Ur. 68. übonnementS'ßedlnaunsen: BBonnc mcnlä- Preis pränumerando i vicrtcljährl. Mä, monatl. l.lv Mä, wöchentlich 2» Pfg. frei ms Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nunimer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Psfl. Post- tlbonncmenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs» Preisliste. Unler Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Slusland L Marl pro Monat. PostabonncmenlS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Ktwtänien. Schweden und die Schweiz, 88. Jahrg. GldxiBt tZzl!» aaCtr tnonUai, * Vevlinev Volksblntt. Ble Tnkrtlons.Gcbüfji- BfltSgt für die sechsgcspaltene Kolonel. geile oder deren Raum 60 Psg,, für politische und gcwcrlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen L0 Plg. „Klelne Unzeigen", das erste lselt« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas» slcllen-ilnzeigen das erste Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort S Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition iit bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Soxlslllemslirzt BtrUirt Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktton: 803. 68» Linden Strasse 69. Fernsprechert Amt IV, Nr. 1983. Slürdelos und verblendet! Die Geschäftsordnungskommission des preußischen Ab- geordnetenhauses hat am Montag den Antrag auf Ein- stellung des gegen unseren Genossen Lieb- k n e ch t vor dem Ehrengericht der Anwaltkammer schweben» den Verfahrens abgelehnt und dadurch einen Bruch mit der seit Jahrzehnten geübten Praxis herbeigeführt, einer Praxis, die auch der Reichstag ständig verfolgt. Nach Artikel 84 der Verfassungsnrkunde wird jedes Straf- verfahren gegen ein Mitglied der Kammer- und eine jede Untersuchungs- und Zivilhaft für die Dauer der Sttzungs- Periode aufgehoben, wenn die betreffende Kammer es verlangt. Das ist auch bisher immer anstandslos geschehen. Nicht nur Strafverfahren, sondern auch Disziplinarverfahren gegen Be- amte sind auf Verlangen des Landtags oder Reichstags stets eingestellt worden. Mit dem Fall eines ehrengerichtlichen Verfahrens gegen einen Rechtsanwalt freilich hatte sich das Abgeordnetenhaus noch niemals zu befassen gehabt; nur im Reichstage bat sich im Jahre 1836 ein Präzedenzfall ereignet, aber die Rechtsfrage ist dabei nicht zur Sprache gekommen. Die Geschästsordnungskomnlission hatte also zunächst zu prüfen, ob der Artikel 84 auch auf ehrengerichtliche Verfahren gegen Rechtsanwälte Anwendung findet. Der Berichterstatter bejahte diese Frage; ihm schloß sich der Vertreter des Justiz- Ministers an, und nicht ein einziges Mitglied der Kommisston vertrat den entgegengesetzten Standpunkt. Man hätte als 0 erwarten können, daß die Kommission ohne weitere Debatte die Einstellung des Verfahrens beschließen würde. Aber man wollte es offenbar auf eine Machtprobe ankommen lassen. Der konservative Redner, der ausdrücklich zugab, daß es sich um ein Strafverfahren im Sinne der Verfassung handle, betonte die Notwendigkeit, die bisherige Praxis zu verlaffen und in jedem einzelnen Falle zu prüfen, ob die Ein stellung des Verfahrens am Platze ist. Speziell im vorliegenden Falle verneinte er, daß eine Veranlassung vorliege, von der dem Landtage gegebenen Befugnis Gebrauch zu machen. Dieser Standpunkt ist um so verwunderlicher, als die Parlamente bis auf den heutigen Tag nicht nur alle Strafverfahren auf Antrag der Beteiligten zu suspcn diercn gewohnt sind, sondern sogar Abgeordneten, die den Wunsch aussprachen, daß ein Verfahren gegen sie seinen Fortgang nimmt, Schwierigkeiten gemacht haben. Der konservative Redner protestierte gegen den angeblichen Mißbrauch, das, was die Verfassung als Ausnahme gedacht habe, gedankenlos als Regel hinzustellen, er bezog sich auf einen Kommissionsbcschluß aus dem Jahre 1853, wonach es 1. nicht Aufgabe der Kammer sei. zu prüfen, ob eine Anklage begründet ist, oder nicht, 2. der Artikel 84 der Verfassung kein absolutes Privileg der Kammermitglieder begründe, während der Dauer der Sitzungsperiode der Untersuchung entzogen zu werden, 3. der Artikel 84 den Kammern vielmehr nur die Be sugnis gebe, ihre Mitglieder nur dann solchen Untersuchungen vorübergehend zu entziehen, wenn sie die Aufschiebung der Unter- suchung imJnteresse der auch indieserRichtnng zusicherndenvollen Wirksamkeit der Volksvertreter liegend finden, und 4. die im Artikel 84 vorgesehene Sistierung des Strafverfahrens während der Session der Natur der Sache nach nur dann eintreten dürfe, wenn ganz überwiegende Gründe dafür vorliegen. Der Fall, auf den sich der konservative Redner bezog, war der Fall des Abg. Lette. Allerdings hat die Kommission damals in Betracht gezogen, daß der Gerichtshof für das dem Abg. Lette zur Last gelegte Vergehen sich am Orte befindet, und daß der Angeklagte daher in dem einzuleitenden Verfahren nicht durch Reisen seinem Beruf entzogen ivürde, aber anderer- seits hatte der Abg. Lette selbst gewünscht, daß dem Ver- fahren kein Aufschub gegeben werde. Etwas anders lag der Fall Lette also doch als der Fall Liebknecht, und dazu kommt— worauf immer und immer wieder hingewiesen werden muß— die Praxis des Landtages in den letzten Jahrzehnten. Einige Bemerkungen des konservativen Redners ver- anlaßten unseren Genossen, der als Vertreter der Antragsteller zu der Sitzung hinzugezogen war, zu der Erklärung, daß der Wunsch auf Einstellung des Verfahrens nicht etwa von Liebknecht ausgehe, sondern daß sich vielmehr die Fraktion aus eigenem Antriebe und gegen das anfängliche Sträuben von Liebknecht zur Einbringung des Antrages entschlossen habe, und zwar aus prinzipiellen Gründen im Interesse der Würde des Parlaments. Ein nationallibcrales Mitglied schloß sich dem konser- vativen Redner an, gab aber zu bedenken, ob es politisch klug sei, in diesem Falle den Antrag abzulehnen; man erteile Liebknecht dadurch die Rolle eines Märtyrers, und man wisse ja. wie ein solcher Beschluß ausgebeutet werde. Lediglich aus diesen rein praktischen und politischen Gründen, um Liebknecht nicht die Rolle des Märtyrers zu erteilen, bitte er. dem An- trag zuzustimmen. Dem konservattven Redner traten auch zwei Zentrums- angchörige bei, die beide zu bestreiten suchten, daß es sich hier um ein Präjudiz handele, da das Abgeordnetenhaus ja erst kürzlich die Vernehmung eines Abgeordneten als Zeugen außerhalb gegen dessen Willen beschlossen haben. Demgegen- über betonte das fortschrittliche Mitglied mit Fug und Recht, daß zwischen der Vernehmung eines Abgeordneten als Zeugen und zwischen der Sttafversolgung emeS Abgeordneten ein Himmel- Expedition: 8M. 68, Lindcnstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV Nr. 1984. weiter Unterschied bestehe. In den letzten Jahrzehnten sei jedes Verfahren auf Wunsch des betreffenden Abgeordneten eingestellt worden, der jetzt vorliegende Fall sei nicht dazu angetan, einer langjährig geübten Praxis zu widersprechen. Im übrigen sei doch nicht nur die Frage maßgebend, ob ein Mitglied des Hauses verhindert werde, an einer Sitzung teilzuuehinen, sondern es sei vielmehr die ganze Stellung des Abgeordneten maß- gebend. Besonders bemerkenswert waren die Ausführungen des freikonservativen Redners, der der Ansicht Ausdruck gab, daß die Kommission zivar auf die Schuldfrage nicht eingehen könne, daß sie aber prüfen müsse, ob es sich um einen schweren oder leichten Fall handle. Hier handle es sich tatsächlich um einen schweren Fall. Stelle es sich später heraus, daß das Verfahren Liebknecht so in Anspruch nahm, daß seine parlamentarische Tätigkeit dadurch gestört werde, so werde ja eine Nachprüfung, des Falles stattfinden können. Zurzeit müsse er verneinen, daß Liebknecht in der Ausübung seiner parlamentarischen Tätigkeit durch das Verfahren gestört werde. Hierauf wurde gegen die drei Stimmen des N a t i 0 n a l li b e ra l e n, des F 0 r t s ch r i t t l e r s und des Polen der Antrag auf Einstellung des Verfahrens abgelehnt! Wir sind der Kommission deshalb nicht böse, im Gegen- teil, wir freuen uns, daß es uns so leicht gelungen ist, durch unseren Antrag aus Kommissionsbcratung sie zur Enthüllung ihrer wahren Absichten zu bewegen. Tritt das Plenum, wie zu erwarten i st, dem Antrage bei, so hat das Abgeordnetenhaus daniit lvieder einmal gezeigt, daß politischer Haß und politische Verblendung, nicht aber Rechtsgründe für sein Tun maßgebend sind. Interessant ist übrigens die Mitteilung des RegierungS- Vertreters, daß das Verfahren seinen Ausgang genommen hat von einer Eingabe, die ein Rechtsanwalt in Berlin i m O kt 0 b er v 0 r i g e n Jahres an den Justizminister gerichtet hat mit dem Antrage, gegen Liebknecht wegen seines Auf- tretens auf dem Magdeburger Parteitag einzuschreiten. Hoffentlich gelingt es noch, den Namen dieses Denun- ziantcn festzustellen. Vielleicht beschäftigt sich auch das Ehrengericht der Anwaltskanimer einmal mit der Frage, ob es nicht gegen einen solchen Burschen, der sich so gemeiner Waffen gegen politische Gegner bedient, einschreiten soll. Der Justizminister hat— auch das ist charakteristisch— die Ein- gäbe weitergegeben an den Oberstaatsanwalt des Kammer- gerichts mit dem Auftrage, zu prüfen, ob Veranlassung vor- liegt, ehrengerichtlich oder strafrechtlich einzu- schreiten. Der Oberstaatsanwalt hat dann als unnnltclbarer Beauftragter des Justizministers alle weiteren Schritte unter- nommen, er hat sich u. a. an den Oberrcichsanwalt gewandt, und dieser hat sich dahin geäußert, daß er keinen Anlaß zum Einschreiten habe. In gleichem Sinne hat sich der Ober- staatsanivalt in Naumburg in Uebercinstimmung mit dem Ersten Staatsanwalt in Magdeburg geäußert, und zwar ist letzterer davon ausgegangen, daß, soweit es sich um eine Beleidigung des Zaren handelt, ein Strafverfahren nicht stattfinden könne, weil kein Strafantrag vorliegt, ganz ab- gesehen davon, ob der Gegenscitigkeitsvcrtrag mit Rußland verbürgt sei. Wie bereits bemerkt, sind wir unseren politischen Gegnern dankbar für den guten Agitattonsstoff, den sie uns geliefert haben. Daß wir ihn nach Kräften ausnutzen iverdcn, dessen können sie sicher sein. Der Schlag, zu dem sie ausholen, in- dem sie sich als Helfershelfer des Justizministers aufspielen, wird, soweit es sich um Liebknecht handelt, ein Schlag ins Wasser bleiben. Der Sozialdemokratie aber wird er nutzen, und so wird sich der preußische Landtag auch diesmal als der beste Agitator für die Sache des Sozialismus erweisen. LI» Zudiläum. (Zum 21. März 1911.) Heute vor vierzig Jahren wurde der am 3. März 1871 ge° wählteer st eDeutscheReichstag des neuerrichteten Deut- schen Reichs eröffnet. Allzugroß war das Interesse der neuge- backenen deutschen Staatsbürger bei den ersten Wahlen zum Reichs- Parlament nicht gewesen. Von 7 636 273 Wahlberechtigten hatten nur 3 884 893 abgestimmt, ungefähr die Hälfte. Beinahe ein Drittel aller abgegebenen Stimmen(1176 615) entfielen auf die national- liberale Partei, 724 837 auf das Zentrum, 549 661 auf die Konser- vativen, 342 463 auf die Fortschrittspartei, 273 857 auf die(seit 1877 verschwundene) Liberale Reichspartei, 176 342 auf die Polen und 124 655 auf die Sozialdemokraten. Der Rest verteilte sich auf Welsen, Süddeutsche Volkspartei, Dänen, Partikularisten usw. Schon bei dieser ersten Wahl machte sich der Mangel des Proporzes, d. h. die Verteilung der Abgeordnetenzahl nach Maßgabe der abge- gebenen Stimmen auf die einzelnen Parteien geltend. Beispiels- weise konnten die Weifen mit 52 341 Stimmen 5, die Polen mit 176 342 Stimmen 13 Wgeordnete entsenden, während auf die Sozialdemokraten bei 124 655 Stimmen nur 2 Abgeordnete ent- fielen. Dieses Unrecht hat sich die ganzen 46 Jahre hindurch er- halten und von Wahl zu Wahl noch verschärft, vornehmlich zu- Ungunsten der Sozialdemokratie, die schon bei den Wahlen 1896 nach der Höhe der auf sie entfallenen Stimmenzahl an die Spitze aller übrigen Parteien trat, in der Mandatsziffer aber bis heute aufS schwerste benachteiligt wurde. Von den 382 Abgeordneten, die der erste Reichstag zählte— Elsaß-Lothringen wählte erst 1874 mit— sind nur zwei übrig- geblieben, die heute noch dem Hause angehören. Es sind dies unser Genosse Bebel und der Zentrumsabgeordnete L e n d e r. Genosse Bebel wurde vom 17. sächsischen Reichstagswahlkreise(Glauchau- Meerane), den er schon im Norddeutschen Reichstage von 1867—1876 vertreten hatte, gewählt und hat mit Ausnahme einer kurzen Unter- brechung(1881—1883) dem Reichstage ständig angehört, jetzt also eine 42jährige Abgeordnetentätigkeit hinter sich. Der Abgeordnete Lender, der seit 39 Jahren in dem badischen Dörfchen Sasbach bei Achern als Pfarrer amtiert, wurde im 8. badischen Reichstagswahl- kreise(Rastatt-Baden) gewählt und hat diesen KreiS 46 Jahre hin- durch ununterbrochen vertreten. Von den Parteiführern aus der ersten Legislaturperiode, die damals im Vordertreffen des parlamentarischen Kampfes standen, gehört nur Bebel dem Reichstage heute noch an. Die bedeutend- sten Führer des Liberalismus, wie Lasker, Stauffenberg, Mar- quardsen, Benda, Bamberger, Bennigsen, Miquel und Richter, die streitbaren Zentrumsmänner Windthorst, Franckenstein, die beiden Reichensperger und Lieber sind alle zu ihren Vätern versammelt, zuletzt Graf Ballestrem, der 1872 in den Reichstag einzog und sofort im Kulturkampfe eine bedeutende Rolle spielte. Auch von den kon- servativen Führern ist aus der Zeit der ersten Reichstagssession keiner mehr auf dem Plane; als letzter schied v. Kardorff aus, der von 1868 bis Ende 1366 dem Reichstage ununterbrochen angehört hatte. Außer Bebel befinden sich unter den heutigen sozialdemokrati- schen Reichstagsabgeordneten noch fünf, die, wenn sie auch nicht von Beginn an im Deutschen Reichstage gesessen haben, doch auf eine mehr als fünfundzwanzigjährige parlamentarische Tätigkeit im Reichsparlament zurückblicken können: Dietz, Frohme, Stolle und Wollmar, die sämtlich 1881 in den Reichstag hineingewählt wurden, und ferner Genosse Geyer, der zuerst 1886 als Abgeordneter das hohe Haus betrat. Von parteigenössischen Abgeordneten, die zwar zurzeit dem Reichstage nicht angehören, aber eine lange parlamentarische Tätig- keit hinter sich haben und sicher bei den nächsten Reichstagswahlen das ihnen 1967 bei den Hottentottenwahlen verloren gegangene Mandat zurückerobern werden, dürfen die Genossen Bios und Bock nicht unerwähnt bleiben. Genosse BloS wurde 1877 als kaum Siebenundzwanzigjähriger für Reutz ä. L.(Greiz) in den Reichs- tag gewählt. Bei den Attentatswahlen 1878 unterlag er dort, hatte aber 1881 den Kreis wieder, vertrat dann 1884— 1887 und 1896 bis 1966 Braunschweig, wo er bei den bevorstehenden Wahlen wieder kandidiert. Genosse Bock trat 1884 in den Reichstag ein, wo er Gotha bis 1887 vertrat. 1896— 1893 vertrat er Magdeburg, 1893 bis 1966 wieder Gotha, das uns bei den nächsten Wahlen wieder zu- fallen muß. In den vierzig Jahren feit Bestehen des Deutschen Reichstage? haben 148 sozialdemokratische Abgeordnete 162 Wahlkreise, also mehr als ein Viertel aller Reichstagswahlkreise vertreten. Hierzu wären noch der Abgeordnete Schraps zu zählen, der nach seiner Wahl 1871 den Demokraten beitrat, und Johann Jacobh, der 1874 in Leipzig-Land gewählt wurde, die Wahl aber ausschlug. Unter Hinzurechnung der im Norddeutschen Reichstage vertreten ge- wesenen Abgeordneten unserer Partei, die später auS ihr schieden und mit Ausnahme von Ferd. Götz nicht wieder in den Reichstag gewählt wurden, hat die deutsche Sozialdemokratie seit ihrem Be- stehen 155 Abgeordnete in den Reichstag entsandt. *« • Einen eigenartigen Artikel leistet sich Herr Georg Oertcl in der„Deutschen Tageszeitung" zur Jubiläumsfeier des Reichstages. Er räsonniert über die Untauglichkeit des ReichStagswahlrechts und die politische Verrohung der ärmeren Volksschichten: „Das allgemeine, gleiche, geheime und unmittelbare Wahl- recht bringt es mit sich, daß die Wahlen selbst immer gröbere Formen annehmen. Man bedient sich in immer weiteren Kreisen der brutalen Mittel, die man mit dem Gesamtausdrucke des Amerikanismus bezeichnet. An die Stelle der ruhigen Aufklärung tritt mehr und mehr die unmittelbare Einwirkung auf den Wähler, die sich an die Leidenschast und an niedrige Instinkte wendet. Böse Beispiele verderben gute Sitten. Die Versammlungen sind immer stürmischer geworden. Sprengungen sind nichts Ungewöhnliches mehr. Man hat ein wirklich künstliches System der Sprengungen erfunden. Die Versammlungsfreiheit wird durch den Mob illusorisch gemacht. Bedrohun- gen der Redner sind nicht selten, ja Gewalttätigkeiten waren zu verzeichnen. Man behauptet, daß die politische Bildung der Wählermassen fortschreite. Das ist schwer zu glauben, wenn man hört und erlebt, wie die Verrohung der Masse zu» nimmt. Hält diese Entwicklung an, so wird sich schließ- lich kein Mann, der auf sich halt, in die schmutzi- gen Wogen eines Wahlkampfes stürzen wollen. Das ist der Fluch des Radikalismus, der sich mit einer nach dem Fallgesetze zunehmenden Geschwindigkeit auf der schiefen Ebene fortbewegt." Daß die Agrarkonservativen auf den Deutschen Reichstag und das Reichstagswahlrecht schlecht zu sprechen sind und das preußische Dreiklassenhaus als die höchste Stätte politischer Bildung betrachten, ist begreiflich; denn das Rcichstagswahlrecht hat nicht gehalten, was sie sich von ihm versprochen haben. Sie glaubten, durch daS allge- meine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht dem LiberaliSIßuS ein Gegengewicht bieten und ihn dadurch niederhalten zu können; die ärmeren unterdrückten Volksschichten haben aber längst gelernt. dieses Wahlrecht im eigenen Interesse zu gebrauchen und sozial» demokratisch zu wählen. Dafür, daß sie sich der konservativen Be- vormundung entzogen haben, werden sie heute von den Wortführern des Junkertums der Verrohung und der Unmoral geziehen. Von Änsii'W CötüeFc fui Fal„T ö n) � r 5 3 H 5 c" üftS„5 n Tu plutokratische" Reichstagswahlrecht sind die Junker und ihre bäuerliche Gefolgschaft wieder zu den Wahlrechtsidealcn des jüdi- schen Renegaten und feudalen Staatsrechtsphilosophen Friedrich .Julius Stahl zurückgekehrt, der neben einem größtenteils vom Monarchen ernannten Herrenhaus eine zweite ständische Kammer verlangte, in der durch die Art des Stimmrechts dem ländlichen ArmMefih zwei Drittel aller Sitze gesichert würden, Klaffeniuftlz in Köln! Das Kölner Schwurgericht hat am Sonnabendabend in dem Deutzer Landfriedensbrnchprozeß ein ungeheuerliches Urteil ge- 'fällt. Es hat sämtliche Schuldfragen nach Landfriedensbruch und die Annahme mildernder Umstände bejaht. Das Gericht hat darauf auf insgesamt 23 Jahre und zwei Monate Gefängnis gegen die 15 Angeklagten erkannt. Im einzelnen betrugen die Strafen gegen den Gowerkschaftsbeamten Fröhlich 2 Jahre 7 Monate, gegen Schulz 1 Jahr ü Monate, P e l tz e r 1 Jahr ö Monate, U e l p e- u i ch 1 Jahr 6 Monate, P r i e st e r 6 Monate, Kubitz« 1 Jahr, Küpper 1 Jahr 3 Monate, Emil Müller 9 Monate, B e r S- h« i m 7 Monate, Wechsler 1 Jahr 6 Monate, Ziemendorf 1 Jahr 3 Monate, Dörks 9 Monate, Strunden 1 Jahr 8 Monate, Jacob Müller 1 Jahr 6 Monate und Dipper 5 Jahre Gefängnis. Empörend ist die Verurteilung insbesondere de? Gewerk- fchaftsbeamten, Genossen Fröhlich, dessen völlige Schuldlosigkeit in der einwöchigen Verhandlung erwiesen ist. Eine große Reihe von Zeugen haben bekundet, daß Fröhlich stets, insbesondere aber auch in diesem Fall, außerordentlich besonnen vorgegangen sei. Vor dem Streik hat er darauf hingewiesen, daß e» keine Kleinigkeit sei, zu streiken, denn«S seien diele Unorganisierte da. Als der Streik dennoch einstimmig beschlossen wurde, hat er gewarnt, Alkohol zu trinken und dringend gebeten, nicht zuviel an der Baustelle zu stehen und der Polizei aus dem Wege zu gehen. Selbst der Leiter der christlichen Gewerkschaft, Becker. konnte dem Genossen Fröhlich nur das beste Zeugnis ausstellen und erklären, daß auch nach seiner Ueberzeugung der Unternehmer Tarifbruch begangen hatte. Ein Arbeitswilliger, Ber- kram, bekundete, es fei nicht wahr, daß Fröhlich ihn irgendwie mit Gewalttätigkeiten bedroht habe. Im Gegenteil: in anstän» diger Weife habe Fröhlich vor dem Zusammenstoß zwischen Polizei und Arbeiter,» ihn gefragt, warum er Streikbrecher spiele. Fröhlich fei stets, auch nach dem Zusammenstoß, zu ihm anständig gewesen und habe ihn gebeten, nicht in die Wirtschaft zu gehen, in der die Streikenden saßen. Hätte jeder so anständig geredet wie Fröhlich, dann hätten sie auch die Arbeit niedergelegt. So das Zeugnis eines als HauptbelastungS» zeugen der Anklage vorgeführten Mannes. An dem Zusammen- stoß zwischen Polizei und Arbeitern hat Fröhlich sich nicht beteiligt. Dennoch verlangte der Staatsanwalt ein Schuldig wegen Be- drohuug und wegen Anstiftung zum Landfriedensbruch. Und worauf baut sich dies Verlangen auf? Auf dem Zeugnis eines achtmal wegen Betruges vorbestraften Arbeitswilligen namenS Hauptmann! Zurzeit verbüßt dieser Kronzeuge der Staatsanwalt- schast zehn Monate wegen Betruges und Unterschlagung. Dieser Kronzeuge— und nur er— bekundete. Fröhlich habe gedroht, den Arbeitswilligen würden die Knochen zerschlagen werden, wenn sie weiter arbeiten. Ein Antrag der Verteidigung, einen Schutzmann darüber zu vernehmen, daß Hauptmann auch ihn wissentlich falsch anges ch u ld igt habe, wurde vom Gericht für„unerheblich" abgelehnt. Die AuS- sage eines solchen Zeugen reichte aus, um gegen einen ehrenhaften Mann ein Schuldig auszusprechen, das im krassesten Gegensatz zu den Bekundungen aller anderen Zeugen stand! Möglich wurde der ungeheure Fehlspruch dadurch, daß, wie wir bereits in dem Bericht vom 9. d. M. hervorgehoben haben, die Geschworenen lediglich der Unternehmerklasie angehörten und daß die Anklage eine Behauptung gegen Fröhlich ausstellte, d i e in der Verhandlung als unwahr sich heraus» stellte. ES hatte nämlich die Anklage behauptet. Froh- lich habe ein Jnteresie am Streik, denn er bekomme für jeden Tag eine Streikzulage von vier Mark. Die Beweisaufnahme ergab, daß an diesem schmutzigen Anwurf nicht ein Atom Wahres sei. Fröhlich bekommt so wenig wie irgend ein anderer Gewerkschaftsbeamter trotz der erheblichen Arbeit, die ein Streik ihm verursacht, irgendeine Zulage. Im Gegenteil wurde erwiesen: Fröhlich hat wiederholt bei Streiks selbst Opfer gebracht, auf einen halben Monatslohn z. B. zugunsten der Streikkasse ver- zichtet. Der Staatsanwalt ließ freilich nach diesem Ergebnis der Beweisaufnahme diese schmähliche Behauptung fallen. Aber die Aufstellung einer solchen Behauptung, die bei umsichtiger Führung der Voruntersuchung als eine elende Lüge schon vor Erhebung der Anklage in sich hätte zusammenbrechen müssen, hatte Stimmung gegen den Angeklagten gemacht. Dazu kamen dann von dem Staatsanwalt unerwiesene aber mit um so kräftigerer Stimme vorgetragene Behauptungen über einen Terrorismus des Verbandes. Das und die AuÄvahl 'der Geschworenen wie die Art der Leitung des Prozesses hat den Schuldspruch gegen einen erwiesen Unschuldigen zuwege gebracht. Mit Recht führte der Verieidiger an, daß mehr als zweifelhaft sei, ob überhaupt ein Landfriedensbruch vorlag. Polizeibeamte haben, wie die Verhandlung ergab, in einer Reihe von Fällen völlig Unbeteiligte, ruhig ihres Weges Gehende mit Säbeln trak- tiert. Bei einem Angriff aus Arbeiter ist einem Polizeibeamten Kassel der Säbel entrissen. Der Angeklagte Dipper will. selbst von mehreren Polizei säbeln bedroht, den Säbel ergriffen und in Notwehr gebraucht haben. Der Schutzmann Kassel wurde von einem Säbelhieb getroffen. Er ist nicht an der Folge des er- littenen Schlages, sondern wie die Sachverständigen begutachteten, an der Folge einer Infektion der Wunde gestorben. Und