirtschaft. Sie sprechen aber von ganz speziellen Bestrebungen.(Stürmische Zurufe links: Hahn, Hahn!) Abg. WagUer(fortfahrend): Ich muß zur Beweisführung auf spezielle Dinge eingehen, wie eS auch Abg. Hahn getan hat.(Leb- hafte Zustimmung links.) Redner verbreitet sich weiter über die Moorkultur in seinen» Wahlkreise Labiau-Wehlau. Vizepräsident Dr. Spahn(in erregtem Ton): Ich bitte, zur Sache zu sprechen. Abg. Wagner(sortfahrend): Ich könnte noch sehr viel erzählen, verzichte aber darauf, weil ich den Präsidenten nicht weiter ausregen will.(Stürmische Heilerkeit.) Auf den Moorflächen, die wir heute noch haben, könnten 80 000 Bauern angesiedelt werden. Die Regie- rimg sollte dem Bauern- und Arbeiterstand ihre Sorgen zuwenden. nicht nur den Großagrariern.(Lebhafter Beifall bei der Volks- Partei.) Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) beschwert sich über die Berichterstattung der„Frankfurter Zeitung" und freut sich, daß Oeser und Hahn Arm in Arm ihr Jahrhunderl in die Schranken fordern',»Frankfurter Zeitung" und»Deutsche Tageszeitung" vereint, drum Brüderchen, crpo bibamus.(Große Heiterkeit.)— Dann will der Redner die Aufmerksamkeit des Staatssekretärs auf die Wichtigkeit deS deutschen FarbenbucheS für Kunst und Industrie lenken. Abg. Gothcin(Vp.): Herrn Oesers Rede ist auf Beschluß unserer FraltionSvcrsammlung gehalten.(Hört I hört! rechts.) ES ist durch- aus keine allgemeine Mitlclstandsrede gewesen.(Große Heiterkeit rechts und in» Zentrum, Gemecker deS Abg. Erzberger.) Wir sind immer dafür eingetreten, daß die Gewerbefreiheit nicht illusorisch gemacht werde durch Übermäßige Monopole. Herr Hahn machte Herrn Oeser den Vorwurf, eine Wahlrede gehalten zu haben; Herr Hahn, da lachen ja alle Hühner.(Große Heiterkeit.) Herr Hanser soll dasselbe bereits gesagt baben, was Oeser ausführte. Mag sein, aber der Staatssekretär hat ihm nicht ge- antwortet: Herr Hanser hat also das berühmte lange Ohr- des Hauses nicht gehabt.(Große Heiterkeit.) Gerade in Ostpreußen sind die meisten Verträge mit den großen Gesellschaften über die Ueberlandzentralen gemacht, welche die kleineren Gewerbetreibenden ausschließen. Abg. Junck(natl.) erklärt, daß diese Verträge der Gewerbe- ordnung widersprechen und daß die durch diese Verträge in ihrem Gewerbe Geschädigten ein Klagerecht gegen die Vertragschließenden haben. Die kleinen Installateure zu s-hntzen, liege im Interesse des ganzen Mittelstandes. Für den Mittelstand einzutreten sei kein Monopol der Rechten des Hause».(Beifall bei den Nationalliberalen und der Volkspartei.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich sagte vorhin, daß es sicher keinen Juristen geben würde, der»»einer RechtSauffassung über die Gewerbeordnung in diesem Punkte widersprechen würde. DaS war leichtfertig(Große Heiterkeit.), denn soeben hat ein Jurist aus dem Hause meiner Auffassung widersprochen. Sollte das Reichsgericht der Auffassung des Herrn Junck beitreten, so wird die Gesetzgebung eingreifen müssen: vorläufig aber bleibe ich bei meiner Auffassung. Abg. Dr. Hahn(k.) polemisiert gegen die Abg. Wagner und Gothcin und behauptet, die Parteien der Linken nehmen sich des Mittelstandes jetzt nur wegen der bevorstehenden Wahle» an. Abg. Dr. Arendt(Rp.) spricht seine Genugtuung über die vom Abg. Schiffer begründete Resolution aus. HU auf wird ein Schlußantrag angenommen. Die beiden Tit'l toe.den bewilligt, die Resolution wird angenommen. Darauf vertagt das Haus die Wciterberatung auf Freitag i Uhr. Schluß»/t® Uhr. Hbgeordmtenbaud. so. Sitzung vom Donnerstag, den 16. Marz, vormittag» 11 Uhr. Ain Ministertische: v. Trottzu Solz. Eingegangen ist ein schleuniger Antrag Borgmann(Soz.) auf Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen den Abg. Dr. L'ebknecht. Die zweite Beratung des Kultus etats wird fortgesetzt beim Kapitel Universitäten und Charitö-Krankenhaus Berlin. Von den Abgg. Dr. Friedberg(natl.), Graf d' H a u s s o n» v i l l e(k.) und Dr. R e w o l d t(fk.) liegt hierzu ein Antrag vor, die Regierung zu ersuchen, die Errichtung einer nicht st aatlichen Universität in Frankfurt a. M. nicht anders als auf Grund eines Gesetzes zu genehmigen. Abg. Schmcddiiig» s v l � e der Bauausführungen der in§ 2 aufgeführten Projekte nach freiem Ermessen zu entscheiden, oder ob letzterei» die Priorität zukomme. Ein sozialdemokratischer Antrag will die letztere Auffassung durch Streichung eines Passus in§ 2 sicher» gestellt wissen. Minister v. Breitenbach erklärte, es seien Differenzen über daS Verhältnis zwischen den§§ 2 und 4 innerhalb der Negierung vorhanden, er will über diesen Punkt in der nächsten Sitzung Aufklärung geben, Hua der parteü Fortschritt der Organisation. Der Sozialdemokratische Verein Breslau hat ln den beiden Monaten Januar und Februar 700 neue Mitglieder auf- genommen; ausgeschieden sind während dieser Zeit 206, so daß der Zuwachs an Mitgliedern 434 beträgt. Der Verein zählt jetzt im ganzen etwa 9000 Mitglieder, davon sind 1500 Frauen und Mädchen. Die neuen Mitglieder sind meistens durch die Hausagitattonen und die Agitation von Mund, zu Mund gewonnen worden. vildungSwesea. Der Sozialdemokratische Verein Frankfurt a. M. richtet DiSkussionSabende ein. Vorerst sollen sie alle Monate, wenn nötig in kürzeren Zeiwäumen stattfinden. Mit Rücksicht auf die kommenden ReichStagSwahlen sollen zunächst die folgenden Themata behandelt werden: Die Grundlagen des ReichsfinanzwesenS. Die Leistungen der Einzelstaaten. Die Matrikularbeiträge. Zölle und Stenern. Direkte »md indirekte Steuern. Die Entwickelung der Zölle und Steuern. Die Schuldenwirtschaft im Deutscven Reiche, Die Branntweinsteuer. Die Brausieuer. Die Wein- und Schanmweinsteuer. Die Erbschafts- steuer. Die Zuckcrsteuer. Die Einfuhrscheine. Kaffee- und Teezoll. Die Leuchtnuttel- und Zündholzsteuer. DaS ReichStagSwahlrecht. Die Verfassung deS Deutschen Reiches. Die politischen Parteien. Die Sozialdeniokratie im Deutschen Reichstage. Freihandel und Schutzzoll. Die Reichsfinanzreform 1906 und 1909. Der neueste Zentrumsschwindel. In, Aerger über die Niederlage des Zentrum? in Kempten- Jmmenstadt fällt die schwarze Presse über die Sozialdemokratie mit dem ihr geläufige» Mittel der Verleumdung her. Di«»All- gäner Zeitung" brachte in ihrer Nr. 58 vom 11. März aus Immen- stM folgende Schauermär: „Ein trauriger Vorfall spielte sich gestern in einer hiesigen Wirtschast ab. Ein sozialdemokratischer Arbeiter, wohl noch etwas benebelt vom liberalen SiegeSfreibier. riß unter fürchterlichen Gottesiästerungeil das i» der WirtSstnbe hängende Kruzifix herunter,»m eS an der Tischecke zu zerschmettern. Einige an» wesende Männer verhinderten die Untat und versetzten dem Burschen einige derbe Ohrfeigen." Wie uns der Vorstand deS Sozialdemokratischen Vereins Jmmenstadt mitteilt, hat er die Sache in der betreffenden Wirtschaft genau untersucht und mehrere Zeugen des angeblichen Vorfalles. darunter auch die Wirtsleute gehört. Es stellte sich dabei heraus, daß ein dem Vorstand unbekaniiler Arbeiter mit Zentrumsleuten in ein heftiges Wortgefecht geriet, wobei er den Susdruck gebrauchte: „Na, dann reißt halt Euren Herrgott rmiter!" Der Mann saß an einem ganz anderen Tische als an dem, über dem das Kruzifix hängt. Er hat nicht die geringste Miene gemacht, daS Kreuz herunterzureißen, sondern ist ganz ruhig aus seinem Platze sitzen geblieben. Für seine Worte bekam er eine Ohrfeige. DaS ist der Sachverhalt. Die Sache hat mit der sozialdemolrattschen Partei nicht das geringste zu tun. Die„Allgäner Zeitung' ist unter Berufung auf das Preßgesetz aufgefordert worden, ihre verlogene Darstellung zu berichtigen. „Eine sozialdemokratische Anrcmpelung des Prinzregentea von Bayern". Unter diesem Titel bringt eine Anzahl kleiner, offenbar vom ReichSwahrheitSverband gesiitterter Provmzblätter eine Rotiz, worin ei» Geschrei darüber erhoben wird, daß neulich im Reichstag die Ge- noffen Geck und Stadthagen sitzen blieben, als der Präsident des 90. Geburtstage» de« Prinzregenten Luiwold gedachte und sich alle anwesenden Abgeordneten einschließlich der sozialdemokratischen, aber mit Ausnahme der genannten beiden, zu einer Huldigung für den alten Herrn erhoben. In einer Abstrafung eines in seinem Ver- breituugSbezirk erscheinenden Blatte« dieser Art schreibt unser Geraer Parleiblait. die„Reußische Tribüne": „Wir können das Verhalten der Genossen Stadthagen und Geck nur billigen und verstehen nicht, daß die übrigen sozial- demokratischen Abgeordneten, soweit sie anwesend ivaren, an dieser Fürstenhuldigung teilgenommen haben. Wir erkennen mit der»Rünchener Post" gern an, daß die Persönlichkeit de» Prinz- " Der Schweizerische Arbeitertag, den der Arbeiterbund veranstaltet, findet zu Ostern 1911 in 8ürich statt und sind auf die Tagesordnung gesetzt die Revision des Fabrikgesetzes, die Ausländerfrage, die Kranken- und Unfallversicherung und eventuell wird auch noch die Teuerung behandelt. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Die Ehre des Arbeitswilligen! " " Der Wegen Verrufserklärung hatte sich in Braunschweig Genosse Wagner vom Boltsfreund vor dem Langerichte zu Jm November 1910 veröffentlichte unser Braunberantworten. " " Ba Todes- Anzeigen Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Am 13. März verstarb unser Genosse, der Arbeiter Wilhelm Jentsch Wildenowstraße 3. Am Dienstag, den 14. März, abends 6 Uhr, verschied nach furzem schweren Leiden meine innigftgeliebte Frau, unfere herzensgute Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Ottilie Esche geb. Bierhuje im Alter von 40 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen um stille Teilnahme bittend. regenten fympathisch und achtungswürdig ist. Daraus folgt aber er in ihre geheimften Schlupfwinkel verfolgt. Nachdem er die durch Berrufserklärung bestimmt oder zu bestimmen verfucht, an noch lange nicht, daß wir einem Monarchen den Tribut der Küchentöpfe des Hamburger Gewerkschaftshauses behandelt hatte, Berabredungen im Sinne des§ 152 teilzunehmen.( Der§ 152 Suldigung, wie die Geraer Zeitung" schreibt, zu bringen haben. wobei er eflig daneben gehauen hatte, holte er zu einem vernichten hebt auf alle Verbote und Strafbestimmungen„ ivegen Verabredun Die Familienfeste der Monarchen betrachten wir als deren Privat- den Schlage gegen die sozialdemokratische" Genossenschaft Pro- gen und Vereinigungen zum Behufe der Erlangung günstiger Lohns fache, wir haben keinesfalls Veranlassung, lebenden Fürsten zu buktion" aus. In einem, bezeichnenderweise Soziale Komödie" und Arbeitsbedingungen." Das Langericht führte unter anderem Begründend aus: Es huldigen. Etwas anderes wäre es, wenn es sich um einen Todes- betitelten Artikel in der Nr. 5 vom 5. Oktober 1910 der Sam- liege hier eine Drohung im Sinne des§ 153 der Gewerbeordnung fall handelte." burger Nachrichten" glaubte er klipp und klar den Nachweis er vor. Die Worte, daß man die Arbeit niederlege, wenn er nicht Sehr richtig! bracht zu haben, daß Theorie und Praris des sozialdemokratischen beitrete, hätten N. nahelegen sollen den Gedanken, daß der ArbeitUnternehmertums einander wesensfremde Begriffe sind", daß die geber ihn eher entlassen werde, als daß er die ganzen anderen Obergenossen in ihren Betrieben dieselben Ausbeutergepflogen- Maurer gehen lasse. So sei das die Androhung eines Uebels geheiten beobachten wie die meisten Leser seines Scharfmacherorgans. wejen. Daß es n. auch so aufgefaßt habe, werde dadurch bewiesen, Der Schreiber schildert die nach außen hin sich schön prä. daß N. die Arbeit nieberlegte. Ebenso steht fest, daß der Verband sentierenden großen Bauten der Produktion", die aber in ihrem der Maurer, dem beizutreten N. bewogen werden sollte, eine Verabredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen Innern die Unfähigkeit sozialdemokratischer Verwaltung erkennen im Sinne des§ 153 sei. ließen. Und zu dieser alle Ausbeuterseelen in hohes Entzücken Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten dagegen In der Erfurter, Tribüne" erschien am 31. Dezember versehenden Entdeckung haben einige Beschwerden der auf den eingelegte Revision mit folgender Begründung: Eine solche gewerk. eine Notiz, worin furz über den Stand eines Streifs berichtet Produktion"-Bauten beschäftigten Malergehilfen gegen den Meister fchaftliche Vereinigung, welche die Erzielung günstiger Lohn- und wurde, der in einer Waschinenfabrik in Albersgehofen bei Erfurt Weihe, der als einer der Mindeſtforbemben die Arbeit erhalten Arbeitsbedingungen critrebe, jei als eine„ Berabredung" un Sinne ausgebrochen war. Unter anderem wurde auch die Mitteilung ge- hatte, geführt. Weihe soll die Arbeiten zu billig angenommen und, des Strafparagraphen 153, der im Gegensatz zu§ 152 nur von Verabredungen spreche und nicht von Bereinigungen und Verabmacht, daß sich einige Glemente gefunden hätten, die für dte Firma um auf seine Rechnung zu kommen, die Gehilfen zu minderwertiger rebungen, anzusehen. Auf diesem Standpunkt stehe auch das ReichsRausreißerdienste verrichteten. Im Anschluß daran veröffentlichte Arbeit getrieben haben, wofür Hübbe die Verwaltung der Pro- gericht. Ohne Rechtsirrium sei auch festgestellt, daß eine Drohung die Tribüne" die Namen von vier Arbeitswilligen. Durch duftion" verantwortlich macht. Die Beschwerden der Gehilfen und Berrufserklärung im Sinne des§ 153 beabsichtigt worden und den Ausdruck„ Rausreißerdienste" soll mun der Arbeitswurden in einer Vorstandssitung des Malerverbandes vorgebracht, eingetreten sei. Mit Recht sei deshalb Angeflagter auf Grund willige Bohrer Karl Heinrich beleidigt worden sein. Mann selbst fühlte sich ja nicht beleidigt, aber er wurde von dem doch hat der Vorstand keinen Anlaß gefunden, gegen Weihe Stellung des§ 153 der Gewerbeordnung verurteilt worden, weil er zu N. Amtsanwalt vorgeladen und darauf aufmerksam gemacht, daß der zu nehmen, da dieser einen Pfennig über den Minimalstundenlohn gesagt habe, alle anderen Maurer würden die Arbeit niederlegen, Ausdrud Nausreißer" doch eine Beleidigung für ihn sei. So wurde bezahlt und sich auch sonst in den Grenzen des Tarifvertrages ge- wenn er nicht dem Verband beitrete. er veranlaßt, Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur der halten hatte. Ueber diese Sigung berichtete Hübbe in Form eines „ Tribüne", Genossen Betzold, zu stellen. Außerdem erblickte die Protokolls in seinem Blatte. Er nannte Weihe einen bekannten Staatsanwaltschaft in der Veröffentlichung der Namen der Arbeits- Schmußkonkurrenten" und 6000 Mark- Genossen", der seine ihm willigen ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung. In der Ver- übertragenen Arbeiten zusammengepfuscht und Anstriche gespart" handlung der Straffammer, vor der sich am Dienstag Gen. Petzold zu ver- habe, und erklärte, Unterschriften von den Gehilfen zu befizen und antworten hatte, ließ der Staatsanwalt die lettere Anlage fallen, den Beweis der Wahrheit für seine Angaben erbringen zu wollen. doch wegen Beleidigung des Arbeitswilligen Heinrich beantragte er Hierzu ward Hübbe in einer von dem so arg angegriffenen einen Monat Gefängnis! Der Vorsitzende äußerte die Meinung, daß das Wort Rausreißer" gleichbedeutend sei mit Streifbrecher". Malermeister Weihe gegen ihn angestrengten Beleidigungsklage Vom Reichsgericht sei festgestellt, daß der Ausdrud Streifbrecher" Gelegenheit geboten. Die Verhandlung fand am Mittwoch vor dem eine Beleidigung fei. Das Urteil lautete auf vier Wochen Ge- Schöffengericht IV zu Hamburg statt. Herr Hübbe sprach von seiner fängnis! politischen Mission gegen die Sozialdemokratie und wies, da er den Wahrheitsbeweis antreten wolle, den vom Vorsitzenden angebotenen Bergleich- glatte Burücknahme der inkriminierten Behauptungen zurüd. Aber bald sah er fallen Blatt um Blatt. Die angeblich wegen au geringer Arbeitsleistung entlassenen Gehilfen sagten aus, fie feien entweder freiwillig gegangen oder es sei feine Arbeit mehr vorhanden gewesen. Ginige Gehilfen es varen 28 8eugen geladen erklärten allerdings, sie hätten ein bestimmtes Arbeitsquantum leisten müssen, bas bon anderer Seite als nicht zu groß bezeichnet wurde. Von minderwertigem Material und Pfuscharbeit war keine Rede, doch soll in einigen Fällen aus Bersehen ein Anstrich gespart" worden sein, wofür aber nicht der positive Beweis Der Arbeiterturnverein Freie Turnerschaft" in Königs- erbracht zu werden vermochte. Die so hämisch angegriffene Vera berg i. Br. wurde vom Polizeipräsidenten für einen politischen waltung der Produktion" hat von diesen Dingen erst Kenntnis erklärt und der Vorstand deshalb aufgefordert, die Statuten und burch den Hübbeschen Artikel erhalten. Ein Sachverständiger von ein Verzeichnis der Worstandsmitglieder einzureichen. Der Regierungspräsident berwarf die vom Vorsitzenden Krüger erhobene der Hamburger Gewerbekammer befundet, daß die Arbeiten in Beschwerde mit folgender Begründung: Daß der Verein ein ihrer Gesamtheit beffer zur Ausführung gelangt feien als auf politischer sei, gehe aus folgendem hervor: 1. Die Einladung zur anderen ähnlichen Bauten. Die Arbeiten feien allerdings zu billig Gründung des Vereins sei im Jahre 1906 in der Königsberger angenommen worden, dabei könne fein Meister seine Rechnung Bolkszeitung" erfolgt, dem sozialdemokratischen Organ. 