S-.TV. flbcnnementS'Bedingungsn: IwonnementS- Preis pränumerando i Liertcljährl. 3P0 Ml., monatl. 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags« numnier mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Nbonncmcnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die, Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, MUtiailien, Schweden und die Schweiz, Ofitdnt tlglldi außer lüdlllZN. Berliner Volksblntt. 38. vie Insertion!-LeM? beträgt für die scchsgespaltcne Kolon??- zeile oder deren Raum b0 Psg„ sür politische und gewerlschastliche Vereins- lind Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Uleine ünzeigen", das erste(fett» gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Rnzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte übet IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen vis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition»jt bis 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm-Abreiset „SHiaUemelsrit RsrliBa, Zentralorgan der roziatdemokratifeben Partei Deutfcblanda. Redaktton: 8W. 68, Ltndenstrassc 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 38. März 1911. Expedition: 8M. 68, Ltndcnatraaae 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981» Der Mord n» dem Ardeiter Herrman«. Die beiden großen Moabiter Krawallprozesse, die am S. November 1910 und am 9. Januar 1911 vor dem Landgericht be- gannen und am 11. und 23. Januar mit der Verurteilung einer Anzahl Personen endeten, haben als gerichtlich festgestellte Tatsache ergeben, daß ein sehr erheblicher Teil der bei jenen Vorgängen„im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit" wirkenden Polizeibeamten sich die gröbsten Exzesse und Roheiten gegen Männer. Frauen und Kinder hat zu- schulden kommen lassen. Das Verhalten der betreffenden Beamten war der größte Hohn auf die ihnen zugewiesene Ausgabe,„Diener des Staates, Säulen der Ordnung und Gesetzlichkeit, Hüter von Sitte und Moral zu sein". Unter dem Druck der zahllosen Zeugenaussagen, von denen eine immer mehr als die andere die Polizeiorgane bloßstellte und brandmarkte, sah sich der im ersten Moabiter Krawallprozeß wirkende Gerichtshof gezwungen, zu erklären: „Es handelt sich n i ch t um vereinzelte Mihgriffe von Beamte«, sondern das Gericht hat die Ueberzeugung gewonnen, dasi dies in einer größeren Anzahl von Fälle«, insbesondere durch grundlose Beleidigungen und vielfach durch Schläge geschehen ist." Und einer der Verteidiger der Angeklagten war in der Lage fest- zustellen, daß von etwa 100 Zeugen— und die Gesamtzahl der ver- nommenen Zeugen ging in die Hunderte— 218 emeliik Fälle mul Mißhulldlmzeil und Krntnliläic» aller Art bezeugt worden seien. Darunter waren viele Fälle, deren Kenntnisnahme jedem ehrenhaften Menschen aus Zorn und Scham darüber das Blut ins Angesicht treiben mußte, daß Beamte des Staates in Ausübung ihres Amtes sich solche Roheiten und Gemeinheiten erlaubten. Man durfte Berlin, den 22. März 1911. erwarten, daß es im Interesse des Ansehens des Staates, der nach der Behauptung seiner Leiter die Aufgabe hat, ohne Ansehen der Person Recht und Gerechtigkeit zu üben, den berufenen Organen mit Aufbietung der nötigen Energie gelingen werde, die Uebeltäter in der ausgebotenen Polizei- Mannschaft zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. Aber obgleich seit dem Schluß der Moabiter Krawallprozesse mehr als zwei Monate vergangen sind, verlautet nicht, daß es der Staatsanwaltschaft gelang, auch nur einen der polizeilichen Uebeltäter ausfindig zu machen. Was aber das Volk in seinen weitesten Kreisen beunruhigen und aufs höchste empören muß, ist die Tatsache, daß es der Staatsanwaltschaft auch bis heute noch nicht gelungen ist, die beiden Mordbuben ausfindig zu machen, die am Abend des 27. September den Arbeiter Herrmann, der auf der Suche nach seinem Sohn war, in der menschenleeren Wiclef« straße überfielen und ihn derart mit ihren Säbeln miß- handelten, daß der völlig unschuldige Mann an den Folgen dieser viehischen Mißhandlung starb. Dieser Mißerfolg der Staatsanwaltschaft veranlaßt uns, derselben in ihrem Bestteben, die beiden Verbrecher ausfindig zu machen, zu Hilfe zu kommen, und so erklären wir, demjenigen An in u n g über Ziffer 2 deS fortschrittlichen Antrags.(Ausschluß aller politischen Organisationen vom Bezug der Propagandagelder.) Abg. Dr. Heim(Z.): Die gestrigen Ausführungen meines Kollegen Speck gestatten»nir vieles nicht zu sagen.(Heiterkeit links.) Die Debatten haben eine bedeutende Annäherung an meinen Standpunkt gezeigt; das trifft bei den Empfängerpröben und bei dem Reservefonds zu. Der vermehrte Absatz im Ausland mutz auch dein Inland zu gute kommen und auch zur Ermäßigung der In- landspreise führen. Aber die Anslandspropaganda ist»iizwcckuiäßig betrieben worden; die amerikanischen Bauern z. B. sind mit einem Mischdünger, der ihnen als reiner Kalidünger verkauft wurde, geradezu überS Ohr gehauen worden. Hoffentlich werden sie einsehen, daß ihre Interessen nicht mit denen der Leute identisch sind, die soviel Geschrei drüben machen.— Bei der JnlandSpropaganda muß unterschieden werden zwischen wissenschaftlicher und kaufmännischer Propaganda. Herr Gothein will keine nähere Bestimmung über die 1,1 Millionen zur JnlandSpropaganda treffen. Dann werden die kleinen land- wirtschaftlichen Verbände gewiß nichts erhalten. Ich dagegen will daS Dispositiv möglichst spezialisiert gestalten. Mein Bestreben war, den Zustand, daß sich zwischen Kaliproduzenten und Kaliabnchmer große Bcrmittlcrvcrbnnde schoben, zu beseitigen. Vor meinem Eingreifen bestand keine vollständige Klarheit darüber. Wir haben nach dem Kaligesetz die Kaliabgabc, deren Verwendung durch Zu- schüsie an Verbände, und dann die Rabatte, von denen im Gesetz nichts steht. Die Rabatte werden natürlich nach einM bestimmten Skala gewährt. Aber ich traute meinen Augen nicht, als ich die Verträge sah, in denen die Staffel von 12 000 Doppelzentner auf 200 000 sprang. Wenn ich solchen Sprung sehe, denke ich mir etlvas; das war vielleicht ein Fehler.(Heiterkeit.) Ich sehe immer mehr ein, daß die Leute viel glücklicher sind, die sich nichts denken. Dieser Sprung war nicht vom Kalisyndikat vorgeschlagen, sondern von den grossen Bcrbändri».(Hört! hört! links.) Eine solche Skala soll eben die kleinen Verbände zwingen, sich den größeren anzuschließen, um in den Genuß der nächsten Rabattskala zu gelangen. Das war vor meinem Eingreifen nicht klar, woraus ich aber niemandem einen Vorwurf machen kann.(Zuruf links.) Sie möchten positiv von mir BoSheitenhören, aber Sie werden dabei nicht auf Ihre Rechnung kommen.(Heiterkeit. Abg. Leber(Soz.): Sie d ü r f e n ja nicht reden.) Herr Kollege! Sie können den aMnt provooatsur bei mir nicht spielen. (Abg. Lcdebour(Soz.): Sie sind eben„Speck— ig" geworden. Große Heiterkeit.) Das ist schon besser, aber doch noch nicht gut genug. Die Staffel der Rabatte muß eben in sich gegründet fein, sie darf nicht solche Sprünge aufweisen. Ich hätte gar nichts dagegen, weirn die Rabatte gar nicht gewährt werden; aber wenn sie gewährt werden, darf nicht mit zweierlei Maß bei Kleinen und Großen ge- messen werden. Wie ich höre, ist von der Regierung eine Acnderung der Rabalti'kala geplant, wonach der höchste Rabattsatz bei S0 000 Doppelzentnern gewährt werden soll. Nur fünf Gesellschaften erreichen diesen Satz.(Hört! hört! links.) Es war also nötig, von diesen Dingen zu sprechen, denn es war Gefahr im Verzuge. Ich muß nun noch eine persönliche Sache zur Sprache bringen. schwärzeren Frevcltaten. dankt, den Gifttrank Unschuldige zu lenken. bricht der Lügenbau fliehend springt er zieht eine Kette gespenstischer Visionen am Schlafenden vorüber: Spiegelungen seiner ruhmsüchtigen Begier, der jedes Mittel, wenn es nur aufwärts führen könnte z» Glanz und Macht, auch recht er- schien. Er sieht, wie ein schimpflicher Betrug ihn zu dem Günstling des mächtigen Herrschers von Samarkand macht, wie er, um der Entdeckung zu entgehen, seine Hand zum ersten Male»nit Blut befleckt. Ruchlose Verblendung und die Furcht, nicht ,nchr zurück zu können, treiben ihn zu immer Er reicht dem Könige, dem er alles und es gelingt ihm, den Verdacht auf Schon greift er zu der Krone, da zusammen. � Ein Aufruhr verjagt ihn....... in den Wasserfall, in den er sein erstes Opfer stürzte. Wirkungsvoll kontrastierend reiht sich hieran der Uebergang des Träumenden zum Leben; die Seligkeit deS Sichzurückfindens. Die innere Genesung in dem freundlich idyllischen Schlüsse— die sorgsam durchgefeilte Darstellung verdiente alles Lob. An Stelle des erkrankten Paefchke sprang Herr Braun mit gutem Erfolg in die Hauptrolle ein. Vor- trefflich war Herr Gerhard in der Figur des harn, los lustigen Mohren, der sich im Traumbilde zu einem teuflischen Verfucher wandelt, und Fanny W o l ff in der Episodcnszene der bösen Zauberin. _ dt. Notizen. — Reinhardts Nachfolger. Wie die„B. Z. a. M.' er« fährt, beabsichtigt Ferdinand Bonn einige der Shakespearcfchen Königsdramen im Zirkus Busch aufzuführen. DaS Hauptgewicht soll dabei aus Massenumzüge und daS Tschingdara und Bum- Bum gelegt werden. Wir sind also auf dem Umwege über Reinhardts„Oedipus", den ja Bonn in der Manege hat darstellen helfei», glücklich bei dem ZirkuSbetricbe deS Dramas smiz plirase angelangt. DaS englische AuSstatttnigS- theater ist glücklich von Deutschland eingeholt. Daß die Reinhardtschen Künste dahin führen würden, war für den Kenner der Entwickelung längst vorauszusehen. DaS stolze Drama ist gerade gut genug, den Dekorateuren und Festzugarrangeurcn einen passablen Stoff zu liefern. Das„gebildete Berlin" aber glaubt dann, daß Reinhardt und Bonn dem ollen Sophokles und dem verstaubten Shakespeare zum richtigen, modernen Dasein verholfen haben. — Im Verein Berliner Künstler ist die Vorstands« krise behoben worden. Eine neue Hauptversammlung hat den alten Vorstand, der seine Aemter niedergelegt hatte, wiedergewählt und seine Abmachung wegen der Düsseldorfer Ausstellung gutgeheißen. Die Beteiligung daran wird also durch zwei Delegierte bestimmt und nicht durch eine gewählte Berliner Jury. Herr H u e bat gestern ton einem Artikel Kenntnis gegeben, der mir von liebevoller Seite gewidmet ist.(Heiterkeit.) Als ich ihm das Wort„Lüge" zurief, bezog sich das nickt auf ihn, sondern auf die betreffende Stelle des Artikels. Wollte ich den Artikel so besprechen, wie ich es in meinem Innern empfinde, so würde das eine schauerliche Abrechnung werden. Ich verzichte darauf, weil ich hier unter dem Schutze der Immunität stehe. Wenn aber der Mann seine Kappe ablegt, und nicht mehr aus dem Busch herausschiebt, nicht unter der Marke ..von zuständiger Seite" schreibt, so werde ich ihm ohne Sentiments Antwort geben. In dem Artikel ist mir vorgeworfen, ich hätte »neine Pflicht als Abgeordneter nicht erfüllt. Der Artikelschreiber »nutz ganz genau wissen, dag ich in den Jahren, die er angeführt hat, in vielen Fällen beim besten Willen nicht hier sein konnte, das; ich im ganzen Jahre 1307 ein schwerkranker Mann war, der nicht gehen konnte, ohne geführt zu werden. Ich nehme an, daß der Artikelschreiber kein Jude ist, sondern ein sehr christlicher Mann.(Lebhaftes Sehr gutl links). Er nimmt keine Notiz davon, datz ich im Jahre 1908 fast noch in dem gleichen Zustande war, das; ich ferner vom Herbst 1909 an in der bayerischen Kammer nicht als gewöhnlicher Abgeordneter, sondern als Referent über die Steuergesetze festgehalten war; diese Arbeit hat mich auch außerhalb der Tagung in der Steuerausschußsitzung beschäftigt. Dann verreiste ich zur Erholung, weil hier der Kolonialetat verhan- delt wurde(Heiterkeit), und kam hierher, als die schwere Entscheidung der Reichsfinanzreform bevorstand. Es ist doch ein wesentlicher Unterschied, ob jemand in der glücklichen Lage ist. daß, wenn er fort ist. ein Supplementär seine Anstellung einnimmt oder ob jemand im bürgerlichen Leben stelzt.(Lebhafte Zustimmung links.) Bon diesen Gesichtspunkten hat die„zuständige Seite" keine Notiz genommen, von der anzunehmen ist, daß sie mir nahe steht. Die Sache wurde aber noch— zünftiger: ja. wie soll ich sagen, (Zuruf I) Sie sagen klobig. Das sagt zuviel.(Abg. Gröber. Z.: Saftig.) Jawohl, zünftig ist etwa saftig I(Heiterkeit.) Also, es heißt da, der Dr. Heim kommt immer nach Berlin, wenn er etwas hat, was ihm persönlich berührt, und auch hier ist er persönlich interessiert, als Vorsitzender seiner Bauerngenossenschaft. � Ich stelle fest, daß diese Genossenschaft statutengemäß keinen Gewinn verteilt, sondern den Gewinn zu gemeinnützigen Unternehmungen verwendet. Wenn ich einmal mehr Geld habe, so trage ich mich mit dem kühnen Gedanken— vielleicht gewinne ich einen reichen Wohltäter, das wäre das einzig Gute der Ausführungen der zuständigen Seite—, eine Wanderbühne einzurichten.(Heiterkeit und Zuruf: Kaliabgabel) Weiter wurde in den, Artikel gesagt, der Dr. Heim ist auch als Aufsichtsrat an einem Kaliwerk beteiligt. ES ist richtig, daß ich für einen alten Besitzstand als AufsichtSrat tätig bin. Bevor ich dieses Amt annahm. erklärte ich der berreffenden Stelle, kategorisch, daß ich mich dadurch unter keiner Bedingung in meiner Haltung als Abgeordneter beeinflussen lassen würde, und Herr Hue hat ja auch gestenr konstatiert, daß meine Haltung dieselbe war wie im vorigen Jahre als ich diesen Besitzstand noch nicht vertrat. Ich danke dafür, daß wenigstens ei» Gegner mir diese Gerechtigkeit hat zuteil werden lassen. Bevor ich das Amt übernahm, habe ich mich an einige Kollegen gewandt, denen ich ein Urteil in der Beziehung wohl zutrauen kann, an Herrn Müller- Fulda und an Herrn Erzberger.(Hörtl hörtl links.) Herr Erzberger hat nichts daran gesunden und auch darin nichts, daß ich in die Budgetkommission zu kommen suchte, er hat sich sogar darum bemüht, und auch Herr Müller-Fulda wird mir bestätigen, daß er es gern gesehen hätte. Dann kommt der schwarze Punkt in dem Artikel, eS heißt:„Wir nehmen an, daß Dr. Heim an den Erträgnissen seiner Zentral- genossenschaft mit Tantieme beteiligt ist". Wenn der Herr nicht gewußt hätte, daß es nicht so ist. so hätte er nicht „angenommen", aber weil er gewußt hat, daß es nicht so ist, hat er eben nur„angenommen".(Zuruf: Christliches Liebeswerk I) Die journalistische Pflicht hätte geboten, daß man eine derartige ver- dächtige Annahme nicht herausgibt, bevor man sich von ihrer Wahr- heit überzeugt. Ich konstatiere, daß ich niemals in meiner Genossenschaft Tantieme bezogen habe, noch beziehen werde, und der Artikelschreiber mußte das um so mehr wissen, als es dreimal vor Gericht festgestellt ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In meinem Geschäft gibt es kein Gehcimbuch. jeder ernsthafte Sachverständige kann alles bei mir einsehen, was er will. Diese Annahme ist ungesähr das perfideste, gemeinste und niedrigste, was man in der Polemik tun kann. Nur zwei Zentrums- b lütter haben diese Verdächtigung weiter verbreitet, die„Kölnische Volkszcitnng" und die„Schlcsische Bolkszeitung". Was ich bis jetzt gesagt habe, habe ich auch drucken lassen und noch mehr. Ist der betreffende ein Mann und nicht bloß jemand, der den Hosenrock trägt, so wird er den Dr. Heim verklagen, und ist er kem Man», so ist es schade um die Tinte, die ich ihm noch widmen werde.(Beifall.) Abg. Leber(Soz.)