dennoch sünf Jahre Gefängnis gegen den Angeklagten Dipper, dessen Täterschaft zum mindesten zweifelhaft blieb. DaS Empörendste ist aber das Urteil gegen Fröhlich. AuS des Vorsitzenden, Landgerichtsrats Wcftermann, VerHand- lungsweise ging die wenn auch unbewußte Voreingenommen- heit dieses Richters gegen die Arbeiter und deren Organi- fationen klar hervor. Sonst ist beispielsweise die von ihm an Fröhlich gerichtete Frage, warum er sich um den Tarifbruch des Bauunternehmers TataS kümmere, das gehe ihn doch nichts an, da er dock) dort nicht gearbeitet habe, völlig un- verständlich. Tatas zahlte statt der tariflichen 58 Pf. Stundenlohn 42 bis 45 Pf. Das gab den Anlaß zum Streik. Während des Streiks wurden Arbeiter in ihrem Recht, Streikposten zu stehen. gehindert. Die überflüssige Heranziehung von Polizisten führte dann zu einem Zusammenstoß, der später juristisch als Land- friedensbruch konstruiert wurde. Man vergleiche gegenüber dieser Anschauung die Anklagen gegen Studenten, die mit vereinten Kräften Sachbeschädigung vornahmen, Polizeibeamte derbläuten, Eisenbahntransporte gefährdeten und schließlich nur wegen groben Unfugs zu Geldstrafen verurteilt wurden. Hier aber über L3 Jahr« Gefängnis gegen Arbeiter, die im schlimmsten LÄls pW mehr pjkbrochcn Ww slö AndalleksM Stuifjilin] llnki ünlee Siefen Arbeikern öetürleilk der GciverkschaftSbeamIe Fröhlich, dessen absolute Schuldlosigkeit die Ver- Handlung ergeben hatte. Dieser Fehlspruch der Klassenjustiz schreit danach, daß Ge- schworen« aus allen Teilen der Bevölkerung auf Grund einer allgemeinen Wahl gewählt, nicht aber ernannt werden und in der Regel allein oder überwiegend der Unternehmerklassc angehören. Unter den 28 zur Auslosung bestimmten Geschworenen befanden sich sieben Kaufleute� sechs Fabrikanten, drei Direktoren, drei Architekten, zwei Rentiers, zwei Ingenieure, ein Generalagent, ein Prokurist, ein Ziegeleibesitzer, ein Hauptmann a. D. und ein Landwirt, aber kein einziger der sozialen Stellung der Angeklagten Gleichstehender. Verächtlich meinte das Magdeburger Landgericht in einem Urteil gegen den Schuh- macher Genossen Märiens, ist eine Gesetzgebung, die b e st i m m t, daß die Geschworenen nur der herrschenden Klasse entnommen werden dürfen. Ist die Wirkung der Art der gesetzlichen AuS- Wahl der Geschworenen minder verächtlich, die zeitigt, daß gerade in Strafprozessen, die aus Anlaß von Arbeitsstreitjgkelten kon- struiert werden, lediglich Angehörige der herrschenden Klasse als Geschworene ftmgieren? Möglich, daß das Reichsgericht den zum Himmel schreienden Fehlspruch aufhebt und der Freisprechung des unschuldig Verur- teilten die Wege bahnt. Möglich, weil insbesondere der Beweis über die moralische Qualität de» Kronzeugen der Staatsanwaltschaft abgeschnitten war. Aber sei dem, wie ihm wolle: das Urteil im Deutzcr Landfricdensbruchprvzeß schreit gebieterisch danach, daß eine Berufung gegen Schwurgerichisurteile eingeführt wird, und daß bei der demnächst zur Beratung stehenden Strafprozehnovell« die Anträge angenomen werden, die seitens der Sozialdemokratie zur Organisation der Gerichte gestellt sind. poUtilcbe CCcbcrHcbt Berlin, den 20. März 1911. Ueberarbeit im Reichstag. Aus d'em Reichstag, 20. März. Am achten Tage der Beratung des Etats des Innen, ergriff Genosse Sachse das Wort, um mit bestimmten Angaben seine früheren Be- hauptungen von der Vergebung von Darlehen an Wohl- fahrtsgesellschaften zu belegen. Er wies darauf hin, daß der Fürst P l e ß zwar Geld zu anderen Zwecken habe, seine Beamtenvereme aber zum Reich gchen ließe, wenn sie Unter- stütznng brauchten. Beim Kanalamt rügte Genosse S e v e r i n g, daß die Verwaltung den Ausbau deS Nordostseekanals Vorzugs- weise durch ausländische Arbeiter besorgen lasse, und zwar weil sie b i l l i g e r zu haben sind als inländische. Wir müßten verlanigen, daß Ausländer nur unter den n ä m- l i ch e n Bedingungen beschäftigt würden wie deutsche. Wo bleibe denn da der vielgerühmte Schutz der natio- nalen Arbeit? Der Geheimrat v. Jonquidres be- hauptete daraufhin, daß geeignete deutsche Arbeiter in genügender Zahl nicht zu bekommen gewesen seien. Dann gab es weitschweifige Debatten über verschiedene Fragen, in deren Verlans der Konservative D i e d e r i ch Hahn in beständigem Kampf mit dem Präsidenten abermals eine agrarische Wahlrede einzuschmuggeln wußte. Eine wichtigere Auseinandersetzung gab es noch bei den einmaligen Ausgaben zwischen dem Staatssekretär Delbrück und dem Genossen Hoch darüber, ab nach dem Regierungs- vorschlage nur 2 Millionen Mark als Darlehen für Bau- gcnossenschaften in den Etat eingesetzt werden sollten oder 4 Millionen wie in früheren Jahren. Hoch wies nach, daß der Staatssekretär sich im Vorjahre so ausgedrückt habe, daß die Baugenossenschaften diesmal die Einsetzung von 4 Millionen hätten erwarten können. Trotzdem wurde der sozial- demokratische Antrag abgelehnt. Mittlerweile war es 8V2 Uhr geworden. Der Präsident Spahn wollte noch weiter tagen lassen. Dagegen pro- testierten die Freisinnigen W i e m e r und M u g d a n und die Sozialdemokraten Ledebour und Hoch, die auf die unverantwortliche Ueberarbeitnng der Mitglieder und der Angestellten hinwiesen und geltend machten, daß wichtige Fragen durch die Fertigstellung des Etats zum 1. April un, möglich werden. Durch Anzweifelung der Be- schlußfähigkeit wurde die Vertagung erzwungen. Morgen kommt die K a l i f r a g e an die Reihe. Durchpeitschung des Etats. Ein mehr als unwürdiges Schauspiel ist eS, das sich jetzt täglich in der Prinz-Albrecht-Straße abspielt: in Anwesenheit einer Handvoll Abgeordneter wird unter allgemeiner Unaufmerksamkeit sechs bis sieben Stunden am Tage und drei bis vier Stunden am Abend der Etat beraten, Aber all daS, was daS Abgeordnetenhaus bisher auf diesem Gebtete geleistet hat, wird übertroffen durch die Beschlüsse vom Montag, denen zufolge wichtige Einzeletats zunächst einmal angenommen werden, daß aber die Debatte darüber bis nach Ostern oder Pfingsten vertagt wird. In dieser Weise verfuhr man zunächst beim Etat der AnsiedelungSkommifsion. Vergeben? wies Genosse Hirsch auf den Widersinn eines solchen Vorgehens hin, vergebens beantragte er die Vertagung, die Mehr- heit setzte ihren Willen durch. Beim Etat der Berg verwaltung wiederholte sich da» Spiel. Der Referent der Budgetkommifston beantragte, daß alle Beamten- und Arbeiterfragen aus der Erörterung auszuscheiden hätten, bis der Bericht einer von der Budget- kommission eingesetzten Uuterkommission über die Bergwerks- Verhältnisse vorläge. Wieder erhob namens unserer Fraktion Genosse Hirsch Einspruch, und in der Geschäflsordnungs« debatte, die sich nun entspann, mußten auch verschiedene Redner zugeben, daß eS so nicht geht, aber— so sagte man— man sei in einer Zwangslage, der Etat müsse fertig werden. Allseitig wurde verlangt, die Regierung solle in Zukunft den Landtag zeitiger einzuberufen. Diesem Verlangen stimmte auch unser Redner bei, der im übrigen die Vorwürfe der Rechten, daß die Sozialdemokraten dir ElatSberatung durch lange Reden aufhielten, scharf zurückwies. Der Antrag des Referenten gelangte zur Annahme, und nun begann die sogenannte Etarsberatung; man redete mancherlei und vertagte sich dann auf den Abend, wo gleich- zeitig Plenum und verschiedene Kommissionen arbeiten. Vorher hatte daS HauS den Etat der GrneralordenS- kommission beraten, der dem Abg. Gyßling sVp.) Ge- legenheit gab, über erhebliche Etatsüberschreilungen zu klagen. während Genosse Liebknecht eine Satire auf die Orden«- Verleihungen zum besten gab und in pointenreicher Rede sich lustig machte über die Bedeutung, die gewisse Schichten den Ordens- auSzeichimngen beimessen. In der Abendsitzung hielt Genosse Hoffmattn beim Bergetat überaus gründliche und wirksame Abrechnung mit der Regierung und den bürgerlichen Parteien. Gestützt auf reiches Material wies er zunächst nach, daß die Einnahmen in künstlicher M gejppltsgMr Mise rec|nerisdj zerahgedrückt ao&sß lindi ia» mit Sie privaken SchlotöarMd Recht mit ihrer BeRckllhftMg Bs« halten, daß die Staatsbetriebe auf dem Gebiete der Montan» industrie wenig rentabel seien. Diese überaus vorsichtige Verant- schlagung der Einnahmen diene auch dem Zwecke, die Geschäfts» läge derart ungünstig erscheinen zu lassen, daß die Aufbesserung der elenden Löhne der staatlichen Bergproletarier untunlich er- scheine. In Wirklichkeit nehme die ganze fiskalische Politir nur Rücksicht auf das Ausbeuterintcrcsse des privaten Grubenkap cials, das nicht durch höhere Löhne auf den fiskalischen Werken gle»ch» falls zu Lohnaufbesserungen gezwungen werden wolle. Redner schildert eingehend die traurige Lage der Bergarbeiterschaft im allgemeinen und der fiskalischen Grubensklaven im besonderen. Trotz der allgemeinen Lebensmittelverteuerung seien gewal- tige Lohnreduktionen zu verzeichnen. Dabei müßten sich die christlichen Bergarbeiter gefallen lassen, von den Unternehmern an ihre Führer und„Arbeitervertreter" in den Parlamenten ver» wiesen zu werden, die ja durch ihr Eintreten für Brot- und Fleisch- Wucher und den ganzen Steucrraub die allgemeine Lebensmittel- Verteuerung mitverschuldet hätten! Auch sonst konnte der sozral- demokratische Redner den„?ktbeitervertretern" des Zentrums rücksichtslos die Maske vom Gesicht reißen. Ms die gekennzeich- neten Zentrumsmannen über die Dauer der Ausführungen Hoff- manns murrten, sprach er ihnen sein ironisches Bedauern darüber aus. daß sie um die Genüsse ihres offiziellen Bierabends kämen, was ihn aber nicht von der Erfüllung seiner parlamentarischen Pflicht abhalten werde. Was unser Redner dann an der Hand zahlloser Einzelfälle an Akten des Terrorismus der Bergbehörden und der christlichen Organisationen festzunageln vermochte, war in der Tat geeignet, den Brust. Jmbusch und Konsorten höchstes Unbehagen zu erregen. Herr v. P a p p e n h e i m, der Schutzpatron der Schwarzen, wurde denn auch von einem wahren Entrüstungsanfall heimgesucht, der sich volle 5 Minuten lang in fortgesetzten Zwischenrufen Luft machte, ohne daß der sonst so interventionseifrige Präsident Jordan v. K r ö ch e r sich zum Ein- greifen veranlaßt gesehen hätte. Erst nach 2?L Stunden schloß Genosse Hoffmann seine wuchtige Anklagerede— daß er trotzdem nur in den größten Zügen ein Bild der Leiden und Beschwerden der Bergknappen zu geben vermochte, beweist die Trostlosigkeit der Zustände, in deren volle Tiefe ja nur die Sozialdemokratie hineinzuleuchten wagt. Den Bericht über die Abendsitzung erhalten unsere Leser ßn der nächsten Nummer des.Vorwärts". Liberale Parteikonfereuzen. Die Liberalen des linken und rechten Flügels haben am Sonntag Ausschußsitzungen abgehalten, um sich über ihre Taktik bei den nächsten ReichStagswahlen zu verständigen— natürlich hinter verschlosienen Türen. Die Zentralvorstände der nationalliberalen Partei und der Fortschrittlichen Volkspartei tagten nämlich gleich- zeilig im Reichstage, doch getrennt in verschiedenen Rämnm. Da die Sitzungen nicht öffentlich waren, liegen über sie nur die kurzen offiziellen Nachrichten der nationalliberalen und freifinnigen Partet- presse vor. In der Sitzung des Zentralvorstandes der nationalliberaken Partei vom 19. März 1911 wurde, nach der Meldung der.Nalionall.Korrrsp.', folgende Resolution angenommen: .Der Zentralvorstand, überzeugt, daß die Parteifreunde im Lande sich des Ernstes der politischen Lage und der Verantwortung bewußt find, die der bevorstehende schwere Wahlkampf ihnen zu- weist, spricht die Erwartung aus, daß die Wahlkreisorganisationen vor der endgültigen Ausstellung von Kandidatep und vor dem Eingehen taktischer Wahlablommen sich mir dem Geschäftsführenden Ausschuß deS Zentralvorstandes i»S Einvernehmen setzen. Wird auf Wunsch oder im Einverständnis von Landes organisattonen oder, wo solche fehle», von Wahlkreisen eine Verständigung mit anderen Gesamtparreien vom GeschäftSsührenden Ausschuß herbei- geführt, so find die hierbei getroffenen Vereinbarungen von den betreffenden Wahlkreisen oder Landesorganisationen als verbindlich anzuerkennen.� Eine eingehende Debatte ergab Einverständnis de» versammelten ZentrolvorstandeS über den Inhalt dieser Resolution und der«. An- nähme gegen fünf Stimmen. Im Lauf« der Diskussion wurd« die politische Lage eingehend erörtert. Abgeordneter Bassermann wies darauf hin, daß nach der Haltung de? Bunde» der Landwirte und der von diesem abhängig gewordenen konservativen Partei, in deren Verhalten und ihrer der nationalliberalen Partei grundsätzlich feindseligen Politik sowie in dem immer enger werdenden Anschluß der Konservativen an das Zentrum die politische Lage gekennzeichnet und gleichzeitig die Richtlinien für die nationalliberale Politik be» stimmt find. In der ZentrakauSschuhsitzun g der Fortschritt- kichen Volkspartei erstattete Abg. Fischbeck zunächst Bericht über die Geschäftslage. Dann sprach Abg. Naumann über die nächsten ReichStagSwahlen, insbesondere über da« Verhältnis zu den Naiionalliberalen. Der Redner betonte, daß sich die Einigung der Linksliberalen so gut bewährt habe, wie e» auch die größten Optimisten nicht geglaubt hätten. Der Eindruck wirklicher Ge- schlossenheit sei da, SpaltungSgeist dürfe sich nicht geltend machen. AuS allgemeinen politischen Gründen trat Naumann für eine parteitaktische Verständigung mit den Rational» liberalen bei den nächsten Wahlen ein. Eine größere gentra» lisation in der Kandidatenaufstellung hielt Redner für nötig, die Wahlkreise dürften nicht ohne Verständigung mit der Parteileitung vorgehen. Die Versammlung stimmte diesen Ausführungen zu. Zur Psychologie des elsässischen NotabelntmaS. In dem Augenblick, in welchem der Reichstag in feiner Kom« Mission über eine RegienmgSvorlage berät, welche in Elsaß-Lothringen durcb die Einrichtung einer Ersten Kammer und durch die Verhunzung des Wahlrechtes zur Zweiten Kammer dem einheimischen NotabelnMm die überlegene Stellung vor der flulhi» irrenden Arbeiterbevölkerung neu garantieren will, ist ein Brief von doppeltem Interesse, der anläßlich deS Todes seine» Schreibers dieser Tage bekannt geworden ist. Bor kurzem starb m Straßburg der Vizepräsident des LaiideScniSschusieS und Präsident de» Staat«» r a t e S Landgerichtsrat Dr Gunzert. Ein Führender unter dem neuen Regime nach der Annexion Elsaß-Lothringen», eine der stärksten Stützen des DeutschttimS, wie man nach seinem Austreten bei mancherlei Gelegenheit allgemein annahm I Jetzt ergibt sich, daß er als Präsident des Weißenburger DenkmalkomiteeS einige Zeit nach den Weißenburger Feierlichleiten, bei welchen bekanntlich auch Frankreich vertreten war, an den Vertreter Frankreichs General Bonnal den folgenden Brief schrieb: ,S t r a ß b u r g, den 7. Januar 1910. Mit tiefer Bewegung Hobe ich Kenutni« genommen von der schmeichelhaften Widmung und der soeben eingetroffenen Karte, und ich spreche Ihnen dafür aus vollem Herzen meinen Dank aus. Grit den Weltzenburger Eesttagen haben Sie selbst urteilen können, wie lehr die lsässer das Andenken an die vergangenen Zeiten bewahrt haben, und wie ihr Herz noch immer blutet, sich von ihrem alten Vaterlande getrennt zu sehen. Sie haben sich auch Rechnung legen können von den wenig erbaulichen Kämpfen, welche wir mit der kleinmütigen und quälsüchligen Regierung führe» müssen, welche die Enlwickelung zu hemmen sucht. Dies» Quäle- «Un Häven sich 519 in die letzten Zeiten fortgesetzt, und sie haben mich bestimmt, der Regierung meine Aeniter vor die Fiitze zu werfen, die ich im Interesse meiner LandSleule an- genommen habe. Ich bleibe nur Präsident deZ Staatsrates und Vizepräsident des Landesausschusses." Die Tatsache der.kleinmütigen und quälsüchtigen Regierung stimmt, aber ein klein wenig mehr ManncSmut zu Lebzeiten und bei anderen Gelegenheiten als in vertraulichen Briefen würde dem verstorbenen Staatsrat gegenüber dieser Regierung auch nicht übel angestanden haben. Von einer Niederlegung der Aemter des Dr. Gunzert aus solchen Motiven einige Zeit vor dem Lebensende war in der Oeffentlichkeit niemals etwas bekannt geworden, nur fiel eS auf. daß bei den Begräbnisfeierlichkeiten die Regierung nicht in der üblichen Weise vertreten war. Dieser Dr. Gunzert ist der Typus des von der preußisch-deutschen Re> gierungSweisheit in Elsaß-Lothringen verhätschelten Notabelntmns; bei allen Gelegenheiten biegsam und schmiegsam, im familiären Verkehr und im vertraulichen Uma�ng mit Franzosen aber die sprudelndsten Verächter der.Schwöbs»! ES ist des Schweißes der Edlen wert, für die konservativen Junker und die nationalliberalcn Hurrapatrio.en Preußens und Sachsens, diesem Notabelntum in Elsaß-Lothringen auch unter dem Regime der neuen Verfassung auf Kosten der Arbeiterklasse wieder in den Sattel zu helfen l Die Hochmoralischen unter sich. Der Streit in der Zentrumsfraktion nimmt seinen Fortgang. Buch die ultramontane.Schles. Volksztg." mischt sich jetzt in den Zwist zwischen dem Äbg. Heim und dem Vorstand der Zentrums- fraktion des Reichstages. Sie hat sich aus Berlin eine lange Charakteristik des Herrn Heim schreiben lassen, in der«S heißt:.Er war nur in 59 von den 433 Sitzungen dieser Legislaturperiode im Reichstage und fehlte in 3/4. Im ersten Sessionsabschnitt vom 19. Februar bis 14. Mai 1907 war er niemals, im zweiten Abschnitt vom 23. November 1907 bis 7. Mai 1908 im ganzen nur zweimal im Reichstage, am 3. und 4. April, bei den Abstimmungen über das RetchSvereinsgesetz." Noch schöner ist eine andere gegen Heim gerichtete Denunziation. Dem Abg. Heim war aus der Fraktion vorgeworfen worden, daß er .nur dann' im Reichstag erscheine,»wenn ihneine Frage per fön- lich interessiert'. Auf den Einwand des Abg. Heim, daß ihn z. B. die Kalifrage nicht persönlich berühre, gibt.die zuständige Seite" zunächst zu:.Wenn wir von dem persönlichen Interesse deS Herrn Dr. Heim an den Gesetzesfragen gesprochen haben, so ist damit nicht gesagt, daß er an denselben ein materielles Interesse hatte." Dann aber wird dem Abg. Heim wörtlich vorgehalten: .Er möge nicht behaupten, daß die Kalifroge ihn nur als Abgeordneten berührt; wir nehmen an, daß er an den Erträg- nissen der Zentralgenossenschast auch durch Tantiemen be- teiligtist.und daß er daher auch persönlich an der Verteilung dieser Gelder interessiert ist. Auch daS ist kein Vorwurf; denn für die Tantiemen leistet er Arbeit und wahrt die Interessen de» großen Geschäfts, dessen Leiter er ist. Herr Dr. Heim ist auch als AufsichtSrat an einem Kaliwerk beteiligt, hat also auch hier nicht nur al» Abgeordneter, sondern auch persönlich ein Interesse an der Regelung dieser Frage." Deutlich wird hier von dem Abg. Heim behauptet, daß er nicht nur faul ist. sondern sein Mandat im persönlichen Interesse aus- nutzt. Danach muß eine gar liebliche Harmonie in der die hehre Moral der alleinseligmachenden Kirche vertretenden Zentrumsfraltion herrschen._ Zedlitz weist von nicht?. Zu der Behauptung der.Aktion", daß gewisse Scharfmacher. darunter der Freiherr v. Zedlitz, die Regierung drängen, eine Krieg«- hetz« zur Wahlparole zu machen, läßt Freiherr v. Zedlitz in der .Post" erklären, daß er niemals an solchen Besprechungen teil- genommen habe, auch von solchen Besprechungen nicht daS mindeste wisse. Damit ist nun allerdings nicht widerlegt, daß der erwähnte, höchst abenteuerliche Gedanke nicht doch erörtert worden ist. frankmch. Die Winzerbcwegung. Lar-fur-Aube, 19. März. Eine Versammlung von Gemeinde- Vertretern, die heute im Rathause tagte, nahm eine Tagesordnung an, in der die Deputierten und Senatoren deZ Departements aufgefordert wurden, ihre Zustimmung zum Budget so lange zu verweigern, bis die Abgrenzung des Champagne- g e b i e t S in zufriedenstellender Weise erfolgt sei. Ein Zug von Winzern, bei dem rote Fahnen und Plakate mit viel- fachen Ausschristen getragen wurden, bewegte sich durch die Straßen. Vor der Maine verbrannten die Teilnehmer die Steuerzettel. ES wurden heftige Reden gehalten. Doch hatte die Gendarmerie keine Veranlassung einzuschreiten. Auf einem improvisierten Scheiterhaufen verbrannten die Winzer außer den Steuerzetteln auch zwei Puppen, die den Ministerpräsidenten und den Senator des Marne- Departements Bourgeois darstellen sollten. Der Zug bewegte sich sodann aus der Stadt, wo im Freien eine Versammlung ab- gehalten wurde._ Die Gegenaktion der Begünstigte». Atz(Departement Marne). 19. März. Der verband der Winzersyndikate deS gesetzlich festgelegten Champagneweinbaubezirks hielt heute eine Versammlung ab, bei der nach sehr erregter Debatte beschlossen wurde, wenn nötig, mit G e- waltmaßregeln die Einbeziehung des Weinbaubezirks Aube in den gesetzlich festgelegten Champagnebezirk zu verhindern, und wenn Aube die Aufnahme durchsetzen sollte, die Steuern zu verweigern und die Gemeindebehörden ab- zusetzen. Italien. Demisfion des Ministeriums L«Mtti. Rom, 19. März. Die.Agenzio Stefani" veröffentlicht folgende Rote: Da die Mehrheit der r a d i k a l e n D e p u t i e r t e n in der Frage deS Berichts der Kommission für die Wahlreformvorlage gestern in der Deputierteukammer anders abgestimmi hat als das Kabinett, haben die Minitter S a c ch i und C r e d a r o dem Prisidenten deS Ministerrat« den Wunsch ausgesprochen, au« dem Zkabinett auszutreten. Infolgedessen hat der Ministerrat unter dem Vorsitz Luie Lage in Nord-Mexiko ist unerträglich geworden. DaS in Bergwerken und Bahnen angelegte Kapital heischt Sicher- h e i t._ Mgeorclnetenkaus. 58. Sitzung. Montag, den 20. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Schorlemer- Lieser, Sydow. Aus der Tagesordnung steht der Etat der Lottrrieverwaltung m zweiter Lesung. Abg. v. Ditfurth(kons.) ersucht die Regierung, bei der Ber- gebung von Lotterieeinnehmerstellen mehr als bisher die inaktiven Offiziere zu berücksichtigen. Ein Regierungskommissar versichert, die Regierung stehe schon letzt den vom Vorredner geäußerten Wünschen mit dem größten Wohlloollcn gegenüber. ES folgt der Etat der Geiieralorbenskommission. ... �9- Gyhling(Bp.) wendet sich gegen die erheblichen Etats- Überschreitungen bei der Generalordenskommission. Ter Ver- mehrung der Ausgaben für diese Kommission könnten seine Freunde nicht in dem geforderten Maße zustimmen, denn schon jetzt sei die Zahl der Ordensverleihungen in einer Weise gestiegen, die nicht gebilligt werden könne. Wg. Dr. Liebknecht(Soz.): An die Spitze meiner Ausführungen stelle ich das Wort unseres großen Dichters: Es liebt die Welt daS Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen. Ich fühle gegenüber den -?rden durchaus keine so unheilige Neigung und ich bin nicht der An- sicht, daß man zu diesem Etattitel sagen sollte: minima ncm curat prätor(Um Kleinigkeiten soll man sich nicht kümmern)(Heiterkeit links). Man kann, wenn man von Orden spricht, in Deutschland wirklich nicht von einem Minimum reden. Wir leiden in Deutsch- land vielmehr an einem Ordenslandregen, zeitweilig an einem Ordensplatzregen(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten). Ich muß mit ollem Nachdruck gewisse Angriffe gegen diese alt ehr- würdige Institution abwehren, die von mancher lästerlichen Seite erhoben worden sind. Man spricht verächtlich von einer Ordenssucht und man zitiert das bekannte schöne Volkslied: „Kommt ein Vogel geflogen"(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten). Der Vertreter einer staatserhaltenden Partei im Herrenhanse, Herr von Jerien-Geseß, hat 1905 gesagt, in militäri- scheu Kreisen würden so viele Orden verliehen, daß bereits sehr w e n, g Wert darauf gelegt würde. Wie kann man so etwas nur sagen! Es ist zwar richtig, daß der Ordensregen ein größerer ist, als inanche Leute auf ihrer Brust unterbringen können. So hat Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg nicht weniger als 75 Orden, mehr als erforderlich sind um den ganzen Körper vom Scheitel bis zur Sohle mit Orden und OrdenSbänoern zu bedecken. Trotzdem kann ich nicht billigen, daß die Orden in militärischen Kreisen ihren Wert verloren haben. Ich billige es auch nicht, daß der Abg. Meyer-Arnswalde 1892 gesagt hat, daß der Rote Adlerorden vierter ..Gute" im Volke als vierter„P i e p v o g e l" bezeichnet werde. Es gibt eben nichts Heiliges mehr auf dieser Welt!