2. Der finden. Weihe bemerkt hierzu, daß er dabei ganz gut verdient Vorstand bestehe aus sielbewußten Anhängern der Sozialdemo- habe, da er stets am Bau anwesend war und mitgearbeitet habe. fratie. 8. Die Turnabende seien in erster Zeit ausschließlich in bem sozialdemokratischen Verkehrslokal Ludwigshof abgehalten tworden. 4. Von den freien Gewerkschaften habe der Verein UnterDas Gericht berurteilte den Angeklagten nach achtstündiger ftübungen in Geld erhalten. 5. Die Tätigkeit des Vereins befchränke sich nicht ausschließlich auf die Pflege des bolkstümlichen Verhandlung zu einer Geldstrafe von 100 m. ober 20 Tagen GeTurnens, sondern bezvede darüber hinaus die politische Erziehung fängnis, weil der Artikel gehäffige und gefährliche Angriffe entim Sinne der Sozialdemokratie. Dazu gehöre hier in erster Linie halte. Mit solchen Waffen solle man keinen Stampf, auch keinen bas Singen politisch- revolutionärer Bieber. 6. Der. Berein halte politischen, führen. Außerdem erkannte es auf Urbeilspublikation Rekrutenabschiedsfeste ab, um einen dauernden Einfluß auf die in den Hamburger Nachrichten" und im Hamburger Echo". ihrer Dienstpflicht genügenden Parteigenossen au gewinnen. 7. Der Dieses Urteil wird dem berufsmäßigen Verunglimpfer sozialVerein halte die Arbeiterturnerzeitung. 8. Abteilungen der demokratischer" Betriebe, der sich auch als Verfechter von Ge Freien Turnerschaft" hätten sich aktiv am sozialdemokratischen Hilfeninteressen aufspielte, nicht abhalten, seine Nase bald wieder Parteifest beteiligt. Nachdem der Oberpräsident die weitere Beschwerde ebenfalls in eine andere sozialdemokratische Brutstätte" hineinzufteden. abgewiesen hatte, flagte der Vorsitzende Krüger beim Oberber. Das ist ja sein Metier! waltungsgericht, vor dem ihn der Rechtsanwalt Dinse vertrat. Der Anwalt bestritt die Richtigkeit der Angaben des Regierungspräsidenten zum größeren Teil und trat Betveis für das Gegenteil an. Soweit die Angaben aber richtig feien, ließen sie die daraus von den Behörden gezogenen Schlüsse nicht zu. 3um Beispiel beweise es gar nichts für den Vereinszwed, daß Borstandsmitglieder der sozialdemokratischen Partei angehörten und daß Harmlose Rekrutenabschiedsfeste stattfanden, wenn Mitglieder eingezogen wurden. Das Lokal" Ludwigshof" habe man anfangs benuten müssen, weil damals der Magistrat noch die Hergabe einer Turnhalle abgelehnt habe. Und daß man in dem einzigen Sönige berger Arbeiterblatt, der Boltszeitung", annoncierte, als es fich um die Gewinnung von Mitgliedern für einen Arbeiterturnverein handelte, sei selbstverständlich. fchweiger Blatt die Namen der Arbeitswilligen bei der Firma Beitler u. Winkelmann. Der Oberwachtmeister Schulze beranlagte darauf die Arbeitswilligen zu einem Strafantrage; in der Verhandlung bekundeten die meisten, sie hätten sich nicht beleidigt gefühlt. Die Straffammer ertannte auf Freisprechung; felbst der Staatsanwalt gab zu, daß teine Berrufserklärung im Sinne der Gewerbeordnung vorliege. Wie ein Turnverein zu einem politischen wird. " " Der Vorsitzende legte dem Angeklagten wiederholt nahe, seine Behauptungen zurückzunehmen. Das lehnte Hübbe ab. " " Zur Luftbarkeitssteuer. Mod Das Offizierkorps bes Grenadierregiments Nr. 6 in Bosen war wegen eines Balles mit 12 M. zur Luftbarkeitssteuer herangezogen worden. Auf die Klage des Korps erkannte das Ober= Berwaltungsgericht jetzt gleich dem Bezirksausschuß dahin, daß das Korps von der Luftbarkeitssteuer freizustellen sei. Begründend wurde ausgeführt: Maßgebend fei die örtliche Steuerordnung. Diese unterstelle der Steuer, in Abweichung von der Mustersteuerordnung, neben den öffentlichen Luftbarkeiten die Luftbarfeiten von„ Bereinen oder Gesellschaften". Bei diesem Wortlaut tönne diese Lustbarkeitssteuerordnung nicht auf den Ball eines Offizierforps bezogen werden, denn weder sei der Ball öffentlich, noch sei das Offiziertorps ein Verein oder eine Gesellschaft im Sinne der Steuerordnung. Es fehle die Voraussetzung der Freiwillikeit des Beitritts. Nun bliebe ja noch die Möglichkeit, daß nicht das Offiziertorps als solches den Ball veranstaltet hätte, sondern daß einige Offiziere sich zum Zwecke der Veranstaltung eines Balles für das Offizierkorps zufammengetan hätten. Diese Das Oberverwaltungsgericht wies aber die Stlage mit folgen der Begründung ab: Um die Freie Turnerschaft" für politisch zu erklären, würde schon die Tatsache genügen, daß der Verein dem Arbeiterturnerbunde" angehöre, den das Gericht schon früher für einen politischen Berein erklärt habe. Dazu kämen aber hier noch die Tatsachen, daß der Verein bei einem ausgesprochen sozialdemo- veranstaltenden Offiziere würden dann eine zum Zweck der Verfratischen Parteifest aktiv mitgewirkt habe, daß er von Gewerfschaften Unterstützung erhielt, seine Zusammenfünfte in der Königsberger Volkszeitung" publizierte und sie seinerzeit in einem fozialdemokratischen Parteilokal abhielt. Alles zusammen spreche für den Bwed einer politischen Einwirkung im sozialistischen Sinne. anstaltung zusammengetretene Gesellschaft sein. In dem Falle würde der Ball der Steuer unterliegen, wenn es sich um eine Steuerordnung im Sinne der Mustersteuerordnung handelte, da darin auch der Steuer unterworfen würden die Tanzluftbarkeiten, welche von solchen Gesellschaften, die zu diesem Zweck zusammenträten, veranstaltet würden. Eine derartige Bestimmung enthalte aber die Bosener Lustbarkeitssteuerordnung nicht. Damit fcheide jede Möglichkeit aus und es rechtfertigte sich die Freiftellung von der Steuer. Milde gegen Gutsbefizer. Die Begründung des Urteils ist, abgesehen von der Folgerung aus der früheren Bolitischerklärung des Arbeiterturnerbundes, ein wahres Kabinettstud falscher Bewertung des Tatbestandes. Wenn ein unpolitischer Verein dadurch politisch wird, daß er in einem fozialdemokratischen Blatte annonciert, so wären folgerichtig auch alle die Vergnügungsvereine, die in konservativen, ultramontanen oder liberalen Blättern Anzeigen veröffentlichen, politischer Natur und nur die hätten den unpolitischen Charakter gewahrt, die in Das Schöffengericht in Marienburg( Westpreußen) ver. parteilofen Lotal- und ähnlichen Schundblättern inserieren. Gar urteilte den Gutsbesitzer Anton Fieguth aus Notzendorf, der ein nicht einzusehen ist, wie Spenden von Gewerkschaften einem Verein an Notlauf verendetes Schwein feinen Leuten zum Verzehren einen politischen Charakter geben können, ebensowenig beweist das gegeben hatte, zu 3 M. Geldstrafe. Auf diese geringste zulässige Tagungslotal etwas dafür und mag es noch so sehr fozialdemo- Strafe wurde erkannt, weil die Leute nach dem Genuß des Wie würde es in einem tratisch infiziert sein. Wenn aber der Verein gar deshalb der Eine Fleisches gesund geblieben waren. wirkung auf politische Angelegenheiten überführt fein foll, weil gleichen oder ähnlichen Falle einem Fleischermeister ergangen sein, Abteilungen von ihm bei einem sozialdemokratischen Parteifest und wie, wenn die Berzehrenden nicht Landarbeiter, sondern turnerische Aufführungen veranstaltet haben, so wäre auch eine Gutsbesitzer gewesen wären? Musikkapelle, die ein solches Fest durch ihre Darbietungen berichönt, ein politischer Verein! Jugendbewegung. Der Berband der schweizerischen sozialdemokratischen Jungburschenvereine hält am 19. März in Luzern feine 7. Delegierten versammlung ab, die sich außer mit der Berichterstattung des Zentralvorstandes auch mit der Frage Partei und Jugend organisation" beschäftigen wird. of Gerichts- Zeitung. Sind Gewerkschaftsorganisationen Verabredungen" gemäß§ 153 der Gewerbeordnung? Diese Frage wurde in einem auch noch in anderer Beziehung interessanten Strafverfahren vom Kammergericht dieser Lage bejaht! Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am Don nerstag, den 16. März, auf dem städtischen Friedhof in der Müllerstraße stattgefunden. 226/7 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Parteigenoffin, Frau Anna Robbel Berliner Straße 40( 5. Bezirk) nach furzem, schwerem Leiden an den Folgen einer Operation vers storben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. März, nachm. 3 hr, von der Leichenhalle des Friedhofs der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/16 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, Die Arbeiterin Marie Remus am 14. März an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Gonnabend, den 18. März, nach mittags 3 Uhr, bon der Leichen halle des Emmaus- Stirchhofes in Rigdorf aus statt. Ferner starb unser Mitglied, bie Arbeiterin Hedwig Gille am 15. März an Lungenleiden. Ehre ihrem Andenken! am Die Beerdigung findet Sonnabend, den 18. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Heilig- Kreuz- Stirchhofes in Mariendorf aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/16 Die Ortsverwaltung. Verband der Maler, Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. März, nachmittags 2, Uhr von der Leichenhalle des Nixdorfer GemeindeFriedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Am 14. b. Mts. verstarb nach furzem Krantenlager unser lieber Kollege, der Schriftseter Ludwig Warring im Alter von 53 Jahren. Ein ehrendes Andenken bea 6885 wahrt ihm das Personal der Borussia Drucku. Verlagsanstalt( Kreuzztg.). Beerdigung am Sonnabend, nachm. 4, Uhr, auf dem Schönes berger Friedhof, Marstraße. Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Berta Lange geb. Martins im 30. Lebensjahre nach langen, schweren Leiden gestorben ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Ludwig Lange. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 18. März, nachmittags 4 Uhr vom Zentralfriedhof in Friedrichsfelde aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes und Bruders, des Metallarbeiters Rudolf Jasikowski fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Stollegen der A. E.-G., Brunnen itraße, Abt. Wernicke, dem Herrn Wertmeister Wernide, bem 725c. Bezirk des Wahlvereins, dem Deutschen Metallarbeiter- Berband, den Stamm gästen und dem Gastwirt Rudolf Hinze unseren innigsten Dant. Familie Jafitowekt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, Schwieger und Großvaters, des Buzers Heinrich Pfarr, fage Lackierer, Auftreicher usw. t dem Gefangverein der Buzer, Filiale Berlin. Unferen Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stoflege Gustav Hirsing am 13. März verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Andreastirchhofes in Wilhelmsberg aus statt." 128/14 Die Ortsverwaltung. Am 14. d. Mts. verstarb nach furzem, schwerem Leiden mein inniggeliebter Mann, unser treus forgender Bater, Großvater Schwiegervater, der Schriftfeher im 53. Lebensjahre. bis Dies zeigen tieftraurig an Emma Warring geb. Hasselberg und Kinder. dem Wahlverein des 6. Neichstags wahlkreises, Bezirk 581 und allen lieben Verwandten und Bekannten, Kollegen nebst Angehörigen meinen 6895 herzlichsten Dant. Witwe Anna Pfarr nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Blumenspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Paul Monsé fage ich allen Berwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Chef, den Kollegen und Lehrlingen der Firma Fr. Stolzenburg u. Comp. 6875 meinen innigsten Dant. Luise Monsé geb. Reinhardt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher spenden bei der Beerdigung meines lieben Bruders, des früheren Gaft. wirtes Auf dem Kasernenneubau in Crossen waren etwa 60 Maurer beschäftigt, die sämtlich dem Zentralverband deutscher Maurer angehörten. Als der Maurer Nürner dort anfing, der dem Ver- Ludwig Warring Teilnahme sowie die zahlreichen Stranzband nicht angehörte, nahm der Vertrauensmann mit den andern Kollegen Rüdsprache und suchte dann N. zu bewegen, dem Zentralberband beizutreten. Dieser lehnte das ab. Darauf sagte das hinzugekommene Verbandsmitglied Häusler zu N., daß alle andern die Arbeit niederlegen werden, wenn er nicht beitrete. Man werde nicht mit ihm zusammen arbeiten, wenn er nicht beitrete. N. hörte dann auf diesen Bau mit der Arbeit auf. Häusler wurde demSeit einigen Jahren führt in den Hamburger Nachrichten" nächst vom Landgericht Guben, als der zweiten Instanz, wegen bas seit dem Tode der alten Rafetentiste im Sachfenwalde von Jahr Bergehens gegen den§ 153 der Gewerbeordnung verurteilt, wonach au Jahr an immer größer werdenden Abonnentenschwund leidet, mit Gefängnis zu bestrafen ist, wer andere durch Anwendung för ein Herr Thomas Hübbe eine grimme Fehde gegen die Sozis, bie| perlichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ghrverlegung oder " Soziale Komödie." Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 18. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in der Marstraße, Schöneberg, aus ftatt. 40/10 Karl Münzberg sage i allen Berwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere, dem Verbande der freien Gast- und Schanfibirte Deutschlands, dem 13. Be girt des Wahlvereins meinen innigsten Dant. Frau Berta Müller geb. Münzberg, A.WERTHEIM G. M. B. H. LEIPZIGER STR. 132-37 Leipziger Platz ROSENTHALER STR. ORANIEN- STRASSE Freitag, Sonnabend Lebensmittel Frisches Fleisch Nur Leipziger und Rosenthaler Strasse: Schmorfleisch... Pfund 95 P Pfund ohne 1.30 75 Pf. 70 Pl. Roastbeef 1.00, Knochen Kamm u. Brust..... Pfund Querrippe u. Gulasch Gehacktes 60, Nierentalg 50 Pl Rinderzunge Plund 1.15, kelt 1.35, 1.50 pökelt Pfund Schinken u. Pökelkamm Pfd. 70 Pl. Kamm u. Schuft Ganzen Pfund 70 Pf. Frischer Rippespeer.. Pfund 80 Pf. Kotelettes Pid. 85, Eisbein Pid. 60 Pf. Liesen 60, Rückenfett 53 Pf., 6 Pfund 3.00 1.00, 1.10 Kalbskeule Pfund Nierenbraten Pfd. 1.00, geteilt geteilt 1.10 1.00 Kalbsbrust. Plund 90 Pf., Spitze Kalbskammu. Bug 80, geteilt 85 Pf. Ständiger Verkauf Leipziger Strasse: Obst und Gemüse Apfelsinen Dtz. 35, 40, 55 Pf. Blut- Apfelsinen Dtz. 28, 35, 65 Pf. Kiste 100 Stück....... 5.40 Grosse Mandarinen Pfd. 33 Pf. Datteln........ Karton 33 Pf. Zitronen.. Dtz. 25, 35, 45 Pf. Blumenkohl... Kopf 7, 13 Pf. Kopfsalat 8 PL. Artischocken. 