(zur Geschäftsordnung) konstatiert, daß ihm durch Schluß der Debatte das Wort abgeschnitten sei. Es folgen die Abstimmungen. Teils einstimmig oder fast einstimmig, teils gegen einen Teil der fechten werden die Kommissionsbeschlüsse sowie die Resolutionen über die Staffelung der Rabatte unb der Teil der Resolution Heim über die baldige Bestimmung der.Höhe der Abzüge angenommen. Die anderen Teile seiner Resolution zieht Abg. Heim zurück. Ueber den Ausschluß der politischen Organisationen wird namentlich abgestimmt werden, ebenso auf Antrag Hue(Soz.) über den sozialdemokratischei, Antrag auf Verwendung der Kali- abgäbe zu sozialpolitischen Zwecken. .Hierauf vertagt sich das Haus. Der Präsident teilt sodann mit, daß der deutsch-nationale Verband des österreichischen Abgeordnetenhauses und der zurzeit in Berlin tagende deutsche Schiffahrtstag Glückwünsche zum 40. Ge- burtstag des Reichstages gesmidt haben und daß er diese Glück- wünsche beantwortet habe. Der Präsident fährt sodann fort: Man hat mir n i ch t m i t U n r e cht vorgeworfen, daß ich m,ch gestern auf eine kalkulatorische Feststellung beschränkt habe. Ich habe das getan, weil auch der 30. Jahrestag vor 10 Jahren im Reichstag keine Erwähnung gefunden hat. Ich möchte nun aber doch noch folgende Bemerkung machen: Die gesetzgeberische Arbeit, die der deutsche Reichstag seit seinem Bestehen vollbracht hat, ist eine große, und die Entwickclung. die das Deutsche Reich auf Grund dieser Gesetzgebung erfahren hat, eine gewaltige, wie ich in meiner Kaiscr-Geburtstagsrede näher dargelegt habe. Nicht minder groß find die gesetzgeberischen Ausgaben, deren baldige Lösung das deutsche Vaterland vom Reichstag erhofft. Möge es der Arbeits- sreudigkeit und der Arbeiistreue vergönnt sein, die Hoffnungen unseres Vaterlandes zu erfüllen und die Arbeiten des Reichstages auch jetzt nickt minder fruchtbringend zu gestalten, als in den hinter uns liegenden 40 Jahren.(Lebhafter Beifall.) Mit diesen Hoffnungen schließe ich die Sitzung.,„ Schluß 8% Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr nach- mittags. gbgeorclnetenkaus. 55, Sitzung vom Mittwoch, den 22. Marz. vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Dallwitz, v. Schorlemer-Liefer. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Gesetzentwurf über die Polizeiverwaltung in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Arnsberg und Münster. Der Berichterstatter Abg. Dr. Lötz(st.) ist nicht erschiene» und hat sich telegraphisch entschnldigt. Der Gegenstand wird deshalb von der Tagesordnung abgesetzt. Ohne Debatte lverden in erster und zweiter Lesung angenommen der Gesetzentwurf über die Verlegung der Landesgrenze gegen das Königreich Bayern an der preußischen Gemeinde A ch- b e r g sowie der Gesetzentwurf über Verlegung der Landes- grenze an der Eisenbahn von Münster am Stein nach Scheidt. In dritter Lesung werden angenommen die Gesetzentwürfe betreffend Erweiterung der Stadtkreise Erfurt und Breslau. Abg. Viereck(fk.) begründet hierauf einen Antrag seiner Freunde auf Verdeutschung der Fremdwörter in der Ge- schäftsordnung des Abgeordnetenhauses. Abg. v. Ditfurth(k.) empfiehlt einen weitergehenden Antrag seiner Fraktion, wonach die vielfach mangelhafte Ausdrucksweise der Geschästsordnung durch einfache, klare, von Fremdwörtern freie Fassung der Vorschriften ersetzt werden soll. Nach kurzer Debatte wird der Antrag v. Ditfurth an- genommen. Der Antrag Viereck ist damit erledigt. Abg. Ecker-Winsen(natl.) begründet einen Anlrag, die Regierung zu ersuchen, die Schaffung eines norddeutschen Naturschutzparks durch den Verein„Naturschutzpark" in der Lüneburger Heide durch Gewährung einer laufenden Beihilfe, sowie durch die Angliederung fiskalischer Forsten zu ermöglichen. Minister v. Schorlcmer- Lieser: Es walte» erhebliche Be- denken dagegen ob, ohne weiteres auf den Boden der Antrag- steller zu treten. Es ist zunächst zweifelhaft, ob daS in Frage kommende Gebiet sich besonder» für einen solchen Naturschutzpark eigner. Der Verein steht auch auf wenig sicherer finanzieller Grundlage. Es ist auch zu berücksichtigen, daß bei einen, Schutz des dort vorhandenen Wildes wir bald Klagen über Wildschaden höre» werden. An sich steht die Regierung der Sache sympathisch gegenüber, man sollte damit aber mindestens noch ein Jahr warten. Für den Antrag sprechen die Abgg. v. Wolff-Mttternich(Z.), Dr. Schepp(Vp.) und Hcckenrot(k.). Abg. Hoffmanu(Soz.): Wir haben so oft Gelegenheit, mit der Mehrheit deS Hauses i» Widerspruch zu stehen, daß es uns wirtlich wohltut, in dieser An- gelegenheit mit der Mehrheit einmal übereinzustimmen. Es liegt nicht an uns, daß es so selten borkommt.(Heiterkeit.) Wir be- dauern, daß in die Begeisterung des ganzen Hauses der Minister etwas Wermut geträufelt hat. Wenn der Minister gegen die finanzielle Sicherheit des Vereins Bedenken hat, dann sollte doch der Staat selbst die Sache in die Hand nehmen. Das wäre uns noch lieber. Auch die Bedenken bezüglich des Wildschadens können wir nicht teilen. Es gibt doch Mittel, die kleinen Landwirte vor Wildschaden zu schützen. Wir wünschen das am meisten. Vor allem wünschen wir, daß Mittel und Wege ge- fluiden werden, um dem Verlauf dieses Terrains einen Riegel vorzuschieben. In einem Jahre könnte es doch sehr leicht schon zu spät sein. ES sollte Vorsorge getroffen werden, um diese Aufgabe zu lösen, der wir. wie allen Kultur- aufgaben, sympathisch gegenüber stehen.(Beifall bei den Sozial- demokrate».) Der Antrag wird der Agrarkommission überwiesen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Feuerbestattung. Minister v. Dallwitz: Schon seit Jahren beschäftigt die Frage der Feuerbestattung dieses Haus. Der Abg. Laiigerhaiis hatte immer wieder die Auffassung vertreten, daß jedem Einzelnen das Recht zu- stehen müsse, darüber verfügen zu könneu, ob nach seinem Tode für seine Leiche die Feuer- oder Erdbestattmig erfolgen soll. Von anderer Seite wurden gegen diese Auffassung erhebliche Bedenken geäußert, die teils aus religiösem Gebiet, teits aus jurislisch-kriminalistischein Ge- biete liegen. Die Bedenken vom kirchlich-religiöten Slandpunkt gipfeln darin, daß die Erdbestattung eine uralte, durch Jahrhunderte fest eingebürgerte kirchliche Sitte sei, deren Beibehaltung dem Empfinden der Mehrheit des Volkes entspreche. Aus diesen Gründen lehnt die katholische Kirche die Feuerbestattung aliminv ab, während die Vertreter der evangelischeu Landeskirche in ihrer Mehrheit sich auf dem Eisenacher Kongreß dahin misgesproche» haben, daß zwar die Erdbestattung fdie einzige kirchlich anerkannte, dem christ- lichen Empfinden entsprechende sei, daß aber Glaubenssätze und Dogmen der Feuerbestattung nicht entgegenstehen, so daß sie in be- schränktem Umfange als zulässig angesehen werden müsse. Auf diesen Standpunkt hat sich auch in der Hauptsache vor zwei Jahren die Evangelische Generalsynode gestellt, während die Vertreter der recht- gläubigen jüdischen Kreise in ihrer Mehrheit der Feuerbestattung durchaus ablehnend gegenüberstehen. Ich will die Berechtigung der Bedenken vom Standpunkt der uralten Sitte voll anerkeiiiien: man kann daraus meines ErachtenS aber nur den Schluß ziehen, daß das Empfinden weiter Volkskreise der StaatSregierung die Ver- pflichtung auferlegt, dafür Sorge zu tragen, daß unter allen Um- ständen die Feuerbestattung ausgeschlossen werden müßte in den Fällen, in denen sie de» religiösen Anschauungen und dem Willen deS Verstorbenen lviderspricht. Ich kann aber nicht aner- kennen, daß diese kirchlich-religiösen Bedenken auch gegen die fakultative Feuerbestattung sprechen. Von juristisch kriminalistischer Seite gehen die Bedenken gegen die Feuerbestattung hauptsächlich dahin, daß durch diese Bestattung die Spuren gewisser Verbrechen leichter beseitigt werden können, besonders wenn der Verbrecher in nahen Beziehungen zu dem Opfer gestanden habe. Diese an sich wohl begründete Befürchtung scheint einmal beseitigt zu werden durch die in der Vorlage für die Feuerbestattung vor- gesehene obligatorische Leichenschau, serner durch die Bestimmung, daß der Verstorbene die Feuerbestattung bei Lebzeiten selbst angeordnet haben inuß und durch weitere Kautel«». Für die Zulassung der Feuerbestattung in dem vorgesehenen beschränkten Umfange sprechen viele praktische Gründe.'Es läßt sich jetzt schon die Verbringung von Leichen aus Preußen nach den Nachbarstaaten zur Feuerbestattung nicht ver- hindern, während die vorgesehenen Kautelen im kriminalistischen Sinne dabei fehlen. Abg. Graf WartenSlek»(f.): Die Regierung stand bisher ebenso wie die Mehrheiten des Hauses der Feuerbestattung ab- lehnend gegenüber. NamenS deö größte» Teiles meiner Freunde spreche ich unser Bedauern über den Wechsel in der Haltung der Regierung aus. Man greift hier mit grauser Hand in das Empfinden weiter Volkskreise ein.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) DaS Verlangen nach der Feuerbestallung ist gar nicht au« dem Volke herausgekommen, sondern eS ist die Folge der Pro- paganda der Vereine für Feuerbestattung und der Freidenker. Der saliche Ausdruck„Feuerbestattung" ist nur gewählt, weil man nicht den unangenehmen aber richtigen Ausdruck„Leichenverbremiung" gebrauchen will.(Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Schmitt-Düsseldorf(Z.): Wir lehnen den Ge- setzen rwurf ab und bedauern seine Einbringung, weil wir in der Leichenverbrennung einen Verstoß gegen das Chtistentun, sehen. Die christliche Kirche kann die Leichenverbrennung nicht billigen. (Abg. Hoffmann: Sir haben die Ledcndige» verbrannt!— Heiterkeit.! Tod und Verwesung betrachtet die kaiholische Kirche als göttliche Strafen und die Leichenverbrennung würde einen Eingriff in diese Lehre bedeuten. Auch die kriminalistischen Bedenken gegen die Feuerbestattung scheinen mir nicht widerlegt. Wir sehen in der Vortage die Legitimierung des Kampfes gegen das Christentum und lehnen sie deshalb ab.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Lieber(natl.): In der französischen Kammer ist seiner- zeit ei» Jesuitenpater für die Feuerbestaltuiig eingetreten, mit dem katholischen Glauben kann sie also nicht unvereinbar sein. Meine Freunde akzeptieren die Vorlage mit der Begründung der Re- gierung. Abg. Dr. Schröck(frk.): Aus christlichem Empfinden heraus fällt es einem Teil meiner Freunde sehr schwer, der Vorlage zuziistiminen, wir werden ihr aber zustinimen, un, den Wünschen weiter Kreise Stechnung zu tragen, wenn auch mit schwerem Herzen. Abg. Dr. Pachnicke(Bp.) bestreitet, daß religiöse oder kon- fessionelle Gründe emstlich gegen die Feuerbestattung sprechen könnten. Es handele sich hier höchsten? um Fragen der Sitte. Der Redner tritt namens semer Freunde warm für die Vorlage ein. Abg. Dr. Mizcrski(Pole) lehnt die Vorlage ab. von dem christlichen Stgndpilnkte aus, auf dem die polnische Bevölkerung stehe. Mg. Hoffmanu(Soz.): Das Gesetz ist so geworden, wie wir eS in Preußen zu erwarten hatten. Es ist mit so vielen Kautelen behaftet, daß eS einem Freund der Feuerbestattung schwer wird, sein Bedauem darüber auszusprechen, wenn diese Vorlage nicht Gesetz würde. Wir haben in Deutschland 13 Staaten, wo die Feuerbestattung besieht. Da würde es vielleicht, um eine Einheit zu schaffen, besser sein, wenn ein Reichsgesetz die Frage regelt, um endlich einmal mit den unglaublichen Zuständen auszuräumen, die im Bestattungswesen in Deutschland bestehen. Ich glaube, daß ein Reichs- gesetz unbedingt besser aussehen würde wie die Vorlage, die uns hier die Regierung gebracht hat. Die konservative Partei und ihre Presse hat ja besonders ihr schmerzliches Bedauern darüber ausgesprochen, daß diese Vorlage überhaupt gekommen ist. Ich meine, es hat lange genug gedauert. Schon im Jahre 186S kam an das Abgeordnetenhaus die erste Petition um Zu- lassung der Feuerbestattung und seitdem sind diese Wünsche Jahr für Jahr wieder an das Haus herangetreten. Ich will mich nicht auf den Standpunkt derjenigen stellen, die die Feuerbestattung nun in den Himmel erheben und glauben, daß aus der Asche ein Phönix emporsteigt. Ich will auch nicht wie seinerzeit der frei- sinnige Pastor Schall die Krematorien mit Backöfen und die Erb« bestaltung mir Rieselfeldern vergleichen. Wir stehen der ganzen Frage sehr objektiv gegenüber. In den Kreisen meiner Freunde gibt es Freidenker, die für die Erdbestattung sind, und Christen, die die Feuerbestaltung bevorzugen. Ich persönlich bin allerdings für die Feuerbestattung, wenn ich auch keinem der hier bekämpften Feuer- bestattungSvereine angehöre. Wenn Abg. Dr. Schmitt bestritt, daß bei der Ausgrabung von Leichen so üble gesundheitsschädliche Aus- dünstungen vorkämen, so kann ich das aus meiner persön- lichen Erfahrung als Friedhofsinspektor der Frei- religiösen Gemeinde bestreiten, denn ich habe zwei solcher Ausgrabungen beigewohnt, bei denen der Geruch so ent» setzlichwar, daß wirauch zu den höchstenPreisen kaum Arbeiter dazu bekommen konnten. Nachdem selbst Spanien die Feuerbestattung zugelassen hat, sollten doch auch die Kaiholiken Preußens ihren Widerstand dagegen aufgeben. Sie schädigen sich selbst damit. wenn ihre Geistlichen an solchen Verbrennungen nicht teilnehmen. DaS Voll wird sich dann daran gewöhnen, daß es auch ohne die Beteiligung der Geistlichen geht. Daß die Friedhöfe in der Nähe menschlicher Woh- nungen gesundheitSgesährlich werden können, hat eine Autorität wie Rudolf Birchow anerkannt. Es ist fest- gestellt, daß Cholerakeime noch nach 21 und 28 Tagen bei ausgegrabenen Leichen lebensfähig waren, Milzbrandbazillen sogar noch nach 337 Tage». Die Leichenverbrennung braucht auch keineswegs ein Privileg der Besitzenden zu bleiben. Es ist nachgewiesen, daß die Verbren nungSko st en nur S bis8M. betragen br-auchen. Auch in den Kreisen deS Zentrums sind Freunde der Feuerbestattung vorhanden, die Zentrums- fraktion im Mainzer Stadiparlament hat sich mit ihr einverstanden erklärt. Einige Paragraphen der Vorlage find so reaktionär, wie es nur in Preußen möglich ist. So bestimmt der Z 3. daß die Aschenreste der verbrannten Leichen entweder in der Urnenhalle oder an einem anderen behördlich gestatteten Bestattungsraum bei- gesetzt werden. Das steht im Widerspruch zu den Gesetzen der übrigen deutschen BundeSstaateii und würde sich sehr einfach um- gehen lassen, wenn man die Leichenverbrennung in einem anderen Staat ausüben läßt. Man sollte es doch den einzelnen überlassen, ob sie die Unien in ihrem Heim oder anderswo aufbewahren wollen. Muß denn die Bevormundung des Staates den Bürgern gegenüber bis über den Tod hinausgehen? Muß denn überall dekretiert und reglementiert werden? Dann heißteS im § 7: die Verbrennung wird nur gestattet, wenn der Verstorbene sie bei Lebzeiten selbst angeordnet hat. Auch hier sollte man sagen, daß sie zulässig ist, wenn nicht der Vorstorbene auS- drücklich vorher das Gegenteil bestimmt hat. Der Abg. Dr. Schröck hielt da« Alter von 13 Jahren für zu niedrig zur selbständigen Verfügung über die BestattungSart. Die Gegner der Feuerbestattung führen doch aber in erster Linie daS christliche Empfinden als Argument dagegen an und Kinder von 14 Jahren gelten doch schon als vollwertige Chri sie„nach der Konfirmation, selbst gegen den Willen der Eltern. Den Eltern muß das Recht gegeben werden, jedenfalls für die Kinder unter 14 Jahren die BestaliungS« art zu bestimmen. Im allgemeinen sollte das Alter für die Selbst- bestimmung der BestattungSart eher herab als hinauf gesetzt werden. Von den deutschen Bundessiaateii hat nur Bayern, wo das Zentrum ja die erste Geige spielt, sich mit dieser Frage noch nicht befaßt, außerdem noch Mecklenburg. Preußen steht aber noch mit Mecklenburg in einer Reihe. Mecklenburg wird sich ja nicht überstürzen und so sieht es auch bei uns aus. Unsere Zustimmung oder Ablehnung machen wir davon abhängig, wie das Gesetz aus der Kommission herauskommt. Wir werden ims dann entscheiden, ob wir nicht eS besser ablehnen und dadurch daS Reichsgesetz. das ja doch kommen muß. herbeiführen. Es dreht sich ja nicht mehr um die Frage, ob die Feuerbestaltung in Preußen gestaltet ist. Daß sie in Preußen nicht verboten ist, ist ja vom höchsten preußischen Gericht anerkannt worden. Wollen sie also ein solches Gesetz nicht machen, so hoffen wir auf das Reichsgesetz. Das wird hoffenttich a n d e r S ausschauen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Müller-Koblenz(Z.) betont noch einmal den ablehnenden Standpunkt seiner politische» Freunde und weist besonders darauf hin. daß die Entdeckung von Kruninalverbrechen durch die Feuer- bestattung behindert werden können. Die Vorlage scheine nicht aus fachlichen, sodern aus polnischen Gründen eingebracht zu sein, da sie in der Thronrede nicht vermerkt sei. Minister de» Innern von Dallwitz: Die kriminalistischen Be- denken des Vorredners sind nach Ansicht der Regierung durch die in der Vorlage enthaltene» Kautelen beseitigt. In der Kommission wird auch ein Kommiffar des Justizministers diesen Standpunkt vertreten. Bielleicht kann man die Kautelen nach dieser Richtung auch noch etwas verschärfen. Die Vorlage geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr.(Dritte Lesung deS Etat?) Schluß i3U Uhr._ parwmentarilcbes. Aus der Budgetkommission des Reichstages- Die Kolonie Togo ist die einzige der deutschen Kolonien, die keines Reichszuschusses bedarf. Die Beratung de» Etats für Togo wurde ohne wesentliche Debatte erledigt. Zum Etat für Südwestafrika ist ein zweiter Nachtragsetat für 1910 eingegangen. An fortdauernden Ausgaben werden darin L,2 Millionen, an einmaligen Ausgaben 1,2 Millionen gefordert. An Einnahmen verzeichnet der Nachtragsetat aus Zöllen, Abgaben. Gebühren und Einnahmen aus der Bergverwaltung 2.7 Millionen, aus der Verpachtung von Verkehrsanlagen im Süden 303 000 M. Vor Eintritt in die Beratung gab es eine einstündige Geschäfts- ordnungsdebatte über folgenden Antrag Erzberger, Dr. Arendt, Dr. Arning. Dr. Voller, Gröber, Lattmann und Freiherr v. Nicht- Hofen-Damsdorf: Die Kommission wolle beschließen, eine sieben- gliedrige Subkom Mission einzusetzen, die alle auf die Gewinnung und den Verkauf der D i a m a n t e u bezüglichen Maß- nahmen und die gesamten bergrechtlichen Verhältnisse in Südwest- afrika zu prüfen und der Budgetkommission Bericht zu erstatten hat. Von der Einbringung des Antrages waren die sozialdemo- k r a t i s ch e n Kommtsswnsmitglieder und der Referent Abg. Scmler nicht verständigt worden. Die lebhaften Proteste mehrerer Kommissionsmitglieder bewirkten, daß schließlich der An- trag zurückgezogen wurde. Der Nachtragsetat wurde eu dloc au, genommen. Bei der Beratung des Etats für Südwcstafrika gab der Staats- fekretär auf Verlangen eine Darstellung der Vorgänge in Wilhelms- tgl. wobei eine KvzM tzer heim Brnj der IM Zgribib, WinLyuk veschästiglen Neger?ül7l Militär verlrunZel M8 er- schössen worden sind. Die Firma Koppel bat in Südwestafrika Kaffern zum Bahnbau anwerben lassen, die laut Bertrag 50 bis (50 Schilling Monatslohn erhielten. Sie sollten aber die Trans- portkosten selbst tragen, die ihnen vorschußweise gegeben und dann vom Lohne abgezogen wurden. Diese Lohnabzüge und der Um- stand, daß ihnen der Schilling gleich einer Mark angerechnet wurde, führte zum Streit mit Ängejtellten der Firma Koppel. 000 Kaffern legten die Arbeit nieder und versuchten mach Okahandja zu marschieren, um sich zu beschweren, sie wurden ober angehalten und zur Umkehr veranlaßt, lehnten aber nach er- folgter Rückkehr die Aufnahme der Arbeit ob. Von einem Auf- seher wurde ein Offizier gerufen, der erfolglos mit den Kafsern verhandelte. Schlichlich erschien der Kompagniechef Hauptmann Willccke mit Militär, ließ die Eingeborenen umzingeln und forderte die Auslieferung von drei sogenannten„Rädelsführern". Die Kasfcrn lehnten das entschieden ab und versuchten durchzu- brechen, worauf der Hauptmann schießen ließ. Treben Neger wurden getötet, viele verwundet. Dann trat, wie der Staats- sekretär gemütvoll betonte, bei den Negern„Beruhigung" ein. Eine Untersuchung endete mit dem Ergebnis, Hauptmann Willecke habe richtig gehandelt. Ob die Angestellten der Firma Koppel vorsichtig genug gehandelt hätten, könne dahingestellt bleiben. Wasser und Proviant seien den Ausständigen niemals entzogen worden.— Abg. v. R i ch t h o f e n bezweifelt, ob es richtig gewesen sei, Militär herbeizurufen: daß Waffengewalt angewandt wurde, nachdem das Militär zur Stelle und angeblich bedroht war, hält v. Richthofen für selbstverständlich. Abg. Ledebour wandte sich leb- Haft gegen das Vorgehen des Militärs und das der Firma. Es sei in hohem Matze ungehörig, Arbeitskontrakte mit solchen Be- stimmungen zu belasten, wje die Rückerstattung der Transport- kosten. Wie sei die Militärbehörde zu ihrem Vorgehen gekommen? ES handle sich doch um freie Arbeiter, deren Arbeitsverweigerung das Militär nichts kümmere. Gegen den Hauptmann, der das Gemetzel unter den Kaffern veranstaltet habe, müsse diszipli- «arisch eingeschritten werden. Naturgemäß habe die Um- zingelung die Kaffern gereizt und provoziert; außerdem sei die Nachricht noch nicht einwandfrei widerlegt worden, daß den Aus- ständigen das Wasser entzogen worden sei. Die Weiterberatung erfolgt am Donnerstag. Aus der Rcichslicrsicherungsordnnngs-Kommisfion. Sitzung am Mittwoch, den 2 2, März. Heute wurde mit der dritten Lesung der Krankenversicherung begonnen. Dabei kamen die Sozialdemokraten, nachdem mehrere redaktionelle Verbesserungen angenommen waren, auf die Karenztage zurück.. Das Krankengeld soll erst vom vierten Tage nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gewährt werden. Das entspricht dem geltenden Recht. Jedoch ist es jetzt zulässig, daß die Kasse nach ihrem Statut das Krankengeld vom ersten Tage an zubilligt. Hiervon ist in vielen Kassen Gebrauch gemacht worden. Nach der Reichsversicherungsovdnung sollte die Gewährung des Krankengeldes vom ersten Tage der Arbeitsunfähigkeit an nur bei solchen Krankheiten zulässig sein, die länger als zwei Wochen dauern, zum Tode fühken oder durch Betriebsunfall verursacht worden sind. Die Sozialdemokraten erhoben gegen diese Verschlechterung Einspruch. Infolgedessen ließen die Kompromißparteien die Beseitigung der Karenztage auch bei den Krankheiten zu, die länger als e i n e Woche dauern. Eine Ausnahmebestimmung gegen die Dienstboten. Die Abzüge für Beitragsteile sind gleichmäßig auf die Lohn- zeiten zu verteilen, auf die sie fallen. Sind Abzüge für eine Lohn- zeit unterblieben, so dürfen sie nur bei der Lohnzahlung für die nächste Lohnzeit nachgeholt werden.— Diese Bestimmung ist not- wendig, damit dem Versicherten nicht von seinem Arbeitgeber bei Be- endigung des Arbeitsverhältnisses nachträglich die Beiträge für eine lange Zeit abgezogen werden. Trotzdem fügten die Kompromißparteien die Bestim- mung in das Gesetz ein, daß bei Dienstboten Abschlagszahlungen nicht als Lohnzahlüngen gelten. Die Sozialdemokraten beantragten den Zusatz, daß Lohnzahlungen spätestens halbjährlich erfolgen müssen, damit der Mißbrauch mit dieser Bestimmung nicht gor zu weit getrieben werden kann. Dies lehnten aber die Kam- promißparteien ab. Eine unerhörte Begünstigung der Großgrundbesitzer und Dienstherr- schuften. Die Kompromiß Parteien nahmen ferner folgende An- träge an: Von der Versicherungspsiicht werden auf Antrag des Arbeitgebers befreit, solche in der Landwirtschaft Beschäftigte und Dienstboten, die an den Arbeitgeber bei Erkrankung Rechtsanspruch auf eine Unterstützung Huben, die den Leistungen der zuständigen Krankenkasse gleichwertig ist. Voraussetzung ist, daß der Arbeitgeber die volle Unterstützung aus eigenen Mitteln deckt, seine Leistungsfähigkeit sicher ist, er den Antrag für seine sämtlichen in der Landloirtschaft Beschäftigten stellt, soweit sie durch Vertrag zur regelmäßige» Arbeit für mindestens 2 Wochen verpflichtet sind. Die Befreiung gilt nur für die Dauer des Arbeitsvertrags. Für alle späteren Leistungen tritt die zuständige Kasse ein, loie wenn die Arbeiter Mitglieder der Kasse gewesen wären. Soweit der Arbeitgeber die Unterstützung nicht leistet, hat die Kasse die Leistungen zu gewähren. Der Arbeitgeber hat ihr das Geleistete zu ersetzen. Die Sozialdemokraten und Fortschrittler be- kämpften diese Verschlechterungen sehr entschieden und wiesen nach, daß die Bestimmungen den Großgrundbesitzern die Möglichkeit geben, die Krankenversicherung zu umgehe», ihre kranken Arbeiter nach wie vor mit einer ganz ungenügenden Fürsorge abzufinden und einen großen Teil der nach dem Gesetz ihnen zukommenden Lasten auf die zuständige Kasse abzuwälzen. Bezeichnend ist, daß der Arbeitersekretär des Zentrums. Abg. Becker(Arnsberg), der in der ersten und zweiten Lesung cnt- schieden gegen eine solche Verschlechterung eingetreten ist, sich jetzt dafür aussprach, weil— sonst das ganze Gesetz scheitern würde. Eine andere Ausrede für seinen Umfall konnte der Herr nicht finden. Um die schlimmsten Mißbräuche mit den Bestimmungen zu ver- hindern, hatten die Sozialdemokraten beantragt: Den Ver- sicherungsberechtigten steht die Auswahl unter den von der zu- ständigen Kasse für den Aufenthaltsort des Kranken bestellten Aerzten frei. Die Kasse soll nicht mit jenen nur vorübergehend beschäftigtet, Arbeitet: belastet wttftök.— Tritk im ersten Jahre nach dem Beginn der Weiterversicherung ein Unterstützungsfall ein, so hat der Arbeitgeber der Kasse den Ueberschuß der Aufwendungen über die eingezahlten Beiträge zu ersetzen.— Ist vom Arbeitgeber der Betrag für die zu ersetzenden Leistungen der Kasse oder ein Teil desselben nicht einzutreiben, so hat der Bundesstaat Ersatz zu'eisten. Alle diese Anträge lehnten die Kompromißparteien ob. Nächste Sitzung morgen._ Ans der Kommission für die Schiffahrksabgalien. Am Mittwoch entwickelte der Geheime Oberbaurat Schroe- der an der Hand von Plänen das Schleusenbauprojekt bei Bingen. Ein offener Kanal sei zwar an sich zweckmäßiger, in diesem Falle aber technisch ganz unmöglich.— Die Strombausachverständigen aus Baden, Bayern, Hessen und Württemberg er- klärten sich mit dem Grundgedanken des Projekts einverstanden, über Einzelheiten könne man sich noch mit den Schiffahrtsprakti- kern und Interessenten verständigen. Von sozialdemokratischer Seite wurde ein Antrag eingebracht, die Neckarkanalisation über Heilbronn bis nach Eßlingen weiterzuführen. Die Abstimmung ergab die Annahme sämtlicher zum Rhein- verbände gefällten neuen Bauprojekte, so daß nun auch die Lahn, die Mosel, der Obcrrhein bis zum Bodensee und der Neckar bis Eßlingen mit in das Bauprogramm aufgenommen wären. Dagegen stimmten geschlossen die Konservativen und die Wirtschaftliche Vereinigung, vom Zentrum die Abgeordneten Am Z e h n h o f f und Gerstenberger, ein Teil derNa- tionalliberalcn und H a u ß m a n n- Württemberg. vmtlicher Marktbericht der stSdtllchen vkaraballen-DtrekNon über den Erohbandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zutichr ohne Bedeutung, Geichäst still, Preise sest. G e t l ü g e l: Zusuhr nicht aus- reichend, ziemlich lcbhast, Preise behauptet, Fische: Zusuhr mätzig, Gc« schSit ziemlich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüle, Obft und Süd- s r ü ch t«: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. vSasserltandS-Nochrtchten i Sozialilcfflokratischer Walilverein Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, da« unser Genosse Otto Radack Metzerstr. 14 im Alter von b2 Jahren ver- storbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 23. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen balle deS hiesigen Gemeinde. iiviedhoseS aus statt. -0219 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Kollege, der Einsetzer August Harz am 20. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Doimerstag, den 23. März, nach- , niltags 4 Uhr, von der Halle des Zentral- FriedhoseS in Friedrichsjelde aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Am IS. März starb unser Kollege, der Polterer I>aul Orenel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. März, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Anftatts- Kirchhoj in Buch stall. 80/15 Die OrtSverwaltung. Zentral-Verband der Fleischer. Sektion Dannarbcitcr. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wüketm Krohne Triststr. 41 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 23, März, nach« mittags i'l, Uhr. von der Leichen- Halle der Charitä nach dem Städtischen Kricdhose in der Müller- itrafje statt. Um reg« Beteiligung ersucht 289/1 1 Der Vorstand. Deutseber BauarbeiterverbaDd. Zwelffvereln Berlin. Am 20. März verstarb unser Mitglied Heinrich Rauhut (Bezirk SÄclftenfee). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerStag, den 23. März, nach« mittags 4 Uhr, von der Halle des Gemeindesriedhoses in Weißen- see aus statt. Um reg« Beteiligung ersucht Der Vorstand. McbH Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GreB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kassenbote »ermann SiebenhQner am 20. d. MtS. im Aller von 51 Jahren verstorben ist. 87/2 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am DomierStag, den 23. d. M., nach- mittags'!£ Uhr. von der Leichen- halle des Schöneberger Gemeinde- Friedhofs, Blanke Hölle, aus statt. Tie Bezirksverwaltung. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Test- nähme und die Spende de? schönen Kranzes vom Holzarbeiterverband bei der Beerdigung meine« lieben ManneS sage ich hiermit meinen herz- lichiten Dank. 35212 Witwe Franziska Pludra. »SSSSSSSSSSSSSSASSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSASSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSi Vir suchen tüchtige Hansfrauen welche unsere Vu]CatlUS-ICOCflg6SCtlll*l*C verwenden. Ein Versuch, und Sie empfehlen solche selbst weiter. Femer empfehlen wir unsere grollen Spezialitäten: Rein» AluimniuitisKochgeschirre, Unzerbrechliche Waschgeschirre, Waschmaschinen etc. Sämtliche Maschinen und Geräte für die Küche. Neuheiten: Koohring für Gaskocher, «um schnellen Kochen, ca. 40— 500/o Gas und Zeit sparend. Ablaufgesteü mit Küchenplatte, das Zerbrechen von Glas und Porzellan verhindernd. Gegen Vorzeigung des Inserat« S"/» Babatt. Der ectafinste Scbmortopf der Welt. H. Kraemer& Gio., Barlin G.? MolkanmarktS, Spezialhaus m Haus- u. 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Schwieger- und Grotzvaters, des Gastwirtes und Eigentümers Fritz Ebel cgen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. Familie Ebel, Kiesholzstr. 5. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau und gute» Mutter ' Berts Rabe geb. Schmidt sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie de» Kollegen der Firma Mthlich meinen herziil�sten _ Karl Rabe. i Wüfjfi NoW. gttUth Liir t>£ff LGMsarb. wjB&Stawp*"* ■voiv.r.ioß.'ia.'' Healfh snuff robacco. Tabac S prisen de sanrf. Tabak« do zazywania dla zdrowia: labacco da oaso aiia salute. hISbet-Hngebot. Solides Möbelgefchäst liesert bürgerliche WohnungSeinrichllmgen sowle ein« zelne Möbel gegen mätzige Zinsvergütung bei llemer Anzahlung u. geringen monatlichen Teilzahlungen. Anfragen unter Posllagerkarte IS, Postamt 103. Rein MsabUmgsgeschäft. 825b« Jnsergtenteil vergntw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku. 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Es ist ihnen nicht nur um die Erlau- gung des Mandats zu tun, sondern auch die Stinunenzahl, die aus unseren Kandidaten fällt, muß anschwellen zu einer Höhe, die auch dem stumpfsinnigsten Gegner zeigt: Die Massen des Volkes protestieren gegen die Politik des Blocks der Junker und Pfaffen, gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Eine rege Agitation entfalten die Genossen des vierten Wahlkreises, um den Sieg ihres Kandidaten zu einem glänzenden zu ge- stalten. Am Dienstag fanden acht Versammlungen im Wahlkreise statt. Sie waren alle stark besucht, die meisten sogar überfüllt. Die Referenten Schöpflin, Molkenbuhr, Emmel. Lehmann, Scheidemann, Stücklen, sE i ch h o r n und Frau Zieh entrollten vor den aufmerksamen Zuhörern das Sündenregister der herrschenden Parteien. Mit Steuerlasten wird das Volk gedrückt bis zur Unerträglichkeit. Gerade die notwendigsten Lebensmittel und Bedarfsartikel sind es, die dem Volke durch die Finanzpolitik des Schnaps- blocks bis ins Ungemessene verteuert werden. Nicht für die so notwendige Hebung der' Volksbildung, nicht für soziale Ein- richtungen, nicht zur Förderung des kulturellen Fortschritts werden die den ärmsten Schichten des Volkes abgepreßten MI- lionen verwandt. Der unersättliche, kulturfeindliche Militaris- mus verschlingt die sauer verdienten Steuergroschen des ar- bettenden Volkes, dem man zu alledem noch die politischen Rechte vorenthält, auf die ein politisch reifes Volk einen unan- fechtbaren Anspruch hat. Der Tag der Wahl muß ein Tag der Abrechnung mit der Reaktion sein. Wie bei allen bis jetzt voll- zogenen Nachwahlen die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen gestiegen ist, so muß es auch im vierten Berliner Kreise sein. Nrir durch eine wuchtige Stimmenzahl kann den herrschenden Klassen in die Ohren geschrien werden, wie das Volk, das unterdrückte, geknechtete und getretene Volk denkt. Sind doch die Wähler des vierten Berliner Kreises auch da- durch ihres Rechtes beraubt, daß sie nur einen Abgeordneten zu wählen haben, während sie nach der Einwohnerzahl des Kreises vier Abgeordnete wählen müßten, wenn die Wahlkreis- einteilung eine gerechte wäre. Wenn wir auch im vierten Kreise keinen kampffähigen Gegner haben, so ist es doch eine Ehrenpflicht für jeden Parteigenossen, sein Wahlrecht ebenso gewissenhaft auszuüben, als wenn wir den 5?reis erst zu erobern hätten. Nicht besser auch können wir das Andenken Paul Singers ehren, als indem wir die Stimmenzahl steigern und dadurch unseren Ausbeutern und Unterdrückern zeigen, daß sich die Reihen der Sozialdemokratie unaufhaltsam mehren als Zeichen des Protestes gegen das herrschende System und als Gewißheit dafür, daß sich allen Gewalten zum Trotz der Wille des Volkes durchsetzt. In diesem Sinne sprachen die Referenten. Daß sie den Massen ihrer Hörer aus der Seele gesprochen hatten, bewies die lebhafte Zustimmung, welche die Reden fanden. Stadtverordneten-Oerlammliing. 12.(außerordentliche) Sitzung vom Mittwoch, den 22. März, nachmittags S Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Michelet«ach 5H Uhr eröffnet. Zunächst erfolgt die feierliche Einführung des neuaewählten Stadw. Geh. Reg.-RatS Professor Dr. Kernst(Fr. Fr.), der darauf auf die Städteordnung verpflichtet wird. Hierauf ehrt die Versammlung in üblicher Weise daS An- denken des vor einigen Tagen plötzlich verstorbenen Stadtverord- neten Klempnerobermeisters Berg er(A. L.). Sodann wird die Beratung des StadthaushaltsetatS für Ivtl fortgesetzt. Ueber daS Kapitel.Armenwesen' referiert Gtadtv. Barth(A. L.). Am Etat für das A r b e i t S h a u S in Rum- melsburg hat der Etatsausschuß bk> lWll M.. die für einen Anbau an das Arrosthaus Verwendung finden sollten, gestrichen. Die Ausschußvorschläge finden Annahme. Eine Debatte ent- steht nur beim„Obdach". Stadw. Zucht(Soz.): Die Uebelstände im Obdach haben sich jetzt derart gesteigert, daß eine Aenderung eintreten muß. Das Obdach bietet etwa für MOV Personen Platz und ist gefüllt, wenn 8300 Insassen da sind. Im letzten Winter aber haben wir ständig 4300, 4500, ja 4700 dort gehabt. Am 16. Februar haben Dr. Bern- stein und ich eine Revision vorgenommen und haben gefunden, daß sogar in den Korridoren die Asylisten auf Holz- Pritschen untergebracht waren. Es muß auch für die Aermsten der Armen gesorgt werden. Den ganzen Winter war, wie gesagt, das Asyl überfüllt; die Leitung führt Klage, daß sie die Asylisten nicht unterbringen kann. Im Monat Januar war die Frequenz nur am Neujahrstage unter 4000 gesunken; das Maximum stieg im Februar auf 4750. Wenn die Leute so eng zusammengepfercht werden, müssen ja Exzesse vorkommen. Gerade- über vom städtischen Obdach ist«in städtischer Platz, auf dem viel- leicht Unterkunftshäuser gebaut werden könnten. Vielleicht ist ein Teil des starken Zuwachses auch der Leichtgläubigkeit zu ver- danken, mit der der Magistrat sich mit froinmen ASesellschasten ä la Bodelschwingh eingelassen hat. Durch die„Mithelfer- 'arten" dieser Gesellschaft sind wir arg übers Ohr gehauen worden. Mit dieser Gesellschaft sollte der Magistrat grundsätzlich brechen. Im Obdach sind ca. 40 Hausdiener beschäftigt, die dort wohnen müssen. Wir haben ein Interesse daran, ein seßhaftes Personal zu haben. Jetzt müssen die Leute aus der Anstalt fort, wenn sie sich verheiraten wollen. Das sollte ge- ändert werden; solche sollte man außerhalb der Anstalt wohnen lassen. Ein Teil der älteren Anstaltsdiener wenigstens sollte dieser Freiheit teilhaftig werden. Wie weit ist es mit dem Neubau des Krankenhauses auf dem Hinterlande des Obdachs? Der völlige Ausbau der dritten Etage desselben könnte doch sofort vorgesehen werden. Im Obdach ist ein Hausdiener mit 30 M. Wochcnlohn angestellt; er kam um Lohnzulage ein, und Herr Fisch- bei selbst befürwortete 2 M. Wir wünschten 3 M.; der jiümmerer aber hat diesen Antrag gestrichen.(Hort! hört!) Auf der Ge- schlechtskrankenstation fanden«vir am 16. Februar ähn- liche Zustände wie im Obdach. Die Betten der Mädchen stehen so dicht zusammen, daß sich die Mädchen geradezu durchquetschen müssen. Der leitende Arzt erklärt es für ein Wunder, daß dort nicht mehr Exzesse entstehen, denn die Mädchen haben keinen an- deren Platz in der Anstalt als auf diesen Betten. Auch sämtliche Speisesäle waren mit Betten belegt. Der Magistrat hat infolge unseres Revisionsberichtes 70 Betten aus dem Obdachhospital her- ausgenommen und soweit Platz geschafft. Das ist aber nur eine Vorübergehende Abhilfe, der Chefarzt Pincus erklärt sie für durchaus ungenügend, weil die Praxis der Polizei jetzt schärfer gehandhabt wird. ES muß ein Keschlechtskrgnkenhaus von Stadt �toegen gebaut werden. Auch jetzt noch sind sämtliche Speisesäle mit Betten besetzt. Auch diese Vermehrung um 70 Betten soll erst auf Einschreiten des Regierungspräsidenten erfolgt sein. Das Obdachkuratorium lehnt jede Verantwortung für die unhaltbaren Zustände ab. Wir beantragen deshalb, den Magistrat zu ersuchen, sofort Maßnahmen zu treffen, um den Uebelständen im städtischen Obdach abzuhelfen.(Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Stadtv. Dr. Ritter(Fr. Fr.) spricht so leise, daß er auf der Pressetribüne kaum verständlich wird. Auch er scheint den Bau eines eigenen Geschlechtskrankenhauses zu befürworten. Stadtrat Jacobh: Die Belegung ist jetzt im Durchschnitt 100 unter dem Durchschnitt des Februar. Generell das Auswärts- wohnen der Hausdiener zu gestatten, hat die Deputation stets ab- gelehnt. Ueber den Lohn des Haustischlers wird die Deputation nochmals beraten. Der Bau eines besonderen Geschlechtskranken- Hauses ist von uns in Erwägung gezogen worden; in Rum- melsburg erwies sich der Plan als nicht durchführbar. Wir er- wägen jetzt, was sonst geschehen kann, um wenigstens provisorisch Abhilfe zu schaffen. Stadtv. Dr. Bernstein(Soz.): Der Stadtrat behauptet, der Magistrat beschäftige sich„ernstlich" mit Abhilfevorschlägen. Sut langen Jahren bin ich hier für diese Abhilfe eingetreten. Wenn ich an die Zustände im Obdach denke, drängt sich mir das Zola'sche Wort„j'accuse" auf die Lippen. Ich klag« an! vor allem die Staatsregierung; Virchow würde, wenn er noch lebte, mit eisernem Besen hier Auskehr gehalten haben. In der Geschlechtskranken- station liegt zwischen den Syphilitischen eine an Gesichtsrose Er- krankte! Der an der Spitze stehende Arzt genießt unser aller Ver- trauen und möchte auch heilen, aber er kann es nicht, die Zu- sammenpferchung der Insassen ist zu groß. Die Ueberwiesenen sollen dort„Zwangsheilung" erfahren. Was geschieht aber in Wirklichkeit? Es werden nur die Symptome mit Gewalt zurück- gedrängt; je schärfer die Quccksilbereinspritzung, um so stärker treten nachher die Rezidive auf. Die Geschlechtskrankcnstation muß aus dem Obdach fort! Das Haus in Rummelsburg wird uns seit Jahren versprochen. Das Johannisstift mit seinem großen Areal würde ausreichen, sämtliche Prostituierte aufzunehmen. So wie jetzt dürfen die Dinge nicht weitergehen; wir fordern vom Magistrat, daß er sofort energische Schritte tut, um diesen Makel von uns abzuwenden! Stadtv. Hoffmann(Soz.): Ich muß gegen den Plan des Ma- gistrats Verwahrung einlegen und zwar ganz energisch. In Rummelsburg haben wir einen großen Teil der Insassen des Ar- beitshauses aus der Klasse der Zuhälter. Die brechen da aus zu dem Zwecke, an den Mädchen Rache zu nehmen, welche sie angezeigt haben. Wie können wir nun die Mädchen bloß dahin legen wollen! Damit die Zuhälter es etwas näher haben, damit sie nicht mehr nach der Boyenstraße zu gehen brauchen? Auch im Arbeitshaus haben wir schon starken Platzmangel gehabt; auch da sind viele Schlafsäle sehr dürftig. Auch die Hospitaliten gehören ja gar nicht ins Obdach! Die Geschlechtskrankenstation muß der Krankenhausdeputation unterstellt fein. Wenn wir warten wollen, bis daß der Magistrat über seine Erwägungen hinausgekommen ist, werden wir wohl noch das 50jührige Jubiläum der vorüber- gehenden Anwesenheit der Geschlechtskranken feiern!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Zucht wird angenommen. Es folgen die Etats für das Gewerbegericht, daS Kauf- mannsgericht, die Standesämter, die Verwaltung des Ordonnanzhauses, die Sublevationskasse, die Vor- spannver waltung und für sonstige Militärzwecke. Es geht ein Antrag H i n tz e ein. den Beisitzern des Gewerbe- und des Kaufmannsgerichts die Jahresberichte und den Ausschuß- Mitgliedern Protokollabschriften zu überweisen. Stadtv. Hintze(Soz.): Es handelt sich bloß um 500 Jahres- berichte, die mehr gedruckt werden müssen; aber den Beisitzern ist dann wenigstens Gelegenheit gegeben, die Verhandlungen kennen zu lernen. Ein weiterer Wunsch betrifft die Entsendung von Dele- gierten zu dem Verbandstage der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte. Im vorigen Jahre entsandten die meisten umliegenden Orte nach Köln je 4 Herren, auch unser Aus- schuß wollte den VerbandStag beschicken; es wurde aber der Vor- sitzende, Herr von Schulz, mit der Vertretung beauftragt. Stadtv. Rosenow(N. L.) unterstützt die Anträge und verlangt Erweiterung der ganz unzulänglich gewordenen Räume dieser.Ge- richte. Stadtrat Böhm: Ein Antrag wegen der Jahresberichte ist noch nicht an den Magisttat gekommen. Ob der Magistrat in Zukunft bezüglich der Entsendung von Delegierten von feinem bisherigen Standpunkt abgehen wird, kann ich nicht sagen. Den Mängeln be- züglich der Räume wird tunlichst abzuhelfen gesucht. Stadtv. Gronewaldt(A. L.) erklärt es für eine Schmach Ber- linS, daß- daS Gericht in einem Hause untergebracht sei, wo sich ein Vcrgnügungslokal. der„Clou", befinde. Die Entsendung von Dele- gierten auf die Verbandstage empfiehlt Redner gleichfalls. Stadtrat Böhm glaubt, daß zurzeit Klagen über den Beirieb des„Clou" nicht mehr vorkommen. Stadtv. Ritter(Soz.) vermißt die Angabe der Gründe, weshalb die Entsendung von Delegierten nach Köln abgelehnt worden ist. Die Protokolle und Jahresberichte, sowie auch das„Gemeindeblatt" hätten den Beisitzern längst geliefert werden müssen. Der Antrag Hintze wird angenommen. Im Etat der Pärkverwaltung empfiehlt der Ausschuß, die Positionen von 308 300 und 300 000 M. für den Schiller- park und den Botanischen Garten um 80 000 bezw. 120 000 Mark zu kürzen und die Position von 10 000 Mk., erste Rate, für Herstellung von Parkanlagen auf dem Aufmarschgelände zu streichen. Stadtv. Imberg(N. L.) fragt an, sine es mit der Instand- fetzung des Aufmarschterrains stehe. Nach einer kurzen Erwiderung des Bürgermeisters Dr. N e i ck e, der auf den Verkauf des Tempelhofer Feldes an Tempelhof und auf die Haberlandschen Pläne verweist, gelangen die Ausschuß- anträge zur Annahme. Zum Etat der GemeindefriedhSfe bemerkt Stadtv. Leid(Soz.): Der neue Ge büh r e n t a r i f, der dem- nächst in Kraft treten soll, bringt Erhöhungen mit sich, die bis zu 100 Proz. betragen. Für eine solche Erhöhung liegt ein stichhaltiger Grund gar nicht vor. Die Kirchengemeinden haben in den letzten Jahren große Kapitalien in großen Zentralfriedhöfen in A h r e n S- felde und Stahnsdorf angelegt und haben ein Interesse daran, daß diese weit entfernten Kirchhöfe belegt werden; sie haben die Tarife für die Berliner Friedhöfe ganz getvaltig erhöht, so daß die große Masse ihre verstorbenen Angehörigen nach den ent-, fernteren Zentralfriedhöfen bringen muß. Unsere Tarife sind ja erheblich geringer als die der Kirchengemeinden; das wird aber wieder ausgeglichen dadurch, daß die Stadtgemeinde bei Berech- nung der Gebühren gleichzeitig für Grabhügel und Gießen Ge- bühren erhebt. Mindestens sollte nur die Gebühr für die großen Fmnilicngrabstätten erhöht werden, nicht aber für die Reihen- gräber. Die rechtliche Seite der Sache ist mir äußerst zweifelhaft; das Kommunalabgabengesetz scheint mir keine Handhabe für die Erhöhung zu bieten, denn eine Friedhofsanlage ist doch nicht wer- bendcr Natur. Würden wir der Armenvcrwaltung die Aufwen- düngen, die wir für sie auf dem Friedhof machen, anrechnen» so würde sich der jetzt für die Gcmeindesriedhöfe zu leistende Zu- schuß in einen Ueberschuß verwandeln. Der Friedhof hat auch einen parkartigen Charakter, er wird auch zur Erholung benutzt, um so schwieriger wird es sein, später die Rechtmäßigkeit dieses Tarifes nachzuweisen, wenn er angefochten wird.