(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Am 12. Juni 1893 ist dann eine Ur- künde erschienen, betreffend Ausstattung des Roten Adlerordens mit der kgl. Krone, seitdem wird in diesem Hause in jener verächtlichen Weise nicht mehr über den Roten Adlerorden gesprochen werden. Mit einer Handbewegung zurückweisen möchte ich jene Leute, die wie Ludwig Uhland sich erdreistet haben, Orden und Ehrenzeichen abzulehnen!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auch jene Preßäußerungen mißbillige ich, die hier von einem Eitelkeit S- markt reden. Friedrich der Große hatte nicht Recht, wenn er sagte, Orden und Titel seien Dekorationen der Toren, eben so wenig Napoleon, der sich so weit hat hinreißen lassen zu sagen, daß die Orden Kinderspielzeug seien. Bei allem Respekt vor dem gekrönten Haupt mutz ich diese Aeußerung auf das schärfste zurück- weisen(Bravo! bei den Sozialdemokraten). Schließlich ist auch zu mißbilligen, jene Stelle im Goetheschen„Faust", wo eS nicht einmal ein Mensch war, der mit hohen Orden belegt wurde, sondern ein Tier, das zu nennen mir der Anstand verbietet(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten). Solche Anspielungen sollte man von einem Mann, der sogar M i n i st e r war, nicht erwarten. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß dieOrdeneinesehrhohesoziale Bedeutung haben. Durch die Orden und Ehrenzeichen kann man die Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit eines VolkeS feststellen. Je dicker die Ordensliste, desto tüchtiger das Volk (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). Wenn Goethe einmal die Frage aufwirft, wie herrlich weit wir es gebracht haben, und wenn Faust darauf die Antwort gibt: bis zu den Sternen weitl— dann kann eS keinem Zweifel unterliegen, daß Goethe von den Ordens st ernen gesprochen hat. Bereits in den frühesten Menschhcitsperioden hat sich die Neigung zu solchen Auszeichnungen herausgebildet, es handelt sich hier um einen Urtrieb der Menschheit(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten). Wichtig sind die Orden auch in parteihistorischcr Beziehung. Es ist zweifel- loS von großem Interesse, daß wir in diesem Jahre nicht Dr. W i e m e r gehört haben. Er hat wohl an jenes französische Wort gedacht, daß eS kein« zweite Jungfräulichkeit gibt(Heiterkeit). Im Herrenhause hat Freiherr von Durand erklärt, daß man auch um deswillen die Ansprüche der unteren Beamten auf daS allgemeine Ehrenzeichen unterstützen müssen, weil sie eine schlechte Bezahlung bekommen. Wir sehen, daß der Etat der Ordenskommission unS Geld erspart. Also vom Standpunkt einer vernünftigen Oekonomie müssen wir darauf be- stehen, daß man diesen Etat nicht als eine Verschwendung betrachtet. Ter Orden ist eine Art Stempel. Wem man einen Orden verleiht, dem kann niemand mehr an die Wimpern klimpern( Heiterkeit). Dieser Stempel kennzeichnet gewissermaßen die preußische Normalstatur. Wie die Etikette auf einer Flasche, so dient der Orden dazu, den wahren Charakter des Menschen vor aller Augen zu enthüllen(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten). Die hohe Bedeutung der Orden ist ja auch wieoerholt amtlich deklariert worden. 1903 ist erklärt worden, daß die Bedeutung und der Umfang der vom Bureauvorsteher wabrzunehmenden Dienstgeschäfte die Erhöhung des Ordensetats fordere. Das ist ganz in der Ordnung. Kann man sich etwas schwierigeres denken, als bei der Abstempelung der menschlichen Natur sich nicht zu irren? DaS sind ernste unv wichtige Sachen, die nicht lächerlich gemacht Werden dürfen. Auch die Ver- bindung deS Ordenswesens mit einer recht bedauerlichen Lobhudelei ist nur geeignet, dieses Institut herabzuwürdigen. Wir brand- marken, oaß es Elemente gibt, die sich nicht scheuen, OrdenSschacher zu treiben. Eine ehrliche Empörung mutz von allen patriotischen Seelen ausströmen gegen derartige verderbliche Gelüste(Beifall bei den Sozialdemokraten). Die EntWickelung des Ordensetats ist sehr erfreulich. Die Bevölkerung hat sich nur um etwa 30 Proz. vermehrt, der Ordensetat aber um IIS Proz. Die Tüchtigkeit des deutschen Volks ist also viermal so rasch gestiegen, wie seine Be- Völkerungszahl. Mir bangt nahezu, mir schwindelt, wenn ich an diese ungemeine Steigerung unserer Tüchtigkeit denke. Bei dem diesjährigen Ordensfest sind allein 4000 Orden verliehen worden. tch hoffe, daß sich aus der Mitte des Hauses eine patriotische timme erheben wird, um den von der Budgetkommisfion abge- lehnten Neudruck der OrdenSliste wieder neu zu bean- tragen. Wie ist es möglich, daß es in Preußen noch einen Menschen gibt, der keinen Orden hat? Es muß bald dahin kommen, daß diesem Mißstand ein Ende gemacht wird. Es gibt auch eine Deko- rationsfarbenlehre. Ein schwarzer Fürst in Afrika wurde deko- riert und auch Schwarze in diesem Hause. Die Blauen werden frei- lich bevorzugt, auch die Blauen in Uniform. Hat auch Lexk List« eisen Oktes bkiommevÄ Das ksd die Orts, we idie Ordeü Wgehoren. Nur ltkimer Weiler so! Die Moabiker SchuH- , leute mußten Orden bekommen, weil sie die glänzende Ueberlegen- I heit der bewaffneten Beamten über daS unbewaffnete Volk, über Kinder und Frauen gezeigt haben. ES ist nur die Gefahr vorhanden, daß auch der Mörder des Arbeiters Hermann deko- riert ist, ohne daß wir es wissen. Eine OrdenSnot besteht insofern, als uns auch noch das Ausland zu Hilfe kommen mutz. Sogar siamesische Orden sind verliehen worden.� Ich verlange Auf- klärung, wo der Orden des Generals Stössel geblieben ist. Der Rote Adlerordcn mutz abgeschafft werden, denn als er eingeführt wurde, hatte das Rot noch nicht die jetzige Bedeutung. Wir werden uns nicht umfärben, also müssen die Orden umgefärbt werden. Es ist eine Ordensstatistik nötig, an der man sich erbauen kann, wenn man an den Wirren der Zeit verzweifelt. Das Ver- hältnis der Adler mit und ohne Eichenlaub zur Kopfzahl der Be- völkerung mutz festgestellt werden. Damit würde sich die Regierung den Dank des ganzen Volkes erwerben(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten). � Ein Antrag Gyßling(Vp.). die Mehrforderung von 80 000 M. für Anschaffung von OstdenLinsignien nicht zu bewilligen, wird ab- gelehnt. Der Antrag der Kommission auf Streichung der 47 000 Mark für den Neudruck der Ordensliste wird angenommen. Es folgt der Etat der Ansiedelungskommissi-n für Wcstpreuße« und Posen. Der Berichterstatter der Budgetkommission. Abg. von Arnim- Züsedom(k.). untrebreitet dem Hause den Antrag der Kom- Mission, in eine prinzipielle Beratung dieses Etats nicht einzu- treten, da die Denkschrift dazu noch nicht vorliegt und erst nach Abschluß der gesamten E t a t s b e r beschwert sich über die Ausweisung von rentenberechtigten ausländischen sdänischen) Arbeitern aus Nordjchlcewig, die dadurch ihrer Rente verlustig gehen. Abg. Sachse(Soz.): Der Ministerialdirektor Caspar wies vorgestern in Erwiderung auf meine Erwähnung: dag die F ü r st P l e tz s ch e Beamten-Bau- genosienichaft Geld zu billigem ZinSsust erhält, aus das Rund- schreiben hin, daß die Landesversicherungsanstalten Geld nicht unter 3'/z Proz. ausleihen sollen. Sie leihen aber Geld aus zu sehr ver- schiedenem Zinsfnsz. bis zu 5 Proz. DaS Land hat ein Interesse daran, zu erfahren, nach welchen Grundsätzen hierbei verfahren wird, und wer das Geld billiger, wer teuerer erhält. sSchr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es sollte uns hierüber eine Ucbcrsicht gegeben werden. Ferner antwortete mir der Herr Direktor, der Fürst Plest mag sehr reich sein, aber die Beamten-Bau- gcnosscnschaft sei arm und könne das Geld sehr gut gebrauchen. Es ist doch lnerkwürdig. dag Fürst P l e h z» allen möglichen Dingen Geld hat, auch dem Bizcpräsideutcn des Abgcorductcnhailses Herrn Krause hat er unverzinslich ein Darlehu gegeben, aber für seine Beamtengenossenschast scheint er kein Geld zu haben. Es bleibt be- stehen, dag diese Genossenschast das Geld billiger bekommen hat, als andere. Weiter meinte der Herr Ministerialdirektor, das Reichs- vcrsicherungsamt könne nicht auf alle Einzelheiten eingehen. Die Einzelheiten, welche für die Oeffentlichkeil Interesse haben, müssen aber in seinein Bericht enthalten sein. sSehr richrig! bei den Soz.) Die Oeffentlichkeil mng wissen, wer das Geld zu den verschiedenen Zinsfüßen bekommen hat.(Zustimmung bei den Soz.) Ferner erwiderte der Herr Ministerialdirektor mir, aus den Berichten sei zu ersehen, daß die Revisionen nicht mehr Erfolg hätten wie früher. Dasselbe Reichöversicherungsamt, welches die einzelnen Anstalten an- gewiesen hat, bei der Gewährung der Renten recht sparsam und vorsichtig zu sein, ist auch die Revisionsinstanz; da ist der Mißerfolg kein Wunder.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Mein Freund Fischer sprach von einem Stillstand der Sozialreform, man kann sogar vom Rückschritt der Sozialrcform sprechen, und daran ist mitschuldig das Reichsamt des Innern und das ReichsversicherungSamt.(Lebhaftes Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) Ministerialdirektor Caspar: Herrn Eickhoff bemerke ich, daß das Oberverwaltungsgericht und das ReichsversicherungSamt die Sache von verschiedenen Gesichtspunkten betrachten, ob sich ein Ausgleich herbeiführen lassen wird, ist noch nicht zu übersehen. Herrn H a n s s e n erwidere ich, daß bei der Reichsversicherungsordnung darauf Bedacht genommen werden soll, die Ausländer gegen Renten- Verluste mehr zu schützen. Die von Herrn Sachse gewünschten Nachweisungen werden von den einzelnen Anstalten gegeben, diese ganzen Uebersichten dem Reichstag zugehen zu lassen, ist wohl kaum nötig. Abg. Schmidt-Berlin(Soz.): ES ist doch recht sonderbar, daß ein fteisinniger Abgeordneter, Herr Eickhoff, die weitergehende loyale Auffassung deS Reichs- versicherungSamteS in bezug auf die Hausgewerbetreibenden be- mangelt. Wir begrüßen(ede Eutscheiduug, welche den Begriff des Arbeiters erweitert, welche den des Hausarbeiters nicht so eng faßt. sondern die Bersicherungspflicht anerkennt.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)— Dann möchte ich noch anregen, daß vom Reichsverficherungsamt dahin gewirkt werden möge, daß die Bauberufsgenossenschaften besondere Schutzmaßregeln, besondere Rüstungen bei dem sogenannten»über die Hand Mauern' verlange. Die Arbeiter haben daran ein großes Interesse, denn dieses.über die Hand Mauern' ist ganz besonders gefährlich, und den Arbeitern liegt selbstverständlich nicht an der geringen Rente, sondern an der Verhütung der Unfälle überhaupt. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Einige Bauberufsgenossen- schaften haben solche Vorschriften erlassen, das Reichsversicherungs- amt sollte für ihren allgemeinen Erlaß sorgen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Eickhoff(Vp.) behauptet, von dem Vorredner miß. verstanden zu sein, er wolle lediglich eine einheitliche Be- KkxmQ fcrnllcton. Theater. Neues Schauspielhaus:.Wiederkehr', Schauspiel von HanS Oldcn. Ist das Theater ein Ort für experimentelle Pathologie? Nein. Sind Halluzinationen eines anormalen HirnS auf der Bühne darstellbar? Wir sehen da einen jugendlichen Musiker als Ncurastheniker. Richard Garnier ist krankhaft auS unglücklicher Liebe. Klara Leiche wurde die Braut eines jungen Kaufmanns, der soeben zwecks Verheiratung auf der Heim- reise von Amerika her begriffen ist, jedoch bei einem Schiffszusammen- stoß auf offenem Meere ertrunken sein muß, da sein Name in der Liste lebend Geretteter nicht verzeichnet stand. Garnier glaubt trotz- dem an wunderbare Zufälle. Gesetzt, der Rivale sei wirklich tot, nun, so wird ja Klara— und sie sagt's ihm selber— die Seine. Wenn Hellmann doch gerettet wäre und plötzlich erschiene? Und diese entsetzlichen Wahnvorstellungen lassen Richard nicht mehr los. Am Abend des Tages, da die Nachricht von der Schiffskalastrophe ein- getroffen ist, sitzt er allein im Zimmer, abwechselnd musizierend und nervös wieder umherlaufend. Da— unter Gewittern, die draußen toben— tritt der Totgcmeldete ein. Ist er's wirklich? Garnier spricht mit ihm, bittet ihn kniefällig zu verschwinden, schwört, daß er auf das Mädchen nicht mehr Verzicht leisten könne; ja, er preßt jenem das Zugeständnis ob. heute noch einmal mit ihr zusammen- sein zu dürfen. Dafür verpflichtet er sich, ihr Hcllmanus Anwesenheit zu vermelden. Und dann, als dieser gegangen ist, stürmt er unter Blitz und Reg'en fort: dem Wäldchen entgegen, wo er und Klara sich treffen wollen. Sie kommt auch mit Zukunftsplänen, die sie ihm unter heißen LiebeSbeteuernngen offenbart. Allein Richard ist so seltsam ernst. Schließlich sagt er ihr, daß Hcllniann da sei. Sie glaubt es nicht und kehrt nach Hans zurück. Einsam bleibt Richard an der Stelle. Plötzlich sieht er Hellmann. den Feig- ling, den Schleicher. In maßloser Wut fällt er ihn an, würgt ihn, zwingt ihn zu Boden... Sturm, Blitzschlag, Regen— sonst kein Laut. Entsetzt läuft Richard davon... Früh morgens sehen wir ihn auf dem Polizeibureau, sich des Mordes bezichtigend. Man unterzieht ihn einem peinlichen Verhör, sucht auch die Waldstclle nach der Leiche des Getöteten ab. Aber keine Spur von ihm— bis dann festgestellt wird, daß Hellmann wirklich ertrunken und seine Leiche bereits geborgen ist. Betäubt wankt Richard hinaus und weist selbst daS Mädchen zurück; denn keiner wiffe, was er weiß.... Also war's eine Halluzination, ein geistiger Dämmerzustand, worin der Kranke befangen gewesen; Handlung vor dem Obervcrwaliungsgericht und vor dem Reichs- Vcrsichernngsamt. Die Diskussion schließt, das Kapitel wird angenommen. Es folgt das Kapitel„Kanalauit". Abg. Sevcriug(Soz.): Man hat uns eine Denkschrift über die Grundsätze borgelegt, die das Kanalamt gegenüber den Arbeitern seines Ressorts befolgen soll. Die Grundsätze sind wunderschön, einfach unladelhaft; ihr einziger Fehler ist. daß sie nicht befolgt werden. So wenig wie die Betriebe des Militär- und Marineamls wird das Kanalamt von modernen sozialpolitischen Prinzipien geleitet. Da wird in der Denkschrift der Grundsatz aufgestellt, daß, wenn irgendmöglich einheimische Arbeiter beschäftigt werden. Wir unsrerseits habeii an sich gegen die Beschäftigung auswärtiger Arbener nichts einzuwenden, wenn eS an einheimischen Arbeitern mangelt und die fremden Arbeiter zu denselben Lohnsätzeu beschäftigt werden, wie die ein- heimischen. Die Kanalverwaltung bczw. die von der Kanalverwaltnng beschäftigten Privatunternehmer suchen aber nur deshalb nach aus- wältigen Arbeitern, weil sie ihnen geringere Löhne zahlen, als den einheimischen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Darum werden massenhaft auswärtige Arbeiter, Italiener, Holländer usw. angelockt und zwar zum Teil unter direkt trügerischen Vorspicge- lungen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Einheimische Arbeiter aber, die sich melden, werden abgewiesen. So z. V. er- hielten Bauarbeiter, die in Hamburg ausgesperrt waren, keine Arbeit beim Kanal.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ist das clwa noch Neutralität in sozialpolitischen Kiinpfcn? Und was sagen die Herren der Rechten zu dieser prinzipiellen, massenhaften Verwendung auswärtiger Arbeiter? Sie sprechen doch immer vom Schutz der nationalen Arbeit. Gehört denn etwa der Schutz der Arbeiter nicht zum Schutz der nationalen Arbeit?(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.)— Geklagt wird darüber, daß jetzt auch die auswärtigen Arbeiter beim Kanal uu- zufrieden werden und daß die Gelverkschaften die Schuld daran tragen. Die Gewerkschaften akzeptieremgern diese Beschuldigung. Die Nnzufricdeiiheit mit menschenunwürdigen Zuständen ist ein gewaltiger Kulturfaktor.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Die Uiifallverhütungsporschriflen sind völlig ungenügend, mindestens werden sie in völlig un- genügender Weise gehandhabt. Das Kanalamt begünstigt in einer Weise, die den Interessen der Arbeiter durchaus zuwiderläuft, die Errichtung kleiner, wenig leistungsfähiger Betriebskrankenkassen seitens der einzelnen Unternehmer. Die Grundsätze sprechen von der Bedeutung der Arbeiterausschüsse und von der Notwendigkeit, sie zu hören. In Wirklichkeit ist nicht die geringste Garantie gegeben, daß die Arbeiter, die in den Ausschüssen wirklich die Interessen ihrer Kameraden und Wähler vertreten, gegen Maßregelung geschützt werden. Wer einmal gemaßregelt wird, findet nicht leicht Arbeit am Kanal wieder. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Vielsach wird über den Mangel an frischem Trinkwasser geklagt. Der Alkoholismus wird mit Worten und unzweckmäßigen Vorschriften bekämpft; aber mit wirksamen Maßregeln zur Bekämpfung des Alkohols hapert es; z. B. wird nicht oder nur ungenügend für frischen Kaffee gesorgt. Auch die Baracken lassen manches zu wünschen übrig. Dabei hat man den Betrag, mit dem die Benutzung der Baracke auf den Lohn angerechnet wird, erhöht, während der Lohn selbst herab- gedrückt wird. Erst neulich ist wieder eine Lohureduzicrung erfolgt und zwar gerade kurz vor Weihnachten.(Lebhaftes Hört I hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ich fasse mich dahin zusammen: die schönen sozialpolitischen Grundsätze der Denkschrift sind, um mit Fritz Reuter zu sprechen,«Rindfleisch und Plumen', d. h. ein nahrhaftes Gericht, das aber den Arbeitern nicht vorgesetzt wird. Ich bitte die Kanalverwaltung dringend, dafür zu sorgen, daß aus dem bloßen Schaugericht endlich eine Wirklichkeit wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat v. JonquidreS: Wir beschäftigen nach Möglichkeit ein- heimische Arbeiter. Die Hcranziebung auswärtiger Arbeiter kann aber nicht ganz vermieden werden. Von den Mißständen, von denen der Vorredner gesprochen hat, ist uns nichts zu Ohren ge» kommen. Wir werden jedoch Untersuchungen veranstalten, um fest- zustellen, wie weit die Angaben des Vorredners aus Tatsachen be- ruhen. Gegenüber den Anklagen des Herrn S e V e r i n g verweise ich aber aus das Urteil des fortschrittlichen Reichstagsabgeordneten Leon hart, der im allgemeinen der sozialen Fürsorge, wie sie seitens der Kanalverwaltung geübt wird, ein außerordentlich warmeL Lob spendet.(Hörtl hörtl) Abg. Dr. Hahn(k.): Die Parteien, die für den Schutz der nationalen Arbeit eintreten, haben auch das vollstes Verständnis für den Schutz des deutschen Arbeiters.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.)— Redner verbreitet sich, vom Vizepräsidenten Dr. Spahn oft. aber stets vergebens, zur Sache gerufen, über die holländische Schiffahrt und über die Konkurrenz, die sie der deutschen Binnen- und Kistenschiffahrt bereite, und befürwortet eine Resolution, wonach zu Zwecken der Vinnenschiffahrt der Nordosiseekanal aus- schließlich der deutschen Flagge vorbehalten werden soll.(Beifall rechts.) Gcheimrat v. JonquidreS: Der Annahme der Resolution stehen eine Täuschung für das Publikum, vier Akte hindurch! Kann das ein Drama fei»? fragt man sich Verlvnndert. O, es birgt gewiß kleine feine Züge, packenden Stiin- mnngsgehalt und vereinzelte seltsam dramatische Ansätze. Aber als Drama ermangelt es der überzeugenden Kraft. Die Regie tat— mit Ausnahme einiger Verstöße im Schlußakt— alles, was möglich war. Das Waldstück z. B. wirkt gruselig schön, jedoch, von den Darstellern kommen nur Heinz S a l f n e r(Garnier), Maria Mayer(Klara) und Berta H a u S n e r(Tante) in Frage; alle sonstigen Rollen sind zu spärlich vom Dichter bedacht worden. DaS Stück fand, wohl wegen seiner Fremdartigkeit, nur eine kühle Aus- nahine. v. k. Musik. In der Königlichen Oper hat sich am Sonnabend wieder einmal eines jener sogenannten Ereignisse abgespielt, das nach außen hin fast interessant erscheint, während es doch innerlich nichts als eine Blamage für ein Institut von der Bedeutung unserer König- lichen Over bedeutet. Nach der trostlosen Niederlage, die sich L e o n c a v a l l o. der glückberauschte Schöpfer der.Bajazzi', vor gottlob langen Jahren mit seiner AuftragSoper«Der Roland von Berlin' geholt hat. hätte er sich fürwahr erst dann wieder an dieser exponierten Stelle zeigen dürfen, wenn ihm wirklich ein ganz großer Wurf gelungen wäre l Statt deffen hoffte er. den Mißerfolg, den sich sein trotz Eifersucht und Dolchstoß nicht einmal blut- rünstiges, sondern nur unendlich naives Machwerk„Mala' in der Heimat errungen hatte, dadurch vergessen machen zu können, daß er sich das sogenannte Libretto des Herr» v. ChoudenS durch den Oberregisseur Dröscher in ein waschechtes Kulissendeutsch übertragen ließ. Chäraktc- ristisch für die Servilität des OpernhausstammpublikumS ist es, daß man den weltberühmten Komponisten der«Bajazzi' noch gar hervor- applaudierte I Muß man es wirklich noch berichten, datz diese Mala natürlich den Mann, den sie liebt, nicht bekommen kann, alldieweil er, der ihr— oh der Schnöde I— die Ehre geraubet, einer anderen Maid die Hand zum Lebcnsbnnde reichen muß I Fühlst Du auch, o Leser, die grausige Tragik der Szene, in der die„tödlich" gekränkte Mala ihrem Galan seine Missetat vor den Augen seiner Braut ins Gesicht schreit, um dann im letzten Akt den Dolchstoß, mit dem ihr Geliebter Rcnaud seinen Rivalen ToriaS niederstrecken will, auf- zusangen und dem«Maestro' zu Ehren erst dann zu sterben, nachdem sie die übliche TodeSfriedensane aller italienischen Opern-Jsolden ge- schluchzt hat? l Wenn wenigstens noch die Musik die naive Durch- sichtigkeit dieser unglaublicherweise noch in drei Akte anseinander verzettelten.Handlung' gemildert hätte, statt sie zu verstärken. Nur im zweiteil Aufzug, wemi die sogenannten.düsteren' Vorgänge rechtliche Bedenken entgegen. Wir können ohne ein Spezial- gesetz nicht Ausländer von der Binnenschiffahrt irgendwie auS- � djlieBen, Äbg. Spcthmann(Vp.) begründet eine von ihm in Gemeinschaft mit dem Nationalliberalen Wonimelsdorff gestellte, von Fortschrittlern, Nationallibcralen, Sozialdemolraten, Neichsparteilern. Polen und Antisennten untersiützle Resolution auf Einsetzung einer Kommission von 1t Mitgliedern zur Prüfung der Förderung des projektierten Eckcrnförder Kanals. Abg. Wonimelsdorff(natl.) spricht sich in demselben Sinne aus. Gcheimrat v. Jonqnidres bittet von der Niedersetznng einer besonderen Kommission abzusehen. Abg. Lcvilhart(Vp.) wendet sich gegen die Resolution Hahn, und rühmt die Ordnung und Verpflegung in den Baracken, in denen die ausländischen Arbeiter am Kanal untergebracht sind. Die Debatte schließt; das Kapitel wird bewilligt, die Reso» lntion Spclhmann-Wommclsdorff wird abgelehnt, die Resolution Hahn kann nicht zur Abstimmung kommen, da sie noch nicht gedruckt vorliegt. ES folgt das Kapitel«AufsichtSamt für Privatversicherung'. Abg Dr. Marconr Geheimrat Lcwald: Der Antarktischen Expedition bringt da« Reich großes Jnleresie entgegen. Mittel sind bei der Finanzlage des Reiches für die Ausrüstung nicht angefordert, doch erfährt sie von der Reichsbehörde jede Förderung. Abg. Dr. Hcckschcr(Vp.): Ans den Ausführungen de» Re- gicrungsvertreters sprach«ine allerdings sehr warme, aber nur pla- tonische Liebe. ES wäre doch wohl besser gewesen, die Expedition auch mit ReichSmittcln zu unterstützen. Staatssekretär Dr. Delbrück: Wir müssen leider diesen Teil deS EtaiS kurz halten, bis unsere Finanzen besser sind. Abg. Frhr. v. Richthofe,,(k.): Ich freue mich, daß solche Unter» nehimwgcn wie die neue Südpolar-Expeditio» i» Deutschland au» private» Mitteln zustande kommen können. Nachträglich wird über die KommissionS-Resolution betreffend erhöhte Mittel für Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche abgestimmt. Die Resolution wird einstimmig a» g e n o m in e n. Die einmalige» Ausgaben des ordentlichen Etats werden De- willigt. ES folgt der außerordentliche Etat. Für die Förderung der Herstellung von Klein- Wohnungen werden im Etat gefordert für die Gesamtheit der Bundesstaaten 044 000 M., für die Bundesstaaten mit Ausnahme von Bayern und Württemberg 130 000 M. Ein Antrag A l b r e ch r(Soz.) verlangt Erhöhung der Summe auf 1 500 000 M. bcztv. auf 2 500 000 M. Abg. Jäger(Z..