18, 33 PL. Teltower Rübchen Pfd. 18 Pf. ... Bund 10 Pf. Malta- Kartoffeln 3 Pfd. 25 Pf. Sellerieknollen... 6, 8 Pf. Feigen Rhabarber. . Kiste 20, 27 PL Italien. Aepfel.. Pfund 13 Pr. Ananas.. Pfund 58, 75, 83 Pf. Räucherwaren Kieler Sprotten.. Pid. 55 Pf. Makrelenbücklinge st. 15 Pf. Ahlbecker Flundern 45 PL. Kieler Bücklinge 5 Stück 10 Pf. Butter und Käse Tafelbutter.. Pfd. 1.20, 1.30 Briekäse...... Pfd. 52 PL. Camembert 2 Stück 35 Pf. Romatour....... Stück 28 Pf. Limburger....... Pid. 60 Pf. Harzer Kiste 1.65, 5 Stück 10 Pr. Geräuch. Seehasen Stck. 50 Pf. Kieler Sprottbücklinge 35 Pf. Bratheringe,.Dose 4 Liter 1.05 Matjes- Heringe 15,20,25 Pr. 6. Emmenthaler..... Pra. 1.10 Schweizer Käse.. Pla 80 Pt. Tilsiter.......... Pfd. 50 Pf. Quadratkäse.... Stück 18 Pf. Türk.Pflaumenmus Pid. 22 Pf. Bratenschmalz.. Pfund 58 PL Kassel. Rippespeer Prd. 65, 70, 80 PL. Feine kalte Küche 4 Hosen- Av Pos. 1. preiswerte Hosen Dunkel gestreifte Kammgarnart. 6M Sehr haltbar. Viele Muster... Pos. 2. Hosen Marke ,, Kern u. Kraft". 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Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Nr. KZ. 38. Iahrzasg. 2. Scilnif kö Jcrmärts" Krlim Nilkdlxlt. ftcitnä, 17. M«! 1911. Stadtverordneten-Versammlung. 11. Sitzung vom Donnerstag, den 16. März, nachmittags L Uhr. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nach Uhr. ' Vor der Sitzung sind mehrere Ausschustwahlen vollzogen worden. Dem Ausschuß für die Vorlage"wegen Unterstützung des Philharmonischen Orchesters gehören von der sozialdemokratischen Fraktion die Stadtvv. Basner, Glocke, Heimann, Ma- nasse; dem Ausschutz für die Neueinteilung der Wahlbezirke Dr. Arons, Borgmann, Pfannkuch, Sassenbach; dem Aus- schusse für die Schnellbahn Gesundbrunnen-Rixdorf B r u n L, Ewald, Heimann, Hintze an. Die Mag-stratsvorlage wegen Festsetzung der Gemeindeein- kommensteuer für 1911 aus 119 Prozent ist, nachdem inzwischen der vom Potsdamer Regierungspräsidenten gesetzte Termin(12. März) Verstrichen ist, gegenstandslos geworden. Die Versammlung beginnt hierauf nach Erledigung einer Reihe von Vorlagen ohne allgemeineres Interesse mit der Spezialberatung dcS StadthauShaltsrtats für 1911 auf Grund der Berichte und Anträge des Etatsausschusses. Bei den Ausgaben für„Verschiedene Einrichtungen für die städtischen höheren Lehranstalten" hat der Etatsausschutz die 5999 M. für die wissenschaftlichen Beilagen der Schulprogramme gestrichen. Stadtv. Direktor Hellwig(A. L.) tritt lebhaft für die Bewilli- gung der Summe ein. Stadtv. Direktor Glatzel(Fr. Fr.) schließt sich dem Vor- redner an. Stadtv. Dr. Arons lSoz.) bittet, den Ausschutzbeschlutz anzu- nehmen. Es gebe zahlreiche Zeitschriften, die sich gerade die Popu- larisierung der Wissenschaft zur Aufgabe machen. Andererseits trete die Anregung, sich auf diesem Wege wissenschaftlich zu be- tätigen, an den Lehrer nur alle 69 Jahre einmal heran. In der heutigen Zeit mit ihrem ausgebildeten Publikationswesen sei dieses Beilagenwesen ein alter Zopf, und Berlin könne getrost mit dessen Abschneidung vorangehen. Stadtv. Cassel(A. L.) ist entgegengesetzter Meinung und würde im Gegenteil wünschen, daß man statt des dreijährigen wieder den einjährigen Turnus in der Beigabe dieser wissenschaftlichen Ad» Handlungen adoptierte. Die S999 M. werden von der Mehrheit nach dem Antrage Hellwig wieder in den Etat eingestellt. Bei dem Etat sind die Abteilungen„Badean st alten, Des- i n f e k t i o n ö a n st a l t, Heimstätte n". Zu den Ausgaben für die Heimstätten bemerkt Stadtv. Dr. Weyl(Soz.): Es ist in unseren städtischen Heim- statten nach dem Beschlutz vom 15. Dezember 1919 ein Versuch gemacht, schwache und kränkliche Kinder dort unterzubringen. Es sind im ganzen etwa hundert Kinder der verschiedensten Kategorien aufgenommen worden, und den Kindern ist der Aufenthalt so gut bekommen, wie es nach Lage der Dinge nur möglich war. Die Folge davon ist, daß bereits jetzt im März die Heimstätten überfüllt sind. Gegenüber 566 Pfleglingen als Durchschnitt haben wir bereits 591, und höchstwahrscheinlich wird im Laufe des Jahres diese Zahl noch wachsen. Mit ziemlicher Sicherheit kann man sagen, daß der Abschluß der Heimstätten, wie er hier vorliegt, am Schlüsse des Jahres günstiger aussehen wird. Nachdem der Versuch so gut ge- lungen, müssen wir nun auch beim Magistrat darauf drängen, daß er an die Errichtung von eigenen Heimstätten für kränkliche Kinder geht, gemäß unserem ebenfalls am 15. Dezember gefaßten Beschlüsse. Die Zahl der Vormeldungen ist schon jetzt sehr erheblich und wird ebenfalls weiter steigen. Im letzten Jahre sind 8,76 Proz. der Schulrekruten von den Schulärzten für schulunfähig erklärt worden! Ich möchte den Magistrat bitten, die Frage von der Kommission, hie die gesamte Kinderfürsorge berät, gründlich erörtern zu lassen. Die Ausgaben für die Heimstätten werden bewilligt. Stadtv. Dr. Wetzl empfiehlt weiter einen Antrag AronS, wonach für das städtische Rettungswesen ein eigenes Kuratorium gebildet werden soll. Die Durchführung der Versamm- lungsbeschlüsse auf dem Gebiete des Rettungswesens könne im allgemeinen befriedigen. Die hervorgetretenen Mängel führten sich eben auf den Mangel eines Kuratoriums zurück. In manchem Stadtteil fehle es an Wachen, so in der Gegend vor dem Schönhauser und dem Rosenthaler Tor, der man die früher in der Kastanienallee vorhandene Wache genommen habe. Und was habe mit den hilflosen Personen zu geschehen, welche auf der Straße von Polizeibeamten aufgefunden werden? Sie sollen unter allen Umständen einer Rettungswache zugewiesen werden, so sei die Polizei von dem Magistratsdezernenten angewiesen worden, «ur für den Fall der Notwendigkeit ärztlicher Hilfe solle er in seine Wohnung geschafft, bei Mangel von Legitimatirnzspapieren aber In Polizeigewahrsam genommen werden. Neuerdings hätten sich da mehrere Fälle ereignet, die man beanstanden müsse. Zweck- mätzig sei, diese Personen auf einer Tragbahre in die Rettungswache zu schaffen: die Polizeibeamten griffen oft sehr roh zu. Bürgermeister Dr. Reicke: Der Magistrat hat sich noch nicht erneut mit der Frage beschäftigt, ob schon der Zeitpunkt zu einer Aenderung gekommen ist; ich glaube aber, er wird sich auf den Standpunkt des Vorredners stellen. Der Vertrag mit den drei Institutionen läuft am 1. April 1912 ab; die Frage wird vorher vom Magistrat erledigt werden. Stadtv. Mommfen(Fr. Fr.): Gegenüber dem Rettungswesen stehen wir nach wie vor auf dem Standpunkte, daß die volle Ver- stadtlichung mancherlei Bedenken unterliegt. Wenn wir dem Antrag auf Einsetzung eines Kuratoriums zustimmen, so tun wir das ohne Aenderung unserer prinzipiellen Anschauung. Ter Antrag AronS wird angenommen. Zum Etat für die städtische Zentrale Buch gelangt eine vom Ausschuß vorgeschlagene Resolution zur Annahme:„Den Magistrat um eine Vorlage zu ersuchen, durch welche für die Z e n- itrale Buch ein Kuratorium aus Mitgliedern beider Gc- meindebehörden geschaffen wird." Stadtv. Glatzel berichtet über den Etat der Gemeinde- schulen. An den Bauraten hat der Ausschutz 4 Abstriche von im ganzen 259 999 M. beschlossen und den Antrag auf Einstellung von 4 ersten Bauraten für die Schulen in der Malplaquet-, Lütticher, Zelle- und Ofener Straße abgelehnt. Stadtv. Hellriegel(N. L.) bedauert die Streichung und lenkt die Aufmerksamkeit auf die unerhörten Zustände in den Mietschulen Frankfurter Allee 4 und 27. Er protestiert auch gegen die Beibehaltung der schädlichen Gasheizung in den Gemeindeschulen. Stadtv. Leid(Soz.): Wie wenig der Etat diesmal auch nur den dringendsten Anforderungen entspricht, dafür ist der Schulctat ein klassischer Beweis. Die Schulv'erwaltung hatte fünf Millionen für Neubauten gefordert, davon hat der Magistrat drei Millionen ge- strichen! Die Schulverwaltung hatte doch sicher ihre Anträge genau geprüft; sie hat gewiß nur die allerdringendsten Forderungen ge- stellt. Wir haben es in Berlin noch mit einem ganz umfangreichen Mietsschulensystem zu tun. Wir haben nicht weniger als 39 Mietschulen mit 492 Klassen und 99199 Kindern! (Hört! hört!) Davon waren nur sehr wenige frühere Privatschulen; in der Hauptsache sind es zu Schulzwecken hergerichtete Wohn- räume, die weder in pädagogischer noch in hygienischer Hinsicht den Anforderungen entsprechen. An einigen Stellen haben sie sich in einer Weise gehäuft, daß Abhilfe dringend nötig ist, so in der Schönhauser Vor st ad t, auf dem Gesundbrunnen, im Srankfurter Viertel, in der Nähe des V i r ch o w- ra» kenhause S. Abhilfe kann nur eintreten, wenn mit neue» Schulbauten schnell vorgegangen wird. Unter den Mietschulen ent- spricht eine ganze Reihe auch nicht den geringsten Anforderungen; die Schulverwaltung erklärt, auf die Dauer die Verantwortung nicht tragen zu können.(Hört! hört!) Es ist beschämend für die Stadt, daß wir uns erst von der Regierung nötigen lassen müssen, dieses Mietschulsystem zu verlassen und eigene Schulen zu erbauen. Darum erklären es meine Freunde für dringend notwendig, die vier Schulen, die im Etat gar nicht stehen, in den Etat einzusetzen; diese Schulen sind ja längst von der Versammlung bewilligt worden. Wir beantragen, für jede dieser 4 Schulen eine erste Rate von 299 999 M. einzustellen. Wir sind damit noch unter die Anträge der Schulverwaltung hinuntergegangen. Wir wollen, nachdem der Ausschuß diesen Antrag abgelehnt hat, der Versammlung Gelegen- heit geben, zu bekunden, wie s i e über diese Sache denkt. Auch die vom Ausschutz beschlossen.«! Abstriche halten wir für verfehlt. Im Ausschuß ist festgestellt worden, daß die Ansicht, es brauche nur bewilligt zu werden, was im Jahre verbaut werden kann, insoweit irrig ist, als die rechnungsmäßig noch vorhandenen Baugelder bereits verbaut, nur noch nicht ausgegeben waren. Die Lieferanten müssen natürlich bezahlt werden. Bei einer Schule, die schon am 1. Juli bezogen wird, müssen jetzt als Restsumme 349 999 M. be- willigt werden; das beweist doch nur, daß vorher die Raten nicht so ausgeworfen worden sind, wie es vom Standpunkte einer ge- sunden Finanzpolitik verlangt werden mutz. Für 2 neue Gemeinde- doppelschulen in der Anton- und Dunckerstratze hat man die ersten Bauraten mit 199 999 M. viel zu niedrig bemessen; die Bauraten müssen doch vernünftig auf die Bauzeit verteilt werden. Wir beantragen, diese beiden ersten Raten auf je 259 999 M. zu erhöhen und die vom Ausschutz vorgeschlagenen Abstriche bei den 4 anderen Schulen abzulehnen.„Die Kulturaufgaben dürfen nicht leiden!" Ist es Ihnen damit ernst, so stimmen Sie unserem An- trage zu.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Licbenow(A. L.) verteidigt die Stellungnahme des Ausschusses und sucht dessen Berechtigung aus den faktischen Ergeb- nissen der vorjährigen Baukampagne nachzuweisen. Die Anträge der Sozialdemokraten werden ohne weitere Dis- kussion abgelehnt. Die Etats für das Gemeindeschul., Fortbildungs- und Fachschulwesen einschließlich der Technischen Mittelschule werden genehmigt. Stadtv. Löscr(A. L.) referiert über den Etat der Kranken- und Irrenanstalten. Stadtv. Leid(Soz.): Wir bringen den im Ausschutz abge- lehnten Antrag wieder ein: den Magistrat zu ersuchen, eine Re- gelung der Lohnbezüge, der Arbeitszeit und der Urlaubsfrage des in den städtischen Krankenan st alten, Irrenanstalten und Heimstätten beschäftigten Personals vorzunehmen,. Der Wechsel des Personals in diesen unseren Anstalten ist autzerordentlich stark; es müssen Mittel und Wege gefunden werden, ein seßhafteres Pflegepersonal zu be- kommen. Ein solches Mittel erblicken wir in der Aufbesserung der Lohnbezüge. Nicht daß wir dieses Mittel für ausschlaggebend halten, aber es kann sehr viel dazu beitragen, die Neigung der Leute zu verstärken, in ihrer Stelle zu bleiben. Eine grötzere Setz, haftigkeit des Personals liegt vor allem im Interesse der Kranken. Die bestehende Regelung hat eine große Anzahl von Ungleichheiten in bczug auf Bezahlung, Arbeitszeit und Urlaubszeit nicht be- seitigt. Die Handwerker- und Hausdienerbezüge differieren in den verschiedenen Krankenhäusern ganz erheblich, ebenso die Arbeitszeiten. Diese Dinge müssen möglichst einheitlich gc- regelt werden. In den Heimstätten besteht eine Lohnskala überhaupt nicht. Die Urlaubsfrage liegt noch sehr im argen. Es mutz auch Vorsorge getroffen werden, daß während der Urlaubszeit kein Entgang der Emolumente stattfindet. Aus diesem Grunde bitte ich um Ihre Zustimmung zu unserer Resolution. Stadtv. Dr. Wetzl(Soz.): Der Verwaltungsbericht der Kranken- Häuser pflegt ziemlich spät zu erscheinen. Wir haben bis heute nur den allgemeinen Bericht und den von dem Hause in der Gitschiner- stratze. Wenn es überhaupt einen Zweck hat, diese Vcrwaltungs- berichte herauszugeben, dann müßte es doch etwas aktueller ge- schehen, damit wir doch zu der Zeit, wo der übernächste Etat zur Beratung steht, Vvenigstens eine Uebersicht haben über das hinter uns liegende Etatsjahr. In dem Bericht sollte auch eine Ucber- ficht über die in unfern Krankenhäusern im Laufe des Jahres ge- machten wissenschaftlichen Forschungen gegeben Iverden. Warum ist die Einrichtung zahnärztlicher BeHand lungs- z immer in sämtlichen Krankenhausetats gestrichen worden? Wir beantragen, eine Reihe von Positionen zu erhöhen; wir konnten das nicht bereits im Etatsausschutz, weil wir erst spater erfuhren, daß eine Kürzung der Forderungen der Krankenhausdircktoren vom Magistrat vorgenommen war. Wir haben in der Krankenhaus- deputation die Erhöhung der Zahl der Schwestern für das Strankenhaus Friedrichshain um 6 nach gründlichster Erwägung gebilligt, denn die Direktoren erklärten uns, es liege ein Notstand vor. Der Magistrat macht sich nun die Sache sehr leicht, indem er van den 6 neuen Schwestern 3 streicht. Sparen ist sehr schön, aber hier ist es eine kleinliche Knauserei. Beim Virchowkranken- Hause hat offenbar der Rotstift des Kämmerers etwas sinn- los gewütet(Unruhe), auch unter dem Personal; es sind hier 2 Assistenzärzte, 3 Schwestern und 7 Wärterinnen gestrichen. Die Deputation hatte die beiden Aerzte für die hydro-thcrapeutische und die pathologische Abteilung bewilligt, um die der Direktor seit 2 Jahren bat. Die neuen 3 Schwestern sind für die Nachtwachen» regelung notwendig; der Magistrat meint, es wird auch mit den bisherigen 186 Schwestern weitergehen. Dasselbe gilt für die Wärte rinnen. Wie die Krankenversorgung ohne die von den Direktoren beantragte und von der Krankenhausdeputation beschlossene Per- mehrung des Personals sich vollziehen soll, darüber schweigt sich der Magistrat aus. Hier handelt es sich doch wirklich um eine Kultuo aufgäbe. Freilich stehen unsere Krankenhäuser jetzt auf einer ge wissen Höhe; wir können mit den Einrichtungen einigermaßen zufrieden sein. Lehnen Sie unsere Anträge ab, so über- nehmen Sie die Verantwortung, und diese Verantwortung ist sehr groß. Kämmerer Dr. Steiniger: Ich bitte um Ablehnung des An- trags Leid und der Anträge Wehl. Daß wir an den Mehr- forderungen der Deputation gestrichen haben, ist unvermeidlich. Wozu sind wir denn da?(Heiterkeit.) Dann könnten wir ja die Aerzte die Sache allein besorgen lassen und brauchten uns alle nicht mehr zu bemühen. Gegen den Ausdruck des„sinnlosen Wütens meines Stiftes" protestiere ich. Stets wird ein gewisser Wider- spruch zwischen den Anforderungen unserer Herren„Techniker" und dem Stande unserer' Finanzen bestehen. Die Verantwortung müssen wir tragen, ob Sie den Antrag ablehnen oder nicht. Wer soll übrigens hier solche Einzelheiten diskutieren? Es ist noch nicht dagewesen, daß Sie uns mehr Beamte in der Verwaltung abver- langt haben.