— Der Zustand auf dem städtischen Friedhof in der Müllerstraße ist der Stadt un- würdig. Wir haben da keine Leichenhalle, müssen viel- mehr die kirchlichen Einrichtungen der Philipp-Apostelkirche mit- benutzen, wir haben darüber nicht einmal einen Vertrag. Berlin sollte sich von der Kirchengemeinde dura) den Ben: einer eigenen Halle unabhängig machen. Es besteht die Ansicht, ein eigenes städtisches Friedhofsbureau zu errichten. Dieses Bureau soll ins Stadthaus gelegt werden; an der Stadthauptkasse- im Rathaus aber sollen die Kchten erlegt werden. Dadurch werden zeitraubende Weiterungen für das Publikum geschaffen, die man besser vermiede, indem man das Bureau ins Rathaus verlegt. Im allgemeinen wünschen wir nach wre vor, daß das gesamte Beerdi- gungswesen von der Stadt übernommen wird. 1878/70 bereits hat sich eine gemischte Deputation in diesem Sinne ausgesprochen; aber seitdem hat man nichts mehr gehört. Geht man mit dem gehörigen Ernst an die Lösung der Frage heran, so werden die Schwierig- leiten nicht unüberwindlich sein. Stadtrat Rast bestreitet, daß die Tarifsätze übermäßig erhöht worden seien. Der neue städtische Tarif sei nach dem Muster des- jcnigen Lichtenbergs aufgestellt. Der Tarif für Buch sei überhaupt nicht erhöht worden. Mit Ueberschüssen werde die städtische Fried- Hofsverwaltung nicht arbeiten. Ueber die Frage des Müllersttatzen- friedhofs seien noch Verhandlungen in der Schwebe. Ob der Tarif der Versammlung zur Kenntnisnahme vorzulegen sei, darüber werde der Magistrat demnächst noch beraten. Mehrere Etatsposten, u. a. Straßenreinigung, Markthallen, Wasserwerke, werden debattelos bewilligt. An den Ausgaben für die öffentliche Beleuchtung sind im Ausschusse 200 000 M. an der Position von 450 000 M. für Ausstellung neuer Gaslaternen abgesetzt worden. Stadtv. Sassenbach(Soz.) tritt lebhaft für die Bewilligung der vollen Summe ein, während Stadtv. Jacobi(A. L.) die Finanz- läge dagegen ins Feld führt. Die Mehrheit beschließt nach den Ausschußanträgen. Zu den„Perschiedenen Einnahmen und Ausgaben" liegt ein Antrag Sassenbach vor, das Dispositionsquantum des Magi- strats von 600 000 M. auf 1 Million Mark zu erhöhen. Stadtv. Sassenbach: Im Etatsausschutz hatten wir beantragt, eine Erhöhung um eine Million eintreten zu lassen, begegneten damit aber nur einem Lächeln. Die Erhöhung auf eine Million Mark ist aber erforderlich, der Fonds reicht nicht aus, er ist überhaupt zu gering; Charlottenburg hat einen solchen Fonds von 450 000 M. Die Entsendung der Kinder in Heilstätten hat in diesem Jahre darunter gelitten, daß der Fonds erschöpft war. Nun ist der Etat für 1011 überhaupt so beschnitten, daß die Erhöhung gar nicht um- gangen werden kann; die Ausgaben hat man zusammengestrichen, die Einnahmenansätze erhöht, um mit aller Gewalt mit 100 Proz. auszukommen. Die Etatsüherschüsse sind fast vollständig zurück- gegangen. Der Antrag wird abgelehnt. Der Hochbauetat wird nach den Beschlüssen des Ausschusses genehmigt. Zum Etat der Kanalisationswerke und Güter Berlins, der mit dem Etat für Tiefbau und dem Gasetat sowie mit sämtlichen Steueretats nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt ist, ge- langt auf Antrag des Referenten, Stadtv. Dyhrenfurth (Fr. Fr.), folgende Resolution zur Annahme:„Den Magisttat zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß in Zukunft alle Hölzer, die in den städtischen Forsten zum Einschlag kommen, im Etat klassifiziert werden." Es folgt der Etat für den Straßen- und Brückenbau. Stadtv. Ewald bemängelt, daß diesmal im Pflasterausschuß Straßen aus dem Verzeichnis der Umpflasterungen einfach ge- strichen worden seien, ohne in das Verzeichnis der Ersatzstraßen aufgenommen zu werden. Man habe damit allerdings 300 000 M. erspart. Nachträglich habe die Besichtigung ergeben, daß der Zu- stand einer dieser Straßen so schlecht war, daß die Um- Pflasterung doch erfolgen müsse. Die Dorkstraße sei, Haupt- sächlich durch Arbeiten der Straßenbahn, in einem Zustande, daß fogar Kinder verunglückten; sonderbarerweise sei aber die Polizet nicht dagegen eingeschritten. Um den Etat zu balancieren, habe nun der Etatsausschutz auch noch seinerseits an den Beschlüssen des Pflasterungsausschusses weitere 100000 M. abgestrichen, so daß im ganzen 400 000 M. abgesetzt seien. Man wolle eine Lustbar- keitssteuer einführen; es sei aber kein« Lustbarkeit, manche dieser Straßen zu passieren. Man werde durch die Wiedereinsetzung der gestrichenen Positionen, die Redner beantragt, dem guten Ruf der Stadt einen Dienst leisten. Stadtv. Gericke(Fr. Fr.): Der Vorredner hat doch dem AuS- schußantrage voll und ganz zugestimmt. Um so erstaunter bin ich über seinen Antrag. Stadtv. Ewald: Herr Gericke irrt; ich habe dagegen gs> stimmt. Ich darf mich meinerseits über Herrn Gericke wundern. Stadw. Gericke: In den letzten 10 Jahren sind ca. 18 Mit- lionen für Pflasterung ausgegeben worden; die jährliche Summe mutz doch abnehmen.(Stürmischer Beifall; ironische Rufe: „Hurra I") Stadw. Leid: Im EtatSauSschutz ist vom Stadtbanrat fest- gestellt worden, daß Kollege Iben von vornherein erklärt hat, von dem Pflastcretat müßten 400 000 M. gestrichen werden. Stadw. Iben:(A. L.): DaS trifft nicht zu; ich habe nur ge- sagt, ein Abstrich könne hier nicht schaden. Der Antrag Ewald wird abgelehnt und statt 1 Million für Umpflasterungen nur der Betrag von 600 000 M. bewilligt. Im Etat der Gaswerke hat der Ausschuß statt 2 411 000 M. nur 1 411 000 M. fiir Abschreibungen einzustellen beantragt. Stadtv. Sassenbach: Die Abschreibungen sind durchaus nicht willkürlich. Man muß auch jetzt, nachdem feststehende Abschrei- bungsgrundsätze durch Gemeindebeschluß festgestellt sind, an dem Satz von 2,4 Millionen Mark festhalten. Es ist im EtatSauSschusse, und nicht von unserer Seite, der Ausdruck gebraucht worden, daß ein solcher Beschluß das Borgehen eines Bankrotteur? fei. Jeden- falls ist es der Stadt Berlin nicht würdig, ungenügende Abschrei- bungen zu machen. Wir beantragen hier nichts anderes, als daß der Magistratsvorlage entsprechend beschlossen werden soll. Oberbürgermeister Kirschner: Es besteht jetzt der Rechtszustanv, daß die festgelegten Abschreibungsgrundsätze beachtet werden müssen, bis ein abweichender Gemeindebeschlutz gefaßt wird. Ein Gemeinde- beschlutz kann jederzeit durch ühereiustimmenden Beschluß beider städtischen Behörden geändert werden, und wir fassen den jetzigen Vorschlag des Etatsausschusses so auf, daß die Versammlung den Magistrat auffordert, für dieses Etatsjahr ausnahmsweise von jenen Grundsätzen abzuweichen(Hört! hört!) nur für dieses Jahr; für die Zukunft sollen die Abschreibungsgrundsätze bestehen bleiben. Ich stelle das im Auftrage des Magistrats ausdrücklich fest. Die Tendenz des Etatsausschusses, nicht über 100 Proz. zu gehen, kann ja durchaus gebilligt werden, denn daö Geld, das nicht ge- braucht wird, ist am besten in den Taschen der Bürger aufgehoben. Aber ob alle die vorgeschlagenen Mittel den zu erzielenden Gewinn nicht aufwiegen, ist mir an verschiedenen Stellen zweifelhaft.(Hört! hört!) Wir sind aufs äußerste in allen Forderungen zurückgegangen, und unsere Bürger werden darauf gefaßt sein müssen, daß der Magistrat in umfassenderer Weise als zuvor Anträge auf bessere Beleuchtung usw. ablehnt.(Hört! hört!) Der Magistrat ist in seiner Mehrheit nach wie vor der Ansicht, es wäre wünschenswert gewesen, die 110 Proz. zu bewilligen; für den Fall aber, daß es gelingt, den Etat mit 100 Proz. zu balanzieren, wird ihn der Magistrat, wenn auch mit schwerem Herzen, annehmen. Stadtv. Cassel(A. L.): In Jahren mit grobem Ueberschuß kann man ja solche Etats wie den Gasetat besser dotieren, die Beleuchtung der Stadt Berlin ist durchaus angemessen und an vielen Stellen vortrefflich: wir werden auch bei einer Million weniger nicht in Rückstand geraten. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Hier sollen also von der Gemeinde festgestellte Grundsätze willkürlich ignoriert werden» um We Balance Mit 100 Prozent zu cftddjclT. Es kotMift ja e-uunsl ungewöhnliche Umstände dazu zwingen; aber ich Halts es für außerordentlich bedenklich, bei der Bürgerschaft den Gedanken auf- kommen zu lassen, dag wir durch Ivillkürliche Aenderung der Ab- fchreibungen bei dm Werken die Einkommensteuer beliebig herab- fetzen oder erhöhen können. Ich kann persönlich für die Absetzung nicht stimmen; die Mehrheit meiner Fraktion wird es tun. Die Etatsgrundsätze werden mit solchen Beschlüssen nach meiner Ansicht schwer verletzt. Stadtv. Cassel: Wir glauben, uns ein Verdienst zu er- werben, wenn wtr in diesem Jahre nur 100 Prozent erheben(Leb- hafter Beifall der Mehrheit). Stadtv. Nosenow weist die Beschuldigungen Mommsens ganz entschieden zurück; letzterer habe Berlin damit keinen Dienst ge- leistet. Stadtv. Sassenbach(Soz.): ES tut mir leid, daß wir im Etats- ausschuß keinen Phonographen gehabt haben; Sie würden sich wundern, welche Töne herauskämen, wenn wir ihn jetzt spielen lassen könnten. Allseitig hieß es dort, die Sätze für die Abschrei- bungen seien sehr gering; es hieß, man solle nicht unsolide Wege wandern.(Unruhe.) Ich wiederhole nur, was da gesagt worden ist. Wir haben also gar keine Ursache, stolz zu sein. Sach- liche Gründe für die Herabsetzung hat man nicht anführen können. Stadtv. Mommsen: Im Protokoll steht doch ausdrücklich, daß zu wenig abgeschrieben werde, und in der ersten Lesung hat im Ausschusse diese Ansicht die Mehrheit gehabt.(Hört! hört!) Was wir hier machen sollen, ist im Sinne des Geschäftsmannes, des Etatsmanncs nicht solide. Wo sind denn die„außerordent- liehen" Verhältnisse? Nachdem sich die Stadtv. Cassel und Mommsen in dieser Form noch mehrmals auseinandergesetzt haben, wird schließlich der Antrag Sassenbach gegen Sozialdemokraten und Sozial- fortschrittler abgelehnt. Es folgen die Strueretats. Voran steht diesmal die Gemeinde- einkommensteuer; der Etatsausschuß ist bekanntlich dahin gelangt, sie auf 100 Proz. herabzudrücken. Auf Antrag Ullstein(soz.-fortschr.) wird beschlossen, diese Steuer, wie bisher üblich, mit der Umsatzsteuer nebst der Grund- und Gewerbesteuer ans Ende der Etatberatung zu stellen. Nachdem Warenhans st euer, Betrieb.Ssteuer, Braumalz- und Wanderlager st euer ohne Diskussion er- lcdigt sind, stellt Stadtv. Bruns(Soz.) den Antrag aus Ver- t a g u n g, da man keine Veranlassung habe, den Etat so durchzu- peitschen. Auf Bitte des Stadtv. Mommsen wird noch die Wert- zuwachssteuer erledigt. Stadtv. Mommsen bemerkt zunächst, daß der Etatsansatz mit 820 000 M. angesichts des neuen Reichsgesetzes viel zu hoch er- scheine, und lenkt dann die Aufmerksamteit auf die Tatsache, daß in dem dieser Tage dem Landtage zugegangenen Aussührungs- gesetz die Kosten der Veranlagung den Gemeinden, also auch Berlin, auferlegt seien. Das stehe in direktem Widerspruch mit de in Reichsgesetz, das den Einzelstaaten 10 Proz. für die Erhebungskostcn zuspreche. Es sei unerhört, daß die preußische Regierung ihre städtefeindliche Gesinnung in dieser Weise betätige. Oberbürgermeister Kirschner: Ich kann mich nur vollständig diesen Ausführungen anschließen und teile mit, daß der Magistrat bereits Montag eine Petition gegen diesen Regierungsvor- schlag hat abgehen lassen. Der Antrag Bruns auf Vertagung wird abgelehnt. Stadtv. Bruns widerspricht darauf der weiteren Verhandlung, weil der Stachtrag zur Tagesordnung noch nicht zwei Tage vor- gelegen hat. Während der Borsteher und Stadtv. Mommsen den Einspruch für verspätet erkläre», stellt sich Stadtv. Cassel auf die Seite von Bruns. Die Vertagung der Fortsetzung der Elatberaiung auf morgen erfolgt üm MIO Uhr. Hus Induftne und ftandel Der Kino-Großbetrieb. Der Siegeszug des Kinsmatographen-Theaters hat das Groß- kapital veranlaßt, sich auch diesem neuen und erfolgreichen Ge- schäftszweige zuzuwenden. Hatten sich zunächst Filmsfabriken und Fabriken kmematographischer Apparate an Kinos beteiligt, so ent- standen alsdann besondere Großunternehmungen zur Errichtung und zum Betrieb von Kinematographen-Theatern. Eine dieser Gesellschaften, die Projektions-Aktiengesellschaft „Union" in Frankfurt a. M. hat kürzlich den Bericht über ihr erstes Geschäftsjahr veröffentlicht. Bei einem Altienkapital von 500 000 M. wurde nach Abschreibungen von rund 166 000 M. ein Geivinn von rund 88 000 M. erzielt, aus dem eine Dividende von IS Proz. zur Verteilung gelangt. Hervorgegangen ist die Kino- Aktiengesellschaft im Vorjahre aus der Allgemeinen Kinemato- graphen-Theater-Gesellschaft„Union" für lebende und Tonbilder, G. in. b. H. Bei der Umgründung übernahm die Aktiengesellschaft „Union" 12 Kinematogrophen-Theater. im Laufe des Geschäfts- jahres 1910 wurden 6 weitere Theater errichtet, davon 4 in Berlin und je 1 in Mannheim und Köln. Das neu gegründet« Mannheimer Theaterunternehmen wurde aufgegeben, ein Kine- matographcn-Theater in Düsseldorf ist von der Gesellschaft ver- kauft worden. Zur Eröffnung gelangten noch oder gelangen dem- nächst Kinos der„Union" in Amsterdam, Essen. Elber- feld, Ludwigshafen und Saarbrücken; für 1911 ist die Errichtung neuer Betriebe in verschiedenen Staaten beabsichtigt. Zurzeit verfügt die Gesellschaft also über 21 Kinematographen- Theater, nach den erwähnten Ankündigungen wird diese Zahl in Kürze eine weitere Steigerung erfahren. Die zahlenden Besucher der zur Aktiengesellschaft„Union" gehörenden Kinematographen- Theater werden in, Jahre 1910 auf über 8 500 000 angegeben. Der norbamerikanische Fleischtrust, der schon lange alle Märkte der Vereinigten Staaten beherrscht und seit einiger Zeit auch die südamerikanischen Versorgungsquellen unter seine„Kon- trolle" gebracht hat, geht damit um, sein Weltmonopol zu vollenden, indem er sich auch Australien, dessen Schaffleisch bekanntlich das englische Volt mit billiger Jleischnahrung versorgt, zu unter- werfen. Jedoch wird der Trust in dem demokratisch regierten Australien nicht so leichtes Spiel haben, wie in der vertrusteten Union oder den Halbsklavenstaaten Südamerikas. Bereits hat die Regierung des australischen Bundesstaates entschieden Stellung gegen die überseeische Trustmacht genommen. Und der Minister- Präsident von Neuseeland, Joseph Ward, hat erklärt, daß die Re- gierung die EntWickelung dieser Sache aufmerksam verfolge und dem Trust ohne Verzug entgegentreten werde. Nötigenfalls werde man die Verstaatlichung aller Gefrier- und Kühlspeicher«intreten «asseg._ Sericbts- Leitung. Die Leibenszcit eines Waisenkindes. während b'cS Aufenthalts bei dem Vormund, wurde durch eine Anklage grell beleuchtet, die den Fabrikant Richard Quast und dessen Ehefrau Wilhelmine gestern vor die 1. Strafkammer des Landgerichts lll, unter Vorsitz des Landgerichtsrats Vogel führte. Beide waren der fahrlässigen Körperverletzung, Frau Quast außer- dem der Beleidigung angeklagt. Die Angeklagten wohnten früher in Karlshorst. Quast war zum Vormund für drei minderjährige Kinder der verstorbenen Schwester der Fau Quast eingesetzt worden. Eines der Mündel, der damals 14 jährige Paul Stanoivsky, war in das Prinz Karl-Stift in Charlottenvurg gekommen, zum Oktober 1908 nahmen ihn dann die Angeklagten i» ihr Haus in Karlshorst auf. Sie erhielten dafür von der Armenverwaltung in Charlotten- «bürg ein geringes Kleider, und Pflegegeld. In den, Hause seines QllelS Sffüe m Auogtz sine teah« LeiwisM durKzumsKen. In Karlshsrst erzählte ftian sich Höh der slanssalösen Unsauberkeit, die in der Ouastschen Behausung herrschte. DaS Wohnhaus glich einem verwunschenen Schloß: es war von der Außenwelt so gut wie abgeschlossen und in dem Haushalt herrschte die unglaublichste Unsauberkeit. Die stark nervöse Frau, unter deren Einfluß der Ehemann stand, war vielfach krank, Hund und Katze verrichteten in der Stube ihre Geschäfte, im Korridor, in der Küche und im Schlafzimmer lag der Schmutz immer recht hoch, und das Klosett befand sich in einem Zustand, daß eine