- unverständlich) scheint im Prinzip für, in der Praxis gegen de» Antrag zu sein. Abg. Hoch(Soz.): Mit prinzipiellen Erklärungen wird die Wohnungsfrage nicht gefördert. Wem, das Zentrum wirklich etwas für die Förderung von Arbeiterwohmmgen tun will, dann stimme e» für unseren Antrag!(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Im vorigen Jahre' hieß e?. daß in diesem Jahre 4 Millionen eingeitellt werde» sollen. In diesen Etat sind aber nur 2 Millionen eingestellt und die bürgerlichen Parteien berufen sich auf die schlechte Finanzlage. Warum verweist man nicht darauf bei den Fordcrnngen de« Militarismus und Marinismus? Aber Militärvorlagen nimmt man unbesehen an, während für Kulturzwccke kein Geld vorhandeu ist. In einem Etat, wie den« unsrigen, sollten doch 2 Millionen keine Vlolle spielen. Der Reichstag sollte wirklich unseren Antrag ein- slimnng annehmen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Schatzsekretär Mermuth bekämpft den Antrag. Im letzten Jahr- zehnt sind insgesamt 33 Millionen von Reichslvegen j�ur Förderung von Kleinwohnungen ausgegeben worden. Das ist keine Kleinigkeit. Sparsamkeit nuiß auch in, außerordentlichen Etat geübt werden. Abg. Hoch(Soz.): Auch wir sind für Sparsamkeit. Aber sie muß am rechten Orte begonnen werden, bei Heer und Marine, nicht aber bei Kultur- zwecken. Im vorigen Jahre hat der Staatssekretär des Innern das bindende Versprechen abgegeben, daß in diesem Jahre vier Millionen eingestellt werden sollen. Die Baugenossenschasien haben sich darauf eingerichtet. Gilt de»» überhaupt noch i» Deutschland ein Ministcrvcrsprrchcn?(Sehr giit l bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Delbrück(schwer verständlich): Meine Erklärung im vorigen Jahre verstand sich unter Voraussetzung der Finanzlage. Ich habe auch nicht in bindender Weise von 4 Millionen gesprochen. Bon einem Wortbruch meinerseits kann also nicht geredet werden. Abg. Hoch(Soz.): Ich muß leider den Vorwurf aufrechterhalten und berufe mich auf den Wortlaut der Rede des Staatssekretärs vom 5. März des vorigen Jahres. Staatssekretär Delbrück bestreitet, daß seine Erklärung vom vorigen Jahre den Sinn habe, de» Abg. Hoch ihr beilege. Abg. Hoch(Soz.): Die Worte des Staatssekretärs im vorige» Jahre können nur dahin ausgelegt werden, daß er im nächsten, das heißt also in diesem Jahre eine höhere Summe, also mehr als 2 Millionen, in den Etat emsteilen werbe.(Zustimmung bei den Sozialdemokraien.i Nach einer noihmaligen Erwiderung des Staatssekretärs Delbrück wird der Antrag Albrecht gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt, die Positionen in der Höhe der Etatsforderungen bewilligt. Eine Reihe Titel lverden debattelos erledigt. Um>/-2� Uhr schlägt der Vizepräsident Dr. Spahn vor, noch den Gesetzentwnrf über die Abänderung des§ 15 des Zolltarifgesetzes vorzunehmen.(Große Unruhe links; stürmische Rufe: Zur Ver- tagung l) Abg. Wicincr(Vp.)(zur Geschäftsordnung): Ich bitte dringend. den Gegenstand heute nicht mehr zur Beratung zu stellen.(Leb- haste Zustimmung links.) Ueberhanpl möchte ich anregen, mit dieser übermäßigen Ausdehnung der Sitzungen zu brechen.(Erneute Zu- stimmnng links.) Darunter leiden die parlamentarischen Geschäfte, darunter leidet die Gesundheit der Mitglieder diese? Hauses. darunter leiden die Vertreter der Presse und die Angestellten und Beamten dieses Hauses. Wir sollen nicht bloß von Sozialpolitik sprechen, sonderil auch Sozialpolitik treiben.(Lebhafter wiederholter Beifall links.) Abg. Lcdebour(Soz.): Auch in den Kommissionen wird jetzt forciert gearbeitet, in der Budgetkonmnision ist ein Antrag angenommen, die Sitzung morgen schon um s/.ß Uhr zu beginnen, und jetzt ist es Vj» Uhr. Eine Möglichkeit, de» Etat vor dem 1. April zustande zu bringen, liegt nicht vor, und deshalb fällt auch icder Scheingrund für diese forcierten Verhandlungen fort(Lebhaste Zustimmung links), die auch nicht im Jnleresie des Volkes liegen. Bei einer anderen Gelegenheit hat Herr Gamp gesagt, er sei von Beginn der Sitzung der Budgelkommiision im Haufe, und könne nicht länger als bis 0 llbr frisch und arbeitsfähig sei». Bor einiger Zeit hat ein national- liberaler Herr in einer Kommiision infolge der lleberarbeil eine» schweren Unfall erlitten, ebenso hier im Plenum einer der Herren Stenographen.(Lebhafte« Hört! hörl l links.) Ich bitte deshalb den Herrn Präsidenten, jetzt die Vertagung eintreten zu lassen und von moraen ab wieder normale Sitzungen eintreten zu lassen.(Leb- haste Zustimmung links.) Abg. Hoch(Soz.): Man hat wohl von vornherein gesagt, der Etat soll zu Ende gebracht werden, aber nicht, daß un« zugemutet wird, von 3 Uhr des Morgens bis 9 Uhr deS Abends zu arbeiten.(Sehr wahr! links.) Abg. Wcllstei»(Z.): Früher lvar«S üblich, von 1 Uhr bis 5 oder höchstens 0 Uhr zu tagen. Aber die Sitzungen habe» an Dauer nur dadurch zugenommen, daß hier übermäßig längere Sieden gehalten werden. Wenn Sie sich mäßigen(Lebhafte Zurufe links: Wer? wer?), würden unsere Arbeiten ichnellrr vorwärts kommen; ich widerspreche daher einer Vertagung. Abg. Dr. Mngtzau: Herr Weüsteln tut so, als ob die Schuld an den langen Sitzungen den langen Reden der Linken beizu- messen seien. Bizepräsident Dr. Spahn: Der Abg. Wellstein hat nur überhaupt von langen Reden gesprochen.(Abg. L e d e b o ur(Soz.) u. a.: Rein I er sagte„Sie", nach der Linken weisend.) Abg. Dr. Mngdau(fortfahrend): Gerade Redner vom Zentrum waren es, die bei verschiedenen Verhandlungen darauf hingewiesen werden mußten, zur Sache zu sprechen. Tie Herren leiden ja gerade nicht an außerordentlicher Stummheit.(Lebhafte Zustimmung links.) Ebensowenig Herr Hahn von den Konservativen.(Lebhafte» Sehr gut!) Wenn man irgend jemand einen Vorwurf für die Verlang- sainnng der Geschäfte machen will, so trifft er einzig und allein die MehrbeitSpartei.(Lebhafter Beifall links.) Vizepräsident Dr. Spahn! Ich schließe die BeschästSordnungS- debatte.(Zurufe links: Hört! hört!) Ich bemerke noch, Wort- meidungen liegen nicht vor.(Abg. Ledebonr(Soz.): Ich habe mich sehr deutlich gemeldet, da haben Sie mir freundlich abgewinkt (Heiterkeit).) ES hat auch keinen Zweck, diese Debatte weiter zu führen. Abg. Dr. Wiemer(Vp.— zur Fragestellung): Falls der Präsident die Frage zur Abstimmung bringe» will, bezweifele ich die Beschlußfähigkeit des Hauses. Abg. Ledebour: Zu einer anderen Sache der Geichästsordnung. Ein grosier Teil der Kalamität ist aus die Regierung zurückzuführen, die den Etat zu spät einbringt(Lebhaftes Sehr richtig l links) und in den Kommissionen die einzelnen Etat» zurückzustellen bittet, weil die Regicrungsksmmisiare mit ihren Vorbereitungen noch nicht fertig sind. Die beiden wichtigen Etats de« Auswärtigen Amts und deS Reichskanzlers stehen heute noch nicht zur Verhandlung, obwohl gerade sie an den Anfang der Etatberatung gehören.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten�) Die ivichtigsten Fragen werden nun wieder wahrscheinlich nachträglich zurückgestellt. Vizepräsident Dr. Spahn: Dem Zweifel an der Beschlußfähig« keit schließt sich d a S Bureau an. Ich beraume die nächste Sitzung an auf Dienstag 1 Uhr mit dem Rest der heutigen Tages- ordnung.(Bilder zur Kalipropaganda.) Schluß 0 Uhr._ parlamcntarircbea* Aus der Budgetkonnmssion des Reichstages. Am Montag lvurde die Beratung des Kolonialetats fortgesetzt. Beim Etat für Ostafrika fragte Abg. Arning. wieviel landfremde ASkaris(farbige Soldaten) in Ostafrika sind und ob sie auch an den Maschinengewehren ausgebildet werden. Es wäre zu befürchten, daß die ASkaris eines Tages die Maschinen- gewehre gegen die Weißen richten könnten. Staatssekretär v. Lindequist gab an, daß 400 landfrendde ASkaris vorhanden sind. Die Maschinengewehre werden nur von Weißen bedient.— Die Militärverwaltung in Ostafrika erfordert eine Ausgabe von 2 040 890 M. ohne Pensionen. Das farbige militärische Per- sonal besteht aus 2 Offizieren, 22 Feldwebeln, 107 Sergeanten und Unteroffizieren sowie 2341 Gemeinen. Die farbigen Gemeinen erhalten eine Löhnung von 820 bis 564 M. Die Flottille er- fordert eine Ausgabe von 214 428 M. Für Bauten der Zivil- Verwaltung wurden gegen das Vorjahr 253 000 M. mehr gefordert. Bei der Position von 110 000 M. zur Förderung der Bauinwollkultur kommt es zu einer Debatte, in der u. a. Abg. Ledebour betont, daß die Sozialdemokratie jeden Versuch unterstützen werde, die Baumwollkulturcn in den Kolonien zu fördern. Zu beachten seien aber die sehr erheblichen Schwankungen in der Beurteilung der Möglichkeit, in Ostafrika den Anbau der Baumwolle auszubreiten. Durch einen Zwischenruf weist Abg. Arning darauf hin, daß erst in einem Menschenalter die Eingeborenen fähig>ein werden, die Baumwollkulturen er- tragsfähig zu betreiben. Abg. Ledebour fragt über die Wirt- schaftlichen Aussichten im Kilimandscharogebiet an. Der Staats- setretär glaubt, daß das Gebiet sich besonders für mittlere Wirt- fchaftsbetricbe eignen werde. Wenn auch in der Gegenwart ein besonderer Nutzen dabei nicht zu erfassen ist, so müsse man aber auch daran denken, für die Enkel zu sorgen. Abg. Arning kritisiert die unter Dernburg erfolgte Ansiedlung von zwölf deutsch-russichen Familien am Kilimandscharo, die unter dem „demoralisierenden Einfluß des Slawentums" gestanden hätten. Gegen diese alldeutsche Herabsetzung fremder Völker wen- dete sich Abgeordneter Ledebour mit dem Hinweis, daß, wenn die Leute demoralisiert seien, nicht das slawische Volk, sondern die elenden russischen Zustände verantwortlich gemacht werden müssen. Für die Fortführung der Bahn von Morogoro(Ausgangspunkt die Hauptstadt DarcSsalam) nach Jabora wird die vierte Rate im Betrage von 14 Millionen Mark gefordert. In dieser Summe sind auch Ausgaben zu Vor» arbeiten enthalten, um die Bahn von Tabora nach dem Tonganzika. See weiterzuführen. Staatssekretär v. Lindequist meinte, eigentlich hätte sich der Reichstag für den Bau bis an den Mangarizikasee erklärt. Demgegenüber erklärt Abg. Ledebour, daß es unzutreffend ist, daß der Reichstag sich irgendwie festgelegt habe. Aus der bewilligungslustigen Stimmung einzelner Budget- kommissionsmitgliedcr könne nicht das Gegenteil geschlossen werden. Es sei überhaupt eigentümlich beim Bau dieser Bahn verfahren worden. Zuerst sollte nur eine Stichbahn bis Morogoro angeblich gebaut lverden, dann kam die Fortsetzung bis Tobora, wobei er- klärt wurde, kein Mensch denke daran, weiterzubauen und jetzt werden schon die Vorarbeiten unternommen, um bis an den Mangaliia zu gelangen. Die weitere Debatte verliert sich in Einzelheiten. In der Abstimmung werden die geforderten Sum- inen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt. Lebhafte Besäiwcrden wurden über die O st a f r i k a- L i n i e erhoben, die bei Frachten einen willkürlichen sogenannten Reedereizuschlag er- hebt, der oft höher ist als die Frachtsätze selbst. Eine Resolution, die fordert, daß der Reichskanzler darauf hinwirkt, daß alle sub- ventionierten Dampfcrlinien einheitliche Frachtsätze auf- stellen, wurde gegen eine Stimme angenommen. Der Reichö- zuschuß für die Militärverwaltung in Ostafrika beträgt 3 542 790 Mark. Es wird angeregt, diesen Zuschuß in Zukunft nicht mehr dem öieich, sondern vielmehr der Kolonie aufzuerlegen. Es folgte dann die Beratung de« Etats für Kamerun. Zus der parteu Gcmcindewahlcn in Baden. Bei der Ersatzwahl in Heppenheim(bei Heidelberg) kam der erste Sozialdemokrat in den Gemeinde rat; der Genosse Kob erhielt über drei Viertel der abgegebenen Stimmen. In O« s ch e l b r o n n(Amt Pforzheim) gelang es unseren Ge- nossen zum erstenmal, eine Vcrlretung im Gemeinderat zu er- ringen. Zivei Sozioldemokralcn und ein Bürgerlicher siegten mit großer Mehrheit gegen die Liste der Konservativen. Dieie ehemalige Hochburg der Reaklwnäre ist nun erobert; die Hälfte der Gemeinde- ralssitze ist in den Händen der Sozialdemokratie, da auch bei der Ersatzwahl noch ein Sitz erobert wurde. Unsere Toten. In Sommerfeld. Kreis Krossen, wurde am Sonntag unter Beteiligung von etwa 1000 Personen Genosse Oswald Beuten» d o r f-u Grabe gelragen. Die Proletarierkrankheit hat ihn im Alter von 43 Jahren daringerafst. Bis in die letzten Monate stand er in den vordersten Reihen der aewerkschafllichcn und der politischen Bewegung. In der schiveren Zeit des Sozialistengesetzes als junger Textilarbeiter geschult, bekleidete Benkcndors bis an fein Ende die ihm übertragenen Vertrauensämter in vorbildlicher Weise. Ueber die Grenzen Sonmierselds hinaus wird dem wackeren Streiter sin ehrendes Andenken bewahrt werden. Ei» syndikalistisches Tagblatt. Paris, 10. März.(«ig. Ber.) Im April wird hier ein syndikalistisches Tagblalt erscheinen, da» de» Namen „La Bataille" führen wird. Die Redaktion und Administration befindet sich am Sitze der Arbeitskonsöderation. Zum GründungS- fonds haben u. a. die Bauarbeiter 10000 Fr., die Erdarbeiter 5000 Fr. beigesteuert. Natürlich handelt eS sich bei den Gründern nicht um ein G e w e r k s ch a f t S b l a t t— denn daß sich«in solches nicht halten könnte, geht schon aus der beschränkten Auflage deS wöchentlich erscheinenden Konfüderationsorgan»„Voix du Peuple" hervor— sondern um«in Propagaudablatt für anarcho- syndikalistische Politik. AlS solches wird sich die.Bataille" namentlich um die Swichten bemühen, au» denen die.HumanitS" ihren Leserkreis rekrutiert— ob mit! Erfolg, bleib« dahingestellt. Der Vorgänger der„Bataille", die„Revolution", hat dabei kein Glück gehabt. Doch rechnen die Gründer mit der bevorstehenden große» Bauarbeiterbewegung._ Hartes und mildes Urteil. Die„Gazeta Robotnicza" hatte vor einiger Zeit den Vorsitzenden der Polnischen Berufsvereimgung SosinSn in einem Artikel abgefertigt, der«ine Erwiderung auf einen vorbergegangenen Angriff Sosinski» darstellte. Die Veröffentlichung, die von dem Genossen K a S p a r i verantivortlich gezeichnet war, enthielt einige geringfügige forinelle Beleidigungen; eS waren aber in keiner Weise irgend welche ehrenkränkende Behauptungen aufgestellt. Das Bochum er Schöffengericht erkannte, trotz- dem der Angeklagte unbestraft war, auf 309 Mark Geldstrafe. Solch horrende Straf« wegen einer solchen Lappalie war bisher an den Bochumer Gerichten nicht zu verzeichnen. Um so bemerkenswerter ist es, daß unter demselben Borsitzenden, einem Assessor, vor einiger Zeit gegen zwei Verleumder, die die schwersten, ge- hässtgsten Beleidigungen und Verdächtigungen gegen den Vorstand des Vergarbeiterverbandeö in Flugblattern verbreitet hatten, in zwei Fällen auf eine G eld strafe von je 15 Mark erkannt wurde! Ein Freispruch. Die Mannheimer Strafkammer hat auf die Berufung deS ZentrumSredakteurS Förfter-Mannheim hin daS Urteil des dar- tigen Schöffengerichtes, das den Genossen Oskar Geck(„Volks- stimme") von der Anschuldigung der Beleidigung freisprach, bestätigt. ES handelte sich um einen Artikel der Mannheimer „Volköstiinme", worin die gottgewollte Abhängigkeit der Zentrums- redakteure von der katholischen Geistlichkeit kritsich behandelt wurde. Zugendbewegung. Protest der Frankfurter Arbeiterjugend gegen die Polizei» Maßnahme». Die Arbeiterjugend in Frankfurt a. M. protestiert« am Sonntagvormittog in einer machtvollen Kundgebung— der große Saal de» AewerlschaftShauseS war dicht besetzt— gegen die Auf- lösung der Jugendorganisation durch den Polizeipräsidenten. Der Referent Genosse Kaiser übte unter stürmischer Zustimmung der Versammelten scharfe Kritik an dem Vorgehen der preußischen Polizei, die wohl in der freien Jugcndorgauiiatio». nicht aber in de» evan- gelischen und katholischen JünglingSvereinen politische Vereine er- blicke.— Die Polizei hatte in ihrer bekannten Nervosität wieder mal Vorkehrungen gelrosie», um die Jugend, wenn sie'eventuell den preußischen Staat stürzen sollte, in die Schranken zurückzuweisen. In der Nähe des GewcrkschaftshauseS waren mehrere Trupps bc- rittener und unbcrittener Schutzleute untergebracht, die den Staat schützen wollte». Das große Polizeiaufgebot war aber, wie immer, höchst überflüssig; die JungenS und Mädel« zogen ruhig nach Haust. BrUfhalten der Redahtfon. 9!. B. 100. Sine Entfernung gegen den Willen de» Eigentümer» halten wir für unstailhast. Sie können aber Ersatz verlangen.—®, P. 80. Nein.— W. X. 32. Sie haben dann keinen Anspruch, wenn die stüher« Krankheit Bis jetzt bestanden und die jetzige Kranlmeldung bedingt hat.— G- 37. 1. Zwangsweise Einziehung kann ohne Urteil nicht erfolgen. 3. Wenn Sie nicht»och außerdem jemand zu unterhalten haben, erscheinen 25 M. monatlich angemessen. 8. Für die Vergangenheil besteht ein Anspruch nicht. 4. Wenig Ausiichr.— A. V. 1. Nein, wenn nicht etwa nächtliche Ruhestörung vorliegt. Auch der Inhalt Ihres Mietsvertrages ist von Be» dewung.— 50. M. L. i. Die Frage ist miverständltch. 2. Da» ist»weck- mäßig. E» kann Srmößigung ersoigen.— Donnerwetter l. Beide Fragen lassen sich so allgemein und ausführlich, wie Sie«» wünschen, im Naluuen des BricstastenS nicht beantworten. Die Frage de» „ModenitsteneideS" ist in der Tagespreise auSsllhrlich behandelt, über.Steuerstaaen" erscheint in den nächsten Tagen ein Artikel. — W. L. Sl.. Monatlich 16,90 M.— W. W. Nr. 30. I. bis 5. Rem. «. Der Einschätzung wird da» Einkommen de» vorangegangenen Kalender- jahrcs zugrunde gelegt, wenn«in JahreSergebniS vorliegt.— B. 15. JXommcn Sie in die Sprechstunde.— 91. B. 55. 1. Steift. I. Deutscher TranSportarbelter-Perband, Seilion itrajtwagensührer, Engelustr 15.— SozialilenißkratiSElierWalilYerEin für den Den Mitglieder» zur Nachricht,! j bafe unser Genosse, der Schneider EEdusl'd Gruhn lum 18. d. Mti. im Alter von | 42 Jnhren verstorben ist. Ehre seinem«»denke«! Die Beerdigung findet henlc > Dienstag, den LI. März, nach-' mittags S1;, Uhr, von der Leichen- > balle des 5laiscr-FrIedrich»Ktrch> ! Hofes in Plötzenscc au� iialt. ! 208/2 Vvi- Voi'»tanll. Vösbanll lZZl 8l:Knkiljgr, 8!Zlinkil!ösinnsli Unit iVZscli?srdoitee osutieblanii» l. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, dag der Kollege Ldusrd Gruhn 1 am 18. März er. iin Alter von j42 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenke»! Die Beeidigung findet heute > Dienstag, den LI. März, nach- mtllags 3'/, Uhr, von der Halle des Kaiser Friedrich. gricdhojcs in jPIöhcnsce aus statt. IKL/lv Die Ortsverwaltung. SozfalßEDiokratiSElierWaiilyereln filr den Gürlltzer Viertel. Bezirl 226, Teil I. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast unser Genosse, der Möbel- Polterer prits Busse RetchenbcrgerStr. 84, gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen JatobitirchhoseS, Hermamtstrajse, aus statt. Um rege Bcleiltauiig ersucht »er Vorstand. OeutscHet Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, dab miscr Mitglied, der Schlosser vtto Ei'vH am 14. März gestorben ist. Ehre seinem Nndenke»! Den Kollegen semer zur Nach« I eicht, dah unser Mitglied, der | Metallarbeiter PauB Staffa 1 am 18. März an Lungenlcideu �gc> \ Horben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute I Dienstag, den Lt. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- hall« des Städtischen Friedhoses | in ArnSselbc aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Drtsverwaltung. | Am 19. März vormittags 9'/, Uhr verstarb nach kurzem Leiden au Heizschlag mein herzensguter Mann, der Drulkereiarbciter Max Reinicke im 33. Lebensjahre. Dies zeigt ltesbetrübt an im Namen der trauernden Hinter- blieben«» Witwe Anna Rclnloke ged Wurlhe. Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 22. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Paul-Gcrhardt- FriedhoseS, Nord- end, aus statt. 783b Nkrbnnd der Mliler, Fnd!!krer,Aujlrttchtrlls!v. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Maler Mns Juretsehke am 18. März verstorben ist. Ehre seinem Andrnkcn! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22, d. M., nach- mtttag» 4 Uhr. von der Halle des Matthäikirchhoss in Südende aus statt. w Zentralverband der iScbuhmacher Deutschlands.! Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht.| | dah unser Kollege Wentel Fojar am 18. März verstorben ist. Ehre seinem Andeuken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den LI. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des katholischen Friedhoses in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beleiligunn ersucht lSS/g Der Borstand. veulseher HolHtfbeiter-VerlKuili Den Mitgliedern zur Nachricht. dast unser Kollege, der Möbel- Polierer psul FMudra am 18. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute den Lt. März,»ach� DtenSta mittags Uhr, von der Leichen- Halle de» Pius- Küchhoses' in Hohcn-Schönhausen aus statt. Ferner starb am 17. März unser Kollege, der Möbelpolierer Riedridi Busse. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 22. März, nach- mittags 6 Uhr, von der Halle des neuen Jakobl-KirchhoseS in Rixdors auS statt. Um rege Beteiligung ersucht< 80/11 Die OrtSverwaltung. IvöeS'�nieixe. Nach kurzem Leiden starb mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Gastwirt und Eigentümer Fritz Ebel. Die Beerdigung findet heute, den 21. März, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Friedhoses, Neue Krug-Allce. aus statt. DIeS zeigen tiesbetrM an Die trauernden iiinterbMedenen. Treptow, Kiesholzstr. 5. Danksagung. Für die herzliche Zeitnahme bei der Beerdigung meiner lieben grau und Mutter Anna Röbbel lagen wir allen Freunde», Kollegen der Firma Dtldey, Pardemann u. Comp., den Vertrauensleuten der Firmen Daimler, Goltaich usw., den Genossen des 5. und 12. Bezirk, dem Wahlverein Rixdors, der Ortsvcrwal- tuna des Deutsche» Metallarbeiter- verbände«, dem Quartett, insbesondere dem Genossen Harndt unseren innig- sten Dank. Adolf Kobbcl und Kinder. SozialdeinokratiseberWaiiivereiDS Adlersliof. Nachruf. Den Mitgliedern zu Nachricht, j datz der Genosse Nikolaus Fleck im Alter von S4 Jahren Oer. 1 starben ist. Ehre seinem Andenken! 202/8 Der Borstand. ■' V.-'-*•■; Kerlianil der ßiieli- uiiii SteinilruEtei-iillsarlieiter u. Meiteriimen Qeutsclilaiiils. OrtsTersvaltnng Berlin. älm Sonntag, den 19. März, starb plöhlich unser Kollege, der Gietzcr Max Rväoivlls im Alter von 33 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des GetbsemanekirchhoseS in Nordend aus statt. 27/6 Die Di-tsverwalliing Berlin. Allen Verwandten, Freunden und Belanntcn die traurig« Mit- teilnng, da» mein lieber Mann. unser Bruder, Schwager und Ontel, der Gürtler 7Sbb Hermann Wuthe am 18. März nach langen, schweren Leiden enttchlaseii ist. Die trauernden tttnterdltedenen. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas-Kirch- Hofe- aus statt. Jnsvlge eines UnsalleS verschied am Mittwoch, den IS. März. abend«, plötzlich unser Reisender Herr Rlelttn! Lorenz im 49. Lebensjahre. 