(Widerspruch.) Einer der Verwaltungsdirektoren hat sich mit dem Magistratsvorschlag zufrieden erklärt. Stadlv. Dr. Wetzl: Der Kämmerer hat sich sein? Sache sehr leicht gemacht und sie ins Lächerliche gezogen. Der ärztliche Tech- niker muß doch maßgebend sein, soweit es sich um das Hilsspcr- sonal für die ärztliche Versorgung handelt; die Deputation, die doch nicht nur aus Acrzten besteht, hat einmütig die Forde- rungen akzeptiert, deren Bewilligung wir beantragen. Stadw. Cassel: Anläßlich der Etatsberatung einseitig neue Boamtenstellen usw. unsererseits zu beantragen, halte ich nicht für zulässig. �. Die von den Sozialdemokraten gestellten Anträge werden ab- gelehnt. aum Etat der Irrenanstalten führt tadtv. Dr. Zadel(Soz.) aus: Im vorigen Jahre sprach ich die Ansicht aus, daß wir mit unseren Jerrenanstalten demnächst auf einer Art Beharrungszustand angelangt sein würden. Die Erfahrung gibt mir recht. Zum ersten Male haben tuir keine Ueberfüllung der Anstalten zu verzeichnen.gehabt, auch nicht m Herzberge. Ter Rückgang des Schnapsgenusses ist es, der uns weniger Kranke in die Anstalten gebracht hat.(Hört! hört!) lieber die Schaffung eines Fürsorgeamtes für entlassungs- fähige Geisteskranke haben wir schon 1999 verhandelt und an den Magistrat ein bezügliches Ersuchen gerichtet; es ist aber noch nichts geschehen, obwohl beinahe zwei Jahre seit dem Besa>.usse ver« flössen sind. Muhte denn so lange Zeit darüber vergehen? Die Anschauung, daß im Magistrat zu langsam gearbeitet wird, kann daraus nur neue Nahrung schöpfen. Im Laufe des nächsten wahres werden wir Ihnen dann auch zahlenmäßig sagen können, wrevret Alkoholiter weniger gewesen sind. Es lvare also an der Zeit, die Privatanstalten zu entbehren und für die dort Untergebrachten eigene Ai. stalten zu bauen. Leider sind immer noch 3999 Kranke, die wir nicht aufnehmen können. In all den 25 Jahren haben die Direktoren der städtischen Irrenanstalten immer wieder auf diesen wunden Punkt hingewiesen. Den Anstaltsdirektoren und der Sache bin ich es schuldig, heute ausführlicher auf dieje Frage einzugehen. Im Jahre 1892 waren bei weitem mehr Kranke in privaten als in unseren eigenen Anstalten untergebracht.� Im vorigen Jahre meinte der Oberbürgermeister bei Gelegenheit der Heijermansdebatte, es wäre doch für manche Leute besser, wenn sie sich in Privatpflege befänden. Das mag für zahlungsfähige Kranke g«ten; die andern haben es viel s chl e ch t e r. Die Klagen über die Nachteile der Privatanstalten durchziehen die Jahresbericht« wie ein roter Faden.„.,... Im Jahre 1995 waren über 2590 in Privatpflege und die Eröffnung von Buch 1996 hat kaum noch einen EiAflutz ausgeübt. Nicht bloß, daß die Kranken in Privatanstalten schlechter und ungenügender verpflegt werden, sondern das wirkt auch auf unsere städtischen Anstalten zurück. Alle Umbauten, Er« Weiterungen und Umwälzungen in den städtischen Anstalten haben keine Abhilfe schaffen können; im Gegenteil kam Herzberge direkt in Verlegenheit, da das Frauenhaus ausgeräumt werden mutzte, um Männern Platz zu schaffen, und bis 1919 für die irren Frau«» nicht zur Verfügung stand. Das Verwahrungshaus in Buch mutzte bald um ein weiteres vermehrt werden. Die Landhäuser für ruhige Kranke in Herzberge und Buch blieben dagegen unbenutzt, weil ruhige Kranke nicht da waren. Von Jahr zu Jahr trat klarer zutage, daß der Charakter unserer städtischen Anstalten dadurch ver- darben wurde, und er verdirbt weiter. Die Anstalten ver- lieren mehr und mehr den Charakter der Heilanstalten und ge- Winnen mehr und mehr den Charakter von Bewahrung s- Häusern. Die Anstalten sollen doch nicht Gefängnisse sein, sondern Heilanstalten. Hier leidet wirklich eine Kulturauf- gäbe. Wir können nicht warten, bis die Anstalt IV in Betrieb ge- nommcn werden kann, sondern ich beantrage, den Bau einer fünften Anstalt zu beschließen und den Magistrat um schleunige Vorlegung eines Entwurfes zu ersuchen. Stadtrat Dr. Strnssmann: Die meisten, die sich in Privat- anstaltcn befinden, sind nicht mehr Gegenstand der Behandlung in den öffentlichen Anstalten. Der Antrag wird abgelehnt. Nach Genehmigung des Etats der Irrenanstalt wird die Etats- beratung für heute abgebrochen, um am nächsten Mittwoch in einer außerordentlichen Sitzung fortgesetzt zu werden. Die Versammlung erledigt dann noch eine lange Reihe von Vorlagen. Für den Verband Märkischer Arbeitsnachweise wird ein M i t g l i e d s b e i t r ag von 2999 M., für den Verein zur Beförderung des Gewerbefleitzes ein solcher von 29 M. in den Etat für„Zuwendungen an gemeinnützige Anstalten und Vereine usw." nachträglich eingestellt. Zu den Kosten der Deutschen Antarktischen Expe- d i t i o n unter Oberleutnant Filchner wird ein Beitrag von 19 999 Mark bewilligt. Der spezielle Entwurf zum Neubau der städtischen höheren Webeschule am Warschauer Platz und an der Naglerstratze, Kostenanschlag 1 289 999 M., findet ohne Debatte die Zustimmung der Versammlung. Das Abkommen mit der Baugesellschaft Belle« vue, betreffend die Regulierung des westlichen Dammes der Greifswalder Stratze von der Carmen-Sylvastratze bis zur Weichbildgrenze und der Magistratsantrag auf Erwerb des Stratzenlandes der Grundstücke Greifswalder Stratze 126— 131 und 134— 137 im Enteignungsverfahren werden genehmigt, ebenso nach kurzer Befürwortung durch den Stadtv. Herzberg(Fr. Fr.) der mit W e i tz e n s ee abgeschlossene Vertrag über die Gewährung von Vorflut für Regen und Kondenswasser aus der Gemeinde Weitzensee. Mit der Gewährung eines Beitrages von 299 M. zu den Kosten der Instandsetzung der K i r ch h o f S m a u e r in der dem Berliner Patronat unterstehenden Kirchengemeinde Falkenberg erklärt sich die Versammlung einverstanden, ebenso mit der Annahme des Ver- mächtnisses von 19 999 M. des Geheimen Baurats Tiemann und der von dem Stadtv. S o I m i tz angebotenen Stiftung von 39 999 M. zu Beihilfen und Preisen für wissenschaftliche Arbeiten an städtischen Anstalten angestellter Aerzte. Dem Beschluß der Versammlung, die Zufahrt st ratze von der Landsberger Stratze zum Georgen kirchplatz auf 19 Meter zu verbreitern,»st der Magistrat beigetreten. Die Umgestaltung des Baltenplatzes nach dem vor« gelegten Magistratsentwurf wird genehmigt. Für eine am 2. April zu veranstaltende GedächtniSfeser für den verstorbenen Stadtrat Münsterberg wird die kosten- lose Ueberlassung des Rathausfestsaales genehmigt. Mit dem Erwerb der zur Verbreiterung der Lands» berger Stratze erforderlichen Flächen von den Grundstücken Nr. 59 und 52/53 im Enteignungsverfahren erklärt sich die Ver» sammlung einverstanden, ebenso mit der Veränderung des Pro- jektes für Erweiterungsbauten auf dem Wasserwerk Müggel« f C �Schluß 9 Uhr. HU9 Iradurtriß irnd Rande!. Das zweischneidige Schwert. Wenn ein Nationalllberaler sich gegen das herrschende Schutz« zollsystem erklärt, dann müssen die Schäden schon gar nicht zu über« sehen sein. Das bestätigt der natioualliberale Kandidat Kehl, der nach einem Bericht im„Landesboten" in einer Versammlung u. a. ausgeführt hat: Unsere Bauern haben Interesse an der Viehzucht. DaS ist derjenige Zweig der Landwirtschaft, der allen Stürmen standhalten wird, weil seine Avsotzmöglichkeit mit der Volksvcrmehrung zugleich dauernd wächst. Die Schutzzollpolitik zeitigt keinen Vorteil für die Landwirtschaft. Wir sind, wie die Statistik zeigt, in Baden in der Viehzucht zurückgegangen. Durch den Futtermangel wurde der Bauer gezwungen. Vieh abzuschaffen. Unsere Bauern im Hanauer Land glauben schon lange nicht mehr an den Nutzen der Schug» zölle. Nationalliberale und Zentrümlcr machen aber trotzdem die Schutzzollpolitik mit, nicht weil sie die wirtschaftlichen Schäden dieses SyfteinS für die breite Masse und Deutschlands Wirtschast überhaupt verkennen, das ist ja kaum möglich, sie schutzzöllern aus politischen Gründen. Aus Freundschaft zu den Agrariern und Scharfmachern unterstützt man ein Wirtschaftssystem, das einzelne Leute zu Millionären macht, aber die Gesamtheit des Volkes in schwerster Weise schädigt. Geschäftsergebnisse von Hypothekenbanken. In der folgenden Uebersicht sind einige giffern aus ben bisher erschienenen abschlüffen von Hypothekenbanken zusammengestellt. Die Zusammenstellung enthält das Aktienkapital in 1000 M. für die beiden letzten Geschäftsjahre, den Pfandbriefumlauf am Schluß des letzten Geschäftsjahres, die Dividendenfumme für die beiden legten Gefchäftsjahre in 1000 m. und die Dividendenaffier in Prozent des Aftienkapitals: Name der Bant Baher. Shpoth. u. Wechselbank, München Hypothefendant in Hamburg. Deutsche Hypothekenbank in Meiningen Schles. Boden- Kredit- Atticnbant, Breslau Preuß Pfandbrief- Bank, Berlin Franti. Hyp- redit- Berein Bereinsbank in Nürnberg Dividende in1000m. in Broz. 1909 1910 in1000. 1909 1910 1909 1910 Aftienkap. in 1000. Bfandbriefumlauf 54 286 57 1431 003 424 7057 7428 13 13 30 000 80 000 397 9 Verfammlungen. Der Platz an der Sonne". Jam 20. Februar Dinkirchen( Frankreich) verließ, gibt zu ernften Besorgnissen Anlaß. Man glaubt, daß das Schiff während des Deutscher Bauarbeiterverband. Am Sonntag hielten die legten Sturmes gefunken ist. Für die Burdlegung der Strede Maurer in den Germaniajälen ihre Generalversammlung ab, die nach Douarnez, wohin das Schiff bestimmt war, gebraucht ein Schiff ben großen Saal bis auf den letzten Blak füllte. Sie bildete ben regelmäßig acht Lage. Auch die Barte 1507" ist auf der Höhe von Abschluß der 19jährigen Tätigkeit des Zweigvereins Berlin, des Berounon geiunfen. Die aus vier Mann bestehende Bejetzt in den Bauarbeiterverband aufgegangenen Zentralverbandes jagung tonnte glüdlicherweise gerettet werden. der Maurer. Die Versammlung wurde mit dem Vortrag von Arbeiterkampfliedern durch die vereinigten Gesangbereine der Baus arbeiterschaft eröffnet, und die feierliche Stimmung, die dadurch erivedt wurde, fand ihren Widerhall in einem Vortrage des Das taiserliche Gouvernement Riautschou bestätigt aus Arbeiterfefretärs Paul aus Hannover über die Bergangenheit, singtau, daß dort drei Europäer, darunter der Gegenwart und Zukunft der Maurerbewegung. Der Vortragende, praktische Arzt Dr. Wunsch, an ledtyphus geber schon seit dem Jahre 1889 in den vordersten Reihen der Maurer- stor ben sind, daß diese Krankheit aber nicht epidemisch aufbewegung und der politischen Arbeiterbewegung steht und 1878 unter fritt. Außer einem Unteroffizier sind vereinzelte Chinesen an der Fuchtel bes Sozialistengesetzes seine Baterstadt Berlin berlassen Flecktyphus erfranft. mußte, verstand es vortrefflich, aus den Stämpfen bergangener Zeiten Begeisterung zu weden für die Stämpfe der Gegenwart und Zukunft, 518 236 2700 2700 16 125 19 800 18.000 18 000 25 500 28 500 530 618 1785 1995 25 800 25 800 448 186 2064 2064 18 000 21 000 392 480 1440 1680 350 049 1290 1584 309 575 1980 1980 11 7 7 8 8 und feine Worte machten einen tiefen Eindruck auf die Berfammelten. Dann verlas der Kassierer Wartenberg die Ab11 788 8 Deutsche Hypothekenbank, Berlin 15 000 15 000 270 08: 1200 1200 8 Die Dividendenerträgnisse der Hypothefenbanken sind also gleich geblieben, obwohl das dividendenberechtigte Attienkapital bei einigen Unternehmungen nicht unerheblich gestiegen ist. Hus der Frauenbewegung. " Kleine Notizen. Eine Militärpatrouille vermißt. Eine aus einem Leutnant und Briefkaften der Redaktion. $. 23. Rein. 6. B. 100. Wiederholen Sie P. 5. Ja. Sterbekaffe chemal. Pflugscher Arbeiter ( Hebelsche Kaffe). redung vom 4. Quartal und im übrigen stand der in einer bier Mann bestehende Patrouille, die sich zur Bjigmondyhütte 67 Seiten starken Broschüre vorliegende Jahresbericht zur Dis- in den Tiroler Dolomiten begeben hatte, wird seit Montagvormittag fussion. Aus dem Bericht ist folgendes hervorzuheben. Die Bau- bermist. Mehrere militärische Nettungsexpeditionen waren bisher des Baugewerbes hinreichend Beschäftigung vorhanden war, biel tätigkeit war im Jahre 1910 nicht derartig, daß für alle Arbeiter erfolglos. Brand einer Telefunkenstation. Nach einem Telegramm aus mehr war beständig ein mehr oder minder großer Teil arbeitslos. Dolst ist nach einer bort eingetroffenen brieflichen Weldung am Bei dem milden Winter ruhte die Arbeit selbst auf den Rohbauten 17. Januar die Radiotelegraphenstation Betropawnur an einigen Tagen, aber diefe ziemlich andauernde Winter- otosk, auf der Halbinsel Stamtsatta infolge der Explosion tätigkeit famt dem Umstand, daß nicht genügend neue Bauten eines Petroleumbehälters niedergebrannt. Dabei erlitten Ein Vorkämpfer der Frauenemangipation. hingutamen, hatte zur Folge, daß die Arbeitsgelegenheit im Früh 8 tei Beamte Brandwunden. Die Frauen, die in diesen Tagen zur erften internationalen jahr nicht so war, wie es sonst wohl zu erwarten gewesen wäre. Sundgebung für das Frauenwahlrecht rüsten, haben allen Anlag, bei Es meldeten sich im Frühjahr 10 Proz. der Mitglieder des Zweig einem Rüblid auf die Geschichte ihrer Emanzipationsbestrebungen vereins arbeitslos. Nachteilig auf die Arbeitsgelegenheit im boller Anerkennung eines Mannes zu gedenken, der vor mehr Maurerberuf wirkt fortdauernd der Umstand, daß der EisenbetonDie juristische Sprechstunde findet indenstraße 69, vorn vier Treppen als hundert Jahren schon zugunsten ihres rechtlofen Ge- bau fich immer mehr und mehr geltend macht, bei dem in ber Haupt- Fahrstuhl, wochentäglich von 4% bis 7% Uhr abends, Sonnabends fchlechts Forderungen erhob, die von der gebildeten bürgerlichen fache ungelernte Arbetter beschäftigt werden. Wenn der Betonbau von 4% bis 6 Uhr abends statt. Jeder für den Briefkasten bestimmten Anfrage Männerwelt unserer Zeit noch mit Spott und Hohn überschüttet auch meist nur für Warenhäuser und Fabrikgebäude angewandt ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertzeichen Betzufügen. Briefliche Antwort werden, Theodor Gottlieb von Hippel hieß jener Mann, wird, so bilden diese doch einen so großen Teil der Bautätigkeit wird nicht erteilt. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. und das Buch, in dem er sich der Frauen so warm annahm, trägt Groß- Berlins, daß sich der Ausfall an Arbeit im Biegelbaugewerbe Gg. Ebenfalls mit dem 21. Jahre. Elektrischen Wirt 19. den Titel: Ileber die bürgerliche Verbesserung der immer mehr fühlbar macht. Den jüngeren Maurern wird deshalb 1. Nad Bollenbung des 24. Lebensjahres. 2. Nein. 3. Ja, wenn Sie das Weiber". Geboren wurde Hippel 1741 zu Gerdauen in Ost- im Bericht der Rat gegeben, sich eventuell dem Betonbau zu widmen, Verfügungsrecht über einen Wohnaum haben( fog. Chambregarntit.) C. 6.4. 1. Wenig Aussicht. preußen. Mit 15 Jahren bezog er die Hochschule in Königsberg, um foobei ein Unterschied in den Löhnen kaum noch in Frage kommt. Slafftellenmieter sind nicht wahlberechtigt. 2. Ja, an den Justizminister. G. 23. 18. 1. In der Regel bis 11 Uhr. Theologie zu studieren; ipäter ging er zur Rechtswissenschaft über. Es wird dann im Bericht der Verlauf der Lohnbewegung gefchildert, 2. Nur bei bestimmten, durch Staatsverträge festgelegten Straftaten. Er starb 1796 als hochangesehener Stadtpräsident und Striegsrat, die ja bekanntlich mit einem Schiedsspruch endete, der Erhöhung der 3. Batete 3 M. für jebes angefangene Pfund. Die Eisenbahn ersetzt den dem ein preußischer Ministersessel in Aussicht stand. Eine Reihe von Stundenlöhme um zunächst 3 Bf., und zum 1. Oftober 1911 um tatsächlichen Bert. 4. Nein. 2. 78. Die Arbeitszeiten find ungefeßlich, humoristischen und philosophischen Schriften ließ er ebenso wie die weitere 2 Pf., für bie Ginschaler um 5 f und dann um 2% Pf. menn mehr als zehn Personen beschäftigt find. Anzeige bei der Gewerbe2. 28. 