pestilenzialischer Gestank die Luft erfüllte. Obgleich im Hause des Quast, der vor Gericht mit Stolz verkündete, daß er seinerzeit in seiner Fabrik 30 Arbeiter beschäftigt habe, genügend leere Räume vorhanden waren, schliefen die Angeklagten mit ihrem Neffen in einem und demselben Zimmer und zur körperlichen Reinigung, die in der Küche vorgenommen wurde, stand nur eine einzige, völlig zerbrochene Waschschüssel zur Verfügung, in welche man nur wenig Wasser hineingießen konnte. Der Junge, der eigentlich bei dem Onkel als Kaufmanns- lehrling eintreten sollte, wurde gewissermaßen als„Mädchen für alles" benutzt: er hatte alle möglichen häuslichen Verrichtungen vorzunehmen und wurde von den verschiedensten Arbeiten dermaßen in Anspruch genommen, daß er vielfach erst spät abends ins schmutzige Bett kam und nur wenige Stunden Nachtruhe hatte. Dabei wurde seine körperliche Pflege in skandalöser Weise vernach- lässigt, er verkam immer mehr in Schmutz. Charkteristisch ist die Tatsache, daß er reine Wäsche so gut wie gar nicht kannte: er mußte ein Hemde 6 Wochen und länger tragen und wechselte dann in der Weise, daß er von den vorher getragenen sich das am wenig- sten schmutzige aussuchte. Schließlich erkrankte der Junge an einer Hautkrankheit. Er schämte sich, mit seinem vor Schmutz starrenden Hemde zu einem Arzt zu gehen, er wandte sich an den Polizei- sergeanten Hildebrand und dieser stellte ihn dem Pastor Ehrhardt vor. Der Knabe wurde zu dem Spezialarzt Dr. Paul Cohn in Berlin gebracht. Dieser stellte fest, daß der Junge mit der Krätze behaftet sei. Der Kranke wurde der Charit« überwiesen und von dort nach 17tägiger Behandlung als geheilt entlassen. Ter Ange- klagte Quast wurde aus dem Amte des Bormundes entlassen und als Vormund die Frau Kaufmann Klara Schultz in Karlshorst eingesetzt, in deren Pflege der junge Mann sich sehr wohl be- findet. Das Schöffengericht in Lichtenberg war der Meinung, daß die Krätze bei dem Jungen aus die körperliche Unsauberkeit und Verwahrlosung infolge Vernachlässigung durch die Pflegeeltern zurückzuführen sei. Das Schöffengericht verurteilte deshalb den Ehemann wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Verletzung einer Amtspflicht zu IM M. Geldstrafe, die Ehefrau wegen fahr- lässiger Körperverletzung zu 75 M. Geldstrafe und wegen Beleidi- gung der Frau Schultz zu 25 M. Geldstrafe.— Nach der gestern wiederholten Beweisaufnahme in der Berufungsinstanz und dem erstatteten ärztlichen Gutachten ist die Krätze eine Jnfektions- krankheit, die sich hauptsächlich durch Ansteckung übertrage, in dem vorliegenden Falle sei aber ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Unsauberkeit im Hause der Angeklagten und der Krätze des Jungen nicht nachweisbar. Das Gericht mußte deshalb, wenn es auch durch den Mund des Vorsitzenden die geschilderten skandalösen Zustände scharf tadelte, auf Freisprechung von der Anklage der Körperverletzung erkennen. Dagegen behielt die Ehefrau die Strafe wegen Beleidigung. Hat der Nichter oder der Lehrer über die Berechtigung einer Schul- Versäumnis zu entscheiden? Das Ortsstatut, betreffend die städtische gewerbliche Fort- bildungsschule in Dortmund, sollte der Lehrling Groos dadurch übertreten habe», daß er ohne genügende Entschuldigung und ohne genügenden Grund vom Unterricht in der Fortbildungsschule fern- geblieben sei. Der Schulleiter hielt eine Bestrafung für ange- bracht. Nachträglich entschuldigte sich der Lehrling. Das Land- gericht Dortmund als Berufungsinstanz billigte die Bestrafung G. und führte aus: Das OrtSstawt schreibe im ß 6 Ziffer 1 vor, daß der Schulleiter darüber entscheide, ob eine nach seinem Ermessen ausreichend« Entschuldigung einer Versäumnis vorliege. Angeklagter hätte sich deshalb bei diesem rechtzeitig entschuldigen müssen. Das hätte er persönlich könne», weil seine Beschwerden nur nervöser Natur seien. Er hätte dann abwarten müssen, ob der Schulleiter den Grund für ausreichend erachtete. Da er das nicht getan habe, rechtfertige sich die Bestrafung. Das Kammerger, icht hob dieser Tage auf die Revision des An- geklagte« vaS Urteil auf und verwies die Sache an das Dortmunder Landgericht zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung zurück. Begründend wurde ausgeführt: Der Stundenplan sei zwar ord- nungsmäßig mit dem OrtSstohit in dessen Formen verkündet worden und somit MttK Dagegen sei§ 6 Ziffer 1 des Ortsstatut ungültig, weil darin dem Schulleiter die Entscheidung darüber eingeräumt sei,, ob eine ausreichende Entschuldigung vorliege. Ein« solche Be- stimmung sei nicht zulässig. So lange der Richter zu urteilen habe über Schulversäumnisse, so lange müsse es auch Sache des Richters sein, zu prüfen und festzustellen, ob eine Schulversäuinnis genügend entschuldigt sei. Teslvegen sei eS unmöglich, diese Entscheidung dem Schulleiter in die Hand zu geben. Der Richter müsse nun- mehr selbständig nachprüfen und feststellen, ob«ine nichtentschuldbare Schulversäumnis vorliege. flu© der Frauenbewegung. Ums Fraaenwahlrecht. Erst am Montag hatte Chemnitz, das sächsische Manchester, besonderer Umstände halber seinen Frauentag. Zu einer eindrucks- vollen Kundgebung der Chemnitzer sozialdemokratischen Frauen und Mädchen wurde die im Volkshause abgehaltene Versammlung. Gleich nach Arbeitsschluß kamen die weiblichen Arbeitssklaven auS den modernen Zwingburgen der Textilbarone in das Versammlungslokal geströmt, da», so geräumig auch der Saal und seine Galerien find, bald besetzt war. Die Männer mußten schließlich den später kommenden Frauen und Mädchen Platz machen, und um noch mehr Platz zu erhalten, wurden die Tische aus dem Saale entfernt. Be- geisterung hielt alle umfangen und äußerte sich wiederholt und am Schlüsse des die Frauen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht großzügig orientierenden Vortrages der Genossi» Dr. g e p l e r au« Berlin. Rege Aussprache folgte, in der die Schulfrage, die Metall- arbeiteraussperrung u. a. mit beleuchtet wurde. Die Resolution fand einmütige Annahme. Leser der„Gleichheit" und Mitglieder für die Parteiorganisationen wurden gewonnen. Mit einem dreifachen Hoch auf daS Frauenwahlrecht schloß die Versammlung. Frauen im Schwurgericht. Im Staate Washington. Vereinigte Staaten von Nordamerika, sind jüngst die Frauen als Geschworene zugelassen worden. Sie hoben aber das Recht erhalten, sich von dieser Pflicht durch eine einfache Entschuldigung fteizumachen, was den Männern nicht gestattet ist._ Leseabende. Reinickendorf-Ost. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr. im Restaurant Eadau, Restdenzstr. 124. Vortrag der Genossin Böhm- Schuch über:„Geschlechtliche Aufklärung der Arbeiterjugend." Versammlungen. Im sechsten Wahlkreis« fand am Dienstag wieder eins öffentliche politische Versammlung statt, die auf dem Gesundbrunnen in Frankes Feftsälen tagte. Di« Versammlung war zur angesetzten Zeit bereits überfüllt. Einen er- klecklichen Teil der Besucher stellten hier die Frauen des Proletariat». Schon um»/«» Uhr eröffnet- die Genossin W a l d h a u« r die Bersamm- lung und erteilte dem unermüdlichen Agitator des Berlwer Nordens, dein Gettosien Georg Ledebour das Wort zu seinem Vor« trage.„Koloniale Ausbeutung" war das Thema, welches er in meisterhafter Weise zu behandeln verstand. Festeingekeilt und zum weitaus überwiegenden Teile stehend lauschten die Versammlungsteilnehmer aufmerksam den Ausführungen de» Redners, ihn hier und da durch Beifallsäußerungen unterbrechend. Doch die Luft in dem etwas niedrigeil Saale wurde, obwohl nicht geheizt worden war, lehr bald außerordentlich schwül und fast un- erträglich. Ein Genosie mußte denn auch ohnmächtig aus dem Saal getragen werden, viele andere suchten mit dicken Schweißperlen auf der Stirn den Ausgang. Dem reichlich!>/« Stunde» langen Vorwage schloß sich diesmal eine längere Diskussion an, in der von mehreren Rednern die Stellungnahme der Sozialdemokratie zu der deutschen Kolonialpolitik gebilligt wurde. Einer der Redner hatte selbst sein Glück in den„gesegneten Gefilden" unserer afrikanischen Kolonien versucht und konnte somit den Versammelten vieles aus eigener Anschauung zum besten geben. Seine Aus- sührungen klangen in eine Waniuitg an die Arbeiter aus, sich als Ansiedler für unser« überseeischen Vaterländer gewinnen zu lasien. Nach einem warmen Appell au die Frauen schloß die Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozial- demokratie.__ Hua aller Welt. Unangenehme Erinnerungen. Gelegentlich des Kaiserbesuches in Kiel berichtete die„Franks- Zeitung", daß aus der Fürstenloge des Kieler Theaters die Bilder Ludwig XVI. und Marie AntoinetteS vor dem Besuche des Kaisers entfernt wurden. Zu diesem Vorgange wird dem Blatt von einem Leser geschrieben, daß derarttgeS durchaus nicht einzig dastehe. Ludwig XVI., die Revo- lution, der Sohn der Revolution: Napoleon, die Republik, das alles ist. wenn man so sage» darf, eine Familie, und diese Familie ist in Berlin nicht beliebt. Sie ist vielmehr so wenig beliebt, daß im höfischen Berlin sogar schon das Wort Republik ver- pönt ist. Beweis?— Im vergangenen Sommer waren in der Berliner Akademie französische Kunstwerke ausgestellt, und die Republik hatte aus den Schlösiern und aus dem unschätzbaren Besitz der„Garde Meuble" prachtvolle Gobelins gesandt. Der Kaiser wohnte der Eröffnung dieser Ausstellung bei— und an diesem Tage wurden diese Teppiche als Besitz des französischen Staates, nicht der französischen Republik aufgeführt l Nur an diesem Tage, denn schon tagS darauf wurden sie als Eigen- tum der Republik bezeichnet.... Aber auch Napoleon ist geächtet— oder er wird als korsischer Abenteurer er» wähnt. Eine kleine Geschichte: Der Kaiser hatte auf einer seiner Reisen die Belanntschast eines Kaufmanns auS einer norddeutschen Handelsstadt gemacht und er hatte an diesem sehr geraden. sehr aufrechten Manne soviel Gefallen gefunden, daß er ihn in seinem Hause besuchen wollte, als er einmal in die Heimatstadt des Herrn kam. Ein Hofbeamter wurde also in das Haus deS Kaufmannes gesandt, um daS Programm des Besuches zu bereden. AlleS war in schönster Ordnung, da entdeckte der Beamte mit einem Male in dem hallenähnlichen Treppenhause der Villa eine große Statue Napoleons. Er meinte, es sei besser, diese Statue vor dem Besuch des Kaisers zu entfernen. Aber da gab es Widerstand. Der Handelsherr meinte, man könne den Korsen nicht auS der Geschichte ausstreichen— und er werde die Statue auch nicht aus seinem Hause entfernen. Der Hofmann hörte lächelnd zu— der Napoleon blieb—: Der Kaiser kam nicht... Ob der Hosmann kaiserlicher als der Kaiser war— ich weiß nickt. Aber ich weiß, daß an einem kleinen norddeutschen H o f von den Ereignissen des Rheinbundjahres, die dem Beherrscher dieses LändchenS die Fürstenkrone eintrugen, im GeschichtSuitterricht der Prinzen keine Rede fein durfte. Ihnen wurde die An- nähme des Fürstentitels im Jahre 1806 damit erklärt, daß damals eine„allgemeine Standeserhöhung" stattgefunden hätte i' Sehr begreiflich, denn es sind für gekrönte Häupter recht unan» genehme Zeiten gewesen, die man am liebsten ganz auS der Er» innerung streicht I_ Absturz eines Schmugglers im Aeropla«. In daS Genfer Kantonalhospital wurde am Dienstag ein junger Italiener namens Antonio Smeroglio mit gebrochenen und er- frorenen Beinen eingeliefert. Smeroglio erzählte, daß er versucht habe, mit einem Aeroplan den Moni Cents zu überfliegen, um Waren von Italien nach der Schweiz zu schmuggeln. Kurz nachdem er die schweizerische Grenze überflogen hatte, stürzte er mit seinem Flugapparat ab und blieb während einer ganzen Nacht imSchnee ohne jedeHilfe liegen. AIS man ihn auffand, hatte er beide Beine erfroren. Er wurde zunächst nach einem anderen Hospital und dann auf seinen Wunsch nach dem Genfer Kantonalhospital gebracht. « In der Nähe von B r e m e»r ist am Mittwochvormittag der Abiatiker Müller bei einem Flugversuche mit einem Aeroplan eigener Konstruktion abgestürzt. Müllerbrach bei dem Sturze beide Beine; sein Apparat wurde völlig zertrümmert. Kleine Notizen. Attentat eines Steigers. Auf dem Paulinenschacht der.„Hohen- lohe"-Werke bei Kattowitz geriet ein Steiger Eger wegen seiner Entlassung in eine derartige Erregung, daß er aus den ihn kündi- aenden Bergwerksverwalter GierSberg mit de»r Revolver schoß. Giersberg wurde schwer verletzt. Kurz daraus erschoß Eger sich selbst. Schwerer Automoviluufall. Ein Automobil, in dem sich fünf Personen befanden, rannte in der französischen Hafenstadt Cber« bourg mit großer Gewalt gegen eine Mauer. Alle fünf Jnsasien wurden schwer verletzt ins Hospital gebracht. DaS Automobil wurde total zertriiiumert. Die Pest in Charbin. In der Vorstadt Fudsiadian waren während der Woche vom 12. bis 19. d. M. keine Todesfälle an Pest zu verzeichnen. In Charbin selbst starben vier Chinesen: acht Pestleichen wurden aufgefunden. Im Innern der Mandschurei schreitet die Besserung fort. Brnfkafon der Redahtion. Sit luriftische Sprechstaiide ftndet Ltiidenstrafte 6?, vorn vier?rep»e» ■— Fahrstuhl—,«ochintägllch von«Hr bis 7 Uhr»teuvs, Soullabenv» von iVj»tS 6 Uhr atenv» statt. Jeder für den Bricslaften blsttmuiten Äafrase ist ei» Buchstabe un» eine Zahl als Mertjeiche« beijuistgen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt, eilige Fragen trage«an in der Sprechstunde vor. M. v. 4. 1. S M. Staatseinlommensteuer, wenn nicht Abzüge in Betracht kommen.(Siehe den Artikel„Steuersragcn" in der Sonntags- Nummer). 2. Ja.— H. O. 100. 1. 100 M. 2. 3960 M, 3. Bccrdlgungs- und Denlsteinkosten ia, Pflcgekosten nicht.— E. 1. 100. Die AnsechtungZ- klage erscheint durchsührbnr.— W. B- 0t. Ja— M. W. 101. Wenn Ihre fluslimmiing gefehlt bat: nein.— Karl 41,50. Beschweren Sle sich sosort beim Magistrat unter Hinweis aus§ 850 Awilprozetzordnung und § 4 Ziffer' 2 des Lohnbeschlaanabmegesed-s und verlangen Sie Rückzahlung von 26,63 M.— L. M. 28. 1. u. 2. Nein. 3. Das Gesetz kennt keine bestimmte Grenze. DaS zum Unterhalt nötige soll belassen werden.— O. S. SO. Dafür sind örtliche Polizeiverordnungen«abgebend. Erkundigen Sie sich daher bei der dortigen Polizeibehörde. Besteht eine dahwgehehmde PoNzeldermHmMg nicht und ist auch im Vertrag nichts darüber gesagt, so muh die Räutmmg a» dem Tage erfolgt sein, mit dem der Vertrag endigt. — O. M. 25. Ja, inn rhalb eineS?!ahre» nach der Eheschliehung. wenn mindestens 200 Marken entwertet sind.— W. St.«. Sie sind zur Haftung verpjlichtet.— B. Ii. 11. Nein.— Fahrschein 6633. 1. An den Vorsitzenden der VeranIagungSkommission, von dem Sie die Ein- fchätzung erhalten haben. 2, Sie sind erbberechtigt. Vor dem Ableben haben Sie keine Ansprüche.— A. 71. Die� Frage läßt sich nur beantworten, wenn wir wissen, welche Gegenstände Sie besitzen und wie groß die Familie ist.!>!» erster Linie entscheidet der Gerichtsvollzieher, aus Beschwerde hin das Vollstre(Ju»zs> Gericht.— W. K. 100. Fragen Sie bei dem Reisebureau, Unter den Linden 8, an.— H. R. 22. Im Adreßbuch Band II Teil V Seite 5 sind die SchiedZmanner berzeichstek.— H. S. IvZ. Ein Gesuch an den Iustizminister um Befreiung von der Vorschrift, da» der Annehmende das b». Lebensjahr vollendet haben mutz.(K 1714 des Bürgerlichen Gesetzbuches.)— Wald 15. Die Grundsteuer richtet sich nicht nach dem Einkommensteuergesetz, sondern nach der Grundsicuerordnung der beiressenden Gemeinde.