799& Wir verlieren in ihm einen treuen Mitarbeiter, der 14 Jahre lang seine ganze Krast unserem Hause gewidmet hat, Wir werden ihm stets ein ehren- volles Andenken bewahren. p. Kirchner& Co.. Cognacbrennerei und Ltlörsabril, Berlin BW. Danksagung. Für die vielen, reichen Kraiizsvende» und Beweise herzlicher Teilnahme bei der Becrdiamig meines inniggeliebten Manne«, Uskise Freytag, sage ich hiermit allen Verwandten und Bekannten, insbesondere den Kollegen der Firma Lindström, dem Wahl- verein Bohnsdorf, dem Deutschen Metallarbelterverband, den Mietern von Paradies und dem Vorsitzenden der Baugenossenschast Paradles, Herrn Dorner, sür die trostreichen Worte am Sarge meinen herzlichsten Dank. Witwe Anna Frey tag. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere« unvergeß- tichen Vaters, des RestauratenrS Faul Reimaan sprechen wir htennit allen lieben Ver- wandten. Freunden und Bekannten, insbesondere dem Schöneberger Männcrchor unser» herzlichsten Dank aus. 34852 Witwe Hnlda Relmann nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme anläßlich de« Todes metner unvergeßlichen Frau, unserer guten Mutter Ottilie Eaciie sagen wir allen Verwandten und «kannten, insbesondere dem Per- Dank.> 734b Karl Esche und Kinder. Carmen Sylva •iiv' eigaretten beste Qualitäten JPr Achtvoller JBlumen-JB lor wird erzielt durch Dünge» mit echte« Or* Landmann's Biumen-Oünger* Fachmänntlch lanatübrin erprobt. Valct lv und 25 Pf.»» Blechdose LZ und 20 Pt. '/e«il°-D»ie IM.- L'/wAlo-r-I- H M. Rat cigt tu OriginuI-Berp-xtuus tn allen ein- lihISglge» aejdiäiltn zu haben. Dr. B. Landminn, Berlin-Pankow, Parketr. SA. Klnmtu- nuD ßtlinibludtttl vs» Roberl Meyer,' nur Mlmnmltu-Zlrnhe 2. Sämereien Gartenartikel fQr Laubenkolonien. üd. Temmler Dresdener Str. 17 am Kottbuser Tor. UeberaU zu haben in Dosen k 10 und 20 Pf. 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Männer und Frauen, erscheint in Massen! 21K/1S�______ Für die Einbcrufer: I?»»! Hoirniann, Stralauer Plai? 4/S. Laelistar VaUkrai». Dienstag, den 31. Mär;, abends 8�|(ljr, in Frankes Festsälen, Badstrahe IS: Oeffentliehe politisehe Versammlung. Tages-Ordnung: i. Vortrag des Neichstagsabgeordneten Oeorg liedebom* über: Koloniale Unkosten. 2. Frei e Diskussion. 220/2» Der Einberufer: Max Fanstmann, Buttmannstr. 14. Seutseher Sanarbeiter-Verbawi. Bureau: Engeluser 15, III, Zimmer 53. Zweigverein Berlin. Geöffnet: Wochentags von 8—1 und von 3—7 Uhr. Telephon: Amt IV, Nr. 4093. Mittwoch, den SÄ. März 1911, abends 8� Uhr, in Festsälen, Koppenstr. 29 x Oenerals Versammlung des Gesamt 0 Zweigvereins. TageS-Ordnung! 1, Die Verhältnisse im Berliner Baugewerbe. 2. Der Entwurf eines OrtSstatutS. 8. VereinSangelegenheiten. Bei der wichtige» Tagesordnung ist es dringende Pflicht aller Mitglieder, für regen Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. — Mitgliedsbuch legitimiert.===== 137(7»__ Oer Zwclgverelns vorstand, MANOLI mmmmam Cigareltes mmmmm Belieble Specialmarlcen Abbas Dandy Gibson GM 400 wenig gebrauclite, Achtung, Spandau! Orts- Krankenkasse der Tischler. Montag, den L7. März 1911, abends 8 Uhr: Generalversammlung Bei Gottwalt. Schönwalder Str. 80. Tagesordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Rech- nungs-Prüsungskommission. 2. Verschiedenes. 272/3 Oer Vorstand. Karl Marzilger. Vorsitzender. JnuungS-Krankenkasse der Schuhmacher-Jnnung zu Berlin. Im Statut wurden die HZ 8, 9, 10, 17. 18. 24, 38. 45 und 52 ab- geändert, die Genehmigung� wurde von dem Herrn Polizeipräsidenten unter dem 26. Januar 1911 erteilt. 4. Kl. 1,60, 5. Kl. 1 M. § 9. DaS EintritttSgeld beträgt in der 1. KI. 1.50. 2. Kl. 1,20, 3. KI. 90. 4. Kl. 80. 5. Kl. 50 Pj. § 10. Die wöchentlichen Beiträge betragen: 1. Kl. 66 Pf., 2. KI. 54, 3. Kl. 39. 4. Kl. 27. 5. Kl. 13 Pf. S 17. Die Kranlenunterstützung be- trägt: 1. Kl. 2 M., 2. Kl. 1,60. 3. Kl. 1,20, 4. Kl. 80, 5. Kl. 50 Ps. sür jeden Arbeitstag. § 18. Das Taschengeld beträgt täglich: 1. KI 23 Ps.. 2. KI 13, 3. KI 14, 4. KI 9. 5 KI 6 Ps. S 24. Das Sterbegeld beträgt: 1. Kl. 100 M.. 2. KI 80. 3. Kl. 60, 4. KI. 40. 5. Kl. 25 M. § 38. Der Vorstand wählt aus seiner Milte aus die Dauer von einem Jahre 1 Vorsitzenden, 1 Schristjährer, sowie die Stellvertreter. § 45. Ersatzvertreterder Delegierten treten der Reihenfolge nach ein. § 52 enthält die Anstellung der Be- amten. Diese Wänderungen treten mit dem 2. April 1911 in Krast. 272/4 I.A.: J.Ege. Vorsitzender, Rotzstr. 31. Soeben erschien: i Neuer elegante Anzüge, Paletots und Hosen etc. gelangen in dieser Woche zum Verkauf. Ueberrascht worden Sie durch das tadellose Aussehen und den moderneil Schnitt. Der An- schaffungswert beträgt teilweise bis zu 125 M. 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Mittwoch, den SS. März, abends 8V2 Uhr: Branchen- Versammlung bei Bocker, Wcberstrasie 17. Bürsten- und finselmaeher. Mittwoch, den SÄ. März» abends 8�, Uhr: Branchen- Versammlung bei IL Prcnß, Holzmarktstratze 65.« Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn.<4. Adorno über:.Die RalurheNunde'. 2. Branchenangelegenheiten. VrbeitSnachweiö: Hoj L Amt 3. 1239. Berwalrungsstelle Berlin. Hauptburcau: CkarltsstraSe 3. Hos HI. Amt 3, 1937. Mittwoch, den SS. März 101 1, abends 8'/2 Uhr: Verssminlung aller Fabrik' und mcrkftellcD'KIcmpncr in den Mufiker-Festsälen, Kaiser Wilhelmstr. 13m. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Hildenbrand.— 2. Diskussion.— 3. Branchenangelegenheiten. Kollegen! Agitiert sür einen zahlreichen Besuch I Jede Werlstelle muß vertreten sein._ Mittwoch, den SS. März 1S11, abends«-/- Uhr: Versammlung aller in den Metattschleisereien und galvanischen Anstalten beschäftigte« Kollegen und Kolleginnen in den Arminhallen, Kommandantenstr. 53. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Kollegen Karl Severins über: „vis Früchte des Blockrcicbstags".— 2. Diskussion.— 3. Verbandsangclegenhciten. Kollegen und Kolleginnen I In Anbetracht der sehr wichtigen TageS« ordnnng erwarten wir zahlreiches und pünktliches Erscheinen. Mittwoch, den SS. März 1S11, abends 8V2 Uhr: V ersammlun g der Graveure und Ziseleure in den Korona-Prachtsälen, Kommandantenstr. 72. TageS-Ordnung: t. Vortrag beS Kollegen Robert Bahn:„Mürzstfiriiie".— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes., 114/1 Rege Beteiligung erwartet_ Die Ortsverwaltong. Bureau: Sebastianstr. 37/38, Ho ir rechts H.— Telephon: Amt IV. 9737. Achtung! Achtung! Mitglieder sämtlicher Branchen! Donnerstag, SZ. März, abends s'/a Uhr, im Getverkschaftöhanse» Engclufer 13: MMsder.�srsAMmwng. TageS-Ordn u ng: 1. Koalitionsrecht, Streik, Stnssperrung nnd die 88 1öS— ISZ R.-G.-O. Resercut: Rechtsanwalt Dr. Hcincmann. 2. Anträge und Miiteitungen der LrtSvcrtoaltung. 162/11 Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe oder mit mehr alS acht rrsiiercnden Wochenbeiträgen kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Tie Ortsvcrwaltung. HL. Die Versammlung mutz Punkt 8'/, Uhr eröffnet werden, da der Rescrcnt an dem Abend noch anderweitig in Anspruch genommen ist. � wsiK— grün— rot— in leuchtenden, garantiert wetterbeständigen Farben, für niilii. t 1 I Die Farben werden streichfertig geliefert und wie Ool- farbo am-h auf gcn'öUnUchc geteerte Bachpappe aufgetragen. Sandfreie Pappen(Dachpix-Pappcn) für Wandbekloidung, Anstriehfai'bcn für Zünne, Fenster, Türen usw. Sofort trocknend!— Hochglanz!— Billiger als Oeifarbe! Daehpix-Gesellsehaft, Prospekte, Muster usw. gratis. A Hygienische'Äff ■ Brogcrle Zurcniba. Weinbergsweg 1, dir. a.Noscnthaler Ter. Billigste Bezugsquelle l Versuch s. zur dauernden Kundschast. Lege-Hiihuer, garantiert junge, beste Leger, Stck. 2'/, MI, empfiehlt F. Wegner, Berlin SQ., Mariamienstr. 34. "vcrantwortlicher Liedakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Jnjeralentetl verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW» Nr. 68. 28. Zahrgaug. z. Mw Ks Jöruiris" Kerlim NckMIl. Dltustag. 21 Mar; M Ums Franc» Wahl» echt. Der 19. März brachte unserer Partei einen vollen Er folg und die sozialistische Frauenbewegung einen guten Schritt weiter. Die Beteiligung der Frauen an der Demonstration für ein gerechtes Wahlsystem auch für das weibliche Geschlecht übertraf alle Erwartungen und die Begeisterung der Er- schienenen war eine gewaltige und nachhaltige. Natürlich hatten auch die Gegner ihre Vorbereitungen getroffen. Die Polizei war in der Nähe des Berliner Schlosses stärker als sonst vertreten; einige fliegende Wachen hatte man errichtet, zum Beispiel im Marstall. Fürchtete man, die sozial- demokratischen Frauen würden das Schloß stürmen? Diese dachten nicht daran. Sie hingen begeistert an den Lippen der Redner und nahmen einstimmig die nachstehende Re- folution an: Die Forderung des Frauenwahlrechts ist die notwendige Folge der durch die kapitalistische Produktionsweise be- dingten wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen, die die Stellung der Frau von Grund aus umgewandelt haben. Die zirka 19 Millionen Frauen, die im gesellschaftlichen Produktionsprozeß tätig sind, die Millionen Frauen, die als Mutter Gesundheit und Leben aufs Spiel setzen, die als Hausfrauen die schwersten Pflichten übernehmen, erheben mit allem Nachdruck Anspruch auf soziale und politische Gleichberechtigung. Die Frauen fordern das Wahlrecht, um teilzunehmen an der Eroberung der politischen Macht zum Zwecke der Aufhebung der Klassenherrschaft und Herbeiführung der sozialistischen Gesellschaft, die erst das volle Menschentum dem Weibe verbürgt. Damit gewinnt die Frage des Frauen- stimmrechts erhöhte Bedeutung für den Klassenkampf des Proletariats, dem so ein mächtiger Bundesgenosse in seinem Befreiungskämpfe erwächst. Die Sozialdemokratie ist die einzige politische Partei, die jederzeit den Kampf für die volle politische Gleichberechtigung des WeibeS geführt hat und führt. Die am 19. März Versammelten erklären deshalb, daß sie sich zur Erringung des FranenwahlrechtS in die Reihen der Sozialdemokratie stellen und mit aller Energie und Begeisterung für die Erobernng des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu allen öffent- lichen BertretnngSkörpern für alle über zwanzig Jahre alten Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts kämpfen. Die Versammelten erklären weiter, unablässig an der Stärkung der sozialdemokratischen Organisation und der Verbreitung ihrer Presse zu arbeiten, da die wachsende Macht der sozial- demokratischen Partei die alleinige Gewähr ist für die De- mokratifierung aller öffentlichen Einrichtungen und für die Befreinng der Arbeiterklasse von der Klassenherrschaft. . vle LerUner Verlamrnlutiqfeii. Erster Wahlkreis. DräselS Festsäle in der Neuen Friedrichstraße tvaren der Treffpunkt der für die Erringung des Wahlrechts demonstrieren- den Frauen aus dem ersten Berliner Wahlkreis. Das heißt aus demjenigen Bezirk, der nach der ganzen Zusammensetzung seiner Bevölkerung wohl die kleinste proletarische Schicht hat. Die Vor- sammlung war trotzdem recht gut besucht. Das erfreulichste war die Anwesenheit derjenigen, auf die es ankam, der Frauen. Min- destens zwei Drittel der Versammelten waren Frauen.— Vor Eintritt in die Tagesordnung erscholl ein Lied, das vom Vor- dringen zu einer besseren Zukunft handelt und somit auch Aus- druck gibt dem Wünschen und Wollen der um Vorenthalterle Rechte Kämpfenden.„Dem Lenz entgegen!" So tönte es von der Galerie in die Versammlung hinein. Es war der Gesangverein der im ersten Wahlkreis besonders stark vertretenen Schneider, der die Versammlung derart stimmungsvoll einleitete. Das Referat hatte Genosse Dr. Zadel. Seine Ausführungen, die unter anderm der geschichtlichen EntWickelung der Stellung der Frau in der menschlichen Gesellschaft gerecht wurden und in den Kampf- ruf des Tages ausklailgen, fanden lebhaften Beifall. Von der Polizei war während des Tagens der Versammlung auf der Straße nichts zu sehen. An der Brücke aber, welche das von der Polizei gefürchtete Cinfallstor nach dem Domplatz, dem kaiserlichen Schloß und den„Linden" bildet, sah man einen Doppel- Posten, der besondere Bedeutung haben mußte, da hier der Verkehr bei dem häßlichen kalten Winde um diese Zeit gleich Null war. Im großen Saale der„Happoldt- Brauerei" hatten ftch die Genossinnen und Genossen aus dem zweiten Berliner Reichstagswahlkreis versammelt. Zur festgesetzten Stunde war der weite Raum schon längst überfüllr, so daß die Genossen sich zum größten Teil in die »"liegenden Nebenräume zurückzogen, um den immer noch zahl- reich ankommeirden Frauen das Feld zu überlassen. So konnte denn Dr. H e r z f e l d vor einem festgekeilten Publikum das Thema des Tages behandeln, während am Haupteingang eine Schar von Polizeibeamten, Offiziere, Schutzleute zu Fuß und zu Rade für Preußens Ruhe und Sicherheit sorgten. Im hinteren Eingang hatte sich außerdem noch ein baumlanger Geheimer postiert, der tiefsinnig durch die Scheiben der Flurtür stierte. Vielleicht dachte er an seinen hohen Vorgesetzten, Herrn Jagow, der es besser hatte und sich Sonntagnachmittags mit„Kunst- Problemen" beschäftigen kann. Im dritten Wahlkreis bildeten die Arminhallen in der Kommandantenstraße das Ziel zahlreicher Frauen, unter denen auch Vertreterinnen der bürger- lichen Frauenbewegung zu bemerken waren. Je mehr die zweite Nachmittagsstunde vorrückte, je lebendiger wurde e» in der vorher fast toten Straße. Frauen kamen und wieder Frauen. Nur ver» hältnismäßig wenig Männer durchschritten das Tor. Gegen zwei Ühr bewegte sich langsam, einer dunklen Schlange gleich, eine Schar von mehr als hundert Frauen in geschlossenem Zuge die Straße herunter. Sie kamen aus dem Gewerkschaftshause, wo sie sich zusammengefunden hatten, um gemeinsam die Arminhallen aufzusuchen. Ein Photograph bannte gleich die„Frauenrevolution" auf seine Platte. Hoffentlich ist auch einer der Vertreter der heiligen Hermandad. die in größeren Zwischenräumen über die Straße verteilt waren, mit auf dem Bilde, das demnächst in illu- strierten Blättern erscheinen wird. Der Photograph konnte die Uebung wiederholen. Eine Viertelstunde später zogen im Vierer- glied auf dem Straßendamm geschlossen annähernd zweihundert Frauen aus dem vierten Wahlkreis heran, die der Rest einer größeren Menge waren, die zum Teil vergeblich Unterkunft in den Versammlungslokalen' der Waldemarstraße und der Naunynstraße gesucht hatte. Eine Anzahl Männer verließen den Saal, um für die neuen Ankömmlinge Platz zu machen. Mehr als 1200 Frauen und einige hundert Männer füllten Saal und Galerie bis zum letzten Platz. Genosse Grunwald hielt den Vortrag, der stürmischen Beifall auslöste. An der regen Diskussion beteiligten sich außer Genossen und Genossinnen die bekannten bürgerlichen Frauenrechtlerinnen Frl. Lischnewska, Frl. L ü d e r s und Frau Minna Cauer. Frau Cauer überbrachte die Grüße der Frauen der Demokratischen Vereinigung und Frl. Lisch- n e w s k a die der liberalen Frauen. Auch sie würden den Kampf um das Frauenwahlrecht nach Kräften fördern helfen. Mit einem stürmischen Hoch auf das Frauenwahlrecht und unter den Klängen der Wahlrechtsmarseillaise ging die imposante Versammlung auseinander. Die geschlossen gekommenen Frauen aus dem vierten Wahl- kreis zogen, soweit sie sich wieder zusammenfanden, gemeinsam wieder ab: durch die Alte Jakobstraße, Köpenicker Straße nach dem Schlesischen Tor zu, um dort auseinander zu gehen. Augenscheinlich hatte die Polizei befürchtet, daß von der Kam- mandantenstraßc aus ein„Ausfall" nach dem Lindenviertel zu ge- macht werden würde. Dafür spricht das außerordentliche Auf- gebot in den fliegenden Wachen Kommandantenstraße 62, Kom- Mandantenstraße 24 und Neue Grünstraße 1 sowie die Tatsache, daß besonders viel Beamte auch in den Zugangsstraßen zum Dön- hoffplatz und zum Spittelmarkt zu sehen waren. Vierter Wahlkreis. Dergleichen hatte man noch nicht erlebt, daß die Frauen in solchen Massen mit der Forderung des allgemeinen Wahlrechts an die Oeffentlichkeit traten. Alle Säle waren überfüllt, und zwar von Frauen. Die Männer mutzten das Feld räumen und warteten meist auf der Straße geduldig das Ende der Versammlung ab. Aber allein für die Frauen reichten die Säle nicht einmal aus. Im GesellschaftShaus Süd-Ost in der Waldemarstraße war lange nicht Raum genug; Hunderte blieben übrig, und ein ansehn- licher Zug von Frauen spazierte auf der Straße, während in dem wegen Ueberfüllung abgesperrten Saale der Genosse Büchner sprach. Die Versammlung dauerte hier bis nach 4 Uhr; es hatten sich noch mehrere zur Diskussion gemeldet, die auch einige Worte zur Forderung des Tages sagen wollten. Als die Versammlung zu Ende war und die Massen aus dem Saale strömten, wurde es natürlich etwas lebhaft auf der Straße. Man brachte ein tausend- stimmiges Hoch auf das Frauenwahlrecht aus, und das verletzte, wie es schien, das zartbesaitete Gemüt der Polizei. Es waren an die 20 Mann aus einem naheliegenden Hause herausgekommen, um die berühmte Ordnung wieder einmal aufrechtzuerhalten. Eine Genossin, die man offenbar für die Anstifterin des Wahlrechtshoch- rufes hielt, wurde sistiert, und ein Mann mußte auch mit zur Wache. Die Polizei war derart nervös, daß u. a. der Schutz- mann 4886 einem Genossen das Schreiben verbot(!), als dieser sich Zeugen des Vorfalls aufnotieren wollte. Eine große Masse von Frauen spazierte dann, der nicht immer freundlichen Auf- forderung der Polizei folgend, in der Richtung auf Treptow durch die Straßen, und die Beamten konnten auch ihrer Wege gehen, in dem stolzen Siegesbewußtsein, diesmal wenigstens noch den Staat vor dem Ansturm der Frauen gerettet zu haben. Graumanns Saal in der Naunynstraße war nicht minder überfüllt als„Süd-Ost", und die vielen Frauen, die sich von der Waldemarstraße hierher begeben hatten in der Hoffnung, noch Einlaß zu finden, sähen schon an der großen Zahl der draußen wartenden Männer, daß das ein vergebliches Bemühen war. Es war ihnen nicht vergönnt, mit der großen Masse im Saale das Referat des Genossen P o e tz s ch zu hören und dort auch ihre Stimmen für das Frauenwahlrecht zu erheben. Bei F r e y e r in der Koppenstraße war es schon lange ver- geblich, noch Einlaß zu suchen. Hier hatte die Polizei bereits auf der Straße abgesperrt. Ucbrigens hatte sich in dem großen Saal. der samt den Galerien bis auf den letzten Platz voll von Frauen war, ein unangenehmer Zwischenfall ereignet. Ein Photograph wollte Aufnahmen von der Versammlung machen, und Unglück- licherweise hatte man vergessen, die Versammlung vorher davon in Kenntnis zu setzen. Als der Mann nun sein Blitzlicht auf- leuchten ließ, rief das Bestürzung hervor. Man glaubte an eine Feuersgefahr. Viele drängten plötzlich nach dem Ausgang. Eine Frau wurde ohnmächtig und mußte die Hilfe der Samariter in Anspruch nehmen. Zu alledem kam, daß irgend jemand die Feuerwehr alarmierte, die dann auch gleich zur Stelle war, aber natürlich ohne weiteres wieder davonfahren konnte.— Der außer- ordentlich starke Andrang hatte es notwendig gemacht, drei Ver- sammlungen zu veranstalten. Im großen Saal sprach die Genossin Zieh, im oberen, der ebenfalls von Frauen voll war, der Genosse Z e u n e r, und zu den auf dem Hofe versammelten Männern der Genosse Möller. Auf der Straße waren nach dem Anrücken der Feuerwehr auch viele Kinder zusammengeströmt. Sie wurden von der Polizei zurückgodrängt und machten dann ein Gejohle. Die Markgrafensäle, im äußersten Osten Berlins, waren trotz Entfernung der Tische schon lange vor Beginn der Versammlung dermaßen voll, daß man die Swhlreihen immer enger zusammenrücken mußte, um mehr Raum für die vielen Frauen zu schaffen, die noch herbeiströmten. Die Männer wurden auch hier cnis der Versammlung verdrängt. ES war die Genossin Martha Kaiser, die hier das Referat übernommen hatte. Fünfter Wahlkreis. Im„Schweizergarten" am Königstor war die Versammlung des fünften Wahlkreises. Der Besuch übertraf alle Erwartungen. Frauen und Mädchen des Proletariats, die doppelt Entrechteten im Klassenstaat waren es, die den Saal füllten. Auch Männer kamen in Scharen. Doch in diesem Falle verzichteten sie gern auf die Gleichberechtigung und ließen den Frauen das Vorrecht auf die Sitzplätze wie überhaupt auf den Saal. Dem Wunsche des Vorsitzenden folgend zogen sich die Männer, soweit sie überhaupt noch Platz im Versammlungslokal fanden, in einen den Saal be- grenzenden Seitengang zurück. Das„Segment", in das polizeiliche Anordnung in der letzten Zeit des preußischen Vereinsgesetzes die Frauen verwies, war wieder aufgelebt, doch diesmal freiwillig von dem männlichen Teil Ler Vcrsammlungsbesucher besetzt. Der Referent, Genosse Kaliski, führte den Frauen die Rechtlosig- keit, zu der sie unter der heutigen„Ordnung" verurteilt sind, vor Augen und begründete die Forderung des gleichen Rechts, ins- besondere des Wahlrechts, für das man am erfolgreichsten kämpft, wenn man den großen Befreiungskampf mitkämpft, den die Sozial- demokratie führt.— Lebhafter Beifall und einstimmige Annahme der Resolution bekundeten den entschlossenen Willen der Versain- melten, für das Wahlrecht der Frauen zu kämpfen.— Ein kerniges Schlußwort des Vorsitzenden, Genossen Frredländer, das in ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausklang, bildete den Schluß der Versammlung. Sechster Wahlkreis. Im„Moabiter Gesellschafts haus" war die Ver- sammlung schon um 1% Uhr überfüllt; willig zogen sich daher auch die in Begleitung ihrer Frauen erschienenen Genossen in den Hintergrund zurück oder verließen gänzlich den Saal, um den noch immer nachströmenden Frauenscharen Platz zu machen. Doch der Saal reichte nicht hin, alle Erschienenen zu fassen. So wurde denn auch noch im unteren Saale eine Versammlung abgehalten. Die Ausführungen der Referenten Dr. Wehl und Dr. Moses wurden lebhaft applaudiert und die vorgeschlagene Resolution ein- stimmig angenommen. Die Zahl der Besucher, die zu einem großen Teile in den Nebenräumen und im Garten des Lokals Auf- enthalt nehmen mußte, kann auf etwa 6000 geschätzt werden. Die Polizei kümmerte sich um diese Versammlung nicht, sondern über- ließ es unseren Genossen, selbst die Ordnung aufrechtzuerhalten. In den„G erman ia- P rächt sä len" in der Chaussee- straße hatten sich etwa 2000 Teilnehmer versammelt, wovon gut % Frauen waren. Hier behandelte Genosse Dr. Oskar Cohn unter großer Aufmerksamkeit seiner Zuhörer das Thema des Tages. Die Zugänge zum Saal und selbst zu den Nebenräumen wurden von der Polizei schon um 2 Uhr besetzt, um niemanden mehr hineinzulassen. So mußten denn auch viele der Nachkommen- den wieder umkehren. Ueberfüllt war auch die Versammlung, die in den„PharuS- Sälen" auf dem Wedding stattfand. Um 2 Uhr deuteten schon die Menschenansammlungen vor dem Lokal auf der Straße darauf hin, daß auch hier die Polizei ihr Absperrungswerk pünktlich in Szene gesetzt hatte. Fast ausschließlich waren es Männer, die auch hier der Aufforderung, den Frauen die Säle zu überlassen, gern gefolgt sind und sich nun im Garten und auf der Straße auf- hielten. Natürlich fehlte es auch nicht an Spätankömmlingen, die daS gleiche Los teilen mußten, weil ihnen der Zutritt zu den Sälen durch die Schutzleute verwehrt wurde. Nachdem der Referent, Landtagsabgcordneter Genosse Ströbel. seine Aus- führungen im großen oberen Saal beendet Hatte, mußte er, um die Erschienenen zufriedenzustellen, auch im unteren Saale noch eine längere Ansprache halten. In den gesamten Räumen des Lokals dürften sich etwa 6000 Personen zusammengefunden haben, um ihrer Forderung der Gleichberechtigung der Geschlechter ver- nehmlichen Ausdruck zu verleihen. Nach Schluß der Versammlung bemühte sich die Polizei, die Teilnehmer der Versammlungen, die zum Teil als Paare gekommen, aber durch den Verlauf der Dinge wieder auseinandergekommen waren und nun auf der Straße sich gegenseitig suchten, so schnell als möglich zu zerstreuen. Auf dem Gesundbrunnen reichte Ballschmieders großer Saal nicht aus. die Masse der Andrängenden zu fassen, obgleich die große Mehrzahl mit Stehplätzen zufrieden waren. Die Männer wurden nach dem Garten gedrängt; heute hatten die Frauen überall das Vorrecht. Und die Männer gingen gern; sie waren von Herzen froh darüber, daß sie eine kleine Minderheit bildeten. Im Saale sprach Paula Thiede; eS herrschte eine Ruhe und Aufmerksamkeit, daß die Stimme der Rednerin klar und vernehm« lich bis in den entferntesten Winkel drang. Ihr Appell an die Frauen, für freie Menschenrechte einzutreten und sich gegen die bisherige Unterdrückung aufzulehnen, fand den lebhaftesten Wider. hall in der Versammlung.