1. Dem Gläubiger gegen obengenannte Schrift seiner Stellung wegen anonym erscheinen. brachte. Bautenkontrollen wurden im verflossenen Jahre zwei aus- infpektion oder der Polizeibehörde. Seine völlig vorurteilslose Stellungnahme zur Frauenfrage ist um geführt, eine am 15. März und eine am 6. September. Bei der über find Ste haftbar. 2. und 3. Es ist Anfechtung möglich innerhalb 5. B. III. Ja. so höher zu bewerten, als zu jener Zeit in der deutschen Frauenwelt ersten wurden 1686 Bauten gezählt, auf denen 1086 Boliere, eier Zahre. noch fein Ruf nach Befreiung ihres Geschlechts erklungen war. Sicher 11 297 Gesellen und 827 Lehrlinge beschäftigt waren. Die Arbeits- Shre Anfrage und geben Sie noch an, ob und in welchem Berwandtschaftsverhältnis die Erben zu dem Erblasser geftanden haben. ist, daß die in der französischen Revolution von Frauen erhobenen zeit war für 10 765 Gefellen 9 Stunden, für 78 8% und für 74 w. S. 11. 1. Eine so allgemeine Frage läßt sich wegen Wangel an Forderungen nach Gleichberechtigung anregend und befruchtend 8 Stunden, für 29 9% bis 10 Stunden. Den damaligen Tariflohn Raum nicht beantworten. 2. Unerheblich. 3. Ja. B. R. 49a. Ja 54 2. 2. Nach unserem Dafürhalten sind Sie auf Hippel gewirkt haben. Sein für uns interessantestes Wert ist von 75 f. erhielten 8188; die übrigen erhielten meist höhere Löhne heute nur noch in der 14bändigen Gesamtausgabe( Berlin 1828 bis bis zu 1 M. Unter Tariflohn Beschäftigte wurden nur 98 feft- nicht zahlungspflichtig. Teilen Sie der Armenverwaltung Ihre Berhältnisse W. R. 18. Dazu sind Sie nicht verpflichtet. Großjährig wird 1889) augänglich. Der 1792 erschienene Erftdruck ist im Buchhandel gestellt. Bei der zweiten Bautenfontrolle wurden 1809 Bauten ge- mit 23. H. 500. Sie persönlich haften nicht. bergriffen. Eine fleine Auswahl daraus hat A. v. Winterfeld in zählt mit 1214 Polieren, 10 050 Gefellen und 683 Lehrlingen. Still man mit dem 21. Lebensjahre. der Sammlung„ Kultur und Fortschritt"( J. Dietrich, Leipzig) er- liegende Bauten wurden 91 gezählt und bei 66 war Mangel an scheinen laffen. Geld die Ursache der Stockung. 6984 Gefellen waren zu dem neuen In dem genannten Buche tritt Sippel u. a. für fo moderne Tariflohn von 78 Pf. beschäftigt, aber 1294 erhielten bereits 80 Bf., Sonnabend, den 18. März 1911: Forderungen wie gemeinfame Erziehung der Geschlechter, Sulaffung 122 85 Pf. und außerdem famen für 319 Klaffenlöhne in Betracht, Großer Ball der Frauen zum Medizinstudium und der Rechtspflege ein. Zu dem die meist etwas höher waren als der Tariflohn. Nur 70 Bf. hatten legten Buntt fagt er an einer Stelle: 40, 75 3f. 68 Gesellen. Andererseits wurden 54 gezählt, die 88 f. „ Sollte sich einst die bürgerliche Verbesserung der Weiber bis bis 1 v. Stundenlohn hatten. Im allgemeinen überwogen bie Spandauer Chausse, Retrappe. auf die Rechtspflege erfireden und das Recht aufhören, ein Mo- höheren Löhne dermaßen, daß der Durchschnittsverdienst sich auf nopol einer besonderen befoldeten Männerklaffe zu ſein; nur als 78,56 Bf. ftellte. Intereſſant ist auch eine Zusammenstellung über Dr. Simmel dann wird man anfangen, einzusehen, daß Rechtspflege nicht heißt, die Ergebnisse der Herbstkontrollen in den Jahren 1904 bis ein im Drakelton unverständliche Formeln bersagen, die nur wirtiam fchließlich 1910. In diesen 7 aufeinanderfolgenden Jahren war find, weil über der Bagichale auch das Schwert liegt, sondern die Anzahl der Bauten 1144, 1470, 1445, 1220, 1106, 1721 und 1809; daß sie sich bemühen muß, die Parteien über Recht oder Unrecht die Zahl der Gesellen 10 583, 12 021, 12 375, 8502, 7715, 11 077 und zu belehren und zu überzeugen, wenn sie einen Teil der Ebre 10050; die ber Lehrlinge 1346, 1507, 1518, 1306, 1022, 774 unb verdienen will, die fie fich jetzt so grenzenlos und machtvoll schließlich 633 im Jahre 1910. Während also die Zahl der Gesellen mit dem Steigen und Sinten der Konjunktur ungefähr gleichen tommen beilegt. Schon fängt der Gedante an, sich je länger je mehr zu regen, Schritt hält, ist seit dem Jahre 1906 ein ständiger und außerordent daß nur Gleiche zwischen Gleichen entscheiden können, wenn Rechtlich starter Rückgang in der Zahl der Lehrlinge eingetreten. Offen nicht ein toter Buchstabe bleiben, fondern ein lebendiger werden bar hat die starke Entwickelung des Eisenbetonbaus bazu beigetragen, soll. Würde es indes nicht schreiendes Unrecht sein, bis dahin, daß man es in weitesten Kreisen nicht mehr als awedmäßig ansieht, und ebe jener glühende Funke in der Afche zum Feuer ausschlägt, einen Jungen das Maurerhandwerk lernen zu lassen. Aus den Berichten der berschiedenen Sektionen und Branchen des Zweigvereins den Beibern bie Richter und Schöppenstühle zu ist au erwähnen die Lohnbewegung in der Betonbaubranche, die Diefes uralte fchreiende Unrecht" beabsichtigt die bürgerliche mit der der übrigen Bauarbeiterschaft gemeinsam eingeleitet und Mehrheit des Deutschen Reichstags 109 Jahre, nachdem Sippel feine dann auch durch Schiedsspruch erledigt wurde, dem sich diese Branche Forderung aufgestellt, abermals zu fanttionieren. Man leie darüber jedoch nur widerstrebend und mit Rücksicht auf den Beschluß der Mehrheit der Bouarbeiterschaft unterwarf. In der Gipsbaubranche nach in den Reichstagsberichten über die Reform der Strafprozeß tant, es am 15. Juli zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages, der ordnung vom Jahre 1911. Hippel tritt begeistert für volle bürgerliche Rechtsgleichheit zwischen im allgemeinen diefelben Lohnerhöhungen bietet, wie sie der übrigen Mann und Frau auf allen Gebieten ein. Sein Bestreben ist es, Bauarbeiterschaft zugestanden sind, jedoch so, daß die Buberträger an der Zerstörung der galanten Bastillen, der bürgerlichen Verließe noch eine besondere Zulage von Pf. erhielten. Ferner haben die und häuslichen Zwinger" zu arbeiten, in denen sich„ das schöne Ges Stunftsteinberfeber eine Lohnbewegung durchgemacht, die zum AbGeschluß neuer Tarifverträge führte. Die Bibliothet des Zweig schlecht" befindet. Das fräuliche Geschlecht soll in der Gerechtigkeit bereins, bie jest 2872 Bände zählt, wurde von den Mitgliedern schluß neuer Tarifverträge führte. und nicht in der Gnade wachsen. Er genießt enthusiastisch die Bor2392 mal in Anspruch genommen. freude auf den Tag der Erlösung für das schöne Geschlecht, wenn Die Jahresabrechnung schließt für die Sektionen mit der fawie famil. Blumen arrangements man Menschen, die zu gleichen Rechten berufen find, nicht mehr in Bilanzsumme von 173 669,13 m. ab. Der Kassenbestand der liefert schnell und bidig der Ausübung derselben behindert". An anderer Stelle fragt er: Seftionen ist von 121 698,65. auf 135 711,74. angewachsen. Gibt es außer dem Unterschiede des Geschlechts noch andere zwischen Die Einnahmen der Zweigvereinskaffe betrugen im ganzen Mann und Weib?" und antwortet mit Rein. Er spottet über die, 729 362,95 m., die Ausgaben 530 026,92 M., so daß sich der Gesamtſtellt sie in eine Reibe mit jenen Einfaltspinfeln, die den Ameri- Ausgaben find 352 739,21 M., die in bar an die Hauptkasse gefandt die dem weiblichen Geschlechte alle Geistesfähigkeiten abstreiten und bestand am Jahresschluß auf 199 836,03 9. belief. Unter der fanern, denen man auf die Ausiage einiger Beobachter, die feinen wurden, 58 485,55 M. Krantenunterstübung, 12 095,63 M. Sterbe Bart bei ihnen gefehen hatten,„ dieses männliche, übrigens unterstüßung, 2678,32 7. für Rechtsschuh, 1523,90 M Gemaß fehr beschwerliche Ehrenzeichen nicht nur absprachen, sondern aus regeltenunterftüßung. Die Mitglieberzahl war am Jahresschluß dem Mangel desselben auch die Folge ableiteten, daß die Natur ihnen die Keime dagu bersagt habe und daß sie mithin zu einer weit geringeren Menschentlaffe gehörten, nicht minder, daß sie unmöglich bon einem Erzbater mit uns abstammen fönnten." betschließen?" 8373. Die Generalversammlung beschloß nach furger Debatte, der Bibliother 500 m. zu überweisen. Feierlich, wie sie eröffnet Gesangbereins. worden war, schloß die Versammlung auch mit Vorträgen des Hus aller Welt. Sturmwetter im Kanal. Sippets Verbesserungsvorschläge gipfeln in folgenden Sägen: Soll es denn aber immer mit dem anderen Geschlechte fo bleiben, wie es war und ist? Sollen die Menschenrechte, die man ihm so schnöde entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, die ihm so ungebührlich vorenthalten werden, auf ewig verloren sein? Soll es im Staat und für den Staat nie einen absoluten Wert erhalten und immerbar beim relativen bleiben? soll es nie an Durch schwere Stfirme, die feit einigen Tagen den Kanal der Staatsgründung und Erhaltung einen unmittelbaren Anteil zwischen Frankreich und England heimsuchen, ist in Frankreich, Engbehaupten? soll es nie für sich und durch sich denken und handeln? land und Belgien großer Schaden angerichtet worden. Auf See ohne End' und Ziel mur als Scheidemünze gelten?" " Wie fann man Weiber vom Staatsdienste ausfließen, insoweit er fich mit der Gefezgebung oder Gesegausübung be schäftigt? Will man etiva den Weibern die Weihe in diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht uniere Schwäche da sehen au Lafien, wo wir den höchsten Grad unferer Stätte hieroglyphisch borgeben." Bürgerin, Mitglied und nicht bloß eine Schußbefohlene des Staates soll die Frau werden. baben fich mehrere Schiffsunfälle ereignet. Aus Ostende, Best ende und Newport wird berichtet, daß die bortigen Stat In und Hafenanlagen arg beschädigt worden sind. Stehbing he wurde eine Windmühle von dem Sturme um geworfen, wobei ber Müller und fein Knecht von den Trümmern begraben wurden; in hoffnungslosem Zustande wurden sie hervorgezogen. Auf der Höhe von Breedene ist der norwegische Dreimaster, Ehldos" bei dem Versuche, sich vor dem Man sieht, in diefen etwas altmodisch verschnörkelten Säßen Sturme in den Hafen von Ostende zu retten, gestrandet. Es fritt in teinfter Form die alte naturrechtliche Auffassung sind Hilfsmannschaften abgegangen, um das gefährdete Schiff wieder vom bollen Bürgerrecht der Frau als einem Menschenrecht zutage. Allein biefe Auffaffung war zu ihrer Zeit, als das Leben und wirken flott zu machen. des Weibes fich noch in den vier Wänden des Hauses abspielte, Im Hafen der englischen Stadt Guernesey wurbe ein leeres historisch voll begründet. Die große wirtschaftliche Wandlung, die Schiffsboot aufgefunden, in dem sich leibungsside eines inzwischen das Leben der Frau revolutioniert hat, fügte in unseren atrofen, ein Fernrohr, ein Stild einer Starte des tanals fo Eagen dem alten Rechtstitel neue und nicht minder durchschlagende wie ein Brief, unterzeichnet Samuel Mayer, Reedereiagent in La weil foziale Motive zur Forderung der Gleichstellung der Ge- Rochelle, datiert vom 3. Februar und adreifiert an den Kapitän schlechter hinzu. Hall und widerhall soll ihnen unser Frauentag, der Morvan des Schiffes Lygie", befanden. In diesem Briefe wird 19. März, schaffen, und dankbar wollen wir uns an diesem Tage dem Kapitän mitgeteilt, daß ihn eine Badung Sement, die von auch Hippels erinnern, des tapferen, warmherzigen Anwalts der Boulogne sur Mer nach La Rochelle Geftimmt fei, erwarte. Die Frauen, der das schöite Wort, sprach: Der Mensch ist aur Freiheit geboren; sie ist die Sonnte, deren hgie" ist ein Brefter Schiff. Einfluß alles hervorbringt. Da wo Freiheit unterbrildt wird, fann nichts, was menschlich ist und heißt, zu Kräften tomment." " Das Ausbleiben jeder Nachricht über den Werbleib des Segel fchiffes Marie", mit einer Befagung von sechs Mann an Bord, das Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Den Mitgliedern zur geft. Stenntnis. nahme, daß fich die Nordeusahl Stelle vom 18. März d. J. an im * Restaurant Brunnenstr. 181 zweiter of befindet, 6855 Um weiteste Berbreitung diefer ..: G. Wegner, Vorfitender. Prinzenstr. 41, Moritzaz, mittellama bittet Der Vorstand. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Wir haben heute eine PoliAlexander Str. 8 eröffnet. klinik für Frauen in der Sprechst. wochentags 11-12 Uhr. Dr. med. Martha Wygodzinski. Dr. med. Hermine Edenhuizen. Dr. med. Grete Ehrenberg. Berlin, 8. März 1911. Siegfrieds Planzenbutter ( Margarine) Postpaket 7.80 Mark franko per Nachnahme m. Verpackung Ph. 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Rede des bayerischen Reichstagsabgeordneten Ludwig Sebastian Filzer. leber die Kunst. Der Krieg. Ueber Preußen. und Rach dem Borttas Gemütliches Beisammensein Tanz. Billetts a 50 f. find bei Horseh, ngelufer 15, Gottfr. Sebulz, z Stottbuser Tor und an der Kaffe zu haben. C.M.Ziehreren 6/7 C.M. Ziehrer Herrnfeld Zirkus A. Schumann. mit seinem aus 65 Wiener Künstlern bestehenden Orchester. Eintritt 50 Pf. Nur noch diese Woche! Sonntag lette Aufführung von Eine verlorene Nacht unb Der Derby- Sieger. Excelsior- Lichtspielhaus Montag: Premiere Rixdorf, Bergstr. 151/152( Richardstraße) Arizath, die Priesterin der Tanit. Tontolinis Autofahrt. Der alte Schauspieler, Drama. Eine Begebenheit aus den Max hat eine Braut gefunden usw. usw. Die Bibel als Talisman. Kolonialkriegen. Brauerei Friedrichshain Am Königstor Größter Konzertsaal Berlins: E Am 28., 29., 30. und 31. März 1911: Gastspiel von aus Johann Strauß wien mit seiner vollständigen Kapelle. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf.. Reserv. 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Nach dem Konzert im großen Saale Tanz. Eintrittspreis( inkl. Garderobe) 60 Pf. Offene Kasse findet nicht statt. Anfang 6 Uhr. Billetts sind bei den Bezirksführern und im Bureau Stralauer Platz 1/2 zu haben. 216/16 Der Vorstand. Sport- Palast Eintritt 1 Mark. Potsdamer Straße 72. An Wochentagen Reserv. Plätze 2 Mark. Größter Eispalast der Welt. von 1-4 Uhr Eintritt 50 Pf. Feerie ,, Eisfest an der Newa". Unter Mitwirkung von ca. 200 Eislaufkünstlern und zwei Künstlerkapellen. Außergewöhnliche luxuriöse Ausstattung und unerreichbare Lichteffekte. Bengalische Beleuchtung der Vorstellung. Königstadt- Kasino. Novität! Holzmarktstr. 72. Novität! Der Weltmeister- Boxer. Gesangspoffe von Ely und Schlothen. Driginell! Boxkampf Driginell! gwish. BertaHofmann u.Franz Sobanski. Mene Spezialitäten. Anfang 8 Uhr, Sonntags 17 Uhr. Bosporus am Moritzplatz Heute. Das große Spezialitäten= Programm. Anfang 6 Uhr. Kasseneröffnung 4 Uhr. Von 11-2 Uhr: TANZ. Reichshallen- Theater. Folies Caprice. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Kuhlickes Varieté- Theater. Burleste von Meyfel Anfang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Passage- Panoptikum. Die zusammengewachsenen Schwestern Blazek und ihr Kind! Zwei Mütter- ein Kind! Lebend zu sehen! Täglich von 11-1 u. von 3-10 Uhr. Ohne Extra- Entree! Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Täglich 8% thr: Zirkus Busch, Freitag, 17. März, abds. 7, Uhr: Großer Gala- Abend. Nordini mit seinen staunenerregenden noch nie gesehenen wissenschaftl. Experimenten. Herr Georg Burkhardt- Foottit, Schulreiter. Herr Ernst Schumann mit seinen berühmten Freiheitsdressuren. Franz Steidler, radfahrender Bauchredner. Neu! The 3 Claeres. Um 9 Uhr zum 87. Male: ,, Armin." Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Hedi Herdina. Loi Hoi- Tschen Chinesentruppe und das große neue MärzProgramm. 14 Varieté- Neuheiten. Voigt- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Freitag, den 17. März 1911: Mein Herzensfrih. Boltsoperette in 8 Aften von B. Mannftaebt und H. Bilten. 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Oeffentliche politische esne.. Volksversammlungen 1922 gelisd: A Sonntag, 19. März, nachm. 2 Uhr. Tages- Ordnung: = Freie= Her mit dem Frauenwahlrecht! Diskussion. Berlin. 1. Kreis. Dräfels Festfäle, Nene friedrichstr. 35. 2. Kreis. Happoldts Brauerei, safenheide 32-38. 