— G. W. Nein. Theater und Vergnügungen Donnerstag, 23. März. Ansang TU Uhr. KSnlgl. Opernhaus. Die Königs- linder. Königl. Zschansptelhaus. Der Krampus. Dentschrs. Faust. 2. Teil.(An- sang S Uhr.) Ansang 8 Uhr. ReueS königl. Overn-Dheater. Schsiersecr. Jäaerblut. Kammerspiele. Ghges und sein Ring. Lesftng. Glaube und Heimat. StrueS S-liauspielhauS. Alt- Heidelberg. Kouiilchr Oper. ToSca. Kleines. Der Leibgardist. Sieurs Operetten. Die schöne Risette. Berliner. Bummelstudenten. Westen. Die lustigen Nibelungen. Neues. Mein erlauchter Ahnherr. ttriano». Hippolytes Abenteuer. Residenz. Fernands Ehekontrakt. Thalia. Polnische Wirischast. Schiller O.«yoUnei• igeoui.) Gabriello der Fischer. Schi»-,«horlotteutmrfl. Der Traum ein Leben. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Pagcnstreiche. VolkSoper. Jasmin. La Traolata. (Ansang S'/j Uhr.) Snstipielliaiis. MeyerS. Luisen. Ums goldene Kalb. Modernes. Der Feldherrnhügel. (Anfang 8'/. Uhr.) Roie. Ani Stande des Abgrundes. Herrnfeld. Scheldungs- Souper. Bar-Schwesier. Folies Caprice. Der Feldwebel- Hügel.(Ansang 8'/. Ubr.) Merroxot. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Julie Wippchcn.* Apollo. Svezialitäten. ivaiiage. Spezialitäten. Voigt. Die seindlichen Brüder. Roaik. Staatsanwalt Alexander. RcichSvaNen. Stei tiner Sänger. Kart Haverland. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Kaiser< Panorama. Im Banne des Vesuv. Neapel, Vesuv, Lava« selber usw. Französische Riviera. Urania. Taubenstrasie 48/40. AbendS 8 Ubr: Dr. D. Bongard: Mit dem deutschen Kronprinzen durch Indien. Int Hörsaal: Abends 8 Uhr: Prof. Dr. F. Ralhgen: Glas und Quarzglaä. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. �essiuz-IKeater. 8 Uhr: Glaube und Heimat. Freitag und Sonnabend 8 Uhr; Glaube und Heimat._ Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Bniiimclstutlenten. Morgen: Neues Theater. Täglich: Ansang 8 Uhr. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die lustigen Nibelungen. Eonntag 31/. U.: Di# luttige Witwe. Modernes Theater (trüber Hebbeltheater). Abends 8'/, Ubr: Der Berliner Volksoper Abends>/,« Uhr zum V Male: Jsamln. Hieraus: l t» XraTlnta. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. rernsvlis rdelumlnM. Schwant in 8 Akten von George« geydeau. In deutscher Bearbeitung von Benno Jacobson. Morgen und folgende Tage: Fernands Ehekontrakt. Lustspielhaus, Abends 8 Uhr: Ifley©rsu Friedrich-Wilhelfflsfödtiscties Schauspielhaus. Donnerstag, den 28. März. 8 Uhr: Pagenstreiche. Freitag: Pagenstrelche. : Pagenstr," Sonnabend Sonntaa 8 Uhr: Die Orleans, v Uhr: 2 X eich«. von iosE-itieAre 1 Grog« Frankfurter Str. 132. Belausgehoben. Abonnemeui im Mi des Abgrunds. Bollsschauspiel in 4 Alten von R. Slcho. Ans. L Uhr. Ende 11 Uhr. Freitag: Liselotte. Sonnabend nachm.: Dornröschen, Craula. WissenBchaftüches Theater laubenstraBe 48/49. Abends 8 Uhr: Dr. O. Bongard: Mit dem deutschen Kronprinzen durch Indien. Hörsaal 8 Uhr; Professor Dr. F. Rathgen: _ Glas und Quarzgla�_ Kaiser-Panorama. Im Bannkreis des Vesuv. Neapel, Vesuv, Lavafelder etc, Letzte Woche tranz. Riviera. Eine Reise 20 Vf., Kinder 10 Vf. Abonnements 1 M., Taus. Abonnent. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Ums goldene Kalb. Freitag: AuS erster Ehe. Sonnabend 4 Uhr letzte Kinder« Vorstellung in dieser Saison: Rübe- zahl. 8 Uhr: Aus erster Ehe. Ab 3 Uhr: Nur noch kurze Zelt das große komische März-Programm. Abends 9-/, Uhr: Berlins gen satlon Alwin Neuß Tony TctzIalT in dem Sensatlonsstück: Bereg/ls. Ktetropol- Theater. Hurra! Wir leben noch! Grotze AuistattungSrevue in 7 Bilden! v. I. Freund. Musik n. V. Hollacnder. In Szene gesetzt oo» Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr._ Rauchen gestattet. März- Attraktionen! Olga Desmond Robert Steldl und eise Auslese hervorragender Kunstkräfte! _ Rauchen gestattet._ Abends 8 Uhr; Hedi Herdina. LoisHol sTschen Ohinesentruppe und das groBe neue Marz- Programm. 14 Varletd-Nenheiten. Passage-Panoptikum. Die zasammeogewachseuen Schwestern Blazek and Ihr Kind! Zwei HUtter— ein Kind! I.ebend ea sehen! Täglich von 11-1 u. von 3-10 Uhr. Ohne Extra-Entree! Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Burgtheater- Festsäio und Kinematograph vorm. Groterjan. Jnhab.: Rud. Marz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353 Lebende Photographien. Einiritl 30 u. 40 Pj, Kinder oieHälsie. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wocheut. gültig. KS Ps. aus allen Plätzen. Stets wcchs. Programm. il> ▲lt-no«blt 47/4». Donnerstag, den 23. März IStl: Die Her Der Uta Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 81/« Uhr. Räch der Vorstellung: ---- Can».----- i�eb III er-V beuter. Bohlllor-Iheater 0.(Wallner-Tbcat.) Donnerstag, abends 8 Uhr: vnbrlello der El«eher. Eine Burleske in4Ausz.v.E. Prcczang. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Atathnn der Welse. Sonnabend, abends 8 Uhr: n»i-ln nnd nagdalena. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 3 Uhr: Der Tranm ein Leben. Dramatisches Märchen in 4 Aufzügen von Franz Krillparzer. E. 10'/, U Freitag. abendSLUhr: Ein Idealer Glatte. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Kathan der Welse. S o nnabend, abends 8 Uhr: Ein Idealer Glatte. 8? ccotr' BERLINER KOXZERTHAES Mauers tr. 82.. Zimmerstr. 90-91 Beate: Gastspiel des K. K. Hofball-Musik-Direktora CM. Zi mit seinem aas 65 Wiener Künstlern bestehenden Orchester. Brauerei Friedrichshain Am Ktfnlgstor = GrttBter Konzertsaal Berltaa= am" Am»».. 29.. SO. and 3L Bars 1911: TM CrUStSplel VON Johann Strauß wTen mit seiner voUständigen Kapelle. Anfang 8 Uhr, Entree 60 Pf.. Roserv. Plate 75 Pf. Exeelsior- Lichtspielhaus Rixdorf, Bergstr. 151/152(Passage Rlchardstraßc). (Ihr erstes Debüt), ein Lebensdrama, müssen Sie sehen. : Jpf büfnwnn unn Vpnortin" Farbonkinamatographio Dann die Dramen „Der König von Bor. Femer: Joritz bat sein HonodeierM'. „in Bord eines französischen Panzerschiffs°m. u». Anfang Wochentags 6 Uhr abend«, Sonntags 3 Uhr naohmlttags. M Sport-Palast Potsdamer StraBe No. 72 TAGE-RENNEN 24.-30. März. äß Karl Haverland- Ansang Tsingfan Kommandanten« Priz. 8 Uhr. lUCBlCr. swage 77/79. Heilte»ciitKiirlcsIlt sowie erflklasfige speziaiitSttv. Polles taprice. Zum letztenmal: �eläwebelkügel. Vie abgetretene frau. Freitag, den 24. Mär, 1911, Premiere. JiToacUs Theater, Direllion: Robert Olli. Berlin N., Brunnenstraße 16. Kolossaler Erfolg de» sozialen Schauspiels:Z 8tsstssnNsitAieisnder. Ansang g'/, Uhr. VorzugSlarL giUftg. Morgen: Barla Stnart. LIGHTSPIELE. MOZART- SAAL Nollendorf-Platz. Beglsa 6 Ukr. Donverstag. den 23. März 1911, abend» 7l/j Uhr: automobil- Oeberholnngs- rennen in d. Luft Große Senfötioa ausgeführt mit S Automobilen v. d. Brasilianer Mr. Arnaud und Mite. Georgina. 9»/, Uhr S',, Uhr Der große Coup d. Schmuggler. Vorher: Das gr. Programm. ZCirbus Busch. Donnerst., 23. März, abds.?>/, Uhr: Cir. Gala- Vorsteltnn�. I5 Nordlni mit seinen slaunenerregenden j Muskel- und Ateni-Experimenton. f Herr Georg Burkhardt- Foottit,{ Schulreiter. The 3 Clacrcs. Herr Ernst Schumann, Noudreas. Die Fredianis. ber. Keiterfam. j 3 Gohr. Fratelllni, urk. Clowns. Franz Steidler, radfahrender j Bauchredner. Um 9'/« Uhr zum 94. Male: „Aritiln> M.7M Heute: zum 3. Male: Die Novitäten Das Schkiduilgs-Sollper von Julius HorsL Ein Derlobangsgeschiist von Anton und Donat Herrnseld. Die Bar- Schwester von Anton und Donar Herrnseld. Mitwirkend«: Anton Herrnfeld. Donat Herrn- feld. Martin Bendtg. Jacques Morway. Artur Franzetti. Leop. Gadiel. Hans Marten. Hugo Döblin. Walter Sasse». Jos. Aschinger, vernh. Ztzörfter. Josina Kleist. Hel. Dschopik. Carla Mntzbaue». Grete Mrilide.Grete Kroll. Poldi Rust. H. Wiese. Relehshallen-Tbeater. Ststtiner Sänger. Zum letzten Mate: Kahllckes Tarlet�-Theatcr Ansang Wochentag« 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Ms M» Lichtspiele Eröffnung 25*A�.a.i*z Kottbuser Straße 6 Hochbahn, Kottbaser Tor. FassungSraum 1800 Personen. i Das neue Progrannni Trianon-Theater, WBtnb« 8 Uhr: Hippolyte's Abenteuer. »üüüüüfüüiüMüüü Jalz Heute i O. Anfang 8 Uhr. KasaeneiöSnang 4 Uhr. w Von 11-2 Uhr: = TANZ. � MMMMMMUMMti CasinoTftieater Lothringer Strotze 37. Täglich 8 Uhr: Nnr noch bis 3V. Ma�: dulie Wippchsa. Ab 31. März: Zwei Wappen von Blumenthal und Kadelburg. Sonntag 3'/, Uhr: Hast und Liebe. V olgt-Theatep Gesundbrunnen, Badftratze 58. Donnerstag, den 23. März 1911: Gastsp. in DrappS Feftsälen. Togal. Die feinblichen Klüder. Schauspiel in 4 Ausz. von Erckmann« Chatrian. Kassenclöfsnung 7, Ansang 8'/. Uhr. Walhalla-Theater. Nosenth.Tor.) Weinberg««. 2V- Allabendlich 8'/. Uhr: Sravo! Da Capo! Sine AllerweltS- Revue. Sonntagnachm. 31/, Uhr: Lnitcre Don Juan». _ Kleine Preis«._ j_ Königstadt-Kasino. 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Das Lolal„Viktoriagarten" steht der organisierten Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung, ist somit gesperrt. Wir bitten besonders die Radfahrer und sonstigen Vereine, dies zu beachten. In den Kammersälen, Teltower Straße Ecke Bellealliance» straße, findet am 25. März ein Vergnügen des Verein» der Kassierer und Kontrolleure Berlins statt. Das Lokal ist gesperrt; es werden aber Billetts unter organisierten Arbeitern zu vertreiben gesucht. Es wird ersucht, diese Billetts zurückzuweisen. In Zeuthen stehen uns die Lokale von Barnak, Bahnhofs« restaurant. und Trill, Waldschlößchen, zur Verfügung. In Teltow ist das Lokal Preußischer Adler von Bonow, Berliner Straße 16, für unsere Parteiveranstaltungen frei. _ Die Lokalkommission. Kogel, Lichtenow und Kienbaum. Am Sonntag, den 26. März. nachmittags 2>/z Uhr, findet für die drei Orte im Lokal des Herrn Fritz Danneberg in Kogel eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:„Nieder mit der Reaktion I" Referent: Reichstags- Abgeordneter Stadthagen.— Parteigenossen und Nadfahrer, die nach jener Gegend Ausflüge unternehmen, werden gebeten, daran teilzunehmen. Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Die Stadtverordnetenversammlung sollte gestern in einer außerordentlichen Sitzung, für die nur die Beratung des Stadthaushaltsetats auf die Tagesordnung gesetzt worden- war, mit diesem noch sehr um fangreichen Pensum womöglich fertig werden. So wünschten es sich die„Ivv-Prozent-Männer" unter Cassels Führung, und sie gaben sich auch alle Mühe, die beabsichtigte Etatdurch peitschung zu erzwingen. Wer schließlich kams doch anders. Die Eile der Mehrheit wurde sogleich zu Beginn der Sitzung bei dem Etat des Obdachs aufgehalten durch unseren Genossen Zucht, der an diesem zu trauriger Be- rühmtheit gelangten Institut der Stadt schonungslose Kritik iübte. Er gedachte auch der Beziehungen zu den Bodelschwingh schen! Arbeiterkolonien, die dem Obdachkuratorium so unbe quem geworden sind. Stadtrat Fischbeck, der für diesen Freundschaftsbund verantwortlich ist, brauchte zu seinem Glück nicht zu antworten, weil er nicht mehr den Vorsitz im Obdach kuratorium hat. Die Antwort, die der Stadtrat Jacoby gab, veranlaßte unsere Genossen Bernstein und Hoff mann, zu dem Bild der Mangel des Obdachs noch etliche Striche hinzuzufügen. Ein Antrag der sozialdemo kratischen Fraktion, der die schleunige Entfernung der G e- fchlechtskrankenstation aus dem Obdach forderte, wurde mit knapper Not angenommen. Nachdem dann beim Etat des Gewerbe- und des Kaufmannsgerichts von unseren Genossen H i n tz e und Ritter einige leider sehr berechtigte Beschwerden vor- getragen und ein diesbezüglicher Antrag der Fraktion ange- nommen worden war, brachte beim Etat der Friedhöfe iGenosse Leid die Gebührenerhöhung zur Sprache, deren Zulässigkeit er bestritt. Unser Redner gab noch mehrere Anregungen, unter anderen die, daß die Stadt auf ihrem Friedhof in der Müllerstraße die dort bestehenden Beziehungen zu einer Kirchengemeinde baldigst beseitigen möge. Weggestrichene Ausgabeposten»viedereinzusetzen, bean- itragte die sozialdemokratische Fraktion bei verschiedenen Etats, bei der Straßenbeleuchtung, bei den Straßenpflasterungen, aber die Mehrheit hielt fest an den vom Ausschuß vorgenommenen Streichungen. Auch der Antrag, den Dispositionsfonds für die un- vorhergesehenen Ausgaben reichlicher auszu- statten, drang nicht durch. Zu erregten Auseinandersetzungen über die geradezu skandalöse Art der Zurechtmachung des diesjährigen Etats kam es infolge eines von der sozialdemokratischen Fraktion ge- stellten Antrages, für die G'a s w e r k e einen Abschreibungs- betrag in der erforderlichen Höhe in den Etat einzusetzen. Ge- nosse S a s s e n b a ch kennzeichnete nach Gebühr das Ver- fahren des Ausschusses, der hier alle bisherigen Grundsätze preisgegeben hat, nur um die Balancierung mit IVO Proz. Einkommensteuer zu erzwingen. Oberbürgermeister Kirsch- n e r gab diesem höchst bedenklichen Manöver der „100--Prozent"- Männer die Sanktion des M a g i st r o t s. Ueber die Bemühungen des Etats- ausschusses, den Etat auf das äußerste zusammenzu- streichen, äußerte er sein Bedauern. Im übrigen aber tun- digte er an, daß der Magistrat sich beugen werde. An diese Ausführungen anknüpfend, versuchte Stadtverord- neter C a s s e l, die im Etatsausschuß angewendeten Kniffe als ein durchaus solides Gebaren zu verteidigen. Mit dem Stadtverordneten M o m m s e n, der anderer Meinung war und sie offen aussprach, begann er einen Krakeel, in dem er mit gewöhnter Hartnäckigkeit das letzte Wort behalten wollte. Für„solid" aufgestellt erklärte auch Stadtverordneter R o s e n o w den Etat. Die um Cassel und Rosenow lehnten dann den Antrag unserer Genossen ab und sagten Ja und Amen zu dem„soliden" Gebaren des Ausschusses. Die Mehrheit war entschlossen, die ganze E t a t s f e st- setzungs- Komödie noch in derselben Sitzung zu Ende zu bringen. Einen Antrag auf Vertagung lehnte sie ab. Nun- mehr machte Genosse Bruns darauf aufmerksam, daß über den Rest, zu dem auch die Festsetzung der Steuern gehört, nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung in dieser Sitzung noch gar nicht verhandelt werden durfte. Diese Punkte waren nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt worden, ohne Jnnehaltung der vorgeschriebenen Frist von 48 Stunden. Infolgedessen mußte die Sitzung abgebrochen werden-. In der SäuglingSfürsorgestelle I, Blumenstt. 73. findet im April je einmal wöchentlich Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich: Bureau des Kinderhauscs. Blumenstr. 