„Wir schüren das heilige Feuer", mit diesem Gesang des Vereins Harmonie-Gesundbrunnen wurde die Versammlung eröffnet und mit einem Gesang auch wieder ge- schlössen. Die vorgelegte Resolution hatte nur allgemeine Zustim- mung gefunden. Es dauerte lange, bis der große Saal sich leerte; in Ruhe zerstreute sich die große Menge; die Polizei, die natürlich nicht fehlte, blieb ruhig und zurückhaltend. In der Schönhauser Allee sah man zwischen ein und zwei Uhr die Frauen gruppenweise und in kleinen Zügen, die immer zahlreicher wurden, nach der Brauerei Königstadt strömen. Vor halb zwei Uhr blickte mancher Mann besorgt in den Saal und tröstete sich, daß schließlich noch genug Männer kommen würden, um den Saal zu füllen. Es dauerte aber nicht mehr lange, da drängten die Frauen in den Saal, daß es plötzlich hieß: Me Tische heraus! Und bald darauf erscholl die Aufforderung: Alle Männer zurück in die Seitengänge, in den Garten und auf die Straße. Der Saal war überfüllt von Frauen, und Dr. Alfred Bern» stein, der Redner, fand aufmerksame Hörerinnen, als er die Forderung des Tages, das Frauenwahlrecht, verteidigte. Mit Be- geisterung stimmten die Frauen für die vorgelegte Resolution. Der Gesangverein„Solaritas" brachte zum Anfang und Schluß der Versammlung einige Lieder zum Vortrag. Unter Hochrufen auf die Frauen und ihr Wahlrecht löste sich die Versammlung auf. Berliner Vororte. In Charlottenburg fanden zwei überfüllte Versammlungen, zum ersten Male ohne polizeiliche Ueberwachung. statt. Referenten waren Genosse Eduard Bernstein und Genosse Zempelburg. In Groß-Lichterfclde führte Genossin Walli Zepler der meistens anS Frauen bestehenden sebr gut besuchten Versammlung in einem vorzüglichen Referat die Notwendigkeit des FranenwahlrechtS vor Augen. In der Diskussion nahm ein junger Mann das Wort zur Polemik gegen da« Referat, die in dem bekannten Ausspruch be- schränkter Kopfe endete, daß die Frau hinter den Kochtopf gehöre. Eine Anzahl Redner und zum Schluß die Referentin nahmen den Weiberfeind auf dem Wahlrechtsgebiet vor und widerlegten unter stürmischer Zustimmung seine seichte Argumentation. Die Versammlung in Nowawes war leider seitens der Frauen und Mädchen nicht im erwarteten Maße besucht. Der Referent Ge- nosie Dr. Bruno Borchardt erntete für seine vorzüglichen Aus- führungen reichen Beifall. In der Diskussion forderte Genossin D r ö s ch e r die Anwesenden, namentlich die Frauen und Mädchen, in begeisternden Worten zum Kampfe für die Erringung des Fraucn- wahlrechts auf. Zur Aufnahme in den Wahlverein meldeten fich neun Frauen. Ein ganz kolossaler Andrang herrschte in RIxdorf, wo Frauen und Männer, die rrsteren in nie gesehener Anzahl, in langen Ziigen den Versammlungslokalen zustrebten. Sänuliche Säle waren übersüllt. Ueberall waren die Männer aufgefordert, den Frauen den Bortritt zu lassen und obgleich die Genossen sich größtenteils wieder zurückzogen, um den weiblichen BcsnÄern Platz zu machen, fanden auch diese nicht alle mehr Einlaß. In den„Holjeustausen-Sälen", am Kotlbnserdainm, wo Genosse D i t t m e r referierte, ivaren selbst die Galerien bis zum Brechen voll, während im Feldschlößchen, Elsenstraße, zirka 600 Frauen den Worten Julian Borchardts lauschten und in P e t r i s F e st s ä l e n, Knesebeckstr. 113, Genosse S i e r i n g vor 700 Personen sprach. Bei Hoppe aber standen die Besucher buchstäblich ein- gekeilt i es wäre keinem möglich gewesen, sich auch nur umzudrehen. obgleich die Männer, wenn auch nur schweren Herzens, den Saal verlassen hatten. Adolf Hosfmann hatte denn auch ein auf- merkiames und dankbares Publikum und bis auf die Straße dröhnten die Beifallsstürme. Die Versammlungen verliefen durchweg in bester Ordnung. Die Resolution wurde überall einstimmig angenommen. Im Gesellschaftshaus Britz sprach Genosse W o l d t. Die Ver» sammlung war gut besucht; vornehmlich waren Frauen zahlreich erschienen. Im Svortrestanrant„Rennbahn' zu Treptow referierte Genosse Haß, in Bnunischulcuweg vor zirka 300 Frauen Genosse L ü p n i tz. Die Versammlung in Adlershof, welche im Lokale, Bayer. BiSmarckstr. 10, tagte, war von etwa 600 Personen besucht und nahm mit großem Beifall das Referat des Genossen Mo HS entgegen. In der Diskussion sprachen mehrere Genossinnen im Sinne deS Referenten. Zum Schluß wurde noch auf die am 28. März für die dritte Abteilung und am 29. März für die zweite Abteilung statt- findende Gemeindewahl hingewiesen und die Anwesenden auf- gefordert, für eine recht rege Beteiligung an derselben Sorge zu tragen. In Tegel hörten über 800 Personen, worunter gut 600 Frauen mit Begeisterung die treffliche» Ausführungen des Genossen Maier, Berlin. Der Arbeitergesangverein„Immergrün" eröffnete und schloß die imposante Versammlung. Zahlreiche Austiahmen in die politische Organisation war das Resultat. Die Versammlung in Borsigwalde war sehr gut besucht und er- ledigte sich der Referent Genosse Piek seiner Aufgabe in glänzender Weile. Er erntete reichen Beifall. Die Versammlung in Reinickcndorf-West war von 600 Personen besucht. Davon waren über die Hälfte Frauen. DaS Referat des Genossen Mermuth wurde mit Beifall aufgenommen. 26 Frauen fanden Aufnahme in dem Wahlverein. In der im Schützenhause in Rcinickendorf-OK abgehaltenen Bcr- sammlung sprach Genosse Georg Schmidt vor etwa 400 Frauen und 100 Männern. Die Versammlung zu Wcißensce fand in der Gemeindc-Turn- halle statt und war von 1200 Personen besucht. Referentin war Genossin T i e tz. Von den Anwesenden waren mehr als die Hälfte Frauen. Gesang des Weißenseer Männerchors eröffnete und schloß die Versammlung. In Lichtenberg bei Schwarz. Möllendorfstr. 26/26, war der Saal nebst Rebenraum üllerfüllt. Vorwiegend waren Frauen anwesend. Das Referat der Geiiossiii Ida Altmann wurde mit großem Bei« fall aufgenommen. Boxhagrn-RummelSburg. Die Versammlung im Cafü Bellevue war von zirka 1000 Personen besucht, davon waren ungefähr 700 Frauen. Gen. W u tz k i sprach in aufklärender und überzeugender Weise über die Bedeutung deS Frauentages. Die Ausführungen wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die Versammlung wurde mit dem stimmungsvollen Llede»Empor zum Licht" vom Rummelsburger Mänuerchor eingeleitet. Obrr-SchSiieweide. Die Versammlung im»Wilhclminenhof war von über 1000 Personen besucht. Genosse Karl Liebknecht sprach IVa Stunden. Brausender Beifall der Anwesenden zeugte dafür, da« sie mit den Ausführungen deS Referenten sowie mit dem Inhalt der Resolution eiuvcrstaudeit waren. Mahlsdorf sOstbahn). Die Versammlung war sehr gut besucht. Referent war der Genosse Jeserich. Die Resolution wurde ein- stimmig angenommen. Während der voraufgehenden Agitation und in der Versammlung selbst wurden 17 Frauen in den Wahlverein aufgenommen. Friedrichshagen. Die von etwa 360 Personen besuchte Ver- sammlung bestand zum größten Teil aus Frauen. Sie nahm das vom Genossen H o r l i tz gehaltene Referat mit großem Beifall auf. 0 Aus der Provinz Brandenburg wird aus allen Orten über vor- züglich gelungene Demonstrationen berichtet. So au» Branden» bürg, Rathenow, Pritzwalk, Krem>nen, Fürsten- walde. Sommerfeld, Senftenberg, SchwiebuS und anderen Orten. Danzlg. 800 Frauen. 300 Frauen. lungen statt. Stettin. Demonstrationen im Reieb. Die Versammlung wies 1100 Besucher auf, davon Oliva bei Danzig waren von 400 Besuchern e st Preußen fanden 14 Frauenversamm- In l In In der Probinz Pommern fanden 22 Versammlungen statt. Davon entfielen auf Groß-Stettin 8. Trotz der noch Mangel- haften Frauenorganisation waren die Versammlungen sehr gut be- sucht; überall wurden neue Mitglieder aufgenommen. Rostock i. Mcckl. In Mecklenburg fanden Frauenversammlungen statt in: Rostock, Schwerin, Wismar, Güstrow, Bütow, Neubranden- bürg, Malchin, Sternberg, Waren und Parchim. Die Versammlungen waren durchweg gut besucht. Harburg. In Harburg war die Versammlung von 300, in WilhelmSburg von 800 Frauen besucht. In Burg(Insel Fehmarn) fand eine öffentliche Versamm- lung für Landarbeiter und Arbeiteilerinnen statt, die sehr gut besucht war. Der Reserent. Genosse B r o m m e- Lübeck, erörterte auch de» DemonstrationStag für das Frauenstimmrecht unter lebhaftem Beifall. Die WahlrechiSzeitung fand guten Absatz. In der Diskussion ent« wickelte der dortige Pastor Heidorn recht seltsame„national- ökonomische" Ansichien. Der Referent zerstörte unter großer Heiter- keit der Versammelten die Pastoralen Utopien, wie» nach, daß auch in der Landwirtschaft der Kleinbetrieb den Großbetrieb niemals wieder verdrängen würde und warnte— frei nach Jagow— neugierige Landarbeiter, den Pastoralen Rat zu befolgen. In Hamburg, Altona und Umgegend wurde in 22 großen, znm Teil überfüllten Versamnilungen die Forderung deS Frauenwahl- rechts erhoben. Daß die von den Rednern und Rednerinnen auS- gestreute Saat auf fruchtbarem Boden gefallen ist, beweist nicht nur die überall einstimmig angenommene Resolution, sondern auch der Masse n beitritt zu den politischen und gewerk- schaftlichen Organisationen, wie auch der Ruf zum Abonnement auf die Arbeiterpresse nicht ungehört verhallte. Husum. Gut besuchte Versammlung. Resolutlon fand ein- stimmige Annahme. Bremerhaven. Die Versammlung in Bremerhaven war von 1000, eine andere in Wulsdorf von 300 Personen besucht. Es wurden viele Ausnahmen in die Organisation gemacht. Wilhclmöhave». Die Versammlung war von 800 Frauen besucht. Kiel. Im Kieler Wahlkreis fanden sieben Versammlungen statt, die alle gut besucht waren. Die beiden Kieler Versammlungen waren von ungefähr 3600 Personen besucht; davon waren die über« große Mehrzahl Frauen. In allen sieben Versammlungen referierten Frauen auS dem Kieler Wahlkreise. Hannover. In Hannover-Linden fanden zwei große Bersammlungen fiatt, die ungeheuer stark besticht waren, nach un- gefahrer Schätzung von zirka 7000 Genossen und Genossinnen. Brauuschweig. In der Stadt Braunschweig fanden zwei Versammlungen statt. Im 1. braunschweigischen Kreis siebe», im 2. bisr und im 3. Kreis acht Versammkungeit. Die Bersqntmwngen waren durchgehend gut besucht. Halle a. S. Im Regierungsbezirk Merseberg wurden 44 Ver- sammlungen abgehalten; davon entfielen auf den Wahlkreis-Weißen- sels-Raumburg allein 21. Die Versammlungen waren sehr gut besucht, in Halle von 1200 Personen, darunter zwei Drittel Frauen. Leipzig. Tie Versammlung im Volkshause war von 3000 Per- sonen besucht. Es wurden 400 Aufnahmen in den Wahlverein gemacht. Zwickau. Die Versammlung war von über 1000 Frauen be- sucht. Aus den näheren Ortschaften zogen die Arbeitersrauen in großen Trupps»ach dem Versammlungslokal. Auch in Oelsnitz und in Schöncck im Vogtland waren die Frauenversanimlungen äußerst stark besucht. Die Begeisterung in den Versamnilungen war eine allgemeine. Es wurde überall die bekannte Resolution aiigenommen. In Plauen betrug die Teiluehmerzahl 300. In Auerbach und Hcilgcustein war dre Beteiligung der Frauen weniger zahlreich. Gera. In Reutz j. L. wurden 4 Versammlungen abgehalten. Sie waren alle sehr stark besucht. In Gera waren weit über 1000 Frauen anwesend. Gotha. Jin Herzogtum Gotha waren 8 Frauenversammlungen. sämtlich gut besucht. Auch die Frauen der Landorte beteiligten sich zahlreich an der Wahlrechtsdemonstratio». Suhl. Die Versammlung war von 600 Personen besucht. Kassel. In Kassel und Eschwege waren gut besuchte Versamm lungen. Köln. Die Versammlung in Köln war stark besucht, obwohl fast nur Frauen erschienen waren, mußte der große Saal des Votkshauses abgesperrt werden. Düsseldorf. Die Bersammlung war überfüllt, lieber 1000 Frauen waren anwesend. Nach der Versammlung zogen einige 1000 grauen unter Hochs und Arbeiterlieder singend durch die Haupt straßen der Stadt. Essen. Die Versammlung war von über 800 Personen besucht. Bochum. Die imposante auch von bürgerlichen Frauen sehr stark besuchte Versammlung verlief in begeisterter Stimmung. Elberfeld. In Elberfcld-Barmen fanden zwei Versammlungen statt, die von zirka 2000 Personen besucht waren. Auch im Wahh kreise Hägen-Schwelm und Remscheid fanden gut besuchte Ver sammlungen statt. Mannheim. Die Versammlung in der Stadt Mannheim war von 500 Frauen besucht. An der Diskussion nahmen auch bürger liche Frauen teil, die gemeinsame Arbeit sür die Erringung des Fraueiiwahlrechts befürworteten. In den umliegenden Ortschaften wurden weitere vier Versammlungen abgehalten. Mainz. In Mainz und sieben Vororten wurden gut besuchte Versammlungen abgehalten. Hanau. Im Kreise Hanau-Gelnhausen fanden 12 Versamm lungen statt, die durchgängig gut besucht waren. In der Hanauer Versammlung waren vorwiegend Frauen anwesend. Es wurden viele Neuausnahmen gemacht. Augsburg. In Augsburg und Lechhausen waren die grauem versamnilungen sehr stark besucht. Zirka 1000 Frauen nahmen an den Versammlungen teil. Würzburg. Die Versammlung war von 600 Personen besucht. Nürnberg. Die Zahl der Teilnehmerinnen betrug über 4000. Der Frauentag in Oesterreich. Wien» 19. März. Die Demonstration für die Rechte der Frauen hat in Oesterreich einen besonderen Anstoß erhalten durch die Reform deS Vereinsgesetzes, die auf Antrag der Sozialdemokratie da» geordneteuhaus vor wenigen Tage» beschlossen hat und die den Frauen das Recht, politiichen Vereinen anzugehören, bringt. In ganz Oesterreich wurden, soweit bisher Berichte vorliegen, die Ver- sammlungen massenhaft besucht, und iu den meisten Orten schlössen sich an die Versammlungen Straßenumzüge der Frauen mit Fahnen und Standarten. I» Wien fand die Versammlung in den.Blumensälen' der Gartenbaugrsellschaft ans dem Parkring statt. Die Genossinnen sammelten sich in den 21 Gemeindebezirken und marschierten in ge schlossenen Zügen mit ihren Fahnen und Tafeln auf die Ringstraße. Auch die Genossinnen der Jndustrieorte der Umgebung— Liestng. AtzgerSdorf, Schwechat, Klosterneuburg und Jnzersdorf— nahmen an der Wiener Demonstration teil. Der große Saal war lange vor Beginn der Versammlung dicht besetzt und viele Tausende mußten auf der Ringstraße stehen bleiben. Die Bersamnilung wurde mit einein .Frauentagschor' eröffnet, den die Genossin Schlesinger gedichtet hatte und der von den Arbeitersängerinne» vorgetragen wurde. Di« Referate erstatteten Genosse Dr. Adler und die Genossin Popp, worauf im Namen der tschechischen Arbeiterinnen Genossin D v o r a t, im Namen der polnischen Arbeiterinnen Genossin Scherer und im Name» des FrauenstimmrechtSlomiteeS der bürgerlichen Frauen Frau Nini v. Fürth sprachen. Um fünf Uhr war die Massenversammlung zu Ende und nun formierte sich ein endloser Zug, der über den ganzen Ring bis zum Raihausplatze zog. An dem Zuge nahmen 26—30 000 Frauen teil, nicht zu zählen die Tausende von Genossen, die sich an den Zug an« schloffen oder Spalier bildeten. Bald wäre es zu einem blutigen Zusammenstoß mit der Polizei gekommen. In dein Zuge wurden mehrere Hunderte von Standarten mit den mannigsachsten Aufschriften getragen. Erne große Standarte trug die Inschrift„Ueber 6 Millionen Frauen sind erwerbstätig, ihre Arbeit vermehrt den Reichluni der Gesellschaft und die Einnahmen deS Staates, sie selbst sind politisch rechtlos.' Eine andere:„Für Steuerzahlrecht den Frauen das Wahlrecht!' oder„Pflichten, aber keine Rechte!" oder „Nieder mit dem Moloch I' oder„Für den Moloch Millionen, während die Arbeiter in, Elend wohnen!' Diese letzte Standarte hatte eS nun plötzlich einem Polizeikommissär angetan, der darin«ine Be- drohung de« geheiligten Militarismus erblickte. Er gab den Poli- zisten den Auftrag, diese Standarle zu konfiszieren und im Nu stürzten sich ein halbes hundert Polizisten auf die Fahnenträgerin, um ihr die staatsgesährliche Tafel zu entreißen. Es entstand ein fürchterlicher Tumult, die Frauen und bildenden Männer setzten sich zur Wehr einem förmlichen Handgemenge mit der Polizei. die bedrohte Standarte und an der Stange, auf auch die Spalier und eS kam zu Ein Genosse rettete der die Inschrift befestigt gewesen war. wurde nun ein Plakat angeheftet mi: der Inschrift.Konfisziert!' Die Situation war so kritisch, daß sich die Abg. Forstner und Neumann ins Mittel legen mutzten. Es gelang ihnen, dem Kommissar Vernunft beizubringen und er kommandierte seine Polizisten zum Rückzug. Unter den Pfuirufen und dem Hohn- gelächter der Frauen marschierten die Polizisten von der Ringstraße ab. Vor dem Rnlhause löste sich der Zug unter stürmischen Hoch- rufen auf das Fraueuwahlrecht auf. SernKts- Reitling. Jugendliche vir Gericht. Zw einem bösen Streich haben sich die Rcailschfiler Kurt Wünschke und Paul Olte hergegeben, die gestern unter der Anklage der schweren Urkundenfälschung bezw. der Beihilfe vor der 7. Straf- kammer des Landgericht I standen. Die beiden 16s4 bezw. 16jährigen jungen Männer, Söhne sehr gut situierter Eltern, besuchten eine h esige Realschule, oder vielmehr: sie besuchten sie nicht, sondern schwänzten sehr häufig den Unterricht. In solchen Fällen halfen selbstfabrizierte Entschuldigungszettel aus aller Not und Gefahr, der intelligenter« O. hatte sich sogar schon Schulzeugnis-Formulare drucken lassen, um davon im schlimmsten Falle Gebrauch zu machen und seinen nichtsahnenden Eltern eine gefälschte Zensur vorlegen zu können. Der Vater des W. ist ein wohlhabender Bauunter» nehmer, der mit einer hiesigen Bank, in welcher er selbst den Posten eines AufsichtSratS beilerdet, im Scheckverkehr steht. Sein Sohn hatte zusammen mit seinem Freunde O. schon vier Wochen die Schule geschwänzt und bei beiden begann allmählich die Furcht vor ihren Eltern, dir über kurz oder lang von ihrep Lodderleben KennkniS erhaNen mußken. bk« Ooerhend zu gewinnen. Gis über« legten, was zu tun sei und faßten den Plan, nach Afrika durchzu- brennen. Daß hierzu Geld gehörte, war ihnen klar, sie glaubten aber, eS sich auf leichte Weise verschassen zu könne». 53. fand Gelegenheit, sich auS dem Scbeckbuch seines VatcrS ein Blatt anzü- eignen. Nach einem stärkenden Weinfrühstück füllte O. auf Er- suchen des'W. diesen Scheck auf den Betrag von 16 000 Mk. aus, W. pauste selbst die Unterschrift seines Vaters durch und begab sich nachnnttags wohlgemut aus die Bank, in der Hoffnung, ohne weiteres die 16 000 Mk. ausgezahlt zu erhalten. Er hatte sich gc- täuscht. Der Kassenbeamte stellt« fest, daß Herr W. ein Guthaben in dieser stattlichen Höhe gar nicht besaß, es war auch deutlich er� kennbar, daß die Unterschrist durchgepaust und nachgezogen� war. Da auf telephonische Anfrage Herr W. erklärte, daß eine Fälschung vorliege, wuede die Kriminalpolizei zitiert und der junge Rtann festgenommen. Zu allgemeinem Staunen ergab sich, daß es sich um den eigenen Sohn des Nufsichtsrats W. handelte. Die Sache konnte nun nicht mehr ungeschehen gemacht werden und so standen denn der geistig etwas minderwertige W. und sein Freund O. voi: dem Stoasrichter. Der erster« war geständig, O. dagegen wollte glauben machen, daß er unter dem Einflüsse des genossenen Weines den Zettel, den ihm W. vorgelegt, nach dessen Angaben ausgefüllt habe, ohne irgendwie zu wissen, welche Bedeutung ein Scheck habe.— Staatsanwalt Dr. Lehmann beantragte je 6 Monate, der Gerichts- hos erkannt« auf je 2 Monate Gefängnis und beschloß, die beiden jugendlichen Missetäter der bedingten Begnadigung zu empfehlen». Wie wäre mit den jungen Leuten verfahren, wenn deren Eltern der Arbeiterklasse angehörten?_ Das unerschütterliche SchutzmannSzeugniS. Eine Schöffengerichtsabteilung unter Vorsitz des Amtsgerichts« rats Wageler verurteilte gestern den Arbeiter Mcyberth und dessen Frau zu je 5 Mk. wegen ruhestör«nd«n Lärmö. Die Äerurteilung stützt sich lediglich auf die Aussage des Schutzmanne» Zielke, der die Anzeige gegen das Ehepaar Meyberth erstattet hat. Di« An- geklagten behaupten, sie hätten dem Schutzmann keinen Anlaß zum Einschreiten gegeben, auch keinen Lärm gemacht. Ein unbeteiligter Zeug« hat zwar Lärm gehört, doch sagt er, der Schutzmann ver- ursachte den Lärm, indem er überaus laut zu dem Ehepaar Mcy- bcrth sprach. Der Schutzmann Zielke aber stellt die Sache so dar: Meyberth habe höhnische Bemerkungen gegen ihn gemacht, er Habs sich das verbeten, darauf habe Frau Meyberth durch laute Redens« arten— eS war nachts in der Warschäuerstmße— ruhestörendenl Lärm verursacht. Dies« Aussage genügte dem Gericht zur Ver- urteilung der beiden Angeklagten. Es waren noch zwei Ent« lastungszeugen zur Stelle, die dem Vorgang beigewohnt hatten. Sie wurden gar nicht vernommen. Warum nicht, darüber sagte der Vorsitzende kein Wort. Wahrscheinlich erschienen sie ihm von vornherein verdächtig. Denn auch gegen diese beiden Zeugen, die erst hinzukamen als der Schutzmann mit dem Ehepaar Meyberth zu tun hatte, hat Schutzmann Zielke Anzeige erstattet. Auch sie haben«inen polizeilichen Strafbefehl erhalten. Die gerichtlichs Entscheidung über denselben steht«och aus. So hat das Gericht kurzerhand alle Beweismittel bei Seite geschoben, die die Aussags des Schutzmanns vielleicht hätten erschüttern können. Ein sonder« bares Verfahren, um die objektiv« Wahrheit festzustellen. Wie Schutzmann Zielte selbst angab, hat nur die Frau Mey« berth gelärmt, während sich der Mann ganz ruhig verhielt. Trotz- dem hat Zielke nur den Mann zur Wache sistiert, die Frau aber, obwohl sie verlangte, mit nach der Wache zu gehe«, zurückgewiesen. Warum ist denn eigentlich der Mann, der selbst nach Angabe deS Schutzmanns sich ruhig verhielt, angezeigt und sogar verurteilt worden. Darüber hat die Gerichtsverhandlung ebenso wenig Klar« heit gebracht wie über die Angaben der Angeklagten, daß Schutz- mann Zielke zu einem der nicht vernommenen Zeugen, als dieser nach der Wache mitgehen wollte, gesagt hat, ob er schon mal Prügek auf der Wache bekommen habe. Schutzmann Zielke hat, wie er selbst zugibt, auf dem Wege zur Wache den Revolver gezogen, und die Zeugen damit bedroht. Angeblich, weil er von ihnen bedrängt wurde. Ob die» zutrifft, darüber hätten jedenfalls die beiden nicht vernommenen Zeugen Auskunft geben können. So blieb auch dieser Punkt ungeklärt. Wer glaubt, daß in einer Schöffengerichtsverhandlung unier Vorsitz des AmtsgerichtSratS LVagler alle Mittel zur Ermittelung der Wahrheit zur Anwendung gelangen, ist schon oft bitter enttäuscht, Ein bedenkliches Vorkommnis auf dem Arbeitsnachweis der Berliner Fleifcherinnung lautete die Ueberschrift unseres Artikels vom 16. November 1910. Wir berichteten darin über einen Prozeß, den der Führer der gelben Bewegung, der meistertreue Altgeselle Brednow, wegen Be« leidigung gegen den Vorsitzenden des ZentralverbandcS dev Fleischer, den Genossen Hensel, angestrengt hatte. Brednow hatte dem Hensel vorgeworfen, daß er einen Schlächtcrgescllen Bartz zum Meineid verleitet habe. Hensel antwortete mit einem Artikel, in dem er diese Behauptung Brednow» als Verleumdung zurückwies und darlegte, daß man im JnnungSarbeitSnachwei» Bartz betrunken gemacht habe: Bartz hat, wie unbestritten ist, als er lange arbeitslos war und um Arbeit in der Innung nachsuchte, aus! eigene Kosten zwei Flaschen Wein sowie einige Kognaks bestellt und bezahlt. Diese Freigebigkeit vergalt man damit, daß man Bartz ein Schriftstück vorlegte, worin er sich selbst beschuldigte, einen Meineid geleistet zu haben. Diese Selbstbeschuldigung reichten die Christlichen dann bei der Staatsanwaltschaft ein. Wegen dieses Artikels deS Hensel erhob Brednow Privatklage. Hensel wurde vom Scköffengrrickit freigesprochen. Die Straf- kammer hob auf Berufung des Brednow das Urteil auf, ver- urteilte den Genossen Hensel wegen Beleidigung zu 126 M. Geld- strafe, während sie die Widerklage Hensel» abwies. Hiergegen legte Hensel Revision ein. Der Verteidiger HenselS, Rechtsanwalt Dr. Hcinemann, machte vor dem Kammergericht geltend, daß die Strafkammer zu Unrecht dem Hensel den Schutz de»§ 193 de» Strafgesetzbuchs versagt und zu Unrecht diesen Schutz dem Brednow gewährt habe. Das Kammergericht schloß sich den Ausführungen des Verteidigers an, hob das Urteil in vollem Umfange auf, so» wohl insoweit Hensel verurteilt, als auch insoweit seiner Wider» Nage nicht stattgegeben war, und verwies die Sache zu erneuten Verhandlung an ein anderes Gericht, das Landgericht III, zurück. Tötung der eigenen Mutter durch mangelhafte Pflege. Wegen fahrlässiger Tötung ihrer SZjährigen Mutter durch mangelhafte Pflege hatte sich vor der Göttinger Strafkammer die RrntierSfrau Hesse in Grund im Harz zu verantworten. Auch ihr Ehemann war mitangeklagt. Die alte Frau war drei Wochen vor ihrem Tode bettlägerig krank geworden und konnte nicht mehr aufstehen. Ihr wurde von den Angeklagten ein Stechbecken unter. gelegt, das diese die ganzen drei Wochen lang Tag und Nacht ununterbrochen liegen ließen. Die Kranke lag sich durch, und der erst zur Ausstellung des Totenscheins herbeigeholte Arzt fand da» Fleisch drei Zentimeter tief bis auf den Knochen gehend weg- gefault,„ein erschütterndes Bild greulicher Verwahrlosung". Bei einiger Aufmerksamkeit hätten die Angeklagten die Verletzungen und damit den Tod der alten Frau verhüten können. Wegen fahrlässiger Tötung wurde Frau Hesse zu einem Jahr, ihr Ehe- mann, der Rentier August Hesse, zu drei Monaten Gefängnis ver, urteilt._ Ter unter dem Verdacht des Mordes an der Arbeiterfrau Gr»- rolrwSki verhaftete Arbeiter Albevt Hartmann wurde gestern aus der Untersuchungshaft der L. Strafkammer des Landgerichts III vorgeführt, um sich wegen eines Embruchsversuchs zu verantworten. Hartmann, der vor kurzem von der Berliner Kriminalpolizei in d« Stolper Frauenmordaffär« verhaftet worden war und inzwischen ein Geständnis abgelegt haben soll, wurde vor einiger Zeft von einem Rangierer Siebert beobachtet, wie cv in das zwischen Schulzcndors und Hennigsdorf gelegene Sommerhaus des Baurats a. D. Fischer einsiieg. Der Angeklagte wurde von Siebert fest, gehalten und der Polizei übergeben. TüS Gericht erkannte gegen ihn auf 6 Monate GcfSngnA Würzburger tfühnerausenmittel von Dr. H. Ungrer.