3. Kreis. Armin- Hallen, Kommandantenftr. 58-59. 4. Kreis. Kellers Festfäle, Koppenftr. 29. Graumanns feftfäle, Naunguftr. 27. Gesellschaftshaus Süd- Off, Waldemarstr. 75. Markgrafen- Säle, Markgrafendamm 34. 5. Kreis. Schweizergarten, au Königster. 6. Kreis. Brauerei Königstadt, Schönhauſer Allee 10–11. Ballschmieders Etablissement, sadftr. 16. Germania- Säle, Chauffeeftr. 110. Pharus- Säle, Müllerstr. 142. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefft. 24. Referenten: Dr. Alfred Bernstein, Büchner, Dr. Oskar Cohn, Grunwald, Dr. Herzfeld, Martha Kaiser, Kaliski, Poetzsch, Ströbel, Paula Thiede, Dr. Weyl, Dr. Zadek, Luise Zietz. Für die Einberufer: Eugen Ernst, Riefenstr. 16. Teltow- Beeskow. Adlershof( Alt- Glienicke, Bohnsdorf, Rudow, Nieder- Schöne-| Königs- Wusterhausen( Niederlehme, Bernsdorf, Großweide, Johannisthal). Beyer, Bismarcftr. 11. Britz. Gesellschaftshaus, Chauffeeftr. 97. Charlottenburg. Volkshaus, Rosinenstr. 3. Köpenick. Kaiserhof, Grünftr. 10. Friedenau( Schmargendorf, Wilmersdorf). Rheinschloß, Rheinstr. 60. Groß- Lichterfelde( Lankwitz, Mariendorf, Marienfelde, Zehlendorf, Teltow, Dahlem). Kaiserhof, Kranoldplay. Witwe Webhorn, Boltsgarten, Besten, Senzig, Schenkendorf, Eichwalde). Altes Schünenhaus. Nowawes( Wannsee, Drewiß, Klein- Glienicke). Briefterstr. 31. Rixdorf. Hoppes Festsäle, sermannstr. 49. Petris Festfäle, Ruefebedstr. 113. Hohenstaufen- Säle, Kottbuser Damm 76. Feldschlößchen, Elsenstr. 75. Schöneberg( Wilmersdorf, Steglitz). Neue Rathausfäle, Meininger Str. 8. Treptow- Baumschulenweg. Sport- Restaurant Renau), Gjenite. Tis- 116. Speers Festsäle Baumschulenſtr. 78. Baumschulenweg, Referenten: Ed. Bernstein, Klara Bohm- Schuch, Dr. Bruno Borchardt, Julian Borchardt, Davidsohn, Anna Dietz, Dittmer, Haß, Ad. Hoffmann, Manasse, Mohs, Siering, Unger, Woldt, Wally Zepler. Nieder- Barnim. Lichtenberg. Paul Schwarz, Möllendorfftr. 25-26. Rummelsburg. Tempel, Café Bellevue", sauptstr. 2. Stralau. Markgrafensäle, Markgrafendamm 34. Weißensee. Gemeinde- Turn- und Festhalle, Pistoriusstraße. Pankow. Paul Roczyki, Krenzstr. 3-4. Reinickendorf- Ost. Schüßenhaus, Residenzftr. 1-2. Reinickendorf- West. Gesellschaftshaus, Eichbornstr. 18. Borsigwalde. Richter, Spandauer Straße. Tegel. Trapps Festsäle, Bahnhofstr. 1. Oranienburg. Waldhaus Sandhausen, Schütenstraße. Ober- Schöneweide. Wilhelminenhof, wilhelminenhofstraße. Mahlsdorf. Linke, Grunowstraße.( 3 Uhr.) Friedrichshagen. Lerches Festsäle, Friedrichstr. 112. Schöneiche- Fichtenau. Waldschloß. Referenten: Ida Altmann, Maria Buchmann, Horlitz, Jeserich, Martha Kaiser, Kubig, Dr. Karl Liebknecht, Martin Meyer, Piek, Georg Schmidt, Störmer, Martha Tietz, Wutzky, Wermuth. Spandau bei Böhle, Havelftr. 20. Referent: Hellmuth Lehmann. Männer und Frauen! Erscheint in Massen! Es gilt für die gleichen Rechte beider Geschlechter Zeugnis abzulegen! Für die Einberufer: Rud. Bühler, O. 112, Scharnweberstr. 6-7. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW »» S. ßtilfljf iles Jotitirts" Kttlim flolteHall. wu n-im Heute, V Uhr abends beginnend: Fwgblattverbreitung z»m Krauentag in den Bezirken Groß-Berlins von den bekannten Stellen aus. Partei-Mgelegenbeiten. An die Parteigenossen Berlins und der Provinz Brandenburg! Anfang April erscheint wiederum eine neue Lokalliste. Wir ersuchen daher, alle Aenderungen bezw. Neuaufnahmen bis spätestens Sonntag, den 26. März, an die nachverzeichneten KommisstonSmitglieder gelangen zu lassen: Für den I. Wahllreis an den Genossen Jakob Ege, C. 19. Roßstraße 31. Für den n. Wahlkreis an den Genoffen Hemnch Schröder. S. 58, Bergmannstrasse 95, II. Für den IH. Wahlkreis an den Genossen Gustav Müller. SO. 36, Grünauer Strasse 26, IV. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, O. 34 Strassmannstrasse 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Albert Höhnisch, 0. 54. Auguststrasse 51, Ouergeb. IV. Für den VI. Wahllreis an den Genossen Wilhelm DamS, U. 4. Schlegelstrasse 9. Für Nieder-Barnim an den Genossen Hermann Elias, 0. 112, Blumenthalstrasse 24. Für Teltow-BeeSkow an den Genossen Karl Rohr. Rixdorf, Weisestrasse 33, IV. Für Potsdam- Osthavelland an den Genossen Emil Schubert, Spandau, Kurstrasse 21. Für alle übrigen Orte der Provinz sind Mitteilungen zur Lokal. liste durch die Borsiyenden der Kreise an den unterzeichneten Ob. mann der Kommission zu richten. Um das rechtzeitige Erscheinen der Lokalliste zu ermöglichen, ersuchen wir die Parteigenossen dringend, alle Mit» teilungcn in Lokalangelegenheiten für Gross-Berlin dem zu» ständigen Kommissionsmitgliede. für die übrigen Orte der Provinz dem Vorsitzenden des betreffenden Kreises zu übermitteln.— Ferner lveisen wir wiederholt auf den in den Lokalkonfcrenzen der Lokalkreise so oft gefassten Beschluss hin, wonach die örtlichen Kommissionsmitglieder unbedingt verpflichtet find, vor dem Erscheinen jeder neuen Liste rechtzeitig an den Obmann ihres KreiseS einen Bericht einzusenden, gleichgültig, ob Veränderungen vor. gekommen sind oder nicht. Orte, aus denen kein Bericht kommt, werden in der Liste nicht weiter aufgeführt und haben sich die betreffenden Genossen die etwa hieraus entstehenden unangenehmen Folgen selbst zuzu» schreiben. Alle nach dem 26. März ciulaufendeu Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden und ersuchen wir, dirS zu beachten. Des weiteren ersuchen wir wiederholt, alle Mitteilungen in Lokalangelegenheiten nur durch die oben genannten KommissionS. Mitglieder an den Obmann der Kommission zu richten und nicht direkt an den„Vorwärts". El entstehen hierdurch nur unnötige Verzögerungen, und da die meisten Einsendungen immer erst in letzter Stunde einlaufen, ist. wenn es sich um eine Sperrnotiz handelt(Vergnügen in einem gesperrten Lokal), eine Publikation nicht mehr möglich. Der Obmann der Lokalkommission: . Albert Hahnisch, C. 54, Lluguststrasse 61. Uhr: Urania» Der Physiksaal wird inkl. Garderobe sind Kirchbachstr. 14, zu Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 19. März, mittags 2 Vorstellung:„Rund um Asien". um 1 Uhr geöffnet. BillcttS a 60 Pf. noch beim Kassierer Gustav Schmidt. haben._ Rixdorf. Morgen abend präzise 8'/z Uhr. findet in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49, die Märzfe,er statt, bestehend aus Chorgesang, anschliessender Festrede und Rezitation. Eintritt frei, nur unrer Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Der Vorstand. AdlerShof. Heute Freitag, den 17. März, abends 8 Uhr: Flugblattverbreitung vom Jugendheim, BiSmarckstr. 11, aus. Maricnfclde. Heute abend 7 Uhr Flugblattverbreitung von Schuster. Kirchstrosse, aus. Die Besichtigung der Orchideenzüchterci findet wegen der Frauenversammlung nicht statt. Lichtenrade. Sonntag, den 19. d. M., morgen? S'/a Uhr. vom Lokale des Herm Jantle, Hohenzollernstrasse, Ecke Krügerstrasse aus: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. Kiemtz-Zerpcnschleuse(Nieder-Barnim). Am Sonntag, den 19. März, nachmittags 3 Uhr, wird auf dem Richterschen Ackerstücke an der Prenzlau— Berliner Chausiee, Reichstagsabgeordneter Genosse Stadtbagen über:.Nieder mit der Reaktion' sprechen. nossen, welche in dortiger Gegend Bekannte haben, wollen dieselben zum Besuch dieser ersten öffentlichen Versammlung auffordern. Nieder-Schöneweide. Heute Freitag 7 Uhr: Flugblattverbreitung von den BezirkSlolalen aus. Der Vorstands FricdrichSfclde. Heute abend 7 Uhr, von der Zahlstelle aus: Flugblattverbreitung. Friedrichshagen. Der BildungSauSschuh veranstaltet am Sonn» abend, den 18. März, abends 8l/3 Uhr. in LercheS.Bürgersälen'. Friedrichstr. 112, eine Theatervorstellung. Aufgeführt wird „Jugend', Liebesdrama von Max Halbe. Eintrittsgeld inkl. EinfüyrungSheft 60 Pf. Die Plätze werden wie in der Freien Volks» bühne ausgelost. Reinickendorf-Ost. Heute abends von 7 Uhr ab von den be- kannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Borfigwalde-Wittcna«. Heute Freitagabend 7 Uhr Flugblatt- Verbreitung vom Lokal Züleke aus. Die Bezirksleitung. Oranienburg. Am Sonntag, früh 7'/z Uhr, für den Bezirk von den Zahlabendlokalen aus: Flugblattverbreitung. Nachmittags 2 Uhr, im Lokal WaldhauS, Sandhausen: Volks» Versammlung. Im selben Lokal, nachmittag? 6 Uhr, veranstaltet der Wahl- verein einen Unterhaltungsabend der Gesellschaft Hackenbcrg, Düffel» darf. Die Genossen und Genossinnen wollen für regen Besuch dieser Beranstaltungen Sorge tragen. Luch-Röntgental. Am Sonnabend, den 18. d. M., abends 8 Uhr, i» Buch bei Winkler, Schönover Strasse, Ecke Parkstrasse: Gemein- kamer Extrazahlabend. Die Bezirksführer. Berliner JVacbncbten. Die Stadtverordneten begcumen gestern die zweite Beratung des Stadthaus- Haltetats, dessen Entwurf aus dem Ausschuß mit allerlei recht bedenklichen Aeitderungen und Streichungen wieder herausgekommen ist. Erledigt wurden zunächst nur die Kapitel„Gesundheitswesen" und„S ch u l- w c s e n". nach mehrstündigen Erörterungen, die den größten Teil der Sitzung in Anspruch nahmen. Die Freisinnigen hätten, was da vom Ausschuß zurechtgemacht worden war, fast ausnahmslos ohne Debatte genehmigt. Aber die sozial- demokratische Fraktion wehrte solcher Eilfertigkeit und der- suchte, die Verböserungen wieder zu beseitigen. Leider HAebeit alle Bemühungen erfolglos. Bei dem Abschnitt„Gesundheitspflege" brachte Genosse Wehl zum Etat der Heimstätten in Erinnerung, daß die Heimstättenfürsorge für schwälliliche und kränkliche Kinder dringend der Erweiterung bedarf. Vom Magistrat kam keine Antwort. Zum Etat des Rettungswesens beantragten unsere Genossen eine Resolution, die die Leitzing durch ein Kuratorium fordert. Genosse Wehl, der die Resolution zur Anahme empfahl, wies zugleich auf einige Mängel unseres Rettungswesens hin, unter anderem auf die Mißgriffe, die bei der Mitwirkung der Polizei immer wieder vorkommen. Bürgermeister Reick e, der einstweilen noch als ziemlich unumschränkter Leiter des Rettungsweseus fungiert, nahm die Polizei in Schutz. Er kündigte an, der Gedanke werde„erwogen" werden, ein Kuratorium zu schaffen. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit angenommen. In dem Kapitel„Schulwesen" kommt den Gemeinde- schulen eine hervorragende Bedeutung zu. Es ist be greiflich, daß gerade sie bei den Etatberatungen immer wieder im Mittelpunkt der Debatten stehen. Anträge der sozial demokratischen Fraktion, die die Wiedereinsetzung weg gestrichener Baugclder für notwendige Schul bauten forderten, wurden von unserem Genossen Leid be gründet. Scharf geißelte er das Treiben der Mehrheit, deren Vertreter im Etatausschuß rücksichtslos darouflos gestrichen haben. Er brachte auch die skandalösen Zustände zur Sprache, zu denen es in unserem Gemeindeschulwesen infolge weitester Ausdehnung des Notbehelfes der M i e t s s ch u l e n ge- kommen ist. Der Stadtschulrat schwieg. Er überließ es dem Stadtverordneten Liebenow, zu versichern, daß auch die Freisinnigen„unsere Volks schulen stets auf der Höhe der Situation halten" wollen. Sie taten das in der Weise, daß sie nachher die Anträge unserer Genossen mit erdrückender Mehrheit ablehnten. Bei dem Abschnitt„Krankenhäuser" beantragte die sozialdemokratische Fraktion aufs neue eine bereits im Aus- schuß abgelehnte Resolution, die für das Wartepersonal der Krankenhäuser eine Regelung der Lohn- bczüge. der Arbeitszeit und des Urlaubs forderte. Genosse Leid hob in seinen begründenden Ausführungen den starken Personalwechsel hervor, der ein Beweis für die Notwendigkeit solcher Verbesserungsvorschläge sei. Die Resolution wurde— abgelehnt. Abgelehnt wurden auch unsere Anträge auf Vermehrung des Aerzte» und Pflegerpersonals für einige Krankenhäuser. Als Genosse Wehl klagte, daß hier der streichende Stift des Kämmerers ganz besonders sinnlos gewütet habe, antwortete der Kämmerer Steiniger mit zynischer Offenheit: „Wozu sind wir denn da!?" Wie tveit man es mit solchen Grundsätzen bringt, das zeigte bei dem Abschnitt„Irrenhäuser" unser Genosse Z a d c k in einer interessanten Betrachtung über den Not- behelf der Mitbenutzung von Privatan st alten. Seit mehr als dreißig Jahren wird über dieses Uebel geklagt. aber es dauert fort und greift immer weiter um sich, zum Schaden für das gesamte Jrrenpflegewesen der Stadt. Stadtrat Straß m a n n freilich bestritt, daß diese Zu- stände so schlimm seien. Eine von unseren Genossen be- antragte Resolution, die schleunigere Mehrung der Irrenanstalten anregte, wurde abgelehnt. Die freisinnige Ablehnungsmaschine funktionierte immer wieder tadellos._ Vogelfreitc. Nun hat das Zwitschern begonnen. Und will schier nimmer verstummen. Das schmettert und zirpt, flötet und lockt vom grauenden Morgen bis zur sinkenden Nacht. Kein Ast ist so dürr, daß er jetzt nicht belebt erschiene: kein Zaun so unscheinbar, als daß sich nicht Finken auf ihm balgten. Und die Bäume stehen voll schwerer Knospen. Die schimmern in einem klebrigen Glanz, wenn sie die karge Märzsonne umspinnt. Und wiegen sich im Lenzhauch, wie schwingende Arme tollender Kinder. Der Regen hat die ältesten und rissigsten Stämme blank gewaschen. Nun dehnen sie lenzjung unter bröckelnder Rinde ihr saftgeschwelltes Holz. Fast ist es, als ob ein Atmen sie durchpulste. Um die Kronen aber liegt ein rötlicher Hauch. Und die Knospen stehen darin groß und braun, wie dunkle Knoten, die die Hand des Früh- lings in die schmiegsamen Rutenfäden geschlungen. Und aus diesem tausendfach triebübersäten Zweiggewirr girrt es und lockt es in hundert Tönen. Keine Stimme wieder- holt sich. Mit schwankendem Flügelschlag schwirrt es um das schwellende Knospenmeer. Fliegt auf. Gleitet zum nächsten Ast. Und beginnt unermüdlich immer wieder vom neuen sein wunderliches Spiel.. Ein buntes Durcheinander. Ein Drossclweibchcn ist es hier, das zwei Männchen zu haschen suchen. Dort bemühen sich ein halbes Dutzend Finkenhähnchen um eine begehrens» werte Artgenossin. Amseln tänzeln in possierlichen Tippel» schritten um.eine Nmselfxau. Wilde Enten jagen einander in der Luft. Selbst die Spatzen wollen nicht feiern. Und jedes hat seinen Lockruf und seine eigene Stimme: hier ein Schluchzer, da ein Triller, dort ein weicher, schmelzender Flötenton. Und alles um die Liebe. Uni die Liebe im Lenz. Nun ist auch im kahlsten Geäst das Leben erwacht.� Es jauchzst über den Feldern und Wäldern und füllt mit seinem Jubel die Lüfte. Die lieben Stimmen, die winterüber ge- schwiegen, klingen wieder. Lockender denn je. Und dm schweren Knospen glänzen. �_ Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung weisen wir zunt bevorstehenden Umzugstermin wieder einmal auf die Be- stimmungen des Kommunalabgabengesetzes hin, wonach die Stcuerpflicht mit dem Ablaufe des Monats, in welchem der Wohnsitz tatsächlich aufgegeben worden ist, er« lischt. Wenn aber bis dahin der Gemeindebehörde vom Weg- zuge keine Anzeige erstattet ist, so erlischt die Steuerpflicht erst mit dem Ablaufe des folgenden Monats, während sie im neuen Wohnorte mit dem ersten Tage des neuen Monats beginnt. Diese Bestimmungen legen den Steuerpflichtigen die Verpflichtung auf, wenn sie den Bezirk der veranlagenden Gemeinde verlassen, neben der polizeilichen Abmeldung auch der Gemeinde von dem Wegzuge An- zeige zu machen. Diese Anzeige wird noch häufig unterlassen. Die Abmeldung im alten Wohnort muß spätestens am letzten Tage des Monats erfolgen, wenn man dort nicht die Gemeinde-Einkommensteuer noch für den nächsten Monat zahlen will, also doppelt, da sie auch im neuen Wohnsitz bereits zu entrichten ist. Die Beratungen des städtischen EtatSanSschusscS sind fast auS- schliesslich von dem Gesichtspunkte geleitet: Wo können wir Abstrichs machen? Das ist bei einem so knappen Etat, wie dem diesjährigen. nicht möglich, trotzdem wird aber noch versucht, da und dort etwas abzuzwacken. So kam es, dah beim Etat der Wasserwerke 16 009 Mar! abgesetzt wurden, weil man annahm, die Kosten für Kohlen� beschaffung werden geringere sein, als ursprünglich die Ver- Ivaltung annahm. Dabei wurde festgestellt, daß es unWirtschaft« lich sei, wenn die verschiedenen Verwaltungen nach ihrem eigenen Gutdünken sich ihre Materialien beschaffen und angefragt, wie es denn stehe mit dem vor Jahren schon ventilierten Plane eines ZentralbeschaffungsmagazinS. Vom Magistrat wurde erwidert? eine Magistratskommission habe wegen zahlreicher Schwierig- ketten von der Ausführung eines solchen Planes abgeraten. Es ist garnicht einzusehen, welche Schwierigkeiten in der gemeinsamen Beschaffung von bestimmten Materialien für die vielen Verwal- tungen liegen sollen, wenn in den Deputationen gewisse Ressort- inteoessen und auch andere Einflüsse unberücksichtigt bleiben. Beim Etat der Markthallen sollten für den ErneuerungL- fonds, der vor einigen Jahren ganz geplündert wurde, 108000 M. zurückgelegt werden. 