78, vorn links parterre. Bureauzeit: werktäglich von 2—4 Uhr. Bon Reklameschildern in Berlin. Nach den§A 93 und 94 der Berliner Straßenpolizeiverordnung ist eine polizeiliche Genehmigung für die Anbringung von Ankündigungsmitteln des Gewerbebetriebes erforderlich, wenn diese von der Straße aus sichtbar sind. Der Bandagist Dentil wollte an einem Reklameschild an der Potsdamer Straße eine Vorrichtung anbringen lassen, wodurch ein Teil des Schildes, der für sich selbständig ist, mit Hilfe des Windes in eine drehende Bewegung gerät, was den Blick auf das Schilp besser hin- f lenkt. Der Polizeipräsident versagte die Genehmigung dazu. Der " Bezirksausschuß gab der dagegen gerichteten Klage Dentils statt und hob die die Genehmigung versagende Verfügung auf, weil durch jene Vorrichtung keine Störung des Verkehrs auf der Straße hervor- gerufen werden könne. Das Oberverwaltungsgericht hob das Urteil wieder auf und wies die Klage Denttls endgültig ab. Begründend wurde aus- geführt: Aus dem Wortlaut der§§ 93 und 94 der Berliner Straßen- Polizeiverordnung folge, daß für die Erteilung beziehungsweise Verweigerung der polizeilichen Genehmigung das freie Ermessen der Polizei maßgebend sein solle. Allerdings sage dann der§ 95, daß der Polizeipräsident bestimmte Grundsätze aufgestellt habe für die Versagung der Genehmigung. Das sei aber nur dahin zu ver- stehen, daß auf eine Erteilung der Genehmigung von vornherein überhaupt nicht zu rechnen sei. wenn diesen Grundsätzen nicht entsprochen werde. Die Besttnmmng sei aber nicht dahin zu verstehen, daß in anderen Fällen die Genehmigung erteilt werden müßte. Trotz der Anmerkung in§ 95 bleibe es dabei, daß für die Erteilung der Genehmigung das pflichtgemäße Ermessen der Polizei maßgebend sei. Es frage sich, ob das fragliche Farbenschild unter die Verordnung falle. Das sei zweifellos der Fall. Eine Nachprüfung des Ermessens der Behörde stehe dem Verwaltungs- lichter nicht zu. Die Versagung der Genehmigung könnte nur aus- gehoben werden, wenn jedes polizeiliche Motiv fehle beziehungsweise wenn die Versagung auf reiner Willkür oder Schikane beruhte. Für eine solche Annahme liege aber nicht der geringste Anlaß vor. Des- halb müsse die Vorentscheidung aufgehoben und der Kläger endgültig abgewiesen werden. Ein tragischer Borgang hat sich gestern vormittag in der Möckern straße abgespielt. Die 29 Jahre alte Tochter des Obcrkalkulators Schellin, Kirchbachstr. 18 wohnhaft, stürzte sich aus dem dritten Stock- werk des Hauses Möckernstr. 113 auf die Straße hinab. Die Un- glückliche hatte sich bereits Dienstagabend aus der elterlichen Woh nung entfernt, ohne einen Grund anzugeben. Sie irrte in der Nacht in den Straßen Berlins umher, bis sie gestern morgen die Möckerw straße passierte. Plötzlich trat sie in das Haus Nr. 113 ein, eilte die Treppen hinauf und stürzte sich von der dritten Etage in die Tiefe hinab. In besinnungslosem Zustande wurde die Lebensmüde nach dem Krankenhaus am Urban gebracht, wo schwere innere Ver letzungen und Knochenbrüche bei ihr festgestellt wurden. Die Verletzte wird kaum dem Leben erhalten bleiben. Liebeskummer ist angeblich das Motiv der Verzweiflungstat. Gegen die LustbarkeitSsteuer hat die Zentralstelle für die Interessen der Fremdenverkehrs folgende Resolution beschlossen: „Die Zentralstelle protestiert auf das Nachdrücklichste gegen die in Sachen der Lustbarkeitssteuer von der Kommission der Stadt- verordnetenversammlung gefaßten Beschlüsse. Sie richtet im Interesse des Fremdenverkehrs, im Interesse der von der Steuer in ihren Existenzbedingungen bedrohten Unternehmungen und im Interesse der noch lange nicht abgeschlossenen Entwickelung Berlins zur Fremdeuftadt die dringende und nachdrückliche Bitte an das Plenum der Stadtverordnetenversammlung, diesen Be schlüssen seine Zustimmung zu versagen. Ihre Durch' führung würde den Bestand nicht nur eiuer Reihe von Vergnllgungs Etablissements, sondern auch die gedeihliche Weiterentwickelung der großen Berliner Theater, ihre materielle Existenzfähigkeit und ihre qualitative Leistungsfähigkeit auf das Ernsteste bedrohen, da lvir es für ausgeschlossen halten, daß diese Institute, die für den Ruf Berlins als Kunststadt von größter Bedeutung sind, die Steuer auf die Besucher abzuwälzen vermögen. Das Gleiche gilt vondenKonzertunternchmungen, sowie von den in schwerem Existenzkampf siebenden Gastwirtschaften. Die Zentralstelle gibt dem lebhaften Wunsch Ausdruck, daß die Stadt' verordnetenversammlung davon Abstand nehmen möge, sich in Wider' spruch zu setzen zu den übereinstimmenden Beschlüssen sämtlicher Berliner Handelsvertretungen und zu dem einmütig geäußerten Willen der Berliner Bürgerschaft. Sie gibt der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die in höchstem Maße unpopuläre und ungerechte Steuer, die zudem den Charakter einer Doppelsteuer trägt, abgelehnt und damit das künstlerische und gewerbliche Leben Berlins vor dauernder und schwerer Schädigung bewahrt bleibt." ZeitungS-Mouopolisierung. Die«Deutsche Warte", das ehe' malige Leiborgan des ehemaligen sächsischen RegierungSrats v. Stübnitz, ist, wie wir voraussagten, schon kurze Zeit nach dem Verkauf vollständig nach rechts abgeschwenkt. Das Blatt wußte ja nie recht, was es eigentlich wollte, aber jetzt segelt es mit vollem Winde im Fahrwasser der stockkonservativen Büxenstein-Presse, in deren Besitz es seit Weihnachten gelangt ist. In demselben Verlage der Deutschen Zeitungsgesellschaft m. b. H. erscheinen noch die „Berliner Neuesten Nachrichten", die„Deutsche Zeitung" und die „Deutsche Welt". Viele Leser mögen sich über die Wendung noch kaum klar geworden sein, da erfahrungsgemäß auf die Hautfarbe des Verlages nicht genug geachtet wird. Man sieht das auch bei der„Berliner Allgemeinen Zeitung", dem ehemaligen„Deutschen Blatt". Zehutausende von Abonnenten dieser Zeitung' halten sie für ein selbständiges Organ, während sie lediglich ein Ableger der Ullsteinschen.Morgenpost" ist. In beiden Zeitungen findet man täglich fast genau dieselben Artikel, bloß mit anderer Ueberschrift und anderer Bezeichnung des Verfassers. Womit den Lesern, die zu- fällig mal beide Zeitungen in die Hand bekommen. Sand in die Augen gestteut werden soll. Auch die Scherl-, Mosse- und die kleri- kale Berliner Presse unterhält seit Jahren sogenannte Ableger. Aus jeder Arbeiterwohnung sollte vor allem die Ullstein- und Scherlpresfe vollständig verschwinden. Z» dem Mord in der Boyenstraße wird mitgeteilt: Bfs jetzt hat die Kriminalpolizei 89 Personen aus dem Bekanntenkreise der er- mordeten Frau Schramm ermittelt und eingehend vernommen, eine Spur des Täters aber dabei nicht gefunden. Gestern abend glaubte ein Friseur in Nixdorf, den Mörder zu haben. Zu ihm kam ein Maler aus der Ackerstroße und erzählte ihm, daß Gewissensbisse ihn veranlaßten, zu bekennen, daß er der Mörder der Frau Schramm sei. Vier Wochen lang habe er mit ihr verkehrt, dann sei er auf einen Artisten eifersüchtig geworden, habe seine Geliebte auf dem Hausflur abgestochen und die Leiche nach der Wohnung gebracht. Ein Begleiter von ihm habe den Hund getötet und den Kadaver neben die Leiche gelegt. Der Friseur ließ den Maler festnehmen und nach Berlin bringen. Hier erkannte man bald, daß er betrunken war. Seine ganze Darstellung war ja auch schon nach dem fest- gestellten Befunde uninöglich.— Ein Mittagsblatt läßt sich aus Frankfurt a. O. depeschieren, dort hätten zwei Berliner Kriminal- eamte in der vergangenen Nacht zwei städtischen Nachtwächtern erzählt, sie seien dem Mörder auf der Spur. Er habe eine Fahr- karte nach Breslau gelöst und dorthin würden sie ebenfalls fahren. Wenige Minuten später sei den Wächtern ein Fremder begegnet, aus den die Beschreibung, die die Kriminalbeamten von dem Mörder gegeben hätten, paßte. Dieser Mann sei in einer dunklen, unbebauten Nebengasse verschwunden, in die hinein die Wächter von einer Verfolgung abgesehen hätten.— Es ist weder in Frankfurt a. O. noch sonst Ivo außerhalb Berlins ein hiesiger Kriminalbeamter dem Mörder auf der Spur gewesen. Die Kriminalpolizei hat, wie wir schon sagten, von ihm überhaupt noch keine Spur. Der Leiter des GewerbekommissariatS Polizeidirektor Maurer, Markgrafenstr. 25 wohnhaft, ist gestern gestorben. Ein Pistolendnell im Charlottenburger Schloßpark fand zwischen dem Leutnant der Reserve des ersten Eisenbahnregiments A. St. und dem Studenten der Technischen Hochschule Otto C. statt. Die Bedingungen lauteten der„Charl. Neuen Zeit" zufolge auf zwei« maligen Kugelwechsel. Während die ersten beiden Schüffe fehl gingen, wurde der Student beim zweiten Kugelwechsel schwer am Kopfe ver- wundet. Nach Anlegung eines Notverbandes durch einen Oberarzt vom Königin-Elisabeth-Garde-Grenadierregiment wurde er nach seiner Wohnung übergeführt. Man hielt die Verletzung zu« nächst für unerheblich; da es aber bisher nicht gelungen ist, das Geschoß aus der Wunde zu entfernen, hat sich der Zustand des Studenten sehr verschlechtert. Der Grund zu dem Duell ist in einem Rencontre zu suchen, zu dem es zwischen dem Reserveoffizier und dem Studenten anläßlich einer am 11. Mtirz im„Kaiser-Friedrich-Zelt" in der Berliner Straße in Charlottenburg stattgefundenen Wohltätigkeitsvorstellung kam. Der Reserveoffizier, ein Schriftsteller, soll bei dieser Gelegenheit über eine junge Dame eine Aeußerung getan haben, die von dem Studenten als Beleidigung aufgefaßt wurde. Nur mit Blut konnte diese Beleidigung abgewaschen werden. Das erforderte das ver« feinerte Ehrgefühl. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag'/a5 Uhr in der Nähmaschinen-Stahlplatten-Schleiferei, Sophienstr. 21. Der dort beschäftigte 18 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Schmidt, Koloniestr. 129 wohnhaft, war vor der Maschine stehend im Begriff, sich am Hand« tuch die Hände abzuwischen, als das Tuch plötzlich von der Maschine erfaßt wurde und Schmidt mit dem Daumen in dieselbe geriet. Der Verunglückte hatte so erhebliche Verletzungen erlitten, daß ihm im Hedwigs-Krankenhaus, wohin er gebracht wurde, der Damnen ab« genommen werden mußte. Aus dem Fenster gestürzt hat sich gestern morgen um 8'/, Uhr die 29 Jahre alte Tochter Gerda des Oberkalkulators Schellin aus der Kirchbachstt. 18. Am Dienstag entfernte sich das Mädchen von der elterlichen Wohnung und sagte, es wolle in ein Warenhaus gehen, um Einkäufe zu besorgen. Von diesem Ausgang kehrte eS nicht zurück. Nachdem die Unglückliche in mehreren Häusern der Möckernstraße umhergeirrt war, begab sie sich in das HauS Möckern« straße 113 und stürzte sich aus dem 4. Stock durch das Flurfenster auf den Hof hinab, wo sie besinnungslos liegen blieb. Haus» bewohner, die herbeieilten, ließen die Schwerverletzte nach dem Kranlenhause Am Urban bringen. Gefunden wurde am Sonntag, 19. März, 11 Uhr abends, in Pankow. Mühlen- und Florastraßen-Ecke, ein goldenes Armband mit Anhängsel. Dasselbe kann die Verliererin abends nach 7 Uhr bei Völlmer, Pankow, Mühlenstr. 64, abholen.— In der Frauen« Versammlung in der Waldemarstr. 75 ist am Sonntag ein Regenschirm gefunden worden. Die Eigentümerin kann denselben von Frau Schmidt, Manteuffelstt. 27, vorn II links, abholen. In der Frauenversammlung bei Freher, Koppenstr. 29, find ei» Schirm und mehrere Handschuhe gefunden worden. Als verloren sind gemeldet: ein Schirm und eine schwarze Boa. Die Gegenstände sind abzuholen resp. abzuliefern im Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 1/2 II. Vorort- ffackmcbten» Nixdorf. Tödlicher Absturz eines Zimmermeisters. Ein Opfer seines Be« rufes wurde gestern vormittag der 36 Jahre alte Zimmermeister Richard Göthke aus der Siegfriedstraße 13. G. war auf dem Neu« bau Donaustraße 19 mit dem Legen von Balken beschäftigt. Als er im vierten Stockwerk mit anderen Zimmerleuten arbeitete, trat er plötzlich fehl und stürzte rücklings in die Tiefe. Dem Unglücklichen wurde der Schädel fast vollständig zerschmettert und die Beine ge« brachen. Auf dem Transport nach dem Krankenhaus starb der Ber« unglückte. Wilmersdorf. Zur WilmerSdörfer Wohnungspolitik. Im Einverständnis mit der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung ist der Magistrat von Wilmersdorf bestrebt, der Ar b e i t e r s ch a f t das Wohnen am Ort nach Kräften unmöglich zu machen. Für ganze Stadtviertel werden, ohne daß, genau genommen, eine gesetzliche Befugnis hierzu gegeben ist, nur dann Baukonsense erteilt, wenn die Bauherren sich ausdrücklich zur Herstellung von großen Wohnungen der» pflichten. In Vorderhäusern sind fünf Zimmer, in Hinterhäusern drei Zimmer zum Teil das Minimum. Vom Standpunkt des Arbeiters wie überhaupt vom sozialen Standpunkt aus ist eine der» artige Wohnungspolitik verwerflich; aber es zeigt sich mehr und mehr, daß eine solche Begünstigung des Zuzuges wohlhabender Personen auch im Sinne des maßgebenden Grundbesitzes durchaus schädlich genannt werden muß. Wie sehr sich heute die Wilmers- oorfer Hausbesitzer durch das Dulden einer derartigen Begünstigung ins eigene Fleisch schneiden, ergibt die vom Magistrat veröffcnt- lichte amtliche Wohnu ugs statt st ik. Nach dieser Statistik standen am 15. Oktober 1919 in Wilmersdorf im ganzen 2567 Wohnungen leer, das sind 9,97 Proz. aller am Orte befindlichen Wohnungen. Als normalen Zustand betrachten die Wohnungs- statistikcr es, wenn 3 Proz. der Wohnungen unvermietet sind; dies Normalmaß wird als« in Wilmersdorf um mehr als das Dreifache überschritten. Noch viel greller tritt aber das Mißverhältnis zu- tage, wenn man die Wohnungen nach ihrer Größe betrachtet. Von Wohnungen mit mindestens 5 Zimmern stehen 11,33 Proz. leer; darunter sind im einzelnen die Wohnungen von 5 Zimmern mit 12,66, die von 6 Zimmern mit 11,2, die von 7 Zimmern mit 11,36, die von 8 Zimmern mit 9,96 und die von 9 und mehr Zimmern mit 6,15 Proz. vertreten. Wenn wir die Mittel- Wohnungen betrachten, so stehen leer solche von 4 Zimmern mit 9,88 und von 3 Zimmern mit 9,43 Proz. Bei allen diesen Wohnungen ist also mit Ausnahme der ganz großen Wohnungen der Wilmersdorfer Durchschnittssatz von 9,97 Proz. überschritten'. Erst bei den Wohnungen von 2 Zimmern stoßen wir auf 8,88 Proz. leerstehender Wohnungen. Diese Wohnungen kommen aber zum weitaus größten Teil ebenfalls nur für Mieter aus dem Mittel« stände in Betracht, da sie ohne Heizung sehr selten unter 599 M. kosten, mit Heizung aber häufig aus 799 M. und darüber zu stehen kommen. Ganz anders sieht es aber um die leerstehenden rbeiterwohnungcn von einem Zimmer aus. Die absolute Zahl der leerstehenden Wohnungen von 2 Zimmern ist 719; die der von einem Zimmer stellt sich auf nur 70, ist also um m c h r a l s das Zehnfache geringer. Der Prozentsatz sinkt hier be- zeichnenderweise noch beträchtlich unter das Normalmaß von 3. er beträgt nämlich nur 2,27. An mittleren und größeren Woh» nüngen herrscht in Wilmersdorf also Ueberfluß, während man bei kleinen Wohnungen ohne Uebertrcibung von einer Woh» nungsnot reden kann. In eiulcm Gemeinwesen, das vom sozialen Pflichtbewußtsein beseelt ist, würden angesichts solcher Wohnungsnot auf städtische Kosten Arbeiterwohnungen erbaut werden, würde man zum mindesten den Hausbesitzern den Bau kleiner Wohnungen erleichtern. Die Wilmersdorfer anti» oziale Wohnungspolitik treibt aber die Arbeiter zum Orte hinaus und zwar mit voller Absichtlichkeit. Und das geschieht nicht den Arbeitern, sondern auch den Hausbesitzern, die ihre großen Wohnungen leerstehen lassen müssen, zum Nachteil, Charlottenburg. Selbstmord aus Nahrungssorgen. Im Charlottenburger Schloß. park versuchte am Dienstagnachmittag gegen 6 Uhr der 17 jährige Handlungsgehilfe Alfred Eckert durch Erschießen seinem Leben ein Ende zu machen. Der junge Mann war vor einigen Wocheu aus Stettin hierhergekommen, in der Hoffnung, daß er hier eine Stellung finden werde. Seine Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht, und s- kam er schließlich zu dem Entschluß, auS dem Lebe» zu scheiden. Eckert, der sich eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt hatte, wurde in schwerverletztem Zustande nach dem Krankenhause Westend geschafft. Treptow-Baumschulenlveg. Bei der Wahl der Arbeitgeber zum hiesigen Gewerbegericht am gestrigen Tage wurden von 179 eingeschriebenen Wählern 95 Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf die L i st e IS S0