- Segen 30 Pfennig aus 10 Ps. Anweisung frei. Ohne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. 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Hoizarvettervervand Verantwortlicher Redakteur: Albert Wach», Berlin. Für den Inseratenteil verantv.:Th.Gl»ckr»Berlin. Druck u. Verlag: Vorwürls Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul'Siiigtr u. Berli« SW. It. 68. 28. Zahtgavs. 3. KcilU te„ Dienstag. 21. Marz 1911 asssc�zzaa Partei- Hngelegenbciten* OrtSteil Treptow. Heute abend b'/z Uhr in der Rennbahn: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht von und Wahl der Delegierten zur Verbands-Generalversammlung, Wahl eines zweiten Schriftführers. Vereinsangelegenheiten. Tegel. Heute Dienstag, den 21. März, abends S1/, Uhr, im Lokale von Jul. Klippenstein, Spondauer Straße 4: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Bericht von der Verbandsgeneral- Versammlung von Groß- Berlin; Bericht aus der Gemeinde- Vertretung; Verschiedene Neuwahlen. Die Bezirksleitung. Reinickendorf- Ost. Am Sonntag, den 26. März, nachmittags 2 Uhr, findet in der„Urania" eine Vorstellung statt. Billetts hierzu find noch bei den Bezirksführern und in der heute abend statt- findenden Mitgliederversammlung zu haben. Das Thema lautet: »Der Vierwaldstädter See". Potsdam. Am Mittwoch, den 22. März, abends 8 Uhr: Zahl- abend. Der Bezirk Brandenburger Vorstadt hält diesmal seinen Zahlabend bei Schlenck, Kiewitt 7, ab. Berliner JVacbricbten. 100 Prozent Gemeindesteuern in Berlin. Die Beratungen des Etatsausschusses haben gestern mit dem Ergebnis geendet, daß auch in diesem Jahre in Berlin 100 Proz. Gemeindesteuerzuschlag zur Einkommensteuer er- hoben werden sollen. Dieses Resultat wird vielen etwas über- raschend kommen, die den ohnehin mageren Etat kennen, den der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt hat und der mit 110 Proz. abschloß. Erreicht wurde das Resultat durch Zuhilfenahme der allcrbedenklichsten Mittel, die einer Bilanzfälschung verzweifelt ähnlich fehen. Es sind gestrichen worden vom Schuletat 300 000 Mk., vom Tief- baueiat für Landerwerb und Straßenpflasterung 630 000 M., aus dem Gasetat für verbesserte Beleuchtung usw. 370 000 Mark, vom Arbeitshaus 60 000 M. Außerdem entzog man den Gaswerken eine Million, die für Abschreibungen bestimmt waren und setzte sich kühn und unerschrocken über die bestehenden Gemcindebeschlllsse hinweg, nach denen be- stimmte prozentual festgesetzte Beträge zur Abschreibung ge- bracht werden müssen. Als bei den Ausgaben nichts mehr zu machen war, ging man an die Einnahmen und„verbesserte" diese in einer Weise, daß selbst dem Magistrat die Haare zu Berge standen. Bei der Kapital- und Schuldenverwaltung setzte man 300 000 M. mehr an zu erwartenden Zinsen ein. Tie Abgabe der Großen Berliner und der B. E. W. wurde uiit 320 000 M. höher in Einnahme gestellt. Dann ging es an die Steuern. Die Sozialdemokraten beantragten die Streichung der L u st b a r k e i t s st e u e r, weil diese Steuer noch gar nicht von der Stadtverordnetenversammlung be- schlössen und es ganz ungewiß sei, ob sie beschlossen werde. Man könne doch auf solch unsicherer Grundlage keinen Etat aufbauen. Alle Einwände fanden kein Gehör, die Mehrheit, die unter allen Umständen, koste es was es wolle, auf 100 Proz. bauen wollte, lehnte den sozialdemokratischen Ai> trag ab und setzte die Lustbarkeitssteuer als Einnahme in den Etat ein. Zwei Mitglieder des Ausschusses enthielten sich der Stimme; nur die Sozialdemokraten stimmten gegen die Lustbarkcitssteuer. Verschiedene Redner der Mehrheit er- klärten im Namen der überwiegenden Mehrheit ihrer Freunde, daß diese unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Einführung einer Lustbarkeitssteuer zustimmen würden, „wenn auch die Steuer ihnen nicht sympathisch sei". Die Grundsteuer soll auf 165 Proz.(bisher 150 Proz.), wie der Magistrat vorschlägt, festgesetzt werden. Die Grund- besitzcr wollen„Opfer" bringen, wie sie sagten. Denn so kämen sie besser weg, als wenn durch Ueberschreitung der Hundertprozentgrenze noch mehr Mieter nach den Vororten zögen und sie dadurch erhebliche Mietsverluste hätten. Recht opfertvillig! Zu diesem Beschluß muß aber die Genehmigung der Aufsichtsbehörde eingeholt werden. Die Gewerbe- st e u e r soll gleichfalls auf 165 Proz. bemessen werden(bis- her 150 Proz.). Es wurde angeregt, die Klasse I mit 175 Prozent zu belasten und die Klassen II und III bei 150 Proz. wie bisher zu belassen. Schließlich wurde in Rücksicht darauf, daß die Gcwerbesteuerklasse IV frei ist infolge der Waren- hausstcuer und die Klasse III ein Vierteljahr freigestellt wäre, von der Erhebung differmzierter Sätze Abstand ge- nommcn und allgemein 165 Proz. beschlossen. Die Gewerbe- steuer wurde mit 200 000 M. höher eingesetzt. Schließlich wurden die Ansätze des Magistrats bei der Umsatzsteuer um 400 000 M., bei der Wertzuwachssteuer um 220 000 M. er- höht. Die Gemeindeeinkommensteuer wurde mit 42 Millionen in den Etat eingesetzt, eine Summe, die kaum einkommen dürfte. So ist der vom Magistrat vorgelegte Etat in wesentlichen Teilen vollkommen zerfetzt und in einer Weise hergerichtet worden, daß selbst vom Magistratstisch während der Ver- Handlungen gelegentlich geäußert wurde, daß das bei ver- schiedenen Positionen diesmal geübte Verfahren das eines Bankrotteurs sei. Noch am Freitag wurde im Hinblick auf verschiedene Streichungen des Etatsausschusses vom Magistrat erklärt, daß er kaum in der Lage sein werde, diese Streichun- gen zu akzeptieren. Aber im Magistrat sind Kräfte tätig, die hinter den Kulissen arbeiten und alles mitmachen, was ihnen die Mchrheitspartei im Rathause diktiert. Ob der Magistrat es zum Konflikt wird kommen lassen, muß abgewartet werden, bei der Deroute, die im Magistrat herrscht, ist kaum zu erwarten, daß er an seinem vorgelegten Etat festhält._ Gegen die LustbarkeitSsteuer» durch die der Berliner Stadtfreisinn t«n schlapp gewordenen Stadtsäckel wieder prall zu kriegen hofft, haben nun auch die Gast- Wirte nochmals schärfsten Protest erhoben. Von Gastwirtever- einigungen verschiedener Richtungen war zu Montag eine öffent- liche Versammlung(nach der„Concordia" in der Andreas- st ratze) einberufen worden, die sehr stark besucht war. Unter den Versammelten herrschte Einmütigkeit in der Be- und Verurteilung dieses Steuerprojektes, von dem auch das Gastwirtsgewerbe eine schwere Schädigung zu erwarten hat. Ter Versammlungsleiter Herr Strauß, Vorsitzender des Verbandes der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg, erklärte offen, das Verhalten des Magistrats in der Frage der Lustbarkeitssteucr habe vielen in politischer Hinsicht die Augen geöffnet. Das Referat des Gastwirts L i t f i n vom Verband der freien Gast- und Schankwirte legte eingehend dar. Welche folgenschwere Bedeutung diese Steuer auf die Erholung für die Inhaber von Vergnügungslokalen haben mutz. Eine Ab- tvälzung auf das Publikum werde nicht möglich sein, sei sie aber etwa doch möglich, so werde die erholungsbedürftige Bevölkerung empfindlich getroffen werden. Zu dem oft gehörten Hinweis auf die anderen Städte, die die Lustbarkeitssteuer bereits eingeführt haben, bemerkte Referent, das sei überall vor der Reichs- finanzreform geschehe� zu einer Zeit, wo noch nicht durch diese dem Gaftwirtsgöwerbe die schwersten Lasten auferlegt waren. Genosse Litfin geitzelte die Wortbrüchigkeit des Ver- l i n e r Stadtfreisinns, dessen einflutzreichster Führer, Stadtverordneter Cassel, im Jahre 1906 die Lustbarkeitssteuer für unannehmbar erklärt habe, während jetzt im Jahre 1911 gerade die Casselsche Fraktion die Annahme fordere. Es sprachen dann Redakteur Friedrichs vom Verband der Gast- und Schankwirte, Direktor Schulz vom Metropoltheater, Herr Berol Konorah als Vorsitzender der internationalen Artistenloge, Herr Prietzel als Vor- sitzender des Vereins der Berliner Musiker. Herr Max Schulz ergriff das Wort nicht als Berufskollege der Gastwirte, sondern als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Er meinte, es sei kein erhebendes Gefühl, in dieser Frage die Stadtverordnetenber- fammlung hier vertreten zu müssen. Uebrigens denke die Inten- danz der königlichen Theater nicht daran, die Lustbarkeitssteuer zu zahlen, nach dem Gefetz könne aber der König zur Steuerzahlung nicht gezwungen werden, und hierüber werde dann das ganze Steuerprojekt zu Fall kommen. Die Stadtverordnetenversamm- lung war noch durch einige andere Mitglieder vertreten. Stadtver- ordneter Genosse Ma nasse nannte die geplante Lustbarkeits- steuer ein aus der Sorge um die Etatbalanzierung entstandenes Angst Produkt, nicht würdig der Stadt Berlin.„Das sind ja," rief Manasse aus,„die von Ihnen selber gewählten Vertreterl Nun sehen Sie, welche Rute Sie sich aufgebunden haben. Schlafen Sie doch nicht ifie ganzen Jahre hindurch!" Auch der Stadtverortmete Genolse W i l k e kennzeichnete in treffenden Ausführungen das Treiben der freisinnigen Stadt- verordnetemnehrheit, die jetzt durch eine Erholungssteuer die Stadtfinan-zen bessern will. Der letzte Radner war Herr M e l l i n i von der Vereinigung der Kinematographcnbesitzer Groh-Berlins. Er kündigte an, daß an dem Tage, wo die Lustbar- keitssteuer in Kraft trete, die Kmematographen nicht mehr Fürstenempfänge zeigen werden, sondern— das Berliner Rathaus in seiner wahren Natur. Die Versammlung endete mit der einstimmigen Annahme der folgenden Resolution, die der Stadtverordnetenversammlung übersandt werden soll:„Die Versammlung sämtlicher Gastwirte- Vereinigungen, der Zirkusse, Verbände der Leiter und Angestellten der Berliner Bühnen, Artisten, Musiker, Kinematographenbesitzcr und Variätes legen Verwahrung gegen die geplante Lustbarkeits- steuer ein, weil sie einzelne ohnehin schon schwer um ihre Existenz ringend« Erwerbstände zugunsten der Allgemeinheit der Steuer- zahler belastet, und insbesondere auch durch Freilassung der König- lichen Theater den Wettbewerb der an sich schon unter schwierigen Bedingungen arbeitenden Privatbühnen in ungerechter und un- zulässiger Wieise erschwert. Alle Fraktionen, welche ihre Zustim- mung zu der Vorlage gegeben, haben ausdrücklich und ausnahmslos die Annahme der Vorlage von der Hineinbcziehung der Königlichen Theater abhängig gemacht. Die Annahme ohne diese Bora ls- setzung würde mit einem Wortbruch und dem Verrat der ihnen anvertrauten Interessen der Bürgerschaft gleichbedeutend sein." Die Resolution spricht die Erwartung unbedingter Ab- lehnung aus, bezeichnet die Lustbarkeitssteuer als ein neues Attentat auf den gesamten Wirtestand, das umsso unerhörter sei, da die Wirte schon durch die Reichssinanzreform in empfindlichster Weise belastet seien. An den Folgen eines Schlaganfalles ist am Sonntagabend der Berlin er Stadtverordnete und Obermeister der Bcr- liner Klempnerinnung. Richard B e r g e r. gestorben. Der 66jährige Mann brach, als er sich auf dem Heimwege nach seiner Wohnung in der Zossener Strasse 43 befand, an der Ecke Culm- und Bülowstratze zusammen. Andere Straßenpassanten nahmen sich des Verunglückten sofort an und schafften ihn nach der Rettungswache in der Steglitzer Strasse, wo der Arzt aber nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen konnte. In der Droschke plötzlich verstorben ist in der Nacht vom Sonnabend zu Sontag der 50jährige Fabrikbesitzer Oskar Fleck aus Hermsdorf a. Nordbahn. Er hatte mit seiner Gattin Bekannte in Berlin besucht und fuhr dann in einer Droschke nach dem Pan- kower Bahnhof, um von dort aus mit der Bahn nach Hause zurück- zukehren. Während der Fahrt fühlte sich Herr F. unwohl und bat seine Frau, ihn zu einem Arzt zu bringen. Die Geängstigte lieh die Droschke nach der Unfallstation in der Badstratze fahren, wo jedoch nur der infolge Herzschlag eingetretene Tod konstatiert werden konnte.— Ein ähnliches Ende fand am Sonntagnach- mittag gegen 5 Uhr der 44jährige Schneider Müller. Er saß mit mehreren Bekannten in einem Restaurant in der Triftstratze beim Kartenspielen, als er plötzlich lautlos vom Stuhle sank. Ein von der Unfallstation in der Lindowerstratze herbeigerufener Arzt konnte nur noch den inzwischen eingetretenen Tod des Mannes feststellen._ Eine Prostituierte erstochen. In die Kreise des Berliner Dirnen- und ZuhältertumS führt eine Bluttat, die in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in dem Hause Boyenstraße 14 verübt wurde. Dort wurde eine unter sittenpolizeilicher Kontrolle stehende Frauensperson tot auf- gefunden. Sonntag morgen verkündeten bereits rote Plakate an den Säulen die Mordtat in folgender Weise: 1066 Mark Belohnung. Heute morgen kurz nach 4 Uhr wurde im Seitenflügel des Hauses Boyenstratze 14 die unter sittenpolizeilicher Kontrolle stehende Frau Martha Schramm, geborene Schlitzkus, am 2. April 1880 zu Grotz-Zieten geboren, mit zum Teil sieben bis acht Zentimeter tiefen Stichwunden tot aufgefunden. Die Ver- wundungen rühren vermutlich von einem messerartigen, kräftigen Instrument her. Der Tat ist offenbar ein heftiger Kampf vorausgegangen. Bei der Leiche lag der Hund der Toten, der durch einen Stich in den Unterleib getötet worden war. Die Ermordete ist zuletzt gesehen worden, als sie gestern abend um 11)4 Uhr in Begleitung eines Mannes in die Boyenstratze ein- bog. Anscheinend handelt es sich um einen Racheakt. Es ist anzunehmen, datz die Kleidung des Täters mit Blut stark be- sudelt ist und daß er bei dem Kampfe Verletzungen an den Händen und im Gesicht davongetragen hat. Personen, welche die Ermordete in der heutigen Nacht allein oder in Begleitung gesehen haben, werden aufgefordert, sich umgehend zu melden. Mitteilungen nehmen die Polizeireviere und die Kriminalabteilung entgegen. Obige Belohnung ist für salche Personen ausgesetzt, welche Angaben machen können, die zurlErmittelung des Täters führen. Berlin, den 19. März 1911.' Der Polizeipräsident. gez. von Jagow. Die Ermordete ist im Jahre 1830 zu Grotz-Zieten im Kreise Teltow geboren. Sie verheiratete sich vor einigen Jahren mit einem gewissen Schramm, mit dem sie jedoch nicht lange zusammen- blieb, da sie ihrem Mann berechtigten Grund zur Eifersucht gab. Das Ehepaar trennte sich deshalb und der Gatte zog mit einer Geliebten zusammen, während die Frau sich der Prostitution er- gab. Der Polizei gegenüber gab sie sich als Näherin aus. stand jedoch schon seit Jahren unter sittenpolizeilicher Kontrolle. Bis vor einem viertel Jahr wohnte sie in dem Hause Wilsnacker Straße 31, wo sie jedoch ziehen mußte, weil sie die Miete schuldig blieb. Sie mietete dann in dem oben genannten Hause eine Wohnung und nahm ihren Geliebten, den Lbjährigen Klavier- spieler Lehmann, als Aftermieter zu sich. Wie allgemein behauptet wird, lebten die beiden jedoch nicht sehr glücklich unieinander, und Zank und Streit waren an der Tagesordnung. Die Er- mordete war eine außergewöhnlich kleine, sehr zierliche Person, die sich gern auffallend kleidete und viel in zweifelhaften Nacht- lokalen des Nordens verkehrte. Kurz nachdem sie im Dezember vorigen Jahres die neue Wohnung bezogen hatte, wurde sie von der Sittenpolizei festgenommen und wegen eines sehr schweren inneren Leidens nach dem Krankenhause geschafft, von wo sie erst am Mittwoch voriger Woche zurückkehrte. Offenbar war sie ihres Berufes überdrüssig geworden, denn bald darauf schrieb sie an ihren Mann einen Brief, in dem sie ihn bat, sie wieder aufzunehmen, da sie ihren bisherigen Lebenswandel be- reue und unter keinen Umständen fortführen wolle. Sie teilte ihm auch mit, daß sie ihren bisherigen Liebhaber, den Klavier- spieler Lehmann, veranlassen wolle, von ihr zu lassen. Dieses Schriftstück übergab sie ihrer Freundin, die im selben Hause wohnt und mit der sie enge Freundschaft geschlossen hatte. Uebrigens war die Sch. auch eine Frauenfreundin und kehrte nachts häufig mit Prostituierten in ihre Wohnung zurück. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhause hatte die Schramm in Erfahrung gebracht, datz ihr.Geliebter während ihrer Krankheit mit einer Kellnerin ein Verhältnis angeknüpft habe, und es kam am Freitagabend kurz nach 10 Uhr zwischen dem Paar zu e.�er heftigen Szene, die schließlich mit einer Prügelei endete und bei welcher die Frau ihrem Liebhaber das Gesicht vollständ!» zerkratzte. Lehmann scheint indessen seine Geliebte ebenfalls schwer miß- handelt zu haben, denn wiederholt ertönten Hilferufe der Sch. Es kümmerte sich jedoch niemand um das Rufen, da in dem Hause elf Prostituierte wohnen und derartige Auftritte durchaus nicht eine Seltenheit bedeuten. Am Sonnabendabend verließ die Schramm ihre Wohnung gegen 10 Uhr abends und kehrte, wie Hausbewohner beobachtet haben wollen, gegen 1412 Uhr nachts in ihre Wohnung zurück. Während der nächsten zwei Stunden blieb alles ruhig. Erst kurz nach 1 Uhr hörte eine Frau, welche in der der ersten Etage des Quergebäudes wohnt, furchtbare Hilfe- rufe. Die Frau hatte sich gegen 10 Uhr abends schlafen gelegt und hatte, wie sie angibt, um diese Zeit schon beinahe ausgeschlafen. Die Hilferufe währten etwa 15 Minuten lang und wurden zuletzt immer schwächer. Dazwischen klang das wütende Bellen eines Hundes— die Schramm besaß einen 11 Jahre alten Wolfsspitz—, bis auch plötzlich das Tier ein schrilles Winseln ausstieß und dann verstummte. Lehmann war, wie er behauptet, in der Nacht zum Sonntag in einem Lokal in der Kopernikusstratze beschäftigt gewesen und hatte dort bis gegen Z44 Uhr morgens gespielt. Er machte sich dann auf den Heimweg und langte bald nach 4 Uhr vor seinem Hause an. Als er die Korridortür aufschließen wollte, bemerkte er zu seinem Schrecken, datz die Tür weit geöffnet war. Da er selbst ein ziemlich schwächlicher Mensch ist und glaubte, datz ein Dieb in der Wohnung sei, machte er Licht und trat in die Mche ein. Hier fand er jedoch niemand, und so begab er sich dann durch die Verbindungstür, die von der Küche nach dem Wohnzimmer führt, in das Schlafzimmer der Schramm. Dort bot sich ihm ein entsetzlicher Anblick. An der rechten Seite der Wand vor einem Plüschsofa lag die Schramm über und über mit Blut bedeckt. Sie war vollständig bekleidet, nur der Hut und die Handschuhe lagen auf dem Tisch, der in der Mitte des Zimmers stand. Lehmann versuchte die Leblose aufzurichten und sah nun, datz er es mit einer Toten zu tun hatte. Als er dann auch einen Schritt von der Leitung entfernt den Hund mit aufgeschlitztem Bauche liegen sah, packte ihn das Grauen. Laut schreiend stürzte er aus der Wohnung und eilte zur Portierfrau, die im Seitenflügel des ersten Hofes wohnt. Die Frau schlug Lärm und benachrichtigte das nahegelegene Polizeirevier in der Wöhlertstraße, das sofort mehrere Beamte sandte. Eine Stunde darauf tms die Mord» kommission ein. Ein Raubmord erscheint völlig ausgeschlossen, Ida von den Schmuckstücken der Toten, zwei Armbändern und mehreren Ringen, nichts fehlt. Auffallend ist auch der Umstand, datz die Haus- und Wohnungsschlüssel der Schramm vorhanden sind. Der Mörder hat also entweder selbst Nachschlüssel besessen, oder er ist über die niedrige Mauer entkommen. Auf dem Treppenflur fand man an dem eisernen Geländer sowie an der Wand Blutspuren. Der Mörder hat sich offenbar in der Dunkelheit an der Wand entlang- getastet. Im Laufe des Vormittags wurden mehrere Polizei. Hunde auf die Spur gesetzt, doch konnte bisher noch nichts Sicheres durch sie festgestellt werden. Der Klavierspieler Lehmann wurde am gestrigen Tage längere Zeit vernommen, doch vermochte er sein Alibi nachzuweisen. Die Kriminalpolizei hat festgestellt, daß die Schramm sehr häufig ihre männlichen und weiblichen Freundschaften wechselte und datz sie verschiedene Zuhälter habe„hochgehen" lassen. Sie rechnet deshalb auch mit einem Racheakt, da Gold- und Wert» fachen nicht abhanden gekommen sind. Das Ergebnis der Leichenöffnung, die die Gerichtsärzte Medizinalrat Dr. Störmer und Dr. Strauch gestern vornahmen zeigte u. a. was bisher nicht zu sehen gewesen war. datz der Mörder sein Opfer auch gewürgt hat. Daraus erklärt cS sich, datz es bei dem Verbrechen so auffallend ruhig zugegangen ist. Der Mörder hat Frau Schramm jedenfalls sofort an die Kehle gegriffen, um sie am Schreien zu verhindern. Die Messerstiche findmit einer ungeheuren Wucht geführt worden. Vier haben die Lunge durchbohrt. Die Bruststiche waren so kräftig, datz das Messer bis auf den grossen Wirbel durch- drang. Es stieß sogar eine Haarnadel, die wohl bei dem Kampfe in die Kleidung heruntergefallen war, mit in den Hohlraum der Brust hinein. Alle Stiche sind mit demselben Werlzeug geführt worden, auch die, die den Schädelknochen des Hundes glatt durch- bohrten. Nach