50 000 M. wurden davon gestrichen. Auch bei den Straßenbahnen wurde das gleiche Manöver versucht. Das mißglückte aber. Vom Etat der Gaswerke wurden 370 000 M. gestrichen, bar» unter 200 000 M. und 100 000 M., die für Anschaffung neuer Kandelaber und für bessere Beleuchtung der Strassen ausgeworfen waren. Eine längere Debatte wurde gepflogen darüber, ob die für den Erneuerungsfonds bestimmten Gelder in Höhe von über 2 Millionen Mark nicht auch weggenommen werden könnten. Ein solches Verfahren wäre so skandalös, dah nur ein Bankrotteur es wagen würde. Dazu kommt, dah es nach den von der Stadtver- ordnctenversammlung beschlossenen Grundsätzen unzulässig ist, andererseits auch für die in Einnahme stehende Summe Ersatz ge- schaffen werden müßte. Dieser Ersatz wäre aber nur möglich, wenn die betreffende Summe auf Anleihen übernommen werden könnte. Da es sich aber um laufende Ausgaben handelt, ist auch dieser Weg durchaus ungangbar. Dann war noch ein anderer, für die Ausdehnung des Rohrnetzes bestimmter Betrag von 4 Millionen Gegenstand der Debatte und man erwog, ob man nicht an dieser Summe heran könnte. Dabei hat die Stadtverordnetenver- sammlung die Summen genehmigt; sie nachträglich in Anleihe zu bringen, ist ganz unmöglich. Dennoch will man sich bis Freitag überlegen, ob man doch nicht noch einen Weg findet, um einen Kaiserschnitt zu machen. Alle bisherigen Grundsätze werden voll» ständig über den Haufen geworfen. Dann mußte der Tiefbauetat bluten. 250 000 M. wurden abgesetzt von dem Titel: Erwerbung von Strassenland und 300 000 Mark von den zu Neu- und Umpflasterungen bestimmten Mitteln. Aber auch diesen Etat will man am Freitag nochmals frisieren. Die Beratungen im Ausschusse sind infolge der Streich- Wut soweit gediehen, daß man sich Begründungen für Streichungen erspart; es wird wahllos drauflos beantragt, ohne jede sachliche Prüfung. Pistolenduell in der Jungfcrnheide. Ein Duell, wobei einer der Duellanten schwer verwundet wurde, hat am Mittwoch in der Jungfernheide stattgefunden. Mehrere Arbeiter, die zu früher Stunde aus dem Weg zu ihrer Arbeitsstätte begriffen waren, be- obachtcten gegen fünf Uhr hinter den Schießständen eine Gruppe von schwarz gekleideten Herren. Kurz darauf fielen zwei Schüsse. Zinn konnten die Männer sehen, wie einer von den Herren zu Boden stürzte und sich die übrigen über ihn herneigten. Als die Arbeiter hinzutraten, wurde der am Boden Liegende schleunigst hochgehoben, in ein in der Nähe haltendes Automobil getragen und darauf fuhren die Beteiligten davon. Zwei der Letzteren fuhren in einem anderen Automobil fort. Die Arbeiter suchten nun die Stelle, an der sich die Gruppe aufgehalten hatte, ab und sie stießen dabei auf eine grössere Blutlache. Die Beobachter haben, da sie nähere Angaben nicht zu machen imstande waren, von einer Anzeige bei der Polizei Abstand genommen, so dah die Behörde erst durch dritte Seite Von dem Vorfall Kenntnis erhielt. Ein Unfall des Liiftschiffes„0 Vl". Als das Luftschiff„P VI' nachmittags 5 Uhr zu einem Pastagierfluge aus der Halle gebracht werden sollte, wurde es durch einen Windstoh mit dem Vorderteile derart gegen die Ballonhalle gedrückt, daß die Hülle teilweise zerriß. Personen wurden nicht verletzt. Der Ballon wird in kurzer Zeit wiederhergestellt sein. Um dem gemeingefährliche» Treiben de? Schießens und Werfens ans Eisenbahnzüge zu steuern, hat sich die Eisenbahnverwaltung ent- schlössen, die auf die Ermittelung der Täter ausgesetzte Belohnung zu erhöhen. Von jetzt an soll demjenigen, der die Täter so bezeichnet, daß ihre gerichtliche Bestrafung herbeigeführt werden kann, eine Be- lohmmg bis zu 300 M. gewährt werden und zwar gleichviel, ob der Anzeigende eine Privatperson ist oder zum Personal der Eisenbahn» Verwaltung gehört. Eine entsprechende Bekanntmachung soll dem» nächst auf den Bahnsteigen, in den Wartesälen und den Aufenthalts» räumen der Eisenbahnbediensteten usw. zum Aushange gelangen. In fctnet Wohnung erschossen Hat sich See Z4 Fahre alle Schneidermeister Gustav Kuttner, der als Junggeselle seit zwei Jahren für sich allein in der Dresdenerstr. 61 hauste. Ein Brust- leiden hatte ihn sehr nervös gemacht.— Geschäftssorgen haben den 4g Jahre alten Destillateur Franz Pollcy aus der Hasen- Heide 4g in den Tod getrieben. Er erhängte sich an der Türklinke. Ein Opfer des Alkohols ist der 56 Jahre alte Arbeiter Rudol Kasper geworden, der gestern auf dem Belle-Allianceplatz unter freiem Himmel starb. Der Mann hatte seine Frau vor acht Monaten nach einem Streit verlassen und sank nun immer tiefer. Obdachlos trieb er sich Tag und Nacht umher, stets mit der Schnapsflasche in der Tasche. Gestern hielt er sich von morgens an auf dem Belle-Allianceplatz auf. Bald war' er wieder sinnlos betrunken. Ein Schutzmann, der ihn mittags auf einer Bank sitzend fand und mit seinen Versuchen, ihn zu wecken, keinen Erfolg hatte, holte einen Arzt. Dieser stellte fest, datz Kasper tot war. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause ge- bracht. Ein mutmaßlicher KiudeSmord beschäftigt die Kriminalpolizei. Auf dem Bahnsteig der Haltestelle Grotzgörschenstratze fand man gestern abend um 3 Uhr auf einer Wassertonne ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen Knaben enthielt. Wahrscheinlich ist das Kind das Opfer eines Verbrechens geworden, denn am Kopfe befinden sich Verletzungen, die auf einen gewaltsamen Tod schliefen lassen. Die� kleine Leiche war in ein weisileinenes Handtuch ohne Zeichen eingewickelt uno mit diesem in eine große Tüte gesteckt. Die Schöneberger Kriminalpolizei ließ sie nach der Halle an der Maxstraße bringen und leitete alsbald die Nachforschungen nach der Mutter ein., Zwischen Eisenbahnpuffern zermalmt. Bei einem schrecklichen Unglücksfall hat der Streckenarbeiter Hermann Wolff auf der Kremmener Bahn den Tod gefunden. W. war aushilfsweise auf dem Kremmener Bahnhof tätig und eS war seine Aufgabe, rangierende Waggons aneinanderzukoppeln. Er geriet dabei zwischen die Puffer zweier aufeinander fahrender Wagen und wurde fast vollständig zerdrückt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Großfeuer in der Blumenpraße. Ein gewaltiges Feuer wütete gestern früh in der Blumen- straße 77 und beschäftigte mehrere Löschzüge der Berliner Feuer- wehr stundenlang. Der Brand dehnte sich auf vier Etagen aus und zerstörte mehrere Fabrikbetriebe, so daß der Schaden ganz be- deutend ist. Ouergebäude und Seitenflügel auf dem Grundstück Blumen- straße 77 sind durchweg mit Fabrikbetrieben besetzt. Im Erdgeschoß und Hochparterre befindet sich die Metallschraubenfabrik von C. F. S t a e r k e, während in den oberen Etagen die Pianomcchanik- fabrik von Ernst Genz u. Co. untergebracht ist. Außerdem liegen dort noch Fabrikräume der Musikinstrumentenfabrik von R. E f f n e r. DaS Feuer entstand bei der Firma Genz u. Co., doch ist nicht er- mittelt, ob im ersten oder im zweiten Stock. Die Flammen griffen rapide um sich und bahnten sich in kurzer Zeit einen Weg bis zum Dachgeschoß. Als die Gefahr bemerkt wurde, brannten die oberen Stockwerke schon in ganzer Ausdehnung. Die schnelle Ausbreitung des Feuers ist auf die alte Bauart des Gebäudes zurückzuführen. Durch die Decken der einzelnen Etagen laufen nämlich große Heizungsröhren bis zum Dachgeschoß. Diese Röhren waren ohne jede Umhüllung so daß die Durchgangslöcher geradezu wie Schornsteine wirkten. Bei Ankunft der Feuerwehr war also die Situation recht gefährlich. Oberbrand- inspektor Reinhardt ließ sofort mehrere Dampfspritzen in Tätigkeit treten und mit fünf Schlauchleitungen Waffer geben. Der Lösch- angriff erfolgte über zwei Steckleitergänge und die Treppen hinweg. DaS Vordringen über die Treppen wurde aber dadurch erschwert. daß in den oberen Etagen ganz polizeiwidrig größere Posten Hölzer aufgestapelt waren. Erst als diese Holzstapel beseitigt waren, konnten die Löschmannschaften wirksam gegen die Flammen vordringen. Die Ablöschung des Feuers dauerte aber über drei Stunden. Fast alle Stockwerke des Ouer« gebäudes und Seitenflügels sind ausgebrannt. Ebenso wurde der ge- samte Dachstuhl ein Raub der Flammen. Den größten Schaden er- leidet die Pianomechanikfabrik von Ernst Grenz u. Co. Aber auch im Erdgeschoß und Hochparterre ist erheblicher Schaden verursacht worden, da hier wertvolle Maschinen standen. Die Firma Staerke wurde im vierten Stock, wo sich Fabrikräume für Automaten be- fanden, stark in Mitleidenschaft gezogen. Die vollständige Ablöschung und Aufräumung der Brandstelle wird noch längere Zeit in An- spruch nehmen. Unfälle find bei den Löscharbeiten nicht vorgekommen. obgleich sich zuerst eine starke Verqualmung geltend machte. Auf der Treptow-Stcrnwarte finden am Sonntag, den IS. März, folgende gemeinverständliche Vorträge statt: Nachmittags 5 Uhr: .Eine Wanderung durch das Weltall", abends 7 Uhr:„Der Planet MarS, seine Kanäle und Eisfelder". Am Montag, den 26. März, abends 9 Uhr, lautet das Thema:„Die Vergangenheit und Zukunft der Planeten". Sämtliche Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet.— Mir dem großen Fernrohr wird der Planet Saturn oder der Orionnebel gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen den Be- suchcrn der Sternwarte zur Beobachtung anderer Objekte ftei zur Verfügung. Wer ist die Tote? DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 12. März wurde in Pankow aus dem unbebauten Gelände Mühlen- straße 33/34 die Leiche einer unbekannten, anscheinend dem Arbeiter- stände angehörigen Frauensperson aufgefunden. ES liegt Selbst« mord durch Lysolvergistung vor. Die Person ist 45—56 Jahre alt, 1,55—1,66 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, rundes Gesicht, hohe Slirn, dunkle und bogenförmige Augenbrauen, Stumpfnase, breiten Mund, war bekleidet mit schwarzem Kleid mit Samlbesatz, schwarzrotgerändertem Kopftuch, schwarzem Umschlagetuch. schwarzgrauer Pelerine mit graukariertem Futter, schwarzen Schnürschuhen und Strümpfen, blauweiß gestreifter verwaschener Schürze, grauen Barchent- beinkleidern und dito Unterrock, schwarz-weiß gestreiftem Unterrock, wollener Untertaille und Hemd, weißem Barchenlhemd ohne Zeichen. Die Leiche befindet sich auf dem neuen Pankower Kirchhof sSchön- holzer Heide). Etwaige Mitteilungen über die Persönlichkeit der Toten werde» in jedem Polizeirevier oder bei der Kriminalpolizei Zimmer 347 III entgegengenommen zur Tagebuchnummer VSS IV 38. 11. Verloren gegangen ist am Donnerstag vormittag auf dem Wege von der Reichenbergcr-, Ritter- bis zur Krausenstraße eine Jnvalidenkarte, Krankenkaffenbuch, 3 Zeugnisse und 2 Schlüssel. Dieselben sind an Fräulein Elise Kortum, Laufitzerstr. 18, ab« zugeben. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am 17. Januar früh 7 Uhr an der Haltestelle Große Frankfurter- Ecke Waßmannstraße beim.Absteigen von einem Wogen der. Linie 69 eine Dame verunglückte, werden gebeten, sich bei Baumann. Große Frankfurter Straße 124, zu melden. Insbesondere'-werden die auf dem Hinterperron und im Wagen besittdlichen Damen und Herren. die den Vorfall beobachtet haben, um ihre Adresse gebeten. Vorort- l�ackrickten. Charlottenburg. Das Charlottenburger Stadtparlament und die Steuererhöhung. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung beschäf- tigte sich am Mittwoch mit der Magistratsvorlage, die einen Zu- schlug von«eilKtt, 16 Proz. zu ven bereits hewikkigten 166 Pwz. StaatSeinkommensteuern zwecks Verringerung des Anleihebestandes — oder Bedarfes— fordert. Von sozialdemokratischer Seite waren hierzu zwei Anträge eingelaufen, ein Hauptantrag, der die Bewilligung davon abhängig machen will, daß von den Mehreinnahmen ein bestimmter Teil für soziale Zwecke lArbeitslosenfürsorge und Gewährung freier Lernmittel an alle Gemeindeschüler) verwendet wird, und ein Eventualantrag, der für den Fall der Ablehnung der Magistratsvorlage den Magistrat ersucht, mit der Versammlung in gemischter Deputation zu beraten, ob und welche Schritte zum Zwecke der Erreichung einheitlicher Steuersätze mit den Nachtergemeiiiden für das Jahr 1912 zu tun sind.. Stadtv. W ö I l m e r(lib.) machte als Berichterstatter zunächst eine Reihe rechtlicher Bedenken gegen die Magistratsvorlage sowohl als auch gegen den sozialdemokratischen Antrag geltend und bat mit Rücksicht auf die gute Finanzlage Charlottenburgs und ferner mit Rücksicht darauf, daß durch eine aleichniätzige Festsetzung der Steuersätze eine wirtschaftliche Gleichheit in den Groß-Berliner Gemeinden doch nicht erzielt werde, um Ablehnung der Vorlage. Namens der liberalen Fraktion erklärte Stadtv. Dr. F l a t a u, daß seine Freunde die Vorlage glatt ablehnen würden. Die Ge- meinden müßten ihre Steuersätze nach ihren eigenen Bedürfnissen und Verhältnissen einrichten, nicht aber nach denen ihrer Nach- bargemeinlben. Die Finanzlage Charlottenburgs fei eine gesunde. Dazu komme, daß§ 66 der Städteordnung die Bewilligung von Einnahmen nur insoweit gestatte, als sich der Bedarf im voraus bestimmen lasse. Redner polemisierte zum Schluß gegen die So- zialdemokraten, die mit dem Regierungspräsidenten Schulter an Schulter den Kampf um die Steuererhöhung führen wollten, und suchte seine Behauptungen durch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus den Artikeln von Bernstein und Hirsch im„Vorwärts" zu stützen. Genosse B o r ch a r d t, der sich wegen Beleidigung der Regie- rung einen Ordnungsruf zuzog, bezeichnet die Gründe gegen die Mvgistratsvorlage als recht fadenscheiniger Natur. Die Furcht, daß bei einer Ueberschreiwng der Grenze von 166 Proz. die Zu- schlüge immer weiter erhöht würden, teile er nicht, die Stadtverord- netenversammlung habe doch alljährlich die Zuschläge festzusetzen. Im Vordergrund stehe bei der Erhebung neuer Steuern der Äer- Wendungszweck. Daß der Regierungspräsident unzulässig in das Selbstverwaltungsrecht eingegriffen habe, könne er nicht zugeben, man dürfe doch nicht in jeder Lebensäußerung der Regierung einen Eingriff in das Selbstverwaltungsrecht erblicken. Selbst bei einer weitgehenden demokratischen Verfassung würde das Steuerwesen der Gemeinden unter eine staatliche Kontrolle gestellt werdev müssen. Charlottenburg habe schon bisher viel zu viel Dinge auf Anleihen genommen; da fei es doch berechtigt, daß die Aufsichts- behörden sagen, so kann es nicht weiter gehen. Nach Ansicht seiner Freunde müßten die höheren Einnahmen allerdings zu einem Teil für soziale Zwecke Verwendung finden. Lehne die Versammlung das ab, dann könnten auch sie nicht für die Vorlage des Magistrats stimmen. Der Stadtv..Flatau irre, wenn er den„Vorwärts"- artikel deS Genossen Hirsch gegen die sozialdemokratische Fraktion ausspielen zu. können glaube, denn Hirsch habe ja ausdrücklich für eine Steuererhöhung gesprochen unter der Voraussetzung, daß die Mehreinnahmen im Interesse der Arbeiterklasse verwendet werden. Die Sozialdemokraten hätten den Arbeitern niemals vorgeredet, daß eine gute Verwaltung ohne ein geordnetes Finanzlvesen mög- lich ist. Dem Gedanken der Magistratsvorlage ständen seine Freunde schon deshalb sympathisch gegenüber, weil das ein Schritt auf dem Wege zur Eingemeindung sei. Werde der Zettpunkt, die Steuern durch freiwillige Vereinbarung gemeinsam zu regeln, jetzt verpaßt, dann werde er vielleicht für lange verpaßt fem, und schließ- lich werde Charlottenburg gezwungen werden, auch ohne ein Zusammengehen mit anderen Gemeinden die 166 Proz. zu über- schreiten, und diese Ueberschreitung werde erheblich über 116 Proz. hinausgehen. Die Mehrheit werde ja zweifellos in ihrer Kurz- sichtigkeit und sozialen Rückständigkeit ine Vorlage niederstimmen, aber seine Freunde Ijoftten doch immer noch, daß in naher Zeit die Erkenntnis siegen wird, daß eS auch für Charlottcnburg heilsam ist, den Weg einer Verständigung mit anderen Gemeinden zu uchen. Deshalb bitte er, wenigstens dem sozialdemokratischen Eventualantrag zuzustimmen. Die vereinigte Alte Fraktion schickte zwei Redner ins Feld, den Stadtv. Becker, der das Vorgehen des, Regierungspräsidenten als einen unberechtigten Eingrffs in das Selbstverwaltungsrecht bezeichnete und vor der Bewilligung von Steuern ohne Not warnte, und den Stadtv. Dr. Stadt ha gen. der für die Annahme der Magistratsvorlaae sprach Endlich griff auch der Oberbürgermeister SchustehruS in die Debatte ein, aber fast schien es, als wollte die Mehrheit ihn überhaupt nicht hören; fortwährend unterbrach sie ihn durch Zu- rufe. DaS Stqdtoberhaupt stellte sich schützend vor den RegierungS- Präsidenten und bat ritterlich, nicht diesem, sondern ihm die Schuld zu geben, denn der Regierungspräsident habe ursprünglich die Ab- sicht gehabt, erst für das Jahr 1912 die Erhöhung auf 116 Proz. herbeizuführen, aber er. der Oberbürgermeister, habe sich, gestützt auf frühere Aeußerungen führender Personen aus der Äersamm- lung, anheischig gemacht, die Erhöhung schon jetzt durchzusetzen. Ter Magistrat geht davon aus, daß die finanziellen Verhältnisse der Stadl auf eine sichere Grundlage gestellt werden müßten. Die Stadt müsse genau so verfahren wie ein Kauftnann, der seine Ver� hältnisse gerade dann konsolidiert, wenn eS ihm gut geht. Zum mindesten bitte er doch, die Vorlage in einem Ausschuß zu prüfen- Wolle man auch daS nicht, dann möge man aber den sozialdemo- kratischen Eventualantrag annehmen. Der Oberbürgermeister hatte tauben Ohren gepredigt. Die Versammlung machte der Debatte ein gewaltsames Ende und eilte zur Abstimmung. DaS Resultat war die Ablehnung aller Anträge und auch der Magistratsvorlage e l b st. Sogar die Einsetzung einer gemischten Deputation wurde nicht beliebt. Hierfür stimmten außer den Sozialdemokraten nur etwa ein Dutzend bürgerliche Vertreter. Wegen der vorgerückten Zeit wurde die Vorlage auf Einfüh- rung einer kommunalen Arbeitslosenunterstützung von der TageS- ordnung abgesetzt und nur noch eine Reihe kleinerer Vorlogen er- ledigt._ Ein zweite? Opfer der Familientrogödie. Die Wahnsinnstat der i Jackisch auS der Kaiser-Friedrich-Straße, über die wir bereits ausführlich berichteten, hat ein zweites Opfer gefordert. In dem Krankenhause Westend ist gestern morgen gegen 7'/« Uhr der kleine Emil I. an den Folgen der Lysolvergistung gestorben. Trotz der angestrengten Bemühungen der Aerzte war eS nicht möglich, den kleinen Patienten, der furchtbare innere Brandwunden erlitten hatte. zu retten. DaS Befinden des Mädchens ist dagegen günstiger; eS besteht Hoffnung, das Kind am Leben zu erhalten. Eltcrnverein für freie Erziehung. Montag, den 26. März, abends 3 Uhr, findet im Volkshause. Rosinenstr. 3, ein großer öffentlicher Vortragsabend statt. Genosse Simon Katzenstein wird über das Thema:»Der Kampf gegen die Schundliteratur' referieren. Hierauf: Freie Aussprache. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen und einem Automobil ereignete sich gestern gegen lli2 Uhr nachts an der Ecke der Lützow- und Magdeburger Straße. Dort bog die von dem Chauffeur August Thomas geführte Kraftdroschke Nr. I � 8225 un- mittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 81 auf das Gleis und wurde angefahren. Personen wurden bei dem Zusammenprall glücklicherweise nicht verletzt. An dem Bahnwagen wurde eine Seitenscheibe zertrümmert und der HauptsicherungS- kästen abgeriffen; an dem Auto wurde der Kühler und die Seiten- wand beschädigt. Wilmcrsdorf-Halensee. Aus der Stadtverordnetea-Bersammlung. Das wichtigste Ereignis aus den Verhandlungen vom Mittwochabend dürste wohl die mit großer Mehrheit«rsolgte SRehmmz sein, bis der im Einverständnis mit dem Regierungspräsidenten eingebrachte MagistratSuntrag, den Zuschlag zur Einkommensteuer auf 116 Proz. zu erhöhe«, auch in Wilmersdorf gefunden hat. Nachdem im Namen der Mehr- heit der Stadtverordnete Prof. Dr. Leidig den vom Magistrat nur ziemlich lau verteidigten Antrag mit dem Hinweise auf die bedrohte Selbstverwaltung bekämpft hatte, wurde dieser Herr von sozialdemokratischer Seite darauf aufmerksam gemacht, daß zum Eintreten für die Selbstverwaltungsrechte der Gemeinden sich schicklichere Gelegenheiten finden als die vorliegende. Man brauche nur an die vielen Fälle zu denken, in denen die Regierung sich an- maße, aus den Magistratskollegien und den Schul- deputationen die Männer, denen die Stadtverordneten- Versammlung Vertrauen geschenkt habe, ihrer politischen Gesinnung wegen zurückzuweisen. Im jetzigen Augenblick würde die Ablehnung der ZuschlagSerhöhung nur die Wirkung haben. daß die Regierung von neuem konstatieren könne, wie wenig auf dem Wege der sogenannten Selbstverwaltung durch freiwillige Ver» einbarung der Groß-Berliner Gemeinden zu erreichen sei. Professor Dr. Leidig wußte keine andere Antwort als die, daß er den Magistrat bezichtigte, mit der Sozialdemokratie zu harmonieren, nachdem sich auch bei dieser Gelegenheit herausgestellt hat, daß die Linke den Magistratsvorlagen in der Stadtverordneten- Versammlung mit vorurteilsloserem Blick gegenllbertritt als die „staatserbaltcnde" Mehrheit. Damit der Magistrat recht deutlich seine Abhängigkeit fühlen sollte, begingen die konservativen und nationalliberalen Herren bei der Elatberatung ferner den Streich. daß ffie die Summe von 8139 M., die der Magistrar für un» vorhergesehene Ausgaben in den Etat eingestellt batte, Segen den Einspruch der Linken auf— 139 M. verkürzlen. üch die von unseren Parteigenossen beantragte Einstellung einer Summe, die den Volksschullindern Lehrmittelfreiheit sichern sollte, wurde nicdergeftimmt, ebcnso ein Antrag, wonach zur Beschaffung von Schulbüchern usw. für arme Kinder 60 M. statt 46 M. für jede Klasse bewilligt werden sollten. Hingegen spendierte die Stadtverordneten-Versammlung einer K u n st» Vereinigung, die bis jetzt noch nichts in der Oeffentlichkeit geleistet hat, den immerhin ansehnlichen Betrag von 5666 M. Am nächsten Mittwoch soll die Etatsberalung zu Ende geführt werden. AuS den übrigen Gegenständen der Tagesordnung erwähnen wir, daß endlich die Niederlegung des.Scheu nenviertelS" an der Gasteiner Straße beschlossen wurde. Die Versammlung stimmte dem Haberlandschen Projekt zu, wonach die Lauenburger Straße in ihrer jetzigen Richtung verbreitert und nach der Ber- liner Straße durchgeführt werden soll. Demgemäß ermächtigte die Versammlung den Magistrat zum Abschluß eines VertageS mit der Berlinischen Bodengesellichast zu Berlin, des Inhalts, daß die Ge- sellschast die von der Stadt für 11679 575 M. erworbenen Grund- stücke wieder verkauft und der Stadt einen Erlös von 856 666 M. garantiert. Ein Mehrerlös soll zur Hälfte der städtischen Kämmerei- lasse, zur Hälfte der Georg-Haberland-Stiftung zufließen. Diesem Projekt, das enlschieden die beste Lösung der„Scheunen« viertel-Frage" bedeutet, stimmten auch die Sozialdemokralen zu. Zum Vertreter der Stadtverordneteuversammlung in der Ver« waltungsstreüsache. die der Kaufmann Lazarus wegen des ihm aberkannten SladtverordnetenmandatS führt, wurde der Stadt- verordnete Büchtemann gewählt. Adlershof. An BcrgiftungSerschcinungen verstorben ist am Sonntag der hiesige Eigentümer Nikolaus Fleck, der sich bis dahin einer guten Gesundheit zu erfreuen hatte. Da der hinzugerufene Arzt die Todes- Ursache nicht festzustellen vermochte, erstattete er Anzeige bei der Polizeibehörde, die die Beschlagnahme der Leiche verfügte. Bei der vorgestern erfolgten Obduktion konnte die Todesursache ebenfalls noch nicht genau ermittelt werden. Die Aerzte hegen jedoch den Verdacht, daß der Verstorbene vergiftet worden ist, weshalb Leichen- teile dem GerichtSchemikcr zur Untersuchung übersandt wurden. DaS Ergebnis dieser Untersuchung ist noch nicht bekannt. Kalkberge-Rüdersdorf. Ein Unglücksfall mit tödlichem Ausgange ereignete sich gestern nachmittag in der Zementsabrik von Wegener. Der 18 Jahre alte Arbeiter Ferdinand Voigt war im Lagerkeller mit der Anhäufung von Zement», assen beschäftigt, als plötzlich eine Zemenlschicht ein- stürzte. Der junge Arbeiter wurde vollständig begraben, und als hmzilipringende Arbeiter ihn wieder ans Tageslicht befördert hatten. war eS leider zu spät. W. war inzwischen erstickt. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. Jngendveranstaltnngen. NowaweS. Am Sonnabend, den 13. März, findet im Lokale deS Herrn Max Singer da? StiltungSfest der Freien Jugendorganisation statt. Festrede: Genosse Piek- Berlin. DaS Konzert wird von der Kapelle Köhler unter Mitwirkung deS ArbcitergcsangvereinS„Freier Männcrchor" ausgesührl. Außerdem gelange» noch Rezitationen zum Vortrag. Freunde der Arbeiterjugendbewegung find willkommen. Der JugciidauSichuß. Eingegangene vrucklckriften. Bon der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 24. Hest deS 29. Jahrgangs erschieiicu. Es hat solgenden Inhalt: Aus der Wippe.— Die Kommune von 187t. Von L. Dubreuilh(Paris).— Zum Frauentag I Bon Adelheid Popp(Wien).— Finanzkapital und Krisen. Von K. KautSkh.(Fortsetzung.)— Literarische Rundschau: Thcod. Curti, Die Resultate deS Schweizerischen Reserendums. Von dl. K. Ad vis Braun. Di« Gewerkschasten. Von August Winnig. Dr. August Hcrrmann, Die Lage der Waldarbeiter in Elsaß-Lothringen. Bon I. Karsli. Der Ver» traucnSmann, die Tätigkeit der Werlstattverirauensmäniicr im Deutschen tolzarbciterverband. Von all. dr.— Notizen: Zur Landagitation. Von lwm Herre, Leipzig. Fünfundzwanzig Jahre Krankenversicherung im Deutschen Reiche. Von G. Link.— Zcitschrijtcnschau. Die.Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. Handlungen, Postanslalten und Kolporteure zum Preise von 3 23 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal adoiimcrt werden. Das einzelne Hest tostet 23 Ps. Probenummern steben jederzeit zur Verfügung. Der schlechte Ruf. Von O. Blumeuthal. 2 M.— Die drei Grazie». Lustspiel von O. Blumeulhal und R. Lothar. 3 M. E. Bloch, Berlin C. 2. Das neue ZnwachSstcuergesetz. 26 Pf. C. HeymannS Verlag, Berlin IV. 8. ZuwachSsteneraefetz für daS Deuifche Reich. Herausgegeben von Prosessor Dr. K. Gar eis. 60 Ps., gebunden 90 Ps. Verlag E. Roth. Gießen._ Amtlicher Marktbericht der ttädNIcben Marktballen-Dtrettton flder den Großbimdel in den Zenlral-Marttbaie». Martilage: F l e i i ch i Zusuhr stark, Geschäjt ruhig, Preise unverändert, Bullen, und Fresser» fleisch nachgebend. Wild: Zusübr mäßig, Gcschäst ruhig, Preise seit. G e l I ü g e I: Zusuhr nicht ausreichend, Geschäft etwas lebhafter, Preise sast unverändert. Fische: Zuiuhr mäßig, Geichäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Gejchäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obii und Süds rückt-: Zusuhr meist über Bedarf, Geschäft etwas lebhafter, Preise wenig verändert. iSitterunqouverü.ck, vom 16. März 1911. Wetterprognose kür Freitag, de« 17. März 1911. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, aber noch veränderlich mit geringen Riederfchlägen und meist schwachen südlichen Winde». Berliner Wetterbvreatt. T gnulmm Zu der am Sonnabend 18. März cr. stattfindenden W 0000 00000 0 C& A BRENNINKMEYER C& A.BRENNINKMEYER ton ZA.BRENNINKMEYER ERÖFFNUNG unseres DamenKonfektionsHauses nepi Gute Bedienung Billige Preise werden Solide Ware Ein Jahr Garantie unsere Banner von den Vertretern unserer auswär tigen Verbindungen in unser neues Berliner Heim eingebracht. C& A.Brenninkmeyer Königstrasse 33 Am Alexanderplatz Berlin C 禁 10 Deutscher Holzarbeiter- Verband Deutscher Bauarbeiter- Verband.iter. Verwaltung Berlin. Achtung! Bureau: Engelufer 15, III, Bimmer 53. Zweigverein Berlin. Geöffnet: Wochentags von 8-1 und von 3-7 Uhr. Telephon: Amt IV, Nr. 4093. 29, IV. Sonnabend, den 18. März, Lehrlingen.jugendliche Arbeiter mittwoch, den 22. März 1911, abends 8 Uhr, in der Holzindustrie! Sonntagnachmittag von 3-8 Uhr abends ist der Arbeitslosenfaat im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, als Lesesaal für die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter geöffnet. Sämtliche Bücher und Zeitschriften der Jugendbibliothek liegen zur freien Benußung aus. Um 5 Uhr: Nesitationen. 1. Teil Freilingrath. Humoristische und Dialektrezitation. Die Werkstattvertrauensleute werden gebeten, die Lehrlinge auf den Besuch des Lesesaales aufmerksam zu machen. Achtung! Werkstattvertrauenslente! Keller's Festsälen, Koppenstr. 29: General- Versammlung des Gesamt- Zweigvereins. Zages Drdnung: 1. Die Verhältnisse im Berliner Baugewerbe. 2. Der Entwurf eines Drtsstatuts. 3. Bereinsangelegenheiten. abends 8, Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Merkowski, Andreasstraße 26. Tagesordnung: Staffenbericht pr. Februar. Aufstellung von Kandidaten zur Ges neralversammlung u. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 6905 Die Ortsverwaltung. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes .Solidarität. Sämtliche Touren am Sonntag, Bei der wichtigen Tagesordnung ist es dringende Pflicht aller Mitglieder, für regen Besuch den 19. März, fallen des Frauentages wegen aus. 10/8 H. Arnhold, Mitgliedsbuch legitimiert. Berlin N. 58, Danziger Straße 19, Zentralfahrwart. Der Zweigvereins vorstand. Die Stollegen, welche noch feinen Jahresbericht erhalten haben, tönnen der Versammlung Sorge zu tragen. thn durch die Vertrauensleuté vom Bureau abholen lassen. 8018 137/ 7* Schirmmacher. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter Sonnabend, den 18. März, abends 8% Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Eingang B parterre( Arbeitslosenfaat. Zentralverband der Dachdecker Verwaltungsstelle Berlin. Sonntag, den 19. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschafts. haus, Saal 1. Engelufer 15: General- Versammlung der Dachdecker- u. Dachdeckerhilfsarbeiter Lages Drdnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Berbandsangelegenheiten. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet Jedes Wort 10 Pfennig. Der Vorstand. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Kredithaus Moabit, Turmstraße 55. Ecke Waldstraße, erhalten Sie Möbel und Waren jeder Art auf Teilzahlung, unter denkbar günstigen Zahlungsbedingungen. Spezialität: Herren und Damenbekleidung. Gratis erhält jeder Herr beim Kauf eines Anzuges oder Paletots einen Hut, Stock oder Schirm; jede Dame Handtasche oder Gürtel. 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