der Beschaffenheit der Wunden mutz es an der einen Seite scharf- an der andern dickrandig, also ein Messer gewesen sein. Die Ermordete zeigte ausser den Stichwunden und den Würgemalen auch noch eine ganze Reihe von Kratzwunden und Hautabschürfungen am Gesicht und an anderen Körperteilen. Nach dem Bilde, das die Obduktion lieferte, wird der Täter sein Opfer mit einer Hand an die Gurgel gefaßt und mit der anderen blind» lings auf die Wehrlose eingestochen haben. Nachdem die Frau schon kampfunfähig geworden war, tötete der Mörder ihren Hund, der trotz seiner elf Jahre noch gute Fangzähne hatte und wohl unausgesetzt auf den Kerl eingesprungen ist, und�bearbeitete dann von neuem die Frau mit dem Messer. Ein Heer von Kriminalbeamten ist unausgesetzt bemüht, alle Beziehungen, die die Ermordete jemals gehabt hat, aufzudecken. Besonders wird auch allen Leuten nachgeforscht, die in der letzten Zeit aus irgend welchen Anstalten entlassen worden sind. Die Nach- forschungeu richten sich sowohl aus Männer wie auf Frauen, weil der Täter nach Lage der Dinge diesem oder jcnem Kreise cm» gehören kann. Millisiiikiuuru im Frttiihause. Auf unsere Soininbeiid-Notiz. dah aus der Aaisou ds santi daS Sojährige schwerreiche fträulein Anna Kalle entflohen ist. bringt die„Vaisische Zeitung", anscheinend auf Luformation des Schöncbergcr Irrenhauses selbst, die Mitteilung. nach der die Dame nicht zwangsweise interniert gewesen sei, auch nicht geflohen sei. vielmehr alle erdenklichen Freiheiten genossen habe. Sie habe die Annall vor 10 Tagen verlassen, und ihre An- verwandten hätten der Anstaltsleitung mitgeteilt, daß ein weiterer Aufenthalt im Jrrenhause nicht mehr nötig sei. Diese Darstellung ist salsch und soll wohl nachträglich die Ver- Wandtschaft reinige». Tatsächlich ist Fräulein Kalle aus Veranlassung ihrer Mutter eingesperrt worden. Fräulein Kolle hat vor wenigen Tagen in einem eigenhändigen Briefe erklärt, daß sie aus der ge- nannten Anstalt entflohen ist und sich aus Furcht vor Wieder- einsperrung verborgen hält. Es ist die alte Geschichte: Sobald ein derartiger Gesellichaftsikandal die Oesseutlichkeit zu beschäftigen an- fängt, wollen diejenigen, tvelche a» der Einsperrung ein Interesse hatten, die eigene Haut retten. Die„ZellrrhauS- Zeitung". Die Leitung des RettungShcims für Triukerliuder in der Onipowstraße will deimiächst eine„Zeitung" herausgeben, um sllr die Zwecke des HeimS und der aus ihm her- vorgegangeneu Einrichtung der Mülterkmifereuzen im Nathause noch besser Reklame machen zu können. Im vorigen Jahre wurde der Magistrat in allen Tonarten angejanniiert, daß das ZellerhauS Schulden habe und ohne städtischen Zuschuß kaum weiterbestehen könne. Es gelang, den Magistrat und die Stadtverordneteuveriamm- lung zur Hergab« von 2000 M. Jahresbeihilfe zu bestimmen. Dagegen haben wir auch gar nichts einzuivenden. denn der eigentliche Zweck des Zellerhause«, Kinder trunksüchtiger Eltern vor dem Ver- kommen zu retten, ist ein durchaus guter. Das Geld ist aber nicht beivilligt lvorden, um eine„Zellerhaus-geitung" zu unterhalten, in der hauptsächlich für die Mülterkonstrenzen und für die leitenden Personen derselbe» Stimmung gemacht wird. Vielmehr soll die de- willigte Summe direkt den Trinkerkindern zugute kommen, was doch wohl durch eine Zeilungsherausgybe uur sehr minimal er- reicht wird. Feudaler Sport. Am Sonnwg wurde in Strausberg ein Pferderennen veranstaltet, bei dem eS schwere Unglückssälle gab. Ein Jockei) namens Th. Bastian kam mit seinem Pferde zu Fall. Roß und Reiter überschlugen sich. Dadurch kam auch der dem Th. Bastian folgende Jockei Hcalh zu Fall. Dann stürzte der Reiter A. Bastian, erhielt mehrere Huftritte und blieb bcsinnungs- los liegen. Als vierter stürzte Martjn und erlitt schmerzhafte Quetschwunden. Der Arzt stellte bei Hcalh Kopfverletzungen und eine Fußverstauchung. bei Th. Bastian einen Bruch des linken Oberarmes fest. Am schlimmsten stand es um Dessen jüngeren Bruder A. Bastian, dem, wahrscheinlich infolge innerer Verletzun- gen, unaufhörlich Blut aus dem Munde floß. Außerdem hatte er sich einen Bruch des Schädels und des Unterkiefers zugezogen. Die beiden Brüder wurden ins Krankenhaus geschafft. Ein schwere» Brandunglück hat sich gestern früh zwischen 4 und S Uhr in der Manteuffelstr. 117 zugetragen. Aus noch nicht ermittelter Ursache brach dort in der Kellerwohnung des Klempners Hermann Bleß ein Feuer aus, das Möbel und Betten erfaßte. Als die Bewohner die Gefahr bemerkten, war schleunige Flucht geboten. Zwei Personen konnten sich auch noch rechtzeitig durch ein Kellerfenster in Sicherheit bringen. Nur der Klempner Bleß selbst vermochte nicht so schnell zu flüchten und wurde von den Flammen eingehüllt. Er erlitt den Feuertod und konnte erst von der inzwischen eingetroffenen Feuerwehr aus der brennenden Wohnung geholt werden. Kopf und Hände waren vollständig verbrannt. Die Leiche wurde der Polizei über- geben. Das Feuer selbst konnte mit eine? Schlauchleitung hold gelöscht werden. Tot aufgefunden— iu einer Blutlache— wurde am Sonntag. morgen der 35 Jahre alte Stellmachermeister Bernhard Balda im Hause Koloniestraße 73. Balda war verheiratet und es sind vier Kinder der Ehe entsprossen. Die Ehe war aber nicht glücklich. Es kam öfter zu Streitigkeiten, weil der Mann vielfach ange trunken nach Hause kam und die Frau infolgedessen noch stark mit arbeiten mußte. Am Sonnabendabend kam es wieder zu Lusein airdersetzunaen. Der Mann sprang auf die grau zu, würgte sie und Ivarf sie zu Boden. Die Frau ergriff in ihrer Angst einen Tassenkopf und eine Lampe, die in Scherben gingen. Beide tvälzten sich im Ringkampfe auf dem Boden, wobei Balda bald aus einer mehrere Zentimeter großen Wunde blutete. Die Frau lief davon und ging nach der Soldiner Straße 72 zu ihren Eltern, während der Vfoim in der Wohnung hin und her ging und sich einen Verband zurechtzumachen versuchte. Die Kinder, die Frau Balda in der Äüche zurückließ, verhielten sich vor Angst ganz ruhig. Sonntag morgen kam Frau Balda um 7 Mi Uhr zurück. Sie bat die Vcrwaltersfrau Volle, mit ihr hinaufzugehen, und fand dann mit dieser ihren Mann tot im Bette liegen. Der Scherbenschnitt am Knie hatte die Schlagader getroffen un!d der Verletzte war ver- blutet. Hausbewohner hatten zwar am Abend vorher den Lärm in der Bbhuung gehört, sich um die Leute aber nicht weiter ge- kümmert, weil sie an solche Auftritte schon lange gewöhnt waren. Die armen Kinder wurden zu den Großeltern gebracht. Frau Balda liegt in der Wohnung eines Hausgenossen in ärztlicher Be- Handlung danieder, Eiu großer EintruchSdicistahk, bei dein die Diebe 1b 000 M. bares Geld erbeutete», ist in der vergangenen Nacht in der Holzmarktstr. 6S bei der Speditionsfirma Jacob u. Valentin ausgeführt worden. Die ausgedehnten Kontorräume des großen Speditionsgeschäfts liege» am Hofe des Grundstücks im Erdgeschoß des linken Seitenflügels. Die beiden Geldspinde stehen in dem hintersten Kontorronm. Nachdem sich die Einbrecher mit Nach« schlüsseln Zutritt versdiasst hatten,„knabberten" sie zunächst ein Spind auf. In diesem fanden sie auch die Schlüssel zu dem zweiten, da» sie nun bequemer öffne» konnten. Der Einbruch wurde gestern morgen kurz»ach 7 Uhr von den Neiiunachefrauen entdeckt, Vor der Polizeiwache erschossen hat sich am Sonntag der 20 Jahre alte Waschinenbauer Rickmrd Tschepe, der in der Birken- straße 50 in Schlafstelle loohnte. Der junge Mann fuhr vormittag um 10 Uhr mit einer Kraftdroschke vor dem Hause Wilhelms- havener Straße 8/4, vor, ging nach der Wache des Ivo. Polizei- revierS, die sick dort befindet, zu und erschoß sich auf dem Treppen- absah. Die Kugel war dem jungen Mann in die Schläfe einge- drangen und hatte ihn so schwer verwundet, daß er auf dem Wege nach dem Krankenyause Moabit, wohin man ihn gleich mit der Koaftdwschke bringen ivollte. verschied. LiebeSgvam soll die Ursache zu dem Schritte sein. Eifersucht war die Ursache zu einer Revolverschießerei, die sich am Sonnabend j» einer Wadchenkneipe in der Gabelsberger Straße abspielte. Ein Arbeiter Streich hatte mit einer in der Kneipe be- schäftigten Kellnerin Bogatzki ein Verhältnis. Die Kellnerin wollte aber von dem St. nichts mehr wissen. Das verdroß den jungen Menschen. Und als er am«onnabend wieder abgewiesen wurde, zog er einen Revolver, gab einen Schuß auf die Wirtin und auf das Mädchw ab und schoß sich dann selber eine Kugel in den Kopf. Während durch die erste» Schüsse die Wirtin nur leicht verletzt, das Mädchen aber gar nicht getroffen wurde, waren die Verletzungen des jungen Mannes so schwer, daß er nur mit schwachen Lebenszeichen nach dem Krankeichause gebracht wurde. DoS Opfer eine« Unfalls ist der 00 Jahre alte Kolporteur Paul Radkiewicz aus der Weisestr. 05 zu Rixdorf geworden. Als der Mann am vergangenen Mittwoch in der Urbanstraße den Fahrdamm überschreiten wollte, geriet er unter eine Kraftdroschke und erlitt Arm- und Rippenbrüchc. Der Wagenführer brachte ihn gleich nach den, Krankenhaus» Am Urban. Dort ist der Verunglückte gestern gestorben. Ein Paket, enthaltend Anstreicherutenfilie», ist im Norden der Stadt gesunden worden. DaZ Paket kann abgeholt werde» bei Karl Heinrich, Graunstr. 22.____ Verantwortlicher Redakteur: Albert Wachs, Berlin. Für den Vorort- Nachrichtens Friedenau. Ein gewaltiger Dachstuhlirand kam gestern abend gegen 9 Uhr in der Fregestraße? zum Ausbruch. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als auS dem Dach des neuen Vorderhauses schon die hellen Flamme» herausschlugen. In wenigen Minuten bildete dann der gesamte Dnchstuhl ein einziges Fenenncer. Es dauerte fast zwei Stunden, bevor durch die Friedenauer und Schöneberger Wehren die Gefahr als beseitigt gelten tonnte. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist vollständig zerstört., Rixdorf. Bei der Märzfeicr ist eine goldene Damenuhr verlorengegangen. Der ehrliche Finder wird ersucht, dieselbe in der Spedition Neckarstraße 2 abzugeben. Lichtenberg. Sin VervandStuch des Metallardeiter-verbondeS, eine Mitglieds- karte der Arhciier-Samaritertolonne Nr. 33 und ein Notizkalender sind aus dem Wege Friedricksstr. 27—24« verlorengegangen. Der Finder wird gebeten, das Verlorene bei Gustav Keil, Rixdorf, Finowsir. 0 IV, abzugeben. Treptow-Bamuschulenweg. Morgen, Mittwoch, von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags findet die Wahl der Arbeitgebcr-Beisitzer zun» Gewerbegericht statt. Wahllokal: im Rathaus, Neue Krug-Allee 1—3, Zimmer 50.(Liste l Arbeitgeber-Beisitzer) ist die Liste der sozialdemokratischen Arbeit« geber. Erfülle jeder eingetrogene Wähler seine Pflicht und stimme für unsere Lifte. DaS sozialdeinokratische Wahlkomitee. Wilhelmsruh. Gemeindcwahl k Bei der heutigen Ersatzwahl für die Gemeinde- Vertretung wurde unser Genosse Gärtnereibesttzer Karl Wetze! mit 259 Stimmen gewählt. Den Bürgerlichen hingen anscheinend die Trauben zu hoch, sie hatten daher auf eine Kraftprobe verzichtet und von einer Kandidatur Abstand genommen. Adlershof. Tie Beratung des Voranschlages für das Rechnungsjahr 1911 wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung mit einem längeren Exposee des Bürgermeisters eingeleitet. Auf dem Gebiets der sozialen Fürsorge weist der Boranschlag an Neueinstellung auf: Beschickung von Ferienkolonien 600 M., für Anstellung von Schul- ärzten 800 SR., öffentliche Badegelegenheit 500 M., Arbeitslosenversicherung 1000 SR-, Instandsetzung der ZusluchtSanstalt und Ein- richtung von Bädern daselbst 600 M. Auch für die Reinigung und Bcsprengung der Straßen sind größere Mittel eingestellt worden. Diese eingestellten Wittel werden durch die Belastuirg des Grund- bcsitzes aufgebracht, indem bei den Kostenlierechnungen von Straßenregulierungcn jetzt auch die durch die Gemeinde gestellte Bauaufsicht und Vertvaltungskosten in Anrechnung gebracht werden. Bis jetzt wurden diese Kosten aus dem allgemeinen Steuersäckel gezahlt. Der Gemeindevorsteher hob besonders hervor, daß trotz der für die sozialen Aufgaben eingestellten Beträge der Kominunalsteuerzuschlag von 160 Proz. im Vorjahre, auf 15 0 P r o z e n t, die Grundwertsteuer von 4.4 pro Mille auf 4 pro Mille und die KanalisationsgeHüHren von 2,ch Proz. des Nutzungswertes auf 2 Proz. herabgesetzt werden könne»». Als erster giedner in der Diskussion erklärte sich Herr Dr. Saling mit der Aufstellung des Voranschlages im allgemeinen einverstanden, glaubte aber noch eine weitere Berücksichtigung des Grundbesitzes fordern zu müssen. Er ersuchte, eine Erhöhung der Gebühren für Benutzung der Regen- entwösserung von 1 auf 6 Pf. pro Quadratmeter Niederschlags- fläch« nicht vorzunehinen. Diesem Wunsche wurde aber bei Be- ratung der Einzeltitel nicht entsprochen, da die Mehrheit in dieser geringfügigen Erhöhung eine Belastung des Grundbesitzes nicht erkennen konnte. Die Stellungnahme unserer Genossen wurde vom Genossen Hildebrandt in längerer Rede ausftihrlich zum Ausdruck gebracht. Er erkannte wohl ai», daß der Voranschlag Fortschritte im Sinne der Sozialdemokratie enthalte, aber die eingesetzten Be- träge zum Teil so niedrig beinessen sind, daß den an die Gemeinden zu stellenden Anforderungen nicht entsprochen werden kann. Be. sonderS vermisse er aber jeden Betrag zur Bekämpfung der Tubeo kulose und ähnlicher Krankheiten. Wenn jetzt endlich im Voran» schlage unseren Forderungen teilweise entsprochen werde, so be- tveise dieses, daß unter der fimheren Bertvaltuiig überhaupt nicht der Wille vorhanden war, nur das Geringst« auf sozialem Gebiete zu leisten. Des weiteren wandte sich der Redner gegen die Er- bebung der Bier- und Lustbarkeitssteuer, welche von ihm und seinen Freunden entschieden verworfen werde, da dieselben als indirekte Steuern in erster Linie den Nichtbesitzenden belastet. Besonders aber wandte er sich gegen die Belastung der Gemeinde durch die höhere Schule. Gegen das Vorjahr, wo 14 715 M. als Zuschuß gefordert werden muhten, sehe der diesjährige Voranschlag 32 998 Mark vor. Er und seine Freunde seien nicht gegen die AuSgrftal- tung des höheren Schulwesens, sondern verlangen, daß das höhere Schulwesen sich auf die Volksschule aufbaue, um allen befähigten Kindern die Möglichkeit zu geben, sich die höhere Bildung anzu- eignen. In der Tatsache, daß heute nur diejenigen Kinder in den Genuß der höheren Bildung gelangen können, wo die Eltern zahlungsfähig sind, liege eine schwere Beeinträchtigung des größten Teiles der Einwohnerschaft, indem für die Kinder der Volksschule nur 107,76 M. und für die der höheren Schule 338,46 M. Aus- gaben entstehen. Des weiteren wandte sich der Redner scharf gegen di« Herabsetzung des KommunalsteuerzuschlagcS und wies nach, daß die Bilanzierung deS Voranschlages auf Zahlen beruhe, für deren Einnahmen noch gar keine Erfahrungen vorliegen. Er verwies darauf, welche Nachteile für die Gemeinde entstehen werden, wenn von den 23 000 M., welche nur unter besonders günstigen Um- ständen für Bauaufsicht und Vertvaltungskosten«»»gehen können nur ein Teil vereinnahmt werde, dann würde im nächsten Jahre ein Heraufgehen unbedingt wieder erforderlich sein. Ein Festhalten an dem jetzt bestehenden Zuschlage ist unbedingt nvtlvendig, um größer« Mittel für den Ausbau unserer sozialen Einrichtungen zu erlangen. Herr Dr. Ebrmann, das Haupt der früheren festen Majorität, wandte sich gegen die Ausführungen unsere« Genossen und versuchte nachzuweisen, daß auch früher schon bei ihnen der Wille vorhanden war, auf sozialem Gebiete das Möglichste zu leisten, aber tatsächlich nur die finanzielle Schwäche die BetätiPing ihres guten Herzens für die Arbeiterschaft nicht zuließ. Gegenüber der Forderung, auch zur Bekämpfting der Tuberkulose Mittel bereitzustellen, verwies Redner darauf, das) mit der Unterbringung von Kranken in Heilstätten nichts geletftet werden könne, sondern auch der Ausbau einer guten WohnungShVgiene notwendig sei. Diesen Ausführungen gegenüber verwies Genosse Hildebrandt darauf, daß die Möglichkeit. Mittel flüssig zu machen, schon immer vorhanden war, aber bei allen Anregungen unserer Genossen, den Besitz zur höheren Besteuerung heranzuziehen, auf die ungeheure Belastung desselben verwiesen würde. Genosse H o r l i tz verwies noch darauf, daß wohl eine Gcsundheitskommission bestehe, aber nicht einmal eine Wohnungsstatistik vorhanden sei. Auch er forderte dringend, den jetzt vorhandenen Zuschlag beizubehalten, da noch gar nicht zu übersehen wäre, welche finanziellen Anforderungen der Zweckverband an die Gemeindekasse stellen werde. In der Spezialberatung wurden entsprechend unserem Antrage 1000 M. zur Unterbringung kranker Gemeindeglieder in Heilstätten usw. eingestellt. Der Kominunalsteuerzuschlag wurde auf 150 Proz. festgesetzt. Trebbin(KreiS Teltow). Stadtverirbnetensiiiuns. Die Regierung wünscht, daß die Stui»den der Fortbildungsschule auf 6—7 Uhr verlegt werden. Der Magistrat lehnte dies jedoch ab unter dem Hinweis, daß die Hand- wcrksmcistcr durch die frühere Abhaltung der Unterrichtsstunden zu schwer geschädigt würden und bei Zwang daS Bestehen der Schule gefährdet sei. Die Genossen Richter und Schönsee gaben sich die größte Mühe, die Herren für die Aenderung zu gewinnen, aber leider vergebens. Es wurde mit 10 gegen die 6 Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Sodann wurde einstimmig die Errichtung der elften Lehrerstefle beschlossen. Der Räminereikassenetat balanciert in diesem Jahre»nit 109 000 M. Bei der Beratung bemängelte Gnosse Richter den hohen Preis von 50 Pf. für ein Wannenbad und befürwortet eine Herabsetzung desselben, um größeren Kreisen Gelegenheit zur Benutzung zu bieten. Sodann frug Redner»pch an,»varuni die Schulkinder, nachdem die Einrichtung doch schon eine ganze Zeit dem Publikum übergeben»st, noch nicht gebadet haben. Ferner sind im Etat 750 M. Bürgerrechtsgeld eingesetzt. Genosse Richter beantragte hierzu, nach§ 38 St.-O. eine gemeinsame Kominission zu wählen, welche nochmals über die Abschaffung oder Siegelung des Bürgerrechtsgeldes verhandelt. Dieser Antrag wurde aiigeiiommen. Auf Antrag des Stadtv. Haase wurde die Beschlußfassung der Zuschläge ausgesetzt und der Antrag auf Schluß der Etatsberatung ang»nommen. Sodann wurde ein Schreiben des hiesigen Gastwirtsvereins verlesen, worin ersucht wird, keine weiteren Konzessionen erteilen zu wollen. Während der Sitzung war ein Schreiben eingegangen, in welchem der Stadtverordnete der 1, Klasse. Herr Wilhelu» Götze, sein Amt niederlegte. Potsdam. Für die Mitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkasse hält SanimtSral Dr. Panneck am Donnerstag, den 23. d. Mts., in der Aula des RealgyinnasiinnS, Hohenzollernstraße, einen Vortrag über „Häusliche Krankenpflege". Hus aller Melt. «Zetieevrognoie tür Dienstag, den 21. März ivll. Vielfach heiter, nachts gelinder Frost, am Tage etwa» wäwrer ziemlich frischen östlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. _ Be v liner W e t t e r b u r e a u. Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. Clngtücfcsfabrt cles ßaüonö Düffeldorf IV. Der Führer deS Ballons ertrnuke». Einen tragischen Ausgang nahm eine Fernfahrt des Ballons Düsseldorf IV. der am Sonntagvorniittag in Krefeld aufgestiegen war. Der Ballon, in dem sich die Krefelder Fabrikanten Panl K a y s e r und Otto Schröder. ersterer als Führer des Ballons, befanden, nahm bei günstigen Windverhältnissen seine Richtung auf Holland zu. Alles ging gut bis H a r d e r w i j k am Zuidersee, wo man, anstatt zu landen, aus die unselige Idee kam, nach Westen weiter zu fliegen, um in der Nähe von Amsterdam zu landen. Der Vorrat an Ballast wurde ausgeworfen und der Ballon stieg bis zu UM) Meter empor. In dieser Höhe bemerkten die Insassen. daß die Windrichtung sich geändert hatte und der Ballon in n o r d- westlicher Richtung über den Zuidersee getrieben wurde. Der Gasverlust drückte den Ballon all- niählich nieder, sodaß er dicht über dem Meeresspiegel dahin- segelte. Gegen 3'/, Uhr nachniittags war man östlich der Fusel W i e r i n g e n angelangt. Um den Ballon, der inehrere Male mit dem Korbe durch das Wasser geschleift wurde, wieder flott zu machen, wurden alle Ällsrüstungsgcgenstände mit Ausnahtne der Instrumente über Bord geworfen. Da der Ballon, der nur einige Meter in die f öhe gegangen war, sich bald wieder senkte, beschlossen die uftschiffer, als sie Land in der Nähe erblickten, die Seile. die den Ballon mit dem Korbe verbinden, zu durchschneiden. Das gelang ihnen aber nicht, weil ihre Gliedmaßen von der Kälte erstarrt waren. Schließlich wurde der Ballon von heftigem Winde gegen den Basaltdamm der Deiche der Van Ewijt- Schleuse des Anna- Paulowna- Polder geworfen. Schröder, der auf dem Rande deS Korbes stand, wurde durch den Stoß auf den Deich geworfen, wobei er eine Verletzung am Kopfe erlitt. K a y s e r überschlug sich mit den» Ballon über die Deiche und gelangte in ein Binnenwasser, nicht breiter als 200 Meter. Obwohl er benlerkt wurde, war es bei dem vollkomnienen Mangel an Hilfsmitteln unmöglich, ihm zu helfen. Er fand daher in der Nähe des Landes seinen Tod. Der Leichnam des verunglückten LustschifserS konnte bisher noch nicht geborgen werden._ Kleine Notizen. BergmannSschicksal. In der Sonntagnacht wurden aus der Zeche „Friedlicher Nachbar" bei Linden an der Ruhr zwei Berg- leute durch herabfallendes Gestein verschüttet. Die beiden Ber« unglnckten wurden a l» Leichen geborgen. Eine reiche Pente machten Spitzbuben, die in der Nacht zum Montag in dem Bureau der Sächsisch-Thüringischen Aktiengesellschaft für Brounkohlenverwertting in Halle a. S. einen Besuch abstatteten. Gegen 25 000 Mark bares Geld fielen den Einbrechern in die Hände. Schweres Bootsunglück. Bei der UeVerfahrt über die Sauer in der Nähe von Trier sank ein mit Holz beladener Kahn. Die beiden Insassen, zwei Brüder im Alter von 23 und 32 Jahren, sind ertrunken. Von der Galerie abgestürzt. Im Ambigu-Theater in Paris stürzte während der Sonntagsvorstellung ein junger Mann aus der Galerie ins Parterre»ind prallte auf den Rücken einer Zuschauerin ans. Die Frau erlitt ,»ur leichte Quetschungen. wählend ber junge Mann sich einen Schädelbruch zuzog, an dem er hoffnungslos daniederliegt. Lese- und Diskutierttub„Wilhelm Liebknecht". Heute, Dlens» tag. abend« 9 Uhr, bei Sari Eichhorn, Panziger Str. 93: Vortrag. (Säfte willtominen. Kaufmännische Kranken- nub Tterbekafle von 1885.(9. H. 71.) Heute abend 9 Uhr im Restaurant Jüdenstr. 18/19: Sitzung. Slrbetter-Zamariter.Bund, Kolonne Spandau. Mittwoch, den 22. Mär», abends 8'/, Uhr, bei Bühle, Haveljtratze: UebungSabend. Vortrag über Srtcknten und Ersticken.______ flmtlidtrt Marttberiäie der städtischen Markthallen-DtreMan stder den Stratzdandel in den flenwal-Marttballen. iVinrftlaae: FI ei'(6: Zusubr stark,®e(chä|t ruhig, Preise für Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. W> i d: Ziitudr ohne Bedeutung,(Äeschüs! rege, Preise seit. CS e( l ü g e I: Zufuhr nicht ausreichend, CSeschiist ziemlich lebhast, in lebenden Hühner», grotz« Nachsraae, Preise fest. Fische: Zuiuhr mätzlg, Äeiwäst rege, Preise teilweise ausgebessert. Butter und Käse: Ge- Ichäst ruhig, Prelle unveränderte Gemüle, Obst und S ü d» j r ü ch t e: Zufuhr genügend. Geichäst sehr still, Preise gedrückt. Witter, inqsuliersia» vom LO. März 1011. CMonai S n> Si• c ) jd 5 m_; n 2 II Vetter ws rii 4 II h Mi Ctaflnrni Swmenid«'770 SO Hamburg j768 OSO Berlir:>769 O Krarrts.a Ist 700 NO München 761 SO Wien 766 NO Zwolkenl 4 bedeckt L heiter 3 heiter 5 halb bb. 1 bedeckt —3 -1 -2 2 —-0 — 0 Havaranda 77?«O Petersburg 766 NNO Sctllh 750 O -Iberdeeu 766 OSO «ar-s 754 SO t: IS 2 bedeckt 1—7 1 wallen!—6 7 bedeckt «bedeckt 3 wollig bei